Kr. 155. fllwnnementS'Bedlngangeii: Abonnements. Preis pränumerando i Liertcljährl. 8&J Mb, monatb 1,10 95«., tvöchentlich 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nunimcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn L Mark, für daS übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemart, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Siumänicn, Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. Crfdxlnt»ZzNch»«S« montsgt. Verltnev Volksblctkt. Die Tnlertions-GeWUr Helrägt für die sechSgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- niid VersanimlungS-Ai, zeigen SO Psg. „Aleine Sn-eig-n". daS erste ffett- gedrilckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- fiellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg.. jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nunlincr müssen bis ä Uhr nachmittags in der Expcdiiion abgegeben werden. Die Erpedition ijt bis 7 Uhr abends geösfuet. Telegramm-Adresse: „S«ilsli»t Bdllo". Zentralorgan der fozialdcmokrati fchen parte! Deutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68. Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Cngländer Aber Deutfcbland. Aus London wird uns geschrieben: � Die Geschichte wiederholt sich wie ein schlechter Redner. Seit Tacitus, der seinen entarteten Landsleuten unsere Vor- fahren als Musterjungen vorhielt, sind wir nicht wieder so platt geschmeichelt worden, wie heute von den Sendboten der englischen Tarifreformliga. Die englischen Schutzzöllner haben es eilig. Sie haben nicht die Zeit, den mühsamen Pfad der Sucher nach Wahrheit zu verfolgen. Eins, zwei, drei hüpfen sie durch Deutschland und finden alles wohl- bestellt im Mekka aller englischen Volksausbeuter und Reak- tionäre. Und um dem englischen Arbeiter, diesem ungläubigen Thomas, das deutsche Arbeiterparadies glaubwürdig er- scheinen zu lassen, haben sie etwa 500 englische Arbeiter in Partien und unter der Führung ihrer Agenten nach Deutschland geschickt, wo man ihnen diePotemkinschen Dörfer gezeigt hat. Die Berichte dieser 500 sind soeben von der Tarifreform' liga herausgegeben»oorden. Sie bilden einen stattlichen Band, den man für 75 Pf. erstehen kann. Wenn man ihn durchgesehen und sich von dem Lachen, den diese Hanswurstiade über Deutschland unwillkürlich hervorruft, erholt hat. muß man sich zuerst wundern, wie eine Organisation, und sei sie auch noch so reich, 300 000 Mk. für ein Machwerk hinaus werfen konnte, das ein oberflächlicher Kenner deutscher Ver Hältnisse an der Hand einiger offizieller Ziffern widerlegen könnte. Es soll nicht geleugnet werden, daß manche von den englischen Kritikern, die Deutschland bereist haben, einige treffende Bemerkungen machen, die aber keineswegs der Idee des Schutzzolls Vorschub leisten. Die große Masse dieser Pilger scheint sich jedoch mit dem Gedanken getragen zu haben, daß sie der Tarifreformliga für ihre Güte einen gefälligen Bericht schuldig seien. Man sollte es kaum glauben, aber folgendes ist die originelle Forschungsmethode, die eine Reihe der englischen Besucher anwendeten, um zu ermitteln, ob man in Deutsch- land wirklich soviel Pferdefleisch ißt, als wie in England be- iKuiptet wird. Ein Herr Allen schreibt:„Wir verlangten in einigen der Caf6s(!) Pferdefleisch und die Kellner waren beleidigt." Ein Herr Green schreibt:„Die Suche nach Pferde- fleisch, die wir in jeder Stadt mit unermüdlicher Energie betrieben, führte dazu, daß man mir in einem Cafe(!) in Düsseldorf androhte, mich hinauszuwerfen, nur weil ich mich erkundigte, ob Pferdefleisch da wäre. Derselbe Empfang wurde mir in verschiedenen anderen Cafes zuteil." Dieser Unschuldsengel! Eine ganze Reihe der Berichterstatter schrei- ben in ähnlicher Weise. Diese Untersuchungsmethode dürfte sich den deutschen Regierungskreisen empfehlen, die die Zu- nähme des Pferdefleischgenusses und die übrigen Folgen der Junkerpolitik zu bemänteln suchen. Die Lebensmittel sind in Deutschland billig, heißt es in den Berichten. Der erwähnte Herr Green konstatiert zum Beispiel, daß fünf Weißbrötchen 8 Pf. kosten. Wie dankbar würde ihm mancher deutsche Arbeiter für die Angabe seiner Bezugsquelle sein. Ein Herr Henshall schreibt: „Die Nehrungsmittel sind billig. Eine Schüssel Schweine- fleisch mit Brot und Bier kostete mich zum Beispiel 40 Pf. Für SS Pf. erhielt ich Rindfleisch, Kartoffeln, Brot. Bier und ein Törtchen als zweiten Gang. Im Interesse der Wahrheit sollte bem Briten, der den deutschen Arbeiter beleidigt, indem er sagt, dieser lebe von Pferdefleisch, mit dem Tomahawk der Schädel eingeschlagen werden." Das würde dem Streite allerdings ein wirksames Ende machen. Auch die Kleider sind nach den Berichten dieser englischen Forscher in Deutschland billig.„Die einzigen von mir ent- deckten Artikel." konstatiert ein Herr Hutson, die in Deutsch- land teurer als in England sind, waren die Krawatten." Daß es allen Leuten in diesem deutschen Vaterlande, wo Milch und Honig fließt, gut geht, ist, nach den vorhergehenedn Proben zu urteilen, wohl selbswerständlich. Die Partie, zu der ein Herr Catterall gehörte, machte eine Spazierfahrt durch die „ärmsten Viertel Berlins". Der enthusiastische Besucher berichtet: „Hier in der Tat konnte man Anschauungsunterricht treiben: imposante, gut eingerichtete Wohnungen, mit anscheinend zu- friedenen Einwohnern, keine Kinder ohne Schuhe, die auf den TrottoirS umherliefen, keine Erwachsenen mit abgetretenen Ab- sähen, die wie Micawber an den Straßenecken standen und war- teten, bis ihnen die gebratenen Tauben in den Mund flögen." Natürlich steht es mit den Löhnen der deutschen Arbeiter lang« nicht so schlimm, als wie es nach der trockenen und phantasielosen Statistik den Anschein hat. Wenn zum Bei- spiel ein deutscher Hauer im Waldenburgschen 3,51 M. pro Schicht verdient und der Minimallohn eines Hauers in Groß- britannien 6 M. ist, so hat das gar keine Bedeutung. Ein Herr Harris erklärt uns, daß es dem deutschen Arbeiter in Wirklichkeit viel besser geht wie seinem englischen Kollegen; denn nach diesem scharfsichtigen Beobachter hat der deutsche Arbeiter immer Arbeit und kennt das Problem der Arbeits- losigkeit gar nicht. Es lohnt sich wohl kaum der Mühe. auf diesen hahnebüchenen Unsinn einzugehen. Tacitus beschrieb die gewaltigen Körper der alten Ger- manen, die neusten Besucher schildern die deutschen Arbeiter als eine„gesund aussehende Schar, glücklich und zufrieden". Die Aufschneiderkrone gebührt aber einem Herrn Martin für folgende Beschreibung des idyllischen deutschen Landlebens: „Ueberall Sorgfalt und Sauberkeit; reine, weiße Häuser mit roten Dächern und grünen Laden auf grünen Wiesen und braunen gepflügten Feldern; große, ordentlich geschichtete Haufen von Fichtenscheite, die als Brennholz dienen, neben jeder Wohn- statte; leichten blauen Rauch von Holzkohlen- oder Holzfeuern, der von jedem Dache langsam emporsteigt; gut genährte Pferde- oder Ochsengespanne, die mit Muße in jedem Felde pflügen; Bauern mit frischem roten Gesicht, die von ihrer Arbeit auf- schauen, um den Eisenbahnzug vorbeifahren zu sehen und die sich gemächlich eine Zigarre anzünden." Wer möchte nicht nach diesem Deutschland auswandern? Es gibt aber auch unter der erdrückenden Menge der Berichte über Deutschland, die augenblicklich in England er- scheinen, etliche, die wohl des Studiums wert sind. So macht zum Beispiel ein Fräulein Esplin, die sich längere Zeit in Deutschland aufgehalten, um besonders die Wirtsckxiftsmethode der deutschen Arbeiterfrauen zu studieren, manche recht zu treffende Bemerkung. Leider bedarf der Satz, in dem sie den zwischen der Wirtschastsmethode der deutschen und der eng tischen Arbeiterfrau bestehenden Unterschied schildert, einige Erläuterungen. Kennern der englischen und der deutschen Verbältnisse wird aber die Wahrheit des Gesagten gleich in die Augen springen. In England ist der Farthing(etwas mehr wie 2 Pf.) die kleinste Münze. Der englische Arbeiter hat nun für den einzelnen Farthing meist keine Verwendung und auch die Arbeiterfrau beachtet ihn wenig. Fräulein Esplin schildert nun die große Rolle, die der deutsche Pfennig im Haushalte der deutschen Arbeiterfrau spielt, die an allen Ecken und Enden zu sparen hat, um bei den hohen deutschen Lebensmittelpreisen zurecht zu kommen. Sie schreibt: „Die Armut mag in Berlin mehr verborgen sein als in London, aber sie besieht dennoch. Deutschland ist für die Ar- beiterklasse das Land des Pfennigs. Ich kann keine Worte finden, die klarer den Kampf der deutschen Arbeiterklasse, Ein nahmen und Ausgaben wettzumachen, illustrieren." Zum Schluß sei noch ein englisches Urteil über die politischen Einrichtungen des preußischen Polizeistaats er wähnt. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die preußische Polizei seit ihrer weltberühmten Blamage beim Berliner Wahlrechtsspaziergang im Ausland als das komische Jnter mezza des deutschen Dramas empfunden ivird. Vor einigen Tagen schrieb die Fachzeitung der Schneidermsister„Tailor and Cutter", die stets bemüht ist, den Tagesereignissen ihre das Schneiderhandwerk interessierende Seite abzugewinnen, und die auch einen Berichterstatter nach Deutschland entsendet hatte, wie folgt: „Sicher, dem Deutschen stehen seine Kleider gut. Der Jackettanzug wurde allgemein getragen; dieser Anzug war aber ganz nach dem gewöhnlichen Muster zugeschnitten, das mit etwa 10 Jahren in der englischen Schneiderei als das alltägliche gilt.. Braun war die herrschende Farbe, was uns in Erstaunen setzte. da wir natürlich erwarteten, das Berliner Blau als die vor- herrschende Nuance anzutreffen." Ein Londoner Morgenblatt bemerkt hierzu:„Für einen Schneider, der ein Auge für das hat, was fachmännisch als „ckressiness" bezeichnet wird, muß es eine Enttäuschung ge- wesen sein. Wenn er nur seinen Besuch so eingerichtet hätte, daß dieser mit einer sozialistischen Demonstration in Berlin zusammengefallen wäre, so würde er zufrieden gestellt worden sein. Es gibt etwa eine Million Sozialisten dort, aber es sind dreimal so viel Polizisten in blauen Röcken bei Gelegen- heit aufzutreiben. Wenigstens erhält man diesen Eindruck." Der flllenstelner Skandal. Am 6. Juni begann die Schwurgerichtsverhandlung gegen die Frau Major v. Schönebeck, jetzige Frau Weber— gestern ist der Prozeß wegen Geisteskrankheit der Angeklagten eingestellt. Daß die Geisteskrankheit zum Ausbruch kam, erregt bei der Tortur, die die Art der langen Verhandlung der stark hysterischen, geistig minderwertigen, wohl schon vordem geisteskranken Frau auferlegte, nicht zu verwundern. Die Art der Verhandlung! Wir meinen damit nicht den entgegenkommenden Ton, den der Vorsitzende anschlug. Wünschenswert wäre, daß jeder Vorsitzende allen Angeklagten gegenüber sich des in Allenstein angewandten Grades von Höflichkeit befleißigte. Unter der Art der Verhandlung verstehen wir die lange Ausdehnung der Verhandlung durch Hiueinziehen von Dingen, die mit der zur Anklage gestellten Tat nichts zu tun haben, und die einseitige Leitung, die fast ausschließlich auf daS vermeintlich Be- lastende, nicht aber auf daS Entlastende hinwies. Was hatten mit der zur Anklage gestellten Tat die Aussagen der Hörensagenzeugen wie deS Journalisten Schweder und des Rechtsanwalts Schoene so- wie eines Haufens von Zeugen über den Leumund des Göbcn zu tun? Ein Gerichtsvorsitzender sollte sich ängstlich davor hüten, seine Ansicht über Schuld oder Unschuld zum Ausdruck zu bringen. Der Leiter der Allensteiner Verhandlung hat das nicht fertig gebracht. Seine Vorhaltungen aus den widerspruchsvollen, lügenhaften, feigen Aus- lassungen deS Mörders des Hauptmanns v. Gäben, bewegten sich durchweg nur nach der belastenden Richtung hin, nie nach der ent- lastenden. Ja, er verstieg sich gar zu der wie eine Anweisung an die Geschworenen klingenden Behauptung:„Es wird darauf ankommen, ob man Ihnen oder„der Stimme aus dem Grabe" Glauben schenkt. Der Vorsitzende ließ sich offensichtlich durch seine Neigung leiten, im Militär nur Vorzügliches, in dem Mörder v. Gäben möglichst viel menschlich EdleS zu entdecken. Der Charakter des Hauptmann? v. Göben hat ja durch Zeugenaussagen eine nichts weniger als schöne Färbung erhalten. Keine Spur von irgendeinem Idealismus. Keine Spur von einem Expedition: 8Äl. 68, �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Streben nach höheren Zielen. Der einzig sympathische Zug bei ihm war sein Streben, den durch die Natur stiefmütterlich bedachten Körper durch Energie zu größeren Leistungen auszubilden. Am 11. Juni schrieben wir, daß schon das wenige, was über Göbeus Aussagen, Briefe und Verhalten bekannt wurde, zeigt, daß etwas außerordentlich Schwankendes, Hinterhältiges, Feiges, Unaufrichtiges in seinem Charakter zu liegen schien. Diese Annahme ist durch die Beweisaufnahme voll bestätigt, in der Belügen auch der Vorgesetzten und leichtfertiges Anerbieten seines Ehrenwortes bekundet wurde. In den Burenkrieg zog er nicht aus Vaterlandsliebe oder aus Idealismus, sondern so wie eine Art Fleischergeselle, dem das Morden von Menschen Spaß macht, weil es ihn von dem Gedanken an seine Impotenz oder an andere unliebsame Erlebnisse befreit. Wenn wir am 11. Juni ferner schrieben:„Seine Auslassungen deuten darauf hin, daß die Sehnsucht nach Aufpeitschung und ein Drang nach Betätigung seiner Männlichkeit miteinander kämpften", so hat dies Urteil durch die Beweisaufnahme Bestätigung auch nach der Richtung der sexuellen Triebe des v. Göben gefunden. Und die Auslassungen eines solchen Mannes, abgegeben in einem Durch- einander von Wut über den„Betrug" durch die Angeklagte, von Scham, von Wut gegen sich selbst und von Feigheit vor den Folgen seiner Mordtat wird Unterlage einer hoch- notpeinlichen Anklage! Die Voreingenommenheit deS Vor- sitzenden zeigte sich durch die liebevollste Behandlung alles dessen, was Göben getan hat, aber auch bei der Befragung der Sach- verständigen ihnen gegenüber mußte er wiederholt Irrtümer ein« räumen. Erklärlich wird die unbewußte Befangenheit des Vor- sitzenden durch seine Hochschätzung des Mtlitärschen. Das Militär ist ihm Tabu. Und nicht nur ihm. sondern den meisten Zeugen. Der Schmutz, den die Göbensche Mordtat aufgewirbelt hat, soll möglichst verhüllt werden. Das ist die leitende Triebfeder für die ganze Behandlung des Prozesses von dem Eingreifen des Kriminalkommissar Wannowski an bis zur letzten Stunde der Verhandlung. Der Skandal darf nicht, meint der Kriminalkommissar,„von ausländischen und sozialdcmo- kratischen Blättern ausgebeutet werden". Naives Gemüt. Die Allensteiner Affäre hat den Skandal der Garnison Allenstein als den typischen einer kleinen Garnisonstadt längst bloßgelegt. Wenn der Prozeß dem etwas zugefügt hat, ist eS eine Offenbarung, nämlich die, daß eS Militärs und andere gibt, die alle Schuld für die Verpflanzung des Wortes„Unter Kameraden ist das ja ganz egal" bis ins Ehebett des MajorS auf die Frau schieben wollten. Die Aussage des Divisionspfarrers Merensky und auch die Erklärung des Hauptmanns Dentelmoser mußte in der Tat Staunen erregen. Ob die Angeklagte schuldig oder unschuldig, ist nebensächlich gegenüber der Aufdeckung der sozialen Verhältnisse und Fäulnis in den„besseren Ständen". Ein Beweis für eine Schuld der Angeklagten hat der Prozeß unseres Erachtens nicht erbracht. ES spricht alles für ihre strafrechtliche Unschuld. Sie hatte nicht das geringste Motiv, den Ehemann zu beseitigen, den die Ehe in seinem Jagdvergnügen störte und der beide Augen vor allen sexuellen Extra- vaganzen seiner Frau verschloß. Der Angeklagten war die Affäre mit Göben nur eine vorübergehende Episode in ihrem vielseitigen Sexualleben. Ihre Verurteilung wäre nichts anderes als Justizmord gewesen. Mitleid kann man mit der BedanernSwerten haben, die in frühester Jugend durch ihren Religionslehrer Napp sinnlich erregt wird, ohne Vertrauen zur Stiefmutter oder zum Vater aufwächst und ohne Erziehung für etwas anderes als Tgnd einen älteren Mann heiratet und dann von einer Hand zur andern wandert. Weniger ihr als den Offizieren, die die sexuellen Neigungen der Unreifgebliebenen, in der Allgemeinbildung nicht über das Maß der Kenntnis miliärischer Verhältnisse vorgeschrittenen Hysterischen ausnutzten, fällt auch zur Last, was fie auf sexuellem Gebiet erlebt und erlitten hat. Es liegt uns fern als Sittenrichter über das Privatleben aufzutreten. Aber über das Privatleben hinaus geht die Ausnutzung der Sexualtriebe einer der Fürsorge Be« dürftigen durch die Kameraden ihres Mannes. Dieselben Kreise, die sich als Schützer der„Sitte und Moral", der„Heiligkeit des Fa- milienlebens" aufspielen, betätigen im Allensteiner Fall Ehebruch, die Kameraden ihres Mannes. Dieselben Kreise, die sich als Schützer der„Sitte und Moral" der„Heiligkeit des Familien- lebenS" aufspielen, betätigen im Allensteiner Prozeß öhebruch. Hintergehung des Kameraden. Wild schreit der zur Rede ge- stellte Göben auf, er werde jeden vor die Pistole fordern, der ihm ein Verhältnis zu Frau Major nachsagt— das beruhigt seinen Vorgesetzten und seine Kameraden. Die Spatzen pfeifen von den Dächern, daß das hinauswehende Taschentuch am Schlaffenster der Frau Major zum Sexualdienst aufforderte. Aber nur nicht reden« damit der Skandal nicht noch größer werde! Der Prozeß hat gezeigt, wie ein Prozeß nicht geführt werden darf. Der Ausschluß der Oeffentlichkeit war durchaus unberechtigt. Er entsprang der Furcht, die deutlich im ganzen Verfahren zu Tage trat: die Sitten, die in einer kleinen Garnison die„besseren Kreise" beherrschen, vor der Allgemeinheit zu verhüllen. Und doch kann Besserung deS zum Himmel stinkenden heuchlerischen Gebarens nur durch volle rückhaltose Aufdeckung und durch Beseitigung der Abschließung der sich überhebenden Kaste eintreten. Stände eS mit den Sitten in den arbeitenden Kreisen des preußischen und deutschen Volkes so schlimm wie es nach den Enthüllungen des Allensteiner Skandals in Offizierskreisen steht, dann müßte man von einer Sittenfäulnis Preußens und Deutschlands, sprechen. Die arbeitende Bevölkerung wird aber vor dieser Fäulnis durch ihr Streben nach voller Anteilnahme an den Kulturgütern und nach höherer Kultur bewahrt. Die völlige Auslösung dieses Strcbens in den Allensteiner, durch den Prozeß beleuchteten Offizierskreisen iß das Chargkterißische de» Allenjtein« Skandal»., £ine Hinrichtung aus Siaatsräion. Paris, 1. Juli.