S-. 147. nbonncmenfS'Bedingungen: KBonnemcnl?> Preis pränumerando z «ierteljährl. S£0 20, monafl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg, frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Reue Welt' 10 Pfa. Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeiwngZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark. tolland, Italien, Luxemburg, Portugal. umänien, Schweden und die Schweiz. L7. Jahrg. «»tili» tZglich aitBer montags. Vevlinev Volksblatt. Die TnfertlonS'GebQbr velrägt für die fechsgcspallenc Kolonel« zeste oder deren Rauni 50 Pfg, für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 80 Pfg, „Kleine Hnxeigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stollen-Anzeigcn daS erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis lZ Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adrcsie: „SozialdsmoKrat Rcrilti", Zentratorgan der fozialdcmohrati Icheti parte» Deutfchlaiids. Redahtton: 8 AI. 68, Linden Strasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 26. Im« 1910. Expedition: 8 AI. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981» Arbeiter! Die Vorgänge der letzten Zeit auf politischem wie auf wirtschaftlichem Gebiete haben Iveiten Kreisen des deutschen Volkes die Augen geöffnet. Der negative Ausgang der Vcr Handlungen über die preußische Wahlrechtsvorlage, die Verweigerung des Volksrechts, die Erhöhung der Zivilliste sind zwei aufreizende Gegenstücke aus der Tätigkeit des preußischen Landtags, die für viele der letzte Anstoß gewesen sind, den bürgerlichen Parteien das Vertrauen aufzukündigen und die sie zum Anschluß an die Sozialdemokratie geneigt machen. Die Neichstagsnachwahlen zeigen den Zug zur Sozialdemokratie. Die Vertreter der besitzenden Klassen sind Wider Willen eifrig an der Arbeit, ihn immer mehr zu verstärken, unsere Gegner selbst liesern uns die Waffen für die Aufklärungs arbeit. Noch leidet das Volk unter den Folgen des letzten Steuerraubzuges und schon schickt man sich wieder an, ihm neue Steuerlasten aufzuerlegen; noch haben die Arbeiter sich nicht erholt von der in der kapitalistischen Produktion begründeten Wirtschaft lichen Krise, noch leiden viele Tausende der Beteiligten unter den Folgen der brutalen Banarbeiteraussperrung und bereits wieder holt man aus zu neuen Stockschlägen auf den Magen des Arbeiters: Neue Millionen werden gefordert für den unersättlichen Militarismus! Nicht genug damit: bereits»- taucht im Hintergrunde eine neue Flottenvorlage aus, die gewaltige Summen verschlingen wird. So wird der aufnahmefähige Boden für die sozialistische Propaganda bereitet, so wird aber auch das Arbeitsfeld der Sozialdemokratie beständig erweitert. In immer weitere Kreise dringt der Glaube an die siegende Kraft des Sozia lismus; diesen Glauben in eine fe st gegründete Ueberzeugung zu wandeln, ist die dringende Aufgabe der Zeit. Das erste Mittel dazu ist die sozialistische Presse. Die Verbreitung deS „Vorwärts" zu steigern, muß deshalb jetzt Aufgabe jedes klassenbewußten Arbeiters sein. Die sozialisttsche Presse ist aber nicht nur das Organ der Propaganda unserer Ideen, sie ist auch politische Waffe. Und um so wuchtiger wirkt diese Waffe, je größer ihr Wirkungsbereich. Wachsende Ausbreitung der Arbeiterpresse bedeutet wachsende Kraft der Sozialdemokratie, Verstärkung aller Aktionen für die Arbeiterschaft und die Volkssache. Bei der kläglichen Haltung der bürgerlichen Parteien steht zu er- warten, daß sie bereitwillig den militärischen und marinistischen Forderungen zustimmen, wenn nicht durch die s 0 z i a l i st i s che Presse die Steuerzahler auf den kommenden neuen Steuer- raubzug, den diese Ausgaben zeitigen werden, aufmerksam gemacht und eine kräftige Attion gegen die uferlosen Steuer- Pläne entfesselt wird. Der„Vorwärts" ist das Blatt aller derer, die sich jetzt von den bürgerlichen Parteien enttäuscht abwenden. Sie zu Lesern unserer Zeitung zu gewinnen, muß zum bevorstehenden Ouartalswechsel die Aufgabe jedes überzeugten SozialdenÄikaten sein. Hunderttausende sind noch zu gewinnen in diesen Tagen, die der proletarischen Sache günstig sind, wie fast nie zuvor. Genossen und Genossinnen,?"tzet die Zeit. Werbt für Euer Blatt,.en »Vorwärts". I 81er bezahlt die Steuern in Deutkiffand? 11. Die Broschüre, die das Zentrum zur Irreführung der Wähler� über die Finanzrefornl veröffentlicht hat(vergleiche Nr. 143 des„Vorwärts"), stellt des weiteren die Behauptung auf, daß die übergroße Mehrheit sämtlicher in Deutsch land gezahlten Steuern, nicht nur im Reiche, sondern auch in den Einzelstaaten und Gemeinden, von den Besitzenden ge tragen werde, und um dies zu beweisen, tut sie zunächst mit einer verblüffenden Sicherheit so, als ob zu den direkten Steuern, die sie auf insgesamt 1561 Millionen pro Jahr an gibt, die arme Bevölkerung überhaupt nichts zahlt. Nun weiß doch aber jedermann, daß z. B. in Preußen die direkten Steuern schon bei einem Einkommen von 900 M. beginnen. Daran kann also die Broschüre nicht vorbeigehen. So bemerkt sie denn kurz, daß die direkte Steuer der amen Bevölkerung (bis 1500 M. Einkommen) in Preußen nur 36�/z Millionen Mark beträgt.(Selbst hier ist eine Million zu wenig angegeben; es macht über 37'/s Millionen aus. Doch mag dies ein entschuldbarer Rechenfehler sein.) Die Umlagen von den Einkommensteuern(das heißt die Gemeindezuschläge, Kirchen steuern usw.) werden auf 90 Proz. im Durchschnitt— 32'/» Millionen angesetzt. Das macht für Preußen 69 Millionen, zu gleichem Verhältnis auf das ganze Reich umgerechnet 115 Millionen. Aus besonderer Freigebigkeit will dann die Broschüre noch 35 Millionen direkter Steuern der armen Klasse zurechnen. Das gäbe dann alles in allem 150 von den 1561 Millionen direkter Stenern,„ein Betrag, der", wie zum Schluß versichert wird,„eher zu hoch als zu niedrig gegriffen ist." Es fällt uns natürlich nicht ein, zu bestreiten, daß von den direkten Steuern der größere Teil auf die Besitzenden fällt. Aber die Art, wie die Broschüre bestrebt ist, den Anteil der Armen an den Staatslasten herabzuschwindeln, zeigt sich auch hier wieder. Da wird einfach die Tatsache übergangen, daß in manchen Staaten(z. B. Sachsen) die direkte Steuer bei einem niedrigeren Einkommen als 900 M. beginnt. Uebergangen wird auch die Tatsache, daß in Preußen an vielen Orten die kommunalen Steuerzuschläge weit unter 900 M. Einkommen beginnen. Es kommt also schon in Preußen eine höhere Summe als 70 Millionen heraus, und es fehlt jede Unterlage, wie man diese Sumnie auf das ganze Reich umrechnen soll. Die 150 Millionen sind rein willkürlich an- gesetzt; sie sind aber nach dem, was wir eben anführten, zweifellos zu klein. Nehmen wir das Statistische Jahrbuch für den Preußischen Staat zu Hilfe, so erfahren wir, daß 1909 insgesamt an direkten Steuern gezahlt worden sind rund 251'/z Millionen Mark. Hiervon hat die ärniste Klasse (Einkommen 900—1500 M.) aufgebracht rund 37Vs Millionen d. h. 15 Proz. Also selbst wenn man so vieles wegläßt, was die Amen zahlen, und nur die direkt an den Staat ge- zahlte Steuer anrechnet, kommt auf ihren Teil noch mehr als ein Siebentel der gesamten Last. Wenden wir diese Berechnung auf die Totalsumme von 1561 Millionen direkter Steuern an, so hätten davon die ganz Armen bereits 223 Millionen bezahlt, statt der 150 Millionen, die ihnen die Broschüre zuschreibt. Rechnet man aber, wie es sich gehört, die ganze unbemittelte Klasse bis zum Einkommen von 3000 M., dann verschiebt sich das Bild wieder ganz und gar. Sie haben in Preußen 1909 von den 231>/s Millionen direkter Steuern nicht weniger als 87'/? Millionen auf- gebracht, also 34,8 Proz. oder mehr als ei» Drittel! Demnach können wir getrost von den 1561 Millionen direkter Abgaben im Reich 550 Millionen auf das Konto der Unbemittelten bringen. Das ist zwar auch nur eine Schätzung, aber sie ruht doch auf viel solideren Grund- lagen als die rein aus den Fingern gesogene Schätzung der Broschüre. Bei dieser Gelegenheit noch ein paar interessante Zahlen. Die Broschüre tut so, als wenn 37'/, Millionen direkter Steuern für Preußen kaum der Rede wert seien. Aber wie viel haben denn die reichen Leute gezahlt? Die Millionäre mit über 100 000 M. Einkommen haben noch nicht mal so viel beigesteuert wie die Allerärmsten, nämlich nicht ganz 37 Millionen. Die nächste niedere Klasse(Einkommen 30 500—100000 M.) gar nur 31 Millionen. Die Klaffe von 9500—30 500 M. Einkommen brachte es auf 39'/a Millionen. Auf etwa derselben Höhe von 40 Millionen steht die Einkommens- klaffe von 3000— 6300M. Eine bedeutende Abweichung von dieser Summe zeigen nur die Personen mit 6500— 9500 M. Einkommen; sie steuerten nur 16'/, Millionen. Dem stehen gegenüber die Unbemittelten mit 1500—3000 M. Einkommen; deren Betrag war der höchste, er erreichte fast 50 Millionen. Man sieht auch hier wieder, wie guten Grund die Zentrums- broschüre hat, diese armen Schlucker— Geschwindigkeit ist keine Hexerei— einfach den„Bemittelten" hinzuzumogeln. Es fehlt uns an Raum, die weiteren Zentrumsangaben ebenso ausführlich zu behandeln. Von' den sogenannten Besitzsteuern, den Matrikularbeiträgen, der Beleuchtungs- mittclsteuer, die sie mit einem Gesamtbetrage von 200 Millionen ebenfalls ganz den Bemittelten zurechnen, haben wir schon ge- sprochen. Auch die Verkehrssteuern mit 262 Millionen ganz auf Rechnung der Besitzenden zu schreiben, ist eine tolle Idee. Es gehört dazu z. B. der Umsatzstempel für Grundstücke, der dock) ziveifellos auf die Miete geschlagen wird. Weiter werden Alkohol und Tabak mit 593 Millionen in Rechnung gesetzt, wovon die Hälfte auf die Besitzenden ent- fallen soll. Wir haben schon im ersten Artikel nachgewiesen, daß die Besitzenden allenfalls ein Zehntel davon tragen, also rund 60 Millionen. Den Rest von 540 Millionen müssen die Besitzlosen zahlen. Dann aber kommt ein geradezu pyramidaler Satz: „Endlich folgen die Steuern und Zölle auf Gegenstände des allgemeinen Verbrauchs... Lassen wir hier die Zölle auf industrielle Rohstoffe, Halb« und Fertig» fabrikate weg..." Ja, wie kann man denn um des Himmels willen alle diese Abgaben weglassen I Sie verteuern doch gerade erst das Leben der Kleinen, und sie gerade würden ja rein gar nichts bringen, wenn man sie bloß auf den Verbrauch der 4'/z Proz. bemittelter Leute legen wollte. Hieraus zieht doch das Reich bedeutende Einnahmen. Im Jähre 1909 z. B. betrugen die gesamten Einnahmen des Reichs 3591 Millionen M., dar- unter stammten ans Zöllen nicht weniger als 739 Millionen, das ist f a st e in Fünfte l. Derartige Summen bei der Be- rechnung einfach ausschalten— das tut nur, wer keine rich- tigen Ergebnisse haben will. Für sonstige Verbrauchssteuern rechnet die Broschüre, ein- schließlich des neuen Kaffeezolls, der Zündwareusteucr, der Hundesteuer usw., 797 Millionen; eine Summe, die sie— wiederuni rein willkürlich, ohne jede Unterlage— zu 8/io den Besitzenden, zu Vio den Besitzlosen zurechnet. Hierbei ist immer vorausgesetzt, daß die Besitzlosen nur 75 Proz. der Bevölkerung ausmachen. Da es in Wirklichkeit 84 Proz. und mit Einschluß der Einkommen bis 3000 M. sogar 95 Proz. sind, so kommt auf die Besitzenden nur Vio(unter Annahme, daß jeder Besitzende von diesen Dingen doppelt so viel ver- braucht, wie jeder Besitzlose). Eine Addition dieser Zahlen hat ja wenig Zweck; denn was soll man mit einer Sunime anfangen, in der wichtige Faktoren fehlen, andere ganz willkürlich verteilt sind! Nur um die Schaumschlägerei zu kennzeichnen, sei angeführt, daß die 3463 Millionen, von denen hier die Rede ist, nach der Berechnung der Broschüre sich derart verteilen, daß die Be- sitzenden 2456 Millionen zahlen, die Besitzlosen nur 1007 Millionen. Legt man dagegen unsere Berechnung zugrunde, so sieht man, daß die Besitzenden nur 1531 Millionen zahlen, den Besitzlosen dagegen 1932 Millionen. Doch wie gesagt, diese Zahlen haben wenig zu bedeuten. da ihnen jede Genauigkeit und Vollständigkeit mangelt. Von großer Wichtigkeit ist aber ein anderer Punkt, den die Broschüre ganz und gar verschweigt. Wir haben an der preußischen Statistik gezeigt, daß zu den wirklich Bemittelten im Deutschen Reiche— denn eS liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß diese Zustände im Reiche anders seien als in Preußen— nur 4'/, Proz. der Bevölkerung gehören. Da ist der Mittelstand mit einem Einkommen von 3000—9500 M. mit eingerechnet. Das sind aber bekanntlich noch nicht die Leute, die auf die Politik des Reiches und der Einzelstaaten Einfluß haben. Zieht man sie ab, so bleiben, wie ebenfalls schon gezeigt, nur 8/« Proz, der Bevölkerung übrig, das sind die Neichen. Aber auch hierzu gehört noch eine Reihe von abhängigen Beamten, mittleren Kaufleuten, Rechtsanwälten und dergleichen. Zieht man auch diese ab und faßt bloß die ganz Großen ins Auge, d. h. diejenigen, deren Jahreseinkommen 30 500 M. übersteigt. so sind alles in allem(in Preußen) nur 21 837 Personen 0,15 Proz. oder l'/a pro Tausend, d. h. von 766 Menschen immer nnr Einer! Das sind die Leute, die die wirkliche Macht in Händen haben, das sind die Leute, die uns regieren und deren Einfluß wir letzten Endes auch die Verteilung der Lasten und Abgaben zu danken haben. Und das wird ja wohl auch fixeste Schwindler nicht zu behaupten wagen, daß diese Hand- voll Personen zu den Lasten irgend etwas Nennenswertes selbst beitragen I_ friedberg'BOdingen. Der große Erfolg der Sozialdemokratie ist der Presse des schwarz-blauen Blocks ordentlich in die Glieder gefahren. Waren die Schuldbewußten auch nach den Ergeb- nissen der Hauptwahl auf einen sozialdemokratischen Sieg gofaßt, so doch nicht auf die große Majorität, mit der Genosse Busold den Biindler aufs Haupt schlug. Daß selbst nationalliberale Wähler sich nicht mehr unbedingt der junkerlichen Reaktion ausliefern lassen wollen, erfüllt die schwarzblaue Presse mit düsteren Ahnungen. Die„Deutsche Tageszeitung" jammert: � „Das Wahlergebnis hat sich sogar noch etwas un- g ü n st i g e r gestaltet, als man erwarten konnte. Allerdings trifft das noch weniger die Zahl der Stimme», die dem Kandidaten des Bundes der Landwirte zufielen, als die außer- ordentliche Zu nähme der sozialdemokratischen Wähler. Mit erschreckender Deutlichkeit ist erwiesen, daß von den Wählern deS Herrn v. Calker trotz ihrer nur noch geringfügigen freisinnigen Beimischung jedenfalls mehr als 40 v. H. für den Sozialdemokraten gestimmt haben I Das ist ein t i e f b e d a u e r l i ch e S Zeichen für das Maß Von Haß und Verblendung, daS in weiten Kreisen deS BlirgertumZ durch die maßlose, unwahrhaftige Hetze gegen die rechtsstehenden Parteien erzeugt worden istl Die anerlennenS- werte nationalliberale Stichwahlparole hat das Schiff nicht mehr ganz herumreißen können: die Heyer haben Wind gcsäet; und die Sozialdemokratie hat die volle Brise in ihre Segel bekommen! Das eine also geht unwiderleglich aus dem Ausfall der Friedberger Wahl hervor: auch die Nationalliberalen haben ihre Wähler nicht mehr sicher in derHand, Ivenn es gilt, die Gemeinbürgschaft gegen die Sozialdemokratie zu wahren." Das Blatt sieht bereits die G r o ß b l o ck f ä d e n, die sich aus den« süddeutschen nationalliberalen Lager über den Main hinüberspannen. Es sieht das Vordringen des Jung- liberalisnius und konstatiert die„Verhängnis- volle A b s ch w ä ch u n g" des bürgerlichen Solidaritäts- und daniit zrigleich des nationalen Staatsgedankens. Mit Drohungen gegen den Freisinn, der„das Maß seiner antinationalen Sünden schon übervoll gemacht" habe, schließt das Organ der Geschlagenen das Klagelied. Das„Berk. T a g e b l." antwortet darauf mit einer Propaganda des„Großblocks": .'.Die agrarisch- klerikale Herrschaft in Deutschland wie in Preußen bricht unweigerlich an dem Tage i» ein Nichts zusammen. an dem die Ueberzeugung von der politischen Notwendigkeit und Richtigkeit der Entwickelung zum Großblock von Basser mann bis Bebel von allen freiheitlich und fortschrittlich gesinnten Köpfen im deutschen Volke Besitz ergriffen hat, und an dem vor allem die Nationalliberalen vom Protestieren mit dem Munde zu Taten übergegangen sind. Bis dahin wird ja— leider I— noch einige Zeit ver- gehen, und wir fürchten, daß auch die kommenden Reichstags- Wahlen 1011 trotz aller politischen Nöte der Zeit von diesem Wünschens- und erstrebenswerten Ziele noch sehr weit entfernt fein werden. Denn solange die v e r l o g e n st e Phrase, die sich in unserer ganzen inneren Politik breit macht, die Wahnvor- st e l l u n g von dem angeblichen„gemeinsamen bttrger- lichen Interesse" gegenüber der Sozialdemokratie in der Politik der Gegenwart, noch die Köpfe weiter Kreise des liberalen Bürgertums verwirrt— als ob das Problem des Zukunftsstaates zur Entscheidung stände, als ob der Bestand der bürgerlichen Gesellschaft über- Haupt irgendwie und in irgend einem Punkte in Frage gestellt wäre l— so lange wird die konservativ-klerikale Interessen- koalition noch ungestört' ihre Regierung weiter nominieren, ihre Steuer- und Schulgesetze machen, ihre volksfeindliche Handels- und Wirtschaftspolitik treiben können. Vielleicht find Usedom- Wollin und Friedberg-Büdiugen wichtige Etappen auf dem Wege zur Erreichung jenes wichtigsten liberalen Ziele?, das der Volks- und kulturfeindlichen Pfaffen« und Junker- Herrschaft ein Ende niachen muß." Ueber die bündlerische Agitation macht das Blatt folgende Bemerkungen: „Man muß den Bündlern zugestehen, daß sie in ihrer Agi- tation eine an amerikanische Gepflogenheiten erinnernde Rück- fichtölosigkeit entfalteten, um schwankende Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Die Urwüchfigkeit des agrarischen Agitators, der de»„Herren Beamten" vorwarf, daß sie immerzu Ferien haben und Kotelett»,„groß wie Abtrittsdeckel'„fressen" wollten, ivar nicht mehr zu übertreffen. Auch der letzte Trick, der den Sozialdemokraten die Fried- berger Bombe und den Bankraub in die Schuhe zu schieben suchte, war vom hinterwäldlerischen Standpunkte nicht übel. Man muß den Bündlern zugestehen, daß sie mit diesen Mitteln nicht bloß sehr geschickt auf die niedrigsten Jfn- st i n k t e der Wähler spekuliert, sondern auch emen Kampf mit anständigen Waffen so gut wie unmöglich gemacht haben. Es wäre beleidigend für die Sozialdemo- k r a t i e, sie mit solchen Repräsentanten des Bunde« der Land- Wirte in einem Atem zu nennen.... An den Nationalliberalen hat es nicht gelegen, daß der agrarische Kandidat einen Durchfall erlitt. Sie protegierten in bewunderungswürdiger Harmonie mit Bündlern, Antisemiten und Ultcamontanen den agrarischen Kandidaten v. Helmolt. Sie suchten feurige Kohlen auf das Haupt eines ihrer entschiedensten Gegner zu sammeln. Aber sie sollten ähnlich« Liebesdienste nicht zu oft versuchen, wenn sie nickt eine» schönen Tage? drunter durch sein wollen. Die Wähler könnten einer solchen Taktik überdrüssig werden." Die demokratische„Volks-Zeitung" äußert sich in ähnlichem Sinne:. Oft wurde uns früher von den Diplomaten. Leisetretern und Angstmeiern der Fraktionsgetreuen entgegengehalten:„Und wenn wir selbst die Parole ausgeben würden: für Rot gegen Blau oder Schwarz, die Wähler würden uns nicht folgen". Dieser Ver- legenheitseinwurf ist nunmehr in seiner ganzen Hinfälligkeit dargetan. Die Wähler zeigen nunmehr, daß sie einsichtiger sind als die„klugen" Diplomaten, die hinter dem berüchtigten „Statut" Schutz suchen vor einer offenen, männlichen Erklärung. Der schwarzblaue Block mit seiner.Finanzreform" und seinen sonstigen Heldentaten und gemeingefährlichen Bestrebungen hat überraschend schnell auf daS deutsche Volt erzieherisch gewirkt. Bei den nächsten allgemeinen Wahlen wird die Taktik der jetzt geführten Vorpostenaefechte im größten Stil in An- Wendung kommen. Dann wird mit den Junkern und ihren ge- schorenen und geschworenen Freunden eine gründliche Generalabrechnung gehalten werden." Die eigentlichen Organe des Freisinns„Voss. Ztg." und„Fr eis. Ztg." beschränken sich auf die Wiedergabe des Resultats. Von den konservativen macht die„Kreuzztg." ihrem gepreßtem Herzen ebenso wie ihre bündlerische Kollegin in Drohungen gegen den Freisinn Luft, während der„Reichs- böte" meint, daß die Finanzreform die Siege der Sozialdemokratie hervorgenifen habe: „Hätte man die Finanzreform nach den Vorschlägen der Re- gieruug gemacht, so würde dieser Umschwung in der öffentlichen Meinung nicht eingetreten sein." Die nationalliberalen Blätter schließen aus unseren Siegen auf die Nottvendigkeit einer Aenderung des Regier ungssy st ems, worunter sie natürlich die Heranziehung ihrer Partei zu den Regierungsgeschäften ver- stehen. So schreibt die„National-Zeitung": „Die Erscheinungen der früheren Nachwahlen, von Landau und Koburg an bis zu Usedom und Fricdberg, sind auch hier wieder zutage getreten: der starke Zug nach l i n k S, die leb- hafte Unzufriedenheit der bürgerlichen Kreise mit der Politik der Regierung, die Mißstimmung über die allgemeinen politischen Verhältnisse, alle diese oft genannten und bekannten Symptome, die nur in den hohen und höchsten Regierungskreisen unbekannt geblieben zu sein scheinen, haben auch in Friedberg. Büdingen die entscheidende Wendung herbeigeführt. Wie oft sollen sich diese Niederlagen wiederholen, bis man endlich zur Erkenntnis gelangt, daß ein Systemwechsel eine absoluteNot- wendigkeit ist?" Die klerikale„Germania" paukt natürlich auch auf die Liberalen los: „Die Sozialdemokraten sind eine Partei, die für die Mitarbeit an der positiven Politik gar nicht in Betracht kommen kann. Selbst wenn es also gelänge, eine liberal- sozialdemokratische Mehrheit zustande zu bringen, wäre noch nichts gewonnen. Die Liberalen wären, wenn sie etwas erreichen wollten, doch wieder auf Parteien angewiesen, die dem „schwarz-blauen Block" angehören. Daß sie je eine Mehrheit für sich allein erlangen könnten, wird auch der größte liberale Phantast nicht glauben. Je mehr fie sich aber der Sozial- demokratie in die Arme werfen, desto weniger haben sie von den anderen Parteien zu hoffen. Nicht einmal die Nationalliberalen werden fie alle an ihrer Seite finden. Die.Großblock- Politik" ist eine Politik politisch UnzurechnungS- fähiger." Das Organ der F r e i k o n s e r V a t i V e n, die„P o st", stößt wieder mal ihren Ruf nach Sammlung aus und zum Schluß sei zur Erheiterung unserer Leser noch das Organ Theobalds zitiert. Die„ N o r d d. A l l g. Ztg." kann sich der Erkenntnis- nicht verschließen, daß auch Nationalliberale für die Sozialdemokrasie gestimmt hätten, und meint wütend: „Das würde allerdings ein neues widriges Vor- k o m m n i S in dem unerbaulichen Schauspiel sein, das gerade der Verlauf der Ersatzwahlkampagne von Friedberg-Büdingen darbietet." Aber, ach, kein Schauspiel nur l WnckstZgzpolM. London, 21. Juni.(Eig. Ber.) Die Idee der Konferenz zwischen den Häuptern der liberalen und konservativen Partei, um eine Verständigung in bezug auf die Vetofrage anzubahnen, hat bei der großen Masse der liberalen wie der konservativen Politiker all- gemein Befriedigung hervorgerufen, obwohl einige der kon- servativen Wortführer ihren Zweifel an der Ehrlichkeit der Regierung nicht los werden können, und obwohl auf der anderen Seite die unentwegten Radikalen unter den Liberalen anfangen, die Zuverlässigkeit ihrer rechts stehenden Partei- genossen in Frage zu stellen. Angeblich soll es der König sein, der die Parteihäupter zusammengebracht hat. Es dürfte jedoch recht fraglich sein, ob sich Georg V. freiwillig der Ge- fahr ausgesetzt hat, einen Nasenstüber zu bekommen. Hinter dem König wird man die Macher der konservativen Tarif- reformer zu suchen haben, denen die liberale Vetopolitik mit ihrem unehrlichen Appell an die demokratischen Institute des englischen Volkes das Konzept ver- dirbt. Daß die liberalen Parteiführer auf den von der konservattven Preffe befürworteten Vorschlag einer Konferenz eingegangen sind, paßt so recht zu der fabischen Verzögerungspolitik der geriebenen Juristen, die sich an der Spitze der englischen Regierung befinden. Ein englischer Genosse hat einmal den Satz geprägt, daß die liberale Partei das Haus der Lords so nötig habe wie die Heilsarmee den Teufel. Was soll aus der liberalen Partei werden, wenn es kein Haus der Lords mehr gibt, dem sie alle ihre Unterlassungssünden in die Schuhe schieben kann? Mit dem trockenen Brote des Freihandels wird sie die Massen nicht begeistern können. Die Verteidigung des Bestehenden ist besonders heute, wo so viele soziale Fragen nach Lösung drängen, ein uudankbares Geschäft und das wenige sozialpolitische Pulver, das die liberale Partei noch auf Lager hat, wird nicht hinreichen, um eine neue Wahl- schlacht zu gewinnen. Die Wahrheit ist, daß die liberalen Drahtzieher vor geraumer Zeit, da es zum Klappen kommen sollte, in einer höchst unangenehmen Lage waren. Das Volk war durch den blöden byzantinischen Taumel, in den es durch das Treiben der miteinander konkurrierenden liberalen und konservativen Presie versetzt worden war, in eine gefährliche Stimmung geraten. Dazu waren Neuwahlen im Jult eine Unmöglichkeit. Was wäre wohl aus einer Partei geworden, die zu einer Zeit Wahlen provoziert hätte, wo die Spießbürger in den Seebädern herumplätschern oder als selbstgerechte Puritaner soziale Studien auf dem sündhaften Kontinent betreiben und die Farmer mit dem Ernten vollauf beschäftigt sind? Eine Kon- ferenA der Parteihäupter erwies sich als ein vorzügliches Mittel, um über den toten Punkt hinwegzukommen. Derselben Ansicht scheint auch Herr Redmond zu sein, der von der konservativen Presse schadenfroh als der Verratene und Verkaufte hingestellt wird. Er hat sich bis jetzt noch mit keinem Worte über die Konferenz geäußert, obivohl es an Anrempelungen feiten» der O'Brieniten nicht gefehlt hat. Wenn die Konferenz wirklich einen ernstlichen Versuch darstellte, ein Kompromiß zwischen den gemäßigten Elementen der liberalen und konservativen Parteien zustande zu bringen, so würde ihr Ausgang unschwer vorauszusagen sein. Die Führer beider Parteien, das steht fest, halten alle an dem Grundsatz fest, daß man durch die notwendig gewordene Um- gestaltung der Beziehungen zwischen Ober- und Unterhaus der Arbeiterdemokratte nicht Tür und Tor öffnen darf, und so schwierig dürste es nicht sein, Mittel und Wege zu finden, um den Liberalen in Zukunft auf der politischen Bühne mehr Bewegungsfreiheit zu verschaffen. Käme aber ein solches Kompromiß zustande, so könnte es im Unterhause nur durch die Stimmen der gemäßigten Liberalen und Konservativen gegen die der Jrländcr, der Arbetterparteiler und radikaleren Liberalen zur Annahme gelangen. Ein dauerndes Zusammen- gehen der freihändlerischen Rechtsliberalen und der schütz- zöllnerischen Konservativen ist eine Unmöglichkeit. Die liberale Partei würde von oben bis unten gespalten, vielleicht auf eine halbe Generation wieder in die trostlose Einöde der Oppo- sition zurückkehren müssen. Und glaubt denn jemand ernstlich daran, die Liberalen würden freiwillig auf die Ministerposten verzichten? Ist es nicht vielmehr wahrscheinlicher, daß sie es noch einmal versuchen werden, nun, da sie ihren sozial- politischen Pfeil abgeschossen, mit dem alten Gaukelspiel des Kampfes gegen die LordS zu Ende dieses oder zu Anfang des nächsten Jahres noch einmal das Volk zu de- tören? Das Ersteuliche an der Situation ist. daß die Arbeiter» Partei die Gelegenheit beim Schöpfe gefaßt hat und un- bekümmert um andere oppositionelle Fraktionen der Regierung ihr Ultimatum gestellt hat. Gestern abend nahm die Arbeiterpartei unter dem Vorsitz BarneS folgende Reso» lution an: „Die Vorschläge zu einer Revision der Begebungen zwischen den beiden Häusern deS Parlaments und zur Aufrechlerhaltung der Vorherrschaft deS Hauses der CorNmonS, wie sie gemäß des vom Volke erhaltenen Mandats in den Vetoresolutionen niedergelegt und vom Hause der Common? angenommen worden find, lassen keine Modifizierung zu und wir proieslieren daher dagegen, daß sich die Vertreter der beiden Ministerbänke die Autorität anmaßen sollten, den Beschluß deS Hauses der CommonS zu hintergehen." Wenn jetzt die Arbeiterpartei nur st a n d h a f t ist, so wird es ihr gelingen, die ganze Hohlheit der Regierungs- Politik aufzudecken und die Massen an ihr Banner zu fesseln, die bisher wie verblendet dem liberalen Irrwisch nach- gelanfen sind. Politische(lebersicdt. Berlin, den 25. Juni 1910, Zollkonflikte. Ms vor einiger Zeit von agrarischer Seite Zollrepressalien gegen Frankreich gefordert wurden, erhoben Vertretungen aus der Industrie und dem Handel gegen solche Forderung ent- schieden Protest. Es wurde dann auch mitgeteilt, die Regierung denke nicht an Repressalien. Nun hat sie aber unkluger Weise beschlossen, die vorgesehenen höheren Zölle auf französischen Champagner, Kognak und Likör zu erheben. Sie hat dabei allerdings erklären lassen, daß es sich um eine rein finanzielle Maßregel handele. Die von den Agrariern geforderten Rc- pressalien lassen es nun erklärlich erscheinen, daß die Deklara- tion der deutschen Regierung in Frankreich nicht überall gläubige Aufnahme findet; das entspricht übrigens den Wünschen unser Zöllner, niöchten sie es doch gerne zu Zoll- kriegen treiben, um die Preisschraube noch schärfer anziehen zu können. Das Vorgehen der deutschen Regierung hatte den Deputierten B r o u s s e veranlaßt, an den Minister Pichon die Anfrage zu richten, mit welchen Maßnahmen er die Zoll- erhöhungen zu beantworten gedenke. In der Antwort Pichons, die im Journal officiel veröffentlicht wird, heißt es: „Sofort nach Empfang dieser Mitteilung hat der Minister der auswärtigen Angelegenheiten den französischen Botschafter in Berlin Cambon beauftragt, Klage über diese plötzliche Erhöhung zu führen, eine Maßnahme, die keine Andeutung des deutschen Auswärtigen Amte« uns erwarten ließ. Unser Botschafter hob hervor, daß die Maßregel, über die er Beschwerde führt, uns um so bedenklicher erscheint, weil erst kürzlich in der Diskussion über den französischen Zolltarif die Regierung und das Parlament der Republik nicht gezögert haben, den deutschen Reklamationen Rech- nung zu tragen. DaS Auswärtige Amt in Berlin hat in seiner Antwort aus die Notwendigkeit hingewiesen, dem Reich ergänzende Einnahmen zu verschaffen, da das Budget für die Zolleinnahmen einen beträchtlichen Minderertrag aufweist. Es hat ferner erklärt, daß der deutschen Regierung jede böswillige Absicht gegen Frankreich weit fernliege, und darauf aufmerksam gemacht, daß der Handel Oesterreich-UngarnS und Italiens ebenso wie der unsere die Erhöhung der Zölle zu tragen haben werde. Ein neuer Schritt wurde gemäß unserer Anordnung von Herrn Cambon unternommen; uiyer Botschafter machte noch einmal auf den beklagenswerten Eindruck aufmerksam, der in Frankreich durch die unerwartete Erhöhung des deutschen Tarifs für wesentliche Produkte unseres Handels hervorgerufen sei. Er ließ erkennen. daß wir uns in die Zwangslage versetzt sehen könnten, entsprechende Gegen maßregeln zu treffen und fügte hinzu, daß es bedauerlich sein würde, wenn nun zwischen den beiden Ländern die Anwendung von Repressalien dauernd einsetzte. Der Minister wird alles tun, um die französischen Interessen bei dieser Frage in bestimmtem Maße zu schützen und unserem Lande die Gegenseitigkeit guter Behandlung zu sicher», aus die wir in unseren wirtschaftlichen Beziehungen mit einem großen Nachbarlande Anspruch haben." Daß die stanzösische Regierung für die Interessen der dortigen Industrie eintritt, ist durchaus berechtigt, würde sie sich dabei jedoch auf den Weg der Zollrepressalien begeben, dann wäre das Wasser auf die Mühlen unserer Agrarier, die ja auf die Gelegenheit brennen, Deutschland in einen Zollkrieg mit Frankreich zu hetzen. Wie dein „Lokal-Anzeiger" berichtet wird, beabsichtigt die französische Regierung bei dieser Gelegenheit ein älteres Begehren der stanzösischen Interessentenkreise zur Erörterung zu bringen. Mau wünschte nämlich, daß durch die deutsche Gesetzgebung, die bereits den Anfang dazu gemacht habe, die französischen landwirtschaftlichen und industriellen Originalerzeugnisse kräftiger, als dies bisher geschieht, gegen Nachahmungen geschützt werden. Namentlich sollen Bezeichnungen wie Cham- pagner. Kognak usw. auf nicht französische Produkte keine An- Wendung mehr finden. Daß diese Forderung unberechtigt sei, wird man nicht be- haupten können._ Die sächsischen Nationalliberalen gegen Bethmanu Hollweg. Der Vorstand des Nationalliberalen Verein« für Leipzig und Umgebung hat, wie da«„Leipz. Tagebl." meldet, in seiner am 23. Juni abgehaltenen Sitzung beschlossen, sich mit der in