Nr. m RtonneaeiitS'Beinnsiinfin} Ktonntmentfi> Preis pränumerando! Siert-YSHrl. S,Z0 Mk, monatl. 1,10 Mi. wöchentlich 28 Pfg. frei in« HauS. Einzeln- Nummer 5 Pfg. E-nntagS. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- «bonnemcnt: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oefterrerch- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland v Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. DSnemarh Holland. Italien, Luxemburg, Portugal, tiänisn, Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. Vlchtim ßall* auScr modtags. Vevlinev Volksblatt Die Tnlerfloni'GeMbr vekägt für die fechsgespalten» Noloml« zeile oder deren Raum SO Psg., für politische und gewerkschaftliche Verein». und VcrsamiuiungZ. Anzeigen SO Psg. „Uleine?nr«lg«n-, das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jede» weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg« jede« weitere Wort B Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUHrnachmittagSinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresiet „SMialdellipKrät BhUb". Zentralonjan der fozialdemokratt feben Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnetraaae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Lei' Zug»ach rechts. Vor einigen Tagen ging die Mitteilung durch die Presse, daß die Leitung der nationalliberalen Partei mit der Leitung des Bundes der Ländwirte in Verhandlungen zur Herbei- führung eines Wahlbündnisses für die nächsten Reichstags- wählen stehe. Der Parteisekretär der nationalliberalen Partei Schleswig-Holsteins, Dr. Rathje, habe sein Amt niedergelegt, weil er für ein Zusammengehen mit dem Freisinn sei, während der Vorsitzende, der nationalliberale Landtagsabgeordnete Dr. Schifferrr-Kiel, die Fühlung nach rechts möglichst aufrecht erhalten wissen will. Von maßgebender nationalliberaler Seite ist diese Mitteilung sofort dementiert worden. Bei dem Kenner der schleswig-holsteinischen Parteiverhältnisse hat das Dementi ein ungläubiges Lächeln hervorgerufen. Mag die obige Mitteilung nicht in allen Einzelheiten richtig sein, fest steht der unverkennbare Zug nach rechts an den maßgebenden nationalliberalen Stellen. Der Nationallibe- ralismus in Schleswig ist seit je die reaktionärste Gruppe der nationalliberalen Partei.. Er hat einen stark bündlerischen Einschlag. Er muß bündlerisch-freundlich sein oder er ist nicht. Mit Ausnahme der Großhandelskreise in Kiel, Flensburg, Apenrade und der Kieler Universitätskreise sind seine Truppen die Großbauern in Angeln, Schwansen, Dithmarschen und Nordfriesland. Diese Großbauern sind aber die Nutznießer und eifrigen Verfechter der Hochschutzzoll- und Grcnzsperr- Politik. In allen schleswig-holsteinischen Wahlkreisen, wo der Nationalliberalismus einen nennenswerten Einfluß hat, ist der bündlerische Einfluß unverkennbar. Der im Wahlkreise Flensburg-Apenrade 1907 gewählte Abgeordnete Wommels- dorff ist Mitglied des Bundes der Landwirte. Der Kandidat der Nationalliberalen im Kreise Schleswig- Eckernförde, der 1907 mit Hilfe der Sozialdemokraten vom Freisinn in der Stichwahl geschlagen wurde, ist gleichfalls Mitglied deS Bundes der Landwirte. Im Wahlkreise Husum- Tondern, wo die Nationalliberalen den Freisinnigen das Mandat abzunehmen gedachten, was aber durch die Hilfe, die die Sozialdemokratie dem Freisinn bei der Stichivahl bot, verhindert wurde, gingen Nationalliberale und Bund der Landwirte schon im ersten Wahlgange zusammen. Der nationalliberale Neichstagsabgeordnete Dr. Görck, der mit Hilfe des Freisinns in der Stichwahl gegen den Sozial- demokraten Paul Müller im Kreise Jtzehoe-Steinburg gewühlt wurde, steht dem Bunde der Landwirte zum mindesten sehr nahe. Das nationalliberale Organ dieses Kreises, die „Jtzehoer Nachr.", wetteifert mit der„Deutschen Tagesztg." in agrarisch-hochschutzzöllnerischen Forderungen und dürfte in der reichsverbändlerischcn Kampfesweise— gegen die Sozial- demokratie— kaum von einer deutschen Zeitung geschlagen werden. Nimmt man zu allen diesem die Tatsache. daß die Nationalliberalen Schleswig-Holsteins bisher alleS Liebes girren der Freisinnigen nach einem allgemeinen nationalliberal freisinnigen Znsammengehen bei den nächsten Reichstags Wahlen in der Provinz höhnisch zurückgewiesen haben, dann versteht man, daß die Mitteilungen über die Verhandlungen zwischen Nationalliberalen und Bund der Landwirte in Schles Wig-Holstein kein großes Aufsehen erregt haben. Hier würde man sich nur wundern, wenn es anders gekommen wäre. Der Zug nach rechts macht sich aber auch unverkennbar beim Freisinn bemerkbar. Der schlesivig-holsteinische Frei' sinn ist überhaupt ein eigenartiges Gewächs. Bis zum Auf' gehen in der Freisinnigen Fortschrittspartei hat die Haupt masse der schleswig-holsteinischen Freisinnigen ihre von der Freisinnigen Volkspartei und der Freisinnigen Vereinigung unabhängige Organisation gehabt. Der schleswig-holsteinische Freisinn ist hervorgegangen aus der alten Schleswig-Holsteini scheu Landespartei, die im Grunde gar nicht freisinnig, sondern konservativ war. Nirgends nimmt der Freisinn den Mund so voll vom„entschiedenei/' Liberalismus wie in Schleswig-Holstein, nirgends ist er aber ir�Wahrheit so reaktionär wie hier. Es gibt in Schleswig-Holstein kaum noch eine nennenswerte Stadt, wo nicht mit Hilfe freisinniger Stadtverordneter der Wahlzensus erhöht worden ist, Während mancherorts freisinnige Politiker und freisinnige Zeitungen die Stimme erhoben haben, scharf die Front nach rechts zu nehmen, hat kein freisinniger Parla- mentaricr in Schleswig-Holstein und keine freisinnige Zeitung in diesen Ruf mit eingestimmt. Der freisinnige„Holst. Courier" verurteilte sogar erst kürzlich scharf jede Stichwahl- Unterstützung der Sozialdemokratie durch den Freisinn und die „Kieler Zeitung" druckte mit sichtlichem Behagen den Satz aus der Königsberger Rede des freisinnigen Reichstagsabgeordncten G Y h l i n g ab. daß die Fortschrittliche Volkspartei die Front scharf nach rechts und nach links nehmen müsse. Das ist dieselbe Taktik, meint das Kieler Freisinnsblatt, welcher die Freisinnigen Schleswig-Holsteins in ihrer Mehrheit stets treu geblieben sind. Das stimmt, die schleswig-holsteinischen Freisinnigen haben sogar die Front vielmehr nach rechts als nach links genommen und sind dabei soweit auf den Hund gekommen, daß sie nur noch mit Unter- stützung von rechts und links Mandate bekommen können. Um den ganzen Janimer des schleswig-holsteinischen Freisinns zu kennzeichnen, sei noch hervorgehoben, daß das Bündnis zwischen Freisinn und Bund der Landwirte im Flensburger Wahlkreise, wonach für die bündlerische Wahlhllse bei der Landtagswahl der Freisinn sich verpflichtet hat, den Kandidaten des Bundes der Landwirte in der Reichstagswahl zu wählen, falls er in die Stichwahl kommt, noch besteht, und daß der Versuch des freisinnigen Reichstagsabgeordneten Dr. Leonhart, an Stelle der„Kieler Ztg.", die immer mehr zum National- liberalismus hinneigt, eine freisinnige Tageszeitung für die Provinz zu schaffen, gescheitert ist. Die„Kieler Tages- Post" hat nach kurzem Dasein am 9. Juli ihre letzte Nummer erscheinen lassen; der Freisinn Schleswig-Hol- steins ist nicht mehr in der Lage, eine selbständige freisinnige Tageszeitung hochzuhalten. Zwar oberflächlich gesehen ist der Freisinn in Schleswig- Holstein noch recht kräfttg, besitzt er doch seit den Reichstags- wählen 1907 von den zehn Wahlkreisen der Provinz nicht weniger als fünf und zwar Lauenburg, Otteusen-Elmshorn- Pinueberg, Oldeuburg-Plön, Schleswig-Eckcrnförde und Husum- Tondern. Den Besitz der drei letzteren hat ihm aber die Wahlhilfe der Sozialdemokratie verschafft und den Besitz der beiden anderen die Wahlhilfe der rechtsstehenden Parteien. Die Sorge um den sehr gefährdeten Besitz der Kreise Lauen- bürg und Ottensen-Pinneberg und die— allerdings aussichts- lose— Hoffnung, den Spieler Kreis wiederzugewinnen, läßt der Freisinn sich der Reaktton mit Haut und Haaren der- schreiben. Daß die Sozialdemokratie ihn dort, wo sie zu seinen Gunsten den Ausschlag gibt, trotz alledem heraushaut, hält er für die selbstverständlichste Sache von der Welt. So rücken die rechts- und linksliberale Partei in Schleswig-Holstein mehr und mehr nach rechts. Jede ge- trieben von der niedrigsten Mandatsjägerei, jede aber schanzt lieber ein Mandat der ärgsten Reaktion zu, als daß sie der links von ihr stehenden Partei ein Mandat gönnt. Aufgabe der Sozialdemokratie wird es sein, die Zeit bis zur Reichs- tagswahl so auszunutzen, daß die Wähler mit einem ent- schieden«! Ruck nach links antworten. Line flnrnaßuBO. Die Verzweiflung scheint eingekehrt zu sein beim Reichs- verband gegen die Sozialdemokratie. Darauf läßt wenigstens ein erneuter dringender Bettelbrief schließen, der An- fang dieses Monats in Umlauf gebracht worden ist. Zweierlei spricht mit voller Deutlichkeit aus diesem Bettelbrief: einmal das Entsetzen vor dem stetigen Anwachsen der Sozialdemokratie, und dann eine unsägliche, hochmütige Verachtung des Ar- beiterstandes überhaupt, vor allem der sogenannten„natio- nalen" Arbeiter. Das Schreiben klagt wiederholt, daß die Sozial- demokratie schon bei der letzten Reichstagswahl 3)4 Millionen An- Hänger aufbringen konnte, daß sie bei den Landarbeitern und bei der gewerblichen Jugend unaufhörliche Fortschritte macht und daß sie einen ständig steigenden Einfluß gewinnt. Die„nationalen" Ar- beiter jedoch werden in der folgenden hochmütigen Weise abgemalt: „Die etwa 2 Millionen in den sozialdemokratischen Gcwcrk- schaften organisierten Arbeiter üben auf die nichtsozialdemo- kratisch organisierten fast 9 Millionen gewerblicher Arbeiter einen unerträglichen Zwang aus---- Die nationalen Arbeiter können aus eigener Kraft gegen die skrupellos vorgehend« Sozialdemokratie nicht mehr aufkommen. Es i st daher die Pflicht aller patriotischen Deutschen, die nationalen Arbeiter in ihrem schweren Kampfe gegen die Sozialdemokratie opferwillig zu unterstüöen." Was müssen das für Kerle sein, diese angeblich„nationalen" Arbeiter, wenn sie in so gewaltiger Ueberzahl sind und doch gegen das viel kleinere Häuflein Sozialdemokraten nichts ausrichten können! Die Herren merken gar nicht, daß sie damit ihren Ar- beitern selbst den größten Schimpf antun. Trotz ihrer Ueberzahl können die„nationalen" Arbeiter sich bricht„wehren", sondern brauchen die Hilfe von ausgerechnet 12 Personen mit hochtrabenden Titeln— Direktoren, Professoren, einen Generalmajor usw.— die sich als„Ausschuß zur Förderung der Bestrebungen vaterländischer Arbeitervereine" zusammengetan haben. Die 9 Millionen Arbeiter schaffen es nicht, aber wenn dazu 12 Mann bürgerlichen Standes kommen, dann muß es ja gehen. Wie gesagt, der ganze Hochmut, der in jenen Kreisen herrscht, die ganze Verachtung, die man dem Arbeiter entgegenbringt, spricht aus dieser Auffassung. Da wird der Arbeiter als ein großes Kind betrachtet, das von Personen„höheren" Standes gegängelt und be- vormundet werden muß. Freilich behauptet der Brief auch, daß„die Führer der nationalen Arbeiterbewegung selber den Wunsch nach einer beratenden und helfenden Stelle ausgesprochen" hätten. Dann müssen diese„Führer" wohl auch solche Behandlung wert sein. Aber die übrigen werden schon noch zur Erkenntnis der schmachvollen Rolle kommen, die man ihnen zumutet. Im übrigen scheint es aber, daß der famose„FörderungSauS- schuß" von 12 Mann auch nicht helfen noch beraten kann. Denn er schnorrt mit gar beweglichen Worten um Geld. Trotzdem die Gesamtmitgliederzahl der sogenannten„Vaterländischen Arbeiter- vereine" schon 200 009 betragen soll, können sie doch weder an die Anstellung von Sekretären noch an den Ausbau ihrer Presse denken. Man sollte eigentlich meinen, ein Rückhalt von 200 000 Mitgliedern müßte dazu genügen. Die großstädtischen bürgerlichen Tages- zeitungen haben ja selber mehr als soviel Leser. Also wird wohl bei den 200 000 einiges geflunkert sein. Und so wendet sich denn der„Förderungsausschutz" mit träncnerstickter Stimme an die patriotische Opfcrwilligkeit" aller„guten" Deutschen, sie möchten doch um der Barmherzigkeit willen und aus„herzlichem Mitgefühl für unsere deutschen Brüder im Arbeiterstande" einen Beitrag zeichnen� und zwar, wie der Herr Generalmajor von Loebell in einem eigenhändigen Begleitschreiben hinzufügt, womöglich gleich für mehrere Jahre. Wir glauben ja nicht, daß eine Bewegung, die ihre Mittel auf so jämmerliche bettelhafte Weise zusammenschnorren muß, jemals etwas Ernstliches wird ausrichten können. Immerhin ist es Pflicht unserer Genossen, die Arbeiter überall darüber auf- zuklären, welcher Schimpf ihnen schon allein durch das Bestehen dieses„FördcrungsauS- s chuffes"«tu getan wird I Der ßoehette- Skandal. Paris, 10. Juli.(Eig. Ber.) Morgen wird sowohl in der Kammer wie im Gemeinderat die Affäre Nochette in Interpellationen zur Sprache gebracht werden. Das Hauptinteresse konzentriert sich natürlich auf die Kammer, wo B r i a n d nicht nur über die seltsamen Beziehungen zwischen Hochfinanz, Justiz und Polizei, die sich in der nun- mehr einigermaßen aufgeklärten Geschichte des Rochette- Krachs offenbaren, sondern auch über seine eigene Rolle in dem sensationellen Justizfall, der sich zur Zeit, da er an der Spitze der Justizverwaltung stand, zugetragen hat, Rechen- schaft zu geben haben wird. Daß es sich in dieser Affäre um einen der ärgsten Skandale handelt, die auf dem Boden der Bourgeoisrepublik erwachsen sind, ist offenkundig. Es ist keineswegs bloß der Kabinett- chef des P.olizeipräfekten, Herr Ives D u r a n d, der übrigens schon um Versetzung in Disponibität nachgesucht hat, der kompromittiert ist. Herr Lspine selbst hat in den„Matin" eine Darstellung lanciert, in der das Vorgehen der Polizei, die mit Herrn Prebet gemeinsain die Klage gegen Rochette fabrizierte, auf direkte Intervention des Mi» nisier des Innern zurückgeführt wird. Minister des Innern aber war damals— Clemenceau. Zufälligerweise dampft nun Clemenceau eben jetzt nach Südamerika, wo er auf einer Vortragsreise die Probleme der Demokratie behandeln soll. Aber seine Brüder haben sich beeilt, in einer Zuschrift an die Presse zu erklären, daß er nie in einer Justiz- asfäre interveniert habe. So daß Lspines Behauptung eine Verleumdung wäre. Nun sind die Gebrüder Clemenceau selbst mit dem kapita- listischen Gründertum eng verwachsen. Herr Paul Cle- menceau, der Ingenieur, ist Verwalter und Direktor einer Reihe von Aktiengesellschaften, die dem Hütten-Komitee an- gehören, zu dem auch Herr Prebet, der Direktor des„Petit Journal", in nahen Beziehungen steht, Albert Clemenceau aber, der Advokat, gehört zu den Anwälten des Ouenza» Syndikats. Aber alle kapitalistischen Beziehungen der Familie Clemenceau erklären nicht, wie L6pine einer Order des Ministers, die einen offenkundig ungehörigen Eingriff von ihm forderte, blind Folge leisten konnte. Fest steht nun folgendes: Gegen Nochette waren schon im Februar 1908 Anzeigen eingelaufen. Am 6. März erstattete die Staatsanwaltschaft, die gemäß einem Auftrage des Justiz. Ministers die Angelegenheit untersucht hatte, einen Bericht, der erklärte, daß eine Klage nicht vorliege, die sich in allge- meinen Behauptungen bergenden Anzeigen aber zu einer ge- richtlichen Verfolgung nicht hinreichten. Im März wurden beim Justizminister die Beschuldigungen gegen Rochette er- neuert, die Untersuchung ergab indes keine neue Tatsache. Trotzdem unternahm die Polizei die bekannte Aktion, die darauf hinauslief, eine Strafanzeige gegen Nochette zu fabri-, zieren. Rochette wurde verhaftet und damit die Vörsenpanik herbeigeführt, bei der 50 OoO Aktionäre schwer geschädigt wur- den und etliche eingeweihte Leute ungeheure Profite eingesackt haben. Es koinmt nicht in Frage, ob das Gebäude der Rochelleschen Spekulationen ohne die Intervention der Prevet-Durand auf die Dauer haltbar ge- Wesen wäre. Ein gemeiner Dieb war Rochette sicher nicht. Nach seiner Verhaftung wurden in den Kassen seiner ver- schiedenen Unternehmungen 10 Millionen in bar und 30 Mil- lionen in guten Papieren gefunden. Aber zweifellos ist es, daß der Krach just in jenem Augenblick nicht eingetreten wäre, wenn die Polizei— oder das Ministerium— die Gegenope- rationen des Herrn Prebet nicht durch die Verhaftung ge- sichert hätte. Aber es war nicht Prebet allein, der ein Jnter- esse an der Vernichtung Rochettes hatte. Zu den Gegnern Rochettes gehörte vor allem auch der Deputierte E t i e n n e, Präsident des Verwaltungsrats der Omnibus- gclellschaft, deren Privilegium damals ablief und der als einzigen ernsthaften Konkurrenten eine Gruppe, die von den Herren D a r r a c q und Rochette gebildet wurde, sich gegenüber sah. Ein weiterer Gegner Rochettes war der be- rüchtigte Korruptionist fR 0 u v i e r, dessen Konkurrent Rochette in der Affäre der Gasgesellschaft war. Der „Rappel" bezichtigt Etienne direkt, in Gesellschaft des Se- nators Prebet verschiedene Besprechungen mit Cle- menceau abgehalten zu haben, zu dem Zwecke, eine Jnter- vention gegen Rochette durchzusetzen. Schwere Anklagen erhebt der„Rappel" auch gegen den General st aatsanwalt Fabre, der mit L6pine im Einverständnis die Verhaftung Rochettes zur Befriedigung privater Interessen angeordnet, dann die Freilassung hart- näckig verweigert und die offizielle Falliterklärung des «CrM Minier" herbeigeführt habe, einer Gesellschaft, die so wenig fallit Kar. 5aß?el ih'rer Liquidation i?re Tlaubtger IM Proz. erhielten. Der„Rappel" fragt weiter, ob Fabre nicht die Verhaftung Rochettes mit Umgehung des Justiz- Ministers auf einen direkten Befehl des Ministeriums des Innern, also auf Grund einer wahren„lettre cle caetiet", wie sie das absolute Königtum kannte, vorgenommen habe. Dasselbe Blatt beschuldigt auch den Staatsanwalt Monier verschiedener rechtswidriger Handlungen und falscher Zeugenaussagen in dieser Angelegenheit. Es bezichtigt auch Herrn Aves Durand, abgesehen von seiner Intervention bei der Anzeige, seinen Freundenvonder Polizeipräfektur, namentlich dem Direktor des Untersuchungsbureaus M o u q u i n und dem Polizei- sekretärLcgrand Mitteilung von der bevor- stehenden Verhaftung gemacht und damit die Anregung zu eineni erfolgreichen Börsen- c o u p gegeben zu haben. Endlich fragt es Herrn Durand, ob er nicht Kommanditär des Börsenhauses Rivaud-Kinkelin sei, das an den Rochette- Werken im Augenblick des Krachs 322 682 Frank realisiert hat. Und nun haben zunächst— die Herren Briand und L6pine das Wort. Die Kammerfitzung. Paris, lt. Juli. Die Deputiertenkammer beriet heute die Jnter» pellation über die Verhaftung des Bankier? Rochette im Jahre 1908. I a u r d« erklärte, Rochette sei damals gefallen, weil er sich de» Haß des finanziellen Generalstabes der grohen Gesellschaften, die auf die öffentliche Gewalt Einfluß ausübten, zugezogen habe. Er behauptete, Rochette sei auf die von der Polizei fabrizierte Klage eines fingierten Aktionärs hin verhaftet worden und fordere, daß man diejenigen ausfindig mache, die sich damals durch Baissespekulation bereichert hätten, weil sie von der Verhaftung Rochette? Kenntnis gehöht hätten. I a u r ö S kritisierte sodann das Verhalten deS Polizeipräfekten Lepine, machte Briand den Vorwurf, baß er erklärt habe, in dem Falle Rochette fei alles in Ordnung und schloß mit der Forderung, man solle gegen die Gerichtsbehörden und die Polizei einschreiten. politische debcrllcbt. Berlin, den 11, Juli 1910. vassermanns Ende. Daß der arme Bassermann fertig ist, scheint nicht mehr zweifelhaft. Die„Kreuz-Ztg." ist allerdings mit der Ent- fernung dieses Mannes, der auf Anstiften Bülows den Ver- such gewagt hat, seiner Partei eine gewisse Selbständigkeit zu sichern, noch nicht zufrieden. Sie verlangt, daß auch alle jene Männer aus der nationalliberalen Partei entfernt Vierden, die gleich Bassermann sich den konservativen Führern nicht unbedingt gehorsam erwiesen haben. Und voll Ver- trauell auf die Erfüllung dieser Forderung begrüßt das kon- servative Organ Bassermanns Rücktritt als ein„Symptom für die Wiederkehr der Besonnenheit der nationalliberalen Partei", die sich davon überzeugt habe, daß sie viele wichtige Interessen— namentlich der gemeinsame Haß gegen die Sozialpolitik— mit den Konservativen verbinde. Und gnädig bietet die„Kreuz-Ztg." den reuigen Sündern den dritten Sitz im Reichstagspräsidium an. Man sieht, die Konservativen sind nicht bescheiden. DaS feige und verräterische Verhalten der Nationalliberalen trägt seine Früchte. Die haben sich durch ihr haltloses Schwanken um jede Möglichkeit eines Erfolges gebracht. Sie sind schon vor der Wahlschlacht die Besiegten. Und als Besiegte stellen ihnen die Konservatwen ihre Bedingungen: Auslieferung der Führer und völlige Unterwerfung. Die Annahme des Reichstagspräsidiums soll aller Welt beweisen, daß die Nationalliberalen unter das aufgerichtete Joch ge- gangen sind. Es ist natürlich, daß die Nationalliberalen sich noch sträuben. Das«Leipz. Tageblatt" beschwört in betveglichen Worten ihre Partei, Bassermann nicht preiszugeben und prophezeit die Spaltung, wenn der«unwürdigen Hetzerei gegen Bassermann" nicht ein Ende gemacht würde. Und auch die«Köln. Ztg." ist über die Härte der„Kreuz- Zeitung" entsetzt. Sie meint, wenn schon Personen aus- geschaltet werden sollen, um eine Wiederannäherung der Parteien zu bewirken, dann müßten es Konservative sein, und auch von der Annahme des Vizepräsidentenpostens will das Blatt nichts wissen. Wir nieinen aber, die Nationalliberalen werden bald keine Wahl mehr haben. Die Konservativen wollen wieder mal das alte Bisniarcksche Rezept anwenden und. die National- liberalen an die Wand drücken, daß sie quietschen. Und da die Nationalliberalen zu einer wirklichen, ernsthaften Opposition sich als unfähig erwiesen haben, wird den Kon- servativen der Versuch glänzend gelingen. Bassermanns Ende scheint kaum mehr aufzuhalten zu sein und dem Führer wird so oder so die Partei folgen.— Eine nationalliberale Erklärung. Der Wsagebrief des Prinzen Hohenlohe hat die national- liberale Parteileitung wieder einmal zu einer Kundgebung veranlaßt. Die Herren haben einige Angst, daß dieser Brief ihnen ihre Wähler kopfscheu machen könnte. Andrerseits verspüren sie nicht die geringste Neigung, sich durch solche unliebsamen Zwischen- fälle in ihrem Abmarsch in? Loger deS schwarzblauen Blocks stören zu laffen. So fleht denn die nationalliberale Parteikorrespondenz" in verzweifelten Tönen Herrn v. Bethmann an, er möge doch endlich ein Staatsmann werden, energischen Willen zeigen und durch Zusammenfaffung aller positiv schaffenden Kräfte der großen Gefahr einer erschreckend anwachsenden Sozial- demolratie einen wirksamen Damm entgegensetzen. Wenn aber Herr v. Bethmann weder Staatsmann noch energisch werden und schon gar nicht liberal regieren kann? Run auch dann werden die Nationalliberalen der»Not gehorchen" und zu Kreuze kriechen und den Junkern wieder aus der Hand freffen, wie sie es bisher immer getan haben._ Prinz Hohenlohe läßt erklären, er habe keine Veranlassung, sein Reichstagsmandat niederzulegen. Sein Rücktritt sei auch ohne Rücksprache mit dem Reichskanzler erfolgt. Steuerschröpfung und Wahlrechtsverschlechteruug. Ueber die Grundzüge der neuen Einkommensteuernovelle in Preußen teilt die Korrespondenz„Woth" folgende Einzel- Heiken mit: „Der Entwurf, der noch vom Finanzminister Frerherrn von Rheinbaben entworfen ist und von dem neuen ginanzminister in der Hauptsache übernommen wird, sieht neben neuen Steuer» stufen auch eine Neuregelung des Veranlagungs. wesenS vor, um die Steuerhinterziehungen auf ein Mindest» maß zu beschränken. Die Einführung vvkS neuen Steuettgrifs erfolgt nicht, uiv die Steuerschraube zum Schaben 5er Sleuer- zahler mehr anzuziehen, sondern, um die durch die Novelle von 1909 geschaffenen Härten auszugleichen. Bekanntlich hatte der Landtag im Frühjahr 1999 zur Deckung der Mehrbedürfnisse aus der Beamtengehaltsvorlage eine Steuernovelle verabschiedet, die eine sehr willkürliche Erhöhung der Einkommensteuern vorsieht. Zuschläge wurden vorgesehen von S, 10, 20 und 25 Proz. ohne alle Zwischenstufen. Diese Zuschläge sollen nicht abgeschafft werden; denn die Vorbedingung für ihre Schaffung besteht nach wie vor fort, der Tarif soll aber in den Zwischenstufen reichhaltiger ausgestaltet werden und dadurch auch in den einzelnen Steuerleistungen ausgleichender wirken. Beabsichtigt ist auch, den früher vom Landtage nicht be- folgten Grundsatz, die unteren Steuer stufen bis 1800 Mark möglich st nicht durch Zuschläge zu belasten, wieder aufzunehmen. In der Regierungsvorlage von 1009 soll ein Zuschlag von 7500 M. ab erst erhoben werden, während der Landtag bereits ein Einkommen von 1200 M. ab mit Zu- schlag belegte. Die herrschenden Teuerungsverhältnisse belasten die unteren Steuerklassen schon so erheblich, daß ein« kleine Ent- lastung durch Steuerverminderung wünschenswert erscheint. Eine Mehrbelastung der Steuerzahler wird die Neuregelung in keinem Falle bringen, doch hofft man, durch das neue Beran- lagungsverfahren den Ertrag aus den Einkommen- und Ergänzungssteuern zu erhöhen, indem vielfache Mängel der Selbsteinschätzung fortfallen und Einrichtungen getroffen werden, die eine reelle Einschätzung des Einkommen? und des Ver- mögens bedingen. DaS Finanzministerium steht im allgemeinen auf dem Standpunkt, daß die Höhe der Steuerhinterziehungen nicht so groß sei, wie man annewne; doch wird angegeben, daß bei dem bisherigen Verfahren Verschleierungen möglich sind und auch gemacht werden. Die Novsfle wird auch ein altes Recht der Kommu- n e n wiederherstellen, das ihnen die Novelle von 1909 genommen hatte, nämlich das Recht, die gleichen Beträge wie der Staat für die Kommunal st euern zu erheben, während zurzeit die Zuschläge von den Kommunen nicht erhoben werden dürfen. Auch die Berechnung der Zuschläge für Wahlzwecke bleibt jetzt außer Betracht; auch dies ist nicht zulässig, denn der Einfluß des gesamten Steuereinkommens auf das Wahlrecht ist verbürgt." Die Novelle wird höchstwahrscheinlich kommen, da ja die jetzigen Beschlüsse nur ein Provisorium sind, das innerhalb dieses Jahres gesetzlich definitiv geregelt werden muß. Daß dies Definitivum aber eine Verbesserung darstellen wird, erscheint nach dem Entwurf höchst zweifelhaft. Ob die Zuschlagsbefreiung von Einkommen bis zu 1800 M. durchzusetzen sein wird, ist sehr fraglich, haben sich seinerzeit doch die Konservativen mit aller Entschiedenheit für die Belastung auch der k l e i n st e n Einkommen ins Zeug ge- legt. Das Zugeständnis an die Kommunen, auch an den Zuschlägen ihrerseits Zuschläge zu erheben, würde eine neue schwere Belastung der kleinen und mittleren Einkommen sein! Ungeheuerlich aber wäre die Absicht, auch die Zuschläge bei dem Dreiklassenwahlrecht— bei den Landtags- sowohl wie den Kommunalwahlen, auch den Zensuswahlen in An- rechnung bringen zu wollen! In der Zeit der Wahlkämpfe, einer Zeit, wo selbst die Wahlrechtsvorlage der Regierung das Geldsackswahlrecht für reformbedürftig erklärt, würde eine Verschärfung des plutokratischen Wahlrechts eine unglaubliche Prov.okation seinl_ NationaMberale Taktik im Westen. Am Sonntag fand in Hattingen eine VertrauenSmännerver- sammlung der nationalliberalen Partei im Wahlkreise Bochum statt, die einen Einblick in die künftige Taktik der Nationalliberalen im Kreise gestattet. Der LandtagSabgeordnete Dr. Haarmann-Witten, der auch gleichzeitig ReichStagSkandidat ist, referierte über die preußische Wahlreform und betonte dabei, daß man, fall? die Regierung mit einer neuen veränderten Wahlrechtsvorlage vor das Parlament treten werde, alles daran zu setzen habe, diejenigen Reformen zu erreichen, mit denen der auf gemäßigtem Boden stehende Liberalismus sich ohne Verleugnung seiner Grundsätze einverstanden erklären könne.