Zlr. 165« BbonnjmtnfS'Bcdlngongens SSonnfmenlS• Preis pränumerando i VierleljShrl. S£0 TOt., monatl. 1,10 SKI, wSchenIIich 28 Ptg. frei in« HauS. Einzelne Nummer li Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter SonmagS- Beilage»Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- «bonnement: t.lll Mark pro Monat. Einaetragen w die Post. ZeilunaS- Pretsllste. Unter Kreuzband für Deutfchland uns Oesterreich• Ungarn 2 Marl, für das übrige«usland S Mark pro Monat. Postabonnements Schweiz, 37. Jahrs- CrfWit Lg»» ioficr Oontast. Vevllnev Volksblntt. QU Tnlertlons-GsWUir Betragt für die fechSgefpaltene«olonel- geile oder deren Naum w Pfg., für politisch« und gewerkschaftliche Verein!- und BersammIuugS-Anzeigen SO Pfg. „Klein* Hnreiaen". das erste(fettgedruckte)«ort 20 Pfg., sedcS weiter« Wort IN Pfg. Etellengefuche und Schlaf- ftellen-«n,ci«en das erste Wort lv Pfg, jedes weitere Wort K Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen pi» 5 Uhr nachmittags in der Ervedition abgegeben werden. Die Erpeditioit ist bis 7 Uhr abends geossnet, Delegramm- Ndreffet «SMlülilMSlskitl fftlM". Zcntralorgan der fozialdemohrati feben Partei Deutfcblanda. RccUhtlon: SM. 68» Lindenetraeae 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Sonntag, de« 17. Juli 1910. Expedition: SM. 68, Lindcnatraooe 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Lehrer und Schiller. r. Im nachfolgenden soll die grundsätzliche Frage der Budgctbewilligung nicht erörtert werden. Nicht nur weil die Partei in den Diskussionen vor und nach dem Nürnberger Parteitag mit gewohnter Gründlichkeit und Rücksichtslosigkeit die Frage behandelt hat; nicht nur deshalb, weil Zeiten wie die gegenwärtigen, wo die Partei vor Kampf- lust brennt, bei den kommenden Wahlen ihre ganze Kraft einzusetzen, um ein Stück vorwärts zu kommen, nicht dazu geeignet sind, sondern vor allen Dingen deswegen, weil diese Frage, so wichtig und bedeutungsvoll sie an sich ist, doch zurücktritt hinter die andere der Aufrechterhaltung der DisziplinundderEinheitlichkeitunserer Aktion. Deshalb wird, wie wir glauben, auch das Bild der Gruppierung auf dem Magdeburger Parteitag ein ganz anderes sein als in Nürnberg. Denn die Frage, die zu so unrechter Zeit durch das Vorgehen der badischen Fraktion gestellt ist, ist eine Frage, die in ganz gleicher Weste alle Richtungen innerhalb der Partei und alle Zweige der Arbeiterbewegung berührt. Es ist vor allem auch das gewerkschaftliche Jnter- esse, das die Wahrung der Disziplin gebieterisch erheischt. Als nach der Beendigung der Bauarbeiter-Aus» sperrung die Erfolge der Gesamtbewcgung durch bis Sonderaktioncn einzelner lokaler Gruppen in Frage gestellt schienen, hielt sich Genosse Bebel verpflichtet, mit dem ganzen Feuer seiner Beredsamkeit einen Appell an die Widerstrebenden zu richten; und unsere Parteipresse kam tn allen Orten, an denen es nötig war, vor allem auch in Leipzig, in vollem Umfange ihrer Pflicht nach, dafür zu sorgen, daß die Minorität sich den Beschlüssen der Majorität und ihrer Vertreter, der verantwortlichen Genossen der Zentraliiistanzen, sich unterordne. Das war selbstverständlich, und ebenso selbstverständlich muß es sein, daß jene Genossen, die in Partei und Gewerkschaft an hervorragender Stelle stehen, auch in dieser ganz gleich gearteten Situation für die demokratische Verfassung der Partei mit aller Kraft und Energie sich einsetzen werden, ganz gleich, ob sie in manchen anderen Fragen übereinstimmen oder nicht. Auch diejenigen Genossen, die in der prinzipiellen Frage der Budgetbcwilligung dem in Nürnberg von den süddeutschen Genossen vertretenen Standpunkt zuneigten, stehen jetzt vor einem ganz anderen Problem. Denn es handelt sich auch für sie jetzt nicht um die Budgetsrage, sondern um die 0 r g a n i s a t 0 r i s ch e Grund- frage jeder Parteibetätigung. Und, wie immer auch die Anschauungen über einzelne Fragen auseinandergehen mögen, in d i e s e r Frage kann es zwischen Parteigenossen bei ruhiger Ueberlegung und unvoreingenommener Prüfung keine Meinungsverschiedenheiten geben. Denn gesetzt den Fall, die Genossen, die man als Revisionisten zu bezeichnen pflegt, hätten die Majorität in der Partei, so müßten auch sie die Unterordnung der Minorität verlangen, soll nicht jede Partei» tätigkeit unmöglich werden. Indem die badische Fraktion das außer acht gelassen, hat sie sich eben nicht etwa nur zu einer Richtung in der Partei in Widerspruch gesetzt, sondern zur G e s a m t Partei. Es ist schon so: aus der e 1 n e n Seite steht die deutsche Arbeiterbewegung, auf der a n d e r e n die badische Landtagsfraktion. Diese hat selbst dafür gesorgt, daß an dieser bedauerlichen Tatsache kein Zweifel sein kann. Denn indem sie es unter- lassen hat, sich mit dem Parteivorstand in Verbindung zu setzen, hat sie nicht nur den Nürnberger Beschluß außer acht gelassen; sie hat auch gegen die Resolution Frohme ge- handelt, jene Kompromißresolution, für die die meisten süd- deutschen Genossen und alle mit ihnen Sympathisierenden ge- stimmt haben. Denn auch diese Resolution, an die die badische Fraktion, deren Führer für ihre Annahme so eifrig eingetreten waren, moralisch gebunden war, verlangte aus- drücklich das vorherige Einvernehmen mit dem Parteivorstand. Aber gerade weil die Sachlage so klar liegt und wir die Hoffnung hegen dürfen, daß der Parteitag mit über- wältigender, an Einmütigkeit grenzender Majorität das Verhalten der badischen Fraktion als mit den Grundlagen der Partei unvereinbar ansehen wird— und je einmütiger diese Stellungnahme sein wird, desto leichter, rascher und ruhiger wird der schlimme Fall zum Nutzen der Gesamt- Partei erledigt werden—, braucht auch über diese Seite der ■f?6,!IQc�.cm sie einmal dargestellt und klargemacht worden, nicht allzuviel gesprochen werden. Und so darf man sich daraus beschränken, dem Verhalten der badischen Fraktion ein paar Worte zu widmen, indem man sich einmal selbst auf den Boden der opportunistischen Auffassung stellt und von hier aus die Frage nach der Klugheit jener Politik erhevt. auf die die badstchen Parlamentarier merkwürdigerweise so stolz zu sein scheinen. ir. Auch außerhalb Deutschlands ist die Frage der Budget- abstimmung schon erörtert worden. Aber dabei war stets vorausgesetzt, daß eine Regierung von den sozialdemokrati- schen Stimmen abhängig sei. Dadurch entstände eine Situation, in der die Partei Zugeständnisse erheblicher Art erringen könnte. Durch wertvolle Konzessionen die die Machtstellung der Partei erhöhen, die Kampfbereitschaft der Arbeiter stärken können, müsse die Regierung die Stimmen der Arbeiterpartei erkaufen. Der Fall ist konstruiert und kommt in Wirklichkeit kaum vor. da die bürgerlichen Parteien sich zehnmal eher vereinigen, als der Sozialdemokratie eine so entscheidende Rolle einräumen, und dies um so weniger, je entwickelter die Klassengegensätze sind. In Deutschland ist dieser Fall überhaupt ausgeschlossen. Hier und hier allein besteht nämlich das Dogma, es sei eine Pflicht aller Parteien, stets und unter allen Umständen das Budget anzunehmen. Das Dogma ist von den Regierungen erfunden worden, von diesen Bureaukraten, die darin mit Recht die wichtigste VorbedingungihrerUnabhängigkeit sehen, �n England oder Belgien oder Frankreich oder auch Oesterreich würde die bürgerliche Opposition einfach hohnlachend die Zu- mutung zurückweisen, für das Budget der ihr feindlichen Re- gierung zu stimmen. Das geht soweit, daß etwa die liberale Regierung Englands moralisch bankrott würde, wenn die Konservativen f ü r das Budget stimmten. Die Regierung erschiene als Gefangener ihrer Feinde und müßte in kürzester Zeit zurücktreten. Wäre die bürgerliche Opposition Deutschlands nicht so völlig verkrüppelt, so wäre auch für sie dieser Standpunkt selbstverständlich. Der bayerische Etat B. zeigt deutlich die Herrschaft des Zentrums; nichts natürlicher, als daß die Liberalen einen solchen Etat ablehnten. Dasselbe ist im Reich der Fall; der Etat spiegelt, schon weil er auf der letzten Finanzresorm beruht, die Herrschaft des Schnapsblocks wider; die liberalen Parteien müßten ihn verweigern. Tie allgemeine Zustimmung zum Etat ist es. die das absolutistisch-bureaukratische, von den Parteien unabhängige, unparlamentarische Regierungssystem im Reich wie in den Einzelstaaten überhaupt erst möglich macht. Ohne Etat kann die Regierung nicht existieren; der Etat wird ihr aber nur von der Regierungspartei bewilligt; sie wird damit abhängig von der Partei— eine parlamentarische Regierung. Zugleich wird die regierende Partei von dem Volke mit der ganzen und ungeteilten Verantwortung belastet. Es ist der wert- vollste Bestandteil des parlamentarischen Budgetbewilligungs- rechts, daß das Budget abgelehnt werden kann, und zwar in seiner Gesamtheit. Erst das und das allein gibt dem Parlament Macht über die Regierung. Wer das in Abrede stellt, ist der Feind des parlamentarischen Regierungssystems oder hat von dessen parlamentarischen Be- dingungcn keine Ahnung. Man versteht jetzt, warum die Regierungen Deutschlands und die Junker und Klerikalen, die durch diese Regierungen herrschen wollen, ohne selbst die ganze Verantwortung zu übernehmen, mit solchem Eifer und mit solch unermüdlichem Nachdruck das Togina wiederholen, keine Partei habe das Recht, das Budget abzulehnen. Das sei eine Sache des hehren Staates, der über den Regierungen und Parteien in er- habener Höhe throne; in Wirklichkeit ist das dumme Dogma die Vorbedingung der Unabhängigkeit der bureaukratischen Regierung von der Volksvertretung, und es wäre die drin- gendste Aufgabe, um zu einer Gesundung unserer politischen Verhältnisse und zu parlamentarischen Regierungs- formen zu gelangen, die bürgerlichen Parteien, die in Opposition sich befinden, zur Ablehnung des Bud- gets zu erziehen. Statt dessen ist es den Regierungen gelungen, eine sozialdemokratische Parlamentsfraktion zu der bureaukratisch-absolutistischen Aushöhlung des parlamentari- schen Budgetrechtes zu erziehen I Daß dieses Dogma, das nur in Deutschland so unver- brüchlich gehalten wird, überhaupt sich befestigen konnte, läßt sich historisch leicht verstehen. Es war die zerschmetternde Niederlage, die die preußische Fortschrittspartei in ihrem Kampfe mit Bismarck erlitt, die den bürgerlichen Parteien ein für allemal die Lust zu Kraftproben mit den Negierungen benahm. Bismarck verstand es dann, diese Stimmung zur Befestigung dieses Dogmas zu benutzen, das die Regie- rungsmacht von den Parteien loslöst. Unsere badischen Ge- nassen ahnen ja gar nicht, wie schrecklich verpreutzt sie sind; sie, die so staatsmänniscb�überlegen auf uns arme in Dogmen befangene Marxisten herabblicken: sie sind die wirk- lichen Dogmatiker; sie sind allerdings keine Marxisten, aber die Gefangenen und Getäuschten Bismarcks. Aber wirklich nicht die Schüler dieses Realpolitikers. Hat sich einmal die Annahme des Budgets durch alle bürgerlichen Parteien wie in Deutschland befestigt, so hört das Budget auf, ein Kampfobjekt zu sein. Die Regierung ist der Annahme stets sicher, sie hat nicht den mindesten Grund. auf die einstimmige Annahme besonderes Gewicht zu legen. Ob die Annahme mit Dreiviertelmajorität oder ein- stimmung erfolgt, hat keine irgendwie reale Bedeutung, und der Minister müßte schon recht verdreht sein, dessen ästhe- tisches Gefühl gerade nur durch eine einstimimige Annahme befriedigt wird. Und während die Budgetfrage außerhalb Deutschlands immerhin ernster Erörterung unterliegt, weil die Budgetabstimmupg über das Schicksal der Regierung ent- scheidet, also diese von der Sozialdemokratie bis zu einem ge- wissen, allerdings wegen des sofort einsetzenden Widerstandes der bürgerlichen Parte'en stets sehr beschränktem Grade ab- hängig machen kann, ist in Deutschland die Regierung von vornherein unabhängig. Die Budgetbewilligung verliert jeden politischen Sinn, die Politik der Bewilligung wird völlig irreal und imaginär. Es bleibt wirklich nichts übrige als die Spekulation auf das ästhetische Bedürfnis des Ministers oder eines in den realen politischen Verhältnissen unerfahrenen Monarchen. Man befriedigt eine Marotte, um Regierung und Krone bei guter Laune zu er- halten. Und weil man nicht sicher ist, diese gute Laune durch eine gerade für die also Geehrte� bedeutungslose Abstimmung wirklich zu sichern, macht man einen Schritt weiter — den Schritt zu Hofe. Denn Budgetbewilligung und Hofgang gehören— in Deutschland— unbedingt zusam»nen. Sie entspringen derselben Quelle, der Ueberzeugung, die proletarischen Interessen zu fördern, indem man Regierung und Krone durch persönliche Liebenswürdigkeiten günstig stimmt. III. Jetzt erkennen wir den wirklichen politischen Lehr- Meister unserer badischen Genossen. Es ist Wilhelm II. Zwischen Deutschland und den anderen Staaten bestehen ernste, gefahrdrohende Interessengegensätze. Wilhelm II. weiß das und möchte gern die daraus entstehenden Gefahren abschwächen. Die Mittel scheinen ihm einfach. Den anderen Staaten wird erzählt, die militärischen Rüstungen, die un- aufhörlichc Flottenvermehrung haben ja gar keine Bedeutung. Bedeutung hat doch nur das persönliche Verhalten, die große Friedensliebe des Kaisers. Die Gegensätze sind also gar nicht fo schlimm. Und Wilhelm II. beweist es durch die Tat; er schickt den Amerikanern Statuen, den Engländern Kriegs» Pläne, empfängt Franzosen und sagt ihnen Liebenswürdig» leiten. Er kann ja nichts dafür, daß das draußen nicht sehn ernst genommen wird, daß die anderen auf die LiebenS» Würdigkeit, die mit der Abneigung gegen jede Verständigung über Flottenfragen und dergleichen so Wohl vereinbar ist, sich nicht verlassen wollen. Wilhelm II. ist es ernst damit, und er versteht es nicht, daß er so oft mißverstanden wird. Man hat das Stimmungspolitik, dekorative Politik genannt; man kann es fast, seit Bismarck tot ist, die offizielle deutsche Politik nennen. Und dekorative wilhelminische Politik ist die Politik unserer badischen, so staatsmännisch veranlagten Genossen. Sie sind wahrhaftig gelehrige Schüler des erhabenen Lehrers. Sie haben keine Statuen, aber sie haben ihre Stimmen, die sie verschenken: sie haben keine Jachten, auf denen sie empfangen können, aber sie vertrauen der bestrickenden Liebenswürdigkeit, die sie bei Hofe anwenden wollen. Aber in Einem, fürchten wir, haben sie ihren Meister nicht erreicht. Alle Liebenswürdigkeit hielt Wilhelm II. oder seine Ratgeber nicht ab, mit aller Kraft die realen Grundlagen seiner Macht auf das eifrigste zu verstärken. Wir fürchten, die badischcn Genossen schen nur auf's Dekorative, n u r auf die Stimmung. Arme Teufel, die sie sind, zahlen sie zudem mit einem Gute, das ihnen nicht allein gehört. Sie geben die Grundlage ihrer Macht preis, die rücksichtslose Führung des Klassenkampfes, die unablässige Aufklärungsarbeit und selbst die Geschlossenheit der Partei, deren Glied sie sind und deren Vertretung ihnen anvertraut ist. Dekorative Politik und Untergrabung der wirklichen Grundlagen ihrer Macht— die badischen Abgeordneten sind weit hinter Wilhelm II. zurück- geblieben! Es ist Zeit, daß die Partei sie aus dieser Schule nimmt, in der sie nichts Nützliches gelernt haben, und ihnen die Elemente der Politik in Erinnerung ruft. Lerneifrig sind sie ja. hoffen wir, daß sie in der bisherigen Schule nicht schon gänzlich verbildet worden. Hoch, hoch und abermals hoch! Das offiziöse Depeschenbureau mildet aus Karlsruhe, IS. Juli: Heute vormittag um 19 Uhr wurde der badische Landtag durch StaatSmimster Freiherrn v. Dusch geschlossen. Der Minister hielt eine Ansprache, in der er«inen Rückblick auf die ge» leistete Arbeit warf und betonte, daß der Weiterentwickelung der Staatsfinanzen nicht ohne Sorge entgegengesehen werden könne. Die wenig befriedigenden Betriebsergebnisse der badischcn StaatSeisenbahnen und die hohen Anforderungen des Eisen» bahnbaueS der letzten Jahre hätten ein rasches Steigen der Eisenbahnschuld zur Folge gehabt. ES bleibe die Auf- gäbe der Regierung, dieser unerfreulichen Entivickelung nachträglich entgegenzuwirken. Der Versuch, im Hinblick auf die Erhöhung der Ausgaben eine Steigerung der Einnahmen aus dem Personenverkehr durch eine Aenderung der bestehenden Tarife herbeizuführen, sei leider zunächst von keinem Erfolg begleitet gewesen, werde aber zu ge» eigneter Zeit wiederholt werden. Die Versammlung brachte sodaun ein Hoch auf de» Großhrrzog auS, wobei auch ein Teil der Sozial- demokraten anwesend war, die sich ebenfalls während dcL Hochs auf den Großherzog von den Sitzen erhoben. Nach der„Vosi. Ztg.' nahmen an der Huldigung zehn sozial» demokratische Abgeordnete, darunter die Genosien Frank, Kolb und der Vizepräsident Geiß teil. Uber bischöfliche Gnaden! Man schreibt uns aus Bayern: Auch in Bayern hat man das Zweikammernshstem. Nur heißt daS, was man in Preußen das Herrenhaus nennt, die Kammer der ReichSräte. Zu diesen gehören verfassungsgemäß auch 4 hohe geift» liche Würdenträger oder, wie ein richtiger preußischer Leutnant sagen würde, 4 Lberbonzen, und zwar die 2 bayerischen Erzbischöfe, denen nebenbei bemerkt der sehr nach christlicher Demut schmeckende Titel Exzellenz zukommt, und ein Bischof, den die Krone ernennt, sowie der Präsident deS OberkonsistoriumS. Der jetzt in der Reichs- ratSlammer sitzende Bischof heißt Henle, war unseres Wissen? fruljet KapuM?r, also Mitglied e'meS Ordens, der besonders scharf ist und manchmal auf einzelne Teile deS Volkes losgelassen wird, um ihm mit dem höllischen Feuer gründlich einzuheitzen. Wir haben selbst eine junge hübsche Katholikin gekannt, die von einem Kapuzincrpater ins Wasser und damit in den Tod getrieben wurde. Der Kapuziner hatte ihr nämlich wegen ihrer Absicht, einen Pro» testanten zu heiraten, derart zugesetzt, daß sie sich zuletzt verzweifelt ertränkte. Bischöfliche Gnaden Henle— ein Bischof hat Anspruch auf den ebenfalls sehr demütigen Titel Bischöfliche Gnaden— er- griff nun am 13. Juli d. I. in der ReichSratskammer daZ Wort, weil der bayerische Verkehrsminister das Ansinnen, den süddeutschen Eisenbahnerverband zu unterdrücken, abgelehnt und dabei gesagt hatte, die Geschichte des Christentums lehre, daß große Bewegungen mit Gewalt nicht aus der Welt zu schaffen seien. Bei der Ge- legenheit hat Bischöfliche Gnaden Henle bewiesen, daß er, trotzdem er sein ganzes Leben der Gottesgelahrtheit und Christus gewidmet hat, die Evangelien nicht kennt. Er weiß tatsächlich nicht einmal, was der Stifter seiner eigenen Re- ligion gesagt hat. Bischöfliche Gnaden behauptete nämlich: Zwischen Christentum und Sozialdemokratie gebe es gar keine Analogie. Das Christentum habe sich mit der sozialen Frage jahrhundertelang nicht beschäftigt. Paulus der Apostel hatte immer darauf hingewiesen, s i ch in die gegebenen sozialen Verhältnisse zu schicken:„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben, wenn er nicht freiwillig von seinem Herrn der Knechtschaft enthoben wird. Das Christentum hatte also mit der Sozial- demokratie auch in dieser Beziehung nicht die geringste Beziehung oder Berührung. f tfw-! 1• Der armen Bischöflichen Gnaden ist also die Geschichte von dem reichen Jüngling, der zu Christus kam und ihn um Aufschluß bat, wie er das ewige Leben gewinnen könne, unbekannt, Christus riet dem jungen Mann, er möge seinen Besitz verkaufen und den Erlös den Armen schenken. Da kroch dem Jüngling eine LauS über die Leber und er schlich betrübt von dannen. Bekanntlich hat Christus noch oft in ähnlichem Sinne gesprochen. Auch er war der Meinung, daß hienieden Brot genug für alle Menschenkinder wachsen würde, wenn es nicht so große Geldsäcke gäbe. Nur hat er die soziale Frage in naiver Weise, nämlich durch die Pflicht des Herschenkens, lösen wollen. Dabei hat er auch etwas gesagt, wo- nach für die Erzbischöfe, die Bischöfe und auch die Päpste im Himmelreich kein Platz ist. Er meinte bekanntlich, eher gehe ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Himmelreich gelange. Ein Erzbischof aber hat ein möbliertes Palais als Dienstwohnung und jährlich 30 000—36 000 Mark bar, ein Bischof ist ebenso angenehm einlogiert, und beträgt sein Gehalt etwa 20 000 Mark und der Papst ist vielfacher Millionär. Also wird e» da mit dem Himmelreich nichts werden. Bischöfliche Gnaden, wie wird Ihnen jetzt? New gehöten«lie SpaiMfenelnlageD? Vor etwa Jahresfrist sahen wir uns genötigt, dem Preußischen Statistischen LandeSamt seine unerhört tendenziösen Aufmachungen über die Sparkasseneinlagen, ihr Wachstuni und ihre Verteilung vorzuhalten. Wir führten damals, wie schon wiederholt vorher, auf Grund von Durchschnittsberechnungen den Nachweis, daß der weitaus größere Teil sogar der Spar- kassetieinlagen nicht Eigentum des Proletariats und der kleinen Leute ist, sondern der Angehörigen der bemittelteren und wohl- habenden Schichten. Unsere Kritik hat den erfreulichen Erfolg gehabt, daß das Preußische Statistische Landesamt nun selbst Durchschnitts- berechnungen angestellt hat, die. wie es ja gar nicht anders sein konnte, unsereFeststellungennunbestätigenI Wir lesen darüber in der„Kons. Korresp.": „Die Verteilung der Sparlasseneinlagen nach Kontenklassen ist auf Grund der vorhandenen ziffernmäßigen Unterlagen vom Königlich Preußischen Statistischen Landesamte einer Schätzung unterzogen worden und zwar in runden Hahlen derart, daß er- sichtlich wird, welche Summen wenigstens und welche höchstens auf jede Kontenklasse treffen können. Von den rund 8,4 Millionen Büchern bis zu 60 M. glaubt die Statistik sagen zu können, daß sie im Durchschnitt nicht auf weniger als 20 und nicht auf mehr als 40 M. lauten werden. Dies würde dann ergeben wenigstens S8, höchstens 136 Millionen Mark, ferner bei den 1,6 Millionen Büchern von über 60 bis ISO, durchschnittlich 90 bis 120 M., 144 bezio. 192 Millionen Mark, bei den 1,S Millionen von über ISO bis 300, durchschnittlich 200 bis SöO, 800 bezw. 875 Millionen Mark, bei den 1.7 Millionen Mark über 300 bi« 600. durchschnittlich 400 bis bOO SM., 680 bezw. 850 Millionen Mark, zusammen bei den Büchern bis 600 M. 1192 bezw. 1553 Millionen Mark. Werden dann weiter berechnet für 2,1 Millionen Bücher von 600 bis 1500 M.. durchschnittlich 900 biS 1200 M.. 1890 bezw. 2520 Millionen Mark, für 0,9 Millionen von 1500 bis 3000, durch schnittltlh 2000 biS 2500 M.. 1800 bezw. 2250 Millionen Mark, so ergeben sich für l'/z Millionen Bücher bis zu 3000 M. 4882 bezw. 6323 Millionen Work, wahrscheinlich also zwischen 5 und 6 Milliarden. so das; von dem Gesamtbetrage von 9578 Millionen 3250 bezw. 4691 Millionen Mark, also wahrscheinlich zwischen 3 und 4 Milliarden für die 0,66 Millionen Bücher mit mehr als 3000 Mark Einlage übrig bleiben werden. Der Anteil der kleinen Konten wird wohl dem oben geschätzten Mindest betrage etwa» näher als dem Höchstbetrage liegen, da mit steigender Höhe der Ein« lagen die Bücher immer seltener werden." Aus diesen Zahlen ergibt sich also, prägnanter zusammen- gefaßt daS folgende. Auf 8,2 Millionen Sparkaffenbücher mit Ein- lagen bis z» 600 M. entfallen von insgesamt 9573 Millionen Einlagen nur 1350 Millionen, sofern wir als Durchschnitts- anlage für die � vier untersten Klassen dar Bücher ILO, 170, 330 und 750 M. rechnen. Nehmen wir noch alle Bücher bis zu 1500 M. Einlage hinzu, so entfallen auf diese Einlagen der n i ch t b e s t tz c n d e n Klasse nur 8500 Millionen. während die Einlagen der Besitzenden sich auf rund 6000 Millionen beziffern! Nach solchen Feststellungen wird man wohl endgültig darauf verzichten, sich auf die Sparkasseneinlagen als auf ein Zeichen des wachsenden Wohlstandes der— Arbeiterklasse zu berufen!_ poUtifcbe CUberficbt Berlin, den 16. Juli 1910. Wahrheit! Das„Verl. Tagebl.". das zu den eifrigen Verfechtern deS Großblocks von Bassermann bis Bebel gehört, beklagt eS. daß die reaktionäre Presse die offene Darlegung unserer sozialdemokratischen und republikanischen Ueberzeugung für ihre Sammlungspolitik ausnütze und dadurch die Großblock- idee schädige. Wir habe» diese Ausnützun� wirklich voraus- gewußt, trotzdem aber im vollen Bewußtsein unserer Lerant- wortlichkeit unser Programm in den Vordergrund gerückt. Wir wissen natürlich, daß bei den nächsten ReichStagSivahlen nicht die Entscheidustg über die Herrschaft des Bürgertums fallen wird; wir geben ohne weiteres' zu, daß es sich nur um die, an sich allerdings sehr bedeutsame Frage nach den Formen, in denen diese Herrschaft ausgeübt wird, und nach den Schichten, die sie ausüben, handeln kann. Wir halten es für ein wichtiges Interesse des Proletariats, alles zu tun, was die klerikal- feudale Reaktion schwächt und sind innerhalb der Grenzen. die durch das proletarische Interesse gezogen sind und wozu auch die volle Selbständigkeit der sozialdemo- kratischen Aktton bei den Hauptwahlen gehört, bereit, die bürgerlichen Gegner der Reaktton zu unter- stützen. Aber es hieße, das proletarische Interesse aufs schiverste schädigen, wenn wir irgendwie unsere Endziele vcr- hüllen oder abschwächen wollten. Davon kann keine Rede sein und dazu ist auch unserer Ueberzeugung nach in der Gesamtpartei keine Neigung. Die bürgerlichen liberalen Parteien müssen uns schon als das nehmen, was wir sind: die Verfechter der Emanzipation des Proletariats, dessen End- ziel ist die Erringung der vollen Demokratie, die nur die republikanische Staatsform gewährt und die Ersetzung der kapitalistischen Produktionsweise durch die sozialistische. Wirk- liche Liberale und das sozialistische Proletariat können zusanuuen ein Stück der Wegstrecke frei machen, die heute von der Reaktion verlegt ist. Danach trennen sich unsere Wege wieder vollkommen. Will der Liberalismus diese gemeinsame Arbeit verrichten, gut. Aber wir opfern deswegen auch nicht ein Tipfelchen unseres Programms oder unserer Propaganda- und Agitationsfreiheit. Versagt der Liberalismus, so werden wir unsere Arbeit allein ver- richten müssen. Wir verhehlen auch dies nicht, daß die Erringung der Demokratie letzten Endes nach unserer Ueberzeugung den proletarischen Emanzipationskampf gewaltig fördern wird und nicht den Liberalismus. Die Liberalen sind der entgegen- gesetzten Ueberzeugung. Den Entscheid darüber wird die Ge- schichte fällen. Das„Berl. Tagebl." mag uns gering achten, weil wir so gar nicht auf„Taktik" ausgehen, sondern mit voller Offenheit und Wahrheit aussprechen, was i st, natürlich nach unserem besten Wissen. Aber wir sind eine demokratische Partei und eine Partei der V o l k s m a s s e n. Diese müssen stets wissen, um waS cS sich handelt, um mit ganzem Bewußtsein und voller Verantwortlichkeit selbst ihre Politik bestimmen zu können. Deshalb halten wir jede Ver- hüllung unserer Ziele für die verfehlte st e Politik und wollen nie anders scheinen als wir sind und bleiben: die Partei des um seine Befreiung kämpfenden arbeitenden Volkes. Geständnisse einer schöne» Seele. Die„Deutsche Tagesztg." veröffentlicht einen sehr wütenden und deshalb sehr komischen Artikel über die Ursachen der„roten Flut"! Die Hauptschuld an unseren Erfolgen schreibt sie natürlich der„strupcllosen Hetze" der liberalen Parteien gegen die Ablehnung der Erbschaftssteuer zu. Als Mitschuldigen aber bezeichnet daS Bündlerblatt den Fürsten B ü l o w, der mit dem Worte von dem„frevelhaften Spiel" der Konservativen die Weise intoniert habe.