Nr. 175. Abonnements-Bedingungen: ÄBonncmcntä. PrciZ pränunikranda t SietlcIjäOtL 330 SRI, monatl. 1,10 Mr., tootfiontlicO 2» Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Eomuagz- nummer mil illustiierlcr Tönnings. Beilage„Die Neue Well" 10 Pm. Post. Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Einpcrragcn in die Post-ZeitungS- Preiolislc. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonneinenls nehmen an: Belgien, Diinemarl, Holland, Italien. Luxemburg, Portugal. Zimnänien, Schweden und die Schweiz. S7. Jahrg. vlditliit tZglich außer lüontagt. Vevltnev Volksblnkt. Sie Tnlcrfions-Gebüiir velrSgt sür die sechsgcspallene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Psg., sür politische und gewcrlschaftliche Vereins- und VersamnilungS-Anzeigen 30 Pig. „Alelne Snreigen". das erste ssett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf. stcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geössnct. Telegramm- Adresse: „SKlallUinoßrat Berlin14. Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deiitfchlands. \ ea Redaktion: 803. 68, Lindenatraose 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Freitag, den 39. Juli 1910. Expedition: 8Al. 68, Lindenstraaö« 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981» Zur Lage im iWrbergbau. Aus dem Ruhrbccken wird uns geschrieben: Unter obiger Ueberschrift erschien am 20. Juli im„Vorwärts" ein Artikel, der nicht nur Beachtung in inzwischen stattgefundenen Berg- arbeiterversammlungen gefunden hat und in der Presse lebhaft kommentiert wurde, sondern der auch den Z e ch e n v e r- band mit einer vom„Vorwärts" bereits wiedergegebenen Berichtigung auf den Plan rief, die leugnete, daß der Arbeits- Nachweis für den rheinisch- westfälischen Steinkohlenbergbau sogenannte„schwarze Listen" führe und daß Arbeiter dauernd ausgesperrt werden. Daß wir es gleich sagen: trotz der„Berichtigung" halten wir an unserer Darstellung, daß im rheinisch- westfälischen Steinkohlenbergbau„schwarze Listen" geführt werden, fest l Es ist noch gar nicht lange her, da besuchte Schreiber dieses Artikels mit einigen deutschen und ausländischen Herren eine Filiale des Arbeits- Nachweises für den rheinisch- westfälischen Bergbau. Manches, was wir sahen und hörten, war interessant. Und daß wir uns auch nach den„schwarzen Listen" erkundigten, war selbstverständlich. In Maschinenschrift hergestellt und vervielfältigt, wies diese Liste etwa zwanzig Namen auf. In- zwischen dürfte sie umfangreicher geworden sein. Die Träger der in der Liste vorhandenen Namen sind dauernd aus- gesperrt. So ist uns auf dem Bureau gesagt worden. Und wir wüßten auch nicht, welchen Zweck sonst die Anlegung dieser besonderen Liste haben könnte. Also ist eS mit der „Berichtigung" nichts. Und auch die„Nheinisch-Westfälische Zeitung", die gleichfalls wegen der obigen Feststellung voller Wut über uns herfällt. muß mit ihrer kirnst- Itch zur Schau getragenen Erregung wohl einpacken. Machen wir unS die Worte des Zechenorgans zu eigen, so kennzeichnet der Absweitungsversuch ganz den Charakter dieses literarischen Zechcnhüters. Doch noch einiges andere zu den Auslassungen der „Rheinisch-Westfälischen Zeitung" über den„Vorwärts".Artirel. DaS Blatt erklärt unsere Mitteilungen über die schlechten Löhne, die rigorose Behandlung der Bergarbeiter usw. alL Phrasen. Es dürfte dem„Vorwärts" schwieriger werden— meint das Blatt— derartige Behauptungen zu belegen, als sie leichten Herzens auszusprechen. Wir werden die dreiste Stirn des Zechcnorgans bewundern können, wenn wir uns die Lohntabellen ansehen. Nur ein paar Zahlen hieraus. Es verdienten die eigentlichen(gelernten) Bergarbeiter: 1907 1871 M. Ivos 1766 M. 1909 1829 M. Das ist ein Lohnriickgang feit 1907 von 316 Mark!! i Dieser Lohnrückgang zeigt den Wert der Auslassungen des Zechenorgans. Man kann ihm nachfühlen, weshalb es weitere krampfhafte Anstrengungen macht, den Verdacht der An- stiftung eines Streiks von den Grubenbesitzern ab- zuwälzen. Die obigen Lohnzahlen und die heutige geradezu unerhörte Behandlung der Bergarbeiter auf den Zechen strafen es Lügen. Jawohl, wir behaupten: Nichts wäre den Werks- besitzern zurzeit lieber, als ein Streik I Sonst würden sie ihre Arbeiter menschlicher behandeln, als es jetzt auf den Gruben geschieht. Wir leben unter den Bergarbeitern und hören, was sie in Versammlungen, wie in privaten Gesprächen sagen; wir lesen ihre Klagen in der Arbeiterpresse. Daher nehmen wir uns das Recht zu schreiben, was i st! Nun klammert sich das Zechenorgan noch an eine Stelle dos„Vorwärts"-Artirels, wo es heißt: Bisher haben im Riihrbecken die Führer der Bergarbeiter noch keinen Streik gemaciit, dieser kam bis jetzt nocki immer wie die Windsbraut in der Nacht, von— unten herauf I Ist der Druck zu stark, dann gibt eS kein Halten mehr, dann schlägt die Flamme der Empörung über alle Bergarbeiter, ohne Unterschied der Partei, der Religion und der Rasse." DaS Zechonorgan sucht nun auf Grund dieser Aus- lassungen festzustellen, daß die Führer der Bergarbeiter nicht genügend Autorität besitzen, einen Ausstand zu vcr- hindern, und dainit natürlich auch nicht, ihn zu beenden. Wenn das der Fall ist, meint das Zechcnorgan weiter, werden sich allerdings die Arbeitgeber noch ernstlicher überlegen müssen, ob sie in den Führern die Vertreter der Zjrbeiter sehen wollen. Man vergleiche das Zitat mit dem, was das Fachorgan dazu zu erklären hat. Bisher hat freilich das Organ alles getan, um nach außen hin den Anschein zu erwecken, als ob die Arbeiterführer die Bergarbeiter in die Streiks hincingchetzt hätten. Wir konstatieren lediglich die Tatsache, daß das bisher im Ruhrbeckcn noch nie der Fall war. Bis zum Ueberlauscn voll mußte das Maß sein. dann erst haben die Ruhrbergarbeiter zum letzten Mittel gegriffen. Die Streikhetzer waren diejenigen, die die Berg- arbeiter bis aufs Blut peinigten, ihren Klagen mit Spott und Hohn begegneten, sie keiner Beachtung würdigten. Nicht die Berga rbciterführer haben die Berg- arbeiter im Ruhrbeckcn bisher in die Streiks gehetzt, sondern die vom übermütigsten Hecrenmenschentum beseelten rheinisch-west- fälischenGrubenbarone und ihreimmer will- fährigen Trabanten! Die Arbeiterführer haben noch stets alles versucht, um die Streiks, wenn sie ausgebrochen waren, zu einem möglichst guten Ende zu führen. Es braucht nur auf den großen Berg- arbeiterstreik von 1905 hingewiesen werden, auf seinen Verlauf und sein Ende, um dem Zechcnorgan auch den letzten Einwand zu nehmen, als hätten in schwerer Zeit die Berg- arbeiterführer nicht die genügende Autorität gehabt, den Bergleuten zwischen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten wählen zu lassen. Vergleichen wir die Auslassungen der„Rheinisch-West- fälischen Zeitung" mit Darlegungen der von den Grubenbesitzern gefütterten„Kaspareckschcn Korrespondenz", dann will es uns scheinen, als drücke die Herr- schaffen das Schuldbewußtsein für kommende Dinge. Daß die Arbeiterführer nicht vor der Verantwortung zurück- schrecken, das beweisen genug Vorkommnisse nicht nur inner- halb, sondern auch außerhalb der Bergarbeiterbewegung. Kein Verantwortungsgefühl und keine vernünftige Begründung aber haben für ihre Handlungsweise jene Leute, die in unserer heutigen Zeit das Recht des Herrenmenschentums pro- klamiercn. Nun aber hat der„VorwärtS"-Artikel vom 20. Juli Füchse aus dem Bau gelockt, die durch ihre tollen Kapriolen ihre Verlegenheit verraten. Es sind das die christlichen Gc- werkvercinsführer und sonstige Zcntrumsschlaumcier, die durch den„Vorwärts">Artikel aufgescheucht, in der Presse wie in Versammlungen Bekenntnisse ablegen, die wichtig genug sind. auch an dieser Stelle erörtert zu werden. Es ist der Zcntrumsgesellschaft unangenehm gewesen, daß wir das Zusammen gehen deSGe Werkvereins mit den Zechen für die kommenden Wahlen feststellten. Zu widerlegen gibt es hier nichts. Die„Kölnische Volksztg." (Nr. 621 vom 25. Juli 1910) spricht eS auch aus, daß dem Bergarbeiterverband auch aus politischen Rücksichten bei den Aeltestenwahlen eine Schlappe beigebracht werden müsse. Der Bergarbeiterverband sei die beste Stütze der sozialdemokratischen Agitation im Rührrevier. Ein Schlag, der ihn treffe. treffe auch die Partei! Und da der Verband infolge seiner Stärke sehr wohl in der Lage ist, den christlichen Gewerkverein, der politisch für die bürgerlichen Parteien von großem Nutzen ist, eine Schlappe zu bereiten, ist es not- wendig, daß die Richtsozialdemokratcn dem GeWerk- verein beistehen l Und dann heißt es am Schluß des Artikels in der„K. V.": Bisher hat es der Gewerkvcrein christlicher Bergarbeiter verstanden, der manchmal alle Dämme durchbrechenden Flut der Sozialdemokratie Widerstand zu leisten! I Er hat deshalb auf die Hilfe aller der- je n igen, welche nicht wollen, daß die Bergarbeiterschaft der Sozialdemokratie völlig überantwortet wird, berechtigten Anspruch!!! So das führende Zentrumsorgan am Rhein, das vorher noch um Entschuldigung bittet, wenn der christliche Gewerkvcrein früher nicht immer eine solche Haltung eingenommen habe, die den Bundesgenossen des Geiverkvereius sür die kommenden Aeltestenwahlen gefiel! Wahrlich, mehr kann man auf ein- mal über den christlichen Gcwerkverein nicht offenbaren. Dieser Artikel der„K. V." bestätigt genau, was wir im „Vorwärts" geschrieben haben. Es wird zum Sammeln gegen den Bergarbeiterverband geblasen, damit in entscheidenden Momenten in politischer Beziehung die bürgerlichen Parteien und in»virtschastlicher Beziehung auch die Zechen aus ihre Rechnung kommen! Darum das Anflehen um Wahlhilfe! Aber es kann nicht oft genug betont werden: Werden Bergarbeiter verband bekämpft, der bekämpft zugleich die Wirt- schaftlichen Forderungen der Bergarbeiter, der sucht die Bergarbeiter im Kampf um diese wirtschaftlichen Forderungen kämpf- u n f ä h i g z u m a ch e n I Es ist nur gut. daß die schwarze Heuchlergesellschaft sich immer mehr als das entpuppt, was sie ist. Nun hat sich auch der bekannte KriegSffompetcr der christ- lichen Gcwcrkvereins, Herr Effert, in öffentlichen Berg- arbeiterversammlungen über den„Vorwärts"artikel ausgesprochen. Er nennt diesen Artikel eine„Programmatische Kundgebung" des Vorstandes des Bcrgarbeitcrverbandcs, was sie nicht ist I Doch das nur nebenbei. Herr Effert erklärte in einer Gelscnkirchcner Versammlung am vergangenen Sonn- tag, daß der Bcrgarbeiterverband nach dem„Vorwärts"artirel einen Streik einzuleiten gedenkt, wobei der Gewerk- verein in Trümmer gehen solle! Es soll das ein Streik gegen den christlichen Gewerkvcrein sein. W 0 steht das im„Vorwärts"- Artikel? Auf diese Frage dürfte uns Herr Effert die Antwort doch wohl schuldig bleiben. Wir haben im„Vorwärts" anschließend an das weiter oben angeführte Zitat geschrieben:„Das gute dabei ist, daß in solchen Zeiten(im eventuellen Streik) alle Kalku» lationen chnstlichcr Gewerkschaftsführer über den Haufen geworfen werden. Diese Führer haben sich dann zu bc- quemcn. den Haß gegen die übrigen Verbände vor- läufig zurückzustellen und die Sympathien für die Zechen nicht zum Ausdruck zu bringen." Wo ist von Zertrümmerung die Rede? Schaden könnte hier die christliche Gewerkschaft nur bei einem Streik haben, wenn sie ihre Zersplitterungstätigkeit fortsetzt und ihrem Haß gegen den Verband freien Lauf ließ. Aber ist der Streik so, daß auch die Geiverkvcreinsmitglicder hinein- gerissen werden, dann würde es auch kein christlicher Agitator wagen dürfen, seinem innerlichen Haß gegen die übrigen Verbände Ausdruck zu verleihen. Er würde von der Redner- tribüne geholt werden von den eigenen Gewerkvereins- Mitgliedern, die heute in Zahlstellenversammlungen durch Reden und Herbeiführung von Beschlüssen die Bcschimpfungs- taktik des christlichen Gewerkvercins verurteilen! Am vergangenen Sonntag erlebten wir, daß selbst zwei Bezirksleiter des christlichen Geiverkvereius zum großen Entsetzen des an- wesenden Zentrallcitungsmitgliedes Steeger erklärten, daß es unwürdig sei, wenn die Verbände angesichts der traurigen Verhältnisse im Bergbau sich nicht zum gcineinsamen Kampf zusammenfänden! Weltauschaunngsfragen dürften in Wirtschaft- lichen Fragen die Bergarbeiter nicht trennen!! I In einer anderen Versammlung erklärte ein bekannter Geiverkvercinsältester, er würde austreten, wenn sich herausstellte, daß der Gewerkvcrein irgendwo mit den Zechen ein Bündnis eingehe! Die Zahl- stelle des christlichen Gewerkvereins Ludivigstal erklärt, austreten zu»vollen, wenn nicht die Gcwcrkvereinsleitung bald den Frieden mit dem Bergarbeitcrverband anbahne l So denken weite Gewerkvercinskreise. Käme es zum Streik, dann würde sich das Zugchörigkeitsgefühl als Klassengenossen genau so bekunden, wie 1905 beim großen Bergarbeiterstreik. Bringe ein kommender Streik— so schrieben wir. weiter im„Vorwärts"— nicht die Erfolge, die die Bergarbeiter von ihm erhoffen, dann würde ihnen-die Erkenntnis aufgehen, daß mit dem I n d i f f e r e n t i s m u s der Bergarbeiter- »nassen besser ausgeräumt werden»nüsse als bisher und gleichzeitig auch»nit der Zersplitterungstätigkeit christlicher Deinagogen. Das heißt doch nichts anderes, als daß in Friedenszeiten die Verbände sich nicht»vie Hund und Katze gegenüberstehen dürfen, sondern daß sie in bergmännischen Fragen zusammenhalten und g e m e i n s ch a s t- l i ch für die weiteren Kämpfe besser rüsten müssen, als es geschehen ist. Das ist im„Vorivärts"-Artikel zum A..S- druck gebracht worden. Wenn die christlichen Führer das als„eine Zertrümmerung deL christlichen Geiverkvereins" be- trachten, so zeigt das nur.»vie schlecht es mit ihrem Ge- >v i s s e n bestellt ist. Ferner, daß diese Führer ein Zusammen- arbeiten der Verbände nicht»vollen und»vohl auch nicht wollen dürfen. Christliche Gewerkvcreinsführer haben ja d i e Geschäfte zu besorgen,»vie sie die„Kölnische Volkszeitung" in sehr deutlicher Weise offen- b a r t I Es ist nur gut, daß hier ein Widerspruch klafft zwischen dem Wollen der christlich-zentrümlichen Draht- zieher und den wirtschaftlichen und persönlichen Empfindungen »veitcr Kreise der christlichen Arbeiter! Herr Effert erklärte»veiter, daß für den Gewcrkvcrcin kein Anlaß vorgelegen hätte, den E x t r a b e i t r a g zu er- heben. Wenn der alte Verband mit dem Streik komm? (»velche Verdrehung l), dann»verde der Ge>verkverein schon mit der richtigen Antlvort nicht zurückhalten. Diese Aus- führungen bestätigen alles,»vas wir über die Haltung der Gcwerkvercinsleitung in der Frage der Extrabeiträge uns in der Frage des Arbeitsnachlvciscs geschrieben haben. Effert jammerte, daß im Dortmunder Revier 1905 die christlichen Bergarbeiter dem T e r r 0 r i s m u s der Verbändler erlegen waren, daß sie durch den Terror zum Streik gezlvungen worden seien. Diese Ausführungen Efferts sind ebenso neu, wie sie u n>v a h r sind, aber sie sind zu verstehen, wenn man die gegenwärtige Situation im Ruhr- bcrgbau kennt! Daß es gerade Herr Effert ist, der so wütend über den „Vor>värts"-Artikel herfällt, das ist das bemerkenswerteste dabei. Derselbe Herr Effert, der mit Posaunen und Trompeten unter fürchterlichen Drohungen Streiks nnd General st reiks angedroht hatte, wo ihm auch nur etwas nicht in den Kram paßte I Nach Effert sollte der Streik um den Arbeitsnachlveis noch vor dem kommenden Reichstagsivahlkainpf geführt werden, da die Bergarbeiter die Zeit schlau ausnützen müßten! Effert ging noch»veitcr: .Der Schlag soll so vollständig geführt werden, daß das gesamte Gewerbe, die ganzeJndustrie lahm- ?elegt werde! Mit den Arbeiterverbändeu der übrigen Länder ollen unter der Hand Verhandlungen angeknüpft werden, damit sie nicht allein mehr finanzielle Unterstützungen gewähren, sondern auch gegebenen Falls die Ausfuhr von Kohlen nach Deutschland zu verhindern suchen." Ein katholisches Organ bekam ob dieser grandiosen Aus- lassungcn Efferts Schreikrämpfe. Effert wolle den Wcltbrand entfachen, ein wirtschaftliches Chaos herbeiführen, die An- archie und�die Revolution! Das katholische Organ bezichtigte den christlichen Bcrgarbeitcrführer des Landesverrats, da er mit englischem Gold und englischem Beistand den Untergang des Deutschen Reiches und die Vernichtung der deutschen In- dustrie herbeiführen wolle! Wir sehen. Herr Effert ist ganz dazu berufen. den rheinisch-westfälischen Grubenherren jetzt die Friedensschalmeien vorzublasen I Die ftablreform als Oablhoder. Die„Berliner Pol. Nachr." schreiben anscheinend offiziös: „Zu den Erörterungen der Presse über die Wahlreforoi ist zu bemerken, daß, wie oies ja auch nach den Erklärungen des Ministerpräsidenten bei Einbringung der Wahlrechts- Vorlage im Abgcordnetenhause nicht zweifelhaft sein konnte, die SraatSrcgierung die Durchführung der Königlichen Willens»- Meinung in der Thronrede von 1908 nicht mit dem ersten vcr- geblichen Versuche als erledigt ansieht. Man hat mit unbe- dingtcr Sicherheit vielmehr damit zu rechnen, daß der Landtag noch in der laufenden Legrslaturperiode aber- mals mit der Frage der Wahllreform llsefa�t werden wird. Was aber die Frage anlangt, welche der drei Tagungen dieses Gesctzgebungsabschnittes zur Er- lcdigung der gesetzgeberischen Aufgabe gewählt werden soll, so ist dies eine Frage reiner Zweckmäßigkeit. Daß dabei auch die bevorstehenden Neuwahlen zum Reichs- tage eine beträchtliche Rolle spielen werden, liegt auf der Hand. Man wird auch ohne weiteres anerkennen müssen, daß die Gründe, die in der Presse für die Verschiebung der Er- Neuerung des Versuches zur Lösung des Wahlrechtsproblems bis nach den Rcichstagswahlen angegeben werden, von erheblichem Gewicht sind. Denn für die Wahl des Zeitpunktes, zu welchem der Landtag wiederum mit der Wahlreform zu befassen ist, kommt es doch wesentlich auch darauf an, daß die A u s s i ch t e n a u f ein positives Ergebnis sich möglichst günstig gestalten. In dieser Beziehung aber ist es sicher von erheblichem Einfluß, wie durch das Ergebnis der nächsten ReichStagswahlen sich die allgemeine politische Lage gestaltet. Man wird daher sicher in der Annahme nicht fehlgehen daß zurzeit die Gründe für die Verabschiedung der Wahlreform auf eine spätere Zeit noch überwiegen." Hier wird also aberinals beteuert, daß noch in der laufen- den Legislaturperiode dem preußischen Landtag von der Re- gierung eine neue Wahlrechtsvorlage präsentiert werden solle. Nur werde sie wahrscheinlich erst nach den Reichstagsneu- Wahlen den beiden Häusern zugehen. Begründet wird diese Hinausschiebung der Vorlage mit der Rücksichtnahme auf ein positives Ergebnis. Denn von dem Ergebnis der nächsten Reichstagswahlcn hänge wesentlich die Gestaltung der politischen Lage ab. Die Verschiebung der Vorlage hat in der Tat vom Standpunkt der Regierung und der reaktionären Parteien «us manches für sich. Denn käme man vor den Wahlen mit einem neuen Wechselbalg, so würde das die Situation der »ftaatserhaltendcn" Parteien nur noch mehr verschlechtern. Außerdem wäre es ja nicht unmöglich, daß dann im Landtag t»on neuem die schäbigen Eifersüchteleien und giftigen In- trigen zwischen blauschwarzem Block und den sogenannten »Mittelparteien", den Freikonservativen und National- liberalen, ausbrächen, daß sich also gerade die Parteien « n t � w e i t e n, die Bethmann Hollweg für die S a m m e l- Politik der Wahlen so gerne vereinigen möchte! Deshalb will man sich also mit dem Versprechen der Wahlreform begnügen. Ein solches Versprechen ist zwar blut- wenig— zumal nach d e in Versuch der Einlösung der Thron- rede, den wir eben erst schaudernd erlebt haben— aber er ist doch immerhin besser als gar nichts. Denn wenn auch die empörten Volksmassen durch die erneute Verheißung der Wahlresorm natürlich nicht zu düpieren sind, so werden wahrscheinlich um so leichter die Nationalliberalen auf diesen Köder anbeißen. Schon jetzt ist ja der einflußreichste Teil der Nationalliberalen bereit, einem Wahlgroßblock gegen die Sozialdemokraten bei- zutreten. Herr v. Bethmann Hollweg braucht der Partei Drehscheibe nur noch einige Wahlrechtszusicherungen zu machen, die in der Richtung der Herrenhausbeschlüsse liegen, um sie völlig für seine Sammelpolitik einzufangenl fürst zu Solms-föarutl) gegen das öffentliche Interesse. Seit einigen Jahren liegen die Einwohner der Gemeinde Friedrichshos bei Barnth mit dem Fürsten zu SolmS-Baruth in cmem Rechtsstreit, welcher einen geradezu klassischen Beitrag zur preußischen Polizei- und Verwaltungspraxis liefert. Die Tatsachen, welche diesem Streitfalle zugrunde liegen, zeugen mit unverkem, barer Deutlichkeit, wie die preußische Verwaltungsmaschinerie im privaten Interesse eines Junkers in Bewegung gesetzt werden kann. Der Fürst zu SolmS-Baruth umgab sein Waldgebiet im Jahre IVOS mit einem Wildzaun. Durch den Wald führen mehrere Land- straßen. welche die umliegenden Ortschaften miteinander verbinden. Hätte der Fürst den Zaun längs der Straßen errichtet, so würde das erheblich höhere Kosten verursacht haben,«IS wenn er ihn quer über die öffentliche» Verkehrswege zog. DaS ist zwar nicht gestattet, aber wenn man ein durchlauchtiger Fürst ist, findet man schon die Mittel, um etwas durchzusetzen. waS gewöhnlichen � Staatsbürgern nicht erlaubt ist. Wenn Fürst Bismarck logar die Klinke der Gesetzgebung in seinem privaten Interesse handhabte, warum sollte Fürst zu Solms nicht die Klinke polizeilicher Verfügungen zu seinen Gunsten in Bewegung setzen? Der Fürst beantragte also bei dem stellvertretenden Amtsvorsteher v. Lochow in PetkuS, eine Verfügung zu erlassen, wonach dem Fürsten gestattet wird, den Wildzaun quer über die Straßen zu führen und an der Ueberführungsstelle ein Tor anzubringen, welches von den Passanten zu öffnen und zu schließen ist. Der stell- vertretende Amtsvorsteher— er ist ja auch ein Junker!— erließ die Verfügung unter Berufung aus seine wegepolizeilichen Befug« nisse. Die öffentlichen Verkehrswege wurden also durch d i e fürstlich em Gittertore gesperrt und der Amtsvorsteher ließ an jedem Tor eine Bekannt« machung anbringen, die jeden, der das Tor nach dem Passieren nicht lvieder schließt, mit einer Geldstrafe bis 30 M. bedroht. Die Einwohner von Friedrichshof waren begreiflicherweise sehr ungehalten über das Verkehrshindernis, welches der Fürst mit polizeilicher Erlaubnis auf die dem öffentlichen Verkehr dienenden Wege hingepflanzt hatte. Zunächst beschritte» sie gegen die Ver- fiiguiig des Amlsvorstehecs den Beschwerdeweg. Der Landrat, der Regierungspräsident und der Mini st er wiesen die Beschwerdeführer ab. Die Ver» fügung des Amtsvorstehers— lo hieß eS— sei im Verkehrspolizei- lichen Interesse erlassen und bestehe zu Recht.— Die Sperrung der Wege durch fürstliche Gittertore war also von höchster Stelle sanktioniert. Die Friedrichshofer sagten sich: Wenn der Fürst schon die Wege sperren darf, dann mag er Wärter anstellen. welche die Tore den Passanten öffnen und schließen. Wir sind nicht des Fürsten Diener und haben keine Veranlassung, seine Tore zu schließen, um so weniger, da das Oeffnen und Schließen der Tore für Wagenführer sehr umständlich ist.— Man ließ also hinter sich das Tor offen. Die Landleute, welche so gegen die Verfügung des AmtSvorsteherS gefrevelt hatten, wurden vom Schöffengericht Baruth— dem Sitze des Fürsten I— wirklich zu Strafe verurteilt. Die Strafkammer in Potsdam hat aber diese Urteile— eS war schon im Jahre 1903 — aufgehoben und die Angeklagten freigesprochen mit der verständigen Begründung: Die Wegepolizei hat den Interessen des öffentlichen Verkehrs Genüge zu tun. Hier handelt es sich um eine Maßnahme, welche den öffentlichen Verkehr hemmt, die polizeiliche Verfügung ist demnach ungesetzlich und ihre Uebertretung nicht strafbar. Trotz dieses Gerichtsurteils wurde weder die Verfügung des Amtsvorstehers aufgehoben noch die Gittertore des Fürsten zu Solms- Baruth beseitigt.— Nun versuchten eS die Einwohner von Friedrichshof mit einer Privatklage gegen den Fürsten. Sie beantragten, ihn zur Entfernung der Gittertore zu verurteilen, da die Vennögensinteressen der Grundbesitzer in Friedrichshof durch die Sperrung der Wege Schaden litten. Beim Landgericht Potsdam er- st ritten die Kläger ein obsiegendes Urteil. Der Fürst wandte sich an daS Kammergericht, erschien aber nicht zur Verhandlung. ließ sich auch nicht vertreten, denn er stellte sich auf den Standpunkt: In dieser Angelegenheit haben die Gerichte nicht mitzusprechen.