Nr. 176. Bbonncmcnts-Bcdlngungcn: Rbouncmcntä. PrclZ pränumerando i Licrtcljährl. SM Mk., nionall. l.lv Mä, wöchenllich 20 Pfg. frei tnZ HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS- nuninier niit illufiricrler Sonntags- Beilage.Die Neue Well" 10 Pfg. Poit- iibonncmcnt: 1,10 Mark pro Monat. Einactragcn in die Post.ZcitunaS- Preisliste. Unter Kreuzband für Teutschland und Lesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 37. Jahrg. Gfdjclnt täglich außer Clontagt. Vevlinev Volksblatk. Die Tniertions- Gebühr beträgt für die fechSgefpaltene Kolonet- gelle oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrsammlungs-Anzcigen M Psg. Kleine Hnieigen", das erste tsett» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiter« Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf» stcllcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg» jede» weitere Wort 5 Psg. 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März 1908 hat Preußens Dreiklassenparlamcnt das gegen den polnischen Grundbesitz gerichtete Expropria« tionsgesetz angenommen, indem es die vom Herrenhaus an der Enteignungsvorlage vorgenommenen Aenderungen sans faijon akzeptierte, obgleich dieses Gesetz nicht nur einen Bruch der preußischen Verfassung bedeutet, sondern auch— was für die vielfach auf usurpiertein Bauerland sitzenden Großgrund- besitzer der preußischen Ostprovinzen weit schiverer wiegt— offen den sozialdemokratischen Grundsatz proklamiert, daß, wenn das Privateigentum mit der Notwendigkeit der sozialen Entwickelung in Widerspruch gerät, es das Privateigentum ist. das weichen muß. Seitdem sind mehr als zwei Jahre verflossen: doch das Expropriationsgesetz, das damals nach der Versicherung der Regierung die dringendste Forderung des Staatswohles war, ein Gesetz, dessen Ablehnung das preußische Vaterland in die schwersten Gefahren stürzen sollte: dieses aus Gründen der hohen Staatsräson absolut unentbehrliche Gesetz ist bisher noch immer nicht angewandt worden. Wohl steht das Gesetz fein säuberlich auf dem Papier, aber obgleich zu den 75 437 Hektaren, die von 1896 bis 1906 in Posen und Wcstpreußen mehr aus deutschen in polnische Hände übergegangen sind als umgekehrt, inzwischen noch manches Stück deutschen Bodens hinzugekonimen ist, findet noch inimer die preußische Regierung nicht den Mut, das„absolut unentbehrliche" Gesetz zur An- Wendung zu bringen. Ja es hat trotz aller Vermehrung des polnischen Grundbesitzes sogar wieder eine gewisse Annäherung zwischen der preußischen Regierung und den sogenannten Hof- polen stattgefunden. Hat doch die polnische Fraktion des preußischen Abgeordnetenhauses für die Erhöhung der könig- li-chen Zivillistc gestimmt. Weshalb wird das Enteignungsgesetz nicht angewandt? Zum Teil, weil das Gesetz in seiner Grundlage ebenso ver- pfuscht ist, wie so manche anderen Gesetzgebungsprodukte, die in den letzten Jahren das preußische Dreiklassenparlament verlassen haben. Soll die Ansiedelung deutscher Bauern so betrieben werden, daß der polnische Grundbesitz tatsächlich ab- nimmt, dann reichen die 70 000 Hektar, auf die in dem Gesetz der Regierung ein Expropriationsrecht eingeräumt wird, bei weitem nicht aus. dann müssen der Ansiedelungs- kommission auf längere Zeit mindestens alljährlich 30000 Hektar zur Verfügung gestellt werden. Doch diese Unzuläng- lichkeit des Polenenteignungsgesetzes ist nicht der wirkliche Grund, weshalb es nicht angewandt wird. Die eigentlichen Gründe bestehen darin, daß die Regierung es mit dem Blockgefährten der Konservativen, dem Zentrum, nicht verderben, sondern sich wenigstens vorläufig dessen Gunst erhalten möchte, vor allem aber in der zarten Rücksichtnahme der höheren preußischen Bureau kratie auf die Macht- ansprüche und die wirtschaftlichen Interessen der konservativen Großgrundbesitzer in den östlichen preußischen Landesteilen. Die Herren Großgrundbesitzer fürchten nicht nur, daß durch die getvaltsame Enteignung des polnischen Grund- besitzes die durch die Zollpolitik und die bisherige kuriose Ansiedelungspolitik hochgetriebenen Güterpreise wieder sinken könnten; sie wollen auch von der Ansiedelung größerer deutscher Bauerngemeindcn deshalb nichts wissen, weil sie befürchten, daß diese Gemeinden einen gewissen Einfluß auf die Kreistage, Kreisaussckiüffe, Bezirksausschüsse erlangen und dadurch das politische Uebergewicht des Großgrundbesitzes im Osten, auf dem zu einem wesentlichen Teil zugleich die herrschende Macht der Konservativen in Preußen beruht, geschwächt werden könnte. Und die Aufrechterhaltung dieser Macht erscheint ihnen von ihrem berüchtigten vaterländischen Standpunkte aus weit wichtiger, als das ganze sogenannte Staatswohl mit allem, was daran herumbammelt. Daß es dieses Machtinteresse der Junker ist, das die ganze offizielle Ansiedelungspolitik im Osten hindert und auf falsche Bahnen leitet, gesteht selbst der als guter Kenner der polnischen Verhältnisse in der Ostmark bekannte Professor Ludwig Bernhard in der vor kurzem erschienenen zweiten Auflage seiner„ P 0 l e n f r a g e" zu, indem er schreibt:- .Schon seit Jahren konnte man beobachten, baß die deutschen Großgrundbesitzer mit eifersüchtiger llnruhe auf die deutschen Bauern- fiedelungen,.die verhätschelten Kinder des Staates", blickten. Hierzu kamen gesellschaftliche Motive ganz eigener Art: im Gebiete des Nationalitälenkampfes sind bekanntlich viele Groß- grundbesitzer isoliert und im Berkehr einigermaßen beschränkt tpolnische Raivbarn). Daher der lebhafte Wunsch, den Bc- stand an deutschen Gütern zu vermehren, der erbitterte Wider- stand gegen die Aufteilung, die oft den letzten gesellschaftlichen Zusammenhang zerreißt und dadurch die deutschen Nachbargüter ins Wanten bringt. Wohl spottet man gelegentlich über das gesellschaslliche Motiv, das.Skatmotiv", aber seine Wirkung darf man nicht unterschätzen. Bennehrl wird die Sorge um die Er- Haltung des deutschen Großgrundbesitzes dadurch, daß die heute noch in der Provinz Posen geltende ständische Verfassung einen starken Großgrundbesitz erforderlich macht, um den Polen in den Kreistagen, auf den Kreisausschüsien, Bezirksausschüssen und dem Provinzial- laudtag die Wage zu halten. Daher stehen die politischen Beamten in Posen, insbesondere die Landrätc, auf feite» des Großgrundbesitzes «nd verlangen gemeinsam mit den Besitzern die Schassung sogenannter „Restgüter", um der ständischen Verwaltung„das deutsche Gesicht zu wahren", wie die Phrase lautet. Natürlich weiß man ganz genau, >aß sich die' Kreis- und Provinzialverwaltung auch ohne Rest- guter deutsch erhalten läßt. Einfach dadurch, daß man eS königlicher Verordnung überläßt, den Ansiedelungsgcnieinden geeignetenfalls das Viril st immrecht der aufgeteilten Rittergüter zu übertragen. Jedoch der Großgrundbesitz ist wenig geneigt, solch Zugeständnis zu machen, denn stärker als der nationale Instinkt ist die politische Ueber- zeugung, daß die heute in Preußen herrschende Gewalt der Konservativen auf dem unan- getasteten Großgrundbesitz beruhe. Und man wird die Tragweite des Wortes ermessen:.Wir wollen nicht, daß man unter dem Vorivande des Nationalilätenkampfcs dem deutschen Groß- grundbesitz im Osten zu Leibe geht." Das Eingeständnis ist recht amüsant. Also erstens wollen die preußischen Junker nicht, daß man die Polnischen Adeligen von ihren Gütern vertreibt, damit sie Nachbarn behalten, mit denen sie bei gutem Notspohn Skat dreschen können, und ziveitens niöchten sie in den Kreis- und Provinzialtagen, den Bezirksausschüssen usw. gerne ihre Uebermacht behalten. Zwar ließe sich, wo in diesen ständischen Körperschaften die Polen Aussicht