(Eig. Ber.) Herr Fallisres hat einige Jahre als grundsätzlicher Gegner der Todesstrafe Lobsprüche und demagogische Schimpfreden eingeheimst, bis er dann plötzlich, unter dem Ministerium C l e m e n c e a u, der ehedem selbst in glänzenden Witzeln das Recht der Gesellschaft über Leben und Tod verneint hatte, eines Tages der häßlichen Angriffe müde ward und den Widerstand einstellte. Der blut- gierige Pöbel jauchzte, die Herrschenden wuschen ihre Hände in Unschuld, die Justitia in Blut. Es wird jetzt fleißig guillotiniert. Auch Liabeuf ist nicht begnadigt worden. Heute, in der Stunde des Sonnenaufgangs, haben sie ihn zum letzten Gang geholt. Er hat ihn aufrechten Schrittes, in merl- würdiger Gefaßtheit getan. Nicht wie ein reuiger Sünder, nicht wie ein verstockter. Er wollte keinen pfäffischen Zu» spruch, keine alkoholische Betäubung. Nach wie vor dachte er nur au eines: an die Ungerechtigkeit des Urteils, das ihn zum Mord getrieben hat:„Ich bin kein Zuhälter und wenn ihr mich auch tötet, ich bins nicht l" Dies ist der Gedanke, der immer wiederkehrt— in einem, mit festen Zügen niedergeschriebenen Abschied von seiner Mutter, in seinem Dankbrief an den Verteidiger, in einem-, vom Hochge- richt mit weitschallender Stimme hinausgeschrienen Protest, den das sausende Fallbeil abschnitt. Wer hat den Mut, diesen niit der starren Gleichmütigkeit eines Monomanen, in fast feierlicher Ruhe, ohne jede erzwungene Großartigkeit der Guillotine entgegengehenden Unglücklichen eines zwecklosen Komödienspiels zu bezichtigen? Und wiederum— wer es nicht über sich bringt, diesen Verdacht festzuhalten, vermöchte ohne Schaudern daran zu denken, daß einem Menschen der Kopf abgeschlagen worden ist, der nur darum zum Mörder ward, weil ihn ein un- gerechtes Urteil getroffen hat! Was soll es bedeuten, wenn heute zur Rechtfertigung der Exekution darauf hingewiesen wird, ein Dieb sei Liabeuf ja jedenfalls gewesen? Handelt es sich doch nur um Klarheit darüber, ob die Gesellschaft ihr angemaßtes Recht, zu töten, in diesem Fall nicht nur darum ausüben konnte, weil sie den Verbrecher in die Lage gebracht hatte, seine wilden Instinkte in der Rache für ein Unrecht zu entfesseln. Oder handelt es sich— um etwas anderes? Herr Falliöres hat sein Begnadigungsrecht nicht aus- geübt. Der Präsident ist zweifellos ein gutmütiger, gar nicht blutgieriger Mann, der auch sicher darauf hält, seinen Schlaf nicht durch Gcwissensbelastung zu gefährden. Und dennoch hat er den Zweifeln nicht Gehör gegeben, die die wachsende Bewegung zugunsten der Begnadigung zu wecken wohl die Kraft hatte. Zeitungen aller Richtungen haben für sie ge- sprochen, Volksversammlungen, Massenpetitionen unbekannter und Eingaben bekannter Bürger sie gefordert— der Präsident blieb unerbittlich. Haben hier nicht andere Einflüsse gewaltet? Herr Lspine hat die Nachricht dementiert, daß er die Begnadigung mit seiner Demission beantworten wolle, aber was Wunder, daß sich die öffentliche Meinung nicht davon abbringen lassen will, Liabeufs Hin- richtung sei eine Genugtuung für die Polizei ge- Wesen, vielleicht eine Rechtfertigung der durch wiederholte Skandalaffären kompromittierten Sittenpolizei, oder zugleich auch eine Demonstration der unbeugsamen Strenge, womit der bürgerliche Staat Angriffe auf seine Wächter zu bestrafen entschlossen sei. Also ein Epilog zur Attacke an der Porte de Flandre? Während der entsetzliche Apparat der„Gerechtigkeit" seinen Dienst tat, schlugen Polizisten und berittene Garden von neuem auf Demonstranten los. Auf revolutionäre Arbeiter. die gegen die Todesstrafe und gegen einen lebenvernichtenden Justizirrtum protestierten. Wie unniodern doch diese Proletarier sind, die noch immer für Gerechtigkeit und Menschlichkeit ins Zeug gehen, als gälte es, einen reichen jüdischen Hauptmann von der Tcufelsinsel zu retten. Das Fehlurteil eines Ge- richts. das Leben des Schustergesellen Liabeuf— können sich die Leute, die heute in der Republik die Macht haben, mit solchen Bagatellen abgeben? Wie sind sie doch fort- geschritten, während die langweiligen Prediger vom Schlage der Anatole France noch immer bei ihren Moral- und Kultur- idealen halten und durch ihre verräterische Unverrückbarkeit die armen Teufel noch auf den Gedanken bringen könnten, der Dreyfushandel, der ihre einstigen Freunde so hinaufgebracht hat, sei in seinem Menschlichkeits- und Gercchtigkeitspathos der niederträchtigste Humbug des Jahrhunderts gewesen. « Gegen die Todesstrafe. Paris, 2. Juli. Der Abgeordnete Dejeante hat namens der geeinigten Soziali st en in der Kammer einen Gesetzentwurf eingebracht betreffend die Abschaffung der Todesstrafe sowohl bei Zidil- als auch bei Militär- und Seegerichten in Friedens- zelten. Der Abgeordnete Meunier hat ebenfalls einen Gesetz- entwurf eingebracht, dahingehend, die Sittenpolizei abzu- schaffen und eine gründliche Reform des gesamten französischen Sittenregimes vorzunehmen. Oolitilcke Qebcrftcht. Berlin, den 2. Juli 1910. Der Wahlrechtsfcind. Der„Berl. Morgenp." wird von politisch angeblich gut informieter Seite über die Pläne Bethmann Hollwegs geschrieben: „Bethmann Hollweg weiß ganz genau, was er will, nämlich an der Macht bleiben. Und dieses Machtgefühl wird ihn dazu veranlassen, mit jeder Mehrheit zu regieren, die er bekommen kann. DaS Reich wird in ganz kurzer Zeit wieder einmal Geld brauchen. Direkte Reichssteuern sind nicht zu bekommen. Ja, eS verlautet sogar, datz insbesondere der preußische EisenbahnftskuS und seine Hintermänner sich gegen die Einführung der Wert- zuwachs st euer sträuben. Es bleibt also als letztes Mittel nur irgend eine Erhöhung der indirekten Steuern. Da wird der schwarzblaue Block ohne weiteres bewilligen, weil solche Steuern ja durchaus auf den gewohnten Wegen der konser- tiven Politik und der ZentruniSpolitik liegen. Die neue Steuer- forderung wird um so beträchtlicher sei», als Herr v. Bethmann t ollweg auch eine neue Militärvorlage einbringen wird. ller Wahrscheinlichkeit nach dürfte von Bethmann Hollweg die Ausgaben für die Marine etwas zurückschrauben s??). Dahin- gegen wird der neue Kriegsminister Forderungen für das Land- Heer ausstellen, die bei weitem das überschreiten, was von Einem zu fordern vorhatte. Um den ungünstigen Eindruck der Militärvorlage zu der- wischen, wird Herr v. Bethmann Hollweg alles daran setzen, daS preußische Wahlrecht zu ändern. Der Antrag S ch o r- l e m e r- L i e s e r, der die mittlere Linie zwischen den Forde- rungen der Nationalliberalen und den Forderungen der Konser- vativen hält, dürste die Grundlage sein, mit der der neue preußische WahlrechtSentwurf sich aufbaut. Die Konservativen werden dem Reichskanzler aber unter der Bedingung Gefolgschaft leisten, daß er alle Anstrengungen macht, um das ReichStagSwahlrecht dem so modifizierten Landtagswahlrccht anzupassen." Was hier Herrn v. Bethmann nachgesagt wird, ist im wesentlichen das Programm der freikonscrvativen Partei, der Herr v. Bethmann ja einmal selbst angehört hat. Daß der preußische Ministerpräsident ein Feind des Reichstagswahl- rechts ist und den Wunsch hat, es zu beseitigen, daran ist kein Zweifel. Ebensowenig, daß der Haß gegen das Reichstags- Wahlrecht bei Konservativen, Freikonservativcn und vielen Nationalliberalen immer stärker wächst, einen je besseren Ge- brauch die Arbeiter von ihrem wichtigsten politischen Recht machen. Zugeständnisse auf dem Gebiet des preußischen Wahlrechts durch Verschlechterungen des Reichstagswahlrechts wettzumachen, ist zudem eine alte Lieblingsidee des Herrn von Zedlitz. Aber von solchen Wünschen bis zur Tat ist noch ein weiter Weg und dieser Weg wird von deutschen Ärbeiterbataillonen bis aufs äußerste verteidigt werden. Die beste Verteidigung aber ist in diesem Fall der Angriff auf das infame Dreiklassenwahlrecht Preußens. Die Herren täuschen sich wirklich. Kein Schritt vorwärts in Preußen wird durch einen Schritt rück- wärts wettgemacht Iverden; aber jeder Erfolg in Preußen ist zugleich eine Vernichtung der Hoff- nungen der Wahlrechtsfeinde im Reiche. Zu Kreuze gekrochen. Den Nattonalliberalen graut vor der Wahlniederlage in Friedberg-Bü dingen noch mehr als selbst den Bündlern. Sie haben eine Heidenangst davor, daß ihre Anhänger es zum Teil wenigstens mit dem Kampf gegen die schwarz- blaue Reaktton ernst meinen könnten und sich nicht mehr selbst lächerlich machen wollen, indem sie im entscheidenden Moment den Schwarzblaucn wieder heraushauen. Nach dem Abge- ordneten Weber verdammt jetzt der Reichstagsbgeordnete u h r m a n n in der„ N a t.- Z t g." jede Wahlhilfefür die ozialdemokratie als schlimmstes Verbrechen. Er schreibt: „Die nationalliberale Partei wird bei aller Gegnerschaft gegen die Rechte und gegen die politische Führung des Bundes der Landwirte, gerade weil sie gegen diese jetzt in aufgezwungener Kampfesstellung steht, doch nicht vergessen dürfen, daß der schärfste Gegner nicht nur der Rechten, sondern namentlich auch des Liberalismus links steht: die Sozialdemo- kratie, und daß dieser Gegner über die heutigen Tages- kämpfe hinaus, die ihre Erledigung finden müssen, der gemeinsame Gegner aller bürgerlichen Parteien und Todfeind der bürgerlichen Gesell- s ch a f t bleibt, dessen endgültiger Sieg nach einheitlicher lieber- zeugung der Rechten wie der Linken das Ende unserer Kultur zu bedeuten haben würde. Wozu nur zu bemerken, daß Herr Fuhrm ann auf dem— mit Respekt zusagen— linken Flügel seiner Partei steht. Im übrigen haben wir wirklich nichts dagegen, wenn sich die Nattonalliberalen mit solchem Eifer als die Zu- treibcr des konservativ-klerikalen Blocks entlarven. Der Fortschritt in Usedom-WoMn. Wir lesen im„Freien Volk", dem Organ der Demokraten: Herr Justizrat Herrendörfer, der unterlegene frei- sinnige Kandidat in Usedom-Wollin, hatte sich durch die gegen ihn gerichteten Angriffe veranlaßt gesehen, sein Amt als Vorsitzender des Liberalen Wahlvereins im Wahlkreise niederzulegen. Am 27. Juni aber ist er von der Generalversammlung des Vereins mit allen gegen eine Stimme wieder zum Vorsitzenden gewählt worden. Blättermeldungen zufolge gestaltete sich die Versammlung zu einer „großen Veriraueiiskuiidgebuiig" für Herrendörfer. Man sieht: die Fortschrittler im Wahlkreise teilen durchaus die geringe Neigung ihres Führers, ernsthaft Front gegen rechts zu machen. DaS gleiche bewiesen ja auch schon die Stichwahl- resultate._ Zur Nachwahl in Zschopau-Marienberg. Die Fortschrittler und Nationalliberalen des Wahlkreises haben sich in einer Sitzung, die am t. Juli in Anna- berg stattfand, auf den fortschrittlichen Landtagsabgeordneten Roch- Annaberg als gemeinsamen Kandidaten geeinigt. Die Abniachung soll auch für die allgemeinen Wahlen im Jahre 1911 gelten. Als Entgelt für die Unterstützung des Fort- ichritts in Zschopau-Marienberg sollen die Nationalliberalen 1911 die freisinnigen Stinunen im Wohlkreis Annaberg- Schwarzenberg erhalten. Dort soll der jetzige national- liberale Abgeordnete Dr. Stresemann der gemeinsame liberale Kandidat sein. Kandidieren mögen die liberalen Herren— das Gewähltwerden wird ihnen schwieriger fallen. Denn unsere erzgebirgischen Genossen werden alles daran setzen, die beiden Wahlkreise, deren Mandate von 1903 bis 1907 im Besitz der Sozialdemokratie waren, wieder zu erobern._ Die reich sländische Sozialdemokratie zur Berfassungs- und Wahlrechtsfrage. Zu einer am Freitagabend nach Fabrikschluß auf 6l/2 Uhr in die neue, noch leerstehende städtische Markthalle in Mülhausen i. Elf. einberufene Protestversammlung gegen die Haltung des Zentrums und der Lothringer beim sogenannten Verfassungsdiner vom 13. Juni, in welcher von dem Referenten Reichstagsabgeordneten Emme! auch die zweideutige Haltung der Liberalen zum Plural- Wahlrecht und zur Forderung nach Einsetzung einer Erstzn Kammer der schärfsten Kritik unterzogen wurde, fanden sich trotz strömenden Regen? über 2000 Personen ein. Die Versammlung nahm einstimmig die folgende Resolution an: Die Versammlung vrotestiert gegen die beim Delbrückdiner vorgetragenen, die Forderungen des Volke? fälschenden Darftellungen der dem Landesausschutz enwommenen sogenannten Volksvertreter; sie protestiert gegen die von nationalliberaler Seite der- suchte Propagierung eines plutokrattschcn Pluralwahlrechts und den Versuch, die geplante Volksvertretung unter die Vor- mundschaft einer reaktionären Ersten Kammer zu stellen: sie protestiert gegen alle VerschleppungSversuckie in der Ver- fassungSfrage und fordert die volle Autonomie des Reichslandes, eine republikanische StaatSform und daS allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht unter Anwendung des ProporzeS für die Volksvertretung; sie weist die vorherige Anhörung des L ä n d e S a u S s ch u sses, dieser auf Grund eines Scheinwahlrechts zustande gekommenen Mißgeburt einer Volksvertretung als unberechtigt zurück und spricht die Erwartung aus, daß die auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts zustande gekommene Volksvertretung des Deutschen Reiches die Forderungen des elfaß-lothnngifchen Volles verwirklichen hilft. Weitere Protestversammlungen, die wie diese zu den Ergebnissen der Schlußsitzung des LandeSmiSschnsseS vom vergangenen Mittwoch Stellung nehmen sollen, sind für nächste Woche von unseren Partei- genossen in Straßburg und Colmar einberufen Wörde«. Die Konservativen gegen die Nationalliberale«. Die Konservativen gehen jetzt mit der Gründung von konser- vativen Bereinen im rheinisch-weftfälischen Jndustrierevier vor. Dieser Tage trat ein konservativer Bezirksverein in Duisburg in» Leben. Zur badischen Ministerkrise wird uns aus Baden geschrieben: Die Stellung des Eisenbahnministers v. Marschall war immer eine prekäre. Im gegenivärtigen Landtage erfuhr der Herr eine Behandlung, die alles Bisherige übertrifft. Unter dem Miß- trauenSvotum, das dem Minister des Verkehrs wegen seines wort- brüchigen Verhaltens in der Tarifneuerung ausgestellt wurde, brach Herr v. Marschall indes nicht zusammen. Eine Woche vor seiner letzten entscheidenden Niederlage erfocht er sogar noch einen großen Sieg über die Sozialdemokratie. Das kam so: Die badische Negierung will die 4. Wagenklaffe einführen, um dem„besseren" Teile des reisenden Publikums die 2. resp. 3. Klasse zu reservieren. Es sind bereits, obschon die Zweite Kammer wieder- holt die Einführung der 4. Klasse able Hille, solche neue Wagen als 3. Klasse zweiter Güte in Gebrauch. Ueber die Marter während einer längeren Fahrt in diesen Vehikeln ist auch im Parlament viel geklagt worden. Die Regierung sträubt sicb andererseits gegen das Verlangen, die 1. Wagenklasse abzuschaffen. Dagegen war sie sofort bereit, dem großherzoglichen Hof und seiner Begleitung das Reisen auf der Staatsbahn noch exzellenter zu gestalten. Dem Hof stehen zurzeit zwei eigene Salonwagen zur Verfügung, in denen der vorherige Großherzog inimer seine Fahtten aus die Mainau machle und zu den vielen Militärvereinsfesten, wobei die bekannten Reden gegen den inneren Feind gehalten wurden. Dem neuen Hof ent» sprachen die zwei Salonwagen nicht mehr. Es soll ein ganz moderner Prunkwagen geschaffen werden. Gerade da die badische Regierung das hohe Lied von der klugen Sparsamkeit sang. den Beamten und Arbeitern aus angeblichem Geldmangel die auf den neuen Gehallstarif gesetzten berechtigten Wünsche zuschanden machte, legte der Eisenbahnminister v. Marschall, eine Autorität im Salonfach, dem Landtage eine Budgetposition vor, welche 110 000 M. forderte zur Erbauung eines drillen ganz modern aus- gestatteten Salonwagens für die„Königlichen Hoheiten". Die bürgerlichen Parteien, ausgenommen fünf Abgeordnete der Fortschrittlichen Volkspartei, fanden diesen Salon für eine not» wendige Einrichtung; denn der König von Preußen und andere deutsche Fürsten fahren, wie der Minister versicherte, auch in modernen Salonwagen. Der sozialdemokratische Abgeordnete Willi fand den Preis für den rollenden Salon sehr hoch und regte an, die Sache auf eine wirtschaftlich günstigere Zeit zu verschieben. Ein von sozial« demolratischer Seite eingereichter Antrag forderte Streichung deS 110 000 Mark aus prinzipiellen Gründen. Genosse Geck begründete ihn; er meinte, die berühmten, mustergültigen Salonwagen der badischen Staatsbahnen, in welchen die Landstände sonst ihre Ex- kursionen machen, würden auch für die Reisen des HofeS sich eignen; wolle dieser aber etwas Eigenes und Hochelegantes, dann möchten die Großh. Herrschaften, die steinreich sind, die Kosten aus eigener Tasche bestreite». Sie müßten gewärtig sein, daß das Volk, welches diese 110 000 M. für ein fahrendes Schloß zahlen hilft, bei der Durchfahrt der Herrschaften mit— Fingern auf diesen Luxus zeige. Abg. Willt kennzeichnete die oft noch elenden Wagen- emrichwngen, in welchen das arbeitende Volk der Steuerzahler durchs Land befördert wird. Aber der loyale Block bewilligte mit Hurrai Herr v. Marschall triumphierte. Aber die Freude sollte nicht lange dauern. Die Angelegenheit des Neubaus des BaSler Bahnhofs förderte Dinge zutage, die Herrn v. Marschall das Genick brachen. Für diesen Bau, der 50 Millionen kosten sollte, wurden noch 21/« Millionen nachgefordert. Angeblich für eine außerordentliche Gütergleisanlage. Die Regierung mußte aber schließlich eingestehen, daß 40 000 Kubikmeter Erdaufschllttung zu Unrecht gemacht und wieder beseitigt werden müssen. In der Dienstagsitzung kam es zu weiteren hochintetessanten Enthüllungen. Es wurde festgestellt, daß die Regierung zu großen StaatSbauten, z. B. Basler Bahnhof. Karlsruher Stationsgebäude, KonversationS- Haus zu Baden-Baden sich aus der Privat technik Respizienten als Berater, Begutachter und Bauleiter anschaffte, dieselben als Beamten bezahlte und geschehen ließ, daß dieselben ohne Kon» kurrenz oder trotz derselben ihre eigenen Entwürfe zur Ausführung bringen. Dafür bezahlte ihnen der Staat noch das Urheberhonorar nach der Hain- burger Norm. Zum Beispiel erhiett Profeffor Moser, Leiter einer Karlsruher Unternehmerfinna, für den von ihm als staat« licher Hochbauleiter ausgeführten Bau in Baden-Baden noch 160 000 M. Autorenhonorar. Der Kammer bemächtigte sich bei der Fesfftellung dieser Dinge große Empörung. Der Antrag des Vorsitzenden, das gesamte Ministerium als verantwortliches Kollegium vor das Forum der Zweiten Kammer zu laden, wurde angenomnien. Dagegen wurde ein von einigen Abgeordneten deS Zentrums und einem Sozialdemokraten gestellter Antrag, die 2i/g Millionen des BaSler Nachtrages zu streichen, gegen zwanzig Stimmen abgelehnt: es waren fünfzehn Stimmen des Zentrums, drei der Sozialdemokraten und zwei der Volkspartei. Die Folge der Kammerbeschlüsse ist nun der Rückttitt deS Eisenbahnministers. Es war die höchste Zeit. .,. Der Finanzminister Hansell ist am Freitagabend gestorben. Gärung im polnischen Lager. Unter den nationalpolnischen„Demokraten" hat die Zustimmung der polnischen Landtagsfraktion zur Erhöhung der Zivilliste böses Blut gemacht. Der Generalrat des„Demokratisch- Nationalen Vereins" zu Posen, der die politische Organisation des polnischen Kleinbürgertums bildet, hat dieser Tage die Angelegenheit beraten und folgenden Beschluß gefaßt: „In der Diskussion wurde e i n st i m m i g anerkannt, daß daS positive Verhalten der Fraktion bezw. einiger ihrer Mit- glieder zugunsten der Erhöhung der Zivilliste ein Schritt war. der mit der überwiegenden Ansicht der Nation entschieden nicht rechnete. Indem man von der d e m o n st r a t i v e u direkten Abstimmung gegen die Erhöhung der Zivilliste sich fernhielt, sollte man andererseits Rücksicht auf die Gefühle und Anschauungen der Gesellschaft haben, und ohne sich politischen Illusionen hinzugeben, der Abstimmung sich enthalten. An die demokratischen Abgeordneten hat man den Appell ge- richtet, daß sie solche Organisationsverhältnisse in der Fraktion herbeizuführen trachten, damit über die Richtung der Politik der Fraktion der Wille seiner Mehrheit und nicht derjenige von Personen entscheide." Weit schärfer als die Führer der Kleinbürger, die sich einer klaren Entscheidung zu entziehen suchen, gehen die nationalpolnischen Arbeiter vor,� die bei dieser Gelegenheit auch ihren» Groll über daS Verhalten bei der Reichsfinanzreform Lust machen. Vor einigen Tagen beschäftigte sich der N a t i o n a l v e re in der polnischen Arbeiter in Zaborze tOberschlesien) mit diesen Angelegenheiten. Nach einer lebhaften Diskussion wurde der Beschlutz gefaßt, die polnischen Fraktionen aufzufordern, aus ihren Satzungen die Bestimmungen über die Fraktions- folidarität zu entfernen, damit jeder Ab- geordnete nach dem Willen seiner Wähler stimmen kann. Sozialpolitisches aus Hamburg. Während vor einigen Wochen Hamburgs Parlament den von unseren Genossen gestellten Antrag auf Einführung der Arbeitslosenversicherung rundlvea ablehnte, hat cS sich in seiner letzten Sitzung zu einer sozialpolitischen Großtat emporgeschwungen, indem es die vom Senat beantragte Erhöhung d e r S u b v e n t i o n für das von der— Heilsarmee unterhaltene Männerheim auf 30 000 M. im ganzen für drei Jahre be- willigte. Selbst sonst ernst zu nehmende Abgeordnete von der äußersten bürgerlichen Linken priesen mit vollen Backen die soziale Liebestätigkeit der uniformierten GotleSstreiter, um so ihr Herz für die ärmsten Opfer der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zu be» künden. Mit Almosen glaubt man soziale Schäden heilen zu können. Die ernsten Worte unseres Genossen Stalten und eines fleptifchen bürgerlichen Abgeordneten gegen die Bewilligung ohne Prüfung verhallten ungehört, in HalleluZastiminung wurde die Sumine bewilligt._ „König Landrat" beurlaubt. Wie die„Wittgenstciner Zeitung" berichtet, ist der Landrat des Kreises Wittgenstein, Dr. Schröder, auf drei Monate beurlaubt. Hat der Herr im Prozeß des.König Landrat" sich so strapaziert, daß er hinfällig geworden ist? Er wird wohl nie mehr in die Gefilde Berleburgs zurückkehren. Was aber nicht aus- schließt, daß er samt der.Mutter des Kreises' die Treppe hinaufpurzelt..Soviel„Schneidigkeit", wie ihm innewohnt, pflegt in Preußen nicht ohne Lohn zu bleiben. Vielleicht taucht er eines Tages im Polizeiministerium als NbteilungSdezernent auf. Herr Bassermann läßt in der„National-Zeitung" erklären, er habe die ihm angebotene Kandidatur für Saarbrücken nicht deshalb abgelehnt, weil die Großindustrie sich gegen ihn erklärt habe, sondern aus anderen Gründen. Will Herr Bafiermann damit sagen, daß er das Mandat eventuell auch gegen den Willen der Großindustrie angenounnen hätte. Denn daß diese sich gegen ihn erklärte, das wird er doch wohl nicht dementieren wollen. Logik eines Oberstaatsauwalts. In Breslau hatte der Arbeiter MalschinSky, dem Polizei- kommissar Thiele bei einer Straßendemonstration den Kopf entzwei geschlagen hatte, sich bei der Staatsanwaltschaft be- schwert. Die aber nahm den Säbelmänn in Schutz, erklärte, es träfe ihn kein Verschulden, denn es habe möglicherweise der Säbel- hieb aus Verseben den M. getroffen; möglich sei auch, daß der Polizist sich geirrt habe in der Person, die getroffen werden solle; es scheine ja, als ob M. wirklich das Bestreben gehabt habe, sich aus der Menge, in die er zufällig als Unbeteiligter geraten, zu entfenien. Die Tatsache, daß M. noch von einem zweiten Polizisten mit dem Säbel geschlagen worden sei, nachdem er bereits blutend davongelaufen, rühre daher, daß er die Hände. abwehrend über seinen blutenden Kopf ge- halten habe, was der zweite Polizist als— drohende Gebärde an- gesehen habe I— Gegen diesen mehr als seltsamen Bescheid legte der schwer Mißhandelte Beschwerde bei der O b e r st a a t s a n w a I t- schaft Breslau ein. Die antwortet ihm nun— nach 17 Wochenl— in einer Art und Weise, die einfach klassisch ist: Sie sind ge- schlagen worden, also sind Sie schuldig! 