— Dieser echt junkerliche Standpunkt machte aber auf daS Kammergericht keinen Eindruck. Es fällte gegen den Fürsten ein Versäumnisurteil. Hier- gegen erhob der Fürst Einspruch. Ehe eS zur mündlichen Verhandlung über den Einspruch kam, faßte die Königliche Re- gierung zu Potsdam einen Plenarbeschluß, welcher den Rechtsweg in dieser Angelegenheit als un- zulässig erklärte. Die Regierung erhob den Kompetenz- k o n f l i k t und der Kompetenzgerichtshof erklärte denselben am 17. April 1909 für begründet, da sich die Klage gegen eine polizeiliche Verfügung richte. Ein vom Kompetenzgerichtshof ein- gefordertes Gutachten des Kammergerichts sagt dagegen, die Klage richte sich nicht gegen die polizeiliche Verfügung, sondern auf Be- seitigung der Gittertore. Der Kompetenzgerichtshof aber schob dies Gutachten einfach beiseite und erklärte, wie gesagt, den Rechtsweg für ausgeschlossen. In der Tat, ein klassisches Beispiel preußischer Zustände. Die Gerichte, selbst daS Kammergericht, geben den klagenden Land« leuten recht und verurteilen den Fürsten. Die Regierung aber greift zu dessen Gunsten ein und sagt: Hier haben nicht die Gerichte zu sprechen, sondern nur die Polizei. Diese hat. wie wir gesehen haben,»im öffentlichen Interesse' eine Verfügung erlassen, die in Wirklichkeit nur den privaten Jnter- essen deS Fürsten dient. Dagegen ist nun in Preußen nichts zu macheu. Lrinnerungen aus der Ziit des Sozialiftengefetzes. In Altona ist vor einigen Tagen der Polizeikommissar Engel gestorben. Engel ist vielen älteren Genossen bekannt nxgcn seiner Tätigkeit bei der Jagd auf rotes Edelwild unter dem Sozialisten- gesetze. Das„Hamburger Echo" erzählt nun aus der da- maligen Zeit einige Episoden, um daran zu zeigen, tvaS tatsächlich an der von der bürgerlichen Presse in den letzten Tagen gerühmten Findigkeit des Verstorbenen Wahres war. Das„Hamburger Echo" schreibt: „Am 4. August 1886 wurden in einer Wirtschaft in der Tal- straße, St. Pauli, acht Genossen„ausgehoben", wie der technische Ausdruck lautet. Altonaer und Hamburger Polizeibeamten teilten sich in die Lorbeeren des Erfolges über die Roten. Unter den Polizisten war natürlich auch der berühmte Kommissar Engel. Auf die Aushebung folgte der damals obligate Geheimbundsprozeß, in diesem Fall unter dem Aktenvermerk„Saß und Genossen. Der Prozeß endigte mit der Verurteilung der acht Sozialdemokraten zu je einem Jahr Gefängnis, ohne Anrechnung der ein- monatigen Untersuchungshaft. Aber so war es ja damals Brauch, und insofern hatte die Geschichte nichts Besonderes. DaS gab ihr erst der Polizci-Engel. Genosse Saß hatte eben vor der Verhaftung alle Vorberei- jungen zur Heirat getroffen, und er setzte eS auch durch, daß er als Untersuchungsgefangener die Ehe schließen konnte; ein Ge- fängnisaufseher begleitete ihn nach dem Standesamt und wieder zurück in die stille Klause. Während nun Saß in Glückstadt seine Strafe„verbüßte", erkrankte im Februar 1887 seilte junge Frau und starb nach kurzer Zeit. Ein Antrag des Genossen Saß, ihn zum Besuch sciuer schwerkranken Frau auf ein paar Tage zu bc- Urlaube, i, wurde abgelehnt. Ein weiterer Antrag des Gefangenen auf Urlaub zur Beerdigung seiner Frau wurde ebenfalls abgelehnt. Diese Bescheids wurden unserem schwergeprüften Genossen durch den Gefängnisdirektor in Glückstadt mitgeteilt. Darin war ent. halten, daß das Gesuch zur Begutachtung gn den Altonger Pplizei- kommissar Engel gegeben wurde, der seine Begutachtung dahin abgab: Saß habe gewußt, als er aus dem Gefängnis heranS heiratete, daß feine Frau schwer krank war, und er rechnete wohl damit, daß sie während einer längeren Gefängnishaft ihres Mannes sterben würde. Diesen Tod wollte er benuben, um aus dem Gefängnis Urlaub zu erhalten und dann zu entfliehen. Das war Satz zuviel. Er brach zusammen und kam nach einiger Zeit wieder zu seinen Leidensgefährten auf die Station, wo er chluchzend diesen Schurkenstreich erzählte mit dem Bemerken,„der Gefängnisdirekwr habe ihm sein Bedauern ausgesprochen, ihm keinen Urlaub geben zu können, und das übrige der Engelschen Begutachtung wolle er ihm lieber nicht mitteilen". Es war auch so schon gerade genug für unseren Genossen! Der Tag, an dem ihm Ziese Mitteilung wurde, war ein Sonntag, wo also nicht gearbeitet wurde. Der Genosse Saß knickte, nachdem er daS erzählt hatte. auf seinem Bock zusammen und legte sich mit Armen and Kopf auf den Tisch. Das war Mittags. Als es Abend war und die Glocke im GefängniShof zum Vorbereiten für das Zubettgehen geläutet wurde, da erst kam unser Genosse wieder hoch. Die anderen sieben Genossen, die alle an einem Tische saßen, haben an diesem Sonntag kein laute» Wort zu sprechen gewagt, und so wie sie den ganzen Tag schweigend am Tisch gesessen haben, ebenso schweigend gingen ie zu Bett; während sonst die Abwesenheit des Aufsehers und die Möglichkeit, sich ungeniert unterhalten zu dürfen, die Gefangenen noch einige Stunden nxlch erhielt, herrschte tiefe Stille. An dem Tage sprach keiner mehr ein Wort. Aber bis heute, nach 23 Jahren, ist dieser Schurkenstreich Engels oftmals von denen, die den Schmerz unseres Genossen miterlebten, erzählt worden; dem Urheber dieses Schandstücks müssen oft die Ohren geklungen haben. Unser Genosse Saß hat kurz nach der Entlassung aus dem Gefängnis, am 17. November 1887, den Staub Deutschlands von einen Pantoffeln geschüttelt und lebt jetzt in Toledo im Staate Ohio(Nordamerika)." Das„Hamburger Echo" erzählt dann einen zweiten Vorgang, wo es der Polizcikommissar Engel wohl fertig brachte, dem Genossen August Kückelhahn zu der unerhört hohen Strafe von drei Jahren echs Monaten Gefängnis zu verhelfen, wie er aber an der Ent- deckung dieses Sünders nicht den geringsten Anteil hatte. „August Kückelhahn war der damalige Versender des Züricher .Sozigldemolxgt". dxr guf UjnJvegen von der Schweiz nach Hqm- Der Rechtsweg zur Beseitigung eines fürstlichen WildzauneS dar nicht beschritten werden. Inzwischen fahren die Einwohner von Fried« richshos fort, durch Offenlassen der Tore die Verfügung des Amtsvorstehers zu übertreten. Kürzlich hat das Schöffengericht in Baruth wieder einen solchen Frevler verurteilt. Der legte natürlich B e- r u s u n g ein und stand infolgedessen g e st e r n vor der Straf- kanrmer in Potsdam, wo ihn Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht verteidigte. Der Verteidiger bezeichnete die Polizei- liche Verfügung als ungesetzlich, weil sie nicht dem öffentlichen Ver- kehr diene, sondern ihn hemme, auch nicht im öffentlichen, sondern lediglich im privaten Interesse des Fürsten erlassen sei. Der Ver- teidiger beantragte Freisprechung und Uebernahme der Verteidig» ngsko st en durch die Staatskasse. Das Gericht gab diesem Antrage in vollem Umfange statt. Es stellte sich auf den Standpunkt, den das Landgericht schon in den früheren Prozessen eingenommen hat, wo- nach die Verfügung des Amtsvorstehers ungesetzlich ist. Hierdurch ist also der Fürst zu Solms-Baruth, sowie die für seiue Interessen wirkenden Verwaltungsbehörden aufS neue verur- teilt. Die Sperrung der Wege durch den fürstlichen Wildzaun wird aber trotzdem nicht beseitigt werden. Denn auf seite des Fürsten stehen ja die Verwaltungsbehörden bis zum Minister hinauf. Ja, der Fürst vermehrt sogar die Absperrung der Wege und der Amtsvorsteher sanktioniert solche Absperrungen durch neue Verfügungen„im öffentlichen Interesse". Gegen eine solche Verfügung ist bereits am 31. Oktober 1909 Beschwerde erhoben. Sie ist aber bis jetzt— nach acht Monaten— noch nicht erledigt und schwebt noch beim Regierungspräsidenten. Wie fie erledigt werden wird, das kann nach den bisherigen Erfahrungen wohl nicht zweifelhait sein. In Preußen herrscht der Junker. DaS erklärt alles und eS gibt trotzdem Leute, die Preußen für einen„Rechtsstaat" halten. Ja, der Staatsanwalt erklärte erst kürzlich— am 12. d. MtS.— in dem Prozeß gegen die„Welt am Montag' Preußen für den „sittlichsten Staat in der ganzen Welt". politische GeberHcbt. Berlin, den 28. Juli 1910. Tie Großindustriellen im Kampf gegen Bafscrman«. Die Ankündigung der dem nationalliberalen Führer Bassermann nahestehenden Blätter, daß ihr Heros nicht daran denke, in der jetzigen politischen Lage seinen Posten zu ver- lassen, hat den Kampf um Bassermann in der nationallibe- ralen Partei keineswegs gemildert. Die Gegner Basser- manns auf dem rechten, großindustriellen Flügel scheinen vielmehr aus dieser Ankündigung die Lehre gezogen zu haben, daß Bassermann noch nicht genügend diskreditiert ist und er deshalb noch weit spöttischer und verächtlicher behandelt werden muß als bisher, damit er entweder des gegen ihn ge- richteten Intrigenspiels der eigenen Parteigenossen müde wird und geht, oder er wenigstens das Ansehen, das er noch immer in einem großen Teil des nationalliberalen gewerb- lichen Mittelstandes genießt, mehr und mehr verliert. Dieses schöne Ziel zu erreichen, deucht der unter dem Einfluß der rheinisch-westfällschen Großindustriellen stehenden Presse kein Mittel zu niedrig. So schreibt z. B. die rechtsliberale„Rhein.» Westfälische Ztg.", das Blatt der westfälischen Kohlen- und Hüttenmagnaten, in einem„B a s s e r m a n n" überschriebe- nen Artikel: „Erst war es der Slbg. Fuhrmann, Herr auf Walsleben, der den Zeitgenossen verkündete, daß der Schwiegersohn der Laden. burger künstig auf minder anstrengende Weife als im Reichstag seine Millionen zu verbrauchen gedenke. Als die Parteizeitungen aller Richtungen diese Mit- teilung mehr oder weniger bedauernd kommentierten, sprach Basser. mannS Leibblatt in Mannheim sehr indigniert von„unsauberen Machenschaften rechtsstehender Gegner" und verkündete, daß sein Gebieter gar nicht daran denke, so bald schon sein Licht unter den Scheffel zu stellen. Dagegen behauptete Abg. Stresemann, er habe eS aus DasscrmannS eigenem Munde gehört, daß ihn eine Unpäßlichkeit, die gewöhnlich abgangs- reife Minister befällt, bei den nächsten ReichStagswahlen unter Umständen verhindern könne, nach Mannheim, Jena, Karls- ruhe, Frankfurt a. O. und Hoyerswerda in einen: sechsten Wahl- kreis Umschau zu halten. In der Zwischenzeit halfen junglibcrale Vertrauenskundgebungen und eine Unmasse nationalliberaler Lest- artikel für und wider über das Thema. Bassermann", die„große sommerliche Stille", von der am letzten Sonntag die„Nordd. Allg. Ztg." in Sperrdruck allerlei Süffisantes zu plaudern wußte, ein wenig aufregender zu gestalten. Bis gestern aus dem Blätterwald *1 ��ESSSSBSSSSS bürg gebracht wurde und dann von hier aus per Post oder Bahn nach Deutschland an die verschiedensten Orte versandt wurde. Bei dieser Gelegenheit kam eine mit„Sozialdemokrat" gefüllte, nach Rostock bestimmte Kiste dort an einen falschen Adressaten gleichen Namens, der die Kiste annahm und, nachdem er ihren Inhalt ge- sehen, sie der Polizei übergab, die ihrerseits wieder die Altonaer Polizei von der Sendung benachrichtigte. Der Zufall wollte es, daß eine an den jetzt verstorbenen Genossen Peters in Schwerin adressierte Kiste aufsprang, ehe der Adressat sie erhielt. Die Bahn- Verwaltung machte der Polizeibehörde von dem Funde Mitteilung und nun erst hatte der gewiegte Kriminalist Engel Anhaltspunkte für die Nachforschung über die Verbreitung des Züricher.Sozial» demokrat" nach dein Innern Deutschlands. Er konnte nun leicht die Spuren auffinden, die jeder Dorfpolizist auch hätte entdecken können. Der Genosse August Kückelhahn wurde als der Versender ermittelt und kam nach dreimonatiger Untersuchungshaft vor den Strafrichter unter der Anklqge, sich in 23 Einzelfällen der Ver- breitung des verbotenen Züricher„Sozialdemokrat" schuldig gc- macht zu haben. Hierbei hat nun Engel bei der Verhandlung in der tendenziösesten Weise seine besonderen Verdienste bei der Fest- nähme d«S„Verbrechers" in das hellste Licht zu setzen versucht. Die Belohnung hierfür ist denn auch nicht ausgeblieben. Ein Orden von Berlin war die Folge, derselbe Orden, der am Sonnabend neben 2Y und 30 Personen seinem Sarge folgte. Der Genosse Kückelhahn aber hatte es diesem Zufall und nicht der Findigkeit Engels zu danken, daß er auf dreieinhalb Jahre nach Glückstadt ins Gefängnis wandern mußte. Der Staatsanwalt Groschust, der jede einzelne Verbreitung als selbst- ständige Handlung ansah, wollte ihn sechs Jahre sitzen lassen, das Gericht vcrknurrte ihn zu 3!� Jahren, ivrlcheS Urteil durch das Reichsgericht bestätigt wurde. Der Genosse Peters in Schwerin, der wegen 13 Verbreitungen infolge des Kückelhahn- fchen Prozesses angeklagt wurde, kam mit fünf Monaten davon. Hier nahm das Gericht an. daß nur eine einmalige Verbreitung vorlag. Engel hat also wesentlich dazu beigetragen, die unter seine Hände geratenen Genossen mit möglichst lphen Strafen be- legen zu lassen, aber wenn die Genossen während des Sozialisten- gesctzcs nicht schlauer gewesen wären als die Polizei, so wären Tausende von Jahren Gcsäiignis über sie verhängt worden, so sehr I�aben sie in Hamburg-Altona auf daS Gesetz— und auf Engel mit Fanfarenionen IherauSgeschmettert wurde, Vassermänn werde der Partei als Führer, dem Reichstag als eines seiner interessantesten Mitglieder erhalten bleiben, nachdem sich niemand Geringerer als der Herr und Meister der kaiserlich deutsckzen und königlich preußischen Politik, Reichskanzler und Ministerpräsident v. Bethmann Hollweg, in langer Beratung mit Bassermann auf einer O-Zugsfahrt von Karlsruhe nach Berlin in diesem Sinne verwandt habe. Man fühlt sich fast versucht, an einem Gänseblümchen(Bellis perennis L.) zu zupfen und innig minniglich bei Gounodischer Musikbegleitung zu raten: Er bleibt — von Herzen— mit Schmerzen— über alle Maßen— kann's gar nicht lassen— ein ganz klein wenig— oder bleibt gar nicht... In dieser feinen Tonart geht es weiter. Wohl noch nie ist in Teutschland ein langjähriger Parteiführer so perfide und verächtlich von seinen eigenen Parteigenossen behandelt worden, als Herr Bassermann. Tafür ist allerdings die nationalliberale Partei die Partei der„Bildung und des Besitzes". Besonders ist bei den Zechen- und Hüttenbesitzern die ästhetische„Bildung" im höchsten Maße ausgebildet. Der Sauherdenton ist ihrem feingebildeten Gemüt absolut unerträglich._ Schlagsahne. Von den Leistungen des Freiherrn v. Rheinbaben auf dem Ge- biete der Finanzwirtschaft läßt sich wenig Rühmliches melden; dagegen scheint er ein nicht unbeträchtliches schauspielerisches Talent zu besitzen. Ungern und mit kaum verhaltenem Grimm gegen Herrn v. Bethinann Hollweg- ist er von seinem Posten als Finanz- minister geschieden; trotzdem versichert er jetzt mit anerkennenswerter Selbstüberwindung bei jeder Gelegenheit, daß er sich durch die kaiserliche Huld, die ihn an die Spitze der Rheinprovinz gestellt habe, hochbeglückt fühle und er mit tiefem Dank im Herzen sein schönes, wenn auch schweres Amt als Oberpräsident der Herr- lichen Rheinlande angetreten habe usw. usw. Auch bei seinem gestrigen Besuche in Köln hat er wieder mit großem Geschick den Glücklichen gespielt und auf die Ansprache des Oberbürgermeisters Walraff mit einer wohleinstudierten poetischen Rede geantivortet. Er sagte: «Wer das Glück hat, an die Spitze einer solchen Provinz, eines solchen Schaffenskreises treten zu dürfen, hat alle Per- anlassung, vom Grunde seines Herzens dankbar zu sein, und das bin ich aus tiesstein Herzen. Aber an die Spitze einer so großen, einer so ivichtigent so mannigfachen Provinz zu treten, legt andererseits die Verpflichtung auf, wie es der Herr Ober« bürgernreister gesagt, ein gerechter Richter zu sein. oder vielmehr ein gleichmäßig nach allen Seiten hin gerechter Für« sorger. Daß:ch dies zu sein von Herzen bestrebt sein iverde, brauche ich nicht weiter auszusprechen. Wenn der Wahlspruch unserer Hohenzollernschen Fürsten gewesen ist jjnb ist: Suum ouique, so gilt das erst recht für die, die die VMreter des könig« lichen Willens zu sein das Glück und die hohe Verantwortung haben... Die Rheinlande werden in ihrer Bewegung zur Sonnenhöhe nicht stillstchen. werden weiter voranschreiten, auf allen Gebieten wirtschaftlichen und geistigen Lebens. So- weit staatliche Behörden dazu überhaupt mitzuwirken im- stände sind, werden sie freudig und gern die Hand dazu reichen, und der Herr Oberbürgermeister hat vollkommen recht, und darin stimme ich ihm von Herzeir bei, die erste Be- dingung ist, dem freien Bürgersinn Raum zu schaffen, ihn schalten und walten zu lassen in seiner an- gestammte» Liebe zur Heimat, die eine Eigenart rheinischen Wesens ist. Die freie Selbstverwaltung der Bürger- s ch a f t nach allen Richtungen hin zu schützen und zu beschirmen, wird mir eine besvlidere Aufgabe sein." Gerechter Richter, gerechter Fürsorger. Sonnenhöhe, freier Bllrgersinn, angestammte Liebe, freie Selbstverwaltung I Eine prächtige Schanmschlägerei._ Gegen die Nüstungseinschränkung. Auch das Organ des rhemisch-westfälischen Gruben- und Panzerplattenkapitals, die Rh.-Westf. Ztg." wendet sich scharf gegen den Gedanken einer Verständigung mit England. In einem Stile, der an die Zeiten der wüstesten Englandhetze erinnert, schreibt das Blatt: „Wenn wir zum notwendigen Schutz unseres Handels in fernen Meeren und zum Schutz unserer Küsten gegen frivole Bedrohungen uns eine unseren Bedürfnissen ange- paßte Flotte schaffen, so kann unser Vorgehen nur bei einer solchen Großmacht Bedenken erregen, die das erfreulich stetige wirtschaftliche Wachsen und Emporrecken des deutschen Volkes mit scheeler Mißgunst betrachtet und vielleicht an einem von langer Hand vorbereiteten Gewalt- st reich gegen unsere rasch zunehmende Bedeu- tu ng im Rate der Völker arbeitet. Als Napoleon zu Tilsit Preußen vorschrieb, wie hoch die preußische militärische Macht bemessen sein dürfe, waren wir Besiegte, Preußen lag zer- schmettert am Boden. Die Zumutung an das unbesiegte Deutsche Reich aber, an die größte Militärmacht der Welt, seine Flotte nach den Wünschen eines anderen Volkes zu beschränken, ist so ungeheuerlich, daß es keinem deut- schen Staatsbeamten je an Worten ernster Zurück- Weisung fehlen kann." Man sieht, wie unbequem unseren Alotteninteressenten der Verständigungsgedanke ist. Ihre Presse schreckt vor den perfidesten Verdächtigungen Englands nicht zurück, um nur ja nicht der profitablen Flottenbauaufträge verlustig zu gehen! Und da der Einfluß gerade dieser Kapitalistenkreise ein unheimlich großer ist und obendrein in gewissen Lieb- .habcreien einer anderen einflußreichen Stelle seine Stütze findet, ist es um so notwendiger, denVerständigungs- gedanken unablässig und m i t größter Ener- gie im Volke und im Parlamente zu pro- pa gieren!_ Luftmilitarismus und Wassermilitarismus. In einer Anzahl Parteiblätter wird mit Recht darauf hin- gewiesen, welch gefährliche Gegnerschaft dem MarimsmuS in unserem jungen Luftmilitarismus erwächst. Eine Reihe von Ver- suchen hat, so wird da ausgeführt, bewiesen, daß eS schon heute möglich ist, mit den Flugmaschinen die Schiffe durch herabgeschleuderte Sprengkörper anzugreifen und eventuell zu vernichten. Es wird dann die Frage aufgeworfen, welchen Wert dann unser so un- ungeheure Opfer verschlingender MariniSmuS überhaupt noch habe. wenn er solch tödlichen Angriffen aus der Luft fast wehrlos preis- gegeben sei. Diese Frage ist in der Tat nur zu berechtigt! Geht, woran gar nicht zu zweifeln ist, die Enttvicklung der Flugmaschine in einem auch nur annähernd so rapidem Tempo weiter, wie bisher, so werden bald unsere Schlachtflotten keinen Pfifferling mehr wert sein. Denn die vervollkommneten und tragfähigeren Flugmaschinen werden dann aus sicherer Höhe nicht nur kleine Bomben, sondern auch förmliche Torpedos auf das Deck der Kriegsschiff« hinabsenden können. Angesichts einer solchen Perspektive ist es cinf'g e r a d e zu frevelhafte Vergeudung der Staatsmittel selbst vom Standpunkte eines Bourgeois und Militaristen aus, jährlich neue Hunderte von Millionen in Panzerkolosien anzulegen, die nichts sein werden, als schwimmende Särge. In einem Parteiblatt wird auch der Verwunderung darüber Ausdruck gegeben, daß Deutschland den Aeroplanen so wenig Auf- merksamkeit widme und höchstens in allerhand geheimnistuerisch be- handelten Experimenten Geld verpulvere, während die französische Militärverwaltung die Flugtechnik in großzügiger Weise und ohne jene kindische Scheu vor der Oeffentlichkeit fördere. Die Schuld daran wird dem militärisch-bureaukratischen Geist unserer Heeres- Verwaltung gegeben. Nun. vielleicht verschließt man sich in den deutschen maßgebenden Kreisen auch deshalb der unverkennbaren Bedeutung der Flugtechnik, weil man nicht gern die Interessen der Flotten- iiitercsscuten gefährden möchte! So hat man's ja auch mit den Unterseebooten gehalten l Jede billigere Waffe, die geeignet ist, den Bau der unseren Panzerflottcnpatrioten so ans Herz gewachsenen R i e s e n p a n z e r als verfehlt und über- flüssig erscheinen zu lassen, wird, so lange eS irgend angeht, mit souveräner Geringschätzigkeit behandelt I Nicht der„Schutz des Vaterlandes" ist ja die Hauptsache bei unserer Flottenrllstnng, sonder» der Profit des bei den Flottenbauten interessierten Großkapitals! So wird man ohne jede Rücksicht auf die neueren Erfahrungen skrupellos mit dem Bau von Schlachtschiffen fortfahren, ohne daß uns natürlich deshalb die Ausgaben für Unter- seeboote oder auch den Luftmilitarismus erspart würden!_ Ueb erschätzt. Wir hatten gestern die Vermutung geäußert, daß eS dem „Berk. Tagebl." vor einer so reaktionären Großblock-Politik, wie sie der nach R. Fischers zutreffender Bezeichnung nationallibe- rale Dr. Bloch in den„Sog. M." formuliert hat, grauen würde. Wir müssen heute zugeben, daß wir den Radikalismus des„Berk. Tagebl." doch erheblich überschätzt haben. Es meint zwar, daß die Bloch'sche Bemerkung, die neue Koalition dürfe keine anti- agrarische Spitze haben, sehr mißverständlich wirken könne. Im übrigen aber ist es von dem Gedanken der„positiven Aktivität"— das ist die Aktivität in der Preisgabe sozialdemokratischer Grund- sätze— entzückt. Dazu hat eS ja als bürgerliches Blatt freilich auch allen Grund. Der Achtstundentag für die Bergarbeiter. München, 26. Juli.(Eig. B«r.) Bei Beratung eines neuen Berggesetzes hat die Kammer der Abgeordneten den Achtstundentag gesetzlich festzulegen gesucht. Die Kammer der Reichsräte hat aber die Bestimmung über den Achtstundentag aus deni Gesetzentwurfe wieder herausgestrichen und diesen in so verstümmelter Form an die Kammer der Abgeordneten zurückgehen lassen. Hier wurde nun in der erneuten Beratung der Achtstunden- tag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Liberalen ab- gelehnt. Genosse S e g i tz betonte nochmals nachdrücklichst die große soziale Bedeutung des Achtstundentages für die Bergarbeiter. Trotz dieses Resultates stimmte die sozialdemokratische Fraktion für den Gesetzentwurf, weil er noch eine Reihe nicht unwichtiger Neuerungen enthält. Hervorzuheben ist besonders die Mitwirkung der Arbeiter bei der Grubenkontrolle, das voll- ständige Verbot des Wagen nullens und die Fe st- setzung der Strafe für vorschriftswidrige Füllung der F ö r d e r un g s g e f ä ße auf fünf Mark im Maximum für einen Monat. Nach einer Rede des Ministerpräsidenten wurde das Gesetz von der Kammer in der von den Reichsrätcn beschlossenen Fassung ein- stimmig angenommen. Damit hat es die jedes sozialen Verständ- nisses bare Reichsratskammer verschuldet, daß ein dringender Wunsch der Bergarbeiter auf lange Jahre hinaus unersiillbar bleiben wird._ Obstruktion im Frankfurter Rathaus. Die Frankfurter sozialdemokratischen Stadtverordneten trieben in der Dienstagssitzung Obstruktion. Der sozialdemokratischen Fraktion stand, weil sie die zweitstärkste ist, nach alter Hebung das Recht zu. bei der Neuwahl eines unbesoldeten Stadtrats einen Sozialdemokraten in Vorschlag zu bringen. Die stärkste Fraktion der Freisinndemokraten(Fortschrittliche Vollspartei) zog es aber vor, unseren Kandidaten niederzustimmen. Während die demokratische Frankfurter Zeitung sich dieser Tage dafür ins Zeug legte, daß— in Berlin ein Sozialdemokrat in den Magistrat komme, wurde in Frankfurt gegen allen Brauch die zweitstärkste Fraktion ausgeschaltet, obgleich in Frankfurt a. M. nach geltendem Reservatrecht von 1867 ein Stadtrat nicht der Be- stätigung durch den König bedarf, wie in anderen preußischen Städten; mithin auch die Ausrede: es habe keinen Zweck, einen Sozialdemokraten zu wählen, da er nicht bestätigt werde, hin- fällig ist. Als Antwort auf das freisinnige Verhalten blieben die Sozialdemokraten am Dienstag dem feierlichen Einführungs- und Vereidigungsakt des neuen demokratischen Stadtrats demon- strativ fern. Fortsetzung. Die Frankfurter Polizei ist mit ihrer Niederlage in dem Wahl- rechtsdemonstrationsprozeß gegen die Genossen Ouarck und Witt ich nickt zufrieden. Wie die„Volksstimme" meldet, wird die Wahl- rechtsdemonstraiion im Walde die Gerichte weiter beschäftigen. Staatsanwalt Dr. Becker hat die Genossen Ouarck und Wittich durch eilige Schriftstücke davon benachrichtigt, daß er daS Rechtsmittel der Berufung bei der Strafkammer eingeleitet habe. Die Allmacht des Landrats. In Ton dein, einer Kreisstadt an der Nordsee im nördlichen Schleswig-Holstein, hat der seit 20 Jahren im Dienst befindliche Bürgermeister Rathje sein Amt niedergelegt. Als Grund wird das Verhalten des dortigen Landrates angegeben. Die Stadt Tondern will ein Elektrizitätswerk bauen. Die Zeichnungen und Baupläne waren vom sachkundigen Kreisbaumeister genehmigt. Plötzlich kam der Landrat, ein verhältnismäßig noch junger Mann, und ver- langte, daß eitz seinem persönlichen Geschmack entsprechendes Dach auf das Gebäude gesetzt werde, das der Stadt 5 bis 6066 M. mehr kosten würde. Trotz aller Entgegnungen blieb der Landrat bei seinem Verlangen. Die Folge war. daß, weil der Bürgermeister eine solche Mehrausgabe nicht verantworten konnte, er sein Amt quittierte. Doch soll der Streit um das Dach eigentlich nur den Becher zum Ueberlaufen gebracht haben. Schon seit langer Zeit hat sich der Bürgermeister als Polizeiverwalter von Tondern unter der Fuchtel des Landrats recht unbehaglich gefühlt. Die Bürgermeister der kleinen und mittleren Städte Schleswig- Holsteins haben sich schon im April d. Js. in einer geheimen Kon- ferenz gegen die landrätlichen Eingriffe zur Wehr gesetzt. Ihre Wünsche haben sie jetzt dem Minister des Innern in einer Eingab« unterbreitet. Sie wenden sich in der Hauptsache dagegen, daß die Landräte die Befugnisse der Regierungspräsidenten übertragen er- halten, da jene in der Regel an umfassender Erfahrung von den Regierungspräsidenten übertroffen würden und außerdem kaum im- stände wären, die Kommunalaufsicht gleich objektiv und einheitlich durchzuführen. Es liege bei einer Uebertragung der Staatsaufsicht über die kleineren Städte auf den Landrat auch die Gefahr nahe, daß dann für die Genehmigung von Beschlüssen der Städte der KreiSausschuß anstelle des Bezirksausschusses treten werde. DaS fei sehr bedenklich, dg jetzt schon die sticht kreisfreien Städte über» tviegend unter ihrer Zugehörigkeit zum Kreiskommunalverband« zu leiden hätten. Ihre Verhältnisse wichen in vielen Beziehungen von denen des platten Landes ab, ihre Vertreter feien in den Selbst- Verwaltungskörperschaften in der Minderheit, und der Landrat sei nach der ganzen Natur seiner Stellung nur zu leicht in erster Linie der Vertreter des platten Landes, wenn städtische und ländliche In- teressen sich widersprächen.\ Blinde Justiz. Die Verurteilung von drei Schuljungen zu einem Jahre Ge« fängnis wegen Eisenbahntransportgefährdung stellt sich nach den näheren Nachrichten als noch ungeheuerlicher heraus als die gestrige Notiz annahm. Die drei Jungen im Alter von 12 und 13 Jahren(nicht 10, 12, 13— die Strafmündigkeit beginnt mit vollendetem IL. Jahr) hatten Kieselsteine, Schrauben und sonstige kleinen Gegenstände auf die Schienenstränge gelegt, um sie von den Zügen zermalmen zu lassen. Einen zu großen Stein, von dem die Knirpse annahmen, der Zug würde nicht herüber kommen, nahmen sie wieder von den Gleisen weg. Aber gerade dies die Schuld- losigkeit und Kinderei der Angeklagten dartuende Moment sollte ihnen zum Verhängnis werden. Denn hieran knüpfte der Staats- anmalt seine Betrachtungen in der Richtung an, daß die Knaben sich der Strafbarleit ihrer Handlungen bewußt gewesen seien. Der Lokomotivführer Braumann, der den fraglichen Zug führte, als die Jungen erwischt wurden, bekundete, daß es kaum an zu- nehmen sei, daß durch das Auflegen von Kieselsteinen ein Zug ernstlich gefährdet werden könne. Es nützte den Offizialverteidigern auch nichts, daß sie darauf verwiesen, daß wenigstens die Wahr- scheinlichkeit einer ernstlichen Gefährdung vorliegen müsse, um die beantragte Strafe von einem Jahr Gefängnis zu recht- fertigen. DaS Gericht schloß sich den Ausführungen des Staats- anwalts an. Es nahm also an, die Knirpse hätten mehr Einsicht als erlauchte Studenten. Oeftemich. Ein sozialdemokratischer Erfolg. Ein Stadtverordnetenwahlsieg wurde von den Genossen in genta, einer Stadt von etwa 30 000 Einwohnern in Südungarn an der Theiß, erfochten. In zwei Bezirken wurden unsere Kandidaten mit großer Mehrheit gegen die der Kossuth-Partei gewählt. ES gibt nun fünf sozialdemokratische Stadtverordnete und drei Ersatz- männer dort. Separatistische EntWickelung. Die Brünner tschechisch-autonomistischen Genossen sind unter der Führung des Landtagsabgeordneten Wanjek und deS„Rovnost"» Redakteurs Tusar bereits auf dem Niveau anderer Autonomisten, nämlich der galizischen Wahlmacher, angelangt. DaS be« weisen die Wahlen zu der in ihrer Verwaltung befindlichen Allge- meinen Arbeiterkranlenkasse. Diese werden statt wie sonst im Ar» beiterheim, im bürgerlichen tschechischnationalen VereinShauS vor» genommen, obgleich das Lokal dreißig Mal teurer ist als daS prole» tarische: aber eS hat den Vorteil, von internationalen Proletariern gemieden zu werden. Die sonst an einem Tag beendete Wahl dauerte diesmal drei Tage, darunter zwei Werktage. In die Wahlkommission nahm man nur verläßliche Separatisten. Lang- jährige freiwillige Mitglieder, die des Zentralismus verdächtig sind, hat man gestrichen, weil sie, wie Gewerkschaftsselretär Genosse Jura ihren Beitrag statt Sonnabend Montag zahlten. In diesem Falle beseitigte man einen die Macher brandmarkenden Ausspruch de» Schiedsgerichts durch die wahrhaft separatistische Erklärung, für gewesene Mitglieder gebe eS kein Schiedsgericht. So machen die Separatisten Kassenwahlen I Bngland. Die Eidesformel. London, 27. Juli. Unterhaus. Premierminister A S q u i t h erklärte heute bei der zweiten Lesung der Gesetzesvorlage be- treffend die Erklärung bei der T h r o n b e st e i g u n g. die Vor- läge sei nicht zu Parteizwecken eingebracht, sondern nur zu dem Zwecke, den König von der Notwendigkeit zu entlasten, beim Be- ginn seiner Regierung in der Oeffentlichkeit eine Erklärung abzu- geben, welche für Millionen seiner loyalen Untertanen kränkend sein würde. Die prote st antische Thronfolge sei durch die Gesetzgebung von 1689 vollkommen sichergestellt. Er beantrage fo!j> gende Abänderung des Wortlauts: Der Souverän solle sich feier» lichst selbst als getreuen Protestanten bekennen und versprechen, nach seinen besten Kräften die Gesetze zu halten und aufrechtzu- erhalten, welche die protestantische Thronfolge als die einzig mög« liche sicherstellen. Der Abgeordnete Robartes(liberal) bean- tragte die Ablehnung des Gesetzentwurfs betreffend die Erklärung bei der Thronbesteigung. B a l f o u r erklärte, er könne nicht �in- sehen, wie die protestantische Thronfolge dadurch gefährdet werden könne, daß der König sich als einen getreuen Protestanten erkläre, während er sich die Freiheit der Aktion vorbehalte. Er würde dem Vorschlag nicht entgegentreten, den Asquith heute gemacht habe. Der Antrag auf Zurückweisung des Gesetzentwurfs wurde sodann mit 410 gegen 84 Stimmen abgelehnt und die Bill zum zweiten Male gelesen._:*? Die Annexion Liberias. London, 27. Juli. Dem Reuterschen Bureau ist eine Mittei- lung über den Bericht zugegangen, den Staatssekretär Knox im März dieses Jahres an den Präsidenten Taft mit Bezug auf die Vorschläge der von der Regierung der Vereinigten Staaten im vorigen Jahre nach Liberia entsandten Kommission erstattet hat. Der Staatssekretär unterstützt die Vorschläge der Kommission leb- Haft. Bezüglich der Differenzen zwischen Liberia und anderen Mächten erklärt Knox, Liberia allein sei hilflos. E» habe bisher jedem Angriff nachgeben müssen. Es müsse zudem be- merkt werden, daß die Stellung als nächster Freund Liberias, die die Vereinigten Staaten bisher eingenommen hätten, sich als unzu» reichend erwiesen habe. Es sei mehr erforderlich, so z. B. ein Vertrag, durch welchen den Vereinigten Staaten die Funktion eines tatsächlichen Anwalts fürLiberia in allen internationalen Streitfällen übertragen werde. Falls der Präsident zustimmt, beabsichtigt das Staatsdepartement, der Re- gierung von Liberia einen Vertragsentwurf zu unterbreiten, der diesen Zweck erfüllt. Der Gesandte der Vereinigten Staaten ist jetzt auf dem Wege nach Liberia mit dem Auftrage, die dortige Regierung bezüglich eines derartigen Vertrages zu sondieren. Cilrhd. Der Boykott. Konstantinopcl, 28. Juli. Infolge persönlichen Einschreitens des Ministers des Innern verpflichteten sich die Lastträger der Hafenzollämter, fremde Waren aus griechischen Schiffen und arie, chische Waren aus fremden Schiffen auszuladen, während sie griechische Waren aus griechischen Schiffen nur bis zum Ausgang der Zollämter bringen wollen. Die Leichterschiffer verharren im Ausstand. Amerika. Ter kubanische Aufstand unterdrückt. Havanna, 28. Juli. Die Insurrektion des Generals Miniek ist unterdrückt. Der General ist mit zweien seiner Anhänger ge« fangen genommen worden, die übrigen Meuterer sind ent« flohen. GewerhrcbaftUcbee. Streikjustiz. Wahrend Jet letzten Bauarbeiterausspcrrung lam eI in Heidelberg und Umgebung zwischen Arbeitswilligen und Aus- gesperrten wiederholt zu Zusammenstößen, wobei die heraus fordernde Haltung der Streikbrecher meist die Veranlassung gab. Ms Strafrichter fungierte meist der Oberamtsrichter S e i tz, der im Rufe einer besonderen Verehrung der Arbeitswilligen steht. Der Maurer Zobcley hatte dem Polier Baier einige Grobheiten gesagt. Ter Polier hatte diese auf der Stelle erwidert. Bei einem Privatbeleidigungsprozeß hätten beide Strafe erhalten. So aber erhielt Zobeley sechs Tage Haft, der Polier geht ohne Strafe aus. Ter Gisper Ebert sagte zu einem Buch drucker, der in einer Wirtschaft bei einem Arbeitswilligen sah: «Rede nicht mit dem; der schafft ja." Es gab eine kleine Geld strafe. Ter Amtsrichter Seitz bemerkte zu dem ausgesperrt ge- wcsenen Arbeiter:«Ist es denn eine Schande, wenn man schafftl Der Arbeitswillige S ch w e g l e r begegnete auf dem Heimweg mehreren Ausgesperrten. Es kam zu Sticheleien. Schwcgler nahm ein Richtscheit und schlug auf den Maurer Stotz ein, so daß dieser bewußtlos zusammenbrach. Schwegler erhielt nun von anderen Arbeitern Schläge. Stotz, der geschlagen wurde, und ein Maurer E ß kamen auf die Anklagebank und erhielten jeder der beiden zwei Monate Gefängnis,(l) Ter Amtsrichter gab bei der Leitung der Verhandlung dem Ver- teidiger Veranlassung, sein Mandat niederzulegen. Ol) Eine Vernehmung der gemeldeten Entlastungszeugen wurde ab- gelehnt.