— Dann sprach Generalsekretär Schock. Er erwähnte in seinem Referat auch daS Verhältnis der Nationalliberalen zu den übrigen Parteien. Nach seiner Anficht ist eine Wiederannäherung der alten Blockparteien wünschenswert. Allerdings werde man sich vonsnationalliberaler Seite nicht an die Konservativen herandrängen; doch wolle man die Hand gern annehmen, wenn fie geboten werde. Bon anderer Seite dränge man nach link«; man wünsche unter allen Umständen ein Zusammen- gehen mit dem Freifinn; vielfach werde auch ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie befürwortet. Dieser Annäherung an die Sozialdemokratie müffe aber ganz entschieden wider- raten werden. Um erfolgreich zu kämpfen, brauche die nationaUiberale Partei im Industriegebiet den letzten Wähler, der nicht zur ultramontanen und nicht zur sozial- demokratischen Fahne schwört; daraus ergebe fich das Gebot, Sammelpolitik zu treiben. ES müsse alle» vermieden werden. was Zersplitterung in die nationalliberalen Reihen bringt. Aus diesem Grunde müssen auch bei der Auswahl des Kandidaten für die nächste RelchStagSwahl mit alleräußerster Vorsicht verfahren werden, um nicht den Christlichsozialen oder den Freisinnigen Anlaß zur Aufstellung von Sonderkandidaturen zu geben. ES sollen, wie Herr Dr. Haarmann noch Ausführte, Srbetterkandidaturen»hinterm Amboß weg oder aus der Grube heraus" aufgestellt werden. Neuer Radbodprozest. Auf wiederholte Anfragen wurde Genossen Rechtsanwalt Heine von dem Landgericht in Bochum mitgeteilt, daß Hauptverhandlungstermin gegen den Redakteur der„Berg- arbeiter-Zeitung", Genossen W a g n e r, aus den 17. Oktober dieses Jahres anberaumt werden wird. Eine Verhandlung während der Gerichtsferien sei wegen des Umsanges der Beweisaufnahme nicht angängig. Ein Arbeiter-Radfahrerverein ein politischer Verein! Nach§ g des Reichsvereinsgesetzes sind die Borstände von Ber- einen, die eine Einwirluna auf politische Angelegenheiten bezwecken, verpflichtet, der für den Sitz des Vereins zuständigen OrtSpolizei- behörde die Satzung sowie das Verzeichnis der Mitglieder deS Vor» standes einzureichen. Und der Absatz S des§ 3 bestimmt: Ebenso ist jede Aenderung der Satzung sowie jede Aenderung in der Zu- sammensehung de» Vorstandes binnen zwei Wochen nach dem Ein- tritte der Aenderung anzuzeigen. Wegen Uebertretung dieser Be- itimmung verurteilte die Strafkammer in Sarau ven Maurer Nöcho als den Vorsitzenden des Arbeiter-Radfahrer- Vereins„Frischauf" in Groß-Särchen zu einer G e l d st r a s e. Die Strafkammer betrachtete den Verein als einen selbständigen Ver- ein, wenn er sich auch dem Arbeiter-Radfahrerbunde„Solidarität" angeschloffen habe. Dem politischen Charakter de» Vereins „Frischauf" lettete die Strafkammer hauptsächlich aus seiner Mit- S liedschaft zum Bunde„Solidarität" her unter Verwertung einer uSsage des AmtsvorstehcrS Nabbat, daß die Mitglieder des Ver- eins„Frischauf" meist Sozialdemokraten seien. Unter anderem wurde begründend ausgeführt: Es genüge der Zweck, die Vereins. Mitglieder im Sinne einer politischen Partei zu bearbeiten oder aaktis Iwsöfita all SLügUetz» fü pplitM« Mtü wzut iv erHeck. Zu Heck politischen Pärleleck gehorleck kslekMch älle?e?» eine, die sich in den Dienst einer politischen Partei stellen und diesö fördern, zum Beispiel auch Sportvereine, wenn das gemein- same Zusammenkommen eine bestimmte politische Gesinnung unter den Mitgliedern erhalten und gesteigert, die Zusammengehörigkeit einer politischen Partei gestärkt und das Interesse an ihr wachge- rufen werden solle. Wenn die Pflege der„Aufklärung" Zweck deS Bundes sei, wenn ausgeschlossen werde, wer„gegen die Interessen der gesamten Arbeiterschaft handelt", wenn das Publikationsorgan der auf Bundeskosten gelieferte„Arbeiterradfahrer" sei, der von einer Preßkommission geleitet werde, und wenn diese Preßkom- Mission die internen Angelegenheiten des Organs regele, so sei deutlich zu erkennen, daß die„Solidarität" ihre Mitglieder durch eine weitverzweigte und straffe Organisation im Sinne einer be» stimmten politischen Richtung beeinflussen wolle. Diese Richtung sei durchsichtig die der Sozialdemokratie, welche sich mit Vorliebe als die Vertreterin der Arbeiterschaft gegenüber dem Kapitalismus bezeichne. Bliebe noch ein Zweifel, so würden die Hinweise ge- nügen, daß der„Arbeiterradfahrer", das offizielle Organ der„Soli- darität, in der— sozialdemokratischen Parteidruckerei in Offenbach gedruckt werde. Der Angeklagte legte gegen das ungeheuerliche Urteil Revision ein, die Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld rechtfertigte. Das Kammergericht wies jedoch am Freitag die Revision zurück. Die tatsächlichen Feststellungen schienen vom Kammergericht zwar nicht als ganz musterhaft angesehen zu werden. Es war aber der Meinung, daß sie ohne Verkennung von Rechtsnormen er- gangen seien. Das Rechtsmittel scheitere an den tatsächlichen Fest. stellungen, die vom Revisionsgericht nicht nachgeprüft werden könnten. Das Urteil zeigt, wie recht unsere Genossen hatten, als fie jüngst in der Justizkommission verlangten, der Revision deS Angeklagten müsse auch stattgegeben werden, wenn das Urteil auf Verstößen gegen die Grundsätze der Logik beruht. DaS Urteil ist ein Klassenjustizurteil schlimmster Art. Der rechtskräftig Verurteilte ist ungerecht verurteilt, daran ändert der Umstand nichts, daß das Kammergericht glaubte, durch das Gesetz behindert zu sein» die tat- sächlichen Irrtümer zu korrigieren. Eine beispiellose Roheit. Die Polizeihundbewegung macht Fortschritte. Kürzlich fand in Altona-Bahrenfeld hinter der Rennbahn anläßlich der landwirtschaft- lichen Ausstellung in Hamburg eine Prüfung der Polizei« und Schäferhunde statt. Ueber diese Prüfung finden wir in der P. H. B. (Polizeihund-Verein) Zeitschrift, Organ des Berein zur Förderung der Zucht und Verwendung von Polizeihunden, Nr. 19, vom 5. Juli 1910 einen von Dr. Otto Kulka unterzeichneten Bericht, dem wir folgende Mitteilungen entnehmen: »Am Preisrichtertisch saßen der Vorsitzende deS 8V., Ritt« meister a. D. von Stephanitz. Major Klein, Herr Haas« nebst Frau und Schoßhündchen und einige Herren, die nichts mit dem PreiSrichteramt zu tun hatten. Es sollte zuerst die Nasen- arbeit der Hunde gezeigt werden, und zwar Verbellen einer Person, die sich versteckt hat. Dazu wurden nun Kinder eine« Erziehungs- oder WaisenheimeS unter Führung ihres AustaltSvatrrS sHerr Schmalfeldswerwendrt! ES war diesen Kinder» nicht der geringste Schutz am Körper gegeben. „Tatsächlich wurde bald zu Ansang der vorführlmg»w Kind in den Oberschenkel derart gebissen, daß eine zirka 4 Zentimeter lange blutende Wunde vorhanden war; Berbandzeug war auch nicht am Platze; s» daß ein Altonaer Schutzmann per Rad e» erst holen mußt«.. Man möchte e» kaum für möglich halten, daß einer Anstalt zur Erziehung anvertraute Kinder als Versuchsobjekte für Polizeihunde betrachtet werden! Diese Verwendung offenbart ein Maß von Roheit, für das ein entsprechender Ausdruck kaum gefunden werden kann. Außerdem wirft diese Verwendung der armen Kinder aus die Erziehungspraktiken, denen fie in der Anstalt ausgesetzt find, ein grelles Schlaglicht und es muß öffentlich die Frage aufgeworfen werden: Welche Behörde trägt die Verantwortung für solche Zustände? Die armen Kinder find aufs tiefste zu bedauern, die in die Hände von Erziehern gegeben sind, die sie zu Versuchsobjekten für Polizeihunde machen I Wird die Staatsanwaltschaft im borliegenden Falle gegen die schuldigen Menschenpeiniger einschreiten? Wir find neugierig l Nicht unintereflant ist die Mitteilung Dr. KulkaS, daß kurz nach dem Borfall der Polizeiinspektor Klaeber zur Besichtigung der Prüfung erschienen sei. Ihm müsse dieser Vorfall doch sofort zu Ohren gekommen sein, er habe aber keine Beranlafiung genommen, die Prüfung zu sistieren, auch nicht so lange, bis genügende Schutz- maßregeln zur Verhütung von Unglücksfällen geschaffen worden seien! „Nachmachen"! In ihrer Nummer vom Sonntag, den 10. Juli, bringt die „Norddeutsche Allgemeine" einen neuen Artikel über das Wachstum des freien Waldarbeiterverbandes. Als Grundlage benutzt sie vorsichtigerweise einen Artikel der berühmten Kyff- Häuserkorrespondenz kriegervsreinlicher Farbe, der darauf hinge- wiesen hat, daß d»e Sozialdemokratie im Jahre 1907 unter den Landarbeitern nur ein und einhalb Hundert im Fabrikarbeiter- verband Organisierte gehabt hätte, und daß es heut in einer eige- nen Gewerkschaft schon über 10000 geworden seien. Man sieht den Staat direkt wackeln, wenn man folgendes Zitat liest:„Für den zweiten und abschließenden Teil der Wühlarbeit ergibt sich dann, daß aus dieser Grundstimmung sder Unzufriedenheit) heraus die staatSerhaltenden Gesinnungen, die Königstreue, die Vater- landSliebe und die religiösen Ueberzeugungen ins Wanken gebracht und für die revolutionäre Gedankenwelt Raum geschaffen ist. Schon sieht die„Norddeutsche Allgemeine" den Industriearbeiter mit dem Landarbeiterproletarier Arm in Arm gegen den heutigen Staat marschieren, und dabei macht man der Sozialdemokratie im Ueberschwang der ängsllichen Gefühle das folgende Kompliment, das wir natürlich gern akzeptieren.„Rettung ist noch möglich. wenn alle Gegner der Sozialdemokratie für ihre ge- meinsame Sache so arbeiten, wie die Sozialdemokratie für den Umsturz arbeitet, mit demselben Aufgebot aller Kräfte, die die Sozialdemokratie einsetzt, mit der nämlichen Opferwilligkeit wie sie. mit dem unverwüstlichen Glauben an den Sieg dessen, der sich um die Seele des Volkes am eifrigsten müht." Ja, Nachmachen! Da» ist das Kunststück, man wird sich wahrscheinlich nicht ander» helfen, als daß wieder nach Staatsanwalt und Büttel und Lui» nahmegesetzgebung geschrieen wird. Helsen wird es aber trotzdem nicht, das Landarbeiterproletariat ist erwacht und wird sich nicht wieder zum Schlafen bringen lassen. Gemeinsamer„liberaler" Kandidat in Zschopau-Marienberg. An Stelle des wegen Gesundheitsrücksichten von der Kandidatur zurückgetretenen Landtagsabgeordneten Roch- Annaberg ist jetzt der Abg. Brodauf-Chemnitz gewählt worden. Herr Brodauf ist ein Liberaler k Ja Winter(Frank- furt-Lebus); bei den letzten sächsischen Landtagswahlen hat er in Chemnitzer Blättern seine Parteigenossen aufgefordert, in der Stichwahl für den Konser v a t i v e n zu stimmen. «in„großer" Tag im Hamburger Parlament. Ein beinahe vollbesetztes HauS. bollbesetzte Galerien Und Logen, da» war die Signatur der Extrasitzung der Hamburger Bürgerschaft, in der die Beamtenbesoldungsvorlage zur Beratung kam. Infolge der famosen Reichsfinanzreform ist oie Not nicht allein in Arbeiterkreisen außerordentlich groß ge» worden, sondern auch in der unteren Beamtenschaft. Als im Reichs twd Mutze« dii Liehqlttvsxlagen zum WMutz gelangt«,, Mite sich auch die tyrttt&urgische BeNnIenschafk, zWial die GchaltZredisioK von 1907 nur Stückwerk war, mit dem nur die oberen Beamten, die Zulagen bis 2909 M. erhalten hatten, zufrieden sein konnten. In vielen Versammlungen der einzelnen Beamtenkategorien wurde unter Hinweis auf die Entwertung des Geldes durch die Finanz- reform die Notwendigkeit einer ausreichenden Gehaltsaufbesserung dargelegt. Der Inhalt der Gehaltsvorlage läßt sich dahin zusammen- fassen:„Oben mit Scheffeln, unten mit Löffeln". In der Begründung sagt der Senat, 1997 sei eine Gehaltsauf- besserung von 12 Proz. erfolgt, die jetzige bringe eine solche von 6 Proz., an Bemtengehältern müßten jährlich 4S Millionen gezahlt werden usw. Die Beamten mit akademischer Vorbildung sind ihren preußischen Kollegen stets um einige Tausend Mark voraus gewesen, jetzt sollen sie abermals um mindestens 1999 M. aufge- bessert werden; einige Kategorien haben in drei-Jahren bis 3999 Mark Zulage erhalten. Aus die Kluft zwischen oberen und unteren Beamtengehältern die unteren Gehaltsstufen sollen mit 299 M. Zulage abgespeist werden— wies namentlich Genosse Stalten hin, der sich warm der stiefmütterlich bedachten Unterbeamten annahm. Da ein Be- amter, der auch Abgeordneter ist, in einer Versammlung erklärt hatte, es dürften keine kaufmännischen Vertreter und keine Ver- treter engherziger Jnnungspolitik in den Ausschuß zur Prüfung der Vorlage gewählt werden, nahm dieS ein Vertreter„mittel» ftändlerischer" Interessen zum Anlaß, die Not des Mittelstandes in krassen Farben zu schildern. Er warf einem Abgeordneten mit Beamtenqualität vor, nur eigene Interessen vertreten zu haben, worauf dieser auf einen Schelmen anderthalb setzte. Genosse Stalten nahm sich serner der Diätare und der StaatSarbeiter an, von denen bislang nicht die Rede war. Vor allem müsse man auch die DeckungSfrage behandeln, das Geld müsse doch aufge- bracht werden. Die Debatte endete mit der Ueberweisung der Vorlage an «inen Ausschuß._ Zur Bekämpfung der Prostitutiou hat im badischen Landtage eine Mehrheit au« Zentrum und Sozialdemokraten der Regierung den Antrag empfehlend überwiesen, die sämtlichen im Großherzogtum Baden vorhandenen öffentlichen Häuser zu schließen und neue nicht mehr zu errichten. Da die Regierung sich ablehnend verhielt, kam es im Laufe der Debatte zu einem Zusammenstoß zwischen dem sozialdemokratischen Redner Genossen Frank und dem Minister v. Bodman. Dieser hatte als früherer Polizeiamtmann von Karlsruhe die Kasernierung der Prostitution eingeführt und wollte natürlich als gegenwärtiger Minister von der Aufhebung seiner früheren Maßregel nichts wissen. Gleichwohl wurde die Schließung der öffentlichen Häuser kategorisch verlangt. Dr. Frank wies noch daraus hin, daß gerade die Kasernierung den Mädchenhandel begünstige. In dem angenommenen Antrage waren auch Mittel gefordert zur Anstellung vonJP olizeiassi st ent innen in den größeren Städten. Die Regierung gab auch hier eine ablehnende Antwort. Die mild�Militärjustiz. Die Theorie der Abschreckung wird von den Militärgerichten nur »gemeinen" Soldaten gegenüber in die Praxis umgesetzt; bei Vor- gesetzten— namentlich wenn eS sich um Roheitsdelikte handelt— 1 kommt diese Theorie selten zur Anwendung. Der Sergeant Boß vom 86. Infanterieregiment in Rendsburg versetzte dem Musketier R-, der sich wegen einer Furunkel am Kopf in Schonung befand, eine Ohrfeige und brauchte eine beleidigende Redensart, Iveit der am Kopf verbundene Soldat wahrheitsgemäß geantwortet hatte, er sei vom Feldwebel beauftragt worden, auf dessen Hühner zu achten. Die unter diesen Umständen besonders rohe Handlungsweise ahndete das Kriegsgericht, das nur eine vorschriftswidrige Behandlung eine« Untergebenen amiahm, mit ganzen zw et Tagen Mittelarre st. Der Ge- richtSherr legte Berufung ein, weil nicht Bestrafung wegen Miß- Handlung erfolgt fei, auch sei die Strafe zu niedrig. DaS Ober« kriegsgericht des 9. Armeekorps f Altona) folgte diese» Auffassung und erkannte auf-» acht Tage Mittelarresti Oeltemid). Sozialdemokraten und Schule. Während in Preußen Sozialdemokraten als Mitglieder der Schuldeputationen nicht bestätigt werden, ist Oesterreichs darin doch etwa» kultivierter. In dem oberösterreichischen Städtchen Weis wurde der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Genosse Joseph Hafner von der freiheitlichen Majorität der Lehrerschaft des Bezirks Wels in den Bezirksschulrat gewählt. Im vorigen Jahre verweigerte der Statthalter von Oberösterreich unserem Genossen, der Lehrer in Stadl-Paura ist, die Bestätigung; diesmal ist sie anstandslos und anerkennenswert rasch erfolgt. franfcmcb. Streik-Kugeln. Paris, 19. Juli.(Eig.»er.). Daß die Armee des bürgerlichen Staates, die von den ausgebeuteten Massen im Namen der»Nation" erhalten werden muß, mit in erster Linie gegen den„inneren Feind", d. h. tfon gegen diese Massen selbst, sobald sie sich gegen die AuSbeutug wehren wollen, dienen muß, ist dem Proletariat längst kein Geheimnis mehr. Selten aber ist diese Bestimmung des Heeres von den Herrschenden selbst mit solchem Egoismus sichtbar gemacht worden, wie jetzt in der Bourgeoisvepublik. Wie die„Humanite" mitteilt, haben die Techniker der Schieß- schule im Lager von ChälonS„befriedigende" Versuche mit einem neuen Geschoß angestellt, das den charakteristifchen Namen„Streikkugel" bekommen hat. Die gewöhnlichen Ge- schösse des Lcbel-Gewehrs haben eine Anfangsgeschwindigkeit von «69 Metern und können auf eine Distanz von 1699 Metern sechs Menschen durchbohren. Aber gerade diese Durchschlagskraft machten sie für Konflikte mit demonstrierenden Volksmengen wenig brauch- bar, denn die Gefahr, daß ganz Unbeteiligte getroffen werden, hält die Führer der Militärabteilungcn in vielen Fällen von dem Gebrauch der Schußwaffen zurück. Damit nun in Zukunft die Interessen der Kapitalisten nicht durch derlei humanitäre Bedenken beeinträchtigt werden, haben die Militärtechniker eine neu« Geschoß- thpe geschaffen. Sie ist aus Aluminium hergestellt, ist hohl und vorn abgerundet. Ihre Tragweite beträgt nur 699 Meter und sie tst in der Art konstruiert, daß sie nur eine einzige Person ver- Wunden kann, da sie beim Aufprallen zerspringt. Sie erzeugt dem» semäß Rißwunden.— Die Hülfe des neuen Geschosses ist zum Unterschied von der Patrone V geschwärzt. Mit dieser neuen Patrone sollen die Schildlvachen der Pulvermagazine und Gesang- msse und die in Streikgebieten verwendeten Truppen ausgerüstet werden. Daß diese letzte Bestimmung die eigentliche ist. ist aber so klar, daß das Geschoß auf den Namen »Streikkugel" sofort, nachdem es geboren war. in den Militärkreisen getauft wurde. Tie Reservisten von NimrS vor dem Kriegsgericht. Paris, S. Juli.(Sig. Ber.)' Die»Meuterei der Reservisten von NimeS, die nicht auf durch- nähten Strohsäcken auf sumpfigrm Boden schlafen wollten, hat ver. hältnismäßig milde Folgen für die Beteiligten gehabt. Natürlich mutzte der Götze der„militärischen Disziplin" versöhnt werden; ober er hat diesmal kein Blutopfer erhalten. Von all den Sol- baten, die sich den Ausgang aus dem Lager erzwungen und unter bem Gesang der„Internationale" nach NimeS gezogen waren, Wurden mi«in fißigotfli twd vier SieWiao tsi Gericht gestellt. Die Anklage lautete auf verabredeten belöaffneten Aufruhr'!«Inj Soldat war überdies wegen Gewalttätigkeit und Beleidigung, ver-' übt am kommandierenden Oberstleutnant, angeklagt. Die als Zeugen vernommenen Offiziere ließen es an Tiraden gegen die „fremden Hetzer"- nicht fehlen, waren aber loyalerweise bestrebt, die Angeklagten nicht zu stark zu belasten. Ein Reserveleutnant erklärte, daß es ohne den Zustand des Lagers nicht zu der Meuterei gekommen wäre.— Das Urteil lautete auf 3 Monate Gefängnis gegen den Korporal und einen Gemeinen, auf 6 Monate gegen den „Beleidiger", dessen„Gewalttaten" sich nach der Aussage des Oberstleutnant selbst darauf beschränkt hatten, daß er diesen Offizier an der Bluse packte und ihm mehrere Male„Schweigen Siel" zurief. Ebensoviel bekam ein anderer„Rädelsführer". Der fünfte Angeklagte kam mit 2 Monaten davon, wobei ihm Straf- aufschub, d. h. die dedingte Verurteilung gewährt wurde. Also alles in allem Urteile, die sich von dem in anderen Armeen Herr- schenden Drakonismus vorteilhaft abheben. Der Militarismus muß eben in Frankreich doch schon mit einer öffentlichen Meinung rechnen, die ihm— weit über die organisierte Arbeiterschaft hinaus — nicht besonders hold ist. Daß der Bürger dazu da ist, um sich bei einer Waffenübung, weil es der militärische Gehorsam will, einen lebenslänglichen Rheumatismus zu holen, will auch der patriotische Kleinbürger und Bauer nicht mehr glauben. Italien. Das Volksschulgesetz. Rom, 8. Juli 1919.(Eig. Ber.) Die italienische Kammer hat das Volksschulgesetz angenommen und dann ihre Sommerferien an- getreten. Das Gesetz ist zweifellos das wichtigste, das in den letzten Jahren von dem italienischen Parlament gebilligt wurde und ist darauf berechnet, wirksam einem großen Mißstand des Landes zu steuern: dem trotz des offiziellen Schulzwanges fortbestehenden Analphabetismus. Das Gesetz überträgt die Leitung des Volksschulwesens aller Gemeinden, soweit sie nicht Provinzial- oder Kreishauptstädte sind, einer Provinzialschulverwaltuug. Von dieser Heber» nähme ihrer Funktionen durch eine neue Körperschaft können sich die Gemeinden befreien, die bei der nächsten Volkszählung vom Jahre 1911 weniger als 6 Proz. Analphabeten unter der Be» völkerung von über 8 Jahren haben werden. Um nicht ihr Schul- Wesen dem neuen Verwaltungskörper überlassen zu müssen, haben diese Gemeinden die Pflicht, im Laufe der nächsten 19 Jahre die Zahl der Analphabeten auf mindestens 16 Proz. herabzusetzen. Die Provinzialschulverwaltung, in der der Staat eine starke Per- tvetung hat, übernimmt das ganze Schulwesen, verwaltet die von den einzelnen Gemeinden ausgeworfenen Summen und ergänzt sie, soweit sie unzulässig sind, aus der Staatskasse. Nach voller Durchführung werden die aus dem Gesetz erwachsenden Jahresaus- gaben des Staates 41 Millionen betragen. Für die Schulgebäude und das Lehrmaterial wird die Depo- sitenkaffe ermächtigt, den Gemeinden im Laufe von 12 Jahren 249 Millionen vorzustrecken, deren Verzinsung der Staatskasse zur Last liegt, währendßdie Amortisation durch die Gemeindekasie geschehen muß. DaS Minimal ge halt der Lehrer wird für die obli- gatorischen Schulen um 299 Lire jährlich und für die fakultativen um 390 Lire erhöht, beträgt somit 1349 und 1399 Lire im Jahre. Die Mehrausgabe liegt der Staatskasse zur Last. Weiter ordnet das Gesetz die ländlichen Hilfsschulen neu und setzt obligatorische Unterrichtskurse für die Soldaten fest, die nicht den vierjährigen Volksschulkursus absolviert haben. Es werden hierfür, sowie für Abend- und SonntagSkurse 1,7 Millionen im Jahre aus- geworfen. Um den wachsenden Ansprüchen zu genügen, die das neu« Gesetz in bezug auf die Zahl der Lehrer stellen wird, werden Gelder für Stipendien für die Vorbereitung zum Lehrerberuf aus- geworfen. Die festgesetzte Summe beträgt im ersten Jahre 99999 Live und steigt allmählich bis auf 699 999. Jedes Stipendium be- trägt 699 Lire für männliche, und 699 Lire für weibliche Lehr- amtskandidaten. Für die Reform der Lehrerseminare wird im ersten Jahre die Summe von 199 999 Lire bestimmt, die schrittweise bis auf 1 Million jährlich ansteigt. Für die Freunde des Gesetzes ist es eine große Enttäuschung gewesen, daß der Senat seine Beratung bis nach den Sommerferien verschoben hat. dadurch wird eS in Frage gesetzt, ob di« Reform schon am 1. Jangar 1911 in Kraft treten kann,' Spanien. Gegen de» KlerikaliSmnS. Madrid, 10. Juli. Heute fanden in zahlreichen Stödten Spaniens, besonders in Madrid, Tarragona, Saragossa und Toledo antiklerikale Versammlungen statt. In Barcelona wurde ebenfalls eine Kundgebung gegen den Klerikalismus veraustaltet, woran zahlreiche Frauen teil- nahmen; die Teilnehmer übermittelten dem Gouverneur eine Adresse, welch« die Unterschriften von 22 999 Frauen trug. Ei« Protest deö Vatikans. Madrid, 11. Juli. Heute traf eme Note des Vatikans ein, die in der heftigsten Weise gegen den Gesetz-ntwurf, der die Errichtung neuer Klöster verbietet. Protest einlegt und zwar schon aus dem Grunde, weil der Gesetzentwurf vor dem Abschluß der Konkordatsverhaudluugen eingebracht worden ist. CKina. Die Nnrnhe«. Köln, 11. Juli. Die„Kölnische Ztg." meldet auS Shanghai: Die U n r u h e n in Lai-Uang in der Pravinz S ch a n t u n g richten sich nicht gegen die Ausländer, sondern gegen die chinesischen B e a m t e n und die N o t a b e l n. die durch den Ankauf der Reis- Vorräte die Hungersnot gesteigert haben. Der Zu- sammenhang der Aufftändischen mit den roten Raubern der Mandschurei, der Hunghuye. war unverkennbar. D.ese er- ganzen sich zumeist aus den kriegerischen Bewohnen, von Nord- Schantung Die au» Schantung stamnieuden roten Rauber haben ihren Stamme», und SinneSgenosten in der Heimatprovinz moderne Waffen geliefert. Die chenisische Regierung verfolgt die Angelegen- Heft mit vollem Ernst._ Hii9 der Partei. ReichStagskaudftztur. Der Parteitag für das Herzogtum Sachsen-Alteuhurg. der am 9. und 19. Juli in Aoda tagte, stellte als Kandidaten für die kommende Reichstagswahl den Genossen Hermann Kappler. Vorsitzenden des MuhlenarbeiterverbandeS. auf. Die Partei- und Gewerkschaftsbewegung im Herzogtum hat sich sehr gut entwickelt. Die Partei zählt 4914. die Gewerkschaften rund 29 999 Mitglieder. Die Partei hat im Landtag 7. in den Gemeindevertretungen 142 Vertreter. Die Einnahmen der LandeSkaffe betrugen 8831 M., die Ausgaben 7197 M. Den Antrag auf Erhöhung des monatlichen Beitrages von 89 auf 49 Pf. lehnte der Parteitag ab. Als Ver- treter zum deutschen Parteitag wurde Genosse Rößler-Alten» bürg, zum internationalen Kongreß Dickreiter- Altenburg ge» wählt.