Nr. 156. Hbonnemenfs-Bcdfngungeii: Abonnements- Preis pränumerando! Siertcljährl. S£0 fflif., motiall. 1,10 Mk,. wöchentlich 2b Psg. frei ins HauS. Einzelne Numvier S Pfg, Sonntags- nunnncr mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Däneniarl, Holland. Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. krlchelnl»glich anBtr IHontagt. V** Berliner Volksblntt. Die Tnlertlons-Gebüfir Behägt fiir die sechsgespaltene Kolonel« geile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzcigcn 80 Psg. „Aleine Rnreigen", das erste ssett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöfstict. Telegramm. Adrcsser „5»isMiinsl!rat Reriint Zcntralorgan der fozialdemokratircben Partei Deutfcblands. Redahtion: 8Ö3. 68, Lindctiotraoac 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1383. Her lSoxei'ki'Zeg. Sxpedlrlont 8Al. 68» �.indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981» Der Ruf der Vereinigten Staaten als eines Kulturstaates hat wieder einmal eine schwere Erschütterung erfahren. Wieder einmal hat sich der Rassenhast, der in den Vereinigten Staaten so oft schauerliche Opfer fordert, in zügelloser Bestialität aus- getobt. Im ganzen sollen gegen dreistig Neger getötet und mehrere hundert schiver verletzt worden sein. In einer ganzen Reihe von Städten, selbst in New Aork, wurden die Neger Von der rasenden Menge angegriffen und misthandelt. Dergleichen fcheustliche Noheitsakte gegen die Neger sind ja in den Vereinigten Staaten nichts Seltenes. Aber diesmal hat der bestialische Nassenkampf nicht nur einen besonderen Umfang angenommen, sondern auch eine besonders groteske Ursache gehabt. Wenn sonst in den Vereinigten Staaten Neger erschossen, erhängt oder auch lebendig verbrannt werden, so pflegt sich die Wut der an Schuldigen und Unschuldigen fcheustliche Lynchjustiz übenden Menge an Verbrechen von Schlvarzen zu entzünden, an einem Mord oder häufig der Vergewaltigung einer weisten Frau. Diesmal jedoch loderte der Rassenhast aus der Erbitterung darüber auf, dast ein Neger, der Preisboxer Johnson, einen Iveisten Preisboxer, den ehedem hochgeseierten Champion Jeffries, in wüster Balgerei wiederholt zu Boden geschlagen und schliestlich kampsunfähig gemacht hatte. Der schivarze Schlagetot hatte diesen Sieg zwar ini regel- rechten Match unter Kontrolle von 20 oder 30000 kundigen Sportfexen erfochten, allein die Tatsache, dast der verachtete „Nigger" einen massiveren Schädel und robustere Fäuste besessen hatte, als der meiste Vertreter der edlen Boxergilde, die in Amerika ein ähnliches Ansehen geniestt, wie die Stier- kämpfer in Spanien, hatte den Rassenstolz der Weisten so empfindlich getroffen, dast sich die Empörung der kochenden Volksseele in zahlreichen Negermassakres entlud. Um diese schmachvollen Ereignisse zu verstehen, must man zweierlei berücksichtigen: den aberwitzigen Rassendünkel und Rassenhast eines Teiles des amerikanischen Volkes und dessen bis zum Aberwitz ausgeartete Sportleidenschaft. Die schwarze Rasse ist in den Vereinigten Staaten zwar seit fast einem halben Jahrhundert„emanzipiert", allein in Wirklichkeit wird sie heute noch genau so wie zur Zeit der Sklaverei von der grosten Mehrheit des Volkes als uneben- bürtig und minderwertig verachtet. Weil sich die Neger, denen obendrein vielfach die Bildungs- und materiellen Eni- Wickelungsmöglichkeiten fehlten, nicht innerhalb der paar Jahr- zehnte in kultureller Beziehung der weisten Bevölkerung zu assimilieren vermochten, gelten sie als tiefer stehende Rasse, unfähig und unwert der höheren Kultur. Und da nur ein Teil der Neger sich als kleine Farmbesitzer hat selbst- ständig niachen können, die meisten dagegen als mehr oder minder„freie" Arbeiter der weisten Bevölkerung Konkurrenz zu niachen gezwungen sind— und es gibt etwa neun Millionen Neger und Mulatten in den Vereinigten Staaten— so kommt zu der Nassenantipathie auch noch der ökonomische Gegensatz. Der besitzenden Klasse fällt es aber natürlich gar nicht ein, das Volk über das Ungerechte und Unsinnige dieses Rassenhasses.aufzuklären; sie tut im Gegenteil noch ein übriges, um durch rücksichtslose Ausnutzung der billigeren Arbeitskraft des anspruchsloseren Schwarzen die Rassen- feindschast auf die Spitze zu treiben. Nur der sozialistische Gedanke der Gleichberechtigung alles dessen, was Menschen- antlitz trägt, nur die sozialistische Erkenntnis der wirklichen Ursachen der kapitalistischen Ausbeutung, nur die Einsicht in die Notwendigkeit des gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Kampfes gegen die kapitalistische Korruption könnten den kindischen Rassenhast entwurzeln. Aber der Sozialismus ist in Amerika noch nicht stark genug, sein Einflust reicht noch nicht so weit, um die Ausbrüche des blutgierigen Massen- Wahnsinns zu verhüten. Zu dem Rassenhast kam diesmal noch eine zweite Kultur- blüte des amerikanischen Kapitalismus: die Sportnarrheit. Diese Sportnarrheit hat Amerika von England übernommen und auf einzelnen Gebieten noch raffinierter ausgebildet. Mit dem Sport als gesunder Körperpflege oder vernünftiger Anteil- nähme am technischen Fortschritt hat der entartete Sport einer kapitalistischen Unkultur nichts zu tun. Diese letztere Sorte Sport entstammt entweder dem Spleen gelangweilter reicher Fanlenzer, wie beispielsweise der Rennsport, oder aber der künstlichen Konservierung oder gar Züchtung der Bru- talirät, deren ja ein Piraten- und Kolonialstaat wie England allezeit benötigte. Zu dem Sport der letzteren Art gehören die Hahnenkämpfe, die Kämpfe der Bulldogs mit Ratten und endlich auch und nicht zuletzt die Boxerkämpfe. Und gerade dieser unsäglich rohe und brutale Sport hat in den Vereinigten Staaten eine autzerordentliche Popularität erlangt, ein Beweis sür die barbarische Unkultur. die der amerikanische Kapitalismus trotz aller Bildungsprotzerci und Millionenspenden seiner Geldfürsten unter den Massen zu erhalten verstanden hat. Aber freilich: die kapitalistische Presse anderer Staaten. insbesondere auch die Deutschlands, sollte sich ja vor allem pharisäischen Getue hüten. Denn die Verachtung des in- ferioren„NiggerS" gehört ja auch in den kolonialen Kreisen unseres Vaterlandes längst zum guten Ton. Und wenn der Sportwahnsinn bei uns noch nicht so weit gediehen ist, wie n England und Amerika, so ist das wahrhaftig nicht das Verdienst unserer herrschenden Klasse. Ist man doch bei uns eifrigst bemüht, das Interesse � am Pferdesport, Jachtsport. Automobil- und Radsport, kurz den Rennsport aller Art künstlich zu beleben. Je stumpfsinniger solcher Sportbetrieb, und je restloser das Sportinteresse alle höheren geistigen Interessen verschlingt, desto besser für unsere Kapitalisten- klaffe. Denn ein der Sportnarrheit verfallener Arbeiter ist ja— England und Amerika beweisen das nur zu eklatant — ein viel willfährigeres Ausbeutnngsobjckt, als ein geistig geweckter. von sozialisttschen Idealen erfüllter Proletarier. Es gibt ja auch in Deutschland schon Blätter, die sogar dem widerlichen Boxersport Schrittmacher- dienste leisten— zur Hebung der öffentlichen Bildung und Moral I Und was wir auch in Deutschland erleben könnten, wenn es hier erst einmal zu einer„seriösen" Keilerei käme, wie zwischen Johnson und Jeffries in Rcno, davon haben uns ja mancherlei Skandalszenen bei den so unendlich viel harm- loseren und an sich keineswegs unästhetischen Ringkämpfen einen angenehmen Vorgeschmack gegeben I So sind die traurigen Vorkommnisse in Amerika auch für Europa, auch für Deutschland nicht ohne aktuellstes Jnter- esse. Sie lehren, daß es der Kapitalismus ist, der den Rassenhaß schürt und im gehätschelten Stumpfsinn der Massen die Vorbedingungen schafft für Bestialitäten, die uns die Schamröte ins Gesicht treiben. Sie zeigen, daß diese kapi- talistischen Gefahren nicht nur für Amerika bestehen, sondern überall da, wo der moderne Kapitalismus seine Herrschaft entfaltet. Aber sie geben uns gleichzeitig die freudige Gewähr, daß die sozialistische Weltanschauung zwar das einzige, aber auch das sicher wirkende Mittel ist, um die Menschheit von der Schmach auch dieses Ausflusses der kapitalistischen Unkultur zu befreien!_ Hofichranze oder Offizier? Es gibt leider viele Menschen, die nicht einmal das Maß von Freiheit wollen, das sie mit Leichtigkeit haben könnten. Hierher gehören besonders die Offiziere des Beurlaubtenstandes, die über ihre gesetzliche Dienstpflicht hinaus dienen. Jetzt ist da- durch einer gründlich hereingefallen, und zwar derart, daß er seine Leiden der Oeffentlichkeit in einer Broschüre enthüllt hat. Es ist dies der Oberleutnant der bayerischen Landweh rkavallerie Ernst Grötzner, Rechts- anwalt in Meiningen»). Grötzner wurde bis zum Jahre 1908 wie alle Rechtsanwälte in Meiningen zum herzoglichen Hofball in Meiningen eingeladen. Und ebenso wie seine Kollegen sagte er regelmäßig ab. Im Jahre 1996 erhielt er durch irgendwelchen unaufgeklärten Zufall über- Haupt keine Einladung. 1997 aber vergaß er infolge vieler Ge- schäfte die Absage. Vierzehn Tage nach dem Hofballe 1997 traf bei ihm ein Schreiben des Hofmarschalls von Schleinitz ein, in dem dieser sich erkundigte, ob Grötzner die Einladungen für 1996 und 1997 erhalten habe. Da Grötzner damals aber außerhalb Meinin- gens an Influenza schwer erkrankt war, so erividcrte er nicht sofort. Nun erfaßte den meiningenschcn Hofmarschall ein gräßlicher Grimm, und er beschloß fürchterliche Rache. Als Rechts- anwalt war Grötzner freilich nicht faßbar, wohl aber als Ober- leutnant der Landwehr. Er war allerdings nur als Rechts- anwalt eingeladen gewesen, wie der Umstand beweist, daß ihm als Anzug Frack und weiße Binde vorgeschrieben war, aber solche Kleinigkeiten kommen nicht in Betracht, wenn die Nemesis auf dem Marsche ist. Herr von Schleinitz sorgte also dafür, daß Grötzner beim bayerischen Bezirkskommando Kissin- gen, dem er unterstand, offiziell verklagt wurde, worauf der Bezirkskommandeur Oberstleutnant Endres den Sünder zur um« gehenden Berichterstattung aufforderte. Grötzner legte den Sachverhalt dar und entschuldigte sich auch noch beim tief gekränkten Herrn von Schleinitz. Aber die Rachegöttin war noch lange nicht zufrieden l Einige Wochen vor Jahresschluß teilte der Oberstleutnant Endres Grötzner mit, daß er ihm die Hofballaffäre in die Qualifika- tion schreiben werde. Ausgerechnet in die Qualifikation! Bald darauf erhielt Grötzner die weitere Nachricht, daß ihn der Kommandeur des 2. bayerischen Trainbataillons nicht zum Rittmeister qualifiziert habe. Dieser Kommandeur aber hatte Grötzner ein Jahr vorher am Schlüsse einer acht- wöchentlichen Uebung mündlich versichert, daß er ihn zum Ritt- meister qualifizieren werde. Auch er kann nur wegen der Hofballgeschichtc umgesattelt haben. Nun bat Grötzner in kurzen Worten und ohne Angabe eines Grundes um seinen Ab- schied. Dieses lakonische Gesuch war aber dem Oberstleutnant Endres nicht angenehm, und daher schickte er Grötzner e i n Formular für ein Abschiedsgesuch, das insofern mit der Wahrheit nicht überein st immte, als es Grötzner wegen abgeleisteter Dienstzeit und wegen Ueberbürdung mit Berufsgeschäften um seinen Abschied hätte bitten lassen. Grötzner schrieb das Formular nicht ab und hielt ungeschickter- weise auch sein eigenes Abschiedsgesuch nicht aufrecht. Aber man wollte ihn, der das schreckliche Hofballverbrechen begangen und auch noch das Formular des Bezirkskommandeurs nicht gehorsamst ab- geschrieben hatte, draußen haben. Und so ging denn die Geschichte mit Hochdruck los. Zuerst wurde dem Delinquenten eröffnet, daß ihn der Brigadekommandeur nicht einmal für seine gegen- •)„Hofball und Armee", von Rechtsanwalt Grötzner. (München, Verlag Max Steinebach. Kreis 7ö Pf.X wärtige Stellung geeignet halte, und zwar wegen der Hofballgeschichte I Bald darauf erhielt er die Mitteilung, daß auch der Divisionskommandeur und der kommandierende General der nämlichen Meinung seien und Grötzner sein Ab- schiedsgesuch innerhalb 7 Tagen einzureichen habe. Und das alles wegen des Hofballes l Grötzner war aber inzwischen im bayerischen Kriegsministerium gewesen, um sich an der Quelle über seine Lage zu informieren. Und hier hatte man ihm zur Eingabe einer dienstlichen Darstellung seiner Angelegenheit geraten. Grötzner tat wie ihm geheißen, und bekam für seine Darstellung vom kommandierenden General, der nicht wußte, daß hier nur die Frucht eines kriegs ministe- riellen Rates vorlag, einen schrecklichen Rüffel! Jetzt probierte Grötzner es mit einer regelrechten Beschwerde, die er bis zum Prinzregenten verfocht. Auch in diesem Falle bewährte sich das militärische Beschwerderecht voll und ganz, d. h. der Be« fchwerdeführer erhielt überall Un r e ch t. Der bayerische Kriegs- minister Freiherr von Horn teilte ihm bei der Gelegenheit mit, daß er auf Fürsprache des Herzogs von Meiningcn nicht sofort abgesägt, sondern ihm durch eine neue Uebung Gelegenheit zum Beweise gegeben werden, ob er auch die gesellschaftlichen Pflichten des Offiziers erfüllen wolle. Das ist eine ganz neue Art von Uebungenl Nachdem Grötzner zur Abwechselung auch ein bißchen als Simulant behandelt worden war, reiäite er erbittert nochmals ein Abschiedsgesuch ein. Daraufhin wurde er vom Bezirkskommandeur freundlich gefragt, ob er denn nicht mit der Erlaubnis zum Tragen der Uniform verabschiedet sein wolle. Aber Grötzner verzichtete auf des Königs Ehrenkleid, weil die verabschiedeten Offiziere, die es tragen dürfen, den Ehren- gerichten unterstehen und also für jede mißliebige Aeußerung ge- faßt werden können. Grötzner gibt auch ein interessantes Bild davon, wie regierende Fürsten„die Wahrheit" erfahren. Er hatte nämlich dem bayerischen Kriegsminister auch mitgeteilt, daß ihm der Oberstleutnant EndreS ein Formular für ein Abschiedsgesuch, das unwahre Motive vorgab, zugeMckt habe. Darauf antwortete Freiherr von Horn, Oberstleutnant �küdres habe dies mit Rücksicht auf Grötzner selbst getan, weil anderenfalls dem Prinzregenten hätte gesagt werden müssen, daß Grötzner deswegen verabschiedet sein wolle, weil er nicht zum Rittmeister qualifiziert worden sei. Das heißt klipp und klar, daß man dem bayerischen Prinzregenten. wenn man es gerade für gut hält, die wahren Beweggründe von Abschiedsgesuchen verheimlichen will. Grötzners Broschüre beweist betrübend, wie sehr die bayerische Armee borussifiziert worden ist. Vür 29 Jahren wäre der Hof- Marschall von Schleinitz in Bayern gründlich abgefahren; es wäre ihm wohl klipp und klar bedeutet worden, daß die ganze Sache die Militärbehörden nichts anginge, da Grötzner als Rechtsanwalt und nicht als Offizier eingeladen worden sei. Aber jetzt rückte man mit Stangen und Spießen gegen den Sünder aus. Und außerdem zeigt die Schrift, wie ungeschickt Offiziere de? Beurlaubtenstandes handeln, wenn sie nur eine Sekunde länger dienen als sie müssen. Wegen eine� Plunders können sie die größten Unannehmlichkeiten erfahren, und zuletzt werden sie weg- geworfen wie ein alter Handschuh! Sozialütlfcbe Politik. Brüssel, 8. Juli.(Eig. 23er.) Der Res olutton Meysmans, auf die sich der Parteitag, nach einer be» wcgten Diskussion, die an Klarheit leider manches zu wünschen übrig ließ, einigte, haben selbst etliche ihrer Bcfürivorter den Vorwurf der Länge gemacht. In der Tat, die Resolution ist nicht kurz. Indes, wenn man sie genauer, d. h. niit Rücksicht auf all die politischen Momente betrachtet, die in die gegen- wärtige Parteilage hineinspielen, wird man nicht finpen können, daß sie, wenn zum Teil auch scheinbar Selbstver- stündliches, etwas Ueberflüssiges sagt. Weder die Resolution Vinck noch die von Deströe vertretene der Föderation von Charleroi sprechen von einem Kämpf für's allgemeine Wahlrecht oder von den sozialen Reformen. Genosse Deströe meinte, als man ihn darauf verwies, daß wir ja auch nicht auf den Kollekti- vismus verzichten, trotzdem er in der Resolution nicht als Forderung ausgestellt ist. Die Sache ist aber die, daß die Tagesordnung über die politische Situation, die die taktische Formel für den Kampf gegen die klerikale Regierung präzisieren sollte, nicht auszudrücken hatte,„worauf wir nicht verzichten", sondern was die Partei im Augenblick will, ivelche Känipfe und Forderungen sie in den Vordergrund stellt und für welche Ziele sie eine Volksbewegung, „ähnlich derjenigen im Jahre 1893", wie die Resolution Meysmans sagt, entzünden will. Was Vinck und Deströe in ihren Resolutionen wollten, hatte eben das eine ausschließliche Ziel: Kampf gegen die klerikale Regierung beziehungsweise für die Revision des Proportionalwahl- Verfahrens. Für dieses Ziel sollte die Arbeiter- schaft ihre ganze Kraft einsetzen. Dagegen hat sich nun der Parteitag mit aller Deutlichkeit durch die Annahme der Tagesordnung Meysmans ausgesprochen und da- mit, wie auch Vandervclde betonte, der alten sozialistischen Taktik zugestimmt. Einer Taktik, die zudem in diesem Falle die Arbeiterschaft nicht in einem ausschließlichen Kampf unter zweifelhaften Bedingungen gegen die klerikale Regierung engagieren will. Aber auch nach einer anderen Seite hin hatte die Partei ihre Gründe, in ihrer Resolution dem Kampf gegen die Regie- rung auch ihre anderen aktuellen Forderungen in gleicher Linie anzureihen. Niemandem zum Beispiel wäre die Annahme der Resolution Vinck genehmer— Obstruktion unter allen Um- ständen nach Kammerzusammentritt und eine entsprechende Volksbewegung, uni die Regierung zum Rücktritt zu zwingen — als den Herren Liberalen, die natürlich nichts sehnlicher wünschen, als daß die Arbeiterschaft in dem Kampf gegen die Regierung den Vormarsch übernimmt. Und das Risiko natürlich— wie 1899, wo die Liberalen wie gewöhnlich der Vorsicht besseren Teil erwählten. Vandervelde auf dem Parteitage und Louis d e Broucköre kürzlich im„Peuple" haben den Standpunkt der Partei in dieser Richtung mit der notwendigen Deutlichkeit ausgesprochen und— sehr zur Zeit— das Verhalten der Liberalen während der großen Wahlrechtskämpfe von 1899 und 1902 charakterisiert, wo sie aus Erfolg wie Mißerfolg der Volksbewegung ihren Vorteil zu ziehen wußten, um zudem bei dem letzteren die Arbeiter den Kugeln der Bürger- garde preiszugeben. Bezeichnenderweise hat auch schon ein bürgerliches Blatt, die liberale„Dermerc Heure", der die Arbeiterschaft nicht radikal genug sein kann, sein Mißfallen darüber verkündet, daß die Sozialdemokratie sich nicht an die „Tste dieser populären Bewegung" stellt. Es wirst den Führern vor, daß sie die Fahne„im Widerstand gegen die Regierung" fallen gelassen hätten. Warum dieser Vorwurf? Weil der Parteitag nicht für alle Fälle den Schlachtruf ausgab, daß die Arbeiter auf die Straße steigen werden, um den Liberalen die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Es wäre den Herren angenehmer gewesen, eine andere Sprache zu hören, als die mit stürmischem Beifall aufgenommenen Worte Vanderveldes: Wenn auf die Straße gestiegen werden soll, dann, meine Herren Liberalen, gehen Sie gefällig st voran!— Und ebenso richtig ist, daß die Liberalen, schon ungeduldig, die Zügel der Regierung zu ergreifen, nicht gerade lüstern nach einer Diskussion der wirtschaftlichen Forderungen der Arbeiterschaft— Verkürzung der Arbeitszeit der Er- wachsenen. Arbeiterpensionen. Koalitionssteiheit der Staats- angestellten usw.— sind, deren Diskussion zeigen wird, daß die Arbeiterfeinde nicht nur auf der klerikalen Rechten, sondern auch bei den Manchesterliberalen der Linken zu Hause sind.— Die sozialistischen Mandatare»Verden im November,»vie die Resolution Meysmans es verlangt, den Kampf gegen die Regierung mit der Frage nach der Rechtmäßigkeit der kleri- kalen Regierung, die nicht mehr die Majorität des Landes vertritt, eröffnen und alle Kräfte aufbieten, eine Auflösung der Kammer herbeizuführen und damit dem beabsichtigten Coup der Klerikalen vorarbeiten, die durch Teilwahlen ihre Existenz künstlich verlängern wollen. Die sozialistischen Deputierten werden aber gleichzeitig auch die Beratung der dringenden sozialen Reformen fordern und, indem sie die Regierung zur Aussprache zwingen, die Wahlen für die industriellen Bezirke vorbereiten, in denen sie allenfalls 1912 Rechenschaft abzulegen haben wird.— Kampf gegen die Regierung, Kampf um ein allgemeines und gerechtes Wahl- recht, Kampf für die sozialen Reformen— und alles dies mit der Betonung und Hervorkehrung der Klassen- Politik— dies ist das Arbeitsprogramm, das der außer- ordentliche Kongreß mit der Annahme der Resolution Meys- mans für den Sozialismus im Parlament und stie das Land ausgestellt hat._ poUtifcbc OcberHcbt. Berlin, den 6, Juli 1910. Herr Lentze. Die„Voss. Ztg." schreibt: „Die Ernennung des Oberbürgermeisters Lentze zum Finanz- minister sucht man jetzt eifrig als Köder für die Nationalliberalen auszunutzen. Die„Kreuz-Ztg." und auch die letzte Wochenübersicht der„Nordd. Allg. Ztg." machen Andeutungen, als ob Lentze politisch andere Bahnen als R h e i n b a b e n zu wandeln gedenke und seine Ernennung ein Zugeständnis an liberale Forderungen be- deute. In Wirklichkeit kann davon keine Rede sein. Lentze war sogar bereit, als Gehilfe RheinbabenS zu ar- Seiten. Sie sind ein Herz und eine Seele. Bor Wochen schon ist Herrn Lentze der Posten des Unter st aats- sekretärs im Finanzmini st erium angeboten worden, und Lentze selbst hatte auch zugesagt, diese ihm auf Veranlassung RheinbabenS angebotene Stellung unter Rheinbaben anzunehmen. Erst als Rheinbaben um das plötzlich frei gewordene Koblenzer Oberpräsidium bat, kam Herr Lentze. da ein anderer Mann so schnell nicht bei der Hand war, für den Posten des Ministers selbst in Frage." Damit ist wohl das Märchen, daß Herr Lentze so etwas wie ein liberaler Einschlag in dem schtvarzblauen Ministerium bedeute, so gründlich zerstört, daß man uns künftig damit verschonen wird. Die Nationalliberalen»Verden künftig schon andere Ausreden für ihren Umfall er- finden müssen._ Die neue Wahlrechtsvorlage. Koinmt sie oder kommt sie nicht? Kommt sie noch während dieser Legislaturperiode des Landtages oder erst während der nächsten? Die„Berliner Neuesten Nachrichten" deuten an, daß die MeinungS- Verschiedenheit zwischen Bethmann Hollweg und Rheinbaben auf dem Gebiete der preußischen Verfassungsfrage zu suchen gewesen sein dürfte. Die Annahme liege nahe, daß die Frage der Einbringung einer neuen Wahlrechtsvorlage im Herbste der Streitpunkt oder wenigstens ein Hauptstreitpunkt zwischen den beiden Ministern gewesen sei. Stimme aber diese Vermutung, so sei in wenigen Monaten ein neuer preußischer Wahlrechtskanipf zu erwarten. Die„Post" dagegen erklärt eS für zweifellos, daß in der nächsten Tagung der Versuch einer Wahlreform nicht wiederholt werde. Diese Auffassung beruhe nicht auf Vermutung, sondern auf sicherer, tatsächlicher Unterlage. Es ist ebenso gut möglich, daß Bethmann Hollweg die Wahl- reform hinauSzuschleppen versucht, wie daß er den Landtag bei feinem Zusammentritt mit einer neuen Vorlage überraschen will. Die Umstände können sich freilich als stärker erlveisen, als alle Pläne der Regierung. Für die A r b e i t e r k l a s s e gilt auf jeden Fall: Bereit sein ist alles! Nationalliberale gegen Freifinnige. Die„Nationalliberale Korresp.", die seit Lentzes Er- Nennung wieder ganz regierungsfromm geworden, richtet jetzt eine scharfe Absage gegen diejenigen, die von„Einigung des Gesamtliberalismus" schwärmen. Das offizielle Partei- organ schreibt unter anderein: „Es gibt noch immer einige Illusionisten, die die Einigung des Liberalismus in eine greifbare Nähe gerückt sehen, denen die Notwendigkeit einer solchen Einigung im Gefühl liegt und die aus dieser Gkfühlsstimmung heraus den Blick leicht verlieren für die richtige Einschätzung der praktischen Schwierigkeiten, die einer solchen Einigung entgegenstehen, ja. sie für jeden nüchtern denkenden Politiker unmöglich machen. Die sachlichen Gegensätze, die früher in boller Schärfe zwischen Nationalliberalen und Freifinnigen bestanden hatten, erfuhren in der Blockperiode eine starke Abschwächung. Seitdem beginnen sie allmählich wieder sich stärker geltend zu machen. Sie haben besonders auf einem Gebiete sich verschärft, das immer mehr ausschlaggebend wird für das Verhältnis der Parteien zu- einander. Das ist die Frage der Beziehungen zur Sozialdemokratie. Wir sehen hier in den Reihen der Fortschrittlichen Volkspartei die Neigung wachsen, die Sozial- demokratie für bündnisfähig zu erklären, um so den Block der Linken, einschließlich der Sozialdemokratie, dem jetzigen Block der Rechten gegenüberzustellen. Eine solche Politik kann für die Nationalliberalen nicht in Frage kommen.... Die Gegen- sähe sind hier und auf manchen anderen Gebieten vorhanden. Sie sind genügend groß, um den Gedanken einer Einigung a l s unerfüllbar erkennen zu lassen." Man sieht, die Fraktion Drehscheibe hat sich wieder mal heftig nach rechts gedreht. Unterwerfung der Nationalliberalen. Die„Kieler Neuesten Nachr." wissen zu melden, daß zwischen dem Bund der Landwirte und den Nationalliberalen in Schleswig-Holstein Verhandlungen über eine gegenseitige Unterstützung bei den nächsten Reichs- tagswahlen im Gange seien. Die Verhandlungen seien dem Abschluß nahe, der sehr bald erfolgen dürfte, da der Provinzialausschuß der nationalliberalen Partei ein- stimmig diese Taktik gutgeheißen habe. Die Nachricht ist sehr interessant. Sollte sie sich bestätigen, so würde man darin das Ende der nationalliberalen Partei zu sehen haben, die dann nur mehr ein Anhängsel des schwarz-blauen Blocks bilden würde. Ein Durchfallskandidat. Der Vorstand des Wahlvereins der konservativen Parteien für den Wahlkreis Frankfurt-Lebus beschloß in seiner heutigen Vorstandssitzung einstimmig, der Hauptversammlung des Wahlvereins, die am Sonntag, den 17. Juli, stattfinden soll, als Kandidaten der konservativen Partei für die bevorstehende Ersatzwahl im Kreise Frankfurt-Lebus vorzuschlagen den Arbeitersekretär Hermann Dunkel, den Vor- sitzenden des Berliner Verbandes evangelischer Arbeitervereine und Sekretär des Hauptvereins für innere Mission in Berlin. Als Durchfallskandidat darf sich also ein Arbeiter- sekretär zur Not noch präsentieren; aussichtsreiche Kreise sind allerdings den Junkern reserviert. Im ReichStagswahlkreiS Mecklenburg III, den zurzeit Herr Dr. Pachnicke vertntt. haben Konservative und Bund der Landwirte beschlossen, für die nächste Reichstagswahl Herrn Prof. Dr. D a d e- Berlin als Kandidaten aufzustellen. Die Reklame versteht er! Herr v. Rheinbaben erläßt folgende Bekanntmachung: „Durch die Gnade Sr. Majestät des Kaisers und Königs ist dem Wunsche meines Herzens(??), an die Spitze der Rheinprovinz zu treten, Erfüllung geworden. Indem ich die Geschäfte heute über- nehme, bitte ich, mich bei der Führung dieses Amte? freundlichst zu unterstützen, wie ich gelobe, Herz und Hand einzusetzen für das Wohl der schönen Provinz. Frhr. von Rheinbaben, Staatsminister, Oberpräsident der Rheinprovinz." MHoffentlich macht der Herr mit solchen Berlautbarnngen nicht noch Mode. Eine„Bekanntmachung" bei jedem Oberpräsidenten- Wechsel kömite gerade noch fehlen. Die Wirkung der Wucherzölle. Wiederholt sind in letzter Zeit Beispiele über das Steigen der Gllterpreise erbracht worden. Jetzt wird berichtet, daß bei der B e r- Pachtung der Domänen im Kreise Kulm sehr bemerkenswerte Ergebnisse erzielt wurden. Auf die etwa 1600 Morgen große Domäne UniSlav, die bisher etwas mehr als 12 000 Mark Pacht brachte, gab Herr Gohlke in UniSlav ein Höchstgebot von über 25 100 M. ab; für die 1015 Morgen große Domäne Griewe, die Herr Amtsrat Meyer für etwas über 13 000 Mark in Pacht hatte, bot der bisherige Pachtinhaber 30 256 Mark und erhielt den Zu- schlag. Diese Zahlen beweisen uns, welch enorme Summen die Domänenpächter in den letzten Jahren eingeheimst haben. Sie geben auch ein Bild von den Riesengewinnen, die die Großgrund- besitzer jetzt zu verzeichnen haben. Die große Masse de» Volkes aber darbt. Mittlerweile werden die neuen Pächter finden, daß die Landwirtschast Not leidet und sie werden dann nach höheren Zöllen schreien._ Verminderte Reichseinnahmeu. Im„Reichsauzeiger" werden die Einnahmen aus Zöllen, Steuern und Gebühren in den Monaten April und Mai 1010 ver- öffentlicht. Die Einnahmen an Zöllen sind in diesen zwei Monaten um ungefähr 3l/3 Millionen gegenüber der Solleinnahme zurück- geblieben. Die Solleinnahme nach Abzug der Ausfuhrver- giitungen usw. sollte in runden Ziffern 94'/z Millionen betragen, die Jsteinnahme hat 01 Millionen betragen. Von den übrigen Ein- nahmen sind die entsprechenden Ziffern: Zigarettensteuer Jsteinnahme 3 736 000 M., Solleinnahme 4 553 000 M.; Verbrauchsabgaben für Branntwein 20 Millionen(25 700 000): Schaumiveinsteuer 1 391 000(1 570 000 M.); Zündwarensteucr 2 140 000(2 186 000); Reichsstempelabgaben von Kauf- und sonstigen Anschaffungsgeschäften 4194 000(4 280 000). von Frachturkunden 2 482 000(2 533 000), von Personenfahrkarten 2 477 000(2 528 000), von Grundstücksüber- tragungen 7 607 000(7 763 000). Die Einnahme aus der Erbschafts- steuer mit 6 631 000 entspricht der Solleiimahme. Ebenso die Wechsel- stempelsteuer mit 3 271000. Dagegen ist die Jsteinnahme aus der Zuckersteuer und der Brausteuer und Uebergangsabgaben vom Bier höher als die Solleiimahme. Die Zuckersteuer hat 80 729 000 ge- bracht(22 000 000), die Brausteuer 14 349 000(11254 000). Ein Nachspiel zu Wahlrechtsprvzessen in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M., 6. Juli.