(II!) Der Glasierer Friedrich Vogt war nach dem Streik der Hilfsarbeiter in den Ofenfabriken in Meißen wegen angeblicher Verfehlung gegen den§ 1S3 der Gewerbeordnung angeklagt, vom Meißner Schöffengericht aber freigesprochen worden. Der Staats- anlvalt legte dagegen Berufung ein. Er erzielte vor der Straf- kammer auch eine Verurteilung des Angeklagten zu einer Woche Gefängnis. Das Meißner Schöffengericht hatte freigesprochen, tveil sich die Aussagen der Zeugen gegenüberstanden. Das Dresdner Landgericht aber folgte den Aussagen des Wachtmeisters und ver- urteilte. Außerdem wurde gleichzeitig gegen zwei andere Streiksünder wegen desselben Delikts aus denselben Ursachen verhandelt und jeder zu zwölf Tagen Gefängnis verurteilt. Berlin und Umgegend. Mißstände bei der A. E.-G. Eine Betriebsversammlung des Werkes der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft in der Brunnen- und Voltastraße wurde zum Mittwochabend vom Deutschen Metallarbeiterverband einbe rufen. Die Versammlung fand in den„Germaniasälen" statt. Die Arbeiter kamen in Massen, der große Saal mit seinen Galerien war didjt besetzt. Der Referent Jo Hansen besprach die Miß- stände, über die die Arbeiter des Werkes lebhaft Klage führen und deren Abstellung von der Direktion öfters versprochen wurde, ohne daß irgendwelche Verbesserungen eintraten. Die Arbeiter müssen sich eine unwürdige Behandlung gefallen lassen; sie fühlen sich un- sicher, denn Mahregelungen sind an der Tagesordnung; eine Art f Spitzslsystem ist eingeführt worden, um die Arbeiter wie Gefangene zu überwachen. In verschiedenen Abteilungen wird ohne weiteres verlangt, daß Ueberzeit gearbeitet wird, und wer sich weigert, ist in Gefahr, entlassen zu werden. Ueber die sanitären Verhältnisse wird viel geklagt, und wenn Verbesserungen auch zugesagt wurden, so hielt man doch die Zusagen nicht. Die Lohnverhältnisse sind in manchen Abteilungen außerordentlich schlecht. Wenn der Arbeiter- auSschuß nun aber sich der Interessen der Arbeierschaft annimmt, dann werden die Mitglieder des Ausschusses gemaßregelt. So sind schon viele von ihnen unter nichtigen Vorwänden entlassen worden, und die Direktion gab dazu auch ihre Zustimmung. Eine allge- meine starke Unzufriedenheit herrscht unter den Arbeitern, mehr- mals brachen offene Differenzen aus. Dann wurden wohl Ver- Handlungen geführt, Versprechungen wurden gemacht, Erklärungen abgegeben, aber es wurde auf die Dauer nicht besser. Die Arbeiter haben das Vertrauen zu der Direktion eingebüßt. Der Redner forderte die Versammelten zu einem energischen Protest gegen die bestehenden Verhältnisse im Werk auf und machte den Vorschlag, die Subkommission des Ausschusses zur Direktion zu senden, um dort vorstellig zu werden, damit die Arbeitsverhältnisse eine Ver- besserung erfahren. Die Versammlung zollte den Ausführungen des Redners den reichsten Beifall und erklärte ihre Zustimmung zu den gemachten Vorschlägen. In der Diskussion wurde den vielen Beispielen, die der Redner für seine Behauptungen anführte, noch manches zugefügt und die Verhältnisse im Werk oft sehr scharf beleuchtet. F r o m k e vom Deutschen Transportarbeiterverband erklärte den Versammelten, daß sie sich darauf besinnen müßten, welche Mittel sie besitzen, um ihre Wünsche zu erfüllen und ihren Klagen Gehör zu verschaffen! Wenn der Arbeiterausschuß nicht fest sich darauf verlassen könne, daß ihm stets der Rücken gedeckt wird, dann könne er auch nichts .ausrichten. Zur Einmütigkeit im Handeln sei aber vor allen Dingen eine starke Organisation nötig, der sich alle anschließen müßten, die eine Verbesserung der Verhältnisse wünschen.— Derselben Mahnung gab auch der Referent in seinem Schlußwort AuS- druck._ Achtung, Metallarbeiter! Bei der Firma B. Joseph, Ritter- praße. ist ein Streik ausgebrochen. Der Betrieb ist gesperrt und der Zuzug dahin fernzuhalten. � Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsberwaltung Berlin. Tnrifbewegung der Jalousiearbeiter. Bereits vor einigen Monaten waren die Jalousiearbeiter an ihre Arbeitgeber mit dem Ersuchen herangetreten, zwecks Be- kämpfung der Heimarbeit und der durch sie verursachten Schmutz- konkurrenz wieder einen Tarifvertrag abzuschließen. Die Arbeit. geber brachten diesen Bestrebungen der Arbeiter auch Sympathie entgegen. Es kam am lt. Mai zu gemeinsamen Verhandlungen, die aber die Arbeitgeber scheitern ließen, nachdem sie gewahr wur- den, daß die Arbeiter bei der größten Anzahl der Positionen des Tarifs vom 1. März IMS, der den Verhandlungen als Grundlage dkente, auch Erhöhungen der Lohnsätze forderten. Die Arbeiter betrauten darauf in einer späteren Versammlung ihre Unterhand- lungskommission mit der Ausarbeitung eines neuen Tarifs, dessen Einführung zum 15. August bezw. 1. September d. I. erstrebt werden soll. In einer am Mittwoch bei Boeker in der Weberstraße statt- gehabten gut besuchten Versammlung der Jalousiearbeiter wurde der von der Kommission ausgearbeitete Tarif zur endgültigen Be- schlußfassung vorgelegt. R o sie m a n n berichtete darüber und be» sprach dabei die gegenwärtige Situation in der Branche. Die Hoff- nung, daß die Bewegung in friedlicher Weise von statten gehen wird, scheint sich nicht zu erfüllen, denn verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß man sich im Unternehmerlager zu einem eventuellen Kampfe rüstet. Es gelte deshalb, auf dem Posten zu sein. Der Tarif sieht zunächst zeitgemäße Erhöhungen der Akkordlöhne bor. An Mindestlöhnen wird gefordert: für Anschläger 75 Pf. pro Stunde, für Tischler, Maler und geübte Anstreicher 60 Pf. pro Stunde, für Maschinenarbeiter und Reparateure 65 Pf. und für Hilfsarbeiter 50 Pf. pro Stunde. Jugendliche Arbeiter sollen nach Vereinbarung entlohnt werden. Die Ma�imalarbeitszeit soll 50 Stunden pro Woche betragen und muß.ur die Zeit zwisdhen Maschinen und Arbeitsplatze hat während der Arbeitszeik zu ge- fchehen. Bei Neueinstcllungen soll nur der Arbeitsnachweis des Holzarbeiterverbandes benutzt werden. Bei Arbeitsmangel soll, bevor Entlassungen erfolgen, die Arbeitszeit auf 42 Stunden verkürzt werden. Bei allen Arbeiten im Akkord sind die Mindestlöhne zu garantieren. Ter 1. Mai soll als Feiertag freigegeben werden. Maßregelungen dürfen aus Anlaß einer Verhandlung oder wegen Eintretens für den Tarif bezw. für die Organisation nicht erfolgen. Ebenso dürfen während der Vertragsdaucr Sperren oder Streiks nicht verhängt werden. Etwaige Differenzen sollen durch die beider- seiiigen Vertreter der vertragschließenden Parteien geregelt werden Die vertragschließenden Parteien sind gehalten, die Heimarbeit und Schmutzkonkurrenz mit allen Mitteln zu bekämpfen. Der Vertrag soll auf die Tauer von 2 Jahren Geltung haben. Einstimmig sanktionierte die Versammlung den vorgelegten Tarif und beauftragte die Organisationsleitung, denselben sofort den Arbeitgebern zu übermitteln, deren Antwort innerhalb 8 Tagen erbeten werden soll. Mit Rücksicht auf die Kampfrüstungen im Unternchmerlager waren sich die Versammelten darin einig, daß bis zum Abschluß der Bewegung Ueberstunden strengstens vermieden werden müssen. Die streikenden Schmiede kamen am Donnerstagmorgen wieder zu einer Beratung zusammen. Die Situation ist, wie S i e r i n g ausführte, wenig verändert. Beide Parteien nehmen noch eine ab wartende Haltung ein. Die Meister hoffen, daß der Tag der Mictezahlung, der bevorsteht, die Reihen der Streikenden wankend machen werde. Die Verbandsleitung hat deswegen beschlossen, den Streikenden eine Extraunterstützung zu gewähren, die am 1. August zur Auszahlung kommen soll. Wie schlecht die Meister mit den Streikbrechern auskommen, geht unter anderem auch daraus her- vor, daß in zwei Werkstätten die Streikbrecher wegen ihrer Un fähigkeit entlassen wurden. Es sind bis jetzt etwa 20 Strafmandate den Streikenden von der Polizei zugeschickt worden, die meisten lauten über 30 M., werden aber erst durch die Gerichte geprüft werden müssen, denn die Bestraften bestreiten ihre Schuld, be haupten im Gegenteil, daß sie nur ihre berechtigten Interessen wahrnahmen. Tie Streikposten haben oftmals einen sehr schweren Stand. Auße- den Schutzleuten machen manchmal noch andere Leute den Posten die Arbeit schwer. So wurde über den Barbier und den Gastwirt, die Kolonicstraße 12? wohnen, in der Streik- Versammlung Klage geführt.— Als Streikende stehen noch 475 Mann in den Reihen, viele haben Berlin verlassen oder andere Arbeit angenommen. Zur Aussperrung der Mineralwasserarbriter bei der Firma Berolina", Maybachufer 0, ist mitzuteilen, daß die Differenzen durch Verhandlungen beigelegt sind. Deutscher Transportarbeitervcrband. Bezirksleitung Groß-Berlin. Achtung, Fleischergesellen! Ter Streik bei der Firma Ki sch, Lindenstraße 105, ist beendet. Die Firma hat die Forderungen anerkannt. Tie Sperre ist aufgehoben. Zentralverband der Fleischer. OrtSverwaltung Berlin. Oeutkdies Reich. Zum Straftenbahnernusstand in Hanau a. M. wird noch gemeldet: Die Angestellten der Straßenbahn erhalten bei einer Arbeitszeit von 305 Stunden monatlich ein Anfangsgehalt von 75 M.. das in 10 Jahren auf IM M. steigt. Das Personal hatte im Mai d. I. eine Neuregelung der Lohn- und Arbeitsver- hältnisse bei der Direktion der Straßenbahn, den Herren Hecker und Cie. in Wiesbaden verlangt. Das Hanauer Stadtparlament faßte den Beschluß, bei der Betriebsleitung auf eine Lohnaufbesse- rung der Straßenbahner hinzuwirken. Doch die Direktion kam in keiner Weise den gerechten und doch sehr bescheidenen Wünschen ihres Personals entgegen. Die Angestellten, die alle im Trans- portarbeiterverbond organisiert sind, und auch das Werkstatt- personal beschlossen darauf in einer Nachversammlung vom 26. zum 27. Juli einstimmig, Mittwoch früh die Arbeit einzustellen. Sie verlangen als Anfangsgehalt 100 M. monatlich, das in 10 Jahren auf 130 M. steigen soll, eine Herabminderung der Arbeitszeit auf 260 Dienststunden monatlich, jeden achten Tag frei sseither war erst der 12. Tag frei), und 50 Pf. Zuschlag für Ueberstunden. Die Arbeit ruht vollständig. Die Ausständigen resp. ihre Organisationsleitung erklärten sich zu Unterhandlungen bereit. Sie hatten dies übrigens auch vorher verschiedentlich versucht, stießen aber bei der Betriebs- leitung auf schroffen Widerstand. Die Hanauer Straßenbahn fehört einer Aktiengesellschaft in Wiesbaden, jedoch haben der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung im Aufsichtsrat Sitz und Stimmen._ Die Zementarbeiter in Planen i. B. haben die Arbeit eingestellt. Sie gehören mit zu den schlecht bezahltesten Arbeitern am Orte. Den Unternehmern hatten sie ihre Forderungen schriftlich zugehen lassen und bis zum 23. Juli Antwort erbeten. Gefordert wird 48 Pf. Stundenlohn und ab 31. März 1911 50 Pf., für Hilfsarbeiter 40 bezw. 42 Pf., für Ueberstunden 20 Proz. Nur zwei Unternehmer haben die Forderungen anerkannt. Inzwischen hat das einmütige Vorgehen der Arbeiter bewirkt, daß die größte Firma, die erst die Lohnkommission ganz brüsk behandelte, nun mit ihr wegen Tarif- abschluß verhandeln will. Dringend wird ersucht, den Zuzug nach Plauen fernzuhalten.___ Hus Induftnc und Handel. Der Zusammenbruch der Niederdeutschen Bank. Ueber die Gründe des Zusammenbruchs schrieb noch vor der KonkurSverhängung der Dortmunder„Generalanzeiger": «Dieses Geldinstitut gehört mit zu den blutig st en Grün- düngen der letzten Jahrzehnte. Auf einer lächerlich schmalen finanziellen Grundlage, die kaum ausreichte, ein besseres Produkten- geschäft zu betreiben, haben skrupellose Männer sozusagen über Nacht eine schwindelerregende Pyramide von Geldgeschäften errichtet, die heute offenkundig de» Stempel unsauberer Machenschaften trägt und allen Gesetzen des Rechts und der Moral, die für einen ehrliebenden Kaufmann maßgebend sein sollten. Hohn spricht. Es ist kein Zweifel mehr darüber, daß schon seit einer Reihe von Jahren alle Bestrebungen der Niederdeutschen Bank, sich auS- zudehnen, sei es durch neue Zahlstellen oder durch Angliederung anderer Geschäfte, oder durch Finanzierung von Neugründungen nur den einen Zweck hatten, sich um jeden Preis bares Geld zu ver- schaffen und das fürchterliche Ende hinauszuschieben. Mit welchen unerlaubten Mitteln da gearbeitet worden ist. wie Vorstand und Aufsichtsräte miteinander und gegeneinander in immer neuen Rollen auftraten, wird noch die genaue sachverständige Prüfung der einzelnen mit der Bank zusammenhängenden Gründungeil er- geben... Der Leidtragenden gibt eS leider in Dortmund und Umgegend viele. Kleinere Geschäftsleute und Rentiers hatten Aktien; sie werden wohl die ganze Summe verlieren. Dann kommt die Un- menge der Geschäsisleute, die mit der Bank arbeiteten; ihr Verlust ist, wie gesagt, noch nicht festzustellen... Und wer sind die Schuldigen? Der Vorstand undderAussichtSrat. Darüber kannkeinZweifel fein. ES wird wohl, wie eS noch immer so war, unter den Herren zwei Arten geben: die einen wußten nicht um die Geschäfte der Bank, die anderen wußten drum, aber die staken zu tief mit in dem Sumpfe und konnten nicht gut zurück. Der TrebertrocknungSskandal hat uns daS alles ja gezeigt. Aber wir glauben fast, daß inzwischen das Gewissen sowohl der Sachverständigen wie der Richter in Bank« bruchsachen enipfindlicher geworden ist und daß eine Wiederholung des einst so beliebten Spiels von den.selbstgetäuschten" Ehren- männern diesmal weniger Beifall finden dürfte." Dazu wurde dem„Generalanzeiger" noch von«sachverständiger Seite" geschrieben: «Ihr gestriger Leitartikel trifft ungefähr daS Richtige; doch hätten Sie als sehr anfechtbar auch die Berliner Handels- g e s e l l s ch a f t mit ausführen können, die durch das große Ver- lrauen. das sie Herrn Ohm entgegenbrachte, diesen gradezu zu den wahnsinnigsten Experimenten verlockte. Die Berliner Herren sind übrigens schön heraus; sie haben sich mit den verpfändeten wert- vollen Depots und den Aktien, für die die Bürgen einstehen müssen, gut eingedeckt, und können nun beruhigt mit ansehen, wie die kleinen Gläubiger sich um den Rest balgen. Schlimm daran sind jene Freunde, die Herr Bankier Ohm ver- anlaßr hat, bei der Emiltierung von Aktien ihren Namen herzu- geben, wogegen sich die Niederdeutsche Bank verpflichtete, sie für alle Fälle schadlos zu halten. Ja ja. die Aktien hat die Berliner Handelsgesellschaft als Pfand und sie wird sich von den Bürgen schon ihr Geld holen. Aber wo bleibt deren Nückbiirge, die Nieder« deutsche Bank? Ein Stückchen noch von der GründnngStätigkeit des Herrn Bankiers Ohm, das Ihre Leser interessieren wird: In Brackel oder da herum betrieb ein Herr Rosenkeimer ein kleines patentiertes GlaSfabrikationSgeschäft; er war in Geldverlegenheit und wendete sich an Herrn Ohm; der kaufte ihm seine Patente für 10000 M. ab und machte dann mit ihm zusammen eine G. m. b. H. auf, worin Herr Ohm eben dieses Patent mit 180 000 M. und außer« dem 10 000 M. in bar einlegte. Tie Verzinsung der 180 000 M. fraß natürlich das ganze Geschäft auf und Herr Rosenkeiiner hat deshalb vor drei Monaten Herrn Ohm wegen Wuchers verklagt." Die Berliner Großbanken teilen mit:„Wie seinerzeit mitgeteilt, hatten die in Sachen der Niederdeutschen Bank zusammen» getretenen Banken bei grundsätzlicher Geneigtheit zur Einleitung einer Hilfsaktion die Fassung fesler Beschlüsse von dein Ergebnis einer durch die Treuhandgesellschaft und eine zu diesem Zweck gewählte kleine Kommission vorzunehnicnden eingehenden Prüfung abhängig gemacht. Da die Prüfung ergab, daß die Lage der Bank eine ganz hoffnungslose ist, mußte von der in Erwägung gezogenen Hilfsaktion Abstand genvnunen werden. Die Bankengruppe hat nunmehr beschlossen, den kleinen Gläubigern der Nieder- deutschen Bank durch möglichst baldige Barauszahlung eines Teiles ihrer Forderungen zu Hilfe zu kommen. Wegen der hierzu zunächst erforderlichen Feststellung der einzelnen Gläubiger« Posten ist das Geeignete in die Wege geleitet." Infolge des Bankbruches erwartet man etwa zehn bis zwölf Konkurse. Die L ü n e n e r Bank ist bereit« geschlossen. Auch daS Dortmunder Brauhaus steht vor dem Konkurs. In Düffel« d o r f ist die dortige Gctreidefirma Blomberg u. Co. in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Unter den Geschädigten befinden sich auch viele Gelsenkircheuer Arbeiter, die eine Reisekasse von 3000 M. gesamu� hatten, um die Brüsseler Weltausstellung zu besuche». Das Geld, daS bei der Niederdeutschen Bank deponiert war, ist größtenteils verloren. Man erwartet in Dortmund nochweitereVerhaftungen. Charakteristisch ist auch, was der«Dortmunder Generalanzeiger" über den verhafteten Direktor Ohm mitteilt. Dieser hat großen Aufwand getrieben.„Er war ein frommer Heuchler, der unter dem Deckmantel religiöser Gefühle die List deS durchtriebenen Geschäftsmannes mit der unermeßlichen Genußsucht des vornehnien Lebemannes verband. Seine Taten hören sich wie ein Kapitel aus Neinecke Fuchs an, nur der goldene Humor fehlt." Letzte IVacbncbtcn und DcpcFcbcn. Vom Rüstungskoller. London, 28. Juli. kW. T. B.) In der heutigen Sitzung de? Unterhauses frug F a b e r den Erster Lord der Admiralität. Mac Kenna, ob er Kenntnis davon habe, daß erstens, während daS schwerste Geschütz der englischen Marine nur Geschosse von 1250 Pfund feuere, das neue deutsche Geschütz solche von 1600 Pfund feuern würde, daß zweitens, während bei der englischen Marine das Gewicht der von den schlveren Geschützen einer Breitseite ab» gefeuerten Geschosse nur 147 900 Pfund betrage, bei der deutschen Marine sich dieses Gewicht auf 161 000 Pfund belaufe, und daß drittens die neuen mit 14zölligen Geschützen auszurüstenden Schiffe der deutschen Marine 8000 TonS größer feien, als die ursprünglichen englischen DreadnoughtS. Mac Kenna erwiderte: Ich kann für die Richtigkeit der in der Frage angegebenen Zahlen eine Verantwortung nicht übernehmen. « Im weiteren Verlauf der Sitzung frug Hugh Cecil an. ob die englische Regierung es abgelehnt habe, an der Internationalen Hygiene-AuSstcllung in Dresden 1911 teilzunehmen. Grey ant» wartete bejahend und setzte auseinander, die Regierung habe berücksichtigt, daß eS nicht wohl angängig sei, eine offizielle AuS» stcllung in Dresden zu veranstalten, weil die britischen Industriellen sich dagegen sträubten, die großen Kosten auf sich zu nehmen, welche mit der häufigen Teilnahme an großen internationalen Aus« stellungen verbunden seien, und weil von der Regierung bereits Verpflichtungen in bczug auf andere Ausstellungen eingegangen worden seien, die in diesem und im nächsten Jahre stattfinden werden. Schwerer Einbruchsdiebstahl. Iserlohn, 23. Juli.(B. H.) Ein schwerer Einbruchsdiebstahl ist heute nacht in der hiesigen Pfandleihe verübt worden. Die Diebe durchfeilten die Eiscnstäbe eines Hoffensters, stiegen durch das Fenster in die Räume, erbrachen Schränke und Kästen und ent- wendeten aus ihnen Wertgcgcnstände im Werte von»«elen Tausend Mark. Man glaubt an der Art der Ausführung des außer- ordentlich verwegenen und frechen Einbruchdiebstahles dieselben Verbrecher zu erkennen, die in letzter Zeit hier in verschiedenen Restaurants eingebrochen sind. Schiffsunfälle. London, 28. Juli. Nach einer 2lohdSmeIdung aus Valparaiso sind die deutschen Segelschiffe„K u r t" und «Thekla heute in leicht beschädigtem Zustand in Valparaiso ein- getroffen. Jedes der Schiffe hat einen Manu verloren. Der Thekla wurden zwei Boote weggespült. Die Polizei im Dienste des Kapitals. New N-rk, 28. Juli. Zwischen Personen, die mit den auS- ständigen Angestellten der American Sugar Refining Company in Brooklyn sympathisierten, und Polizisten kam es zu einem Zusammenstoß, bei welchem ein Man» getötet und ein Polizist und einer der Unruhestifter verwundet wurden. Der Streit war entstanden, als Arbeitswillige unter polizeilichem Schutz Zuckcrliefcrungcn aus der Fabrik herausfahren wollten. 7 Uhr morgens und 5 Uhr abends gelegen sein. Das Reinigen der_____ Lerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.; LH, Glocke, Berlin. Druck».Verlag:BorwörtsBuchdr. u-VkrlagSanstgl» Uaul Singer SrCo� Berlin LW, Hierzu 2 Bcilagea u. Uaterhaltungsbl, i,.i75. v.mmi l. Keilllge des„Ulllllliilts" Kerlilter NolksdIM Vit iudgelbcwilligungsfrage. Unter dem Titel„Der Aufstand in Baden" schreibt Karl KautSky in der„Neuen Zeit": .l. l Die neuesten„positiven" Leistungen unserer badischen Land» tagsfraktion sind bereits von unserer gesamten Parteipresse ein» gehend gewürdigt und fast einstimmig verurteilt worden— wenig- stens jenseits der Mainlinie. Aber auch südlich des Mams haben sie uneingeschränkte, sachliche Zustimmung auherhalb der badischen Parteipresse fast nirgends gefunden. Höchstens sucht man nach Ent- schuldigungen, die die Verurteilung abschwächen sollen: Parteitags- beschlüsse seien schon früher durchbrochen worden, daS sei nicht so tragisch zu nehmen. Und die Sechsundsechzig hätten schon in Nürn» bcrg erklärt, daß der bekannte Parteitagsbeschlutz sie nicht binde, folglich binde er sie nicht! Endlich, jetzt, vor den Wahlen, heiße es nicht streiten, sondern einig sein. Da müsse man über kleine Ver- fehlungen ein Auge zudrücken. Alle die Entschuldigungen sind von vornherein äußerst fadenscheiniger Natur. Wenn das Durchbrechen von ParteitagSbeschlüssen nicht tragisch zu nehmen ist, wozu dann die Parteitage? Tatsache ist. daß bisher Durchbrechungen von Parteitags- beschlüssen stets sehr ernst genommen wurden. Die Verfechter der Disziplinlosigkeit berufen sich gewöhnlich auf den bekannten Beschluß des Kongresses von St. Gallen von 1887, der 1880 vom Zentral. Wahlkomitee durchbrochen wurde; den Beschluß, bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Kandidaten sollten wir uns unbedingt der Stimme enthalten. Im Gegensatz dazu empfahl das Zentralwahl- komitee bei den Wahlen 1380, wir sollen bei Stichwahlen zwischen bürgerlichen Kandidaten jenen von ihnen mit unseren Stimmen unterstützen, der sich gegen jede Verlängerung des Sozialistengesetzes ausspreche. Das war sicher die Verletzung eines Parteitagsbeschlusses, sie wurde daher auch von niemand leicht genommen. Das Zentralwahlkomitee entschloß sich auf Antrag Liebknechts, den Parteitags- beschluß außer Kraft zu setzen, weil die Verhältnisse sich seit St. Gallen in unerwarteter Weise völlig geändert hatten. 