__ Totenliste der Parkes. Wie unS auS Frankenhausen am Kyfshänfer telearaphisch ge- meldet wird, ist am Montag Genosse Böttcher. Mitglied deS SÄöZSrzbjug.AMlstgdtifchev LavblggS, iffl Liter fififl 64 JghAll gestorben. Die Genossen werden dem brassen Streiter für&k prs- letarische Sache ein ehrendes Angedenken bewahren- Parteiliteratur. Im Verlage der Ersten Wiener Volksbuch Hand- lung sind neue Arbeitererzählungen erschienen unter dem Titel: »Die Namenlosen." Geschichten aus dein Leben der Arbeiter und Armen. Der österreichische Parteigenosse Hanusch, der heute der Leiter einer der größten Arbeiterorganisationen Oesterreichs sowie ein Vertreter des Proletariats im Parlamente ist, hat von frühester Jugend bis ins Mannesalter hinein am Webstuhl gear» bellet. So schöpft er aus eigener Erfahrung und Beobachtung, wenn er die„Namenlosen" darstellt. Das Werk wird in IL Heften zum Preise von ca. 12 Heller vollständig vorliegen. Alle acht Tage gelangt ein Heft zur Ausgabe. Die komplette Ausgabe kostet broschiert 2 M.. elegant gebunden 2,69 M. Alle Buchhandlungen und Kolporteure nehmen Bestellungen an. flu; der kelchMrlicheniMordlMg!» kommiiiio». Sitzung am 11. Juli 1910. Von den Bestimmungen für die Landwirtschaft sind ganz besonders schlimm die über die sogenannte erweiterte Krankenpflege. Die oberste Verwaltungsbehörde soll näm- lich nach diesen Bestimmungen das Recht haben, für das Gebiet des Bundesstaates oder Teile davon den Landkrankenkassen zu ge- statten, durch die Satzung für arbeitsunfähig Erkrankte erweiterte Krankenpflege einzuführen. Der Unterschied zwischen der gewöhn- lichen Krankenpflege und der erweiterten Krankenpflege besteht darin, daß die Kassen verpflichtet und nicht nur berech» tigt sind, die Krankcnhauspflege zu gewähren. Diese Verbesse» rung ist aber in der Vorlage sehr abgeschwächt worden durch die Bestimmung, daß die Kasse die Krankenhauspflege verweigern kann, wenn diese nach ärztlichem Gutachten die Heilung nicht fördern würde. Trotzdem sollt« nach der Vorlage auf die Ver- sicherten ein unbedingter Zwang ausgeübt werden, sich in das Krankenhaus zu begeben. Für alle anderen Versicherten be- steht die Bestimmung, daß dann, wenn der Kranke verheiratet ist oder einen eigenen Haushalt hat, oder Mitglied des Haushalts seiner Familie ist, der Zwang, ins Krankenhaus zu gehen, nur auf besonders wichtige Fälle beschränkt ist, in denen die Be- Handlung im Krankenhaus entweder im Interesse deS Kranken oder zur Verhinderung der Simulation notwendig ist. Für die Landarbeiter aber sollte auch in diesen Fällen, in denen alle anderen Arbeiter sich nicht ins Krankenhaus gegen ihren Willen zu begeben brauchen, der Zwang bestehen. Fügt er sich dem Zwange nicht, dann soll ihm zur Strafe das Krankengeld entzogen werden. Gegen diese Strafbestimmung wendeten sich unsere Genossen Hoch, Molkenbuhr und S ihm i d t. Das Recht, das allen anderen verheirateten Versicherten gewährt wird, sich in gewissen Fällen nichts ins Krankenhaus zu begeben, müsse auch den Land- arbeitern gewährt werden. Sei es doch geradezu ein Gebot der Menschlichkeik, einem Sterbenden den Wunsch zu erfüllen, seine letzten Stunden in dem Kreise seiner Familie zu verleben. Die Landarbeiter seien doch auch Menschen. Sie müßten daher das Recht haben, ohne sich eine Strafe zuzuziehen. Deshalb beantragten die Sozialdemokraten, daß auch den Landarbeitern in derartigen Fällen die volle Krankenpflege und das Krankengeld gesichert wird. � � Abg. Mugdan stellte sich auf denselben Standpunkt. Auch die Zentrumsabgeordneten hielten diese Be- stimmungen für zu hart. Bei der zweiten Lesung würden sie am besten gestrichen werden. Da aber die eriveiterte Kranken- pflege bereits im Prinzip angenommen sei. müsse jetzt auch die Strafbestimmung angenommen werden. Sie beantragten aber� die Strafe auf das halbe Krankengeld herabzusetzen. Dieser Antrag wurde dann auch angenommen, nachdem der Antrag der Sozialdemokraten vom Zentrum, den Konservativen und den Nationalliberalen abge- lehnt worden war. Noch ungeheuerlicher ist die Bestimmung der Vorlage, daß die Kasse sogar den Angehörigen des Landarbeiters, der zwangsweise ins Krankenhaus gebracht worden ist, daS Hausgeld, die Unterstützung für die Familie, entziehen darf. Auf Antrag der So» zialdemokraten wurde die Bestimmung gestrichen und da- für im Gesetz ausdrücklich erklärt, daß auch den Landarbeitern in solchen Fällen das Hausgeld gewährt werden muß. Ferner sollten die Kassen das Recht haben, in solchen Fällen sogar den Höchstbetrag des Sterbegeldes für die Landarbeiter auf 30 M. herabzusetzen. Auch dies wurde auf Antrag der Sozial, demokraten gestrichen. Diese bedenklichen Bestimmungen sollen nach dem Entwurf auch für die Dienstbote» gelten. Dagegen erhoben die Soziialdemokraken vnt- schieden Einspruch und beantragten, daß die Ausdehnung der Be- stimmungen auf die Dienstboten gestrichen wird. Der Antrag wurde leider gegen die Stimmen der Sozial- demokraten, Freisinnigen und der Polen abgelehnt und dafür ein Antrag des Abg. Hitze angenommen, nach dem ein Dienstbote dann nicht ins Krankenhaus mutz, wenn dies sowohl vom Dienstboten und von dem Dienstberechtigten gefordert wird, und der Arzt dagegen nichts einzuwenden hat. Auch wo die erweiterte Krankenpflege durch die Satzung nicht eingeführt ist. soll die Krankenkasse die Krankenhauspflege auf Antrag des Dienstberechtigten dem in die häusliche Gemeinschaft aufgenommenen Dienstboten gewähren, wenn die Krankheit� an- steckend ist, oder wenn der Dienstbote im Haushalte des Dienst- berechtigten nicht oder nur unter großer Belästigung des Dienst» berechtigten behandelt oder verpflegt werden kann. Die Sozialdemokraten wendeten sich dagegen, daß hier, wo eS sich um einen erkrankten Dienstboten handelt, einzig und allein nach dem Willen des Dienstberechtigten gefragt wird. Sie verlangten, daß in derartigen Fällen der Dienstbote auch aiTf seinen Antrag im Krankenhaus verpflegt werden muß. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen angenommen. Eine sehr ausgedehnte Debatte fand über die Bestimmung statt, daß die Krankenhauspflege dem Dienstboten nur so lange gewährt werden soll, wie der Dienstbote Ansprüche nicht nur gegen die Krankenkasse, sondern auch gegen die Dienstberechtigten bat. Die Sozialdemokraten legten die Folge dieser Be- stnmmung dar. Ein Dienstbote ist im Krankenhaus, weil er bei dem Dienstberechtigten kein Unterkommen finden konnte. Eines TageS läuft die Zeit ab. für die der Dienstberechtigte zur Für- sorge für das kranke Mädchen verpflichtet ist. Dann soll daS Mädchen auf die Straße geworfen werden, obgleich es jetzt erst recht kein Unterkommen hat und fein Anspruch an die Krankenversicherung weiter besteht. DaS Mädchen ist vann auf die wenigen Pfennige Krankengeld angewiesen, für die eS sich wo- möglich ein passende? Unterkommen verschaffen kann. ES ist da» her dem schlimmsten Elende preisgegeben. Die Sozialdemokraten beantragten daher, daß die Bestimmung gestrichen wird und dem Dienstboten in sollen Fällen Unterkunft im Krankenhause für die ganze Zeit zu gewähren ist, in der es Anspruch aus Krankenhilfe an die Krankenkasse hat. Die Regierungsvertreter versuchten immer wieder die Kommission zu überzeugen, daß die Bestimmung aus Rück- ficht- auf die„juristische Konstruktion" deS Gesetzes unbedingt angenommen werden müsse. Schließlich wurde jedoch mit allen Stimmen gegen die der Konservativen und National» liberalen der sozialdemokratische Antrag angenommen und di« Bestimmung der Vorlage gestrichen, LMetzung am Duvitag,/. 0ewcrkrcbaftUcbce. Dfe Streikbewegung der franzöfifeben 6»fenbaliner. Paris. S. Juli.(Eig. Ber.) Kein Zweifel— die Situation wird ernst. Die Eisenbahner treffen die letzten Vorbereitungen für den Ausstand. Sie sind ent- schlössen und voll Zuversicht. Der Selbstberuhigung der Regierung, daß die Gewerkschaft ja doch nur einen kleinen Bruchteil der Eisenbahner umfasse und in ihr selbst eine große Mehrheit«ruhiger Elemente" der Streikparole kein Gehör geben werde, steht die Tat- fache entgegen, daß nie der Verband soviel Beitrittserklärungen zu verzeichnen hatte, wie seit der Verschärfung der Situation: 1976 bloß in der letzten Woche! Am 17. Juli tritt der Vorstand des Verbandes, der 43 Vertreter der verschiedenen Bahn- linien vereinigt, zur entscheidenden Beratung zusammen. Die Forderungen der Eisenbahner sind folgendermaßen formu- liert: 1. Sofortige Einführung des wöchentlichen Ruhe- tages nach dem Muster der Staatsbahnen. 2. Erhöhung der Löhne, aus Grundlage des Minimallohns von 1890 Frank. 3. Zehn stundentag. 4. Rückwirkende Kraft des Pensionsgesetzes von 1909 auf alle derzeit den Pensionskassen der Gesellschaften angehörigen Angestellten. Die Eisenbahner dürfen den Vorwurf, daß sie den Ausstand, dessen folgenschweren Einfluß auf das ganze Wirtschaftsleben der Nation sie wohl kennen, leichtfertig in Szene setzen, mit Verachtung zurückweisen. Mit infamen Beschimpfungen und Verleumdungen und mit wilden Drohungen fällt die großkapitalistische Presse über sie her. Verrat an der Nation, Lust an Zerstörung, Gleichgültigkeit gegen das Leben der Mitmenschen— das sind so die üblichen Vor- würfe; gewaltsames Niederschalgen des Streiks mit Hilfe der staat- lichcn Zwangsmittel, mitleidslose Bestrafung der Teilnehmer— die an die Regierung gerichteten Forderungen der liberalen Bour- geoispresse. Eine Militärzeitung setzt auseinander, daß den Eisen- bahncrn, die nach der Mobilisierung den Ausstand fortsetzen, bei einfacher Nichtfolgeleistung gegenüber dem Einberufungsbefehl ein Monat bis ein Jahr, bei passivem Widerstand ein bis zwei Jahre Gefängnis wegen«Gehorsamsverweigerung" und bei Sabotage gar— die Todesstrafe droht! Die Mobilisierung der Eisenbahner ist in der Tat vorbereitet, Die«Guerre Sociale" hat das Glück gehabt, ein ausgefülltes Ein- berufungsformular im Faksimile wiedergeben zu können. Die Mobilisierung bedeutet aber die offene Parteinahme der Regierung für die Gesellschaften, die Vernichtung des Streikrechts, das Briand und Barthou selbst ausdrücklich den Eisenbahnern zuerkannt haben. Ob die Mobilisierung aber wirksam sein muß, ist eine andere Frage. Es handelt sich ja nicht nur darum, daß jedem Beamten der Einberufungsbefehl zugestellt wird, sondern auch darum, daß er seinen Dienstort erreichen kann, was bei einer raschen Desorganisation des Verkehrs keineswegs so leicht sein dürfte. Die Eisenbahner sehen jetzt, wie die Unparteilichkeit der„so- zialen Republik", wie die Radikalen ihr Regime zu nennen lieben, in den sozialen Kämpfen aussieht. Der Verband hat zweimal, am 28. April und am 2S. Mai, die Direktionen in einem Schreiben eingeladen, zu einer Versammlung unter Teilnahme des Minister- Präsidenten und des Ministers der öffentlichen Arbeiten zusammen- zutreten. Die Gesellschaften haben darauf nicht erwidert, sie ignorieren demonstrativ die Gewerkschaft. Das Publikum aber suchen sie mit tendenziösen Darstellungen in der von ihnen abhängigen Presse irrezuführen und gegen die Eisen- bahner einzunehmen. Die Regierung, die in ihrem Programm mit ihrer Arbeiterfreundlichkeit so viel Wesens gemacht hat, ist ohne weiteres bereit, in einem Konflikt, der ohne die anmaßende Haltung der kapitalistischen Unternehmungen wohl unschwer friedlich bei- gelegt werden könnte, gegen die Arbeiter den Terrorismus zu pro- klamieren und den Anschlag gegen die Gewerkschaft zu unterstützen. Alles, was bisher von ihrer Seite im Sinne einer Schlichtung ge. schehen ist, beschränkt sich auf die Aufforderung des Arbeitermini- steriums an die Gesellschaften, einen Bericht über die finanziellen Wlrluikgen des Minimallohns und der ihm entsprechenden Lohn- erhöhungen zu erstatten. Sie selbst aber trifft alle Maßregeln, die die Gesellschaften wünschen, um diese Löhnerhöhungen zu ersparen. »* * Paris, 11. Juli.„Matin" erfährt auf Grund von Mitteilungen aus bester Quelle, daß sich im Laufe des gestrigen Tages eine ge- wisse Besserung in der gesamten Lage zwischen den Eisenbahngesell- schaften und ihrem Personal bemerkbar machte. Ten Eisenbahn- gesellschaften scheint es nunmehr doch klar geworden zu sein, daß es für sie nicht ratsam wäre, sich noch länger den Forderungen ihres Personals gegenüber zu sträuben. Sie haben infolgedessen am Sonnabendabend an die Delegierten des Personals die Auf- forderung gerichtet, zwecks Unterhandlungen mit ihnen eine Ver- sammlung einberufen zu wollen. Gestern hat die Versammlung zwischen dem Personal und den Eisenbahngesellschaften statt- gefunden. Von'den Eisenbahngescllschaften waren hauptsächlich ver- treten die Nord-Ost- und Orleans-Eisenbahngesellschaft. Was die Nordbahn-Gesellschaft betrifft, so hat deren Verwaltungsrat be- schlössen, die kleinen Gehälter zu erhöhen. Von dieser getroffenen Maßregel werden 50 Proz. des gesamten Personals dieser Gesell- schaft berührt. Die Ostbahngesellschaft hat beschlossen, die Lage der Heizer, die bei dieser Gesellschaft besonders trostlos war, zu ver- bessern. Die Orleonsbahn-Gesellschaft schließlich prüft augenblicklich einen Vorschlag ihres Personals, die Gehälter eine? Teiles des Personals aufzubessern. Berlin unck llmgegenck. Mißstände in kommunalen Gastwirtschaftsbetrieben. Der kürzlich abgehaltene Verbandstag der Gastwirtsgehilfen hat u. a. auch die Forderung aufgestellt, daß die Inhaber städtischer Lokale, wie Ratskeller, Markthallen, Zoologischer Gärten usw., von den Stadtverwaltungen bei Abschluß der Pachtverträge zu be- stimmten Mindestleistungen gegenüber dem Personal verpflichtet werden. Vor allem sollen nach den Wünschen der Gastwirts- gehilfen die Pächter solcher Lokale angehalten werden, bei Bedarf von Personal nicht die gewerbsmäßigen Stellenvermittler, sondern den städtischen bezw. paritätischen Arbeitsnachweis und, wo solche nicht bestehen, die kostenlos vemittelnden Gehilfenvereine in Anspruch zu nehmen. Ferner wird gefordert, daß in den be- zeichneten Lokalen dke Kellner einen bestimmten festen Lohn er- halten, so daß sie nicht lediglich auf den Trinkgeldbettel ange- wiesen sind.. Wie berechtigt diese Forderungen, geht auS nachstehendem recht deutlich hervor. Die auf städtischem Grund und Boden im viktoriapark am Kreuzberg errichteten„Viktoria. Ter- raffen" sind an«inen Herrn Lang für die mäßige Summe von 6S00 M. jährlich verpachtet. Di« 8 dort beschäftigten Kellner machen bei einigermaßen günstiger Witterung einen Umsatz von täglich 699 M., an guten Sonntagen bis zu 2999 M. Die Kellner erhalten nicht einen Pfennig Lohn, die Kost ist so schlecht. «nd ungenügend, daß die Betreffenden sich zum Teil noch aus Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Jnferatenteil verantw eigener Tasche beköstigen müssen. Um In diese Stellung zu ge- langen, müssen sie zuvor dem Stellenvermittler, mit dem Herr Lang in Geschäftsverbindung steht, die Summe von 29 M. zahlen. Auch die Behandlung ließ viel zu wünschen übrig, und so wandten sich die dort beschäftigten Kellner an ihre Organisation um Bei- stand. Herr Lang lehnte aber jede Aussprache mit den Vertretern der Organisaton in brüsker Weise ab und entließ sofort sämtliche Kellner. Schon vorher hatte er sich an seinen Geschäftsfreund, einen Stellenvermittler aus der Bülowstratze, gewandt, der neue Ware gegen Vergütung von je 29 M von auswärts heranschaffte. Das obige zeigt, wie berechtigt die Forderungen der Gastwirts- gehilfen an die Stadwerwaltungen sind. Hier darf bei Verpach- tungen nicht lediglich der fiskalische Gesichtspunkt matzgebend sein; die Kommune hat die Pflicht, reformierend und bahnbrechend auf allen Gebieten vorzugehen. Und sie würde sich ein besonderes Ver- dienst erwerben, wenn sie in dieser Weise dem Trinkgeld- Unwesen entgegenarbeiten würde. Ein Skandal sondergleichen aber bedeutet es, wenn die Ausübung des den Arbeitern gesetzlich zustehenden Koalitionsrecht s; ja, wenn der bloße Versuch, durch Vermittelung Dritter, eine Aussprache über die Wünsche der Angestellten herbeizuführen, an diesen von den Pächtern städtischer Lokale mit brutaler Maßregelung geahndet werden darf. Achtung, Dachdecker Berlins und ber Umgegend. Die Differen- zen mit der Firma Robert Strauß in Rixdorf, Wildenbruch- straße 29, haben ihre Erledigung gefunden. Zentralverband der Dachdecker. Verwaltungsstelle Berlin. DeutTcbes Reich. Auch der Fabrikarbeiterverband ist„politisch". Das Schöffengericht in Königshlltte und die Strafkammer in Beuthen O.-Schl. haben den Fabrikarbeiterverband für einen poli- tischen Verein erklärt. Der oberschlesische Geschäftsführer des Ver- bandes hatte in Königshütte zu einer Versammlung der chemischen Arbeiter eingeladen. Die Tagesordnung lautete: Die Arbeitslosig- keit in Oberschlesien und wie bekämpfen wir diese. Trotzdem die Versammlung nicht angemeldet war, erschien die Polizei zur Ueber- wachung. Der Beamte wurde zum Verlassen des Lokals auf- gefordert, ging aber nicht. Daraufhin wurde von der Abhaltung der Versammlung überhaupt Abstand genommen. Gegen den Ein- berufer erging zunächst ein Strafbefehl über 39 M., der vom Schöffengericht auf den erfolgten Einspruch aufrecht erhalten wurde. Die Beuthiner Strafiammer als Berufungsinstanz hat jetzt erkannt, daß die Versammlung deshalb als eine politische anzusehen ist, weil zum Beitritt in den Fabrikarbeiterverband aufgefordert werden sollte. Der Fabrikarbeiterverband sei ein politischer Verein, der Vorsitzende Brey sei sozialdemokratischer Abgeordneter, die Mit- glieder erhielten zum Teil die«Gleichheit", ein Blatt, das im Verlage der sozialdemokratischen Genossin Zetkin erscheine, und außer- dem enthalte das Statut eine Bestimmung über die Maifeier, die eine sozialdemokratische Angelegenheit sei. Die Durchführung de? für das Maler- und Anstreichergewerbe abgeschlossenen Reichstarifs begegnet in Rheinland-Westfalen bei den Arbeitgebern so erhebliche Schwierigkeiten, daß sich der Maler- verband gezwungen sah, in allen größeren Orten am Sonntag, den 19. Juli, Protestversammlungen einzuberufen, die sich mit dieser Angelegenheit beschäftigten. In allen Versammlungen gelangte nachfolgende Resolution zur Annahme: „Eine im Lokal...... tagende stark besuchte öffentliche Maler- und Anstreicherversammlung nimmt Kenntnis von den Vorgängen am Gautarifamt in Essen, und weist die von den Führern des Arbeitgeberverbandes gemachten Drohungen mit Entrüstung zurück. Die Versammelten sind der Ansicht, daß nicht nur die Ge- Hilfen, sondern auch die Meister für die Durchführung des Reichstarifvertrages zu sorgen Haben und weisen die Behauptung, daß nur die Gehilfen an die bisher nicht strikte Durchführung des Reichstarifvertrages die Schuld tragen, ganz entschieden zurück. Es versprechen die anwesenden Gehilfen, den Rcichstarif in allen Punkten zur Durchführung zu bringen und erwarten, daß die Arbeitgeber, welche stets angegeben haben, tariftreu zu sein, die nötige Unterstützung nicht versagen werden. Sollten trotzdem die Arbeitgeber die Drohung wahrzumachen versuchen und beim Eintritt der schlechten Geschäftslage die Außerkraftsetzung der Tarife einleiten, so werden sie den Verband der Maler, Anstreicher usw. zur Abwehr gerüstet vorfinden. Des- halb verpflichten sich die Anwesenden, für die Stärkung der Or- ganisation zu sorgen, um die bestehenden Lohn- und Arbeits- Verhältnisse nicht nur zu erhalten, sondern Besserung anzu- streben."_ Streik in der Etui- und Kartonnagcuiudustrie in Nathenow. Wegen Nichtanerkennung de? Tarifes trat hier am Montag die große Mehrzahl der in der Etui- und Kartonnagenfabrikation be- schästigten Arbeiter und Arbeiterinnen in de» Ausstand. Die Haupt- sächlichsten Tarifforderungen sind: fä/zstündige Arbeitszeit, ein Minimallohn von 23 Mark für männliche und 12 Mark für weib- liche Arbeiter, bei Akkordarbeit 19 Prozent Aufschlag; die Unternehmer boten 6 Prozent Lohnaufschlag. verweigerten aber jedes Entgegenkommen auf der Grundlage des Tarifs. In Frage kommen zirka zweihundert Arbeiter und Arbeiterinnen, die fast sämtlich dem deutschen Buchbinderverband angehören. Zwei Geschäfte haben die Forderungen bereits bewilligt. Die Aus- ständigen bitten um Fernhaltung des Zuzuges. Richtigstellung. Unser Artikel über die Generalversamm- lung des„christlichen" MetallarbeiterverbandeS enthält eine Ungenauigkeit. Der Rückgang um 41/s Tausend ist i n der Berichtszeit erfolgt, daS filld z w e i I a h r e. Im Artikel hieß es«im Jahre 1999". Die Zwickaner Bauarbeiter haben durch ihr wohldiSziplinierteS Vorgehen einen schönen Erfolg bei den nachträglichen lokalen Ver- Handlungen erzielt. ES wurden ihnen noch 2 Pf. pro Stunde zu- gebilligt, so daß die Gesamterhöhung 7 statt 5 Pf. beträgt. Der Stundenlohn für Maurer und Zimmerer stellt sich sonach gegen- wärtig auf 4S, ab 1. Oktober 1919 auf 46, 1. April 1911 48 Pfg., 1. April 1912 51 Pf. Für die Bauhilfsarbeiter wurde erst- malig auch ein fester Lohntaris abgeschlossen. Derselbe weist einen Stundenlohn auf von 33—35 Pf. sofort, ab 1. Oktober 1919 35 bis 36. 1. April 1911 37-33, 1. April 1912 39 bis 41 Pfg. Ztvei Unternehmer in den Schlingen der ZA 152«. 153. Die Strafkammer in Karlsruhe i. B. bestätigte das erstinstanz- liche Urteil des dortigen Schöffengerichts, wonach der Vorsitzende des Deutschen Fleischerderbandes, Obermeister Karl Marx aus Frank- furt a. M. und der ebenfalls in Frankfurt a. M. wohnende Ge- schäftsführer diese» Verbandes, Ludwig Zerwies, zu je 1 Tag Ge- fängnis verurteilt wurden. Bei einem Lohnkampfe der Karls. ruher Metzgergehilfen, bei dem es sich um die Anerkennung dcS Tarifs handelte, schrieben die Angeklagten an drei Karlsruher Jnnungsmeister, die den Tarif anerkannt hatten, sie würden öffent- lich gebrandmarkt, falls sie ihre Zusage, die sie den Gesellen gegeben, nicht zurücknähmen. ES würde vor allem dafür gesorgt, daß die Dissentierenden keine Warenlieferung an Behörden mehr erhielten. DaS Gewerkschaftskartell bekam von diesem Brief Kenntnis und übergab ihn der Staatsanwaltschaft, da alle Merkmale— Be» drohungen und Schädigungen— vorlagen, welche sonst den Arbeiter unter Anklage bringen. Marx und Zerwes mußten sich zunächst vor dem Schöffengericht Karlsruhe verantworten. Dieses verurteilte i K|. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdr. u. VerlagSanstav jeden der Herren zu je einem Tag GejängnH.®Qtc8 Kar man Öl Jnnungskreifen aus dem Häuschen, man legte sofort Berufung ein mit dem eingangs erwähnten Erfolge. Eine„christliche"«Glanzleistung". Genosse Leimpeters schreibt uns: Am Morgen des S. Juli erhielt ich folgeudm Brief zur Kenntnisnahme: «Zentralverband deutscher Eisenbahn-Handwerler und Arbeiter. Geschäftssielle Elberfeld, Straßburger Straße 6. Elberfeld, den 8. 7. 10., Karl! In einem Paket, daß Du Samstag erhälst, sind die Zeitungen mit dem Leimpeters-Artikel schon konvertiert. Einige müssen an die roten Beamten geschickt werden— das Groß muß Sonntag Morgen oder Abend im.Tivoli' verteilt werden. Der es macht, vielleicht kann es Johann machen, muß in das Lokal gehen, erst ein GlaS Bier trinken, und dann fix auf alle Tische ein oder einige Briefe legen, aber ziemlich schnell und dann verschwinden. Gruß W.' Der Absender dieses Briefes ist der ehemalige Gärtnergehilfe W. Guts che, später Sekretär bei den„christlichen" Bergnrbettern, bei der letzten Reichstagswahl Kandidat für Homburg-Kusel in der Pfalz„christlich-sozialer" Richtung, jetzt Sekretär im„christlichen" Eisenbahnerveroand, Sitz Elberfeld. Der Empfänger ist Karl K o st e r, Sekretär bei den«christlichen" Bergarbeitern, und Johann, dem die saubere Rolle zugedacht war, das Schmutzblatt im„Tivoli", also in unserem Gewerkschaftshaus, dessen Mieter ich bin, fix zu verteilen und dann schnell zu verschwinden, ist Johann R a u b e r, ehemaliges Mitglied des Bergarbeiterverbandes, heute ebenfalls Angestellter für Sitz M.-Gladbach. Daß wir für Johann, falls er seine Mission ausführte, einen.lvürdigen" Empfang bereiteten, sei nebenbei erwähnt. Für mich galt es. schnell in den Besitz des Artikels zu kommen, der ja eine ganz besondere Leistung zu sein versprach und so ging ich am Sonnabend in die„christliche" Ver- sammlung im Luisengarten, wo nach meiner Vermutung der Artikel verteilt wurde. Ich hatte richtig kalkuliert, denn ich erhielt gleich drei Exemplare des Zentralorgans deutscher Eisenbahn-Handwerker und-Arbeiter vom 7. Juli, in dem sich ein Artikel des Herrn Gutsche gegen mich befindet, so hochanständig und christlich, wie ich bisher noch nichts gelesen habe. Ich werde in demselben als der Verfasser des Artikels in der„Pfälzischen Post" und dem.Vorwärts":«Christliche Arbeitergelder verludert" bezeichnet und behauptet Gutsche. alle Angaben in diesem Artikel seien erstunken und erlogen, ohne aber zu sagen, was eigentlich erstunken und erlogen ist. Er gibt mir dann folgenden Rat: «Ich kann Leimpeters dem.Wahrhaftigen' in Zukunft nur empfehlen sich seine Informationen nicht bei Zu- hältern und halben Idioten zu holen." Es ist nie meine Gepflogenheit gewesen, einen Gewährsmann zu verrate», selbst wenn er mich falsch beraten hatte und habe ich deshalb die Zeugniszwangshaft standhaft ertragen, ohne meinen Ge« lvährsmann preiszugeben und das werde ich auch in Zukunft so halten, aber in diesem Falle zwingt die Notwehr mich, meine Informatoren öffentlich preiszugeben. Es sind das: Der„christliche" Gewerkschaftssekretär Kar! Kost er, Saarbrücken, Karcherstr. 6, derselbe Karl Kost er, der jetzt das Sch in utzblatt gegen mich ver- breit etil Von ihm selbst habe ich die Mitteilung, daß er 8099 M. an dem verkrachten Blatt verloren hätte! Der andere ist der bekannte Mitarbeiter, der in dem verkrachten Blatt unter dem PseudonymuS«CiviS Saarabicus" die fulminanten Artikel gegen die Sozialdemokraten geschrieben hat, also zwei Leute, die über den Stand der Dinge informiert sind. Den letzteren kenne ich persönlich nicht, seine Angaben erhielt ich schrifilich. Ob nun der „chri st liche" Sekretär Karl Kost er ein Zuhälter und halber Idiot ist, das zu beurteilen ist Gutsche besser in der Lage als ich, da ich Herrn Koster auch nur sehr oberflächlich kenne. Diese Feststellung genügt mir fiir heute, um zu zeigen, wie dies« „christlichen"„Helden" beschaffen sind. Ueber den werteren Teil des Schimitzartikel werde ich mich mit beiden, dem Verfasser und dem Verbreiter an anderer Stelle auseiiiandersetzen. Saarbrücken, den 10. Juli 1919. _ Johann Leimpeter«. Die Basalt- und Bulkanolfirvia Bayerische Hartstciu-Jndustrir, Sitz Würzburg, fordert von ihren Arbeitern unterschrifllich den Austritt aus der Organisation und entläßt jeden Arbeiter, der diesem Verlangen nicht nachkommt. Die Firma liefert vornehmlich ihre Produkte, wie Steingruy. Kleinschlag-Schotter, Packlage, Klein- und Großpflastersteine und Vulkanolplatten, außer an die Eisenbahn- Verwaltungen, an die Kommunen und Gemeinden. Die Vertreter der Arbeiter, wie Gemeindebevollmächtigte und Stadtverordnete werden dringend ersucht, bei Vergebung von Arbeiten das Verhalten der Firma ihren Arbeitern gegenüber in Betracht zu ziehen. Zu weilerer Auskunft ist die unterzeichnete OrganijationSleitung gern bereit. Der Zeutralverband der Steinarbeiter. M. Lohse, Wurzburg, Rückertstr. 