(Privatdepesche des„Vorw.") Vor dem hiesigen Schöffengericht hatte sich heute der Genosse Jour- nalistKarl Kirchner wegen Beleidigung eines Kriminalschutzmanns zu verantworten. Die Beleidigung soll bei einem Wahlrechtsprozeß am 21. März gefallen sein. In der damaligen Verhandlung sagte ein Kriminalbeamter unter Eid aus, der angeklagte Wahl- rechtSdemonstrant habe durch seinen Hochruf auf ein freies Wahlrecht die umherstehende Menscheinnenge ans- gereizt, und mit dein Ruf die Polizei, die in nächster Nähe gewesen sei, verhöhnen wollen. Eine Aussage, die in den Wahl- rechtsprozesscn von Schutzleuten dutzende Male in stereotyper Form gemacht wurde. Während jener Verhandlung bot der als Bericht- erstatter anwesende Genosse Kirchner sein Zeugnis an, und beklindete unter Eid das strikte Gegenteil von dem, was der Schutzmann aussagte. K. erklärte, er werde gegen den Schutzmann Anzeige wegen Meineids erstatten, was er auch tat. Das Strafverfahren gegen den Schutzmann wurde zwar eingeleitet, bald darauf jedoch wieder eingestellt und dem Genossen Kirchner wurde mitgeteilt, daß. die Beobachtungen, die er gemacht haben wollte, nicht geeignet sind, das Gegenteil von der Aussage des Schutzmanns zu erweisen. Die Staatsanwaltschaft schritt nun gegen Kirchner ein und bezichtete ihn des Meineids. Auch diese Anklage brach zusammen, doch sollte dem gekränkten Schutzmann die Ehre wieder gerettet werden. Deshalb die Verhandlung gegen K. wegen Beleidigung. Wie vorauszusehen war, erzielte Kirchner einen glatten Frei- s p r u ch. Der Staatsanwalt hatte zwar drei Wochen Ge- f ä n g n i s beantragt, doch schloß sich das Gericht den Ausführungen des Verteidigers Rechtsanwalts Dr. Sinzheimer an, der auf Frei- sprechung plädierte. Eine Beleidigung läge nicht vor: Der An- geklagte sei überzeugt gewesen, daß der Schutzmann als Zeuge nicht die Wahrheit gesagt und habe lediglich dieser Ueberzeugung Ausdruck verliehen._ Wieder das Wafferloch. In scharfem Gegensatz zu der vom Staat geübten Sparsamkeit in der Lohnfrage steht die Ver schwendung vonMat erialien. Dafür ein neuer Beweis: Von der Firma Bernutzki in Danzig-Langfuhr wird auf der Kaiserlichen Werft eine Abflußleitung nach dem Pfandgraben gelegt. In der Nähe der Maschinenhalle für Preßluft, mußte ein Loch gegraben werden, um eine Senkdrumme anzulegen. Hierbei fand man in geringer Tiefe folgende Gegenstände: Ein Schwungrad, Gußeisen, im Gewicht von zirka 10 Zentnern. Zwei Teile von Ma- schinenfundamenten aus Bronze im Gewicht von zirka 3 Zentner». Ferner Bronzeblechplatten von IV, Millimeter Stärke. Gewicht zirka 1 Zentner. Diese Teile wurden am 1. Juli, nachmittags 4'/, Uhr zirka, ge» ftlnden und den Werftbeamten übergeben. Der Wert der Gegen- stände beziffert sich auf mehrere hundert Mark. Wir richten deshalb an das Reichsmarineamt im öffentlichen Interesse nachstehende Fragen: 1. Woher stammen die Metalle? 2. Warum hat man diese Bronzcteile dort vergraben? Auf wessen Veranlassung ist das ge- schehen? Eine klare Antwort ist wohl notwendig. 8 253. Der Erpressungsparagraph, der für die schmutzigsten Verbrechen ? geschaffen wurde, ist schon wieder einmal gegen Arbeiter, die ehrlich ür die Aufbesserung ihrer Klassenlage kämpfen, in Anwendung ge- bracht worden. Der Fall liegt besonders kraß. Der Zigarren- fabrikant Tillack in Glogau hatte einen Lohntarif unterschrieben und gebeten, diese Tatsache in unserem BreSlauer Parteiblatte zu veröffentlichen, da er auf Arbeiterkundschaft anaewiesen sei. Nach- träglich aber maßregelte er einen bei ihm beschäftigten Arbeiter, nachdem seine Versuche, ihn zum Austritt aus der Organisation zu bewegen, erfolglos geblieben waren. Gauleiter K l e m e n t aus Breslau ging daraufhin in Begleitung des gemaßregelten Arbeiters zu dem Fabrikanten, um über die Zurücknahme der Maß- regelung und die Aufrechterhaltung des Tarifs zu verhandeln. Die Verhandlungen blieben erfolglos und der Fabrikant stellte obendrein Strafantrag, weil ihm die Möglichkeit eines Boykotts durch die Glogauer Arbeiter vor Augen geführt worden sei. Das Glogauer Schöffengericht hat jetzt den Gauleiter Klement auf die Zeugenaussagen des Fabrikanten wegen„versuchter Erpressung" zu einer Woche Gefängnis und den gemaßregelten Arbeiter zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Der Schnapsboykott. Ueber die greifbare Wirkung des ArbeiierschnapSboykottS herrscht kein Zweifel mehr. Die Ziffern für den Monat Mai sowohl als auch für die ganzen ersten 8 Monate des laufenden Berechnungs- jahreS lauten: Mai 1909 1910— oder-f» Erzeugung... 297 203 ll 283 200 öl— 4,7 Proz. Trinkverbrauch. 195 944„ 167 976,—19,4, Gewerbl. Verbrauch 113 964„ 145 975,+28,0, Oktober bis Mai 1908/09 1909/10 Erzeugung... 5 949 047 öl 3 410 926 öl— 13,6 Proz. Trinkverbrauch. 1685264. 1202164„—23,7. Gewerbl. Verbrauch 1 159 945„ 1 328123„+14,5 Die Ziffern reden eine deutliche Sprache. Die Erzeugung bleibt von Monat zu Monat, auch jetzt in der ruhigsten Zeil der Schnaps- produklion, ständig hinter der der Vorjahre zurück. Daß dies nicht eine„vorübergehende Erscheinung" ist, beweist die Zahl für die acht Monate des laufenden Jahres. Demnach ist die Produktion gegen das Vorjahr um 538 121 Hektoliter— 18,6 Proz. zurückgeblieben. Damit ist die Gesamtproduktion für diesen Zeitraum auf den medrigste» Stand der letzten fünf Jahre heruntergegangen. Der Trink- verbrauch allein, über dessen Eutwickelung sich jetzt, wo die größte Menge des laufenden JahreS schon produziert ist, ein immer sichereres Urteil gewinnen läßt, zeigt für die ersten acht Monate des laufenden Jahres einen Rückgang von 483 100 Hektoliter — 38,7 Proz. Im Mai, der gleichfalls die geringste Verbrauchs- ziffer der letzten fünf Jahre aufweist, war der Rückgang freilich prozentual nicht mehr ebenso groß; er betrug aber immer noch 19,4 Proz. Damit dürfte die Wirkung einer etwaigen Versorgung erschöpft und der Minderkonsum nunmehr auf einem stabilen Niveau angelangt sein. ES darf allerdings nicht vergessen werden, daß die deutsche Regierung mit ihrer erneuten Schnapssteuererhöhimg den Arbeitern in die Hände gearbeitet hat. Für die Schnapsjunker Iväre die Wirkung des Boykotts schon ein entscheidender Schlag, wenn sich nicht zum Teil durch Erweiterung des Anwendungsgebietes für gewerblichen Spiritus und zum anderen durch die aufwärtsgehende Konjunktur der teckmische Verbrauch stark gehoben hätte. Für den Mai beträgt die Steigerung gegenüber dem gleichen Monat des Vorjahres rund 28,0 Prozent. Für die ersten acht Monate sind es gegenüber dem Vergleichsjahre 1908/09 nur erst 14,5 Prozent; die Ziffer wird aber bis zum Jahresschluß sicher noch rasch weiter steigen. Allerdings wird sich die Steigerung des technischen Verbrauches— die ja eine Entschädigung, wenn auch keine volle, für die Agrarier bedeuten würde— in ihrem vollen Umfange erst am Jahresschluß feststelle» lassen. An den Arbeitern ist es, jetzt nicht nachzulassen, damit die Wirkung des Schnapsbopkoltö eine stetige bleibt. Die Junker müssen in ihrer letzten Hoffnung getäuscht werden, baß sich die deutschen Proletarier wieder an den teurer werdenden Fnsel ge- wöhnen und auch weiterhin den SchnapSbrcnnern willige Steuer- fton leisten. Arveiter, beachtet den Schnapsboykott! Italien. Teure Tintenfässer. Rom, 6. Juli. Der Abgeordnete M o r l a n i hat eine Anfrage an den Justizminister und an den Finanzminister gerichtet wegen einer Summe von 85 000 Lire, welche gefordert wird für die Lieferung von Tintenfässern für den neuen Justiz- Palast. Spanien. Eine Fcrrer-Tebatte. Madrid, 6. Juli. Deputierte nkammer. Der Republi- kaner SalilkaS erklärte, in dem etsten Prozeß gegen Ferrer tut Jahre 1906 habe das Tribunal unier dem Druck einer sehr starken öffentlichen Meinung im Auslande gehandelt. Im zweiten Prozeß, der zur H i n r i ch t u n g Ferrers führte, habe man auf die europäische Strömung in genau entgegen- gesetztem Sinne geantwortet. Der Redner wies auf die nachteiligen Folgen hin, die diese Tatsache für Spanien im Auslande gehabt habe. Der U n t e r r i ch t s m i n i st e r er- widerte, die Rede Salillas habe gar nichts zu tun mit dem (Gegenstand der Beratung, der Antwort auf die königliche Botschaft. Das Parlament könne sich nicht in einen Gerichtshof verwandeln; die Regierung lehne dies entschieden ab. Darauf wurde die Sitzung aufgehoben._ Die religiöse Frage. Madrid, 6. Juli. Senat. Der.Bischof von Madrid sprach über die religiöse Frage. Er bekämpfte das Monopol des Staates im Erzrehungswesen. Hierauf erwiderte Canalejas, er müsse endgültig erklären, entweder werde diese Frage in Eintracht und Frieden geregelt werden oder die Regierung werde sie selbst regeln, indem sie ihre Macht und Energie zur Anwendung bringe. Aber wir werden, so fuhr Canalejas fort, keinen Frieden und keine Eintracht haben, so lange Doktrinen bestehen bleiben, die weder wir noch Sie zulassen können. Die Macht der Kirche darf nie über die des Staates gehen. Es gibt religiöse Bestrebungen, die auf ein Gebiet hinübergreifen, auf dem sie keine Berechtigung haben. Der Ministerpräsident betonte energisch, daß er weder das Kon- kordat noch die Verfassung verletze. Der Augenblick sei für Spanien gekommen, einen entscheidenden Schritt zu tun. Ob dieser Schritt früher oder später getan werde, jeden- falls müsse ihn Spanien tun. Darauf wurde die Sitzung auf- gehoben. Englanci. Ein Viermilliardenbudget. Der Voranschlag für das Finanzjahr 1910/11, den Lloyd George dem Unterhause vorgelegt hat, bedeutet, rein finanztechnisch betrachtet, einen Erfolg. Ist doch der Fehlbetrag, den die Ablehnung des letzten Etats durch die Lords und der dadurch verursachle Mindereingang an Steuern und Zöllen verursachten, nicht nur ausgeglichen, sondern auch, ohne neue Steuern und ohne Anleihen, ein Ueberschuß von 861 000 Pfund Sterling(zu 20,40 M.) vorgesehen. Dabei soll die gewallige Steigerung des Marineetatö rein aus laufenden Mitteln bestritten und sogar die Staatsschuld durch Rückzahlung von 9Vq Millionen vermindert werden. Der Schatzkanzler durfte mit berechtigtem Selbstgefühl dieses Ergebnis seiner Finanz- Politik vorlegen und die Schutzzöllner, die ihr Allheilmittel auch als Voraussetzung einer gesunden Finanzwirtschaft hingestellt haben, herausfordern. Insgesamt find an Einnahmen 199 791000 Pfd. Sterl. --- rund 4076 Millionen Mark gerechnet, an Ausgaben 198 930 000 Pfd. Sterl.--- 4053 Millionen. Der Ueberschuß soll nach Begleichung der durch den Tod deS Königs verursachten Ausgaben<309 000 Pfd. Sterl.!) für technischen Unterricht(102 000) und zur Erweiterung der Alters- renten(450 000 Psd. Sterl.) dienen. Es soll nämlich der Ausschluß der A r m e n u n t e r st ü tz u n g Beziehenden von der Rente vom I.Januar 1911 anfallen. Für das ganze Jahr sind dafür 1 300 000 Pfd. Sterl. vorgesehen, wovon diesmal also nur ein Viertel verwandt wird. Da es sich um 270 000 alte Leute handelt, sind das nicht mehr als 136 M. pro Person und Jahr, zu denen aber die bisherige Armenunterstützung hinzukommt. Das ganze soll vereinigt und als Pension, nicht mehr als Armenuuterstützung gegeben werden. Die Durchführung der versprochenen Kranken- und Arbeitslosenversicherung hat der Minister für nächstes Jahr in Aussicht gestellt— vorausgesetzt, daß die Flotten- ausgaben wieder einen normalen Stand erreicht haben. Für die EntWickelung des internationalen Flotten Wahn- s i n n S ist kennzeichnend ein Vergleich, den L. George anstellte. 1886 trat ein konservariver Schatzkanzler zurück, da er eS ablehnte, einen Marineetat von knapp 260 Mill. Mark zu vertreten. Diesmal betragen die Ausgaben aber 330 Millionen I Eine Besserung dieses Wettrüstens wird erhofft, wenn das deutsche Flottenprogramm erfüllt und damit eine weitere Steigerung unnötig sein werde. Ja, wenn! Die Einnahmequellen sind: Zölle(nur Finanz- zölle, hauptsächlich auf Tabak, Alkohol und Tee) rund 32,1 Mill. Pfd.— Indirekte Steuern(hauptsächlich Branntwein, Bier u. a.) 34,3 Mill.— Stempelabgaben 9,6.— Einkommensteuer (von Einkommen über 3264 M.) 37'/t Millionen.— Grund- und Hausabgaben 3.3 Millionen.— Erbschafts steuer 25,65 Millionen Pfund. � Insgesamt 142'/« Millionen Pfund aus Steuern, wozu 30 Millionen Rückstände usw. kommen. Die neue Landwert- s ch ä tz u n g, die von den Grundbesitzern nicht ohne Grund bis aufs Blut bekämpft worden ist, hat eine erhebliche Steigerung der ErbschaftS st euer im Gefolge gehabt. Der.Familiensinn' der englischen besitzenden Klassen muß die Probe emer Nachlaß- besteuerung von mehr als 520 Millionen Mark bestehen. Die Zivilliste. London, 6. Juli. Die mit der Festsetzung der Zivilliste des neuen Königs betraute UnterhauSkommission hat als Gesamtsumme für die königliche Familie mit Ausnahme der Apanage des Prinzen von Wales 167S0000 Frank bewilligt. Wenn der Prinz von Wales sich verheiratet, so wird für seine Gattin eine jährliche Revenue ausgesetzt werden. Für die Königin Mary ist für den Fall des Ablebens des Königs eine Jahrespension von 1750 000 Frank, die gleiche Summe, welche die Königin Witwe Alexandra erhält, be- willigt worden. Rußland. Dem Henker überliefert. Die in Helsingfors und Wiborg stattgefundenen Verhaftungen, über die wir vor kurzem berichteten, haben bereits zu der Auslieferung der Gefangenen an die russischen Behörden geführt. Aus Helsingfors wurden acht Personen (darunter die Genossin Ljuba Ostroumow) und aus Wiborg zehn Personen an die russische Grenze geschafft, wo sie von den Kerkermeistern des Zaren liebevoll in Empfang genommen wurden. Sämtliche Gefangene iverden dem Kriegsgericht übergeben. Den meisten von ihnen droht die Todes- strafe. Die russische Kriegsjustiz hat ihre Arbeit in Finn- land begonnen. Ein neues furchtbares Verbrechen, ein neuer Massenmord wird vorbereitet. Cürkei Verschärfung des Boykotts. Konstantinopck, 6. Juli. Nach einer Bekanntmachung des BohkottkomiteeS werden nach dem 6. Juli die in griechischen Schiffen verladenen Waren ohne Rücksicht auf die Nationalität des Warenbesitzcrs nicht gelöscht werden. DaS Komitee fordert alle Geschäfte auf, ihre griechischen Ange st eilten zu ent- lassen. Huö der partei* Der sozialdemokratische Verein für den Wahlkreis Lübeck hielt am Montagabend seine Generalversammlung ab. Aus dem er- statteten VorstandSbericht für das abgelaufene Geschäftsjahr ist zu entnehmen, daß die Mitglicderzahl sich'trotz der Krise von 3271 auf 3720, also um 449 erhöht hat. Die Einnahmen und Ausgaben balanzicrten im Berichtsjahr mit 23 027.06 M. Auch die Berichte der Bertrauensperson der weiblichen Mitglieder und des Vorsitzenden der Jugendkommisfion konstatierten erfreuliche Fortschritte. Die Bürgerschaftswahlen haben uns im verflossenen Jahre einen erheb- lichen Stimmenzuwachs und die Vermehrung unserer Mandate von sieben auf zwölf gebracht. In drei Landgemeinden besitzen die Lübecker Genossen gegenwärtig ein Gemeindevorstandsmitglied und vierzehn Gemeinderatsmitglieder. Auf dem Landgebiet gelangt allmonatlich ein besonderes Organ„Der Landarbeiter" sowie jährlich ein Kalender unentgeltlich zur Verteilung. Die Agi- tation ist durch Flugblätter und in Versammlungen in umfangreicher Weise betrieben worden. In der Versammlung wurde der Wunsch nach einer Verschärfung des Schnapsboykotts ausgesprochen und die Errichtung eines' besonderen Jugendheims angeregt. Die Vorstands- wählen zeitigten die Wiederwahl der bisherigen Mitglieder. Vor- sitzender der Landesorganisation ist der Genosse P. Löwigt. Mit großem Interesse wurde der Bericht über die Tätigkeit der Lübecker Bürger schaftsfraktion bei der diesjährigen Budget- beratung entgegengenommen. Einwendungen oder Kritik wurden nicht gemacht reip. geübt. Mitgeteilt wurde noch, daß im kommenden Winter wieder ein Vortragsztülus mit Genossen Rühle-Halle als Referenten arrangiert werden wll. Der Sozialdemokratische Kreisverein Mülhausen i. Elf. zählt nach dem in der Generalversammlung vom Sonntag, den 3. Juli, er- statteten Kassenbericht jetzt 1014 Mitglieder, darunter 61 weibliche,— er ist hiernach die stärkste sozialdemokratische WahlkreiSorganisation in Elsaß-Lothringen. Der Verein beschloß, die Wahl des Delegierten zum Magdeburger Parteitag zum ersten Male mittels Urabstimimmg vorzu- nehmen. Zu der am 16. und 17. d. M. in Colmar stattfindenden Generalversammlung der sozialdemokratischen Partei Elsaß-Lothringen S nahm die Vereinsversammlung vor der Dclegiertenwahl einstimmig die folgende Vorstands- resolution an: .Die am 3. Juli 1910 tagende Generalversammlung deS Sozialdemokratischen KreisvereinS Mülhausen spricht die Erwartung aus, daß von den Delegierten des Kreises Mülhausen zur Landesversammlung in Colmar und von der Landesversammlung selbst den revisionistischen Bestrebungen in der Partei, wie sie u. a. in der Teilnahme der uiitereli'ässischen Bezirkstags- Mitglieder an einem Bezirkstagsfe st essen mit Kaiser- hoch und in dem PeiroteSschen Versuch der Umdeutung unserer Programm st ellung zu den indirekten G-emeindesteüern zum Ausdruck kommen, mit Entschieden- heit entgegengetreten wird." Das in Rede stehende BezirkstagSfestessen fand auf Einladung des Bezirkspräsidenten für Unterelsaß am Vorabend der Landes- ausschußwahl im letzten Spätjahr statt. Bei der Wahl im Bezirkstag selbst unterlag dann der sozialdemokratische Kandidat Genosse Peirotes mit 15 Stimmen, darunter 11 oder 12 liberale, während entgegen dem liberal- sozialdemokratischen Wahl- abkommen außer den aufgestellten liberale» Kandidaten, welche mit Hilfe der sozialdemokratischen Stimmen die Mehrheit erlangt hatten, anstelle des Genossen PeirotcS ein— Zentrums- mann gewählt wurde. Die Wendung in der Resolution gegen die Umdeutung unserer Programmstellung zu den indirekten Gemeinde- steuern bezieht sich auf das Referat des Genossen Peirotes auf der Konferenz sozialdemokratischer Gemcindevertreter Elsaß-LothringenS am 20. Februar d. I. in Colmar, worin Genosse Peirotes die prinzipielle Verpflichtung unserer Parteivertreter in den Gemeinde- räten zur Ablehnung der städtischen Verbrauchssteuern(Oktroi) be- stritt und den Satz aufstellte, die im§ 13 des Zolltarifgesetzes von 1902(Verbot der Weitererhebnng kommunaler Abgaben auf Vieh. Fleisch, Getreide, Backwaren vom 1. April 1910 ab) verfolgte Politik, welche die sozialdemokratische Reichstags- fraktion mitvertreten hat, sei„keine arbeiterfreundliche, sondern Mirtelstandspolitik". Auf Antrag des Mülhauser Kreis- Vereins steht auf der Tagesordnung der LandeSversamm- lung vom 17. d. MtS. behufs Erledigung dieser Meinungsverschieden- heiten nun der Punkt„Sozialdemokratie und Oktroi" mit P e i r o t e S-Slraßburg als Referent und E m m e l- Mülhausen als Korreferent. Reichstagslandidatur. In einer am Sonntag, den 3. Juli, in Sonthofen stattgefundeneu Wahlkreiskonferenz für den 6. schwäbischen ReichStagSwahlkreiS Jmmenstadt-Lindau wurde einstimmig Genosse Heinrich G ö lze r, Schreinermeister und Gemeinde- bevollmächtigter in Kempten, als Kandidat aufgestellt. flu; der Reichsverfichcrungscrdnungs- kommifiion. (Sitzung vom Mittwoch, den 6. Juli 1910.) Die Generaldebatte über die Arztfrage bezog sich heute namentlich auf den Vorschlag des Abg. Dr. Mugdau, daß nur e i n Vertragsausschuß vorgeschrieben wird und nicht, wie in dem Entwurf vorgeschlagen wird, zwei Vertragsausschüffe, nämlich einen für allgemeine Arztverträge und einen für besondere Arztverträge.. Einige bürgerliche Abgeordnete schienen für diesen „Vermittelungsvorschlag" zugänglich zu sein. Unsere Genossen Hoch und Molkenbuhr traten jedoch diesem Vorschlage entschieden entgegen.— Die Ausschüsse sollen gewisse bindend« Grundsätze für die Regelung des Verhältnisses zwischen den Krankenkassen und den Aerzten festlegen. Besteht nur e i n Ausschuß, so ist es nicht ausgeschlossen, daß in diesem Ausschuß sowohl bei den Vertretern der Kasse als auch bei den Vertretern der Aerzte die Mehrheit für das eine Arztsystem und gegen das andere Arztsystcm ist. Diese Mehrheit soll dann bindende Grund- sähe auch für das andere Arztsystem festlegen. Das sei ein Unding und müsse die Vergewaltigung der Kassen und Aerzte zur Folge haben, die das andere Arztshsiem durchführen wollen. Dagegen habe die Debatte ergeben, daß in der Praxis die Unterscheidung zwischen dem allgemeinen Arziverirag und dem besonderen Arzt- vertrag sehr oft unmöglich sei. Daher werde es am besten sein, wenn die b e i d e n Vertragsausschüsse beseitigt werden. Die beiden Parteien sollen zunächst selbst versuchen, sich zu verständigen. Ist hierbei eine Verständigung nicht zu erreichen, erst dann soll sich die Gesetzgebung einmischen und ein Schiedsgericht möglichst u» beieligtcr Personen schaffen. Daher würden die sozialdemokratischen Vertreter in der Kommission nur, um die Annahme eines Aus- schusses zu verhindern, und unter dem Vorbehalt für die beiden Ausschüsse stimmen,, daß sie versuchen werden, in der zweiten Lesung Anträge zu unterbreiten, die die Beseitigung der Ausschüsse be- zwecken. Auch die Vertreter der anderen Parteien und selbst der Staats- sekretär gaben zu, daß die zwei Vertragsausschüsse, wie die Re- gierungsvorlage sie vorschlägt, nicht möglich seien. Unbeschränkt freie Arztwahl ohne einen besonderen Vertrag mit einem bestimmten Kreis von Aerzten kommen in der Praxis gegenwärtig so gut wie gar nicht vor. Demgemäß wird es unmöglich sein, einen Vertrags- ausschuß für den allgemeinen Arztvertrag zustande zu bringen. Aus diesem Grunde herrschte U e b e r e i n st i m mu n g dar- über, daß in dex zweiten Lesung eine gründliche Aenderung dieser Bestimmungen notwendig sei. Hierauf trat die Kommission in die Beratung der einzelnen Bestimmungen ein. Allgemein zugestimmt wurde zunächst der Be- stimmung, daß die rechtlichen Beziehungen der Krankenkassen und der Aerzte, die sich aus der ärztlichen Behandlung der Kassenmit- glieder ergeben, durch Vertrag zwischen den Kassen und den Aerzten geregelt werden sollen. Die entscheidende Abstimmung fand bei dem nächsten Satze statt: Der Vertrag wird entweder als allgemeiner oder als besonderer Arztvertrag abgeschlossen. Diese Bestimmung wurde gegen die Stimmen der Fortschrittler und des P o l e n angenommen. Darauf handelte es sich noch darum, ob der Antrag Hitze angenommen und damit der besondere Aerztcvertrag nur in desonderen Notfällen mit Genehmigung des Oberversicherungsamts zugelassen werde. Dieser Antrag wurde jedoch gegen die Stimmen der Fortschrittler. des Zentrums und der Polen ab- gelehnt. Ebenso fiel der Antrag der F o r t s ch r i t t l e r, daß der Arztvertrag nur in besonderen, vom Oberversicherungsamt zu be- stimmenden Fällen abgeschlossen werden darf. Dafür stimmte außer den Antragstellern nur der Pole und Abg. Dr. G ö r ck e. Damit war der Grundsaß des Regserung'ßentEurfs angenommen, Laß beide Arztshsteme in gleicher Weise zugelassen sind. Den allgemeinen Arztvertrag schließen die Kassen mit den Aerzten ihres Bereiches ab. Auf die Anfrage des Genossen Schmidt wurde festgestellt, daß die Kassen berechtigt sind, in dem Pertrage die Tätigkeit des einzelnen Arztes auf bestimmte Bezirke zu beschränken. Ist ein allgemeiner Arztvertrag geschlossen, so kann jeder approbierte Arzt, der in dem Bereiche der Kasse wohnt, Kassen- Mitglieder behandeln, wenn er dem Vertrage schriftlich beitritt und — so hieß es in dem Entwurf— vom Beitritt nur auS» geschlossen werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde der Wort» laut dahin geändert, daß unter der angegebenen Voraussetzung ein Arzt nicht nur vom Beitritt zum allgemeinen Arztverrrag, sondern auch nach seinem Beitritt von dem Recht, Kassen. Mitglieder zu behandeln, ausgeschlossen werden kann. Abg. K u l e r s k i hatte den Zusatz beantragt, daß bei dem Ausschluß nicht Gründe„religiöser oder politischer Natur" maß- gebend sein dürfen. Der Antrag wurde angenommen. Die Sozialdemokraten wiesen darauf hin, daß in Frankfurt a. M., Stuttgart usw. bei der freien Arztwahl Aerzte durch den Aerzteverband aus dem Grunde ausgeschlossen seien, weil sie Anhänger der Homöopathie oder Hydrotherapie seien. Deshalb beantragten die Sozialdemokraten, daß auch auS Gründen wissenschaftlicher Natur Aerzte nicht von dem allgemeinen Arzt» vertrag ausgeschlossen werden dürfen. Diesen Antrag stimmten jedoch das Zentrum, die Konservativen und die N a» tionalliberalen nieder. Der Kassenvorstand kann nach der Vorlage beantragen, daß ein Arzt vom Beitritt zum allgemeinen Arztvertrag ausgeschlossen wird. Heber den Antrag entscheidet der Vertragsausschuß. Der aus- geschlossene Arzt und der Kassenvorstand haben die Beschwerde an die höhere Verwaltungsbehörde. Dazu beantragten die Sozialdemokraten, daß die Be- schwerde an die Spruchkammer des OberversicherungSamts zu richten sei, weil dann bei dieser wichtigen Entscheidung auch Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer mitwirken. Der Antrag wurde ab- gelehnt. Dann kamen die Bestimmungen über den besonderen Arztvertrag zur Verhandlung. Zum Abschluß desselben kann die Satzung den Vorstand ermächtigen, und es kann dann, abgesehen von dringenden Fällen, die Bezahlung anderer Aerzte abgelehnt werden. Dabei soll jedoch den Mitgliedern, soweit es ohne erhebliche Mehr- belastung der Kasse möglich ist, die Wahl zwischen mindestens zwei Aerzten freibleiben. Hier wollten die Konservativen da» Wort„erheblich" streichen, so daß nur zu häufig die Mitglieder auf einen einzigen Arzt angewiesen sein würden. Diese Zumutung lehnte die Kommission jedoch ab. Leider wurde auch gegen die Stimmen der Nationallibe» ralen, Fortschrittler, Sozialdemokraten und des Polen der Antrag der Nationalliberalen abgelehnt, daß in einer Kasse, die mehr als 2000 Mitglieder hat, für jedes angefangene weitere Tausend den Mitgliedern ein Arzt mehr zur Verfügung gestellt werden mutz. Ein Wechsel des Arztes ohne Zustimmung des Vorstandes soll nach der Vorlage während desselben Geschäftsjahres oder derselben Krankheit ausgeschlossen werden können. Die Sozial- demokraten beantragten, daß der Ausschluß des Wechsels während desselben Geschäftsjahres gestrichen wird, dazu liege gar kein Grund vor. Dagegen könne die Bestimmung zur unnötigen Härte führen. Leider wurde auch dieser Antrag von dem Z e n- trum, den Konservativen und den Nationallibe» ralen gestrichen, Die Bildung der beiden LertragSauSschüsse wurde gegen die Stimmen der Fortschrittler und des P o l e n angenommen. Nach dem Entwurf sollen die Ausschüsse für den Bezirk des Oberversicherungsamts gebildet werden. Die oberste Verwaltungsbehörde des Bundesstaates kann jedoch für das Gebiet desselben oder für Teile davon die Bezirke anders ab« grenzen. