Ur. 138. BbonMmenfs-HedinflUngsn: BBonnementS- Preis pränumerando z LiertcljShrl. 3L0 Mk, monatl. 1,10 Mi, wöchcnUich 28 Pfg, frei inä HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntag«. Hummer mit UXufmeclct Sonnlagä. Beilage.Di« Neue Well» 10 Pfg. Post- tldonnement: 1,10 Mari pro Monat, Eingelragen Jn die Posl. Zeitung«. Deutschland 2 Mark, ftr___ 8 Mari pro Monat. Posta'donnenlcnt« nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien. Schweden und die Schweiz, vlcheliil»gl!» auBtr montags. S7. Jahrg. Berliner VolKsblnlk. vk snleiUbni-SedMjk vetrSgt für die sechSgcspaltene Kolon ei- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerlschastliche»ereint. und Versammlung».»nzeigen 80 Pfg. hinein« Unrelgen", da« erste tfeti- gedru Ittel«ort 20 Pfg. jede» weitere «ort 10 Pfg. Stellengesuch« und Schlaf- stellen-ilnzeigen da« erste Wort 10 Pfg, jede« weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen dt« S Uhr nachmittag« w der Expedition abgegeben werden. Die SMedition ist tl« 7 Uhr abend« geöffnet. Delegramm-ildieffe! „SozUldcmolirat»tili»-. Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Rcdahtiom 8C3. 68, Llndenstraase 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. expeditton: SM. 68, Lindcnatrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. IParlamentskrad) in Oesterreich. Aus Wien wird uns vom 7. Juli geschrieben: Der arme Reichsrat hat auch heuer seine Tätigkeit nicht m normaler Weise abgeschlossen, vielmehr mußte er, da jede Fortarbeit unmöglich geworden war, strafweise heimgeschickt werden. Wohl fiel die Obstruktion, die seine Arbeit hinderte, diesmal glimpflicher aus: denn sie richtete sich nicht gegen die Arbeitsfähigkeit des Hauses überhaupt, wie es vor der Dezember-Geschäftsordnungsreform ausnahmslos der Fall war, sondern nur gegen eine einzig? Vorlage: gegen das Gl- setz, wonach eine italienische Rechtsfakultät in Wien errichtet werden sollte. Aber da diese Sache, nicht zum wenigsten in> folge der auswärtigen Beziehungen, eine Ehrensache für Oesterreich, für die Regierung und für das Parlament ge- worden war. erschien es unmöglich, sie dem Ansturm der Obstruktion zu opfern, und da für deren Bekämpfung die Zeit zu vorgeschritten und die Kraft der Regierungsmehrheit zu schwach war. griff Herr v. Bienerth zu dem Aushilfs- mittel, das er immer parat hat: er schickte das Parlament nach Hause. Im Herbst will man dort anknüpfen, wo man jetzt aufgehört: an dem alten Jammer und bei der ständigen Krise. Diese italienische Rechtsfakultät ist so recht ein Exemvel der Unlösbarkeit selbst der kleinsten nationalen Fragen in Oesterreich, sei diese der Lösung noch so bedürftig und zu> gänglich. Ursprünglich konnte die italienische Nation ihr Hochschull>edürfnis in Parallelklassen auf der Jnusbrucker Universität befriedigen. Mit der sortschreitenden Nationali- sierung der Universitäten und des gesamten öffentlichen Lebens führte das Neben- und Miteinanderleben der Italiener zu schweren Reibungen, die den Gedanken hervor- riefen, die Italiener von der deutschen Schule zu trennen und ihre Vorlesungen in einem von der Universität gesonderten Raum zu organisieren. Das war die italienische Rechts- fakultät in W i l t e n, einem Vororte von Innsbruck, die freilich ein echtösterreichisches Ende nahm: sie wurde nämlich gm Tage der Eröffnung von den Deutschen in aller Form demoliert,— bei welchen Exzessen ein junger hoffnungs- voller Maler von Gendarmen erstochen wurde. Das war im Jahre 1903 und seither gibt es in Oesterreich ein italienisches Hochschulstudium überhaupt nicht. Die Regierung plante, die Rechtsfakultät in Roveredo in Südtirol zu errichten: der Plan wurde aber aus verschiedenen Gründen nicht realisiert. Vor allem natürlich aus den Gründen der parlamentarischen Schwierigkeiten, die ja in Oesterreich immer bestehen und bei jeder Sache mit nationalem Anstrich besonders lebhaft wer- den: dann, weil die Italiener die Versetzung ihrer Hoch- schule in das kleine Provinzstädtchen nicht annehmen wollten: zum dritten aber auch deshalb, weil die höfischen Kreise die italienische Schule im italienischen Gebiete überhaupt nicht bewilligen wollen, sie fürchten nämlich von ihr die Stärkung der irredentistischen Bewegung. Insbesondere gegen die Stadt, die der natürliche Standort der italienischen Hochschule wäre, gegen T r i e st, richtet sich ihr Widerspruch, und er ist so entschieden, daß man sich vorläufig mit einem Provisorium bescheiden wollte. Dieses Provisorium hätte darin bestehen sollen, daß die Schule vorläufig in Wien errichtet, nach vier Jahren aber in eine italienische Stadt transferiert wird (auf eine längere Frist oder aus ein Definitivum in Wien wollten sich wieder die Teutsch-Bürgerlichen nicht einlassen, weil sie in der italienischen Schule eine Beeinträchtigung des ..deutschen Charakters" Wiens erblickenl): den neuen und end. gültigen Standort hätte dann ein neues Gesetz bestimmen sollen. Obwohl das halbschlächtige Kompromiß niemanden recht befriedigt hatte, wäre es doch angenommen lyorden, wenn nicht die Südslflwen ihr Obstruktionsveto eingelegt hätten. Die Slowenen und Kroaten erheben nämlich den Anspruch, im gesamten Küstenlande, Trieft eingeschlossen, die dominierende Nation zu sein, woraus sie weiter folgern, daß die italienische Schule in ihrer Interessensphäre eingreife, die Errichtung also an ihre ausdrückliche Zustimmung ge- Kunden sei. Wohl ist das in jeder Hinsicht eine Uebertreibung, und da die Schule in Wien hätte errichtet werden sollen, ein aufgelegter Schwindel. Natürlich haben die Südslawen auch ihre eigenen Hochschnlwünsche, unter denen die Anerkennung der Zeugnisse der Universität in Agram(in Kroatien, das staatsrechtlich zu Ungarn gehört) für Oesterreich und die Er- richtung einiger slowenischer Parallelklassen auf der polnischen Universität in Krakau vielleicht ernst zu nehmen wären— denn an die Errichtung einer eigenen südslawischen Univer- fität ist angesichts der geringen Zahl der Slowenen und der Rückständigkeit ihrer wissenschaftlichen Kultur vorläufig nicht zu denken—, aber die Regierung erklärte nicht mit Unrecht, daß sie sich auf eine Verknüpfung der in sich berechtigten und spruchreifen italienischen Schulfrage mit anderen Forde- rungen nicht einlassen könne. Das Resultat war, daß die Slowenen gegen die Vorlage im Ausschusse eine skrupellose Obstruktion einleiteten, deren Folgen nun die Vertagung des Reichsrates ist. Ueber diese slowenische Obstruktion kann das Urteil nicht scharf genug sein und sie charakterisiert trefflich jene mannig- jachen slawischen Chauvinisten, deren jedes zweite Wort die „Gleichberechtigung" ist, die unausgesetzt nach„nationaler Gerechtigkeit" fchreieo. öle«fcei. wenn fig ginomi iel&E national unbefangen oder gerecht handeln sollen, keine Ver- gewaltigung scheuen und die schroffste Unduldsamkeit de- tätigen. Die Verhinderung der italienischen Schule, die doch in Wien den Slowenen nicht im Wege gestanden hätte, ist um so frivoler, als an der italienischen Universität unsere gesamten Beziehungen zu Italien beteiligt sind und die Ver- eitlung des italienischen Rechtsanspruches nur allzusehr ge- eignet ist, das ohnedies schon sehr getrübte und der Erhal- tung des Friedens nicht förderliche Verhältnis Oesterreich- Ungarns zu Italien noch mehr zu erschweren und zu vergiften. Die slowenische Obstruktion war aber geradezu ein politischer Flagellantismus, denn sie wurde von derselben Partei im szeniert, von der im Dezember des vorigen Jahres der Am stoß zu der Geschäftsordnungsreform ausgegangen ist, mit der die Obstruktion ausgerottet werden sollte. Damals hat ihr Führer, der slowenische Abgeordnete Krek, der den An> trag einbrachte, womit die Geschäftsordnung abgeändert wurde, feierlich erklärt:„Die erste Staatsnotwendigkeit ist ein für das Wohl des Volkes tätiges, von einzelnen Cliquen unab hängiges Parlament. Dieses Parlament ist nur möglich, wenn jede Obstruktion unmöglich wird. Jede Obstruktion ist um möglich, wenn Sie meinen Anttag annehmen. Nehmen Sie ihn an und die Bahn ist frei." So sprach der slowenische Abgeordnete im Dezember, und nun benützen die Slowenen die Lücke dieser Reform,— daß sie nämlich die Verhandlungen in den Ausschüssen nicht berührt hat—. um eine Obstruktion anzufangen, der nicht einmal die bloß vorgeschützte Beein trächtigung nationaler Rechte zur Seite steht, die auf der einen Seite nationale Vergewaltigung und auf der anderen schäbige Erpressung ist! Was die Herrschaften nicht abhalten wird, sich bei der nächsten passenden oder unpassenden Ge legenheit vor Europa als„nationale Märtyrer" aufzuspielen, die kein Unrecht tun können und der edelsten Gefühle voll sind! Chauvinistische Heucheleien! Das Traurigste an dem slowenischen Anschlag ist aber, daß die Bevölkerung jede Unterscheidung schon längst auf gegeben hat und den Unmut über das Treiben der Parlm mentsschädlinge nun einfach auf das ganze Parlament über trägt, so daß die Folge der erbärmlichen Politik der Sla wenen keine andere ist, als daß das Parlament um allen Kredit kommt und jedes Ansehen verliert. Wohl ist die Schimpferei auf das Parlament, das schließlich nicht anders dastehen kann als der grausliche Staat, auch ein Beweis der spezifischen Unreife des österreichischen Spießbürgertums, aber daß ein Schauspiel, wie es der österreichische Parlamem tarismus während der slowenischen Obstruktion geboten hat, alles andere denn erbaulich ist. ist auch wahr. Die Verhand lung im Budgetausschusse hing nämlich am Schlüsse nicht da von ab, wie lange die Redner zur Sache zu sprechen hatten und zur Sache sprechen konnten, hing davon ab, wie lange ein slowenischer Obstruktionsredner das„Reden" k ö r p e r l i ch a u s h a l t e. Wobei man sich das„Reden" aber schon ganz anders vorstellen muß. als es sonst in gesetzgebenden Körpersckiaften der Brauch. Die sogenannten„Redner" mur> melten nämlich in slowenischer Sprache von Zeit zu Zeit ein paar unverständliche Worte vor sich hin, murmelten so Stunde um Stunde. Tag um Tag: und das war eine Vorberatung im Ausschussel Was der„Redner" redete, vernahm keiner, verstand keiner, bekümmerte auch niemanden. Die Frage war allein, ob er es fünf, oder acht, oder zehn Stunden aus halten werde,„Reden" zu markieren. Es ist nicht verwunder' lich, daß die Bevölkerung vor dieser Parlamentsentartung geradezu Abscheu empfindet. Und so traurig es ist, man kann es nicht verheimlichen, dieses österreichische Abgeordnetenhaus, das erste, das den Namen einer wahren Vertretung des Volkes verdient, das vor drei Jahren mit so freudiger Ge nugtuung begrüßt ward, das-steht heute in der Schätzung der Menschen auf der tiefsten Stufe, und eS gibt keine Klasse, die sein kraftloses Gebaren nicht mit immer leidenschaftlicherer Abneigung verfolgen würde. Geschadet haben dem demo- kratischen Haus, neben der Jammerregierung Bienerth, die heute nicht einmal mehr die zahlenmäßige Mehrheit besitzt. am meisten die slawischen Obstruktionen, die sich direkt als Schrittmacher der absolutistischen Reaktion im Volke be- währen und in ihrem nationalistischen Ueberschwang das zer- stören, was allen Völkern das höchste Gut sein sollte: das gemeinsame Parlament! Das schroffe Urteil Marx's über die reaktionären Völker hat seine Geltung leider auch hegte bewahrt. ver v. Jagow- erlaß vor dem Obcrverwaltungsgerlcht. Gestern verhandelte da» Oberverwaltungsgericht iüber die Klage de» Genossen Ernst gegen die Verfügung des Berliner Polizeipräsidiums, welche die nachgesuchte Genehmigung zur Ab- Haltung von Versammlungen unter freiem Himmel und von öffent« lichen Aufzügen am S. März abgelehnt hatte. Zur Begründung hatte der Polizeipräsident unter Bezugnahme auf 8 7 des Reichs» Vereinsgesetzes angeführt: .Am IS. Februar haben 100000— nach der Schätzung des .Vorwärts 200 000— Menschen in Berlin auf öffentlichen Straße» Aufzüge veranstaltet. Für diese war eine Genehmigung der Polizei» behörde nicht nachgesucht, also auch nicht erteilt. Folglich handelten alle Teilnehmer gesetzwidrig. Jetzt würde eS sich im wesentlichen um bis gleichen Teilnehmer handeln. Da diese bewiefen haben, daß sie Gesetzwidrigkeit nicht scheuen, wäre Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten" Nach§ 7 des ReichSvereinSgesetze» darf die Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel nur dann ver- sagt werden,.wenn aus der Abhaltung der Versammlung oder der Veranstaltung deS Aufzuges Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist". Der Bezirksausschuß wies die Klage am 19. April zurück. In der mündlichen Urteilsbegründung war erklätt, das Gericht habe sich im wesentlichen den Ausführungen des Vertreters der Polizei angeschlosien. Dieser hatte zur Begründung seines Verbots in der mündlichen Verhandlung auf ein Menschenalter zurückliegende Bor» kommnisse, so auf die Dreikaiser-Zusammenkunft 1872 und auch auf die Unruhen hingewiesen, die aus Anlaß der ArbeitSlosenversamm- lung im Jahre 1894 d u r ch die Polizei hervorgerufen waren. Die in der gestrigen Sitzung vorgetragene schriftliche Be- gründung deS Utteils des Bezirksausschusses hatte diese Dar- legungen sich nicht angeeignet. Gegen daS Urteil legte Genosse Ernst durch Rechtsanwalt Dr. Heinemann beim OberverwaltungSgericht Berufung ein. In der gestrigen Verhandlung machte der Anwalt geltend: Am IS. Februar sei allerding» ein Teil der Besucher der an dem Tage in geschlossenen Räumen abgehaltenen Versammlungen nach dem Humboldthain gezogen. Die Versammlungen, der Zug nach dem Humboldthain und der Aufenthalt dort seien aber ruhig und ohne jeden Zwischenfall verlaufen. Einige Personen hätten sich zwar, nach« dem die Leiter der sozialdemokratischen Bewegung in Berlin sich ent« fernt hätten und die Demonstration ihr Ende erreicht gehabt hätte, nach dem Schiffbauerdamm begeben. Vermutlich handelte eS sich dabei um einen von Spitzeln arrangierten Zug. Aber auch hier am Schiffbauerdamm fei es lediglich zu ganz unbedeutenden Zu» sammenstößen mit der Polizei gekommen, nämlich zu drei Sistierungen wegen geringfügiger Dinge. Von einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit war keine Rede. Auf Personen oder Sachen sei kein Angriff erfolgt. Auch hätten die sich am Schiffbauerdamm versammelten mit der Demonstration nichts zu tun gehabt, seien auch keine Versammlungsbesucher ge» Wesen. Am 6. März sei der Umzug im Tier» garten durchaus ordnungSniäßig verlaufen. ES fei, ob» wohl dieser Umzug die Antwort aus das Verbot der Ver» sammlungen unter freiem Himmel darstellte und die Polizeibeamte» ganz unmotiviert schroff vorgingen, zu keinerlei Ausschreitungen ge- kommen. Beweis das Zeugnis der Redakteure Wolf und Engel vom.Berliner Tageblatt' und Dr. Oehlke von der.Breslauer Zeitung". Die Zeugen hätten in der Strafsache gegen den verantwottlichen Redakteur des.Vorwärts" Barth ausgesagt. daß die Demonstrationen am Großen Stern durchaus ruhig verliefen, obwohl ein die Situation offenbar verkennender Polizeioffizier zunächst eine ganz unvernünftige und unmoti- vierte Attacke vornehmen ließ. Ganz ebenso habe sich Geh. Justiz- rat Eassel in der Stadtverordnetenversammlung ausgesprochen, und zwar ebenfalls aus eigener Anschauung. Dasselbe werde der Abge- ordnete Gothein bekunden. Und notorisch sei, daß die genehmig- tcn und von der Partei ausgeführten Veranstaltungen am 10. April ohne die geringste Störung verlaufen seien. Diese späteren Vorgänge seien insofern relevant, als sie gewisse Rück» schlüsse zuließen. Entschieden bestritten werde, daß am 13. Februar die Sicherheit gefährdet worden sei. Das fei auch nicht, wie der Bezirksausschuß sage, zugegeben, sondern lediglich zugegeben sei die Sistierung von drei Personen, die mit den Veranstaltungen des TageS nichts zu tun hatten. DaS Urteil des Bezirks« ausschusseS setze sich in Widerspruch mit verschiedenen Urteilen deS ersten Senats des OberverwaltungsgerichtS, der jetzt über die vorliegende Sache zu befinden habe. Der Bezirksausschuß hebe hervor, daß eS notorisch sei, daß bei Lnsaminlungen von Hunderttausenden von Menschen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit borliege, besonder? wenn man berücksichtige die große Erregtheit der Bevölkerung in politisch erregter Zeit. DaS seien die allgemeinen Mutmaßungen, die Sentiments, die das Kammergericht in verschiedenen Entscheidungen für nicht durchschlagend erklärt habe. Verfehlt sei auch die Erwägung deS Bezirksausschusses, wonach für Berlin eine besondere Gefahr vorliege. DaS ReichSvereinSgesetz habe zum Ausdruck gebracht, daß für Berlin dasselbe Recht gelten solle, wie überall im Deutschen Reiche. Der Vorderrichter spreche davon, daß besondere Momente vor- liegen könnten, die für Berlin eine Genehmigung zuließen: ein be» sonderS geeigneter Platz usw. Danach müß'e man annehmen, daß hier Versammlungen unter freiem Himmel und öffentliche Aufzüge prinzipaliter zu verbieten wären,«S fei denn, daß besondere Mo- mente das Gegenteil zuließen. Das Gesetz sage aber umgekehrt, daß prinzipaliter die Genehmigung zu solchen Veranstaltungen zu erteilen und nur ausnahmsweise beim Vorliegen besonderer Um» stände zu versagen sei. Der Senat wies nach Ausführungen de» Vertreter» de» Polizeipräsidenten die B e r u f u n g a b. Die Grunde sind in Kürze, wie der Präsident v. Bitter unter Hinweis auf die dem- nächstige ausführliche Begründung im schriftlichen Erkenntnis be» merkte, die folgenden: Di« Vorgänge, die zeitlich nach der Ver- sagung der Genehmigung liegen, können nicht mit in Erwägung gezogen werden. Der Senat hat nur mit dem tatsächlichen Zu- stände zu rechnen, wie er am 1. März bei Erlaß der Ver» f ü g u n g bestand. ES ist auch ein Trugschluß, daß die genehmigten Versammlungen vom 10. April maßgebend sein könnten für den Verlauf der Versamlungen, deren Genehmigung durch die Ver- fügung vom 1. März zurückgewiesen wurde. WaS die recht» lichs SM fcr Soäs betreff«.(0. hgt bei: Bertrstsr de» KlägsrS d ü r ch ä ü Z t i ch t i g den StakdpvÄkt däigs» legt, den der Senat mit Bezug auf die Versagung von Genehmi- {jungen zu öffentlichen Versammlungen unter freiem Himmel und öffentlichen Aufzügen vertrete. Tatsachen müssen vorhanden sein, die eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit als nahe bevorstehend erscheinen lassen. Es genügt nicht, daß sich politische Gegensätze innerhalb der Bevölkerung herausgebildet haben. Die Voraussetzungen für die Versagung sind aber hier gegeben. Wie der Vertreter des Klägers selbst ausgeführt hat, handelte es sich um eine ganz ungewöhnliche Dcmon- stration, die den Zweck hatte, alle Elemente der Stadt Berlin, die gegen den Wahlgesetz Entwurf zusammenstanden, zu einer großen Versammlung unter freiem Himmel zusammen zu ziehen. Eine derartige Versammlung ist eine ungewöhnliche und es war damit zu rechnen, daß sie Dimensionen an- nehmen würde, die unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht erreicht worden wären. Die Bevölkerungskreise, die der Sozialdemokratie zugänglich sind, waren wochenlang erregt worden. Die Partei- leitung hat die Erregung in einer großen Zahl Artikel geschürt, die ihren Eindruck nicht verfehlt hatten. Auch damit hat der Polizei- Präsident zu rechnen, daß erfahrungsgemäß unter Umständen kleine Anstöße genügen, um eine so kolossale Schar von Menschen, die bewegt und erregt ist. zu Tätlichkeiten hinzureißen. So ist die Annahme, daß eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit ein- treten könnte, nicht unberechtigt gewesen. Selbst wenn die Partei für Ordner gesorgt hätte, hätte die Partei nicht verhindern können, daß jene lichtscheuen Elemente, die jede große Stadt, besonders Berlin beherbergt, sich an die Parteiveranstaltungen herandrängten und bei ihrer Neigung zu Widersetzlichkeiten Skandale provozierten, die die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Das habe der Polizeipräsident aus seinen Erwägungen nicht ausscheiden können. Wenn er seiner großen Verantwortung glaubte nicht anders gerecht werden zu können, als durch ein Verbot, so könne der Verwaltungsrichter dem nicht ent- gegentreten. Formell ist die Klage insofern nicht in Ordnung, als die erste Eingabe nur als Beschwerde im Verwaltungsstreitver- fahren bezeichnet und ihr keine Begründung beigefügt war. Wenn diese Eingabe nun vielleicht auch als Klage behandelt werden konnte, wie es geschehen ist. so fehlte doch die gesetzlich vorgeschrie- bene befristete Begründung. Ohne eine solche ist aber die Klage im Verwaltungsstreitverfahren unzulässig.>' «» ♦ Der Standpunkt deS Oberverwaltungsgerichts weicht allerdings von dem des Bezirksausschusses insofern vorteilhaft ab, als nicht mehr ein Hinweis auf die gesamte politische Situation zur Begründung zugelassen ist. Die Gründe auch des höchsten Verwalwngs« gerichtS wirken aber dennoch nichts weniger als überzeugend. Man merkt ihnen an, daß ihre Väter sich zwar bemühen, äußerlich an ihrer Auslegung des 8 7 des Vereinsgesetzes festzuhalten, nach der konkrete Tatsachen zur Begründung einer Richtgenehmigung erforderlich sind, daß fie aber in Wahrheit allgemeine Erwägungen die Stelle von Tatsachen ersetzen lassen. Dieser Widerspruch ist durch das die Nichter beherrschende Gefühl erklärlich, die Staats- autorität müsse in diesem besonderen Fall gewahrt bleiben. Allein so ist auch zu verstehen, weshalb das Oberverwaltungsgericht in seinen Scheingründen nicht die Frage prüft: lag eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit vor?, vielmehr mit weither geholten An- nahmen operiert, die doch allenfalls lediglich die Möglichkeit einer Bejahung der Frage für besonders ängstlich geartete Gemüter ge- statten: konnte die öffentliche Ordnung gefährdet werden? Daß das genügen dürfe, hat der Reichstag aber ausdrücklich abgelehnt. Ist es zulässig, Argumente aus dem etwaigen Gebaren des der Sozial- demokratie fernstehenden Janhagels zu entnehmen, so darf eine Parade, der erfahrungsmäßig der Janhagel als Zuschauer in erster Linie zuströmt, nie geduldet werden. Völlig unverständlich ist die Ab« Weisung eines Rückschlusses aus dem ruhigen Verhalten am 10. April. Hätte das Oberverwaltungsgericht diesen nicht ausgeschieden, so mußte eS freilich zur Aufhebung des Jagow-ErlasseS kommen. So begnügte es sich mit der, wenn auch sehr konzilianten, Fest- stellung, daß der Polizeipräsident möglicherweise bei Erlaß seiner Verfügung geirrt haben könne. Dagegen könne der BerwaltungS- richter aber nichts ausrichten. Die Tatsache deS ruhigen Verlaufs der Demonstration am 10. April hat stärker als ein Gerichtsurteil es vermochte, die Hinfälligkeit des polizeilichen Erlasses vom 1. März erwiesen._ £)d rcahtionäres tßuftermlDltterlum. Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Die Mißwirtschaft des unfähigen Ministeriums Otto im Herzog- tum Braunschweig treibt immer sonderbarere Blüten. Nachdem erst kürzlich die Geschworenen im Prozeß gegen Genosse Lingenauer der Staatsanwaltschaft da? ganze künstliche Aufruhrgebäude über den Haufen geworfen und nichts als eine ganz gewöhnliche Körper- Verletzung übrig gelassen hatten, fühlt sich jetzt das Ministerium veranlaßt, für seine Polizisten mit einem huldvollen Gnadenerlaß einzutreten. Das amtliche Organ der Regierung bringt auf Befehl deS Staatsministeriums folgenden Ukas: Braunschweig, den 2. Juli 1S10. DaS Herzoglich Braunschweigisch-Lüneburgiiche StaatSministerium an Herzogliche Polizeidirektion. hier. Auf Grund unserer aus den gerichtlichen Verhandlungen wegen der Vorgänge vom 20.Januar d. I. und aus eigenen Ermittelungen geschöpften Ueberzeugung sprechen wir dem Exekutivkorps der Herzoglichen Polizeidirektion die vollste Anerkennung für die ent- fchlossene und besonnene, in den durch Gesetz und Anweisung ge- zogenen Grenzen sich hallende Pflichterfüllung aus, welche es an jenem Tage gegenüber dem beklagenswerten, die öffentliche Ordnung gröblich verletzenden und die öffentliche Sicherheit schwer gefährdenden Verhalten einer gewissenlos aufgehetzten Menschenmenge bewiesen hat. Wir haben zu dieser Anerkennung um so mehr Anlaß, als das Exekutivkorps verwerflichen Schmähungen und tätlichen Angriffen begegnete. Wir geben der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck, daß das Exekutivkorps bei gleichen Vorgängen auch in gleicher Weise die ernsten Pflichten seines Amtes erfüllen werde. Deni Exekutivkorps ist diese Verfügung zu eröffnen. v. Otto. gez. Hartwieg. C. Wolff. Da daS Urteil im Lingenauerprozeß am 29. Juni gefällt wurde and der Erlaß vom 2. Juli datiert, geht man wohl nicht irre, wenn man ihn als Pflaster für die Polizei ansieht, der in diesem Prozeß «in sebr schlechtes Zeugnis ausgestellt wurde. Schon im zweiten Wesemeierprozeß wurde festgestellt, daß am Hagenscharrn, wo die erste Polizeiattacke stattfand, die Polizisten von den Demonstranten weder beworfen, noch beschimpft, noch irgendwie sonst gereizt worden find. DaS müßte der Mitunterzeichner deS Erlasses, Minister Hartwieg selbst zeugeiieidlichsbestätigen. Es wurde in diesem Prozesse vielmehr konstatiert, daß die Polizisten auf die wehrlosen Demonstranten ohne weiteres mit blanken Säbeln ein« schlugen. Im Lingenauer-Prozeß stellte sich denn auch heraus, daß am Hagenmarkt das Werfen mit Schnee- und Eisstücken nur ganz harmloser Natur gewesen sein kann. Nur die Polizisten hatten etwa» davon gesehen, die Zivilzeugen von einer Werserei überhaupt nichts bemerkt. Die tätlichen Angriffe existieren also nur in der Phantasie der Minister. Um so unerhörter ist eS, daß diese Herren jetzt den traurigen Mut haben, die Polizisten anzuweisen, auch in Zulunft bei gleichen Vorgängen in der gleichen Weise vorzugehen wie am 20. Januar. Den Polizisten konnte man immerhin noch ihre Ner- vosität und ihre Erregung zugute halten, für die Minister dagegen, die am grünen Tisch kalten Blutes die Anweisung zu künftigen Polizeiattacken geben, existiert auch nicht der geringste MilderungS- grund. Um die ganze Unglaublichkeit dieses echtrussischen Erlasses zu ermessen, muß man sich die Strecke der Säbelschlägerei vom 20. Januar noch einmal ins Gedächtnis zurückrufen. Allein im zweiten Wesemeierprozeß wurde festgestellt: 1. daß eine am Boden liegende Frau kion einem Polizei- beamten in furchtbarer Weise mit dem Säbel geschlagen wurde; 2. daß ein am Boden liegendes schwangeres Mädchen von den Polizisten malträtiert worden ist; 3. daß ein kleiner Schnlknabe von einem Polizisten mit dem blanken Säbel bearbeitet und getreten wurde: 4. daß ein achtzehnjähriger Schmied von einem Polizisten derartig niedergeworfen Ivorden ist, daß er den Arm brach: 6. daß ein Redakteur der nationalliberalen Landeszeitung einen heftigen Säbelhieb auf den Rücken erhielt; 6. daß eine dreiundsechzigjährige Witwe, als sie von der TageS- arbeit nach Hause ging, mit einem scharfen Säbelhieb schwer im Gesicht verletzt wurde; 7. daß ein Staatsanwalt, der mit seiner Frau in die Menge geriet, sich nur mit Mühe und Rot vor den Polizeisäbeln in einen Juwelierladen flüchten konnte; 0. daß ein Schutzmann einem alten kranken Mann, weil er sich nicht schnell genug vorwärts bewegen konnte, mit dem Säbel Kopf und Rücken bearbeitete; S. daß ein Oberwachtmeister— das sagte ein Schutzmann zeugeneidlich auS— einen alten Mann ohne jede Veranlassung mit dem blanken Säbel auf den Hinterlopf schlug; 10. daß ein gebrechlicher alter Kriegsinvalide mehrere Säbel- hiebe auf Kopf, Arme und Rücken erhielt; 11. daß Genosse Lingenauer, als er am Boden lag, von einem Schutzmann in unmenschlicher Weise mit dem Säbel ge- schlagen wurde. So sehen— und das ist nur das, was vor Gericht durch einwandfreie Personen eidlich bezeugt wurde— die Polizeitaten aus, denen das braunschweigische Ministerium öffentlich volle An- erkennung zollt. So sieht die.entschlossene und besonnene Pflicht« ersüllung' aus, von der das braunschweigische Ministerium erwartet, daß fie die Polizei bei gleichen Lorgängen auch künftig in gleicher Weise erfüllen werde. Man glaubt einen Ukas deS Bluthundes Trepow aus den Tagen der russischen Revolution vor sich zu haben. Nach dem bekannten Blutbad vom 20. Januar dieses Jahres hatte der.Vollsfreuiid" den Minister v. Otto für die Polizei- taten verantwortlich gemacht. Da mimte der Minister den Be- leidigten. Es fei unerhört, ihm das in die Schuhe zu schieben, er habe gar nichts davon gewußt. Er wies also gewissermaßen die Polizei von sich ab und verschaffte unserem Genoffen Wescmeier wegen Ministerbeleidigung eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. Jetzt identifiziert sich derselbe Minister, der damals den Feinfühligen spielte, nicht nur mit der Polizei, sondern er spornt sie noch dazu an, in Zukunft vor einem gleichen Blutbade nicht zurückznscheuen l Er tut also jetzt dasselbe, was ihm damals der.Volksfreund" vor« geworfen hatte und worüber er sich beleidigt stellte! Ein solches Borgehen hat allerdings das gute, daß daS braun« ichweigische Ministerium unser bester Agitator ist und unS neuen Anhang in Scharen zutteibt. Auch die Auflage des„Volksfreund" ist seit dem 20. Januar in ftüher nie geahnter Weise empor« geschnellt, während die Zahl der politisch organisierten Genoffen geradezu staunenerregend angewachsen