1 1 Und betreffs des zweiten Polizisten, der den Fliehenden mißhandelt, sagt der Ober- staatsanwalt: Sie haben nur eine Wunde am Kopfe davongetragen, also kann von einem zweiten Säbelhiebe nicht die Rede seinl— Gewiß, am Kopfe hatte M. nur eine Wunde süber acht Zenti- meter langl), der zweite Säbelhieb war ihm über Hände und Ohren gegangen.... Die vielen Zeugen, die Nk. angegeben, waren nicht vernommen worden, dafür waren über 80 beteiligte P o l i z i st e n verhört worden, die natürlich alle bereit waren, sich von jeder Schuld fteizusprechen. M. hat jetzt die Eni« scheiduug des Ministers angerufen, um zu erfahren, was der zu der tomischen Logik des Oberstaatsanwalts sagt. Künftig braucht also ein Polizist nur feste auf Straßen- demonstranten loSzuhauen, um„Schuldige" zu ernntteln. Da sie getroffen wurden. sind sie eben schuldig. Basta l Wahrlich: Breslau bleibt Breslau— in allem I Das verratene Schiffahrtsabgabengesetz. Wie die.National-Zeitung" erfährt, ist wegen der Ber- ö ff entlich ung des Gesetzentwurfes über die Schiffahrtsabgaben in der.Kölnischen Zeitung" gegen einen untergeordneten Beamten einer bundesstaatlichen Gesandtschaft das D i s z ip li n a r v e r- fahren eingeleitet, worden. Auf Beschluß des Bundesrates sollte der Entwurf vorläufig noch geheim gehalten werden. Die Mitglieder des Bundesrates haben auf Befragen auch versichert, daß sie mit der Veröffentlichung nichts zu tun haben. Die Redaktion der »Kölnischen Zeitung" hat jede Auskunft verweigert. Ein«euer Werftprozeff in Kiel. Gegen die im Kieler Werstprozeß Freigesprochenen, Magazin- direktor Heinrich und Kaufmann RePenning jun. hat jetzt der MilitärfiskuS eine Schadenersatzklage in Höhe von 24(XX) M. angestrengt. Der Fiskus leitet seine Ansprüche aus dem Geständnis des vor einem Jahre vom Schwurgericht verurteilten und jetzt in »er Strafanstalt Neumünster �befindlichen früheren Aufsehers Kankowski her, der erhebliche Mengen Oel auf der Werft ver- untreut und an den verstorbenen Kaufmann Repenning sen. ver- taust habe._ Noch ein Astloch-Prozeff. Der Zentrumsabgeordnete Seubert taumelt von Triumph zu Triumph. Am 1. Juli verhandelte das Schöffengericht Mann- heim in der Beleidigungsklage Seuberts gegen die„Mannheimer Volks st imme"; das Urteil, das den Genossen Oskar Geck mit 6 M. bestrast, hebt hervor, der gegen den Eisenbahnbetriebssekretär Seubert erhobene Vorwurf, daß er aus lüsterner Neugierde badende trauen durch ein Astloch der Bretterwand des städtischen Damenades beschaute, sei gerichtlich erwiesene Wahrheit. Aber die Form der Mitteilung in den Artikeln der.Volksstimme" lasse auf die Ab- ficht einer Beleidigung schließen. Seubert hat übrigens seine Revision gegen die Urteile im berühmten Astlochprozeß zu Offenburg be- zeichnenderweise durchgeführt. Die tapferen Kämpfer wider die erschreckliche Unsittlichkcit, so alle Zentrumsabgeordnete find, haben gegen die Zugehörigkeit des Astlochguckers zur Zentrumsftaktion des badischen Landtags nichts einzuwenden._ Soldatenmiffhandlungen. Vor dem Kölner Kriegsgericht hatten sich die Unteroffiziere Matschineck und Koch vom Kürassierregiment Graf G e ß l a r in Deutz wegen Mißhandlung eines Untergebenen zu verantworten. Ein Kürassier war von dem einen Unteroffizier zur Rede gestellt worden, weil er die Hufe seines Pferdes mit Seife einaeschmiert hatte; als er erwiderte, er habe kein Geld für Lederfett, schlitg der Unteroffizier ihn mehrere Male ins Gesicht. Nun kam noch der andere Unteroffizier hinzu, setzte die Mißhandlungen fort, zog den Säbel und hieb damit auf den Kürassier ein. Der Arm wurde ihm schwarz und blau geschlagen und am Bein trug der Mann eine blutende Wunde davon. Als der Mißhandelte die Sache melden wollte, versuchte ihn Matschineck davon abzuhalten, Koch besaß noch die Unverfrorenheit, den Kürassier wegen un- gebührlichen Benehmens gegen einen Vorgesetzten zu melde» I Die Beiden kamen sehr gut weg; das Urteil lautete gegen Matschineck ans achtzehn Tage, gegen Koch auf fünf Wochen Mittelarrest. Oesterreich. Die Studentcnunruhen. Lemberg, 2. Juli. Nach einer amtlichen Darstellung der Vor- hänge in der Universität ist, wie durch eine Zeugenaussage festgestellt wurde, der erste Schuß auf feiten der Ruthenen gefallen, wobei der Ruthene Kocko am Kopfe getroffen wurde. Die alsdann eindringenden Polizeimannschaften trennten die Kämpfenden und schloffen einen großen Teil von ihnen in den Hörsälen ein. während die übrigen provisorisch vernommen wurden. Die Mehrzahl von ihnen ist wieder in Freiheit gesetzt worden. Die in den Sälen eingeschlossenen Studenten wurden in Unter» suchungShast genommen. Neun Verwundeten wurde durch die Nettungsgescllschast die erste Hilfe zuteil, drei mußten ins Kranken- haus geschafft werden, unter diesen befand sich auch Kocko, der am Abend g e st o r b e n ist. In einem der Hörsäle, in dem ein Teil der Studenten festgehalten wurde, sind fünfzehn Browning- Pistolen gefunden worden. In der Stadt herrscht heute bollkommen Ruhe. Die Uni- der si tat ist bis auf weiteres geschlossen, es finden nur Prüfungen stall. Der akademische Senat tritt heute zu einer Sitzung zusammen, um über die Disziplinarunter- s u ch u n g gegen die beteiligten Studenten zu beschließen. DaS Befinden der Verletzten, deren Zahl jetzt auf zwanzig an- gegeben wird, ist verhältnismäßig günstig, da es sich hauptsächlich nur um leichte Kopfwunden handelt, die von Stockschlägen her- rühren; vier Studenten erlitten jedoch schwerere Ver- letzungen. Das Gerücht von zwei weiteren Todesfällen be- stätigt sich nicht.'- �. Eine Dauersitzung. Wie». 2. Juli. Um die Errichtung einer italienischen Universität zu verhindern, haben bekanntlich die Slowenen im Budgetausschuß mit der Obstruktion begonnen. Die arbeitswilligen Parteien, denen sich die Sozialdemokralen ansiblossen, haben mit einer Dauer- si tz u n g geantwortet, in der die Obstruktion niedergerungen werdensoll. Die Sitzung hat heute begonnen. Wien, 2. Juli. Die heutige zehnstündige Sitzung des Budgetausschusses wurde vollständig durch ObstruktionS- reden ausgefüllt. Die über den Sonntag hinaus geplante Dauersitzung findet nicht statt, nachdem mit den Süd- slaven ein Kompromiß für die Verhandlungen im Budgetaus- schuß erzielt wurde. Danach findet die nächste Sitzung, in welcher die Generaldebatte über die italienische Rechtsfakultät beendet wird, am Montag statt.„■.. Italien. Die zweijährige Dienstzeit. Rom, 30. Juni.(Eig. Ber.) Mit 214 gegen 52 Stimmen hat die italienische Kammer endlich das seit langem erwartete Gesetz für Einführung der zweijährigen Dienstzeit angenommen. Der Kriegsminister glaubt die Ausführungsbestimmungen dem- nächst vollendet zu haben, so daß das Gesetz schon bei der Aushebung des nächsten Jahres in Anwendung kommen würde. Wie der„Mcssaggero" erfährt, soll in den Aus- führungsbestimmungcn die einjährige D i e n st z e i t der Freiwilligen aufgehoben werden; auch heißt es, daß die Normen für die Ueberweisung der Rekruten an die ver- schiedenen Armeekorps eine Umgestaltung erfahren werden. Kommunalwahle«. Rom, 28. Juni.(Eig. Ver) Auch mit dem Resultat vom vorigen Sonntag können die Volksparteien zufrieden fein. In Pavia, Mode na, Borgidhera. Valenza, PeScia, Viterbo, Benevent und vielen kleineren Orten hat die Koalition der Volksparteien ihre Majoritätsliste durchgebracht. Die rein sozialistische Liste ist in Romagnano Sesia, CreScenzago, Affori und L o m e l l o durchgedrungen. Mit der Minoritätsliste siegten die Sozialisten in B o« logna, Venedig, Novara usw. Zugunsten der konservativ- klerikalen Koalition schlugen mehrere Wahlen in kleinen Orten Toskanas aus. Von Wichfigkeit werden die Ent- scheidungen des kommenden Sonntags fein, an dem in Rom die städtischen Wahlen stattfinden. Hier werden die Klerikalkonservativen den höchsten Kraftaufwand machen, um die Herrschaft, die sie vor 2 Jahren verloren hatten, zurückzuerobern. Von Provinzialwahlen, die am gleichen Tage stattfanden, sind viele zugunsten der Partei ausgeschlagen, so die von C o p p a r o, Modena, Terni und an anderen Orten. Spanien. Der Kampf gegen den KlerikaliSmuS. Madrid, 1. Juli. Senat. Ministerpräsident CanalejaS führte aus, die Regierung würde die religiöse Frage nicht an- geschnitten haben, wenn sie nicht geglaubt hätte, sie auch lösen zu können. Das Vorgehen der Regierung fei nicht gegen die religiösen Gefühle deS Volkes, sondern lediglich gegen den Klerika- li SmuS gerichtet. Er bedaure die öffentliche Einmischung des spanischen Episkopats, nachdem die Verhandlungen mit dem päpstlichen Stuhle eingeleitet worden seien. In gleicher Weise be- daure er die von spanischen Damen, die in ihrem Katholizismus sehr schlecht beraten seien, eingeleitet» Bewegung gegen die Re- gierung. Der Ministerpräsident schloß mit der Erklärung, er ver- lange Zurückhaltung von allen, namentlich vom Episkopat. Die Antwort der Kammer. Madrid, 2. Juli. Der Entwurf der Antwort auf die könig- liche Botschaft wird am Montag in der Kammer beraten werden. Er gibt insbesondere der Hoffnung Ausdruck, daß die Regierung das gute Einvernehmen zwischen Staat und Papst aufrechterhalten und zugleich die Vorrechte der bürgerlichen Macht und die rechtliche Stellung der Kirche Spaniens wahren werde. Der Entwurf weist auf die Notwendigkeit hin, die reli- giösen Orden unter ein Reglement zu bringen, ohne ihre geistige Freiheit anzutasten, gibt dem Wunsche Ausdruck, daß die Verhand» lungen mit dem päpstlichen Stuhl, betreffend die Aufhebung der nicht unentbehrlichen Kongregationen schnellen Fortgang finden möchten, und beglückwünscht die Regierung, daß sie die F re i h e i t des Glaubens und der Ausübung des Kult» verkündet habe. ScKweden. Ein kleines Sozialistengesetz. Stockholm, 29. Juni.(Eig. Ber.) Die LänSregierung von Södermanland hat. wie jetzt durch„Socialdemokraten" bekannt wird, Ende Mai an die BezirkSbecnnten dieser Provinz ein Rund- schreiben versandt, in dem sie darauf aufmerksam gemacht werden. daß in diesem Sommer von sozialistischer Seite eine besonders lebhafte Agitation unter der Landbevölkerung geplant und beab- sichtigt werde, sozialistische„Sommertings" abzuhalten. Dabei sei zu befürchten, daß auf den Landstraßen Vorträge ge« halten würden, woraus Verkehrshindernisse und Störungen der öffentlichen Ordnung entstehen könnten. Da nun die königlichen Befehlshaber das Recht hätten, in solchen Fällen Strafbcfehle zu orlaffen, sollten die Bezirksbeamten, wenn sie Kenntnis von solchen Zusammenkünften erhielten, sofort um Ausfertigung eines Ver- dotes nachsuchen. Wie man sieht, handelt es sich hier um eine A u s n a h m e r c g e l. die lediglich gegen dieSoziaidemo. k r a t i e gerichtet ist, und sich von einem kleinen Sozialistengesetz nur dadurch unterscheidet, daß ihr die gesetzliche Gültigkeit fehlt. Sie bedeutet in dem vom Großagrari-ertum beherrschten Söder- manland, wo es der Arbeiterschaft an Versammlungsräumen fehlt, eine allgemeine Aufhebung der Versammlungsfreiheit. Die Orts- polizeigewaltigen bemühen sich bereits, den Winken ihrer vor- gesetzten Behörde nachzukommen. Am Sonntag wurde wegen zu befürchtender„Verkehrsstörung" eine Landstraßenversammlung ver- boten. Glücklicherweise hat die Regierung nicht allein darüber zu ent- scheiden, was Gesetz und Recht ist, und es ist denn auch zu er» warten, daß der Befehlshaber von Södermanland demnächst eine? besseren belehrt wird, zumal die Zweite Kammer des Reichstags, als im Frühjahr die Uebergriffe der Polizei während de? General- streikz zur Sprache gebracht wurden, ein solches Vorgehen, wie es Rcutcrskiold hier verlangt, einstimmig für ungehörig erklärte. K.ulUand. Ei» ganzes Dorf im Gefängnis. Da? Saratower Gouvernementssemstwo kommandierte einen Versicherungsagenten Pomorzew nach dem Dorfe Kruglo«, um den Einwohnern einen neuen Bauplan einzuhändigen. Der Agent konnte jedoch seine Aufgabe nicht erfüllen, da die gesamte erwachsene männliche Bevölkerung nicht im Dorfe, sondern im Gefängnis, wegen Beteiligung an den Agrarunruhen, saß. Davon erstattete Herr Pomorzew eine offizielle Mitteilung durch ein Amtsschreiben. Australien. Eröffnung des Parlament». Melbourne, 1. Juli. Die erste Session deS neugewählten Bundesparlaments ist heute durch den Generalgouvcrneur Carl of D u d l e y eröffnet worden. Der Generalgouvcrneur führte in seiner Rede folgende Gesetzentwürfe als die wichtigsten Vorlagen auf: das Finanzabkommen zwischen ber Bundesregierung und den Einzelstaaten, Einführung einer progressiven Boden st euer auf unkultivierte Ländereien, Zurückziehung der Marine» a n l e i h e. Uebertragung des Nordterritoriums an das Common- wealth, Einführung eines gleichförmigen Posttarifs sür ganz Australien, Abänderung der Berfassung, um eine Bundesgesetzgebung gegen Monopole auf den Gebieten des Handels, der In- dustrie und der Schiffahrt zu ermöglichen, Ausdehnung der Alterspension sowie Beseitigung gewisser Zollanomalien. DaS Defizit gegen die vom letzten BundeSschatzincister veranschlagte Summe von ein und einViertel Millionen Pfund Sterling beträgt 456 000 Pfund Sterling._ Huö der parteü Die BauarveiterauSsperrung. Unter dem Titel:»Die große Aussperrung und die Zukunft der Arbeiterkämpfe im Reiche"") veröffentlicht Genosse ParvuS eine interessante Broschüre über die eben be- endigte Bauarbeiteraussperrung. Den Zweck der Broschüre kenn« zeichnet ParvuS im Vorwort folgendermaßen: .Die Arbeiter besanden sich in der Defensive, und sie haben den Angriff abgeschlagen. Der Erfolg ist unbe st reitbar. Nicht minder offenbar ist aber auch, daß die Unternehmcrverbände sich nicht dabei beruhigen werden, sondern nunmehr erst recht zu neuen, noch viel größeren und schärferen Kämpfen rüsten werden. Schon daraus ergibt sich die Notwendigkeit, von dem Verlauf dieser großen Aussperrung, die einzig dasteht in der Geschichte der deutschen Gewerkschaftsbewegung, sich genaue Rechenschaft zu verschaffen, um die Bedingungen der kommenden Kämpfe kennen zu lernen. Der Erfolg der Arbeiter ist ein materieller und ein moralischer. Sie haben sehr beachtenswerte Zugeständnisse erhalten; mehr aber als das noch ist es wert, daß sie ihre Kraft gezeigt haben, und daß sie in sich selbst das Gefühl der Kraft gesteigert haben. Die Unter- nehmer erklärten in aller Oeffentlichkeit, es solle diesmal ein Exempel statuiert werden, und zlvar nicht nur für die Bauarbeiter, sondern für die gesamte Arbeiterschaft. ES sollte eine Machtprobe sein,— um so bedeutsamer ist es, daß die Arbeiter aus diesem Kampf mit einer berechtigten Steigerung ihres Machtbewußtseins heraustreten. Das gibt dieser Aussperrung eine allgemeine Be« deutung für den proletarischen Klassenkampf. AuS dem Beispiel der Bauarbeiter werden andere Arbeiter« schichten Begeisterung schöpfen und Mut fassen zu einem energischeren Vorgehen. Um so wichtiger ist es für die gesamte Arbeiterschaft, nicht nur den Erfolg der Bauarbeiter, sondern auch die Bedingungen dieses Erfolges in ihrer ganzen Kompliziertheit und Mannigfaltig- keit kennen zu lernen.... Der große Kampf der Bauarveiter muß von uns studiert werden, wie man eine Generalschlacht studiert. Denn, ebenso wie eS einen Unterschied gibt zwischen den LaboratoriumSversuchcn des Technikers und der wirklichen Fabrikation, zwischen der Manöverübung und dem wirklichen Krieg, so helfen auch uns keine theoretische Voraus» ficht, keine Berechnungen, sondern wir lernen die Bedingungen, Möglichkeiten, Potenzen der modernen Arbeiteriämpfe am letzten Ende nur aus diesen selbst, indem wir die Kämpfe durchmachen und unS von ihrem Wesen kritische Rechenschaft verschaffen." DaS erste Kapitel(Die Bauindustrie) enthält eine Schilderung der sozialen Zusammensetzung des Baugewerbes(und besonders des Einflusses, den das Großkapital in stets wachsendem Maße auf die gesamte Industrie ausübt. Namentlich die Wirkung der Terrain» gesellschaften wird eingehend geschildert. Das zweite Kapitel beschreibt die Unternehmcrorganisattonen, baS dritte die Kartelle in der Bauindustrie und die Verbindung der Bauunternehmer mit den Baumaterialienlieferanten, deren Zweck eS ist, widerspenstige Untenrehmer durch Berhängung der Materialsperre den Diktaten der Organisationsleiter gefügig zu machen. DaS vierte Kapitel schildert den Verlauf der Aussperrung, während das fünfte und sechste Kapitel die Taktik der Unternehmer und der Gewerlschasten bespricht. ParvuS zeigt hier, wie die GcwerkschaftSkämpfe immer mehr Massenkämpfe werden, immer mehr auch alle anderen sozialen Schichten in Mitleidenschast ziehen. Die Konzentration des Kapital» zwingt in rasch steigendem Maße alle Arbeiterschichten in die Gewerkschaften hinein. Durch möglichste Zentralisation innerhalb der einzelnen Gewerkschaft und durch ein engeS Zusammenwirken der gewerkschaftlichen Zentralverbände muß die Macht der organisierten Arbeiterklasse ge» steigert werden. Die Unterstützung der Arbeiter während der Streiks und Aussperrungen muß dadurch Verbeffert werden, daß die Konsumvereine, deren Ausbau sich immer gebieterischer geltend mache. in den Dienst der Streikunterstützung gestellt werden. Zugleich müsse die Attion zur Erringung des gesetzlichen Achtstundentages mit aller Energie gefördert werden, um die gewerkschaftliche Tätigkeit vor allem auf den Lohnkampf konzentrieren zu können. Schließlich faßt ParvuS das Ergebnis seiner Untersuchung folgendermaßen zusammen: .Die Konzentration deS Kapitals und die Entwickelnng der Unternehmerverbände wirken als mächtiger Antrieb zur gewerk« schafllchen Organisation. dehnen ungemein die Tragweite der gewerkschaftliche» Kämpfe auS, verallgemeinern sie, verleihen ihnen einen politischen Eharakter. zwingen die Arbeiter, alle sozialen Machtmittel in Bewegung zu setzen, und müssen am letzten Ende dazu führen, daß der Kanipf um die Fabriksgewalt sich in einen Kampf um die Staatsgewalt, der Kampf um den Lohn sich in einen Kampf um den Besitz der Produktionsmittel verwandelt. Noch ein Jubiläum der Partclprcsse. Am 1. Juli hat auch das Partciblatt des östlichen Westfalens, die.Volksmacht" zu Bielefeld, daö zweite Jahrzehnt voll» endet. Mit 2000 Abonnenten begann die.Volkswachl" im Jahre 1890 ihren Lauf— heute ist die Zahl der Abnehmer trotz Ver- kleinerung des VcrbreiwugSbeztrkeS auf 14 000 gestiegen. In der- selben Zeit stieg die Zahl der politisch organisierten Genossen im Bezirk Bielefeld von wenigen Hundert aus 0637, die sozialdemo- kratische Stimmenzahl von 12 174 ans 33 652. Möge die„VolkSwacht" im dritten Jahrzehnt weiter kräftigen Fortschritt zeigen und bewirken. Personalien. Mit dem 1. Juli trat Genosse Herzberg, nachdem er bereits am 9. Juni aus der Redaktion der„Pfälzischen P o st" ausgeschieden, als Chefredakteur in die Redaktion der „Fränkischen Tagespost" ein. An Stelle des Genossen Herzberg ist Genosse Kleefoot mit der Leitung der»Pfälzischen Post" betraut worden. ") Dresden, Kaden u. Komp. Preis 50 Pf. 6eweiitfcbaftUcbee. öcfmarze Rande— eine neue Clntembtmr- frecbbcit. Bisher begnügte sich das habgierige Unternehmertum da- mit, die Arbeiter durch schwarze Listen zu zeichnen. Doch hat man jetzt ein neues Mittel ersonnen, durch das man den Arbeiter zum Hörigkeitsverhältnis zwingen will. Wie näm- lich der„Hafenarbeiter", das Organ der deutschen Hafen- arbeiter und verwandten Berufsgenossen in seiner neuesten Nummer mitteilt, tragen sich die Arbeitgeber dieses Gewerbes mit dem Gedanken, den bei ihnen beschäftigten Arbeitern einen Stempel auf den Hand- rücken zu drücken(I), der sie dann bei