der.Nationall. Korresp." erschienenen Kundgebung der Partei- leitung gegen die einseitige politische Haltung des Reichskanzlers, wie sie beim Ministerwechsel in Preußen hervortrat, einverstanden zu erklären. Der Vorstand begrüßt die damit vollzogene Klärung der Verhältnisse und ist überzeugt, daß die s ch a r f e K r i t i k an dem jetzigen Zustand den Beifall de« ganzen liberalen Bürgertums finden wird. Ein liberaler Kandidat. In der demokratischen Wochenschrift„Daö freie Volk' lesen wir: Die Annäherung zwischen Fortschriitlern und Nationalliberalen nimmt ihren Fortgang. Obwohl es in Friedberg-Büdingen bei dem Ausgeben der Stichwahlparole zu Meinungsverschiedenheiten gekommen ist, die Zweifel an der Ersprießlichkeit des Zu- lammengehens bei den Wahlen aufkommen lassen könnten. haben d>e beiden Parteien in dem durch den Tod des Abgeordneten Detto erledigten Wahlkreis Frankfurt-LcbnS wieder einen gemein- samen Kandidaten aufgestellt. Der Archivrat Winter in Magde- bürg ist der Erkorene. Herrn Winter sagt man nach, daß er auf dem berühmten linken Flügel der nationalliberalen Partei stehe, die Fortschrittler vergäben sich also nichts durch seine Unterstützung. Da darf doch wohl daran erinnert werden, daß der Kandidat bereits einmal eine merkwürdige Probe feiner fortgeschritten liberalen Gesinnung ge- geben hat. Er vertrat die nationalliberalen Farben 1307 in Eisenach-Dermbach, und als er aus der Stichwahl ausgeschaltet wurde, forderte er zur Wahl deS Antisemiten' Schuck gegen den Sozialdemokraten auf. DaS war um so bemerkenswerter, als Herr Winter dem Vorstand deS Vereins zur Abwehr des Antisemitismus angehörte. Er schied erst aus, als ihn Theodor Barth als Vorsitzender dieser Organisation sehr deutlich auf die Unvereinbarkeit seines Kostens mit der.Stichwahlparole aufmerksam gemacht hatte. Ob Herr Winter danach der geeigneke liberale Kandidat ist, das zu entscheiden muß natürlich der Fortschrittlichen VolkSparte: überlassen bleiben._ Alldeutsche Kriegshetze. In einem Leitartikel der„Tägl. Rundschau' gibt Richard Graf v.Pfeil seinem lebhasten Unwillen darüber Ausdruck, daß �noch immer die alldeutsche Kriegstreiberei ohne Erfolg geblieben ist. Es heißt in dem Artikel: Es gehört jetzt sozusagen zum guten diplomatischen Ton, im- bedingt den Frieden aufrecht zu erhalten. Bis zum Ueberdruß liest man, bei jedem staatlichen Mißverständnis, die Hoffnung ausgesprochen, der Friede wird unter allen Umständen gewahrt bleiben. ES ist, als ob die Herrscher bestrebt waren, den Bei- namen„der Friedfertige" zu erhalten; Staatsmänner, die ihnen sage», jetzt sei es Zeit, das Schwert zu ziehen, gibt es überhaupt nirgends mehr. Ich meine, daß das Ansehen der Staaten dadurch nicht erhöht wird, oder daß eS deren inneren Zuständen zum Segen gereiche. Und prophetischen Blickes verkündet der alldeutsche Graf am Schlüsse seiner Kriegshetze:„Noch ein Jahrzehnt Frieden wäre für Deutschland ein Unglück". Die„TSgl. Rundschau' täte wirklich besser, sich auf den Kampf gegen den Vatikan zu beschränken und nicht derartige alldeutsche Narreteien zu propagieren._ Rußland braucht nicht zu zahlen. Bekanntlich hatte ein Herr v. H e l l f e l d t auf Grund eines rechtskräftigen Urteils deS Gerichts in Tsingtau beim Amtsgericht Berlin-Mitte einen Pfändungsbeschlutz gegen den russischen Staat erwirkt. Durch den Beschlutz war das Guthaben deS russischen Fiskus bei dem Bankhause Mendelssohn u. Co. in Höhe von llVa Millionen Rubel mit Beschlag belegt. Das Aus- wärtige Amt hatte darauf den Kompetenzkonflikt erhoben, weil eS behauptete, das Völkerrecht lasse nicht zu, datz gegen einen fremden Staat ein Urteil aus- gesprochen und vollstreckt werde. Der Kompetenzgerichts- Hof entschied gestern in dieser Sache dahin, datz der Kompetenzkonflikt begründet sei und deshalb der Psändungs- und Ueberweisungsbeschlutz vom 15. Dezember 1309 aufzuheben ist. Das Urteil wird unseres ErachtenS weder durch das Völkerrecht, noch durch deutsche Gesetze gestützt. ES liegt in ihm sicherlich auch keine Hochachtung vor rechtskräftigen Er- kenntnissen deutscher Gerichte. Indessen: wer die Macht hat, hat das Recht. Die Intervention des Auswärtigen Amtes hat dem russischen FiSkus dazu verholfen, nicht zahlen zu brauchen, wozu er rechtskräftig verurteilt war. Wir möchten annehmen, das Auswärtige Amt hütete die Interessen des Deutschen Reiches besser, wenn eS in den Fällen, in denen Deutsche einen Anspruch gegen einen Ausländer haben, durchsetzte, datz der Anspruch befriedigt wird. Indessen, manche Leute scheinen Deutschland noch immer für eine russische Provinz zu halten._ Ein Ungewöhnlicher Staatsanwalt. Eine rühmliche Ausnahme unter seinen Kollegen ist der in Dresden lebende Staatsanwalt Erich Wulfsen, be- kannt durch Veröffentlichungen, die sich mit kriminal-psychologischen Problemen beschäftigen. Eine furchtbare Anklage gegen die kapi- talistische Gesellschaftsordnung erhebt Staatsanwalt Wulffen in einem auch sonst vortrefflichen Werke, das jüngst unter dem Titel„Der Sexualverbrecher' im Langenscheidtschen Verlag in Berlin erschienen ist. Wulffen schreibt darin: „Die anstrengende Arbeit der Eltern, insbesondere auch der Mutter, schädigt da? Kind oft schon im Mutterleibe. Ungenügende Nahrung, Wohnung, Pflege lassen das Neugeboreue nicht gedeihen. Ein Heer von Schwachsinnigen, Hysterischen, Epileptikern, schweren Neurasthenikern, chronischen Alkoholisten, alle zur allgemeinen Ver- brechensverübung und zur Begehung von Sittlichkeitsdelikten im besondern bereir, wächst in den Industriezentren empor. Teilweise stehen sie jenseits der Zurechnungsfähigkeit; eine ungenügende Jrrengesetzgebung schützt die Gesellichaft nicht vor ihnen. ... Der Proletarier schlägt im Kriege die Schlachten. Er bestellt im Frieden den Acker, baut die Stratzen und Städte, schafft mit seiner Hand die Ware, die er auf Rädern und Schiffen über die Erde führt. In ruhelosem Zeugen und Ge« bären enreuern er und sein Weib stetig die markige Bolls- kraft. Mit den Leibern seiner Frauen und Töchter stillt er die sexuelle Unersättlichkeit der Männer seines Volkes. Und zum Lohne für alle Opfer und Entbehrungen trägt er überdies zum firotzten Teil— ein moderner Atlas— mit seinem Leibe und einer Seele die Kriminalität seiner Nation!' Im Gegensatz zu der übergrotzen Mehrheit seiner Berufskollegen steht Wulffen nicht nur in der individuellen Anlage die Ursache des Verbrechens; in voller Uebercinstimmung mit der sozialdemokra- tischen Auffassung macht er vielmehr die Gesellschaft dafür verant- wortlich. Wirklich ein ungewöhnlicher Staatsanwalt l „Aufreizung zum Klassenhaß." Auf die Konfiskation des Dortmunder Liederbuches folgt nun der Swafprozetz. Dem Genossen Um breit. Geschäftsführer der »Arbeiterzeitung' ist die Anklageschrift bereits zugestellt worden. Sie lautet auf Vergehen gegen§ 130 des Strafgesetzbuches. Unter Anklage gestellt sind die Lieder: Soziali st enmarschsl) die Arbeitsmänner, das Bundeslied und die Internationale. Die Anklageschrist betont besonder?, datz daS Bundeslied und die Arbeits- männer schon früher zu Berurteilungen geführt haben. Wenn das wirtlich wahr sein sollte, so steht doch fest, datz diese Lieder seit Jahr- zehnten unbeanstandet gesungen werden. DaS Berfahren ist ein- geleitet auf Ersuchen von BerlinI Terniin zur Hauptverhand- lung ist noch nicht festgesetzt._ Die Haftpflicht des Reiches. � l DaS Gesetz über die Haftung deS Reichs für seine Beamten ist nunmehr durch Kaiserliche Verordnung in Kraft getreten. Nach dem. Gesetz übernimmt das Reich die Haftung für Amtspflichtver- letzungen seiner Beamten, wenn der Schaden in Ausübung der dem Beamten übertragenen öffentlichen Ge- walt zugefügt ist. Ausgeschlossen ist die Haftung, wenn der Geschädigte bei fahrlässigem Verfahren des Beamten auf andere Weise Ersatz erlangen kann oder wenn der Beamte auf Grund von Gesetzen nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Die Beschränkung der schon bestehenden Haft- Pflicht auf Grund des Reichshaftgesetzes von 1371 wird durch das neue Gesetz nicht berührt, hier bleiben für gewisse Fälle noch die Beamten allein verantwortlich. Dagegen haftet der FiSkus für militärische Unfälle, die bei militärischen Uebungen durch die Schuld von Personen des SoldatenstandeS verursacht sind, auch für die Folgeerscheinungen bei Soldaten mihhandlungen. Die Folgen der Reichsfiuanzreform. In der Kölner Generalversammlung der Kaffee-Grotz» Händler wurde folgende Resolution gefatzt: In der am 20. Juni d. I. in Köln siattgebabien General- Versammlung des Verein? Deutscher Kaffee- Grotzhändler und -Röster e. V.. Sitz Köln, ist durch eingehende Aussprache festgestellt worden, datz durch die Erhöhung des Kaffeezolles alle diejenigen Schäden, welche die Kaffeehändler zur Zeit der Reichsfinanzreform vorausgesehen und der Re- gierung gegenüber nachdrücklich geltend gemacht haben, in vollem Umfange eingetreten sind; datz besonders eine w e s e n t- liche Konsuin Minderung wahrgenonimen, und daher der Zweck der Kaffeezollerhöhung: die Reichsein- nahmen zu vermehren, auch nicht entfernt er- reicht worden ist. Demnach erwartet nunmehr der Kaffeehandel von der Regierung, datz zu seinem Schutze dre geeigneten Matz- nahmen ohne Verzug getroffen werden, so wie sie in den ver- schiedenen Eingaben des geschädigten deutschen Kaffeehandels be- reits vorgeschlagen worden sind. In dem Bericht der Handelskammer zu Halle a. S. wird über die Wirbmg der neuen Finanzgesetze auf die Brau- und dieZigarrenindustrie ausgeführt: »Die Brauindustrie, die bisher vielen Tausenden von Ar- beitern, Angestellten und Handwerksineistcrn sowie vielen anderen Industrien und Geiverbon guten Verdienst brachte, hat unter den durch das neue Gesetz geschaffenen Verhältnissen schwer zu leiden. Es wird für sie einer Reihe arbeitsreicher Jahre unter Berschonung von allen weiteren ihr nachteiligen gesetzgeberischen Matzregeln bedürfen, um nach allen Erschütterungen der letzten Zeit Wieder in erträgliche Verhältnisse zu kommen.... DaS Tabak st euergesetz hat im Handel mit Tabak und! Zigarren außerordentlich große Schwankungen hervor-' gerufen. In der ersten Hälfte des Jahres lähmte die Unsicherheit, die vor der Beratung des Gesetzes herrschte, das Geschäft sehr, und nur in der Zeit zwischen Annahme und Inkrafttreten deS neuen Steuergesetzes nahm der Absatz in Fertigfabrikaten einen Umfang an, wie er noch nie dageweien ist. Die danach ein- getretene Stille im Geschäft der ganzen Tabakbranche machte diesen Borteil schnell wieder weit, und gegen Ende des Jahres standen die Fabrikanten vor Lägern fertigen Fabrikats, die sie ohne Aus- nähme zwangen, Arbeiter zu entlassen oder die Betriebe zu schließen. Die nachteiligen Folgen des Gesetzes dauern an. und in den Dctaillistenkreisen macht sich eine sehr bedeutende Ein- schränkung des Konsums, sowie bei manchen Rauchern Be- vorzugung der Zigarette bemerkbar. DaS Festhalten an alten Ver- laufspreisen, wie sie vor Inkrafttreten des Gesetzes bestanden, für die noch in großer Menge vorhandenen alten Fabrikate wirkt auch nicht belebend auf das Geschäft. Nach dem geringen Ergebnis der ersten Monate deS Jahres sind die Aussichten für die nächste Zukunft nur als sehr schlechte zu bezeichnen.'_ Das neue Staatsangehörigkeitsgesetz. Wie wir bereits vor einigen Tagen gemeldet haben, befindet sich unter den Vorlagen, die dem Reichstage im Herbste zugehen sollen, auch eine Novelle zu dem Gesetz über Erwerb und Verlust ocr Reichs- und Staatszugehörigkeit vom 1. Juni 1870. Wie eine parlamentarische Korrespondenz schreibt, soll nach der Novelle ein Deutscher seine Staatsangehörigkeit nicht gegen seinen Willen verlieren, auch sollen die Meldungen bei den Konsulaten, die jetzt vorgeschrieben sind, in Fortfall kommen. Der 6j 21 des Gesetzes(Verlust der Nationalität bei zehnjährigem Auslands- aufenhalt) soll aufgehoben werden. Der Wiedererwerb der Staatsangehörigkeit durch frühere Deutsche oder ihre Nachkommen soll erleichtert werden, von diesen soll die Er- füllung der Wehrpflicht nicht mehr gefordert werden bei Wieder- crlangung der Neichsangehörigkeit, doch sollen die männlichen Nach- kommen dieser neuen Deutschen, soweit diese Nachkommen nach dem Inkrafttreten des Gesetzes geboren werden, wehrpflichtig sein. Di« Stellung solcher Wehrpflichtigen kann bei den Konsulaten erfolgen, die auch unter Umständen über die Tauglichkeit der Wehrpflichtigen entscheiden können, auch die Ableistung der Dienstpflicht in deutschen Lwlonien mit Militärmacht soll vorgesehen werden. Die Mansfelder Streikjustiz offenbart sich vor dem Reichsgericht als eine Schnelljustiz, deren Richtigkeit zu der Fixigkeit im ungekehrten Verhältnis steht. Am Donnerstag hob das Reichsgericht zwei Urteile der Eislebener Strafkammer Ivegen erheblicher Mängel auf. Am 7. März hat sie die Bergleute Johannes Mosebach und Hermann Rausche wegen Vergehens gegen ß 153 der Gewerbeordnung und versuchter Nötigung bezw. Körperverletzung zu je einem Monat Ge- fängnis verurteilt. Sie sollen beteiligt gewesen sein bei einer Menge, die einen Arbeitswilligen„Spiehrutenlaufen' ließ. Auf die Revision der Angeklagten hob das Reichs- gericht das Urteil auf und verwies die Sache an die Strafkammer zurück. Datz auf den Arbeitswilligen L. Zwang ausgeübt worden sei durch das Spietzrutenlaufenlassen sei zwar festgestellt, nicht aber, inwiefern der Angeklagte Mosebach selbst den L. zu bestimmen versucht hat, am Streik teilzunehmen. Bezüglich Rausches liegt der- selbe Mangel vor. Auch sei unzureichend festgestellt, datz er sich der Körperverletzung schuldig gemacht habe. In dem Zerreitzen von Kleidern müsse nicht notwendig eine Körperverletzung gefunden werden._ Der Reserveoffizier und der Liberalismus. München, 23. Juni. Zu einem amüsanten Vorfall kam eS gelegentlich der Beratungen des Militäretats in der Kammer. Herr Dr. Ouidde hielt eine flammende Rede über das Referve-Offizierstum und feinen nachteiligen Einfluß auf das bürgerliche und besonders das politische Leben. Es war daS Ganze eine Erinnerung aus seinen besseren zurückliegenden'demokrati- scheu Zeiten, allerdings schon eine Erinnerung, denn die An- schauungen sind wesentlich milder geworden. Er konnte auch ein paar Fälle anführen, in denen Reserveoffizieren Schwierigkeiten gemacht wurden. Während der Rede des Herrn Dr. Ouidde machte sich große Unruhe in den Reihen der Liberalen geltend. Ihr Parteifreund auf dem Kriegspfade gefiel'ihnen garjnicht. Alsbald erhob sich derjFraktions- chef Dr. C a s s e l m a n n und erklärte, datz er im Namen der ganzen Fraktion die Ausführungen seines.Fraktionsfreundes' Dr. Onidde zurückweisen und mißbilligen müsse. Er habe ein ganz anderes Urteil über den Stand der Reserveoffiziere, der für die Schlag- fertigkeit der Armee außerordentlich wichtig sei. Sozialdemokraten können selbstverständlich keine Aktiv- und keine Reserveoffiziere werden, weil diese dem König den Treueid leisten müssen und die Sozialdemokraten bekanntlich die Monarchie abschaffen wollen. Eins hat der liberale Dr. Casielmann vergessen hinzuzufügen: nämlich, daß auch die Sozialdemokraten als gemeine Soldaten den Eid leisten und doch auch nach ihrer politischen Ucberzengung die Monarchie abschaffen wollen. Freilich ans sie kann man nicht gut verzichten._ Die«nantastbare Lohnerhöhung. Gegen den Genossen M a r k w a l d ist ein Verfahren wegen B e- leidigung der Prinzen des HanseS Hohenzollern eingeleitet worden. Die Beleidigung wird gefunden in einem Artikel der.K ö n i g s b e r g e r B o l k s z e i t u n g", der sich mit der Ge- haltSerhöhung für Wilhelm II. beschäftigte. jVollstündig verpufft.� München, 25. Juni. In dem Prozeß gegen den Schriftsteller Mühsam- Berlin und Genossen wurde heute das Urteil gesprochen. Sämtliche Angeklagten wurden von der Anklage der Geheimbündelei freigesprochen. Schulz und Ertl wurden wegen Entfernung eineS Hoheitszeichens(sie haben bei einer Ferrer-Demonstratio» das Wappen der spanischen Botschaft in München abgerissen) zu fünf bezw. zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Ein charakteristisches Urteil. Vor dem Kriegsgericht der 2. Gardedivision fand dieser Tage eine Verhandlung wegen Soldatenmißhandlnng statt, bei der sowohl der Urheber der Mißhandlung wie auch der Mißhandelte selbst auf der Anklagebank saßen. Es waren die« der Unteroffizier Wenzel vom Königin- Elisabeth-Garde-Grenadier-Regiment und der Grenadier Mehla. Eines TageS gab W. dem M. den Befehl, nach dem Hof zu gehen und einige Säcke zu holen. Der Grenadier kam dem Befehl aber nicht nach und auch auf erneute Aufforderungen de« Vorgesetzten beharrte er im Ungehorsam. Darauf verfetzte ihm W. einen Stoß vor die Brust und einen zweiten Stoß mit der Gewehr stütze. M. lieh nun die Aeußerung fallen:„Der Herr Unteroffizier hat mich nicht anzufassen »nd zu schlagen. Auf dem Flur faßte W. den Grenadier an die Brust und schleppte ihn vor den Feldwebel, um die Gehorsamsverweigerung zur Meldung zu bringen. Das Kriegs- gericht verurteilte den Unteroffizier zu zehn Tagen gelinden Arrest und den Grenadier wegen AchtungSvcrletzung und Be- Harrens im Ungehorsam zu zwei Monaten und vierzehn Tagen Gefängnis. Nach dem Grundsatze: unter allen Umständen Wahrung der Disziplin I wird der Mißhandelte auf Monate in« Gefängnis ge- schickt, der Soldatenpeiniger aber mit gelindem Stubenarrest belohnt. Oesterreich. Eine Wahlrechts-Thronrede. Budapest, 25. Juni. Der Reichstag wurde heute vom König in der Ofener Königsburg mit einer Thronrede eröffnet, in der es heißt: Die erste Aufgabe der Regierung wird eS fein, behufs Wiederherstellung de» gesetzmäßigen ZustandeS auf dem Gebiete des Staatshaushaltes entsprechende Vor- lagen zu unterbreiten. Die Thronrede zählt sodann Reformen in verschiedenen Zweigen der Verwaltung auf und betont als dringende Notwendigkeit die Regelung der B a n k a n g e l e g e n h e i t. Sodann heißt es: Die dringendste und unaufschiebbarste Aufgabe ist die Neu- rcgelung des Wahlrechts. Die Regierung wird auf Grund des allgemeinen Wahlrechts einen Gesetzentwurf unterbreiten, der bei voller Wahrung des einheitlichen Charakters des ungarischen Staates den Ansprüche» der demokratischen Entwickelung entsprechen wird. Schweis. Umtriebe der politischen Polizei. Zürich, 24. Juni.(Eig. Ber.) Unsere Parteipresse ist gegen- wärtig mit den Umtrieben der politischen Polizei beschäftigt, da der „Berner Tagwacht" das umfangreiche Kreisschreiben der Bundes- anwaltschaft vom 31. Mai 1910 an die Polizeidirektionen der Kantone in die Hände gefallen ist, das nicht weniger als 39 Namen von Schweizern, Deutschen, Oesterreichern, Italienern und Franzosen enthält, die von der Bundesanwaltschaft und ihren Kreaturen be- spitzelt und verfolgt werden. Die ganze Perfidie der schweizerischen politischen Polizei mag man daraus ersehen, datz an der Spitze der Proskriptionsliste der Sekretär und französische Redakteur des Schiveizerischen Metallarbeiterverbandes, Genosse Achill« Graber, domiziliert in Genf, steht, und zwar als„Antimilitarist". Unter „Nr. 28" figuriert ein aus Baden stammender deutscher Schneider. der in einem Schweizerstädtchen ein eigenes Geschäft hat und jeden- falls ein biederer Meister ist. Die geschäftige Polizei weiß von ihm nur zu berichten:„Als Anarchist hat er sich dort nicht bemerkbar gemacht." Von einem Italiener wird erzählt, datz er wegen Be- günstigung der erwerbsmähigen Unzucht aus dem Kanton Zürich ausgewiesen ist. Ein anderer Italiener ist wegen Unterschlagung ausgeschrieben. Andere sollen Anarchisten sein oder mit Anarchisten verkehren, aber von strafbaren Handlungen wird nichts gesagt. Unsere Genossen im Nationalrat haben nun den Bundesrat über die Umtriebe der politischen Polizei interpelliert,„»«.l■ frsnkreich. Der Mandatsschacher. Paris, 25. Juni. Der Verband des sozialistisch-radilalen Wahl« komiteeS in Paris hat beschlossen, den Industriellen Ja cquelin wegen deS skandalösen Wahlvertrages mit seinem Gegen- kandidaten Ehevaux aus der Partei auszuschließen. Spanten. Der Konflikt mit dem Vatikan. Die Unnachgiebigkeit, mit der das katholische Pfaffentum sich auch den selbstverständlichsten Zugeständnissen an die Religionsfreiheit entgegenstemmt, scheint einen Konflikt un° ausweichlich zu machen. Der König hat in der Thron- rede erklärt, daß die V e r m e h r u n g der Klöster Be- sorgnis erwecke, weshalb Sorge für die Durchführung des Konkordats(des Vertrages zwischen Staat und Kirche, der nur drei Orden im Lande zuläßt, welche Zahl aber weit über- schritten worden ist) getragen werden müsse. Ferner hat die Regierung die Verfassungsbcstimmung, die den nichtkatholischen Religionen öffentliche religiöse Kundgebungen verbietet, im mildesten Sinne ausgelegt. Während danach bisher den„Ketzern" überhaupt kein öffent- sicher Gottesdienst gestattet wurde, ihre religiösen Gebäude äußerlich unkenntlich sein mußten u. a., wird das Verbot jetzt auf öffentliche Aufzüge und dergleichen vordringliche Ver- anstaltungen, wie sie aber gerade jene kirchlichen Vereinigungen weniger zu veranstalten pflegen, beschränkt. Der Erz- bischof von Toledo, der führende Kirchenfürst, hat bereits gegen diese Duldung Protest erhoben und ist dabei von der ganzen Geistlichkeit und ihrer Presse, die teilweise in den wüstesten Schimpfereien eifert, unterstützt worden. Auch der Pabst selbst hat gegen die Auslegung der Regierung Protest erhoben, ist aber niit der Erklärung, daß es sich um eine innere Angelegenheit Spaniens handle, abgewiesen worden. Noch schärfer>vird der Kampf um die Orden ent- brennen. Bekanntlich haben die Mönchs- und Nonnenklöster, befördert durch die Begünstigung der bisherigen Regierungen, sich dreist über das Gesetz hinweggesetzt. Sie haben sich nach Belieben vermehrt, auch einen Teil der aus Frankreich ver- triebenen Orden aufgenommen und durch ihre skrupellose Geschäftstätigkeit, Erbschleicherei usw. ungeheuere Macht er- worden und gewaltige Mißstimmung hervorgerufen. Nun hat die Negierung die Aufnahme eines Verzeichnisses angeordnet, in das alle Orden und ihre Angehörigen eingetragen und auf Grund dessen dann weitere Maßnahmen gegen die nicht» zugelassenen ergriffen werden sollen. Dagegen wehrt sich die Kirche gleichfalls. Die Ausfüllung der Listen wird ver- weigert, und die klerikale Presse geht in maßlosester Weise gegen die Regierung vor, die teilweise mit offenem Ausruhr bedroht wird. Es ist sicher, daß die spanische Regierung, wenn sie jetzt energischer gegen die klerikale Krankheit vorgeht, die das ganze Leben Spaniens vergiftet, damit dem Willen des Volkes, wie er sich bei den KorteSwahlen entschieden kundgegeben hat, Rechnung trägt. Von der Energie, mit der sie hier vorgeht, wird es voraussichtlich abhängen, ob es ihr gelingen wird. die wachsende republikanische Bewegung niederzubalten. Dafür dürften die Mächte des Rückschritts sich bemühen, den Bürger» krieg zu schüren._ Eine Erklärung des Ministerpräsidenten. Madrid, 24. Juni. Nach einem heute unter dem Vorsitz des Königs abgehaltenen Ministerrat erklärte Ministerpräsident EanalejaS, er habe dem Könige die feste Absicht der Regierung wiederholt, von dem bisher in der R e l i g i o n S f r a g e be« obachteten Verhalten nicht abzugehen. Er werde die Vorrechte der Krone sowie die RegiernngSgewalt aufrecht erhalten. Mit der Aufhebung und Beschränkung religiöser Gemein- s ch a f t e n werde nian fortfahren. Die jüngsten Dekrete, die sich auf die Ausübung der Kulte bezögen, berührten in keiner Weise daS Konkordat und würden nicht abgeändert werden. TünftraUcn. DaS Programm der Arbeiterpartei. Melbourne, 24. Juni. Eine Konferenz der Arbeiterpartei, an der sämtliche Bundesminister teil- nahmen, hat sich nach siebentägiger Verhandlung auf folgendes Programm der am 1. Juli beginnenden Tagung des Bundesparlaments geeinigt: Zurückziehung der von der letzten Regierung beschlossenen Marineanleihe in Höhe von stl/z Millionen Pfd. Stekl.,' Einführung einer pro» gressiven Boden st euer auf unkultivierte Ländercicn, Ausgabe von Eommonwealth-Banknoten mit 23proz. Gold- reserve, Ausdehnung der Alterspension durch Herabsetzung des Alters der Pensionsberechtigten auf 60 und für Arbeitsunfähige auf 55 Jahre. Eine Rc- Vision des Zolltarifs im Sinne höherer Schutzzölle wurde auf nächstes Jahr verschoben. GewerkfcbaftUcbee. J�eue Differenzen im Baugewerbe. Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Arbeit- geberbundes für das Baugewerbe hat an die Zentralvorstände des Maurer- und Zimmererverbandes, des baugewerblichen Hilfsarbeiterverbandes und des christlichen Bauarbeiterverbandes kin Protestschreiben folgenden Inhalts gesandt: „Aus vielen Orten geht uns die Nachricht zu, daß entgegen den Entscheidungen des Schiedsgerichts in D r e s d e n die Arbeit seitens der Arbeitnehmer nicht wieder aufgenominen lvorden ist Bielfach sind die Arbeitswilligen absichtlich und gewaltsam zurück- gehalten worden. An verschiedenen Orten ist sogar der Streik verkündet. Wir ersuchen Sie, die Ihnen angeschlossenen Organi- sationen anzuweisen, den Entscheidungen des Schiedsgerichts sofort Folge zu leisten. Wir verlangen, daß nunmehr spätestens am Montag, den 27. d. M., die Arbeit überall aufgenommen wird. Der Bundesvorstand fordert seine Ortsverbäude auf, bis Montag, den 27. d. Mts., mittags 12 Uhr telegraphisch zu berichten, ob in ihrem Vertragsgebiet die Arbeit in vollem Umfange wieder aufgenommen lvorden ist. Sollte sich aus dem Telegranim ergeben, daß das in den einzelnen Gebieten noch nicht der Fall ist, so wird zu Donnerstag, den 30. Juni d. Js. eine außerordentliche Hauptversammlung des Deutschen Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe in H a l l e a. S. einberufen, die weitere Maßnahmen zu beschließen haben wird. Der Bundesvorstand weist seine Ortsverbände an, bevor die Arbeit nicht allgemein aufgenommen ist, darf in örtliche Verhandlungen nicht eingetreten werden, auch dort nicht, wo die Arbeit aufgenommen ist. Danach scheinen sich neue Komplikationen zu entwickeln, die den endgültigen Frieden im Baugewerbe wieder in Frage stellen. Der letzte Satz im Zirkular ist übrigens eine offenbare Aufforderung zum Verstoß gegen den Dresdener Schiedsspruch. Denn nach Wiederaufnahme der Arbeit sollen die örtlichen Verhandlungen beginnen und müssen diese bis spätestens den 15. Juli erledigt sein. In K o l ni a r in Posen scheinen die Arbeitgeber Rache üben zu wollen. Wie von dort gemeldet wird, sollen 10 bis 12 Mitglieder des Maurerverbandes nicht eingestellt werden. Falls sich diese Mitteilung bewahrheitet, so verstößt das ausdrücklich gegen den§ 4 des'.von beiden Parteien angenommenen Hauptvertrages, in welchem es heißt: „Maßregelungen gegen Mitglieder einer Organisation, nanient lieh Sperren einzelner Baustelle», dürfen nicht stattfinden. Dies gilt insbesondere aus Anlaß der Aussperrung und der Vcrtrags> Verhandlungen. Die Einstellung und die Entlassung von Arbeit nehmern steht im freien Ermesse» des einzelnen Arbeitgebers, wobei die Zugehörigkeit zu einer Organisation nicht in Betracht kommen darf."_ Berlin und llmgegend. Ein Erfolg der Fensterputzer. Die Fensterreimger beschäftigten sich in einer stark besuchten öffentlichen Versammlung mit der Aussperrung bei der Firma Rodewaldt. Lambrecht berichtete über die augenblickliche Situation. Lange genug seien die Kollegen bei obiger Firma zu frieden gewesen mit ihren nichts weniger als günstigen Lohn- und Arbeitsbedingungen. Herrschte doch bei dieser Firma sogar eine Art Trucksystem, indem die Arbeiter in einer Weise ausgezahlt wurden, daß sie moralisch gezwungen waren, einen Teil ihres Verdienstes in der Kneipe zu lassen. Besonders ausgebildet war dort das Akkordsystem, gegen welches die Arbeiter sich endlich zur Wehre setzten. Es wurde versucht, die Forderungen, die bei anderen Firmen schon längst erfüllt sind, auch bei Rodewaldt durch- zudrücken. Die Antwort war die Aussperrung des ganzen Personals. Von der Organisation wurde der Kampf aufgenommen und die Neu engagierten Kräfte wurden glücklich weggekappt. Sckion am Donnerstägmittag war der Inhaber der Firma sich darüber klar, baß er nicht glücklich operiert hatte und er sah sich veranlaßt, bei der Organisation wegen Verhandlungen anzufragen, die auch sofort cusgenommen wurden. Das Resultat war, daß die Firma einen Vertrag unterschrieb. sn dem unter anderm ein Anfangslohn von 24 M. steigend von 6 zu S Monaten um 1 M. bis zum Höchstlohne von 27 M. bewilligt ist. Aushilfsarbeiter erhalten einen Lohn von 4,50 M. Diese Löhne gelten ohne Abzug. Etwaige zurzeit bestehende günstigere Lohn- und Arbeitsbedingungen werden nicht geändert. Die Arbeitszeit he- ginnt morgens 6 Uhr und endet abends ö Uhr inklusive einer 1>/z stündigen Gesamtruhepause. Akkordarbeit wird von den Arbeitern nicht verlangt. Den Arbeitern wird nach einer BeschäftigungS- dauer von zwei Jahren«in Urlaub von drei Tagen gewährt. Der 1. Mai gilt als Feiertag, jedoch ist die auf diesen Tag fallende Arbeit entweder vorzuarbeiten oder nachzuholen. Der Arbeitsnachweis der Fensterputzer ist zunächst zu berücksichtigen. Maßregelungen finden nicht statt. Streitigketten werden zwischen der Firma und dem Ausschuß unter Hinzuziehung eines Vertreters des Transportarbeiterverbandes geregelt. Das sind die wesentlichsten Punkte des Tarifs, der vom 27. Juni 1910 bis zum 30. September 1911 abgeschlossen ist. Der Tarif gilt als auf ein Jahr verlängert, falls er nicht sechs Wochen vor Ablauf seitens einer der vertrag- schließenden Varteien gekündigt wird. Das ist ern Erfolg, der angesichts der Verhältnisse als befriedigend bezeichnet werden kann. Aber auch mit anderen Firmen wird in nächster Zeit betreffs Abschließung eines Vertrages in Verbindung getreten werden. Es wird auch nicht eher zur Ruhe kommen, als bis der Einheitstarif für das gesamte FensterreinigungS- und Messing- Putzergewerbe erzielt ist._ Achtung, Glaser! In Bromberg stehen sämtliche Glaser im Streik. Die Unternehmer lehnten es ab, mit dem Organisations- vorstand in Verhandlung zwecks Abschluß eineS Tarifvertrages zu treten. Zuzug ist fernzuhalten. Oeutkches Reich. Rabattmarken-Scharfmacher. In Stettin kämpfen bekanntlich die Bäckergehilfen einen scharfen Kampf gegen die Bäckerinnung. Bis Sonntag, den 19. Juni, hatten schon 31 Unternehmer die Forderungen anerkannt; jetzt kommt plötzlich der Stettiner Rabattsparverein und mischt sich in den Kampf. Die Bäckermeister kriegten ein originelles Schreiben zugestellt, in dem darauf hingewiesen wird, daß die Bäckermeister durch die Be« willigung der Forderungen gegen die Satzungen des Rabatt- sparverein» verstoßen hätten und daß ihnen deswegen e i n Verweis zu erteilen sei. Dann wird von den Bäckern, damit sie nicht durch die ganze Bewegung in allererster Linie der Genossenschaftsbäckerei des Stettiner Konsumvereins helfen, verlangt, daß sie ihre Bewilligung der Arbeiterforderungen sofort zurückziehen. Die Geschichte erscheint einem so, als wenn durch den noch aus der BauarbeiterauSsperrung grassierenden Scharfmacher- klaps in Stettin gräßliche Nachwirkungen entstanden wären. Als nämlich die Bäckermeister sich aus dem Verweis nichts machten, kain folgender Erpresserbrief: Stettin, 15. Juni 1910. Herrn..... Groß-Stettin. Unsere»Aufforderung, Ihre Bewilligung an den Verband der Bäcker und Konditoren zurückzuziehen, haben Sie keine Folge ge- geben. Der Vorstand sieht sich darum veranlaßt, Sie nach Z 6 unserer Satzungen in eine Strafe von_ Kerantw." Redakt..: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil vcrants.1 Reichsmark Einhundert zu nehmen, welche laut Geschäftsordnung in 14 Tagen an unsere Zentrale zu zahle» sind, andernfalls sie von unserem Rechtsanwalt eingezogen werden. Ihre Markenentnahme und damit auch Ausgabe ist bis zur Abwickelung dieser Angelegenheit gesperrt. Hochachtungsvoll Der Vorstand des Rabattsparvereins Stettin E. V. Franz Mielke. Gustav Sepke. ES erscheint unglaublich, was sich ein solches Rabattsparvereinchen alles erlaubt; eS stellt doch im Wirtschaflskörper weiter nichts dar, als eine Scbniarotzerexistenz, die auf Kosten der Konsumenten lebt. Hoffentlich nützt ihnen ihr Drohbrief nichts, die ausgeworfenr Strafe verstößt überdies auch gegen die guten Sitten. Und die Arbeiter sollen sich merken: Nie auf Rabattmarkenvergünstigungen hereinfallenl Einmal müssen sie ja doch alles zahlen und im besten Falle geben sie noch kleinen Scharfmachern Existenzmöglichkcit. Das Haupttarifamt im Malergewerbe, das auf Grund des Reichstarifvertrages für Entscheidungen von Berufungen und grundsätzlicher Streitfragen vorgesehen ist, wird zum ersten Male am Dienstag, den 28. d. M. in B e r l i n tagen. Als Schiedsrichter sind die Herren Magistratsrat v. Schulz, Ge- richtsdirektor Dr. Prenner und Geheimrat Wiedfeldt von den Parteien bestimmt. Die Organisationen als Vertragskontra- henten stellen 13 Vertreter, wovon 8 auf den Hauptverband Deut- scher Arbeitgeberverbände im Malergewerbe, 7 auf den Verband der Gehilfen tSitz Hamburg) und 1 Vertreter auf den Christlichen Zcntralverband entfallen. In Streitfällen, wo der Hirsch-Duncker- sche Gewerkverein der graphischen Berufe(Maler und Lackierer) beteiligt ist, kann dieser ebenfalls einen Vertreter beanspruchen; es tritt dann ein Vertreter der größeren Gehilfenorganisation zurück. Zur Verhandlung stehen 31 Berufungen und Beschwerden, die sich aus den bisherigen Entscheidungen der Orts- und Gautarif- amtsverhandlung über die Durchführung des Reichstarifvertrages mit seinen örtlichen Bestimmungen ergeben haben. Ueber die Auf- fassung des notwendigen Mehraufwandes, den die Gehilfen bei Arbeiten außerhalb des Tarifortes nach dem Reichstarifvertrag als Lohnzuschlag zu verlangen haben, liegen viele und gegensätz- liche Entscheidungen vor, die im besonderen von den Arbeitgebern bekämpft und angefochten werden. Einen besonderen Streitpunkt bildet der nicht besonders glücklich ausgefallene Schiedsspruch über den Ausglcichspfennig für das in Wegfall gekommene Fahrgeld bei Arbeiten innerhalb des Tarifortes. Zur Durchführung des Reichstarifvertrages haben sich bis jetzt 189 Ortstarifämter gebildet, davon sind 93 mit Gewerberich- tern, Rechtsräten usw. als unparteiische Richter besetzt. In den übrigen Ortstarifämtern liegt der Vorsitz in Händen eines Ar- beitgebers und nur in wenigen Fällen fungieren Gehilfen als Vorsitzend«. Haupttarifämter sind 7 eingerichtet, die alle mit un- parteiischen Richtern besetzt sind. Bis jetzt waren 321 Sitzungen in den Ortstarifämtern und 18 Sitzungen in den Gautarifämtern nötig. Die bisherige Geschäftsordnung, die die Parteien für den Normaltarifvertrag im Jahre 1908 vereinbart und auch für den Reichstarifvertrag als gültig erklärt haben, erwies sich als unzu- länglich und soll vor dem Haupttarisamt unter Mitwirkung der drei Unparteiischen eine neue Geschäftsordnung ausgearbeitet werden, die dann für«Le Tarifinstanzen Gültigkeit haben soll. Die Verhandlungen vor dem Haupttarifamte dürften daher einige Tage Zeit in Anspruch nehmen. Die Schaffner und Führer der Hamburg-Altonaer Zentral- babn, einer Straßenbahn, die zwei sehr frequentierte und unge- mein ertragreiche Straßenbahnlinien von Hamburg-Borgfelde durch das Zentrum von Hamburg nach Altona-Ottensen unterhält, sind Sonnabend morgen wegen Maßregelung von 9 Kollegen sämtlich in den Ausstand getreten. Es verkehren nur 5 Wagen, die von Kontrolleuren bedient werden._ „Christliche" Arbeitergelder verpulvert. Vor dem Schöffengericht zu Saarbrücken sollte am 22. Juni ein interessanter Beleidigungsprozeß verhandelt werden, in dem über die Geschäftsführung einiger„christlicher" Generalsekretäre an der Saar der Schleier gelüftet und der Oeffentllichkeit Einblick in diese„Musterorganisation" gewährt werden sollte. Es ist jedoch anders gekommen, denn in letzter Stunde hatten Privatkläger und .widerkläger Klage und Widerklage zurückgezogen, und unter dem Mantel der„christlichen" Nächstenliebe sollen nun die beiderseitig erhobenen, ungeheuerlichen Anschuldigungen begraben werden. Privatkläger war der frühere Gärtnergehilfe W. Gutsche, von 1905 bis 1908 Generalsekretär im Gewerkverein„christlicher" Bergarbeiter und jetzt Sekretär im Eisenbahner-Verbande„Sitz Elberfeld" gegen den Verleger F. Hilgcr zu Sulzbach-Saar, der Gutsche in seinem Blatt öffentlich vorgeworfen hatte, er habe die Gelder der„christlichen" Arbeiter verschleudert, habe Zechgelage von Gewerkschaftsgeldern gedeckt usw. Gutsche drehte den Spieß um, warf Hilger vor, daß er durch Unfähigkeit und Vernachlässigung des Geschäftes die Gelder der„christlichen" Gewerkschaftler verpulvert habe, worauf Klage und Widerklage erfolgte und was in dem Pro- zeß bewiesen werden sollte. Diesen Klagen liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Im Jahr« 1908 verfielen die„christlichen" Generalsekretäre Hüskes, Gutsche, Koster, WerneruS und der damals abgemusterte „Chefredakteur" M e u r e r von der„Saarpost" auf den genialen Gedanken, neben der„Saarpost", die als Ilblagestätte für die Schimpfartikel„Sitz München-Gladbach" unter den katholischen Arheitern dient, noch ein„christlich-nationales" Tageblatt für die evangelischen M.