ist. politische(leberficdt. Berlin, den 8. Juli 1910. Erni wird energisch! Prinz von Hohenlohe hat sein Amt als zweiter Vi�e- Präsident des Reichstages niedergelegt. In einem Brief an den Präsidenten, Grafen von Schwerin, erklärt er, er habe das Amt des zweiten Vizepräsidenten nur angenommen, um den Gedanken einer Wiederannäherung derjenigen Parteien zu dienen, die bis zur Entscheidung über die Finanzreform in wichtigen politischen Fragen zusammengewirkt haben. Die Bildung eines parteipolitisch einseitigen Präsi- diums würde diesen Gedanken von vornherein ernstlich gefährdet haben. Dann fährt das Schreiben fort: .Inzwischen haben die Vorgänge bei einer Reihe von Ersatz- wählen zum Reichstage und die jüngst veröffentlichte Erklärung des offiziellen Organs der nationalliberalen Partei eine erhebliche Vertiefung der Gegensätzlichkeit zwischen den einstigen Blockparteien gezeigt. Der beim Beginn der Tagung gerechlfertigte Versuch, durch den die Möglichkeit einer Wiederannäherung offengehalten werden sollte, ist gegen- standslos geworden und damit der innere Grund für meinen damaligen Eintritt in das Präsidium fortgefallen. Glaubte ich in dieser Entwickelung der Dinge an und für sich noch keinen zwingenden Grund zur Niederlegung deS einmal übernommenen Amtes erblicken zu müssen, so erhob sich dagegen angesichts des Inhalts und der Wirkungen der BorromäuS- Enzyklika für mich die Frage, ob in der nun entstandenen Lage die Fortdauer meiner Zugehörigkeit zu einem Präsidium, wie es sich durch die parteipolitifckie Verbindung seiner Bestandteile darstellt, mit den Grundsätze» vereinbar ist, die mich bisher im öffentlichen Leben geleitet haben. Ich muß diese Frage nach gewissenhafter Prüfung der er- wähnten Tatsachen verneinen und beehre mich deshalb ergebenst zu erklären, daß ich hiermit da« Amt eines zweiten Vizepräsidenten des Deutschen Reichstages niederlege." Diese Amtsniederlegung ist als eine Demonstration gegen den schwarzblauen Block, mit dem selbst der Erbprinz, der Hospitant der Freikonservativen ist. nichts mehr zu tun haben will. Es mutz dabei anerkannt werden, dah der Prinz— eine bei einem deutschen bürgerlichen Politiker so seltene Er- scheinung— sich von politischen Grundsätzen hat leiten lassen. Allerdings scheint uns der Prinz die Zeichen der Zeit nicht ganz richtig zu deuten. Seine Erwägungen mögen vorgestern vielleicht noch Gültigkeit gehabt haben; aber die Drehscheibe dreht sich schnell. Die Wiederannäherung ist im besten Zuge; die Nationalliberalcn rücken in das Lager der Reaktion ab und ein ironisches Schicksal mag es vielleicht fügen, datz der Platz, den Prinz von Hohenlohe räumt, von Herrn P a a s ch e eingenommen wird. Wir meinen sogar. datz erst dann das Präsidium des Reichstages.einseittg-partei- politisch" und vollständig reaktionär zusammengesetzt sein wird._ Erst die Reichstagswahlen, dann die Flottenvorlage! Die Zentrumspresse beschwört Regierung und Flottenfexe, doch ja einstweilen von einer neuen Flottenvorlage abzusehen. Sie verspricht dafür, ja gern alle„Lücken" des bestehenden Gesetzes auszufüllen. Das Zentrum fürchtet eine neue Flottenvorlage mn so mehr, als ja jetzt auch der Landmoloch erst wieder einmal ausgiebige Sättigung verlangt. Hier soll ja die Präsenzstärke erhöht werden. Auch da will man vorsichtshalber keine neuen Organisationen schaffen, sondern nur„Lücken ausfüllen". Oberst Gädke berechnet freilich erst heute wieder, datz das „Aussüllen der Lücken" leicht seine 30 Millionen jährlich verschlingen könne! Sicherlich werden auch die Wahlängste des Zentrums Be- rücksichtigung finden. Die Regierung beginge ja frivolen Selbstmord, wenn sie noch vor den nächsten Reichstags- Neuwahlen mit ihren wirklichen Marineplänen herausrückte und damit der Sozialdemokratie eine weitere zerschmetternde Wahlparole gegen die bürgerlichen Parteien lieferte. Unsere Marine wird sich deshalb, wie ja schon die„Nordd. Allg. Ztg." angekündigt, wohl fürs erste mit einer Ver» mehrung der Indienststellungen begnügen und den Bau neuer Schlachtschiffe und Panzerkreuzer noch um eine kurze Zeitspanne vertagen. Geschieht das aber, um den bürgerlichen Parteien den völligen Zusammenbruch zu er- sparen, so wird das Zentrum voll heitzen Dankes alles de- willigen, was die Regierung an Mehrkosten für Indienststellungen verlangt. Das kündigt die„Ger- mania" am Freitag an: „Die Baukosten im Marineetat werden sich vermindern, da wir in der Hauptsache mit dem nächsten Etat die Sollstärke erreicht haben werden; die Kosten für die Indien st Haltung aber wachsen, da die großen Schiffe mehr an Unterhaltung verschlingen und eS ein ganz natürliches Verhältnis ist, wenn die Ausgaben für Indien st Haltung mehr ausmachen. Die Hauptsache ist, daß die Gesamt- kosten n i ch t m e h r w a ch s e n und daS hat die.Nordd. Allg. Ztg." auch anerkannt." Daran, datz die Gesamtkosten nicht höher werden würden. glaubt die„Germania" natürlich selbst nicht. Denn sobald die Wahlfchlacht geschlagen. wird sich auch die neue Flottenvorlage einstellen, die Schiffsneubauten verlangt! Die„Hauptsache" ist für das Zentrum in Wirklichkeit, datz die Flottenvorlage erst nach den Wahlen kommt I Wir werden freilich dafür sorgen, datz die Volksmaffen dies- mal nicht wieder so beschwindelt werden können! Ein zurückgetretener Kandidat. Der gemeinsame Kandidat der Fortschrittler und National« liberalen im Wahlkreis Zfchopau-Marienberg, Landtags- abgeordneter Roch, ist von der Kandidatur zurückgetreten, angeblich infolge Gesundheitsrücksichten, wahrscheinlicher aber aus prophylak- tischen Gründen, um sich nicht einem Durchfall auszusetzen. An Stelle RochS wird der Fortschrittliche LandgerichtSrat Brodaus kandidieren._ Prinz Ludwig und das freie Koalitkonsrecht. Der Reaktion ist ein Trost widerfahren: Prinz Ludwig von Bayern, der ihnen sonst durch seine gesunden und modernen An- schauungen so oft Unbehagen bereitet, hat sich in der Frage des freien Koalitionsrechtes der StaatSarbeiter und Beamten zu de» rückständigsten Ansichten bekannt. Er hat ausgeführt: „Ich bin zwar der Anficht, daß nicht nur unter den Arbeitern. sondern auch unter den unteren Beamten sder staatlichen Verkehrs- anstallen) die Sozialdemokratie Anhänger hat. Allein ich glaube auch, daß ein sehr großer Teil der Leute, die sozialistisch wählen, dadurch lediglich ihre Unzustiedenheit mit gewissen Verhältnissen zum Ausdruck bringen, ohne deshalb mit den Grundsätzen der Sozialdemokratie einverstanden zu sein. Für sehr bedenklich und durchaus unzulässig halte ich es, wenn sich Staatsbeamte einer sozialdemokratischen Organisatton, die daS Streikrecht für sich in Anspruch nimmt, anschließen. Diesen Anschluß wie überhaupt die Zugehörigkeit zu einem Berein mit antimonarchischen Tendenzen verbietet einem Beamten die Gehorsamspflicht gegen- über dem auf monarchischer Grundlage beruhenden Staate. Darin, daß ein Streik der Eisenbahner für das allgemeine Staats- wohl und für die ganze Bevölkerung von unermeßlichem Schaden sein würde, stimme ich dem Referenten vollständig bei; aus diesem Grunde stimme ich für den Beschluß der Kammer der Ab« geordneten." DaS find sehr reakttonare Anschauungen, die auch mit Ver- faffung und Gesetz im schroffsten Widerspruch stehen. Wenn unsere Reaktionäre sich in diesem Falle auf da« Wort de« bayerischen Thron- folger» berufen, so wollen wir ihnen dessen Ansicht über daS freie Wahlrecht um so häufiger zu Gemüte führen. „Muh das eine Wirtschaft fein!" Zu diesem Aufsatz in Nummer 104 des.vorwärts' schreibt unS ein Landwirt: Es ist gewiß richtig, daß die Wirffchast auf den Krongütern und in den Kronforsten sehr schlecht sein muß, wenn in der Tat 400000 Morgen-- 100000 Hektar nur 1700000 M.. also etwas mehr als 4 M. auf den Morgen, einbringen. Das Dreifache an Ertrag würde einem mittleren Kulturftande entsprechen. In den Forsten wird der Ertrag wahrscheinlich durch Wildschaden stark verringett oder ganz aufgezehrt: große Rotwildgehege bringen ga rnichtS ein. sondern kosten Geld. Der Ertrag der Staats- forst Rominten, die dem Kaiser— auf Grund welchen Rechtes ist unbekannt— als Jagdrevier und Gehege starker Hirsche eingeräumt worden ist, ist minimal oder unter Null. Die Jagden verschlingen wohl vom Kronfideikommiß da» meiste. verfehlt aber ist das im.vorwärts" gewählte Beispiel Wil- helmShof bei Schmolstn. Da kann von einer Mißwittfchast nicht die Rede sein; wohl aber vom Gegenteil. Da» Gut Wilhelmshof ist aus elenden völlig ettraglosen Moorlöchern durch den hervorragenden Moorwirt Forstmeister Krahmer vor einigen Jahren geschaffen worden. Wer daS Gut kennt, kann nur mit dem äußersten Refpett von der Leistung de» Schöpfer» reden. Die M o o r k u l t u r ist die glänzendste technische und ökonomische Leistung deuffcher Landwirte. Sie darf als Gegen- p o l der extensiven, rückständigen Wirtschaft bezeichnet werden, die auf einem großen Teil der preußischen Güter noch betrieben wird. Die Moorlulwr, die auS Unland(Oedland) Wiesen und Weiden von der höchsten Wertllasse macht, stellt die vorgeschrittenste Stufe von Intensität und Wirtschaftlichkeit in der Landwirt« schaft dar. Da» Gut WilhelmShof i st da« größte und be- deutendste Unternehmen solcher Moorkultur und glänzend gelungen; e» ist alS eine Meister- und Musterleistung anzusprechen. Wer mit sachverständigem Blick daS Gut besichtigt, wird mit Bewunderung diese Leistung anerkennen. Die Kritik in dem Artikel der Nr. 154 zeigt in sich selbst einen Irrtum; die Angaben über die K o st e n und die R e n t a« btlität werden nur unverbürgt mitgeteilt. Die Kosten der Umwandlung von 0000 Morgen ertraglosen Moorlandes, daS teils tiefer als der Wasserspiegel deS LebafeeS lag, in höchstwertige Wiesen und Weiden können nicht gering sein. Mit einer Million ist die künstliche Entwässerung und die Kultivierung dieser Fläche nebst dem Bau der Wirtschaftsgebäude und der Beschaffung deS Inventar» (mehrere hundert Pferde und mehrere hundert Haupt Zuchtvieh erster Qualität stehen in den Ställen) nicht zu leisten gewesen. Aber drei Millionen Matt kann die Melioration bei weitem nicht gekostet haben. Wohl aber ist daS Gut mit dem Inventar so viel wert. Ohne Zweifel bringt es auch eine Rente. Der Mißerfolg mit dem ersten Viehstapel aus Ostfries- land, den der Artikel besonders ins Feld führt, ist— soweit er nicht ein mit der Pionierarbeit in den Kauf zu nehmender miß- lungener Versuch ist— dem ersten Administrator zur Last zu legen, der auf eine akklimatisierte Stammherde hätte dringen müssen. Der zweite Administrator hat eine solche Herde beschafft, die geradezu glänzend ist. Wenn Forstmeister Krahmer nicht ein außerordentlich tüchtiger Mann wäre, würde er die im Artikel erwähnten Privatgeschäfte kaum betreiben können. Jedenfalls hat er sich in Wilhelmshos den Ruf eines hervorragenden Technikers der Moorkultur erworben. Die Kieler Nationalliberalen laffen jetzt in Abrede stellen, daß Verhandlungen zwischen der nationalliberalen Partei und dem Bund der Landwirte in Schleswig- Holstein schweben. Na, waS nicht ist, kann werden. Deutsch-bulgarischer Handelsvertrag. Die Vertragsverhandlungen, die seit längerer Zeit schwebten, haben zu einem bestimmten Abkommen nicht geführt. An dem gegenwärtigen Zustand der Handelsbeziehungen beider Länder hat sich nichts geändert, auch kam die in Aussicht genommene Ver- längerung des Vertrages bis 191S nicht zustande. Der gegenwärtige Vertrag läuft weiter und kann mit einjähriger Frist gekündigt werden. Bei den Verhandlungen soll aber eine Verständigung dahin erzielt worden sein, daß eine Kündigung vorläufig von leiner Seite erfolgt._ Opfer der Polizei. Die große Wahlrechtskundgebung in GotteSberg t. Schl. wurde jetzt vor dem Landgericht in Schweidnitz aufgerollt. Die GotteSberger Polizei, verstärkt durch die Gendarmerie(!) der Ilmgegend, hatte nach einer Wahlrechtsversammlung, in der Ge- nosse Abgeordneter Stücklen referiert hatte, die ganze innere Stadt abgesperrt und nur eine schmale Gasse freigelassen. Als sich hier die aus der Versammlung zurückkommenden Arbeiter stauten. griffen Polizisten und Gendarmen ein, und als daraufhin Hochrufe auf das Wahlrecht ertönten, holten sie der Reihe nach g Berg- arbeiter aus der Menge heraus und brachten sie zur Anzeige. Während nun in diesem Falle das Gottesberger Schöffengericht aus nur 8— 4 Wochen Gefängnis gegen einige der Angeklagten er- kannte, verdoppelte die Strafkammer sämtliche Strafen und verhängte über die 9 Bergleute insgesamt 11 Monate Gefängnis und 50 M. Geldstrafe! Der Amtsanwalt hatte Berufung eingelegt, obwohl sich das Schöffengericht seinen Anträgen völlig angeschlossen hatte. Er hatte also gegen seine eigenen Anträge Be- rufung eingelegt! Die Richter wußten, wie das Urteil {zeigt, soviel Selbstverleugnung vollauf zu würdigen! Die bayerische Steuerreform gefährdet. • Die bayerische Reichsratskammer hatte die Maximalgrenze des Einkommensteuertarifs, die von der Abgeordnetenkammer auf K Proz. festgesetzt war, auf 4Mi Proz. herabgesetzt. Gegen diese Aenderung sträubt sich jetzt die Abgeordnetenkammer; sie beharrt bei den festgesetzten b Proz. In der Sitzung des Steuerausschusses vom Freitag gab nun Dr. Heim(Zentrum) die Erklärung ab, daß seine Partei unter allen Umständen an den Beschlüssen der Abgeordneten- kammer festhalte. Dieser Erklärung schlössen sich Dr. Cassel- mann(lib.) und Beckh(Freie Vereinigung) namens ihrer Par- iteien an. Der Finanzminister konnte nicht in Aussicht stellen, daß die ReichSratSkammer in der dritten Beratung dem fünfprozentigen Tarif zustimmen werde. Er könne noch— so führte er au?—, wenn euch ungern, einen Kompromißvorschlag machen, allein angesichts der Erklärung des Zentrums unterlasse er es. Ihm scheine die gqnze Steuerreform damit gescheitert. Die Lehrerbildung in Bayern. München, ö. Juli.(Eig. Ber.) Zwei Tage dauerten die Verhandlungen über die Lehrerbildung, die ihren Ausgangspunkt von einer Denkschrift dcS bayrischen Lehrervereins nehmen. Diese Denkschrift skizzierte zunächst das Ideal einer Lehrerbildung, wie die Zukunft es verwirklichen soll und macht dann Borschläge zur besseren Ausgestaltung der Lehrerbildung auf der Grundlage deS heute Bestehenden. Die Verhandlungen waren ziemlich lebhast und man hörte in dem bayrischen Parlament einmal wieder Reden über Kultur und Weltanschauungen. Liberale und Sozialdemokraten stellten sich auch den idealen Forderungen der Lehrer, Erwerbung der Allgemein- bildung aus eurer neunklassigen Mittelschule und Erwerbung der Be- rufsbildung auf der Universität, nicht entgegen. Zentrum und Kultusminister verhalten sich entschieden ablehnend. Sie halten beide an den Präparandenschulen und Seminarien fest und wollen NM ein weiteres Bildungsjahr dem Seminar anfügen. Wesentliche Meinungsdifferenzen treten auf bezüglich der Ein- fügung eines Fremdsprachunterrichts. Das Zentrum verweigert auch diesen Fortschritt in der Lehrerbildung. Die Vollsschullehrer sollen eben in ihrer Bildung, wie in anderen Dingen möglichst nieder- gehalten werden. Ebenso ablehnend verhält es sich gegenüber der Forderung, den Religionsunterricht zu verkürzen, um Zeit für den Fremdsprachunterricht zu gewinnen. Religion sei die Hauptsache in den Lehrerbildungsanstalten wie auch in den Volksschulen. Volks- schullehrer und Jugend müssen im positiven Christentum erzogen werden. Der Redner der sozialdemokratischen Partei markierte scharf seinen programmatischen Standpunkt, Verweltlichung deS gesamten Schulwesens von der Volksschule bis zur Universität. Die Religion müsse als lehrplanmäßiger Unterricht quZ der Volksschule ausscheiden und den Kirchengesellschaften überlassen bleiben. Somit habe auch der Religionsunterricht in den Lehrerbildungsanstalten keine Existenz- berecktigung. Do-Z Resultat der Verhandlungen wird wohl sein, daß das sechste Bildungsjahr kommt, im übrigen aber die Hoffnungen der Lehrer wieder schwer getäuscht werden. „Und immer wieder der Schutzmannssäbel." Unter dieser Spitzmarke hatte die„Niederrheinische Arbeiter- Zeitung" in Duisburg am 1ö. April er. über eine Schöffen- gerichisverhandlung berichtet, in welcher es sich um eine polizeiliche Säbelhauerei handelte, in der aber nicht der hauende Schutzmann die Anklagebank zierte, sondern der jämmerlich verhauene Arbeiter und seine drei Zeugen. Letztere waren mitangeklagt, weil sie eine „drohende Haltung" gegen den Hüter des Gesetzes angenommen haben sollten und einer von ihnen mit einem Stein nach dem Schutzmann geworfen habe. Wie arg der Verhauene zugerichtet war, ist wohl am besten daraus zu ermessen, daß er iuS Krankenhaus geschafft werden mußte. Und wie gering da« Bergehen des Arbeiters, beweist wohl die Bestrafung. 29 Mark wegen„Wider- standeS" sprangen bei der Geschichte heraus, während die drei mit- angeklagten Begleiter des geschlagenen AlbeiterS freigesprochen werden mußten. In unserem Duisburger Parteiblatte war eS nun insbesondere kritisch beleuchtet werden, daß die drei Mit« angeklagten überhaupt unter Anklage gestellt worden waren. Der einzige Effekt dieser Anklage, so hatte die„Niederrh. Arb.-Ztg." be- merlt, sei gewesen, daß die drei Angeklagten den so böS Verprügelten als Zeugen verloren gingen. Hierdurch fühlte sich der das' Vor- verfahren behandelnde Gerichtsassessor beleidigt. Er hatte aus der gegen die Polizei gerichteten Notiz den Vorwurf der Pflichtverletzung für sich herausgelesen und ber Staatsanwalt betrachtete es als selbstverständlich, daß unser Parteiblatt der Staatsanwaltschaft habe „emS auswischen' wollen. Genosse S ch o ch. dir Verantwortliche, hatte sich deshalb bor der Duisburger Strafkammer zu verantworten. Nicht mehr wie drei Monate Gefängnis beantragte sehr gemütvoll der Vertreter der Staatsanlvaltschaft eventuell Geldstrafe„nicht unter 1900 M." Das Gericht erkannte wegen der Lappalie auf 300 M. Geldstrafe._ Oeftemicb. „Gott Nimm.".., Wien, 8. Juli.(Privatdepesche des„Vorwärts.) Bekanntlich hat Herr Hrnba als diejenigen, die am inbrünstigsten zu dem GottNimm" beten, die christlichsozialen Führer G e ß m a n n, Biehlolawek und A x m a n n, den Führer der christlichsozialen Handlungsgehilfen, bezeichnet und diesen noch besonders einen Schurken geheißen. Herr Axmann hat zetzt seinen Austritt aus der christlichsozialen Partei erklären müssen, und in einer gestern abend abgehaltenen christlichsozialen VertrauenZmännerversamm- lung wurde beschlossen, ihn aufzufordern, auch auf seine Man- d a t x im Reichsrat, Landtag und Gemeinderat zu v e r z i ch t e n. öelgien. Hartings Nachfolger. Brüssel, 6. Juli.(Eig. Ber.) Belgien ist augenscheinlich ein günstiges Operationsfeld für die russische Regierung und ihr Spitzel- tum. Kaum ist etwa? GraS über die Hartingaffäre gewachsen— der Herr ist von hier auS verduftet— und bereits bringen die Zeitungen Meldungen über die Einfuhr eines neuen Spitzelkönigs. Denn um einen solchen aus dem Geschlecht der Azew und Konsorten handelt es sich wieder und nicht etwa um einen obskuren Handlanger, der sich erst die Sporen verdienen will. Herr Boleslas Brodzki, aus Warschau gebürtig, obwohl noch kaum 26 Jahre, hat schon eine Karriere hinter sich. Er hat seine eigenen zwei Brüder— Revolutionäres der russischen Bewegung— der Polizei ausgeliefert. Eines Tages fiel er„irrtümlich" in die Hände der Polizei und wurde vor ein Gericht gestellt, wo man ihm schandenhalber vier Wochen zudiktierte. Dann setzte er mit noch größerem Eifer seine Spitzeltätigkeit fort— unter freundlicher Zustimmung der Polizei und der Gerichte. Er„arbeitete" erst in Krakau, dann wieder anfangs 1907 in Peters- bürg, wo er einer der Hauptmacher der Organisationen zur Be- kämpfung der Sozialrevolutionäre wurde. Später wird Brodzki von der russischen Negierung nach Finnland versetzt, wo er sich auf die Bombenfabrikation verlegte, um dann seine Opfer der Polizei auszuliefern und so der Regierung Material gegen Finnland in die Hände zu spielen. Er wurde bei dieser Gelegenheit von dem Maximalisten Riß, der auch Azew verdächtigt hatte, erkannt und mußte fliehen. Seither operierte er in Petersburg. Paris und Berlin— bis dieser Tage, wo Belgien die Ehre hat, ihn zu beherbergen und wo er von der russischen Regierung auSersehen ist, der Nachfolger deS in diesen Tagen wieder viel ge- nannten Sternberg, der seinerzeit in Lüttich eine Bombenaffäre arrangierte, und des Harting zu werden. Brodzki wohnt in Lüttich und unterhält erwiesenermaßen Beziehungen mit der russischen Botschaft in Brüssel. Diese Nachricht hat sowohl unser Parteiblatt wie auch der„Soir" gebracht, ohne daß ein Dementi erfolgt wäre.— Begreiflicherweise fürchten nun die Lütticher Or- ganisationen eine Hetzjagd auf die russischen Flüchtlinge und neue AnSlieferungSanträge der russischen Regierung, die sich gerade jetzt wieder um die Auslieferung eines Revolutionärs, des russischen Ar- beiterS Taivas, bemüht. Der gut bürgerliche„Soir" verlangt von der belgischen Regierung eine energische Abwehr gegen die Um- triebe der russischen Diplomatie. Belgien sei kein Departement der„Ochrana". DaS ganze Land werde sich dagegen erheben, daß man Belgien nicht zu einem Unterschlupf für„Dyna- mitarden" mache. Das ehrliche Belgien würde sich zu einem Komplicen der russischen Regierung machen, wenn es ihr die Flucht- linge auslieferte. Der Aufenthalt Brodzkis in Belgien wird auch zweifellos zu einer Interpellation in der Kammer führen. Verweigerte Auslieferung. Brüssel, 8. Juli. Die belgischen Gerichtsbehö-den haben den Antrag der russischen Regierung auf Auslieferung GaibaS abgelehnt. GaivaS wird von der russischen Regierung wegen Unter- schlagung und Diebstahls verfolgt. Die belgischen Gerichtsbehörden sind der Ansicht, daß die Gaivas vorgeworfenen Handlungen p o l i» tischer Art sind. Die belgische Presse hat sich gegen«ine AuS- lieferung Gaivas energisch ins Zeug gelegt. � Spanien. Ein Zwischenfall."" Madrid, 8. Juli. Im Verlaufe der gestrigen Sitzung der D e- putiertenkammer äußerte der sozialistische Abgeordnete Jglesias, er würde selbst ein Attentat für gerechtfertigt halten, wenn durch ein solches verhindert werde, daß Maura wieder zur Regierung gelange. Diese Worte riefen lebhaften Widerspruch und heftigen Lärm auf allen Seiten des Hauses hervor. Als der Redner dann einer Aufforderung des Prä- sidenten, seine Worte zurückzunehmen, nicht nachkommen wollt«, er- klärte der Präsident, die Worte würden im Sitzungsbericht gestrichen werden. Tarauf fuhr Jglesias in seiner Rede fort. Dänemark. Ein Abtrünniger. Kopenhagen, 7. Juli. Da» Ministerium Zahle hat bei seinem Abgang einen recht unangenehmen Unfall erlitten. Als die Minister sich, ihrem Wunsche gemäß unter Verzicht auf jegliche Dekoration, vom König verabschiedeten, sagte dieser zudem demissionierten VerteidigmigSminister:„Ihnen, Herr Krabbe. kann ich die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich Ihrem Wunsche entgegengekommen bin und Sie hiermit zum K a mm e r h er r e n ernenne." Es schien im ersten Augenblick unglaublich, aber eS ist Tatsache, daß Krabbe, der in seiner Laufbahn als Kriegs- und Marineminister, den Grundsätzen des gesamten Ministeriums und der radikalen Partei getreu, für die Abschaffung von Orden und Titeln gewirkt und dem König niemand zur Dekoration empfohlen hatte, ihn für seine eigene Person um Verleihung deS Kammerherrntitel gebeten hat, und zwar weil er sonst nicht an der Ncujahrshofcour teilnehmen könnte. Er hat diesen Schritt hinter dem Rücken seiner Ministerkollegen unternommen. Die einzige Entschuldigung für seinen Verrat an den Grundsätzen seiner Partei ist die. daß er sich im Alter von 77 Jahren be- findet. Da mag er wohl kindisch genug geworden sein, um für solchen Tand seine Ehre als radikaler Parteimann und seine Parteimitgliedschaft wie auch sein FolketingSmandat aufs Spiel zu setzen. Unter seinen Wählern im Kallundborgkreise ist eine starke Bewegung im Gange und man verlangt dringend, daß er sein Mandat niederlege. Die radikale Presse verurteilt sein Verhalten ebenso einstimmig, wie die sozialdemokratische, während der Fall natürlich für die Konserva- tiven und die Blätter der sogenannten»Linken"«in gefundenes Fressen ist. Rußland� AuS dem internationalen Spitzelsumpf. Die Affäre des Petersburger Vertreters des offiziösen Wiener Korrespondenzbureaus, Baron Ungern-Sternberg, der unter dem dringenden Verdacht steht, und wie verlautet, sogar schon überführt sein soll, im Austrage Oesterreichs militärische Spionage betrieben zu haben, zieht immer weitere Kreise. Die Affäre deckt nicht nur die Korruption der„wohlgesinnten" bürgerlichen Presse auf, von deren Organen eines, der konservative„Wetscherin GoloS", sich während des bosnischen Konfliktes für eine monatliche Subsidie von tausend Rubel in den Dienst der österreichischen Botschaft stellte. sondern wtrft auch grelle Schlaglichter auf das Gebiet der inter- nationalen militärischen Spionage, die speziell in Rußland mit dem politischen Lockspitzeltum in enger Verbindung zu stehen scheint. So wurde in der Presse bereits auf die Identität Baron Ungern- Sternbergs mit einem Lockspitzel hingewiesen, der vor 1b Jahre» in Belgien im Dienste des Spitzelgenerals Harting stand.„Retsch" berichtet darüber folgendes: Die Dokumente Baron Ungern-Stern- bergs waren vor IS Jahren im Besitze eines gewissen JagolkowSki, der im Dienste des berüchtigte» Harting-Landesen stand. Jagollowsli organisierte im Vereine mit seinen Beschützern und Freunden ein „anarchistisches" Attentat in Brüssel und warf eine Bombe gegen das Gebäude des belgischen Gerichts. DaS Ziel des Attentats war. die belgische Regierung zur Ausweisung der russischen Emigranten zu be- wegen. Hiernach wurde Jagollowsli als Spion in Spanien beschäftigt und lebte dann eine Zeitlang unter dem Namen Baron Ungern-Stern- berg in verschiedenen Ländern. Nach den Angaben der„Retsch" ist eS schwer, festzustellen, was alles von den Erzählungen über die frühere Tätigkeit Baron Ungern-SternbergS auf sein Konto oder das seines Doppelgängers im Dienste der russischen politischen Polizei zu setzen ist. Es ist abzuwarten, ob sich die Anklagen gegen Baron Ungern- Sternberg bestätigen. Die offiziösen Blätter, voran die„Roivoje Wremja", erklären, daß unumstößliche Beweise seiner Schuld vor- liegen. Und die gesamte nationalistische Schmutzpresse benutzt schon die Gelegenheit, um gegen Oesterreich zu hetzen. In Wien wird an amtlicher Stelle jede Verbindung mit Baron Ungern-Stemberg in Abrede gestellt und in dem Vorgehen der rusfischen Presse eine „Revanche" für die Affäre des russischen MilitärattachüS in Wien. Oberst Martschenko. erblickt, der bekanntlich im vorigen Jahre in eine höchst peinliche Spionenaffäre verwickelt war. Im allgemeinen ein sehr amnutiges Bild, das dem Proletariat genügend Gelegenheit bietet, die korrumpierende Rolle des Militarismus und die Heuchelei der Regierungen kennen zu lernen. Petersburg, 8. Juli. Nachdem der Prokurator das vorhandene Material als nicht genügend zur Erhebung einer Anklage erklärte, dürfte Baron Ungern-Sternberg schon in den nächsten Tagen ans der Ha ft e n tlas sen werden. i Offenbar gibt es zuviel Kompromittierte. Orhet. Die Kretafrage. Kanea, S. Juli. Da die Opposition in einer gestern statt- gehabten Versammlung erklärte, daß sie eS der Regierung freistelle, den Schutzmächten die Zulassung der m u s e l« manischen Deputierten zu der Nationalversamm- lung mitzuteilm, so wird diese für Sonnabend einberufen werden. Em der Partei. Die„Londoner Bolkszcitimg" teilt in ihrer Nummer vom 2. Juli mit:„Mit der heutigen Nummer beschließt die„Londoner Volks- Zeitung" ihr Erscheinen als Wochenblatt, um als periodisches Mit« teilungsblatt des Kommunistische» Arbeiter- bildungSvereins zu erscheinen." Hus der frauenbewegimg* Für daS Francnftimmrccht. Nachdem der englische Premierminister die zweite Verhandlung deS Antrags Shackleton(Arbeiterpartei) auf Ausdehnung des be- stehenden beschränkten Wahlrechts auf dieFrauen bereits auf den II.Fuli zugelassen hat, fanden im Unterhaus zwei Vorbesprechungen der Freunde dcS Antrags statt: eine von Angehörigen aller Parteien, eine zweite von liberalen Mitgliedern. Man beschloß, alles daran- zusetzen, daß die Beratung zu Ende geführt werde und die Ver« Weisung deS Antrag? an eine besondere Kommission(statt der Weiterberatung im gesamten, als Kommission konstituierten Hause) zu fordern. Auch die auf dem Boden des Antrags stehenden Organisationen: die liberale Frauenvereinigung, die 92 999 Mitglieder zählt, und die Männcrvereinigung für das Frauen- stimmrecht sind sehr rührig. Die letztere hat an den Minister- Präsidenten, der bekanntlich kein Freund deS Frauenwahlrechts ist, einen energischen Brief gerichtet, in dein er aufgefordert tvird, falls die Mehrheit für Annahme des Gesetzes ist, keine Schwierigkeiten zu machen. Unter den Unterzeichnern sind viele der ersten Geister, so Hall Caine, B. Shaw und Zangwill. Man erwartet. daß ASquith und der Führer der Opposition, Balfour, das Wort zu dem Antrag ergreifen. Franenarbeit in Großstädten. In den Gewerbebetrieben der preußischen Großstädte arbeiteten bei der Berufszählung deS JahreS 1997 rund 6S6 999 weibliche Personen. Davon waren verheiratet über 49 999 oder ungefähr 6 Proz. Im Durchschnitt deS ganzen Staates beträgt die Zahl der verheirateten Lohnarbeiterinnen 139 999--- 7>/z Proz. der gewerblich tätigen weiblichen Personen. Obige 686 999 machen ein Viertel der überhaupt in jenen Betrieben beschäftigten Personen aus, die übrigen drei Viertel sind männlichen Geschlechts. In manchen Gewerben überwiegt die Zahl der weiblichen Arbeiter. So be- tragen sie im Bekleidungsgewerbe 27>/. Proz., im Rcinigungs- gewerbe 26'/, Proz., in der Gast- und«schankwirtschaft 5B3/4 Proz. Fast_ die Hälfte stellen sie in der Textilindustrie mit 4C1/a Proz. und in der Papierindustrie mit 45� Proz. Dann folgt das Handels- gewerbe mit 34'/, Proz. Einen beträchtlichen Prozentsatz stellen sie auch noch im Theater- und Schaustellungsgewerbe, nämlich 23'/« Proz., in der Industrie der Nahrung!