BfcnnnKntS'Brftnstnueii! BSonnment«• Preis priwumerando S »ierteljShrl. 3�0 9Kr., monall. 1,10 Sit, WSchentlich 28 Pfg, frei in» HauS. Einzeln« Nummer 5 Pfg. Sonntags- nmnmer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Mari pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunaz- PrersWie. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Start, für das übrige Ausland s Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. «all» iUlLkt Ednua». S7. Achrg. Berliner Volksblcllk. VIe snltrtionS'LelMhr beträgt für dl« fechSgefpalleu« Kolonel- zeU« oder deren Raum« Psg. für po Mische und gewerlschafMche Vereins- und PersammlungS-Anzeigen M Psg. „Ateine Snrelgen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Psg,, ted-S weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzelgen das erste Wort 10 Psg,, jedes weitere Wort b Pf»,«orte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Lnserate für die nächste Nummer müssen PiS S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist diS 7 Uhr abend» geüffnet- relegramm- Adresse: nSoiUlittsslsrat berllo". Zentralorgan der fozialdcmohrati feben parte» Deutfcblanda. Redaktton t 8 AI. 68, Ltndenstrasse 69. Fernfprechert Amt IV, Nr. 1983, Donnerstag, den 14. Jnli 1910. Expedition» 8 AI. 68, Ltndenetraaöe 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Konflikte In der österreichilchen Sozialdemokratie. Aus Wien Wirb uns vom 12. Juli geschrieben: Es hat den Nuhm der Sozialdemokratie� in Oesterreich gebildet, daß sie das Problem der Einheit der Bewegung in dem Staate der vielen Nationen gelöst und die inter- nationale Geschlossenheit des Proletariats allem Ansturm des bürgerlichen Nationalismus zum Trotz siegreich behauptet hatte. In Oesterreich kann die proletarische Jnternationalität keine bloße Feiertagsstimmung sein, nicht eine Auffassung, die sich nur bei seltenen, ausnahmsweisen Gelegenheiten zu betätigen hat: hier mußte sie in lebendige Wirklich- k e i t umgesetzt werden, hier war sie die unmittelbare Wirksam- keit, Grundsatz und Richtmaß der praktischen Politik. Aber es war niemals unklar, daß die nationalen Gegensätze, die das Reich und seine gesamte Politik erfüllen, von der Partei nur überwunden werden können, wenn das große Ziel der proletarischen Bewegung unverrückbar im Auge behalten wird und alle die feste Entschlossenheit beseelt, sich von den Strömungen des Tages nicht beirren und in den Taumel des nationalistischen Wirrwarrs nicht hineinziehen zu lassen. Aber was durch Jahrzehnte gelang, unterliegt nunmehr immer deutlicher dem Zweifel. Die nationalen Konflikte mehren sich in der Sozialdemokratie in Oesterreich und die Gefahr besteht, daß ihre internationale Einheit und Geschlossenheit in die Brüche gehen könnte. Schwer und traurig ist vor allem der gewerkschaft- ! i ch e K 0 n f l i k t, der sich zwischen der tschechischen Partei auf der einen und der gewerkschaftlichen Organisation aller übrigen Nationen auf der anderen Seite aufgetan hat, und der sich immer bitterer verschärft. Erfreulich war das Per- hältnis der Tschechen zu der einheitlichen Gewerkschafts- organisation niemals. Die Bestrebungen, die tschechischen Arbeiter von der Zentralorganisation loszulösen und eine „autonome" tschechische Organisation zu begründen, gehen auf länger gls ein Jahrzehnt zurück. Der tschechische Separatismus begann mit der Errichtung einer selbständigen tschechischen Kommission in Prag, die sich nur anfänglich auf die Organisierung und Zusammenfassung der Arbeiter in Tschechisch-Böhmen beschränkte, in den letzten Jahren aber be- wüßt auf die Zerschlagung der Reichsverbände hinarbeitete. Zu offenen Feindseligkeiten kam es aber trotzdem erst in diesem Winter, und zwar auf dem Boden Mährens, das bis dahin, auch im tschechischen Gebiete, den Prager Lockungen beharrlich Widerstand geleistet hatte, nunmehr aber für die tschechische �Sonderorganisation planmäßig erobert werden soll. Die Spaltung erwuchs dort aus einem lokalen Konflikt, der zwischen den tschechischen Zcntralisten einerseits und den Führern der dortigen tschechischen politischen Organisation andererseits entstand, und der durch die Disziplinlosigkeit dieser politischen Führer immer mehr vergiftet worden ist. Zuerst schien die tschechische Partei, der Haltung der Deutschen entsprechend, Gewehr bei Fuß stehen zu wollen, und in dem gewerkschaftlichen Konflikt, der damals nur zwischen Tschechen spielte, Neutralität zu üben. Sie ging aber bald mit fliegenden Fahnen in das separatistische Lager über, und heute steht es so, daß die tschechische Partei die Spaltungsorgani- fation als die einzig echt tschechische Gewerkschaftsorganisation betrachtet, und die tschechischen Arbeiter, die an der einheit- lichen und internationalen Organisation festhalten, geradezu als Verräter ächtet. Wie die zu Pfingsten tagende Landes- konferenz der tschechischen Sozialdemokratie in Böhmen er- klärt, müsse sich„die tschechoslawische sozialdemokratische Arbeiterpartei auf ihre eigenen Gewerkschaftsorganisationen stützen können, wie dies bei den Genossen anderer Nationen, Länder und Staaten der Fall sei: es sei ein Lebensbedürfnis für sie, daß dieser Grundsatz zum leitenden Losungswort der ganzen Partei und aller Parteigenossen werde, und daß durch Taten verwirklicht werde, was für die EntWickelung und für die Erfolge des tschechischen organisierten Proletariats höchst wllnschenslvert ist". Diese„Taten" wurden auch reichlich ge- tan, und die Versuche, die internationalen zentralen Ver- bände zu zerreißen und nationale tschechische Gegenorgani- sationen zu begründen, hören nicht auf. � Wohl holten sich die Separatisten dabei manche schwere Abfuhr, und ihre Miß- erfolge bei den Gießern, den Bergarbeitern, den Textil- arbeitern lassen die Hoffnung bestehen, daß die gewerkschaft- liche Vernunft auf einer großen Masse der tschechischen Ar- heiter dem Zerstörungswerk zum mindesten eine feste Grenze fetzen werde. Trotzdem geht der Gewerkschaftsorganisation durch den Separatismus materiell furchtbar viel verloren, und noch schlimmer, ja fast nie wieder gut zu machen ist die moralische Einbuße, ist der Schaden, den der von den Separatisten der Gewerkschaft aufgezwungene Kampf im Be- wußtsein der Arbeiterschaft anrichtet. Da nun ein Versuch, den auf Betreiben der deutschen Partei die Gesamtexekutive einleitete und der die Ein- berufung einer unverbindlichen Einigungskonserenz bezweckte, an dem Widerstand der tschechischen Partei scheiterte, so will die Reichsgewerkschaftskommission, die Exekutive der inter- nationalen Zentralverbände, nun an die Inter- nationale appellieren. Zur Schlichtung eines Streites innerhalb,.der gewerkschaftlichen O.rganisatjM wäre der Internationale Sozialisten- und Gewerkschaftskongreß allerdings vielleicht eine wenig geeignete Instanz. Hier liegt aber ein Eingriff einer sozialdemokratischen Partei in das Gewerkschaftsgebiet vor, und zwar ein Ein- griff, der das Gewerkschaftsleben schwer gefährdet und im Widerspruch steht mit den von den Internationalen Kon- gressen, insbesondere vom Stuttgarter Kongreß festgelegten Grundsätzen, in denen als Summe der Erfahrung und als Grundsatz der Internationale mit aller ihr zu- kommenden Autorität ausgesprochen wird, daß„die Ein- heit der Gewerkschaftsorganisation in jedem Staate eine wesentliche Bedingung desKampfes gegenAusbeutung und Unter- d r ü ck u n g i st". Tie Reichskomniission der Gewerkschaften Oesterreichs ist nun an das Internationale sozialistische Bureau herangetreten und hat ihm zur Tagesordnung des Kopenhagener Kongresses einen Antrag überreicht, der darin gipfelt, daß die Beschlüsse des Stuttgarter Kongresses bezüg- lich der Einheitlichkeit der Gewerkschaftsorganisation be- stätigt werden und erklärt wird,„daß jeder Versuch, internationale, einheitliche Gewerkschaften in nationalseparatistische Teile zu zer- schlagen, der Absicht der Beschlüsse des Internationalen Soziali st en-Kongresses widersprich t". Zur Begründung dieses Antrages hat die Reichskommission der Gewerkschaften Oesterreichs einen Bericht an das Internationale Bureau und an den Kongreß erstattet, worin der Sachverhalt kurz dargestellt, das wichtigste Material beigebracht und Beschwerde gegen das Vorgehen der tschechischen Parteiexekutive erhoben wird. So schwer es für jeden Außenstehenden sein mag, ein Urteil zu gewinnen, so sicher ist es, daß die einfache Wahrheit jedem, auch dem fernstehenden Parteigenossen und Gcwerk- schafter, einleuchten muß, daß die Zerschlagung der GeWerk- schaftsorganisation, ihre nationale Zersetzung bis in alle Industriezentren, ja bis in jeden einzelnen Betrieb hinein eine zweckwidrige und für die Aktionsfähigkeit der Gewerk- schaften geradezu mörderische Politik ist. So notwendig der Parteiorganisation die nationale Autonomie ist, so notwendig ist der Gewerkschaftsorganisation die internationale Zentrali- sation. Das ist eine so einfache und sichere Wahrheit, daß man sich fast schämt, sie erst aussprechen zu müssen, und diese Wahrheit werden alle Vertreter der Internationale gewiß verstehen und zweifellos anerkennen. Hoffen wir, daß ihre Anschauung in irgendeiner Form zum klaren Ausdruck kommen und unseren tsechischen Genossen beweisen wird, daß, was wir gegen den Separatismus einwenden, nicht einer Voreingenommenheit, einer Einseitigkeit oder gar, wie die Separatisten behaupten, irgendwelchen Herrschgelüsten ent- springt. Vielmehr fußt die Politik der Zenträlisten auf der ehernen gewerkschaftlichen Notwendigkeit, auf dem unabweisbaren gewerkschaftlichen Bedürfnis, und das Mißverständnis der tschechischen Partei beruht unseres Er- achtens auf dem Irrtum, daß sie die Gewerkschaftsorganisation nach dem vermeintlichen Bedürfnis der Partei ein- richten will. In ihrer Prager Pfingstresolution heißt es, daß sich die tschechische Partei„auf ihre autonomen Ge- Werkschaftsorganisationen stützen wird, wie dies bei den Genossen anderer Nationen, Länder und Staaten der Fall ist". In diesem Satze steckt das ganze Mißverständnis, oder vielmehr gleich zwei. Vor allem heißt es, das Ver- hältnis zwischen Partei und Gewerkschaft ganz falsch an- sehen, wenn man ineint, die Partei„stütze" sich auf die Ge- Werkschaftsorganisation. Die Gewerkschaften sind gar nicht dazu da, daß sich die Partei auf sie„stütze". Eher war ge- schichtlich das Verhältnis, in Osterreich wenigstens, umgekehrt, und die Partei hat die Gewerkschaft gezeugt und aufgezogen: aber das gibt ihr nicht das Recht, der Gewerkschaft eine Organisation zu oktroyieren, die den Lebensbedingungen der Gewerkschaft entgegen ist. Die Gemeinschaft zwischen Partei und Gewerkschaft kann sich überall und in allem aus- sprechen: im Ziele, in der Taktik des Klassenkampfes, nur nicht in der Organisation. Nirgends, am wenigsten aber in Oesterreich. Denn in Oesterreich sind wir durch die Vielheit der Nationen genötigt, unsere politische Organisation auf nationale Autonomie zu gründen: aber es kann vernünftigerweise und ohne die Gewerkschaften um- zubringen, keine nationalautonomen Gewerkschaften geben, und so kann keine nationalautonome Partei von„ihrer" Ge- werkschaft„gestützt" werden. Tie deutsche Partei kann sich ebensowenig auf die Gewerkschaften„stützen" wie die tschechische. Was der naturnotwendig internationalen Ge- Werkschaftsorganisation gleichberechtigt und eng verbündet gegenübersteht und in Oesterreich stets gegenübergestanden hat, ist nicht die einzelne nationalautonome sozialdemokratische Parteiorganisation, weder die deutsche, noch die tschechische, noch die polnische, oder italienische, sondern der internationalen Gewerkschaft entspricht und steht gegenüber die inter- nationale Gesamtpartei der Sozialdemo- kratie in Oe st erreich. Und das ist das zweite Miß- Verständnis, dessen sich übrigens die tschechischen Genossen hie und da, wenn auch nicht ganz klar, bewußt zu sein scheinen. Wenn sie in jener Resolution sagen:«wie dies bei den Ge- nassen anderer Nationen, Länder und Staaten der Fall ist", so haben sie ganz instinktiv das Wort„Nationen" ein- gefügt, weil sie wissen, daß hier eine schwere, entscheidende Lücke in ihrer Auffassung klafft, da es ja doch nirgends»n der Welt v a tion a l geteilte Gewerkschaften gibt, fo zersplittert sie— territorial oder nach Berufen— sonst sein mögen. Für den Ansprtzch der tschechischen Separatisten gibt es keine Analogie und kein Vorbild in der Welt. Ihre Ab- ficht, die Gewerkschaft national zu gliedern, heißt die Gewerk- schaft zerreißen, sie an ihrem Lebensnerv schädigen: der Partei aber, um derentwillen das alles geschehen soll, wird dadurch nicht genützt, sondern ebenfalls schwer geschadet. Eine aktionsunfähige Gewerkschaft wird die Partei nicht„stützen", sondern nur ein Hemmnis ihrer Entwickelung sein. Das alles ist so klar, so den augenfälligsten Tatsachen entsprechend, daß man glauben müßte, der Irrtum des tschechischen Separatismus könnte nicht lange bestehen. Hoffen wir, daß bald eine Wendung kommt. Bis dahin aber mutz es die Sorge der Gewerkschaften und der Sozial- demokratie sein, den Schaden, den der Separatismus an- richtet, möglichst einzuschränken. ItopMer Oerfall. Die Angst vor der schwellenden sozialdemokratischen Flut fängt nachgerade an, in den Köpfen unserer Gegner Verwüstungen anzu- richten. In der„Deutschen Tageszeitung" veröffentlicht soeben ein Mann, der sonst gerade nicht zu den Dümmsten gehört hat, einen Aufsatz, von dem man fast annehmen möchte, daß er eigentlich für ein Witzblatt bestimmt war und nur aus Versehen den— nach Liman—„geistig schwerfälligen" Lesern des Agrarierblattes vor- gesetzt worden ist. Herr Hermann Köhler, Pfarrer zu Nieder- lößnitz bei Dresden, läßt sich vernehmen über„die sozialdemo- kratische Gefahr in der Gemeindeverwaltung." Herr Köhler ist uns kein Unbekannter. Wiederholt haben wir in früheren Jahren in ihm einen kenntnisreichen und vor allen Dingen einen ehrlichen Gegner gefunden, einen Mann, der zwar von jeher zum Agrarier- tum gehalten und uns Sozialdemokraten bekämpft hat, dem es aber nie eingefallen ist, sich in blöden Schimpfereien gegen uns zu er- gehen� sondern der im Gegenteil sich bemüht hat, die Sozialdemo« kratie wirklich kennen zu lernen. So griffen wir denn auch dies- mal mit Interesse nach dem Blatt, um zu sehen, was Herr Köhler zu sagen habe. Was aber war da zu lesen! „Das Ortsbeschleusungsgesetz von Niederlößnitz und seine all- gemeine Bedeutung für die Gemeindeverwaltung, unter diesem Titel schrieb ich als Einwohner von Niederlößnitz im vorigen Sommer eine kleine Flugschrift." Das erzählt Herr Köhler. Natürlich glaubten wir zunächst. in Niederlößnitz sei durch sozialdemokratischen Einfluß irgend etwas bei der Beschleusung durchgesetzt worden, was Herrn Köhler nicht gefällt. Aber keine Rede davon. Vielmehr schildert er nur, daß die Niederlößnitzer aus irgend einem Grunde, der wirklich keinen Menschen außerhalb von Niederlößnitz und Kötzschenbroda inter- essiert, einen Teil ihres Orts kanalisiert haben, und daß ihr Ge- meinderat nachträglich beschlossen hat, die Kosten den Grundbesitzern der kanalisierten Straßen aufzuerlegen. Daß dies etwa auf Be« treiben von Sozialdemokraten geschehen sei, wird nicht gesagt. Nun fragen wir um alles in der Welt: was hat die Kanal!- sierung in Niederlößnitz mit der„sozialdemokratischen Gefahr" zu tun? Hier des Rätsels Lösung. Herr Köhler stöhnt: „Wohin soll das führen, wenn Aufwendungen, die der All- gemeinheit zugute kommen, nicht nur überwiegend, sondern wenn möglich ausschließlich auf Rechnung des Grundbesitzes geschrieben werden! Dann wird die Sicherheit des Grundbesitzes über- Haupt in Frage gestellt und die Freude am eigenen Heim gestört und verbittert Dann werden aber auch, und das ist die Hauptsache, dem radikalen Gegner des Privatgrund- besitzes, der Sozialdemokratie, die Wege geebnet und Vorarbeiten geliefert, an die sie nur anzuknüpfen braucht, um das Werk der Sozialisierung weiterzuführen." O, du heiliger Bimbam! Jetzt sieht der gute Pfarrer�schon die Grundlagen des Staates wackeln, weil in irgendeinem weltvergesse- nen Nest die Grundbesitzer— übrigens mit ausdrücklicher Zu- stimmung eines hohen Ministeriums— die Kanalisation bezahlen sollen! Und er bekommt es fertig, noch zwei Druckspalten lang allen.staatserhaltenden" Mächten, besonders aber den Regie- rungen, eine dringende Predigt zu halten, sie möchten doch nur ja um Gottes und der Barmherzigkeit willen den Sozialdemokraten nie und nirgends auch nur das Tipfelchen auf dem i nachgeben: „Auf allen in Frage kommenden Gebieten, ganz besonders aber auf dem kommunalen, ist gegenüber der mächtig andrin» genden sozialdemokratischen Flut Nachgiebigkw-t der a l l e r s ch l i m m st e Fehler. Es gilt vielmehr, die bestehen- den Bollwerke zu befestigen.... Nicht Milderung, sondern Auf- rechterhaltung, wenn nötig selbst Verschärfung der bestehen- den Wahlordnungen nach, dem Vorbilde von Kiel, Itzehoe, Oels- nitz i. V. muß jetzt ins Auge gefaßt werden, um das rechtliche Eigentum gegen die Willkür der besitzlosen, zum großen Teil auch heimatlosen Menge zu schützen." Und das hat mit seinem Kanalisieren der Gemeinderat von Niederlößnitz getan! Wir würden auf diese burleske Geschichte selbstverständlich gar nicht eingegangen sein, wenn es sich um den ersten besten handelte, um irgend einen hinterwäldlerischen Pastor, der in der Weltvergessenheit lebt und einmal die Gelegenheit ergriffen hat, seinen Groll herauszupoltern. Aber das trifft bei Herrn Köhler nicht zu. Er ist, wie wir schon sagten, keineswegs der erste beste. Vielmehr hat er sich in früheren Jahren redlich Mühe gegeben» die Sozialdemokratie kennen zu lernen und zu verstehen. Und das hat ihn denn damals auch vor so blöden Scharfmachereien behütet. Wenn nun auch ein solcher Mann sich zu den ödesten Scharf- machern gesellt, so ist das immerhin ein Symptom für den trauri- gen Verfall der Intelligenz wie der Moral im Lager unserer Gegner, Und deshalb war<£ Wat£ davon Notiz zy nehAW," Bergleichen wir z. B. den Köhler von heute mit dem Köhler Aon 1803. Damals hat Herr Köhler in 3 Heften ein kleines Werk herausgegeben über„Landwirtschaft und Sozialdemokratie". Auch diese Schrift verfolgte dcnZweck, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Aber wie ganz anders machte es Herr Köhler damals! Es lag ihm daran, das Eindringen der Sozialdemokratie in die ländlichen Gegenden zu verhindern. Das Rezept aber, das er zu diesem Zweck gab, ist kurz zusammengefaht dieses: die Gutsbesitzer sollen dafür sorgen, daß es den Landarbeitern nicht mehr gar so erbärm- lieh schlecht geht! Dann, aber auch nur dann, könne es verhindert werden, daß die Sozialdemokratie auf dem Lande festen Futz fasse. Er selbst schildert in überaus eindringlicher Weise die traurige Lage der Landarbeiter ungeschminkt und fügt Mahnungen bei wie diese: „Solche Notstände bilden für die sozialdemokratische Agita- tion eine unerschöpflich« Fundgrube und geben ihr eine gewisse sittliche Berechtigung." £)der: „Wir verargen es der(sozialdemokratischen) Agitation ganz und gar nicht, wenn sie dergleichen Uebelstände schonungslos auf- deckt, in scharfer Tonart behandelt und auf Abhilfe dringt." Oder man vergleiche folgende Worte: „Wo liegen denn die Ursachen der vielbeklagten Landflucht? Sollte Ueberdrust an dem einförmigen Landleben und Ver- gnügungösucht wirklich eine so bedeutende Rolle spielen, wie ge- meinhin behauptet wird?... Nein, es ist vielmehr die Hoff- nunaslosigkeit und das Gefühl der Zurücksetzung, das ihn(den Landarbeiter) veranlaßt, der allermeist doch lieben und teuren Heimat Lebewohl zu sagen. Gebt und verbürgt dem Land- arbeiter durch nicht ermüdende aufruHige Fürsorge die Hoffnung auf bessere Zeiten, schafft ihm die Möglichkeit, durch Fleiß und Sparsamkeit ein kleines Besitztum zu gewinnen, helft ihm zu einer menschenwürdigen Wohnung, nehmt euch in Krankheit seiner wie seiner Familie kräftiger an, gewährt ihm bei der Arbeit sorgsameren Schutz für Leben und Gesundheit, vor allem aber macht ihn frei von dem drückenden Bewußtsein, ein Arbeiter zweiter Klasse und dem Industriearbeiter nicht gleichberechtigt zu sein... Die Leutenot wird schwinden in dem Maße, wie auf feiten der Besitzer das Verständnis zunimmt für die Not der Leute, und zwar nicht bloß die materielle, sondern auch die vielleicht noch schwerer drückende soziale." Das schrieb der Köhler von 1903. Man sieht, so weit eS die Schilderung und Bewertung der Tatsachen betrifft, unterscheidet er sich kaum von den Sozialdemokraten. Man vergleiche z. B., was der soeben erscheinende„Neue Weltkalender" für 1911 über dieselbe Sache sagt: „Und doch gibt es Mittel, der Landflucht Einhalt zu tun. Man bessere die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Landarbeiter, beseitige ihre unwürdige Abhängigkeit, stelle sie mit den Be- sitzern und den Arbeitern in der Stadt unter gleiches gesetzliches Recht. Und vor allem: man behandele sie wie gleichberechtigte Menschen. Dann und nur dann wird es gelingen, diese moderne Völkerwanderung(der Landarbeiter in die Stadt) zu hemmen." Inhaltlich sagt hier die sozialdemokratische Schrift genau das- selbe wie der Sozialistenfeind Köhler. Und nun halte man neben einander die sittliche wie die geistige Höhe, mit der Herr Köhler diese Dinge vor 7 Jahren behandelte, und die hysterische Aufregung, die ihn heute ergreift wegen einer höchst gleichgültigen Kanalgeschichte in der Nähe von Kötzschenbroda, eine Aufregung, die ihn zu sinnlosen albernen Scharfmachereien aufstachelt. Da hat man es greifbar vor sich, wie mit dem Aufstieg der SozialdeMkrgtie Hand in Hmnd geht ein rapider Verfall ihrer Gegner Der Bochctte-Shandal. Paris, 12. Juli.(Eig. Ber.) Ein Vertrauensvotum und ein Untersuchungsausschuß— das sind die Ergebnisse der Kammerverhandlung über den Rochette-Skandal. Briand hätte den Untersuchungsausschuß gern erspart, aber er hatte angesichts der Stimmung der Kammer nicht den Mut, daraus eine Vertrauensfrage zu machen. Eigentlich hat er schlimmeres nur dadurch beschworen, daß er den Progressisten und Links- republikanern durch giftige Ausfälle gegen die Sozialisten genug tat und über die Bürgertugenden des Polizeipräfekten Lupine, des Schutzpatrons der Gesellschaftsretterei, einen tönenden Hymnus losließ. Seine Antwort auf die Jnter- pellation I a u r d s war auffallend schwach. Sie beschränkte sich fast nur auf pathetische Beteuerungen der eigenen Makel- losigkeit und auf die Behauptung, daß den Anklägern alle Beweise fehlten. Immerhin vertrat Briand das Recht der Polizei, gegen einen Verdächtigen wie Rochette im Interesse des gefährdeten Publikums selbst einen Kläger zu suchen. Das Prinzip mag höchst anfechtbar sein, schon weil seine An- Wendung alle Mißbräuche möglich macht, den Schein einer Rechtfertigung aber gewinnt es nur aus dem plutokratischen Charakter der französischen Justiz, der so weit geht, daß— angeblich wegen der Ueberbürdung der Gerichte— Betrugs- anzeigen gewöhnlich nur dann Folge gegeben wird, wenn der Anzeiger eine Kaution stellt, so daß gerade die zugrunde- gerichteten Opfer eines Betrügers wehrlos sind. Indes handelte es sich nicht um dieses angebliche Recht, Anzeigen zu provozieren, sondern darum, daß eine Anzeige mittels Fälschungen, nämlich auf Grund der fiktiven Uebertragung von Aktien Gaudrions an Pichereau angefertigt worden ist. Briand behauptet, das Lspines Kapinettschef Durand, indem er Gaudrion aufsuchte, unklug, aber im übrigen nicht un- korrekt gehandelt habe. Gaudrion. der ausgesagt hat, daß Durand an der Präparierung der Klage selbst tätigen Anteil genommen habe, mag in der Tat kein unbedingt glaub- würdiger Zeuge sein, aber immerhin ist es höchst eigentümlich, daß die ob ihres vervollkommneten Schnüffelsystems be- rühmte französische Polizei keine Ahnung davon gehabt haben soll, von welchem Kaliber ein Geschäftsmann wie Gaudrion. der bald darauf wegen Betruges zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden ist, und ein„Privatier", wie der in einen vermöglichen Aktienbesitzer verwandelte Pichereau waren. Aber um das wichtigste hat sich Briand einfach heumgedrückt, nämlich darum, daß der unkluge„Durand" mit dem Senator Prevet, dem notorischen Gegner desFinanziersRochette, zusammenoperiert hat. Als Briand seinerzeit in der Kammer wegen der der- meintlich verspäteten Verhaftung Rochettes interpelliert wurde, erklärte er wörtlich:„Denunziationen sind oft ver- dächtig. Sie können von Konkurrenten oder zurückgesetzten Beamten herrühren." Und nun stellt sich heraus, daß der Kabinettschef des Polizeipräfekten, um die vom Präfekten gewünschte Klage zu erlangen, just den Haupt» konkurrentenRochettes, Prevet, zum Führer gewählt hat! Davon hat Briand kein Sterbenswörtchen gesagt, und im Gemeinderat hat L6pine gestern erzählt, Durand habe Gaudrion und Pichereau„entdeckt". Nach Briands Darstellung aber hätten Clenienceau und er selbst erst vom Staatsanwalt erfahren, daß eine Klage gegen Rochette eingebracht fei, so daß Herr L6pine als der sM- fttodige Leiter der DuraMchw SzpMka erscheint. Herr Durand ist freilich als Sündendo'ck trt die Wüste gejagt worden. Er hat eben„unklug" gehandelt: er war zu naiv. Wie überhaupt die Polizei sich als Stätte einer un- geahnten Harmlosigkeit herausstellt. Denn wie der auf „Entdeckung" ausgeschickte Herr Durand nicht entdeckt hat, was für Kumpane die Herren Pichereau und Gaudrion waren, so hat Herr L6pine selbst bis zuletzt die, wie er sagt, bedauerliche Tatsache nicht entdeckt, daß Herr Durand im Nebenberuf Kommanditär eines Bankgeschäftes ist, was doch sogar im offiziellen Anzeigenblatt zu lesen war. Was wird die Untersuchungskommission herausbringen? Wenn man nach dem Aerger, den Blätter wie„Temps" und „Journal des T6bats" über ihre Ernennung kundgeben, schließen wollte, wären unangenehme Enthüllungen