anderen Unternehmern unmöglich machen soll. Natürlich setzt das die Einwilligung der Arbeiter voraus. Wie früher der Galeerensträfling oder der Zuchthäusler oder wie auch jetzt das Schlachtvieh seinen Stempel auf- gebrannt erhält, so will man auch in Zukunft mit dieser Arbeiterkategorie verfahren. In England existiert bereits ein solches Vorbild. Dort wird den von der Schipping Federation of Great Britain beschäftigten Kulis ein solches Brandmal der Schande, das aller Menschenwürde Hohn spottet, aufgedrückt. Und die deutschen Unternehmer meinen, wenn im Lande der Geistesheroen die Arbeiterschaft erst politisch zu Heloten degra- diert ist. warum soll sie dann nicht auch äußerlich einen darauf hindeutenden Stempel tragen? Eine Konsequenz liegt darin, wenn auch eine gräßliche. Hoffentlich werden die Hafenarbeiter diese Frechheit damit beantworten, daß sie in Massen dem Verband beitreten, der sie allein vor dieser Schmach retten kann._ Berlin und Umgegend. r Solidaritätsstreik. Die gestrige vollzählig besuchte Werkstatt- Versammlung der Kollegen der Firma Rappold u. Söhne be- schloß e i n st i m m i g, ebenso wie die bei derselben Firma in Ham- bürg beschäftigten Kollegen, mit dem heutigen Tage die Arbeit niederzulegen. Die Angebote der Firma können in keiner Weise genügen. Verband der Schneider, Schneiderinnen und Wäschearbeiter Deutsch- lands, Filiale Berlin I. Die Aussperrung der Meflingputzer bei der Firma Carl Ouastenberg hat folgende Ursache: Die Firma zahlte ihren Arbeitern bisher die denkbar traurigsten Löhne; über 20, 21 Mk. pro Woche verdiente keiner derselben. Schon im Vorjahre orga- nisierten sich die Meflingputzer, um eine Verbeflerung der Löhne zu erstreben. Durch Maßregelungen schärfster Art gelang es Quasten berg, die Organisation in seinem Betriebe zu zer- trümmcrn. In diesem Jahre organisierten sich die Meflingputzer wiederum. Herr Ouastenberg, der sich hiermit nicht be- freunden konnte, entließ kurzerhand die von den Arbeitern ge- wählten Vertrauensleute und beschimpfte die organisierten Ar- beiter. Es war selbstverständlich, daß sich die Arbeiter eine der- artige Behandlung nicht gefallen ließen; kurzerhand legten sie die Arbeit nieder. Das war am 14. Jum. Es war möglich, durch Verhandlungen die Wiedereinstellung der Vertrauensleute durch- zusetzen. Nachträglich versuchte Herr Quastenberg wiederum Maßregelungen vorzunehmen, weil er unter keinen Umständen organisierte Arbeiter in seinem Betriebe dulden wollte. Am Donnerstag dieser Woche entließ er ein Mitglied des Arbeiter- ausschusses, ohne daß irgend ein Grund zur Entlassung vorlag. Der Versuch der übrigen dort arbeitenden Meflingputzer, auf güt- lichem Wege die Wiedereinstellung des Entlassenen zu erzielen, wurde von Quastenberg mit der Entlassung aller Arbeiter beantwortet, wobei sich Herr Ouastenberg nicht enthalten konnte. seine Arbeiter m»t allerlei Schimpfworten zu regulieren. Herr Ouastenberg versucht nun den wahren Sachverhalt zu verdrehen, wie aus nachstehender Bekanntmachung hervorgeht. Achtung! Achtung! Meflingputzer und Fensterputzer! Der Deutsche T ra n S p o r t a rbe i t e r-V erband (Bezirk: Groß- Berlin) warnt die Kollegen, bei der firma Carl Ouastenberg anzufangen, unter der B e- auptung der unwahren Tatsache, daß die Messingputzer da- selbst ausgesperrt wären. Zur Aufklärung! Die Messing Putzer bei der Firma Carl Ouastenberg sind nicht ausgesperrt worden, sondern dieselben haben die Arbeit grundlos niedergelegt, weil eist Kollege die Ausführung der ihm übertragenen Arbeit ver- weigert hat. Carl Ouastenberg Erstes Berliner Messing-Putz-Jnstitut Berlin dlO. 43, Gollnow-Straße 13. Messingputzer werden Montag von 8—10 Uhr eingestellt. Arbeitslohn pro Tag 3,S0 Mk. Wir erklären hierzu ausdrücklich, daß der von uns gegebene Tutbestand durchaus richtig ist. Herr Quastenberg bezweckt mit seiner Bekanntmachung lediglich, den Arbeitern Sand in die Augen zu streuen. Auch heute bitten wir die Arbeiterschaft, strengste Solidarität zu üben und die ausgesperrten Meflingputzer in ihrem Kampfe zu unterstützen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher TranSportarbeiter-Verband, Bezirk Groß-Berlin. Oeutfehee Reich. DaS Haupttarifamt des deutschen Malergewerbes ist zum ersten Mal zusammengetreten und hat in den letztvergangenen fünf Tagen seine Sitzungen Berlin, Zimmerstraße 90/01, abge- halten. Das Haupttarifamt besteht aus den drei Unpartei- ischen. Geh. Regierungsrat Dr. W i e d f e l d t, Gewerbegerichts- direktor Dr. P r e n n e r, Magistratsrat v. Schulz und aus acht Arbeitgebern und acht Arbeitern. Es waren einige fünfzig An- träge und Beschwerden von zum großen Teil tiefeinschneidender prinzipieller Bedeutung zu erledigen. Dabei handelte es sich best spielsweise um Fragen der Berechnung des Mehraufwandes bei Landarbeit, ferner der Berechnung des Ausgleichspfennigs und der Errichtung der paritätischen Arbeitsnachweise. DaS Haupttarifamt hat auch beschloflen, daß von einer Kommission die Geschäfts- ordnung für die Ortstarifämter, Gautarifämter und für da» Haupttarifamt auszuarbeiten fei. Diese Geschäftsordnung wird dem Haupttarifamt bei seiner zweiten Tagung zur endgültigen Bcschlutzfaflung vorgelegt werden. Die Verhandlungen des HaupttarifamteS sind am gestrigen Tage beendet worden. Streik im Holzgewerbe. In S t o l p i. P. sind die Verhandlungen in der Holzindustrie an der Mindestlohnfrage gescheitert. Die Gesellen erklärten sich zu weiteren Verhandlungen bereit, die größeren Betriebe sperrten am «0. Juni jedoch sämtliche Gesellen auS; bis jetzt befinden sich 180 Tischler im Kamps. In den nächsten Tagen dürste sich diese Zahl noch erhöhen. Der Zuzug von Tischlern ist streng fernzuhalten. Die Differenzen in der Fiber- und Hartgummi-Fabrik von Lootze u. Co. in Frankfurt a. O. sind beigelegt. Herr Lootze hat, nachdem die Drechsler zirka ö Wochen streikten, mit dem Deutschen Holzarbeiterverband«inen Vertrag auf drei Jahre geschlossen. Bei bSlhstündiger Arbeitszeit werden SO Pf. Stunden. lohn bei Akkordarbeit garantiert, der jedes Jahr um 1 Pf. bis ki2 Pf. steigt. Bei Lohnarbeit werden SO bezw. 52 Pf. pro Stunde gezahlt._ Ortsverw. Frankfurt a. O. Neuer Stickerkampf in Plaue» i. V. in Sicht. Die Maschinen« besitzer kündigten bereits die am 1. November d. I. ablaufenden Tarifverträge. Es geschab dies auf Beschluß des Maschinenbesttzer- Vereins. Sie werden die Sticker so gerüstet finden, daß den Gerne- großen eine Niederlage sicher ist. Der Formerstreik bei der Firma Komnick in Elbing ist noch nicht beendet. Andauernd sucht die Firma Arbeitswillige, teil- weise unter großen Versprechungen nach Elbing zu locken. Auf der Jagd nach Arbeitswilligen ist die Firma skrupellos. Nicht nur daß sie ein Heer von Agenten und sonstiges Gelichter beauftragt hat, Streikbrecher heranzuschaffen, hat sie auch die swatlichen Be- triebe dafür zu interessieren gewußt. Auf der Kaiserlichen Werft zu Danzig prangte folgender Anschlag am schwarzen Brett. Danzig, 14. Juni 1910. Notiz. Aushang. Von der Firma F. Komnick, Elbing, ist nachstehendes Schreiben eingegangen:„Wie ich gehört habe, verlassen bei Ihnen soeben ausgelernte Dreher, Schlosser und Former Ihren Betrieb. Sollte dieses zutreffend sein, so wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie durch Anschlag bekannt machen würden, daß ich Schlosser, Dreher und Former, welche einem Verbände nicht angehören, jederzeit einstelle. Im voraus für Ihre Ge- fälligkeit bestens dankend, empfehle ich mich Ihnen hochachtungsvoll � p. F. Komnick, G, Schlinke." Kaiserliche Werst. Diesen Liebesdienst hat die Kaiserliche Werft der Firma Komnick geleistet, welche den Arbeitern das ihnen gesetzlich gewähr- leistete Koalitionsrecht rauben will. Doch auch diese Liebesmühe war vollständig vergebens. In Deutschland erhielt sie keine Streik- brecher und wandte sich nach Böhmen und Ungarn. Hier wurden solche nützlichen Elemente angeworben, von denen 4 gleich wieder umkehrten, als sie von dem Sachverhalt unterrichtet waren. Die verbleibenden 6 Böhmen hütet die Firma wie ein Juwel. Sie sind in der Fabrik einquartiert, um ja nicht mit den Streikenden in Berührung zu kommen. Dort liefert ihnen die Firma nichk nur alles Essen, sondern auch Bier, Zigarren, ja sogar Kleidungs- stücke. Hüte, Schuhe und weiße Wäsche. Aber aus dem Betriebe darf niemand heraus. Die Arbeitswilligen können bei weitem nicht die Streikenden ersetzen und ist die Firma bemüht, ihre Mo- delle auswärts anfertigen zu lassen. Die Streikleitung ersucht alle former darauf achten zu wollen, daß Modelle von der Firma omnick nicht angefertigt werden. Im Zweifelfalle wende man sich an die Ortsverwaltung in Elbing. Zuzug von Formern und Gießereiarbeitern ist streng fernzuhalten. Tarifabschluß im Maurergewerbe zu Lauffen a. N. Einen schönen Erfolg haben die Maurer in Lauffen am Neckar erzielt. Die Unternehmer gehören dein Arbeitgeberbund für das Baugewerbe nicht an. Der seitherige Lohn betrug 42 Pf. Die am 26. Juni eingereichte Forderung verlangte 50 Pf. Schon am 28. Juni sahen die Unternehmer sich veranlaßt, mit dem Maurer- verband eine» Vertrag abzuschließen, nach welchem der Lohn sofort auf 48 Pf. erhöht wird. Der Loh» der Bauhilfsarbeiter wurde auf 40 Pf. festgesetzt. Der Vertrag gilt bis zum 1. April 1912. Ausland. Angesichts des drohenden AuSstandeS der französischen Eisen- bahnangestellten beschäftigt sich die Regierung mit den erforder- lichenfalls zu ergreifenden Maßnahmen, um den Bahnverkehr auf» rechterhalten zu können. Dem Vernehmen nach hat der Kriegs- minister entsprechend der seinerzeit von der italienischen Re- gierung getroffenen Verfügung vorgeschlagen, die Eisenbahnen im Ealle des AusstandeS dauernd zu miltarisieren und das gesamte isenbahnpersonal unter die Fahne zu berufen. 8o2iales. Umfassender Aerztekrieg in Halle. Der zwischen einer Anzahl von Aerztcn in Halle und der Kaufmännischen Ortskrankenkafle daselbst entstandene Konflikt nimmt weiteren Umfang an. Die Aerzte haben jetzt sämtliche Verträge mit den dortigen OrtS-, Betriebs- und JnnungSkranken lassen gekündigt. Ausgeschlossen fft nur die Eisenbahnbetriebs- Krankenkasse, was um so eigenartiger berührt, als diese am schroffsten die freie Arztwahl verweigert, worum die Aerzte kämpfen. Sie verlangen die freie Arztwahl unter den im Leip- ziger Verbände organisierten Aerzten. Die Hallenser Kranken, lassen stellen Aerzte für ihre Mitglieder fest an. Die Kauftnän- nische Kasse hat deren fünf engagiert. Prozehverschleppung durch das Zentrum. Die Stadtverordnetenwahlen von Mülheim am Rhein aus dem Jahre 190� beschäftigten am Freitag zum zweiten Male das Qberverwalhingsgericht. Bei den damaligen Wahlen waren die drei Kandidaten unserer Partei, die Genossen Marx, Mitterhauser und Klein, gewählt worden, die nicht Hausbesitzer sind. Nach der Bekanntmachung des Bürgermeisters konnten auch NichtHausbesitzer gewählt werden. Der Bürgermeister ging davon aus, daß noch S Hausbesitzer in der auS 19 Stadtverordneten bestehenden dritten Abteilung säßen. daß also bereits das Erfordernis der Städteordnung, daß mindeßcnS die Hälfte der von jeder Abteilung zu wählenden Stadtverordneten aus Hausbesitzern (Eigentümer, Nießbraucher) bestehen müsse, erfüllt sei.— Auf den Einspruch der Zentrumspartti wurden aber die drei Wahlen für ungültig erklärt. Der Bezirksausschuß bestätigte diesen Beschluß der Stadtverordnetenversammlung. Der Bezirksausschuß ging davon aus, daß nicht S Hausbesitzer in der dritten Abteilung ver- blieben feien, sondern nur(pvei, und daß somit bei jenen Wahlen drei Hausbesitzer hätten gewählt werden müssen.— Unsere Genossen legten Berufung ein. Bor dem OberverwaltungSgericht vertrat ie Rechtsanwalt Dr. I. Herzfeld. Er verwies darauf, daß die >rei Stadtverordneten, denen der Bezirksausschuß die Hausbesitzer- eigenschast abspricht(Pohl, Link, Toppelfeld) im Grundbuch mit ihren Ehefrauen als Eigentümer mit dem Vermerk eingetragen den: Lebt im Güterstande der aus der �setzlichen Gütergemein- schaft des früheren Rheinischen Recht? übergeleiteten Fährnis- gemeinfchaft.— Daraus leitete der Anwalt in längeren Rechts- auSführungen her, daß es sich hier, wenn man daS alte Rheinische Recht berücksichtige, um Hausbesitzer im Rechtssinne handle, so daß die drei Neugewählten Hausbesitzer nicht zu sein brauchten.— Nun machte der Vertreter der Grgrnpartei, Dr. Holl, in der damaligen Sitzung am 12. April plötzlich ganz neu geltend, man fechte die Wahl auch an wegen terroristischer Wahlbecinslussung durch die Sozialdemokratie.— Daraufhin wurde die Sache vertagt, damit unsere Genossen dazu Stellung nehmen konnten. Am Freitag beschäftigte sich da» OberverwaltungSgericht wieder mit der Sache. Rechtsanwalt Dr. Herzfeld vertrat wieder unser« Genossen.— Auch diesmal verfiel dir Sache»ach längerer Verhandlung wieder drr Brrtagung, weil der Vertreter der Gegner(der beigeladenen Kläger und der Stadtverordnetenversammlung) wieder erst am Tag vorher einen längeren Schriftsatz geschickt hatte, der allerlei neue tatsächliche Behauptungen enthielt. Dr. Herzseld mußte natürlich unter diesen Umständen die Vertagung beantragen. Er konnte nicht umhin, die Vermutung auszusprechen, daß die Gegner die Sache verschleppten.— Im Anschluß an die Verkündung der Vertagung wandte sich der Präsident Dr. Bitter gegen einen Artikel der„Frankfurter Zeitung", durch den nach der Verhandlung im April dem Oberverwaltungsgericht der Borwurf gemacht sei, die Entscheidung in der Sache verzögert zu haben. Eingehend legte der Präsident dar, daß das Oberverwaltungsgericht so verfahren sei, wie es bei seiner starken Belastung im geordneten Geschäfts- gange verfahren konnte. Wenn eine Verzögerung der Entscheidung durch die Vertagungen eintrete, so sei im wesentlichen und zum größten Teil die Ursache darin zu finden, daß der Vertreter der beklagten Stadtverordnetenversammlung und der beigeladenen An- fechtcr der Wahl nicht rechtzeitig'die tatsächlichen Momente an- geführt habe. Hua Induftrlc und Rande!. Die Berliner Verkehrsgesellschaften. Die Große Berliner Straßenbahn vereinnahmte im Juni 1910 3 329 463 M. gegen 3103 907 M. im Vorjahre. Seit dem 1. Januar betrugen die Einnahmen 19 816 105 M. gegen 18 108 374 M. zur gleichen Zeit des Vorjahres. Der TageS- durchschnitt in 1910 stellt sich auf 109 431 M. gegen 100 046 M. in den ersten sechs Monaten 1909. Danach haben sich die Einnahmen im ersten Halbjahr 1910 um 1 727 070 M. vermehrt.— Eine Vermehrung der Einnahmen zeigen auch die beiden anderen Berliner Verkehrsunternehmungen: so vereinnahmte die Allgemeine Berliner OmnibuS-Aktiengesellschaft im ersten Halbjahr 4 733 113 M. gegen 4 382 134 M. im ersten Halbjahr 1909. Die Gesellschaft für elektrische Hoch- und Unter- grundbahnen hatte seit 1. Januar 1910 eine Einnabme von 3 788 889 M. gegen 3 624 869 M. in der gleichen Zeit des Vorjahres zu verzeichnen._ Die böhmische Brannkohlenkrise. Während sich die Konjunktur im schlesischen Steinkohlenbergbau langsam bessert(im Mai 1910 schon 412 Wagen gegen das Voriahr, 826 Wagen pro Tag gegen April) und der Export oberschlesischer Kohle nach Oesterreich 1909 um 587 009 Tonnen höher war als 1908, wird die Krise im nordwestböhmischen Braunkohlengebiet immer ärger. Der Bahnversand im Revier Aussig-Komotau ist im Mai um 4748 Wagen gegen den vorjährigen Mai zurückgeblieben. Läßt man aber das Jahr 1900 mit seiner durch eine Hochwasser- katastrophe bedeutend geminderten Förderung außer Betracht, so findet man, daß der Minderversand von 1910 gegen 1903(Januar bis Mai) 92 318 Wagen beträgt, 17,3 Proz. Daran ist die Preis- Politik der Staatsbahnen nicht unschuldig, denn sie hat die Fracht- sätze für böhmische Braunkohle nach den Hauptabsatzplätzen des In- landes um 98 bis 140 Proz. verteuert! Zugleich wurden aber die Frachtsätze für oberschlesische Steinkohle um daS Vielfache der Erhöhung der Braunkohlentarife verbilligt. DaS Arbeiten» Ministerium hat nun festgestellt, daß den Braunkohlenwerken Preis- Herabsetzungen wirklich unmöglich seien, wenn die jetzigen Löhne weitergezahlt werden sollen. Allerdings verteuert der von zwei Aussiger Firmen monopolisierte Zwischenhandel den Kostenpreis enorm.— Im ganzen Revier werden indessen schon seit Wochen vier statt sechs Schichten gefördert. Die Wochenmärkte veröden, die Auswanderung ergreift hunderte Arbeiterfamilien, in erster Linie deutsche, die ihren Lebensstandard nicht mehr weiter herabsetzen können. Doch davon sprechen die Deutschnationalen nicht. Der Sieg der amerikauischeo Eisevbahumaguatr». Die Panikmacher haben sich in ihrer Macht nicht getäuscht. Die Regierung ist noch rascher, als sie selbst erwartet haben mochten. zurückgewichen. Wie aus Washington telegraphiert wird, hatte Präsident Taft eine längere Unterredung mit dem Präfidenten der Interstate Commerce Commisfion, Knapp, über die Ausführung des neuen Eisenbahntarifgesetzes. Nach der Unterredung wurde be- kannt gegeben, daß die erhöhte Autorität, die das Gesetz der Interstate Commerce Commisfion verleiht, nicht willkürlich angewandt oder dazu benutzt werden soll, die Eisenbahnen an der Ausübung ihrer gesetzmäßigen Geschäftstätigkeit zu hindern. Die Kommisston soll nicht versuchen, endgültige Frachtsätze festzusetzen und die Berechtigung, Frachtsätze aufzuheben, soll nur da zur An« Wendung kommen, wo durch«ine Untersuchung festgestellt ist, daß die Frachtsätze übermäßig hoch sind. Von maßgebender Stelle wird hierzu erklärt, daß die Som- Mission nichts tun wird, was die Interesse» derjenige», die Geld in Eisenbahnwerten angelegt haben, verletzen könnte. G« ist die Rede davon gewesen, daß möglicherweise die europäischen Kapitalisten, welche in amerikanischen Eisenbahnwerten Anlagen gemacht haben, in Angst versetzt würden und auS einem Kurssturz der Aktien Verlegenheiten entstehen könnten zu Zeiten, wo die Ernte verfrachtet wird. Präff dent Taft steht in der Lage nicht«, was einen solchen Standpunkt rechtfertigen könnte und ist der Ansicht, daß das Gesetz in de» l einer vorsichtigen Körperschaft ist, und wünscht, daß dieser Charakter der Vorficht aufrecht erhalten wird. Die Kemmiffioa will nicht den Eisenbahnen auch nur die geringsten Schwierigkeiten bereite»,»nd nicht» werde geschehe«, wab da« Gedeihen der Eisenbahnen, solange sie da« Gefetz erfüllen, Ipf drohen könnte. Mit anderen Worten, die Eisenbahnen erhalten freie Hand. Die Börsen find von dieser Botschaft natürlich entzückt und dxr Panik folgt eine lustige Hausse. Letzte JSacbnchten und Oepekden. Bo« Schlachtfelde der Arbeit. Hirschtrrg i. 6d|I, 2. Juli.(W. T V.) In eine» 0t«i«. bruch bei Bober-Uller»dorf. in dem Steine für de» Talfperrenda» bei Mauer gebrochen werden. wurde« heute nachmittag bei SprengungSarteite» drei Mau» getötet«nd einer schwer verletzt. Uuwetter-Nachrichte». Bingen, S. Juli.1 CO i, Rock seitwärts mit Falten. I\m/.OvJ aus ripsartigem Waschstoff, I II IZ.C/OOr\ldLI wei88 und farbig, reich mit V/ r"� Cf�l Einsätzen, Pierette kragen.............. D i n o H ö l rl au* Batist, reich mit I II IZ-CoolxICILI Stickereien, Einsätzen und /-C rr Säumchen garniert, farbig, seid. 