- und Genußinittel 27 Proz. sowie in der Gärtnerei und polygraphischen Gewerbe mit je 213/« Proz. Sehr gering ist dagegen rhr Anteil im Verkehr. 23/« Proz.. im Baugewerbe 1'/« Proz. und im Bergbau, wo er noch nicht einmal 1 Proz. erreicht. Dies ist daS Verhältnis zwischen der Zahl der beschäftigten Männer und der beschäftigten Frauen. Betrachtet man dagegen die Frauen allein, so ist der größte Teil von ihnen im Handel beschäftigt, nämlich 27'/« Proz.. im Bekleidungsgewerbe 22'/« Proz. Aus die Gast- und Schanlwirtschast entfallen 11 Proz., auf die Textilindustrie 7 Proz., auf die Industrie der Nahrung«- und Genußmittel 6>/« Proz.. auf das Rcinigungs. gelverbe 2'/« Proz._ 25 000 in der Kleidrrindustrie New Uerks beschäftigte Arbeiterinne» sind in den Ausstand getreten. Man glaubt, daß sich ihre Zab» auf 75000 erhöhen wird. OcwcrftfchaftHcbca. Gelbe Rlrrd)el Die Nrauereiarbeiter der Schweiz stehen gegenwärtig im Kampfe mit den Unternehmern. Diese Gelegenheit benutzt der«Bund deutscher Brauergesellen", um Streikbrecher in Massen nach der Schweiz zu liefern. Er hat es auch bisher in allen Fällen gemacht, aber so schamlos wie jetzt wohl noch nie. Nach allen Orten Deutschlands, wo Mitglieder des Bundes arbeiteten, nach den Herbergen und Arbeitsnachweisen wurde ein Flugblatt, unterzeichnet vom stellvertretenden Vor sitzenden des Bundes, Siegert, versandt, der auf die Aus' sperrung der Brauereiarbeiter in der Schweiz hinweist und «alle zurzeit arbeitslosen Bundesmitglieder" auffordert,„un derzüglich nach der Schweiz abzureisen, sobald ihnen eine diesbezügliche Nachricht zugeht." .Die arbeitslosen Kollegen aus Bayern, Württemberg, Baden und Süddeutschland sollen sofort nach St. Gallen reisen und sich bei dem Sekretär Brielmeier, Wassergasse 11, I, melden, die Kollegen aus den übrigen Staaten reisen sofort nach Basel und melden sich bei dem Sekretär Greven, Sulzer Str. 10, l. Die Reise nach dort wird vergütet und sind die Stellungen dauernd." So heißt es in diesem Erzeugnisse der niedrigsten Ge sinnung, das wie zum Hohn auf Ehre und Moral noch mit einem Appell an die Standesehre schließt. Beigelegt sind den Flugblättern noch gedruckte Zettel folgenden Inhalts: .Bund Deutscher. Oesterreichischer und Schweizer Brauergesellen Werter Kollegel Im Anschluß an das beiliegende Schreiben werden alle arbeits losen Bundesmitglieder aufgefordert, sofort nach der Schweiz a b z u r e i s e n." Die Vereine dieses„Bundes" sind in den einzelnen Orten teils den christlichen, größtenteils aber den„Hirsch-Dunckerschen Ortskartellen angeschlossen. Im„Gewerkverein" Nr. 54 vom 6. Juli schrieb jemand anläßlich des Delegiertentages dieses gelben Streikbrecher-Brauerbundes: „Aber treu und unentwegt haben die BundeSgesellen fest gehalten an den Grundsätzen, die sie einmal als richtig anerkannt haben." Ja. das haben sie. Seither war der Streikbruch Grund' satz des gelben Brauerbundes, und diese Grundsätze hält er auch hoch als Mitglied der Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereine. Dieser neueste Streich, den Kampf der schweizerischen Brauereiarbeiter durch Streikbrecherlieferung illusorisch zu machen, wird dem genialen Bundesführer S i e g e r t ja nicht gelingen. Aber diese Tat wird doch dazu beitragen, dckß alle diese Bundesbrauer, die noch etwas Ehrgefühl im Leibe haben, sich mit Ekel von dieser gelben Organisation abwenden. Die Fahnenflucht war in letzter Zeit ja so schon ziemlich groß, sie wird jetzt um so größer werden. Serlln uncl Qmgiffenct. Streikbeschluß der Böttcher. Die Böttcher berieten gestern abend in einer zahlreich be suchten Mitgliederversammlung über ihre Lohnbewegung. Es zeigte sich, daß die Stellung der Arbeitgeber zu den Forderungen zum Teil noch nicht ganz geklärt ist, doch scheint es, daß die Innungen auf eine Verschleppung der ganzen Angelegenheit hinarbeiten. Aus diesem Grunde beschloß die Versammlung, daß die Vertrauensleute heute noch einmal in den einzelnen Werkstätten vorstellig werden, und daß. wo die Arbeitgeber die Bewilligung versagen, die Arbeit von Montag früh ab ruhen soll. Die Tarifbewegung der Etuiarbeiter. Nachdem die Etut orbeiler Berlins dem im Jahre 1907 abgeschlossenen Tarifvertrag zum 30. September laufenden Jahres gekündigt haben, hielten sie am Donnerstag im Gewerkschaftshaus eine öffentliche Versammlung ab, um über die neue Tarifvorlage zu betaten und zu beschließen. Die Vorlage ist von der Kommission und den Vertrauensleuten auS- gearbeitet worden. Dabei konnten, wie der Referent Brucks auS- führte, nicht alle Wünsche berücksichtigt werden, die in der vorigen Versammlung geäußert worden waren. Hinsichtlich der Arbeitszeit sieht die Vorlage eine Verkürzung von 53 auf 51 Stunden vor und zwar so, daß nicht nur Sonnabends, sondern auch Montags nur 8 Stunden, an den anderen Tagen 8� Stunden gearbeitet wird. Die Arbeitszeit verkürznng erscheint namentlich auch mit Rücksicht auf die in den Eluibetricben beschäftigten Tischler geboten, die selbstverständlich nicht länger arbeiten wollen, als es im Tarifvertrage des Holz- arbeitergewerbes festgelegt ist. Bei den Bestimmungen über die Ueberstundenarbeit wird eine Abänderung nicht verlangt. Als Mindestlohn der Eluiarbeiter werden 59 Pf. gefordert, statt bisher 64 Pf.; für das erste Gehilfenjahr 50. statt bisher 43 Pf. Die Etut tiscbler und Kartuschstecker sollen als Mindestlohn 62, statt bisher 67 Pf. die Stunde erhalten, im ersten Gehilfenjahr 62, statt bisher 45 Pf. Außerdem wird eine allgemeine Lohnerhöhung um 5 Pf. die Stunde verlangt, was, auf die verkürzte Arbeitszeit verrechnet. nicht mehr als 5 Prozent ausmachen würde. Zu dem im geltenden Tarifvertrag schon enthaltenen Verbot der Heimarbeit wird ein all gemeines Verbot der Akkordarbeit vorgeschlagen. Durch eine Abände- rung der Lehrlingsskala soll der Lehrlingszucht etwas mehr als bis- her entgegengewirkt werden. Als Tarifdauer werden wiederum drei Jahre vorgeschlagen. In der lebhaften Diskussion über die Vorlage zeigte eZ sich, daß einem großen Teil der Versammlung die Forderungen nicht weit» gehend genug erschienen. Es wurde ausgeführt, daß die vor- geschlagenen Lohnerhöhungen bei weitem nicht der unaufhörlichen Steigerung der Kosten der Lebenshaltung entsprechen. Demgemäß wurden dann auch einige Verbesserungsanträge zu der Vorlage an- genommen. So wurde beschlossen, daß für das erste Jahr des Tarif- Vertrags 5 Pf. allgemeine Lohnzulage, für die beiden folgenden Jahre je 2 Prozent Zulage verlangt werden, und ebenso wurde be- schloffen, daß die Kosten der Arbeitszeitverkürzung von den Arbeit- gebern getragen werden sollen. Mit diesen und einer andern wenig bedeutenden Aenderungen wurde die Borlage gutgeheißen, die nun den Arbeitgebern zugestellt werden soll. Achtung! Nabibputzer, Spanner und Träger! Die auf dem Neubau„Winter-Velodrom", Potsdamer Straße, bei dem Rabitz» Unternehmer Otto S t ü w e beschäftigten organisierten Rabitz- Putzer, Spanner und Träger haben aufs neue die Arbeit ein- gestellt. Am 22. Juni wurden seitens der Organisation die Ar- betten des Unternehmers Otto Stüwe gesperrt, weil auf den Bauten des Unternehmers Stüwe bei neun» bis zehnstündiger Arbeitszeit Klassenlöhne für Putzer von 80 bis 90 Pft, für Spanner 60 bis 70 Pf. und für Träger 60 bis 70 Pf. per Stunde gezahlt wurden. Die tarifliche Arbeitszeit beträgt im Gipsbau- gewerbe 8)4 Stunde und der Lohn bis zum 13. August 1910 für Putzer 90 Pf., Spanner 75 Pf. und Träger 72)4 Pf. die Stunde. von da ab steigt der Lohn um 3 Pf. die Stunde. Am 24. Juni erkannte Herr Stüwe unterschriftlich die neuen Lohn- und Arbeitsbedingungen im Gipsbaugewerbe an und verpflichtete sich, vom 24. Juni 1910 bis 30. September 1911 für Putzer 93, Spanner 78. Träger 76 und Hilfsarbeiter 58 Pf. bei 8)4 stündiger Ar- beitSzeit zu bezahlen, sowie vom 1. Oktober 1911 die weitere Lohnerhöhung von 2 Pf. für alle Gruppen und die noch sonst zwischen der Sektion der Gips, und Zementbranche und dem „Berliner Beton-Verein" vereinbarten Lohn» und Arbeitsbedin- gungen anzuerkennen. Obwohl also Herr Stüwe seine Unterschrift gegeben hat, mußten wir feststellen, daß er diese Vereinbarung nicht innehielt. indem er selbst auf städtischen Bauten ruhig weiter neun Skilnden arbeitski läßt und auch einzelne bei ihm beschäftigle Putzer, Spanner und Träger wieder unter dem vereinbarten Lohn bezahlt. Alle Bauten, auf denen Herr Stüwe Rabitzaröeiten ausführt. sind daher wieder seitens der Organisation gesperrt, und ersuchen Wir alle Kollegen, die Firma O. S tl ü w e streng zu meiden. Die Bauten sind„Winter-Velodrom", Potsdamer Straße, Krankenhaus Reinickendorf-Rosenthal, Lehrter Straße, Kranken- Haus Friedrichshain und Neubau Schule Goßlerstraße. Der Sektionsvorstand. Achtung, Töpfer Z Die Sperre über die Firma Heideck ist hier- mit aufgehoben, da die Differenzen beigelegt sind. Die Verbandsleitung. Achtung, Buchbinder! In der Buchdruckerei von A. Barthels, Weißensee, Generalstr. 8/9, sind Differenzen ausgebrochen. Zuzug von Buchbindern und Buchbindereiarbeiterinnen ist streng fernzu- halten._ Die Ortsverwaltung. An die organisierte Arbeiterschaft! Die unterzeichnete Branchenleitung bringt der Arbeiterschaft sowie auch den Gastwirten Berlins hiermit zur Kenntnis, daß sie für die im Deutschen Transportarbeiterverbande organisierten Kutscher und Mitfahrer aus den Mineralwasser- und Essigfabriken sowie Großdestillationen, Wein- und Bierversandgeschäften eine graue Legitimationskarte herausgegeben hat. Die Ein- führung dieser Karte ist deshalb erfolgt, weil noch immer ein Teil dieser Kutscher der gewerkschaftlichen und politischen Organisation fernsteht. Wir ersuchen alle Gewerkschafts- und Parteigenoffen, falls sie'mit diesen Kutschern in geschäftliche Berührung kommen, dieselben nach der Legitimationskarte zu befragen, eventuell sie auf ihre Organisationspflicht hinzuweisen. Die Karte trägt die Aufschrift deS Verbandes sowie den Namen nebst Mitgliedsnummer deS Inhabers, Ebenso muß dieselbe für den laufenden Monat ordnungsmäßig abgestempelt sein. Die Kollegen des Deutschen Transportarbeiterverbandes werden hiermit aufgefordert, am kommenden Zahlabend der Partei die Genossinnen und Genossen von der Einführung der Legitimationskarte noch be- fonders in Kenntnis zu setzen, damit einer Verbreitung unserer Or- ganisation nach dieser Richtung hin die Bahn frei gemacht werde. die Solidarität! Mit Parteigruß Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Die Branchenleitung der Kcllerarbcitrr und Kutscher. Achtung, Brauereiarbeiter! Die Brauereiarbeiter der ganzen Schweiz befinden sich im Streik. Zuzug nach der Schweiz ist strengstens fernzuhalten. Brauereiarbeiterverband. OrtSverwaltung Berlin. veurkcbes Reick,. Achtung, Former! Wegen Verweigerung von Streikarbeit der Finna K o m n i ck- Elbing sind alle Former der Firma K l a w i t t e r- Danzig entlasten. Zuzug ist fernzuhalten. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Durch Entschlossenheit und Einigkeit haben die Arbeiter und Arbeiterinnen der TilsiterZellstoffabrik, zirka 1990 Per- sonen, eine schönen Erfolg erzielt. So lange dort noch keine Or- ganisation vorhanden war, herrschten die traurigsten Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Es gelang aber im Laufe der Zeit, 86 Proz. aller Arbeiter und Arbeiterinnen des Etablissements im Verbände der Fabrikarbeiter Deutschlands zu organisieren. Die VerHand- lungen, die zum Abschluß eines Lohntarifes führen sollten, dauerten mehrere Wochen, weil die Leiter der Fabrik absolut keine Zu- geständnlffe machen wollten. Da sie aber trotz aller Werbungen nicht genügend Streikbrecher fanden, sahen sie sich schließlich ver- anlaßt, der unerquicklichen Situation ein Ende zu machen,, ehe eS zum ernsten Konflikt, d. h. zur Arbeitsniederlegung kam. Es wurde endlich in eine Tarifberatung eingetreten und, da man sich über alle Positionen doch nicht einigen konnte, das Einigungsamt des Tilsiter Gewerbegerichts angerufen. Die Differenzpunkte wurden beigelegt, davon 19 zugunsten der Arbeiter und nur einer zugunsten des Unternehmertums. Der neue Tarif, der bis zum 1. April 1911 laufen wird, erhöht den Stundenlohn um 4 Pf. Bisher wurden 26 Pf., jetzt werden 30 Pf. pro Stunde gezahlt. Eine bedeutende Verbesserung bringt aber der Tarif den Kochereiarbeitern, die bisher der größten Willkür durch die Voarbeiter und Meister ausgesetzt waren. Der Tarif garantiert nun den Arbeitern der Kocherei, bei llstündiger Schicht, einen Verdienst von 4,69 M. pro Tag. Der Sieg der Tilsiter wird zweifellos auch die Arbeiter der Königsberger Zellstoffabrik aus ihrer unverantwortlichen Gleich- gültigkeit rütteln. Hier herrschen auf dem Gebiete der Organi- 'ation noch die trostlosesten Zustände. Die Direktion chchlt daher auch die erbärmlichsten Löhne und hierzu wird noch die Ausbeu- tung der Menschenkräfte durch ein Prämiensystem in Reinkultur betrieben. So ward es möglich, daß die Königsberger Zellstoff» nbrik den Reingewinn von 787 900 M. im Jahre 1908/1909 auf 1 961 900 M. im Jahre 1909/1910 steigern konnte, also um ein Mehr von 274 000 M., alles aber für die Aktionäre, nichts für die Arbeiter._ Borläufige Einigung im Stukkateurgewerbe des Ruhrgebiets. Nachdem die in voriger Woche in Essen erneut aufgenommenen Verhandlungen insoweit negativ ausgefallen waren, als die Unter- nehmer für die Dauer des in Aussicht genommenen auf drei Jahre berechneten Tarifs nur zu dessen Beginn eine Lohnerhöhung zu- gesagt, die Arbeitervertreter aber erklärt hatten, daß sie dieses Zu geständnis nicht akzeptieren könnten, wohl aber ihren Auftraggebern unterbreiten würden, hatten diese in einigen Orten deS Tarifgebiets ür den 4. Juli den Streik beschlossen. Darauf fand auf Ver- anlassung der Unternehmer im letzten Augenblick in Düsseldorf eine erneute Zusammenkunft der beiderseitigen Vertreter statt. Es kam schließlich zu einer Vereinbarung, wonach die Arbeit bei dJ/3 iündiger Arbeitszeit und 70 Pfg. Stundenlohn festgesetzt, resp. fo. ort wieder aufgenommen werden soll. Ueber die Frage der Lohm teigerung in den Jahren 1911 und 1912 soll in einer demnächst tatlfindende» Verhandlung eine Einigung herbeizuführen versucht werden. Sollte es da zu einer Einigung nicht kommen, so soll ein SckiedSgericht entscheiden. Zu dem Geltungsbereich des neuen Tarifs gehören: Bochum, Dortmund. Gelsenkirchen. Hagen, Herne und Recklinghausen nebst umliegenden Landgemeinden. Zur Feilenarbeiterbewegung in Remscheid. Trotz aller Versuche, die der Metallarbeiterverband unternahm, um den Frieden in der Feilenindustrie zu erhalten, ist eS doch zur Arbeitsniederlegung gekommen. Am 4. Juli legten in 86 Betrieben 660 Maschinenhauer und Hilfsarbeiter die Arbeit nieder. Mit wenigen Ausnahmen ruht der Betrieb in den Hauereien der be- treikten Firmen vollständig. Die Zahl der Ausständigen wird sich aber noch erhöhen, da in einigen Betrieben die Kündigung noch nicht abgelaufen ist. Die Bewegung wird auch sonst noch Erweiterungen er- ahren, denn am 6. Juli wurde den im Betriebe verbliebenen Arbeitern, den Schmieden, Schleifern, Härtern, Packern der Firma stowein u. Cie. gekündigt, so daß- dieser Betrieb vollständig zum Stilliegen kommt. Zuzug ist streng fernzuhalten.— Weiter ist der Ortsverwaltung Remscheid deS Metallarbeiter-Verbandes sofort Mitteilung zu machen, wenn irgendwo Streikarbeit angefertigt werden sollte. Die Remscheider Metallarbeiter haben fich auf ewen langen Kampf gerüstet. Arbeiter sorgt dafür, daß sie sich nicht über Zuzug zu beklagen brauchen; denn an dem Ausgang dieses Kampfes find sämtliche Feilenhaucr Deutschlands interessiert. Dachdecker als Streikbrecher gesucht! Am 23. April wurden aus Anlaß der allgemeinen Aussperrung im Baugewerbe auch die Dach- decker im rheinisch-westsälischen Industriegebiete aufs Straßenpflaster geworfen. In einer Verhandlung am 24. Juni waren dl« Nnter« nehmer nicht einmal bereit, den Dachdeckern die Verbesserungen an» zubieten, die der Schiedsspruch im allgemeinen den Bauarbeitern brachte. Am 24. Juni haben die Dachdeckermeister noch Zeiwngs- Meldungen die Aussperrung aufgehoben und machen nunmehr ver- zweifelte Anstrengungen nach Arbeitswilligen, die sie im AusstandSgebiet nicht finden können. Die Unternehmer suchen im „Deutschen Arbeitsmarkt" und einer Anzahl Tageszeitungen Dachdecker, besonders die Firmen Riegels und Hasenkox- Duisburg scheinen hierbei die Generalagentur übernommen zu haben. Arbeits- lose Dachdecker, die sich erst nach den Verhältnissen erkundigten. wurden in bewußter Weise irregeführt, indem man diesen mitteilte, daß die Aussperrung erledigt sei, nicht aber bemerkte, daß der Kampf unverändert fortbesteht. Wer sich vor Enttäuschungen hüten will, lehne jedes Arbeitsangebot nach den Orten Duisburg, Dortmund. Essen, Bochum, Gelsenkirchen, Witten, Recklinghausen, Herne und Hamborn entschieden ab, da es sich um Streilbrechergesuche in allen Fällen handelt. Arbeiterfreundliche Zeitungen werden um Abdruck gebeten. Die EtuiSarbeiter in Hanau hatten mit großer Einmütigkeit die Kündigung eingereicht, weil die Arbeitgeber ihren Forderungen nicht genügend Entgegenkommen bewiesen hotten, grundsätzlich keinen Tarifverttag abzuschließen und mit dem Buchbinder-Verband, in dem die Etuisarbeiter organisiert sind, nicht verhandeln wollten. Am 6. Juli fanden nun unter Vorsitz des Gewerbegerichtsvorsitzenden Hild Verhandlungen statt, an denen auch Vertreter des Buchbinder- Verbandes teilnahmen. Nach fünfstündiger, zum Teil recht schwieriger Verhandlung wurde eine Verkürzung der Arbeitszeit von 66 auf 64 Stunden erreicht und eine Festsetzung des Minimallohnes für Ausgelernte auf 36 Pf. pro Stunde. Alle übrigen Arbeiter und Arbeiterinnen erhallen für die zwei ausfallenden Arbeitsstunden eine entspreckende Lohn- erhöhung und außerdem weitere 10 Proz. Lohnzulage. Der Akkord» lohn wurde in ähnlicher Weise wie die Stundenlöhne aufgebessert. Für Ueberstunden find 16 Proz. mehr zu zahlen, wofür bisher einzelne Betriebe keine Höherbezahlung gewährten. Eine Schlich- wngskommission, bestehend aus 3 Arbeitgebern und 3 Arbeitnehmern mit einem unparteiischen Vorsitzenden, wurde vorgesehen. Ebenso eine Lehrlingsskala— bis 3 Gehilfen 1 Lehrling, bis 6 2, bis 10 3 und bis 15 Gehilfen 4 Lehrlinge. Das Abkommen— das Wort „Tarif" wurde von den Arbeitgebern verpönt— gilt vom 1. August 1910 bis 31. Juli 1913._ Letzte JVachncbten und Dcpcrcbcn. Mord- und Selbstmordversuch. Ein blutiges Liebesdrama hat sich gestern abend in der zehnten Stunde im Norden der Stadt abgespielt. In dem Hause Schivelbeiner Straße 27 versuchte der 37jährige Jta- liener R u d.o l f i seine Geliebte, die um fünf Jahre ältere Witwe Annci Grundmann, zu ermorden. Er feuerte mehrere Revolverschüsse auf sie ab und brachte sich dann selbst mehrere Schüsse bei. Beide Personen wurden lebensgefährlich ver- letzt. Seit mehreren Monaten wohnte R. als Schlafbursche bei der Witwe. Zwischen beiden entwickelte sich bald ein Liebesverhältnis. Da R. des öfteren Geld von der Grund- mann lieh, kam es bald zu Zwistigkeiten zwischen beiden. Gestern abend nach 9 Uhr kehrte R. nach seiner Schlafstelle zurück und verlangte wieder Geld. Er bekam aber nichts, und nun führte er einen erregten Auftritt herbei, in dessen Verlauf er plötzlich den Revolver hervorzog und drei Schüsse auf die wehrlose Frau abfeuerte. Als auf die Schüsse hin Nachbarn herbeieilten, ergriff der Attentäter die Flucht. Er raste die Treppe hinunter, wurde aber verfolgt. Da er keinen Ausweg mehr sah, jagte er sich unten auf dem Hausflur eine Kugel in den Kopf und in die Brust. Lautlos brach der Mörder zusammen. Ein von der Nachbarschaft hinzu- gerufener Arzt veranlaßte die Ueberführung der beiden Schwerverletzten nach der Charitö. Sozialistische Interpellationen in der französischen Kammer. Paris, 8. Juli.(W. T. B.) Der Deputterte B o u i s s o n sSoz.) richtete in der Deputiertenkammer eine Interpellation an die Regierung wegen der gesetzwidrigen Verwendung von Afrikanern an Bord von französischen Dampfern. Er machte dem Unterstaats- fekretär Cheron den Vorwurf, daß er sich in parteiischer Weise in den letzten Streik der eingeschriebenen Seeleute in Marseille ein. gemischt habe. Cheron erwiderte, er habe nur seine Pflicht getan. indem er die sozialen Gesetze zur Anwendung gebracht, die Versuche, Unordnung zu stiften, unterdrückt und die Verhaftung der Disziplin- b recher angeordnet habe. Die Kammer nahm darauf mit 367 gegen 95 Stimmen eine Tagesordnung an, welche der Regierung das Vertrauen aussprach. Weiter brachten mehrere Sozialisten eine Interpellation über die Affäre des Bankiers Rochette ein, der vor Gericht Zeugen dafür beibrachte, daß seine Verhaftung auf Eingreifen des Polizei» Präsidenten Lepine erfolgt fei, obwohl der Untersuchungsrichter die Einstellung deS Verfahrens beschlossen hatte. Der Ministerpräsident Briand erklärte sich bereit» am Montag die Interpellation zu beantworten._ Verurteilte Reservisten. Marseille, 8. Juli.(W. T. B.) Das Kriegsgericht hat fünf Reservisten, welche wegen der Meuterei im Lager bei Nimes am 23. Mai unter Anklage gestellt worden waren, zu zwei bis sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Automobilnnfall. Wehrhelm(Taunus). 8. Juli.(W. T. 0.) Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich heute nachmittag auf der Chaussee von W e h r h e i m nach Usingen. Der Chauffeur des in Bad Homburg zur Kur weilenden Lord Harriman aus London machte mit zwei Kollegen eine Vergnügungsfahrt. An einer Kurve verlor er die Gewalt über den Wagen, der in den Wald geschleudert wurde. Der Chauffeur flog gegen einen Baum und war sofort tot. Einer der Mitfahrer erlitt einen Leckenbruch, der andere leichtere Verletzungen. Schwerer Bauunfall. Wien,� 8. Juli. Am Neubau eines Hauses in Neu- Sauden stürzte tzin Gerüst ein, wobei zahlreiche Arbeiter ver- vnglückten. Bisher sind 4 Tote, 17 Schwer- und 29 Leicht- verletzte geborgen worden.__ Verheerende FeuerSdrunst. Oedenburg, 8. Juli. Die Ortschaft Frankenau wurde von einem furchtbaren Brand heimgesucht, der beinahe den ganzen Flecken einäscherte. In kurzer Zeit standen S2 Wohnhäuser und zahlreiche Wirtschaftsgebäude in Flammen. Sämtliche Gebäude des OrteS mit Ausnahme einiger einige hundert Meter abseits liegenden Gebäude wurden eingeäschert. Eine Frau, durch deren Unvorsichtigkeit der Brand entstand, sowie zwei Kinder und ein alter Man» haben in den Flammen den Tod gefunden. Die Cholera in Rußland. Petersburg, 8. Juli.(W. T. B.) Nach einer siebentägigen Unterbrechung sind jetzt wieder fünf Cholerafälle hier festgestellt worden. Die Stadthauplmannschaft Kertsch ist für choleragefährlich und das Gouvernement Wilna für cholerabedroht erklärt worden. vsrantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.i»H.Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Buchdr.u.Verlag»anstaa Paul Singer Lc Co� Berlin M. Hierzu 4 Beilogr»«.Nutcryaltungshd fr. 158. 37. Iahrgaus. t KeilM des Jstmirls" Knlim MMM ZoNgdevd. 9. Iii!! 1910. Aus der ticicl)sverii(l)erungsordnungs- Kommiiiion. Sitzung vom Freilag, den S. Juli. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Vorsitzende zwei Zuschriften. Die eine ging aus von dem Rendanten der Kieler Ortskrankenkasse und die andere von dem Vorstande der Kaste. Beide Schreiben erklärten alle jene Anschuldigungen für unw.ahr. die in einer der ftüheren Sitzungen gegen den Rendanten der Kaste er- hoben worden find. Abg. Pauli wiederholt seine Erklärung, dah er den Beteiligten den Namen seines GewährSmamreS zur Ver- fügung stellt. Die Verhältnisse der Krankenkassen zu de» Apothekern sollen in der Vorlage folgendermaßen geregelt werden: Die Satzung kann den Vorstand der Kaste ermächtigen, wegen Lieferung der Arznei Vorzugsbedingungen mit einzelnen Apothekenbesitzern oder Apothekenverwaltern zu vereinbaren. Dann kann die Kasse, von dringenden Fällen abgesehen, die Bezahlung anderer Apotheker ab- lehnen, wenn diese sich nicht bereit erklären, zu den gleichen Bedingungen zu liefern. Die Verträge sind binnen einer Woche dem Versicherungsamt und außerdem spätens eine Woche. bevor sie den Kastenmitgliedern bekanntgegeben werden, allen Apotheken- besitzern und Apothekenverwaltern des Kastenbereichs mitzuteilen. Genügt die von einer Kasse gewährte Arzneiversorgung nicht, so kann das Oberverstcherungsamr die Kasse zwingen, den Kassenmitgliedern den Bezug der Arzneimittel von mehr Apotheken freizugeben. Die Apotheken dürfen den Krankenkassen solche Arzneimittel, die auch ohne ärztliches Rezept abgegeben werden können, ohne Rücksicht auf die Form der Verschreibung nicht höher als zu den im Handverkauf üblichen Preisen anrechnen. Für die anderen Arzneimittel haben die Apotheken den Krankenkassen nach näherer Bestimmung der obersten Verwaltungsbehörde einen Abschlag von den Preisen der Arznei- taxe zu gewähren. Die Sozialdemokraten wiesen darauf hin, daß das Recht der Kaste, mit einzelnen Apothekenbesitzern Vorzugsbedingungen zu vereinbaren, illusorisch gemacht werde durch den Zusatz, die Be- zahlung anderer Apothekenbesitzer könne die Kasse nur dann ver- weigern, wenn die Apotheker nicht zu den gleichen Bedingungen liefern. Denn selbstverständlich gestehen einzelne Apothekenbesitzer nur dann der Kasse Vorzugsbedingungen zu, wenn ihnen als Ent- schädigung dafür von den Kassen ein größerer Absatz gesichert, das heißt die alleinige Lieferung vorbehalten wird. Die Vorlage gehe auch in der Tat von der Annahme aus, daß es mit dieser Be- ftimmung den Kasten unmöglich gemacht ist, Vorzugsbedingungen von den Apothekenbesitzern zu erlangen. Deshalb soll die oberste Verwaltungsbehörde einen Abschlag von den Preisen der Arzneitaxe bestimmen. Damit sei den Kassen die Bertragsfreiheit zum schweren Schaden der Kasscumitglieder entrissen worden. Hier in Berlin hätten sich die Kassen einen Abschlag von 20 Proz. erkämpft. Wären schon die in der Vorlage enthaltenen Bestimmungen maßgebend ge- wesen, wäre also der Abschlag von der obersten Verwalwngs- behörde festgesetzt worden, dann hätten die Kasten nie und nimmer diesen Abschlag erreicht. Deshalb beantragten die S o z i a l d e m o- kraten, daß die Verpflichtung, die Kasse müsse alle anderen Apothekenbesitzer zur Lieferung der Arzneien unter den gleichen Be- dingungen zulassen, gestrichen werde. Damit wäre auch die Vor- schrift überflüssig geworden, daß die Verträge, bevor sie in Kraft treten, allen anderen Apothekenbesitzern mitgeteilt werden. Die Regierungsvertreter erklärten, daß die vor- geschlagenen Bestimmungen zum Schutze der Apothekenbefitzer un- bedingt notwendig seien. Die Herren müßten ihre Apotheken für teueres Geld kaufen. Deshalb dürfe ihnen nicht durch die Kranken- kästen die Kundschaft entzogen werden. Die Sozialdemokraten wendeten sich gegen diesen Grund. Die Preise der Apotheker werden umso höher, je mehr die Apotheken- befitzer die Preise der Arzneimittel in die Höhe schrauben können. Das sei die Folge des ganz unhaltbaren Apothekenprivilegs, das die freie Konkurrenz auf diesem Gebiete ausschließe und den Arznei- Wucher immer mehr verschlimmere. Am besten wäre es, wenn man die neuen Bestimmungen streichen und die Vereinbarungen über den Abschlag den Beteiligten selbst überlaste, wie es bisher gewesen ist und sich im ganzen sehr gut bewährt habe. Leider gab auch hier wieder das Zentrum den Ausschlag für die Entrechtung der Arbeiter: die Bestimmungen der Vorlage wurden von dem Zentrum, den Konservativen und den National- liberalen mit einigen unwesentlichen Aenderungen angenommen und damit die Anträge der Sozialdemokraten niedergestimmt. kleines Feuilleton. ZeppeNnS Polarfiudienfahrt. Das Zeppelin- Polarunternehmen, über deren Aussichten wir gestern berichteten, unternimmt diesen Sommer eine Studienfahrt. An ihr nehmen neben Zeppelin und einigen Gelehrten ein wirklicher Prinz als Protektor und einige dekorative Geheimräte teil, welch letztere aber in Bergen bereits Wieder nach Hause geschickt werden. Ueber die Absichten und Pläne der Expedition, die inzwischen in Bergen eingettoffen ist. verbreitet das Wolffsche Bureau folgende Mitteilungen: Die vornehmlichste Aufgabe der Fahrt ist, festzustellen, ob sich auf Spitzbergen Buchten finden, die Luftschiffen des Zeppelinschen Systems einen sicheren und geschützten Hafen gewähren können und die Bedingungen zu ermitteln, unter denen solche Luftschiffe auf dem Eise im Notfalle oder aus Gründen wissenschaftlicher Unter- suchungen zu landen vennögen, wobei hervorgehoben werden darf, daß die meteorologischen Verhältnisse des arktischen Sommers besonders günstige Bedingungen für die Motorluftschiffahrt darbieten. Um beiden Aufgaben zu genügen, wird der Dampfer„Mainz" zunächst eine Reihe von Buchten der Westküste Spitzbergens anlaufen. darauf bis zum Eise nach Norden dampfen und alsdann an der Eis- kante entlang nach Südwesten, um a» geeigneter Stelle durch den breiten Eisstrom an der Osttüste Grönlands, etwa in der Breite von Kap Bismarck oder südlicher gegen diese grönländische Ostküste vor- zudringen.. � �. Da ein eisernes Schiff von der Große der„Mainz" zu Fahrten ins Packeis sich nicht eignet, ist ein bewährtes norwegisches Fang- schiff, der hölzerne Dampfer„Phönix" gechartert, auf den die Mir- glieder übergehen, sobald das Eis die weitere Fahrt der„Mainz" hindert. Beide Schiffe sind mit Funkiprucheinrichtungen versehen, um sie in dauernder Verbindung zu halten. Graf Zeppelin mit dem Luftschifführer Lau wird, unterstützt durch die Eiserfahrungen Profestor v. DrygalSkiS, Ankerversuche auf großen Eisschollen vornehmen, Professor Hergesell seine ärologischen Forschungen der Atmosphäre in diesen Breiten mit Hilfe von Registrierballonaufstiegen fortsetzen und die meteorologischen Be- dingungen für die Fahrt mit Luftschiffen festzustellen suchen. Neben diesen Hauptaufgaben werden ozeanographische Arbeiten von Drygalski und Reich, sowie Arbelten MietheS über Absorption Ker Sonnenstrahlen und photogrammetrische Aufnahmen Spitz- bergens einhergehen, während Graf Zedlitz Beittäge zur Kenntnis der höheren Fauna sammeln wird. Mit einem zur Lusirahme von zwei Personen geeigneten Fesselballon von öbv Kllbik- meler sollen Aufstiege auf Spitzbergen wie auf dem Packeis, ins- besondere auch Verankerungsversuche vorgenommen werden. Nach Anlaufen von Tromsö, wo der Dampfer„Phönix" sich der Fahrt der „Mainz" anschließen wird, soll am 12. Juli die Reise nach Spitzbergen fortgesetzt werden. Die Rückkehr der„Mainz" nach Bremerhaven ist für Ende August vorgesehen. Die nationalliberalen Abgeordneten wollten die Be- stimmungen der Vorlage sogar noch mehr im Interesse der Apotheken- besitzer„verbessern". DaS ging jedoch selbst den anderen bürger- lichen Parteien zu weit. Die Anträge wurden mit allen Stimmen gegen die der Nationalliberalen abgelehnt. Außerdem hatten die Sozialdemokraten folgende An- träge gestellt: Die Apotheken sind verpflichtet, den Krankenkassen gegen an- gemessene Kaution Kredit zu gewähren. Diese Bestimmung, so führten die Sozialdemokraten zur Begründung aus, habe die Erfahrung als notwendig erwiesen, um ganz unberechtigte Schwierigkeiten zu vermeiden, die manche Apothekenbesitzer den Kassen bereiten.