„Nie hätte die unwahrhaftige Hetze so dreist ihr Haupt er- hoben, wenn nicht jene haltlose Verdächtigung über die Lippen des Staatsmannes gekommen wäre, der den Zusammenbruch seiner falsch instradierten Politil" niemals den Konservativen hätte in die Schuhe schieben können. Müsch:.. Mg ist natürlich auch der arme B e t h m a n n, der dieser„Hetze" nicht mit geeigneter Energie und Tapferkeit entgegenträte. ES ist natürlich sehr amüsant, wie diese agrarischen Reichs- kanzler von den Junkern wie Hausknechte geschüttelt werden; umso amüsanter, wenn man die schleimigen Lobeserhebungen noch in Er- innerung hat. die Herr Oertel dem weiland„agrarischen Reichs- kanzler" so oft gesungen hat. Aber ein anderes ist noch hübscher. Die„D. TageSztg." meint: „Ein Zu- oder Abnehmen der Sozialdemokratie hängt keines- weg? in entscheidendem Maße davon ab. ob eine gute und sachlich berechtigte Politik gemacht wird oder nicht; daß viel- mehr auch die s a ch g e m ä ß e st e und notwendig st ePolitik zur Verstärkung der Sozialdemokratie beitragen muß, sobald sie eine materielle B e l a st u n g der Masten bringt; ganz gleichgültig, ob diese Belastung auf eine andere Weise wieder zehn- und hundertfach ausgeglichen wird. Da die Mäste für die verwickelten Vorgänge des Wirtschaftslebens naturgemäß wenig Verständnis hat und deshalb der Irreführung und Hetze ziemlich wehrlos ausgeliefert ist." Die„D. T." kann sich offenbar eine fachgemäße und notwendige Politik ohne Belastung der Massen gar nicht dorstellen. Im übrigen schwatzt die„D. T." ungewöhnlich dumme» Zeug. Es ist zwar im allgemeinen schon richtig, daß unsere Gegner machen können. was sie wollen, wir wachsen immer weiter und werden immer stärker. Aber so ganz einflußlos sind unsere Gegner doch nicht. Ehre, wem Ehre gebührt: Die Finanzreform deS schwarzblauen Blocks und namentlich die Weigerung der Junker, zu den Lasten deS Staates auch nur das Bescheidenste beizutragen, hat Tausende In- differente aufgerüttelt und unserer Agitation zugänglich gemacht. Sie hat uns mächtig gefördert. Zu denr Urteil aber über die Dummheit der Massen ist die ,D. T." wirklich nicht berechtigt. Es ist eine ganz unberechtigte Verallgemeinerung von Erfahrungen, die sie sich aus dem Verkehr mit ihren bekanntlich„minder intelligenten" Lesern gebildet hat. Eine beispiellose Roheit. Am Donnerstagabend gelangte in der Sitzung des Altonaer Stadtverordnetenkollegiums der von uns als„bei- spiellose Roheit" charakterisierte Vorgang bei Prüfung der Polizei- und Schäferhunde auf der Renn- bahn Altona-Bahrenfeld zur Sprache. Die sozialdemo- kratische Fraktion hatte eine von uns in der Freitagnummer veröffentlichte Interpellation eingereicht, die vom Genossen Dr. Herz begründet wurde. In kräftigen Worten geißelte unser Genosse den empörenden Vorgang und ver- langte Antwort. Senator Dr. H o r b e ck, der stellvertretende Polizeichef, meinte etwas von oben herab, die Sache gehe eigentlich die Stadtkollegien gar nichts an. weil die Polizei nicht dem Magistrat, sondern dem Regierungspräsidenten unterstehe. Nur weil die Zeitungen inkorrekt berichtet hätten, wolle er darauf eingehen. Von einer„hundsföttischen Roheit", wie das.„Echo" schreibt, könne keine Rede fem: so schlimm sei die Sache nicht. Im selben Atemzuge gab der Herr Senator a b e r z u. daß der Fürsorgezögling Friedrich in den Oberschenkel gebissen wurde,„weil er infolge eines mißverstandenen Signals davonlief". Man erfuhr weiter von dein Senator, daß nicht die Polizei, sondern ein Komitee, an dessen Spitze ein Herr Haase-Bcrlin steht, die Prüfung der Polizeihunde veranstaltet hat. Dieser Herr habe sich an den Direktor der Fürsorgeanstalt gewandt und die Erlaubnis erhMv, eine Anzahl Kinder als Versuchs- objekte zu verivendcn? Da es sich nur itrtt„NafeMrMi* gehandelt habe, sei die Polizei nicht eingeschritten. Die Staatsanwaltschaft habe auf eine Anzeige des Dr. K u l k a diesem mitgeteilt, daß das Verfahren eingestellt sei, weil kein Schuldiger festzustellen gewesen sei. E s l i e g e auch keine Fahrlässigkeit vor, weil der Hund gut dressiert und der Unfall nicht vorauszusehen gewesen sei. Also nicht einmal fahrlässige Körperverletzung nimmt die Staatsanwaltschaft an! Tatsächlich liegt aber mindestens grobe Fahrlässigkeit vor, für die nicht nur der Veranstalter der„Prüfung" verantwortlich ist. Wie die„Gefälligkeit" des Direktors der Fürsorgeanstalt zu qualifizieren ist, wollen wir gar nicht erst kennzeichnen. In anderen Dingen, z. B. bei der angeblich veranstalteten Demonstration nach Schluß der Altonaer Wahlrechtsversammlun�en, hat man sich schnell einen„Schuldigen" herausgesucht, wie die Verurteilung des Genossen Stadtverordneten Kürbis beweist. EineHunde- hetze auf wehrlose Kinder kann nicht geahndet werden, weil— kein Schuldiger zu ermitteln ist. So ge- schehen in einem Lande mit vollendeten Rechtsgarantien! Die Altonaer Stadtväter beruhigten sich bei dieser Er- klärung und lehnten eine Besprechung der Interpellation ab! Einschränkung deS Einjährigen-Privilegs. Die bayerische Regierung trägt sich, wie im Landtage mit- geteilt wurde, mit dem Gedanken, daS Einjährigen-Prwileg von dem Besitz des Abiturientenexamens abhängig zu machen. Damit würde das Einjährigen-Privileg noch exklusiver wie seither schon gemacht, es würde damit zu einem Privilegium nur der reichsten Leute. In Preußen will man angeblich diese Neuerung nicht mitmachen, sondern eS bei dem bisherigen Zustande bewenden lassen. Im Reichstage wird natürlich auch im kommenden Winter wieder mit allem Nachdruck die Beseitigung diese» Vor- rechts der reichen Leute verlangt werden. In Frankreich kennt man diese Institution längst nicht mehr. Dort müssen die Söhne der reichen Leute genau so als gewöhnliche Soldaten ein- rücken, wie die Söhne aus den, Volke auch. Der Unterschied ist nur der, daß sie bereit» nach kurzer Zeit, wenn die erste Ausbildung beendet ist, zu Vorgesetzten befördert werden. Man darf wohl annehmen, daß in Deutschland die bürgerlichen Kreise einer allgemeinen Herabsetzung der Dienstzeit eher zugänglich werden, wenn das heute bestehende Borrecht der be« sitzenden Klaff«— ihre Söhne nur«in Jahr dienen zu lassen»» völlig beseitigt wird l_ Wie da? Zentrum Arbeiterinteressen vertritt! Die M.-Gladbacher„Westd. Arbeiter-Zeitung" gibt die Zuschrift eine» katholischen Arbeiter» wieder, worin fitfc dieser bitter über die zentrumSmäßige Vertretung der Arbeiterinteressen beschwert. In einer westfälischen Industriestadt beabsichtige man zurzeit einen christlichen Konsumverein zu gründen. Zu dieser Stadt gehöre auch der Vorort B. Al» man dort vor sechs Jahren einen„Männer- verein' gegründet hatte, seien schon Stimme» laut geworden, die für einen Arbeiter verein eintraten. Es habe aber geheißen, der Männer verein ersetz« den Arbeiter verein.„Er hat aber bi» heute vollständig versagt". Als die Konsumvereinsfrage in einer Versammlung erörtert werden sollte, habe der Borstand, in dem leider kein Arbeiter sitze, eine Einladung erhalten, diese sei aber in den Papierkorb gewandert.„Bringt mal ein Mitglied irgend eine Sache vor, die den Arbeiter interessiert, wie auf ein Kommando schreit man ihm entgegen:.Da» gehört nicht hierher!" Der Verein besteht zu 90 Proz. aus Arbeitern und doch ist davon keiner im Vorstand. Es sind ja„brave" Zentrumsarbeiter, die zu 90 Proz. in diesem katholischen Männerverein Mitglied sind, sonst würden sie sich natür- lich eine solche Behandlung nicht gefallen lassen. Der Einsender fordert die Gründung eines katholischen Arbeitervereins. Für die Art der Behandlung von Arbeiterinteressen ist der Fall ja lnpifch. Das Zentrum will„alle Stände" liebevoll vertreten. ES fängt aber erfahrungsgemäß bei den honorigen Leuten mit der Bus- teilung der Gaben an, so daß für den„Plebs" nicht» mehr übrig bleibt. Und der Weg vom katholischen Männer- über den Arbeiter- verein zur Fachabteilung und zur„paritätischen"„christlichen" Ge- werkschaft wird nicht vom Zufall gewiesen, sondern entspringt immer der Stärke der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung. Bezeichnend ist auch, daß das M,-Gladbacher Zentrums arb ei t er- blatt sich so weit zenlrumshörtg fühlt, daß eS die Klage deS katho- lifchen Arbeiters in die. DisrnsstonSecke" verweist, wofür die Re- daktion nur die„preßgesetzliche Verantwortung" übernimmt. Als vor etlicher Zeit den dummen Arbeitern mit dem„akademischen Studium bei Arbeitersöhnen' eine neüe Tonne zum Spielen hin- geworfen wurde, wurden die Zuschriften nicht so behandelt. M.-Gladbacher Arbeitersürsorge I Die antisemitische vörse. Die Prospekte von Gesellschaften, deren Aktien an der Börse zugelassen werden, müssen außer im„Reichsanzeiger" noch in anderen Blättern veröffentlicht werden. Seit langem war dafür in Berlin der„Börfen-Courier" und die.Börfen-Zeitung" be« stimmt. Das soll nun anders werden. Herr Mitling, geborener Wittkowski, Direktor der Nationalbank, Bruder Harden», früherer Oberbürgermeister von Posen und porsou» xratissirn» beim Kaiser, also ein„großes Tier", hat, wie auf der Börse erzählt wird, der Zulassungsstelle vorgestellt, welche Ungerechtigkeit in der einseitigen Bevorzugung dieser beiden Zeitungen liegt. Die ZulaffungSstelle konnte sich der Argumentation eines so hervorragenden ManneS nicht entziehen. Herr Wittmg steht der alldeutsch-antisemitischen unter Bülow offiziösen„Tägl. Rundschau" nahe. Die Zulassungsstelle be- schloß, einen Turnus einzurichten und demnächst die„TäglRund- schau" als ein Publikationsorgan zu bestimmen. Um aber auf die nicht immer aniisemitifchen Gefühle der Börsenbesucher Rücksicht zu nehmen, wurde der Krei« der Publikationsorgane auch durch die Einbeziehung deS„Lokal-AnzeigerS" und des„Berl. Tagebl." erweitert. So müssen die Beantten der Berliner Börse für da» Wohl» ergehen eines antisemitischen Blattes sorgen, denn Herr Witting ist seinen früheren Glaubensgenossen gegenüber ein harter, aber einfluß- reicher Herr. Man darf auch neugierig sein, ob nicht diese Selbst- Verleugnung, die so viele Inserate trügt, den antisemitischen Furor der„T. R.". wenigstens so weit er zugleich ein börsenfeindlicher ist, beeinflussen werde,_ Dekorative Politik. Au» Kristiania wird telegraphiert: Wilhelm II. hat fick, durch König Haakon erboten, dem norwegischen Volke als Dank für die gastfreie Aufnahme während seiner Nordlandreisen eine Frithjof» Statue zu schenken. Der Kaiser hat eine Anhöhe im Sognefjord bei Framnes in der Nähe von Frithjof» Grab für die Ausstellung der Statue in Aussicht genommen. König Haakon dankte namens de» norwegischen Volles für diese Aufmerksamkeit. Beschleunigung der Neichstagsersatztvahlen in Prenhe«. Der preußische Minister de» Innern hat eine Verfügung erlassen, wonach Ersatzwahlen zum Reichstage in Preußen innerhalb de» Zeiträume« von 70 Tagen nach Erledigung de» Mandats vorzu« nehmen sind. Rur wenn dies« Frist nicht ausreicht, soll eine Hinaus- fäUButtg bis auf höchstens SV Tage erfolgen. Diese An- ordnung entspricht der bekannten, vom Reichstage angenommenen Resolution._ Eine Antwort des Volkes auf die schnöde Vergewaltigung der sozialdemokratischen Abgeordneten im preußischen«bgeordnetenhause war die letzter Tage in M a g d e- bürg stattgehabte Volksversammlung unter freiem Himmel, in der der Abgeordnete S d o l f H o ffm an n- Berlin über:„DeS VolkeS Wahlrecht, deS Königs Zivilliste und deS PapsteS Enzyklika" sprach. Etwa 8— 10 000 Männer und Frauen füllten den geräumigen Garten des Luisenparks bis auf den letzten Platz. Der Redner wies nach, wie daS Dreiklassenparlament die Mittel zur besseren Besoldung der unteren Beamten und staat- lichen Arbeiter verweigert, nach oben die Gelder aber mit vollen Händen auswirft. Die Enzhklikainterpellation sei nichts weiter als eine Komödie gewesen, um daS Volk, besonders aber die Zentrums- Wähler über die Verrätereien deS EchnapSblockeS zu täuschen. DaS Volk werde sich nicht täuschen lassen. ES werde in erster Linie ein freies Wahlrecht erobern und damit daS Ende der Junkerherr- fchaft herbeiführen. Die jetzige Gärung im Volke müsie weiter ge- schürt werden, damit die Reaktionäre bei den nächsten Reichstags- wählen die Quittung für die AuSraubnng des Volkes erhalten. Die Ausführungen wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Nach einem Hoch auf die Sozialdemokratie wurde die preußische Wahl- rechtSmarseillaise gesungen._ Boykottierende Offiziere. Mittwoch und Donnerstag tagte in Breslau der Ver- bandstag deutscher Lohn-Fuhrunternehmer. auf welchem u. a. auch über die sogenannten Krümperwagen beim Militär gesprochen wurde. Von allen Seiten beklagten sich die Fuhrherren lebhaft daniber, daß die Offiziere diese doch eigentlich nur für d i e n st l i ch e Zwecke von Geldern der Steuerzahler angeschafften Wagen sehr mißbrauchten. Nicht nur in Dienstfuhren' bemitztcn sie diese für Dienstzwecke eigentlich recht komfortabel eingerichteten Wagen, fondern helt mehr noch für Jagd- und Spazierfahrten! Die steuerzahlenden Droschker hätten dann das Nachsehen, denn wenn die Offiziere die Krümperwagen mal nicht benützten, führen sie mit der billigeren Elektrischen. In Dresden sei man sogar genötigt gewesen, die Hilfe deS Kriegs- minister? gegen diesen M r ß b r a u ch anzurufen. Aber damit sei man böse hineingefallen: Anstatt Hilfe hatten die Petenten Stock- schlüge auf den Magen, denn seit jener Zeit hätten die Offiziere für die Renntage(auf welche doch die Droschken angewiesen seien) über die Droschken den Boykott verhängt! Diese Mitteilung rief lebhaften Unwillen hervor und man beauftragte den Zentralvorstand, sofort Schritte dagegen zu tun. Wenn also Arbeiter künftig zu dem Mittel des Boykotts greifen, werden sie sich von jetzt ab stets darauf berufen kömren, baß ja sogar Offizier« die» Kampfmittel anwenden. Noch etwas vom Boykott. � Die konservative»Schlesische Zeitung" schreibt unterm .Dierbohkott, Fleischboykott. Butterbohkott. Der Boykott ist ein Akt der Selb st Hilfe. Ursprünglich von Arbeitern organisiert, um günstigere Arbeitsbedingungen zu er- zwingen oder auch Gastwirte zur Hergäbe ihrer Säle für Arbeiter- Versammlungen gefügig zu machen, ist er in neuester Zeit immer häufiger auch von werteren Kreisen versucht worden, um mehr oder minder unberechtigte oder unerträgliche Preis- erhöhuugen zu verhindern. Der Bovkott ist ein gesetzlich nicht verbotenes Mittel der Selbsthilfe. Doch versagt eS in der Regel da, wo es von Nichtorganisierten Kreisen gegen Lebens- und Genuß- mittel angewendet wird, die mehr oder weniger unentbehrlich ge- worden sind." Schade, daß sich die.Schlesische Zeitung" nicht mehr zu er- innern weiß, wie oft Arbeiter wegen Boykotts bestraft wurden und wie oft sie diesen Bestrafungen zugejubelt hat. Gegen die polnischen Byzantiner. Der polnische Wahlverein für bieStadtHerne nahm in seiner letzten Versammlung Stellung gegen das Verhalten der polnischen Landtagsfraltion bei der Abstmmmng über die Er- höhung der Zivilliste deS Königs. Dies habe„weder denGe- fühlen noch den Interessen des polnischen Volkes entsprochen". Gin hartes Urteil ifällt« daS Kriegsgericht der 17. Diviston in Lübeck gegen den Musketier Stoffer des Infanterieregiments„Lübeck". Stoffer desertierte in Gemeinschaft mit einem arideren Soldaten, ver- tauschte seine Uniform mit Zivilkleidern, die er bei einem Einbruch erbeutet hatte und verübte später noch einige Einbrüche, um fein Leben fristen zu können. Vor Gericht geberdete sich Stoffer wie wahnsinnig: er beschimpfte die Richter und wollte gegen den ver- treter der Anklage tätlich werden. DaS Urteil lautete gegen den Angeklagten, der allerdings auch im Zivilleben schon einiges auf dem Kerbholz hotte, auf sechs Jabre Zuchthau». Der Ver- leidiger will gegen dieses Erkenntnis Berufung einlegen, da St. anscheinend nicht zurechnungsfähig ist. Oesterreick. Trennung von den Christlichsozialen. Wien. 16. �uli. 9000 Angestellte der städtischen Straßen- bahn hielten eine Versammlung ab behufs Gründung einer neuen Organisation, um sich von der christlichsozialen Partei, zu deren unbedingten An- hängern sie gehörten, loszumachen. 8000 Angestellte sind der neuen Organisation bereits beigetreten. fraiikreicb. Sozialpolitische Vorlagen. Bevor das Parlament in Ferien ging, hat Vtviani eine Reihe sozialpolitischer Entwürfe eingebracht. Der eine betrifft die E i n- führung des lOftündigen Maximalarbeitstages. Das Millerandfche Gesetz von 1V00 setzte diesen nur für„gemischte" Betriebe fest, d. h. für solche, wo Frauen und jugendliche Personen rieben erwachsenen Männern beschäftigt werden. Seine Durch- fuhrung hatte unleugbar gewisse nachteilige Nebenfolgen, die von der bürgerlichen Presse heuchlerisch gegen den gesetzlichen Arbeiter- schütz überhaupt ins Feld geführt werden. In manchen Betrieben wurden, um den Bestimmungen des Gesetzes auszuweichen, die Ar- deiterivncn und jugendlichen Arbeiter entlassen, und die Lehr- lingSausbildung hat in mehreren Gewerben darunter gelitten. Gegen die allgemeine Zehnstundenarbeit lassen sich diese Argumente indeS nicht gebrauchen, und so müssen sich die großkapitalistischen Organ«, wie der„Temps" und daS„Journal des DäbatS", die die Feindseligkeiten gegen den neuen Entwurf schon begonnen haben, auf allgemeine Phrasen über den„JnterventioniSmuS" beschränken. Der Vivianische Entwurf setzt hauptsächlich folgendes fest: In den Fabriken, Werkstätten und auf den Bauplätzen, sowie in Berg- werken. Tagbauen und Steinbrüchen, wo die Arbeitsdauer nicht durch Spezialgesetze geregelt wird, weiter in den TranSportunterneh- mungen und den Zwciganstalten der genannten Unternehmungen, gleichviel welcher Natur sie sind, ob öffentlich, privat, weltlich oder religiös, selbst wenn sie den Charakter de» gewerblichen Unterrichts «der der Wohltätigkeit haben, joll die effektive Arbeit der erwach, senen tkünnlichen Arbeiter 10 Stunden nicht überschreitesi. Diese Bestimmung tritt jedoch erst 4 Jahre nach der Kundmachung des Gesetzes in Kraft. Bis zu zwei Jahren nach der Kundmachung soll die Arbeit im Maximum 11 Stunden, von zwei Jahren an 10� Stunden betragen. Eine Verlängerung der Arbeitstage bis zu 12 Stunden ist allgemein an 00 Tagen im Jahre zuge- lassen, in bestimmten, durch ein Regelment zu bestimmenden Jndu- strien an SO Tagen. Dieses Reglement soll auch die für vor- bereitende und Ergänzungsarbeiten, für Unglücksfälle oder wegen vis major notwendigen Ausnahmen festsetzen, sowie die Aufgaben und Rechte der Gewerbeinspektion in bezug auf die Handhabung dieses Gesetzes. Der zweite Entwurf regelt die Ruhezeit in den Maga- zinen und Bureaus. In den Magazinen, Geschäftsläden, kaufmännischen und industriellen Bureau? wie in ihren Zweig- abteilungen soll der täglichen Arbeit jeder beschäftigten Person eine ununterbrochene Ruhepause von mindestens 11 Stunden folgen. Ein Regelment kann diese Ruhezeit indes für bestimmte Kategorien von Etablissements auf 10 Stunden herabsetzen. 10 Stunden Ruhezeit gilt auch als allgemeine Ueber- gangSbesttmmung während zweier Jahre. Ausgenommen von der obligaten Ruhepause sind die Unternehmungen, die nur Familienmitglieder beschäftigen.— Wie man weih, hat die gleiche Ausnahme die Bestimmungen über die Sonntagsruhe im Handel zum großen Teil wirkungslos gemacht.— Von Wichtigkeit ist der Artikel 2 der Vorlag«, der besagt, daß auf Antrag von drei Vierteln der interessierten Unternehmer der Gemeinderat die Schließung der Läden zu einer bestimmten Stunde festsetzen kann, für eine oder mehrere Kategorien von Magazinen, die die gleiche Art von Ge- schäften betreiben und sich an die gleiche Kundschaft wenden. Ein Appell an den Staatsrat mit aufschiebender Wirkung ist zugelassen. Weiter hat der ArbeitSminister eine Reform der Ge- werocgerichte beantragt und einen Entwurf über den kollektiven Arbeitsvertrag vorgelegt. Mit diesem er- klärt sich die Kapitalistenpresse noch am ehesten einverstanden, aber nur„im Prinzip". Als Vorbedingung für feine Annahme fordert sie die Rechtsfähigkeit der Gewerkschaften, die sie mit der Haft- p f lVch t identifiziert. Die Sozialisten werden natürlich alles daran fetzen, die Vivianifchen Entwürfe im Interesse der Arbeiterschaft zu verbessern. Die Hindernisse des sozialpolitischen Fortschritts sind indes in Frankreich jetzt noch größer, als in den letzten Jahren. Hat doch die stark manchesterliche„demokratische Linke" und der mittelständle. rische Radikalismus gegenüber dem„Radikalsozialismus" an poli- tischem Gewicht gewonnen. Der sozialreformatorische Eifer mancher Radikalsozialisten blühte freilich auch rntp auf dem Grund der sicheren Ueberzeugung, daß der S e n a t ja doch über die Interessen des AuSbeutertumS wachen werde. Spanien. Die Lage in Barcelona. London, IS. Juli. Der„Daily Telegraph" meldet: Wenige Stunden vor der Abreise de» Königs aus San Sebastian erhielt der General Eschaue, Chef deS Militärkabinetts, ein lange» Telegramm. Diese» Telegramm betraf, wie es heißt, die Vorgänge in der Stadt und in der Provinz Barcelona, wo ernste Ereignisse auszubrechen drohen. In allen Bezirken Barce- lona» patrouillieren Artillerieabteilungen, um die Ordnung auf- recht zu erhalten. Die Truppen sind kriegsmarschmäßig ausgerüstet und mit scharfen Patronen versehen, da man eine neue Volksbewegung befürchtet. Andererseits sind u n- günstige Meldungen auS Afrika eingetroffen, speziell aus Melilla, wo eine Verschlimmerung der Lage befürchtet wird. Ein Vertreter deS„Daily Telegraph" hat in verschiedenen französischen Städten längs der spanischen Küste eine Untersuchung vorge- nommen. In diesen Städten wurden zahlreiche spanische Deser- teure, die gelegentlich des marokkanischen FeldzugeS aus Spanien geflüchtet waren, gesehen. Sie hatten sich geweigert, sich in die Reihen der nach Marokko abgehenden Truppen einstellen zu lassen. Die Mehrzahl dieser Leute sind Revolutionäre. Sie alle befinden sich in einer großen Aufregung. Agitatoren versuchen sie zu über- reden, Banden zu bilden, die Grenze zu überschreiten und gewaltsam nach Barcelona vorzubringen, wenn die Amnestie, die von ihnen verlangt wurde, nicht bewilligt werden sollte. Andererseits beraten die Sozialisten und Repu- blikaner, die in der Provinz Barcelona wohnen, um einen neuen Generalstreik zu proklamieren, der demnächst verkündet werden soll. Sngtanct. Epidemische Verschwendung. London, 15. Juli. Auf einem Bankett der Bankiers und Kaufleute von London sagte Lloyd George, alle Nationen schienen von einer epidemischen Ver- schwendung angesteckt zu sein. England habe die Führung hierin übernommen, aber habe auch das größte Reich zu verteidigen. Alle Nationen trügen die Ver- antwortung. Man müsse auf den Tag hoffen, an welchem ein besseres Verstehen unter dm Völkern Platz ge- griffen haben werde. RulUand. Selbstcharakteristik. Das Organ de» Russischen Volksverbandes,„Russ. Slowo". veröffentlicht folgende interessante Charakteristik ihre» ehemaligen Präsidenten Grafen Konowizyn. Der Graf K. begann feine Kar- rier« in der Flotte, wo er aber bald auf einen Spruch de» Ehren- gcricht» der Offiziere hin den Dienst quittieren mußte. Hievauf wurde er Kreischef in Plock. Hier ließ er sich aber einen Diebstahl zuschulden kommen und wurde im Laufe von 24 Stunden von den obersten Administrationsbehörden ausgewiesen.— Am Odessacr Horizont tauchte der Graf vor nicht langer Zeit auf in der Rolle eine» Aufseher» der Matrosenwäscherei. Hierauf, nach den Oktober. tagen(während der Revolution), nahm er durch einen Zufall und dank seinem hohen Titel die Ehrenstelle eine? Präsidenten des in Odessa eröffneten„Russischen VolkSverbande»" ein. Von diesem Lugenblick an beginnt die politische Karriere des Grafen. Die politische Tätigkeit des Grafen Konowizyn kann man mit wenjgen Worten charakterisieren. Eine unglaubliche Frechheit, verblüffende Dummheit, Mißbrauch der religiösen und patriotischen Gefühle deS russischen Volkes, Ausbeutung der russischen Arbeiter durch ver- schieden« aufgebauschte Unternehmen. Verschleuderung von Volks- geldern. eine Saat der Zwietracht im Kreise des Verbandes, völlige Unduldsamkeit einer fremden Meinung gegenüber und das gräf- liche„Ich spucke auf alle und auf alles". Der Graf hat ein schweres Verbrechen verübt: er hat dem Triumph der russischen nationalen Idee in Odessa eine empfind. liche Wunde zugefügt; er hat wie eine betrunkene Lakaienseele auf die Ideale des russischen Volkes gespien... Jetzt muß er fort- gehen... Seine käufliche schmutzige Seele wird niemals Ver- gebung finden, da das betrogene russische Volk ihn verflucht hat... Graf K. wird fortgehen mit einem neue» Nanren:„JudaS der Ver- räter". Es ist da» ein wörtliche» Zitat au» dem VolkSverbändlerblatt mit Beibehaltung alles»wahrhaft rpMchell* Ausdrucke des Original», Ein Stück Aulobi'ogtaphis des Russischen LpILverhanteS selbst. Perlt en. Ein politischer Mord- Wie aus Teheran telegraphiert wird, wurde von vier Un« bekannten der höchste Priester Seid Abdul lah durch zwei Rc- volverschüsse in seiner Wohnung ermordet. Seid Wdullah war Führer der reaktionären geistlichen Partei des Parlaments und eine Kreatur der Russen.— Bus der laltlzhommiinon. (Sitzungvom 16. Juli 1910.) Die Diskussion über die B-st'.vmungen über die Privat- und Nebenklage wurde sul>ge,etzt. Beim K 387 wurde auf Antrag der Konservativen ein ß 387a angenommen, nach dem vor dem Haupttermin der Amtsrichter bei einer Privatklage noch einen Sühnetermin anberaumen kann. Nach dem§ 392 soll das Verfahren nach dem Tode deS Privat- klägers eingestellt werden. Ein Antrag Gröber forderte, daß die Ansprüche auf eine Buße des Privatklägers auf dessen Erben übergehen sollen. Der ReaierungSkommissar wendete sich auS Gründen formaler Schwierigkeiten dagegen. Doch wurde der An- trag angenommen. Der§ 394 besagt, daß die Staatsanwaltschaft nach der Eröff- nung des HauptverfahrenS bis zum Eintritt der Rechtskrast des Urteils die Verfolgung der Sache übernehmen kann. Das eventuell bereits erlassene Urteil wird aufgehoben. Der Privatkläger wird dann Nebenkläger. Ein Antrag Engelen verlangte, daß die Ueberweisung einer Privatklage an die Staatsanwaltschaft zur öffentlichen Verfolgung nur auf Beschluß des Gerichts in erster oder zweiter Instanz in der Hauptverhandlung stattfinden kann. Der Antragsteller berief sich auf die Erfahrungen im Moltke» Harden-Prozeß, da die damaligen Vorgänge lebhafte Be- denken gegen die Unparteilichkeit der Staatsanwaltschaft bei der Uebernahme der öffentlichen Klage erwecken müssen. Der§ 394 wird in der Hauptsache in der Regierungsfassung angenommen. Eine Privatklage kann nach dem§ 396 bis zum Erlaß deS Urteils in der Berufungsinstanz zurückgenommen werden. Unsere Genossen beantragten, die Zurücknahme bi» zur Verkündigung des Urteils in der Revisionsinstanz zulässig sein zu lassen; auch sollte eine einmal zurückgenommene Privatklage nicht wieder auf- genommen werden können, auch im Woge der öffentlichen Klage nicht. Der Antrag wurde abgelehnt. Nach dem§ 397 gilt die Privatklage für zurückgezogen, wenn der Privatkläger zur Hauptverhandlung weder erschienen noch ver- treten ist. Dazu beantragten unsere Genossen, daß in diesem Falle die Klage nur auf Antrag deS Klägers als zurückgenommen gilt. Dieser Antrag wurde ebenfalls abgelehnt. Beim§ 400 beantragten unsere Genossen, daß die Widerklage erhoben werden kann, wenn der Vorgang, auf den sich dieselbe be- zieht, innerhalb des letzten JahreS feit der Erhebung der Privat- klage liegt. Der Antrag wurde abgelehnt. Auch sollte auf Antrag der Sozialdemokraten die Widerklage auch in der zweiten Instanz erhoben werden können. Dagegen wendeten sich ebenfalls die Re- gierungsvertreter.