haben, eine Majorität zu erlangen, die Gefahr leicht dadurch beseitigen, daß den deutschen Ansicdelungsgenieindcn das Virilstimnirecht der aufgeteilten Rittergüter übertragen würde; aber dann könnten möglicherweise die Bauern nach und nach politischen Einfluß auf die genannten ständischen Körperschaften erlangen. Das darf nicht scinl So iveit reicht die junkerliche Vaterlandsliebe nicht. Eher mag die ganze Polcnpolitik zum Teufel gehen. Und die preußische Regierung als geschäftlicher Ausschuß des preußischen Junkertums respektiert gehorsam diese Macht- ansprüche des ostelbischen Junkertums und verlegt sich deshalb in weiser Beschränkung darauf, hin und wieder einen polnischen Agitator einzusperren, Volksschullehrer, die polnisch wählten, nach abgelegenen Gegenden zu versetzen, polnische Eltern, die ihre Kinder aus der deutschen Schule fernhielten, mit Geld- strafen zu belegen oder die Redakteure polnischer Blättchen wegen Beamtcnbeleidigung zu verklagen. Solche Nadelstich- Politik soll den preußischen Staat retten und, wie die schöne Phrase heißt, das Deutschtum aus der polnischen Umklamme- rung erlösen. Kein Wunder, daß trotz der mehr als drei- hundert Millionen Mark, die auf Kosten der preußischen Steuerzahler schon verpulvert sind, die Polen stetig an Terrain gewinnen. Der einzige Erfolg besteht darin, daß die Preise der ländlichen Grundstücke in der sogenannten Ostmark enorm in die Höhe getrieben worden sind und nicht wenige der verschuldeten konservativen Patrioten beim Verkauf ihrer Be- sitzungen an die Ansiedlnngskommission Preise erzielten, die sie sonst in keinem Fall erhalten hätten. Wollte die Kommission nicht die verlangten hohen Summen bewilligen, dann drohten die patriotischen Herren einfach damit, ihr Land an Polen zu verkaufen, und des edlen vaterländischen Zweckes wegen zahlte schließlich die Konimission, was verlangt>vurdc. Wir sind von vornherein entschiedene Gegner des Polcncnt- eignungsgesetzes gcivesen, und halten dieses Gesetz wie die ge- samte Polcnpolitik der Regierung für völlig verfehlt; aber nützlich ist es immerhin, zu konstatieren, daß an dem Fehlschlagen dieser Politik das rohe Macht- und Gewinninteresse der Junker einen wesentlichen Anteil hat und daß das Geschwätz von Vaterlandsliebe, Staatswohl und Opferwilligkeit, mit dem das Enteignungsgesetz von den Konservativen im preußischen Landtage befürwortet worden ist, nichts als verlogenes Taiutam war._ Von der Kampforoanifation der Berg- Herren. Ueber seine Ende Mai abgehaltene Generalversammlung hat der Zechenverband nur ganz kurze Mitteilungen in die Presse gelangen lassen. ES lohnt sich deshalb, nachdem jetzt das Pro- tokoll der Verhandlungen vorliegt, daraus zurückzukommen. Es ist selbstverständlich, daß die Zechenherren die Vorsicht gebrauchen, in ihrer offiziellen Generalversammlung nur be- stimmte Materien und diese in einer Weise zu behandeln, die das Risiko einer cv. Veröffentlichung nicht allzu groß erscheinen läßt. Trotzdem bietet auch der offizielle Bericht interessantes Material. Die Zusammensetzung der Generalversammlung ist ein Beweis dafür, wie die Grubengewaltigen es verstehen, ihre Scharfmacheranschauungcn in die Kreise der staatlichen Bureau- kratie hineinzutragen. Als Gäste waren in der Generalversamm- lung anwesend elf Beamte des Oberbergamts Dortmund, Berg- Hauptmänner, Berg- und Oberbcrgräte, acht Herren von den Eisenbahndirektionen Essen, Elberfeld und Münster, drei Herren von der königlichen Regierung in Münster resp. der königlichen Kanalbaudirektion in Essen, die drei Polizeipräsidenten von Essen, Gelscnkirchen und Bochum, die Oberbürgermeister von Essen und Gelsenkirchen; ferner die Leiter der Bergschule in Bochum und des Instituts für Hygiene und Bakteriologie in Gelsenkirchen. Außerdem nahmen teil Herr Bueck vom Zentral- verband der Industriellen und der Hauptstelle deutscher Arbeitgeber- verbände sowie Vertreter der Knappschaftsberufsgenossenschaft, des Kohlensyndikats und anderer Jnteressenverbände. Zehn Herren von der Geschäftsführung des ZechenverbandcS sind als Teilnehmer im Protokoll vermerkt, acht von ihnen sind Bergasses- s 0 r e n. Unter den Vertretern der 67 Vcrbandswerke befanden sich sechsundvierzig Herren, d-s Kergrat« Bergmeister, Kerginsxek- toren oder Bergassessoren waren. Es ist also ganz erklärlich, wenn die staatliche Bureaukratie ganz vom Geist der Zechenscha'ef- macher erfüllt ist, ganz erklärlich, daß im vorigen Jahr die„Auf- klärungen" des ZechenverbandcS genügten, dem preußischen Berg- werksminister die Ueberzeugung beizubringen, daß der Zwangs- arbeitsnachweis eine für die Bergarbeiter fcgenireiche Einrich- tung sei. Der Rechnungsbe r�ch t pro 1l><)9 sowie der Voranschlag für 1910 sind nicht ohne Interesse. 1999 weist eine Ausgabe vqn rund 52 000 M. auf, darunter„für besondere Zwecke zur Verfügung des Vorstandes" 11 432,20 M. Im Voranschlag für 1910 erscheinen 40 000 M. für Gehälter, 21 000 M. für Miete, Reisen und Ver- waltungsmaterial, außerdem„40000 M. für besondere Zwecke zur Verfügung d'es Vorstandes" und 36500 Mark für Sonstiges. Also 76 500 M., mehr als die gesamten sonstigen Unkosten, will der Zechenverband für besondere Zwecke interner Art ausgeben. Es ist bekannt, daß der Zcchenverband die bürgerliche Presse in seinem Sinne informiert und ausdrücklich darum ersucht, die „Quelle" nicht zu nennen. Daß die Verlage der Zeitungen für ihre Liebenswürdigkeit in irgend einer Form belohnt werden, ist zwar nicht nachzuweisen, aber anzunehmen. Wofür die 76 500 M. Ver- Wendung finden sollen, liegt danach fast auf der Hand. Für den Arbeitsnachweis direkt wird die Summe jedenfalls nicht gebraucht, denn sowohl die Einrichtungskosten der Nachweisstcllen mit 76 680 M. wie die laufenden Unkosten von zirka 125 000 M. werden besonders umgelegt. Ter Arbeitsnachweis beschäftigte die Generalversamm» lung nicht lange. Sie ließ sich lediglich von dem Leiter desselben, Bcrgassessor Kratz, einen kurzen Bericht erstatten. Herr Kratz wiederholte noch mal all die bekannten Phrasen, mit denen die Scharfmacher ihren Zwangsnachweis rechtfertigen und stattete der Regierung, den Konservativen, Nationalliberalcn und Freisinnigen den Dank ab für die«glatte Absage", die sie den Bergleuten in Sachen des Arbeitsnachweise? erteilt hätten. Die Ausführungen von Ideologen wie Naumann und Flesch sind Herrn Kratz nur ein Beweis dafür,„wie weit die Veriennung der wirklichen Ver« Hältnisse und die Mißachtung des Arbeitgeberstandpunktcs bei der- artigen philanthropischen Doktrinären geht". Daß Herr Kratz die der Wahrheit widersprechende Behauptung wiederholte, es sei in keinem Falle nachgewiesen, daß ein kontraktbrüchiger Bergmann zu Unrecht auf die schwarze Liste gesetzt worden, fei nur neben- hin erwähnt. Wichtiger wie alles andere scheint den Herren im Zcchcnverbanli die Frage der Tarifverträge zu sein, ein Beweis, wie hoch sie diese„Gefahr" einschätzen. Bergassessor v. Loewensteins Gc- schäftsbericht drehte sich nur um diese Frage, er bezeichnete als besonders wichtig die Aufgabe des Zechenverbandes,„das Augen- merk auf die wirtschaftlichen und politischen Jnteressenorgani- sationen der Arbeiter, die gewerkschaftlichen Bildungen mit ihrer neuzeitlichen, tief in unser gesamtes wirtschaftliches Leben ein- schneidenden Betätigung zu richten, namentlich schon um deswillen, um die mannigfache, stets wechselnde, sich alle Neuerscheinungen auch auf gesetzgeberischem Gebiet anpassende Taktik der führenden Kreise der Arbeiterverbände bezw. Gewerkschaften rechtzeitig zu erkennen und daraus die nötigen Lehren zu ziehen." Ganz im Sinne des Dr. Tille malte dann Herr