— Ein zweiter Antrag der Sozialdemokraten wollte den Krankenkassen das Recht geben, eigene Apotheken zu errichten und sie durch geprüfte Apotheker verwalten zu lassen. Diese Apotheken sollten Arzneimittel nur an die Versicherten der Kranken- lassen abgeben dürfen, die die Apotheken errichtet haben. Beide Anträge wurden abgelehnt. Mehr Glück hatten die Sozialdemokraten mit dem Antrag, der sich auf das' Verhältnis der Krankenkasse» zu de» Drogiste» bezieht. Der Antrag wollte den Kassen das Recht geben, durch die Satzung den Vorstand zu ermächtigen, wegen Lieferung von Arznei- mittel», die dem freien Verkehr überlasten sind, Vorzugsbedingungen mit einzelnen Drogisten zu vereinbaren und von dringenden Fallen abgesehen, die Bezahlung anderer abzulehnen. Eine entsprechende Bestimmung sollte auch in bezug auf Badeanstaltsbesitzer gelten. Die Sozialdemokraten stellten fest, daß nach dem geltenden Recht die Rechtslage der Kassen zu den Drogisten zweifel- Haft sei. ES liegen einander widersprechende Entscheidungen der Gerichte auf diesem Gebiete vor. Durch die neuen Bestimmungen der Vorlage würden die Zweifel nicht beseitigt werden. Deshalb sei eine Klärung der Rechtslage, wie sie die Anträge vorschlagen, notwendig. Dem stimmten auch die anderen Redner zu. Bei der Ab- stimmung gelangte aber ein später eingegangener Antrag des Abg. Behrens zuerst zur Abstimmung, der seinem Wortlaute nach das- selbe wie der sozialdemokratische Antrag forderte, nur die Bestimmung nicht als einen neuen Absatz hinzufügen, sondern an einer früheren Stelle einschalten wollte. Der Antrag wurde mit großer Mehrheit angenommen. Damit war der sozialdemokratische Antrag erledigt. Nachdem aber der endgültige Wortlaut des ganzen Paragraphen festgestellt war, ergab es sich, daß durch die Einschal- tung des Antrages Behrens die Aberkennung des BerttagSrechls der Krankenkassen auch auf die Drogisten ausgedehnt worden ist. Diese sehr bedenkliche Verschlechterung des Antrages der Sozialdemokraten hatte kein Redner befürwortet. Sie wird daher zweifellos in der 2. Lesung wieder beseitigt werden. Fortsetzung Sonnabend. HU! der lufMonrniiniOD. Sitzung vom 8. Juli 1910. Arn Freitag wurden die zum§ 330 gestellten sozialdemokrati- schen Anträge abgelehnt. Eine längere Debatte veranlatzte der Verschlechterungsantrag der Natioualliberalen und Konservativen, der nach den Ausführungen unserer Genossen im Effekt die R e- Visionen, namentlich gegen Schwurgerichtsurteile, so gut wie gänzlich ausschalten würde. Die Regierung schien diese Ver- schlechterung ihrer Vorlage nicht ungern zu sehen, denn verschiedene Kommissare erkannten den„gesunden Kern" des Antrages an; sie sträubten sich nur gegen seine, auch ihnen anscheinend zu reaktiv- näre Form. Sehr energisch sprachen sich gegen den Antrag außer unseren Genossen noch die Redner des Zentrums und der Fort- gjrittspartei aus.— Nachdem bei dieser Gelegenheit sich noch eine ebendebatte— im Anschluß an eine Berührung des Allensteiner Prozesses— über eine strengere Handhabung der beschlossenen Aus- schließung der Oeffentlichkeit angeschlossen hatte, in der unsere Ge- nosten sich gegen jede Verschärfung der Ausschluß- bestimmungen wendeten, wurde der nationall iberal-konser- vative Antrag abgelehnt und der§ 330 in der Fastung der Regie- rungsvorlage angenommen. Zum Z 337 beantragten unsere Genossen, daß die Frist, in der die Revision einzulegen ist, von 8 auf 14 Tage verlängert wird; auch soll die Einlegung der Revision nicht von der Unterschrift eines Rechtsanwaltes, noch von ihrer Entgegennahme durch einen Gerichtsschreiber abhängig sein. Der Antrag wurde abgelehnt. Beim Z 346 beantragte Abg. Groeber, daß bei der Auf- Die Brände in Rußland. ES ist eine gewöhnliche Erscheinung in Rußland: sobald der Schnee geschmolzen ist, beginnen die Brände in den kleinen Städten, Dörfern und auch in den Wäldern. Jedes Jahr können die Reisenden der Sibirischen Bahn aus den Waggonfenstern diese eigenartige„Illumination" beobachten, wie ganze Gegenden in Flammen stehen. Und man läßt ruhig brennen oder, wenn irgend ein Dorf, eine Niederlassung direkt vom Brande bedroht wird, treffen die Bewohner Maßnahmen"zu ihrem Schutz. Um die in größerer Entfernung wütenden Waldbrände kümmert man sich nicht. Die Ursachen der Brände sind darin zu suchen, daß das große Reich keine genügende Kultur besitzt. Solange der russische Bauer kaum zu lesen und schreiben vermag, wird und kann er nicht von Trunksucht. Unvorsichtigkeit mit Feuer und Licht usw. abkommen und dieses sind die weitaus häusigsten Ursachen der Feuerschäden. Sodann ist auch die Bauart der Städte und Dörfer ganz unerhört. Wenn in einem Dorfe die Reihe der Holzhäuser mit ihren Strohdächern außerdem noch durch Zwischenbauten verbunden ist. wenn in den meisten Städten dre Bevölkerung in einem hölzernen Häusermeer wohnt, ist es leicht zu begreifen, daß ganze Städte und Dörfer in Flammen aufgehen. Es gibt nur sehr wenige feuersichere Bauten, sogar in der Residenz und in den Großstädten. Also auch hier ist keine genügende Kultur, kein Unternehmungsgeist, kein Fortschritt. Wie die Brände gelöscht werdest, das ist wieder ein eigenes Kapitel. In kleinen Städten und aus dem Lande ist der Urjadnik (Polizist) meist der Kommandant auf der Brandstelle. Gelöscht wird aber zumeist mit Schimpfen, Schreien, Schlagen, oder man hält zur Abwechselung Gottesbilder gegen das Feuer. An ein zielbewußtes Löschen denkt man nicht. Als in der Jrkutsker Stadtduma kürzlich ein Stadtverordneter die Aufmerksamkett der Stadtväter auf diese Tatsache lenkte und darauf hinwies, welcher Schaden dem Staate und welches Elend dem Volke daraus erwüchse, und die Stadtduma zur Bekämpfung der Brände aufforderte, stieß der Antrag auf Wider- sprach in der Stadtduma. Es wurde ihm entgegengehalten, daß die Sorge um die Brände Sache des Staates sei usw. Aber die Brände tümmem sich nicht um diese Kompetenzfragen und das Feuer nimmt seinen verderblichen Weg weiter. Humor«nd Satire. Ent- und verhüllte Denkmäler. Der Märchenbrunnen wird nie fertig; Er schläft noch hinter'm Bretterzaun. DaS Virchowdenkmal gegenwärtig Ist endlich doch enthüllt zu schau'n. Erst brachte Virchow man figürlich Zur Darstellung— zunächst Modell Die Beine schienen unnatürlich Und Klimsch schuf dann was andre? schnell. Ein Herkules kam zur Erscheinung; Stark muskulös, nackt wie ein Splint; Da sprach die öffentliche Meinung: ,Det kann unmöglich Virchow sind P Hebung eines Urteiles das Revisionsgericht die Sache immer an ein! anderes Gericht zu verweisen hat. Auch sollen die Gerichte, die sich nach der Aufhebung des Urteils mit der Sache zu beschäftigen haben, bereits auf ein Jahr voraus vom Präsidium des Revision�- gerichtes bestimmt werden. Gegen diesen Antrag wurden die verschiedensten Bedenken laut, so auch das, daß die Form des Antrages es möglich erscheinen lasse, daß eine Verweisung an ein dem Ange- klagten ungünstiges bekanntes Gericht erfolgen könnte. Nach dem bestehenden Recht kann die Sache an ein anderes Gericht ver- wiesen werden; es wird aber meist dem erkennenden Gericht zu-c geteilt. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein sozialdemokratischer Antrag, zum§ 350 gestellt, forderte, daß das Gericht, an das eine Sache vom Revisümsgericht verwiesen wird, auch auf eine Verminderung des Strafmatzes nach der ersten Entscheidung erkennen kann, wenn eine Straftat oder die Annahme einer Jdealkonkurrenz, oder bei einer forrgesetztcn Hand- lung Einzelakte entfallen, wodurch eine Milderung der Strafe be« dingt würde.— Der Antrag wurde abgelehnt, ebenso ein ähnlicher aber nicht so weitgehender Antrag Groeber. Der fünfte Abschnitt des dritten Buches handelt von der Wiederaufnahme des Verfahrens. Einige zu den ZZ 351 und 352 gestellte Anträge unserer Genossen wurden ab» gelehnt. Nach einem zum§ 353 gestellten Antrag Groeber soll ein Ver- fahren auch dann wieder ausgenommen werden, wenn sich das Urteil auf ein unter Verletzung der Zeuger.- oder Sachverständigen- Pflicht abgegebenes Zeugnis oder ein Gutachten stützt. Unsere Ge- nosten beantragten, daß der 2. Absatz des Paragraphen gestrichen wird, nach dem die Wiederaufnahme wegen der Berücksichtigung einer falschen Urkunde oder einer falschem Aussage erst dann statt- finden kann, wenn diese sirafbaren Handlungen rechtskräftig fest- gestellt sind.— Der Antrag Groeber wurde angenommen, der sozial- demokratische Antrag abgelehnt. Fortsetzung am Sonnabend. Hus Induftm und Ftandd. Der schnelle wirtschaftliche Aufschwung Japan? zeigt sich an der rapiden Zunahme seiner Industrie. Nach einer Zusammenstellung des amtlichen„Deutschen HandelS-Archivs" stieg der Wert der in Japan(ohne Formosa) hergestellten hauptsächlichsten Waren in der Zeil von 1903 bis 1907 wie folgt(die von uns ab- gerundeten Zahlen bedeuten Millionen Den; 1 Den ist ungefähr so viel wert wie 2.10 M.): 1903 1904 1905 1903 1907 Seidengewebe....II öb'/z 5? 60'/« 93»/, 94'/« Gewebe aus Seide und Baum- wolle gemischt..... 14»/, Baumwollgewebe..... öl1/, li 52 2-/4 1»»/, 10'/, II/4 «°/4 7 iv, 43/4 18'/« ?'/« IS'/, 71'/, »'/, l?u 12'/« 8'/« 7'/« ß'/a 5'/, 16'/« 9 20/4 86'/, SV, 15'/, 13'/2 lb'/, 13»/, 10'/« 6'/« 4'/« 10°/. 11'/, L4 lOZl/, 10'/, 12'/, 15 13 "/, 11 Hanfgewebe....... 2»/« Japanisches Papier.... 12'/, Europäisches Papier.... 7 Streichhölzer...... 10 Porzellan- und Töpferwaren. 7 Matten........ 8'/, Lackwaren....... 5»/« Strohgeflechte...... 3°/« Leder 4 Oel.......... 8 Der teilweise Rückgang im Jahre 1904 war natürlich durch den Krieg verschuldet. Unmittelbar darauf zeigt sich der Aufschwung in den meisten Branchen um so deutlicher.— Es versteht sich, daß auch der plötzliche gewaltige Mehrbedarf an Leder im Jahre 1904 durch den Krieg verursacht war._ Wofür der Deutsche Ausfuhrprämien bezahlt. Unter dieser Ueberschrift erzählt die Handelszeitung des „B. T." folgende Dinge, die man kaum für möglich halten sollte: Wenn Roggen ordnungsmäßig gemahlen wird, so ergibt er zirka 65 Proz. Mehl und 30 Proz. Kleie, zirka 5 Prvz. gehen verloren. Jedoch, seit der letzten Zollerhöhung für Brotgetreide von 35 auf 50 MI. bis 65 MI. per Tonne ist es ein sehr lukratives Geschäft ge- worden, deutschen Roggen nach Rußland auszuführen, jenseits der Grenze zu vermählen, aber nur etwa 35 bis 40 pCt. Mehl auszubeuten und die restlichen 55—60 pCt. als„Kleie" zollfrei wieder in das Inland einzuführen. Es ist das eine Folge der deutschen Einfuhrscheine. Bei dem heutigen Roggenpreise von 15 Mk. per 100 Kilo frei Kalisch kosten diese 100 Kilo nach Nun ist'S für jedermann verständlich: Am Postament prangt VirchowS Bild Als Brust-Relief, und so ward's endlich Am KarlSplatz feierlich enthüllt. Zwar gab'S noch einige Weiterung«»: Ein Häuschen stand an seiner Frontz Wo ein Bedürfnis notgedrungen Man ab und zu befried'gen könnt'. Nach Ueberlegunaen, noch reifen, Setzt man dies Haus wo anders hin; Zwar— sich Bedürfnisse verkneifen, Lag wohl nicht recht in Birchow's Sin». Am Märchenbronn ist'S angenehmer;— In dem verpönten Friedrichshain Kann man am Bretterzaun bequemer von allen Lasten sich befrei'». _ R. Oergler. Notizen. — DaS Schicksal von GoetheS Nr-Meister. der in Zürich wieder aufgefundenen ersten Fassung seines RomanS Wilhelm Meister, scheint ein trostloses zu werden. Alle Welt freute sich be- reits auf die nachträgliche Gabe des frischen jungen Goethe, es wurde auch eine billige Ausgabe zugesagt. Aber vorläufig wird der entdeckte Schatz wieder eingesargt. Dank der Neberspannung des kapitalistischen Erbrechtes hatten ein Nachkomme des berüchtigten Rinaldini-Verfassers Vulpius, mit dem Goethe nur die Schwagerschaft gemein hatte und der Fürst Henckel von DonnerSmarck die Hand- schrift reklamiert. Diese„Erben" haben die erste Veröffentlichung des Ur-Meisters der großen Weimarer Goetheausgabe überlassen, die echt byzantinisch nach der ganz gleichgültigen Großherzogin Sophie benannt ist. Da diese Ausgabe nur insgesamt abgegeben wird und verschiedene hundert Mark koster, ist alio der Ur-Meister für das deutsche Volk vorläufig verschollen. Hosientlich wird er nicht auch noch zu Ehren der Großherzogin Sophie kastriert, wie es den Vene- zianischen Epigrammen erging. — Die Kunst- Ehrenpreise der Stadt verlin wurden, nachdem sie in der Großen Berliner Ausstellung bereits früher verteilt waren, nun auch in der Sezession verliehen. Sie fielen den Malern K. von Kardorff und Theo von Brockhusen zu. — Die Totenfeier als Lustbarkeit. Was wir von der Lustbarkeitssteuer, die Berlin bedroht, etwa zu erwarten hätten, darauf bereitet ein Vorgang aus Dresden vor: Dort existiert seit vorigem Jahr gleichfalls eine Lustbarkeitsverordnung." Auf Grund dieser erklärte der Dresdener Rat eine am 28. April in Privaträumen abgehaltene Totengedenkfeier für Liliencron, zu der einige Karten ausgegeben waren, für eine„Lustbarkeit" und fordert jetzt nachträglich(unter Androhung von Bestrafung) 10 M.„Lust- barkeitssteuer". Abzug des durch den Ginfuhrschein rüa vergüteten Zolles von 5 Mk. nur noch 10 Mt. jenseits der Grenze. Selbst wenn der russische Müller jenseits der Grenze sogar nur 45 bis 50 pCt. an Mehl und 45 bis 50 pCt. Kleie gewinnt und diese Kleie zollfrei wieder nach Deutschland schafft, so kosten— ohne Berück- sichtigung des Mahllohncs— in Rusiland die auS 100 Kilogramm deutschen: Roggens gewonnenen zirka 50 Kilogramm Mehl nicht mehr als die nach Deutschland wieder eingeführten zirka 50 Proz. Kleie. Das heisit also, der Russe bekommt mit Hilfe des deutschen Staatszuschusses seinen Brot st off aus deutschem Getreide so billig wie wir unser Viehfuttcr. Die Sache wird denn auch gehörig ausgenutzt. Eine große Anzahl von Mühlen ist längs der deutschen Grenze daraufhin neu entstanden, besiehende sind erheblich vergrößert worden. Allein in der Grenzstadt Kalisch wo bis vor einigen Jahren nur eine einzige Dampfmühle von 10 bis 15 Tonnen täglicher Leistung bestand, hat seit der letzten Zollerhöhung(1306) die Müllerei einen solchen Um- sang angenommen, daß dort täglich 400 Tonnen zumeist deutscher Roggen vermählen werden. Ja unter den Augen des Zollamtes Skalmierzyce wird fast unmittelbar hinter der deutschen Grenze mm Mühlenwerk"~-- ein neues Mühlenwerk von einem deutschen Getreidehändlcr mit einer täglichen Leistungsfähigkeit von 250 Tonnen errichtet, so daß schon mit Ende dieses Jahres der Bedarf an Roggen in Kaiisch allein auf täglich 650 Tonnen steigen wird. An anderen Grenz- Übergängen, zum Beispiel Sosnowice, liegen die Verhältnisse ähn- lich. Der Verlust, den Deutschland allein an dem über die trockene Grenze nach Rußland ausgeführten Roggen erleidet, ist auf 10 bis 12 Millionen Mark jährlich zu beziffern. Die Einfuhrscheine dienen also dazu, russische Grenzmühlen leistungsfähig zu machen auf Kosten der deutschen Müllerei. Kleie auS deutschem Getreide, die wir über Rußland beziehen, ist billiger— und außerdem noch viel mehlhaltiger, also um so stärker in der Konkurrenz— glS die aus demselben Getreide in Deutschland hergestellte. Die Lage beS Biehmartt>rS. Die Marktveschickung war im Juni an allen Märkten mit nur wenig Ausnahmen geringer als im Mai. infolgedessen, wie auch der Laife der Viehhaltung entsprechend, stiegen die Preise für O ch s e n an den meisten Märkten bis zu 4 M. im MonatS« mittel. Für Bullen war der Aufschlag an manchen Märkten noch größer. an anderen etwas weniger groß. Kühe stiegen in Süddeutschland 5—6 M., in Rorddeutschland 4 M. im übrigen 2—3 M. In dem bisher teuersten Jahr für Großvieh, im Jahre 1006, erreichten die Rinderpreise erst im Monat August die Höhe, die sie bereits jetzt im Juni erklommen haben, so daß aller Voraussicht nach im laufendenHerbst die Preise höher sein werden, als in irgend einem Jahr vorher, Erhöhungen der Fleischpreise sind somit nicht zu vermeiden. Die Marktzufuhr von K ä l b e r n ist im Juni an allen Märkten wieder zurückgegangen. Aber auch der Konsum hat sich vermindert, obgleich beim Kalbfleisch das MrtschaftSgesetz nicht zuzutreffen scheint. daß steigende oder hohe Preise den Konsum verringern, denn erst seit dem Bestehen der hohen Preise ist der Kalbfleischkonsum so stark ge- wachsen. Die Zeit der grünen Bohnen bringt alljährlich auch eine starke Vermehrung deS Hammelfleischkonsums, namentlich in Mitteldeutsch- land. Die Preise zogen in Berlin um 8—4, in Hamburg und Breslau um 2 M. an. während die übrigen Märkte bei geringem Bedarf willig blieben. In Süddeutschland war das Angebot nach der Schur drängend, während bis dahin große Zurückhaltung herrschte. Man nimmt deshalb an, daß die Preise weichen werden und auch die nord- und ostdeutschen Märkte die jetzige Preishöhe nicht werden halten können. Auf dem Schweinemarkte herrscht dem Sommer entsprechend Zurückhaltung. Einkäufe und Schlachtung bewegten sich auf der niedrigsten Grenze, wohingegen das Angebot ziemlich stark ist. ES war ebenso groß wie im Monat Mai und die Folge davon war ein weiterer Preisrückgang um 1— IV, Pf. im Monatsdurchschnitt. Man nimmt an, daß die Preise auch noch weiter zurückgehen. GemKts- Leitung. Der Rohrftock in der Schule. � Pom Landgericht Frankenthal ist am 7. April der Lehrer M. in Mörsch wegen fahrlässiger Körperverletzung zu 30 M. Geldstrafe verurteilt worden. In der Pause hatten Kinder versehentlich einen Blumentopf vom Fenster des Angeklagten heruntergeworfen. Der Angeklagte kam heraus und schlug die beiden Täter mit einem Stöckchen. Der eine Knabe, den er nur an der Hosennaht gepackt hatte, lief um ihn herum und dabei erhielt er zahlreiche Schläge statt auf das Gesäß auch auf Arme und Schultern sowie auf den Rücken und die Oberschenkel. Die Züchtigung war ihrer Art und Weise nach unzulässig und als übermäßig zu bezeichnen. Vorschriften über die Ausführung der Züchtigung sind von der Regierung der Pfalz nicht erlassen. Nimmt man, so heißt es im Urteile, zugunsten des Angeklagten an, daß das Maß der Züchtigung dem Lehrer überlassen das Urteil meint, die Schläge nicht ausgeteilt. Er wollte das Gesäß treffen. Bei pflichtmäßiger Aufmerksamkeit mußte der Angeklagte aber wissen, daß die Schläge auch auf andere, ungeeignete Körper- teile treffen konnten.— Die Revision des Angeklagten wurde am Donnerstag vom Reichsgericht als unbegründet verworfen, Ein Hauptmann a. D. als Totschläger. Wie wir bereit» auf Grund eines Telegramms mitgeteilt hatten, verurteilte das Dortmunder Schwurgericht den Hauptmann a. D. und Gutsbesitzer Ludwig Möllenhofs wegen Körperverletzung mit Todeserfolg und versuchten Totschlags am Donnerstag zu 3)4 Jahren Gefängnis. Der in zweitägiger Schwurgerichtsver- Handlung aufgerollte Sachverhalt ist für die junkerlichmilitärische Auffassung bestimmter Kreise kennzeichnend. Der Angeklagte, Hauptmann a. D. Gutsbesitzer Ludw. Möllen- hoff auf Haus Osthoff in Werries,.Kreis Hamm in Westfalen hatte neben seinem Gutehof den Pächter Aug. Jürging wohnen. Dieser bewirtschaftete mit seinem Bruder Gustav und einer Schwester den von Möllenhoff gepachteten Acker. Zwischen dem Pächter und dem Hauptmann bestanden mehrfach Differenzen. Möllenhoff ist zweimal wegen Beleidigung des Pächters bestraft worden. Am Abend des 3. Juni entstand wieder eine AuSein- andersetzung. Möllenhoff ging danach in feine Wohnung, holte und lud sein Jagdgewehr und stellte sich vor dem Pächterhause auf. Gustav Jürging. der Bruder des Pächters, wußte, daß der Haupt- mann leicht zur Flinte griff. Er befürchtete,'daß Möllenhoff seinem Bruder mit der Flinte zu Leibe gehen wolle. Er wollte deshalb das Gewehr des Hauptmanns festhalten, als dieser nach der Tür der Pächterwohnung schritt, er erhielt aber einen Schlag mit einem Stock von Möllenhoss über»»uge. Infolge de» Gckjtoges stürzte er und erhielt dann einen Schutz von Möllenhoff, der ihn n Arm und Schulter traf. Der Pächter kam nach dem Schuß heraus und rhielt auch gleich einen Schuh, daß er, in die Backe getroffen, tot hinsank. Andern Tags wurde der Hauptmann verhaftet. Möllenhoff trat in der Verhandlung sehr selbstbewußt und sicher auf. Er schützte Notwehr vor. Seine Ausrede wurde durch die Beweisaufnahme völlig widerlegt. Der Gutsbesitzer und Hauptmann a. D. scheint nach der Be- Weisaufnahme seine besonderen Anschauungen über preußische Justiz und Gerechtigkeit zu haben. So hat er einmal geäußert: er wolle doch einmal sehen, ob man einen preußischen OWiziev ins Gefängnis bringen könne! Schon in frühere, Jahren hat der Hauptmann einen anderen Pächter angeschossen, als dieser auf einem Kirschbaum saß. Der Hauptmann wurde angeklagt, kam aber mit— 20 Mark davon. Eine Zeugin hat gehört, wie Möllenhoff einmal zum Pächter in dessen Wohnung sagte:„Ihr stinkt ja vor Faulheit!" Ein Bruder des Erschossenen bekundet, wie Möllenhoff den vom Bruder gemieteten Keller verschiedene Wochen hindurch verschlossen ge- halten hat, trotzdem die Pächterfamilie die Nahrungsmittel im Keller und diese nötig hatte. Seinem früheren Forftaufscher hat der Hauptmann die In- struktion gegeben, wenn Bergleute den Waldweg gingen, sollten sie dreimal angerufen werden. Wer dann noch einen Schritt voran tu«, solle niedergeknallt»verden. Zu diesem Zeugen hat Möllen- hoff einmal gesagt, eS fei schade, daß es nicht mehr sei wie vor 100 Jahren unter der Leibeigenschaft, da habe man mit den Bauern anders umspringen können. Gendarmerie-Wachtmeister Vorwerk ist bor Jahren einmal in Hamm in der„Elektrischen" gefahren. Möllenhoff fuhr auch im Wagen und hat den Wachtmeister gesagt, dieser müsse unter den Bauern besser aufräumen. Als der Wachtmeister fragte: Wieso? meinte der Hauptmann:„Passen Sie mal auf, wenn ich erst auf meinem Gute in Osthoff bin, dann solle» die Bauern springen, dann sollen sie hinterm Pfluge tanzen, dann will ich gründlich auf- räumen!" Zu bedauern ist, daß gegen den Augeklagten nicht die Anklage wegen Mordes erhoben und daß er nicht zu Zuchthaus verurteilt ist. Ob die 3/4 Jahre Gefängnis seine Gesinnungsgenossen vor ähnlichen feigen Rohheiten zurückhalten werden, erscheint recht zweifelhast._ Witter, ingsuberlltvt vom 8. Juli 1910, morgens 8 Uvr. ärotnembe. Bett« I 750 SB 755 WSW 751 SW 759 NW 759 W 75« B 1 Dunst 5 Regen 7 Regen S wolkig S wolkig 4 wolkig erlw antf.a.SX. cheu Wie» Wetterprognose für Sonnabend, den 9. Juli 1910. Zunächst noch vorwiegend trübe mit geringeren Regensällea mäßige» westlichen Winden: später aufklarend und etwa» wärmer. Berliner Setterburrai e« »II 21 17 IS 10 11 und {Pfianzerverein„Veilchen". | Am B. Juli verschied infolge eines Unglücksfalles unser lieber Kollege und Mitbegründer unseres | Vereins 28676 Qottlieb Hampel. Wir werden(ein Andenleu stets Bin Ehren halten. 1 Die Beerdigung findet Sonntag k nachmittag 4'/, Uhr statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet ver irorvtaiid. Zentral-lepeiB der Biltlhaiier DeutseWanfls. Verwaltung Berlin. Am Mittwoch, den«. Juli, ver- starb nach langjährigem Leiden unser altes Mitglied, der Holz- blidhauer Christian Jeppesen 49 Jahre alt. Sei» Andenken t« Ehre«! Die Beerdigung findet statt am Somiabend, den 9. Juli, nach- mittags 4 Uhr, aus dem zweiten städtischen Friedhof in Schöneberg. (Bis Station Papestrahe fahren.) Rege BeteUigung erwartet 20/6_ Per Yorwtand. Zentralverband der Bötteher, Weinköfer und BiMeiter Deutsehlaiids (Filiale Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, I daß unser Kollege Fritz Hinz j am 4. Juli verstorben ist. Ehre seinem Andenken l , Die Beerdigung findet heute I Sonnabend, nachm. 4 Uhr, vom I Birchow- Krankenhaus au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 1 39,6 Der' Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau und Mutter tieariette kaier geb. NeuBmim am Mittwoch nach langem, schwerem Leiden im Krankrnhause ver- starben ist. 2871b Um stille Tellnahme bitten IReni»»i»» Baier nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 2'/« Uhr, von der Leichenhalle des Barthoio- mäuS-FriedhoseS w Weißensee, Falkenberger Straße, aus statt. I Mark wiiclientliciie Ersatz für Maß Ankert, n. Maß. Tadellose Ausf. Julius Fabian Schneldermstr. Große Frank- inrterstr. 37 II ElngangStraus- berger Platz. IL Geschäft; Tarmstr. 18 anr erste Etage, kein Laden. Am Mittwoch, den«. Ju», vor- mittags 8 Uhr, verstarb nach schwerem Leiden unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Bräutigam, der Töpfer Franz Neurnann im 24 Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. Juli, nach- mittag» 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» RummelSburger ffle meinde-FriedhoseS, Lückstraße, aus statt. 28756 Danksaaung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManncS Hermann Friese sage ich allen lieben Verwandten, Freunden und Bekannten meinen innigsten Dank. 2L72b Awe.«ßrie Friese, Faickensteinstr. 20. Kerren-Konfehtion! GWfts-«Nil WerWWligkll finden statt: Sonnabend, den v. Jult, abends 8'/, Uhr: sür die Kollegen der Firmen S. Adam und Herm. Kaufmann tt. Co. bei Schulz, Münzstr. 17(Eingang am KönigSgraben): für vte Kollegen der Firmen Stern Gebr. und Hugo Herrmann n. Co. bei Rcgnl, Btschofstr. 12(am Neuen Markt); für die Kollegen der Firma Hopp n. Kurzweg bei»oft, Kloster str. 101. Montag, den 11. Juki, abends 8'/, Uhr: sür die Kollegen der Firmen Bender u. Guttmann, Jean Popper und Ad. Stier bei Schulz. Mänzftr. 17(Eingang am KönigSgraben) Z sür die Kollegen der Firma 188/7 L. Elsbach Nächst. bei Regul, Bischosstr. 12(am Neuen Markt) z für die Kollegin der Firm» Peek«. Cloppenburg in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Sttoß« 18m; für die Kollegen der Firma S. Reichmann bei Weihnacht. Grünstraße 21. vollzähliges und pünktliches Erscheinen envartet Die Kounnisston. llücheltepreis tttr Damen und Herren M. 13,50 Lnxue-Austührung M. 16.50 Fofd«« Sje �Mybg-h V Salamander Sfhuhges. m. b, H-, Berlin •--.r'rvvv,-'.''" ZeStfile: Berfa W. 8, FriedricltSÖ'aSfe 182 Q«Klg-ZKSe 41 SW. Friedrich- Straase 331 C Roeen thaler Tor W. Potsdamer Strasse S W, Taueatzien-Stressa 15 MW. Witsnaeker Strasse Ecke Tarn-SUmh• N. Bsd-Strassa 30., Spandau, Breite Strasse 30 Steglitz, Schlou- Strase 30 Danksagung. 1 Orts- Krankenkasse c die herzliche Teilnahme und 1 der Für die herzliche Teilnähme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruder» und Schwagers Artnr Wein sagen wir allen Verwandten, Kollegen und Parteigenossen unleren innigsten Dank Die Htnterbltebenen: Familie Wein. QHEEI0SE02B m. biunfehl.yiel.Aorzi. u.Prof. erst, oll lt. Oncer, Handschuhmacher n. verwandt. Gewerbe zu Berti«. Sonnabend, den 16. Juli, abend» 9 Uhr, bei Seile, Brunnenstraße 41h TageS-Orvnung: 1. Statutenänderung. 