S-.148. ilbMnciMiitS'Bedlnfinngefi: dennroiaü*■ Prn» pränumerando! SiftteljöfitL 830 ÜRt, monatl. 1.10 Mk, 1-SchmtNch 2» Pfg. frei in« HauZ. Sinzeine Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illuslrierier EonmogS- Beilage.Die Neue Weit" 10 S"-' eingetragen PrelSIisle. _____ M, Post. «bonnemenl: 1,10 Marl vro' Äonat. in die Post-ZeitungS- Unter Kreuzband für Deuttchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Poftabonnemenis nehmen an: Belgien. Dinemarh öolland. Italien. Luxemburg. Portugal, nänien, Schweden und die Schweiz. 87. Iahrz. ZV G «chehit agil» uStr nostaai. Vevlinev Volksblakk. Zentralorgan der roztaldemohrati fd�en partei Deutfcblands. DU InlerflonS'Gebüftr vekllgt für die sechsgespalten« Kolonel- «eile oder deren Raum 80 Pfg für politische und gewerlschaftliche Bcreins- und PersammIungZ. Linzeigen 30 Psg. „Atelne Snrelgen". das ersie(fett. gedruckte) Wort 20 Psg., sedes weiter- Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schleis- slellen-Anzeigen das ersie Wort 10 Pfg., j.-deS weitere Wort S Psg. Worte über Ib Buchitaöen zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen WS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedilian ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Delegramm-.Adresse: ,,S»li>ilitw»üii>t Rirlln". Die DerfaffungS' und Nahlrechts- fragc In eiiaß--£otl)ringen. Aus dem Reichsland wird uns geschrieben: Der Dreizehnte ist ein Unglückstag, und am 13. Juni 1910 war es, daß der Staatssekretär des Reichskanzleramtes Herr Delbrück in Strasburg bei einem Statthalteressen eine Auslese von Abgeordneten der verschiedenen bürgerlichen Parteigruppierungen des Landesausschusses über ihre Stel- lung zur elsaß-lothringischen Verfassungssrage und ins- besondere zur Frage des Wahlrechts sür den an Stelle des Landesausschusses einzusetzenden Landtag befragte. Ein Ufr stern waltete entschieden über dieser Befragung, die in Preuhen-Deutschland die Stelle des sch>oeizerisck)en Referen dums oder der napolconischen Plebiszite vertritt,— ein Unstern wenigstens, wenn man sich nicht auf den kritischen Standpunkt stellt, daß solche Volksbefragungen beim Nachtisch mit den Notabilitäten doch nur ein Mittel reaktionärer Re- gierungen sind, um den Vorwand zur Durchkreuzung der eigentlichen Volksforderungen zu erhalten. Bei diesem historischen elsaß-lothringischen Verfassungsdiner wurden die elsaß-lothringischen Volksforderungen von den angeblichen Volksvertretern nämlich schamlos im Stiche ge lassen. Am 27. Februar 1910 hatte der Landesausschuß mit überraschend großer Mehrheit, unter Zustimmung der Redner aller größeren Parteien, nicht nur die völlige Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den übrigen Bundesstaaten gefordert, sondern sich auch dafür ausgesprochen, daß die neue Volksl Vertretung aus dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht unter Anwendung des Proportionalwahl- systems hervorgehen sollte. Am 13. Juni 1910 aber, als es sich darum handelte, zu einem in der Ausarbeitung begriffenen Regierungsentwurf auf dieser Grundlage die Zustimmung zu geben: am 13. Juni, als im Duste der renommierten Statthalterküche beim funkelnden Dessertwein unter schwerer Verdauungsarbeit das neue demokratische Wahlrecht fast greifbar an der Wand erschien, das Mene Mene Tekel Upharsin („gezählt, gezählt, gewogen und zerstückt") für manchen dieser Däputes, die aus dem monströsesten, wenn nicht schändlichsten aller Wahlsysteme hervorgehen,— an diesem 13. Juni, als Herz und Magen voll waren, floß der Mund über. Die alten Herren aus dem kapitalschweren lothringischen KohKn- und Eisenerzgebiet, die Vertreter des sogenannten Lothringer Blocks, machten aus ihrer Abneigung gegen das allgemeine Wahlrecht kein Hehl und äußerten sich entschieden gegen das vor drei Monaten mitgeforderte Verhältniswahl system: für die„Unabhängigen" des Ober- und des Unter elsasses, die ihre Mandate fast ausnahmslos der Zentrums Unterstützung verdanken, gaben die Herren B i a n und Fürst „im Hinblick auf die Konsequenzen des reinen Reichstags- Wahlrechts", wie das Sttaßburger Zentrumsblatt so treu. herzig andeutet, der allgemeinen Sehnsucht nach einem Pluralwahlrecht lauten Ausdruck,— und die Herren vom Z e n t r um, die strammen Wortführer der patentierten christlichen Volkspartei? Für sie erhoben die Abgeordneten Dr. Vonderscheer, Dr. Ricklin und Dr. Schott entschieden gegen das Verhältniswahlsystem Einspruch, das auch sie drei Monate zuvor mit den Lothringern und den Liberalen gefordert hatten. Und Dr. R i ck l i n, der Vertreter von Altkirch-Thann im Deutschen Reichstag, im Elsaß seiner bisweilen herzerfrischenden Offenheit wegen bekannt unter dem Beinamen„Der Löwe aus dem Südgau", untersttich nach der Angabe der liberalen Presse das Ganze mit dem trefflichen Worte: Wahlrechtsfragen seien Macht- fragen, bei denen dieGerechtigkeit oder die Rücksicht auf Minderheiten keine Rolle spielen dürfe. Nur die liberalen Teilnehmer an der bürgerlichen Tafelrunde sind angeblich als Anhänger des Reichstagswahlrechts und des Verhältniswahlsystems fest- geblieben. Ueber die Rolle dieser Liberalen noch ein Wort. Der versammelte Vorstand der Liberalen Landcspartei für Elsaß-Lothttngen hat am Sonntag, den 19. Juni, eine öffent- liche Kundgebung beschlossen, in welcher er ganz zutreffend sagt,„daß nach den jüngsten Vorgängen anläßlich der An- Wesenheit des Staatssekretärs Dr. Delbrück in Straßburg der Landesausschuß jeden Anspruch auf M i t w i r k u n g bei der Gestaltung des Wahlrechts der künftigen Volksvertretung politisch und moralisch verwirkt hat." und worin ebenso richtig gesagt wird,„daß ohne eine vollständige Neugestal- tung der Volksvertretung eine Gesundung unserer politischen Verhältnisse nicht erreicht werden kann." Die Erklärung forderte„die völlige Gleichstellung Elsaß-Lothringens mit den übrigen Bundesstaaten, vor allem aber eine Volks- Vertretung, die aus dem allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrecht unter An- Wendung des Proportionalsystems hervor- geht." Sodann macht die Erklärung dem elsässischen Zentrum den Prozeß, Iveil es mit den übrigen Parteien in der Landesausschußsitzung vom 27. Februar d.J. dieses Wahlrecht gefordert, ja die Einbringung des Proporzanttages mit ver- anlaßt hat und jetzt mit dem Lothringer Block jede Reform anscheinend zum Scheitern bringen wolle,„um aus dem dann sotwenbig eintretenden Stimmungsrückschlag für Sonderzwecke- Kapital schlagen zu können". Die Erklärung betont schließlich unter Protest gegen dieses Verhalten„die Notwendigkeit einer zielbewußten und schleunigen Reform, für die der Reichs- kanzler sich am 14. März 1910 eingesetzt und die der Reichstag einmütig gefordert hat". Muß hier schon die Berufung auf den Reichskanzler der „gottgewollten Abhängigkeiten" bei dessen Stellung zum Reichs- tagswahlrecht und gegenüber aller Demokratie Befremden hervorrufen, so war vor allem das Fehlen jedes tadelnden Wortes gegenüber jenem Teile der liberalen Presse im Lande, der in Uebereinstimmung mit den Nationalliberalen im Reiche mit dem Pluralwahlrecht liebäugelt und Artikel auf Attikel zur Empfehlung desselben bringt. Nachdem die offiziöse „S t r a ß b u r g e r P o st" es als Regierungsprogramm be- zeichnet hat, daß ein Mehrstimmcnrecht im Interesse von „Bildung und Besitz" eingeführt werden soll, war es die Pflicht der Liberalen Landespartei, die Propaganda dieses „liberalen" Blattes in dieser Richtung scharf zu desavouieren, und gegen diese Regierungsabsicht, die ganz zweifellos besteht, ebenfalls entschieden Stellung zu nehmen,— aber nichts von alledem 1 Auch die von derselben Seite geforderte Einsetzung einer Ersten Kammer, eines Ober- oder Herrenhauses, dessen Mitglieder wenigstens zur Hälfte vom Kaiser ernannt werden sollen, erfährt keine Bekämpfung von liberaler Seite, ja der liberale Parteiführer und Fraktionsvorsitzende im Landesausschutz, Abg. Georg Wolf, macht seit Jahren in Presse und Versammlung für dieses notwendige„Korrelat" zur einzusetzenden demokratischen Kammer persönlich Stimmung. Der Spott der klettkalen Presse über diesen Gouvcrnemental- liberalismus bleibt daher nicht ohne Wirkung im Lande. Und weiter ist es ganz natürlich, wenn der politische Jongleur Wetterls in Entgegnung auf die Angriffe wegen des Zenttumsumfalles in der Frage des Proportionalwahlrechts in seinem„Nouvelliste" die Frage aufwirst, warum die für die Verhältniswahl in Elsaß- Lothringen zurzeit so be- geisterten Liberalen dieses Wahlsystem nicht für alle deutschen Bundesstaaten und vor allem für den Reichs- tag selbst fordern?... Es ist richtig, wie Wetterlv sagt: die liberalen Prinzipien wechseln mit den Breitengraden und das, was hier eine Verräterei ist, wird dort zur verdienst- vollen Tat, je nachdem die eigenen kostbaren Persönlichkeiten dabei gewinnen oder verlieren. Aber— beim Zentrum sieht's ganz ebenso aus. Wenn irgendwo das noch bestehende Majoritätswahlrecht die christlichen Gewerkschaftler in den Gewerbegerichten oder Ortskrankenkassenvorständen als Minderheit ohne Vertretung läßt, so sind diese Klerikalen bekanntlich die begeistertsten Anhänger der Proporzes, sie kämpfen mit derselben Begeisterung zurzeit als Minderheits- Partei in Frankreich für den Proporz bei den Kammermahlen. In Elsaß-Lothringen aber erklärt der Zentrumsabgeordnete Dr. Ricklin mit kalter Brutalität: Wahlrechtsfragen sind Machtfragen, bei denen die Gerechtigkett oder die Rücksicht auf Minderheiten keine Rolle spielen darf. Und hier wird nun der Proporz vom Zentrum offen bekämpft! So selbstverständlich ist für die elsässischen Klerikalen diese Doppelzüngigkeit, daß in demselben Augenblick, in welchem seine französischen Parteifreunde am lautesten den Proporz fordern, Herr W e t t e r l 6 von Colmar im P a r i- s e r„M a t i n" gegen den Proporz polemisiert,— natürlich gegen den Proporz für Elsaß-Lothringen. Das rechtfertigt er mit der Entdeckung, mit der er schon früher wiederholt die Franzosen unterhalten hat: mit der Entdeckung, daß die Sozialdemokratie in Elsaß-Lothringen ein Faktor der Germanisation sei und daß die Verhältniswahl im neuen Verfassungsentwurf für Elsaß-Lothringen diesen Faktor stärken soll. Ohne Zweifel ist der Kampf um die Demokratie in Elsaß-Lothringen, den die Sozialisten, alt- deutsche wie einheimische, Schulter an Schulter führen, ein Mittel zur Abschwächung der nationalen Gegensätze. Man darf gespannt darauf sein, was bei der Regierung endlich doch überwiegen wird, die Angst vor den von den Wetterls, Blumenthal, Preiß und Konsorten mit sozialem Tamtam begonnenen nationalistischen Bestrebungen, die im letzten Ende nichts anderes sind, als ein Kampf um den Futtertrog zwischen alldeutscher und elsässischer Bourgeoisie, oder die Angst vor der Demokratie. Die letztere ist natürlich sehr groß, man darf aber sehr neugierig sein, ob die Ver- bündeten Regierungen es wagen werden, dem deutschen Reichs- tag ein Wahlsystem vorzuschlagen, das die gekennzeichneten nationalistischen Bestrebungen begünstigt. Die reichsländische Sozialdemokratie hat seit mehreren Jahren jeweils beim Zusammentritt des Landes- ausschusses mit Versammlungs- und Straßenkundgebungen, die immer größere Massen in Bewegung brachten, das allge- meine Wahlrecht und— den demokratischen Ueberlieferungen der Bevölkerung entsprechend— die republikanische Regierungsform für das Land gefordert. Sie wird nicht müßig bleiben, wenn die Gefahr der Einführung eines Herrenhauses nach preußischem Muster oder die des Plural- Wahlrechts faßbare Formen annehmen sollte. Und dann wird sich auch in Elsaß-Lothringen zeigen, daß die Zeiten vorüber sind, wo der Widerstreit der nationalen Gegensätze auf dem Rücken des Proletariats ausgetragen wurde. Die Arbeiter- klasse wird sich ihr Recht erkämpfen— wenn nötig gegen den Machthunger der einheimischen Bourgeoisie und gegen die Angst der Regierung vor dem demokratischen Wahlrecht., Abgehalftert. Bon besonderer Seite erhalten wir folgende Zuschrift: Der plötzliche Ministerwechsel in Preußen, dem die Herren v. Moltke und Arnim zum Opfer fielen, hat nicht nur die breite Oeffentlichkeit überrascht, sondern auch innerhalb der betresieuden Ministerien die gleiche Wirlung hervorgerufen. Wenn auch vielfach in der Preise der Abgang des Herrn von Moltke in nahe Aus- ficht gestellt worden war, so steht doch fest, daß sein vor zirka acht Wochen eingereichtes Entlassungsgesuch ab- gelehnt wurde. Niemand im Ministerium, auch Herr von Ni o l t k e nicht, konnten infolgedessen an einen Wechsel im Amt denken. Die Entlassung hat ihn v o l l st ä n d i g u n- vorbereitet getroffen. Das geht ja auch daraus hervor, daß Herr v. Moltke auch nicht die geringsten Vor- bereitungen getroffen hatte, seinen Wohnsitz zu verlegen und vor« läufig im Ministerhotel Unter den Linden wohnen bleibt. Ganz ähnlich liegen die Dinge bei Herrn v. Arnim. Auch er hat sich oft über die Bürde seines Amtes beklagt, da? seine Kräfte übersteige und oft ausgerufen, er könnte eS nicht mehr aushalten. Aber weder er selbst noch einer seiner Miiarbeüer haben an eine» solch schnellen Abschied gedacht. Dieser Abschied hat sich nun in h ö ch si sonderbaren Formen vollzogen. Beide Herreu habe� ein Schreiben erhalten, das ungefähr folgenden Wortlaut hatte: Mit Rücksicht auf die Notwendigkeit, die Homogenität des Königlichen StaatsmiuistrriumS zu festigen, werden Sie ersucht, sofort Ihren Abschied einzureichen. Das ist denn auch geschehen und innerhalb zweier Stunden waren die beiden Herren bereits in Be» sitz ihres Abschieds, natürlich mit dem üblichen„Ordens- Pflaster". Die so auf die Straße Gesetzten mögen ein recht verdutztes Ge- ficht gemacht haben als ihnen in dieser schroffen Form der Dienst gekündigt wurde; sie werden indcsien eingesehen haben, daß die Homogenität eines StaatLmiuisteriumS, dem Herr v. B e t h- man» Hollweg vorsitzt, eine so außerordentlich wichtige Sache ist, daß deshalb schon auf Form und Wohlansläudigkeit verzichtet werden könne und müsse. Daß mit dem Eintritt des Kanalrcbcllen v. D a l l lv i tz und des Wahlrechtsfeindes v. Schorlemer die Homogenität deZ königlichen Staatsministeriums wieder gefestigt ist, ist gewiß er- sreulich. Wenn man aber glaubt, daß damit auch die Homogenität der Negierung mit dem Volke gefestigt wurde, so dürste sich hierbei Herr v. B e t h m a n n auf dem Holzwege befinden. Zm Sieg)n heilen. Aus dem Wahlkreise Friedberg-Büdingen wird unS noch geschrieben: Selten ist wohl in einem Wahlkreise eine solche scharfe Agitation betrieben worden, wie diesmal hier. Unsere Partei hat allein 300 Versammlungen abgehalten, wovon auf die letzton drei Sonntage 150 kommen. Und überall wurden sie wil..nmen geheißen. In den abgelegensten Dörfern, wo nur kleine Bauern wohnen, fanden unsere Redner freudige Aufnahme, und daß ihre Reden genutzt haben, geht aus dem Umstände hervor, daß sich die sozialdemokratische Stimmen- zahl in manchen reinen Bauernöörfern geradezu verdoppelt hat. Einen bezeichnenden Gegensatz zu den überall stark be- suchten sozialdemokratischen Versammlungen bildeten die leeren Säle, die die Gegner meist vorfanden. Hatten sie vor der Hauptwahl den Wahlkainpf in ziemlich anständiger Weise ge- führt, so wurde der Stichwahlkampf von den Bauernbündlern in echter Neichsverbandweise, mit den gehässigsten Mitteln betrieben. Dr. Becker-Sprendlingen und Konsorlen zogen von Ort zu Ort und ließen ihre Stinkbomben los, in unsere Ver- samnilungen zu kommen, waren oiese Burschen zu feige. Als alles nichts nutzte, brachte man am Tage vor der Stichwahl das Fried bmzer Äombenverbrechen mit der Sozialdemokratie in Verbindung. Der elende Bubenstreich ist ihnen indes sehr schlecht bekommen. Das Schandblatt sollte erst am Abend vor der Stichwahl verbreitet werden, um der Sozialdemokratie jede Antwort unmöglich zu machen. Es gelangte aber schon im Laufe des Donnerstag in die Hand des sozialdemo- kratischen Wahlkoniitees, das sofort ein Gegenflugblatt, überschrieben:„Ein Schurkenstreich", herausgab. Dieses Flug- blatt schlug ein wie eine Bombe— sicherlich hat den Bündlern die niederträchtig-feige Spekulation sehr geschadet. Ein schöner Sieg hat die unermüdliche Arbeit der Ge- nossen gekrönt. Tag und Nacht haben sie mit einem Eifer für die Partei gearbeitet, der über alles Lob erhaben ist. Auf rund 500 Stimmen darf man die Reserven rechnen, die sie noch in die Stichwahlschlacht gebracht haben, vom Freisinn mag Busold an 1300 Stimmen erhalten haben. Daß der Erfolg ein dauernder wird, das muß jetzt das Ziel der Partei- arbeit sein. ♦ Die„Frankfurter V o l k s st i m m e" schreibt zur Haltung des Freisinns im Kreise: „1300, die den Liberalismus ernst aiiffaffen und tatkräftig bei der Niederringung des JuiikerregimciitS helfen wollen. Würde der Freisinn allgemein auf diese Richllinie einschwenken, so niüßieu die Konservativen mit einem Schlage Dutzende Mandate verlieren." Dann fährt unser Patteiblatt fort: .Wertvoller wie diese sicher politisch ins Gewicht fallende Haltung erscheint uns jedoch die schon im ersten Wahlgang markant hervorgetretene Hinwendung von Massen der Kleinbürger und Kleinbauern zur Sozialdemokratie und ihr Ausharren auch in der Stichwahl, trotz der skrupellosen Agitation für Helmolt.� Es wird sodann der Grund dieser Hinwendung in der Erkenntnis der Kleinbauern und Kleingewerbetreibenden ge- funden, daß ihnen die biindlerische Zoll- und Wirtschafts- und Steuerpolitik nur Schaden bringt. Indes sei es das allein nicht gewesen. Der Artikel sagt über das weitere: „Freilich härten alle diese Umstände nicht bewirken können, daß gleich in der Hauptwahl ein so gewaltiger Zuwachs der sozialdemokratischen Stimmen eintrat, wenn nicht die sozial- demokratische Agitation, die nicht erst vor der Wahl ein- setzte, die vielmehr nie ruhte, den Kleinbürger- und Kleinbauern- schichten nachgewiesen hätte, daß auch der Liberalismus an diesen Zuständen sein gut Teil Schuld trägt und daß speziell der Liberalismus von der„nationalen' Spielart bei den Zöllnern und Sündern Stammgast war. Und endlich ver- standen es unsere Genossen, den Kleinbürgern die Eni- Wickelungstendenzen des Kapitalismus klar vor Äugeil zu stellen und erst recht den Kleinbauern die soziale Schädlichkeit des Groß- grundbesitzes begreiflich zu machen, so daß sie erkannten: die Ueberführung des Grund und Bodens aus kapitalistischem in Gemeinbesitz ist ja unser, der Kleinbauern, Borteil. Beispiele aus dem Kreise selber dienten dazu, die sozialdemokratischen Grundsätze und die Notwendigkeit ihrer Verwirklichung zu beweisen; das wirkte I So haben also allgememe soziale Umstände die Wähler- »nassen zu uns gebracht, nicht bloß der Zorn über die Steuer« schände." An der Hand der Resultate aus den einzelnen Orten kommt dann der Artikel zu dem Schluß: „Jedenfalls zeigt die Stichwahl wie der erste Wahlgang an, daß Schästles Wort voin antikollektivistischen Bauern- schädel, an dem die Sozialdemokratie scheitern müsse, immer mehr seine Geltung verliert. Das Friedberg-Büdinger Wahl- resultat ermutigt unsere Genossen, überall die Agitation auch unter der kleinbäuerlichen Bevölkerung mit zäher Ausdauer zu betreiben. Haben wir erst überall, wie in Friedberg-Büdingen Masten ländlicher und bäuerlicher Wähler hinter uns, dann hilft den Junkern und ihren BimdeSgenossen keine Wahlkreisgeoinetrie, dann wird die skandalöse Bergcivaltigung der Jndustriebezirke durch die Juirkersippe bis zu gewistem Grade weit gemacht. Dieser Junkersippe werden die Wahlziffern wie ein Donner- schlag in die Ohren tönen. Ihrer Parasitenherrlichkeit Tage wären vorbei und geweseir, sobald allerorten der Liberalismus sich er- mannt. Einen leisen Versuch, sich der Bedrücker deS bürgerlichen Lebens zu erwehren, hat wenigsten« ein Teil der Liberalen Friedberg-Büdingens gemacht. Leider müstcn wir befürchten, daß der Vorgang Episode bleibt." Das revolutionäre China. Bor 60 Jahren schrieb Karl Marx:„Wenn unsere euro- päischen Reaktionäre auf ihrer demnächst bevorstehenden Flucht durch Asien endlich an der chinesischen Mauer ankommen, an den Pforten, die zum Hort der Urreaktion und des Urkonservativismus führen, wer weiß, ob sie nicht darauf die Ueberschrift lesen: Ilö- publique chinaise; Libertch Egalite, Fraternitch" Diese Prophezeiung scheint in unseren Tagen sich in ihren beiden Teilen bewahrheiten zu wollen: darin, daß die kapitalistische Reaktion aus Europa nach Asten hinübergreift, um dort neue Stützpunkte zu finden, und daß ihr vom Osten her die Re- volution entgegeneilt. Das konservative China hat aufgehört. China ist uns nicht mehr das Sinnbild der Stagnation. Was aus China jetzt kommt, bedeutet Unruhe, Kampf, vernichtendes Werden und werdende Vernichtung. Das revolutionäre China ist zur Tat- fache geworden. Wenn nun aber die bürgerliche Revolution 60 Jahre brauchte, um nach dein fernen Osten übertragen zu werden, so geht die chinesische Revolution das kapitalistische Europa unmittelbar an. Die Entwickelung drüben ist dabei von einer Kompliziertheit, die ihre europäischen Vorbilder und selbst die verworrenen Verhältnisse der russischen Revolution weit übertrifft. Unter dem Druck des Kapitalismus, im Drang nach dem Parlamentarismus, nehmen die sozialen Käinpfe in China die schwierigsten, unter Umständen auch recht bizarre und befremdliche Formen an. Das wichtigste ist der Aufruhr in der Provinz H u n a n, der mit einer Vernichtung der fremden Niederlassungen verbunden war. Er führte zur Absetzung des Gouverneurs und sonstigen Kon- Zessionen an die Aufständischen, wodurch jedoch, trotz dem gleich- zeitigen großen Aufgebot der militärischen Macht, nur eine sehr problematische„Beruhigung" der Bevölkerung erreicht wurde. Die unmittelbare Ursache dleseS Putsches war die Reisnot, die im ganzen Reich herrscht, in einzelnen Provinzen aber zu einer furchtbaren Hungersnot geworden ist. Darin liegt noch nichts NeueS: seitdem China besteht, gab es in China Hungersnöte, und seitdem eS Hungersnöte gab, gab es auch Hungerrevolten. Die Er- bitterung der Bevölkerung wurde dadurch verschärft, daß einzelne Großkaufleute den Reis aufkauften, um damit Wucher zu treiben, und bie Regierungsbeamten durch Zurückhaltung der Reisvorräte in den Staatsmagazinen ihnen dabei zu Hilfe kamen. Auch das ist eine durch die Tradition geheiligte Volksauspowerung. Allein es wurden außerdem noch aus den notleidenden Gebieten große Mengen Reis ausgeführt. Gelegentlich mag das auch in früheren Zeiten vorgekominen sein, jedoch in dem Maße, wie es jetzt geschah, war es eine wesentlich neue Erscheinung. Zwei kapita- listische Momente verschärften ungemein die Situation: erstens die Entstehung kapitalistischer Zentren im Lande, die durch ihre größere Kaufkraft die Reisvorräte aus den notleidenden Gegenden an sich zogen, zweitens die modernen Transportmittel, vor allem die Dampfer auf den Flüssen, die die Möglichkeit gewährten, den Reis schnell und in großen Mengen wegzuschaffen. Man begreift des- halb, warum die Menge über die Häfen, Speicher und Schiffe der Dampfergesellschaften herfiel. Ein auffallendes Nebenmoment: die japanischen Gesellschaften blieben verschont. Das von der Re- gierung erlassene Reisausfuhrverbot wurde umgangen; fein sichtbares Resultat war nur, daß sich in den Regierungs- speichern große Reismengen ansammelten, die dann von der hohen Beamtenschaft selbst nach den reicheren Provinzen, unter anderem nach Naoking, das wegen der dort zu eröffnenden Ausstellung einen großen Reisbedarf hat, und nach Javan verschifft wurden. Das Volk, das hungerte, mußte also zusehen, wie man ihm das Brot vom Munde weg aus dem Lande brachte. Der Kapitalismus, der die Hungerrevolte verschärfte und sie in einen Kampf der Massen gegen die Zentralregierung verwandelte, hat sogleich einen Kampf zwischen den Notabeln und der Zentralregierung entfesselt. Die Provinz Hunan ist erst in der jüngsten Zeit dem fremden Handel eröffnet worden. Die Notabeln, die in dieser Provinz reiche Großgrundbesitzer sind, stehen im all. gemeinen den Neuerungen feindlich gegenüber. Sie werden durch den Kapitalismus wirtschaftlich differenziert: die soziale Schicht verliert ihre geschichtliche Grundlage, aber einzelne erwerben große Relchtümer. Doch die letzteren sind nicht minder gegen die Regie- rung, denn sie möchten selbst die Träger der kapitalistischen Eni- Wickelung werden, sie sind national und beschuldigen die Regierung