1830 handelte es sich nicht wie sonst um ein paar bloße Mandatsverschiebungen; der Ausfall der Hauptwahl zeigte die Möglichkeit, den Sturz des Sozialistengesetzes und des Bismarckschen Regimes herbeizuführen, wenn wir bei den Stichwahlen für die bürgerliche Opposition stimmten. Die Notwendigkeit, unter diesen Umständen die Stich- Wahlparole zu ändern, war so dringend, daß das Zentralwahl- komitee sicher war, dabei die große Mehrheit der Partei hinter sich zu haben. Deren Ansicht einzuholen war aber kurz vor den Stich- Wahlen keine Zeit. Wie richtig das Zentralwahlkomitee die An- schauungen der Genossen beurteilt hatte, bewiesen die Verhäng lungen deS Kongresses zu Halle, wo das Verfahren deS Wahl- komiteeS nachträglich mit großer Mehrheit gebilligt wurde. Ganz anders liegt die Sache mit der Budgetbewilligung in Baden. Das ist eine Frage, die seit einem Jahrzehnt schon wieder. holt aufs eingehendste erörtert und von den Parteitagen mit großer Mehrheit stets im gleichen Sinne entschieden wurde. Hier kann man weder von einer unerwarteten Situation sprechen, noch liegt der mindeste Zweifel vor, daß die große Mehrheit der Partei daS Vorgehen der badischen Fraktion entschieden verwirft. DieS Vor- gehen bedeutet nicht eine taktische Wendung, die durch einen Plötz- lichen Situationswechsel notwendig gemacht und für die man der nachträglichen Zustimmung der Mehrheit der Parteigenossen gewiß ist; es bedeutet vielmehr eine bewußte Auflehnung gegen die Mehr- heit; hier wird erklärt: Die Partei kann beschließen, was sie will, Wir pfeifen darauf. Wir bestreiten ganz entschieden, daß ein derartiger Disziplin- bruch einer ganzen Parlamentsfraktion, nicht einiger untergeord- neter Stänker, in der Partei bisher vorgekommen ist, geschweige denn, daß sie jemals ein derartiges Verfahren als Kleimgkeit be- trachtet hätte, über die sich nur„Prinzipienreiter" und„Dogma- tiker" aufregen, indes weise Häupter mit überlegenem Lächeln darüber hinwegsehen. Daß daS Vorgehen der badischen Fraktion eine Auflehnung gegen die Mehrheit der Partei bedeutet, wird sie selbst nicht leugnen. Aber die Badenser und ihre Freunde glauben förmlich ein Recht auf Disziplinbruch zu haben. Der„Rechtsboden" solle für sie die Erklärung sein, welche die Sechsundsechzig in Nürnberg abgaben, die zu Protokoll genommen wurde und damit von der Partei gls gültig anerkannt worden sein soll! Daß eine Erklärung, die nicht debattiert, über die nicht ab- gestimmt, sondern bloß inS Protokoll genommen wird, die Wirkung haben soll, einen Parteitagsbeschluß aufzuheben, ist etwas Neues, namentlich dann, wenn es die Erklärung einer Minorität von 86 unter 368 Kongreßmitgliedern ist. Noch wackliger wird aber der Rechtsboden des Disziplinbruchs. wenn man die Fassung der Erklärung ansieht, die zu Protokoll gegeben wurde. Dort heißt es sehr unverbindlich: „Wir sind der Ansicht..., daß die jeweilige Entscheidung über die Budgetabstimmung dem pflichtgemäßen Ermessen der ihrer Landesorganisation verantwortlichen Landtagsfraktion vor- behalten bleiben muß." Eine Ansicht wurde hier ausgesprochen, nicht etwa ein Protest, eine Weigerung, dem Parteitagsbeschluß nicht Folge zu leisten, sondern nur die bescheidene Bemerkung, man sei anderer Ansicht als die Majorität. Natürlich hat jeder Genosse das Recht auf seine eigene Ansicht. Durch Mehrheitsbeschluß wird niemand auf be- stimmte Ansichten, wohl aber auf bestimmtes Handeln verpflichtet. Die badischen Landtagsabgeordneten haben das Recht zur Ansicht, die Budgetbewilligung im Landtag sei nicht Sache des Parteitags, sondern der Landtagsfraktion. Aber sie haben nicht das Recht, das Budget tatsächlich zu bewilligen, solange der Parteitagsbeschluß besteht, der das verbietet. Solches Tun ist grober Disziplinbruch und Parteiverrat. Und dieser Verrat wird nicht besser durch seine Begleiterschei- nungen und seine Begründung, sowie durch die Situation, in der er erfolgt. II. Ein Teil unserer badischen Landtagsabgeordneten begnügt sich nicht damit, der Regierung das Budget zu bewilligen, sie versuchen sich auch gleidjzeitig an die Monarchie anzubiedern. Sie nehmen an Huldigungen für den Großherzog teil und entsenden eine Depu- tation, die zur Gratulationscour beim Feste der silbernen Hochzeit des großherzoglichen Paares gehen, also die Funktion von Hof- schranzen oder demütigen Untertanen ausüben soll— denn als Familienmitglieder werden sie nicht zum Familienfest kommen, sondern als huldigende Diener zum gnadigen Herrn. Dürfen wir uns da noch über die Verkommenheit der Bourgeosie entrüsten, die ihre demokratischen Ideale preisgibt, um vor hohen Herren zu schweifwedeln? Es ist richtig, in unserem Programm steht nicht ausdrücklich die Republik. Aber daran ist doch nicht zu zweifeln, daß man nicht ein guter Sozialdemokrat sein kann, wenn man nicht ein guter Republikaner ist. Man kann darüber verschiedener Meinung sein, rn welcher Weise wir unseren republikanischen Standpunkt am zweckniätzigsten zum Ausdruck bringen. Aber gerade weil republi- konische Propaganda in Deutschland so viele Hindernisse findet, müssen wir um so sorgfältiger alles vermeiden, das in den Massen den Glauben erwecken könnte, als hätten wir unsere republikanischen Ueberzeugungen abgelegt oder gar wir erwarteten von der Monarchie ein« Förderung proletarischer Ziele. Oder sind unsere Abgeord- neten in Baden schon so weit, derartiges selbst zu glauben? Dann mögen sie es doch offen bekennen, daß sie auch schon ihren demo- kratischen Anschauungen aus„Taktik" und im Interesse„positiven Wirkens" den Lauspatz gegeben haben. Solange sie sich nicht offen als Monarchisten bekennen, solange sie als Republikaner gelten, ist jede Beteiligung an höfischen Huldigungen eine Würdelosigkeit. Schon im Interesse ihrer ManneSwürde miijßten sozialdemokratische Abgeordnete sich von jeder monarchistischen Huldigung fernhalten. Monarchistische Demonstrationen sind aber auch keine Privat- fache sozialdenwkratischer Abgeordneter. Sie sind unvereinbar mit der Demokratie, also mit unserem Programm. Das empfindet unsere Partei so tief, daß sie eS in ihrer DreS- dener Resolution(ablehnte, Posten im Präsidium deS Reichs- tags mit ihren Kandidaten zu besetzen, wenn daran höfische Ver- pflichtungen geknüpft würden, obwohl die Verpflichtungen eines Vizepräsidenten des Reichstag noch nicht alS Huldigungen betrachtet werden müssen und nicht freiwillig«, sondern vorgeschrieben« sind. §ür diese Resolution, die heute noch gilt, stimmten auch Kolb und rank. Heute sind sie dafür, daß sozialdemokratische Abgeordnete ohne irgendwelche Veranlassung an Veranstaltungen teilnehmen, die nicht etwa bloß die Monarchie als einen tatsächlich bestehenden politischen Faktor anerkennen, sondern entweder ehrliche persönliche Begeisterung für den Monarchen oder elende Heuchelei darstellen, auf keinen Fall etwas bedeuten, wobei ein Demokrat Ehre einlegt. Unsere Partei ist es ihren demokratischen Grundsätzen wie ihrer Ehre in gleicher Weise schuldig, jede Teilnahme an höfischen Huldi» gungen aufs strengste zu verbieten, die sie auf das Niveau der Hurrakanaille herabdrücken würden, wenn sie sich wiederholten und Nachahmung fänden. Gibt es sozialdemokratische Abgeordnete, deren republikanisches Empfinden und deren Mannesstolz nicht genügend entwickelt ist, sie vor solchen Fehltritten zu bewahren, dann muß unsere Partei ihnen ausdrücklich Schranken setzen. III. Das Vorgehen unserer Fraktion im badischen Landtag ist ent* schieden zu verurteilen. Darüber ist wohl die große Mehrheit der Genossen einig. g Aber es genügt nicht, sie zu verurteilen. Wir müssen auch ver« suchen, sie zu begreifen, sie zu erklären. Denn das ist ja selbstver- ständlich, aus purem Uebermut oder reiner Gedankenlosigkeit haben die badischen Genossen ihren Disziplinbruch und ihre Verleugnung der Demokratie nicht begangen. Sie mußten glauben, damit etwas zu erreichen, sonst hätten sie es nicht getan. Was sie zu erreichen suchten, ist freilich nicht so leicht zu er- fassen. Am 4. Juli hatte die Fraktion den Beschlutz gefaßt, es sei mit ihrer politischen Ehre unverträglich, für das Budget zu stimmen, da der Minister Bodman die Gleichberechtigung der Sozialdemokratie ablehne. Einige Tage später aber hieß es im Karlsruher„Volks- freund", es sei Pflicht der Fraktion gewesen, für das Budget zu stimmen, weil sie die Aufgabe hatte, den Minister Bodman vor dem Sturze zu bewahren!> Woher diese Sprünge? Dafür finden wir in dem zitierten Parteiorgan auch eine Erklärung: „Herr v. Bodman ist, wie Genosse Dr. Frank einmal sagte', eine komplizierte Natur.... Zwar schleppt er das Bleigewicht veralteter Traditionen am Bein, aber schon mehr wie einmal hat er ein überraschendes Verständnis für die moderne gesellschaftliche Entwickelung und die in ihr wirkenden Kräfte bewiesen. So passiert eS ihm. einmal nach links und einmal nach rechts anzustoßen." Stößt er nach links an, dann ist es mit der politischen Ehre unvereinbar, ihm daS Budget zu bewilligen. Stößt er nach rechts an, dann muß es ihm bewilligt werden, um ihn vor dem Sturze zu bewahren. Man denke, welch unersetzlicher Verlust für die Menschheit es wäre, wenn ein Minister der eben beschriebenen Art, ein Vertreter des unzuverlässigsten Zickzackkurses stürzte. Da versetzt man lieber der Parteidisziplin eine schallende Ohrfeig« und sagt der Mehrheit der Genossen den Krieg an. als daß man einen solchen Muster- minister gefährdete!> Und man denke, eine Fraktion,-die ihre Stellung zur Regio» rung nicht nach deren Gesamthaltung festsetzt, sondern nach der letzten ihrer zufälligen Schwenkungen. Da eS Herrn Bodman zu» fällig passierte, daß der letzte Anstoß vor der Budgetabstimmung, den er bewirkte, nicht nach links, sondern nach rechts ging, wurde der Gesamtregierung das Budget bewilligt; daS ihr sonst verweigert worden wäre. Offenbar ist Herr v. Bodman ein Schlaumeier, der sein« Pappenheimer kennt. In seinen Taten„schleppt er daS Blei- gewicht veralteter Traditionen am Bein", ist er sozialistenfeindlich, er Veüveigert der Sozialdemokratie die Gleichberechtigung. Aber seine Redensarten weiß er so zu drechseln, daß naive Ge- müter daraus ein„überraschendes Verständnis für die moderne gesellschaftliche EntWickelung" heraushören. Und eS genügt, saß er ein paar solcher Redensarten äußert, die zu nichts verpflichten, und sofort ist in unserer Fraktion aller Groll vergessen und Herr v. Bodman der Mann, der um jeden Preis, auch um den des DiSzt» plinbruchs, gehalten werden mutz! Die französischen Ministerialisten verlangten doch praktische Konzessionen, Aemter für sich und ihre Freunde. Die badischen Ministerialisten lassen sich schon durch leere Redensarten kdderp,!, Aber wozu der monarchistische Taumel? Wjozu eben jetzt daS geflissentliche Hervorkehren der Untertanentreue, daS Weltrennen mit den bürgerlichen Parteien um die großherzogliche Gupst? Da» für wird uns nicht einmal der Versuch einer Erklärung gegebe«. Wir müssen nach einer solchen selbst suchen.> Da gibt eS nur eine, die einen Sinn hat und auH die Budget» bswilligung weit besser motiviert, als das Bedürfnis, die Dienste des so wechselvollen Herrn v. Bodman dem badischen Volke zu er- halten: diese Erklärung liegt in der Grotzblogpolitik, in dem Streben, mit den Nationaliberalen zusammen üne Regierungspartei auszumachen und diese Politik aus Bad� auf daS Reich zu übertragen. Auch das deutet der Artikel deS fiarlSruher„Volks- freund" an. Er sagte, eS handelt sich darum, her Reaktion„eine aktionsfähige Mehrheit entgegenzustellen. Dies ist in Baden mit dem Großblock abermals gelungen, und zwar mit einem Erfolg, der weit über die Grenzen Badens hinaus von großer Bedeutung ist". Hier haben wir selbst den Hinweis darauf, haß wir eS in der badischen Aktion nicht mit einem lokalen Vorkommnis zu tun haben. das die Genossen im übrigen Deutschland nichts angeht, sondern mit einem Vorkommnis, das„weit über die Grenzen Baden» hinau» von großer Bedeutung ist". Gleichzeitig mit der Budgetbewilligung erschienen in den „Monatsljcften" Artikel, die für die Blockpolitik im Reiche eintraten sollte. Die Untersuchungen deS schwedischen Geleh.-un haben aber nur gezeigt, daß eS von dem alten Wildschwein nicht nur zu dem HauSschwein, sondern auch zu dem Torfschwetn alle Uedergänge gibt. Daß eS sich hierbei nicht etwa um Kreuzungen hcmdelr. da» wurde besonder» durch Funde bewiesen, die in der Grotte von S'.'-ira Karlsö, einem jungsteinzeitlichen Wohnplatz, gemacht wurden. Hu.-- wurde in den untersten(ältesten) Schichten daS alte Wildschwein, darüber die Reste von einer Zwischenform und erst in den jüngsten Schichten daS.Torfschwein' gefunden. Damit ist der sichere Nach- weis geliefert, daß das Torsschwein, daS kleinste bisher bekannte subfosfile Schwein, durch Verkümmerung au» dem europäischen Wild« schwein hervorgegangen ist, also nicht aus Asien stammt. Humor und Satire. Kulturträger. Bode mimt den klugen Schweig«; Denn fein Florapech ist groß. Aber den„Lokal- Anzeiger" Hetzt er aus den Gegner lo». Hei. zieht der ergrimmt vom Ltd«; Wo der Meister In Gefahr l Frech beschmiert er mit der Fed« Auch, was hier zu lesen war. Zum Geheimrat schickt er schnorrwärt» Seinen Schmock behufs Reschersch'. Alfred Holzbock kontra„Vorwärts"! Leser, klingt dir daS nicht närr'sch t Und. gedeppt ob manche» BöckchtN», Schüttet Bode mit Gebraus In den Busen dieses Schmöckchm» Seine wunde Seele aus. Nein, wtr Sozis find mit nichtm (So diktiert er forsch dem Kerl) Reif, um über Kunst zu richten, Wie's der Dümmste ist bei Scherl! Unser kritisches Gewimmer geigt von KennMiS keine Spm! Proletarier bleiben immer Eben Feinde der Kultur. Der nur ist ihr echter Träg«, Der. von Skrupeln nicht genier� Hündisch folgt dem Florajäger Und aus jeden Pfiff pariert... Braver Holzbock, gut gemeckert! In dem Holzpapiergefild Hast du dich mit Ruhm befleck«!, Ganz nach Bode» Ebenbild. kleines feiriUeron. Wieviel Menschen können auf der Erde Irden? Uever diese Frage stellt Rudols Schulze in der geiffchrist„Hochland" folgende interessante Betrachtungen an: Die Gesamtbevölkerung der Erde schätzt man gegenwärtig auf 1600 Millionen Menschen. Davon wohnen mehr als die Hälfte in Asien, ein Viertel in Europa. Die Volksdichle beträgt auf einen Quadratkilometer für die Ackerbau- länder Mitteleuropas 60, Elldeuropas(Lombardei, Campanien) bis 160, in den Tropen lJndien, Java) bis 300. Aber die letzte Zahl ist eine seltene Ausnahme. Ungeheure Strecken, die Polargebiele, die Steppen und Wüsten, find fast menschenleer. Von den 132 Millionen Quadratkilometer Landfläche, die die Erde außer den Meeresflächen hat, sind zirka 100 Mill. Dkm sehr dünn bevölkert oder unbewohnt 13., schwach.(Dichte 1— io Menschen pro Dkm) 13.. mäßig' i• IO" 60.-») 3,, gut,(. 60—100,,.) 3.„ stark-<. über 100,..) Die Frage nun. für wieviel mehr Menschen die Erde noch Existenzmöglichkeil bietet, hängt nicht nur_ von dem vorhandenen Raum, sondern auch von der Ernährungsmoglichteit ab, da müssen also alle diejenigen Gebiete ausgeschaltet werden, die infolge der Ungunst des Klimas keine großen Erträge liefern können. Es kommt somit daraus an, wie viel ertragsfähiger Boden noch gewonnen werden kann. Schon heute sind Deutschland und England auf Getreideeinfuhr angewiesen. In Deutschland betrug die Weizenernte im Durchschnitt der letzten Jahre rund3'/„ Millionen Tonnen, eingeführtaber wurden rund 2 Millionen Tonnen. Wollte Deulschland sich selbst ernähren, so müßre also das Weizenareal verdoppelt werden. England würde zur Selbsternährung einer Weizenfläche von 34 000 Ouadralkilometer gleich einem Viertel deS Landes bedürfen; das ist un- möglich zu erreichen. Man könnte einwenden: es gibt in Europa noch tausend« von Ouadralkilometer Oedländereien. Aber fast die Halste davon, nämlich 100 000 Quadratkilometer liegen nördlich der Getreidegrenze. Wie groß der Bedarf ist. merkt man erst, wenn man bedenkt, daß England allein für die zu- nehmende Bevölkerung jährlich 260 Quadratkilometer mehr an- bauen müßte. Da will also auch die Austrocknung der Pontinischen Sümpfe mit 300 Quadratkilometer und selbst deS ZuiderseeS mit 2000 Ouadralkilometer nicht viel besagen. Von den Anbauflächen. die sonst noch in Frage kämen, haben die Vereinigten Staaten keinen jungfräulichen Boden mehr; seit 1803 hat dort die Weizenfläche, 200 000 Ouadralkilometer, nicht mehr zugenommen. Vergrößert werden kann die Anbaufläche in Kanada. 12 000 Quadratkilometer, um höchsieus das Vierfache, und in den La Plata-Siaaten Argentinien und Uniguay, zirka 3S 000 Quadrat- vlometer, um das Dreifache. Große Flächen besitzt noch Sibirien, aber dort ist auch die jährliche Einwanderung sehr groß. In Australien ist die Anbaufläche wegen der Ungunst der Regenmenge kaum zu vergrößern. Das Gesamtareal für Weizen, das 1800 auf rund 800 000 Quadratkilometer geschätzt wurde, dürste also kaum zu verdoppeln sein. Nun kann freilich der Ertrag gesteigert werden. Wie großenfEin» fluß dies haben kann, zeigen folgende Zahlen: Es beträgt der mittlere Ertrag pro Hektar in Dänemark 36. m Deutschland 19, in Oesterreich 14, in Argentinien 12, in den Vereinigten Staaten 11, in Ruß- land 8, in Südaustralien 7 Hektoliter. Aber auch die Steigerung de» Ertrages geht nicht in« Un- endliche, sondern nur bis zu einer gewissen Grenze. Auf Grund dieser Erwägungen kommt der Versasser zu dem Schluß, daß die Zahl der gegenwärtig aus der Erde lebenden Menschen höchstens verdoppelt werden, also höchsten« etwa 3 Milliarden erreichen könnte. — Wie man steht, hat er die Möglichkeit, daß eS der Wissenschaft gelingen könnte, aus chemischem Wege Nahrungsmittel zu produzieren. nicht mit in Betracht gezogen. Aber auch die andauernd steigende Produktivität der menschlichen Arbeit ist nicht berücksichtigt. Ins- besondere jedoch ist gar nicht Bedacht genommen auf die Hemmnisse, die der Kapitalismus einer vernünftigen und ausreichenden Produktion in den Weg legt. Heutzutage richtet sich die Produktion einer jeden Ware ganz wesentlich danach, ob eine zahlungsfähige Nachfrage für sie vorhanden ist. Werden diese Hemmnisse durch eine sozialistische Wirtschaftsweise auS dem Wege geräumt, so ergeben fich noch gewaltige Möglichkeiten der Pro- dultionsvermehrung. Uebrr die Herkunft der Haustiere sind die Meinungen der Fach- gelehrten noch recht geteilt. Vielfach nahm und nimmt man noch an, daß unsere Haustiere aus Asien stammen. Neuerdings wird aber die Notwendigkeit, die prähistorischen Haustiere aus Asien herzuleiten, von verschiedenen Forschern bestritten und Studien zur Geschichte der Schweineraffen, die von einem schwedischen Naturforscher angestellt worden sind, scheinen darzutun, daß die neuere Auffassung die begründetere ist. Die Untersuchungen dieses Gelehrten beschäftigen sich in der Hauptsache mit subfossilen Teilen von Schweinsskeletten, die in Schweden teils in Torfmooren, teils in menschlichen Wohnplätzen gefunden worden sind. ES handelt sich bei letzteren um Funde von der jüngeren Steinzeit an bis zum 17. Jahrhundert. Es stellte sich nun bei den Unterluchungen heraus, daß alle Skeletteile, die in den Torf- mooren gefunden worden, und auch ein Teil der Funde aus steinzeitlichen Wohnplätzen dem sogenannten alten Wildschwein angehörten, das robuster gebaut war als unser heutiges Wildschwein. Von diesem europäischen Wildschwein hatte man nun früher das so- genannte.Hausschwein", d. h. das unveredelte Landschwein der heutigen Schweinezüchter abgeleitet, nicht aber das in den Pfahlbauten gefundene, prähistorische zahme Schwein, das sogenannte .Torfschwein", das von asiatischen Wildschweinen abstammen öT8 Niktel..,?er Slcä!tfoR eine vikionSsähige MeHicheik enlgigen. zustellen", ein Mittel, das bei den nächsten Reichstagswahlen zur Anwendung kommen soll, wo die Sozialdemokratie Arm in Arm mit den Nationalliberalen bor die Wähler treten müsse, um für Deutschland die Freiheit zu erobern, für die die Nationalliberalen bekanntlich seit jeher bereit waren, ihr Herzblut hinzugeben. Nur als Vorbereitung für die Wahlpolitik ist der badische DiS- ziplinbruch zu verstehen Nur daher auch das plötzliche Hervor- 'kehren der Untertänigkeit der badischen Republikaner. Es gilt, sich bei den Nationalliberalen lieb Kind zu machen, ihnen zu beweisen, daß die Sozialdemokratie bereit ist, alle ihre Prinzipien an den Nagel zu hängen, wenn ihr dafür von den Nationalliberalen gnädigst erlaubt wird, in dem von ihnen kommandierten.Großblock" mit- gutun. Das ist des Pudels Kern. Und deshalb jetzt, vor dem Eintritt in die Agitation für die Reichstagswahlen, der Vorstoß. IV. Die Idee des Blocks öon Bassermann bis Bebel sieht auf den «ersten Blick ganz vernünftig aus: zersplittert sind wir nichts, der- eint sind wir eine Macht. Und die nächsten Interessen der Liberalen wie der Sozialdemokratie sind die gleichen:„die Ueberführung Deutschlands aus einem bureaukratischen Feudalstaat in einen verfassungsmäßigen, parlamentarisch geleiteten, liberal und in- dustrialistisch geleiteten Staat". Stellen wir also alles zurück, was uns trennt, die Revolution und das Endziel, heben wir die gemein- tamen Aufgaben hervor, dann werden wir im Bunde mit den Liberalen einen gewaltigen Wahlsteg erfechten, der doch die Bour- geoisie nicht erschreckt, sondern an uns fesselt, so daß wir mit ihr gemeinsam einen„regierungsfähigen Block der Linken schaffen, der Zentrum und Konservative auf die Dauer in der Minderheit hält und durch seine positiv-fruchtbare Politik vor allem Volke den Beweis zu liefern vermag, daß ihm die Zukunft des deutschen Volkes auf die Dauer anvertraut werden darf". Dies der Weg zur Macht, den Maurenbrecher vorschlägt und den die Badenser offenbar bereits eingeschlagen haben. Die Gangbarkeit dieses Weges hängt davon ab, ob eS möglich tst. das zurückzustellen, was uns trennt, ob unser nächster Weg in derselben Richtung geht, wie der des Liberalismus. Das erweist sich sofort als unmöglich, wenn man die politische EntWickelung nicht als rein parlamentarische aufsaßt, nicht die Parteien ins Auge faßt, sondern die Klassen, die hinter ihnen stehen. Da zeigt sich es, daß die ökonomischen Interessen der Kapitalisten und die der Proletarier nicht erst in der fernen Zukunft, sondern bereits in der Gegenwart auf Schritt und Tritt auseinandergehen. Und das„Endziel" selbst, ist es ein bloßer Traum der fernen Zukunft, der auf unsere Praxis nicht den mindesten Einfluß hat? Das Endziel ist nicht eine Forderung, die man nach Belieben auf. stellt oder beiseite schiebt. Es entspringt der Erkenntnis, daß die kapitalistische Gesellschaft auf der Ausbeutung des Proletariats begründet ist, und daß sich das Proletariat in dieser Gesellschaft zu keiner Lage erheben kann, die es befriedigt. Daß alle Verbesse- rungen seiner Lebens- und Arbeitsbedingungen durch GeWerk- schaften und Sozialpolitik den auf seiner Ausbeutung beruhenden Klassengegensatz nicht verringern; daß ihre soziale Bedeutung vielmehr darin ruht, die Kampffähigkeit des Proletariats zu der- mehren. Daß es daher die politische Macht nur dazu benutzen kann, der kapitalistischen Ausbeutung durch die Expropriation der Kapitalisten für imnier ein Ende zu machen; daß es jeden Bruchteil politischer Macht, den es erringt, dazu benutzen muß, die Macht dl» Kapitals einzuschränken. Das ist eine Erkenntnis, die, einmal gewonnen, nicht wieder verlotc« gehen kann. Und wenn wir selbst diese Erkenntnis ver- dunkeli wollten, würde dies bloß auf das Proletariat zurückwirken, n:cht m'.f die Bourgeoisie. Diese hat ein zu ausgebildetes Klassen- bewusstscstb als daß sie den Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit und die Gefahr der politischen Macht deS Proletariat» nicht schon frübzeftkg begriffen hätte— lange vor Marx. Seit den Tagen der französischen Revolution hat jeder wirkliche Machtzuwachs des Proletariats die Bourgeoisie erschreckt und ins Lager der Reaktion getrieben, indeS er gleichzeitig die Anforderungen des Proletariats an den Staat steigerte. Die Arbeiterklasse hat bisher noch keinen großen Sieg errungen, der nicht die Kluft zwischen ihr und der gesamten Bourgeoisie erweitert hätte. Nicht anderes kann auch di» Folge der nächsten Reichstagswahl sein, wenn sie wirklich für unsere Partei den großen Sieg bringt, den alle Welt erwartet. Sollte es aber nächste„gemeinsame Aufgaben" von Liberalis- muS und Sozialisinus geben, so großartiger Natur, daß sie die Gegensätze zwischen- beiden Parteien wenigstens vorübergehend zu überwinden vermöchten? Die eine dieser Aufgaben soll darin bestehen, Deutschland in einen„industrial regierten Staat" zu verwandeln. DaS ist eine jener nationalsozialen Phrasen, die Maurenbrecher seinem Lehrer Naumann nachschwäzt. eine schillernde Seifenblase, die platzt, so- bald man sie beriührt. Leidet das deutsche Volk etwa unter einem Mangel an JndustrialismuS? In keinem Lande der Welt, mit Ausnahme der Vereinigten Staaten, hat sich in den letzten vierzig Jahren der i.ndustrielle Kapitalismus so gewaltig entwickelt wie in T.eutschlcrnd. Die Verwandlung des jetzigen Deutschlands aus einei» Fs-udalstaat in einen Industriestaat zu fordern, ist eine Sinnlosigkeit. Soll Deutschland etwa kein Industriestaat sein, weil die pr<--üßischen Junker noch solche Macht haben? Da könnte man «bento gut England einen Feudalstaat nennen, wo der Großgrund- besttz und das Haus der Lords mindestens ebenso fest wurzeln, wie in Preußen das Junkertum. Die Macht der preußischen Junker beruht heute nicht auf ihrer Beherrschung der Kapitalisten, sondern auf ihrer Unterstützung durch die Kapitalisten. Das Junkertum selbst ist völlig dem Feudalismus entwachsen, durch und durch industrialisiert und kapitalisiert und an der weiteren Jndustriali- fierung Deutschlands aufs lebhafteste beteiligt. Was heißt aber überhaupt„industrialistisch" regieren? Doch nicht die Industrie künstlich stärker entwickeln als die Landwirt- fchaft? Daran denkt niemand. Tatsächlich handelt eS sich aber auch den industriellen Kapitalisten ebenso wenig um die Industrie wie den Grundbesitzern um die Landwirtschaft. Das sind schöne Worte, um die Jnteressenpolitik für die naive Masse zu verstecken. Die Kapitalisten treiben Industrie um des Profits willen, wie die Grundbesitzer Landwirtschaft treiben oder, beim Pachtshstem, treiben lassen um der Grundrente willen. Die einen sagen, sie wollen die Ernährung des deutschen Volkes sicherstellen, und verstehen darunter bie Erhöhung der Grundrente durch Verteuerung der Lebensmittel. Die anderen erklären, sie wollen dem deutschen Volke Beschäftigung geben, und verstehen darunter die Erhöhung deS Profits durch vermehrte Ausbeutung der Arbeiter. Ein industrialistisch regiertes Deutschland ist für sie ein Deutschland, in dem die Staatsgewalt für den Profit der Kapitalisten besorgt ist. Sollte die Sorge für den industriellen Profit wirklich eine gemeinsame Aufgabe sein, die Arbeiter und Kapitalisten zusammen- kettet und aus ihnen eine eherne Phalanx gegenüber den Grund- besitzern macht? Und die andere Aufgabe, die Ersetzung des persönlichen und bureaukratischen Regime? durch ein parlamentarisches, also Unter- wcrfung der Regierung unter das Parlament? Das ist sicher eine der wichtigsten Aufgaben für die Sozialdemokratie. Aber seit wann ist es eine für die Nationalliberalen? Sie ist es heute weniger als je. In dem Maße, in dem daS Proletariat politische Fortschritte macht, schwindet in den besitzenden Klassen da» Bedürfnis, im Parlament die oberste Macht des Lande? zu besitzen, wächst in ihnen das Bedürfnis nach Erstarkung der Regierungsgewalt gegen- über dem Parlament. DaS sehen wir in England, wo das König- tum in den letzten Jahren eine Macht erlangt hat, wie eS sie schon lange nicht besaß. Wir sehen es in der Republik Amerika, wo Roosevelt die Stellung eines ungekrönten König? einnimmt. Wir sehen es in Frankreich, wo der neue Autokrat ausgerechnet ein ehe- maliger Apostel des Generalstreiks ist. Und geraoe jetzt sollen die Nationalliberalen in Deutschland, die so unendlich viel feiger sind als die Liberalen England», Frankreichs, Amerika», entschlossen sein, BTe Mächt Set Seulfchen Regierungen zu Stechen, Gnb dazu ST« Hilfe der Sozialdemokratie anrufen? Die GratulationScour bei der silbernen Hochzeit deS Groß- Herzogs soll wohl den gemeinsamen Kampf der beiden Verbündeten gegen die Regierungen feierlich eröffnen? Es kann nichts Lächerlicheres geben, als den Glauben, ein Bündnis mit den Nationalliberalen zu einem„regierungsfähigen Block" sei der Weg, der das Proletariat zur Macht führt. Selbst toenn wir alle unsere Grundsätze über Bord würfen, aus Sozial- demokraten Nationalsoziale würden, was sich Maurenbrecher offen- bar ebenso einfach vorstellt, wie die Verwandlung aus einem Nationalsozialen in einen Sozialdemokraten; selbst wenn wir kaisertreue Kolonialschwärmer und Flottenpatrioten würden, er- höhte Zivillisten und Kriegsrüstungen mit Begeisterung votierten, um unsere„Negierungsfähigkeit" zu erweisen, würde das„herzliche Einvernehmen" mit den Nationalliberalen schon an der Frage des preußischen Wahlrechts scheitern. Wollten sie eS doch noch pluto- kratischer gestalten, als es ohnehin schon ist! „Der wichtigste Schritt," sagt Maurenbrecher,„auf dem Wege zur Macht ist, daß es uns gelingt, im kommenden Reichstag dje liberal-sozialdemokratische Abwehrmajorität gegen die Konserva- tiven auch zu einer positiv-fruchtbaren Arbeitsmajorität auSzu- gestalten." Man nenne uns eine, aber auch nur eine einzige„positive" Arbeit zugunsten des Proletariats, die von dieser„Arbeits- Majorität" zu erwarten wäre. Die Nationalliberalen und selbst der größte Teil der Frei- sinnigen sind ebenso unsere Gegner, ebenso geneigt, jegliche Reaktion mitzumachen, wie der schwarzblaue Block. Nur eines verbündet uns mit ihnen: die momentane gemeinsame Gegnerschaft gegen daS Zentrum. Diese beruht aber bei uns auf ganz anderen Motiven wie bei ihnen und erfordert bei uns eine ganz andere Art der Bekämpfung. Nicht einmal bei der Propaganda gegen das Zentrum dürfen wir mit den Nationalliberalen ins gleiche Horn blasen. DaS erfordert eine kleine Erläuterung. (Schluß folgto flrps R. verhzstet. Endlich ist in Leipzig der Mann hinter Schloß llnd Riegel, der am 2. November 1S08 das Friedrichsche Ehepaar ermordete, vordem schon einen Ueberfall auf den Geldbriefträger Rllbnrr auS- führte und vielfache Erpressungsversuche gegen den Leipziger Ber- lagsbuchhändler Weber machte. Die Ergreifung ist nicht der In- telligenz der Polizei, sondern dem Zufall und der Entschlossenheit deS Verlagsbuchhändlers Weber und seines Chauffeurs zu danken. Am Sonnabend, den 16. Juli, nachmittags etwa gegen 4 Uhr, betrat ein Schuljunge das Webersche Geschäftsgebäude und überreichte einen Brief an Herrn Siegfried Weber mit der Bemerkung, daß er auf Antwort warten solle. In dem Briefe wurde die Auf- sorderung ausgesprochen, daß dem Ueberbringer ein Geldbetrag mitgegeben werden solle. Durch weitere Fragen stellte man fest, daß der Junge den Brief von einem besser gekleideten Menschen erhalten habe, der in der Nähe des Weberschen Geschäfts wartete. Als dem Boten noch weitere Auskünftie abverlangt wurden, lief er davon. Von Herrn Weber war inzwischen aber bereits das Automobil zur Bereitstellung verlangt worden. Als nun der Junge ausrückte, nahm Herr Weber selbst die Verfolgung auf, wähvend das Auto auf einem andern Wege folgte. In der Salomonstraße wurde der Bote dann wieder bemerkt; er ging die Karlftrahe entlang und begegnete dort zwei Männern, denen er anscheinend Bericht über seine Mission erstattete. Die beiden Menschen gingen nachher bis zu dem Droschkenhalteplatz an der Karlstratze. Herr Weber folgte ihnen. An der Droschkenhaltestelle bemerkten die beiden verdächtigen Männer, denen sich alsbald ein dritter zugesellte, da» Webersche Automobil. Wie nun Herr Weber auf den einen derselben los- ging, knöpfte dieser seinen Ueberrock auf, zog ihn auS und ergriff die Flucht, die andern beiden Verdächtigen blieben zurück. Es entspann sich nun eine wilde Jagd, bei der der sich Flüchtende schließlich durch einen Schutzmann ergriffen wurde. Der Fest- genommene war der nur gelegentlich als Kellner arbeitende 2g Jahr alte Karl Friedrich Koppius. Die Durchsuchung seiner Wohnung ergab viel Belastendes. Es wurde dann auch sein Bruder, der 22 Jahre alte Fritz KoppiuS als der Mittäterschaft verdächtig in Haft gebracht. Karl KoppiuS hat nach Vorhalt der in seiner Wohnung borgefundenen Schriftproben gestanden, die Postan- Weisungen geschrieben zu haben, di« bei der Ermordung der Frie- drichschen Ehrleute eine Rolle spielte«. Sein Bruder nahm in der Wohnung der Ermordeten unter dem Namen Schlingel das an diesen adressierte Geld in Empfang. Wir rufen die Geschichte der schweren Verbrechen in Erinne» rung, denen gegenüber bis jetzt die Leipziger und Berliner Polizei, sowie die Leipziger Staatsanwaltschaft einen so auffallenden Mangel an Geschicklichkeit bewiesen. Am 2. November 1008 wurden die Eheleute Schriftsetzer Friedrich zu Leipzig, Windmühlenstr. 