— Ein Antrag der Konservativen und de» Abg. Gröber wollte bestimmen, daß die Widerklage sich auch gegen eine Frau richten kann, für welche der Ehegatte die Privatklage er- hoben hat. Alle diese Anträge wurden abgelehnt. Durch die Schaffung eines 8 400a bezweckten unsere Genossen. auch einem durch öffentliche Klage Verfolgten das Recht der Widerklage zu geben. Diese Forderung wurde schon früher im Reichstag erhoben, aber abgelehnt. Der Rogierungsvertreter meinte, dem Antrage könne nicht stattgegeben werden, weil der- selbe der ganzen Struktur des Prozeßverfahrens widerspreche. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen, des Fort- schrittlerS und der Polen abgelehnt. Ohne Aenderungen wurden die Paragraphen bis 409 ange- nommen. Damit ist der zweite Abschnitt erledigt. Die K o m m l s» rifl« vertagte sich darauf bis zum 20. SeptkDber. Hus der Partei. Parteiliteratur. Der Staat, die Industrie und der Sozialismus. Unter diesem Titel erscheint soeben im Verlag« von Kaden u. Co. die erste Broschüre einer Sammlung aus der Feder sseS Ge- nassen ParvuS. Diese erste Broschüre trägt den Sondertitel: DaS soziale Problem unserer Zeit. In 5— 6 Wochen soll die zweite Broschüre folgen mit dem Titel: Die Banken, der StaatunddieJndustrie; nach Ablauf derselben Frist die dritte Broschüre mit dem Titel: Die Verstaatlichung der Banken und der Sozialismus. Der Preis der ersten Broschüre beträgt 40 Pf. Zugleich erscheinen bereits jetzt die drei Broschüren in einer besseren Ausgabe zusammegefatzt als Buch im Preise zu 3 M. Der leitende Gedanke dieser Sammlung ist, nach dem Lcsswort deS Verfassers, den wirtschaftlichen Ideengehalt unserer Agitation den Forderungen der Neuzeit anzupassen. Das ist die Richtlinie; das Programm selbst ist so umfassend, daß es gewiß nicht in der Kraft des einzelnen liegt, es zu erfüllen. Es sind neue Wirtschaft» liche Momente entstanden, die erforscht werden müssen; ein neues Tatsachenmaterial hat sich angesammelt, daS die alten Gedanken- gän�e de« Sozialismus unterstützt und neu belebt— wer auf diese» Forichungsgebiet sich begibt, kann au» dem Vollen schöpfen. Jede Broschüre behandelt ein eigenes Thema; sie sind aber miteinander innig verbunden durch die Zusammenhänge der kapi» talistiscken Produktion und darum durch den fortlaufeno durch allo Verhältnisse durchzuführenden Beweis der Unvermeidlichkeit, Zwech, Mäßigkeit. Durchführbarkeit und de» nahen Heranrückens der sozialen Revolution._, Arbeit bringt immer Erfolg! Der Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins Breslau ist wieder in der erfreulichen Lage, über schöne Erfolge al» Resultat eifrigster Parteiarbeit zu berichten. Und alle und alle? haben dazu beigetragen: Polizei und Gerichte, Gegner und Feinde, Finanz- reform und Zivilliste. Wahlrechtskamps und Schnapsblock. Der vorige Bericht verzeichnete 6426 Mitglieder, der diesmalige 1747 mehr, nämlich 8173. Ende 1908 waren darunter nur 363 weibliche, diesmal 1923, die durch Extraagitationen erobert wurden. Noch vor 10 Jahren zählte der Verein kaum 890 Mitglieder, 190B bereits 4273, 1906(Schlacht am Striegauer Platz, abgehackte Hand, Ver- hastung dreier Redakteure usw.) 7437. Bon diesen traten über lS00 dem selbständig gewordenen Land kreise bei. so daß der Verein somit 9700 Mitglieder zählen würde? Ikid wäre nicht die Bau- arbeiterauSsperrung gewesen: der Verein zählte außerdem noch 400 Mitglieder mehr. Leider haben viele Bauarbeiter dem Verein den Rücken gekehrt— hoffentlich nicht für dauernd! In ähnlicher Weise gestalteten sich die Erfolge bei der Arbeit für da« Parteiblatt am Orte, die„Volkswacht". Noch im Jahre 190S> mußte eS sich mit 15 000 Abonnenten oegnügcn, heute hat eS deren 36000, das sind in S Jahren eine Zunahme von 21 009! Die meisten davon wurden m politisch erregten Zeiten, während gehässiger Ver- folgungen usw. gewonnen. Auch daS Bildungsbedürfnis der Mit- glieder deö Verein» ist in schönem Steigen begriffen. Die Zahl der BücheoauSgaben der zirka 2000 Bände umfassenden Bibliothek ist in den 6 letzten Monaten allein um 50 Proz. gestiegen.— Der Kassenbericht verzeichnet bei einer Einnahme von 39 621,07 M. eine Ausgabe von 38 500 M. Die ja in Breslau besonders eifrig be- triebene Verfolgung der Sozialdemokraten bracht« unserer- Partei neben den oben geschilderten Erfolgen auch über 2000 M. Gc» richtSkosten und über 12 Monate Gefängnis ein. Atz« noch nie war trotzallcdem die Kampfeslust der Mitglieder größer als gerade jetzt!«q GewerhrchaftUcbee« Gelbfcbwarze 8treikbrecherhonipagn!en. Die gelben Streikbrecherhirsche des Brauergesellen- dundes erhalten Sukkurs vom„christlichen" Hilfs- und Trans- Hortarbeiterverbande. Diese christliche Organisation, die durch ihre sortgejetzten Verrätereien und airch ihre Unfähigkeit in gewerkschaftlichen Fragen ihre Mitgliederzahl in zwei Jahren von 15 470 auf 13 752 herunterorganisiert hat, die an chroni- schein Geldmangel leidet, muh es wohl sehr schmerzlich emp- finden, daß es mit der„christlichen" Bewegung auch in der Schweiz ebenso faul ist. Sie benutzt deshalb den Kampf der Brauereiarbeiter in der Schweiz, um die stristliche Bewe- gung in der Schweiz durch Zufuhr von Streikbrechern zu fördern. Die„Gewerkschaftsstimine", das Organ des christ- lichen Verbandes, fordert in Nr. 28 vom 14. Juli die Mit- glieder auf.„nach der Schweiz zu gehen und dort m Arbeit zu treten". Die„Gcwerkschaftsstimme" führt dann auf, welche Streikbrechersorten in der Schtveiz gebraucht lverden, wie hoch'der Lohn ist, den sich die Branereiarbeiter in der Schweiz bisher erkämpft haben und der nun den Streik- blechern winkt und fügt dann bei: „Wir bemerken noch, daß die Reisekosten den Kollegen ver- flütet lverden. Die Garantie dafür übernimmt der christlich- oziale Gelverkschaftsbund. Die Kollegen aus Ostdeutschland und Oesterreich wollen sich bei Eintreffen in der Schweiz in St. Gallen wenden an den Kollegen Sekretär B r i e l m e i e r, Wasiergasse Nr. II, I. Tie zureisenden Kollegen aus Westsüddeutschland wenden sich nach Basel an Sekretär I. Greven, Sulzerstr. 10, 1. Von dort aus erfolgt die Zuweisung an die Arbeitsorte." Also ein richtig organisierter Streikbrcck)ervertrieb ge- meinsam mit den gelben Hirschen des Brauerbundes, der seine Streikbrecher auch an die oben genannten christlichen Ar- beiterjekretäre dirigiert. Und damit man eine Begründung für die Streikbrecherlieferung hat. arbeitet rfie„Gewerk- fchaftsstimme" nach dem Rezept der Hirsche und erzählt aller- lei Märchen vom Terrorismus der Genossen. Sie weiß aber sehr gut, daß die Schweizer Brauereiarbeiter durch ihre Forderung der Regelung des Arbeitsnachweises nur ihre alten Mitglieder und Familienväter vor der Maßregelung, dem Aushungern durch die Unternehmer, schützen wollen: sie weiß auch, daß in der Schweiz von einer christlichen Organisation der Brauereiorbeiter keine Spur zu finden ist, aber durch diese Streikbrecherlieferung hofft sie eine solche zu schaffen. Das ist der einzige Zweck, weshalb der christliche Transport- arbeiterverband mit dem gelben Brauerbund gemeinsame Sache macht, beide von dem gleichen Wunsche beseelt. Der von dem Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften als„versumpftes Organisationsgebilde" und als Streik- brechervgenwr bezeichnete gelbe Brauerbund mit dem christ- lichen Hilfs- und Transportarbeiterverband zum gemein- samen Tun vereinigt: Hirsch-Dunckersche und christliche Streik- brecher Arm in Arm— ein Schauspiel für Götter! Die würdigm Komplizen werden sich wohl verrechnen. Kerlin un 4 Omgegencl. Dankende Ablehnung einer„WoHlfaHrtSeinrichtung". Die Firma Pintsch A.-G. hat die in ihrem Betriebe beschäftigten Arbeiter kürzlich durch die Mitteilung überrascht, daß sie ihnen Dienstalterszulagen gewähren und einen„Arbeiterrat" einrichten will.— Eine Würdigung dieser Bescherung aus Unternehmerwohl» wollen fand am Freitag in einer zahlreich besuchten Betriebsver- sammlung der Arbeiter der Firma Pintsch statt. Der Referent Handle erinnerte daran, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Firma Pintsch schon vor einigen Jahren wiederholt einer berechtigten Kritik in der Oeffentlichkeit unterzogen wurden. Seitdem habe sich an diesen Verhältnissen nichts gebessert. Besonders müsse be- tont werden, daß immer noch die»Vt stündige Arbeitszeit besteht, während schon im Jahre 1906 die Einführung der S stündigen Arbeitszeit gefordert wurde, die in dem Industriezweige, welchem die Firma angehört, allgemein üblich, ja in manchen Betrieben noch kurzer ist. Zwar habe die Firma Pintsch 1306 eine Verkürzung der Arbeitszeit in Aussicht gestellt, aber bis jetzt, wie gesagt, noch nicht gewährt. Statt dessen komme sie jetzt mit der Versitzung von Dienstalterszulagen, die nach einer ununterbrochenen Tätigkeit von 4— 9 Jahren 30 Ml. betragen und nach 2ö Jahren mit 1b0 Mk. ihren Höhepunkt erreichen soll. DaS macht also eine nachträgliche Zulage von 2 Pf. für jeden Arbeitstag, der in 25 Jahren geleistet worden ist.— Auch eine Krankenhilsskasse will die Firma einrichten. wozu die Arbeiter Beiträge zu leisten und die Firnia Zuschüsse geben will.— Der Referent führte verschiedene Beispiele dafür an, daß derartige„Wohlfahrtseinrichtungen" in anderen Betrieben nicht zum Wohle der Arbeiter, sondern nur zum Wohle der Unter- nehmer betrieben werden. Die Arbeiter der Firma Pintsch wollen gern auf solche„Wohlfahrtseinrichtungen" verzichten, sie fordern aben daß ihnen ausreichende Löhne, sowie eine Arbeitszeit wie sie andere Betriebe haben, gewährt werden.— Der von der Firma ver- heißen«„Arbeitcrrat" soll aus Proporzionalwahlen hervorgehen. Obgleich diese Einrichtung nicht den Forderungen der Mitglieder des Metallarbeiterverbandes entspreche, würden sie sich doch an den Wahlen beteiligen, um nicht den Anhängern anderer Organisationen und den Unorganisierten das Feld zu überlassen. Ihre Aufgabe würde dann sein, den Arbeiterrat so zu reformieren, daß er alS «ine wirkliche Vertretung der Arbeiter angesehen werden könne. Die Diskussionsredner teilten den Standpunkt des Referenten vollkommen. Auch die beschönigenden Ausführungen eines Herrn, der die Absichten der Firma in rosigem Licht malte, konnten daran nichts ändern. Es wurde dem Herrn entgegengehalten, daß inen kein Vertrauen haben könne zu den angeblich guten Absichten einer Firma, welche die Arbeiter jahrelang mit Versprechungen auf Ver- kürzung der Arbeitszeit hingehalten, diese aber nicht erfüllt habe. Die Versammlung nahm«ine Resolution an, welche die Direktion ersucht, von der beabsichtigten Gründung einer HilsSkasse Abstand zu nehmen, da Kassen genug bestehen, denen sich die Ar- beiter anschließen können. In einer zweiten gleichfalls angenommenen Resolution wird erklärt, daß die Versammelten mit Rücksicht auf die im Betriebe herrschenden Verhältnisse sich an den Wahlen zum Arbciterrat be- teiligen, eS aber einer späteren Versammlung überlassen, Direktiven für die Verbesserung dieser Einrichtung zu geben. Die streikenden Schmiede versammelten sich am Sonnabend morgen, um zu hören, welche Antwort die Jnnungsweistcr auf das jüngste Schreiben der StOeikleitung zu geben hätten. In diesem Schreiben wurden neben einer Darlegung der Sachlage einige Wege zum Ausgleich der bestehenden Differenzen in Vorschlag ge- bracht. Für die Berliner Innung antwortete der Obermeister Warnecke in drei Zeilen: „Der Vorstand lehnt eS ab, eine Antwort zu geben und mit Ihnen(die Streikleitung ist gemeint) zu verhandeln." Von den Meistern in Charlottcnburg und in Rirdorf war (keine Antwort eingegangen. Für Rirdorf ist die Streikangelegen- heit beinahe erledigt dadurch, daß außer zwei Meistern alle den Vertrag mit dem Zentralverbande unterschrieben haben. Im ganzen sind etlva hundert Unterschriften eingelaufen und nicht eine Unterschrift ist zurückgezogen worden, wie eS 1905 in den vier Tagen des damaligen Kampfes mehrfach vorkam. Trotz aller polizeilichen Drangsalierung waren die Streikposten in den letzten Tagen eifriger denn je und eS gelang ihnen, etwa 20 Arbeiter aus den verschiedenen Betrieben herauszuziehen und zum Anschluß an den Streit zu bewegen. Zur Förderung des Kampfes hat die Verbandsleitung beschlossen» auch den 5 sterten Gesellen, die sich am Streik beteiligen, eine Unterstützung zu gewähren. Achtung, Rabitzputzer, Spanner und Träger! Die Sperre über die Firma Otto Stüwe ist aufgehoben. Die Forderungen der Organisation sind seitens des Herrn Stüwe unterschriftlich anerkannt._ Der Sektionsvorstand. Zum Streik der Hafenarbeiter in Spandau. Zu dem bereits in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" gemeldeten Abwchrstreik der Hafenarbeiter ist folgendes zu berichten: Die Firma K. T h o m a s, die Pächterin des städtischen Hafens. hat es von jeher verstanden, die Jnteressenlosigkeit ihrer Arbeiter auszunutzen. Erst im vorigen Jahre gelang es, die Arbeiter der Organisaiion zuzuführen. Die Arbeiter glaubten nach den De- batten im Spaudaucr Stadtparlamcnt, daß die Stadt als Inhaberin des Hafens auf den Pächter einwirken würde, damit dort menschen- würdige Zustände geschaffen würden. Nichts von alledem ist ein- getreten. Hinzu kam noch, daß Herr Thomas die Akkordlöhne um 12l6 Proz. reduzierte, so daß die Kohlenarbeiter trotz ihrer an- strengenden, gefährlichen und schmutzigen Arbeit im Akkord nur einen minimalen Lohn bei 10— 12 stündiger Arbeitzeit verdienen können. Dazu kommt noch, daß die Leute des öfteren tagelang aussetzen und bei Schiffahrtsschluß auf 2— 3 Monate Arbeitslosigkeit zu rechnen haben. Tie Arbeiter haben deshalb, als jedes Ver- handeln ergebnislos verlausen war, am Freitag die Arbeit ein- mütig niedergelegt. Sie sind nicht länger gewillt, in einem der- artigen lebensgefährlichen, kräftczerreibenden und jedem modernen hygienischen Anforderungen Hohn sprechenden Betriebe Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen. So ist dort von Arbeitcrschutzvorrichtungen überhaupt nichts vorhanden. Mit 1 Dieter langen Brechstangen müssen die Arbeiter unter die EifenbahnwaggvnS klettern und dieselben in Bewegung setzen. Erst im vorigen Jahre passierte es, daß einem Arbeiter beide Füße glatt abgefahren wurden. Den Bedauernswerten ließ man dann ohne jede Hilfe im Sand liegen, so daß derselbe infolge deS großen Blutverlustes verstarb. Kein Verbandszeug, was in jedem kleinen Geschäfte, ja Haushalt, zu finden, war hier, wo mit Un- fällen jeden Tag zu rechnen, vorhanden. Wirklich herrliche Zu- stände auf einer städtischen Hafenanlage! Auch die Beschaffenheit des Arbeitsmaterials spottet jeder Beschreibung. Die Seile der Krangceifer werden solange benutzt, bis sie reißen und der Greifer mit voller Ladung(zirka 30—50 Zentner Kohlen) in den Kahn hinabstürzt. Dies ist bereits fünfmal vorgekommen. Wie leicht kann es deshalb passieren, daß eine ganze Arbeiterkolonne zer- schmettert wird, da aus..Sparsamkeitsrücksichten" die Seile nie von fachkundigen Leuten geprüft werden. Zum Ausladen von Blech- platten, die jede Last etlva 40—50 Zentner beträgt, find derartige schlechte abgenutzte Greifzangen vorhanden, daß des öfteren die ganze Last in das Wasser oder den Kahn stürzt, so daß eS als ein Wunder anzusehen ist, wenn dabei noch keinerlei größere Un- glücke passiert sind. Trinkwasser ist bis heute für die Arbeiter noch nicht vorhanden, ebenso fehlt jedwede Waschgelegenheit für dieselben, so daß die Leute gezwungen sind, am Abend voller Schmutz und Kohlenstaub in ihre Behausung zu gehen. Das Waschen in der Havel ist seitens der Spandauer Polizeibebörde verboten worden, da dies angeblich die„Ausflügler auf den Dampfern" stören würde. Wir möchten deshalb an den Herrn Oberbürgermeister Koeltze, als Chef der Spandauer Polizeibehörde, die ja jetzt mit zweibeinigen und vierbeinigen Polizisten und Polizeihunden dem Unternehmertum zur Hilfe eilen und die„nützlichen Elemente" unter sicherer Bedeckung nach dem Hafen geleiten und abends wieder abholen, die Anfrage richten, ob es nach den Vorschriften der Arbeiterschutzgesetzgebung zulässig ist, daß derartige Zustände, die Leben und Gesundheit eines Teils der Spandauer Steuerzahler stündlich gefährden, in einem Betriebe herrschen. ES wäre Pflicht der Polizeibehörde, hier nach dem Rechten zu sehen. DeurftKes Reich. Zum Streik bei der Hagen-Schtvelmer Eisenindustrie. Die unter Vorsitz deS Regierungspräsidenten v. Bake im Rat- hause zu Hagen zwischen Vertretern des ArbeitgebervereinS und der Arbeitnehmer der Hagen-Schwelmer Metallindustrie gepflogenen Verhandlungen zwecks einer Einigung haben mit einer kurzen Mittags- pause fast 10 Stunde» in Anspruch genommen. � In den Abendstunde» deS Freitag hatte sich eine nach Hnndcrie» zählende Menschen- menge vor dem Rathause eingefunden, die erivanungSvoll auf das Ergebnis der Verhandlungen wartete. Gegen 10 Uhr abends waren die Beratungen beendet. DaS Resultat der Verhandlungen wurde jedoch einer gegenseitigen Vereinbarung zufolge streng geheim ge« halten. Die gemachten Vorschläge sollen de» beiderseitigen Ver- sammlungen alsbald zur Kenntnis gebracht werden. Gestern hielten bereits dre streitenden Parteien Versammlungen ab, um die Vorschläge zu beraten. Auch soll eS sich danach entscheiden, ob am Dienstag früh die Arbeit wieder aufgenommen werden kann oder nichp Beendigte Aussperrung. DaS GewerbcschiedSgericht in Dresden fällte gestern nach einer Herold-Meldung einen so günstigen Schiedsspruch für die noch immer ausgesperrten Dachdecker, datz die Aussperrung sofort aufgehoben wurde. Hiistand. Verhandlungen in der englischen Banmwollindustrie. Auf einer Zusammenkunst der Arbeitgeber und Arbeiter der Baumwolleuiudustrie, welche heute abend in Manchester statlfaud, hat man einstimmig den Beschluß gefaßt, dadurch eine Regelung der Lohnfrage anzuempfehlen, daß die Arbeitgeber die Forderung einer Ermäßigung um fünf Prozent unter der Bedingung zurückziehen sollen, daß innerhalb der nächsten fünf Jahre keine Forderung einer Erhöhung oder einer Verminderung erhoben werden soll. Diese Regelung hat in Lancashire große Befriedigung hervorgerufen. Zum bevorstehenden amerikanischen Eisenbahnerstreik. Die Situation der Arbeiter der Pennsylvanischcn Eisenbahn- linien ist sehr kritisch. Die Forderungen der Angestellten haben nicht die Genehmigung der Direktoren erlangt und 10 000 Eisen- bahnangestellten der Sektion Pitsburgwest wollen dem Beispiel ihrer Kollegen im Osten folgen und haben für den Generalstreik gestimmt. — AuS Soranton(Pennshlvanien) wird gemeldet, daß die Delaware Lackawanna Western Railway nach Verhandlungen mit den verschiedenen Kategorien ihrer Angestellten sich bereit erklärt hat. die Gehälter der Angestellten beträchtlich zu erhöhen. So erhalten die Maschinensührer allein 12 Proz. mehr als bisher. Mit Rücksicht auf den drohenden Streik hat die Präfektur von Philadelphia alle Polizeiagenten, die sich augenblicklich auf Urlaub befinden, telegraphisch zurückberufen. So2iales. «Sizialdemokratische Konsumvereine." Die„Konsumgenossenschaftliche Rundschau" polemisiert in ihrer Nr. 28 gegen die„Konservative Korrespondenz", die über„sozial- demokratische Konsumvereine" etwas dahcrgefaselt hatte. Die „Konservative Korrespondenz" hatte unter anderem geschrieben: „Ganz offen hat die„Neue Zeit". Nr. 6 vom 5. November 1909, eS als»Vogelstraußpolitik" erklärt, die Zugehörigkeit der Konsumvereine des Zentralverbandes zur politischen Sozialdemo- Itatie zu leugnen." Daraufhin antwortet die»Konsumgenossenschaftliche Rund- schau": „Bei solcher Sachkenntnis braucht es nicht wunderzunehmen, daß als Beweis für den»sozialdemokratischen" Charakter des Zen- tralverbandeS beutscher Konsumvereine die»Neu« Zeit' auf- marschieren muß. Dieser Kronzeuge wird kaum überall anerkannt werden." Auf den ersten Blick macht die betreffende Notiz der„Konser- vativen Korrespondenz" aus der„Neuen Zeit" den Eindruck einer groben Fälschung. Und das ist sie auch. Wir brauchen nur die Stelle aus dem Artikel der„Neuen Zeit" abzudrucken, um dies darzutun. Es wird dort erwähnt, daß der theoretische Satz, die Konsumgenossenschaften sollten„alle" Konsumenten umfassen, in der Praxis keine Geltung habe;„denn tatsächlich wirken auch auf das Gebiet der konsumgenosscnschaftlichen Organisation die Macht- gruppicrungen der Parteien und Klassen zurück. Es ist Vogelstrauß- Politik, dies zu leugnen." Was die„Konservative Korrespondenz" aus dem Satz macht, ist ihr eigenes Fälschwerk. Die.Konsumgenossenschaftliche Rundschau" hätte im Interesse der Konsumgenossenschaftsbowegung besser getan, der Sache etwas mehr auf den Grund zu gehen, als in dem hochtrabenden Tone, hohle, phrasenhafte Sentiments von sich zu geben. Durch Zufall fanden wir auch, daß in der„Konsunigenossenschaftlichen Korre« spondenz" zwar der Artikel aus der„Konsumgenossenschaftlichen Rundschau" abgedruckt worden ist, aber ohne das Fälscherstückchen der„Konservativen Korrespondenz" und ohne die tiefsinnige Eni- gcgnung der Redaktion der„Konsumgenossenschaftlichen Rund- schau".„Konsumgcnossenschaftliche Rundschau" und„Korrespon- denz" stehen aber unter einer Redaktion. So ist nur zweierlei denkbar. Entweder die Redaktion der„Rundschau" sah ein, daß sie einen Bock geschossen hat oder aber sie glaubte, den Partei« blättern nicht den Abdruck der tiefgründigen Polemik mit der „Konservativen Korespondenz" in der ursprünglichen Form zumuten zu können! Der„Konsumgcnossenschaftlichen Rundschau" ist im Interesse der konsumgenossenschaftlichen Bewegung dringend zu raten, etwas größere Gründlichkeit und Kenntnisse sich an Stelle ihrer hohlen, überhebenden Begeiferung der sozialdemokratischen Organe anzueignen._ Klage eines Stadtverordneten gegen einen Stabtverordnetenbeschluß. Einen Vorgang aus dem kommunalpoliiischen Leben betraf ein interessanter Rechtsstreit, der das preußische Oberverwaltungs- gericht beschäftigte. Die Wahl eines Beigeordneten(Magistrais- Mitgliedes) in Anklam war auf einen Herrn Vockcrot gefallen. Dieser erklärte demnächst, er nehme die Wahl nicht an, weil abge- lehnt worden sei, bei Normierung des Gehalts seine frühere Dienstzeit in einer anderen Kommune anzurechnen. Darauf be- schloß der Wahlausschuß, datz der Stadtverordnetenversammlung die Wahl eines anderen vorgeschlagen werden solle. Die Ange- legenheit wurde lebhaft unter den Stadtverordneten, denen an der Wahl W.'s gelegen war, besprochen. Ein Stadtverordneter Olden» bürg depeschierte im Anschluß an eine solche Besprechung an B., er solle nur seine Bedingung fallen lassen und die Wahl annehmen, das weitere würde sich dann schon finden; man werde ihm später schon das Gewünschte zugestehen. Dies wurde bekannt und fest- gestellt, daß der Stadtverordnete Professor Beintker mindestens an dem Entschluß, zu depeschieren, beteiligt war. Die Stadtver- ordnetenversaminlung beschloß dann in einer nächsten Sitzung, Herrn Professor Beintker, der früher Vorsteher war, ihre Miß- billignng auszusprechen. Der Beschluß, der ihm schriftlich zuge» stellt wurde, wurde damit begründet, daß in seinem Verhalten die vorzeitige Veröffentlichung eines Kommissionsbeschlusses liege und daß er gegen dw Interessen der Stadtverordnetenversammlung ge- handelt habe.— Beintker sah diese Mißbilligung als eine Strafe an und klagte gegen dir Stadtverordnetenversammlung im Per» waltungsstreiwerfahren, indem er sich auf die§§ 10 und 11 de® preußischen Zuständigkeitsgesetzes berief. Im§ 11 ist das Ver» waltungsstreitversahren gegeben gegen Beschlüsse der Stadtver- ordnetenversammlung, die von dieser gemäß§ 10 gefaßt worden sind. Dazu gehören Beschlüsse über die Nachteile, welche gegen die Mitglieder der Stadtgemeinde wegen Nichterfüllung der ihnen nach dem Gemeindevcrsassungsgesetz obliegenden Pflichten, sowie über die Strafen, welche gegen Mitglieder der Gemeindevertretung wegen Zuwiderhandlung gegen die Geschäftsordnung nach Maß, gäbe der Gemeindeverfassungsgesetze zu verhängen sind. Der Bezirksausschuß wies die Klage als überhaupt unzulässig ab, weil der Beschluß der Stadtverordneten weder als ein dem Kläger auferlegter Nachteil erscheine, noch als eine Strafe er- scheine. Die Geschäftsordnung kenne die Strafe der Mißbilligung nicht. Somit hätte B. überhaupt keinen Anspruch aus das Klage» recht. Professor Beintker legte Berufung ein. Das Oberverwaltungsgericht setzte am Dienstag den Mißbilli- gungöbeschlnß der Stadtverordnetenversammlung außer Kraft. ES wurde ausgeführt: Das Oberverwaltungsgericht habe Zweifel ge» habt, ob die Klage gegeben gewesen sei. Hier sei nun dem Kläger die Mißbilligung ausgesprochen worden, auch habe man ihm den Beschluß schriftlich zugestellt. Unter den hier obwaltenden Um» ständen habe das Gericht in der Mißbilligung eine Strafe gesehen. Im Gegensatz zum Bezirksausschuß nehme eS deshalb die Zulässig- keit deS Verwaltungsstreitverfahrcns an. Die Stadtverordneten- Versammlung sei aber nicht berechtigt gewesen, den Beschluß zu fassen. lUt2te l�achricbten und DcpeFcbcn. Kündigung deS deutsch-japanischen Handelsvertrages. Berlin, 16. Juli.(W. T. B.) Der hiesige japanische Bot- schafter hat dem Auswärtigen Amt im Auftrage seiner Regierung eine Note übermittelt, durch welche der deutsch- japanische Handels- und Schifsahrtsvcrtrag und der Konsular- vertrag vom 4. April 1896 sowie die Nachtragskonvcntion nebst Tarif zu ersterem Vertrage vom 26. Dezember 1898 zum 17. Juli 1911 gekündigt werden. Amnestie in Frankreich. Paris, 10. Juli.(B. H.) Gelegentlich deS Nationalfeste» cm, 14. Juli hat auf Vorschlag des Justizministers der Präsident der Republik eine Anzahl Begnadigungen»der Straferleichterungc« von Verurteilten, die sich in Neu-Kaledonien oder Guyana befinden. verfügt. Die Zahl der von der Amnestie Betroffenen beträgt 178. Beim Fischen mit Dynamit ertappt. Marseille, 16. Juli.