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Ausschüsse für die Bezirke der Versicherungsämter gebildet werden. und datz für einen Kassenverband, dessen Bezirk sich über die Bezirke mehrerer Versicherungsämter erstreckt, auf Antrag des Kassenver- bandes besondere Ausschüsse gebildet werden. Die Ausschüsse könnten nur dann den besonderen Verhältnissen aller beteiligten Kassen gerecht werden, wenn die Bezirke nicht zu groß sind. Beide Anträge wurden jedoch abgelehnt. Ueber die Regelung der Deckung der Kosten, die die Vertrags» ausfchüsse verursachen, enthält der Entwurf ausführliche Bestim- mungen, darunter auch die, daß die Kosten denKranken lassen allein auferlegt werden können. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Kosten unter allen Umständen von den beteiligten Kassen und Aerzten zu gleichen Teilen getragen werden. Die Kommission lehnte den An- trag ab, strich aber die Bestimmung, nach der die Krankenkassen zur Deckung der ganzen Kosten verpflichtet werden können. Die höhere Verwaltungsbehörde soll nach dem Entwurf die Zahl der Arzt- und Kassenvertreter festsetzen. Dabei hat sie die Zahl der Kassenvertreter auf die im Bezirke vorhandenen Orts-, Land-, Betriebs- und Jnnungskrankenkassen der Bertragsgruppe entsprechend der Zahl ihrer Mitglieder zu verteilen.> Die Sozialdemokraten beantragten, daß in den AuS» schüssen jede der beteiligten Kassen mindestens einen Vertreter haben muß. Dies sei notwendig, da die Ausschüsse bindende Grund- sätze für jede Kasse des Bezirks festsetzen sollen. Der Antrag wurdö abgelehnt. Angenommen wurde dagegen ein Antrag des Abg. Behren?, nach dem die Bestimmung auch für die Knappschaftskassen gelten soll. Zur Wahl der Aerztevertreter stellt die höhere Ver» waltungsbehörde eine Liste auf. In diese Liste kann sich jeder Arzt eintragen lassen, der in dem Bezirke wohnt und nachweist, daß er Kassenmitglieder behandelt. Nach dem Entwurf stand es dem Arzte. der sowohl an einem allgemeinen Arztvertrag als auch an einem desonderen beteiligt ist, frei, sich auf die Liste für beide Aus- schüsse setzen zu lassen und dadurch das Wahlrecht für beide AuS- schüsse zu erlangen. Auf Antrag der Sozialdemokraten wurde die Bestimmung dahin geändert, daß sich jeder Arzt nur auf eine Liste eintragen lassen kann. Ferner wurde auf Antrag des Abg. Behrens hinzugefügt� daß die Wahl geheim ist. Endlich sollten nach der Vorlage die Aerztevertreter durch die für den Bezirk zuständige ärztliche Standesvertretung gewählt werden, wenn die in die Liste eingetragenen Aerzte es einstimmig beantragen. Abg. Kulerski wollte diese Art der Wahl schon dann zulassen, wenn es zwei Drittel der wahlberechtigten Aerzte fordern. Abg. Mugdan trat entschieden für diesen Antrag ein, da es beleidigend für die große Masse der Aerzte sei, wenn schon die Stimme eines Kollegen genüge, die ärztliche StandcSvertretung auszuschalten. Die Sozialdemokraten beantragten, daß nicht nur de« Antrag Kulerskr, sondern auch die Bestimmung der Vorlage ab- gelehnt werde. Die Wähler für die Ausschutzmitglieder seien nur die an der Kassenpraxis beteiligten Aerzte, die Wähler der ärztlichen Standesvertretung dagegen alle Aerzte. Außerdem soll die Wahl der Vertreter für die Ausschüsse eine Proportionalwahl sein. Wie soll dies— ohne die Minderheit bei der Wahl der ärztlichen Standesvcrtretung um ihr Wahlrecht für die Wahl der Vertretung im Ausschutz zv bringen— bei der Wahl durch die Standcsver» tretung geschehen? Schließlich wurde dann auch sowohl der Antrag Kulerski als auch die Bestimmung der Vorlage mit allen Stimmen gegen die des Abg. Kulerski und dxS Abg. Dr. Mugdan ob, gelehnt, GewcrklcbaftUchee. Slne Qlarnuiig von Huawanderungen nad) Argentinien. Eine brutale Unterdrückung der Arbeiterbewegung findet in Argentinien statt, zu der einige Attentate den will- kommenen oder gar vorbereiteten Anlaß gegeben hatten. Den bisherigen willkürlichen Maßnahmen, Verhaftungen und Ausweisungen en masse, Füsilierungen, Zerstörungen der Bureaus und Druckereien der gewerkschaftlichen und politischen Organisationen wird aber die Krone aufgesetzt durch ein soeben vom argentinischen Nationalkongreß be- fchlossenes„Gesetz der sozialen Ordnung", das ein Ausnahme- gesetz schlimmster Sorte gegen die Arbeiterbewegung darstellt. Nach§ 1 des neuen Gesetzes, das sofort in Kraft tritt, wird allen Personen das Betreten argentinischen Bodens verboten,„welche je verurteilt wurden oder sein mögen(I) für irgendwelche Vergehen, auf die nach argentinischen Ge- setzen körperliche Strafen angedroht werden": ferner allen Personen, die„Angrifse mittels irgendwelcher Gewalt auf öffentliche Beamte oder Einrichtungen" propagieren. Wer solchen Personen bei der Einwanderung behilflich ist, setzt sich schweren Strafen aus: wer gegen die Bestimmungen dieses Gesetzes das Land betritt, wird sofort ausgewiesen, im Wiederholungsfalle dagegen mit Gefängnis von drei bis sechs Jahren bestraft. Weiter wird„jede Vereinigung oder Versammlung ver- boten, welche die Propagierung, Vorbereitung oder die Auf- forderung zum Begehen solcher Akte, welche gesetzlich verboten sind, zum Zwecke hat". Keine öffentliche Versammlung darf mehr ohne vorherige Erlaubnis der Lokalbehörden abgehalten werden: ihre sofortige Auflösung muß aber auch erfolgen, wenn sich in ihrem Verlaufe irgend etwas ereignet, dessen Bekanntsein vorher das Verbot der Versammlung zur Fol�e gehabt hätte. Zuwiderhandelnde erhalten sechs Monate bis ein Jahr Gefängnis. Wer dagegen mündlich, schriftlich, in Druckereien oder in irgendeiner anderen Weise öffentlich eine Tat zu entschuldigen versucht, die vom Gesetz als ein Ver- brechen betrachtet wird, soll mit Gefängnis nicht unter einem Jahre bis zu zwei Jahren bestraft werden. Doch es kommt noch schlimmer. Wer versucht, andere zum Streik oder Boykott zu veranlassen, wird mit Gefängnis von ein bis drei Jahren bestraft: die gleiche Strafe soll denjenigen treffen, der auf irgendeine Art und Weise öffentlich die Ignorierung der Landesverfassung propagiert oder die Landesflagge oder das Landeswappen beschimpft! Um aber auch in allen Teilen den babarischen Charakter des Gesetzes zu zeigen, ist weiter bestimmt, daß in allen diesen Fällen das Verfahren, das sich nur auf Polizeiberichte zu stützen hat, ein summarisches und stets innerhalb zehn Tagen erledigt sein soll. Nach alledem ist wohl verständlich, daß Argentinien von geschäftskundigen Kapitalisten auch hier als das Land ihrer Zukunft betrachtet und daß immer mehr deutsches Kapital in argentinischen Unternehmungen angelegt wird. Den steten Versuchen, Arbeiter in großer Zahl zur Aus- Wanderung nach Argentinien unter den lockendsten Ver- sprechungen zu bewegen, werden unsere Organisationen nach vorstehendem sicher noch energischer als bisher entgegen- wirken! öerlln und Umgegend. Die Abzieher, Flaschensplller und Kutscher aus den Mineral- wasserbetrieben stehen zurzeit in einer partiellen Lohnbewegung. Ein Teil der in Frage Kommenden gehören seit Jahren dem Deut- schen TvanHportarbeiter-Verband an und haben durch diesen, teil- weise mit Erfolg versucht, ihre ungünstigen Lohn- und Arbeits- Verhältnisse zu verbessern. Die Beschäftigung selbst ist in vielen Fabriken eine recht ungesund«, die miserabelsten Räume dienen vielfach als ständiger Aufenthaltsort für die Abzieher und Flaschenspieler. Die bestehenden Schutzvorschriften toerden in jeder Weise ignoriert. Hier würdchr die Gewerbe-Aufsichts- beamten ein danlbares Feld ihrer Tätigkeit ausüben können. Durch das energische Eingreifen der Arbeiterorganisation sind in mehre- ren Betrieben die Lohnverhältnisse geregelt, ebenso ist die Arbeits- zeit von 10 auf k> Std. festgesetzt worden. Tarisverträge sind bis zetzt mit folgenden Firmen vereinbart worden: B e r o l i n a, H. Fanselow, O. Franke, Dr. Heureuse, W. Günther u. Co.. Kloninger Nchf Herm. Thiel. I. Schoemann, G. Rausch, Schubert u. Radau, H. R ö s l e r, Herm. Pohl, Reusch u. Pluge, Rob. Martens, E. Sichtin g, Jnh. Gebr. Schwanekow, R. Behl. Die Firma Ernst Rauch, Neuonburgerstr. 23, hat es abgelehnt, ein Vertragsverhältuis mit dem Deutschen Transportarbeitev-Verband einzugehen. Der In- Haber dieses Betriebes erklärte den VerbandSvertretern gegenüber, daß seine Arbeiter mit den gezahlten Löhnen, die am allerniedrig- sten sind, zu frieden wären. Sonderbarer Weise gibt dieser gute Mann angeblich schon seit einigen Jahren bares Geld zu, um bloß Arbeiter beschäftigen zu können. Dabei erhält die Firma für ihre Ware immer noch einen leidlichen Preis. Im übrigen ist zu be- richten, daß weitere Verhandlungen mit den Unternehmern noch im Gange sind und die Lohnbewegung somit noch nicht beendet ist. Die organisierten Rutscher usw. sind im Besitz einer grauen Legi- timationskarte, deren Felder regelmäßig abgestempelt werden. Oeutkches Reich. Oertliche Tarifverhandlungen im Baugewerbe. Für den Bezirk U n t e r e l b e ist vereinbart worden, daß die örtlichen Verhandlungen überall bis zum Ib. Juli stattgefunden haben müssen. In mehreren Orten haben die Unternehmer erklärt, es fei ihnen durch ihren Zentralvorstand bei Strafe verboten, auf örtliche Forderungen der Arbeiter einzugehen. Es bestand in Schleswig-Holstein in vielen Orten eine tarifliche Bestimmung, nach der an Lohnzahlungstagen und an den Tagen vor den hohen Festen etwas früher Feierabend ist, als an den übrigen Tagen, ohne daß Lohnabzug erfolgt. Die Arbeiter wünschen diese Bestimmung bei- zubehalten, die Unternehmer dagegen weisen diese Forderung über- all zurück mit der Begründung, nach§ 6 des Mustervertrages sei eine solche Bestimmung nicht zulässig. Mit dieser Bestimmung soll aber ganz etwas anderes getroffen werden, was die Arbeiter fordern. Der§ 616 des bürgerlichen Gesetzbuchs hat nichts mit dem tariflich vereinbarten früheren Feierabend zu schaffen. Dieser an besonderen Tagen eintretende frühere Feierabend ist in Schles- Wig-Holstein noch aus alter Zeit üblich und beruht auf Privilegien, die den Arbeitern durch königliche Verordnungen erteilt wurden. Die Unternehmer bringen nun diese Verordnung unter den§ 616 deS bürgerlichen Gesetzbuches und erklären, es sei ihnen durch ihren Vorstand bei Strafe verboten, hiergegen zu Verstoßen. Für die beiden Herzogtümer Mecklenburgs wurde vereinbart, daß die ört- lichen Verhandlungen am 7., 8. und S. Juli in allen Orten, wo noch Differenzen bestehen, stattfinden müssen. Nur in denjenigen Orten, wo durch besondere Umstände, die Verhandlungen vor Schluß der Woche nicht stattfinden können, soll es gestattet sein, am Sonntag, den 16. Juli, noch zur Verhandlung zusammenzu- treten. Die Unternehmer haben durch Zirkular ihre Mitglieder angehalten, keine Zugeständnisse zu machen. Lohnbewegungen in der Steinindustrie. Mit dem Granitwerk VateS in Kirchenlamitz(Ober- franken) konnte ein umfangreicher Tarif zum Abschluß gebracht werden. In diesem Werk sind 6S Mann beschäftigt, die geschliffene und polierte Monumentalarbeit herstellen. Das Schiedsgericht für den Bayrischen Wald wurde anerkannt. In Beucha(Sachsen) ist nach achtwöchentlicher Dauer der Streik bei der Pflasiersteinfirnia Bruno P r e i s s e r beendet. Für 35 Steinarbeiter konnte ein Tarif zur Annahme gebracht werden. Herr Preisser bemühte sich im Auslände um Arbeitswillige, die aber, nach Beucha gekommen, es unterließen, Arbeit zu nehmen, so daß die Firma ihr Geld umsonst ausgab. In Oberpeilau(Schlesien) konnte mit der Marmorwaren- firma Thust ein detaillierter Tarif zum Abschluß gebracht werden, der etwa 66 Arbeitern zugute kommt. In Oberpeilau wurden bis- her in der Steinbranche die geringsten Löhne bezahlt. In Derdingen(Württemberg) Iveigert sich der Steinmetz- meister Treutle, die tariflichen Löhne zu bezahlen. 36 Stein- metzen haben nun am 5. Juli die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Das Granitwerk Döcke in Detstitz-Thumitz wollte eine 20prozentige Lohnreduktion vornehmen. Die organisierten Stein- arbeiter legten dagegen scharfen Protest ein, und die Abzüge unter- blieben. In der Zellstoffabrik Waldhof zu T i l s i t, in der ca. 966 Ar- beiter und 160 Arbeiterinnen arbeiten, wurde für das Personal eine Lohnerhöhung von pro Stunde 3— 4 Pf. erreicht. In niehreren Abteilungen ist ein Minimallohn von 4,50 Mk. pro Schicht garan- tiert. Die Lohnerhöhung, die rund 9000 Mk. im Jahre ausmacht und die durch Verhandlungen erreicht wurde, ist dem guten Organi- sationsverhältnis der Arbeiterschaft zu verdanken. Von den 1000 Beschäftigten sind 850 im Fabrikarbeiter-Verband organisiert. Bei den ersten Verhandlungen mit einer 20gliedrigen Kommission wurden nur winzige Zugeständnisse gemacht; sie scheiterten voll- ständig. Dann wurden von der Organisationsleitung VerHand- lungen angebahnt. Die Vorschläge von den Organisationsvertretern wurden von der Direktion anerkannt und weitere Zugeständnisse gemacht. Die noch übrig gebliebenen Differenzpunkte wurden vor dem Einigungsamt des Gewerbegerichts geschlichtet und ein auf ein Jahr laufender Vertrag geschlossen. Diese erfolgreiche Lohn- bewegung im Osten Deutschlands hat gezeigt, daß auch hier die Arbeiterschaft imstande ist, sich bessere Arbeitsbedingungen zu er- kämpfen. Die Kampsesstimmung unter den Arbeitern war groß, trotzdem bewahrten sie stets gute Disziplin und befolgten strikte alle Anordnungen der Organisationsleitung. Die Konfektionsarbeiter zu Elberfeld haben den seit 1906 mit dem„Verein der Elberfelder Herren- und Knabenkonfektion en gros" bestehenden Tarifvertrag gekündigt. Der Vertrag läuft am 1. August ab. Am 5. Juli sind dem genannten Verein die neuen Eorderungen zugegangen, die in einem zehn- bis zwanzigprozentigen ohnaufschlag auf die bis dahin bestandenen Lohnsätze bestehen.— Die Arbeiter sind zum größten Teil im Schneiderverband organi- siert, außerdem kommt aber auch noch der christliche Verband und der Hirsch-Dunckersche Gewerkverein in Frage. Alle drei Organi- sationen haben beschlossen, den Unternehmern die Forderungen ge- meinsam zu unterbreiten._ In der Bleiftiftfabrik von Johann Faber in Nürnberg haben 300 Arbeiter und 500 Arbefterinnen am Mittwoch die Arbeit niedergelegt. HusUnd. Achtung, Sattler! In Uetersen in Holstein sind in den Reiseeffektenfabriken Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Satt- lern ist fernzuhalten._ Bäckerstreik in Warschau. In einer Zeit, wo die politische Reaktion einerseits und die wirtschaftliche Krise andererseits schwer auf dem Proletariat Ruß- lands lasten und sich eine dumpfe Gleichgültigkeit seiner bemächtigt bat, ist jedes Zeichen eines beginnenden Erwachens des alten Kampfesgeiftes aufs lebhafteste zu begrüßen. Ein solches ist der Ende Mai ausgebrochene allgemeine Streik der jüdischen Bäcker- gesellen in Warschau. Wie so manche andere Arbeiterkategorien haben auch die Warschauer jüdischen Bäcker im Jahre 1905 den Unternehmern bedeutende Zugeständnisse, vor allem auf dem Gebiet der Arbeitszeit und des Arbeitslohnes, abgerungen. Doch haben die Bäckereibesitzer die nach 1906 einsetzende allgemeine Abschwächung der Arbeiterbewegung benutzt, um sie allmählich wieder zurückzu- ziehen, und so sind jetzt die Verhältnisse im Bäckergewerbe in nichts besser als vor 1905. Trotz der ungeheuren Lebensmittelteuerung sind die Löhne die gleichen oder sind sogar gesunken und reichen kaum zum nackten Leben aus. Die Arbeitszeit ist eine unmenschlich lange, so daß, wie der Streikaufruf erklärt, die Arbeiter Wochen hindurch nicht genügend Schlaf haben und ihre Familien nicht zu sehen bekommen. Die Behandlung seitens der Bäckereibesitzer ist eine entwürdigende; die hygienischen Verhältnisse spotten jeder Be- schreibung. Die Backstuben liegen meist im Keller, sind drückend heiß, starren vor Schmutz und dienen dabei den Gesellen als Schlaf- räume. Dies alles führte nun schließlich zu einer allgemeinen Arbeitsniederlegung in sämtlichen jüdischen Bäckereien der Stadt, so daß es bereits am nächsten Tage empfindlich an Brot mangelte. Die Hauptforderungen der Streikenden sind: achtstündige Arbeits- zeit, Lohnerhöhung bis zu 11 bis 15 Rubel(22 bis 30 M.) in den verschiedenen Arbeiterkategorien, Bezahlung von Ueberstunden, an- ständige Behandlung, keine Maßregelung infolge des Streiks und Anerkennung der Arbeiterorganisation seitens der Unternehmer. Der Kampf wird nämlich von beiden Seiten organisiert geführt. Aber während die Unternehmerorganisation eine legale, von den Behörden genehmigte ist und sich ihrer großen Gunst erfreut, ist die Gewerkschaft der Arbeiter eine illegale, geheime, und die Polizei geht scharf gegen die Streikenden vor. Der Vorstand der Bäcker- gewerkschaft, die unter Leitung der Warschauer Organisation des „Jüdischen Arbeiterbundes" steht, hat während der Dauer des Streiks mehrere Aufrufe zur Verbreitung gebracht, auch hat die sogenannte demokratisch-polnische Bäckergewerkschaft ein Flugblatt herausgegeben, in dem die polnischen Bäcker an die proletarische Pflicht der Solidarität gemahnt und aufgefordert werden, keine Streikbrecherdienste zu leisten und Streikarbeit zurückzuweisen. Die gute Disziplin der Streikenden und die Solidarität ihrer polnischen Berufskollegen haben bereits schön« Früchte getragen. In den bedeutendsten Bäckereien sind die Forderungen der Arbeiter bewilligt, und es besteht begründete Hoffnung, daß dieser teilweise Sieg der Arbeiter zu einem vollständigen wird, was zweifellos von großer Bedeutung für die Hebung der Stimmung und Kampfeslust auch in anderen Arbeiterschichten wäre. To2iales. (Siehe auch 1. Beilage.) Ein Elendsbild. In Briesnitz bei Dresden wohnte eine mit ihren 6 Kindern in bitterster Not lebende Witwe. Der Mann, ein kleiner Beamter. war ftühzcitig gestorben und hatte seine zahlreiche Familie zurück- gelassen. Die Witwe, eine infolge Unterernährung überaus schwäch- liche Frau, bezog nach dem Tode ihres Mannes eine mäßige Penjion. Diese langte aber bei weitem nicht aus. um eine 7köpfige Familie zu ernähren, und die Witwe arbeitete von früh bis spät und ver- diente mit Näharbeit— eine andere Arbeit konnte sie infolge ihres erbärmlichen ZustandcS nicht verrichten— ganze 2—3 Mark pro Woche! Die Kinder waren fast alle klein und deshalb nicht in der Lage, etwas für den Lebensunterhalt beizutragen. Aber bald wurde auch die Witwe krank und nun kehrte daS grinsende Elend ins HauS, nachdem ohnehin schon Not und Entbehrung vorhanden waren. Es war nicht einmal das Nötigste im Hause und die Familie mußte buchstäblich hungern und— es war gerade im Wiuter— frieren. Wochenlang war kein Feuer im Ofen, an warme Speisen konnten Mutter und Kinder überhaupt nicht denken. Kurz, die Zustände waren geradezu krasse. Die Frau lag im Bett und die armen Kinder standen hungernd und zitternd am kalten Ofen. Eine Lehrersfrau im Orte brachte den Hungernden mal etwas Fleisch zum Brotbelag, sie mußte aber die traurige Entdeckung machen, daß nicht einmal trockenes Brot im Hause war. Schließlich mußte die Gemeinde Briesnitz als Armenbehörde eingreifen und wendete für 6 Monate— 60 Mark Armenunterslühung auf und zahlte einmal extra— 5 Mark! Da auch dadurch die Not nicht gelindert wurde, nahinen sich einige Ortsbewohner der bedauernswerten Ge- schöpfe an. Es wurden durch die Lehrerssrau im Dezember 60 M. gesammelt. Die Witwe hatte in der benachbarten Gemeinde Kemnitz ihren Unterstützungswohnsitz, und nun begann ein Streit um Almosen zwischen beiden Gemeinden. Briesnitz forderte die 65 M. zurück und Kemnitz weigerte sich, diese Summe zu zahlen, indem sie— man höre und staune— die HilfSbedürftigkeit der Witwe bestritt!!! Die Kreishaupimannschaft hat den Rekurs der Gemeinde Briesnitz verworfen, indem es eine Hilfsbedürftigkeit nicht an- erkannte. Nunmehr wendete sich Briesnitz mit einer Berufung an das sächsische Oberverwaltungsgericht. Hier wurde durch Zeugen die ganze elende Lag« der Familie festgestellt und die beklagte Gemeinde erklärte sich dann bereit, 55 Mark zu zahlen. Die volle Summe zu zahlen lehnte Kemnitz ab, weil das Oberverwaltung-- aericht ausführte, daß man zweifelhaft darüber sein könne, ob im Dezember, wo die 60 M. gesammelt worden sind, noch eine Hilfs- bedürftigkeit vorgelegen habe!! Der Fall zeigt, wie dringend not den Gemeinden eine Durch- dringung mit sozialem Verständnis tut. Km der Frauenbewegung. Tas politische Recht der Frauen in Oesterreich. Genosse Pernerstorffer hat den Bericht des Verfassung?- ausschusses über die Aenderung des Vereinsgesetzes dem Parlament übergeben. Wir entnehmen diesem Bericht über das politische Vereinsrecht der Frauen folgendes: Der Z 30 des geltenden Vereinsrechtes schließt die Frauen von dem Recht, politischen Vereinen anzugehören, vollständig aus. Von jeher ist die Frau im Wirtschaftsleben ein unentbehrliches Glied. Die moderne Entwickelüng hat gewiß alte Vorstellungen von jener Ausnahmestellung der Frau, die sich durch Vorenthaltung gewisser Rechte dokumentiert, zerstört. Die Frau unserer Tage wird mit jedem Tag mehr in das Erwerbsleben hineingezogen. Auch die- jenigen, die diese Richtung bedauern, müssen sie zugeben. Da die Frauen an Lasten und Beschwernissen des Lebens, sei es als selb- ständig erwerbende Frau oder als Familienmutter, da der Gang der Politik ihre materiellen und geistigen Interessen genau so be- rührt wie die des Mannes, da mit der gesteigerten Kultur sich auch ihr Gesichtskreis erweitert, so ist das Verbot, politischen Vereinen anzugehören, durchaus unzeitgemäß und wäre kaum noch auf längere Zeit aufrechtzuerhalten. Es ist auch keineswegs das Ver- langen nach politischer Gleichberechtigung der Frau das Kennzeichen besonders radikaler Parteien. Das zeigte sich auch in der Aus- schußberatung, bei der mit Ausnahme eines einzigen Bedenkens eines Mitgliedes alle Redner sich für die Aufhebung des Verbots aussprachen. Ja, der Beschlutz wurde sogar einstimmig gefaßt. Dieses öffentliche Rechtsbewußtsein will sich durchsetzen, und wird es durch Gesetz gehemmt, so weiß eS sich auf Umwegen geltend zu machen. Zum Schlüsse heißt es:„Die vom Ausschuß vorgenommenen Aenderungen sind nicht sehr bedeutend, aber sie haben den Charak- ter der dringenden Notwendigkeit. Der Ausschuß hofft, daß die Regierung einem starken Votum des Abgeordnetenhauses gegenüber ihre im Ausschuß geäußerten Bedenken werd- fallen lassen. Dieser Bericht ist das erste parlamentarische Dokument über die politischen Rechte der Frauen in Oesterreich. Tas Ende der Womcn Worker. Vor zwei Jahren wurde in England unter dem Titel.The Women Worker" ein Arbeiterinnenblatt gegründet, das unter der Leitung der Genossin Maiy Macarthur zunächst eine erfreuliche EntWickelung nahm. Das Blatt war außerordentlich reichhaltig und vertrat auch den Klassenstandpunkt des Proletariats mit Ge, schick und Glück. Genossin Macarthur trat nach einiger Zeit die Redaktion Tin Genossin Julie Dawson ab, die aber nur zwei Mo- nate an der Spitze des Blattes aushielt. Dann übernahm Robert Blatchford die Leitung, der vor einiger Zeit durch seine konfuse deutschfeindliche Politik peinlich von sich reden machte. Er machte den verfehlten Versuch, die„Women Worker" aus einem reinen Arbeiterinnenblatt zu einer Zeitschrift für alle Frauen zu machen. Damit war 5er Niedergang des Blattes nach jeder Richtung be- siegelt. In der für England gegenwärtig brennenden Frage deS Frauenstimmrechts war es schließlich kein zuverlässiger Führer mehr. Es liebäugelte stark mit der arbeiterinnenfeindlichen bürger« lichen Stimmrechtsorganisation und vernachlässigte die so wichtige grundsätzliche Schulung und Aufklärung seiner Leserinnen auf poli- tischem Gebiete mehr und mehr. Schließlich wurde auch noch der Titel des Blattes, seiner neuen Tendenz entsprechend, in„Women Folk" geändert, als Blatchfords Tochter die Redaktion übernahm. In einem Abschiedswort an die Leser fällt Robert Blatchford über das oben gekennzeichnete Blatt das weder von Sachkenntnis noch von Bescheidenheit getrübte Urteil, daß es„das beste Frauenblatt gewesen, das jemals gedruckt worden wäre"; womit er dann alle Schuld für das Nichtgedeihen des einst so vielversprechenden Unter- nehmens von sich und seiner Tochter abwälzt.— Hoffen wir, daß die englische Arbeiterinnenbewegung bald so erstarken möge, daß sie ein eigenes rei» sozialdemokratisches Blatt ins Leben rufen und er- halten kann._ Letzte Nacbnchtcn und DcpeFcben. Für das allgemeine Wahlrecht. Leipzig, 6. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute abend von 7 bis �9 Uhr demonstrierte das Proletariat Leipzigs in gewaltigen Massen für die Einführung des all- gemeinen Wahlrechts zum Stadtparlament. Das Rathaus, in dem die Stadtverordneten in öffentlicher Sitzung über die Wahlrechtsvorlage verhandelten, war in weiter Um- gebung von dichten Schutzmannsketten abgesperrt. �9 Uhr erschien noch ein großer Trupp berittener Schutzleute, die die Demonstranten gewaltsam auseinandertrieben. Die Ratsvorlage, nach der die Wahlkreiseinteilung eine gewaltige Verschlechterung für die s o z i a l d e m o k r a- tische Partei bedeutet, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten angenommen. Die italienische Kammer vertagt. Rom, 6. Juli.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer hat heute außer einer großen Anzahl kleinerer Vorlagen den Ge- setzcntwurf, betreffend den Elementarunterricht, mit 216 gegen 58 Stimmen angenommen und sich sodann auf unbestimmte Zeit vertagt. Rachforschnngcn in Sachen des Friedberger Attentäters. Frankfurt a. M., 6. Juli.(B. H.) Die Nachforschungen in Sachen des Frankfurt-Friedberger Attentäters sollen ergeben haben, daß die Explosion in der Meyerschen Villa zu Frankfurt a. M., Ecke Bockenheimer Landstraße, vermutlich der benachbarten R e i ch s p o st gegolten habe. ES sind nämlich von der Polizei Pläne gefunden worden, aus denen hervorgeht, daß verschiedene Ex- plosioncn in benachbarten Grundstücken der Post erfolgen sollten. Die allgemeine Verwirrung wollten die Attentäter benutzen, um in das Postgebäude einzudringen und die Postlasse zu berauben. verantw. Redalt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.;|&Gl»de, Berlin. Drud mBerIag:Borwärt»Buchdr.u.Berlag»anstaU$auISingerLcCo.,BerlinLW. Hierzu 2 Beilagen u.UntcrhaltunMl. Dr. 156. 