nicht aus- geschlossen. Man wird indes nicht zu viel erwarten dürfen. Vorläufig hört man nur beteuern, daß alle Persönlichkeiten, die in dieser Affäre genannt wurden, tadellose Ehrenmänner sind. Und in der Tat muß man nicht gleich annehmen, daß dies Netz der kapitalistisch-politischen Intrigen diesmal zu grob gesponnen war, um dem Strafrichter aus der Hand zu gleiten. So mag es gelingen, den Brunnen zuzudecken, dessen Düfte das Volk allerdings schon deutlicher verspürt hat, als den Beschützern und Beschützten des kapitalistischen Staates lieb sein mag. Die Untersuchungskommission. Paris, 12. Juli. Die von der Deputiertenkammer eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Angelegenheit Rochette hat sich konstituiert und mit 29 gegen 3 Stimmen I a u r e s zum Vor- sitzenden gewählt. Die parlamentarische Session ist beute ge» schlössen worden._ poUtifcbe OcberHcbt. Berlin, den 13. Juli 1010. Zentrumstaktik. Das Zentrum betreibt jetzt Wahlpolitik. Und da kann es vor allem eines nicht brauchen: das Eingeständnis, daß selbst die neuen enormen Steuerlasten, die es im Bunde mit den Kon- servativen dem Volke aufgebürdet hat, für die Anforderungen Molochs nicht ausreichen. Und deshalb wünscht die Zentrumspresse mit allzu großen Anforderungen für Mili- tarismus und Marinismus vor den Wahlen verschont zu werden. Nach den Wahlen wird sich schon alles finden. In diesem Sinne sind auch die Ausführungen gehalten, die der Führer des Zentrums Freiherr v. Hertling in der bayerischen Kammer der Reichsrüte kürzlich gemacht hat. Er erklärte, die Reichsfinanzreform habe durchaus nicht Fiasko gemacht, dielmehr seien die Neichsfinanzen in fort- schreitender Gesundung begriffen. Das schließe aber nicht aus, daß der Etat für 1911 nur schwer zu bilanzieren sei. Deshalb müsse man sich unter allen Umständen ent- schieden dagegen wehren, daß an den Reichstag neue große Forderungen gelangen, besonders Militär- und Marineforderungen. Der Anleihewea dürfe nicht beschritten werden, die Matrikularbeiträge seien begrenzt. Neue Steuern aber dürsten dem schwer belasteten deutschen Volke unter keinen Umständen auf- erlegt werden. Es müsse daher im Bundesrat alles aufgeboten werden, damit wenigstens für den nächsten Reichshaushaltsetat solche Forderungen nicht kommen. Der F i n a n z m i n i st e r erwiderte, die Regierung werde im Bundesrat alles tun, um die Sparsamkeits- bestrebungen zu unterstützen. Ob die Regierung auf diese Mahnungen eingehen wird. ist allerdings sehr fraglich. An sich hätte sie sicher nichts da- gegen, ihre Mehrfordcrungen zu verschieben, in der Gewiß- heit das, was sie jetzt nicht erlangen könne, dann von den bürgerlichen Parteien und vor allem vom Zentrum mit Zins und Zinseszinsen bewilligt zu erhalten, worauf dann eine neue Steuervermehrung als„unabweisliche. nationale Notwendigkeit" sich einstellen würde. Aber die Nationalliberalen und ein Teil der Kon- servativen schicken sich bereits an, jede Sparsamkeit in milstärischen Dingen als nationalen Verrat zu bezeichnen. Und so wird Wohl das Resultat sein: Mehrforderungen für Moloch vor und nach den Wahlen. Von einer Bilanzierung des Etats aber wird weder vor noch nach den Wahlen bei solcher Wirtschaft die Rede sein. Das Zentrum gegen Sozialpolitik. Wir haben wiederholt darpuf hingewiesen, daß der Bund mit den Konservativen das Zentrum nicht nur zum Verrat an den Forderungen des allgemeinen gleichen Wahlrechts in Preußen, sondern ebenso zu einem Verrat an seinen sozialpolitischen Forderungen zwingt. Der Bund mit den Junkern hat ja den Verrat an den Ar- beitern zur unumgänglichen Voraussetzung. Wir haben ebenso bereits darauf hingewiesen, daß sich das Zentrum in der Frage der Reichsversicherung bereits anschickt, das Gesetz mit den schlimm st en Feinden jeder Sozialpoliik, mit den Konservativen und den Nationallibe- ralen gegen Sozialdemokratie und Fortschrittler zu machen. Dies wird jetzt neuerlich bestätigt durch einen Artikel der klerikalen„Märk. Volksztg.". Das Blatt fragt, welche Mehr- heit das Gesetz machen soll und antwortet darauf: .Der Kern der Mehrheit wird das Zentrum sein müssen, und der Bundesgenosse? Nach links kann das Zentrum sich nicht angliedern. Der Freisinn hat bereits erklärt. dah er das Gesetz nicht wolle, und er verhält sich danach. Die Sozialdemokratie kann man nie als sicher bei der Be- rechnung einstellen. Zudem bringt sie solche Anträge ein, auf die man gar nicht eingehen kann. Der ganze Mittelstand würde darunter leiden. Die Nationalliberalen halten im allgemeinen eine vernünftige Mittellinie ein; aber sie genügen nicht für eine Mehrheitsbildung. Es mutz diese rechts gesucht werden. Die Konservativen sind auch entschlossen, das Gesetz zustande zu bringen, und so ist die Hoff- nung begründet, datz sich am Ende eine Mehrheit finden wird. Alle positiv arbeitenden Parteien haben ein Interesse daran, diese Materie vor den Wablen zu erledigen. Und wir find daher der Ansichts, datz das Gesetz durch ein umfassendes Kompromiß unter den Parteien mit der Regierung zustande kommen wird." Also der schwarz-blaue Block unter Zuhilfenahme deS rechten Flügels der Nationalliberalen soll die Vorlage unter Dach und Fach bringen I Die Sozialdemokratie wird ausgeschaltet, da sie„solche Anträge stellt, auf die man nicht eingehen kann". Dabei haben unsere Vertreter nur Forderungen gestellt, die im Interesse der Arbeiter unum- gän glich sind. Aber für das den Junkern ergebene Zentrum sind eben A r b e i t e r forderungen unerfüllbar, die Wünsche nationalliberaler und agrarischer Scharfmacher seiner sozialpolitischen Weisheit letzter Schluß geworden! In Wohlgefallen avfgekSst hat sich nach den neuesten Darstellungen der deutsch-amerikanische „Zwischenfall" wegen der kaiserlichen Antwortnote an den Präsi- denten Madriz. Wiie aus Washington gemeldet wird, hat das Staatsdepartement die Mitteilung des deutschen Kaisers von Ansang an füv einen reinen Formalitätsakt gehalten, weshalb es keine Basis dafür gegeben sieht, irgend welche Aufklärung zu ver-- langen. In den maßgebenden amerikanischen Kreisen hat also die kühle Vernunft die Oberhand behalten, was auch bei dem größten Teil der amerikanischen Presse der Fall zu sein scheint. Auch die englische Presse legt zum größten Teil der Affäre weiter kein Gewicht bei, so daß die Aktion einiger Jngoblätter völlig verpufft ist.— Wenn auf der anderen Seite in deutschen Blättern daraus hin- gewiesen wird, datz die deutsche Antwortnote um so verzeihlicher sei, als ja auch andere europäische Staaten, wie Oe st erreich, Bel. gien, die Schweiz usw. gleichfalls offizielle Glückwunschnoten an Madriz geschickt hätten, so vergessen sie, daß es keineswegs das gleiche ist, ob ein derartiger weltpolitisch gar nicht in Frage kommender Staat, wie die Schweiz oder Oesterreich, etwas tut, was als Unfreundlichkeit oder auch nur als Mangel wünschenswerter Rücksichtnahme von den Bereinigten Staaten aufgefaßt werden kann, oder eine Macht wie Deutschland, dessen Zukunft ja aus dem Wasser liegen soll! Gut, daß diesmal der Mangel an diplomatischer Geschicklichkeit. den unser Auswärtiges Amt bewiesen hat, keinerlei Folgen haben wird. Das sollte aber die Regierung für die Zukunft von der Pflicht der größten Vorsicht nicht entbinden! Das prinzliche Wtld. Den Potsdamer Bezirksausschuß beschäftigten am Dienstag drei Klagen, in denen Wildschadenersatzansprüche verfochten wurden. Uebereinstimmend wurde in den drei Klage- antrügen die Tatsache festgestellt, daß alljährlich in dem Revier des Prinzen Friedrich Leopold bei Zehlendorf ein erheblicher Wildschaden angerichtet wird, da der reiche Wlldbeftand im Westen Berlins nicht zum Abschuß kommt und das Rehwild hauptsächlich schon so zahm geworden ist, daß es sich kaum von den Grundstücken verscheuchen läßt. Aber auch die Hirsche und allen voran die Schaufler richten ganz gewaltigen Schaden an. von dem die Klage des Landwirtes Siggel gegen die Zehlendorfer Jagdgenossenschaft ein Bild gibt. Siggel hat ein zwischen dem Königsweg und der Potsdamer Thaussee gelegenes und an das Rittergut angrenzendes Areal gepachtet und darauf Kartoffeln angebaut. Ungefähr 29 Zentner Kartoffeln wurden durch oie Hirsche vernichtet. ES kam zur Klage, weil die Jagdgenossenschaft nur einen Schaden von LS Mar! anerkennen wollte, während der Kläger seinen Schaden auf S19 Mark beziffert. Der größte Teil deS sieben Morgen großen Kartoffelfeldes war v e r w ü st e t. Aehnlich hauste das Rehwild auf dem benachbqzMn Grundstück der Frau Garteninspektor HermeS aus Zehlendorf. In der der Klägerin gehörigen Baumschule wurde durch Wildverbiß ein Schaden angerichtet, der auf 1999 Mark beziffert wurde. Die Klägerin begnügte sich aber mit-einer Entschädigung von 189 Mark. Ueber ihre Baumschule ging regelrechter Wild» Wechsel und es wurde beobachtet, wie Rehe über mannshohe Um- zäunungen sprangen und unbekümmert um die Anwesenheit von Personen— es war die Wildschadenabschätzungskom» Mission an Ort und Stelle— ihre Aesung suchten, ßwei» mal wurde bereits die Jagdgenossenschaft verurteilt. In diesem Jahre allein ist bereits ein Wildschaden tum mehr als 1S99 Mark auf dem Grundstück der Frau Herme» anerkannt. Diese Tatsachen bieten kein erfreuliches Bild von dem Wildreichtum im Mesten der Metropole, der allmählich zu einer Gefahr für die Landwirtschaft wird, da die Geschädigten die größten Schwierigkeiten zu überwältigen haben, um annähernd durch den Wildschadenersatz befriedigt zu werden. DaS Arbeitskammergesetz. Um ein Scheitern des Arbeits kammergvsetzenWurfeS pr Ver« hindern, soll die R e g i e r u n g nicht abgeneigt sein, Vermitte» lungsvor schlage anzunehmen. Die Kommission hatte be- kanntlich beschlossen, daß auch die Arbeiter der Fabriken und Werkstätten der E i f e n b a h n e n den Arbeitskammern unter- stellt werden sollen. Hiergegen sträubt sich die Regierung ganz energisch. Einen weiteren Streitpunkt bildete die Wählbar- keit der Arbeitersekretäre, die ebenfalls von der Re- gierung bisher abgelehnt wurde. Jetzt soll ein Ausgleich dadurch geschaffen werden, daß die Regierung in dem letzteren Punkte nachgibt. An maßgebender Stelle soll man sich dahin geäußert haben, daß zwar bei den ersten Wahlen zu den Arbeitskammern die Arbeitersekretäre nach wie vor ausgeschlossen werden sollen, daß ihre Wahl jedoch bei allen weiteren Wahlen zulässig sein soll. sofern Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeder Kammer damit einverstanden sind. Wir meinen, daß da von einem Kompromiß überhaupt nicht gesprochen werden könnte, sondern nur von einem Versagen und einem Rückzug der ReichStagSkommission. Di« Unterstellung der Eisenbahnen unter daS Gesetz ist eine ebenso wichtige als unerläßliche und selbstverständliche Bestimmung; da- gegen verliert daS Zugeständnis der Wahl von Arbeitersekretären durch die daran geknüpfte Bedingung jede praktische Bedeutung. Das Arbeitskammergesetz bietet den Arbeitern ohnehin so wenig, daß zu irgendwelchen Verschlechterungen, wie sie die Regierung will, selbst für die bürgerlichen Parteien wirklich kein Raum sein sollte.___ Kosakenbluttat. Aus Beuthen wird vom 13. Juli gemeldet: Ein vier- zehnjähriger deutscher Knabe wurde heute von Kosaken an der russischen Grenze aus unbekannten Gründen erschossen. Es wurde ein Lokaltermin abgehalten, an dem der preußische Landrat, der russische Gouverneur, sowie der preußische und der russische Staatsanwalt teilnahmen. Dabei wurde f e st g e st e l l t. daß der deutsche Knabe von den Kosaken auf preußischem Gebiete erschossen worden war. Der Fall Langhammvr. Die Spaltung der Nationalliberalen in Sachsen ist nunmehr unvermeidlich geworden. Am Dienstag tagte in Chemnitz der nationalliberale Verein, der vor kurzem dem Land» taasabgeordnetcn Langhammer ein Vertrauensvotum aus- gestellt hatte. In Konsequenz dieses Beschlusses wählte man jetzt einen Lanahammer freundlichen Vorstand. Daraufhin konstituierte sich die Minorität als Sondergruppe des nationallideralcn Landesvereins. Ob diese Neugründung vom Hauptverein in Sachsen aber bestätigt werden wird, bleibt immerhin noch abzuwarten; nach den Satzungen des Vereins ist es jedenfalls unzulässig. Katholische Sozialpolitik. Ein interessanter Vorgang spielte fich am 12. Juli in der bayert- schen Reichsratskammer ab. Zur Diskussion stand der Eisen» bahn« Etat und daS OrgamsationS- und Streikrecht der Eisen- bahner. Der Verkehrsminister führte au«, daß es keinen Zweck habe, den der sozialdemokratischen Partei nahestehenden Eisenbahner» verband zu unterdrücken. Er erinnere daran, daß eine so große Be» wegung, Ivie eS die sozialdemokratische sei, nicht mit Polizeimaß- regeln bekämpft werden könne. Für die Richtigkeit dieser Anschauung spreche auch die Geschichte des Christentums. Gegen diesen Vergleich zwischen Sozialdemokratie und Christen- tum protestierte der Bischof Henle von Regensburg. Er betonte dann weiter: DaS Christentum habe sich Jahr- hunderie lang nicht um die soziale Frage oe- kümmert und sei immer auf dem Standpunkt ge- standen, daß jeder mit seiner sozialenLagesich abfinden müsse.„Wer Knecht ist, muß Knecht dleibcu," bis sein Herr ihn aus freien Stücken erhebt. Ersatzwahl in Schwarzvurg-Rudolstadt. Durch den von uns bereits gemeldeten Tod des Genossen August Böttcher wird im Wahlkreis Frankenhausen- Stadt, den der Verstorbene seit 1902 im Landtag vertrat, eine Ersatz- wähl notwendig. Der Wahlkreis ist sicherer Besitzstand unserer Partei, er wurde im Jahre 1903 mit 583 sozialdemokratischen gegen L74 bürgerliche Stimmen behauptet. Ein schäbiges Dennnziantenstnckchen. Professor Hoffmann, der Vorsitzende der Erfurter Fort- schrittlichen Volkspartei, ist unlängst der Gegenstand einer Denun- ziation der bündlerisch-antisemitischen thüringischen Landeszeitung geworden. Eine Unterhaltung, die Hoffmann im Wartesaal des Exlebener Bahnhofes mit einigen Parteifreunden gepflogen hatte, zog ihm in dem genannten Blatte folgenden Angriff zu: „Es zeigte sich, daß die Freisinnigen tatsächlich die Vorfrucht der vaterlandslosen, antimonarchischen Sozialdemokratie sind. Wir behaupten das nicht etwa nur, sondern es wurde uns be- wiesen durch ein ergötzliches Bild, das sich uns zum Schlüsse bot: Herr Profefior Hoffmann, der Freisinnsheld, in der Mitte sitzend, um ihn herum ein Kreis der waschechtesten Sozialdemokraten, mit diesen durch i n n i g st e Unterhaltung beim Glase Bier eng verbrüdert. So hatten auch hier sich wieder, wie in der Reichstagswahl Fried- berg-Büdingen und Usedom-Wollin, die gefunden, die zusammen l gehören. Jeder andere rückt weit ab von den Freisinnigen." Daß es sich wirklich um eine schäbige Denunziation dabei handelte, ergibt sich daraus, daß diese Notiz der vorgesetzten Behörde des Professors Hoffmann zugeschickt worden ist. Und vielleicht wäre dem freisinnigen Herrn der ihm angedichtete Verkehr mit den s s s Sozialdemokraten noch sehr unangenehm bekommen, wenn er die thüringische Landeszeitung nicht zu der Berichtigung hätte nötigen können, daß die sämtlichen Exlebener Herren, mit denen er beim Bier zusammen gesessen, ausnahmslos eingeschriebene Mitglieder der Fortschrittlichen Volkspartei gelvesen seien. Nationalliberales. Die„Nationalliberale Korrespondenz" bezeichnet die Nachricht, daß zwischen dem Bund der Landwirte und den Ratio- nalliberalen in Schleswig-Holstein ein Bündnis für die nächsten Reichstagswahlen zustande gekommen sei, als unzu- treffend.— Aber was nicht ist. kann werden. Das Verfahren gegen„Unbekannt" wegen der vorzeitigen Ver- öffentlichung des Entwurfs über die Schlffahrtsabgaben in der „Kölnischen Zeitung" ist als ergebnislos wieder eingestellt worden. Von einem Zeugniszwangsverfahren hat man abgesehen» Spanien. Keine Amnestie. Madrid, 12. Juli. Deputi ext e�r kämme r. In der Vcratunng über den Antrag auf Amnestie für die im Zu- sannnenhang mit den Vorgängen in Barcelona Verurteil- ten erklärte Ministerpräsident Canalejas, daß er sich einer derartigen Maßnahme widersetzen müsse. Man fordere in revolutionärem Tone eine Amnestie, indem man drohe, die Re- gierung stürzen zu wollen, und man konspiriere im Innern Spaniens unablässig gegen den Staat. Die Verschwörung fei von Elementen organisiert, die auch in der Kammer vertreten seien. Der Sozialist JglesiaS erklärte, die Svzia- listen könnten sich allerdings nicht verpflichten, innerhalb der Grenzen der Gesetze zu leben. Englanci. Das Frauenstimmrecht. London, 12 Juli. Unterhaus. Die Entscheidung der Frage des F r a u e n st i m m r e ch t s ist dadurch erschwert, daß abgesehen von der Gewährung eines Wahlrechts für die Frauen überhaupt von manchen Seiten scharf Stellung genommen wurde gegen die in dem Gesetz vorgeschlagenen einzelnen Bestimmungen des Wahlrechts. Churchill zum Beispiel erklärte, obwohl er dem Frauenstimmrecht nicht absolut feindlich gegenüberstehe, den Gesetzentwurf in manchen Beziehungen in seiner Wirkung nicht nur für un demokratisch, sondern sogar für antidemo- kratisch. Ebenso besprach Asquith den Gesetzentwurf und führte aus, daß er auf die sozialen und politischen Bedürfnisse des Landes Rücksicht zu nehmen habe. Er halte es für besser, die Scheidewand zwischen den Geschlechtern aufrech tzuer. halten, die bisher wie in England so auch in den Parlaments- rischen Systemen der übrigen großen Kulturvölker bestanden habe. Bezüglich der Warnungen Maclarcns sprach Asquith die drin- gende Bitte aus, eine solche Sprache im Hause zu vermeiden; da- durch würde keine einzige Stimme für die Sack?« gewonnen werden. B a l f o u r befürwortete den Gesetzentwurf, ebenso R u n c i m a n. Lloyd George erklärte, den Gesetzentwurf nicht unter- st ü tz e n zu können, obwohl er ein ausgesprochener Anhänger des Frauenstimmrechts sei. Chamberlain bekämpfte den Gesetz- cntwurf von allgemeinen Gesichtspunkten aus Die zweite Lesung der Vorlage über da? Frauenstimm- recht wurde sodann mit 299 gegen 199 Stimmen angenommen, dagegen wurde schließlich ein Antrag, die Vorlage einer Kommission zur Beratung zu überweisen, mit 329 gegen 175 Stimmen abge- lehnt. Dieser letzte Beschluß bedeutet, daß die Vorlage in dieser Session eine weitere Förderung nhcht finden wird._ Das Arbeitsprogramm. London, 13. Juli. Unterhaus. Asquith setzte das Pro- gramm für diesen Abschnitt der Session auseinander. Zu den Huaptvorlagen, welche das Unterhaus noch vor der Vertagung zu erledigen haben werde, gehörten verschiedene noch nicht erledigte Etats, darunter der Etat für die Schiffsbauten, welcher morgen zur Diskussion gelangen werde; ferner der Gesetzentwurf für die Abänderung der Erklärung bei der Thron» besteigung und der Vorschlag für die Z i v i l l i st e.— Aus den Erklärungen des Premierministers geht hervor, daß nur die e r st e L e s u n g der Finanzbill vor der Vertagung erfolgen wird, welche in der ersten Woche des August stattfinden soll, Rußland. Der Vertrag mit Japan. Petersburg, 13. Juli. Die offiziöse„R o s s i j a" erklärt zu dem russisch-japanischen Vertrag, daß daö Prinzip der offenen Tür in der Mandschurei bereits durch den Vertrag vom Jahre 1997 festgelegt worden fei. Daher könnten an der wirtschaftlichen Erschließung der Mandschurei mble teilnehmen, die im fernen Osten Handelsinteressen hätten. Für Rußland schwinde die Beunruhigung wegen möglicher Verwickelungen in jener Gegend. Tie Erklärung, der stakus quo solle erhalten tverden, müsse den Verdacht China» beseitigen, daß Rußland von der Nord- Mandschurei und Japan von der Südmanschurei Besitz ergreifen wollten, wenn auch beide Staaten nicht daran dächten, ihre dort erworbenen Rechte aufzugeben, JVIcxifco. Präsidentenwahl. Mexiko, 12. Juli. Die gestrigen Wahlmännerwahlen verliefen in der ganzen Republik in größter Ruhe. Sie ergaben, wie erwartet, mit großer Mehrheit die Wiederwahl Porfirio D i a z zum Präsidenten und Ramon C o r r a l S zum Vizepräsi- denten für die kommende sechsjährige Periode. tili! äer Kelchmikheningsontouiigs- kornmiiiion. Sitzung am Mittwoch, 13. F u l i. Knnppschaftliche Krankenlasseu. Nach der Vorlage müssen die lnappschaftlichen Krankenkassen ihren Mitgliedern durch die Satzung mindestens die Regelleistimgen der Ortslrankenkasse zubilligen. Das Krankengeld können sie mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde in anderen Abschnitten als wöchentlich zahlen. Der zweite Satz wird auf Antrag des Abg. Behrens dahin geändert, daß die.längeren Zeitabschnitte" nicht länger als einen halben Monat sein dürfen und zu solchen Ver- längcrungen die Genehmigung der Anfsickitsbehörde notwendig sei. In einem früheren Paragraphen ist die Bestimmung— gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten— angenommen worden, daß der Arbeiter auf seinen Antrag von der Versicherungspflicht befreit wird, der auf die Dauer nur zu einem geringen Teil arbeitsfähig ist, solange der vorläufig unterstützungspflichtige Arinenverbaiid ein- verstanden ist. Jetzt zeigte sich, daß dies eine sehr gefährliche A u s n a h m e b e st i m in u n g ist. Die Mehrheil der Kommission ging bei der Annahme von der Voraussetzung aus, daß sich die Aus« nähme nur auf fast ganz arbeitslose Arbeiter bezieht. Demgemäß hatte Abg. Behrens, um eine mißbräuchliche Anwendung dieser Bestimmung möglichst zu verhindern, beamragt, daß für den Bereich einer knnppschafllicken Krankenkasse ein Antrag auf Befreiung von der Versicherungspflicht nach jener Bestimmung der Zustimmung der Mehrheit sowohl der Arbeitgebervertreter als auch der Arbeiter- Vertreter im Vorstande bedarf. Gegen diesen Antrag erklärten sich die Vertreter der preußischen Bergwerksbehörde. Dabei zeichnete sich der Geheime Ober- bergrat St ein brück durch besondere Schneidigkeit aus— mit dem Erfolg, daß seine.Beweise" entscheidend für die Annahme des von ihm bekämpften Antrage» wurden. Der Herr hielt es denn auch in der weiteren Verhandlung für zweckmäßig, die Schneidigkeit hübsch aus dem Spiele zu lassen.— Die Vertreter der preußischen Bergverwaltung stellten es als selbstverständlich hin, daß die Berginvaliden in der Regel nach jener Bestimmung von der Versicherungspflicht befreit werden müssen. Dagegen erhob sich all- gemeiner Widerspruch, weil die Berginvaliden in der Regel noch ungefähr zur Hälfte arbeitsfähig sind und, wenn auch nicht zu Arbeiten im Bergwerke, so doch zu den meisten anderen Arbeiten verwendet werden. Der Antrag Behrens wurde dann auch angenommen. Für die Krankenversicherung gilt im allgemeinen der Grundsatz, daß die Mitglieder, während sie Kranken-, Wochen« oder Schwangeren- geld beziehen, keine Beiträge zu zahlen haben. Da dieser Grund- >atz in einem Teile der knappschaftlichen Krankenkassen nicht durch- geführt wird, so beantragten sowohl die Sozialdemokraten als auch Abg. Behrens, daß der Paragraph, der jenen Grundsatz erhält, auch für die knappschaftlichen Krankenkassen gelten soll. Der Antrag wurde gegen den Widerspruch der Vertreter der preußischen Bergiverksverwaltung ange- n o m ni e n. Ein weiterer Antrag der Sozialdemokraten und ein gleichlautender des Abg. Behren« forderte, daß die neuen Be« stimmungen für die Weiterversicherung de? arbeitslos gewordenen Arbeiters, die viel günstiger sind als die gegenwärtig für die Berg- arbeiter geltende Bestimmung, auf die knappschaftlichen Krankenkassen ausgedehnt werden. Dieser Antrag wurde wiederum von den Ver- tretern der preußischen Bergverwaltung bekämpft, von der Kommission aber angenommen. Endlich hatten die Sozialdemokraten beantragt, daß auch die Wahlen für die knappschaftlichen Krankenkassen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl stattfinden und geheim sein sollen. Dieser Antrag wurde zwar nicht augenommen, jedoch beschloß die Kommission selbstverständlich wieder, nachdem die Vertreter der preußischen Bcrgverwalrung sich gegen jede Verbesserung ausgesprochen hatten, gemäß einem Antrage des Abg. Behrens, daß die Ver- hältniswahl zulässig sein soll und die Vertreter zur General- Versammlung sKnappschaftSälteste). zum Vorstand der knappschaft- lichen Krankenkassen, zu den KuaPpschaftSvercinen und KnappschaftS- lassen in geheimer Wahl gewählt werden müssen. Wieweit die Bestimmungen über das Verhältnis zu Aerzten, Zahnärzten, Krankenhäusern und Apotheken für knappschaftliche Krankenkassen gelten, sollte nach der Borlage die Landesregierung bestimmen. Die Kommission beschloß, daß die Bestimmung unter allen Umständen auch für die knappschaftlichen Krankenkassen maß- gebend sein sollen. Abgelehnt wurde dagegen der Antrag, daß eine knappschaftliche Krankenkasse in den Bezirken mit einer größeren Zahl von Berg- leuten nur dann errichtet werden darf, wenn sie dauernd mindestens 1999 Mitglieder zählt. Hier war entscheidend, daß ein größerer Teil des Zentrums mit den Konservativen und National- liberalen gegeü den Antrag stimmten. Ersatzkasscn. Die freien Hilfskassen sollen nach der Vorlage als Ersatzkassen nur dann zugelassen werden, wenn sie bereits vor dem 1. April 1999 als solche anerkannt waren, min- bestens 1990 Mitglieder haben und im übrigen den in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Genosse Hoch wies daranf hin, daß eine planmäßige Ver- einigung der Kräfte in einem ganzen Bezirke durch die vielen Be- trieoö- und Junungskrankenkasjen verhindert sei. Daher liege kein Grund vor. gerade die freien Hilfskassen zu beseitigen. Deshalb fgrderten die Sozialdemokraten die Beseitigung der Be- stimmungen, die den freien Hilfskassen eine fernere günstige Eni- Wickelung erschweren. Schließlich wurde die Minimalzahl der Mitglieder, wie sie die Vorlage vorschlägt s1999). gegen die Stimmen der Sozial- d e m o k r a t e n und Fortschrittler angenommen; dagegen das Verbot, in Zukunft neue Kassen als Ersatzkassen zuzulassen, ge- st r i ch e n. Hinzugefügt wurde dann noch, daß die oberste Ver- waltungsbehörde auf den Autrag einer freien