(B. H.) In der Nähe von Marseille sischten drei Individuen mittels Dynamit. Durch die fortwähren- den Detonationen wurden in der Nähe befindliche Fischer darauf aufmerksam. Sie wollten dies Treiben verhindern, wobei sich die drei mit Revolvern zur Wphr setzten. Zwei der Individuen wurden von den Fischern getötet._ Die Polizei gegen streikende Arbeiter. Bilbao, 10. Juli.(W. T. B.) Hier ist ein Vergarbeiterstreil ausgebrochen, der an Ausdehnung zunimmt. Die Gendarmerie ging gegen einen Trupp Streikender vor, die versuchten. Verhaf- tungen zu verhindern und verteidigte sich mit Gewehrschüssen. Ein Streikender wurde verwundet. Truppen sind in das AuSstandS, gebiet abgegangen._ Die Cholera in Rußland. Petersburg, 16. Juli.(25. T. B.) Seit gestern sind dreizehn Personen an der Cholera erkrankt; fünf find gestorben. Die Städte Petersburg, Samara, Simferopol und Noworosstsk sind für choleragefährlich, das Gouvernement Orel für choleraver» dächtig erklärt worden. lverantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantv.i Ch. Glocke, Berlin. Druck u.Verlaa:PolwärtS>Luchdr.u.Beriag»airfta0 Paul Swger Li Co.. Berlin LVV. HierzulBcilagcn. it. 165. N.AOgmy. t Stilage Ks Jotrttls" Kerlim WsdlM Sonntag. 17. AvltlSW. vie baNilche ssarteisrage. Die Parteipresse hat bis jetzt nur zum Teil und meist in knapper Form zu der Budgetbewilligung der Mehrheit der badischen Landtagsfraktion Stellung genommen. Sie begnügt sich entweder damit, die offenbar erst kurz vor Redaktions' schluß eingegangene telegraphische Nachricht ohne jeden Kom mentar wiederzugeben, oder aber— in Erwartung näherer Information über die Gründe der badischen Genossen-» einst weilen nur mit kurzen Randglossen zu versehen. Die badische Parteipresfe legt ausführlich die Gründe der Budgetabstimmung dar. Um unsere Leser so objektiv als mög lich zu informieren, geben wir einen Artikel der„Karls ruher Volks stimme", der gleichlautend noch von mehreren anderen badischen Parteiblättern gebracht wird, im vollen Wortlaut wieder, trotzdem wir gestern bereits nach telegraphischer Meldung einen Auszug daraus gebracht hatten. Wenn das Karlsruher Parteiorgan davon spricht, daß die „Stimmungsmache" bereits wieder beginne, so wird es uns ehrlicherweise zugestehen müssen, daß wir alle Pflichten einer loyalen Auseinandersetzung zu erfüllen bestrebt sind. Ueber Haupt wäre es besser, wenn die badischen Verteidiger der Budgetbewilligung den Vorwurf der Stimmungsmache nicht erheben würden. Denn gegen die Verletzung eines Partei- tagsbeschlusses sofort entschiedenen Protest zu erheben, ist doch wohl nur Pflicht der Parteipresse und Parteiorganisationen I Der Artikel der„Karlsr. Volksst." lautet: „Gestern spielte sich noch ein politisches Ereignis ab, das in den nächsten Tagen der Gegenstand politischer Erörterungen in den Zeitungen aller Parteien auch außerhalb der gelb-roten Grenz- pfähle bilden wird. Das Finanzgesetz wurde mit allen abgegebenen Stimmen bei drei Stimmenthaltungen(Geck, Mansch und Stockin- ger) angenommen. Es stimmte also auch die sozialdemokratische Fraktion mit Ausnahme der oben genannten drei Abgeordneten für das Budget. Genosse Dr. Frank begründete dieses Votum: „Es läge nahe, durch die Ablehnung des Finanzgesetzes da- gegen zu demonstrieren, daß wir noch immer nicht als gleichbe- rechtigte Staatsbürger behandelt werden. Mit Rücksicht auf die politische Situation aber, wie sie-sich in der letzten Zeit gestaltet hat, verzichten wir auf diese Demonstration und stimmen für das Finanzgesetz." Das sind nur zwei kurze Sätze, aber sie besagen für den Kenner der badischen Politik genug, um die Gründe zu erforschen, welche die sozialdemokratische Fraktion veranlatzten, diesen schwer- wiegenden und verantwortungsvollen Beschlutz zu fassen. Die Frage:„Für oder gegen das Budget?" war für die sozialdemokratische Fraktion gleichbedeutend mit der Frage: Für oder gegen das Interesse der sozialdemokratischen Partei unddesbadifchenVolkes, soweit es gewillt ist, der klerikal- konservativen Reaktion Halt zu gebieten. Noch am Tage vor der Abstimmung war die Fraktion entschlossen, gegen das Budget zu stimmen. Sie hatte Gründe, die eine solche Abstimmung gerechtfertigt hätten— wenn die politische Situation nicht im letzten Augenblick eine entgegengesetzte Abstimmung zu einer zwingen den politischen Pflicht gemacht hätte. Durch die erfolgreiche positive Mitarbeit und die kluge Taktik der sozialdemokratischen Fraktion, die auch von ihren erbittertsten Feinden unumwunden anerkannt werden mutz, ist die klerikal-kon- servative Reaktion in Baden arg ins Gedränge gekommen. Die Jahrzehnte hindurch erprobte und immer erfolgreiche gerissene Taktik des Zentrums, seine politischen Gegner zu zersplittern, immer mit zwei Eisen im Feuer operierend, ist in Baden gegen» über der von der Sozialdemokratie befolgten Taktik zuschanden ge- worden. Zum ersten Male mutzten es die Zentrumsdiplomaten er- leben, daß ihre Diplomatenkünste nichts mehr nützen, sobald es ge- lingt, der Reaktion«ine aktionsfähige Mehrheit entgegen- zustellen. Das ist in Baden mit dem Grotzblock erstmals gelungen und zwar mit einem Erfolg, der weit über die Grenzen Badens hinaus von großer Bedeutung ist. Was dem Zentrum in der zweiten Kammer nicht gelungen war, das wollten die konservativ-klcrikalen Junker in der ersten Kammer bewerkstelligen, die Aktionsfähigkeit des Grotzblocks dadurch un- möglich zu machen, daß sie den Minister, der Anwartschaft hat. zukünftiger Staatsminister zu werden und der Lulfe an JVapolcon» Zum 19. Juli. Die zum heroischen Drama aufgeputzte Affäre von Tilsit, die Begegnung von der Königin Luise und Napoleon, ist in allen Einzel- heilen jetzt hinlänglich bekannt. Wir wissen, wie sich die Königin zu dem Kaiser drängte, der sie nicht eingeladen hatte; wie sie versuchte einen von Hardenberg aufgezeichneten Text— in der Rolle der gänzlich unpolitischen Mutter und Gattin— herzusagen, während sich Napoleon galant nach der Herkunft ihres entzückenden Kleides erkundigte; wie die Frau, die doch ihre so lange um- schmeichelte und daher überschätzte Liebenswürdigkeit von dem eben noch als dem aus dem Kot einporgektommenen Teufel beschimpften Cäsar günstigere Bedingungen zu erschmeicheln hoffte, dann von dem gewaltigen Manne selbst erheblich bezaubert wurde und in strahlender Zuversicht einer geglückten Mission die Szene verließ. Selbst als sie ihre Täuschung eingesehen hatte, daß sich Napoleon in seiner Politik nicht durch eine anmutige Frau beeinflussen ließ, klammerte sie sich mit erneuten Bitten, bei gemeinsamen Dieners, an den Kaiser, sodaß dieser schließlich unwillig sagte:„Wie können Sie mir noch zu guterletzt etwas abpreffen wollen." Als sie endlich die AuSstchrs- losigkeit ihrer Bemühungen erkennen mußte, schmähte sie den Un- ervililichen wieder, wahrend Napoleon sich sehr nobel über sie äußerte:.Sie ist nie meine Freundin gewesen, ich weiß es wohl. aber ich vergebe eS ihr leicht. Als Frau hatte sie eS nicht nötig. die politischen Interessen genau abzuwägen. Sie ist für ihre Jmpemosität bestraft, aber schließlich, sie hat Charakter im Unglück bewiesen. Sie hat mir über ihre Stellung mit vielem Interesse ge- sprachen, ohne irgend einen Schrttt zu tun, der ihre Würde beern- trächtigen könnte." In den Briefen LuisenS aus der Memeler Zeit ist viel von Tugend und Entsagung die Rede. So schreibt sie z. B. an ihren Vater:„Auf dem Wege des Rechts leben, sterben, ja, wenn eS sein mutz. Brot und Salz effen,-nie, nie werde ich unglücklich sein.... Nur Unrecht, nur Unzuverlässigkeit des Guten unsererseits bringt mich zu Grabe." Ts wäre eine nicht unlustige literarhistorische Aus- gäbe, zu untersuchen, wie Luise in ihren schriftlichen Aeußerungen durch den Stil des deutschen Lafontaine, der ihr Lieblingsautor war, wie er von der edlen Philisterweiblichkeit verschlungen ward, beeinflußt wurde. Tieck hat diesen Klassiker Luisens als den„großen Bach' geschildert, der so klar fließt, daß man jeden Kiesel auf dem Grunde zählen kann, und »seinem Wesen nach Unschuld und Liebe", in jedem Tropfen voll Süßigkeit ist. Der behandelte in Hunderten von Bänden, die mit lehrhaften Briefen angefüllt waren, den Sieg der Tugend durch ihre Standhaftigkeit nach langem unverdienten Glück. In diesem Geist schrieb auch Luise ihre Briefe. Der Stil ihres Lebens war anders; sie dachte nicht daran, sich mit Salz und Brot zu be- gnügen— in den Hungertagen des Volkes verschlang der Hofstaat dringend verdächtig ist, sich mit dem Grotzblock abfinden zu wollen, zu stürzen. Herr v. Bodman ist, wie Genosse Dr. Frank einmal sagte, eine komplizierte Natur; von den badischen Ministern ist er zweifel- los der weitaus tüchtigste und begabteste. Zwar schleppt er das Bleigewicht veralteter Traditionen am Bein, aber schon mehr wie einmal hat er ein überraschendes Verständnis für die moderne gesellschaftliche Entwicklung und die in ihr wirkenden Kräfte be- wiesen. So passiert es ihm, einmal nach links, dann wieder nach rechts anzustoßen. Dazu kommt die zweifellos schwierige Stellung, die er in der gegebenen politischen Situation der Krone gegenüber hat. Das alles mutz man kennen, wissen und berücksichtigen, wenn man die oft widerspruchsvolle Haltung dieses Ministers verstehen und begreifen will. Seit Monaten ist es öffentliches Geheimnis, daß die klerikal- konservative Reaktion Herrn v. Bodman dasselbe Schicksal zu bereiten bestrebt ist, dem seinerzeit Minister Schenkel zum Opfer gefallen ist. Die Zentrumspresse hetzte hinter ihm her, wie die Jagdhunde hinter einem angeschossenen Wild. In der ersten Kammer sollte der letzte tödliche Schutz abgefeuert werden. Die andern Minister hatten alle ihre Gesetzentwürfe unter Dach und Fach gebracht. Herr v. Bodman hat dem Landtag die wich- tigste Borlage mit dem Gesetzentwurf betreffend die Reform der Gemeinde- und Städteordnung vorgelegt. Ge- lingt es ihm nicht, ihn durchzubringen, dann ist seine Ministerlauf- bahn ziemlich sicher abgeschlossen. Am Donnerstag nachmittag sollte die Entscheidung fallen. Der brutale Klassenegoismus einiger„liberaler" Kommerzienräte kam den klerikal-konservativen Junkern zustatten und so holte denn der ultramontane Junker von S to hingen zu dem vernichtenden Schlage aus, indem er darauf abhob, datz die Sozialdemokratie, die er als eine schwere politische Krankheit charakterisierte, in Baden ungleich stärker gewachsen sei als im Reiche. Das sei die Folge einmal der klugen Taktik des Revisionismus, der eine schleichende und daher noch gefährlichere Krankheit sei, wie ver Radikalismus in der Sozialdemokratie. Dann aber schob er die Schuld für dieses starke Wachsen der Sozialdemokratie auf die Konzessions Politik gegenüber derselben, wie sie insbeson- dere von dem Minister v. Bodman betrieben werde. Diesen charakterisierte er quasi als Führer des Grotzblocks und als Schrittmacher der Revolution, die unfehlbar komme, wenn mit der Konzessionspolittk nicht baldigst Schluß gemacht werde. Eine solche Konzcssion sei auch die demokratische Ausgestaltung der Gemeinde- und Städteordnung, die den EinflutzderSozial- demokratie steigere. Geschlossen stimmten die Junker deshalb gegen die Vorschläge der Kommission� um so das Gesetz und damit Herrn von Bodman zu Fall zu bringen. Dieser antwortete nicht mit den sonst üblichen Phrasen und Entrüstung, sondern er legte ein politisches Glaubens- bekenntnis ab, wie es bislang noch kein deutscher Minister abzulegen wagte. Er erklärte, datz er zwar manche der sozialdemokratischen Bestrebungen bekämpfe, so die gegen die Monarchie und gegen die Gesellschaftsordnung gerichtete; andere Besttebungen der Sozialdemokratie dagegen seien berechtigt und die Staatsklugheit erfordere, diesen Bestrebungen entgegen- zukommen. Wörtlich führte er dann aus:„Die Sozial. demokratie ist ein« großartige Bewegung zugunsten des vierten Standes", der gegenüber man prüfen, wägen und wagen müsse. Man denke sich nur die Möglichkeit, ein preußischer Minister würde im preutzischen Abgeordnetenhaus unter ähnlich ge- lagerten Verhältnissen eine solche Erklärung über seine Stellung gegenüber der Sozialdemokratie abgeben und man wird sich über die politische Bedeutung und Trag- weite der v. Bodmanschen Aeußerungen ohne weiteres klar. Ein solcher Minister ist in Preußen nicht nur, sondern auch in verschiedenen anderen deutschen Staaten heute noch undenkbar. Die Ablehnung des Budgets an dem auf diese denkwürdige Auseinandersetzung zwischen dem politischen Minister Badens und den Vertretern der Reaktion auf der Adelsbank der ersten Kammer folgenden Tage seitens der Sozialdemokratie hätte nichts mehr und nichts weniger bedeutet, als datz die sozialdemokratische Fraktion dieses politisch« Glaubensbekenntnis des Ministers von Bodman, das für die künftige Gestaltung der politischen Verhält- nisse Badens von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist, schlecht- hin ignoriert und damit diesen Minister der Rachsucht der klerikal-konservativen Junker geopfert hätte. Wer auch nur ein klein wenig Verständnis für diese politische Situatton hat, der gegenüber sich die sozialdemokratische Fraktion in diesem Augenblick befand, wird ihre Zustimmung zum Budget sicher verstehen riesige Summen— und um ihr Familienschicksal zu verbessern, verschmähte sie keine Demütigung. Im Lande faßte sie alles Geschehen als eine persönliche Famlliengeschichte auf, auch ganz wie ihr Lieblingsromanschreiber. Der Geist Lafontaines aber waltet nun über den heutigen Historikern Luises. Ist'S nicht ganz wie ein Stück Lesefutter aus untergeordneten Leihbibliotheken, wenn Bailleu, der letzte Biograph der Königin, bei der Schilderung des Tages von Tilsit sich wie folgt verzückt:„Die Schönheit der Königin strahlte niemals heller als in den dunklen Tagen von Tilsit. Die glänzend großen Augen in Schwermut leicht verschleiert, die sonst schon zur Fülle neigende Gestalt, die jetzt durch zehrenden Kummer zu zartem Ebenmaß verfeinert, vergeistigt schien, gehüllt in ein weißes silberdurchwirkteS Kreppkleid, dessen Falten anmutig an den schlanken Gliedern herabflossen, aus dem biegsamen Halse daS stolz erhobene Haupt unter dem Perlendiadem— so stand Königin Luise da, in Schmerz und Trauer, in hingebendem Opfermut eine rührende Verkörperung von Frauenschönheit." Es fehlt nur noch eine nähere Angabe über die historisch-dramatischen Strümpfe dieses Tages, um die ganze Schlechtigkeit des Teufels zu ermessen, den das alles nicht rührte I Indessen dieser Bailleu. der als Archivbeamter aus ge- Heimen Quellen schöpfen darf, hat sich daS eine Verdienst um die Geschichtsforschung erworben, wenn auch nur um die Personalien: er hat die L u i s e n l e g e n d e. deren neuer Vergoldung durch die 399 Ouartseiteu seines Buches(„Königin Luise. Ein Lebensbild. 1998") gewidmet waren, endgültig totgeschlagen, ES gibt dreierlei Arten von Geschichtsfälschung. Die dümmste ist die Ver- schweigung von Tatsachen, die klügere die Gruppierung von Tat- fachen, die wirksamste die umdeutende Kommentierung der leidlich genau mitgeteilten Tatsachen— im«ertrauen auf die unheimliche Macht gedruckter Werturteile. Bailleu bevorzugt die letzte Art, wenn er auch die beiden anderen nicht durchaus verschmäht. Dennoch bleibt seine Enthüllung einer verborgenen Urkunde unbegreiflich. Denn er vermag sie selbst durch keinen Kommentar in ihrer Wirkung wieder zu beseitigen. Er muß sich mit dem frommergebenen Stoßseufzer be- gnügen. er wünschte, da» Dokument hätte nie existiert. Der Fall ist nicht ander» zu erllären, als daß Bailleu, der schon Jahre vor dem Erscheinen seines Buches fein Luisenmaterial gründlich ausgebeutet hatte, doch für dieses selbst ein sensationelles Schaustück liefern wollte; die revolutionäre Literateneitelkeit siegte über den gutgesinnten Archivar. Es war schon bekannt, daß Luise noch im Jahre von Tilsit, trotz ihrer Erfahrungen beabsichtigte, dem Bronzeherz noch einmal ihre menschlich fühlende Brust zu bieten, als Bittstellerin zum Kaiser nach Paris zu fahren. Die Dame hielt eS nicht mehr aus in dem ostpreußischen Sibirien, und die Schreckensbotschaft, datz Napoleon ür bv Millionen Domänen in der Elbgegend konfiszierte, machte sie vollends geneigt, jedes Mittel zu versuchen, um Napoleon zu be- einflussen. Hatte Luise schon jämmerlich geklagt, daß der Teufel über die polnischen Domänen verfügt hatte sdie Preußen doch erst frisch ihren und zu würdigen wissen. Das war ein historischer Augenblick, der, wenn er verpatzt wurde, auf Jahre hinaus unsere politi- scheu Verhältnisse zugunsten der schwarz-bWien Reaktion beeinflußt hätte.'Und das einer völlig nutzlosen Demon- stration wegen, die nur die eine praktische Folge gehabt hätte, daß das Zentrum nicht durch«Eigene Klugheit, sondern durch die Unllugheit seines gefährlichsten Gegners wieder festen Boden� gefaßt und seine politischen Chanctzfl dadurch erheblich verbessert hätte. Die sozialdemokratische Fraktion hat also nur das getan, was die Klugheit, die Kflicht und das Interesse der Partei und der großen Mehrheit des badischen Volkes ihr geboten haben. Das Gegen- teil wäre ein unverzeihlicher politilscher und taktischer Frevelt gewesen, der sich bitter, sehr bitter gerächt hätte." Eme Würdigung dieser Darlegungen finde! der Leser frt unserem heutigen Leitartikel. „Hamburger Echo": „Wir wissen bisher nicht, ob Frank über die„besonderen politischen Verhältnisse" noch weitere Bemerkungen gemacht hat. Aber die Einleitung der von ihm abgegebenen Erklärung hätte für die Fraktion, von der sich drei Genossen trennten, Veranlassung sein müssen, entschieden gegen das Gesamtbudget zu stimmen und der Regierung das Vertrauensvotum zu verweigern, die noch immer nicht die völlige politische Gleichberechtigung der sozial- demokratischen Staatsbürger anerkennen will. Das allein schon hätte Grund genug sein müssen dafür, daß die badische Fraktion eine gegenteilige Stellung eingenommen hätte. Aber die Badenser Parteiparlamentarier haben doch wohl auch die Pflicht, sich P ar te i t ag s be s ch l ü s s en zu fügen. Der Parteitag in Nürnberg hat vor zwei Jahren nach langen, heftigen Auseinandersetzungen beschlossen, datz die damals zur Erörterung stehende Budgetbewilligung in Baden, Württem« berg und Bayern nicht mit den in Lübeck und Dresden beschlossenen Resolutionen vereinbar sei, daß grundsätzlich die Verweigerung des Budgets aufrecht erhalten werden müsse. Danach durfte man, trotz der von den Süddeutschen verfochten«» gegenteiligen Auffassung, wohl annehmen, daß sie sich dem Parteitagsbeschlutz fügen würden. Statt dessen haben jetzt die badischen Abgeordneten in einer Form das Gegenteil getan, die wie eine direkte Provo» kation der Gesamtpartei aussieht. Sie geben Gründe an, die sie veranlassen müßten, gegen das Budget zu stimmen, und stimmen dann für dasselbe. Das ist eine Art des Verfahrens, wie es bisher in der Partei noch nicht dagewesen ist, und sicher wird unter den Parteigenossen helle Entrüstung über diese absichtliche Nichtachtung der ParteitagSbeschlüss« entstehen. Und mit Recht. Die vor zwei Jahren in Mürnberg stattgehabten Debatten sind auf diejenigen, die sie zur einheitlichen Taktik zurückführen sollten, wirkungslos gewesen und auf dem dies- jährigen Parteitag wird die Frage von neuem behandelt werden müssen. Wollten die Badenser das provozieren? Auch dann haben sie einen verkehrten Weg eingeschlagen. Es kann sie niemand hindern, anderer Meinung zu sein, als die Mehrheit der Partei im ganzen Reich. Wenn sie sich durch deren Beschlüsse beengt fühlen, so sollen sie versuchen, den Parteitag zu einer anderen Meinung zu bekehren. Aber sich einfach über die Partei- tagsbeschlüsse hinwegzusetzen und ihnen entgegenzu- handeln, das heißt, die Partei selbst in schwerster Weise brüskieren und ihre Aktionen lähmen. Dagegen muh mit aller Entschiedenheit Einspruch erhoben werden." „Bremer Bürger-Zritung"? „Wir befürchten nur, datz die Arbeiterschaft diesen neuesten Streich der Badenser etwas anders beurteilen wird, zumal eS schwerlich plausibel gemacht werden kann, datz die politischen Vev- Hältnisse in Baden so„besonders" sind, eine Budgetbewilligung geraten erscheinen zu lassen. Gibt ooch die Franksche Erklärung selbst zu, daß von einer„völligen politischen Gleichberechtigung der sozialdemokratischen Staatsbürger" auch in Baden nicht die Rede sein kann. Aber trotzdem erteilen Sozialdemokraten der badisch«, Regierung ein Vertrauensvotum... UebrigenS bekannt- lich nicht zum ersten und wohl auch nicht zum letzten Male— trotz aller Resolutionen der sozialdemokratischen Parteitage. Es ist ein- fach ein Skandal!" „Schleswig-Holsteinische Bolkszeitung": „Wir sehen in der Zustimmung der badischen Genossen zu devt Budget einen groben Verstotz gegen die Parteidisziplin und die Beschlüsse sozialdemokratischer Parteitage. Die Beschlüsse der Parteitage in Lübeck(1991) uni» Nürnberg(1998) lassen keinen Zweifel darüber, datz die sozialdemokratischen Vertreter im Reichs- Besitzern abgenommen hatte), so bettachtete sie den Verlust eine? Teils der preußischen Domänen als direlte Beraubung ihrer Familie. „27 Marschällen und Generälen hat er die Domänen de» Königs in Polen verschenkt und dem Sachsenlönig das ausgesogene, unzu« friedene, höchst unglückliche Land, was so bewogen sei, wie noch keines", hatte sie im August an ihre Brüder geschrieben. Jetzt, im Herbst des Jahres, bekritzelte sie das Papier mit diesen entsetzten Bekenntnissen:„Kaiser Napoleon nimmt die Domänen des Königs in Besitz und läßt sie für sich durch Persohnen, die er dazu bestimmt, administriren.... Wir haben alles Verlohren. Lebe« tun wir noch, und dieses Leben weniger unan- enehm zu machen, kann jetzt unser einziger Trost ein. Ein Clima zu suchen, waS milder ist und gesünder als die Sümpfer Preußens, bleibt uns also noch übrig. Wir müssen doch nun bald dieses Land räumen, welches einer Wüste täglich ähnlicher wird.... Und wir nebst unserer Familie nehmen den Wanderstab in Händen, und suchen einen Winkel, wo eS sich besser leben läßt alS hier." Bon Salz und Brot ist hier nicht mehr die Rede, auch nicht von Ehre und Recht, nur noch im weiteren Verlauf von der Welt, in der das Laster gedeiht--- dem König„seine" Domänen zu nehmen. Stein verhinderte diese Reise nach Paris, nicht aber den B r i e f, den Bailleu zum ersten Male veröffentlicht. Luise hat eigentlich zweimal an Napoleon geschrieben. DaS erstemal richtet sie ihre Wünsche an ihre in Paris lebende Schwester Therese, die sie Napoleon übermitteln sollte. Ohne den Erfolg erst abzuwarten» schrieb sie ungefähr den gleichen Text dann an den Kaiser un- mittelbar. Dieser Brief Luisens an Napoleon vom 4. November 1897 lautet in der Bailleuschen Uebersetzung: „Sire. Prinz Wilhelm, der diesem Briefe unmittelbar folgen wird, ist mit Vorschlägen für Eure Majestät beauftragt, deren glücklicher Ausgang uns vor allem am Herzen liegt. WünschenS- wert unter jedem Gesichtspunkt ist die Herstellung eines guten und dauernden Einvernehmens zwischen Frankeich und Preußen. Ich habe meiner Schwester, der Prinzessin von Thurn und Taxis, geschrieben, da ich aber nicht weiß, ob sie Gelegenheit gehabt hat, Eure Majestät von dem Inhalt meines Briefes zu unterhalte» oder ihn zu Ihrer Kenntnis zu bringen, so wage ich hier noch- malS zu wiederholen, was den glühendsten Wunsch meines Herzens ausmacht: Die Räumung des Landes, welches durch die Anwesenheit der Armeen entsetzlich leidet; seine Hilfsquellen werden unwieder- bringlich vernichtet, wenn das so fortgeht; es wird sich nie er- holen können und keine Hoffnung mehr bieten, weder uns noch unseren Freunden. Da Ew. Majestät der unsrige sei» können, so berauben Sie sich selb st einer Hilfs- quelle, auf die Sie sicher rechnen dürfen. Die nahe Rück.kehr nach Berlin ist noch eine natürliche Folge von dem, was ich Eurer Majestät dargelegt habe. Sie ist besonders wünschenswert für mich, die mehr als irgend eine andere körperlich und geistig leidet. Als zärtliche lag sMohl Me Tn Fen y?K?k Sal Du?Kk zu stimmen haben. Nur eine Ausnahme läßt die Nürnberger Nesolu- tion zu: Die Zustimmung zum Budget ist dann gestattet, wenn die Ablehnung durch unsere Genossen die Annahme eines für die Arbeiterklasse ungünstigeren Budgets zur Folge haben würde. Daß eine solche Gefahr vorlag, geht aus der Erklärung» die der Abg. Dr. Frank für die sozialdemokratische Landtagsfraktion abgegeben hat. nicht hervor. Nach der Annahme der Budgetresolution auf dem Nürnberger Parteitage gaben 67 Delegierte aus Bayern, Württemberg, Baden nnd Hessen eine Erklärung ab, in der sie sagten, daß die jeweilige Entscheidung über die Budgetabstimmung dem pflichtgemäßen Er- messen der ihrer Landesorganisation verantwortlichen Landtags« fraktion vorbehalten werden müsse. Wurde diese Erklärung da- mals von vielen Delegierten als das Produkt einer momentanen Verärgerung der süddeutschen Delegierten angesehen, so dürfte die Abstimmung im badischen Landtage gezeigt haben, daß das eine Täuschung war. Wir müssen es auf das schärfste verurteilen, daß sich die badischen Genossen außerhalb der Beschlüsie der Gesamt- Partei stellen. Die Wiederholung und Nachahmung eines solchen Vorgehens muß schwere Gefahren für die Einheit und Schlag- fertigkeit der Gesamtpartei mit sich bringen, die Einheit und Schlagfertigkeit der Partei, die jetzt notwendiger ist denn je. Den Gegnern kann nichts lieber sein, als daß jetzt, kurz vor der nächsten Reichstagswahl, ein neuer Zankapfel in unsere Partei hinein- geworfen wird. Ist das Verantwortungsgefühl der badischen Parteigenossen gegenüber der Gesamtpartei so schwach entwickelt?" „Lübecker Bolksbote": '»Der Nürnberger Parteitag hat sich im Prinzip gegen die Bewilligung des Budgets einer gegnerischen Regierung aus- gesprochen. Nur dann, wenn durch die Ablehnung desselben durch unsere Genossen die Annahme eines für die Arbeiterklasse un- günstigeren Budgets erreicht wird, können unsere Genossen für das Budget eintreten. Dieser Fall liegt hier zweifellos nicht vor. Und deshalb haben unsere badischen Genossen durch ihr Verhalten dem Parteiinteresse nicht gedient; sie verdienen den schärfsten Tadel. Parte itagsbeschlüsse müssen unter allen Umständen von jedem Genossen, auch wenn er Abgeordneter ist, hochgehalten werden, das kann und muß die Partei verlangen. So viel für heute! Es ist gewiß nicht angenehm, daß gerade jetzt, wo die Situation für uns eine so äußerst günstige ist, dieser Zankapfel in unsere Reihen hineingetragen worden ist. Das darf aber die Parteipresse nicht abhalten, klipp und klar zum Ausdruck zu bringen, was ist."- „Braunschwelger BolkSfreund"! »Sie können von der Großherzogstreue nun einmal nicht lassen, die Republikaner um Kolb und Frank.