27. Jahrgang. 1. Keilm des„Sctiüärts" Kerlim Oolbtilutl. Ponilftstos, 7. Inli 1910. ein Senatspräfident zur Neichzverücherungzsrdnuug. Der antisoziale Charakter der NeichZversicherungsordnung. inZ- besondere in dem die Krankenkassen betreffenden Teil, ist äugen- fällig und selbst in einer wirklichen Sozialpolitik wenig geneigten Kreisen anerkannt. Dennoch wird versucht, das Machwerk zu retten. Zu den Rettungsversuchen rechnen wir die Broschüre, die da ein Geheimrat verbrochen hat. Der Senatsvorsitzende im ReichSversicherungS- amt, Dr. Konrad Wey mann, setzte sich hin und schrieb flux eine Streitschrift,„Die deutsche Arbeiterversicherung und ihre Reform durch die Reichsvers icherungs- ordnung" benamst.(Verlag von Ed. Schnapper- Frankfurt am Main.) Viel Mühe hat ihm�diese Arbeit wohl nicht gemacht. Entschuldigend wohl bemerkt der Verfasser, datz die vorliegende Arbeit hervorgegangen sei aus Vorträgen, die er im Rahmen zweier vom„Evangelischen Oberkirchenrat veranstalteten sozialen Kurse vor einem größeren Kreise von mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen" gehalten habe. „Evangelischer Oberkirchenrat"—„mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen" ist gut und wird man dies beim Studium der Schrift als mildernde Umstände zu betrachten haben. Ein Senatsvorsitzender am Reichsversicherungsamt soll aber auch„mitten in der sozialen Arbeit" stehen und mehr Ver- ständnis für die soziale Lage des arbeitenden Volkes zeigen, als das Büchlein uns zeigt. Er will aber unbedingt weitere Auf- klärung über die Absichten der Regierung schaffen, sogar wichtige Fragen zur Erörterung stellen, die„in dem vielfach von Schlag- Wörtern und gröberen materiellen Interessen beherrschten Streit um die Reform nicht erwogen werden". Bei dem Kapitel „OrtSkrankenkassen" war daher vorauszusehen, daß sich der auf höherer Warte stehende Lehrer„sozialer Geistlicher" gegen die Schlagworte und groben materiellen Interessen wenden würde. Eri erklärt seinen geistlichen Zuhörern das System der einzelnen Kassenarlen und führt dann aus, daß in den Kassenorganen die Versicherten mindestens zwei Drittel aller Stimmen haben.„Bekanntlich ist der Wert dieser Vor- schrift lebhaft umstritten. Die Sozialdemokratie sieht in ihr den Hort der Selbstverwaltung und sieht in der von der ReichsversicherungS- ordnung geplanten Aenderung dahin, daß künftig Arbeitgeber und Versicherte je die Hälfte aller Stimmen haben sollen, eine Ent- rechtung des ArbeiierstandeS." Die dummen Sozialdemokraten, werden die„mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen" da ihrem geliebten Redner zugerufen haben. Wenn man dem Ver sicherten die Rechte zu beschneide» sucht, so ist dies doch keine Eitt rechtung, sondern eine„Vermehrung" seiner Rechte! Daß es aber noch mehr solch dumme Leute wie die Sozis gibt, zeigt der Ver- fasser durch die Darlegung:„Uebrigens wird diese Auffaffung nicht nur von der Sozialdemokratie, sondern auch von anderen, und zwar nicht nur von ganz links stehenden Sozialpolitikern vertreten". Der Herr Senatsvorsitzende zählt sich mit Recht nicht zu den „nicht ganz links stehenden Sozialpolirikern". Er führt aus, die Regierung habe ganz recht, wenn sie den Arbeitern die Rechte etwas beschneide.„Für das Uebergewicht der Versicherten macht ,nan geltend, und diese Erwägung hat offenbar aus den ersten An- blick etwas Bestechendes und zum Teil auch unzweifelhaft etwas innerlich Berechtigtes, daß eS sich bei den An- «elegenheiten der Krankenkaffe um Angelegenheiten der Versicherten andelt und daß man diesen die Ordnung ihrer eigenen Angelegen- heiten nicht entziehen könne". Das hat eigentlich noch niemand behauptet, da doch die Arbeitgeber heute schon mitverwalten und einstimmig aus allen Krankenkassentagen erklärt haben, daß sie an dem jetzigen Zustand nichts geändert haben wollten. Es handelt sich also nicht etwa darum, daß man dem Unternehmertum weniger Recht in der Verwaltung einräumen wollte. die Versicherten etwa glauben, daß sie ganz allein zu verwalten hätten, sondern, daß man den Unternehmern mehr Beiträge auf- hallen will, um ihnen dadurch einen größeren Einfluß auf die Ver- waltung zu gestatten. Nun klagen aber unsere Unternehmer bei jeder Lohnforderung der Arbeiter über die schlechte Lage, unsicheren Ber> dienst, die hohen Lasten, welche ihnen die soziale Gesetzgebung ausi erlege usw., und die Regierung will ihnen noch mehr Lasten auf- erlegen, obschon die Praktiker unter den Unternehmern, als ihre Ver- treter in den Krankenkassen, öffentlich immer und inimer wieder erklärten, daß sie gar nicht majorisiert werden und auch gar keine Lust verspüren, noch höhere Lasten zu wagen. Doch das nützt alle« nichts, sie müssen sich majorisiert und unterdrückt fühlen und zur Strafe mehr zahlen, um ja den Einfluß der Arbeiterschaft zu brechen. Der Verfaffer geht aber noch weiter und meint treu- kleines feuilleton. Langlebige Leute. In Königshütte starb dieser Tage eine 101 jährige Frau, namens Henriette Weinert, die im Jahre 1809 in Ujcst geboren ist. Sie erfreute sich zeitlebens einer guten Ge- sundhcit und war noch bis in ihr hohes Alter vollkommen rüstig. Für gewöhnlich betrachtet man es ja als einen seltenen Fall, wenn ein Mensch das Alter von 100 Jahren erreicht. Der alte Hufcland und auch Proseffov Metschnikoff, die beide eingehende Beobach- tungen über die Lebensdauer des Menschen' gemacht haben, be- richten aber über eine ganze Reihe von Leuten, die ein weit höheres Alter erreicht haben. An der Spitze dieser Langlebigen, so schreibt die„Arena", marschiert St. Mungo, der Stifter des Bistums Glas- gow„ der 18S Jahr« alt geworden sein soll. Ein englischer Bauer, Thomas Parre erreichte ein Lebensalter von 182 Jahren und be- saß einen Sohn von 127 Jahren; im Alter von 120 Jahren ver- ehelicht- v-Ä Thomas Parre noch einmal. H. Jenkins, der im Jahr: 1670 in?)ortshire die Augen schloß, erreichte«in Alter von 169 Jahren. Professor Hermann berichtet von einem englischen Bauern, der im Alter von 160 Jahren starb und eine Witwe mit zahlreichen Kindern hinterließ, von denen das älteste 103, das jüngste 9 Jahre zählte. Daß man noch heutzutage Menschen begegnet, die es zu hohen Jahren gebracht haben, zeigt Frau Baba Barilka, die in dem Dorfe Povelsko in Bulgarien lebt. Sie zählt gegenwärtig 126 Jahre, und ihr Sohn Todor ist 101 Jahre alt. Wenn sich aber auch namhafte Mediziner, wie Hufeland und Metschnikoff, für das biblische Alter dieser Methusalems verbürgen, so wird doch ein Zweifel an der Richtigkeit dieser hohen Lebensalter wicht von der Hand gewiesen werden können. Es muß nämlich auffallen, daß diese alten Leute sämtlich zu Zeiten geboren worden sind, in denen cS zuverlässige Zivilstandsregister noch nicht gab, und wo selbst die Eintragungen in den Kirchenbüchern oft unvollständig und urrsicher waren. Erst in den kommenden Jahrzehnten wird es sich zeigen, ob derartige Fälle von übernatürlichem Alter überhaupt möglich sind, was von den meisten Medizinern bestritten wird. Jedenfalls sind aus dem letzten Jahrhundert aus Kulturstaatcn keine Fälle bekannt, in denen Menschen das 110. Lebensjahr erreicht hätten. Da, wo solche Fälle gemeldet wurden, lagen wohl ausnahmslos Selbsttäuschungen der alten Leute vor. Der Kaugumnii. Dieses eigenartige Genußmittel, da? im Laufe der letzten drei Jahrzehnte in Nordamerika eine außerordentliche Beliebtheit erlangte, scheint heute sogar auf einem EroberungSzuge über die ganze Erde begriffen zu fein. DaS zur Fabrikation des Kaugummis verwendete guttaperchaähnliche Produkt, der Chiclegummi, wird, wie der„Globus" berichtet, durch Anzapfen des im nördlichen tropischen Amerika heimischen Zapotebaumes gewonnen. Der Baum, der teils wUd wächst, teils angepflanzt wird, liefert auch eine sehr herzig, daß die Unternehmer eigentlich schon ohne Halbierung der �Beiträge ein Recht auf die Hälfte der Stimmen in der Kassen- Verwaltung hätten.„In Wirklichkeit aber handelt es sich um Ver- onstaltungen lediglich zugunsten der einen und lediglich zu Lasten der anderen Partei, so daß die Arbeitgeber überhaupt keine Vorteile von der ganzen Einrichtung haben." Das haben ja auch die Unternehmer stets erklärt und wollen deshalb nicht 50 Millionen Mark mehr zahlen. Doch der Herr Senats- Vorsitzende folgert ganz anders:„Es ist innerlich unwahr, die Bei- träge, nüt denen ich ganz ohne eigenen Vorteil lediglich fremde Interessen fördere, auf eine Stufe zu stellen. Daher würde es selb st dann, wenn das Drittel der Stimmen auch ein volles Drittel des Einflusses bedeutete — was ja nicht entfernt der Fall i st— selb st dann den Geboten der Gerechtigkeit nicht wider- sprochen haben, wenn man von vornherein den Beitragsanteil der Arbeitgeber auf ein Drittel, ihren Stimmanteil auf die Hälfte se st gesetzt h ä t t e." Schade, daß Dr. Weymann damals nicht als Berater Bismarcks auftreten konnte! Und nun kommt der„politische Mißbrauch" und wird man auf Enthüllungen gefaßt sein, die bekanntlich der Ent- wurf der Versicherungsordnung nicht gibt, weil nichts zu enthüllen ist. Da heißt es:„Außerdem wird zu bedenken sein, daß, gleich- viel ob man den schon geschehenen Mißbrauch der Krankenkassen zu politischen Zwecken nachweisen kann oder nicht, doch jedenfalls die Verwendung der Kassen zu solchen Zwecken kaum als tatsächlich nicht vorhanden gedacht werde» kann." „Man darf es vielmehr geradezu als eine Un- Möglichkeit bezeichnen, daß eine politisch radikale, von hochgespanntem Klassenbewußtsein erfüllte Arbeiterschaft im Besitze der vollen Macht in den Kassenorganen sein könne, ohne diese gege- benen falls auch politisch auszunutzen. Der gegebene Fall wird mindestens überall da, aber keineswegs nur da eintreten wo langwierige Streiks, Aussperrungen und so n st ige Arbeitskämpfe den Wunsch entstehen lassen, an der Kasse einen Rückhalt zu finden. Und der Redner, welcher den„mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen" diesen Vortrag geHallen hatte, ist ein— Richter, sogar Senatsvorsitzender am Reichsversicherungsamt.... Ist es da ein Wunder, daß das Reichsversicherungsamt immer mehr an Bedeutung verliert? Material hat der Herr nicht und doch wagt er eS, die Arbeiter- klaffe zu beschimpfen, da er sich diese gar nicht anders denken kann, als daß sie Mißbrauch mit den Krankenkassen treibt. Es ist ihm auch ganz egal, ob ein Mißbrauch nachgewiesen worden ist oder nicht— „gleichviel", sie muß verdammt werden. Ja es ist einem deutschen Richter unbegreiflich, daß die Arbeiterschaft anständig verwalten kann, und dann seine weitere Verdächiigung, daß bei Streiks usw. die Krankenkasse den Rückhalt bieten mllfie... Es ist nur gut, daß der Herr einen„Rückhalt" am Reichsversicherungsamt schon gefunden hat Von Arbeiterkämpfen versteht er sicher nichts und eine Verwaltung einer Ortskrankenkasse scheint ihm ein böhmisches Dorf zu sein. Gegen Schlagworte wollte er sich wenden, als er seinen Geistlichen diese Vorträge halten wollte, und nichts als Schlag warte gebrauchte er, wenn er weiter die Aenderungen der Reichs- verficherungsordnung als„unbedingtes Gebor der Gerechtigkeit und der politischen Notwendigkeit" bezeichnet. Kindlich ist auch der Satz „Erwägt man dazu, wie tief verstimmend es auf die Arbeitgeber wirken muß, wenn ihnen das Formalrecht der Beteiligung an der Arbeit der Kassenorgane in einem Maße gegeben wird, d a S ihnen jeden wirklichen Einfluß auf die Verwaltung unmöglich macht. also lediglich eine Schein- berechtigungift.und daß sogar der völlige Aus» schluß der Arbeitgeber von der Kassenverwaltung besser sein würde, als eine solche mit dem Scheine der Macht ausgestattete Ohnmacht" usw. Daß aber die Unternehmer jedoch, welche in den Kassen- Verwaltungen sitzen, öffentlich das Gegenteil inimer und immer wieder erklärt haben, teilt der Herr Seuatsvorsitzende den„mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen" wieder nicht mit. Er erzählt ihnen dann, daß ursprünglich auch der saubere Plan bestanden habe, an die Spitze des Kassenvorstandcs einen von der Behörde bestellten unparteiischen Vorsitzenden zu stellen. Dies habe man„erfreulicherweise aufgegeben".— Denn—„ein solcher Vorsitzender würde in vielen Fällen die größte Mühe, unter Ilmständen kaum die Möglichkeit haben, wirk- lich unparteiisch zu sein. Er würde bei gespannten Ver- Hältnissen von beiden Parteien umworben werden, er würde, auch geschätzte tropische Frucht, die Sapotillpflaume. Ferner wird sein Holz, das sehr schwer und hart und dem Mahagoni ähnlich ist, zur Möbelfabrikation gern verwendet. Die aus den Einschnitten der Rinde hervortretende milchweiße Flüssigkeit wird über Feuer ein- gedickt und soll schließlich eine hellgraue Farbe annehmen. Für den Export gibt man dem Chiclegummi eine brotlaibähnliche Gestalt. Ein Gummisammler oder„Chiclero" kann täglich bis zu 15 Pfund Chicle gewinnen und erhält für das Pfund 10 bis 15 Cents. Um einen Teil des Eingangszolles nach den Bereinigten Staaten zu sparen, der zurzeit 10 Cent« pro Pfund beträgt, läßt man den Chicle zuerst in Kanada reinigen und trocknen, wodurch er etwa die Hälfte seines ursprünglichen Gewichtes verliert. Bei der Wciterver- arbeitung wird der Gummi noch mit allerlei Zutaten wie Zucker, Vanille, Pfefferminz versehen. Medizinisch wirksame Stoffe sind in dem reinen Chicle nicht enthalten, man behauptet aber, daß das Kauen des Gummis die Zähne konserviere. Die Menge des nach den Vereinigten Staaten eingeführten Chicle belief sich im Jahre 1903/09 auf 5 450 139 Psund im Werte von 1 937 112 Doll.. während im Jahre 1835 die Einfuhr erst 929 959 Pfund betrug. Der Preis des Gummis, der vor dem Jahre 1888 nur 7—8 Cents pro Pfund betrug, ist heute auf 48 Cents gestiegen. Die Jahresproduktion der amerikanischen Fabriken wird auf etwa drei Milliarden Stück Kau- gummi angegeben. Dir ungewaschene Erdbeere. Frisch geschälte Früchte sind wahrscheinlich vollkommen keimfrei, und man erzählte beispiels- weise in der letzten Zeit einer Cholcragefahr, wie Robert Koch trotz- dem Obst atz, indem er dabei nur sorgfältig die Schale so entfernte, daß eine Uebertragung der ihr anhaftcnden Keime auf die gefchälte Frucht unmöglich war. Zu solchen Früchten gehören Aepfel, Birnen, Pfirsiche, Aprikosen, Orangen und Bananen. Die letzten beiden wird überhaupt niemand mit der Schale essen, und bei den anderen ge- nannten Obstsorten enthält diese zum mindesten keinen Bestandteil, der ihren Genuß besonders wichtig oder angenehm machen loürde. Andere Obstsorten dagegen, wie Kirschen, Pflaumen und alle Beeren- arten können überhaupt gar nicht ohne Schale gegessen werden, vielleicht mit Ausnahme einiger großer Pflaumen. Infolgedessen lassen sie sich auch nicht ohne weiteres in einen keimfreien Zustand versetzen. Dazu kommt, daß namentlich die Beeren leicht allen möglichen Verunreinigungen durch den Erdboden ausgesetzt sind. Gelangt nun solches Obst gar erst auf dem Umwege durch den Händler in den Besitz dessen, der eS zu essen gedenkt, so steigert sich die Wahrscheinlichkeit, daß eine bakteriologische Untersuchung der Oberfläche dieser Früchte ein unbefriedigendes Ergebnis aufweisen würde. Die Erdbeeren besonders, die so dicht am Boden wachsen, ind der Verunreinigung durch Stoffe ausgesetzt, die gerade zur Er- nährung der Pflanze beitragen sollen, für den Menschen aber gewiß ni ht bestimmt sind. Daher verlangt kein anderes Obst eine so gründliche Remigung als die Erdbeere, und diese nmß nicht weniger wenn er wirklich unparteiisch wäre, kauni in der Lage sein, den Glauben an seine Unparteilichkeit bei derjenigen Partei zu erhalten, deren Wünsche er im einzelnen Falle widerstreben würde." Und „gespannte Verhältnisse" sucht man ja jetzt mit dem Entwurf erst in die Kassenverwaltungen hineinzutragen. Doch hier dämmert es dem Herrn Redner:„Nichts wirkt so stark belebend sowohl auf die praktische und politische Einsicht, wie auf das Bestreben, den Gegner mit sachlichen Waffen zu überwinden, als eben die Notwendigkeit, einen Weg der Verständigung mit ihm zu finden." Warum dann die Verdächtigungen eine Seite vorher gegen die Arbeiterklasse? Ein starkes Stück ist, daß ein Senatsvorsitzender im Reichs« versicherungsamt noch Gegner der Zentralisation der Krankenkassen, sogar der Ortskrankeiikassen selbst im Bereich der Gemeinde sein kann.„Das einzelne Kasienmitglied wird sich der Riesenkasse gegenüber, deren Mitgliederbestand und Angelegenheiten er viel weniger, als bei kleineren Kassen der Fall, übersehen kann, weit mehr Objekt, denn als Subjekt des Lebens und Willens der Kasse fühlen, es wird der Kasse kühler, fremder gegenüber stehen, so eS z. B. dem Kreise, in größeren Orten auch der Gemeinde kühler gegenüber steht, es ivird sein Verhältnis zur Kasie nicht mehr durch die Worte„meine Kasse" ausdrücken". Wie rührend ist doch die Fürsorge für den Arbeiter, der als Nomade bald dieser, bald jener Krankenkasse auf Grund seines Arbeitsverhältnisses angehören muß und sicher nicht Ursache hat. von„meiner Kasse" zu rden. Will man ihn aber wenigstens am Arbeitsorte der Kranken« lasse dauernd näher bringen, dann muß man ja erst recht für große Kassen eintteten und den ewigen, ihm so schädlichen Wechsel der Mitgliedschaft zu ersparen suchen. Interessant ist es anch, daß ein so großer Patriot wie Dr. Weymann erklärt, daß der Arbeiter„dem Kreise, in größeren Orten auch der Gemeinde kühler gegenüber« steht". Sollte man da nicht gegen jede Vergrößerung der Städte eintreten und das„große deutsche Vaterland" wieder zer« stückeln, damit der einzelne nicht„so kühl" dem großen Gebilde gegenübersteht? Rückständig sind auch de« Verfassers Bemerkmigen zu den famosen„ L a ii d k r a n k e n k a s s e n":„Es fehle den Landarbeitern an der genügenden Vertrautheit mit der Ausübung von Selbst- verwaltungsrechten, durch die großen Entferninigen werden die Wahr« nchmungeii diefer Rechte im weiteren Maße erschwort, und e S liegt die Gefahr nahe, daß bei einem Znsammenstoß von Interessen der st ädtischengetv erblicken und der ländlichen Bevölkerung die Vertreter der letzteren vermöge ihrer geringen Schulung in Kassenangelegenhciteii in den Hintergrund gedrängt tvürden." Einen Zusammenstoß der„städtischen" und„ländlichen" Arbeiterinteressen wird es nicht geben und aus der geringen Schulung könnte eine bessere Schulung entstehen. Dies sucht aber die Regierung der Junker zu verhüten, will deshalb den ländlichen Arbeitern lieber gar keine Rechte einräumen. Warum aber Dr. Weymann für kleine Kassen eintritt, gesteht er unS eigentlich bei dem Kapitel Betrieb skrankenkassen. Die BctricbSkraiikenkasicn, selbst lvcmi sie nur 50 Mitglieder zählen, „dürfen als die aristokratische Nebenforni der Orts» krankenkassen bezeichnet werden". Donnerwetter I! I Daß der Redner gegen diese Schmarotzer nicht auftreten wird, war also schon vorauszusehen. Denn wer wird im Lande der Junker eine„aristokratische Nebenform" beseitigen wollen? Undenkbar. Breit und behaglich schildert er dann den„mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen". Diese Kasscnart, in welchem der Unter- nehmer den Vorsitz führt, die Verhandlungen allein leitet und alle„die praktischen Hilfsmittel zur Geltung seines Wil» lenS anwenden kann, die{ich fü r einen gewandten Vorsitzenden aus eben diesen Befugnissen er- geben.„Er istin derLage, die ihm unbequemen Elemente, wenn auch nicht aus der Kasse zu ent- fernen, so doch von der Geltendmachung ihrer oppositionellen Neigungen auszuschließen, so« fern er in der Lage ist, sie aus deni Betriebe zu entfernen". Ist dies Geständnis nicht kostbar? Die„unbequemen Elemente" werden auf Grund des Arbeitsvertroges einfach entlassen und warum sollte der„Herr des Betriebes" nicht in der„Lage" sein, dies zu tun? Setzen die HeranSgeworfcneiien dann ihre Mitglied» schaff zur Betriebskasse freiwillig fort, so hat der brave Gesetzgeber wieder dafür gesorgt, daß sie„zur Geltendmachung ihrer opposiiioiiellen Neigungen" nicht kommen, weil man den freiwilligen Mitgliederw einfach die Verwalnmgsrechte geraubt hat. DaS findet der Herr Senatsvorsitzende auch in Ordnung. Und weiter:„Mau macht ihnen(den BetriebSkrankenkassen) den Vorwurf, daß sie die Stellung der Ortskrankcnlassen erschweren da« durch, daß sie eine Auswahl der günstigen Risiken treffen. Tat» fache ist, daß viele Großbetriebe nur solche Arbeiter genau geschehen als beim Gemüse. Vor allen Dingen ist eS zu widerraten, Erdbeeren unmittelbar vom Beet wegzuessen, wie man eS wohl mit anderem Obst besonders gern tut. Es sollte vielmehr als Regel genommen werden, überhaupt niemals eine ungewaschene Erdbeere zu genießen, und dagegen dürfte sich auch niemand wehren, der sonst in der Angstmeierei vor Bakterien eine Uebertreibung sieht, die vielfach auch tatsächlich als solche anzuerkennen ist. Die höchsten Städte der Welt. Etwa 24 menschliche Anstede- lungen von der Größe, daß sie Städte genannt zu werden verdienen, liegen in einer Höhe von über 2000 Metern überm Meer. Unter ihnen sind sechs, die mehr als 3000 und zwei, die über 4000 Meter hoch liegen. Die höchste Stadt der Welt ist in Tibet; sie heißt Gartok und liegt 4320 Meter überm Meer; die zweithöchste Stadt, Corveoro in Bolivien, ist in einer Höhe von 4050 Metern erbaut. In Bolivien liegen auch die zwei Städte Potosi und La Paz auf Gebirgslännncn, die beinahe 4000 Meter erreichen. Die fünflhochste Stadt der Welt ist das berühmte Lhassa, die Hauptstadt der Tide« taner und Residenz des Dalai-Lama; sie befindet sich auf einem durchschnittlich 3630 Meter hoch gelegenen Plateau. Die Stadt Cnzco in Peru liegt 3467, Leh in Kaschmir 3430, Tschamdo in Tibet 3380 Meter hoch. Es folgen die peruanische Stadt Cajamarca, das bolivianische Sncce, das lolumbische Bogota, sodann Ancober in Acthiopien, Batang in China und noch andere, die alle zlvischen 3000 und 2000 Metern hoch liegen. Die höchste Stadt Europas ist bekanntlich Mont-Louis in Frankreich, das 1570 Meter über dem Meere liegt._ Notizep' — Richard Strauß, der derzeitige erste Kapellmeister der Berliner kgl. Oper, soll beabsichtigen, aus seiner Stellung auszu- scheiden, um sich in Zukunft ganz seinem Schaffen widmen zu können. Daneben würde er Konzerttournees z. B. mit den Wiener Phil- harmonikern veranstalten. Einen Ruf nach Wien hat aber Strauß nicht erhalten. — Ein neuer Theaterverlag. In München hat sich der den Vertrieb von Theaterstücken pflegende Rubinverlag mit der Theaterabtcilung des Verlages von Georg Müller vereinigt. Außer vielen anderen Autoren hat der Verlag den Verttieb von Strindberg und Wedekind. — Eine Ehrung von Frau Curie. Frau Curie in Paris, die Entdeckerin des Radiums, hat eine in wissenschaftlichen Kreisen hochbewertete AuSzeichiiung erhalten, nämlich die von der Londoner Gesellschaft der Künste zu verleihende Albert-Medaille. Die Ehrung soll wohl die Anerkennung dafür zum Ausdruck bringen, daß Frau Curie so treu auf dem Gebiet weiterarbeitet, auf dem sie schon o große Erfolge erzielt hat. Bekanntlich wurde Frau Curie einen, Monat nach dem Tode ihres Gatten seine Nachfolgerin als Professor der Physik an der Sorbonne. j einstellen, d i e Lei einer ärztlichen Untersuchung gesund befunden worden sind." Der Vorwurf ist also doch berechtigt? Nein— sagt der Herr Redner, denn die Statistik zeige, daß die Betriebskrankenkassen auch hohe Krankheitsziffern haben und„daß die un st reitig vielfach verwirklichte Auswahl der Versicherten der fach- lichen Notwendigkeit entspricht, für die Großbetriebe mit ihrer scharfen, alle Kräfte an- spannenden Betriebsweise nur wirklich leistungs- fähige Arbeiter einzustellen." Der Anwalt der Be- triebskranke» lassen vergißt dies natürlich auch bei dem Kapitel .Unfallversicherung" zu wiederholen. Weshalb sollten dann nicht auch die Großbetriebe in der Unfallversicherung eine Extrawurst gebraten bekommen? Die„aristokratische Nebenform der Orts- krankenlasse" sei aber noch aus einem anderen Grunde nötig. „In diesen Kassen findet ein Zusammenschluß deS Arbeitgebers und seiner Arbeiter zu gemeinschaftlicher Arbeit und g e- mein schaftlicher Verständigung statr, den anzustreben dem Unternehmer nicht verwehrt werden kann. Unternehmer und Arbeiter lernen sich in den Betriebskrankenkassen auf einem wenigstens in der Hauptsache neutralen Boden besser kennen als es sonst viel- leicht der Fall sein würde. Die Arbeiter haben gegenüber den praktisch bedeutsamen Vorrechten des Unternehmers doch die Mehrheit der Stimmen, und damit in entsprechend scheinenden Fällen die volle Möglichkeit, sich gegen un- berechtigte Maßnahmen erfolgreich zu wehren". So viel Worte, so viel Unrichtigkeiten! Zuerst betont der Redner ja selbst, daß der„Herr des Betriebes" in der„Lage ist, die ihn, unbequemen Elemente" aus dem Betrieb zu entfernen, also jede Opposition der arnien Kassenmitglieder im Keime zu ersticken, und dann sollen die Arbeiter wieder«die volle Möglichkeit" haben, sich zu wehren I Das verstehe, wer kann. Schließlich vergißt der Herr sein Loblied auf die Halbierung der Beiträge und Be- setzung der Vorstände. Oder haben dann die„Arbeiter immer noch die Mehrheit der Stimmen?"... Ob„die mitten in der sozialen Arbeit stehenden Geistlichen" diese Widersprüche gar nicht gemerkt und lebhaft Bravo! Bravo I gerufen haben? Die Junungskraiilenkassen werden mit einigen Zeilen ab- getan, denn die Geistlichen werden von dieser Kassenart noch wenig gehört haben, da sie nach Ansicht ihres Redners„keine sehr erhebliche Bedeutung" haben. Und trotzdem soll dieser Unfug der Zwergkassen weiter bestehen? Auch über die KnappschastSkassen kommr er mit neun Zeilen hinweg. Alles in bester Ordnung. Mehr Gewicht legt er aber auf die„Eingeschriebenen Hilfskassen", die . r e i n e A r b e i t e r k a s s e n" sind. Aha— werden die Geistlichen da gerufen haben. Hier gibt er keinen Pardon und sind diese auch uicht mehr die„aristokratische Nebenform der Ortskrankenkassen"— sie find ja„reine Arbciterkassen". Denn„gegen die Hilsskassen wird mit Recht das Bedenken erheben, daß sie zu Ungunsten der übrigen Kassen- 'formen die günstigsten Risiken aussuchen." Deshalb, nieder mit den Hilfskassen, die ja„reine Arbeiterkassen" sind. Doch nein, sie sollen ja nicht beseitigt, bewahre I Sie sollen ja nur besser kontrolliert und unter„Aufsicht des Kaiserlichen Aufsichtsamtes für Privat- Versicherung"—„in einem den Mißbrauch ausschließenden Sinne organisiert" werden.