Hilfslasse die Mindest- zahl der Mitglieder auf 259 herabsetzen kann. Der Beitritt Versicherungspflichtiger darf nach der Vorlage von der Beteiligung an andere Gesellschaften oder Bereinigungen nur abhängig gemacht werden, wenn die Satzung eine solche Beteiligung für alle Mitglieder schon bei Er- richlung eines Vereins vorgesehen hat. Genosse Molkenbuhr sprach sich überhaupt gegen die Ver- koppelung der Krankenversicherung mit anderen Bestrebungen aus, indem er ganz besonders auf ungünstige Erfahrungen der HandlnngS» gehilfen hinwies. Die Sozialdemokraten forderten daher das unbedingte Verbot einer derartigen Verkoppeluna. Die Be- stimmung der Lorlage wurde jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Fortschriltler angenommen. Die Vorlage verbietet eS den Ersatzkassen, solchen VersicherungS- Pflichtigen die Anfiiahme in die Kasse zu verweigern, die dem zum Beitritte berechtigten PersonenkreiS angehören. Insbesondere darf der Beitritt nicht von dem Lebensalter, Geschlecht oder G e- sundheitszustand abhängig gemacht werden. Jedoch kann die Kasse Personen, die sich zum Beitritt meldeten, ärztlich untersuche» lassen und einem Erkrankten für diesen Krankheitsfall die Kassen- leistungen versagen. Der letzte Satz genügt, wie die Genossen Hoch und S ch m r o> nachwiesen, nicht, um die Kasse vor einer ganz ungerechtfertigten Belastung zu schützen. Daher beantragten die Sozialdemo- k r a t e n in erster Linie Streichung; geschähe dies nicht, daß dann wenigstens der letzte Satz gestrichen und der Kasse die Be« fugnis gegeben wird, die Personen, die sich zum Beitritt melden, ärztlich untersuchen zu lassen und binnen einem Vi onat den Beitritt Erkrankter mit Wirkung von der Meldung an zurückzuweisen. Der letzte Antrag wurde angenommen. Ferner wurde auf Antrag de? Abg. M u g d a n das Verbot gestrichen,, den Beitritt vom Geschlecht des Versicherungspflichtigen abhängig zu machen. Die Ersatzkasse darf ihren Mitgliedern und den Angehörigen derselben ohne Beschränkung der Dauer und Höhe alle Leistungen gewähren, die bei den Krankenkassen zulässig ist. Die Beihilfe an Hinterbliebene ver st orben erMitglieder sollte jedoch den zehnfachen Betrag der Woche nlei st ung nicht übersteigen, auf die der Verstorbene An« s p r u ch hatte. Den letzten Satz beantragten die Sozialdemokraten zu streichen, da kein Grund vorliege, den Mitgliedern der Kasse zu ver- bieten, sich auf ihre Kosten ein höheres Sterbegeld zu sichern. Der Antrag wurde angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag. Beschlossen wurde, daß am Freitag der Versuch gemacht Werpe» soll, die Lücke auszufüllen, die durch die Ablehnung der Bestimmung über die Zulassung von Betriebskrankenlassen entstanden ist. ito! der luitizlioinmitflOD. (Sitzung vom 13. Juli.) Am Mittwoch wurde der§ 364, der bestimmt, daß als jugend- liche Personen im Sinne dieser Bestimmungen Personen unter achtzehn Jahren verstanden werden, unverändert angenommen. Z 368 will den im erstinstanzlichen Verfahren vor dem Land, gericht angeklagten Jugendlichen einen Verteidiger stellen. Unsere Genossen beantragen, daß dem Jugendlichen für jedes Ver- fahren ein Verteidiger gestellt wird. Ein Antrag Gröber ver- langte, daß der Verteidiger dem Jugendlichen für das Verfahren vor dem Landgericht und vor dem Amtsgericht zu stellen ist, wenn es sich bei dem letzteren Verfahren um Vergehen schwererer Art (§ 23, 2,' Absatz 4, des Gcrichtsverfassungsgesetzes) handelt. In der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag ab- gelehnt, dagegen die Bestimmung angenommen, daß der Verteidiger für jedes Verfahren vor dem Landgericht zu bestellen ist, ebenso wurde der Rest des Antrages Gröber angenommen. Auf einen Antrag Arendt, der besagt, daß im Ermitkelungs, verfahren gegen Jugendliche das Gericht sich der Hilfe der Für- sorger bedienen soll, erklärte ein Regierungsvertreter, daß auch ohne gesetzliche Festlegung dieser Forderung so verfahren werden wird. Der Antrag wurde daraufhin zurückgezogen. Nach dem 8 369 soll dem jugendlichen Angeklagten, der un, verteidigt ist, ein Beistand gestellt werden. Ein Antrag unserer Gen o i se n und des Abg. Gröber forderte, daß die„Soll". in eine ,.Muß"bestimmung umgeändert, und daß ferner bestimmt werde, daß, wenn der Beistand der Hauptverhandlung fern bleibt, ein anderer Beistand zu bestellen und die Hauptverhandlung au», zusetzen ist. Der Regierung ging diese Forderung zu weit, und die Kommission lehnte die Anträge ab. Einen wichtigen Antrag stellten unsere Genossen zum§ 371, der die Bestimmungen regelt, die für jugendliche Verhaftungen gelten sollen. Da forderte der sozialdemokratische An, trag vor allen Dingen: „Von der Vollziehung der Untersuchungshaft ist die Vor, mundschaftsbehörd'e in Kenntnis zu setzen. Diese hat das Recht, gegen die Verhaftung Rechtsmittel einzulegen. Ihrem Einspruch ist stattzugeben, wenn die Vormundschaftsbehörde der Ansicht ist, daß aus erziehlichen Gründen oder aus Gründen der Sorge für das körperliche, geistige und sittliche Wohl des Jugend, lichen die Hast nicht angebracht ist."> Nach dem 2. Absatz des s 371 soll der gesetzliche Vertreter, der Beistand oder die Vormundschaftsbehörde von der Verhaftung des Jugendlichen alsbald benachrichtigt werden. Unsere Genossen beantragten auch hier die die„M u tz"vorschrift. Der 3. Absatz besagt, daß jugendliche Verhaftete nur vorüber- gehend mit erwachsenen Verhafteten in einem Raum untergebracht werden sollen. Unsere Genossen forderten hier aufs energischste. daß nur in dem Fall der Jugendliche mit dem Erwachsenen zu- sammen vorübergehend in Haft gehalten werden dürfe, wenn der geistige oder körperliche Zustand deS Jugendlichen dies erfordert. — Unsere Anträge zu Absatz 1 und 2 wurden gegen die Stimmen unserer Genossen und eines Polen, der Antrag zum Absatz 3 gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Fortschrittler und Polen a b, gelehnt. Der ß 372 läßt im 2. Absatz zu, daß das Gericht nach eigenem Ermessen die Oeffentlichkeit ausschließen kann. Da» gegen wendeten sich unsere Genossen, die die StreickMg dieser Bestimmung beantragten. Abg. Gröber beantragte, daß die Oeffentlichkeit auch dann ganz oder teilweise ausgeschlossen werden kann, wenn die Oeffentlichkeit«inen nachteiligen Einfluß auf den Jugendlichen besorgen läßt. Doch muß der Ausschließungsgrund öffentlich verkündet werden. Nach einem Antrag Arendt soll der Jugendliche auch aus erziehlichen Gründen unter Zustimmung seines Beistandes zeitweise aus der Hauptverhandlung entfernt werden können.— Ein Antrag Engelcn forderte, daß der Ver- Handlung gegen einen Jugendlichen Angeklagte und Zeugen, die in einem anderen Falle geladen sind, nicht beiwohnen dürfen. In der ausführlichen Debatte über diese Frage neigte die Mehrheit der Kommission zu einer Einschränkung der Oeffentlichkeit. In der Abstimmung wurde der sozialdemokratische Antrag und der Antrag Gröber abgelehnt, die Anträge Arendt und Engelen da, gegen angenommen. Der§ 373 gibt dem Gericht das Recht, nach den Ergebnissen der Hauptverhandlung das Verfahren einzustellen, wenn es zu der Ansicht kommt, daß Erziehungsmaßregeln einer Bestrafung vorzu- ziehen sind. Dann soll die Sache der Vormundschaftsbehörde über- wiesen werden. Ein sozialdemokratischer Antrag forderte, daß bei dieser Entscheidung die sozialen Verhältnisse, in denen der Jugendliche lebt, besonders berücksichtigt werden. Vom Abg. H« i n z e lag ein Antrag vor, nach dem das Gericht in jedem Stadium des Verfahrens aus den oben angeführten Gründen da» Verfahren einstellen und die Sache der Vormundschaftsbehörde über- weisen kann. Doch soll der Staatsanwaltschaft das Recht der so- fortigen Beschwerde zustehen. Gegen die letztere Forderung de» Antrages Heinze wendeten sich unsere Genossen. Die Diskussion über diese Anträge mußte auf Donnerstag vertagt tverden._ 1' Hub der Partei. Strafkonto der Partcipresse. Zu 59 Mark Geldstrafe wurde am Dienstag Genosse L i m be r h- Essen verurteilt, weil er gelegentlich einer März- feierrede einen höheren Polizeibeamten durch die Worte beleidigt haben soll:„Der Beamte, der das heute verbotene Theaterstück gelesen, hat es nicht verstanden, weil er zu d u m m ist. Die beiden überwachenden Polizeibeamten bekundeten, daß sie nach jedes» maliger vorheriger Verständigung die„Kraftstellcn" aus der Rede notiert hätten. In den dem Gericht vorliegenden Orignialnotizcn fand sich aber kein Wort von der inkriminierten Aeußerung, erst bei Abfassung ihres Berichts am anderen Tage ist den Beamten eingefallen, daß der Redner auch diese beleidigende Wendung noch gebraucht hqbe, GewerklekaMickes. Dä» JMannheimcr Xiidurti'icllcn-J�adjwcfa und die getäuschten Behörden. ,. Im vorigen Herbst wurden bekanntlich durch eine von den christlichen Gewerkschaften in K ö l n herausgegebene Broschüre die Maßregelungspraktikcn des„Mannheimer Arbeits- Nachweises der Industrie" enthüllt. Der Staatsanwalt hatte damals ein strafrechtliches Einschreiten wegen der Kennzeichnung von Arbeitspapieren abgelehnt, obgleich ihm die Redaktion unseres dortigen Parteiblattes diverse In- validenkarten mit Merknialen übermittelt hatte. Der Staats- anwalt nahm an, daß die nanientlich auf den Jnvalidenkarten angebrachten Merkmale nicht den Zweck haben, den Inhaber der Karte besonders zu kennzeichnen, sondern nur den, d i e Arbeitsvermittelung zu erleichtern.(!) Der Staatsanwalt ist zu dieser Ansicht zweifellos auch deshalb gekommen, weil Herr Dr. M ö b i u s, der Leiter des Arbeits- Nachweises, dem Staatsanwalt und dem Oberbürgermeister die Bücher vorgelegt hat. aus denen sich für die Annahme, daß es sich um eine Kennzeichnung handele, keine bestimmten Anhaltspunkte gewinnen ließen. Jetzt ist unser Mannheimer Parteiblatt in der Lage, nachzuweisen, daß der Leiter des Arbeitsnachweises die Behörden schmählich getäuscht hat. Als auf die früheren Enthüllungen hin sich der Ge- schäftsführer auf eine Revision des Arbeitsnachweises gefaßt machen mußte, wurde das bis dahin geführte V. D. M. (schwarze Buch) mit zirka 1500 Namen, in welchem diverse Vermerke über die Arbeiter verzeichnet waren, sofort um- geschrieben. In diesem neuen V. D. M. wurden Wohl die im alten Buch verzeichneten Arbeiter alle der Reihe nach ein- geschrieben, aber die Vermerke:„Agitator".„Hetzer", „Anarchist" usw. wurden nicht mit über- nommen.(!) In das dem Herrn Oberbürgermeister Martin vorgelegte V. D. M. wurden neun Arbeiter ein- geschrieben, die für den ganzen Jndustriebezirk gesperrt worden waren. Auch die Personalkartcn sind geändert: die Bezeichnungen„Hetzer",„faul" usw. sind weggeblieben. Trotzdem wird aber die Personenkontrolle noch ebenso scharf geübt, denn es wird eine besondere Liste derjenigen Arbeiter geführt, die vom Nachiveis vermittelte Arbeit nicht annahmen wegen zu niedrigen Lohnes, Maßregelungen, wegen anderer„Verstöße" werden jetzt auf Umwegen vorgenommen. Die neue Geschäftsordnung des Arbeitsnachweises bestimmt: „Verstöße gegen die SidjerHeit und Ordnung eines Be. triebes, ebenso Kontraktbruch seitens eines Arbeiters, sind nicht dem Arbeitsnachweis, sondern dem Vorstand des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes Mannheim-Ludwigshafen bezw. des Ver- bandes der Metallindustriellen Badens, der Pfalz und angren- zender Jndustriebezirke schriftlich zu melden." Daß es sich hier nur darum handelt, den Arbeitsnachweis nach außen hin als unparteiisch bei der Arbeitsvermittelung erscheinen zu lassen und ihm das anhaftende Odium eines Maßregelungsinstituts zu nehmen, ersieht man sofort, wenn man weiß, daß der Leiter des Arbeitsnachweises. Dr. Möbius, gleichzeitig Geschäftsführer des Verbandes der Metall- industriellen ist und daß die Posteingänge für beide Ver- bände in ein und denselben Briefkasten kommen. Meldungen über Arbeiter, die für den Unternehmerverband einlaufen, werden naturgemäß auch im Arbeitsnachweis verwertet. Diese Enthüllungen zeigen mit aller Deutlichkeit aufs neue, daß das organisierte Unternehmertum seine Macht rücksichtslos ausnutzt, um mißliebig gewordene Arbeiter von der Arbeit auszuschließen und daß ihm dazu jedes Mittel, auch das der Täuschung staatlichen Behörden gegenüber recht ist. Da das Mannheimer Gewerkschaftskartell wegen Schaffung paritätischer kommunaler Arbeitsnachweise eine Petition an den badischen Landtag gerichtet hat und die Zweite Kammer in den nächsten Tagen darüber verhandeln wird, so werden diese Praktiken des Unternehmerarbeitsnachweises von den sozialdemokratischen Vertretern eingehend erörtert und ge- bührend gewürdigt werden._ Berlin und Umgegend. Zur Lohnbewegung in der Herrenkonfektion. Bei der Firma Rappold u. Söhne, wo seit Anfang voriger Woche sowohl in ihrem Berliner wie in ihrem Hamburger Geschäft die Arbeit ruht, haben schon wiederholt Verhandlungen zwecks Beilegung des Kampfes stattgefunden, jedoch bisher ohne Erfolg. Noch am Montag dieser Woche ist in Hamburg ver- handelt worden, und zwar auch für das Berliner Geschäft, aber auch diese Verhandlungen führten zu keiner Einigung. Uebrigens hat die Firma in Hamburg ein gut Teil dazu beigetragen, den Kampf unnötig zu verschärfen, indem sie durch Vermittelung ihrer kaufmännischen Angestellten die Polizei auf die Streikenden fahnden läßt. Hat doch einer ihrer Angestellten den Hamburger Filialvorsitzenden des Schneiderverbandes von der Straße weg verhaften lassen, und zwar lediglich deswegen, weil er eine Schneidereiarbeiterin darauf aufmerksam gemacht hatte, daß bei Rappold gestreikt wird. Es ist der Firma trotz derartiger Machenschaften nicht gelungen, die Wirkungen des Streiks abzu- schwächen oder gar zu überwinden. Sie sieht sich genötigt, von neuem Verhandlungen anzuknüpfen und wollte sogar hier in Berlin, als die Streikenden am Dienstag zu einer Werkstatt- sitzung beisammen waren, sogleich ein Ucbereinkommen treffen. Das war natürlich nicht gut möglich, da die Arbeiterschaft der Firma hier wie in Hamburg darauf besteht und darauf halten muß, daß das llebereinkommen gleichzeitig für beide Städte abgc- schlosien wird. Es sind nun zum Donnerstag von neuem gemein- same Verhandlungen für beide Geschäfte der Firma anberaumt. Sie finden in Hamburg statt. Man mutz abwarten, ob die Firma sich nun endlich zu annehmbaren Zugeständnissen bereit finden läßt. Es handelt sich bei den Differenzen sowohl um die Herren- konfektions- wie um die Gummimäntelabteilung: Mit der Firma Hopp u. Kurzweg, Berlin, ist der Tarif- vertrag für die Herrenkonfektion jetzt endgültig abgeschlossen und wird in den nächsten Tagen unterzeichnet. Er tritt am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft. Inzwischen gewährt die Firma für die Zeit bis zum 15. August 5 Proz., von da ab bis zum Inkrafttreten des neuen Tarifvertrages 7i/s> Proz. Lohnerhöhung. Die Jalousiearbeiter haben sich schon im April dieses Jahres bemüht, mit den Unternehmern einen neuen Tarifvertrag zu ver- einbaren. Die Unternehmer zeigten jedoch so wenig Neigung dazu, daß die Verhandlungen abgebrochen wurden, ehe sie einmal richtig begonnen hatten. Ein Tarif ist auch jetzt noch nicht zustande ge- kommen. Die Jalousiearbeitcr waren jedoch inzwischen eifrig be- müht, einen brauchbaren Tarifentwurf auszuarbeiten, um ihn zu gelegener Zeit den Arbeitgebern vorzulegen und endlich einmal wieder Ordnung in den Lohn-.und Arbeitsverhältnissen ihres Berufes zu schaffen. Sie hielten am Dienstag bei Boeker in der Weberstraße eine zahlreich besuchte Branchenversammlung ab, um diesen Tarifentwurf endgültig festzustellen. ES hatte bereits vor acht Tagen eine Branchenversammlung stattgefunden, in der über die einzelnen Positionen des Tarifs gesprochen wurde, und in- zwischen hatte eine besondere Tarifkommission die dort gemachten Vorschläge geprüft und gesichtet. Nun berichtete Nosemann über die Tätigkeit der Kommission, und die verschiedenen Positionen deS TarifenttvurfS wurden noch einmal zür Diskussion gestellt und dann einzeln zur Abstimmung gebracht. Als Grundlage für den neuen Tarif, der somit seitens der Arbeitnehmer aufgestellt ist, dient der Tarifvertrag von 1905, der im Frühjahr 1998 sein Ende erreichte. Die Akkordpreise sind teils dieselben geblieben wie da- mals, teils sind sie um einige Pfennige erhöht worden. Für die Stundenlöhne, die, da meist in Akkord gearbeitet wird, wenig in Betracht kommen, werden in den verschiedenen Gruppen 5 Pf. Erhöhung verlangt. Die Arbeitszeit soll von 52 Stunden auf 59 Stunden herabgesetzt werden. Großer Wert wird ferner auf einen Passus gelegt, durch den die vertragschließenden Parteien sich verpflichten sollen, die Heimarbeit und die Schmutzkonkurrenz mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln zu bekämpfen. Ueber die Einreichung deS Tarifs an die Arbeitgeber wird späterhin beschlossen werden. Achtung, Töpfer! Wegen Nichteinhaltung des Tarifes und Beschäftigung von Wilden verhängen wir hiermit über die Firma Linke u. Rother die Sperre. In Frage kommt der Bau Kirch- haf-. Ecke Emser Straße. Nixdorf, Bauherr Liepe u. Sohn. Hierzu ist noch zu bemerken, daß die Firma Oefen in diesem Bau setzen läßt, die die Zimmer nicht erwärmen können, da sie viel zu klein sind. Es handelt sich hier meistens um Wohnungen für Minderbemittelte, die das doppelt unangeüehm empfinden werden. Weiter sind wir wieder gezwungen, die Firma K. V i ck, Ryke- straße 23, zu sperren, da selbige ebenfalls Gelbe beschäftigt, sie sich erst vor einiger Zeit schriftlich verpflichtet hat, nur Verbandskollegen zu beschäftigen. Augenblicklich führt die Firma den Bau Friesicke- straße 18, Wcißensee, aus. Auch ist der Bau der gesperrten Firma Meißner, Nixdorf, Thüringer Straße 19, zu meiden. _ Die Verbandsleitung. Deutfchee Reich. Hirsch-Dunkerscher Strcikbrecherschutz. Wir haben kürzlich über das schamlose Treiben des gelben Brauergesellenbundes berichtet, der in dem gegenwärtigen Kampf der Vrauereiarbeiter der Schweiz alle arbeitslosen Mitglieder des Brauerbundes auffordert, sofort nach der Schweiz abzureisen und sich den Schweizer Brauereien als Streikbrecher anzubieten. In allen bisherigen Kämpfen der Brauereiarbeiter haben aber nicht nur die arbeitslosen Mitglieder des Vrauerbundes den Streik- brecher gemacht, sondern immer wurden nebenbei Bundesmitglieder aus festen Stellen genommen und nach dem Streikort dirigiert, soviel als der Unternehmer brauchen konnte. Das soll auch jetzt wieder geschehen, denn den Streikbrechern wird in dem Flugblatt des Bundes, dos in Massen verbreitet wurde, Vergütung des Reisegeldes und dauernde Stellung zugesichert. Trotzdem nun der gelbe Brauerbund als Streikbrecherorgani- sation seit jeher bekannt ist, dies auch schon gerichtlich festgestellt wurde, trotzdem als Belohnung für sein Wohlverhalten seine Unter- stützungskassen auch von den Unternehmern gefüllt werden, war er würdig befunden worden, die Reihen der Hirsch-Dunckerschen Ge- werkschaften zu zieren. Seinem alten Grundsatz des Streikbruchs blieb der gelbe Brauerbund treu, als Mitglied der Hirsche muß er aber nun selbstverständlich auch vom„Gewerkverein" in Schutz ge- nommen werden. Und der„Gewerkverein" hat es fertig gebracht, die schamlose Streikbrecherlieserung des Brauerbundes nach der Schweiz als durchaus in der Ordnung zu bezeichnen. In der Nr. 5« vom 13. Juli schreibt der„Gewerkverein", daß der Brauerbund zu der Streikbrecherlieferung nicht allein das Recht hatte,„sondern es war auch seine verdammte Pflicht und Schuldigkeit, und er hätte jede Achtung in der Oeffentlichkeit ver- wirkt, hätte er die dreiste Anmaßung der„Genossen" ruhig hin- genommen und seine Mitglieder von der Beschäftigung in den Brauereien ausschließen lassen." So sind denn die Hirsche glücklicherweise auf dem Standpunkt der Gelben angelangt, die nur durch Streikbruch ihre Existenz zu fristen versuchen. Und wir können es begreifen, daß der„Gewerk- verein" gegen die Arbeiterpresse, speziell gegen den„Vorwärts" wütet, die diese Hirsch-Dunckersche Schandtat gebührend an den Pranger gestellt hat. Aber die Situation, in der sich der„GeWerk- verein" befindet, scheint ihm im Innersten seines gelben Herzens doch recht unbehaglich, sonst wäre es nicht zu verstehen, daß er sich zu der Posse versteigt, an die— Gewerkschaftsführer zu appellieren und um Hilfe zu betteln. Seine Verlegenheit konstte er nicht besser illustrieren. Noch einiges ist zu den Verdrehungen des„Gewerkvereins" zu sagen. Die„dreiste Anmaßung der Genossen" Brauereiarbeiter in der Schweiz besteht darin, daß sie der bisherigen Maßregelungs- Praxis der Unternehmer ein Paroli bieten wollten. In der Schweiz ansässige Familienväter wurden monatelang von den Brauereien auf das Straßenpflaster geworfen, wenn sie organisiert waren, und Unorganisierte wurden vom Ausland geholt und jenen vor- gezogen. Dieses System wollten die Brauereiarbeiter bei der jetzigen Lohnbewegung beseitigen. Den Unternehmern gefiel aber dieses System außerordentlich, und weil es darüber zur Aus- sperrung und zum Streik kam, benutzte der gelbe Streikbrecher- Brauerbund die Gelegenheit, seine in Deutschland stark gelichtete Streikbrecherorganisation wieder in der Schweiz zu neuem Leben zu erwecken, wo er schon früher eine Anzahl Ortsvereine hatte, die aber nach und nach verloren gingen. Allein aus diesem Grunde kam es zum Kampf, weil die Unternehmer die Streikbrecherorgani- sation wieder hochbringen wollten, und aus demselben Grunde er- folgt die Massenlieferung von Streikbrechern seitens des gelben Brauerbundes unter Assistenz und Billigung der Hirsche. Und zu einem solchen Verhalten glaubt der„Gewerkverein"„alle anständig und billig denkenden Menschen auf seiner Seite zu haben". Das ist ein Zeichen sittlicher Verwahrlosung. Das„Zentral- blatt der christlichen Gewerkschaften Deutschlands" vom 11. Juli nennt den gelben Brauerbund„versumpftes Organisationsgebilde". Den Hirschen beziehungsweise dem„Gewerkverein" dient der Brauerbund als Vorbild. Uns kanns recht sein! Sämtliche Bauklempner und Installateure in Halle a. S. legten die Arbeit nieder. Grund ist die Nichtanerkennung des der Innung vorgelegten Tarifes. Zuzug ist fernzuhalten. Der Streik der Rammer und Steinsehhilfsarbeiter in Halle a. S. wurde durch Spruch des Einigungsamtes beim Gewerbegericht beigelegt. Die Rammer erzielten eine sofortige Lohnerhöhung von 5 Pf. pro Stunde, die Hilfsarbeiter erzielten durchschnittlich 3 bis 4 Pf. Aufbesserung, jedem ständigen Arbeiter muß aber eine Zu- läge von 2 Pf. sofort gezahlt werden� auch wenn sein Lohnsatz über dem Minimallohn steht. Die Arbeit ist daraufhin wieder aufge- nommen worden. Einigungsverhandlungcn im Metallarbeiterausstand. Aus Hagen wird gemeldet. Der Regierungspräsident von Baake(Arnsberg) hat infolge der Bitte der Stadtverordnetenver- sammlung um Einleitung von Einigungsverhandlungen in der Hagen-Schwelmer Eisenindustrie an die beiden Parteien die An- frage gerichtet, ob sie zu Verhandlungen bereit seien. Die Ant- wort lautete beiderseits zustimmend. Ein Generalstreik der Zinkhüttenarbeiter in Oberschlesien? Seit fünf Wochen dauert auf den von GiescheS Erben ge- hörigen Zinkhütten Wilhelmine, Bernhardi und Paul ein Streik der Zinkhüttenarbeiter, der von der polnischen Berufsvereinigung geleitet wird. Die Verwaltung der Hütten, an deren Spitze der bekannke Oberscharfmacher N t h e ma n tt steh?, senkt borläufig gar nicht daran, die bescheidenen und berechtigten Forderungen der Streikenden zu berücksichtigen. Die Streikleiter sind sich an- scheinend dessen bewußt, daß, wenn der Streik auf die erwähnten Zinkhütten beschränkt bleibt, er mit einer Niederlage enden� wird. Um aus der Situation herauszukommen, wurde in einer Versamm- lung der Streikenden am 8. d. M., in der der Vorsitzende der„pol- nischen Berufsvereinigung", Sosinski, sprach, eine Resolution ge- faßt, in der die Arbeiter aller oberschlesischen Zinkhütten, um eine günstige Beendigung des partiellen Streiks herbeizuführen, auf- gefordert werden, überall an ihre Verwaltungen mit Forderungen heranzutreten und falls diese abgewiesen werden, ebenfalls zum Streik zu greifen. So gern wir den oberschlesischen Zinkhüttenarbeitern, deren Lage eine ganz elende ist, eine Verbesserung wünschen, so wird der Erfolg des Ausstandes unter den gegebenen Verhältnissen sehr schwierig sein, da die übergroße Masse der ZinMttenarbeiter einer leistungsfähigen Organisation fernsteht. Der Streik der Glasarbeiter bei der Firma A. H e n s ch e l, Inhaber Gebrüder Greiner in Rauscha dauert unverändert fort und sind Arbeitsangebote an diese Firma zu unterlassen. ZZustand. Die dritte internationale Konferenz der auf dem Boden des Klassenkampfes stehenden Handunglsgehilfen-Organisationen findet am Mittwoch, den 31. August 1919, mittags 12 Uhr» in Kopenhagen im„Volkshaus", Römersgade 22, statt. Tagesordnung: 1. Bericht der Internationalen Auskunftsstelle (I. A. S.). 2. Berichte der Delegierten. 3. Gründung eines Internationalen Sekretariats. 4. Beratung des Reglements und Festsetzung der Beiträge. Die der F. A. S. angeschlossenen Organisationen werden er- sucht, Delegierte zu wählen und deren Adressen sowie An- träge für die Tagesordnung der Konferenz bis zum 1. August an den Unterzeichneten einzuschicken. Die Delegierten erhalten sodann das Material, sowie Mitteilungen über Unterkunft usw. Jede Organisation kann bis zu 3 Delegierten entsenden. � Die der I. A. S. noch nicht angeschlossenen Organisationen werden eingeladen, sich unverzüglich anzuschließen. Jnformations- Material kann vom Unterzeichneten bezogen werden. Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands. Sitz Hamburg.. Max Josephsohn, Hamburg I, Besenbinderhof 57. ?Zus Inäuftrie und ftandd. Lage deS deutschen Arbeitsmarktes. Die Lage des Arbeitsmarktcs hat im Juni eine Besserung erfahren: der Andrang blieb wieder sehr stark hinter dem Stande des Vorjahres zurück. Es kamen nach den an den„Arbeitsmarkt" berichtenden öffentlichen Arbeitsnachweisen auf je 199 offene Stellen durchschnittlich 125,4 Arbeitsuchende gegen 148,9 im Juni 1999; der Andrang blieb also um 23,5 hinter dem deS Borjahres zurück. Nachdem der Mai nur eine Besserung um 19,4, der April eine solche um 7,2 gegenüber dem Vorjahre gebracht hatte, muß die Besserung im Juni unbedingt alS ein sehr kräftiger Fortschritt angesehen werden. Die Erleichterung des Arbeitsmarktes ist ausschließlich auf die äußerst kräftige Zunahme der Arbeitsgelegenheit zurückzuführen, denn die Zahl der Arbeitsuchenden hat gegenüber 1999 keineswegs abgenommen. Sie stellte sich vielmehr im Juni dieses JaHreS um 5 Proz. höher als im Juni 1999. Da aber die Arbeitsgelegenheit, an der Zahl der offenen Stellen gemessen, um rund 25 Proz. gegenüber der vom Juni 1999 gewachsen ist, gestaltete sich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage ganz erheblich günstiger als damals.� Die Besse- rung erstreckt sich sowohl auf den Arbeitsmarkt für M ä n n» liche als auch den für Weibliche. An elfterem ging der Andrang von 181,3 im Juni 1999 auf 145,3 im Berichtsmonat zurück, an letzterem stellt er sich dieses Jahr auf 87,7 gegen 93,3 im Vorjahre. Den Hauptanstoß zu der kräftigen Belebung am Arbeitsmarkte gab natürlich die Wiederaufnahme der Bauarbeiten. Wenn auch die Aufhebung der Aussperrung erst Mitte deS Monats erfolgte und auch dann noch nicht allgemein, so wurde doch schon in sehr vielen Orten gleich nach Beilegung des Kampfes mit verdoppelten Kräften gearbeitet, um noch möglichst viel des Versäumten nachzuholen. Aus allen Gegenden be- richten die Nachweise über eine rege Nachfrage nach Bauarbeitern aller Art. Königsberg, Berlin, Erfurt, Plauen, Düsseldorf, Krefeld. Saarbrücken. Freiburg. Pforzheim. Heilbronn. Mrnberg— sie alle wiesen im Juni schon wieder eine rege Bautätigkeit auf. Durch die Lebhaftigkeit im Baugewerbe angeregt, nahm auch der Verkehr am ArbeilSmarkt im Holzgewerbe wieder zu. Wenn auch die Rückwirkung sich nicht sofort bemerkbar machte, so ließ sie doch nicht lange auf sich warten. Nur in wenigen Städten, wie in Freiberg i. Sa.. Plauen, Ludwigshafen und Freiburg ließ die Lage des Arbeitsmarktes für Holzarbeiler noch zu wünschen übrig. Langsam, aber unverkennbar bessert sich auch die Arbeitsgelegen- heit in der Eisen» und Metallindustrie. In der Roheisenindustrie hielt die Intensität der Beschäftigung in ungeschwächtem Maße an. und in der weiterverarbeitenden Industrie machte sich zunehmende Nachfrage nach Arbeitskräften be» merkbar. Aus Kiel. Düsseldorf. Offenbach, Ludwigshafen. Pforzheim und Nürnberg wird über eine befriedigende Nachfrage nach Metall- arbeitern berichtet. Aus der Textilindustrie liegen wenig Berichte vor; in der toten Saison ist die Nachfrage nach Arbeitern immer matt, aber auch das Angebot hält sich dann in engen Grenzen. Alles in allem ist die Sommerpause im Textilgewerbe ziemlich gleich stark wie im Vorjahre. In Plauen i. V. war die Arheitsgelegenheit befriedigend. In der S ch n e i d e r e i war der Arbeitcrmangel nicht mehr so intensiv wie in den Vormonaten, da auch hier Sommerruhe eingekehrt ist. Die anderen Zweige des Be- kleidungsgcwerbeS weisen überlviegend bessere Arbeitsgelegenheit als im Vorjahre auf. Acußerst rege war der Bedarf an landwirt» schaftlichen Arbeitern; war auch an und für sich die Arbeits- gelegenheit noch nicht sehr umfangreich, so suchten sich die Landwirte doch bereits für die Erntezeit mir brauchbaren Arbeitskräften zu ver- sorgen. Im Beherbergungs- und ErquickungS- g e w e r b e erreichte die Nachfrage nach Arbeitern infolge der un- mittelbaren Nähe des Höhepunktes der Reisesaison einen großen Umfang; auch die Nachsinge nach Dienstboten war wieder sehr rege. Letzte JVacbrichtcn und Dcpcfcben. Durchgebrannter Bürgermeister. Friedberg(Hessen), 13. Juli.(B. H.) In dem benachbarten Mienchenberg ist seit einigen Tagen der Bürgermeister Metzner spurlos verschwunden. Wie sich nun herausgestellt hat, hat Metzner bei der von ihm verwalteten Hospitalkasse über 29 090 M. unter. schlagen. Man befürchtet, daß er auch in der Gemeindekasse be- deutende Unterschlagungen verübt haben dürfte. Den Streik beschlossen. Philadelphia, 13. Juli.(W. T. B.) Die Bahnbediensteten und Zugführer der Pennsylvania-Eisenbahn haben mit großer Mehrheit beschlossen, in den Ausstand zu treten, falls ihren Be- schwcrden nicht stattgegeben wird. Lerantw. Neda».: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.irtz, Glocke, Berlin. Druck u.Veriag:VorwärtSBuchdr.u.VerIagSanttgU Ksul Singer Li Co.. Berlin SV/. HierzuLBcilagen u.UnterhaltunoSbl. Zr. 161 27. Aahkgavg. t WM dks Jowirts" Donilerstllg. 14. Juli 1910. Quittung. Im Monat Juni gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Andernach 14,—. Llltenburg, Wahlkreis Sachsen« SItenvurg, Jahresbeitrag für 1309/10 2844, SO. Aumund, 13. hannod. Wahlkr., 2. Quart. 1310 200,—. Aachen-Stadt, Wahlkreisbeitrag für 2. Quart. 1310 86,73. Berlin-Groß, Restbeitrag seiner acht Wahlkreise für 1309/1310 12 000,—(darunterlBleisteg 1,—, vom Sommerfest 1903 2,05, von der Kranzspende der Firma Puppe 3,85, Bezirk 661 Orbis 2,—, P. P. e. 32 10,—, Bierprozente der Schuhfabrik von Retschke 18,60, Kranzüberschuh der Schuhfabrik von Retschke 3,—. A. B. Mister 1,—, zu den 100 Austrittsversammlungen 50,—, von der aufgelösten Freien Sänger- Bereinigung„Fader 60,—, Ueberschuh Märzkranz Hirschhorn 2,85, Dietz Seeterrasse 60,—, Zigarrengeschäst Merten 20,—, Ueberschuh der Kranzspende zum 18. März, Schultheih- brauerei, Abt. I 14,75.) Berlin, diverse Beiträge: M. W. N. 9,—. Machetes 5,—. Dr. K. R. 25,—. Schluhrechnung der Frauen- organisation von Bremen durch Gen. Baader 30,—. Desgleichen von Wetzlar 10.—. Max 3,—. Knabe 6,—. Uebersch. einer Depesche v. d. Arb. der Fa. Loth u. Weinland 2,85. Uebersch. des Märzkranzes v. d. Arb. der Fa. Sudikatis 18,05. Dr. L. A. 100,—. Die Kontobucharbeiter vom Wedding 5,—. Gutenberg 33,30. Schreiber 6,—. Durch die„Borwärts�-Redaktion H. St. 453 100,—. Bon den Kontrolleuren der Neuen Welt 3,—. Abdruck der..Husterhülte" im„Sächs. Vollsbr v. A. G. 25.—. M. W., Mai-Juni 4,—. PuhlmannS Konzertgarten, Schönhauser Allee 6,—. Zigarettenfabr. Garbaty, Pankow 10,—. A. B. 50,—. P. S. 50.—. W. H.. Düsseldorf 1,—. Braunschweig. I. K. 5.—. Bernburg, 2. anhalt. Wahlkr., 2. Quart. 1910 295,52. Bromberger Agitations bezirk, Wahlkreise: Krotoschin, 4. Quartal 09 und 1. u. 2. Quart. 10 4,40; Ostrowo, 1. u. 2. Quart. 10 2,—; Gnesen, 4. Quart. 09 und 1. u. 2. Quart. 10 1,70; Wirsitz- Schubin, 1. u. 2. Quart. 10 6,47; Samter- Obernigk, 1. u. 2. Quart. 10 13,23; Kolmar-Filehne, 1. u. 2. Quart. 10 27,47: Lissa- Fraustadt 4. Quart. 09 und 1. u. 2. Quart. 10 6,59; Posen-Stadt. 1. Quart. 10 22,15; Rawitsch- Gostyn, 1. Quart. 10 7,—; Bromberg, 1. und 2. Quart. 10 40,56; Summa 131.60. Breslau Ost u. West, Beitrag für 2. Quart. 1910 1043,60. Bremerhaven, 19. hannov. Wahlkreis und Bremerhaven, 4. Quartal 1909 559,16. Desgleichen 1. Quart. 1910 577,88. Burg b. Magdeburg, Wahlkreis Jericho I. und II, 2. Quart. 1910 521,35. Brandenburg-Wcsthavell., Wahllreisbeitrag für 2. Quart. 10 719,10. Bielefeld-Wiedenbrück, 2. Quart. 10 629,10 Cannstatt-Ludwigsburg, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1310 335,07. Chemnitz, 16. sächs. Wahlreis, 1. Halbjahr 1310 5000,—. Cottbus- Spremberg, Wahlkreisbeitrag für 1. Quartal 1310 237,56. Desgl. a konto für 2. Quartal 1910 112,44. Celle, 14. hannov. Wahlkreis, 1. Halbjahr 1910 353,—. Coburg, Restbeitrag für 1309/10 186,80. Drcsden-Land, 6. sächs. Wahlkreis. Restbeitrag für 1903/10 2500,—. Durlach-Pforzheim, 9. bad. Wahlkreis, 1. Quart. 1910 310,43. Dortmund-Hörde, Rest für 4. Quart. 1909 und 1. Quart. 1910 664,—. Delmenhorst, 3. oldenburg. Wahlkreis 116,45(darunter Lem- Werder 19,20; Ganderkesee 57,65; Stenum 10,—; Delmenhorst 29,60). Dresden. 5. sächsisch. Wahlkreis, Restbeitrag für 1303/10 1500,—. Drossen, Wahlkreis Ost- u. West-Sternberg, 1. Halbjahr 1910 20,—. Düsseldorf, Wahlkreisbeitrag für 2. Quart. 1910 834,96. Dresden, 4. sächsisch. Wahlkreis. Restbcitrag für 1909/10 2000,—. Driesen, Beitrag des Wahlkreises Friedeberg-ArnSwalde für 1909/10 45,05. Erstein-Molsheim, Wahlkreisbeitrag für 1. Quart. 1910 16,20. Cisenach, 2. weimarischer Wahlkreis 100,—. Elsterberg, 22. sächsischer Wahlkreis, Jahresbeitrag für 1909/10 800,—» Essen a. Ruhr, Wahlkreisbeitrag für 2. Quartal 1310 369,34. Euskirchen-Bergheim, WahlkreiSbeitrag für 1. Quartal 1910 16,60. Erfurt-Schleustngen- Ziegenrück, 2. Quartal 1910 219,85. Emden, 1. hannov. Wahlkreis, Jahresbeitrag für 1309/10 403,14. Frankfurt-Lebus, Wahlkreis- oeilrag für 4. Quartal 1309 u. 1. Quartal 1810 378,44. Falkenberg (Oberschl.) 3,—. Frankfurt a. M., WahlkreiSbeitrag für 2. Quartal 1910 1200,—. Fulda-Schlüchtern, Wahltreisbeitrag für 1. Halbjahr 1310 16,92. Freiburg i. B.. 5. bad. Wahlkr., 2. Quart. 1310 63,36. Groitzsch, 14. sächs. Wahlkreis 500,—. Görlitzer Agitationsbezirk, 1. Quartal 1910. Wahlkreise: Grünberg 56,20; Sagau 63,80; Glogau 20,90; Bunzlau 87,83; Görlitz 400,20; Rothenburg 163,35; Summa 804,23. Geldern, Voltsverein für Cleve-Geldern 10,50. Gera, Wahlkreis Reust j. L., Nestbeitrag für 1903/10 1895,—. Greiz, Wahlkreis Neust S. L.. Jahresbeitrag für 1903/10 592,76. Halle und Saalkreis, Restbeitrag für 1303/10 1756,76. Hamburg, 1. Wahlkreis 5000,—, desgleichen 2. Wahlkreis 5000,—, desgleichen 8. Wahlkreis 10 000,—. Herford-Halle, Wahlkreisbeitrag für zweites Halbjahr 1303/09 245,—, Hannover, 8. hannov. Wahlkreis, Restbei- kleines Feuilleton. Opfer des Flugsports in früherer Zeit. Erschreckend groß ist die Zahl der Luftschiffunfälle, die sich in jüngster Zeit ereignet haben. Die Häufung von Todesfällen ist natürlich eine Folge der Ausbreitung des Flugsportes; aber auch schon in früheren Zeiten hat so mancher kühne Flugkünstler sein Leben eingebüßt bei dem Versuche, der Menschheit gleich den Vögeln das Luftreich zu erobern. Schon im frühen Mittelalter mußten einzelne Jünger des Ikarus die Kühnheit, mit der sie die Lüfte zu durchsegeln gedachten, mit dem Leben büßen. Mongez erzählt in einer im Jahre 1773 zu Lyon erschienenen Abhandlung über die Kunst des Vogelfluges, daß schon im Jahre 1060 ein englischer Benediktinermänch namens Oliver von Malmesbury den Versuch machte, mit Flügeln, die er sich selbst konstruiert hatte, von einem Turme aus durch die Luft zu fliegen. Als er aber absprang, sauste er in die Tiefe, brach sich beide Beine und starb. Nicht viel besser ging es einem saraze. nischen Zauberer, der, wie I. Hofmann-Gens in dem Werke„Wir Luftschiffer" erzählt, sich als Flieger produzieren wollte. Bei einem Besuche, den der türkische Sultan dem Kaiser Emanuel Kommenos in Konstantinopel abstattete, stieg er, mit großem, weitem, durch Weidenruten in Spannstellung gehaltenen Rocke an- getan, auf den Turm des Hippodroms, um die Rennbahn zu über- fliegen. Er brach sich aber die Knochen, und»man beklagte ihn nicht". Im 14. Jahrhundert übte ein Mathematiker Johann Bap- tista Dante aus Perugia den Vogelflug über dem Trasimenischen See. Da aber die'Lenkstange eines Flügels beim Versuche cnt- zwei ging, so fiel er auf das Dach der Kirche San Marco, brach sich ein Bein und wurde dafür Professor der Mathematik in Vene- big. Handelte es sich bei den hier geschilderten Versuchen noch um mehr oder weniger naive Kunststücke, so begann zu Ende deS 18. Jahrhunderts das Problem deS menschlichen Fluges auch ernst- hafte Mechaniker zu interessieren. 1781 noch zwei Jahre vor dem ersten Ballonaufstieg der Brüder Montgolfier baute ein Mechaniker Blanchard, der den Parisern bereits durch einen Segelwagen be- kannt geworden war. eine Flugmaschine, bestehend aus einem kreuzförmigen Rumpf und zwei paar Flügeln. Seine Versuche nahmen ein jähes Ende durch einen Brief des Akademikers Lalande, in dem Blanchard ob seiner Versuche ein Dummkopf gescholten wurde. Lalande erklärte unter anderem:»Die Unmöglichkeit, sich mit Flügelschlägen in der Luft zu halten, ist ebenso sicher, wie die Unmöglichkeit, sich durch das spezifische Gewicht luftleerer Körper emporzuheben." Lalande sah schon im nächsten Jahre, daß e r eine Dummheit begangen hatte; denn da stiegen die Brüder Montgolfier mit dem ersten Ballon in die Lust. Auf der Flug. technik aber saß trotzdem der Hieb fest, und mit Blanchards Ver- suchen wgr es guS. Er ging darauf zum Ballonflug üb» und trag für 1809/10 2280,—, Höchst-Usingen-Homburg, Restbeitrag für die Zeit vom 1. 4. 1309 bis 31. 3. 1310 864,60, Hartha. 10. sächs. Kreis, Beitrag für 1903/10 500,—. Hamburg, aus dem Vertrieb des„Hamburger Echo" 18 000,—. Haiger, 5. hessen-nass. Kreis, 1. Halbjahr 1910 9,—. Hornberg, 2. bad. Wahlkr., 1. Quartal 1310 71,04. Husum, 4. schleSw.-holst. Kreis. 1. Quart. 1910 47.06. Hildesheim, 10. hannov. Kreis, 1. Halbjahr 1910 512,32. Johanngeorgensiadt, 21. sächs. Kreis, Restbeitrag für 1309/10 500,—. Jena, 3. weimarischer Kreis, Jahresbeitrag für 1303/10 1450,—. Köln a. R., Reg. W. 20,—. Köln a. Rh., Wahlkreise Köln-Stadt u. Köln-Land a konto 1309/10 1200,—. Kattowitz, Beitrag der P. P. S. für 2. Quart. 1910 224,59 (darunter Wahlkr. Kattowitz-Zabrze 96,46; Wahlkr. Beuthen- Tarnowitz 65,02). Leipzig-Stadt, 12. sächs. Wahlkr., Rest- beitrag für 1303/10 500,—. Ludwigshafen a. Rh., Gau Pfalz, Beiträge für 4. Quart. 1309, Wahlkreise: Ludwigshafen- Speyer 448,14; Landau 84,21; GermerSheim 14,49; Pirmasens- Zweibrücken 78,90; Homburg 20,82; Kaiserslautern 73,86; Summa 720,42; Desgleichen Beiträge für das 1. Quartal 1910. Wahlkreise: Ludwigshafen-Speyer 416,82; Landau 98,37; GermerSheim 14,13; Pirmasens-Zweibrücken 82,53; Homburg 24,03; Kaiserslautern 72,75; Summa 708,63. Desgleicken Nachzahlung auf 2. Quartal 1309 — ,24; auf 3. Quartal 1909— ,6; Summa— ,30. Leipzig-Land, 13. sächs. Kreis, Restbeitrag für 1303/10 7000,—. Landsberg-Soldin, Wahlkreisbeitrag vom 1. 7. 1909 bis 31. 3. 1310 179,16. Lüne- bürg, 16. hannov. Kr., Restbeitr. f. 1. Halbjahr 1310 101,10. Marburg i. H., WahlireiSbeiträge für 3. u. 4. Quartal 1309 und 1. Quart'1910 43,—. München, Gau Südbayern, Nachtrag für den Wahlkreis Augsburg 73,08. Mülhausen i. E., Wahlkreisbeitrag für 2. Quartal 1910 134,24. Meerane, 17. sächs. Wahlkr, 2. Quart. 1910 125,—. Minden- Lübbecke, Wahlkreisbeitrag für 1. Halbjahr 1910 208,23. Mülheim- Wipperführth- Gummersbach, 2. Quartal 1310 443,83. Magdeburg, WahlkreiSbeitrag für 2. Quartal 1910 1287,43. Niederzwönitz, 19. sächsischer Kreis 500,—. Nürnberg. Gau Nord- bayern, 1. Quartal 1910: Wahlkreise: Regensburg 63,34; Neumarkt 5,34; Dinkelsbühl 24,30; Bayreuth 158,28; Eich- statt 10,35; Schweinfurt 103.75; Hof 148,86; Amberg 14.49; Lohr 11,91; Würzburg 122,37; Rothenburg 10,53; Bainberg 64,41; Nürnberg 1383,31; Kitzingen 12,33; Neustadt a. W.-N. 25,32; Kronach-Lichtenfels 52,53; Forchheim-Kulmbach 35,97; Neustadt a. S. 24,12; Erlangen-Fürth 470,70; Aschaffenburg 63,63; Ans- dach- Schwabach 114,81; Neunburg 9,48; Summa 2942,49. Nordische Wasserkante 50 000,—. Nienburg a. W. 75,66. Neust- Grevenbroich, Wahlkreisbeitrag für 2. Halbjahr 1303 80,47. Desgleichen für 1. Halbjahr 1910 113,18. Ottensen-Pinneberg, 6. schlesw.-holst. Wahlkr., a konto der Beiträge für 3. u. 4. Quart. 1909 u. 1. Quart. 1310 1600,—. Offenburg i. B.. 7. bad. Kreis, 3. Quart. 1309 46,10. Desgleichen 4. Quart. 1909 51,80. Osna- brück. 4. hannov. Wahlkr., 1. Halbjahr 1910 256,08. Olvenstedt, Wahlkreis Wolmirstedt-Neuhaldeusl., 2. Quart. 1910 300,35. Ober- srohna, 15. sächs. Kr„ 2. Quart. 1310 600,—. Plauen i. V., E. 1,—. Pößneck, Wahlkreis Meiningen I, Jahresbeitrag für 1909/10 87,31. Desgleichen Meiningen II 380,54. P ritzwalk, Wahlkr. Ostprignitz, 2. Quart. 1310 12,—. Ronsdorf, Wahlkr. Lennep-Remsch.-Meltm., 1. Quart. 1910 350,—. Recklinghausen, Wahlkreisbeitr. für 2. Quart. 1310 243,—. Rudolstadt, Wahlkr. Schwarzburg-Rudolstadt, Beitrag für 1909/10 524,32. Sozialdemokratische Reichstagsfraktion 5000,—. Strastburg i. E.-Stadt, Wahlkreisbeitrag 296,33. Saarbrücken, sozial- demokr. Verein des Saargebietes, 2. Quart. 1910 98,95. Schwarz- burg-SonderShausen, WahlkreiSbeitrag 100,—. Ulm a. d. D., 14. württemb. Wahlkreis, 1. Quart. 1310 178,46. Vorwärts-Buch- Handlung 25 000,—. Würzen, 11. sächs. Wahlkr., Restbeitrag für 1909/10 500,—.„Wahrer Jacob",„Neue Zeit".„Gleichheit" 15000,—. Wittenberge, Wahlkreis Westprignitz, 2. Quartal 1910 76,87. Wetzlar-Altenkirchen, Wahllreisbeitrag für 1. Halbjahr 1910 73,—. Wittenberg-Schweinitz, Wahlkreisbeitrag 50,—. 36. D. Z. 5000,—. Zwickau, 18. fächs. Wahlkr., a konto seiner Beiträge für 1903/10 800,—. Zeitz-Weistenfels-Naumburg, Wahllreisbeitrag für 1909/10 3000,—. Zschopau, 20. sächs. Wahlkr., Jahresbeitrag für 1309/10 1000,—. v Berlin, den 9. Juli 1910. Für den Parteivorstand: A. Gerisch. Lindenstr. 69. Die Caktih im Wahirechtslmmpf. m. Genosse Kautsky wendete sich in Nr. 28 und 23 der „Neuen Zeit" in einem Artikel„Was nun?" gegen die beiden Artikel der Genossin Luxemburg. Einen Passus der Kautskyschen überflog am 7. Januar 1785 von England aus als erster den Kanal, worauf er mit einem Schlag der volkstümlichste Mann von Frankreich wurde. Später machte Blanchard nach dem Vorbild von Lenormand und Garnerin Fallschirmabstürze, unter anderem auch in Hamburg und Berlin, wobei er stets glücklich abschnitt. So war Blanchard sozusagen der erste Flieger, der im Bette starb. Im Jahre 1836 sprang Cocking mit seinem Fallschirm in Lon- don vom Ballon ab. Der Fallschirm war aber gerade umgekehrt wie gewöhnlich eingestellt, so daß er einen Kegel mit der Spitze nach unten bildete. Diese Einstellung, die viel stabiler ist, als wie mit der Spitze nach oben, verlangte nur eine entsprechende Aus- steifung. Diesen Punkt hatte Cocking wohl übersehen. Denn als Green in 1000 Meter Höhe über London den Fallschirm mit Cocking abschnitt, klappte der Schirm sofort zusammen und stürzte in ein- einhalb Minuten zur Erde. Letour in Paris hatte 1854 einen Fallschirm konstruiert, mit einer ganz schwach konkaven Draht» fläche, mit zwei von Hand zu bewegenden Flügeln oder Rudern und einem Steuer, also einen richtigen Gleitflieger im Sinne der späteren Lilienthalschen Apparate, deren Bahn durch Flügel- schlüge gestreckt werden sollte. Am 27. Juni 1854 ließ er sich in Tottenham in England von einem Ballon in die Höhe nehmen, an desfen Gondel er sich mit drei Tauen befestigt hatte. Zwei davon konnte er abschneiden, das dritte aber verwickelte sich in den Apparat. Mittlerweile fiel der Ballon, und für Letour be- gann eine Schleiffahrt, die ihm innere Verletzungen brachte, an denen er bald nach der Landung starb. Im Jahre 1811 fiel ein Ulmer Schneider namens Berblinger in die Donau und ertrank. als er einen Flugversuch anstellte. Ein Schumacher de Groof suchte sich im Jahre 1874 in Chelsea als Flugkünstler zu produzieren, stürzte aber zu Boden und zerschmetterte sich den Schädel. Durch die Versuche Lilienthals angeregt, der bekanntlich bei seinen Versuchen in Groß-Lichterfelde den Tod fand, machte auch der junge englische Ingenieur Pilcher Freiflüge. Er unternahm sie oder nicht, wie Lilienthal, im Wind, sondern schaffte sich den Wind selbst, indem er sich mit seinem Schirm von einer lustigen Knabenschar, die den Berg hinunterlief, drachenartig in die Luft heben ließ. Wenn er etwa 20 Meter über dem Boden erreicht hatte, knipste er die Schnur ab und schwebte nun frei im Gleitflug nieder. Solche Versuche machte er von 1836 bis Oktober 1839. Bei einem bor eingeladenen Zuschauern und im windigen Wetter unternommenen Versuche stürzte er durch den Bruch eines Apparat- teiles aüS 10 Meter Höhe hinab und starb 35 Stunden später. Notizen. — Die Polizei im Dien st e deS Zentrums. Im Deutschen Theater wird eine Burleske„Die Reichstagswahl" ge- spielt, die ordnungsmäßig den Weg der Zensur passiert hat. DaS Stück hat der Kritik nicht gefallen. Es hat insbesondere aber der .Germania" nicht gefallen. Das alles wäre ja höchst gleichgiltig. Ausführungen, worin er die Gründe angibt, die ihn bestimmten, der Diskusston möglichst lange aus dem Wege zu gehen, haben wir schon in der Einleitimg zitiert. Kautsky fährt dann fort: .. Genossin Luxemburg stellt die Behauptung auf, wir hätten nur die Wahl, den Massenstreik als nächstes Mittel der Massenaktion der Partei zu wählen oder diese gänzlich zusammen- brechen zu lassen. Danach wäre es also ein Gebot der Selbst- erhaltung der Partei, den Massenstreik mit allen Mitteln schon für die nächste Zeit anzustreben. Wenn wir diese Auffassung teilten, dann brauchten wir freilich nicht zu erwägen, ob der Massenstreik im gegebenen Moment Aus- sichten auf Erfolg bietet, dann müßten wir ihn provozieren um jeden Preis, weil selbst die Niederlage besser.wäre als tatloses Kapitulieren vor dem Feinde. ... Wir müssen uns vor allem klar werden darüber, waS wir unter Massenstreik verstehen wollen. Genossin Luxemburg schreibt: „Der Massenstreik, namentlich als ein kurzer, einmaliger Demonstrationsstrcik, ist sicher nicht daS letzte Wort der be- gonnenen politifchen Kampagne." Bei unseren taktischen Erwägungen müssen wir den Maffen« streik als Mittel der Demonstration und den Massenstreik als Mittel des Zwanges streng auseinanderhalten, denn jeder setzt andere Bedingungen vorauS und erfordert eine andere Taktik... Der politische Massenstreik als Zwangsmittel wird unter« nommen, um die politischen Machthaber, etwa Regierung oder Parlament zu zwingen, irgend etwas zu tun oder zu lassen. Er scheitert, er führt zu einer Niederlage, wenn ihm daS nicht gc- lingt. Er wird mit allen Kräften so lange durchgeführt, bis er sein Ziel erreicht oder die Majsen ermattet zusammenbrechen. Ein Demonstrationsstreik hat von Vornhein eine begrenzte Dauer, ohne Rücksicht darauf, ob er irgend ein praktisches Nssnltat erzielt oder nicht. Die Maffen werden nach seiner Beendigung ebenso geschlossen wieder aus der Aktion herausgeführt, wie sie in diese eintraten. Ein Demonstrationsstreik kann lokaler Natur sein, alS Protest gegen ein lokales Vorkommnis, etwa Polizeibrutalitäten. Solche Demonstrationsstreiks hatten wir bereits in der gegenwärtigen Wahlrechtsbewegung. Sollten die Polizeibrutalitäten sich mehren oder steigern, wird das gleiche mit den Proteststreiks der Fall sein. Ein politischer Massenstreik als Zwangsmittel gegenüber einer zentralen politischen Einrichtung, wie Regierung oder Parlament, muß dagegen allgemeiner Natur sein; er muß möglichst die Arbeiterklasse des ganzen Staates ergreisen und möglichst alle Arbeiterschichten. Er wird nur dann gelingen, wenn seine Wucht so gewaltig ist, daß sie auch Arbeiterschichten mitreißt, die für einen Demonftrationsstreil nicht zu haben sind, zum Beispiel Eisenbahner. Will die Genossin Luxemburg bloß lokale Demonstrationsstreiks propagieren oder die augenblickliche Bewegung bis zum allgemeinen Zwangsstreik weitergetrieben sehen? DaS ist aus ihrem Artikel nicht deutlich zu erkennen, und doch ist eS wichtig, darüber klar zu sein. Gar mancher wird lokale Proteststreiks in der heutigen Situation für wünschenswert halten, der den Gedanken eines ZwangSstreiks als verbrecherische Torheit zurückweisen würde. Andererseits, wenn wir den Gedanken des Massenstreiks ohne jede llnterscheidung propagieren, obwohl wir nur Demonstrationsstreiks für notwendig halten, kann es uns passieren, datz wir bei lebhafteren Naturen wider unseren Willen den Gedanken des Zwangsstreiks grost ziehen und Aklionen hervorrufen, die wir nicht beabsichtigen, die weder der Situation nach den Kraftverhältniffen entsprechen und zu Niederlagen führen. Genossin Luxemburg spricht vom Maffenstreil.nament» l i ch als kurzem, einmaligem Deinonstrationsstreik". Sie hat also auch andere Formen des Massenstreiks im Auge. DaS geht auch daraus hervor, daß sie den politischen Massenstreik in Zusammen- hang bringt mit ökonomischen Streiks und dabei die Anficht ent» wickelt, der eine dieser Faktoren fördere den anderen: Ein ökonomischer Streik ist von vornherein ein ZwangSsireik, kein bloßer Demonstrationsstreik. Mit einem solchen läßt sich ein ökonomischer Streik kaum vereinbaren. Aber auch der politische Zwangsstreik und der ökonomische Streik sind zwei sehr ver« fchiedene Dinge. Genossin Luxemburg wird mich vielleicht auf Rußland 1905 verweisen. Dort herrschte damals die Revolution. In einer solchen Situation, wo die Gesamtheit deS gesellschaftlichen Lebens umgewälzt wird, vereinigen sich natürlich politische und ökonomische Forderungen in einer gleichzeitigen Streikbewegung. Indes vor» läufig haben wir in Preußen noch nicht die Revolution._ Aber auf Grund des germanischen WehgeschreiS hat sich nach- träglich die Polizei eingemischt, und da sie daS zugelassene Stück nicht nachträglich verbieten konnte, wenigstens das Plakat verboten, worauf eine Szene aus dem Stück dargestellt war. Das Plakat, da? von dem Neu-Sezefsionisten Tappert stammt, ist künstlerisch durchaus einwandfrei und zudem drastisch und wirksam. wie ja ein Plakat sein soll. Da nun aber ein Geistlicher darauf dargestellt ist mit einigen allerliebsten Schweinchen(auf dem Schweine- stall, den der Herr Pfarrer nicht verlegen will, beruht die Intrige des Stücks), erklärte die„Germania" die katholische Geistlichkeit für beschimpft. Unsere wohllöbliche Polizei, die auf Wunsch der frommen Brüder sicherlich auch die halbe Weltliteratur und die Reformation obendrein verboten hätte, aber unterschlägt der Oeffentlichkeit dieses Plakat. Was wohl der protestantische VolkSzom zu diesem neuesten BorromäuSbeitrag sagt? — Um Zuzug wird gebeten... AuS der soeben ver- öffentlichten Münchener FremdenverkehrSstatistik geht hervor, daß im Monat Juni der Fremdenverkehr im Vergleich mit dem Vor- jähre um über 7000 Personen abgenommen hat. Diese Abnahme des FremdenandrongeS ist geradezu überraschend für all die vielen Hoffnungsvollen, die sich gerade in diesem Sommer auf austergewöhnlich großen Massenzustrom von den fernsten Wellwinkeln verlassen hatten. Die Ausstellung vermochte trotz günstiger Beihilfe der Oberammergauer Spiclsaifon keine Massenzugkraft zu gewinnen. Es bewahrheitet sich die Meldung, mit AnSstellungs- Unternehmungen müsse man sparsam sein. weil sonst das allgemeine Interesse dafür abnimmt. Freilich befindet sich München in dieser Hinsicht in einer. allerdings felbverfchuldelen Zwangslage; es hat in dem Ausstellungsuntcrnehmen auf der Theresienhöhe daS schöne Sümmchen von etwa 12 Millionen Mark angelegt. Es muß also mit aller Gewalt versucht werden, eine Rente aus der Anlage zu erzielen. UebrigenS spielt auch eine gewisse„Mode", eine unleugbare Veränderung in dem großen Reisestrom mit. Auch gilt München draußen nicht mehr als die langhin vielgelobte billige Stadt; man findet hier gesalzene und gepfefferte Preise, die im Gebirgsland noch 50 Proz. höher sind. — D e r„ v e r st o r b e n e" G a l l e. Die„Wiener Arb.