*1 Magdeburger„Volksstimme": "''»Der Schritt unserer badischen Kammerfraktion ist durchaus geeignet, das unliebsamste Aufsehen in allen Partei- genössischen Kreisen zu erregen, und wir zweifeln nicht, daß er auf dem Magdeburger Parteitag einen lebhaften Nachklang finden wird. Bekanntlich gab die badische Fraktion gemeinsam mit der württembergischen und der bayerischen den Anlaß zu den stürmi» «scheu Auseinandersetzungen auf dem Nürnberger Parteitag, die noch lange Zeit in der Partei nachzitterten. Nun schien jene Sach- läge durch die politischen Borgänge der letzten Jahre bereits in Vergessenheit zu geraten. Die Gegner hatten der Partei Arbeit über Arbeit zugeschoben, und ein Erfolg hatte sich an den anderen gereiht. Wir glaubten bereits, daß die bevorstehenden Reichstags- wählen>des nächsten Jahres ihre Schatten auf den diesjährigen Parteitag werfen würden, das heißt, daß die bevorstehenden Kämpfe die inneren Auseinandersetzungen in der Partei verhindern wür- den. Nun wird durch die Abstimmung der Badener der ganze Streit von Nürnberg wieder aktuell. Die Bayern und Württem- iberger haben bei der letzten Abstimmung über ihren Etat die Zu- stimmung verweigert. Sie waren so klug, nicht eine offene Brüskierung der Mehrheit der Parteigenossen vorzunehmen, wie sie zweifellos jetzt in Karlsruhe vor sich ge- gangen ist. Man kann der Meinung sein, daß der Nürnberger Beschluß über die Budgetbewillgung eine unnötige Verschärfung der Lübecker Resolution darstellt, und, wie es von alten Kämpfern � auch in Nürnberg zum Ausdruck gebracht wurde, die Frage, ob Zustimmung oder nicht, absolut nicht als eine grundsätzliche, son- dern nur als eine taktische, von Fall zu Fall zu entscheidende be- trachten. Aber das parteigenössische Bewußtsein und die selbst- geschaffene, ebenso freiwillige wie notwendige Disziplin er- forderte es, dem Beschluß des Parteitags nicht offenen Widerstand entgegenzusetzen. Das verscherzt auch die Sym- pathien, die den Budgetbewilligern noch 1903 entgegengebracht wurden. c Zwar handelt die Mehrheit der badischen Landtagsfraktion genau nach der Erklärung, die die 66 süddeutschen Delegierten Mutter liegt mir die Erziehung meiner Kinder sehr am Herzen, hier kann nicht dafür gesorgt werden. Meine Gesundheit ist völlig zerstört, daich daSseuchteundkaltenordische Klima nicht vertrogen kann. Ich wage die« als einen der Gründe bei Ew. Majestät geltend zu machen, denn ich weiß auS eigener Erfahrung und aus allen Aeuße- rungen über mich, daß Sie sich für meine Person interessieren. Eure Majestät kennen mein Vertrauen zu Ihnen; ich habeJhnen darüber in Tilsit gesprochen, und ich schmeichle mir, daßSie diesmal der Stimme Ihres Herzens folgen und Preußen, dem König und mrr da» Glück zurück« geben werden, ein Glück, dessen Wert wir doppelt schätzen werden, wenn wir eS au» den Händen ffi iv. Majestät empfangen." So schrieb Luise an den Kotentsprossenen, so ohne Würde, so bettel- Haft, so selbstsüchtig— nur für sich, um aus diesem Memel erlöst zu werden, und für die liebe Familie— nur so unglaublich töricht. Denn Napoleon reagierte natürlich auf den Bettel- brief nicht. Luisens Schwester Therese aber antwortete, und in wenigen Zeilen sprach sie mehr Wahrheit aus, als alle preußischen Hofhistoriker seit einem Jahrhundert aufgebracht haben: Napoleon, schrieb die Schwester, schiebe alle Schuld an den Schwierigkeiten der Lage auf Preußen, und indem sie dieser Auffassung beipflichtete, fügte sie hinzu: .Lieber Engel, alle Deine Entschlüsse sind so klug gewesen, fasse auch den, diese Sache zu einem guten Ende zu führen." Wie wärs: Wenn man schon durchaus denn aus Mecklen« burgischem FürstengeschleÄt eine Heilige für Preußen stiften will. eignet sich Schwester Therese nicht am Ende besser für diese Aolle?_ K.E. Notizen. — FrederikvanEedenhat eine Tragikomöde„DSbrand" der Neue» Freien Volksbühne zur Erstaufführung im Neuen PolkStheater überlaffen. Ferner wird das Neue BolkStheater die Komödie.Gnadenbrot" von Iwan Tu r g e n j e w in einer neuen deutschon Bearbeitung von Dr. Adolf Heß in der am 1. Sep- tember beginnenden Spielzeit zur Aufführung bringen. — Französisches Musikfest in München, vom 16. bis 20. September tvird in der Ausstellung München 1910 unter dem Patronat der Französischen Gesellschaft der Musikfreunde das erste französische Musitfest veranstaltet. Zweck dieses Festes ist. die Ent« Wickelung der französischen klassischen und modernen Komposition systematisch darzustellen. Das Fest wird sich in drei Orchester- konzerte iind in zwei Kammermusik- und Liedermatineen gliedern. S die Ausführung werden sich die bedeutendsten französischen nstler: Komponisten, Dirigenten, Instrumental- und Vokalsolisten teilen. abMeben Häven vn8 in der sie für sich und' ihre Laüd'esoZgSsii. sationen in allen ihre Landesangelegenheiten betreffenden taktischen Fragen die Selbstbestimmung in Anspruch nahmen. Insoweit handelt sie also durchaus konsequent. Aber sie handelt mit ihrer Zustimmung zum Budget auch ebenso bewußt gegen den im Nürn- berger Beschluß niedergelegten Willen der Parteimehrheit. Und gegen diese offene Provokation erheben wir aus das entschieden st e Einspruch.... Nach den Mitteilungen des„Volksfrennds" handelt es sich also um ein parlamentarisch-taktisches Manöver, das unsere Genossen den Treibereien der Zentrumsjesuiten entgegensetzten. So lassen sich zwar Milderungs gründe anführen, aber an der Tatsache wird nichts geändert, daß um eines vorübergehenden parlamenta- rischen Erfolges willen die Genoffen aus der badischen Kammer die Partei in die Gefahr ernster innerer Konflikte treiben. Bei reiflicher Ueberlegung ihres Handelns werden sie hoffentlich selbst zum Bewußtsein kommen, daß ihr Beschluß vom Mittwoch besser war als der vom Donnerstag." „Freie Presse", Elberfeld „Mit diesem Votum hat die badische sozialdemokratische Land- tagsfraktion sich in flagranten Widerspruch zu dem Nürnberger Parteitag gesetzt. Nach unserer Kenntnis der Dinge hielt man es noch vor wenigen Tagen auch bei der Mehrheit der Fraktion für ganz selbstverständlich, daß der Nürnberger Beschlutz befolgt werden müsse. Nur Kolb bäumte sich dagegen auf. er meinte, man müsse diesen Beschluß.unter die Füße nehmen". Er hat gesiegt. Aber was wird die Partei im allgemeinen dazu sagen? Es ist ganz ausgeschlossen, daß sie sich es gefallen lassen kann, daß so mit Parteitagsbeschlüssen umgesprungen wird. Als die Sache vor zwei Jahren auf dem Nürnberger Parteitag eine so umfangreiche Debatte hervorrief, versuchten die badischen Genossen, sich hinter formelle Gründe zu verschanzen und den Eindruck zu erwecken, daß ihre damalige Zustimmung nicht in Widerspruch stehe mit den Beschlüssen des Dresdener und des Lübecker Partei- tags. Diesmal müssen sie auf diesen Entschuldigungsgrund der- zichten. Sie werden jetzt offen bekennen müssen, daß sie der Partei eine andere Taktik geben wollen und daß sie diese Taktik auch üben wollen, ganz gleich, wie die Parteitagsbeschlüsse lauten. Ihre An- nähme, daß in Baden es keine Klassenherrschaft und keine Klassen- regierung gebe, weshalb die bisher in der Partei geltende Taktik in Baden keine Gültigkeit haben könne, ist doch zu kurios, als daß sie viele Anhänger in der Partei finden könne." „Märkische VoNSstimme": „Wir müssen den Vorgang und das Verhalten der sozialdemo- kratischen Landtagsfraktion für höchst befremdlich ansehen. Wenn Genosse Frank etwas„im Namen der Fraktion" erklärt, dann muß auch die gesamte Fraktion für diese Erklärung durch ihr Votum eintreten. Das letztere ist nicht geschehen; drei Fraktionsmitglieder verließen den Saal und gaben somit zu verstehen, daß sie nichts von einer Budgetbewillgung wissen wollen. Wir müssen gestehen, ohne zu prüfen, wer richtig gehandelt hat, daß daS Verhalten der sozialdemokratischen Landtagsfraktion in einem wenig schmeichel- haften Lichte erscheint."- „Brandenburger Zeitung": „In Baden hat man sich wieder eine Extratour geleistet, die geradezu ein Hohn auf das sozialdemokratische Empfinden ist und eine Verachtung von Parteitagsbeschlüssen bedeutet.... Der Beifall aus dem Herzen des Großblocks wird unseren badischen Parteigenossen am allerwenigsten über das Ver- dammungsurteil der sozialdemokratischen Gesamtpartei hinweg. helfen. ES ist zwar bedauerlich, daß gerade wieder unmittelbar vor dem Parteitag ein Konflikt heraufbeschworen wird, der den gerade jetzt angesichts der ReichstagSwahlen so not- wendigen einmütigen Kampf gegen unsere Gegner nachteilig be- einklussen könnte. Aber nach all den höfischen Seitensprüngen im süddeutschen Wetterwinkel der Partei wird die Gesamtvertrctung der Sozialdemokratie keinesfalls umhin können, ein ernstes Wort mit den badischen Regierungsfrommen zu reden. Eine so offene Mißachtung bindender Parteitagsbeschlüsse lag nicht einmal bei der geschickt interpretierten süddeutschen Budgetbewilligung vor zwei Jahren vor; zur Sicherheit hatte man nun den Lübecker und DreS- bener Beschlüssen noch die Nürnberger Resolution angefügt, aber — wie man sieht— hat auch dieser Wunsch der überwältigenden Majorität nicht vermocht, der Budgetbewilligung in Baden einen Riegel vorzuschieben. Man weiß nicht, was man schmerzlicher be- dauern soll, den Mangel an Disziplin, den unsere badische Land- tagsfraktion bewiesen hat, oder den Verlust parteigenössischen Empfindens, das jedem Sozialdemokraten einfach verbieten muß, im Klassenkampf irgendwelche opportunistische Zugeständnisse nach der monarchischen Seite unter Verengung des republikanisch-demo- kratischen Gesichtsfeldes zu machen." „Hallesche» v-Mbläti": „Die Zustimmung zum Budget des Klasf enstaaleS oder dessen Ablehnung ist also für die sozialdemokratische Fraktion deS badischen Landtages— wie sie schon in früheren Fällen er- klärt hat— eine reine OpportunitätSfrag«— das Prinzip ist für sie Hekuba, eine abgetane Sache! Mag die badische Regierung zehnmal, genau so wie die preußische, Sozialdemo. kraten nicht als vollberechtigte Staatsbürger behandeln— eine Tatsache, die Dr. Frank selbst in seiner Er- klärung hervorhob—, mag da» badische Oberhau» die Gemeindeordnung zum Nachteil der unteren Volksklassen verschlechtern— die Opportunität(lieS: badische.Großblock- Politik")„verlangt", daß Sozialdemokraten der Regierung des KlaflenstaateS die Mittel zum Regieren bewilligen! WaS kümmert diese Genossen dabei die vom Nürnberger Parteitage in der Frage der Budgetbewilligung neu festgelegten Richtlinien! Ueber solche„Zwirnsfäden des Prinzips" setzt man sich kühn hinweg: man treibt eben„praktische Politik". Wir sind wirklich gespannt, wie die badischen Budgetbewilliger diesen neuen groben Verswß gegen ParteitagSbeschlüfle diesmal „rechtfertigen" werden— Wird die Partei auch diese Heraus- forderung schweigend hinnehmen?" „Frankfurter BolkSstimme": „Auch wir halten nicht bloß die letzte Abstimmung unserer badischen Genossen, sondern ihr ganzes Verhalten in Sachen der badischen Gemeindewahlreform nicht für sehr glücklich, weil sie eS unterließen, irgendeine umfassendere Bewegung für das allge» meine, geheime und direkte Wahlrecht zu entfesseln und sich sehr schnell mit weniger als Halbheiten zufrieden gaben. Deshalb konnte dann der badische Ministerpräsident so wohlfeile Lorbeeren als Verteidiger einer staatsmännisch gemäßigten Sozialdemokratie ernten und die Versuchung entstehen, ihm durch die Bewilligung des Budgets für feine verhältnismäßig vernünftige Haltung zu danken." „Freie Presse"! b e s ch l u tz bestand, die ihnen nur die Möglichkeit ließ, dm Saal zu verlassen. �..._, Klus der frauenbevegung. Das Frauenstimmrecht vor dem englischen Unterhause. AuS London wird uns geschrieben: Die zweitägige Debatte über die Frauenstimmrechtsvorlage bot ein Schauspiel dar, wie man es im englischen Unterhause bisher noch nicht erlebt hatte. Aus dem klassischen Boden konstitu- tioneller Parteiregierung fiel für dieses eine Mal die Schranke der Partei. Sowohl die Regierung wie die Opposition gab es ihren Anhängern völlig frei, wie sie sich zur Vorlage stellen wollten. Noch mehr, ein Minister bekämpfte die Ansichten des anderen, ein Partei- führer sprach gegen den anderen, und loyale Anhänger argumen- tierten gegen ihre Führer. DaS verlogene Ideal deS bürgerlichen Parlamentarismus schien plötzlich verwirklicht zu sein: es war nicht mehr das Kampffeld, auf dem die Vertreter der verschiedenen Gesellschaftsklassen ihre unvereinbaren Interessen gegeneinander verfechten, sondern ein nationaler Debattierklub, wo ein Redner die anderen durch geistreiche Argumente zu überzeugen sucht, und wo alle uneigennützig nur dem Besten des Volkes und Staates dienen wollen. Und nun gar die Debatte selbst! Der Beobachter hat seine Not. in der Fülle der auf ihn einstürmenden ungewohnten und verwirrenden Eindrücke sich einen klaren Blick zu bewahren für das Wesentliche und das Nebensächliche, für das Mahre und das Falsche. Jeder Redner sucht sich im besten Lichte zu zeigen, will so klug, so weise und so geisireich wie nur möglich erscheinen, als gält es die ersten Ehren in einem Turnier davonzutragen, und nicht eine Frage von gewaltiger praktischer Bedeutung zu ent- scheiden. Da führen dieselben Voraussetzungen bei verschiedenen Rednern zu entgegengesetzten Schlußfolgerungen, und grundver- schiedene Annahmen zu denselben Ergebnissen. Hier wird eine gute Sache mit schlechten Argumenten verteidgt und dort ein unwürdiges Ziel mit einwandsfreien Argumenten begründet. Das ganze Unter» hauS erfüllt eine Atmosphäre völliger UnVerantwortlichkeit. All dies ist natürlich nur möglich weil die Abgeordneten sehr Wohl wissen, daß ihre Reden und ihre Stimmen noch keine unmittel- baren praktischen Folgen nach sich ziehen werden.Und dennoch fühlt man klar aus der Debatte selber heraus, daß die Frage auf. gehört von rein akademischem Interesse zu sein. Ja, wenn die Frage des Frauenstimmrechts in England bisher noch keine un- mittelbar praktische Frage war. dann hat sie diese wunderliche Debatte dazu gemacht; von nun drängt sie zur endgültigen Ent, scheidung hin. Auf der Tagesordnung stand die zweite Lesung der neue» Frauenstimmrechtsvorlage, der sogenannten VersöhnungS. vorläge. Diesen Namen verdient sie in nur sehr bedingtem Maße. Sie„versöhnt" weder die grundsätzlichen Gegner de» Frauenstimmrechts überhaupt, noch auch die entschiedenen An- Hänger des allgemeinen Wahlrechts für beide Geschlechter. Aber sie versöhnt einen Teil jener grundsätzlichen Anhänger des Frauen- Wahlrechts, die gegen die frühere Vorlage der Suffragettes. die sogenannte Limited Bill, schwerwiegende Bedenken hegten, und zwar merkwürdigerweise sowohl jene, die sie für zu weitreichend, zu revolutionär hielten, wie auch jene, denen sie nicht demokratisch genug war. Diese? Kunststück vollbringt die neue Borlage dadurch. daß sie zwar einer halben Million weniger Frauen das Stimmrecht gibt, als es die Limited Bill getan hätte, aber so, daß diese halbe Million nicht emanzipierter Frauen zumeist den besitzenden Klassen angehören. Auf diese Weise wird der stark plutokratische Charakter der LMitkd Bill ig hex neuen Borlage ewigexmaßey gedämpft. ffn 5?t DeVaKe ftftfen HaWsächNch Ine folgenden Auffassungen Dutage. Die Redner der Arbeiterpartei befürworteten die Vorlage, weil sie ihrer Ansicht nach der erste Schritt zur Ein- führung des allgemeinen Wahlrechts fei, da? dann nicht mehr lange auf sich warten lassen könnte. Diese Ansicht wurde von ver- schiedenen liberalen und konservativen Rednern geteilt, die aber aus eben diesem Grunde die Vorlage aufs wütendste b e- kämpften. Lloyd George und Winston Churchill bekämpften die Vorlage, weil sie undemokratisch sei und den späteren Sieg des allgemeinen Wahlrechts aufhalten mutzte. Der konservative Balfour und andere teilten diese Anschauung und liehen der Vorlage gerade deshalb ihre Unterstützung. Einige be- kämpften die Vorlage, weil sie praktisch sämtliche verheiratete Frauen vom Stimmrecht ausschlietzt, ein Umstand, der gerade wieder andere dazu bewog, die Vorlage zu unterstützen. Schlietzlich gab es Redner, die jede Form des Frauenstimmrechts grundsätzlich bekämpften, wie namentlich der Premierminister Asquith auf der liberalen Seite und der Ex-Schatzkanzler Austen Chamberlain auf der konservativen. Das Ergebnis der Abstimmung ist bereits telegraphisch' ge- weidet worden: Die Vorlage wurde mit 2gg gegen IM Stimmen, also mit einer Mehrheit von lüg Stimmen in zweiter Lesung an- genommen. Bei der praktisch entscheidenden Frage aber, ob die Vorlage einem AuSschutz oder d em ganzen Hause zur de- taillierten Beratung überwiesen werde, erhielt die Bill eine schwere Niederlage. Nur 175 stimmten für eine Ausschutzberatung und 820 für eine Beratung durchs ganze HauS, eine Mehrheit von HS Stimmen. Zu dieser detaillierten Beratung durchs ganze Haus wird es wegen Zeitmangels natürlich nicht kommen. Die Vorlage fällt somit ins Wiasser. Trotzdem ist die Debatte keineswegs resultatlos verlaufen. Sie hat die Luft geklärt und die ganze Frage um einen gewaltigen Schritt vorwärts gebracht. Ihr Fazit scheint uns folgendes zu sein: Die grundsätzlichen Gegner jedes Frauenstimmrechts sind logisch vernichtet. Nach den Reden des Kriegsministers Haldane und des Ex-Premiers Balfour werden sie nicht wieder ihr Haupt erheben können. Die Anhänger der gegenwärtigen Ver- söhnungSvorlage sowie jedes ähnlichen beschränkten Frauenstimm- rechts haben eine schwere Niederlage erlitten, Ldkl der sie sich kaltm jemals erholen werden. Die Wortführer der Arbeiterpartei, Shakleton, Keir Hardie und S n o w d e n haben sich bei dieser Gelegenheit weder ihrer Aufgabe noch ihrer Verantwortung gewachsen gezeigt. Alle drei sprachen ohne Vorbehalt für die Vor- läge, hofften, datz sie später zum allgemeinen Stimmrecht führen werde, und trösteten sich im übrigen damit, datz die Bill gar nicht so undemokratisch sei. Dieses letztere Argument konnten Churchill und Lloyd George mit Leichtigkeit zerfetzen. Churchill legte dar, wie ein reicher Mann allen seinen Töchtern und seiner Frau nach dieser Vorlage das Stimmrecht verschaffen könnte, während ein armer Mann nichts dergleichen tun könnte, wie die Bill demnach zum Pluralvotum für die Reichen führen würde, ein Argument, auf das es nichts zu erwidern gibt, weil seine Richtig- keit klar auf der Hand liegt, das aber allein genügen sollte, um die Vorlage in den Augen jedes Demokraten zu verdammen. Datz Arbeitervertreter dies von Ministern zu hören bekommen müssen, ist geWitz nicht erfreulich, um so weniger, als die Kongresse der Arbeiterpartei jahraus jahrein auSschliehlich das allgemeine Männer- und Frauenwahlrecht forderten, ja mehr als einmal sogar unter ausdrücklicher Verurteilung jeder beschränk. ten Frauenstimmrechtsvorlage. Die Arbeiterfraktion hat sich jedoch noch niemals um diese Resolution geschert. Die Demokratie inner- halb der Arbeiterpartei lätzt noch manches zu wünschen übrig. Als wirklicher Sieger ist aus dieser Debatte d a S allgemeine Wahlrecht für beide Geschlechter hervorgegangen. Das mutz heute sogar ein so steifnackiger Wahl- rechtsfeind wie die„Times" anerkennen. Jede Ausdehnung des Wahlrechts auf irgendeine Minderheit der Frauen würde zu ganz unerträglichen Absurditäten führen. Die Ueberzeugung, datz daS Frauenwahlrecht nur in der Form des allgemeinen Stimm- rechts in England durchgeführt werden kann, hat in den letzten Tagen zahllose Anhänger gewonnen. Der Gedanke kann einer baldigen Verwirklichung entgegengeführt werden, wenn man den Ministern zu verstehen gibt, datz ez nicht genügt, wenn sie undemo- kratische Vorlagen mit dem Hinweis auf ihre demokratischen Ueber- zeugungen bekämpfen, sondern diese durch die Einbringung einer wirklich demokratischen Wahlrechtsvorlage betätigen müssen. lverfammltmgen— Veranstaltungen. Sechster Wahlkreis. Die Genossinnen der 8. Abteilung veranstalten am Mittwoch, den 20. Juli, einen Ausflug nach Tegel-Schulzen, darf. Treffpunkt: Bahnhof Schönhauser Allee früh 10 Uhr. für Nachzügler nachmittags 3 Uhr im Restaurant„Hubertus", Inhaber Mlosch, in Schulzendorf. Sechster Wahlkreis, 4. und 5. Abt. Mittwoch, den 20. Juli. Ausflug der Genossinnen nach Saatwinkel. Treffpunkt: vormittag» 11 Uhr an der Endstation der elektrischen Dahn in Tegel. Dann Ueberfahrt nach Restaurant..Saatwinkel" mit Dampfer (Fahrpreis ermätzigt). Für Nachzügler im selben Lokal. Nedensche Kranke», und Tterbekaffe Nr. B, gegründet 1795- Heute von 2 viS 7 Uhr Zahl- und Ausnahmetag bei Nöwer, Elisabethkirch- stratze 14. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein für den Reichstags» Wahlkreis Züllichau> SchwiebuS- Krassen> Sommerfeld(OrtSvereln Berlin). Dienstag, 21. Juni, abends 8'lt Uhr, bei Eichhorn, Koppenstr.47: Mitgliederversammlung. BoasserstandS-Nachrichte« der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m» l. TUM B r e g« l. Jnsterburg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor , Krossen , Frankfurt Warthe. Schrimm , LandSberg Netze, vorvamm Elbe, Leitmeritz , Dresden „ Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , BeeSlow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Hellbronv Main, Werlheim Mosel. Trier 1 4- bedeutet Wuchs,— Fast.— Unterv-aet. «»»SSSSA Jf? Unserm Genossen und AbteilungSsührer H �uxiist Geruli® [2983B© nebst Braut zu Ihrer am l8. d. Miss statt«© findenden Hochzeit die herz- lichslen Glückwünsche 1 Die Funktionäre der 14. Ab- teilung, IV. SozialdemoMeliJalilvereiD Spandau. Todes-Anzeige. Am Donnerstag, den 14. Juli, verstarb unser Mitglied, der Rcstaurateur Emil Weiß Neumelsterstrabe 7. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet Mon- tag, den 18. Just, nachmittag« 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des FriedhoseS in den Kisseln aus statt. 287/19 D«» Torstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah mew lieber Mann und guter Vater, der Tischler Gustav Sauermann am Donnerstag nach langem Leiden im Alter von 50 Jahren sanst ent- schlasen ist. DteS zeigen Nefbetrübt an virt» Leuermann geb. KeNhee und Tochter Frieda. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Juli, nach. mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle de» Friedhofes der St. Markus. Gemeinde in Wilhelm«» berg aus statt. 2S7Sb Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Gustav Sauermann am 14. Juli gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 17. Juli, nachm. 4 Uhr, von der Halle des St. Mar» luSkirchhoses in WilhelotSberg aus statt._ Am 13. Juli starb unser Kollege, der Tischler kram Gilov. Die Beerdigung findet am Mon» tag, den 18. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Gethfe. manelirchhoseS in Nordend aus statt. Ehre Ihrem Andenke«! Die OrtSverwaltung. Kranken- und BegHkasse der Seifensieder u. Berufsgen. (E. H. 17 zu Berlin.) Am 14. Juli 1910 verstarb nach langen, schweren Leiden unser alte« Mitglied Georg Otto. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. Juli, nach. mittags 5 Uhr, vom Britzer Fried- hos(Tristftrage) auS statt. 287/18 Um rege Betelltgung bittet Der Vorstand. Nach langen schweren Leiden entschlies heute mein lieber Mann und guter Vater, der Gastwirt und Zimmermann Wilbelm Sauermann, Antonstrahe 9. Die trauernden Hinterbliebenen: Emma Sauermann, geb. Michael, 86 nebst Kindern. Statt besonderer Anzeige. Am Freitag verschied plötzlich insolge Gehirnschlages mein un. vergeblicher Bruder, unser lieber Onkel, der Genosse, Schuhmacher- meister Varl Priedricb im 63. Lebensjahre. Dies zeigen tiesbetrübt an Lmjliv Krlening geb. Friedrich, Karl Schüler. Lnise Schüler, Wilhelm Schüler. Die Beerdigung sind et DienStag» nachmittag 4 Uhr von der Leichen» halle deSZionslirchhoseS(Nordend) ans statt. 4b aiMer- Berliner Radlalirer Todes- Aneelgo. Am Freitag, den IS. Juli, starb unser Bundesgenosse .Artnr Müller (8. AbleUung). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 18. Juli cr., nach. mittag» 4 Uhr, von der Leichenhalle deS BartholomäuS-KirchhoseS in Weibensee aus statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet tl/S Der Vorstand. UnterstQtzungsverein sämtlicher Berufe (Bezirk II). TodeS-Anzeige. Am 15. Juli verstarb unser Mt- glied, der Eisenbeinschneider Ferdinand Neumann im 67. LebmSjahre. 2962B Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 18. Juli, nachmittags S'/, Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Luisin.KIrchhoses, Her- mannstrabe. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentral-lferband der Maurer Deutseblands. Zweigverein Berlin. Sektion d.Gips- u.Zementbranohe. Den Kollegen zur Nachricht, dab unser Mitglied, der Jemen- lierer Karl Lüdtke am 12. Juli im Alter von 48 Jahren an Blinddarmentzündung und Darmlähmung verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 17. Jullh nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- halle des Friedhofes der Golgatha- gemeinde in der Barsusstrabe aus statt. 188/4 Der Sektionsvorstand. Nach langem schweren Leiden entschlies sanst gestern nachmittag 4 Uhr meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Schwieger» und Grobmulter Ottilie Hennes geb. Witte lm Alter von SS Jahren 9 Monaten. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme allen Freun- den und Bekannten ttesbetrubt an im Namen der kauernden Hinter- bliebenen Angnst Hermes, Tegel, Schöneberger Str. 10, am IS. Juli 1910. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 17. d. M., nachm. 8'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Tegeler FriedhoscS aus statt. Deerdigungsverein Berliner Zimmerleute. Am 14. Juli starb nach langem Leiden unser Mitglied, der Jim- m-rer Friedrick Nehls im Alter von so Jahren. Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den>8. d. MtS., nach- mittags 2'/« Uhr, vom Trauer- Hause, Beniauersttabe 99, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 2997b Der Vorstand. » llen Freunden und Belannten zur Nachricht, daß ich da« Geschäft meines verstorbenen Manne« Otto Wolf in derselben Weise weiterführe und bitte um geneigten Zuspruch 231L Frau Minna Wolf Lichterfelde.West, Fontanestr. 7. Für die vielen Beweise inniger Teilnahme bei der Beerdigung meiner lieben Gattin, unserer guten Mutter ßnna Krohn sagen wir dem Wahlveretn Tempel- hos, dem Gesangverein„EangeSIust", Tempelhos, den Ordnern der Freien Vollsbühne, Abteilung 9. sowie allen Verwandten und Belanutm unseren herzlichsten Dank. Sb Johann Krohn nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweis» inniger Teilnahme heim Hinscheiden meines geliebten Manne», unseres Herzens- guten Vater» Ha» Bat» sagen wir hiermit allen Bekannten und Verwandten, insbesondere den Genossen deS 4. WahIkrelseS und seinen Kollegen unseren herzlichsten Dank. Fra« Buh nebst Kinder«. Danksagung. Für die rege Beteiligung und zahl- reichen Kranzspenden bei der Be, erdigung meines lieben Mannes, des DroschkensührerS 29g4b Gustav Mertens insbesondere vom„Verein deutscher Kutscher", Sparverein.Komet', „Loltcrieverein 1903' und den Kolle» gen vom Fuhrhos Rchseld, sagen wir unserm herzlichsten Dank. Wiüve Anna Hertens nebst Sohn. Daukfagnng. flr die beim Hinscheiden meine» lieben Manne» bewiesene Teilnahme sage ich allen Kollegen und Bekannten meinen herzlichsten Dank. Charlottenburg. Witwe Aollann» Wolff nebst Kinder. Westmann useathitt: Dilohrenstr. 