__ Aus der lulMommiinoD. Sitzung vom 5. Juli 1910. In der Fortsetzung der Beratung über die§8 266 und 267 am Dienstag drehte sich die Debatte in erster Linie darum, ob ein gerichtliches Protokoll nur dann angefochten und zur Unterlage eines Revisionsverfahrens gemacht werden kann, wenn es gefälscht ist, oder ob eine Unrichtig- k e i t im Protokoll genügt, die Anfechtung zu rechtfertigen. Den letzteren Standpunkt vertraten außer unseren Genossen, von denen ein sehr krasser Fall einer Protokollfälschung angeführt wurde, auch einige Zentrumsabgeordnete. Nationalliberale, Konservative und der Antisemit wendeten sich gegen diese Forderungen. Und ein von konservativer Seite gestellter Antrag ging in seiner verschlechtern- den Tendenz noch über die Regierungsvorlage hinaus. Von den Verteidigern des sozialdemokratischen Antrages und des Antrags Groeber— dessen Inhalt wir im letzten Bericht skizzierten— wurde wiederholt darauf hingewiesen, daß durch den Regierungsentwurf und den konservativen Antrag die WahrheitS- beweisführung in beträchtlichem Maße eingeschränkt werde. In der Abstimmung wurden die prinzipiell bedeutenden Anträge abge- lehnt und der RegierungSentwurf mit unwesentlichen Aende- rungen angenommen. Der 7. Abschnitt deS 2. Büches handelt von dem Schwurgericht. Dazu lag ein von einzelnen konservativen, nationalliberalen und antisemitischen Abgeordneten unterzeichneter Antrag vor, der eine prinzipiell wichtige Aenderung für die Bildung der Geschworenen- Hanl forderte. So wurde in erster Linie verlangt, daß die Gc- schworenen nur unter den gleichen Bedingungen abgelehnt werden lönnen, die für die Ablehnung der Richter und Schöffen gelten. Nach dem geltenden Recht kann ein Geschworener im Gegensatz zu den Schöffen ohne Angabe von Gründen abgelehnt werden. Ferner soll nach dem konservativ-nationalliberalen Antrag die Zahl der Geschworenen von 12 auf 9 herabgesetzt werden.— In der Diskussion sprachen sich die Redner deS Zentrums, der Fortschrittler und vor allen Dingen unsere Genossen gegen den Antrag auS. Während aber aus den Reden der Zentrumsleute im Eventualfälle eine Neigung zur Herabsetzung der Zahl heraussah, waren unsere Genossen scharf gegen jede verfchlechternde Aenderung der Ge- schworenengerichte. Je kleiner die Zahl der Geschworenen werde, je enger werde der Kreis der Bevölkerung, aus dem die Laienrichter genommen werden. Schon heute sei die Auswahl der Geschworenen auf eine verhältnismäßig kleine Zahl der Bevölkerung beschränkt. Die weiten Kreise der Arbeiter bleiben so gut wie ganz u n- berücksichtigt. Dadurch seien schon heute die Geschworenen keine eigentlichen Volksgerichte mehr. Im Namen der Verbündeten Regierungen sprach sich der Staatssekretär des Reichsjustizamtes gegen den Antrag aus, betonend, daß die Regierung entschlafen sei, an der Institution der Schwurgerichte prinzipiell nicht» zu andern.— Nach längerer Diskussion, in der sich auch ein konservativer Redner gegen den Antrag aussprach, ergab sich, daß die Kommission zu einer Ablehnung des Antrages kommen würde: die Antragsteller zogen deshalb den An- trag zurück. Zum§ 279 nahmen unsere Genossen einen vom antisemitischen Kommissionsmitglied fallen gelassenen Antrag auf, nach dem die' Vereidigung eines Zeugen nur unterbleiben darf, wenn kein Ge- schworener widerspricht. Dieser Antrag wurde abgelehnt.— Beim § 280 wurde ein sozialdemokratischer Antrag abgelehnt, der ver- langte, daß die Prozeßbcteiligten ein Recht auf eine Abschrift der den Geschworenen gestellten Fragen erhalten.— Der§ 289 der Regierungsvorlage besagt u. a., daß die Rechtsbelehrung der Ge- schworenen durch den Borsitzenden von keiner Seite erörtert werden darf. Demgegenüber verlangte ein Antrag Groeber, daß Staats- anwalt und Verteidiger gegen bestimmte Satze der Belehrung Ein- Wendungen erheben und protokollarische Feststellung verlangen können. Ein Antrag unserer Genossen forderte, daß die Belehrung schriftlich zu fixieren, dann zu verlesen und dem Protokoll als An- läge beizufügen ist. Durch diesen Antrag sollen auch aus der Rechtsbelehrung, die oft genug durch ihre Art und Weise das Urteil der Geschworenen beeinflußt, Revisionsgründe hergeleitet werden können. Die Regierungsvertreter wollten von diesen Verbesserungen nichts wissen. Gegen den sozialdemokratischen Antrag wurde vor allen Dingen eingewendet, daß die schriftliche Fixierung sich schwer durchführen ließe.— Ein weiterer Antrag Groeber schlug vor, daß erst die Rechtsbelehrung, dann die Stellung der Fragen an die Geschworenen und zuletzt die Plädoyers des Staatsanwalts und der Verteidiger erfolgen solle.— Unter Ablehnung aller Anträge wlttden die Bestimmungen der Regierungsvorlage aufrechterhalten. » (Sitzung Born 6. I u l i.)' Am Mittwoch wurden die Beratungen beim dritten Buch: Rechtsmittel und Wiederaufnahme; erster Abschnitt: Allgemeine Vorschriften über Rechtsmittel fortgesetzt.— Beim§ 301 brachte cm Zentrums abgeordneter zur Sprache, daß von den Anjlagebehörden in viel zu weitgehender Weise Berufungen eingelegt werden. Er verwies auf.einzelne in Preußen an die Staatsanwälte ergangene Verfügungen, worin sie zur Einlezung von Berufungen angehalten wurden. Dagegen habe die olden- burgische und württembergnche Regierung durch entsprechende Er- lasse dieser überhandnehmenden Anwendung der Rechtsmittel durch die Anklagebehörde vorgebeugt. Die Regierungsvertreter betonten, daß in Preußen bisher Verfügungen im oben angedeuteten Sinne nicht ergangen sind, wenigstens nicht von feiten einer Zentralbehörde, sondern höchstens für einzelne Orte. Ferner erklärte ein Regierungstommiffar, es sei dem Sinne des Gesetzes widersprechend, wenn im Anschluß an vom Verurteilten eingelegte Berufungen ohne triftige Gründe, und nur um die Lage zu erschweren, auch von der Staatsanwaltschaft Berufungen ein- gelegt werden. 8 303 gibt dem Ehemann das Recht, für seine Frau ohne besondere Ermächtigung ein Rechtsmittel zu ergreifen. Ein Antrag unserer Genossen forderte dasselbe Recht auch für die Ehefrau, die mit dem Manne auch in dieser Beziehung gleichgestellt werden müßte. Die Regierungsvertreter meinten, dazu liege eine Not- wendigkeit nicht vor. Trotzdem fand der Antrag unserer Genossen starte Sympathien. So erklärte sich außer den Fortschrittlern auch ein Mitglied der Reichspartei und des Zentrums dafür, und nur mit Stimmengleichheit wurde der Antrag abgelehnt. Zum§ 306 verlangte ein Zentrumsantrag, daß, wenn auf die Benutzung eines Rechtsmittels verzichtet wird, dieser Verzicht bis zum Ablauf der Einlegungsfrist wieder zurückgenommen werden kann. Dieser Antrag wurde abgelehnt. Der zweite Abschnitt des 8. Buches handelt von der Beschwerde. Hier entspann sich beim§ 314 eine längere Debatte über einen Antrag Gröber, der forderte, daß sofortige Be- schwerden auch an den erkennenden Richter gerichtet werden können. Nach dem geltenden Recht und dem Entwurf kann sich eine solche Beschwerde nur an die höhere Instanz wenden. Die Kommission erklärte sich in ihrer Mehrheit im Prinzip für diese Anregung, behält sich aber ihre Befolgung für die 2. Lesung vor. Beim dritten Abschnitt: Berufung beantragten unsere Genossen, daß das Recht der Berufung auch auf die in erster Instanz vor dem Schwurgericht oder Reichsgericht ergangenen Urteile ausgedehnt werden solle. Ferner müßte ausdrücklich be- stimmt werden, daß die Staatsanwaltschaft zuungunsten des An- geklagten oder Angeschuldigten Berufung nicht einlegen darf. Die Berufung gegen ein Schwurgerichtsurteil würde von einem anderen Schwurgericht, die Berufung gegen ein erstinstanzliches Reichs- gerichtsurteil von zwei anderen Senaten zu erledigen sein.— Die Regierungsvertreter wendeten sich gegen diese Anträge, ebenso ein nationalliberaler und fortschrittlicher Redner. Der letztere erklärte sich auch gegen einen sozialdemo- kratischen Eventualantrag, nach dem das Berufungsrecht der Staats- anwalts wesentlich eingeschränkt werden solle. Diese Forderungen wurden früher auch von dem freisinnigen Abgeordneten Munckel erhoben; die heutigen„Fortschrittler" wollen davon nichts mehr wissen. Auch das Zentrum verhielt sich teilweise ablehnend, doch wurden bei ihm auch Stimmen für eine Berufung gegen Schwur- und Reichsgerichtsurteile laut. Gegen die Stimmen unserer Genossen und eines Polen wurden die Anträge abgelehnt. Die 88 316, 317 und 318 bringen insofern eine erhebliche Ver. s ch l e ch t e r u n g des Berufungsrechts gegenüber dem bestehenden Recht, als nach dem Entwurf der Regierung eine eingelegte Be- rufung hinfällig wird, wenn nicht innerhalb 8 Tagen nach Ein- legung die Begründungsanträge eingebracht sind. Nach dem geltenden Recht war eine vorherige Begründung der Berufung nicht er» forderlich. Unsere Genossen und die Mehrheit der Zentrums- abgeordneten beantragten die Streichung der neuen Bestim- mungm und die Beibehaltung der geltenden Vorschriften. Dagegen sprachen Nationalliberale und Konservative. Unsere Redner wiesen insbesondere darauf hin, daß man von Leuten, die sich keinen Rechtsbeistand sichern können, nicht verlangen kann, in einwandfreier Form die Berufungsgründe anzugeben. Wenn auf der einen Seite die Berusungsmöglichkeit auch auf die Straf- kammerurteile ausgedehnt wird, soll man durch formalistische Schwierigkeiten diese Verbesserung nicht wieder aufheben. Die Debatte wird abgebrochen und auf Donnerstag vertagt. Soziales. Aus dem Tapezierergewerbe. Vor dem JnnungsschiedSgericht gelangte am Dienstag eine Anzahl auS Arbeitsverhältnissen im Tapczierergetoerbe hervor» gegangene Rechtsstreit« zur Verhandlung, die wieder einmal zeigten, welche Schwierigkeiten immer noch von ein«m nicht unerheblichen Teil von Jnnnungsmeistern deren Arbeitern gemacht werden, bevor die Lohnansprüche derselben befriedigt werden. 1. So hat der Taprzierermeister Otto Thiele dem Tapezierer W. kürzlich 20,97 M. Lohn einbehalten, weil sich inzwischen eine im November vom Arbeiter hergestellte Arbeit als mangelhaft gemacht herausgestellt haben soll. Das Schiedsgericht lehnte es ab, die gerügte Arbeit auf ihre Güte zu prüfen und verurteilte den Meister ur Zahlung des einbehaltenen Lohnes, da der Lohnabzug nach 394 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs unzulässig war. 2. Dem Tapezierer L. hat der Tapeziercrmeister August Wünsch 2,70 M. vorenthalten, weil sich L. zuviel Lohnstunden angeschrieben haben soll. Den Beweis für seine Behauptung konnte der Meister nicht erbringen. Die aus dem Gewerbe entnommenen Beisitzer des Schiedsgerichts hielten den vom Kläger angegebenen Zeitauf- wand für die Borarbeiten für vollkommen angemessen. Beklagter wurde nach dem Klageantrage verurteilt. 3. AuS dem gleichen Grunde hat der Tapezierermcister Franz Fitzon dem Gesellen Sch. 6,90 M. Lohn nicht gezahlt. Auch hier erfolgte Verurteilung. 4. Einen falschen Weg, um zu seinem Lohne zu gelangen, hatte der Tapezierer L. eingeschlagen. L. hatte bereits ein rechts- kräftiges Urteil auf Zahlung von 36 M. gegen den Tapezierermeiste» Scheidtke erstritten. Jedoch die Pfändung war fruchtlos aus- gefallen. Er klagte nun ohne Erfolg gegen den Tapezierermeister Lehmann, für den er die in Rede stehenden Arbeiten im Auftrage Sch.s ausgeführt hatte. Das Schiedsgericht vertrat die Ansicht, da durch rechtskräftiges Urteil bereits festgestellt sei, daß Sch. der Arbeitgeber des Klägers gewesen sei, könne der Klage gegen den Beklagten nicht entsprochen werden. Der Kläger zog darauf die Klage zurück. 5. Der Tapezierer M. war von der Firma Wenbland u. Ed. fristlos entlassen worden, weil er sich in ungehöriger Weise über einen Kutscher geäußert habe. Der daraufhin geltend gemachte Schadenersatzanspruch von 70 M. wurde dem Kläger vom Schieds- gerickt zugesprochen, weil die von der Beklagten gerügte Bemerkung des Klägers(die Beklagte solle sich einen Kutscher nehmen, der hübscher ist) kein Grund zur Entlassung war. 6. Eine Entschädigung von 80 M. wegen fristloser Entlassung verlangte der Tapezierer I. vom Tapezierermeister Robert Vieöke. Kläger hat selbst aufgehört, weil ihm der Lohn gegen seinen Willen von 32 M. auif 25 M. pro Woche gekürzt werden sollte. Die Klage wurde abaewicscn. Das Schiedsgericht vertrat die irrige. Ansicht, der Kläger hätte die zwei Wochen zu 25 M. arbeiten müssen und nachher den Differenzbetrag einklagen können. Die Gewerbeordnung (§ 124, Ziffer 4) rechtfertigte das Verlangen des Klägers voll- kommen._ Wie eine Verkäuferin sich kleide» muß. Eine Toilettenfrage hatte die 5. Kammer des Berliner Kauf- «tUluSgerichts i» ihrer letzte« Sitzung zu lösen. Die Berkänferm Fräulein R. erhob gegen siaS Bijouterietochrengeschäft von Baum Sohn Klage auf Restgehalt für zwei Monate. Der Hergang, der zu ihrer sofortigen Entlassung führte, war nach ihrer Schilderung der folgende: Der Prinzipal erklärte ihr eines Tages unter vier Augen, sie kleide sich zu„ausschweifend" und darum könne er sie nicht weiter behalten. Sie erwiderte dem Chef darauf, sie sei sich zwar bewußt, stets sauber und adrett zu gehen, rönne aber nichts Extravagantes an ihrer Kleidung finden. Der Beklagte sprach aber dennoch wegen Verdachtes der Unredlichkeit die Entlassung aus, und ihr Toilettenaustvand sei mit ihrem Gehalt von nur 90 M. nicht in Einklang zu bringen.— Im Termin zeigte sich die Ver- käuferin dem Richterkollegium in der vom Chef als„ausschweifend" bezeichneten Toilette. Es war ein gutsitzendes, aber einfaches, dunkelblaues Jackenkostüm, daZ in Verbindung mit dem blumcn- geschmückten Strohhut keineswegs auffallend wirkte. Als Be- lastungszeugen marschierten. eine ganze Anzahl früherer„Kolle. ginnen" der Klägerin auf. Sm hatten nämlich im Geschäft die Garderobe des Fräulein R. einer genauen Prüfung unterzogen und herausgefunden, daß das Kostüm„feinste Schneiderarbcit" ist und unmöglich von ihr selbst, wie sie angab, hergestellt sein kann. Den Hut schätzte eine Kollegin aus„mindestens 30 Mark", während Fräulein R. ihn im Geschäft mit 10 M. angeboten haben sollte. Die Beweisaufnahme ergab, daß die Klägerin ein Opfer ihrer Gutmütigkeit den Mitangestellten gegenüber geworden war. Nur aus reiner Gefälligkeit hatte sie den Hut der Aufsichtsdame aus deren Bitten von ihrer in einem Hutgeschäft tätigen Schwester be- sorgen lassen wollen, und ein Sachverständiger hielt auch den Preis für durchaus angemessen. Die Fasson hat einen Wert von zirka 4 M. Das zum Anstoß gewordene Kleid ist von der Mutter der Klägerin hergestellt worden. Die-Beklagte wurde zur Zahlung des NestgehaltS verurteilt. Ihre«cheu vor adretten Toiletten kommt ihr teuer zu stehen._ Bei Stadtverordneten-Fristwahlen ist der Anfangstermin innezu- halten. Die Frage, ob auch bei Fristwahlcn der für den Beginn fest. gesetzte Zeitpunkt innezuhalten ist, hatte am 5. Juli das preußische Ober-VerwaltungSgericht zu entscheiden. Wegen Nichtinnehaltung dieses Zeitpunktes hatte ber Rechtsanwalt Dr. Ablaß die Wahl der Herren Wiester, Altmann, Schmidt, Bonnet und Beiersdorf zu Stadtverordneten von Hirschberg angefochten. Es handelte sich um die Wahlen der ersten Abteilung. Der Hergang war folgender: Die Wahlen der zweiten und ersten Abteilung fanden am selben Tage statt. Für die der zweiten Abteilung war die Zeit von 9 bis 11 Uhr und für die der ersten Abteilung die Zeit von 12 bis 1 Uhr angesetzt worden. Da um 11 Uhr noch eine ganze Anzahl Wähler der zweiten Abteilung anwesend waren, die noch nicht abgestimmt hatten, so wurden von 11 Uhr ab bis zur Erledigung ihrer Abstim- mung die Türen geschlossen gehalten. Es wurde ntittlerweile 1114 Uhr. Nun durften zwar die Wähler der ersten Abteilung hinein. Da aber jetzt noch das Resultat der Wahlen der zweiten Abteilung festgestellt wurde, so begann der Wahlakt der ersten Ab- teilung faktisch erst nach 5412 Uhr, statt um 11 Uhr, wie festgesetzt. Darauf berief sich Dr. Ablaß in seiner Anfechtungsklage, nachdem die Stadtverordnetenversammlung seinen Einspruch verworfen hatte.— Der Bezirksausschuß zu Liegnitz wies die Klage ab. Er vermochte eine erhebliche Unregelmäßigkeit nicht einzusehen, weil den wenigen Wählern der ersten Abteilung noch Zeit genug geblieben sei. Und Erwägungen, wie man sie bei einer Terminwahl anstellen könne, träfen bei einer Fristwahl nicht zu.— Dr. Ablaß legte Be- rufung ein und machte geltend, daß auch bei Fristwahlen der An- fangstermin sehr wichtig sei, weil die Wähler mit ihren Dispofi- tionen sich danach richteten.— Das Ober-BerwaltnngSgericht gab der Berufung statt und erklärte die fünf Wahlen der ersten Ab- teilung mit folgender Begründung für ungültig: Die Nichtinne- Haltung auch der für eine„Fristwahl" festgesetzten Zeit sei als eine gröbliche Berletzung wesentlicher Formvorschriften anzusehen und mache die Wahlen ungültig. Hub Induftrie und RandeL Hereingefalleue Agrarier. Mit der Talon st euer wollten die Agrarier hauptsächlich daS Großkapital treffen und alle Vernunftgründe, mit denen man ste überzeugen wollte, daß in letzter Linie der Schuldner zu be« zahlen habe, prallten wirkungslos ab. Nun ist den Agrariern die Richtigkeit obiger Argumentation in ziemlich drastischer Weise zum Bewußtsein gekommen. Diese Steuer sollte natür- lich auch von den Pfandbriefinhabern bezahlt werden. Die Gencral-LandschaftSdircktion machte nun aber die Ent» deckung, daß die Pfandbriefinhaber nicht geneigt waren, diese Lasten auf sich zu nehmen. Es fand deshalb eine Konferenz der General-LandschaftSdirektoren Ostpreußens statt, und wie in den „Prenßischen Jahrbüchern" recht erbaulich nachzulesen ist, kamen die Herren zu der Ueberzeugung, daß weiter nichts übrig bleiben werde, als die Steuer den Schuldnern aufzubürden. Herr v. Oldenburg» Jan usch au ist Mitglied deS PlenarkollcgiumS der ostpreußischen Landschaft und er machte dort seiner Verblüffung mit den Worten Luft, daß die Fassung der Vorlage allein die Schuld trage, daß sie so besonders unsympathisch geworden ist. Sein Fraktionskollege, der ReichstagSabgeordnete R e h b e l meinte, es müsse anerkannt werden, daß die Wirkungen des Gesetzes anders gedacht waren, als sie dies jetzt im Wirtschaftsleben gezeigt haben. Für die Pfandbriefe der oft- preußischen Landschaft hatten 940 000 M. Talonsteuer bezahlt werden müssen. Die Landschaft beschloß nun, diesen Betrag von den Schuldnern einzuziehen, und um selbst auch noch Kapital in die Hand zu be» komme,:, gleich noch 235 000 M. mehr. Die Presse der Bündler. die in so beweglichen Worten die Talonsteuer angepriesen hatte, hat sich bis jetzt vollständig über diesen Vorfall, der keineswegs so vereinzelt dasteht, ausgeschwiegen, und selbst die„Deutsche TageS« zeitung", die direkt brieflich auf diese Vorgänge hingewiesen wurde, hat den Brief leider unbeachtet im Papierkorb verschwinden lassen._ Eine neue Elcktrobank. Unter der Firma Bergmann-ElektrizitätS» Unternehmungen A. G. haben die Bcrgmann-ElekrizitätSwerke ein neues Unternehmen ins Leben gerufen, dessen Zweck der Bau und Betrieb von städtischen und Ueberlandzentralen sowie von elektrischen Bahnen und die hiernrit im Zusammenhang stehenden Finanzierungen bilden. Zur Bearbeitung dieser Projekte werden die Bergmannwerke ihre bisherigen Abteilungen für Bahnen und Zentralen der neuen Gesellschaft überlassen. In dem Aufsichtsrat der neuen Gesellschaft sind die Deutsche Bank, die Diskontogesellschaft, der Schaaffhausensche Bankverein, die Allgemeine Deutsche Kreditanstalt, daS Bankhaus Bernhard Caspar, Hannover sowie die Bergmannwerke vertreten. DaS Aktienkapital beträgt 12 Millionen Mark._ Kündigung deS deutsch-japanischen Handelsvertrages. In maß- gebenden deutschen Regierungskreisen erwartet man, wie die „Reicks-Korrespondenz" berichtet, mit Sicherheit die Kündigung des deutsch-japanischen Handelsvertrages bis zum 18. Juli d. I. Die deutsche Exportindustrie ist bereits damit beschäftigt, ihre Wünsche für den Abschluß eines neuen Handelsvertrages mit Japan den zu- ständigen Behörden bekanntzugeben. Japan hatte erstmalig im Jahre 1006 die Zölle seines General- tarisS erhöht. Im April d. I. wurde eine neue Erhöhung vor- genommen mit der Absicht, die bestehenden Handelsverträge zu kündigen. Gevlcbta-Zeitimcf. Das mißhandelte Schutzmannspferd. Es dürste noch in Erinnerung sein, daß in Magdeburg die Polizei bei der diesjährigen Maifeier einige schneidige Attacken ritt. Mit gezogenen Säbeln treiben die berittenen Schutzleute die Menge in die Flucht und brachten einzelne Personen in die Gefahr, von Pferdehufen zertreten oder von Pferdeleibern erdrückt zu werden. Ein so Gefährdeter war auch der Schirrmeister L o h m a n n, der am Dienstag vor dem Magdeburger Schöffengericht als Angeklagter stand. Ihm wurde zur Last gelegt, das Pferd eines Schutz- manns mit einem Stock mehrere Male geschlagen zu haben. Der Angeklagte gab das zu, erklärte aber, daß ihm nur die Wahl geblieben sei, das Pferd zurückzutreiben oder sich von »hm treten zu lassen. Als Zeugen vernommene Schutzleute bestritten, daß Lohmann von dem Pferde gedrängt worden sei. Der Amtsanwalt beantragte wegen Wider st andes gegen die Staatsgewalt zwei Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte aufzweiWochen Gefängnis. Der Angeklagte habe sich des Widerstandes gegen die Staats- gewalt schuldig gemacht, denn es liege ein Angriff auf die Person des Beamten vor, da das Pferd lediglich ein Ausrüstungsgegenstand der Person sei. Auf Ge- fängnis und nicht auf Geldstrafe sei erkannt worden, weil das Gericht, soviel es auch gesucht habe, keine mildernden Um- stände habe finden können. Das Pferd ein„Ausrüstungsgegenstand des Schutz- manns", ein Schlag gegen das Pferd— Widerstand gegen die Staatsgewalt— weiter kann juristische Konstruktion schwerlich gehen. Oder wird nächstens. auch der Pferdeapfel als Inbegriff des preußischen Staates, die Aufsammlung desselben vielleicht gar als Landesverrat angesprochen werden? Die Perspektive, wie gar ein Angriff auf kaiserliche Pferdeäpfel von„gelehrten" Juristen bewertet werden kann, ist so unendlich, daß sich die Erörterung des Themas:„Unter welche strafgesetzlichen Vorschriften fällt das Sammeln kaiser- licher Pferdeäpfel?" für Assorenprüfungen empfehlen möchte. Nach dem Gedankengang des famosen Erkenntnisses würde das Niederschlagen eines Polizeihundes der Beseitigung der preußischen Staatsgewalt gleichkommen. Ebenso stände es mit dem Zerreißen einer Polizeihose. Waschfrauen müssen wir dringend vor dem Waschen einer Polizeiunterhose warnen. Das könnte ihnen leicht eine Anklage wegen Miß- Handlung eines„Ausrüstungsgegenstandes" eines Polizisten, also des Polizisten selbst, einbringen. Ein umfangreicher Meineidsprozeß gegen den schon aus vielen Prozessen bekannten Direktor der„Ber- liuer Ausstellungsgalerien" G. m. b. H. Martin Ball und zwei seiner früheren Angestellten begann gcstam vor dem Schwurgericht des Landgerichts I. Auf der Anklagebank mußten neben dem schon wegen Betruges vorbestraften Ball der Kontorist Otto Biernat und der Kaufmann David Sinnreich Platz nehmen. Die An- klage gegen Ball lautete auf Meineid und Anstiftung zum Mein- eide in 2 Fällen, gegen Biernat und Sinnreich auf Meineid in je einem Falle.— Den Vorsitz im Gerichtshofe führte Landgerichts� direktor Geier, die Anklage wird von Staatsanwalt Kempner der treten. Ball wird von Justizrat Dr. von Gordon und Rechtsanwalt Grünspach verteidigt, Biernat und Sinnreich werden von den RechtSanwälte-n Dr. Alsberg bezw. Dr. Eger verteidigt. Der Sach- bcrhalt, welcher dieser recht umfangreichen Anllageffche zugrunde liegt, ist ein ziemlich komplizierter. Im Mai ISO? nahm der Oberleutnant Schramm aus privaten Gründen seinen Abschied, um bald darauf mit der Tochter des früheren Regierungspräsidenten Prinz Handjery die Ehe einzugehen. Schramm wollte sich dem kaufmännischen Beruf zuwenden und zwar in der Werse, daß er sich an einem industriellen Unternehmen beteiligen wollte. Durch ein Inserat wurde Schramm mit den: jetzigen Angeklagten Ball bekannt, der damals Gründer und Direktor der„Berliner Aus- stellungSgalerien" G. m. b. H. war. Ball hatte für diese GSsell- schoft drei Patente erworben, bei denen es sich um einen elektrischen Haltestellenanzeiger und einen Projektions- und Reklanreapparat „Unikum" handelte. Zwischen Schramm und Ball kam ein Vertrag zustande, nach welchem ersterer gegen ein Gehalt von 10 000 Mark als Direktor engagiert wurde Die Ehefrau Schramms beteiligte sich dafür mit einem Kapital von 300 000 Mark an der Gesellschaft, von welchem 76 000 Mark sofort eingezahlt wurden. Schramm,, der damals von kaufmännischen Dingen keine Ahnung hatte, will nach seiner Behauptung von Ball nach verschiedener Richtung hin gc- schädigt und direkt betrogen worden sein, da ihm Ball bei Abschluß des Vertrages falsche Angaben gemacht habe. Die Gesellschaft selbst konnte sich auch nicht lange halten, sondern ging schon im Oktober 1907 in Konkurs. Im Anschluß hieran kam es zu einer großen Anzahl Zivilprozessen zwischen Schramm und Ball, an die sich wiederum mehrere Strafanzeigen, die von Ball ausgingen, an- schlössen. Zwischen Beiden entstand eine grimmige Feindschaft, die schließlich sogar dazu führte, daß Schramm wegen einer seiner Gattin von Ball zagefügten Beleidigung den B. auf offener Straße mit einer Hundepeitsche verprügelte. Auf Anzeige des Ball mußte sich Schramm unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung, Beleidigung, Betruges und Konkursvergehen vor der 7. Straf- kammer des Landgerichts I verantworten. Die Verhandlung endeie mit der glänzenden Freisprechung des Schramm von den übrigen Delikten. Auf sein eigenes Zugeständnis hin, wurde er dagegen wegen des Schlagens mit der Hundepeitsche zu einer Geldstrafe von 20 Mark verurteilt. In dieser Verhandlung soll Ball den jetzt zur Anklage stehenden Meineid geleistet haben, in dem er u. a. eidlich aussagte, daß ihn Schramm hinterlistig überfallen und mißhandelt habe, während festgestellt wurde, daß er erst von Schramm zur Rede gestellt und dann mit der Hundepeitsche gezüchtigt wocwn war. Schon damals tauchte der Verdacht auf, daß Ball die angeb- lich schweren Folgen dieses Vorfalls simuliert, um den Leutnant Schramm ordentlich hineinzulegen. Auf eine Frage des damaligen Verteidigers des Sch. Rechtsanwalt Dr. Werthauer, ob er sich nicht für diese Simulation besonder? durch die Lektüre des Werkes „Traumatische Erkrankungen des Nervensystems" von Professor Dr. Schuster vorbereitet habe, stelle Ball die? unter Eid in Abrode. Auch diese Angabe soll wissentlich falsch beschworen sein. Die An- klage will den Nachweis führen, daß Ball sich dieses Buch von einem Angestellten nach einem Sanatorium hatte schicken lassen und dort eifrig darin studiert habe.— In den weiteren Zivil- und Beleidigungsprozessen soll, wie die Anklage behauptet, Ball wieder- holt versucht haben, andere Personen und vor allen Dingen Leute, die sich in wirtschaftlicher Abhängigkeit von ihm befanden, zu un- wahren Angaben vor Gericht zu verleiten. So soll ihm in einem Prozesse ein«. Frau F. als Zeugin unangenehm gewesen sein. Um diese als vollkommen unglaubwürdig hinzustellen, soll er den jetzigen Angeklagten Biernat. der sein gefügiges Werkzeug sein soll, dazu verleitet haben, eidlich auszusagen, daß er wiederholt mit der Frau F. gegen Entgelt intim verkehrt habe. Diese Angabe soll von B. wissentlich falsch aus Anstiften dcö Ball, gemacht worden sein. Sehnlich liegt der Fall des Angeklagten Sinnreich. Die Angeklagten bestreiten, sich der Anstiftung bezw. des Mein- eide» schuldig gemacht zu haben. Die Verteidiger haben einen um- fangreichen EntlaswngSbeweis angetreten. Bei Beginn der Sitzung pellte Rechtsanwalt Dr. Werthaucr als Vertreter des Leutnants a. D. Schramm den Antrag, als Nebenkläger zugelassen zu werden. Der Vorsitzende ließ ein« längere Pause eintreten, um erst durch Einsichtnahme in die verschiedenen Aktenstücke festzustellen, ob GchccttzW Überhaupt als Geschädigter in Frag« liMW, Das Gi- t richt beschloß nach längerer Beratung den Anfrag auf Zulassung der Nebentlage abzulehnen.