2. Ver» schledenes.• 276/11 Die Delegierten werden ersucht vollzählig zu erscheinen. Berlin, den 9, Juli 1910. Her VorHtand. I. H. Hinz, Vorfitzender. Terwaltonc Berlin. Bodenleser. nach ver Unterspree Montag, d. 11. Juli: und Havel'bis Potsdam. Abfahrt von der Moabiterbrücke(St. Von Charlottenburg(Schloßbrücke) um 7'/« Uhr. 86/5 ES ladet hierzu ein DaS Komitee. um TU Uhr. JA. Sehntmeister BERLIN SO., Dresdener Sir. 4. nochbihn'station Kottbuser Tor. Moderne Palelols und Ulster 1- n, Sreihig. Formen rom Dnroh- knöpfen, in d. neuest. Most, rw cn 48.50 45.- 40.&0 71«1 80.60 88.60»0.60 Ll öl Jackett-Anzüge elegante Fassons, prima Roßhaar- Vorarbeitung 60.— Ol Rn 46— 4L.6O 88.60/ i aU 84.- 88.66 27.60 UTH Rock-AnzOga.. 29M 54S Gehrock-Anzüge 36 60 70Z Lüster-Jacketts.. Wasch- u. Schilfleinen- Jacketts... 200- 7 60 Loden-Pelerinen. lO80�50 Gununi-Mäntel.. IG'MS00 Herren- Beinkleider. Arbeiter-Berutskleidung. j Anferligiino nach MaB In eigenen Werkstätten unter meiner persßniichen Leitung. Prima Sitz».Verarbeitung onn □DD □□□ Theater und Vergnügungen Eovnabend, den S.Juli. Ansang S',, Uhr. Neues königl. cpcrn-Theater. Götterdämmerung. Ansang S Uhr. Deutsches. ReichstagSwahl. Kammerspiele. LiebeSwalzer. Lessing. Kaserneiilust. «owi'che Oper. Der Regiments- P-chv> Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Rur ein Traum.(Ansang v Uhr.) Berliner. Taifun. ReurS Operetten. Der Gras von Luxemburg. Thalia. CharlehS Tante. Hebbel. Wem gehört Helene? Spuk.(Ansang 81/« Uhr.) Schiller O.(waliuer- Theater.) La Traviata. Schiller Charlottenburg. Die von Hochsattel. Rose. Der Gesundbeter. Lustspielhaus. Das Leutnants- mündel. Metropol. Halloh ll— Die große Revue. FolieS Kaprice. Pariser Ehen. DaS Versöhnungssest.(Ansang S',« Uhr.) Apollo. Spezialitäten.- Banage. Spezialitäten. »teichsballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten Prater. Im Reiche des MarS. Urania. Taube»s»rasse 48/19. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernenlnft. Berliner Theater. Heut« 8 Uhr: Talflllla Morgen: Tnlfnn. Ä'eues Operetten-Theater. Heute und folgende Tag« 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er. mäßigt. Preisen: Die Doll«rprliire«sla. Lusispielhaus. Abends 9 Uhr: Das Leutnantsmundel OSE=THEATE Große Franksurter Str. 182. LeriZssunellieter Schwant in 3 Alten von A. O. Weber. Ans. 8 Uhr. Ende'1,11 Uhr. Morgen und solgende Tag«: Der Gesundbeter. Aus der Kartenbühne: Theater» «orsiellung. SpezialttSten. Br. Konzert. Ansang 4'/, Uhr. Aotang 8 Uhr. Da« vollständig neue Programm I 5 Beaut�s Korinnas 5 Phantasietänzerinnen vom königl dänischen Ballett. Sebimpanse-Grang-Utang als Tandemfahrer. Holland Im Orient. Operette— ohne Mtnner— in zwei Szenen, dargestellt von 18 KoÜätideritmen sowie weitere 8 große Dehnte. Metropol-Theater Hallo!!! Die grolSe Revue! In 8 Bildern von Jul Frennd. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Sohnlts. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: .Abenteuer eines Toreros*. Les fleurs Polonaises .Ein polnisches Banemlest*. Amann Mimiker und Charakteristiker sowie die sensationellen Attraktionen des JnH-Pro|franinia l Passage-Panoplikum. 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Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. �"rkfe-Thealer 1 Weiobergsweg 19-20, Rosenth.Tor. 1 Abends 8 Uhr: Das großartige Variete«Prograimn Folies Caprice Anfang 81/« Unr. pariser eben. Der Htblet. Die keusche Coinette. Das Versöbnungsfeft. am See und Bahnbol Stralaa-Rammelsbnrg. Täglich: O Spezialitäten Theater, Konzert. V oigt-Thcater Gesundbrunnen' Badftr. 68. Heute Sonnabend, abends'1,8 Uhr: Hebern grollen Teleh. Gr. Lebensbild mit Ges. und Tanz in 4 Abteilungen von Adolf Phillipp. Da» große phänomenale Juli-Programm. Kassenerössnung 2 Uhr, Ans. 4'/, Uhr. MM B Brnnncnstralie 10. Das größte Kino- Theater Berlins. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottschcld-Opcr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Gastspiel der Koloratursängerin Fräulein Margherita Simonetti: 1-a Traviata. Sonntag, nachm. 3Uhr bei ermäßigten Preisen: Hie Hollarprlnzessin. Sonntag, a oe n d s 8 Uhr: Hie Fürster-Cbrlstl. Theater. Schiller-Theater(Charlottenburg). Sonnabend, abends 8 Uhr: Hie von Hochsattel. 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Snmnrnn. 0,50,1,—, 2,—, 3M., Für Abends; Vorverkauf, bei Werthoim, Leipzigerstraße» und sämtlichen Vorverkaufs-» filialen.* oigat» Cyrill Hatle H oaiTOnstroiu aller furapaiscli.ZeüCiftiBse[ Nur noch wenige Tagell Blxdorf-Berlin, PdUgerstr.J u. Pannlerstr.-Ecke. Telephon: Rixdorf 806. Heute abend 8>/4 Uhr: QalaaAbend. mit allen Attrakt., u. a. Kurt E Just, Schuir., Chong-Jh, heilige[ ohines. Zauber, u. Zopfakrob.,| Conto Seranos, Löwen der| Wildnis, Gerhard! Mohr, König( der Springer, Corty u. Rettie, I urdroD. singende Parodisten,| und vieles andere mehr. Circus Halle liegt 4 Min. Tor entfernt I Hochb. Kottbuser u. die Straßenbabnen 94 n führen hin. 58 fuhltnanns Theater Schönh. A. 148— Kastanien-A. 97/99. Wohltätiakeitsfest zum Besten der Puhlmanns Theater steht Kopp. GelegenheitSscherz von.... Austrelen de« gesamten erstklassigen Spezialttäten-Personals. Ans,'i.v Uhr. Ende? Entree 3V Ps. H vn nd t- Ni n» in». �olzmartlstr. 27, Ecke Aiexanderstr. snhaber: Mar Sehlndelhauer.) Im herrlichen Naturgarten täglich: Luoi Bernharde, Oper.-Soubrette. The Lanzas, Excentric-Alrobatic- Tänzer.— Gustav Bonns, moderner Humorist— Bernhard« u. Martens: „Die Macht deS Walsers». »Inf. Wochent. T'/i, Sonnt. 5 Uhr. Schweizer Garten Am KSnigstor— Am Friedrichshain, Theater- d. Spel-lforstelluDg. U. a.: Fliitners Wanderzirkus. Jvonuhl:d frinz Pinne. Gr. Ausstatt.-Oper. m. Ballett. Jeden Mittwooh: Kinderfest. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang S Uhr. Entree 80 PI V olksgartea- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bellermamistraße. Täglich: Konzerl-, Theater- und Speziaiitäten-Versteliung. DaS neue Niescnprogr. Zur AussüHrung gelangt: Hehevt nnd Hcctrmn. Post« mit Gesang u. Tanz in 4 BW. Jed. Donnerst.: Gr. Briliant-Feuerw. Kerlmtr vrater- Theater Kastanienallee 7—9. __ Täglich: 3m Reiche des Sffavs Spezialitäten, Konzert u. Ball. Ansang 4>/, Uhr. Entree 30 Ps. HchsHälienlMeFr Stettiner Sänger Zum Schluß: Künstler d. Landstraße. Url. Burleske von Mo/so!. »lnsang wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Vereins-Braasrei Rlxdorf, Hermannstr. 2147219. Oekonom: Max Wondt. Täglich:-Wl Gr. Militär-Konzert. Ansang Wochentag» 7 Uhr. , Sonntags 4 Uhr. -Victoria-> Brauerei, Lotzowst. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Gr. hnjnorlst. Soiree. (GesangSvorträge, Theater und B arietä-Borstellungen.) Sonntags, Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränzcben. Ans.: Wochentag« 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle Bons güllig. Im Restaur.: Mittagstisch 75 Ps. Gr. u. kl. Säle zu Festtichteiten aller Art. Max Saeger. IMOW E. MiOler Kalkberge sÄÄs. Großer schattiger Garten mit Halle. Großer Parkett-Saal. Jeden Sonntag: UMS Tana. Kasfeekiiche, Kegelbahnen. ?sür Pereine und Gesellschnsten »laute Bedingungen.(Schicken tleine Preise.) Dampseranlegestelle dlrett am Lokal. DMer�Itl-M Felix Scheuer StralsuBderstr.l Soeben erschienen: Die große Aussperrung üud die Zukuust derArbkiterkumpfe im Reiche. von Parva*. Preis... SO Ps. tafchen-fltlas zur Moholfrage. Text von Dr. med. Uolitschcr. Preis... 1,00 M. Gebunden. 1,30 M. Ezpeditiou des Jornriitte" Berlin SW., Lindenstr. 09 (Laden).• Bfftt den Inhalt der Inserate übernimmt die Redattion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Dandorf&G Belle- Alliancestrasse Grosse Frankforterstrasse Brunnens trasse Kottbuser Damm Sot�uvamt Kaff ss LS.1 95p,. s.l.15 Haushalt-Schokolade.............»»68 Pf. Cervelatwurst.............. I.20 Salamiwurst................*** I.20 Teewursf...................... I.20 Knoblauchwurst.......... � I.20 Schinkenwurst............ I.20 Plockwurst.................. Ptod I.20 ff. Leberwurst.............. pf.nd Los Landleberwurst.......... Pfund 95« Rotwurst I................... Pfund 75pf. Schinkenspeck............ p�d Iis Nusschinken............... p�d 1.30 Unsere Blaubeeren.................. Pfund 20 pt Aprikosen.................... Pfund 37 pt Pflaumen..................... 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Kandel 5, 10pt Junge Karotten.......» Bund 10« bleue Kartoffeln...... spfund25pt Woche » Heute letzter Tag Es versäume Niemand von dieser äusserst günstigen Einkaufsgelegenheit ausgiebigsten Gebrauch zu machen. ■ Man verlange bei Egnkäuffen Rabattmarken I. Ziehung I. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung rom S. Juli, Tormittags. Kot die Gewinne Uber 50 Mark sind den betreffende» Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewllhr.)(Nachdruck Terboten.) M 55 87 U7 SM TT 800 423 573 712 fl 57 842 ks 980 1 009 ISO 639 2311 774 924 3 003 493 955 SS 4129 339 488 747 847 5023 39 665 728 810 943 6157 201 323 769 79 7474 916 8074 143 253 593 8M 998 9614 77 694 821 953 10057 163 78 319 SO 599 619[100] 70 95 11263 315 "45 428 690 1 2055 224 315 49 705 16 821 13290 455 69 14040 43 392 618 55 974 1 5030[200] 68 169[100] 252 594 622 951»8 1 6004 101 70 275 405 569 886 17264 881 87 606 762 833[100] 73 1 8702 35[100] 77 818[400] 936 1 9011 187 407 65 624 923 51 2 0062 354 845 21160 317 53 424 514 39 2 2617 964 2308» 519[100] 97 723 77 841 987 2 4214 63 336 49 »7 492 595 603 797 2 5 097 52 360 83 653 791 93 925 [100] 26045 94 140 330 414 680 826 SO 63 917 27133 61 239 70 76 414 806 65 68 2 8086 260 84 351 432 81 [200] 695 800 2 9 234 77 903 9 24 3 0046 136 200 834 31123[XOO] 73 242 408 548 606 45 727 3 2061 366 810 3 3416 86 617 67 734 813 42 34920 43 507 802 77 87 3 5131 241 553 943 44 3 6034 63 220 493«06 975 3 7344 627 34 896 3 8048 157 654 39105 9» 486 40141 266 446 599 683 4 1 293 619 91 763 80 4 2010 ISS 637 753 815[100] 22 45 80 920 4 3070 106 218 47 420 655 728 80 98 879 943 4 4022 44 62 154 222 531 759 874 992 71 45024»5 199[100]*3 454 65 86 706 56 46002 124 75 235 772 879 4 7083 ISS 251 340 699 832 93 932 4 8243 314 51 539 35 751 93 851 49134 205 S 407 626 618 808 907 52 88 50007 22 177 483 694 790[200] 895»50»3 51029 «3 318 51 532 77 955 5 2297 440 916 23 5 3571 861 54191 213 69 337 665 73 750 972 55310 4S8 685 764 877 56154 242[100] 374 449 78 593 830 46«1[100] 57189 693 93 728 805 5 8012 242 46 357 418 56» 791 833 5« 59151 119 569 637 847 900 60008 239 334 608 717 893 94 969 61100 93 466 506 41 691 6 2 627 737 6 3054 85 161 219 80 491 641 727 62 841 971 64073 189 338 56 96[300] 456 653 679 765 6 5050 148 74 215 429 6 6386 482 567 687 761 857 67019 27 121 83 527 738 6 8248 448 668 71 806 94« 79 69077 109 77 213 325 45 91[100] 92 691 7 0028 201 22 406 41 617 7 1 028 68 95[300] 253 357 424 SO 691 92 780 92 901[300] 72037 389 400 92 783 7 3017[100] 300[100] 565 717 871 968 74148 261 67 488 93 653 812 84 7 5203 25 464 528 33 44 614 76190 245 335 533 624 79 759 72 7 7422 627 7 8092 100 463 517 48 755 990 79119 370 643 799 840 80110 70 205 31[100] 46 388 4SI 560 680 71« 48 895 81064 220 69 352 537 62 646 748 82093 292 542 863 5- 93 8 3074 IIS 88 97 380 426 513 77 99 705 54 805 18[100] 21 49 86 98 8 4048 242 46 56 519 85[400] 645 945 8 5183[100] 303 497 901 86031 52 500 724 4t 6« 821 77 8 7053[100]' 149 234 642[200] 753 829»34 88032 59[ 400] 102 202 364 819 943 73 8 9052 258 545 625 767 885 9 0062 372 78 91192 256 487 694 779 93 933 89 S2096 202 549 51 58[200] 85 694 918[100].18 75 93125 305 538[100] 59 93 606 61 9 4053 233 422 562 824 974 9 5105 15 477 692 9 6030[400] 299 412 713[100] 806 99 939 9 7 215 411 70[300] 673 631 841 9 8039 412 2« 877 919 60[200] 99431 309 92 417 35 555 620 791 83»[400] 999 100079 92 340 468 573 841 40 1 377 492 503 77«41 736 859 924 85 1 02159 252 515 59 710 52 901[500] 1103 212 523 797 956 1 04108 90[200] 836 92 921 81 84 5290] 10 5019 6 4 314 81 467 546 604 30 735 58 1 06060 142 53 312 402 24 37 66 68 560 603 40 85 1 0 7042 49 «29 4JT 715 10838? 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KL 223. Kgl. Preuss. Lotterie, Ziehung vom«. Juli, nachmittags. jfuz Ha Gewinne über 50 Mark sind den betreficnden Nummern in Klammern beigefügt. i(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) . 16[100] 108 261«4 319 448 984«0 1135 432 559 768 «63 2047 69 370 4-12 719 28 3348 434 47 528 663[100] 4094 88 352 630 814 18 5014 16 119 254 444 521 856 6072 89 IlOO] 276 738 50 54 865 84 947 7015 67 236 65 674 617 7W 868 8 269 335 62 456 9 091 102 416 852[100] 981 10196 211 694 756 850 919 69 11183[100] 211 603 821 112020 17[100] 92 280[100] 533[100]«28 1 3128 261 84 ÜB2 810 77 934[100] 14401 UOO] 726 51 89 947 1 5105 553 TIS 803 980 1 6169 584»Ol» 32 1 7172 216 324 40 526 31 742 864 1 8262 803 81 453 647 603 SO 864 013 119098 167 789«13 92 95« 2O015 101 92 328 2 1 008 180 834 409 517 94 877«84 122113«7 23196[200] 251 480[200] 81 514 713 636 62 5 93 959 2402« 217 21 88»18 848 932 53 89 25111 469 7 912 26223«2 74 31««21 77 807 27107 15 373 453 589 «32 837 28037[100] 332 461 657 864 84 2 9 073 74 189 630 726 804 46 74 993 30234 511 657 739 43[100] 819 50 903 31141 70 259 321[200] 535 666 835 3 2 015 133 207 407 533 605 17 89 733 47 52 3 3045 175 219 93 310 63 468 589 777 864 96 906 3 4215 62 351 62 624 791 833 919 35217 66 323 556 861 [36159 98 273 91 559[100] 609 775 868 66 908 37319 450 75 943 88 3801» 213 585 743 928 75 39921 28? 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Zur de» LnieratenteilveraiUio� Th. Glocke, Berlin- Arucku-Lerlag: BonvärUBuchdruclsrei n, Lerlagsanjiaii Paul Singer& fio., Berlin SÄ Nr. 138. 27. Jahrgang. 2. KnlM des Jotiuitts" Kerliiier PoMlott. Sonnabend, 9. MIM. Sie iteht'5 mit«ier kirbeiterverlicherung? Dies Dhema besprachen am Donnerstagabend in GrofcBerlin 8 öffentliche politische Versammlungen. Im GewerkschaftShaus, dessen großer Saal überfüllt war, sprach Reichstagsabgeordneter Robert Schmidt. Nach den letzten Geschäftsberichten, führte er u. a. aus, hätten wir jährlich in Deutschland allein 980 909 Rentenempfänger. Das bedeute, daß 989 999 Menschen im Dienste der Arbeit Schaden erlitten hätten an ihrer Gesundheit, an ihrem Wohlergehen. Ganz abgesehen von den Getöteten und hilflos Zurückgebliebenen. Allein im Jahre 1997 hatten wir 144 798 Personen, die der Unfallversicherung zur Last gefallen sind, und davon seien 1356 vollständig erwerbsunfähig ge- Wesen, während nicht weniger als 9815 Personen durch Betriebs- Unfälle getötet waren. Sie hinterließen 29 525 Hinterbliebene, die sie ernährt oder doch zum Teil ernährt haben. Das gebe uns einen Einblick in die gewaltige Zerstörung von Menschenmaterial, die jähr- us, jahrein vorkomme. Dazu nehme man die kolossale Zahl dep Invaliden- und Altersrentner(887 999 und 198 999). Wohl se- der Etat der Arbeiterversicherung riesig angeschwollen, aber auf alle verteilt, komme auf den einzelnen ein dürftiger Betraa. So umfaßte z. B. 1997 die Durchschnitts-Jnvalidenrente 166 Mark. Heute gebe der Staat 49 Millionen Mark Zuschuß zur Invalidenversicherung. Die Summe müsse erhöht werden. Sie höre sich allerdings schön an— für den, der unseren Reichsetat nicht kenne. Dieser umfaßte 2 Milliarden 699 999 Mark, wovon der höchste Betrag für Militärzwecke verwandt werde. Demgegen- über seien 59 Millionen eine äußerst geringe Summe. Nachdem Redner noch das heuchlerische Getue der Industriellen über ihre Belastung ins rechte' Licht gerückt hatte, ging er in seinen Aus- führungen über auf die„große Reform" der Arbeiterversicherung, die die Reichsversicherungsordnung bedeuten solle. Er schloß mit einer energischen Ermahnung an die Versammelten, in starken politischen und gewerkschaftlichen Organisationen einen Rückhalt zu schaffen für die immer schwerer werdenden Kämpfe für Fort- schritte in der Sozialpolitik.(Stürmischer Beifall.) Die Versammlung in der Hasenheide füllte den großen Saal des„Hofjägrrpalast" bis auf den letzten Platz. Auch die Frauen waren zahlreich erschienen, um ihre Meinung über die Reichsver- sicherungsvorlage kund zu tun. Hier sprach Reichstagsabgeord- neter Molkenbuhr.„Der Versicherungsgedanke ist ein gesunder Gedanke," sagte der Redner zum Schluß,„nur muß er nicht von kleinlichen Bureaukraten, despotischen Unternehmern und herrsch. süchtigen Junkern durchgeführt werden. Wenn die Arbeiterschaft in dieser wichtigen Sache, bei der es sich ja auch vor allem um ihre Rechte, um ein Stück Wahlrecht, um ihr Selbstverwaltungsrecht handelt, ihre ganze Kraft einsetzt, dann können wir eine solche Großmacht bilden, daß wir alles das, was gute? in der Versicherung ist, durchsetzen." Der Vortag fand lebhaften Beifall. Zur Tis- tuffion verlangte niemand das Wort. Im„Elyfium" in der Landsberger Allee war die Versammlung schon gegen Z49 Uhr so stark besucht, daß die Tische aus dem Saale entfernt werden mußten. Als um 9 Uhr der Referent, Genosse Karl Giebel, daS Thema des Abends zu behandeln begann, saßen und standen die 2999 Zuhörer Kopf an Kopf gedrängt. Eifrig lauschten sie in der drückend schwülen Atmosphäre des Saales den mehr als Inständigen Ausführungen des Redners. In er- greifenden Worten schilderte er die Leidensgeschichte der Arbeiter- schaft, die, proletarisiert durch die kapitalistische Produktionsweise, Leben und Gesundheit im Dienste der besitzenden Klaffe opfern muß. Gegen eine solche Reform der Arbeiterversicherung, wie sie die Regierung und die Mehrheitsparteien des Reichstags wollen, müsse die Arbeiterschaft mit aller Macht protestieren. Tosender Beifall durchbrauste nach beendigter Rede den Saal. Auch die Versammlung im Germaniasaal(Chausseestraße) zeigte schon durch ihren ungewöhnlich starken Besuch, welch reges Jnter- effe die Arbeiterschaft an der gesetzgeberischen Gestaltung der Ar- beiterversicherung nimmt, und daß sie es nicht schweigend mit an« sehen will, wie Regierung und MehrheitSparteien daran arbeiten, diesen Zweig der Sozialgesetzgebung so zu„reformieren", daß die berechtigten Ansprüche der Arbeiterklasse dabei in jeder Hinsicht zu kurz kommen.— Der große Saal samt der geräumigen Galerie waren von einer auS Frauen und Männern bestehenden lebhaft interessierten Zuhörerschaft so dicht besetzt, daß viele mit Steh- Plätzen vorlieb nehmen mußten.— Der Referent, Genosse Link, zeigte bei der sachkundigen Betrachtung der Vorlage, daß sie den Grundsätzen einer wirklichen sozialen Fürsorge nicht entspricht, daß die Regierung nicht die Wünsche der Arbeiter, sondern die Forde- rungen der größten Arbeiterfeinde, des Zentralverbandes der In- dustriellen, zu erfüllen bemüht ist. Nachdem jetzt mehr als ein Vierteljahrhundert gesetzlicher Arbeiterversicherung hinter uns liegt, muh man sagen, daß von den großen Versprechungen, mit denen sie eingeleitet wurde, fast nichts erfüllt worden ist. Nicht im Ver- trauen auf die Regierung, sondern nur im Vertrauen auf die eigene Kraft kann die Arbeiterklasse eine soziale Gesetzgebung, die diesen Namen verdient, erkämpfen.— Das Referat wurde mit Beifall auf- genommen. 1299 Personen waren in„FröbelS Allerlei-Theater" in der Schönhauser Allee versammelt. Schon frühzeitig war der große Saal bis auf den letzten Platz besetzt. Auch von der Galerie herab lauschten dichtgedrängt Männer und Frauen den sachkundigen AuS- führungen des Genossen G. Bauer. In lautloser Stille folgte die Versammlung dem Referate. Mit gründlicher Sachkenntnis ging der Redner auf die schwierige Materie der Reichsversicherung ein und bearbeitete das reichhaltige Material in einer Weise, daß es jedem einzelnen Zuhörer möglich war, Punkt für Punkt zu folgen. Aus der Fülle seiner reichen Erfahrungen flocht Genosse Bauer Beispiele ein, die eine trefliche Illustration zu den„Seg- nungen" unserer sozialen Gesetzgebung bildeten. Mehrmals lösten seine Ausführungen allseitige Heiterkeit aus, wenn der Referent besonders groteske Beispiele anwendete. Unter allen Umständen. erklärte Genosse Bauer bei der Besprechung des Krankenkassen. wesenS, müssen wir bei der Forderung verharren, daß eine Zcn- tralisation aller Krankenkassen geschaffen werde. Die Regierung bezwecke jedoch, die Zersplitterung auf diesem Gebiete beizubehalten. Solange die Arbeiterversicherung bestehe, sei noch kein so nieder- trächtiges Attentat auf dieselbe unternommen worden, als wie diesesmal. Die Arbeiter sollen eben auch sozialpolitisch entrechtet werden. An Frechheit und Verhöhnung bleibe dieser Entwurf nicht hinter der letzten preußischen Wahlrechtsvorlage zurück. Redner schloß mit dem Wunsche, daß die Arbeiter sich von nun ab mehr als bisher um diese Fragen kümmern, dann sei der Entwurf nicht umsonst gewesen. Eine Diskussion folgte dem mit großem Beifall aufgenommenen Referate nicht. Die Versammlung in Ripdorf, die in Hoppes Festfälen in der Hermannstraße stattfand, war ebenso stark besucht, wie die große Protestversammlung zwei Tage vorher. Männer und Frauen füllten den Saal wie den Vorraum und die Galerie. Mit großer Aufmerksamkeit lauschten sie dem über eine Stunde währenden Vortrage von Rudolf W i s s e l. der die sogenannte Reform d-r Ar- beiterversicherung einer scharfen Kritik unterzog. Nicht selten gewann der Redner lebhafte Zustimmung aus der Versammlung, wenn er die Rücksichtnahme der Vorlage auf daS Unternehmertum und den Mittelstand hervorhob, wenn er allerlei Widersprüche auf- deckte oder die bureaukratische Auslegung vieler Bestimmungen über die Versicherung, besonders Unfälle betreffend, schilderte. Den versprochenen Ausbau der Sozialgesetzgebung bringe der Entwurf durchaus nicht, sondern im Gegenteil noch Verschlechterungen. Und dennoch müsse man sehen, daß große Scharen von Arbeitern den reaktionären Parteien, denen dieser Entwurf noch zu viel für die qrbeitevde Klasse bringt, Gefolgschaft leisten. Da sei noch viel �Aufklärung nötig, und die Vorlage der Regierung biete genügend Material zur Agitation, was benutzt werden sollte, um die Für« sorge der Negierung durch diesen„Ausbau" der Sozialgesetzgebung ins rechte Licht zu stellen.— Lebhafter Beifall folgte dem Vortrage. In Treptow und in Adlershvf fanden ebenfalls gut besuchte Versammlungen statt, in denen die Genossen Gustav Nathow und Emil W u tz k y referierten. In allen Versammlungen wurde einstimmig die nachstehende Resolution angenommen: „Die Versammlung hat eingehend Stellung zum Entwurf der Reichsversicherung genommen. Sie kann in der geplanten Neuordnung der Arbeiterversicherung nicht nur keinen Fortschrijj erblicken, sondern eine zum Teil ganz wesentliche Verschlechterung des Bestehenden. Der Entwurf sieht die seit Jahren von Fachmännern, Sozial- Politikern und Versicherten und auch im Jahre 1993 vom Reichs- tag geforderte Verschmelzung der drei Bersicherungszweige nicht vor. Die hierbei angegebenen Gründe wirken nicht überzeugend. Bei dem Stande der heutigen Versichcrungswissenschaft und technik sind die organisatorischen Schwierigkeiten, von denen die Begründung spricht, bei ernster Absicht zu lösen. Soweit es sich um die Zentralisation des KrankenkassenwesenS handelt, bleibt der Entwurf weit hinter den berechtigten Er- Wartungen zurück. Statt der im Interesse der Versicherten not wendigen zenralisicrten Orts- bezws Bezirkskrankenkassen sieht er wieder sechs verschiedene Kassenarten vor, die für denselben Ort bezw. Bezirk nebeneinander Existenzberechtigung haben sollen Von diesen lassen drei(Orts-, Betriebs- und Jnnungskranken- lassen) wieder eine weitere Zersplitterung nach Betrieben oder Berufen«zu. Unerhört ist es, daß den in den geplanten Lanbkrankenkassen zu versichernden Personen jegliche Rechte vorenthalten werden und die ihnen zugedachten Bezüge hinter den allgemeinen Lei- stungen der Kassen zurückbleiben sollen. Die Versammlung fordert, daß die landwirtschaftlichen, staatlichen, kommunalen und seemännischen Arbeiter, die Dienst boten, die Hausgewerbetreibenden und die im Wandergewerbe Beschäftigten den gewerblichen Arbeitern gleichgestellt werden. Den entschiedensten Protest erhebt die Versammlung auch gegen die auf dem Gebiete der inneren Verfassung des Kranken- kassenwesens geplante völlige Vernichtung der Selbstverwaltung. obwohl diese erst den Krankenkassen wirklichen Inhalt und Wert gegeben hat. Ohne freie Selbstverwaltung erlischt für Versicherte und eine große Zahl Beteiligter jedes Interesse am Ausbau der Versicherungseinrichtungen. Dieses Interesse ist um so mehr zu pflegen, als der Entwurf jede Erweiterung der Leistungen ver missen läßt. Die Erweiterung ist in der Richtung einer Er- höhung der Bezüge, der Einführung einer allgemeinen Mutter- schaftsversicherung und der Erweiterung der Familienhilfe drin. gcndes Erfordernis. Diese Mängel werden nicht dadurch-aus- geglichen, daß der Kreis der versicherten Personen eine Aus« dehnung erfahren hat. Die vom Entwurf auf dem Gebiete der Unfallversicherung borgesehene Aenderung, wonach Renten auf Zeit gewährt werden sollen und anstatt des Rekurses die Revision treten soll, ist eine so erhebliche Verschlechterung, daß ihr gegenüber die minimale Ausdehnung des Kreises der Versicherten nicht in Betracht kommen kann. Die Verschlechterung wirkt um so empörender, als alle seit Jahren von den Versicherten geforderten Verbesse- rungen. namentlich ihre Beteiligung an der Verwaltung völlig unbeachtet geblieben sind. Die Versammlung fordert, daß auf dem Gebiete der Inda lidenversicherung den heutigen Verdienstvevhältnissen entsprechen! weitere Lohnklassen eingeführt werden, daß ein« Erhöhung der Renten und eine Herabsetzung der Altersgrenze für die Alters- rcnte eintritt. Die Einführung weiterer Lohnklassen würde auch zugleich den Weg zeigen, auf dem die Versicherung der Privat angestellten durchzuführen ist. Eine Sonderversicherung der Privatangestellten lehnt die Versammlung unter allen Um ständen ab. Die geplante freiwillige Zusatzversicherung kann als wesent licher Fortschritt nicht betrachet werden, denn die Verhältnisse und Bedingungen, unter denen die Mehrzahl der Versicherten zu leben gezwungen ist, schließt die Benutzung der Zusatzvcrsicherung für sie aus. Die vom Entwurf vorgesehene Witwen- und Waisenversiche rung entspricht nicht den berechtigten Erwartungen. Eine ihren Namen wirklich verdienende Hinterbliebcnenfürsorge muß eine, wenn auch nur bescheidene Lebenshaltung ermöglichen. In jedem Falle muß sie die Gewähr bieten, daß die Rentenbezicher nicht der öffentlichen Fürsorge anheimfallen. Unannehmbar erscheint im Entwurf die Beschränkung der Gewährung der Witwenrente an invalide Witwen Zu den Kosten der Hintcrbliebenenversicherung sind auch die gleichen Kreise heranzuziehen, die von der als Folge der Ein« führung dieser Versicherung eintretenden Verminderung der Armenkosten entlastet werden. Die Versammlung ist weiter der Meinung, daß die Vertreter der Versicherten und der Arbeitgeber für alle Zweige der Ver- sicherung in direkter und geheimer Wahl auf Grund des Ver- hältniswahlsystcms zu wählen sind und allen Versicherten, ohne Unterschied des Geschlechts und der Staatsangehörigkeit, das aktive und passive Wahlrecht zu gewähren ist. Die Versamtung ersucht den hohen Reichstag, die Vorlage der Verbündeten Regierungen im Sinn« dieser Resolution so zu ändern, daß sie als Dokument wirklicher, wahrer Sozialpolitik gelten kann." Schon am Dienstagabend nahm die Charlottenburger Arbeiter. schaft in einer stark besuchten Versammlung im Volkshause zu der Frage Stellung. Der Referent, Genosse Peterhansel schil- derte eingehend die Verschlechterungen, die man besonders bei der Kranken- und Unfallversicherung plane, und legte weiter dar, daß auch die Beibehalrung der bisherigen Normen bei der Invaliden- Versicherung die Arbeiter schwer benachteilige. Auch die als ein so großer Fortschritt gepriesene Witwen, und Waisenversicherung unzulänglich, daß man fast von einer Verhöhnung sprechen so..„.., könne.— In der Diskussion wies Genosse Dr. S. Rosenfeld darauf hin, daß auch durch dieses Gesetz wieder der Geist des Be- amtenstandes gehe, denn die ganze Reform laufe schließlich doch bloß darauf hinaus, an Stelle der aus dem Arbeiterstande hervor- gegangenen und mit den Arbeitern fühlenden Beamten Militär» anwärter und ehemalige Ofiziere zu setzen. Wenn irgendwo, dann treffe bei dieser Art sozialpolitischer Gesetzgebung das Wort Posa- dvwskhs zu, daß eS auf keinem Gebiete mehr Heuchelei gäbe, als auf dem der Sozialpolstik.