v. Loewen� stein ein schauerliches Bild, wohin man mit den Tarifverträgen kommen würde. Als„verhältnismäßig harmlos" erscheinen dein Herrn v. Loewenstein noch diejenigen, die den Tarifvertrag«nuv als Lohnschraube" benutzen wollen. „Weniger harmlos ist aber die unheilvolle Verquickung bet Tarifvertragsidee mit den Theoriecn des Gewerkschaftswesens, mit denen des extremen Sozialismus: planmäßige Verminderung deS Angebots von Arbeitskräften, planmäßige Herabsetzung der Person- lichen Arbeitsleistung bei gesteigertem Einkommen. Nivellierung der Arbeitsleistung, indem man den starken, fleißigen, befähigten Arbeiter auf daS Niveau des ungeschickten, unfähigsten Arbeiters herabdrückt, Abschaffung arbeitsparender Maschinen usw., wie schließlich das E»dzicl die Einführung der konstitutionellen Arbeits» Verfassung, in der der Arbeiter nicht nur Kraft der Gesetze, sondern Kraft seiner Organisation und der von ihr genehmigten Tarif- Verträge das Mitbestimmungsrecht besitzt." Die Buchdruckertarifgemeinschaft sei ein Beweis, wie groß die Gefahr sei. Mit ihrer Hilfe sei der sozialdemokratische Auf- saugungSprozeß unter den Buchdruckern rastlos vorwärts geschritten, der neutrale Buchdruckerverband völlig inS sozialdemokratische Fahrwasser eingeschwenkt,, viele Arbeitgeber müßten aus Not unr ihre Existenz dem sozialdemokratischen Verband und seinen Füh» rern Gefolgschaft leisten und man müsse ernsthaft mit der Gefahr rechnen,„daß in nicht mehr entfernter Zukunft das Monopol des Buchdruckgewerbes vollkommen in den Händen der Sozialdemokratie ruht." An anderer Slelle nannte Herr v. Loewenstein den„Korrespondent" ein„sozialistisches Organ der Buchdrucker"! Auch Schweden und! England mußten herhalten, um zu beweisen, daß Tarifverträge weder vor wirtschaftlichen Kämpfen schützten, noch die Arbeiter materiell wesentlich besser stellten. Die Versuche. Tarifverträge im Bergbau einzuführen oder das Tarifvertragswesen gesetzlich zu regeln, müßten deshalb energisch bekämpft werden. Und „sollte das von der Reichsregierung in Aussicht gestellte Gesetz! kommen, ein Gesetz, das den Tarifvertragsbruch unmöglich macht oder wenigstens mit sehr hohen Strafen belegt, ein Gesetz, daS Schadenersatzforderungen an die Zentralgewerkschaftskasse zuläßt, eln Gesetz, das die sozialdemokratische Propaganda auf der Be- triebsstätte verbietet und den führenden Kreisen der Sozialdemo- kratie keine Handhabe mehr gibt, die sozialistisches Ideen is bis Praxis umzusehen, tu demselben Moment wird die Goziasdemo- ikratie auf den Tarifvertrag pfeifen und das hcitzersehnte Friedens- Instrument hängt wieder in der Luft." Nach diesen Auslassungen erscheint cS ja nicht unmöglich, daß die Scharfmacher nächstens als beste Bekämpfung der Tarifverträge ein«Gesetz zum Schutz der Tarifverträge" empfehlen! Titdien und die Engländer. London, 27. Juli.(Eig. 93er.) Zwei Seelen wohnen in der Brust des Herrn Montag», des Unterstaatssekretärs für Indien, der gestern die Debatte über das indische Budget im Unterhause einleitete. Die eine Seele möchte es mit den liberalen Ideen nicht verderben, die andere wiederum möchte gern den Ansichten und Vorurteilen der liberalen und kon- servativen Politiker Rechnung tragen, die in Indien fette Posten ergattert haben und die alle Reformbestrebungen des indischen Volkes als den gefährlichsten Hochverrat denunzieren. So kommt es denn, daß der Unterstaatssekretär auf der eiuen Seite zugibt, daß die Bewegung in Indien berechtigt, ja un- vermeidlich ist, auf der anderen Seite jedoch das Knebelungs- gesetz gegen die Presse gutheißt und schärfere Maßregeln gegen eine vermeintliche Verschwörung fordert. Aber wie lächerlich sind doch die Mittel, die der Unter- staatssekretär anwendete. um bei seinen Zuhörern eine gruselige Stimmung zu erzeugen. Er verlas zum Beispiel folgendes Schreiben, das vor kurzem in Bengalen verbreitet werden sein soll und sich wie die Stilübung eines Schul- jungen liest, der Indianerhäuptling spielt: „Werte Leser! Wir erscheinen an diesem Zeitpunkt, weil die Lage von äußerster Wichtigkeit ist. Laßt Euch nicht durch falsche Hoffnungen und zeitweilige Konzessionen irreleiten. Laßt Euch nicht durch Beschwichtigungsniaßregeln der Regie- rung befriedigen und laßt Euch nicht von Eurem Pfade scheuchen. Opfert weißes Blut, unvermischt und rein, auf dem Altar der Freiheit. Die Gebeine der Märtyrer schreien nach Rache. Ihr iverdet Verräter an Eurem Vaterlande sein, wenn Ihr dem Rufe nicht Folge leistet. Erniordet die Weißen ohne Unterschied, ob Männer, Frauen oder Kinder, und Ihr werdet keine Süiide begehen.> Wir iverden wieder erscheinen mit niehr Einzelheiten. Die Redaktion." Europa wird dem zlveiten Erscheinen dieses fürchterlichen Schriftstückes mit Spannung entgegensehen. Aber bitte, etwas mehr Rücksicht zu nehmeg auf unsere Intelligenz, Herr Polizeiagent. Die lange Rede Herrn Montagus, die sich wegen ihrer Reichhaltigkeit schlecht resümieren läßt, klang mit einem Lob auf die Verwaltung Indiens während der letzten fünf Jahre der liberalen Aera in Großbritannien aus. Er bemerkte, daß in diesem Zeitraum die Steuerlast Indiens um mehr als drei Millionen Pfund Sterling verringert, daß die Hungersnot bekämpft und die Grenze verteidigt worden sei. Die Arbeits- bedingungen in den Fabriken, die sanitären Zustände und die Tüchtigkeit der Polizei seien gehoben worden. Der Sold der einheimischen Armee sei vermehrt und die Beziehungen zu den indischen Staaten gebessert worden. Liberale Reformen hätten der gebildeten Klasse ein weites Feld eröffnet, auf dem sie an der Regierung des Landes mitarbeiten könnte. Das sei ein schönes Zeugnis. Der Linköliberale W e d g w o o d. der der Arbeiterpartei nahe steht, wartete nnt der Kehrseite der Medaille auf. Er setzte dem Eigenlob des Ministers folgenden„Mord" der liberalen Regierung in Indien gegenüber: Die Wieder- erwcckung des Deportationsgesetzes vom Jahre 18l8, nach dem indische Publizisten ohne Verhör in entfernte Provinzen verbannt worden sind; das Gesetz über die Versammlungs- freiheit vom Jahre 1907, das die Volksversammlungen unter- drückt: das Preßknebelungsgesetz vom Jahre 1908; die Novelle zuni Kriminalgesetz vom selben Jahre und schließlich daS in- fame Preßgesetz vom Jahre 1910. Bemerkenswerte Beiträge zur Debatte lieferten auch die Genossen Macdonald und Keir Hardt e. Der erstere stellte dem Minister die verfängliche Frage, ob denn auch gegen die englische Hetzpresse in Indien das Preßgesetz zur Anwendung kommen soll. In Kalkutta erscheine täglich eine Zeitung, die sich„The Englishman" nenne. Sie veröffentliche tagtäglich die beleidigendsten, aufreizendsten, ungerechtesten und ungereimtesten Dinge über die eingeborenen Jndier. Die Zeitung scheine ein wahres Vergnügen daran zu haben, die Eingeborenen zu beunruhigen; wo immer sich eine Gelegenheit biete, verleumde sie die Jndier und reize sie zur Wut. Keir Hardie bemerkte in treffender Weise, daß sich alle die Unterdrückungs- niaßregeln gegen die Schichten der indischen Bevölkerung richteten, deren Unterstützung die Regierung gerade suchen sollte, gegen die mittleren gebildeten Volkskreise, die in der Presse die Bestrebungen des indischen Volkes zum Ausdnick bringen könnten. Am interessantesten waren jedoch die Ausführungen des oben erwähnten Parlamentsmitgliedes Wedgwood. Dieser hatte folgende Resolution gestellt:„Während dieses Haus irgend welche Sympathie mit politischen Verbrechen oder Agitationsmethoden, die geeignet sind,' zu solchen Verbrechen zu führen, leugnet, beklagt es die Einführung und Handhabung beschränkender Gesetze, besonders der Ge- setze über die Presse und Versammlungsfreiheit.