37a a. d.Kolonnaden 2. Geschäft: Cr. Franfcfurterstr. IIS an der Andreasttrute. Kurz vor Schluss des Saison-u.lnventur-Verkiurs chike Konfektion, herrllch.Kosliiine Tuch. Kammgarn, Out, Seide, Leinen teilweise für die Haifte, Drittel teilweise bis zum Sechstel d. früh. Preise ermässigtl (aneb I. stärket« Figuren vorrätig) frilher teilweise bis »» 54 78 130 bis 400 M. jstst teilweise anfangend von e 12 15 18 24 30 bis ISO usw. ßelnvoll. Tuch- Kimonos jetzt von 20 M. an. GrBnste Eile geboten! Der Saison• Autverkauf geht zu Ende. Sehr grosse Extra-Abteilung: Trauer-HnSGZln. Neue Herbst Modelle, Pelre etc. jetzt noch zu Sommerprelsen. ( Sonntags goOBnet 8—10, 12—2 Ubr. 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Sie leuchten hinein in die Höhlen der Armut und lassen erkennen, daß ein erschreckend grotzer Teil der Berliner Proletarier eines seiner notwendigsten Lebensbedürfnisse, nämlich das Wohnungsbedürfnis, in einer durchaus unzureichenden Weise zu befriedigen gezwungen ist. ES ist natürlich, daß bei solchen Untersuchungen, wie sie die Ortskrankenkasse der Kaufleute usw. vornimmt, auch Mißstände aufgedeckt werden, die nicht nur in der schlechten wirtschaftlichen Lage der Wohnungsmieter, sondern mehr noch in der gewissenlosen Profitsucht mancher Hausbesitzer ihre Ursache haben. Kein Wunder, daß derartige Veröffentlichungen den ausgepichten Hausagrariern recht unbequem sind. Aus diesem Grunde hat ja der Preußische Landesverband der HauS- und Grundbesitzervereine im Jahre 1907 einen Vorstoß zur Unter- drückung der WohnungSenqueten der Ortskrankenkasse der Kauf- leute unternommen. DaS Verlangen des genannten Verbandes, der Krankenkasse die Verwendung von Kassenmitteln für die Woh- nungsenquete zu untcvsagen, wies der Berliner Magistrat zurück, der Handelsminister aber sprach das von den Haus- und Grund- Besitzern geforderte Verbot aus. Erst im Verwaltungsstreitver- fahren, in letzter Instanz durch Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 8. Januar 1310 sicherte sich die Kasse das Recht, ihre Woh- nungSenqueten vornehmen und auf ihre Kosten veröffentlichen zu lassen. Die KaufmannSkasse hat sich durch ihre WohnungSenqueten ein unbestreitbares soziales Verdienst erworben. Die eben erschienene, von der Ortskrankenkasse der Kaufleute «sw. unternommene Wohnungsenquete für 1903 bietet gleich ihren Vorgängerinnen wertvolles Material zur Beleuchtung deS Wohnungselendes der Berliner Proletarier. Selbst eine sonst einwandfreie Wohnung muß für ihre ge- sunden, aber mehr noch für ihre kranken Bewohner ein Mißstand werden, wenn sie nicht genügend Na u m bietet. Bekannte Hygieniker fordern als Mindestmatz der Bodenfläche 16 bis 20 Ouadratmeter für Wohn- und 20— 25 Quadratmeter für Schlafräume. Albert Kohn, der Bearbeiter der voliegenden Enquete, legt ein Mindestmaß von nur 12,18 Quadratmeter zugrunde und findet, daß von den erwerbsunfähigen Kranken seiner Kasse— denn nur auf solche bezieht sich die ganze Erhebung— 538 Männer und 498 Frauen in Räumen wohnen, die diesen bescheidenen An- forderungen nicht entsprechen. 67 Männer und 49 Frauen hatten in ihren Wohnungen noch weniger als 6 Quadratmeter Bodenfläche. Legt man die angeführten Forderungen der Hygieniker zugrunde, so findet man, daß diese b e i 4197 Männern und 3992 Frauen nicht erreicht wurden. Die Berliner Baupolizeiordnung verlangt für Wohnräume eine Mindesthöhe von 2,80 Meter. Die Wohnungen von 1626 Männern und 1471 Frauen blieben hinter dieser Forderung zurück. 62 Männer und 57 Frauen wohnten in Räumen, die weniger als 2,35 Meter Höhe haben. Ja, bei 44 Personen waren die Wohn- räume nur 1,95 Meter und bei 10 Personen nur 1,60 Meter hoch.— Wenn auch die alten Häuser mit derartigen Wohnlöchern „ach und nach dem Abbruch verfallen, so ist doch ihre Zahl, wie auS den vorstehenden Angaben hervorgeht, immer noch erschreckend groß. M�n kann annehmen, daß immer noch Tausende von Proletariern iin solchen engen und dumpfen Winkeln hausen, die als menschen» würdige Wohnungen nicht angesprochen werden können. Soviel über das Wohnungselend, soweit eS durch an sich zu ileine Räume verursacht wird. Eine andere Seite des Woh- nungsclends ist die, daß sich in einer Wohnung, die einer Kleinen Zahl von Personen genügend Raum bieten würde, eine größere Anzahl von Menschen zusammenzudrängen gezwungen ist. Dadurch schwindet nicht nur jede Annehmlichkeit und Behaglichkeit, welche die Wohnung bieten sollte, sondern eine solche Wohnung ist eine ständige Gefahr für die Gesundheit ihrer Bewohner, denen das notwendigste Lebensbedürfnis, die frische Luft, mangelt. Alb. Kohn nimmt als den Mindestluftraum, der auf eine Person kommen soll, 20 Kubikmeter an. DaS ist eine recht bescheidene Forderung: angesehene Hygieniker verlangen 30— 35 Kubikmeter selbst für Ge- säugnisse. Und dennoch zeigt die Erhebung, daß sich 3404 Männer und 2939 Frauen in Räumen aufhielten, die diesen Anforderungen nicht entsprechen. In Räumen, wo dem einzelnen ein Luftraum von noch nicht 10 Kubikmeter zufällt, lebten 1969 Personen und mit einem Luftraum von höchstens 5 Kubikmeter mußten sich 213 Personen begnügen.— Wohlgemerkt: Es handelt sich hier aus- schließlich um Kranke. Für solche fordert Prof. Räbner. je nach der Schwere der Kvankheit. einen Luftraum von 40— 60 Kubikmeter. Die Erhebung aber zeigt uns eine Reihe von Fällen, wo neben dem Kranken noch 6, 7 und mehr Menschen in Räumen Hausen, die überhaupt nur 20—25, ja sogar nur 10—15 Kubik- meter Luftraum enthalten, wobei der von den Möbeln eingenom» mene Raum noch nicht einmal abgerechnet ist. Als besonders erschreckender Zug in dem Elendsbild ist hervor- zuHeben, daß 79 Patienten in Räumen ohne Fenster hausten. Diese Aermsten sind also nicht nur von der frischen Luft völlig ab- geschnitten, sondern sie entbehren auch der belebenden Wirkung deS Sonnenlichtes. Nicht viel besser sind die 502 Personen daran, deren Wohnräume zwar so etwas wie Fenster haben, aber doch nur un- genügend mit natürlichem Licht versorgt werden.— 301 Patienten wurden in Räumen angetroffen, die wegen Feuchtigkeit als gesundheitsgefährlich angesehen werden müssen. 397 Patienten be- wohnten Räume, die keine Heizgelegenhxit haben. So zeigt uns die vorliegende Wohnungsenquete auf jedem Blatte, sowohl in Tabellen wie in Einzelschilderungen, wahrhaft betrübende Bilder aus der Berliner Wohnungsmisere. Und diese« Bilder können noch nicht einmal die düstersten sein, welche das WohnungSelend liefert. Denn die Mitglieder der Ortskrankenkasse der Kaufleute usw. gehören ja bei weitem nicht zu den am schlechtesten gestellten Proletarierschichten. Wenn hier schon so düstere Elendsbilder entrollt werden müssen, wie mag eS dann erst mit den Wohnungsverhältnissen schlechter. gestellter Arbeiterschichten aussehen. Der Einfluß, den die Höhe deS Einkommens auf die Wohnungsverhältnisse hat, tritt übrigens auch in der vorliegenden Enquete deutlich hervor. Wir sehen, daß die Handlungsgehilfen im allgemeinen besser wohnen als die Hilft- arbeiter und»arbeiterinnen. Diese sind häufiger als die Hand- lungSghilfen in Hinterhäusern, namentlich aber in Keller- und Dachwohnungen sowie im vierten Stockwert anzutreffen. Wir sehen auch, daß Inhaber von Möblierten Zimmern und Schlaf- stellen im allgemeinen besser wohnen als ihre Vermieter, was sich daraus erklärt, daß Familien, die gezwungen sind, einen Teil ihrer Wohnung weiterzuvermieten, den besseren Raum ihren Unter- Mietern überlassen und sich selbst auf engstem Raum zusammen- drängen. Die Enquete bestätigt die bekannte Tatsache, daß die Wohnungen in den Hinterhäusern im allgemeinen hinter den Vorder- Wohnungen in hygienischer Beziehung erheblich zurückstehen, und daß die für Proletarier bestimmte Mietskaserne den Anforderungen, welche an eine in jeder Hinsicht einwandfreie menschliche Wohn- statte gestellt werden müssen, durchaus nicht gerecht wird. Gewiß haben viele Mißstände im Wohnungswesen ihre Ursache nicht in der Beschaffenheit der Wohnung, sondern in dem Umstand, daß die Wucherpreise, welche für Arbeiterwohnungen verlangt werden, die Arbeiter zwingen, sich mit ihren Familien und in vielen Fällen noch mit Schlafgängern in kleinen Räumen zusammen- zudrängen. So ist es auf der einen Seite das niedrige Ein- kommen des Arbeiters, auf der anderen Seite der die Mieten zu unerschwinglicher Höhe hinauftreibende Grund st ücks- Wucher, wodurch das proletarische Wohnungselend verschuldet wird, von dem die vorliegende Enquete ja nur einen ganz kleinen Teil zeigt. Das aus diesen Ursachen resultierende WohnungSelend wird im wesentlichen bestehen bleiben, so lange die Befriedigung des Woh. nungsbedürfnisses ein Gegenstand kapitalistischer Spekulation und der Wohnungsuchende ein Ausbeutungsobjekt für den Bodenwucherer ist. Wenn die Gemeinden, wie es die Sozialdemokratie fordert, eine den Interessen der Allgemeinheit dienende Wohnungspolitik treiben würden, dann könnte vieles im Wohnungswesen gebessert werden. Aber noch haben ja die Haus- und Grundbesitzer die Herrschaft in den Gemeindeverwaltungen und sind deshalb in der Lage, jede Reform zu hintertreiben. Ihre Herrschaft zu brechen, Sozial- demokraten an ihre Stelle zu setzen und dadurch unter anderem auch den sozialdemokratischen Forderungen hinsichtlich der Wohnungs- reform zur Durchführung zu verhelfen, muß die Aufgabe jedes Freundes einer gesunden Wohnungsreform sein. Jiiis Induftne und Ftandel* Vom Kohlensyndikat. Aus Essen wird telegraphiert: Aus dem der Zechenbesitzerversammlung deS Rheinisch- West- fälischen Kohlensyndikats erstatteten Bericht ist folgendes zu ent- nehmen:, Der rechnungsmäßige Absatz betrug im Juni d. I. bei 25-4(im gleichen Monat des Vorjahres 24%) Arbeitstagen 5 601 353(Vorjahr 5 341 211) Tonnen oder arbeitstäglich 222 939 (Vorjahr 219 127) Tonnen. Von der Beteiligung, die sich auf 6 562 585(Vorjahr 6 337 718) Tonnen bezifferte, sind demnach 85,35 Proz.(Vor- jähr 84,23 Proz.) abgesetzt worden. Der Versand einschließlich Landdebit, Deputat und Liefe- rungen der Hüttenzechen an die eigenen Hüttenwerke betrug in Kohlen bei 25%(Vorjahr 24%) Arbeitstagen 4 562 332(Vorjahr 4 539 874) Tonnen oder arbeitstäglich 131 535(Vorjahr 136 251) Tonnen; an Koks bei 30(Vorjahr 30) Arbeitstagen 1 374 593 (Vorjahr 1 138 596) Tonnen oder arbeitstäglich 45 320(Vorjahr 37 953) Tonnen; an Briketts bei 25%(Vorjahr 24%) Arbeits- tagen 275 264(Vorjahr 244 560). Tonnen oder arbeitstäglich 10 956(Vorjahr 10033) Tonnen. Hiervon gingen für Rechnung des Syndikats an Kohlen 3 995 159(Vorjahr 3 976 826) Tonnen, oder arbeitstäglich 159 011 (Vorjahr 163 152) Tonnen, an Koks 834 839(Vorjahr 715 351) Tonnen oder arbeitstäglich 29 478(Vorjahr 23 845) Tonnen, an Briketts 266 300 Tonnen(Vorjahr 236 620) Tonnen oder arbeits- täglich 10 599(Vorjahr 9 707) Tonnen. Die Förderung stellte sich insgesamt auf 6 910 466(Vor- jähr 6 599 879) Tonnen oder arbeitstäglich auf 275 043(Vorjahr 270 764) Tonnen, und im Mai auf 6 562 909 Tonnen respektive 283 801 Tonnen. In der Entwicklung des Kohlenabsatzes ist in den Monaten Mai und Juni dieses Jahres im Vergleich zu dem Ergebnis des Monats Apri� kein Fortschritt zu verzeichnen. Der im Monat Mai erzielte Kohlenabsatz für Rechnung des Syndikats von insgesamt 3 826 814 Tonnen weist gegen den vormonatlichen Ab- sah einen Rück gang von 187 106 Tonnen auf. Im Juni hat der Versand von insgesamt 3 995 159 Tonnen gegen den Vormonat wieder eine Zunahme von 168345 Tonnen ergeben. Dieser blieb hinter dem Ergebnis im April bei gleichen Arbeitstagen be- züalich der Gesamtmenge um 19 361 Tonnen und bezüglich der arbeitstäglichcn Menge um 771 Tonnen zurück. Die Gründe für die eingetretene Abschwächung sind hauptsächlich in dem scharfen Wettbewerbe zu erblicken, der dem Syndikatsabsatz durch die englische Kohle und durch die außen st eh enden Zechen deS RuhrrevierS in immer stärkerem Maße im In- und Auslande erwächst. Ferner hat die zunehmende Verwendung von Braun. kohlen und Braunkohlenbriketts für Hausbrand- und industrielle Zwecke eine bemerkbare Beeinträchtigung des Steinkohlenabsatzes zur Folge, wie endlich auch die Störungen, welche die gewerbliche Tätigkeit infolge der Arbeitsein st ellung und Arbeits- aussperr ungen im Baugewerbe un d in der Eisen- industrie des Hagener Bezirks erlitten hat. iylf den Kohlenverbrauch von ungünstigem Einfluß gewesen sind. Der Koksabsatz hat einen verhältnismäßig befriedigenden Verlauf genommen. Der Syndikatsabschluß hat gegenüber dem Ergebnis des Monats April im Mai um 17 240, im Juni um 5112 Tonnen zugenommen. Auf die Beteiligungsanteile der Mitglieder beziffert sich der Absatz im Mai auf 73,38 Proz., im Juni auf 75.34 Proz., wovon je 1,24 Proz. auf Koksgrus entfallen, gegen 75,61 Proz. (einschließlich 1,41 Proz. Koksgrus) im April d. I. Der Brikett- a b s a tz hat sich im Inland nicht gebessert, konnte aber durch ver- mehrte Ausfuhr auf dem bisherigen Stande erhalten werden. Der gegen April d. I. im Mai eingetretene Rückgang wurde im Juni wieder eingeholt. Auf die Brikettsbeteiligung wurden im Mai 78,74, im Juni 74,36 Proz. abgesetzt. Das günstigere Verhältnis des Absatzes zur Betcilung im Mai ist darauf zurückzuführen, daß dieser Monat eine für zwei Arbeitstage geringere Beteiligungrate als der Juni umfaßt. Das Versandgeschäft hat sich in beiden Berichtsmonaten ohne größere Störungen vollzogen. Mitte Mai machte sich vorübergehend Wagenknappheit bemerkbar. Der Schwindel platzt. Noch nicht lange, nur etwa ein Jahr, ist es her. daß die Kolonialpapiere an den deutschen Börsen auf einen geradezu schwindelhaft hohen Kurs, bis über 2000 Proz.. ge- trieben wurden. Es liegt auf der Hand, daß selbst die größte Aus- beutung der Kolonien das niemals bezahlt machen kann. Es konnte deshalb nur eine Frage der Zeit sein, wann der rapide Sturz dieser Papiere beginnen werde. Der Moment scheint jetzt ge- kommen zu sein. Die Anteile der„Deutschen Kolonialgesellschaft für Südwestafrika" z. B. sind in wenigen Wochen um 275 Proz. gefallen! Den Verlauf ihrer Kursbewegung zeigt folgende Auf- stellung: 1908: März 175 Proz., Dezember 410 Proz.. 1909: Mai 1080 Proz., Juli 2100 Proz., 1910: Februar 1700 Proz.. Juni 1700 Proz., Juli 1425 Proz. Es ist das ja immer noch enorm hoch, viel höher als irgendein vernünftiger Betrieb in den Kolonien rechtfertigen kann; aber man sieht doch, mit. weicher Gewalt die AdwärtIbewegung einsetzt. Vermilebtes. Wie die russische Postverwaltung recherchiert. Die Geschichte eines Postpakets liefert ein drastisches Beispiel von der grenzenlosen Bummelei der russischen Postverwaltung. Nach dem„Verl. Tagebl." wurde am 4. November 1909 ein Postpaket von einem Berliner Kaufmann an einen Kunden nach Warschau gesandt; es blieb dort unbestellbar und bei der Zollrevision in Alexandrowo war es g e st o h l e n. Der Berliner Kaufmann wandle sich in einem Beschwerdeschreiben am 22. Januar an das kaiserliche Postamt 25 in Berlin und erhielt am 3. Februar folgende Antwort: Nach einer soeben hier eingegangenen Mitteilung des Zentral« postkontors in Warschan ist das von Ihnen hier am 4. November eingelieferte Paket nach Warschau am 2. Dezember 1909 bei der unter Zollverschluß erfolgten Rücksendung zwischen Warschau und Alexandrowo b e st o h l e n worden. Die russische Postverwal- tung hat infolgedessen das Paket zu Uutersuchungszwecken zurück- behalten und wird dasselbe erst nach Beendigung dieser Unter- suchung zur Einleitung deS Ersatzverfahrcns zurücksenden. DaS Ergebnis der Untersuchung wird Ihnen nach dem Eingange der Mitteilung übermittelt werden. Der Kaufmann wartete geduldig bis zum 20. April auf eine Antwort. Als sie nicht eintraf, wandte er sich zum zweitenmal an die Oberpostdirektion und erhielt wenigeTage später folgendenBescheid: Auf Ihre Eingabe wird Ihnen im Auftrage der kaiserlichen Oberpostdirektion ergebenst mitgeteilt, daß die von der russischen PostVerwaltung eingeleiteten Untersuchungen noch immer nicht abgeschlossen sind. Erfahrungsgemäß nehmen diese Ermittelungen in Rußland einen Zeitraum von vier bis fünf Monaten in Anspruch. Ohne Zahlungsermächtigung der russischen Postverwaltung kann Ihnen jedoch zunächst eine Entschädigung nicht gezahlt werden. Der Berliner Kaufmann wartete abermals einen ganzen Monat, da er annahm, daß eine einfache Untersuchung wegen Beraubung eine? Postpakets unmöglich so lange Zeit in Anspruch nehmen könne. Aber er hatte sich getäuscht. Am 11. Juni erhielt er folgende trost« reiche Antwort von der Oberpostdirektion: Die russische Postverwaltung hat die Untersuchung wegen Be« raubung Ihres Pakets i m m e r n o ch n i ch t abgeschlossen. Sie ist seitens der kaiserlichen Oberposldireklion hier am 4. noch- mals um baldige Mitteilung über daS Ergebnis der Untersuchung und den Umfang der Ersatzpflicht gebeten worden. Sobald Nach« richt eingeht, werden Sie benachrichtigt werden. Wieder ging ein Monat ins Land, aber der Kaufmann ruhte nicht und wandte"sich zum vierten Male an die Oberpostdirektion Berlin. Am 13. Juli erhielt er folgenden Bescheid: Auf das Ersuchen der kaiserlichen Oberpostdirektion vom 4. Juni an die russische PostVerwaltung um Mitteilung über daS Ergebnis der Untersuchung und den Unifang der Ersaypflicht für das von Ihnen nach Warschau eingelieferte Paket ist bisher keine Ant» wort eingegangen. Eine nochmalige Erinnerung ist veranlaßt worden. Wie lange eS nun noch dauern wird, bis der Berliner Kaufmann in den Besitz seines Eigentunis gelangt, daS steht in den Sternen ge- schrieben. Vielleicht nimmt die russische PostVerwaltung an, daß der Berliner Kaufmann, der eine solche Zähigkeit entfaltet, schließlich doch erlahmen und sein Guthaben an die russische Postverwaltung in den Schornstein schreiben wird._ Blutiges Ehedrama in Kiel. Der Produktenhändler Bartels aus der Wörther Straße in Kiel lauerte Sonnabend früh seiner von ihm getrennt lebenden Ehefrau auf und machte ihr zuerst Vorwürfe über ihre Untreue, verlangte dann aber, daß sie wieder zu ihm zurückkehre. Als die Frau dies ablehnte, ging Bartels mit einem Revolver auf sie los und feuerte fünf Schüsse auf die Frau ab. so daß sie blutend zu Boden sank. Dann richtete er den Revolver gegen sich selbst, die Kugel durchbohrte den Kehlkopf und verletzte ihn so schwer, daß er im Sterben liegt._ Eiscnbahnkatastrophe in Spanien. Nach einem Telegramm aus Madrid ereignete sich gestern morgen ein folgenschwerer Eisenbahnunfall unter folgenden Um« ständen: Kurz vor der Ankunft im Bahnhofe von Balladolid geriet die Achse eines Wagens Hl. Klasse des Expreßzuges Madrid« Hendaye in Brand. Der Reisenden bemächtigte sich eine Panik und sie zogen die Alarmglocke. Die Flanunen griffen rasch um sich und gingen auf andere Wagen über, die aus dem Geleise sprangen. Die Passagiere verließen die Wagen und hielten sich zum größten Teil auf dem Nebengeleis auf. In diesem Augenblick brauste der Süd» exprcßzug mit voller Geschwindigkeit heran. Ein Teil der Passagiere des verunglückten Zuges konnte sich nicht mehr in Sicherheit bringen und wurde von dem Expreß überfahren. Zwei Personen find tot, 19 wurden schwer und einige dreißig leichter verletzt. Kleine Notizen. Vom Blitzschlag getötet. Bei einem starken Gewitter wurde gestern nacknnittag in der Nähe von Landau der Tagelöhner Winkler. Vater von vier Kindern, vom Blitz erschlagen und der Tage- löhner Arbinger, ebenfalls Bater von vier Kindern, schwer ver« letzt. Auch zwei Kinder des getöteten Winiler sind ziemlich stark verletzt worden. Die Verunglückten hatten unter einem Birnbaum vor dem Wetter Schutz gesucht.— In der Nähe deS Forsthauses Neuhaus bei Komolau wurde die siebzehnjähnge Tochter deS Pri» vatierS Genauck aus Pirna durch Blitzschlag getötet. Explosion ans einem englischen Kreuzer. An Bord deS Kreuzers 1. Klasse„Sutly" ereignete sich nach einer Meldung aus London bei dem gestrigen Flottenmanöver eine Pulvcrcxplosion, bei der fünf Leute der Besatzung schwere Brandwunden erlitten. Der„Sutlh" ist gestern abend im Hafen von Berehaven eingetroffen und hat vier der Schwerverletzten ausgeschifft, die nach dem Hospital gebracht wurden. Der fünfte war inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Ucberfall auf einen Briefträger. In der Nähe von Nireghaza (Ungarn) wurde der Briefträger Andreas Szylogyl von unbekannten Tätern ermordet und beraubt. Die Mörder hatten die Leiche auf das Bahngleis gelegt, damit sie von dem in kurzer Zeit fälligen Zuge zermalmt würde, um so die Spuren ihrer Tat zu verwischen. Der Briefträger wurde jedoch vor der Ankunft des Zuges auf« gesunden. In der Tasche des Briefträgers wurden nur noch einige wertlose Briefe gefunden. Ziigzusammenstoß. Auf der Station Kleinschadowitz (Böhmen) lief ein Personenzug infolge falscher Weichenstellung auf mehrere KoblenwaggonS auf, wobei drei Personen verletzt wurden. Die Kohlenwaggons wurden vollständig zertrümmert. Neue Fälle von TyPhuS. Nach einem Telegramm aus Budapest waren gestern wiederum 15 Fälle von Typhuserkrankungen zu verzeichnen. von denen 3 tödlich verliefen. Zehn Personen getötet. Bei einem großen Brande, der in einer Mietskaserne in Bombay ausbrach, sind sieben Eingeborene in den Flammen umgekommen. Drei andere Personen erstickten und wurden als Leichen geborgen. Großfcucr. In Fulda ist in vergangener Nacht eine Waggon« fabrik durch ein Großseuer zum großen Teil zerstört worden. Der Schaden ist sehr groß; so weit bekannt, sind Menschen nicht ver« unglückt. Der Brand dauert fort. Militär ist zur Absperrung auf« bolen worden. Dynamit-Exploflon. Bei Bauarbeiten in der Nähe von Porte Perpigna» explodierte eine Dyiiamitpatrone. Fünf Arbeiter wurde» durch die Sprengstücke verletzt, darunter drei tödlich. Theater und Vergnügungen l�essinx-Ikester. Täglich S Uhr: Kasernenluft. berliner Theater. H-Ute S Uhr- TaifUH. Morgen t Xallw». Keäei Operetten�Theater. Heute und folgende Tnge 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er» mähigt, vreifen: 01a oallaepelaraeeta. t.u»�»pSsMsu». Abends 0 Uhr- Das Leuwantsmündel MeiropFTheiiter Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund- Musik v. Paul Linoke. In ßrene gesatrt vom Dir. Rieh, Schult». Anfanj 8 Uhr. Rsuehen gestattet Ab 8 Uhr: Das sensationelle Programm, u. a.i SIwAHlevko Vttneior'INA»«» vom königl. dänischen Ballett. (SeUmpanae» Orans-IItngg als Dandemsahrer. Operette— ahne Männer: »» .Holland im Orient". Itollilnderlniaeii»». La Tortajada d» ihrer neuesten Schöpfung: „ Abenteuer eines Toreroe*. Therese Benz Schulreiterin Cbanp Ching Hee-Trappe Chinesische Zauberer tj. 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Der unterzeichnete Ausschuß beschloß in der letzten Sitzung, die ohnehin reichhaltige Tagesordnung der sechs Berliner Kreisgeneralversammlungen zu teilen und statt wie ur sprünglich bestimmt, in jedem Kreis nur eine General- Versammlung abzuhalten, nunmehr deren zwei zu ver- anstalten. Die BudgetbewMgung seitens der Mehrheit der sozialdemokrattschen Landtagsfrattion Badens dürfte zweifellos auch in Berlin zu längeren, Zeit in Anspruch nehmenden Er- örterungen führen, wodurch eine Teilung der Tagesordnung geboten erschien. Eine außerordentliche Generalversammlung wird nun- mehr am DienStag. den 2«. Juli, 8 Uhr abends stattfinden. Tagesordnung: Der Magdeburger Parteitag. Diskussion, Wahl der Delegierten und wenn möglich noch Brandenburger Provinzial-Konferenz nebst Delegiertenwahl. Die zweite ordentliche Generalversammlung der sechs Kreise findet dann, wie angekündigt, am Dienstag, den 2. August, 8 Uhr abend?, statt und wird als Tagesordnung enthalten: Borstands-, Kassen-«nd KommisfiouSberichte, Borstandswahlen, die Ber- bandS- Generalversammlung nebst Wahl resp. Bestätigung der nominierten Delegierten. Die KreiSanttäge für die VerbaudS-Generalverfammlnug Müssen spätestens am 4. August au das BerbandSbnreau gelangt sein. Die Lokale für beide Tage, Referenten usw. werden noch wie üblich bekannt gegeben. Wir bitten die Mitglieder der Organisatton, schon heute von den abgeänderten Veranstaltungen Nottz zu nehmen und zahlreich zu erscheinen. _ Der Akttonsausschuß, Zur Lokalliste. In Südende T.-B. sind die Lokals von Dahl und Schulthetz in der Lichterfelderstratze streng zu meiden. Die wiederholten Verhandlungen mit den Inhabern sind ergebnislos ver- laufen, die Herren find nicht zu bewegen, ihre Räume der Arbeiter- schast zur Verfügung zu stellen. Das gleiche ist der Fall mit Restaurant.Bellevue', Grünau, Jnh. Knuth und, G r a ß 1' S Gesellschaftshaus Mariendorf, Chausieestratze SOS. Wir ersuchen daher nochmals, diese Lokale unter allen Umständen zu meiden. Zur Lokalliste. Am Sonntag, den 24. d. Mts�, veranstaltet die .Freiwillige Feuerwehr" von Mühlenbeck-Buchhorst in dem §«sperrten Lokal von Fritz Müller,.Gasthof zur eutschen Krone" in Muhleobeck ein S o m m e r f e st, für das man unter der dortigen Arbeiterschaft eine lebhafte Propaganda entfaltet. Wir ersuchen dieser Veranstaltung fern zu bleiben. DaS Lokal.Müggelsee-Strand-Re st auran t" am Müggelsee, Bez. Frredrichshagen, steht der Arbeiterschaft von jetzt ab zu allen Veranstaltungen zur Verfügung. Die Lokalkommisston. Fünfter Wahlkreis. AmDienStag, den IS.Juli, S'/, Uhr abends, findet in den Union-Salen, Greifswalder Straße 228, eine kombinierte Versammlung aller Zahlabende der ersten Abteilung statt. DaS Erscheinen aller Genossen und Genossinnen ist notwendig. Der Abteilungsführer. Rixdors. Bürger, Arbeiter, Kommunalwählerl Am Montag, den 18. Juli, und den darauffolgenden Tagen werden Petitionen zur Unterschrift vorgelegt, worin der Magistrat unserer Stadt auf- gefordett wird, die diesjähngen Kommunalwählerlisten nach dem Prinzip der Steuerdrittelung. dem Gesetz entsprechend aufzustellen. Fordert Euer Recht und gebt die Unterschrift ohne Unterschied auf dt« Parteirichtung. Der Vorstand des sozialdemokratischen Wahlvereins. Nieder-Barnim. Die Generalversammlung des Kreises findet am Sonntag, den 24. Juli, vormittags 10 Uhr, in Rummelsburg, im CafS Bellevue, Hauptstraße 2, statt. Die provisorische Tagesordnung lautet: 1. Tätigkeitsbericht vom 1. Januar 1903 bis 30. Juni 1910. 2. Wahl der Kreisleitung. 3. Die Provinzialkonferenz am 11. September und Wahl dreier Delegierten. 4. Der deutsche Parteitag und Wahl der Delegietten zu dem- selben. 6. Anträge und Vereinsangelegenheiten. Der Kreisvorstand. Boxhagen-RummelSburg. Den Patteigenosten und Genossinnen zur Nachricht, daß heute Sonntag, den 17. Juli, vormittags präzise 10 Uhr, im großen Saale des Cafs Bellevue, die Jahresversammlung des hiesigen Wahlvereins mit folgender Tagesordnung stattfindet: 1. Vorstandsbericht. 