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Wenn die Bau» gewaltigen während der letzten Jahre in grotesken Tönen klagten. daß das Gewerbe an den sozialen Lasten und den zu zahlenden hohen Arbeiterlöhnen zugrunde gehe, seine Entwicklungsfähigkeit erstickt werde, so haben die genannten beiden Ausstellungen daS Gegenteil bewiesen. Die Ausstellung in Charlottenburg illustrierte an ausgestellten Modellen und Skizzen, wie man überall neue Formen sucht, wie neue Projekte reifen und Staat und Gemeinden in den letzten Jahren enorme Summen für Bauzwecke aufwandten. Noch besser veranschaulicht den Wohlstand und die EntwicklungS- fähigkeit des deutschen Baugewerbes die Materialausstellung in Baumschulenweg. In einem Lande, das einer solchen Material» induftrie sich erfreut, kann von einem Niedergang des Gewerbes, geschweige denn gar von seinem Ruin durch einige bescheidene Ar- beiterforderungen gar keine Rede sein. In den letzten zehn Jahren erlebte und veranlasste die baugewerbliche Technik gewaltige Ver» änderungen. Während die Architekten auf dem Gebiete der Stil- formen trotz verschiedentlicher Anläufe zu keinem klaren Ergebnis kommen können, zeigt die technische Konstruktion und Material» Verwendung vielfach neue Entwicklungsmöglichkeiten. Die Zeit des einfachen BacksteinbaueS mit seinen Holz- oder Steingewölbedecken, die sich in Holzbalken oder Eisenträger«in- spannten, ist längst vorbei. Abgesehen davon, daß es heute kaum noch vereinzelte Ziegeleien gibt, in denen der Ziegler mit eigner Hand den später zu brennenden Lehm- oder Tonziegel formt, ist auch der im Ringofen gebrannte Maschinenstein schon wieder ins Hintertreffen geraten. Kalk und Sand, das ist jetzt die Losung! Die Verbindung der beiden Körper konnte man sich bis vor kurzer Zeit nicht anders denken, als in breiig flüssiger Masse als Bindematerial. Heute preßt man ein Gemisch von Kalk und Sand in Formen, härtet die Formlinge in großen Dampfkesseln unter einem Dampfdruck von 8 Atmosphären und erzielt dabei einen Baustein, der den Backstein ersetzt; besitzt er doch eine Druck- festkgkeit von 140 Kilogramm pro Quadratzentimeter. In �'rlin, besonder? in den Vororten, sieht man schon viele aus weißen Kalksandsteinen aufgeführte Bauten. Welche Verbreiwng dieser künstliche Baustein bereits gefunden hat, zeigt die Entwicklung der für Berlin in Betracht kommenden Guthmannschen Kalksandsteinwerke. Während der Absatz bei dem vor neun Jahren errichteten Werk im Fahre 1902 innerhalb Berlins 29,1 Millionen Steine betrug, wies er im Jahre 1909 191,9 Millionen auf. Auch der rohe Aruchkalkstein, mit welchem Berlin und seine Umgebung hauptsächlich aus den Rüdersdorfer Brüchen versorgt wird, dient in allerjüngster Zeit ebenfalls als Fassadenmaterial. Fein säuberlich behauen, werden die Blöcke in die Front einge» fügt und sie erzielen in ästhetischer und praktischer Hinsicht zum Teil die gleichen Dienste als der kostspielige Sandstein, und manche Sandsteine können sich nach dem Urteil des Herrn Geheimrat Hirschwald von der Technischen Hochschule mit dem Kalkstein in bezug auf Wetterfeftigkeit nicht messen. Noch verschiedene andere künstliche Steinarten haben sich in den letzten Jahre« eingebürgert. Im Gebiete der Eiset liegen seit Jahr- taufenden ungeheure Vorräte von Bimssandstein und Lavamasse, die einst aus glühendem Erdschlund auf diese Gegend niedergingen und unbeachtet blieben. Heute macht man sie nutzbar. Aus ihr werden die sogenannten Schwemmsteine hergestellt. Sie sind sehr porös, besitzen also keine große Druckfestigkeit, eignen sich aber trotz- dem vorzüglich für Deckenwölbungen und leichte Scheidewänt«. Müllverwertungsgesellschaften produzieren aus dem Rückstand aller möglichen Abfälle, die in dafür konstruierten Oefen verbrannt werden, künstliche Steine. Bei den großen Bauten gibt es viele Gelegenheiten, dieses minderwertvolle Material zu verwenden. In der Herstellung der Fußböden ist zwar die Tvnfliese noch das solideste Material, aber das von den Italienern geschickt verfertigte Terazzo erfreut sich hier steigender Verwendung- Die weiche Masse wird auf das Ziegelpflaster aufgetragen, gewalzt, zuletzt fein ab- geschliffen und poliert. Dem Marmor ist damit ein gefährlicher Rivale entstanden- Die Platten auf den kleinen«Marmortischen" in den Cafes, die sich im Sommer so angenehm kühl anfühlen, sind weiter nichts als eine zurechtgeknetete Masse, sogenannter künstlicher Marmor. Eine große Umwälzung hat im Bauwesen die Einführung des Eisenbetons hervorgerufen. Große Gebäude, besonders Fabrik- anlagen und Geschäftshäuser, werden aus Beton hergestellt. Wo früher der Maurer Backstein auf Backstein fügte, da wird heute auf beiden Seiten eine provisorische Holzwand als Stütze errichtet und in diese Form hinein stampfen einige Arbeiter die feuchte, auS Zement, Sand und Wasser bestehende Masse. Eingefügter starker Draht oder ganz schwache Eisenstangen geben dem Material besseren Halt. Wenn die Masse genügend getrocknet ist(abgebunden), wird die Form entfernt. Das Passagelaufhauz in der Friedrichstraße in Berlin, das Jandorffche Geschäftshaus am Kottbuserdamm und das Gefängnisgebäude in Tegel, also drei kolossale Bauten, sind aus Beton hergestellt. Decken- und Tachkonstruktion fertigt man jetzt auS Betonmasse. Man durchschreitet heute eine neue Säulenhalle, eine Kirche oder ein Restaurant und betvundert die an der Decke wieder zu alten Ehren gebrachte Gotik. Alles das neue Material I Aus Beton läßt sich fast alles machen: feingeschwungene Säulen und Plafonds, die zutveilen auch auS einem mit Gips über. zogenen Drahtnetz bestehen, Pfähle, Balken, Laternen, und Tele- graphenmasten, Eisenbahnschwellen usw. Holz, daS immer teurer wird, findet einen billigen und dauerhaften Ersah in Zement und Sand. Die Ausstellung in Baumschulenweg veranschaulicht die ganz hervorragenden Leistungen auf diesem Gebiete. Die Dachkonstruktion, z. B. die Sparren und Stützen, fertigte man früher stets aus Holz an, dann eroberte sich das Eisen ein kleines Feld. Jetzt gelangt allmählich auch hier der Beton zur Verwendung. Er ist bedeutend billiger und auch feuersicherer. Auch der Rost, der das Eisen fraß, kann ihm nichts anhaben. Die Zimmerdecken wurden zu Groß- Vaters Zeiten nie anders als aus Holz hergestellt, ausgenommen die gotischen oder auf Eisenträgern gestützten Steingewölbe. Vor etwa 20 Jahren kamen die geraden Steindecken auf. Jetzt«wölbt" man flache Steindccken gleich über den ganzen Raum hinwcg. Die eisernen Zwischenträger wurden vielfach schon entbehrlich. Die Steine sind gefalzt und schieben sich ineinander, einer hakt am andern und die ganze Decke lagert auf den Seitcnwänden. Aber auch diese Decken gehangen schon wieder ins Hintertreffen. Veto» hat die Zukunft! Bis zum Jahre 1894 war in Deutschland das Eisenbetonverfahren geschützt. Seitdem hat sich eine gewaltige Betonindustrie entwickelt. In Berlin waren im letzten Jahre 2699 Arbeiter im Betongewerbe beschäftigt. Insgesamt sind irach den Schätzungen von Fachleuten in Deutschland zurzeit in der Betoninduftrie 199 999 Arbeiter tätig. DaS im Betonbau investierte Kapital schätzt man auf 139 Milli- onen Marl und die jährliche Produktion in Deutschland auf 239 Millionen Mark. Diese Ziffern beziehen sich nur auf die im letzten Jahrzehnt entstandene Betonindustrie. Tie Zementindustrie ist nicht einbegriffen. Da im Baugewerbe insgesamt zirka 2 Millionen Personen beschäftigt sind, entfällt heute schon der 29. Teil auf den Betonbau, der noch in seinen Anfängen steckt. Die Arbeitsleistungen im Eisenbewngcwerbe können nicht durch maschinelle Vorrichtungen ausgeführt werden, wie ja überhaupt die Maschine für das Baugewerbe nur wenig in Betracht kommt. Ge- wandtheit und Fleiß der Arbeiter unterstützen den Fortschritt. Die Akkordlöhne im Betongcwerbe sind enorm gesunken. In Verlin wurden vor IS Jahren für den Quadratmeter Eisengeflecht, das in den armierten Beton gelegt wird, dreißig Pfennig gezahlt, heute muß dieselbe Arbeit für 19 Pfennig geleistet werden. In Hamburg. auch eine Zentrale für Eisenbetonbauten, wurde in den ersten Jahren, als der Betonbau zur Einführung gelangte, der Quadrat- meter Betondecke von den Unternehmern zu einem Preise von 14 bis 16 Mk. hergestellt, heute liefern sie die gleiche Arbeit bereits sür S bis 6 DU. DaS künstliche Material beherrscht heute zu einem großen Teil den Baumarlt. Ganze Industriezweige haben sich gebildet. Ein großer Stab von Technikern, einschlägigen Zeitschriften, Fachkursen usw. geben Zeugnis davon. Auf die Bauausstattung wird heute mehr Gewicht gelegt als früher. Die großen Geschäftshäuser, die in ihren Räumen vielfach Pfennigartikel verkaufen, rivalisieren' in der Fassadenausschmückung mit den Staatsbauten. Die Städtebau» auSstellung, die in erster Linie ein Anreger in ästhetischer und sozialer Hinsicht sein sollte, hat gezeigt, welch großes Interesse die gesamte Oeffentlichkeit dem Bauwesen entgegenbringt. Die fort- schrittlichen Elemente in den Kommunen drängen immer mehr auf bauliche Schöpfungen, die unseren veränderten Verhältnissen Ge- nüge leisten. Gelegentlich eines Festessens, das die beteiligten Firmen«mf der Bauindustrieausstellung— die Vertreter der Maschinenindustrie und Feinkeramik gehörten nicht dazu— gaben, wurde von den Herren ein Lied gesungen, in welchem u. a. fol� gender schöne Vers vorkam, aus dem die größte Zufriedenheit mit dem Geschäftsgange spricht:„In Sand und Kalk sind Gold, tverni auch der Ziegler grollt". Das war ein ehrliches Wort! Das Blühen und Gedeihen der Bauindustrie dokumentiert sich auch in folgenden Zahlen: Während im Jahre 1894 in Deutschland 41 Bau. Aktiengesellschaften bestanden mit einem Gesamtkapital von zirka 9314 Millionen Mark, gab es zu Ende des Vorjahres 169 Gesell- schaffen mit einer Kapitalsumme von 321 Millonen Mark. Zum Teil handelt es sich dabei allerdings um Terrainspekulationen. Alles in allem sehen wir im Baugewerbe eine Industrie mit guter Grundlage und hoffnungsvoller Zukunft. Aber diese Zukunft wird gefährdet durch die Versuche, dieses Gewerbe zum Schauplatz wildester und ödester Scharffnacherei zu machen, wie das bei der letzten Aussperrung in die Erscheinung trat. ohne ■ Stiel ä / Sandalen. • Jennissäiuhe• • Casling-; '. säiübe *••••••• Damen-Stiefel Chromleder-Sdinfirstiefel■« uddupiwa 5.95 Braa�ecbtChevreaux-SchnGrstiefel g gg Bellt Chevreauz* a. Boxcalf-Schnür- abefel»tt Laddupp-a,«xt mit Derbyrndmitt 8.90 Bellt Chevreaux- u. Boxcalf-Schnur- Stief el mit n. ohne Udric�pca,«uf Raad gedopp. 10*50 Braun und schwarz Schnurstiefel » Chevreaux u- Boxcalf, mit u. ohne Ladckappeo, 4 1% CA *«cfa mit Derbyscfaaitt, Orl£.-Good.-Wclt.. iä.üU la Boxcalf- Oesenstiefel mit DoppeUot>i.o 12.50 Herren-Stiefel Kräftig-er Bergsteiger m. 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Der Vorstand wird beauftragt, vor dem nächsten Verbandstag rechtzeitig eine Urabstimmung vorzunehmen, nach deren Resultat dantfc die Frage behandelt werden soll. Zum Punkt: Die Neichsfinanzreform und ihre Wirkung auf den Gastwirtsberuf wird die folgende Resolution einstimmig angenommen: Der fünfte Verbandstag des Verbandes der freien Gast- und Schankwirte Teutschlands, welcher am 29. Juni 1919 zu Linden tagt, erhebt den entschiedensten Protest gegen die Finanz- reform, welche im Jahre 1999 vom Deutschen Reichstag beschlossen worden ist. Die einzelnen Steuerarten: Biersteuer, Branntweinsteuer, Tabaksteuer, Kaffee- und Teezoll, Zündwarensteuer, Glühkörper- steuer, Schaumweinsteuer belasten in ihrer Gesamtheit keinen Beruf in solch hohem Grade, wie den Wirteberuf. In der kurzen Zeit des Bestehens dieser Finanzgesetze sind weit über 19 999 Wirte existenzlos gemacht und dem Hunger und Elend preisgegeben worden. Die Zahl dieser Existenzlosen bildet aber noch keineswegs den Gradmesser des durch diese Steuern hervor- gerufenen Elends. Der größte Teil der Wirte hat heute nur noch eine Scheinexistenz. Trotz eifrigen Bestrebens ist es den Wirten nicht möglich, das Notdürftigste für den Unterhalt der Familie zu beschaffen. Die Abhängigkeit wächst durch Ver- mehrung der Schuldenlast immer mehr. Viele sind bereits völlig kreditlos. Die Familien darben. Einen anderen Beruf zu er- greifen, ist oft infolge der Tätigkeit, welche die Wirte in ihrem Gewerbe ausüben und des gereiften Alters nicht möglich. Die Situation ist für die Wirte durch den Kampf um die Bierverteuerung verschärft worden. Durch diesen sogenannten Bierkrieg ist Zwietracht zwischen die Konsumenten und Wirte gebracht. Freunde sind verfeindet worden. Die Ursache davon ist die Finanzreform. An dem Zustandekommen dieser Finanz. gesetzgebung trifft die Wirte, welche im Verband der freien Gast- und«chankwirte organisiert sind, kein Verschulden. Ihre Ver- treter im Reichstage sind die Sozialdemokraten, welche die Finanzgesetzgebung entschieden bekämpft haben. Erne weitere Verschlechterung der Lage der Wirte ist durch die Stempelsteuergesetzgebung der einzelnen Staaten, insbesondere Preußens herbeigeführt. Auch in vielen Gemeinden sind Steuern eingeführt, welche die Wirte besonders schwer belasten. So ist denn da? Elend beim größeren Teil der Wirte un- beschreiblich geworden. Als weitere Folge ergibt sich die Ver- mehrung strafbarer Vergehen. Die Gesetzgebung zeigt bisher kein Seitenstück einer solchen unerhörten Steuerpolitik, welche den einzelnen Beruf in solcher Art belastet. ?rmi von Schönebeck vor den Geschworenen. Gestern vormittag legten die Sachverständigen Medizinalrat Prof. Dr. Puppe, Prof. Dr. Meyer, Privatdozent Gerichtsarzt Dr. Strauch, Kreisarzt Medizinalrat Dr. Eberhardt, Sanitätsrat Dr. Lullies und Sanitätsrat Dr. Stoltenhoff, Direktor der Provinzial- irrenanstalt Kortau, übereinstimmend dar, daß die, wie wir schon gemeldet haben, am Freitag in der Provinzialirrenanstalt Kortau untergebrachte Angeklagte zur Zeit unzweifelhaft geisteskrank und nicht verhandlungsfähig ist. Auch von einer BerhandlnngSfähigkeit in den nächsten Monaten dürfte keine Rede sein. Sie schilderten Einzelheiten aus dem Benehmen der Angeklagten, die wiederholt in einen TobsuchtSanfall verfallen war, bei dem sie schwer durch mehrere Personen zu halten war. Bezeichnend für die Geistes- Verwirrtheit ist neben den Wahnvorstellungen, in denen sich die Angeklagte befindet, die Art der Ausführung des Selbstmord- Versuchs. Sie wußte eS durchzusetzen, daß alle Personen daS Zimmer verließen, schloß dann die Türe ab und kramte im Koffer, um einen Gegenstand zu finden, mit dem sie ihre Absicht ausführen konnte. Mit einem kleinen stumpfen Messer schnitt sie dann die Pulsader an und rief fortwährend: Otto, Otto(daS ist ihr Schwager, den sie vorher hinausgeschickt hatte) ich kann die Stelle nicht finden. Der Blutverlust betrug etwa 2 Liter. Die Aerzte stellten am Freitag folgendes Attest aus: „Frau Weber leidet zurzeit an Geisteskrankheit in Form von Erregung und Verwirrtheit mit starker Neigung zum Selbst- mord. Sie bedarf daher dringend wegen Gemeingefährlichkeit der Aufnahme in eine geschlossene Anstalt. Die Gemeingefähr» lichkeit liegt einmal darin, daß sie sich selbst mit einem Messer verletzt hat und sehr oft davon gesprochen hat, daß sie so etwa? tun werde, und andererseits darin, daß sie in ihrer erregten und gereizten Stimmung auch für ihre Umgebung eine Gefahr be» deutet." Auf Grund dieses Attestes erfolgte die Aufnahme in der Pro- vinzialirrenanswlt Kortau. In der Anstalt behauptet sie Mei- nungsdifferenzen mit ihrem Manne hätten sie unglücklich gemacht. Deshalb habe sie sich die Verletzungen mit dem Messer beigebracht. Ein andermal glaubte sie, in ihrer Privatwohnung sich zu befinden und ordnete an, daß die Kinder zur Schule sollten. Dann wreder sprach sie davon, sie wolle ins Gericht, damit die Sache endlich ein Ende nähme usw. Das Gericht beschloß auf Antrag der Staatsanwaltschaft: weil die Angeklagte nach der Tat in Geisteskrankheit verfallen ist, wird da? Verfahren gemäß§ 293 der Strafprozeßordnung vorläufig eingestellt. Die Entscheidung über die Kosten bleibt vorbehalten. Wlocden- Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. OpernhauS. Geschloffen. Königl. Schauspielhans. Geschloffen. Neues königl. Oper«- Theater. Sonntag: Die Walküre.(Anf. 7 Uhr.) Montag: Lohengrin.(Slns. 71/, Uhr) Dienstag: Geschlossen. Mittwoch! Zum erstenmal: Der Kobold.(Ans. 71/s Uhr.) Donnerstag: Siegfried.(Ans. 7 Uhr.) Freitag: Der Kobold.(Ans. T/, Uhr.) Sonnabend: Götterdämmerung.(Ansang 6'/, Uhr.) Sonntag und Montag! Tannbäuser. Deutsches Theater. Sonntag bis Donnerstag: Laune de» ver- liebten. Judith und Holofernes. Freitag bis Montag: ReichStagSwahl. (Ansang 8 Uhr.)' Deutsches Theater(Kamm erspiele). Täglich: LiebeSwalzer. Ansang 8 Uhr. Heising- Theater. Täglich: Kasernenlust. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Täglich: Nur ein Traum. Ansang 8'/, Uhr. Berliner Theater. Täglich: Taifun. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Geschlossen. Neues Schauspielhaus. Täglich: Der Flieger. Ansang 8 Uhr. Hebbel> Theater. Täglich: Wem gehört Helene? Spuk. Ansang 8llt Uhr. Komische Oper. Täglich: Der Regimentspapa. Ansang 8 Uhr. Thalia-Theater. Taglich: Charleh» Tante. Ansang 8 Uhr. Schiller-Tbeater O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abend»: Die Förster-Christel. Ansang 8 Uhr. Montag und DienStag: Die Förster- Christel. Mttwoch: Der Troubadour. Donnerstag und Freitag: Die Förste!- Christel Sonnabend: La Traviata. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Abend»: Der Troubadour. Montag: Die Förster-Christel. Schiller- Theater Charlottenbnrg. Täglich: Die von Hochsattel. Anfang 3 Uhr. Friedrich-Wtlhelmstädtisches Schauspielhaus. Geschloffen. Neues Operette«- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Abend» bis Sonnabend: Der Gras von Luxemburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprinzesst». Abend» und Montag: Der Graf vonILuxemburg. Anfang 3 Uhr. Luisen- Theater. Sonntaanachmittag 3 Uhr: Lena Warnstetten. Abends: Der Gras von Monte- Christo. Ansang 8 Uhr. Von Montag ab geschloffen. Luftsptelhaus. Allabendlich: Da» Leutnantsmündel. Ansang 8 Uhr. Rose-Theater. Täglich: Der Gesundbeter. Anfang 8 Uhr. Slpollo-Theater. Allabendlich: Mahara. Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Folies Capriee. Allabendlich bis aus weitere»» Pariser Ehen. Versohnungssest. Ansang 8'/« Uhr. Metropol> Theater. Allabendlich: Hallo I Die große Revue l Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntag, Allabendlich: Speztalttäten. Ansang Wintergarten. Allabendlich: Buggenhagen. Täglich: Spezialitäten. Retchshallen< Theater. 8 Uhr. Sonntag» 7 Uhr. Karl Haderland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla> Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Prater-Theater. Täglich: Im Reiche de» MarS....... Urania> Theater. Taubenftr. 48/4». Sonntag zum Watzmann. Montag bis Mttwoch: Ueber dm Brenner nach Venedig. Von Donnerstag ab: In den Dolomiten. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. nachmittag» 8 Uhr: SpeztalttSte«. 8 Uhr. pezialitäten. Anfang 8 Uhr. litäten. Anfang 8 Uhr. Allabendlich: Stettiner Sänger. Ansang Ansang 8 Uhr. von der Zugspitze koiMMß unseres zu außerordentlich billigen Preisen. Hervorragend preiswert: Ein Posten Reise-Kostüme •os prima reinwollenem Kammgarn in modernen Farben, erstklassig/ verarbeitet, Jacke auf Seiden- Futter....................... 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MT Wähler Rixdorfs, protestiert gegen den letzten Gewaltakt der bürgerlichen Stadt- verordnetenmehrheit und erscheint in Massen. 1235/6" Der Einberufer: A. Scholz. Weisestr. 23. Gesetzlich geschützt! Gesetzlich geschützt: Spezialität t 10 30 Ps. Cigaretten } Garantiert Kandarbeif! Große Oeffentliehe Versammlung Mittwoch. 6. Juli, abends 9 Uhr, im Gewerkschastshaus, Saal 1. Tagesordnung: 1. Die Ailti-Alkoholbewegnng in Nordamerika. Reserent: BF. T. YOelkd' NEW YOFfc 2. Diskussion. Kein Drinkzwang. Eintritt 19 Pf. 287/7 Deutscher Arbeiter- �lbstinentenbund. Ortsgruppe Berlin I. A.: I»»»I yrenzeL_ Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter. Kwelgverela Berlin. GeschästSstelle- 0. 54, Mulackstr. 10. L Tel. Amt HI 4518. Sonntag, den S. Juli 1919, nachmittags 3 Uhr. in Keller« KonzerthauS, Köpenickcr Stratze 96/97: pitglkdcr-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Wahl der Bei- fiker zum Hauptvorstand und der Revisoren. 3. Ber- schiedenes. mtglledsbneli oder-Karle legitimiert zum Eintritt. Die wichtige Tagesordnung macht eS jedem Kollegen zur Mcht, w dieser Versammlung zu erscheinen. 42/16' Die Ortsverwaltung. 3. Wahl der nicht der Prebkommisston. Verrraltnng Berlin. Freitag, den 8. Juli, abends S'/s Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 4: Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Diskussion. besoldeten Mitglieder im Hauptvorstand. 4. Wahl 5. Wahl de? ÄauvorstandeS. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. Mitglieder, die nicht Delegierte sind, können, soweit Ziaum Vorhände» ist, als Gäslean der Versammlung teilnehmen.— Nichtdelegierte, die Anträge und Vorschläge eingereicht haben, können diese Anträge in der Generalversammtung mündlich begründen. Die Ortsverwaltung. Freitag» de» 8. Juli, abendS 7 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Saal 1: Kombinierte Sitzung der Uermnitung«nd Kontrollkommission. _ Die Ortsverwaltung. Achtung! Uol�sräsUsn. Montag, den 4. Juli 1919, abends S-/, Uhr, im Lokal«nhaltische Ressource, Möckcrnstrafte 114: Versammlung»"WV Tages-Ordnung: 1. Der Streik Bei der Firma Goasow. 2. Diskussion. Die Holzarbeiter werden ersucht, recht zahlreich in der Versammlung zu erscheinen._ Die Ortsverwaltnug. Einsetzer! Montag, den 11. Juli findet unsere � 85/19 Dampferpartie mit Mnsik nach SevIoB Woltersdorl statt. Billetts sind bei den Bezirksleitern zu haben, dieselben müssen am 10. Juli abgerechnet werden. Um rege Beteiligung ersucht_ H. Fran«. Verband der Sattler und Poitefeuiller. ■ Odsverwaltung Berlin.