-Gladbacher zu gründen, weil die nationalliberale Presse ihre Spalten den M.-Gladbacher Schimpfaposteln nicht öffnet«. ES wurde eine„Gutenberggenoffenschaft" m. b. H. gegründet, welche den Verlag dieses Tageblattes übernehmen und den Ertrag desselben einstecken sollte. Die Genossenschaft bildete sich meist aus Vertrauensleuten und Mitgliedern deS„christlichen" Gewerkvereins, die teils durch Einzahlen von Barbeträgen, teVs durch Uebernahme von Bürgschaft Mitglieder wurden, und trotzdem noch in letzter Stunde von M.-Gladbach gebremst wurde, trotzdem die Wichtigkeiten Stegerwald und Effert im Saarrepier erschienen, um im Zentrumsintereffe den Plan zu vereiteln, Effert und M eurer sich dabei noch die Augen blau geschlagen haben, erschien das Blatt dennoch und unter einer so„neutralen" Zusammensetzung, wie sie Wohl nie im Reiche zu finden war. Herr Hilger, Verleger des damails vor dem Bankrott stehenden Sulzbacher Tageblatt", ein waschechter Nationallibcraler und Kulturkämpfer, wurde Firmen- träger und Geschäftsführer, Herr Meurer„Chefredakteur", ein Henerici vom evangelischen Flügel Sitz M.-Gladbach Sitzredakteur und viele andere„Größen' hervorragende Mitarbeiter. Unter dieser Konstellation und unter den Auspizien, unter denen e» ins Leben trat, trug es gleich bei seiner Geburt den TodeSkeim in sich und mußte sein Erscheinen schon nach kurzer Zeit einstellen und die Mitglieder der Gutenberggenossenschlist hatten ihr eingezahltes Geld verloren, darunter Koster mit 8000 M. Der Zusammenbruch wäre jedenfalls nicht so schnell, wahrscheinlich auch nicht so empfindlich gekommen, hätte M.-Gladbach nicht im Zentrumsinteresse die sämt- lichen Gründer versetzt, während ihre Nachfoilger sich um das Blatt nicht kümmern dursten. Nach dem Eingang des Blattes tauchten dann Gerüchte auf, aus denen sich diese Klage enftpannen, und die noch den Staatsanwalt beschäftigen, der sich der Sache angenommen haben soll. ES wird behauptet, daß in geradezu unverantwortlicher Weise gewirtschaftet worden sei, daß in einer Woche 800 M. für Porto gebucht, daß die Wein- und Zechgelage Gutsches und anderer ebenfalls auf daS Konto Porto gebucht worden seien usw. Dem Personal sei man den Lohn schuldig geblieben, so habe ein Schreibmaschinenfräulein heute noch eine Forderung von 80 M. an den„christlichen" Per- lag, mit der sie von einem Sekretär wie vom andern abgewiesen wird. Haben die beiden Herren ihre Klagen auch zurückgezogen, um der Oeftentlichkeit keinen Einblick in ihre„christliche" Geschäfts» führung zu geben, so wird die Staatsanwaltschaft das jedenfalls um so gründlicher nachholen und den Schleier nicht nur lüpfen, sondern ganz herunterreißen., Huslanck. Erfolg des Bauarbeiierstreiks in Kristiania. Der Streik im Baugewerbe von Kristiania ist am Dienstag nach siebcnwöchiger Dauer zum Abschluß gekommen. Das Ergeb- nis sind Lohnerhöhungen von 10—20 Proz. in den verschiedenen Bauberufen. Alle Forderungen der Unternehmer auf Verlänge» rung der Arbeitszeit und Verringerung der Löhne sind gefallen. Die Arbeitgeber haben in allen acht Berufen, die am Streik be- teiligt waren, die neuen Tarifverträge gutgeheißen. Auf Arbeit- nehmerscite haben die Bauhilfsarbeiter und die Rohrleger die neuen Tarifverträge abgelehnt, weil ihnen die Lohnerhöhungen nicht ausreichend erscheinen, während die übrigen sechs Berufs- gruppen sich' mit ihren Tarifen einverstanden erklärten. Die Landesorganisation hat die Entscheidung für die Annahme der Tarife in allen Bauberufen getroffen, so daß die Arbeit auf der ganzen Linie wieder aufgenommen wird. Während des Streiks, der über 2000 Mann umfaßte, wurden rund 120 000 Kronen Streik. Unterstützung gezahlt._____ Soziales» Vom Strafgesetz gegen das Gesinde und die ländlichen Arbeiter. Das Gesetz vom 24. April 1854, betreffend die Dienstvergehen des Gesindes und der ländlichen Arbeiter, sollte die Arbeiterfrau Pitzer übertreten haben. Das Schöffengericht verurteilte sie zu einer Geldstrafe von 5 M., weil sie ihre Dienste, zu denen sie auf dem Gute des Pfarrpächters Schreiber verpflichtet gewesen sei, be. harrlich verweigert habe. Die Angeklagte legte Berufung ein bei der Strafkammer in Greifswald und machte geltend, daß es sich um die Zeit zwischen dem 18. und 4. Tage vor ihrer Entbindung ge- handelt habe. Sie hätte in dieser Zeit der hohen Schwangerschaft die von ihr verlangte Arbeit des Kartoffelaufnehmens(Kartoffel» buddelns) nicht den ganzen Tag über ausführen können. Die Straf- kammer verwarf jedoch die Berufung und führte aus: Die An- geklagte falle unter§ 2 c des angewandten Gesetzes, wonach die Strafbestimmung gegen widerspenstiges oder vertragbrüchiges Ge- finde auch anwendbar sei gegen Jnstleute, herrschaftliche Tagelöhner. Einlieger, Kathenleute und dergleichen. Ihr Ehemann sei bei Schreiber als Arbeiter eingetreten gewesen und habe für die Zeit vom 27. April bis zum 27. Oktober 1909 von ihm gegen nur 7 M. eine Kathenwohnung gemietet gehabt, mit der Verpflichtung seiner Ehefrau, für den ortsüblichen Tagelohn bei Schreiber zu arbeiten, Die Frau sei auch in den Vertrag eingetreten, indem sie die Arbeiten für Schreiber gemacht habe, und zwar selbst dann noch, nachdem ihr Mann wegen Mitzhelligkeiten mit Schreiber aus dessen Dienst aus- geschieden sei und bei dem Oberamtmann in Hohenwarth gearbeitet habe. Das vorzeitige Ausscheiden ihres Mannes habe ihre Ver- pflichtung nicht aufgehoben. Nun zur Frage, ob ein Grund vor« gelegen habe, der die Angeklagte berechttgt hätte, die Arbeit zu ver» weigern. Es sei der Angeklagten ohne weiteres zuzugeben, daß da» Kartoffelaufnehmen, falls es in der von ihr geschilderten Art sich» vollzog, keine Arbeit für eine hochschwangere Frau in de» letzt«» 18 Tagen vor ihrer Entbindung sei. Die Angeklagte hätte jedoch nicht von vornherein wissen können, daß sie gerade alle von ihr ge- schilderten Arbeitshandlungen vornehmen mußte. Sie hätte damit rechnen müssen, daß Schreiber, sobald er von ihrem Zustand Kennt- nis erhielt, sie entweder wieder nach Haus« schicken oder ihr leichtere Arbeit unter Gewährung von Ruhepausen zuweisen würde. Den» zu gänzlicher Untätigkeit habe sie ihr Zustand nicht gezwungen� da sie ja zur selben Zeit ihrem Ehemanne auf Hohenwarth geholfen habe, ivenn auch nach ihrer Behauptung nur zwei Stunden vor- mittags und drei Stunden nachmittags nach Belieben. Wenn ihr allerdings ihr Dienstherr Schreiber dieselbe Art und Dauer der Arbeit, wie den anderen Arbeitern zugemutet hätte, dann hätte sie mit Recht die Arbeit verweigern dürfen. Ehe sie jedoch nicht be- stimmt wußte, was von ihr verlangt werden" würde, durste sie sich! nicht weigern, zum Dienst zu kommen. UebrigenS habe sie dem Ab- gesandten Schreibers gegenüber andere Gründe ihres NichtkommenS angegeben und nur einmal zum Vorarbeiter gesagt, sie könne nicht mehr arbeiten. DieS sei aber zu flüchtig und unbestimmt gewesen,, als daß der Vorarbeiter damit den Auftrag erhalten haben sollte, dem Dienstherrn mitzuteilen, daß sie wegen vorgerückter Schwanger, schaft nicht zur Arbeit kommen könne.> In der gegen dies Urteil eingelegten Revisto» wurde n. a, geltend gemacht: DaS Landgericht gebe selbst zu, daß die der An- geklagten angesonnene Arbett nach Art und Beschaffenheit, wenn sie dauernd gemacht werden solle, keine Arbeit für eine hochschwangere Frau in den letzten 18 Tagen vor der Entbindung sei. ES erschein« dann aber die RechtSauffassung willkürlich und unzutreffend, daß die Frau trotzdem verpflichtet gewesen sei, sich zu solcher Arbeit ein» zustellen und es der Weisheit und Gnade des Arbeitgebers anheim- zustellen, ob ihre und des noch ungeborenen Kindes Gesundheit und Leben gefährdet sei und ob die Arbett ausnahmsweise von ihr nur mit den bor solcher Gefahr sichernden Einschränkungen und BvrsichtS, maßregeln zu fordern sei. Wenn ihr das Recht zugestanden habe, mit solchen Arbeiten verschont zu bleiben, so wäre sie auch berech, tigt gewesen, von solchen Arbeiten fernzubleiben. Habe sie aber durch das Fernbleiben keine Dienstpflichten verletzt, dann könne ihr aus einer unsachgemäßen Begründung ihrer Weigerung kein Vor, wurf gemacht werden. DaS Kammergericht verwarf am Montag die Revision als un- begründet. Sie scheitere an den tatsächlichen Feststellungen des Landgerichts, welches übrigens zu dem Schluß komme, daß der wahre Grund der Weigerung die Unlust gewesen sei, für Schreiber noch zu arbeiten.— Was den Vertrag angehe, so sei dessen Auslegung tat- sächlicher Natur. Ein Dienstverttag sei keine Rechtsnorm. Wann endlich wird das Ausnahmegesetz gegen das Gesinhe fallen, das zu so empörenden Zuständen führt? letzte JVachnchtcn und Depelcben. Zum Tode verurteilt. Stettin, 25. Juni.(B. H.) Im Mordprozeh gegen die Ge, brüder Franz und Karl Schmidt aus Königsfelde wegen Ermordung eine? Gendarms verurteilte das Schwur, ge r i ch t den elfteren znm Tode, den letzteren zu 2 Jahren Gefäng- nis. Franz Schmidt hatte am 29. November 1909 den Gendarmen Wittif aus Neuwarp, der ihn zwecks einer Strafverbüßung ver- haften wollte, erschossen. Sein Bruder Karl sollte dabei mitgewirkt haben, doch nahmen die Geschworenen bei ihm nur Widerstand gegen die Staatsgewalt an. Zum Erdbeben in Algier. Algier, 25. Juni.(B. H.) Das gestrige Erdbeben hat in verschiedenen Ortschaften großen Schaden angerichtet und auch eine Anzahl Menschenleben gefordert. In Anmale wurden 12 Eingeborene getötet, viele andere sind verletzt worden. Eine große Panik hat sich der Eingeborenen des ganzen Gebietes bemächtigt. Sie haben ihre Wohnungen verlassen und wollen nur noch unter Zelten wohnen.(Siehe auch unter„Vermischtes".) |H,Glide, Berlin. Drück».vertag: Vorwärts Buchdr. u. vkrlagsanstqv tzaul Singer& Cy., Berlin SW, Hierzu 5 Bellogen, Ar. 147. 27. Jahrgang. 1. Stilnjt des Jomirts" Knlim lolUlstl Siiufag, 26. lutti 1910. Aus der aelchsverklcherungsordming;. kommifiion. Sitzung am Sonnabend, denLö. Juni 1S10. In der heutigen Sitzung hatte sich die Kommission zunächst mit den Ausnahmebestimmungen für die Landkraakenkassen zu beschäftigen. Nach der Vorlage kann bei der Landkrankenkasse die Satzung von der Bildung eines Ausschusses absehen oder die Vorstands- geschäfte dem Kassenvorsitzenden allein übertragen. Die Sozialdemokraten wiesen nach, daß für eine solche Ausnahmebestimmung gar kein Grund vorliege. Dem schlössen sich fast alle Redner an. Selbst die Konservativen erklärten, daß sie auf diese Bestimmung keinen Wert legen. Der Paragraph wurde dann auch mit grosser Mehrheit gestrichen. Ganz anders gestaltete sich die Aussprache über die anderen Ausnahm ebe st immungen für die Landkranken- lassen. Hier traten die Konservativen und die Ratio- nalliberalen sehr entschieden für die Vorlage ein. Nach der Vorlage soll den Mitgliedern der Landkrankenkassen das Wahlrecht für ihre Vertreter in den Aus- schüssen und Vorständen nicht gewahrt werden. Vielmehr soll der Gemeindeverband den Vorsitzenden und die anderen Mitglieder des Vorstandes ernennen, und die Vertreter der Arbeitgeber und Arbeiter in den Ausschüssen sollen von der Ver- tretung des Gemeindeverbandes gewählt werden. Die Redner sowohl der Konservativen als auch der Nationalliberalen und der Regierungen geben sich die grösste Mühe, um nachzuweisen, datz den Landarbeitern das Recht, selbst ihre Vertreter zu wählen, unmöglich gegeben werden könne. Die Schwierigkeit, auf dem Lande eine solche Wahl vorzunehmen, sei zu grofj. Ueberdies sorgten die Vertretungen der Gemeinde- verbände auf dem Lande, nämlich in Preussen die Kreisausschüsse, so gut für die landwirtschaftlichen Arbeiter, datz es auch für die Arbeiter selbst am besten sei, wenn ihnen die Kreisausschüsse die Last der Wahlen abnehmen würden. Der Vertreter des preutzischen Landwirtschaftsministeriums schloss mit der Versicherung, datz die preutzische Regierung ganz besonderen Wert auf die Ausnahme- bestimmungen für die Landkrankenkassen läge. Die Konservativen gaben wieder einmal die Erklärung ab, datz sie gegen dieganze Vorlage stimmen werden, falls den landwirtschaftlichen Arbeitern das Wahlrecht zugestanden werden sollte. Denn, so rief der Abg. Arnstadt aus, unter keinen Umständen werden wir es zulassen, datz auch auf dem Lande in den Krankenkassen sozialdemokratische ,0rga- nisationen geschaffen werden. Der Herr sieht es demnach als sicher an. datz auch die landwirtschaftlichen Arbeiter bald Sozialdemokraten wählen würden, wenn sie nur frei nach ihrer Ueberzeugung ihr Wahlrecht ausüben können. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, datz die Aus- nahmebestimmungen für die Landkrankenkassen gestrichen und auch in diesen Kassen die Vertreter genau so gewählt werden sollen, wie in den Ortskrankenkassen. In einigen Bezirken, so führte Gen. Molkenbuhr aus, sei schon jetzt die Krankenversicherung der landwirtschaftlichen Arbeiter durchgeführt worden. Damit sei der Beweis erbracht, datz die Sache nicht so schwierig sei. Die Kreis- ausschüsse, auf die die Herren aus Preutzen hingewiesen hätten, seien am wenigsten geeignet, die Wahlen im Sinne und im Interesse der landwirtschaftlichen Arbeiter auszuüben, da in den Kreis- ausschüssen so gut wie gar keine Arbeiter sitzen. Äbgg. Dr. M u g d a n und K u l e r s k i bekämpften ebenfalls entschieden die Vorlage. Auch das Zentrum versagte hier die Gefolgschaft den Agrariern. So wurde die Vorlage gegen die Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und Wirtschaftlichen Vereinigung abgelehnt und für die Arbeitervertreter in den Land- krankenkassen dieselbe Wahl vorgeschrieben wie in den Ortskranken- lassen.— Jetzt war aber auch den Konservativen und Nationalliberalen die Lust vergangen, den Arbeitgebern die Hälfte der Krankenkassen- beitrüge aufzuerlegen. Demgemätz wurde die Bestimmung der Vor- läge, die diese Neuerung vorschlägt, einstimmig abgelehnt und die jetzige Teilung der Beiträge angenommen» so datz die Arbeit- geber nur ein Drittel und die Arbeiter zwei Drittel zu bezahlen haben. kleines feuiUeton. Der Erfinder des Lustballrns. Die Fahrt des„L. Z. 7" nach Düsseldorf führt uns die großartige Entwicklung der Lust- fchiffahrt deutlich vor Augen. Da wenden wir gern den Blick zurück zu den Anfängen dieser Entwicklung, mit denen der Name Joseph Montgolsiers verknüpft ist, dessen Todestag am 26. Juni zum hundertsten Male wiederkehrt. Er ist der erste gewesen, der einen Luftballon in die Höhe steigen ließ. Montgolfier mochte auf der Schule nichts lernen, denn sein unruhiger Erfindungsgeist gab ihm abenteuerliche Pläne und Ideen ein. Er floh wiederholt, um seinen vielfachen Ideen und Plänen ungestört nachgehen zu können. Später folgte er den Mtten seines Vaters und trat in seine Papierfabrik ein, wo er bald eine ganze Reihe von"5'armen vorzunehmen begann. Der Vater widersetzte sich,. ließ ihn deshalb und gründete mit seinem Bruder Eticnne zusammen zwei neue Fabriken, in denen er zahlreiche Verbesserungen einführte. Sein Bruder lenkte seine Aufmerksamkeit auf ein neues Gebiet, das damals viele Köpfe beschäftigte: auf die Luftschiffahrt. Joseph kam auf die Idee, den Rauch, der ja stets nach aufwärts strebt, zur Ueberwindung der Schwerkraft zu verwenden. Am 5. Juni 1783 war die Erfindung des Bruders soweit ge- diehen, datz sie mit ihr in ihrem Wohnort Annonay zum ersten Mal vor die Oeffentlichkeit traten. Der erste Ballon, den sie mit Glück in die Luft steigen ließen, war kugelförmig und bestand aus mit Papier gefütterter Leinwand. Die Brüder traten vor die zahl- reich versammelte Meng« und begannen den Sack mit ihrem ge- heimnisvollen Dunst zu füllen. In kurzer Zeit entwickelte sich eine Kugel von 10 Meter Durchmesser. Der Sack wurde losgelassen und stieg mit großer Geschwindigkeit bis zu einer Höhe von 300 Meter. Dann senkte er sich wieder langsam, da die eingeschlossene erhitzte Luft allmählich erkaltete. Ungeheuer war der Enthusiasmus in ganz Frankreich. Die Brüder mutzten ihre Erfindung auch in Paris und Versailles vorführen. Joseph Montgolfier wandte nun seine ganze Kraft der Aufgabe zu, einen größeren Ballon zu schaffen, der auch Menschen mit in die Luft nehmen könnte. Pilatre de Rozier war der erste, der mit einem solchen Ballon am 19. Oktober 1733 aufstieg. Andere glückliche Ausstiege folgten; für die neue Kunst war die Bahn gebrochen. Unermüdlich arbeitete der Erfinder nun an der Verbesserung seines Werkes; Ludwig XVI. hatte ihm zu diesem Zweck eine Summe von 40 000 Frs. ausgesetzt. Aber die Revolution setzte seinen Bemühungen ein Ende, erst Bona- parte nahm sich des einst so gefeierten Mannes wieder an. Außer dem Luftballon hat Joseph Montgolfier 1734 auch den Fallschirm erfunden, den er an mehreren seiner Ballons anbrachte. Miinchener Lnstbarkeitssteuern. Aus München wird uns ge- schrieben: Es blieb dem prächtigen Kultusminister Wehn er und dem Geheimrat Tschudi als Direktor der bayerischen staatlichen Galerien vorbehalten, den Besuch der Alten Pinakothek als eine Lustbarkeit zu erklären und demgemätz mit der Lustbqrkeitssteuer belegen zu lassen. Tschudi hat durch diese Initiative sowie durch die mit gleicher Entrüstung in beteiligten Künstlerkreisen aufge- »Miene Beschränkung der sogenannten Kopiertage in den Bilder- In dem Abschnitt über die„Zusammensetzung in Betriebs- und Jnnungskrankcnkassen" wurde zunächst als Folge des lBeschlusscs in der Sitzung gestern die Vorlage dahin geändert, datz auch hier die Arbeitgeber nur ein Drittel der Vertreter und die Arbeiter zwei Drittel stellen. Dann beantragten die Konservativen, daß in den Jnnungskrankenkassen dennoch die Hälfte der Mitglieder des Aus- schusses und des Vorstandes von der Innung bestellt werde, wenn die Jnnungsmeister die Hälfte der Kassenbeiträge bezahlen. Der Antrag wurde angenommen, da auch das Zentrum und die N a- tionalliberalen dafür eintraten. Die Sozialdemokraten beantragten, datz einem Arbeiter- vertteter im Ausschutz oder im Vorstände einer Betriebskrankenkasse nur dann das Arbeitsverhältnis gekündigt werden kann, wenn er seine Pflichten als Arbeitervertreter nicht er« füllt oder sich sonst eine grobe Ungehörigkeit zu- schulden kommen läßt. Genosse Hoch erinnert daran, datz dieser Antrag einer Bestim» mung des preutzischen Berggesetzes entspräche. Selbst das preutzische Abgeordnetenhaus habe einen solchen Schutz für notwendig an- erkannt, damit die Arbeitervcrtreter, die als Sicherheitsmänner in den Bergwerken tätig sind, ihre Pflichten auch gegen ihren Arbeit- geber erfüllen können, ohne eine sofortige Kündigung ihres Arbeits- Vertrages befürchten zu müssen. Gegen diesen Antrag sprach Ministerialdirektor Caspar und ein anderer Regierungsvertreter, da die Arbeitervertreter in den Be- triebskrankenkassen auf einen solchen Schutz keinen Anspruch hatten. Ihnen schlotz sich Abg. Dr. H i tz e an. Er konnte jedoch seine eigenen Parteifreunde nicht überzeugen. Denn die Zentrumsabge- ordneten Becker, Schirmer und Erzberger stimmten für den An- trag. Leider aber genügten die anderen Zentrumsabgeocdneten, um mit den Konservativen und Nationalliberalen den Antrag z« Fall zu bringen. Die Kassenbeamten sollen nach der Vorlage nicht mehr wie bisher vom Vorstand durch einfachen Mehrheitsbeschlutz angestellt werden. Vielmehr wird ge» fordert, daß sowohl die Mehrheit der Arbeitgebervertreter als auch die Mehrheit der Arbeitervertreter sich für die Anstellung des Be- amten erklärt. Kommt eine solche Einigung nicht zustande, so ent- scheidet vorläufig die einfach« Stimmenmehrheit. Der Beschlutz bedarf jedoch der Bestätigung durch das Versicherungsamt. Sie darf nur auf Grund von Tatsachen versagt werden, die darauf schließen lassen, datz dem Vorgeschlagenen die erforderliche Fähig- leit oder Zuverlässigkeit fehlt. Die Sozialdemokraten bekämpften diese Bestimmungen und beantragten, datz die Wahl der Beamten wie bisher auch fernerhin durch einfache Mehrheit des Vorstandes erfolgen soll. Auf der andern Seite forderten die Konservativen eine Verschärfung der Vorlage. Das Zentrum erklärte sich gegen beide AbänderungSanträge. Es trat für die arbeiterfeindlichen Bestimmungen der Vorlage ein mit der Abschwächung, daß nicht alle Beamte, sondern nur die Ge- schäftsführer, die Rechnungs- und Kassenführer, ferner die zur Ueberwachung der Kranken und zur Einziehung der Beiträge an- gestellten Personen nach der Vorschrift der Vorlage angestellt werden. Dem stimmten auch die Konservativen und Nationallibe« ralen zu. So schien die Annahme dieser Bestimmungen sicher zu sein. Die Sozialdemokraten hatten aber noch den Zusatz be- antragt, daß die religiöse oder politische Betätigung nicht als eine Tatsache gilt, die darauf schließen lätzt, datz dem Vorgeschlagenen die erforderliche Fähigkeit oder Zuverlässigkeit fehlt. Es wurde nun zunächst der Zentrumsantrag gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, Fortschrittler und des Polen angenommen. Tann wurde der Zusatz der Sozialdemokraten gegen die Stimmen der Konservativen, Nationalliberalen und der wirtschaftlichen Ver- einigung angenommen. Hierauf stimmte aber diese Minderheit gegen den so erweiterten Zentrumsantrag, so daß der Antrag schließ- lich mit allen Stimmen gegen die des Zentrums abgelehnt wurde. Es wurde noch mit der Beratung der Bestimmungen über die Recht sverhälwisse der Angestellten begonnen. Jedoch konnte sie noch nicht beendet werden, sondern wird Montagnachmittag fortgesetzt werden. Beschlossen Wurde noch datz die Arztfrage, die in dem nächsten Abschnitt der Vorlage behandelt ist, vorlaufig zurückgestellt wird. sälen der Pinakothek sich hier sehr rasch unbeliebt gemacht. Datz die hinter Wehner stehenden Schwarzen im Landtag ohne weiteres die Hand zu dem kunstfeindlichen Antrag bieten würden, an vier Wochentagen den Besuch der Allen Pinakothek mit 1 M. zu be. steuern, war ebenso vorauszusehen wie da» Plazet der erlauchten Gehirne in der Reichsratskammer. Tschudi macht jetzt in Mün- chener Blättern einen mehr wortreichen als überzeugenden Be- schwichtigungsversuch. Durch die Steuer, die den Besuchern ab- geknöpft wird, würden der Pinakothek„erweiterte Entwickelungs- Möglichkeiten geboten, die wieder dem genießenden Publikum, in erster Linie München selbst zugute kämen.* Da der Staat nun einmal seine Aufgaben in bezug auf unentgeltliche Kunstförderung nicht erfüllen könne,„erscheine es gerecht, wenn ein Teil der Lasten von den Leuten getragen werde, die den unmittelbaren Vorteil davon haben.* Ob es nicht unbillig sei. dem bayerischen Steuer. zahler ein Opfer zuzumuten, damit 100 000 Fremde München» Kunstschätze ohne Gegenleistung genietzen können?* Mit all diesen bureaukratischen Beschwichtigungsversuchen beweist Herr Tschudi nur, datz er im Widerspruch steht mit den Zeitforderungen einer demokratischen, allen zugänglichen Bildung und Kultur, datz er um lumpiger 20 000 M. Mehreinnahmen eine Knauser- und Schacherpolitik treibt, die der bisherigen noblen Tradition der Wittelsbachschen öffentlichen Kunstfördcrung geradezu ins Gesicht schlägt. Malaria in Deutschland. Die allgemein verbreitete Meinung, datz die Malaria, die in allen heitzen und gleichzeitig feuchten Gegenden der subtropischen und tropischen Zone mit Recht so gefürchtete Krankheit des Sumpffiebers, auf den Gesundheits- zustand des deutschen Volkes keinen wesentlichen Einfluß mehr habe, findet eine Widerlegung durch die groß angelegte Enquete. mittels der die Senckenbergische Naturforschcnde Gesellschaft in Frankfurt a. M. zurzeit das Verbreitungsgebiet und die Leben»- weise der Anophelesmücken in Deutschland festzustellen unter- nimmt. Nachdem die jüngsten Forschungen Robert Kochs und deS früh verstorbenen Dr. Fritz Schaudinn den letzten Zweifel daran besei- tigt haben, datz unter allen Säugetieren nur der Mensch an der Malaria, und zwar nur dann überfallen werden kann, wenn er durch den Stich der Anophelesmücken mit den in deren Giftdrüse enthaltenen Malariaplasmodien(Pilzen) infiziert wird, hängt die präventive Bekämpfung der Krankheit zum größten Teile von der Kenntnis derjenigen Gebiete ab, wo Anophelesmücken ständig zu Hause sind. Als derartige Krankheitsherde, in denen die Malaria nie erlischt, sind in erster Linie die Marschengegenden an der Nordsee zu nennen, wo die Krankheit seit einigen Jahren eine starke Zunahme zeigt, ferner aber auch große Strecken auf der Insel Rügen und Teile der Umgebung von Aachen, Leipzig, Breslau, sodann Gebiete in Thüringen, Unterelsatz, im märkischen Seen- gebiet, im Qderbruch und an der Przemsza in Oberschlesien. Ohne Zweifel wird man aber, nachdem die Aufmerksamkeit einmal auf das verderbenbringende Insekt gelenkt ist. noch zahlreiche andere Stellen entdecken, an denen es heimisch ist. Es hat sich bei dieser Enquete herausgestellt, daß alljährlich allein in öffentlichen Krankenhäusern Deutschlands mehr als 1000 Patienten wegen in Deutschland erworbener Malaria dehandelt werben, Au; der �ustirliowmissis». In der Sonnabendsitzung wurde bei Z 235 die Beratung der St.-P.°O. fortgesetzt. Derselbe gibt den beisitzenden Richtern und den Prozetzbeteiligten das Recht, an Zeugen und Sachverständige unmittelbar Fragen zu stellen. Dazu verlangten unsere Genossen, in einwandfreier Weise im Gesetz festzustellen, datz zu den„Prozetzbeteiligten* auch der Verteidiger und Beistand ge- hört. Dieser Antrag wurde angenommen. Ein Regierungsver- treter erklärte, datz nach dem geltenden Recht der Staatsanwalt kein Recht habe, direkt Fragen an den Angeklagten oder Zeugen zu richten. Der letzte Absatz des§ 235, wonach bei wiederholt durch das Gericht zurückgewiesenen Fragen den Prozetzbeteiligten das Recht der direkten Fragestellung genommen werden kann, wurde gestrichen. Ein weiterer Antrag unserer Ge- nassen, dem Staatsanwalt zu verbieten, direkte Fragen an den Angeklagten zu richten, wurde abgelehnt; dagegen ein kon- servativer Antrag angenommen, nach dem alle Prozetzbeteiligten ein direktes Fragerecht an den Angeklagten haben sollen. <5 238 gestattet dem Staatsanwalt und dem Verteidiger, die von ihnen benannten Zeugen unmittelbar zu vernehmen. Der Paragraph wird auf Antrag des antisemitischen KommissionSmit- gliedes g estr i che n. Die§§ 242 und 243 bestimmen die Fälle, in denen in Ab- Wesenheit eines bereits vernommenen Zeugen das Protokoll über die richterliche Vernehmung verlesen werden kann. Die dazu ge- stellten AbänderungSanträge unserer Genossen wurden abgelehnt. Nach dem§ 244 kann dem Zeugen, wenn er sich in der Haupt- Verhandlung seiner früheren Aussagen nicht erinnert, seine frühere Aussage vorgehalten werden. Unsere Genossen und Abg. Gröber beantragten, zu bestimmen, datz in solchen Fällen nur Protokolle über richterliche Vernehmungen verlesen werden dürfen. Dagegen bestand die Regierung darauf, daß auch aus nichtrichterlichen Vernehmungen dem Zeugen V 0 r h a l t u n- gen gemacht werden sollen; diese Vorhaltungen sollen aber keine Beweisführung bilden. Die Abstimmung über diese Anträge wird auf Donnerstag, den 30. Juni, den nächsten Sitzungstag, vertagt. vs; IPoifenlplel zu€nde. New Fori, den 12. Juni. Ueber alles Erwarten schnell hat der Gang der Ereignisse dar» getan, wie sehr diejenigen im Rechte waren, welche das gerichtliche Einschreiten der Bundesregierung gegen 25 Eisenbahnen des mitt- leren Westens als eitel Spiegelfechterei bezeichneten. Wie schon mitgeteilt, lietz der Bundesgeneralantvalt(Justiz- minister) auf des Präsidenten Taft Antveisung am 31. Mai einen Einhaltsbefehl erwirken, durch ivelchen den beklagten 25 Eisen- bahngesellschaften die Anwendung der für den 1. Juni angekündig- ten erhöhten Frachtsätze vorläufig untersagt wird. Am 6. Juni erfolgte der Friedensschluß zwischen dem Präsidenten Taft als Wortführer der Regierung und den verklagten Bahnen. Der Bundesgeneralanwalt lietz die angestrengte Klage zurückziehen; dagegen verpflichteten sich die Eisenbahnen, die angekündigte Er- höhung der Frachttarife nicht durchzuführen und es bis zur An- nähme oder Ablehnung des dem Kongreß vorliegenden Eisenbahn- gesctzentwurfes bei den bisherigen Frachtsätzen zu belassen. Die Entscheidung über den Entwurf mutz noch vor Ablauf der gegen- wältigen Legislaturperiode deS Repräsentantenhauses fallen. All- gemeine Neuwahlen finden im November statt. Die Regierung läßt erklären, sie habe mit dem Abschluß der Vereinbarung einen Erfolg errungen; die Bahnen ihrerseits sind, wie Brown, der Präsident der New Uork Central-Bahn versicherte, „hochbefriedigt". DpS Publikum befindet sich in der Rolle des Leidtragenden. Das gegen die Eisenbahnen angestrengte, inzwischen aber ein» gestellte Verfahren war zivilrechtlicher Natur. Wäre es zum Aus- trag gekommen und günstig für die Regierung verlaufen, so hätte ein Strafverfahren eingeleitet werden müssen gegen diejenigen Beamten, welche für die ungesetzliche Vereinbarung der Fracht- tarife die Verantwortung tragen. Aber unsere amerikanischen BeHorden pflegen Milde zu üben nicht nur gegen gewöhnliche Spitz- zu denen noch eine wesentlich größere Zahl von solchen kommt, die in der Privatpraxis behandelt werden. Die reichsten Brutstätten der Anophelesmücken, deren Flugzeit in die Monate von Juni bis September fällt, sind diejenigen sumpfigen Ländereien, die beim Wechsel von Ebbe und Flut von Brackwasser durchspütt werden. ES wird aber auch beobachtet, datz die Stech- mücken in Kellern, auf Böden und Ställen, besonders solchen, in denen Schweine gehalten werden, überwintern. Da die Pias. modienforschung sich noch in ihren Anfängen befindet, ist endlich auch keineswegs ausgeschlossen, datz auch die gewöhnlichen Stech- mücken von der Gattung Culex Schleimparastten beherbergen, deren Uebertragung auf den Menschen Fieber hervorrufen kann. Auf keinen Fall aber sind Mückenstiche Berietzungen, die als gleichgültig aufzufassen sind. Theater. Deutsches Theater.