Dr. m neniKmfliti'BedtniaDflM: BBonnementä■ Preis pränumerando: «lerteljShrl. S£0 Sit, monafl. 1,10 Mk.. wöchenllich 28 Pffl. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummer mit Multrierler Sonntags- BeUage.Die Neue Weif 10 Pfa. Post- NdonnemenU 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post. Zejwna»- Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» 2 Marl, für da» übrige NuSIand S Marl pro Monat. PostabonnemeniS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. CrfdKlnt täglich auStf tnontig*- 27. Jahrg. Vevlinev VoiksbleM. Mr snlerNonz-Sedah? teträgi für die fechSgefpaltene Kolon«' «elle»der deren Raum 60 Pfg, für politische und gewerlschasMche Vereins- und VersammlungS-Anzeigen»0 Pfg. „nmnt Bnzcfgcn", da» erste(fett- «-druckte)«ort 20 Pfg, I-dcS weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Lnz eigen da» erst« Wort 10 Pfg, jedes weitere«ort t Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bit 7 Uhr abends geSstnet. Delegramm-Adress«: „Sozlaliuiooknt BtfUirt Zcntralorgan der fozialdcmohratircbcn Parte» Deutfchlanda. Redaktion: 8 Cd. 68. Lindetistrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 850. 68, Lindcnetraesc 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die BranntwciD'Ciebesgabe. Die„Deutsche Tageszeitung' ist durch das Flugblatt für den Schnapsboykott, das unsere Genossen herausgaben, arg gekräntt. Es will ihr zwar nicht in den Sinn, weshalb dort auf eine alte und eine neue Liebesgabe hingewiesen wird. Das beruhe, meint sie, doch wohl auf einem Irrtum, „denn die neue„Spannung", um diesen richtigen Ausdruck zu gebrauchen— ist doch durchaus mit der alten identisch, nur daß sich der finanzielle Effekt eine Kleinigkeit geändert hat". Du liebe agrarische Unschuld Du I„Die Spannung", zwischen dem kontingentierten und dem unkontingentierten Trinkspiritus ist allerdings in derselben Höhe von 20 M geblieben, und wenn nicht der Schnapsboykott den jetzt 22 Jahre alten Tribut der Trinker verringert, ergibt er nach wie vor eine Liebesgabe von etwa 46 Millionen Mark jährlich, die hauptsächlich in die Taschen der Junker fließt. Aber neben dieser alten Liebesgabe, die bereits seit dem Branntweinsteuergesetz von 1877 aus den Aermsten der Armen erpreßt wird, ist, wie die „Deutsche Tageszeitung" ganz gut weiß, 1909 noch eine neue geschaffen worden durch das Brennrecht, das die g e samte Brantweinerzeugung kontingentiert, die von Trink spiritus wie von gewerblichem(denaturiertem) Spiritus. Und auch dieses Kontingent ist wie das den Trint spiritus allein umfassende absichtlich vom Gesetz niedriger festgelegt als der voraussichtliche Bedarf, so daß also die neue Kontingentierung, der„D u r ch s ch nitts� b r a n d" nicht ausreicht, um den Bedarf zu decken, infolge dessen also Ueberbrand hergestellt werden muß— genau so wie das Kontingent dos Trinkspiritus so bemessen ist, daß es den voraussichtlichen Bedarf nicht decken konnte und infolge dessen Ueberbrand an Trinkspiritus hergestellt werden mußte. Da jedoch dieser Ueberbrand des Trinkspiritus statt 195 Mark Steuer, die der kontingentierte zu tragen hat, mit 126 Mark Steuer belegt ist, der Preis des gesamten in den Verkauf gelangenden Trinkspiritus sich aber nach dem H ö ch st p r e i s e des zur Deckung des Bedarfs er forderlichen Spiritus richtet, also nach dem mit 123 Mark belegten nicht-kontingentierten Trinkspiritus, so ergibt sich für die 2,3 Millionen Hektoliter Trinkspiritus, mit deren Herstellung die Branntweinbrenner rechnen, infolge der„Spannung" von 29 Mark eine Liebesgabe von 46 Millionen Mark— die alte Liebesgabe, die, wie schon erwähnt, in gleicher Art seit Bismarcks unseligen Zeiten besteht I Genau derselbe Schwindel vollzieht sich nun durch die vom Schnapsblock 1999 neugeschaffene Bestimmung, daß die g e samte Branntweinerzeugung kontingentiert wird. Da der Durchschnittsbrand niedriger ist als der Bedarf— letzterer ist infolge der großen Steigerung des Verbrauchs an de naturiertem Spiritus sehr gewachsen—, so muß zur Deckung des Bedarfs an gewerblichem Spiritus der U e b e r- b r a n d herangezogen werden. Und dieser unterliegt seiner besonderen Besteuerung von 18 bis 25 M. Scheinbar ist diese Besteuerung des Ueberbrandes eine Strafsteuer, welche die übermäßige Produktion einschränken soll. In Wirklichkeit ist sie das Mittel, den Brennern eine neue Prämie auf Ko st en der Konsumenten zuver- schaffen, indem auch hier wieder der H ö ch st p r e i s der vom Markt geforderten Ware den Gesamt preis des Ver- brauchs bestimmt, als« diesen um 18 bis 25 M. pro Hektoliter verteuert. In gleicher Weise wirkt auch die B e t r i e b s a u f l a g e, die staffeiförmig von 4 bis 14 M. pro Hektoliter aufsteigt und mehr ergibt, als für Prämien auf gewerblichen(denaturierten) Spiritus vom Reiche den Brennern vergütet wird. Wenn sich auch, bevor ein Brennjahr verstrichen ist, nicht ganz genau feststellen läßt, wie viel diese Liebesgaben- Mißwirtschaft dem deutschen Volke an Tribut auferlegte, so ist doch ungefähr zu berechnen, daß das Brennrecht und die Vor- teile der Betriebsauflagen den Brennern eine neue Liebes- gäbe zuschanzen, welche etwa zwei Drittel so viel be- trägt, wie die alt e. Diese n S u e Liebesgabe wird nicht an st elle der alten erhoben, sondern neben der alten! Nun hat aber unser Flugblatt der„Deutschen Tagesztg." auch eine Freude bereitet: es setzt den Profit des Brenners niedriger an als den desHändlers. Die„Deutsche Tagesztg." behauptet, das Flugblatt berechne den Profit des Brenners zuzüglich der Liebesgabe auf 12,3 Pfennig; da hat sie sich verlesen, er ist mit 5,3 Pf. als Profit, mit 12 Pf. für die Liebesgabe in Rechnung gesetzt, macht zusammen 17,3 Pf., der Händlerprofit von 38 Pf. be- trägt also nicht das Dreifache, sondern etwas mehr als das Doppelte bei einer mit einer Mark verkauften Flasche Brannt- wein von 33 Proz. Spiritusgehalt. Aber dieser„Profit des Händlers" von 33 Pf. ist, wie sich aus der Darstellung beut- lich genug ergibt, der g e s a m t e N u tz e n, der beim Ver- kauf entsteht, ohne Rücksicht auf die Un- koste« des Händlers. Da diese nicht wie die des Brenners bei Herstellung des Spiritus von bestimmter Höhe sind, sondern sich nach dem Umfang des Absatzes, den Geschäftsspesen u. dergl. richten, können sie in einer schema- tischen Darstellung, wie sie das Flugblatt durch Abbildung der Schnapsflasche bietet, nicht aufgenommen werden. Aber die gesamte Einteilung der Schnapsflasche in die Abschnitte: Herstellungskosten des Spiritus, Profit des Brenners, Steuer, Alte und neue Liebesgabe und Profit des Händlers zeigt, daß diese letztere Rubrik nur angibt, was der Händler vom Publikum bei einer Mark Zahlung für einen Liter 33prozentigen Branntwein erhält, nicht aber, wie viel dem Händler von jenen 38 Pfennigen als Ueberschuß über seine Spesen verbleibt! Die„Deutsche Tageszeitung" hat an uns die Frage ge richtet:„Warum richtet sich die sozialdemokratische Hetze gegen die„Schnapsjunker" und nicht gegen den Händler??" Unsere Antwort ist in obigen Darlegungen enthalten; well der Brenner die Liebesgabe als unverdienten Wertzuwachs in die Tasche steckt, während der Händler von dem Profit, den ihm der Brenner läßt, seine g e- samten Geschäftsunkosten decken mutz, sodaß ihm oft nur wenig, mitunter gar nichts als Ueberschuß bleibt, wie die traurige Lage der kleinen Ga st Wirte zur Genüge beweist. Indem wir zifferngemäß darlegten, wie sich die Brenner infolge der alten und der neuen Liebesgabe am Publikum bereichern, haben wir dem gemeinschädlichen Treiben der Schnapsbrennerclique und ihrer Helfershelfer, zu denen ja die„Deutsche Tageszeitung" in erster Linie gehört, ge bührenden Abbruch getan, wie uns das Wehgeschrei der „Deutschen Tageszeitung" aufs neue beweist. Und wenn die Jahresabrechnung über das verflossene Brennjahr erschienen sein wird, hoffen wir die„Deutsche Tageszeitung" noch mehr jammern zu hören über die Wirkungen der sozialdemokrati- schen Hetze gegen die Branntweinpest und ihre Nutznießer. Vorläufig quittieren wir vergnügt das Eingeständnis, daß unsere„Hetze" erfolgreich gewesen ist. Die Genossen werden daraus die Lehre ziehen, daß ihr Schnapsboykott seine Wirkung nicht verfehlt und werden weiter ihre Schuldigkeit tun, den Junkern zum Trutz, sich selbst zum Schutz l lim de» Proporz. Um den Proporz wird in der bürgerlichen Presse Elsaß- Lothringens im Hinblick auf die angekündigte Verfassungs- und Wahlrechtsreform jetzt ein Streit geführt, der sich immer lebhafter gestaltet. Und natürlich ist es die.rote G e f a h r", die Furcht vor der Sozialdemokratie, um die sich der Streit in der Hauptsache dreht. Der steikonservative Reichstags- und Landesausschuß Abgeordnete Dr. Hoeffel hat in der.Stratzburger Post' darauf hingewiesen, daß die Reichstagswahlen von 1307 bei An Wendung des Verhältniswahlsystems für die Sozialdemokratie statt 43 Sitzen deren 117 ergeben haben würden. Und dann wird für Elsaß-Lothringen berechnet, daß nach diesen Zahlen aufs Zentrum 24,45, Sozialdemokraten 13,75, Liberale und Demokraten 9,95, Lothringer 8,20, Konservative 1,S0 Sitze entfielen. Der jetzigen Konstellation gegenüber hätten den Vorteil in erster Linie die Sozial- demokraten, in zweiter Linie das Zentrum, schwer geschädigt würde der Lothringer Block, der die Zahl seiner Mitglieder von 19 auf 8 reduziert sehen würde. Das Gespenst dieser 14 sozialdemokratischen Landesausschuß- Mandate, während die Sozialdemokratie jetzt im Straßburger Landesparlament ganz u n v e r t r e t e n ist, soll die Regierung von dem Vorschlag der Einführung des Reichstagswahlrechts mit Pro« portionalwahlsystem für die Wahlen zu dem neuen Landtag in Elsaß-Lothringen abhalten. Die Gefahr der Sozialdemokratie liege in ihrem Einfluß auf die Volksseele", in ihrer Welt- anschauung, und sie sei.besonders schlimm, weil ihre Angriffs- fläche nicht begrenzt ist und sie unausgesetzt immer weitere Kreise in ihren Bann zieht". Und diese Tendenzen dürfe man vom nationalen und christlichen Standpunkte aus.nicht fördern". Als ob man eine Weltanschauung dadurch am Vordringen hindern könnte, daß man ihr in einem Landesparlament ein paar Vertreter weniger zuerkennt, als ihr bei gerechter Mandatsverteilung zustehen! Denn ganz vom Parlament ausschließen will Dr. Hoeffel die Sozial- demokratie angeblich keineswegs, ja er stellt sich auf den Boden des allgemeinen, gleichen Wahlrechts und erkennt an,.daß die historische Entwickelung in Elsaß-Lothringen das Pluralwahlrecht nicht begünstigt". Er polemisiert nur gegen den Proporz. Mit guten Argumenten hat der liberale Landesausschuß- abgeordnete Georg Wolf in derselben„Straßburger Post" dem Ab- geordneten Hoeffel geantwortet, indem er betonte, daß er die durch den Proporz begünstigte Verschiebung der Parteiverhältnisse im reichsländischen Landesparlament„in jeder Beziehung— auch in nationaler— als einen Fortschritt gegenüber dem jetzigen Zustande freudig begrüßen würde': in der Frage der Steuerreform, in der Hebung der Lehrerbildung, in der Regelung der Sparkassen- Gesetzgebung würde Dr. Hoeffel die Sozialdemokraten an seiner Seite gefunden haben,.und nicht in diesen allein, sondern stets, olange es ihm um soziale Wohlfahrts- und ge- und« BolkSbildungSpolitik zu tun wäre". Georg Wolf weist darauf hin, daß der ReichSparteiler Hoeffel in der Be- kämpfung des Proporzes jetzt den klerikal- nationalistischen Ab- geordneten Wetterls an seiner Seite hat, und er ruft aus: Jetzt herrschen die Nationalisten mit klerikaler Hilfe im Landes- ausschuß: gibt es nationale Gründe, die für Erhaltung dieses ZustandeS sprechen? Ich wäre begierig, sie kennen zu lernen l' Die Konfusion der Nationalisten diesseits und jenseits der Vogesen kann in der Tat nicht mehr viel weiter getrieben werden: jenseits denunziert der Elsässer W e t t e r l 4 den französischen Chan- vinisten daS demokratische Wahlrecht mit dem Proporz im Elsaß als ein gouvernementaleS Mittel, die Germanisation zu fördern, und diesseits zieht der Reichsparteiler Hoeffel gegen dasselbe Wahl- recht zu Felde, weil eS angeblich das christlich-nationale Deutschtum bedroht. In gewissem Sinne haben sie beide recht und unrecht. Aber trotzdem— oder vielmehr gerade deswegen— wird der Proporz in Elsaß-Lothringen seinen Weg machen. Üunbeiiicbe tflajeftätsbeleidlger. Die„Konservative Korrespondenz" bemüht sich wieder einmal um den Nachweis, daß es das Ansehen der Krone erhöhen werde, wenn sie— thrverpfändetes Wort breche! Der Inhalt deS langen Artikels ist kurz der: Die Krone möge doch auf die Einlösung ihres in der Thronrede gegebenen Versprechens auf Schaffung einer Wahlreform verzichten! Die Beweisführung der„Konservativen Korrespondenz" ist eine überaus schnurrige. Nach der preußischen Verfassungs- Urkunde nähme die Thronrede keine besondere Stellung ein. Sie sei auch nichts anderes als eine Kundgebung des könig- lichen Willens. Dieser königliche Wille sei das oberste Gesetz. Ein Minister, der sich ihm nicht unterwerfen wolle, habe einfach seine Entlassung zu nehmen. Jeder Gesetzes- Vorschlag der Regierung, der namens der Krone erfolge, sei also eine Kundgebung dieses königlichen Willens. Deshalb könne auch die Sprachform der Tronrede:„Es ist mein Wille" mit gleichem Rechte vor jedem Gesetz stehen, das der Minister einer Volks- Vertretung zur Annahme empfehle. Es sei danach eine völlige Verkennung des verfassungsrechtlichen Zustandes, für die Thronrede eine besondere Stellung innerhalb der ganzen Gesetzgebung konstruieren zu wollen. Und wenn die Krone schon mehr als einmal auf Gesetzesvorlagen verzichtet habe. die am Widerstand des Parlamentes gescheitert seien, so können sie ebenso gut und ohne Schmälerung ihres Ansehens auf die Durchführung eines in der Thronrede gegebenen Versprechens verzichten. Die Logik der„Konservativen Korrespondenz" hat noch eine große Lücke. Bei gewöhnlichen Gesetzesvorlagen handelt es sich um Dinge, die der Regierung und der Krone wohl wünschenswert erscheinen, die aber keineswegs von ihr als kategorischer Imperativ der Politik, als unbedingte Notwendigkeit empfohlen zu werden brauchen. Anders steht es aber mit der in der Thronrede angekündigten Wahlreform. Sie wurde als eine der dringendsten Notwendigkeiten der egenwart bezeichnet. Wenn also die Junker einen Ver- zicht auf die Einlösung dieses Versprechens verlangen, so fordern sie nichts anderes, als daß der Träger der Krone entgegen seiner inner st en Ueber- zeugung vor dem Wider stände der Junker kapitulieren soll! Eine Zumutung, deren Unver- frorenheit für unsere Junker und ihre Sorge um das„Ansehen" der Krone äußerst charakteristisch ist. Eine noch tollere Unverftorenheit und der Gipfel der Lächerlichkeit ist es aber, wenn die„Konservative Korrespondenz" sich auch auf das konstitutionelle Mitbestimmungsrecht der Kammer beruft, wenn sie die V 0 l k s v e r t r e t u n g für völlig wertlos erklärt und von einer Rückkehr zum Absolutismus spricht, falls die Regierung das Veto der Junker gegen eine Wahlreform nicht beachten sollte. Denn erstens ist das Dreiklassenparlament alles andere als eine Volksvertretung— die ungeheure Mehrheit des Volkes fordert vielniehr mit allem Ungestüm eine Wahlreform I— und zweitens haben ja gerade die Verhandlungen und Ab- stimmungen bei der Wahlreform gezeigt, daß selbst die Mehr- heit des Dreiklassenparlaments für eine Wahlreform ist. Gegen eine Wahlreform ist einzig die kleine, aber um so dreistere Kaste der Junker und eine Handvoll von Schlot- baronen. Diese Handvoll Kraut- und Schlotjunker verlangt nun als Preis für ihre„K ö n i g s t r e u e" den Bruch eines Königswortcs, die Uilterwcrfuug der Krone uuter die Diktatur einer winzigen Kamarilla! Um der Krone diese Kapitulation vor dem Junkertum angenehmer zu machen, redet ihr die„Konservative Korresp." folgendermaßen zu: „Ein anderes ist'S, ob der königliche Wille im Rahmen des Rechts eine Grenze findet an der Ueber- zeugung königstreuer Männer— ein anderes, ob dem König die Absichten derer widerstreben, deren steter Wunsch eS ist, ihre e i g e n e n R e ch t e auf Kosten der königlichen zu erweitern, die an die Stelle der königlichen eine parlamentarische Regierung zu setzen bereit sind." Unsere Junker trauen also der Krone wirklich den Ge- chmack zu, sich lieber unters Joch der Junker zu beugen, als gemeinsam mit demVolkeander politischen und kulturellen Fortenl Wicke» un g zu arbeiten! Man sieht, die ärgsten Majestäts» beleidigungen werden doch von unseren Junkern begangen l Politische Ocbcrlicbt Berlin, den 9. Juli 1919. Wieder eine verunglückte gerichtliche Aktion. Das gegen die Genossen Eugen Ernst und L i e p- mann eingeleitete Vorverfahren wegen„Vergehens gegen die öffentliche Ordnung" ist durch Ver- fügung des Ersten Staatsanwalts beim kgl. Landgericht I nun- mehr eingestellt worden. Es handelt sich um die seit Jahren unbeanstandet verbreiteten Herweghschen Lieder, in welchen zum„Klassenhaß"(§ 130) angereizt sein soll. Wir werden abzuwarten haben, ob das gegen andere Genossen wegen des gleichen Delikts noch schwebende Ver- sahren wirklich zur Erhebung von Anklagen führt. Zuzutrauen wäre es dem heutigen Systeni schon, das die Schöpfungen des großen Dichters vor ein juristisches Tribunal bringt und die Verbreiter vor den Kadi zitiert. Hohenlohes Rücktritt. Der Austritt des Prinzen Hohenlohe aus dem Reichstagspräsidium hat die Presse des schwarz-blauen Blocks in große Wut versetzt. Sie nimmt es dem Prinzen höllisch übel, daß selbst er jede Gemeinschaft mit dem Schnapsblock zurückweist. Gerade weil diese„Krise im Reichstagspräsidium" sicher kein erschütterndes politisches Ereignis ist, und aus dem Schreiben des Prinzen mehr persönliche Stimmung als schlaue taktische Berechnung spricht, fällt es den Klerikalen und Konservativen so unangenehm auf die Nerven. Zeigt es doch, wieweit der Haß und der Abscheu vor der Herrschast des Schnapsblocks reicht. Und noch eins macht die Reaktionäre wütend. Sie haben mit großer Freude und Hoffnung zugesehen, wie sehr die Nationalliberalen bemüht sind, den„Anschluß an rechts" zu finden. Jetzt werden die nationalliberalen Draht- zieher ihren Eifer aus Rücksicht auf die Stimmung vieler Wähler etwas zügeln müssen, wenn sie auch nach kurzer Zeit sich umso kräftiger für den reaktionären Abmarsch ins Zeug legen werden. Der Rücktritt Hohenlohes, der übrigens die Absicht haben soll, nicht mehr zu kandidieren und sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen, ist auch seinen eigenen ftei- konservativen Parteigenossen ganz überraschend gekommen, die darüber auch sehr unzufrieden find. Dagegen teilen die„Kiel. Neuesten Nachrichten" mit, Hohenlohe hätte sein Amt erst nach voraufgegangenen Konferenzen mit dem Reichskanzler niedergelegt. Die Nachricht klingt sehr unwahrscheinlich. Der Aeroplan als Kriegswaffe. Die„Breslauer Volkswacht" veröffentlicht den Artikel eines Sachverständigen, der über die voraussichtliche Ent- Wickelung des Luftmilitarismus interessante Betrachtungen enthält. Der Verfasser geht von der Tatsache aus, daß die preußische Militärverwaltung bereits Kriegsaeroplane baut, von denen einer ja unlängst auf dem Döberitzer Exerzierplatz eine Probefahrt gemacht hat. Die französische Regierung sei Deutschland auf diesem Gebiete allerdings weit voraus, denn sie besitze schon ganze Schwärme von Flugmaschinen der ver- schiedensten Systeme. Nach der Ansicht des Gewährsmannes der„Volkswacht" dürfte der Aeroplan ein gefährlicher Konkurrent und Gegner der großen Aluminiumluftschiffe werden. Wenn die Gleitflieger in Höhen von 1500 Meter und dar- über aufzusteigen und vermittelst eines Maschinen- gewehrs durch Sprenggeschosse die Lenkballons anzugreifen vermöchten— was schon jetzt möglich sei— so sollte man es doch endlich aufgeben, für Kriegszwecke riesenhafte Luftkreuzer zu bauen. Das sei hinausgeworfenes Geld, denn ein Aero- plan, der seiner Kleinheit wegen den Luftschiffen �selbst nur eine verschwindend kleine Zielfläche biete, werde im Ernstfalle mit dem Luftkreuzer bald fertig werden. Ueber die Versuche der deutschen Militärverwaltung sagt der Verfasser: .Juleressieren werden noch einige kurze Angaben über die Aeroplane und die Einrichtung derselben, welche die deutsche Militärverwaltung zu beschaffen gedenkt. Es handelt fich in erster Linie um Eindecker: außerdem sollen auch Wright-Maschinen erprobt werden, schließlich ein von Major vonParseval speziell für die Heeresverwaltung konstruierter Aeroplan. Bei allen aber werden mindestens zwei Mann vorgesehen, von welchen jeder im Falle einer Berwundung des anderen die Flugmaschine führen kann. Die Ausrüstung besteht aus zwei Magazingewehren. deren Geschone kleinen Granaten ähnlich sind, und hauptsächlich dazu dienen, feindliche Luftschiffe zu zerstören. Fernerhin dienen zwei sehr sinnreich konstruierte photographische Apparate dazu, eine fortlaufende Reihe Aufnahmen deS Geländes zu machen, welches der Flieger überstreicht. Einige Flugmaschinen erhalten auch versuchsweise zwei Motoren, welche zusammen arbeiten, von denen aber derjenige. welcher havarieren sollte, abgekuppelt werden kann, so daß ein Absturz vermieden wird, weil der intakt gebliebene Motor immer noch imstande ist, den Flieger in Bewegung zu halten, und somit der Mannschaft Gelegenheit gibt, einen günstigen Landungsplatz zu suchen, oder sich in langsamerer Fahrt durch veränderte Flächen« stellung in Sicherheit zu bringen. Ueber alle Versuche wird unbedingte? Stillschweigen be« obachtet, sollten die Proben aber günstig verlaufen, so werden wir bald eine ganze Schar solcher Luft« jäger besitzen." Bis sich die Ueberlegenheit der einen oder anderen Gattung der Luftfahrzeuge in der Praxis erwiesen haben wird, dürfte inzwischen der Wettkanrpf zwischen Lenkballon und Aeroplan 'nunter fortgehen. Soviel steht fest, daß uns auch der Luft- Militarismus gar bald erkleckliche Summen kosten wird. Bettelsuppe für ostpreufjische Kriegsveteranen. Bei der Anwesenheit des Kaisers in Königsberg während der diesjährigen im August stattfindenden Kaisermanöver soll am Nach- mittage des Tages der Kaiserparade ein allgemeiner Kriegsveteranen- Appell im Königsberger Tiergarten stattfinden. Zu diesem Zwecke hat sich ein Komitee gebildet, dessen Ehrenmitglieder die Herren Fürst zu Dohna-Schlobitten, Graf zu Eulenburg-Wicken und General« major Brausewetter-Königsberg sind. Nach den Feststellungen dieses Komitees sind in der Provinz Ostpreußen rund 9000 Kriegsveteranen vorhanden, von denen über 7000 Mitglieder von KrieaSvereinen sind. Das Komitee nahm ursprünglich an, daß auf eine Beteiligung von etwa 500 Kriegsteilnehmern bei dem Appell zu rechnen sein würde. Zur großen Ueberraschung der Arrangeure haben sich nun aber jetzt bereits über ö()09 Veteranen zur Teilnahme am Appell ge- meldet. Dem Komitee ist nun bekannt, daß unter diesen Veteranen der allergrößte Teil in den denkbar d ürftigsten Ver- h ä l t n i s s e n lebt und daß so mancher alte ehemalige Krieger fich die größten Entbehrungen auferlegen muß. um seinen krunimen und gebrechlichen Körper nach der Residenzstadt zu befördern. Als Entschädigung dafür, und wahrscheinlich als Ersatz sür die Ablehnung der Erhöhung der Veteranen beihilfe. wollen nun die hohen Herrschasten, die diesen Veteranenappell arrangiert haben, die alten Veteranen im Tiergarten bewirten. Eine Mark pro Mann will das Komitee dafür ausgeben. Für 3009 Mann erfordert das 5000 M., die nun, weil die hohen Herren selbst ungern in die Tasche fassen, zusammengebettelt werden! Auf Antrag des Herrn Landeshauptmanns bewilligte der Pro- vinzialausschuß als erste Rate 1000 M. Kiderlens Nachfolger. Wie die„Nordd. Allg. Zeitung" mitteilt, ist der bisherige kaiser- liche Gesandte in Tanger, Dr. Rosen, als Nachfolger des zum Staatssekretär des Auswärtigen Amts berufenen Wirklichen Geheimen Rats v. K i d e r l e n- W a e ch t e r auf den Gesandtenposten in Bukarest in Aussicht genommen. Dr. Rosen wird in Tanger durch den kaiserlichen Gesandten Freiherrn v. Seckendorfs ersetzt werden, der jetzt in Sofia tätig ist. Noch eine Abfuhr der„Germania". Wir haben schon darauf hingewiesen, daß die Einführung deS Proporzes zur b a d i s ch e n LandlagSwahl, deffen Befürwortung durch die sozialdemokratische Kammerfraktion die „Germania" als ein Attentat auf das Volkswahlrecht verpönte, eine alte Forderung auch des Zentrums war. Jetzt nimmt auch der badische Zentrumsführer Wacker in seinem„Volksboten" dazu Stellung, fertigt die zweifelhafte Haltung der badischen National- liberalen zum Proporz ab und schreibt dann: „Maßgebend soll nur die Antwort auf die Frage sein, was an sich gut und wünschenswert ist. Sobald man aber auf diesen Standpunkt sich stellt, kann man nur wünschen, die Ver« hältniswahl möge eingeführt werden." Die„Germania" dürste damit wohl genug haben. Jntereffante Enthüllungen über die nun schon seit vier Jahren fortdauernden Kämpfe um den verwaisten Stuhl des ErzbischofS von G n e fen und Posen bringt in einem Leitartikel die.Schles. Volkszeitung" in Breslau. Das Zentrumsblatt schießt damit einen besonders scharfen Pfeil ab auf den Reichskanzler, der immer noch nicht bereit ist, den Wünschen der Schwarzen in allem nachzukommen. Es stellt zunächst fest, was bisher noch nicht bekannt war, daß die Nachfolge Stablewskis deshalb noch nicht geregelt ist, weil die Regierung die Domkapitel von Gnesen und Posen auf ihre 1907 eingereichte Kandidatenliste bis heute noch nicht einmal einer Ant« wort gewürdigt hat I Jetzt komme der vierte Sommer heran und immer noch bleibe der erzbischöfliche Stuhl verwaist. Wie es scheine, wolle die Regierung überhaupt auf die lvorgeschriebene I) Mitwirkung der Domkapitel verzichten, was einzig dastehe und stüher noch nie vorgekommen sei. Noch nie außer in der Zeit des Kulturkampfes habe ein Erzbischofssitz so lange leer gestanden. Ja, das Blatt läßt durchblicken, daß Man bereits gar nicht mehr auf einen rein polnischen Nachfolger des polnischen Stablewski be- steht, daß man auch mit einem.deutschsteundlichen Polen" vorlieb zu nehinen bereit ist. Die Regierung fühle sich bei diesem Zustande der Dinge ganz wohl, und„Rom" habe keine Eile, sich einzumischen, zumal ja Roms Wünsche in Berlin doch nicht erfüllt würden. Uns interessiert hieran hauptsächlich das eine: Vier Jahre sind jetzt bereits die„D i ö z e f a n e n ohne H i r t e n". die Re- gierung fühlt sich ganz wohl dabei, das Volk wohl auch, ergo ist doch der Beweis erbracht, daß es auch ohne Erzbischof geht. Wozu da überhaupt die kostspielige Institution noch aufrechterhalten, die Millionen verschlingt und in der A r m e n p f l e g e weit nützlicher verwendet werden könnten?.Bedenk' ich die Sache recht genau, so brauchen wir gar keinen Kaiser!" sagt Heine. Auch keinen Bischof._ Wies gemacht wird. In Märzdorf i. Schi, merkten im Frühjahr die OrdnungS« leute, daß bei der kommenden Wahl zur Gemeindevertretung ein Sozialdcmokrar gewählt werden würde. Dem mußte abgeholfen werden. Einige Stellenbesitzer, die nicht wollten, daß„ein ganz gewöhnlicher Arbeiter" ins Dorfparlament einziehe, hetzten den Gemeindevorsteher so lange auf, bis er ihnen den Willen tat: Er schrieb einen noch nicht wahlberechtigten Arbeiter in die Wählerliste ein, machte die Wahl nicht „in ortsüblicher Weise", wie vorgeschrieben, be» k a n n t, ließ durch den Polizisten die Nichtsozialdemo- kraten von Haus zu HauS einladen usw. AIS dann trotz alledem der Sozialdemokrat gewählt wurde, legten die schlauen Stellenbefitzer Protest ein,„weil ein Nichtwahlberechtigter gewählt und weil der Gemeindevorsteher die Wahl nicht in orts- üblicher Weise, sondern nur durch Aushang in der Kneipe 0) bekannt gemacht" habe I Richtig erklärten auch die übrigen Gemeindevertreter die Wahl des einen Gewählten, des Sozi, für ungültig, die anderen aber, die auf ebendieselbe ungesetzliche Weise gewählt worden waren, für gültig! Unsere Genossen zogen gegen diese Willkür eines preußischen Semstwo-Oberhauptes energisch zu Felde und erreichten jetzt, daß— dieses Oberhaupt abgesetzt wurde? O nein! Erreichten, daß der Kreis au Sschuß in Ohlau nicht nur die Wahl deS Sozialdemokraten, sondern auch die der übrigen Vertreter sür ungültig erklärte. Da unser Genosse mit 37 gegen 29 Stimmen gewählt wurde, werden ihn die Arbeiter wohl wieder heraushauen. Aber der Fall zeigt, was sich unter einem preußischen Landrat ein Gemeindevorsteher alles erlauben darf, ohne wegen Amtsmißbrauchs(worauf Zuchthaus steht Ij angeklagt zu werden I Ein anderes Bild: In H a a s e l, einem Dorfe bei Jauer, ge- lang es endlich den Arbeitern,! während der verflossenen Reichstags- wähl im Juni ein paar sozialdemokratische Versammlungen abzu- halten. Die Folge war eine schöne Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen, die zum größten Teil von Kleinbauern stammten. Die weitere Folge war, daß Baron v. Richthosen, einer aus der bekannten Junkerfamilie, die für die Prügelstrafe schwärmt, den Gasthof aufkaufte, damit die Sozialdemokraten dort keine Ver- sammlungen mehr abhalten könnten! Aber er hat Pech gehabt: Der Gasthof ist nach dem eigenen Geständnis des Verkäufers das Geld nicht wert; der bisherige Besitzer lacht sich in« Fäustchen, weil er die alte Bude so günstig und schnell verkaufen konnte, die fast gar nichts mehr einbrachte. Inzwischen hat Junker v. Richlhosen das ebenfalls eingesehen, er läßt die Wirtschaft eingehen und ein Wohnhaus daraus herstellen. Unsere Genoffen aber find die lachenden Dritten. Ist ihnen auch der„Rote Hirsch" entgangen— die Roten selbst nehmen nun erst recht an Zahl zu und freuen sich schon auf die n ä ch st e Reichstags- wähl. Und nun noch eine dritte Illustration zu dem Kapitel: Wie es gemacht wird: Jn Koberwitz, Bezirk Breslau, sollte eine Ver» sammlung unter stetem Himmel stattfinden. Der Gartenbesitzer Heinig hatte vor Zeugen feierlich versprochen, da» Grundstück zur Verfügung zu stellen. Kaum war das bekannt geworden, als der Amtsvorsteher Urban zu Heinig lief, ihm Vorhaltungen machte, ihm wohl auch mit den üblichen Folgen drohte: Kurzum, Heinig zog daraufhin„freiwillig" die Zusage zurück. Aber er wagte nicht, das den Einberufern mitzuteilen, und schämte sich wohl auch ein wenig. Und so war denn der Amtsvorst eher gezwungen, dem Einberufer der Versammlung mitzuteilen, daß Heinig ihm ge- sagt habe, er gebe seinen Garten nicht her; auö diesem Grunde könne er also die Genehnngung nicht erteilen.