— Justizrat Dr. von Gordon bittet mit Rücksicht auf den leidenden Zustand des Angeklagten Ball ihm nach Möglichkeit jede Erleichterung im Lazarett zu gewähren, da sonst die Gefahr bestehe, daß B. zusammenbreche und die Verhandlung nicht zu Ende geführt werden könne. Lanidgerichtsdirektor Geier sagte dies zu. Da die Verhandlung selbst voraussichtlich keine be- sonders interessanten Momente ergeben wird, werden wir uns auf die Mitteilung des Urteils beschränken. Für die Verhandlung sind vier Sitzungstage in Aussicht genommen, da nicht weniger wie 61 Zeugen zu vernehmen sind. Sittlichkeitsverbrechen. Der für die Kriminalstatistik gewiß seltene Fall, daß an einem Tage in dem Moabitcr Kriminalgericht nicht weniger wie 12 Fälle von Sittlichkeitsverbrechen schwerster Art zur Verhandlung ge- langten, ereignete sich am gestrigen Tage. Fast in jeder der Moabiter Straftammern standen ein oder mehrere Fälle von Ver- brechen gegen die 8Z 176,3 und 175 St.-G.-B. zur Anklage. Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts III hatte sich u. a. einer der gefährlichsten Jugendverführer in der Person des Handlungs- gehilfen Adolf Preuß zu verantworten. An dem Tage der diesjährigen Frühjahrsparade hatte der Angeklagte in der Passage zwei acht- bezw. elfjährige Knaben, die aus Neugierde mit dem Militär mitgelaufen waren und nicht wieder nach Hause fanden, an sich gelockt unter dem Versprechen, sie zu ihren Eltern zu bringen. Er verschleppte die beiden Knaben jedoch nach Tegelort und verging sich hier im Walde in der scheußlichsten Weise an ihnen. Passanten, welchen das eigentümlich scheue Wesen des Angeklagten aufgefallen war, beobachteten ihn und ließen ihn durch«inen Gendarmen ver- haften. Von der Polizeibehörde in Tegel wurden dann die um das Schicksal ihrer Kinder besorgten Eltern benachrichtigt.— Der Staatsanwalt beantragte gegen den Angeklagten 1 Jahr Gefängnis. Das Gericht erkannte auf 1 Jahr und 6 Monate Gefängnis. Zu 4 Jahren Zuchthaus wurde zu der gleichen Zeit der Schuh- machermeisler August Gchlhaar von der 3. Strafkammer des Land- gerichts I verurteilt. Der Angeklagte betrieb in der Friedenstr. 61 einen Schuhmacherladen. Schon wiederholt war es Hausbewohnern aufgefallen, daß sich in dem Geschäft des Angeklagten zahlreiche Schulmädchen aufhielten. Eines Tages kam es schließlich zur Eni- deckung, daß Gehlhaar ein sehr gefährlicher Kinderfreund war. Er lockte die Mädchen an sich, schenfte ihnen Geld und Näschereien, um sich dann an ihnen in einer nach§ 176,3 strafbaren Weise zu ver» gehen. Schwerer Verstöße gegen die Sittlichkeit hatte sich auch der Kaufmann Julius Schwarz schuldig gemacht, der sich unter der An- klage des Sittlichkeitsverbrechens vor dem Strafrichter zu vcrant- Worten hatte. Der Angeklagte war beobachtet worden, wie er auf der Straße Schulkinder beiderlei Geschlechts an sich lockte und ihnen gewisse Bilder zeigte. Durch Versprechungen von Geldgeschenken lockte der Angeklagte dann die Kinder in seine Wohnung und ver- leitete sie hier zu gegenseitigen unzüchtigen Handlungen. Mit Rück- ficht darauf, daß der Angeklagte in der schändlichsten Weise das Gift der Unmoral in die Herzen unschuldiger Kinder getragen habe, er- kannte das Gericht unter Ausschluß mildernder Umstände auf 2 Jahre und 6 Monate Zuchthaus. In den übrigen, an anderer Stelle verhandelten Prozessen dieser Art wurde auf Gefängnis- und Zuchthausstrafen von 9 Monaten bis zu 2 Jahren erkannt. Die unbeleuchtete Gasthaustreppe. Welche verhängnisvollen Folgen eine kleine Nachlässigleit haben kann, zeigt der nachstehende Fall. Im„Gasthof zum Mohren", dem bestbesuchten in Triptis, stieg am 14. Mai 1998 der Agent>B. ab und erhielt ein Zimmer im zweiten Stock angewiesen. Er bestellte ein warmes Abendessen und trug zunächst seine Briefe auf sein Zimmer. Plötzlich hörte der Kellner auf der Treppe ein Gepolter und eilte selbst die Treppe hinauf. Im ersten Stock fand er den Wirt Schulze mit B. beschäftigt, der im Dunkeln die steile Treppe hinabgestürzt war. B. hatte sich die Schulter ausgerenlt und einen starken inneren Bluterguß erlitten. Er kam in ärztliche Behand lung und konnte am 17. Mai wieder abreisen. Am 14. August starb er aber im Hospital an den Folgen der inneren Verletzungen. Am Abend des 14. Mai um 8 Uhr, als sich der Unfall ereignete, war cS schon so dunkel, daß die Treppe hätte beleuchtet werden müssen. Gegen den Gastwirt Schulze wurde nun wegen fahrlässiger Tötung Anklage erhoben, und das Landgericht Gera verurteilte ihn am 14. März zu einer Woche Gefängnis. Das Landgericht war der Ansicht, daß der Angeklagte die im Verkehr erforderliche Vorsicht unterlassen habe, indem er die Treppe nach dem zweiten Stock nicht erleuchtete. Die hierdurch bewiesene Fahrlässigkeit habe den Un- fall und den Tod des B. zur Folge gehabt.— Die Revision des An geklagten wurde am Dienstag vom Reichsgericht verworfen. ( Vcrnrifcbtea» Eisenbahnunfall. Amtlich wird aus Aachen-Templerbend vom 6. Juli gemeldet: Der Pers o neu z u g 1114 von Bleyberg rutschte über das Halt zeigende Einfahrtssignal 0 und stieß heute vormittag 6 Uhr 25 Min. mit dem nach Aachen, Hauptbahnhof, ansfahrendon holländischen Leerzug 5501 an dem Kreuzungspunkt Kilometer 4,6 zusammen. Soweit festgestellt, sind von den Reisenden sechs schwer und sechs leicht verletzt. Der Heizer der belgischen Lokomotive ist leicht verletzt. Die schwer Verletzten sind dem Krankenhanse zugeführt. Das Fahrgleis von und nach Bleyberg ist gesperrt. Züge von und nach Aachen verkehren. Materialschaden ziemlich be- deutend. Nach einer neueren amtlichen Meldung sind bei dem Zusammen- stoß die beiden Zugmaschinen und drei Wagen des Blehberger Zuges stark beschädigt worden. Der Lokomotivführer des belgischen Personenzuges und' 22 Reisende wurden teils schwer, teils leicht verletzt. Wahnsinn und Selbstmord infolge Arbeitslosigkeit. Man meldet uns aus Brüssel: Im Arbeitervorort Schaerbee! hat sich gestern der Arbeiter Franyois Ha eck während der Ab- Wesenheit seiner Frau aus dem Fenster gestürzt. Haeck ist infolge langer ArteitSlofigkcit in großes Elend geraten, so daß ihn der Kummer, trotz aller Anstrengungen keine Arbeit finden zu können, zum Wahnsinn führte. In einem unbewachten Moment hat er Selbstmord verübt. Er hat beim Sturz die Beine gebrochen und schwere Kopfwunden erlitten. Sein Zustand ist sehr ernst. Jeder ehrliche Arbeiter findet sein Brot, sagt aber die bürger- liche satte Moral...._ Tie Folgen des Boxerrummels. Wie aus New D o r I berichtet wird, find bei den Zusammen. stoßen zwischen Weißen und Neger» infolge des Sieges des Negers Johnson 39 Neger getötet. In der Stadt New Uork allein kam es in der verflossenen Nacht an vier verschiedenen Stellen zu ernsten Zusammenstöße» zwischen Weißen und Schwarzen. In den Negerschenken wurden verschiedene Neger mit Gewalt aus den Lokalen geholt und auf der Straße mißhandelt. Mehrere 199 Neger sind verletzt worden. Am schlimmsten ging eS im Süden zu, wo die Neger ein eigenes Klubhaus besitzen. Ein ungeheurer Tumult erhob sich, als die Neger gestern abend, verursacht durch das Boxermatch, eine große Kundgebung veranstalteten. Der Polizeichef von Washington hat für den ganzen Distrikt Columbia die linematographische Borführung de» Boxerwettkamp feS untersagt, da man bei dem starken Rassenhaß tumuliuarische Szenen und Unruhen befürchtet. Beim Abschießen von Feuerwerk aus Anlaß der Feier des Un- abhängigkeitstages sind im ganzen Lande 28 Personen getötet und 1758 verletzt worden._ Der Kientopp auf Rädern. Um auch den Bewohnern der kleinen Ortschaften, selbst der ent- legensten Dörfer, die„Segnungen" der k i n e in a t o g r a p h i s ch e n Vorführungen zu Teil werden zu lassen, hat man jetzt einen „Kientopp" auf Rädern konstruiert. Dieser besteht aus einem mäckttigen großen Wagen, einer Art Automobil mit Dampfbetrieb, dessen Inneres in zwei Gemächer eingeteilt ist und dem Mechaniker und Begleit- personal zum Aufenthalt dient. Auf dem Dach des„Hauses" be» findet sich ein zusammengeklappte? Holzgerüst, das zum Ausspannen der für die Aufnahme der Bilder notwendigen Leinlvandflächen dient. Ein mächtiger Scheinlverfer sorgt für die Beleuchrung der Bilder, ein riesiges Grammophon für die Erläuterung und den musikalischen Teil der Veranstaltung. Kleine Notizen. Unwetter in Jstric». Gestern ist über Trieft und Pola, sowie über ganz I st r i e n ein schweres Unwetter, verbunden mit fürchterlichem Hagelschlag, niedergegangen. Der angerichtete Schaden, besonders an Telephon-' und Telegraphenleitunge», Wald und son- stigen Kulturen ist ein kolossaler. Verurteilte KindeSmörderin. Bor dem Schwurgericht in B u r g e s fFrankreich) erschien gestern Fräulein von Gondalie unter der Beschuldigung, ihr neugeborenes Kind vergiftet zu haben. Das 17 jährige Mädchen ist angeblich durch einen bei ihrer Mutter ange- stellten Chauffeur verführt worden. Als sie einem Kinde das Leben gab, vergiftete sie es am 12. Tage. Weder die Mutter noch eine Wärterin wollen etwa? von der Geburt des Kindes bemerkt haben. Das Schwurgericht verurteilte das Mädchen zu zwei Jahren Ge- fängnis. Furcht vor der Ehe. Ein junger Mann ans Ho ehr im Wester» Wald, der mit seiner Braut vor dem Standesamt in Koblenz stand, ergriff plötzlich, al? er das Jawort aussprechen sollte, die Flucht. Die Frau fiel in Ohmnacht, und die Training mußte aufgeschoben werden. Bisher hat man noch keine Nachricht von dem flüchtigen Bräutigam. Acht Jahre Zuchthaus für einen Totschlag erhielt vom Metzer Schwurgericht der Arbeiter Johann Grill, der seine Geliebte mit Revolverschüssen getötet hatte. Die Anklage lautete auf Mord. Bergrutsch. In der Dauphins hat daS anhaltende Unwetter schlveren Schaden verursacht. Auf dem Wege zur Grande Chartreuse ist ein Teil des Berges bei La Correric ins Rutschen gekommen. Ein vorbeigehender Forstbcamter geriet unter die Erdmassen und wurde verschüttet. Bei St. Georges de Commiercs wurde ein Bau- Unternehmer von abstürzenden Felsmassen mit in die Tiefe gerissen und stürzte mit zerschmettertem Schädel in eine Schlucht. Mord und Selbstmord. In K v n i g s h ii t t e erschoß der llgjährige Grubenhäuer Respondek seine Geliebte, die 21jährige Schneiderin Pantine P u ck 1 a, durch einen Schuß in das Herz. Der Mörder brachte sich dann einen Schuß in die Schläfe ber, welcher ebenfalls seinen Tod herbeifübrte. Beide hatlen ein LiehesverhältniS unterhalten, was jedoch Respondek nicht abhielt, auch noch mit einem anderen Mädchen ein Verhältnis anzuknüpfen. Zentralvcrband der Frisenrgehilfcn Deutschlands. Zweigvcrein Berlin. Donnerstag, 7. Juli, abends 9'/, Uhr, Rofenthaler Str. 11/12: Versammlung. VcrwaltunN Iterlln. Freitag, den 8. Juli, abends BVs Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 4: LvnsnsZvvs'SKmmIung. TageS-Ordnung: Lg/3 I. Bericht vom Vcrbandslag. 2. Distussion. 3. Wahl ber nicht- besoldeten Mitglieder im Hauptvorstaud. 4. Wahl der Revisoren, ö. Wahl der Prehkommission. 6. Wahl des Gauvorstandes. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legittmlert. Achtung, Bibliothek! Svege» der im Jnlt ftaitsindciidcii Inventur wirb die Stldlin- tbek bis auf weiteres geschlossen. Sämtlsche»och ausstehende« Bücher müssci, umgehend abgeliefert werde». Die Ortsverwaltung. Beslrlrsvvvwaltunx Gi'oß-UerUu. Am Freitag/ den 8. Juli, abends 8»/, Uhr, im Elysium» Landsberger Allee 40/41: Oeffenfliehe Versammlung der Straßenbaljn-flDgettellten. Tages-Ordnung: 1. Korruption im städtischen Straßenbahnb etriebe. 2. Diskusston. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung ersuchen wir um voll« zähliges Erscheinen._ 70/3_ Die Scktion»leltni>s. » AMif Sabak-'Jabriken J.lSoIdffttb PmWSiargM gegründet 1839. SSS i.■ili»h«aGM.ni'"II IT ,1'.limcaa» Tabac russe a priser. gout de Kowno. a«oc»4W3*cm»n.n'a-n*D«cK>t>n»a«o f— 1.................■■.— 1——-i•• 91 Prowdslwa tabaka do? [?! zazywania„Kownoer?°„ Donnerstag, den 7. Znli 81» Uhr abends, 1 Berlins GemrlijWslMS. Engkl-Uftr 15 HoUgtr-Nalaj!, Hastuheidk 52/53 EWnm, Llilldsbergkr Allkt 4W Gemlim-SäleFhallssekstraßeM Frötikls Allerlkl-Thketer, Slhöilhanser Allee 148. Rixdorfs Hoppes fMäle, Hermsilitßreße 49/5l). Treptow: IRadrennbal)!), Adlershof:€fcl)ner, EismarcWtraße 60. Tages- Ordnung: Ale steht's mit der Reform der Rrbelterverslcherung? Referenten: Gustav Bauer, Karl Giebel, Gustav Link, Hermann Molkenbuhr, Gustav Nathow, Robert Schmidt, Rudolf Wissel, Emil Wutzky. Zahlreiche Beteiligung der Partei- und Gewerkschaftsgenossen erwarten 205/14* Die Einberufer: Eugen Ernst, Liesenstr. 16. Adolf, Ritter, Engel-Ufer 15. VI«»Iten müssen in de» Zahlstellen gegen die neuen"Karten ausgetauscht werden. Die alten Mitglieder Häven einen I.IO ßlk., die Abcndinitglieder 1,30 Ml. zu entrichten. Bei allen Umschreibungen in eine andere Zahlstelle muß die neue Karte aus der dlelisHxei» Zahlstelle abgeholt werden. Zkcne mtslledor können eich in allen Zahlstellen anmelden. 241/7* Ter Vorstand. I. A.: G. S i n II e r. 4, Hygienische BeaansiroKei. rsouest. Katalog JB. Eaopfohl.viel. Aerzte u.Prof. grat. u.tT v 8. Onger, CnmniiwarcnfabrÄ fierllB NW*. Fhodrichötrasae 91/9 Bauunternehmer Handwerker erh. in blüh, nördl. Vorort Baust. mit Baugeld u. Ii Anz. Offerten unter lt. 8 Exp. d.„Vorwärts-. /Ute Menschen mit„Humor" Haben blanke Tür und Tor. Humor putzt alle Metalle sauber und gerueblos. Zu haben in Flaschen von 10 Pf. an. Hamor-Worke G. m. b. H., Berlin XO. 18. An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. KaMtergttltlg In Konstriiktlon.und Ansftthrang, gleich vorzüglich für Haasgcbraacb a. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BEBIiUkT. lielpziger Straße 08. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. E LerantwortliZer Nedalteyr MiKard Borth, Berlin, gür den Inseratenteil veranf v.i Th. Glocke. Berlin, Krück u. Verlag: Bonvärtt Buchdruckerei u, BerlagSgngglt Jaul Singer&%oH Berlin S.W. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, wie für die Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Entschlafenen Will! l„adewig sagen wir aus diesem Wege allen Beteiligten unseren innigsten Dank. Nie trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Sage allen, die meinem geliebten Mann, unserem guten Vater, das letzte Geleit gegeben, sowie sür die trostreichen Worte am Grabe und die vielen Kranzspenden, insbesondere dem Wahlverein und den Sängern Lichtenbergs, ebenso den übrigen Vereinen meinen aufrichtigsten Dank. Wwe. Mathilde Brause nebst Kindern. Soeben erschienen: Die große Aussperruvg und die ZMust der Arbeiterkampfe im Reiche. von P a r v u s. Preis... 50 Pf. taldstn-Htlas zur MoHolkrage. Text von Dr. rnsä. Höllischer. Preis... 1,00 M. Gebunden. 1,50 M. Erpedition des„Vorwärts" Berlin SW.. Lindenstr. 69 (Laben).• Arbeiter-Wanderbunil M„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, de« 10. Juli 1010: 1. Grünau-Eichwalde. Abf. BaHnH. Friedrichstraße b" vorm. 2. Großbeeren- Neu- Babelsberg. Abs. Anhalter Bahnhof K" vorm. 3. Gruuelvald-Westend. Treffpunkt 2 Uhr nachm. Bahnhos Grunewald. 2/3 Gäste willkommen. AM- Ausführliche Programme bei Heise, Boyenstr. IS zu haben. Hohen-Neueiiilorf (STordbahn) Wald, Wasser, westlich vorn Bahnhof. 1000 berrlicbe Hochwald-, Villen-, Land-Baustellen am königlichen Forst. 4ln.-Rnte IS Hark an. Langjahr. Ämortisations- Hypothek. Kein Bauzwang. Große Wertsteigerung. Baubur. im Schützenhaus. Illustr. Broschüre gratis! BFRLIlf:: | NeueKönigstr.71. Eck» und Front-Baustellen in Steglitz, 32 M., Priorität Baugcld v. Keller. Anzahl. 1000 M., an gute Bauunternehmer verk. Oft. F. 980 bes. Daube& Co., Bülowstraße 25. Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, Äp�, 10— 2, 6—7. Sonntags 10— 12, 2— 1 ist seit Jahrzehnten unübertroffen. General-Verkaufsstellen bei O. Reimer, Lichtenberg-Berlin 0., Gürtelstr.l, Ecke Frankf.Chaussee, und Paul Höfcr, Berlin 80., Kottbuser Damm 81(82. s teppdecken SonderoiTerte! Rur dielen Iflonat! Purpur, tTe1; V5 8-35 Cretonue/sS1�66'350 Trikot, d3S 435, 500 Simlliseide�i35'°°.° si»:,!-!»!» Emil Lefevre Berlin, Oranienstr.158 SozialdemokrafiselierWaiilferein für den 4. Berliner Reielisfags-Walilla'eis. IKöpenicker Viertel. (Bezirk 205. Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbester Ernst Plsilspp Görlitz er User 28, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners- tag, den 7. Juli, nachmittags 5 Uhr, von der Halle des Emmaus« Kirchhofes in Rixdorf, Hcrrnannstraßc, aus statt. " Um rege Beteiligung ersucht 2l9I5_ Der Vorstand SozialdeniokratiscberWalilyereiD für den 4. Berl. Reielistass-lfalilkreis. Köpnlcker Viertel. (Bezirk 199.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Hugo Guadiach Köpnicker Straße 183 gestorben ist. 819/4 Ehre seinem Sludenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. Juli, nach- mittags 6 Uhr, von der Halle des Emmaus-Kirchhoscs inRixdors, Hermannstraße, aus statt. Der Boritand. Zentral-Yerband der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Den Berussgenossen zur Nach- richt, daß unser Mitglied Fvam Hertel am 4. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 8. Juli, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des ZentralsricdhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 254/18 Der Vorstand. Verband der Fabrikarbeiter und Arbeiterinnen Deutsebiaods. Verwaltung Berti«. Todes-Anzrige. Am I.Juli verstarb unser Mit- glied, der Kollege 03/17 Georg Blume« Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 7. Juli, nach- mittags 5 Uhr. vom Schauhauie Hannoversche Straße 0 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Drtsverwastung. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroG-Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Hausdiener Hanl Heinke am 1. d. MtS. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 70/2 Die Bezirksverwaitung. Drrbnnd dkl Ualtt, Fnlklertr,AustreichtrllsV. Filiale Berlin. Kachrnf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Maler Otto Wels© am 2. Juli verstorben ist. 129/11 Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwalrung. Am 5. Juli starb mewe liebe Frau, unsere Mutter und Groß. mutter 28536 Henriette Eisholz geb. Thicmc. DieS zeigen tiesbetrüdt an P. Elsholz nebst Angehörigen. Die Beerdigung findet am Freitagnachmitlag 4 Uhr vom Trauerhause MahiSdors, Bahnhos- straße IS auS statt. Sozialdemokrat Wablverein Mariendopf« Nachruf! Am Freitag, den 1. Juli der- starb nach kurzen schweren Leiden unser langjähriger Genosse Ernnz Fischer. Ehre seinem Andenke»! 203/S Der Vorstand. Nr. 156. 27. Jahrgang. 2. Mgt des Jonuirtü" Lerlim WlllsdlM Jonntrstnj, 7. Juli 1910. Dfe üxdorfer Sladtocrordnetenmclirlicit gegen das obervewallungsgericht. Eine von unseren Genossen einberufene Protestversamm- lung mit dieser Tagesordnung füllte am Dienstag Saal, Vorraum und Galerien von Hoppes Festsälen bis zum letzten Platz. Es handelte sich um die Stellungnahme gegen die Aufrechterhaltung des Ortsstatuts, durch das die Rixdorser Wahlreibtsräuber der Entrech- tung breiter Volksschichten ein gesetzliches Mäntelchen umzuhängen glaubten. Bekanntlich hatte die sozialdemokratische Fraktion in der Rixdorser Stadtverordnetenversammlung kürzlich den Antrag gestellt, jenes Ortsstawt auf Einführung des anderthalbfachen Durchschnitts gemäß dem§ 3 des Gesetzes vom 30. Juni 1900 wieder aufzuheben. Die Mehrheit lehnte den Antrag ab. Genosse Wolfgang Heine referierte. Er gedachte der be- kannten Vorgänge bei Durchführung der volksfeindlichen Pläne der Mehrheit, die einen Sturm der Entrüstung entfesselten, und be- handelte dann die Rechtslage. Schon vor dem Ortsstatut seien die Rechte der Wähler erheblich verschlechtert worden durch die am 18. Januar d. I. vom Oberverwaltungsgericht für gesetzwidrig erklärte Aufstellung der Wählerliste für 1903. An sich finde die Ab- grenzung der Wählerabteilungen nach der Drittelung des von den Wahlberechtigten insgesamt aufgebrachten Steuern statt. Um zu plutokratischer Wirkung vorzubeugen, sei dann durch H 2 des Gesetzes vom 30. Juni 1900 in den Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern eine Ausnahme zugelassen worden. Die Einreihung solle so verändert werden, daß jeder Wähler, der mehr als den auf den einzelnen Wähler entfallenden Durchschnitts- betrag der Steuer. zahle, stets der höheren Klasse. also mindestens der zweiten Klasse zugewiesen werden solle. Diese Absicht sei klipp und klar im Gesetz ausgesprochen worden. Diese Zuweisung brauchte aber in Rixdorf bei der eigenartigen Zusammensetzung seiner Bevölkerung erst gar nicht erfolgen, da hier bei Anwendung des Drittelungsprinzips die sogenannten Ueberdurchschnittswähler schon ohne weiteres in die zweite Abteilung gehörten. Trotzdem glaubten Magistrat und Stadtverordnetenmehrheit, den § 2 sich zunutze machen zu können. Sie kamen auf den scheinbar schlauen, in Wirklichkeit aber furchtbar dummen Gedanken, daß die Wähler, die nicht den Durchschnitt zahlen, aber nach dem Driltelungsprinzip zur zweiten Klasse gehören, hinausgeworfen werden und der dritten Abteilung zugeteilt werden müßten. So kam der erste Wahlrechts- raub zustande. Nach der Liste ftir 1908 gehörten zur dritten Ab- teilung 88 Prozent aller Wähler. Die dritte Klasse mutzte danach bei aller Entrechtung auch noch mehr Steuern zahlen als die anderen beiden Klassen. Nämlich 1 261 000 Mark, während auf jede der beiden anderen Klassen 301 000 Mark entfielen. Der Stadt- verordnete Genosse Conrad habe die Rechtswidrigkeit der Hebung gleich eingesehen und die Wählerlisten mit Erfolg angefochten. Das Oberverwaltungsgericht habe dann am 18. Januar die Wählerliste für gesetzwidrig erklärt, weil nach K 2 des Gesetzes nur ein Hinaufrücken in die höhere Klasse denkbar sei, niemals aber es möglich wäre, jemanden in eine niedrigere Klasse hinabzudrücken, der nach dem Grundprinzip der Drittelung in eine höhere Klasse gehöre, ganz gleichgültig, ob er den Durchschnitts-Steuersatz zahle oder nicht. Inzwischen sei nun das Ortsstatut gemäß K 3 des fraglichen Gesetzes geschaffen worden. Dieser Z 8 nehme ausdrücklich Bezug auf den oben zitierten§ 2 und besage, daß in solchen Gemeinden durch Ortsstatut bestimmt werden könne, daß an Stelle des einfachen Durchschnitts der anderthalbfache Durchschnitt trete. Es sei nun ganz klar, daß das dargelegte und vom Oberverwaltungsgericht aus- drücklich in unserm Sinne anerkannte Prinzip des§ 2 auch hier zur Geltung komme. Das heißt: Es könne kein nach dem Drittelungs- Prinzip zur zweiten Klasse gehöriger Wähler um deswillen in die dritte Abteilung abgeschoben werden, weil er weniger als den ändert- Halbsachen Durchschnittzahle. Die klugen Herren im Magistrat und Stadt- verordnelcnmehrheit wollten aber gerade eine solche Abschiebung durch das Ortsstatur herbeiführen. Das hätten sie denn auch bei Auf- stellung der Wählerlisten für 1909 getan, so daß nach dieser Liste zur erste» Ableilung nur noch 0,78 Proz. und zur zweiten Ab- teilung nur noch 6 Proz. der Wähler gehörten. Natürlich sei die Liste gesetzwidrig. Die Klage dagegen schwebe noch beim Bezirksausschuß. Die weitere Verhandlung sei seinerzeit ver- tagt worden mit Rücksicht auf die damals bevorstehende Entscheidung des Obervcrwaltungsgerichts. Der Bezirks- ausschuß habe sicher angenommen, daß die Stadtverordnetenmehrheit und der Magistrat die Liste als gesetzwidrig zurückziehen würden, falls die höchste Instanz in dem ersten Prozeß zu ihren Ungunsten erkennen würde, wie es dann geschah. Die Herren im Bezirks- auSschuß hätten sich aber gründlich getäuscht. Im Gegenteil hätten die Machthaber in Rixdorf die Sache verschleppt. Das ergab sich aus folgendein: Redner als Vertreter der Kläger habe uninittclbar nach Fällung des Urteils des Oberverwaltungsgerichts beim Bezirksausschuß die Weiterverhandlung der schwebenden Sache beantragt. Der Bezirksausschuß antwortete im Februar, er habe den Magistrat um das Material ersucht. Heine habe sich nun inzwischen erkundigt, wie es mit dem neuen Termin sei. Vor einigen Tagen habe er endlich die Nachricht erhalten, daß am 12. Juli Termin sei, mit dem Bemerken, ein früherer Termin hätte nicht angesetzt werden können, weil die ein- geforderten Akten er st jetzt eingegangen seien. Also fünf Monate habe man dazu gebraucht. Natürlich laufe das auf Verschleppung hinaus, da kein Zweifel sein könne, wie die endgültige Entscheidung ausfalle.— Man hätte nun meinen sollen, die Rixdorser Sladlverordnetenmehrheit werde den Sozialdemokraten Dank wissen für ihren Antrag, das Ortsstatut aufzuheben, und den Antrag annehmen, noch bevor es zur Entscheidung komme, die für die Mehrheit nur eine Blamage sein könne. Und zwar um so mehr, als das Ortsstatut ja gar nicht aus die Verhältnisse anwendbar sei, die jetzt und auf absehbare Zeit in Rixdorf herrschten. Das Orts- statut stelle nur ein Schaustück dar. Trotz des Orisstatuts müsse ja auch die Wählerliste für 1909 für rechtswidrig erklärt werden, da die gerügte Abschiebung von Wählern zweiter Klasse in die drilte Klasse dem Gesetz widerspreche. Wenn die Stadtverordnelen- Versammlung jetzt das Ortsstatut aufgehoben hätte, hätte fie nichts anderes getan, als was ein Mann tue, der ein Paar alte Hosen verschenke, die er nicht mehr tragen könne. Gleichwohl habe das die Mehrheit abgelehnt. Gerade der liberale Herr Roscnow sei cS gewesen, der das ganze Vorgehen der Mehrheit zu rechtfertigen suchte. Alle, die mitgewirkt hätten an dem Wahl- rechlsraub. trügen die ganze moralische Verantwortung I Und jetzt bei der Ablehnung des sozialdemokratischen Antrags hätten sich die Herren wieder bekannt als daS, was sie sind: Als Wahlrechts- r ä u b e r I(Stürmische Zustimmung.) Und wenn es auch ein Versuch mit untauglichen Mitteln gewesen sei, so sei der moralisch keine Spur besser, als ein gelungenes Verbrechen. Und vor aller Welt werde es feststehen, daß hier in Rixdorf die Leute, die sich liberal und mittelständlerisch nennen, dem Volke und auch dem Mittelstande, der dabei in Frage kam. das Wahlrecht, das ihnen zustehende schon so jämmerlich beschränkte Wahlrecht, rauben wollten. Und das werde sich rächen, nicht bloß in Rixdorf und nicht bloß bei den Stadtverordnetenwahlcn, sondern bei allen Wahlen. Auch dieser skandalöse Versuch der Volksunter- drückung werde dazu ausschlagen, daß die Unterdrücker unterdrückt werden.(Stürmischer Beifall.) Vom Magistrat und der Stadtverordnetenmehrheit, die ein- geladen sind, war scheinbar niemand erschienen. Wenigstens be- antwortete niemand die Aufforderung an die Eingeladenen� das Wort zu nehmen. Das Wort erhielt zunächst Herr Löwenthal, der Vorsitzende der Demokratischen Vereinigung Rixdorf-Britz. Er überbringt der Sozialdemokratie den Dank der Demokraten für ihre Führung dieses Wahlrechtskampfes, der auch der Kampf der Demokratie sei. Es handele sich bei dem Wahlrechtsraub um einen rohen, brutale» Gewaltakt. Die Demokratie wolle zeigen, daß ihre Kräfte nicht minder wertvoll seien, als die der Sozialdemokratie. Es gebe einen Weg, auf dem bürgerliche und soziale Demokratie Schulter an Schulter den Kamps gegen die Reaktionäre ausfechten könnten. Rur eine Parole gebe es: Nieder mit den Wahlrechlsräubern— Hoch ein allgemeines, gleiches, geheimes und direktes Wahlrecht!