(Sommer-Direktion.)»Die Laune des Verliebten' von Goethe;„Judith und Holo- fernes*. Parodie von N e st r 0 y. Das zierliche Rokokostückchen des jungen Goethe, in dem der eifersüchtige Galan durch eine klug- kokette Freundin seiner Angebeteten zur Einsicht gebracht wird, datz ein gelegentlich falsch adressiertes Klltzchen gar kein so schrecklicher Verrat der Liebe ist, fand, wen» die Darstellung auch nicht durchweg den rechten Ton traf, sehr beifällige Aufnahme. Charmant war Fanny Ritter als liebenswürdige Lehrerin der Toleranz. Die nach Reinhardts»Judith*- Inszenierung in der letzten Saison sozusagen wieder aktuelle Posse des alten Nestroh entfesselte, namentlich in dem ersten, witzigsten Akte, stürmische Heiterkeiten. Der Hebbelsche HolofcrneS mit seiner chiniborassohaften Renommisterei und den zur Bekräftigung on gros verübten Bluttaten bietet ja einen ungewöhnlich dankbaren Gegenstand der Satire, die hier um so lustiger wirkte, da sich mit der Parodie des Werkes zugleich auch die der pathetisch stilisierenden Reinhardt- Vorstellung verband. Alexander Eckert, ein kleiner Herr, der daS Manko leiblicher Furchtbarkeit durch ein bedrohlich gesträubtes Strauchwerk der Haare ausglich, kopierte ulkig WegenerS infernalisch dreinschauenden Assyrer- feldherrn. Er starrte, das Kinn auf dem Schwertknauf, bis zum Platzen mit ungeheurem Selbstgefühl erfüllt, sphinxartig vor sich hin, um dann vielleicht im nächsten Augenblick schon in sein geliebtes Wiener Deutsch hinüber zu voltigieren. Eine Ricsentafel: Ich bin ich, Holoferncs, der größte Mann der Welt, verkündet seinen Ruhm. Und zum Beweis, datz das nicht übertrieben war, lietz der Himmel bei jeder seiner knatternden Tiraden majestätisch den Theaterdonner rollen. ES herrschte respektlos amüsante Offenbach- Stimmung in diesen Szenen, in denen beinah Schutz auf Schutz ins Schwarze trifft. Im zweiten Bild hat Nestrohs Laune erheblich nachgelassen, am wirksanisten erwies fich da die Bühnentraveftie von Reinhardts farbigen, wildbewegten BolkSumzügen der belagerten Bethuliner. Der Schluß bringt wieder eine Reihe von Schlagern, die Herr Eckert-HolofenieS glänzend exekutierte. Er mordete mit einer Leichtigkeit, wie Jungen ihre Zinnsoldaten umlverfen. Der korpulente Guido Herzfeld als Judith, im Kostüm der Tilla Durieux, betörte durch den Liebreiz seiner-wuchtigen Tänze den Sinn des Uebermenschen, der, seines Haarbusches und seiner Dämonie total vergessend, ein stillvergnügter kleiner Schwerenöter wurde. In der flotren Inszenierung fleckt« eine Menge Arbeit. St. buken, welche als Staatszeugen ihre Mitschuldigen belasten, sondern auch, und zwar in noch viel höherem Matze, gegen verbrecherische Millionäre und kapitalmächtige Gesellschaften. Vorläufig halten sich die Eisenbahnen für den ihnen durch den Verzicht auf die Erhöhung der Frachttarife erwachsenden Ein. nahmeausfall anderweitig schadlos. Aus sreien Stricken traten der zwischen der Regierung und den LL beklagten Eisenbahnen getroffenen Vereinbarung auch die östlichen Bahnen bei. Eine von diesen zeigte, wie sich auch bei den gleichen Fracht- und Personen- tarifen höhere Einnähmen erzielen lassen. Die New Dork, New Häven and Hartforfc-Bahn bringt nämlich für die Berechnung der Zahrkartenpreise zwischen den einzelnen Stationen g r ö tz e r e Entfernungen als bisher in Ansatz. Und was den Passagieren recht, das ist den Frachtgütern selbstverständlich billig. Sicherlich findet das Beispiel Nachahmung. Uebrigens enthält das zwischen Taft und den Bahnen einge» gangene Abkommen keine Bestimmung über die Klassifizierung der Fracht. Den Kassen der Eisenbahnen, wie den Geldbeuteln der Frachtsender kann es herzlich gleichgültig sein, ob die Frachtsätze durch die Erhöhung der Tarife für einzelne Klassen von Gütern oder durch die Verweisung von Waren aus einer niedrigeren in eine höhere Klasse verteuert werden. Nun ficht allerdings der Eisenbahngesetzentwurf in der vom Senat befchlofsenen Fassung vor. datz die Bundes-Verkehrskom- missjon befugt sein soll, die Klassisizierung der Frachtgüter zu über. wachen. Aber da. die Beschlüsse der beiden Häuser des Kongresses voneinander abweichen, so müssen weitere Verhandlungen, zunächst in der aus Vertretern deS Senats und deS Repräsentantenhauses bestehenden„Conference" geführt werden. Was dabei heraus- kommt, wird eher alles andere sein als ein Gesetz, das den Eisen» bahnen wehe tut. So lange die Ausgabe der Eisenbahn-Aktien und-Bonds nicht der Bundeskontrolle unterliegt, steht die Regierung in Washington dem Wucher, der durch die Erhöhung der Personen, und Fracht- tarife getrieben wird, tatsächlich ohnmächtig gegenüber. Eine auch für unsere Machthaber sütze Ohnmacht! So brauchen sie den Bahnen nicht im Ernste zu nahe zu treten. Denn wohlgemerkt: das gegen L5 Bahnen angestrengte, inzwischen wieder eingestellte Verfahren richtete sich nur gegen die strafbare Verabredung zum Zwecke der Ausschaltung der freien Konkurrenz, nicht aber gegen die Höhe der verabredeten Frachtsätze. Nach zahlreichen gericht- lichen Entscheidungen haben die im Privatbesitz befindlichen so- genannten„öffentlichen" Betriebe, zu denen auch die Eisenbahnen gehören, Anspruch auf einen„angemessenen"(t-ur) Gewinn. Derselbe wurde noch niemals niedriger als auf sechs Prozent des Aktienkapitals festgesetzt. Die in dem ursprünglichen Entwurf des Eisenbahngesetzes enthaltene Bestimmung, nach welcher die Aus« gäbe von Aktien und Bonds der Bahngesellschaften der Kontrolle der Bundes-Verkehrs-Kommission unterstellt wird, ist schon abgelehnt und hat auch nicht die geringste Aussicht aus nachträgliche Annahme. Unsere Bahnen brauchen nur ihr Kapital weiter zu verwässern, g. B. an ihre Aktionäre neue Aktien zu verschenken, und sie können Frcktbt- und Personentarife unter allen Umständen erhöhen. In der Steigerung der Passagiersätze haben sie in den letzten Tagen ganz Erkleckliches geleistet, ohne datz eine Behörde sich darum ge. kümmert hätte. Und dabei weisen die Berichte auch derjenigen Bahnen, welche ihrem Personal schon höhere Bezüge zahlten, für die ersten vier Monate deS laufenden Jahres pro Meile Gleise einen höheren Reingewinn auf als jemals seit 1897. Die Lohn- erhöhungen mutzten bekanntlich den Vorwand zur Steigerung der Fracht- und Passagiersätze abgeben. Bus der Partei. Di« sozialdemokratische Bewegung i» den russischen Ostsee- Provinzen. Die Duma nahm in einer ihrer letzten Sitzungen die Interpellation über die Regierungsgreuel in den Ostseeprovinzen an, die die sozialdemokratische Fraktion vor mehr als zwei Jahren in der Duma eingebracht hatte. Weder der Widerstand der baltischen Junker, noch die Verschleppungstaktik der Oktrobisten konnte es verhindern, datz die wuchtige Anklage der Sozialdemokraten gegen die RegierungSbanditen selbst in dzr dritten Duma als genügend begründet angesehen wurde. Die Annahme dieser Interpellation weckt die Erinnerung an den fluchwürdigen Leiter der Strafexpedition, General Orlofs, der die Ostseeprovinzen im Jahre 190« mit seinen Hunnen über« schwemmte und das blühende Land in einen Trümmerhaufen ver- wandelte. Einer der feigsten und unfähigsten Generale im japa« nischen Krieg, der die Niederlagen zum guten Teil mitverschuldete, suchte General Orloff kriegerische Lorbeeren im Kampfe gegen das eigene Volt zu erbeuten. Rauchende Trümmerhaufen, Hunderte von Leichen, geschändete Frauen, vernichtete Existenzen zeigten den Weg, den er nahm, und die Kriegs- und Feldgerichte, die Folter- kaminern in Städten und Dörfern, die freiwilligen Schergendienste der baltisch-deulschen Junker vervollständigten das Bild der gewalt- samen Unterdrückung der Volksbewegung.„Wo mein Fuß hin- tritt," rief General Orloff aus,„wird der Aufruhr nicht wieder erstehen!" Kurze Zeit schien es in der Tat, als ob sich dieses „Programm" verwirklichen sollte. Die sozialdemokratischen Orga» nisationen in den Dörfern waren vernichtet, die städtischen Orga- nisationen outzerordentlich geschwächt, die Krise und Arbeitslosig- keil schufen in den Arbeiterkreisen eine gedrückte Stimmung, und das Kleinbürgertum und Bauerntum schwenkten von der Sozial- demokratie völlig ab und überhäuften sie mit den ärgsten Schmähungen. Aber die sozialdemokratische»Bewegung als solche, die Bewegung des klafienbewutzten Teiles des städtischen und länd- lichen Proletariats, konnte weder durch die Maschinengewehre General Orloffs, noch durch die Kriegsgerichte und Zuchthausgesetze der Regierung Stolypins aus der Welt geschafft werden. Uner- müdlich und unverdrossen setzten unsere Genossen ihre werbende, aufklärende Arbeit fort und an Stelle der vernichteten Organisa- tionen traten bald neue in den Kampf. Die lettische Sozialdemokratie— schreibt die„Prawda"— hat alle Schrecken der wahnsinnigen Reaktion durchlebt und kann jetzt auf eine angestrengte organisatorische und agitatorische Arbeit zu- rückschauen. Wie eine böse Ironie über die Reaktion klingen die bekannten Worte General Orloffs. Die Sozialdemokratie Lett- lands zählt jetzt 3500 klassenbewutzte Arbeiter in ihren Reihen. Ihr Einflutz nimmt wieder mit jedem Tage zu. An Stelle der verbrannten Bauernhöfe sind sozialdemokratische Organisationen des ländlichen Proletariats erstanden, die mehr als 1800 Mitglieder in ihren Reihen zählen. In den letzten Monaten sind die Ver- bindungen mit allen sozialdemokratischen Organisationen Lettlands wiederhergestellt worden. Das Zentralkomitee nimmt seine litera- rische Tätigkeit wieder auf. Bis Anfang 1909 gab das Zentral» komitee sein Organ„Zihna"(Der Kampf), von dem 100 Nummern erschienen sind, illegal in Rutzland heraus. Infolge zahlreicher Verhaftungen mutzte das Organ mehrfach eingestellt werden, aber unsere lettischen Genossen klammerten sich an die kleinste Möglich- ieit, eine weitere Herausgabe zu ermöglichen. Gegenwärtig wird das Organ im Auslande herausgegeben werden, und die„Zihna" wird wieder ihre Stimme erheben, die daö sozialdemokratische Be- wutztsein und die Kampfbereitschaft in die Arbeitermassen trägt. Zu gleicher Zeit, wo unsere lettischen Genossen ihre illegalen Orga- nisationen erneuerten, umbauten und festigten, ließen sie auch alle möglichen legalen Formen der Massenorganisation— Geiverk- Schäften, Genossenschaften, Klubs, Bildungsvereine usw.— nick, autzer acht. Blotz in Riga sind sechs Gewerkschaften tätig, die Ende 1909 mehr als 2300 Mitglieder zählten(1908 nur 340). Neben den Gewerkschaften sind drei Arbeitergenossenschaften tätig, die Ende 1909 690 Mitglieder zählten. Mehr oder weniger unter dem Einflutz der Arbeiter stehen zwei andere Konsumvereine, deren Mitglicderzahl sich auf 1043 beläuft. Interessant ist der Kamps nm den Einflutz auf die Genossenschaftsbewegung, der zwischen den Sozialdemokraten lind dm kleinbürgerlichen Elementen geführt wird. Das Kleinbürgertum sucht, nachdem es sich von den Schlägen der Reaktion erholt hat, ökonomische Rettung in den Genossen- schaftm. Es hat den sogenannten„Verband der Genossenschaftler" gegründet, der sich in den Händen kleinbürgerlicher Führer befindet und den Arbeitervereinen seine Leitung aufzudrängen sucht. In letzter Zeit kommen die Arbeitergenossenschaften immer mehr zu der Ueberzeugung, datz sie mit den Anhängern Schulze-Delitzschs, den Ideologen der Kleinbourgeoisie, nichts gemein haben, und treten darum aus dem Bestände des„Verbandes" aus. Der Kamps der Sozialdemofratie ist vielseitiger geworden. Zu der Tätigkeit in den Geheimorganisationen und den legalen Vereinen ist der kommunale Kampf in Stadt und Land hinzu- gekommen. Ueberall, wo nur die geringste Möglichkeit besteht, tritt die Sozialdemokratie Lettlands bei den Wahlen für die Stadtver- ordnetenversammlungen und die Gemeindeverwaltungen auf dem flachen Lande hervor. In den Dörfern ist es vielerorts gelungen, die sozialdemokratischen Kandidaten durchzubringen, was von dem wachsenden Einflutz der Sozialdemokratie auf das ländliche Prole- tariat Zeugnis ablegt. Auf den zurückgelegten Weg des unermüdlichen Kampfes zu- rückschauend, können unsere lettischen Genossen die besten Hoff- nungen für die Zukunft hegen. Die Parteitätigkeit hat sich ver- tieft, ihre Basis ist breiter geworden, die Selbsttätigkeit der Massen ist im Steigen begriffen, und die Partei nimmt immer mehr einen wirklich proletarijchen Charakter an. Dieser Eintritt der Massen in die Bewegung, befreit unsere lettischen Genossen von den des- urgauisierenden Fraktionskämpfen. Die Einheit der praktischen Handlungen und taktischen Schritte, ungeachtet der Verschiedenheit der Anschauungen, hat bei der Wiederherstellung und Festigung der sozialdemokratischen Organisationen Lettlands unschätzbare Dienste geleistet. PoltreUicbes, Cäcricbtiichco Ufte. Freigesprochen wurde Genosse Marckwald-KönigSberg vor der dortigen Strafkammer von der Anklage der P o l i z e i b e l e i d i g u n g. Er sollte die Hochwohllöbliche durch die Kritik beleidigt haben, die er am 8. März im Stadtverordnetenkollegium zu Königsberg bei Begründung einer Interpellation wegen des Verfahrens der Polizei bei den Wahlrechtsdemonstrationen geübt hatte. DaS Gericht sprach ihn frei, da er in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe und nur, durch Zwischenrufe gestört, sich in der Erregung zu der Beleidigung habe hinreitzen lassen. frrni«od Schönebeck vor den Geschworenen. 17. Berhandlungstag(Sonnabend). In der gestrigen Verhandlung fiel die Art und Weise des In- quirierens in die Zeugin Neubauer auf. Während von konserva- tiver Seite und der Regierung geklagt wird, datz die Vernehmung von Zeugen von Angeklagten oder ihren Verteidigern dazu benutzt werde, Zeugen über Dinge ihres Privatlebens zu befragen, die mit der Anklage nicht das geringste zu tun haben, mutzte man eine ähnliche Art der Befragung durch denselben Vorsitzenden, der so peinlich fortdauernd darauf hinwirkt, die Militärs und wohl- habenden Familien, die durch Bekundungen blotzgestellt würden, nicht mit Namen zu nennen, gestern der Zeugin Neubauer gegen- über wahrnehmen. Es ist schlechterdings unerfindlich, was mit der Frage, ob Gäben gemordet und die Angeklagte ihn dazu angestiftet hat, die Frage zu tun haben soll, wo die Zeugin, die sich keineswegs als Jungfer ausgegeben, gewohnt hat, ob in einer Kuppelwohnung oder in einer anderen Wohnung. Fast noch peinlicher berührte die fortwährende Wiederholung von längst an die Zeugin gestellten und von ihr erledigten Fragen. Eigenartig berührte, datz unter den Personen, die sich in fast jedem Sensationsprozeh als Zeugen an- bieten, auch der Zeitungsberichterstatter Schweder befand. Und was war die Quintessenz seiner Aussage? Er hatte aus der An- zeige Privatlogis auf Tage, Wochen und Monate geschlossen, die so angezeigte Pension müsse eine Art Absteigequartier sein. Der Herr scheint Berliner Verhältnisse nur autzerordentlich oberflächlich zu kennen und ein lebhaftes Mitteilungsbedürfnis zu besitzen. Neulich hatte die vom Hauptmann Schloifcr-Charlottenburg ab- gegebene Erklärung, datz er und soviel er wisse, auch die militäri- scheu Mitzeugen, das Hereinziehen der Frau in seinen Prozetz durch Gäben aufs stärkste verurteilen, sympathisch berührt. Gestern wurde vom Hauptmann Deutelmoser eine dieser Angabe entgegen- stehende Erklärung abgegeben. Ueber die Verhandlung selbst bringen wir nachstehenden Bericht: Auf weiteres Befragen bekundet die Zeugin nochmals: Bei Fräulein v. Macks war ich vom 1. Februar bis 1. Mai. Sie ist eine alte Dame, gelähmt und brauchte eine wirtschaftliche Stütze. — Staatsanwalt: Wie oft war Hauptmann v. Gäben 1907 in Berlin?— Verteidiger Rechtsanwalt Bahn: Ich bitte diese Frage nicht zuzulassen. Wir können doch nicht immer dieselben Fragen wiederholen.— Vors.: Ich lehne die Frage nicht ab, ich wollte sie selbst stellen.— Zeugin: Er war etwa 11 oder 12mal 1907 in Berlin.— Verteidiger Rechtsnnwalt Bahn: Kannten Sie die An- geklagte vorher?— Zeugin: Ich sah sie niemals. Die Verteidigung beantragt dann noch, die Akten über die Beleidigungsklage Neubauer wider Schöne vom Amtsgericht Berlin. Mitte herbeizuschaffen. Der Staatsanwalt beantragte, den Schöne als Zeugen zu laden. Nachdem noch mehere Zeugen, deren AuS- sagen wir unten wiedergeben, vernommen waren, teilt der Vor- sitzende mit, der Berichterstatter Schweder habe ihm mitgeteilt, er könne näheres bekunden. Er habe der Zeugin Neubauer gegen- über gewohnt. Auf Antrag des Staatsanwalts wird die Berneh- mung des Zeugen beschlossen. Derselbe bekundet: Die Zeugin wohnte mir gegenüber in der Hedemannstratze. Früher war ein Sanatorium im Hause. Dann erschien eines Tages eine An- kündigung: Privatlogis auf Tage, Wvchen und Monate. Ich nahm gleich an, datz es ein Kuppclquartier sei. Nach etwa vier Wochen wurde der grötzte Teil der Möbel abgeholt. Ich habe nachher noch zwei Damen und einen Herrn in der Wohnung gesehen. Ich glaube, die Portierfrau meines Hauses hat Anzeige erstattet. Die Frage, ob ich etwas Positives gesehen habe, daß in dem Hause eine Bordell- Wirtschaft war, kann ich nicht bejahen. Ich habe es nur aus der Ankündigung: Privatlogis auf Tage, Wochen und Monate ge- schloffen. Ich habe nur einige Tage Beobachtungen gemacht, und war dann mehrere Wochen verreist. Zeugin Neubauer wieder vor- gerufen und befragt, erklärt: Solange ich in der Wohnung war, ist sie als Absteigequartier nicht mißbraucht worden. Es wohnten dort.nur Herren, darunter ein Offizier, die niemals mit Damen Verkehr hatten. Die Verteidigung beantragt, den Offizier zu laden. Nach Aussprachen darüber, datz es doch völlig unerheblich sei, ob die Wohnung ein Absteigequartier war und ob die Zeugin ein sittenreiner Engel war, wird allseitig auf Ladung des Offiziers, deS Fräulein Macks und deS Zeugen Schöne verzichtet. Der frühere Bursche beim Major Schönebeck, Weinert, jetzt Fabrikarbeiter in Essen, bekundet: Bei Tisch war zwei oder drei- mal Streit. Der Major sagte, das Essen tauge nichts. Die Frau Major erwiderte, wenn es ihm nicht paßt, könne er ja inS Kasino gehen. Er aß aber bann doch immer. In den Zeiten, wo die Frau Major selbst kochte, hat ihrem Mann baS Effen immer sehr gut geschmeckt. Davon, datz die Angeklagte mit Burschen etwas zu tun hatte, und datz ein Bursche sich 750 Mark verdient habe, oder datz dahingehende Gerüchte liefen, weitz ich nichts. Die Angeklagte empfing öfters junge Herren im Gartenzimmer oder im Salon. Ob etwas weiteres vorgekommen ist, weitz ich nicht. Die Frau Major schlotz das Zimmer ab.— Angekl.: Ich möchte dazu bemerken, toenv ich mich nachmittags hinlegte, habe ich die Nt.r HMu mix abgeschlossen. Auf Befragen erklärt der Zeuge: DaS ist richtig. Frau Marie Nowoczin war 1900 als Aushilfe bei der Familie von Schönebeck. Sie hat einmal gehört, datz der Major sehr aufgeregt mit dem Burschen sprach. Nachher hat er die Sache auch der Frau mitgeteilt. Diese war dann auch sehr aufgeregt. Um was es sich handelte, weitz sie aber nicht. Herrenbesuche hatte sie nicht bemerkt. Daß ein Taschenuch aus dem Fenster mit der Spitze in der Fenster- ecke eingeklemmt hing, hat sie gesehen. Was es für eine Be- wandtnis damit hatte, weitz sie nicht. Landrichter Krieger war als Untersuchungsrichter in der Sache tätig. Eine jetzt schwer nervöse und deshalb vernehmungsunfähige Zeugin hat, bekundet der Zeuge, ausgesagt: Die Angeklagte war sehr launenhaft, lebte wie ein grotzes Kind dahin, ohne jede Ueber- Icgung. Eines Tages fuhr sie ihr Töchterchen an:„Was hast Du> für eine scheutzliche Nase!" Als das Kind weinend weglief, stürzte die Angeklagte hinterher und kützte es wie rasend ab. Einmal weinte und tobte die Angeklagte bei sich zu Hause. Sie raufte sich die Haare aus und erklärte schlietzlich, sie habe die Briefe ihrer verstorbenen Mutter gelesen und schrie dann weinend:„Ich bin so unglücklich, daß ich ohne Mutter aufgewachsen bin, was war das für eine Frau." Die Konfrontation der Angeklagten mit Göben, erklärte der Zeuge, habe ich wegen des Gesundheitszustandes der Angeklagten nicht vorgenommen. Der Gesundheitszustand wurde immer bedenklicher, bis er in Geistesgestöriheit ausartete. Fräulein Neubauer wird nochmals vernommen. Sie wird von dem Vorsitzenden eingehend befragt, wo sie zuletzt in Stellung ge- Wesen ist. Sie erklärt: Ich war bis zum 1. Mai 1910 bei Fräu- lein von Macks als Gesellschafterin in Stellung.— Bors.: Wo wohnten Sie zuletzt?— Zeugin: Skalitzer Stratze 81 bei Frau Fischer.— Vors.: Mit wem?— Zeugin: Allein.— Bors.: Doch wohl nicht.— Zeugin: O ja.— Bors.: Wohnten Sie nicht auch Hedemannstratze 6?— Zeugin: Jawohl, vorher in einem Privat- logis.— Vors.: DaS soll eine bekannte Kupplerin gehabt haben.— Zeugin: Ich habe mich, als ich das erfuhr, sofort davon getrennt. Ich wohnte dort nur vier Wochen.— Vors.: Für die Wohnung sollen 3000 M. Miete gezahlt sein. Zu welchem Zweck wurde denn die Wohnung benutzt?— Zeugin: Als Pensionat.— Vors.: Für Herren. Und wieviel Damen standen denn zur Verfügung?— Zeugin: Gar keine.— Vors.: Sie sind durch Beschlutz vom 30. Mai aus der Wohnung herausgesetzt worden.— Zeugin: Ich habe den Mietskontrakt mit unterschrieben, der Beschlutz galt gegen jeden, der das getan hatte.— Vors.: Weshalb haben Sie uns davon nicht? gesagt?— Zeugin: Ich bin nicht danach gefragt worden.— Bert. Rechtsanwalt Bahn: Sie ist in der Tat nicht danach gefragt wor- den, sie kann doch hier nicht alle ihre Berliner Wohnungen an- geben.— Vors.: Aber ich wollte ihr Leben kennenlernen.— Bert. Rechtsanwalt Bahn: Ich bitte, Fräulein von Macks als Zeugin zu laden, um zu beweisen, datz die Zeugin bei ihr als Gesellschafterin war.— Zeugin Neubauer: Ich habe soeben die Handschrift des Briefes gesehen, den der Herr Vorsitzende in Händen hat. Der Brief stammt von einem Herrn Schöne. Ich habe gegen Herrn Schöne eine Privatbeleidigungsklage beim Amtsgericht Berlin- Mitte eingereicht. Hauptmann von Haeften, jetzt Generalstabsoffizier bei d«r Division in Erfurt, legt dar: von Göben hat in der Tat Schilde- rungen über die Schlacht am Spionskop, an der er nicht teilnahm, schriftlich und mündlich so gemacht, als ob er persönlich dagewesen wäre. Eine materielle Irreführung in dem Generalstabswerk liegt nicht vor, weil die Angaben auch auf anderen Berichten be» ruhen. Ich vermute, Göben hat die Angaben des Burenberichts, den wir hatten, und der ihm zur Verfügung gestellt war, sowie persönliche Mitteilungen des Generals Bolha benutzt und dann aus diesen Schilderungen eine Schilderung von Selbsterlebtem ge» macht. Wäre das herausgekommen, so wäre er sicher ein erledigter Mann gewesen. Er wäre dann nicht mehr in der Arme« möglich gewesen. Ich mache mir jetzt Vorwürfe darüber, datz ich nicht fest- gestellt hatte, ob von Göben am Spionskop gewesen sein kann. Da aber eine Persönlichkeit, wie er, mir sagte, er sei dagewesen, so kam mir gar nicht der Gedanke, daran zu zweifeln. Als ich Göben sagte, ich wollte ihn in den Einzelheften des Generalstabswerkes als meine Quelle anführen, bat er mich, seinen Namen wegzu» lassen. Ich nahm damals als Beweggrund Bescheidenheit an. Heute erscheint mir natürlich die Sache im anderen Licht. Datz Göben aus Hätz gegen England nach Afrika gegangen ist, glaube ich nicht. ES ist ihm bei den vielfachen Unterredungen, die wir hatten, nicht entfernt etwas von Hätz gegen die Engländer über die Lippen ge- kommen. Mir persönlich gab er als Motiv seines HinauSgehcns nach Südafrika eine Herzensangelegenheit mit einer verheiratete» Frau an. Wenn in den Personalbogen von einer Teilnahme Göbens an der Schlacht am Spionskop und wenn darin ferner von einer Verwundung in der Schlacht bei Tabanchu die Rede ist, so ist das objektiv unrichtig und kann m. E. nur auf Angaben GöbenS beruhen. Hierauf gab Hauptmann Deutelmoser folgende Erklärung ab: Ich schließe mich der Wahrnehmung deS Hauptmanns Haeften in jeder Beziehung an. Nun habe ich in den Zeitungen gelesen, daß Hauptmann a. D. Schleifer in meiner Abwesenheit hier eine Er- klärung abgegeben hat. Ich habe diese Erklärung selbst nicht mit angehört, kenne sie also nur aus der Presse. Aus der Fassung, die sie hatte, könnte man den Schluß ziehen, als ob die Freunde des verstorbenen Hauptmanns von Göben nach dem bisherigen Ergeb» nis der Beweisaufnahme entschlossen wären, das Andenken ihres Kameraden preiszugeben. Ich kann mir die Auffassung des Herrn Schleifer nur infofern zu eigen machen, als ich ebensowenig wie er daran denke, Handlungen, die verwerflicher Natur sind, auch nur mit einem Wort zu beschönigen. Herr von Göben aber hat die schwere Schuld, die er auf sich geladen hat, ebensoschwer gebüßt. Nach meiner Ueberzeugung ist die Mehrzahl seiner Freunde nicht gewillt, ihm ihr freundschaftliches Mitgefühl auch über daS Grab hinaus zu entziehen.— Vors.: Ich habe diese Erklärung zugelassen. ebenso wie die Erklärung deS Hauptmanns Schleifer. Auf die Verlesung der Briefe der Frau von Göben wirb ver» zichtet, da die aus den Briefen gemachten Feststellungen hinreichen« Die Zeugenvernehmung ist geschlossen. Es wird zur* Entgegennahme der Gutachten geschritten, Professor Dr. Puppe legt dar, in welcher Weise Major von Schönebeck erschossen worden ist. Der Schußkanal geht in gerader Richtung horizontal von vorn nach hinten. Hauptmann von Göben war 177,5, Major von Schöne» bcck 173 Zentimeter groß. Wenn man hinzurechnet, daß GöbenS rechtes Bein IZ� Zentimeter länger war als das linke, so kommt man zu einer Größe von 176 gegen 173. Die Augen der beiden Männer lagen in derselben Höhe. Der Schuß ist, wie wir auS dem Zerstreuungskegel des verbrannten Pulvers— er hatte einen Durchmesser von 30— 32 Zentimeter— festgestellt haben, in einer Entfernung von einem halben Meter ofrgescuert. Von Blutspuren war im Kopfkissen nichts zu finden. Der Schutz kann nicht im Bett abgegeben sein, vielmehr ist die Darstellung, wie sie Göben gibt, dem objektiven Befund entsprechend. Datz der Major nicht nach vorn, sondern hinten über gestürzt ist, ist sehr wohl möglich, wenn» gleich in der Regel Kopfschüsse zur Folge haben, datz der Ge» troffene vornüber stürzt. Ich halte es für ausgeschlossen, datz der Major im Bett getötet worden ist und sich dann«n die Stelle ge, schleppt hat. wo er gefunden wurde. Er ist vielmehr dort geschossen. wo er gefunden ist. GerichtSarzt Privatdozent Dr. Strauß bekundet: Die Angeklagte war im Charlottenburger Amtsgerichts- gefängniS schwer hysterisch. Auf Nadelstiche reagierte sie fast nicht. Der Puls war sehr hoch. Die Gesundheit wäre durch die Fortdauer der Hast gefährdet, deshalb habe ich sie für hastunfähig erklären müssen. Die Fortsetzung der Verhandlung wird auf Montag, 9H Uhr, anberaumt. Es sollen da die Sachverständigen sich über den Geisteszustand der Angeklagten und des Hauptmann» Von Göben äubero. Huo Induftrie und Kandel. Produktivität und Rentabilität. Zu wiederholten Malen zogen»gute Freunde" mit der Wucht ihres Selbstbewußtseins, das nicht zu erschüttern war, gegen von uns aufgestellte Rentabilitätsberechnungen zu Felde. Es sollte eine Sünde wider Objektivität und Wissenschaft sein, wenn wir bei Be- rechnungen über die Rentabilität industrieller Unternehmungen das tatsächlich investierte Kapital zugrunde legten. Unsere„Freunde" meinten, der Kurswert der in Betracht kommenden Papiere sei der richtige und zulässige Berechnungsmaßstab. Aus diesem Grunde hat das, was Dr. Heinz Potthoff im„Tag"(Nr. 144) über die Frage äußert, für uns ein gewisses Interesse. Er schreibt da u. a.: „In jedem Frühsommer, wenn die Dividenden der Aktien- gesellschasten zusammengestellt und als Beweis für die Ergiebigkeit gewerblicher Tätigkeit veröffentlicht werden, kommt die Entgegnung, daß die nominell hohe Dividende nur eine mäßig« Verzinsung dar- stelle— mit Rücksicht auf den hohen Kurs, den die Aktien haben, und den manche Besitzer auch tatsächlich beim Erwerbe der Aktien anwenden mußten. Wenn dieser Hinweis von Interessenten be- nutzt wird, um gegen Steuern, soziale Lasten, Lohnerhöhungen oder ähnliches Stimmung zu machen, so ist das verständlich. Wenn aber ernsthaft darüber gestritten wird, ob bei einer.Beurteilung der Rentabilität eines AktienunternchmenS der Nennwert oder der Kurswert zugrunde zu legen fei, so ist daS doch nur ein Beweis für die geringe volkswirtschaftliche Kenntnis, namentlich für die Unmöglichkeit, privatwirtschaftliche und volkswirtschaftlche Gesichts- punkte auseiimnderzuhalten. Wenn ich Aktien kaufe, um mein Geld nutzbringend anzulegen, so gehe ich bei der privatwirtschaftlichen Beurteilung der Anlage natürlich vom Kurswerte aus. Denn ich lege ja tatsächlich den vom Kurse diktierten Betrag an. Wenn ich die Aktien zu 200 v. H. kaufe, so ist für diese meine Anlage eine Dividende von nominell 10 v. H. allerdings eine mäßige Verzinsung, denn ich erhalte in Wirklichkeit nur 5 v. H. meines Geldes, also wenig mehr als den Zinsfuß für mündelsichere Anlage. Aber was hat diese Verzinsung meines Kapitals mit der Ren. tabilität des Unternehmens zu tun? Nicht das allermindeste. Beides ist völlig unabhängig voneinander. Der KurS einer Aktie kann den größten Schwankungen unterliegen, es können an dem Papiere Vermögen verdient und verloren werden, ohne daß die Rentabilität des Unternehmens im geringsten sich ändert. Beim Steigen der Kurse fließt dem Unternehmen kein Pfennig zu, und beim Sinken geht ihm nichts verloren. Für die Produktivität des Werkes ist maßgebend daS tatsächlich in ihm arbeitende Kapital. Also genau genomnien nicht das Aktien- kapital, sondern die Summe, die durch Gründung, Kapitalsver- mchrung(einschließlich Ausgabenagio), Rücklagen und dergleichen der Unternehmung tatsächlich zugeflossen ist. Auch hier ist ein Unterschied zwischen privatwirtschaftlicher und volkswirtschaftlicher Betrachtung. Privatwirtschaftlich kann man die Reserven einfach Zinsen gutschreiben und den Geschäftsgewinn voll als Ergebnis des Aktienkapitals rechnen. Das geschieht sogar stets beim Arbeiten mit fremdem Gelde. Denn hier findet ja tatsächlich eine vom Ertrage unabhängige feste Verzinsung statt. Auch das Agio kann man als Gewinn statt als Kapitalsvermehrung rechnen. Aber eine Volks- wirtschaftliche Schätzung, welche die Produktivität des Werkes vom Standpunkte der Gesamtheit ansieht, muß einen anderen Maßstab zugrunde legen. Sie muß alles arbeitende Kapital berücksichtigen, ganz gleich, auf welche Weise es in den Betrieb gekommen ist. Ein Beispiel verdeutlicht am besten den Unterschied: A. sei eine Aktiengesellschaft mit 1000 000 eigenem Kapital und 2 000 000 Kredit, der ihr zu 4 v. H. eingeräumt wird. B. eine Gesellschaft mit 3 000 000 Aktienkapital. A. mache 150 000 M. Jahresgewinn, B. 180 000 M. Dann hat A. nach Abzug von 80 000 M. Zinsen für das geliehene Kapital noch 70 000 M. als Gewinn für seine 1 000 000 M. zur Verfügung, während B. seine 180 000 M. auf 3 000 000 M. verteilen muß. Privatwirtschaftlich ist A. das rentablere Unternehmen, denn es kann eine Dividende von 7 v. H. verteilen, während B. sich mit 6 v. H. begnügen muh. Aber volkswirtschaftlich ist B. produktiver, denn bei gleichem Kapital hat eS 30 000 M. mehr Erträgnis abgeworfen als.A. Schon diese Andeutungen zeigen den gewaltigen Unterschied zwischen einem Urteile vom Standpunkte des Geldgebers oder des Unternehmens, des einzelnen oder der Gesamtheit. Es ist be- schämend, wie heute noch diese Dinge wirr durcheinander geworfen werden, und bedauerlich, daß wir noch so wenig Material besitzen, um die Produktivität der Unternehmungen zutreffend zu bewerten. Denn erst wenn wir das geleistet haben, können wir an den letzten. wichtigsten Schritt gehen._ Die Geistesblitze des Bündlcrorgans,„Deutsche Tageszeitung", sind zuweilen von überwältigender Wirkung. Aus unseren An- gaben über Selbstkosten und Gewinn der städtischen Wasserwerke in Nr. 139 des„Vorwärts" vom 17. Juni berechnet das Blatt die finanzielle Belastung pro Familie, indem es die ganze Wasser- menge als Privatverbrauch unterstellt. Zwar hat diese Arbeit einen erheblichen Zeitaufwand erfordert, trotzdem ist der Bündlerrechen- meister nicht dahinter gekommen, daß in den industriellen Städten nur ein Bruchteil der verbrauchten Wassermengen auf den Haus- gebrauch entfällt, das größere Quantum von industriellen Anlagen, für Straßenbesprcngungen usw. konsumiert wird. Der Redaktion der„Deutschen Tageszeitung" fehlt anscheinend ein ordentlicher Guß kalten Wassers. Interessengemeinschaft. Zwischen der Oberschlesischew Eisenbahn- bedarfs-Attiengesellschaft, Abteilung Huldschinskh-Werke in Gleiwitz, und der Vismarck-Hiitte ist auf dem Gebiete der Herstellung und des Verkaufs schmiedeeiserner Röhren ein Jnteressengemeinschafts- vertrag auf die Dauer von 10 Jahren zustande gekvmincn. Gleich- zeitig wird ein gemeinschaftlicher Verkauf für das In- und Ausland vorgesehen, soweit er nicht durch ein großes allgemeines Syndikat bewirkt wird. In ein solckies Syndikat dürfen nach dem Bertrage die Werke nur gemeinschaftlich mit einer einheitlichen Quote wie ein Werk eintreten. Zum Zwecke der Durchführung der vertraglichen Vereinbarungen haben die beiden Akiienaesellschaften eine G. m. b. H. unter der Firma Verkaufsstelle Oberschlesifchcr Stnhlröhrenwerke (Bismarckhütie— Huldschinsky-Werke) G. m. b. H. mit dem Sitz in Berlin, und mit Zweigniederlassungen in Gleiwitz und Bismarck- Hütte gegründet._ Viehnot«nd Fleischtcnernng. Der Rückgang der Vieheinfuhr, der schon im vorigen Jahre eingesetzt hat, dauert in schärfster Weise fort. Nach dem Vc- richt des Handelsministeriums wurden Schlachtvieh eingeführt gegen 2ö 009 einfuhr aus wichtigen Einfuhrgebieten Monaten: AuS 1008 Vereinigten Staaten 133 670 Kanada..... 