— D a S Verfahren ist freilich noch bequemer, als nach faulen Ausreden zu suchen, um die famose»Gefährdung drr öffentlichen Sicherheit" zu kon- struieren.... Zur RekchSverficherÄttgSordmrog nahmen am Freitagabend in Hamburg Stadt und Land, sowie Altona, Ottensen, Wandsbeck und Schiffbeck 19 stark besuchte Ver« sammlungen Stellung, in denen überall eine Resolution zur An- nähme gelangte, in der die Stellung der Sozialdemokratie zur Reform der Arbeiterversicherung eingehend dargelegt ist. Die gleich« lautende Resolution soll dem Bureau des Reichstages zugestellt werden. In den nächsten Tagen finden in dem zum früheren nördlichen Belagerungsgebiet gehörenden Orten noch acht weitere Ver- sammlungen mit derselben Tagesordnung statt. Die Lage der badischen Eisenbahner. In der DonnerStagfitzung beschäftigte sich die Zweite badische Kammer mit einer von dem Badischen und dem Süd» deutschen Eisenbahnerverband gemeinsam eingereichten Petition um Aenderung der Lohnordnung. Die Eisenbahner wünschen anstelle der einseitig von den Ver- waltungen festgesetzten Lohnordnung einen mit den Arbeitern z u vereinbarenden Lohntarif. Zur Begründung wird an- geführt, daß seit dem Jahre 1907, wo die letzte Lohnregulierung der Eisenbahner erfolgte, die Lebensmittelpreise sehr wesentlich gestiegen seien, für welche Behauptung einwandfreies statistisches Material beigebracht wird. Die Regierung entgegnete, daß die Generaldirektion der badiscben Eisenbahnen im Dezember v. I. eine gemeinsame Sitzung mit Vertretern der Arbeiterausschllsse abgehalten und deren Be- schwerden entgegengenommen habe. Das Resultat sei gewesen, daß den Wünschen der Arbeiter in mehreren Punkten Rechnung getragen worden sei. Nach einer dem Bericht als Anlage beigegebenen Tabelle sind die Löhne der badischen Eisenbahner höher als die der anderen Bundesstaaten. Danach war das Verhältnis der einzelnen Bundes- staaten zu einander folgendes: Zahl der Durchschnitts« Arbeiter einkommen Baden...; �. 17 381 1333 M. Württemberg.... 11394 1206, Bayern...... 28 450 1 176» Sachsen...... 28 047 1133, Elsaß-Lothringen... 19142 1111, Preußen-Hessen... 299 142 l 994» Die Einführung von Tarifverträgen lehnt die Generaldirektton ab. indem sie behauptet, daß die Lohnordnung, an welche fich die Verwaltung steiwillig binde, den Arbeitern eine sichere Gewähr dafür biete.'daß ihnen,„das darin Zugesicherte' ungeschmälert zu» komme. Der Arbeiterschaft sei im vollen Umfang Gelegenheit ge- boten, durch Vermittelung der ArbeiterauSschüffe oder der Arbeiter« verbände ihre Wünsche vorzubringen. Die Zweite Kammer beschloß dem Antrage der Budgetkommisfion entsprechend, die Petttion der Regierung in dem Sinne empfehlend zu überweisen, daß eine Verminderung der Ortsgruppen von vier auf drei vorgenommen, die Rentenzahtung an Wilwen und Waisen nach Maßgabe der finanziellen Verhältnisse ausgedehnt, der Zuschuß bei militärischen Hebungen für die ganze Dauer gewährt, bei Urlaub der Lohn in voller Höhe fortgezahlt und bei Urlaubsreisen ein Freischein gewährt wird. Gleichfalls be- schloffen wurde, die Regierung zu ersuchen, die Eisenbahnbetriebe durch die Fabrikinspektion unerwartet revidieren zu lassen. Ferner soll die Regierung im Bundesrat dahin wirken, daß die Ruhezeit für alle Eisenbahnbedienstete ohne Verminderung ihrer Bezüge gesetz- lich festgelegt und annähernd ebenso normiert wird, wie dies zurzeit in der Schweiz der Fall ist. Die Arbeitszeit der Hallen-, Magazin« und Streckenarbeiter sowie deren gleichen Arbeiterkategorien soll, so- weit sie eine ununterbrochene Arbeitszeit haben, auf neun Stunden täglich festgesetzt werden._ Juden in der Armee! Herr v. Heeringen, durch des Kaisers Wille und Gottes Zu« laffung kgl. preußischer Kriegsminister, sieht bekanntlich die Disziplin im preußischen Heere wanken, wenn Juden Offiziere würden. WaS sagt aber Seine kriegerische Exzellenz zu folgenden Worten, die sein bayerischer Kollege. Freiherr v. Horn, vor kurzem im bayerischen Landtage gesprochen hat:„Wir haben in der Armee 86 Offiziere de« Beurlaubtenstandes und 199 SanitätSoffizieee jüdischer Kon«. f e s s i o n. ES kann also nicht behauptet werden, daß in Bayern die Zugehörigkeit zu der genannten Konfession allein die Beförderung zum Offizier unmöglich macht." Wenn die bayerische Armee 86 jüdische Offiziere und 199 jüdische Sanitätsoffiziere ohne Schaden für die Disziplin vertragen kann, so muß doch die preußische 300 jüdische Offiziere und 1000 Sanitätsoffiziere vertragen können. Das ist eben auch eine sonderbare Spezialität der preußischen Minister. daß sie da» preußische Volk indirekt möglichst schlecht machen. Der Ministerpräsident und der Minister deS Innern behaupten, in Preußen ginge bald alles dmnter und drüber. wenn Preußen ein Wahlrecht nach süddeutschem Muster erhielte, und der Kriegsminister sagt, die preußische Armee ginge aus dem Leim, wenn in ihr, wie in Bayern, Juden Offiziere würden. Hamburg Universitätsstadt. Seit Hamburg das Kolonialinstitut besitzt, wird der Ausbau des Vorlesungswesens der Oberschulbehörde in Verbindung mit dem Kolonialinstitut zu einer Volluniversität propagiert. Eine andere Richtung will eine Hochschule, die der hamburgischen Eigenart ent» spricht, deren Mittelpunkt daS Kolonialinstitut bleibt. Der Senat selbst scheint sich noch nicht auf einen bestimmten OrganisationS- plan festlegen zu wollen, denn in der letzten Sitzung der Bürger- schaft, die sich mit der Frage des Ausbaue« des Vorlesungswesens und des Kolonialinstituts(Bewilligung neutr Profcssuren) beschäf- tigte, erklärte der Senatskommissar, daß„wir eine derartige Hoch- schule(von der geschilderten Eigenart) erstreben". Der Herr gab aber nur seiner persönlichen Meinung Ausdruck. Damit den Stu- denten die hier absolvierten Semester in Anrechnung gebracht werden, so sei, erklärte der Senatskommissar„persönlich", die Schaffung einer mathematischen Abteilung zur Abrundung deS imturwissenschaftlichen Unterrichts erforderlich; später könne eine philosophische und vielleicht eine historische, vielleicht auch eine jurstische und eine medizinische Abteilung ins Leben gerufen werden. Den Standpunkt unserer Fraktion legte Genosse Krause dar, der ausführte, seine Fraktion habe an sich nichts gegen eine Universität, aber zunächst müsse das Volksschulwesen aus». gestaltet werden. Habe doch selbst der Chef des Schulwesens erklärt, die Durchschnittsfrequenz in den Bolksschzilen müsse herabgesetzt tLtzlkdep. Spanien. Keine neue» Orden. Madrid, 8. Juli. Senat. Ministerpräsident CanalejaS der» laS den Entwurf zum sogenannten CadenaSgesetz(Sperrgesetz), das die Niederlassung neuer religiöser Gesell» s ch a f t e n in Spanien untersagt, bis die Verhandlungen zwischen Madrid und dem Vatikan über die Reform deS Konkordats beendet find._ Eine Erklärung des Vatikans. Rom, 9. Juli.„Offervatore Romano" veröffentlicht eine Note. die hervorhebt, daß, seitdem die Frage der rechtlichen Lage der reli- giösen Orden in Spanien aufgeworfen sei, mehrere Blätter zu Un- recht den Heiligen Stuhl der unversöhnlichen Festigkeit beschuldigten. „Osscrvatore Romano" ist ermächtigt, zu erklären, der Heilige Stuhl habe sich bezüglich wichtiger Konzessionen dem gegenwärtigen Kabinett gegenüber ebenso wie den früheren gegenüber günstig disponiert gezeigt. Da» Blatt zählt einige dieser Konzessionen «Ys und schließt, dies zeige, Wie unkgrxekt Lud ungerecht es VB» feilen«er Regierung fei. emfeiüg Maßnahmen in einet religiösen I gesamte Krankenversicherung handelte. Sie brachten die damals ab �rage zu ergreifen, die gegenwartg Gegenstand der Verhandlung zwischen den beiden Mächten sei, wie wenn die Haltung des Heiligen Stuhles jeden billigen Vergleich unmöglich mache» Rolland. Die Enzyklika. Haag, 9. Juli. Einer amilichen Mitteilung zufolge hat der Geschäftsträger beim Heiligen Stuhl im Namen des Papstes am 6. Juli ein Schreiben an den Minister des Aeuszern gerichtet, worin dieser gebeten wird, der Königin mitzuteilen, der Pap st habe m i t Bedauern die irrtümliche Auslegung der Enzyklika in den Niederlanden vernommen und lasse der Königin versichern, dast er darin keineswegs die Fürsten des Hauses Oranien noch die Vorfahren der nichtkatholischen holländischen Untertanen im Auge gehabt habe. Ciirhd. Ein reaktionärer Geheimbnnd. Konstantinopel, 9. Juli. Mehrere Blätter veröffentlichen eine Darstellung der Polizeidirektion, in der die seit einigen Tagen umlaufenden Gerüchte von der Aufdeckung eines geheimen reaktionären Bundes, der„Partei- gänger gründlicher Reformen", und der Verhaftung von 63 Personen, vorwiegend entlassener Beamten, bestätigt werden. Es verlautet, datz die Verhafteten nur eine unter- geordnete Rolle gespielt haben. Als Führer werden einige höhere Persönlichkeiten des alten Regimes vermutet._ Die Kretafrage. Canea, 9. Juli. Der zum Führer der Opposition erwählte Michelidakis und seine Anhänger weigern sich, zu gestatten, daß die kretischen mohammedanischen Abgeordneten an' den Sitzungen ohne Eidesleistung teilnehmen können. Michelidakis macht sich nur anheischig, dafür zu sorgen, daß keine Unruhen stattfinden, wenn die Majorität sich dem Wunsch der Mächte geneigt zeigen sollte. Er und seine Freunde werden an der Nationalversammlung, die heute zusammentritt, nicht teilnehmen V e n i z e l o s hofft nichisdestoweniger, daß die Kammer beschluß- fähig sein wird, und daß seine Anträge angenommen werden. Infolge der Unsicherheit der Lage haben die Generalkonsuln der Schutzmächte Venizelos eine schriftliche Note überreicht, dahingehend, daß, wenn bis Montag mittag nicht der Beschlutz gefaßt sei, die mohammedanischen Abgeordneten ohne Eid zu« zulassen und die mohammedanischen Beamten ohne Eid ihre Aemter ausüben und ihr Gehalt beziehen zu lassen, sofort Truppenkontingente gelandet werden sollen, um die Häfen zu besetzen und Beschlag auf die Zoll- einnahmen zu legen. Diese Matzregel wird übrigens auch dann Anwendung finden, wenn bis Montag dem Wunsche der Mächte eine Weigerung entgegengestellt werden sollte. CKtna. Die revolutionäre Bewegung. London, 9. Juli. Wie berichtet wird, ist eine neue revolutionäre Bewegung in der Provinz Yuen-Kiang ausgebrochen. Eine starke Abteilung Aufrührer, welche gelbe Uniformen tragen, und wie damals die Boxer behaupten, gegen Kugeln gesichert zu fein, haben das Verwaltungsgebäude des Magistrats und verschiedene Wohnungen von Magistratsbeamten in der Provinzhauptstadt an- gegriffen. Dabei kam es zu einem regelrechten Kampfe, in welchen die Truppen hineingezogen werden mußten. Die Rebellen erlitten bedeutende Verluste. flu! der Re!cf)$verii(i)erung$ordDung$- homraiftien. Sitzung vom Sonnabend, den S.Juli 1910. Von den Bestimmungen über das Verhältnis der Krankenkassen zu den Aerzten und Apotheken stand nur noch der Paragraph zur Beratung, der den Landesregierungen die Befugnis erteilt, auch diese Vorschriften für Be« triebSkrankenkassen des Reiches und der Bundesstaaten aufzuheben. Wieder versicherten die Vertreter der preußischen und der bayerischen Regierungen, daß sie diese Ausnahmen für ihre Betriebskrankenkassen unbedingt haben müssen. Und wieder wiesen die Sozialdemo- k r a t e n und Abg. Dr. M u g d a n nach, daß gar kein Grund für solche Ausnahmen vorliege. Und wieder lehnte die Kommission den Paragraphen gegen die Stimmen der Konservativen und Rationalliberalen ab. Hieran schloß sich die Beratung der Bestimmungen für die Landwirtschaft. Als in der Landwirtschaft Beschäftigte sollen nach der Vorlage auch die Personen gelten, die in landwirtschastlichen Nebenbetrieben beschäftigt find. Die Sozialdemokraten beantragten, daß diese Bestim- mung gestrichen und folgende Vorschrift zugefügt werde: Aus- genommen sind die Personen, die überwiegend gewerbliche Arbeiten verrichten. Die Sozialdemokraten wiesen eingehend nach, daß ohne diese Einschränkungen arge Ungerechtigkeiten gegen viele Arbeiter eintreten müßten, da die Leistungen der Krankenversicherungen für die Landarbeiter in vielen Beziehungen schlechter sind als für die anderen Arbeiter. Ein Arbeiter habe gewerbliche Arbeit bisher in'einem gewerb- lichen Betriebe verrichtet und gehöre der Ortskrankenkasse an. So- bald er aber eine ganz gleichartige Arbeit in einem landwirtschaft- lichen Haupt- oder Nebenbetriebe übernimmt, mutz er in die Land- krankenkasje und ist dann im Falle einer Krankheit viel schlechter ge- stellt, als wenn er noch Mitglied der OrtSkrankenkasse gewesenlwäre. Trotzdem lehnten das g e n t r u m. die Konservativen und Nationalliberalen die Anträge der Sozialdemo« k r a t e n ab und nahmen die Bestimmung der Vorlage an. Die Vorlage wollte überdies der obersten Verwaltungsbehörde die Vollmacht geben, für ihr Gebiet oder Teile davon solche Ver- sichermigspflichtige, die in ländlichen Handwerksbetrieben beschäftigt sind, den in der Landwirtschaft Beschäftigten gleich- zustellen. Genosse Hoch legte die daraus folgenden schädlichen Kon- seguenzen dar. Ein Schreiner, Schlosser usw. nimmt Arbeit bei einem Meister auf dem Lande an. Dann muß er Mitglied der Landkrankenkasse werden und alle seine Rechte auf die höheren Leistungen der OrtSkrankenkasse verlieren. Wenn er dagegen die Arbeit nicht annimmt, so kann er sich, bis er in einer Stadt wieder Arbeit findet, weiter versichern und sich derart seine Rechte auf die höheren Leistungen der Ortskrankenkasse erhalten. So werde der Arbeiter, der Arbeit bei einem Meister auf dem Lande annimmt, dafür durch die Verschlechterung seiner Rechte bestraft. Auch der Meister werde geschädigt, da dadurch die Arbeiternot vermehrt werde. Abg. Irl erkannte an, daß diese Bestimmung sehr ge- f ä h r l i ch für die Meister werden kann. Der Paragraph wurde dann auch gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt. Hierauf versuchten die Konservativen, die Groß- frundbesitzer von der Pflicht, ihre Arbeiter gegen die Folgen er Krankheit zu versichern, auf dem Umwege zu befreien, gegen den sich die Kommlssio» schon ftiiher erklärt hat, als es sich um die gelehnte Bestimmung jetzt als eine Sonderbestimmung für die Land- Wirtschaft wieder ein: daß nämlich von der Versicherungspflicht der Arbeitgeber auf seinen Antrag unter folgender Bedingung befreit werde. Er muß auf seine Kosten dem erkrankten Arbeiter eine Unterstützung gewähren, die den Leistungen der zuständigen Kranken- lasse gleichwertig ist. Dafür traten auch die Nationallibe- ralen lebhaft ein. Ebenso lebhaft bekämpften die Sozialdemokraten und F r e i s i n n i g e n den Antrag. Die ständigen Arbeiter belasten zunächst die Krankenversicherung verhältnismäßig wenig und müßten überdies infolge ihrer Abhängigkeit von ihren Arbeitgebern ihre Unterstützungsansprüche aufs äußerste einschränken, wenn sie sie gegen ihre Arbeitgeber direkt geltend niachen müßten. Dagegen würden die Großgrundbesitzer diese Arbeiter, wenn sie älter und damit häufiger krank werden, und ferner die nichtständigen Arbeiter, die an sich die Krankeliveisichernng sehr belasten, den Landkrankenkassen überlassen. Schließlich wurde. der Antrag gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen abgelehnt. Unter gewissen Voraussetzungen soll in den Landkrankenkassen die Versicherung aus die Leisiung der Kranken pflege beschränkt werden, so datz der Kranke kein Krankengeld bekommt. Dies war in der Vorlage auch für die Versicherten vorgeschlagen worden, denen auf Grund der Reichsversicherung eine dauernde, bei entsprechender Kürzung der Beiträge, jährliche Rente mindestens im 159 fachen Betrage des satzungsmäßigen täglichen Krankengeldes gewährt ist. Die Sozialdeniokrateii beantragten, daß eine Kürzung des Krankengeldes nur dann zulässig sein soll, wenn die Rente des Kranken mindestens so hoch wie die des Krankengeldes ist, also der Jahresbetrag dem 300 fachen Betrage des Krankengeldes gleich- kommt, und datz ferner in diesem Falle nicht daS ganze Krankengeld. sondern nur das halbe fortfällt. Die Genossen Molkenbuhr und Schmidt wiesen darauf hin, daß doch unter allen Umständen dem Kranken ein Einkommen pro Tag in der Höhe des Krankengeldes gesichert werden müsse. Wenn man dieses Recht für die landwirtschaftlichen Arbeiter aufhebe, mache man sie zu Arbeitern minderen Rechts. Deshalb könne eine Kürzung erst dann in Frage kommen, wenn die Rente gleich dem vollen Betrage des Krankengeldes ist. Aber auch dann sei der Arbeiter so schlecht gestellt, daß sein knappes Einkommen im Falle einer Krankheit nicht ausreicht. Deshalb sollte ihm wenigstens das halbe Krankengeld ausgezahlt werden. Dieser' Antrag wurde zwar abgelehnt, jedoch der erste Autrag angenommen, so daß das Krankengeld erst dann weg- fallen darf, wenn die Rente gleich dem 309 fachen Betrag des Krankengeldes ist. Ferner kann die Satzung einer Landkrankenkasse nach der Bor- läge für solche Arbeiter, die dauernd nur zu einem geringeren Teil arbeitsfähig sind, den Grundlohn niedriger als den Ortslohn fest- setzen, wodurch das Krankengeld entsprechend geringer wird. Die Sozialdemokraten forderten, daß in diesen Fällen der Grundlohn nicht niedriger festgesetzt werden soll als der Wer- dienst des Arbeiters tatsächlich ist. Dieser Antrag wurde leider ab- gelehnt. Die Satzung einer Landkrankenkaffe kann, heißt es in der Vorlage weiter, für die Zeit vom 1. Oktober bis zum 31. März oder für einen Teil dieser Zeit das Krankengeld bis auf ein Viertel des Ortslohns herabsetzen, selbstverständlich unter entsprechender Er- Mäßigung der Beiträge. Die Sozialdemokraten beantragten Streichung. Viele Arbeiter sind auch im Winter auf Verdienst in der Landwirtschaft und Forstwirtschaft angewiesen. Für sie wäre die Kürzung des Krankengeldes ein schwerer Schaden. Die Bestimmung wurde gegen einige Konservative gestrichen. Die Sommerferien beginnen am 16. dieses Monats. Bis dahin soll die Beratung der Kraiikeuversicheruiig zu Ende geführt werden. nötigenfalls mit Hilfe von Abendsitzungen. Die Ferien dauern bis zum 29. September. Fortsetzung Montag._ flu; der fultlzhommlfnon. Sitzung vom 9. Juli. In der Fortsetzung der Beratung über die Bestimmungen der Voraussetzungen eines Wiederaufnahmeverfahrens wiesen unsere Genosten bei dem§ 354 darauf hin. daß in ihm gegenüber dem geltenden Recht eine arge Verschlechterung enthalten ist. Während nach den bestehenden Bestimmungen zur Wiederaufnahme de? Verfahrens es genügt, wenn neue Tatsachen geltend gemacht werden können, die allein oder in Verbindung mit früher erhobenen Beweisen die Freisprechung des Angeklagten oder in Anwendung eines milderen Straf- geietzeS eine geringere Bestrafung begründen, mutz nach den neuen Bestimmungen der Verurteilte seine volle Unschuld beweisen. Unsere Genossen beantragten, den bestehenden Zustand aufrecht zu erhalten, im Eventualfälle sollten die geltenden Bestimmungen für Schwurgerichtsverfahren und ein Verfahren vor dem Reichsgericht als erste Instanz bestehen bleiben.— Ein abgeschwächter Antrag, der da« gleiche Ziel hatte wie der sozialdemokratische, lag vom Abg. Spahn vor. Nach ausgedehnter Diskussion wurden die Anträge abgelehnt und die Regierungsvorlage dadurch ein wenig verbessert, daß die neuen Beweise nicht die Unschuld des Angeklagten zu begründen haben, sondern dartun müssen, daß kein begründeter Verdacht gegen den Angeklagten mehr vorliegen kann. Weiter stellten unsere Genossen den Antrag, folgenden§ 354 a zu schaffen: „DaS Verfahren wird ferner wieder aufgenommen, wenn bei dem Urteil ein Richter oder Geschworener mitgewirkt hat, toelcher später in Geisteskrankheit verstorben oder wegen Geisteskrankheit gerichtlich entmündigt worden ist, sofern glaubhaft gemach: wird, daß sich derselbe bereits zur Zeit der Fällung des Urteils im Zustande der Geisteskrankheit befunden hat." Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genoffen, der Fortschriitler und Polen abgelehnt. Ein Regierungsvertreter be- merkte u. a., daß auch ein Geisteskranker ein vernünftiges Urteil fällen kann. Beim ß 356 beantragen die Sozialdemokraten, daß an dem Wiederaufnahmeverfahren ein Richter, der an der angefochtenen Ent- scheidung mitgewirkt hat, nicht teilnehmen darf. Dagegen sprechen außer den RegierungSkommissaren nationalliberale, konservative und ein fortschrittlicher Redner. Der Antrag wurde gegen 7 Stimmen abgelehnt. Dagegen stimmten auch die F o r l s ch r i t t l e r. Die von unseren Genossen zu den ZZ 358 und 369 gestellten Anträge wurden abgelehnt. Angenommen wurde ein sozial« demokratischer Antrag, daß die Aufhebung eine? Urteils nicht nur im„Reichsanzeiger", sondern auch in den Blättern veröffentlicht werden muß, die auf behördliche Anordnung hin das erste Urteil veröffentlichten. Mit dem§ 360 ist das dritte Buch für die erste Lesung erledigt. Fortsetzimg am Dienstag. ger norwegische SewerkichMhongreS. Vom 27. Juni bis zum 3. Juli hielt die Landcsorganisation der norwegischen Gewerkschaften im Volkshause zu Kristiania ihren Kongreß ab. 134 Delegierte und Organisationsvertreter nahmen daran teil. Von den ausländischen Gewerkschaftszentralen waren erschienen dcr-Vorsitzende L i n d q u i st und der Kassierer Söder» b e r g von der schwedischen, der Vorsitzende M a d s e n von der dänischen, sowie der Vorsitzende Bartiainen von der finnischen Landcsorganisation der Gewerkschaften. Seit dem vorigen Gewerkschaftskongreß sind 8 Jahre ver- flössen. Die Mitgliederzahl der Landesorganisation ist von 33 999 auf 45 999 gestiegen. In der ersten Halste des Jahres 1699 hatte sie sogar schon die Höhe von 47 990 erreicht; es trat jedoch dann teils infolge Stockung in vuschiLdÄMi Llldustkittl. teils infolge der hohen Belsvage, die verschiedene Gewerkschaften von ihren Mit- gliedern zwecks Unterstützung des schwedischen Generalstreiks er- hoben, vorübergehend Rückgang ein. Gegenwärtig ist die Mitglieder- zahl wiederum beständig im Wachsen begriffen, sodaß man bald das erste halbe Hunderttausend erreicht haben wird. Die der Landes« organisation angeschlossenen Verbände hatten im vorigen Jahre eine Einnahme von 1437 236 Kronen. Ihre Ausgaben waren 1 356 752 Kronen. Davon wurden 219 799 Kronen lfür Lohn- kämpfe im eigenen Lande ausgegeben und 226 363 Kronen zur Unterstützung ausländischer Organisationen. Für Arbeitssloscn- Unterstützung wurden 192 237 Kronen ausgegeben. Zur Landes- organisation haben die angeschlossenen Verbände 1 314 699 Kronen beigesteuert und davon wurden 846 543 Kronen für Streikunter- stützung ausgegeben. Nicht einberechnet sind bei den Einnahmen und Ausgaben 535 865 Kronen, die durch die Ländesorganisiation und die einzelnen Verbände zur Unterstützung des Generalstreiks nach Schweden gesandt wurden.