7. HusUnck, Die Arbeiter ber Gas- und Elektrizitätswerke in Toulon haben am Sonnabend den Ausstand proklamiert.' Die Regierung hat so- fort Truppen als Streikbrecher kommandiert, die an Stelle der Aus, ständigen die öffentliche Beleuchtung aufrecht erhalten sollen.\ Letzte ISfacbricbtcn und Depcfcben. Die Steuererhöhung für Baden abgelehnt. Karlsruhe, 11. Juli.(W. T. B.) Die Zweite Kammer lehnte in ihrer heutigen Abendsitzung die vorgeschlagene SteuererhShung sowie Erhöhung des Zuschusses zur Eiscnbahnschuldcntilgiingskasse von zwei auf vier Millionen ab angesichts der wirtschaftlichen Lage und der bevorstehenden Mißernte. Im Laufe der Debatte hatte Ministerialdirektor Göller nachdrücklichst auf den Ernst der Finanz- lag« hingewiesen und erklärt, daß die Regierung im nächsten Land- tage ihre Vorschläge wiederholen werde. DaS Wahlrecht für Frauen im englischen Unterhaus. London, 11. Juli.(W. T. B.) Im Unterhause begann heute die Diskussion über den Gesetzentwurf betreffend die Ausdehnung des parlamentarischen Wahlrechts auf die Frauen. Die Partei» gegensätze waren bei der Beratung vollständig verwischt; der Ent- wurf wurde zunächst von der Arbeiterpartei und den Konservativen angenommen, dann aber von den Konservativen und den Libr- ralen bekämpft, Die Beratung wird morgen forgesetzt. Mord und Selbstmord. München, 11. Juli.(W. T. B.) Der in Planegg stationierte Eisenbahnsekretär Oberndorfer hat heute nachmittag in einem Hotel zu Tutzing am Starnberger See seine Frau und sich selbst erschossen. Die Cholera in Ruhland. Petersburg, 11. Juli.(W. T.&) Seit gestern find hier vier Neuerkrankungen a» Cholera und zwei Todesfälle infolge Cholera vorgekommen. Die Stadthauptmannschaft Baku ist für choleragefährlich und das transkaspische Gebiet für cholerabedroht erklärt worden._ Bauarbeiterstreik in Serajevo. Serajevo, 11. Juli.(28. T. B.) Heute sind hier etwa 139« Maurer, Zimmerleute und Arbeiter im Baugewerbe in den AuS, stand getreten. Gaul Singer St Co« Berlin SW, Hierzu S Beilagen».UuterhaltungSSz> 9t. 160. 27. ZchMg. 1 Keilaze Ks Lmiirls" KM» Ncksblck. Dikustag. 12. Juli 1910. Die Taktik Im AahIrechtZkampf. Ii. Die beiden Artikel der Genossin Luxemburg, die die Auseinander setzung eröffneten, führten den Titel:„WaS weiter?" Der erste Artikel schildert einleitend die aufrüttelnde Wirkung der Straßen� demonstrationen und fährt dann fort: .. Unsere Partei muß angesichts der von ihr entfachten Masiem bewegung einen klaren bestimmten Plan haben, wie sie die be- gonnene Masienaktion weiter zu führen gedenkt. Straßen demonstrationen sind, wie militärische Demonstrationen, gewöhnlich nur die Einleitung zum Kampfe. Es gibt Fälle, wo De monstrationen allein durch Einschüchterung des Feindes den Zweck erreichen. Doch abgesehen von der unleugbaren Tatsache, daß der Feind, in diesem Falle die vereinigte junkerlich-großbürgerlich monarchische Reaktion Preußen-DeutfchlandS vor Straßenkund gedungen der Bolksmaflen nicht im geringsten die Segel zu streichen gesonnen ist, vermögen Demonstrationen auch nur dann einen wirksamen Druck auszuüben, wenn hinter ihnen die ernste Entschlosienheit und Bereitschaft steht, nötigenfalls zu schärferen Mitteln des Kampfes zu greifen. Und dann gehört vor allem Klarheit darüber, was wir zu unternehmen gedenken, wenn die Stratzendemonstrationen sich zur Erreichung ihres direkten Zwecks als unzulänglich erweisen." Es wird dann darauf hingewiesen, daß schon bor zwei Jahren die Massen begeistert und entschlossen der Parole zu Straßen« demonstrationen folgten, daß aber die allgemeine Erregung abflaute und die ganze Sache eigentlich im Sande verlausen sei, weil die Partei keme weitere Aktion ausgab, die Aktion nicht erweitert und fortgesetzt, sondern im Gegenteil die Massen wieder abgewinkt Wurden. Wörtlich geht es weiter: »Dieses erste Experiment dürfte ein Fingerzeig und eine Warnung für unsere Partei sein, daß die Massenkundgebungen ihre eigene Logik und ihre Psychologie haben, mit denen zu rechnen es ein dringendes Gebot für Politiker ist, die sie meistern wollen. Die Aeußerungen des Massenwillens im politischen Kampfe lassen sich nämlich nicht künstlich auf die Dauer auf einer und derselben Höhe erhalten, in eine und dieselbe Form einkapseln. Sie müssen sich steigern, sich zuspitzen, neue wirksamere Formen annehmen. Die einmal entfachte Massenaktion mutz vorwärts kommen. Und gebricht es der leitenden Partei im gegebenen Moment an Ent fchlossenheit, der Masse die nötige Parole zu geben, dann be mächtigt sich ihrer unvermeidlich eine gewisse Enttäuschung, der Elan verschwindet und die Aktion bricht in sich zusammen." ES folgt ein Hinweis daraus, daß die 62 Versammlungen, die die Partei ,m Januar w Berlin einberief, mit der Absicht, keine Straßendemonstration daran zu knüpfen,»durchaus ungenügend" be nutzt gewesen seien, daß erst die Parole der Straßendemonstrationen die Massen auf die Beine brachte. Diese Form der Aktion sei also das geringste, was den Tatendrang der grollenden Massen und der gesamten politischen Situation entspreche. Daran werden die folgenden Ausführungen geknüpft: »Aber wie lange noch? Man müßte wenig Fühlung mit dem geistigen Leben der Parteimassen im Lande haben, um nicht ganz deutlich wahrzunehmen, daß die Straßendemonstrationen, schon nach ihrem ersten Anlauf in den letzten Wochen, durch ihre innere Logik eine Stimmung ausgelöst und zugleich objettiv eine Siluation auf dem Kampfplatz geschaffen haben, die über sie hin« ausführt, die über kurz oder lang weitere Schritte, schärfere Mittel unumgänglich notwendig macht." Die Beschlüsse in der Wahlrechtskommisfion und im Plenum des Abgeordnetenhauses bedeuteten einen Faustschlag ins Gesicht der demonstrierenden Massen und der Sozialdemokratie an ihrer Spitze. .... Nachdem die Reaktion die Massenkundgebungen mit der Per« hunzung der Wahlrechtsftaae in der Kommission und im Plenum quutiert hat. muß die Masse unter der Führung der Sozialdemo- kratie jene Verhunzung mit einem neuen Vorstoß quittieren. In einer Situation, wie die gegenwärtige, ist langes Zögern, find ausgedehnte Pausen zwischen den einzelnen Kampfakten, Unent« kleines femlleton. Archäologische Funde im Sudan. Von außerordentlichem Er« folge begleitet waren die archäologischen Expeditionen eines fran« zösischen Gelehrten M. de Zeltner. der den französischen Sudan nach Ueberresten alter Kulturen durchsucht hat. Nach einem Be- richt der..Nature" studierte Zeltner zunächst im Tal des Niger und des Senegal 52 archäologische Lager, in denen er auf zwei der- schieden: Formen einer primitiven Kultur stieß. Die Werkzeuge des einen Typus Halen Aehnlichkeit mit den frühesten Funden deS paläolithischen Zeitalters, während die Gegenstände des anderen Typus an jene feinbehauenen Stein« und glattpolierten Aexte ge- mahnen, wie man sie in Algerien und in der Sahara gefunden hat. Auf einer zweiten Forschungsreise widmete sich Zeltner dem systematischen Studium des Dreiecks Kayes-Bamako-Tombuktu und stieß auf neue Lager, in denen sehr bedeutsame Funde gemacht wurden. Es waren die Ruinen längst verlassener Städte, die hier in zahlreichen Trümmern aus der Bcvgefsenh..' r.-w.'ckt wurden; sie boten das Bild einer ziemlich jungen Zivilisation, von der man bisher keine Ahnung hatte und die durchaus auf eine Gründung der Berber zurückging. Außer diesen, der historischen Zeit ange- hörenden Denkmälern wurden Funde gemacht, die die Verwendung von Schiefer zu Bexten und Lanzenspitzen erwiesen, wovon man bisher auch noch nichts gewußt hatte. Die interessantesten Ent- dcckungen Zeltners bestehen jedoch in sehr gut erhaltenen Bildern, die sich in Grotten im oberen Tal des Senegal vorfanden. Die Bilderzeichen, die die Grottenwände bedecken, scheinen eine eng« Verwandtschaft mit den auf Steinen eingeritzten Zeichen zu haben, die man in der Sahara gefunden hat, und mit Höhlenbildern aus dem Süden von Aftika. Es sind zum großen Teil richtige, künstle« rische Darstellungen. Tierfiguren,_fo Pferde, Kamele, dann Menschendarstellungen, Reiter, Fußgänger, Krieger, und endlich Schriftzeichen in der Form von Hieroglyphen, ja auch Buchstaben eines Alphabets, das zum Teil mit dem Alphabet der Tuaregs übereinstimmt. Alle diese Entdeckungen harren noch der eingehen- deren Untersuchung und besseren Erklärung. Doch läßt sich das vorläufige Resultat jetzt schon feststellen, daß Afrika nicht nur für die Erforschung prähistorischer Zeiten noch ein günstiges Feld liefert, sondern daß auch«in näheres Studium der afrikanischen Zivilisationen, die sich vor dem Eindringen der Weißen entwickelt hatten, manche Ueberraschung bieten wird. Diese mächtigen afrt« konischen Reiche müssen bereits auf einer höheren Stufe der Kultur ? gestanden haben, als wir heute annehmen; sie hatten schon Bilder- chriften, ja vielleicht auch schon Alphabete ausgebildet und standen in ihrer politischen Organisation w'e in ihrer geistigen Entwicklung auf einer Stufe, die der der amerikanischen Völker vor der Ent» deckung des Erdteils durch Kolumbus gleichgesetzt werden kann. Theater. Deutsche? Theater. Sommergastfpiel: Reich». tagswahl, politischer Schwank von Walter TurSzinSky und Richard W u r m f e l.d. Daß ein.politischer" Schwank die Klippen der Theaterzensur passiert, spricht im voraus dafür, daß e» sich in ihm nicht um treffende, also eine unsrer regierenden Weisheit wirklich unbequeme Satire handeln wird. Ein solcher Ehrgeiz liegt auch den beiden Autoren weltenfern. Sie wollten offenbar nur fchlossenheit in der Wahl der Mittel und der Strategie des weiteren Kampfes beinahe soviel wie eine verlorene Schlacht. Es ist not- wendig, die Gegner im Atem zu halten, und sie sich nicht in den Wahn steigern zu lassen, daß wir doch nicht wagen würden, weiter als bis jetzt zu gehen, daß uns der Mut der Konsequenz fehlen würde. Anderseits genügen die Straßendemonstrationen bald nicht mehr, dem psychologischen Bedürfnis, der Kampfstimmung. der Erbitterung der Massen, und wenn die Sozialdemokratie nicht entschlossen einen Schritt weiter tut, wenn sie den richtigen politischen Moment sich entgehen läßt, um eine weitere Losung auszugeben, so dürfte es ihr kaum gelingen, die Straßen- demonstrationen noch eine längere Zeit hindurch auftechtzuerhalten, die Aktion wird dann schließlich einschlafen und wie vor zwei Jahren im Sande verlaufen. Dieselbe Erfahrung bestätigen die Beispiele analoger Kämpfe in Belgien, in Oesterreich-Ungarn, in Rußland, die gleichfalls jedesmal die unvermeidliche Steigerung, das Fortschreiten der Massenaktion aufwiegen und erst dank dieser Steigerung einen politischen Effekt erzielten." Der Artikel verweist dann weiter darauf, daß schon bürgerliche Demokraten Straßendemonstrationen veranstalten. Das zeige, daß sie»unmöglich ein genügendes Kampfmittel für die Bedürfnisse der linken Front, der Sozialdemokratie, mehr sind". So sehe sich die Partei von allen Seiten vor die Frage gestellt: WaS weiter? Da der preußische Parteitag sie nicht beantwortet habe, so müsse sie nunmehr dringend auf dem Wege einer Diskussion in der Presse und in den Versammlungen gelöst werden. Der zweite Artikel verweist eingangs darauf, daß tn Halle, in Bremen, in Breslau, im Hessen-Nassauischen Agitationsbezirk und in Königsberg schon die Genossen laut dasjenige Kampfmittel ge- nannt baben.»dessen Anwendung sich der Partei im gegenwärtigen Massenkampfe von selbst aufzwingt, es ist dies der Massen- st r e i k I" Für seine Anwendbarkeit in der gegenwärtigen Kampagne spreche der Umstand,»daß er sich aus einer bereits begonnenen und sich immer mehr verbreiternden Massenaktion als ihre natürliche, unver« meidliche Steigerung gewissermaßen von selbst ergibt". Der Artikel führt darüber weiter aus: »... Ein aus der Pistole geschossener, durch einfaches Dekret der Partei eine? schönen Morgens.gemachter" Massenstreik ist blos kindische Phantasie, anarchistisches Hirngespinnst. Ein Massenstreik aber, der sich nach einer monatelangen und an Dimensionen zu- nehmenden Demonstrationsbewegung gewaltiger Arbeitermassen ergibt, aus einer Situation, in der eine Dreimillionenpartei vor dem Dilemma steht: entweder um jeden Preis vorwärts, oder die begonnene Massenaktion bricht erfolglos in sich zusammen, ein solcher aus dem inneren Bedürfnis und der Entschlossenheit der aufgerüttelten Massen und zugleich aus der zugespitzten politischen Situation geborener Massenstreik trägt seine Berechtigung wie die Gewähr semer Wirksamkeit in sich selbst. Freilich ist auch der Massenstreik nicht ein wundertätiges Mittel, das unter allen Umständen den Erfolg verbürgt. Nament- sich darf der Massenstreik nicht als ein vinstliches, sauber nach Borschrist und nach Kommando anwendbares einmaliges mecha- nisches Mittel des politischen Drucks betrachtet werden... Der Massenstreik, namentlich als ein kurzer einmaliger Demonstrationsstreik, ist sicher nicht daS letzte Wort der begonnenen politischen Kampagne. Aber er ist ebenso sicher ihr erstes Wort in dem gegenwärtigen Stadium. Und wenn der weitere Verlauf, die Dauer, der unmittelbare Erfolg, ja, die Kosten und die Opfer dieser Kampagne sich auch unmöglich mit dem Bleistift auf dem Papier im Voraus, wie die Kostenrechnung einer Börsenoperation, aufzeichnen lassen, so gibt es nichtsdestoweniger Situationen, wo es polittsche Pflicht einer Partei, die Führerin von Millionen ist, mit Entschlossenheit die Parole zu geben, die einzig den durch sie begonnenen Kampf weiter vorwärts treiben kann. In einer Partei, wo, wie in der deutschen, das Prinzip der Organisation und der ParteidiSziplin so beispiellos hoch gehalten wird, wo infolgedessen die Initiative unorganisierter Volks- massen, ihre spontane, sozusagen improvisierte Altionsfähigkeit ein so bedeutender, oft ausschlaggebender Faktor in allen bis- herigen großen politischen Kämpfen, fast ausgeschaltet ist, da liegt der Partei die unabwendbare Pflicht ob, den Wert dieser so hoch einer allgemein verungenierungSlustigen Bierulkstimmung Ausdruck geben und durch forciert groteske Kunststücke der Uebertreibung daS übliche politische Kämpferpathos, hinter dem sich oft die kleinlichsten Interessen bergen, parodieren. Auch so hätte ja noch immer etwas Amüsantes herauskommen können. Im ersten Akt vollführen sie denn auch ihr turbulentes Spiel mit recht vergnügter Laune. Das Treiben auf der Bude des Münchner Sumpfhuhnes FerdlMe her ist mit vielerlei drolligen Randglossen verziert. Der feuchtfröhliche Uebermut erreicht, was leider die mangelhafte Besetzung der Nebenrollen in der Ausfllhruna nicht recht herausbrachte, den Gipfelpunkt beim Erscheinen der betrunkenen Bauerndeputation, die einen liberalen ReichStagSkandidaten Meyer sucht. Die guten Leute haben im Hofbräuhauje die ihnen aus» gegebene Adresse total verschwitzt und klingeln nun der Reihe nach bei jedem Träger dieses Namens an. Ferdl nimmt das als Mnk des Himmels, seine rollenden großen Worte, durch noch größere Maß- trüge unterstützt, entflammen die Wackeren zur höchsten Begeisterung. Im Triumph wird er aufS Dorf geleitet, wo der Herr Pfarrer durch die Hartnäckigkeit, mit der er sich der Verlegung seines Schweinestalles widersetzt, die gläubigen Gemüter �um Aufruhr erregt hat. Noch mancher Einfall burlesker Komik taucht in dem folgendem auf � ein Herr Levy kämpft in erster Reihe der Katholischen für»unsere Kirche', wie er mit Vorliebe sagt und gerät dadurch mit seinem von den Liberalen engagierten jungen Bruder in tragischen Familienzwist— indes eS fehlt das Augenmaß für Bühnenwirkung. Szenen, die bei rasch forteilender Lektüre als Lückenbüßer etwa noch passieren, reckten und dehnten sich auf den Brettern bis zur Unleidlichkeit. Herr Eckert, der als Nestroyscher HoloferneS tn Berlin so vielversprechend debütierte, erwieS sich auch in der Rolle deS Ferdl als Charatterspieler von eigenartig humoristischer Behaglichkeit. Bon den übrigen wären Herr M o r w a h als Levy, Herr du B o t S« R e y m o n d als Pfarrer und insbesondere Frau Richard als wort- gewandte Münchener Zimmervermieterin zu nennen. üt. Humor und Satire. Bamberger Pädagogik. »Die deutsche Jungfrau, liebe Töchter, Ist ein gar leicht zerbrechlich Ding. Sieht sie ein junger Mann, so möcht' er Und zwar bald mit, bald ohne Ring. DaS letztere, dieweil's verboten, Hat einen ganz besondern Reiz; Jedocb der Vater schimpft nach Noten; Die Mutter schickt sie in die Schweiz. entwickelten Organisation und Disziplin auch für große Aktionen, ihre Verwendbarkeit auch für andere Kampfformen, als für parlamentarische Wahlen nachzuweisen. Es gilt, zu entscheiden, ob die deutsche Sozialdemokratie, die sich aus die stärksten GeWerk« schaftsorganisationen und das größte Heer der Wähler in der Welt stützt, eine Massenaktion zustande bringen kann, die im kleinen Belgien, in Italien, in Oeslerreich-Ungorn, in Schweden — von Rußland gar nicht zu sprechen— in verschiedenen Zeiten mit großem Erfolge zustande gebracht worden ist, oder aber ob in Deutschland eine nach zwei Millionen Köpfen zählende gewerkschaftliche Organisation und eine mächtige wohl« disziplinierte Partei im entscheidenden Moment gerade so wenig eine wirksame Massenaktion ins Leben zu rufen vermag, wie die durch anarchistische Verwirrung gelähmten französischen Ge- werkschaften und die durch innere Kämpfe geschwächte Partei Frankreichs." Es folgt eine längere Ausführung, daß für die Gewerkschaften, ohne deren Mitwirkung der Massenstreik nickt möglich sei, verschiedene Schwierigkeiten in Betracht kämen, die Gärung im Kohlenrevier, die gespannte Lage im Baugewerbe. Bei näherem Zusehen aber ergebe sich, daß das Zusammentreffen eines umfangreichen Massen« streiks mit einer politischen Streikbewegung für beide nur von Nutzen sein könne. »... In jeder großen Massenbewegung des Proletariats wirken zahlreiche politische und wirtschaftliche Momente zu- sammen und sie von einander künstlich losschälen, sie pedan» tisch auseinander halten wollen, wäre ein vergebliche? und schäd- licheS Beginnen. Eine gesunde, lebensfähige Bewegung, wie die gegenwärtige preußische Kampagne, muß und soll aus allem aufgehäuften sozialen Zündstoff Nahrung schöpfen. Andererseits kann für den Erfolg der engeren Bergarbeitersache nur von Nutzen sein, wenn sie dadurch, daß sie in eine breitere, politische ein- mündet, den Gegnern— den Kohlenmagnaten und der Regierung — mehr Furcht einflößt. Um so eher würden diese sich ge- zwungen sehen, durch Konzessionen die Bergarbeiter zu befriedigen und sie von der politischen Sturmflut zu isolieren suchen. Was aber die drohenden Aussperrungen betrifft, so wissen wir ja aus zahllosen Erfahrungen, daß, wo es daS Interesse des Unternehmertums und sein Herrenstandpunkt erfordern, eS ihm auch noch nie an Vorwänden zu einer brutalen Massenaus« sperrung gefehlt, noch ein Mangel an halbwegs gerechtfertigten Vorwänden sie je an der Ausführung ihrer Gewaltakte abgehalten hat. Ob ein politischer Massenstreik verwirklicht wird oder nicht, die Aussperrungen werden nicht ausbleiben, sosern sie dem Unter- nehmertum in den Kram passen. Das zeitliche Zusammenfallen dieser Aussperrungen mit einer großen polittschen Bewegung kann nur die Wirkung haben, daß sie durch die allgemeine Hebung des Idealismus, der Opferwilligkeit, der Energie und Widerstands« fähigkeit des Proletariats auch für die partiellen Leiden jener Aussperrungen die Arbeiter widerstandsfähiger machen wird." Die wichtigste Frage vom gewerkschaftlichen StandpunN bleibe nach alledem die. ob die Gewerkschaften das starke Risiko für den Bestand der gewerkschaftlichen Organisationen m,d ihren Kassen übernehmen könnten und dürsten. Aber jede Aktion, jeder Wirt« schastliche Streik bringe ein Risiko mit sich: .... Sollte gerade der machtvolle Ausbau, die zahlenmäßige Stärke unserer deutschen Gewerkschaften ein Grund sein, auf solche Gefahren im Kampfe mehr Rücksicht zu nehmen, als es schwächere Gewerkschaften in anderen Ländern, z. B. w Schweden. in Italien, tun, so wäre das ein gefährliches Argument gegen die Gewerkschaften selbst. Denn es liefe auf den seltsamen Schluß hmauS, daß, je größer und stärker unsere Organisationen, um so weniger akt,onsfähig, weil um so zaghafter wir werden. Der Zweck selbst des starken Ausbaus der Gewerkschaften wäre damit in Frage gestellt, da wir doch der Organisationen als eines Mittels zum Zweck, als deS Rüstzeugs zum Kampfe, nicht als Selbstzweck bedürfen. Diese Frage kann aber zum Glück gar nicht austauchen. In Wirklichkeit ist die Gefahr, das Risiko, das unsere Gewerkschaftsorganisationen laufen, nur ein äußerliches In Wlrklickkeit bewähren sich gesunde, kräftige Organisationen nur im scharfen Kampfe und erstehen aus jeder Kraftprobe mit erneuten Kräften und gewachsen wieder auf. Mag ew allgemeiner Der reinen Jungftau Phantasie. Denn was der Mensch nicht hat; das mächst er, Und hat«'S. ärgert sich daS Vieh." So sprach der Pfaff. An allen vieren Durchkribbelt eS ihn ahnungsvoll. Er dachst ans Heftekorrigieren, Indes fein Herz vor Sehnsucht schwoll. WaS sagt der Reinste aller Reinen Beim Anblick solchen SündenfallS t -Wer eine« ärgert dieser Kleinen, Dem einen Mühlstein an den Hak»." (Edgar Steiger im»SimpNeisstmuS'.j »Dort wird die Taille immer weiter, Und sie erkennt mit einem Mal, Daß zwar der Anfang immer heiter, DaS Ende aber voller Qual. Sie fetzt stch hin und schreibt mit blasser Kurrentschrift ihrer Freundin heim, Sie gehe morgen früh in» Wasser; Die Liebe sei wie Fliegenleim. »In solchen Zustand sich versetzen Aus weiser Vorsicht, noch bevor— (Man weiß die Unschuld nie zu schätzen, Als grade, wenn man sie verlor) Befruchtet herrlich, liebe Töchter» Notizen. 