21, ermordet vorgefunden. Die Schädeldecke der beiden alten Leute, die sich mit Zimmer» vermieten befaßt hatten, war mit einem stumpfen, schweren Jnstru- ment eingeschlagen. Die Recherchen der Staatsanwaltschaft und Polizei ergaben, daß Sparkassenbücher und Wertsachen entwendet waren. Auch der Polizeihund vermochte aber von der Spur des Täters oder der Täter nichts weiter als einen Schraubenschlüssel und eine Sportmütze, die sie am Ort der Tat zurückgelassen hatten, aufzufinden. Die Ermittelungen ergaben folgende?: Am Vor- mittag des MordtageS hatte der Briefträger eine Nachnahme an einen gewissen LeSzinSki(unter diesem Namen hatte ein unter Polizeiaufsicht stehender Mann namen» Hemsing«ine Zeitlang bei Friedrich gewohnt) zu bestellen. Ein unbekannter Mann, wahr- scheinlich der Mörder, nahm das Nachnahmepaket in Empfang; währenddessen kam der GeldbrieftrLgcr Froburg, um eine kleine Postanweisung an einen gewissen Schlegel zu bestellen. Der Un- bekannte behauptete, er sei der Schlegel und quittierte über den Empfang de? Geldes. Hernach stellte sich heraus, daß die Unter- fchriften, die dieser Mann geleistet hatte, dieselbe Handschrift trugen wie ein in der Wohnung vorgefundener PoftanweisungSabschnitt an Schlegel, der nie bei Friedrich gewohnt hatte. Mit an Gewiß- heit grenzender Wahrscheinlichkeit ließ sich annehmen, daß die Postanweisung zu dem Zweck geschrieben war, um den Geldbrief- träger zu überfallen, und daß die armen Wirtsleute von ihm und seinem Komplicen ermordet sind, um Zeugen der Tat zu beseitigen. Dir Ausführung der schändlichen Tat wurde lediglich durch da» Zusammentreffen beider Briefträger vereitelt. DaS Manöver er- innert an das hier in Berlin am 7. Mai IVOS in der Kürnerstraße versuchte Attentat gegen einen Geldbriefträger und die schwere Verletzung der Witwe Räschke in der Körnerstraße. Die Ermittelungen der Staatsanwaltschaft und Polizei er- gaben ferner, daß von derselben Handschrift eine nach dem PeteeS- steinweg gerichtete Postanweisung geschrieben war. Auch hier hatten die Täter ein ähnliches Verbrechen in Aussicht genommen. ES wurde eine Belohnung von bOO Mk. ausgesetzt. Von dem Täter wurde aber nichts entdeckt. LeSzinSki wurde in Magdeburg festgenommen und später wegen einer anderen Straftat abgeurteilt; zur Zeit der Leipziger Tat soll er sich in Magdeburg aufgehalten haben. Ein ähnliche? Ntlenla? Kar zKel Jahre früher, SM 17. De- zember 1966, in Leipzig gegen den Gcldbriefträger Rübner verübt. Dieser war mit einem schweren, stumpfkantigen Instrument nieder- geschlagen, bewußtlos zusammengebrochen und seiner Barschaft in Höhe von 9666 M. beraubt. Die von dem Täter damals ge- schriebenc Postanweisung trug dieselbe Handschrift wie die im No- vember 1908 gefertigten. Zu Weihnachten 1968 erhielten die Berlagsbuchhändler Weber ein seltsames Angebot durch einen anonymen Brief. Ter Schreiber stellte sich als einen Verbrecher bor, der auf seinen jetzigen Lebens- wände! durch den Staat getrieben sei. Er führe ihn erst seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Er habe unter anderem 29 Morde, darunter drei in Leipzig, begangen, und wolle seine Taten in packender Weise in einem Buch beschreiben, das er der Verlagsbuchhandlung anbiete. 5000 M. Vorschuß wolle er haben, 5000 M. wenn das Werk erschienen ist. Zum Zeichen, daß er nicht renommiere und für die Unfähigkeit der Polizei, führte er an. daß er den Mord in der Windmühlcnstraße ausgeführt habe. Das Bild, daS die Staatsanwaltschaft nach Zeugenaussagen von ihm angefertigt und veröffentlicht hatte, entspreche dem Gesicht, das er außerhalb des Hauses der Tat trage, nicht. Den Verbleib der Sparkassenbücher habe die Polizei nicht ermitteln können, weil er diese verbrannt habe. Daß die Polizei den Verbleib der beiden geraubten Uhren nicht ermittelt habe, liege nicht an ihm. Er habe sie noch am 2. November auf dem Leihaint für 27 M. versetzt. Wenn die Adressaten auf das Anerbieten nicht eingingen, so würde eS ihr Schaden sein. Am 24. Dezember um 6 Uhr sollen die Adressaten nach einem Zeitungskiosk den Vorschuß senden. Unter- zeichnet war der Erpresserbrief mit ArguS R. Die Verlagsbuchhändler erhielten den Brief erst am 25. De- zember. Sie setzten sich mit der Polizei in Verbindung. An- gestellte Recherchen ergaben, daß in der Tat die Uhren (und noch eine Kette, von deren Entwendung die Staats- anwaltfchaft erst jetzt Kenntnis bekam) auf dem städtischen Leih- amt, so wie der anonyme Briefschreiber angegeben hatte, versetzt waren. Ferner ergab sich, daß die Handschrift deS Briefes mit der auf den Postanweisungen gebrauchten identisch war. Kein Zweifel: der anonyme Schreiber des ErpresserbrirfeS und der Mörder der Friedrichsche» Eheleute waren identisch. Die Herren Weber hatten auf Veranlassung der Polizei und der Staatsanwaltschaft dann Inserate in den«Leipziger Neuesten Nachrichten" erlassen, in denen mitgeteilt war, der Brief sei erst am 25. Dezember erhalten, Antwort läge an der erbetenen Stelle. Am 8. Januar erhielt Weber einen zweiten Erprrsserbrief. In diesem gab der Schreiber noch weitere Momente als Beweis dafür an, daß er der Mörder gewesen sei, höhnte über die Ungeschicklich- keit der Polizei und forderte, falls Weber auf das Verlagsgeschäft nicht eingehen wolle, 1090 M. Abfindungssumme» die an einer �stimmten Stelle abgegeben werden sollten. Diesem Verlangen entsprechend wurde ein Paket abgegeben. In einem Brief vom 11. Januar höhnte dann der unbekannte Briefschreiber den Herrn Weber wegen seines unverwüstlichen Zu» trauens zur Polizei:„So waschlappig Ihr Philister, so stumpf» sinnig Eure Polizei." Die Kriminalpolizistqn, die als Straßen- kehrer verkleidet waren, hätte er sofort erkannt und natürlich sich gehütet, daS Paket entgegenzunehmen. Tatsächlich waren mehrere Polizeiagenten, darunter auch ein Berliner Polizeiagent, altz Straßenkehrer verkleidet, an dem bezeichneten Ort gewesen. Nach vielerlei Inseraten, die die Behörde erließ, erhielt Weber unterm 23. Januar abermals einen Brief des Erpressers. In diesem verlangte der Schreiber, der schon in einem vorauf- gegangenen Brief vom 13. Januar Drohungen an ihn gesendet hatte, 1000 M. bei einem Bäckermeister zu hinterlegen und unter einer Stichmarke durch ihn abholen zu lassen. IfiO M. wurden bei dem Bäckermeister hinterlegt, auch püntt- lich am Abend deS 27. Januar durch einen Mcssenger-Boy abgeholt. Der nichtsahnende Messenger-Boy entging der Aufmerksamkeit der zahlreich zur Beobachtung aofgrstelltea Kriminalbeamten. Spätere Nachforschungen ergaben, daß auftragsgemäß der Brief mit 100 Mark vom Messenger-Boy einem Knaben, von diesem dem Mörder übergeben war. Nunmehr erhöhte die Untersuchungsbehörde die Belohnung auf 5000 M„ also auf soviel, wie der unentdeckte Täter als Vorschuß für sein Vcrlagswerk verlangt hatte. Am 4. Februar traf ein sechster langer Brief des Erpressers an Weber ein. In diesem wurden die an der Abfindungssumme noch fehlenden 900 M. ver- langt. Der Schreiber gibt in diesem Brief unter anderem auch an, wie der Raubmordversuch in der Gottschedstrahe im September 1907(gegen Frau Wagner) begangen sei. Der Täter habe ver- sucht, der Dame den Hals zu durchschneiden. Da» Messer habe sich in der Boa verfangen. Die Frau habe„unerhört laut" um Hilfe gerufen, und so sei, da der Täter gerade seinen Dolch zu Hause gelassen habe, das Attentat mißglückt. ES erfolgten dann noch verschiedene Briefe im Februar seitens des Erpressers, in denen er ersucht, den Vorschußrest bei einem anderen Bäcker niederzulegen. AuS einem Schreiben vom 11. Fe- bruar ergibt sich, daß der Schreiber das zufällige Verlassen der Verkäuferin des Bäckerladens für einen Polizeicoup gehalten und dessentwegen weitere Schritte unterlassen hatte. Nach weiterem Hin und Her wurde, dem Verlangen de» Briefschreibers entsprechend, ein Päckchen bei einem Bäckermeister hinterlegt. DaS Päckchen wurde aber nicht abgeholt.-Der Ver» brecher schrieb in einem zwölften Brief, er sei zu der angegebenen Zeit in dem Bäckerladen als Tame verkleidet gewesen. Die Polizei. Häscher hätten ihn freilich nicht entdeckt. Seitdem erhielt Weber noch eine Reihe Erpresserbricfe. Der Verbrecher wurde, wietv-hl die Berliner Kriminalpolizei von der Dresdener Staatsanwaltschaft um HilfStrnppe» ersucht war und diesr auch uach Leipzig rntsendet hat, bislang ebensowenig wie ber Täter deS früheren Leipziger Mordes oder deS vcberfallS in ber Gottschedstrahe oder deS Raubanfalls in Berlin entdeckt. Im Prozeß Pleißner, der im Oktober 1909 zur Verhandlung stand, stellte sich heraus, daß Weber vorschußweise das an die Ber. liner Polizei zu zahlende Geld verauslagt hat. weil— bjz zur Einholung der justizministeriellen Genehmigung zur Zahlung der Summe etwa 14 Tage tatlos verstrichen wären. Außer den hier geschilderten Verbrechen sollen dem Argu» R. noch ein Raubmordattentat auf das Dienstmädchen Hulda Seifert und der Giftmord an dem Buchhändler Ziegler in Leipzig zur Last fallen. Wiegen deS Giftmordes wurde die Haushälterin Minna Doll zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Trifft es zu. daß auch der Giftmord Kobbiu» und seinen Komplizen zur Last fällt, so wäre in ihr eine Unschuldige verurteilt. Der Zufall hat e» gefügt, daß einer der gefährlichen Leute fest. genommen wurde. Weder der Schuljunge noch die entkommenen Begleiter de» ArguS R. haben bislang von der Polizei und Staat», anwaltfchaft ermittelt werden können. Wenn nach den Tätern der mit beispielloser Dreistigkeit unter blutiger Verhöhnung der Polizei ausgeübten Verbrechen fast zwei volle Jahre ergebnislos von Staatsanwaltschaft und Polizei gesucht wurden, so hat die Resultatlosigleit der Bemühungen dieser Be» Hörden nicht zuletzt darin ihren Grund, daß diese Behörden, statt allein Verbrechen und der Entdeckung von Verbrechern nachzu, sMren, Mit ßoMschen MngM uti? Mi? öSgcBen, Arbeiter und Arbeitervertreter zu verfolgen, die nach Hebung der Kultur und Anteilnahme an den Errungenschaften der Kultur streben. Das Versagen der Polizei in der Erfüllung ihrer eigen!» lichen Aufgabe beruht nicht zuletzt darauf, dah sie im Klassenkampf auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet als Büttel gegen die Arbeiter mißbraucht wird. Sinnenfällig zeigt sich hier, in wie eminentem Grade die Sicherheit des Lebens und Eigentums durch die von der herrschenden Klaffe den Strafverfolgungsbehörden zu- gewiesenen politischen Aufgaben leidet. So paradox es klingen mag, so wahr ist es, wie der Fall ArguS R. wieder mal beweist: Staatsanwaltschaft und Polizei müssen infolge ihrer heutigen Orga- nisation und infolge der ihr zugewiesenen politischen Tätigkeiten in wachsendem Maße zur Verfolgung wirklicher Verbrecher un. fähig und selbst zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit werden, Tim der Partei. Internationaler Kongreß in Kopenhagen. Aus dem Parteibureau wird uns geschrieben: Mehrere Bezirksorganisationen haben bisher dem Partei- vorstand die Mandate des gewählten Delegierten noch nicht zugeschickt. Die fraglichen Bezirksvorstände werden ersucht. das umgehend nachzuholen. Die Delegierten erhalten dann eine provisorische Legitimation und die erforderlichen In- formationen vom Parteivorstand zugestellt. Außerdem müssen die Delegierten, soweit das bisher noch nicht geschehen ist, dem Parteivorstand mitteilen, ob sie in Kopenhagen Wohnung beschafft haben wollen. Der dortige Wohnungsausschuß hat sich in einer Reihe Hotels Zimmer gesichert und muß in den nächsten Tagen über die Wohnungsbeschaffung für die Dele- gierten bestimmte Mitteilung haben. Es ist wünschenswert, daß Delegierte, die eventuell mit einem anderen zusammen in einem Zimmer zu wohnen wünschen, dies besonders mit- teilen, iveil Einzelzimmer nicht in ausreichendem Matze zur Verfügung stehen._ Die„Mannheimer BolkSstimme" setzt ihre Veröffentlichungen von.Stimmen aus Arbeiterkreisen" zur Budgetbewilligung fort. Zumeist find es Zustimmungserklärungen. So schreibt z. B. ein Maler Karl Schweninger aus Gottenheim: .Sie gestatten wohl einem Parleigenoffen vom Lande, sich über die Buvgctbewilligung auszusprechen. Es war gerade immer der Zentrumspartei ihr größter Trumpf, die Budgetverweigerung gegen Unsere Partei auszuspielen. In was für demagogischer Art und Weise das geschah, dürfte den Parteigenossen genügend bekannt sein. Interessant ist die Verblüffung der ländlichen Zentrumswähler. War es doch ein fanatischer Zentrums- mann, der öffenilich das Geständnis machte, durch die Landtags- Verhandlungen hätte er sich überzeugt, daß man die Sozialdcmo- kralen nicht mehr in den Zentrum-versammlungen als Sprüchmacher hinstellen könnte. ES mutz deshalb unserer Landtagsfraktion für ihr kluges Verhalten Dank ausgesprochen werden. Dieselbe konnte gar nicht anders handeln, wollte sie nicht den Parteigenossen auf dem Lande, die ohnedies gegen Berge von Unwissenheit und Gleichgülugkeit zu kämpfen haben, die Möglichkeit nehmen, für unsere Ideen in der Zukunft an Boden zu gewinnen. Wenn wir dfe Taktik der norddeutschen Genossen, denen ich übrigens einen längeren Landaufenthalt in einer solch schwarzen Gegend zum besseren Verständnis unserer politischen Lage empfehlen möchte—, befolgen wollten, wäre daS politischer Selbstmord.* Es komnien aber auch entgegengesetzte Stimmen zu Worte wie � B. die folgende: »Von seilen der Budgetbewtlliger und der badischen Parteiprefle wird al» Entschuldigungsgrund für die Budgetbewilligung angeführt, datz es von den badischen LandtagSwählern nicht vetftanden worden Wäre und sicherlich Verwirrung verursacht hätte, wenn die Frattion daS Budget abgelehnt hätte. Also auf die paar tausend Landtags» Wähler nahm man Rücksicht, aber auf die Millionen Reichs- tagswähler, die daS verhalten der Fraktton auch nicht ver- stehen werden, und unter denen eS nicht nur Verwirrung. sondern auch noch Erbitterung hervorbringt, daß man sich über einen Parteibeschluß ohne Grund einfach hinwegsetzt, braucht man nach Ansicht dieser Genossen keine Rücksicht zu nehmen. Dann wird von der Mehr- heit der Fraktion weiter angeführt, datz man durch die Budgetbcwilligung dem Zentrum habe Abbruch tun wollen, und die .Volksstimme" meinte, das Zentrum.wüte" über diese Niederlage. Ich bin der Meinung, daß man dadurch dem Zentrum keinen grotzen Schaden zufügen wird, und datz das Zentrum keine Ursache hat. zu wüten. Im Gegenteil konnte dem Zenttum doch nichts willkommener sein, als diese Budgetbewilligung, gerade jetzt, wo nicht nur die sozial- demokratische Arbeiterschaft bei der nächsten Reichstagswahl auf «inen grotzen Zuwachs von sozialdemokratischen Stimmen und Mandat»» rechnet, sondern auch unsere Gegner schon 120 bis 130 Mandate für unsere Partei herauSgerechnet haben. Ist eS doch dadurch dem Zentrum möglich, die Aufmerksamkeit seiner Wähler von dem Bolksbetrug. den es bei der letzten Finanzreform begangen hat, ab- und auf denStreit in unserenReihen hinzulenken, und so die Wähler durch allerlei Lug und Trug wieder für sich ein zufangen. In Nlnmner 194 der.Volksstimme" wird in einem Artikel behauptet, datz, wenn die Sozialdemokraten das Budget nicht bewilligt hätten, dann auch die Städte- und GcmeindeordnungSreform nicht so erledigt worden wäre. Man gibt sich damit den Anschein, als waS wunder für die Arbeiter auf dem Spiel ge st an den hätte, und doch habe ich die U-berzeugung. dah. wenn diese Städte- und Gemeinde- ordnung nicht so erledigt worden wäre, keinem Arbeiter etwas des- wegen eingefallen wäre. Auch bin ich der Ueberzeugung, dah alle Arbeiter mit mir darin einig sind, daß der eine Arbeitsnachweis in Mannheim in der Schwetzinger Vorstadt uns mehr schadet, als uns die ganze Städte- und GemeindeordnungSrefoxm je nutzen kann, und gerade in dem Punkt, Arbeitsnachweis, hat die Regierung gänzlich versagt. Ich habe auch die feste Ueberzeugung. daß, wenn die Mannheimer Arbeiterschaft dem- nächst etwas gegen den Arbeitsnachweis unternimmt, der Minister v. Bodman, wegen dessen Stellung ja daS Budget bewilligt worden sein soll, sich leinen Augenbtlck besinnen wird, der Polizei die Anweisung zu geben, bei gelegenerZett den Säbel hauen und den Revolver schießen zu lassen; w,e er ,a schon eirniinl im Landtage gedroht bat. Meines Erachtens mag nian die Sache betrachten, wie man will, so findet sich kein stichhaltiger Gnind dafür, datz die Fraktion daS Budget hätte be- willigen müssen, aber Gründe gerade genug, die für die Ablehnung sprechen. Es ist deshalb auch wünschenswert, wenn der deutsche Parteitag dafür sorgt, datz den Budgetbewilligern jede Gelegenheit genommen wird, noch weitere Verwirrung und Erbitterung in die Partei zu tragen und dadurch die Einheit und Einigkeit ,n derPartei zu stören, zum Schaden der Arbeiter- schaft.' Vadische Organisationen zur vndgetdewilligung. In Karlsruhe wurde in einer von etwa 460 Parteigenossen be- suchten Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins Mittwoch- abend die Budgetsiagc behandelt. Der Referent Sauer empfahl der Versammlung, auf dem nächsten Parteitage die Beseitigung deS Budgetbewilligungsparagraphen zu beantragen. Euns in Baden könne nur die fruchtbringende Tätigkeit der ion matzgebcnd fein und die Abgeordneten hätten das Per- n ihrer Wähler vollauf gerechtfertigt. A» der Diskussion ve- teiligten sich auch die Ab gg. Kokb und Dr. Fr an?. Ein Antrag betreffend Zustimmung zur Haltung der badischen Landtagsfraktion wurde mit allen gegen 12 Stimmen, ein weiterer An- trag, der Aushebung des Nürnberger Beschlusses fordert, mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Bon badifchen Organisationen sprach der sozialdemokratische Verein von W l e S I o ch der Fraktion volles Vertrauen au§ und billigte die Budgctabstimmung, dagegen erklärte eine Partei- Versammlung in Müll heim gegen eine starke Minderheit, datz sie die Budgetabstimmung für einen taktischen Fehler halte. Die Generalversammlung für den RelchstagswahlkreiS Cottbus- Sprembcrg tagte am Sonntag in P e i tz. Nach Erledigung des Ge» schäftsberichtS wurde eingehend Stellung zum Magdeburger Partei- tag genomnien. Zum badifchen Disziplinbruch nahmen die Dele- gierten folgende Resolution an: „Die Kreisgeneralversammlung des Reichstagswahlkreises Cott- bu§-Spreml>erg verurteilt auf das entschiedenste die Z u- stimmung der badischen Landtagsfraktion zum Staats« b u d g e t. Durch diesen Beschlutz hat die badische LandtagSfraktion dem ParteitagSbeschluh in Nürnberg eine bewutzt e M i tz- a ch t u n g entgegen gebracht und sich freiwillig auherhalb der Partei gestellt. Die heutige KreiSgeneralversammlung erwartet, datz der Parteitag in Magdeburg diejenigen Matzregeln ergreift, die auf Grund des Organisationsstatuts geboten erscheinen." Der sozialdemokratische Verein für den 7. sächsischen Reichstags- Wahlkreis Meitzen-Grotzenhain hielt am Sonntag feine Generalversammlung ab. Mitgliederzahl und Abonnenten der Parteipresse sind gestiegen. Die erstere beträgt 4143 gegen 3471 im vorhergehenden Jahre, davon hat Meitze» allein 1841 Mitglieder. Die Einnabmen betrugen im verflossenen Jahre 14 826,14 M., die Ausgaben 6122,84 M., so datz ein Kassenbeftand von 8202,30 M. verbleibt. Zum Parteitag wurde folgende Resolution des Ge- »offen Schmidt-Meitzen angenommen: „Die am 24. Juli in der Geipelburg in Meitze» tagende Kreis« konferenz für den 7. sächsischen Rcichstagswahlkreis erblickt in der Zustimmung der badischen LandtagSfraktion zum Finanzgcsetz einen auf das entschiedenste zu verurteilenden Disziplinbruch, durch den sich die badischen Abgeordneten außerhalb der Partei gestellt haben." Der sozialdemokratische Berein für Schaumiiirg-Lippe hielt am Sonntag seine Generalversammlung ab. Der Verein zählte am Schlüsse des ersten Halbjahres in neun Ortsgruppen 299 Mitglieder, gegen 296 am Schlüsse des Vorjahres. Durch die letzte KrifiS in der Glasindustrie hat der Verein viele Mitglieder verloren. Die Gesamteinnahmen deS Vereins betrugen im Geschäfts« jähre 1909/10 727,66 M., die Ausgaben 622,62 M., so datz ein Kassenbestand von 106,14 M. zu verzeichnen war. Anwesend waren 20 Delegierte und Parteifunktionäre, Vertreter des Agitationskomitees und der Presse und der Landtagsabgeordnete. Zum AuS- bau der Organisation sollen monatlich regelmäßig Ortsversammlungen abgehalten werden. Von der Beschickung des Parteitages wurde Abstand genommen. Der Landtagsabgeordnete Lorenz gab zum Schlüsse einen kurzen Bericht von der Tagung des Landtages. „Nnrichtigr Darstellung". In unserem Bericht über die in Dresden-Allstadt statigefundene Parteiversammlung wurde die An- nähme folgender Resolution mitgeteilt:.Die Parteiversammlung des 6. sächsischen Reichstagswahlkreises erblickt in der Zustimmung der badischen LandtagSfraktion zum Finanzgesetz einen auf daS ent- schiedenste zu verurteilenden Disziplinbruch, durch den sich die badi- schen Abgeordneten außerhalb der Partei gestellt haben. Die Ver« sammlung erwartet, daß die Disziplinbrecher aus ihrem Verhalten die Konsequenzen ziehen werden und ihre Mandate niederlegen." Dazu bemerkt die.DreSd, VolkSz.": .Die Meldung ist insofern unrichtig, als kurz vor der Ab- stimmung der letzte Satz, der die Niederlegung der Mandate fordert, vom Genossen Sindermann zurück« gezogen worden war, nachdem eine ganze Reihe Debatteredner sich dagegen erllärt hatte. Die so geänderte Resolution Sinder- mann wurde dann, nachdem die erste Abstimmung zweifelhaft war, gegen eine starke Minderheit angenommen." Dazu wird uns berichtet, datz nicht der ganze Satz, sondern die letzten Worte:„und ihre Mandate niederlegen", zurückgezogen. DaS ist immerhin ein Unterschied. Ein sozialdemokratisches GemeindevorstandSmitglied bestätigt. Der Lübecker Stadt- und Landrat hat am Mittwoch den Genossen Wecker, der zum Mitglied des Gemeindevorstandes im Orte Trenis-Vorwerk gewählt war, in dieser Eigenschaft beeidigt und bestätigt. Bisher hat die liberale Behörde die Bestätigung sozial- demokratischer Gemeiiidevorstandsmitglieder stets grundsätzlich unter- lassen; so wurden seinerzeit in dem lübschen Dorfe Moisling fünf- mal sozialdemokratische Gemeindevorstandsmitglieder gewählt, aber nie bestätigt. Vielleicht beginnt es jetzt bei der.republikanischen" Regierung zu dämmern. Z02iales. Textilarbeiter in Rheinlanb-Westsalen. In der rheinisch-wesifälischen Textilindustrie ist eine Besserung eingetreten. Nach dem jüngsten Bericht dieser Berufsgenossenschaft ist die Zahl der versicherten Betriebe von 2761 auf 2768, also um 7 gestiegen. Die Zahl der in diesen Betrieben beschäftigten Ar- beiter hat sich jedoch erheblich wieder vermehrt und ist von 142 162 auf 148 830. also um 6687 gestiegen. Die stärkste Zunahme hatte Sektion Barmen mit 2423 Versicherten, während in der gleichstarken Sektion Münster die Zunahme nur 829 betrug. Der Durchschnittslohn der Textilarbeiter ist von 888 M. auf 912 M. i mBerichtsjahre gestiegen. In Jahre 1887 betrug der Durch- schnittSlohn gar nur 648 M. Ohne energische Lohnbewegungen der Textilarbeiter wäre heute noch nicht diese„Höhe" erreicht, die doch noch Hungerlöhne bilden, da sie Durchschnittslöhne sind, also auch den Lohn der Vorarbeiter, Werkmeister usw. mit enthalten. Während des JahreS 1909 wurden insgesamt 224S Unfälle der Berufsgenossenschaft gemeldet, von diesen jedoch nur 403 entschädigt. Die Zahl der Unfälle ist gegen das Vorjahr um 5 zurückgegangen. Von den entschädigten Unfällen hatten S Fälle tätlichen Ausgang. Nach der dem Berichte bcigcgebenen Statistik atten die Unfälle eine Erwerbsunfähigkeit zur Folge und zwar: iS zu 4 Wochen: 1265 Fälle, bis zu 13 Wochen 476 Fälle, mehr als 13 Wochen ohne dauernde Folgen: 76 Fälle, mit dauernder teilweiser Erwerbsunfähigkeit 295" Fälle, dauernde völlige Er- werbSunfähigkeit in 1 Fall usw. Die Krankenkassen haben also in den allermeisten Fällen wieder die Lasten und Kosten des Heil- Verfahrens getragen, ohne einen Pfennig Ersatz dafür zu erhalten. Im maschinellen Betrieb sind 991 Unfälle vorgekommen, wäh» rend der Rest als außer Zusammenhang mit dem maschinellen Be- trieb gebucht wurde. Als Art der Verletzungen bezeichnet der Be- richt: in 171 Fällen Verletzungen von Kopf und Gesicht(Augen), in 1201 Fällen-vqn Armen uno Händen(Fingern), in 467 Fällen von Beinen und Füßen, in 187 Fällen Verletzungen mehrerer Körperteile zugleich. Von den«ingelegten Berufungen der Ver- letzten hatten nur 62 Erfolg, während in 100 Fällen die Be- rufung vom Schiedsgericht abgewiesen wurde,—. Die Berufs- genossenschaft halle selbst noch 13 Rekurse erhoben und wurden von diesen bereits 8 zu ihren Gunsten und 6 zu ihren Ungunsten ent- schieden, während die Verletzten 07 Rekurse erhoben hatten und in 0 Fällen nur siegten und in 66 Fällen abgewiesen wurden. Die technischen Aussichtsbeamten der Genossenschaft haben im Berichtsjahre 2303 oder 83 Proz. der Betriebe revidiert. Rechnet man die einzelnen auf 3 Druckseiten de? Berichts näher ange» führten Verstöße gegen die Unfallverhütungsvorschriften zu- sammen, so ergibt sich, daß insgesamt in 2385 Fällen Verstöße vor- gefunden wurden. Warum die Berichte nie Gesamtzahlen bringen? Weiter heißt eS kn dem Bericht:„In 5em RebtsionSssezirke M.» Gladbach beschwerten sich in einer Weberei die Weber beim Auf- sichtSbeainten darüber, daß die verbrauchte schlechte Luft nicht erneuert werden könnte, da sämtliche nach der Straße gelegenen Fenster zugenagelt waren". In dem schwarzen Gladbach scheut man eben Luft und Licht. Auch lasse„die Durchführung der erlassenen UnfallverhütungS- Vorschriften viel zu wünschen übrig und wurden im Berichtsjahre noch viele Verstöße vorgefunden. Teils waren seitens der Unter- nehmer abgenutzte Schutzvorrichtungen nicht ersetzt, teils von Ar- beitern solche abgenommen oder außer Tätigkeit gesetzt. An mehreren neuen Maschinen fehlten sie überhaupt".