------------ Die nächsten Branchenversammlungen finden an nachsolgenden Tagen statt: koFtekeuilleF- u. ReisearllkelbFaneheit.eTn.ai, abends»>/, Uhr, bei«raumnnna, Nannynstr. 37. Liiioleumlegep u. Teppielinaher: M«ttw-ch.den«.Ju«. abends 8'/, Uhr, bei Weibnacht, Grnnftr. 31. Mittwoch, den 6. Juli, abendS 8'/, Uhr, im Cietverbaebaftabanae, Engelufer 15. SekllOD CliarloUenbiiFg: MUtw-ch, dr»«. Jul«. abends H'U Uhr, im Volkahaus, Nosinenstr. 3. Achtung;! Achtung;! Die Branchen- Bersatninlungen der Geschirrsattler, Militärsattler sowie der Eisenmöbel- und Lederstuhl- Polsterer fallen aus Anlast der am?. Juli stattfindenden öffentlichen Versammlungen aus. Wir ersuchen unsere Mitglieder, sich recht zahlreich an diesen Versammlungen zu beteiligen. Für die Geschirrbranche findet eine Ersatz- Versammlung am Donnerstag, den 14. Juli, im«Eng- tischen Hos", Neue Noststr. 3, statt. 156/18 Die Ortsverwaltung. H"' Berliner------- umsr-chitättell S. Cr euer. KasUnUn-UUct ae Ueberall zu haben 2 Nr. in. rund— ohne Mundstück Nr. m.,— mit. -- Kette(Zualitäts-Cigarette.--- Nur echt mit zwei roten Fahne». Ueberall zu haben! Baep Ecke J Prinz.-Allee Herren-»nd Knaben- iModen, Berufskleidung. Eleg. Paletots. iGroOes Stottiager zur Anfertigung n. Maß, Allerbilligste,«treng feste Preise. m iHar Arbeitsnachweis: Hos l. Amt 3. 1239. Berwaltnngsftelle Berlin. Hauptbnrean: edarittstraße 3. Hof III. Amt 3, 1987. Dienstag, den 5. Juli, abends 8Vs Uhr, in den„Nndreassälen", Andreasstraste 21: MitgliederUersammlung der Bekplegep u. Helfer Berlins u. Umg. TageS-Ordnung: Agitationskommistion. 2. DiSkusston. 3 Branchen' 1. Bericht der angelegenheitcn. Kollegen! In dieser Versammlung wird auch die Antwort der Arbeit. ftbn mitgeteilt. Da noch andere wichtige Dinge beraten werden, so ist eS 'sticht aller Kollegen, soweit fie unsere Mitglieder sind, W dieser V sammlung zu erscheinen. ----------- Mitgliedsbuch legitimiert!------------ Wer länger als sechs Woche» mit de» Beiträgen rüdständtg ist, hat keine» Zutritt. Dienstag, den 5. Juli, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4: Krancheu-Uersammlung der in den Eisenkonftruktions-Werkstätten beschäftigten Arbeiter. Tages-Ordnung: 118/4 1. Vortrag de? Kollegen Wnschlck:.Das Recht de» Arbeiters im heutigen Staate." 2. Branchenangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Kollegen I In Anbetracht der äußerst wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller dringend notwendig. »«!>! Bauanschläger. Ha' Die Monatsversammlung am Donnerstag, den llaulsclier Arbeiter-Sängerbund. Gau Berlin und Umgegend. Sonntag, den 10. Juli 1910, vormittags 10 Uhr, im Saale der Brauerei Friedricbshain: Uebunss- Stunde. Geübt werden folgende Lieder: 1. Empor zum Licht.] } 2. Die drei RSselein. 3. Das hellige Feuer. 4. Wanderschaft. 5. Heimkehr. 6. Die Internationale, ImioNu��mtil'S'!ol,Aus8chuß«Sitzung;. Tages-Ordnung: 17/12| 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bandesangelegenheiten. Der Vorstand.{a Achtung, Bewilligte Bäckereien! Teile dem geehrten Publikum und Nachbarschaft mit, daß ich aus An» regung des Publikums nunmehr die Forderungen des Bäcker- und Kon» 7. Juli 1910, fällt wegen der an diesem Tage statt- findenden Bolksversammlungen aus- Achtung! Achtung! Die nächste Ordentliche General-Versammlung der Berwaltungsstelle Berlin findet am IS. August d. I. statt. NM" Anträge hierzu müssen bis spätestens 18. Juli bei der Ortsverwaltung eingegangen sei»."UitzB Die OrtSverwaltung. Verband der Lederarbeiter Filiale Berlin I. Dienstag, de» 5. Juli, abends 8 Uhr. in»SchmidtS Festsäle", Prinzenallce 33: V ersam mlung. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. Referent: Kollege Mahler. 2. VervandSangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Her Vorstand. Beclia N. 20, Hochstraße 21/24. Amt III, 1608 und 3183. Erstklassige Bicre. I ditorenverbandeS Deutschlands anerkannt habe. mackhaste Ware z~ f Achtungsvoll Otto Stzlltat, Brüsseler Str. 5. sein, gute und schmackhafte Ware 281lb ES wird mein Bestreben »[feiern und den Tarif einzuhalten. t Bewilligte Bäckerei! Achtung ! Teile dem verehrten Publikmn und Nachbarichast mit, daß ich unten» genannte Bäckerei käuflich übernommen habe und zugleich die Forderungen deS Bäcker- und Konditorenverbandes anerkannt habe. ES wird mein Be- streben sein, gute Ware zu liesern und den Taris einzuhalten. 2810b Achtungsvoll Hermann Lebelt, Hussitenstr. 38. Neanderstraße 12 v bis.,.8 uhr. PnMampr �fraflR 117 an 1161 �vtsovstrave,'/.IL— 2 vbr t vldlldlllvl otlouo Iis ijß bis 9 Uhr abends.:; r. s:::: Vollkommenstes kombiniertes Heilverfahren bei frischen und veralteten Füllen. Nachweislich unerreichte Dauererfolge in verhältnismäßig kurzer Zeit. Um sich vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zu schützen, verlange man ausführliche Broschüre in meinen Instituten oder durch die Post(verschloss. Kuvert) gratis und franko. Dr. Strahl', Ambulatorium O. m. k. H. / Oper.tionslo.e Behand-, 1 luag ohne Beniftsidrung' Sprechzeit; 10—12 und S— 5 Uhr, Sonntee« nur Vorm, Prosp. gr.ti.1 Berlin wa4 Die Harnleiden Oire Gefahren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. Sc/japer, BERLIN- Preis 1 Mark. W Ttcs Taeeend.> Verlai) MaxRichterlÄÄ Monall 19 M. iiesere eleg. 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Juli, von 8 Uhx abends an, findet in den sechs Berliner Kreisen sowie in AdlerShos und Rixdorf eine Flttgblattverbreitnng von den bekannten Stellen ans statt. Am Donnerstag, de» 7. Juli, schließen sich eine Anzahl Von Versammlungen an, in welchen über den Entwurf der Reichsversicherungs-Ordnltug referiert wird. Die Genossen« und Genossinnen aus Partei«nd GeWerk- schaft ersuchen wir um regsie Beteiligung au beiden Beran- staltnngen. Aktions- Ausschust. Ausfchuft der Berliner Gewerkschafts-Kommisfion. Die Flugblattverbreituug erfolgt, wie oben bemerkt, in allen sechs Berliner Kreisen sowie in AdlerShos und Nixdorf. Die übrigen Orte des Teltower Kreises sowie der KreiS Niederbarnim verbreiten am Dienstag nicht. Partei- IZngelegenbeiten. Zur Lvkalliste. Am heutigen Tage feiert der»Deutsche Turnverein Frisch auf" im Lokale von Hausotter in Glieuikke a. d. Nordbahn sein Stiftungsfest. Da seitens des ge- nannten Vereins eine ganz besonders rege Propaganda für dieieS Vergnügen betrieben worden ist, machen wir darauf aufmerksam, daß daS Lokal von Hausotter der Arbeiterschaft nicht zur Ver- fügung steht und ersuchen daher, alle dortigen Veranstaltungen streng zu meiden. Auf wiederholte Anfragen bezüglich der Lokale am M ü g g e l- f e e teilen wir mit, daß daS»Strandschloß", Jnh. Möller, frei ist. dagegen ist daS„Müggelsee-Strandrestaurant" gesperrt. Am heutigen Tage veranstaltet die»Freiwillige Feuer« wehr" in Lankwitz im Lokal von G u r s ch ü tz. Kaiser-Wilhelm- Straße 29/31 ein Vergnügen. Wir weisen darauf hin, daß das be- treffende Lokal gesperrt ist. DaS Lokal„Graßls GefellfchaftShauS" in Marien- dorf ist nach wie vor gesperrt. Die Lokalkommission. Auf zum Sommerfest des 4. Kreises! Da» diesjährige Sommerfest des 4. Kreises findet heute Sonntag, den 3. Juli in den Lokalen Seeterrasie-Lichtenberg. Ludwigs Viktoria- garten-Treptow, Bellevue-Rummelsburg und in der Alten Taverne- Stralau statt. Das Festkomitee wird es sich angelegen sein lassen, den Besuchern einige vergnügte Stunden zu bereiten und ist überall für reichhaltige und genußreiche Unterhaltung Sorge getragen. Die im Lokal Seeteraffe vorhandenen Räumlichkeiten begünstigen besonders die in Aussicht genonimenen Veranstaltungen und künst« lerischen Aufführungen. Auch für die junge Garde ist Sorge ge- tragen. Auf der an das Lokal grenzenden Wiese werden unter Leitung von Mitgliedern des Turnvereins.Fichte" Kinderspiele ver- anstaltet, so daß groß und klein, jung und alt auf ihre Rechnung kommen. Bei dem mäßigen Eintrittspreise wird uatürlich auf Massenbesuch gerechnet._ 6 Wahlkreis. Heute Sonntag, den S. Juli, veranstaltet die siebente Abteilung einen Familienausflug nach Picheiswerder. Treffpunkt 9 Uhr, Grunewald, PichelSdorfer Seite. Gäste willkommen. Die AbteilungSführet. Charlottenvurg. Parteigenossen, Gewerkschaftler! Am DienStag. den 5. Juli, abends 8Vs Uhr findet im BolkShauS, Rosinenstr. 3 eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Die Reichs- Versicherungsordnung und die Verschlechterung der Stellung der Ar- bciter in derselben. Referent: Arbeitersekretär G. Link. 2. DiS- kufsion. Um zahlreichen Besuch dieser Versammlung als Protest gegen die Bestrebungen der Regierung und der Scharfmacher bittet Der Ausschuß der Gewerffchastskommisflon. Der Vorstand des Wahlvereins. Baumschulenweg. DaS am Sonntag, den 2«. Juni verregnete W a l d f e st wird heute fortgesetzt. Abmarsch vom Lokal Ernst- und Marienthalerstraßen-Ecke um 3 Uhr. Bänder und Lose behalten Gültigkeit. Freunde frohen Sanges und Spieles in freier Natur find eingeladen. Treptow- Baumschulenweg. Dienstag. den 5. Juli, abends 8>/z Uhr, findet im Lokale von Wanzlick, am Treptower Park(früher Karpfenteich), die Generalversammlung des WahlvcreinS statt. Ortsteil Treptow: Um?>/» Uhr von allen Bezirkslokalen: Wichtige Flugblattverbreitung. Alle Genossen müssen zur Stelle fein. Der Vorstand. Hohen- Schönhausen. Die Generalversammlung des Bezirks findet am Montag, den 4. d. Mts., abends 8 Uhr, im Lokale des Genossen Herschleb, Berliner Str. 93, statt. Reinickendorf-West. Dienstag, den 5. d. MtS., abends 7'/, Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen. Di? Bezirksleitung. Pankow. Am Dienstagabend 8 Uhr findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung stait. Berliner JVacbnchten. Der dieSliihrige Reiseverkehr hat mit dem gestrigen Tage seinen Höhepunkt erreicht. Alle diejenigen Familien, die mit Rücksicht auf die schulpflichtigen Kinder ihre Sommerreise hatten aufschieben müssen, beeilten sich am ersten Ferientage, um dem alltäglichen Ge- triebe und dem Häusermeer der Großstadt zu entfliehen. Trotz des nicht gerade günstigen Wetters war der Zuzug der Reisenden zu den Fernbahnhöfen ein ganz gewaltiger. Namentlich auf dem Slcttiner Bahnhofe, von dem aus die Züge nach den Nord- und Ostseebädern abgehen, war der Andrang in den ersten Vormittagsstunden außer- ordentlich stark und das Gedränge zeitweise geradezu lebens- gefährlich. Die fahrplanmäßigen Züge reichten bei weitem nicht aus. um alle Reiselustigen zu befördern, und immer wieder mußten Extratrains eingestellt werden, die gestürmt und im Nu besetzt waren. Nicht selten kam e» zu förmlichen Kämpfen um einen Platz und oft genug wurden Kinder in dem Gewühl den Eltern entrissen. Sehr stark war auch der Andrang zum Anhalter Bahnhof. Bon hier aus führen bekanntlich die Strecken nach Thüringen, Süddeutschland und der Schweiz, und so sah man denn ,uch die Mehrzahl der Reisenden. Männlein und Wciblcin, im touristenkostüm oder doch zum mindesten mit den ostentativ zur Schau getragenen alpinen AuSrüstungSgegenständen. Neben den er- fahrenen Bergsteigern, die durch ihre zweckmäßige Equipierung an- genehm auffielen, machten sich die Neulinge im Alpensport und die Bergfexe in oft geradezu komischen Toiletten bemerkbar. Weniger lebhaft gestaltete sich der Reiseverkehr auf dem Potsdamer Bahnhof, am geringsten war er auch dieSnial wieder auf dem Görlitzer Bahn« Hof. Der Schlesische Bahnhof kommt für den Sommcrreiseverkehr Iveniger in Betracht. Ganz gewaltig war zugleich auch der Fuhr- und Gcpäckverlehr. der am Freitngnachmittag in großem llmfauge einsetzte, da bekannt- lich zur Reisesaison die Auflieferung des Gepäcks schon am Tage vor der Abreise erfolgen kann und bereits in der Nachr zum Sonn- abend eine Anzahl Gepäckzüge abgelassen worden sind. Droschken und AutoS hatten Hochsaison und die Plätze vor den Bahnhöfen ver- mochten kaum die vielen Fuhrwerke, die in ununterbrochener Reihen- folge herannahten, zu fassen. Was an Reisegepäck alles mitgeführt ivurde, ist kann, zu beschreiben; es war fast alles, was zu einer voll- ständigen Wirtschaftseinrichtling gehört. Am gestrigen Sonnabend sind auch die ersten Schulausflüge unternommen worden, die acht bis zehn Tage dauern und Schüler der oberen Klassen der Gcmeindeschulen unter Beaufsichtigung ihrer Lehrer nach dem Riesengebirge, Harz, Thüringen oder an die See führen. Da die Kosten dieser Schülerwandc'rungen zum größten Teil auS wohltätigen Stiftungen oder von Privatpersonen zur Ver- fügung gestellt werden, bieten diese Schulausflüge den Teilnehmern die beste Gelegenheit, für wenig Geld schöne Gegenden Deutsch- lands kennen zu lernen. Leider ist die Zahl derjenigen, die an diesen Ausflügen teilnehmen können, immerhin nur eine Verhältnis- mätzig kleine. Scherls KlassikeraiiSgaVcn. Im Winter haben wir an dieser Stelle festgenagelt, wie von der vom Scherlschen Verlage pomphaft empfohlenen WeihnachtSpräsentausgabe von Lcnaus Werken eine äußerst geriebene Kastrierung der Schöpfungen des FreiheitSsängerS nach genauer Einsichtnahme zutage trat. Ganze Serien radikaler Verse waren weggelassen und auch einzelne Zeilen waren für Back- fische umgewandelt worden. Jetzt teilt ein Leser dem»Freien Volk" mit, daß ihm mit einer FreiligrathauSgabe von Scherls Präsenten dasselbe wicderfahren sei. Auch hier fehlen die besonders zündenden Gedichte wie»Die Toten an die Lebenden", die ganze Sammlung „(Ja. ira" usw. Kastriert und unterschlagen werden die besten Schöpfungen unserer größten Dichter durch einen Mann, der sich an- maßt, in Volksbildung zu machen. Bon einer eigenartigen Konfiskation wird uns aus Rixdorf berichtet. In einem in der ThomaSstraße belegenen Papiergeschäft erschien am DienStag ein Kriminalbeamter und erklärte nach Vor- zeigung seiner Legitimation, er sei beauftragt, sämtliche Exemplare der letzten Nummer des»Wahren Jacob" mitzunehmen. Der Polizeipräsident habe die im Schaufenster aushängende Nummer ge« sehen und sei der Meinung, daß ein bestimmtes Bild eine Gottes- lästernng enthalte. Der Beamte frug auch, woher der Inhaber des Geschäfts seine„Jacobs" beziehe. Sollte in dem Bilde aber keine strafbare Handlung zu erblicken fein, so würde der Geschäftsmann das konfiszierte Exemplar— denn nur ein einziges war vor- handen— wieder erhalten oder 19 Pf. dafür. Aber weder daS eine noch daS andere ist geschehen. DaS Verfahren ist recht auffällig. Die Nummer ist in ganz Deutschland anstandslos verbreitet worden und enthält nicht das geringste, das juristisch zu beanstanden ist. Wieso gerade der Rixdorfer Polizeipräsident dazu kommen sollte, so zu verfahren wie der Beamte angegeben, ist unverständlich. Einen GewaltSakt ungesetzlicher Selbsthilfe verübte am Freitag der Besitzer des Grundstücks Großer Jüdcnhof Nr. 1. Herr Peikert, der die mehrere Jahrhunderte alte Steinbude auf Ab- bruchSspekulation erst vor einigen Monaten erworben hat. scheint über die Pflichten und Rechte eines Hauseigentümers sehr merk- würdige Ansichten zu haben. Zu Mietern, die darüber klagten. daß sie in den schmutzigen, ungesunden Wohnwinkeln nichts recht stellen können, meinte er:„Sie haben noch viel zu viel Möbel. Schicken Sie nur das Ueberflüssige zur Arockensammlung." Kurz vor dem 1. Juli erhielten sämtliche Mieter, meist alte Leute, eine Postkarte des Inhalts, daß der Wirt zur Empfangnahme der Miete am Zahltage vormittags im Keller seines Hauses anwesend sein werde. Bevor noch Herr Peikert die Mieten einkassiert hatte, nahm er von der Straße eine„Bassermannsche Gestalt" an und begab sich nach der ,m dritten Stockwerk belegenen kleinen Wohnung des fast erwerbsunfähigen und kranken, öS Jahre alten, alleinstehenden Mieters Otto, der wegen Kränklichkeit mit der Miete rm Rückstände geblieben war. Der empfehlenswerte Hauswirt ließ nun sämtliche Sachen des O., meist altes Gerümpel und verschiedene große Käfige mit zahlreichen Papageien und anderen Vögeln nach dem Boden schaffen, trieb den alten Mann aus der jahrelang innegehabten Wohnung und verschloß dieselbe. Laut um seine gefiederten Lieb- linge jammernd, stand der obdachlos gemachte krankliche Mann noch lange Zeit inmitten der Bewohner des Großen JüdenhofS, die meist selbst arm sind und daher nicht helfen konnten. Herr Peikert hätte zu seiner„edlen" Tat wohl nicht den Mut gehabt, wenn ihm ein handfester Mieter gegenüberstand. Bei einem schwächlichen Greis konnte er eS ja wagen, dem Gerichtsvollzieher ungesetzlich ins Handwerk zu pfuschen und sich persönlich als Rausschmeißer zu produzieren. Wegen Verdachtes der Beihilfe zum Mädchenhandel wurde gestern daS Ehepaar Oberländer verhaftet, das in der Grenadier- straße ein Hotel betrieb. Dort waren die Mädchenhändler Kiewe» Silberrcich und Wallerstein eingekehrt und das Ehepaar hat um daS verbrecherische Treiben gewußt, wie sich bei einer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter herausgestellt hat. Die beiden Ehe- lcute werden sich wegen Beihilfe zu verantworten haben. Taschendiebe treiben seit längerer Zeit ihr Unwesen auf dem Wochenmarkt am Maybachufer und bestehlen das kaufende Publi- kum. Gestern wurde einer Frau von einer anderen das Porte» monnaie aus der Tasche gezogen; ein Kriminalbeamter hatte den Vorgang aber beobachtet und nahm die Diebin fest. Wie ein Lauf- feuc:�'.wrbreitete sich über den Marktplatz die Nachricht, daß eS sich um eine Taschcndiebin handle. Die erbitterten Frauen, unter denen sich verschiedene befanden, die bestohlen worden waren, ver- suchten die Person zu lynchen. Uniformierte Schutzleute mußten die Sistierte, die später als eine Frau M. aus der Lausitzer Straße festgestellt werden konnte, in Schutz nehmen und nach dem nächsten Polizeirevier bringen. Wegen Fundunterschlagung ist gestern von der Mariendorfer Kriminalpolizei der 28jShrige Akkordinaurer Karl Schwanke aus der Königstr. 44 in Mariendorf verhaftet worden. Schwanke benutzte gestern eine Automobildroschke, in der vorher ein anderer Fahrgast 30 099 M. in Papieren der Berliner Hypothekenbank liegen gelassen hatte. Mehrfach versuchte der Finder, noch gestern abend in Gast- wirtschaften den kostbaren Fund zu verwerten, was ihm jedoch nicht gelang. Da die Polizei hiervon Kenntnis erhielt und sich auch der Beni-cer bei ihr meldete, erfolgte die Verhaftung. Schwanke wurde dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Dem Berliner konnten alle Wertpapiere wieder zurückgegeben werden. Auf einer Bootsfahrt verschollen. Ertrunken ist vermutlich ein unbekannter etwa 39jähriger Mann, der gestern auf dem Tegeler See eine Bootsfahrt unternahm. Er hatte sich von einem Boots- Verleiher an der Badeanstalt einen Zweisitzer gemietet und war darin weit auf den See hinauSgefahre». Gegen Abend wurde daS leere Boot am andere» Ufer angetrieben. Auf dein Boden des Fahrzeuges lagen ein paar Manschetten,«in grau gemustertes Jackelt, ein steifer schwarzer Hut, zwei Taschentücher ohne Mono- aramin mit lila Muster und ein grüngestreifter Sommerüberzieher. Es ist kaum anzunehmen, daß der unbekannte Ruderer, der den besseren Kreisen anzugehören scheint, noch am Leben ist. Ob e» sich um einen Selbstmörder handelt oder ob der Mann das Opfer eines Unfalles geworden ist, bleibt dahingestellt. Ucbcrfahrcn und getötet wurde gestern vormittag der 2>/z Jahre alte Sohn Karl des Arbeiters Böttcher aus der Joachimstraße 19. Der Kleine ging mit seinem 9 Jahre alten Bruder Willi nach dem Pappelplatz, um dort zu spielen. Während der ältere Bruder dort spielte, lief er fort und wurde, als er den Fahrdamm überschreiten lvollte, an der Ecke der Invaliden- und Bergstraße von einem Milchwagen von Bolle überfahren. Besinnungslos wurde er nach der Rettungswache in der Eicheudorffstraße gebracht, wo der Arzt nur noch den Tod, der infolge Schädelbruchs eingetreten war, fest- stelle» konnte. Tragisches Ende zweier ZwillingSbrndcr. Von einem traurigen Geschick sind die beiden Zwillingssöhne des Gutsbesitzers Beetz ans Danncwitz bei EberSwalde betroffen worden. Vor einiger Zeit wurde einer der Söhne bei einem der schweren Gewitter vom Blitz getroffen und auf der Stelle getötet. Einen gewaltsamen Tod sollte jetzt auch der andere Sohn finden. Der junge Mensch hatte seinen Schwager nach dem Bahnhof in EberSwalde fahren wollen. An einer Chausieebiegung wurden die Pferde vor einem heraneilcuden Automobil plötzlich scheu und gingen durch. Sie rasten mit dem leichten Fuhrwerk gegen einen Telegraphenmast. Der junge B. wurde aus dem Wagen herausgeschleudert und so unglücklich unter das Gefährt geworfen, daß er das Genick brach und sofort tot war. Ein gefährlicher Kcllcrbrand kam gestern mittag in der Alten Jakobstr. 