77®eniot der Astronomen, Prof. Joh. Gottfried alle, rst in dem hohen Alter von«8 Jahren am Sonntag in P o t S d a m gestorben. Mit fernem Namen ist eine der glänzendsten astronomischen Taten aller Zeiten verbunden. AuS Veränderunqen rn der Stellung des nach damaliger Kenntnis äußersten Planeten in unserem Sonnensystem, des Uranus, hatten bereits verschiedene Astronomen in den 30er und 40er Jahren des 19. Jahrhunderts ge- schloffen, daß sie von einem unbekannten Himmelskörper herrührten. Der franzosische Astronom L e v e r r i e r kam nun nach lang- wieriger Rechnung zu der Ueberzeugung, daß die Störung nur durch einen unbekannten Planeten herrühren könnte. Er berechnete seine Elemente und bestimmte seine Stellung am Himmel. Z« den Sternwarten, die ersucht wurden, den neuen Planeten aufzu- suchen, gehörte auch die Berliner, die damals über die vor- jsilglichsten Instrumente verfügte. Am Morgen des 23. September im Jahr- 1846 traf der Brief Leverriers in Berlin ein. und am Abend desselben Tages hatte Galle, der Observator an der Berliner Sternwarte war, den neuen Planeten— Neptun— am Himmel entdeckt— nur einen Grad von der durch bloße Rechnung gefundenen Stelle entfernt. An dem Triumphe Leverriers, der zugleich ein Triumph des beobachtenden und denkenden Meuschengeistes war nahm nun auch Galle teil. Später ist er lange Jahre Direktor der Breslauer Sternwarte gewesen. Er hat außerdem verschiedene Kometen entdeckt und auch sonst in seinem Fache Beachtenswertes geleistet. — Deutsche Arbeiter auf der Brüsseler«u». stellung. Das badische Ministerium des Innern wird einer An- zahl Arbeiter Gelegenheit geben, die Brüsseler Weltausstellung zu besuchen Um die Reise für die Arbetter möglichst gewinnbringend' zu gestalten, werden Beamte der Fabrikinspektion die Führung übernehmen. Die Mannheimer Handelskammer und der allgemeine Mannheimer Fabrikantenverein haben je 400 M zum gleichen Zwecke bewilligt. Die Kosten sind für die auf sieben Tage berechnete Reiie für den Teilnehmer auf etwa 130 M. berechnet. Den Arbeitern wird der entgangene Arbeitsverdienst für sechs Tage Der schiefe Turm von Pisa hat nach Feststellung emer besonderen Kommisston im Laufe der letzten bv Jahre wieder nm sieben Zentimeter Schiefe zugenommen. Man fürchtet für da» Schick, al des alten Turmes, der die Last der Jahrhunderte bisher so glücklich getragen hat. Man will ihn zunächst von den Glocke» befreien. Aber er wird wohl weiter sinken und noch schieker werden. Denn der Loden, auf dem er ruht, ist nachgiebig. politisch«! Massenstreik Im ersten Gefolge Me EchwÜchtMg obft Beschädigung mancher Gewerlschaft nach sich ziehen,— nach kurzer Zeit werden nicht bloß die alten Organisationen neu aufblühen, sondern die große Aktion wird ganz neue Schichten deS Proletariats aufrütteln und den Gedanken der Organisation in Kreise hinein» tragen, die einer ruhigen systematischen Gewerkschaftsorganisation bis jetzt unzugänglich waren, oder sie wird für unsere Organi- sationen Scharen von Proletariern gewinnen, die bis jetzt unter bürgerlicher Leitung, beim Zentrum, den Hirsch-Dmickcrschen, den Evangelischen verblieben... Es wird dann auf das Beispiel der»vorsichtigsten GewerlschastS- vewegung", der amerikanischen Federation of Labour hingewiesen, die dicht davor stehe, um der Ehre willen, ohne ängstlich alle Chancen des Gewinnes und Verlustes abzuwägen, sich in einen um- fangreichen Generalstreik zu stürzen und zwar um die Koalitions- freiheit von 600 Trambahnangestellten in Philadelphia zu schützen. Dann heißt es weiter: »Vom politischen Standpunkt kommt noch eins in Betracht. Im Jahre 1911 haben wir Reichstagswahlen, bei denen es die Gencralquittung für die Hottentottenwahlen zu geben gilt. Freilich haben unsere Gegner mit der Finanzreform trefflich für uns vorgearbeitet. Unsererseits aber können wir uns keine glänzendere Situation schaffen als durch eine borhergegangene große politische Massenaktion, wie sie Deutschland noch nicht erlebt hat. Durch Aufrüttelung breitester Massen, Erhöbung de» Idealismus, Anspannung der Kampfenergie aufs höchste in dieser Aktion können wir einen Grad von Aufklärung und Stimmung erreichen, der die kommenden Wahlen zu einem betäubenden Waterloo für das herrschende System gestalten wird.' ES folgt ein Hinweis auf die Wirkung eine» politischen Massen- fireiks in Deutschland— denn ein deutscher würde es werden, da die Parteimassen de» außerpreußischen Deutschlands sicher mit Be- geisterung von selbst mit ihrer Unterstützung herbeieilen würden— aus die Internationale. Er würde den Mut. den sozialistischen Glauben, die Zuverficht, die Opferfreudigkeit de» Proletariats in allen Ländern unermeßlich steigern. Wenn das auch nicht ein Grund für die Anwendung des MaffenstreikS sein könne, so komme eS doch bei der Berechnung des Gewinn» und Verlustkontos mit in Betracht. ». I. Die deutsche Sozialdemokratie war bis jetzt für die Internationale das große Muster auf dem Gebiete des parlamen- tarischen Kampfe», der Organisation und der Parteidisziplin. Sie kann vielleicht bald ein glänzendes Beispiel geben, wie man alle diese Vorzüge mit einer entschlossenen und unerschrockenen Massen- aktion zu verbinden versteht.' Indes dürfe nicht erwartet werden, daß eines schönen Tages von der obersten Leitung der Bewegung, vom Partcivorstand und von der Generalkommission der Gewerkschaften, das»Kommando' zum Maffenstreik ergehe. »... Körperschaften, die eine Verantwortung für Millionen tragen» find in ihren Entschlüssen, die doch andere ausführen müssen, von Hause au» naturgemäß zurückhaltend. Ueberdies kann der Entschluß zu einer unmittelbaren Aktion der Masse nur von der Masse selbst ausgehen. Die Befteiung der Arbeiterklasse kann nur da» Werk der Arbeiterklasse selbst sein, dieser weg- weisende Satz de» Kommunistischen Manifestes hat auch noch die Bedeutung im einzelnen, daß auch innerhalb der Klassenpartei de» Proletariats jede große entscheidende Be- wegung nicht auS der Initiative der Handvoll Führer, sondern aus der Ueberzeugung und Entschlossenheit der Masse der Parteianhänger herrühren muß. Auch der Entschluß, den gegenwärtigen preußischen WablrechtSkampf. gemäß dem Wort des preußischen Parteitage»,»mit allen Mitteln', also auch durch da» Mittel des Massenstreiks zum Siege zu führen, kann nur durch die breitesten Parteiichichten gefaßt werden. Es ist Sache der Partei- und Gewerkfchafrsgenossen, in jeder Stadt und jedem Bezirk zu den Fragen der gegenwärtigen Situation Stellung zu nehmen und ihrer Meinung, ihrem Willen in klarer und offener Weise Ausdruck zu geben, damit die Meinung der organisierten Arbeitermasse als Ganzes sich Gehör verschaffen kann. Und ist das geschehen, dann werden auch unsere Führer sicher auf dem Posten sein, wie sie bis jetzt stets gewesen sind.' Die sselchzverllchei'llngsorcknuiig auf dem OrlsItraDkenhaffenltODgreD. (Telegraphischer Bericht.) RegenSburg, 11. Juli. Der Besprechung der Reichsversicherungsordnung ist in der Hauptsache die diesjährige(17.) Jahresversammlung de» Zentral- Verbandes der Ortskrankenkassen im Deutschen Reich gewidmet, die am Sonntagabend unter Teilnahme von etwa S00 Delegierten au» allen Teilen des Reiches im»Neuen Haus' in RegenSburg durch Frößdorf eröffnet wurde. In der heutigen Sitzung erörterte nach einleitenden Worten des Vorsitzenden Fräßdorf Rechtsanwalt Dr. Mayer-Frankenthal das Thema: Die Beschlüsse der ReichStagSkommisfioa zur ReichSversscherungS- ordnung. Er bedauert einleitend, daß die ReichstagS-VersicheruligS- kommission die Frauen nicht für würdig befunden habe, Versiche- rungSträger zu werden. Ein großer Teil der Ergebnisse der Reichstagskommission beruht auf Zufallsmehrheiten. Eingehend erörtert der Vortragende dann eingehend die Eni» fcheidungen der preußischen Verwaltungsgerichte in bezug auf die Verweigerung des Rechte» an die Krankenkassen. Kongresse zu beschicken. In bezug auf die Sozialpolitik besteht noch eine Mainlinie. Wir in Süddeutschland wissen nichts von den kleinlichen Hemmungen. welche die norddeutschen Verwaltungsbehörden den Krankenkassen in den Weg legen. Wir verstehen diese Politik nicht, wie die Krankenkassen in Sachsen und Preußen sich herumschlagen müssen wegen ein paar Pfennigen VerwaltuilgSkosten. Bei der künftigen Ge- staltung der Reichsversicherungsordnung müssen wir darauf drängen, daß die süddeutsche Auffassung Gesetz wird, und daß künftig das Bestreben der Vorstandsmitglieder, ihren Blick zu vertiefen, nicht gehemmt wird. In der ersten Lesung hat die ReichSversscherungS- kommission de» Reichstages diese Frage deS freien BereinigungS- rechts aber nicht verbessert, sondern noch verschlechtert, indem sie die Entscheidung in das freie Ermessen der Zentralbehörde stellt. Merkwürdigerweise ist von keiner Partei hiergegen Widerspruch erhoben worden. Gegenwärtig bleibt uns noch die Möglichkeit, durch gerichtliches Verfahren da» Kongreßrecht unS zu erkämpfen, während künftig an dessen Stelle die Willkür der obersten Zentral- behörde treten soll. Es handelt sich hier um die Möglichkeit von künftigen Krankenkassenkongressen, die wesentlichen Anteil an der fortschrittlichen Entwickelung der Sozialversicherung tragen und die wesentlich mitgearbeitet haben an der Förderung des Wohnungs- Wesens, an der Bekämpfung von Volkskrankheiten, Alkoholmißbrauch usw.(Lebhafte Zustimmung.) ES ist daher ein Schutz dieser freien Vereinigung notwendig durch Festlegung de» Kongreß. rechts.. Auch ist eine gesetzliche Regelung der rechtlichen Grund» lagen für die Betätigung des freien KongrehwesenS notwendig. Der Redner beschäftigt sich dann mit der Vereinheitlichung der LehSrdenorganisation. Gr ist in den Grund zu gen mit dem Regierungsentwurf ejnver- standen, hat jedoch in Einzelheiten eine Reihe von Bedenken. Be- züglich der Selbstverwaltung hat der Entwurf bei den Leistungen »er Krankenkassen eine Differenzierung der OrtSlrankenlassen und Landkrankenkassen festgesetzt. Bei den Landkrankenkassen Ist kein freies Wahlrecht vorhanden und kein absolute» Koutroll» »echt. Die Versicherten haben nichts zu sagen, sondern nur die Gemeindeverbände. Man m dsS Md, dsS im 'tsskn Set Herr v. VlSknSnrg-Jastuschatt dl« Landkrankenkasse vet- waltet!(Heiterkeit.) Die Reichstagskommission hat die Gleich- stcllung beschloffen und bleibt hoffentlich auch in der zweiten Lesung fest. Ich habe mich zu wiederholten Malen als Arbeitgeber dafür ausgesprochen, daß die Versicherten das Uebergewicht in dcist Krankenkassen haben. Politische Gründe, die für einen großen Teil der Versicherten bei der Geltendmachung dieser Forderung maßgebend sind, kommen für mich nicht in Frage. Die Arbeit- nehmer sind die Empfangenden. Sie haben ein überwiegendes Interesse an dem Gedeihen der Versicherung. Erwerbsgruppen, die mit über S Millionen Krankheitsbehandlungen an einer öffentlich-rechtlichen Einrichtung beteiligt sind, haben ein Anrecht darauf, daß sie auch diese Einrichtung beeinflussen können. Als Arbeitgeber muh ich hier aussprechen, daß die großen Fortschritte der Krankenkassen auf dem Gebiet der Mehrleistungen im Kampfe gegen die Volkskrankheiten und gegen den Alkoholismus nicht möglich gewesen wären, wenn die Arbeitnehmer nicht ein überwiegendes Stimmrecht gehabt hätten.(Lebhafter Beifall.) Deshalb begrüße ich es, daß die Reichstagskommission die Halbierung abgelehnt bat. Ich begrüße es auch im Interesse weitester Kreise des Mittelstandes. ES ist nicht wahr, daß die Arbeitgeber allgemein die Halbierung wollen. Das will nur eine kleine Gruppe Großindustrieller. Die große Mehrzahl des Mittelstandes will nicht für 150 Millionen Mehrleistungen auf sich nehmen. Wir hoffen daher, daß die poli- tischen Kreise, die ein Interesse daran hoben, den Wünschen der mittleren Schichten des Erwerbslebens Rechnung zu tragen, auch in der zweiten Lesung festbleiben werden. Es ist in der Tat nicht wahr, daß im allgemeinen große Differenzen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern bestehen. Der größte Teil aller Beschlüsse wird einstimmig gefaßt. In den seltensten Fällen kommt eS zu Mehrheitsbeschlüssen. Wir könnten unS glücklich schätzen, daß noch eine Institution vorhanden ist, in der Arbeitgeber und Arbeit» nchmer friedlich zusammen arbeiten können. Gerade die Sozial- Versicherung ist der erste großzügige Versuch gewesen, die Arbeiter- schaft heranzuziehen zur Selbstverwaltung.(Lebhaste Zustimmung.) Wer den äußersten Radikalismus bekämpfen will» muß für den bestehenden Znstand eintreten. Denn diejenigen, die in der Lage sind, die Schwierigkeiten de» öffentlichen Leben» zu erkennen und aufzubauen und mitzuarbeiten, werden wohl einsehen, daß manche Forderung, die am Biertisch als Ausfluß des Radikalismus auf- gestellt wird, auf die Dauer nicht aufrechterhalten wird.(Sehr richtig.) Die bisherigen Verhältnisse drängen nicht dazu, für die Stellung des Vorsitzenden die Mehrheit in beiden Körpcrschcisten zu fordern. Es gibt eine große Zahl von Kassen, in denen Arbeit- geber Vorsitzende sind, obwohl die Arbeitnehmer die Mehrheit haben und obwohl die Arbeitgeber auf einem ganz anderen poli- tischen Standpunkt stehen. Die Verhältniswahl ist ein genügende» Ventil gegen ein Uebergewicht irgend einer Parteigruppe. Geunß soll keine Parteipolitik in den Krankentassen getrieben werden. E» soll aber auch keine Partripolitik gegen die Krankenkassen Platz greifen.(Stürmischer Beifall.) Bei der Beratung des veamtenrechte sind in der ReichStagSkommisston heftige Ausfälle gegen den Tarif- vertrag des Zentralverbandes mit der Boamtenorganisatton ge- macht worden. Von einem konservativen Redner wurde es als der größte Skandal in Deutschland in den letzten zehn Jahren be- zeichnet, daß nach dem Tarifvertrag ein Angestellter, der bestraft ist, nicht seines Amtes entsetzt werden kann. Ich erkenne an, daß die beanstandete Stelle eine große Dummheit des Zentralverbandes und seines Vorstandes war.(Fräßdorf ruft: Ich lehnte ab!). Ich erkenne an, daß unser Vorsitzender sich mit Händen und Füßen gegen dies« Bestimmung gewehrt hat, und bedauere, daß die damals tätigen Herren so kurzsichttg gewesen sind, fich vom Verband der Angestellten hineinlegen zu lassen.(Zustimmung). Aber e» ist doch zu weitgehend, da» al» Skandal zu bezeichnen. ES sollte durchaus nicht beabsichtigt werden, einen Mann, der sich schwerer Vergehen schuldig gemacht hat, in der Kasse zu halten. ES gibt ja auch noch andere Mittel, einen unwürdigen Beamten zu beseitigen. ES ist ein Unsinn, wenn in der Kommission die Sache so dargestellt wurde, als ob diese Bestimmung darauf hinziele, sozialdemokratische Ange- stellte in den Krankenkassen für alle Zeiten dauernd in Stellung zu halten. Die konservativen Redner haben den Zentralverband durch» wegS als einen sozialdemokratischen Verband bezeichnet, wohl auch nur, um Sttmmung zu machen. Wenn die Herren die Verhältnisse an der Quelle studieren würden, würden sie diese Behauptung nicht aufrecht erhalten. Ich würde mich entschieden dagegen wehren, wenn in dieser Versammlung Partripolitik getrieben werden sollte. Hier sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer aus allen politischen Parteien.(Zustimmung). Es ist eine Unwahrheit, daß wir eS hier mit einem Verband zu tun haben, wie er von dem Graten Westarp gekennzeichnet worden ist. Wenn die sozialdemokratischen Arbeiter in diesem Verbände wie überhaupt in den Krankenkossen eine größere Rolle spielen, so liegt das in den natürlichen Ver- Hältnissen. Hätten die Herren im Nordosten nicht zwanzig Jahre lang sich gesträubt gegen die Ausdehnung der Krankenversicherung auf die ländlichen Arbeiter, so würden wir vielleicht auch das Vergnügen haben, anch Großgrundbesitzer in unserer Mitte zu sehen. (Heiterkeit). Ein großer Teil der Beschlüsse der Reichs tagstom- Mission bedeutet wesentliche Verdesserungen. Es wäre eine Unge- rechtigkeit, wenn ein objektiver Beurteiler das nicht anerkennen wollte. Aber diese Verbesserungen sind noch nicht da», was wir verlangen können. Teilweise aber, namentlich bezüglich der Jen- tralisierungSftage, enthalten die Beschlüsse sogar Verschlechterungen. Ich schließe mit dem Wunsche, daß die Reichstagskommission an den Verbesserungen auch in der zweiten Lesung festhalten wird und daß der Reichstag und die ReichStagSkommisston im Interesse einer allgemeinen Verständlichkeit zum Schluß den Gesetzentwurs — wie das auch die Reichsvegierung bei ihrer Vorlage getan hat— dem Allgemeinen Deutschen Sprachverein zur sprachlichen Durch- arbeitung unterbreiten wird. In der Regel sind die Gesetzent- würfe der Regierung nach der sprachlichen Seite vom Reichstag immer erheblich verschlechtert worden.(Beifall). Es nahm hierauf das Wort Reichstagsabgeordneter Freiherr von Pfetten(Zentrum): Ich gestehe zu, daß der Standpunkt für mich ein großes Interesse hat, und auch, daß Ihren Beschlüssen große Bedeutung beizulegen ist. Der Referent hat auf die großen Verschiedenheiten zwischen Nord und Süd hingewiesen. Dazu kommen noch die großen wirtschaftlichen Verschiedenheiten. Was in den Industriegebieten Rheinland und Westfalen und im König« reich Sachsen wünschenswert ist, begegnet großen Schwierigkeiten im östlichen Teile Deutschlands und in den rein ländlichen Teilen Süddlnltschlands, namentlich Bayern» und Württembergs. Darin liegt die größte Schwierigkeit für die Verabschiedung des Gesetzes. Auf Einzelheiten will ich nicht eingehen. Wohl aber will ich her- vorheben, daß ein Unannehmbar von der Regierung nur ausge- sprachen worden ist, al» es sich um die Beseitigung der Betriebs- krankenkassen handelte. Bei den anderen Punkten haben die Re- gierungövertreter nur gewarnt, aber nicht von einem Unannehmbar gesprochen. Daran» ist das große Interesse der Regierung an dem Zustandekommen des Gesetzes zu entnehmen und die Erwartung, daß in zweiter Lesung durch ein Kompromiß daS Gesetz noch zustände kommen wird.(Hört! hört! Unruhe.) Kompromiß und auch Verhandlungen hinter den Kulissen sind bei unseren unsicheren Parteiverhältnissen im Reichstag unvermeidlich. Ter Referent hat von Parteien gesprochen, die sich in der Gunst der Regierung sonnen. Soweit er meine Partei, da» Zentrum, gemeint haben sollte, muß ich das zurückweisen. Ich mutz auch zurückweisen, daß in der Kommission politische Rücksichten eine größere Rolle gespielt haben als versicherungstechmsche.(Widerspruch). Ich bestreite es. Ich gebe allerdings zu, daß politische Gesichtspunkte eine gewisse Bedeutung gelabt haben. Aber sie haben weit zurückgestanden hinter den bersicherungstechnischen und wirtschaftlichen Erwägungen. Wer ist denn aber Schuld daran, daß parteipolitische Erwägungen hineingezogen worden sind? Doch nur bie Parteien, die die Parteipolitit in die wirtschaftlichen Fragen hineingetragen haben, und daS ist doch nicht bloß von einer Seite aus geschehen. Ich bin firil dW NMelltM duio öufierftanim dgß die BWittMÄvpkjg« Ist issfet« GkvMssgeik'elti? gNlgMle GkussdlcM fSr Cöi Zustand«. kommen einer ReichsversicherungSordnung bildet. Meine politische Partei nimmt den Standpunkt ein, daß der grundlegende Ge- danke der Regierungsvorlage ein gesund« ist. Wenn diese Tagung dazu beitragen sollte, zum Zustandekommen des Gesetzes beizu- tragen, so würde das im Lande weitesten Widerhall firtden. Ge- statten Sie mir zum Schluß, Ihren Verhandlungen einen ersprieß- lichen Verlauf zu wünschen.(Lebh. Beifall), Hierauf sprach Brachel-Köln über die' Aerzte- und Apothekerfrage. Die Aerztefrage ist eine Lebensfrage für die Krankenkassen. Sie hat in der Regierungsvorlage eine Regelung gefunden zum Nachteil der Kassen, die unseren Widerspruch herausfordert. Wir erkennen die Bedeutung des Aerztestandes an und auch die Not- wcndigkeit einer abgemessenen Behandlung. Wir wenden uns aber gegen eine Uederspannung der ärztlichen Forderungen und gegen die Ausschreitungen deS ärztlichen Koalitionsrechts. Die Aerzte sind in ihren Honorarforderungen antisozial. Wir sind nicht Gegner des Koalitionsrechts der Aerzte, sondern wir be- dauern nur, daß die Leitung der Aerzteorganisation in der Wahl der Mittel Ethik und Moral außer Auge läzt. Wiederholt hat daS Reichsgericht Maßnahmen des Leipziger AerzteverbandeS als gegen die guten Sitten verstoßend bezeichnet. Bedauerlich ist, daß die Organisation eineS so angesehenen Stande? sich von dem Grundsatz leiten läßt: Der Zweck heiligt die Mittel.(Hört! hört!) Der Entwurf enthält eine ungerechtfertigte Parteinahme für die Aerzteorganisation. Die Regierung soll sich überlegen, einer Or- ganlsation eine Waffe in ine Hand zu geben gegen eine von ihr selbst geschaffene soziale Institution. Die Regierungsvorlage ist nicht geeignet, die Krankenkassen vor unberechtigten Forderungen der Aerzteorganisation zu schützen und Frieden herbeizuführen. Alle Kreise der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer sind sich darin einig, daß die Krankenkassen nicht ein AuSbeutungSfeld für den Aerztestand auf Kosten der wirtschaftlich Schwächeren sein dürfen. Gegen den Zusatz, daß kein Arzt au» politischen, religiösen oder nationalen Gründen von der Kassenbehandlung auszuschließen ist, haben wir nicht» einzuwenden, obwohl dieser Zusatz überflüssig ist. Die Krankenkassen haben immer bewiesen, daß nur Wissenschaft- liche Befähigung de» Arztes für sie maßgebend ist. Da» hat selbst der Abgeordnete Dr. Mugdan zugeben müssen. Von allen Seiten ist das Vorgehen der Aerzteschaft in der Kommission verurteilt worden. Der Abgeordnete Mugdan ist in der Kommission auf. getreten, als ob er von dem Leipziger Verband in den Reichstag gewählt worden wäre.(Hört! hört!) Die Beschlüsse der Reichs- tagskommifsion haben eine Reihe Unklarheiten übrig gelassen. Wir wollen nicht herrschen, sondern die Krankenkassen lebensfähig erhalten. Wir hoffen, daß der Appell, den die berufenen Vertreter der Krankenkassen in letzter Stunde noch erheben, bei der Re- gierung und dem Reichstag nicht angehört verhallen. Wir wollen nichts Unbillige», sondern nur ausgleichende Gerechtigkeit. tLeb- hafter Beifall!) Maguan-SZerlin behandelt da» „Angestellteurecht', Er erblickt in der dem Oberversicherungsamt eingeräumten Befug. ni» der Anstellung der Kassenbeamten einen Eingriff in die bis- herige Selbstverivaltung. Durch die Erteilung der Beamtenquali- fikation würden die Angestellten verhindert, ihre Ueberzeugttng frei zu entfalten. Man will auf diesem Umwege au» politischen Erwägungen daS GelbstverwaltungSrecht- der Kassen beschränken und dem Beamten seine politische und religiöse Unabhängigkeit nehmen. Wir müssen verlangen, daß die Anstellung der Auge» stellten und die Aufstellung der Dienstordnung wie biSber auS» schließlich da» Recht der Kasse bleibt.(Lebhafter Beifall.) Al» letzter Referent sprach Albert Kohn-Berlin über die_- prophylaktischen Aufgaben der Srankenkassr«, i• r Er verlangt eine Erweiterung der Krankenbehandlung tcnS fc'rt Leistungen der Krankenkassen. Bei der Wöchnerinnenhilfe sind kleine Verbesserungen vorgesehen. Im Interesse eines gesunden NachlouchseS muß die Mutterschaftsversicherung aber eine viel um- fangreichere werden. Wenn die 5krankenversicherung auSschlag» gebend auf die Gestaltung der Volksgesundheit sein soll, dann muß notwendig, die Krankenbehandlung auf die Familie ausgedehnt werden. Der§ S72 ist eine der erfreulichsten Verbesserungen der ReichsversicherungSordnung, für die wir schon seit Jahrzehnten ge- kämpft haben. ES können nun endlich die Mittel der Kassen ver- wende! werden zu allgemeinen Schutzmaßregeln zugunsten der Ver- sicherten. Jetzt bietet sich den Kassen ein schöner Ausblick, vor- beugend zu wirken. Es sei daran zu erinnern, daß der Jnter- nationale Tuberkulosekongreß für die deutschen Krankenkassen einen Markstein bildet. Dort haben sie gelernt, welche Aufgaben den Krankenkassen erwachsen im Kampfe gegen diese Volksseuche. Die Bestimmungen für die Hausarbeiter sind teil- weise so skanbalöz, daß sich sogar eine Handelskammer dagegen ge- wendet hat. Die Krankenversicherung müsse so gestaltet werden, daß sie ein sicherer Hort gegen Krankheiten und da» stärkste Boll- werk für die Volksgesundheit sei.(Lebhafter Beifall.) konstatiert FaSrikbesttzer Wiesner-Leipzig. daß die großen Erfolge der Krankenkassen dem Zusammenwirken von Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu danken seien. DaS harmonische Verhältnis würde sich aber wohl noch idealer gestalten, wenn der Vorstand zu gleichen Teilen au» Arbeitgebern und auS Arbeitnehmern gebildet würde.(Widerspruch.) Redner tritt dcnm für die freie Arztwahl ein, die sich in Leipzig bewährt habe. Man solle dem Aerztestand nicht die Rechte beschränken und die Hände binden wollen.(Wider- spruch.)— LandtagSabg. Frößdorf-DreSden tritt dem Vorredner entgegen. DaS Arztshstem zu bestimmen ist Sache der Kasse und der Versicherten und unter keinen Umständen der Aerzte. Auf dieser Grundlage hoffen wir auch mit dem Reichstag und der Regierung uns zu verständigen. In Leipzig sai die freie Arzt» wähl nicht freiwillig eingeführt, sondern durch Verordnung de» Be- zirkShauptmannS. In dem Augenblick, wo die freie Arztwahl vorgeschrieben sein wird, werden die Aerzte den Krankenkassen ihre Vorschriften diktieren. Redner bringt dann einen Fall zur Sprache, der ihn selbst betrifft: Er sei im letzten Winter erkrankt gewesen und habe in 40 Grad Fieber gelegen. Der in Vertretung seines ständigen Arztes herbeigeholte Dr. Mörsbach habe, nachdem er einmal dagewesen war, die Weiterbehandlung abgelehnt mit den Worten: Herrn Fräßdorf behandle ich nicht, der ist ein Feind der Aerzteorganisation.(Hört! hörtl) Sanitätsrat Schmidt in Leip- zig habe als Vorstanl» der Leipziger Organisation dieses Verhalten gebilligt. In Dresden sei er nicht in Gefahr um ärztliche Hilfe gekommen. Wie wäre eS aber in einem Orte gewesen, wo er auf diesen Arzt angewiesen wäre?(Sehr wahr!) DaS ist doch Haß, der alle Grenzen überschreitet!(Stürm. Beifall. Rufe: Pfui Teufel!) Wo Leben und Gesundheit in Frage stehen, muß doch der Arzt in erster Reihe Mensch sein!(Stürmischer Beifall.) Nachdem diese Sache im sächsischen Landtag zur Sprache gebracht wurde, hat oer Leipziger Verband mit unwahren Behauptungen gegen mich operiert. Ich muß daher an dieser Stelle vor aller Oeffentlichkeit folgendes erklären:„Herr Dr. Morsbach ist ein ge- lehriger Schüler des Leipziger Verbandes und hat wider besseres Wissen diese Behauptung aufgestellt, um mich als Vorsitzender des ZentralverbandcS der OctSkrankenlassen in der Oeffentlichkeit her- abzusetzen. Ich erwarte die weiteren Schritte des Herrn MorS- bach.'(Stürmischer Beifall.)