— Die norwegischen Gewerkschaften haben in den letzten Jahren in ihrem Kampf um Verbesserung der Lohn» und Arbeitsverhältnisse gute Erfolge erzielt. Wie aus dem Bericht des Landessekretariats hervorgeht, ist die Zahl der in Norwegen bestehenden Tarifverträge jetzt über 459, und diese Verträge umfassen ungefähr 59 999 Arbeiter und Arbeiterinnen. Unter den Verhandlungsgegenständen war es vor allem die Arbeitslosenversicherung, die die lebhaftesteir Debatten Hervorries. In Norwegen besteht feit 1996 ein Gesetz, ivonach die Arbeitslosenkassen- Unterstützung aus öffentlichen, staat- lichen und kommunalen Mitteln erhalten können. Das Gesetz ist in den ersten Jahren seines Bestehens von den norwegischen Ge» werkschaften gewissermaßen boykottiert worden, weil es Bestim- mungen enthielt, denen die organisierte Arbeiterschaft sich nicht unterwerfen wollt«. Auch nach der inzwischen erfolgten Revision des Gesetzes ist es noch keineswegs so gestaltet, daß es den berech- tigten Wünschen der Arbeiterschaft entspricht. Jedoch haben die Gewerkschaften sich in den letzten- Jahren mit ihren-Arbeitslosen» lassen immer mehr dem Gesetze-angepatzt, um der Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln teilhaftig zu werden. Besonders unangen�m schien der Arbeiterschaft eine Bestimmung, wonach sich auch Un- organisierte zum Beitritt in die Arbeitslosenkassen melden können. Man befürchtete, daß man dadurch genötigt werde, sogar mit Streikbrechern in der Kasse wirtschaften zu müssen. Es hat sich jedoch, nachdem verschiedene Gewerkschaften sich dem Gesetze anpaßten, herausgestellt, datz nicht ein einziger Unorganisierter um Auf- nähme in die Arbeitslosenkasse nachsuchte. Ein weiterer Mangel des Gesetzes ist, daß der Teil der Arbeitslosenunterstützung, der aus öffentlichen Mitteln gezahlt wird, nur ein Drittel der Gesamt- summe ausmacht. In einzelnen Gewerkschaften ist die Meinung zutage getreten, daß die Unkosten, die ihnen aus der Anpassung an das Gesetz erwachsen, die geringen Vorteile wettmachen. Diese Vorteile werden auch noch dadurch eingeschränkt, daß Ausländer mindestens 5 Jahre ununterbrochen im Lande anwesend sein müssen, ehe für sie der Zuschust aus öffentlichen Mitteln gezahlt wird. Aus der Debatte über das Gesetz ging deutlich hervor, daß man es allgemein für mangelhaft hielt, aber darin keinen Grund sah, auf die Vorteile des Gesetzes zu verzichten. Es wurde eine Resolution angenommen, durch die das Landessekretariat der Ge- werkschaften beaustragt wird, beim Storthing auf die Abstellung der erwähnten Mängel hinzuwirken. Unter anderem wird in dieser Resolution verlangt, daß der Zuschuß auf die Hälfte der ausgezahlten Unterstützung erhöht werde, daß die Bestimmung, wo- nach Ausländer von dem Zuschuß ausgeschlossen sind, aufgehoben, und daß ebenso der Paragraph über die Aufnahme Unorganisierter beseitigt werde. In einer zweiten Resolution zu derselben Auge- legenheit wird ausgesprochen, daß die Arbeitslosenversicherung, neben dem Kampf um Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu den wichtigsten Aufgaben der Gewerkschaften gehört, und die Organisationen, die noch keine ArbeitSlosenkasseii haben,»erben angefordert, für die Gründung solcher Kassen zu sorgen. Dann heißt es weiter: „Der Kongreß.ist der.Meinung, daß- selbst wenn für be. stimmte Gewerbe große Sckwierigkeiten der Errichtung von Ar» --beitsiasoukassen entgegenstehen, diese nicht- als unüberwindliche Hindernisse für die Errichtung und die Tätigkeit solcher Kassen anzusehen sind, namentlich jetzt nicht, wo Zuschüsse von Staat und Kommune gewährt worden." Mit diesem Passus war ein großer Teil der Delegierten nicht einverstanden, weil man meinte, datz namentlich im Baugewerbe, die infolge der Temperturverhältnisse alljährlich wiederkehrende Arbeits- losigkeit der Durchführung der Arbeitslosenversicherung im Wege stehe. Der Passus wurde denn auch nur mit 73 gegen 56 Stimmen angenommen. In ihrem letzten Teil enthält die Resolution eine Aufforderung an die Organisationen, das Gesetz im vollen Um- fange auszunutzen, wodurch man gleichzeitig um so mehr Macht gewinnen werde, Einfluß auf das Gesetz auszuüben. Dieser PassuS der Resolution wurde mit 87 gegen 44 Stimmen angenommen. Sodann wurde die neue Krankenversicherungsgesetzgebung zur Debatte gestellt, die mit mancherlei Mängeln behaftet ist. Hierzu wurde eine Resolution angenommen, in der eine lange Reihe von Verbesserungen verlangt werden. Sehr gründlich wurde sodann über die Agitation beraten, be. sonders soweit sie die Arbeiterinnen betrifft, sowie die Landarbeiter und die Fischerbevölkerung. Hierbei trat die Ueberzeugung zutage, daß die Agitation unter den Fischern und auch unter den Land- arbeitern keine rein gewerkschaftliche sein karnn sondern das poli- tische und genossenschaftliche Prinzip dabei besonders berücksichtigt werden mutz. Deshalb beschloß der Kongreß, der sozial- demokratischen Partei eine Summe von 5999 K r o n e n zu überweisen zwecks Agitation unter den Landarbeitern und Fischern. Von großer Bedeutung für die Gestaltung der gewerkschast- lichen Organisationen war ein Antrag, der den Zusammen» schluß der einzelnen Fachverbände zu einigen großen Industrie- verbänden zum Ziele hatte. Die Frage schien jedoch den Dele- gierten noch nicht geklärt genug, und der Kongreß nahm einen Antrag an. wonach das Lanoessekretariat die Frage der Industrie» verbände prüfen und auf Grund dessen Vorschläge ausarbeiten soll, die den angeschlossenen Organisationen übersandt werden, und schließlich dem nächsten Kongreß vorgelegt werden sollen. Zur Frage der Tarifverträge wurden bestimmte gemeinsame Regeln aufgestellt, wie die, daß zur Kündigung geltender Tarif» Verträge eine Zweidrittelmehrheit erforderlich ist, daß alle Ueber- einkommen zwischen den angeschlossenen Organisationen und den Arbeitgebern, bevor sie in Kraft treten, dem Landessekretariat der Gewerkschaften zur Genehmigung vorgelegt werden, usw. Zur Frage der Gewerkschaftspresse wurde beschlossen, ein Komitee ein- zusetzen, das mit den Verbänden über die Gründung eines gemein- samen Fachorgans für sämtliche Verbände verhandeln soll. Das Resultat dieser Beratungen soll dem nächsten Kongreß vorgelegt werden. Dann wurde beschlossen einen VolkShauSsonds zu gründen, wozu pro Mitglied und Monat 2, Oere beigesteuert werden sollen. Dieser Fonds hat den Zweck, im ganzen Lande, wo eS notwendig erscheint, den Bau und die Erhaltung eigener Vereins- und Ver» sammlungshäuser der Arbeiterschaft zu unierstützen. Zur Förde- rung des Genossenschaftswesens wurde eine Reihe von Beschlüssen gefaßt. Es sollen überall, wo es zweckmäßig erscheint, besondere Ausschüsse eingesetzt werden zur Förderung der Konsumgenossen- schasten, und dem Landessekretariat der Gewerkschaften wurden vom Kongreß 3999 Kronen zur Verfügung gestellt, um durch Lite- ratur und auf andere Weise jenen lokalen Ausschüssen behilflich zu sein. Aus den weiteren Beschlüssen und der außerordentlich reich» haltigen Tagesordnung des Kegigresses ist noch hervorzuheben, daß man sich ausführlich mit der Frage der Fabrikinspektion befaßte und Vorbereitungen traf und Regeln aufstellte für eine einheit- liche und gründliehe Lohn- und Arbeitsstatistik in den verschiedenen Berufen, und andere Fragen mehr erörterte. Zum Vorsitzenden der Landesorganisation der Gewerkschafte» lvurde O. L i a n, zinv Sekretär M. O r m e st a d fast Einstimmig wiedergVMhlt.>■ 0ewerkrd)aftUche& ChnftUcbc„OpferwilUgfeeit". To oft die freien Gewerkschaften für Streikzwecke frei- Willige Beiträge gesammelt haben, sind in Zentrumsblättern auch Artikel erschienen über die„Verpulverung von Arbeiter- groschen" durch die„roten Streikbrüder". Dieses dumme Geschwätz der ultramontanen Presse, an dem sich doch nur die Unternehmer erbaut haben, und das deshalb auch von einsichtigen christlichen Arbeiterführern verurteilt wird, ist nicht ohne Folgen geblieben. Zugunsten der ausgesperrten Bauarbeiter hat auch der Verband süddeutscher katholischer Arbeitervereine eine Samm- lung unter seinen angeblich mehr als 100 000 Mitgliedern veranstaltet. Das Resultat ist aber geradezu kläglich. 2413 M. wurden insgesamt zusammengebracht. Das Verbandsorgan mutz zugestehen, datz die Sammlung die Erwartungen keineswegs erfüllt hat. Es sagt, man müsse aus der Bauarbeiterbewegung lernen, datz eine Erziehung zu größerer Opferwilligkeit nötig sei. Die christlichen Gewerkschaften haben jetzt einmal einen deutlichen Beweis erhalten, datz die von der Zentrumspresse und gewissen ultramontanen Agitatoren— geistlichen und weltlichen Standes— betriebene Hetze gegen die freien Gewerkschaften nur der christlichen Arbeiterbewegung schadet Deshalb sollten sie sich auch als erste Aufgabe setzen: Die Zentrumspresse wenigstens zu einigem Verständnis für die Arbeiterbewegung zu erziehen. Denn es ist doch der reine Hohn, wenn den christlichen Arbeitern von ihren Führern Blätter zum Abonnement empfohlen werden, die beständig gegen die Interessen auch der christlichen Gewerkschaften arbeiten._ Berlin und dmgegend. Zum Streik der Schmiede ist zu berichten, datz heute, am Sonntagmorgen, der Gesellenausschutz eine Sitzung abhält, zu der auch die Jnnungsmeister erscheinen werden. Viele Meister sehen mit Ungeduld dem Ende des Streiks entgegen. Drei Meister haben der Streikleitung mitgeteilt, datz sie noch bis Montag warten wollten; wenn dann kein Friede geschlossen würde, seien sie bereit, ihre Unterschrift zu geben, weil ihre Geschäfte nicht länger unter dem Unfrieden leiden könnten. Seit Donnerstag haben drei andere Meister bereits ihre Unterschrift gegeben, und in zwei Werkstätten, wo bisher nicht gestreikt wurde, rst es gelungen, die Leute Heraus zuziehen. Ein Meister bot seine Unterschrift an, falls er die Liste derjenigen sehen dürfte, die bewilligt haben. Das wurde natürlich abgelehnt. In der letzten Versammlung der Streikenden, die am Sonnabendmorgen stattfand, wurde unter anderem eine Mitteilung der„Deutschen Schmiede-Zeitung" besprochen, in der die Berliner Meister ihre auswärtigen Kollegen bitten, die von Berlin zw gereisten Gesellen nicht einzustellen. Es wird dann behauptet, datz nur 4M Gesellen die Arbeit niedergelegt hätten, datz aber in der Presse zu diesen„auch noch die übrigen in Berlin fremd liegenden Gesellen und die notorischen Nichtstuer' hinzugezählt" würden. Gegen diese Darstellung, besonders was die„notorischen Nichtstuer" anbetrifft, legen die Streikenden Verwahrung ein und halten die von ihnen bekannt gegebenen Zahlen aufrecht. Das Verhalten der Geschäftsinhaber zur Sonntagsruhe! So lautete da? Thema, über das Genosse U ck o in einer vom gentralverbande der Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen(Bezirk Norden-Wedding) einberufenen Versammlung in der Bockbrauerei, Chausseestratze, referierte. Der Redner konnte über eine Vereinbarung berichten, die mit einer Anzahl Firmen abgeschlossen ist, auf Grund deren die in Frage kommenden Geschäfte während der Sommermonate Sonntags von 10 Uhr ab geschlossen halten. Ein großer Teil der Geschäfts inhaber glaube immer noch der Vereinbarung nicht beitreten zu können'„mit Rücksicht auf die Arbeiterkundschaft". Wenn die So beiter und Arbeiterfrauen jeden Einkauf am Sonntag vermeiden würden, könnte den Chefs das fadenscheinige Argument genommen werden. Den Handlungsgehilfen würde der Kampf dadurch wesent- lich erleichtert. Bis jetzt konnten sich nur die Waren- und Kauf- Häuser entschlietzen, den Angestellten einen Schritt entgegenzukommen. Der Zentralverbhnd der Handlungsgehilfen und -Gehilfinnen Deutschlands wird aber den Kampf nicht ruhen lassen und er wird auch in dieser Frage zum Siege gelangen. Die Lohnbewegung der Böttcher. Wie wir gestern bereits mitteilten, haben die Böttcher Berlins beschlossen, von morgen ab die Arbeit in allen den Werkstätten ruhen zu lassen, wo ihre Forderungen nicht bewilligt sind und eine Verständigung nicht erzielt worden ist. Aus dem Bericht, den der Bevollmächtigte Klappschutz in der Versammlung am Freitag über den Stand der Lohnbewegung gab, ist zu entnehmen, datz die Forderungen in der Bierfatzbranche bewilligt sind. Die Arbeit- geber dieser Branche hatten sich am selben Abend versammelt, um den Tarifvertrag gemeinschaftlich zu unterzeichnen. In den an- deren Branchen hatten einzelne Arbeitgeber bewilligt, einzelne hatten Verhandlungen angebahnt, die meisten verhielten sich jedoch noch abwartend oder ablehnend. Im allgemeinen schien es, als habe man es auf eine Verschleppung der ganzen Angelegenheit ab- gesehen. Den Beschluß, bei den Firmen, die innerhalb der ver- flossenen Woche keine Neigung zur Bewilligung der Forderungen zeigten, die Arbeit einzustellen, hatten die Böttcher schon einmal, und zwar am vorigen Montag gefaßt. Dieser Beschlutz war auch sofort den beiden Böttcherinnungen mitgeteilt worden. Der Ver- sammlung am Freitag lag nun ein Schreiben der Innungen vor. Die Meister hatten inzwischen eine Versammlung abgehalten, waren wohl geneigt, 5 Pf. Lohnerhöhungen zu gewähren, aber zu keinem endgültigen Beschlutz über die Tarifvorlage gekommen. Sie wollten am nächsten Mittwoch in einer neuen Versammlung zu der Sache Stellung nehmen.— In der regen Diskussion, die dem Bericht folgte, zeigte es sich, datz manche Arbeitgeber noch eine recht unklare Stellung in der Lohnbewegung einnehmen, und erst im Laufe des Sonnabends zu erfahren war, wie die Sache eigentlich steht. Aus diesen Gründen verschob man die ursprünglich schon für Sonnabend früh geplante Arbeitsniederlegung auf Montag früh._ Achtung, Lithographen! Die Firma A l b r e ch t u. M e i st e r. Berlin-Reinickendorf beabsichtigt die Einführung derAkkord- arbeit und ist infolgedessen bis auf weiteres gesperrt. .Die Verwaltung. Deuvkdie» Reich. Tarifabschlnh der Braucreiarbeiter in Dresden. Nach äußerst hartnäckig geführten Verhandlungen zwischen dem Brauereiarbeiterverband und dem Verein der Brauereien von Dresden und Umgebung ist es am 8. Juli zu einer Einigung ge- kommen. Während der Dauer der Lohnbewegung war die Situation eine sehr gespannte, wiederholt fordc�en die Arbeiter den Streik. Die Erregung war erklärlich an�lchtS des anfänglichen Angebots der Brauereien, die nur bis zu einer Mark Lohn- erhöhung boten, daneben aber eine ganze Reihe Ver- fchlechterungen sehr wesentlicher Natur den Arbeitern aufzu- oktroyieren beabsichiigten. Noch bis zum letzten Augenblick hielten ste an einzelnen Verschlechterungen fest. Es ist'ihnen indessen nicht gelungen, sie einzuführen; die versuchten Lerschlechterungen wurden nicht nur zurückgewiesen, sondern auch ganz ansehnliche Verbesserungen erzielt. Namentlich um die Verkürzung der Arbeits- zeit wurde hartnäckig gekämpft. Hierbei hatte der sächsische In- dustriellenverband seine Hand im Spiel, der eine Verkürzung der Arbeitszeit verhindern wollte. Trotzdem ist eS gelungen, sie um eine halbe Stunde auf S Stunden pro Tag zu verkürzen; für die Bierfahrer wurde eine Stunde Ruhezeit mehr erreicht. Ferner wurde eine Lohnerhöhung von durchschnittlich 2,50 M. pro Woche während der Tarifdauer erzielt, für Maschinisten, Heizer und Handwerker 2,7ö M. Die Bierentschädigung wurde um 5 Pf. pro Liter, der Aufschlag für Sonntagsarbeil von 10 auf lö Proz. und der Urlauh ohne Lohn- abzug um einen Tag erhöht. Für diese Lohnbewegung kommen rund 1200 Personen in Frage, die mit ganz geringen Ausnahmen dem Brauereiarbeiterverbande angehören. Mit den außerhalb der Unternehmerorganisation stehenden Brauereien in Dresden und Umgebung wird der Abschluß in den nächsten Tagen erfolgen._ Ein Streik der Proletarier in der Bleistiftiudustrie. Durch die TageSpresse ist bereits bekannt geworden, datz rund 1000 Arbeiter und Arbeiterinnen bei der Weltfirma Johann F a b e r in Nürnberg die Arbeit eingestellt haben. Bemerkenswert ist in erster Linie bei diesem Streik, daß daran rund 6S0 Arbeiterinnen beteiligt sind. Veranlassung zu dem Kampfe gaben Forderungen, die in sämtlichen Nürnberger Bleistiftfabriken durch den Holz- arbeiterverband eingereicht wurden. Ueber die Frage der Arbeits- zeit wurde durch Verhandlungen eine Einigung erzielt, es handelt sich gegenwärtig im wesentlichen um Lohnforderungem In der Nürnberger Bleistiftindustrie, einschließlich der nahegelegenen Orte, werden rund 4500 Arbeiter beschäftigt. In Deutschland ist das Absatzgebiet der Nürnberger Fabrikanten fast unbestritten, während im Auslande einige amerikanische und österreichische und in ganz neuer Zeit auch japanische Fabriken in Konkurrenz treten, ohne indes der Nürnberger Industrie wesentlichen Abbruch zu tun. Die Nürnberger Fabriken haben, weil sie den Weltmarkt auch heute noch fast unbeschränkt beherrschen, auch in der letzten Zeit noch horrende Gewinne abgeworfen. Die Fabrikanten besitzen durchweg Riesen- vermögen, die meisten sind durch die Ausbeutung der Arbeiter Millionäre geworden. Die Maschinen zur Herstellung des Fabrikats wurden auch in der Bleistiftindustrie im letzten Jahrzehnt wesent- lich verbessert, und neue Maschinen für Vorrichtungen konstruiert die bis in die jüngste Zeit mit der Hand ausgeführt werden mutzten. Die Organisation der Arbeiter lietz bisher in einer Anzahl Fabriken zu wünschen übrig und muhten besonders in diesen eine grotze Anzahl Arbeiter sich mit wahren Hungerlöhnen zufrieden geben In den Fabriken, in denen die Organisation der Arbeiter gut war, war es in den letzten Jahren möglich, eine wesentliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen durchzuführen. Bei der gegenwärtigen Bewegung handelte eS sich neben der Verbesserung der Arbeitsverhältnisse im allgemeinen im wesent- lichen auch darum, möglichst einheitliche Arbeitsbedingungen für alle Fabriken zu schaffen. Die einzelnen Fabrikanten haben das bei früheren Gelegenheiten auch immer verlangt. Bei der gegen- wältigen Bewegung waren es die Inhaber der Fabriken Breiten- felder, Watzel, Krämer und Kurz, die die allgemeinen, vom Holzarbeitervcrband geforderten Bedingungen akzeptierten, aber verlangten» datz diese nun auch in den anderen Fabriken durch- geführt werden. Besonders handelte es sich um die Festlegung von Einstellungslöhnen, und da wurde vom Holzarbeiterverband vor- geschlagen: Als Einstellungs- und Mindestlöhne für Arbeiter über 18 Jahre 20 M. pro Woche, von 16— 18 Jahren 15 M., unter 16 Jahren 12 M.; Arbeiterinnen über 18 Jahre 13 M., von 16 bis 18 Jahren 10 M., unter 16 Jahren 8 M. pro Woche. Bei allen in Akkord Beschäftigten nachstehende Garantie- und Grundlöhne: Arbeiter über 18 Jahre 25 M., von 16— 18 Jahren 18,75 M. pro Woche; Arbeiterinnen über 18 Jahren 16,75 M., von 16—13 Jahren 12,50 M. pro Woche. Arbeiter und Arbeiterinnen unter 16 Jahren werden nicht in Akkord beschäftigt. Wie schon oben erwähnt, wurden diese Bedingungen von vier Fabrikanten anerkannt. Diese beschäftigen rund 600 Arbeiter. wei weitere Firmen erklärten, erhebliche Bedenken gegen die .orderungen nicht zu haben, wünschten aber, datz besonders bei ihrem Hauptkonkurrenten, der Firma Johann Faber, die Bedin- !plngen auch zur Anerkennung gebracht würden. Das wurde von )en Vertretern des Holzarbciterverbandes gern zugesagt. Nicht wenig erstaunt war man daher, als einige Tage später von den ' irmen Schwanhäuser, Städtler, Frosch eis und Johann (aber ein gemeinschaftlich unterzeichnetes Schriftstück übersandt wurde, in dem die Forderungen als unannehmbar bezeichnet wurden. Eingeleitete Verhandlungen verliefen resultatlos, und war es be- 'anders Herr Direktor Hutzelmeyer von der Firma F a b e r, >er die letzte Verhandlung zum Scheitern brachte. Dort wurde von den Fabrikanten noch zum Ausdruck gebracht, datz, wenn in einer Fabrik die Arbeit eingestellt würde, sofort die Aussperrung aller übrigen Bleistiftarbciter erfolgt. Am anderen Morgen hatten sämt- liche Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Faber die Arbeit niedergelegt. Darauf haben die übrigen drei Fabrikanten nun ihren Arbeitern mitgeteilt, daß sie aussperren werden. Bis zu dieser Stunde ist das noch nicht geschehen. Wenn aber diese Herren meinen, ihrem hauptsächlichen Konkurrenten beispringen zu müssen, und wenn sie sich die Finger verbrennen wollen, so mögen sie eS tun. Es würden in diesem Falle weitere 1000 Arbeiter und Arbeite- rinnen in den Kampf verwickelt. Dadurch würde an der entschie- denen Durchführung desselben aber absolut nichts geändert, denn die bescheidenen Forderungen dieser Proletarier müssen vom Holz- Arbeiterkategorie ein wenig eingeschränkt wird. Bewundernswert Abeiterkategorie ein wenig eingeschränkt wird. Bewundernswert ist die Einmütigkeit besonders der Arbeiterinnen, mit der sie dem Rufe zur Arbeitseinstellung Folge geleistet haben. Mancher Ar« beiter könnte sich hieran ein Beispiel nehmen. Bemerkt sei noch, daß der Zahlstelle Nürnberg des Holzarbeiterverbandes gegen- wärtig rund 1800 Arbeiterinnen angehören. « Nach einem Telegramm aus Nürnberg fanden am Sonn- abend vor dem Gewerbegericht Verhandlungen mit den Vertretern der Arbeiter der Firma Johann Faber statt. Da die Ver- Handlungen ergebnislos verlaufen sind, wurden abends sämtliche Betriebe der vier größten Bleistiftfabriken in Nürnberg geschlossen. Von der Aussperrung find über 1500 Arbeiter betroffen. Ausland. Lohnbewegung der schweizer Buchbinder. Wegen Erneuerung des bereits am 1. Juli abgelaufenen Tarif- Vertrages befinden sich die Buchbinder in Bern in einer Lohn- bewegung. Sie fordern: Einführung der neunstündigen Arbeitszeit, 30 Fr. wöchentlichen Minimallohn, Lohnerhöhung von 10 Proz. für alle diejenigen, die den Minimallohn bereits bekommen. Außerdem ind noch besondere Forderungen für die Spezial- und Hilfsarbeiter aufgestellt. Die Unternehmer haben mit einem Gegenvorschlag geantwortet. der gegenüber dem bisherigen Zustand fast keine Verbesserungen bringt und deshalb von den Arbeitern als ungenügend abgelehnt wurde. Es wurde besckilosien, an der Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und eines festen Wochenlohnes(der die Bezahlung der Feiertage in sich schließen würde) festzuhalten und mit Bezug auf' die übrigen Forderungen neue Verhandlungen zu Pflegen. Da dte Buchbinder in Bern in den zumeist in Betracht kommenden gößeren Betrieben zu S5 Proz. organisiert sind, so ist wohl damit zu rechnen, datz sie ihre Forderungen durchzusetzen vermögen. Rot- wendig ist jedoch, datz die nach der Schweiz reisenden Buchbinder Bern unter allen Umständen meiden. Bern ist für die Buchbinder aller Branchen strengstens gesperrt._ Hub luduftne und Randd. Schwindel bei Kolonialgründungeo. Wie der angebliche„Patriotismus" zum Schwindeln benutz? wird, zeigt wieder einmal eine Veröffentlichung des„Berliner Tageblatt", welche darauf hinweist, daß bei der Gründung von Aktiengesellschaften für Unternehmungen in den Kolonien m e i st e n s dem Publikum ganz falsche Vorspiegelungen gemacht werden. In den Prospekten werden Dividenden von 25—50 Proz. in Aussicht gestellt, und diese werden durch Rentabilitätsberech- nungen herauskalkuliert, in denen für mehrere Jahre bereits die Erträgnisse genau auf Mark und Pfennig ausgerechnet sind, und die dann von einem„Sachverständigen" oder von einem Bücher- revisor, der nie in den Kolonien gewesen war, geprüft und als richtig befunden werden. Häufig sind auch den Prospekten Gut- achten„bekannter Kolonialautoritäten" beigegeben, die weder die Pflanzungen je gesehen haben noch die Verhältnisse des betreffenden Landes überhaupt kennen. Diese Gutachten sind — sofern sie nicht aus Kolonialbüchern abgeschrieben sind— in sehr vielen Fällen mit Freianteilen der Gesellschaft be- zahlt worden. Die Rentabilitätsberechnungen sind denn auch danach. Zunächst werden die Erträgnisse der Pflanzungen oft viel zu hoch angesetzt. So hatte kürzlich noch ein afrikanisches Baumwollunternehmen einen Durchschnittsertrag von Baumwolle von 500 Pfund pro Hektar in Rechnung gesetzt, während beispielsweise in diesem Jahre verschiedene Unternehmungen kaum 100 Pfund auf den Hektar erzielt haben. Dann wird das erste Ertragsjahr viel zu früh ein- gesetzt, denn beispielsweise Kautschuk braucht eine grotze Reihe von Jahren, bis er verwendbar ist. Die Spesen werden nicht berück- sichtigt, die Preise viel zu hoch angenommen. Für Sisalhanf z. B. hatte man den Preis von 900 M. pro Tonne angesetzt, der in der Hochkonjunktur des Jahres 1307 erreicht wurde, inzwischen aber auf 530 M. gefallen ist.— Der schlimmste Schwindel sind aber die „bekannten und angesehenen Namen", mit denen man solche Pro- spekte unterzeichnet:„nationale" Parlamentarier, Offiziere a. D.. Kolonialpolitiker usw. Wie aber werden diese Namen gewonnen? — Dem„B. T." hat ein Brief vorgelegen, der kürzlich von einem ostafrikanischen Unternehmen an eine Anzahl bekannter Herren gesandt worden ist und worin es heißt: „Euer Hochwohlgeboren bitten wir, unser Unternehmen gütigst empfehlend zu unterstützen. Diese Unterstützung soll nicht etwa in pekuniärer Beteiligung zum Ausdruck kommen, sondern sich lediglich auf die Erlaubnis beschränken, am Schlüsse von Seite 20 mit Euer Hochwohlgeboren geschätztem Namen die beiliegende Denkschrift zeichnen zu dürfen. Wir wollen nicht unterlassen zu bemerken, datz hiermit weder ein Aufwand an Mühe noch Zeit verbunden ist.(!) Selbstverständlich sind wir bereit für Euer Hochwohlgeboren wert- volle Unterstützung mit Gegenleistungen zu dienen. Beispielsweise haben wir für die uns zur Seit« stehenden Herren die Aufsichtsrats- stellen reserviert, für die— abgesehen von dem Ersatz der Unkosten — bilanzmäßig eine Tantieme von vorläufig etwa 10 Proz. ausgeworfen ist. Je nach Wunsch werden den Herren Förderern auch als voll eingezahlt geltende Aktien überlassen." Und dann gehen die Prospekte hinaus und preisen markt- schreierisch an, datz es sich um eine„nationale" Sache handelt. Uns wundert bei der ganzen Affäre nur zweierlei: erstens datz das„B. T." diesen ausgemachten Schwindel nur mit dem zarten Namen„ungesunder Optimismus" bezeichnet, und zweitens datz die kapitalistischen Handelsblätter— wie an diesem Beispiel wieder zu sehen— nicht müde werden, das private Kapital vor einer Beteiligung an den Kolonialunternehmungen zu warnen, indes sie im gleichen Atemzuge vom Reich, also aus der Kasse der Steuerzahler« die Anwendung grötzester Summen fordern. Hub der frauenbewegung. Versammlungen— Veranstaltungen. Fünfter Kreis. Frauen der 1. und 2. Abteilung: Montag, 11. Juli. nachmittags 3 Uhr, Kaffeekochen in Rummelsburg,„Cafä Bellevue"(Inhaber Tempel). Zahlreiche Beteiligung erwünscht. Sechster Wahlkreis. Die Genossinnen der 11. und 13. Ab- t e i l u n g veranstalten am Montag, den 11. Juli, einen Ausflug noch Schulzendorf. Treffpunkt früh 9 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen, 3� Uhr Bahnhof Schönholz. Für Nachzügler Treffpunkt Restaurant Hubertus, Inhaber Mlosch, in Schulzendorf._ Letzte JVacbricbten und Depetcben. Die Cholera in Rußland. Petersburg, 3. Juli.(W. T. B.) Die Gouvernements I e! a- terinoslaw, Cherfon, Poltawa, der Jsjumbezirk und das OstrogoshSkgebiet sind für choleragefährlich, die Gouvernements Besfarabien, Astrachan�, SimbirSk. Rjasan und die Stadt Tiflis für cholerabedroht erklärt worden. j Die Korruption in Rußland. Warschau, 3. Juli.(W. T. B.) Der Revisor Senator Neidhardt hat 75 Personen, darunter 11 Stabsoffiziere, wegen Erpressung und Bestechlichkeit dem Gericht übergeben. Der Vesuv in Tätigkeit. Neapel, 9. Juli.(W. T. B.) Am Gipfel des Vesuvs sieht man eine gewaltige helle Rauchwolke. Seit heute vor» mittag fällt ein Regen von rötlicher Asche auf die Dörfer San Giuseppe und O t t a j a n o; die Einwohner haben ihre Häuser verlassen und sind in die Kirchen geflüchtet. Der Aschenregen dauert an._ Betrügerischer Beamter. Heilbronn, 3. Juli.(B. H.) Vor dem Schwurgericht wurde heute gegen den vormaligen Schultheitz, Grundbuchbeamten Benz aus L ö ch a u, verhandelt. Er wurde beschuldigt, in den Jahren 1892 bis 1909 zu Hofen, Walheim und L ö ch a u in 70 Fällen gefälschte Pfand- und Hypothekenbriefe im Gesamt» betrage von 461750 M. ausgestellt und dem Pridatsparverein Künzelsau zur Belcihung im Gesamtbetrag« von 166 286 M., der Sparkasse Bretten im Gesamtbetrage von 235 284 M. übergeben zu haben. Er wurde zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt. Zugunfall. Taganrog(Rutzland), 3. Juli.(W. T. B.) In der Nähe der Station M o s p i u s prallte ein Warenzug wegen BersagenS der Bremse an das Dammende eines Schienenweges an und fiel aus einer Höhe von drei Faden hinab. Der Zug wurde völlig zer, trümmert. Mehrere Personen find tot oder verwundet- Fünfzig Personen verletzt. Cherson, 9. Juli.(W. T. B.) Nach einer neueren Mel- dung sind bei der Kesselcxplosion auf dem Dampfschiff „Lowky"(siehe auch unter„Vermischtes") 59 Personen schwer verletzt und 1 Mann getötet worden. Das Schiff sank zwei Stunden nach der Explosion in eine Tiefe von 22 Fuß. Lerantw. Rbdalt.: Richard Barth, Berlin..Inseratenteil verantw-lUtz. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u. verlagSanstal» Vau! Singer Lc Co.. BerlmLW, Hierzu 4 Beilagen. »»->-»<» 1. Stütze Ks Jorarättf Fnlim UcksdlR---- w»» mmrnmmmmmmmmmmmmniMmmnMmmMmmrTrrtnrmmmnmmmmnmnmmmsnrvnrr-nMiMt im..................................... u Die taktiK Im NahlrecMamps. !. An der Parteiprefie hat Mitte März mit zwei«rtiletn die Ge- nossin Luxemburg die Dislussion über die Anwendung des Massenstreiks im Wahlrechtskampf, die schon früher in den Organi- sationen und Parteiorganen einiger Orte, so Halle und Bremen, ge- führt wurde, erneut eingesetzt. KautSky hat sich in der.Neuen Zeit' gegen die Nusführungen der Genossin Luxemburg gewendet, worauf die Auseinandersetzung in unserem wissenschaftlichen Organ fortgeführt worden ist durch eine Erwiderung der Genossin Luxemburg und eine Dupltk des Genossen KautSky, die in Nr. 3g ihr Ende erreicht hat. Der„Vorwärts" hat sich an dieser Diskussion bisher nicht be> teiligt und hat auch nicht über sie referiert. Das hat ihm der- schiedene Angriffe eingetragen. Genossin Luxemburg sprach in Nr. 3ö der„Neuen Zeit" von einem Verbot der Diskussion über den Massenstreik, von„einem unbegreiflichen Versuch, eine öffentliche Diskussion in der Parteipresse über Fragen zu unterbinden, die das Interesse der weiten Parteikreise auss tiefste erregen", und erwähnte dabei, datz ihre später in der„Dortmunder Arbeiterzeitung" erschienenen Artikel vom„Vorwärts" ebenso abgelehnt wurden, wie von der„Neuen Zeit", wo sie zuerst akzeptiert und sogar schon ge» setzt waren. An anderer Stelle ihres Artikels sagt die Genossin Luxemburg, daß der„Vorwärts"„in seiner strikten Befolgung der erhaltenen Direktiven" so eifrig zu Werke gehe, dag er„selbst aus Berichten über Versammlungen, die in Berlin abgehalten werden. jedes Wöctchen vom Massenstreik erstickt". Diese Behauptungen haben einigen Widerhall gefunden. Die Frankfurter.Volksstimme" tadelte die Nichterwähnung der Diskusfion im„Vorwärts", war aber, einsichtiger als die Genossin Luxemburg in diesem Falle, bereit, ohne weiteres anzunehmen, datz die Redaktion des „Vorwärts" diese Stellung aus eigenem Entschlutz eingenommen habe. In der Chemnitzer.Volksstimme" wurde natürlich das gerade Gegenteil angenommen. Diese durch Objektivität nicht behinderte Äritikerin des„Vorwärts" fühlt sich bemützigt zu er« klären, datz das Uebel seinen tieferen Grund darin habe,„datz diel zu viel Aufsichtsinstanzen die Freiheit der RedaktionSsührung(des „Vorwärts") hemmen." Diese angenehme Chemnitzer Unterstellung ist ebenso gut oder richtiger schlecht fundiert, wie die phantasievolle Behauptung der Genossin Luxemburg von dem Verbot einer Diskussion der Massen» ftreiksrage und von den Direktiven, die dem Zentralorgan in bezug auf die Behandlung oder Nichtbehandlung dieser Kragen erteilt worden seien. Der„Vorwärts" erfreut sich derselben Freiheit der Redaklionsführung wie alle anderen Parteiblätter, ein Verbot der MaffenstreikdiSkussion ist niemals ergangen und ebenso sind dem Zentralorgan für seine Haltung zu dieser Diskusfion niemals Direktiven erteilt worden. Wir sollten nicht nötig haben, daS zu erklären. Wenn die Re- daktion des„Vorwärts" sich durch Verbote und Direktiven von irgendwelchen Luffichtsinstanzen bestimmen lietze, ihre wahre Mei» nung zu verleugnen, wenn sie nicht den Entschlutz finden würde, in wichtigen Parteifragen diese ihre Meinung auch im Gegensatze zu den Sufsichtsinstanzen zu vertreten und, wenn die Mehrheit gegen sie entscheidet, die Konsequenz zu ziehen, d. h. zurückzutreten, dann wäre sie unseres ErachlenS nicht fähig und nicht würdig, ihren Posten bekleiden. Vor solche Eventualität ist die Redaktion aber weder Bt noch früher gestellt worden. Keine der„viel zu vielen Auffichts» tanzen"— eS sind daS der Parteivorstand, die Berliner Pretz- kommission und als Berufungsinstanzeir die Kontrollkommission und der Parteirag— hat jemals den Versuch gemacht, die Freiheit der RedaktionSsührung zu hemmen. Weder der Parteivorstand noch die Pretzlommission haben auch nur die leiseste Andeutung fallen lassen, datz sie geneigt wären, der Redaktion des„Vorwärts" die Beteiligung an der MaffenstreikdiSkussion oder ihre Erwähnung zu verbieten, noch haben sie der Redaktion irgendwelche Direktiven in dieser Sache oder einer ähnlichen aufzudrängen versucht. Um allen Versuchen, an diesen Feststellungen vorbeizuschlüpfen, von vornherein den Weg zu verlegen, wollen wir zum Ueberflutz hier noch erklären, datz auch keinerlei inoffizielle Schritte, etwa durch einzelne Mitglieder der ge» nannten Aussichtsinstanzen, unternommen worden find, um die Haltung des„Vorwärts" zur Massenstreikdiskussion zu bestimmen. Ebensowenig haben andere Parteiinstanzen, die nicht zu den AufsichtS- instanzen des„Vorwärts" gehören, derartiges versucht. In einer Sitzung der preutzischen Landeskommission, der die Vertreter der „Vorwärts"redaktion beiwohnten, ist zudem vom Sprecher deS Parteivorstandes mit aller Schärfe betont worden, datz gar nicht kleines feuitteton. Woher kommt das schlechte Wetter? Für die Ursachen deS schlechten Wetters, daS jetzt so viele Erholungsbedürftige doppelt fckstver trifft und an den kalten, völlig verregneten Juli des vergangenen Jahres gemahnt, gibt Camille Flammarion im„New York Herald" eine intereffante Erklärung. Er weist auf die autzerordcntlichen Regenmengen hin, die im Juni und Juli des Jahres 1309 nieder» gingen und die eine für diese Sommermonate ungewöhnlich niedere Temperatur mit sich brachten. Bemerkenswert ist, datz diesen kühlen Hochsommermonaten in den letzten Jahren fast immer ein schöner warmer September und Oktober folgte. Das Publikum sucht nach Erklärung für diese ungewöhnliche Erscheinung, und die verschiedenartigsten Gründe werden angegeben, um das Phänomen zu deuten. Man denkt vielfach an den Kometen, aber man vergißt dabei gewöhnlich, datz alle Weltteile. Afrika und Amerika ebenso gut wie Europa, verwandte Witterungserscheinungen aufweisen mutzten, wenn der Komet auf die Wolkenbildung und auf den Regen über- Haupt einen Einfluß hätte. Auch die Sonnenflecken werden er» wähnt, aber darauf ist zu erwidern, datz an den Sonnenflecken in diesem Jahr überhaupt nicht? Bemerkenswertes zu beobachten ist. Aber die verstimmten Gemüter finden immer neue Möglichkeiten. um den Sommer des Mißvergnügens zu erklären, phantastische Zusammenhänge werden geknüpft. In Wirklichkeit ist das Problem viel einfacher zu lösen. In den Vereinigten Staaten, insbesondere in den östlichen Staaten, hat man unter schweren Hitzwellen zu leiden gehabt. Die Temperatur ist bis zu 122 Grad Fahrenheit im Schatten gestiegen. Und das gleiche wird aus Tunis berichtet. Nun haben wir seit den letzten zwei Monaten sehr starke westliche Winde zu verzeichnen. Die Hitzwelle aus Amerika bildet große Dampfmengen, die durch die Winde über den Atlantischen Ozean nach Osten geführt werden. Wenn diese Dämpfe dann an der Grenze des europäischen Kontinent? ankommen, stoßen st« auf eine kühle, neblige Atmosphäre. Jeder Sonnenschein befördert die Ver- dampfung der Erde, es entstehen Wolken, die zu Regen werden. Die westlichen Winde beschleunigen und verstärken nun diesen Prozeß und laffen die angesammelten Regenmengen niedergehen. Das kann sich nur ändern, wenn in Amerika die Hitze verschwindet oder die Richtung des Windes umschlägt. Wenn dies nicht eintritt, so wird voraussichtlich auch der Herbst regnerisch sein. Alle An. zeichen sprechen dafür, datz die Hitzwelle in Amerika nicht fortdauern wird. Wenn östliche Winde den auS Amerika herüberströmenden Feuchtigkeitsmengen entgegentreten, dann wird bei unS alles gut werden und die Sonne wird über den Regen siegen. Die höchsten Höhen. Eine französische Zeitschrift stellt die Berge zusammen, die sich um den Ruhm der höchsten Höhe go» stritten haben. Lange waren die Gelehrten der Ansicht, datz der höchste Punkt der Erde der Pik von Teneriffa sei, ein seit Jahr- tsufendtn erloschener KjjltgZh dessen Tätigkeit gher in der alte daran gedacht werden könne, der Parteipreffe die Erörterung des Masienstreikproblems verbieten zu wollen, und die Kommission hat dieser Erklärung entschieden beigestimmt. Das ganze Gerede von dem Verbot und den Direktiven ist offenbar darauf zurückzuführen, datz in dieser Sitzung der preutzischen Landeskommission von verschiedenen Seiten die Meinung vertreten wurde, datz die Erörterung der Maffenstreikfrage in der damaligen Situation nicht ersprießlich wirken könnte. Auf die Haltung des „Vorwärts" konnten die Aeußerungen um so weniger bestimmend sein, als er schon vorher durch die Ablehnung der Artikel der Genossin Luxemburg sich auf denselben Standpunkt gestellt hatte. Damit ist die Legende vom Verbot und von den Direktiven für uns erledigt. Für das Stillschweigen des„Vorwärts" zur MasienstreikdiSkusfion, für die Tatsache, datz bisher im„Vorwärts" über sie nicht berichtet wurde, ist die Redaktion allein verantwortlich. Die Gründe, die sie dazu bewogen haben, stimmen im wesentlichen mit denen überein, die Genosse Kautsly zu Eingang seines Artikels„Was nun?" in Nr. 28 der„Neuen Zeit" dafür angegeben hat, datz er der Diskussion möglichst lange aus dem Wege ging. Er sagte da: „Ob eine Diskutierung der Frage des Massenstreiks zweck- mätzig ist, hängt davon ab, in welchem Sinne man sie führt. Es kann sich hier nicht darum handeln, darüber zu diskutieren, ob der Maffenstreik als Waffe für uns überhaupt in Betracht kommt. Diese Frage ist seit dem Jenaer Parteitag entschieden. Sollen wir aber in eine Diskussion darüber eintreten, ob der Maffenstreik im jetzigen Augenblick Aussichten auf Erfolg bietet oder nicht? Eine solche Diskussion hieße nicht bloß die Momente darlegen, die für ihn, sondern auch jene, die gegen ihn sprechen; eS hieße, beide gegeneinander abwägen. Geichicht das in der Oeffentlichkeit, so fft das gleichbedeutend damit, daß man dem Gegner die schwachen Punkte der eigenen Position mitteilt. Die ganze Diskussion wäre ebenso zweckmäßig, als wollte man einen Kriegsrat darüber, ob man dem Gegner eine Schlacht liefern soll, in Hörweite des Feindes abhalten. Wenn die Genossen unter sich diese Frage erörtern, kann es nur nützlich sein. Ich würde es aber sehr bedauern, wenn der Arttkel der Genossin Luxemburg den Erfolg hätte, in der Parteipresse eine Diskussion zu entfachen, in der die eine Seite ihre Gründe für die äugen- blicktiche Aussichtslosigkeit eines Masseustreiks auseinandersetzte. Sie mögen recht oder unrecht haben, anfeuernd zur Aktion wirkt eine derartige Erörterung auf keinen Fall." Der letzte Punkt war für uns besonder? bestimmend. Die Partei stand damals, als die Diskussion erneut einsetzte, noch mitten in der Aktion— es war ihr gelungen, eine Bewegung in den Massen zu entfcffeln wie nie zuvor. Durch eine Auseinandersetzung über den Massenstreik, die naturgemäß MeinnngS» Verschiedenheiten über die Weiterführung des Kampfes aufdecken mußte, diese Aktion zu schwächen, mußten wir vermeiden, umsomehr, als wir wußten, daß ernstere Differenzen von politischem Gewicht über unsere Taktik, die eine klärende Diskussion auf alle Fälle nötig gemacht hätten, in diesem Abschnitt des Kampfes in der Partei nicht existierten. Der Umstand, daß dadurch den Gegnern Schwächen unserer Position enthüllt würden, kam erst als sekundäres Moment für uns in Frage. Wir vermögen unsere Feinde auf einige Dau» über unsere Stärke gewiß nicht zu täuschen. Wenn es zur Er- Haltung der Geschlossenheit in der proletarischen Armee notwendig ist, so muß sie den Nachteil des Kriegsrats in Hörweite deS Feindes tragen. Es kann gewiß auch Situationen geben, wo die Rücksicht auf die Aktion hinter dem Bedürfnis der Partei, in einer Diskussion zu innerer Klarheit und Festigkeit in der Auffassung über die Fort- sührung der Aktion durchzudringen, zurücktreten muß. Aber der Nach- teil, den solche Auseinandersetzung inmitten des Kampfterrains, dicht vor dem Feinde auf die Haltung der kämpfenden Massen ausüben mutz, ist so unleugbar, daß nur im allerdringendsten Notfall, nur wenn Lebensinteressen der Partei auf dem Spiele stehen, dazu gegriffen werden darf. Auf den vorliegenden Fall angewendet: Wenn die Möglichkeit bestanden hätte, durch die Diskussion dem Gedanken des Massenstreiks so gewaltigen Wiederhall zu wecken, daß seine An- Wendung in der damaligen Phase des Kampfes nahegerückt wurde, so wäre es die Pflicht der ,Vorwärts"-Redaktion gewesen, alle Be< denken fallen zu laffen und die Propaganda deS Gedankens energisch aufzunehmen. Diese Möglichkeit bestand aber nach dem. was wir aus allen Teilen Preußens erfuhren, nicht I Einer bloßen Diskussion wegen aber durfte der„Vorwärts" nicht die im besten Gange be- findliche Aktion stören. Bleibt die Pflicht deS„Vorwärts", ein getreues Abbild des Lebens und der Strömungen innerhalb der Partei zu geben. Diese Pflicht erkennen wir selbstverständlich an. Aber keine Regel ohne Ausnahme. Die Pflicht, über die wichtigeren Vorgänge innerhalb letzten Zoit wieder erwacht ist. Dieser Pik, der auf einer der Kanarischen Inseln liegt, mitten im Atlantischen Ozean, beherrscht dergestalt den Meeresspiegel und bietet«inen so gewaltigen Kon- tvast zu dem gleichförmigen Niveau der Wellen, daß man ihn schon aus den weitesten Entfernungen bemerkt. Wie ein ungeheurer Riese schemt er aus dem Wasser aufzuwachsen und dünkte deshalb dem Blick ganz unvergleichlich hoch. So galt er denn lange für den höchsten Gipfel der Erde, obwohl er nur 3813 Meter hoch ist. Später wurde dieser Ruhm dem Chimbovasso. eingeräumt, dem Berg der Andenkette in Südamerika. Der Chimborasso ist beinahe doppelt so hoch wie der Pik von Teneriffa: 6703 Meter. Seitdem man aber mit mathemattscher Genauigkeit die Erderhebungen messen konnte, ist auch der Chimborasso von seiner bevorzugten Stellung verdrängt worden, und den Anspruch, das höchste Gebirgs- massiv des Erdballs zu sein, darf nun unbestritten der Himalaya für sich erheben. Als höchster Gipfel dieses Gebirges gilt der Gaurisankar mit 8843 Meter, doch stehen ihm die meisten der Himalahagipfel in der Höhe ziemlich nahe. Diese Höhen steigen also wieder fast um das Doppelte über den höchsten Berg Europas, den Montblanc, empor, der die Höhe von 4313 Meter erreicht. Die Reihenfolge der höchsten Erhebungen der Erde gestaltet sich nun folgendermaßen: an erster Stelle steht der Gaurisankar; den zweiten Platz nimmt ein Gipfel der Anden von Peru ein. der Suvata mit 7933 Meter; ihm schließen sich eine Reihe anderer sehr hoher Erhebungen der Anden an, die alle um einige hundert Meter kleiner sind, bis zu dem Chimborasso herab. An dritter Stelle kann man die höchsten Erhebungen von Afrika nennen, den Kili- mandscharo mit 5863 Meter und den Kenia mit 5484 Meter, beides Berge des großen Plateaus von Abeffinien. Den vierten Platz be- hauptet dann der Kaukasus in Asien mit dem Elbrus(5566 Meter) und dem Ararat(5356). An fünfter Stelle käme dann der Moni- blanc, der die Alpen in der Schar der grotzen Gebirge repräsentiert, und ihm schließt sich der Nethou in den Pyrenäen mit 3936 Meter an. An die sechste Stelle ist dann der Pik von Teneriffa gerückt. Woher stammt der AnSdruck„Sommerfrische"? Nach der Meinung der Sprachgelehrten aus Tirol. Während er außerhalb Tirols erst seit verhältnismäßig neuerer Zeit gebraucht wird, ist er zum Beispiel in Bozen und der Mevaner Gegend schon seit Jahr. Hunderten volkstümlich. Einen sommerlichen Aufenthalt in der Höhe nehmen, nennen dort die Stadtleute„in die Sommerfrische gehen", während das Volk kurzweg von der„Frische" spricht. Schon vor 233 bis 333 Jahren hatten die Bozener ihre Sommerwohnungen in Oberbozen, wo sie— einer alten Chronik aus dem Jahre 1643 zufolge— ihre„rckngem oder frischen" hielten. Diese Häuser wurden auf jener luftigen Höhe anläßlich der Pest gebaut. Auf solche Wohnungen bezieht sich auch eine Stelle in GuarinoniS „Grewel der Verwüstung"(1613). Hier heißt es: Zum vierdten haben die Jnnwohner neben jhven Heusern in Städten auch die andern in der Höhe, nämlich auf dem Bürg(Gebirg), dahin sie zu SvMMkZ Lad anbiita Wtzo zeites sich busügeo Ulld asa der der Partei zu referieren, kann durch eine andere, gewichtigere zeit« weise aufgehoben werden. Hier lag ein solcher Ausnahmefall vor. Auch das klotze Referieren über die Diskussion hätte alle jene Nach- teile mit sich gebracht, die oben angeführt sind. Ueberdies wäre es dem„Vorwärts" gar nicht möglich gewesen, sich auf daS reine Referieren zu beschränken. Er hätte auf alle Fälle seine Meinung zur Sache darlegen müssen. Man könnte einwenden, daß die Nachteile der Diskusfion während der Aktion, die wir entwickelt haben, nur in unserem Kopfe beständen. Denn tatsächlich habe doch die Diskussion, wenn auch nicht im„Vorwärts", so doch in der Parteipresse stattgefunden, ohne daß jene Nachteile eingetreten seien. Das ist gewiß richtig, aber bei diesem Einwand wird vergessen, daß die Sache ein anderes Gesicht bekommen hätte, wenn der„Vorwärts" das Organ der Diskussion gewesen wäre. Jede Aeußerung des„Vorwärts" zur Massenstreik- frage hätte in der damaligen Situation weiteste Verbreitung in der bürgerlichen Oeffentlichkeit gefunden. Und da die führende bürgerliche Presse ihre Kenntnis über die Vorgänge im sozialdemokratischen Lager im wesentlichen dem„Vorwärts" zu entnehmen pflegt, so hätte auch die bloße, rein referierende Wiedergabe der Diskussion durch den„Vorwärts" ihr eine größere Resonanz in der bürgerlichen Oeffentlichkeit verschafft, als es so geschehen ist. Natürlich hätte die bürgerliche Presse die Meinungsverschiedenheiten, die in der Dis- kusfion zutage traten, verzerrt und aufgebauscht und damit den Eindruck unserer Aktion erheblich geschwächt. Vor allem wären die Scharen der Indifferenten, die wir durch die Altion aufzurütteln und zu gewinnen hoffen durften, dadurch verwirrt und abgestoßen worden. Insbesondere aber hätte der größere Widerhall in der Oeffentlichkeit, den die Diskussion durch die Be- teiligung des„Vorwärts" geweckt hätte, die Gewerkschaftsführer auf den Plan gerufen, deren Polemik gegen die Anwendung des Massen- streiks in der damaligen Situation sicher ganz anders ausgefallen wäre als die des Genossen Kautsky. Die Diskussion wäre erheblich verschärst, der Schaden sttr die Aktion vermehrt worden. Aus allen diesen Gründen war die Lage des„Vorwärts" eine andere als die der übrigen Parteiblätter; er darf für die Beurteilung seines Ver- Haltens die Berücksichtigung dieser für ihn in Bettacht kommenden besonderen Umstände fordern. Nachdem nun die Bedenken, die den„Vorwärts" von der Be« teiligung an der Diskussion abgehalten haben, gegenstandslos ge« worden sind, wollen wir in den folgenden Artikeln zur Information der Genossen die wesentlichsten Momente der Diskussion wiedergeben. ver Ffamr Scheuer von Kolbermoor schwebte gestern als abwesender Angeklagter über der Anklagebank deS Münchener Schwurgerichts. Die„Münchener Post" hatte behauptet, der Pfarver Scheuer sei der Vater eines von der Portierstochter Trautsch geborenen un« ehelichen Kindes. Anklage wurde nicht erhoben. Später strengte der Pfarrer wegen Verbreitung derselben Behauptung gegen den Fabrikarbeiter Biomonte in Kolbermoor Beleidigungsklage an. Biomonte erhielt 4 Tage Gefängnis. Die„Münchener Post" legte zu dem Prozeß dar: diese Beleidigung sei bestellte Arbeit gewesen. Auf eine Beweisaufnahme hatte sich das Gericht nicht eingelassen- Pfarre, Scheuer strengte dann einen zweiten Beleidigungsprozetz gegen einen Monteur Oberhauser an. Dieser kam im Januar zur VerhawSung. Die als Zeugin geladene Trautsch erklärte unter Eid, datz sie niemals mtt Pfarrer Scheuer intim verkehrt habe. Allerdings mutzte sie zugeben, datz sie dritten Personen gegenüber den Pfarrer als den Vater ihres Kindes bezeichnet hatte, sie be- hauptete aber nunmehr, das fei nicht wahr. Die Verhandlungen wurden abgebrochen und zwecks neuer Beweiserhebungen auf Fe« bruar vertagt. In der erneuten Verhandlung gab die Trautsch an. datz ein Photograph, den sie in Paris kennen gelernt habe und dessen jetzigen Aufenthalt sie nicht kenn«, der Vater ihres Kindes fei. Die wettere Bewei saufahme gestaltete sich für den Pfarrer wie für die Trautsch sehr belastend. Die Frau des Bürgermeisters von Kolbermoor bekundete folgende Szene: Die Mutter der Trautsch hätte einmal auf den Pfarrer geschimpft und auf ihre, der Zeugin- Frage, warum sie denn so schimpfe, der Pfarrer sei doch ein braver Mann, auf das Kind der Tochter hingewiesen und gesagt:«Da läuft seine Bravheit herum." Die Verhandlung endete mit der Verurteilung des angeklagten Monteurs zu fünf Mark Geldstrafo wegen formeller Beleidigung. Inzwischen war gegen Pfarrer Scheuer und gegen die Trautsch die Untersuchung wegen Verleitung bösen nidern Welt gleichsam einer edlern höhern, sichern Himm» lischen zu cylen, und sich zu gutem Genügen abkühlen, erlusttgen und erlüfftern künnen, das denen aufs der Ebne den Himmel und Gott ettvas nahner zuzusteigen und gleichsamb in Lnfften ein neue Welt zu suchen nit vergont wird." Uebrigens kommt, wie die„Zeitschrift! für deutsche Wortforschung" mitteilt, in Tirol neben«Sommer« frische" auch der Ausdruck„Sommerfrist" vor. Nottzen. — Theaterchronik. Donnerstag, den 14. Juki, beginnt in der Gottscheid-Opcr im Schiller-Theater l). ein Ensemble von Mitgliedern deS Prager deutschen LandeS-TheaterS unter Leitung von Joseph Trümmer ein auf sechs Abende berechnetes Gastspiel. — Die 42 zeilige Gutenberg-Bibel, ein Meisterwerk des deutschen Buchgewerbes, wird vom Jnselverlag in Leipzig als Neudruck herausgegeben. Sie umfaßt bereits 1333 Seiten, wovon 133 mit Miniaturen in Farbe und Gold geschmückt find. Die Ausgabe, die hauptsächlich für Sammlungen und Bibliotheken bestimmt ist, wird 730 M. auf Papier und 3333 M. auf Pergament kosten. — Fastenrath. Stiftung. Der im Jahre 1903 zu KSkn verstorbene Schriftsteller Johannes Fastenrath hat 330 333 M. zu Stiftung bestimmt, aus deren Zinsen alljährlich Schriftsteller und Schriftstellerinnen, die sich mit Arbeiten in deutscher Sprache auf dem Gebiete der schönen Literatur ausgezeichnet haben, ohne Rücksicht auf Staatsangehörigkeit, relegiöse, soziale oder politische Richtung unter- stützt und vor allem starke literarische Talente gefördert werden sollen. Bewerbungen sind bis spätestens den 1. Oktober 1913 au den Oberbürgermeister der Stadt Köln(Rathaus) einzureichen. — E i n städtisches Volkstheater in Budapest. Die Stadtrepräsentanz der ungarischen Hauptstadt beschloß die Er« richtung eines Theaters, in dem kein Sitzplatz mehr als S Kronen (2,53 M.) kosten darf. — Brände in Rußland. Ein Leser, der sich längere Zeit in Sibirien aufhielt, teilt uns zu diesem Thema noch mit, daß dort Waldbrände vielfach durch die Gewohnheit der Bauern entstehen. daS Steppengras(zur Düngung des Bodens) abzubrennen. In den Städten will er aber die Erfahrung gemacht haben, datz die Feuer- wehr noch die einzige ordentlich funktionierende Einrichtung ist/ ES wird meistens auch ein Feuerwehrwartturm unterhalten. Brennende Holzhäuser reißt man durch Ketten mit Ankern ein, um das Feuer schneller dämpfen zu können. — Im Luftschiff über den Ozean. Der Amerikaner Wellman, der sich bisher durch total mitzlungene Versuche, daS Luft« schiff für die Polentdeckung nutzbar zu machen, bekannt machte, will jetzt eine Luftschiffceise über den Ozean probieren. Je eine New Aorker und Londoner Zeitung finanzieren daS Unternehmen. WellmanS früherer Ballon ist umgebaut worden und soll im Herbst zur Zeit der günstigen Winde die Reise antteten. Der ganze Plan erscheint vMcinfig als Abenteuer, ftiftt Meineide vezw. fWiTelFe einleitet liSriS», SäffrDid IfeS Verfahren nah schwebte, ersuchte Scheuer seine geistlichen Oberen um Urlaub und begab sich nach Amerika. Die Angeklagte Trautsch wurde in Untersuchungshaft genommen und hier gestand sie ein, in der Verhandlung gegen den Monteur Oberhauser einen Meineid geleistet zu haben. Sie gab ferner zu, daß Pfarrer Scheuer sie zu dem Meineide angestiftet habe. Gestern stand die Trautsch wegen Meineides vor den Ge- fchtvorenen. Gegen den eigentlich Schuldigen, den Pfarrer, war das Verfahren wegen seiner Anwesenheit in Amerika nicht fort- gesetzt. Der Arm der bayrischen Gerechtigkeit ist zu kurz, um bis mach Amerika zu reichen. Im amerikanischen Auslieferungsvertrag ist Meineid und Anstiftung dazu nicht als eins der Verbrechen be- zeichnet, bei besten Vorhandensein Amerika sich zur Auslieferung verpflichtet hat. Möglich ist die Auslieferung trotzdem. Die Angeklagte gibt zu, den Meineid geleistet zu haben. Sic habe ihn aber auf Anstiftung und völlig unter dem Einfluß des Pfarrer Scheuer geleistet. Im April 1907. gibt die Angeklagte an. hat der nähere Verkehr zwischen dem Pfarrer und mir begonnen. ,Wir waren abends beide in einer Gesellschaft zusammen gewesen. Nachher erwartete er mich an der Gartentür. Den Schlüssel zu seinem Hause besaß ich später. Im Januar 1908 gebar ich das Kind. Der Pfarrer sagte imr, ich solle den Leuten sagen, ich hätte mit mehreren Männern Berkehr gehabt, einer von ihnen sei der Bat«. Das habe ich auch dann getan. Ich befolgte auch den Rat- schlag des Pfarrers, beim Vormundschaftsgericht der Wahrheit zu- wider anzugeben, ein Photograph in Paris sei der Vater des Kindes. Jür das Kind habe ich vom Pfarrer 3 0 0 M k. erhalten. Als im Dorf das Gerede entstand, dafe doch der Pfarrer der Vater deZ Kindes sei, sagte der Pfarrer, das seien politische Gegner und Sozialdemokraten. Er verklagte dann den christlich organisierten Fabrikarbeiter Bio monte. An diesen schrieb ich einen Brief, be» mir der Pfarrer diktiert hatte. Er wollte, daß ich in dieser Prozeßsache die Unwahrheit aussage, aber ich konnte mich dazu nicht entschließen und bin zu dem Termin nicht gegangen. In dem späteren Prozeß Oberhauser bin ich zwei- mal als Zeugin vernommen und habe falsche Aussage gemaclft Der Pfarrer hatte mir gesagt, ich müsse die Aussage so machen, wie er e» verlange. Er müsse es doch am besten wissen, was ich sagen solle. Er sagte:„Schwöre nur ruhig, du tust nichts Unrechtes, wenn du ifchwörst, weil du damit der Religion einen Dienst tost. Denn ich bin in der Religion ein Opfer der Andersgläubigen. Auch brieflich redete er mir in derselben Weise zu. Als die zweite Per- Handlung kam, sagte er. ich müste darauf bestehen. „Ich biu ja in der Verhandlung, ich helfe Dir!" Er hat mich immer ermuntert, auch in der Verhandlung durch Gesten auf mich eingewirkt, ich hatte Angst und große Furcht und konnte nicht anders. Nach dem, wa» mir der Herr Pfarrer gesagt hatte, habe ich gedacht; es könne dach nicht strafbar und keine Sünde fein. Ich stand unter seinem Einfluß und hatte gar keinen Willen. Seine Blicke waren ig der Verhandlung auf mich ge- richtet, ich konnte nicht anders. In der Beweisaufnahme bekundet die früher« Haushälterin des Pfarrer» Scheuer Wald- häußl: Der Pfarrer wirkte auf mich ein. daß auch ich die Unwahr- heit sagen solle. Er meinte, ich dürfe die Trauksch nicht meineidig machon. Nachdem dir Trautsch schon geschworen habe, könne ich auch mit ruhigem Gewissen dasselbe beschwören. Er verlangte von mit, ihm eine Ehrenerklärung aufzusetzen; wenn ich das nicht täte, würde ich keine Verzeihung vor Gott finde«. Ich bin dem nicht ge- folgt. Ein anderer Pfarrer sagte mir, ich müßte unter allen Um» ständen vor Gericht die Wahrheit sa�en. Es gelangen Briefe, die der Pfarrer an diese Zeugin gerichtet hat, zur Verlesung. In diesen bedrängt er die Zeugin, die Unwahrheit zu sagen. Es heißt in einem der Briefe:«Es handelt sich nicht bloß um die Rettung meiner Ehre, fondern um die Ehre des Standes, um die Erhaltung der Religion und das Heil von tausend unsterblichen Seelen. Be. denken Sie. daß jedes unbedachte Wort in die.Münchener Post* kommt.