� Der Antrag wurde mit 277 gegen 43 Stimmen verworfen. Der Unter- staatssekretär hatte sich in seiner Rede in überaus scharfen Worten gegen ein früheres Parlamentsmitglied ausgesprochen, der eine Broschüre gegen die indische Polizei herausgegeben hat. Herr Wedgwood bemerkte hierzu, daß es die auto- kratische Regierung sei, die eine schlechte Polizei schaffe. Die indischen Prinzen im Rate deS Vizekönigs hießen die Ge- waltmaßregeln gegen das Boll willkommen, da sie sowohl als auch die Regierung dadurch von der Kritik verschont blieben. Der Maharajah von Burdwan sei sogar soweit gegangen, daß er Keir Hardie als einen Kuli bezeichnet habe. Er frage: Wollen wir wirklich, daß Indien einmal frei sei und sich selbst regiere oder wollen wir es nicht? Wenn nicht, so möge man doch all das gleisnerische Gerede fallen lassen und es frei aussprechen. Wenn ja, so solle man frei und offen sein und dem indischen Volke sagen, daß man jene Lösung erstrebe. Man solle dann seine Pläne danach einrichten und ohne Schwanken dabei bleiben. Eine köstliche Satire auf seinen Parteigenossen Lord Morley, den Staatssekretär für Indien, leistete sich Herr Wedgwood, indem er die Worte und die Taten dieses Ministers— Gladstones„honest John"— gegenüberstellte. Lord Morley sagte noch vor achtzehn Monaten im Oberhause:„Nehmen wir an. daß sie die Preß- freiheit abschaffen oder suspensieren: das wird der Sache kein Ende bereiten. Sie werden die Schulen und Universitäten schließen müssen; denn was würde es nützen, die Zeitungen zu unterdrücken, wenn man die Schule« und Universitäten nicht schlösse? Auch wird das nicht alles sein. Sie werden das Drucken unerlaubter Bücher verbieten müssen. Der Besitz eines Exemplars von Milton, Burke oder Macaulay oder der Reden Brights und der ganzen glänzenden Phalanx der Schriftsteller und Redner, die der Ruhm unserer großen, unserer edlen englischen Zunge sind, wird nach dieser sonderbaren und kindischen Regierungsidee dem Besitze einer Bombe gleichkommen und wir werden die Einführung eines Gesetzes gegen explosive Bücher anzuordnen haben. All dieses nebst seinen verschiedenen Folgerungen und Zusätzen bildet, wenn man will, eine Politik. Aber nachdem eine solche Politik ein stummes, trotziges, gebundenes und lebloses Indien er- zeugt hätte, könnten wir dieses Indien kaum noch wie jetzt das schönste Juwel der Reichskrone nennen." Es hieße Gold vergolden, wenn man dieser Schilderung des Unterschiedes zwischen liberalen Taten und Worten auch nur ein Jota hinzufügte. politifcke deberkicbt. Berlin, den 29. Juli 1910. Wahlsieg in Württemberg. Unsere württembergischen Genossen haben in Welz- heim einen schönen Wahlsieg davongetragen. Bei der Ersatz- Wahl um das bisher von dem Nationalliberalen H i e b e r vertretene Landtagsmandat erhielt die S o.z i a l d e m o k r a t i e am 15. Juli d. I. 1099 Stimmen, während es die Freisinni- gen auf 779, die Nationalliberalen auf 597, die Landwirt- schaftsbündler auf 692 und die Ultramontanen ans 94 Stim- men brachten. Da bei den Stichwahlen in Württemberg die einfache Majorität ausschlaggebend ist. hoffte der Freisinn, mit Hilfe der Nationalliberalen zu siegen. Hatten doch die Liberalen bei der Hauptwahl zusammen 1367 Stimmen gegenüber den 1999 sozialdemokratischen Stimmen ausgebracht. Trotzdem trug die Sozialdemokrat� einen glänzenden Sieg davon. Sie brachte es bei der Stichwahl auf 1448 Stimmen, während die vereinigten Liberalen sich mit 1299 Stimmen begnügen mußten. Der bündlerische Kandidat er- hielt 1979 Stimmen. Bei der Stichwahl wurden also insgesamt 3727 Stimmen abgegeben, gegenüber 3963 Stimmen bei der Hauptwahl. Von diesem Mehr an Stimmen entfiel der größte Teil auf den sozialdemokratischen Kandidaten, sodaß er trotz des Zu- sammengehens des Freisinns und der Nationalliberalen mit starker Mehrheit gewählt wurde! Wir betrachten diesen Wahlsieg als glückliches Omen für die Reichstagsersatzwahl in Kannstatt-Ludwigsburg. Auch dort hoffen wir einen Sozialdemokraten als Erben des Hieberschen Mandats begrüßen zu können! Stichwahltakttk. Es gibt noch immer freisinnige Helden, denen es davor graut, daß ihre Wähler endlich einzusehen beginnen, daß es nur die Reaktion unter st ützen heißt, wenn sie bei der Stichwahl aus Angst vor der Sozialdemokratie einem Schnaps- blockbruder ihre Stimmen geben. Diese Leute suchen jetzt Verwirrung zu stiften, indem sie der Frage ihres Verhaltens bei den Stichwahlen sorgsam aus dem Wege gehen und dafür um so eifriger vom„Großblock" reden, für den die Sozialdemokratie doch nicht zu haben sei. Die erren spielen sich plötzlich auf die Alles- oder Nichts- olitiker hinaus und verlangen von der Sozialdemokratie alle möglichen Prinzipienopfer, wofür sie dann so gnädig sein wollten, sich ihre Unterstützung zu überlegen. Daß diese Taktik des Herumdrückens um die einzig praktische und politisch bedeutsame Frage durch das Großblockgerede nur unterstützt wird, hat auch das„Berl. Tagebl." bemerkt und es wirft heute der„Voss. Ztg." vor, die Großblockidee nur dazu be- nutzen zu wollen, jene„einzig verständige Stichwahltaktik zu vereiteln, die manche kleinlichen Cliqueninteressen störe". So weit, so gut. Aber das„Berk. Tagebl." kommt wieder mit dem alten Ladenhüter, daß wir der Reaktion durch unsere radikale Haltung in die Hände arbeiten. Darauf muß in aller Gelassenheit erwidert weiden, daß das, was das „Verl. Tagebl." als„radikale Haltung" zu bezeichnen be- liebt, nichts anderes ist als sozialdemokratische Haltung. Wir können nur mit aller Bestimmtheit wieder- holen: daß die Liberalen in der Ssichwahl gegen die Reaktion stimmen, ist ihr eigenes Parteiinteresse. Tun sie es nicht, so beschleunigen sie höchstens den Uebertritt ihrer Wähler zur Sozialdemokratte als der einzigen Partei, die im Kampf gegen die Reaktion feststeht. Für die Sozialdemokratie besteht nicht der geringste Grund, ihre Taktik oder gar ihre Ziele irgendwie zu ändern. W i r bleiben dieselben, an den Liberalen wird es sein zu zeigen, wie weit ihr Liberalismus der Angst bor der roten Flut standhält._ Beamten-Revolte. Von einer weit verbreiteten Mißstimmung unter den Kanzlei- beamten des ReichSamtS deS Juiiern weiß der.Berl. Lokalanz." zu berichten. Bei der im vorigen Jahre gewährten Gehaltsaufbesierung ist das Gehalt dieser Beamten nur von 3l)00 auf 3200 M. erhöht worden, während zum Beispiel den Postbeamten 3300 M. zu- gestanden wurden. Als Ersatz verwies die Regierung die Kanzleibeamten auf Nebenverdienst durch Ueberstunden. Nun ist ihnen durch die neue Kanzleiverordnung deS Reichsschatzamts auch diese Einnahme erheblich vermindert worden. Die Verordnung ver- langt von den Kanzleibeamten eine um ein Drittel erhöhte Arbeits- leistung und setzt für die Ueberstunden folgende Preise fest: Für die Seite zu 24 Zeilen mit mindestens je 13 Silben 10 Pf. Das macht für die Stunde nicht mehr als 40 Pf., gegenüber 70 Pf. nach den alten Bedingungen. Die Beamten erklärten diese Bezahlung für unwürdig und weigerten sich. Ueberstunden zu machen. Die Folge davon ist, daß im Patentamt, ReichSversichcrungSamt, Gesundheitsamt, Statistischen Amt, der Phvsikalisch-technischen ReichSanstalt und der Normal- eichungSkommission Tausende von unerledigten Schriftstücken seit Wochen in den Fächern liegen. Im ReichSverficherungSamt sind eL allein weit über 2000 solcher Akten. Nach Ablauf dieser 14 Tage versuchte daS ReichSamt deS Innern die Kanzleibeamten durch einen Kanzleisachverständigen zu bewegen, nun wieder dauernd Ueberstunden zu machen, aber zu denk herabgesetzten Preise. Um sie zu überreden, gab er ihnen gewisser- maßen den.Tip", sie sollten