der Fremdenbegünstigung. Weiter aber noch als der wirtschaftliche geht der politische Gegensatz. Unter der alten lockeren StaatSver- waltung wqren die Notabeln die eigentlichen Herren der Provinz. Die Zentrale Regierung, die sich auf eine moderne Ärmde stützt, macht dieser Herrschast ein Ende. Darum setzten sich jetzt die No- tabeln aii die Spitze des Aufstandes, um die Zentralregierung zu schwächen. Der Gouverneur der Provinz verfügte über 6000 Mann moderner Truppen. Es wird aber angenommen, daß diese ihm von den Notabeln, die sich mit einem Teil der Beamtenschaft verbanden, aus der Hand gewunden wurden. Ein drittes Element des Aufruhrs waren bie Handwerker, die Maurer, und Zimmererzunft. Diese fühlen sich be- drängt— durch die EntWickelung der Bautätigkeit. So seltsam das klingt, hat es doch seine guten Gründe. Denn der Kapitalismus brachte die m o d e r n e B a u a r t in die Provinz und mit ihr einen Zuzug fremder Arbeiter, während die vielen Leute vom routinierten Handwerk, die steinerne Kolosse entstehen sahen, vergebens nach Arbeit herumfragten! Darum die Brandstiftungen, die Zerstörung der modernen Bauten, während das Leben der Ausländer geschont wurde. Die Berichte aus China stimmen darin überein, daß die Per- Hältnisse in Hunan sich besonders scharf zugespitzt haben, daß jedoch diese Provinz leine Ausnahme darstellt. Die Ruhe im ganzen Reich wird nur noch durch die militärische Macht aufrechterhalten. Die modernisierte Armee ist die große Stütze der Regierung. Aber die Regierung verfügt nicht über die ganze Armee, denn die Zentral« regierung ist selbst geteilt. Dem Prinzregenten steht Prinz C h i n g entgegen. Dieser hat die größere Zahl der Provinzgouver- neure für sich und die ganze Truppenmacht im Umkreise von Peking soll unter seinem Einflüsse stehen. Das Verhältnis war im Mai nach dem„Oesterr. Lloyd" derart, daß dem Prinzregenten in Peking Ii 000 Mann zur Verfügung standen, während er von 24 000 Mann vor den Toren Pekings umlagert wurde. Um dieses Mißverhältnis zu beseitigen, wird einerseits die Leibgarde vergrößert, andererseits werden die Truppen aus der Umgebung nach der Provinz fort- geschickt. Dadurch wird die gesamte Militärmacht Pekings ge- schwächt und die fremden Zeitungen am Orte erblicken darin eine Gefahr für den Fall eines revolutionären Auf- st a n d e s. Die revolutionäre Verschwörertätigkeit nimmt sichtbar zu. Erst dieser Tage brachte der Telegraph die Nach- richt von der Verhaftung höherer Militärs, die einer revolutio- nären Verschwörung angehörten. Das ist bei der Stellung der Armee in China ein sehr wichtiges Symptom. Nicht lange Zeit vorher war das Attentat auf den Prinzregenten. Die Schuldigen wurden zu Zuchthaus verurteilt, die Zeitungen erklären aber offen, daß wenigstens die wichtigste Persönlichkeit unter den Be- teiligten, Wang, binnen kurzem überhaupt loskommen werde. Der Grund liegt darin, daß die Attentäter aus sehr einfluß- reichen Kreisen kommen. Angesichts der um sich greifenden revolutionären Gesinnung der Jugend— Schulstreiks sind zu einer täglichen Erscheinung geworden— sieht sich die Regierung veran- laßt, die Zulassung zur Beamtenlaufbahn einzuschränken. Dadurch wird die geheime Tätigkeit der Organisationen erst recht ge- fördert. Nach dem Reformplan der Regierung tritt in diesem Herbst der Reichsausschuß, eine Art Herrenhaus zusammen. Der Vor- gang wird von der Ocffentlichkeit vollkommen mißachtet. Man verlangt in der Presse und in den Versammlungen einmütig ein richtiges Parlament. Eine öffentliche, über das ganze Land verzweigte„Liga der Einwütigkeit" wurde geschaffen, die jetzt ihren ständigen Ausschuß in Peking„zur Beschleu- nigung der Eröffnung deS Reichstages" ernannt hat. Das ist gewiß nur ein Momentbild aus China. Doch eS zeigt eine wilde Bewegung, deren revolutionärer Charakter unverkenn- bar ist. Die Regierung gegen die Konstitution. Peking, 27. Juni. Die Regierung hat ihre Zustimmung zu einer Denkschrift verweigert, in welcher von Delegierten von Provinzen und chinesischen überseeischen Gemeinden die Ge- Währung einer Konstitution gefordert worden war. Die Regierung erklärt in ihrer Antwort, es sei unmöglich, den von dem verstorbenen Kaiser festgesetzten Zeitraum von neun Jahren abzukürzen, da die Bevölkerung.für die Erlangung konstitutioneller Rechte noch nicht reif sei. politische debersickt. Berlin, den 27. Juni 1910. Der Zentrumsverrat i« der Reichsversicherungs- ordnungskommission. Die Gcherlblätter teilen mit, daß in den letzten Tagen zwischen Mitgliedern der konservativen Partei und deS Zentrums vertrau- liche Besprechungen stattgefunden haben, die voraussehen lassen. daß Zentrum und Rechte in der zweiten Lesung der Kom- Mission zu ein«! Einigung unter sich und mit der Regierung kommen werden, und daß das Ergebnis die Annahme der Regierungsvorlageimgroßenundganzen nur mit einigen nicht erheblichen Aenderungen sein dürfte. Insbesondere sollen die in der ersten Lesung gestrichenen Versiche» rungsämter, auf die von der Regierung entscheidender Wert gelegt wird, in der zweiten Lesung angenommen werden, wogegen die Regierung sich zu«inigen Zugeständnissen, inS- besondere hinsichtlich der Regelung der Beiträge für die Kranken- lassen, verstehen würde. Die Nachricht klingt nach allem, waS in der Kommission vor- ging und namentlich nach dem seinerzeit von uns festgenagelten Artikel der„Germania", der den Entschluß deS Zentrums erklärte, die RcichSversicherungSordnung mit Konservativen und National- liberalen zu machen, sehr glaubhaft. Daß das Verfahren des Zen- trums einen neuen Verrat an den Arbeitern bedeutet, liegt auf der Hand. Die Regierungsvorlage„mit unwesentlichen Aenderungen" ist eine erhebliche Verschlechterung deS jetzigen Standes der Ar. beiterversicherung. Allerdings heißt es in der Meldung, die Regie- rung werde Zugeständnisse machen bei der Verteilung der Beiträge, d. h. also bei den Bestimmungen, die die Rechte der Arbeiter in den Krankenkassen, die Selbstverwaltung der Kassen durch die Ver» sicherten betreffen. Das kann sie allerdings tun, ohne von ihrem Standpunkt wesentlich abzugehen. Denn das Zentrum hat ja in der Kommission schon zugegeben, daß die Wahl der Vorsitzenden und der wichtigeren Beamten der Kassen den Vorständen genommen wird. Man kann dann den Arbeitern ruhig ihre Zweidrittelmehr- heit im Vorstand der Kassen lassen— die Selbstverwaltung haben sie in ihren Hauptstücken ja auf alle Fälle verloren, wenn das Kompromiß des schwarzblauen Blocks mit der Regierung auf der Basis der Zentrumsvorschläge zustande kommt. Die Reichsfinanzen. Ueber die finanzielle Lage deL Reiches, wie sie sich für die Aufstellung deS Reichsetats für das nächste Jahr darstellt, schreibt eine offiziös bediente Korrespondenz: „Durch die verstärkte Tilgung und Verzinsung der Reichsschuld, durch daS Versiegen des ReichSiiwalidenfondS, durch daS weitere Anwachsen des PensionSsonds und durch die Abbürdung eines Drittels deS Fehlbetrages aus dem Jahre 1900 ergibt sich für das Jahr 1911 eine Mehrausgabe gegen 1910 von rund 115 Millionen. Hierbon gehen ab etwa 40 Millionen Mark infolge Wegfalls der einmaligen Beamtenbeihilfen und der Erb« schaftssteuerrückzahlungen. Danach sind also zu decken 75 Millionen Mark mehr. Nach den ungünstigen Erträgen der Einnahmen des Reiches an Zöllen und Steuern kann man für das nächste Jahr im günstigsten Falle 60 Millionen Mark Mehr- einnahmen gegen 1910 an Zöllen und Steuern annehmen. Danach verbleibt atso ein Defizit von IS Millionen Mark. DaS Flottenge setz sieht aber für daS Jahr 1911 eine Mehr« ausgäbe von rund 23 Millionen Mark vor, so daß also 38 Millionen Mark mehr zu decken find. An der Balonzierung des Etats mit achtzig Pfennig Matrikularbeiträgen müsse aber unter allen Umständen festgehalten werden. Und aus diesem Grunde werde es der größten Anstrengung und der vorsichtigsten Verteilung der Ausgaben auf die kommenden Jahre bedürfen, um den Etat zu balanzieren." Natürlich werden diese Anstrengungen erfolglos bleiben; einnial wird die Finanzreform des Schnapsblockes nicht er- geben, was ihre stümperhaften Urheber erwartet haben. Dann aber wird das uferlose Wettrü st en zu Lande und zu Wasser schon für die Erzeugung eines neuen un- geheuerlichen Defizits sorgen. Das letzte Wort wird dann heißen: Neue Steuern._ Noch mehr zur tollen Leistung der„Germania". Aus Baden schreibt man uns: Der verrückte Fälschertrick des ZentrumSblatteS wird nicht der letzte dumme Streich fein, der dem ultramontanen Draufgängertum passiert. Die Angst vor dem Vollsgericht, welche? auf Grund des allgemeinen direkten Wahlrechtes über die Zöllner und Finanz- reforniatoren gehalten werden soll, verwirrt den Sinn der Schwarzen bis zur Tollwut. Was die. G e r m a n i a" bei ihrer Schimpferei über die Einführung der Verhältniswahl in Baden und gegen„die rote Gesellschaft" noch übersehen hat, ist die im Bericht der Justizkommission der Zweiten Kaminer festgelegte Erklärung des Zentrum«, daß auch dieses dem von der sozialdemokratischen Fraktion ge- wünschten Wahlproporz für die Landtagswahl sympathisch gegen über st ehe, allerdings mit der Einschränkung, die Ein- führung der Verhältniswahl auf einen späteren Landtag zu vertagen, um aus dem Proporz, der jetzt für die Gemeindewahlen vorgesehen worden ist, noch weitere praktische Erfahrungen zu sammeln. Historisch erwähnt der Bericht, daß das Zentrum beim Kampfe um die Einfuhrung der direkten Wahl in Baden gemeinsam mit der Sozialdemokratie auch für die Verhältniswahl ein- getreten ist. Es ist auch bekannt, daß damals der ZentrmnSführer Wacker die Priorität für den Proporzantrag den Sozialdemokraten abstreiten wollte und diesen Proporz gegenüber dem Minister Dr. Schenkel als eine damals schon spruchreife Neuerung verteidigte. Also der„Löwe von Zähringen" muß in seinen alten Tagen zu den schlimmen Erfahrungen noch daS Leid erleben, von seiner Ober- priesterin„Germania" unter die Verhunzer deS badischen Wahlrechts geworfen zu werden. Ein bitteres Los! Die Vertagung des Proporzes auf eine nach der nächsten Landtagswahl liegende Zeit entsprach der Auffassung deS badischen Zentrums, daß es im jetzigen Bunde mit den konservativ-protestan- tischen Bauernführern die reaktionäre Kammermehrheit sicherer er- reichen werde als mit dem Proporz, der die Geschästsgemeinschaft zur Liquidation zwingen würde. Zur Beurteilung der Wirkung der Verhältniswahl in Baden verweist der Kommissionsbericht des Abg. Geck auf folgende Statistik: Es würden bei der Verhältnisberechnung im gegen- wältigen Landtage haben: die Liberalen statt 24 nur 28 Vertreter. da aber die Sozialdemokraten ein Mandat gewinnen würden— 21 statt 20— so behielte der sogenannte Großblock seine bisherige Stärke. Konservative und Zentrum sinken von 29 aus 28 Mandate herab; der 73. Sitz würde einem Vertreter der Mittelstandsparteien, also auch einem der Rechten nahestehenden Vertreter zufallen, so daß bei diesem Wahlmodus das Gesamtbild der zweiten badischen Kammer nicht verschoben würde. Die„Germania" hat übrigens nach unserer Abfertigung vom Sonnabend bis heute noch nicht die Sprache wiedererlangt. Anscheinend will sie ihren Lesern unsere Antwort verschweigen und denkt gar nicht daran, ihre frechen Lügen zu widerrufen. Dafür ist sie das Hauptblatt der Partei„für Wahrheit, Freiheit und Recht". Der Auftakt zur Nachwahl in Zschopau- Marienberg. Mit einer großen und eindrucksvollen Demonstration sind die Genossen des 20. sächsischen RcichstagswahlkreiseS in die Wahl- bewegung eingetreten. Auf einem großen Wiesengrundstück in G e l e n a u fand die Versammlung statt, zu der trotz ungünstiger Witterung aus den Industriestädten und Dörfern des räumlich auS- gedehnten Kreises die Genossen und Genossinnen in Scharen zu- sammengeströmt waren. Ueber 5000 Personen nahmen an dieser ersten Volks- und Wählerversammlung teil; ein gutes Zeichen für den beginnenden Wahlkampf. Freudig begrüßt,'wurde Genosse Paul G ö h r e- Zehlendorf als Kandidat aufgestellt. Dann sprach Genosse Reichstaa-abgeorldneter DU David- Mainz über die politische Situation im Reiche, Genosse Landtagsabgcordneter S i n der ma n n- Dresden berichtete über die Tätigkeit im Landtage und schließlich hielt Genosse Göhre eine Ansprache an die Versammelten, die begeistert Beifall zollten und einig waren in dem Gedanken: der Kreis muß am 24. August wieder und für immer der Sozialdemokratie gehören. Ein polnischer Nationalrat. Die Vorgänge bei der letzten Posener ReichStagSersatzWahl, die zur Gründung der polnisch-demokratischen Vollspartei und zur Wahl des„Arbeiter"-Kandidaten Nowicki führten, sind den„Führern" des polnischen Volkes, den Pfaffen und Schlachzizen, arg in die Glieder gefahren. Mit allen Mitteln versuchen sie einer Wiederholung dieser Vorgänge zu begegnen und das allmähliche Erwachen des polnischen Volkes zu hintertreiben. Eines der Mittel ist die Gründung«ine» polnischen„Nationalrates". Die polnische Presse veröffentlicht jetzt eine Kundgebung, in der eS heißt: „Mit Rücksicht darauf, daß die Polen eine politische Organi- sation nicht besitzen, die kraft ihres Amtes das Recht hätte, sich als die Vertreterin des gesamten polnischen Volkes zu betrachten. daß serner die Bildung einer solchen Organisation gegenwärtig den größten Schwierigkeiten begegnen würde, und da der Mangel einer solchen Organisation auf die allgemeinen politischen Ver- hälwisse der Polen ungünstig einwirkt, konstituiert das polnische Zentralwahlkomitee sich selbst als eine Organisation, die die Be- rechtigung haben soll, im geeigneten Augenblick die nötige politische Aktion einzuleiten. Das Komitee beabsichtigt durchaus nicht die Rechte der polnischen gewerkschaftlichen und politischen Organisationen zu de- schränken oder die Selbständigkeit der polnischen Fraktion zu hemmen; eS will vielmehr nur, wo eS nötig erscheine» sollte, bei etwaigen Meinungsverschiedenheiten grundlegende Be- schlüsse fassen, die für das gesamte Polentum als Richtschnur dienen sollen. Nach gefaßtem Be« schluß sollen allePolen an den Beschluß des Komitees gebunden fein. Wahlversammlungen sollen nur von dem legalen Wahlkomitee einberufen werden. Bei Abstimmungen entscheidet die Mehrheit, jedoch dürfe die Minderheit nicht vergewaltigt werden." Soweit die Kundgebung des Zentralwahlkomitees der Polen im Deutschen Reiche. Die Sache ist nicht übel ausgedacht, sie hat aber einen Haken: wenn die Posener.Sezessionisten", die schon jetzt auf die Entscheidungen und Drohungen des Zentralwahl- komitecs pfeifen, nun auch auf die Entscheidungen des„National- rate»" pfeifen? Das Organ der polnischen Demokraten, der„Kuryer", macht bereits gegen den sogenannten.Nationalrat" mobil und meint höhnisch, die Gründung des.Nationalrates' sei ein Staatsstreich, mit dem man sich nur lächerlich mache. Tatsächlich fällt dem neugegründeten Nationalrat auch nur die Aufgabe zu, das polnische Boll weiterhin vorjeder selbständigen Regung zu bewahren, um es weiter am Gängelbande zu führen. Die Taten der polnischen Führer, der Reichstagsabgeordneten, hasten aber dem polnischen Volke so im Gedächtnis, daß alle Mätzchen, Partei- oder National- ratSgründungen auf die Dauer nicht mehr verhindern können, datz ihm doch endlich die Augen über feine Verräter aufgehen. Der Zollkonflikt mit Frankreich. AIS bei Beratung der F i n a n z r e f o r m die sozialdemo- kratischen Abgeordneten die Erhöhung der Schaumweinsteuer und-Zölle bekämpften, erklärten sie sofort, dast diese Zoll- erhöhungen Frankreich zu Gegen mastregeln gegen unsere Industrie veranlassen würden. Die Opfer auch dieser Steuer würden also doch wieder die Arbeiter werden. Die Prophezeiung unserer Genossen ist pünktlich eingetroffen, die französischen Schutzzöllner haben die Gelegenheit der französischen Tarifrevision benutzt und die Zölle auf einige wichtige Artikel der deutschen Ausfuhr erhöht; eine Reihe anderer Erhöhungen, die auch geplant waren, unterblieb allerdings auf Vorstellungen der deutschen Regierung. Nun hat die deutsche Regierung, wie wir bereits mitteilten, angeblich aus fiskalischen Gründen, die bisher zugestandene Zollermätzigung plötzlich aufgehoben. Bei der Finanzreform war der Zoll für eingeführten Brannt« wein auf 272 bis SSO TO. und für Schaumwein auf 180 TO. pro Doppelzentner festgesetzt worden. Gleichzeitig ermächtigte man den Bundesrat, diese Zölle ab 10. Juli 1309 um 50 Mark zu ermäßigen. Von dieser Befugnis hatte der Bundesrat Ge- brauch gemacht. ES ist kein Wunder, daß die plötzliche Auf- Hebung in Frankreich große Verstimmung hervorgerufen hat. Man ist nicht nur über die materielle Bedeutung der Zollerhöhung, sondern auch über die hinterhältige Form, mit der die deutsche Regierung dabei vorging, empört. Der frühere Minister Msline meinte, daß unter dem„Druck deS deutschen Exporthandels, der durch einige Er- höhungen unseres Tarifs sich beschwert fühlt,' die deutsche Regierung glaubte Maßnahmen.treffen zu müssen, die wie Repressalien aus- sehen. Die Sprache der Zeitungen, die mit dem Beschluß einverstanden waren, läßt an dieser Tatsache keinen Zweifel'. Und nun ruft Herr Müline, das Haupt der französischen Schutzzöllner selbst nach Repressalien. So beschwört der kurzsichtige FiSkaliSmuS Mermuths die G e- fahr eine» Zollkrieges herauf und droht, an Stelle der endlich etwas besseren Beziehungen zwischen Frankreich und Deutsch- land wieder Mißtrauen und Feindseligkeiten zu wecken. Dabei mußte sich Herr Mermuth über die politischen Folgen seiner fiskalischen Maß. nahmen klar sein. Wenn die Regierung dennoch aus kleinlich fiska- lischem Interesse die Gefahr eines Zollkrieges und diplomatischer Verstimmungen hervorgerufen hat, so ist das eine außerordentliche Leichtfertigkeit. Es muß verlangt werden, datz sie nun wenigstens alles aufbietet, um den durch ihr Verschulden heraufbeschworenen Konflikt zu beseitigen. Kandidatentvechsel in Potsdatn-Osthavelland. Ter Reichstagsabgeordnete P a u l i, der konservative Vertreter von Potsdam-Osthavelland, ist mandatsmüde und wird bei den n-ächsten Reichstagswahlen nicht wieder kandidieren. Die konser- vativen Vertraucnsmänncr deS Kreises haben darauf für die nächsten Reichstagswahlen den frcikonservativen Landtagsabgeord- neten Rechtsanwalt L ü d i ck e- Spandau als Kandidaten auf- gestellt._ Noch immer verhandlungsunfähig. Die„Nordd. Allg. Ztg.' teilt heute offiziös mit, daß eS nichts ist mit der erneuten Verhandlung deS Eulenburg- Prozesses. ES heißt in der Notiz: Seitens der Staatsanwaltschaft ist der Fürst Eulenburg nach eingeholten Gerichtsbeschlüssen durch den Medizinalrat Dr. Sloermer im April und im Mai d. I. untersucht worden und zwar beim weiten Male auch mittels Röntgen-Apparat und mittels Ortho- iagraphS. Diese Untersuchungen haben erneut ergeben, daß Fürst Eulenburg nicht verhandlungsfähig ist, und daß sein Herzleiden (Arteriosklerose und Herzvergrößerung) weiter fortbesteht. Die Staatsanlvaltschaft ist daher außer stände, die Anberaumung eines neuen Hauptverhandlungstermins zu beantragen.' frankreick. Zusammenstöße bei einem Arbeiterbrgräbnis. Paris, 26. Juni. Zahlreiche Gewerkschaften beteiligten sich heute an dem Leichenbegängnis eines Kunsttischlers, der bei einem Zusammen st oß mit der Polizei kürzlich getötet worden war. Als der Zug auf dem Wege nach dem Friedhof das Faubourg Saint Antoine passierte, wurden auf Polizeibeamte fünf Revolver schüss« abgegeben, durch die ein Beamter leicht ver- letzt wurde. Die Teilnehmer durchbrachen sodann die Postenkette der Polizei, wobei wiederum Revolverschüsse abgegeben wurden, durch die mehrere Personen verletzt wurden. Die Polizei »ahm zahlreiche Verhaftungen vor. Nach der Beisetzung sammelte sich eine große Menge von De- monstra nten um rote und schwarze Fahnen und schlug, die Jntornationale singend, die Straße nach Paris ein. In ihren Reihen befanden sich zahlreiche Frauen und Kinder. Das Flan- drische Tor war von Polizei und Kavallerie bewacht. Die TOani. festanten wurden zunächst aufgefordert, auseinanderzugehen; dann zog die Polizei blank. In diesem Augenblick fielen mehrere Schüsse; es entstand ein Handgemenge, bei dem mit Fäusten, Stöcken und Säbeln aufeinander loSgehauen wurde. Die Manifestanten flohen nach allen Seiten. Viele stürzten dabei zur Erde, Frauen und Kinder wurden mit Füßen getreten. Als die Kavallerie ebenfalls blank zog, wurde das Handgemenge allgemein, und es floß Blut. Eine Anzahl Verwundeter blieb auf dem Platze. Um 3 Uhr abends war die Ruhe fast völlig wiederher- gestellt. Die Zahl der Verletzten ist beträchtlich. Tie Zahl der Verletzten. Paris, 27. Juni. Im Lauf« der gestrigen Unruhen wurden etwa fünfzehn Polizeibeamte und zwanzig Ruhestörer verletzt, jedoch niemand schwer, Fünf Verhaftungen wurden aufrecht erhalten. Eine Erklärung BriandS. Paris, 27. Juni. Die Deputiertenkammer setzte heute o.« Beratung der Interpellationen über die allgemeine Politik fort. In Beantwortung der Ausführungen verschiedener Redner erklärte Ministerpräsident Briand, die Regierung wolle sich bei der Aus- Übung der öffentlichen Gewalt auf die republikanische Mehrheit stützen. Bei den Kämpfen, die die Republik zu be- stehen gehabt habe, habe sie bisweilen, um sich den Sieg zu sichern, vi» zum äußersten yehen muffen, wenn aber die Schlacht ge- Wonnen sei, sei es die Pflicht eines Führers, der seine Armee achte, sie anzuhalten, damit sie ihren Sieg nicht beschmutze.(Leb- hafter Beifall links und im Zentrum.) Die republikanische Partei habe die Macht und sie habe, um bie Regierung für alle führen zu können, gewisse Verpflichtungen, ohne deshalb ihre Ansichten auf» zugeben. Militär gegen Streikentir- Paris, 27. Juni. In Trelaze(Dep. Maine-et-Loire) kam cö gestern zu Zusammenstößen zwischen ausständigen Arbeitern der Schieferbrüche und Gendarmen und Dragonern, wobei etwa 60 Personen verwundet wurden, unter ihnen neun Arbeiter schwer. Nach Tre- laze sind Truppenverstärkungen abgegangen, Lelgsien. Die Sozialdemokratie und der Wahlausfall. Brüssel, 27. Juni.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Arbeiterpartei hat einen außerordentlichen Parteikongreß einberufen, um zur Situation nach dem Wahlausfall Stellung zu nehmen. Der Kongreß beschloß heute eine Resolution, in der erklärt wird, daß die durch den Wahlausfall entstandene Situation sich als eine revolutionäre darstelle, denn die Regierung repräsentiere nicht mehr die Majorität des LandeL- Die Resolution kündigt an, daß die soziali st i scheu Abgeordneten sofort nach dem Zusammentritt der Kammer die Frage nach der Rech tf- Mäßigkeit der Aufrechter ha ltung der RegierungSmacht stellen werden. Sie werden die Revision des Proportional wahlver- f a h r e n s fordern, das die belgischen Klerikalen so eingerichtet haben, datz der Wille der Majorität Aar nicht zum Ausdruck gelangen kann. Mit aller Kraft müsse die Partei die Auflösung der Kammer durchzusetzen versuchen. In ganz Belgien soll eine Agitation einsetzen von derselben Stärke, die zur Wegfegung des Zensuswahlrechts geführt habe. Zugleich müßte die Notwendigkeit der S o z i a l- r e f o r m energisch betont werden. Der Kongreß erklärt, daß die Propaganda für diese Platform verbunden werden müsse mit der scharfen Betonung des Klassen- charakters der sozialistischen Politik und mit der Hervor- Hebung alles dessen, was unS von den bürgerlichen Parteien scheidet. Spanien. Eine republikanische DcinonstratilM. Bilbao, 27. Juni. Die radikalen Republikaner ver- anstalteten hier gestern in lärmender Weise revolutionäre Kundgebungen. Als die Polizei einschritt, bewarfen die Ruhestörer die Beamten mit Steinen und verwundeten einen von ihnen. Darauf drangen sie in den Klub der Karlisten. In dem nun folgenden Tumult wurde eine Person getötet, sieben ander« wurden schwer verletzt. Die Ruhe wurde erst durch Einschreiten des Gouverneurs wiederhergestellt» der den Manifestanten gestattete, ihren Weg fortzusetzen. Die Antwort der Regierung. Madrid, 27. Juni. Ministerpräsident Canalejas er- klärt in seiner Antwort auf die letzte Protestkundgebung des Episkopats, die Regierung habe ein Werk der Toleranz und des Friedens unternommen, für das sich bei den letzten Wahlen die Mehrheit erklärt hätte, das Dekret betreffend Auslegung des Artikels 11 der Verfassung verletze in keiner Weise das Konkordat, sondern führe nur auch in Spanien Gewissensfreiheit ein. Portugal. Ende der Kabinettskrise. Lissabon, 26. Juni. Nach langen Schwierigkeiten ist eS endlich gelungen, ein Kabinett zustande zu bringen. Teixeira de «ouza, der Führer der..Regeneradores', die aber nur eine Minorität in der Kammer haben, übernimmt das Präsidium. Mexiko. Präsideutenwahl. Mexiko, 27. Juni. D i a z lvurde zun, Präsidenten der Republik, Corral zum Vizepräsidenten mit großer Mehrheit wiedergewählt. Rußland. Der RechtSranb besiegelt. Petersburg, 27. Juni. Der R e i ch S r a t hat den Gesetz- entwurf betreffend Finnland in der von der Reichsduma genehmigten Fassung angenommen. Eue der parte!