* Der Brief schließt mit dem Stoßseufzer: O, diese Sozi! Die Zeugin solle nicht bekunden, daß sie wußte, die Trautsch hatte einen Schlüssel zum Pfarrhaus. In einem Briefe verspricht der Pfarrer Vermögensvorteile und schreibt.Ich hoffe, daß Sie zu meiner Ehrenrettung, zum Sieg der Wahrheit und zum Heil der Religion Ahr Möglichstes tun werden*. Die Angeklagt» erklärt: Solch« Briefe hat d« Pfarrer mir auch geschrieben und mir gesagt, meine ewige Seligkeit steh« auf dem Spiel, wenu ich nicht aussage, wie er wünschte. Der Zeuge Oberhauser hat in der damaligen Verhandlung be- obachtet. daß der Pfarrer der Angeklagten wiederholt mit der Hand und den Augen Zeichen gab und ihr zugeflüstert hat. Andere Zeugen bekunden, Pfarrer Scheuer wirkte faszinierend auf die Leute, die zu ihm hielten. Er hatte sie ganz in seiner Gewalt. Biete waren förmlich willenlos. i» Der Zeuge Alois Biomont« gibt an: die 20 Mk„ zu denen ich wegen Beleidigung des Pfarrers Scheuer verurteilt bin, hat er bezahlt. Er hat mir außerdem noch eine Entschädigung gegeben. Er hatte mir gesagt, er müsse schon gegen einen»Schwarzen" vor- gehen, gegen einen.Roten* könne er nicht vorgehen, weil diese immer einen Meineid schwören würde«. Auf Befragen erklärt die Angeklagte: Ich habe lange den Einflüsterungen des Pfarrers widerstrebt. Er sagte aber, er müsse als Geistlicher doch wissen, was recht und was unrecht ist. Ich solle ihm nur folgen. Wenn ich ein i» schweres Opfer für die Kirche bringe, dann rechne die Kirche mir den Meineid nicht an. Ich erlange die ewige Seligkeit durch da» Opfer. Außer dem Gericht gelte eine solche Tat nicht als Meineid. Wenn man den Menschen die Unwahrheit sagt, so hat das auf das Leben nach dem Tode keine Bedeutung. Im Himmel werde mi» die Handlung hoch angerechnet werden. Als ich mich doch weigerte, schwor«r. daß er sich da» Leben nehmen werde. Er könne sich nicht anders helfen, nur ich könne ihn retten. Er hätte auch mit bestem Gewissen geschworen. Er sei sich bewußt, nichts Unrechtes getan zu haben. «Es werden mehrere medizinische SachverstLudige über den Geisteszustand der Angeklagten vernommen. Ein Teil von ihnen ist der Ansicht: Die freie Willensbestimmung war bei der Angc- klagten ausgeschlossen. Der Psychiater Freiherr von Schrenk- Nortzing ist der Anficht: Geistesstörung im«Sinne de» 8 VI Straf» gesetzbuchS liegt zwar nicht vor, aber eine hysterische Suggestibilität, die eine mildere Beurteilung fordert. Der Staatsanwalt stellt in seinem Plädoyer den Geschworenen anHeim, wenn sie den Meineid nicht direkt bejahen können, mit Rücksicht auf die Aufregung, in der sich die Angeklagte befand. «ildprgde Umstände zuzubilligen) wäZi&Nd bts BöMdiMr den 'Fr'eisp'ritH d'ft Angeklagkcht?n diesem Falle als Pflicht der Ge- schworenen bezeichnet. Nach kurzer Beratung verneinten die Geschworenen die Frage auf Meineid und sprachen die Angeklagte schuldig des fortgesetzten fahrlässigen Falscheides in zwei Fällen. Der Antrag deS Staatsanwaltes lautete auf ein Jahr Ge- fängnis.— Der Gerichtshof verurteilte die Angeklagte zu acht Monate» Gefängnis unter Anrechnung von zwei Monaten 10 Tagen Untersuchungshaft. Der Hastbefehl wurde aufgehoben. Soziales* Formalismus der Versicherungsanstalt Berlin. Die Zigarrenarbeiterin Agnes I. war infolge eines Lungen- spitzenkatarrhs und Blutarmut von dem behandelnden Arzt Herrn Dr. Th. als vorübergehend erwerbsunfähig erklärt worden. Am 11. November 1907 stellte sie den Antrag auf Invalidenrente. Der Geheime Sanitätsrat Herr Dr. K. erklärte die I. in seinem Gutachten vom Januar 1908 ebenfalls seit dem März 1907 als vorübergehend erwerbsunfähig. Darauf sprach sich die untere Ver- waltungsbehörde für die Bewilligung der Invalidenrente aus. Die Landesversicherungsanstalt Berlin ließ die Frau indessen noch einmal von ihrem Vertrauensarzt Dr. v. G. untersuchen, und siehe da, dieser Gutachter erklärte, daß Frau I. noch nicht erwerbsunfähig sei. Der Vorstand der Versicherungsanstalt wies den Renten- anspruch der Klägerin durch Bescheid vom 17. März 1907 zurück. Die Berufung gegen den Ablehnungsbescheid hatte Erfolg. Das Schiedsgericht verurteilte die Versicherungsanstalt zur Zahlung der Invalidenrente vom 14. Oktober 1997 ab. Begründend heißt es in dem Urteil:„Das Schiedsgericht hat keine Bedenken getragen, sich den eingehend begründeten Gutachten des Dr. Th. und Geh. Sanitätsrat Dr. K. anzuschließen, welche vorübergehende Erwerbs- Unfähigkeit im gesetzlichen Sinne bei der Klägerin annehmen. Die entgegenstehende Auffassung des Dr. v. G. erschien hierdurch ge- nügend widerlegt. Nach der eigenen Angabe der Klägerin war anzunehmen, daß die Erwerbsunfähigleit am 15. April 1997 be- gönnen hat. Unter Berücksichtigung des ß 16 des Jnvalidenver» sicherungsgesetzes steht ihr daher, da die Wartezeit erfüllt ist, vom 14. Oktober 1907 die Invalidenrente zu." Gegen das Urteil legte die Versicherungsanstalt— da ihr das Verfahren nicht genügend aufgeklärt war— beim ReichSversiche» rungsamt Revision ein. Die Gründe der Revision seien ihrer Charakteristik wegen hier mitgeteilt. ES heißt darin:„Mit Rück- ficht daraus, daß daS Gutachten des Dr. v. G., welches die Erwerbs- Unfähigkeit verneint, und später abgegeben ist wie die anderen Gutachten, die die Erwerbsunfähigkeit bejahen, und von dem ärzt- lichen Beirat der Landesversicherungsanstalt abgegeben ist, dem eine große Erfahrung in Jnvaliditätssachen nicht abgesprochen werden kann, durfte das Schiedsgericht dieses Gutachten nicht ohne weiteres übergehen, sondern mutzte, wenn es ihm nicht Folge leisten wollte, ein Obergutachten einholen." Die Revision der Versicherungsanstalt hatte Erfolg. Der Re« Visionssenat de? Reichsversicherungsamts hob durch Urteil vom 8. Januar 1909 die Entscheidung deS Schiedsgerichts auf und wie? die Sache zur nochmaligen Verhandlung und Aufklärung an das Schiedsgericht zurück. Nunmehr holte daS Schiedsgericht noch ein ärztliches Gutachten von seinem Vertrauensarzt SanitätSrat Dr. K. ein. Durch Urteil vom 12. Mai 1909 wurde die Landesversicherungsanstalt abermals verurteilt, der Klägerin die Invalidenrente bereits vom 15. April 1997 ab zu zahlen, weil der ärztliche Sachverständige die Klägerin infolge eines doppelseitigen Lungenspitzen- und LungenkatarrhS— der namentlich auf lder linken Seite seit den früheren Unter- suchungen weitere Fortschritts gemacht hat—, Blutarmut und allgemeiner Körperfchwäche, seit dem 15. April 1997, dem Tage. seit welchem sie Arbeiten nicht mehr verrichtet hat, für dauernd für invalide hält. Die VerstchterungSanstalt Berlin legst« indessen auch gegen dieses Urteil Revision ein. Fetzt bisstritt sie nicht mehr das Vor- liegen der Invalidität. Die Revisicm bemängelte, daß das SchiedS- gericht in dem jetzt angefochtenen Urteil der Klägerin die Rente bereits vom 15. April 1907 zuerkannt habe; dazu sei eS nicht be» rechtigt gewesen. Die Revision hatte Erfolg. Der erkennende Senat sagt, daß die angefochtene Entscheidung aus der unrichtigen Anwendung deS bestehenden Rechts beruht. In den Gründen heißt es unter an» derem:„Der Klägerin war durch die Entscheidung deS Schieds« gerichts vom 17. Juni 1908 erst vom 14. Oktober 1907 ab die Rente zugesprochen worden. Da nur die beklagte Versicherungsanstalt, nicht aber auch die Klägerin gegen dieses Urteil ein Rechtsmittel eingelegt hatte, so war da» Urteil insofern rechtskräftig und damit unabänderlich geworden, als der Klägerin für die Zeit vor dem 14. Oktober 1907 die Rente versagt worden ist. Dai Schiedsgericht war daher nicht befugt, in dem jetzt angefochtenen Urteil vom 12. Mai 1909 der Klägerin die Rente schon vom 15. April 1907 ab zuzuerlennen." Die Landesversicherungsanstalt Berlin betätigte im vorstehend geschilderten Rechtsstreit einen Grad sozialer Rückständigkeft, der mit ihrer Verpflichtung, für soziale Fürsorge einzutreten, in krassem Widerspruch steht. Die erstrittene Kürzung der Rente um ein halbes Jahr besteht formell zu Recht, ist materiell aber«in große» Unrecht. Um ähnlichen Extravaganzen wenig beschäftigter, aber hoch besoldeter Beamten der Versicherungsanstalten vorzubeugen. wäre die Aufnahme einer Bestimmung in der ReichsversicherungS- ordnung am Platz, die bestimmt, daß, ähnlich wie im Strafprozeß. stets zugunsten des Angeklagten entschieden werden kann, auch wenn nur der Ankläger Berufung«ingelegt hat. auch in BersicherungS- fachen eine Entscheidung, die lediglich vom Versicherungsträger an- gegriffen ist, stets auch zugunsten de» RentennachsucherS geändert werden kann. Zur Lage der ausländischen Arbeiter in Dtvtschland. Bei einer Straflammer-Verhandlung zu Eisleben wurde wieder einmal ein überaus trauriges Bild vom Elend der durch gewissen- lose Agenten nach Deutschland gelockten ausländischen Landarbeiter entrollt. ES handelte sich um eine Russenkolonne, die beim Ritter- gutSbesitzer Wendenburg in Seeburg beschäftigt war. Di« Russen hatten Bauschutt zu karren; einer von ihnen, der noch Meinung des Inspektor» nicht genug geladen hatte, wurde kurzerhand an die Lust gesetzt. Die Ausländer besaßen soviel Solidaritätsgefühl, für ihren gematzregelien Kollegon einzutreten, sechs von ihnen gingen zum Inspektor und baten um seine Wicdereinstellung. Der In- spektor entließ auch sie. Nun beschlossen sämtliche Arbeiter über Nacht, die Arbeit nicht eher aufzunehmen, bis die Entlassenen wieder eingestellt seien und da» ungenießbare Esse» ein besseres würde. Inzwischen hatte der Inspektor aber auch schon einen Gendarmen zitiert, der dann auch prompt gegen die„Hetzer und Aufwiegler" vorging. Bei der Auseinandersetzung zwischen In- spektor und Arbeitern kam es zu Handgreiflichkeiten, die in einen regelrechten Kampf ausarteten, d. h. der Gutsbesitzer» dessen In- spektor, der Gendarm und etliche Aufseher schlugen furchtbar auf die Leute ei«, so daß Blut floß. Der Hauptangeklagte und mit ihm sämtliche russische Zeugen gaben an. daß der Gendarm ihm sofort ohne ersichtlichen Grund mit der Faust einen Hieb inS Gesicht ver- fetzt habe. Auf den Mann wurde auch ein Hund gehetzt. Als er diese»«ftt einem Steinwurf abwehren wollte, erhielt er solch» Prügel, daß er vier Stunden ohnmächtig lag! Einer der Russen leidet noch heute am Kopfe, der von der Reitpeitsche deS Inspektors getroffen wurde. Der Gendarm hatte den Säbel gezogen und gab vor Gericht zu, vielleicht.unabsichtlich* einen damit getroffM zu 5��®* J»..--wCcblvw., i.l.V'' Wie miseräSrl däS den Lenken gefleferft Effe« gewesen, werde ebenfalls festgestellt. Es ist sehr unsauber gewesen und war viel- fach mit Würmern durchsetzt; die gelieferten Erbsen waren von Mäusen angefressen, den versprochene» Kaffee gab es nicht, Bei diesem Essen konnten die Leute natürlich nicht arbeiten. Auf die Anklagebank kamen die Mißhandelte», die kaum ein Wort Deutsch sprechen können. Von den vier Angeklagten erhielten zwei einen Monat Gefängnis, einer eine Woche und einer wurde freigesprochen.— Die also Abgeurteilten werden von der Gerechtigkeit im Junkerstaate Preußen eine besonders hohe Meinung mit heim» nehmen und außerdem fest überzeugt sein, daß Deutschland ein ..Kulturreich" ist. Die ausländischen Arbeiter, die durch Werbe- agenten nach Deutschland gelockt werden sollen, mögen aus diesem Beispiel wieder einmal erkennen, wie recht», und schutzlos sich in Deutschland ausländische Arbeiter fühlen./ Heimarbeitausstellung in Brüssel, i Am Freitagnachmittag ist die Heimarbeitausstellung in Brüssel eröffnet worden. Sie wird von einem gemischten Komitee geleitet. welches Mitglieder von drei großen politischen Parteien umfaßt, und dem u. a. der liberale Oberbürgermeister von Brüssel, Marx, der klerikale Abbe Rutten und der sozialdemokratische Abgeordnete Camille Huysmans angehören. Die Ausstellung verfolgt den Zweck, den sozialen Tiefstand und das Elend der Heimarbeit in Belgien aller Welt vor Augen zu führen und dadurch für die Abschaffung der bisherigen groben Mißstände Propaganda zu machen. Die Heimarbeitausstellung führt die ArbeitÄedingungen in der Heim» arbeit grell vor Augen und läßt jeden Besucher einen Einblick in das Milieu einer Anzahl von Zweigen der Heimarbeit tun. Be- sonders hervorzuheben ist die Abteilung für die Herstellung von Papierdüten, von Schuhwaren. Spitzen, Zigarren und die Bearbei. tung und die Schleiferei von Marmor, der auf den GesundheitS- zustand der Bevölkerung verheerende Wirkungen ausübt. Auch die Wäschefabrikation ist dargestellt, an der Tausende pon schlecht- bezahlten Arbeitskräften beteiligt sind.- Gerichts-Zeitung Hoch das freie Wahlrechtl— Die Danziger Strafkammer hob dieser Tage die durch daS Schöffengericht ausgesprochene Verurteilung eine? Genossen wegen groben Unfugs auf. Der grobe Unfug sollte darin liegen, daß der Angeklagte bei der Wahlrechtsdemonstration am 13. Februar ein Hoch auf daS allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht ausgebracht hatte. Die Strafkammer brachte, in Uebereinstimmung mit der Rechtsprechung des Kammergerichts, zum Ausdruck, daß Demonstra- tionen und die öffentliche Betätigung politischer Gesinnung an sich niemals groben Unfug darstellen können. Die politische Borrin- genommenheit des Vorsitzenden des Schöffengerichts, Amtsrichters Dr. Philippsen, geht aus der Begründung des schöffengerichtlichen Urteils deutlich hervor. Diese Gründe verdienen deshalb niedriger gehängt zu werden. Sie lauten:.Eine gewisse Unruhe wird schon an sich beim Publikum vorhanden sein, wenn große sozialdemakra- tische Massen sich die Straßen entlang bewegen, um zu demon- strieven, eine Unruhe, die nicht in gleicher Weise vorhanden ist, wenn patriotische Bürger dasselbe tun. Die Sozialdemokratie will den Umsturz, wie jedermann bekannt ist. Sie will eine andere Staats» form an die Stelle der bestehenden setzen, waS sich nur durch Ge- walt erreichen läßt. Von der Massenkundgebung auf der Straße bis zur offenen Revolution ist nur noch ein kleiner Schritt.* Das unreife Gestammel des Urteils über die Erreichung de» sozialdemokratischen Ziels erinnert an die famose Begründung eines Verbots durch die Offenbacher Polizeiverwaltung. Sie meinte kurzerhand: Wenn auch die Sozis keine Gewalt wollen, so würden doch ihre Gegner Gewalt anwenden, also reize— die Sozialdemokratie zur Gewalt auf. Das klare Bekenntnis des Danziger Schöffenrichters, daß das Gericht gegen„Sozialdemokraten* ander» urteilt als gegen.Patrioten* ist wertvoll. Und zu Richtern, die mit zweierlei Maß messen, deren oberster Rechtsgrundsatz dahin geht:.Wenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe'� soll das Volk Vertrauen haben!_ s Frau von Schönebeck-Weber.>- f hat die Provinzialanstalt Kortau verlassen ynd sich nach ein«» Scmats.YZW in EKlachtenfee begeben. � Vermischtes. Der achte Bundestag des Arbeiter-RadfaHrerbundeS „Solidarität" findet vom 6.-9. August in Frankfurt a. M. statt. Der Tagung geht ein großes Massenmeeting und Volksfest im Palmengarten, der der Arbeiterschaft bisher zu einer derartigen Veranstaltung noch nie zur Verfügung stand, voraus. Auf der Tagesordnung des Bundestages steht neben der üblichen Berichterstattung u. a. ein Referat des Bundes- syndikus über den Rechtsschutz im Bund. DaS Interesse für die Tagung zeigen die vielen Anttäge, die von den Orts- vereinen gestellt worden sind, und die bisher schon sehr zahl- reich eingelaufenen Anmeldungen. Lawinenunglück au der Jungfrau. Zwölf Personen verschüttet. Bei S ch n i b e g g in der Wengernalp ereignete sich Freitag- abend gegen S Uhr ein schwere« Touripenunglück. Wie ein Telegramm von dort meldet, wurden zwei deutsche Touristen, die Herren Kühn aus Straßburg und Barthold aus Saarbrücken und sechs fie begleitende Führer unweit der B e r g l i h ü t t e von einer Lawine»erschüttet, desgleichen eine von dieser Kolonne unabhängige Gruppe von vier Führern, die Proviant nach der Bergli- und der Konkordiahütte trugen. Die letzteren konnten sich mit leichten Verletzungen retten; ebenso find geborgen drei Mann der ersten Kolonne, jedoch lebenS- gefährlich verletzt. Die fünf anderen, darunter die beiden deutscheu Touristen, liegen unter der Lawine begraben. Nach einem späteren Telegramm find bei dem Unglück siebe» Personen umgekommen und zwar außer den beiden genannten deutschen Touristen der Führer Alexander Lurgener und dessen Sohn aus Saas sKanton Wallis) und die Grindelwaldner Führer Christian Bohren und Rudolf und Peter Jnebnit. Die schwer verletzten Führer Fritz Brawand und Adolf Burgen er sind in das Spttal Jnterlakeu gebracht worden und dürsten mit dem Leben davonkommen. Bon de» vier Proviant- Wägern ist einer erheblich verletzt worden, zwei Träger find die Sohne des tödlich verunglückten Christian Bohren. Heute früh ist eine Kolonne von 30 Grindelwaldner Führern nach der Station Eismeer zur Bergung der Leichen abgegangen. Weitere Triumphe der Flugmaschwe. Auch am Freitag gab eS auf dem Flugmeeting in Rheim» ausgezeichnete Flüge. OlieSlager». ein Belgier, stellte einen neuen Schnelligkeitsrekord für einen Zweistundenslug auf. in* dem«r 152'/g Kilometer zurücklegte. Latham krachte«S in der gleichen Zeit auf Kilometer. Im ganzen legte OlieslagerS mit feinem BlSriotapparat am Freitag 420 Kilometer zurück. Das ist eine Leistung, die sich mit denen unserer Lenkballons durchaus messen kann, entspricht sie doch ungefähr der letzten Zeppelin-Fahrt vom Bodensee nach Köln- « Die abgestürzte Aviatikerin, Baronin de la Roche, soll nach neueren Meldungen zwar mehrere Knochenbrüche, jedoch keinen Schädelbruch davongetragen haben, so daß eine unmittelbare Lebensgefahr nicht besteht. Uebrigens hat sich auch durch die Bekundungen der Augenzeugen herausgestellt, dast der Deutsche L in dpain tn er nicht, wie die Verunglückte selbst wähnte, an der Katastrophe die Schuld trägt. Frau de la Roche scheint vielmehr den Sturz durch einen verkehrten Hebelgriff selbst herbeigeführt zu haben. Ueberall Hochwasser. Auch heute liegen wieder eine Anzahl Nachrichten über Un- Wetter und damit verbundene Hochwassergefahren vor. Auf den H�il des Schwarzwaldes schneit es seit 8 Stunden ununterbrochen. In den Tälern regnet es in Strömen. In und um Mannheim gingen gewaltige Regengüsse nieder. Der Rhein und der Neckar st e i g e n weiter. Die geängstigte Bevölkerung verläßt stellenweise ihre Wohnungen. Niedriger gelegene Ortschaften stehen einen Meter und darüber unter Wasser. Infolge mehrtägigen ununterbrochenen Regens, so lautet eine Meldung aus Nordhausen, sind die Harz- und Thüringer Waldflüsse sowie die Werra, die Leine und die obere Saale bedeutend ge- stiegen. Das Hochwasser schwemmt Balken und Möbelstücke mit fort. ES regnet weiter. In der letzten Nacht betrug der Niederschlag 20 bis 30 Mllimeter. Die Nachrichten über eine UeberschwemmungSgefahr an den Ufern der Seine lauten recht ungünstig, teilweise geradezu t r o st l o s. So wird u. a. mitgeteilt, daß die Seine bereits an verschiedenen Stellen, besonders am Quai d'Orsay, am Pont Royal und an der Sullybrllcke die Ufer überschwemmt und kilometer weit das Land überflutet habe. Am trostlosesten steht es um die Insel St. Pierre. Die Bewohner derselben sind von den Behörden aufgefordert worden, sich jederzeit bereit zu halten, um beim ersten Signal ihre Wohnungen sofort verlassen zu können. Auch die Marne ist im weiteren Steigen begriffen. In Matognes erreicht der Pegelstand 8,60 Meter und damit den höchsten Stand seit der letzten großen Ueberschwemmung. In A n t o n y und in I a l o n S stehen die Straßen unter Wasser. Auch die Ufer des L i s e f l u s s e s sind an verschiedenen Stellen überschwemmt. AuS Lyon wird berichtet, daß die Ueber- schwemmung an den Ufern der Rhone großen Schaden angerichtet hat. Viel Vieh ist umgekommen. Kleine Notizen. Ein wertvoller Fund. Aus Cherbourg wird gemeldet: Vor kurzem wurden von einem Baggerschiff an der Küste zwei Silber- barren im Gewicht von 50 Kilogramm emporgezogen, welche die Jahreszahl 1698 trugen. Nachforschungen ergaben, daß der Silber- sund wahrscheinlich von zwei in der Seeschlacht bei La Hougue ge- sunkenen Schiffen der holländisch-englischen Flotte herrühren dürfte. Die Marinebehörde betraute mit der Bergung eine Reedereifirma, welche sich verpflichtet, 20 Proz. der aufgefundenen Werte ab- zuliefern. Schwere Gasexplosion. Bei einer gestern nachmittag in der Gas- fabrik M e a u x(Departement Seine-et-Marne) erfolgten Explosion wurden sieden Ardeiter, unter ihnen fünf lebensgefährlich, verletzt. Bergarbeiterlos. Auf der Heinitzgrube bei Beuthen(Oberschlesien) wurden mehrere Bergleute durch herabstürzende Kohlenmassen ver- schüttet. Einer davon, der Häuer Schultz wurde alt Leiche gt borgen; die übrigen konnten gerettet werden. Schisfskollision. Einer Meldung aus Cherson zufolge rannte heute früh ein aus Odessa kommender Dampfer HAen den Passagier- dampfer L o w k y. dessen Dampfkessel explodierte/ Der Lowky ging unter, viele Menschen sind ertrunken.. Bombenattentat bei einem Gastmahl. Nach einer Meldung des „Secolo" ist in M o n o v a r in der spanischen Provinz Alicante em Attentat verübt worden. Während eines Gastmahles, das der Bankier Gatlardo zu Ehren einiger Freunde gab, explodierte eine Bombe, die unter den Tisch gelegt worden war. Zwei der Gäste waren sofort tot, 13 andere, darunter der Gastgeber selbst, wurden verletzt. Ein Teil des Hauses ist zerstört. Abgestürzt. Am N o n s b e r g ist, nach einer Meldung aus Inns- brück, ein zweispänniger Wagen gestern abend in der Dunkelheit den steilen Bergabhang hinabgestürzt. Die in dem Wagen befindliche LehrerStochler Kröß fand dabei den Tod, auch ein Pferd kam um. Streit zwischen Erntearbeitern. In der Nähe von Nyireghaza (Ungarn) kam es zwischen Erntearbeitern wegen der Verteilung der Arbeit zum einem blutigen Kampf. Ein Arbeiter wurde getötet, zahlreiche mehr oder minder schwer verletzt. Opfer der Arbeit. Aus Wien meldet ein Telegramm: In der Neselsdorfer Waggonfabrik ist ein mit Wasserstoffgas gefüllter Be- hälter explodiert. Ein Arbeiter wurde getötet, zwe tödlich verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Eingegangene Druckrcfmftcn. Die Polenfrage. Von L. Bernhard. SM.— Das englische Bankwesen. Von E. JaffS. 7,20 M.. geb. 8.40 M.— Die Entwicke- lung der südafrikanischen ttnion auf verkehrspolitischer Grundlage. Von P. Lederer. SM— Selbstverwaltung und Autonomie. Von Dr. R. Slawitschek. 129 S.— Duncker u. Humblot, Leipzig. sMEHOEHS» KT' Unserem alten ehrenwerten H Genossen Moritz Kasprich nebst Ehefrau Ackcrstr. 121, zu ihrer am 11. d.M. statlsindenden Silber- Hochzeit die besten Glückwünsche. Die Genossen des 693. Bez. » SozialüEinokraüseherWalüYereiJi füi- den 4, Berliner Beiclistags-Waltrels. Köpenicker Viertel. (Bezirl 209, Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Lmi! krslläeadurx Sorauer Str. 6 gestorben ist, Ehre seinem Andenke«! Die Bcerdigmig findet am Sonn- tag, den 10, Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Trep- tower Gemeinde. Friedhofes, Neue Krug Allee aus statt. ß 219/5 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. j8vziall!e!!iokraMerVM?ereiii des K. Herl, fieichstags- Wahlkreises. Todes• Ansclge. Am 6. Juli verstarb unser Mitglied, Frau Wtartltt Kurzega Wiesenstr. 7. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am ! Moniogl, den 11. Juli, nach. I mittags 4y,Uhr von der Leichen- I Halle des städt. Friedhofs Müller- |(trage, Ecke Seestrahe, au? statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Kranken- iM ßegrätekasse iler Seifensieiler n. Berufsgen. (E. H. 17 zu Berlin.) Am 8. Juli 1910 verschied nach langen, schweren Leiden unser langjährige» Mtglied Collis Wolf. Ehre seinem Andnekeu! Die Beerdigung findet am Man. tag. den 11. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des jüdischen Begräbnisplatzes in Wcihensce statt, 287,12 Um rege Beteiligung ersucht _ Der Borstand. Allen Verwandten und Be. kannten die traurige Nachricht, daß mein Sohn, der Schriftsetzer. lehrlwg Richard Heinrich plötzlich am 8. Juli an Bleivergiftung verstorben ist. Um stille Teilnahme bittet Familie A. Heinrich, Salzwedelerstr. 7. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Juli, nachm. 5 Uhr, von der Halle des Virchow- Krankenhauses aus nach dem Johannisfirchhos(Plötzenfee) statt, Todes- Ausele«. Allen Freunden, Bekannten und Genossen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater und Großvater, der frühere Schankwirt Hnstav Gräber am 8. d. M. verstorben ist. Die tranorndsn Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, den 11. d. M, nachmittags 41/.j Uhr von der Leichen. Halle der Gethsemane-Gemeinde Nordend aus statt. Allen Parteigenossen, Freunden I und Bekannten die traurige Nach. I richt, daß mein lieber Mann und> guter Vater, der Bauarbeiter Gottlieh Hanipe! am 6. Juki durch Bauunsall uns| durch den Tod entrissen wurde. Die Beerdigung findet aml | Sonntagnachmittag 41/, Uhr von I der Leichenhalle des Treptowers Gemeinde-FriedhosS, Neue Krug- allee, aus stakt. 288551 Um stille Teilnahme bittet Die trauernde Witwe nebst Solin, j Treptow, Kiesholzstr. 5. SozialdefflOkratiscber Wahlvereiii für Treptow-Baumsctiulenweg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Gmosse, der Bauarbeiter Gottlieh Hampel Kiesholzstr. 5 am 6. d. Mts. plötzlich durch lln< fall im Alter von 62 Jahrm ver« storben ist. Ehre seinem Andenken! �Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 4'/, Uhr, aus| dem Treptower Gemeinde-Friedhof, Neue Krugallee, statt. Um rege Beteiligung ersucht 203/7»er Vorstand. IVeM der baugewerielienl BiMeiter Dentseblands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk SUdost.) Am Mittwoch, den 6. Juli, verstarb infolge eines Unfalls unser langjähriges, treues Mitglied, der Kollege Gottlieh Hampel. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 10. Juli, nach- mittags.»'/, Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Gemeinde- Friedhofes, Neue Krug- Allee, auö statt. Um recht rege Betelligung ersucht I 30/6 Der Zweigvereinsverslsnd. H iWen-Hnterstiltziings- und Begrinis-M der Bau- und Berlins and Vmseccnd. Den Kollegen zur Nachricht, daß mifer langjähriges Mitglied Gottlieh Hampel Treptow, Kiesholzstr. 5, an den Folge» eines Unfalles gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am �onntagnachmtttag 4'/, Uhr von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhofes, Neue Krug- Allee (Treptow) aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 37/4 Der Borstand. I Gesangverein Vorwärts I. SO. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser guter, alter Freund und Mitbegründer des Vereins Gottlieh Hampel am 5. Juli wsolge eine? Unglücks- falle? verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 10. Juli, nachm. 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Treptower Gemeinde- Friedhofs, Neue Krugallee, aus statt. Die Sänger treffen sich daselbst im Lokal Tivoli. 28906 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltuugSstelle Berlin. Todes- Anselmen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Erieh Teiehert am 8. Juli an Zuckerleiden ge- sterben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Juli, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des alten ThomaSkirchhoscs in Rixdorf, Hermaimstraße, auS statt. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin «arte Philipp am 7. Juli an Lungenleiden gestorben ist. Ehre Ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Montag, den 11. Juli, nach- mittags S Uhr, von der Halle des EmmauS-KirchhoseS w Rix- dorf, Hennannsttaße, auS statt. Rege Beteiligung wird erwartet t18/10 Die Ortsverwaltung. I Allen Verwandten und Be- I kannten die traurige Nachricht, daß unsere liebe, unvergeßliche Schwester, verwitwete 2884b I Karolina Neumann geb. Hahrenhols 1 am 7. Juli im Alter von 33 Iah» freu entschlasen ist. Dies zeigen ttesbewübt an Sohn Erwin Neumann und Geschwister Mahrenholz. Beerdigung heute nachmittag 1 3'/, Uhr von der Halle des Frei- j religiösen Friedhofes, Pappel- I Allee, aus. Danksagung, Für die beim Hinscheide» metneS lieben Mannes bewiesene Teilnahme sage ich allen Freunden, Bekannten und Verwandten meinen herzlichsten Dank. gggsb Schöneberg, den 5. Juli 1910. Ww. Haulln« Scrno und Kind. Oaiiksagnni� Für die vielen Kranzspende» und herzliche Teilnahme bei der Be- erdiaung meines lieben ManncS Uobert Rudow sagen ich allen Verwandten, Kollegen und Genossen, insbesondere den beiden Partei- genossen, die mir treu zur Sette standen, meinen herzlichsten Dank. Witwe Alhcrtln« Rudow. Danksagung. Für alle Beweise der Liebe und Teilnahme sowie auch für die vielen Blumenspenden, welche uns beim Heinscheiden meiner inniggellebten Frau, unserer Mutter, Tochter. Schwester und Schwägerin 28991) Johanna Lange geb. Mandel dargebracht worden sind, besonders dem Gesangverein Treu und Fest, sagen wir unseren tiesgesühlten Dank. Im Namen der Hinterbliebene«: �VilH Lange. Karl Mandel und Fra». Danksagung. Für die herzliche Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung unseres Sohnes Huxo Gundlach sagen wir allen Teilnehmern, ins- besondere den Genossen vom Wahl- verein sowie seinen Kollegen von dem Deutschen Telephonwerk, dem Spar- verein»Bare Münze" unseren besten Dank. Die trauernden Elter» _ nebst Geschwistern. Von der Reise zurück: Dr.med.u.iur.MaxDoldscbinldl, Warschauer Str. 15. Leranttvortli�er Redakteur Richard Barth» Berlin. Für dengnferatenteil verantw.: Th. Glocke Am Mittwoch, den 6, Juli, ver- schied nach langen, schweren Leiden meine liebe, gute Frau, unsere Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante /Hartha Ktir�ega geb. Werner. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittag» 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des städti« schen Friedhofs. Müllerftraße, auS statt, 28896 Dp. 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Seine Erfüllung würde ohne Zweifel einem lebhaft enipfundenen Beoürfnis abhelfen, ist aber vor der Hand wohl noch nicht zu erwarten. Inzwischen muß sich, wer einer Weltgeschichte bedarf, mit dem einen oder anderen unter den vor- handenen Werken bürgerlicher Verfasser begnügen, so viel diese auch durchweg zu wünschen übrig lassen. Und wenn dann einmal zu den älteren Weltgeschichten eine neue kommt, so ist es natürlich, sie im Hinblick darauf zu betrachten, ob sie etwa besser als jene älteren Werke geeignet erscheint, vorläufig, d. h. in Ermangelung einer Weltgeschichte sozialistischer Richtung, als Notbehelf zu dienen. Unter diesem Gesichtspunkte wird man seine Ansprüche also nicht gar zu hoch spannen und vor allem nicht erwarten, daß ein Werk, dessen Verfasser durchlveg Universitätsprofessoren sind, etwa den Boden des historischen Ma terialiSmus einnähme. Man müßte also zuftieden sein, wenn die Tatsachen nicht allzu sehr vergewaltigt würden. So könnte man die jetzt in ihren neuzeitlichen Partien abgeschlossen vorliegende Ullsteinsche Weltgeschichte*) als vorläufigen Ersatz für eine sozia listische Weltgeschichte begrüßen, wenn die bestechenden Worte auch nur einigermaßen der Wahrheit entsprächen, die man u. a. in der Einführung zu dem Ullsteinschen Unternehmen liest:»Dieses Buch reicht dir die Wahrheit. ES bringt sie dar, unabhängig, frei und ohne Rücksicht. Kein Parteimann durfte hier die Tatsachen nach seinen Ansichten und für seine Zwecke färben. Kein Politiker durste, um auf die Volksmeinung tendenziös zu wirken, den Ereignissen eine andere Deutung unterlegen und ausschmücken. Dieses Buch steht im Dienste keiner anderen Macht und keiner anderen Gewalt, als in dem der Wahrhaftigkeit.* Wenn von diesen kühnen Verheißungen auch nur soviel sich be> stätigte, daß diese neue Weltgeschichte die Tatsachen wenigstens nicht durch die reaktionäre Brille ansähe, so wäre das schon ganz erfteulich Leider hinterläßt die Lektüre des Werkes nicht den Gesamteindruck daß hier die Ereignisse, Zusammenhänge und Persönlichkeiten der neueren Geschichte im großen und ganzen unbefangen gewürdigt würden. Bei weitem vorwiegend ist vielmehr das Gegenteil der Fall. Ein Gesamturteil zu fällen ist deshalb nicht ganz leicht, weil diese Weltgeschichte aus Einzelbeiträgen einer ganzen Anzahl von Gelehrten besteht, deren Standpunkt zum Teil ein recht verschiedener ist, nicht nur politisch, sondern auch fachwissenschaftlich neben Vertretern der wirtschaftsgeschichtlichen Richtung findet Rankianer, die ihren Meister unentwegt Historiker halten. Politisch aber tragen die des Buches ausgesprochen gemäßigt« liberales Gepräge im übelsten nationalmiserablen Sinne des Wortes. Ins besondere gilt dies auch von dem Spiritus rsotor des Ganzen, von Prof. v. Pflugk-Harttung. Von etlichen allgemeinen Ein leitungen abgesehen, die nicht viel zu bedeuten haben, hat er zu dem neuzeitlichen Teile zwei Abschnitte beigetragen: Entdeckung« und Kolonialgeschichte, sowie Französische Revolution und Kaiser reich. Der Ueberblick über daS Zeitalter der Entdeckungen und die ältere Kolonialgeschichte kann als passabel bezeichnet werden. Pflugk- Harttung bekundet zwar Neigung, solche bluttriefenden Räuber- Hauptleute, wie etwa Albuquerque, Clive, Hostings, unter die großen Männer zu rechnen, und verrät überhaupt imperialistische Neigungen, aber er bleibt hier doch unbefangen genüg, um die ausschlaggebenden Tatsachen unentstellt wiederzugeben. DaS kann nun leider von dem viel wichtigeren Abschnitt über Geschichte der ftanzösischen Revolution nicht gesagt werden. Vielmehr ist v. Pflugk-HarttungS Behandlung der großen Umwälzung als ein ganz dürftiges, oberflächliches und urreaktionäres Mach- werk zu bezeichnen, das aber auch gar nichts besitzt von jenen Bor- zügen, die in der allgemeinen Einführung dieser Weltgeschichte nachgerühmt werden. Die Dürftigkeit der Pflugk-Harttungschen Revolutionsgeschichte erhellt schon aus der einen Tatsache, daß sie der inneren Geschichte der Jahre 1783—1795 mit ihrer gewaltigen Fülle ungeheuerer Ereignisse noch keine fünfzig Seiten widmet. Auf diesem engen Räume ist es so gut wie unmöglich, auch nur das wichtigste zusammenzudrängen, zum mindesten ist es Herrn v. Pflugk- Harttung nicht gelungen. Beispielsweise sagt er nicht ein Wort über so grundlegende Tatsachen, wie die, daß die konstituierende National- Versammlung ein Geldsackswahlrecht einführte; späterhin tauchen dann plötzlich.passive Bürger* auf, ohne daß man mit einem Wort erführe, was in aller Welt darunter zu denken sei. Das führt nun schon zu der Oberflächlichkeit der Pflugk-Harttungschen Arbeit. Er bringt eS fertig, die RSveillon-Affäre des 27. und 23. April 1789 in die Tage vor dem Bastillensturm, in den Monat Juli zu verlegen; der reiche.Tuchfabrikant*, dessen Haus er zu dieser Zeit vom Pariser .Pöbel* gestürmt werden läßt, ist niemand anders als der Tapetenfabrikant Rsveillon. Anderswo plappert Pflugk-Harttung das reaktionäre Geschwätz nach, daß der Konvent nach der Einnahme von Lyon befohlen habe, alle Häuser zu zer- stören:.Lyon sollte dem Erdboden gleichgemacht werden*. Wenn Pflugk-Harttung auch nur ein wenig.deutsche Gründ- lichkeit* aufgewandt hätte, so wäre er mit Leichtigkeii darauf gestoßen, daß der Konventsbeschluß sich nur auf die Häuser der Neichen, d. h. von einigen hundert Fabrikanten bezieht, dagegen Fabrikgebäude, Wohnungen der arbeitenden Klassen usw. ausdrücklich ausnimmt. In solchen Fällen dem reaktionären Schwindel mit dem ge- botenen Mißtrauen gegenüberzustehen und auf den Grund zu gehen, wird Pflugk-Harttung nun auch durch seine Voreingenommenheit ge« hindert. Deine Abneigung gegen die Revolusion und die Revo- lutionäre springt auf jeder Seite in die Augen und läßt ihn die Dinge ganz im Sinne Taines sehen, d. h. eines Geschichtsklitterers, der in Frankreich längst abgetan ist, in Deutschland aber immer noch seine gläubige Gemeinde hat. Die revolutionären Klein- bürger und Proletarier von Paris sind für Pflugk-Harttung stets .Pöbel*, dagegen sind ihm die besitzende» Klassen die„besseren Bürger*, und eS ist ihm die Verfassung des Jahres III, die mit ihrer Wahlentrechtung der Massen das Heft in die Hände der „besseren Bürger* legte, die„beste, welche Frankreich bisher ') Weltgeschichte. Die Geschichte der Menschheit; ihre Eni- Wickelung in Staat und Gesellschaft, in Kultur und Geistesleben. Herausgegeben von Dr. I. v. Pflugk-Harttung in Verbindung mit hervorragenden Fachgelehrten. Berlin. Verlag von Ullstein u. Co. Gruppe Neuere Zeit: 3 Bände in 80 Lieferungen a 60 Pf., Gesaint preis 43 M. besessen hatte*. Während der Schreckenszeit war nach Pflugk- �Harttung die»gute Gesellschaft* gewissermaßen in die Gefängnisse verlegt, Ivo sich die Männer und Frauen zusammenfanden,„welche proletarische Räch- und Raubsucht ergriffen hatte*. Da tritt ja nun der ordnungsparteiliche Standpunkt des Herrn v. Pflugk-Harttung schon mit hinreichender Deutlichkeit in die Erscheinung, und es mögen bloß noch zur Erheiterung ein paar Blüten seiner Nevolutions- geschichtschreibung folgen. Amüsant sind seine Charakteristiken der berühmtesten Revolutionäre. So wird Marat als.feiger, ver- wachsencr, ungewaschener und ungekämmter, liederlicher ZeitungS- schreiber schlimmster Sorte* hingestellt, der.geradezu von persön- sicher Erbitterung gegen jeden Besitzenden erfüllt* war, während RobeSpierre,.eitel, feige und rachsüchtig*, alles haßte,»was durch Talent, Geburt und Reichtum emporragte*. Verbrecher waren sie alle beide, Marat„ein Verbrecher der Feder', Robespierre„ein solcher der Tat*. Zu diesen Zerrbildern paßt dann späterhin die Kennzeichnung von Gracchus Babeuf, der als„ein junger, un- reifer, ehrgeiziger Mensch von zweifelhafter Vergangenheit* charakterisiert wird. Herr v. Pflugk- Harttung hat keine Ahnung, daß die gemeine Verunglimpfung Babeufs durch skrupellose Gegner längst von französischen Geschichtsforschern als völlig grundlos erwiesen ist, zuletzt und am ein- gehendsten von Gabriel Deville in seinem Buche„Thermidor et Directoire*. und daß der große Blutzeuge des Kommunismus ebenso makellos dasteht, wie etwa Marat und Robespierre, diese Schreckens- kammerfiguren des Herrn v. Pflugk-Harttung. Babeuf suchte unserem originellen Gewährsmann zufolge „eigentlich nur den tatsächlichen Zustand der Schreckenszeit theoretisch auszubilden*. Pflugk-Harttung teilt nämlich die Professorale Illusion, die Shbel zuerst aufgebracht hat, daß in den Jakobinern lauter Sozialisten und Kommunisten zu sehen seien. Robespierre erscheint ihm als solcher, und er meint vom September 1792, die herrschende Demokratie habe Leben und Gut ihrer Mitbürger als nationales Eigentum behandelt:„Das war die Frucht der vielverkündeten Freiheit*. Dabei begann der Konvent seine Tätigkeit mit einer Garanticrung des Privateigentums und bedrohte später, 1793, den Vorschlag eines Ackergesetzes mit der Todesstrafe, kurz, er war stets eine ganz bürgerliche, wenn auch zeitweilig kleinbürgerlich radikale Körperschaft. Die französische Revolution ist eben in ihrem Kern für Herrn v. Pflugk- Harttung ein Buch mit sieben Siegeln. Er bleibt ganz und gar in der reakttonären Legende stecken und kaut gläubig den abgedroschensten Kram wieder, der längst bündig widerlegt ist. Die Marseille! Föderierten von 1792 marschieren bei ihm wieder als„eine Auslese schlimmsten Ge lichterS* auf, ein Menschenalter, nachdem Pollio und Marcel im einzelnen nachgewiesen haben, daß das Marseiller Bataillon vom 10. August quS auch im bürgerlichen Sinne durchaus respektablen Leuten bestand. Alles das existiert für Herrn v. Pflugk-Harttung nicht. Er weiß auch nichts davon, daß in Frankreich kein ernstlicher Historiker mehr bezweifelt, daß Ludwig XVI. und Marie Antoinette mit Fug und Recht als Vaterlandsverräter prozessiert worden sind. Er sagt kein Sterbenswörtchen davon, daß das Königspaar fort« gesetzt mit dem Feind in Verbindung stand und ihn über den fran- zösischen Kriegsplan informierte, sondern sieht Ludwig als ein un- schuldiges Lamm an, dem das schnödeste Unrecht geschehen. Um nicht weiter auf Einzelheiten einzugehen, ist nur zu wiederholen, daß die Behandlung, die der französischen Revolution in Ullsteins Weltgeschichte zuteil geworden ist, eine Mißhandlung darstellt, wie sie sich nicht gut ärger denken läßt. Ein Werk, in dem die Behandlung eines so wichtigen Zeit« abschnitteS, wie die große Revolution ist, so gänzlich verunglückt ist, wie in dieser neuen Weltgeschichte, müßte große anderweitige Vor- züge haben, wenn dieser böse Mangel einigermaßen sollte übersehen werden können. DaS ist aber nicht der Fall. Das beste ist im ganzen die Ausstattung, besonders die Jllustrierung, die sehr reich und durchweg gut gelungen ist. Die Hauptsache ist aber an einem Gcschichtswerk natürlich der Text, und der läßt nun für den größten Teil der Gruppe Neuzeit nicht viel weniger zu wünschen übrig, als der Pflugk-Harttungsche Abschnitt über die französische Revolution. Deshalb soll nun keineswegs alles unterschiedslos in Bausch und Bogen verdonnert werden, sondern es sei gern hervorgehoben, daß auch einige Abschnitte vorhanden sind, die man mit Genuß und Nutzen lesen kann. Beispielsweise bietet Darmstädters Ueber- blick über die Geschichte der Vereinigten Staaten von Nordamerika auf knappem Nauur eine Fülle von Belehrung über die Eni- Wickelung Nordamerikas von den Kolonialzeiten bis zur Gegen- wart. Ohne etwa jedes Wort der Darmstädterschen Darstellung unter- schreiben zu wollen, kann man doch sagen, daß seine Arbeit keine schlechte Leistung ist. DaS gilt auch für Brückners Behandlung der slawischen Geschichte. Aber eS sind nur wenige Abschnitte des ganzen Werkes, die man so ehrlich loben kann. Um in die Anfänge der Neuzeit zurückzugreifen, so ist B r i e g e r S Darstellung der Re- formationszeit nichts weniger als lobenswert. Dieser Historiker ist in der Hauptsache Kirchcuhistoriker. Den eigentlichen Kern der ge- schichtlichen Vorgänge in der von ihm behandelten Zeit erblickt er in den Abwandlungen der religiösen Idee, die sich dann auch auf anderen Gebieten auswirkt.„Die Ueberlcgenheit über die roma- nischen Völker, deren wir uns heute erfreuen, verdanken wir einzig der religiösen Idee, ihrem schöpferischen Inhalt,* heißt es gleich auf den ersten Seiten, und gleich dahinter stößt man auf eine zweite Fehlerquelle, nämlich auf den HeroenkultuS:„alles Große geht stets von einer überragenden Persönlichkeit aus,* meint Brieger. Der große Mann aber, der in der NeformationSzeit die eigentliche Trieb- kraft war, das ist Martin Luther. Mit Martin Luther treibt Brieger nun einen HeroenkultuS wie er im Buche steht. Er geht mit dem teuren GottteSmann durch dick und dünn. Was sonst auch die eifrigsten Verehrer Luthers nicht zu verteidigen gewagt haben, Brieger hält es gerade für einen Hauptruhmes- titel seines Helden. Die meisten Historiker haben Anstoß genommen an Luthers blutdürstigem Tobe» gegen die aufständischen Bauern, an den Ausforderungen, die der Bauernsohn an die Fürsten richtete, sie totzuschlagen wie tolle Hunde. Brieger aber besorgt die Mohrenwäsche. Er kann in LutherS Verhalten keinen StellungS- Wechsel, keine Härte, keine Unbarmherzigkeit entdecken. Nach Brieger müssen wir eS viel», ehr Luther noch heute Dank wissen, daß er so kräftig gegen die Bauern ins Zeug ging. Dieser Historiker behauptet, daß Luther gerade in der BauernkriegSzeit durch die damals von ihm eingenonmiene Haltung„den Gipfelpunkt seiner Größe* erreicht hat. AlleS in allem genommen, kann nicht fraglich fein, daß »die Briegersche Reformatio, isgeschichte schon wegen des Ueber« wiegenS der theologischen Gesichtspunkte als ganz verfehlt zu be« trachten ist. Die Gegenreformation in Deutschland behandelt der verstorbene Professor v. Zwiedineck-Südenhorst. Seine Arbeit ist gewiß besser als die Briegersche, sonst ist aber auch nicht viel Rühmens davon zu machen, und auch die Philippsonsche Behandlung der Gegen» refornration in Süd- und Westeuropa ist nichtmehr als eine Durchschnitts» leistung der Universitätsgeschichtsschreibung; in dem Philippsonsche» Abschnitt über Ludwig XIV. fällt vor allem auf die überaus kümmer- liche Behandlung der englischen Geschichte des 17. Jahrhundert»: die englische Revolution wird auf einigen Seiten in einer Weise abgetan, daß es ganz unmöglich ist, zu einem wirklichen Verständnis dieses so überaus wichtigen Kreises von Ereignissen zu gelangen. In dieser Arbeit PhilippsonS macht sich schon öfters die Hohenzollernlegende geltend. Sie entstellt dann auf Schritt und Tritt daS Zeitalter Friedrichs des Großen von W. O n ck e n und H e y ck. Schon der Titel ist ein Stück Hohenzollernlegende. ES spricht daraus die spaßige Annahme, daß der alte Fritz im Mittelpunkt der allgemeinen Geschichte jener Zeit gestanden habe. Dem Preußenkönig wird dann auch ein Loblied gesungen, daS nicht gut zu übertönen ist. Preußen ist damals offenbar auf königlichen Befehl an die Spitze de� Zivili» sation gelangt, und man kann sich nur wundern, daß eS nachher zum großen Zusammenbruch des fridericianischen Kastenstaates kam. Dieser Zusammenbruch unter der Einwirkung der französischen Revolution ist denn auch für Herrn Hehck augenscheinlich so eine Art von Störung der göttlichen Weltordnung; denn er ist der Meinung, baß Preußen ohnehin vom Alten Fritz in den richttgen KurS gesteuert worden war, auf dem alles erreicht werden mutzte, was nur zu ver- langen ist.„Es ist nicht gewagt, auszusprechen, daß eS für die weitere EntWickelung Preußens im 19. Jahrhundert der großen französischen Revolution nicht bedurft hätte, welche diesen Staat ja auch am wenigsten von allen, abgesehen von England, unmittelbar erschüttert und gewandelt hat.* Diese loyale Auffassung, wonach die französische Revolution eigentlich nur störend gewirkt hat, ist eine ziemlich kräftige Zumutung auch für den beschränktesten Untertanen- verstand, zu einer Zeit, wo immer offenkundiger wird, wie sehr die deutsche Entwicklung dadurch behindert wird, daß mit dem frideri- cianischen Preußen nicht gründlich von der französischen Revolution und der sie ergänzenden deutschen aufgeräumt worden ist. Natürlich wirft bei den Herren Oncken und Heyck auch schon der „nattonale Beruf* Preußens feine Schatten voraus, um dann in voller Glorie zu erstrahlen in den Partteen der Ullsteinschen Welt» geschichte, die sich an Pflugk-HarttungS Revolutionsmärchen an» schließen. DaS sind die Abschnitte von Ulmann:„Europa im Zeitalter der Reaktion' und H e i g e l:„Die Zeit der nationalen Einigung*. In daS tolle Jahr haben sich diese beiden Herren geteilt. Unstimmigkeiten in der Auffassung sind dadurch nicht ent» standen, denn beide Autoren sind so gemäßigt liberal, so ordnungS» eifrig, wie nur etwas sein kann.Ueber die Ulmannsche Behandlung der preu» tzischen Märzrevolution genügen ein paar Worte, weil seine revolutionS» feindlicheTendenz unverhüllt ausgesprochen ist. ErtadeltdenKönig Fried« rich Wilhelm IV., weil er nicht das.siegreiche Vordringen' der Truppen bis zum vollen Erfolg habe fortsetzen lassen:„es ist seine historische Schuld, daß er eS nicht über sich vermochte, den Moment aus» zunützen*. Nicht weniger reaktionär ist HeigelS Behandlung des weiteren Verlaufs der 48er Revolutionsbewegung. Er zetert über die bösen Radikalen und Sozialisten und hat nur für die Erbkaiser» lichen, d. h. die Vorläufer der Nattonalliberalen etwas übrig. Ueber den preußischen Staatsstreich berichtet er mit Schmunzeln in ein paar Zeilen, die freilich so unzureichend sind, wie überhaupt sein Bericht über die Revolutionszeit. Mit dem Staatsstreich vom November 48 ist für ihn Preußen zunächst erledigt, und man erfährt so nicht ein Wort vom Dreiklassenwahlrecht. Auch über die weitere Reaktionszeit vernimmt man bei Heigel absolut nichts. Er beginnt vielmehr erst wieder mit der HeereLrcform und der KoufliktSzeit und behandelt dann die preußische Politik der 6 geführt von M»tr. Tabori.— Aussteigen deS entsebland', Führer Herr Frans Drnnncr. 10 Pf. Kinder freit >S ,,D.... SPP" Oroftc Gratis-BerlofnngZ-TWG usikprogramm hat eine Losnummer und Zostei JedeS Musitprogramm hat eine Losnummer Entree 30 Ps. Anfang lP/, Uhr. = Grand Elite-Ball.= Spezialitäten-Vor stellniig. Brauerei Friedrictishain Am KOnlgstor. Täglich: Große MilltärsKonzerte. 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WilHelminenHosstr. 18, eine Ersatzwahl der Berteier der Arbeitgeber und Arbeitnehmer stutt. Die Vertreter der Arbeitgeber werden von diesen in ungeteilter Wahlversammlung in der Zeit von 4 bis 5 Uhr nachmittags gewählt Zn wählen find S Vertreter. D4: Wahl der Vertreter der Kassen. Mitglieder erfolgt ebenfalls in ungeteilter Wahlversammlung in der Zeit von 5»/, bis 7'/, Uhr nachmittags. Zu wählen find 16 Vertreter. Die Wahl geschieht mittels Stimm. zettel von weißer Farbe und sind soviel Namen auszuschreiben als Ver- treter zn wählen sind. Wahlberechtigt und wählbar ist jedes großjährige und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befindliche Mitglied. Als Legitimation ist Mitgliedsbuch oder Mitgliedskarte mitzubringen. Am Dienstag, den 19. Juli 1910, nachmittags 6 Uhr, findet im Restaur. von Waruecke, WilHelminenHosstr. 13 eine Aaßvroi'deatllcbv General- Versammlung der Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer statt. Tages-Ordnnna: 1. Bericht über die Konserenz der Krankenkassen der Provinz Branden bürg. 2. Bericht über den> statt. gesundcnen Ortskrankenkassentag in Rcgensburg. 3. Verschiedenes. Nach der gemeinsamen Bersamm. lung findet die Wahl von vier Vor. standsmitgliedern von sciten der Ar- bcitnehmer statt. 276/15 Als Legitimation gilt die Ein ladungSkarte. Ober-Schönewetde, d. 6. Juli 1910. Bor Vorstaad. F. Sommerfeld, 1. Vorsitzender P. Wille, Schristführer. Itutral-Kraukeu-v. Sterbe- baffe der Katscher und verwandten Bernfsgenoffen (E. H. Nr. 82) zu Berlin. Allen Kassenmitgliedern zur Nach richt, daß die nach§ 18 unseres Statuts abzuhaltende General- Versammlung am Dienstag, den 26. Juli d. I.. abends 8'/, Uhr, im Restaurant P. Noack, hier C., Stralauer Brücke 2a, stattsindet, zu welcher sämtlich« Mitglieder hiermit einge- laden werden. 287/10 TageS-Ordnung: 1. Halbjährlicher Kassenbericht, Bericht der Revifions- kommission und Dechargeerteilung. 2. Verschiedenes. Der Kassen-Borstand. I. A.: Paul Borrmann, Renda»!, Grüner Weg 3, I. Orts-Krankenkasse der Möbelpolierer. Montag, den 13. Juli 1910, abends 8 Uhr, Viumenstr. 38: AuDeiim!. Generalversammlung TageS-Ordnung: SSahl eines Rcndante». Um pünktliches Erscheinen ersucht 276/14 Der Borstand. Verleib-Ia»tltat: Friedrichsl.llS/fta.Oradg. "Tor. Tieg. Frack, Gehrock .00. Weste 50Pf. 1.50.Hose1.< eine Station Buch Schönst. Villenort, HR. v. 12 M. an, 20 Pf. v. Stett. Bhf_ 25 Min. Fahrt, 10 Pf. v.Pankow-Sohönh., 12 Hin. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bhf. Bebauungspl. genehmigt. Pläne gratis. Mäß. Anz.u. lang- jähr. Hypotheken. Verkäufer ständig a. Bhf. Karow.• J. Rieger, Gontardstr. S. Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hoj I. Amt 3, 1239. CharitästraBe 3. Hos m. Amt 3, 1987, Dienstag, den 12. Juli, abends Va® Uhr Ungemeine Versammlung der Jonner und Berufsgenossen in den Borussia-Säle», Ackerstr. 6/7, Tages-Orduung: 198/9 1. Der Streik bei der Firma Schwartzlopff. 2. Berufs- angelcgenheiten. Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwartet Hl« OrtsTcrwaltnng. Verband der Tapezierer. Filiale Berlin. Kleber, Dienstag, den 12. Juli, abends 8 Uhr, bei Julius Meyer, _ Oranienstr. 1ÜB:_ W Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Kleber zum Abschluß cineS TarljvertrageS. 2. Wahl einer Tariskomniisfion. 177/8 3. Wahl von 4 Baukontrolleuren. Zu dieser Versammlung muß jeder Kollege erscheinen. Die Bauarbeiter ersuchen wir, arbeitende Kleber aus diese Versammlung aufmerksam zu machen. Die Sektionsleitung des Verbandes der Tapezierer. Verwaltung Berlin. Einsetzer. Montag, den 11. Juli: Dampferpartie««« Woltersdorf. Abfahrt',,8 Uhr. Die Billett» müssen am Sonntag in den Bezirksversammlnnae» abgerechnet werden. Die Kommission. lUaseliinenarbeiter. Montag, 11. Jnli, abends 8% Uhr: InitiotMlidit Kroisthtil-Nerslililiilliiilg in den Andreas-Festsälen, Andreasstraße 21. TageS-Ordnung: 86/6 1.»Unser Arbeitsnachweis«nd wie tan« dl« Bermittelung besser gestaltet werden?» 2. Berbandsangclegcnheiten. Jalousien-Arbeiter. Dienstag, 12. Juli, abends S'/a Uhr: Dranche«-Nerjammlit«g bei Boeker, Weberstraße 17. Tages-Ordnung: 86/7 Tarif kvrsKung. Verband der Maler, Saekierer, Anstreicher ete. Melchiorstraß« 28, Part. Filiale Berlin. Fernspr.: Amt 4, 4787. Montag, den 11. Juli 1910, abends 8'/, Uhr: Nkchmlmis der KWikmöbeibriiiiiht im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27o. TageS-Ordnung: 129/12 1.„Wie soll«ach dem Angebot der Arbeitgeber der nen« Tarifvertrag aussehen?" Referent Kollege Klotz. 2. Diskussion. In Anbetracht der Wichtigkeit der Dagesordnung erwarte» wir, daft kein Mitglied fehlt!_ Die Orteverwaltung. Sterbekaile ehem. Pfloglcher Arbeiter (Hetael'ache Kasse). Sonntag, 24. Juli, vorm. 10 Uhr, in Wittes Saal, vrmmenflr. 188: General-Uersammlnng. 1. Verlesung deS Protokolls der Geucralversammlung vom 23. Januar 19t0. 2. Kassenbericht des Rendantcn.für das erste Halbjabr 1910 und Bericht der Revisoren. 3. Festsetzung der Publikationsorgane sür 1910— 11. 4. Berichterstattung und Beschlußfassung der Statutenänderung. 5. Bericht über Hypothekenangclegenheit. 6. Verschiedene Kaffenangelegenhciten. 7. Ersatzwahlen zum Vorstand. 237/13' Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borftand. Sorussia-LAe 8/7 Ä!JÄ8/» Telephon Inhaber: Georg WoKTgramm empfiehlt seine vier Säle, 100 bis 800 Personen fassend, zn Versammlungen und Festlichkeiten.» August nnd September einige Sonnabende und Sonntage frei. Sophien-Säle Sophienstraße 17/18 QuerstraBo der Rosenthaler StraBa— am Hackeschen Markt• Inhaber: Panl Unat«===== empfiehlt seine von 60—2000 Personen sasscudcn Säle zu Versammlungen, Vortrags- u. Kunstabcndcn usw. Vorziigl. Akustik. Kulant. Entgegenkommen. 3*1: Errr schönsten Ausflüge � nach der am Wald und Wasser gelegenen bei Schildow! Vorzügliche schattige Plätze am romantischen Mühlenteich. Vorzügliche Küche und Getränke. Knffookücho. Wanderer- und Turnvereinen ganz besonders empfohlen. 