angeben, das zu kopierende Original wäre zu schlecht geschrieben, oder sie hätten Nacht- oder SonntagSarbeit ver- richtet. Umstände, die besonders bewertet werden. Die Entscheidung über die Frage, ob tatsächlich schlechte Schrift bezw. die Rotwendig- keit zur Nacht- und SonntagSarbeit vorgelegen hätte, sollte dem Bureauvorsteher zustehen! Ein kleiner Teil der Beamten ist auf diesen Vorschlag des ReichSamtS de« Innern eingegangen und macht nun wieder Ueberstunden; die anderen Beamten weisen ihn zurück, sie wolle» ihr Geld nicht von Fall zu Fall durch Willkür zugebilligt erhalten, sondern der« langen eine humane gesetzliche Regelung. Diese im Interesse der betroffenen Beamten und der Aktenadressaten höchst unerquicklichen Zustände herrschen nun schon seit mehr als vier Wochen._ Ein Verwaltungs-Jdyll. Ein klassisches Beispiel dafür, wie nicht nur die Sozialdemo- kraten, sondern auch die Linksliberalen in Hintcrpommcrn be- handelt werden, liefert ein Bericht der„Frankfurter Zeitung" über eine liberale Wahlversammlung im Dorfe Kordcshagen sWahl- kreis Kolbcrg-Köslin), wo der Kandidat der Liberalen, Rektor Juds sKolbcrg) zu sprechen gedachte. Der Gastwirt des Ortes, der an- sangs sein Lokal zugesagt hatte, wurde plötzlich anderen Sinnes. Er verweigerte das Lokal, angeblich weil er nicht rechtzeitig ve» ständigt worden sei. Daß dann obcx unangemeldet am gleichen Abend in demselben Lokal eine konservative Versammlung ab- gehalten wurde, daß der Amtsvorsteher, Rittergutsbesitzer von Blankenburg(Strippow) nicht die geringsten Schwierigkeiten machte, nimmt nicht weiter wunder. Da der Kordeshagener Saal nun absolut nicht zu erhalten war, beschloß man, die Versammlung unter freiem Himmel oder bei ungünstiger Witterung in der Werk- statt eines Drechslermeisters abzuhalten. Der Parteisekretär der Liberalen begab sich zum Amtsvorsteher v. Blankenburg, um die Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung einzuholen. Der Amtsvorsteher war nicht anwesend, ein Diener eröffnete dem Partei- sckretär, daß er sich am„Amtstage" einzufinden habe. Auf einen schriftlichen Antrag erhielt der Parteisekretär folgendes, vom Herrn Dr. jur. und phil. v. Blankenburg in wundersamem Deutsch ab- gefaßte Schreiben zugesandt: Strippow, 20. Juli 1810. Herrn Franz Miro in Köslin, Karlstraße 24. Auf Ihr Schreiben vom 10. 7. 10 teile ich mit, daß ich die Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen politischen Ver- sammlung im Hafraum des Drechslermeisters Fiß-Kordcshagen nicht erteile, da dieser Raum wegen der benachbarten Strohdächer wegen Feuersgefahr durch das Rauchen der eventuellen Besucher ungeeignet ist, gleichzeitig auch in der Gegend eine Diphteriecpedimie herrscht, welche vorläufig Abhaltung von Versammlungen jeder Art im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt verbietet. Ter Amtsvorsteher v. Blankcnburg-Strippow, Dr. jur. Von der„Diphterie-Epedimie" hatte allerdings niemand eine Ahnung, auch nicht das Landratsamt in KöSlin, denn auf Beschwerde der Liberalen wurde das Verbot des Amtsvorstehers durch den Kösliner Landrat aufgehoben! Die Versammlung fand denn auch statt und war von zirka ISO Dorfbewohnern besucht. Es ist sicherlich anerkennenswert von dem KöSliner Landrat, daß er das Verbot aufgehoben hat; er würde sich aber um die deutsche Sprache verdient gemacht haben, wenn er dem Herrn Amtsvorsteher zugleich ein Fremdwörterbuch und das bekannte Wustmannsche Büchlein„Allerhand Sprachdummheitcn" hätte über- reichen lassen. Reichsverbandsarbeit. Der Reichsverband gegen die Sozialdemokratie beginnt all- mählich einzusehen, daß seine bisherige Firma an Zugkraft ein- gebüßt hat. Er betreibt seine„Bekämpfung" der Sozialdemokratie deshalb in neuerer Zeit mit Borliebe unter der Firma„A u S- chuß zur Förderung der Bestrebungen Vater- ä n d i s che r Arbeitervereine". Dieser„Förderungsausschuß" hat kürzlich einen öffentlichen Aufruf erlassen mit der Bitte, ihm die„Erfüllung seiner dringen« den nationalen Aufgaben" durch Einsendung von Beiträgen zu er- möglichen, dem er jetzt Geldgesuche an solche Einzelpersonen folgen läßt, von denen er annimmt, daß er sie seinen Wünschen geneigt machen könnte. Den Aufforderungen sind umfangreiche gedruckte Ausführungen beigegeben, in denen dargelegt wird, wie sich der Ausschuß die Erledigung seiner dringenden nationalen Aufgaben denkt. Die Werbekraft der nationalen Arbeiter- vereine soll vor allem dadurch gestärkt werden, daß es ihnen er- möglicht wird, ihren Mitgliedern und deren Familien mindestens die gleichen Vorteile jeder Art zu bieten, wie die ähnlichen sozial- demokratischen Organisationen. Der Förderungsausschuß hält einen Werkverein erst für lebensfähig in Betrieben mit m i n d e- st e n S 100, besser noch 200 Arbeitern. Er rechnet mit einem Re- krutierungsgebiet von 7— 8 Millionen Arbeitern für vaterländische Arbeitervereine. Im Deutschen Reiche gätie es rund 22 Millionen Arbeiter, die mit ihren Familien bereits die Mehrheit des Volkes bilden, was ein Beweis für die Wichtigkeit der Arbeiter- frage, sowie für die Bedeutung und Dringlichkeit der Aufgaben des Förderungsausschusses sei. Recht interessant ist das von dem Herrn Generalmajor z. D. d. L o e b e l l. dem Vorsitzenden deS Forderungsausschusses, höchst eigenhändig unterzeichnete, mit Schreibmaschine angefertigte Be- gleitschreiben. Es heißt darin: „Ew. Hochwohlgeboren beehre ich mich, inliegend unseren Aufruf mit der ergebenen Bitte um gütige Bewilligung eines Beitrages, zu überreichen. Zur Feststellung eines genauen Arbeitsplanes, wozu u. a. die dringend notwendige Anstellung nationaler Arbeiter- fekretäre, sowie der Ausbau der nationalen Arbeiterpresse gehören, ist es für uns von größtem Wert, wenn uns Ihr gütiger Beitrag gleich für einige Jahre zugesichert wird. Der Erfolg unserer Tätigkeit hängt wesentlich von der Höhe unserer Mittel ab. da die Sozialdemokratie Über große Macht- mittel verfügt. Ihre I a h re S einnahmen betragen mehr als 60 Millionen Mark. Annähernd 200 politische und gewerkschaft- liche Blätter neben Millionen von Flugblätter» predigen den Klassenhaß. 260 Arbcitersekretariate und Auskunftsstellen wirken als Werbebureaus. Die Agitation wird geleitet von 49 Reichs- tagsabgeordneten, etwa 180 Landtagsabgeordneten und fast 7500 Mitgliedern deutscher Gemeindevertretungen. In den An- gestellten der Krankenkassen, der Konsumvereine, der politischen und gewerkschaftlichen Organisationen stehen der Sozialdcmo- kratie Zehntausende von Agitatoren zur Verfügung. Wir erhoffen daher von Ihrer patriotischen Opferwilligkrit eine wirksame Unterstützung unserer nationalen Aufgaben." So anschaulich der Förderungsausschutz die Größe der Macht der Sozialdemokratie und damit die Größe der„sozialdemokratischen Gefahr" auszumalen weiß, so wenig wird sein Appell an die patriotische Opferwilligkeit den Erfolg haben, den sich der Ausschuß wünscht. Gibt es doch schon gar zu viele Leute, die von der Unter» stützung reichsverbändlerischer Bestrebunzen nicht, wie der Förde- rungSauSschuß in Aussicht stellt, eine Gesundung unserer inneren politischen Verhältnisse erhoffen, sondern vielmehr davon«ine Vergiftung unseres politischen Lebens befürchten. Dr. Pichler und das freie Versammlungsrecht der Beamten. München'. 27. Juli.