21 579 Kanalinseln... 508 im Mai nur 11 419 Stück im Vorjahre. Die Gesamt- betrug in den ersten fünf 1909 83 034 28 134 639 1910 67 216 Stück 8 413. 1 146. Zusammen. 166 767 111867 76 773, Also ein Rückgang in zwei Fahren um mehr als die Hälfte. Entsprechend stieg der Preis des eingeführten SchlnchivicheS von durchschnittlich 351 M. das Stück im Jahre 1908 auf 389 M. Einen Teil der Schlachtvieh-Mindercinfuhr hat eine erhöhte Fleischeinfuhr ausgeglichen. Im Mai wurden 502 100 englische Zentner(owt.— 50,8 Kilo) eingeführt, 382 600 im Mai 1909. Der Preis stieg von 33,68 auf 39,87 M. pro Zentner. Der Oiltrust weicht nicht. Wie nun aus Wien gemeldet wird, erklärte die Vacuum Oil Co. das Gerücht über die Betriebseinstellung ihrer österreichischen Raffinerien für unzutreffend. Die Gesellschaft erhebt gegen die Maßnahmen der österreichischen Behörden bezüglich ihrer österreichischen Raffinerien Einspruch. Da sie ihren Sitz in Budapest hat, charakterisierten sich die Maßnahmen gegen ihre österreichischen Zweigniederlassungen als eine Verletzung des öfter- reichisch-ungarischen Zoll- und Handelsvertrages. «US der Frauenbewegung. Frauen- nnd Kindcrausbeutung in England. Der kürzlich veröffentlichte Bericht d«S englischen Hauptfabrik. inspektors, der die Berichte der weiblichen Fabrikinspektoren ent- hält, liefert einige interessante Angaben über die Konzentration im Schneidergewerbe und in der Wäscherei. In der Wäscherei hat man jetzt in London fast durchweg große Unternehmungen, die mit den neuesten Maschinen arbeiten. So groß ist die Umgestaltung in diesem Gewerbe gewesen, daß nach dem Bericht der Jnspektorin jetzt eine ganz andere Klasse von Arbeiterinnen beschäftigt wird. Der Beruf der selbständigen Schneiderin, d. h. der Schneiderin, die vielleicht einige Gehilfinnen beschäftigt und für ihre eigene Kun- dinnen arbeitet, ist in London fast ganz verschwunden. Wo diese kleine Unternehmerin noch existiert, da arbeitet sie gewöhnlich für die großen Geschäfte als Zwischcnunternehmer. Seit einigen Jahren hat die Konfektionsfchneiderci in London ungeheuer an Ausdehnung gewonnen. Die Kundinnen der Schneiderin finden jetzt unter den Produkten der Konfeftionsindustrie nicht nur eine große Auswahl, sondern auch Kleidungsstücke, die allen Figuren angepaßt sind. Das Resultat ist, daß Frauen, die früher nicht daran dachten, fertige Ware zu kaufen, ihren Bedarf jetzt aus- schließlich in den großen Konfektionsgeschäften decken. Die ersten, die die Konfektionsschneiderei in England zur Eni- faltung brachten, waren die aus Rußland fliehenden jüdischen Einwanderer. Der Landessprache unkundig und hilflos im frem- den Land waren diese bedauernswerten Flüchtlinge genötigt, sich meist im Osten Londons vom ihren Glaubensgenossen aufs schänd- lichste ausbeuten zu lassen. Mit Hilfe der billigen Arbeitskräfte gelang es der Konfektionsschneiderei bald, Boden zu fassen, bis sie jetzt in der Damenschneiderei wenigstens alle Betriebe nach Matz, die nicht für die nllerfeinste Kundschaft arbeiten, verdrängt hat. Obwohl diese jüdischen Schneider und Schneiderinnen manche Ver. suche gemacht haben, sich zu organisieren und ihre Lage zu ver- bessern, sieht es mit den Arbeitsverhältnissen in der Londoner Kon- fertionsschneiderei noch traurig aus. Die Werkstellen sind häufig wahre Brutstätten aller möglichen Krankheiten.„Daß die jüdischen Frauen nicht mehr durch das Einatmen dieser schlechten Luft leiden," berichtet Fräulein Abrons, eine der Jnspektorinnen,„dar- über habe ich mich immer gewundert. Ich kann es nur dadurch er- klären, daß die Arbeitszeit gesetzlich beschränkt ist und daß sie ge- wöhnlich nicht mehr arbeiten, wenn sie sich verheiraten oder wenn sie alt werden. Ich habe jedoch mehr Zeichen der Schwindsucht und Blutarmut bei den Männern als bei den Frauen bemerkt." Fräulein Squire berichtet über die Kinderarbeit in der engl!» scheu Textilindustrie und schreibt:„Man erhält den allgemeinen Eindruck, daß das Maß der Gesundheit und der körperlichen Tüch- tigkeit ein niedriges ists die Kinder sind unter dem gewöhnlichen Maße und schlecht entivickelt und die Zahl der Erwachsenen in der Stadt, die an Skrofulöse leiden, ist beträchtlich. Der schlechte Gesundheitszustand ist hauptsächlich der falschen Ernährung oer„balk timers"(d. h. der Schulkinder, die tagsüber schon einige Stunden in der Fabrik arbeiten) zuzuschreiben. Brot und Tee sind ihnen Hauptnahrungsmittel. Manche Kinder sagten, sie hätten Brot und Tee gehabt des Morgens, ehe sie zu arbeiten anfingen, um acht Uhr morgens hätten sie Butterbrot und Tee gehabt, das. selbe zu Mittag und vielleicht ein Ei oder gebratenen Fisch zum Abendbrot. Drei von acht„balk-timers", die ich in einer Fabrik befragte, hatten keine verantwortliche Person zu Hause, die ihnen ihr Mittagcssen verabreichte, wenn sie nach Hause gingen." Was das Schmachvollste an der Ausbeutung dieser kleinen, noch nicht 14 Jahre alten Arbeitssklaven ist, ist die Tatsache, daß die Eltern dieser Kinder keineswegs so schlecht gestellt sind, daß sie auf den Verdienst der Kleinen angewiesen waren. Es ist nichts als mo- ralische Rückständigkeit der schlimmsten Art, die für das System der Kindctarbeit in der englischen Textilindustrie verantwortlich ist.„Wir haben so früh in die Fabrik gemußt, ergo müssen unsere Kinder dasselbe Leiden durchmachen," sagen sich diese Eltern, deren geistige Nahrung einzig und allein die kapitalistische Presse mit ihrer zynischen Lebensphilosophie: bereichert euch! ist. Beim An- blick solcher Zustände kann man nicht umhin, dem Schicksal dafür zu danken, daß an der Wiege der deutschen Gewerkschaften der Sozialismus Pate gestanden hat. Leseabende. Pankow. Montag, den 27. Juni, im Lokale von Großkurt. Vor« trag Genosse F. Braun.. Tegel. Montag, 27., abends 8% Uhr, Leseabend bei Halses, Brunowstr. 23.— Vortrag und Besprechung über die Kinder- spiele._ Amtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-DIrekNon über den Grohhandel in den Zenwal-Mmkthallen. Marktlage: Fl ei Ich: Zufuhr schwach, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Geschäst rege, Preise befriedigend. G e 1 1 ü g e l: Zufuhr- in Gänsen rcichliib, sonst knapp, Geschäft lebhast, Preise hoch. Fische: Zu- fuhr mäßig, Geschäft ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käi«: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft rege, Preise wenig ver- ändert._ «KtterunaSiiderstch» vom SS. Juni 1910, morgen» 8 Ubr. Ctattonai swtnemdl Hamburg Berlin Franst.aM. Münch ev Wien «tattonen A | »— aparanda 764 NNO etersburg 749 NW sctllh Werde»» Bart» 761 W 762 NNO 764 WSW ! «euer 6 bedeckt 1 bedeckt 6 wolkig 3 bedeckt 2 bedeckt tü 6 11 13 11 14 Wetterprognoie für Tonntag, de« 26. Juni 1910. Ein wenig kühler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich bei mäßige« südwestlichen Winden, etwas Regen und Gewitterneigung. Berliner W e t t e r b u r e a«. ........ Sitte ,»»»»», / Sandalen : Jenmssäitthe\ Casting- i . tätihe.' •••• ••••••• Damen-Stiefel Chromleder-Schnürstiefel mit Udkippen 5.95 Braun echt Chevreaux-Schnürstiefel c ftA mit Ladekappen» Oi"ü Echt Chevreaux- u. Boxcalf-Schnür- B tiefei mit Ladtlcappeo, auch mit Derbyschnitt 8.90 Echt Chevreaux- u. 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Aoigabc Franko Zusendg. durch die Post nach Einsendung von 45 Pf.(Ausland 75 Pf.) 25 Schnittmuster �(ui Auch nur in Stichworten die Fülle der Probleme aufzuzählen, die»eben dem Hauptthema des Werks aufgeivorfcn und diskutiert; werden, muß sich diese kurze Ankündigung versagen. Selbst die Kapitelüberschriften geben über die Reichhaltigkeit seines Inhalts nur summarisch Bericht, und sogar solche vielsagenden Titel wie „Natur und Gesellschaft", Wissenschaft und Arbeit",„Kunst und Natur" halten immer noch zehnmal mehr, als sie versprechen.* Von größter praktischer«und taktischer Tragweite für die sozialistische Gesellschaftskritik sind aber besonders die letzten Ab- schnitte des Werks, in denen der Nachweis geführt wird, daß noch nicht einmal in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung von einer Uebervölkerung als unabwendbarem gesellschaftlichem Notstand die Rede sein kann, wenn diese Gesellschaft nur einigermaßen die durch ihre Technik und die Wissenschaft gegebenen Möglichkeiten der Erweiterung des Nahrungsspielraums ausnützte; dass vollends in einer sozialistischen Gesellschaft, selbst beim heutigen Stand der Technik und Wissenschaft, die Beschaffung der Nahrung noch ins unermeßliche gesteigert werden kann; daß die sozialistische Gesell- schaft also der ihr als totsicher angekündigten Gefahr der Ueber- völkerung für absehbare Zeit getrost ins Auge sehen kann, und dass diese Gefahr überhaupt schwindet von dem Moment ab, wo diese Gesellschaft bewußt die Regulierung der Vermehrung in die Hand nimmt. Und zwar wird dieser Nachweis nicht etwa in allgemeinen Behauptungen, sondern in strikter agrarstatistischer und agrartech- nischer Beweisführung erbracht. Schließlich enthält auch diese Schrift wie fast alle Wissenschaft- lichen Arbeiten Kautskys wertvolles Anschauungsmaterial zur spezifischen Methode des Marxismus, der sogenannten materialisti- schen Geschichtsauffassung. Es gab eine Zeit, wo diese Methode so- gar von Marxisten als eine Art metaphysische Aufgabe behandelt wurde. Die Abhängigenreihe, an deren erster Stelle die Produk- tivkräfte, an deren letzter Stelle die Ideologien erscheinen, wurde als Kausalkette aufgefaßt, und dann schien das ganze Schema nichts geringeres als die metaphysische Doktorfrage vom Zusammenhang zwischen Sein und Denken entscheiden zu wollen. Aber seitdem wir auf dem Umweg über die Erkenntnistheorie dahinter gekommen sind, daß es sich in den Gliedern dieser Kette nicht um metaphysische Wesenheiten handelt, sondern um biologisch- psychologische Funktionen des Menschen, daß der Mensch als Träger dieser Kette für den Zusammenhang ihrer Glieder garan- tiere, macht uns das Kausalitätsproblem der Methode keine er- kenntnistheoretischen Skrupel mehr. Wir dürfen jetzt auch ruhig weiter fragen: wenn die Produktivkräfte die ProduktionSordnung „bestimmen" und die Produktionsordnung die„Ideologien"— welches ist dann eigentlich als Ursache der Veränderung der Pro- duktivkräfte die„Endursache" des Prozesses? Auch früher hieß es, der Geist des Menschen selber sei eine der wichtigsten Ursachen der Entwicklung der Produktivkräfte, aber das schien damals das Problem noch heilloser zu verwirren, denn dann war der Beginn der Kette, die in die Ideologien ausläuft, gleichfalls ideologisch verankert. Nunmehr aber mag der Mensch ruhig auch am Beginn der Kette in Erscheinung treten. Er trägt ja die Kausalkette, und so auch das Anfangsglied, nicht mit dem Geist, sondern mit den robusten Schultern- seiner ganzen Persönlichkeit. Unbildlich ge- sprachen: auch für die Entwicklung der Produktivkräfte ist Ursache der Mensch. Nicht nur der erkennende, sondern mehr noch der handelnde, der produktive Mensch. Und wie jedes Handeln durch ein Bedürfnis verursacht wird, so ist die Er- schließung der Produktivkräfte in letzter Instanz durch das Bedürf- nis des Menschen verursacht, für die zunehmende Zahl der Art» genossen den Nahrungsspielraum zu erweitern. Aller Fortschritt in der Produktion läuft ja auf eine immer extensivere und inten. sivere Verwertung der Energien hinaus, die der„Produktion und Reproduktion des wirklichen Lebens" zur Verfügung stehen. Wenn die Entwicklung der Produktivkräfte solchermaßen von der Be- Völkerungsbewegung abhängig gemacht wird, die Vermehrung also als das Anfangsglied der geschichtSmaterialistischen Kausalkette er» scheint, so bewahrt uns doch wieder Kautskys neuestes Werk davor, dieses Anfangsglied„ontologisch", fchematisch und starr, statt dia- lettisch, im steten Fluß begriffen, aufzufassen. Seine ganze Dar- legung gipfelt ja in dem Nachweis, daß die Vermehrung kein iso- lierter Prozeß ist. sondern ihrerseits wieder die mannigfachsten Beeinflussungen durch die Produktionsordnung, die Gesellschaft, die Ideologien erfährt. Wechselwirkung, so lehrt uns KautSky» Untersuchung aufs eindringlichste, heißt der Prozeß, der in allen soziologischen Verhältnissen an Stelle der Kausalität zu treten hat. So erfährt der Leser in verschiedener Hinsicht die lebhafteste Anregung und reichen Gewinn von dem Buch, dank der bekannten geistigen Eigenart des Verfassers, die den größten Scharfsinn in der Erspähung der Einzeltatsachen, die sich um ein Problem gruppieren, mit der Fähigkeit verbindet, es in den Vorstellungskreis, in den eS gehört, einzureihen, nach allen Seiten seine Konsequenzen zu ziehen, es schließlich in den obersten Zusammenhang, den wir Sozialisten kennen, in die Vorstellung vom Endziel und von der sozialistischen Gesellschaft, qlso in die sozialistische Weltanschauung, münden zu lassen. Die Darstellung ist, wie es sich gleichfalls bei Kautsky von selbst versteht, außerordentlich klar und bei aller wissenschaftlichen Exaktheit und Gründlichkeit auch für de» ungelehrten Leser ohne weiteres verständlich. ! Karl Korn. aucht Cigaretten liatli»- «Irin IIOU IWnplspn tjjp Mjrhf prhtP fitonen-Miion-Biicfel für die 5er»en-Re»se rechkzettig einzukaufen Zn Blechdosen zu je 10. 20, 2».»0, 100, 200 und 500 Stück. □OD □□□ Theater und Vergnügungen �essinx-Ikeater. Täglich S Uhr: Kasernenluft. berliner TKenter. Hwte S Uhr: TNlkUN. Morgen: T'-rlkun._ Neues Theater. Heute abends 8 Uhr: Benaissatice. Morgen und folgende Tage: Renaissance. ISenes Operetten-Theater. Heute und folgende Tage k Uhr: Der Graf No» Luxemburg. Sonntag nachmittag 8 Uhr zu er. mäßigt. Preisen: vi« DoMsrprlnrsssiii. friedrich-Wilhelmstadtiscties Schauspielhaus. Heute, den 26. Juni, abends 8 Uhr Sherlock Holmes. Detektivkomödie in 4 Akten von Ferd. Bonn. Morgen und folgende Tage: Sherlock Holmes. OSE=THEATE Kroße Frankfurter Str.>32. Vach- u.SdilieBgesellsctiait Schroant in saften oonManz und Winter. Ans. 8 Uhr. Ende-/,1> Uhr. Morgen diefelbe Vorstellung, Auf der Gartenbühne: Theater- Vorstellung. Spezialitäten. Gr. Konzert. 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Der Versammlung liegt eine Resolution zu diesem Punkte vor, anschließend an Beschlüsse der Verbands-Generalversammlung 1906 in Mühlhausen i. Th. Damals wurde erklärt, daß man in dem Wschlutz von Tarifverträgen zwischen Arbeitern und Unter- nehmern ein nicht unbedeutendes Mittel zur Regelung und Ver- befferung der Arbeitsverhältnisse erblicke. Man setzte bestimmte Normen fest, die bei der Anwendung dieses Mittels zu beachten seien- das Vertragsgebiet sollte ganz bestimmt umgrenzt werden und die Vertragsdauer 2 Jahre in der Regel nicht überschreiten, 3 Jahre sollten nur dann zulässig sein, wenn mit einer Lohn» erhohung zugleich eine Verkürzung der Arbeitszeit und Freigabe des Sonnabendnachmittag erzielt werden könnte. Genaue Be- stimmungen wurden damals festgelegt, nach welchen Tarifverträge abgeschlossen oder nicht abgeschlossen werden sollten, und die Versammlung erklärte in einer zweiten Resolution noch ihre Stell- lung zur Aufstellung von Lohntarifen in allen Branchen der Texlilindustrie, in denen noch das Akkordlohnsystem besteht. Neben der Verkürzung der Arbeitszeit hat sich die Organisation als erstes zu erstrebendes Ziel die Beseitigung des Akkord- und Prämienlohnsystems gesetzt; sie verkennt jedoch nicht, daß sich zurzeit der Erstrebung dieses Zieles, namentlich in den Webe- reien und vielfach noch in den Spinnereien, große Schwierigkeiten entgegenstellen, wie z. B. die ungleiche Entlohnung für die gleiche Arbeit, die nicht nur in den einzelnen Textilbezirken, sondern in den einzelnen Orten stattfindet. Es wurde damals beschlossen, die Organisation möge sofort daran gehen, einheitliche Lohn» tarife zu schaffen, in denen die verschiedenen Akkordpositionen, welche bei Herstellung der Ware nötig sind, im Verhältnis zu der für sie verwandten Arbeitskraft bewertet werden. Das soll ein Mittel sein, die Leistung des Arbeiters zu bemessen und vom Akkordlohnsystem zum festen Lohnsystem überzugehen. Der Referent empfahl nun der Generalversammlung, die fol- gen de Resolution anzunehmen: „In Erwägung, daß der Zentralvorstand durch Vorbereitung und Einberufung von Branchen-Konferenzen den ihm gewordenen Auftrag— Resolution 2 Tarifverträge Verbands- Generalversammlung 1906 Mühlhausen— zu erfüllen versuchte, und die Praxis gelehrt hat, daß eben nur die Branchenkon. fercnzen je für ihre Branche in der Lage sind zweckentsprechende Norm en bei Schaffung ein. Zeitlicher Lohntarife in Wirksamkeit zu bringen, unter Einverständnis und Mitwirkung des Zentral- Vorstandes, erklärt die Verbands-Generalversammlung 1910 zu Berlin ihre Zustimmung zu weiterem diesbezüglichen Vorgehen und daß in dieser Weise unter Beachtung der in Resolution 1, Tarifverträge betreffend, gestellten Bedingungen einheitliche Ak» kordlohntarife von Organisation zu Organisation abgeschlossen werden können." Ohne Diskussion stimmte die Versammlung der Resolution zu und hörte dann einen Vortrag des Redakteurs der Fachzeitung K. Krätzig über das Thema: Strafsystem und Behandlung der Arveiter in den Fabriken. Der Redner führte aus, daß das Strafsystem in den Textil- fabriken zu einer Existenzgefahr für die Arbeiter geworden sei; die häufigen Lohnabzüge, die unter allerlei Vorwänden statt- finden, würden zu einem Lohnraub. Die standalöse BeHand- lung der Arbeiter fordere zu einem energischen Protest heraus. Wohl sei die Gleichberechtigung der Arbeiter gesetzlich anerkannt, i aber die Arbeitsordnungen in den Fabriken würden zu einem In- strument zur Ausschaltung der Rechte der Arbeiter. Nur von den Pflichten der Arbeiter und nur von den Rechten der Unternehmer werde geredet, sodaß man meinen sollte, es handle sich um einen Betrieb, in dem Strafgefangene arbeiten. Nicht selten verstoßen die Arbeitsordnungen gegen gesetzliche Bestimmungen. Der Redner beleuchtete auch sogenannte Wohlfahrtseinrichtungen der Unter- nehmer und zeigte sie als Knebelungsvecsuche und als Bestrebungen, die Arbeiter in Abhängigkeit zu erhalten. Er brachte eine große Fülle von Material zur Illustration seines Referats bei. Die folgende Resolution wird von der Versammlung ohne Diskussion angenommen: „Die 10. Generalversammlung des Verbandes der Textil- arbeiter Deutschlands beschließt: Um dem unerhörten Strafsystem in den Textilfabriken und der daselbst überhandnehmenden schlechten Behandlung der Ar- beiterschaft energisch zu Leibe gehen zu können, ist zunächst eine umfangreiche regelmäßige Berichterstattung über alle Arten der Bestrafung und schlechten Behandlung der Arbeiterschaft in den Textilfabriken zu organisieren. Der Zentralvorstand wird beauftragt, die nötigen Schritte hierzu sofort in die Wege zu leiten. Das nach der Anweisung des Vorstandes von den Ortsver- waltungen zu sammelnde Material hat der Vorstand alle Quar- tale mit der Einsendung der Abrechnungen von den Ortsver- waltungen einzufordern. Tasselbe ist alljährlich von dem Leiter der Jnformations- stelle des Verbandes so rechtzeitig zu sichten und für die parla- mentarische Aktion mit Anträgen versehen zu bearbeiten, daß es sowohl der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion wie dem sozialpolitischen Ausschuß der Generalkommission mindestens vier Wochen vor Beginn der Reichstagsverhandlungen ein- gehändigt werden kann. Weiter hat der Vorstand das Material für die Agitation zu bearbeiten und alljährlich im Geschäftsbericht zu veröffent- lichen." Zu der angekündigten Aussperrung von 10 000 Textil- arbcitern in E n s ch e d e, Holland, die wegen der Differenzen in einer Fabrik am 4. Juli stattfinden soll, erklärte die Versamm- lung in einer Resolution, daß sie den kämpfenden Brüdern und Schwestern ihre Sympathie ausdrücke und erwarte, daß die Textil- arbeiterschaft aller Länder die Kämpfenden unterstützen werde. Zum letzten Punkt der Tagesordnung, die Wahlen, wurde be- schloffen: „Der Verbandsvorstand besteht aus 13 Personen: einem ersten Vorsitzenden, einem ersten und einem zweiten Stellver- treter, einem ersten und einem zweiten Kassierer, einem Sekretär und sieben Beisitzern. Außerdem sind fünf Ersatzbeisitzer, welche der Reihe nach als Ersatz heranzuziehen sind, wenn ein Beisitzer an der Mitarbeit verhindert ist. Beisitzer und ihre Vertreter dürfen sich nicht in beamteten Stellungen des Verbandes be- finden." Die vorgenommenen Wahlen ergaben das folgende Resultat: Karl Hübsch, 1. Vorsitzender; Will,. Rössel, 2. Vorsitzender; Herm. Jäckel, 3. Vorsitzender; Otto Zehms, 1. Kassierer; Wilh. Prillwitz, 2. Kassierer; Albin Reichelt, Sekretär; K reu er, Mitarbeiter für das Tarifamt; Paul Wagener, Herm. Krätzig, Redakteure. Rössel und W a g e n e r wurden zugleich als internationale Vertrauensleute gewählt. Die noch anwesenden Vertreter der ausländischen Verbände, Möller, Dänemark, I a n z e n, Schweden, H ü b n e r, Oester» reich, richteten einige herzliche Abschiedsworte an die Versammlung. Der Vorsitzende Rössel bemerkte in seiner Erlviderung, daß es in einer Beziehung leider nicht möglich tvar, die ausländischen Gäste zu befriedigen Man wollte ihnen gern hiesige Textilfahriken zeigen, fand aber bei den Unternehmern kein Entgegenkommen. Wenn Deutsche im Auslande als Arbeitcrvertreter ähnliche Wünsche hegten, so fanden sie Eingang bei den Unternehmern, aber die deutschen Unternehmer scheinen sich zu fürchten, ihre Textilbetriebe zu zeigen. Rössel schloß den Verbandstag nach einem Ueberblick über die erledigten Arbeiten und einem Hinweis auf das harmonische Zusammenwirken zwischen Partei und Gewerkschaft. Begeistert stimmte die Versammlung in ein dreimaliges Hoch auf die all- gemeine internationale Arbeiterbewegung und auf die Organisation der Textilarbeiter ein._ Gerichts- Zeitung* Der„grobe Unfug" des Wahlrechtsdemonstrante«. Infolge der hermetischen Abschließung des Treptower Parks durch Schutzleute und Gendarmen, die am 6. März, dem Tage des von Herrn v. Jagow gesetzwidrig verbotenen„Wahlrechts- spazierganges" der Berliner, erfolgt war, hatte sich auch in der Falckensteinstvatze eine große Menschenmenge aufgestaut. Schutz- leute holten aus irgendeinem Grunde einen Mann aus einer Re- stauration heraus und schoben ihn unsanft vor sich her. Das erregte den Unwillen der Versammelten. Es fielen von verschiedenen Seiten Pfuirufe und andere Ausrufe des Unwillens. Der Arbeiter Tietz, dem das Vorgehen der Beamten brutal erschien, gebrauchte den Ausdruck„Gemeinheit". Er wurde deshalb vom Landgericht wegen groben Unfugs zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Gericht führte aus: Das Publikum habe das Wort„Gemeinheit" gehört. Ein solcher Ausruf wirke auf eine infolge politischer Betätigung erregte Menschenmenge aufreizend. Der ruhigere Teil der Bevöl- kerung müsse sich belästigt und gefährdet fühlen. Nach Meinung des Gerichts habe T. den Ruf mit der Absicht ausgestoßen, den Unwillen der Menge gegen die Polizei wachzurufen oder die Errc- gung der Menge noch zu steigern. Diese Handlung richte sich an das Publikum in seiner unbestimmten Allgemeinheit. Es wurde dadurch belästigt, und zwar derart, daß zugleich eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung in die Erscheinung trat. Angeklagter sei sich der Wirkung auch bewußt gewesen. Das Kammergericht verwarf am Freitag die gegen das Urteil vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Begründung: DaS Landgericht habe in diesem Falle„festgestellt", daß durch den Ruf das Publikum in seiner Allgemeinheit belästigt und der äußere Bestand der öffentlichen Ordnung gefährdet worden sei. Ob das tatsächlich zutreffend habe geschehen können, und ob T. mit dem Ruf„Gemeinheit" nicht bloß das Verhalten der Polizei habe kriti. sieren wollen, könne das Kammergericht, das als Revisionsinstanz keine tatsächlichen Feststellungen treffen könne, nicht nachprüfen. Der Senat sei an die tatsächlichen„Feststellungen" des Land- gerichts gebunden. Diese seien aber so, daß daraufhin T. wegen groben Unfugs verurteilt werden konnte. Seine Revision müsse deshalb scheitern. SUisTH�th«- Besonders günstige Angebote: Herren- Kleidung Reise- Anzüge afe Reise-Ulster � 34.-. 21.-, t Herrn. Damen. 9- 18- 8_ 13 50 15,- Leichte Joppen i-lfcjl»; tS; 85ri- Lod.-Pelerinenaw,"»-,».«, Gummi-Mäntel SS. Loden- Anzüge SiS?S:Ä"S 3.—, 6.—, 6.—, 4.50, Knaben-Kleidung Wasch- Anzüge 1»; tsoj iZ 90 1* Wasch- Hosen iJo,' ip ojo 40 pt Spielhöschen......... us n. 90 pt Lod.-PelerinenT-fÄ 5- Tiroler Anzüge eohte 6-60 Echte Kieler Anz. 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Uhr, im Gewerkschafts Hause, Eugelnfer 16, Saal 1. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Wahl eines Obmann». S. Verschiedenes. IaksusSvsndvttsn. Mittwoch, den 89. Juni, abends 8'/, llhr. Sei Boeker, Weberstr. 17 Tagesordnung: 1. Bericht de» OvmannS. 2. Branchenangelegenheiten. 3. Diskussion. StaKmachsn. DonnerStag, den 30. Juni, abends 8'/, llhr. im Rosenthaler Hof, Noscuthaler Strasze 11—18. Tagesordnung: 1..Arbeitsnachweis und Arbeitsvermittelung." Reserent: Kollege GQtb 9. Diskussion. 3. Branchenangelegenheiten. Modell- und Fabriktischler» Mittwoch, den 89. Juni, abends 8 Uhr. bei Agthen, Pflügst?.» Vertrauensmätitter-Versammlung. Die Tagesordnung wird in der Versammlung bekanntgegeben. ZM- Jede Werkstatt mnfj vertreten sein. Hm Achtung! Bibliothek! Wegen der im Juli stattfindenden Inventur wird die Bibliothek bis Otts weiteres geschloffen. Sämtliche ausgeliehenen Bücher müffen bis Ende Juni eingeliefert werden. Vom 20. Juni ab werden keine Bücher mehr ausgegeben. 85/12_ Die Ortaverwaltwng, Zuschneider und Zuschneiderinnen der Konrektionsbranche. Montag, de« 87. Juni, abds. 6 Uhr. bei Schal», Königsgrabe»: Oeffentliche Versammlung. Tag«S>Ordnung: 1. Annahme des neuen TarisS. Reserent: Kollege Ulm». 2. Verschiedenes. 1S3/5 Mg- Da diese Versammlung eine solche wichtige Tagesordnung ent. hält, so darf kein Kollege wie Kollegin fehlen I"TBU 163/5 Der Eiubernfer: ibtarl Dleche. Deutsciier Bucfibinder-Verband. ------ Zahlstelle Berlin.= Montag, den 87. Juni, nachmittags S'L Uhr, im Gewerkschaftshause. Eugelnfer 13(Saal 5): Oeffentliche Versammlung der£tu!$arbe)ter n. Arbeiterinnen. TageS'Ordnung: Soll der Tarifvertrag gekündigt werden? Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwarten 24/4_ Di« Brancheuleitnng und die Darifkommission. MgMeine(irts- Krankenkasse für Kixdorf. Freitag, de« 8. Juli 1919, in Hoppes Feststtlen in Rixdorf, Hermannstrape 49; Aiißerordentiiihe® euer«!- Prifotinnliing der Kassettdelrgtkrtkn. I. SlbendS 8—8'/, Uhr: Wahl eines Vorstandsmitgliedes au» den Reihen der Arbeitgeber an Stelle des Herrn Hoppe bis zum 81. Dezember 1910. II. SlbendS 8'/,— 9 Uhr: Wahl eines Vorstandsmitgliedes aus den Reihen der Kassenmitglieder an Stelle des Herrn Lusch bis zum 31. Dezember 1910. III. Abends 9 Uhr: Gememschastliche GettenU- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Beschwerdekommisfion. 2. Verschiedenes. 276/11 Rixdorf(Jdeal-Paffage 12>. den 20. Juni 1910. Der Kassenvorstand. IVcntncier, Vorsitzender. Exncr,(Schriftführer. SHBT Die den Delegierten zugesandte Einladung dient alS Legitimation und ist beim Eintritt in die Versammlung zur Ein- tragung in die Präsenzliste vorzuzeigen. Wohnnngsveränderungen sind der Kaste sofort mitzuteilen. Ziene Armin Kallen Komiuandanten-Sti-aßc 58/59. Hoch- ll«st.Säi»(auch mitBühne u. Galerien) von 50— 1000 Per- modern« Irsi'-SUl» sollen sassend. Sonnadondo und Sonntag« frei. 8 Keaclbahuen. Fernspr. Amt IV, 10 155. 0 Bcreinsziuinler. M»>»»,» w-- n-v» munn Lnnrrnln unö 81'- Garten mit Bühne(für 1500'P-rs. Raum) I I ��unnrustr. 188. dicht am Rosenthaler Tor. i imiü I IU WU1U Amt III. 4835. Fahrtverbind, nach all. Richtungen. Mehrere Sonnabende und Sonntag« noch zu vergeben. Ortsgruppe GroL- Berlin. Donnerstag, den 30. Juni, abends SVs Uhr, im Rosenthaler Hof, Kosenthaler Str. 11/12: Vertrauensmänner- und Bezirksfiihrer-Konferenz. SW Ausgabe der nenen Beitragsmarken. CM Achtung! Sonnabend« den 2. Juli 1910: Achtung! Großes Sommer-Pest im Cafe Bellevue(Inh.: Gustav Tempel)« Rummelsburg am See bestehend in GartensKonzert— Spezialitäten aVorstellung Dampfer-Rundfahrten— Kinderbelustigungen— Mitwirken des Männerchors„Norden" (Mitgl. d. Arb.-S.-B.) Eintritt 20 PI.— Kinder Ire! im Saale: Großer Ball Anfang: nachmittag« 4 Uhr Billetts sind bei den Vertrauensleuten sowie in den mit Plakaten versehenen Geschäften tu haben. Um zahlreichen Besuch bittot Di© Ortsverwaltung. 45/12 I. A.: Pattloch. Hirtlßtnrt bev 28. Imii, libetlds AiziWiu� jß, Gkwerksthttstshause: u/2 General- Uersammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Strnerdorlage des Berliner Magistrats(LuftbarkeitS- und B t I l e t t fi eu e r). Referent: NeichStagSabgeordneter Dr. Südeknm. — 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Borstaudes. Bericht der Revi- soren. Diskussion.— 3. Neuwahlen des Vorstandes. deS Ausschusses, der Revisoren und der Obleute der Ordner. BejT" Der gedruckte Geschäftsbericht wird In der Generalversammlung verteilt. Zutritt haben nur Mitglieder deS Vereins gegen Vorzeigung ihrer Mitgliedskarte. 241/5 Ter Umtausch gSÄÄ'"ÄS Lj Ottl 1. Zahlstellen, Ter Vorstand. I. A.: G. Winkler. ArbettVnaehweiS: Hos l. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburea«: CharitSstraße 3. Hoj III. Amt 3. 1987. Montag, de» 87. Jnni 1S1«, abends 8'/, Uhr, in de» Musiker- tzestsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 18 m: Wglieder-Versammlung der MmWer. Tagesordnung: Fortsetzung der Diskussion über die mit den Arbeitgebern gepflogenen Verhandlungen. US. Das Erscheinen eineS jeden Kollegen ist notwendig. - Mitgliedsbuch legitimiert.» 117/19 DI« OrtsTorTwaltaiig. l der Zahlstelle Berlin. Bureau: Blankenfeldettr. 