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Am heutigen Tage veranstaltet der Rauch klub.Havanna' im.Gasthaus zur grünen LindeV Lankwitz, Hauplstrahe 5, ein Sommerfest. Da uns das genannte Lolal nicht zur Verfügung steht, ersuchen wir alle angebotenen Billetts entschieden zurückzuweisen sowie überhaupt alle dortigen Veranstaltungen streng zu meiden. Die Lokalkommission. Zehlendorf(Wannseebahn). Heute Sonntag findet ein gemüt« licheS Beisammensein der WahlvereinSmitglieder bei Benno Mickley, Potsdamer Strohe 2S von nachmittags 4 Uhr an statt. Für Unter- Haltungen ist bestens gesorgt. Kinderspiele usw. Gäste willkommen. Das Komitee. Nieder-Schöneweide. Heute Sonntagnachmittag großes Sommerfest des Wahlvereins. Volksbelustigungen aller Art. Anfang 4 Uhr. Entree 20 Pf._ Berliner jVacbrichten. Groß Berlin und die Statistik. Die vom Magistrat anfangs Mai beschlossene Herausgabe statistischer Monatsberichte ftr G r o ß- B e r l i n ist mit dem soeben unter dem Titel„Groß-Berlin" erschienenen ersten Hefte zur Verwirklichung gelangt. Die Monatsschrift wird unter Mitwirkung der Statistischen Aemter von Char- lottenburg, Rixdorf, Schöneberg und Wilmersdorf vom Statistischen Amt der Stadt Berlin herausgegeben. In dem von besten Direktor Professor Dr. Silbergleit er- statteten einleitenden Bericht wird das Bedürfnis einer derartigen Monatsschrift nachgewiesen, sowie ihre Entstehungsweise und Bedeutung dargestellt. Im Tabellenteil wird regelmäßig über die Bevölkerungsentwickelung und die Bevölkerungsvorgänge in Berlin und 66 Vororten berichtet werden. Zu- und Fortzüge, Geburten und Sterbe- fälle, die Veränderungen des Bevölkerungsstandes werden für jede einzelne der 67 Gemeinden usw. nachgewiesen. Mit be- sonderer Ausführlichkeit werden die Verhältnisse des Be- fchäftigungsgrades behandelt und zwar im vorliegenden ersten Heft schon vom Anfange des Jahres 1909 an. Weiter findet die Arbeitslosenstatistik der Berliner GeWerk- schaften eingehende Berücksichtigung, indem die Zahl der arbeitslosen Mitglieder, wie die der Unterstützten und endlich auch die ausgezahlten Unterstützungsbeträge für jede einzelne Woche von Anfang August 1909 und für die einzelnen Gewerk- schaften mitgeteilt werden. Die im dritten Abschnitt des Tabellenwerks behandelte Verkehrsstatistik berücksichtigt den Personenverkehr auf den Kleinbahnen Groß-Verlins, ferner den Omnibusverkehr für die einzelnen Monate schon von 1909 ab. Der Stadt- und Ringbahnverkehr im letzten Vierteljahr von 1909 wird in der Gliede- rung nach der Art der verkauften Fahrkarten und der Abfahrtstation zur Darstellung gebracht. Weitere Tabellen behandeln den Eisenbahngüterverkehr nach Empfang und Versand bei 24 Güterabfertigungsstellen Groß-Berlins, ferner den Schiffsverkehr nach der Art der Schiffe und der Richtung, endlich auch den Güterverkehr selbst auf den Berliner und den Charlottenburger Wasserstraßen sowie auf dem Teltow- kanal. Auch der Schleusenverkehr auf den Berliner und den Charlottenburger Wasserstraßen ist in die Berichterstattung mit einbezogen. In textlicher Darstellung werden die Zahlen erläutert, serner auch durch graphische Tafeln. In dem gleichfalls bei- gefügten Uebersichtsplan für Berlin und Vororte sind die Be- grenzungen, Flächcnverhältnisse, Verkehrsbeziehungen der Vor- orte anschaulich zur Darstellung gebracht. Endlich ist in einer besonderen Abhandlung die gewerbliche Bedeutung Groß- Berlins im Verhälttns zu einer Reihe anderer deutscher Groß- städte sowie zu den preußischen Provinzen und den anderen Bundesstaaten geschildert. Für die schnellere Aufeinanderfolge der Berichte, deren erster früher nicht erscheinen konnte, ist Sorge gettageu. Es ist anzunehmen, daß die einem wirklichen Bedürfnis entsprechende Monatsschnft„Groß-Berlin". welche zum Preise von 8 Mark für den Jahrgang vom Verlage von Puttkammer und Mühlbrecht, Berlin W. 56, sowie von jeder anderen Buch- Handlung bezogen werden kann, auch in weiteren Kreisen der Kommunalpolitiker, Volkswirte, Aerzte, Hygieniker, Sozial- polittker, sowie insbesondere auch der Bankwelt, des Handels, der Grundbesitzer, der Bauinteressenten usw. die ihr zukommende Beachtung finden wird._ Die Erkrauknngeu der Lehrerinnen. Nach einer dieser Tage verbreiteten Mitteilung erkranken in Berlin im Durch- schnitt die Lehrerinnen nach den amtlichen Feststellungen in drei- bis viermal größerem Maße als die Lehrer. Alle Jahre muß ein größerer Prozentsatz der weiblichen Lehrkräfte wegen Krankheit auf längere Zeit beurlaubt werden. Die Er- Hebungen, die über das abgelaufene Jahr 1909 angestellt wurden, ergaben, daß 52,11 Proz. sämtlicher Lehrennnen (mehr als die Hälfte) im Laufe des Jahres erkrankt waren. Zieht man die Ergebnisse der Jahre 1908 und 1907 zum Vergleich heran, so sieht man, daß das Jahr 1909 gegenüber dem Jahre 1908 eine Krankheitssteigerung von rund 12 Proz. brachte, da der Prozentsatz im Jahre 1908 40,73 betrug. Im Jahre 1907 betrug er 33,3 Proz., also 7 Proz. weniger als im Jahre 1908. Seit dem Jahre 1907 ist eine Steigerung der Erkrankungen unter dem weiblichen Lehrerpersonal um IL Proz. eingetreten. Bei dem männlichen Lehrerpersonal find die Zahlen be- beutend günstiger, wenn auch hier eine stettge Steigerung zu verzeichnen ist. Im Jahre 1907 betrug die Zahl der er- krankten Lehrer 19,71 Prozent; sie stieg im Jahre 1908 auf 24,13 Prozent und im Jahre 1909 auf 26,94 Prozent. Im ganzen wuchs also die Zahl der Erkrankungen in den letzten drei Jahren um 7 Prozent. Wünschenswert wäre eine Nachweisung der Art der Er- krankungen. Wenn wir auS den Ursachen, die beispielsweise zu zahlreichen Pensionieruugen von Lehrerinnen führen und die im wesentlichen auf hochgradige Nervosität lauten, Schlüsse auf den hohen Prozentsatz der Erkrankungen der Lehrerinnen ziehen dürfen, so scheint uns die Behauptung nicht ganz un- gerechtfertigt, daß das den Lehrerinnen aufgezwungene Zölibat eine nicht unerhebliche Ursache vieler Erkrankungen des Nerven- systems ist, und daß eine Aufhebung des Hciratsverbots der Lehrerinnen zweifellos sich dringend notwendig erweist. Die Hygiene deS Kinderwagens. Zu der gestrigen Plauderei über die Ehcftandsequipage deS Proletariers schreibt man uns: Die altväterische hölzerne Wiege, deren rhytmisches, der Arbeit eines riesigen Wiegemessers gleichendes Rumoren namentlich zur Nachtzeit das unter ihrem Standpunkt hausende erwachsene Menschenkind zur Verzweiflung bringen konnte, existiert wohl in keinem Großstadt- Hause mehr. Man hat sie vor ein paar Jahrzehnten in den Orkus verbannt, nachdem die Aerzte, was schließlich auch verständige Laien hätten tun können, erklärt hatten, daß die Wiege neben andere» unschönen Eigenschaften ein Grab für menschliche Nerven sei. Wohlgemerkt schon für die Nerven des Kindes. Heute mit unseren vorgeschnttenen hygienischen Ansichten entsetzen wir uns freilich bei der Erinnerung daran, wieviele tausendemal täglich so ein neugeborenes Wurm von links nach rechts und von rechts nach links nichts weniger als zart durchgeschüttelt wurde. Was uns selbst Beruhigung schaffen sollte, wurde für das Kind zu einer Tortur. Als Ersatz und modernes Beruhigungsmittel hat man den Kinderwagen erfunden, aber die hygienischen Schwächen dieses Möbels werden leider wohl zu wenig beachtet. Man vergißt, daß das Kind fast schon vom ersten Atemzuge an erzogen sein will und man legt, anstatt zunächst sich selbst zu erziehen, auch bei der Handhabung des Kinderwagens viel zu großen Wert auf die eigene liebe Bequem- lichkcit als auf die gute Wartung des Kindes. Die meisten Kinderwagen sind vierräderig und auf Federn ge- legt. Erst ganz neuerdings tragen die Räder Gummireifen, was dem Kinde sehr dienlich ist. Auch die Sttaßenpassonten werden dann nicht mehr durch das unangenehme Knirschen der Eisenräder auf Reihensteinplatten in ihren anspruchsvollen Nerven belästigt. Die Vorteile für das Kind werden aber wieder aufgehoben durch die weitverbreitete Sitte, den Kinderwagen nicht ganz leicht vor sich hin zu stoßen, sondern sich auf seine Lenkstange mit der ganzen Schwere deS oberen Körpergewichts zu stützen. Auf diese Weise federt das Wagengestell weit über das Erfordernis und bringt somit dem kleinen Menschen- Paket abermals ungesunde Erschütterung. Unhygienisch sind serner die Verdecke, wenn ihre Vorhänge aus zu zu dichtem Stoff bestehen, der Luft und Sonne allzusehr abschneidet. DaS Kind hat hinter diesen Vor- hängen, im engen Raum des Verdecks, von der angesammelten schlechten Luft mehr Nachteile als von einem frischen Luftzug. Das Innere des Kinderwagens vollständig mit Betten und Decken voll- zustopfen und so zu einem Schwitzkasten zu machen, davon wird jeder erfahrene Kinderarzt dringend abraten. Uebergroße Besorgnis und Verzärtelung rächt sich später oft bitter. Leichte zweirädrige Kinder« wagen werden jetzt vielfach den vierrädrigen vorgezogen. Sie dürfen aber nicht zu klein, keine Puppenwagen sein, da der kindliche Körper in jeder Lage volle Bewegungsfreiheit haben muß. Man darf sich also nicht wundern, wenn die in solche Wägelchen hineingezwängten Kinder krumme Glieder bekommen und auch sonst verkümmern. Fast allgemein wird dadurch gesündigt, daß man die Kinder mit dem Gesicht entgegengesetzt der Fahrtrichtung legt. DaS erleichtert zwar die Beobachtung des KindeS beim Fahren, ist aber den Nerven, wie ja wir Erwachsenen von unserer Eifenbahnfahrt wisien, nicht gerade zuträglich. Ganz zu verurteilen ist es, Kinder im Kinderwagen die Treppen hinaufzutransportieren. Dabei muß doch der kleine empfind- liche Körper jede Ruckbewcgung stets mitmachen. Erst das Kind auf dem Arm nach oben, dann der Kinderwagen hinterher. Aus der Magistratssiyung. Der Magistrat hat dem Antrage der Gewerbedeputation a) die SonntagSarbeit in den Geschäften der NahrungS- und Genußmittelbranche und des Blnmenhandels wie bisher zu belassen, d) in allen übrigen Geschäften die SonntagSarbeit nur von 7—10 Uhr zu gestatten, zugestimmt. Die an das Berliner Weichbild grenzenden Vorotte sollen befragt werden, ob sie ein dahingehendes Ortsstatut auch ihrerseits einführen würden. Die fortdauernde» schweren Unfälle, die auf unserer Straßen« bahn dadurch hervorgerufen werden, daß Personen, besonders weib- liche, während der Fahrt ungeschickt oder nach der falschen Richtung abspringen, könnten doch einigermaßen verringert werden, wenn die Straßenbahndirektion gewisse Sicherheitsvorkehrungen treffen wollte. Uns wird hierzu geschrieben: In anderen großen Städten, z. B. in München sind die Hinterplattforme» während der Fahrt auch auf der Aussteigeseite durch ein zweckmäßiges, leicht bewegliches Eisengitter geschloffen. Dadurch wird das Auf- und Abspringen während der Fahrt für weibliche Fahrgäste ganz verhindert und männlichen nur besonders geschickten ausnahmsweise noch möglich. Natürlich ist die Anbringung solcher Schutzgitter mit Kosten ver- Kunden, die eine von nachstchttgen Aussichtsbehörden ge- schützte Aktiengesellschaft wie die Große Berliner Straßenbahn scheuen darf l Verlangen könnte man aber, daß an denjenigen Wagen, deren Plattformen schon jetzt durch bewegliche Gitter geschlossen werden. diese auch auf der Aussteigeseite während der Fahrt in An« Wendung gebracht würden. Dadurch würden solche zahlreichen Fälle, wie einer in Nr. 156 des.Vorwärts' unter.Pankow.— Ein Elendsbild' dargestellt ist, verhindert werden.— Die Be- seittgung des jetzt bestehenden ZustandeS, unter dem jährlich hunderte zugrunde gehen, ist dringlich. Auch ein anderer recht hart empftmdener Mißstand sollte längst beseitigt sein: daS ist die Schutz- losigkeit bei Wind und Wetter auf den offenen Plattformen. Be- sonders bei Regenwetter empfindet man es sehr unangenehm, daß die Vorderplattform keine Schutzscheiben hat, so daß die Fahr- gäste ebenso durchnäßt mitfahren müssen wie die Wagenführer. Unser Klima bietet viel mehr rauhe als freundliche Tage im Jahre und bei der unglaublichen Sparsamkeit der Gesellschaft mit Anhänge- wagen, bei den langen Fahrpausen aus vielen stark benutzten Strecken, selbst die nicht durch die Leipziger Straße führen, ist das Publikum gezwungen, heute die Marterplätze auf den Vorder- Plattformen bei Wind, Schnee, dtegen zu benutzen, wenn es nicht auf den Haltestellen verzweifeln will I Zur Beruhigung der Reisenden. Es sind Klagen darüber laut geworden, daß das Zugbegleitpersonal es an der Unterrichtung der Reisenden zuweilen fehlen läßt, wenn der Zug auf freier Strecke zu halten gezwungen ist. Minister v. Breitenbach hat daher angeordnet, daß in solchen Fällen zur Beruhigung der Reisenden die Ursache deS Aufenthalts, soweit sie dem Personal bekannt ist. in angemessener Weise mitzuteilen ist. Sollte daS Personal über den Grund de» Haltens auf freier Strecke selbst nicht unterrichtet sein oder der Zug, wie dies meist der Fall ist, vor dem Hauptsignal zum Halten gekommen fein, so darf das Personal auch darüber geeignete Mitteilung machen. Bei dieser Gelegenheit erinnert der Minister an die Bestimmung der Unfallmeldevorschttften, nach welcher die Stationen Nachrichten über Betriebsstörungen ungesäumt öffentlich bekannt zu machen und auch die im Personenzugdienst und auf den Stationen be- fchäftigten Beamten davon zu benachrichtigen haben. Ueber der- arttge Vorkommnisse sollen alle Beamten den Reisenden bereitwilligst Auskunft erteilen. Bon den vielen Mängeln und Nnschönhelten deS Kanzleistils sowohl im Schriftverkehr der Behörden unter sich, wie auch bei Er- ledigung von Anfragen und Gesuchen des Publikums handelt ein längerer Aufsatz der letzten Kummer der.Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen'. Wir entnehmen derselben folgende markante Stellen: Der Kanzlist.bestätigt den Empfang des Schreibens vom soundsovielten und ersucht bezüglich der Angelegenheit betreffend den usw. etwa festgestellte Unregel- Mäßigkeiten zur Vorlage zu bringen'. Statt dessen sollte er schreiben:.Zum Schreiben vom Xten usw. Wir ersuchen, etwa festgestellte Unregelmäßigkeiten des X. Y. vorzulegen.— Die Neigung, einfache Zeitwörter durch Substantivverbindungen zu er« fetzen, ist weit verbreitet. Da gelangt eine Sendung zur B e- forderung, ein Termin wird in Vorschlag gebracht, eine Zahlungslei st ung ist erfolgt, statt: Eine Sendung ist b e» fördert usw.— In Schriftstücken, welche Personalangelegen- heiten behandeln, heißt es: Der Genannte oder der x. Müller. Daß dies.x' zur Klarstellung der Sache oder Person auch nur das geringste beiträgt, wird niemand behaupten können, und wem würde es einfallen, zu Hause zu erzählen: Ich traf meinen Freund Schulze. Der G e- nannte trug mir Grüße an Euch auf?— Im Kanzleistil spricht man von.anbei erfolgenden Anlagen', von.dort beruhenden Akten' und ähnlichen schwülstigen Ausdrücken.-- Der Verfasser des sehr interessanten Aufsatzes verspricht sich nur eine Abstellung dieser Mängel, wenn die Dezernenten es sich nicht verdrießen lassen, immer und immer wieder durch persönliche Belehrungen ihre Unterbeamten zu der allmählichen Aufgabe aller unschönen.Schreibdummherten' zu veranlassen. Der diesjährige Fcricnpersonenvrrkchr auf den Berliner Fern» bahnhöfen hat nach den amtlichen Feststellungen den vorjährigen wiederum an Umfang übertroffen, wie die nachstehenden Zahlen, denen die vorjährigen zum Vergleich in Klammern beigefügt sind, erkennen lassen. Der Verkehr setzte am Freitag, den 1. Juli, ein mit einer Anzahl von 71 350(62 905) verkauften Fahrkarten, erreichte den Höhepunkt am Sonnabend, den 2. Juli, mit 86 963 (84 556) Fahrkarten und ging dann zurück am Sonn- tag, den 3. Juli, aus 75 353(69 930), am Montag, den 4. Juli, auf 62 330(56 472) und am Dienstag, den 5. Juli, auf 51 441(39 836) Fahrkatten. Hierzu kommt noch die Anzahl der im Vorverkauf in der Zeit vom 28.-30. Juni auS» gegebenen Fahrkarten mit 57 205(47 719). In der Zeit vom 1. bis 5. Juli verließen demnach Berlin mit Fernzügen zusammen 402 573 (359 542) Personen. Auch der Gepäckverkehr hat gegen das Vorjahr an Umfang zugenommen. Es wurden abgefertigt vom 1.— 5. Juli zusammen 114 343(104 619) Gepäckstücke. Zur Bewältigung des Verkehrs wurden außer den fahrplanmäßigen Zügen 54 Ferien» sonderziige und 270 Vor- und Nachzüge abgelassen, von denen am 1. Juli 61 und am 2. Juli 124 Züge gefahren wurden. Auf die einzelnen Bahnhöfe verteilt sich der Verkehr wie folgt: den ersten Platz nahm wiederum der Stettin er Bahnhof ein. hier wurden in den erwähnten Reisetagen 123 500(126 970) Fahrkarten verkauft, es folgen sodann der Anhalter Bahnhof mit 47 289 (44 733), Schlesisch er Bahnhof mit 40411(23 426), Lehrter Bahnhos mit 28 661<28 670). F r i e d r i ch st r a ß e 28 570(23 295), G ö r l i tz e r Bahnhof mit 24 182(21 565), Alexanderplatz- Bahnhof mit 23 230(16 246), Potsdamer Bahnhof mit 16 306 (15 420), Charlottenburg mit 13 072(10 827), Zoolo- gischer Garten mit 12 973<13 046), Gesundbrunnen mit 8290(7363). Man ersieht hieraus, daß die Zunahme des Verkehrs alle Bahnhöfe ziemlich gleichmäßig umfaßt. Nur auf dem Stetttner Bahnhof und Zoologischer Garten wurden im Vorjahre 3470 bezw. 73 Personen mehr befördert. SchülcrauStausch. In Berlin hat sich ein Komitee gebildet, welches den Austausch deutscher, französischer und englischer Schüler und Schülerinnen während der Ferien oder für längere Zeiten ver- mittelt. Der Kultusminister hat die Direktoren der höheren Lehranstalten ermächtigt, dem Komitee, das mit dem entsprechenden Pariser Komitee in Verbindung steht, Auskunft über die in Aussicht genommenen Schüler und Schülerinnen zu erteilen und in den Kollegien anzuregen, daß einzelne Oberlehrer für die Auskunft als Vertrauensmänner wirken. Von dieser Ermächtigung ist bereits Ge- brauch gemacht worden. Die Zahl der für den Austausch Angemeldelen ist bereits so groß, daß für dieses Jahr neue Anmeldungen nicht mehr angenommen werden können. Todessturz im königl. Opernhause. Ein bedauerlicher NnglückS- fall hat sich gestern nachmittag im königl. Opernhause zugetragen- Bekanntlich ist das Opernhaus gegenwärtig geschloffen und zahlreiche Leute sind mit Reparaturarbeiten und Erneuerungen beschäftigt. Gestern nachmittag hatte nun der Arbeiter Otto Bartsch, Oderberger Straße 21, mit Verbesserungen an den elekttischen Leitungen zu tun- Er mußte bei dieser Arbeit gefährliche Stellen aufsuchen und befand sich in einer Höhe von etwa 15 Meter. Beim Vorbeugen deS Körpers verlor er plötzlich das Gleichgewicht und stürzte rücklings in die Tiefe. Er schlug mit dem Kops auf den Fußboden auf und brach daS Genick, so daß der Tod auf der Stelle einttat. Ein Arzt, der durch Arbeitskollegen herbeigerufen wurde, konnte nichts mehr ausrichten. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Unzweckmäßige Sttaßensperrungen. Bei Straßensperrungen wird öfter in einer Weise verfahren, gegen die einmal öffentlich Einspruch erhoben werden muß. ES sind gesperrt für Fuhrverkehr die Prinzenstraße von der Dresdener Sttaße bis zum Moritzplatz, und die Oranienstraße bis Moritzplatz, also zwei zusammenhängende VerkehrSstraßen zu gleicher Zeit. Dadurch muß der Fuhrverkehr von Osten wie von Norden sehr große Umwege machen. Besonder» der Droschkenverkehr hat durch diese Doppel- sperrung des MoritzplatzeS schwer zu leiden. Als ob diese Straßen- umbauten nicht so zu regeln gingen, daß ein solcher verkehrsreicher Platz nur von einer Zufahrtstraße gesperrt wird. Bei dieser Gelegenheit wollen wir gleich auf einen weiteren Uebelstand, der bei der Sperrung und Aufreißung von Straßen in Erscheinung tritt, hinweisen. Das ist die noch mittelalterliche Be- leuchtung solcher Stellen. Die hierbei benutzten Petroleumfunzeln sind so gut wie zwecklos. Bei der heutigen verbesserten Straßenbeleuchtung müßte an den für den Fuhrwerksverkehr gefährdeten Stellen min« bestens ein Licht verwendet werden, dessen Schein sich von dem der Straßenlaternen grell abhebt. Nur auf solche Weise können Fuhrwerke vor Unfällen und Wagenlenker vor unnötigen Straf- Mandaten bewahrt werden._ Der Ganner mit dem Zweimarkstück. In der oberen Friedrichstadt treibt seft Monaten ein Bursche sein Unwesen, der es auf Laufburschen abgesehen hat, die mit größeren Goldbeträgen nach dem Postscheckamt in der Dorotheen- straße gesandt werden. Vor Monaten verstand er. einem Lauf- jungen eine größere Summe Geldes unter allen möglichen Ver- sprechungen abzunehmen und gestern wiederholte sich das Manöver. Die Schmalzsiederei von Hirschfeld u. Co. in Weißensee schickte ihren Lehrling nach dem Postscheckamt in der Dorvtheenstraße, um einen Postscheck in Höhe von 5800 Mk. einzulösen. Für diesen hat der Junge, dem von dem Chef eine gutes Zeugnis ausgestellt wird, 3»! dM P.ostWckMt die SuMW j» 4 TsvloridWarlscheitie» ttttd 18 Hunderknarkschelneul ausgezahlt erhalten. Er hat dieses Geld in seine Brieftasehe gesteckt und ist dann auf dem Wege nach Hause die Dorotheenstratze entlang gegangen. Dort trat ein junger Diann. anscheinend 15 bis 20 Jahre alt, an ihn' heran, zeigte ihm ein Zweimarkstück, gab an, dag er dieses Zweimarkstück gefunden habe und fragte, ob dem Lehrling dieses Geldstück etwa abhanden gekommen wäre. Er erzählte, dag er einem Schutzmann das Geld habe geben wollen, dieser ihn aber abgewiesen habe. Er fragte ihn, ob er die 2 Mark für ihn in Empfang nehmen und dem nächsten Fundbureau übergeben wolle. Während der Lehrling mit dem Fremden sprach, sagte er zu ihm, er hätte so viel Geld in der Tasche, es wäre gefährlich, er solle doch das Geld in einen Beutel tun; der Unbekannte holte mit diesen Worten einen Beutel aus seiner Tasche und steckte die zu einer Rolle geformte Geldtasche vor den Augen des Jungen in die Geldtasche und gab dem Lehrling den Beutel. Als der Junge später nachsah, war die Tasche aus dem Beutel verschwunden, statt dessen war eine Rolle der Münchener „Jugend" darin enthalten. Sobald Burba den Verlust bemerkte, ist er zur Polizei gelaufen, um Anzeige zu machen. Das zuständige Revier hat die Recherchen nach dem Täter sofort aufgenommen. Nach den Ermittelungen über den Täter handelt es sich allem An- sechin nach um einen raffinierten älteren Menschen, der durch irgend ein Mittel sich ein jugendliches Aussehen gegeben hat. Uebrigens scheint der geriebene Gauner in der Friedrichstadt seine Opfer auch auf andere Weise zu suchen. Mit Kennerblick findet er die Laufburschen heraus, die von Geschäften mit dem Einkassieren höherer oder kleinerer Beträge beauftragt werden. Die Burschen, die an sich vorsichtig mit dem Gelde umgehen, fallen aber auf den plumpen Schwindel leicht hinein, sobald ihnen 10 Pf. oder noch mehr für eine Auskunft über die Lage einer Stratze versprochen wird. In acht Fällen hat die Polizei Kenntnis von solchen Vor. gängen erhalten. Der Täter wird stet? übereinstimmend beschrieben. Er war mit einem grauen Anzug bekleidet, trug eine graue Jockey» mütze und in mehreren Fällen Sandalen. Am gestrigen Abend wurden einem Laufburschen der Firma Stiekcr u. Co. 1000 Mark abgeknöpft. Er trug anstatt der Sportmütze einen graugrünen Hut mit grünem Bande. In einigen Fällen sind ihm mur wenige Nickel in die Hände gefallen. Es empfiehlt sich, nach dem Hauptpostscheck- amt zur Abholung größerer Berräge nicht Lehrlinge, Laufburschen oder Hausdiener zu schicken, sondern Leute, die nicht leicht zu täuschen und daher zuverlässig sind. Schmer verunglückt ist am Sonnabend der 44jährige Portier Johannes Buchholz aus der Christburgerstr. 31. Er wollte morgen» gegen 7 Uhr in der GreifSwaldor Straße einen Straßenbahnwagen der Linie bö besteigen, der eben die Haltestelle verlassen hatte, und befand sich bereits auf dem Trittbrett, als er von einem Fahr- lustigen, der ebenfalls während der Fahrt aufzuspringen versuchte, heruntergerissen und zur Seite gestoßen wurde. B. gerier unter den Vorderperron des Anhängswagens und wurde eine kurze Strecke mitgeschleift. Der Verunglückte erlitt eine schwere Rippenquetschung sowie Quetschung des KeckenknochenS und erhebliche Hautabschürfungen und wurde in besinnungslosem Zustande nach dem Kranken» hau? am JriedrichShain übergeführt. Der rücksichtslose Urheber dieses Unfalles flüchtete, al» er sah, waS er angerichtet hatte, so daß seine Personalien nicht festgestellt werden konnten. Warnung vor Krankenkassen. Der Polizeipräsident in Köln warnt im öffentlichen Interesse vor dem Eintritt in die nach- stehenden in Köln domizilierten eingeschriebenen HilfSkassen wegen der Höhe der Verwaltungskosten: a)„Alltance", deutsche Krankenversicherungsgesellschaft(htestge Vertreter: Richard Runge,"Mauer- straße 02, R. L i e b i g. Frtedenstraße und A. R o h l o f f, Grcifenhagener Straße 14). b) ,. SecuritaS*. allgemeine Krankenversicherungsanstalt(hiesige Vertreter: Wilhelm I r m e r, Char- lottenburg, Reuchlinstraße 3, Richard Runge. Mauer» straße 92). o)„Colonia", 5krankenversicherungSgesellschaft(hiesige Vertreter: die Inhaber der Firma Foreign- Agency Co. „KosmoS". Charlottenburg. Trendelenburgstraße 1 und Wilhelm Lange. Wilmersdorf. Holsteinischestraße 29. Zu dem Drama in der Schivclbeiner Straße, wo, wie wir be- richteten, der Italiener Rudolph auf seine Schlaftvirtin Frau Grüne» wald mehrere Schüsse abfeuerte, wird uns noch gemeldet, daß in dem Zustand der beiden Schwerverletzten eine Besserung nicht ein» getreten ist. Nach wie vor ist bei beiden Lebensgefahr vorhanden. Entgegen den Angaben des R. bestreitet Frau G., mit dem Italiener ein Liebesverhältnis gehabt zu haben. N. hat nur aus dem Grund den Mordversuch an ihr verübt, weil sie ihm kein Geld mehr aeben wollte. ES ist nicht ausgeschlossen, daß R. das Verbrechen schon seit einiger Zeit geplant hat, denn man sah früher niemal» einen Revolver bei ihm und erst seit etwa vierzehn Tagen hatte er stets eine Waffe bei sich. Falls er dem Leben erhalten bleibt, wird er sich wegen versuchten Mordes vor den Geschworenen zu verantworten haben. Ein schwerer Unfall hat sich am Freitag in der Nähe deS UebungsplatzeS ClauSdors bei Zossen zugetragen. Auf der Feldbahn» straße entgleiste ein Militärzug. Dabei wurden die Unteroffiziere Tage, Kilian und Mertens schwer verletzt. Kilian ist im Tempelhofer Garnisonlazarett seinen Verletzungen erlegen. Keine Gcldunterstützung mehr nötig. Auf dem Wege vom Nacht» asyk zu einem Almosenspender wurde der 7« Jahre alte Ferdinand Horn vom Tod überrascht. Der alte Mann hatte im städtsichen Asyl in der Fröbelstraße genächtigt und wollte nach einem Bewohner in der LanghanSstraße gehen, um sich eine Unterstützung zu holen. Auf dem Wege dorthin brach er aber plötzlich zusammen und war sofort tot; er war einem Herzschlag erlegen. Ein folgenschwerer Zusammenstoß zweier Arbeitszüge hat sich auf der Industriebahn bei Velten ereignet. Am Stichlanal stießen zwei Züge, die auf den gleichen Gleisen fuhren, mit solcher Gewalt zu» sammen, daß die beiden Lokomotiven aus den Schienen geworfen wurden. Eine der Maschinen wurde vollständig zertrümmert und die andere erheblich beschädigt. Die beiden Lokomotivführer wurden aus den Maschinen herausgeschleudert und erlitten äußere Ver- letzungen. Der ein« der Verunglückten scheint sich außerdem noch innere Zerreißungen zugezogen zu haben. Die Ursache deS Zusammenstoßes ist wahrscheinlich in falscher Weichenstellung zu suchen. Ein Gerllstwagen, der mit langen Leitern und Brettern hoch beladen war, ist auf dem Spittelmarkt gestern vormittag um 11 Uhr infolge Radbruche« umgestürzt. Mehrere Straßenpassanten wurde» dabei schwer verletzt. Die sofort alarmierte Feuerwehr holte die Verletzten unter dem Wagen hervor und beseitigte das Verkehrs» Hindernis._ Der Turnverein„Fichte" eröffnet am Dienstag, den 12. Juli, abends 3 Uhr. in Schmidts Gescllschaftshaus wiederum seine erste LehrlingSadteilung, nachdem das Reichsgericht am 23. Juni entschieden hat, daß die Turnvcrbvte gegen die jugendlichen Mitglieder deS Vereins ungesetzlich find. Sobald das an die Stadt Berlin gerichtete Gesuch um Hergabe der bis zum vorigen Jahre innegehabten städtischen Turnhallen ge- nehmigt ist, werden sämtliche 14 Lehrlingsabteilungen wieder in der allen Weise weiterturnen. Weitere Mitteilungen werden zur ge- § ebenen Zeit gemacht«erden. Wir ersuchen alle jugendlichen rbeiter Berlins, die Juaendturnerei nach Möglichkeit zu unterstützen, Auf die behördliche Navelstichpolitik wird am besten geantwortet durch um so lebhaftere Unterstützung der Arbeiterturnvereine. Vermißt. Seit dem IS. Mai er. wirb der Weichensteller Friedrich Gelwert. 