-Ztg• frischt anläßlich des Todes von Prof. Galle, dem Neptunentdecker, eine hübsche Anekdote auf. AIS vor einigen Jahren im preußischen Abgeordnetenhause bemängelt wurde, daß die Universität Breslau noch immer keine rechte Sternwarte besäße, meinte der Unterrichts- minister, das Unglück sei nicht so arg, denn der„verstorbene" Galle, der lange Jahre Profeffor der Astronomie in Breslau gewesen war. habe doch den Planeten Neptun entdecken können. Galle aber lebte damals noch munter und froh und den Neptun hat er nicht in Breslau, sondern in Berlin entdeckt. — Zur Beruhigung einiger Reuterverehrer. die richtig bemerkt haben, daß in unserer gestrigen Notiz ein Irrtum unterlaufen ist, teilen wir berichtigend mit, daß der Dichter am 7. November 1310 geboren und am 12. Juli 1374 gestorben ist. In den WahlrechtSkämpfen Westeuropas wurde aver Visher daS ökonomische und das politische Moment streng geschieden. Nehmen wir an, die Bergarbeiter streikten, um auf die Re- gierung und den Landtag wegen des Wahlrechts und gleichzeitig auf die Zechenherren wegen der Verkürzung der Arbeitszeit einen Druck zu üben. In welcher Weise könnte die eine dieser Bewegungen die andere fördern? Die Grubenbesitzer würden doch, wenn der Streik sie bedrängt, nur zu dem Zweck nachgeben, die Arbeiter wieder zur Arbeit zurückzuführen. Wenn aber diese weiterstreiken wollen, bis das Wahlrecht reformiert ist, welchen Zweck hätte es, ihre ökonomischen Forderungen zu bewilligen? Oder aber, die Grubenherren geben nach, bewilligen den Arbeitern ihre ökonomischen Forderungen unter der Bedingung, daß sie die Arbeit sofort wieder aufnehmen. Das ist der Fall, den die Genossin Luxemburg im Auge hat: die Kohleumagnaten würden sich gezwungen sehen,„durch Konzessionen die Berg- arbeiter zu befriedigen und von der politischen Stutniflut zu isolieren*. Die Verquickung des allen Arbeitern gemeinsamen politischen Kampfziels mit besonderen, für verschiedene Arbeitszweige ver- schiedenen gewerkschaftlichen Zielen böte also ein Mittel, die einzelnen Arbeiterschichten von einander zu isolieren. Wie dadurch der Mastenstreik als Mittel des Wahlrechtskampfes gestärkt werden soll, ist mir nicht ganz klar. Anderseits aber geht eS nicht an. sich für die gegen- wärtige Situation in Preußen auf das Vorbild anderer Länder zu berufen. Genossin Luxemburg schreibt: Ss gilt, zu entscheiden, ob die deutsche Sozialdemokratie, die sich auf die stärksten Gewerkschaftsorganisationen und das größte Heer der Wähler in der Welt stützt, eine Mastenaktion zustande bringen kann, die im kleinen Belgien, in Italien, in Oesterreich-Ungarn, in Schweden— von Rußland gar nicht zu sprechen— in verschiedenen Zeiten mit großem Erfolg zustande gebracht worden ist. WaS Oesterreich in diesem Zusammenhang zu tun hat, weiß ich nicht. Dort ist es zum Massenstreik im Wahlrechtskampf über- Haupt nicht gekommen. Wohl hätten dort die Straßendemonstrationen schließlich den Kampf nicht entschieden; ohne die Unruhen in Ungarn und die russische Revolution wäre der Massenstreik wahrscheinlich auch in Oesterreich unerläßlich geworden.... Aber auf keinen Fall beweist das österreichische Beiipiel, daß die rasche Steigerung der Be- wegung von der Sttaßendemonstration zum Massenstreik binnen wenigen Monaten, ja Wochen unter allen Umständen ein Gebot der inneren Logik einer modernen Mastenaktton des Prole- tariats sei. Was daS russische Beispiel anbelangt, so vollzog sich dort... der erste erfolgreiche Mastenstreik unter Bedingungen, wie sie heute in Preußen nicht bestehen: ein Krieg schmählich verloren, die Armee desorganisiert, alle Klasten der Bevölkerung voll Haß und Verachtung gegen die Regierung. Hier war der Massenstreik der letzte Stoß, der ein wankendes Regime zum Fallen brachte... Nach einem Hinweis, daß die übrigen Massenstreiks, die Genossin Luxemburg anführt, ökonomischen Kämpfen entsprangen, mit Aus- nähme des Streiks in Belgien, besten Kleinheit dabei von Vorteil war, folgert Kantsky: „Der Blick ins Ausland nützt uns demnach nichts. Wir müssen unsere Taktik aus den Bedingungen der heutigen Situation in Preußen selbst entwickeln.* Im Teil II setzt Kautsky auseinander, daß, wie die Kriegs- Wissenschaft die NiederwerfungS- und die ErmattungS« strategie unterscheidet— �die erstere sucht dem Feind entscheidende Stöße zu versetzen, um ihn niederzuwerfen und kampfunfähig zu machen, die zweite, die der römische Feldherr Fabius Cunctator (der Zauderer) gegen Hannibal übte, besteht in der Vermeidung zu- nächst jeder entscheidenden Schlacht; die gegnerische Armee wrrd durch Manöver aller Art stets in Atem gehauen, ohne ihr Gelegenheit zu geben, ihre Truppen durch Siege anzufeuern, so daß ewige Ermüdung und Bedrohung sie allmählich aufteiben und ihre Widerstandskraft immer mehr herabdrücken und lähmen— so auch in der Taktik der revolutionären Klassen sich beide Arten der Strategie erkennen lasten. Die Niederwerfungsstrategie war die Taktik der revolutionären Klassen in der französischen Revolution. Sie hat vorgeherrscht bis zur Pariser Kommune, die da zeigte, daß die Bedingungen, unter denen sie siegverheißend war. vorläufig vorüber seien. Damals wurden die Grundlagen gelegt für die neue Strategie der reboluttonären Klasse, die Engels schließlich in seinem Vorwort zu den Marxschen„Klassen- kämpfen in Frankreich* fornmlierte. Für sie mußte allerdings auch der Boden geschaffen werden durch das allgemeine Wahlrecht, das Koalitionsrecht, die Preß- und die Versammlungsfreiheit. Ehe die revolutionäre Klaffe diesen Kampfboden nicht hatte, konnte es nur durch die Niederwerfungsstrategie, durch den revöluttonären Ausstand Erfolge erringen. Die deutsche Sozialdemokratie hat die Ermattungsstrategie bisher glänzend durchgeführt. Im Massenstreik befitzt sie das Mittel, die Ermattungsstrategie in die Niederwerfungsstrategie zu überführen, für den Fall, daß die Gegner, durch das unaufhalssame Wirken unserer Ermattungsstrategie zur Verzweiflung gebracht, eines schönen Tages einen Gewaltstreich versuchten, um die Sozialdemokratie von ihrer Basis iWahlrecht, Koalitionsrecht usw.) abzuschneiden. Dann fährt Kautsky fort: „Wohlgemerkt, es handelt sich nicht darum, zu untersuchen, welche Aussichten ein Mastenstreik haben mag, den irgend ein plötzliches Ereignis, sagen wir ein Blutbad nach einer Straßen- demonstration, ganz spontan ohne unser Zutun herbeiführt. Darüber sich den Kopf zu zerbrechen, wäre zwecklos, weil wir über die Bedingungen eines derartigen Ereignisses nichts wissen, darauf auch gar keinen Einfluß haben. Was hier zur Erörterung steht, ist die Frage, ob unsere Ermattungsstrategie nicht länger mehr am Platze rst; ob die Situation sich so geändert hat, daß die Nieder- werfungsstrategie bessere Erfolge verspricht, oder ob gar die erstere Strategie unmöglich wird, ob sie bei längerer Fortdauer zur De- moralisierung der eigenen Reihen führen muß; ob, um diese zu- sammenzuhalten und mit KampfeSmut und Zuversicht zu erfüllen, die Einleitung einer neuen Taktik unerläßlich ist, die wir, unter Uebertragung eines militärischen Begriffs in die Welt der Politik, als die der Niederwerfung bezeichnet haben, als Taktik der Nieder- werfung des Widerstands der Gegner des gleichen Wahlrechts durch einen gewaltigen Stoß. Die erste Frage, die wir da zu erörtern haben, geht dahin: Ist unsere Situation wirklich eine solche, daß uns nur die Wahl bleibt zwischen Massenstreik oder Zusammenbruch der Massen- aktion?* In der Beantwortung dieser Frage führt Kautsky im dritten Teil seines Artikels aus: „Als der Parteitag von Jena den Mastenstreik, jedenfalls im Ginne des Zwangsstreiks, als eines unserer Kampfesmittel an- erkannte und es damit für möglich erklärte, daß wir einmal von der Ennattungsstrategie zur Niederwerfungsstrategie übergehen, da faßte er zunächst nur den ersten der eben entwickelten Fälle inS Auge, daß der Feind unsere Basis bedroht, unseren Kamps in der bisherigen Weise durch die Antastung des ReichStagswahlrechtS oder sonstiger Lebensbedingungen der proletarischen Organisation und Propaganda unmöglich macht. Ein solcher Fall liegt in der jetzigen Situation noch nicht vor. Wird aber der Massenstreik etwa deshalb notwendig, weil wir augenblicklich nur noch durch stete und rasche Steigerung unserer AkttonSmittel die Massen an unsere Fahne heften können? Da sie uns sonst verlassen und anderen Parteien zuströmen oder miß- mutig und enttäuscht der ganzen Politik den Rücken kehren, weil bei ihr doch nichts herauskommt? Genossin Luxemburg scheint das zu glauben, wenn sie von dem„Dilemma* spricht, vor dem die„Dreimillionenpartei* steht: „Entweder um jeden Preis vorwärts oder die begonnene Rasten- aktion bricht erfolglos in sich zusammen." Also nicht aus den Bedingungen der gegebenen Situation leitet die Genossin Luxemburg die Notwendigkeit des Massenstreiks ab, sondern aus allgemeinen psychologischen Erwägungen, die für jede Massenaktion gellen sollen, wo und wann immer diese vor sich gehen mag. Stets muß sie sich zuspitzen, neue, wirksamere Formen annehmen. Hat man einmal eine Massenaktion ein- geleitet, so mutz sie rasch vorwärts gehen, von Straßendemon- strationen zum Demonstrationsstreik, vom Demonstrationsstreik zum Zwangsstreik— und was dann? Welche„Zuspitzung* bleibt unS dann noch übrig? Die Auffassung, die Genossin Luxemburg hier vorbringt, ent- sprach sehr wohl den Verhältnisten der russischen Revolution, also Bedingungen, unter denen die Niederwerfungstaklik am Platze war. Sie steht aber in vollem Widerspruch mit den Erfahrungen, auf denen die Ermattungssttategie unserer Partei beruht. Diese beruht gerade auf der Erkenntnis, daß das Proletariat ein zäher Kämpfer .ist, an Zähigkeit und Ausdauer den anderen Klasten überlegen; daß es Massenattionen viele Jahre lang durchführen kann, ohne bei der Wahl seiner Aktionsmittel etwas anderes in Betracht zu ziehen als ihre jeweilige Wirksamkeit und Zweckmäßigkeit; daß es, um zu seinen letzten und schärfsten Mitteln zu greifen, noch andere und triftigere Gründe haben muß als das Bedürfnis, die bisher angewandten zu überbieten. Die Genossin Luxemburg ist ja mehrfach auf das österreichische Vorbild zu sprechen gekommen. Ueber ein Dutzend Jahre hat dort der Wahlrechtskampf gedauert; schon 1894 wurde die Anwendung deS Massenstreiks von den österreichischen Genosten erwogen, und doch vermochten sie bis 190S ihre glänzende Massenbewegung ohne jene Steigerung und Zuspitzung im Gange zu halten, die für die Genossin Luxemburg die„innere Logil* einer jeden Masten- bewegung ist. Nie sind die Genosten Oesterreichs in ihrem Wahl- rechtskampf über Straßendemonstrationen hinausgegangen, und doch verschwand nicht ihr Elan, brach ihre Aktion nicht zusammen. Und die Proletarier Deutschlands können es an Zähigkeit sicher mit denen Oesterreichs aufnehmen.* Kautsky führt dann weiter aus, daß der Proletarier sicher mit allen Fasern seines Herzens nach dem Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung strebe. Seine revolutionäre Ungeduld könne ihn aber nicht von der Sozialdemokratie abführen, da sie die einzige Partei ist, die diesen Umsturz will. In ihr Gegenteil, in Er- schlaffung und Mutlosigkeit aber könne diese revolutionäre Un- geduld nur umschlagen, wenn sie enttäuscht werde, wenn die Sozialdemokratie ihre Erwartungen nicht erfülle. Das werde eintreten, ivenn unsere Partei Erwartungen rege mache, die sie nicht erfüllen kann, wenn sie mehr verspreche, als sie zu leisten vermag. Wenn die Sozialdemokratie den Masten versprochen hätte, binnen wenigen Monaten das gleiche Wahlrecht in Preußen um jeden Preis durchzusetzen, dann allerdings würde sie die Massen schwer enttäuschen, wenn sie nun nicht alles aufböte, die Aktion rasch zu steigern und die Masten zur Anwendung ihrer letzten und schärfsten Kampfesmittel anzuspornen. Aber die Sozialdemokratie habe nie derartige? versprochen; vielmehr hätten gerade die Marxisten stets betont, der Wahlrechtskampf in Preußen sei noch schwieriger als anderswo. weil eS sich hier nicht um eine bloße Wahlreform handle, die ein paar Mandatsverschiebungen nach sich ziehe, sondern um den Sturz der Junkerherrschaft. .... Die deutsche Sozialdemokratie hat nie die Parole aus- gegeben: Niederwerfung des gegenwärtigen Regimes durch eine sich rasch steigernde Aktion binnen wenigen Monaten, sondern nur die Parole: Keine Ruhe in Preußen, so lange nicht das gleiche, geheime, direkte Wahlrecht er- o b e r t ist. ... DaS besagt aber nur, daß eS gUt, die AktionSmittel, die unsere Genossen heute schon mit so großem Erfolg angewandt haben, vor allem die Straßendemon st ration, weiter zur Anwendung zu bringen, darin nicht zu erlahmen, sie im Gegen- teil immer machtvoller zu gestalten. Aber wir haben nicht die geringste Verpflichtung,„um jeden Preis vorwärts* zu gehen und „die Straßendemonstrattonen jetzt schon als ein bald von der Welle der Ereignisse überholtes Mittel' zu betrachten, das durch ein schärferes zu ersetzen ist. DaS Dilemma, von dem die Genossin Luxemburg spricht, tritt erst dann ein, wenn wir eine Propaganda für den Masten- streik entfalten.... ... wenn wir in den Masten die Erwartung wachrufen, nun gehe es mit Hurra, Marsch Marsch vorwärts an die Niederwerfung des Feindes durch die schärfften Mittel, über die das Proletariat verfügt, dann werden wir allerdings binnen kurzem vor dem Dilemma stehen, entweder die Massen aufS tiefste zu enttäuschen oder mit einem gewaltigen Satze dem Junkerregime an die Gurgel zu fahren, um es niederzuwerfen oder von ihm niedergeworfen zu werden.* Soziales. Zum Kampf um eine Landarbeiter. Uufallrente. Der Landarbeiter L. aus Gr.-L. erlitt am 24. De. zeinber 180S einen Unfall; ein Ballen Preßstroh, ca. 1 Zentner schwer, fiel ihm auf den Kopf, außerdem wurde L. noch mehrere Meter von einem Wagen geschleift. Die Brandenburgrsche Landwirsschaftliche BerufSgenostenschast wies durch Bescheid vom 9. Juli 1907 den Anspruch des L. ab, da seine Leiden auf andere, vom Unfall unabhängigen Leniden zurück- zuführen seien. Das Schiedsgericht für Arbeitrrverücherung für den Regierungsbezirk Potsdam wies die dagegen eingeleitete Berufung am 12. Oktober 1907 zurück. L. rekurierte nunmehr beim RcichS-BersicherungSamt. Dies holte ein Gutachten von dem Herrn Geheimen Medizinalrat Prof. Dr. G. ein. Derselbe kam zu dem Ergebnis, daß L. um LS Proz. in seiner Erwerbstätigleit beschränkt sei. Trotz dieses Gutachtens kam das ReichS-BersicherungSamt am 27. Oktober 1908 zu dem Er- gebnis, daß dem L. nur eine Teilrente von 1b Proz. zuzusprechen sei. Die Genossenschaft setzte nunmehr auf Grund dieser Ent» scheidung durch Bescheid vom 19. Januar 1909 die Rente nach dem von der Regierung auf 800 Mark festgesetzten durchschnittlichen Jahresarbeitsverdienst erwachsener männlicher land» und forst- wirtschaftlicher Arbeiter fest. Von diesem JähreSarbeitSverdienst wurden jedoch 30 Proz. in Abzug gebracht, da der Verletzte durch andere Leiden um mindestens 30 Proz. in semer Erwerbsfahigkeit bereits vor dem Unfall beschränkt war. Auch hiergegen wurde Berufung eingelegt und geltend ge» macht, daß L. vor dem Unfall sämtliche vorkommenden landwirt. schaftlichen Arbeiten verrichtet hat und daß sein Lohn hinter dem anderer landwirtschaftlicher Arbeiter keineswegs nachstand. DaS Schiedsgericht für Ärbeiterverficherung hob in feiner.Sitzung vom 9. Juli 1909 den Bescheid der Genostenschaft auf und entschied, daß die Rente nach dem vollen Jahresarbeitsverdienst von 800 Mark zu berechnen sei. Das Schiedsgericht hielt auf Grund der eingeholten einwandfreien Auskunft des Vertrauensmanns der Genossenschaft den Kläger vor dem Unfall nicht in seiner Arbeitsfähigkeit be. schränkt und folgerte, da L. bis vor dem Unfall wie andere Ar» beider den Lohn von 980 Mk. bezogen hat, er als vollwertiger Ar- beiter zu erachten fei. Die Geiwssenschaft legte gegen diese Entscheidung Rekurs beim Reichs-Versicherungsamt em und hatte bei demselben leider Erfolg. Am 15. Mai 1910 entschied daS Reichö-Verficherungsamt. daß die Genossenschaft berechtigt sei, der Berechnung der Rente nur den um 30 Proz. gekürzten Jahresarbeitsverdienst zugrunde zu legen und zwar stützte sich paz ReichS-VersicherungSamt auf zwei Zeugen und insbesondere auf ein Gutachten deS Professor Dr. R., wonach L. vor dem Unfall krank und erwerbs-befchränkt gewesen sein soll. Also, obwohl L. 980 Mk. an Lohn bekam, er mithin schon bei der Annahme des festgesetzten JahreSarbeitsverdiensteS von 800 Mk. erheblich geschädigt worden wäre, geht die Schädigung noch weiter: die Berechnung der Rente erfolgt nach einem Jahresarbeitsverdienst von 480 Mk.' So verfährt man mit Landarbeitern und wundert sich dann. wenn bei feklcQ luigerechtW Zuställdes Landflucht bei den Ar- beitern eintritt. DaS Streitderfahren hat S Jahre fn Anspruch genommen, jetzt endlich nach 3 Jahren weiß der Arbeiter, woran er mit seinen Ansprüchen ist._ Entschädigung wegen vorzeitiger Abnahme der Papier«. Eine Entschädigung von 45 Mk. forderte der Steintttucker T. von der Firma Julius Straube, Lithographisches Institut und Landkartenverlag. Da auf gütlichem Wege die Forderung nicht be- friedigt wurde, beschäftigte die Sache am Dienstag das Gewerbe- gericht. Die Beklagte hatte von dem Arbeitsnaehweis die Zusendung eines Steindruckers verlangt. Darauf wurde ihr der Klager zuge- wiesen. Nach seiner Angabe wurde er zum LI. Juni engagiert, jedoch mit der Einstellung hingehalten, bis er am 30. Juni die ihm abgeforderten Papiere zurückverlangte. Von der Beklagten wurde. bestritten, daß der Kläger zum 21. engagiert worden sei, er habe darüber noch Bescheid erhalten sollen, wenn er anfangen könne. Wenn dem Kläger, wie er angibt, am L8. eine andere Stellung angeboten war, so sei er an der Annahme derselben nicht behindert gewesen, da ihm die Papiere jederzeit zur Verfügung gestanden hätten. DaS Gewerbegericht vertrat mit Recht die Ansicht, daß die Beklagte durch die vorzeitige Abnahme der Papiere an der Ent- stehung des dem Kläger erwachsenen Schadens mitgewirkt hat und ein Entschädigungsanspruch des Klägers deshalb dem Grunde nach ge- rechtfertigt ist. Die Höhe des Schadens, soweit er der Beklagten zu: Last fällt, wurde auf LO Mk. bemessen und der Beklagte zur Zahlung dieser Summe verurteilt._ Vom Jnnungsschiedsgericht. Als vor einigen Monaten der Ausschuß der bereinigten Ber- liner Innungen in das in der Bellealliancestraße, Ecke der Telto- wer Straße neu errichtete Gebäude der Handwerkskammer über» siedelte, durfte wohl damit gerechnet werden, daß der JnnungSauS« schuß das von ihm unterhaltene Jnnungsschiedsgericht in Räum- lichkeiten unterbringen würde, die ausreichender als die bisherigen in der Brückcnstratze fein würden. Diese Hoffnungen sind so gut wie nicht erfüllt worden. Einigen Verbesserungen stehen sogar er- hebliche Verschlechterungen gegenüber. So ist zum Beispiel der Aufgang zum Schiedsgericht ein recht wenig geeigneter. Ob- wohl doch das Gebäude der Handwerkskammer öffentlichen Zwecken dient, müssen sich die prozessierenden Parteien, um'zu dem im zweiten Stockwerk nach der Bellealliancestraße herausbelegenen Schiedsgericht zu gelangen, eines anscheinend hierfür extra ange- legten Aufganges bedienen, der am treffendsten mit den bekannten Gesindeaufgängen in den herrschaftlichen Häusern verglichen werden kann. Der Aufgang führt vom Hofe aus in die Rückseite des Vorder» gebäudes hinein und geht im regelrechten Zickzack nur bis zu dem im zweiten Stockwerk belegenen Schiedsgericht. Dabei ist der Auf- gang so niedrig gebaut, daß er von etwas hoch gewachsenen Leuten nur mit Vorsicht benutzt werden kann. Nur den Beisitzern ist* die Benutzung des bequemeren und direkt von der Straße hinauf- führenden Aufgangs gestattet. Auch die Räumlichkeiten selbst sind unzulänglich. Von dem winkligen Korridor rechts gelegen ist eine Küche, die als Warteraum für den Gesellen und Arbeiter dient, während der Vorderraum, durch verschiebbare Holzwände in drei Teile zerlegt, als Sitzungssaal, Warteraum für Meister und deren Zeugen sowie als Warteraum für die Beisitzer hergerichtet ist. Der Warteraum für die Meister dient auch als Bureau, in dem die Klagen aufgenommen werden. Ein Beratungszimmer existiert auch jetzt noch nicht, so daß die Parteien sowie die Zuhörer nach wie vor während der Beratung in die Warteräume zurückgehen und durch Glockenzeichen zurückgerufen werden müssen. Die Warteräume sind äußerst enge. Insbesondere ist der Warteraum für die Arbeiter gänzlich unzureichend. Oft ist er und der Korridor überfüllt. Trotz dieses UebelftandeS wird nun der Warteraum für die Arbeiter feit einiger Zeit überhaupt nicht mehr geöffnet» fodaß diese lediglich auf den Korridor angewiesen sind. Beseitigt ist der vielbeklagte Mangel an Bedürfnisanstalten. Dagegen macht sich die fehlende Trinkgelegenheit an den warmen Tagen besonders fühlbar. DieS abzustellen wäre eine Kleinigkeit. Es brauchte nur der eigentliche Warteraum für Arbeiter wieder geöffnet und der in ihm befino» lichen Wasserleitung einige Trinkbecher hinzugefügt werdxn. Soll« die gerügten Mängel ewig bestehen bleiben?.-i-- r' Gerichts-Leitung. Ans dem Oberharz. Vor der Strafkammer II des Landgerichts in Göttingen standen elf dem Steinarbeiterverband angehörende Stcinarbeiter und der Vertrauensmann Genosse H. Schropp aus Zellerfeld im Oberharz unter der Anklage des LandfriedenSbruchs, Störung deS öffentlichen Friedens, Nötigung, des StreikmgehenS auS§ 153 der Gewerbeordnung, Bahnpolizeiübertretung und Beleidigung. Die Verhandlung dauerte drei Tage. Die Anklagebehörde hatte dreißig Zeugen aufgeboten, von der Verteidigung war die Ladung von 37 Entlastungszeugen bewirkt. Der Anklage waren folgende Vorgänge zugrunde gelegt: Die Firma Gebr. Siegheim in Wildemann besitzt im Oberharz zwei Steinbrüche, in denen bislang die Arbeiter dieser arbeitsarmen Gegend fast ausschließlich in Beschäftigung standen. Im Jahre 1909 wurden Lohnkürzungen von 30 bis 100 Proz. vorgenommen und 40 Arbeiter entlassen. Als sich nun die anderen Arbeiter weigerten, die Arbeiten ihrer entlassenen Kollegen zu verrichten. wurden weitere 50 Mann entlassen, so daß mitten im Winter 90 Arbeiter, meist Familienväter, brotlos waren. Die Firma warb auswärtige Gelegenheitsarbeiter an und ließ sie unter schärf, ster Gendarmeriebedeckung von und zur Arbeitsstelle geleiten, so daß den Ausgesperrten ein Verkehr mit den Arbeitswilligen ganz unmöglich gemacht war. Am L4. Januar gingen die Angeklagten von Wildemann nach Zellerfeld. Hierbei sollen vor dem Hause der Gebr. Siegmann sowie eines Arztes, der den Ausgesperrten: „Bummler, Arbeitsbummler!" zurief, laute Entrüstungsrufe, schließlich auch Beschimpfungen gefallen sein. Die Angeklagten gingen dann auf einem alten ArbettSwege über ein Bahngleis hin. weg, durch einen Steinbruch hindurch weiter. In dem Steinbruche sollen die Angeklagten durch Zurufe, wie„Arbeit niederlegen!". „Aufhören!",„Heute ist Schluß!",„RauS oder sonst wird die Baracke in die Luft gesprengt!" ausgestoßen und hierdurch unter Androhung eines Verbrechens den öffentlichen Frieden gestört, die Arbeitswilligen zur Arbeitseinstellung genötigt und sie zum Bei- tritt zu einer Verabredung zwecks Erlangung günstiger Lohn, und Arbeitsbedingungen bestimmt haben. Einer der lZlrmeninhaber mußte auf Beftagen des Verteidigers selbst zugeben, daß andere Steinbruchbesitzer deS Oberharzes in fraglicher Zeit Lohnkürzungen nicht vorgenommen, auch keine Arbeiter entlassen haben. Ferner hatte ein Firmeninhaber geäußert:„Gehen die Arbeiter aus de« Strinarbeiterverbande, so stelle er alle wieder em. Derselbe Herr hatte erklärt:„Der Hunger soll die Arbeiter wieder zur Arbeit zwingen." Durch Befragen seitens des Verteidigers wurde ferner festgestellt: Firmenangestellt« hatten die Arbeitswilligen unter der Borspiegelung angeworben, Streik oder Aussperrung läge nicht vor, die Oberharzer wollten nur nt($t arwitcn. Bewiesen wurde außerdem, daß die WohnungSverhaltnisse für die Arbeiter in dem Steinbruche entsetzlich waren, so daß mehrere Arbeiter schwer er- krankt sind. Bewiesen wurde endlich, daß die Arbeitswilligen au» eigenem Antrieb mit den AuSge,perrten sich geeinigt hatten, die Arbeit einzustellen und die Angenagten aufgefordert hatten, am 24. Januar in den Steinbruch zu kommen und daß am Abend die Arbeitswilligen Arm in Arm mit den Ausgesperrten mit Musik von der Arbeitsstelle abgezogen waren. Der Staatsanwalt hielt trotzdem die Anklage in allen Punkten -ufrecht unv beantragte 9/9«» den.Anführer* Schropp 2 Monate 1 Woche Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe, gegen die anderen Angeklagten Gefängnisstrafen von 1 Woche bis 9 Monate und hohe Geldstrafen. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Luetgebrune(Göttingen). empfahl dem Staatsanwalt die Beschäftigung mit der Frage, ob nicht die Gebrüder Siegheim geeignetere Objekte für die Anklage seien wie die Wolf Aibelier. Von einer»Störung de» ösfeatlMen Friedens' könne niZHZ die Rede fein. EVensoivenig liege Nötigung vor. Kräftige Worte von Arbeitern könnten als„Drohlvorte" nur von verzärtelten Ohren empfunden werden, die von hellhörigen Gendarmen in Furcht gesetzt seien, die Arbeitswilligen allerhöch- slens durch das feige Gebaren ihrer Vorgesetzten und das Ver- halten der Gendarmen. Die Arbeitswilligen seien in der Mehr- zahl zur Fortsetzung der Arbeit bereit gewesen. Ein Vergehen gegen§ 153 der Gewerbeordnung finde keinen Platz. Festgestellt sei nicht, daß die Ausgesperrten eine„Verabredung" zur Erlangung günstiger Lohnverhältnisse getroffen hätten. Selbst wenn die Aus- gesperrten die Arbeitswilligen zur Arbeitseinstellung hätten bewegen wollen, so könne hierin nicht die Bestimmung zur Teilnahme an einer solchen Verabredung erblickt werden. Schließlich könnten sich „ausgesperrte" Arbeiter überhaupt niemals des Vergehens gegen Z 153 G.°O. schuldig machen; denn diese Bestimmung setze dem Wortlaute und dem Sinne nach voraus, daß die Täter überhaupt noch in einem Arbeitsverhältnis ständen, das sie aufzubessern be- gehrten; Ausgesperrte gehörten also nicht hierzu. Der Verteidiger beantragte unter Hinweis darauf, daß eine Bestrafung eine Ver- nichtung des gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechtes sei. die Freisprechung sämtlicher Angeklagten. Das Gericht machte sich die Ausführungen des Verteidigers im wesentlichen zu eigen und sprach die Angeklagten von der Störung des öffentlichen Friedens» Nötigung und Streikvergehens frei. Zwei Angeklagte wurden wegen Beleidigung der Gebrüder Siegheim zu Gefängnisstrafen verurteilt, außerdem erhielten acht Angeklagte kleinere Geldstrafen wegen Ueberschreitung des Bahngleiscs. So endete der gegen die Steinarbeiter unternommene Feldzug mit einer kläglichen Niederlage der Staatsanwaltschaft. Berkennung der Notwehr. Vom Landgerichte Bochum ist am 2g. April der Bergmann August Dellmann wegen gefährlicher Körperverletzung zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hatte in der Neujahrs- nacht in einer Wirtschaft Streit mit mehreren anderen. Diese gingen um 4 Uhr fort, lauerten aber dem Angeklagten auf, bis dieser um 6 Uhr fortgehen wollte. Kaum war er auf der Straße, so näherten sich ihm seine Gegner. D. war der Ansicht, daß sie ihn gemeinschaftlich mißhandeln wollten und gab mit den Worten: „Drei Schritt vom Leibe!" aus seinem Revolver einen Schuß ab. Er traf den Bergmann B. am linken Oberschenkel und verletzte ihn derart, daß er einen Monat arbeitsunfähig war.— In seiner Revision rügte der Angeklagte Verkennung der Putativ-Notwehr. Er habe nur annehmen können, daß Leute, die ihm so hartnäckig auflauerten, ihn mißhandeln wollten.— Der Reichsanwalt beantragte di« Aufhebung des Urteils und Zurückverweisung der Sache an ein anderes Gericht. Der Angeklagte habe doch wirklich von den Leuten nichts Gutes erwarten können. Die Strafiammer ge- stehe zu, daß D. sich in Putativ-Notwehr befand, meine aber, ein Schreckschuß würde genügt haben. Zu prüfen sei aber lediglich, ob der Angeklagte sein Vorgehen mit dem Revolver für erforderlich hielt. Daß der Angeklagte auf Leute, die ihm zwei Stunden lang aufgelauert hatten, besondere Rücksicht zu nehmen hätte, könne man nicht gerade behaupten.— Das Reichsgericht hob am Dienstag das Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht Essen. Ist eine Kegelbahn ein Gebäude? Vom Landgericht Essen(Ruhr) ist am 20. April der Bergmann Paul Urbanski wegen schweren Diebstahls und der Bergmann Hammacher wegen Hehlerei verurteilt worden. U. hat aus einer Kiste, die in einer Kegelbahn stand, mehrere Päckchen Kautabak ent. wendet und sie dem H. gegeben. Auf die nur von U. eingelegte Revision hob am Dienstag das Reichsgericht daS Urteil bezüglich beider Angeklagten auf, weil möglicherweise nur Mundraub vor- liegt, dann aber auch, weil nicht festgestellt ist, daß die Kegelbahn alS ein Gebäude(8 243,2) anzusehen ist. ES ist durchaus anerkennenswert, daß daS Reichsgericht sich in letzter Zeit wiederholt gegen die Einengung des Begriffs„Mund- raub" und gegen die Allsdehnung deS Begriffs»schwerer Dieb- stahl" gewendet hat._ Traumatische Hysterie bei einem SchulmSdche» als Folge vo« Ohrfeigen. Vom Landgerichte Darmstadt ist am 3. März die Lehrerin H. wegen vorsätzlicher Körperverletzung im Amte zu 10l> Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Die Schülerin M. hatte der Anweisung der Angeklagten zuwider das auf dem Hofe umherliegende Papier nicht aufgesucht und. zur Rede gestellt, erwidert, ihr Vater habe gesagt, sie solle nicht anderer Leute Dreck aufheben. In ihrer Erregung ver- setzte die Angeklagte ihr mindestens drei kräftige Schläge mit der Hand nach dem Kopfe, während die M. sie mit der Hand abzu- wehren suchte. Die M. lief sofort nach Hause. Unterwegs hatte sie Erbrechen. Zu Haufe stellte die Mutter fest, daß die eine Wange geschwollen war und fünf Fingerabdrücke zeigte. Das Kind erbrach sich wiederholt, war in der Nacht ganz irre und sprang aus dem Bette. Es war drei Wochen lang bettlägerig und konnte zurzeit der Hauptverhandlung die Schule noch nicht wieder besuchen. Es handelt sich um traumatische Hysterie, die durch psychische Beein» flussung in absehbarer Zeit zu beseitigen sein wird. Sie ist die Folge der Schläge.— Die Revision der Angeklagten wurde am Montag vom Reichsgerichte verworfen. Nach dem hessischen Schul» gesetze ist jede Ueberschreitung deS MaßeS elterlichen ZüchtigungS- �chws als strafbare Körperverletzung anzusehen. Da festgestellt ist, daß die Angeklagte die Züchtigung in durchaus unväterlicher Weise vorgenommen hat und daß diese gegen alle vernünftige! Er- ziehung verstoße, so ist die Angeklagte zu blecht verurteilt. dZurden an Preußen nicht durch KompetcnzkonfliktSerhebung schlagende �.ehrer dem Strafrichter entzogen, so würden hunderte von Fallen verhütet, baß Kinder, die der Schule zur Ausbildung ihrer körperlichen Fähigkeiten anvertraut sind, durch Mißhandlung körperlich und geistig verelenden müssen. Wann wird endlich auch im Kultusministerium die an Oesterreich längst betätigte An- sicht durchdringen:-ein~ehrer, der schlägt, ist unfähig zu erziehen." Hus der fraucnbcweguiigo Tie Gcschäftsdame. In den letzten Tagen sind vor dem Berliner Kaufmannsgericht drei Fälle erörtert worden, die ein äußerst bezeichnendes Licht auf das unwürdige Abhängigkeitsverhältnis der Ladenproletarierinnen gegenüber ihrem Chef werfen. ES dürfte angebracht fein, auf das Wort Proletarierinnen hier besonderes Gewicht zu legen, denn nicht gu wenige junge Arbeitertöchlter gibt es, die unter dem Gewerbe des .GeschäftsftSuleinS" sich etwas außerordentlich Ideales vorstellen. obgleich das Monatsgehalt fast in den meisten Fällen niedriger ist. als da» eines Dienstmädchens. In dem einen Falle wurde eine Ver- kauferin von ihrem Chef deshalb Knall und Fall entlassen, weil sie sich zu„ausschweifend" kleidete. Der Chef nahm an, daß sie bei ihrem Monatsgehalt von 90 M. sich nicht eine nach seinen Begriffen luxuriöse Kleidung leisten könne. Auf die Klage der entlassenen Lerka»'f«in billigte das Kaufmannsgericht dieser daS Restgehalt zu. iiur den Alltagsmenschen mag die Affäre damit zu seiner Zu- friedenheit erledigt sein, für einen aufgeklärten Arbeiter ist sie das im Begriffe semer Töchter nicht. Ist eS nicht schon überaus bezeichnend, daß der maßregelungs. lustige Chef überhaupt hoffen konnte, vor dem Kaufmannsgericht zu seinen Gunsten entschieden zu sehen? Angenommen, die Ver» käuferin hätte wirklich eine Garderobe getragen, die über ihre finan. ziellen Verhältnisse hmauSgegangen wäre, so ist doch damit noch lange nicht der Verdacht des unsittlichen Lebenswandels begründet. Sie konnte ja einen ehrlichen Verkehr haben und von diesem ein kostbares Garderobenstück geschenkt erhalten haben Weit trauriger als die Beschränktheit eines solchen Chef» scheint uns aber die Praxis Hl KwpKSMjsgeriAtzt. Dikles hgt erst nach umfAlsMex Beweisaufnahme festgestellt, daß die Mutter beS Mädchens das Kleid selbst angefertigt und die Hutfasson nicht mehr als 4 M. gelostet hat. Ja, was wäre geworden, wenn dieser Nachweis nicht gelungen wäre und in der Tat die Kleidungsstücke einen verhältnismäßig hohen Wert repräsentiert hätten? Wäre dann die Verkäuferin unschuldigerweise um das ihr zustehende Restgehalt gekommen? Und was noch viel schlimmer ist, wäre sie des unreellen Einkommens „überführt", kurzum, sie wäre als eine Hure gebrandmarkt gewesen. Man schaudere nicht; denn das ist doch die logische Konsequenz, die aus einer solchen Beweisaufnahme und der sich auf diese stützende Spruchpraxis folgt. Das ist einfach ein ganz unhaltbarer Zustand. gegen den selbst im Interesse der guten Sitten eingeschritten werden müßte. Die ungeheuerlichsten Möglichkeiten sind ja bei einer solchen Judikatur gegeben. Im zweiten Falle hatte eine verheiratete Angestellte Kuchen gegessen; nach der Ansicht deS Chefs zu viel. Als dieser sie owch nach dem Einkommen ihres Mannes ausfragen wollte, sagte sie dem Chef, statt ihn glatt abzuweisen, die Unwahrheit. Das hätte sie nicht tun sollen. Für den Ausgang der Sache hatte es aber keine Bedenken. Auch hier fand vor dem Kauftnannsgericht eine um- fangreiche Beweisaufnahme statt. Deren Ergebnis war, daß die Entlassene täglich nicht mehr als für 15 Pfennig Kuchen verzehrt hätte. Auch hier verurteilte das Gericht den komischen Chef zur Zahlung des Nestgehaltes. Wäre vielleicht festgestellt worden, daß die Entlassene an manchen Tagen für 30 oder 50 Pfennig gegessen hätte, so wäre hier, wo es sich um eine verheiratete Frau handelte, die doch mit vom Einkommen ihres Mannes lebt, dieselbe Konsequenz wie oben eingetreten, bloß»wch mit der Hinzufügung, daß vielleicht gar noch der Mann, der seine Frau als Zeuge herauszureden sucht, als— Zuhälter, bei dem kaufmannsgerichtlich„festgestellten" un- sittlichen Lebenswandel angesehen worden wäre. Es ergeben sich also aus einem solchen Gebaren dieses Gerichts die glanzvollsten Perspektiven. Man sollte doch meinen, daß, wenn nicht sichere Anzeichen eines schlechten Lebenswandels vorliegen, der Chef sich hüten sollte, zu solchen Mätzchen zu greifen. Viel schlimmer aber ist es, daß das KaufmannSgericht bei solchen, durch nichts gerecht- fertigten Anschuldigungen in eine Beweisaufnahme eintritt. Im dritten Falle wurde jemand beschuldigt, die Registrierkasse nicht richtig gehandhabt zu haben, was auch zutraf, indem einmal ein größerer und einmal ein kleinerer Betrag durch die Ungeschick- lichkeit der Kassiererin angezeigt wurde, zuletzt sich aber die wirk- liche Summe ausglich. Es mag zugegeben werden, daß bei einem solchen wiederholten Vorkommnis der Chef mißtrauisch werden kann. Aber wir möchten hier auf einen anderen unwürdigen Mißstand hinweisen, unter dem die Berliner Verkäuferinnen in den Fleischereien. Bäckereien und Butterhandlungen zu leiden haben. In diesen Geschäften müssen fast überall die Verkäuferinnen ihr Portemonnaie abgeben! Wollen sie abends oder des Sonntags ausgehen oder benötigen sie eines Kleidungsstückes und dergleichen, so müssen sie sich das Portemonnaie vom Chef dazu aus- bitten und nachher wieder zurückgeben. Dieser Brauch wird gepflegt, um Unredlichkeiten deS Personals vorzubeugen. Eine andere Mög- lichkeit der Kontrolle hat der Chef angeblich nicht, auch da nicht, wo Registrierkassen vorhanden sind. Bemerkt nun dieser, daß seine An- gestellte irgend einen Einkauf gemacht hat, ohne von ihm das Porte- monnaie erbeten zu haben, dann ist sie geliefert. Es beginnt ein Kreuzverhör unter Hinzuziehung oder auch bloßer Androhung der Polizei, Entlassung, gerichtlicher Auseinandersetzung usw. Solche Fälle kommen in Berlin täglich vor. Man wird staunen, aber uns sind Fälle bekannt, wo deshalb, weil am Montag morgen bei der Verkäuferin der Rest einer Tafel Schokolade, oder ein verwelktes Veilchensträußchen, oder ein Straßen» bahnbillett bemerkt wurde, ohne daß sie sich, was ihr immer peinlich war, daS Portemonnaie erbeten hatte— die Unkosten beim Sonn- tagSauSflug bestritt ihr Bräutigam— die Exekution begann. Begreiflicherweise weigert sich das Mädchen oft zu sagen, daß ihr Bräutigam die kleinen Auslagen beglich, denn das könnte ja wieder die genannten Perspektiven des„unsittlichen" Lebenswandels vor das Tribunal rufen, und gibt sie es notgedrungen zu, dann wird der Bräutigam als Zeuge usw. belästigt. Man sieht also, welche Zustände unter dem„freien Arbeits- Verhältnis" innerhalb der Verkäuferinnenbranche in Berlin Herr- schen. Sie sind genau so beschämend, unwürdig und drückend, ja vielleicht noch mehr beim Dienstmädchen! Das sollten die Ge- schäftsproletarierinnen einsehen und ihren einzigen Hort nur in dem von dem verderblichen Standesdünkel freien Zentralverbande sehen. Auch für diesen bleibt hier ein schweres Stück Arbeit gegen die Spruchpraxis der KaufmannSgerichte zu tun übrig. Leseabende. Mariendorf. Besonderer Umstände halber findet dieser Lese- abend am Freitag, den 15. d. Mts. bei LucaS, Königstraße 14, abends 8 Uhr, statt. Steglitz. Freitag, den 15. Juli, abends Uhr: Frauenleseabend bei Rohmann. Vortrag des Genossen Stadtv. Thurow über: „Die Armen- und Waisenpflege". Der Vorstand. Versammlungen— Veranstaltungen. Rummelsburg. Ausflug nach Baumschulenweg am 20. Juli, morgens WO Uhr. Treffpunkt bei Blume. Im Lokal deS Ge- Nossen Erbe nachmittags 3 Uhr Kaffeekochen. Vermischtes. Sräbeben in 8üddeutrd>land und Cirol. Ein wellenförmiger Erdstoß von drei Minuten Dauer wurde Mittwoch vormittag 9°/« Uhr in Garmisch-Partenkirchen verspürt. Durch das Klirren der Fensterscheiben und das Erzittern der Möbel wurden vielfach die Leute in Schrecken versetzt und liefen ins Freie. Der Meteorologe auf der Zugspitze hat den Erdstoß ebenfalls beobachtet. Sein HauS erzitterte wie bei heftigem Sturme. Auch in Oberammergau wurde der Erdstoß verspürt. In München wurde das Erdbeben in mehreren Teilen der Stadt verspürt. Wie die dortige Erdbebenstation mitteilt, arbeitete der Seismograph sehr stark; er verzeichnete die erste Er- schütterung um 9 Uhr 32 Min. 37 Sek., die stärkste Erschütterung 9 Uhr 82 Min. 51 Sek. Der Herd des Erdbebens ist vermut- lich in Tirol zu suchen. DaS Erdbeben wurde in vielen Häusern an dem Schwanken der Möbel verspürt. In einigen Schulen wurde ein plötzliches Schwanken der Schultafeln und Wandkarten beobachtet. Besonders stark machte sich das Erdbeben in der Gegend des Gärtnerplatz-TheaterS bemerkbar. Im Schulhause an der Klenze- straße hörte man, besonders in den oberen Stockwerken, ein starkes Donnern und Poltern. Die Mädchen liefen laut schreiend aus den Lehrzimmern. In den Kellerräumcn der Schule zeigten sich Nisse. Auch der große Nathausbau war starker Erschütterung aus- gesetzt. Im großen städtischen Bibliotheksaal schwankten die hohen mit Tausenden von Büchern belegten Wandregale in bedenklicher Weise. Anfänglich herrschte der Glaube vor, eS hätte«ine Explosion stattgefunden. Die Leute liefe« vielfach zusammen, um die Ursache der Erschütterung zu erfahren. Seitdem dt« Erb» bebenstation in München besteht, ist ein derartige? Erdbeben hier nicht wahrgenommen worden. Auch an anderen Orten Ober- und Nieder-Bayerns sowie der Oberpfalz, wie in Landshut, Rosen« heim und Regensburg, ist am Vormittag ein Erdbeben verspürt worden. In Innsbruck hat der Erdstoß mehrere Sekunden angedauert. Die zweite Erschütterung dauerte fünf Minuten und war von dumpfem Rollen begleitet; sie war sehr stark fühlbar, die Leute verließen vielfach fluchtartig ihre Häuser. Bilder fielen von den Wänden, Türen sprangen auf und Fensterscheiben gingen mehrfach in Trümmer. Am stärksten war der Erb- stoß im Oberinntal. In Nassereith und Silz stürzten mehrere Zimmerdecken und Schornsteine ein, mehrere Häuser zeigen klaffsnde Mauersprünge. Die Bevölkerung von Silz wurde von panikartigem Schrecken erfaßt. Vierfacher Mord. Eine schwere Bluttat verübte gestern früh 4 Uhr in Helm« st e d t bei Braunschweig der Grünwarenhändler Hermann Seelen- b e r g. Er erschoß seine Frau. zwei seiner Kinder und sich selbst, nachdem er noch drei Kinder so schwer verletzt hatte, daß sie in das Krankenhaus Marienberg übergeführt werden mußten. An ihrem Aufkomnaen wird gezweifelt. Die Motive der Tat find in Nahrungs- sorgen zu suchen. Seelenberg, der früher eine gutgehende Bäckerei besaß, aber in Konkurs geriet, hatte schon öfter geäußert, er werde bei Geldmangel sich und seine Familie erschießen. Nach einem neueren Telegramm aus Helmstedt find von den nach dem Krankenhaus geschafften drei schwer verletzten Kindern bereits zwei gestorben. Das dritte Kind liegt hoffnungslos danieder. Schweres Eisenbahnunglück in Kalifornien. In der Nähe der Station Metz(Kalifonaien) ist gestern ein Exprcßzng der Southern Pacific Bahn aus bisher noch unbekannten Ursachen entgleist. Da der Zug sich in voller Fahrt befand, ist daS Unglück sehr groß. Der Unfall ereignete sich in einer Kurve; Maschine und Tender stürzten einen steilen Abhang hinunter, die ersten beiden Wagen schoben sich vollständig ineinander, während die übrigen umstürzten und den Abhang hinabrollten. Die Wagen sind vollkommen zerstört. Im ganzen sind S Personen getötet und einige 30 mehr oder minder schwer verletzt worden. Bluttat eines Wahnsinnigen. In der Nähe von Eisenbrod in Böhmen warf ein Mann im Wahnsinn sein jüngstes Kind in einen Topf mit siedendem Wasser, tötete ein zweites Kind dnrch Fußtritte, erwürgte seine herbeieilende Mutter und spaltete seinem Pater mit einem Beil de» Kopf. Erst nach einiger Zeit gelang es, den Wahn- sinnigen zu überwältigen und in die Irrenanstalt zu Kos- manoS zu schaffen. Zwei größere Kinder hatten sich noch rechtzestig verstecken können. Nach einer Meldung aus Budapest hat der Gutsbesitzer Horvath in Beed bei Oedenburg wegen finanzieller Schwierig- ketten seine Frau, seinen Schwager, den evangelischen Pfarrer Karsay und sich selbst erschossen. Kleine Notizen. Automobilunfälle. Bei B i s s e n d o r f ereignete fich gestern ein schwerer Automobilunfall, wobei der Buchdruckereibesitzer Moehle und der Buchhalter Rahe aus Bünde i. Wests. umS Leben kamen.— An der Straßenkreuzung bei Turnau ist ein Automobil mit einem Geschäftswagen zusammengestoßen. Das Automobil wurde in den Straßengraben geschleudert, der Chauffeur und dessen Braut, die sich in dem Automobil befand, wurden lebensgefährlich verletzt, während der Besitzer des Geschäftswagens mit leichteren Verletzungrn davonkam. Ein Cholrrafall im Schwarzen Meer. Auf einem im Schwarze» Meer befindlichen deutschen Schiffe soll ein Chjolerafall kon» statiert worden sein. Großfeuer aus Malta. Nach telegraphischen Meldungen aus Malta brach in den Futlerschuppen des TrainS der britischen Truppen ein verheerendes Feuer aus, dessen man noch gestern abend Herr geworden ist. Viele Militärpersonen und Zivilisten wurden verletzt. Opfer seines Berufs. Der Marinetaucher Duve in Kiel wurde während semer Beschäftigung unter Wasser ohnmächtig und ertrank. Ein Kupplernest aufgehoben. Die Besitzerin des Triester Hotels .Zur Stadt Wien", ihr Geschäftsführer sowie der Portier deS Hotels wurden wegen Gelegenheitsmacherei verhastet. Ebenso wurden mehrere Mädchen im Alter von 13 bis 24 Jahren in Haft ge- nommen. Selbstmord im Eisenbahnzug. Gestern wurde in dem um 1 Uhr 32 Min. aus Dortmund in Gelsenkirchen eingetroffenen Zuge in einem Abteil zweiter Klasse die Leiche eines erschossenen ManneS aufgefunden. Aus einem bei dem Toten vorgefundenen Briefe geht hervor, daß Selbstmord vorliegt. Ein Hauptmann unter Bormundschaft. DaS Amtsgericht Hamm (Westfalen) hat den Hauptmann Möllenhoff unter Vormundschaft seines Bruders gestellt. Wie erinnerlich, ist Hauptmann a. D. Möllenhoff kürzlich vom Schwurgericht in Bochum wegen Körper» Verletzung mit Todeserfolg bezw. versuchten Totschlages, begangen an seinem Pächter August Jürgens und dessen Bruder, zu 3'/, Jähret» Gefängnis verurteilt worden. Der Brand in Cauipbclltown. Die Stadt Campbelltown im Norden von Neu-Braunschweig ist, wie gemeldet, durch eine Feuers- brunst vollständig zerstört worden. DaS Feuer kam nachmittags in den Fabriken von Richard zum Ausbruch. Die Flammen griffen sehr schnell um sich und wurden durch einen heftigen Nordwestwind be- günstigt. Bald stand das Zentrum der Stadt in Brand, der die königliche Bank und die Bank von Neu-Schottland, zwei Kirchen, das Hospital, drei Fabriken, die Oper und einige Magazine zer- störte. DaS Feuer dehnte sich bald über eine Strecke von sieben Kilometer aus. Ein großer Teil der obdachlosen Einwohner der entlang der Eisenbahnlinie gelegenen Stadt wurde von den Eisen- bahnzügen aufgenommen und nach den nächstgelegenen Städte» transportiert. Die Hitze in Amerika hält an. Zwar ist sie um wenige Grad gesunken, doch da sie immerhin noch 85 Grad Celsius beträgt fordert sie täglich neue Opfer. Während der letzten 24 Stunden sind allein 12 Personen vom Hitzschlag befallen worden und ge» storben. Auch die Zahl der am Hitzschlag Erkrankten ist groß. Balkoneinsturz. Bei einer kirchlichen Feier in Sand in TauferS stürzte nach einer Meldung aus Innsbruck, infolge von Ueberlaftung ein HauSbal.kon ein, auf dein sich 20 Personen befanden. Alle wurden verletzt, an dem Aufkommen von zweien wird gezweifelt. Touristenunglück. Aus der B i r n I ü ck e sind einige Touristen, die sich im Neuschnee verirrt hatten, in eine Eisrinne gestürzt. Ein tcäulein Zenig und ein Herr Anton Pesch, beide aus Berlin und anS Rieder aus Wien sind schwer, zwei andere leicht verletzt. Eie wurden alle von ihren Begleitern nach Kasem gebracht. KrUkKssUn der Redahtfon. «. K. SS. Nein.— A. S. 10. Für die Zelt Ihrer ArbeUSloflgkeit wnnen Sie bei der Steuerdeputation Erlaß der Steuer beantragen.— A.<3. 100. 1. Ja. 2. 18 Jahre. 3. Ebenso lange.— Szalwickt Tegel. Nein. — H. 27. Die Frau soll fich unter Darlegung des Sachverhalts an den österreichischen Konsul wenden mit der Bitte, die amerikanische Gesandtschast um Nachjorjchungc»«ach du» Ausenthalt des Mlmnes zu ersuchen.—> Die alten Mltglledskapten müssen in den Zahlstellen gegen die neuen Karlen ausgetauscht werden. Die alten Mitglieder haben einen U0 Mk., die Abendmitglieder 1,30 Ml. zu entrichten. Bei allen Umschreibungen in eine andere Zahlstelle muh die neue Karte aus der bisherigen Zahlstelle abgeholt werden. Mene Mitglieder können sieb In allen Zahlstellen anmelden. 241/7* Der Borstand. 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Auffuhrnng: Der Gras von Luxemburg. Operette in 3 Allen von Franz Leh�r. Lustspielhaus. Abend» 9 Uhr s Das Leutnantsmündel OSE=THEATE Grosse Frankfurter Str. 132. Veruesunädstsr Schwank in 3 Akten von A. O. Weber. Ans. 8 Uhr. End-'1,1t Uhr. Aus der Kartenbühne: Theater> Borstcllung. Spezialitäten. Gr. «tonzert. Ansang 4'/, Uhr._ Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestatte«. Ab 8 Uhr: Die sensationellen Spezialitäten. 9',. Uhr: K!s8sisehe Tänzerinnen vom königl. dänischen Ballett 0 Bcantöa Korlnnas 5. io uhr: Schimpanse-Oraiig-Ötang als Tandemfahrer, usw. usw. usw. V oigt-Thealer Gesundbrunnen Badstr. 58. Heute Donnerstag: Zum 1. Male: Vineta. Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Alten von H. Schulz. Das ersttlasfige Juli-Speztalitäteu-Programm. Staffeneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, uhr. Königutadt-Kasino. Holzmarttstr. 27, Ecke Alexanderstr. 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Hierzu ladet ergebenst ein f2g2öbj Thoruiaan. -Ifelk Täglich mit Musik am Schlesischen Bahnhof. �ags"2 Uhr"�»ach tAgltkfSlllll'töf MiEi. TägllCh l�d K°�?j früh lUUHrnach Neue Mühle. Hin und zurüd SO Ps. to.Mm Kunstausstellung 1910 30. Zlpril bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel- Konzert. Emtritt: 10-5 Uhr 1 M.. b. 6 Uhr ab 50 Ps., Sonntag? 50 Ps. Dauert. 6 M. AuZZtellungZkAÜL am Zoo. Täglich'/,9 Uhr: „Sumurun". LOCHSCKER GARTEN Täglich: Großes Miiitär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abends s Uhr ab so Ps., Kmder __ unter zehn Jahren die Häljte. Große Ausstellung MaulM!cleu.MMlk Baumschulenweg bei Berlin. Stadtbahnstation, 26 Minatmi vom Bahnhol Friedrichstraße. Täglich von 10— 8 Uhr geöffnet. Eintritt 1 M., Sonntags 50 Pf. Vereine erhalten Ermäßigung. Hetzte Woche. Donnerstag, den 14. Juli: Elite-Tag. Großes Konzort der gesamten Kapelle der Berliner Jugend- wenr. Um 6 Uhr im Pestsaal Lichtbildervortrag des Herrn Professor Dr. Lennert über: �Keramik im Kunstgewerbe". Um S'l, Uhr im Festsaal Hauptversammlung des Vereins der Vororte. Freitag, d. 15. Juli, abends 8 Uhr. im Festsaal: Vortrag des Herrn Kantor Gerioke- Velten:„Der Werdegang das Berliner Kachlcfeens''. I OaiHDfisfnun aller maiscLMrcua' I J Nur noch wenige Tage! |]Uxdorr-Hcrlin.PflDgerstr.| u. Pannierstr.-Ecke. Telephon: Rixdorf 806. Heute abend 8'/. Uhr: Gala'Abend. 1 mit allen Attrafct., u. a. Kurt 1 Just, Schuir., Chong-Jh, heilige I chines. Zauber, u. Zopfakrob., Conte Seranos, Löwen der Wildnis, Gerhard! Mohr, König der Springer, Corty u. Rettie, | ordroU. singende Parodisten, und vieles andere mehr. | Ab Sonnabend, 16. Juli, abds.81/, Ecke Haupt- und MühlenstraBe. BrunnenstFatte 16. Das größte Kino- Theater Berlins. Ktlliner Prater-Thtatel Kastamenallea 7—9. eOT Täglich:-sn 3m Reiche des ftSars Spezialitäten, Konzert u. Ball. Ansang 4',, Uhr. Entree 30 Ps. IN und Testsate. Inh.: Rudolf Krüger. Hasenheide 13/15, vis-a-vis v.Turnpl. Tügllcb: Grohe Theater- u. Artist. Leitung: Walter Grävenitz, Kapellmeister: Mar Wolffheim. Jeden Donnerstag: Elite-Tag! Anfang: Wachent.6Uhr, Sonn1.'