« Landesparteitag für Schwarzburg-Rudolstadt. Am Sonntag tagte in Rudolstadt der Landesparteitag für Schwarzburg-Rudolstadt. Es waren 21 Orte durch 40 Delegierte vertreten. Im ganzen Lande sind zirka 1800 Genossen politisch organisiert. Für das Berichtsjahr 1309/10 balancierten die Ein- nahmen und Ausgaben in Höhe von 6382,33 TO. Das von den Gewerkschaften und der Partei ins Leben gerufene Arbeitersekretoriat hat sich al» eine dringende Notwendigkeit gezeigt. Im letzten Jahre sind 2028 Auskünfte erteilt worden. lieber die Reichstagswahl referierte der Kandidat des Wahl« kreiseS, Genosse Landtagsabgeordneter Hofmann- Saalfeld. Er sprach die bestimmte Erwartung aus, daß es gelingen werde, den Wahlkreis, den wir schon in der vorigen Legislaturperiode be- saßen, diesmal wieder zurück zu erobern. Der Bericht über die Presse zeigte, daß in, Gegensatz zur vorjährigen Stagnation das„Volksblatt' in diesem Jahre bereits um 450 gestiegen ist, die Abonnentenzohl beträgt zurzeit 6200; davon entfallen auf Schwarzburg-Rudolstadt 2400, auf Meiningen I 600, auf TOeiningen II (den Sonneverger Bezirk ausgenommen) 2200. Es war in Berück- sichtigung der im vorigen Jahre noch herrschenden schlechten wirt- schaftlichen Lage ein Defizit von 1203,32 TO. zu verzeichnen. Bon einer Reihe Orte sind Anträge eingegangen, die sich auf die Tätigkeit der LandiagZabgeordneten beziehen. Sämtliche Anträge wurden der LandtagSfraktion als Material überwiesen. DaS System der hohen Geldstrafe«. Da«„Volksblatt" für Halle schreibt: „Vor kurzem wurde Kollege Leopoldt zu 800 TO. verurteilt, am Montag folgte Kollege K a s p a r e k mit 600 TO. und heule wurde K a S p a r e k abermals von der Schubertkanuner zu 800 M. verurteilt, Beleidigt sein sollten Unteroffiziere in Torgau. In drei Pro- zessen 2200 TO. I Die Hallesche Justiz darf sich sehen lassen.' Bon den„Genossen" in den Tod getrieben. Unter dieser Stichmarke geht durch die von, ReichSverband ge- fütterte Presse die Schauermär. daß der Kassierer Gräher von der OrtStranlenkasse zu Freiberg in Sachsen, der sich das Leben ge- nommen bat. einen Brief hinterließ, in welchem er, der Nicht- sozialdemokrat war, erklärt, daß er von den.Genossen' und vor allem vom Borsitzenden der Kasse, Bieligk, in den Tod getrieben worden sei. Man habe von dieser Seite wegen kleiner Unregel- Mäßigkeiten, die lediglich auf seine Arbeitsüberlastung zurückzuführen waren, seine Entlasiung betrieben, nachdem er seinen Posten schon tö Jahre lang bekleidet hatte. Eine sofort von der Behörde vor- genommene Revision der Kasse habe ergeben, daß diese in vollster Ordnung war. Genosse Bieligk, Vorsitzender der Kasse, hat in unserem Freiberger Parteiblatt, der.VolkSzeitung". eine längere Erklärung erlassen, aus der hervorgeht, daß sich Größer nicht kleine, sondern sehr erhebliche Bummeleien und Unregelmäßigkeiten zuschulden konimen ließ. Deshalb wurde vom Vorsitzenden die Entlassung beantragt, um so mehr, als ihm Großer ein Schreiben unterschlagen hatte. Der Vorstand beschloß einstimmig, Gräher nicht sofort zn entlassen, sondern ihm einen 14tägigen Urlaub zu geben. Das ist der wahre Sachverhalt. Aus der ctaronlque jscandaleuse der italienischen Partei. Rom, 26. Juni.(Eig. Ber,) Eine in Genua erscheinende sozialistische Tageszeitung, ,Jl Lavoro', hat eine Radwettfahrt or« ganisiert und für die Sieger Preise erbeten, unter anderen hat sie sich auch an den König geivandt, der eine prachtvolle goldene Medaille geschickt hat mit einem Begleitschreiben, das das Blatt sehr wohl- wollend kommentiert. Das Genueser Blatt ist Eigentum der Ge- werkschasten und Genossenschasten der Provinz, ist also kein Partei- organ, aber seine Redaktion besteht aus Sozialisten, und der Chef- redalteur ist der sozialistische Abgeordnete(!) Genosse Canepa. DaS ist offenbar.reformistische' Politik. ssu; der tielchsverlicherungsordnungs- ftomrnifiioD. Sitzung am Montag, den 27. Juni. Die Rechtsverhältnisse der dauernd Angestellten der Orts-, Land- und Jnnungskrankenkaffen, die nicht nach Landes- recht staatliche oder gemeindliche Beamte sind, will die Vorlage in folgender Weise regeln: Eine Dienstordnung muß aufgestellt wer- den. Sie bestimmt die Rechts- und die allgemeinen Dlenstverhält» nisse der Angestellten, insbesondere ihre Zahl, die Art der An- stellung, das Aufrücken in höhere Stellen, den Besoldungsplan, die Kündigung oder Entlassung und die Festsetzung von Strafen. Die Dienstordnung muß vom Oberversicherungsamt genehmigt werden, ebenso ihre Acnderung. Die Genehmigung darf nur versagt werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt, insbesondere wenn Zahl oder Besoldung der Angestellten in auffälligem Mißverhältnisse zu ihren Aufgaben steht. In Streitigkeiten aus dem Dienstverhältnis ent- scheidet das Versicherungsamt. Der Vorstand einer OrtS-, Land- oder Jnnungskrankenkasse kann mit Genehmigung deS Oberver- ficherun�samtes Beamte auf Lebenszeit oder nach Landesrecht un- widerruflich oder mit Anrecht auf Ruhegehalt anstellen. Für Orts-, Land- und Jnnungskrankenkaffen mit mehr als 10 000 Ver- sicherten kann das ObervcrficherungSamt anordnen, daß mindestens die Geschäftsleiter in dieser Weise angestellt werden. Den Be- amten, die in dieser Weise angestellt sind, überträgt die Landes- regierung die Rechte und Pflichten der staatlichen oder gemeind» lichen Beamten. Die Sozialdemokraten brachten einen Antrag ein, in dem eingehend die Rechtsverhältnisse der Angestellten geregelt sind. Auch nach diesem Antrage sollen die Krankenkassen eine Dienst- ordnung für ihre Angestellten aufstellen. Den Inhalt der Dienst- ordnung wollten aber die Sozialdemokraten viel ausführlicher haben. So sollte in der Dienstordnung aufgeführt sein die acht- stündige Arbeitszeit, Ferienurlaub, Gehaltszahlung bei unverschul» deter Arbeitsbehinderung, Dienswlterszulagen, die Entlassungs- gründe usw. Ferner sollte das Beschwerderecht der Angestellten ge- regelt werden, die Vermittelung des Angeftellten-Ausschusses und des EinigungSamtes angerufen werden können. Die Debatte hierüber nahm die ganze Sitzung in Anspruch. Graf v. Westarp gmg auf die Entscheidung des Oberverwaltungs. gerichts vom 21. März 1910 ein, durch die gewisse Teile der Ver- träge auf Grund des ersten Vertragsformulars des Angestellten- Verbandes für unzulässig erklärt worden sind, weil ihr Inhalt gegen die guten Sitten und die Vorschriften der Krankenversicherungs- Gesetzgebung verstoße. Graf v. Westarp führte diese Verträge als ein Beweis dafür an, daß die sozialdemokratischen Kassenvorstände ganz unfähig seien, die Beamtenstellen in den Kassen sachgemäß zu besetzen und die Rechtsverhältnisse der Angestellten zu regeln. Ganz besonders aber verurteilte er die Bestimmung des Vertrags- formularS, daß die Bestrafung wegen eines politischen oder rcli- giösen Delikts und die Verbüßung einer derartigen Strafe keinen Kündigungs- oder Entlassungsgrund abgeben dürfe. Er folgerte daraus, datz ein Königsmörder, ein Hochverräter usw., der zu vwlen Jahren Zuchthaus verurteilt würde, Kassenbeamtcr bleiben müsse. Sowohl die Nationalliberalen als auch das Zen» t r u m entrüsteten sich ebenfalls gar gewaltig über diese Per- träge. Die Genossen Hoch, TOolkenbuhr und Schmidt stellten fest, daß das Vertragsformular schon seit gwei Jahren durch ein anderes ersetzt worden sei. Angeregt sei sernerzeit die ganze Sache durch die bekannte Veröffentlichung des Geheiinrats Dr. Hof- mann aus dem preußischen Handelsministerium, die die Befürch» tung hervorrief, dah??lde'r nächsten Reform der Krankenvcrsichc- rung die Krankenkassenangestcllten auf die Struaße geworfen und durch Militäranwärter ersetzt werden würden.— Gegen diese Gefahr wollten sich die Angestellten durch jenes Vertragsformular schützen. Sobald die Angestellten aber erkannt hatten, daß die Formulierung der Vertragsbestimmungen in einigen Punkten juristisch ganz anders ausgelegt wurde, als sie gemeint waren, ver- einbarten sie ein neues VcrtragSformular, in dem alle anstößigen Bestimmungen bis auf die über die politischen Delikte beseitigt sind. Ganz unberechtigt sei es aber, die sozialdemokratische Partei für die Vertragsformulare verantwortlich zu machen, da gerade von Sozialdemokraten oft genug Einspruch gegen die Formu- lare erhoben wokden sei. Auch zeigen die Anträge der Sozialdemo- kraten zu diesem Abschnitte der Vorlage, daß sie im Gesetze selbst die Rechtsverhältnisse der Angestellten sachlich regeln und damit die Mißstände von vornherein auf diesem Gebiete beseitigen wollen. Freilich wollten die gegnerischen Parteien auch von diesen An- trägen nichts wissen. Die Abgg. Erzberger und Becker wendeten sich gegen die Anträge mit der Behauptung, dadurch werde das Selbstvcrwaltungsrecht der Arbeiter geschmälert. Sie mußten sich von unseren Genossen darüber belehren lassen, daß eine fach- gemäße Regelung der Rechtsverhältnisse der Angestellten nicht das geringste mit der Selbstverwaltung zu tun habe. Gan�. besonders wendete sich der Abg. Erzberger gegen den Achtstunden- tag für die Angestellten, den Ferienurlaub und die dauernde An- stellung nach einer Probezeit von zwei Jahren: das gehe viel zu weit. Graf v. Westarp und Herr Dr. Goercke bedauerten eS sehr, daß nicht ein besonderes Vorzugsrecht für die Militär- anwärter bei der Besetzung der Beamtenstellen im Gesetze ausge» sprachen werde. Bei der Abstimmung wurden fast alle Anträge der Sozial- demokraten abgelehnt. Nur die Bestimmung wurde angc- nommen, daß die Ausübung des VcrcinigungSrcchtS oder die religiöse und politische Betätigung der Angestellten nicht gehindert werden dürfen und nicht als Gründe zur Kündigung oder sofortigen Entlassung gelten. Dazu wurden aber die Zusätze des Zentrums angenommen, daß dies nur gilt für die Tätigkeit der Angestellten außerhalb ihres Dienstes und im Rahmen der Strafgesetze. Die Anregung der Sozialdemokraten, daß die Angestellten nach einer Probezeit von zwei Jahren nur aus bestimmten Gründen ent» lassen werden können, nahm die Kommission in der Form an, daß die Entlassung nach einer fünfjährigen Probezeit nur aus einem„wichtigen' Grunde erfolgen dürfe. Im übrigen stimmte die Kommission den Bestimmungen der Regierungsvorlage mit einigen vom Zentrum beantragten Aende- rungen zu. Bezeichnend ist es, daß das Zentrum mit den Konservativen und Nationalliberalen auch der Be. stiminung zustimmte, daß die Landesregierungen befugt sind, den Angestellten, die auf Lebenszeit oder nach Landesrecht unloiderruf- lich oder mit Anrecht auf Ruhegehalt angestellt sind, die Rechte und Pflichten der staatlichen oder gemeindlichen Beamten zu über» tragen. Damit können diese Beamten der Disziplinargewalt der Behörden unterstellt werden.„ Aortsetzung Dienstag.. GcwcrkfcbaftUcbee* In der Cat„saure Crauben"! An der Nummer 51 beS„Gewerkverein". Zentralorgan und Korrespondenzblatt der deutschen Gewerkvereine, fühlt sich der pattiottsche Redatteur, der in der voraufgegangenen Nummer so schön von dem„König von Württemberg, der, wie einst Graf Eberhardt im Barte, sein Haupt ruhig in jedes Bürgers Schos; legen kann" und von„freundlich beantworteten Huldigungstelegrammen" geschwärmt hat. bemüßigt, den „Vorwärts" anzurempeln. Unter der Ueberschrift„Saure Trauben, meint er, der„Vorwärts" brauche sich über die Zu- kunst des neuangeschlosienen„Verbandes württembergischer Eisenbahn- und Danipfschiffahrtsunterbeamten und der Arbeiter in Staatsbetrieben" keine Sorgen und Kopfschmerzen zu machen. Er behauptet, wir hätten uns nur die Sorgen gemacht, weil sich die Organisation nicht den freien Gewerkschaften an- geschlossen habe. „Da der Anschluß aber an die deutschen Gewerkvereine erfolgt ist, gleich müssen einige herabsetzende Bemerkungen gemachl werden. DaS sozialdemokratische Blatt kann nun einnial nicht andersi Aber so dumm sollte es die Sache doch nicht anstellen und seinen Aerger in dieser plumpen und t o l p a t i s ch e n Weise zu erkennen geben. Sein Verhalten erinnert an das des Fuchses, dem die Trauben zu sauer waren, weil sie zu hoch hingen." Wir wollen gern im Fabelbilde bleiben und uns aus- malen wie der Herr Goldschmidt bei den Trauben saß und den„stünuischen Beifall für die von hoher Begeisterung für die Ideale der deutschen Gewerkvereine getragene Rede fand." Uns aber deswegen Neid und tolpattsche Mißgunst vorzuwerfen, kiegt keine Veranlassung vor. Die freien Gewerkschaften können allein aus 10 ihrer vorwiegend kleineren und mittleren Organisattonen im ersten Quartal 1910 einen Mitgliederzu- wachs von über 16 300 konstatieren. Dagegen verschwinden die mit vieler Mühe aufgegabelten angeblichen 8000 schon. Und hier kommen wir nochmals auf„die Kopfschmerzen" zu sprechen, die wir uns darum gemacht haben,„ob die Gewerkvereinsleitung auch immer so zufrieden sein wird, wenn sie von der neu angeschlossenen Organisation spricht". Der „Gewerkverein" redet von rund 8000 Mitgliedern. Nach uns vorliegender offizieller Stattstik hatte der Verband Ende 1908 8380 Mitglieder. Warum jetzt die schämige Ab- rundung nach unten? Das Verbandsvermögen weist jetzt bei der Uebernahme„beinahe 15000 M." auf. Ende 1908 waren es— nach der schon genannten offiziellen Statisttt— 19 425 M. Der Rückgang um bald 25 Pro z. im Verbandsvermögen fiel uns auf und deswegen zweifellen wir an der dauernden Hirsch-Dunckerschen Zufriedenheit über diesen Anschluß. Man sieht: Die Trauben sind in der Tat sauer I Und daS Entzücken bei der Einverleibung derselben ist entweder erheuchcll oder aber— was noch bedauerlicher wäre— die Folge eines unzulänglich entwickelten Geschmackssinnes. SerUn und Umgegend. Der Streik der Schmiede. Die bei den Jnnungsmeistern beschäftigten Schmiedegesellen Groß-BerlinS haben am Montagmorgen die Arbeit eingestellt. In einer starkbesuchten Versammlung, die am Sonntag bei Freyer in der Koppenstratze stattfand, wurde der Streik beschlossen, nachdem die Berichte des Vertreters der Organisation und des Altgesellen Köhler vom Gesellenausschuh ergeben hatten, daß kein anderer Ausweg mehr blieb, wollten die Gesellen nicht auf die so not- wendige Verbesserung ihrer Lage verzichten. In der Versammlung am 15. Juni hatten die Gesellen noch einmal ihre Vertreter beauf- tragt, auf gütlichem Wege zu einer Verständigung mit den Meistern zu gelangen. Alle Bemühungen waren fruchtlos. Die Meister wollten' nicht die gewünschten Zugeständnisse machen, sie wollten nicht einmal harüber in eine Verhandlung eintreten; am wenigsten war die Berliner Innung dazu geneigt. S ch l i n s k h schilderte den Empfang bei dem Obermeister Warneke, der von einer Unterhandlung zwischen der Innung und dem Zentralverbande durchaus nicht« wissen wollte. Warneke meinte, eine Zwangsinnung dürfe überhaupt nicht mit einer Ar- beiterorganisation einen Tarifvertrag abschließen. Man belehrte den Obermeister, daß er sich im Irrtum befinde, man bewies ihm, daß schon manche Innung sqlche Verträge abgeschlossen habe. Das nützte alles nichts, der Obermeister blieb bei seiner Meinung und verlangte ganz ernsthaft, daß die Gesellen zuerst dafür sorgen sollen, daß die Meister bessere Preise bekommen.(Große Heiterkeit.) Der Herr Warneke war auch sehr erbost über den Bericht deS„Vor- wärtS"(Nr. 139), der von der Lohnbewegung der Schmiede handelte; aber er konnte nichts dagegen anführen, als er dazu aufgefordert wurde. Bald nachdem die Arbeitervertreter Herrn Warneke verlassen hatten, setzte er sich hin und schrieb den folgenden Brief: „Berlin, 17. Juni 1910. Den geehrten Kollegen hierdurch zur Nachricht, daß die auf schriftlichem Wege gemachte Umfrage allseitig ein gutes Resultat ergeben hat.— Dle Forderungen sowie ein Verhandeln mit dem Zentralverbande sind einstimmig abgelehnt worden. Die Kollegen- wollen nunmehr durch diese gemachte Mit- teilung strikte daran festhalten.— Eine außerordentliche Versammlung findet dann erst statt, wenn sich der Gesellenausschuß bequemt, den ihm durch das Statut vorgeschlagenen Weg ein- zuschlagen. Bor zirka einer Stunde erlaubte sich der stellv. Altgeselle Herr Vetter in Begleitung, oder besser mit seinem Vormunde, Herrn S ch l i n S k y vom Zentralverbande, bei mir vorzusprechen, ich habe natürlich jede Verhandlung mit demselben abgelehnt. Sie hatten beide nun nichts Eiligeres zu tun, als zum Generalsekre- tär Herrn Nasse zu gehen und diesen um Vermittelung zu bitten. Dieser aber sagte ihnen einfach:„Ich habe der Innung doch nichts vorzuschreiben; der Obermeister hat seine Statuten." Man sieht hieraus, daß die Herren sehr im Druck sein müssen und bange vor einer wirklich aus Jnnungsgesellen bestehenden Versammlung haben. Zugleich mache ich den Kollegen die Mitteilung, daß die Ge- nehmigung der Statutenänderung betr. Z 15 erfolgt ist und die Kollegen laut Jnnungsbeschluß vom 25. Februar 1919 korporativ dem Arbeitgeberschutzverbande angeschlossen sind. Mit Gruß F. Warneke, Obermeister." S ch l i n S k h unterzog in seinem Bericht diesen Brief einer scharfen Kritik. Richtig sei. daß er und Vetter sich zu dem Generalsekretär Nasse begeben hatten, denn eS war ihnen klar, daß zwischen der Innung und dem Arbeitgeberschutzverband Meinungsverschiedenheiten bestehen mutzten, sobald der wahre Sach- verhalt aufgedeckt würde. Nasse erklärte auch, daß ihm nicht be- k a n n t war, daß bereits ein Tarifvertrag mit der Innung bestand, der Mitte Mai gekündigt worden war. Nasse fand den Standpunkt deS Obermeisters Warneke„unbegreiflich". Er meinte, cS sei doch notwendig gewesen, irgendwie zu verhandeln; er könne aber die Innung zu nichts zwingen. Die Sache gewinne erst dann Gewicht. wenn die Jnnungsmeister Streikunterstützung vom Schutz- verband verlangen.— In seinem Schreiben an die Herren Kollegen erzählt der Obermeister Warneke von alledem kein Wort. Er gibt im Gegenteil ein falsches Bild von der Ansicht des Herrn Rasse, dessen wirkliche Ansicht Warneke aber kannte und die für die kleinen Meister, die sich auf den Schutzverband verlassen, sehr wichtig ist. Und Warneke macht noch besonders auf den Schutzverband auf- merksam. Ein zweites Schreiben des Obermeisters an die Herren Kol- legen sei noch bekanntgegeben: „Euer Wohlgeboren werden hierdurch nochmals eindringlich ermahnt, nicht mit den Verbandsvertretern zu verhandeln, noch das heute zu- gesandte Schriftstück zu unterschreiben. Wer dies tut, bleibt nicht mehr Herr seiner Werkstelle und verkauft sich selbst dadurch. Die aufgestellten und unverschämten Forderungen gehen auch nur von einem Bruchteil Unzufriedener aus, und bitten wir deshalb die Kollegen, ruhig zu bleiben und nichts UebereilteS zu unternehmen. Berlin, 21. Juni 1910. Mit kollegialischem Gruß F. Warnere, Obermeister." Bei den Innungen von Charlottenburg und R i x d o r f fand die Kommission der Gesellen etwas mehr Entgegenkommen und Verständnis, aber man blieb bei Vertröstungen und verlangte immer weiteren Aufschub. Die Gesellen aber wollen endlich Taten sehen und die Kommission ging weiter vor. Sie wandte sich an die einzelnen Meister, und mancher zeigte sich den Wünschen der Arbeiter zugänglich, um so mehr, als die Geschäftsleitung den Tarisentwurf einer neuen Durchsicht unterzogen hatte und die Lohnforderungen etwas ermäßigte. Dadurch war jedem Meister, der den Frieden wünschte, Gelegenheit geboten, mit seinen Ge- sellen die Differenzen zu schlichten. Als Minimallöhne wurden festgesetzt: Für den Schirrmeister 72 Pf. pro Stunde, für Feil- bänker oder Beschlagschmiede 62 Pf. und für Stockgesellen 55 Pf. Vom 1. Juli 1911 ab erhöhen sich diese Löhne um je 3 Pf. Wo die angeführten Lohnsätze schon bestehen, soll eine Zulage von 3 Pf. pro Stunde gewährt werden. In Kost und Logis darf nicht ge- arbeitet werden. Die Arbeitszeit soll neun Stunden täglich de- tragen, von 7 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, bei zwei Stunden Pause; Sonntags wird nicht gearbeitet, Sonnabends ist 1 Stunde früher, an den Tagen vor den hohen Festen 2 Stunden früher Feierabend. Ueberstunden dürfen nur in dringenden Notfällen stattfinden und werden mit 20 Pf. Aufschlag pro Stunde bezahlt. Eine Anzahl Unterschriften von den einzelnen Meistern sind bereits bei dem Verbände eingelaufen. In der Diskussion über die Berichte erhoben sich nur Stimmen für die Aufnahme des Kampfes, zu dem die Meister die Gesellen herausgefordert haben. Von den anwesenden Meistern meldete sich niemand zum Wort, um etwa den stark angegriffenen Obermeister der Innung in Schutz zu nehmen oder die Haltung der Innung zu rechtfertigen. Der Verbandsvorsitzende L a n g e- Hamburg hielt eine An- spräche, in der er erklärte, daß der Vorstand das Vorgehen der Berliner Kollegenschaft billige und hoffe, daß sie verstehen werden, ihre berechtigten Forderungen zur Anerkennung zu bringen. Lange rügte scharf das Verhalten des Obermeisters Warneke. Die geheime Abstimmung, an der sich nur die bei JnnungS- meistern beschäftigten(wenn auch zurzeit arbeitslosen) Gesellen be- teiligen durften, ergab von 766 Stimmen 738 für den Streik und 21 dagegen. 7 Stimmen waren ungültig. Zum Schluß hielt S i e r i n g eine Ansprache, in der er noch notwendige'Anweisungen erteilte. Am Montagmorgen fand die erste Streikversammlung in Boekers Saal, Weberstraße, statt. Der Andrang war außerordent- lich stark und zeigte, daß der Beschluß vom Sonntag strikt durch- geführt wurde. S i e r i n g betonte, daß der Beginn des Kampfes die gehegten Erwartungen durchaus befriedigt habe. Mehrere Meister haben sofort ihre Unterschriften angemeldet; auch von größeren Betrieben, die bei dem Streit 1905 hartnäckig Widerstand leisteten, sind Bewilligungen eingelaufen. Die Streikenden wählten eine Kommission von fünf Mann zur Leitung deS Kampfes und besprachen die zunächst zu ergreifenden Maßnahmen. Wo die Forderungen bewilligt sind, da erhalten die Streikenden rote Streikkarten. An die Kutscher richten die Streikenden einen Appell, bei den Arbeiten an Pferd und Wagen, die sie in den Schmieden vornehmen lassen, recht streng darauf zu achten, daß die Schmiedegesellen sich im Besitz einer roten Streikkarte befinden. Die Versammelten waren beseelt von einer frohen, fiegeS- gewissen Kampfesstimmung, wenn sie auch wissen, daß der Sieg diesmal nicht so schnell gewonnen sein wird wie 1905, als die Meister nach vier Tagen schon nachgaben. Jeder Zuzug von außerhalb ist natürlich fernzuhalten. Das Streikbureau befindet sich bei Boeker, Weberstr. 