„Außer auf Verstöße gegen die Vorschriften hatten die Aussichtsbeamten oft Gelegenheit auf mangelhafte Betriebseinrichtungen aufmerksam zu machen, so auf zerbrochene, sich bewegende Maschinenteile, außer Betrieb gesetzte Wasserstände, welche nicht mehr funktionierten". Ferner wird über den Zustand der Leitern und Treppen geklagt, daß wieder„in einer großen Anzahl von Betrieben die Arbeite- rinnen während des Betriebes die Haarzöpfe nicht aufgesteckt tragen" und sich dadurch grotzen Gefahren aussetzen. Zu den Seltenheiten gehöre es aber, datz jugendliche oder weibliche Ar- beiter an gefährlichen Maschinen beschäftigt würden. In einem Falle sei nur ermittelt worden, daß dem„Meister dessen noch schul- Pflichtiger Sohn regelmäßig während seiner freien Zeit an der Zwirnmaschine half" und wurde dies dann verhotem Sicher ist dies kein Einzelfall.„Nach der Ansicht der Aufsichtsbeamten lassen die Fabrikmeister eS auch vielfach an der nötigen Aufsicht fehlen" usw. Trotzdem bringen eS die Aufsichtsbeamten fertig, zur Ent- schuldigung ihrer Unternehmer darauf hinzuweisen, dah in der Unvorsichtigkeit und Unachtsamkeit der Arbeiter in den meisten Fällen die Ursache der Beschädigung zu finden ist". ES wird dann zwar noch hinzugefügt, daß auch mangelhafte Betriebsein- richtungen usw. in Betracht kommen, in der Schlutzstatistik über Ursachen der entschädigten Unfälle bei 427 ermittelten Fällen rn 281„Schuld des Arbeiters" angegeben und nur in 20 Fällen Schuld des Arbeitgebers. Auf Konto„unvermeidliche Betriebs- gefahr* werden 81 Fälle gebucht. Geriekts- Leitung. Eine recht kuriose Geschichte, welche das Zwerchfell des Auditoriums in bedenkliche Erschütte« rungen brachte, beschäftigte gestern unter dem Vorsitz des Land- gerichtsrats Heilbronn die 4. Ferienstrafkammer deS Landgerichts l. Wegen intellektueller Urkundenfälschung war der Arbeiter Walter Lachmann angeklagt.— Ter Bruder des Angeklagten, Fritz Lachmann, war wegen Gewerbevergehens zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Als er diese nicht bezahlte, sollte er die in dem Nichtzahlungsfalle für die Geldstrafe substituierte Haftstrafe verbüßen. Di« Anklage behauptet nun, daß nicht Fritz Lachmann, sondern der jetzige An- geklagte Walter Lachmann die Strafe abgesessen habe. Da sich Walter L. bei der Aufnahme in das Gefangenenregister als Fritz L. ausgegeben hatte, so lag hierin eine intellektuelle Ur- kundenfälschung. Diese Anklage basierte auf folgendem Vorfall. Nachdem der angebliche Fritz Lachmann zwei Tage der Strafe ab- gesessen hatte, ließ er sich vorführen und behauptete, datz er gar nicht Fritz L., sondern Walter Lachmann sei. Die Strafanstalts- behörde entließ nun merkwürdigerweise, ohne diese Angabe erst nachzuprüfen, den Inhaftierten und erstattete gegen Walter L. die Anzeige, welche das jetzige Strafverfahren zur Folge hatte. In der gestrigen Verhandlung stellte et sich unter allgemeiner. vom Vorsitzenden fast nicht zu unterdrückenden Heiterkeit heraus, daß die Justizbehörde tatsächlich einem recht originellen Trick zum Opfer gefallen war. ES ergab sich, daß sich in Wirklichkeit der richtige Lachmann zum Strafantritt gemeldet hatte. Als es ihm im Gefängnis nicht gefiel, behauptete er einfach, er wäre nicht der richtige und gab sich al» Walter Lachmann aus. Er wurde darauf- hin ohne weiteres entlassen. Nach dieser eigenartigen Aufklärung des Sachverhalts erfolgte natürlich auf Antrag des Staatsanwalts die Freisprechung des Angeklagten. Der Herr Gras. Wie leichtfertig mitunter Geschäftsleute mit der Kreditgabe bei Personen sind, die lediglich einen hochtönenden Namen tragen, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, welche gestern unter Vor- sitz des Landgerichtsrat» Heilbronn vor der 4. Ferienstrafkammmer deS Landgerichts l stattfand. Angeklagt wegen Betrug«» im Rückfalle war der Kontorist Robert Klaeden. Der Angeklagte, welcher schon wiederholt wegen aller möglichen Hochstapeleien vorbestraft ist wurde kürzlich zu einer mehrjährigen Zuchthausstrafe verurteilt. In dem Zuchthause ließ er sich vor kurzem bei dem Anstaltsdirektor melden und bezichtigte sich selbst noch einer weiteren Straftat, wegen der er sich jetzt zu verantworten hatte. Am 15. Januar war der Angeklagte aus dem Gefängnis entlassen worden. Schon am nächsten Tage mietete er sich in der AnSbacherstr. 37 ein nobles Quartier, für welches er 110 M. Miethe zu zahlen hatte. Der Wirtin gegenüber gab er sich als„Student der Rechte Graf Erasmus von Helmstedt-Bchlen" au», die den Schwindler auchin gutem Glauben mit diesem Namen bei der Polizei anmeldete. Nachdem sich der Angeklagte mit seinem Verdienst aus dem Gefängnis in Höhe von 75 M. ein« Evulcur- mübe und Band und vor allen Dingen ein Monokel angeschafft hatte, ging er darauf ouS, sich die erforderlichen Legitimations- Papiere zu verschaffen. Infolge seiner Anmeldung bei der Polizei stellte ihm diese anstandslos auf den Namen Graf von Helmstedt- Vehlen eine Nadfahrerkarte au». Mit Hilfe dieser ließ sich K. wiederum eine amtliche PostausweiSkarte ausstellen, auf welcher seine Photographie als flotter Korpsstudent prangte. Nachdem er rn dieser Weise den Boden vorbereitet hatte, ging er auf Kredit» schwindeleien au». Alle möglichen Geschäftsleute beeilten sich unter vielen Bücklingen und HöflichkeitSphrasen dem„Herrn Grafen" Kredit einzuräumen, der diese Leichtfertigkeit natürlich auch nach Kräften ausnutzte. Außerdem ließ sich der Herr Graf bei einer aus Nichtakademikern bestehenden Verbindung„Rugia" aufnehmen. welche ihrem„vornehmen" Mitglied alle möglichen Ehren erwie». Der Herr Graf war mit verschiedenen natürlich ebenfalls ge- pumpten Dedikationen sehr spendabel, wofür er wiederum mehrere Bier- und Weinzipfel einheimste. Einem jungen Mädchen, welches jetzt von dem Pseudografen ein schreiendes„Souvenir" erhalten hat, knöpfte er unter der Vorspiegelung, daß er Jeuschulden habe und er sich erschießen würde, wenn er nicht zahlen könne, 250 Mark ab, die sich das Mädchen zum Teil erst selbst zusammenborgte.—- In der Verhandlung brachte der Vorsitzende in recht drastischer Weise zur Sprache, wie unglaublich leicht es dem Angeklagten ge- fallen war, sich von zahlreichen Geschäftsleuten lediglich auf seinen Grafentitel hin Kredit zu verschaffen.— Das Urteil lautete auf 1 Monat Zuchthaus und 150 Mark Geldstrafe zusätzlich. Ein Schwefelsäureattentat eine» verschmähten Liebhaber» wurde vor der 2. Ferienstrafkammcr des Landgerichts II ver- handelt. Wegen qualifizierter Körperverletzung im Sinne des A 224 St.-G.-B. war der Bahnarbeiter Robert Witzig angeklagt. Der Angeklagte unterhielt feit Weihnachten v. I. mit einem Dienstmädchen CzsSler ein Liebesverhältnis. Nachdem da» erste Strohfeuer verraucht war, trat ein« starke Abkühlung in den Be- Ziehungen ein. Die C. teilte dem Angeklagten brieflich mit, daß sie nur die Liebe wie eine Schwester zu ihrem Bruder, nicht aber die wahre„alleinseligmachende" Liebe zu ihm empfinde. Wegen diese» Abschiedsbriefes geriet W. in eine furchtbare Erregung. Er verfolgte da» Mädchen auf Schritt und Tritt. Hierbei beobachtete er am 22. M n d. I., daß die C. mit einem anderen Manne Arm in Arm die Straßen entlang ging. In eifersüchtiger Wut faßt« W.«inen furchtbar«» Plan. Am nächsten Tage begab«r sich nach der Wartburgstr. 17, wo die E. in Stellung war. Ms daS Mädchen ahnungslos öffnete, gotz ihr der Angeklagte konzentrierte Schwefel- säure in das Gesicht. Wie durch ein Wunder blieben die Augen des Mädchens verschont, während es sonst entsetzliche Brandwunden erlitt. Die C. befindet sich noch heute im Krankenhause und erschien mit einem Verbände vor Gericht. Da durch die ätzende Wirkung der Säure entstellende Narben und Wunden entstanden sind, lautete die Anklage auf schwere Körperverletzung. Das Urteil lautete auf 6 Monate Gefängnis. Der Staatsauwalt hatte 1 Jahr Gefängnis beantragt._ Hus der Frauenbewegung. Dle ungünstigen gesundheitlichen Wirkungen der Franenarbeit. Eine bemerkenswerte Beobachtung aller Krankenkassen ist, dost die Frauen öfter und auch länger krank sind, als die Männer. Das tst ganz offenbar eine Folge der Tatsache, daß die immer mehr in das Erwcrosleben hineingezogene Frau den körperlichen An- strengung�n nicht gewachsen ist, welche die dauernde regelmäßige Berufsarbeit mit sich bringt. Dazu kommen noch die Pflichten der Mutterschaft, welche die Krankheitsgefahren der Arbeiterinnen erhöhen. Das Kaiserliche Statistische Amt hat in seiner neuen großen Statistik der Krankheits- und Sterblichkeitsverhältnifle festgestellt, daß auf 100 ein Jahr lang beobachtete, gegen Krankheit versicherte Personen in dem Alter von 2ö bis 34 Jahren Krankheitsfälle entfielen männlich weiblich bei den P f l i ch t Mitgliedern.... 36,8 47,7 „, freiwilligen Mitgliedern 71,8 67,3 Hieraus ist zu ersehen, daß nur bei denjenigen weiblichen Personen die Zahl der Krankheitsfälle höher ist, die erwerbS- tälig find. Bei den freiwilligen Mitgliedern aber, die sich der Ruhe pflegen können, ist die KrankheitShäufigkeit bei den Männern größer. Daß im allgemeinen die Krankheitsfälle bei den freiwilligen Mit gliedern zahlreicher sind als bei den Pflichtmitgliedern, erklärt sich daraus, daß die freiwillige Mitgliedschaft vorwiegend nur von kränk- lichen Personen aufrecht erhalten wird. Betrachtet man die auf beide Geschlechter entfallende Zahl der KrankheitStage nach Altersklasien, so ist bemerkenswert, daß die Frauen in den mittleren Jahren den größten KrankheitSgefahren unterliegen. DaS zeigt folgende Uebersicht: Auf 100 Versicherung Spfichtige Die männlichen Altersklasse männliche weibliche Mitglieder haben Mitglieder entfielen Krankheitstage mehr(+) wenig.(-) unter 15 15 biS 19 20 bis 24 25 bis 29 80 biS 34 85 bis 39 40 bis 44 45 bis 49 50 biS 54 65 bis 59 60 bis 64 65 bis 69 70 bis 74 75 und mehr Hier zeigt sich 595 617 657 703 814 941 1083 1243 1456 1705 2069 2760 3456 4043 klar. 533 754 955 1205 1395 1465 1453 1496 1490 1486 1632 2373 2531 2512 welchen Einfluß -f. 62 — 137 — 293 — 497 — 581 — 524 — 365 — 253 — 34 4- 219 4- 437 -f- 337 4- 925 +1531 die Mutterschaft ausübt. In dem hierfür in Betracht kommenden Alter der Frauen sind diese der KrankheitSgefahr mehr ausgesetzt, in der übrigen Zeit die Männer. Daß auch hier die in der Mutterschaft und der Erwerbs- tätigkeit bestehende Doppelpflicht die Ursache trägt, geht daraus hervor, daß bei den freiwilligen Mitgliedern in fast allen Alters- klasicn gleichmäßig die männlichen Mitglieder mehr KrankheitStage als die weiblichen haben. Hinsichtlich der durchschnittlichen Dauer der Krankheit wird folgendes festgestellt: ES entfielen aus einen Krankheitsfall KrankheitStage männlich weiblich bei den Pflichtmitgliedem.. 21,6 24.S „, freiwilligen Mitgliedern 36,6 86,4 Für das Alter von 25 bis 34 Jahren ergibt sich bei den männ- lichen Pflichtmitgliedern eine Krankheitsdauer von 20,5, bei den Weiblichen von 26,6 Tagen. Auch hier zeigt sich, daß die benach- teiligten Frauen nur die erwerbstätigen find. Leseabende. OrtSteil Treptow. Heute, Freitag, abends 8� Uhr, bei Schnorre, Elsenstraße 106: Frauen-Leseabend. Vortrag der Genossin Anna M a t schk e- Berlin:„Die Frau im heutigen Klassen- staat"._ Versammlungen— Veranstaltungen. Sechster Kreis. Am Montag, den 1. August, nachmittag? 1 Uhr, veranstalten die Genossinnen der 6.. 9. und 10. Ab- t e i l u n g des s e ch st e n K r e i s e S ein K i n d e r f e st, ver- banden mit Kaffeekochen, im Moabiter SchützenhauS, P l ö tz e n s e e. Um zahlreiche Beteiligung der Genossinnen und Genossen wird gebeten. Versammlungen. Zu unseren Berichten über die letzten Parteivcrsammlungen erhalten wir folgende Erklärungen: Der Bericht des„Vorwärts" über die Parteiversammlungen vom- Dienstag bringt zwei Sätze aus meinen Darlegungen, die geeignet sind, meine Ausführungen in ihr Gegenteil zu verwandeln. Ich machte die Bemerkung, daß man nun von den Gewerk- schaften verlange, sie sollen für die Beachtung der Disziplin ein- treten. Demgegenüber müsse aber verlangt werden, daß auch dann der Parteitag die gewerkschaftliche Arbeit anerkenne. ES sei in einer Gewerkschaft schlechterdings unmöglich, daß man einen, dem Nürnberger ähnlichen Beschluß fasse, wenn eine so starke Minder- heit vorhanden sei. Dazu komme dann noch die Erklärung der 66, die einfach zu Protokoll genommen wurde. Damals hätte sofort die nöt+ Klarheit geschaffen werden müssen, indem man weiter ver- yandelt und einen Beschluß zustande gebracht hätte, der nicht jede Bewegungsfreiheit hindere. Von den badischen Parlamentariern sei anzunehmen, daß sie nach reiflicher Ueberlcgung zu ihrer Stellungnahme gekommen sind. Fr. Kunze. Lockerung des Parteizusammenhangs, die daraus resultieren würde, wenn nicht gegen die Wiederholung eines solchen Disziplinbruchs Bürgschaften geschaffen werden. Jetzt sofort den Ausschluß der frondierenden Badenser zu verlangen, ginge aber deshalb nicht, weil ihnen in Magdeburg erst Gelegenheit gegeben werden müsse, sich zu erklären, ob sie in ihrer Haltung beharren, oder die bindende Verpflichtung eingehen wollen, künftig die Parteitagsbeschlüsse zu halten. Würden sie eine solche Verpflichtung nicht eingehen, so bliebe dem Parteitag nichts übrig, als zu erklären daß die fron- dierenden badischen Landtagsabgeordneten sich außerhalb der Partei gestellt haben. 28. Juli 1910. �• G. Ledebour. In dem Bericht über die Generalversammlung des Wahlvereins Rix darf läßt mich der„Vorwärts" sagen:„Die höfischen Akte, welche die badischen sozialdemokratischen Abgeordneten mit- gemacht haben, seien in der Verfassung begründet." Ich habe das nicht gesagt. Vielmehr bezeichnete ich die An- Wesenheit der badischen Genossen im Landtagssaal beim Schlüsse des Landtags und während des Hochs auf den Träger der Krone als ein rein taktisches Verhalten, begründet durch die wütenden Angriffe des Zentrumsjunkers v. Stotzingen auf den Großblock und den Großblockminister v. Bodman. Dagegen sei die im Herbst vorgesehene TeilnahmezweierGenossen an der Gratulationscour begründet durch die beim Ein- tritt in das Landtagspräsidium gegebene Zusicherung, alle durch die Verfassung vorgesehenen Veranstaltungen mitzumachen. Zu diesen gehöre auch die Gratulation?- cour bei der silbernen Hochzeit des Großherzogpaares. Nachdem die Mehrheit der Kammer die Entsendung einer Depu- tation beschlossen, habe es für die sozialdemokratische Fraktion kein Ausweichen mehr gegeben, ohne sich der Wortbrüchigkeit schuldig zu machen, Fritz Faaß. Vermischtes. Rede im 3. Berliner mir folgender Passus Reichs- in den In dem Bericht über meine tagswahlkreiS am 26. Juli wird M.'N-d gelegt: „Mehrfach werden schon jetzt energische Maßnahmen gefordert. aber es soll dem Parteitag nicht vorgegriffen und vermieden werden, daß man uns vorwerfen kann, wir seien es, die durch vorschnelle Beschlüsse die Partei- einheit zertrümmern, jetzt wo die Reichstags- Wahlen vor der Tür stehen." Die in den gesperrt gesetzten Worten enthaltene Warnung habe «ch nicht als meine Ansicht ausgesprochen, sondern ich habe sie viel- mehr ausdrücklich bekämpft. Ich habe ausgeführt, daß es völlig widersinnig sei, für die schädlichen Folgen des Diziplinbruchs die- jenigen Genossen verantwortlich zu machen, die gegen den Disziplin- bruch entschieden vorgehen. Wenn die Disziplinbrecher selbst und deren Freunde mit derartigen Redensarten uns vor einem energi- scheu Vorgehen zurückzuschrecken suchen, so solle man sich nicht da- durch beeinflussen lassen. Das schlimmste, was der Partei passieren könne, seien nicht die Folgen eines Ausschlusses, sondern die völlige verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Treuer Dienste Belohnung. Voll inniger Rührung meldet die Kapitalistenpresse auS Zscherben bei Halle:„Die Bergleute Adolf Weiß von hier und August Schmidt auS Dölau erhielten von der Verwaltung der Pfännerschaftlichen Grube Alt-Zscherben für 25jShrige treue ununterbrochene Dienst- leistnngen jeder eine silberne Uhr und ein Sparkassenbuch mit 200 Mark.' Wieder ein Beweis für die ungetrübte Harmonie zwischen AuS- beutern und Ausgebeuteten. 200 Mark und eine silberne Uhr für 25 Jahre treuer Dienste I Macht pro Jahr, die Uhr zu 25 Mark Wert gerechnet, den Bettag von neun Mark oder pro Arbeits- tag 3 Pfennig. Und wieviel Lebensfreude, wieviel Kraft und Ge- sundheit haben die beiden„Belohnten' in den Pfännerschaftlichen Gruben gelassen? Wieviel Werte haben sie denen erzeugt, die die Grube vielleicht nie gesehen haben?— Gewiß, die Grubenverwaltung brauchte nichts zu geben. Aber welch schlechten Ein- druck hätte daS gemacht und wie gut und.beweiskräftig' ist der Eindruck dieses»edlen' Geschenkes auf Leute mit undichten Tränen« drüsen._ Bergmannslos. Durch einen schweren Gesteinseinbruch auf der vierten Sohle der Zeche„Baldur" bei Buer sind die Bergleute Johann B o m m und Wilhelm Hamann vollständig ab- geschlossen worden. Nach längerer mühevoller Arbeit gelang es den zur Rettung herbeigeeilten Kameraden, die beiden Knappen aus den Gesteinsmassen hervorzuholen. Beide Berg- leute haben jedoch so furchtbare Verletzungen erlitten, daß der Tod stündlich eintreten kann._ Neues von der Lustschiffahrt. DaS Militärluftschiff„M. III' hat Mittwochnacht eine Fern- fahrt von Tegel aus unternommen. Auf der Fahrt nach Gotha passierte daS Lustschiff Donnerstag früh 6 Uhr 15 Min. die Stadt r f u r t. um 7 Uhr erreichte eS Gotha.führte einige Schleifen über der Stadt aus und schlug dann die Richtung nach Eisenach ein, wo eS um 7 Uhr 20 Min. gesichtet wurde. Nachdem sich das Luftschiff um 9 Uhr über Meiningen befand, erfolgte 121b Uhr in G o t h a bei der neuerbauten Ballon- Halle eine glatte Landung. Wie ein Telegramm auS Koburg besagt, ist die Rückfahrt am heutigen Freitag direkt von Gotha nach Berlin beabsichtigt. Bitterfeld wird vom gestrigen Tage gemeldet: Abends 10 Uhr stieg der für München erbaute Luftkreuzer arseval VI" bei frischem Winde zu einer kurzen Probe- fahrt auf. Außer dem Führer Oberleutnant Stelling befanden sich noch sechs Personen in der Gondel. DaS Fahrzeug war von 800 kleinen Glühbirnen geschmückt, die von der Gondel aus bedient wurden, und durch deren Beleuchtung das Luftschiff ein reiz- volles Bild bot. Der eigentliche Zweck des Ausstieges war die Er- probung der von dem technischen Direktor der Lustfahrzeuggesellschaft in Berlin konstruierten Projektionsapparate. Es wurden nämlich Lichtbilder gegen den Ballonkörper geworfen, die gleichfalls den Zuschauern ein eigenarttgeS Schauspiel boten. Das Luftschiff bewegte sich in einer Höhe von 250 Metern und darüber. Nach zwanzig Minuten erfolgte dann eine sehr glatte Landung. Mit diesem Ausstieg haben die Versuche dieser Art ihren endgültigen Abschluß gefunden. • Die Leitung der Ausstellung München für 1910 teilt mit, daß in der Nacht zum Freitag der für München erbaute Luft- kreuzer„Parseval VI" in Bitterfeld zur Fahrt nach München aufsteigen und am Freitag vormittag zwischen 10 und 12 Uhr in München eintreffen werde._ Kleine Notizen. Schiffskatastrophe. AuS Panama meldet ein Telegramm: Der neue p e r u a n i f ch e D a m p f e r„H u a l l a g a' ist vor der Küste von Peru verbrannt. Drei Matrosen haben dabei ihr Leben eingebüßt. Die Passagiere und die übrigen Mannschaften sind von den, Schweslerschiff„Uncayali" an Bord genommen worden. Eine Lehrerin wegen Kuppelei verurteilt. Eine Budapester Lehrerin, namens Fanny L ö w i n g e r ist wegen Kuppelei verurteilt worden. Unter dem Schild eines UebersetzmigsbureauS verluppelte sie junge Mädchen mittelloser Eltern, die sich durch Ueberseyungen und Echrcibmaschinenarbeiten etwas erwerben wollten, an alte Lebe- männec. Sie wurde zu nur zwei Monaten Gefängnis verurttilt. Das milde Urteil erregt begreiflicherweise viel Aufsehen. Schwere Explosion. Bei einem gestern abend von der Kur- verwalmng im Kurpark von Bad Oeynhausen veranstalteten Feuerwerk flog ein Feucrwerkskörper in den Behälter, wo die übrigen noch lagerten. Es entstand eine Explosion, durch welche die Frau des Werkmeisters Bilken getötet und drei Personen schwer verletzt wurden. „Begnadigt." Der französische Präsident FalliöreS„begnadigte" den zum Tode verurteilten Soldaten Graby, der am 15. Dezember vorigen Jahres Frau Gouin, die Witwe des früheren Präsidenten der Bant von Frankreich, ermordet hatte, zu lebenslänglichem Zuchthaus. Großfeuer brach nach einer LudwigShafener Meldung gestern abend in der Badischen Anilin- und Sodafabrik aus. In dem Ge- bäude 270, in welchem Anhydrid erzeugt wird, entstand eine Ex- p l o s i o n, die in kurzer Zeit daS ganze Gebäude vernichtete. Die Pest in Odessa. Gest gestern treten in Odessa Pess» erkrankungen auf. Gestern ereignete sich ein Todesfall; heute werden zwei Erkrankungen und ein Todesfall gemeldet. Erschossen. Der Münchener talentierte Kunstmaler und Kunst- zeichner Wilhelm Johann Müller hat sich in seinem Atelier er- schösse n. Das Motiv des Selbstmordes ist unbekannt. Ein schwerer Automobilunfall wird aus London gemeldet: Der Fabrikbesitzer Flet in B i r m i n g h a m, der sich mit seinem Automobil nach dem Bureau begab, überfuhr auf der Straße ein Kind. Jnfolgedesien überschlug sich das Automobil und warf sich auf daS Kind. Der Fabrikbesitzer erlitt so schwer« Verletzungen, daß er bald darauf starb. Das Kind ist ebenfalls tot, während der Chaufieur mit leichteren Verletzungen davonkam. Familiendrama. Nach einem Telegramm aus London verhastete die Polizei in Walsall Staffordshire eine» Arbeiter namens B a i n« s, der seiner fünfjährigen Tochter mit einem Rasiermesser die Gurgel durchschnitten hatte. Seinem zwölfjährigen Sohne, der dasselbe Schicksal erleiden sollte, gelang es, aus den Armen de? BaterS zu entweichen und die Polizei zu benachrichtigen. Den Altar zertrümmert. Ein unbekannter Mann verschaffte sich in Segeberg Eingang in die Kirche und zertrümmerte den 400 Jahre alten Altar. Der Kirchendiener überraschte den Mann bei seiner Tat. Der Täter schnitt sich mit einem Messer die Kehle durch und wurde in schwerverletztem Zustande ins Krankenhaus gebracht. I Unserem lieben Freund».Genossen I Oskar Kasner zu seinem 40. Geburtstage die| herzlichsten Glückwünsche. Die fidelen Qnartettsänger. SozialdemokraiiscIierWaiilvefelD deS l. Berl. ReiebstasswalHei (Bezirk U9.) Am Dienstag, den 26. d. MS.. verstarb unser Mitglied, der Tischler pkilipp Pape SolmSstr. 24. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonn- abend, nachmittags 4 Uhr, von der Halle des Heilig-Kreuz-Kirch- Hofes in Mariendors aus statt. Um rege Betelligung ersucht 210/14 Voi-»t»nd. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten für die zablrciche Beteiligung und liebevollen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau, ins- besondere dem Wahlverein deS 4. KreiseS, dem Lotterieverein Hoff- nung, Sparverein Trotzalledem und den Kolonisten von KrügerSfelde sage meinen tiesgesühlten Dank. (jottfriet! Möbus. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachrtchl, daß unser Kollege, der Tischler Pkilipp Pape am 26. Juli gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 30. Juli, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Heiligkreuz-Kirchhoses in Matten- dorf aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/2��j£i? Ortsverwaltung. Danksagung. Für die austtchttge Teilnahme und vielen Kranzspenden bei der Beerbt- gung meiner lieben Frau Martha Barldsius sag« ich allen Verwandten, und Be« kannten, dem Gesangverein„Alpen, glocke-, den Kollegen deS Flaschen« kellcrs der Brauerei Pahenhoser NO., den Genossen und Genossinnen deS 396. Bezirks, Teil I, ferner den Meiern des Hauses Wilhelm-Stolze- Str. 21, insbesondere der Firma M. Kirsch«er u. Co. meinen herzlichsten Dank. G&org Barlösius 2852 nebst Kindern. in srischer schöner Ware» Gänse 65. Offeriere Fette Jange Nur allererste Qualität.* Gttnscrüinpfe,'/, G&nae, Fette Suppenhühner. Junge Brathühner. Wegner, SO., Ikiaiißeiistr. 91. Arbeitsnachweis: Hos I. Amt 3. 1289. Verwolningsstellr Berit«. Hauvtdureaa» CharitsstraBe S. Hol HL Amt S. 1981. Sonntag, den 31. JnU, vormittags 10 Uhr: JKitgUeder- Versammlung für Bdkrsisof, Hlt-Gllenidie u. Rudow im Lokal von Bengsch, Adlershof, Sedanstr. 3/4, Tages-Ordnung: ■-'..... Res! 1.„Der neue KurS in der Sozialpolitik Jvhanse«. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. ffeserent: Kollege OSwald Kollegen l In Anbettacht der äusserst wichtige» TagesordUMtg ist das Erscheinen aller dringend notwendig. Gäste willkommen,-MW Montag, den 1, August 1910: Bezirks- Versammlungen für die gesamte Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Horden! l'vnm»«Sie, Müllerstr. 148, abends Sst, Uhr. Vortrag:„Arbeiterschast und Christentum.' Referent: Genosse A. Stürmer. Horden* if IOIi Fest8tt,e- Schwedter Strasse 83, abend» Vortrag deS Kollegen Adolf Wuschick über:„GewerkschastS» bewegung und Konsumgenossenschasten-. Horden Frankes Featattle,«adstt. 19, abends»>/, Uhr. Tonol* Borai�rwalder FeatHäle in Borsigwalde, Span, ICyCi. bauet Strasse, abends 6 Uhr. blOabit* ,�pacht8ale Herd- West, Wiclefsttafte 84, abend» Westen nnfl'scliänelierg: RÄ'ÄSSfi.» Oslen und Lichtenberg: K"'1" Slralau und Rummelsturg: SX" ÄlSiK Südeilbezirke' Süd"0st- Waldemarstrafte 75, abends WoiRoncOD• Restaurant«um PriUntcn, Weiftensee. n viuvlldcv. Ledderftr. 188. abends 8'/, Uhr. Rixdorf: Rappe» FeststUe, Hermannstr. 49, abend« 3'/, Uhr. Cbariotteilburtf I VoIUshans, Aoftnenst,.», abend» P/, Uhr Vottrag des Genoffen Dr. Brun» Borchardt. StS[}IltZ**ol,ll<""llase8 l'estsille, Ahorustrafte 15a, abends Köpenick u. Friedrichshagen: Friedrichftr. 69, abends 81/, Ubr. CnQnrfon* Restaurant«orwärtS, Schonwalder Strafte 89, üpdlludU. abends«>/, Uhr. Ober-Scböneweiile: Ä'SÄTÄ Tages-Ordnung: 119/4 Stellungnabtne zu der deneraloersatntnliutg. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die OrtSverwaltung. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Nr. 175. 27. Jahrgang. 2. WM des Joraiiitlö" Wim llollistiliitt. Freltag. 