2. Neuwahl des gesamten Vorstandes und der sonstigen Funktionäre. 3. Stellungnahme zur Kreisgeneralversamm- lung. 4. Wahl von 14 Kreisdelegierten. 5. Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Mitgliedsbuch ist zur Legiti- mation mitzubringen. Der Vorstand. Charlottenburg. Am DienStag. den 19. Juli, abends 8>/z Uhr, findet im„VolkShause", Rosinenstraße 3, die Mitgliederversammlung des WablvereinS statt. Tagesordnung: 1. Vomag des Genossen 23. Siering: Der preußische VerfassungSkampf. 2. Diskussion und Anträge. 3. Die Generalversammlung des Kreises(Anträge und Wahl der Delegierten zu derselben). 4. Parteiangelegenheiten. Britz-Buckow. DienStag abend'/jÖ Uhr bei Zilz, Werder- Ecke RungiuSstraße: Generalversammlung. 1. Bericht des Vorstandes und Neuwahl desselben. 2. Bericht der Gemeindevertreter. 3. Ver- schiedenes. Der Vorstand. Lichtenberg. Am DienStag, den 19. d. Mts., pünktlich 8% Uhr abends, findet im Lokal der Gebr. Arnhold, Frankfurter Chaussee 5/6 die außerordentliche Generalversammlung deS sozialdemokratischen WahlvereinS, Kreis Nieder-Barnim, Bezirk Lichtenberg, statt. Tages- ordnung: Bericht der Bezirksleitung und der Kommisstonen und Neu- wähl derselben. DaS Mitgliedsbuch legitimiert. Borsigwalde- Wittenau. Am Dienstag, den 19. Juli, abends 8'/, Uhr, findet die Generalversanimtung deS Bezirks in den Borsig- walder Festsälen statt. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Bezirksleitung. Potsdam. Mittwoch, den 20. d. MtS., abends 8'/z Uhr. in den Bezirkslokalen: Zahlabend.— Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, daß am Sonntag, den 81. Juli, nachmittags, das 19. Stiftungsfest deS Wahlvereins im Vittoria-Garten stattfindet.. Weißensee. Morgen Montag, den 18. Juli, abends 8'/, Uhr, im Prälaten, Lehderstr. 122: Bezirks-Generalversammlung. Anläßlich ver wichtigen Tagesordnung, wie Neuwahlen, Anträge uiw., ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. Mitgliedsbuch legitimiett. Die Bezirksleitung. Pankow. Am Dienstagabend 8'/zUhr findet im Lokal von Großkurt, Berliner Stt. 27, die Mitgliederversammlung statt mit der Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen 23. Kubig über den deutschen Parteitag. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Verbands« generalversammlung. 4. Ortsangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Groß-Lichtcrfeldc-Lankwitz. Am Dienstag, den 19. d. Mts., abends 8'/z Uhr, findet für die Orte Groß-Lichterfelde und Lankwitz eine öffentliche Protestversammlung g:gen die ReichsversicherungSordnung im Kaiserhof, Kranoldplatz, statt. Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch! Die Vorstände. Friedenau. An, Dienstag, den 19. er., abends 8>/, Uhr, General- Versammlung des Wahlvereins bei Mechelke, Handjerystraße 60/61. Tagesordnung: Berichte. Neuwahl des gesamten Vorstandes. Kreis- generalversammlung. Anträge. Verschiedenes. Der Vorstand. Zehlcndorf(Wannseebahn). Achtung! 4. Bezirk. Morgen Montag, den 18. d. MtS., findet für diesen Bezirk em Extra-Zahl- abend bei Benno Mickley statt. Es ist Pflicht der Genossen zu erscheinen, da eine sehr, sehr wichtige Besprechung vorzunehmen ist. Der Vorstand. Adlershof. Dienstag, den 19. Juli, abends 8'/, Uhr findet im Lokal von R. Kaul, BiSmarckstr. 16 Generalvertammlung statt. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht des Vor- standes und der Funkttonäre. 3. Neuwahl deS Vorstandes. 4. Partei- angelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Ober-Schöncweide. DienStag, den 19. d. M., abends 8 Uhr, bei M ö r n e r: Generalversammlung. Tagesordnung: Neuwahlen der Bezirksleitung. Spandau. Die außerordentliche Generalversammlung deS Wahlvereins findet am Dienstag, den 19. Juli, abends 8% Uhr im Lokal von Gottwald. Schönwalder Straße 80 statt. Die Tagesordnung lautet: 1. Stellungnahme zu der am 14. August in Spandau statt- findenden Kreisgeneralversammlung. 2. Anträge zu derselben. 3. Wahl von 3 Delegierten. 4. Neuwahl des Bildungsausschusses. 5. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zuttitt. Der Vorstand. Karlshorst. Am Dienstag, den 19. Juli, abends 8'/, Uhr: Mitgliederversammlung im„Fürstenbad", Inhaber Bartels. Vor- trag des Genossen U n g e r:„Christentum und Sozialdemokratie". ßerllner JVachncbten. Unrechtmäßige Kirchensteuereinziehung.. �. Eine hiesige Korrespondenz schreibt über die Einziehung der Kirchensteuer in Berlin: Es erscheint fast unglaublich, beruht aber auf Tatsachen, daß in Berlin alljährlich viele Tausende Mark an Kirchensteuern eingezogen werden, die von Rechts wegen nicht gezahlt zu werden brauchten. In Berlin wird von der Stadtsynode von allen denjenigen Steuerzahlern Kirchensteuer erhoben, die ein Einkommen von mindestens 1500 M. versteuern. Bei den alljährlichen Veran- lagungen wird der Synode von der Veranlagungskommission die Veranlagung im einzelnen mitgeteilt. Auf Grund dieser An. gaben-erfolgt die Festsetzung der Kirchensteuer und die selbst- verständliche Einziehung durch die Kirchenverwaltung. Nun kommt«S aber recht oft vor, daß gegen die Veran» lagung Berufung eingelegt wird. In diesem Jahre geschah dies infolge allzu hoher Veranlagung von ziemlich der Hälfte der Zensiten. Von den Berufungsentscheidungen erhält die Synode aber keinerlei Benachrichtigung(?), auch wenn auf vollständige Be- freiung von der Steuerzahlung erkannt worden ist. Wer also beispielslveise mit 21 M. veranlagt war, auf Grund seiner Be- rufung aber in eine Steuerstufe versetzt wurde, die einem Ein- kommen von weniger als 1500 M. entspricht, hätte eigentlich keine Kirchensteuer zu zahlen. Da aber die Kirchcnbehörde selbst von der Herabsetzung keine Kenntnis erhält, so läßt sie die Kirchensteuer in der veranlagten Höhe einziehen. In 90 von 100 Fällen wissen die Steuerzahler nicht, daß in Berlin bei einem Steuersatze von 6 bis 16 M. Kirchensteuern nicht zu zahlen sind, und sie begleichen demzufolge die von den Kirchenbeamten präsentierte Steuerquittung. Rur wer das Einkommensteuer. gesetz und die Synodalbestimmungen kennt und dem Kirchen- beamten die Berufuiuzsentscheidung vorlegt, bleibt von der Iah- lung einer Kirchensteuer befreit oder er wird zu einem gerin- geren Satze nachveranlagt. V«, sachl�rständiger Seite wird be- rechnet, daß die Kirche alljährlich durch diese Unkenntnis an 20 000 bis 30 000 M. Steuern einzieht, die ihr nicht zustehen. Es ist unstreitig ein dringendes Gebot der Gerechtigkeit, daß hierin eine Wandlung geschaffen wird und daß die Steuer. behörde von erfolgreichen Berufungen unverzüglich Kenntnis erhält, damit die Veranlagung geändert werden kann. Daß die Behauptung der Korrespondenz, wonach die Kirchen- behörden von der eventuellen Steuerherabsetzung keine Notiz nehmen, richtig ist, haben wir wiederholt feststellen können. Ob es aber richtig ist, daß das an den städtischen Steuerbehörden liegt, darüber muß die verantwortliche Stelle sich öffentlich äußern. Gegen die kirchlichen Steuerbehörden muß man allerdings die größte Vorsicht walten lassen, denn die Wirtschaft der ungerechten Veranlagungen zur Zahlung von Kirchensteuern geht lustig weiter. Uns gehen fortgesetzt Beschwerden zu, nach denen zahlreiche Per- sonen zur Kirchensteuer veranlagt werden, die fett Jahren aus der Kirche ausgetreten sind._ Der verbotene„Apachcntanz". Der„Apachentanz" wird verboten! Der aus Paris über- nommene wilde, sinnliche Tanz, dessen Vorführung in jüngster Zeit eine ständige Nummer des Programms der meisten Berliner Kabaretts und Varietes bildet, wird aber von diesem Verbot nicht betroffen. Der Verein der Saalbesitzer hat in seiner gestrigen Versammlung beschlossen, in allen Tanzlokalen den sogenannten „Apachentanz", um dessen Einführung in Berlin sich die Stamm- gaste dieser Tanzlokale bemühen, zu verbieten, weil der Tanz un- schön und unanständig wirke. Der./Apachentanz" in den Berliner Tanzlokalen hat allerdings mit der beliebten Kabavettnummer nur den Namen gemein. LLaS auf dem Berliner Tanzboden unter der Marke„Apachentanz" auftritt, ist ein unsagbar komisch wirkendes Auf- und Niederknixen der Tänzer zur Melodie aller möglichen Rundtänze. Dabei leisten sich die Tanzenden die unglaublichsten Gliederverrenkungen. Der Tanz wirkt weniger unsittlich als un- schön. Von wilder Grazie und bacchantischer Sinnlichkeit ist bei diesem Rundtanz nicht eine Spur zu finden. Die„Kavaliere von Mündt und Lestmann haben nur emem plumpen Herumhopsen einen interessanten Namen gegeben. Unappetitliches aus dem Berliner Butterhandrl. Auf einen sehr unappetitlichen Gebrauch im Butter-Großhandel Berlins ist das Polizeipräsidium durch eine Anzeige aufmerksam ge- macht worden. Die eingegangenen Buttersendungen werden nämlich in der Weise einer Probe unterzogen, daß mit einem Stcchheber ein kleiner Teil der Butter entnommen wird. Nunmehr wird mit Recht über den Brauch geklagt, daß dann vielfach diese Probe am Stech- Heber von mehreren Personen berochen und beleckt wird, und daß endlich sogar der dann noch am Stechheber übriggebliebene Butterrest wieder der betreffenden Buttersendung zugeführt wird! Auf Anfrage hat der Vertreter eines großen ButtergeschästeS der Polizei diesen„Brauch" sogar als durchaus üblich bezeichnet. Die Polizei hat schon vor Jahren gegen diesen„Brauch" Stellung genommen, als die Beamten des Gewerbekommissariats beobachtet hatten, daß die Butter mit den Zähnen vom Stechheber zur Kostprobe entnommen wurde. Auf Grund dieser Angaben hat die Handelskammer Unter- suchungen vorgenommen und es wird den in Frage kommenden Interessentenkreisen dringend empfohlen, von diesem ekel haften Gebrauch Abstand zu nehmen, wo er noch geübt werden sollte. Polizei und Handelskammer stehen auf dem Standpunkt, daß die Butterprobe vom Stechheber nur mit kleinen Kellen aus Holz, Elfen- bein oder anderen Materialien entnommen werden darf. Da die Polizei der Ueberzeugung ist, daß die gerügte Kostprobenentnahme mit dem Munde auf Grund des§ 16 des Nahrungsmittelgesetzes strafbar ist, so kann es nicht schwer halten, dem auch von der Handels- kammer als ekelhast bezeichneten„Brauch" ein schnelles Ende zu be« reiten._ Falsche Zweimarkstücke sind seit einiger Zeit in den südöst- lichen Vororten Berlins in größerer Menge in Verkehr gebracht worden. Die Falsifikate sind außerordentlich geschickt nachgenracht und sind als solche nur bei genauer Prüfung zu erkennen. Die Prägung ist sehr scharf ausgeführt und auch der Klang ist dem der echten Münzen fast völlig gleich. Die Nachahmungen haben eine kaum merkliche bläuliche Färbung und sind nur im Gewicht etwas leichter als die richtigen Geldstücke. Auch in diesem Falle ist an- zunehmen, daß als Verfertiger und Verbreiter der Falsifikate eine wohlorganisierte Falschmünzerbande in Betracht kommt, die wahrscheinlich in Berlin oder in einem größeren Vororte ihren Sitz hat. Der TyPlmS ist unter Beamtinnen des Fernsprechamts in der Der Typhus ist unter den Beamtinnen des Fernsprechamts in Rixdorf in der Richardstraße ausgebrochen. In wenigen Tagen sind mehrere Beamtinnen am Typhus erkrankt, eine Dame ist bereits der tückischen Krankheit erlegen. Jnsteressant ist die Tatsache, daß der Vor- steher des Rixdorfer Fernsprechamts folgende amtliche Auskunft: Es ist richtig, daß drei Beamtinnen im Rixdorfer Fernsprech- amt am Typhus erkrankt sind, von denen eine leider verstorben ist. Die Erkrankungserscheinungen waren erst sehr einfacher Natur und waren Lungenspitzenkatarrh.und Influenza, erst später trat Typhus- epidemie in die Erscheinung. Gleich nach Bekanntwerden der BöS- artjgkeit der Krankheit find die sanitären Einrichtungen des Fern- sprechamts sehr sorgfältig ärztlich untersucht worden. Es wurde hier guter Zustand festgestellt. Im übrigen sind Maßnahmen durch- geführt, die zur Bekämpfung der Krankheit beitragen könnten. Am Freitag mußten zwei Fernsprechbeamtinnen wegen hochgradiger Er. rcgung aus dem Dienst entlassen werden, von denen eine bereit» gestern vormittag ihren Dienst wieder aufnehmen konnte. Grund zur Beunruhigung liegt nicht vor. Die in der Presse über die An- gclegenheit verbreiteten Mitteilungen sind übertrieben. Die auf- fallende Erscheinung, daß die Nachricht von dieser Typhusepidemio eher in die Presse gelangte als sie zur Kenntnis der Rixdorfer Sanitätsbehörde kam, der sie nach den bestehenden seuchepolizeilichen! Vorschriften hätte gemeldet sein müssen, erklärt sich aus dem Um- stände, daß das Rixdorfer städtische Krankenhaus, wohin die drei thphuslranken Damen gebracht wurden, nicht in Rixdorf, sondern in Buckow belegen ist und somit zum Britzer Amtsbezirk gehört- Die TyphuSerkrankungen sind daher erst nach Britz gemeldet worden. Gestern vormittag begaben sich der Rixdorfer Polizeipräsident Becherer, der Dezernent der Rixdorfer SanitätSpolizei, Polizeirat Baarz, und der Kreisarzt Medizinalrat Dr. Dietrich nach dem Rixdorfer Fernsprechamt und besichtigten dasselbe in Gegenwart deS Vorstehers. Die Feststellungen ergaben den Sachverhalt, so wie er vom Vorsteher mitgeteill ist. Die sanitären Einrichtungen! wurden in tadellosem Zustande vorgefunden. Im übrigen wurden die weitgehendsten Sicherheitsmaßregeln angeordnet, insbesondere eine sofortige Desinfektion durch die städtische Desinfektionsanstalt wurde veranlaßt. ES dürfte bei den vorgekommenen TyphuS« erkrankungen sein Bewenden haben, da sie keinen epidemischen Charakter tragen, sondern als Einzelerscheinungen aufzufassen sind. Bei der gestern im städtischen Krankenhaus eingelieferten Telepho- nistin Gertrud Heier liegt nicht TyphuS, sondern nur ein Fall von allgemeiner Blutarmut vor. Heidelbeerensucher vom Blitzschlage getroffen. Bei einem Un« Wetter, daS gestern bei Fürstenwalde tobte, schwebten zahlreiche Personen in größter Lebensgefahr. Im Hangelsberger Forst waren während des Gewitters mehrere Frauen und Kinder beim Beeren» suchen. Plötzlich schlug ein Blitzstrahl in eine Kiefer ein und sprang in eine an den Baum angelehnle Kiepe über. Von der Kiepe nahm der Strahl den Weg nach den Veerensuchern. Die letzteren wurden sämtlich betäubt und durch den verursachten Lustdruck zu Boden geschleudert. Erst nach längerer Zeit kamen die Verunglückten wieder zu sich. Nachdem sich die Frauen wieder einigermaßen erholt hatten, nahmen sie sich der Kinder, die empfindlich gelitten hatten, an und brachten sie nach dem Orte zurück. Einschränkung des Alkoholgenusses städtischer Beamten während deS Dienstes. Der Oberbürgermeister hat den städtischen Beamten durch eine im heutigen Gemeindeblatt veröffentlichte Verfügung aufS neue in Erinnerung gebracht, daß der Genuß alloholifcher Geiränte während der Dienststnnden nur ausnahmsweise mit Rücksicht auf die besondere Körperkonstitution deS einzelnen gestattet werden lann und auch in diesen Ausnahmefällen möglichst zu beschränken ist. Zugleich werden die Beamten allgemein darauf aufmerksam gemacht, daß der regelmäßige Genuß von Bier oder anderen alkoholartigen Getränken in irgend erheblichen Mengen während der Arbeit der Gesundheit, namentlich den Nerven schädlich ist und deshalb am besten im Interesse der Beamten selbst ganz unterbleibt. Ein falscher Opernsänger ist durch die Kriminalpolizei verhaftet worden. Der Schwindler suchte besser situierte Mieter in den West» lichen Stadtteilen auf und gab sich diesen gegenüber als Opern- sänger aus. Er erzählte dann eine rührselige Geschichte, in der er durchblicken ließ, daß ihn das Schicksal hart mitgenommen und in die größte Notlage gebracht habe. Der Schlußeffekt bestand dann gewöhnlich in einen recht ansehnlichen Pump. Der„Künstler", in Wahrheit war es ein Kaufmannsgchilfe, empfahl sich, sobald er seinen Zweck erreicht hatte, auf Nimmerwiedersehen. In Charlotten« bürg konnte der Betrüger schließlich erwischt werden. Der gefüllte Briefkastc». Die Verteilung der Posibrtefkästen ist nicht immer so geregelt, daß auch das wirkliche Bedürfnis berücksichtigt ist. In einer ganzen Reihe von Fällen kann man zu bestimmten Zeiten die Beobachtung inachen, daß der Brieskastcn so gefüllt ist, daß beim besten Willen auch nicht ein einziger Brief hineinpraktiziert werden kann. Zeit- weise kann man feststellen, daß die Füllung so stark ist, daß Briefschaften aus dem Einwurf heraussehen und sehr leicht herauszunehmen sind. DaS hat natürlich seine großen Ge- fahren. Die Postverwaltung müßte doch darauf achten, daß an den Stellen mit großem Briefverkehr Einrichtungen geschaffen werden, die diesen Verkehr bewältigen, ohne daß darum das PubMum nach dein Kiständ?gen Postamte zu gehen denötigt ist. Uns wird berichtet, daß beispielsweise der am Gewerkichaftshanse angebrachte Briefkasten zu denen gehört, der an Ueberfülle zu leiden hat. Gestern stellte ein Leser unseres Blattes fest, datz um lOVzUhr der Briefkasten sich überfüllt zeigte, obwohl als nächste Abholungs- zeit illlx Uhr angegeben war. DaS Gleiche war bei dem nächsten Briefkasten, Adalbertstratze, Ecke Vethanienufer, zu konstatieren. Auf diesem Gebiete Abhilfe zu schaffen, wäre für die Postverwaltung eine dankenswerte Aufgabe._ Wegen einiger Rechenfehler in de» Tod gegangen. Aus über- triebenem Ehrgefühl hat der 24iährige Buchhalter Rudolf Schmidt aus Erkner Selbstmord verübt,«ch. lvar in einem Fabrikburcau in der Ritlerstraste angestellt. Er hatte sich das vollste Vertrauen seines Chefs erworben und hatte dies vor allem seinem genauen, zuverlässigen Rechnen zu verdanken. In den letzten Tagen unter- liefen ihm nun bei den Buchungen einige an sich geringfügige Fehler. ES wurden ihm Vorwürfe deswegen geniacht und Sch. nahm sich dies dermasten zu Herzen, daß er beschloß, seinem Dasein ein Ende zu bereiten. Der Unglückliche ertränkte sich bei einer Bootsfahrt im Müggelsee. Tnrch die Explosion einer Kiste wurde am Sonnabend- nachmittag gegen 5 Uhr viel Unheil auf dem Ostbahnhof an der Warschauer Straffe angerichtet. Ein beladener Rollwagen war auf dem Güterbahnhof auffer mit Stückgütern, Butter, Kisten mit Käse, auch mit Möbeln beladen. Aus noch unbekannter Ursache explodierte eine Kiste mit Zelluloid. Die Flammen schlugen gleich hoch empor. Die Pferde vor den Rollwagen scheuten und mehrere gingen durch, darunter auch die der Firma Bartz u. Co., welche leichte Brandwunden erlitten. Mit dem brennenden Wagen rasten die Pferde an dem langen Schuppen entlang, wobei öas Dach des einen Schuppens in Brand geriet und der Kutscher Wilhelm Rofenberg aus der Franseckistr. 17 Brandwunden am Rücken, im Gesicht und an beiden Armen erhielt. Die Feuerwehr aus der Meinelcr Straffe verband die Wunden und brachte den Verletzten nach dem Krankenhause Bethanien. Der Brand des Schuppens konnte bald gelöscht werden. Der frounne Mörder. Der Mörder Olszthnski, der kürzlich die Prostituierte Nilsen er- schaff und sich dann im Tiergarten selbst entleibte, hat, bevor er in den Tod gegangen ist, an einen Herrn, der früher versucht hatte, den O. wieder auf den rechten Weg zu bringen, einen Abschiedsbrief folgenden Inhalts gerichtet: Sehr geehrter Herr! Hiermit ersuche ich Sie verbindlichst, meiner Schwester meine letzten Grüffe zuzustellen. Meine Tat bereue ich sehr, zumal es gar nicht in meiner Absicht lag, daS geliebte Mädchen zu töten. Ich hoffe im Jenseits Vergebung zu finden. Ich hoffe, mit meiner Geliebten oereint zu sein. O. hatte, bevor er die Tat ausführte, seine Sachen gepackt, was darauf deutet, daff er die feste Absicht gehabt hatte, das Mädchen umzubringen und dann zu entfliehen. Massensiftierungen von JSillcttdefraudanten erfolgten nach dem „Lokal-Anzeiger" auf der Strecke Strausberg— Berlin, wo gestern nach Abhaltung der Rennen ein starker Verkehr herrschte. ES war der Eisenbahnverwaltung seit längerer Zeit aufgefallen, daff an den Berliner Stationen beim Eintreffen der Rennzüge so viel Bahnsteig- karten abgegeben wurden. Jnfolgedeffen wurden alle Züge, die von Strausberg kamen, auf den Zwischenstationen durch drei Beamte einer Revision unterworfen, wobei man etwa vierzig Personen an- hielt, die nur Bahnsteigkarten, od�r unrichlige, billigere Billetts bei sich führten. Der Versuch, sich auf diese Weise eine verhältnismäffig geringfügige widerrechtliche Vermögensbereicherung zu verschaffen, dürste den Leuten teuer zu stehen kommen. AuS dem Krankrnhanse entlassen ist das Frl. S., von dem wir borige Woche berichteten, daff es sich im Ballstaat vergiftet habe. Wie uns der Bräutigam des Mädchens mitteilt, habe eS sich um keine Vergiftung gehandelt, sonoern um hysterische Anfälle infolge eines Streites aus familiären Gründen. Mit der Wasserfprm bestrast der Hausbesitzer Schönfeld in der Schliemannstrahe 22 Meter, die mit ihrer Miete im Rückstände bleiben. Er sperrt ihnen das Waffer ab und verbietet Nachbars- leuten, den in Acht erklärten Metern Wasser zu verabfolgen. Neulich hat er einem Mieter das Wasser gesperrt, mit dem er Teilzahlungen vereinbart hatte und den er schliefflich auf Räumung verklagte. Mit dieser Klage wurde der Mann aber abgewiesen. Die Waffersperre im vorliegenden Falle war also ganz und gar unzulässig. Zritkartenmarken der Straßenbahn. Bis auf weiteres können anffer in den Ausgabestellen der Straffenbahn auch in den Waren« Häusern der Firma Jandorf, im Kaufhaus des Westens, in den Warenhäusrrn von Joseph u. Co. in Rixdorf, und Wilh. Stein. Verlin Ii., Chaussecstr. 64— 66, sowie im Bureau des Vereins junger Kaufleute von Berlin, Beuthstr. 20, Zeitkartenmarken in den Werten zu 7.70, 10,20 und 20,40 M. gelöst werden. In den ZweigbureauS der Berliner Paketfahrt werden Zeitkartenmarken jetzt nicht mehr ausgegeben. Arbeiter-BildungSschule. Sonntag, den 24. Juli: Ausflug nach Friedrichshagen, Neu-Helgoland. Abfahrt Bahnhof Alexanderplatz 8,30, Schlesischer Bahnhof ö.Sö. bis Friedrichshagen. Treffpunkt ini Nestau- rant A. Rintsch am Bahnhof. Von 12,30 ab im Restaurant Neu- Helgoland._ Vorort- JVadmefoteih Tharlottenburg. & Die städtische Parkverwaltung zu Charlottenburg hat den Flächeninhalt der städtischen Parkanlagen im Per» «oaltungsjahre 1909 um 129 764 Quadratmeter vermehrt, so daß der Gesamtflächeninhalt sich auf 2441441 Quadrat- Meter beläust. Hiervon entfallen auf die Baumschulen 139 115 Quadratmeter, auf Schmuckplätze 288 751 Quadrat- Meter, auf Schulgärten 163026 Quadratmeter. Den Haupt- enteil umfaßt der Stadtpark Jungfernheide mit 1 848 549 Quadratmeter. Die Unterhaltung der öffentlichen Anlagen erforderte im Jahre 1909 die Summe von 273740 M. An Stelle der alten Baumschulen am Fürstenbrunner Weg und in der Jungfernheide wurde eine zweite große Baumschule auf dem Rieselfelde der Stadt in Gatow mit einem Flächen- inhalt von 94 081 Quadratmeter neu angelegt, und zwar vorzugsweise zur Aufpflanzung von Alleebäumen. Der Kaum- und Pflanzenbestand der Baumschulen beträgt 252 610 Stück. Der Bestand in den Gewächshäusern betrug Ende 1909 302 800 Pflanzen. Gärtnerisch neu angelegt wurde der Kaiserdamm von der Badenallee bis zur Gemarkungsgrenze. Eine Anzahl neu angelegter Straßen wurden mit Bäumen bepflanzt. Ein größerer schön angelegter Schmuckplatz wurde am Tegeler Weg zwischen der Königin-Luise-Straße und dem Bahnhof Jungfernheide fertiggestellt. Neu angelegt wurden ferner Schulgärten für mehrere Schulen. Ein großer Spiel- platz von 5200 Quadratmeter Flächeninhalt ist in der Nognitz- straße fertiggestellt worden. Der Platz ist versuchsweise mit Rasen bepflanzt worden. Auf einer ganzen Reihe von Plätzen, auf den Spielplätzen und im Volkspark Jungfern- Heide sind bequeme und anmutig wirkende Ruhebänke auf- gestellt worden. Rixdorf. vaminfall. Gestern morgen um VV, Uhr stürzte auf dem Neu- tau Lichtenrader Straffe 47 zu Rixdorf»in Teil des Gerüstes ein. Der Vau ist im Keller und ersten Stock aufgeführt. Es war ein provisorisches Gerüst hergestellt, indem Bretter auf vier Stützen gelegt waren. Auf dem Gerüst befanden sich acht Arbeiter. Als die beiden Steinträger Karl Philipp aus der Ustaderstr. 16 und Richard Vogt aus der Finower Str. 10 mit ihren Steinen auf das Gerüst kamen, brach eS zusammen und alle Personen fielen auf die Erde. Nur die beiden Steinträger trugen Verletzungen am Kopf, Armen und Beinen davon. Sie wurden nach der Unfallstation 12 gebracht, wo sich die Verletzungen der beiden als nicht lebens- gefährlich herausstellten. Die Ursache des Unfalles ist darin zu suchen, daff das Gerüst nicht genügend befestigt war. Der gemütvolle Hauswirt, der kürzlich einigen Mietern seines Hauses per Trauerbrief kündigte, heifft nicht Ganzer, sondern Jänike, Pannicrstraffe 59, was wir hiermit als gewissenhafte Chronisten nachdrücklich feststellen möchten. Köpenick. Seht die Wählerlisten ein! Vom 15. bis 31. Juli liegen im Rathaus, 2 Treppen, Zimmer 28, wochentags von 7—1 und 2l/z— 4'/z Uhr, Sonntags von 9—12 Uhr die Wählerlisten zur Einsichtnahme aus. Eingetragen in die Liste muff jeder sein, der sein Bürgerrechtsgeld bis zum 15. Juli dieses Jahres bezahlt hat. Für diejenigen Genossen, welche keine Zeit haben sollten, selbst die Liste nachzusehen, haben sich folgende Genoffen bereit erklärt, dieses zu tun: E. Wiffler, Kietzcr Straffe 6, G. Müller, Alter Markt 8. H. Merker, Rosenstr. 10. P. Hein, Rudower Straffe 25. E. Becher, Grünaner Straffe 1. A. Stippekohl, Schönerlinder Straffe 5. M. Jahn, Grünauer Straffe 70. W. Wulff, Glienicker Straffe 33. F. Weber. Bahnhofstr. 15. M. Joppich, Bahnhosstr. 2, I. Jauer- nick, Kaiserin-Augusta-Viltoriastr. 22. M. Golze, Kaiserin-Augusta- Viktoriastr. 16. R. Finger, ParisinSstr. 75. Schulz, Lindenstr. 6. Gierke, Kaulsdorser Str. 8. O. Fiebach, Müggelheimer Str. 1. A. Tauchert, Müggelheimer Str. 4. E. Bauer, Müggelheimer Str. 42. W. Pose. Manenstr. 11. H. Schulze, Müggelheimer Str. 32 o. W. Zeidler, Müggelheimer Str. 29. Ehrenberg, Elisabethstr. 2. G. Mulack, Kietz 23. Da in diesem Jahre Ersatzwahlen stattfinden, ist es Pflicht, sich davon zu überzeugen, ob jeder Berechtigte eingetragen ist. Eichwalde. In der öffentlichen Gemcindevcrtrctersitzung vom 15. d. M. wurde ein Brief an den Gasmeister des hiesigen Gemeindegaswerkes vor- gelesen, worin demselben bekannt gegeben wurde, daff für den Kirchengebrauch wie für den Privatgebrauch des Herrn Pastors ein Quantum von 500 Zentner Koks aufferhalb der Gemeinde be- stellt sei. Genosse Allritz legte dar, daff die Herren Gemeindevertreter dieses..Entgegenkommen" als.Dank" hinnehmen sollten für die zirka 4500 M. betragenden Kirchenlasten, welche sie der Gemeinde gegen die Stimme unseres Vertreters aufgebürdet haben. Des weiteren wurden in dieser Sitzung unter anderem Beschlüsse gefaßt, die sich auf die EntWickelung des Ortes beziehen und von erheblicher Bedeutung werden können. ES wurde z. B. die WertzuwachSstener- ordnung in der Weise abgeändert, daff dieselbe anstatt 10 Jahre bereits 17 Jahre rückwärts wirkend sein soll. Femer wurde dem Erlaff eines Ortsstatuts im Sinne des Z 9 des Kommunalabgaben- gesetzes zugestimmt. Ein Antrag unseres Vertreters auf Errichtung eines Brausebades für die Gemeindeschule wurde einstimmig an- genommen. In geheimer Sitzung wurde noch einem Wasser- Versorgungsvertrag zugestimmt. Potsdam. Vom Balkon gestürzt ist das �jährige Kind des Proviantamtarbeiters L. aus der Neuen Luisenstraffc 11 sArbeiterkolonie). Die Eltern hatten es, während sie auf Arbeit waren, auf den Balkon gestellt, wo es beim Erwachen auS dem Wagen und damit vom Balkon stürzte. Auf dem Wege nach dem Krankenhause verstarb es bereits. Polizeilich geräumt und abgebrochen wird daS erst vor einigen Jahren erbaute dreistöckige Wohnhaus in der Kurfürstenstr. 