17. Lohnbewegung der Böttcher. Dem Beschlüsse einer kürzlich stattgehabten Mitgliederversammlung des Zentralverbandes der Böttcher. Weinküfer und Hilfsarbeiter nach- kommend, hat die von ihr gewählle Lohnkommission einen Tarif- vertrag ausgearbeitet und den Arbeitgebern übermittelt. Es wird gefordert eine täglich neunstündige Arbeitszeit. Sonnabends soll eine Stunde und an den Vorabenden von Ostern, Pfingsten und Weihnachten zwei Stunden früher Feierabend sein. Der Minimal- Wochenlohn rst auf 35,10 M. festgesetzt. Für Montagearbeiten innerhalb Berlins ist pro Tag 1 M. Extravergütung, außerhalb Berlins Fahrgeld 3. Klasse und 4 M. Ertravergütung pro Tag; dauert die Montage jedoch länger als sechs Tage, so sollen nur 3 M. Extravergütung pro Tag gezahlt werden. Werden Montagearbeiten im Auslände ausgeführt, so unterliegt die Extravergütung der freien Vereinbarung, darf aber nicht weniger als 5 M. pro Tag betragen. In gleicher Weise wie die Zeitlöhne sollen auch die Akkordlöhne ge- steigert werden. DeS weiteren werden unter anderem ordnungS- mäßige Umkleideräume und Wascheinrichwngen gefordert und allwöchentliche Lieferung von Handtuch und Seife. Der Tarif soll bis zum 25. Juni 1912 Geltung haben und falls er nicht sechs Wochen vorher gekündigt wird, auf ein Jahr weiter laufen. Wie am letzten Sonntag der Bevollmächtigte Klappschuß in einer Mitgliederversanimlung mitteilte, ist dieser Tarif an 31 Arbeitgeber, die zirka 150 Gesellen beschäftigen, versandt und bis zum 25. Juni Antwort erbeten worden. Die Antworten find jedoch sehr spärlich eingegangen. Nur die Bierfaßmeister haben um gemeinsame Ver- Handlungen ersucht. Bei diesen Verhandlungen find die allgemeinen Vorschriften von den Meistern anerkannt worden. Als Montage- arbeiten aber wollen sie nur größere Aufträge gelten lassen. Beim Akkordtarif sind ebenfalls Zugeständnisse gemacht worden, die aber die Versammelten nicht befriedigten. Sie lehnten des- halb das Ergebnis dieser Verhandlungen ab und beaus- tragten die Lohnkommission. nochmals mit den Biersaß- meistern zu verhandeln. Wie aus der Versammlung mit- geteilt wurde, haben sich auch einige Faßfabrikanten zur Regelung der Arbeitsbedingungen nach dem Tarif bereit erNärt. Mir den Arbeitgebern, deren Antworten noch ausstehen, soll die Lohnkommission noch einmal zu unterhandeln versuchen, ehe mit aller Schärfe gegen sie vorgegangen wird. Empörung löste die Mit- teilung aus. daß der Fatzfabrtkant Gustav S ch u l z in der Kiefholz- straße am Sonnabend auf die ihm zugestellten Forderungen mit der Aussperrung der bei ihm beschäftigten vier Böltchergesellen ge- antwortet hat. Die Versammelten beschlossen, über Schulz die Sperre zu verhängen._ Die Lohnbewegung der Mineralwasserarbeiter hat denselben mehrfache Erfolge gebracht. Ohne daß es zur Arbeitsniederlegung kommen brauchte, wurden eine Anzahl Tarifverträge, in welchen die Lohn« und Arbeitsbedingungen der Abzieher, Flaschenipüler und Kutscher geregelt sind, abgeschlossen. Besonders bemerkenswert ist, daß die Arbeitszeit von 10 Stunden, wie dieselbe bisher allgemein üblich war, auf 9 Stunden festgesetzt ist. Alich die Löhne der in Frage Kommenden haben durchgängig eine wesentkiche Sufbessett.«A erfahren. Tarifverträge bestehen zurzeit bei den Firmen: Dr. d'Heureuse, Berolina, Marlens, Herm. Thiel, Kloninger Nfg., I. Schümann, W. Günther u. Co., Otto Franke, Rensch u. Plnge, H. Fanselow, Herm. Pohl. G. Rausch, Röseler, Schubett u. Radau. Weitere Verhandlungen mit dem Transportarbeiterverband und den Mineralwasserfabrikanten sind im Gange. Tarifbewegung der Berliner Etuiarbeiter. Die Berliner E t u i a r b e i t e r. die im Buchbinderverband' organisiert sind, haben gestern in einer Versammlung beschlossen, den am 14. Oktober 1907 mit dem Verbände der Berliner Etui- fabrikanten abgeschlossenen Tarifvertrag zum 30. September d. I. zu kündigen und die Organisationsleitung mit der Ausführung des Beschlusses beauftragt. Die Arbeitnehmervertreter in der Schlichtungskommission wurden mit der Ausarbeitung eines neuen Entwurfes betraut, der in einer demnächst stattfindenden Versammlung vorgelegt und dann der Unternehmerorganisation über- mittelt werden soll. Veutkebes Reich. Die örtlichen Differenzen im Baugewerbe. Der Kampf im Königsberger Baugewerbe kann als beendet gelten, da voraussichtlich spätestens am nächsten Donnerstag die neuen Tarifverträge zum Abschluß kommen werden. Auch Königs- berg gehörte zu den Städten, in denen nach erfolgter Aufhebung der Aussperrung durch daS Unternehmertum ein abioluter Friede noch nicht eintreten konnte, weil die Arbeitgeber hinsichtlich der Lohn- frage durchaus keine Zugeständnisse machen wollten. Da aber die Bauarbeiter(Maurer, Zimmerer und Hilfsarbeiter), auch die christlich organisierten, durchweg 10 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde verlangten, stellte auch Königsberg, anderen deutschen Städten gleich, die Entscheidung der Lohnfrage dem Schiedssprüche der Unparteiischen anheim. Mit dem Dresdener Schiedsspruch der Un» parteiischen beschäftigten sich nun die letzten Mitgliederversamm- lungen der zenlratorganisierten Bauarbeiter. Bei den Maurern und timmerleuten fand der Schiedsspruch, wenn auch erst nach lebhaften 'ebalten und nachdem die Verbandsfunklionäre mit aller Kraft da- für eingetreten, Annahme. Anders war es bei den Baubilis- arbeiter». Hier blieb die Abstimmung über den Schiedsspruch zweifelhaft, doch wird er auch bei dieser Organisation ichließlich in einer späteren Versammlung eine größere Mehrheit finden. Die Bauhilfsarbeiter glauben, daß durch den Schiedsspruch der Unparteiischen ihre Interessen nicht genügend berücksichtigt sind und verlangen Fortsetzung des Kampfes, wie aber die lokalen Verhältnisse einmal liegen, durchaus ohne Aussicht auf größeren Erfolg. Der diesjährige Lohnkampf bringt den Arbeitern im KönigSberger Baugewerbe während der dreijährigen Vertrags- dauer 5 Pf. Lohnerhöhung, von tultureller Bedeutung aber ist die Verkürzung der Arbeitszeit um eine Stunde pro Woche, die gleich- zeitig in dem neuen Vertragsverhältnis vorgesehen ist. Dies muß zum Tröste dienen denen, die mit dem materiellen Erfolge nicht zu» frieden sind und bei den Teuerungszuständen auch nicht zufrieden fein können. Die Verhandlungen, die zum Abschluß der lokalen Vereinbarungen in den neuen Tarifverträgen führen sollen, werden bereits am Dienstag, den 23. d. M.. ihren Anfang nehmen. Die Maurer Stuttgarts beschlossen am Sonnabend, die Arbeit am Montag aufzunehmen. Ausland. i Republikanische Streikbrecher in der Romagua. Rom, den 25. Juni 1910.(Eig. Ber.) Die Lage in der Romagna spitzt fich mit jedem Tage mehr zu. Die Republikaner haben ganz offen und schamlos angefangen die Streikbrecher zu protegieren und die in der republikanischen Srbeiterkammer Organisierten tun unter Truppenbedeckung Streikbrecherdienste. Die Lage ist um so ernster, als es sich um eine sehr heftige Bevölkerung handelt, in der Parteidifferenzen schon oft zu bluttgen Konflikten geführt haben. Der Landesverband der Landarbeiter hat ein Manifest erlassen, daS alle Arbeiterorganisationen ausfordert, den Zuzug nach der Romagna fernzuhalten. Die heuttge Situation hat wenigstens den einen Vorteil, daß sie die bürgerliche und kapitalistische Natur der Republikaner offen zutage kehrt. Beilegung des Generalstreiks von Mantua? Rom, 25. Juni.(Eig. Ber.) Der allgemeine Lgrarstreik in Mantua scheint einer den Arbeitern günstigen Beilegung entgegen» zugehen. Die Unterhandlungen mit den Grundbesitzern sind ihrem Abschluß nahe, so daß die Abgeordneten Enrico Ferri und Bonomi, die zum Beistand der Streikenden herbeigeeilt waren, heute schon das Streikgebiet verlassen haben. Auch der Sekretär de» Partei- Vorstandes Ciottt ist schon abgereist. Achhing, Steinsetzer! In Sofia(Bulgarien) sind diy Pflasterer in Ausstand getreten. Es wird versucht. ArbeitSkräftv aus Deutschland herüberzuholen und ist deshalb Zuzug von beut» fchen Steinsetzern fernzuhalten. Sozialem **"'• Arbeiterkolonien dienen dem vnternehmerinteresse, DaS ist jetzt von der Harpener Bergwerksgesellschaft anerkannt und vom Oberverwaltungsgericht als zutreffend bestätigt worden. Die Harpener Bergwerksgesellschaft hat in Bochum eine Arbeite« kolonie. Die Häuser sollten nach dem Willen des Magistrats ge, mäß dem gemeinen Wert zur Grundsteuer herangezogen werden. Die Gesellschaft verlangte im Klagewege, daß nur der halbe Betrag deS für drei Jahre festgesetzten gemeinen Werts in Frage kommen solle für die Heranziehung zur Grundsteuer in den drei Jahren, weil dies die Steuerordnung vorsehe für Grundstücke, die und inso- weit sie dem Gewerbebetriebe dienten. Der Bezirksausschutz gab der Klage statt und das Oberverwaltungsgericht bestätigte das Urteil. Die Gerichte gingen davon aus, daß solche Koloniehäuser eines Werkes dann dem Gewerbebetriebe dienten, wenn ihr Zweck lediglich darauf gerichtet sei, wegen des großen Wechsels der Ar, beiterschaft dem Betriebe einen ständigen Arbeiterstamm zu sichern. Letzte INfacbricbtcn und vepelcben. Aus der französischen Deputiertenkammcr. Paris, 27. Juni. In der Deputiertenkammer forderte Ministerpräsident B r i a n d im weiteren Verlaufe seiner Erklärung die Majorität auf, ihm volles Vertrauen zu schenlen und nicht nur Vertrauen für die nächste Zukunft, das der Regierung nur zu vegetieren gestatte und ihre Schwäche dem Land und ihrer Partei; mitteile. Wenn ihm dies Vertrauen nicht geschenkt werden könne, möge man es sagen. Briand versicherte, er werde das Gesetz ve- treffend die Altersversicherung der Arbeiter zur Ausführung bringen. Zum Schluß erklärte Briand, er verlange Vertrauen ohne Einschränkung oder Hintergedanken selbst von denen, die dem Ministerium nicht günstig gesinnt seien und die einen ent, scheidenden Angriff, der ihnen heute nicht am Platz schiene, auf eine spätere Zeit verschieben möchten.„Alle? oder nichts!" rief hierbei der Ministerpräsident, indem er kräftig auf dir Redner- tribüne schlug. Die Sitzung wurde sodann aufgehoben. Bei einer Gletscherpartie erfroren. Innsbruck, 27. Juni.(W. T. B.) Bei einer schwierigen Gletscherpartie am Kalkkügel ist der Student der Philosophie Lausegger aus Innsbruck erfroren. Der Aufstand in Nicaragua. New Aor?, 27. Juni.(W. T. B.) Aus Managua wiro ge, meldet, daß die Aufständischen Acoyapa eingenommen haben. Lerantw. Reda.'t.: Richard Vorth, Berlin. Inseratenteil verantw.'.Th.Glocke, Berlin, Druck u. Verl ag: Borwärt» Buchdr.u. verlagSanstall Paul Singer Lc Eo., Berlin L�V. Hierzu 2 Beilagen u. Unterhaltung»»!, Dr. IIS. 27. Ilchrgns. t KkilU i>cs Junuiirte" KMer WsbIM Djenstilg, 38. Inn! l9w. VIrtichsttllche? Wochenbericht. Berlin, 2S. Juni ISIl). Klagelied der Landwirtschaft.— Getreide-, Mehl- und Brotpreise. Zollagitation.— Weltmarkt- und Inlandspreise.— Ausfuhrprämien.— Große Ernten, Rückgang des inländischen Konsums.— Wahlarbeit des Zentrums. Kaum hatte ein Sinken der hochgetriebenen Getreidepreise eingesetzt, da vernahm man auch schon wieder das Klagelied von der Not der Landwirtschaft. Die rückläufige Bewegung bleibt, was zunächst betont werden mag. zum Teil auf die Spekulation be- grenzt; es werden davon ebensowenig die Produzenten, wie die eigentlichen Konsumenten erfaßt. Daß die Brotpreise den Ge- treidepreisen in der Bewegung nach unten nicht vollständig folgen, haben wir berefts in Nr. 123 des„Vorwärts* nachgewiesen. Hier noch eine weitere Probe dafür. Nach den Zusammenstellungen der Statistischen Korrespondenz über den Durchschnitt der Preise an SV Marktorten in Preußen ergeben sich folgende Ziffern. Es kostete im Großhandel: s-.,-» Roggen«7»•««[- 1000 kg Mark 100 kg Mark SNai 1909... 261 183 34 26 April 1910... 219 155 30 23 Mai 1910... 209 149 29 22 Der Preis für Weizen ist im Großhandel von Mai 1909 bis April 1910 um 32 M. gefallen; für Roggen ergibt sich ein Minus von 28 M. Der Mehlpreis sank noch stärker, pro 100 Kilogramm bei Weizen um 4 M., bei Roggen um 3 M. Wie die Preise im Kleinhandel folgten, veranschaulicht die folgend« Zusammenstellung. Für 1 Kilogramm mußten im Kleinhandel bezahlt werden, in Pfennigen: Weizenmehl Roggenmehl Weißbrot Roggenbrot Mai 1909 40 32 56 32 April 1910 39 30 53 32 Mai 1910 33 29 53 31 Also im Mai d. I. war im Kleinhandel mit Weizenmehl und Weizenbrot die Ermäßigung, die im Großhandel bereits im April eingetreten war, noch lange nicht zu konstatieren, betrug sie doch nur 2 Pf. gegenüber 4 Pf. im Großhandel. Roggenmehl hat für den Kleinhandel weniger Bedeutung. Die für die große Masse der Kon- sumenten wichtigen Roggenbrotpreise ließen im April von dem starken Rückgang der Getreide- und Mehlpreise überhaupt noch nichts merken; erst im Mai trat eine Ermäßigung um 1 Pf. ein. Dieser Preis- rückgana bleibt noch weit zurück hinter der Ermäßigung, die schon im April für Getreide« und Mehlpreise eingetreten war. DaS periodische Sinken der Börsennotierungen für Getreide be« deutet also nicht auch eine entsprechende Preisermäßigung für den Konsumenten. Aber die Liebesgabenempfänger halten es für geraten, mit der Stimmungsmache gegen eine Zollrevision, die den berechtigten Interessen und Bedürfnisien der Konsumenten entgegenkommt, schon frühzeitig Stimmung zu machen. Niedrige Preise, trotz hoher Zölle, erscheinen den Herrschasten als das durchschlagendste Argumeut gegen eine Zollermäßigung. Naive Gemüter werden allerdings die Frage auswerfen: Warum verteidigt man hohe Zölle, wenn sie keine hohen Preise sichern? Wer so ftagt, kennt die Demagogie der schwarzblauen Zöllner nicht. Mit der absoluten Höhe der inländischen Getreidepreise haben die Zölle wenig oder gar nichts zu tun, diese bestimmen das Ver« hältnis der Inlands- zu den Auslandspreisen. Schnellen infolge schlechter Welternten die Preise am Weltmarkt hinauf, bleiben die Inlandspreise nicht zurück, immer aber stehen diese um annähernd den Zollbetrag höher als jene. Das ist der springende Punkt. Mußten wir doch sogar erleben, daß bei glänzenden JnlandSernten die Preise in Deutschland hinaufgingen, während deutsches Ge- treibe gleilhzeitig um 60— 60 M. billiger als im Jnlande auf dem Weltmarkte angeboten wurde. Um den Inlandspreis auf dem Niveau des Weltmarktpreises plus Zoll zu halten, warf man be- deutende Niengen deutschen Getreides ins Ausland. Der inländische Konsument mußte die Differenz zwischen In- lands- und Auslandspreise bezahlen, bekam doch der Exporteur den Zollbetrag in Höhe von 50 rcsp. SS M. aus der Reichskasse zurück« vergütet. Um nur ein Beispiel anzuführen: In der Zeit vom 1. August 1909 bis 10. Juni d. I. wurden 6 205 835 Doppelzentner Roggen ausgeführt, außerdem 1 157 747 Doppelzentner Roggen- kleines feuilleton. Die Freie BolkSbühne gegen die Lustbarkeitssteuer. Dem Vor« stand der Freien Volksbühne ist für die ausführliche Denkschrift gegen die geplant« Lustbarkeitssteuer, die er der Stadtverordnerenversamm- lung zu unterbreiten gedenkt, die folgende gutachtliche Erklärung be- deutender Vertreter der Wissenschaft und Literatur zugegangen: Die Freie VoltSbühne ist eine Organisation, die in gemein« nütziger Absicht breiten Massen der Berliner Bevölkerung die Kenntnis der besten Werke deutscher und fremder Ltteralur zu vermitteln bestrebt ist. Seit mehr als zwanzig Jahren leistet sie im Sinne ihres Programms wirkliche Kulturarbeit, die ihr den lebhaftesten Beifall aller Gebildeten eingetragen hat. Organisationen solcher Art verdienen durch den Staat und die Gemeinde in jeder möglichen Weise gefördert zu werden. Auf keinen Fall ist es aber angebracht, ihre segensreiche Tätigkeit durch behördliche Eingriffe und steuerliche Belastung zu beeinträchtigen I Die Forderung der Freien Volksbühne, von jeder Besteuerung frei zu bleiben, ist daher voll- kommen gerechtfertigt, im Interesse unserer Volkskultur ist ihre Er- füllung dringend zu wünschen. Unterzeichnet ist dieie Erklärung u. a. von: Julius Bab, Hermann Bahr. Prof. K. Bücher-Leipzig, Richard Dehmel, Artur Eloesser, Ludwig Fulda. Stefan Großmann-Wien. Max Halbe, Georg Hirsch- feld. Monty Jacobs, Alfted Kerr. Paul Mahn. Heinrich Mann, Thomas Mann. Fritz Mauthner. Franz Mehring, Julius Meper- Graefe. Prof. K. Lamprecht-Leipzig. Pros. P. Natorp-Marburg. Felix Poppenberg. Hans Rosenhagen. Erich Schlaikjer, Johannes Schlaf, Leopold Schmidt, Wilhelm Schmidtbonn, Karl Strecker, Hermann Sndermann, Frank Wedekind. Ein bayerischer Dorfdichter. Am 28. Juni 1810 wurde im Dorf Ehringen bei Nördlingen im schwäbischen Riesgau Melchior M e y r geboren, der seinem Heimatlande einen dichterischen Ehren- platz unter den Gauen Deutschlands erobert hat. Er lebt auch heute noch unter uns fort, als der realistisch kraftvolle Gestalter jener prachtvollen, oberdeutschen Bauerngestalten, wie sie der Ries, der zu Boyern gehörige schwäbische Gau an der Grenze Württem- bergs, hervorgebracht hat. Mehr gehört unter die große Reihe von Dorfgeschichtendichtern, die das Beispiel Auerbachs zum Smdium des heimischen Landes und zur Vertiefung in die charakteristischen Volkssitten anlockte. Aber wie kaum ein anderer hat er sich von dem Vorbild deS Meisters emanzipiert und in der Schilderung des Dorflebens einen knorrigen Realismus entfaltet, der mit dem modernen Darsteller des Bauern- lebens mancherlei gemeinsam hat. Darum stehen uns seine besten Erzählungen heute näher als die von Schönfärberei und sentimentaler Rührung nie ganz freien Geschichten des Schwarzwälder Dorfpoeten. Man muß das reine Künstlertum, das Mehr in einigen in billigen Ausgabe» jetzt wieder viel gelesenen Werken entfaltete, um so höher einschätzen, als er ganz so wie der spinozistisch angehauchte Auerbach im Grunde ein Philosoph und Grübler war, der eine Reihe heute völlig vergessener, populär philosophischer Werke geschrieben hat. mehl, gegen nur 2 324 525 und 514 032 Doppelzentner in der Ver- gleichszeit 1907/1908. In derselben Zeit ging die Einfuhr bei Roggen von 4 055 072 Doppelzentner auf 2 684 247 Doppelzentner. bei Roggenmehl von 21 464 Doppelzentner auf 9286 Doppelzentner zurück. Demnach ist die Jnlandsversorgung durch den Außen- Handel um 5 700 368 Doppelzentner Roggen und um 655 893 Doppelzentner Roggenmehl gesunken. Deutscher Roggen geht ins Ausland und der deutsche Konsument muß dafür pro Doppel- zentner Getreide 5 M. Ausfuhrprämie zahlen. In den 5 Monaten Januar bis Mai wurden Zölle mittels Einfuhrscheine beglichen: 1908: 28 488 161 M.. 1909: 42 875 589 M. und 1910 sogar 50 311 199 Mark. Tie forcierte Ausfuhr wird verteidigt mit der Behauptung, darunter leide die Jnlandsversorgung nicht! Solche Behauptung entspricht nicht den Tatsachen. In Wirklichkeit verhält eö sich so, daß der inländische Konsum seit Einführung der erhöhten Zölle trotz guter Jnlandsernten und obwohl wir uns damals einer selten guten industriellen Konjunktur erstellten, von Jahr zu Jahr ge- funken ist. Die Löhne der Arbeiter stiegen nominell, aber nicht stark genug, um die Verteuerung der Lebenshaltung voll aus- gleichen zu können. Der Brotkonsum ging zurück und aus der Tasche der Konsumenten wurde» den Exporteuren Prämien ge- zahlt, damit sie deutsches Getreide unter den Weltmarktpreisen im Auslande anbieten konnten. Diese Tatsachen stellen die gemein- schädlichen Folgen unserer agrarischen Zollpolitik außer allen Zweifel. Die Bestätigung unserer Behauptung betreffend den Rückgang des Konsums liefern die amtlichen Nachweise über In- landsversorgung mit Brotgetreide und inländische Ernten. Nach den Angaben in den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches 1910 I machen wir die folgende Zusammenstellung. Es werden darin die Verbrauchsmengen pro Kopf der Bevölkerung angegeben, ferner die prozentualen Anteile, mit denen die Inlands- ernte cm diesen Mengen beteiligt ist. der neuen Handelsverträge, die wir dem schwarz-blauen Zollwucher> Schnapsblock verdanken, ist unverkennbar. Im Jahre 1902/1903 wurden nur 91,7 Proz. des Roggenkonsums durch die inländische Pro- duktion gedeckt; dabei ergibt sich pro Kopf der Bevölkerung eine VerbrauchLmenge von 158,3 Kilogramm. Im letzten Jahre reicht die Jnlandsernte zur Befriedigung des gesamten inländischen Kon- sums, trotzdem ist die Kopfrate um 10,7 Proz. niedriger als damals. Sie ist von 158,3 Kilogramm auf 141,3 Kilogramm gesunken. Recht auffällig tritt die schädigende Wirkung der am 1. April 1906 wirksam gewordenen erhöhten Zölle in die Erschei- nung, wenn man die Bewegung seit 1905/1906 verfolgt. Der Ver- brauch pro Kopf stellt sich in diesem Jahre auf 149 Kilogramm, die Jnlandsernte ist mit 94,7 Proz. an dem Verbrauch beteiligt. In den nächsten Jahren liefert die inländische Ernte ständig größere Mengen für den heimischen Konsum, im Jahre 1908/1909 wird dieser vollständig durch die Ernte in Deutschland gedeckt. Trotzdem geht von Jahr zu Jahr der Konsum pro Kopf der Bevölkerung zurück. Aehnlich so bei Weizen. Im Jahre 1902/1903 liefern die deutschen Ernten 66,2 Proz. des Jnlandsverbrauches, der Konsum pro Kopf der Bevölkerung stellt sich auf 92,8 Kilogramm: im Jahre 1908/1909 ist die Kopftate auf 77,5 Kilogramm gesunken, obwohl die inländischen Ernten mit 70,1 Proz. an dem Verbrauch beteiligt sind. Seit 1905/1906 sank der Jnlandsverbrauch um 15,3 Kilo- gramm, gleich 16,4 Proz., bei gleichzeitiger Steigerung des An- teils der inländischen Ernte am Verbrauch von 59,9 auf 70,1 Proz. Rechnet man lbeide Getreidesorten(einschließlich Spelz) zusammen, dann ergibt sich in den letzten vier Jahren eine Konsumverminde- rung von 23,9 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung. Hierbei mag noch ausdrücklich konstatiert werden, daß in derselben Zeit die Die Heuschrecken. Von Jahr zu Jahr wird das riesige Turkestan- gebiet, bald in diesem, bald in einem anderen Teile, von Heuschrecken- schwärmen heimgesucht, die oft mehrere Jahre nacheinander dieselbe Gegend verwüsten. In diesem Jahre ist die Hungersteppe(im Ge- biete von Samarkand) ein Opfer der Heuschrecken geworden. Wie gegen diese Verheerung angekämpft wird, mit welch unzureichenden Mitteln— schildert ein Korrespondent in„Goloß Maskoy*, der im vorigen Jahre im Dschasikschen Kreise dem Schauspiel einer Heu- schreckeninvasion beigewohnt hat. Nach einer Schilderung der Herr« lichen Natur in einer FrühlingSlandschast fährt der Berichterstatter fort:„Plötzlich änderte sich das Bild jählings. RingS umher, so weit das Auge reichte, dehnte sich die schwarze, wie von einer Feuers« brunst ausgebrannte Steppe aus. Anfangs in Vereinzellen Schwärmen, später in dichten Massen zogen die Heuschreckenschwärme heran. Langsam kamen sie näher, sprungweise. Keine Hindernisse konnten die schwarze Masse aufhalten. Die Räder des Wagens, die Hufe der Pferde ließen eine lange Spur zerquetschter Heuschrecken- iadaver zurück. Die Lust war erfüllt vom Lärm der herannahenden Schwärme und von einem unerträglichen Kampfergeruch. Die Heu- schrecken zogen in östlicher Richtung. Vor unserem Wagen erblickten wir ein Häuflein Menschen, etwa 50 Personen. Die Leute schrien, gestikulierten und schritten den ausgeschaufelten Graben entlang. Ich fahre näher an die Gruppe heran. Die kleine Schar Kirgisen, die alle ermüdete Gesichter haben, umringt den Wagen. Nun, wie geht die Arbeit? frage ich den Aeltesten von ihnen. Ach, lieber Herr l Wie kann man gegen eine Geißel Gottes ankämpfen? Je mehr wir davon vertilgen, umsomehr kommen herzu. Hier schaufeln wir schon eine ganze Woche an dem Graben und begießen die Heuschrecken mit„Urtfchup*(einem Aufguß von einem Giftkraut). Die ganze Dorfgemeinde hat sich abgehetzt, aber die Steppe ist noch ebenso dicht mit Heuschrecken bedeckt. Wenn nicht der Uluk(der Chef) wäre, so würden wir schon längst die Arbeit ausgegeben haben. Der Chef weiß nicht, daß an Stelle einer getöteten Heuschrecke iininer wieder zwei neue angeflogen kommen, schloß der Aelteste seine Be» trachtung. Ich blickte umher. Wohin da? Auge reichte schwärmte die schwarjü Masie. Und hier stand die kleine Gruppe Menschen, die ein paar Miniaturkanäle gegraben hatte*. Wird die Erde wärmer? Eine wärmere Zeit, etwa mit dem Klima der Tertiärzeit vergleichbar, glaubt der Ornithologe (Vogelforscher) W. Schuster für unsere Erde vorhersagen zu können. Ja, eigentlich sollen wir in eine solche bereits eingetreten sein. Er schreibt darüber in der Zeitschrift„Natur*:„Bewiesen wird das Herannahen einer wärmeren Zeit durch eine ganze Reihe ornitholo« gijcher Anzeichen, die eine wahre Umwälzung im biologischen Charakter unserer Vogelwelt und ebenso auch in der geographischen Verbreitung der Arten heraufzuführen scheint. Erstlich wird bemerkt, daß in Deutschland mit jedem Winter viel mehr Vögel überwintern als früher, daß somit frühere Strich- und Zugvögel jetzt regelrechte Standvögel geworden sind. Die Steigerung erstreckt sich sowohl auf eine Anzahl neuer Arten wie zu Brennzwecken verlvendete Menge Roggen nicht gestiegen ist. Es ergibt sich vielmehr ein kleiner Rückgang. Im Jahre 1905/1906 wurden 1 060 194 Doppelzentner Roggen für die Branntweinerzeu- gung verbraucht, im Jahre 1908/1909 nur noch 989 545 Doppel- zeirtner. Die Verbrauchsabnahme von 23,9 Kilogramm Pro Kopf der Bevölkerung entfällt demgemäß vollständig auf das Konto der Ernährung. Dabei hatten wir im Jahre 1908/1909 die größte bis- her erzielte Ernte in Roggen und eine gute Weizenernte. Die ob- soluten Erntemengen betrugen in Tonnen: 1901/02 1905/06 1906/07 1907/08 1903/09 Roggen 8 162 660 9 606 827 9 625 733 9 757 859 10 736 874 Wetzen 2 498 851 3 699 882 3 939 563 3 479 324 3 767 767 10 661511 13 306 709 13 565 301 13 237183 14 504 641 Günstige, ja glänzende Ernten und dabei Verminderung de? Brotkonsums! Angesichts solcher Resultate immer noch der Zoll- wucheret das Wort zu reden, dazu gehört schon agrarische Un- gcnicrtheit oder ultramontane Sknipcllosigkeit. Eifriger noch als die interessierten Agrarier selbst übt sich das Zentrum jetzt schon wieder in der