(Großer Beifall.) Dann sprachen noch die Genossen Groger, Wutzki und Karle. Sie übten scharfe Kritik an den Wahlrechtsräubern und forderten dazu auf, nicht in der Agitation zu erlahmen und namentlich bei den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen die richtige Antwort zu geben. Es wurde festgestellt, daß die politische Organisation im Orte seit dem Jahre 1908 um mehr als 2000 Mitlieder zugenommen habe. Interessant war die Mitteilung des Genossen Wutzki, daß Herr Rahmig, dessen Name aus der Versammlung mehrfach gerufen wurde, weil er beim Wahlrechtsraube in der ersten Reihe der Reaktionäre kämpfte, jetzt ein„erledigter Mann" sei. Daher komme es auch, daß er bei den letzten Wahlrcchlsdcbatten still beiseite gestände haben. In der nächsten Zeit werde wohl näheres bekannt werden. Folgende Resolution fand einstimmig Annahme: „Die Versammlung erhebt energischen Protest gegen dieHandlungS- weise der bürgerlichen Stadtverordnetenmehrheil, die sich nicht ent- blödet hat, trotz des Urteils des Oberverwaltungsgerichts den Wahl- rcchtsraub aufs neue zu betätigen. Die Versammelten stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß bei Aufstellung der Wählerliste nur das Drittelungsprinzip zur Amvendung kommen kann. Die Versammelten werden trotz des noch bestehenden Wahlunrechts alles daran setzen, die Scharte im Südbezirk der zweiten Abteilung(wo die Wohl unserer Genossen für ungültig erklärt worden ist) wieder auszulvetzen. Sie werden mit allen Kräften danach streben, daß die Mehrheit der Wahlrechtsräubcr aus dem Rixdorser Stadtparlament verschwindet."_ Partei- Angelegenheiten. Gegen die Rückwärtsrevidierung der Reichs» versicherungsordnnng. Am heutigen Tage, abends L'/z Uhr, finden in den in der Annonc angezeigten Stellen die Versammlungen über die ReichSversichermigsordnung statt. Wir erwarten, daß die Partei» und Ge- wcrkschafts Mitglieder sich zahlreich be- t e i l i g e n. Aktions-Ansschnß. Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. WaidmannSlust-Borsigwalde. Die Wahlvereinsbezirke WaidmannS- lust und Borsigwalde veranstalten am Sonntag, den 10. Juli, nach- mittags 4 Uhr, in deni hiesigen Bergschloß ein gemeinsames Sommer- fest. Die Darbietungen: Instrumental- und Vokalkonzert, Turnen, Radfahranfführungen und Belustigungen aller Art, in Verbindung mit der schönen Lage des Lokals, verbürgen jedem Teilnehmer einen angenehmen Nachmittag. Eintritt 20 Pf. Das Komitee. Spandau. Der hiesige sozialdemokratische Wahlverein hält am Sonnabend, den 9. Juli sein diesjähriges Sommerfest in den ge- samten Räumen der Brauerei Pichelsdorf ab, bestehend aus Garten- konzert, Gesang, turnerischen Aufführungen, Verlosung und Ball. Jeder Besucher erhält eine Stocklaterne gratis. Um 11 Uhr nachts Fackelpolonäse. Eintritt pro Person 25 Pfennige. Die Genossen von Groß-Berlin sind hierzu freundlichst eingeladen. Lerlmer Nachrichten. Die Wohnungen der Armenunterstnliten. Die Ortskrankenkasse für den Gewerbebetrieb der Kauf- leute veranstaltet bekanntlich schon seit inehreren Jahren eine Enquete über die Wohnverhältnisse ihrer Krankengeld- empfänger. Die Ergebnisse waren sozialpolittsch so lehrreich und fielen gewissen Leuten so stark auf die Nerven, daß man die Sache gar zu gern unterbunden hätte. Die Berechtigung zu solcher dauernden Enquete mußte erst im Verwaltungs- streitverfahren erkämpft werden. In außerordentlich zahlreichen Krankheitsfällen konnte festgestellt werden und wird noch immer erneut festgestellt, daß die Patienten in menschenunwürdigen oder doch mindestens hygienisch nicht völlig einivandfreien Wohnungen Hausen. Leider ist die wirkliche Zahl der nicht einwandfreien Großstadtwohnungen viel größer. Hätten alle Krankenkassen die Mittel zu solchen dauernden oder bloß periodischen Ermittelungen, so würde eine erschreckende Statistik herauskommen. Und selbst dann blieben noch immer genug miserable Wohnungen übrig, in welche die Kontrolle nicht hineinsieht, weil hier die Krankenkasse nichts zu tun hat. Die elendesten Wohnungen in Berlin haben nämlich notorisch die von der Armenverwaltung unterstützten Personen inne, welche zum weitaus größten Teil einer Kranken- kasse nicht angehören. Was einsichtsvolle Armen- Pfleger, die ihr Ehrenanit von einem höheren Standpunkte auffassen, darüber zu erzählen wissen, spottet oft jeder Be- schreibung. Man sollte es nicht für möglich halten, daß es in Berlin noch solche Wohnlöcher gibt und daß Menschen, noch dazu kränkliche, gebrechliche und durch schlechteste Er- nährung wenig widerstandsfähige Menschen, überhaupt in derartigen Räumen Hausen dürfen. Wo solche scheußlichen Löcher vorhanden sind, werden sie vom Hauswirt, der aus jedem Winkel Kapital schlagen will, mit Vorliebe an Almosen- empfänger vermietet. An andere Leute wird er diese meist im Keller gelegenen Höhlen nicht gut los, und die Armen- Unterstützung bietet ihm eine gewisse Gewähr für den pünktlichen Eingang der Miete. So wurden im Ver- liner Süden vier von der Armenverwaltung unterstützte alte Frauen in Kellerlöchern ein und desselben Hauses angetroffen. Doch nicht bloß altersschwache allein- stehende Personen kommen hierbei in Betracht, auch ganze unterstützte Familien mit zahlreichen Kindern, deren Entlvicke- lung in diesen Löchern aufs höchste gefährdet ist. Welche amtliche Institution hat diesen Wohnverhältnissen schon die genügende Beachtung gewidmet? Die Armenverwal- tung selbst sicher nicht. Wohl ist gelegentlich ein Armenpfleger aus eigener Initiative so human, daß er auf Umquartierung dringt und in der Kommission die erforderlichen Mittel flüssig macht. Jin allgemeinen aber halten es die Organe der Armen- Verwaltung nicht für ihre Aufgabe, für Verbesserung solcher elenden Wohnungsvcrhältnisse zu sorgen. Sie glauben ihre Pflicht getan zu haben, wenn sie eine Unterstützung in bar belvilligen. Wie furchtbar kurzsichtig ist doch diese bureaukratisch-cngherzige Praxis I Eine gesunde Wohnung ist mit die erste Vorbedingung, daß sich auch die wirtschaftlichen Verhältnisse der betreffenden Personen langsam wieder heben. In ungesunden Räumen mehren sich die Krankheiten und kann die vielleicht mögliche Erwerbsfähigkeit kaum besser werden. Armenpfleger, die ihre Erfahrungen auf diesem Gebiete der Wohnungsfrage sammeln und der maßgebenden Stelle zu- gänglich machen wollten, würden sich ein Verdienst erwerben. Das ist wichtiger und wertvoller, als wenn ein Berliner Armenvorstcher in einer Broschüre Spezialfälle zusammen- dichtet, in denen er von unwürdigen Unterstützungsuchenden bemogelt sein will._ Der Andrang z« den Ferienspielcn aus den Außenspielplätzen ist, wie wir schon berichteten, in diesem Jahre über Erwarten groß und beweist, wie notwendig diese Einrichtung für unsere Schulkinder ist. Und weil die Spielleitung auf eine solche Massenteilnahme nicht gerechnet hatte, was sie auch nicht gut konnte, so kam es, daß an den ersten Tagen manche MißHelligkeiten entstanden insofern als eine ganze Anzahl Kinder auf den Spielplätzen keine Milch erhielten. Hoffentlich werden diese Unebenheiten schleunigst be- seitigt sein. Worüber aber bitter Klage geführt wird, ist die Behandlung der mit Freikarten versehenen Kinder. Es ist an- geordnet worden, daß infolge des großen Andranges die Kinder mit Freikarten nicht täglich, sondern mit Unterbrechungen mit« genommen werden. So verkündete der Spielleiter des Spielplatzes in Wartenberg, daß die eine Hälfte der Freikartenschüler nur Montag, Mittwoch und Freitag, die andere Hälfte Dienstag, Donnerslag und Sonnabend hinausfahren sollten. Der Grund ist, daß die Mittel zu knapp seien, um die Kinder täglich mitzunehmen. Die Teilnahme dieser Kinder wird in der Weise kontrolliert, daß die Freikarten mit einem Rotstift und einem Blaustift angekreuzt werden. In der Sammel- stelle Pulbuserstraße werden die Freikartenschüler von vornherein von den anderen Spielteilnehmern abgesondert, der eine Teil bleibt auf dem Schulhof, der andere im Hausflur. Auch bei der Verteilung der Suppe auf dem Spielplatz in Buch sollen die Frei- kartenschüler hinler den anderen zurückgesetzt werden. Wir halten diese Znrücksetzung der Freikartenschüler äußerst tadelnswert und völlig ungerechtfertigt. Einmal ist eö beschämend für eine Kominnne wie Berlin, daß sie für derartige gute Zwecke wie die Beschaffung von Spielgelegenheiten eines ist, mit den Mitteln so kargt, daß das Bedürfnis nicht gedeckt werden kann. Dann aber erscheint es uns verkehrt, bei den Maßnahmen auf Einschränkung der Beteiligung ausgerechnet die Freiknrtenschüler, die eS doch mit am nötigsten brauchen, zeitweise auszuschließen und durch die Art, wie das geschieht, vor ihren übrigen Kameraden zurückzusetzen und gewissermaßen zu brandmarken. Ganz und gar unverständlich ist, wieso auch noch auf dem Spielplatz diese Kinder vor anderen hintenan gestellt werden, wo doch für alle Kinder Milch und der« gleichen gratis verabfolgt wird. Läßt sich wirklich eine Einschränkung der Teilnehmerzahl nicht ganz umgehen, so müßte diese ganz allgemein geübt werden. Wir möchten hoffen, daß den gerügten Zuständen baldigst ein Ende gemacht wird, hamit nicht eine an sich lobenswerte Einrichtung in weiteren Kreisen in Mißkredit kommt. Großfcuer in der Eiscubahn-Baumaterial-Fabrik von Orenstein u. Koppel in Spandau alarmierte in der vorletzten Nacht die Spandauer, Charlottenburger, Falkcnhagener und andere Feuer- wehren der Umgegend. Mächtiger Feuerschein erhellte weithin den nächtlichen Himmel stundenlang. Uns geht darüber folgender Bericht zu: Das Feuer kam vor Mitternacht in einem Holzschuppen in einer der äußersten Ecke des großen Fabrikgeländes aus noch nicht ermittelter Ursache aus unK fand sofort reiche Nahrung. Versuche, dem Brand auf diesen Herd zu beschränken, waren vergeblich Die Flammen, von einem starken Westwinde getrieben, sprangen bald auf die angrenzende Stell- macherei und die sogen,. Waggon-Bauhalle über. Beide Gebäude sind massiv. Die Wagenbauhalle ist 831 Meter lang und 31 Meter breit und die Stellmacherei 30 Meter lang und ebenso breit wie erstere. Diese ausgedehnten Gebäude mit ihrem vielen Inhalt an Waggons, Hölzern, Maschinen, Farbe ni, Lacken, Oelen, Fetten, Werkzeugen, Stoffen usw. bildeten bald sin großes Flammenmeer. Die Span- daucr Feuerwehr mit ihren vier kleinen Handdvuckspritzen standen dem entfesselten Element vollständig machtlos gegenüber. Das Wasser aus den kleinkaliberigen Strahlrohren verdunstete, bevor es die Brandvbjekte erreicht hatte. Immer weiter griffen, die Flammen um sich. Die Hitze war so enorm,'daß man in Entfernungen von 15 Meter es nicht lange in der Nähe der Brand- stelle ohne Gefahr für die Augen aushalten konnte. Angesichts dieser höchst kritischen Situation wandte man sich an die Polizei-Direktion in Spandau. Diese benachrichtigte die Charlottenburger Feuer» wehr. Der Brandinspeftvr entsandte sofort zwei bespannte Fahr» zeuge der Hauptwache und den Automobilzug der Südwache. Nach etwa dreivietelstündiger Fahrt kam die um 12% Uhr alarmierte Charlotteirbuvger Feuerwehr an der Brandstelle an der Hamburger Chaussee 44 bei Staaken an. Das Feuer hatte inzwischen immer weiter um sich gegriffen. Es brannte fast alles, was im Bereich der Flamimen lag. U. a. ein 42 Meter langer und etwa 2V Meter breiter Holzschuppen, eine große Anzahl von freistehenden Holz» stapeln, aufgestapelte Holzschwellen in einer Entfernung von etwa 60 Rieter von dem Schuppen. Diese großen Holzvorräte standen total in Flammen. Haushoch schlugen sie zum Himmel. Was noch nicht brannte, entzündete sich durch die große Hitze, die ent- schlich war und jede Annäherung vereitelte. Brandmeister Stüde ließ sofort von einer Dampfspritze zwei L-Rohre vornehmen. Das Wasser wurde aus dem sogen. Bullengraben entnommen. Nach halbstündiger Tätigkeit mußte die Dampfspritze ihren, Platz wechseln. Das Wasser des Grabens wurde schlammig und verstopfte daS Sangerohr. Es wurde nun an einen Hydranten angelegt und don 3 bis 8 Uhr mit voller Kraft ans 2 L-Rohren und von einer Dampf- pumpe mit einem ORohr Wasser gegeben. Ein großer Erfolg war natürlich nicht mehr zu erzielen, dazu war der Wassermangel zu groß und die Fcuerlöschcinrickstuugen gang ungenügend. Es konnte sich schließlich nur noch um den Schutz der umliegenden Gebäude und um die Ablöschung der brennenden handeln. Von der Span- dauer Garnison-Feuerwehr war übrigens während der Ablöschung nichts zu sehen. Sollte sie ausgerückt sein, dann muß sie bald wieder abgerückt sein. Auch von den übrigen Feuerwehren der Umgegend war wenig zu bemerken; sie hatten ivohl das völlig Nutz- lose eines Eingreifens mit ihren Handdruckspritzen gleich einge- sehen. Die Spandauer Feuerwehr wird auch wohl zu der Er» kenntnis gekommen sein, daß die Zeiten der Handdruckspritzen vor- über sind. Wenn es den Spritzen auch heute an Druckrnannfchaften nicht fehlte, so mußten die Spritzen trotzdem wegen Ermüdung der Mannschaften, Wassermangel und aus anderen Ursachen mehrfach Pausieren,. Wirksam waren die Handdruckspritzen nirgends. Als um 8 Uhr die Charlotttenburger Feuerwehr abrückte, war man des Feuers Herr geworden. Die Flammen gingen an allen Stellen aus Mangel an Nahrung zurück. Die vollständige Ablöschung über» nahm dann die Spandauer Feuerwehr, die noch bis gegen Abend dort zu tun hatte. Der Schaden ist natürlich gaw gewaltig, soll aber durch Versicherung gedeckt fein. Die Fabri l-z ik von Orensteln u. Koppel llnierhZlt noch eine LoloMvtiv-Faörit IN Drewitz bei Nowawe» und in Berlin mehrere VcrkaufSabteilungen; sie hat sich bekanntlich mit der Firma Arthur Koppel zu einer Aktiew-Gescllschcift verbunden und hat besonders für den Export und Kleinbahnbau grotzc Bedeutung. Tragödie zweier Dienstmädchen. In der Nassauischen S trage in Wilmersdorf spielte sich in der vergangenen Nacht eine Tragödie zweier Dienstmädchen ab. Martha Eckardt und Rosa Äuschera waren trotz ihres jugendlichen Alters von kaum zwanzig Jahren des Lebens überdrüssig und beschlossen, gemeinschaftlich aus dem Leben zu scheiden. Sie schrieben an ihre Angehörigen Abschiedsbriefe und öffneten dann in der Wohnung ihres Dienstherrn, bevor sie sich schlafen legte», die Gashähne. Gestern morgen wurden Hausbewohner auf den starken Gasgeruch, der aus der Wohnung drang, auf- merksam. Man öffnete die Tür und fand die beiden Mädchen in bewuhtloscm Zustande auf ihren Betten liegen. Martha Eckardt war bereits tot, während ihre Freundin noch schwache Lebens- zeichen von sich gab. Sie fand im Grotz-Lichterselder Kranlenhause Anfnahme. Der konfiszierte„Wahre Jakob". Wir berichteten dieser Tage, daß in ein in der Thoingsstratze in Nixdorf belegenes Papiergeschäft ein Kriminalbeamter kam und das" im Schaufenster hängende Exemplar des„Wahren Jakob" mit Beschlag belegte. Jetzt ist der Inhaber des Geschäfts nach dem Polizeirevier geladen worden, wo man ihm mitteilte, daß es sich nicht um eine Beschlagnahme ge- handelt habe. Die 10 Pfennige für die Nummer sind dem Manne ausgehändigt worden. ES scheint sich zu bestätigen, was wir voraussagten, daß der Beamte sich mißverständlich ausgedrückt zu haben scheint. Warum aber nahm er überhaupt die Nummer mit? Am Müggelsee vergiftet hat sich der Kaufmann Ferdinand Dreher aus der Naunynstratze SS. D.., der im b4. Lebensjahre stand, war in der letzten Zeit vom Schicksal schwer heimgesucht worden. Er hatte geschäftlich schivere Mißerfolge und wurde auch noch von einem qualvollen Leiden befallen. Verzweifelt griff er schließlich zum Gift. Gestern wurde der Lebensmüde am Ufer des Müg�el- secs in der Nähe des Restaurants Strandschloß als Leiche ausge- fundcn. Neben der Leiche lag eine entleerte Lhsolflasche. Nur noch wenige Pfennige wurden bei dem Toten vorgefunden. Ein großer Briefmarlrndiebstahl Bei dem Brieftnarkenhändler Gabriclski in der Thurmstvaße Nr. 1 drangen in der vergangenen Nacht Einbrecher ein und erbeuteten einen größeren Posten Brief- marken,«inen alten Albumdcckel mit Briefmarken und Ausschnitten, ein Buch mit Siegelmarkcn, einen Pappkasten mit ungefähr bO Briefmarkenpaketen, in jedem Paket etwa 300 verschiedene Marken, 10 Pakete mit 000 verschiedenen Marken von Asien, Aftika, Australien, Amerika usw., 200 einzelne Marken von ie 3 Pf. bis 100 Mark, ganze Briefe, verschiedene Brieftarteneinsteck- bücher, enthaltend verschiedene deutsche Marken, 300 kleine und große Silbermünzen ungefähr 800 Kupfermünzen, eine Bronze- medaille mit dem Denkmal Friedrichs des Großen und verschiedene Ausstellums-medaillen der Berliner GeWerbeausstellung, der Chicagoer Weltausstellung, der Brainischweiger Ausstellung u. a. m. Die Spitzbuben sind mit Nachschlüsseln vom Flur aus in den Laden gelangt, Durch einen Eisenträger niedergeschmettert. Bei einem ver- hänginisvollen Unfall ist der Maurer Friedrich Engelie auS der Schönhauser Allee schwer verletzt worden. Auf dem Neubau an der Ecke der Bensen- und Msbyerstraße hatten zehn Maurer einen acht Zentner schweren eiser-nen Träger nach dem Hochparterre hin- aufgetragen. Am Ziel angekoimncn, gab der Bogleiter das Kom- mando, den Träger abzuwerfen. E. hatte den Ruf aber überhört und während die anderen Maurer den Träger fallen ließen und zur Seite sprangen, hielt er ihn noch fest. Er wurde infolgedessen getroffen und zu Boden geschmettert. In schwerverletztem Zustand fand der Bedauernswerte im Krankenhaus Friedrichshein Auf- nähme. Beim Baden und Ruder» ertrunken. Zwei Opfer hat wieder der Ruder- und Schwimmsport gefordert. Im Tegeler See er- trank der 35 jährige Kaufmann Ernst Mewes aus der Günthaler- straße. Auf hoher See kam das Boot in die Wellen eines Dampfers und kenterte. M,, der des Schwimmens unkundig war, ging unter und ertrank.— Beim Baden an verbotener Stelle fand der Lehr- lina Willi Hedock den Tod im Wasser. H. ivar in einem Teich bei Erkner an eine sumpfige Stelle geraten und sollte auf diese Weise hilflos umkommen. Eine Schwindlerin tritt jetzt in den verschiedensten Gegenden der Stadt auf. Sie bestellt Friseurinnen an eine bekannte Adresse zu Hochzeitsftisuren und verläßt darauf das Geschäft. Nach kurzer Zeit kehrt sie wieder zurück, läßt sich kleinere Beträge geben, da sie angeblich ihr Portemonnaie vergessen und noch einige Einkäufe zu besorgen habe. Wenn die Friseurinnen nach den angegebene« Wohnungen gehen, erfahren sie, daß sie einer Schwindlerin in die Hände gefallen sind. Sie ist 18 bis 10 Jahre aft, schlank, hat auf- fallend blasses Gesicht, spitze Nase und trug braunen Hut mit braunem Bande. Schwere Brandwunden am Oberkörper und im Gesicht erlitt am Dienstag Frau Martha Stratc. Müllerstraße 25, beim Kochen von Fett. Dieses fing in der'Küche Feuer, wobei die Kleider der Frau in Brand gerieten. Der Ehemann, Gastlvirt Wilhelm Strate, zog sich bei dem Bemühen, die Flammen zu löschen, Brandwunden »m Gesicht und den Händen zu, die von Samaritern der Feuerwehr verbunden wurden. Ein schwerer Straßenbahnulifall hat sich gestern nachmittag in der Brunnenstraße zugetragen. Der 4jährige Sohn Herbert des in der Brunnenstr. 150 wohnhaften Arbeiters Porsch überschritt an der Hand seiner Großmutter den Fahrdamm, als der Kleine plötzlich von Spiel« kameraden angerufen Ivurde. Der Junge ritz sich infolgedessen von seiner Begleiterin loö. um nach dem jenseitigen Bürgersteige zu laufen, er achtete dabei nicht auf einen herannahenden Straßen- bahnwagen der Linie 10. rannte gegen den Wogen, wurde um- gestoßen und geriet unter den Vorderperron. In besinnungslosem Zu- stände wurde das Kind, das eine schwere, klaffende Wunde an der Stirn und anscheinend auch innere Verletzungen davongetragen hatte, nach dem Lazaruskrankenhaus übergeführt, wo es bedenklich da- wederliegt. Aufruf! Der Genosse Gustav Schröder, geboren pj Lüdenscheid am 13. April 1877, der jetzt schwer krank in Tonkin daniederliegt, bittet auf diesem Weße seine Verwandten, deren Auf- enthalt er nicht kennt, ihm Nachricht zukommen zu lassen. Sein Vater ist der Werkmeister Friedrich Ewald Schröder. zuletzt in Offenbach a. M. wohnhaft gewesen. Anfragen bei der dortigen Polizei sind ohne Antwort geblieben. Seine Verwandten oder wer sonst über sie Nachricht zu geben weiß, wird gebeten, an ihn zu schreiben unter der Adresse P. Lacombe, MScanicien. Halphong(Tonkin). 4« Avenue Paul Dounier. Wer ist der Tote? Am 4. Juli vormittags wurde aus der Spree vor dem Hause Alt-Stralau 13 eine unbekannte. 1,65 Meter große, etwa 20 Jahre alte männliche Leiche gelandet, die etwa eine Woche im Wasser gelegen haben mag. Die Leiche war bekleidet mit einem schwarz und weiß gestreiften Anzüge, weißem Trikothemde ohne Aennel und neuen schwarzen Schnürstiefeln. Der Tote hat dunkelblondes Haar und hellblonden kurz geschorenen Schnurrbart. Bei demselben wurde eine Familien-VorzugSkarte des Berliner Köiiigstädtifchen KasinoS, ausgestellt auf die Nr. 7124, und eine Blechmarke vorgefunden. Die Leiche ist einstweilen von der Lichten- berger Kriminalpolizei beschlagnahmt und in der Leichenhalle zu Stralau untergebracht. RekognoSzenten wollen sich bei der könig- licheu Polizeidirektion in Lichtenberg, Zimmer 41, melden. Such jedes Polizeirevier nimmt Meldungen entgegen. Arbeiter-BildungSschule. Bis zum Beginn der Kurse im Oktober ist die Bibliothek jeden Donnerstagabend von 3—0 Uhr geöffnet, wo auch Beiträge entgegengenommen werden. Vorort- JSadmehten. Gchöneberg. Die Direktion der Schönebcrzer Schloßbrauerei beabsichtigt noch im letzten Augenblick, bevor die neue ReichsversicherluigSordnung unter Dach und Fach kommt, durch Errichtung einer Betriebs- kranke n kaife ein Attentat der Eiirrechtung und Verschlechterung gegen ihre Arbeiter zu begehe». Um diesen Zweck zu erreichen, wird mit Hochdruck gearbeitet, um die erforderliche Zustimmuiig der von ihr beschäftigten Arbeiter zu erlangen,«sowohl berufüweise als auch einzeln werden die Arbeiter nach dem Kontor bestellt und ihnen dort die Errichtung einer eigenen Betriebslralikenlasse im rosigsten Lichte geschildert. Nur wenige Arbeiter sind über die Gefahre» und Fuß- angeln, denen sie in einer derartigen Kasse ausgesetzt, unterrichtet. Es ist daher notwendig, ausgiebige Aufklärung zu schaffen. Bevor die Arbeiter der Schloßbrauerei ihre Zustimmung erteilen, muß es ein jeder für seine Pflicht halten, in der heute abend statt- findenden Versammlung in den Neuen RathauS- sälen, Meininger Straße 8 zugegen zu sein. Ucber Alkohol und Jugend hält Freitag, den 3. Juli, abends S'/o Uhr, Genosse Urban im Lokal von Porschmann, Vosbergstr. 8, einen Vortrag, zu welchem besonders die Jugendlichen ein- geladen sind. Bou einem Geschäftswagen überfahren und schwer verletzt wurde am gestrigen Mittwochnachmittag in der Vorbergstraße der 3jährige Knabe Leonhard Biencrt, dessen Eltern in der Klixstr. 3 wohnen. Der Kleine überschritt an der Hand eines älteren Knaben den Fahr- daiiim der genannten Straße, trat dabei auf den weggeworfenen Rest einer Banane und kam unmittelbar vor einem herannahenden Geschäftswagen der Firma Heinert auS Berlin zu Fall. Dem Führer deS Gefährt» war cS nicht mehr möglich, rechtzeitig zu halten und B. wurde überfahren. Er erlitt einen komplizierten Bruch de« linken Unterschenkelö, eine schwere Quetschung deS reichten BeinS und innere Verletzungen und wurde in bedenklichem Zustande m die Universitätsklinik in der Ziegelstraße eingeliefert. Pankow. Ein ElendSbild. In hoffnungslosem Zustande in das Pankower Krankenhaus eingeliefert, aus den, er erst wenige Sümden vorher entlassen worden war, wurde gestern nachmittag der Löjährige wohnungS- und beschäftigungslose Arbeiter Joseph Boxler. B. hatte infolge Kranlheit vor einigen Wochen seine Arbeit verloren und war in große Not geraten. Am 29. Juni wurde er in völlig erschöpftem Zustande in Pankow aufgefunden und in das dortige Krankenhaus eingeliefert, aus dem er gestern mittag entlassen wurde. Gegen 5 Uhr nachmittags wollte Boxler am Ringbahnhof Schönhauser Allee einen in der Fahrt befindlichen Straßenbahnwage» der Linie 47 besteigen, um nach Berlin zu fahren, glitt jedoch, da er noch sehr entkräftet war, ab und stürzte so unglücklich, daß er einen schweren Schädelbruch erlitt. Der Verunglückte wurde zunächst nach der Unfallstation in der Gaudhstraße gebracht, wo er einen Notverband erhielt und dann in hoffnungslosem Zustande nach dem Pankower Krankenhaus übergeführt. Reinickendorf. In hilflosem Zustande und mit schweren äußeren Berletzungeu wurde gestern in den frühen Morgenstunden in der Markstraße in Reinickendorf ein etwa 23 jähriger Mann aufgefunden. Der Be- silinungslose wurde nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhause gebracht, Ivo am ganzen Körper, namentlich im Gesicht, schwere Ouetschwuiiden festgestellt wurden, die anscheinend von Schlägen mit Stöcken oder von Fußttitteu herrühren. Der Schwerverletzte liegt im bedenk- licheu Zustande danieder. Seine Personalien konnten nicht fest- gestellt werden, da er bisher noch nicht wieder zum Bewußtsein ge- komme» ist. Allem Anschein nach ist der Unbekannte in der Nacht überfallen und beraubt worden. Mit einem Bolzen das Auge rniSgeschossen. Allgemein zur Warnung sollte ein verhängnisvoller Unfall dienen, der sich in der Provinzftraße zuttug. Drei Schulknaben hatten mit einer Kinder- luftbüchse nach einer Zielscheibe geschossen. MS nun einer der Knaben, der elfjährige Franz Becker, Scharnweberstr. 3 wohnhaft, nach der Scheibe hiimberging, um einen Bolzen herauszuziehen, rief ihm ein Schulkamerad scherzend zu, er wolle ihm einmal die Haare vo», Kopfe herunlerschießen. Im nächsten Augenblick fiel ein Schuß und der Bolzen drang dem B. unglücklicherweise inS rechte Auge, das vollständig zerstört wurde. Friedrichshagen. In der letzten Generalversammlung unseres Bezirks berichteten die Funktionäre über ihre Tätigkeit. Obwohl erst ein halbes Jahr vergangen war, war dieselbe ziemlich rege. Die Hauptaufgabe war die Agitation zur Wahlrechtsbewegung, welche ja auch teilweise einen Sieg brachte. Auch unsere Gemeindewahlen zeigten, daß aus den Wählern der dritten Klasse niemals andere als sozialdemo- kratische Vertreter hervorgehen werden. Beim Kassenbericht vom 1. Januar 1010 stellte sich der Einnahme von 1003,02 M. eine AuS» gäbe von 757,63 M. gegenüber, bei einer Mitgliederzahl von 347. Zum Bericht der Lokalkommission wurde hervorgehoben, daß die Kellnerfrage nicht intensiv'genug behandelt wird. Der Abonnenten- stand der Zeitung ist derselbe geblieben. Zum Bericht der Ge- meindevertretung ist zu bemerken, daß bei den Beamten und Ar- beitern eine Gehaltsaufbesserung stattgefunden hat. Vom 1. Mai ab ist eine ArbeitSvermittelung eingeführt und wurden zu dieser auch von unS zwei Genossen hinzugezogen. Betreffs Anlegung eines Kommunalfriedhofs wird eine gemeinsame Sitzung von den Gemeindevertretern und der Kirchengemeinde stattfinden, jedoch erst nach den Ferien, und soll der Frage dann näher getreten werden. Genosse Wiedemann sen. vom JugendauSschuß berichtete über die Jugendorganisation. Der Besuch war ein gleichmäßiger. das Defizit ist niedriger geworden. Zum Schluß teilte Genosse Köhler mit, daß der Kreisvorstand einen LehrkurfuS vorschlägt, in dem sich Referenten ausbilden können; die Mittel hierfür soll der Kreis tragen. Der Vorschlag wurde gegen eine Stimme ange- nommen. Ttralan. AuS der Gemeilidevertreklmg. Zu Beginn der Sitzung fand die Einführung des zun« Schöffen gewählten Kaufmanns Micha statt.