10. Mittwoch, de« 89. Jnni, abends 8'/, llhr, in Boekcrs Fest- sillen, Wcberstrasze 17: Kombinierte Ktitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Forsetzung der Diskussion über den Bericht von der Gaukonferenz und Verbands-Generawersamnilung. 2. Neuwahl der Gaulommissiou. Verschiedenes. 169/18 Die Mitglieder werden dringend ersucht, die Versammlung zu besuchen. _____ Di« Ortsverwaltnn g. Hoebbaii-Teirain ScbloS-iliee Ä�Vani Bahnhof Pankow-Heinersdorf' -5-5 5® unmittelbar am KSnigl. 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Mitgliederversammlung am Dienstag, den 28. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Habel, Bergmann straße: Vortrag der Genossin Ottilie Baader über„Verfassungs fragen". Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Der AbteilungSfiihrer. Schöneberg. Am Dienstag, den 28. Juni, abends 8V2 Uhr. findet in den Neuen RathauSsälen, Meiningcr Str. 3, die Wahlvereins- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Die politische Lage". Referent: Genosse Grunwald. 2. Vereins- angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Heute, Sonntag, den 26. Juni, feiert der Wahlverein das 21. Stiftungsfest in den Neuen Rathaussälen, Meininger Str. 8. DaS Festprogramm wechselt ab mit Konzert, Gesang, humoristischen Borträgen und Tanz. Das Konzert beginnt um i Uhr, während die Kaffeeküche bereits um 2 Uhr geöffnet wird. Der Eintritt be< trägt 25 Pf. Herren, die am Tanz teilnehinen, zahlen 50 Pf. nach. Der Vorstand. Rixdorf. Den Genossinnen und Genossen zur Nachricht, daß die Bibliochek des Wahlvereins vom 1. bis 31. Juli der stattfindenden Inventur wegen geschlossen ist. Noch ausstehende Bücher sind bis zum 36. Juni zuruckzuliefern. Die BibliothekSkommission. WilmerSdorf-Halcnsee. Dienstagabend pünktlich 8Vz Uhr hält der Wahlverein im Gesellschastshause. Wilhelmsaue 112, seine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen: ein Bortrag der Genossin Gertrud David„Die Genossenschaftsfrage und der Magdeburger Parteitag", Abrechnungen, sowie wichtige andere Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Groß-Lichterfelde. Am Dienstag, den 28. d. M., abends 8'/� Uhr bei Wahrendorf, Bäkestr. 22, Wahlvereinsversammlung. Auf der Tagesordnung steht unter anderem Vortrag des Genossen Martin Meter über:„Die Wahlrechtsbewegung des Volkes und die Lohn bewcgung deS Königs. Zehleodorf(Wannseebahn). Dienstag, den 28. Juni, abends 8'/, Uhr, findet die Generalversammlung deS Wahlvereins bei Benno Mickley, Potsdamer Straße statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. Neuwahl des gesamten Vorstandes. 3. Vereins angelegenheiten. 6 Verschiedenes. Der Vorstand. Johannisthal. Dienstag, den 28. Juni, abends 8 Uhr, bei Schulz, Friedrichstr. 10, Mitgliederversanimlung des Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Vortrag:.Zum Gedächtnis des Rebellen. Referent: Genosse Alb. Horlitz. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung Groh-Berlin. 4. Vereins- angelegenheiten. Der Vorstand. Sichwalde, Zeuthen, MierSdorf. Die Generalversammlung deS Wahlvereins findet am Dienstag, den 28. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Lindemann in Zeuthen statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes und der Funktionäre. 2. Neuwahl. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. FrirdrichSfeld«. Heute vormittag 8 Uhr: Flugblatt-Ver« b r e i t u n g. Weißenser. Die Genossen WeißenseeS beteiligen sich an der heute nachmittag 3 Uhr in Heinersdorf im Lokale A. Stuck, Kaiser- Wilhelm-Straße 67, stattfindenden öffentlichen Versammlung. Nach- dem findet im herrlichen Naturgarten desselben Lokals für die Familienangehörigen ein Kasseekochen statt. Die Bezirksleitung. HeincrSdorf(Stettiner Bahn, Bezirk Weißensee). Heute nach- mittag 8 Uhr findet im Lokale von Stuck eine Volksversammlung statt. Genosse Reichstagsabgeordneter Eichhorn referiert über: „Klerus- und Junkerregierung im Deutschen Reichstag und das deutsche Volk". Reinickendorf-Ost. Am Dienstag, den 28. Juni, abends 3 Uhr, findet im Restaurant Sadau, Residenzstraße 124, die Generalversammlung des Bezirkswahlvereios statt. Tagesordnung: 1. Be- richt der Funktionäre. 2. Neuwahl der Fuukilonäre. 3. Vereins- angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Rrinickendorf-West. Dienstag, den 28. d. M., abends 7>/, Uhr, £ndet von den bekannten Lokalen eine Flugblattverbreiiung statt.— kittwoch, den 2g., abends 8 Uhr, im Lokal von H. Schiller(Eich- bsrnfäle), Eichbornstr. 60, öffentliche Versammlung. Die Bezirksleitung. Nieder- Schönhause»- Nordend. Am Dienstag, den 28. Juni. abends 8'/, Uhr, findet im„Lindengarten", Lindenstr. 43, die General- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Neuwahl sämtlicher Funktionäre. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bezirksleitung. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins findet am Dienstag, den 28. Juni, abends 8'/, Uhr, im Lokal von Emil Koepnick, Pichelsdorferstraße 30, statt. Tages- ordnung: Bericht des Vorstandes und des Kassierers vom lehren halben Jahr. Bericht der Kommissionen. Au den Vorstand gestellte Anträge. Neuwahl des Gesamtvorstandes, der Kommissionen und der BezirkSführer und Verschiedenes. Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Die letzten Schultagc. Nun stehen die großen Sommerferien vor der Tür. Träge rinnen die letzten Schultage ihrem Ende entgegen. Das geht so unendlich langsam I Die Kleinen, die in der engen Schulstube noch immer ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Lehrstoff konzentrieren sollen, träumen bereits von Freiheit und Ungebundenheit, von Feldern und Wäldern und dem glitzernden Spiegel zum kühlenden Bade einladender Wasser- flächen. Freilich nicht alle! Die meisten werden wohl auch in diesen Sommerferien in dem dumpfen Häusermeere zurückbleiben müssen. Nur wenige der Volksschüler haben Freund- fchaft oder Verwandtschaft draußen in der Provinz. Und wäre auch gar eine Stätte vorhanden, wo ein schmalwangiger Junge oder ein blasses Mädel sich Kraft und Gesundheit holen könnten, dann hapert es mit dem Reisegeld, mit der Kleidung, die für einen solchen Ferienausflug doch mindestens stark ergänzt werden müßte! Doch Kinder sind Praktiker. Wenn sie die Not großgezogen hat. wie das bei unseren Proletarierkindern der Fall ist, dann spinnen sie keine phantastischen Ferienträunie. Grunewald, Jungfcrnheide und Wuhlheide geniigen denen, die zu Hause bleiben miissen, und die Freibäder in Wannsce, Tegel und an der Oberspree werden gern von ihnen aufgesucht. Wie genügsam sind doch Kinderauge und Kinderherz I Wohl kennen auch sie längst den abgrundtiefen Unterschied zwischen Arm und Reich. Und hätten sie die Wahl zwischen der näheren Umgegend von Berlin und den deutschen Mittelgebirgen oder dem Ostsee- strande als Aufenthaltsort während der Ferienzeit,— sie würden sicherlich nicht lange zaudern und das Schönere wählen. So aber fügen sie sich in die Dinge und freuen-sich der Freiheit, die ihrer in den Juliwochen wartet. Das füllt die Gedanken so manchen Jungens und so manchen Mädchens während der letzten Schultage und gibt ihrem kindlichen Wesen eine sonnige Ferienvorfreude, um die sie mancher Er wachsener beneiden dürfte._ Reifende Nehren. Rasch und unaufhaltsam wickelt sich das Leben der Jahres zeiten ab. Die Sonnenwende liegt hinter uns, langsam und noch unmerklich kürzen sich die Tage. Schon ist die Sense über die Wiesen gegangen, das Heu duftet und zwischen den zerschnittenen Halmen sprießt neues Grün. Schwerer und schwerer werden die Nehren des Kornfeldes. Der Roggen, die wichtigste Kulturpflanze unseres Landstriches, reift der Sense entgegen. Dem Großstädter, dem der Anblick wogender Getreide selber kein so alltäglicher Anblick ist wie dem Bauer, erzeugt er manche besondere Stimmung. Die bunten Farben des Mohns und Rittersporns, der Kornblume und Ackerrade, die unzer trennlichen Begleiter der Getreidearten, kontrastieren auffällig mit den schmucklosen Roggenhalmen. Nichts ist hier Zier, alles konzentriert sich auf das eine durch die Kulturtätigkeit des Menschen seit Jahrtausenden geförderte Ziel, mit wenig Auf wand recht viel nutzbare Stoffe in den Aehren zu erzeugen. So ist auch der Halm nicht stärker als eben nötig. Einer stützt den anderen; allein würde die Aehre ihn zu Boden drücken. Wie das Menschengeschlecht, so sind auch unsere wichtigsten Getreidearten sicher aus Asien gekommen. Von Spanien bis nach Vorderasien hinein wächst noch heute auf den Gebirgen die Stammpflanze unseres Roggens. Aelter ist die Kultur des Weizens, aber auch die des Roggens verliert sich in vor- geschichtliche Zeiten, als vor dem Eisen noch die Bronze herrschte. Ter römische Schriftsteller Plinius ist der erste, der den Roggen erwähnt, und zu Caesars Zeiten spielen Roggen und Haser bereits ihre Rolle in deutschen Landen. Wenn der alte Tacitus(etwa um 100 nach Chr.) Deutschland aus Wald und Berg und Sumpf bestehen läßt, so steht doch fest, daß schon damals der Wald von angebauten Strecken unterbrochen war, auf denen der von Stieren gezogene Pflug seine Furchen zog, das Getreide mit der Handsichel gemäht und auf der Tenne mit Schlaghölzern gedroschen wurde. Der Roggen, kurzweg Korn genannt, ist die überwiegende Brot frucht in germanischen und slawischen Ländern geworden und geblieben. Weiter verbreitet ist der Anbau des Weizens, der aber auch höhere Ansprüche an den Boden stellt. Daß der Weizen als Nahrungsmittel dem Roggen überlegen sei, ist ein alter Glaube, den neuere Forschung ins Wanken gebracht hat. Schwerer und schwerer werden die reifenden Körner zwischen den schützenden Spelzen, und langsam sinken die Aehren unter der Last vornüber, als grüßten sie den Boden, der sie erzeugt und der sie wieder erzeugen wird. Wenn die Sense klingend über die Aecker geht, fällt sie kein Leben. Sie schließt nur den Kreis der vollendeten Saat, der neues Leben entspringen wird._ � Die Versorgung der Bororte mit Gas durch die Stadt Berlin macht immer weitere Fortschritte. Jetzt sollen die Gemeinden Alt- Glienicke, Bohnsdorf, Schmöckwitz, Niederlehme, Wernsdorf, Neu- "ittau und Gosen an daS Berliner Gasnetz angeschlossen werden. iedenken, die �in der letzten Stadtverordnetcnsitzung über das Projekt geäußert wurden, wurden in einer Ausschutzsitzung voll» kommen zerstreut. Man kann nur bedauern, daß Berlin erst in letzter Zeit auf diesem Gebiete etwas großzügiger vorgegangen ist und nicht schon vor Jahren. Wäre das schon früher geschehen, hätte die private englische Gasgesellschaft nicht die Ausdehnung und den Einfluß gewinnen können, den sie sich erobert hat und unter dem viele Gemeinden heute seufzen. Bei Beginn der Fericn-Reisczeit wird auf den Berliner Fern- bahnhöfen erfahrungsgemäß kurz vor Abfahrt der Züge Reise- gepäck in so großen Mengen aufgeliefert, daß trotz aller Vor- kehrungen die pünktliche Beförderung desselben in Frage gestellt ist. Um auch den Reisenden, die nicht von der Einrichtung des achttägigen Vorverkaufs von Fahrkarten(beini Amtlichen Reise- bureau, Potsdamer Bahnhof, sowie bei den Fahrkartenausgaben Friedrichstraße und Stettiuer Bahnhof) Gebrauch machen könne», Gelegenheit zu möglichst frühzeitiger Besorgung von Fahrkarten und Gepäck zu geben, hat die Cisenbahnverwaltung für die Zeit vom 27. Juni bis zum 4. August d. I. angeordnet, daß von allen Berliner Fernbahnhöfen Fahrkarten bereits am Tage vor dem beabsichtigten Reiseantritt mit dem Tagesstempel des Reisetags verkauft werden, auch ist die Aufliefe- rung des Reisegepäcks bereits am Tage vor der Reife zu- lässig. Die Fahrkartenschalter und Gepäckabfertigungen der Fern- bahnhöf? sind vom 27. Juni bis einschließlich 4. August von 8 Uhr vormittags bis 10 Uhr abends ununterbrochen geöffnet. Es wird dringend empfohlen, im eigenen Interesse möglichst frühzeitig die Fahrkarten zu lösen und das Gepäck aufzuliefern. „Zur höheren Ehre GotteS." lieber die Kurrende der Stadt Mission brachte die ..VolkSzeitung" einen Artikel von Frau Jan nasch, die in der Jugendfürsorge tätig ist. Frau Jannasch äußerte das Be- denken, daß die Jungen der Kurrende bei der Einsammlung von Spenden leicht der Versuchung zur Unredlichkeit unter- liegen können. In einem bestimmten Fall sei festgestellt worden, daß ein Kurrendejunge auf den Rat eines Kameraden aus der Kurrende mehrfach Spenden in die eigene Tasche gesammelt und den unterschlagenen Betrag mit anderen Kurrendejungen zusammen vernascht habe. Derselbe Knabe habe dann auch in einem Wohl- fahrtsverein, in dessen Obhut er sei, der Helferin zweimal Geld entwendet und den Raub wieder mit Kameraden aus der Kurrende geteilt. Der Artikel wies ferner darauf hin, daß für die Kurrende- junge» eine direkte Beeinträchtigung des UnterriKtsxrfvlges der Schule zu befürchten sei, weil ihnen nicht genügend Zeit zur An« fertigung ihrer häuslichen Aufgaben bleibe und sogar Dispen» sation vom Nachmittagsunterricht gewährt werbe. Frau Jannasch hat auch ihre Verwunderung darüber geäußert, daß die Kurrende„bisher sich der öffentlichen Kritik völlig entzogen" habe. Das erkläre sich, sagt sie, großenteils daraus, daß in der Oesfentlichkcit über die Verhält- nisse der Kurrende so gut wie nichts'bekannt sei. In diesem Punkt irrt sie nun allerdings. Der„Vorwärts" hat bereits vor Jahren sich mehrfach mit der Kurrende der Stöckerschen Stadt- Mission beschäftigt und hat so kräftig in ihren Betrieb hin- eingeleuchtet, daß seitdem doch manches anders geworden ist. Wir haben damals eingehend geschildert, wie bei der Kurrende —„zur höheren Ehre GotteS"— d i e kindliche Arbeits- kraft ausgenutzt wurde. Wir haben die schier unglaub- liche Tatsache festgenagelt, daß man— gleichfalls„zur höheren Ehre Gottes"— die Jungen sogar in eine Kneipe mit ,.D a m e n b e d i e n u n g" geführt und vor den Gästen sie hatte singen lassen. Wir haben die skandalöse Ungehörigkeit gegeißelt» daß Kurrendejungen— immer„zur höheren Ehre Gottes"— vom Schulunterricht dispensiert wurden, weil die Kurrende just während der Unterrichtszeit sie in Anspruch nehmen wollte. Daß solche Dispensationen auch jetzt noch vorkommen, hätten wir nicht für möglich gehalten. Wir uiüssen es aber leider wohl glauben nach den Angaben, die ein Pastor Flemmrng hierzu der..Volkszeitung" gemacht hat. Der Herr Pastor, der offenbar der Stadtmission und ihrer Kurrende als leitende Persönlichkeit nahe steht, hat auf den Artikel des Blattes jetzt mit einer Zuschrift geantwortet. Er erklärte es für unzutreffend, daß Kurrende- jungen, wie Frau Jannasch zu wissen glaubte, vom Nachmittags- Unterricht dispensiert wurden. Dann aber fährt er fort:..Es mag vorgekommen sein, daß bei außergewöhnlichen Fällen um Dispens der Knaben angehalten worden ist. Aber daß ein Schuldispens zur Regel gehörte, wie jener Artikel den Anschein erweckt, davon kann nicht entfernt die Rede sein." Sind diese gewundenen Sätze in der Tat so aufzufassen, daß auch jetzt noch Dispensationen für Kurrcndejungen nicht nur nachgesucht, sondern auch bewilligt werden? Es darf erwartet werden, daß zu der Erklärung des Pastors Flemming, aus der ein schwerer Vorwurf gegen die Organe der Schule herausgelesen werden muß, die Schulverwaltung sich äußern wird. Auf die anderen Bedenken gegen die Kurrende antwortet Pastor Flemming mit der Versicherung, daß die Jungen bei der Kurrende gut aufgehoben seien und daß auf ihre Erziehung von dort aus eine besondere Sorgfalt verwendet werde.„Wenn ein» mal in einer Kurrende," sagt er,„Unregelmäßigkeiten beim Einsammeln der Liebesgaben vorkommen, so ist und wird dieses unsererseits mit der schärfsten Strenge gerügt. meist mit sofortiger Entlassung deS schuldigen Knaben." Dieses ..Wenn einmal" klingt sehr harmlos. Aver Herr Pastor Flemming hätie, um volle Klarheit zu schaffen, hinzufügen sollen, wie oft das„Einmal" schon vorgekommen ist. Er wehrt sich auch gegen die Behauptung der Frau Jannasch, daß die Kurrende„eine recht lukrative Einrichtung" sei. Seine Angaben hierzu bestätigen die Tatsache(die uns längst bekannt war), daß diese„zur höheren Ehre Gottes" betriebene Singerei bei den gottlosen Berlinern nicht mehr soviel klingende Münze locker zu machen vermag, wie die Kurrende zur Deckung ihrer Ausgaben(Singclöhne. Ehorführergehältcr, Vcttvaltungskosten usw.) braucht.____ Eine Assisteiiziirztin ist vom Magistrat am Kranlenhause in der Gitschiner Straße angestellt worden. Der Kündigungstermin steht vor der Tür. In den meisten Berliner Mietsverträgen bestehen 3 Monate 3 Tage Kündigung. In diesen Fällen ist der Montag der 27. Juni der letzte Kündignngstag. Wer kündigen will, beachte also auch diese Frist und trage dafür Sorge, daß die Kündigung im Laufe des Montags in die Hände des Vermieters kommt. Nm ein Kind unter einem Straßenbahnwagen hervorzuholen, wurde Freitag abend die Feuerivchr nach der Greifswalder Slraße, Ecke Lippchner Straße, alarmiert. In kurzer Zeit befreite sie den Knaben ans seiner entsetzlichen Lage, em Straßenbahnschaffner bracht» ihn nach dem Krankenhaus.� Ter lebte Tag der Allgemeinen Städtebau-AuSstellung. Die Städtebau-Ausstellnng wird am heutigen Sonntag, den 26. Juni. morgens 10 Uhr, zum letzten Male dem Publikum geöffnet werden. um abends um 8 Uhr endgültig geschlossen zu werden. Die Zahl der AuSstellungSbesucher ist bis jetzt auf beinahe 65 000 gestiegen. Nnfall in der Charitö. In der vom Geheimen Medizinalrat Kraus geleiteten zweiten medizinischen Klinik der Charitö ereignete sich gestern mittag ein schwerer Unfall. Zum Zwecke der Untersuchung und Prüfung von Flüssigkeiten ist in einein Räume des Erdgeschosses eine Zentrifuge aufgestellt, die von einen, elektrischen Motor an- getrieben wird. Als gestern in Gegenwart inehrerer Acrzte und Ge- Hilfen die Zentrifuge ihre raienden Umdrehungen machte, sprangen plötzlich einige EisenteUe von ihr ab. die den eisernen llinklcidung«- mantel durchschlugen. Eins der Stücke traf den die Zentrifuge be- dieuenden Techniker Höhne so unglücklich, daß er zur Seile geschleudert wurde. Er erlitt dabei einen schioeren Beinbruch und mußte in die Klinik aufgenmnmen werden. Die übrigen Herren, die sich zur Zeit des Unfalls in dem Raum befanden, kamen mit dem bloßen Schreck davon. Ein schwerer Antomobilunfall ereignete sich gestern nachmittag in der Gcrichtstraße. Als dort die 20jährige Arbeiterin Emma Meshow aus der Stromstraße 33 den Fahrdamm an der Ecke der Müllerstraße überschreiten wollte, wurde sie von einem Hera» nahenden GcschäftSautomobil umgerissen und geriet unter den Kraftwagen, dessen Räder über sie hinweggingen. Die Arbeiterin erlitt einen komplizierten Bruch des rechten Oberschenkels, schwere Quetschungen am ganzen Körper und anscheinend auch innere Per- letzungen. Die Verunglückte erhielt auf der Unfallstation in der Lindowerstraße Notverbände und wurde nach dem Krankenhause Moabit übergeführt. Zu den Ermittelungen über den MuscumSdiebstahl wird noch mitgeteilt: Die Kriiniiialpolizei hat jetzt festgestellt, daß der ver- haftete Kehr nicht der Dieb sein staun. Kehr hat nachweislich vom Dezember bis zum 1. Februar in Antwerpen geweilt und dort in einem Hotel gewohnt, das Kunstwerk aber wurde am 23. Januar gestohlen. Der Hehlerei dagegen ist er nach wie vor dringend ver« dächtig. Der Herr Revisor als Geldschrankcinbrecher. Ein ganz ge- fährlicher B�rhrtcher sucht gegeiupärtig die Gastwirte z» brand- schätzen. Der Bursche gibt sich als Revisor für die BierleitungS- apparate aus und behauptet, von der Behörde gesandt worden zu sein, um die Leitungen zu revidieren. Ta der Mann äußerst sicher auftritt, so glaubt man ihm auch und läßt ihn gewähren. Ter Herr Revisor, hinter dem sich tatsächlich ein Einbrecher schlimmster Sorte verbirgt, sucht sodann günstige Gelegenheiten, um in den Burcäus der Restaurants aufgestellte Geldschränke aufzubrechen und zu berauben, auch aus offenstehenden Geldschränken sucht der Schwindler und Einbrecher Summen zu rauben. Der dreiste Dieb treibt sich borwiegend in der Leipziger Straße und in der Friedrich- stodt umher. Ein Automobil durch Feuer vernichtet. Durch eine Explosion des Bcnzinbehälters ist das Automobil eines hiesigen Schlächtermeisters total zerstört worden. Während der Fahrt von Ober- schöneweide nach Berlin erfolgte plötzlich die Explosion und in wenigen Minuten stand der ganze Kraftwagen in hellen Flammen. Da das Feuer nicht gelöscht werden konnte, so brannte der Wagen bis auf die Achsen herunter. I» einer furchtbaren Lage befand sich der Händler Hermann Hinze aus Berlin. H. hatte sich, da er keine Wohnung besaß, in den südlichen Vororten aufgehalten, und auf seinen„Orien. tierungsgängen" gelangte er auch in die Nähe von Rangsdorf k-».-ier Lichtenrade. Er geriet dort an ein sumpfiges Gelände, und bei dem Versuch, sich wieder in Sicherheit zu bringen, arbeitete er sich immer tiefer in den Sumpf hinein. Bis an den Hals steckte er schließlich in dem sumpfigen Boden fest. Der Unglückliche stieß laute Hilferufe aus, die aber ungehört blieben, da niemand in der Nähe weilte. So mußte H. denn längere Zeit in seiner qual- vollen Lage zubringen. Er war bereits in den letzten Zügen, als der Revierförster Ludwig des Mannes ansichtig wurde. Sich platt auf die Erde legend, macht« er sich an den Verunglückten heran und nach einiger Zeit gelang es ihm, den Bewußtlosen, der dem Erstickungstode nahe war, aus dem Sumpf herauszuholen. Einige Minuten später und der Mann wäre zweifellos elend erstickt. Einen verwegenen Einbruch machten Geldschrankknacker in der vergangenen Nacht in der Manufakturwarenhandlung von Hen- mann, Wolter u. Co., An der Schleuse Nr. 11. Weil sie nicht un- mittelbar von der Straße aus in die im Erdgeschoß gelegenen Äontorräume hinein konnten, so kantelten sie die Tür des Neben- Hauses Nr. 10 auf, drangen dort in die Waschküche ein und fuhren von dort aus in einem großen Bottich nach dem Hause Nr. 11 hin- über. Sie müssen den Einbruch schon lange geplant haben, denn der Bottich war früher mit einer eisernen Kette angeschlossen. Diese Kette aber ist vor«inigen Tagen durchgefeilt worden. Ohne Zweifel hatten sie hier ihre Hand im Spiele. Von dem Bottich aus feilten sie die Eisenstangen durch, die sich an den Fenstern unter- halb der Kontorräume befanden. So gelangten sie zunächst in die unteren Räume und durch diese in das Kontor. Hier erbrachen sie mit Knabbern und anderen Werkzeugen, deren sich gewerbs- mäßige Einbrecher bedienen, den Geldschrank und erbeuteten dar- aus 6000 M. Sie fuhren dann mit dem Bottich nach dem Hause Nr. 10 zurück, ließen ihn dort auf dem Kanal treiben, gelangten durch das Haus wieder nach der Straße und entkamen unbemerkt. Auf der Brandstelle in der Alten Jakobstraße 23/24 sind die Ab- löschungSarbeitcn von der Feuerwehr beendet. Eine Wache ist zu- rückgelassen worden. Das Befinden der bei dem Brande schwer erkrankten Feuer- männer im Urban-Krankenhause hat sich erfreulicherweise gebessert, es dürften ober noch Wochen vergehen, bevor sie wieder Dienst tun können. Außer diesen Schwerkranken befinden sich noch 19 Feuer- männer in ärztlicher Behandlung und zahlreiche andere Kameraden, die nur leichte Verletzungen usw. erlitten haben, im Dienst. Arbeiterbildungsschule. Sonntag, den 3. Juli, Ausflug nach Grünau. Carolinenhof. Abfahrt Schlesischer Bahnhof 8.27, Alexanderplatz 8.21, Görlitzer Bahnhof 9 Uhr bis Grünau. Treff. Punkt für Nachzügler bis 10.30 im Jägerhaus, Inhaber G. Ehr- Hardt, Bahnhof- und Friedrichstraßen-Ecke, von 12.30 Uhr ab im Restaurant Raabe, Carolinenhof. Bier große volkstümliche Turnfeste feiert der Arbeiterturnverein „Fichte" heute: Sonntag, den 26. Juni, auf seinen vier Vereinsturn- Plätzen in Treptow(vor der Zementausstellung), Pankow (MendelSstraße 11), Moabit(Jungfernheidc, Restaurant„Wald- kater"). Zur Borführung gelangt nicht das sonst bei Turnfesten übliche Geräteturnen, sondern es soll ein volkstümilches Turnen: Springen, Wettlaufen, Stafettcnlaufen, Spiele usw. gezeigt werden. Um auch den Gästen aktiven Anteil an den Festen zu gewähren, werden während des Kürturnens Spiele mit den Gästen ab- gehalten. Für die Kinder werden am ganzen Nachmittag Spiele statt. finden, die von den Turnerinnen geleitet werden. Eintritt 10 Pf., im Lokal Dietz 20 Pf.(inklusive Spezialitäten, Feuerwerk usw.). Da alle Vorkehrungen getroffen sind, kann den Besuchern ein inter- essanter Nachmittag versprochen werden. Verlorene Beitragsmarken. Am Mittwoch abend gegen 7% Uhr verlor ein Arbeiter ein Portemonnaie mit Inhalt von der Putbuser Straße 51, Demminer-, Usedomstraße, Stettiner Tunnel bis Chausseestraße. Es handelt sich um ein braunes Lederporte. monnaie, das zirka 7—9 M. bares Geld, 29 Beitragsmarken a 79 Pfennig und 15 Marken a 39 Pf. des„Deutschen Metallarbeiter. Verbandes" enthielt. Da der Verlierer ersatzpflichtig ist, so liegt ihm viel daran, die Marken wieder zu erlangen, und bittet er den Finder um Abgab« in der Vorwärtsspedition von Baumann. Der- nauer Straße 9. Wer ist der Tote? Am 23. d. M., gegen 2 Uhr nachmittags, wurde in der Hasenheide in Friedrichsfelde in der Nähe der Irrenanstalt Herzberge ein unbekannter, etwa 50 bis 60 Jahre alter Mann erhängt aufgefunden. Der Tote, etwa 1,70 Meter groß, von sehr hagerer Gestalt, mit vollem, schwarzem Haar und graumeliertem Schnurrbart, ist mit blauem Jackett, blauer Weste, graugestreiften Hosen, blaugestreiftem Vorhemd, Trikothemd, Steh- kragen mit Umlegespitzen, blau und gelb gestreifter Krawatte, braunem Schlapphut und schwarzen Schnürstiefeln mit Lackkappen bekleidet. Bei ihm wurde«in mit A. P. gezeichnetes weißes Taschentuch gefunden. Die Leiche befindet sich in der Leichenhalle in Karlshorst. Sachdienliche Angaben nimmt die Amtsverwaltung Friedrichsfelde, Wilhelmstraße 20a, Zimmer 12, schriftlich oder mündlich entgegen. Arbeiter-Samariter-Bund. Kolonne Berlin.' Die nächste Uebungsstunde findet in der 2. Abteilung, Brunnenstraße 154. am Dienstag abend 9 Uhr statt. Am Freitag abend Monatssitzung der diensttuenden Mitglieder im„Dresdener Garten". Die Material- ausgäbe findet nur von 8—9 Uhr statt. Vorort- f�sackrickten. Rixdorf. Die Angst vor der roten Flut. Ter Wahlrechtsraub, den die bürgerlichen Stadtverordneten am 17. Dezember 1903 begingen, beginnt neue Wogen zu schlagen. In politisch bewegten Zeiten wie die Gegenwart ist eS selbst für einen Teil des Bürgertums eine zu starke Belastungsprobe ihrer Geduld, sich ihrer politischen Rechte berauben oder dieselben schmälern zu lassen. Der Antrag der sozialdemokratischen Stadtverordnetensraktion auf Aufhebung des berüchtigten OriSstatuts wurde bekanntlich von den bürgerlichen Stadtverordnete» in der letzten Stadtverordneten- Versammlung abgelehnt. Gegen den sozialdemokratischen Antrag sliinnue auch die„Neue bürgerliche Fralliou", die sich aus dem Mittelstand. Lehrer», Beamten, Handwerkern usw. zusammensetzt; demselben Milieu entstammen auch die Wähler. Gegen die Beschlußfassung und deren Begründung wenden sich mit erfreulicher Entschiedenheit der Bezirksverein Ost sowie auch die.Rixdorfer Zeitung". Es wird von diesen aus- drücklich festgestellt, wie es schon früher von unseren Genossen ein- gehend nachgewiesen wurde, daß die„Neue bürgerliche Fraktion" durch ihren Beschluß die politischen Rechte des von ihnen vertretenen Mittelstandes ungemein geschmälert habe. Der„Bezirksverein Ost" erklärt, daß es für ihn bitter sei, eingestehen zu müssen, nur die allergrößte» Kälber wählen ihren Metzger selber. Gegen diese Angrisse nimmt nun die Beamten- und Mittelstands- frallion durch ihren Sprecher Herrn Stadtverordneten Vor- schullehrer Rosenow Stellung. Die Verteidigungsschrift ge- währt uns einen tiefen Einblick in die„vorurteilsfreie" objektive Denkweise eines Teils unseres Kleinbürgertums, das leider noch nicht aus unserer politisch bewegten Zeit gelernt hat. Für jeden auch nur einigermaßen politisch Gereiften ist die Tatsache offen- kundig, daß die besitzende Klasse als solche rücksichtslos ihre Wirt- schaftliche und politische Machtstellung ausnutzt zur Knechtung, Aus- beutung und Unterdrückung der Mittelschichten sowie vor allem der arbeitenden Bevölkerung. Alle Berufe. WirtschaftS- gruppen usw. streben nach starken, aktionsfähigen Organisationen, die in der Lage sind, ihren Willen in die Tat umsetzen zu können. Auch in der Gemeinde kann es unmöglich anders sein. In der Verteidigungsschrift der Rosenow und Genossen heißt eS: „Die starke Betonung des Parteiprogramms ist gewiß kein Vorzug des großpolitischen LcbenS. Statt Vertrauen zu seinem Volksvertreter zu haben, verfolgt der Wähler mit dem Parteiprogramm in der Hand die Verhandlungen in den Parlamenten und notiert jedi- Uebertretung des ParteigesctzeS. Der Abgeordnete ist sich dieser Kontrolle wohl bewußt. Die Parteien bekommen dadurch etwaS Starres und verlieren die Fähigkeit, ans dem Wege gesunden Fort- schritts Kompromisse einzugehen. Diese Starrheit hat schon manche Konstellation in den Parlamenten zertrümmert und wird unser Volt noch um manchen segensreichen Schritt bringen." Ist ein Partei- Programm nach Anschauung dieses blockbrünstigen Politikers schon schlimm für das.großpolitische Leben", so natürlich erst recht für die Gemeindetätigkeit, und dann noch ganz besonders, wenn die Mehrheit der Gemeindevertretung aus Sozialdemokraten besteht- Herr Rosenow erkennt an,„daß das sozialdemokratische Programm manche gute Forderung zum Besten unserer VolkSwohlfohrt enthält und eine Stadt mit den nötigen Mitteln erwirbt sich mit deren Ver- wirklichung ein Verdienst un, das Vaterland". Statt nun mit den Sozialdemokraten die von den Herren selbst anerkannten hohen Ziele derselben verwirklichen zu helfen, wird die funkelnagelneue Ent« deckung serviert,„daß ein in seinen Finanzen beschränkter Ort das Notwendige dem Wünschenswerten vorzuziehen habe". Die„Neue Fraktion" hat sicherlich ihren Winterschlaf noch nicht ganz beendigt, sonst hätte auch sie schon entdecken müssen, daß von der Sozial- demokratie nie anders gehandelt wurde. Ueber Notwendig und Wünschenswert werden allerdings die Meinungen oft auseinander gehen. Wenn z. B. die Herabsetzung der Durchfchnittsfrequenz der Schulklasse auf 48 Schüler und die Erhöhung der Armensätze von Herrn Rosenow als wünschenswert, aber nicht notwendig erklärt wird, so ist doch das eine Anschauung, die man von einem Päda- gogen zu allerletzt erwarten sollte. Das Gerede bildet die Brücke, von der aus kräftig der rote Lappen geschwungen wird. Diese stadtobere» Heiligen konstruieren ein Phantasiegcbild« und zeigen das als schlvarzen Mann den po- litischen Kindern, von denen eS auch in Rixdorf genug gibt. Das wird so gemacht, indem behauptet wird, die Stadt erleidet bei Durch- fiihrung der sozialistischen Ideen ein ungeheures Defizit und dadurch muß der Komimmalstenerzuschlag auf mindestens 200 Proz. festgesetzt werden. Selbst die Richtigkeit der Rechnung angenommen. mußte doch zugegeben werden, daß für diese Summe doch zweifellos große Knlturwerke geboten würden. Aber die„Neue Fraktion" mitsamt ihrem Sprecher hat sich noch nicht der Mühe unterzogen, die Auffassung unserer Parteigenossen Groß-BerlinS, sowie das Kam- munalprogramm der Partei kennen zu lernen. Manche schiefe Be- hauptung hätten die Herren sich dann ersparen können und damit auch eine neue Blamage. Den wahren Grund ihrer volksfeindlichen Handlung berühren die„Neuen Bürgerlichen" so im Vorbeigehen. Es ist die Aug st vor dem Wohlergehen des Kapitalismus unter der eventuellen sozialistischen Mehrheit der Gemeindeverwaltung. Die Jntereffen des Kapitals stehen über Volksrechte. Im Kampfe gegen die Sozialdemokraten werden diese braven Patrioten mit lühler Gelassenheit zu Gesetzes- Verächtern und ignorieren die Erkenntnisse unseres höchstens Ge« richtS; eine Handlung, die man sonst nur den Sozialdemokraten unterstellt. Für den braven Bürger gilt der heutige Staat mit allem drum und dran in jeder Beziehung als ein Rührmichnichtan, mit der einzigen Ausnahme, wenn sich die Front gegen die Sozialdemokratie richtet; gegen die verhaßte Sozialdemokratie sind die schofelsten Mittel erlaubt. Bei den bevorstehenden Kämpfen wird das von der„Neuen bürgerlichen Fraktion" aufgeputzte Schreckgespenst elend versagen. Der gesunde Sinn unserer Bevölkerung und die politische Auf- klärungsarbeit unserer Partei werden den Schrittmachern der Könige vom Richardplatz die verdiente Quittung rechtzeitig präsentieren. Ueber den Stand der Schaffung einer Straßendahnverbindung mit Treptow wurde in der letzten Sitzung der Verkehrsdeputation berichtet. Da die Herbeiführung der Genehmigung der Gemeinde Treptow Schwierigkeiten macht, soll die Große Berliner Straßen- l?ahn zum Bau der Bahn zunächst bis zur Rixdorfer Grenze ver- anlaßt werden.