zöllnerischen Agitation. Vor kurzem beschwindelte die „Germania" ihre Leser mit der kecken Behauptung, von den hohen Preisen hätten die Produzenten nichts profitiert, denn als die Preissteigerung eingesetzt habe, wäre alles Getreide schon im Besitze der Händler gewesen. Kurz vorher, auf einem Bauerntag des bayerischen christlichen Bauernvereins in Regensburg, den die Zen- trumspresse als einen Aufmarsch der Bauern zu den nächsten Reichs- tagswahlen begrüßte, lamentierten die Zcntrumsredner Heim und Erzberger über die niedrigen Gewinne in der Landwirtschaft und den Schaden, der den Bauern infolge der augenblicklich niedrigen Getreidepreise erwachse. Wie's gerade trifft! Die ultramontane „Germania" versuchte auch den Anschein zu erwecken, als ob man die höheren Getreidepreise nicht als Folge der erhöhten Zölle an- sprechen könne, denn in allen Ländern seien die Preise hinaufgc« gangen. Daß bei uns die Preise aber ständig um zirka die Höhe des Zollbctrages über dem Weltmarktpreise standen, das verschwieg das Zentralorgan für„Wahrheit und Recht" seinen Lesern, und der Abgeordnete Erzberger erklärte in der erwähnten Versammlung, bei der nächsten Wahl handle es sich in der Hauptsache um die Auf- rechterhaltung der Vieh- und Getriedezölle. Auf denselben Tori gestimmt waren Verhandlungen des Vertretertages der Windhorst- bunde Deutschlands am 15. Juni in Bochum. Im kommenden Wahl- kämpf wird sich also die ganze Strupellosigkeit u(tramont'aner De- magogie enthüllen. Die Bauern angelt man mit den: Zollköder, mit materiellen Versprechungen. Und die Arbeiter? Sie werden kon- fcssionell aufgehetzt; die Duldung der Brot- und Fleischwucherei macht man ihnen zur religiösen Pflicht. So wird der Herrgott von der klerikalen Partei für die schamloseste Plünderpolitik engagiert, die Religion in zynischer Weise im Dienste der Volksausbeutung mißbraucht. E». Der 1. Bayerische Wohnungslwngrek tagte in Nürnberg, veranstaltet vom Bayerischen Landesverein zur Förderung des Wohnungswesens in Bayern. Er wurde nicht ohne bestimmte Absicht in Nürnberg abgehalten. Denn dort ist trotz oder gerade deshalb, weil bis vor einem Jahr der Freisinn alleiniger Beherrscher der Gemeinde war, bis heute auf dem Ge- biete gemeindlicher Wohnungsfürsorge absolut gar nichts geschehen. Wohnungs- und Bodenpolitik ist in Nürnberg ein Thema, das nur die Sozialdemokratie kennt, und es war wiederum nur die sozial- demokratische Preffe am Ort, die die Bedeutung des ersten bayeri- schen Wohnungskongresses für Nürnberg erkannte und� würdigte. Die Spezialwohnungsnummer, die unser Nürnberger Parteiorgan zum Kongreß herausgab, erregte bei den Kongreßteilnehmern be- greifliches Aufsehen und das darin gebotene Material über die Nürnberger Wohnungsverhältnisse sehr viel Kopfschüttcln. Eingeleitet wurde der Kongreß durch eine große VolkSversamm« lung in dem Saal, in dem 1908 der deutsche Parteitag tagte. Der Ulmer Oberbürgermeister v. Wagener, der Leiter der mustergültigen WohnungSpolitik der Stadt Ulm, zeigte auf Grund eigener Erfahrungen den Nürnberger Stadtvätern, wie man eine großzügige Wohnungs- und Bodenpolitik durch die Stadtverwaltung betreiben kann, ohne daß die Befürchtungen sich bewahrheiten, die z. B. die Nürnberger Stadtverwaltung veranlaßt haben, die seit Jahrzehnten von den Nürnberger Sozialdemokraten und manchen bürgerlichen Sozialpolitikern erhobenen Forderungen abzulehnen. auf die Anzahl der Individuen je einer Art, Fast ebenso wichtig ist die weitere Beobachtung, daß im Sommer viele Arten ihr Brut- gebiet ständig nordwärts verschieben oder aber unter dem' Iben Himmelsstrich in vertikaler Richtung in höhere Berglagen verlegen. Ferner ist die Tatsache festgestellt, daß sich viele nur südländische Vögel jetzt auch bei uns ansässig gemacht haben. Am charakteristischsten ist der Fall des Girlitz. Dieser hat in vier bis fünf Jahrhunderten ganz Deutschland erobert. Schließlich vermehrt sich auch die Zahl der richtigen Wintersänger. Schnster hat seine interessante Hypothese bereits vor acht Jahren aufgestellt, und er teilt eine ganze Anzahl Aeußerungen von Zoo- logen mit, die ihm entweder beipflichten oder die doch ähnliche Be- obachtungen aus der Vogelwelt mitteilen. Ist die Hypothese SchnsterS berechtigt, so müssen sich, wie die Monatsschrift„Neue Weltanschau- ung" schreibt, natürlich auch noch auf anderen Gebieten der Natur Anzeichen für das Herannahen einer wärmeren Jahreszeit auffinden lasien. Besonders sollte man einen lcingsamen aber ständigen Rückgang der G l e t s ch e r erwarten. Tatsächlich ist schon wiederholt ein solcher behauptet worden. Und ganz neuerdings stellt eine amtliche Statistik der Schweizer Regierung fest, daß z. B. die Gletscher der Walliser Alpen immer noch im Rückgang seien. Kein einziger Gletscher ist im Jahre 1909 vorgerückt, dagegen sind einige un- verändert geblieben. Diese Periode des Rückganges der Gletscher dauert mit wenigen Ausnahmen schon über 10 Jahre an. Notizen. — K u n st ch e m i k. Jin Berliner Kupfer st ichkabinett sind die graphischen Werke(Stiche, Holzschnitte) des berühmten holländischen Stechers L u Der Borsitzeade unterbricht den Sachverständigen, als er er- klärt, daß die Angeklagte im Haufe gereizt, schroff und unliebens- würdig gegen die Dienstboten, auch gegen die Burschen und Kinder gewesen sei. Er behauptet, er habe davon nichts gehört, daß in der Verhandlung vorgekommen fei, daß sie unliebenswürdig gegen die Kinder gewesen sei und die Hunde geprügelt habe.— Rechtsanwalt Bahn: Würde es sich nicht lieber empfehlen, den Sachverstandigen aussprechen zu lassen?— Vors.: Es ist ja sehr liebenswürdig, daß Sie mir das empfehlen. Ich muß mir aber das Recht vorbehalten. — Rechtsanwalt Bahn: Wenn ich schroffere Formen anwenden wollte, würde ich daS beanstanden.— Vors.: Ich habe daS Recht. den Sachverständigen zu unterbrechen, besonders wenn ich der Anficht bin, daß etwas in der Verhandlung nicht vorgekommen ist. Dieses Recht lasse ich mir nicht nehmen. Wenn Sie meine Aeußerungen beanstanden wollen, können Sie einen Gerichtsbeschluß herbei- führen.— Rechtsanwalt Bahn: DaS will ich noch nicht, zumal sich gezeigt hat, daß der Sachverständige Recht hatte.— Vors.: Gewiß, ich habe mich geirrt. Aber ich hatte das Recht zu unterbrechen; Sie brauchten mich deshalb nicht gleich zu stellen.— Rechtsanwalt Bahn: Es ist mir nicht eingefallen, den Vorsitzenden zu stellen, Ich habe mich auf den rein strafprozeßlichen Boden gestellt. Nach diesem interessanten Zwischenfall fährt der Sachverständige in der Erstattung seines Gutachtens fort. Aus dem ganzen Cha- rakter und der Veranlagung der Frau kommt er zu der Folgerung, daß die Angeklagte die Liebesfäden um Göben immer enger spann und Lust daran empfand, die Huldigungen dieses Mannes ent- gegenzunehmen. Sie erfüllte Göben mit Haß gegen ihren Gatten, um ihn so sicher in ihrem Bann zu haben. Klagen wechselten mit raffinierten Liebeskünsten ab. ES fei sicher, daß Göben der Willensstärkere war» die Frau die oberflächlichere Natur. Sic beide berauschten sich an den Luftschlössern, die sie miteinander bauten. Trotzdem ist der Sachverständige nicht der Ueberzeugung. daß die Angeklagte ernstlich von ihrem Gatten befreit sein wollte. Er habe nicht einmal dir Ueberzeugung, baß sie Göben überhaupt liebte, daß sie ihn heiraten wollte. Neue Unterbrechungen. Frau Rittmeister Graetz habe die Trauer der Angeklagten am Sarge des MajorS geschildert. Wenn die Angeklagte befreit sein wollte, dann würde sie eine stundenlange Trauer nicht machen, vor allem nicht machen können.— Vors.: Ich halte eS nicht für richtig wenn Sie in dieser Weise in die Beweis. Würdigung eintreten. Sie müßten mir dann die Erklärung abgeben, daß daS für Ihr Gutachten notwendig ist.— Erster Staatsanwalt: Der Herr Sachverständige hält ja ein vollständiges Plädoyer.— Vors.: Ich bitte jedenfalls, sich Beschränkung aufzuerlegen.—- Erster Staatsanwalt: Ich habe dauernd dir schwersten Bedenken gehabt.— Sachverständiger: Ich mache die gesamte Beweis- aufnähme zur Grundlage meines Gutachtens.— Erster Staatsanwalt: Sie haben z. B. vergessen anzugeben, daß die Angeklagte bei dieser angeblichen Trauer keine einzige Träne vergossen bat. — Sachverständiger: Der härteste Schmer, ist der tränenlose Schmerz.— Bors.: Ich bitte nur die Punkte zu erwähnen, die absolut notwendig sind.— Suchverständiger: Ich bitte mir zu sagen, wann ich irgendwie unzulässig in die Beweisaufnahme ein» greife.— Vors.: Das kann ich nicht und will ich auch nicht.— Erster Staatsanwalt: Ich verkenne ja nicht, daß die Aufgabe der Sachverständigen schwierig ist, aber wir müssen alles Persönliche ausmerzen.— Sachverständiger: Ich bitte mir zu sagen, wo ich persönlich geworden bin.— Vors.: Ich will ein Zusammentreffen wie vorhin mit der Verteidigung möglichst vermeiden. Es ist mir selbst unangenehm. Gewöhnlich liegt die Schuld auf beide« Seiten. Nach diesem Zusammenstoß fährt der Sachverständige in der Begründung seines Gutachtens fort und erklärt, daß die An- geklagte zur Zeit der ihr zur Last gelegten Handlung mit dem Gedanken der Befreiung von ihrem Gatten nur gespielt und ge- tändelt hat. Die Tat selbst hat sie nicht gewollt. In bezug auf (ssöben kommt der Sachverständige zu der Ueberzeugung, daß er schrankenlos in seinen Liebesbcteuerungen zu dieser Frau war, die er als überirdisches Wesen ansah. Er vergaß den Respekt vor den militärischen Vorgesetzten, den Dienst vernachlässigte er» die Kameraden hielten ihn direkt für geistesgestört. Ein neuer Irrtum. Vors.: DaS ist nicht gesagt worden.— Der Sachverständige weist darauf hin, daß Oberstleutnant TupschewSli ausdrücklich gesagt hat, Göben habe nicht einen, sondern mehrere Sparren gehabt. ®tt GaHdirstäMgs hat leTWtt Aveifel, dah die Tat GSbenS anzusehen ist als die Tat eines ManncS, der unter dem Einfluß einer Wahnidee trieb- und zwangsartig gehandelt hat. Eine der- artige Tat ist aber als eine Tat im Sinne des Z 31 anzusehen. Nach einigen Zwischenfragen von Geschworenen wird die Weiter- Verhandlung auf Dienstag 9� Uhr vertagt. Die Angeklagte war zum Schluß sehr erschöpft, unruhig und matt. Hus Induftrie und Rande!. Lerproviantierung englischer Kriegsschiffe durch Konsumvereine. Im Oktober hatte die englische nationale Handelskammer an das Marineamt eine Protesteingabe gerichtet, die sich gegen die Ver- proviantierung der in den Hafen von LoweStoft einlaufenden Kriegs- schiffe durch den dortigen Konsumverein wandte. Drei Monate später hat die Handelskammer folgende Antwort erhalten: .Meine LordS sind zu der Entschließung gelangt, daß, abge- sehen in besonderen Fällen des Unvermögens des Konsumvereins, es keinen irgendwie genügend staatlichen oder allgemeinen Grund gibt, die Konsumvereine vom Wettbewerb für die von der Admi» ralität ausgeschriebenen Berproviantierungen der Kriegsschiffe auS- zuschließeu. Sie find deshalb nicht in der Lage, Ihrem Verlangen entsprechen zu können, weil sie überzeugt sind, daß sie dann die Admiralität beim Einkauf offensichtlich schädigen würden."' Nach dieser Abfuhr hat die Handelskammer am 1. April eine Protesteingabe an das Parlament gerichtet, doch ist bis jetzt nicht? darüber gehört worden. Der Konsumverein in Lowestost backt in- zwischen Brot für die Kriegsschiffe weiter. Bocholter Textilindustrie. Eine größere Anzahl Webereien hat Feierschichten eingelegt. Für die gegenwärtige Saison rechnet man nicht mehr mit einer Besserung der Geschäftslage. Es wird nament- lich über mangelnden Absatz im Jnlande Klage geführt. Der Ex- Port hat sich in letzter Zeit gehoben. Bei allen Webereien sind die Warenbestände zurzeit sehr bedeutend. Der Oeltrust rückt vor. Der Petroleumimport aus Amerika hat in den letzten Monaten weiter zugenommen. Die schwedische Vacuum Oel Co.. das nordische Tochterinstitut des Oeltrusts, hat jetzt für das laufende Jahr die Lieferungen für die Marine erhallen. Die Bilanz der deutschen Vakuum Oel Co. ist sehr schlecht aus- gefallen. Dies schadet dem Trust aber nicht viel, sind eS doch die Kosten eines Krieges, in dem der Zwischenhandel und die öfter- reichi'che Oelindustrie die Unterlegenen sind. Gegen die öfter- reichische Regierung hat der Oeltrust die Kriegserklärung losgelassen. Einer seiner Vertreter hat erklärt, es würde sich finden, wer es länger aushalte, die unbeschränkten Kapitalien deS Trusts, oder die österreichische Regierung. Die Konsumenten werden die Zeche zahlen._ Hus der frauenbewegung. Die Arbeiterinne« und die Organisation. AuS dem diesjährigen Bericht der Berliner Gewerkschafts- kommission geht hervor, daß der Verband der Wäschearbciter und -Arbeiterinnen im verflossenen Jahre einen Rückgang seiner weib- lichen Mitgliederzohl um 583 zu verzeichnen hatte. Es ist das gewiß keine erftculiche Erscheinung. Vom Verbände selbst wird an- genommen, daß die Beitragserhöhung als wesentliche Ursache des Rückganges anzusehen sei. Es dürften aber auch noch andere Ursachen in Betracht kommen. Vielleicht trägt die allgemeine Erholung im Wirtschaftsleben dazu bei, daß viele Frauen, die in der Zeit der Depression gewerblich arbeiteten, davon zurücktraten und somit der Organisation verloren gingen. Franen sind vielfach nur vorübergehend erwerbstätig und sie denken dann selten daran. sich zu organisieren. Sie suchen gewerbliche Beschäftigung nur dann, wenn der Mann keine Arbeit hat. Längere Arbeitslosigkeit kommt bei vielen Männern, z. B. bei Bauarbeitern, in jedem Winter vor. Weil zur Herstellung gewöhnlicher Wäsche keine Vorkenntnisse gehören, wird dieser Beruf in solchen Fällen bevorzugt. Eine Verpflichtung. sich zu organisieren, empfinden die periodisch gewerblich tätigen Frauen gewöhnlich nicht. Sie hoffen auf die besseren Zeiten, in denen der Mann tvieder als alleiniger Erwerber für die Familie in Betracht kommt. In der Zeit, wo der geringe Verdienst der Frau die Grundlage der Wirtschaft bildet, glaubt man den Beitrag für die Organisation ersparen zu sollen. Junge Mädchen denken noch viel weniger als verheiratete Frauen an eine Berufsarbeit für das ganze Leben. Sie rechnen auf eine schnelle Verheiratung. DaS Schielen nach dieser Erlösung von der Erwerbstätigkeit läßt die Organisation für das weibliche Geschlecht als etwas Ueberflüssiges erscheinen Kommt es später anders als man gedacht hat, muß doch zum Mitverdienen Zuflucht genonunen werden, dann ist dem Gedanken der Organisation bei denen, die vorher nicht organisiert waren, noch ebenso schwer Zugang zu verschaffen wie früher. Und viele solcher Frauen befinden sich unter den Wäschearbeiterinnen, die kleinbürger- lichen oder Beamtenkreiscn angehören. Diese Lohnsklavinnen sind für die Organisationen, die auf dem Boden der modernen Arbeiter- bewegung stehen, so gut wie gar nicht zu haben. Es fehlt ihnen in dieser Hinsicht jede Anregung und jede Rückenstärkung innerhalb der Familie. DaS bedingt auch, daß die Frauen dieser Kreise Einflüssen aus den Reihen der Mitarbeiter und-Arbeiterinnen schwer zugänglich bleiben. DaS Vorurteil und die VerständniSlosigkeit sind hier die stärkeren Faktoren. Mit dem Uebergang in einen anderen Beruf gehen auch die Organo sierten in einen anderen Verband über. In allen Heimarbeitberufcn sind die in kleinen Betrieben Arbeitenden am schlechtesten organi- siert, obwohl sie eS am nötigsten hätten, sich für die Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen zusainmcnzuschließcn. Stets kann man beobachten, daß isoliert Arbeitende, die selten legenheit haben, mit anderen über die Mißhelligkeiten im Arbeitsverhältnis Gedanken auszutauschen, für die proletarische» Emanzipationsbestrebungen kein Verständnis haben. Die Heim- arbeiterinnen sind nun aber oft Angehörige von organisierteil Ge- werkschastlern und Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei. In solchen Fällen sollte ohne weiteres angenommen werden, daß es hier nur einiger Bemühungen bedürfe, um die Franen, Töchter oder sonstige tvcibliche Anverwandte der zuständigen Gewerkschaft zuzuführen. Leider wird in dieser Beziehung viel versäuint. In den Familien bildet der Grundgedanke der Organisation viel zu wenig daS Objekt der Unterhaltung. Da bedarf es dann mancher langer Kämpfe, um den Organisationsgedanken zum Siege zu verhelfen. Einzelne Männer halten es überhaupt für überflüssig, daß ihre weiblichen Angehörigen der Organisation angehören, obwohl sie selbst in dieser Beziehung ihre Pflicht und Schuldigkeit tun. DaS ist deS UcbelS Quelle I Bei der allgenieinen AgitationS- arbeit kommt man immer nur an gewisse Arbeiterinnen heran, ent- weder an die, die schon Versammlungen besuchen, oder an die Mit- arbeiterinnen. Die Heimarbeiterinnen sind schwer zu erreichen. Hier muß das Feld von denen bearbeitet werden, die Gelegenheit dazu haben. Darum tue jeder aufgeklärte Arbeiter, waS in seinen Kräften steht I_ Gerichts-Zeitung Der Pcary-Prozest vor dem Berliner Landgericht. Vor der lt. Zivilkammer des Landgerichts I findet be- femntlich heute vormittag um 19 Uhr der Verhandlungstermin in der Klage des deutschen Begleiters Dr. Cooks, Rudolf Franke, gegen den Polarforscher Peary statt. Ter Klage, deren Erhebung beträchtliches Aufsehen erregte, weil darin gegen den seit Jahr- zehnten als Polarforscher bekannten Amerikaner schwere, zum Teil ehrenrührige Lorwürfe erhoben werden, liegt folgender Tatbestand zugrunde: Franke, bekanntlich Wr einzige Neiße Begkeiker Dr. Cooks auf dessen Forschungsfahrt zum Nordpol, trennte sich auf Cooks ausdrücklichen Wunsch nördlich vom Kap Hubbard von diesem, um nach Anoatoc in Nordwest-Grönland zurückzukehren und dort die Station zu bewachen und aufrechtzuerhalten, da Dr. Cook beab- sichtigte, denselben Weg zurückzukehren. Die Trennung geschah Anfang März 1908. Anfang Mai desselben Jahres kehrten von den 8 Eskimos, die Cook mitgenommen hatte, 0 zurück und über- brachten Franke ein Schreiben, worin Franke aufgegeben wurde, bis zum Juni in Anoatoc zu warten, dann aber von North-Star» Bah aus zu versuchen, aus Walfischfängern die Rückkehr nach Amerika anzutreten. Bei dem Versuche, der letzteren Order Cooks nachzukommen— denn Cook war bis Ende Juni nicht zurückgekehrt —, verunglückte Franke und blieb schwer krank in Etah liegen. Hier stieß Peary zu ihm und soll ihm die Heimreise nach Amerika auf seinem Begleitschiffe, her„Eric", nur unter der Bedingung gestattet haben, daß Franke ihm alle Pelze, Narvalhörner und Walrohzähne im Gesamtwerte von 50 000 M., die Franke im Auftrage Dr. Cooks und zusammen mit diesem während der Ueber- Winterung 1907 eingehandelt hatte und die bestimmt waren, die Kosten der gemeinsamen Heimreise zu decken, herausgäbe. An- gesichtZ des sicheren Todes, wenn eS ihm nicht gelang, heimzu- kommen und sich die nötige Pflege angedeihen zu lassen, will Franke dieser kategorischen Aufforderung nachgekommen sein. Er ließ sich sogar, wie in der Anklageschrift ausgeführt wird, bereit- finden, Peary n zwei Briefen, die ihm von letzterem diktiert sein sollen, tas Warenlager als einen Tribut der Dankbarkeit anzu- bieten. Darauf sandte Peary ihn mit der„Eric" heim. In Amerika angekommen, setzte sich Franke sofort mit Frau Dr. Cook, Frau Peary und dem deutschen Botschafter, Grafen Bcrnstorff, in Verbindung. Der Botschafter erklärte sich für inkompetent und verwies ihn an die deutschen Gerichte. Auch Frau Peary wies ihn ab. Da Franke die Mittel fehlten, seine Sache tatkräftig zu ver- treten, kehrte er entmutigt nach Deutschland zurück und hatte den Kampf schon aufgegeben, als Pearys Ankunft in Deutschland ihm neue Hoffnungen gab. Er benutzte, wie bekannt, Pearys An- Wesenheit in Berlin, um die Klage gegen ihn anhängig zu machen. Seinen Schaden bemißt er darum auf 20 000 M., weil ein Separatvertrag mit Dr. Cook ihm die Hälfte des Gewinnes zu. gesichert haben soll. Peary läßt dagegen durch seinen Anwalt die Zuständigkeit des Berliner Gerichts bestreiten und bestreitet ferner sämtliche Behauptungen des Klägers. Auch wenn dieselben er- wiesen wären, würden sie, nach Auffassung des Beklagten, den Klageanispruch nicht rechtfertigen. Wegen versuchten Morde» an einem Arbeitskollegen hatte sich gestern vor dem Schwurgericht am Landgericht I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Geyer der völlig unbescholtene Maschinen- Putzer Martin Baldy, der seinerzeit den Chinafeldzug mitgemacht hat und seit längerer Zeit ui der Werkstatt des Schlestschcn Güter- bahnhofes beschäftigt ist, zu verantworten. B. ist verheiratet und wurde gestern von seinen Vorgesetzten und Kollegen übereinstimmend als ein ruhiger, fleißiger Arbeiter gelobt, der auf der Arbeits- statte mit allen Kollegen freundlich verkehrte— nur nicht mit dem Maschinenputzer Martin, der mit ihm in demselben Arbeitsraum arbeitete. Letzterer nahm den Angeklagten wiederholt als Ziel- Punkt von Hänseleien und Verspottungen, wobei er auch mehrfach auf dessen polnische Abstammung und katholische Religion anspielte. Der Angeklagte hat sich diese Anzapfungen wiederholt ernstlich ver- beten. Als am Montag, 2. Mai, ein neuer Streit entstand, be- schwerte sich der Angeklagte bei der vorgesetzten Stelle und bat um Beschäftigung in einer anderen Station, da es ihm unmöglich sei, mit Martin zusammen weiter zu arbeiten. DaS Gesuch wurde ihm abgeschlagen und nun geriet B. in eine gewaltige Erregung. Er kaufte sich einen Revolver, lud diesen mit einigen scharfen Patronen und erschien, mit dem Revolver bewaffnet, am nächsten Tage in der Werkstatt, wo eS gleich auffiel, daß er in seiner Straßen- kleidung verblieb und nicht, wie es sonst üblich ist, seine Arbeits- kleider anzog. Als der Angeklagte seines Feindes ansichtig wurde, folgte er ihm bis auf eine Entfernung von drei bis vier Metern und gab einen Schutz auf ihn ab, der glücklicherweise fehlging, aber den Martin so erschreckte, daß dieser zu Boden fiel. Nachdem der Angeklagte den Revolver noch einmal abgefeuert hatte, ohne jemand zu treffen, begab er sich auf die Straße, trat an den nächsten Schutzmann heran und sagte zu diesem:„Herr Wachtmeister, nehmen Sie mich fest, ich habe eben ein Unheil angerichtet." Der Angeklagte ist dann auch festgenommen worden. Im Termin be- stritt er die Absicht der Tötung und behauptete, daß er sich in ge- waltiger Erregung befunden und nur einen Schreckschutz habe ab- geben wollen.— Staatsanwaltsassessor Dr. Fricdcbcrg erkannte an, daß das durch die Beweisaufnahme gewonnene Gesamtbild dem Angeklagten günstig und dem Zeugen Martin mehr ungünstig sich darstelle und beantragte, nur die Schuldfrage nach versuchtem Tot- schlag zu bejahen, die Frage nach versuchtem Mord aber zu ver- neincn.— Der Rechtsbeistand des Angeklagten führte den Ge- schworenen vor, daß der von seinen Vorgesetzten und Kollegen so günstig beurteilte Angeklagte zweifellos in einem Zustande größter Erregung gehandelt habe. Er verdiene die mildeste Beurteilung und man könne ihm glauben, daß er nur Schreckschüsse habe abgeben wollen.— Die Geschworenen verneinten die ihnen unterbreiteten beiden Schuldfragen, worauf die Freisprechung des Angeklagten er- folgte._ Ein empfehlenswerter Liebhaber mußte sich gestern in der Person des früheren Kanzlisten Andrea? Fischer vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I verantworten. — Der Angeklagte lernte vor einiger Zeit auf der Promenade im „Zoo" ein Fräulein D. kennen. Zwischen beiden entstand ein intime? Liebesverhältnis, welches jedoch von der D. wieder gelöst wurde. Von diesem Zeitpunkte an wurde Fräulein D. mit ano- nymen Schmähbriefen unfläthigsten Inhalts förmlich überschüttet. Fast täglich erhielt sie eine Postkarte, auf der sie beschuldigt wurde, sie gehe nachts in der Friedrichstraße spazieren und begehe Ver- brechen Wider das keimende Leben. Auf anderen Karten wurde sie mit den gemeinsten Schimpfworten belegt. Als Absender dieser Karten und Briefe wurde der Angeklagte Fischer entlarvt.