29. Juli 1910. partci- Hngelegenbcitem Dritter Wahlkreis. Wir machen die Genossen nochmals auf das am Sonnabend staltfindende Sommerfest des Wahlvereins ans- merksam. Billetrs a i.0 Pf. sind noch bei sämtlichen Funktionären des Kreises und in den mit Plakaten versehenen Geschäflen zu haben. Bei ungünstigem Wetter finden die Veranstaltungen in, Saale statt. Ter Vorstand. Schenkendorf bei Königswusterhausen. Am Sonnabend, den 80. Juli, abends 8 Uhr, findet im Lokale des Herrn Otto Pätsch die Generalversammlung des Wahlvereins statt, in der u. a. die Neuwahl des Vorstandes und die Wahl der Delegierten zur General- Versammlung auf der Tagesordnung stehen. Bernau. Die Wahlvereinsversammlung findet am Sonnabend, den 30. Juli, abends S1/? Uhr präzise, bei Salzmann statt. Lichtenrade. Am Sonnabend, den 30. Juli, abends 8 Uhr, feiert im Lokale von R. Derer, Bahnhofstrafie, der hiesige Wahlvcrein sein erstes Stiftungsfest. Um regen Besuch bittet Der Vorstand. Berliner JVacbricbteNo Verlandung der Grunewaldseen. Schon mancher, der im Grunewald zum ersten Male den Rienieistersce zu Gesicht bekam, wird sich darüber gewundert haben, wie dieser hübsche Waldteich nur zu dem Ehrentitel eines Sees gekommen sein mag. Und da er ähnliche, etwas großspurige Bezeichnungen noch bei anderen kleinen Gewässern um Berlin herum antrifft, so wird er wohl gar auf den Verdacht kommen, daß die Reilommiersucht hier ihr Wesen getrieben habe. Damit dürfte er aber den Sachverhalt nicht oder höchstens in Ausnahmefällen getroffen haben. In Wirk- lichkcit liegt die Sache so, daß diese Miniaturseen ihren Nanien aus einer Zeit haben, in der sie erheblich größer gewesen sind. Unsere Seen werden alle kleiner, nicht größer. Der Wissenschafter nennt die Erscheinung, die zur Verkleinerung der Seen führt, die Verlandung. worunter also die Ver- Wandlung von Wasser- zu Landflächen verstanden wird. Man braucht nur aufmerksam die Ufer der Grunewald- fcen oder sonst eines märkischen Sees zu verfolgen, um zu erkennen, wie der Verlandungsprozcß arbeitet. Vom Ufer aus strecken sich die langen Arme der Seerosen und ver- wandter Pflanzen ins Wasser hinein und suchen die Wasserfläche zu erobern. Einen weiteren Kreis bildet die Schilf- zone, die sich ebenfalls unablässig zu vergrößern sucht. Ried- gräfer, Binsen, Rohrkolben arbeiten in derselben Weise, und zwischen und neben ihnen niacht sich noch nianches andere Sumpf- gewächs breit. So entsteht eine breite Sumpfzone, die man z. B. auf einer Havelwanderung von Wannsee nach der Pfaueninscl in verschiedenen Ausbildungen förmlich vordringen sehen kann. Je flacher der Boden, um so schneller dringt die Verlandung vor; auf steilem Ufer wird sie aufgehalten. Zwischen den Uferpflanzen im seichten Wasser lebt nun auch eine reiche Fauna kleiner und kleinster Tierchen. Eine Generation nach der anderen stirbt ab; die toten Hüllen sinken zu Boden, ver- einigen sich hier mit dem absterbenden Mulm der Pflanzen zum sogenannten Faulschlamm und bilden so Schichten, die unmerklich langsam dicker werden. Aber viele wenig machen ein Vieles, und mit der Zeit schiebt sich das Land immer tiefer ins Wasser. Wer den Grunewald vor zwanzig Jahren kannte, weiß, daß seine Gewässer merklich abgenommen haben, was teils auf die Verlandung, teils aber wohl auf ein wirk- liches Sinken des Wasserspiegels zurückzuführen ist. Auf älteren Generalstabskarten der Umgebung von Berlin findet nmn so manchen kleinen See oder Waldteich, die der Naturfreund nach der Karte aufsucht, um dann nicht selten zu seiner Ueberraschung vor einer völlig vermoorten wasserleeren Fläche zu stehen. Bisweilen wächst eine Landzunge allmählich so ins Wasser hinein, daß sie gelegentlich abreißt und dann als Insel schollen- artig auf dem See herumschwimmt, eine Erscheinung, die z. B. im Teufclssee bei den Müggelbergen zu beobachten ist. In Bayern sollen in den letzten Jahrhunderten schon über hundert größere und kleinere Gewässer durch Verlandung vermoort und verschwunden sein, und dem Riemeistersee im Grunewald steht dieses Schicksal, wenn der Mensch nicht eingreift, in ab- sehbarer Zeit ebenfalls bevor. So arbeiten kleine aber unauf- haltsame Kräfte an der Umgestaltung der Erdoberfläche, bis vielleicht, nach Jahrtausenden, eine neue Eiszeit die ganze Ge- schichte wieder von vorn beginnen läßt! Zu dem Artikel„Auskunft über Kranke" in der Mittwochnummer des„VorlvärtS" wird uns geschrieben: Der Zweck der Gesetzes- Vorschrift, datz Aerzte über den KrankheitSzustand ihrer Patienten nur einem bestimmten und engbcgrcnzten Kreise„befugter' Personen Auskunft geben dürfen, ist der. von dem Kranken Aufregungen und damit eine Verschlimmerung seines Zustande« streng fernzuhalten. Der KrankenhauSarzt kann eS indes beim besten Willen nicht immer vermeiden, datz gewisse unvernüfistige Besucher den Heilprozetz bei seinen Kranken ungünstig beeinflussen. Wenn beispielsweise die Dienst- Herrschaft oder ein sonstiger Arbeitgeber sich zum erkrankten Angestellten Zutritt verschafft, ohne vorher mit dem Arzt Rücksprache zu nehme», so ist dagegen der Arzt doch völlig machtlos. Eine Bestimmung, wo- nach derjenige, welcher einen Kranken drirch ungünstigeNachrichten auflegt und dadurch seinen Zustand verschlimmert, bestraft werden kann, kennt unser Strofrccht noch nicht. Derartige Aufregungen können verschiedene Ursachen haben und brauchen auch nicht immer von Angehörigen, guten Bekannten und Vorgesetzten auszugchen. Viel- mehr kann der Störenfried eine dem Kranken bis dahin gänzlich unbekannte Persönlichkeit sein, nämlich ein Geistlicher. In allen Berliner Krankenhäusern, auch in den städtischen, machen sich seit Jahren namentlich katholische Geistliche, ohne daß sie gerufen worden sind, an Kranke ihrer Religionsgemeinschaft heran, um sie, wie eS im Kirchenjargon heißt,.auf dem Krankenlager mit ihrem Gott wieder zu versöhnen". Leute, um die sich im Leben draußen, selbst wenn sie nicht ein Stück Brot zu rffen haben, die Kirche nimmermehr kümmert, müssen hier im Krankenhouse zu ihrem Erstaunen bemerken, daß der Geistliche die günstige Gelegenheit benutzt, um eine halb oder ganz verlorene Seele wieder einzufangen. Hier kostet'S ja nichts, während man draußen eS kaum umgehen könnte, neben der Seele auch den hungcniden Leib nicht zu vergessen. ES ist nun außerordentlich oft aufgefallen, daß die betreffenden Geistlichen über den KrankheitS- zustand genau unterrichtet sind. Anstatt Trostspender zu sein und die Hoffnung auf baldige Genesung zu predigen, halten sie dem Kranken seinen möglichen Tod vor Augen und warnen ihn. nicht »ini* Sünden beladen in die Hölle zu fahren'. Wer gibt dem Geistlichen hier Auskunft über den Zustand des Kranken? Oder täuscht der Diener deS Herrn absichtlich dem Kranken einen ernsten Zustand vor, um besser zu seinem Ziele zu gelangen? Man kann ja darüber streiten, ob in bczug auf die Wahrung des BcrusSgeheininisscs seitens des Krankenhausarztes der Geistliche als befugte oder als unbefugte Person anzusehen ist. Soviel aber steht fest, daß vielen Kranken im Krankenhause der Besuch de? Geistlichen nichts weniger als an- genehin ist und daß auch schon durch solchen Besuch eine erhebliche Krankheitsverschlimmerung herbeigeführt werden kann. Richtiger auch vom ärztlichen Standpunkt ist es, daß jeder Kranke zuvor gefragt lvird, ob der bevorstehende Besuch seinem Wunsche entspricht, und daß der Geistliche nur solche Kranke aufsuchen darf, die mit seinem Besuche ausdrücklich einverstanden sind. Denjenigen Kranken, bie von der Kirche nichts wissen wollen und auch im Angesicht des möglichen Todes ihre Gesinnung nicht verleugnen, ivürde dadurch manche Belästigung, manche Auflegung und der aufdringlichen Geistlichkeit manche Abfuhr erspart bleiben. Zum Verbrecher geworden. Der EntwickelungSgang des wegen Postschcckränberei verhafteten fünfzehnjährigen FürsorgezöglingS Conrad beweist recht schlagend, daß es fast ausschließlich die sozialen Verhältniffe siud, die den Menschen zum Verbrecher werden lassen. Conrad ist der Sohn eines Arbeiters aus dem Norden der Stadt und hat ztvei Ge- schwistcr; die Eltern wohnten in der Pappelallce. Der Vater verließ seine Familie, während die Mutter schlecht und recht für den Unterhalt der Kinder sorgte. Nalürlich konnte sie sich um die Erziehung der Kinder wenig kümmern, da sie dem Erwerbe nachgehen mußte, lind wie das in so vielen ähnlich ge- lagerten Fällen geht, mußte das älteste Kind die Aufsicht über die jüngeren Geschwister übernehmen. Die Folge war, daß der Schill- besuch nur ein unregelmäßiger war, an eine geordnete Lebens- führung der Kinder war nicht zu denken. Conrad ging öfter hinter die Schule und machte allerhand Dumm- heilen. Zuletzt kam er öfter gar nicht nach Hause und bestahl kleine Kinder, die von ihren Eltern zum Einholen fort- geschickt worden waren. Dann starb die Mutter, und da der Vater unbekannten Aufenthalts war, wurden die Kinder bei Verwandten untergebracht. Adolf Conrad, der es nur bis zur b. Klasse in der Gemeindeschule gebracht hatte, kam in die Lehre zu einem Handwerker. Da hielt es ihn nicht lange, er war schon so an daS unordentliche Leben gewöhnt worden, daß er weglief. Sich von neuem selbst überlassen, setzte er in schlechter Gesellschaft seine Tätigkeit fort, bestahl wieder Kinder, auch seinen Onkel. Gelegentlich arbeitete er wieder, be- nutzte aber auch hierbei die sich ihm bietenden Gelegenheiten zu neuen Entwendungen bis er aufgegriffen und in Fürsorgeerziehung gebracht wurde. Schlechte Lektüre hatte auch noch das ihrige bei- getragen. In der Fürsorgeanstalt wurde er auch nicht besser; schließlich entwich er und setzte nun sein unstetes Leben fort. Er schritt, angeregt durch Lesen von Räuberromanen zu.größeren' Taten, bis er gefaßt wurde. Der Verbrecher ist fertig. Und wer trägt die Schuld? Die Gesellschaft ist eS, die nicht nur l�eir Vater, sondern auch die Mutter in die ErwerbSIätigkeit zwingt, nur um das nötigste zum Lebensunterhalt der Familie heranzuschaffen und ihnen keine Zeit übrig läßt, sich um die Er- ziehung der Kinder so zu kümmern, wie daS notwendig wäre. So wachsen dann die Proletarierkinder aus als Opfer unserer sozialen Verhältnisse. Und straucheln sie dantf, so zetert man über die verdorbene Mcnschenklasse, die als Verbrecher die Gefüngniffe und Zuchthäuser füllt. Vergehen und Verbrechen haben ihre Wurzeln in den verkehrten sozialen Einrichtungen unserer heutigen Gesellschaft und werden nicht eher verschwinden, bis an Stelle der kapitalistischen Produktionsweise die sozialistische gesetzt ist._ Ein neues BolkSnahrungSmittel. Ein in Deutschland noch fast unbekanntes Gemüse ist der süße Mais(sweat com). In den Mais bauenden Staaten von Amerika ist er seit langem Volksnahrungsmittel. Der Kolben, d. h. also der künftige Kornträger, wird jetzt gebrochen und nur von den Hüllblättern befreit, sonst aber wie er da ist Vi Stunde in Salzwasser gekocht und wie Spargel, dem er im Geschmack täuschend ähnelt, mit frischer oder gebräunter Butter genossen. � Man ißt also die Spindel, die jetzt noch ganz zart ist, mit. Später, wenn die Körner sich zu härten anfangen, wird die Spindel zu hart; man ißt sie dann nicht mehr mit. Die Maiskolben werden dann ebenfalls im ganzen in Salzwasser, natürlich entsprechend länger gekocht, die hart gewordene Spindel aber nicht mehr mitgegessen, sondern nur die sehr zart und wie süßer frischer Spargel schmecken- den Körner abgegessen. In der Umhegend von Berlin, vor allem auf den städtischen Rieselgütern, wird in großem Umfange daS neue Gemüse angebaut._ Die Baronesse auf der Stadtbahn. Ueber einen eigenartigen Vorfall, der sich am Dienstagabend in einem Abteil der Berliner Stadtbahn abspielte, wird von einem Augenzeugen berichtet:„Als am Dienstagabend in der zehnten Stunde am Bahnhof Grunewald eine größere Anzahl Personen in ein Abteil der zweiten Klasse einsteigen wollten, wurde ihnen der Zugang durch eine Dame be- hindert, die das eine Bein in wenig weiblicher Weise auf das gegen- überliegendc Polster gestützt hatte, so daß die anderen Passagiere erst nach einer regelrechten Kletterpartie zu ihren Plätzen konnten. Kein Wunder, daß alle Anwesenden ihrem Unwillen Luft machten, ohne jedoch den geringsten Eindruck bei der Dame zu erzielen, die. ebenso wie ihre Gesellschafterin ihre Haltung nicht änderte. Die Dame hatte ein ausgesprochen männliches Aeußeres, kurzgeschnit- teneS Haar, scharfe männliche Gesichtszüge und eine Kleidung, die sich durch Kragen, Schlips usw. stark an die Herrengarderobe an- lehnte. Die Gemüter hatten sich bereits beruhigt, bis der Zug auf Station Charlottcnburg hielt und mehrere Fahrgäste das Abteil zu verlassen wünschten. Wieder dieselben Szenen wie beim Ein- steigen. Die Dame machte nicht die geringsten Anstalten, den Fuß vom Polster zu nehmen. Ein etwas energischer Herr, den das Betragen der Dame in höchste Wut versetzt hatte, konnte es sich nicht versagen, beim Aussteigen dem scheiirbar leblosen Bein einen Schlag mit seinem Schirm zu versetzen. Wie mit einem Zauberschlaa war nun der Bann gebrochen. Das Bein wurde lebendig, die Dame sprang auf und stürzte sich voller Wut nicht etwa auf den Herrn, ver sie gezüchtigt, sondern auf eine— nichtsahnende Dame, der von der Angreiferin mehrere Ohrfeigen versetzt und der Hut vom Kopfe gerissen wurde. Die schlagfertige Dame, die sich als eine Baronesse F. herausstellte, mußte gewaltsam aus dem Abteil entfernt werden. Zwei Schutzleute transportierten sie mit langem Zuge Neugieriger nach der Polizeiwache. Der Gatte klagt wegen tätlicher Beleidigung, der Stationsvorsteher wegen Beamten- belcidigung. Und das alles wegen eine? Beines." Das Benehmen der Baronesse war recht feudal, einfache Arbeiter betragen sich in ihrer übergroßen Mehrheit anständiger. Ein ungetreuer Briefträger. Gestern morgen um 7% Uhr ist mit öv 000 M. in bar der Briefträger Ludwig Bergemann, der am 22. Juni 1877 in Ilten, Kreis Burgdorf, geboren ist und in der Madaistr. 3 wohnte, flüchtig geworden. Darüber werden folgende Einzelheiten gemeldet: Der Postbeamte Bergemann, der seit dem Januar d. I. bei dem Postamt 17 in der Fruchistr. 8 beschäftigt ist. hatte gestern morgen nach Antritt seines Dienstes den Auftrag bekommen, 50 000 M. nach dem vier Minuten von dem Postamt entfernten Bahnpostamt 4 zu bringen. Statt diesen Auftrag auszuführen, begab er sich mit dem Gelde nach seiner Wohnung in der Madaistr. 3, packte dort das Geld in einen Koffer, vcrlauschte die Dienslkleidnug mit einem dunkelblauen Jackettanzuge und verließ mit dem Koffer auf der Schulter das HauS. Der Koffer war schwer, da dem B. für 3000 M. Silber, für 20 000 M. Gold und das übrige in Nickel ausgehändigt worden waren. Die Kriminalpolizei wurde benachrichtigt. Da Bergemann Beziehungen nach dem Auslande hat und früher bei der Feldpost in China tätig gewesen und mit der englischen Sprache einigermaßen vertraut ist sowie einige Brocken Chinesisch spricht, ver« mutet man, daß er den Versuch machen wird, ins Ausland zu gehen. Tie Kriminalpolizei hat sofort sämtliche Hafenstädte und Grcnzorte benachrichtigt. In der Personalbeschreibung heißt es, daß er 1, So Meter groß ist, etwas jüdisch aussieht, dunkles, fast schwarzes, gekräuseltes Haar, eine frische Gesichlsfarbe, einen kräftigen, dunklen Schnurrbart, einen schlcndrigeii Gang und eine etwas nach vorn gebeugte Hallung hat. Er spricht gewöhnlich laugsam. Beim schnellen Sprechen stößt er etwas mit der Zunge an. Die sofort in seiner Wohnung vor- genommene Durchsuchung hat ergeben, daß der Mann in reger Kor» respondenz init Frauen und Mädchen gestanden und eine Menge Bräute gehabt hat, auch solche in Hamiover. Auch mit einer weib- lichen Person in Amerika stand er in Korrespondenz. Die Post- direktion hat eine Belohnung von 1000 M. auf die Ermittelung Bergemanns ausgesetzt. Das Geld war in drei Beuteln verpackt. ES war von der Generalpostkasse dem Bahnpostamt 4 überwiesen, vorläufig aber an das Postamt 17 abgegeben worden, von wo eS nach dem Bahupostamt 4 gebracht werden sollte. Ein Skelettfmid in Niedcrschöneweide. Ein Skelettfund wurde von Bauarbeitern in Niederschöneweide gemacht. Auf dem an die Spree belegenen Grundstück Berliner Ecke Nudower Straße soll -ein Wohnhaus errichtet werden. Bei den Ausschachtungsarbetten stießen die Bauarbeiter nun auf menschliche Ueberreste. Sie be- nachrichtigten sofort die Polizei, welche die fragliche Stelle freilegen ließ. Man fand das Gerippe eines etwa 12 j ä h r i g e n Mädchens. Der starke Zopf war noch gut erhalten. Durch die sofort eingeleiteten Recherchen wurde festgestellt, daß das fragliche Grundstück ursprünglich sehr tief lag. Vor 10 Jahren wurde eS aufgeschüttet. In der Schuttschicht befand sich das Skelett. Die Polizei nimmt an, daß ein Verbrechen vorliegt und hat Nach« forschungen eingeleitet. Zu der Fainilicutragödie aus der Katzlerstr. 4. Anläßlich eine? Besuches im Krankenhaus am Urban konnte ermittelt werden, daß der Zustand des einzig überlebenden Opfers immer noch sehr bedenk- lich tst. Frau Lorenzen, die am 22. M. von ihrem Manne durch zwei Schüsse vcrivuitdel ivurde, während der Ehemaim die beiden Kinder »ud sich selbst tötete, hat seit Dienstag öfter lichte Augenblicke und gibt über den schauerlichen Vorfall brockenweise ihre Erinnerungen ktmd. Dazu gehören die Worte:„Meine armen Kinder' und„ich bin schlecht von meinem Manne behandelt worden.' Obgleich niemand sie an die Schreckenstat erimtern darf, gelten ihre Aeußerungen allein dem Vorgang. Selbst der Bruder und die nächsten Ver« wandten werde» nur auf Sekunden zu ihr gelassen und dürfen den Fall nicht erwühlten. Seit gestern morgen nimmt die Kranke etwa? Nahrung zu sich. Ein ärztlicher Eingriff zur Entfernung der etwa im Körper steckenden Kugeln hat noch nicht stattgefunden. Kindesleiche. Gestern wurde im Landwehrkanal in der Nähe des SchweizerhäuSchens im Ziergarten die Leiche eines neugeborenen Mädchens angeschwemmt. Ein dort beschäftigter Arbeiter landete die Leiche, die in ein grüneS Umschlagtuch eingewickelt war und brachte sie nach dem Schauhause. Näheres ist noch nicht bekannt. Mit Sublimat vergiftet hat sich gestern die 39 Jahre alte Wirt» schasterin Marie Schulenburg aus der Augnststraße 84. Von der Nachbarin lvurden zwei Aerzte hinzugezogen, dte die Ueberführung nach dem Kraiikenhause veranlaßten. Hier starb sie gestern abend. Die Gründe sind tinbekannt. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich gestern nachmittag in der Kastanienallee. Ein Geschäftswagen der Firma Otto Reichel, Swinemünderstr. 70, versuchte zwischen einem in gleicher Richtung sich beivegeiiden Straßenbahnwagen der Linie 51 und einem an der Bordschlvelle stehenden Handwagen hindnrchzukommen. Dabei stieß der Lastwagen gegen den Anhänger des BahnziigeS und zwar so heftig, daß der neben dem Kutscher auf dem Bock sitzende sieben« jährige Otto Klahn auS der Kastanienallee 89 herabstürzte und unter den Wagen geriet, dessen Hinterräder über ihn hinlveggingen. Der Kleine erlitt eine schwere Quetschung des rechten Oberschenkels, eine blutende Kopfwunde und anscheinend auch innere Verletzungen. Nach Anlegung von Notverbänden wurde der Verunglückte nach der nahe belegenen elterlichen Wohnung übergeführt. Ein Strasienbahnunfall erheblicher Natur ereignete sich gestern früh am Karlsplatz. An der Ecke der Karlstraße versuchte die Frau des Elberfllder Straße 10 wohnenden Direktors v. Wolff, hinter einem Straßenbahnwagen der Linie 12 hervortretend, den sie eben verlassen hatte, das zweite Gleis zu überschreiten, ohne darauf zu achten, daß in demselben Augenblick aus entgegengesetzter Richtung ein Straßenbahnzug der Linie 14 herannahte. Frau v. W. wurde umgestoßen und blieb blutüberströmt und besinnungslos unter dem Vorderperron liegen. Die Verunglückte wurde nach der Charite gebracht, wo ein« klaffend« Wunde am Hinterkopf, eine Gehirn- erschüttcrung und innere Verletzungen festgestellt wurden. Die Verletzte wurde nach Anlegung von Notverbänden auf Wunsch deS benachrichtigten Gatten nach ihrer Wohnung übergeführt. Arbeiter-vaugrnossrnschaft„Paradies"� Die Kolonisten auf dem Laubengelände der Baugenosscuschast.ParadieS' veranstalten am Smmtag, den 31. Juli zu Bohnsdorf bei Grünau ihr diesjähriges Erntefest. Die getroffenen Arrangements versprechen für alt und jung die vielseittgsten Zerstreuungen und lassen eine zahlreiche Be- teiligung aller Freunde und Gönner der Baugenoffenschaft erwarten. Vorort- Nacbricbten» Tchöneberg. Durch einen falschen Sparkasscnbeamtcn find in Schömberg zahlreiche Personen geschädigt worden. Jugendliche Arbeiter und Dienst» niädchen, die kleinere Einzahlungen bei der städtischen Sparkasse, deren Räume sich im Erdgeschoß des Rathauses am Kaiser-Wilhelm- Platz befinden, niachen wolllen. wurden am Eingaugsportal von einem Herren angesprocheu. der sie nach ihrem Begehren fragte. Die Beireffenden, die den Mann, der keine Kopfbedeckung trug und sich sehr sicher bewegte, für einen Beamten hielten, nähme» keinen Anstand ihm mitzuteilen, daß sie Einzahlungen in die Sparlasse machen wollten. Der angebliche Beamte erbot sich nun in hilfL- bereiter Weiie, für eine rasche Abfertigung sich zu bemühen, nahm Geld und Buch in Empfang und schickte die Einzahler nach einem bestimmten Zimmer im dritten Stockwerk des Rathauses, mit sich dort eine Blechmarke, mittels welcher die Abfertigung rascher vor sich gehen sollte, geben zu lassen. Wenn die B-rtraueiisseligen nach vergeblichem Suchen auf der Kasse nach dem liebenswürdigen Helfer fragten, mutzten sie natürlich erfahren, datz sie einem raffinierten SchlvinMer in die Hände gefallen waren. DaS Treiben des Betrügers kam erst gestern zur Kenntnis der Polizeibehörde, als ein sechzehnjähriger Lehrling auS der Wartburg stratze, der um IS M. geprellt worden war. Anzeige erstattete. Datz der Gauner seinen plumpen und zugleich frechen Trick längere Zeit hindurch mit Erfolg zur Anwendung bringen konnte, liegt darin datz die meisten der Geschädigten aus falscher Scham eine Anzeige unterlassen haben. Im Laufe de-Z gestrigen TageS jedoch haben sich eine ganze Anzahl Betrogener bei der Schöneberger Polizei gemeldet. Der Schwindler ist etwa 30 Jahre alt, von mittlerer, schlanker Statur, hat hellblondes volles Haar, blonden Schnurrbart. Er trug ein sogenanntes Liisterjackett. iveitzen Stehkragen und rote Krawatte jedoch, wie oben bemerkt, keine Kopfbedeckung. Die Geschädigten, die einem wildfremden Manne ihr Geld «öergaben, scheinen nicht gerade mit allzu grotzer Intelligenz vet uheii zu sein. Rixdorf. Einen Selbstmordversuch verübt« in der Nacht vom Mittwoch zuni Tonnerstag der der Unterschlagung von Partezgeldern b« schuldigte und flüchtige Maschinenarbeiter Richard Spann. Au offener Stratze vor dem Hause Warthestr. 53/57 schätz er sich mit einem Revolver eine Kugel in die Schläfe, so datz er besinnungs los zusammenbrach. Er wurde in bedenklichem Zustande nach dem Rirdorfer städtischen Krankenhause in Buckow gebracht. Bald nach Einlicferung ins Krankenhaus ist Spann verstorben. Der Rixdorf« Stadtrat Lcyke ist in Misdroy, wo er sich zur Kur auihielt, plötzlich gestorben. Lehke gehörte seit 1892 der Rix> dorfer Stadtverordnetenversammlung an und wurde im Jahre 1902 zum unbesoldeten Stadtrat gewählt. Der Bolkskindergarten in der Richardstratze erfteut sich eincS so regen Zuspruchs, datz, wie uns berichtet wird, der freiwillige Er ziehungSbeirat entschlossen ist, einen weiteren Kindergarten in der Nähe der Hermainistratze oder deS Tempelhofer Feldes zu errichten. Leider haben sich trotz aller Bemühungen noch keine geeigneten Räume gefunden. Wilmersdorf. Die Generalversammlung des WahlvcreinS tagte am Dienstag den 26. d. M., im Gesellschaftshause, WilhelmSaue 112. Der Bor sitzende teilte mit. datz Grünberg aus der Partei ausgeschlossen worden ist. Ein Antrag, auch in der Mitgliederversammlung die Beiträge entgegenzunehmen, wurde abgelehnt, dafür den grötzeren Bezirken empfohlen. neben dem Bezirksführer noch einen Kassierer zu wählen. Hierauf hielt Reichstags abgeordneter Genosse Stücklen seinen Vortrag über.Politische Aus� blicke 1" Redner schilderte die politische Lage' in Europa und speziell in Deutschland und kam auch dann auf die Budgetabstimmung in Baden zu sprechen. Als der Redner dabei die Zustimmung zum Budget stark kritisierte und das Verhalten der Badenier Landtags« abgeordneten scharf verurteilte, wurde ihm lauter Beifall gespendet. In der Diskussion sprach der Genosse Hentschke dafür, datz man die badischen Landtagsabgeordneten aus der Partei auSschlietzen solle, da man in der Partei und auch in den Ge werlschaften bei DiSziplinbrllchen gewöhnlicher Parteigenosten nicht viel Federlesens mache. Genosse Härder wendete sich gleichfalls scharf gegen das Verhalten der badischen LandtagSfraktio» und sprach die Erwartung auS, datz der Parteitag mit dieser Sache hoffentlich nicht zu viel Zeit vergeude, da noch sebr viel wichtige Punkte auf der Tagesordnung ständen. Beide Redner fanden lebhafte Zustimmung in der Versammlung. Ge- nosse Schröder verteidigte, teilweise unter heftigem Widerspruch der Versammlung die Haltung der badischen Landtagsfraktion. Da noch eine ganze Anzahl Redner auf der Rednerliste standen, wurde wegen der vorgeschrittenen Zeit dieser Punkt von der Tagesordnung abgesetzt und soll am nächste» Dienstag eine neue Versammlung sich mit dieser Sache beschäftigen. Hierauf berichtet der Vorsitzende von den Verhandlungen mit den im Verband der freien Gast« und Schank- Wirte Deutschlands organisierten Gastwirten. Genosse Riedel stellt den Antrag, bei den Gastwirten anzufragen, ob sie sich mit den Aus führungeu ihres ersten Vorsitzenden solidarisch erklären. Dieses ivird einstimmig angenommen. Genosse Schrödxr gab hierauf den Bericht des Vorstandes für daS verflossene halbe Jahr. Der Gesamlvorstand wurde dann einstiminig wiedergewählt. Mitgeteilt wurde, datz am 1. Augnst im Viktoria-Garten eine öffentliche Versammlung statt- findet, die sich mit der Ausdehnung der Sonntagsruhe beschäftigt. Die Parteigenossen werden gebeten, für regen Besuch Sorge zu trogen. Groh-Lichterfelde. Ter hiesige Wahlverein hielt seine ordentliche Generalversamm lung am 26. d. M. im Lokal Wahrendorf ab. Nach dem Geschäfts- bericht fanden im verflossenen Halbjahr 3 öffentliche und 6 Mit- glicdcrversammlungcn statt. Autzerdem wurde ein Kunjtabend veranstaltet. Der Vorstand erledigte die Geschäfte in 12 Sitzungen, davon 3 mit sämtlichen Funktionären. Tcm Verein gehörten am 36. Juni 316 männliche und 53 weibliche Mitglieder an, dies bedeutet eine Zunahme von 71 Mitgliedern. Vom Vorstand wurde das laue, interesselose Verhalten des grötzten Teiles der Mitglieder gerügt und dieselben energisch aufgefordert, kräftig mitzuarbeiten und die Funktionäre zu unterstützen. Nach dem Kastenbericht bfr trugen die Einnahmen 231,26 M., die Ausgaben 352,86 M., davon wurden dem Kreis 119,26 M. zugeführt, mithin ein Defizit von 69,26 M. Ein Bestand tvar am Ansang des Jahres nicht vorhanden. Ter Kassierer bemerkt, datz das Defizit hauptsächlich durch den Kunstabend verursacht ist, welcher nicht genügend von den Genossen besucht wurde. In der Diskussion wurde trotzdem verlangt, die Kunstveranstaltungen fortzusetzen. Dem Bericht des Bildungs- ausschusseS ist zu entnehmen, datz sechs Sitzungen stattfanden, davon drei der Jugendorganisation gewidmet. Die Genossen iverden auf» gefordert, ihr« schulentlassenen Söhne und Töchter derselben zu- zuführen. Anmeldungen nimmt Richard Wienecke, Ringstr. 16, entgegen. Der neugewählte Vorstand setzt sich wie folgt zusammen: 1. Vors. E. Schindler, 2. Vors. H. Wienecke. Kassierer E. Balko, Schriftführer W. Träger. Beisitzer Frau Osburg. Zu Bezirks- führern wurde eine Anzahl Genossen gewählt, für sechs Bezirke mutzte die Wahl zurückgestellt werden, ebenfalls die Wahl der Lokalkommission, weil sich keiner der Anwesenden bereit erklärte, einen Posten anzunehmen. Zum Bibliothekar wurde Genosse Menzel bestimmt. Eine rege Debatte entspann sich wegen der ge« planten Erhöhung des ParteibcitragS. Dagegen sprachen die Ge« nossen E. Pints. Osburg, Tillak, Lang und Schönwettcr; dafür Ziege, Laban und Wicnecke. Die Versammlung wurde auf Diens- tag, den 2. August, vertagt. Stcglitz-Friedena». DaS Volksfest für Steglitz und Friedenau findet am Sonntag, den 7. August. nachmittags von 3 Uhr an im.Birkenlväldchen", Steglitz, Schützenstratze, Ecke Chausseestratze, statt. Eintrittskarten zu», Preise von 25 Pf. find in den Bezirkslokalen, sowie bei den BezirkSführern zu haben. Diejenigen Genosse», welche sich an dem Tage als Ordner auf zwei Stunde» zur Verfügung stellen wollen. werdcn ersucht. zu einer Besprechung am Sonntag, den 31. Juli, vounittags 10 Uhr, im„Birlenwäldchen" zu erscheinen. Brift-Bnckow. AuS der Organisation. Wie auch am hiesigen Orte unsere Sache im Vormarsch begriffen ist. das zeigte deutlich der Geschäftsbericht des Vorstandes über die Tätigkeit des Vereins im verflossenen Halb« jähr, der i» der Generalversammlung am 19. resp. 23. d. M. gegeben wurde. Danach fanden statt: 12 Borstandssitzungen ldavon vier engerej. 