— Weiter teilt der Abg. Fräßdorf mit, daß zur Frage der Hälftelung 448 Fragebogen verschickt war- den sind. 32 Kassen hätten die Beantwortung abgelehnt und 310 geantwortet. Von letzteren haben sich 274 Kassen mit 831 Vor- standsmitgliedern auv dem Arbeitgeberstande gegen die Halbierung der Beiträge ausgesprochen, für die Halbierung 83 Kassen mit 10S ArbeitgebervorstandSmitgliedern. Auf die Frage, ob sich in den Kassen unzulässige politische Umtriebe gezeigt haben, haben 263 Kassen mit nein und 23 mtt ja geantwortet. Diese Frageboge« a&fca tau BeichAgg ytitsitottei(Bgijgll.) SS folgke bmm nsH ewe lZngWe DevaSe. SM 5tt sich eine ße Reihe Redner beteiligten. Am Schlüsse der Debatte erklärte 5er Vorsitzende Abg. Fröhdorf-Dresden. datz er eS nicht für notwendig halte, jetzt noch der Versammlung Resolutionen zur Be- schlußfassung vorzulegen. Die Stellungnahme des Kongresses gehe aus den Referaten und der ganzen Verhandlung herbor. Sie wollen sich begnügen, dem Reichstag und der Reichsregierung die Protokolle der Verhandlungen zu unterbreiten. Damit schloß die Besprechung der Reichsversicherungsordnung. Die Weiterverhgndlgngen Warden auf morgen MeMM früh vertagt._ Soziales« Ton der Sonntagsruhe in Hamburg. In der letzten Sitzung der Bürgerschaft beschäftigte man sich «tuch in zweiter Lesung mit dem Initiativantrag auf Erlaß eines OrtsstatutS über die Sonntagsruhe. In der Debatte wurden von den Gegnern der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe die ebenso alten wie fadenscheinigen Gründe vorgebracht. Der schwere Fehler unserer vielgeruhmten Sozialpolitik, die Ausführungen sozial- politischer Gesetze durch Ausnahmebestimmungen zu durchlöchern und den Einzelstaaten zu übertragen, anstatt generelle Borschrif- ten zu erlassen, zeigt sich in allen 26 deutschen Vaterländern. Ge- nofse Stalten wies auf die große Verwirrung in den Bestimmun- gen über die Sonntagsruhe hin, in denen sich das Publikum nicht mehr zurecht finden könne; da keine Aussicht auf Einfuhrung völliger Sonntagsruhe bestehe, habe seine Fraktion es unterlassen, leinen solchen Antrag zu stellen. Die Beschäftigungszeit müsse aber möglichst herabgesetzt werden. Der Beschluß erster Lesung wurde in dieser modifizierten Form angenommen: .Die Bürgerschaft ersucht den Senat, auf Grund der Gewerbe- ordnung ein Ortsstatut über die Sonntagsruhe herbeiführen zu wollen, durch das— außer bei den an der Reederei und Schiff- fahrt beteiligten Betrieben— die Beschäftigung von Gehilfen, Lehrlingen uttd- Arbeitern in den Kontoren auf die Zeit von 8— 1055 Uhr und in den offenen Verkaufsstellen auf die Zeit von 7— 1055 Uhr vormittags beschränkt wird, jedoch für die im JlOSe der Gewerbeordnung genannten Gewerbe auch künftig uSnahmen zugelassen werden, und die Kirchenbehörden zu der- anlassen, den Beginn des HauptgotteSdiensteS aas 11 Uhr zu der- legen." Hus Industrie und Handel. Deutsche Bücher im Auslände. Deutschland hat noch immer die geistige Führung der übrigen Kulturländer. Die Erzeugnisse der deutschen Literatur, wissenschaftliche Schriften sowohl als auch der Unterhaltung gewidmete Bücher, finden im Auslande bereitwillige Aufnahme; in allen Kulturländern der Welt, von Südamerika bis Ostasien, find deutsche Bücher auch in Uebersetzungen mehr oder weniger verbreitet und bilden dort einen nicht zu unterschätzenden Faktor der allgemeinen, der beruflichen oder der wissenschaftlichen Bildung. Vor allem ist dies natürlich in den Ländern deutscher Zunge, also in Oesterreich und der Schweiz der Fall, sowie solchen, bei denen das Deutsche von vielen Gebildelen gepflegt wird, wie in den Niederlanden, Dänemark und Frankreich. Die Ver« forgung des Auslandes mit Büchern stellt daher für Deutschland mehr als für andere Länder eine volkswirtschaftliche Einnahmequelle dar, welche gewiß vielfach unterschätzt wird. Wir haben rm Jahre 1003 im ganzen 132 682 Doppelzentner an Büchern ausgeführt, während es im Jahre 1908 135 825 gewesen waren. Dabei sind nur die Bücher berücksichtigt, die von der Handelsstatistik erfaßt werden. Trotz der Abnahme der Menge im Jahre 1000 ist der Wert der Ausfuhr in den letzten Jahren andauernd gestiegen, und zwar von 47.2 Millionen Mari im Jahre 1006 auf 48,3 Millionen Mark im folgenden Jahre. Weiter stieg der Wert der ausgeführten Bücher im Jahre 1008 auf 50,7 Millionen Mark, um endlich 1309 auf 51,2 Millionen Mark hinaufzugehen. Freilich ist in den ersten fünf Monaten deS laufenden Jahres dem Vorjahre gegenüber eine Ab- nähme der Menge wie des Wertes der Ausfuhr zu bemerken. Hatte in der Zeit von Januar bis Mai 1909 das Ausland 51 261 Doppel- »enwer Bücher im Werte von 19,6 Millionen Mark bezogen, so tarne, i auf die Parallelzeit deS laufenden Jahres nur 50 360 Doppelzentner im Werte von 10,3 Millionen Mark. Den diesjährigen Rückgang hat die Ausfuhr nach Oester- reich-Ungarn herbeigeführt, welches 3735 Doppclzentner weniger bezog als im Vorjahr. Hauptsächlich gelesen werden natür- lich deutsche Bücher in Oesterreich-Ungarn und in der Schweiz. Nach Oesterreich-Ungarn belief fich unsere Ausfuhr von Büchern im ver- gangenen Jahre auf 64 159 Doppelzentner. An zweiter Stelle steht die Schweiz, welche 17 083 Doppelzentner im Jahre 1009 an Büchern aus Deutschland bekam. Die nächst größte Menge geht nach den Vereinigten Staaten von Amerika, wo bei dem ansehnlichen Prozent- satz, den da? deutsche Element in der Bevölkerung darstellt, deutsche Bücher eine.rege Nachfrage genießen. Daher konnten wir 1909 9039 Doppelzentner Bücher nach den Vereinigten Staaten ausführen, freilich etwas weniger als 1903. Es folgen dann Rußland, welches 0602, Frankreich, das 6232 und die Nieder- lande, welche 4004 Doppelzentner an Büchern im Jahre 1009 ent- hielten. Immer noch mehr als 2000 Doppelzentner sandten wir nach Großbritannien, Italien und Dänemark, während Schweden, Norwegen, Finnland, Spanien und Belgien geringere Mengen Bücher aus Deutschland importierten. Die Ausfuhr von Büchern nach Argentinien. Chile und Brasilien betrug im Jahre 1009 2018 Doppelzentner. Zuletzt wäre auch noch auf die Beliebtheit deutscher Bücher in Japan hinzuweisen, welche von Jahr zu Jahr zunimmt. Hier handelt eS sich in der Hauptsache um wlssenschastliche und praktische Lehrbücher, mit welchen das kräftig aufstrebende Land die Resultate europäischer Kultur sich zu eigen zu machen bestrebt ist. Im Jahre 1902 hatte Japan Bücher im Gewichte von nur 839 Doppelzentner aus Deutschland bezogen; im folgenden Jahre waren eS schon 933 Doppelzentner, und 1909 war die Ausfuhr deutscher Bücher nach Japan auf 1115 Doppelzentner angestiegen. Uns der frauenbewegung. Diesseits und jenseits des Ozeans für und wider das Frauenstimmrecht. Die„Hamburger Nachrichten", das ehemalige Leiborgan der alten Raketenkiste im Sachsenwalde, leitartikelten kürzlich einmal (in Nr. 287) über das Frauenstimmrccht. Sie freuen sich darüber, daß es selbst mit dem beschränkten Damenwahlrecht in England voraussichtlich noch gute Weile haben wird und stellen dann allerlei Betrachtungen an über die Unterschiede zwischen Mann und Frau, die eine Verleihung politischer Rechte an das weibliche Geschlecht ausschließen mußten. Selbstverständlich— möchte man sagen— sind alle Einwände des Blattes gegen das Frauenstimmrccht uralt und tausendmal widerlegt. Wir verzichten gern auf ein Eingehen auf diese unfreiwilligen Zeugnisse geistiger Armut, die im Uebrigen für die bürgerliche Presse in ihrer Beurteilung von Frauenfragen nachgerade typisch sind. Nur der Schlußsatz des genannten Artikels fei erwähnt. E» heißt da: „Bei uns in Deutschland bleibt die politische Aufgabe der Frau am besten darauf beschränkt, was ihr vom Fürsten Bismarck — ehrenvoll genug— zugewiesen worden ist: den nationalen Sinn, die Hingabe an die vaterländische Idee als Mütter, Schwestern oder Erzieherinnen bei der heranwachsenden Jugend �pflegen und zu fördern. Was darüber hinaus geht, ist vom Und NM überlassest wlr die EntgegNMtz Mr. Borden Parker Bowne, der kürzlich in der„North American Review" die Gegner des Frauenstimmrechts, die in der ganzen Welt von gleichem Kaliber sind, sehr hübsch verspottete. Mr. Bowne geht von der Idee ans, in einom Staate wären die Frauen allein politisch frei und die Männer des Stimmrechts beraubt. Bowne fordert uns auf, einer alten Witwe zuzuhören, die folgendermaßen philosophiert: „Meine Schwestern, laßt uns nicht zu hart mit den Männer verfahren. Schließlich können sie doch nicht dafür, daß sie keine Frauen sind; wir müssen uns davor hüten, daß ein Kampf zwischen den Geschlechtern entbrennt. Laßt uns lieber unter- suchen, ob eS in der Natur nicht deutliche Hinweise auf die Dinge gibt, die in die Sphäre des Mannes gehören. Wenn wir unS umsehen, bemerken wir sofort, daß diese Sphäre sehr deutlich ab- gegrenzt ist. Die Männer sind offenkundig dazu bestimmt, die Booterwerber der Rasse und die Bäter der Rasse zu sein. Und diese Sphäre ist sicher groß und auch hoch genug, um die gesamte männliche Energie zu beanspruchen und den männlichen Ehrgeiz zu befriedigen. Wir wollen uns deshalb davor hüten, dem Manne zu seinen Mühen und Sorgen auch noch die Last politi» scher Probleme aufzubürden. Und wenn wir uns höher erheben zu dem Gedanken der Vaterschaft, welche Weihe verleiht sie dem Manne! Sicher kann er inchts. was höher wäre, erstreben. Er sollte sich darum für seine Pflichten in diesem erhabenen Verhältnis vorbereiten und sich um die relativ unwichtigen Dinge der politischen Welt nicht kümmern. Ich kann nur bedauern, daß unsere Erzieher dieser Tatsache nicht mehr Beachtung geschenkt haben. Sie scheinen nie- mals darüber nack�edacht zu haben, daß der Mann bestimmt ist, Familienvater zu sein und als solcher eine besondere Ausbildung für seine Pflichten haben müßte. Einige der schweren Arbeiten bei der Reinigung des Haushalts mußten eigentlich feine Auf- gäbe fein. Ein Kursus im Scheuern und in der Bedienung des Ofens und viele ähnliche Dinge würden von größerem Nutzen für ihn sein als vieles von der berühmten höheren Bildung. Doch wollen wir damit nicht sagen, daß die Männer ohne Intelligenz sind. Es gibt glänzende Persönlichkeiten unter ihnen, denen man wohl das Stimmrecht anvertrauen könnt«. Aber wir denken an die große Masse der Männer, und das ändert die Sach- läge. ES ist nicht Feindseligkeit auf unserer Seite, wenn wir unS dem Stimmrecht der Männer widersetzen; eS geschieht vielmehr aus Liebe für sie und aus Sorge, sie ungebührlich zu be- lasten, wenn wir gegen ihre Befreiung protestieren. Wenn sie etwas wünschen, mögen sie sich an uns wenden und wir werden sehen, daß da? Richtige geschieht. Aber laßt sie in der Sphäre, in welche sie nach dem Willen der Vorsehung hineingestellt sind." Diese treffende Parodie auf die fadenscheinigen Argumente der Gegner des Frauenstimmrechts wird noch lange zeitgemäß bleiben; dafür sorgt nicht zuletzt die Rückständigkeit der bürger- lichen Presse, die sich anmaßt, auch in der FrauWfrage He öffentliche Meinung zu«machen". Yermircbtea. Der Sieges-ug des Heroplane. Die Flugwoche von Rheims, die am Sonntag zu Ende ge- gangen ist, hat Zeugnis von der gewaltigen Entwickelung der Flug- Maschine abgelegt. Der Distanzrekord wurde bis dahin von Farman mit 282 Kilometer gehalten. Am Freitag wurde dieser Rekord von dem B l ö r i o t- Piloten OlieSlager» gebrochen, der 255 Kilo- meter hinter sich brachte. Aber am Tage darauf wurde auch dieser Rekord von dem Antoinette- Piloten Labouchöre gebrochen, der eS auf die enorme Strecke von 340 Kilometer brachte und auch mit 4 Stunden 37 Minuten den 4 Stunden 17 Minuten betragenden Zeit relord FarmanS schlug. Man hätte glauben sollen, daß diese imponierende Leistung nicht sobald wieder über- boten werden würde. Aber bereits am nächsten Tage wurde der Flug des Sntoinette-Piloten abermals durch den Blöriot- Piloten OlieslagerS in den Schatten gestellt durch einen Flug, der 5 Stunden 3 MiiMten währte und sich über 392'/, Kilometer erstreckte! Das sind 160 Kilometer mehr, als FarmanS Rekord- strecke betrug l Wenn man bedenkt, daß vor zwei Jahren noch Flüge von ein paar Kilometern angestaunt wurden, fo kann man der rapiden Ent- Wickelung des Maschinenflugs seine Bewunderung nicht versagen. Der Flug OlieSlagers entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Berlin und Nürnberg. ES ist also schon heute möglich, bei einiger- maßen günstigein Wetter solch gewaltige Luftreisen im Aeroplan zu unternehmen. Und zwar würde eine solche Reise nach Berlin- Nürnberg nur 5 Stunden Zeit erfordern! Dabei ist mit dem Fluge OlieSlagers die Grenze der LeistungS» fähigkeit deS Aeroplans sicher noch lange nicht erreicht. Namentlich auch, waS die Geschwindigkeit deS FlugS anlangt. Wurden doch auch in dieser Beziehung in RheimSlverblüffende neue Rekords auf- gestellt. Die Blöriot-Apparate, die sich des neuen 100?.L.-Gnome- Motors bedienten, legten 20 Kilometer in 12—13 Minuten zurück, was einer Stundengeschwindigkeit von 100 Kilometern entspricht. Die Strecke Berlin— Nürnberg würde also in 4 Stunden zurück- zulegen sein. Ueberraschend waren bei dem Flugmeeting in Rheims die Er- folge der Eindecker. Hatten doch ihre Maschinen bisher zwar die Eleganz der Form, nicht aber auch die Ueberlegenheit der Leistung für sich. In Rheims sind sie auch in dieser Beziehung an die Spitze gerückt, dank der Leistungsfähigkeit der neuen Motoren, mit denen sie ausgerüstet wurden. An sich dürsten Ein- und Zweidecker ein» ander gleichwertig sein. Ein neuer Höhenrekord. Der amerikanische Aviaiiker B r o o k i n S erreichte in Atlantic- City mit einem Wright-Apparat die Höhe von 1883 Meter. Als der Aviatiker aus schwindelnder Höhe, aus der er allen Zuschauern nur als winziger Punkt erschienen war, wieder unversehrt landete, brach ein nicht endenwollender Jubel auS. Und doch war BrookinS nur mit knapper Not dem Tode entronnen. Bei; dem Bestreben, immer höher und höher mit seinem Wright-Flieger zu gelangen, hatte der Flugkünstler nur wenig auf seinen Apparat Obacht gegeben. Da mit einem Male, in Höhe von fast 1900 Meter bemerkte er zu seinem größten Schreck, daß sein Benzin zur Neige ging. Was tun? Un« verzüglich stellte er den Motor ab, um ein Warmlaufen der Achsen und damit eine Explosion des Motors zu vermeiden. Dann dachte er an den Abstieg. Gleich einer Schwalbe flog er in großen weiten Spiralen immer tiefer und tiefer, bis er in mehreren hundert Meter Höhe zu einem prächtigen Gleitflug ansetzte, um einen Sturz in die See zu vermeiden. Und wirklich gelang eS ihm, unversehrt am Ufer zu landen. Die Menge bejubelte den kühnen Piloten ausS lebhafteste; sie glaubte, daß fein Abstieg mit Willen so schnell von statten gegangen sei. Walter BrookinS dagegen, der an allen Gliedern zitternd vom Sitz seiner Maschine gehoben werden mußte, gestand ein, daß der Abstieg von seinem Rekordflug ein Kampf um Leben und Tod gewesen. « Kinet verunglückt. Gent, 10. Juli. Bei Flugversuchen blieb der Apparat deS Svi- atikers Kinet in einer Baumkrone hängen. Killet sprang herab und zog sich schwere Berietzungen zu. Bergsturz bei Heidelberg. Infolge der in letzter Zeit in der Gegend von Heidelberg nieder» gegangenen Wolkenbrüche ereignete sich am Sonntag in der Ort- schast Mühlhausen am Gießbach ein gewaltiger Bergsturz. In der Kirchgasse wurden schon seit einigen Tagen an mehreren Häusern Risse und Spalten bemerkt, so daß in der Nacht von Freitag zu Sonnabend mehrere Häuser geräumt werden mußten. Am Sonntag nachmittag gegen Va2 Uhr riß nun eine Fels» wand in einer Länge von 150 Meter und einer Breite von 4V bis 50 k Meter los und begrub drei Wohnhäuser mit den dazugehörigen Stallungen und Scheunen unter den Trümmern. Bier weitere Wohnhäuser nebst Nebengebäuden find am Einstürzen. Da die Bewohner vorher gewarnt worden waren, sind Menschen glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen. Die Be« wohner der eingestürzten Häuser hatten wenige Minuten vor der Katastrophe ihre Wohnungen verlassen. Viel Vieh, Schweine, Ge- flugel usw. wurde getötet. An der Unglücksstclle, die ein wüstes Bild bietet, sind weinende Frauen und Kinder versammelt, um aus den Trümmern zu retten, was zu retten ist. Viele Familien sind obdachlos._ Eisenbahnkatastrophe in Transkaspien. In der Nähe der Station Kisi 1—21 rw a t entgleiste, nach einem Telegramm aus A s ch a b a d, ein Eisenbahnzng. Es verunglückten 19 Personen tödlich, während LI verwundet wurden._ Wilhelm II. im Auslände. Die amüsante Nordlandsreise bietet Wilhelm II. Gelegenheit, mit den Bewohnern des Auslandes Fühlung zu nehmen. Wie er sich über ausländische Verhältnisse informiert, wird einem englischen Blatt auS Kopenhagen berichtet. Es heißt da: Wenn das Schiff vor Anker liegt, pflege der Kaiser allein oder in einigem Abstand von kleiner Gesellschaft ans Land zu gehen, um zu beobachten. Vor einem oder zwei Jahren sei es ihm auf diese Weise gelungen, in Tromsö durch Begegnung mit einem sehr intelligenten Vertreter des Lappen volles direkte Aufschlüsse über die Verhältnisse der Lappen zu erhalten. Die Art, fich unabhängig Informationen einzuholen, ist jedenfalls nur zu billigen. Jeder Deutsche wird sich aber sagen: „Warum zieht Wilhelm II. nicht ebenso aus erster Hand Informationen über sein eigenes Volk ein?"— Diese dürften doch mindestens ebenso intcreffant sein, wie die der Lappländer.— Vielleicht dürften sie ihm auch manche Ueberraschung bieten und zeigen, daß er über sein«eigenes Volk" sehr einseitig«iformiert ist. Kleine Notizen. Erschossen. Ein Jagdpächtcr aus Gelsenkirchen ist bei Tilbeck an einer Hecke erschossen aufgefunden worden. Da Wilddiebe in dieser Gegend nicht vorhanden find, der Pächter auch beliebt war, nimmt man an, daß es sich um einen Unglücksfall handelt. Ein dreister Einbruchsdicbstahl wird aus Venedig gemeldet: Am hellichten Tage sind Diebe in ein am Kanal grande stehendes PalaiS eingedrungen und haben eiue sechs Zentner schwere Gcldkasse gestohlen, in der sich 20 000 Lire in bar und für mindestens doppelt so viel in Wertgegenstände befanden. Erdrutsch. Im Weiler Berg ist, einer Meldung auS Zell (Kanton Luzern) zufolge, das HauS des Landwirtes Baettig durch einen. Erdrutsch vrrschiittet worden. Zwei Frauen und zwei Kinder find getötet worden. Ferner sind 12 Stück Vieh umgekommen. Ein Unmensch. Eine entsetzliche Tat verübte vorgestern früh in Mainz der 31jährige Küfer Jakob Schmitt. Als er um 3 Uhr nach Hause kam, riß er seine Frau aus dem Bette und trat auf ihr so lange herum, bis der Unglücklichen die Därme aus dem Leibe kamen. Auf die Jammerrufe der Frau holten Hausbewohner die Polizei, worauf der Unhold flüchtete. Die lebensgefährlich verletzte Frau wurde ins Hospital gebracht und bort sofort operiert. Der Mau» wurde später verhaftet. BcrgarbcitcrloS. Im Maxschacht bei S t e ck h e i m(Oberfranken) verunglückten vorgestern! drei Bergleute bei der Ausfahrt aus dem Schacht. Infolge zu raschen AnfahrenS wurde einer aus dem Korb geschleudert und versank in dem 60 Meter tiefer liegenden Sumpf. Ein zweiter brach Arme und Beine, der dritte wurde leichter verletzt. Zur Lawinenkntastrophe an der Jungfrau. Die Leichen der sieben bei der Bergli-Hütte verunglückten Bergsteiger sind gestern abend nach G r ind e lw a ld gebracht worden. Ihre Bergung, die durch 42 Bergführer vollzogen wurde, war äußerst schwierig und gefährlich, da den ganzen Tag Lawinen niedergingen. Racheakt rineS betrogenen Ehemannes. Durch Briese erhielt in Neapel der Großgrundbesitzer Pellegrino Kenntnis von der Untreue seiner Frau. Er beobachtete sie daraufhin mehrere Tage scharf, ver» folgte sie in daS HauS ihres Liebhabers und erschoß beide, als er sie in traulicher Umarmung vorfand. Daraufhin stellte er sich selbst der Polizei. Die SchlffSkollision bei Chcrfon. Wie nunmehr festgestellt ist, sind bei der Explosion auf dem Dampfer.Lowkh" am S. Juli drei Personen sofort getötet worden, während vierzehn infolge von Brandwunden starben und 31 verwundet wurden. Großfeuer. AuS R o st o w a. Dou meldet ein Telegramm: Das Warenlager der Russischen HanbelSschiffahrtSgesellschast wurde durch Großfeucr zerstört. Der Schaden ist sehr bedeutend. Opfer der Hitze. Die tropische Hitze hall im östlichen Teil Amerikas an. 23 Todesfälle und zahlreiche Hitzschläge sind gestern vorgekommen. Beim Baden ertrunken. Der deutsche Konsul Hermann Helm» r i ch wurde, als er i» der See bei A l g o r t a badete, von einem Gehirnschlag getroffen und ertrank. Lebendig verbrannt. Im Pariser Stadtteil St. Denis ist eine 80jährige Witwe, in deren Wohnung vergangene Nacht Feuer aus« brach, lebendig verbrannt. Scminarstreik. Die Zöglinge des Czernowitzer griechisch-orien» talischen klerikalen Seminars verweigern die Aufnahme der ihnen verabreichten Speisen. Der Hungerstreik ist eine Demonstration geqen dix schlechte Beköstigung in der genannten Anstalt. eingegangene Oruchfairlften. Wanderbuch für die Mark Brandenburg. Teil 1 und S. Be- arbeitet von Prof. Dr. E. Albrecht. 1,50 M. uns 2 M.— A. Kießling, Berlin SW. 11. Die grosse Aussperrung und die Zukunst der Arbeiterkämpfe im Reiche. Von Parvus. 50 Ps.— Kaden u. Co., Dresden. Die Sünden der Päpste im Spiegel der Geschichte. Lieferung 1. Bon Dr. Th. Engert. 8 Lieserungen a 75 Bs.— Krüger u. Co., Leipzig. Dle Erziehung in intellektueller, moralischer und physischer Hinsicht. Von H. Spencer. Deutsch von Dr. H. Schmidt. IM.— A. Kröner, Leipzig._ WitternngSüdersicht vom 11. Juli 1910, morgen« 8 Udr. Ctaltonen SwMemd». erlin gra«fl.tt.R. Münch ev Wien 7S9NNW 7ö0N 750 NA 753 NO 7S0NW 75SN Setter ! 2 wolkig 2 Regen 1 bedeckt Zhalbbd. 2 bedeckt 1 Regen >4« ck» p wi Ctattoncn Ii Bf Haparanda 764 NNO DeterSburg 75SONO Ecillh Werde« Pari« 762 ONO 765 NNO 762 NNO SeU« ** c-» s» fj Ä» 2halbbd. 2 bedeckt 1 wölken! 1 bedeckt 2 bedeckt 15 17 14 11 IS Wetterprognose kür DieuStag. den IS. Juli 1910. Et» wenig wärmer, noch vorherrschend wolkig bei mäßig« nördlichen Windenß leine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterdrrea». ßrUfhaften der Redafttfon« Die Inrlftis»««prech stunde findet Lindenftraste Nr. 0S. dorn Vier Treppen— Aalirftubl—. wochcntligllid von?>/, btS O'h Nbr abends, Sonnabend» von« bis V'h Nhr nachmittags statt. Jeder Ansrage ist ein Buchstab« und eine j-jahl alS Merkzeichen beizufügen. Briefliche Slotwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen trag- niau in der Sprech- stunde vor. Steuern A. C. 1. und 2. Der vermutliche JahreZarbeitZverdlenst kam» nach freier Schätzung festgesetzt werden. Trifft diese dann nicht zu, dann hat nachträglich Ermäsjiguug zu erfolgen. 3. Die Mehrkosten können ab- gezogen werden. 3. SIeuerdeputalion des Magistrats.— K., Eberswalde. Niemand kann Sic zum Beitritt zwmgen Ev. Strafanzeige wegen Er- Pressung.— R. S., Laiisiffer Str. Sie müssen die Zahlung nachweisen. Wenden Sie sich unter Darlegung des Sachverhalts an die Steuerdeputation des Magistrats.— Nr. IVO Neugersdorf. Das Zahlungsverlangen ist ungerechtfertigt. Beschwerde beim Regierungspräsidenten.— O. S. 500. Unbeschränkt oft, Zustimmung des Bundesrats ist nötig.— M. B. 20. Sühncvcrsuch mutz vorausgehen.— P. N., Naunynstr. 1. Warten Sie die Klage ab. 2. 20—25 M.— E. G. 25. t. Testamentseröffnung beantragen. 2. Nein. 3. Nachlatz nach den gesetzlichen Vorschriften zu teilen. 4. Pflichtteil zu beanspruchen.— P. V. 95. 1. 50 Jahre. Dispens ist zulässig. 2. Nein. 3. Das Kind erlangt durch die Eheschlietzung ohne weiteres die rechtliche Stellung eines ehelichen Kindes. Anerkenntnis beim Standesbeamten ratsam.— A. Gerniienka. Der 1500 M. jährlich über« steigende Arbeitsverdienst kann gepfändet werden. Die Pfändung des 28,50 M. übersteigenden Wochenverdienstes also nur bei regelmätziger Arbeit zulässig. — A. F. 20. 1. Ja. 2. Nein, aber gesetzlich. 3. Wirtin hat Psandrccht an entbehrlichen Sachen. 4. Ja. 5. Amtsgericht Berlin-Mitte. 6. Wer unterliegt. — W. Z. 33. Die Alistellungsbedingungen und Gehälter sind durch Ortsstatut geregelt. Das Statut dürste Ihnen aus Ersuchen im dortigen Rathause vorgelegt werden. Vielleicht wenden Sie sich an den Stadt- verordneten N. Küter, Martin-Lutherftr. 51.— Franz Grunack. Der Tausschein kvsrv gefordert. Da nach der schristllchen Anmeldung noch 20 biZ 42 Tage bis zum mündlichen Austritt verbleiben, dürste Ihnen die Beschaffung möglich werden. Versuchen Sie es mit der Heiratsurkunde.— Iduna Seidlist. Die Gesellschaft ist uns nicht bekannt. Wir lehnen eS aber auch grundsätzlich ab, irgend welche geschäftlichen Unternehmungen zu empfehlen.— Geschröpfte. Versuchen Sie es mit einer Erinnerung an der Stelle, an die Sie Ihre Reklamation gerichtet haben. Eine grotze Zahl Leidensgenossen sind vorhanden. Antwort erfolgt.— H. Z. 89. Bei aus» merlsamem Lesen des„Vorwärts" finden Sie alle Ihre Fragen darin be- antwortet.— F. 99. Sie müssen von den Expeditionen der grötzeren Zeitungen unter Angabe des Zweckes Bedingungen einsordern. Die Adressen finden Sie im H. TeU des Adretzbuches.— Trostlos 55. Stellen Sie die bedauerlichen Vorkommnisse einmal dem Rektor der in Frage kommenden Gemeindeschule dar. Vielleicht kann durch die Lehrer auf die Kinder eingewirkt werden. — A. M. G. S. 2-4. 1. Sämtliche Sparkassenguthaben gehören dem Vater. Klage aussichtslos. 2. Aussteuer können Sie innerhalb eines Jahres nach Eheschlietzung einklagen. 3. Armutszeugnis werden Sie wohl erhalten. — E. S. 27. Nein.— Zcidlcr, A., Steintorsw. 1. Die Gemeinde ist in vollem Umfange schadenersatzpflichtig. Kurkosten mutz sie, soweit nötig, ersetzen. Kann die Operation im dortigen Krankenbause ebenso gut auS- geführt werden, dann brauchen also die etwaigen Mehrkosten einer ander- wärts vorgenommenen Operation nicht ersetzt zu werden. Darüber hinaus bat die Gemeinde keinen Anspruch aus Vornahme der Operation in ihrem Krankenhause.— M« 93. 600 M.— 4710. Nur den 1500 M. jährlich übersteigenden Lohn.— R. M. 10. Sie müssen zahlen.— N. R. 39. Einen Rücktritt innerhalb 24 stunden gibt es nicht.— Hellwig. Sind t engen der Aeutzerungen vorhanden, dann können Sie sowohl gegen den hemann Privatllage wegen Beleidigung erheben, wie auch aus Ehescheidung klagen. »«tttchev Marktderkcht va städlssche»«arkthallen-vkreMo» kW» den Grotzhandel in den Zentral-Markthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft schleppend, Preise anziehend, Hammelfleisch unver» ändert. Wild: Zufuhr nicht genügend. Geichäst lebhast, Preise gut. Geflügel: Zufuhr reichlich, Geschäft rege, Preise befriedigend. Fische: Zufuhr knapp, Geschäft schleppend, Preise leicht nachgebend. Lutter und Käse: Gcschäjt ruhig, Preiie unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zufuhr meist über Bedarf, Geschäft zunächst schleppend, später reger, Preise wenig verändert. LvafferstandS-Nachrichte» der LandeZansialt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner Welterbureau. vafferstand Newel. Tilsit P r e g e l, Jnsterbmg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor » Krassen , Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Leitmeritz » Dresden , Barby , Magdeburg Wafferstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Sbremberg») , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wertheim Mosel, Trier am 10. 7. cm 142 45 80 74 —10 33 729 534 583 218 199 300 I-it 9. 7. cm1) +18 —5 +« +4 +12 —6 +27 +9 +11 -42 —12 -13 »)+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Unterpegel. den 12. In Ii. Anfang 7 Uhr. Neues königl. Opern-Theater. Tannhäuser. Ansang 8 Uhr. Deutsches. RcichStagSwahl K a m m e r s p i e le. LiebeSwakzer. Leffiiig. Kasernenluft. Komische Oper. Der Regiments« papa. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang '1,9 Uhr.) Berliner. Taifun. Neues Overette». Der Graf von Lurembura. Thalia. CharleyS Tante. Hebbel. Wem gehört Helene? Spuk.(Ansang 8'/, Uhr.) Schiller O.(Wallner- Theater.) La Traviata. Schi u er Ebarlottenburg. Die von Hochsattel. Roie. Der Gesundbeter. Lnstspielhaus. Das Leutnants. Mündel. Metrovoi. Halloh II— Die große Revue. Folies Eaprice. Pariser Ehm. Das Versöhnungsjest.(Ansang B'l, Uhr.) «pollo. Spezialitäten. Basinge. Spezialitäten. Reichsballen. Steltiner Sänger. Walhalla. Svczialtlätcn. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten Pratcr. Im Reiche des MarS. Urania. Tnnvriistrnhe 48/49. Abends 8 Uhr: Rom und die Campagna. Stcrnivarre. Jnvalidenflr. 57— 62. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstr. 48/49. Heute Dienstag 8 Uhr: nstag iel Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernenluft. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Taiflin« Morgen: Tnitun._ Wene« Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 3 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er- mätzigt. Preisen: Oie Dallarprinzessin. Lustspielhaus. Abends 9 Uhr: Das Leutnantsmündel OSE=THEATE Grotze Frankfurter Str. 132. Serkesunädstsr Schwank in 3 Alten von A. O. Weber. Auf. 8 Uhr. Ende'/,ll Uhr. Auf der Kartenbühne: Theater- Borftellung. Spezialitüten. Gr. Konzert. Ansang 4 Uhr. U Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung; «Abenteuer eines Toreros". hlllUM Lady Cyele Troape Qarcias jonglierende Silhouetten sowie die sensationellen Attraktionen des Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildem von JuL Freund. Musik v. Paul lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Passage-Panoptikum. Die zusammengewachsenen Sehweslero Blazek und iür Kind. Von 11—1 Uhr mittags u. von3— 10 Uhr abends zu sehen. Kein Extra-Entrce! Sfnr wenige Taget Eintritt 50 Pf., Kinder und Soldaten 25 Pf. m aihaila- Variete-THealer Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Abends 8 Uhr: Das großartige V arieteaProgramm Ab 8 Uhr: Die sensationellen Spezialitäten. 