6. Januar ISöv in Gagern auf Rüssen geboren, vermißt. Beschreibung: klein, untersetzt, graumeliertes Haar, Hinterkopf Glatze, dicken graumelierten Schnurrbart, Vorderzähne vollständig. Be- Neidet war derselbe mit schwarzem, steifem Hut. hellgrauem Jackett- anzug, braunen Strümpfen und schwarzen Zugstiefeln. Auf dem linken Ringfinger Trauring, F. L. gezeichnet. Zweckdienliche Mitteilungen, welche zur Auffindung des Genannten dienen könnten, werden von der Kriminalpolizei und auch von jedem Polizeirevier zu den Akten 1918 IV. 45 10 entgegen genommen. Vorort-Mcbrickten. Rixdorf. Vermißt wird seit Sonntag der achtiährisse Sohn deS Arbeiters Schulz, Emser Str. 92 wohnhaft. Bekleidet war der Knabe mit blauem Anzug, schwarzen Strümpfen, Stehkragen, schwarzen hohen Schnürschuhen und weißer Mütze; er hat rundes, volles Gesicht. Wer über den Verbleib deS Knaben Auskunft geben kann, möge dies umgehend an die Eltern gelangen lassen. Weißensee. Bor den Augen des BaterS totgefahren. Ein tragischer Unglücks« fall ereignete sich in der Gartenstraße zu Weißensee. Der Kutscher Karl Becker aus WilhelmSberg war mit seinem Fuhrwerk auf den Hof des Grundstückes des Engrosschlächters Ncuenfeld gefahren, um Fleischwaren aufzuladen. Während er hiermit beschäftigt war, fiel sein vierjähriger Sohn, den er mitgenommen hatte, vom Bock herab. Der Kleine stürzte unter die Pferde und diese zogen erschreckt an und fuhren loS. Dem Kind gingen die Räder über Brust und Kopf hinweg und töteten eS auf der Stelle. Der Vater, der den schreck» lichen Vorgang mit ansehen mußte, glaubte, sein Kind lebe noch und er trug es schleunigst nach einem Arzt. Er trug dann die Leiche wieder nach dem Wagen zurück und fuhr sie nach seiner Wohnung. Adlershof. Klagen über Nichtfunktionieren des Fahrkartcnautomats auf dem Bahnhose werden wiederholt geführt. Wohl nimmt der Automat das hineingeworfene Geldstück an, verweigert aber hin und wieder, für das Geld eine Fahrkarte herauszugeben. Vor einigen Wochen führte ein Arbeiter bereit» Beschwerde, allein ohne Erfolg. Auch gestern versagte der Automat seinen Dienst zeitweise. ES wird unS berichtet, daß mehrere Frauen und ein Mann sich vergeblich be» mühten, den Automaten zur Hergabe von Fahrkarten für daS ihm anvertraute Geld zu veranlaffen. Einem Arbeiter, der einen mit der Bedienung des Automaten betrauten Angestellten sprach, soll letzterer geantwortet haben, neulich hätten in dem Automaten 30 Pf. gefehlt. Ob diese Behauptung richtig ist, wissen wir nicht, allein sie würde an der von unS mitgeteilten Tatsache nichts ändern. Warum bekümmert sich die Verwaltung nicht besser um die Erledigung der vorgetragenen Klage»? Zehlendorf(Wannseebahn). In der Generalversammlung berichtete der Vorstand über da« verflossene Geschäftsjahr. ES fanden 19 Mitgliederversammlungen, 22 Vorstandssitzungen und S Volksversammlungen statt, außerdem eine öffentliche Versammlung, welch« dazu bestimmt war, die Frauen ZehlendorfS für die politische Organisation zu gewinnen. ES haben sich außer den bis jetzt der Organisation angehörigen Genossinnen 14 Frauen bereit erklärt, die Leieabende zu besuchen. Di« Mit» gliederzahl deS Wahlvereins beträgt jetzt ISS, darunter IS Frauen. Die Neuwablen hatten folgendes Ergebnis: Vorsitzender Genosse Hecking, 2. Vorsitzender Genosse Otto Jäckel, Kassierer Genosse Otto Steinborn. Schriftführer die Genossin Lache, Beisitzer Genosse Ulm, Bibliothekar Genosse Lache und Genossin Haase, Revisoren die Ge» nossen Böhm, Fuchs und Genossin Haase. Bezirksführer für den 1. Bezirk Genosse Dräbert und Albert Hoffmann, 2. Bezirk Genosse Peitzker und Genossin Schulz. 3. Bezirk Genoffe Kietzmann und Hermann Jäckel, 4. Bezirk Genosse Richter, S. Bezirk Genosse Wolf und FranSke. Als Lokalkommission die Genossen Wirt und August Lüdicke. In der DtSkusfion wurde allgemein der Wunsch aus» gesprochen, daß eine regere Teilnahme aller Genossen und Ge» nossinnen an den Parteiarbeiten erwartet werden muß. Erkner. Ein Knaie in Flammen. Ein schreckliches Brandungkück hat sich gestern in Erkner zugetragen. Der achtjährige Sohn des Gärtnerei- besttzerS KoSmahl hatte sich bengalische Streichhölzer zu verschaffen gewußt und spielte auf der Straße mit den gefährlichen Hölzern. Dabei entzündete sich eines, die Kleidung des Knaben fing Feuer und in kurzer Zeit stand das unglückliche Kind in bellen Flammen. Bei dem Versuch, die Flammen zu ersticken, zog sich ein Mitglied der freiwilligen SanitätSkolonne an Händen und Armen erhebliche Brandwunden zu. Schrecklich zugerichtet war der kleine K. Am ganzen Körper, am Kopf und im Gesicht war er mit zahllosen Brand- wunden bedeckt. In hoffnungslosem Zustande fand er im Kranken» hause Aufnahme. Trebbin(5kreiS Teltow). Aus der Stadtder-rdnetenverfammlung. Die RektoratSIändereien in Größe von 7 Hektar 7ö Ar sollen grundbuchlich WS Eigentum der Stadt übergehen.— Mit dem Ackerbürger Erdmann wird ein Vertrag über den hier untergebrachten Krankenwagen des Kreises Teltow geschloffen. Nach der Gebührenordnung müssen bei Benutzung gezahlt werden: In der Stadt von morgens 7 Uhr bis abends S Uhr 2,K0 M., von abends 8 bis morgens 7 Uhr 3 M., bis S Kilometer S M., jeder weitere Kilometer bis 20 Kilometer 1 M.. über 20 Kilo» meter jeder weitere Kilometer 0,75 M. Etwaige Begleiter stellt die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und sind in der Stadt pro Mann 0,75 M., nach außerhalb pro Mann und Stunde 0,50 M. zu zahlen. Bei ansteckenden Krankheiten sind die Desinfektionskosten zu ent- richten.— Eine längere Debatte entspann sich über einen Magistrats- bcschluß, nach dem der Städtetag in diesem Jahre nicht beschickt werden soll. Genosse Richter machte den Vorschlag, aus der Mitte der Versammlung einen Delegierten zu senden und hierzu die Kosten zu bewilligen. Andere Redner bemängelten die erst nach einem Jahre erfolgte Berichterstattung. Die Versantmlung nahm mit Be» dauern Kenntnis von der maglstratlichen Verfügung. Spandau. Die letzte Stadtverordnetrnsitzung vor den Ferien hatte sich zu einer Dauersitzung ausgebildet, wie sie unser Stadtparlament noch nicht zu verzeichnen hatte, trotzdem öfter schon größere Tages- ordnungen verarbeitet wurden, von 4 bis um 9 Uhr dehnte sich die öffentliche Sitzung aus. Den größten Raum in den Debatten nahm eine Vorlage ein, welche sich mit dem Bau von Arbeiter- Wohnhäusern durch die Charlottenburger Baugenossenschaft beschäftigte. Diese Borlage hatte auch bewirkt, daß der Zuhörerraum stark gefüllt war und zwar meist von Arbeitern der SlaatSiverkstätten. die Mit- glieder der Charlottenburger Baugenossenschaft sind. Anlaß zu dieser Vorlage hatte der Grundbesitzerverein gegeben, der sich in«tnerEin- gäbe dagegen wendete. daß der Eharlottenburger Baugenoffenschaft Baugeld zu billigem Zinsfuß und billiges Terrain übergeben wird. Man fürchtet in Grundbesitzerkreisen eine Schlappe für die Hau»« wirte. Den Reigen«rüfmete der Vorsitzende deS Grundbesttzer- vereinS, Stadtverordneter Siefert, der nach Verlesung der ver» schiedenen auch von den Bezirksvereinen eingereichten Protest« schriften gegen die Bevorzugung der Charlottenburger Bau- genossenschaft»in rührende? Klagelied über das Elend der armen Hausbesitzer sang, der darüber klagte, daß nach»wer von der Polizei veranstalteten Auwahme 507 Wohnungen leer stehen, ja daß zum Herbst über 1500 Wohnungen leer stehen werden. Wie groß und wie teuer die leer stehenden Wohnungen sind, da« verriet der Herr allerding» nicht. Dabei hatte er gar keinen Anlaß, Trübsal zu blasen, da der Magistrat in verschiedenen an das KncgSministerinm, an die Feldzeugmeisterei und an das ReichSschatzamt gerichteten Schreiben sich völlig auf den Standpunkt der Grundbesitzer gestellt hatte. Als fernerer Redner trat unter anderen der Stadtverordnete Justizrat Dr. Baumert auf, der verbandsvorsitzender der Grundvesitzervereine ist. Er hält es nicht für volkswirtschaftlich, wenn die'Grundbesitzer zugrunde gerichtet werden. Daß die Hausbesitzer aber die Mieten bis ins Ufer- lose steigern,(hält dieser einseitige Herr für durchaus berechtigt. Seitens der sozialdemokratischen Fraktion führte der Stadtv. Genosse Pieper aus. daß er das Unternehmen der Genossenschaft mit Freuden begrüße. Es werden mit den Häusern geradezu Wucher- geschäfte gemacht und dadurch die Mieten in die Höhe getrieben. Die Geschäftsleute werden durch die Genossenschaft jedenfalls nicht ge« schädigt. Wenn die Hausbesitzer mit den Mieten heruntergehen, dann werden sicher nicht soviel Wohnungen leer stehen. Der Bürger- meister Wolf erklärte als Magistratövertreter, daß der Magistrat seinem in den eingesandten Schriftsätzen niedergelegten Stand» Punkt festhalten werde. Es gelangte schließlich folgende vom Stadt- verordneten Dr. Baumert verfaßte Resolution zur Annahme:„Da in Spandau eine Wohnungsnot nicht besteht, wird ein Eingreifen des Fiskus durch Unterstützung der Charlottenburger Baugenossen« schaft nicht für gerechtfertigt erachtet und der Magistrat ersucht 1. ge« eignete Schritte dagegen zu ergreifen, 2. mit der BolkSzählung am 1. Dezember 1910 eine WohnungSzählung nach dem Vorbild anderer Städte zu verbinden." Nach Annahme dieser Resolution entfernten sich die Zuhörer unter nicht allzu schmeichelhaften Bemerkungen auf die Herren HauSagrarier und deren Gefolgschaft. Von den anderen zur Verhandlung stehenden Vorlagen seien noch folgende erwähnt: Für die Erbauung eines Hallenschwimmbades werden 498 000 M. und sür die Errichtung einer eigenen städtischen Gärtnerei 10 000 M. bewilligt. Dem Spnndauer Männerturnverein werden ans Anlaß seines 50jShrigen Stiftungsfestes zur Stiftung eines Erutnerungszeichen« 50 M. gespendet. Stadtv. Genosse Pieper erklärt hierbei, daß seine Freunde gegen die Vorlasse stimmen würden, weil man die Turnvereine mit zweierlei Matz messe, dem Arbeiterturnverein verweigere man sogar die Benutzung der Turnhalle. Potsdam. Das neue Ortstatut für das Gewerbe- und KaufmannSgericht hat die Zustimmung von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung gewnden. ES enthält folgende Neue rungen: Einführung deS Systems der gebundenen Listen bei der Proportionalwahl; Ein- führung der letzteren auch für eventuell einzusetzende Ausschüsse; Auf« stellung der Wählerliste durch den Gewerbegertchtsvorsitzenden. Auf Beschluß der Stadtverordneten ist noch bestimmt worden, daß jeder Arbeitgeber die Erklärung absseben muß. daß er regelmäßig wenig« stenS einen Arbeitnehmer beschäftigt. Wird nur eine Kandidatenliste eingereicht, so findet leine Wahl statt, sondern die Vorgeschlagenen gelten als gewählt. Die Pflichtfortbildungsschule für die weiblichen Angestellten de» KaufmaimSstandeS wird mit Beginn des Wintersemesters(Oktober 1910) in Kraft treten. Der obligatorische Unterricht erstreckt sich auf Schreiben, Rechnen, Deutsch, Korrespondenz, Buchführung. Wechsel» lehre, HandelSgeographi« und Handeltlehre. Zuviel erhobene Zcugcngeiühren. Ungerechtfertigt erhobene Zeugengebührforderungen gaben Anlaß zu einer BetrugSanflage, über die gestern daS Potsdamer Schöffengericht verhandelt hat. Am 14. März d. I. war der Arbeiter Albert O. au« Caputh Zeug« in einem Zivilprozeß Meier wider Schäfer. An der Gerichttkasie liquidierte er für entgangenen Arbeitsverdienst 6,50 M. für zehn Stunden Arbeitszeit. Die Gebühren sind inzwischen vom Verurteilten eingezogen worden und erst nachträglich stellte sich heraus, daß der Zeuge O. zu Unrecht eine Entschädigung für entgangenen Verdienst verlangt hatte, da er an diesem Tage beschäftigungslos war. ES kam nun zu einer Anklage wegen Betrugs an dem preußischen Justiz- fiSkuS. O. wurde zu 1 Woche Gefängnis verurteilt. Allgemeine Familirn-Tterdckasse. Zahltag Äckerstr. 123 bei Wernicke. Heute Sonntag von 3— S Uhr: Brieflultcn der Redaktion. Sie(ntiftltAi«vrechftunde stndet LIndeuftrafte Nr. 0». dort» vier Trevve»— Äobrftohl—, wocheiiiiigli» vo»?>/, dis S'st tldr abend», SoiuiadendS von 5 btS?>/, Mir nachmittogS fratt. Icdcr Aufrage tf» ein Buchstabe und eine Zahl als Vier», eichen beizufügen. Briefliche «niwori wird nicht erteilt. Etltge sfrageu trage«an tu Ver Sprech» stunde vor. X. 76. Lesen Sie bitte den Artikel noch einmal aufmerksam durch. — O. SN. 89. 1. b>« 3. Ja.- A. H., Meli. 1. Der Eid ist»ulSsiig. 2. Die Mutter kann sich der Pflicht nicht entledigen.— O. W. 86. I. und 3. Geburtsurkunden. 2. Ja.— A K. 4V. Sie müssen Testament machen.— G. M. 88. Ja.— Dissident A. K. Sie brauchen nicht zu reklamieren.— Sö. 84., Halensee. 1. Mein. 2. Vier Jahr» vom Jahres» schluß an. 3. Nein.— TS. S. 16. Zunächst müssen Sie sich mit einem Arzt in Verbindung setzen, der dann wohl auch den eventuellen geeigneten Ausenthaltsort bestimmen würde.— W. 40. Nein. — Wilmersdorf. Augusiastr. 24. Die Tochter muß sür die Mutter, dt» viitteUo» ist, auslommen; auch kann«in Teil ihre» Verdienstes deshalb gepfändet werden.— F. L. 64. 1. Selbstverständlich darf das schul» Pflichtige Kind nicht während deS Unterricht» zu Hanse behalten werden. 2. Nicht da» Jugendgericht bestrast den Vater, sondern die Polizeibehörde. — St. Z. 60. Wenn e» sich um eine am IS. 2. vorgefallene Beleidigung handelt, so ist am IS. Mai Verjährung»iiizetrcten.— P. 166. 1. Sie dürfen die Bäume ruhig abholzen, wenn dadmch da» Grundstück nicht ver» schlechtett wird. 2. Ebenso dürfen wie Inventar, da» nicht fest mit dem Hause verbunden ist, veräußern.— M. S. X. Kommen Sie mit allen Schrislstücken in die Sprechstunde. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marttballen-DtreNIon über den Grohhandel in den Zenwat-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zusubr schwach, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufubr genügend, Gesltiäst lebhast, Preise lest. Gellügel: Zusubr genügend, Geschäst lebhast, Preise gut. Fische: Zusuhr etwa» reichlicher, Geschält etwa» lebhostcr, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und«züdsrüchte: Zusuhr genügend, in Gurken über Bedarf, Geschäst reg», Preis» gedrückt. «vttterungsstberstcht vom 9. Juli 1916, morgen« 8 Uhr. •tattonen Swtnemd«. Hamb irr« Berlin Frants.a M Ä mich en Wien II 762 WNW 756 WNW 762 NW 758 SW 7S0W 766 W Setter 2 wolkig 2 bedeckt 3 bedeckt »bedeckt 5 Regen »bedeckt nik el« #"• S? ui «tattonen i£ tU £= l? S f. Haparanda 755 N Petersburg 762 SO Sctllh itlberdeev Pari» 7S4ONO 7SS NNW 76391 Setter g Regen 2 bedeckt 2 heiter »bedeckt 2 bedeckt jl i 8 17 18 10 14 BSettervrognose für Sonntag, de» 19. Juli 1916. Eln wenig wänner, zettweise heiter, aber veränderlich bei meist schwachen westlichen Winden, etwa» Regen und Gewitterneigung. Berliner Wetterdureau. rSasserstands-Machrichte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterdureau. Wasserstand Rem»!. Tllstt P r e g e l. Jnlterbmg Weichsel, Tborn Oder. Ratibor , Krosse» , Frantturt Warth», Schrimm , Landsberg Ritz«, vordanim Elbe, Lettmeritz , Dresden .»cnb» , Magdeburg >)+ bedeutet Wuchs,— Fall. Unierpegel. ,.u..... In dieser Woche: Außergewöhnlich biflige Angebote Elegante Leinen-Kostüme Serie 1 mit eleganten Einsätzen und Soutache reich garniert bisher M. 12 bis 21 durchweg M. 8 50 Serie II bisher M. 21 bis 40 durchweg M. 16" Leinen-Röcke» mit Einsätzen reich garniert. weiß u. ecru M. 2 75 aus kräftigem,&Q l§ gemustertem Stoff, mit Stepperei u. Knöpfen garniert, M. Sport-Röcke Reise-Röcke» reicher Knopfgarpierung u, breit abgesteppt■ Alpaka-Röcke 0 Farben, in tiefe Falten gelegt M. 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Ziehung 1. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. .. Ziehung vom 9. Juli, nachmittags. "Ur dl« Gewinne Uber 50 Mark»ind den betreffenden Kümmern in Klammern beigefugt. (Ohne Gewähr.)(Nacbiiruek verboten.) 34 300 7 429 70 709 926 1 319 009 74» 900 2155 475 519 919 3137[100] 299 820«28 58 74 4247 90[400] 5'5 628 607» 82 1 66»18(100) 0090«t 97«41 8« 461 521 88 ' 431'100�('91 710 VOt 36 8254 357 145 393 303 9T4 9183 401 798[160] 823 024 10«Ol 68 90 895 47 58 999[100] 11970[100] 94 365 544 53 619 739 1 2015 62 136 189 538 1 3081 270 79 380 334 141« SM 55 515 807 04 1 5027 101 474 854 912 [300] 10011 100 91 231 859 82 49» 611 öl 835 17019 115 98 285«4[100)«92 703 82 831[100]«? 18033 215 880 408«7 937 1 9160 5(2 78( 811 96 20-14[ 200](60«73 969 21 145 86 SOO 19 24 33 533 76« 890 06« 22084 195 419 54[100] 555[VM| 669 23135 200 011 44 788 917 31 56 24608 125 7S 98 226 496 713 [100]«77 2 5 097 10» 136 401«49[800] 79 263(9 87 477 45 1 92 778 2 7016 204.137( 58 842 2 8181 8 4 222 355 81 809 29140 88 331[100] 06 30115 69 377 606 03 713 31078 406[zv] 48 724 814 3 2067 308 411 613 792 048 3 3000 147 862 406 596 3 4129 815 756«38 3 5 286 07 348[700] 406 5»0 773 30015 370M 139 40 241 338 609 36 54«69 74«71[200] 38(27[lOO] 566�710 64 83« 69 960 3 9064 87 �07 433 54 089 842 936 40397 609 811 70 84 978 4 1 02» 661 96 787 58»59 42099 168 230 97 491 546 720 881 43140 674 711 13 44165 100 460 61 71» 864 948 78 89 4 5030[lOO] 148 81 680 736 825 40136[100] 563 771»69 47117 321 4>» 655 70« 52 97 4 8 072 241 68 822 27 662 74 743 823 42 999 49082 436 555 607 73 666 50154 82 96 224 361 83 436[200] 623»2 70 706 18 «1«91 5 1 0X6 488 659 69 07 80« 982 5 2048 168 248[200] 462 77[100] 719 31 811 53018[300] 64 162 85 383 915 54036 151 216[100] 358 424 86[ 200]«T[200] 741 834 6 5017 60 133 95 295 376 420 881 997 5 0 000 74 172»8 813 687 601 763 804 66 96 5 719» 362 481 638 723 046 6 8 0TI 179 380 5 9009[SOO] 189 200 41 419 611 780«67 992 6007(0 130 32» 64 487 79 542 47«91«55 908 01127 [100] 37« 82 457 644 715 83« 62529[390]«37 91 719 MO 653 63103 72 247 8« 90 348 606 95» 64098 267[100] ,» 87 90 459 624 728 0 5056 151 814 410 14 89 679 899«50 60073 150 59 078 07108 412 970 6824« 46» 026 760»12 18 48 0 9 233 390 493 617 60 701-7 63[100] 592 648 799«45[100] 89 905 7 1 007 *65 331 522»42 952 72(31 SSO 472 592 7341» 949 74027 87 110 824 5o 943 7 5341 408 61 89»53 77 737[100] 96» 71 70701 82 918 89 77171 810 684[WO] ,87 920 78085 [200] 107 44 370 85 406 822 82 7914« 197 483 663 632 64 »6 803 57 80199 422 506«40 69 81008 186 M«56»11 4« 78« 62 82 916 8 2042 43 470«82 8 3067 824«9 432 639[160] »8 780 8 4004 38 190 413 55 580 05« 80 98 85127 266 350 (1001 424 57t 630 46 82 736 91 8 0211 473 50» 91 763 916 87032 80 198 68«»10 88001 852«««80(100] 965«7 (100] 8914« 219 803 727 81« 80 9O026 816 530 76 618 786(K») 884»80 91144 57[200] <7 766»72 9 2229 688 9 3 080 107 28« 694 824 47 71 83 94460 041 747 871 95,335 Sit 577 849 7» 9004» CO[100] 142 21« BOT(100] 627 20 846[106] 97088 90 440 85 606 780 938[1001 43 0 8028 41» 64 63, 846 06 702 76 860 90871 781[800)«50»» 100049[200] 52 301[200] 18 68«20 789 97« 1O1027 280 473 863 82 951 102131 267 532 5 7 653 1 03128 528 84 616 60 727 1 04433[100] 46 624«18 105-02[100] 7 781 100174[100] 225 430 795«10 73 099 1 07030 125 513 827»50 108134[100] 755«1 895 1O908I 2X6 [100] 431 704 48 70 803 09[ 306] 85 972[100] 11027!) 31 393 540 1 1 1056 223 41 66 342[600] 671 M« 912 112317 616 K 731 836 60 113096 145 141 4 12 609 74[100] 174 848 061 114111 12 231[400] 59 324 605[100] 808 115001 66 196 607 058 8» 110131 325 39 403 70 614 791 95 97» 1........ 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Klaas» II». König!. PreiuM .Lottert« finde««tan an U.».14, August laifb Dandorf»ß Spittelmarkt Belle- Alliancestrasse Grosse Frankfnrterstrasse Bnmnenstrasse Kottbnser Damm Wirtschafts-Artikel Soweit Vorrat ZinkwascIi!asser7.5of9.25Jii.5o Zinkzober...... 8.50, lO.so, llso 2.85, 3.5« Wäscheleinen..... 98pf. Schmortöpfe 38, 48, 55, 75 pr. Schmortöpfe— cn 7P. Ql. mit Bing............ 5a, bö, 75,"5 Pf Kasserollen... 25, 30, 35, 42 pf. Kasserollen Eing... 48, 55, 65?/. Kasserollen 48, 60, 70» Wäschetrockner mitiosuben 68?/. 2 Gasplätten 11114 Brhlt Gamitur 4.25 Plättbretter qu'Ä 93.1.9s, 2.2s Waschbretter....... 48, 65, 95?/ Spirituskocher... 25, 35, 43» Petroleumkocher,. q I Loch, 2 Flammen......... 1.45, 1.95, a.35 I Loci, S Flammen............... 1.95, 2.95 2 Loch, 4 Flammen.............. 4.95, 5 50 Emaille Wasserkessel 95, l�s, 1.ss, Lts Wasserkessel ,oe1nc««c schwere QnaliUt...... 1.65,1.95,�.25 Bratpfannen....... 25, 30, 42» Gasschmortöpfe � � schwere Qualität........ I«259ln45y 1.55 Kaffeekannen............ 58, 75?/. Milchtöpfe.......... 55, 65, 85» Dnrchschläge..... 42, 55, 65 Pt Maschinentöpfe.. 38, 43, 65» Kehrschaufeln........ 38,42» Gazeglocken....... 22, 25, 30» Gazeschränke... 3.95, 4.95, 6.so Esslöffel Brit�mia...... 10, 12, 15» Teelöffel Britanm....... 5, 8, 10» BeSteCke mit•ohwanen Griffen, Paar 33» Küchenschüsseln........... 25» Wasserkannen.... 22, 48, 65» Wasserkannen dekeriert 1.25, Lss Konsole m. ua«.,««- Maschel/orm........ Dü» dekoriert 1.40 Wannen......... Us, 1.65, 1.95 Wassereimer Glas ca. 28 cm, grau 65,...b,.. 85 pt Butterdosen m» reu«.......... 22». Zuckerschalen au/ Fn»....... 18» Zitronenpressen.............. 8» Salatschüsseln................ 12» Kompottschüsseln........... 5» Honigdosen mit Teuer........... 15» Sturzflaschen"eLhüSa...... 48» Wasserflaschen geecbuffen... 85» Bierkrüge geschliffen............. 95». BiergläSer in diTenen Formen.. 14» 50000 Kaffeetassen mit Goldband nnd Linie, oder Blnmen- dekoren..... 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Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur für eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem I anderen Geschäft zu haben sind. Im Juli und August bleibt unser Geschäft Sonntags nach 10 Uhr geschlossen. Kctanttcortlictjet Redalteur Richurd Barth. Berlin, gür de» Lnseratenliil verailtw� Th-Glate, Berlin, Krück».Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u, Verlagsanstalt Paul Kinger 8i Ko., Berlin SW, Kr. 159. 27. 4. KnlM des.Fsmöils" Kerlim Zouutag, 19. MK 1919. Versammlungen. Die Angestellten der städtischen Straßenbahn kamen am Frei- Zagabend im„Elhfiixm" zur Besprechung von allerlei Mißständen zusammen, die bisher unter dem Oberkontrolleur Haas herrschten. Haas wird beschuldigt, daß er seine Stellung ausnützte, um sich Vorteile zu verschaffen, die Angestellten zu drangsalieren und be- sonders den Deutschen Transportarbeiterverband zu bekämpfen. Haas rühmte sich, daß er jeden aus seiner Stellung bringen könnte, der diesem Verbände angehört; er verhängte viele ungerechte Strafen, verfügte Entlastungen aus nichtigen Gründen und borgte Geld von den Angestellten, die gezwungen waren, sich seinen Wün- schen zu fügen. Beschwerden bei den Vorgesetzten dieses Ober- kontrolleurs blieben ohne Erfolg. Die Beschwerdeführer wurden einfach abgewiesen. Erst am vergangenen Donnerstag ist dieser Herr endlich entlassen worden. In der Versammlung wurde diese Ankündigung mit lautem Beifall begrüßt. Die Angestellten waren offenbar erfreut, diesen Mann endlich loS zu sein; sie fragen sich aber, wie es möglich rst. daß er jahrelang in seiner Stellung bleiben tonnte, und daß ihren Beschwerden niemals stattgegeben wurde. Erst in den letzten Tagen sind wieder drei Leute entlassen worden, gegen die. nach der Meinung ihrer Kollegen, nicht das geringste vorlag. Die Angestellten erwarten, daß eine gründliche Nachunter- suchung über die Führung der Geschäfte des Haas stattfinden werde, und find gewiß, daß alle Beschwerden über diesen Oberkontrolleur fich als durchaus gerechtfertigt erweisen werden. Die folgende Re- Solution wurde dann einstimmig angenommen: »Die beute, am 8. Juli, im„Elhsium" versammelten Ange. stellten und Interessenten der städtischen Straßenbahn nehmen Kenntnis von den' vom Referenten geschilderten Mißständen und sprechen ihre Verwunderung darüber aus, daß in einem der Stadt Berlin gehörenden Unternehmen, das ein Musterbetrieb sei» sollte, derartige Zustände Platz greifen konnten, ohne daß von den zuständigen Instanzen Remedur geschaffen wurde. Sie erwarten, daß die ihre Stellung mißbrauchenden Beamten zur Rechenschaft gezogen und die drei ohne Angabe von Gründen und ohne jede Vernehmung entlassenen Angestellten wieder in den Betrieb eingestellt werden. Weiter verlangen die Versam- 1 melten, daß den Angestellten bei der Ausübung des ihnen gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechtes keine Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Von den Angestellten der städtischen Straßen. bahn, Mitgliedschaft des Deutschen Transportarbeiterverbandes, anschließen, um in Zukunft durch eine geeignete Vertretung ihre Rechte wahrnehmen zu können." In der Diskussion wurde von den verschiedenen Rednern ganz energisch das Recht der Angestellten verteidigt, dem Deutschen Transportarbeiterverbande anzugehören. Holzarbeiterverband. In der am Freitag abgehaltenen Generalversammlung der Zahlstelle Berlin erstatteten R. L eo p o l d und Glocke Bericht vom Verbandstage, der ohne Diskussion ent- gegengenommen wurde. Demnach ist die Versammlung, wie der Vorsitzende konstatierte, mit den Beschlüssen des Verbandstages sowie mit der Haltung ihrer Delegierten einverstanden.— Hierauf wurden folgende Wahlen vollzogen. Unbesoldete Mitglieder des Vorstandes: Döring, Gabler, Oehlert, Rennau, Wenzel, Richter.— Revisoren der Hauptkasse: Klingner, F. Leo- pold, Michailscheck.— Preßkommission: R. Leopold, Rob. Schmidt, Schwarzmeier, Späth e, Stöcke l.— Gauvorstand: Dahlke, Güth, Hübner, R. Leopold. Schreiber. OKocben-Spielplan der Berliner Cbeater. König!. Opernhaus. Geschlossen. Röntgt. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues tönigl. Opern-Theater. Sonntag und Montag: Tann- Häuser.(Ansang 71/, Uhr.) Dienstag: Der Kobold.(Ansang 7 Uhr. Mittwoch: DaS Rheingold.(Ans. 8 Uhr.) Donnerstag: Die Walliire.(Ans. 7 Uhr.) Freitag: Die Fledermaus.(Ans. 71/. Uhr.) Sonnabend: Siegfried. Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr.) nn.(Ansang 61/, Uhr.) onntag bis Montag 18. Juli: ReichStagSwahl.. (Ans. 7 Uhr) Sonntag Montag: Götterdämmerun Deutsches Theater. (Ansang 8 Uhr.) Deutsches Theater(Kamm erspiele). Ansang 8 Uhr. Täglich: LtebeZwalzer. Lesstng. Theater. Täglich: Kasernenlust. Ansang 8 Uhr. Kleine» Theater. Täglich: Rur ein Traum. Ansang 8� Uhr. Berliner Theater. Täglich: Taisun. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Geschlossen. Neues Schauspielhaus. Täglich: Der Mieaer. Ansang 8 Uhr. Hebbel- Theater. Täglich: Wem gehört Helene? Gpuk. Ansang 8*1, Uhr. komische Oper. Täglich: Der RegimentSpap«. Ansang S Uhr. Thalia-Theater. Taglich: Charleys Tante. Anfang 8 Uhr. Schiller-Tlicatcr O. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprinzesst». Abends: Die Förster-Christel. Ansang 8 Uhr. Montag: Der Freischütz. Dienstag: La Traviata. Mittwoch: Die Forstel« Christel. Donnerstag: Rigoletto. Freitag: Die Förster- Christel. Sonnabend: Der Troubadour. Sonntag- La Traotata. Montag: Rigoletto. Schiller- Theater Charlottenburg. Täglich: Die von Hochsattel. Ansang 8 Uhr. Friedrich-WilhelmstädttscheS Schauspielhaus. Geschlossen. Neues Operetten- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Abends bis Sonnabend: Der Graf von Luxemburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Dollarprinzessin. Abends und Montag: Der Gras von Luxemburg. Ansang 8 Uhr. Lutsen-Theater. Geschlossen. LustspielhanS. Allabendlich: DaS LeutnantSmündel. Anfang 8 Uhr. Rofe-Theater. Täglich: Der Gesundbeter. Anfang 8 Uhr. Al'ollo-Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Nolles Caprice. Allabendlich bis auf weiteres: Pariser Ehm. Versöhnungssest. Anfang 81/« Uhr. Metropol- Theater. Allabendlich: Hallo l Die große Revue l Ansang 8 Uhr. Passage-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 3 Uhr. Buggenhagen. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Neirhshalle»- Tbeater. Allabendlich: Stettwer Sänger. Anfang 3 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Karl Haverland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Prater-Theater. Täglich: Im Reiche des MarS. Ansang 8 Uhr. Urania> Theater. Taubenstr. 48/49. Sonnlag: In den Dolomiten. 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