— Die unverzügliche Anschaffung bezw. Aufstellung eines Dampf- deSinfektivnScipparateS wird vom Lichtenberger Pollzeipräsidenten— zu dessen Polizeibezirk Stralau gehört— gefordert. Das Ersuchen des GemeindevorstandeS beim Berliner bezw. Lichtenberger Magistrat, die dottigen Apparate mitbenutzen zu dürfen, war wegen zu großer Ueberlaftung der letzteren abschlägig beschicden worden. Die Vertretung stimmte daher dem Vorschlage des GemeindevorstandeS, mit dem Auguste-Mktoria-Krankenhause zu Weißensee einen von Quartal zu Quartal laufenden Vertrag über Mitbenutzung des dortigen Apparates abzuschließen, zu. Der Vertrag ist als ein Provisorium anzusehen, da der Frage der Errichtung einer eigenen Desinfektionsanstalt näher getreten werden soll.— Der Grimdbesitzerverein Stralauer Torviertel ersucht die Vertretung einem Beschlüsse, die Umbenennung des Bahnhofes „Stralau-Rummelsburg" in„Ostend" fordernd, beizutreten. DieHerren Hausbesitzer glauben dadurch ihre Wohnungen besser vermieten zu können. Mit Rücksicht darauf, daß sich an dieser Vorortstrccke eine Kolonie„Ostend" befindet, die Iliilbenelmung des Bahnhofs mit gleicher Bezeichnung daher leicht zu Irrtümern im Publikum Anlaß geben kann, wird der Antrag abgelehnt. Bon der Errichtung eines Spielplatzes aus dem Grundstück Markgrasendamn» 14 wird wegen allzu hoher Forderungen des jetzigen Pächters und mit Rück« ficht darauf, daß der Vertrag von Jahr zu Jahr abgeschloffen werden kann, abgesehen, dagegen sollen Unterhandlungen zwecks Ueberlaffung des Wiesengrundstücks Alt-Sttalau 44— 45 zum Spielplatz mit dein Besitzer desselben gepflogen werden. Einem An- trage unseres Vertreters, Badekarten für das„Deutsche Bad" in Treptow zum Preise von 10 Pf.»n erwachsene Gemeindeangehörige abzugeben, ist der Gemeindevorstand beigetreten. Die Zustimmung der Vertretung soll nachträglich eingeholt werden. Die Karten ge- langen in den nächsten Tagen zur Ausgabe. Wo und zu welcher Zeit die Ausgabe erfolgt, wird noch an dieser Stelle bekannt- gegeben. Röntgental(bei Zepernick). Der Ardciiergesangvcrein„Frisch voran" veranstaltet ain Sonn- abend, den 0. Juli, unter Mitwirkung des ArbeitergcsangvereinS Männerchor Moabit ein Konzert im Lokale des Herrn Marx, Bär- wolfstr. 10/11(WaldhauS) in Röntgental. Der genannte Verein wirkt bei jeder Festlichkeit der Wahlvereine mit und ist bemüht, den Teilnehmern des bevorstehenden Festes einen genußreichen Abend zu bieten. Anfang des Konzerts 8'/, Uhr. Billetts a 60 Pf. inkl. Tanz. Das Komitee. Groß-Lichterfelde. GesangSvcranstaltung. Sonntag, den 10. Juli, veranstalte» die Gesangvereine von Groß-Lichterfelde, Steglitz-Friedenau, Tempelhos, Marieiidorf und Lankwitz im Restauralit..Birkenwäldchen", Groß- Lichterfekde-Steglltz, ein Volks- und Sängerfest. Genannte Bereine haben sich zu allen Veranstaltungen der Partei zur Verfügullg ge- stellt. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges, sodaß die Besucher auf ihre Kosten kommen werden. Wir können den Besuch allen Partelgenosse» und Gewerkschaften empfehlen. Zum Ausschank ge- langen 0,3 helles Bier 16 Pf., kleine Weiße 15 Pf., große 25 Pf. Rowawes. Wegen Unterschlagung von Kassengeldrrn verhaftet. Bei der ge» meinsamen Ortskrankenkasse für NowaweS und Umgegend, welche vor kurzem einen Einbruchsdiebstahl erlitt, indem der'Kaffenschrank aufgebrochen wurde, ist der Buchhalter Graf, welcher seit Februar bei der Krankenkasse beschäftigt war, wegen Unterschlagung von Kasten- geldern verhaftet worden. Es hat sich jetzt herausgestellt, daß Graf. welcher vor seinem Eintritt in die hiesige Krankenkasse in Ulm be- schäftigt war. bereits lömal vorbestraft ist, unter anderein auch wegen Diebstahl. Der Betrag, den er unterschlagen hat. ist kein allzu hoher; er beläuft sich auf etwa 30 M. Graf suchte die Unter- schlagungen durch Rasuren zu verdecken, die bei der Revision entdeckt wurden. ßnefkaften der Redaktion. D»i iurlftisw« Svr-wNnnd«(Inbet Ltabiuftraft« Str.«0. bor» biet Trrvve»— A a h r k»» b l—, woGentagliw»an?>/, dl» O1;'. llbr abend», Sonnabeiib» vo» 6 vi» Vh Uhr nachmittags ftatt. yeber Antrage ist ein Buchstabe und«in« Zahl al»»terk, eichen beitntiigen.«Srieklich« AntNiori wirb nicht erteilt. Ktltge Krage»»rag» man tn ber Sprech» stund« vor. T. LS. 1. Der Protest ist ausstchtSvoll. L. Ein« Entscheidung ist unS nicht bekannt, doch bedars es keiner solchen.— F. 51. 1. DaS Schreibe» kann ohne jede Uliterschrist«iiizerricht werden, doch ist cS bester, wenn unterschrieben wird. 2. Der Vermieter hat daS Psandrecht an den entbehrlichen eingebrachten Sachen des Mieters auch sür die zwei letzten Monate. ES must zu seiner Abwendung vorher gezahlt oder hinterlegt werden. 3. Die Berufung führt ohne weiteres z>» einer vollständig neuen Verhandlung in der BcrusmigStnstanz; die Revision führt nur zur Nach. Prüfung darüber, ob die Prozeßordnung gehörig beobachtet ist und od das Gesch bei Anwendung aus den für erwiesen erachteten Tatbestand verletzt ist oder nicht: eine erneute Nachprüfung und Beweiserhebung gibt eS in der Revisionsinstanz nicht.— O. W. 100.?!ein. — G. IS. Der Lohn kann gepfändet werden.— K.®. 36. SS kämen vielleicht die Anatomien der Universitäten in Frage.— D. 100. Die gewünschte Auszahlung ist n t ch t zuläfstg. Die verlorene Bescheinigung kann durch eine neue ersetzt werden.— H.«. S. 1. Gerichtliche Mtlleilung ist nicht nötig. 2. Exmission kann nicht stattfinde», wenn Ihnen die Ab» tretung ber MictSsorderung in gehöriger Weise bekanntgegeben ist.(Vor. legung der Zession.) 3. Aus Teilzahlungen braucht sich der Forderuugs« berechtigte nicht einzulasien. 4. ES kann geklagt und gepfändet werden; natürlich hat der Vermieter auch das Verinieterpsandrccht an de» cnt- behrlichen eingebrachten Sachen deS Mieters.— Remscheid. DaS Kammer- gericht hat wiederholt entschieden, daß schon wenige Worte am Grabe, die über die denkbar einfachste Formel bei der Kran-nicderlcgung hinausgehen, als Rede anzusehen ist, die der Genehmigung bedars. Dieser ungiaub« lieben Rechtsprechung haben sich die Jnstanzgerichie wohl überall gefügt.— O. Sch. Kl. 1. Da die Muiter beim Tode kein eigenes Vermögen hatte, so haben Sie keinen Anspruch.— I. R. 66. Nein. — K. Z. 33. An Pensionen für ZIvilbcamte und für die Land« gcndarmette ausschließlich der Offiziere setzt der lausende Etat aus 77'/, Millionen Mark. Davon entfallen 88 788 000 M. auf die Eisenbahn- Verwaltung, der Rest von 38 7t2.-&>«[!»«. Z.0 rat er.) Die Förster-Christel. Schill e>(kbarlottcnburg. Die von Hochsattcl. Roie. Der Gesundbeter. Lustspielhans. Da» LeutnmUS- Mündel. Metrovol. Halloh ll— Die große Revue. Folics Capriee. Pariser Ehen. Der Athlet. Die keusche Tolnette. Das VcrsöhnungLsest.(Ansang 8-/. Uhr., Apollo. Spezialitäten. Baiinge. Spezialitäten. RkichSlialleu. Steltiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Wiutergarten. Spezialitäten. Karl Haverlaud. Spezialitäten Bratcr. Im Reiche des Mars. Urania. Ta»be»iir»st? Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Steriiu artr, giivaltdeustr. 57—82. k.essilix-Ikester. Täglich 8 Uhr: Kaferuettlnft. öerliner �üester. Heut« 8 Uhr:? ÄlkUNl» Morgen: Tlritun.__ Nene« Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: De» Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er» mäßigt. Preisen: Die OollarprstueMin. Lustspielhaus. W-nds 9 Uhr: Das Leutnantsmündel OSEsTHEATE 1 Große Franlsurter Str. 182. DerQesnndbeter Schwank in 3 Sitten von A. O. Weber. SIns. 8 Uhr. Ende°/,tl Uhr. Morgen und folgende Tage: Der Gesundbeter. Aus der Gartenbühne: Theater- Vorstellung. Spezialitäten. Gr. Konzert. Ansang Sonntags 4 Uhr, Wochentags 4'/, Uhr. .Ankauf 8 Uhr. Das vollständig neue Programm I 5 Beautes Korinnas 5 Phantasiotänzerinnen vom königl. dänisohen BaUett. Schimpanse-Orang-Utang als Tandemlahrer. Holland im Orient. Operette— ohne Männer— in zwei Szenen, dargestellt von 18 Kollättdenimen sowie weitere 8 große Debüts. La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: „Abenteuer eines Toreros". toutons lch Cjele Troupe Garcias jonglierende Silhouetten sowie die sensationellen Attraktionen des.Tnll-ProKramni. t Cr. Berliner Küiistaossiellong 1810 30. April bis» Oktober. Im Part täglich Doppel. Kouzert. Eintritt: U)— ß Ubr 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntag» 50 Pf. Dauert. 6 R. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstr. 48/49. Heute Donnerstag 8 Uhr: In den Dolomiten. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildem von Jul. Freund. Musik v. Paul Lir.cko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieb. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. i Passage-Theater.' i Abends 8 Ühr: jSenor Ordunaj der spanische b Caruso öasplie Jiili-ProgramiD. j 14 erstklassige Variete»Attraktionen. Passage-Panopdkun). Die zusammengewaebsenen Schwestern filazek and ihr Kind. Von 11—1 Uhr mittags u. von 3—10 Uhrabendt zu sehen. Kein Extra-Entree! Kar wenige Tage! Eintritt SO PI, Kinder und Soldaten 25 Pf. Folies Caprice Anfang S1/« Uhr. panfer Eben. Der Htblet. Die keusche Coinettc. Das Vcrföbnungöfert Alt-Hoablt 47/40. TägUch: Konzert, Theater, Spezialitäten. Mai Kliei Semirtoier und Festsäle. Inh.; Itndolt Krüger. Haienheide 13/15, vis-a-vis v.Tumpl. Tügllch: Große Tbeater- d. Spezialitäten- Artist. Leitung: Walter Grävenitz. Kapellmeister: Max Wolffhelm. Jeden Donnerstag: Elite-Tag! Anfang: Wochent 6 Uhr. Sonnt, Uhr. Kerlinkr vrater- Theater Kastanlenaltee 7—0. Täglich: 3mfteiehedes}Kars Spezialitäten, Konzert u. Ball. Ansang 4',, Uhr. Entre« 30 Ps. Voitcsxarten- Idester früher Welrnann. Badstr. 8, Bchm< u. Bellermannstraße. Täglich: Konzert-, Theater- und Spezlamälen-Versteltiing. Das neue Riesenprogr. Zur Ausführung gelangt: Hadert nnd«ertram. Posse mit Gesang u. Tanz m 4 Bild. Jed. Donnerst.: Gr. Urlltant-reuer*. iL Variefe-Ihealer | Weinbergsweg 19-20. Roienth.Tor. j Abends 8 Uhr: Das großartige Variete»Programm Ncliiiler-Theater. Schiller-Theater 0.(Walluer-Theat.) C>ott.KcheIltmi>rtaltv.1t> KttttWlie TERRASSEN HALENSEE QrSStcr Vergnügungspark des Kontinents. Originelle Attraktionen. Die gr. Sehenswürdigkeit Berlins. Eintrlttsprcia 50 11. Neu eröffnet! Hüll KatZEIljaffllSErSClllOß."'u erötknet, Sontiabßndi den 9. Suli; GaIa=Tag Mr 2 große Doppel-Feuerwerke. 8 Uhr abends: Japanisches TagesuFeuerwerk. 10 Uhr abds.: Pracht>Höhen u. Wasserfeuerwerk. Fraoaer-Konxcrt unter Leitung des Dirigenten Becker. IHB" Trannlatear-Orchcstcr.-MW „Pharus-Somraer-Theater Besitzer; Max Ludwig. Art. Leitung: Max Beinhart Berlin Tl., Jlüllcrstr. 148. Tügllch: Im herrlichen Natnr garten Bei Rogen im Theatersael! Konzert». Spezialitäten-Vorstelluno 20 Künstler-Attraktionen. Stets wechselndes Familien-Programm. Auterdem jeden Freitag: Die beliebten ApolloaSänger. Anfang Sonntags 4 Uhr. Wochentags 6 Uhr. hellte elitetagt Teuenoerk von am See and Bahnhof Sfralau-Rommclsburg. Täglich: K- Spezialitäten D> Theater, Konzert. m Branncnstraße 10. Das neue Riesen-Propml Lehrreich Unterhaltend Amüsant. Qr. Orchester. Saat u. Garten. Brauerei Friedriclisliain Ans KUnigator. Täglich: Große MIlltäreKonzerte. j Jeden Dienstag nachmittags 3—6 Uhr: Frei'Vorstellung der beliebten Apollo-Säinger."HW luauuuau— .tak Abfnhptatelle am Schiefischen Bahnhof. Morgen» Freitag früh 10 Uhr mit 40 Mann Musik ,. N A■■ A 2h B% B A Die vier größten SaIon°D»PpeI. nach DUVUV SMiiUUUlSu Echrauben-Dampser. Daselbst: Grostes Garten- Konzert uub Bast. Hin unb zurück SO Pf. Hierzu ladet crgebciist ein_[2851 B]_ Thcrmawn. G&mm Täglich: Großes WM- Goppel-Konzert Gintritt 1 Mark, von abends 0 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter zehn Jahren die Hälste. ÄÄÄOÄÄÄÄÄAÄÄÄÄÄÄÄÄÄ.) | Ausstellungshallen-; <1 Kino am Zoo Nachm. 6 Uhr: Mit Sven Hedln, durch Zentral-Asion. 0,20, 0.30, 0,50, 1 M. Abends 8 Uhr; Mit Sven Hedln durch Zenlral-Asien. Sainarnn. 0,50,1,—, 2,—, 3M. Für Abends: Vorverkauf bei Worthoim, Loipzigorstraßo I und sämtlichen Vorvorkaufs- Ifilialen. mmtßvvmm'mmwwwwwmwwwi Schweizer Garten Am KSnigstcr— Am Frledrichslmin. 09- Täglich:"fM Theater- a. hez.-wcklllH. U. a.; Ftittners Wanderzirkus. JÄnuhr:d Prinz Pinne. Gr. Ausstatt.-Oper. ra. BaUett. Jeden Mittwoch: Kinderfest. Valksbelusilgungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. lintreo 80 Pf. Cyrill Harle ff DasHaiistnini illfregfiipäistfi.ZfilCron Nur noch wenige Tage!] Bixdorf.Bcrlin. PdDgerstr.j u. Pannierstr.-Eoke. Telephon: Kisdorf 806. Honnerstag, 7. Juli, abends S'/« Uhr: Bravour-Abend mit neuen Schlagern. fnhltnanns Theater SchSnh. A. 148— Kastanlen-A. 97,09. Zum vorletzten Male: Nie oberen Zehntavsend oder llerlin H. und Scrlln W. Vorher und nachher: Die brillant. Jnli-Spezialitäten k Ansang Uhr. Entree 20 Ps. Freitag: Kinder-Freudenfest. Wettspiele. Stocklaternen gratis!• Sonnabend; Genossenschattsfesi Puhlmamis Theater steht Kopp. Vereins-Sranerei Rixdorf, Hermannsfr. 214/219. Oekonom: Max Wendt MT- Taglich: Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. . Sonntag» 4 Uhr. GroKe Ausstellung MBMMü.Mei'M Banmschiilenwsi bei Berlin. Stadtbahnstetion, 26 Minuten vom Bahnhof FriedriehstraBe. Täglich von tO— 8 Uhr geöffnet. Eintritt 1 M.. Sonntags 50 Pf. Vereine erhalten Ermäßiguna;. Schluß der Ausstell. 18. Jnu. Dennerstag, 7. Juli, abends 6 Ubr, im großen Pestsaal: Lichtbildervortrag des Herrn Professor Seeek-Berlin über Frledhofskunslunterbosonderer Berücksichtigung der für Grabsteine und Urnen zu verwendenden Materialien. Die für den Vortrag gelösten Karton gelten von 4 Uhr ab zum freien Besuch der Ausstellung. Sonnabend, 9. Jnli: üiser Tag! Eintritt 50 Pf. V ol gt-Tiieater Gesundbrunnen Badstr. 58. Heute Donnerstag, abends'/.8 Uhr: Echem großen Teich. Gr. Lebensbild mit Ges. und Tanz i» 4 Abteilungen von Adols Phillipp. Da» neue phänomenale Jnlt-Proaramm. Kasseneröffnung 2 Uhr, Ans. 4'/, Uhr. —---------- Kfinfgütadt-Kasino. Holzmnrflstr. 27, Ecke Alexanderstr. fönhabet: Max Sehlndelhauer.) Im herrlichen Nitnrgarten täglich: Lue! Bernharde. Oper.-Soubrelte. The Lanzas, Exeenirlc.Atrobatie- Tänzer.— Gustav Bvane. moderner Humorist.— Bernharde u. Mertens: .Die Macht des WalzerS". Ans. Wochent. 7'/,. Sonnt. 5 Uhr. Blyslum Landsberger Allee 40—41. Heute sowie täglich: Witt beste Kunstkräfte. Anfang 7 Nhr. Entree frei. A via k Empfehle den geehrten Vereinen meinen 1000 Perl. lassenden Saal mit Bühne zu Festlichkeiten und Versammlungen. Sonnabende sowie Sonntage ab Oltobcr bis März einige noch frei.• Zimt 7, 2917. Karl Eiscrmann. Reielishaiien-Theaier. Steltiner Sänger Zum Schluß: Künstler d. Landstraße. Url. Burleske vonMcysel. Ansang Ivochcntiz? « Nhr. Sonntags 7 Uhr. ....... Victoria- Brauerei, LOtzowsf. iii;tJ2 Im Garten oder Saal: Täglich Gr. hnmorist. Soiree. (GcsangSvorträge. Theater und Varlctb'Borstellunaen.) Sonntag», Dienstags, DonncrSt. und SounabendS: Tanzkränzohen. Aus.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle DonS gültig. Im Restaur.: MittagStisch 75 Ps. Gr. u. ll. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Saoger. Fnr de» Inhalt der Inserate itberuimmt die Redattian dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. LEIPZIGER STRASSE Donnerstag und Freitag ALEXANDERPLATZ FRANKFURTER ALLEE Lebensmittel Soweit Vorrat: Fleischwaren Rotwurst hart.... ptt. 45 Mettwurst mit Xnobiausk... p<«j. 1 Opt Roln. Wurst(Dauerware).Pfd. 7 0 Pf. Mettwurst(Braunsohw. Art) Pfd. 6 5 Pf. Riiienw. Cervelatwurst Pfd. I20 Schinkenspeck p�d 95 Pf Teewurst........ piund l05 Mausschinken p�nd 1'° Schlackwurst InFeUdarm Pfund T® Westfat Knochenschin'cen I20 Käse und Butter Camembert m schachteln 16« Tilsiter............... Pfund 55« Schweizerkäse....piund 35« Essbutter............ Pfund I10 Essbutter............ p-und t20 Besonders preiswerte ieStSiSfiiie Mosel-, Rhein-, Bordeaux-u. Dessert-Weine 1907" Vaiwigsr............. 1907" Steicher....... 1907" Minheimer v.?«>.«- 1905" Ockfaner-Heppenst W-m»-.. 1907" Berncaslier-Scillossb. M'w/ä\ri 490 1907" BsrHcastler-Badsl B }95pf. ■jn.!40 Ine j 1905" 1907" 1904" 1904" 1905" 1995" plan'jjsk.. Ocksnheimsr Naturweln 1 }95 ) ■ivaiwiwe wacnsi, KcicnarQx.. t c» Wactienhelnier i Rauenthaler.. Scharlacbbergar Wailerer-ÄL nXZXr. U.-J 40 Rauenthaler»».«,->-», I es qo 5er..........j ;}95 1908" Mouton-Fronsac.... 1907" Blacbe oö Hörit..... 1894" Chat Latour st. Bannet.\«s 40 1906" Chat Puy st. Martin... j F1" 1904" Chat Romefort- Cussac i«90 1902" Chat Anglüdet-Cant... j Fl-» Scnnengartner...... Samos'Muscat...... Fine old DourePort �40 90 Fine old Madeira Vinl o de Poito»ei Sherry-Yerez-Fino. 1904"Drohn!F.Ho(targirXlTo™k;'"S;2M 1895" CelsenlielnMf Klewiweg n. 2�] 1900" Cliat. Montan-Cant, n. 225|Sapetlof Oourii-Poil von Quimaraeni& FH2Ü Co., Oporto•.. Fl.£ Himbeer-, Kirsch-, Erdbeer- und Johannisbeer- Saft nasch« 35 pr. I VitlONsasafl u.Most natur.m. Amelsen- «Sure Konserviert Grenadine 1 25 SB Verkäufe. Pfandlethhaus 5trcbber. Küftriner- platz 7, spollbilliger Beltenverkaus, Gardlnenverknus, WSschcverlauj, Uhrenverkauf, Dc-kenverkaus, Schmuck- fachen, Goldsachen, Silbersachen, ver- fallene Pfänder._ S492K Tevvtrtie!s Germania, Unter den Linden 21. Gebrauchte Nähmaschinen billig Bellmann, Gollnowstratze 26. 327K' Kinderwagen, Gummiräder, neu SD,00 Andrcasstratze 53._ 95lK Tüllbettdecken. volle Bettgrötze 2,50, in ErbStüll 6,35, Tüllfiorcs 1.85, ErbStüllstoreS 4.35. Tcppich- Haus Emil Lesovre, Oranieu- stratze 158. 597K« Teppiche(sehlerhaste) Gelegen- heitskaus. Fabriklager Mauerhoff, Grotze Frankjurterstratze S, Flurcin- Sang. Vorwärlslesern 6 Prozent xtrarabatt. Sonntags geöffnet.* Steppdecken billigst Fabrik Grotze Franksurterftratze 3, Flureingang. Gardinenhauö. Groge Frank. surterftratze 9, Flureingang. 2491N« GaskocberhauS i Geschlossene ZweilochgaSkocherl 5,00. Vierlochgas- kocher! 9,00. Gasbratbackösen l 8,00. Bronzeggaskronenl GaSzuglampcn! Gashängelichtl GeschästSvcrkaus spott- billig l Wohlauer, Wallnertdeaicr- Pratze 32._ 10295t'_____ Kerantwortli�ez: Redakteur Richard Barth, Berlin. Für dkg Durch Rauch und Staub beschä- digte Gardinen, Stores, Tüllbettdecken, Fabrikreste. 1.75. 2.25,2.85, 3.75, 4.85, 5.50, 6.75 usw._ ErbStüllstoreS und Bettdecken, 3.45, 3.85, 4.75, 5.75, 6.50 usw. E. Weitzenbergs Gardinenbaus, Grotze Franksurtcrstratze 125, im Hause der Möbetsabrik. Tuch- und Plüschdcckcu 1.25, 1.75, 2.50, 3.85, 4.75, 6.50. 8.75 biS 30 Mark.__ Plüsch- und Tuchporlieren 1.25, 2.85, 4,85, 6.35, 7.85 usw. Grotze Franksurterftratze 125. Abfallteppichc 3.85. 4.75, 5.50 usw. PlüschtePPiche mit kleinen Fehlern, in allen Grötzen, 6.75, 8.25, 9.85, 11.50, 13.50 bis 60 Mark. Grotze Fianksurtcrstratze 125, im Hause der Möbelfabrik._ Sport- und Lammwolldecken 1.65, 2.50, 3.25. 4.50, 5.25, 6.75 bis 20 Mark. Möbelstoff-, Läufer, und Lino- leumrcste spottbillig. E. Weitzenbergs TeppichhauS, Grotze Franksurter- straffe 125.__ lOSOfi* Villiae�Holenwoche. Hochelegante Herrcnyofcn aus teiulleu Mamwffer, 7—15 Mark. Tennishosen. Hermann Schlesinger, Turmllratze58, Reinicken- dorserstratze 48._ lOOOJt Ziiikwaschfäffer. Zober, Sitz« wannen, Badewannen. Spezialfabrik Wienerstratze 12. Lesern 5 Proz.' Sozialreform oder Revolution, von Rosa Luxemburg. Zweite durch. gesehene und ergänzte Auslage. Preis 50 Pf. Expedition Vorwärts, Linden- stratze 69._ Hcrinannplaü 6. Allerbilligste Psänderverkäusc. SommerpalelotS. Jackettanzüge. Gebrockanzüge. Herren- boien. Extrabilliger Bcttenverkaus. Vennietungsbelt. Brautbettcn. Aus- steuersachen. WäscheauSwahl. Gar- diuenauswahl l TeppichauSwahl I Plütchtifchdecken. Steppdecken. Wand- uhren. Taschenuhren. Goldsachen. GrotzberlinS allcrbilligster Waren- verlaus im P sandlcihhauS Hermann- platz 6. Auch Sonntags geöffnet.* Wenig getragene Anzüge, Hosen, Gehröcke(jür jede Figur passend), ver- kaust billig Weitz, Blücherstraffe 671 (Haltestelle Mittenwalderstratze). Gescbäftsverkäufe. Parteilokal, altes Geschäft, Per» einSzimmer mit Pianino, Vereine, Zablabend, wegen TodcSsall ver- käuflich Jmmauuelkirchstratze 12. t65 Zigarrcngeschäft, gutes, verlaust Ruminelsburg, Seunicstraße 25. Schultheis«- Ausschank, Zahlstelle Metallarbeiter, Vercinszimmer. Piano, Billard, 3 Fuhrgcschäste(tzos), ver- käuflich, Adalbcrtstraffe 15. Miete 100. Gangbares schankgeschäft(nahe hermaimslratze), billig zu verlausen, Irause, Rixdors, Allcrslraffe 6. f153 Schloffcrei, 81V., wegen Verzugs nach autzerhalb billig vcrkäujlich. Post- lagerkarte 12, Postamt 13. 2855b Parteilokal, gangbares Geschäft, Bereinszimmer mit Piano, mehrere Vereine, Zahlstelle, billige Miete, wegen Todesfall vcrkäuslich. Offerten II. W. Postamt 55. 252/3 Mdbel. Kleiderspind 17,50, englische Bett- stellen 25,—, Plüschsosa 30,—, Küchenmöbel billigst. Matratzenbctt 10,—, nur DreSdenerstratze 124, Höfer. Möbelangedot» gebrauchte und neue Einzelmöbel und ganze Ein- richtungcn, einsachste. eieganlefte Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlaf- zimmer. belieben gewesen, verfallen, spottbillig. Riesenlager, 5 Etagen. Milbelspeichuzr! Rv" Königitr. 5/6, Fabrikgebäude. Teilzahlung gestattet. sonntags geöffnet._ 281/5' Gneisenaustr. 10, Ecke Nostizstr S. Grau, bekannt als beste Bezugs- quelle. Kaffa und Teilzahlung.' Möbel-Gelegenheitskäufe in aller- grötzter Auswahl; emsache sowie bessere Wohnungseinrichtungen be- deutend billiger wie regulär. Er- gäuzungSmöbel. Büfetle 120, Schreib- tilche 45, Sosas 45, Garnituren 65, TrumeauS 30. Schränke, VertttoS 26. Kronen, Teppiche. Bilder, Küchen» möbel, Klubsessel, Ledersosas, Um- baue, Lederstühle usw. spottbillig. Lenuerts Möbelspeicher, Lothringer- stratze 55, Roscuthaler- Tor. Die Möbel sind in vier Etagen aus- gestellt._ 9589t' Hübsches Sofa, Kleiderschrank, Sportwagen spottbillig Schweda, Prinzenslratze 47. 77/6 Mocvel- Boebcl, Moritzplatz 58. Jn meinem seit 31 Jahren bestehenden Möbelkaufhaute stehen in süns Etagen komplette Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen zum Verlaus. Als Spezialität licsere: Schlafzimmer, englisch 197,—, modern mit Intarsien 268,—, Wohnzimmer, modern 290,—, Speisezimmer 355,—, Herrenzimmer 200,—, 1 Zimmer und Küche 205,—, 354,—, modern 479,—, 2 Zimmer und Küche 568,—, 667,—, englische Bett- stelle mit Matratze 43,—, Klcider- spind 30,—, Trumeau, geschlissen 34,—, Schlassosa 36,—, Plüschsosa 55,—, Umbau 50,—, Teppiche. Riesenlager. Besichtigung erbeten. Transport und Lagerung kosten- srei. Eventuell Zahlungserlcichtc- rungen. Geöffnet 8—8. Sonntag» 8—2 Kein Laden. Verlaus nur im Fabrikgebäude. Musterbuch F. gratis und franko. 997K' Möbel k Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleinster Anzahlung gebe schon Stube mid Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebervorteilung dabcr ausgeschloffen. Bei KrankbcitS- fällen und ArbeilSIofiakeit anerkannt grötzte Rücksichi. Möbelgelchäst M. Gotdstaub, Zossenerstratze 38, Ecke Gneisenaustratze. Kein AbzahlimgS- geschäst!_ 2901 fl' Mödeltiickilcret.Harnack.Tiichier- meisler, gegründet 1901, Stallschreiber- stratze 57(Moritzplatz), lteiert komplette Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen. Unüber- troffene Leistungssäbigkeit. Enorme Auswahl. Zahlungserleichterung. VorwärtSIeser 3 Prozent. Kein Laden. Verlaus Fabrikgeaäude. Metallbetten, zwei, billig abzu- geben Zossenerstratze 10, Hutgeschäst. Patirräder. Arbeiter-Nadfahrer erhalten zehn Brozent Rabatt im Fahrradgroffhaus Charloltenburg, BiSinarckstratze 62.' Herrcii'norrav. Danienmorrad einmal benutzt 35.00. Holz. Blumen» fUdtzt 36 b. 1683K' Tetlzablnngeii. Dreijährige Ga- rantie. Spezial-Garantierad 55,00, Kasse. Jnvalidenstratze 20, Wilhelms. havcnerslratze 73. 760K' Musik. Pianino, hohes, kreuzsaitig, 110,00 (Teilzahlung). Turmstratze 8 1.' Btolinnnrerrick,»(neue, doppelt sördernd« Methode bis zur Bollendung) gibt eriabrcner Künstler wöchentlich, aus Wunsch auch nur eine Lettion a 1.25 M., bei zwei schAern je 75 Pf. Offerten unter v. 2 Expedition des .Vorwärts".(' Verscliiedenes. Kunktstopferet von grau KokoSkh Schlachleiiiee. Kurilraffe 8, lll. Englischen Unterricht für Ansänger und Vorveichrittene, Einzclstundcn und im Zirlel erleilt G. Swienly, Schönebcrg. Sedanftrahe 57. lll.' Parcnianwatt Seffel. Bttschmer» strave 94». Wäsche wird sauber gewaschen, großer Bezug 15, Lalen 10. Frau Panlrath. Köpenick, Müggelheimcr- stratze 40._ 252/4 Vereins- und Versammlungs. räume, 30 und 100 Personen fassend, empfiehlt Fritz Dietrich, Lindenltratze3, Kantine�_ 28546 Frauenhaare, ausgekämmte, kauft Fnfeur, Steglitzer Stratze 25. 189/13 Vermietungen. �Vodouazen. Prachtwohnungen Soldinerstr.3S. Zwei-, Einzimmer- Wohnungen sofort, auch spater Sonnenburgcr- stratze 27._ 2784b* Zentralviehhof, Hübnerstratze 6, billige, gründlich renovierte Zivei- und Ein-Zimmerwohnungen, Vorder- und Hinterhaus.__ 28036* Balkouwohnnngen. 2 Stuben, Küche 28, 1 Stube, Küche 25, sosort, Kleine MarkuSstratze 3. 2833b' Vkvmisvkv Fsdi'ik sucht sinsn lllnna, welcher längere Jahre in Raphtol-Betriebcn gearbeitet hat, als Vorapbeiter bei hohem Lohn und fester Stellung zu engagieren. Diskretion zugesichert. Gofl. Offerten unter J. R. 580S an Rudolf Moese, Beplln 8W. 75/18' Wichtig für ScmmerwoHmingcn, Gasthöfe, Brautleute und Pensionate. Möbel, gebrauchte, neu« und ver- lieben gewesene, Kleiderspind 18.00, Bettstelle mit Fedcrmalratze 15.00, Kommode 12,00, Marmortoilette 20,00, Karderobenspind 33,00, Ruhebett mit Decke 17,00, Ausziehsofa 16,00. Plüschgarnitur 65,00, Küchenspind 15.00, Stühle 2.00. Ausziehtisch 14,00, Hcrrenschreibtisch 28,00, Lcderstühle 8,00, Bücherspind, Speisezimmer, Herrenzimmer. Elegantes Schlaf- zimmer konipleit 250,00. Federbetten, Gardinen, Bilder, bunte Küchen, Teppiche. Geb« auch Möbel aus Teilzahlung. Stargardt, Lothringer- stratze 69._ 251/20*__________ Lnseratenteil verantw� Th.Alvcke, Berlin, T ruck u. Verlag: ivorwärtj Vuchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Einger& Co., Berlin SW, Zwei-, Einzimmer- Wohnungen sosort, auch später Soldinerstratze 16. Siube und Küche, 13—23 Mark, Oranicustraffe 2a._ ff! 10' Prachtioohnli ngen, 1, 2 und 3 Zimmer, Bad.Mädchcnstube, Loggia, 13,00, 20,00, 45,00, Koloniestraffe 68. 1 und 2 Zinimer, 15, 22,00, Rixdors, Kopsstraffe 15._+112� Charlottenburg, Schillerstratze 94, Wohnungen von 1, 2 Stuben und Küche sür 22 Mark zum 1. Oktober zu vermieten. f89* Arbeitsmarkt. Stellensesuctae. Suche Arbeit gleich welcher Art. G. Schüller, Reichenbergerslratze 47. Ltellensnxedote. Ein tüchtiger selbständiger Schloffer sür Schaufensterkonstruktion sowie Helfer werden sosort verlangt. Gebr. Kaiser, Tempelhos, Ringbahnstratze2l. �Nleealldreher, süns. tüchtige sür Meiallkolben, Subcutanspritzen, spez. Rekordspritzen gesucht. Offerten S. 3, Expedition des Vorwärts. 28326 �Näherin im Hause sür Friseur- Wäsche. Wurzel, Brückenstratze 13. Belcgcrin verlangt Rahmcnfabrik Simeonstraffe 11. 252/2 Zeitungsfrauen sosort verlangt Schützcnstraffc 24/25. 77/4' Zcilungssrauen sosort verlangt Ralhenowerstratze 3. 76/19' Im Arbettsmnrkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Pf. die Zeile. Tüchtige Zimmerer bei gutem Lohn sofort gesucht. s2856b Siemens& Hulsbe A.-O.» Kläranlage Nonnendamm (viS-a-vis dem Gasometer). tchllilig! HolAldeilös. Wegen Streit infolge Lohn- diffcrcnzen sind folgende Betriebe gesperrt: Gossow. Tischlerei. TeUowerstr. 53, und die Baute» SladtbauS; Schellingstr. 16, Ecke Eichhornstraße; Bismarckslr. 107: Waniffee, Schwedischer Pavillon. Lukat. Möbellabrik. Dieffenbachstr. 35. Ketsch, Tischsabrik. Fruchtstrahe 32. Korbmacherei der Slralauer Glas- Hütte. Die OrtSvcrwaltnng.