— Zum Schluß wurde auch hier ein» stimmig die oben mitgeteilte Resolution angenommen. Eine Versammlung für Steglitz-Frtedenau fand auch im „Rheinschloß" zu Friedenau statt und war von zirka 499 Personen besucht. Das Referat des Genossen Koblenzer wurde beifällig aufgenMmep, auch die Resolution fand einstimmige Annghme. LI» Stresslbfecher-flgent. Eine Unterhaltung mit einem Agenten der Firma Auguste Müller- Wandsbek auf seiner Heinmreise von Bassum nach Hamburg am Sonntag, den 2. Juli, schildert Genosse Fr. S e e g c r t in der„Schmiede-Zeitung". . Er schreibt: „Ich mutzte, als ich von Bassum kam, in Bremen umsteigen, UM toi D-Zug nach Hamburg zu bezMAi. Mjr gegenüber.hatte schon ein Herr mit einem jungen Hundj, den ich erst für einen Wolfshund hielt, Platz genommen. Mit Rücksicht daraus, daß ich sehr wenig Hundeverstand besitze, frug ich den Herrn, zu welcher Rasse dieses Tierchen gehöre, und erfuhr, daß es ein Polizeihund sei. Der Preis betrug 49 Mark und die Dressur desselben besorge er selbst, da er in diesem„Fach tätig" sei. In meiner Annahme, daß ich es mit einem Angestellten der Polizei zu tu» hätte, brach ich die Unterhaltung ab und nur erst durch das Erscheinen des Zug- führers, der verlangte, daß der Hund im Gepäckwagen untergebracht werden müsse, brachte die Unterhaltung wieder in Fluß. Der Herr erzählte, daß der Hund auf den Mann abgerichtet werden sollte, da er ihn als Schutz gegen die Streikenden gebrauche. Einen solchen Hund habe er schon und dieser sei so scharf, daß er einem Menschen die Kleider vom Leibe reiße. Er kam gerade von DelmLnhorst, wo er einen Streik in der Karosseriefabrik»er- ledigt" hatte. Und nun gab der Herr eine eingehende Schilderung diese? Streiks und durch die Fragen, die ich an ihn richtete, erfuhr»ch auch alles, was ich wissen wollte. Er beklagte sich recht bitter, daß die Polizei und namentlich die Dclmenhorster ihn nicht genügend unterstützt habe. Er hatte verlangt, daß an einem Tage verschiedene Straßen in Delmenhorst, die von den Arbeitswilligen passiert werden mußten, polizeilich gesperrt würden. Die Polizei weigerte sich anfangs und erst auf seine Drohung, daß er sich sofort telegraphisch an den Minister wende» würde, hatte er den gewünschten Erfolg. Jetzt ist die Polizei so klein geworden und es klappt so, wie er es gewünscht hatte. Auf meine Frage, ob denn der Streik erledigt sei, antwortete er bejahend. Am Sonn- abend sei schon ein Herr vom gelben Verband aus Berlin da» gewesenundhabeeineVersammlungabgehalten. Ueber 179 Aufnahmen sind gemacht und ein Vorstand gewählt, so daß seine Mission also dort erledigt wäre. Ich frug dann weiter, ob von den Streikenden auch wieder welche eingestellt würden; er erwiderte, daß Herr ThönieS, der Betriebsleiter, es machen wollte, er aber dann mit seinen Arbeitswilligen sofort abziehe nwürd«. Sollteer abereini gegebrauchen. dann müssen diese ihre Verbandsbücher vor seinen Augen zerreißen, anders könnten keine eingestellt werden. Weiter erzählte der Herr, daß sie am Donnerstag in Delmen» borst eine kleine Straßenschlacht geliefert hätten. Die Arbeit?» willigen seien mit Gummischläuchen ausgerüstet, da sie keine R«- volver mehr tragen dürften. Ein Mitreisender frug, ob davon nichts in die Zeitung käme, er hätte doch nichts davon gelesen und erhielt dieser zur Antwort,„daß das nicht breitgrtreten werden sollte". Auch die Geschäftsleute hätten für die Arbeitswilligen keine Lebensmittel liefern wollen, aber er hätte sie doch klein be» kommen. Heute ist ein Bäckermeister da, der die Woche für zirka 459 Mk. Ware liefert. Ein Schlachtermeister liefert alle Woche für zirka 699 Mk. Der Kantinenwirt wollte erst nicht anbeißen;, aber diesen habe er darauf aufmerksam gemacht, daß er dann die Kan- ttnenverwaltung nicht mehr bekomme. Nun wollte ich doch wissen, was er für seine aufopfernde Tätig. keit erhielt und stellte die Frage, ob sie vom Arbeitgeberverband unterstützt würden. Dies verneinte er selbstverständlich und be- tonte, daß der bestreikte Fabrikant ihm als„Kontrolleur", wie er sich geschmackvoll ausdrückte, pro Tag 39 Mk. bezahlen müsse. Krupp habe kürzlich 4� Millionen an den Arbeit» geberverband bezahlt, die zum Schutze der Ar» beitSwilligen verbraucht werden sollen. In diesem Betriebe, also bei Krupp, sind die Gelben schon so stark, daß die Roten nichts mehr unternehmen könnten. Dasselbe wäre bei Siemens u. Schuckert der Fall und die Roten> die in diesem Betriebe noch drin sind, sollen nach und nachanchrau». ES müsse auch mal aufgeräumt werden, denn die Streiks nehmen ja überhand. Sie hätten allein 23 Streiks zu erledigen. Vier Kontrolleure seien sie bloß, also kann man sich denken, wie angestrengt sie tütig sein müßten. Er müsse am Montag schon wieder nach Stettin, weil dort ein Streik auf der Zementfabrik ausgebrochen wäre. Auf meine Frage, ob er denn gleich Arbeiter mitnehme und ob sie immer welche auf Lager hätten, erwiderte er:„Sie hätten immer eine sogenannte Kerntruppe. Diese setzt sich aus Schlossern, Klempnern, kurzum aus gelernten und ungelernten Arbeitern zu- sammen. Diese Kcrnftuppe nimmt er gewöhnlich gleich mit und dann kommt der Nachschub. Sie haben ja so viele Arbeitswillige, daß sie allen Anforderungen genügen könnten." Mittlerweile waren wir in Harburg angelangt und nun meinte der Herr„Kontrolleur", daß dies ein ganz verteufeltes Nest wäre. Hier hätte er im vergangenen Jahre einen Streik der Schauerleute gehabt, der sehr lange gedauert hat und bei dem verschiedene Schüsse gefallen sind. Daß er dabei wieder ein Loblied auf seine Tätigkeit sang, ist wohl selbstverständlich und ich war froh, als wir im Hamburger Hauptbahnhof einfuhren. Mit einem Dank für seine freundliche Unterhaltung und dem Hinweis, daß ich ein Gewerkschaftsangestellter sei, verabschiedete ich mich, ihn mit einem verdutzten Gesicht stehen lassend. Selbstverständlich habe ich die Stettiner Genossen gleich tele- graphisch benachrichtigt, welch angenehmen Besuch sie am Montag zu erwarten hätten. Irgend eine weitere Bemerkung an diese Darstellung will ich mir ersparen. Wie ich anfangs schon bemerkte, sind uns die Praktiken dieses Instituts bekannt und viel Neues bietet auch diese Unterhaltung nicht. Nur um zu zeigen: mit welchem Raffinement diese Herren arbeiten, weiter aber auch, die Arbeiterschaft darauf aufmerksam zu machen, daß schon selbst Polizeihunde im Wirtschaft- lichen Kampf gebraucht werden und vielleicht auch auf die Streiken- den gehetzt werden sollen, sollte der Zweck dieser Zeilen sein. Mancher Mensch schämt sich, wenn er ein schmutziges Gewerbe aus- übt, es gibt aber auch Leute, die anders können, zumal wenn sie dabei pro Tag 39 Mk. verdienen. (Wir wollen nicht verfehlen, darauf hinzuweisen, daß Arbeiter. die mit dem„Polizeihund" deö Herrn Sttetkbrecher-Agenten zu tun bekommen, berechtigt sind, die Bestie einfach totzu» schlagen. Außerdem empfiehlt sich, den Herrn, falls er den Hund auf Menschen hetzt, unweigerlich bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, die eine Klage gegen ihn nicht zurückweisen könnte. R. h.„V.") ßnefkaften der Redaktion. Hans Schuller-Sülzhagen. 1. Parteiborstand Berlin SW. 68, Linden» stratz« 69. 2. Ja.— R. D. 37. Die Adressen der Berliner Institute sinden Sie im Adreßbuch; mit weiteren Adressen können wir Ihnen nicht dienen.— W. P. 6. Keneraltommission der Gewerlschasten Deutsch- lands, Sngeluser 15.— H. L. 125. Ein Verzeichnis von geeigneten Fachzeitschriiten, aus denen Sie dann auch gewünschte Adressen ersehen, sinven Sie in den größeren Annoncen-Agenture»(tzaasenstein«. Vogler). — D. v. 182. 1. Zum Teil ja. 2. Kießlings„Berliner Verkehr« (49 Ps.) würde Ihren Zwecken entsprechen.--- W. B. 90. Leider nicht. Credit-Haus „Bellealliance" Bellealliance-Str. 100, I. Etage. Waren n. Möbel z. knlant. Beding. Tr.rmstraBe 55, Ecke Waldstr. gewährt j6dcin h. spielend leichter An- u. Abzahlung mehrjährigen Kredit auf Waren und Möbeil. Spandau, Pots- damerstr. 231, > Vi konlantestes». Tl. lloieBl!iiiBerJ.,™MS Fritz SchniokeGouzst0«. Weber, Herrn., Danzigerstr. 781. 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Dies wird uns am deutlichsten bei jeder Wahl vor Augen geführt. Darum ist eS unbedingte Pflicht jedes Ar- beiters, alle Lokale zu meiden, die der Arbeiter- schaft zu Versammlung« n verweigert werden. Beachtet die Arbeiterschaft diesen wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so mutz es uns ge- lingen, alle Lokale, die durch den Besuch der Arbeiterschaft erst ihre Existenz haben, auch zu Versammlungszwecken zu erobern. Wo unS aber Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen. - bort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kampf um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Bersmninlungsrccht. Deshalb: Beachtet stets die Lokalliste! Des weiteren ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei allen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Ver- bandes deutscher Gastwirtsgehilfen bezogen wird.(OrtSverwalwng Berlin, Graste Hamburger Straste 18/19. Tel. Amt III, 1813.) Autzerdem ist es im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, dost allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, datz das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitglieder an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlin? und der Kreise Nieder-Barnim, Teltow-Beeskow und Potsdam-Ost- Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des»VorwättS"; dies bitten wir zu beachten. Zum Schlust ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stets bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aendc- rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. _ Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Sonntag, den 10. Juli, findet ein Ausflug mit Familie nach Pferdebucht bei Köpenick statt. Treffpunkt dortselbst von vormittags 19 Uhr an. RIxdorf. Die Teilnehmer an dem naturwissenschaftlichen Kursus des Genossen Engelbert Graf über:»Die Geschichte unserer Erde" werden ersucht, sich am Sonntag, den 10. Juli, recht zahlreich an der Exkursion nach den Rüdersdorfer Kalkbergen zu beteiligen. Ab- fahrt: Schlestscher Bahnhof früh 7,63 Uhr und 8,04 Uhr vom Bahnsteig nach Erlner. Für Nachzügler Abfahrt: Schlesischer Bahnhof 10,09 Uhr nach Fredersdorf, umsteigen nach Rüdersdorf. Ankunft: 11,16 Uhr. Johannisthal. Sonntag, den 10. Juli, nachmittags 2 Uhr, findet bei Senftleben, Friedrichstr. 48, die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Zernsdorf. Am Sonnabend, den 9. Juli, abends 8 Uhr, im Knorrschen Lokale Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Spandau. Der hiesige sozialdemokratische Wahlverein hält heute, Sonnabend, den 9. Juli, sein diesjähriges Sommerfest in den ge- samten Räumen der Brauerei Pichelsdorf ab, bestehend aus Garten- konzert, Gesang, turnerischen Aufführungen, Verlosung und Ball. Anfang des Konzerts um 8 Uhr. Slocklaternen gibt es gratis. Um 11 Uhr nachts Fackelpolonaise. Eintritt pro Person 26 Pfennig. Die Genossen von Grost-Berlin sind hierzu freundlichst eingeladen. Berliner JVachricbten. Ter unermüdliche Kinderwagen. Kaum einen ähnlich so ausdauernden, helfenden Freund hat die Arbeiterfrau, wie den Kinderwagen. In der Zeit froher Erwartung, wo sie mit Hangen und Bangen, oft unter unausgesetzter, gleichmäßiger Arbeit, der schönsten Erfüllung ihres Daseins entgegenhofft, sucht sie das mühsam ersparte Sümmchen zusammen, das sie zur Anschaffung des Kinder- Wagens bestimmt hat. Recht, recht hübsch soll er sein, wie fie überhaupt ihrem Kinde alles aufs schönste und beste be- reiten möchte,„besser als sie es hatte", das ist ihr innigster Wunsch. Gewöhnlich bleibt das nur ein Wunsch, denn die vielen Sächelchen, die der neue, kleine Weltbürger haben muß. erfordern ohnedies eine beträchtliche Extraausgabe, und da bleibt für den Kinderwagen, den Vater launig die„Ehe- standsequipage" nennt, nicht viel übrig. Ja, manchmal reicht der Ueberschust. der sich schließlich noch in Mutters Barschast findet, nicht mehr für einen neuen Wagen, und wohl oder übel muß der schwere Entschluß gefaßt werden, einen alten billig zu erstehen. Bevor Mutter bei irgendeiner armen Frau, die„das Gerümpel" los sein will, den Kauf fest mächt, forscht sie ängstlich, ob kein Kind in dem Wagen gestorben ist, denn es gibt kein abergläubischeres Wesen unter der Sonne, als eine junge Mutter, die für das neue Leben zittert. Ist fie über diesen Punkt beruhigt, und das Gefährt einiger- maßen sauber, und leidlich erhalten, so legt sie ihre Groschen hin, und schiebt zum ersten Male mit einem Gefühl, als sei sie plötzlich gewachsen,„ihren" Kinderwagen durch die Straßen.— Und er, der schon mehrere Generationen von Arbeiterkindern in seinem Inneren herumkrabbeln sah, be- ginnt ernst und gravitätisch seinen rastlosen Dienst bei der neuen Besitzerin. � Die ersten Jahre bleibt er fast ausschließlich seinem Spezialamt als Kinderwagen reserviert. Allenfalls, datz Mutter noch außer der strampelnden Nachkommenschaft einen Korb mit Essen in seinem geduldigen Jnnenraum verstaut, wenn sie Vätern Mittag trägt. Sonst wird er höchstens am großen Ziehtag seiner Aufgabe als Kinderhort entzogen, und, mit Geschirr und sonstigem Kleinkram angefüllt, als praktisches. TranspoitoiMei Ks m&ten&£ LMe. des Jontirtf und ein halbes bis ein Dutzend kleiner Proletarierkinder schauen nacheinander, oft auch nebeneinander, aus der Ehe- standsequipage. Bis Mutter eines Tages erklärt, daß es nun genug fei, und sie hinfort auf diesem Gebiete streiken müßte. Dann heben aber für den Kinderwagen erst die ernsten Zeiten an. Er, der bisher leidlich gepflegt und äußer- lich ansehnlich erhalten wurde, wird nun bloß noch auf nütz- liche Verwendung hin erzogen. Sein Schicksal gleicht darin aufs Haar dem der kleinen Proletarier, die er beherbergt hat. und die alle, wenn sie einmal alt und arbeitsschwächer geworden sind, zusehen müssen, wie und wo sie sich nützlich machen können, um ihr Dasein zu fristen. Mit dem„Nütz- lichmachen" gelingt's dem Kinderwagen noch leidlich gut. Mutter muß nämlich„zuverdienen", damit man sich mit den vielen Kindern halbwegs durchschlagen kann. Und da er- innert sie sich ihrer alten, treuen Hilfskraft. Sei es, daß sie mit der Nadel oder Nähmaschine irgendeine Heimarbeit macht, oder Wäsche wäscht, oder Zeitungen austrägt, oder einen kleinen Gemüsekram hält— bei allem springt ihr der Kinderwagen bei. Der Heimarbeiterin hilft er die schweren, oft recht umfangreichen Arbeitsstöße zum Arbeitgeber zu schaffen, die Wäscherin bettet die glänzend gebügelte Wäsche in ihm, und fährt sie zu ihren„Herrschaften", die kleine Ge- müsehändlerin holt das bißchen Ware, das sie umzusetzen hoffen kann, in diesem, ihrem einzigen, von ihr selbst ge- zogenen Gespann, und auch die Zeitungsfrau erleichtert sich die Verbreitung des„Allerneusten" durch die Verwendung der alten Rumpelkarete. Damit sind die Aufgaben, die dem Kinderwagen in seinen alten Tagen blühen können, noch immer nicht erschöpft. Er ist's, der das bißchen Leseholz herbeischaffen hilft, wenn ein guter Zufall diese Ersparnis im Haushalt beschert, oder Kohlen heimführt, die direkt vom Platz entnommen billiger sind. Mitunter wird ihm auf seine alten Tage noch die Ehre zuteil, daß er als fahrbares Waren- lager verwendet wird, wenn seine Besitzerin oder einer seiner kleinen, jetzt schon, ziemlich großen, ehemaligen Fahrgäste zur Weihnachtszeit einen winzigen Handel anfangen, mit Spiel- kram oder Baumschmuck etwa. So ist er rastlos arbeitswillig, bis ihn Arbeit und Zeit ganz zermürbt haben. Und wenn er dann wegen unreparierbarer Schadhaftigkeit absolut nicht mehr zu brauchen ist, dann dient er noch im Vergehen, gerad so, wie die Birke, von der's in dem Gedicht im Schullesebuch heißt:„Dann komm' ich noch, und heize Dir ein!" Das kann er aber nur tun, wenn er aus Korbgeflecht ist, nicht etwa aus Blech, wie die allermodernstenl... Die Gemeindcwählerliste legt der Magistrat vom 16. bis 30. Juli d. I. im Wahlbureau Poststraße 16 I zur Einsicht- nähme öffentlich aus. Der Dreiklassencharakter des Kommunalwahlrechts erhellt von neuem durch die Tatsache, daß die erste Abteilung mit einem Mindeststeucrbetrage von 6546,80 M. abschließt, während der zweiten Abteilung zugehört, wer mindestens 191,364,/ioo M. Steuern zahlt. Wer weniger blecht, ist in die dritte Abteilung einrangiert. Die Höchstgrenze der Fahrgeschwindigkeit für Kraftfahrzeuge hat der Regierungspräsident zu Poisdam für gewisse Amtsbezirke auf 26 Kilometer in der Stunde festgesetzt. Im Kreike Teltow sind dies die Amtsbezirke: Grunewald, Schmargendorf, Grunewald- Forst sDahlem), Friedenau, Steglitz. Groß-Lichterfelde, Lank- witz, Mariendorf, Tempelhof, Britz und Treptow: im Kreise Nieder-Barnim die Amtsbezirke: Tegel, Wittenau, Reinickendorf, Lübars-Waidmannslust, Hermsdorf, Rosenthal. Nieder-Schönhausen, Pankow, Franz.- Buchholz, Heinersdorf, Weitzensee, Hohen- Schön- hausen und Friedrichsfelde. Bei Kraftfahrzeugen von mehr als 6,6 Tonnen Gesamtgewicht beträgt die überhaupt zulässige Höchst- geschwindigkeit 12 Kilometer in der Stunde: sie kann, wenn die Triebräder mit Gummi bereift sind, bis auf 16 Kilometer ge- steigert werden. Die Höchstgeschwindigkeit der� Kraftfahrzeuge in den obengenannten Bezirken ist somit der für den Landes- polizeibezirk Berlin zugelassenen angepaßt. Die Erhöhung der Höchstgeschwindigkeit für Krafffahrzeuge in geschlossenen Ort- s ch a f t e n ist in der bestimmten Erwartung erfolgt, datz die Kraft- Wagenführer die in der Bundesratsverordnung vom 3. Februar 1910 enthaltenen Vorschriften sorgfältig beachten und die Fahrgeschwindigkeit überall da entsprechend herabmindern, wo der lebhafte Berkehr ein vorsichtiges Fahren verlangt._ Das Ende des TalerS. Folgende Bekanntmachung, betreffend die Behandlung der noch im Umlauf befindlichen Eintalerstücke deutschen Gepräges, wird zur öffentlichen Kenntnis gebracht: Auf Grund des Z 14 Abs. 1 Nr. 1, 2, Abs. 2, des Münzgesetzes vom 1. Juni 1909 sReichs- Gesetzbl. S. 607) hat der Bundesrat im Verfolg der am 27. Juni 1907 beschlossenenAußerkurssetzung der Eintalerstücke deutschen Ge» prägeS(vgl. die Bekanntmachung vom gleichen Tage, Reichs-Gesetz- blatt S. 401) die nachfolgende Bestimmung getroffen: Die bei den Reichs- und LandeLkassen noch eingehenden Eintalerstücke deutschen Gepräges sind durch Zerschlagen oder Ein- schneiden für den Umlauf unbrauchbar zu machen und alsdann dem Einzahler zurückzugeben. Ferner hat der Bundesrat sich damit einverstanden erklärt, datz die Kassen der Reichsbank mit diesen Talern in gleicher Weise verfahren._ Fernsprechnachtdicnst in Oberschöneweide. Ununterbrochener Dienst wird vom 8. Juli an in Obersthöneweide abgehalten. Der Nachtdienst erstreckt sich auf den Ortsverkehr, den Vorortverkehr mit Berlin, Eharlottenburg, Lichtenberg, Reinickendorf-Ost, Rixdorf, Weitzensee und Wilmersdorf sowie auf den Fernverkehr mit den zum Tagesverkehr zugelassenen Orten, die selbst Nachtdienst haben. Eür jede Nachtverbindung im Orts- und Vorortverkehr wird eine ebühr von 20 Pf. erhoben. Im Verkehr mit Ungarn, Belgien und den Niederlanden sind Abonnementsgespräche nicht zulässig. Als Nachtzeit gilt im Orts- und Vorortverkehr die Zeit von 10 bis 7 Uhr, im inländischen Fernverkehr von 9 bis 8 Uhr. Verlegung von Straßenbahnlinien. Die Straßenbahn ist ge- nötigt, wegen Gleisarbeiten auf dem Mühlendamm von 2.30 nachts an folgende Umleitungen vorzunehmen: in der Nacht vom 8. zum 9. Juli Linie 74 in der Richtung nach Schöneberg statt Spittelmarkt, Mühlendamm. Spandauer über Jerusalemer, Oberwallstratze. Wer- derscher Markt, Schloßplatz; 78 nach der Frankfurter Allee statt Spittelmarkt, Mühlendamm, Molkenmarkt, Molkcnmarkt, Stra- lauer, Schickler-, Blumenstraße-über Jerusalemer, Oberwallstraße, Werderscher Markt, Schloßplatz, Königstraße, Alexanderplatz, Alexander-, Blumenstraße. Vom 11. zum 12. Juli geht 74 über Schloßplatz, Werderscher Markt, Oberwall-, Jerusalemer Straße. Der Magistrat genehmigte in seiner gestrigen Sitzung die von der Tiefbaudepntation vorgeschlagene Aenderung der Bau- und vor- gartenfluchtlinie in der Bcllevuestraße. Der standig wachsende Ver- kehr macht eine Verbreiterung der Straße unbedingt nötig. Der Straßendamm, der bisher nur ca. 7>/z Meter breit ist, soll auf 1ö Met» verbreitert werden. Dabei müssen leider di» alten schönen ZMabend. 9.?itU1910. Bäume, die jetzt noch einen besonders schönen Schmuck der Bellevue« straße bilden, fallen. Es hat sich allerdings schon seit Jahren die Notwendigkeit herausgestellt, einzelne morsche und windbrüchige Bäume fortzunehmen und durch junge Bäume zu ersetzen, und in wenigen Jahren würden für alle alten Bäume junge gepflanzt lverden müssen. Die verbreiterte Straße wird wieder mit zwei Baumreihen geschmückt werden. Noble Behandlung. E i n st ä d k i s ch e r Aug est elter schreibt unS:„Wünsche der städtischen Angestellten können jederzeit durch dieselben vor- gebracht werden und finden stets eine wohlwollende Aufnahme und Erfüllung, wenn die vorgebrachten Wünsche billig und Vernunft. gemäß sind," so ungefähr drückte sich in einem Interview der Herr Stadtrat Namslau bei Gelegenheit der Mandatsniederlegung der städtischen Arbeiteravsschußmitglieder einem Berichterstatter gegen, über aus. Hiermit kontrastiert seltsam das Verhalten der Direktion der städtischen Gaswerke, zu der doch Herr Namslau als Vorsitzen- der der Gasdcputation in engster Fühlung steht. Am 16. Februar dieses Jahres, also vor jetzt 414 Monaten, richteten die in den Revierinspektionen beschäftigten Schreiber und Hilfsschreiber an die Direktion das berechtigte Verlangen, entsprechend ihrer Tätigkeit als Handlungsgehilfen anerkannt und dem Handelsgesetz- buch für ihr Verhältnis zur Direktion unterstellt zu werden. Bis heute sind die 9 Unterzeichner des überaus höflich gehaltenen Schreibens ohne Antwort, trotzdem die Direktion von den Revier- leitern am 22. April einen sofort zu beantwortenden ausführlichen Bericht über die in Frage kommenden Personen einforderte.— Also auf eine berechtigte Anregung, an deren notwendiger Ein- führung kein Zweifel sein kann, keine Antwort an die Petenten! Kein Versuch, durch die Vertrauensleute Vorschläge zu einer die Arbeitnehmer befriedigenden Umwandlung der jetzigen Stunden- löhne in Monatsgehälter zu erhalten oder überhaupt auch wegen weiterer damit in Zusammenhang stehender Fragen mit diesen in Fühlung zu kommen. Nicht einmal die einfachsten Formen der Höflichkeit hält man im Verkehr mit den Angestellten für nötig; statt dessen setzt es Verfügungen, die nur als Schutzmaßregeln gegen das Eindringen frei gesinnter(nicht freisinniger!) Angestellten in den Dienst der Stadt aufgefaßt werden können. Doch wird das nie gelingen. Jedenfalls bietet die ganze Angelegenheit wieder einmal den Beweis, wie wenig unsere Stadtverwaltung daran denkt, von den in Zeiten der drohenden Streikmöglichkcit gegebenen Erklärungen ihres Wohlwollens für die Arbeiter wirklich etwa? wahr zu machen, wenn sich Gelegenheit dazu bietet. Nur Selbst- Hilfe in der Organisation kann demgegenüber allen städtischen An- gestellten helfen!_ Der feste Kutschersitz. Die Berliner Straßenpolizeiverordnung bestimmt, daß jedes mit Zugtieren bespannte Fuhrwerk mit einem festen Kutschersitz versehen sein muß, von wo aus der Kutscher einen freien Ausblick hat. Gegen die Vorschrift sollte sich der Kuticker N. vergangen haben. Er saß während einer Fahrt mit einem flachen Wagen ans einer Kiste, die angenagelt war. DaS Landgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe, indem eS diese anaenagelte Kiste für keinen festen Kutschersitz im Sinn« der Berordn- ng erachte:»' Ein solcher Sitz müsse dem Kutscher einen Halt geben. Er müsp» entweder eine Lehne haben oder unten Raum gewähren, daß der Kutscher seine Beine etwa? zurückziehen und so einen Halt gewinne» könne. Bei der angenagelten Kiste fehlten diese Voraussetzungen.— Das Kammergericht erklärte die Entscheidung für nicht rechlsirrig und verwarf die Revision des Angeklagten. Als Kautivnsschwindler verhaftet wurde gestern der Inhaber de» „Novitäteuverlages Victoria". Unter diesem Namen hatte der Schau- spieler und Theaterschriflsteller Rudolf Ely, der in Theater- und Schauspielerkreisen unter dem Namen Rudolf Walden aufgetreten ist, ein Bureau zum Berkauf von kleinen Varietö- oder kleinen Vereins« und Gesellichaftsstücken eröffnet. Er hat angeblich ungefähr 600 Theaterstücke in seinem Verlage, die er gegen Gebühren abzusetzen versucht. Das Geschäft ist aber nicht besonders gut gegangen. Ely hatte für seinen Verlag Buchhalter, Bureauvorstehcr und Reisende angenommen. Die Leute hatten aber bei dem Geschäftsgange nichts zu tun und bekamen auch kein Gehalt oder nur Raten ausgezahlt. Wenn diese Tätigkeit den kautionsfähigen Leuten nicht zusagte und sie ihr Geld zurückverlangten, warb er schleunigst Ersatz, dem er dann wiederum die Kaution abnahm, um auf diese Weise den alten Gläubiger zu befriedigen. Er ließ sich Kautionen in Höhe von 200 bis 1000 M. geben. Seit Herbst vorigen JahreS, seitdem er das Geschäft dort betreibt, sind ihm 20 Opfer in die Finger ge- laufen. Ein Eifersuchtsdrama hat sich in der vergangene» Nacht um 1'/, Ubr in dem Hause Sedanstraße Nr. 1 zu Schöneberg abgespielt. Der 21 Jahre alte Eisenbahnanwärter Otto Ambrosius verwundete den 42 Jahre alten Bankbeamten Heinrich Marwede durch einen Schutz in den Unterleib und hat sich dann selbst durch einen Schuß in die rechte Schläfe getötet. Trotz des ungleichen Alters waren beide befreundetlmd unternahmen öfter gemeinsame Ausgänge. In der letzten Nacht um 1'/, Uhr kehrten sie aus einem Wirtshause zurück. Ambrosius begleitete seinen Freund die Treppe des HauseS Sedanstr. 1, wo der letztere wohnt, hinauf. Frau Marwede war ebenfalls zugegen. Als sie bis in das dritte Stockwerk des Hauses hinaufgestiegen waren« kam eS zwischen den beiden etwas angetrunkenen Männern zu einem eigenartigen Streit. Ohne besondere Veranlassung warf Marwede seinem jungen Freunde vor, daß er ein Liebesverhältnis mit seiner Frau unterhielte. Ambrosius wies diese Zumutung zurück, geriet aber dabei so in Wut. daß er einen Revolver zog und seinen Freund und Begleiter durch einen Schutz schwer verwundete. Frau Marwede holte einen in demselben Hause wohnenden Arzt zu Hilf». Als beide zurückkamen, hatte sich Ambrosius durch einen zweiten Schuß in die rechte Schläfe niedergestreckt und war tot. Der Arzt sorgte für die schnelle Uebersührung des lebensgefährlich verletzten Marwede nach einem Krankenhause. Die Marwedeschen Eheleute sind 11 Jahre verheiratet und leben in kinderloser Ehe. Zwischen ihnen sollen oft Streitigkeiten stattgefunden haben. Auch nachträglich weist die 30 Jahre alte Frau Marwede die Beschuldigung, mit dem jungen Ambrosius in näheren Beziehungen gestanden zu haben, mit Ent» rüstung zurück. Der gestern niedergegangene stundenlange Regen hat auch im Strotzenbahnbetriebe verschiedene Störungen verursacht. Besonder» empfindlich machte sich die Verkehrsstockung geltend, die in der Greifswalder Straße am Vormittag eingetreten war. Hier waren die Gleise derartig überschwemmt, daß während der Zeit von 8 Uhr bis gegen l/z12 Uhr die Wagen der Linien 69 und 62 in beiden Richtungen durch die Prenzlauer Straße und Prenzlauer Allee ab« gelenkt werden mußten. Einen großen Auflauf gab es in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag in der Friedrichstraße vor dem Cafü National. Dort war aus angeblich nichtiger Ursache ein Architekt von den zwei Portters in recht unsanfter Weise auf die Straße expediert worden. Hier entspann sich nun zwischen den Nattonalhütern und dem Hinaus- spedierten ein lebhafter Wortwechsel. Ein herbeigerufener Schutzmann nahm den Architekten fest, um ihn nach der Wache zu bringen. Auf dem Wege dahin kam ein zweiter Schutzmann hinzu, der den Arrestanten packte und vor sich her stieß, daß die Augenzeugen ihrer Empörung über die Behandlung lauten Ausdruck gaben. Eine Dieve8?anv«H giöel Fingt?«. Seit lafljjem Zeik Eurden Frauen auf dem Stettiner Bahnhof im Wartesaal 1. und 8. Klasse Portemonnaies, Schmucksachen usw. gestohlen. Als die Spitzbübin wurde die 31 Jahre. alte Agnes Habedank gestern von der Kriminalpolizei festgenommen. Der dort stationierte Beamte beobachtete, wie sie von einem Tisch das Portemonnaie, das eine Dame unvorsichtigerweise dort hingelegt hatte, verschwinden liest. Das war ihr aber noch nicht genug. Sie untersuchte die Hand- tasche einer zweiten Dame, die auf die Abfahrt des Zuges wartete, und nahm die Schmuckgegenjtände aus der Tasche heraus. Hierauf wurde die Taschendiebin von dem Beamten festgenommen und nach dein Polizeipräsidium gebracht. Hier erkannte man sie als die- jenige, welche im Mai dieses Jahres einer Russin in einem Kauf- hause in der Leipziger Straste aus der Handtasche ein Portemonnaie mit 300 Rubel gestohlen hatte. Man erkannte sie daran, weil sie damals die einzige ge-tvesen war, die sich in dem Verkaufsabteil befand. Der Verkäuferin und auch der Russin ivar es aufgefallen, ldast sie an der linken Hand nur 2 Finger hatte, den Zeigefinger und den Daumen. Der Diebstahl wurde ihr auf den Kopf zugesagt und schliestlich gestand sie den Diebstahl auch ein. Die Diebin ist von auswärts, wo sie mit ihren zwei Fingern an der linken Hand ebenfalls Diebstähle ausgeführt hatte, nach Berlin gekommen. Ein Leichcnfund im Langen See bei Schmöckwitz beschäftigt zur- zeit die Kriminalpolizei unserer Nachbarstadt Köpenick. Etwa vier- hundert Meter von dem Restaurant.Waldidyll" entfernt fanden Passanten am Strande des Sees die noch halb im Wasser liegende Leiche eines etwa 35 jährigen Mannes. Der rechte Arm war ge- brachen und hing lose am Oberkörper, der linke Fust war mehrfach gebrochen. Der Unterleib wies eine tiefe, etwa 40 Zentimeter lange Schnittwunde auf. Die Leiche war völlig entkleidet; die nähere Ab- suchung der Fundstelle ergab, dast zweihundert Meter von der Leiche entfernt die zerfetzten Kleidungsstücke des Toten angeschwemmt waren. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Verletzungen der Leiche durch eine Dampferschraube verursacht worden sind. Die Person- lichkeit des Toten konnte bisher noch nicht rekognosziert werden. Die Leiche ist etwa 1,63 Meter groß, das Kopfhaar ist schwarz, der Schnurrbart dunkelblond, besondere Kennzeichen wies der Körper nicht auf. Drei Tage in ihrer Wohnung gehangen hat die 36 Jahre alte Schneiderin Alvine Hennig aus der Schwedter Straste 30. Da sie immer sehr zurückhaltend war und mit niemand verkehrte, kümmerte man sich auch nicht um sie. Als sie seit Dienstag ihren Frühstücks- beute! nicht hineiunahm und der Nachbar einen Verwesungsgeruch wahrnahm, benachrichtigte man die Polizei. Sie fand die Hennig an einem Haken über ihrem Bett hängen. Sie ist die Tochter eines Landwirts aus der Provinz, war krankhaft veranlagt und oft schwer- mutig. Was der Grund zu ihrer Schwermut war, konnte noch nicht ermittelt werden. Wegen eines KabelirandeS wurden heute die Löschzüge I, m, ym und VTV nach dem Schlüterstcg am ReichstagS-Ufer gerufen, wo unter der Eisenbahnbrücke am Bahnhof.Friedrichstraste" Kabel der Berliner Elektrizitätswerke mit der Rohrverpackung in Brand geraten waren. Die Feuerwehr ritz die Kabel heraus und löschte sie mit zwei Rohrleitungen ab. Der Brand ist vermutlich infolge von Kurzschluh entstanden. Die Kabel waren total durchgebrannt, die eiserne Brücke ist hingegen, da die Kabel vollständig isoliert waren, unbeschädigt geblieben. Der Strom mustte ausgeschaltet werden. Die Feuerwehr konnte bald wieder abrücken, liest aber einen Ober- feuerwehrmann und vier Mann mit einer Schlauchleitung zurück. Die Kabel werden so schnell wie möglich ausgebessert, um die Störung zu beseitigen. Die Eisenbahnzüge konnten während des Feuers die Brücke in langsamer Fahrt passieren. Beim Sommerfest deS vierte» Kreises ist im Lokale Seeterrasse ein Trauring gezeichnet O. H. 515 verloren worden. Der Finder wird um Abgabe im Bureau Stralauer Platz 1/2 gebeten. Vorort» Mcbricbten. Schöneberg. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich vorgestern'abend in der Hauptstrahe in Schöneberg. Ms der Versicherungsinspektor Schulz aus Zchlendorf auf einem Zweirade aus der Mühlenstraste in die Hauplstraste einbog, fuhr er mit ziemlicher Schnelligkeit gegen einen Arbeitswagen des Grundbesitzers Schöps in Schöneberg, der in die Mühlenstraste einlenken wollte. Der Radfahrer wurde um- gerissen und geriet unter das schwere Gefährt, dessen Räder über ihn hinweggingen. Mit schweren äusteren und inneren Verletzungen wurde der Verunglückte in bedenklichem Zustande mittels Kranken- wagen der Feuerwehr in das städtische Krankenhaus in der RubenS- straste eingeliefert. Rixdorf. AuS den letzten AkagistratSsitzungen. Der Magistrat ist mit der Anbringung von Schildern an den Strastenlaternen zum Hinweise auf die Apotheken einverstanden.— Der Magistrat genehmigt die vorgelegten Entwürfe der Dienstanweisungen für die Assistenzärzte, den Arzt vom Aufnahmedienst, den Prosektor, den Ober- apotheker und den Apotheker im städtischen Krankenhause, sowie der Apothekerordnung unter Berücksichtigung der von der Deputation gewünschten Abänderungen.— In der Angelegenheit betreffend die Uebernahme der Müllabfuhr in städtische Regie ist der Magistrat mit dem Erlast einer Bekanntmachung des aus den Akten ersichtlichen Inhalts einverstanden.— Der Magistrat genehmigt den vorgelegten Entwurf der Dienstanweifung für die Wärterinnen der städtischen Bedürfnisanstalten.— Der Magistrat ist mit der Er- richtung einer Vollbedürfnisanstalt auf dem Gelände deS Kirchhofes der St. ThomaS-Kirchengemeinde an der Hermann- und ThomaZstrasten- ecke einverstanden.— Die Einführung deS Markensystems bei den Monatskarten des Omnibusbetriebes wird genehmigt.— Der Magistrat beschliesty die Bedürfnisanstalten, die an verkehrsreichen Plätzen be- legen find, insbesondere auf dem Hermaunplatz, in der Saalestraste und am Schiffahrtskanal bereits um 7 Uhr morgens zu öffnen.— An der vom 14. bis 17. September in Elberfeld startfindenden 35. Versamm- lung deS Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege soll der Bürgermeister Dr. Weinreich und der Stadtbaurat Weigand teilnehmen.— Dem Berliner Polizeipräsidenten soll auf sein Schreiben vom 3. Juni d. I. erwidert werden, dast die Beschaffung von Spielplätzen zur Pflege der Leibesübungen erstrebt wird, sich gegenwärtig aber die Möglichkeit zur Beschaffung neuer Plätze nicht bietet.— Der Magistrat ist damit einverstanden, dast zur Ueberwachung der Lieferungen für die Materialienverwaltung Revisionen durch eine Kommission vorgenommen werden.— Der Magistrat beschließt, zwischen Boddinsfelde und Mittenwalde einen Fernsprechanschlust herrichten zu lasten.— Der Magistrat ist damit ernverstanden, dast das Material, mit dem die Berliner Städtebau-Ausstellung von der Stadt Rixdorf beschickt worden ist, einer Wanderausstellung in Düsteldorf zur Verfügung gestellt wird.— Zum Andenken an den verstorbenen Stadtältesten Niemetz soll im Park von Waßmannsdorf ein erra- tischer Block, mit einer Inschrift versehen, aufgestellt werden. Ein gemütvoller Hauswirt scheint der Besitzer des Hauses Pannier- straste 50 ein Herr Ganzer zu sein. Er kündigte drei Mietern mittels Trauerbriefes die Wohnung. Zunächst bekamen die Adressaten beim Empfang dieser Briefe einen nicht gelinden Schreck, weil sie annahmen, dast im Familienkreise irgend jemand gestorben sei; als die Leute aber die Briefe öffneten, war ihre Verwunderung nicht gering, dast der Inhalt nur aus einer Wohnnngskündigung bestand. Jedenfalls ist das von Herrn Ganzer geübte Verfahren etwas außer- gewöhnlich. Ist der Mann etwa Verfertiger von Trauerbriefen en gros, dast er über keine anderen Schreibutensilien verfügt? Köpenick. Mehrere tausend Mark Kollekten erschwindelt. Eine dreiste Be- trügerin ist in der Person der Krankenschwester Schaffmann in Köpenick verhaftet worden. Mit einer Sammelliste, die sich die Schwindlerin selbst hergestellt hatte«nd die für das Oberlin-Krüppel« haus in Grost-Lichterfelde galt, ginzz die Sch. von Hans zu Haus und bat um Beiträge. Es entstanden eiber bald Zweifel darüber, ob es sich hier um eine echte Kollektensanimlung handle, da die Schwester nicht die Tracht des Oberlinhauses trug. Plan erkundigte sich tele- phonisch in der� Anstalt und nun strllte sich die Sache als Schwindel heraus. Die Sch., die tatsächlich Krankenschwester ist, wurde darauf verhaftet. Sie hatte bereits mehrere tausend Marl an Geldern ver- einnahmt. Nowawes. lieber die von uns gemeldete ISerhaftung deS Buchhalters Graf von der Ortskrankenkaffe erhalten wir von Herrn Graf mit der Bitte um Aufnahme ein Schreiben, in d>nn er ersucht, mitzuteilen, dast er noch nie wegen Diebstahls vorbestr ast sei, dast es sich nicht um Unter- schlagung. vielmehr um eine verspätete Buchung eines schon früher eingegangenen Geldbetrages handele; dast eine offizielle Berhastung Grafs nicht stattgefunden hat, sondern nur eine auch nach Ansicht des Richter? nicht zu rechtfertigende vorläufige Festnahme deS Gen- darmen, die richterlicherfeitS sofort, aufgehoben wurde. Jugendveranstaltungen. Boxhagen-Rummelsburg-Ttvalan. Die Besucher unseres Jugend- heims weisen wir aus den atN Sornrtag. den 10. Juli, stattfindenden Ausflug des Lichtenberger Jugendausschusses nach Biekcnwerder, Wandlitzsee, Liepnitzsee, Bernau hin und ersuchen um rege Beteiligung. Slbsahrt früh 6.30 vom Bahnhof Franksurter Alle«. Fahrgeld 90 Pj. Proviant ist mit- zunehmen.__ Der JugendauSschust. KretreligiSse Gemeinde. Sonntag, den 10. Juli, vormittags 11 Uhr, Kleine Frankfurter Straste 6: Vortrag von Fräulein I. Allmann:.Die internationale Freidenkcrvewegung. Bisher Erreichtes und nächste Ziele". Damen und Herren als Gäste willkommen. Cingegangcne Di-ucliscknften. Eva Sehring, Roman von H. v. Kahlenberg. 1 M., geb. 1,25 M. S. Fischer, Berlin, Bülowstr. vv. Die große Aussperrung und die Zukunft der Arbeiterkämpfe im Reiche. Von Parvus. 50 Pf.— Kaden u. Co., Dresden. Der Sozialismus. Eine Untersuchung seiner Grundlagen und seiner Durchführbarkeit. Von V. Cathrem. 4,50 R., geb. 5,20 M.— Herders che Verlagshandlung, Freiburg i. Br. Amtlicher Marktbericht der städttlche» MarNhallen-Dtrettton über den Grostbandel in den Zenwal-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufubr nicht genügend, Geschäst lebhast, Preise fest. Geflügel: Zufuhr reichlich, in Gänsen über Bedarf, Geschäst lebhast, Preise besriediaend. Fische: Zufuhr mästig, Geschäst ruhig, Prelse wenig verändert, für Krebse leicht anziehend. Bulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob» und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise gedrückt._ BSafferstandS-Rachrichte» der LandeSanftalt für SewSfferkunde, mitgetellt vom Berliner WeUerbureau. Lasterstand M e m e I, TUM Brezel, Jnsterburg Weichsel. Thor» Oder, Ralibor » Kroffe» » Frankfurt Warth«, Schrimm - LandSberg Netz«, Vordamm » l b e, Letttneritz . Dresden , Barby , Magdeburg am 7. 7. am 75 -27 196 133 110 10 —42 -23 41 -92 165 140 feit 6. 7. om') +3 +6 —26 H-23 —1 +10 0 tl +2 +6 +10 Safferfland Saale, Grochlttz Havel, Spandau>) , Rathenow') Spree, Spremberg'Z , veeskow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiltansau , Kaub , NSw Neckar, Heilbronn Mai«, Wertheim Mosel. Trier am 7. 7. om 112 3« 18 70 67 —41 68 668 493 626 255 2» seit 6. 7. om') — S 0 o +2 —1 -1» +A — 1 —2 —13 +90 +14 +23 ')+ bedeutet Wuchs,— Fall. lluterpegei. Gegr. 1867 Jerusalemer Str. 38-39 Friedrich-Strasse 75 Potsdamer Strasse 2 Tauentzien-Strasse 19a König-Strasse 25-26 Schöneberg, Hauptstr. 146 Zentrale und Versandt Jerusalemer Str. 38-39 Zentrale für Hentellun; von locklvickuellem Mafischah werk und Plattfuß-Einlajfen nach in- dividoeDen Fußabdrücken unter spezialärztlicher Ueberwachung'. Koatenloie ärztliche Sprechstunden wochent. von 'ItS bia 7 Uhr in den Geschäfts. räumen Jerusalemer Str. 38.39 Man verlange Brosdbfire über den„Senkfuss" IM» »mm Preiswerte Reise-Schuhwaren Nur erstklassige Fabrikate oo Konkurrenzlos in Qualität und Passform Für Herren: Bosealf> Schnürstiefel Fasson..........«. moderne brette s? Boxealf-Schnurstiefel in moderner Form, 50 sehr haltbar, Rand gestoppt..,«......./\J n, Brenn nnd schwarz Chevrean-Sehnür- Stiefel in allen modernen Fassons, konkurrenzlos in Qualität nnd Ausführung, Goodyear Welt Brenn und schwarz Chevrean- und Box- eal f-Schnürstiefel, auch mit Derby-Schaft- schnitt in ganz neuen Fassons, feinste Qualität und Ausführung, Goodyear Welt.,...... 12SS 15'*° Für Damen: Bosealf- nnd Chevreen-Schnurstiefei mit und ohne Ladekappen, auch Derbyschnitt Brnna und schwarz Cbevrean-Schnür- u. Knopfstiefel in neuen modernen Fassons mit hohen od. niedrig'. Absätzen, Rand gedoppelt Braun nnd icbwarz Chevrean-Sehnür- n. Knopfstiefel mit oder ohne Derby-Schaft- schnitt, a. m. Lackkappen, in ganz neuen Fassons, m. hohen od. niedrigen Absätzen, Goodyear Welt Brau» und schwarz Chevrean-Sehnür- o. Knopfstiefel m. od. ohne Derby-Schaftscha., auch mit Lackkappen, in den allerneust. Fassons, feinste Qualität und Ausführung, Goodyear Welt /Oi? 12 50 H. 15'.° Berg- und Touren- Stiefel in zweckmassigen Formen mit starken Doppel- s sohlen, benagelt und unbenagelt:: Stillers Berg-, Touren- u. Jagd-Stiefel sind aus eigens ausgewählten Materialien, extra solid und stark hergestellt, wobei alles getan wurde, um möglichste Wasserdichtigkeit zu erzielen Leinen-Stiefel und-Schuhe für Herren, Damen und Kinder, in weiss, grau, s beige und mode? Lasting-Schuhe und-Stiefel zum Schnuren oder mit Gummizügen Haus-, Garten- und Reise-Schuhe Sandalen o Strandschuhe □ Tennis-Schuhe a Tum-Schuhe Geflochtene Leder-Schuhe und-Stiefel Naturgemässe Kinder-Stiefel üb BkrantwortliKei Redakteur Richard Karttz, Berlin. Für des gnjepgtküteil vermtw.: Ttz.Givcke, Berlin, Druck u. Verlag: Vorwärts vuchdruckerei u. BerlagSanftalt Paul Singer Li«o» Berlin SW, Nr. 158. 27. KeilU Ks.Amiick"> Alijchk« flr Gßni. Zitai, Wen. 9. Juli 1919. Soziales. Die Landwirtschaft in Bayern. Das Statistische Landesamt veröffentlicht soeben ein umfang- reiches W-rk über»Die Landwirtschaft in Bayern auf Grund der Betriebszählung von 1907". Wie sich aus dem Werk ergibt, versorgt die Landwirtschaft in Bayern immer noch L,6 Millionen oder 40,3 Proz. der Gesamtheit. Zwar hat sich dieser Anteil im Laufe der letzten 25 Jahre(1882: 50 Proz.) verringert, da die gewerblichen und kaufmännischen Berufe einen fortgesetzt größeren Prozentsatz der Bevölkerung umschließen, aber die absolute Zahl der landwirt- schaftlichen Bevölkerung erhielt sich ziemlich unverändert. Bauern- gu.».d Eigenwirtschaft bilden das Rückgrat der bayerischen Land- Wirtschaft, denn 63,8 Proz. aller Betriebe sind bäuerliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich benutzten Fläche von 2 bis 100 Hektar. Darunter überwiegen die mittelbäuerlichen Betriebe, während die größeren Betriebe zurückgehen. Verpachtet sind nur 4,1 Proz. der Gesamtfläche, 35,1 Proz. der Gesamtfläche sind Eigenland. Der Familienbetrieb bildet die Regel, nur 21,5 Proz. des Landwirt- schaftspersonals sind familienfremde Arbeitskräfte. Während der letzten 25 Jahre hat die Zahl der Knechte um 40 000, die der Mägde um 62 000 und die der Tagelöhner um 5000 abgenommen, dagegen haben die eigenen Familienangehörigen zugenommen. 65,7 Proz. des ganzen Kulturlandes ist Ackerland, 22,3 Proz. Wiesen und 22,1 Proz. Forstland. Mehr als die Hälfte der ganzen Getreide- fläche(51 Proz.) ist für Brotgetreideproduktion verwendet. Hansabunb und Reichsverficherungsorbnung. Unter Beteiligung von Vertretern der Industrie, des Handels und des Handwerks hat der Ausschutz des Hansabundes eine Sitzung abgehalten, in der die Richtlinien für das Verhalten des Hansa- bunds zur Reichsversicherungsordnung festgelegt wurden. Zunächst haben die Hansabündler Bedenken gegen die Zusammenfassung der sozialpolitischen Gesetze, weil der Umfang des Entwurfs die Ueber- sichtlichkeit des Stoffes erschwert. Die Versicherungsämter sind als zu teuer abzulehnen. Ferner ist abzulehnen die Hinaufsetzung des Mitgliederminimums bei den Betriebskrankenkassen. Gegen die Be- seitigung der freien kaufmännischen Hilfskassen ist Einspruch zu erheben und deren Erhaltung sowie Gleichstellung mit den Betriebs. krankenkassen zu fordern. Der Ausdehnung der Krankenversicherung auf land- und forstwirtschaftliche Arbeiter, unständig Beschäftigte, Wander- und Hausgewerbetreibende wird zugestimmt. In der Frage der Versicherung der Beitragspflicht der Arbeitgeber zu den Krankenkassen konnte im Hansabund eine Einigung nicht erzielt werden. Ein Teil der Arbeitgeber war bereit, die höheren Aus- gaben zu tragen, um auf diese Weise einen größeren Einfluß auf die Verwaltung der Krankenkassen zu erhalten und den Arbeitern das Selbstverwaltungsrecht vollends zu nehmen. Mit den neuen Bestimmungen über die Hinterbliebenen-Für- sorge und über die Zusatzversicherung bei der Jnvaliditäts- und Altersversicherung ist der Hansabund einverstanden. Zu geeigneter Zeit soll aber ein« große Versammlung aller wirtschaftlichen Ver- bände vom Hansabund einberufen werden, und dort wird man end« gültig Stellung zur Reichsversicherungsordnung nehmen. Danach durfte die scharfmacherische Richtung im Hansabund recht stark sein./_, Die Konkurrenzklausel. Der Handelsminister hat an die Handelsvertretungen einen Er- laß herausgegeben, der auch dem Regierungspräsidenten und dem Oberpräsidenten in Potsdam zugegangen ist. Der Erlaß bezweckt eine Aenderung der Vorschriften des Handelsgesetzbuches und der Gewerbeordnung über die Konkurrenzklausel. Auch die Kaufmanns- gerichte sollen ftch über die Vorschläge äußern, soweit sie die kauf- männischen Angestellten betreffen. Aufrechterhalten bleiben soll die Vorschrift, wonach eine Vereinbarung, durch die der Angestellte für die Zeit nach der Beendigung d«S Dienstverhältnisses in seiner Tätig. keit beschränkt wird, nur so weit verbindlich ist. als die Beschränkung nicht die Grenzen überschreitet, durch die eine unbillige Erschwerung des Fortkommens des Angestellten ausgeschlossen wird. Für Minder» jährige und Lehrlinge soll jede Konkurrenzklausel nichtig sein. Das Konkurr«nzver-ut soll überhaupr nur wirksam sein, wenn den An- gestellten für die über die Vertragsdauer hinausgehende Befchrän- kung eine Entschädigung zugestanden wird. Der Prinzipal kann bis zur Beendigung des Dienstverhältnisses jederzeit auf das Kon- kurrenzverbot verzichten, es muß dies aber innerhalb einer be- stimmten Frist geschehen. Der Angestellte hat auf die Entschädi. gung keinen Anspruch, wenn er durch vertragswidriges Verhalten Grund gibt, das Dienstverhältnis zu lösen. Entgegenstehende Ver- einbarungen sind nichtig. DaS unbedingte Verbot der Konkurrenzklausel allein kann die schweren Schädigungen beseitigen, die die Konkurrenzklausel allen Arbeitern, nicht nur den Handlungsgehilfen oder Werkmeistern, zu- fügt.' Schwaben von zahlreichern Viehhändlern besucht und die Oekonomen Lud Viehbesitzer zum Berkauf des vorhandenen StallvieheS zu ver- locken gesucht. Infolge der durch das Hochwasser verursachten großen Futternot wird in jenen Gegenden tatsächlich sehr viel Weh an die Händler verkauft, die eS geradezu um einen Spottpreis erwerben, um es mit bis zu 100 Prozent Reingewinn sofort wieder weiter zu verkaufen. Daß der aus diesen Viehverkäufen entsprungene Gewinn nur den Händlern in die Tasche fließt, beweist die Tatsache, daß die Preise für sämtliches Schlachtvieh in den letzten Tagen nicht etwa gesunken, sondern sogar gestiegen sind. Ein Justiz- und Polizeiskandal. Paris, 6. Juli.(Eig. Ber.) Daß die Affäre des verkrachten Gründers Rochelle allerhand unsaubere Geheimnisse aus der parlamentarischen und offiziellen Welt birgt, ist längst kein Ge- heimnis mehr. Im allgemeinen aber war man mehr geneigt, die lange Duldung der schwindelhaften Spekulationen de? ehemaligen Cafehaus-Piccolo, als das Einschreiten gegen ihren Urheber in Verbindung mit unlauteren Machenschaften von dieser Seite zu bringen. Wohl war bekannt, daß die Kampagne, die zur Verhaftung Rochelles geführt hat, das Werk des damaligen Senators Prebet war, des Direktors des„Petit Journal", dessen Aktien Rochelle vermittelst eines künstlich herbeigeführten Kurs- sturzes hatte an sich bringen wollen. Nun aber kommt zutage, daß sein hoher Polizeifunktionär unter überaus verdächtigen Umständen an dem Komplott des bedrohten Zeitungskapitalisten mitgewirkt hat. Ein Spekulant, namens Gaudrion, hat in einem Schreiben an den Fustizminister und als Zeuge in der Ver Handlung gegen Rochelle folgende Tatsachen enthüllt: Im März 1308 brachte ein Jnseratenagent namens de Pias, der erfahren hatte, daß Gaudrion Aktien der Rochelleschen Unternehmungen besaß, Gaudrion in Verbindung mit Prebet, der'damals Waffen gegen Rochelle suchte. Prebet forderte ihn auf, eine Strafanzeige gegen Rochelle zu erstatten. Gaudrion wollte nicht selbst vorgehen, aber er beauftragte einen Strohmann namens P i ch e r e a u, dem er Aktien übertrug, mit diesem Geschäft. Am 21. März 1908 kam Prebet ins Bureau Gaudrions. In seiner Begleitung befand sich der Präsidialchef des Polizeipräfekten, Herr Dves Durand, der Gaudrion sagte:„Schon seit langem suchen wir Rochelle zu verhaften, aber wir haben weder Beweise, noch hinreichende belastende Elemente gegen ihn." Durand prüfte hierauf die Dohr mente Gaudrions, beziehungsweise die des anwesenden Pichereau. sagte aber dann:«DaS ist noch nicht völlig aus reichend. Denn wir müssen eine Untersuchung über alle Geschäfte Rochelles eröffnen können. Könnte nicht Pichereau Aktien des«Glühstrumpfs Hella" in die Hände bekommen? Gaudrion war sofort in der Lage, den Wunsch Durands zu erfüllen, und Pichereau fügte auf Zureden des Polizei beamten an seine Klage einen Antrag an, der sich auf die«Hella"' Aktien bezog. Bon nun an leitete Durand die ganze Operation. Er stellte Pichereau noch am selben Tage dem Untersuchungs richter Berr vor, der ihn wieder an den Staatsanwalt Monier wies, der ihn mit den Worten empfing?«Sie sind der Mann von der Präfektur?.�— Zwei Tage darauf, am 23. März, wurde Rochelle verhaftet. Was soll diese Geschichte bedeuten? Sie macht aus Rochelle sicherlich noch keinen unschuldigen Märtyrer. Aber sie zeigt einen sehr merkwürdigen Eifer eines hohen PolizeifunktionärS, diesen Spekulanten» der alles in allem genommen vielleicht waghalsiger, aber wohl nicht unredlicher war als seine Kollegen in der Gründerei, ins Gefängnis zu bringen. Warum gerade diesen? Ist da der Einfluß PrevetS zu suchen, der dem mächtigen Syndikat der Metallindustrie, dem„Comite des Farges"� nahesteht, und der just 1908 der Berichterstatter über die von der Regierung betriebene, für die Aktionäre so vorteilhafte Verstaatlichung der Westbahn war? Ist es andererseits nicht verdächtig, daß in den letzten Tagen vor der— wie man sieht von der Polizei noch vor der Strafanzeige vorb ereiteten— Verhaftung auf- fallend große Verkäufe Rochellescher Papiere an der Börse stattfanden. Es gibt Leute, die diese Verkäufe mit den Börsenspekulationen gewisser Beamten in Verbindung bringen Dagegen gibt es weniger Leute, die glauben, daß in diese Affäre das fehlende Licht gebracht wird.. Vermischtes. Regenwetter und RochwalTer. Au? verschiedenen Gegenden kommen Nachrichten über durch anhaltendes Regenwetter verursachte Verwüstungen. Arg in Mit- leidenschaft gezogen wurden Dörfer und Gemarkungen in Baden. So wird u. a. aus Neubur g-Weier(Amt Etttngen) gemeldet, daß das Hochwasser seit 14 Tagen aus der Gemarkung nicht gewichen ist. Teile des OrteS stehen zwei Meter hoch unter Wasser. Seit sechs Tagen ist keine Aenderung eingetreten und noch immer ist eine Besserung nicht abzusehen. Von einer Ernte in der ganzen Gegend kann keine Rede sein, da die Ueberschwemmung des Rheins und zum größten Teil daS Druckwasser alles vernichtet hat. Die Keller sind völlig gefüllt und in den unteren Wohnräumen reicht daS Wasser teilweise bis an die Decke. Bei W y h l(Amt Emmendingen) stehen Felder und Wiesen schon seit sechs Tagen völlig unter Wasser. Die Feldftüchte haben schwer gelitten. LuS Mannheim wird gemeldet: Seit gestem ist die dritte Hochwasserioelle innerhalb vier Wochen gekommen. Der Rhein stieg von gestern auf heute um 43 Zentimeter und hat damit seit 1873 den höchsten Stand von 711 Zentimeter erreicht. Der Neckar ist in den letzten 16 Stunden um 73 Zentimeter auf Zentimeter gestiegen. Der mittlere Neckar ist sprungweise gestiegen. G Auch in Paris mehren sich die Anzeichen, daß eine neue große Nrborschwemmung zu befürchten ist. Infolge anhaltender Regengüsse ist die Seine neuerdings beträchtlich gestiegen, in einzelnen Bezirken drang das Grundwasser bereits in die Keller. In den Pariser Vororten Asnißres und Joinville-le-Pont find die QuaiS an mehreren Stellen überschwemmt. Auch Marne, Donne und Aisne sind an verschiedenen Punkten über die Ufer getreten und haben bereits einigen Schaden angerichtet. Fleischwncher im oberbayerische« UeberschweinumngSgebiet. Aus München wird uns gemeldet: Zurzeit werden die vom Hochwasser so schwer heimgesuchten Gegenden in Oberbayem und Neue Rekords der Jlugmaschine. Während die Flugwoche von Budapest keine außergewöhnlichen Flugleistungen aufzuweisen hatte, scheint die Flugwoche in Rheims unter einem günstigeren Stern zu stehen. Einer Reihe glänzender Flüge,, die schon in den letzten Tagen absolviert wurden, schloffen sich am 7. Juli weitere vorzügliche Leistungen an. Es gelang dabei Olieslagers, einen neuen Distanzweltrekord aufzustellen, indem er eine Strecke von 255�4 Kilometer zurücklegte. Olieslagers hatte damit den Distanzrekord, der seinerzeit von Henry Farman durch Zurücklegen einer Strecke von 232�4 Kilometer aufgestellt worden war, geschlagen. Allerdings ist FarmanZ Rekordzeit von 4 Stunden 17 Minuten 53 Sekunden durch Olieslagers, der zur Zurücklegung seiner Strecke nur 3 Stunden 39 Mi. nuten 29 Sekunden brauchte, nicht erreicht worden. Auch Latham skllte einen neuen Rekord auf, indem er 299 Kilometer in zwei Stunden 46 Minuten zurücklegte. Latham landete kurz darauf, nachdem er im ganzen 212?4 Kilometer zurückgelegt hatte. Diese Leistungen sind umso beachtenswerter, als sie beweisen, daß auch Eindecker— Olieslagers bediente sich eines Bleriot- Apparates Latham der Antoinette-Mafchine— in Distanz, und Dauerflügcn mit Zweideckern durchaus zu konkurrieren vermögen, wenn sie über gut funktionierende Motoren verfügen. Der 7. Juli gehörte überhaupt den Eindeckern, denn auch im Höhenfluge erreichte Latham 1384 und Moräne mit einem Bleriot-Apparat 1110 Meter Höhe.. « Todessturz einer Luftschifferkn. Neben den guten Flugleistungen hat sich am Freitag wieder ein bedauerlicher Unglücksfall ereignet. Ein Telegramm meldet uns darüber aus Rheims: Die bekannte französische Lustschifferin Baronin de la Roche«flg in einer Höhe von etwa 40 Meter dahin, als plötzlich ihr Apparat herabstürzte und zerbrach. Die Aviatikerin brach den linken Arm und das rechte Bein und zog sich auch Ber« letzungrn am Kopf zu. Ihr Zustand ist hoffnungslos. Die Baronin erlangte auf kurze Zeit wieder daS Bewußtsein und legte sofort bei der Sportkommission des Flugplatzes Protest gegen den Deutschen Lindpointer ein, da sie behauptet, durch den Luftdruck von dessen Motor zu Boden geschleudert zu fein. ES dürfte notwendig sein, bei einem derartig großen Andrang von Aviatikern besondere Regeln und Vorschriften zu erlassen, um derartige bedauerliche Unglücksfälle nach Möglichkeit zu verhütea.*. Im Aeroplan durch die Wolken. Ein P.-T..Telegramm meldet aus Rheims vom 8. Juli: Latham, der kühne Pilot, der am Mittwoch selbst einem Winde von über 15 Meter in der Sekunde trotzte, ist gegenwärtig der Held des Flugfeldes von Rheims. Nachdem er gestern einen neuen Rekord aufgestellt hatte, wurde er jubelnd begrüßt. Aber nur wenige Minuten gönnte er sich Ruhe. Bereits 5.30 Uhr stieg er von neuem auf; und in wenigen Augenblicken waren sich die nach Tausenden zählenden Zuschauer darüber einig, daß er einen Höhenflug vorhatte. Immer kleiner und kleiner wurde der Apparat des Fliegers bis er schließlich als winziger Punkt im grauen Himmelsgewölb erschien. Kurze Zeit nach Lathams Start stieg Moräne mit seinem Bleriot-Eindecker auf und folgte dem ersteren in die luftige Höhe. Bald hatte er ihn erreicht und jetzt schwebten zwei winzige Punkte, dem Anblick einer dahinfliegenden Lerche nicht unähnlich über dem Flugfeld von Bethcny. Plötzlich war der eine kleinere Punkt den Blicken der Menge entrückt. Latham war in 1384 Meter Höhe in den Wolken verschwunden. Zehn Minuten vergingen, ohne daß man ihn wiedersah. Eine Viertelstunde— und die Menge wurde schon ungeduldig. Da endlich nach 20 Minuten tauchte er in der Ferne über der Stadt Rheims wieder auf. Immer noch in beträchtlicher Höhe, aber doch bereits deutlich sichtbar. Er hatte über 10 Kilometer in den Wolken durchflogen. In weitem Bogen kehrte der kühne Aviatiker nach dem Flugselde und Startplatz zu- rück, wo unterdessen auch Moräne wieder gelandet ivar. Brausende Jubelrufe begrüßten ihn, als er den Sitz feines Eindeckers verließ. Alle Zuschauer waren der Bewunderung und des Lobes über diesen kühnen Flug voll. Als Latham in der Nähe fenes Hangars landete, war er zwar feucht und schmutzbespritzt, doch im übrigen froher' Laune. Nur die Zigarette, sein sonst unzertrennlicher Begleiter, fehlte.„Ich bin wieder gekommen", so erzählte er seinen Flug durch die Wolken,«weil ich mich inmitten der Wolkenschichten nicht mehr orientieren konnte. Mein Horizontalsinn war abhanden gekommen. Als ich in die Wolken hineinflog, wußte ich vollkommen Bescheid; als ich aber höher stieg und auch unter mir weiter nichts wie dahin- ziehende Wolken waren, da wußte ich nicht mehr, ob ich gerade oder im Bogen, horizontal oder seitlich geneigt dahinflog. Die unter, über und neben mix dahinziehenden Schichten verwirrten mir die Sinne. Wo sich die Erde, der ebene Boden befand, wurde mir nicht bewußt. Ich mußte daher meinen Plan, noch höher zu steigen und einen neuen Höhenrekord aufzustellen, fahren lassen und an den Abstieg denken: Als ich endlich aus Nebel und Wolken herauskam, befand ich mich über der Stadt Rheims. Die altchr- würdige Kathedrale lag zu meinen Füßen. Zehn Kilometer hatte ich in den Wolken durcheilt." Lebendig begraben. Gestern morgen wurden zwei Bergleute auf der Zeche Hasen- Winkel bei Hattingen von herabstürzendem Gestein verschüttet. Die sofort in Angriff genommenen Aufräumungsarbeiten ergaben, daß beide noch am Leben seien. Trotz der größten Anstrengungen seitens ihrer Kameraden ist es noch nicht gelungen, die Berfchütteton zu retten. Seit gestem nachmittag war eine Verständigung mit ihnen nicht mehr möglich. Doch dürfte es nicht ausgeschloffen sein, daß sie sich noch am Leben befinden._ Vom Automobil des Präsidenten Taft überfahre». Gestern wurde ein Italiener vom Automobil des Präsidenten Taft überfahren. Die Verletzungen waren derart, daß der Ueber- fahrene kurze Zeit nach dem Unfall starb. » Nach einer Depesche aus New Dork stürzte vei einem Automobilrennen in Jndianopolis während der Gefchwindigkeits- Prüfung der Wagen des bekannten Automobilisten Kincade um. Der Führer des Wagens war s o f o r t tot. Meine Notizen. Diebstähle. Auf dem Postamt Tesche» in Oesterreichisch» Schlesien wurde ein Postbeutel mit 17 000 Kronen entwendet. Der PostanttSdiener gientek wurde wegen Verdachts des Diebstahls ver» haftet.