9'/4 Uhr: Klassische Tänzerinnen vom königl. dänischen Ballett S BeantCs Kerlana» 5. 10 Uhr «IS Tandemfährer, tscauies axorinna»•>. Schimpanse-firanij-lltaiiti andemfahrer, usw. usw. usw. l Passage-Theater.[ «Der größte der»panische Caruso Senor Ordnnn. Der stnpiDsle i>j( das große Juli-Programm. � Folies Caprice Anfang 8'l, Uhr. pariser eben. Der Htblet. Die beufebe Coinette. Das Verfobnungsfert Schweizer Garten Am KSnigslor— Am Friedrichshain. Theater- u. SpezMorstellung. U. a.: Flittners Wanderzirkus. Jvonuh?:d Prinz Pinne. Gr. Ausstatt.-Oper. m. Ballett. Jeden Mittwoch: Kinderfest. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree 80 Pf. Burgtheater- Kinematograph vorm. Qroterjan, Jnhab.: Rud. 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Im Restaur.: Mittagstisch 75 Pf. Gr. u. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Kar Ssogor. Für den Inhalt der Inserate tibernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. LkrantwortliKer Redakteur Richard Marth, Agrllo. Mr den LnieratelltkiiperaMv.i Th. Glocke, Becsm, K.rulk u.Verlag: VorwärtlLuchdruderei u, LKlagsgngalt.Paul Singer&&oH Bertis SW« mct.«.ito 2. Keilllge des„loimStts" f erlinet Alksbllltt. � 12 � 1910 nuttuiocl), den 13. füll, Zahlabend In den Bezirken Groß'Berlins. partci-Hncfclcgcnbcitcn. Zur Lokalliste. DaS Lokal.Neues Klubhaus Kom- maudauteiistr. 72, wird unter der Mrma.Corona-Festsäle" weitergeführt und ist nach wie vor frei. Außerdem sieben unS noch folgende Lokale znr Verfügung: Zossen, T.-B.: I ä n i ck e. Bahnhofstraße: NhcinSbcrg i. M.: Boekers Festsäle; Mönchsmühle bei Schildow: Zur h i st o- rischen Mühle. DaS Lokal von Bohne, Hasenheide 4ö— 47, ist geschlossen. DaS Lokal von A u ß in a n n, Gr.-Lichtcrfclde, T.-B., Berliner, Ecke Osdorfer Straße, ist nach wie vor gesperrt. Die Lokalkominisflon. Zweiter Wahlkreis, Fricdrichstadt. Mittwoch, 13. Juli, nachts >/zl2 Uhr, bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103: Zahlnacht für Buchdrucker, Stereolhpeure usw. Dritter Wahlkreis. Für die Bezirke 233— 241 findet ein gemein- schastlicher Zahlkibend mit einem Referat des Genossen Heine über: .Die nächsten politischen Ausgaben der Sozialdemokratie' in den „Rittersälen', Ritterstr. 7b, statt. Für die Bezirke 260, 263—237 und 274— 27S im.GewerkjchaftShauS', Saal I, hält Genosse W u s ch i ck einen Lortrag. Der Vorstand. Vierter Kreis. Am' Mittwoch, den 13. d. Mts., bleibt die Bibliothek sGoßlerstraße 10/U) des gemeinsamen ZahlabendS der 21. Abteilung wegen geschlossen. Vom 16. d. Mts. erfolgt dann die Biichcrausgabe wieder regelmäßig jede» Mittwoch und Sonnabend abends von 8 bis Sst/2 Uhr Goßlerstr. 10/11 bei Beetz. Stralau. Der Zahlabend findet Mittwoch für alle drei Bezirke gemeinsam bei Steinicke, Alt-Siralau 5, statt. Hier- nach Fortsetzung der Generalversammlung vom Sonnlag. den 3. Juli. Köpenick. Heute, Dienstag, abends 8 Uhr, findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Es handelt sich um Stellungnahme zur Reichs- bersicherungsreform. Wir ersuchen die Partei- und Gewerkschafts- Mitglieder, sich rege daran zu beteiligen. Der Wahlvercinsvorstand. Die GcwerkschaftSunterkommisston. Senzig(Kreis Teltow). Am Mittwoch, den 13. d. MtS., abends S Uhr, findet bei Kühn die Generalversammlung statt, zu der das Erscheinen der Mitglieder dringend nötig ist. Grünau. Morgen. Mittwoch, abends 3'/z Uhr, im Lokal des Genossen Franz, Köpenicker Str. 88, Generalversammlung des Wahl- Vereins. Das Erscheinen sämtlicher Mitglieder erwartet _ Der Borstand. Berliner JVacbrlcbteno Die LebenSinitteltenerung. Schnallt den Schnachtriemen enger, ihr Proletarier! Im Musterländle Preusten-Deutschland zieht am tvirtschastlichen Himmel ein Gelvitter herauf, das auch die Freude am Genuß dessen, was die Natur uns im Sommer sonst in reicher Fülle beschert, für diesmal versalzen wird. Seit Wochen sind die Preise für die gangbarsten sommerlichen Nahrungsmittel sünd- hast hoch, und noch ist gar nicht abzusehen, wie hoch sie weiter sieigen werden. Kartoffeln, Gemüse, Obst, Fleisch— nichts davon ist zn den sonst um diese Zeit ortsüblichen Preisen zu haben. Sie haben eine Höhe erreicht, so daß die notwendigste frische Sommernahrung für den Arbeiterhaushalt kaum mehr beschafft werden kann. Die raffiniert einfachste Lebenskunst köpfercichcr Familien mit Schindluderverdienst ist erschöpft. Klagt doch selbst der Mittelstand, daß er die scheußlich hohen Wirtschaftskosten nur unter anderen Entbehrungen oder auch nicht niehr erschwingt. Und nur die gift- und goldgcschwollenen Parasiten der göttlichen Weltordnung, die zum großen Teil den Nahrungs- mittelwucher verschuldet haben, sitzen schmatzend am reich- gedeckten Tisch und niästen sich, werfen mit dem vom Volke ergaunerten Gelde wie Spreu umher und überbieten sich in der Erfindung neuer Vergnügungen. Allen voran die junkerliche Blutsauger-Kamarilla, das Nationalunglück mit Sporn und Reitpeitsche. Man hat in den letzten Wochen noch inimer eine Wendung von den Witterungsvcrhältnissen erhofft. Prosit Mahlzeit! Das Jammerlciden sitzt tiefer. Es ist richtig, daß das anfangs ungewöhnlich warme Frühlingswetter ohne die nötige Zugabe Regen der guten Entwickelung von Gemüse und Obst enorm geschadet hat. Das Gemüse reifte zu wenig und verdorrte, das Obst zu schnell, so daß es viel Fallobst und wässerige Früchte gab. Dazu spielten die anhaltenden heftigen Winde den zum Fruchtansatz übergehenden Blüten außer- ordentlich mit. Prächtige Obstbaumplantagcn haben nicht den fünften Teil der sonstigen sicheren Ernte getragen. Auch Pflaumenbäume versprechen nichts, nur die Birne scheint sich, wenn nichts dazwischen konimt, einigermaßen zu entwickeln. Seit langen Jahren ist die Kirsche nicht so unverschämt teuer gclvcsen. Man muß eine halbe Mark für das Pfund an- wenden, um Mittelware zu erhalten. In dem von billigen Preisen geradezu abhängigen Straßenhandel wird sie nur sehr mäßig vertrieben. Als Ersatz sieht man hier zum Glück die sehr nahrhafte, wenn auch ebenfalls noch viel zu teure Banane. Pflaumen sind sehr knapp und ebenfalls nicht billig, Johannisbeeren werden fast als Delikatesse gehandelt. Schoten, die 35 bis 40 Pf, pro Pfund kosten, muß sich der Arbeiter verkneifen. Selbst Pfeffcrlinge, von denen sonst um diese Zeit schon ganze Wagenladungen auf der Straße zu sehen waren, gibt der Wald nur äußerst sparsam her. Erst bekamen sie zu wenig, dann zu viel Regen und faulten vor der Ernte. Kohl steht gegen früher im doppelten Preise, ist zudem nur sehr schwach am Markte. Allenfalls sind Kohlrabi noch zu bezahlen. Aber man kann doch nicht immer Kohlrabi futtern I So nimmt die Arbeiter- familie im Hochsommer ihre Zuflucht wieder zu Konserven billigster Sorte, deren Preis übrigens im Winter kolossal steigen dürfte. Un> nun erst das Fleisch, die Haupteinnahmequelle der agrarischen Freibeuter. Die Schlächter entschuldigen sich damit, daß sie selbst geschoben werden und bei den erhöhten Einkaufspreisen auch die Verkaufspreise entsprechend erhöhen müssen. Reich' mir die Hand, Bruderliebe vom Lande! Die Hauptschuld liegt nach Ansicht der Berliner Fleischerinnung an der Sperrung der Grenze für die Vicheinfuhr und an der unsauberen Ringbildung der Händler, die die Preise ganz nach Uebcreinkunft diktieren. Dahinter aber stehen hohnlachend unsere Edelsten der Nation, die sich hüten werden, solange sie noch Vieh zu verschachern haben, die Grenzen von König Hcyde- brand öffnen zu lassen. Schneiden die bekannten erblich intelligenten Gesichter, klopfen sich auf den feisten Bauch und fordern Arm in Arm mit den Schwarzröcken ihr hundertmal verdientes Schicksal in die Schranken. Steckt noch ein Loch zurück am Bauchgurt, Proletarier, und zahlt's den Rittern von der Mistgabel mit Zinseszinsen heim... bei Philippi! AnS der städtischen„Muster"-Jrrenanstalt Buch. Die Klagen über hygienische und andere Mißstände in den Krankenanstalten der Stadt Berlin, namentlich in den Irrenanstalten, nehmen kein Ende. Kaum ist an der einen Stelle der Schlendrian durch die Macht der Presse für einige Zeit beseitigt, so werden neue, schwere Uebelstände an anderer Stelle bekannt. Was uns jetzt von durchaus einwandfreier und genau unterrichteter Seite über die so vielen Fremden und Fachleuten als bauliches und hygienisches .Muster' gepriesene Irrenanstalt Buch mitgeteilt wird, ist zum Teil so belastender Natur, daß es auf die Fähigkeiten der dortigen Direk- tion sowie der ihr unterstellten Aerzte und Oberbeamtcn ein außer- ordentlich ungünstiges Licht wirft. Wir greifen aus der Fülle des Materials zunächst nur das Aergste aus der letzten Zeit heraus: Am 7. Februar wurden im Morgenkaffee, der in großen Eisen- blechkübeln nach den einzelnen Stationen kommt, auf dem Boden des einen Behälters zwei Handtücher und ein Paket Stahlspäne ge- funden und zwar als der ekelhafte Trank von Patienten und Pflegern bereits genossen war. Am 8. März sollte es nachmittags schwarzen Kaffee geben, weil die vorrätige Milch angeblich zum Pudding ge- braucht wurde. Aus Versehen goß ein Hausdiener doch 60 Liter Milch, wie an allen sonstigen Tagen, in den Kaffee. Die Ober« kvcöin, die wohl Repressalien fürchtete, ließ nun den gesaniten Milch- kaffee(630 Liter) in den AuSguß laufen und neuen schwarzen Kaffee kochen. An einen, andern Tage sind mehr als hundert Portionen gute Sülze in den Trankkübel geschüttet worden. Da werden sich die städtischen Schweine in Schmetzdorf nicht schlecht gefreut haben. Den Kranken hätte die Sülze doch mindestens ebensogut geschmeckt. Anr 14. Februar verdarben infolge ungenügender Aufsicht sieben Zentner Rindfleisch. Haben die Schweine diesen fetten Kosthappen auch bekommen? Völlig unzulänglich ist in Buch die Handhabung der Desinfektion. Man wird hierfür Herrn Sanilätsrat Dr. Richter als Direktor städtischerseits ganz besonders zur Vcrant- wortuug heranziehen müssen. Am 12. März wurde bei einem Kranken Krätze festgestellt und der Kranke nach der Jufektionsstation geschafft. Die von ihm benutzten Sachen wurden aber nur teilweise desinfiziert. So stand sein infiziertes Bett noch fast zwei Tage lang auf der Station. Anzug und Strümpfe sind ohne Desinfektion in die schmutzige Wäsche geworfen worden. Noch unverantwortlicher der- fuhr man bei einem am 14. Mai an der Gesichtsrose erkrankten Patienten. Wieder ganz mangelhaste Desinfektion. Die besonders stark infizierte Watte vom geschwollenen Geficht kam, anstatt verbrannt zn werden, in einen Mülleimer in der Badcstubc, wo er tagelang dort stehen blieb. Die schmutzige, also darunter auch die verseuchte Wäsche muß in einem Raum gezählt und sortiert werden, in dem das Pflegepersonal seine Mahlzeiten einnimmt und die Kranken ihren Besuch empfangen I Am 6. Juli wurde bei einem Kranken N. Syphilis festgestellt und eine Schmicrkur verordnet. Der Kranke liegt mit neun anderen körperlich gesunden Patienten in einem Saal, benutzt die für zwanzig Personen vorhandenen vier Waschschüsseln, hat kein eigenes Eß- geschirr und ist trotz des mehrere Wochen vorhandenen Haut- ausschlageS mit einem Badetuch abgetrocknet worden, das nach ihm von anderen Kranken zur Verwendung gekommen ist. Auch daS Klosett benutzte er nüt köperlich gesunden Patienten gemeinsam. Badetücher und Kämme in den Baderäumcn sind durchaus unzu- reichend, ebenso auf manchen Stationen, wo sich die Kranken unter der Wasserleitung waschen, die Waschbeckeneiurichtnngen. Beim wöchent- lich mehrmaligen Rasieren wird die ganze Belegschaft sämt- licher Stationen mit einem einzigen Pinsel, dessen Anwendung in Berlin längst polizeilich verboten ist. eingeseift. Das Messer wird nicht vorschriftsmäßig nach jeder Rasur desinfiziert, sondern an einem Handtuch abgewischt, daS bald von Seifenschaum und Haaren starrt. Die soziale Lage deS Pflegepersonals, von den Oberpflegern abgesehen, ist in Buch so schlecht wie in den übrigen städtischen Irrenanstalten. Die Tatsache, daß bloß im Laufe des JahreS lSOS in Buch nicht weniger als 746 Pfleger, Pflegerinnen. Hausdiener, Hausmädchen den Dienst v e r- lassen haben, spricht Bände für die Trostlosigkeit der Ver- Hältnisse. Liegt dieser ungeheure Wechsel, der in den übrigen Irrenanstalten annähernd ebenso stark ist, im Juteresse einer geordneten Krankenpflege? Ganz gewiß nicht. In Brich trägt gerade Herr Dr. Richter allerdings nicht dazu bei, sich mit dem Pflegepersonal aus guten Fuß zu stellen. So soll er bei einer Aus- einandersetzung über diesen Wechsel gesagt haben:„Glauben Sie denn, daß es den Oberpflegern angenehm ist, wenn sie viele alte Pfleger haben? I' Also der„Mohr kann gehen', wenn er jahrelang treu gedient und neben erhöhtem Gehalt sich Spezialkenntnisse er- warben hat. Ganz jugendliche Kräfte, die ohne alle Vorkenntnisse massenhaft eingestellt werden, arbeiten ja billiger I Recht eigentümlich ist eS, daß man sich seitens der Anstaltsleitung in Buch(auch bei den übrigen Irrenanstalten?) zur Anwerbung von Pflegepersonal eines gewerbsmäßigen Stellenvermittlers bedient, an den das Personal je3bis 6 M. VermittelungSgebühr zahlen muß. Wir vermögen nicht gut einzu- sehen, welche sanitären Vorteile für die Anstalt dabei heraus- schauen, da sie auch ohne Vermittler sehr tüchtige Kräfte haben kann, wenn dieselben nur anständig bezahlt werden. Der Vermittler schickt allerdings solche billigen Leute, die in augenblicklicher StellungS- losigkeit die Irrenanstalt als Durchgangsstation betrachten. Auch mit der Beköstigung deS Pflegepersonals klappt eS nicht, obwohl Herr SanitätSrat Dr. Richter„bei guter Laune' in alle Kochtöpfe sieht. So wird daS vorgeschriebene Quantum Wurst und Butter tag- lich um je 10 Gramm pro Kopf gekürzt, waS im Jahre eine Ersparnis von über 3000 M. ausmacht. Ebenso fehlen vom Soll- gewicht des MittagSfleischeS häufiger recht beträchtliche Mengen. Das städtische Nachrichtcnamt möge»nS und auch die gefügige bür« gerliche Presse gefälligst verschonen mit der bekannten fixen„Berichtigung', die alles rundweg ableugnet oder die Dinge auf den Kopf stellt. Genau so wurden noch unlängst die Klagen über Mißstände in der Irrenanstalt Dalldorf abzuschütteln versucht. Wozu hat wohl die Dalldorfer Anstaltsleitung die gerügten Mißstände beseitigt, wenn nach ihrer ersten unzutreffenden Angabe keine vorhanden waren? Zur Bolkszählnng. Zur Ausführung der am 1. Dezember d. I. bevorstehenden Volkszählung wird in ähnlicher Weise, wie bei den früheren Erhebungen dieser Art eine Volkszählungsrommission gebildet und' zwar durch Erweiterung der bereits bestehenden Deputation für Statistik um sieben in"der letzten Stadtverordneten-Ver- samntlung gewählte Mitglieder. Auch diesmal wird mit der Bevölkerungsaufnahme eine Erhebung der Grundstücke und Wohnungen verbunden werden, und wieder ist begründete Aus- ficht vorhanden, daß das Zählwerk in einheitlicher Weise für eine größere Zahl von Vororten zustande kommt. Bereits 41 Vor- orte haben ihren Anschluß endgültig erklärt. Besondere Räume wurden für die Zwecke der Volkszählung im Hause der Kontor- Aktieu-Gesellschaft in der Schicklerstraße gemietet. Mit den ersten Vorarbeiten der Organisation des eigentlichen Zählwerks ist begonnen worden. Es sei hier gleich bemerkt, daß für die an die Zählung selbst sich anschließenden Prüfungsarbeiten, sowie für die Ausführung der zahlreichen Zusammenstellungen bereits mehrere Hunderte von Bewerbungen eingegangen sind, so daß der voraussichtliche Bedarf überreich gedeckt ist. Anerkennung an die Beamten und Arbeiter der städtische» Wasserwerke. Gelegentlich der jüngsten Hitzeperiode haben die städtischen Wasserwerke in vollem Unffange den an sie gestellten An- forderungen hinsichtlich des gewaltig gesteigerten Verbrauchs an Wasser Genüge geleistet. In ihrer gestrigen Sitzung hat die Deputation der städtischen Wasserwerke daher beschlossen, für die hierbei bewährte treue Pflichterfüllung der Direktion, den beteiligten Beamten und Arbeitern ihre Anerkennung aus- zusprechen._ Bus dcm dunkelsten Berlin. In einer Wohnung in der Elsasser Str. 02 hat ein gewisser Olztynski die Prostituierte Malwina Nilsen am Sonntag abend er- schössen und dann sich gestern vormittag im Tiergarten mehrere Schüsse in den Kopf und in den Hals beigebracht. Die Nilsen war mit einem Manne namens F. nach der oben genannten Wohnung gegangen. Als sie im Bette lag, klopfte er an der Tür und als der schwer betrunkene F. öffnete, trat Olztynski in das Zinnner und erschoß die Nilsen im Bett. O. betrachtete sich als den Bräutigam der N. und soll sehr„eifersüchtig' gewesen sein. Die Polizei wurde durch F. verständigt, die letzteren in Haft nahn». Weitere Nachforschungen ergaben aber, daß er als Mörder nicht in Frage kommen konnte. Gestern morgen wurde Olztynski am Floraplatz im Tiergarten aufgefunden und weil er noch schwache Lebenszeichen von sich gab, von einem Schutzmann nach der Charit« gebracht. Dort konnte aber nur der inzwischen eingetretene Tod konstatiert werden. Die Leiche wurde uach dem Leichenschauhause transportiert. O., der früher Reisender war, soll aus gutem Hause stammen und der Sohn eines Fabrikanten in Warschdu sein; er ist aber auf Abwege geraten und hat trotz seiner 23 Jahre erhebliche Vorstrafen erlitten. Er hatte der Nielsen zugeredet, mit ihm Berlin zu ver- lassen, hatte damit aber kein Glück gehabt. Schon vor einiger Zeit hat O. auf die Nielsen ein Revolverattentat verübt, das aber leine weiteren Folgen hatte._ Unter den Rädern eines Wannseebahnzugrs getötet. Einen grausamen Tod hat die 29 jährige Helene Gottesleben aus der Steglitzerstraße 6 gefunden. Kürzlich starb die Mutter der G. und seit dieser Zeit trug das Mädchen ein schwermütiges Wesen zur Schau. Es äußerte wiederholt Bekannten gegenüber, es werde seine Mutter nicht lange überleben und Selbstmord verüben. Die Lebensmüde sollte ihr unseliges Vorhaben auch ausführen. Sie warf sich vor einem heranbrausenden Wannseebahnzug auf die Zchicncn und wurde von der Lokomotive überfahren und erus der Stelle getötet. Saison für Spitzbuben bildet die Ferienzeit, in der viele Leute nach auswärts gehen. Mehr als zwei Dutzend Wohnungen sind seit Beginn der Schulferien am 2. d. Mts. in Schönebcrg, WilmerS- darf und Steglitz erbrochen und fast vollständig ausgeräumt worden. In Sehöneberg allein sind in der letzten Woche sieben derartig« Ein- brüche verübt worden, bei �dencn die Verbrecher nicht nur alle be» weglichen Möbel- und Einrichtungsstücke gestohlen, fondern die Räume selbst in vandalischer Weis« beschädigt lzaben. In allen Fällen handelte es sich um Wohnungen, bei denen die herabge- lassmen Jalousien nur zu deutlich den Spitzbuben die Abwesenheit der Bewohner ankündigten. Die Einbrüche sind zum Teil am Tag« und mit beispielloser Frechheit ausgeführt worden. Die Beute halien die Diebe entweder stückweise in Handwagen, oder sogar in Möbelwagen fortgeschafft. In drei Fällen sind die Be- stohlenen besonders empfindlich dadurch geschadigt worden, daß sämtliche Räume von den Einbrechern, die in der Wohnung Wochen- lang gehaust hatten, in abscheulicher Weise demoliert und verurl- reinigt worden sind, so daß sie vollständig renoviert werden müssen. Die Täter konnten trotz eifrigster Nachforschungen der Polizei- behörden bisher noch nicht ermittelt werden. Unter den Bewohnern der westlichen Vororte herrscht infolgedessen eine begreifliche Be» unruhigung und die Gemeindevertretungen der betreffenden Ort- � schaften haben sich, dieser Stimmung Rechnung tragend, wiederholt mit der Frage beschäftigt, für die Festnahme von Wohnungsein- blechern besondere erhebliche Prämien auszusetzen. Die nächtlichen Polizeipatrouillen und die Nachtwachbeamten sind erheblich ver» stärkt ivorden, und zwar zum Teil durch Feuerwehrleute. Ein großer Juwelendiebstahl ist in der Nacht in dem Gold- Warengeschäft von Paul Bruch, Markgrafcndamm 8, verübt worden. Die Täter— es handelt sich anscheinend um drei Personen— drangen mit Hilfe von Dietrichen und Nachschlüsseln in die Ver» kaufsräume ein und raubten große Posten Herren- und Damen- uhren, Armbänder, Ringe, goldene Ketten und acndere Schmuck- fache». Der Wert der gestohlenen Beutestücke ist«in ganz be» deutender. Im Tegeler See ertrunken ist der Handlungsgehilfe Paul Bernhard aus der Greifswalderstraße. B. halte eine Bootsfahrt unternommen und war beim Vorübcrfahrcn eines Personen- dampferS falsch gerudert, sodaß das Fahrzeug längs in die Wellen. die der Dampfer hinterließ, hineingeriet und so heftig geschaukelt wurde, daß es zum Kentern kam. B., der des Schwimmens unkundig war, stürzte in die Fluten und ertrank, ehe Hilfe zur Stelle war. Zwei bedauerliche Unfälle ereigneten sich kurz hintereinander bei der Finna C. Lorenz, Eisenbahnstgnalban-Aiistali. Elisabeth-Ufer 5/6. Erst vergangene Woche verlor ein noch nicht 16 Jahre altes Mädchen an einer Maschine ein Glied eines Fingers. Der zweite Unfall er- eignete sich Montag vornrittag an der Friktionsprcsse in der Ab- teilung III bei Meister Bolle und betraf den 38 Jahre alten Stanzer Anton Jeszewski, welcher drei Finger der rechten Hand verlor. In der Abteilung III bei Meister Bolle haben die Maschinenarbeirer fortgesetzt um die Preise für die Arbeiter zu kämpfen. Der genannte Meister setzt die Preise in der Weise fest, indem er mit der Uhr in der Hand die Zeit der Fertigstellung einzelner Arbeiten tibertvacht. Wie uns mitgeteilt wird, ist dabei die Zeit zu« gründe gelegt, die ohne Schutzvorrichtung erzielt wird. Bei Ln« Wendung der Schutzvorrichtung»st mehr Zeit notwendig. Will nun ein Arbeiter auf fein Geld kommen, mutz er ohne Schutzvorrichtung arbeiten und feine Gesundheit riskieren. Auch soll der genmmte SWeistcr die Vorgelege sämtlicher Maschinen während des Ganges ölen lasten, wobei noch zu beachten ist, datz die Maschinen sehr eng stehen. Wenn in solcher Weise gearbeitet werden mutz, ist eS kein Wunder, datz sich Unfälle ereignen, dafür aber 16 Proz. Dividende hcrausgewirtschaftet werden. Beide Augen auSgcschossen. In einer furchtbaren Situation wurde Sonntagmorgen im Grunewald ein Selbstmörder aufgefunden. An der nach Wannsee führenden Chaussee wurden Ausflügler auf das Stöhnen eines Menschen aufmerksam. Beim Absuchen des Waldes stietz man auf einen am Boden liegenden Mann, der bewußtlos war. Neben dem Unbekainiten lag ein sechsläufiger Revolver. Mit der Waffe hatte sich der Lebensmüde erschiehen wollen. Er hatte sich einen Schuh ins Gesicht beigebracht und so unsicher abgedrückt, datz die Kugel ins Auge eindrang. Das Geschob nahm einen so Unglück« lichen Lauf, datz auch das andere Auge vollständig zerstört wurde. Der Selbstmörder wurde nach dem Kreiskrankenhaus gebracht. AuS dem VcrbindungSkanal bei Baumschuleuweg gelandet wurde am Sonnabend die Leiche eines etwa 40 Jahre alten Mannes. Der Ertrunkene ist etwa 1.66 Meter grotz, hat dunkelblondes Haar, blonde Augenbrauen,«ine hohe Stirn, eine dicke Nase, ein rundes Gesicht und blonden Schnurrbart. Er trug einen dunkelgrauen Jackettanzug, graue Strümpfe, eine Schleife und rotgestreifteS Hemd. Etwaige Nachrichten wolle man der Polizeiverwaltung Treptow übermitteln. Zu dem Rcvolverattentat des Italieners Rudolfi auf seine Wirtin, Frau Grunwald, wird unS weiter mitgeteilt, datz die Frau Grunwald beigebrachten Verletzungen nicht lebensgefährlicher Natnr sind, obwohl je ein Schutz in den Mund und in die rechte Hand ab- gegeben ist. Fraw G. befindet sich in ihrer Wohnung. Wie wir be- reits ain Sonntag mitgeteilt haben, entbehrt die Behauptung, Frau G. habe mit dem R. ein Verhältnis gehabt, jeder Begründung und ist aitscheinend auf müssigcS Gerede zurückzuführen. Gin aufregender Borfall ereignete sich am Sonntagnachmittag um S'/« Uhr auf dem Vorortbahnhof der Potsdamer Eisenbahn. Kurz vor Abgang des SüdringzugeS nach Charlottenburg wurde eine Dame, die in einem Abteil in der Mitte des ZugeS sah, von einein Schrotkorn an der Stirn, etwa einen Zentimeter über dem rechten Auge getroffen. Ein zweites Schrotkorn platzte an einer Wand ab und fiel einem kleinen Madchen in den Schatz, und eine dritte Kugel wurde auf dem Fußboden gefunden. Die drei Körner waren gleich groß und hatten, aus grötzerer Entfernung abgeschossen, keine Durchschlagskraft mehr. Der Vorfall wurde sofort dem diensttuenden StationSbeamien ge» meldet, der aber recht phlegmatisch meinte:.Ich habe keinen Schutz gehört', und sich, anscheinend unliebsam von dem Vorfall berührt, abwandte und das Zeichen zur Abfahrt gab. Zum Verständnis der Sachlage wird noch hinzugefügt, datz der Beamte fich während des Vorfalle» ganz vorn am Zuge befand, daß gleichzeitig ein anderer Vorortzug einfuhr und starker Verkehr auf dem Bahnhof herrschte. Der Fund eines menschlichen BcineS, das anscheinend von einer Frau stammt, erregte gestern vormittag gegen Wl Uhr in Moabit große Aufregung. Unweit der Lessingbrücke wurde vor dem Hause Holsteiner User S ein mit schwarzem Strumpf, schwarzem Chevreau» schnürstiefel und rotem Strumpfband bekleidetes, menschliches Bein, das am Knie von dem übrigen Körper losgetrennt war, ange- schwemmt. Arbeiter der Holzhandlung von Helnxich, die am Vor» mittag mit dem Aufladen von Brennmaterialien auf eine Zille beschäftigt waren, bemerkten zuerst den unheimlichen Fund im Wasser treiben. Mit einem Bootshaken zogen sie ihn ans Land und stellten fest, datz es sich um ein Frauenbein handelt«, das noch nicht lange im Wasser gelegen haben kann. Es wurde die Revier- Polizei alarmiert, die da» Bein dem Leichenschauhaus zuführen lieh. Der Fund hatte Hunderte von Neugierigen an das Ufer gelockt, so daß e»n grötzeres Polizeiaufgebot requiriert werden mutzte, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Durch die ärztliche Untersuchung wurde festgestellt, datz das vermutlich von einer Selbstmörderin stammende Bein aller Wahrscheinlichkeit nach durch eine Schiffs- schraube vom Rumpfe getrennt worden ist. Ein Opfer seines Berufes wurde am Sonntag morgen um L Uhr der 22 Jahre alte Hilfsrangicrer Karl Born aus der Bredowstratze 32. Beim Rangieren auf dem Moabitcr Güterbahn- Hof geriet er zwischen die Puffer zweier Wagen, wobei ihm der Brustlastcn eingedrückt wurde. Er starb gleich nach feiner Auf- nähme iin Moabiter Krankenhause. Die Schuldfvage konnte noch nicht erörtert werden. Ein Sittlichkeitsverbrechen an zwei Mädchen wurde gestern in der Jungfernheide von dem russischen 5iaufmann Winterling ve» übt. Die beiden 11 und 13 Jahre alten Schwestern Ramincki aus der Stendaler Straße 4 unternahmen gestern vormittag einen Spaziergang im Jagen III der Jungfernheidc, als fich ihnen ein gut gekleideter, etwa fünfzig Jahre alter Herr näherte, der mit den Kindern eine Unterhaltung begann und sie dann in das Innere der Waldung hinein verschleppte. Auf daS Hilfegeschrei eilten Erwachsene herbei, die den Russen festnahmen. Winterling wurde verhaftet. Er weigerte sich, seine Wohnung in Berlin anzugeben. Erschösse» hat ein Revierförster der Herrschaft Liebenberg— letztere gehört bekanntlich dem Fürsten Eulenburg— im Waldrevier einen Mann, der angeblich gewildert haben soll. Auf dem Transport in das Krankenhaus zu Liebenwalde starb der Ver- mundete an Blutverlust, die Kugel hatte die Schlagader getroffen. Soweit aus den Papieren des Erschossenen ersichtlich ist, handelt es sich um einen Handwerker namens Boddien, der in einem öst- lichen Vororte Berlins ansässig war. Der Forstbeamte bogründct seine Tat damit, datz der Erschossene überrascht und angerufien, die Büchse angelegt habe, um nach ihm zu schießen. Der KreiS l des Arbeiter-Schwimmer-BundeS hielt an» Sonntag bei prächtigem Wetter sein Sommersest bei Schonert'in RuminelSb»irg ab. Eingeleitet wurde der schwimmerische Teil deS Festes durch einen wohlgelungenen Reigen, an dem über Ivo Mit- glieder, darunter zirka 20 Damen, teilnahmen. Reichen Beifall fand auch das von 3 Sprui»gbrettern ausgeführte Gruppenfprwgen. Auch die letzte Vorführung, das Schwimmen über die große, z»rka 1850 Meter lange Strecke von der Liebesinsel durch den ganzen Rmnmcls- burger See bis zu Schoneit, erfreute sich lebhaften Interesses der Zuschauer. Hier zeigte sich so recht daS gesunde Streben des Arbeiter-SchwimmerbundeS, dem es nicht darauf an- komnit, seine Mitglieder über 50 oder 100 Meter zu jagen, wie die bürgerlichen Schwimmvereine und einige sogenannte Arbeiter» SÄwimmvereüie tun. sondern sie so ausbilden, datz sie auch eine größere Strecke, in diesem Falle eine halbe St»mde, ohne Beschwerden durchschwiimnen. Die Tausende, die- diesem Schwimmen beiwohnten, bewiesen Verständnis für diesen.Sport". Namentlich boten die Damen hierbei mancherlei Leishmgei». Die am Abend auf dem See gestellten Schwimmergruppen litten unter der mangelhaften Beleuchtung. Nachstehend die in den einzelnen Konkurrenzen erzielten Resultate: Knabenschwimmen, 50 Meter: 1. Bögele(Freiheit) 33'/z Sek. 2. Köhler(VorwärtS-RiLdorf) 34 Sek. 3. Jüttner(Welle) 35 Sek. Erst s ch w imm en für Männer, 100 Meter: 1. Langenei (Neptun-Weitzcnsee) 1 Min. 9«/- Sek. 2. Kutzner(Welle) 1 Min. 14 Sek. 3. Becker(VorwärtS-Rixdorf) 1 Min. 14'/« Sek. Jugend st afette 4 X 100 Meter: 1. VorwärtS-Rixdorf, 4 Min. 81 Sek. 2. Welle-Berlin. 