139—143 in den ausgedehnten Kellereien der Weinhandlung von Maurer u. Bracht auf dem Hofe angeblich durch Unvor- sichtigleit zum Ausbruch. Die Flammen fanden reiche Nahrung und zwar besonders an den Spiriluoien. Als die Feuerwehr mit zwei Löschzügen der 1. Kompagnie erschien, hatte das Feuer schon eine große Ausdehnung erlangt. Das Vordringen in den Keller war wegen der großen Oualmentwickelung sowie wegen de§ sich von den brennenden Spirituosen entwickelnden Dunstes und der ExplosionS- gefahr der brennenden Fässer sehr erschwer!. Einzelne Feuerwehr- männer wurden ohnmächlig und mußten ins Freie gebracht werden. wo sie sich aber bald wieder erholten. Es gelang schließlich, den Brand auf die Weinkellereien zu beschränken. Der Schaden der Firma Maurer u. Bracht soll erheblich, aber durch Versicherung gedeckt sein. Der Betrieb der Firma erleidet keine Unterbrechung, da sie noch an anderen Stellen über große Kellereien verfügt. Nach einer späteren Meldung wurden bei dem Brande elwa ein Dutzend Feuerwehrleute, die der ersten Kompagnie angehören, ganz allmählich von den Spiritusdämpfen betäubt und fielen im Rausch um. Am schwersten erkrankten die Oberfeuermänuer Hanuwald und Marggraf sowie die Feuermänner Nawroth, Müller. Hermann, Zerbe und Alex, die nach dem Urban-Krankenhause gebracht werden mußten. Die Feuermänner Balke, Zeutzschler, Sanau, Stocklassa und Salewsky mußten sich krank melden, meldeten sich aber später wieder zum Dienst. Rauch, Hitze und Spiritusdämpfe wirkten zusammen, um fast unmerklich jeden, der in dem brennenden Keller sich aufhielt, zu betäuben. Im Interesse einer geplanten Gartenvorstadt bei Berlin ver» anstaltet die Ortsgruppe Groß-Berlin der Deutschen Garten« stadtgesellschaft gemeinsam mit der kürzlich gegründeten Gemeinnützigen Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin am Mittwoch, den 8. Juli, abends Sllt Uhr, in Keller? Neuer Phil« Harmonie, Köpnicker Str. 96/97, eine große öffentliche Versammlung. Als Redner sind ReicbstagSabgeordneter Dr. Albert Südekum über daS Thema»Großstädtisches WohnungSelend" und Privatdozent Dr. Franz Oppenheimer gewonnen worden. Der Besuch steht jeder- mann frei. Das Pvlizeipräfidium teilt mit: Am 29. Juni 1919 nachmittag» gegen 2'/« Uhr sprang eine etwa 25 Jahre alte, anscheinend dem Arbeiterstande angehörende Frau vom Schlütersteg in selbstmörde- rischer Absicht in die Spree und ertrank. Die Leiche ist bisher nicht gelandet worden. Die Frau war von mittlerer Statur, hatte kleines, schmales Geficht und schwarzes Haar. Bekleidet war sie mit schwarzem Rock und Bluse, halblangem, graukariertem Jackett und weißem Strohhut mit schwarzein Band. Sachdienliche Angaben über die Persönlichkeit der Selbstmörderin nimmt jedes Polizeirevier und die Kriminalpolizei Polizeipräsidium Zimmer 349 III. entgegen. J.-Nr. 2696 IV 55. 19. BrbeiterbildungSschule. Während der Ferien ist die Bibliothek nur Donnerstags von 8—9 Uhr geöffnet. Der Verband der Buch- und Steindruckerei- Hilfsarbeiter, Berlin NO. 18, Elbingerstr. 19 bittet um die Angabe der Adresse jene» Herrn, der vor einiger Zeit die telephonische Mitteilung von einem Markenfund machte. Vorort- Mcbricbten. Rixdorf. „Stadtvrrordneteumehrheit gegen OberverwaltungSgericht." Dieses Thema wird Genosse Wolfgang Heine in einer am DienStag, den 5. Juli, abends S'/s Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermann» straße 49, stattfindenden öffentlichen Versammlung behandeln. ES gilt, erneut das Gebaren der bürgerlichen Stadtverordnetenmehrheit ins Licht der Oeffentlichkeit zu rücken. Magistrat und Stadt» verordnete find schriftlich zu dieser Versammlung geladen. An« gehörige aller politischen Parteien willkommen. Bürger, Arbeiter Rixdorf», wahrt Eure Rechte und erhebt Prorest. Ferienspiele für Kinder. Der Jugendausschuß der Arberterschaft Nixdorfs veranstaltet während der Schul» ferien für unsere Jungen und Mädchen wochentäglich nachmittags 3 bis 6 Uhr Spiele im Freien. Eine größere Anzahl Genossinnen haben sich bereitwilligst zur Verfügung gestellt, um die Kinder von den Sammelpunkten aus nach den Spielplätzen zu führen und dort oie Spiele zu leiten. Nach Schluß der Spiele werden die Kinder wieder nach ihrem Sammelpunkt zurückgebracht. ES stehen drei Spielplätze zur Verfügung, auf welche die Kinder aus den ver» schiedenen Kommunalwahlbezirken in nachstehender Weife verieilt werden; die in Klammer angefügten Plätze sind die jeweiligen Sammelpunkte. Spielplatz Ecke Mahlower und Fsn» tane straße: Kommunalbezirk« 1 bis 3(«Reuterplatz, Rats» wage); 4 und 5(Kaiser Friedrichstraße, Ecke Fuldastraße, Mittel» Promenade); 22(auf dem Spielplatz selbst); 23(Boddinplatz); 24(Karlsgartenstraße, am Karlsgarten). Spielplatz Lessing st ratze. Ecke Mittelweg: Kommunalbezirke 7 (Anzengruberjtraße. vor der ReichSpost); 9(Ecke Richard, und «BerthclSdorfer Straße); 18 und 21(Schillerpromenade. an der Allerstraße); 17(auf dem Spielplatz selbst); 18 und 29(Ecke Kopf» straße und Mittelweg, am Wasserturm); 19(Waßmannsdorfer» straße, an der katholischen Kirche). Spielplatz der Freien Turnerschaft an der Grenz-Allee: Kommunalbezirks 8 und 8(Wildenbruchplatz, an der Pumpstation); 19(Richardplatz, an der Schmiede); 11(Böhmischer Platz); 12(Saalestraß-, Ecke Elfterstraße); 13 und 14(Kranoldplatz); 15(Stubenrauchplatz). Der erste Spieltag ist Dienstag, den 5. Juli; ab- geschlossen werden die Spiele durch ein S p i e l f e st am Sonn- tag. den 7. August. Der Abmarsch der Kinder erfolgt von den Sammelorten täglich pünktlich um 2Vj Uhr; die letzteren sind durch weihe Tafeln mit der Inschrift„Ferienspiele" kenntlich. Die Be- teiligimg ist mit keinerlei Kosten verbunden, llm den Genuß von Wasser möglichst zu vermeiden, ersucht der Jugend-Ausschuss die Eltern, den Kindern Kaffee. Milch oder ähnliches mitzugeben; ebenso dürfte etwas Mundvorrat am Platze sein. Es soll strikte darauf gesehen werden, dag die Kinder um 6% Uhr wieder an den Sammelorten eintreffen. Diese dankenswerte erfreuliche Veranstaltung des Jugend-Ausschusses für unsere Schuljugend ist durchaus zu begrüßen. Wir raten deshalb den Genossen und Genossinnen, die Kinder den ge- planten fröhlichen und der Gesundheit sörderlichen Spielen zuzu- führen. KindcSmord? Auf dem neuen Thomasfriedhof in Nixdorf wurde gestern die Leiche eines neugeborenen Knaben, in weiße Leinwand und graues Packpapier eingewickelt, aufgefunden. Ob das Kind eines gewaltsamen Todes gestorben ist, muß erst die Ob« duktion feststellen. Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Tic Vivliolliclstoin inission ersucht die Genossinnen und Ge- Nossen, die noch aussteheoden Bücher der Bibliothek bis Mittwoch. den 6. Juli, in den Bibllolyctsstunden, ab�idS 7— VilO Uhr, abzuliefern. Ichouener». Die politischc Lage vcleucbiete in einein Vortrage in der letzten Wahlveleinsveriaininlinig Genosse Max G r u n w a l d. Er beschrieb den Wirrivarr in de» legierenden Kreisen, der sich angenbiicklich in der überstürzenden Reube'etzung einiger Miniilerposten besondets kraß zeige, �inanzreform. Wahlrechisvorlage und Erdöhnng der Zivil- liste Völlen weieiillich zur polilischen Antrütielung des Volkes bei- gelragen, wie die Nachivahle» der letzten Zeil lebren. Der Beifall derBcr- saniiiilung nntei strich die Aufforderung des Redners, im Hinblick aus die konniienden Reichslagowablen rege zu organisieren.— Am Donners- tag. den 7. Juli, wird sich eine öffeiitliche Versa», inlling in den .Nenen Rarhalissätell* mil der Reichsversicherungsordnung be- schäfligen. Ein hieraui bezügliches Klngblail soll am Mitlwoch den 6. Juli, verbreilel werden.— Die Geiteraiversainnilung des Wahl- Vereins, in der die Neiiivahlen des GeianilvorstandeS vorgenoninien werden, findet a»i 23. Juli statt— Eine vom HaiidliingSgehilfen- Verband bei hiesigen Gcschäflsinhabern veranstaltete Rimdirage uin Eiiisührung der Sonillagsruve der Angestellleu ergab nur eine ieil- Iveise Bereitwilligkeit. Verschiedene KeschäftSleute begründeten ihre» ablehnenden Srandpunkl damit, daß die Arbeiter vorwiegend des Soniiiags ibre» Bedarf decken Uin die Handlungsgehilfen in ihrem Bestreben nach Sonntagsruhe zu unte> stützen, muß die Arbeiterschail bemüht sein, Sonntags keine Einkäufe zu machen Die Kinderatisflüge nach dem Äruncivald wahrend bei Ferienzeit finden auch in dielein Jahie wiederuni statt. Die Kinder treffen sich am Montag, den 4. Juli, mittags l2>/zUbr in der Grunewald-, Ecke Elßholzstraße. werden daselbst ver- lesen und in die bereit steheiiden Wagen der Großen Berliner Straßenbahn verteilt. Da ungefähr gegen 450 Kinder täglich befördert werden, so find hierzu zwei Motor- und vier Anhänge- wagen notwendig. In jedem Wagen sind außer dem Fahrer und Schaffner noch zwei bls drei Genossinnen zugegen, die sich die dankbare Ausgabe übernommen habe», die Kinder zu bemntier» und während der Spiele im Walde zu leiten und nach dem Rechte» zu sehen. Die Rückfahrt gehl des Abends gegen 8 Uhr vor sich und endet an der Apostel-Pauluslirche in der Grunewaldstraße. Da die Kniderschar diesmal eine außerordentlich große ist und auch dem- geniäß die Ausgaben, io wird daraus hingewiesen, daß in der Spedition, Martin-Lutherstraße 51, Beiträge jederzeit dankbar ent- gegen genommen werden. Die Ausflüge währen bis Freitag, den 5. August, mit Ausnahme der Soimlage täglich. Chart orrenvnrg. Umfangreiche GruiidstLcksankäufe am neuen Fürstenbrunner Wege haben die städtischen Körperschaften von Charlottenburg be- schlössen. Die Grundstücke haben eine Größe von insgesamt 1403 Quadratruten und bilden mit dem bereits im Besitze der Stadt befindlichen Grundbesitz am Fürstenbrunner Wege eine zusammen- hängende Fläche. Heber die Verwendung des Terrains ist bisher nichts beschlossen worden. Elternvcrein für freie Erziehung. Sonntag, den 10. d. M.. findet ein FamilienauSflug nach dem Grunewald statt. Treffpunkt pünktlich 2 Uhr nachmittags vor dem Bahnhof Eichkamp, für Nach- zügler bis 4 Uhr in der Försterei Eichkamp. Cirost-Lichterfelde. Ein Deckcneinsturz ereignete sich gestern auf einem Neubau der Loge in der Wilhelmstraße. Dabei wurden vier Arbeiter leicht und einer schwer verletzt. Johannisthal. Bon gutem Erfolge in der Agitation, und von stetem Vor- wärtsdringen unserer Ideale können die Genossen von Johannis- thal berichten. Wurden doch in der letzten Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen WahlvereinS 11 Genossinnen und ein Genosse neu aufgenommen. Zur Generalverfammung Groß- Berlins wurden die Genossen Kluge und Winkler delegiert. Der Gemeindevertreter Genosse Dühring besprach den Bericht deS hie- sigen Schularztes, an den sich eine rege Diskussion knüpfte. Zum Schluß der sehr gut besuchten Versammlung, in der Genosse Hör- litz einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über Freiligrath gehalten hatte, teilt der Vorsitzende mit, daß am Sonntag, den 3. Juli, in der Königsheide das übliche Waldfest der Ar- beiterschaft Johannisthals stattfindet, zu dem die Arbeitervereipe der Umgegend eingeladen sind. Jriedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Die Tagesordnung der letzten Sitzung war über Gebühr belastet. Dies wurde durch den Wunsch entschuldigt, vor den Ferien möglichst noch alle wichtigeren Vorlagen zur Verabschiedung zu bringen. Zunächst wurde Genosse Schwenk in das Kuratorium der gewerblichen Fortbildungsschule gewählt. Als jedoch unsere Vertreter für die A r m e n d i r e k t i o n einige hierzu sehr befähigte Genossen in Vorschlag brachten, erklärte der Herr Beigeordnete Caßebaum, man hege die Befürchtung, daß die Vorgeschlagenen„zuweitgehcnde Anträge" stellen möchten und müsse sie deswegen ablehnen. Was unserem Gemeindevorstand als „zuweitgehend" gilt, konnte Genosse Pinseler an einigen drastischen Beispielen beleuchten. Die Wahl fiel auf Bürgerliche. Für die gewerbliche Fortbildungsschule wurde ein neues Orts- statut, mit einigen Verbesserungen, die in einer vorausgegangenen Aussprache beteiligter Gewerbetreibender von unseren Genossen angeregt wurden, angenommen. Ein anderer Punkt der Tages- ordnung betraf bk Neuregelung d er Lohnverhältnisse der Gemeindearbeiter. Trotz eifrigsten Bemühens unserer Genossen war es nicht möglich, mehr zu erreichen, als eine Aufbesserung der Stundenlöhne um 2 Pf. nach dreijähriger Beschäftigung in der Gemeinde und eine Steigerung um je 1 Pf. für jedes weitere Beschäftigungsjahr bis zum Höchstbetrage von 44 Pf. Stundenlohn. Wie man sieht ein recht minimales Zu- geständnis, welches für einen großen Teil der Arbeiter dadurch noch an Wert verliert, daß sie erst nach Jahren in den Genuß der „Aufbesserung" gelangen. Ivenn sie vielleicht durch weitere Ver- teurung der Lebenshaltung längst wieder ausgeglichen ist. Die scharfe Kritik unserer Vertreter hatte aber bewirkt, daß man, um nicht allzu rückständig zu erscheinen, Urlaub bewilligte und zwar nach einjähriger Beschäftigung am Ort 3 Tage, nach zweijähriger v Tage und nach dreijähriger ll Tage. Ein Zwischenfall verdient hier noch festgehälten zu werden. Herr Fabrikant Helfert, der sonst noch nichts von Bedeutung z>u Jagen gewußt hat, erlaubte sich den niedrigen Einwurf:»Die lrbeiter versaufen ihr Geld doch bloß!" Anschließend an daS Vorgehen anderer � Nachbargemeinden Berlins wurde beschlossen die Namensänderung unseres Ortes in Berlin-Friedrichsfelde zu beantragen. Dann kam die Interpellation deS Genossen Pinseler wegen Pflasterung des Triftwcges zur Verhandlung. Bei einem ähnlichen Anlaß war im Lichtenbcrger Stadtparlament die Behauptung aufgestellt worden, unsere Gemeindevertretung sei über die Sachlage nicht genügend informiert worden. Der Ge- meindevorstehcr Herr Ungewittcr entrollte an Hand des gesamten Aktenmaterials ein Bild von der Entwicklung und dem Stande der Angelegenheit und bewies, wie völlig unberechtigt der Vorwurf sei. Aus seinen Ausführungen mögen einige bemerkenswerte Punkte hervorgehoben sein. Zunächst würden von Lichtenberg zwei völlig getrennte Objekte in unzulässiger Weise miteinander verquickt, nämlich erstens die Pflasterung des Triftwegs, jetzt Rosenfelder Straße genaiint, zwischen Berliner Straße und Prinzen-Allee und zweitens die Aenderung des Bebauungsplanes zwischen Prinzen- Allee und verlängerter Jrcnenstraße. Friedrichsfelde habe sich bereit erklärt, die Hälfte der Pflasterkosten zu tragen, obzwar der Fahrdamm Lichtenberger Gebiet ist und auch unter keiner Bedin» gung an uiisers Gemeinde abgetreten werden soll, obgleich Neu- Lichtenberg an der Instandsetzung dieser wichtigen Zufahrts- jtraße mindestens ein ebensogroßes Interesse habe, wie Friedrichs» selde. Lichtenberg benutze aber die Verlegenheit, in der sich die Gemeinde durch die unerhört lange Hinzögerung der lei- digen Angelegenheit befinde, um eine Art Revolverpolitik zu treiben und einen Zwang auf die Gemeinde auszuüben wegen des zweiten Punktes, Abänderung des Bebauungsplanes zwischen Prinzen-Allee und verlängerter Jrencnstraße. Hier werden unserer Gemeinde jongesetzt„alle Sünden" vorgcivorfen. Ter Gemeinde- Vorsteher führte den Nachweis, daß von Liciiteirberg zuerst uno wiederholt gesündigt worden sei, während Friedrichsfeld« nur in- direkt ein Vorwurf trefsen könne. Geradezu sonderbar sei das Ansinnen Lichtenbergs, daß Friedrichsfelde die Kosten der Aende- rung— etwa 90 000 Mk.— allein tragen solle, obgleich der Ort nur eine» verschwindenden, die Nachdorgemeinde dagegen einen ganz immensen Nutzen davon habe. In der anschließenden Besprechung fanden die Ausführungen des Gemeindevorstehers vollste Zustimmung, während gegen Lichtenberg manches scharfe Wort fiel. Tie erregte Stimmung gegen Lichtenberg wirkte bei dem Punkte der Tagesordnung, der die Eingemeindungsfrage mit Lieh- tenberg betras, nach Die Verhandlungen hierüber waren, entgegen der ursprünglichen Absicht, öffentlich. Bei der Ablehnung war je- doch— das hörte man deutlich heraus— auch noch die Befürchtung maßgebend, der Grundbesitz möchte nach der Eingemeindung mit höheren Abgaben belastet werden. Es blieb unseren Vertretern überlasse», die Frage vom Standpunkt des Allgemeininteresses aus zu beleuchten und für die Anbahnung von Verhandlungen zu sprechen. Leider blieben sie mit ihrer Ansicht allein. Reiittfenducs. AuS der Gemeindevertretung. Nichts ist in Preußen so all- mächtig wie der Landrat. Alle preußischen Gesetze und die preußi- schen Ausführungsbestimmungen zu den Reichsgesetzen sorgen da- für. daß alles unter die Konirolle des Landrals gerät. Wehe der Landgemeinde, die es wagt, mit ihm anzubandeln-, sie wird es bald gewahr, daß sie es mit einem der mächtigsten Männer Preußens zu tun hat. Ganz anders aber d i e Gemeinde, deren Verwaltung so„vernünftig" ist, daS Krästeverhältnis zwischen ihr und dem Landrat richtig zu erkennen, deren Oberhaupt in der Lage ist, dem Herrn Landrat zu melden, daß die Gemeindevertretung so be- schlössen hat, wie es der Herr Landrat gewünscht hat. Dieser an- nehmlichen Pflicht kann sich auch der Reinickendorfer Amtsvorsteher jetzt unterziehen. Zweimal hatte die Gemeindevertretung be- schloffen, einen Kommunalzuschlag von 100 Proz. zur Staatsein- kommensteuer zu erheben. Männiglich-trotzia hatte sie sich vor- genommen, trotz Kreis, und Bezirksausschuß bei dem zu beharren. was ihre bessere Einsicht in die Verhältnisse der Gemeinde ihnen gebot.„Möge der Land rat die Verantwortung für eine Erhöhung allein übernehmen", drohten sie;„wenn es zu arg wird, legen wir unsere Mandate nieder", verkündete sogar der Mutigste. Und 13 waren ihrer, die es wagten, durch einen Beschluß auf Nichtbeachtung deS landrätlichen Ansinnens den Fehdehandschuh aufzunehmen. Nur zwei waren gleich für Kapitulation; sie hatten mitgeholfen, die Suppe einzubrocken, und hpher ihre Entsagung; und nur ein dritter war mit dem Kampf zwifchen Pflicht und Profit nicht zu Ende ge- kommen; er konnte sich nicht entscheiden und„enthielt" sich. Und diese drei waren die Schlauen, sie blieben„prinzipienfest", wie die fünf Sozialdemokraten; denn alle anderen fielen um. Und das kam so. Der ablehnende Entscheid wurde sofort am nächsten Tage dem Landrat zugesandt. Dieser ließ nochmals drei Mitglieder des Gemeindevorstandes zu sich rufen und„verhandelte" mit ihnen. „Ich mache Sie auf§ 59 des Kommunalabgabengesetzes aufmerk- sam, der(jibt dem KreiSausschuß daS Recht, den Kommunalzuschlag für Reinickendorf auf 145 Proz. zu erhöhen; der KreiSauSschuß kann zwar nach einem anderen Paragraphen desselben Gesetzes von dieser Bestimmung absehen, aber er muß es nicht." DaS wirkte! Nicht nur bei den drei„Geladenen", auch bei den anderen, die der Gemeindevorstand zum Donnerstag zu einer Sitzung geladen hatte. Der Beigeordnete Reichhelm berichtete, was der Landrat freund- lichst in Aussicht gestellt, plädierte für die gnädigst gewährten 120 Proz. Kommunalzuschlag. Und— sie stimmten zu. Nur einer blieb fest und die Sozialdemokraten. Allein sie konnten das Kapital nicht mehr retten. Während so im Rathaus offiziell der letzte bittere Akt der Komödie gespielt wurde, versammelten sich im„Schützenhaus" die Leidtragenden dieses Jammer-TrauerspielS, die Reinickendorfer Steuerzahler. In stattlicher Zahl waren sie erschienen; Proletarier und deren Frauen zumeist, aber auch Bürgerliche, die noch nicht einsehen wollten, daß die ganze Gemeinde sich im Interesse einiger reicher Grotzgxundbesitzer das Fell über die Ohren ziehen lassen müßte. Protest wollten sie erheben gegen die Bevorzugung der Grundstückswucherer und gegen die Vernichtung der Selbstver- waltung. Ihnen allen sprach aus dem Herzen der Genosse Ohl, der sich der Ausgabe unterzog, den Konflikt, seine Entstehung, seine EntWickelung und sein trauriges Ende den Anwesenden zu schildern. Aber auch die Sünden der Gemeindevertreter, die solche Konflikte so schimpflich beenden, ihre Bewilligungslust für unproduktive Aus- gaben, aber auch ibren„Sparsinn" bei sozialen Ausgaben stellt er in das richtige Licht. Oftmals lohnten ihn stürmischer Beifall und stürmische Zurufe. Sie bewiesen, daß die Sozialdemokraten in der Gemeindevertretung ihre Pflicht erfüllten, wie es sich gehört, im Interesse der Allgemeinheit. In der Debatte pflichtete ein Bürger- licher den Ausführungen cmsdrücklich bei. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen, die energisch protestiert gegen die Mit- glieder des Gemeindevorstandes und der Gemeindevertretung, die im Interesse einer Handvoll reicher Grundbesitzer durch ihre Matz- nähme dazu beigetragen, das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinde zu untergraben. Sie bedauert daS Einschreiten des Landrats in einer Angelegenheit, die wie keine zweite dazu angetan ist, ganz am Orte erledigt zu werden; sie bedauert ferner den Umfall der Ge- meindevertretung in dieser Angelegenheit. Sie erkennt aber auch, daß das alles Symptome sind eines Systems, das geboren aus dem Dreiklassenwahlrecht der Gemeinde, daS aber nicht geändert Werve» kann von einem Parlament. daS auf Grund eines noch viel elende- ren Wahlrechts zusammengesetzt ist. Die Versammeltey ver- pflichten sich daher, energisch zu kämpfen für die Beseitigung des jetzigen Wahlrechts zum preußischen Landtag und erkennen an, daß die beste Waffe in diesem Kampfe ist: Die Stärkung deb Reihen der Sozialdemokratie. Die Versammlung war ursprünglich gedacht als gemeinsamer Protest des Bürgertums und der Arbeiter- schaft gegen die Uebergriffe der Aufsichtsbehörden. Der schmähliche Umfall der Bürgerlichen in der Gemeindevertretung brachte es da- hin, daß sie ungewollt eine prächtige Versammlung wurde zur Propagierung unserer Ideen und eine imposante Demonstration gegen Junkeriibermut, Bürgerfcigheit und Dreiklassenschmach. Das bezeugte das begeisterte Hoch auf die Sozialdemokratie, in daS die überfüllte Versammlung zum Schluß einstimmt«. Weistensee. Der Streit um die Grundwertsteuer am hiesigen Orte geht lustig weiter, insbesondere leistet darin das„unabhängige" Haus- besitzerorgan alles mögliche in heftigen Angriffen gegen die „Weißenseer Zeitung" mit dem neuen Namen Nathausorgan. An die Leser werden zurzeit hohe Anforderungen gestellj, denn das ödeste und blödeste Zeug muß verdaut werden; manchmal werden die Dinge wiederholt, damit man es sich ordentlich einprägt. End- lich scheint die Sache auf den toten Punkt angelangt zu sein. Hat doch ein findiger Kops oder mehrere die Emdeckung gemacht, daß die Einschätzung„.'rechter werde, wenn die Einschätzungskommission um die doppelte Anzahl der Mitglieder verstärkt werde. Natürlich dürfen keine Gemeindevertreter gewählt werden, sondern Leute, die von Grundstücken etwas verstehen, und daher haben die Kohl- rübenbauer und Hüttenbcsitzer die Vorschläge zu inachen. In der nächsten Gemcindeverlrctersitzung wird es hoch hergehen, denn daS ganze System paßt den Hausagraricrn nicht mehr. Petcrshage» b. Fredersdorf. Aus der Gemeindevertretung. In der am 29. v. M. stattge- fundenen Gemeindevertrctersitznng wurde beschlossen, die vom DomänenfiSkus der Gemeinde zum Kauf angebotene 19 065 Ouadratmeter große Dorfaue zum Preise von 100.65 M. zu erwerben. Der Erwerb des Weberschen Grundstückes wurde vertagt. Wegen des Rückkaufs des jetzt der Firma E. G. Böhm, Fredersdorf, gehörigen Aretylen-Gaswerkes soll noch einmal in Verhandlung getreten werden. Nach Erledigling einiger Armensachcn teilt der Gemeindevorsteher noch mit, daß von einer Bodciispckulationsfirma für gezeigtes Entgegentoiniiien bei Aenderung des Lageplanes der Gemeinde ein Grundstück schcnkilngöweise überlassen wird. Be- schloffen wird noch, daß die Grundjteuerbetcäge unter 11 Pf. nicht mehr erhoben werden sollen. Lldlcrshof. Die Mitglieder der Gemeindevertretung waren am DonnerS» tag. den 30. Juni, zu einer außerordentlichen Sitzung geladen. Es wurde zunächst Beschluß gesaßt über die Einziehung von Desiiisektionskosten von Personen, denen der Besitz von Grund- oder Kapitalvermögen nachgewiesen werden kann. Ein früher ge- faßier Beschluß der Vertretung bestimmt, daß Personen bis zu 2000 Mk. Einkommen von der Zahlung befreit sein sollen. Fälle, in denen der Besitz eines besond/ren Vermögens nachgewiesen werden kann, waren in dieser beschlossenen Bestimmung nicht vor- gesehen. Es wurde deshalb die Entscheidung von Fall zu Fall dem Gemeindevorsteher überwiesen, mit dem Wunscye, Härten in dieser Beziehung möglichst zu vermeiden. Bei der Ergänzungswahl in die Brennmaterialienkommission. wurden unser Genosse Hildebrand und der Bürger Herr LüdekenS gewählt. Die Vergebung von Arbeiten für die Herstellung und Pslaste- rung des Markt- und Schmuckplatzes und der angrenzenden Straßen wird beschloffen. Es haben sich 15 verscbiedcne Firmen um die Ausführung beworben. Di« Arbeiten wurden schließlich der Firma Lauert u. Cie., Berlin, zum Preise von 22 655,50 Mk. übertragen. Die Firma erhielt auch den Auftrag, die„Neue Feldwegstraße" zu pflastern. Die Kosten sind auf 5545,50 Mk. festgesetzt worden. Zur Besckiaffung von Gebrauchsgegenständen für die neu errichtete Haushaltungsschule werden 250 Mk. bewilligt. Vor einigen Wochen wurde in der Vertretung ein« Arbeits- ordnung für die Gemeindearbeiter angenommen mit einigen von unseren Genossen beantragten Verbesserungen. Der jüngst aus dem Amt geschiedene Bürgermeister Herr Reinsch erhob aber Ein» spruch gegen die beschlossen« Arbeitsordnung. Der Herr war der Meinung, daß solche Bestimmungen, die den Arbeitern einen An- fangslohn von 27 Mk.. steigend in 10 Jahren bis zu 32 Mk. und nach einjähriger Beschäftigung«ine Ruhezeit von 3 Tagen, steigend bis zu einer Woche nach fünfjähriger Beschäftigung, gewähren. gegen die Interessen der Gemeinde verstoßen. Die Frage unserer Genossen nach dem Schicksal dieser mit Protest bestraften Arbeits- ordnung, soll in der nächsten Sitzung beantwortet werden. Zum Schluß wurde eine achtgliedrige Kommission gewählt, welche die Vorbereitungen für den in einigen Jahren beabsichtigten Rat- Hausbau treffen soll. Dieser Kommission gehören die Genossen tzildebrand und Hör, litz an._ An die Eltern schulpflichtiger Kinder zu Adlershof l Die Kinderschutzkommisston veranstaltet während der großen Schulferien, vom 5. Juli ab, regelmäßig Dienstags und Freitag», mit den Kindern unseres Ortes Ausflüge. Als Ziel derselben sind abwechselnd Neptunshain und Johannisthal be- stimmt. Die Kinder versammeln sich pünktlich 2 Uhr im„Jugendheim". Bismarckstraße 11. Hof parterre und werden in der Regel 7 Uhr abends wieder zu Hause sein. Wir bitten die Eltern, wenn irgend möglich, jedem Kinde 5 Pf. für Kaffee mitzugeben und außerdem mit Butterbrot zu versehen. Aber auch diejenigen Kinder, welche kein Geld mitbekommen können, sind freundlichst willkommen; eS wird dafür gesorgt werden, daß auch diese Kaffee erhalten. Di« Kinder stehen während der ganzen Zeit des LuSflugcS unter Aufsicht erfahrener Ge- nossinnen. Da diese Ausflüge für die Kinder von außerordentlichem Nutzen sind, erwarten wir eine recht rege Beteiligung. Ebenfalls ist die Teilnahme Erwachsener sehr erwünscht. Anmeldungen zu den Ausslügen werden im Laden der Kon, sumgenossenschaft, Bismarckstraße 11, entgegengenommen. Die Kinderschutzkommisston. Oranienburg. I» der letzten Stadtverordnetensitzung forderte der Magistrat auf Ersuchen der Verkehrsdeputation 1000 M. Dieselben werden ohne Debatte bewilligt. Der Magistrat legte einen Entwurf vor. die Errichtung eine» öffentlichen paritätischen Arbeitsnachweises betreffend. Nach der Vorlage soll der Ausschuß aus zwei Arbeitgebern und zwei Arbeit- nehmern bestehen, je ein Arbeitgeber und ein Arbeitnehmer soll aus der unteren Verwaltungsstelle der Jnvaliditätsversicherung ge- wählt werden, und je einen Arbeitgeber und einen Arbeitnehmer soll die Stadtverordnetenversammlung wählen. Genosse Paris wünscht einen anderen Wahlmodus, und zwar einen solchen, zu dem die Arbeiter unbedingtes Vertrauen haben können. Der Bürger- meister bat. es bei dem vorliegenden Wahlmodus zu belasstn. Sollten sich Mängel oder sonstige Mißstände herausstellen, so könnten- später immer noch Aendcrungen vorgenommen werden. Justizrat JonaS bekämpfte die Magistratsvorlage, die für die Arbeitnehmer pro Sitzung 2,50 M. Entschädigung vorsieht. Man solle die Arbeiter nicht falsch einschätzen, auch ihnen komme zum Bewußtsein, daß mit Standesrechten auch Standespflichten ver- bunden seien. Genosse Schumann trat diesem Herrn entgegen. Er habe nichts dagegen, wenn auch die Arbeitgeber diese Entschädigung erhielten, denn nicht immer seien die Wohlhabendsten auch die Befähigsten. Er wünscht ferner, daß der Arbeitsnachweis das Ziel verfolgen möge, recht bald zu einer dauernden Arbeitslosen- statistik zu kommen. Auf Antrag Jonas wird mit 16 gegen 10 Stimmen beschlossen, keine Entschädigung an die Arbeitnehmer zu zahlen. Sodann wird die so abgeänderte Vorlage fast einstimmig angenommen. Die Einnahmen aus der Wertzuwachssteuer sollen wegen ihres schwankenden Charakters nicht in den" ordentlichen Etat eingestellt, sondern zu einem Dispositionsfonds angelegt werden. Einige Etatsüberschreitungen, die zum Teil aus dem LehrerbesoldungS- gesetz herrühren, werden debatteloS genehmigt. Ebenso wird der Erhöhung der Baugebührenordnnng zugestimmt. Den Krankenschwestern ist ihr Gehalt um 164 M. erhöht wor- den; dafür sollen dieselben die Beaufsichtigung der Kinderpflege- Haltestellen mit übernehmen. Stadtv. Held ist dagegen. Genosse Schumann wünscht den Versuch zu machen� die Frauen zu der» artigen Arbeiten mit heranzuziehen. Mit der Pflasterung der Schützenstrahe scheint eS ernst werden zu sollen. Der Magistrat verlangt kvoo M. als Kosten für Kanali. iationsröhren. Die Arbeit soll sofort beginnen; hinterher soll so- fort gepflastert werden. Nach längerer Debatte wird der Vorlage zugestimmt. Die Stadt erhält als Gewinnanteil vom Eleltrizitäts- und Wasserwerk 4905,86 M. Der Reingewinn der Werke beträgt 92 358,87 M.— Sodann werden noch einige Verbesserungen der Straßenbeleuchtung beschlossen.— Die nicht genehmigte Biersteuer- ordnung wird nunmehr genau nach der sogenannten Muster- ordnung dem Bezirksausschuß von neuem zugehen.— Von einer Aenderung der Wertzuwachssteuerordnung empfiehlt die Kom- Mission, mit Rücksicht auf die kommende Reichswertzuwachssieuer. Abstand zu nehmen, was auch geschieht.— Für Umbauten der 1. Gemeindeschule werden 8000 M. bewilligt. Bernau. Die Generalversammlung de? Bezirkswahlvereins nahm zunächst den Bericht des Genossen Knö'chke über die Tätigkeit der Bezirks- leilung in den letzten t>/, Jahren entgegen. Es fanden in dieser Zeit statt: 24 Sitzungen der Bezirksleitung, 11 Versammlungen des Bezirks, sowie 8 öffeiitlicde Beriämmlungen. Des weiteren wnrde mitgeteilt, daß den Gemeindevertretungen des Bezirks 1l Genossen angehören. Die Mitgliederznhl beträgt zurzeit 270. Ganz ersreulich ist die Zndl der abgerührten Beiträge. nach ivelwen an 100 neue Mitglieoer gezählt werden können. Einundme und Ausgaben balanzieren mit einem Bestand von 101.64 M. Alles in allem könne von einem recht erfreulichen Fort- schntl berichtet werden. Eine Kritik an der Hallung der Bezirks- leitung wurde nicht geübt. Bei den.Fnnktionärwahlen" bemerkte Genosse Kiiö>chkc. daß es ihm infolge der überaus großen Jnanipruch- nadine der Rechrsauskuuflsstelle nicht mehr möglich sei, das Amt des 1. Bezirksleilers auszuüben. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: als Bezirksleilcr die Genossen C. Helbig und Franz Maß; als Kassierer: R. Kunze; Schriftführer: Gaudemack; Beisitzerin der Frauen: Geuoisiu�Rohloff. Als Bezirksnihrer wurden die Genossen Bogdah», Albert Temniler, Freudenreich und Krumnow für Bernau bestätigt, desgleichen für Röntgental Genosse Hölyer, für Schönow Genosse Duckwitz.— Unter Verschiedenem wurden die unerhörten Miete st eigcrungen vom Genossen Knöschke zur Sprache gc- bracht, die die Hausioirte mit der Anlage der Wasserleitung moti- vieren. Die Bezirksleitung wurde beauftragt, bei genügendem Material eine öffentliche Versammlung einzuberuscn, weiche sich mit obiger Angelegenheit befasse» soll. Hub der-prauenbewegung. Tas Frauenst immrecht in England. Endlich soll den Frauenrechtlerinnen Englands ein Erfolg zuteil werden. Durch Besprechungen und Konferenzen wurde eine Einigung zwischen den Parlamentariern und den Frauen erzielt. Es soll eine Gesetzesvorlage eingebracht werden, die all jenen Frauen, die heute schon das Wahlrecht zu den Gemeinde- und GrafschaftSrätcn besitzen, auch noch das Wahlrecht zu dem Parlament gegeben werden. Ein Teil unserer Genossen und Genossinnen nimmt gegen das Gesetz Stellung, weil dadurch die besitzenden Frauen zwar ein Wahlrecht bekommen würden, die Arbeiterfrauen würden aber leer ausgehen. Der andere Teil der englischen Genossinnen aber sagt, eS würde doch mit dem Prinzip der Minderwertigkeit gebrochen' und die große Mehrzahl der neuen Wähler würde doch dem Pro- letariat angehören. Wohl erscheint es auf den ersten Blick, als könnte darüber die Statistik Auskunft geben. Es sind nun aber in England zuverlässige Statistiken über die Wähler nicht vor- handen, außerdem wird das englische Männerwahlrccht nach der Wohnungsmicte bemessen. Eine Frau kann bei diesen Wahlen wählen, wie die männlichen Personen, wenn sie ein Wohnhaus oder einen Teil eines Wohnhauses oder auch nur ein Zimmer gc- mietet hat. Verheiratete?lrbeitersraucn dürften von diesem Wahl- recht vollständig ausgeschlossen sein, da ja die wenigsten Ehefrauen Mieterinnen sind. In industriellen Gegenden, wie in Lancashire, wo es viele ledige Arbeiterinnen gibt, dürften diese allerdings die Mehrheit der weiblichen Wähler bilden. Wichtiger aber noch als die praktischen Erwägungen sind die prinzipiellen. Erklären doch die bürgerlichen Frauen in ihrem Aufruf zur Propaganda dieses neuen Gesetzes, daß„die Vorlage die Erweiterung zum allgemeinen Frauenwahlrecht zwar nicht ans- schließt, sie macht aber diesen Schritt nicht notwendig". Wenn also viele Genossinnen glauben, dieses beschränkte Wahlrecht sei der Beginn zur notwendigen Emanzipation des weiblichen Geschlechtes als Staatsbürgerin, so zeigt gerade diese Wendung, daß dem nicht der Fall ist. Die bürgerlichen Frauen werden dann natürl'ch jedes Interesse an der Erweiterung des Franenwahlrechts verlieren und sie werden viel eher mithelfen die Proletarierinnen von der Gleichberechtigung wegzudrängen, als ihnen dazu zu verhelfen. Trotzdem der Ministerpräsident sich endlich bereit erklärte, erst eine Abordnung der Frauen, die für das Stimmrecht eintreten und dann solcke, die gegen das Frauenwahlrecht sind, zu empfangen, steht die Regierung allen Forderungen und auch diesem Gesetz sehr kühl gegenüber. Sie hat momentan andere Sorgen. Es wird trotz alledem doch erst dann ein Erfolg für die Frauen zu erreichen sein, wenn das englische Proletariat so stark sein wird, um das allge- meine Wahlrecht für Männer und für Frauen zu erkämpfen. Versnmmlttngen— Veranstaltttttssen. 2. KrciS. Am Dienstag, den 5. Juli, Ausflug der Genossinnen des 2. Kreises. Abfahrt 8,23 Uhr vom Schles. Bahnhof nach Hirscbgarten. Für Nachzügler von 1 Uhr ab Nahnsdorfer Mühle sParadiesgarien). dort Kaffeekochcn. Vcrci» für Frauen und Mädchen der Atbeilerklasse! Am Mitt- woch, den 6. Juli, abends fi'A Uhr. im Vereinslokale. Kom- iiiandantenstraße 72, Generalversammlung. Am 7. Juli AnZ- flug nach Treptow, Ludwigs Parkrestaurant. Eintritt für Kinder 10 Pf., Erwachsene erhalten Karten unentgeltlich im Verein._ ßriefkafte« der Redaktion. Tl» inrlfti'dic Tvrclvnnttdr tlnve« V in V en ft r a?!r., vorn vier TrrJiJjrn— R« h r f»« Ii i—, ttnidKmäglirv onn 7'.! hit O'/i Ilbr nlxiiSf, SomiabctiV« von 6 b.S?>/-»I»«nchniitinflS flau.£Ubtr 1l»ila«> ift -»'Öucbfiöbe unb nnr'j»bl olS Virrtznrticii brunfüiicn. Briefliche Slnttvuri wird»ichi ettcili. firiliat Rtagcu irnfle man tu der Svrcch ftuubc nor. «. W. und®. 3000. Auch tu dieser Art der �elfbehandlung müssen wir Sie an de» Arzt verweisen.—(£. H. 40. Solcher Verein ist uns hier am Orte nicht bekannt.— W. C9. 4. Darüber gibt Jdnen de- reiiwilliait Auslunst die Zcnlralstelle für Auswanderer, Schellingstr. 4.— Wiegclcdrn. Am Köllnischcn Park 8, Berlin, in den Vormittagsstunden unter Vorlegung der OulllungSkarlen.— 91. P. 23. Nach einem früberen Zuhälter, namcnS Heinze, welcher Ende der achtziger Jahre des Mordes an dem Nachtwächter Braun beschukbigk wurde.— R. F. 2. Dcndrii Sie sich an einen Drogisten.—<0. F. it. Vir empfehlen Jhuen das sacben erlchicnenc Werk von Kautslh.„Volksoennedruiig", Preis 2 M. Zu bc- ziehen durch die Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 08. Hilfskasse der Graveure, Ziseleure und oerwandten BerulSgenossen in Berlin tagt jeden 1. Montag im Monat Restaurant Braunert, Luisen- uscr 1. abends 8—10 Uhr. Kausmännische Kranken- und Stcrbckasse von 1885.(E. H. 71.) Dienstag, den 5. Juli. abends S Uhr, im Restaurant iL Landrs, Stralauer Str. 30/37: Sitzung. Amtlicher Marktbericht der städtiichen Warklballeu-Dtreklion über den Grohbandet in den Zcniral-Warkthalleit. Marktlage: Fleisch: Zuiubr schwach, Gcichäjt nihig, Preise unverändert. Wild: Zitfubr nicht getmgeitd. Geichäit rege, Presse jest. G eil ü gel: Zustlhr reichlich, Geichäst sehr rege, Preise gut. Fische: Zaluhr mäßig, Geschäst eiwas lcbhaster, Preise hoch, für Krebse stark fallend. Butter uub jt�äje: Geschäft ruhig, Presse unverändert G e m ü I e, Obst und Süd» früch te: Zufuhr reichlich, Geschäst lebhast, Preise sast unverändert. MitterungSnberstchr vom 2. Juli IlNO. moraenS 8 Ubr. ?wmemde 755 SD tzamburg! 754 SSV Berlin 750 SA Fratits.a M.757 SW München-700 SV Dien'70t WRV 3 heiter 4 heiter 1 wolkig 3 Nebel 4 wolkig 1 wolkenl itziMaranda 749 NO; 4 halbbd. 14 Petersburg 752 WSW 2 wolkenl 15 Scillv 730 W s 3 halb bd. 12 Merdeen.749 NNO � 2 bedeckt 12 Pari! s 758 SSW 2 bedeckt � 14 Wetterproguoie für Sonntag, den 3. Juli 1910. Etwas kühler, zunächst vorherrschend wolkig mit leichten Ziezcnsällen und ziemlich lcbhaslen südwestlichen Minden; später langsam ausklarend. BertinerWetterbureau. «lafferftandS-Nackirtcktten der Landes anstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbnreau. Wasserstand M e m e l. Tilstl Brezel, Jniterburg Weichsel. Tbvrn Oder. Ratibor , Kronen , Frankmrl Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leinneritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 1. 7. oni 64 —38 6 158 86 97 —24 -43 -27 26 —83 122 108 ien 30. 6. nra l) +7 +8 0 + 18 -2 —1 +1 0 -3 —13 +4 +2 +2 vasser?tant Saale, Grochlitz Havel, Svandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeSkow Weser, Münden . Minden Rhein, MdhüniliatiSau , Stiuib , ftölrt Neckar, Holbronn Main. Werlheim Mosel, Trier am 1. 7. om IIS 42 22 70 74 -4i! 0 724 484 496 2.)8 198 198 leit 30. 6. ein1) +6 +3 +2 +2 + 18 —9 +3 +23 +23 —2 +" +1 '1+ bedeutei/, Uhr. von der Halle de» neuen Paulus-Kirchbose» auS statt. venlsever Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht. daß nnjer Kollege, der Tischler Gustav Kramm am 80. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Montag, den 4. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS AulerstehungS-KirchhoseS(Weißen- see) au» stakt. Den Mitgliedern zur Nachrlchl, daß unser Kollege, der Tischler Hermatiu Schwan am 30. Juni gestorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet heule Sonntag, den 8. Jull, nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Halle de» neuen Pauls-KirchhoseS w Plötzensee aus statt. 85/ IS Die OrtSverwaltung. Deutscher Transportarbeiter-Verband,! Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser langjähriger Kollege, s der Kutscher Harl Hülsebeck verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am s Montag, den». d. Mi»., nachmittags 4 Uhr, von der Leichen. balle de« Emmens. Kirchhofes. I Rirdors, Hermannftraße, auS statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet! 69/20 vis Bezlrksvsrwallung. II iMmannsTränapinl Kxtru- Abte ilung . Gesch.: Berlin W., Mohren- j StraBe 37a(2. Haus von der j Jerusalemer StraBe). Iii. Gesch.: Berlin NO., Grote! Frankfurt. Str. IIS(2. Haus! von der AndreasstraBe). 1 Sehrgr.Ausw.fert. 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Juli, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Ltiijznsiädiischen Kirchhofe», Nixdors, Hermann- straße, auS. 28099 DaS Komitee. Leichtester Erwerb eines EIGEN-HEIMS! Ländl. Idyll mit großstäd-! tischem Komfort bietet j Gartenstadt Ii Hoben-Neuendorr! (NordbaUn) Wald, Wasser, Arzt, Gas, Wasserleit, Schulen etc. NM- Am SchUtzen- liun. herrliche Hoch wald- I.niid- J banNtellcn. □ Rute i 1* Mark an! 10°,. /.nblung. Tilg Rostes in lOj Sommer- 300 Mark an. Tllustr. Brosohüre gratis I Wollenberg,"xo" 4�' Neue Königstraße 71. Fernspr. 7, 3038 Hier: Wohrenstrasse 37 a STÄn0" und Gr.Frankfurterstr.115"�,7 .Westmann ist der totale Salw-Miniiiigs ii. Mm-VtH speiioll für Reise-. Sommer- u. Geblrfls- Konlckllon tu unalanblieh billigen Prslsnnl Pelerinen, Reise- Mäntel, Staub- Mäntel, Lodon-Kcstllme, Strand-Kostüme, Leinen- Kleider, Touristen- Röcke, Blusen etc in auch nnaberschbnrer AnswaU zum Aussuchen, dsrunter bocheleffanm. vornehme, gedieften« u. einfache Oi igincKModeite u. 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