(Eig. 93er.j Ein Ereignis im bayerischen Landtag: eine geheime Sitzung. Wie nicht anders zu erwarten, bringen die Zeitungen bereits ausführliche Berichte über diese„geheime"' Sitzung, gegen deren Abhaltung die sozialdemokratische Fraktion von vornherein protestiert hat. Der Anlaß zu dieser geheimen Sitzung war recht geringfügiger Art: die Wahl eines Land- tagSarchivarS. Jnteressanl waren die Begleitumstände dieser Wahl. Die sozialdemokratische Fraktion erklärte sich gegen den vor- geschlagenen Kandidaten, einen Bezirksamtmann, weil dieser früher Beamte und Bedienstete, die einer sozialdemokratischen Versammlung anwohnten, bei dem Ministerium zur Anzeige brachte. Nun versuchte der Zentrumsführer Dr. P i ch l e r das Vorgehen des Bezirksamtmannes zu rechtfertigen und führte aus, daß er der Meinung sei, daß der Beamte auch ohne Auftrag des Ministers nur seine Pflicht getan habe. Staatlichen Beamten und Be- diensteten könne es nicht gestattet werden, an sozialdemokratischen Versa nimlungen teilzunehmen. Diese Ausführungen des kulturell reaktionärsten Zentrums- führers riefen auf den Bänken der Sozialdemokraten einen Sturm der Entrüstung hervor, wie er wohl noch selten im bayerischen Parlament zu beobachten war. Es ist bezeichnend für die schlimme Situation des Zentrums auch in Bayern, daß es seine Zuflucht schon zu den verwerflichsten Mitteln des Terrorismus und der Vergewaltigung der staatlichen Be- diensteten nehmen zu müssen glaubt. Wie sagte der Bischof Heule? Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben. Ein„brauchbarer und mustergültiges Vorgesetzter! Eine unglaubliche Soldatenquälerei leistete sich der Unter- offizier Trenkncr vom 64. Art.-Rgt. in Pirna, der sich wegen Mißhandlung eines Untergebenen und Anmaßung einer Befehlsbefugnis vor dem Dresdener Oberkricgsgericht zu verant- antworten hatte. Die Mannschaften des genannten Regiments waren am Sonntag, den 8. Mai, mit dem Reinigen des Stalles be- schäftigt. Der Angeklagte bemerkte dabei, daß der Fahrer Weigand zwischen dem Mist, den er herausschaffte, einige Halme gutes Stroh hatte. Das darf nicht vorkommen, in solchen Kleinigkeiten ist unser„sparsamer" Militarismus sehr haushälterisch! Eine An- zahl Soldaten hatten schon den Befehl erhalten, aus dem auf dem Hofe liegenden Düngerhaufen die guten Strohhalme herauszulesen! Auch Weigand wurde vom Angeklagten dazu befohlen. Dieser Auf- forderung soll der Soldat angeblich nicht schnell genug nach- gekommen sein. Der Angeklagte ließ den Soldaten zur Strafe dafür an dem warmen Tag« auf dem Kasernenhofe Laufschritt machen. Trotzdem W. dadurch sehr erschöpft war, mußte er noch längere Zeit Kniebeugen mit Armerollen machen! Dann wurde nochmals Laufschritt kommandiert! Nach dieser Quälerei erhielt W. noch den Befehl, an den Düngerhaufen zu treten und Stroh herauszulesen! Der Soldat war ganz erschöpft und hatte heftiges Seitenstechen, weshalb er zum Unteroffizier sagte:„Ich kann nicht mehr!"„Ach was, Du bist bloß zu faul, bück Dich nur" antwortete der Quäler. Plötzlich wurde dem Soldaten unwohl und er brach, mit dem Kopf in den Dünger fallend, ohnmächtig zusammen!! Von einigen Kameraden wurde W. in den Stall gebracht, wo sie sich um ihn bemühten; längere Zeit lag er bewußtlos da. Der An- geklagte aber kümmerte sich nicht um das Opfer seiner Quälerei!! Am nächsten Tage mußte sich W. krank melden und er war über 5 Wochen im Lazarett. Von ärztlicher Seite wurde erklärt, daß der Ohnmachtsanfall eine Folge der Ueber- anftrengungen war. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, der Soldat habe den Unfall simuliert: dem wurde von Sachver- ständigen entgegengetreten. Das Kriegsgericht erkannte für diese gemeine Schinderei auf ganze i 10 Tage mittleren Arrest, weil der Angeklagte als ein brauchbarer und Muster- gültiger Vorgesetzter geschildert wird! Diese Strafe war selbst dem Gerichtsherrn zu gelinde, er legte Berufung ein. Der Anklagevertreter bemerkte, daß sich die Vorin stanz zu sehr dem Eindruck der güten Be- urteilung hingegeben habe und hielt eine Erhöhung der Strafe für angezeigt. Das Oberkriegsgericht hat aber die Be- rufung verworfen. Es habe keine Veranlassung vorge. legen, die Strafe zu erhöhen, dieselbe sei im vorliegenden Falle angemessen!! Unglaublich! Geheimbundsprozest. Ein großer politischer Prozeß wegen Geheimbündelei und Aufteizuna zu Gewalttaten steht in Posen bevor. Angeklagt sind 27 Personen, darunter auch der Landtagsabgeordnete Switala und der Probst Dykier in Buk. fraukrdcb. Die Affaire Rochette. Paris, 29. Juli. Die Untersuchungskommission für die Ange- legenheit Rochette hat sich bis zum ü. Oktober vertagt. Italien. Aus der Romagnu. Rom, 27. Juli.(Eig. Ber.) In einem Teil des Kampfgebietes, in der Umgegend von I m o l a, ist endlich ein Einvernehmen zustande gekommen. Die Arbeiter verbessern ihre Tarife und jede den Unternehmern oder Halbpartnern gehörige Dreschmaschine muß von drei bis vier organisierten Arbeitern zu tarifmäßigen Löhnen bedient werden. In R a V e n n a dagegen dauert der Kampf fort. Die Grundbesitzer lasten die Tennen für die roten Maschinen sperren, während die Terziari, eine Art Tagelöhner in Natural- lohn, die gelben Maschinen auf ihren Tennen nicht dulden wollen. An vielen Orten fängt man an, daS Korn mit Dreschflegeln, aber zu tarifmäßigem Preise, zu dreschen. In der Provinz Ravenna ist die Spannung immer noch sehr groß. Wieder ein blutiger Konflikt in Südstalien. Rom, 27. Juli.(Eig. Ber.) In San Pietro Vernotico in der Provinz Lecce hat man schon wieder einmal bei der Demon- stration die Wafkengegen die Volksmenge gerichtet. Die Bevölkerung des kleinen Ortes war erbittert, weil die Präfektur den Gemeinderat ausgelöst hatte. In der üblichen dummen Weise stellte man der demonstrierenden Menge eine Handvoll Karabinieri. im ganzen 7 Mann, gegenüber. Natürlich kam es zu einigen Steinwürfen, wie dies bei einer so heftigen und politisch rechtlosen Bevölkerung nicht zu verwundern ist. Im Bewußtsein ihrer ge- ringen Zahl verloren die Karabinieri den Kopf und schostcn, noch dazu ohne vorher die vorschriftsmäßigen Signale zum Räumen des Platzes zu geben. Das Resultat waren zwei Tote und etwa 10 Verwundete. Man kann den geradezu stereotypen Hergang dieser Metzeleien nicht lesen, ohne sich zu fragen, warum die Re- gierung nicht endlich begreift, ivas doch nachgerade ein Kind oder ein Blödsinniger begriffen haben muß, daß man aus psychologischen Gründen einer Menge von mehreren Hundert Personen nicht ein halbes Dutzend Karabinieri gegenüberstellen darf. Es ist bis zum Ileberdruß bewiesen, daß die Karabinieri, wenn sie sich in Gefahr fühlen, überwältigt zu werden— und 7 Menschen gegen 500 befinden sich eben in dieser Gefahr—, den Kopf verlieren und von den Waffen Gebrauch machen. Will man schon bewaffnete Macht schicken, ivas mit Rücksicht auf die ausreizende Wirkung gar nicht angebracht ist, so schicke man eine hinreichende, ja eine imponierende Zahl ruhiger und vernünftiger Leute. Gerade das Bewußtsein ihrer Slärle wird dann den Karabinieri Ruhe und kühles Blut «eben. Die heutigen Verhältniste stellen ein ruchloses und frevel- aftes Spiel mit Menschenleben dar. Was man heute bei Volks- bewegungen in Süditalien„die Ordnung aufrechterhalten" nennt, ist einer prompt und sicher funktionierenden Mausefalle zu 6er- gleichen, mit der man Menschen ums Leben bringt. Spanien. Der Konflikt mit dem Vatikan. Madrid, 29. Juli. Wie„Jmparcial" meldet, wird Minister- Präsident C a n a l e j a S dem König wegen der Verhandlungen mit dem Vatikan heute in San Sebastian die Vertrauensfrage stellen. Cngiancl. Annahme der Eidesformel. London, 28. Juli. Unterhaus. Die gestern von dem Premierminister Asquith vorgeschlagene neue Fastung der Er- klärung des Königs bei der Thronbesteigung wurde mit 244 gegen S4 Stimmen angenommen. Die Vetokonfereuz. London, 29. Juli. In der heutigen Sitzung des Unter- Hauses erklärte Premierminister Asquith bezüglich der Veto- k o n f e r e n