— Der Angeklagte behauptete früher, geistig nicht zurechnungsfähig zu sein. Eine längere Beobachtung hat dieses jedoch nicht bestätigt. Mit Rücksicht auf die von dem Angeklagten zutage gelegte überaus ge- meine und verwerfliche Gesinnung erkannte die Strafkammer dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf ein Jahr Gefängnis. Vom Zettelverteilen! Zu einer Versammlung der Gemeindearbeiter in Halle sollten auf der Straße Handzettel mit der Tagesordnung der Versammlung an die aus den städtischen Betrieben kommenden Arbeiter verteilt werden. Dem Filialvorsitzenden Lorenz wurde jedoch von der Polizeiverwaltung die nachgesuchte Erlaubnis verweigert. Nach ver- geblichen Beschwerden klagte L. beim Oberverwaliungsgcricht. Dieses wies dieser Tage die Klage mit folgender Begründung ab: Es sei anzunehmen, daß die Erlaubnis zum unentgeltlichen öffent- lichen Verteilen der Handzettel mit der Tagesordnung der Ver- sammlung, also von Bekanntmachungen, nachgesucht worden sei. Die öffentliche unentgeltliche Verteilung von Bekanntmachungen, Pla- katen und Aufrufen sei aber nach 8 10 deS preußischen Preß- gesetzes in der durch ß 30 Absatz 2 des Reichs-Preßgesetzes erhaltenen Fassung von einer polizeilichen Erlaubnis abhängig. Die Erlaubnis sei im ordnungspolizeilichen Interesse versagt worden. Gegen diese Begründung habe die Klage gar nichts gesagt. Der Senat könne deshalb in eine Nachprüfung nicht eintreten. Vermischtes. MlKelm XI. als predigen Am Sonntagmorgen fand in K i e l an Bord deS„Hohen. zollern" ein Gottesdienst statt, den Wilhelm II. selbst ab» hielt. AIS Unterlage für seine Predigt hatte er sich das Lukas» evangelium Kapitel 23, Vers 44, ausgesucht. Es heißt dort: „Und es war um die sechste Stunde, und es ward eine Finsternis über das ganze Land bis an die neunte Stunde." Bei dem regen Interesse, das Wilhelm II. an den politischen Vorgängen nimmt, ist anzunehmen, daß er nicht unabsichtlich gerade diesen Text gewählt hat. Offenbar ist unter der Finsternis, die über dem ganzen Lande lagert, der schwarzblaue Block zu verstehen. In der neunten Stunde aber— das heißt durch die letzten erfolgreichen Wahlen � beginnt die Finsternis zu weichen. Sehr erfreut über die seltene Uebereinstimmung mit Wil- Helm II., wird es unser erstes Bestreben sein, auch weiterhin Licht zu verbreiten in den bisher noch von der Finsternis bedeckten Landesteilen. Zum fVtedberger Bankraub. Als Komplize des Bankräubers W i n g e s soll der aus Kaiser». lautern stammende 20 Jahre alte Dachdecker Werner ev» mittelt worden sein. Er hielt sich vor Ausübung des Anschlags in Nauheim auf, wo er auch durch einen früheren Schulkameraden gesehen wurde. Durch Vermittelung der Polizeibehörde in Kaisers. lautern wurde bei den Eltern des Werner eine Photographie be- schlagnahmt, in der alle FrieÄberger Zeugen das Bild de» Fremden erkann ten, der unter dem Namen Schmidt im Burghotel abgestiegen war. Durch einen an seine Eltern gerichteten Brief wurde ermittelt, daß Werner sich in Lüttich aufhält. Die Berliner Kriminalpolizei, die zur Entdeckung der Täter mit in Anspruch genommen worden war, hatte durch ihren Erkennungsdienst festgestellt, daß als Mittäter! bei dem Friedberger Bankraub ein gewisser Willi Hockradt aus Neutz in Frage komme. Das hat sich als unrichtig herausgestellt. denn Hockradt befand sich zur Zeit der Tat bei seinen Eltern in Leipzig._ Bomben explosion in einem Theater. Wie ein Telegramm aus Buenos Aires meldet. wurde im Theater in Coulon während der Vorstellung ein Bombenattentat verübt. Durch die umher- fliegenden Metallstücke sind sieben Personen verletzt worden, zwei von ihnen sehr schwer. Der zahlreich anwesen- den Besucher bemächtigte sich eine große Aufregung; es ent- stand eine Panik, bei der mehrere Besucher im Gedränge leichtere Verletzungen erlitten. Neues Hochwasser. Wie auS Konstanz gemeldet wird, ist der Bodensee infolge anhaltenden Regens stark g e st i e g e n. Der Stadtpark, die See- straße und der Stadtteil Paradies sind zum großen Teil überschwemmt. Infolge Deichbruches des L e i s s e f l u s s e s wurde bei Chambörh in Frankreich die ganze Ebene über» schwemmt. DaS Hochwasser hat großen Schaden angerichtet, viele Ortschaften sind bedroht. Der Eisenbahnverkehr ist zum Teil unterbrochen._ Ueberfall auf einen Gxprestzug. Der amerikanische Oregon Shortline Expreßzug wurde in der Nacht zum Sonntag an der äußersten Grenze der Stadt O y d e n im Staate Utah von drei Räubern zum Stillstand gebracht. Die Passagiere wurden mit Revolvern bedroht und ausgeraubt. Die Banditen schlugen j e d d n nieder, der den geringsten Widerstand wogte. Eine Frau erlitt dabei schwere Ver» l e tz u n g e n. Die Verfolgung der Räuber, die unerkannt entkamen, wurde von einer großen Menge Einwohner aufgenommen. Brandkatastrophe auf einem Mississippidampfer. Am Sonnabend brach auf einem Mississippidampfer, der 1800 Passagiere an Bord hatte, ein heftiges Feuer aus. Der Kapitän ließ den Dampfer sofort ausS Land laufen und schiffte die Passa- giere aus. Unter ihnen kam es zu einer Panik; einige Frauen warfen ihre Kinder in den Fluß und sprangen ihnen nach, wobei sie ertranken. Soweit bis jetzt festgestellt ist, sind außerdem vier Personen umgekommen und etwa zwölf verletzt worden. Kleine Notizen. GekenterteS Segelboot. Auf der Elbe in der Nähe Ham» b u r g s kenterte am Sonntag ein Segelboot mit drei Insassen. Zwei davon ertranken, während der dritte von der Strom- polizei gerettet werden konnte. Ballonunfall. Der französische Ballon Eseapade, der am Sonn- tag nachmittag in Paris aufgestiegen war, ist Montag vormittag 11 Uhr mit beschädigter Hülle mitten aus dem Walchen» see niedergegangen. Der Jusasse des Ballons konnte ge» rettet werden. Erschossener Wilddieb. Im Böblinger Wald in Württem» berg wurde ein Wilddieb von zwei Landjägern beim Wildern er» tappt. Der Wilddieb legte auf die Landjäger an, doch machten diese im selben Moment von den Waffen Gebrauch und erschossen den Wilddieb. UeberranilteS Postautomobil. Wie ein Telegramm aus M ö h» ringen in Baden meldet, wurde dort an einem Bahnübergang ein von Waldenbuch kommendes Postautomobil von einem zu gleicher teit die Kreuzung passierenden Zug erfaßt und zur Seite geschleudert. iämtliche Insassen des Automobils wurden verletzt, unter ihnen drei besonders schwer. Ein blutiger Streit. Am Sonntag früh gerieten in der Dur- lacher Straße in Karlsruhe zwei Brüder in einen Wortwechsel, der in Tätlichkeiten ausartete. Der Jüngere der beiden flüchtete auf das Dach eines Hauses und stürzte infolge eines Fehltrittes ab; er brach dabei das Genick. In diesem Augenblick kam ein dritter Bruder hinzu und stach mit einem Messer nach dem anderen an dem Streite Beteiligten, der schwer verletzt wurde. Uuglück bei einem Feuerwerk. Bei einem Parkfeste in Roundhay(England) explodierten mehrere Feuerwerkskörper vorzeitig. Durch umherfliegende Metallteile sind 2 Personen getötet und 14 verletzt worden. Auf der Zeche Alstaden bei Essen wurden heute vormittag der Direktor Sternberg und der Fahrsteiger Mehrhots von einem beladenen Kohlenwagen überrannt» Mehrhoff wurvv getötet, Sternberg verwundet. Vierzig Soldaten an Vergiftung erkrankt. Nach einem Tele. gramm aus V e r d u n(Frankreich) sind nach einem Frühstück, daS aus einer Suppe und einer Fleischspeise mit Tomatensauce be- stand, 40 Soldaten unter Vergiftungserscheinungen erkrankt. Fünf von ihnen befinden sich in LebenS, g e f a h r. Auf der Brüsseler Weltausstellung brach am Sonntag vor» mittag in dem Restaurant Metropole ein Brand aus, der das Ge- bände einäscherte. Nur dem schnellen Eingreifen des Personals der deutschen Abteilung ist es zu verdanken, Mß die in nächster Nähe gelegene deutsche Abteilung nicht vom Brande ergriffen wurde. verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den Jnseratenteilverantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsgnjtalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Todea-Anseice. Nach langem, schwerem Leiden ist am Sonnabend früh 4 Uhr der Drechsler Karl Kurth verstorben. Die Beerdigung finde Dienstag, den 28. d. ÄtS., idet am nach mittags 4 Uhr, aus dem neuen >i«n-Kirchhos, Freienwalder soph> I trotze, statt. Dieses seinm Freunden Kollegen zur Nachricht. Richard Bablel, Töpser. und Deutscher Metallarbeiter-Verbandj Verwaltungsitelte Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Mechaniker ?su! Lolve am 25. Juni gestorben ist. Die Beerdigung findet am DienStag, den 28. Juni, nach- mittags 5 Uhr, aus dem Zentral- Fricdhose in FricdrichsscISe statt. Ferner starb unser Mitglied, der Maschinendreher Kaf! Kurth am 25. Juni. Ehre ihrem Andenken: Die Beerdigung findet am Dienstag, den 28. Juni, nach- mittag« 4 Uhr, von der Leichen- �alle deS neuen Sophienfirchhoses, -eienwalder Strntze, aus statt- Rege Beteiligung wird erwartet 117/20 Dir Ortsverwaltung. Verband der Bueb- und Steindruekerei-HiUeiter u. Arbeiterinnen Dentseblands. Ortsverwaltnng Berlin. Arn 25. d. MtS. starb nach kurzen, schweren Leiden unser Mitglied, der Falzer Paul Müller im Alter von 38 Jahren. Ehre seinem Andenken: 27/17 vis Ortsverwaltung. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags>/,4 Uhr, aus dem neuen Rirdorser Kirch- hos, Mariendorser Weg, statt. Wrsl nnlki�iillMiiZ� verein der Scluniede. Zahlstelle X. Nachruf. Am 24. Juni er. verstarb unser Mitglied 175/19 Hugo Kriestkeitz Swinemünder Str. 91. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Allieöi.Ki'anken-u.Sterbekassel dieutsebenDreehslergen0,�::! E. H. 86. Verwaltungsst. Berlin D. 1 Am 25. d. MtS. verstarb unser j Mitglied Karl Kurth. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mens- tag, den 28. d. Mts., nachm. 4 Ubr, von der Leichenhalle des Sophien- KirchhoseS, Freienwalder Stratze, aus statt. 287/4 Oie Ortsverwaltung. Am 25. Juni, nachm. l'/a Uhr. i 1 entschlief nach langem Leiden mein[ I lieber Mann, der Tischler Wilhelm Wende im 68. Lebensjahre. Um stilles Beileid bittet Die trauernde Gattin Anna'Wende geb. Krug. Die Beerdigung findet Mittwoch- nachm. 4'/, Uhr von der Halle dcS> neuen Jakobi-Kirchhoses, Rixdors,> Hermannstratze. aus statt. 2745b I Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines stieben Mannes und guten Bater« «nstav Kolbe sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. 2744b EMMU KOlbe und Kinder. Allen Freunden und Bekannten nebst früheren Kollegen und Kol- leginnen sowie den Werkmeistern der A. E.-G., A. F. II, die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau, unsere gute Mutter Auousta Pallasky g-v. zierdt am 25. Juni, 21/, Uhr, sanst entschlafen ist. Um stilles Befieid bitten der trauernde Gatte R. Pallasky nebst Sohn. Beerdigung DienStag nachm. 4 Uhr von der Halle deS Friedens- Kirchhofs Nordend. 2746b Danksagung. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme und die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes Panl Pobland sagen wir allen Freunden und Bekannten, vor allen den Kollegen der Firma Deutsche Telephonwerke, unseren herz- lichsten Dank. 2748b Praa Else Pohland nebst Kindern. Gustav Pohland und Frau als Eltern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, die unS von allen Seiten am Grabe meines lieben Mannes. unseres lieben Sohnes, Bruders und Schwagers, des Destillateurs Wilhelm Hehroeder zu teil geworden sind, sprechen wir hierdurch unseren besten Dank aus. Berlin, Userstr. 14, den 27. Juni 1910. 2743b Die trauernden Hinterbliebenen. Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,«X™*. 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4 'Leihhaus seit 27 Jahren1 Gclegenheltskünto 1 verfallener Brillanten, | Gold, SUberwaren etc. Moritzplatz, Im Hause der National-Bank. 1(früher Prlnsenstr.SS) I Freie fitbeistisebe GeseHsebafL Mittwoch, den SS. Juni, abendS 8'/, Uhr, bei W i 1 k e, Brunnenstratze 188: Oeffentliche Versammlung, Fortsetzung der von der Polizei am 6. Juni verhinderten. Tagesordnung wie vorher. 27Z7b Der Eiubcrufer: 8. Jacinski, Wiesenstratze 41. Von der Beise znrüok Dr. Da dt, 73/15 Kene Kiinlgstr. 82. Klnmen- nub£rau;lmtbmi von Robert Ueyer,* nur Mlmnnnrn-Strnßt 2. Kost und Logis vom 1. Juli zu mätzigem Preis mit Aufenthalt in der Familie wird von dänischem Student gewünscht, am liebsten wo ein munterer 10— 15jähr. Sohn ist, mit welchem Suchender deutsch sprechen kaim. Angebote erb. an Togkrer 208 Jensen, Aarhus, Dänemark. öngewitter'8 Kautabak Planos-Gelegenhelts- känf c in gr. Auswahl v. 300 bis 400 M., dar. Schiedmeyer, Biese etc. Garant. Pianohaas Krause, Berlin W., Ansbaoberstr. 1.* Syphilis■ Nachweis in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wissenschastk. Untersuchung. sosort! desgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Fädcn) u. Sputum-Analhsen. Or. Homoyer 4 Co., Spezlal-Laborat., Friedrich str. 189, zw. Kronen- und Mohrenstratze), I. 8724. Pers. Rüikspr. diskr. u. kosienl Geöffnet von 8—8 Sonntags von 12—1.* Parteisekretär gesucht. Für daS Partei- Selretariat in Frankfurt a. M. soll noch«in Sekretär angestellt werden. ES wird aus eine tüchtige Krast reflektier� die sowohl die schristliche, wie mündlich». Parteiarbeit und Agitation erledigen kann. Eintritt sobald als möglich. AnsangSgehalt 2400 Mark. Grundsätze deS Vereins Arbeiterpresse gelten. Bewerbungen, denen ein Bericht über die Tätigkeit w der Arbeit«» bcwegung beizusügen ist. sind mit der Aufschrist.Bewerbung» bis spätestens 15. Jisti d. I. an Genossen Höh. Wittich, Frankfurt a.>, Stoltzcstratze 13/15, zu richten. Beste Bezugsquelle Auf Teilzahlung Wöckentt. nur 1 Wart Herren* und Damenuhren, KettentWandw und Stand» i uhren, Grara-| ; muphone, Zithern und alle Musikwaren. luhre&Könie, Warschauer Str. 68, Reinickendorfer 8tr. 101, GObenstr. 19. Karow eine Station vor Buch Schönst. Villenort. HR. v. 12 M. an, 20 Pf. v. Stett. Bhl., 25 Min. Fahrt, 10 Pf. v.Pankow-Schonh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bhf. Bebauungspl. genehmigt. Pläne gratis. MäÖ. Ana. u. langjähr. Hypotheken. Verkäufer ständig a. Bhl Karow.» J. Rieger, Genta rdetr. S. 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Stahlkiingen 3' Hr. 148. 27. Jahrgang. 2. KcilM des Jormitls" Kerlim WIIlsdlM Dienslltg. 28. Zum l910. Partei- Hngelegenbelten« SchSnrberg. Heute Dienstag, den 28. Juni, abends 8'/z Uhr. findet in den Reuen Rathaussälen, Meininger Str. 8. die Wahl» Vereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Bortrag:.Die politische Lage". Referent Genosse Max Grunwald. 2. BereinSangelegenheiten. 8. Verschiedenes. Der Borstand. Wilmersdorf-Halensce. Heute, Dienstagabend pünktlich 8>/s Uhr, hält der Wahlverein im Gesellschaftshause. Wilhelmsaue 112, seine Versammlung ab. Auf der Tagesordnung stehen: ein Bortrag der Genossin Gertrud David. Die Genossenschaftsfrage und der Magdeburger Parleitag", Abrechnungen sowie die Be- schwerde gegen den OrtSvorstand des Vereins freier Gastwirte. Der Vorstand. Steglitz. Heute Dienstag, abends 8'/, Uhr, Mitgliederversamm- lung bei Schellhase. Tagesordnung: Vortrag des Genossen S. Katzenstein über: Die Bedeutung der Arbeiter- Jugendheime. Der Vorstand. Lankwitz. Am Mittwoch, den 29. Juni, abends 8'/, Uhr, findet bei Ebel die Mitgliederversammlung des WahlvereinS statt. TageS- ordnung: Bortrag des Genossen Kubig über.Republik oder Monarchie'. Wahl der Delegierten. Vereinsangelegenheiten und Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. SarlShorst. Heute Dienstag, den 28. Juni, abends g'/, Uhr. Generalversammlung im Restaurant»Zum Fürstenbad'. Bericht und Neuwahl deS Vorstandes. Die Bezirksleitung. Friedrichshageu. Am Mittwoch, den 29. d. MtS., abends 8'/, Uhr, findet im Restaurant Wwe. Lerche, Friedrichstt. 112, die General» Versammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Bezirksleitung und der Funktionäre. 2. Neuwahlen. 3. Vereins- angelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Rcinickendorf-Ost. Heute abend 8 Uhr findet im Restaurant Sadau, Refidenzstr. 124, die Generalversammlung des Bezirkswahl- Vereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Funktionäre. 2. Reu- mahl der Funktionäre. 3. VereinSangelegenheilen. 4. Verschiedenes. Am Mittwochabend von den bekannten Stellen aus Flugblatt- Verbreitung. Die Bezirksleitung. Reinickendorf-West. Heute abend T'/j Uhr: Fstigblattverbreitung von den bekannten Lokalen.— Mittwoch, den 29. Juni, abends 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung in den»Eichbornsälen', Eichborn- stratze SO. Agitiert für Massenbesuch I Die Bezirksleitung. Nieder-SchSnhausen-Nordend. Heute Dienstag, den 23. Juni, abends 8>/z Uhr, findet im.Lindengarten', Lindenstr. 43, die General- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht. 2. Neuwahl sämtlicher Funktionäre. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Bezirksleitung. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahlvereins findet heute Dienstag, abends 8>/, Uhr, im Lokal von Emil Kocpnick, Pichelsdorfer Str. 39, statt. Tagesordnung: Bericht des Vorstandes und des Kassierers vom letzten halben Jahr. Bericht der Kommission. An den Vorstand gestellte Anttäge. Neuwahl deS Ge- samtvorstandeS, der Kommissionen und Bezirksführer. Verschiedene». Der Vorstand. KerUner jVacbncbteii. AuS der KrankcnhauSverwaltnng. In der jüngsten Sitzung der Krankenhausdepuwtion wurde zunächst Beschluß gefaßt über die Belegungsziffern der Krankeichäuser, die für den Etat 1911 zugrunde gelegt werden sollen. Die Verwaltung schlug vor, gegenüber den Zahlen vom Jahre 1919 keine Steigerung eintreten zu lassen. Dem widersprach auf das entschiedenste der Vertreter der sozial- demokratischen Fraktion Genosse Dr. Wehl mit dem Hinweis auf die chronische Ueberfüllung aller Heilanstalten und die große Zahl von Abweisungen, die nach einer amtlichen Auf- stellung der Deputation selbst im letzten Jahre wegen Platz- mangels stattfanden. Allem im Vierteljahr Januar-März 1919 sind in den städtischen Krankenhäusern wegen Platzmangels 1395 Personen abgewiesen worden: 996 Erwachsene, 148 Kinder aus Berlin: 227 Erwachsene, 24 Kinder von außerhalb. Die Abweisung erfolgte, weil die Krankenhausbehandlung nicht erforderlich oder die Aufnahme nicht dringend oder der Kranke wegen der Krankheitsform zur Aufnahme ungeeignet sei. Wir wollen an dieser Stelle nicht darüber rechten, ob der Arzt, der die Aufnahmeuntersuchung vornimmt, den Zustand deS Patienten wirklich besser zu beurteilen vermag als der be- handelnde Privat-, Kassen- oder Armenarzt, der in jedem einzelnen Falle die Einweisung in das Krankenhaus für not- wendig gehalten hat. Ueber die unzulänglichen Wohnungs- und Verpflegungsverhältnisse des Kranken ist doch natur- gemäß der Aufnahmcarzt überhaupt nicht unterrichtet.— Aber trotz der so peinlichen und strengen Sichtung blieben allein im ersten Viertel- jähr 1919 noch 268Schwerkranke übrig, die beim besten Willen nicht in«ine der vorgenannten Rubriken ein- geschaltet werden konnten, sie wurden eben abfle- wiesen, trotzdem ihr Zustand die sofortige Aufnahme in die An st alt dringend er- forderlich machte, weil kein Platz war! Aus der Waisenverwaltung konnte Dr. Wehl mitteilen, daß im Waisenhaus der Scharlach endomisch gleichsam heimisch auftritt, weil es nicht gelingt die scharlachkranken Kinder stets in ein städtisches Krankenhaus zu überführen. Die geschlechtskranken Fürsorgezöglinge werden nicht im Virchow- Krankenhaus« aufgenommen, sondern werden in die Ge- schlechtskrankenstation des städtischen Obdachs eingewiesen, wo ihr Verkehr mit den Dirnen usw. gewiß nicht geeignet ist, ihre Lebensführung günstig zu beeinflussen.— Die Deputation ließ sich durch diese Ausführungen unseres Genossen nicht bewegen, die Belegungsziffern für das neue Etatsjahr zu erhöhen.— Die Besprechung wandte sich alsdann dem Bauprogmmm der Anstalt zu, die für L u n g e n- und Kehlkopf- leidende inBuch errichtet werden soll. Die Anstalt soll tuberkulöse lungen- und kehlkopfleidendc Männer, Frauen und Kinder jeden Grades(auch voraussichtlich Unheilbare) zur Entlastung und Ergänzung der städtischen Krankenhäuser und Heimstätten aufnehmen und für 1999 Krankenbetten angelegt werden. An Tuberkulose anderer Organe leidende und chirurgisch zu behandelnde Kranke sollen nicht aufgenommen werden. Als Bauplatz ist ein zu dem Grundbesitz der Stadt- gemeinde Berlin im Gemeindebezirk Buch gehöriges, nördlich her Stettiner Bahn im Hochwald gelegenes Gelände von etwa 19 Hektar Größe in Aussicht genommen. Die Gebäude für Kranke sind nach dem Pavillonsystem zu errichten, und zwar zweigeschossig. Nach dem Entwurf sind au.Gebäude« für Kranke zu errichten im 1 a) die Männerabteilung: 4 Pavillons mit 2 Ge- schössen für je 38 Betten, mithin 4mal 136 Betten 344 Betten b) die Frauenadteilung: 2 Pavillons mit 2 Ge- schössen für je 68 Betten, mithin 2 mal 136 Betten 272. c) die Kinderabteilung: 1 Pavillon(zweigeschossig) mit................ 02» d) die Abteilung für Kranke der II. VerpflegungS- klasse: 1 Pavillon mit Zimmern bis zu 6 Betten 89» Für Jnfektionskranke sind in einem Anbau an den Kinderpavillon mit besonderem Eingange... 12» Im ganzen also............. 1000 Betten vorzusehen. Es wird angenommen, daß die Beheizung und Beleuchtung, die Bewässerung und Entwässerung, die Liefe- rung von Dampf und elektrischer Kraft zum Antriebe von Maschinen und Apparaten von der Zentrale Brich oder der- jenigen der IV. Irrenanstalt erfolgt. Ferner soll die Ver- sorgung der Anstalt mit Arzneien und Backwaren, sowie die Reinigung, das Rollen und Plätten der Wäsche durch die Zentrale in Buch stattfinden.— In der Diskussion wurde von unserm Genossen gefordert, daß die in das Programm hineingeschmuggelte„zweite Verpflegungsklasse" für söge- nannte besser situierte, richtiger«besser gekleidete" Kranke in Fortfall komme, die hierfür vorgesehenen 89 Betten sollten der Frauenadteilung zugute kommen. Nach dem amtlichen Quellen- werk„Preußische Statistik" starben in Preußen auf 19 999 Lebende an Tuberkulose in den Jahren 1999 bis 1993 23.14-, 21,35: 29,72: 21.18 männliche und 19.19: 17,78: 17,41: 18,26 weibliche Personen. Nicht nur tuberkulöse Lungen- und Kehl- kopfleidcnde, sondern tuberkulöse Kranke jeglicher Art, wie etwa mit Darmwberkulöse Behaftete, sollten Aufnahme finden. Für chirurgische Eingriffe müßten entsprechende Vorkehrungen in jedem Pavillon vorgesehen werden. Ein Röntgeninststut zur Erkennung komplizierter Fälle sei notwendig, der Bade- räum mit 4 Wannen und 4 Douchen für einen Pavillon zu 68 Betten sei unzulänglich, wenn die Anstalt, wie es am Schluß des allgemeinen Programms ausdrücklich heiße, allen Anforderungen der modernen Krankenpflege und Wissenschaft entsprechend ausgeführt werden soll. Die Einwände Hinsicht- lich der Vermehrung der Frauenbetten, des Fortfalls der so- genannten zweiten Verpflegungsklasse, der Bereitstellung chirurgischer Hilfe und der Aufnahme Tuberkulöser jeglicher Art wurden anstandslos respektiert. Die Beschaffung der Röntgenapparate und der Ausbau der Baderäume wurde ab gelehnt, im übrigen der Entwurf dem Magistrat herübex gegeben. Wenn er an die Stadtverordnetenversammlung gelangt, wird es unsere dankbare Aufgabe sein, dafür zu sorgen, daß die noch vorhandenen Lücken ausgefüllt werden und die ganze Anstalt wirklich allen Anforderungen der modernen Krankenpflege und Wissenschaft entsprechend aus geführt wird._ Das Berhaltrn der Irrenanstalt Buch bei der Entlassung des geisteskranken Russen Semen Arschakoff Terpetrosow aus Odesia alias Mirski wurde am 4. Mai in der Stadtverordnetenversammlung vom Genofien Cohn gerügt. Die Stadtverordnetenversammlung hatte dann den Beschluß gefaßt, den Magistrat zu ersuchen, die städtischen Irrenanstalten anzuweisen, daß sie vor jeder Entlassung eines Kranken auch seinen gesetzlichen Vertreter in Kenntnis setzen.