/,g Uhr. Wa,ha"a TT/ariele-Thealer | Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. i Abends 8 Uhr: Das Variei großartige e=Programm Volksgarten-Theater früher Weimann. Bndftr. 8, Belim- u. Bellermannstrahe. Täglich: Konzerl-, Jhoaler- und Speziaiilälen-Vorsiellung. Das neue Riesen-Juliprogr. Zur AussüHr. gel. i Hcc«aidteafei. Lebensbild mit Gesang u. Tanz m 3 Alt. o. K. Elmar. Jed. Donnerst.: Gr. Briiiani-Feuerw. Reiehshalleu-Theaier. Stettiner Sänger Zum Schluß: Künstler d. Landstraße. Urk. Burleske von Messel. Ansang wochentags 8 Uhr. Sonntag? 7 Uhr. Burgtheater-Kinematograpi) vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schöuhailser Allee ISO. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Atonlag. Sonuabeud u. Sonntag. Wochen!. 30 u. 49 Ps. Anfang 7 Uhr. Sonnt. 30, 40 u. 69 Ps. Ans. 4 Uhr. Vorzugskarten nur Wochentags gültig 25 Ps. aus all. Plätzen. Stets wech,. Progr. Jed. Sonntag im Obersaal: Künstlerkonzert. Entree IS Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Famiiien-Kränzchsn. am See and Babnbof Stralau-Rammelsburg. Täglich x � Spezialitäten Theater, Konzert. -Victoria-■ Brauerei, Lützowst. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Gr. hamorlst. Soiree. (Gesangsvorträge, Theater und Variets-Vorstellungen.) Sonntags, Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränzchen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle BonS gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 75 Ps. Gr. u. U, Säle zu Festlichkeiten aller ArL Max Saegar. Vereins-Brauerei Rixdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wandt ■MET Tüglich: Gr. Militär-Konzert. Anfang wochentags 7 Uhr. » Sonntags 4 Uhr. verantwortliAer Redakteur RiKard Barth, Berlin. Lür den Lnieratenteil peravtw.: TH.Glscke, Berlin. Druck u. Verlag: BorwärtSBuchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer Lt So« Berlin SViZ. Kr. 162. 27. ZahrMg. 1 SkiliiU des.Armris" Kerlim NcksblR Dovnekstitg, 14. Iiili 1910. Line neue CufticbifWRataitropl)«. Leichlinqen, 13. Juli.(W. T. B.) Der Lenkballon„Erbslöh" der Rheinisch- Westfälischen Motorluftschiffahrtsgesellschaft, der heute vormittag 9 Uhr 4 Minuten aufgestiegen war, ist nach halbstündiger Fahrt bei Pattscheid aus beträchtlicher Höhe a b- gestürzt. S ä m t li ch e fünf I ns a ss e n sind tot. Diese Katastrophe ist noch verhängnisvoller gewesen als die des französischen Militärlustschiffes„R e p u b l i q u e", das am 25. September des vorigen Jahres vom Verhängnis ereilt wurde. Damals fanden nur vier Personen den Tod. Die Ursache der Katastrophe war bei dem französischen Lenkballon übrigens eine andere als bei dem„Erbslöh". Jener wurdv durch eine Gasexplosion zerstört, während das Fahrzeug der Rhein.-Westf. Motorluftschiffahrtsgesellschaft wahrscheinlich dadurch vernichtet wurde, daß die durch Plötz- liche intensive Sonnenbestrahlung ausgedehnte Gasfüllung die Ballonhülle sprengte. Durch den dadurch am Vorderteil des Ballons entstandenen drei Meter langen Ritz strömte nun das Gas aus, der Ballon neigte sich mit seinem entleerten Teil vornüber und schotz-mit rapider Geschwindigkeit in die Tiefe. Ueber die Einzelheitcu der furchtbaren Katastrophe geben folgende weitere Meldungen Ausschlutz: Die Namen der fünf Insassen, die bei der Ballonkatastrophe den Tod gefunden haben, sind: Oskar Erbslöh-Elberfeld(Führer), Fabrikant Tölle-Barmen.dieJngcnieureKranz-Hagen und Höpp-Elberfeld und der M o n t e u r Spitz. Alle Leichen sind schrecklich verstümmelt, die Gondelt st voll st ändigzertrünlmert. Der Motor hat sich tief in die Erde eingebohrt. Vermutlich ist das Unglück darauf zurückzuführen, datz der heute vormittag herrschende Nebel so stark auf die B a l l o n h ü l l e ein- gewirkt hat. daß diese geplatzt ist. Opladen, 13. Juli. Der heute morgen gegen stzS Uhr zur Fernfahrt nach Elberfeld aufgestiegene Ballon.Erbslöh" befand sich in beträchtlicher Höhe in unmittelbarer Nähe von Opladen, als plötzlich ein furchtbarer Krach erfolgte. Der Ballon war geplatzt, mit der Spitze nach unten stürzte er mit großer Schnelligkeit zur Erde. Bei dem überaus heftigen Aufprall ging das Luftschiff vollständig in Trümmer. Die Leichen boten einen entsetzlichen Anblick, sie schwammen völlig im Blut und waren so entstellt, daß man sie kaum erkennen konnte. Die Leichen wiesen Arm» und Beinbrüche auf, auch die Schädel waren zerschmettert, ebenso dürften innere schwere Verletzungen erfolgt sein. Man brachte die Leichen auf Tragbahren nach der Leichlinger Ballonhalle. Ueber die Ursachen des Unglücks können augenblicklich nur Vermutungen ausgesprochen werden, da ja die Augenzeugen sämtlich tot sind. Man nimmt an, datz das schreckliche Unglück dadurch entstanden ist, datz der Ballon sich über demRebel befand und den heitzenSonnen« strahlen, die das Platzen herbeiführten, unmittelbar ausgesetzt war. Mit dem Wegschaffen der Trümmer des Luftschiffes wurde alsbald begonnen. An der Stätte des Unglücks weilt eine technische Kommission, um die Ursachen festzustellen. Keiue Explosion. Köln a. Rh., 13. Juli. Aus Leichlingen wird mitgeteilt: Die Rheinisch- Westfälische M o t o r l u f t s ch i f f A.-G. teilt bezüglich der Ursachen des furchtbaren Ballon Unglücks mit, datz wohl die genaue Ursache niemals bestimmt wird festgestellt werden können, da einesteils diejenigen, die etwas davon wissen könnten, tot sind und andernteils von der Erde aus nichts beobachtet werden konnte, da zwischen Erde und Ballon starke Nebelschwaden sich ausbreiteten. Eine Explosion kann jedenfalls nicht stcktk gefunden haben, da der Ballon zum Teil noch mit Gas ge� füllt war. Die technische Untersuchungskommission, die kurz nach dem Unglück an dem Ort der Katastrophe eintraf, nimmt mit ziemlicher Bestimnithett an, datz die Katastrophe herbeigeführt wurde infolge des schnellen Wechsels zwischen dem feuchten Nebel, der die Seidenhülle vollständig durch nützte und das Gas»verdichtete, und den brennend heißen Sonnenstrahlen, die das Gas plötzlich sich ausdehnen ließ, verursacht durch das starke Aufsteigen des Ballons durch starke Nebel in wolkenlosen Höhen. Die Ballonhülle war der plötzlichen Ausdehnung nicht ge wachsen und platzte infolgedessen. Weniger Waghalsigkeit— mehr Solidität! Datz neue technische Erfindungen auch ihre Opfer kosten, zumal wenn es sich um die Vervollkonimnung der Luftschiffahrt handelt, ist eine ebenso traurige wie leider auch unvermeidliche Tatsache. Auf der anderen Seite freilich zwingen die zahlreichen Opfer, die die Aeronautik in der letzten Zeit gekostet hat, denn doch zum Auf werfen der Frage, ob sich nicht bei grötzrrer Vorsicht die Zahl der Opfer einschränken lietzel Nur einem glücklichen Zufall war es zu danken, datz die Kata» strophe de? Ztppelin VII, des Paffagierluftschiffes.Deutschland", nicht noch zahlreichere Menschenleben gekostet hat als die Katastrophe deS„Erbslöh". Und so ist von allen Seiten mit Recht darauf hingewiesen worden, datz die Katastrophe des„Deutschland" auf nichts anderes als den Leichtsinn zurückzuführen war, das Luftschiff bei so unbeständigem Wetter ohne Einholung der meteorologischen Nachrichten aufsteigen zu lasten. Beim .Erbslöh scheint man die gebührende Vorsicht insofern autzer acht gelassen zu haben, als die Ballonhülle anscheinend nicht die nötige Festigkeit aufwies, um den Druck des erwärmten Gases auszuhalten. Das Bestreben, das Gewicht des Ballons möglichst zu vermindern, um möglichst leistungsfähige Motoren, einen möglichst grotzen Benzinvorrat und möglichst viel Passagiere unterbringen zu können, kann nur zu leicht dazu verführen, die F e st i g k e i t der Konstruktion des Fahrzeugs zu gefährden. Es ist ja auch bereits gemeldet worden, datz das demnächst zu liefernde neueste Pastagierlustschiff Zeppelins eine leichtere Konstruk- tion aufweisen werde, so datz die Zahl der mitzunehmenden Passagiere erhöht werden könne. Eine allzuleichte Konstruktion könnte sich einmal bitter rächen! J Motorluftschiffe sowohl wie Aeroplane haben ihre Leistungs- fähigkeit schon jetzt in so hohem Matze erwiesen, datz man vor allen Dingen bestrebt sein sollte, durch eine möglichst solide Konstruktion aller Teile die Betriebssicherheit nach Möglichkeit zu erhöhen. Nur dadurch können aus den Sportsahrzeugen wirkliche Verkehrsmittel werden. Und das ist doch die Haupt- fache l_ Partei- Hngelcgcnbeiten. Rixdorf. Morgen, Freitagabend, findet von 7 Uhr an von den bekannten Stellen aus eine Flugblattvcrbreitung statt. Ehrenpflicht eines jeden Genoffen ist es, zur Stelle zu sein. Dienstag, den 26. Juli, findet in Hoppes Festsälen, Hermann- stratze 49, die Generalversammlung deS Wahlvereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Jahresbericht. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Anträge zur Kreisgeneralversammlung. 4. Der Parteitag in Magdeburg. S. Verschiedenes. Einem alten Beschlüsse gemätz sind diesbezügliche Anträge mindestens 8 Tage vor Stattfinden der Ver- sammlung dem Vorstande einzureichen. Der Vorstand. Bernau. Der Zahlabend findet für den 1. und 2. Bezirk im Elhsium, für den 3. Bezirk bei Herrniann, Wallstratze, am Donners- tag, den 14. d. Mts., statt. Die Bezirksleitung. Mahlsdorf(Ostbahn). Der sozialdemokratische Wahlverein hält seine regelmätzige Mitgliederversammlung am Sonnabend, den 16. d. Mts., abends S'/z Uhr, im Lokal des Herrn Linke, Grunow- stratze, ab. Trebbin. Am Sonnabend, den 16. Juli, abends 8'/, Uhr. findet im Schützenhause(W. Fromm), die Wahlvereinsversauunlung statt._ Berliner JVacbricbteno Vorort-Flora. Zwischen der innern Stadt, die nur vom Menschen ge- pflegte und geduldete Pflanzen aufkommen läßt, und ihrer weiteren Umgebung, in der die Vegetation noch eine leidliche Ursprünalichkeit dewahren kann, gibt es eine eigen- artige Mittelzone. Ihr Reich ist da draußen an der Peripherie, wo kleine Stationen der Ringbahn noch die Mittel- oder Ziel- punkte von halb oder ganz unfertigen Stratzenzügen bilden, die hier eine Laubenkolonie umgeben, dort von sandigen Feldern und Kartoffeläckern begrenzt werden. Das Anlegen von Stratzenzügen. Bahndämmen und ähnlichen Dingen ist nicht ohne Aufschüttungen, Buddeleien und dergleichen Revolutionierungen des Erdreichs zu bewirken, die has Unterste zu oberst kehren, und gerade damit wird der Vorort- Flora der Boden bereitet. Auf diesem noch nicht ausgesogenen und lockeren Boden macht sich die heimische Flora in be- sonderer Ueppigkeit breit; sie ist aber stets mit einem starken Einschlag von Gewächsen versehen, die sonst in der Berliner Flora kein Bürgerrecht besitzen. Das ist z. B. eine aus Asien stammende Kamillenart, deren grüne Blütenköpfchen keine weißen Randblütcn haben; sonst besitzt sie aber vorschriftsmäßigen Kamillengeruch. Eine andere Pflanze mit erbsengroßen Blütchen, von denen je fünf kurze weiße Rand- blüten ausstrahlen, macht sich ebenfalls breit. Sie stammt aus Südamerika, ist bei uns seit langem ein unaustilgbares Unkraut geworden und hat sich bei Verlin sogar schon einen eigenen Namen als„Knopfkraut" erworben. Eine Reihe anderer Ausländer, die zum Teil auffällig genug sind, haben es leider noch nicht so>veit gebracht und es wäre vergebliche Mühe, sie hier in kenntlicher Weise zu beschreiben; vor allem ist eine osteuropäische und eine aus Kanada stammende Pflanze gemeint. Wo recht viel Sand liegt, besonders an den Bahw dämmen, da ist jetzt die Nachtkerze die vorherrschende Charakteo pflanze. Obwohl sie zu den geborenen Nordamerikanern zählt, reckt sie ihre kräftigen Stengel mit den grotzen, gelben, erst abends vollgeöffneten Blumen so stolz in die Höhe, als hätte sie nie eine andere Heimat gekannt. Diese einivandernden Pflanzen sind ursprünglich teils aus Botanischen Gärten„enb sprungen", teils mit fremden Sämereien herübergekommen, teils auch wirklich„gewandert". Mit dem zunehmenden Ver- kehre beginnen sie die Pflanzenwelt in einer Weise umzuändern, die auch dem Laien aufzufallen vermag und ganz Aehnliches geschieht in anderen Ländern, z. V. Nordamerika, wo es um gekehrt europäische Pflanzen sind, die dort die Vegetation be einflussen. An den Zäunen wuchert das graugrüne Kraut der Melde; Hirtentäschel, Schafgarbe, Wegerich und zahlreiche Gräser teilen sich ins Revier und werden gemeinsam von der Acker- winde umschlungen, deren weiße Trichterblumen die Kinder lieben. Die überreiche Vegetation vieler Laubenkolonien drängt ihren Flor durch den Zaun und das Drahtgitter hindurch auf die Wege. Die Feuerbohnen blühen hier mit der spanischen Kresse um die Wette, und auch die Kartoffel, die in voller Blüte steht, darf sich rühmen, mit ihren hübschen Blumen zur Verschönerung des JuliflorS beizutragen, während sie im dunklen Schotz der Erde ihre Knollen reift. Aus dem Innern der Koloniengärtcn leuchten die Büsche der Lobelien, Nelken und vieler anderen Gewächse, denen der Regen keinen Schaden gebracht hat. Daß dpr Höhepunkt aber überschritten ist. zeigen die hoch aufgejchosieneu Sonnenblumen, von denen hier und da schon einesbie->Gilbe->S«h»tbe geöffnet hat. Aber noch sind wir mitten faK ItztttÄK, 1i|fe>lba8 der Juli bisher nicht hielt, kann der AügWö�s�t'tsetztzn.� 1V'" Die Journalistik im Polizeipräsidium. Mit dem Eintritt deS Herrn v. Jagow ins Polizeipräsidium scheint am Alcxanderplatz an gewissen Stellen eine Vorliebe für journalistische Belätigung eingezogen zu sein. Unsere-Mer werden sich erinnern, datz anlätzlich der Wahlrechtsbewegung Hm v. Jaqow in besonders eifriger Weise die Presse mit seiner Darilellung'�her den Verlauf unserer Kundgebungen versorgte; unvergesstfi wild der bei dieser Gelegenheit angewandte Lapidarstil bfttöctt. seinen schönsten Ausdruck fand in der Warnung: Ich- w Neugierige: Auch bestimmte Kriminalkoinmissare betätigen als Schriftsteller, indem sie in Artikeln, die in Ta>. zeiiungcn erscheinen, ihre in ihrem Fach gewonnenen Speztal- lenntnisse journalistisch verwerten. Jetzt hat auch der Allge- ivalrige des Berliner Theaterwesens. Herr v. Glasenapp, sich der Presse anvertraut, um gegen ihn gerichtete Vorwürfe zu entkräften. Und das kam so. Am Kurfürstendamm soll ein Bau der Grotzen Oper erstehen. Das Projekt ist längst eingereicht, kommt aber nicht vom Fleck. Herr v. Glasenapp soll nun kein Hehl daraus gemacht haben, datz er dem Projekt nicht sympathisch gegenüberstehe. In einer Konferenz mit dem Gründer des Unternehmens, Herrn Berg, soll Herr v. Glasenapp sogar angedeutet haben, datz die Grotze Oper doch nicht etwa bcabsichnge, ein Konkurrenzunlernehmen der kö ni g» lichen Oper zu werden. Diese an die Oeffentlichleit gekommenen Acutzerltnücn jcljciuwi dem Leiter uiijereö Theatellveiklis nicht solider- lich angenehm zu sein und so sucht er durch ein Schreiben an die Berliner„Morgeupost" sich öffentlich zu rechtfertigen. Als Dirigent der Theaterabteilung handele er nicht selbständig, sondern im Namen des Polizeipräsidenten. Eine einzige amtliche Verfügung fei bisher in der Sache ergangen, die sich bezöge auf die Lage des Grundstücks, die Behandlung des Projekts, Fassungsvermögen u. dergl. Herr v. Glasenapp bestätigt aber, datz er seine Bedenken gegen die Vermehrung der Thealer in Berlin ausgesprochen habe und datz jetzt höhere Ansprüche an Theaterbauten gestellt würden, auch datz ihm das Baugelände zu weit abgelegen erscheine, meint aber, datz diese Aeutzerungen nicht streng amtlicher, sondern gewissermatzen freund- schaftlicher Natur gewesen seien. Wir wollen uns in die Angelegenheit im einzelnen nicht ein« mischen und machen uns in keiner Weise irgend welche etwaige Vor» würfe zu eigen. Datz Herr v. Glasenapp aber schon zur Feder greifen mutz, um in der Presse seine Haltung zu vertreten, so ist das immerhin für die von ihm vertretene Sache nicht ganz unbedenklich. Die Benutzung von Berliner Vorgärten zu gewerblichen Zwecken betraf ein Verwaltungsstreitverfahrcn, das jetzt vom Oberverwal- tungsgericht erledigt wurde. Einige Berliner Gastwirte(Picken- berger und Genossen) waren beim Polizeipräsidenten eingekommen, ihnen zu gestatten, die vor ihren Lokalen belegenen Vorgärten zum Schankbetriebe mitbenutzen zu dürfen. Die Genehmigung wurde versagt, und die Klage der Wirte beim Bezirksausschutz hatte auch keinen Erfolg. Das Obervevwaltungsgericht verwarf ihre Be- rufung ebenfalls.— Es handelte sich um die Anwendung einer Berliner Polizeiverordnung vom 27. Oktober 1865. Ihr Z 1 will in der Regel die Benutzung der Berliner Vorgärten nur als Vor- gartenland zulassen. Ihre Benutzung zu gewerblichen Zwecken soll nur ausnahmslveise mit polizeilicher Genehmigung gestattet sein. Das Oberverwaltungsgericht führte nun in den drei Streitsachen begründend aus: Nach der gültigen Verordnung von 1855 habe niemand einen Anspruch auf Gewährung der Erlaubnis zur Benutzung eines Vorgartens für gewerbliche Zwecke, also auch zur Benutzung für Schankzwecke. Sei das aber so. dann wäre es nicht nötig, bei Verweigerung der Erlaubnis Gründe anzugeben. Nun hätten die Kläger Willkür oder Schikane geltend genracht. Ein Nachlveis dafür, der einzig und allein zur Aufhebung der Ver- sagungsverfügung führen könnte, sei aber nicht erbracht. Daraus, datz der Polizeipräsident anderen Wirten die Vorgärten zu Schank- zwecken freigegeben habe, könne Willkür noch nicht gefolgert werden. Die Klage sei mit Recht abgewiesen worden.— Nach dieser Entscheidung bleibt es also lediglich der Polizei vorbehalten, wenn sie die Benutzung der Vorgärten für gewerbliche Zwecke gestatten will oder nicht. Und das ist natürlich Willkür! Statistik üicr Armcnwohnungcn. Zu dem Artikel„Die Wvh« nungen der Armenunterstützten in Nr. 156 des„Vorwärts" schreibt man uns: Die damit gegebene Anregung, bei Recherchen auf Armen» Unterstützungsgesuche auch die Wohnungsverhältnisse eingehend zu prüfen und das so gewonnene Material für sozialpolitische Zwecke statistisch zu verwerten, hat bei einer ganzen Anzahl Armen» koimnissionsmitgliedern grotzen Anklang gefunden. Man spricht hier offen seine Verwunderung darüber aus, datz in unserem„Zeitalter der Statistik" dieser wichngen Lebensfrage ärmster Leute noch nicht näher getreten worden ist. Es hat natürlich auch hierbei nicht an Arnwnpflegern gefehlt, die sich über solche Aus» dehnung der Armenfürsorge vorweg entrüsteten und sofort erklärten, datz es ihrem Ehrenamt nicht zugemutet werden könne, noch mehr ständige Arbeit zu leisten. Das sind dieselben Schreier, die sich so kräftig dafür ins Zeug legen, datz die jetzige Aufwandsentschädigung der Armenvorsteher im Jahresbctrage von 366 M. für einen an- gemessenen Empfangsrauin bedeutend erhöht werde, wofür bekanntlich die Armendirektion und wohl auch die Stadtverordnetenversammlung nicht zu haben ist. In Wirklichkeit wäre mit der angeregten Wohnungs- statistik kaum eine Mehrarbeit verbunden. Man braucht nämlich nur in dein veralteten vierseitigen Formular, welches zu jedem erstmaligen UnterstützungSgesuch vom Rechercheur ausgefüllt werden mutz, eine ganze Anzahl höchst überflüssiger Fragen zu streichen und durch Beantwortung der Wohnungsverhältnisse zu ersetzen. Die jetzige Ausfragerei erstreckt sich nicht blotz auf den Lebenslauf längst vergangener Jahrzehnte, sondern auch auf die Verhältnisse verstorbener Eltern. Der statistische Wert solcher Ausfrogerei, die wahrscheinlich auch blotz wieder ein von Anno Tobak mit herüber» genommener Bureaukratenzopf ist, kann nicht gut eingesehen werden. ES� ist Ballast, wie so unendlich viel anderes beim Schreibwerk unserer städtischen Verwaltung. Die Wohnungsstatistik mützte aller- dings auch bei jedem Wohnungswechsel der Armenuuterstützten fortgesetzt werden. Auch dann bedeutet sie keine grotze Mehrleistung, da beim Verzug Armenunterstützter in einen anderen Armen» kommisstonSbezirk so wie so nachrecherchiert wird. Die Beförderung der Masscndrucksachcn. Die Drucksache zu Reklamezwecken hat eine derartige Verbreitung gefunden, datz die Post längst genötigt ist, besondere Matznahmen für deren Be» arbeitung und Beförderung zu treffen, sollen nicht die Bahn» Posten usw. mit Drucksachen überschwemmt und die Beförderung der einzelnen und eiligen Sendungen verzögert und gefährdet werden. Die Reichspost hat vor allem besondere Drucksachcnverteilungsstcllen zur Bearbeiiung der Massendrucksachen eingerichtet. Abgeänderte Be» stimmungen darüber haben jetzt in die Dienstanweisung Aufnahme gefunden. Als nichteilige Massendrucksachen, die besonders be- handelt werden, gelten nur Drucksachen, die in Mengen von wenigstens etwa 166 Stück von einem Absender aufgeliefert werden und an deren schleuniger Beförderung ihrem Inhalte nach offenbar bei dem Absender und dem Empfänger ein besonderes Interesse nicht besteht. Bei Zweifeln darüber, ob Drucksachen als nichteilige anzusehen sind, hat der Amtsvorsteher, bei gröberen Aemtern der Slelleuvorsteher, in Bahnposten der dienstleitende Beamte Eni- scheidung zu treffen. Die Massendrucksachen, die in den Briespost- bunden keinen Platz finden, werden im allgemeinen nicht den Bahn- Posten, sondern den Drucksachen-Verteilungsstellen zugeführt. Diese dienen sür ein bestimmtes Gebiet als Sammel- und Vertcilungs» stelle. Die Ueberweisung der Massensendungen auf die einzelnen Stellen ist genau geregelt, iviassendrucksachen. die durch Um» leitung über die Verteilungsstelle unverhältnismätzig grotze Verzögerungen erleiden würden und für den nächsten Umkreis des Aufgabeories bestimmt sind, werden nach wie vor den Bahn- Posten zugeführt. Drucksachen mit Warenproben in Massen werden wie Drucksachen behandelt. Nichteilige Drucksachen in geringeren Massen werden nach wie vor den Bahnposten zur Einzelumarbeitung zugeführt. Bei besonders stark belasteten Bahn» Posten kann die Zlfillhnmg von Drucksachen von der Oberpostdircktion ausgeschlossen werden. Bearbeitung der Massendrucksachen bei den Drucksachenverteilnngsstellen soll möglichst beschleunigt werden. Vor- mittags eintreffende Sendungen sind spätestens nachts, die nach- Vittags, abends und nachts ankommenden spätestens bis zum nächsten Abend aufzuarbeiten. Die Sendungen sollen im ollgemeinen täglich von den Verteilungsstcllen zweimal abgeschickt werden, während Sendungen an diese sofort als möglich gehen. Bunde und Beutel mit nichl eiligen Drucksachen werden auch mit Bahnposten befördert, die sonst N'chteiliM Drucksachen nicht aufnehmen. Die Ä wertvolle und Meter grotzt» thals. Es sind heutigen Vervolli vergröbert sind. wenig bekamst. D Mitarbeiter Otto Lili in Grotz-Lichterfelde, siimmt hat. Wie �Luftschiffahrt im Reichspostmuseum hat eine �Ergänzung erfahren. Sie besteht in einer " Darstellungen der Versuche Otto Lilien» 'olographische Aufnahmen, die mit den Mitteln der Technik neu hergestellt und Aufnahmen ist ganz neu oder nur l» Tafel ist um so wertvoller, als der lein Bruder Gustav, jetzt Baumeister hmen sämtlich nach Ort und Zeit be» jchyu ILSS in Grotz« Lichterfelds ein zahlreiches Publikum bei seinen Versuchen hatte, zeigt jetzt eine anschauliche Aufnahme mit dem Flughügel. Zur Geltung kommt jetzt auch in der Ver- gröjzerung die Aufnahme eines Fluges bei Stölln 1896, wo der Meister über den Kirchtum zu fliegen scheint. Unbekannt ist eine Aufnahme von Grojj-Lichterfelde 189b, wie Otto Lilienthal im Gleit- flieger steht. Bekannt sind andere Aufnahmen des Gleitfliegers, des Hügels und des ersten Schuppens für die Zwecke der Fliegekunst usw. von Steglitz 1893, Grotz-Lichterselde 1894, 189S und 1896. Die ganze Sammlung schmückt eine große Photographie Otto Lilienthals und eine kleinere von Gustav Lilienthal. Eme ähnliche Sammlung besitzt außer dem ReichSpostmuseum nur das Deutsche Museum in München. Ein raffinierter Kautionsschwindler treibt gegenwärtig in Berlin und den westlichen Vororten mit gutem Erfolge sein Un- Wesen. Der Gauner sucht unter dem Namen I. Stegmann durch Inserate in hiesigen Zeitungen lautionsfähige Hausverwalter und läßt sich die Offerten nach dem Postamt W. 15, postlagernd, senden. Bisher hat er bereits eine ganze Menge Opfer gefunden, denen er sämtlich erhebliche Beträge abgenommen hat. In einem Falle hat sich der Betrüger einem Reflektanten gegenüber als Kohlen- Händler Richard Kuntze ausgegeben, der für seinen Sigmaringen- straße 17 in Wilmersdorf belegenen Kohlenplatz einen Verwalter brauche. Die Verhandlungen fanden in der angeblichen Privat- Wohnung Ilhlandstraße 110 statt, die, wie sich später herausstellte, von deni Gauner nur auf zwei Tage gemietet war und von wo «r ohne Zahlung der Miete spurlos verschwunden ist. Der Reflek tont, ein Restaurateur aus Kofel, wurde von dem angeblichen Kohlenhändler durch schriftlichen Vertrag engagiert und mußte eine Kaution von 500 M. hinterlegen. Erst als der neue Verwalter seine Stellung antreten wollte, erfuhr er, daß er einem Betrüger in die Hände gefallen war. Auf dem Grundstück Sigmaringen- straße 17 befindet sich wohl ein Kohlenplatz, doch hat dessen Be- sitzer, der in der Tat Richard Kuntze heißt, niemals einen Ver> Walter gesucht. Der raffinierte Schwindler, der sehr sicher und gewandt auftritt, ist etwa 28 Jahre alt. 1,70 Meter groß, hat ein blasses Gesicht, dunkles Kopfhaar, dunkeln Schnurrbart und auf. fallend zarte Hände. Bekleidet war er gewöhnlich mit dunkelm Jackettanzug, weißer Weste und grauem Filzhut. Abbruch des ReichstagSbaudureauS. DaS alte Baubureau deS Reichstags, daS zuletzt noch einige KünstleratelierS der beim Jnnenbau des Reichstag» beschäftigt gewesenen Künstler beherbergte und gegen- über dem Reichstage am ReichStagSplatz fein Domizil hatte, wird demnächst abgerissen werden. Das dreieckige 80 Ouadratruten große Gelände, das mit seinen Baracken schlecht m daS Gesamtbild hinein- paßte, ist vom FiskuS an die Baugesellschaft Union für 800 000 M. verkauft worden, die ein modernes Geschäftshaus dort errichten wird. Der Ausblick auf die Spree wird dem Reichstage dadurch zum größten Teile genommen werden. r Ein schrecklicher Straßenbahnunfall rief vorgestern nachmittag in der Müllerstraße Aufsehen hervor. Der 20 jährige Radfahrer Edmund Lange aus Marwitz fuhr hinter einem Straßenbahnwagen der Linie 26 her. Als der Wagen etwas langsamer fuhr, bog L. nach der linken Seite ab. In diesem Augenblick kam von der entgegengesetzten Richtung ein Motorwagen der Linie 25 herangefahren. L. wurde zwischen die beiden Wagen gerissen, mit dem Rade zu Boden ge« schleudert und eine Strecke mitgeschleist. Die Kopfhaut wurde dem Verunglückten fast bis zur Hälfte förmlich vom Kops heruntergerissen. L. wurdet in einer Droschke sofort snach dem Birchow-KrankenhanS geschafft. Die Lichtenrader Bombenexplosion, über die wir gestern be- richteten, beschäftigt die Gendarmerie und auch die Kriminalpolizei noch eifrig. Die Familie Kraatz vermutete, daß ein Mitglied der Familie in Frage kommen könnte, weil dieses mit den Gepflogen- heiten vertraut sei und infolgedessen zu den Erpressecbriefen ge- kommen sein könne. Die Tat sei geschehen, nicht um dadurch einem Familienmitglied körperliche Verletzungen zuzufügen, sondern nur aus Habgier. Die beiden Briefe wurde zweifellos von verfchie- denen Personen geschrieben. Der eine wurde auf liniiertem Papier in ziemlich guter Steilschrift hergestellt und umfaßt drei Seiten, während der zweite eine schreibunkundige Hand erkennen läßt. Beide waren mit 5 Pfennigmarken beklebt; der eine wurde in Lichtenrade, der andere in Berlin aufgegeben. Einer der Briefe zeigt viel« Fett- und Schmutzflecke, so daß seine Herstellung auf eine ungeordnete Häuslichkeit oder auf beschränkte Räumlichleiten schließen läßt. Die von der Kriminalpolizei sofort angestellten Er« Mittelungen haben ergeben, daß das Familienmitglied, das zuerst als Täter ins Auge gefaßt wurde, mit der Sache nicht« zu tun hat. Der junge Mann, der in Frage kam, konnte nachweisen, daß er um die fragliche Zeit weder in Lichtenrade gewesen ist. noch bezüglich der Schrift in Betracht kommen kann. Der eine Brief, worin von 40 Mitgliedern des Komplotts die Rede ist, ist nicht wörtlich zu verstehen. Der Täter scheint eine Person zu sein, die mit den Verhältnissen der Familie Kraatz vertraut ist, und eine zweite Persönlichkeit zu dem zweiten Brief herangezogen hat. Auf mehr Teilnehmer wird nicht gerechnet. Der zweite Briefschreiber ist entweder ortsunlundig in Lichtenrade gewesen oder die Aufschrift wurde absichtlich falsch geschrieben. Auf dem einen Briefe ist der Name Kraatz nur mit einem„a" geschrieben. Das Befinden des Verletzten gibt zu ernstlichen Befürchtungen keinen Anlaß. Die Pulverladung der vergrabenen Hülse scheint zu schwach gewesen zu sein, so daß die Hülse nicht geplatzt ist. Dadurch wurden schwere Verletzungen verhütet. Kraatz hat nur Brandwunden und einige Verletzungen davongetragen, die durch das mit Steinen durchsetzte Erdreich in seinem Gesicht hervorgebracht wurden. Die zu der Maschine verwandten Gegenstände sind gestern nach dem Polizei- Präsidium gebracht worden. Es handelt sich um eine von dem Täter selbst zusammengestellte Kiste, die wahrscheinlich aus einer größeren stammt, in der Südfrüchte verschickt worden sind, allem Anschein nach Tomaten. Auf der Kiste stand das Wort„Tomatoes". Der Täter hat dann eine Zweipfundbüchse. an der noch mit sckpvarzer Schrift und roter Umränderung eine Etikette sich zum Tieil befindet mit der Aufschrift„Jung" benutzt. Der Revolver ist mit einer Schnur an dem Boden der Dose befestigt gewesen, dessen Mündung in ein ziemlich starkes, eisernes Rohr ausgeht; das eiserne Rohr war auf der einen Seite roh zugeschlagen, so daß es die Form eines Bechers hat. Der Revolver, der an einer Seite des EisenrohreS zugehauen ist. ist mit Papier zugestopft. Der Wort. laut der beiden ErpreffungSdriefe wird uns mitgeteilt. Der An» fang des ersten lautete: „I. V. G. t. d. 29. 