— Die Einführung des Markensystems bei den Monatskarten des Omnibusbetriebes wurde genehmigt. Ein schwerer Banunfall hat sich gestern morgen um 8 Uhr auf dem Grundstück Hobrechtstr. 22 zugetragen. Dort arbeiteten auf dem Gerüst eines Neubaues im vierten Stock der Putzer Roschnowik aus der Straßmannstr. 7 und sein Sohn Josef. Um 8 Uhr brach ein Teil des Gerüstes plötzlich zusaminen und die beiden Männer stürzten in die Tiefe. Der alte Roschnowik wurde getötet, sein Sohn so schwer verletzt, daß er in bedenklichem Zustande nach dem städtischen Krankenhause in Buckow gebracht werden mußte. Das Unglück soll nach den bisherigen Erniittelungen wohl darauf zurück- zuführen sein, daß beim Gerüstbau statt der Streichstangen Latten verwendet und daß diese entgegen der Vorschrift an die Spießstangen nicht mit Draht befestigt, sondern nur angenagelt wurden. Unter dem Gewicht der beiden Männer bekamen die Latten Riffe, die Nägel fielen herau-Z und das Gerüst mußte zusammenbrechen. Tie Deputotio» für das Feuerlöschwesen, Fuhrwesen usw. genehmigte in ihrer letzten Sitzung das Projekt über den Neubau einer Feuerwache und Straßenreinigungsanstalt auf dem Grundstücke Emser Straße 132. Das Grundstück soll möglichst durch Schaffung vieler Wohnungen ausgenutzt werden.— Die Verhaich- lungcn mit dem Gemeindetirchenrat der St. ThomaSkirchengemeinde wegen Hergabe eines Platzes zur Errichtung einer Vollbedürfnis- anstalt wurden bekannt gegeben. Tie Deputation erklärte sich mit der Errichtung einer Vollanstalt auf dem Gelände des Kirchhofs an der Hermann- und Thomasstraßenecks und niit der Zahlung einer jährliche» Anerkcnnungsgebühr von 5 M. einverstaden.— Die an den verkehrsreichen Plätzen belegenen Bedürfnisanstalten. inSö besondere die auf dem Hermannplatz, in der Saalestraße und an» Schiffahrtskanal, sollen für die Zukunft um 7 Uhr Morgens geöffnet: werden.— Ueber die Frage der Mullbeseitigung in städtische Regie fand eine längere Erörterung statt. In Anbetracht der vorgerückten Zeit erklärten verschiedene Mitglieder der Deputation, daß eine erschöpfende Beratung dieses wichtigen Gegenstandes nicht mehr stattfinden könne, und es daher zu empfehlen sei, auch den Grund- besitzervereinen erst Gelegenheit zu einer Stellungnahme zu dieser Frage zu geben, aus diesem Grunde aber die Beschlußfassung vor- läufig zu vertagen. Der Stadtv. T h u r o w stellte den Antrag, sich sofort im Prinzip mit der Uebernahme der Müllabfuhr in städtische Regie einverstanden zu erklären. Dieser Antrag wurde mit Stimmengleichheit abgelehnt und mithin der Vertagungs- antrag zum Beschluß erhoben. Durch einen Sprung aus dem Fenstet versuchte sich vorgestern die 24 Jahre alte Arbeiterfrau Jacob geborene Jerschke in der Warthestr. 65 das Leben zu nehmen. Die junge Frau soll schon wiederholt mit dem Gedanken umgegangen sein, sich dys Leven zu nehmen. Vorgestern morgen sprang sie, um diesen Plan aus- zuführen, aus dem Fenster ihrer im zweiten Stock gelegenen Küche aus den gepflasterten Hof hinab und blieb besinnungslos liegen, bis Nachbarn sich ihrer annahmen. Die Unglückliche wurde nach dem Ärankenhause in Buckow gebracht, wo sie bedenklich danieder- liegt. Sie hat sich schwere innere Verletzungen und einen Arm- bruch zugezogen. Lichtenberg. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Freitag nachmittag in der Frankfurter Allee. Dort lief die dreijährige Tochter Wally des in der Friedrich-Karl-Straße 22 wohnhaften Arbeiters Aßmann unmittelbar vor einem herannahenden Straßen- bahnwagen der Linie 68 auf das Gleis und wurde umgestoßen. Die Kleine geriet unter den Vorderperron und wurde mit der linken Körperseite unter dem Schutzrahmen festgeklemmt. Nachdem daö verunglückte Kind mit Hilfe von Straßcnpassanten aus dieser entsetzlichen Lage befreit worden war, brachte man es zu einem in der Nähe wohnenden Arzt. Das Mädchen hatte eine schwere Ouetschung des Beckens, der Füße und der Arme, sowie Ver- letzungen im Gesicht erlitten und liegt in bedenklichem Zustande danieder. Ichöneberg. Die Notwendigkeit der Erhöhung der Gärtnerlöhne ist endlich anerkannt worden. Der Anfangslohn der ständigen städtischen Gärtner soll auf 4,50 Mk. erhöht werden, sodaß die Gärtner den Höchstlohnsatz von 5,50 Mk. schon nach 4 Jahren erreichen. Der Lohn der nichtständigen Gärtner wird von 4 Mk. auf 4,50 Mk. erhöht. Daß auch die Löhne der Arbeiter entsprechend erhöht werden, ist bisher noch nicht bestimmt, trotzdem bereits seit No- vember v. I. Erwägungen stattgefunden haben. Eine geringe Ver- besserung soll für die städtischen Arbeiter dadurch geschaffen lverden. daß die Kinderzahl der verheirateten ständigen Arbeiter zur Er- langung der Familienzulage herabgesetzt wird. Es sollen erhalten Arbeiter mit 3 Kindern monatlich 10 Mk., mit 4 Kindern 12,50 Mark, mit 5 Kindern 15 Mk., mit 6 Kindern 17,50 Mk„ mit 7 Kindern und mehr monatlich 20 Mk. Die Zulage wird nur für eheliche oder durch nachfolgende Ehe legitimierte Kinder unter 16 Jahren gezahlt, und nur für diejenigen, denen der Arbeiter Unterhalt zu gewähren hat und tatsächlich gewährt. Die Zulage beginnt mit dem ersten Tage des Monats, in welchem der Arbeiter die Ständigkeit erlangt hat und die schriftliche Versicherung über die Anzahl der Kinder unter 16 Jahren eingereicht ist. Der An- spruch auf Familienzulage erlischt mit der Ai�Asung des Arbeits- Verhältnisses. Scheidet;edoch ein Arbeiter inWLaufe des Monats aus, so ist die Familienzulage für diesen Monat voll auszuzahlen. ES kann auch angeordnet werden, daß die Familienzulage nicht an den Arbeiter, sondern an die Ehefrau, die Kinder, Vormund und Pfleger direkt auszuzahlen ist. Abzüge wegen Verfehlungen sind unzulässig. Diese sogenannte Familienzulage erfreut sich unter den Arbeitern keiner besonderen Sympathie, da damit den Wünschen der Arbeiter nur zum Teil Rechnung getragen wird. Steglitz. Aus der Gemeindevertretung. Die Einführung von Herrn Bankdireltor W e v e r als Gemeindeschöffen wurde vom Stadtrat Fabarius in Vertretung des Bürgermeisters vollzogen. Herr Fabarius erklärte dem neuen Schöffen, daß er„von der Mehrheit der Versammlung" gewählt sei. Das war zweifellos nicht nur richtig, sondern auch sehr diplomatisch ausgedrückt. Besser hätte es aber geheißen„von der Mehrheits- P a r t e i", denn nur diese in Gemeinschaft mit dem Gemcindevorstand hat die Wahl vollzogen. Die„Mehrheit dieser Versammlung"(die 31 Mit» glieder zählt) bestand aus 12 Gemeindcvertretern der Haus- besitzervartei und 6 GemeindcvorstandSmitgliedern. Mit dieser Feststellung wollen wir jedoch dem neuen Herrn sein Amt nicht verleiden, an das so große Ansprüche gestellt werden. Mußte er doch beschwören, nicht nur stets(was ja selbstverständlich ist)] das Wohl der Gemeinde zu fördern, sondern auch die Verfassung zu respektieren und sogar dem König von Preußen untertänig zu sein.— Das Projekt des Gemeinde-ElektrizitätS» Werkes hat noch eine Erweiterung erfahren, wodurch sich die Gesamtkosten auf 2 350 000 Mk. stellen, die von der Gemeindever- tretung bewilligt wurden. Zur Deckung dieser Kosten und»och anderer Aufwendungen für Grundstückskäufe, Straßeichauten usw. wurde die Aufnahme einer Anleihe von 4(vier) Mil- lionen Mark beschlossen.— Für die Erschließung des so- genannten„Kirchenackers" am Botanischen Garten, den die Gemeinde neuerdings von der hiesigen evangelischen Kirchen« gemeinde erworben hat, wurden 160 000 Mk. gefordert und be- willigt. Bon dieser Summe werden 25 000 Mk. für die An. legung eines Parkes aus dem Gelände benötigt. Die langst erhoffte Pflasterung der Lichterfelder, Breite- und Birkbuschstraße. sowie der Potsdamer Chaussee wurde endlich beschlossen, womit wieder einige Schönheitsfehler unseres Torfes verschwinden. Zur Anschaffung von Festschriften für die Königin Luise-GedächtniS- feier wurden 500 MJ, gefordert und gegen die Stimmen unserer Vertreter bewilligt, die in einer kurzen Erklärung ihren ab- lehnenden Standpunkt rechtfertigten. Die bewilligte Summe ist für die höheren Schulen bestimmt; für die Volksschulen hat der Gemeindevorstand einfach„aus vorhandenen Mitteln" die Fest- schriften angeschafft und einen Teil der Kinder damit„beglückt". — Beschwerden einer Anzahl Hausbesitzer gegen den Amtsvorsteher brachte G.-V. Jürgens vor. Die Herren suhlen sich durch die po- lizeiliche Anordnung schiver betroffen, innerhalb vier Wochen die widerrechtlich beseitigten Vorgärten vor ihren Hänsern wieder anzulegen. G.-V. Gädtke kritisierte mit Recht das Verhalten unserer Polizeibehörde, die seit Jahren die eigenmächtigen Verstöße gegen die Bauordnung geduldet habe; eben deshalb sei es aber begreiflich, daß die Hausbesitzer das jetzige Vorgehen als Härte empfinden.— Das seit April d. F. eingc. führte Steuerbringsystem brachte dem Gemeindcvorstand von verschiedenen Seiten Vorwürfe ein, hauptsächlich deshalb, weil es ohne Befragung der Gemeindevertretung geschehen war. Schöffe Jochem erwiderte, daß es nur ein Versuch sei und daß der Ver» sammlung im Herbst ein Antrag zur definitiven Einführung zu- gehen werde. �riedrichsfclde. In der Geueralversammlung hielt zunächst Genosse Schacht einen beifällig aufgenommenen Vortrag über„Unsere Ziele und Wege". Der Vorsitzende ersuchte alsdann die Genoffen, den Vor- stand bei Parteiarbeilen in Zukunft mehr zu unterstütze». Die Neu- wählen ergaben folgendes Resultat: Schwenk, erster Vorsitzender; Liebsther. zweiter Borsitzender; Münnich. Kassierer; Kegel, erster Schriftführer; Huttcr, zweiler Schriftführer; Pinselcr und Frau Schmidt, Beisitzer; Krüger, Hellmig. Wickel, Reviioren; Bnink, Landagitalion; Knancr. Bndjch, Brnuk. Lokalkonunission; Bernau, Golze, Hütt«, Bibliothekkoinnüssion; Waldmann, ZeituugskommissiolU Die Bibliothek befindet sich bei dem Geuoffen Hufter. Prinzen- Mee il I und ist geöffnet wochentags von L'/z Uhr aLendS, Sonntags von 10—12 Uhr voruüttagZ. Lichtcnberg-�riedrichsfelde. Lcrriiligiing Jugendheim. Am DienZiaz, den 28. d. M., abends 8Z4 Uhr, findet im Lokal der Geör. Arnhold. Lichtenberg. Frank» furter Chauffee 5/6, eine Mitgliederversammlung der Vereinigung Jugendheim statt, in welcher Herr Heinrich Schulz über: »Jugendbildung und die Bedeutung der Jugend- Heime" sprechen wird..w:-.. Zernsdorf. In der Generalversammlung des Wahlvereins gedachte der Vor- sitzende zunächst in warmen Worten deS verstorbenen Genossen SB. Kleemann. Bei den hierauf stattgefundenen Neuwahlen wurde als erster Vorsitzender wiederum Genosse Wilhelm Rosenberg gewählt; als zweiter Vorsitzender fungiert P. Bienge, als Kassierer Genosse Thieme, als Sckiriftfiihrcr W. Bienge. Zu Revisoren wählte die Ver- sanimsimg die Genossen Paul Bergs und Ludwig Schütz. Sodann erstattete der Gemeindevertreter Genosse Schulz Bericht aus der hiesigen Gemeindevertretung, ivoran sich eine recht lebhafte Debatte knüpfte. Zum Schlug forderte der Vorsitzende die Parteigenossen noch auf. zu dem am Sonntag, den 26. Juni, stattfindenden StifinngZ- fest des Gesangvereins»Freie Sänger Zernsdorf" reckt zahlreich zu erscheinen, da sich gennimter Verem auch stets der Partei bereit- willigst zur Verfügung stellr. Weiftensee. Mit de» im Betriebe der Tiefbanverwaltung herrschenden Misz- ständen beschäftigte sich vor einigen Tagen eine� Versammlung der Tiefbauarbeiter. Die Gemeindeverwaltung hat auf eine Eingabe der Arbeiter beschlossen, sämtliche Löhne der Gemeindearbeiler um 2ö bezw. 50 Pf. zu erhöhen. Die Herren Bauführer haben jedoch bis jetzt dies nur teiliveise durchgeführt. Nach den in der Ver- sammlung vorgebrachten Beschwerden scheinen die Herren Bauführer rein willlürlich und nach Gunst die Zulage zu gewahren. DaS gleiche Irifft zn für liebe rstunden- und Nachtarbeit. Einzelne Arbeiter erhalten 42 Pf., andere Arbeiter, die schon länger die gleiche Arbeit verrichten, erhalten nur 40 Pf. Einem Arbeiter wurde sogar der Lohn von 40 aus 35 Pf. pro Stunde herabgesetzt, weil er ein paar Pfennige Invalidenrente bezieht I Des weiteren wurde moniert, daß viele Arbeiter ihren Lohn erst nach Feier- abend bekommen. Das kommt dadurch, daß alle ihren Lohn jetzt vom Bureau holen müssen. Es wurde deswegen gewünscht, daß die Verwaltung die Lohnzahlung wieder wie früher auf der Arbeits- stelle und während der Arbeitszeit vornimmt, oder aber die Arbeiter werden rechtzeitig von der Arbeitsstelle frei gelassen, damit sie vor 5 Uhr ihren Lohn erhalten können. Es ist leicht erklärlich, daß die vielen Vorgesetzten dieses»Musterbetriebes" der gewerkschaftlichen Organisation feindselig gesonnen find, zumal sie wissen, daß, nach- dem die Gemeindearbeiler sich in großer Zahl dem Gcmeindearbeiter- verband angeschlossen haben, ihre willkürlichen Lohnsestsctzungen und andere Schikanen die längste Zeit gedauert haben. Je fester sich die Arbeiter zusammenschließen, je eher sie die letzten noch fernstehenden Kollegen der Organisation zusühren, desto schneller werden sie in der Lage sein, bessere Verhältnisse zu erringen. Pankolv. Bon einem erfreulichen Wachstum der Organisation konnte in der Generalversammlung des Wahlvereins Genosse Spickermann in seinem Tätigkeitsbericht Mitteilung machen. Die Mitgliederzahl des Wahwereins beträgt gegenwärtig 866. Der Redner ersuchte die Genossen, auch in Zukunft unter Ausschaltung alles Persönlichen mit aller Kraft für die Verbreitung unserer Ideen tätig zu sein. Der den Kassenbericht erstattende Genoffe L a r s e n mußte leider mit- teilen, daß der Ort zur Bestreitung seiner Ausgaben für die Gemeindewahlen einen Zuschuß von 200 Mark vom Kreise benötigt habe. Wünschenswert sei es, daß eine Anzahl Mitglieder ihre Ber- träge mit größerer'Pünktlichkeit beglichen. Ein erfreuliches Bild gab der Bericht der Agitationskommission. Genosse B ölt er konnte mitteilen, daß es immer inehr gelingt, in den entlegenen Ortschaften festen Fuß zu soffen. Genosse Blank schilderte, mit welchen Schwierigkeiten diejeirigen Wirt« mif dem Lande zu rechnen haben, die der Arbeiterschaft ihre Lokalitäten zur Bersügung stellen. ES sei daher die Pflicht jedes einzelnen Genossen, jene Lokalinhaber zu unterstützen. In Wandlitz, wo es so schwer gehalten habe, ein Lokal frei zu bekommen, hätten die organisierten Tischler leider ihr Vergnügen in einem gesperrten Lokal ab- gehalten.— Beim Bericht des Bibliothekars eriuchte Genosse M e i tz n e r, die Bibliothek, die eine große Anzahl neuer Bücher aufweist, rege zu benutzen. Für die Zeitungskommission berichtete Genosse H a s s e i e r, der die Versammelten ennahnte, mit doppeltem Eifer für die Verbreitung des.Vorwärts" zu agitieren.— Beim Bericht deS Jugendausschnsses ersuchte Genosse Schindler, der Erziehung der Jugend inehr Aufmerksam- keit zu widmen. Nach statigesundener Diskussion wurde die Neuwahl des Vorstandes vorgenommen. Es wurden gewählt: Genosse Spickermann al� t., Krcßmann als 2. Btzirksleiter; Larsen Kassierer; Fcngler Schriftführer; Gütig Abteilungsführer für Süd, Blank Abteilungssührer für Nord; Beisitzerin Genossin Fräde! Revisoren: die Genossen Brall, Rißmann und Fräde; AgitationZ- kominission: Gütig, Neumann, Böller: Lokalkommission: Schüchke, Ruprecht, Witt: Jugendausfchtlß: Schindler, Preuß, Ruprecht; Bibliothekkommission: Meitzner, Geschwind, Rißmann; Zeitnngs- kommission: Hasseier, Förster; Kinderschutz: Frau König; Bibliothekar: Rißinann. Als Delegierte zur Generalversammlung wurden Gütig, Kubig. Fengler, Brall, Frede, Knuppe, als Ersatzmann Schmidt gewählt. Reinickendorf. In einen heftigen Konflikt ist die Gemeindevertretung mit dem Landrat gerate». Der Landrat hatte dem von der Majorität der Gemeindevertretung bei der Etatsberatung beschlossenen Steuer- verteiluugsplan seine Genehmigung versagt und verlangt, baß der Kommunalzuschlag zur direkten Staatseinkommensteuer um 25 Proz.(auf 125 Proz.) erhöht werden solle. Hiergegen hatte die Gemeindevertretung- Beschwerde beim Bezirksausschuß erhoben; wurde aber dort abgewiesen. In der Sitzung plädierte der Bei» geordnete R e i ch h e l m für eine Erhöhung um 20 Proz., mit der sich der Landrat eventuell zufrieden geben wolle. Auch die Herren Stoff, Becker und Schemmel befürworteten die freiwillige Er- höhung, damit nicht die Aufsichtsbehörde den Steuerverterlungs» plan nach ihrem Ermessen festsetzen tönne. Gegen die Erhöhung wandten sich die Herren Pohl und Nikolaus; ersterer empfahl, zum Protest die Mandate niederzulegen, um durch einstimmige Wieder» wähl dem Landrat zu beweisen, daß die gesamte Bevölkerung auf der Seite der Gemeindevertretung stehe. Die Befürworter der Er- höhung glaubten jedoch, von der dadurch heraufbeschworenen Ver» antwortung abraten zu müssen, da dadurch die Festsetzung des Stcuerplanes ganz ins Belieben des Landrats gestellt sei. Im Namen unserer Genossen-ergriff mehrmals Genosse Ohl das Wort, sehr zum Mißvergnügen der bürgerlichen Vertreter, denen er bei dieser Gelegenheit ihr reichhaltiges Sündenregister vorhielt. Die fortgesetzt steigenden Ausgaben für unproduktive Zwecke, die fast nur einzelnen besitzenden Gruppen zugute kommen, wie das Realgymnasium, die zu frühe Anlage des Industriegleises, die eben» falls zu frühe Erschließung eines größeren Grundstückkomplexes, wofür auf Jahre hinaus noch kein Bedarf vorhanden sei, unterzog er ebenso der Kritik, wie die geradezu würdelosen Beeinflussungs» versuche des Landrates durch Beauftragte der Majorität, wie auch der Minorität, schließlich auch das sonderbare Verhalten des Bürgermeisters in dieser Angelegenheit. Er betonte jedoch, daß unsere Fraktion zugunsten der Selbstverwaltung sich mit den bür. gerlichen Vertretern solidarisch erklären würden. � Obwohl den ärgerlichen Herren die Kritik in diesen: Moment sehr unangenehm war, bewirkte die Ernüchterung wenigstens, daß sie das eine oder andere lleinlaut eingestehen mußten. Da die Debatte ziemlich erregte Formen anzunehmen drohte, churde die Sitzung untcj,», örocheu und in einer vertraulichen Besprechung die Angelegenheit weiter erörtert. Eine Unsitte, die in unserer Gemeindevertretung jetzt so grassiert, daß neuerdings fast keine Sitzung vergeht, in der nicht derartige vertrauliche und nichtöffentliche Sitzungen einge» schoben werden. Nach Wiedereintritt in die öffentliche Verhand» lung wurde in namentlicher Zlbstimmung mit 13 gegen 2 Stimmen bei einer Stimmenthaltung beschlossen, bei den bei der Etats. bcratung beschlossenen Sätzen zu beharren. Spandau. Ucier de» Bormarsch der Sozialdemokratie sprach am Freitag der Genosse Dr. Karl Liebknecht im überfüllten Saale der Pichelsdorfer Brauerei. An dem gewaltigen Besuch dieser Versamm- lung(es mochten über 3000 Personen anwesend sein) konnte man erkennen, daß die Finanzresorm, die Wahlrecvrsvorlage, die Erhöhung der Krondotation einen Sturm der Entrüstung im Volke hervor- gerufen hat. Genosse Liebknecht kennzeichnete nach Gebühr das Ver- halten der bürgerlichen Parteien und der Regierung bei den obigen Gesetzesvorlagen, er wies auf den Ausfall der Wahlen in Baden und Sachsen, sowie auf die Nachwahlen zum Landtag in Berlin und auf die jetzigen Reichstagsersatz. wählen hin, welche alle ein Vorwärtsschreiten der Svzialdemolratie bedeuten. Auch auf die bevorstehende RcichStagSwahl wies der Referent hin und forderte zum sofortigen Beginn der Vorarbeit aus. Er schloß mit den Worten: Die Massen sind aufgerüttelt und stehen hinter uns. sorgen wir dafür, daß die Massen kampfbereit sind, mn den Gegner zu schlagen. Langanhaltender Beifall folgte den etwa einstündigen Ausführungen LiebknecktS. Der Genosse Zior forderte in seinem Schlußwort zur Organisation und Agitalion sowie zum Abonnement auf den.Vorwärts" auf und schloß mit einen: Hoch auf die Sozialdemokratie. Potsdam. Die hohe» Fleischpreise bilden nach der am 1. April 1S10 aufgehobenen Schlachtsteuer immer noch eine große Sorge der hiesigen Bevölkerung. Die Schlächtermeister gehen mit ihren Preisen nicht herunter. So werden jetzt nach der neuesten an den Magistrat ge- langten Nachiocisung folgende Preise gezahlt: für Rindfleisch st 90 bis 1 M., Kalbfleisch 1,10—1,20 M., Hammelfleisch 0,90 bis 1 M., Schweinefleisch 0,80— 0,90 M. pro Pfund für Keulen- fleisch. Aber auch das sogenannte Vordcrfleisch ist nicht viel billiger. Man zahlt hier für Rindfleisch 0,80—0,90 M., Kalbfleisch 0.90— 1 M., Hammelfleisch 0.90— 1 SD?., Schweinefleisch 0,75 bis 0,80 M. Geräuctierter Schinken kostet 1,60 bis 1,70 M. Dabei muß Fleisch ohne Knochen natürlich entsprechend höher bezahlt werden. Abhilfe kann hier nur durch die Konkurrenz Groß-Berlins geschaffen werden, die auf den Wochenmärkten Mittwochs und Sonn- abends schon einsetzte, aber bei weitem noch nicht genügt. Ans- wärtige Schlächtermeister finden reißenden Absatz. Hat' doch die Gnrnisonverwaltlinq bereits den Znichlag eines Loses für Rind-, Kalb- und Hammelfleisch für die Potsdamer Garnison einem Berliner Schlächtermeister erteilt. Für eine halbjährige Lieferung beträgt da» Objekt über 100 000 M._ Jugendveranstaltungen. WilmerSdorf-Halensce. Wir machen auf den heutigen Jugend- auSflua, verbunden mit Waidspielen, ausmerllam und erwarien recht zahl» reiche Betcjligung. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr Restaurant Selke. Branden« burgische Str. 100. Der Jugendausschuß. Lichteuberg-Friedrichsfelde. Heute nachmittag 4 Uhr finden im «chlnßvark zu Friedrichsstlde aus dem großen Spielplatz gemeinsame Spiele des JugendauSschusscs statt. Auch die Erioachienen werden ersucht, zu er» scheinen, da es sich um gemeinsame Spiele sür Juug und Alt handelt. Die Liederbücher nicht vergessen._ 6encbt9- Zeitung. Aufreizende Manschettenknöpfe. Die unbewußt von Gerichten geübte Aufklärungsarbeit, daß Ncchtsprechen und Gerechtigkeit üben oft zweierlei verschiedene Dinge sind, ninnnt in politischen Prozessen, insbesondere gegen Sozialdemokraten und Polen, überhand. Diese Art der Rechtsprechung würde nur erheiternd wirken, wenn ihr nicht so viele schuldlose Personen zum Opfer fielen. Nachstehend registrieren wir einen vom Reichsgericht bestätigten Fall aus dem polnischen Kriegsschauplatze. Einen vom Kammergericht bestätigten Fall über»groben Unfug" im Wahlrechtskampf teilen wir in der 3. Beilage mit. Der polnische Fall lag folgendermaßen: Vom Landgerichte Benthe» ist am 9. SNarz der Kolporteur Franz Hannnk wegen Anreizung verschiedener BcvölkcrungSklafsen zu Gewaltätigkeitc» gegeneinander zu 2 Wochen Gefängnis ver- urteilt worden. Gegen Ende September wurde— heißt es im Urteil— in Bismarckhütte bekannt, daß der Angeklagte an Mit. glioder der polnischen Bereine„aufreizende Karten und Schmuck- fachen" verkaufe. Es wurden bei ihm sodann beschlagnahmt Post- karten und Schmucksachen mit dem polnisch-littauischcn Wappen, Sokolzeichen usw. Insbesondere handelte es sich um Uhrgehänge, Broschen, Krawattennadeln und Manschettenknöpfe. Diese Gegen- stände sind, wie es im Urteile heißt,»geeignet, die Erinnerung an die frühere Selbständigkeit Polens wachzurufen". Die Karten weisen auf den Untergang Polens hin, auf die glänzenden Zeiten des ehemaligen Königreichs Polen. Eine Karte weist auf die militärische Ausbildung der polnischen Jugend hin und ist geeignet, zu bewaffneter Erhebung anzufeuern. Bei der starken nationalen Spannung in ganz Obcrschlesicn liegt— nach Ansicht des Gerichts —„die Gefahr nahe, daß die Polen ihrem Hasse gegen die Deut- schen mit Gewalt Luft machen". Verkaust hat der Angeklagte die Gegenstände an beliebige und unbestimint welche Personen. Vorsatz- liches Anreizen liegt vor, da er sich des Erfolges bewußt und damit einverstanden war. Der Angeklagte war früher Vorsitzender eines polnischen Gesangvereins und verlor infolge von Differenzen mit der Polizei seine Stelle.— Die Revision des Angeklagten, der den aufreizenden Charakter bestritt und die zu beachtende Meinung vertrat, daß Polen und Deutsche nicht verschiedene Bevölkerungs- klaffen seien, wurde am Freitag vom Reichsgerichte verworfen. Deutschland ist gerettet._ Ein FrenndschaftSdienst beschäftigte gestern unter Vorsitz deS Landgerichtsdirektors Gockel das Schwurgericht des Landgerichts III. Wegen qualifizierter in- tellektucller Urkundenfälschung bezw. Anstiftung waren der Kutscher Otto Dcubert und der Schleifer Karl Jeff» angeklagt.— Der Angeklagte Jessa hatte vor einiger Zeit eine gegen ihn verhängte Ge- fängnisstrase von 4 Monaten und 8 Tagen zu verbüßen. Als er dies dem ihm näher bekannten Dcubert erzählte, erklärte dieser, daß es ja noch Mittel und Wege gebe, sich von der Strafverbüßung zu drücken. Wie die Anklage behauptet, soll Jessa dem D. den Vor- schlag gemacht haben, gegen Zahlung von 250 M. die Strafe für ihn zu verbüsten. D. ging auch-darauf ein und meldet« sich eines schönen Tages, mit dem Strafantrittsbefchl versehen, in der Straf» anstatt. Hierzu leitete ihn noch ein anderer Grund. Er wurde nämlich steckbrieflich verfolgt und glaubte sich im Gefängnis am sichersten geborgen. Als Deubert die Strafe verbüßt hatte, suchte er den Mitangeklagten Jessa aus und verlangte noch 50 M., da �50 M. für die vier Monate„Knast schieben" zu wenig wären. Alh Jessa nicht zahlte, wurde er von D. ans Rache angezeigt. Dieö hatte zur Folge, daß D. ebenfalls den Behörden in die Hände siel und bald darauf wegen verschiedener Straftaten zu 3 Jahren Zuchthaus ver- urteilt wurde.— Vor Gericht behauptete Jeffa, daß er nicht gewußt Hab«, daß D., um für ihn die Strafe absitzen zu können, erst eine Urkundenfälschung begehen müsse. Di« Geschworene» verneinten auch bezüglich des Jessa die Frage nach Anstiftung, so daß dieser freigesprochen wurde. Gegen Tenbert lautete da» Urteil, da ihm mildernde Umstände zugebilligt wurde::, auf 7 Monate Gefängnis, unter Abrechnung von 2 Monaten der erlittenen Untersuchungshast. Tin prügelnder GulSbesißer. Wie wir'seinerzeit berichteten, ereignete sich Eiche Mai v. I. auf dem Rittergute Schwetzkow, einem Herrn Holtz gehörig, ei» skandalöser Vorgang, der so recht ein typisches Bild von der Hano- lungsweise unserer Agrarier gab. Am 29. März traten bei Hert». Holtz 22 ausländische Arbeiter(Gälizier) ihren Dienst an. Nach■ etwa 4 Wochen hatte die Lammesgeduld der aus den rückständigste» Gegenden Europas zusammengclockten landwirtschaftlichen Saison, arbeiter ein Enhe. Denn der Besitzer weigerte sich, die im Kontrakt vereinbarte Lieferung von 1 Pfund Fleisch wöchentlich zu geben. Darauf legten die Arbeiter die Arbeit nieder und erkämpften siÄ so die vereinbarte Lieferung. Nach zirka 9 Wochen legte er de» Arbeitern einen neuen Kontrakt zur Unterzeichnung vor, der dem alten Kontrakt gegenüber bedeutende Verschlechterungen erhielt. So sollte z. B. anstatt um 7 Uhr um 9 Uhr abends die Arbeitszeit zu Ende sein, ferner sollten sie sich verpflichten, auch Sonntags zu arbeiten. Diesen Kontrakt unterzeichneten die Arbeiter nicht. Herr Holtz warf sie auf die Straße. Als sie nun ihren rückständige» Lohn forderten— Herr Holtz hatte 3 Mark wöchentlich einbehalte» —, geriet der Agrarier in Mut und teilte statt Geld Schläge mit dem Krückstock aus. Blutige Köpfe von drei Frauen war die Folge dieser brutalen Handlung. Die Arbeiter verließen die gastliche Stätte dank dem energischen Einschreiten unserer Parteigenossen. In Stolp wurden sie 8 Tage von der Stadt verpflegt, bis sie andere Arbeit fanden. Durch die Veröffentlichung des Hcldenstückchens, wehrlosen Frauen den Schädel einzuschlagen, fühlte sich Herr Holtz beleidigt und erzielte auch, daß Genosse Mehlich vom„Stettiner Bolksboten" zu 150 Marl Geldstrafe verurteilt wurde. Inzwischen hatte die Staatsanwaltschaft doch Anklage gegen den schlagfertigen Gutsbesitzer erhoben; er wurde vom Stolper Schöffengericht zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, wiewohl er in seiner Verteidigung versucht hatte, sich als„Opfer der sozial» demokratischen Hetzereien" hinzustellen. Bei der Strafkammer stieß der prügelnde Gutsbesitzer auf mehr Verständnis für seine Ausreden. Die Strafkammer ermäßigte die erkannte Strafe jetzt auf 300 Mark Geldstrafe. Vrnnifektes. Der■friedberger Bankraub. Durch den Erkennungsdienst der Berliner Kriminalpolizei ist der Bankräuber, der sich aus seiner Flucht erschossen hatte, rekognosziert worden. Es handelt sich um den 21 Jahre alten Otto WingeS aus Leipzig, der bereits wegen Bankraubes in M ü n ch e n v o r b e st r a f t ist. Bekanntlich war bei dem Er- schossenen eine Chauffeurkarte auf den Namen Barken st ein ge» funden worden. Der Chauffeur Barkeustein ist ermittelt worden und gibt an, daß ihm die Legitimatiouskarte gestohlen worden ist. Von den übrigen Beteiligten fehlt noch jede Spur. ' Nachdem die Bündler in F r i e d b e r g- B ü d i n g e n mit ihrer Schurkerei, das Bombenattentat und den Bankeinbruch mit der Sozialdemokratie in Verbindung zubringen, so schmählich Fiasko gemacht haben, versucht nunmehr die bündlerische „Deutsche Tageszeitung" in ihrer Sonnabendnummer. das Attentat als Werk russischer Anarchisten darzustellen. Jeder vernünftige Mensch war zwar von Anfang an der Neber- zeugung, daß es sich um einen von gewiegten Einbrechern arrangierten Raub handelte— was ja auch, wie oben mitgeteilt, sich bestätigt hat—. das ist aber für die»D. T." nur ein Grund mehr, einen anderen Faden zu spinnen. Nach dem Bündlerorgan sind Balten oder deutschsprechende Finnland er, die sich in Deutschland aufhalten können, ohne durch ihre Sprache aufzufallen, die Täter. In edler Entrüstung fügt da? Blatt hinzu, daß hoffentlich die Richter und Behörden und imNotfall auch die Gesetzgebung hinlänglich Energie zeigen, russischen Gästen dieser Art ihre Abstecher nach Deutsch- land ein für alle mal gründlich zu verleiden. Man weiß wirklich nicht, ob man sich mehr wundern soll über die Frechheit des Blattes oder über die Dummheit der Leser, die sich solchen Blödsinn gefallen lassen I Erdbeben in Algier. Die Eintvohnerschaft des westlichen Teiles von Algier wurde am Freitagnachmittag durch mehrere heftige Erdstöße in Angst und Schrecken versetzt. In mehreren Städten wurden Beschädigungen an Häusern verursacht. Schiver betröffen ist durch das Erdbeben die Stadt Anmale. Dort sind mehrere Häuser einge st ürzt, andere drohen ein- zustürzen. Vier Forstbeamte wurden in einem Jagdhause unter Mauern und Balken begraben. Auch unter den Trümmern eines anderen Hauses befindet sich eine Familie mit vier Kindern. Nähere Einzelheiten darüber, ob das Erdbeben auch in den ländlichen Bezirken zu Unglücksfällen geführt hat. fehlen noch._ Das Hofrichter-Urteil. Oberleutnant H o f r i ch t e r ist durch Urteil des höchste» GerichtShernr gestern mit 20 Jahren verschärftem schweren Kerker und Kassierung bestraft worden. Vor dem Gerichtsgebäude in Wien hatte sich schon am frühen Morgen eine große Menschenmenge angesammelt. Die Geduld der Neugierigen wurde auf eine harte Probe gestellt, denn erst nach 5 Uhr nachmittags kam eS zur Fällung des Urteils. Untergang eines spanischen Dampfers. Der spanische Dampfer„Febröro" ist an der französischen Küste gestrandet und untergegangen. Es wird vermutet, daß die gesamte Besatzung von 23 Mann sowie zwei Passagiere dem Unglück zum Opfer gefallen sind. Ei« schwimmender Gerichtshof. Ein eigenartiges Genchtsgebäude ist in Alaska errichtet worden; die Regierung hat dort eigens einen Zollkutter in Dienst gestellt, der längs der Küste Alaskas kreuzen soll, um überall Recht zu sprechen und Urteile zu fällen, wo Kläger auftreten, welche die Hilfe der Justiz beanspruchen. Das Gerichtsschiff fuhr von Seword aus und wird westivä:ts bis nach UualaSka kreuzen, dann die Küsten des Beringmeeres besuchen und bis zur Mündung des Dukon fahren. In all diesen Küstenstrichen sind größere Lachsfischereien errichtet. die nur im Sommer betrieben und bewohnt sind, und bei denen oft Ausschreitungen und Verbrechen vorkommen. Und so erwartet man, daß der schwimmende Gerichtshof auf seiner fast 2000 Meilen umfassenden Wasserfahrt reichliche Arbeit vorfinden wird. St. Bureaukratius! Aus Papenburg(OstfrieSland) wird berichtet: Ein Zivil» Prozeß, in welchem das' Streitobjekt, zwei Pfennige beträgt. wird demnächst das Gericht beschäftigen. In einer Zwaugsvoll« streckungssache wurden von der Schuldnerin angeblich zwei Pfennige an Zimeu zn wenig bezahlt, was allerdings von dieser bestritten wird. Zur Beitreibung dieser restierenden zwei Pfennige wurde der Gerichtsvollzieher mit der Pfä-ndung beauf- tragt, Diese wurde auch ausgeführt, was zirka sieben Mark Kosten verursachte. Ca sedoch der gepfZndete Gegenstand Wgentum einer dritten Person ist, so wurde die Jnterventionsklage anhängig gemacht, außerdem soll die Pfändung als solche angefochten werden. — Dieser Streich des preußisch-deutschen Bureaukratismus dürfte kaum zu übertreffen sein!