— Der Magistrat Berlin teilt jetzt der Stadtverordnetenversammlung mit, daß schon bisher, wenn ein Pfleger bestellt worden war, in Fällen, in denen für seine Entlassung oder seinen Verbleib außerhalb der Anstalt die Mit Wirkung deS Pflegers nützlich erschien, nicht nur eine Anzeige vor der Entlassung an den Pfleger erfolgt ist, sondern zunächst mit ihm über die im Interesse deS Kranken zu treffenden Maßregeln ver- bandelt worden ist. Dagegen ist der Kranke ohne die Beihilfe oder Mitwirkung des Klägers zur Entlassung gekommen, wenn er seinem Zustande nach genügend für sich selbst sorgen konnte und die Beil Hältnisse geordnet waren. Das Reglement für die Jrrew anstalten der Stadt Berlin sei ministeriell genehmigt und könne vom Magistrat nicht einseittg geändert werden. Der Magistrat sei gegenwärtig mit der Revision dieses Reglements beschäftigt und werde eine andere Fassung in Anregung bringen. Inzwischen sind die Direktoren der Irrem anstalten angewiesen, regelmäßig in allen Fällen schon vor der Entlassung von Geisteskranken den zur Fürsorge für die Person gerichtlich bestellten Pflegern und den Vormündern von der bevor- stehenden Entlassung Nachricht zu geben, in besonder» gearteten Fällen aber, in denen sie glauben, von dieser Mitteilung Abstand nehmen zu müssen, die Entscheidung der Deputation für die städtische Jrrenpflege einzuholen. Eine Massenverhaftung wurde am Sonnabend in den Räumlich- leiten der städtischen Pfandkammer in der Neuen Schönhauser Straße vorgenommen. Wie uns berichtet wird, wurden gegen 209 Personen nach der Wache am Monbijouplatz eskortiert und dort nach stunden- langem Warten und Feststellung der Personalien entlassen. Nach einigen Mitteilungen zu urteilen, ist man recht wahllos vorgegangen. Alles, was sich eingefunden hatte, wurde mitgenommen, als ob die Leute Verbrecher wären. ES ist richttg, daß unter den Personen, die sich auf dem Hofe der Pfandkammer aufhalten, auch recht zweifel- hafte Elemente befinden, aber andererseits finden sich auch viele Leute ein, die als Händler ihrem Gewerbe nachgehen. Diese empfinden eS als herabwürdigend, wie die Verbrecher durch die Straßen transportiert und stundenlang auf der Wache festgehalten zu werden. Der Polizrisäbel spielte in der Nacht vom Sonnabend zum Sonn- tag und am Sonntag in verschiedenen Teilen Berlins eine große Nolle. An der Ecke der Lüneburger und Flemmingstraße kamen mehrere Arbeiter mit dem Inhaber einer Restauration in Streit, der in Tätlichkeiten ausartete. Zwei Schutzleute griffen ein und machten von der Waffe Gebrauch. Ein Arbeiter Max Pietsch hatte so schwere Kopfwunden davongetragen, daß er in der dharitö verbunden werden mußte. In einem zweiten Falle war an der Ecke Gormann- und Steinstraße zwischen den beiden Arbeitern Richard Knaak und Alfred Gertitz Streit entstanden. Auch hier griff die Polizei mit dem Säbel ein, Knaak erhielt zwei Säbelhiebe über den Kopf und die Schulter. Die Polizei nennt das: er tvurde»kampfunfähig" gemacht. In einem dritten Falle wurde der Polizeisäbel gegen einen Mann auf dem Gesundbrunnen in der Stettiner Straße gebraucht Wir sahen am Sonntag gegen Mittag, wie zwei Schutzleute einen blutüberströmten Menschen nach der Unfallstation in der Hochstraße brachten. Das Blut rieselte aus einer klaffenden Kopfwunde in der Gegend des rechten Buges herab. Das ganze Gesicht, die Weste, die Hose, der Rock waren voller Blut. Die Wunde rührte von einem Säbelhieb eines Schutzmanns her. Unter den Augenzeugen entstand eine große«uftegung und Empörung über dieses sonntägliche Straßenbiw und manche Verwünschung gegen die Polizei wurde laut. Eine Gefahr für spielende Kinder bildet ein Bretterzaun auf dem Gesundbrunnen, der ein Grundstück an der Ecke Bastianstraße und Böttgerstraße umschließt. Dort haben anscheinend Unbefugte ans dem Bretterverschlag einige Bretter entfernt, wodurch ein fteier Ausblick auf das Grundstück entstanden ist. Dieser Ausblick kann aber nicht ohne Gefahr geschehen, da der Boden etwa 2'/z Meter unter dem Straßenniveau liegt. Biegt sich dort ein Kind in seiner Neugierde erwas zu weit vor, kann es leicht abstürzen und sich Hals und Beine brecken. Wenn man- bedenkt, daß vis-a-vis eine Schule belegen ist, wird man die Größe der Gefahr in ihrem ganzen Um« fange ermessen können. Wir sind gespannt-, ob der Bretterzaun erst zugenagelt wird, wenn ein Unglück geschehen ist l Dir trotz aller Warnungen noch immer sehr häufigen Beschäbi- (jungen der städtischen Partanlagen durch das Publikum zwingen die städtische Parkverwaltung zu energischem Vorgehen gegen die Uebel- täter. So hat die Verwaltung neuerdings gegen zwei Personen, welche im Friedrichshain blühende Zweige abgebrochen und mit sich genoinmen haben, die Einleitung eines Strafverfahrens bei der Staatsanwaltschaft beantragt. Bor Schreck gestorben ist in der vergangenen Nacht die 33 Jahre alte Ehefrau Marie des Tischlermeister Gericke aus der Greisen» Hagener Straße 36. Die Leute besitzen in der Kolonie Müllersruh eine Laube und einen Stall, in dem sie Hühner und Kaninchen haben. In der vergangenen Nacht schliefen sie in der Laube. Plötzlich er» machte der Mann durch ein Geräusch. Einbrecher hatten sich an den Stall herangeschlichen, um das Vieh zu rauben. Gericke sprang auf und verscheuchte sie. Er sah noch, wie drei Kerle davonliefen und entkamen. AIS er nach der Laube zurückkehrte, lag seine Frau schwer krank da. Sie hatte vor Schreck einen Herzkrampf bekommen. Nach» barn holten rasch einen Arzt von der Rettungswache in der Gaudy- straße, dieser konnte aber nur feststellen, d«ß die Frau unterdessen schon gestorben war. Der„Direktor" der„Seifenzenttale" verhastet. Ein guter Fang ist der hiesigen Kriminalpolizei geglückt. Kürzlich wurde über die raffinierten Schwindeleien eines Betrügers berichtet, der sich als Direktor einer Seifenzentrale, die er in der Wilhelmstr. 139 be- gründet haben wollte, ausgab. Er erließ Annoncen und suchte kautionsfähige Herren und Damen für seine Zentrale. Sobald sich Leute meldeten, wurden sie tüchtig ausgebeutet, worauf dann der Gauner verduftete. Die Polizei hatte nun in Erfahrung gebracht, daß der angebliche Direktor, der 29 Jahre alte Kaufmann Karl Bartsch, am Sonnabendabend bei einem Rechtsanwalt Sch. am Hackeschen Markt zu tun hatte. Dort wurde er von einem bereit stehenden Beamten in Empfang genommen und abgeführt. Auflösung der Freien Volksbühne Charlottenburg. Die F. V. C. hat in ihrer Generalversammlung am 23. Juni die Auflösung be- schlössen. Der Verein hat sechs Jahre bestanden, hat sich aber in den letzten Jahren kaum noch vergrößert. Da nun auch die Bei- wäge infolge höherer Forderungen des Schiller-TheaterS, auf welche» der Verein ja angewiesen war. abermals hätten erhöht werden nmssen, haben Vorstand und Mitglieder eS für das beste gehalten. auf die Eonderexistenz zu verzichten, um sich dem großen Berliner Verein Freie Volksbühne anzuschließen, der die künstlerischen Be- strebungen der Arbeiterschaft Groß-BerlinS in einer seinem Alter und seiner Größe entsprechenden machtvollen und würdigen Weise pflegt und vertritt. Die Mitglieder der F. V. C., welche sich sogleich zum Uebertritt in die Berliner Volksbühne in den Zahl- stellen Will, Kirchstt. 39, und Schmidt. Wilmersdorfer Straße 139, melden, genießen die unter Arbeiterorganisationen in solchen Fällen übliche Vergünstigung, daß ihnen das Einschreibegeld erlassen wird. DaS Vermögen deS Vereins F. V. C. fällt laut einstimmigem Beschlutz der Generalversammlung dem Dispositionsfonds des Volks» Hauses zu. Die Liquidationskommission besteht auS Dr. Lindheimer, Will, Rob. Schmidt, Busse, Burezilowsky; als Revisoren der Kom- Mission wurden gewählt: Sasse, Frau Hopp. Arbeitslosigkeit und Krankheit haben den 64 Jahre alten Fabrik- arbeiter Wilhelm Hermann aus der Birkenstratze 66 in den Tod ge» trieben. Der Lebensmüde erhäiigte sich im Wohnzimmer an der Türklinke. Er hatte seine Angehörigen vor Ausführung der Ver« zweiflungStat fortgeschickt und als Frau H. einige Zeit darauf mit ihren Kindern wieder zurücklehrte, fand sie ihren Mann bereits als Leiche auf. In den Fahrstuhlschacht hinabgestürzt. Das Opfer eine» ver- hängnisvollen Unglücksfalles wurde am Sonnabendabend der 23 jahrige Fahrstuhlführer Max Richter aus der Gipsstt. 16. Richter hatre den auf dem Grundstück Bülowstr. 66 befindlichen Personen- auszug zu bedienen. Am Sonnabend wollte er im dritten Stock- werk das Tau deS Fahrstuhls emporziehen, als er sich zu weit vor- beugte und in die Tiefe stürzte. Der Bedauernswerte erlitt schwere innere Verletzungen sowie Armbrüche und wurde in recht bedenk- lichem Zustand nach der Charitö gebracht. Eine teure Bierreise. Ein peinliches Malheur hat einen Brenn- meister betroffen, der sich in Afrika ein Kapital von 23 999 Mark zusammengespart hatte. Er glaubte jetzt genug Geld zu besitzen, um sich in der Heimat selbständig zu machen. Gestern kehrte er nach Berlin zurück und trat, wie so man-ber. der Berlin zum erstenmal wieder sieht, eine Bierreise an. Schließlich geriet er in eine kleine Gastwirtschaft im Norden Berlins. Dort mag er mit seinem Gelde zu sehr geprahlt haben. Er erregte dadurch die Gier des Witte» und eines anderen Gastes. Beide tranken mit dem Afrikaner Brüder- schaft und machten ihn angeblich völlig betrunken. Als der Fremde eingeschlafen war, zogen sie ihm sein Portefeuille ans der Tasche und verschwanden. Der Afrikaner erwachte aber bald auS seinem Schlafe, entdeckte den Verlust de» Geldes und lief zur Polizei. Der Witt und ein Drogist konnten noch gestern abend verhaftet werden. Ein schwerer Straßenbahnunfall hat sich am Sonntag am Sene- feldcrplatz zugetragen. Dort versuchte eine etwa 69 jährige Dame, deren Personalien bisher noch nicht festgestellt werden konnten, vor einem herannahenden Straßenbahnwagen der Linie 47 das Gleis zu überschreiten, wurde jedoch von dem Bahnwagen umgestoßen und geriet mit den beiden Füßen unter den Schutzrahmen. Mit Hilfe von Slraßenpassanten wurde die Verunglückte befreit und in be- sinnungsloscnt Zustande nach der Unfallstation in der Gaudystraße gebracht, wo der Arzt eine klaffende Wunde am Hinterkopf, Gehirn« erschütterung, Quetschung der Beine und anschemend auch innere Verletzungen feststellte. Nach Anlegung von Notverbänden wurde die Frau nach dem Nudolf-Virchow-Kranlenhaus übergeführt. DaS Opfer einer Kartenlegerin ist die 24 Jahre alte Studentin der Musik Marie Sterba ans der Ncttelbeckstraße 6 geworden. DaS junge Mädchen, daS aus Böhmen stammt, weilte seit dreiviertel Jahren in Charlottenbnrg und nahm dort auf einem Konservatorium Unterricht im Cellospiel. Seit einem halben Jahre hatte es ein Ver- hältnis mit einem 39 Jahre alten Kaufmann. Dieser ist oft auf Reisen, versäumte aber bisher niemals, seiner Geliebten jeden Tag zu schreiben. Am vergangenen Montag verreiste er wieder. Jetzt blieben aber die Briefe auS. Die Studenttn glaubte nun, daß er sich von ihr ab- und einer anderen zugewandt habe. Voller Sorge und Eifersucht zugleich ging sie am Sonnabendnachmittag zu einer Kartenlegerin. um sich Gewißheit zu verschaffen. Ganz aufgeregt kehrte sie zurück und erzählte einer Nachbarin, ihre Vermutung habe sich bestätigt, auch die Kartenlegerin habe ihr gesagt, daß ihr Bräutigan, sie hinter- gehe. Die Nachbarin erwiderte, sie solle doch an so dummes Zeug nicht glauben, und gab sich alle Mühe, sie zu beruhigen. Alles war jedoch umsonst. Gestern morgen um 6 Uhr hörten Hausgenossen in der Wohnung, die da» Mädchen allein bewohnte, einen Schuß fallen. Man ließ durch einen Schlosser öffnen und fand die Studentin tot aus dem Bette liegen. Sie hatte sich eine Revolverkngel in die Brust geschossen. Irgendwelche Aufzeichnungen hat die Selbst- morderin nicht hinlerlaffen. Zu dem Brand in der Alten Jakotstraße werden wir gebeten mitzuteilen, daß daS Feuer nicht bei der Firma Stein aus« gekommen ist. Gportpark Treptow. Die Rennen am Sonntag, 26. Juni, hatten wie schon so manche vorhergehenden wieder unter der Ungunst des Wetters zu leiden, doch konnte diesmal das umfangreiche Programm erledigt werden. Die Zusammenstellung desselben war eine recht gute und abwechselungsvolle. Recht vielen Beifall fand das Zwei- stunden-Rennen ohne Schrittmacher, zu dem sich 28 Fahrer dem Starter stellten. Der Verlauf- wurde durch den einsetzenden Regen leider beeinträchtigt, so daß nur langsam gefahren werden konilte, doch erlitt der Fortgang keine Unterbrechung. Das starke Feld lichtete sich indessen sehr; beim Schluß der ersten Stunde, in der 68.040 Kilometer bewältigt wurden, waren noch 15 Mann im Rennen, von denen noch 6 ausschieden, so daß nur S Fahrer ans Ziel kanien. Theiß blieb mit 68,010 Kilometer Sieger vor Schmittchen, Trinks, Tschirpe und Beck, während Münzner in der Schlußrunde zu Fall kam.— Die beiden Dauerrennen über 25 und 40 Kilometer sahen Janke und Pawke siegreich vor Hoffmann und Erxleben, die keine sonderliche Rolle spielten. Im ersten Lauf hatte Hoffmann die Führung, wurde dann aber von Pawke und später von Janke abgelöst, welch letzterer glatt gewann. Der zweite Lauf war spannender. Bis zum 30. Kilometer lagen Pawke, Janke und Hoffmann nur eine halbe Runde auseinander, dann aber ließen beide nach und wurden mehrmals überrundet.— Ein Fliegerrennen hatte mehrere Vorläufe notwendig und so dehnte sich die ganze Veranstaltung bis nach 8 Uhr aus. Der Besuch war befriedigend. Die Ergebnisse sind: Hauptfahren, t. Thiem, 2. Freiberger, 3. Münzner, 4. Binzelberg. Zwei stunden- Rennen. 1. W. Theiß, 68,010 Kilometer; 2. Schmittchen, Va Länge; 3. TrinkS,'/, Länge; 4. Tschirpe; 5. Beck. 25 Kilometer- Rennen.' f. Janke, 23 Min. 03G/5 Sek.; 2. Pawke, 240 Meter; 3. Erxleben. 880 Meter; 4. Hoffmann. 40 Kilometer-Rennen. 1. Pawke. 38 Min. IS»/. Sek.; 2. Janke. 630 Meter; 8. Hoff« mann, 4120 Meter; 4. Erxleben. 1680 Meter zurück. Radrennen in Zehlcndorf, 26. Juni. Das erste große Rennen in dieser Saison mit einem sehr ansprechenden Programm konnte leider nur zum Teil beendet werden. Die Hauptnummer, das „Goldene Rad", ein Dauerrennen über 50 Kilometer, an dem Demke, A. Schulze und Heiny teilnahmen, mußte ein- setzenden Regens halber schon nach dem 7. Kilometer abgebrochen werden. Demke hatte die Führung vor Schulze und Heiny. Im „Preis vom Grunewald"(25 Kilometer) konnte Schulze den Sieg über Demke davontragen, da dieser Motorschaden erlitt, Heiny lvirtte nur als Statist und kam nie in Betracht.— Eine gute Besetzung hatten die Fliegerrennen gefunden; der gebotene Sport war ein guter. W. Arend, Messori, Schwabe und T e ch m e r standen sich gegenüber, der Endkampf verlief spannend. Arend und Messori konnten sich in die Ehre» des Tages teilen. Der Besuch war nur mäßig. Die Ergebnisse sind folgende: Eröffnungssahren, 2000 Meter: 1. M e s s o r i, 2. Techmer, 3. Müller. Haupt- fahren. 3000 Meter: 1. Schwab, 2. Müller, 3. Techmer. Prämienfahren, 3000 Meter: 1. Arend, 2. Techmer, 3. Freiwald. Malfahren, 2000 Meter: 1. A r e n d, 2. Müller, 3. Schwab. Preis vom Grunewald: 25 Kilometer: 1. A. S ch u l z e. 25 Minuten 50 Sekunden. 2. Demke, 1200 Meter. 3. Heiny, 1330 Meter. Goldenes Rad(bei 7 666 Meter ab- gebrochen): 1. Demke, 8 Minuten 16 Sekunden. 2. Schulze, 2b Meter. 3. Heiny, 290 Meter zurück. Ein Match, das M e s s o r i vor Techmer und Schwab gewann. Vorort-JVacbpicbten. Rixdorf. KSrner-Park. Für die Förderung der wirtschaftlichen Eni- Wickelung und von sanitärer Bedeutung ist eine Vorlage, die der ; Nagistrat der Stadtverordnetenversammlung zur Beschlußfassung unterbreitet hat. Bei den KonkurrenzauSschrcibungen über einen einheitlichen Bebauungsplan Groß-Berlins wurde schon die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, weitere von der Bebauung frei zu haltende Er- holungsstätten im Innern des Stadtgebietes zu schaffen. Gleich» zeitig wurde auf ein besonders für diesen Zweck wichtiges Gelände hingewiesen, das neben hügeliger Landschaft einen kleinen natür- lichcn See enthält. Es handelt sich um die Grundstücke des Kies- grubenbesitzers Körner, auf dessen Gelände schon wichtige Prä- historische Funde gemacht wurden. Körner ist bereit, den Haupttetl seine» westlich der verlängerten WaßmannSdorferstraße belegenen ParkS in einer Größe von etwa 350 Quadratruten der Stadt- gemeinde unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Weitere 480 Quadratruten, die als Bauland in Frage kommen, will die Stadt- gemeinde entgeltlich erwerben zum Preise von 420 M. pro Quadratrute, um die Möglichkeit zu haben, ein einheitliches würdiges, landschaftliches Bild zu schaffen. Ferner sollen noch einige andere Ge. lände hinzuerwotticn werden, so daß eine öffentliche Anlage in cincp Größe von etwa 5� Morgen geschaffen werden kann. Die Skizzen für die gärtnerischen Anlagen sowie der Bebauungsplan sind bereits fertiggestellt. Der jetzige Eigentümer hat allerdings den Wunsch, daß sein Park, in dem er seine Sommerwohnung aufzuschlagen pflegt, noch, so lange er lebt, möglichst unverändert erhalten bleibt. Das im Hause JonaSstraße 16 untergebrachte Museum, das die interessanten prähistorischen Funde enthält, dessen Eigentümer Körner ist, will derselbe der Stadt unentgeltlich überweisen. Bei der Anlegung des Parks soll aber die Sammlung in der am West- lichcn Abschluß des Parks anzulegenden Terrasse enie würdige Heim- stätte finden. Beim Baden von einer Herzlähmung befallen und ertrunken ist am Sonnabend abend m der Kortschen Badeanstalt der 14jährige Schüler Werner Grey, Sohn des Kaiser-Friedrich-Straße 178e wohnhaften Lehrers R. Grey. Der Schüler kam wie gewöhnlich auch am Sonnabend nach- mittag in die Badeanstalt, um seinen begonnenen Schwimmunter- richt fortzusetzen. Nachdem ihn der Bademeister von der Schwimm. leine entlassen hatte, gab der Knabe diesem seine Freude darüber zu erkennen, daß er nun schon gut schwimmen könne. Wie uns mitgeteilt wird, hatte nunmehr der Bademeister dem Knaben ge- raten, sich anzuziehen, welchem Ersuchen letzterer jedoch nicht nach. kam, sondern noch daS Schwimmbassin zu durchschwimmen ver- suchte. Plötzlich verschwand der Knabe im Wasser. Trotzdem man ihn sofort herausholte, war der Schüler bereits tot. Ein schnell herbeigerufener Arzt stellte fest, daß eine Herzlähmung den Tod herbeigeführt habe. Am Montag, den 4. Juli, abends von 7—0 Uhr, finden im Kassenlokal, Jdeal-Passage 12, die Ersatzwahlen für Arbeitgeber statt. Als Legitimation dient die letzte Beitragsquittung. Berliner Gewerkschaftskommission, Bezirk Rixdorf. Reuterdenkmal in Rixdorf. Fritz Reuter, dessen 100. Ge- burtstag am 7. November d. I. ist, soll auf Anregung des platt- deutschen Vereins„Korl Tiburtius" ein Denkmal errichtet be- kommen. Zu diesem Zweck hat sich ein Ausschuß gebildet. Die Form deS Monumentes ist noch offen, die Beschlußfassung soll später erfolgen, ob ein Brunnen mit dem Relief des Dichters oder dergleichen ausgeführt werden soll. Die nächste Stadtverordnetenversammlung findet am DonnerS» tag, den 30. Juni, nachmittags 5 Uhr im Rathaus« statt. Die Tagesordnung enthält u. a.: Vertrag mit den Charlottenburger Wasserwerken, Erwerb des Körnerparks und Feststellung des Be- bauungsplans, Errichtung einer Hypotheken- und Feucrversichc- runasanftalt, Projekt für den Bau eines städtischen Elektrizitäts» Werkes, Projett für den Bau eines RealschulgebäudcS am Boddin- platz, desgl. einer Mädchenmittelschule und Gemeindeschule apf dem Grundstück Donäustr. 120—127, Errichtung von Oberlehrerstellen, Errlchlussg neuer Schwesterstellen im städtischen Krankenhause. Kanalisierung des Stadtteiles östlich und südlich der Ringbahn „Radialsystcm Südost", Projekt für den Neubau einer Feuerwache nebst Straßenreinigungsanstalt in der Emserstraße. Wie de», Teilnehmern am naturwissenschaftlichen Kursus des Genossen Engelbert Graf über:„Die Geschichte unserer Erde" be- kannt sein dürfte, war im Anschluß an diesen Kursus eine Besichti- gung des Museums für Naturkunde am 6. März geplant, welche seinerzeit aber Umstände halber nicht stattfinden konnte. Um nun allen denjenigen Reflektanten, welche damals ihre Eintrittskarte dem Bildungsausschutz zurückgaben, um an dem MuseumSbcsuch teilzunehmen, Gelegenheit zu bieten, im nächsten Monat einer ähn- lichen Exkursion unter fachmännischer Leitung in der freien Natur mit beizuwohnen, werden die Interessenten ersucht, am Freitag, den 1. Juli, abends 8'A Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 40 (kleiner Saal), zu erscheinen, um hierüber eine Aussprache herbei- zuführen. Der Bildungsausschuß. Charlottenburg. Die Generalversammlung des WahlvcrcinS ehrte zunächst daS Andenken des verstorbenen Genossen Willi Hopp. Sodann gab der Vorsitzende, Genosse Zietsch, den Bericht des Vorstandes über das verflossene halbe Jahr. Danach wurden neben 2 Mitgliederver- sammlungen 4 öffentliche Versammlungen abgehalten. Die Mit- gliederzahl beträgt, nachdem wieder eine große Anzahl Restanten gestrichen worden ist, 2406, worunter sich 231 weibliche Mitglieder befinden. Aus dem Kassenbericht des Genossen Reinsch für das 2. Quartal ging hervor, daß die Einnahmen 2263,30 Mk., die Ausgaben 393,40 Mk. betrugen und daß nach Abführung von 1512,20 Mk. an den Kreis ein Bestand von 357,70 Mk. verblieb. Unter den Einnahmen befinden sich auch 110 Mk. für„BolkShauS"- Marken. Die Zahl der Benutzer der Bibliothek hat nach dem Bericht dez Genossen Gerlach in erfreulichem Maße zugenommen. — Nach der Aufnahme von 105 neuen Mitgliedern erklärte sich die Versammlung auf Antrag des Vorstandes damit einverstanden, daß gegen den Steinsetzer Robert Lehmann, den früheren Gruppen. führer, das Ausschlußverfahren eingeleitet wird. Es folgten nun- mehr die Neuwahlen; sie ergaben folgendes Resultat: Vorsitzende: Alfred Will und Louis Brunner, Kassierer: Franz Reinsch und Ernst Gchrke, Schriftführer: Paul Gerlach und Hermann Krüger (Gerlach bleibt gleichzeitig Bibliothekar), Beisitzer: Fritz Isfeld und Marie Liedtke, Revisoren: Isidor Nosenthal, Rechtsanwalt Rosenfeld, Paul Uckel, als Ersatzmann Gustav Kahlert, Gruppen- führer: 1. Otto Berg, 2. Herm. Bade, 8. Herm. Scheel und Artur Kupke, 4. Wilhelm Müller, 5. Fritz Stabenow, 6. Heinrich Schulz, 7. Hermann Kropf, 3. Richard Bock, Lokalkommission: Scharnberg. Dermitzel, Rogat, Materialverwalter: Franz Bunge. Zum Punkt „Vereinsangclegenheiten" nahm Genosse Gebert das Wort und schilderte in eingehender Weise die Verhältnisse des VolkshauscS. An seine Ausführungen, die mit großem Interesse entgegen. genommen wurden, knüpfte sich eine längere Diskussion, an der sich die Genossen Winkler, Hirsch und Kröcher beteiligten. Zum Schluß berichtete Genossin Liedtke noch kurz über die Tätigkeit der weib- lichen Mitglieder. Rcdnerin machte ganz besonders darauf auf- merksam. daß der Frauenleseabend jetzt ebenso wie in Berlin jeden letzten Montag im Montag stattfindet. Lichtenberg. Stadtvrrordnetensihung. In der am letzten Freitag abgehaltenen Sitzung machte der Vorsitzende zunächst Mitteilungen über die Unter- suchuilg im Falle des Schulausfluges, den Genosse S p i ek e r in a n n in der voraufgegangenen Sitzung zur Sprache gebracht hatte. Herr Rektor D u m k o bestritt die Nichtigkeit einiger dem Genossen Sviekermann von Teilnehmern des Ausfluges geschilderten Uebel- stände. Auf eine Reihe anderer Beschioerden war er nicht ein- gegangen. Der Stadtverordnete Rott war so kühn, bei dieser Gelegenheit von der Unzuverlässigkeit sozialdemokratischer Beschwerde- führer zu fabulieren. D»e Herren haben sich also anscheinend von dem grandiosen Hineinfall bei der Beanstandung der Wahl unseres Genossen Becker erholt. Zum Punkt 2 und 3 der Tagesordnung waren Wahlen vorzunehmen. Der 20. Bezirk erhält als Waisenrat den Herrn Lehrer Schliecke. der 6. Bezirk den Herrn Fechner als Bezirksvorsteher und der 8. Bezirk Herrn Hnß alö BezirkSvorsteher-Stellvertreter. Die in der vorigen Sitzung gewählten Herren Hintze und Schmidt hatten die Annahme der Wahlen verweigert. Sodann gestatteten sich die bürgerlichen Herren«inen terroristischen Akt, indem sie en dloc- Annahme eines OrtSstatuts sowie einer Geschäfts- und Schul- ordnuilg für die zu errichtende gewerbliche Fortbildungsschule be- schlössen. So entgingen sie einer Diskussion und Stellungnahme zu den von unseren Genossen für diese Angelegenheit bereits vorgelegten Anttägen. Bemerkt muß hierbei werden, daß die durch en bloc-Annahme genehmigten Ordnungen im Plenum überhaupt nicht beraten worden sind. Das nennen die Herren ge- wissenhafte Arbeit! Die Gründung einer neuen Mittelschullehrerstelle an der höheren Mädchenschule wurde dem Antrage des Magistrats gemäß beschlossen, ebenso dem Antrage auf Zustimmung zur Einlassung auf eine gegen die Stadt Lichtenberg von dem be« kannten Herrn Regierungsbaumeister Bernhard angestrengte Klage stattgegeben. Ferner erklärte die Versammlung sich einverstanden mit dem Abschluß eines Abkommens in Sachen des Elektrizitätswerkes. Die Siemens-Schuckert-Werke hatten sich unter der Bedingung der Uebertragung der Arbeiten für das neue Werk zur Abnahme von Strom usw. verpflichtet. Sodaun berichtete Genosse D ü w e l l über die Verhandlungen des Städtetages in Landsberg. Stadt- verordneter Schumacher nahm Veranlassung, mit dem Dank für die sehr objektive Berichterstattung den Wunsch auszusprechen, daß sie fruchtbare Anregung geben werde. Genosse S e i k e l wies auf Pöbeleien des Koch- Blattes gegen Genossen Düwell hin. Er warf die Frage auf, ob vielleicht ein Stadt- verordneter dahinter stecke. Stadtverordneten- Borsteher PlonS schloß sich den Ausführungen des Herrn Schumacher an. gab der Erwartung Ausdruck, daß dem Vorgehen des Stadtverordneten Düwell für die Folge die Delegierten der Stadt Lichtenberg folgen würden. Anzunehmen, daß ein Stadtverordneter hinter den AuS- führungen des erwähnten Blattes stehe, dazu läge kein Anlaß vor. Man habe«S hier lediglich mit der Berichterstattung des Herrn Düwell zu tun und die sei dankenswert sachlich gewesen. Auf den- selben Standpunkt stellte sich Herr Stadlverordneter Schumacber. Zu der wiederholt angedrohten„Abrechnung" mit dem Genossen Düwell war also bei den bürgerlichen Herren aucki nicht eine Spur Neigung vorhanden. Sie würde ihnen wahrscheinlich auch sehr un« angenehm aufgestoßen sein. In geheimer Sitzung wurde an Stelle des Genossen Brühl der Genosse Becker in die Kraftwagen- auShebungskommisfion delegiert. Eine Vorlage, betreffend Ver- Wertung des früheren Dottischen Geländes wurde einer Kommission zur Vorberatung überwiesen, der die Genossen Becker und Düwell angehören. Steglitz. Ein Liebesdrama, da? wahrscheinlich mit dem Tode eines 15 jährigen Mädchens enden wird, hat sich in der Nacht zum Sonntag in der Laube einer Gartenwirtschaft abgespielt. Der 20 Jahre alte Kraftdroschkenführer Max Richter aus der Mommsen- straße 52 stand kurz vor der Hochzeit mit einem 21 jährigen Dienstmädchen. AuS diesen Beziehungen ist bereits ein Knabe hervor» gegangen. Der junge Mann unterhielt jedoch außerdem noch Kn anderes Verhältnis mit einer 15 Jahre alten Kontoristin aus der Menzelsir. 