6. 1910. Werther Herr O. Kratz I Erlaube mir eine Bitte an sie zu richten, weih bestimmt wenn sie wollen und ein menschliches Gefühl im Leibe haben, und nicht durch den Geiz ihres BaterS davon abgehalten werden, so können und weroen sie es auch tun und zwar mit Leichtigkeit. Werther Herr O. Kratz. Ich bitt um Entschuldigung, wenn ich mich zu wahr- heitSliebend ausgedrückt haben sollt«, denn ich meine ja nur ihre Eltern, die ihnen jedenfalls davon zurückhalten werden ob sür, daß sie eS ihnen mitteilen. Die Eltern sollen dann die. tragenden sein und haben sie dann die Folgen selbst zu tr, Also Herr O. Kratz, um der Sache näher zu kommen, möchi sie bitten, mir doch anonym 3000 M. zu borgen und zwar � Lin Jahr. Sie bekommen 3509 M. zurück und außerdem vxrzin. ich ihnen das Geld mit 6 Proz.. welche sie gleich in Abzug bringen können. Werther Herr O. Kratz. Sollten Sie�daS Geld nicht zu Haufe haben, so bitte ich sie, aus tiefstem Herzen, fahren sie morgen nach Berlin, holen sie welche? unZ»Uiei4>idi4 Bombe geplatzt ist. Dann heißt eS weiter: „Sagen Sie keinem Menschen Dingen, die es nichts angeht, sowie Vor allem hüten Sie sich, es der diesem Fall« werden Sie noch i quenzen zu tragen haben, wofür tck'chS! Vitt Jhaen vorgeht." .«ZtM i r n, von allen oder Bekannten. teilen, denn in onat die Konse- oaratiere, was Der ziveite Brief ist nach dem Urteil des Sachverständigen von demselben Manne geschrieben, der den ersten geschrieben hat. Der erste in verstellter Handschrift, während der zweite etwas flüchtiger geschrieben ist und außer von furchtbaren Drohungen von orthographischen und sprachlichen Fehlern wimmelt. Die beiden Kuverts und das Papier sind nicht übereinstimmend. Während das eine Kuvert geript ist. ist das andere glatt und innen ge- mustert und trägt die Firma Georg Rupprccht. Inhaber Gustav Kohlmann, Berlin W. 35, Potsdamer Str. 98. Dieses Kuvert ist unzweifelhaft in dieser Gegend geschrieben worden und auf dem zuständigen Postamt aufgegeben worden. Die Briefbogen sind kariertes Gesthäftspapier und sind für die Kuverts viel zu groß. Sie mußten verschiedentlich zusammengeknifft werde». Eine Begutachtung der an Ort und Stelle zurückgebliebenen Ueberreste der Höllenmaschine wird durch einen Sachverständigen der Firma F. Simondt aus der Lützowstr. 96 stattfinden. Es handelt sich um eine starke eiserne Hülse, die ursprünglich als Gas- rohr gedient hat und wahrscheinlich beim Abbruch eines Hauses mitverkauft wurde. Es ist ein Rohr, das zu der Hauptleitung von der Straße nach dem Hause gehört hat. ES hat eine Länge von 15 Zentimeter. Das«ine Ende dieses RohreS ist zugeschmiedet, so daß es auf der einen Seite verschlossen ist. An diesem ver- schlossenen Ende befindet sich auf der Seite in der Hülse ein Loch, das wahrscheinlich als Zündloch gedient hat und nach den vor- handenen Rostspuren erst kürzlich hineingebohrt wurde. Zur Bohrung dieses Loches hat wahrscheinlich ein starker Eisenbohrer gedient, wie man solche in Schmiede- oder Schlosserwerkstätten vor- findet. Da diese Umänderung des Gasrohres erst kürzlich vor- genommen zu sein scheint, so sei hier auf diesen Punkt besonders hingewiesen. Alle diejenigen Personen, denen ein solches Rohr zur Verarbeitung anvertraut wurde, wollen sich bei der Kriminal- Polizei melden. Ein weiterer Sackiverständiger hat das Holz der Kiste, die von dem Täter zu seinem Zweck aus einer größeren Kiste hergestellt worden ist, untersucht. Auf der Stirnseite der Kiste befinden sich die Buchstaben M. H. H., während die Seitenwände das Wort Tomatoes enthalten. Die Zeitungsblätter, die in der Hülse unzweifelhaft als Pfropfen gedient haben, sind von dem Sach, verständigen Dr. Schneikert untersucht worden und hat, nachdem die Fetzen zusammengesetzt waren, ergeben, daß es sich um den„Friede- nauer Anzeiger" Nr. 90 handelt. Auf dem Amt in Mahlow, dem zuständigen Amt für Lichtenrade, sind verschiedene Personen nach dem Amt geholt worden, um dort ihre Bekundungen zur Tat zu machen. Der Revolver ist in kunstgerechter Weise in die Kiste hinein- gebracht worden, an dessen Abzug ein dünner Bindfaden befestigt war. Der Revolver ist sehr minderwertig und hat einen einfachen Holzschaft. Die Trommel kann mit 6 Patronen geladen werden. Die Sicherung am Revolver war abgebrochen oder abgekniffen. Die Blechbüchse, in die die 3000 M. hineingelegt werden sollten und die, nachdem dieses nicht geschehen, unzweifelhaft als Abzug für die Höllenmaschine gebraucht worden ist, trägt das Fabrikzeichen A. S.. in den Deckel der Hülse eingestanzt. Die Mündung deS Revolvers war sicherlich auf das Zündloch des Gasrohres gerichtet vnB mutzte dadurch das unter dem Zündloch befindliche Pulver zur Explosion gebracht werden. Urder einen Selbstmord eines Krankenwärters de« Viridow- Krankenhauses gehen uns Mitteilungen zu, die wir zum Zweck der Aufhellung der Angelegenheit glauben veröffentlichen zu sollen. Vorige Woche vergiftete sich in einem hiesigen Hotel ein Kranken- Wärter Reinhold Steinbach und starb kurz darauf im Krankenhause. Dieser Wärter war längere Zeit im Virchow-Krankenhause tätig und genoß nicht nur da» volle Vertrauen des Herrn Sanitäts- ratS Dr. Wechselmann, sondern erfreute sich auch allgemeiner Be- liebtheit bei den Patienten seiner Statton. Der verstorbene Wärter, der als ein ungemein pflichteifriger und vor allem sehr bescheidener, ruhiger Mensch geschildert wird, geriet nun eines Tage» mit einem jungen Arzt, der etwas nervös sein soll, in Differenzen, weil er eine von diesem übertragene Arbeit, die ihm nicht zukam und die er wegen anderweitiger Inanspruchnahme auch nicht habe ausführen können, nicht ausführte. Die Folge war, daß der Wärter versetzt werden sollte, was dieser als eine Strafversetzung ansah und wo- durch der Mann in feinem Ehrgefühl sich tief verletzt gefühlt haben soll. Steinbach soll versucht haben, Herrn SanitätSrat Dr. Wechsel mann persönlich zu sprechen, der an dieser Angelegenheit beteiligte Arzt. Herr Tand, soll ihm jedoch erklärt haben, der Herr Sanitäts rat wolle nicht belästigt sein. Kurz nach diesem Vorfall habe der Wärter sich daS Leben genommen. In Patientenkreisen geht nun die Meinung, daß die Tat in ursächlichem Zusammenhang mit der erwähnten Behandlung zu bringen sei. Ob daS richtig ist, ent» zieht sich unserer Kenntnis, aber gerade weil eine solche Meinung verbreitet ist, ist eine Untersuchung und Aufklärung deS Vorfalles dringend am Platze. Ein gräßlicher Unfall ereignete sich gestern nachmittag in der Buchbinderei Kahn in der Wallstr. 22/23. Von dem Maschinen- gesckäft Krause war ein Hausdiener abgeschickt worden, um daS Messer der Schneidemaschine abzuholen. Beim Herausnehmen de» Messers, bei dem der junge Mann behilflich war, wurde dem Aermsten der Daumen der linken Hand buchstäblich abgerissen. Bewußtlos wurde der Verunglückte zunächst nach der Charitö und dann nach einem Kranlenhause gebracht. In der Bauindnstrie-AuSstrllung am Bahnhof Baumschulen- weg findet am Donnerstag, den 14. Juli, ein populärer Vortrag deS Herrn Professor Lehnert-Berlin, des Geschäftsführers des Vereins für Kunstgewerbe, über die Keramik im Kunstgewerbe statt. Die Geschichte des Berliner Kachelofens wird ein genauer Kenner der Osensetzerlunst, der Gründer des OrtS- museums in der Ofenstadt Velten, Kantor Gericke, am Freitag in der Bauindustnc-AuSstellung erläutern. Der Vortrag in der Festhalle, der für 7 Uhr angesetzt ist, dürfte vor allem diejenigen interessieren, die die Auferstehung des alten guten Kachelofens in neuer künstlerischer Form verfolgt haben. Deutscher Arveiter- Gängerbund, Ga« Berlin. Anschließend an den gestrigen Hinweis auf das am Sonntag stattfindende Sängerfest in Friedrichshagen ist noch mitzuteilen, daß Billetts a 35 Pf. zu den Dampfern, welche vormittags um 3'/* 10'/, und 12 Uhr und nachmittags 2 Uhr von der OberbouNlbrj>-i»ftWlcke«st»tnstrobe) und Michaelbrücke abfahren, bei«»hrechtstr. 8. I zu haben find. Die Dampfer um Ie6en auch in Köpenick an. Feuer in einer Lederfabrik. Durch dreifachen Alarm wurden Dienstag nachmittag mehrere Löschzüge der Berliner Feuerwehr nach der Ksthmieftraße 22 im Norden Berlins gerufen. AlS Brand. meifter Tgaun mit den Zügen anrückte, standen dort die Fabrik- ----»rAasfianlederfabrik von Heinrich FuchS u. Sohn in ,$09 Feuer nahm einen gefahrdrohenden Charakter an itit drei Schlauchleitungen bekämpft werden. Um wirk- te Flammen vorgehen zu können, stellten die Rohr» ..... Steckleitergänge her. Nach einstündigem Wasseraeben ie Gefahr als beseitigt. Der Schaden ist beträchtlich, da rößercr Posten der Warenvorräte vernichtet wurde. Auch das «schoß des Gebäudes ist stark in Mitleidenschaft gezogen n. Die Ursache des Feuers konnte nicht ermittelt tveüen. Wege» eines großen DachstuhlbrandeS wurde in der letzten Nacht die 4. Kompagnie nach der WilSnacker Str. 1 gerufen. Dort stand der ausgedehnte Dachstuhl des großen Eckhauses WilSnacker Str. 1 und Alt-Moabit 21/22 gegenüber dem Luisen-Gymnafium in Flammen. Als Stratzenpassanten nach 2 Uhr die Gefahr bemerkten, schlugen die Flammen schon an mehreren Stellen aus dem Dache des Border- bause» mächtig empor. Die Feuerwehr, von drei Seiten alarmiert, war bald zur Stelle. Ueber Treppen und mechanische Leitern wurde mit fünf Rohren angegriffen und tüchtig Wasser gegeben. Es gelang das Feuer zu lokalisieren und auf den Dachstuhl, der nicht mehr zu rette» war. zu beschränken. Der Schaden ist ganz erheblich. Außer dem Dachstuhl ist der Inhalt der Bodenberschläge ein Raub der Flammen geworden. Mehrere Mieter, von denen einige verreist sind, habe» beträchtliche Verluste erlitten, auch ist Wasser in die oberen Stockwerke eingedrungen. Nach sechsstündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken. Die Entstehung war nicht zu er- mittel»._ Vorort- JVacbricbtesn Tegel. Eine» Reinfall haben wieder einmal gewisse Tegeler Ortsgrößen erlitten. Am 27. April v. I. wurde in der dritten Abteilung in einer Ersatzwahl der Kassenbeamte Genosse Arendsee mit großer Mehrheit in die Gemeindevertretung ge« wählt. Gegen die Gültigkeit dieser Wahl erhoben der Land- messer Westphal und der Gcfängnisassistent Gehrke bei der Gemeindevertretung Einspruch. Der Einspruch wurde aber zurückgewiesen, und nun beschritten die Kläger den Weg des Verwaltungsstreitversahrens. Zuerst bemängelten sie die Orts- ansässigkeit des A. A. hatte nämlich einen Hundertteil auf das Grundstück Tegel, Berliner Straße 86/87, für 265 M. vom Gastwirt Rentner ertvorben, allerdings sollte der Bcrtrag, der grundbuchlich eingetragen war, aus finanztechnischen Gründen jederzeit gelöst werden können. Ferner ivurde die Kürze der Wahlzeit von den Klägern bemängelt. Der Kreis- ausschuß Niederbarnim hatte unter Berufung auf eine Ober- verlvaltungsgerichtSentscheidung der Klage stattgegeben und die Wahl für ungültig erklärt. Der Potsdamer Bczirksaus- schuß änderte gestern das erstinstanzliche Urteil ab und wieS die Klage ab. Die Kosten wurden den Klägern auferlegt. Damit ist die Gültigkeit der Wahl anerkannt, und damit sind die Praktiken des Gemeindevorstehers von Tegel, Herrn Weigert, bei der letzten Gemeindewahl als ungerechte festgestellt. Wilmersdorf. Durch Sturz in eine Kanalisationsgrube schwer verunglückt ist die vierjährige Tochter Gertrud des Fahrswhlfabrikanten Bull aus der Ringbahnstraße 144 in Wilmersdorf. Die Kleine spielte mit anderen Kindern vor dem Neubau Ringbahnstraße 106. Hier ist zum Zwecke der Bornahme von Kanalisatronsarbeiten ein« 10 Meter tiefe Grube ausgehoben, die mit einer Barriere umgeben worden war. Ein neunjähriger Knabe hatte das mittlere Brett ans der Umzäunung herausgerissen, so daß eine einen halben Meter breite Oesfnung entstand. Durch diese stürzte die kleine B., als sie sich zu iveit hinüberbeugte, in die Grube hinab. Da» Mädchen erhielt eine llaffende Wunde an der Stirn und eine Gehirnerschütterung und liegt in bedenklichem Zustande danieder. Weiftensee. Die Unsitte, mit Petroleum Feuer anzumachen, hat wiederum einen schweren Unglücksfall herbeigeführt. Die Frau des Bauarbeiters Bellerbeck aus der Elsaßstraße in Weißens« wollte vorgestern vormittag ihrem Manne schnell warmes Essen zubereiten und goß Petroleum in daS Herdfeuer. Die emporzüngelnden Flammen schlugen in die Petroleumflasche, die die Frau noch in der Hand hielt, und setzten den Inhalt derselben in Brand. Die Flasche explodierte und im Nu stand die Kleidung der Frau B. in hellen Flammen. Ehe der Ehe« mann und hinzueilende Hausbewohner dds Feuer ersticken konnten, hatte die Unvorsichtige so schwere Brandwunden und auch Verletzungen durch umherfliegende GlaSsplitter erlitten, daß sie in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus übergeführt werden mußte.. Ober-Schötieweide. Gefaßt« Einbrecher. Die Einbrecher, welche im September vorigen Jahres in die hiesige Ortskrankenkaffe einen Einbruch ver» übten und dabei zirka 5000 M. und Zinsscheine im Werte von 13 000 M. erbeuteten, befinden sich jetzt hinter Schloß und Riegel. Unter einer in Berlin festgenommenen Bande befand sich auch ei» Teilnehmer diese» Einbruches, welcher geständig war und auch feine zwei Komplicen verriet. Außer diesem Einbruch sind von ihm eine ganze Anzahl weiterer in der Umgebung verübter zugegeben worden. Die gestohlenen Wertpapiere wollen die Einbrecher sofort nach der Tat vernichtet haben. Ins Wasser gesprungen ist gestern mittag von der Laufbrücke der A. E. G. der frühere Kontorist Rich. Dietrich, AndreaSstr. 13 wohnhaft. Bon einem vorbeifahrenden VergniigungSdampser war der Vorfall bemerkt worden und D.. der gerade auftauchte, wurde von einem herbeigeholten Polizeibeamten auS Land gezogen. Noch schwache Lebenszeichen von sich gebend, brachte man den Lebens- müden nach dem Ruminelsburger Kraulenhause. Nahrungssorge» sollen da» Motiv zur Tat sein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marlthallen-DIreMon»der den Großhandel in den Zenwal-Marstballen. Marktlage: Fleisch: Zusilhr Ichwach, Geschäft still, Preise unverändert. Wild: Zusudr nicht aennqcnd. Geschält rege, Preise gut. Geflügel: Zusuhr genügend Geschalt schleppend, Preise kaum behauptet. Fisch«: Zusuhr etwa» reich- llcher, Geschält ziemlich rege. Preise wenig verändert. Butter und Käs«! Geschäft ruhig, Preis« unverändert. Gemüse, Obst und Südsrücht«! Zusuhr genügend, Geschäst ruhig, Preise unwesentlich ver« ändert._ Zeutralverband der freien Händler. Hausierer und verwandte» Bernfsgenossen Deutschlands. Sitz Essen. Verwaltungsstelle Berlin. Beztrt III. Osten. Heute abend«'/, Uhr: Versammlung bei Rott, Sttaßmannstr. LS. Gäste willkommen. «itterungSüderstcht vom IS. Juli 1»I0. morgen« S Uhr. Swtneuid«. Hamburg verlw Franst. a VI München Dien II 76S91 76� S5S 7SÜW 7SZNO 764®» 763 N» S «etter 3 heiter 2 wölken! 3 wolkig 3 heiter 2 wollig 2 wölken! WS u« mW L-S Wi Ie m Ä S Vetter Haparanda 763N Petersburg 7S1 Still Gctllh ildrrdeea Bart» 765 OSO 768 mm 765 NO 4 halb dd. heiter 1 wölken! 1 bedeckt 2 bedeckt -s 16 18 17 11 1« Wetterprognose für Donnerstag, den 14. Juli ISIV. Sin wenig kühler bei veränderlicher Bewölkung, etwas Regen mit mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Welterbureau. Wasserstand». lUachrtehteu der Landesanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom verliner Welterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilst« P r e g e l. Jnsterbmg Weichsel. Tborn Oder. Ratibor , Krossen , Frankfurt Warth«, Schrim» , Landsberg Reh«, Vordamm Eide, Leittuerch , Dresden , Barby , Magdeburg 0+ bedeutet Such»,— Fall.— Unterpeget. Mmmmmmm 3 Unserem werten Kollegen Frlt«] J Scheffler und semer lieben 3 Braut zur V ermählung die ! beste» Glückwünsche! t2S33b Zwei gute Freunde. 8l!!iä!!!WliIii'st!Zi:!!e?VLdjvkrLiii tlir itsn i. Mm Reichstags-Waiilkrels. Köpenicker Viertel. (Bezirk 205. Teil H) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Klempner Msx Butz Cuvrystraße 28 gestorben ist. Ehre seinem Andenke» k Die Beerdigung findet am Frei- tag, den IS. Juli, nachmillags 5 Uhr, von der Halle deii Zentral« ftriedhoses in Friedrichsselde aus statt. 227/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Mral-Rrankeii- o. Slefhekassel der öentsclien WapeDtiaüGF. 267/10 Bezirk 16. Den Mitgliedern zur Nachricht,! daß unser Mitglied Batz am 12. Juli gestorben ist. Ehre seinein Andenken l Die Beerdigung findet aml Freiiag, den 15. In», nachmittags l 5 Uhr, von der Halle de« Zentral- 1 FciedhofeS Friedrichs selbe aus statt, t Die Orts Verwaltung. Für die bewiesene herzliche Test- nahm« bei der Beerdigung meiner lieben Frau und guten Mutter sagen aus diesem Wege ihren herzlichen Dank Iivopol«! Karzega 29276 und Tochter. Fllr alle Liebe und Teilnahme, die mir und meinem Kinde in unserin unsäglichen Leid erwiesen wurde, sage ich meinen herz- lichsten Dank. 2928b Berlin. Juli 1910. Hr.«atitav Beatler, N, Gerichlstr. 52. SozialdemokTStiseherWahlyereln des 8. Berl. Relelistags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 9. Juli verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Richard Ihlau Straßburger Straße 40. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 14. Juli, nach- mittags l'/a Uhr von der Leichen- halle des St.-Georgen-Kirchhoses, Weißensee, Rölkestraße 35—123, aus statt. 228/7 Uni rege Beteiligung ersucht Ber Torstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleiser y[a\ Schmidt am 10. Juli an Lungenschlag gestorben ist. Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 14. Juli, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Rummelsburgcr Ge- mewde-Friedhoscs aus statt. > Ferner verstarb am 3. Juli plötzlich unser Mtglied, der s Arbeiter Richard Ihlau. Die Beerdigung findet Heute Donnerstag, den 14. Juli, nach- mittags'/,5 Uhr, von der Leichen- Halle deS St.-Georgen-Kirchhoscs. Weißensee, Röllestraße, aus statt. Am 12. Juli verstarb infolge Bleivergistung unser Mitglied, der Klempner Max Butz. Die Beerdigung findet am Freitag, den 15. Juli, nachmittags o Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Fnedhofes in Friedrich»- selbe aus statt. Ehre ihrem Andenke« k Rege Beteiligung erwartet 118/13 Die Ortsverwaltung Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Droschken- sührer Gustav Mertens am 11. d. Mts. im Aller von 36 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 14. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Jmmanuel-Kirch- hoses in Wcißensce, Falkenbergcr Straße, aus statt. 70/4 Die Bezirksverwaltung. Untern. Handwerker erli, m. kl. Anz. in biQh. Nordvorort Baust., Baug. u. Hyp., kul. Bedg. Ott. unter R. 3 llxped. des„Vorwärts". Verband der Brauerei- nJilen- Ärheiter u. verwandt. Berutsgen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Faßsahrer (Zrasse (Brauerei Pjefferberg) am 11. Juli nach kurzer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung erfolgt heute Donnerstag, nachmittag 6 Uhr, von der Halle des Gethsemane-Kirch> hoses in Nieder- Schönhauser Nordend. Rege Beteiligung erwartet 42/18 Die Ortsverwaltung. Klniilk!!- und Kranjirindtttl von ködert Aexer,' nur Mnrianutu-Strnße 3. S Jim /ÄM S.Goläfard. MAtssStma.�' D.RiV'.Z.10fl.r,2. » ■ Health snuff fobacco. Tabac ä priser de sann labaka do zazywania dla zdrowiiu Tabacco da naso aila saiure. » ■ ■ ■ Verband der Steinsetzer.| | Pflasterer undBerufsg. Beutschl. Filiale GreB-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, ! daß unser Kollege Wilhelm UlkltelMnv im Alter von 60 Jahren vor- s starben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet heute I nachmittag 41/, Uhr, von der I Leichenhalle der Friedcnsgemeinde j in Nordend aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1 175/10 Der Vorstand. Spreegarten I Treptow. !(Gegenüber der Sternwarts.) Heute Donnerstag: Gr. Militär- Konzert Kapelle des Kadettenkorps, | kgl. Ober-Mstmstr. Tajorlt. j Anfang 7 Uhr. Entr. 15 PI Im Riesen- Fest- Saal: | Heute: SAL-ILs | Ballmusik der Hauskapelle. Zwei Tanzmeister. 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Tafelkrebse Mand.i I00 l80 Lebende Krebse Lachs in Stücken......... Pfund 86Pi la. Matjesheringe stock 10, 15, 20*. Gebr. Kaffee n*. 95 pf. I05 115 135 155 175 1 1M l70 2a5 1 Kakao.... p, und 75, 90 p., I'° .CT idlftA.ffO. WSMQ Montagna....... fi..�. 60 Erdbeersaft.... F,..°h. 96p«. AlgierRotweln. 30 p« Johannisbeersaft r,«*. 96 p«. safte 1908er Remicher u. Obermoseler piMch. 6 3 p«.. b., ,o 6 0 p«. le••"""raubenweln Hergestellt Fl. E5 P«* bei 10 Fl. 55 P«* Sonnengartnerw��Ä I03 Zitronensaft u.Most Rasche 1 25 Samos-Muskat. Rasch, 95 pt Grenadine.......... Rasche 1M 19088r Mesenichef u, Valwiger Fi..che 78 p«. beitop..� 75 p* Himbeer- u. Kirschsaft 0".�.. 78 p« wiof.. 75 pf. ■-'chuig■ lÄs ca. 30 000 GIQhkBrper enorm billis Glühstrümpfe �..16, 19, 25 pf I Glühstrümpfe 2Ü, Zü ßasseibstzllnderTDrLtvhiiefli 30, 46?,. I RMphor" Funken-Anzünder 30?«.! Lelbstzünder«ari�zyiinderwea.p«,5cnd 25 f% PC, Meiter-Bildüngssehule. Donnerstag, den Sl. Juli, abends 81/, Uhr, im Sclinllokal, Greiiadierstrasse 37: General-Versammlung. 1. Bericht des Vorstandes, deS Lehrerkollegiums äge. 3. Schulangelcgenheiten. 4. Verschiedenes. Ta und der esordnung llevisoren. 2. Anträge. • Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden entgegengenommen. 6/12* 43 eigene Uampfep Von frischen Vangen unserer Flotte empfehlen wir in la Qualität: Bratilundern...... 20 Pf. ScharbensRotzungen.. 25„ Große Rotzungen.... 40 B Goldbarsch....... 20„ Schellfisch im Anschnitt. 30„ Alle anderen Fische billigst. Lebende Flussfische im Hauptgeschäft) Bahnhof Börse, zu Tagespreisen. „Mordsee" Größte Uochsecflscherel Deutschlands Hauptgeschäft: Berlin C.(Bahnhof Börse) C.; W.: KO O.: O.: S.s Verkaufsstellen: Bahnhof Börse, Bog. 8-10. Invalidonstraße 131. '.: Landsb erger Str. 52-53. Gr. Frankfurter Str. 85. Madaistraße, Bogen 8-9 (Fruchtstraße gegenüber). Frinzenstraße 94. Tel. Amt HI 8804 »„» 2784 Gharlottenhurg- Wilmersdorfer Straße III. Augshurger Str. 18. 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