4 Vercinsversanniilmigcn, 7 öffentliche Versammlungen (davon zwei in Buckow), 12 Flugblatt- und 4 Haiidzettttverbreitungen, 1 Konsunientenversommluiig des Käufervereins„Britz", 1 Land« ogitationStonr, die Maifeier und zweimalige Gemeindewahl in Britz sowie in Buckow. Im letzteren Orte gelang eS, unseren Kandidaten zum ersten Male durchznbringen, während wir in Britz ein Mandat behaupteten und zwei neue eroberten. Die Bkitgliederzahl stieg von 290 auf 323, eine Zahl, die noch nie in Britz erreicht worden ist. Auch die Zahl der.Vorwärts''-Abonnenten stieg von 354 auf 420 und hoffen wir im nächsten Geschäftsjahr diese Zahl erheblich zu vergrößern. Die Einnahmen deS Vereinskassierers betrugen 384,48 M., die Ausgaben 322,30 M., so datz ein Bestand von 31,88 M. vorhanden ist. Die Benutzung der Bibliothek lieh leider zu wünschen übrig, dieselbe wurde nur 47 mal benutzt. Eiue rege Debatte schlotz sich an den Bericht der Lokalkommission. Der Besitzer des Lokals.Landhaus" hat eS für nötig befunden, den freien Turnern fein Lokal zu kündigen, angeblich weil feine Lokali täten bei den Uebungen zu sehr ruiniert würden. Dann soll sich derselbe auch Aeutzerungen erlaubt haben, die aber nicht genügend geklärt Iverden konnten. Die Lokalkommission konnte, da ihr irgend welche Mitteilungen über das Vorkommnis nicht zugegangen keine Schritte unternehmen. AuS dem Bericht der Gemeinde- Vertreter ist hervorzuheben, datz unsere Vertreter in allen Konn Missionen, auSgenomme», wie in Preutzen selbstverständlich,� die Schul- und Armeukommission, vertreten sind. AuS dem verlesenen Bricht des Schularztes Sanitälsrats Dr. Wachsen ging die be« schämende Tatsache hervor, datz von 24 Kindern, die für den Aufenthalt in einer Ferienkolonie unbedingt in Frage kamen, im Höchstfall fünf dieser Wohltat teilhaftig werden konnten, da die Ge meinde nicht genügend Mittel dafür übrig hat und daS Geld lieber für anderen Klimbim auf die Stratze wirft, wie das letzthin am 3. Juli aus Anlatz des 25jährigen Jubiläums der freiwillige» Feuer- wehr der Fall gewesen, wo 1000 M. zum Behängen der Strotzen mit bunten Lappe» bewilligt wurden. Gegen die Genossen A. Albrecht, E. Klein und Neeck beschlotz die Versammlung das AuSschlutzverfahre» auS der Partei in die Wege zu leiten Die Wahl des Vorstandes und der Funktionäre ergab folgendes: Kapke erster, Tiepke zweiter Vorsitzender, AhrenS Kassierer. Rehmann Schriftführer, Frau Ahrens, Beisitzerin: Revisoren: Beuth- mann, Kacsmareck, Friedrich: Bibliothekskommission: Engelmann. Rüger, Koch, A. Abendroth: Lokalkommission: Ernst. AhrenS, Sandmann; Kindersckmtzkommission: Frau Nowack. AIS Revisor deS Kreises wurde beschlossen, den Genossen Weimnann vorzuschlagen. Am kommenden Sonntag, den 31. Juli, veranstaltet der Wahl verein eine Dampferpartie mit Musik. Billetts sind noch bis Sonnabend bei den BezirkSführern. in den mit Plakaten belegten Geschäften sowie im Konsum, Werder-, Ecke RungiuSstratze, zu haben. Reinickeudorf-Ost. Der BezirkSwahlverein Reinickendorf-Ost hielt am Dienstag, den 23. d. M., seine fällige Mitgliederversammlung ab, in welcher Genosse A. Domnick über..Die Aufgaben des Parteitags in Magde- bürg" referierte. Redner verurteilt aufs schärfste das Verhalten der badlschen Abgeordneten, die für das Budget gestimmt haben. Die Zustimmung ist ein schwerer Disziplinbruch, wie ihn die Partei noch nicht zu verzeichnen habe. Derselbe wäre von den badischen Genossen bewuht geübt worden und bereite der Partei in der über. auS günstigen Situation Ungelegenheiten und störe die Einheit der Partei. Er erwarte von den Delegierten des Magdeburger Partei tags die allerschärfste Zurückweisung der Disziplinbrecher, um ähnliche Fälle zu verhüten. Der Referent bcgrutzt mit Freuden, datz die Wahlrechts- sowie die Konsumgenossenschaftssrage auf dem Parteitag zur Verhandlung kommen. Der Wahlrechtsfrage deshalb, damit uns neue Mittel und Wege gegeben werden, um das all gemeine, gleiche und geheime Wahlrecht in Preutzen zu erkämpfen. Der Genossenschaftsbcwegung würde ein neuer Impuls gegeben. wenn der Neutralitätsgedanke ihr genommen würde. In der Diskussion über das Referat wie über den Bericht von der Kreis- generalversammlung und deren Beschlüsse sprachen sich alle Redner im Sinne der Referenten aus. Die gefaßten Beschlüsse wurden gutgeheitzen.< Weiftens«. Eine Verkehi Sverbindung mit Hohen-SchSnhausen will ein Pro« jekt schaffen, welches von Gemeindewegen ausgeführt werden soll. Betrieben soll die Strecke elektrisch werden mit Kraft vom Ge- meinde-Elektrizitätswerk. Eine Verbindung nach dem neuen Fried- bof, welcher drei Kilometer von der Grenze, dicht an Falkenberg liegt, mutz ohnehin geschaffen werden und soll bei dieser Gelegenheit die Strecke so verlegt werden, datz die Bahn Hohen-Schönhausen berührt und eventuell noch Ahrensfelde und Falkenberg. Nun ist die Trace so gedacht, daß sie von der Ecke der Berliner Stratze die Falkenberger Strohe hinauffährt, an einer Stratze in der Nähe des Säuglingskrankenhauses abbiegt und direkt auf Hohen-Schönhausen zuführt. Von hier nach Ahrensfelde und zurück nach Falkenberg wieder in die Falkenberger Stratze bis zum Eingang zur Stratze nach dem Friedhof, so datz bevor man zum Friedhof gelangt, erst drei Ortschaften berührt werden. Einen Zehnpfennig-Tarif will man nicht einführen, da mit diesem Preise eine Rentabilität nicht gewährt ist. Unier keinen Umständen können unsere Gemeinde Vertreter diesem Projekt zustimmen, wenn nicht eine direkte Ver bindung mit dein Friedhofe und der Zehnpfennig-Tarif gewährleistet ivird. Vom Herzen des Ortes liege der neue Friedhos zirka 6 bis 7 Kilometer entfernt, man mutz autzerdem zwei Bahnen benutzen. die Grotze Berliner und eventuell die Gemeindebah», autzerdem noch eine Rundreise durch Ortschaften, in denen man nichts zu suchen hat. Unter solchen Umständen wird daS Projekt auch von bürgerlicher Seite keine Anerkennung finden. Nenenhagen(Ostbahn). Die letzte Gemeindevertretersitzung fand schon im neuen, in räumlicher Beziehung allen Anforderungen genügende» Sitzung»- raunre statt. Zunächst führte der Gemeindevorsteher den vom Land- rat bestätigte» und vereideten Schöffen. Herrn Zitterbarl in sein Amt ein: die dadurch noiwendig gewordene Ersatzwahl für daS Mandat in der zweiten Klaffe findet innerhalb sechs Wochen statt. Die Auflassung von im südwestlichen Teil unserer Gemarkung belegenen Wegeparzellen wurde bis zur Vervollstäirdigung des noch ehlenden Kataster», aterials zurückgestellt. Dem Antrage Kassubeck und Genossen wegen Pflasterung der Schniidstratze konnte nicht statt- gegeben werden, weil noch nicht 75 Proz. der Anlieger sich bereit erklärt haben, die Pflasterkosten zu hinterlegen. Ein Baugesuch in gegenamiter Stratze wurde unter den bekannten Bedingungen genehmigt. Sutzerordentlich schnell wurden die mit dem Kreis gepflogenen Verhandlungen zum Abschluß gebracht. Der vorliegende Vertrag wurde mit 9 Stimmen angenommen: danach erhält die Gemeinde Neuenhageir für Ueber- nähme von Teilen der in ihrem Bezirk gelegenen KreiSchausseen eine Abfindungssumme von 42 770 M. und zur Unterhaltung der noch nicht stratzeninStzig auszubauenden Teile von Chausseen 24 964 M., insgesamt 67 734 M. Merkblätter über schädliche Wirkungen deS Alkohols sind de» Lehrern und Behörden zur Verteilung zu über- weisen. Schmargendorf. Die am Dienstag, den 23. d. M.. im Restaurant„Wirtshaus Schmargendorf" stattgefundcne. gut besuchte Generalversammlung des Wahlvereins nahm zunächst den Geschäftsbericht entgegen. AuS demselben ist z» entnehmen, datz die Mitgliederzahl im verflossenen Halbjahr von 100 auf 1l4 stieg, darunter 12 weibliche. Der Kasse»- Bericht zeigt«ine Gesamleinnahme von 218,10: eine Gesamtausgabe von 186,71, so datz am Ort ein Bestand von 31,89 M. verbleibt. Die Maifeier brachte zirka 68 M. Ueberschutz. Bei derZGemeindewahl. bei der wir unseren ersten Vertreter ins Dorfparlament entsenden konnten, hatten wir eine Ausgabe von 90,25 M., eine Ein- nahnie von 53,70 M.. sodotz ein Defizit von 33.55 M. ver- bleibt. Die Bibliothek umfatzt 162 Bücher, doch ist die Benutzung derselbe» noch zu gering, eö wurden in, letzten Halbjahr nur 23 Bücher ausgeliehen. Die Abomientenzahl des„Vorwärts" stieg auf 137. Auf Antrag des Vorstandes wurden folgend« Genossen wegen restierender Beiträge in der Mitgliederliste gestrichen: G. Strobel, W. Weber, P. Dobberphul. K. Gotzsch, W. Worda, P. Wiese, 33. Ruschlau. O. Schüler. Sl. Gornetzke, Körner, Witt, Lemm, Klewicke, Kapöky, Glaser Neumann. Die Neuwahl deS Vorstandes hatte folgendes Resultat: 1. Vorsitzender M. Laule; 2. Vor- sitzender: V. Weiger; Kassierer: Cullmann; Beisitzer: Lehmann; Bibliolhekar: Nitzschke; Revisoren: PraSky, P. Sprinz; Lolal- kommission: Gerhardt; Zeitungsspediteur: KaminSky. Nowawes. Aus der Gemeindevertretung. Zum Vorsitzenden des zu er- richtenden Gewerbcgerichts wurde in der letzten Gemeindevertreter- sitzung Bürgermeister Winkelmann und als dessen Stellvertreter Gemeindevorsteher a. D. Obst gewählt. Ter vorgelegte Kostenverteilungsplan für die Pflasterung deS Fußsteiges in der Husarenstratze wurde von der Vertretung geneh- migt; danach betragen die Kosten 1728 Mk., wovon die Anlieger 50 Proz. aufzubringen haben. Von der Regierung wird von der Gemeinde die Vornahme periodischer Wasseruntersuchungen zur Uebberwachung der Wir- kungsweise der Kläranlagen verlangt. Die Vertretung beschließt, diese Arbeiten dem NahrungSmittel-Untersuchungsamt der Land- Wirtschaftskammer für die Provinz Brandenburg zu übertragen. Die chemische Untersuchung erfolgt mindestens zweimal im Jahre und find für jede eingesandte Probe 20 Mk. Unter suchungskostcn zu zahlen. Pfarrer Schlunk hat nunmehr sein auf Kosten der Allgemein- heit gebautes prächtiges neues Pfarrhaus bezogen und ist das alte Pfarrhaus am Bethlehem-Kirchplatz der Gemeinde übergeben worden. Dasselbe soll abgebrochen und der freiwerdende Platz mit gärtnerischen Anlagen versehen werden. Dem Antrage auf Herstellung einer Regenrohrleitung von der Kleiststratze bis zur Ruthe unter Benutzung der Grotzbecrenstratze, des Lutherplatzes und des Bethlehem-Kirchplatzes, deren Kosten auf 30 000 M. veranschlagt sind, gab die Vertretung ihre Zustim- mung, um den in diesen Straßen und Plätzen bei Regengüssen und Schneeschmelzen sich ansammelnden Wassermassen«inen besseren Ab- flutz zu geivähren. Die Aufnahme einer neuen Anleihe für diesen Zweck ist nicht nötig, da bei de mGymnasialbau nach den bisherigen Ausschreibungsergebnissen mit Bestimmtheit ein« Ersparnis von 30 060 M. zu erwarten ist, welche zu obigem Zwecke verwendet iverden kann. Es ist geplant, nach Höherlegung des Eisenbahn- körpers auch die Priesterstratze und die angrenzenden Stratzenteile an diese Leitung anzuschließen. Die Ueberlastung des SteuerburcauS infolge der neuen Steuern und die Arbeiten für das neu zu errichtende Gewerbegericht machen die Schaffung einer neuen Assistentenstelle nötig; dem anzustellen- den Beamten sollen auch die Arbeiten des WahlbureauS, welche bisher vom Steuerbureau erledigt wurden, sowie die Bearbeitung der Volkszählung und andere kleinere Arbeiten übertragen werden. Die Vertretung erklärt ihr Einverständnis hiermit. Viel Kopfschmerzen scheint der Gemeindeverwallung das Pro» jekt der Umwandlung der Leiterstelle an der Fortbildungsschule, die jetzt eine nebenamtliche ist, in eine hauptamtlich« Direktorstelle zu. machen; nachdem dieser Antrag bereit« auf der Tagesordnung der vorigen Sitzung stand, vom Bürgermeister aber zurückgezogen wurde, erlitt er diesmal das gleiche Schicksal, weil die mit den Vorarbeiten beauftragte Kommission dieselben noch nicht zu Enve geführt hat. Hoffentlich führt diese Verzögerung zu einem für das Gedeihen und den notwendigen weiteren Ausbau der Fort- bildungsschule ersprießlichen Beschlutz Falkenhagen-Teegefeld. Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlverein» war sehr gut besucht. Nach dem Vorstandsbericht zählt der Verein jetzt 55 Mitglieder, davon 7 weiblich«. Abonnenten des„Vorwärts" smd leider nur 42 vorhanden. Infolge des immer noch andauernden Saalmangels für Versammlungen wurden drei öffentliche Ver» sammlungcn unter freiem Himmel im Halbjahr abgehalten. Außer der„Fackel"-Verbreftung wurden alle Bezirke mit zusammen 3800 Flugblättern belegt. Vom Herbst ab werden Leseabende stattfinden, Als Bezirksführer wurden sieben Genossen bestätigt. Zur bevor» stehenden Kreisgeneralversammlung entspann sich eine lebhast« Diskussion, in welcher u. a. der Disziplinbruch der badischen Ab- geordneten scharf verurteilt wurde, der von Spandau angenommene Antrag auf Ausscsilutz der Beteiligten aber keine Befürworter fand. Ein Antrag, die Ortschaften Dallgow, Neu-Döberitz und Rohrbeik dem Gebbiet unseres Wahlvereins anzugliedern, wurde als ver» früht abgelehnt. Zum Vertreter für die Kreisgeneralversammlung wurde Genosse Mewes gewählt. Zum Schluh wurde über die Lokal- frage debattiert. Die neugewählte örtliche Lokalkommission soll Vorschläge machen, um einen Saal für die Partei zu erkämpfen. Der Verlauf der Versammlung zeigte, datz eine lebhaftere Partei« tätigleit am Orte einsetzen wird. Jngcndveranstaltungen. Freie Jugendorganisation Berlin, Abteilung gl. Sonntag, den 31. Juli, RachmitlagSauSflug nach der KönigSheide. Daseid il Spiele. Trcpsiunkt nachmittag» 2 Uhr SchlesischeS Tor(UraniasSule). Gäste sehr willkommen, Ttrglitz. Am Sonnabend, den 36. Juli, wird von der Freie» Jugendorganisation Steglitz und Umgegend«ine Nacht« Partie nach den Rüdersdorf« Kalkbergen veranstaltet. Treffpunkt abends 9 Uhr Kaisereiche, Abfahrt von EberSsttatz«. Fahrgeld und Schlafgeld 1,15 M. Wilmersdorf. Sonntag, den 31. Jull, finden für die Jugendlichen im Grunewald Waldspiele statt. Treffpunkt um 2 Uhr bei Selke, Branden» burgische Sir. 100. Bei schlechtem Weit« ab 4 Uhr In genanntem Lokal Unterhaltungt» spiele usw. Der JugendauSschutz. Schöneberg. Am Sonntag, den 36. Jull. findet ein Ausflug vom JugendauSschutz statt. Abfahrt nachmiitagS 2'/, Uhr Bahnhol Ebersstratze nach Eichkamp. Erwachsene können ebensallS teilnehmen, alle Jugendlichen müssen unbedingt erscheinen.__ Zcntralvcrband der freien Händler. Hanftrrer und verwandten BerofSgenosse» Deutschlands. Sitz Esfcn. Verwaltungsstelle Berlin, Bezirk II Norden. Heute abend 8'/, Uhr Versammlung bei Pectsch, Pappel- alle« 60. Gäste willkommen. Singegangene vruckfckrifren. Bon der»Neuen Zeit-(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 44. Hest deS 28. Jahrgang» erschienen. AuS dem Inhalt deS HesteS heben wlr hervor: Der Kamps gegen die Monarchie.— Der Ausstand in Boden. Von K. KautSlh.— Die Theorie und die Praxi«. Bon Rosa Luxemburg.(Schlutz.)— Die Arbeiterbewegung in den V«einigten Staaten. Bon Algernon Lee.(Fortsetzung.)— Literarische Rundichau: Maxim An in. Die Nationalltätenbroblcme der Gegenwart. Bon dl. X. Dr. R. Broda und Dr. Jul. Deutsch, Da« moderne Proletariat, eine sozial- psychologische Studie. Von Therese Schlesinger.— Bibliographie deS Sozialismus. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und Ist durch alle Buch- Handlungen, Postanftalten und Kolporteure zum Preise von S.2S M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. DaS einzelne Hest tostet SS Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Bersügung. Arbeiter Jugeud. Die soeben erschienene Nr. IS hat u. a. jolgendea Jnbalt: Ein Sieg deS Rechts.— Die politischen Parteien. Da» Zentrum (Schluß). Von I. vorchardt.— Vom gesunde» und kranken Herzen. (J0ustli«t.) Von S. Drucker.— Da« wirNchastliche Programm der freien Jugendbewegung.— Ans der Jugendbewegung.— Zur wirtschaslliche» Lage.— Der Stampf um die Jugend im tlassiichen Weimar usw. B e t l a g e: Die Allen an die Jungen. Gedicht von K. PetcrSson.— ES leb« die Freiheit I Erzählung auS dem Moskauer Barrikadenkampf. Von Dimitriewa.— Der Grog« frißt den Kleinen. III. Der ganz Große. Von G. Eckstein.— Ein Jndianerbuch. Bon E. Habnewald.(Illustriert.) — Wand«- und Reisefpartaffen. Von W. St.— Vom Wechsel d-S Ge» schmack« im sprachlichen Ausdruck. Von R. Franz.— Mut. Gedicht von LieSbeth EiSn«.— Gerechte Entrüstung. Erzählung. «riunerungcn. Ein Beitrag zu der Geschichte der öfterretchischen Arbeiterbewegung vom ReichsratSabgeordneten Genossen Joses Hannisch. Prei» 50 Heller.„Nordböhnü'che Voltsstimme", Warnsdors(VercinShauS). Die Syphtliöbehaudlung mit dem Ehrllch-Hataschen Mittel. Zusammenstellung der bisherigen Erfahrungen von Dr. JobanneS LrcSler. Preis 1 M. Verlagsbuchhandlung Karl Machold, Halle a. S. ßneffeaften der Redaktion. ®tt inrlfiifdie Svr-chftuude finbe» Lindeuftraste Sir. 69, bor. bier Treppen— Fabrftuhl—, hilxfioitaalilb vo» 4',, dt??l/z Ulir abendo Sonnabends von•4>/z bis 6 Nhr nachmittags statt. Jeder iiir den Brief- kästen bestimmten Aufrage ist ein Buchstabe nnd eine Zahl als Merk- -eiche» bci-nfiigen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige trragcn trage man in der Svrechftnnde vor. A. B. 3Z. Fragen Sie bei dem Vorstand des Nrbeiter-Radfahrer- bundcs Lambeck, Uscdomstrahe 8 an.— B. 199. l. Ohne Ihre Zustim- ntung ist das unzulässig. 2 Sic können sich ans einen Betrag mit der Ver- Mieterin einigen.— Dietrich. Mauerstr. Gemeinde-Ztrankenversichernng Stralauerstratze 3/S.— Gr. Hinz. 199. II. Abteilung 9—12, I. Abteilung 1—2, III. Llbleilung 3—8.—«. Z. 100. 1. Ja. 2. Nein. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballeii-Direktion über den Grotzhandel in den Zcntral-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zusnhr stark, Geschäft schleppend, Preise für Rind- und Kalbfleisch nach- gebend, sonst unverändert. Wild: Fuindr genügend. Geschält lebhaft, Preise fest. G« i l ü g e I: Zusuhr in Gänsen über Bedarf, sonst genügend, Geichäst in Gänsen schleppend, sonst lebhast, Preise sest. Fische: Zusuhr mätzig, Geichüst rege, Preise hoch. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise underandert. Gemüse, Obst und Südfrüchte! Zufuhr l genügend, Geschäft wenig besriedigend, Preise unwesentlich verändert. SSitterungSiiberftcht vom S8. Juli 1919. morgens 8 Mir. Stationen SwMemde. domburg Berlin Franks.a Vi München Wien Stationen «— S? Havaranda 782 Still Petersburg 747 NNO Scilly!7ö3L«O ilberdeen 758 SSO Parts 7SgOSO ! l Setter tt tr molkcnl 2 Regen S wolkig 3 bedeckt dtvolkig Wetterprognose für Freitag, den SO. Jnli 1910. Etwas wärmer, vielfach heiter bei meist schwachen südöstlichen Winden und etwas Neigung zu Gclvitter». Berliner Wetterbureau. ESasfevstattbS'Nachttchte« der Landesanstalt filr Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M- m- l. Tilflt P r e g e l. Jnsterburg Weichsel, Tborn Oder, Ratibor . Krosscn Frantiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, LeiMierrtz m Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Spandau») , Rathenow») Spree, Svremberg») , Beeskow Weser, Münden , Mnden Rhein, sviaxintilianSat , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Werlheim Mosel, Trier ') 4- bedeutet Wuch«,— Fall.— Unlerpegel. Freitag, den 2g. Juli. Antang 8 Ubr. RcneS kouigl. Lpcrn-Theater. Rheingvld. Deutsches. Dorothys Rettung. Kammerspiele. LicbeSwalzer. Lrssing. Kascrnenlust. Rouiiiche Oper. Der Regiments» Papa. Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Kleines. Nur ein Traum.(Anfang '/jg Uhr.) Berliner. Taifun. Neaes Lvcrette». Der Graf von Luxemburg. Thalia. Cbarlcys Tante. Hebbel. Wem gehört Helme? Spuk.(Ansang 8>/, Uhr.) Schiller<». slfc,>!>»->- Iveater.) Milchmädchen von Schöncberg. Sch liier Eharlotteiivurg. Die von Hochsattel. Roie. Der Sceladett. Lustspielhaus. Da» LeutnanIS- mündet. Metrovot. Halloh ll— Die große Revue. FolicS Eaprice. Die böse 13.— Die leusche Toinette.— Der Athlet.— Pariser Ehm.— (Ansang 8',« Uhr.) Voigt. Pineta. Puhlmau». Berliner in Japan. Apollo. Spezialitäten. Viiiiitge. Spezialitäten. Reichstiallen. Winter Tymia». Walhalla. Sveziaiitälrn Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten Prater. SchützmUsl. Urania. T>>>>oe»iirofic tX/lii. Abends 8 Uhr: Die Insel Rügen. Ster»i»ar»e, J»vaüd«»str. 57—62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernettluft. �srliner l'kester. Heute 8 Uhr: l' HlLllll. Morgen: Taifun._ Sinne« Operetten-Theater. Heute nnd folgende Tage 3 Uhr: 'Der Graf vou Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu er. mäßigt. Preisen: llio Dollarprinzossin. Theater des Westens. Saison-Erpsfiiung: Sonntag, de» ltl. Juli. 8 Uhr. llio Ke«eluedene»ran Residenz»Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. Wiedereröffnung Sonnlag, 31. Juli: Im Taubeuschlag. Schivank in 3 Alten vo» Henneguin und Bebcr. Morgen und folgende Tage dieselbe Vorstellung. Iommer-Preife. Luisen»Theater. Sonnabend, den 30. Juli, 8 Uhr: Der Gral m inte Ho. Schauspiel In 7 Abt. nach A. Dumas. Sonntag und solgeud« Tage: Der Graf von Monte Christo. Sonnt. SUhr: Lena Warnftetteu. t.ustspieUtsus. Abends 9 Uhr: Das Leutnantsmündel OSE=THEATE Große Frautsurter Str. 132. Ans der Garteubühne: Oer bteeleadett. . Ovcretlc in zlvei Alten von. Otto Richter. Musik vou®. Slcstcns. Auftreten erstklassiger Spezialitaten. 6ro6es Gartenkonzert. Ans. 4'/, Uhr. Sonntag, 31. Juli, Wiedereröffnung de« Theaters: Ein seltsamer Fall. am Lee und Bahnhof Slralau-Rurnrnelsburg. Täglich s O> Spezialitäten D- Theater, Konzert. Hchiller-T heater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottachcid-Opcr. Freitag, abends 8 Uhr: Zu volkstümlichen Preisen: vas Milchmädchen aus Schöneberg. Posse mit Gesang von W. Manstädt. Ende gegen 11 Uhr. Sonnabend. abendsSUHr: Vas Su volkstümlichen Preisen: ilchmädchen aus Schöneberg. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: nie von Hochaattcl. Luftspiel in 3 Aufzügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach l0 Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Sonntag, ahendS 8 Uhr: Hie von Hochsattel. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Insel Rügen. LOGISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- m Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abends 9 Uhr ab S9 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. fssssge-psnoptiKuni. Die zusammengewachsenen Schwestern Blazek und ihr Kind. Yen 11—1 Uhr mittags u. von 3— 10 Uhr abends zu sehen.| Kein Kxtra-Kntree t Xnr wenige Taget Eintritt 60 Pf., Kinder und| Soldaten 25 Pf. r Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Der größte der spanische Caruso I Senor Orduna, der stimmgewaltigste Tenor, der je gehört wurde, j u.�das große Juli-Programm. Hetropoi-Thealer Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildom von.Tu). Freund. Musik v. Paul Lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Saison-Schluß: 31. Juli 1910. Letzte Woche! La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: „Abenteuer eines Toreros". 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Die oröstten Schlager der letzten Saison: Die Welt geht unter! und Weim zivei dasselbe tun mit Anton und Donat Herrnfeld. Billettvorverkauf täglich II— 2 Uhr. -USi- UrnnnouHtraOo 16. Das größte Kino- Theater Berlins. Voigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Freitag, dm 29. Juli: '/.s Uhr Vineta.-,.8 Uhr Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Schulz. Da» glänzende Juli-Programm. Kasseneröfsnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Reichshallen-flieaieT CfaMtspl cl Winter Tymian mitselnerberühmten Herren- Gesellschaft Ans. wochmt. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. �Montag, d. l./8.: Wiederbeginn der volroen der Stettiner hfhnger. Volksgarten-Theater früher Weimann. Badstr. 8, Äebm- u. Bellermannftratze. Täglich: Konzert-, Theater- und Spezialitsten-Vorstallung. Das neue Riesen-Jullprogr. Zur AnssüHr. gel.: Her Cioldtenfel. Lebensbild mit Gesang u. Tanz in 3 Alt. v. K. Elmar. Jed. Donnerst.: Gr. Brlllant-Fauerw. vt/imin Variete-Theater 1 Weinbergsweg 19-20, RoeenUi.Tor. 1 Abends 8'/, Uhr: Das großartige Varietd-PrograniHS.| 11 Alt-Hoablt 47/49. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. Schweizer Garten Am Königstar— Am Friedrichshain. Täglich: Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Abend'/,19 Uhr: Berliner Herzen. Volksstüok mit Ges. in 2 Akt. Volksbelustigungen. Tanz, Anfang 5 Uhr. Entree 80 Pf. Jed. Mittw.: Kinderfreudenfetl. Puhlmanns Theater Sohönh. A. 148— Kaatanien-A. 97/89. Wenn schön— im Gartenl Wenn Regen— im Saall Heute ab 9 Uhr: Berliner in Japan. Operette v. Reislingen, Musik v. Kirks. Vorher: Die brillanten neue» Spezialitäten. Sonnabend und Sonntag:' Die Tochter der Hölle. Vereins-Brauerei Rizdorl, Hcrmannstr, 214/219. Ookonom; Max Wandt. IBS TUgllcb:-fn Gr. MilitSr-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. , Sonntags 4 Uhr. und Festsäle. Inh.: Rudolf HrUgor. Hasenheide>3115, via-a-vis v.TurnpL Ttlgllch: Große Tbeater- u. Spezialten- Artist. Leitung: Walter GrUvemtz, Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag: Ellte-Tagt Anfang; Woohent.6Uhr, Sonnt.'/.SUnr. Kerlintr Prater-Theater Kastanienallee 7—8. Heute Benefiz bcS eisten Kassierers Herrn Bodenburg: Schützenlls*!. Spezialitäten, Konzert und Bali. Ansang 4',, Uhr. Enttee 30 Ps. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bnblitu« gegenüber(eittttlti Verantwortung. Jerlbcp Irtefter- Raillalirer-yereiii' Mitglied de« Arbeit«» Radsahrer-Bunde« .Solidarität". Touren z«m Sonntag, den 31. Juli 1�. 3., 5., 7.. 9., 11. Abt.: 5 Uhr: Pätz.(Sur Duberow). 9 u. 12 Uhr: KönigS-Wiistcrhausen.(Altes Schützen� Haus). 2.. 4.. k.. 8., 19. Abt.: 4 Uhr Kloster Lehnin. 12 Ubr: Noivawes (Singer). Starts an den bekannten Stelle». Lichtenberg. 31 7., 12'/, Uhr: Familientour nach Fricdrichshagen (Freibad). Start: Psarrslr. 74. Heut«, Freitag, abends 8'/, Uhr: lZenersI-Versammlung W Anlii-eas-kesteiUsn, Andreasstr. 21. Mitgliedsbuch legitimiert. 11/17_ Der Borstand. 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Schwittau. Zweigveretn Berlin und llmgegeud. Sonntag, den 31. Jnli, vormittags 10 Uhr: General-Uerfammlung im Gewerkschaftshausc, Engclufer 15, Saal 1. TageS-Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal 1919 und Bericht der Revisoren. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Ausschußmitgliedes. 4. Verbandsangelegenhetten. Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Einlast. Vollzähliges Erscheinen der Kollegen erwartet 30/8 Der Zweigvereinsvorstand. Kallhaudwkrktr-Krlinktnliasse für Kerlin und ilmgrgtnd. (Eingeschriebene HilsSkasse Nr. 118.) Sonntag, den 31. Juli 1910, vormittags 10 Uhr AuBerordentliche Generai-Versammlung bei Wille, Brunneustraste 188. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 1. Halbjahr 1919 und Revisions- bericht. 2. Wahl sämtlicher Hilsskassierer. 3. Innere Kasscnangelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. 33/4» Der Borstand. K"B. Die Zahlstelle Süden ist von Wilmsstraße 4 verlegt nach Tempelherrenstraße 20a, Restaurant Fischer. Daselbst wird jeden Sonn« abend, abends von 8— 10 Uhr kassiert und werden Ausnahmen vollzogen. Okne jede Anzahlung verkaufe ich MW»» erstklassiges Fabrikat !| W M MÄ /f»,(9mal prämiiert Stnats- ■|r I IB Ii Näk. medaille) in allen Holz- ■ I■ LA I S und Stilarten von ■" wunderbarer Tonfülle. (Flüg/elton) s/egen kleine nionalllcheTellzabliing:, ohne Jeden Prcl.aafMchlag. 76/16* Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Conrad Krauso Nchfg., Eck" KurVu"stenswh baT0\lechartip 1&110. Auch Sonntag. gcUlTnct. Maßauzüge sehr elegant, 82— 85 M., fertige Anzüge 8,25 an. Tuche sehr große Au«- wähl. Posten engl. Stoffe u. Anzug- rcsle billig. Gern schicken wir unsere Vertreter mit Muster ohne Kauf- vcrpflichliing.Tnelige.ellseliJift Kottbuserdamm 16—17(Hochbd Vorzeiger d. Inserat« erhält 5»/, Rabatt. lZnllgniin �Voltersäorfer 5eklsuss övlluvilv empfiehlt sich zu Dampserpartien. Löh Lob» Großer Parkcttsaal. 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