z, die Vertreter der Regierung und der Oppo- sition seien zwölfmal zusammengekommen und hätten mit Sorgfalt einen großen Teil der stritttgen Materie in Er- wägung gezogen. Obschon wir bisher noch zu keinem Uebercin kommen gelangt sind, fuhr der Premier- minister fort, so haben doch die Besprechungen zu solchen Fortschritten geführt, � daß es nach unser aller Meinung nicht nur notwendig, sondern wünschenswert ist, sie fortzusetzen. Ich kann tatsächlich noch weitergehen und sagen, wir würden es für falsch halten, sie in diesem Stadium abzubrechen. Es handelt sich nicht um eine unbestimmte Fortdauer der Besprechungen. Wenn wir in den weiteren Beratungen während der Parlamentspause zu der Ansicht ge- langen sollten, daß keine Aussicht auf eine Einigung vor- Händen ist, welche dem Parlament im Laufe der gegenwärtigen Session mitgeteilt werden könnte, so werden wir die Konferenz schließen. Im weiteren Verlaufe der Sitzung kamen mehrere Redner auf die in Marokko verübten Grausamkeiten zu sprechen. Die Redner legten der Regierung nahe, in der Frage eine energischere Haltung einzunehmen und auch die französische Regierung auf die Dringlichkeit der Angelegen- heit hinzuweisen. Parlaments-Untersekretär McKinnon Wood erwiderte mit Bezug auf die Folterung der Frau des Gouverneurs von Fes, daß die englische Regierung der fran- zösischcn das Material über diesen Fall zur Verfügung gestellt und sie dafür gewonnen habe, gemeinsam mit der englischen Regierung auf den Sultan den stärksten Druck auszuüben, um diesen scheußlichen Grausamkeiten ein Ende zu bereiten. Er glaube, daß die französische Regierung in diesem Bestreben ebenso eifrig sei wie die englische. Darauf vertagte sich das Haus bis zum 1 5. N o v e m b e r. Zu einer formellen Sitzung wird das Haus indeß am 3. August zusammentreten, um von der königlichen Genehmigung der Aenderung der Er- klärung bei der Thronbesteigung Kenntnis zu nehmen. Hus der Partei. Die Mannheimer Genossen über die Budgctb ewilligung. Aus Mannheim wird uns telegraphiert: Eine sehr stark besuchte Versammlung des sozialdemokratischen Vereins in Mannheim beschäftigte sich mit der Tätigkeit der badischen LandtagSfraktion. Genosse Geiß erstattete den Bericht. Er ver- teidigte dle Haltung der Fraktion in der Großblockfrage und wegen der Budgetfrage. In der Diskussion sprachen die Genossen Heinr. Remmele, Lehmann, Horter und W. Heintz scharf gegen die Stellung der Fraktion, nicht nur wegen der Zustimmung zum Budget, sondern auch wegen ihrer Zustimmung zur Gemeindereform, zum Schulgesetz und zum Einkommensteuergesetz. Allgemein wurde namentlich die Hofgängerei verurteilt und nachgewiesen, daß auch eine Ber- pflichtung au? der Geschäftsordnung hierzu nicht hergeleitet werden könne, schon weil der Landtag jetzt geschlossen ist, ein Vorstand nicht besteht, derselbe daher auch keine Befugnis habe, eine Deputation zur silbernen Hochzeit des Großherzogs zu entsenden. Scharf wurde hervorgehoben, daß der Disziplinbruch der Fraktton erst den Streit in die Partei gebracht habe. Die Mitglieder der Fraktion Süß- k i n d und Dr. Frank verteidigten deren IHaltung im Landtage und versuchten nachzuweisen, daß die Fraktion durch die Macht der Verhältnisse gezwungen gewesen sei, gegen die Beschlüsse des Nürn- berger Parteitages zu verstoßen. Nachts gegen 1'/« Uhr wurde eine Vertrauensresolution gegen eine starke Minderheit an« genommen._ In Weimar wurde in einer stark besuchten Parteiversammlung nach einem Vortrage deS Genosten B ändert über:„Monarchie oder Republik" folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die Parteigenosien in Weimar bedauern die Zustimmung der badischen Landtagsfraktion zum Budget und erblicken in diesem Vor« gehen einen Bruch der Disziplin, der eine schwere Schädigung der Einheit innerhalb der Partei bedeutet. Die Parteigenossen in Weimar verurteilen scharf die Teilnahme der badischen Landtagsfraktion an höfischen Kundgebungen, da solche als widersinnig mit dem republikanischen Charakter der sozialdemo- kratischen Partei zu bezeichnen sind. Die Parteigenosien in Weimar erwarten vom Parteitage in Magdeburg, daß er Mittel und Wege findet, um der Beachtung von ParleitagSbeschlüssen die Geltung zu verschaffen, die zu einem ein- heitlichen taktischen und prinzipiellen Vorgehen der Partei un- erläßlich ist." Der bayerische Landesparteitag findet vom 13. bis 16. August in Erlangen statt. Als T a g e s o r d n u n g ist vorläufig fest- gesetzt: 1. Bericht des Landesvorstandes und Neu- organifation. Berichterstatter E. Auer. 2. P a r l a in e n- tarischer Bericht der Landtagsfraktion. a)Allge- meine Politik. Berichterstatter Adolf M ü l l e r. d) Steuer- Politik. Berichterstatter Dr. v. Haller. o) Sozialpolitik. Berichterstatter M. Segitz. 3. Gemeindewahlprogramm. Berichterstatter Ed. Schmid. 4. Agitation und Presse. 6. Anträge und Neuwahlen. AlS Sekretär für das neu eingerichtete Parteisekretariat für den Wahlkreis Kassek-Melsungen wurde Genosse Struve» Hamburg gewählt._ Eine österreichische Parteischule. Auf dem Reichenberger Parteitag haben die Teplitzer Genosten den Antrag gestellt, die Partei möge eine Parteischule er- richten, um den Vertrauensmännern der Provinz eine Gelegenheit für ihre methodische Fortbildung zu schaffen, wie sie den Arbeitern Wiens in unserer Arbeiterschule schon seit einigen Jahren geboten wird. Der Parteitag hat diesen Antrag der Parieivertretuna zu- gewiesen. Dieser Plan ist jetzt verwirklicht worden: die Parteischule wurde letzten Montag in Bodenbach(Böhmen) eröffnet. Der Unterrichtskursus dauert einen Monat. Der Unterricht wird täglich von 7 Uhr früh bis 11 Uhr vormittag» und von 6 Uhr nachmittags bis 7 Uhr abends in der Volkshalle, dem schönen Heim unserer Bodenbacher Genosten, erteilt. Der Lehrplan umfaßt die Volkswirtschaftslehre, die Geschichte des modernen Staates seit der Reformation, die Geschichte Oesterreichs seit 1848, Theorie und Praxis der Gewerkschaften. Arbeiterschutzgesetz- gebung und Arbeilervcrsicherung, eine Einführung in daS Arbeitcrrecht und statistische Uebungen. Die Lehrer wurden dem Lehrkörper der Wiener Arbeiterschule entnommen. AlS Schüler wurden nur diejenigen Genosien zugelassen, die von einer politische», einer gewerkschaftlichen oder einer gcnosienschaftlichen Organisation in die Schule entsendet worden sind. Die Organisa- tionen, die die Schüler delegiert hoben, tragen auch die Kosten ihres Aufenthalts in Bodenbach; die anderen Kosten trägt die Reichs- Partei. An der Schule nehmen 36 Genosien und zwei Genossinnen teil, und zwar 30 Genossen aus Böhmen, drei aus Niederösterreich, drei aus Schlesien, je einer aus Mähren und aus Oberösterreich. Soziales. Lagereiarbeiter. Der soeben erschienene Bericht der Lagerei-Bcrufsgenossenschaft erwähnt, daß die Regierung erfreulicherweise den geplanten „schweren Eingriff in das Selbstvcrwaltungsrecht der Berufs- genossenschaften" aufgegeben habe und dafür natürlich die Kranken- kosten weiter zu knebeln sucht. Die EntWickelung der Berufsgenossenschaft ergibt sich aus folgenden Zahlen: Versichert waren im Jahre 1886: 7421 Betriebe, im Jahre 1908: 68716 Betriebe und im Jahre 1909: 73436 Betriebe mit 371 611 Arbeitern. Die Zahl der Unfälle hat sich von 19 816 aus 20 862 erhöht, während die entschädigten Fälle von 3738 auf 3632 zurückgegangen sind. Da walten die Vertrauensärzte ihres Amtes. An 21 089 Krüppeln wurden im Berichtsjahre Renten ge- zahlt. Die Armee der Verletzten wird immer größer. Die meisten Unfälle haben sich laut Bericht in der Sektion Berlin und Hamburg ereignet. Es wird auf die Konferenz im Reichsversichcrungsamt hingewiesen, welche