24, dem ehemals Stiefschen Wiesenterrain. Durch Bodensenkungen entstanden im ganzen Gebäude Risse und war eS auch durch technische Hilfs- mittel nicht zu erhalten. Die neue Kanalisation«- und Müllgebühr für Mieter zeigt sich bei ihrer Einführung als groffe Ungerechligkeit. Sie beträgt 2>/z Proz. der Wohnungsmiete und ist infolgedessen für niedrige Ein- kommen höher als die übrigen Steuern. Besonders wird sie von denjenigen Personen als hart empfunden, die durch Abvermieten Einnahme erhoffen und infolgedessen eine größere Wohnung innehaben. Der Fuß zerquetscht wurde dem 13jährigen Sohn des Arbeiters Leuchtemann. Mit seinen Spielkaineraden spielte er abends mit den beim Bau der städtischen Straffenbahn Viktorrastraße— Alte Luisen- straffe auf den Schienen stehengebliebenen ArbeitslowryS. Er geriet hierbei mit dem Fuß unter einen im Rollen befindlichen Wagen. Es erfolgte die sofortige Aufnahme des Verunglückten im St. Joseph« Krankenhause. Elektrische Feuermelder sind jetzt, verteilt im ganzen Stadtgebiete, zur Alarmierung der Berufsfeuerwehr bei Feuersgesahr resp. bei Menschenleben in Gefahr angebracht. Jngendveranstaltungen. Tegel. Der Jugendausichutz veranstaltet am Sonntag eine Partie über WaidmannSIust, Hermsdors nach Frohnau. Abmarsch früh 8 Uhr vom BadnhvsSplatz. Hierzu sind alle Jugendlicheu und deren Eitern sowie die organisierte Arbeiterschaft sreundlichji eingeladen. Um zahlreiche Be« teiltgung bittet Der JugendauSschusi. Steglitz. Heute Sonntag, den 17. Juli, vcranslattet die sreic Jugend- orgmiisiition eine Badepartie nach Freibad ilSannsee. Treffpunkt ist Bahnhof -Steglitz morgens 8 Uhr. Wir fordern die Jugendlichen von Steglitz und Umgegend aus, sich dieser Veranstaltung anzuschließen. Fahrgeld beträgt 10 Ps. Badehose mitbringen. Sericdts- Leitung. v. Gäben und die„Deutsche Fleischerzeitung". Die„Deutsche Fleischerzeitung" ist in ihrer Wut gegen die immer wachsende Aufklärung unter den Fleischergesellen aus dem Häuschen geraten. Wie wir einer unS übermittelten Nummer dieses Publikationsorgans der Fleischerei-Berufsgenossenschaft entnehmen, hetzt sie, um die Fleischergefellen vor der Sozialdemokratie zu warnen, auf den„Vorwärts". Zu diesem Behuf tiftclt sie eine „Beleidigung der Fleischcrgesellen" aus unserer Besprechung über der Allensteiner Skandal heraus. Wir hatten über den Hauptmann v. Göben unter anderem geschrieben:„In den Burenkrieg zog er, nicht aus Vaterlandsliebe oder aus Idealismus, sondern so wie eine Art Fleischcrgeselle, dem das Morden von Menschen Spaß macht, weil es ihm von dem Gedanken on seine Impotenz oder andere unliebsame Erlebnisse befreit." Darin liegt nach der Be- hauptung der„Fleischerzeitung" ein«— schwere Beleidigung aller Fleischergesellen. Sie protestiert„im Namen aller nichtsozialdemo- kratischen Fleischergesellen entschieden dagegen, daff um einen Schurken zu kennzeichnen, die Fleifchergcsellen herangezogen werden", und macht ihrem geprefften Herzen über die Erfolge des Zentralverbandes der Fleischcrgesellen und über den„Vorwärts" in weiteren Auslassungen Luft. Die„Deutsche Fleischerzeitung" muff sehr begriffsstutzig sein und das Begriffsvermögen der Fleischergesellen recht niedrig einschätzen, wenn sie eine derartige Auslegung unserer Darlegungen wagt. Mag sein, daff die un. bedingte Schwärmerei der„Deutschen Fkeischerzeitung" für alles, was dopeltes Tuch trägt, sie zu der lächerlichen Deutung unserer Ausführungen veranlaßt hat. Einem vernünftigen Renschen kann es nicht im Traum einfallen, eine Herabsetzung oder irgend eine Wertung der Fleischergesellen in den von uns über Gödens mili- tärische Tätigkeit abgegebenem Urteil zu finden. Vielleicht findet die„Deutsche Fleischerzeitung" eine, Beleidigung der Fleischer auch in folgenden Sätzen:„Man muß Soldat sein für sein Land oder aus Liebe zur Sache, für die gefochten wird. Ohne Absicht, heute hier, morgen da dienen, heifft wie ein Fleischerknecht reisen. Weiter nichts!" Das Zitat mag die„Fleischerzeitung" in Lessings Werken nachschlagen.-_>, Luthers„Selbstmord". Die Irrtümer in der Rechtsprechung über„groben Unfug" sind um einen sonderlichen Fall vermehrt. Ein Münchener Wochenblatt hatte eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, in denen der Ver- faffer nachzuweisen suchte, daß Luther Selbstmord verübte. In diesen Artikeln wurde ein grober Unfug erblickt und der Heraus- geber des Blattes hatte sich daher vor dem Schöffengericht zu ver- antworten. Der Angeklagte wurde zu drei Tagen Haft verurteilt. Die Urteilsbegründung bezeichnet es als unzulässig, derartige Be- hauptungen in aufdringlicher und marktschreierischer Weise in die groffe Menge zu werfen. Das könnte schon im Interesse des kon- fessionellen Friedens selbst dann nicht geduldet werden, wenn die Wahrheit solcher Behauptungen feststünde. Der konfessionelle Friede sei ein viel zu kostbares Gut, als daß solche Angriffe aus ihn ungeahndet bleiben dürften, die geeignet seien, in ungebildeten und leicht erregbaren Menschen die Flamme der konfessionellen Go- hässigkeit zu schüren und dadurch das friedliche Zusammenleben der Angehörigen der verschiedensten Bekenntnisse zu gefährden. „Grober Unfug" kann nach feststehender Rechtsprechung selbst des Reichsgerichts durch den Inhalt einer Preffnotiz überhaupt nicht begangen werden. Das Schöffengerichtsurteil wird in der höheren Instanz daher schwerlich Bestand haben. Interessant bleibt aber die Anklage und die Verurteilung des blöden Artikels trotz- dem wegen des offenen Bekenntnisses: Wir würden auch dann ver» urteilen, wenn Luther wirklich Selbstmord begangen hätte, denn die Wahrheit darf nicht veröffentlicht werden, wenn nach Ansicht des Gerichts dadurch der konfessionelle Friede gefährdet würde. Das heißt, den Grobenunfugvaragraphen als ein Mittel ansehen, das zur Verhütung der Verbreitung sowohl irriger geschichtlicher Auffaffungen, wie wahrer Geschichtsereignisse benutzt werden dürfte. Solches Ansinnen an die Gerichte geht noch weit über dt» Altsfassung mittelalterlicher Ketzergerichte hinaus. CHocKen- Spielplan der ßerlnier Cbeater. Königl. Opernhaus. Geschlossen. Königt. Schauspielhaus. Geschlossen. Neues königl. OPern-Theater. Sonntag: Die Meistersinger von Nürnberg. iAnf. 7 Uhr.) Montag: Götterdämmerung.(Ansang 61/, Uhr.) Dienstag: Die Fledermaus.(Ans. 7>/, Uhr.) Mittwoch: Tristan mid Isolde. (Ans. 7 Uhr.) Donnerstag: Taunhänser.(Aus. 7'/, Uhr.) Freitag: Lohengrrn. Christel. Abends: Martha oder Der Markt zu Richmond.. Momag: La Traviata. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater Charlvttenburg. Täglich: Die von Hochsattel. Ansang 8 Uhr. Fricdrich-WilhclmstädtischeS Schauspielhaus. Geschlossen. Neues Operetten- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Dollarprinzesstn. Abends bis Sonnabend: Der Gras von Luxemburg. Sonniagnachmiltag 3 Uhr: Die Dollarprinzesstn. Abends und Montag: Der Gras von Luxemburg. Ansang 8 Uhr. Luiscii-Thcater. Geschlossen. LustipidhauS. Allabendlich: DaS LeutmmtSmündel. Ansang 8 Uhr. Rosc-Tbeater. Täglich: Der Gelundbeter. Ansang 8 Uhr. ApoUo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 3 Uhr. Folies Caprice. Allabendlich bis aus weiteres: Pariser Ehen. Versöhiiungssest. Ansang 8'/, Ubr. Mmoviit- Theater. Allabendlich: Hallo I Die große Revue l Ansang 8 Uhr. Passage. Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Ubr. Wintergarten.-Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Buggcnhagen. Täglich: Spezialilätcn. Ansang 8 Uhr. Retchshallen< Tbcaier. Allabendlich: Slettüier Sänger. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Karl Havedand- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Pratcr-Theatcr. Täglich: Im Zleiche des MarS. Ansang 8 Uhr. Urania> Theater. Taubenlw. 48/4S. Sonntag: Im Lande der Milter- nachtssomie. Momag bis Mittwoch: Durch Dänemark und Südjchweden Bon DonnerSiag ab: Von Abbazia bis Corju. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidenstr. 57—62. Brief haften der Kedahtfon. Das Tier in der Kunst. Mit 139 Bildern. Von R. Piper. 191 S. Selbstverlag in München. Die Erden von Bjälbo. Erzählung aus dem Mittelalter. Bon Werner v. Heidenstam. 303 S.— Weltspuk. Von W. Dauthendey. 154 s.— A. Langen. München. Im Tiergarten. Roman von G. Tietzer. 194 S.— E. Froweln, Berlin. Jahrbuch 100» deS Deutschen Holzarbclterverbandrs. Heraus- gegeben vom VcibandSvorstaud. 2 M., geb. 2,50 M.— Selbswerlag Berlin, Neue Friedrlchstr. 2. Die braven Bauern. Eine Dorlkomödie in drei Akten von SlikolauS Schmidt.(Verlag des Bureau Fischer, Verlin-Friedcnau.) 1 M. Der„rote Kaplan-. Z> m Andenken an Dr. H. B. Sauerland. Von M. Henning. 64 Seiten. Neuer Franlsurter Verlag, Franksurt a. M. Handbuch der sozialdeinokratlschen Parteitage von ItStilt— 1900. Bearbeitet oon Wilhelm Schröder, Liejerung 13—13.— Einzellieserung 30 Pf.— G. Birk u. Co., München. Graeians Handorakel und Kunst der Weltklugheit. Deutsch von A. Schopenhauer. 1 M. A. Kröner, Leipzig. Ter Monismus. Nr. 4g. Zeitschrtst sür einheitliche Weltanschauung und Kulturpolitik. Herausgeber Dr. H. Koerbcr und Dr. I. Unold. Hatbj. 1,50 M. Eetbstvcrlag, Berlin W. 57. WitterungSitberllckit vom 16. Juli 1010. nioraen» 8 Ildr. «tatwnen ¥ B—l II if 1 Zwmcmde.llSSN Hamburg i 758 WSW Berlin|757W Frnnkl.fl 5!.' 757®D München(758 Still Wien i 757 NW Scttn 3 bedeckt 3 bedeckt 3 bedeckt Lwolkenl wolkenl 2 heiter x« «i» s". S? «S, «taflonen SS »=( S§ c 3 5=-- Mitgliedsbuch legitimiert!====== 219/10» Der Vorstand. Dienstag, 19, Juli, abends 8% Uhr: 13 Mitglikim-NrchlimlNM in folgenden Lokalen: 1. Abteilung: vdiglos 7estsslö, Schwedter Straße 23/24. 2. Abteilung: 3srolins-7e8tssle» Schönhauser Mee 23. 3. Abteilung: KonsertKsNeu Sfißmileh, Vornholmer Straße 7. 4. Abteilung: WUUes?estsäle, Brunnenftraße 188. 5. Abteilung: Kntnbolllt'Sä\e, Hussitenstraße 40. 6. Abteilung: Sochbrauerei, Abt. II, Chausseestraße 64. 7. Abteilung: Zfioabite? Gesellschaffshaus, Wiclefstraße 24. 8. Abteilung: Sftoabitev Bürgersäle, Beusselstraße 9. 9. Abteilung: TunUes QeseUschaftshaus, Triftstraße 41. 10. Abteilung:?haruS'Säle, Müllerstraße 142. 11. Abteilung: Keues Klubhaus, Schulstraße 29. 12. Abteilung: Trankes Testsäle, Badstraße 19. 13. Abteilung: Swinemünder QeseUschaftshaus, Swinemünder Straße 42. Tages- Ordnung: 1. Wahl der Delegierten zur Verbanös-Generalversammlung. 2. Vortrag. 3. Diskussion. 228,10» Referenten: Herrn. Borgmaim, Adolf Homnick, Karl Xletzscliold, Fritz Kauert, Karl Feld, Willielm Paetzel, Wilhelm Pieck, Oeorg Sciimidt, Max Sckütte, Albert Störmer, Daniel StAekleu, Gustav Nathow, Georg Fcko. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borftanb. Klüiivmüiierlftilülilgs-lwd KeMbnisvkrtm grioerblichtr Arbtiter zn Berlin. Sounavcild, de» 23. Juli 1910, abeuds S'/j Uhr: General• Versammlung in den„Zlrmiiihallcn", Kommandaiilcnsiraize 58/09. Tagesordnung: 1. Kassenbericht pro 2. Quartal 1910. 2. Vcrichiedcncs. Zahlreichen Besuch, auch Gäste, er. wartet 287/17 vor Tonsian«!. I. 91.: Friedrich Freudenreich �Vorsitzender. Witzinannstr. 89 IV. Achtung l Achtung! Teile dcni verehrten Publilum und Nachbarschast mit. dasj die Differenzen, die durch mein Verschulden in meiner Bäckerei entstanden waren, jetzt bei. gelegt siltd und von jetzt ab geregelte Zustande herrschen. Ich verpflichte mich, wie immer gute und schmack- basic Ware zu licsern und jetzt den Tarif einzuhalten. 2992b Achtungsvoll Marx, Bastianftrasze Lv. Große Einkaulsvorteile bietet 8 mein Sommer- äumungsverkauf Teppich- Spezialliaus 69" Emil Ufere Berlins. Seit i882 nur Oranienstr. iS8. Riesen: Teppich-Lager aller GröDcn und Qualitäten Sofa-GräBe a 5, 10, 15— 40 M. Salon-Größo a 15, 20, 30—150 M. Saal-GröBo a 45, 60, 75-800 M, Portieren, MSbelstoffe, Tischdecken, Gardinen, Stepp- u. TUllbettdecken. Spczial'Kalalofl ESO IbaiHügeg gratis d. Md. Schneiderei dir elegaate Herren-Hoden Fertig und nach Mass.— Garantie Ittr tadellosen Sitz uod beste Vorarbeitung. Auf MMW Woche IKh... LRurmers P.osentbaleislr.40 direkt am Ilacka- schcn Markt, im Laden u. 1. Etaa*. Verband der Sattler und Portefeuiller. — Orfsvcrwaltung Berlin.------------ Mittwoch» den 20. Juli, abends 8'/« Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenstrafle 58/59: General-Bersanimlung. TageS-Ordnung: 1. GelchäftlicheS. 2. Bericht und Abrechnung vom S. O.nartal 1010. 3. Bericht der Delegierten dcrVerlii»cr Ohne Mitglicdsbnch kein Zutritt.> Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 156/18_ vi« OrtBTcrwaltwng. Arbeiterbaugenossenschait„Paradies".« Berlin £• G. m. b. K. Donnerötag, den 28. Juli 1910, abendS 8 Uhr: $. ordentl. Gcneralveriammlung in den Riitcrsälcn. SW. Nitterslr. 75. Tages- Ordnung: 106/4 1. GeschästSSerlcht: Vorlegung der Bllanz nebst Gewinn» und Verlust« rechnuna. 2. Bericht der Revisoren und Genehmigung der Bilanz sowie Beschluß. tossung über die Verteilung des Gewinnes oder Verlustes 3. Neuwahlen dcS Vorstandes. 4. Ersatzwahlen zum 9lufsichtSrat. 5. Eventuelle Anträge der Genossen. 6. Verschiedenes. Genossen! ES ist Pflicht eines jeden, zu erscheinen I gBjr* Nur Mitglieder haben Zutritt. Die Bilanz nebst Gewinn- und Vertustrechnung sind in der Geschäfts- stelle Kotlbuser User 44 von 11—2 Uhr vorm., Sonnabend von 5—8 Uhr nachnf. einzusehen. Etwaige Anträge der Genossen müssen bis spätestens grutag, den 22. Juli, schriftlich beim Vorstand eingegangen sein. v«r Voi-stumg. ®. Doruer. ff. Wcruicke. P. Müller. Sozialdemokratischer Wahlverein �lR»U'lottc»bWCg. Dienstag, de» 10. Juli 1010, abends«'/, Uhr, im großen Saale des„VoIIrsdaiisvs", Rosinenstraße 3: Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: 250/9 1. Der prenhische BcrfassungSkampf. Referent: Ken. W. Slerfng. 2. DiSkuision. 3. Die Gencralverfammlung des KreifeS.(Anträge und Wahl der Dele- gierten zu derselben.) 4. PartewngelegenheUen. ES ist Pflicht eineS jeden Parteigenossen, zu dieser wichtigen Versamm- lung zu erscheinen. vor Vorstand. I. SL: A. Wllk. Deutscher Kürschner-Verband. Filiale Berlin. Bureau», ArbeiiSnachwciS: N0.43, Sarnimflc. 21. Telephon: Amt 7, Nr. 6789. Mittwoch, den SV. Juli, abendS präzise 8'/, Uhr, Gcocr'oI- Versammlusig im»Alten Tchutzenhans», Linienstr, 5. TageS-Ordnung: 1. l.l«IitI»lldervortrag dcS Genossen M. H. Baeget „Allgemeine EntwilteluiigSgeschlchte der Tiere». 2. Abrechnung vom S. O.uartal 1010. 3. Ersatzwahl des 2. SchristjührcrS. 4. Verschiedenes. Laut Beschluß der Mitgliederversammlung vom 15. Juni finden die Lichtbildervorträge am S0. Juli(Allgemeine Enttoickeluiigsgeschichte der Tiere), am 17. August(Die Abstnuitiiuiig deS Menschen), und am 14. September(Ursachen und treibende Kräfte der Entwictelung) statt. DaS Eintrittsgeld beträgt IS Pf. 102/12 Im Interesse deS hohen wissenschaftlichen Wertes, welchen diele Vor- träge haben, ersuchen wir um zahlreiches und pünktliches Erscheinen. vi« OrtsTcrwaltoog. « « IUI ■ Filiale Berlin f.- Tel.: Amt IV. 9737. Bureau: Scbastianstr, 37—38, H. r. II. Rixdorf! Montag, den 18. Juli er., abends 8'/, Uhr. bei Kockegei, Ncnterstr.62: OcflciKtMckc Aerssrnmlioig. Tagesordnung: 1. Die Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation. Rcscrcnt: Kollege Heitmann. 2. Diskussion. 3. Aussprache über die in Rixdors herrschenden Lohn- und Arbeilsverhnlttüssc. 163/9 _ Zahlreiche Beteiligung erwartet vi« Iloinznks«!«». ,'V-i—«"-'-kiaL ,.1- Zentrai-XrankenkasserLIapezierer (Filiale Berlin). Freitag, den 22. Juli, 1910, abeuds S'/s Uhr: Quartals- VersammiiingeM. ffiliale I: bei Me her, Oranienstr. 103. 177/9 ffilialp II:. bei Röwer. Elisabethkirchftr. 4t. Fikiale IQ:.GcwerlschastShouS-, Engeluser 15. Saal S. T a g e S- O r d n u il g: Kassenbericht dorn 2. Ouaital. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet I>ie Ortsvci'wnltun®, ■mm U ü Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer."WD Am Mittwoch, den SO. Juli. abendS 8 Uhr, finden in Berti» und deu Vororte» in den bekaiiule» Lokalen die Bezirks- Vers ammlnugen statt und ersuchen wir die Kollegen pünktlich in denselben zu erscheinen. 133/15» Die Obleute. Gleichzeitig werden die Kollegen, welche ihre Legitimationskarte in Ordnung haben, ersucht, ihr VcrbandSbuch zwecks Einllcbung der Schutz- marle nach dem Bureau zu besorgen. Auch machen wir ans das am Souunveud, deu 33. Juli. d. I.. in der Hasenheide bei KliemS flallfludende SQ. hitikt.nttgskest der Sektion der Pntzcp aufmerksam und bitten die Kollegen, recht zahlreich mit ihren Familien und Freunden daran tcilzuiichmen. Billetts sind bei sämtlichen Obleuten sowie Verlchrslokalcn und im Bureau zu haben. _ Die örtliche Verwaliuug. Vepwaltnng Berlin. Montag, den IS. Juli: WtgUeüer VorssmullungLN. Tag eSordnun g: 1. Bericht vom Berbandötage. 2. Bericht vou der General. Versammlung. 3. BerbandSangelegenheiten. 80/11 Tischler, Bezirk Südwesten, Um 5'/, Uhr(gleich»ach Feierabend) in Habels Brauerei, Berg« mannstr. 5—7. Klavierarhciter. AbendS 8'/, Uhr, im Lokal„Südost», Waldemarstr. 73. Bodenleger. Abends 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Elnggng ö. parterre, Zimmer 4. Kl steii und Koffermachcr. Um 8'/, Uhr, abendS in den„AndrcaS-ffestfäleu", AndreaSsir. 21. Korhmaeher. AbendS 8'/, Uhr, im Gcwerkschaftshausc, Engeluser 14/15, Saal 7. Di*. Strahl'«1 Ambulatorium s Operationslose Behand-' | Iting ohne BerufsstSrune| Sprechzelt: 10—12 und 3-5 Uhr, Sonntags nur Vorm. Prosp. gratis! Berlin N 24 Karow eine Station vor Buch Schönst. Villenorb, nll-*■ 12 M. an. 20 Pf. v. Stobt. BÖ,, 25 Min. Fahrt, 10 Pf. v.Pankow-Schönh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittslfaar am Bhf. Bebauungspl. genehmigt. Pläne gratis. Maß. Ana. u. langjähr. Hypotheken. Verkäufer ständig a. Bhf. Karow.* J. Rieger, Gontardslr. 5. ,Der olle Glassbrenner" Kehrgold, Gekrätze, Gummi, Watte. Güidiscd. 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M. 10 St 20 Pfg. Soeben erschienen: Arbeiter- Gesundheits- KMiotheK Btatt 84; Tie Hygiene der Arbeiter« wohnnng. Von Hugo Hillig, Hamburg. Ferner sind In der Sammlung er« schienen: Hest l. Die erste Hilfe bei U»> gliicköflille». Dr. Christeller. Hest 2. DaS erste Lebensjahr. Bon Dr. Siwerstew. Heft 3. Gesundheitspflege de» Nervensystems. Von Dr. Hirsch» last. Hest 4. Der Achtstuudeutag. von Dr. Zadel. Hest 5 Alkoholfrage u. Arbeiter» klaffe. Von Dr. gröblich. Hest 6. DaS Schulkind. Von Dr. EUberstein. Hest 7. Geschlechtsverkehr und Gefchlechtstraukheiteu. Von Dr. Sebert. Hest S. Nahrung«ud Ernährung. Von Dr. Chajes. Heft 3. Wie sollen wir unS kleiden? Von Dr. P. Bernstein. Hest lv. Der Arbeiterschuy. Bon Dr. M. Epstein. Hest 11. Frauenleiden und bereu verhiitung. Dr. I. Zadel ... Hest 12. Vom medizinischen Aberglauben. Dr. E. Thesina. Hest 13. DaS Wasierheil»«er» fahren in der GesundheitS» pflege des Arbeiters. Von Dr. E. Muni er. Hest 14. Verhütung«üb Heilung deSStotterns. Von Dr. L.Jordan. Hest Id. Geschlechtliche Erziehung in der Arbeiterfamilie. Bon Dr. I. Markus«. Hest IS. Zähne und Zahnpflege. Von Gertrud Rewald. Hest 17. va« und LebenStätig» keit deS menschlichen Körpers. Von Dr. Christeller. Hest IS. Der Geschlechtstrieb. Von Eduard Bernstein. Hest IS. Di« Krankenpflege im Haufe. Von Joh. Ranler-Mann» heim. Hest 20. Die Proletarier-Krank» heit. Von Dr. I. Zadel Hest 21. Atemgymnastik, von . Otto Rühle. Hest 22. Haut» und Haarpflege. Von Dr. EhajeS. Hest 23. Wie hüten wir«nS vor Herzcrkrankungen? Von Dr. Eugen Rehfisch. ------ Jedes Heft kostet 20 PI.----- i« besserer Ausstattung S0 Pf. kiMlllfjon des„Vorwärts" Berlin SW.• Lindenstr. 69 Laden. Schmerzlos gezogen! Fast gänzlich schmerzloses Zahnziehen 1.— M. Von uns endlich erreicht und zur größten Berühmtheit der Beform-Zahn-Prazis geworden. Beweis Hunderte von Dankschreiben. 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Bei der Wichtigkeit des Falles nicht nur für die Presse, sondern auch für die breiteste Oeffentlichkeit und für die Interessen von jugendlichen Angeklagten reichte der von dem Verbot Betroffene, Genosse Freier, gegen den Beschluß d«S Gerichts und gegen die Anordnung des Vorsitzenden ein. Diese Beschwerden haben vollen Erfolg gezeitigt. Die Be» schwerdekammer des Landgerichts III hat den erwähnten Beschluß des Lichtenberger Jugendgerichts als unzulässig aufgehoben. Der Präsident deS Landgerichts III hat den Berichterstatter� benach- richtigt,„daß er dem betreffenden Richter feine Ansicht dahin mit» geteilt habe, daß die von ihm der Verfügung des Herrn Kammer- gerichtsprasidenten— der Lichtenberger Richter sprach von einer Verfügung des Justizministers— gegebene Auslegung das Verbot deS Mitschreibens nicht ausreichend rechtfertigen könne. Ein solches Verboi könne nur dann gerechtfertigt erscheinen, wenn durch das Mitschreiben in irgend einer Weise die Ordnung der Verhandlung gestört werde". Der Landgerichtspräsident schreibt dann noch: „Aus diesem Hinweis hat der Richter entnehmen müssen, daß ich lsein Verbot, welches das Gericht sodann unzulässigerweise sich zu- eigcnmachte, für unzutreffend halte." Damit ist— dem Sinne des Gesetzes entsprechend— festgestellt, daß bei Gerichtsverhandlungen das Niederschreiben des Verhandlungsergebnisses nicht untersagt werden darf. Wir nehmen zugunsten des Lichtenberger Richters gern an, daß er im Interesse der Jugendlichen zu handeln glaubte. Das Gericht sollte aber wissen, daß insbesondere seitens der sozial- dmeokratischen Presse die Oefefntlichkeit nicht interessierende Details nicht mitgeteilt werden, und daß ein Berichterstatter auch ohne schriftliche Notizen in der Lage ist, zu referieren. Entmündigungsverfahren gegen Frau von Schönebeck-Weber. Der Erste Staatsanwalt bei dem Landgericht III hat das Entmündigungsverfahren wegen Geistesschwäche gegen Frau Weber bei dem Amtsgericht Charlottenburg beantragt. Das Attentat vor dem Reichsgericht wird voraussichtlich in einiger Zeit nochmals das Gericht be- schäftigen. Der Kaufmann Grosser aus Steglitz war bekanntlich von dem Schwurgericht Leipzig wegen des Revolverattentats vor dem Reichsgericht, durch welches der Rechnungsrat Mann getötet wovdcn war, wegen Totschlags zu zehn Jahren Gefängnis verur- teilt worden. Diese Strafe verbüßt Grosser zurzeit in der Straf- anstatt Hoheneck in Sachsen. Die Ehefrau des Verurteilten hat die Wiederaufnahme des Verfahrens in die Wege geleitet. Der An- trag stützt sich auf neue Beweismittel dafür, daß Grosser zur Zeit der Tat geisteskrank war. In der Verhandlung war bereits von zwei Sachverständigen begutachtet, daß der Mann zur Zeit der Tat geisteskrank war. Die Geschworenen folgten jedoch der ent- gegengesetzten Ansicht des Professors Flechsig. Das Muttermal deS Pfarrers. Vor dem Straubinger Landgericht mußte sich dieser Tage der Pfarrer Krassinger aus Ganaker bei Lindau an der Inn in Adams« kostüm präsentieren. Und das kam so. Die frühere Köchin deS Hochwürden hatte erzählt, daß sie außereheliche intimste Freuden durch die leibliche Fürsorge des Pfarrers genossen habe. Der Pfarrer klagte darauf wegen Verleumdung. Vor dem Schöffen- gericht beschwor der Pfarrer, nie mit der Köchin geschlechtlich der- kehrt zu haben. Die Köchin wurde darauf zu 6 Monaten Gefängnis und 166 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Köchin legte Berufung ein und führte zum Beweis der Wahrheit ihrer Behauptung an, der Pfarrer habe an emem unter normalen Verkehrsverhältnissen unzugänglichen Körperteil ein Muttermal. Der Pfarrer erklärte, er wisse nicht, ob er solchen Fleck an der bezeichneten Stelle habe. Der Verteidiger beantragte: Entkleidung des Pfarrers und ärztliche Untersuchung. Dem wurde trotz des Protestes des Pfarrers statt- gegeben. Die Beaugenscheinigung durch den Gerichtsarzt fand dann in Abwesenheit der Angeklagten statt. Und siehe da: Der Fleck war da. Der Pfarrer wollte nun glauben machen, daß die Köchin das Mal vielleicht— durch das Schlüsselloch bemerkt habe. Der Vor« sitzende machte ihn darauf aufmerksam, daß solcher Blick bis zu der Stelle des betreffenden Körperteils durch das Schlüsselloch un» möglich sei. Festgestellt wurden in der Verhandlung außerdem crnige Momente, die auf ein sehr trautes Verhältnis zwischen Pfarrer und Köchin schließen ließen. Der Staatsanwalt erklärte, daß nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme der Pfarrer deS Meineids dringend verdächtig sei. Das Gericht sprach die Angeklagte von der Anklage der Verleumdung frei, verurteilte sie aber wegen der durch die ErKhlung begangenen einfachen Beleidigung zu 20 Mark Geldstrafe. Die paradiesische Unschuld des Pfarrers dürste demnächst vor den Geschworenen zu erscheinen haben, wenn er eS nicht vorzieht, seinen Amtsbruder aus Kollmorgen in Amerika zu besuchen. Amtlicher Marktbericht der städtlichen MarNballeii-DlreMon über den Großhandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fletsch: Zutubr schwach, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend. Geichäst rege, Preise gut. G e s l ü g e l: Zusuhr reichlich, Geichäst lebhast, Preise gut. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäft ruhig, Preise etwas nachgebend. Butterund Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr ge» nügend, Geschäst lebhaft, Preise wenig verändert. •»tun Rtrltt UOM An der See? Gebirge Li« gtOttCtl Jedes Wort 10 Pfennig. Du erste Wort(tettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesucbe und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Duchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen f ANZEIGEN fOr die nächste Nummer werden In den Annahme« stellen für BerUn bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, in der ffaupt- Expedition. Llndenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. PsandleihhaiisKrebber. Küftriner- plah 7. spottbilliger Beltenvertaus. Gardinenocrkauj. Wäschevertauj, Ubrenverfaut. Dcckenverkaus, Schmuck- Iachen. Goidsachen, Silbersachen, ver- allcne Pfänder. Ljg2K Teppiche l(sebierhaste) in allen Größen, säst sür die Hülste deS Wertes Teppichiager Brünn, Hackescher Marti 4, Bahnbos Börse.(Leser deS »Vorwärts' erhalten S Prozent Rabalt.) Sonntags geöffnet!• Anzugstosfe, wegen Ausgabe UN- serer VertausSräume, Spottbillig. Meter 3, 4, 5 Mark, Pale iv fstosse, Meter S. 6, 7 Mark, Hosenstpsfe, Meter S, 4, 5 Mark, Damentuche, Meter 1,SS, 2, so Mark. Reste spottbillig. Koch u. 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