4 Min. 33 Sek. Verein« sta fette ö X 100 Meter: 1. Neptun 1394, v Min. 6'/6 Sek. 2. Freiheit-Verlin. 5 Min. 24'/, Sek. H i n d e r n i s s ch w i m m e n 100 Meter, a) Jugend: 1. Ruthe (VorivärtS-Rixdorfj 1 Min. i2,'. Sek. 2. Kuckling(Welle) 1 Min. 8'/� Sek. 8. Richter(Vorwärts-Rixdorf) 1 Min. 9 Sek. d) Männer: 1. Selchow(Neptun 94) 1 Min. 6 Sek. 2. Kuckling(Welle) 1 Min- 11 Sek. 3. Fuchs(VorwärtS-Rixdorf) 1 Min. 1?/» Sek. Damenschwim men 100 Meter. 1. Frau Schwarz(Neptun 94) 1 Min. Ll'/z Sek. 2. Frl. Faber(Freie Schwimmer, Charlotten- bürg) 1 Min. 24 Sek. Mädchenschwimmen 60 Meter. 1. Singvogel(Freie Schwimmer) 43% Sek. 2. Herde(Neptun 94) 45 Sek. 3. Walle« schewski(Nord) 45% Sek. Große Strecke zirka 1350 Meter, a) Männer; 1. Timme (Nord) 27 Min. 48 Sek. 2. Burow(Freiheit) 27 Min. 57 Sek. 3. Knobloch(Neptun 94) 28 Min. 5 Sek.— b) Jugend: 1. Frank (Vorwärts-Rixdorf) 26 Min. 37 Sek. 2. Götsch(VorwärtS-Rixdorf) 27 Min. 56 Sek. 3. Hrabi(Welle) 30 Min. 1% Sek.— d) Damen: 1. Frl. Wiedeinann(Freie Schwimmer) 31 Min. 59 Sek. 2. Frl. May(Freie Schwimmer) 32 Min. 3 Sek. 3. Frl. Hagist(Freie Schwimmer) 32 Min. 3% Sek. Sportpark Treptow. Sonntag, 10. Juli. Das kürzlich abgehaltene Zweistundenrennen mit seinem guten Verlauf ermutigte die Direktion zu einem Dreistundenrennen, und auch dieses Unternehmen fand die Gunst des Publikums. 27 Fahrer, die jeder für sich allein fuhren, also ohne Abwechselung das lange Rennen bestritten, stellten sich dem Starter. Durch zahlreiche Prämien, die jede Viertelstunde an die beiden Ersten fielen, wurde das Tempo be» schlcunigt und brachte Leben in daS Feld. Doch je weiter daS Rennen gedieh, lichteten sich die Reihen der Fahrer mehr und mehr; nach Verlauf der ersten Stunde waren noch 21 Fahrer im Rennen; die zweite Stunde forderte dann ihre Opfer und es blieben noch 14 Mann übrig, die dann aber bis zum Schlutz aus- hielten und nur einer spannte noch au«. In den beiden Dauerrennen über je 30 Kilometer standen sich Hoff« mann. Pawke, Elxleben und Steffen gegenüber, von denen der erstgenannte der beste Mann im Felde war und beide Rennen mit weitem Vorsprung vor den übrigen Teilnehmern gewann, die teils versagten, teils unter Defekten zu leiden hatten. Da das Wetter ausgezeichnet war, hatte sich auch ein guter Besuch eingestellt. Die Rennen verliefen ohne Unfälle.— Die Ergebniffe sind: Dreistunden-Rennen. 100, 60, 80, 20, 10 M. Autzer- dem zahlreiche Prämien. 1. Grotzmann 106,900 Kilometer; 2. Fr. Stellbrink, 2 Längen; 3. Lorenz, 3 L.; 4. Gehrke; 5. TrinkS, dichtauf. Zwei 30 Kilometer-Rennen. Beide Male von H o f s m a n>» vor Elxleben, Pawke und Steffen gewonnen. Beim AuSflng der Genossen des 3. Kreises nach der Pferdebncht ist am Sonntag ein buntseidener Damenschirm iux Walde verloren gegangen. Der Finder wird um Abgabe gebeten an: Juknat, Fischerbrücke 9. Arbetter-Samariterbund. Kolonne Berlin. Der beabsichtigte Vortrag über die neuesten Notverbände mit Vorführungen derselben findet am Freitag, den 15. Juli, im Dresdener Garten statt, wozu alle Mitglieder erwartet werden. Der Unterricht in der 4. Ab- teilung fällt am Donnerstag aus und findet am 21. Juli statt. Vorort- Nadmebten. Pankow. Eine wilde Jagd nach Einbrechern spielte fich in der gestrigen Nacht im Schlotzpark-Reslaurant ab, wobei der Revolver aus beide,, Seiten, Verfolgten wie Verfolgern, eine große Rolle spielte. Zwei Ji»dividuen»vurden verhaftet, bei dem einen fand man einen gegen ihn gerichteten Steckbrief der Staatsanwaltschaft. Eine schreckliche Uederraschung wurde gestern der Tochter des Steinsetzers Winkelmann, Berliner Straß« 40 wohnhaft, bereitet. DaS junge Mädchen war ausgegangen und als es heimkehrte, fiel ihn» ans, datz die WohnungStür schwerer als sonst aufaing. Sie mutzte den Türflügel mit Gewalt zurückstoßen und nun fand sie zu ihrem Entsetzen ihren alten Bater als Leiche an der Klinke hängen. W., ein Mann von 60 Jahren, hatte sich in Abwesenheit der Tochter das Leben genommen. Aus Gram über den Tod seiner Ehefrau hatte der Lebensmüde zum Strick gegriffen. Weihensee. Eine neue„Partei". Die Zänkereien in den Hausbesitzer- vereinen und in den Spalten ihres Sprachrohrs, des„unabhängigen" Organs, haben es zuwege gebracht, datz die bürgerliche Fraklion ge» spreng» worden ist. Noch nicht ein Jahr hat die gegründete Fraktion standgehalten. Drei Schöffen und zehn Gemeindeverordnete erklären ihren«uStrit» und bilden ein« neue Partei mit folgendem von ihr veröffentlichten Programm: Di« Unterzeichnelen bilden heute eine Bereinigung, als deren Programm allgemein die Förderung der Kommunalpolitik im fortschrittlichen Sinne gilt. Sie beabsichtigen in erster Reihe durch ihre Tätigkeit eine durch» greisende PcrkehrSverbesserung herbeizuführen in der Voraussetzung, datz eine solche dem Orte am meisten nottut. Die Fraktion wird alle Bestrebungen unterstützen, welche zur Hebung deS OrteS geeignet sind. Sie will versuchen, sich zum Träger der Gedanken aller Ge- meindemitglieder zu machen und nach Möglichkeit die Wünsche jedes eiirsichtigen und fortschrittlichen Kommunalpolitikers zu erfüllen. Sie unterbreitet hiermit ihr Programm der Oeffentlichkeit. Entsprechenden Anregungen wird sie stets»hre Aufmerksamkeit zuwenden. Unseren Genossen in der Gemeindevertretung kann die bürgerliche Scheidung nur recht sein, zumal die neue Fraktion mit einein Programm hervortritt, dessen wirkliche Durchführung ja stets von uns gefördert worden ist. Dir JahreSrechnung 1908 der Gemeindeverwaltung»st durch die Finanzkommisfion erledigt worden.. Die ordentliche Verwaltung für 1908 schlicht nach der Hauptübersicht mit einem Ueberschutz von 54 180,95 M. ab. Mehrausgaben haben die Grundstücksverivalwng, die Schulverwaltung, die Armenverwaltung, die Wohlfahrtspflege, die Gutsverwaltung Birkholz und der Gemeindefriedhof verursacht. Die einzelnen Positionest gestalten sich wie folgt: Allgemeine Wer» waltung, Einnahme 87 120,98 M., AuSgave 400 557,99 M., Kapital- und Schnldenverwaltung, Einnahme 500 784,39 M., Ausgabe 750 652,81 M,, Gemeindegrundstücke, Einnahme 43 803,17 M,, Ausgabe 17 383,70 M.; Steuerverwaltung, Einnahme 1 314 683,03, Ausgabe 103 102,75 M.; Schulverwaltung, Einnahme 80 584,71, Ausgabe 518 601,62 M.; Armenverwaltung, Einnahme 81 616,65 M., Ausgabe 125 612,63 M.; WohlfahrtSeinrichtungen, Einnahme 6098,08 Mark; Ausgabe 29 741,77 M.; Straßen und Plätze, Einnahme 44 292,63 M.; Ausgabe 124 514,90 M.; Kanalisation. Einnahme 136 019,89 M.; Ausgabe 120 255,20 M.; Rieselgut Birkholz, Ein» nähme 113 051,92 M.. Ausgabe 150 640,32 M.; Wafferversorgung, Eii»nah,ne 153 816,27 M., Ausgabe 121 384,67 M.; Gemeindefrieohof. Einnahme 19 265,89 M., Ausgabe 19 403,86 M,; Fleischschauamt. Ein- nähme und Ausgabe 52 740,58 M. Insgesamt Einnahme 2 583 728,69 Mark, Ausgabe 2 529 597,74 M. Stralau. Badckarten zur Benutzung deS„Deutschen Bad" in Treptow ge- langen im Rathaus«, Zimmer 5, während der üblichen Dienststunden an erwachsene Geme>ndeangehörige zum Preise von 10 Pf. zur Ausgabe. Birkenwerder. Postalische Rückständigkeit. Am Sonntag machte ein Berliner Verein eine Sommcrpartie nach Birkenwerder. Es war verabredet worden, in der Mittagstunde Nachzüglern nach einer bestim>nten Stelle in Berlin Nachricht zu geben, wo man sich treffen könne. Vereinsmitglieder suchten nun zunächst von dem für uns freien Lokal„ParadieSgarten" zu telephonieren. Von 12?& Uhr bis nach 1 Uhr standen ste ununterbrochen abwechselnd am Apparat, ohne datz sich auf dem zuständigen Amt jemand meldete. Sie begaben sich daher zum Postamt Virkenwerder, das aber inzwischen geschlossen worden war. In einem Hintcrzimmer entdeckten sie einen Postassistenten und baten denselben, in einer dringenden Angelegen» heit nach Berlin telephonieren oder telegraphieren zu dürfen. Da« wusbs mi& HiÄvkiS auf dxn Schluß des Postggsts ayt SolWtgg bon 1 6f9 5 Uhr ziemlich bruk abgelehnt, obwohl man die Cifffl außerordentlich höflich vorgetragen hatte. Auffallend ist es, datz zu einer Zeit, wo die amtliche Telephonstelle noch Dienst hatte, sich niemand auf den zahlreich wiederholten Anruf meldete. Hätte der amtliche Dienst bestimmungsmäßig funktioniert, so konnte das Ge« sprach nach Berlin noch rechtzeitig vermittelt werden. Noch auf- fälliger bleibt es, datz in Birkenwerder am Sonntag»tachmittag vier Stunden lang jeder tclephonische und telegraphische Verfahr ruht, was in der gesamten Umgegend, beispielsweise in Hermsdorf und Oranienburg, ja selbst in den kleinen Gemeinden Sachsenhausen und Sairdhäusen, nicht der Fall ist. Da kann also»u Birkenwerderam Sonntag nachmittag das größte Unglück passieren, und es ist nicht möglich, tele» phonisch oder telegraphisch die nötige H'lfe auf allerschnellstem Wege herbeizuholen! Sollte daran auch bloß wieder Ihr Sparsamkeitsdrang schuld sein, Herr Kraetke? Lankwitz. Gefundene Kiuderleiche. Sonntag beobachteten junge Leute auf der Brücke von Südende nach Lankwitz im Teltoivkanal eine schwim« mende Kinderleiche. In der Nähe befindliche Schiffer holten dieselbe heraus, während die Polizei benachrichtigt worden war. ES handelt sich um ein Neugeborenes, das erst kurze Zeit im Wasser gelegen. Gerichts-Zeitung, Die Jnnungskrankenkasse für das Gastwirtsgewerve ist ein klassisches Beispiel dafür, datz das Krankenkassenprivilcg d«v Innungen in einer Weise angewandt werden kann, die das Gegen- teil einer wirklichen Krankenfürsorge ist. Dadurch, datz die ge- ge»rannte Jnnungskrankenkasse niedrigere Beiträge erhebt als die Ortskrantenkasse, werden viel« Gastwirte, die sich sonst um die Innung nicht küunnern würden, veranlaßt, der Innung beizutreten. So erhält die Gastwirte-Jmrung, die sonst wohl nicht lebensfähig sein würde, einen grotzen Teil ihrer Mitglieder. Datz natürljch die Fürsorge für die in der Jnnungskrankenkasse versicherten Er- krankten den niedrigen Beiträgen entspricht, kümmert die JnnungS- schwärmer nicht. Durch Halbierung der Beiträge und dement- sprechend gleichmäßige Vertretung von Arbeitnehmern und Arbeit» gebern in der Kaffenverwaltung hat man dafür gesorgt, datz nicht durch eine Mehrheit von Arbeitnehmern bessere Verhältnisse ge- schaffen werden könnten. Alle Beschlüsse von Bedeutung werden mit Stimmengleichheit gefaßt, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag zugunsten der Arbeitgeber gibt. So war es auch in einer Generalversammlung am 13. Sep- tember v. I. Da wurden die Eintrittsgelder, welche di« Versicherten allein zu zahlen haben, auf 3 Ml. festgesetzt. während die Beiträge, von denen die Arbeitgeber die Hälfte zahlen, herabgesetzt wurden. An dieser Abstimmung nahm auch der ArbeitgebervertreterBraunert teil, obwohl sein Delegiertenmandat seit dem 1. Mai erloschen war, da er an diesem Tage sein Geschäft aufgegeben und sein gesamtes Personal abge- meldet hatte. Ein Arbeitnehmervertreter im Vorsümde, Kellner R i e m a n n, hat diese Tatsache festgestellt und dabc» die Ueberzeugung gewonnen, datz der Kassenrendant v. Soest wissentlich eine unrichtige Eintragung in den Büchern der Kasse gemocht habe, um den Anschein zu erwecken, datz Braunerts Mandat nicht erloschen sei. AIS diese Angelegenheit in einer VorstandSsitzung besprochen wurde, gebrauchte v. Soest Schimpfworte gegen Riemann, die diesem Anlaß zw einer Beleidigungsklage gegen v. Soest gaben. Diese wurde gestern vor dem Schöffengericht verhandelt. R i e m a n n versichert, er sei überzeugt, datz v. Soest absicht- lich die falsche Eintragung gemacht habe. v. Soest behauptet da- gegen, er habe in gutem Glauben gehandelt. Nach den beider- seitigen Darstellungen verhält es fich mit dieser Angelegenheit so; Nachdem Braunert Mitte Juni ein neues Geschäft eröffnet hatte« meldete«r wieder Kassenmitgliedcr an. Sein Delegiertenmandat trat hierdurch allerdings nicht wieder in Kraft. Denn das hatte er durch die Abmeldung des gesamten Personals am 1. Mai verloren. Damit nun Braunert sein Mandat weiter ausüben könne, gab-r an. er habe von seinem Personal eine Mamsell seit dem 1. Mai behalten, für welche er di« Beiträge nachzahlte. Da» betreffende Fräulein war aber in der Zeit, wo Braunert kein Geschäft hatte, nicht im Gewerbe, sondern im Haushalt Braunert» beschäftigt, durste also für diese Zeit gar nicht Kassenmitglied sein. Trotz» dem nahm der Renda nt v. Soest die nachträgliche Meldung und die nachgezahlten Beiträge entgegen und machte eine betreffend» Aenderung im Melderegister. Auf ein« Beschwerde, die Riemann wegen der unrechtmäßigen Ausübung des Braunert'schen Dele- giertenmandats an die Aufsichtsbehörde richtete, antwortet» v. Soest, Braunert habe zu Recht an der General» Versammlung teilgenommen. Daraufhin wurde di» Beschwerde zurückgewiesen. Wegen der Aenderung im Melderegister»st gegen v. Soest ein» Anzeige wegen Urkundenfälschung eingereicht worden. Die Staats- anwaltschast hat aber da» Verfahren eingestellt. Hiergegen hat der Anzeigende, Riemann, Beschwerde erhoben, so datz die Be, schuldigung der Urkundenfälschung zurzeit noch nicht erledigt ist. v. S o e st behauptet, er habe nicht gewußt, datz Braunert eim Zeitlang kein Geschäft hatte, er habe deshalb die nachträgliche Meldung und die darauf bezügliche Aenderung in guten Glauben entgegen- bezw. vorgenommen. Zur Beweiserhebung im BeletdigungSprozetz kam es noch nicht. Die Verhandlung wurde vertagt, weil für die Widrrklog» ein Beweisstück herbeigeschafft werden soll und das Gericht die Er, ledigung der Strafanzeige abwarten will. Ein ungetreuer Beamter. Der ehemalige Obersekretär am Hoftheater in Stuttgart, Vöhringer, ist wegen Untreue und Unterschlagung, die er zum Schaden der Hoflhcaterkass«, der Untcrstützungskasse der Witwen- und Waisenpensionsgesellschaft am Hoftheater und an der Kaff« der Hoftheaterkapelle in den Jahren 1906 bis 1910 verübt hat» zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Beeinflussung der Geschworenen. Ein eigenartiger Zwischenfall ereignete sich in Augsburg h» einer Schwurgerichtsverhandlung gegen einen Bahnverwalter, der durch eine Lappalie sich eine Anklage wegen..Verbrechen» im Amte" zugezogen hatte. Schon vor Eintritt in die Verhandlung hatte der Präsident erwähnt, datz durch einen Brief eine Beein- flussung der Geschworenen, die„Gnade vor Recht ergehen lassen sollten", versucht worden sei. Als dann der letzte von der Ver- teidigung geladene Entlastungszeuge, Pfarrer Huber aus Weitzen- sce bei Fussen, aufgerufen wurde, bezeichnete der Staatsanwalt Viesen Zeugen als den Bricsschreiber und beantragte, von dessen Vereidigung wegen Verdachts der Begünstigung Abstand zu nehmen. Da tue Verteidigung nunmehr auf die Vernehmung diese» Zeugen verzichtete, kam das Gericht nicht in di« Lage, zu den, Antrage des Staatsanwalts Stellung zu nehmen. Di« Handlungsweise des Pfarrer» erklärt sich daraus, daß er mit d«r Familie de» Bahnverwalter» befreundet ist und während seine« Studienzeit bei den Altern desselben gewohnt and teilweise Frei» tisch genossen bat. Allen Verwandten und Bc-[| ! kannten hiermit die traurige Nach- j richt, daß mein lieber Mann, I unser guter Vater, der Tischler Ips&iii BCölnstBer am Sonnabendabend nach langen, schweren Leiden verschieden ist, Um stille! Beileid bitten Frau Kunstler und Kinder. Beerdigung Mittwoch, nach- 1 mittags 2 Uhr, von der Leichen- s Halle des Krankenhauses aml Urban aus nach dem städtischen{ Friedhose in Friedrichsseide. für den OeriinerReielisiapalllüm Görliber Viertel. Bezirk SIS, Teil l. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Paul Künstler Grünauer Str. 25 gestorben ist. Ehre seinem Zludenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Zcntral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Todes- Anzeige. Hm 9. Juli verschied nach langen und schweren Leiden der Kassenangestellte und Kollege Paul KlinstEer im Alter von 48 Jahren. Pflichttreu« und Kollegialität sichern demselben«in dauerndes Audenlen. 276/16 Der Borstand und die Angestellten der Innung?- Krankenkasse der Tischler. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Juli, nach- mittags 2 Uhr, vom Kranken- Hause am Urban auS nachFriedrichS- selbe statt._ Verband d. Bureauangestellten und der Verwaltnngsbeamten der Krankenkassen und Bcrufsgenossenscbaften Deutscblands. Ortsgruppe(iroll Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied» der Kassen- angestellte Paul Künstler am S. Juli gestorben ist. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am .....------—...... Zcntra. Friedhof w FriedrichSselde(4 Uhr) Um rege Beteiligung ersucht 45/13 Der Vorstand. Deulsciier Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tichler Paul Künstler am 9. Juli gestorben ist. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Juli, nach- mittag» 2 Uhr, vom Krankenhause am Urban au! aus dem Zentral- Friedhos in FriedrichSselde(4 Uh») statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/8 Die Qrtöverwaltun». Mitglied de» Arb.-Sängerbünde». Den Mitglledern zur Nachricht, daß unser langjähriges, treues Mitglied 61/6 Paul KOnstlar am 9. Juli seinen langen, schweren Leiden erlegen ist. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Rauchklub„Sudan". Nachruf« Am 3. Juli er. verstarb wsolg« eine? Unglücksfalles unser Mit- glied, der Töpser Paul Köhler im 36. Lebensjahre. 29026 Ehre feinem Andenken! vn. Simmel Spczial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, AZ. 10�-2, 5�7. ßoaotags 10—12, 2—4 SozialileiiiokratiseiierValilvereiii für den 4. Sek!. Reielistags-Walreis. Frankfurter Viertel. (Bezirk 307.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß miser Genosse, der Schuh- macher Ulbert Hslbauer Friedrichsbcrger Str. 5 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Juli, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Betelligung ersucht Der Borstand. ! üilijüllleiiiolki'stlsedei'VsIjlvereiii kür 8eiiölieberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Mitglied, der Restauratcur Heinrieh Hoffmann in der Anstalt Teupitz ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet heute, Dienstag, den 12. Juli, nach- mittags ll43 Uhr, aus dem dortigen Anstaitssriedhose statt. Parteigenossen, welche an der Beerdigung teilnehmen. Abfahrt 12 Uhr 30 Min. vom Görlitzer Bahnhos. 16/1 Der Vorstand. MM der Ireien Gast- lim SeMwirte DeiitsciMs. Zahlstelle Schöneberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser ältestes Mitglied, der Kollege Hemrleii Hoffmann am Sonnabend, den 9. d. Mts., in der Anstalt Teupitz ver« starben ist. Ehre feinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 12. Juli, nach- mittags'1.3 Uhr, auf dem bor- ligen Anstalls-Friedhos statt. Kollegen, die an der Beerdi- >»ng teilnehmen wollen, treffen ich am Görlitzer Bahnhos. Ab- ahrt 12 Uhr 30 Min. 75/10 Der Vorstand. I. A.: Ernst Obst. Allen Berwandten, Freunden und Bekannten die tramige Nach richt. daß unser lieber Vater, Schwicger- und Großvater, der Tischler L .Msim Neuhaus am Sonnabend, den 9. Juli, frei- willig au» demLeben geschieden ist. Im Namen der Hinterbliebenen: Minna Sohmidt geb. Neu haus, Paul Schmidt, Hans Neuhaus, Martha Kdnfg. Die veerdiauna findet am MItt- woch, den 13. Juli, nachm. 6 Uhr, in Grünau von der Leichenhalle aus statt. SozialdeinokradseherWaUiiereiii Tempelhof. In der Nacht zum Sonntag verschied nach langem, schwerem Leiden unsere werte Genossm Frau .Anna Krohn Borusflastraße 60. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, 13. Juli, nachmsttags 6 Uhr, von der Leichenhalle de» Gemeinde- Friedhosts an der Germania- siraße aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 208/8 Der Vorstand. Danksagung. Für die vielen Kranzspenden, die mir bei dem Heimgange meine» treuen, unvergeßlichen Freunde» Paul Köhler zu teil geworden sind, sage ich allen, die e» gut und ausrichtig mit ihm ge> meint haben, WSbcjondere dem Ber- band der Töpfer, Filiale©erlin, der Freien HilsSkrankenkasse der Bauhand- werker Berlins und Umgegend, den Kollegen der Firma Poeschke, dem Rauchtlub.Sudan» und dem Verein der Brauereiböttchermeister Berlins meinen tiesgcsühllen Dank. Fra» Emma Kunze 194L geb. Jagnsch. Danksagung. Für die zahlreiche Beteiligung und reichen Kranzspenden bei der Be- erdiguug meines lieben Gatten, unseres lieben Sohne» und Bruders ?aal Köhler sagen wir allen Freunden und Kollegen unseren herzlichsten Dank. 29096' Familie Köhler. �Hygienische Statt jeder besonderen Anzeige. Am Sonntag, den 10. d. Mts., verschied in Bad Harzburg nach längerem Leiden mein innig geliebter Mann und guter treusorgender Vater, der Fabrikbesitzer Otto Blumenberg im 57. Lebensjahre. In tiefer Trauer Schöneberg-Berlin, den 11. Juli 1910, Kolonnenstr. 57/58, Erna Blumenberg geb. Brauwers, Otto Blnmenberg. Die Beisetzung findet am Mittwoch, den 13. d. Mu., mittags 1 Uhr, von der Hauptkapelle des Zentral- Friednofs in ßraunschweig aus statt. Trauerhaus: Wendenstr. 62. 78/13 Am 10. d. Mts. verschied in Bad Harzburg unser lieber hochverehrter Chef, der Fabrikant Herr Otto Blumenberg. Der Dahingeschiedene setzte seine ganze Kraft für das Emporblühen seiner Fabrik ein. Es war ihm leider nicht mehr vergönnt, sein von ihm in großzügiger Weise angelegtes Werk jetzt vollendet zu sehen. Herr Blumenberg war uns stets ein guter und gerechter Chef und jedem ein wahrer Freund und Berater. Sein Andenken wird uns allen unvergeßlich bleiben. 78/14 Schöneberg-Berlin, den 11. Juli 191� Kolonnenstr. 57/58. Das kaufmännische Personal und die Meister der Firma Wilhelm Behr. Marmorarbeiter. Donnerstag, de» 14. Juli, abends 8 Uhr, im„Englischen Garten», Alexanderstraße 270: Versammlung. Tagesordnung: Stellungnahme z» den Vorschlägen der Tarif- kommission. 171/7* Kollegen der Marmorbrauche, erscherut ohne Ausnahme! Zcutralvcrband der Steinarbeiter. Ortsvcrwaltuug Berlin. Potsdam-SpaDdaH-ß�iiimHäii! Am Sonntag, den 14. August, vormittags 10 Uhr» beim Genossen nsitlv, Spandau, Havekstr. 30: Kreis Tage»«Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Die nächsten Rcichötagswahlcn. Ne- serent: Genosse Wels-Berllu. 3. StellunWabme zum Parteitag. 4. Zur Prooinzialkonscrenz. Neserent: Genosse Liebknecht. 5. Wahlen. 6. Sonstig« Antrüge. Der Vorstand. I. A.: Emil Schubert. 1 Am 10. Juli verschied unser hochverehrter Meister, der Fabrikant Herr Otto Blumenberg. Wir verlieren in dem Entschlafenen einen allezeit zugänglichen lieben Freund und Berater. Seine persönlichen liebenswürdigen Eigenschaften sichern ihm bei uns stets ein treues Andenken. 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Bewerber wollen ihr Angebot mit der Aufschr+st .Bewerbung» und Angabe über bisherige Täligkcit in der Gewcrkschasis- sowie Partcibewcgung spätestens bis zum 20. Juli 1910 an den Genossen Wilhelm Frahm. Reumünfter, Wilhelwstr. S. einreichen. 287/9* Zwei-. Einzimmer- Wohnungen sofort, auch spater Sonnenburger» ftraße 27. 2784b» Tenipclhof. Friedrich-Karlslraße 7. 1. 2, 3, 4 Zimmer, Bad usw., neues Haus, Sonnenseile, elektrische Bahn, billig.+146 Limmer. Möbliertes Zimmer, separat, vermietet sofort Rücker, Pappel- allee 59, vorn IV.+79 Mdetsgesncho. Möbliertes Zimmer für an- ständiges Fräulein(Putzdireltrice) im oberen Ortsteile RixdorsS. Offerten mit Preisangabe an W. Wegert, Rixdorf, Leinestraße 11.+112 Arbeitsmarkt. Stellenangebote. Papiergeschäft mit Zigarren billig verkäuslich Neue Hochstraße 6. 78/18 Titdttige Hornsräser sowie Siein- nußplatlenschneider verlangt sofort C. H. 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