27 zu Schöneberg. In der vergangenen Woche erfuhr die Mutter seines Kindes von dem neuen Verhältnis und benachrichtigte die Eltern des jungen Mädchens. Nun beschloß Richter mit dem Mädchen in den Tod zu gehen. Am Sonnabend fuhr er nicht mehr und das Mädchen ging auch nicht nach dem Geschäft. Um 10 Uhr abend» kamen sie nach der Gartenwirtschaft von F. in der Körner- straße, setzten sich allein in eine Laube und tranken zwei Glas Bier. Kurz vor 11 Uhr fielen zwei Schüsse. Gäste und Kellner eilten nach der Laube und fanden die jungen Leute, die zunächst noch nicht bekannt waren, blutüberströmt und besinnungslos daliegen. Beide hatten einen Schuß m der rechten Schläfe. Der Rebolber lag auf der Erde. Ein Arzt und Samariter der Steglitzer Feuerwehr leisteten die erste Hilfe und brachten die Schwerverletzten nach dem Kreiskrankenhause in Grotz- Lichterfelde. Dem jungen Manne ging es am Sonntagnachmittag etwas bester, der Zustand des Mädchens ist hoffnungslos. Lichtenbcrg-Friedrichsfelde. Bereinigung Jugendheim. Heute abend 8'/, Uhr. findet im Lokal der Gebr. Arnhold, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee S/6, eine Mitgliederversammlung der Bereinigung Jugendheim statt, in welcher Herr Heinrich Schulz über:.Jugendbildung und die Bedeutung der Jugendheime" sprechen wird. Friedrichshagen. Die Leiche einer unbekannten Frau wurde am Sonntag bei Hirsch- garten aus der Spree gelandet. Die Verstorbene ist etwa 40 Jahre alt, 1,65 Meter groß und ziemlich korpulent. Bekleidet ist sie mit schwarzem Rock, weißer Bluse, schwarzem Jackett, schwarzen Strümpfen und gleichfarbigen Schnürschuhen. Die Wäsche war mit dem Mono- oramm A. W. versehen. Da der Körper der Toten keinerlei äußaaz Verletzung aufwies, so wird angenommen, daß man eS mit einer Selbstmörderin zu tun hat. Diese Vermutung wird auch beMigt durch das Auffinden einer Bierflasche, in der sich ein Zettel ncn der Aufschrift befand:„Am Ende des Müggelsees mir selost das Leben genommen. Anna Schulz, Liebigstraße 38". Die Persönlichkeit der Lebensmüden tonnte jedoch bisher»och nicht festgestellt werden, da die polizeilichen Nachforschungen ergeben haben, daß eine Frau diese» Namen« in dem erwähnten Hause niemals gewohnt hat und dort auch nicht bekannt ist. Die Leiche, die mindesten» drei Tage im Wasser gelegen haben muß, wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Friedrichshagener Schauhause gebracht. Teltow. In der gut besuchten HalsjahrSgeneralversammlung deS Wahl» Vereins erstattete Genosse W. Bonow den Vorstandsbericht. AuS demselben ist zu entnehmen, daß sechs Mitgliederversammlungen. zwei Vorstandssitzungen und eine Volksversammlung stattgefunden haben. Der Mitgliederbestand ist um 14 gestiegen. Die Vorstands. wähl hatte folgendes Ergebnis: W.'Bonow, 1. Vorsitzender; F. Bielkc, stellvertretender Vorsitzender; G. Marx, 1. Kassierer; Karl Bieberstein, 1. Schriftführer. Sodann gab Genosse W. Bonow die Abrechnung von der Maifeier. Die Einnahme betrug 100,80 M., die Ausgabe 130,80 M.. mithin ist ein Defizit von 30 M. vor- Händen, welches von den Gewerkschaften aufgebracht wird. AIS Delegierte zur Verbandsgeneralversammlung wählte man die Ge- nassen Schade und Walter. Zossen. Dir internationalen Bestrebungen der Arbeiterschaft war da» Thema, über das der Reichstagsabgeordnete Genosse Eichhorn in der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins referierte. Hierauf wurde mitgeteilt, daß sich 13 Genossinnen und 5 Genossen zum Beitritt in den Wahlvcrein gemeldet habe». De» weiteren machte der Vorsitzende auf die bevorstehende Agitation gegen den Entwurf der Reichsversicherungsordnung aufmerksam. Zur Verbands« generalversammlung wurde Genosse S a u p e delegiert. Wandlitz. Die Fortsetzung der am 22. Mai infolge deS TuwultS der Patrioten polizeilich aufgelösten öffentlichen Versammlung fand am Sonntag statt. Der OrtSvorsteher Landwirt Karl Sommer hatte tagS zuvor einen Zettel herumtragen lassen, in dem er»alle patriotischen Vi änner von Wandlitz" bat, der Ver» sammlung feniblelben zu wollen,„da durch den sozial- demokratischen Abgeordneten nur gegen jeder Aut orit ät h e tz eri s ch e R e d en g efü hrt, welche jeder Beschreib»lng Hohn bietet. Also. deutsche patriotische Männer, bleibet fern dieser Ver« sammlung". Am Sonntag ließ er eine nochmalige„Auf» ruf" überschrieben? Mahnung bei den Dorfbelvohnern zirkulieren, in der er abermal«»alle patriotischen Männer von Wandlitz' bittet» der Versammlung fern zu bleiben. Die Begründung des Sonntags« aufrufs lautete:»Da eS sich nicht weiter ziemt, wo vaterlandslose und dergleichen Reden gehalten werden, von Männern besucht werden, die a n Patriotismus festhalten und den Umsturz zu ge- eigneter Zeit bereit sind entgegenzutreten." Außerdem war, damit nur kein.Patriot" in» Wanken gebracht werden möge, eine Ver» sammlung deS konservativen Vereins nach BaSdorf auf'/,5 an» beraumt. Die Vorsichtsmaßregeln des Dorfober st en halfen wenig. Gegen 300 Personen au» Wandlitz und Umgegend nahmen an der Versammlung teil. AuS den Privatgesprächen Einzelner entnahm man, daß die Bewohner über den versuch, sie von der Versammlung abzuschrecken. nicht erbaut waren. Redewendungen wie»Wir können den Mann doch hören; daS kann er uns nicht verbieten", wurden mehrfach laut. Zur Versammlung waren auch aus den übrigen Teilen Nieder« barnimS und auS Berlin eine große Anzahl Parteigenossen, darunter viele Radfahrer, geeilt. Sie ließen den Wandlitzern den Vortritt in den Saal, der mit etwa 600 Personen gedrängt besetzt war. Im Garten und in der Umgebung war etwa die doppelte Anzahl beisammen. Der Referent Stadthagen hielt sein Referat über „Junker, Reichstag und Volk", das mit brausendem Beifall auf» genommen wurde. Nach ihm richtete der Genosse Ostrowski noch einige zündende Worte an die Versammelten. Gegner meldeten sich nicht. Nach Schluß der Versammlung zogen wohl über 1000 Teilnehmer durch da» Dorf. Der imposante Zug und die Hochs auf die Sozialdemokratie wurden von den Bewohnern sympathisch entgegengenommen. Zum Eintritt in den Niederbarnimer sozialdemokratischen Berein erfolgten wiederum Meldungen. Mögen konservativ-antiseinitische Sprengungsversuche stet» von gleichem Er« folge begleitet sein. Spandau. Arbeiter-Samariterkolonne, Abt. Spandau. Am Mittwochabend 8'/, Uhr findet bei Bühle ein UebungSabend statt. Zentral-Kranke«' und lvegräbniSkaffe für grauen und Mädchen in Deutschland.—(T. H. 26, Ossenbach a. M.— Verwaltungsstelle Berlin l. Heute Dienstag, abend» 8>/, Uhr; Hauptversammlung im Gewerlschastshause, Saal 3, Engeluser 15. Vortrag der Zahnärztin Fräul. Gertrud Rewald über:»gähne und Zahnpflege'. Bmfbaftcn der Redahtton. wie snrtsmch, eDtcrtiftiinvc flitbct üinbtnftraye Vit.<10, dorn biet Trevveu— tzabtflubl—, biorticniägtlrti»on?»/, bis 0'/, Ndr abends, Sounadeiids don« dt«?>/, Ith» nachmittags ftatt. Jeder Slufrage if» e>» Buchftab« und«ine Jahl alt«iertzeichrn b«t»nfijg-n. Briefliche Slnewor, wird»ich» erteilt. Eilige Srageu«rag« man in der Lvrech» stunde bot, Heller. Zur Kündigung ist nur berechtigt,«er den MietSvertrag unter- zeichnet oder mit Einwilligung des Witts in den Bertrag eingetreten ist. — L. R. 42. Pfändung ist unzulässig.— 11». Stellen Sie bei der Staalsanwaltichast de» Landgericht» den Antrag aus Aussetzung der Strafe. Bei guter Führung in den letzten Jahren kann die Strase erlassen werden. B. B. 47. Immer erlaubt. Krappe. Die Steuer muß gezahlt werden. A. H. 1. Sie leben schon in Gütertrennung, da Ehe nach 1. Januar lg«) ge» schloffen. L. Sie erhalten Antwort. 3. Bei der Vteuerdeputattvn deS Magistrat«. W. BS. 1000. 1. Daß der Mietsvertrag aus 1 Jahr geschlossen ist. mnn der Vermieter beweisen. L. Setzen Sie dem Vennieter eine Frist zur Be- seitigung der einzeln aufzuführenden Mängel unter der Androhung, daß Sie nach fruchtlosem Fristablauf ausziehen werden. K. R. 40. 1. Hängt ganz von dem JnhaU der Karle ad. 2. Ein solcher Verein ist hier nicht belannt. — V. 1318. Nicht strafbarer Betrug. Vielleicht fchreide» Sie den Sach. verhalt der Redaktion des„Lübecker BolkSboten".—<£. B. 40. 41. 1. Wenn daS Geld vollzählig der Buchhalterin übergehen war, kann Ihr Hohn für den fehlenden Betrag nicht w Anspruch genommen werdem Er hastet nur, so lange er eS im Besitz hat. 2. 10 Jahre.— G. M. 2. Sie müssen die Rechnung oder«ine Abschrist zur Prüsung einsenden.— — G. KZ. 1 Auch eine nicht unterzeichnete Anzeige hat die Polizei zu beachten. 2. Die Kosten bestimmen sich nach dem Wert der Streitsache und der Art der Verhandlung.— P. K. 100. 1. In besonderen Fällen kann Vor-mundschastsgericht einen Minderjährigen vorzeitig für volljährig er- da» klären. 2. Rein.— I. S. 49. Nein.— V. j. K. 1909. Ein neuer- ding» eingetragener Verein kann auch wegen Forderungeil au» früherer Feit klagen.— P. H. 300. Durch die Auslösung des VcrlSbnijscs find Sie von dem Mietsverrrage nicht frei.— H. 108. 1. Wenn Sie aus (Srund des früheren Urteil» noch 13 M. schuldig sind, können Sie nichts tun.— Paul Pl. Die Steuer müssen Sic bezahlen. Unentbehrliche Gegenstände sind unpsändbar.— Tchirmacher. In der Regel 14 Tage. — R. B. 11-». 1. Ja, zwei Wochen vor dem Ersten. 2. Nein. 3. Klage beim Amtsgericht.— P. St. 1. Nein. 2. Sie müssen die Kosten beim Gericht festzusetzen beantragen und beitreiben.— Invalide. 1. und 2. Ja. 3. Wenden Sie sich an die Landesversicherungsanstalt.— W. K. 12 und F. F- 120. An das PoLzcipräsidium zu Berlin. Von dort erfahren Sie auch die Bedingungen.— A. 27. 1. Frau tAertrud Swienth. Schöneberg, Scdaustr. 57. 2. Darüber gibt die Zentralstelle für Auswanderer, Schellingstr. 4, —©. R. 47. 1. Rudolstadt. 2. u. 3. Ja. 4. Utigewitz.— S. SO. Ja. Auskunst.— C. 2. 714. Burea n des Vereins für Hausangesielltc, Michael- kirchplatz 1. rSitteruugSnberiich« vom 27. Jnni 1910, inorgcnS 8 Uhr. Station en Twinenrde Hamburg Berlin Franks. a M Rünche» Wien Wetterprognose kür DieuStag, den 28. Juni l9I0. Etwas wärmer, vielfach heiter bei masjigni südwestlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge.,- Berliner Netterbureau. I 9 4- beteutet Wuchs,— Fall. Uitlerpegel. WasserstandS-Nachrtchten her LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlin« Wetterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit V r c g c I. Jnsterburg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Krosien , Franksurl Warthe, Schriinm , Landsberg Rehe, Dordanim Elbe, LeiNneritz , Dresden , Barbv Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel. Svaudau9 , Rathenow 9 Spree, Svreinberg') , Beeskow Weser. Münden , Minden Rhein, DiarimiliaiiZai , Kaub . Köln Neckar, Heilbron» Main, Wcrtheim Mosel, Trier Thealer und Vergnügungen Dienstag, den LS. Juni. Ansang 7'/, Uhr. Reue» köuigl. Operu-Tbeater. Bajazzi. Der verlorene Sohn. Aniang 8 Ubr. Deutsche». Judith und Holoferne»- Kamm erspiele. Liebeswalzer. Lessiiig. Kasernenlust. Komische Oper. Der Regiments- papa. Nene» Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Rur ein Traum.(Ansang '1.9 Uhr.) Berliuer. Taisun. vi eu es. Renaissance� Neues Operetten. D« Graf von Luxemburg. Thalia. Charleh» Tante. Hebbel. Wen, gehört Helene 1 Koketterie.(Anfang 8'/, Uhr.) Schiller 4».«Wallner- Thealer.) Der Freischütz. EchiUer tkharlottenburg. Der Bibliothekar, Friedrich- Wtlhelmftädtisches. Sherlock Holme». Bolksoper. Der Herr Verteidiger, (Ansang S'j, Uhr.) Mose. Wach« und Schliebgesellschast. Luftspielhaus. Da» LeuwantS- mündel. Vketrovot. Halloh ll— Die grobe Revue. FolteS Eaprice. Paris« Ehen, DaS versöhnungssest.(Ansang «'/. Uhr) «p-llo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Rrtchsdallen. Stettiner Sänger. Walhalla. Evezialtläten. Wintergarten. Epeztalllälen. Karl Haverland. Spezwlltät« Prater. Im Reiche de» Mar». Urania. Tauvenstrahe»8/49. Abend» 8 Uhr: Von d« Zugspitze zum Watzmann. Sternwarte,(invakidenstr. 67— 62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr; Kasernenluft. Berliner Theater. Heut« 8 Uhr: TalflUl. Morgen: Talfan._ Heues Theater. Heute abend» 8 Uhr: Renaissance. Morgen und folgende Tage: Rvnalfisaiic«. Ricncs Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu et- mätzigt. Preisen: Die Doilarprlnzestln. Lustspielhaus. Abend» 9 Uhr: Das Leutnantsmündel Friedrich-WilheUdtiscIias Schauspielhaus. Heute, den 28. Juni, abend» 8 Uhr: Sherlock Holmes. Deteklivlomödie t, 4 Mt V.Ferd, Bonn, Mittwoch: Sherlvct Holmes. Donnerstag zum letztenmal: _ Sherlock HolmcS._ IOSE=THEATE| Grosie ginn tf»tritt Sir, 132. Waeh-u.Sehl!eBgeseIiscliaft SchwankittgAktcn von Mauz und Winter. Ans, 8 Ubr, End«'/,1t Uhr. Morgen dieselbe Vorstellung. Aus der Wartcnbühnc: Theater» Borftclluug. Spezialitäten. Gr. Kouzcrr.'Ansang 4'/, Uhr,_ Hetropol-Theater Hallo!!! Die grolSe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Mueik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vorn Dir. Rieh. Schnitz. Aniang 8 Uhr. Rauchen getuttat Kerliurr Prater-Thtater Kastanienailee 7—9. SMr Täglich:-CK 3m Reiche des fliars Spezialitäten, Konzert u. Ball. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Ps. Urania, Wißsenschaftliches Theater Taubenstr. 48/49. Heute Dienstag 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Letzte Tage! des sensationellen Zum- Progratmnes. Neues Programm! La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: „Abenteuer eines Toreros". De Dlo Phantasie-Tänzerin. Therese Deuz Schulreiterin and eine Kette henrorragender Kunstkrafto. Alt-Hoablt 47/40. Tägileh: Konzert, Theater, Spezialitäten. Folies Caprice Anfang 8'/. Uhr. parifer 6bcn. Der Htblet. Die heufebe Coinette. Das Verröbnungsfcrt Schweizer- narion*m Kfinigstor— ual ICH Am Friedrichshain. Täglich: Theater- und SpezialiL-Vorstellung JÄnubr:d frlnz Pinne. Gr. Äusstatt.-Opor. m. Ballett. Mittwoch: Kinderfest. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree 80 Pf. Volksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Beb in- u. Lellermannstratzc. Täglich: Konzert-. Theatsr- und Spezialitäten-Voretellung. Da» neue Riesenprogr. Zur Aussührung gelangt: H»koi»t nnck Hvi-trani. Posse mit Gesang u. Tanz in 4 Bild. Jed. Donnerst.: Gr. Brlllant-Fouerw. Reichshaiien-Theater. Stettiner Sänger Zum Schlutz: Künstler d. Landstraße. Uli. Burleske von Meysel. Anfang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Scliillcr- Schlller-Theatee 0.(Wallner-Theat.) CJottschcid-Oper. Dienstag, abends 3 Uhr: Hvi» Pi'elnoliiitz. Romantische Oper in 4 Auszügen von Karl Maria v. Weber. Dichtung von Fr. Kind. Ende 10'/. Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: DI« t'iir«tve-OI»r1»tf. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hvi» b'rvlsvbllt». TDeater. LchMer-Thvator(vhaeloNendurg). Dienstag, abends 8 Uhr: Her Hihllotbellar. Schwank in 4 Akten v. Gustav Moser. Ende 10», s Uhr. Mittwoch, abend« 8 Uhr: Hie Katakomben. Donnerstag, abend? 8 Uhr � Her Bibliothekar. Brauerei Friedrichshain =. Am KUnigstor.= Täglich; Große Mllitär=Konzerte. Jeden Dienstag nachmittags 3—6 Uhr; Frei= Vorstellung der beliebten Apol io-Säiiger. Achtnng! Diez9 nur Achtnng l Seeterrasse Siehtenberg BUderatralle 11/18. Zwischen Landsborger Allee und Rdderplatz. Größtes und schönstes Lokal Berlins. ..' Mi««glich:« 0b schön! oh Regen: ChI*. KOIlZ61*t* Austreten der besten Turutseilkünstler v« Weit tu» uepeits sowie der neuesten und grfiBten Sensationen der Gegenwart: Die Reise /"Snltiiiiiottnle B.lOIHttfr Höhe mit dem Fahrrad fn den See. 3 Eocks. die phänomonnlcn txentrlc-Cascadeure? Die fünf Sinne? Vorzüglicher automatischer Scherz.— Marge Harles!», brillanter Mustkal-Transsoi-matioiisakt.— Mll. Maxims, hervorragende BurleSque- Pantomime-Duett. Krlll.— U.eop<«!<> Ifo�ner. 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Paul Mattinett, Bauchredner. Emmy und August Ciever, das lleinste Duetiistenpaar der Welt. Ans. Wochent. 7'/» Sonnt. S Uhr. 2.üftUd!j: Großes Militär- Doppel-Konzert Gintritt 1 Mark. von abends 9 Uhr ab 89 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. m alhalla- (rarieferTHeater I Weinbergsweg 19-20. Rosenth.Tor. 1 Abends 8 Uhr: Hie Bcstlo Im Tlcnsohon. Trag. Pant. und die übrigen I Spezialitäten. 1 V olgt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 68. Heute Dienstag, abends>/,8 Uhr: T/obvnn txi'oKon Teich. Gr. Lebeusbild mit Ges. und Tanz In 4 Abteilungen von Adolf Phillipp. Das voll ständig neue Juni-Programm. MM- Erstklassige Spezialitäten-M> Kassenerössming 2 Uhr. Ans. t'/, Uhr. Osizvekbl Fstibiwcnstuw am Königstor, S9nntag, den 3. Juli: KONZERT DER „TYPOGRAPHIA". Mitwirkende; Neues Berliner TonkBnslIer-Orchcster. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Billetts in den mit Plakaten belegten Handlungen. TIWHilllMI Mup ganz kurze Zeit. Alt-Itoxhafccn. a la Zirkus Cnrtg.| Hagcnbccli. Ab Dienstag, den 28. Juni, abends S1/« Uhr: Täglich: Große Elite-Gala-Vorstellungen. MiTn0dh8oXa�nd8 2 Vorstellungen: Mar allererste KrUfto. Bracht Prosramm. Linie 76, 79, Hcchbahn-, Rlngbahn-Verliindung. 99 Pharus-Somraer-fheater'1 Besitzer: Max Ludwig. Art. Leitung: Max KeinharA UerUn N., SlUUorstr. 14». TUgllch: Im herrlichen Naturgarten Bei Regen im Theatorsaal! Konzert« Spezialitäten-Vorstellung 20 Künstler-Attraktionen. Stets wechselndes Familien-Programm. Außerdem jeden Freitag: Die beliebten ApoIlOsSänger» Anfang Sonntags 4 Uhr. Wochentags 6 Uhr. Passage-Panoptikum. m Prinz Atom der kleinste Menseh, der je gelebt. Buddhas Tafel weiß, kann, schreibt alloa! Alles ohne Extra-Entree I Eintritt 60, Kinder, Soldaten 26 Pf. Naj Kliems SomirlMr und Festjäte. Inh.: Rndolf Krüger. Hasonheide 13/t5, vis-i-via v.Turnpl. TUclich: Große Theater- n. Spezialitäten- forsteliung. Artist. Leitung; Walter Grlvonltz, Kapellmeister: Max Wollfheim. Jeden Donnerstag: HIItc-Tug;! Anfang: Wochent. 6 Uhr, Sonnt.'/,» Uhr. Mltnanns Theater Seh6nh. A. 148— Kastanion-A. 97/99. Ob schön I DSglich: Ob Regen I Theater. Konzert, Spezialitäten. Das Fest der KAndmrlm Komisches Gemälde a. d. Volksleben. Vorher und nachher: Die brillante» Spezialitäten! Ansang Sonntags>/,4 Uhr. , Wochentags>/,5, Mittwoch: Königin iLnlae. -Victoria-■ Brauerei, lützowit. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Hr. humoriat. Solrcc. (Gesangsoorlräge, Theater und Varietö-Vorstellnngen.) Sonntag«, Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränzohen. Ans.: Wochentag« 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle Bons gültig. Im Restaur.: MittagStisch 75 Ps. Gr. u. ll. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Saeger. Vereins-Sranerei Rlxdorf, Hermannstr. ZU/219. Oekonom: Max Wandt. MT Taglich:-MO Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. , Sonntag» 4 Uhr. l Passage-Thealer. g Abends 8 Uhr: Ha» große Jniii-Programm! Tartakoff #Tiie Kaytons Mika Mikun und 14 erstklassige Variete-Spezialitäten! : am See und Bahnhof Stralau-Rummclsburg. Täglich! K Spezialitäten � Theater, Konzert. Große Ausstellung fDrBaiiinilustrieu.Feinkeräitiil( Baumschulenweg bei Berlin. Stadtbahnstation, 26 Minuten vom Bahnhof Friodriohstraße. Täglich von 10— 8 Uhr geöffnet Eintritt 1 M., Sonntags 50 Pf. Der Clou der Ausstellung: Römische Villa mit Kaiserpalast. < Ausstellungshallen Kino am Zoo Nachm. 6 Uhr: Mit Sven Hedin durch Zentral-Asien. 0,20, 0,30, 0,50, 1 M. Abends 8 Uhr; Mit Sven HedlB durch Zentral-Asien. Snmnrun. 0,50, 1,—, 2,—, 3M. Für Abends: Vorverkauf bei Wortheim, Leipzigerstraße und süiutlxchea Vorverkaufs- filialen. * fwwwwwwwmvmwwvw**'*'*' Für den Inhalt i bi« ... der Inserate dbcruimwt bi« Rebaftton dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. HtMIßfim den 28. Juni, abends surmuuy,'m �/2 General- Uerfammlung. Nomag. Dr. Siidekum iiiirr:„Die geplante Billett- und Cultbarkeitsitcucr". Geschäfts- und Kassenbericht des Borstandes. Bericht der Revi- foren. Distussion.— Neuwahlen des Vorstandes, des Ausschusses, der Revisoren und der Obleute der Ordner jMT" Der gedruckte Geschäftsbericht wird in- der Generalversammlung vertem. Zutritt haben nur Mitglieder des Vereins gegen Vorzeigung ihrer Mltgliidskarle. 241/(3 Hct Umtausch Ä.ÄÄ'S,"'.SS A Hin 1»-vSUl 3 Zahlstellen."51 Ter Borstand. I. A,: G. Winkler. veiituvliluiick«. lievelxv«»'«!» Berlin n. Unisegcnd. Mittwoch, den 29, Juni, abends 8 Uhr, im GcwcrkschaftShause, Engelufer IS(Saal IV): AußtrmdcliUilljc Grutrul-Nkrsuiiiillliiiis. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung vom Verbandstag. 2. Dislussion. 3. Verbands« «tgelegenheiten. 30/S* Wk" Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Einlaß."WS um recht rege Beteiligung ersucht Der Zweigvcreinsvorstand. DreilVopfeii vv-V:• w■ mr' ''"V ".:v?f.i V K; V*>;• iiT' flQssige Metall-Politur machen das schmutzigste Metali spiegelblank in Flaschen von 10 VI, SO Pfennl£ Ueberall zu haben, Fabr.: Lubszynski& Co., Berlfn NO. 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Bernau, Biintgental, lilepernlek, tSehOnov und Sehttn. brück: Heinrich B r o s e, Hohesteinstr. 74, Part. Bohnsdorf und Talkenherg: Alois Lauf, Bohnsdorf, Ge- nossenschastshauS.ParadieS'. Oharinttenhnrg: Gustav Scharnberg, SesenHeimerstraß« 1, Ecke Goethestraße, Laden. I Bahnhosstr. 13. Kttnenlck: Emil W i ß I e r, Kietzerstr. 6, Laden. Mcntenherg, Friedrichsfelde, Wllhelmeberg: Otto S e i k ei, Kronprinzenstraße 4, I. Hahlsdorf und Kaulsdorf: Hugo Scheibe, Mahlsdors, Waiderseestr. 14. Slariendorf: August L etp, Cbausteeftr. 296. Hos. Marlenfelde; Emil W e t n ert, Dorsstr. 14. hleder-dichiinewelde: Max P r i e h k e, Britzerstr. 14 II. hoHvaves: Wilhelm I a p p e. Frtedrichstr. 7. Oher-wchitnewelde: August HenjeS, Lausenerftr, 2, I. Fankoe-Xledersehiinhansen: Otto R i ß m a n n, Mühlenstraße 30. Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und SchSnhoIs: P. Gursch, flamekestr. 12, L. Rlxdorf: M. Heinrich, Neckar straße 2, im Laden. Rninmelshurg, Boxhagen:A. Rosenlranz, Mt-Boxhagen 56. Schmargendorf: Gustav K a m i n S k h, Eunostraße 2. bchhneherg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherjtr. 51, im Laden. hpandau: Koppen, Jagowstr. 9. Tegel, Borsigwalde, Wittenau, Waldmannalust, Hcrmsdorf und Reinickendorf-West: Paul Kienast, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm B o n o w, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tempelhof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rob. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. WeiBensec: K. Fuhrmann,«edanstr, 105, parterre. W ilmersdorf» Baiensee: Paul Schubert, WihelmSaue 26, Hos parterre, Sämtliche Parlelliterawr sowie alle wissenschastlichen Werke werden geliefert. Annahme von Inseraten ftr den„Nvrwärts". Bitte ausschneiden. 245/1 Jti.&P. Uder, roßhandlang ui b-, Scbaapftabake, i sste Bezugsquelle h il gelagerter Zignr Zigaretten Berlin KO. 16, Sngcl-Clfer 5. Tabak-Kroßhandinng und Tabakfabrik. V Rauch-, Kan-, Schnupftabake, Zigarren, Zigaretten.-W> Vorteilhafteste Bezugsquelle für Wiederverkäufer. 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