—_ Studentenkrawall im Hörsaal. Im Hörsaal des Pathologischen Instituts in Innsbruck kam es am Sonnabend zu stürmischen Demonstrationen gegen den Prof. Pommer, der nach Ansicht der Studenten bei den letzten Prüfungen mit übermäßiger Strenge vorgegangen war und mehrere Studenten hatte durchfallen lassen. Als Professor Pommer seine Borlesung beginnen wollte, begannen die Versammelten, etwa ILO Mediziner aller Jahrgänge. ein gellendes Pfeifen und Johlen, aus dem die Rufe wie:„Lassen sich pensionieren", .Pfui",„Abzug" herausklangen. Pommer verließ sofort den Hörsaal, Woraus sich die Demonstranten entfernten. Kleine Notizen. Mord und Selbstmord. In dem Dorfe Klein-Schret» st a k: n bei Lübeck erschoß am Donnerstag ein 73jShriger Alten- teiler Steffen eine 46jährige Frau, die er ehelichen wollte, weil die Frau ihn zu verlassen gedachte. Als man den Alten festnehmen wollte, erschoß er sich selbst. Du sollst nicht töten! Am Sonnabend früh wurde im Hofe deS LandgerichtSgebäudes in Leipzig der Zimmergeselle Georgi hingerichtet. der im August 1909 den OberregierungSrat Freiherrn v. Wöhrmann ermordet hat. Absturz eines Berliners. In den französischen Alpen ist der Geheime Oberregierungsrat Dr. DungS, vortragender Rat im ReichS-Justizamt, bei einer Bergbesteigung tödlich abgestürzt. Opfer der Hitze. Seit einigen Tagen herrscht in einem Teil der Vereinigten Staaten eine enorme Hitze. An Hitzschlag starben am Freitag in New Dork 8, in Philadelphia 15, Baltimore 5 und in PittSburg 8 Personen. Im Pietroßgebirge in Ungarn wüten heftige Schnee- stürme. An vielen Stellen liegt der Schnee bereits einen Meter hoch._ Mo�en-Splelplan der Berliner Cbeater. KSnigl. OPeruliauS. Geschlossen. Königl. Schauspielhaus. Geschloffen. Ncueö königl. Opern> Thcarcr. Sonntag: Lohengrw. Montag: Die Mciftersmger von Nürnberg.(Ansang 7 Uhr.) Dienstag: Bajazzi. Der verlorene Sohn. Mittwoch: Götterdämmerung.(Ans. 61;, Uhr.) Donnerstag: Bajazzi. Der verlorene Sohn. Freitag: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr.) Sonnabend: DaS Rheingold. Sonntag: Die »allüre.(Ans. 7 Uhr.) Deutsches Theater. Sonntag: RS Freitag t Laune deS Verliebten. Judith und HoloferneS. Sonnabend Amphitryon. Sonntag: Laune deS Verliebten. Judith und HoloserneS. Ansang 8 Uhr. Deutsches Theater(Kammer spiele). Täglich: LiebeSwalzer. Ansang 8 Uhr. Lessing-Theater. Täglich biS Donnerstag i Kasernenlust. Ansang 8 Uhr. Von Freitag ab geschlossen. Kleines Theater. Täglich: Nur ei» Traum. Anfang 8 Uhr. Berliner Theater. Täglich: sTaifun. Ansang 8 Uhr. RcueS Theater. Täglich bis Donnerstag: Renaiffance. Anfang 8 Uhr. Von Freitag ab geschloffen. Neues TchausPielhauS. Täglich: Der Flieger. Anfang 8 Uhr. t ebbet- Theater. Täglich: Wem gehört Helene? Ansang 8>/, Uhr. omische Oper. Täglich: Der Regimentspapa. Ansang 8 Uhr. Thalia-Theater. Täglich: Charleys Tante. Ansang 8 Uhr. Schillrr-Tdeater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Fidelio. Abends: Die Dollarprinzessin. Montag: Die Dollarprinzessin. Dienstag: Der Frei- schütz. Mittwoch: Die Förster- Christel. Donnerstag: Der Freischütz. Freitag: Die Förstel-Chnsicl. Sonnabend: Der Troubadour. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends: Die Förster-Christel. Ansang 8 Uhr. Schiller> Theater Eharlottenburg. Sonntag: Der Bibliothekar. Montag: Die Katakomben. Dienstag: Der Bibliothekar. Mittwoch: Die Katakomben. Donnerstag und Freitag: Der Bibliothekar. Sonnabend bis Montag: Die von Hochsattel. Ansang 8 Uhr. friedrich- Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Allabendlich onnerstag: Sherlock Holmes. Ansang 8 Uhr. Von Frettag ab ge> schlössen. NeueS Operetten- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. AbendS bis Sonnabend: Der Gras von Luxemburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprmzessin. Abends: Der Gras von Luxemburg. Ansang 8 Uhr. Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr! Lena Warnstetten. Zlbends bis Mittwoch: Der Graf von Monte.Chrisw. Donnerstag: Aennchen von Tharau. Frettag bis Sonntag: Der Gras von Monte- Christo. Ansang 8 Uhr. BolkSoper. Allabendlich: Der Herr Verteidiger. Anfang 8'/, Uhr. LustipielhauS. Allabendlich: Das Leutnantsmündel. Ansang 8 Uhr. Rose-Thcater. Täglich: Wach- und Schlietzgesellschast. Ansang 8 Uhr. Apollo-Tbeater. Allabendlich: Mahara. Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Jolies(kaprice. Allabendlich bis aus weiteres: Pariser Ehen. Versohnungsseft. Ansang 3'/« Uhr. Metropol> Theater. Allabendlich: Hallo I Die große Revue I Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntag, nachmittags 8 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 3 Uhr. Bugaenhagcn. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. ReichShaUen- Theater. Allabendlich: Stettmer Sänger. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Karl Haverland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla> Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Prater-Theater. Täglich: Im Reiche des Mar». Ansang 3 Uhr. Urania- Theater. Taubenstr. 48(49. Sonntag: In den Dolomiten. Montag bis Sonntag: Von der Zugspitze zum Watzmann. Montag: Un- l bestimmt. Ansang 8 Uhr. > Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—62. BrUffeaften der Redabtion. Tie snrlfttsche evrechstunde findet Lindeuftraste Nr. 69, dorn vier Treppen— Fahrftudl—, woMentäglia, von?>/, vis v>/z Ubr abends. Sonnabends von 6 bis?>/- Uhr nachmitiags statt. Jeder ülufrage ist «IN Buchstabe und eine Zahl al» tvtertzeichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trag« man in der Sprech- stunde vor. G. M. S3S. 1. Laden Sie dm Schuldner zum Off-nbarunaSeid. 2. 140 000. F. N. Sie sind nicht hastbar, wohl aber daS Mädchen. — W. S. 10. Der Ausgang eines Prozesses wäre zweiselhast.— — B. M. 83. Wenden Sie sich an Rod. Oeblschläger, Vorsitzender deS Arbeiter-Schachklubs. Hochstädterstr. 10.- Cl. 1884. Arbeiterblldungs. schule, Vorsitzender Otto Geithner, Friedenstr. 70 ZU.— Sch. 8. 1. Ja, der srühcre Lchrberr hat, wenn der Lehrling innerhalb der Zeit in eine andere Stelle eintritt, gegen den Vater einen zivilrcchtlichen Schadensersatz- anspruch. 2. Nein. 3. Ja.— O. K. 10. DaS ist zulässig.— R. I. 74 Rixdors. Die Mitteilung genügt: Sie können an dm als neuer Eigen- tümcr Bezeichneten zahlen.— A. S. 100. 1. Um Rückkehr ersuchen. 2. Nein.— Alter Genosse Nr. 40. DaS ist nicht zulässig.— E.®. O. Die Anmeldung des Gewerbes auf den Namen des Manne? gmügt. M. G. 22. Bestimmte Rechtsanwälte zu empfehlen müssm wir ablehnen. — F. 30. Die DiswiktSloge von Brandenburg befindet sich Mte Jakob- straße 128. Eine Anzahl Nebenlogen finde» Sie im Bertiner Adreßbuch verzeichnet.— P. II. 18. 1. Aus besonderen Anlässen auf Ansordern, ja, im allgemeinen nicht. 2. 3 Prozent. 3. Kommt auf die Art der Anlage des Geldes an und ist sehr unterschiedlich und schwankend.— A. K 39. Daraus haben wir keinen Einfluß. Zunächst käme für Sie Ihre Gewcrk- IchaslSorganisalion in Betracht.— O. K. 40. Wiederholen Sie bitte Ihre Ansrage.— Nr. 7989. Darüber erhalten Sie gewiß von dm dortigen Beamten selbst Bescheid.— K. Becker 100. Engeluser 15, vormittags 11— 12'/� nachmittags 6—7'/, Uhr geöffnet.— T. 4S. Weber Heilmittel holen Sie sich wohl am beftm beim Spezialarzt Auskunst. WafferstandS-Naehrtchte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mttgetetlt vom Berliner Weilerbureau. Wasserstand M e m e l. TUM P r e g e l, Jnfterburg Weichsel, Thon, Oder, Rattbor , Kroffm , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leittncritz , DreSdm , Bardo , Magdeburg ')+ bedeutet Such«,— Fall. Unterpeael. AIS Verlobte empfehlen sich Anns ööLtreiek Lmb Richard Kröger. Berlin, dm 26. Juni 1910. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traunge Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere gute Mutter /lW8tö Sauerbaum am 24. Juni, nachm. 4'/, Uhr, sanft entschlafen ist. Um stilles Beileid bittet der trauernde Gatte A. Sauerbaum nebst Kindem. Di« Beerdigung findet am Montag, nachmittag« 4'/, Ubr, von der Halle deS ThomaS-Kirch- Hofes aus statt. MtaMeber WaUrcrelD dir den i. Herl. ReicMags-Walilkrels. Gorlitzer Viertel. (Bezirk 227, Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Gmosstn, Frau Auguste Sauerbaum (Reichend erger Str. 96a) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken Z Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Thomas-KirchhoseS, Hermannftraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Iferbaml der freien Gast- und Sebankwirte Deutseblands. Zahlstelle Berlin. Den Mtgliedern zur Nachricht, daß die Frau deS Kollegen Stau vrlmmn Ausrüste geb. Haschen Reichenbergerstr. 96a(Bezirk 4) verstorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, dm 27. Juni, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leiche»- halle de« Thomas- Kirchhoss in Rixdors aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 7S/8 Die Orlsverwaltung. Zentral-Verband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Dm Berussgenossm zur Nach- richt, daß unser Mitglied >V!ldeIm �enmann am 18. d. M. durch Uebersahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, dm 27. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der HimmclsabrtSgemeinde in Nieder- Schönhausen au« statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/17 Ter Borstaud. 'Wegen Ausgabe einer Lbjlplantage Parzelien°°n 600 Mark Otto Breseke, Petcrshagm. verantwörtlichcr Redakteur BSMüddemMsebcr Werein dos 6. Berl. Reichstags-Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 24. Juni verstarb unser Mitglied, der Schmied Hugo Kristkeitz (Swinemünber Str. 91). Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, dm 27. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Friedensgemeinde in Nieder- Schonhausen-Nordend aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Oer Vorstand. Zeutral- Verband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kollege Hugo kristkeitz am 24. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den27. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichmhalle des Begräbnisplatzes der Friedens- gemeinde, Nordmd, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 176/18 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Dm Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schmied Gustav Tietz am 21. Juni infolge Unfälle» gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de« städttschen Zmtral-Fried- hoseS in Friedrichsseide aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. Ferner starb die Arbeitcnn unser Mitglied, öeppert am 23. Juni an Zuckerkrankhett. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 27. Juni, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Rixdorscr Gemeinde- Friedhofes, Marimdorfer Weg, auS statt. Rege Beteiligung erwartet 117/18 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebe» Mannes, unseres guten VaterS b931L Nermsnn ksrckeleben sagen wir hiermit allen Beteiligtm, insbesondere sämtlichen Beremm, unseren innigsten Dank. iVw. Luise Bardeleben nebst Kindern. Von der Reise zurück. Dr. Sommerfeld, 27216 Schöneberg, naaptstr. 20. Zentralverband deutscher Brauerei-Arbeiter. Zwetgverctn Berlin. Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege(Brauer) firast Mende verstorben ist. Ehre seinem Andeuke«! Die Beerdigung findet am Montag, dm 27. Juni, vormittag« 11 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas-Kirchhosc» in Hohen« Schönhausen aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 42/15 Die Drtsverwaltung. Todes Anzeige. Hiermit zur Nachricht, daß am 22. Juni mein Bater, Schwteger. und Großvater Karl Rostock verstorben ist. Die» zeigen ttesvetrübt an franz Rostock und Prau 27206 nebst Kindern. Die Beerdigung findet Montag, nachm. 4 Uhr, von der Halle des Rudolf. Birchow- KrankcnhmiseS nach dem DankeS-Kirchhos, Ret- nickcndors, Blankestraße, statt. Todes» Anzeige. Nach langem, schwerem Leiden ist am Somiabeuv früh 4 Uhr, der Drechsler Karl Kurth verstorben. Die Beer! Dienstag, dm 2$. Juni, nach mittags 4 Uhr, aus dem neuen Sophien-Krrchhos, Freienwalder Straße statt. Diese» setnm Freunden und Kollegen zur Nachricht. Blehard Balrde, Töpfer. findet am J' Danksagung. Für die liedevolle Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Frau, unserer herzensguten Mutter, Groß- mutier und Schwiegermutter Uiise Koepnick sagen wir allen Freunden und ve- kannten, dm Sängern sowie Herrn Klühs für die trostreichen Worte am Grabe unseren herzlichsten Dank. Für die Hinterbliebmm: PmilKoeptiick Spandan, Pichelsdorfer Str. 39. Iii». Sinimvl Spezial-�rzt' für Haut- und Harnleiden. Primenslr. 41, ÄÄ 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 1 Karow eine Station vor Buch Schönst. Villenort, HR.». 12 M. an, 20 Pf. v. Statt. Bm., 25 Min. Fahrt, 10 PI. v.Pankow-Schönh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bhf. Bebauungspl. genehmigt. Pläne gratis. Mäß. Änz. u. lang- jähr. Hypotheken. Verkäufer ständig a. Bhf. Karow.• j. Rieger, Gontardstr. 8. Gute Reise! Für die Reise empfiehlt WESTMANN Mohrenstr. 37 a nahe Jerusalemer Str. Gr. Frankfurter Strasse 115 nahe Andreasitraase. 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Fn der Diskussion über die Lohnbewegungen stimmten mehrere Redner darin überein. daß man mit den Tarifabschlüffen im großen und ganzen zufrieden sein könne; andere Redner äußerten ihre Unzufriedenheit mit den Tarifabschlüssen. Sie wenden sich insbesondere gegen den ersten Absatz der Resolution des Refe- reuten unter dem Himveis darauf, daß man sich nicht festlegen dürfe; die Vertragsdauer dürfe nicht kürzer sein als 4 Jahre, Die Verhältnisse in einzelnen Orten rechtfertigen eine kürzere Ver- tragsdauer. Entschieden wurde das Bestreben der Unternehmer nach einem Reichstarif zurückgewiesen. Ein Redner be- tonte, daß man an der vierjährigen Vertragsdauer festhalten solle, um zu verhindern, daß mehrere Vertragsserien zusammengeworfen werden.— Angenommen wurde schließlich ein Antrag, die Rcso- lution der Redaktionskommission zu überweisen. Der Referent Becker konstatierte in seinem Schlußworte mit Genugtuung, daß Einwendungen gegen die Haltung des Vorstandes bei den Tarif- abschlüssen nicht gemacht worden sind.— Im Gegensatz zu den Vorschlägen der Kommission wird einem Antrag stattgegeben, nach dem in sich abgeschlossene Berufe Tarifverträge abschließen können. Ueber den nächsten Punkt der Tagesordnung: „Die Organisation der jugendlichen Arbeiter und der Lehrlinge", referierte S chr e ck- Bielefeld. In längeren Ausführungen betonte der Redner die Notwendigkeit der Aufklärung und Organisation der Jugendlichen, deren 18 000— 20 000 und 13 000— 15 000 Lehrlinge in Frage kommen. Notwendig sei es, daß die Gesellen den Lehrlingen mit gutem Beispiel vorangehen und diesen als freund- schaftliche Berater zur Seite stehen. Der Redner legt folgende Resolution vor: .Die fortschreitende EntWickelung im Holzgewcrbe läßt eine Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in steigendem Maße zu; ferner suchen viele Unternehmer durch gesteigerte Lehrlings- züchterei den Existenzkampf für sich ertragreicher zu gestalten. Da die Wahrung der wirtschaftlichen Bedürfnisse dieser jugendlichen Schichten am wirksamsten durch den Verband geschieht und gleich- zeitig im Interesse der Erwachsenen geboten ist, muß eine energische Aufklärungsarbeit unter den Jugendlichen betrieben werden. Der Verbandstag verpflichtet daher die Lokalverwaltungen und Vertrauensmänner des Verbandes in allen Orten, die in den Betrieben der Holzindustrie beschäftigten jugendlichen Ar» beiter frühzeitig über die Bestrebungen des Verbandes aufzu- klären und sie nach Möglichkeit für den Verband zu gewinnen. Die Aufnahme der jugendlichen Arbeiter erfolgt unter den für weibliche Mitglieder des Verbandes geltenden Bestimmungen, jedoch werden ihnen besondere Mitgliedsbücher für jugendliche Mitglieder verabfolgt, deren Ausstellung durch den Verbands- vorstand zu erfolgen hat. Als jugendliche Mitglieder können nur Arbeiter unter 1? J?hren aufgenommen werden. Lehrlinge sind von der Aufnahme in den Verband ausgeschlossen. Mit Vollen. dung des 17. Lebensjahres find die jugendlichen Mitglieder zu vollzahlenden Mitgliedern umzuschreiben, wobei die geleisteten Beiträge in Vollbeiträge umgerechnet werden. Die Umschrei- bung erfolgt durch den Berbandsvorstand. Allen Verbandskollegen wird die Pflicht auferlegt, bei der Arbeit in den Werkstätten und Fabriken den jugendlichen Ar- beitern, sowie insbesondere den Lehrlingen stets ratend und helfend zur Seite zu stehen, um das Gefühl der Kollegialität und den Geist der Solidarität bei den Jugendlichen und Lehrlingen, als den zukünftigen Mitkämpfern für die Interessenvertretung der Holzarbeiter schon frühzeitig zu wecken. Da eine möglichst vollkommene Tüchtigkeit im Berufe die Durchführung der allgemeinen Verbandsbestrebungen wesentlich erleichtert, fordert der Verbandstag die Mitglieder auf, auch in dieser Hinsicht den jugendlichen Arbeitern und Lehrlingen jede Förderung angedeihen zu lassen, die in ihrer Möglichkeit liegt. Der Verbandstag empfiehlt den Zahlstellenverwaltungen, für den jungen Nachwuchs im Gewerbe besondere Veranstaltungen zu treffen, zu denen die jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge unentgeltlich und unter Ausschaltung des Trinkzwanges einzu- laden sind. In den Rahmen dieser Veranstaltungen fallen Lehrlings- und Jugendschutz, Gewerbehygiene, Sozialpolitik, Fachtechnik, Gewerkschaftsfragen. Auch ist den Zahlstellen, welche Bildungsabende, künstlerische Unterhaltungen usw. für die Mit- glieder veranstalten, zu empfehlen, den Jugendlichen zu diesen sowie zu den geselligen Veranstaltungen möglichst freien Zutritt zugewähren. Diese Veranstaltungen wie alle Zusammen- künste der Jugendlichen dürfen nicht in die späten Abend- oder Nachtstunden fallen. Flugschriften und Broschüren, welche gewerkschaftliche Fragen usw. behandeln, müssen zeitweilig an die Jugendlichen abgegeben werden. In Zahlstellen, wo eine größere Anzahl Jugendlicher beschäftigt wird, ist ein Vertrauens- mann oder eine Kommission mit der Leitung der Agitation und Aufklärung unter den Jugendlichen zu beauftragen. Die Lokalverwaltungen müssen ferner darauf hinwirken, daß die Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter unserer Berufe an den Veranstaltungen der örtlichen Jugendausschüsse teilnehmen, damit ihnen die von diesen betriebene geistige Ausbildung im Sinne der Arbeiterbewegung, eine entsprechende Belehrung über Gesund- heitspflege und eine Stärkung des Körpers durch Sport und Spiel zuteil wird." In der Diskussion weist P l e n i ng er- München auf die guten Erfolge hin, die sie mit der Errichtung der Lehrlingsabteilung gemacht haben. 73 Lehrlinge haben sich dieser Abteilung ange- schlössen und 65 nehmen durchschnittlich an der Versammlung teil. — A p p i ch- Berlin und Wü n s ch m a n n-Vegesack treten dafür ein. daß auch die Lehrlinge im Rahmen des Verbandes organi- siert werden können.— K l i n g e r- Berlin meinte, Appich stehe in Berlin mit seiner Ansicht allein; sie stehen auf den Standpunkt des Referenten, daß Lehrlinge nicht aufgenommen werden können. Trotzdem könnte für die Bildung der Lehrlinge viel getan werden. — Die Resolution des Referenten wurde einstimmig ange- nommen.— Die Festsetzung des Alters, wann die Jugendlichen zu vollzahlenden Mitgliedern umzuschreiben sind, wird der Sta- tutenberatungskommission überwiesen. Hierauf hielt Robert Schmidt- Berlin ein instruktives Referat über die Reichsversicherungsordnung. Redner empfahl zum Schlüsse seiner Ausführungen, der Verbands- tag möge sich der auf dem außerordentlichen Gewerkschaftskongreß angenommenen Resolutionen anschließen, und sprach den Wunsch aus, daß die Arbeiter diesem Gebiete mehr Beachtung schenken möchten, als dies bisher der Fall war.— Der Verbandstag schließt sich den auf dem außerordentlichen Gewerkschaftskongreß gefaßten Resolutionen e i n st i m m i g an. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung: „Die BritragSfrage", referierte Berbandsvorfitzender Leipart. Redner betonte, daß in Anbetracht der letzten Tarifbewegung der Vorstand für eine Stärkung des Kampffonds bedacht sein und zur Ausschreibung eines ExtrabeitrageS schreiten mußte. Der Vorstand habe auf die dauernde Verbesserung der Verbandsfinanzen durch Erhöhung des Wochenbeitrags von 50 auf 60 Pf. nicht verzichten können, da auf die Dauer der obligatorische Extrabeitrag auch nicht geholfen hätte. Der Vorstand habe diesen Antrag einer Urabstimmung unterbreitet, an der sich nur 57 Proz. der Mitglieder beteiligten. Die schlechteste Beteiligung war in den größeren Orten zu verzeichnen. Für die Erhöhung des Beitrags um 10 Pf. stimmten 48S05 und dagegen 35 502 Mitglieder. Dabei sei bemerkenswert, daß eine Reihe größerer Orte, wie Berlin, in der Mehrheit gegen die Erhöhung votierten. Gegen die Ordnungsmätzigkeit der ab 1. Juli d. F. zu erfolgenden Erhöhung der Beiträge konnten keine Einwendungen gemacht werden. Redner weist darauf hin, daß eine Einführung von Staffelbeiträgen im Deutschen Holzarbeiterverband untunlich und nicht durchführbar sei und bittet die Anträge auf Einführung des Staffelbeitrages abzulehnen. Es sei möglich, daß die am 1. Juli in Kraft tretende Beitragserhöhung nicht die letzte sei; er sei aber der Meinung, daß in absehbarer Zeit eine Beitragserhöhung nicht mehr nötig sei. Min dürfe in der BeitragSfraae nicht die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den rückständigsten Gegenden in Betracht ziehen. Der Verband müsse in finanzieller Beziehung so gestellt werden, daß er auch für die Kollegen in den schlechtesten Gegenden Verbesserungen erkämpfen könne. Zum Schlüsse seiner mit Beifall aufgenommenen Ausführungen spricht Redner die Hoffnung aus, daß der Verbandstag die Einführung von Staffel- beitrügen ablehnt und die Beitragserhöhung sanktioniert. Versammlungen. Die Branche der Gürtler des Deutschen Metallarbeiterver. bandes hatte zum Mittwoch eine allgemeine Gürtlerversammlung einberufen, in der über eine aufgenommene Statistik aus den Brennereien berichtet wurde. Es waren Fragebogen ausgegeben worden, die im ganzen 38 Fragen enthielten. Lehmann refe- rierte über das Ergebnis dieser Statistik. Einer Einladung, der Versammlung beizuwohnen, hatten Regierungs-Gewerberat Knoll und Assessor Sauer Folge geleistet. Aus d�n Antworten war zu ersehen, daß die Betriebe in der Regel den sanitären und hh- gienischcn Anforderungen in keiner Weise entsprechen. Die Wir- iungen dieser Arbeitsverhältnisse sind denn auch verheerende und die Gesundheit der dort beschäftigten Arbeiter leidet naturgemäß äußerst darunter. Am meisten wird, wie es sich leicht denken läßt, die Lunge angegriffen, die Giftdämpfe, wie Salpeter-, Schwefel- und Salzsäuredämpfe, richten da ungeheuerliche und nicht wieder gutzumachende Schäden an. Thurau nahm in der Diskussion Gelegenheit, noch weitere Ergänzungen zu diesem Thema zu geben. Besonders hob er her- vor, daß die Ventilation in fast allen Betrieben durchaus unge- nügend sei. Wohl werde seitens der Gewcrbeinspektion auf Ab- Hilfe gedrungen, doch seien die Unternehmer bestreht, die gesetzlichen Vorschriften möglichst zu umgehen. Zu beklagen sei es, daß noch viele Arbeiter diese Fragebogen nur ungenügend ausfüllen, wo- durch die bestehenden Mißstände nicht ihrem Umfange entsprechend der Ocffentlichkeit unterbreitet werden können. Aus eigener Ersah- rung weiß Redner, daß manche Betriebe weit schlechtere Arbeits- räume aufzuweisen haben, als aus den Fragebogen hervorgeht. Andere Redner bestätigten die Ausführungen Thuraus, und einer wies vornehmlich auf die Gefahren hin, die den weiblichen und jugendlichen Arbeitern in den Brennereien drohen. Die Brennereien müßten unbedingt von den anderen Räumen getrennt werden. Heute werden dieselben den revidierenden Beamten gar nicht gezeigt. Manche Fabrikanten liefern ja allerdings Milch und Speck an ihre Gelbbrenner, oft kommt eS jedoch auch vor, daß si« bares Geld dafür geben und dadurch willensschwache Kollegen i« die, Versuchung bringen, daftir Alkohol zu kaufen. Die Beamten sollten auch mal in der Brennerei verweilen, wenn gebrannt wird, erst dann könnten sie sich ein Bild machen von den Wirkungen dieser Arbeit. Ein Fabrikant fragte gelegentlich einen Arbeiter, was er sagen würde, wenn ihn ein Beamter fragen würde, wie lange er täglich in der Brennerei beschäftigt sei, worauf der Ar- beiter meinte, der Wahrheit gemäß würde er sagen, den ganzen Tag sei er in dem Räume. Da antwortete ihm der Fabrikant: „Sie sind wohl nicht gescheit; höchstens eine Stunde werden Sie angeben I" Regierungs-Gewerberat Knoll, der auch da» Wort nahm, erklärte die Ausgabe der Fragebogen für sehr dankbar. Daß die Brennereien ungesund seien, wisse die Gewerbeinspektion sehr wohl und eS seien Maßnahmen getroffen, diesen Schäden entgegenzu- wirken. Redner verlas eine vom Polizeipräsidenten erlassene Verord- nung. Diese besagt unter anderem, daß jugendliche Arbeiter in den Brennereien nicht beschäftigt werden dürfen, das gleiche trifft auf alkoholsüchtige Personen zu, auch dürfte Alkohol in der Brennerei nicht getrunken werden. Ferner sind Maßregeln gegen die Ge- fahren der Gifte und explosiven Flüssigkeiten vorgesehen. Redner schildert selbst einen Fall, wo ein Ballon platzte und ein Menschen- leben zugrunde ging. In solchen Fällen soll nur Wasser zur Löschung verwendet werden. Wo Mißstände vorhanden seien, sollten sich die Arbeiter nur vertrauensvoll an die Gewerbeinspek- tion wenden, die das größte Interesse an der Abstellung dieser Zustände habe. Thurau gab zu, daß die Gewerbeinspektionsbeamten heute nicht alles beseitigen können und hofft, daß die Frage der Hinzu. ziehung von Hilfskräften auS Arbeiterkreisen für Preußen gelöst werde.— Im Schlußwort ermahnte der Referent sowie der Vor» sitzende, in Zukunft die Fragebogen noch gewissenhafter auSzu- füllen. Zentral-Rranken- und BegrSdniSkasse für Franen«ud Mädchen Deutschlands(E. H. 2S), Offenbach a. M. Verwaltungsstelle Berlin II. teute Sonntag, abends 6 Uhr: Versammlung bei Joh. Saß, Hornftr. 3. orftandSwahl. Allgemeine Familien-Sterbekasie. Heute Sonntag von S—« Uhr: Zahltag Ackerftr. 123 bei Wcrnicke und Mariannenftr. 49 bei Reumanu. Jedes Wort 10 Pfennig. Um erste Wort(lettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Ptg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. 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Schwedter- strafee 27 I, Ecke Kastamenallee.+78 Möbliertes Loggiazimmer an einen oder zwei Herren, 15,00, Lhchenerstrafee 33 II links.+78 Möbliertes Zimmer billig Mcl. chiorstrafee 14,1 rechts._+120 Kleines möbliertes Zimmer Willibald-AlexiSstrafee 35. vorn IV, Maiwald._+88 Möbliertes Zimmer. Zu erfragen Restaurant, Börwaldstrafee 49.+88 Freundlich möbliertes Zimmer vermietet, 16 Mark inllusive, Harynek. Höchsteftrafee 46.+118 Schlafstellen. Möblierte Schlafstelle vermicict ffrau Schreiber, Wilsnackerstrafee 20, Jof parterre. 2617b Freundliche Schlafstelle, Herrn. Witwe Dröselcr, Rigaerstrafee 13.+11 Möblierte Schlafstelle. 2 Herren, Sebasttanstrafee 6, Hos parterre links. Bessere Schlafstelle, Herrn, Naunynstrafee 18 II, Schröder. 27316 Schlafstelle, Frau Michaelis, Libauerstrafee 17, Ouergebäude.+11 Genosse findet saubere Schlafftelle Pintschsirafee 17, vorn III, Arli.+11 Schlafstelle bei Thurm, Rigaer- strafee 12, vorn IV. fN Schlafstelle für Heirn, Licbig- strafee 33, vorn III, Frau Kirsch. Möblierte Schlafftelle vermietet Tilsiterstrafee 36, Hos I links.+12 Möblierte Schlafstelle Liebig- strafee 35, vorn II, Frau Döring. Schlafstelle, Herrn, strafee 22 I, Vater. Admiral- 27156 Möblierte Schlafstelle(Flur- zimmer), 2 Herren. Köllntscher Fisch- martt 1/2, Vorderhaus, rechter Aufgang III. 2713b Möbliert« Schlafstelle für zwei Herren, Laufltzerstrafee 45, vorn II, Wuthe._ 74/11 Möblierte Schlafstelle für Herrn, Buche, Wetnstrafee 8, vom II, am Fricdrichshain._+65 Möblierte Schlafstelle für zwei Herren sofort. Allen, Blankenfelde- strafee 6, Quergebäude I.+38 Möblierte Schlafstelle für zweiten Herrn, zum 1. Juli, Adalbertstrafee 80, vom 1 Treppe link», bei Hanke. Schlafstelle, Herrn, Romatzki, Prinzenstrafee 94, vorn II. 2707b Gute Schlasstelle für Herrn, Maiutz, Köpenickerstrafee 124, linker Scilenslügel L 27056 Genosse findet saubere Schlasstelle Reichenbergerstrafee 122, Seitenflügel Möblierte Schlafstelle, 2 Herren Fluretngang, vom IV, Barth rafee 176, 2703b Möblierte Schlafstelle vermietet Frau Meyer, Brttzerstrafee 33. 2700b Schlafstelle, einzeln Herm, Britzer. strafe« 35. vom III, NtSpel. 26976 Freundlich« Schlasstelle mit Bad in Tempelhof bei Bartsch, Mantenffel- strafee 52.,_ WS» Schlafstelle, möbliert(FI gang). Wassertorstr. 8 1, Schneider. Alleinige Schlasstelle(Herm). Ziebarth, Admiralstrafee 6, Ouer- gebäudc Part., am Kottbusertor. 2696b Schlafstelle, Gartenaussicht, Stall fchreiberslrafee 25, Ouergebäude III rechts.___ 26986 Freundliche Schlafstelle. Btschost, Slallfchreiberstrafee 32. 26956 Saubere Schlasstelle zu vemiieten. Petrausch, Lanaeslrafe« 43, vom III (Schlesischer Bahnhof). 26906 Aiöblierte Schlasstelle. strafee 47, vom III links Prinzen- 72/4 Schlafstelle für Herm. gobrys Rüdcrsdorscrstrafee 65. 26856 Möblierte schlasstelle, 2 Herren (GartenauSsicht). Köhler, Manleuffel- strafee II, Ouergebäude IV.. 2684b "Möblierte Schlafstelle, Herm, Forsteistrafee 36, vom II. Frau stocker.+125 Möblierte Schlasstelle für Herren. Grübler, Strausbergerstrafec 17 II. "Schlafstelle vermietet Ww. Luckow, Prinzenstrafee 82, Ecke Moritzplatz. Genosse findet freundlich möblierte Schlasstelle, Rixdors, Selchowerstrafee 3, vom I, Kuhtz.__+111 Freundliche Schlasstelle für Herren Srüner Weg 70, vom II, Hellige. Freundliche Schlasstelle Reichen- bergersirafee 177, vom IV links(Kott- bllscrtosr, Hampicke.+117 Bessere Schlafstelle(zwei Herm) Ritterftrafee 124," Ouergebäude IV, Cesol.+117 Saubere möblierte Schlafstelle Holzmarktstrafee 13 bei Schlifft.+38 Möblierte Schlafstelle sür2Hcrreu Martusstrafee 25, III links.+38 Möblierte Schlafstelle Dresdencr- straiie III, vom I, Landgraf.+tl7 Schlafftelle für 2 Herren Wasser- torstrafee 63, Hof II recht».+117 Schlafstelle für Mädchen Naunyn- strafe« 45, Ouergebäude III, Schatz. Möblierte Schlafstelle Kraut- strafee 24, vom II, Schröder. Möblierte Schlasstcllc für 1 oder 2 Herren bei Frtck, Rcichcnberger- strafee 137. Separater Eingang.+125 Freundliche Schlafstelle für Herrn Stalitzerstrafe« 103 1 link».■ i Schlafstelle für Herrn vermietet Pilz, Eifenbahnstrafee 6, vom II. Schlafstelle vermietet Kammer. Manteuffelifrafee 10, Hof pari.+126 Bcffere Schlafstelle, Herm, sofort, separat, Wagner, Reichenbergerstrafee 163, vom I.+126 RnstSndlger Herr stnbet Schlaf« stelle bei Borrasch, Naunynstrafee 63, vom I.+126 Freundliche Schlafstelle für Herm Naunynstrafee 4, vom III, Gram«. Möblierte Schlasstelle bei Witwo Wamiicke, Mantcuffetstrafee 84+126 Möblierte Schlasstelle, wanzcnsrei, Reichenbergerstrafee 159, vom pari. Teilnehmer möblierter Schlasstelle. Zydek,Kopernikusstrafee31, 4Tr. vorn. Schlafstelle, Herm oder Dame. Lausitzcrstrafee 38 III Tr. recht».+127 Möblierte Sö Nostizsttafee 32, Hof lasstelle 12,00. tll bei Fuhr. Möblierte Schlasstelle. alleinige, 3 Minuten vom Bahnhof Schönhauser Allee, vermietet SchUke, Schivcl» belnerstrafee 44.+78 Möblierte Schlasstelle bei Witt, Palisabenstrafee 83, vom 1 Treppe. Möblierte Schlasstelle, Herr oder Dame, 15,00 inllusive. Gas, Reichen» bergersirafee 16, vom IV links.+126 "Möblierte Schlasstelle. 2 Herren, vermietet Adalbertstrafee 99, Müller, vom II(am Kottbusertor).__+126 Freundlich möblterte Schlasstelle. Laust her strafee 31, grofeer Ausgang, vom III links._+126 Möblierte Schlasstelle, Herm, bei Goehlich, Revalerstrafee 10, Näbe Warschaucrbrücke._+38 "Separate Schlasstelle, Herrn, Breuer, Eisenbahnstrafee 31, vom IV. Möblierte Schlasstelle vermietet Frau Neueau«, Alveuslebenstrafee 20, vom IV.+63 Schlafstelle für einen Herrn Bülowstrafee 54, rechter Settenflügel n, Schünemann.+68 Möblierte Schlafstelle. Wiewwrski, Stralsunderstrafee 10, vom III.+57 Freundliche Schlasstelle. Scharfe, Kastanienallee 21, Ouergebäude III. "Möblierte Schlasstelle für Herrn, Heise, Brüsielerstrafee 8, vom III. Sl ll einige möblierte Schlafstelle vermietet Lhchenerstrafee 10, vom III recht».+78 Mietsgesuche. Herr sucht möblierte» Zimmer bis 18,00, Nähe Bellealliance- Platz. 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