— Bei einem Juwelier in dem Grenzort F r i e d e ck in Oefterreichifch-Schlesten wurden Uhren und Juwelen im Werte von 36000 Krone» gestohlen. Familtendrama. In L a g e n l o i S hat der Müllermeister Schuh feine von ihm getrennt lebende Ehefran durch Revolverschüsse tödlich verletzt und sich dann selbst erschossen. Zur Hofrichter-Affäre. Wie aus Wien gemeldet wird, ist die Untersuchung gegen Frau Hofrichter sowie gegen die Frau und die Schwester de» Profossen Tuttmann eingestellt worden. Die Gurgel durchschnitten. In FouqiereS schnitt ein belgischer Bergarbeiter seiner Gattin, welche sich weigerte, das gemeinsame Leben mit ihm wieder aufzunehmen, die Gurgel durch. Der Mörder wurde verhaftet. Erdbeben. In Laivach registrierten gestem früh 9,20 Uhr 54 Sekunden die Instrumente der Erdbebenwarte den Beginn eine» F e r n b e b e n S. Die Herddistanz betrug 6000 Kilometer. Bom Wilderer erschossen wurde in den Waldungen von St. Georgien in der Nähe von Preßburg der Förster Gruber, als er einen Wildschützen auf frischer Tat ertappte. Der Täter ist verhaftet. Eingegangene vruckfckriflten. «Der Sturm.- Wochenlchrlst für Kultur und die Künste. Heraus. gegeben von H. Waiden. 10 Pf.— Verlag.Der DUinn' Berlln-Halensee. Aus Natur uud Geistcswelt. Bd. 16. Berkehrsentwickeluna t» Deutschland 1800— 1V00. Pon W Lötz.— Bd. 317. Die S»t. wickelungögeschichte der Stile i» der bildenden Kuuft. I.Teil. Von E. Cohn-Wiener.— Bd. 213. Desgleichen II. Teil.— Bd. 221. Körper. liche Verbildunge» im Kindrsalter und ihre Berhütung. Von M. David.— Einzelb. 1 M., geb. l,2S M.— 8. ffl. Teubner, Leipzig. Zeitschrift für«rligionspsychologie. Heft 1 und g. Heraus« gegebe» von D. S. Runge, Dr. O. Klemm und D. I. BreSler. 12 Helte ein Band 12 M.— A. Barth, Leipzig. T Gedichte von R. Goldfchmldt. 1,50 M., geb. SM.-- Leven. Er- Zählungen von N. Goldschmidt. Brosch. 1 M.— Heidekraut. Roman von Anna Sommer. 1.50 M., geb. SM.— Stndentenliebe. Roma» von Wilma Mltlelstaedt. MeminIngerS VeriagSanstalt in Würzburg. 1.60 M., geb. 2 M. 0 Verfassung und Verwaltung der freien Gewerkschaften tn Deutschland von 8. Schildbach. IM.— A. Deichertsche VerlagSbuch- Handlung. Jnh.: Werner Scholl, Leipzig. Di« Rainrell-Lehre al» Grundlage der praktische« Mensche», keuntui». Von C. Huter. 51 S.— Leitfaden zu meinem System der wissenschaftlichen Psycho-Physiognomik. Von C. Hüter. 171 S. ?lrmintuS>Verlag, Detmold und Leipzig. Müsse» wir die Idee des Generalstreiks propagieren? Bon E. Llldl«. 15 Pt.— Selbstverlag Treptow-Berlin, Bawnschulenstr. 74. Protokoll der Darifverhandlnuge« im Malergewerbr und der außerordentliche» 12. Generaiverjammiung 1910. 462 o.— A. Xobler, Hamburg. 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Drultu.Veiilaa: VorwäitßBuchdrulkerei q, LerlaaSamtalt Vaul Zwatt& SB» Vulig SW» -»VIUU og Mtmnjizx "»13'S huL'ZihnM ani lj,tk '�l«|>»<*snL ö n«gaffl H:}.u3>tl3@ ('(• qaniz) jaopnaipiit ■10103 epa»'-vohi/zL "IL"aijsSuvJ'a-HKL"aißiZ '>''1"sqivaiusijanK izg "PII"azUZUipZS'asSass jiohzz 'I''I'spisFvla?�«!� "ML"-ijaaMvhI'snvhK,jvh-I »llajZS) S.lhozA"hoI:,aa,4j,S> "15»Svaij »«jjlwhz'UZSvhUZMOJ SzaZN �jz«; ■ff aijuzijuij •in»'.ua�qgi�jjqpg uing"",j-ik *l8'61"ll)USa33ffi"3®'(UUDUHSCJ gUD§) sm>h33A3aih>T«mg"Ijatf "tl Ulöiuga'gvznF ittosfe 1)318 f-'l'f�opuauBK 'U3hig®hi)qivN'paqnajg ■g»*i"ZsjaiogviK-g kibjd ?JoB* •g-'H"SZjuzgiZW g AioqaiBia (laBriiituß) Brujaqpö 1)3(6 (liumiau) pns-»J«l'�ITfBK ■Baffi 13)305 •gaan'S"»'U3higoihi)3qoK'ß33U33A ■3gDi}Jaioun.i® 3)uo] •oj}'it33vqgnvh(v(x uaq nF 1)3(6 -g- g'/-op«iq»« ichaH (-Sgm3i-tD-"gi,oz») �«>p«Zx 1») aivz-F avK'g-'I »»«napp�j- aaÄOuqaB jj; "IST aljaaugqmaz'0)0(13(2 11390(6 *M*l -zait-Iozg Bniz"huJ'»,133«»VIA '33)0318 H"3llv(j3(6 T«uh3W"huL'VU)(6 33U3910® -BBBSqqB'U iq03ljU331D'UUV3N®"1)3(6 '«sqqBI 1333(1)30 SN0hU3hyh>I •apXBAluaqdni "h>)(u«d(jnBniz Diggzizx g popBS�»vi fL 3(j3il33s'epoiI linBnu •JJ*1 AlOpUf] 1333*9jaquapaii •(JOB®) USOIOlvUlhl® I3BB iuqipspj-'isiu»•jjopuaaaj'j 1333(1)3» 3I»10B an» *|-'l•apiB.wuaqai'f ■Baaguaquci qua fl-O•»pppaiqai'i jOhuhBF UlB'33)32 ilOqN(6 'g-'X'dpBJuaiqaj'i 133) 3IBJ0S an» *1**1 Iasq»azqazi •jujdlaS ajüjofi 3M«naznai •e9'3�;(tnB5'3038j-5•umqaf UUVMbZT?'SQJ •g-#l'mojio;«) tag uiqq»� "Et/tf"OljDUOjJlffi'ßNBh •«JofclnaJa®'BjtohjoaS uo)u» "TS"3))U3lh!)W 'tpih)®"HuL'U3PB®.xaiqBIB� "6 3ljU3lhWx'SNBhßpM ßflZI »g.'X*«ii�qBBi -.pBqgoih-®*'33Bh3a 3)111, cz ".�oitz-lqiva*"3NB)j3(6'UUBMxO,® '>**> -U)3(j3390zz johijv® qun qiomhmT johijB® g.'X'p»p»sq»i)sx i-h iq«»söli«i "3,jB33T'HO HIT "iinh!® Ijn®"HuL'anohßfppqapg •noa"ßNBhuahnhi® f3,jrj 18"3))33UUljyJ'B3N9U3hlO(6 •4W B SaaqspuBi -hl>3(312 HuL'BN3jZ U311B umg -g.'a'Ä3lnqap«'F "UUBiu�a*ÄBiqa«i3lB�x -Banquagoix 1)3(6 ')5U0j-n«UI>5 qaOpuai-BBZU >33) 10103«lau-g-'l"JJOp •nquahss"q aasuauiniu.ijj '13 BS lUB3N0lj3(6 n 3 3 g •13334)38 H1BU02 qun I310§ K�aijt (Ouqquis-M>'0)»�asapif "1)03N qun h, 03ilBx6 •|-"0-"J•uaiuiuaajj 133) 10(03 ttjajj •g-'l•qa|u«utja>f llOlljloH 13DJJ 11(031101)3(6 '8**1'uaisaji-'aiq ,zg 9naq8|qjo�( S X*P}«3(»(?8"9 aaahuaihn "fl-M aajgiajna® 33jjNOhZ) 33U3ÖDqg(pUq •3Ug 33 q UD lUV3Nl>)j33qjoxg) •hiueamoxa 1)3(6:3iuoiozz. qoilpjuaquaM nouii3® si�-"g-oi�-j)oilpjU3qu3xiz ol3-ö-si3 Baiiquoduivai; 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Rest. Franz Magnus, Wtlhelmstr. Rose, Bürgeigarteo, Wriezcnerstr. tAti-uusderir(Borst.u.Uing.). Landhaus— WolsSthal— Seebad— Schlagmühle— Rot- läppchen— Neue Spidmühle — Alle Spitzmühle— Rest, zum Hungrigen Wols.— Seeschlotz. tZtrvditz(Cottb.-Sprenibg.). Paul Nowka, Prellbock. Gust. Neubarth, Kl.-Ströbitz. Kuiuiut. B.-B. Kein Lokal frei. VusdoiMt N.-B. Kalserhos.P. GaPinSki, Kailerstr. 80. Vegiol. B.-B. Rist. Strandschloß, Rist. Belleoue am See u. Rest, tzamusei, Haupt- ftraße gesperrt. V«giel«rt. B.-B. Rest. Beckmann u. Haideschlößcheo gesperrt. Alle andern Lokal« frei. 'rcltim-�cBlRot'. T.-B. Zllle Saallokale gesperrt. VerkehrSlokal: Wilhelm B000W, Zehleodorserftr. 4. 9. Kupsch, Hoher SIeioweg iL. VeuKpeURSlk*. f.-B. .WilhelmSgart.'.HanS Schneiderest, Berlincrstr. 9. Genossenschostsioirtzh., Dorsstr.Sll. August Apelt, Berlioerstr. 4l/42. Parkrestaurant Kreideweiß, Dors» und Berlinerstraßen-Ecke. -roin plin. Alle Lokale gesperrt. 'rivtu'ei'dvru.KU. P.-O.-B. Kein Lokal srcX Vi-utteudort /KMli.-ipkdp.) Otto Nakonz. VrSkdtiR. 7.-B. E.Schulze, BesellschastSH..«ohnhofftr. O.Wolfs, Zum Kronpr., Bahnhofstr. H. Lehmann, Bahnhosstraße. H. Gleiche, Bahnhosstraße. P.(Sräse, Bahnhosstraße. W. Jüttner, Berliocrslraße. W. Fromm, Schützenh., Berlinerstr. J. Hirsch, Markt. Ww. Hause, Zossenerstroße. B. Rudolf, Plantage Clistow. H. Gras, Beelitzerstraße. Vreptviv. Ww.Graßmann, Elsenstr., gesperrt. Alle anderen Lokale frei. 1'rvueuki-tvtzvu. Hirm.Dornow,»erlinerVorstadtL. Gust. Norexz, Breitestr. LS4. Vetzdort. B.-B. �Sgerheim", Jul. Schmoll. \ alentin« werdcr. gtti. P.-O.-l. Vehlefanz. P.-O.-B. Hr-Peetsch,®cf ellfchof täp.,Ru*6. frei Paul Schlöttke gesperrt. Velten. P.-O.-B. Gesperrt: Julius Tübbccke, Breite- ftr. 67 und Turnhalle dcsMänner. Turnverein». Alle and. Lok. sret. Vetachnu. VerkehrSlokal: Lehmanns Gasthos w Stradow b. Vetschau. Gasth. z. deutsch. Kaiser, Koitboserstr. W. Klausch, Stradower Weg. Vietz.(Lindsberg-Soldln.) Rest. Sabert, am BiehmarlX VezrelsanG.(Gub.'Lübb.) Ww. Kahlisch. �VaidmannsluHt. B.-B. Rest. SchwcizerhäiiSchen, Diana» straße 28)33. Jnh. W. Harlig. Zum Bergschloß, Jnh. R.HeimichS. Vslldllti-Vsndlttzzei. kt.-k. Georg Laßau, Gesellschastshau», Prenzlauer- mBernauerfir.. Ecke. All« anderen Lokale sind gesperrt. W unnnee. T.-B. Fürstenhof, Philipp, Königstr. 40. Bairischer Hos, Jnh.: Wollenzien, Glienickerstr. 10. Gust. Koch, Chausseestr. Sa. Wan»«»«!-!. si.-O.-B. Max Buge. VT* einniciaterhorn. Benthm. P.-O.-B. Weissaffk, Somn-Forst. M. Kanter. Weissensee. B.-B. Alle Lokale frei. Welzow. Cotlb.-Sprbg. G. Model, Gasth, zur Grube Clara. H. Pfeiffer, Zum deutschen Kaiser. August Pötschik. Wensickendorf. B.-B. Alle Lokale gesperrt. Werder a. d. Havel. Schwarzer Adler,(Jnh. Koch), Fischerstr. 98. W ernenchcn. Carl Schlöttke(fr. Wittenberg). Wiemsdorf. T.-B. SportShau» am Crosfinsee, Jnh. Gottlteb Handschke. Schwedler,.Zum Oder-Spree-Kanal.- Weskov. lOsNbllz-Sprbg.) Restaurant Franz Winnenberg. Wildau. T.-B. Otto Schuhmann, Wildauer Hos. Otto Heiser, BolkSgarten. P. Scholz, Zum grünen Baum. Wilhelmsherg,. B.-B. Alle Lokale sret. Wilhelmshaven, B.-B. Alle Lokale frei. Wilhelmsruh. B.-B. Alle Lokale frei. -WilhelmsruhsOberhav.). VerkehrSlokal, Jnh. Kieker. Wilmersdorl. T.-B. GesellfchastshauS, WIlhelmSaue 112 Jnh. Dase. s,14-NS. Viktoria-Garten, WIlhelmSaue Spichern. Säle, Spichernstraße 3, Jich. Stechert. Zur Klause, Hildegardstr. 5/8. Wilsnack.(West-Prigmtz.) Müller» Gasthos. Wittenau. B.-B. Albert Schulze, Hauptstr. 58. Ernst Wittchow, Oranienburg«» straße 100. Julius Eberhardt, Lübars«» straße 98, sreX Friedrich Schulze, Oraoleoburg«. straße 88-89, gesperrt Wittenberge(West-Prign.). Stiehm» VollSgarten. Wilhelm Schober, Bürgergarten. Wilhelm Werner, Landhaus Wittstock(O.-Prigoitzl. Meißner,„Zur Eisenbahn''/ Woitersdort /Dorf). B.-B. All- Lokale sret Woltersdorf(Schlnu].fl.-I. WolterSdorser Mühle und HoteX ZtranichSberg gesperrt Stile anderen Lokal« sret Woltersdori(SucCen»aIbe) Fr. Schade gesperrt. (Z&ckerick a. O. A. Hinz«. Zechin(Frankfurt-LebuS). Brauerei Friedr. Buchholz. Zeesen. T.-B. P. Behrend, Gasth. z. Palm«. Zehdenick. Restaurant Buchholz, AmtSsreihtiX K. Kadier, Dammhaftstr. 13. Zehlendorf. T.-B. S. Mieflet, PotSdamerftraße SS (WaldeSluft). Wilh.Meck. GelellschastShauSFlarl. straße 12. Otto SchSne, Potsdam« Chaussee, Ecke Derflingerstraße. Teblendopl b. UebeaRtlde sB-B.) Rest, zur Eisenbahn, C. Osten. Zepernick an der Stettin« Bahn. B-B. .LumPanl-Schlößchen-sOstertag). Ww. Packert, Dorsftr. Zernsdorf. T.-B. Georg Schulz..Zur FriedenSeiche' gesperrt. Alle andern Lokal« sret. Zeuthen. T.-B. AlbrechtShos(Spethmann). .Zur Dorsaue", Jnh. Liiidemona, Dorsftr. 15. Zieienzig. (Ost. und West-Sternberg.) VerkehrSlokal: Restaurant Bez. Rest. Schützenhau». Zilien dort.(Gub.-Lübb.) Gasthof Redlich. Zinna(llOS(er). August Heinrich. Zossen. T.-B. verkehrslolal: Kurzoer, Baruther» straße 10. Zühlsdorf» B.-B. Rest..Zur Eisenbahn'. F. Gttge. Züliichan. Alle Lokale gesperrt. Z wiehasch. T.-B. Gärwrr, Berk. Schweiz, Seddiosee. Berantworllich: Richard Henschel, Berlin tt. W. Ueckermanderstr. 17. Druck: LorwürtS«uchdruckerei und LertagSansmn Paul Singer» So. Bettin SV. SS, Lültenstr.«. Alle Kokale, die keinen Saal haben, stnd frei! Kokat-Kiste für Kerlin nnd die Provinz Krnndendnrg. Ausgegeben am 10. Juli 1910. Obmann der Kommission: Hichard Henschel, N. 58, Neckermiinderstr. 17. Alle Mitteilungen, Anfragen ,c. find für Berlin an da» unterzeichnete KommisstonSmitglied des Setrestenden Kreises zu richten. Für Krei« Nirder-Barnim an Hermann EliaS, 0. 112, Blumenthalstr. 24, für Krei» Teltow-Beeskow an Carl Rohr, Rixdorf, Selchowerstr. 15/18, v. TV"; für Krei» Potsdam-Ost-Havelland an Emil Schubert, Spandau, Kurstr. LI. Di« zu den genannten drei Kreisen gehörenden Orte sind durch folgende Buchstaben besonders bezeichnet: Nieder- Barnim— N".-B., Teltow> BeeSkow— T.-B., PotSdam-Ost-Haoelland ~ P.-O.-H. Für alle übrigen Orte sind Ansragen usw. direkt an den Obmann der Kommission zu richten. Zur besonderen Beachtung empfehlen wir folgende»: Die in der Liste mit einem «»ezetchiieten Orte bezw. Lokale gelten als frei, jedoch ersuchen wir die Parteigenossen dringend, Vereins., Werkstatt- oder sonstige grössere Partien nicht nach diesen Lokalen «»ternehmen zu wollen. Zu jeder gewünschten Auskunft ist die Kommission jederzeit gern bereit, nnr müffe« wir darum bitten, alle Anfragen möglichst frühzeitig zu stelle». Diese Liste ist bis zum Erscheinen der folgenden aufzubewahren, und bitten wir, von den in der Zwischenzeit eintretenden Aenderungen Notiz zu nehme«. Dj, Kokalkammisstou. -----3-------------------�� LerHH.------ 1. Wahlkreis. Centrum Feftsäle, Niederwallstr. 20. DräselS Feslsäle, Neu« Friedrich. straße 35. Louisen-Zelt, Jn den Zelten 9a. Zum gold. Löwen, Jüdenstr. 55. Lokal-KommisstonS-Mtglied: Paul Bartsch. Lesfingstr. 32. 2. Wahlkreis. Anhalt. Ressource, Möckern ftr. 114. Bock-Brauerci, Tempelhoser Berg. Bohne, Hasenheide 45—47. BonackerS Festsäle, Blücherstr. 81. Dietrich, Lindenstr. 3. Gliesing, Wasserthorstr. 88. Goßmaun, Kreuzbergstt. 48. Gramkau, Steglitzerstt. IL. Hellmann, Schonleinstr. 8. Gründer, Schwerinstr. 13. Habels Brauerei, Bergmannstr.5-7. oappolds Brauerei, Hasenheide Z2/S8 zochbahn-Rest., Tempelhoser Ufer 30. oosiäger-Palast, Hasenheide 52/53. rliemS Festsäle, Hasenheide 13/15. KönigShos, Bülowstr. 37—40. Leuchtturm, Fontane-Promenad.15 Marlgrasen.Cafino, Markgrasen- straße 83. Münchs F-stsäle, Steglitzerstr. 35. EarlNißleS F-stsäle, D-nn-witzstr. l». RaabcS Festsäle, Fichtestr. 29. Reinhardts Neues Gesell ch.-Hau», Hasenheide 57. Schiiegelbergs FestsAe, Hasen» Heide 21, Fahnst. 8. UnionS-Brauerei,Hasenheide22/31. Btktoria.Brauerei.Lützowst. 111/12. Lokal-Komm.-Mltglied: Heinrich Schröder, Bergmannsir. 9511. Z. Wahlkreis. Mexandrinen- Festsäle, Mexan- drinenftr. 110. Arminhallen, Kommandanten- straße 68/59. Beckers Festsäle, Kommandantenstraße 82. Berchts Rittersale, Ritterstr. 71/75. Berliner Klubhaus, Ohmstr. 2. Deutscher Hos, Luckauerslr. 15. Dresdener Kasino, Dresdener- straße 96.~ Dresdener Garten, Dresdenerstraße 45, Jnh. W. Pasternacki. Englischer Hos, Neue Roßstr. 3. Feuersteins Festsäle, Alte Jalob- straße 75(Jnh. W. Kube). Fürstenhos, Köpenickerstr. 137/138. GesellschastShaus, Prinzenstr. 94. GewerlschastshauS, Engeluscr 15. Graphisches Vercinshaus, Alexan- drinenstr. 44. GratweilS Bierhallen, Komman- dantenftr.77/79(Jnh.Habcrland). Januszkicwicz, Melchiorstr. 15. Jnsel-Feslsäle, Jnsclstr. 50. Jndustric-Festsäle, Beuthftr. i 9/20. Kellers„Neue Philharmonie", Köpenickerstr. 96/97. Köpenicker Festsäle, Köpenicker. straße 127 1». Köpenicker VerewShauS, Köpe- nickerftraße 62. Llldikes VereinshauS, Dresdener- straße 118. Märkischer Hof, Admiralstr. 18 0. Meyer, Orauienstr. 103. Michael.Festsäie. Michaclkirchstr. 39. Neues Klubhaus, Kommandanten- ftraße 72. .Zum Mexandttner", Alexan» drinenstr. 37 a. Lokal-KommissionS-M itglied: C a r l K ö n i g, Kottbuserdamm 7. 4. Wahlkreis. Süd-Oft. BehrcndS Festsäle, Maoteusfel- straße 93. Cafs Alfen. Vord. SchlefischenTorT Central-Fcstsäle, Oranienstr. 180. Gleve,„Süd-Ost", Waldemarltt.75. Graumann, Naunynstr. 27. Grünauer Garten, Grünauerftr. 14. Judustr-ic.Festsäle.NtariannenstrVI Mariannen-Festsäle, Mariannen« User 2. Max Nowack, Mantcufselftr. 9. Naunyuscftsäle(Böhm), Naunyn» straße 6. Or-anien-Saloo,OranIenstraße17(t Reichenberger Hvs, Reichcnberger» straße 147. Sanssouci, Kottbuserstr. 8. Schocke(Drachcnburg), Vor de« Schlcsischcn Tor. Schuhmacher, Skalitzerstr. 128. Walter(Urania), Wrangelstr. 9/10. G. Wollschläger, Adalbcrtstr. 21. Ost. Albombro, Walliicrtheoterstr. 15. Albrecht, Gescllschastsh.,Lannest. 108. Andreas.Festsäle, Andrcasstr. 21. AndreaS-Gorten, AndreaSstr. 28. H. Bohrend, Sängerheim, Lands» berger Allee 158. Bolzmanns GesellschastshauZ, Lichten bergcrjtr. 21. Böhmisches Brauhaus, LandS» berger Allee 11—13. BoikerSGesellsch..HauS,Weberst.f7. iruxtlsB„smH -WtzytzT xznzxg"- J'fijaqsnBJJS'q|.ioi»s.ioSS 8■aiJiaqpm •U3l3Jg'mpvSsziogz sazqoahiJ ( IV»0IßLlINMIlwj -«xx-n-K.chz»a,ix) qg nJajqjooi -H>?S'.»ihnW ang*}iiD.inüjj3{£ *ap|BAL8.13q3 •gDijoa® jjn®'.saanolJajG' le«9UaZ1Z.'N N- cZ) U3880JQ (ivvJ) i((toiuaptjaß'jBunß imigz 'uasapiQ •qj afloa») -«mvqsioitz'qjoqqoy; Laos® gl ßNvhUZtznhlJ •|iSJ19ni-n«|«3«nB�qaaa ■luoaj •(|SJ0j-n«J0S) laopsraoQ •}3a)(joudm«mrtctnjfi) 'B- O-'J iI°W US ( quiSJds• qpa) naqonassm ■»«attlsB apjojj an« •g-'l■aasttBiiaa�sn�-'d ■aquß usun.xS ant»uuaniJiJajg •usjaoOaaJjBjy utn9 jmianDjjsig •amqB(( •jaasctjao azozoz 3M •f-'X'inaiqBQ (jaoquaqvT'NZzx 3H31Z) g'X usssoz'q propiiaqBN -,«3ltj3S 3JVJ03 3m •O v uasso.i3 '»U3h>qo>h>Iqi3L'''asQWUfpg ■Bujago®■äfpuiiqgTpugg'h'VS Bunujjo�uajnB q(»oas'asjaijjfls qojg •gnoqjaaJuojj'iioiflojj uaag •auoajs atig'sjunaaDj} 'ßNvhu3tzvh-T'aqojg-oiss '3tz3M ang'as�pjoa® •proqgjjD�lnala®'Bupo® tS 'snquoo 'zgoaijaajjnvhD'»quvnqMW •»»aiH-«!-*»«!!» xr 3qva,ju3Bv,uvM'igoooß •jpvil�uaV-ui.UHn,) •|3aj aiDjog auß g g I3kSX'Z38'aqoqxpBauo� -iqiui�S"Utote»piL g-'D SaaqwpuB'f-ijv rsq apiaynB}f aiuoio3 •qi3l'!3 SM •«-1'Uiqqa JX'q"0»«113 UUVMNVA SUvH huß 'Mi3qa3iB3T pltz-J.'ivioizahapas 'g-0-X-�vpvio. » -BaqjuaajBunß maasUiH'aganbaal« xiniviuBaa» '(llazgMV um® huß)'jogeaauaog „mnvauaquiz uing"'aauaaFZ inß BjimaH huß'aqttgfpaia ant»Jaifi •wutDggBmojj '„uafpflgiqplagia§*'afplmS innsfe ■„tupquoajj aah>j,na®"'ajiaAiav® VJoggpnjj""aamaigs •„uapnßaajIoiK"'Idiogniß -aalwUuahjiiiaq t g,jv®'üjoag-AW •uagjgiDamaniDijDjj gh»>oW ouna® :ivuvzs»agvjjppT quvgD«ijc 95'a,jah-j»iBuJ 'aa�og huß'hjaiH uaqiam lung SS■■Vi'P-mS'JWJqmg-g ■undDggDiugjj'»zavm »agaaj�aaBanguaiiojaogs'aiogoqj® gnDggiDffi'68/88B3aiaa]a83®'»uoög •offe"'89 BaaiaapBax'aajgaig LZ •„uapoBgaigna] M/iL �jaahsng '(Buuaoy) aivZ-vpouiA ajJnBnjz 'tS aijhiiagaug aajmy'tinh-J a ■»»IVltiag"]■„aaitjqiogz" 'Of Ba® aapßa®'auoh-g-agaiag 'aajjnoga aanvquvctA'aanüMs •g■aqjuawjou'»gnugiiioa* g. 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Friedrichshaw, Am FnedrichShain 22/29. Breuer, Große Franljurterstr. 117. Bürger-Hos, Küstriner Platz 10. Elisabeth-Garten, Elisabethstr. 30. Elysium, Landsberger Allee 40/41. »Englischer Garten-, Alexander« slraße 27o. Fortuna-SSle, StrauSbergerstr. 3. Gcrmaniabrauerel, Frankt.AlleeS3. Gesellschastshaus.LIchtenbergerst.lk Gieske, Landsberg erstraße 89. Graetz, Gr. Franlsurlcrslr. 30. Zieller. Koppeustr. 29(Jnh. Freher). Ziem, R„ Große Franksurierstr. 18. KolwigS Festsäle, Gr. Frankfurter« strafte 99. «önigstadt-Kasino,HoIzmarItftr.72. Königstädtisches Kasino, Große Franlsurterstr. 7S. «. Krüger, GesellschastihauS, Gubenerstr. 43. P. Litfi». Memelerstr. S?. Lutter, Weinstr. 11. Markgrafensäle, Markgrafendamm Z4 C. Nickel, Gr. Franksurterstr. 41/42. Nowottnick, Langeslr. 30. Ost-Kasino, Frankfurter Allee 106. Ostbahnhos-Ztestaurant, I. Opper« mann, Küstriner Platz. Palriasestsäle.Gr.Franksurterstr.llg. Patzenhoser, Landsberger Allee 24. Prachtsäle.Mt-Berlm*, F.Schmidt, Blumenstr. 10. Residenz- Festsäle, Landsberger« slraße 31. Schmidt,.3'M, Freischütz*. Frucht« straße 36 a. C.HahnS Festsäle, Sr.Franiftlrterst.74 SchrödersGesellschajiShaus, Frank- snrter Allee 127. B. Schumski, Langestr. 65. Tauert, Große Franksurterstr. 85. ». Schmidt» Spezialitälentheater, Landsberger Allee 76/77. G. Wolss, Kolonie Wilhelmshöhe, Hohenschönhauser Str. Zietz, Warschauerstr. 61. Zimmermann, Grüner Weg 29. Lokal-Kommissions-Mitglied: Earl Rott, Strabmannslr.29, ptr. S. HVsdttcreis. Berliner Musikersäle, Kaiser Wil- helmstr. 18 m. Dicsener, Landsbergerstr. 37. straße 15. KönigSsälc, Neue Könlgstr. 26. Kürbis, Lnisenstr. 26. Kuhn» Festsäle. Linicnstr. 8. Landsberger Cafino, Alb. Scheruch, Landsbergerstr. 39. LeydeckerS salon, Tophlenstr. 34. Logen-Restaurant, Kieme August straße 14. Luna-Säle, Neue Königstr. 7. Müller, Restaurant, Linienstr. 65. Mündncr, Linienstr. 19. Neues Konzerthaus, Alexanderpl. Pachuras Klubhaus, Landsberger straße öS. Phgadelphia, GreisSwalderstraße 1Ä/139 Restaurant.Bürgerheim', We Schönhauserstr. 23/Ü4. oseulhaler Hos, Roscnthaler» straße 11/12. lthalerstr. 57. Rosenthalcr VcreinShaus, Rosen« Schützenhaus, Linienstr. 5. Schweizergarten, Am Königstor. Sophien-Säle, Sophienstr. 17/18 Uniou-FestIälc,Greisswalderstr.222 Verbandsbaus der GastwiAsge« hülsen, Gr. Hamburgerstr. 18/19. Wendt» Pracht-Säle, Münzstr. 17, Eing. Königsgraben. Lokal- Komm.-Mitglied: Albert H a h n is ch, Augustftr.51, Ouerg.IV. 6. VVsdlkl-ei». Moabit. ArluS.Hos, Perlebergerstr. 26. Arminws-Hallen, Brenierstr. 70/71. Baucrn-Schänle, W. Küster, Beussetstr. 22. Danziger Ball-Salon, Stromstr. 28. Eisschlößchen(Plötzensee). Gieshoit, Jnsel-Rcst.(Plötzensee). Kron.-Brauerei, Alt-Moabit 47/49. E. Ladewig, L-hiterstr. 34. .MoabitcrBürgersäle'.Beusfelstr®. Moabiter GesellschastshauS, Wiclesstr. 24. Emdenerstr. 34/35. Moabiter Kasino, Wstsnackerstr. 63. MoabiterSchützenhauß(Plötzensee). Schüler(Brauerei Moabit), Turm- E. Stark. Waldstr. 8 s straße 25/26. Biltoria-Salon, Perlebergerstr. 14. Wedding und Qranienburger Vorstabt. AltmannSVereinshauS, Invaliden» straße 146. Berliner Bock-Brauerei, Abt. II, Cbausseestr. 64. Berlmer Nordpark, Müllerftr. 148. Gebr. Cranz' Festsäle, KöSlinerstr, 8. DetlosisFestsäIe,ßnoaIidenstr.84/8S. FunkesGesclljchaftshauS,Tr-iststr41 Genossensch.-Wirtsh.IVNorduserlO Germania-Säle, Chausseestr. 110. GesellschastshauS, Jnh. M. Gchöl- zel, Bohenstr. 12. Hosimanii, Pasewalkerftr. 8. Hopp«, Seestr. 1. Humboldt-Säle, Husfitenstr. 40. Hübners Festsäle, Chausseestr. 120. Köhlers«alon, Tieckstr. 24. 5A'omrei>SFestsaal, Eichendorssstr.S. Milbrodts Geselllchast«h..Müllerst.7 Neues Clubhau», Schulstr. 29. Oranienburg.Festsäle.Thausseeft.lS PharuS-Säle, Müllerftr. 142. Naabes Festsäle, Koibergerstr. 23. Sachon, Müllerftr. 136. Schmidts Festsäle, Gartenftr. 6. SchreinersVereinshaus.Schulst.SS. Schultheiß, Seestr. 32. sswaße 17. Schunianns Vereins-H., Kösliner- Schwankes Festsäle, Chausieest. 102. tz. Schwarz, Tegclerstr. 55/56. VereinS-Restaurant, Wilh. Reinelt, Sparrstr. 14. Zum Volksheim, Ackerstr. 123. .Zum Schill-rpark*. g. Schulz, 1 Müllerftr. 69. Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen. Bomssia, Ackerstr. 6/7. Brunnen- Säle, Brunnenstr. 15. E. Daase, Brunnenstr. 154. Dietrichs Festsäle, Brunnenstr. 34. Elsasser Ball-Salon, Elsasserstr. 15. Fcy, Brunnenstr. 184. jos. Frankes Feftsäl«, Badstr. 19. •rischsVictoria-Garten, Badstr. 12. Gramotte, O., Bergstr. 12. Harmonie, Invalid enstr. 1a. Melchert, Bergstr. 68. NoackS Festsäle, Brunnenstr. 15. Olböter, Usedomstr. 33. Restaiirant und Festsäle, Elsasser« straße 26. RocwerS Festsäle, Elisabethkirch- swaße 14. Sioiliemünder GesellschastshauS, Swmemilnderftr. 42. F. Schuster. Ackerstr. 144. F. Witte» Festsäle, Brunnenstr. 183. Zum Sängerheim, s j Veteranen- straße 18. Ballschmieder, Badstr. 1«. Bernhard Rose-Theater, Badstr. 53, Gregora-Braucrci, Badstr. 67 Max Hahn, Kolonieslr. 124. Leoilhardt, Kolouiestr. 147. Marienbao, Badstr. 35/36(Jnh. Nagel). Schmidt. Herrn. Prinzen-Allee 33. Vottsgarten-Theator. Badstr. 8 (Sehnt- und Bellermannstraß«). Walhalla-Restaurant, Weinberg»« weg 19/20. Schönhauser Borstadt. Arndt» Festsäle. Belsorterstr. 15. Arnim-Festsäle, Schönstießerstr. 22 Berolina- Festsäle, Schönhauser Allee 28. Bier-Sprudel, Gaudhstr. 10. Brauerei Bötzow, Prenzlauer Allee. Brauerei Groterjan, Schönhanser Alle« 130. Brauerei Psesserberg, Schönhauser Allee 176. Brauerei Gabriel u. Jäger, Otlatt Wendors, Zehdenickeptr. 10. Brauerei Königstadt, Oekon. Rob. Liebmg, Schönhauser Alle« 10. ConzeAhallen, Süßmilch, Born» holmerftr. 7. FröbelS Akkerlel-Theater, Schön« hauser Allee 148. Genossenschaft»-Wirtshaus, Star» garderstr. 3. Ketsch, Schönhauser Allee 134». Kopenhagener Klubhau», Gliesche, Kopenhagenerstr. 74. Maerstn» Festsäle, PappeI-«lle«2S. Obiglos Festsäle.«chwedterst.2S,24. Pialer-ThsaterKastanien Allee?/». Reimanns Vereinshaus, vorn- holmer Str. 72. Sänger-Heim, C. Grunze, Schön» 4 auser Allee 156. ulthelß' Festsäle, Kastanie«, Allee 23. Lokal-KommisstonS-Mitglted: R. Henschel, Ueckermünderstr.17, I. GördeS, Waldschlößchen. Wald- straße 50/51. w. Otto. Berlinerstr. 113/114. Enget, Eichbornstt. 72/73. H.Schiller, Clchbornsäle.Cichdornst.«» H. Digmann, Berlinerstr. 70. E. Kuntze,.Am Brocken*, Schorn- weberstr. 158/159. Meyer(ArtuZhos), Berlinerstr. 73. SepBeu(O. u.W.-Sternberg). BerkehrSlokal:»Hotel Karl*. Alle übrigen Lokale gesperrt. lkueiusders. Auskunst erteilt: Alex Freitag, Rheiniberg, Langestr. 19. «ixdork. 7.-0. Alle- Lokale frei. Köntgenthal. B-B. Aug. Lange, Rest. Röntgenthal. Herm. Marx's Waldhaus. Rosenthal. B.-B. Alle Lokale gesperrt. Büdsradoi-t(Dorf). B.-B. R. Marx. Lnisenstr. 3t. Bernhard Schutze, Friedrtchstr. 3«. «iidei-ndori«Kalkb.). i.-B. R- Roll, Sasth. z. Linde. Heinitzerst. 19. Deutsches Haus, am Kesjelsee, Jnh. Edwin Schwederskh. Mißlers JnnungshauS, Schulftr.4S GesellschaftShaus»Glück Aus*. Jnh. � Köppen, Schulstr. 18. Beißer Schwan, P. Hosfmann, Vogclsdorserstr. 1. »««lorv de! iohaniiltltial T.-B. Berlehrslotale: Aug. Palm, Köpe- ntckerstraße. Rich. Rolle, Koepenickerstr. 86. Alle anderen Lokale gesperrt. Rahlsdori. B.-B. Alle Lokale gesperrt. »«dlndort b. Teltow. 7.-I. We Lokale gesperrt. RamHAelndarg. I.-B- Alle Lokale frei. tStoanniind(Luckenwalde). A. Hildebrandt. S»»twti»kvl. P.-0.-I. Alle Lokale frei Sachaendort(Cottb-Spremb.) Lug. Dobring u. Paul Sachs. Sacro.(Sorau-Forst.) St. Schönbor«, Brauerei. tßladowa. T.-B. fwg» Rest. a. d. Oberspre«. .ur Waldschänke, Jnh. Töldte. Sandberg-Belzig. Fr. Thiele, Zur grüne» Tanne. j�andbaa»«!». B.-B. waldschloß. «olreabeadort. T.-B. Otto Pätsch(Saal). Seßellteodork leiil»e,.l.ibb«3l. Deutscher«aiser, Jnh. Karl Richter. 8el»vaa»(Sorau-Forst). G. Schneider u. E. Gebhardt, '(Waloschloß). »Sekildbor». ff.-O.-B- «Hans Ritzhaubt.»Schröder. »Schmidt, WirtShauS Schildhorn. 5edIIlI0A. B.-B. Kein Lokal frei. *lSeI»!a«:I»tea»ee. T.-B. Beelitzhos, Wilhelmshöhe und Kastanienwäldchen, Jnh. Krüger. frei; alle anderen Lokale gesperrt. S«luna»'gcml«rt. T.-B. F. Bartels Wirtshaus, Sch Margen» dors, Warnemünderstr. 6. �lindenbaum". Spandaucrstt. 40, Jnh. Ad. Pöttscher. Schützenhaus, Hundekchienstr. 20, Jnh. H. Meißner. Schmellwitz(Cottb.-Sprembg). Richard Lncian. Herm. Hofsmonn. Sesimerltke de! kl«ll»»b»kz>. ö. Ii. Restaurant Gericke. Schmbekvitz. T.-B. Gasthof„Zur Palme", am Seddin» see, Herm. Peter. Noack, Restaurant Zum Seddins««. Muxseldt,„Seglerschloß". »Waid-Jdyll*. Witwe Loren,. Lodölldlleß d. Voltersdark. B.-B. Zum Waldschlößchen. Th. Müller. GobSasdvi'g. T.-B. Alle Säte frei. Zedöueietie-Zelilnediell. B.-B. Waldschloß. Ind. Lemle. SchUnerlinde. N.-B. Sperrlicski. Schönfliess. B B Alle Lokale gesperrt. 94«i»Saüi«?»«4 d. kOrklevderg. Rest. Aug. Krüger. Mchönholz. B.-B. Schloß Schönholz gesperrt. Alle anderen Lokale frei. Schönow.|.-B. Schulz. Schönwaldc i. d. II. I.-B. H- Schulz.— L. Liebenhagen.— H. Borowski, Internat. Sports- hauS a. Gorinsee. Schöpkni-th. B.-B. SchützenhauS(Fritz Schukar). Schnlzondorf'. B.-B. 'Rest. Neue.»Rest. Müller. Rest. Hubertus, Jnh Mosch, frei. Sehulzandorf b.Elehw»lde. T.-B. Kein Lokal frei.»»' Schwan«h«ck. B.-B. All« Lokale gesperrt. Schwedt a. O. Deutsche« Hau», HeinerSdorserstr. Schwiebns. SS». Pratsch.«rossenerstraß«. Guftae Gondolatsch, Mühlen str. SSsth. Pansch. Herrenstraß«. Rob. Peil. Franksurterstraße. Kul. Lonkisch. Kutschlauerstraße. Oslo. Schmidt, Markt. Sittich. Zilz, Angerstraße. a. weißen Lamm, R. Weber. Poststr. Seddin bei Beelitz. Rest. Willi Grätz. -Seegetold. P.-0.-I. We Lokale frei. Seidiitz, landbez. Landsbg. Zum Spitz krug. Seifersdorf. Soran-Forsl. Nest. Schober und Seemann. SenfleBberg II.(Talau-Luckim). BeuslerS Gasthos in Sauo. Senzig. T.-B. W« Lokale frei Siaiuen(Cottb.-Sprembg.). E. Fischer: Rest. F. Lemke; Adolf Jurk. velleoue. Sian»en-2!ieg«IvI. Hosimanns Lokal. Son»n»erteid(Schwiebns). Zum Kursürste», Bahnhosstraß«. S onineerteld d.irinzee.P.B.B. Brauerei Weber frei. Rest. Cmdel. Sonnenhnrg (O.- u. W.-Sternberg). Wich. Greiser und Hotel Markgraf. Soran. Flora, Saganerstraße.— Gasthos zur Elle, Etlplatz.— Rumbauer, Psörtnerstraße.— Goldener Anker, Priebuserstraße. Sorno.(Calau-Luckau) Krügers Gasthos. Spandan. P.-B.-B- LerkehrSlokale: Carl Gottwald, Echönwalderftr. 80. E. Köpmcks Ball-Salon, PichelS- dorserstr. 39. Paul Holldors, Seeburgerftr. 26. »Volksheim*, Fr. Böhl«, Havel- straße 20. Spandan«? Berg. T.-l. Bockbrauerei. Spindlersfelde* T.-B. Rest. Ruhwald. Spreenhagen. T.-B. Alle Lokale gesperrt. Spremberg. Paul Heinz«, GesellschastshauS. Paul Kobelt, Kvnzcrlhaus. Ludwig Krüger, Bergschlößchen. Bruno Nückert, Bürgerhaus. Sipringelberg. N.-B. Sleitaurant Fathte. Sprncke bei Onben. Rest. Schul,. Rest. Halen,. Spateudorf b. 6r.-BNru T.-B, Totti. Vogel. Dorsstr. 9. Staaken. P.-B.-B. Gasthos„Zum braunen Hirsch", Hamburger Chaussee. Stalui«dorf- Klein-Bachnow. Alle Lokale gesperrt. Steglitz. T.-l- Frei: Schellhase, Saal u. Garten Ahornstr. 15a, u. Birkenwäldche» Saal und Garten, Schützenstr. Stoinfnrr. v.-B. Wich. Schleusen er. Stoipbrhek.■.-1. Wilhelm Lehmann. Stolpe a. d. Nordbahn.|.-|, Bergemann, im Dorf. Stolzenhagen. I.-B. Alle Lokale gesperrt. Storkow. T.-B. Verkehrst.: tz. Lebmann, Altstadt. We andern Lokale gesperrt. Stralau, g.-g. Alle Lokale sret.