den Berufsgenossenschaften das Heilverfahren innerhalb der ersten 13 Wochen des Unfalls ans Herz legte. An der Besprechung hätten auch zahlreiche Aerzte teilgenommen— von Versicherten ist natürlich gar keine Rede— und sei ausgeführt worden, daß heute die Berufsgenossenschaften nicht einmal 1 Proz. der Unfälle im Heilverfahren übernehmen würden. Unrichtige Diagnosen und ungenügende Behandlung schädigten jedoch Ver- letzte, wie auch die Bcrufsgcnossenschaften. deren späteres Heil- verfahren wenig Wert noch habe. Unsere berühmten Renten- quetschen machen doch alles, wenn auch die Wissenschaft dies nicht begreifen kann. Da aber die Lagerei-Berufsgenossenschaft selbst nur in 361 Fällen das Heilverfahren übernommen hatte, dafür den Betrag von 20 168 M. verausgabte, so wird verlegen ausgeführt, daß ja„in dicht bevölkerten Bezirken mit großen Betrieben und gut arbeitenden Ortskrankcnkassen, gut vorgebildeten Aerzten und nmstergültigen Heilanstalten naturgemäß das Bedürfnis zu einem umfassenden Vorgehen in dieser Beziehung weniger besteht". Ja, die Krankenkasten sind ja für die Entlastung der Berufsgenossen- schaften da. Die technischen Aufsichtsbeamten der Genossenschaft erwähnen im Bericht, daß ein Unternehmer in sehr schroffer Weise den Zutritt zu seinem Betrieb verweigert habe und viele andere Unter- nehmer sich darüber bitter deklagt hätten, daß sie sehr oft„be- lästigt" würden. Auf die Kontrolle der Gcwerbeinspektion folge die der Berufsgenossenschaft und dann noch die Kartenkontrolle der Jnvalidenvcrsicherungsanstalt. So schlimm wird wohl die Kontrolle nicht gewesen sein. Von 8473 revidierten Betrieben haben die Beamten nur 2067 Betriebe in Ordnung befunden. Die Herren Unternehmer haben also gar keine Ursache sich über die„Be- lästigungen" der Revisoren zu beschweren. Außerdem lvird be- richtet, daß die Aufiichtsbeamten auch„weibliche Personen an Kreis- sägen beschäftigt" vorgefunden haben. Ein anderer Beamter meldet: daß„in den Schulferien häufig Schulknaben 10—14 Jahre alt Kutschern— wohl meist ihren Vätern — als Handlanger behilflich waren. Es handelte sich hierbei oft um hohe Deckwagen, diese Arbeit kann daher nicht gut als ungefährlich bezeichnet werden." Man beschäftigt also Frauen an sehr gefährlichen Maschinen und beutet auch Schulkinder aus, deren Ferien zur Erholung dienen sollen. Nachdem der Bericht eine Reihe sehr auter Schutz- Vorrichtungen näher in Wort und Bild beschrieben hat, weist er auf die Infektionsgefahr in Lumpensortieranstalten, � Knochen-, Fell- und Häutehandlungen hin, in denen aber gewöhnlich die notwendigen Waschgelegenheiten fehlen. Die Beamten begrüßen auch, daß in vielen Betrieben jetzt der Kaffecgenuß stark zu- nimmt, da„dir Arbeiter sich immer mehr gegenseitig aufklären, wozu die im Berichtsjahre weit verbreitete Boykottierung des BiereS und des Schnapses nicht unwesentlich beigetragen haben dürfte." Stimmt. Deswegen haben doch die Schiedsgerichte in 2616 Fällen zugunsten der Genossenschaft und nur in 693 Fällen zugunsten der Verletzten entschieden. Das ReichSversicherungSamt entschied gar in 80 Proz. der Fälle für die Genossenschaft. Abzug deS Krankengeldes von ber Unfallrente. Der Hilfsschaffner P. Sch. zu Frankfurt a. M. erlitt durch Zu- sammcnstoß der Waldbahn mit einem Personenzug einen schweren Unterschenkelbruch. Er bezog später von der Straßen- und Klein- bahn-Berufsgenossenschaft eine Rente, protestierte jedoch dagegen. daß ihm von dieser Rente außer dem Krankengelde der zugehörigen Ortskrankenkasse, auch noch das über die 13. Uufallwoche hinaus ge- währte Krankengeld seitens der Zrntralkrankenkasse der Sattler in Abzug gebracht wurde. Die Berufsgenossenschaft erklärte jedoch, daß sie bei den Krankenkassen Ersatz zu leisten habe, da diese ja den Ver- letzten unterstützt hätten. Der Bezirksausschuß zu Wiesbaden hatte sich nun mit dieser interessanten Streitfrage zu beschäftigen und gab in der ersten Entscheidung dem Verletzten recht. Tie Berufsgenossen- schaft wurde verurteilt, dem Kläger den Betrag von 19 M. berauS- zuzahlen, da ß 26 des U.V.G. den Ersatzanspruch der Krankenkasse geregelt habe. Hiernach wolle der Gesetzgeber nur zulassen, daß dem Verletzten die Hälfte seiner Rente zu kürzen sei und„klma, wenn er mehreren Kranlcnlassen angehört, nickt jeder von ihnen ein An- spruch bis zur Höhe derselben Rente eingeräumt werden, da dann der Fall eintreten könnte, daß die Kassen zusammen die ganze Rente und mehr fordern, diese müssen sich vielmehr in die drei halbe Monatsrenten teilen." Die Berufsgenossenschaft beruhigte sich jedoch bei dieser Entscheidung nicht, sondern stellte Antrag auf mündliche Verhandlung mit der Bemerkung, daß die beiden Kranken. kassen beizuladen seien. � Die Krankenkassen stellten sich auch auf den Standpunkt der Genossenschaft und wurde ein« Entscheidung des Obcrvcrwaltungsgerichts vom 7. Juli 1966 angeführt, wonach beiden Krankenkassen bis zur Höhe von sechs halben Monatsbeiträgen der Rente geleistet werden müßte. In der mündlichen Verhandlung drang denn auch die Berufsgenossenschaft mit ihrer Ansicht durch. Es wurde im Urteil angeführt, daß nach Kenntnis des früher nicht auffindbaren Urteils des Oberverwaltungsgerichts vom 7. Juli 1666 den Bezirlsausschuß genötiglt habe, in eine neue Prüfung der Be- rechtigung seines Bescheides einzutreten. Aus der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts gehe aber hervor, daß die von den Krankenkassen hier gewährte Unterstützungen grundsätzlich als„vor- übergehende" anzusehen seien und daher im Gegensatze zu„fort- laufenden" Unterstützungen eine Bemessung der Ersatzpflicht je nach der Dauer der Unterstützung nicht stattfindet. Daher sei auch jede Krankenkasse berechtigt, als Ersatz der von ihr gewährten Unterstützung bis zu 3 halben Monatsrenten zu verlangen.„Bei Unterstützung durch mehrere Krankenkassen kann jede Kasse zwar Befriedigung bis zur Höhe von 3 halben Monatsrcnten verlangen, aber nacheinander und nicht gleichzeitig aus der für drei Monate fälligen Rente". An- gesichts dieser grundsätzlichen Festsetzungen des Oberverloaltungs- gerichts sei also lediglich zu untersuchen gewesen, ob die dem Kläger von feinen Renten gemachten Abzüge nicht übermäßig groß. gewesen seien. Dies müsse nach Lage des Falles verneint werden und tzaher sei die Klage kostenfrei abzuweisen, GcwcrfefcbaftUcbce. CbnrtUcb-JSatioiialUberat. Set Set letzten Reichstagswahl wurden Mitglieder des Werkvereins„königlich-christlicher" Bergarbeiter vom Orts- Vorstand in Saarabien zum Besuche der nationatliberalen Parteiversammlung am 5. Februar 1907 im Saalbau zu Saarbrücken beordert und haben aus der Gewerkschaftskasse Fahr- und Zehrgeld erhalten. Die Mitteilung davon hat wie Sprengpulver gewirkt und in Dudweiler so große Verwirrung angerichtet, daß die ganze„christliche" Generalität ausrücken muß, die hochgehenden Wogen zu dämpfen. Herr G u t s ch e erklärte diese Mitteilung schlankweg für„erstunken und er- logen" und der„Bergknappe" druckte die Nachricht ab, sicher- lich nur in dem Glauben, daß G u t s ch e seiner Sache sicher sei, er die Wahrheit sage und so fügte der„Bergknappe" der Erklärung G u t s ch e noch hinzu, es sei nicht denkbar, daß Gewerkschaftsgelder für Wahlzwecke ausgegeben worden seien. Wenn Gewerkvereinsmitglieder sich an jener Versammlung beteiligt hätten, sei dadurch die von sozialdemokratischer Seite erhobene Beschuldigung, die„christlichen" Gewerkschaften seien Zentrumsgewerkschaften, widerlegt. So leicht der„Berg knappe" sich die Abwimmlung der Sache gedacht hat, die Mik gliedschaften haben sie ernster aufgefaßt. Diejenigen, die das Geld erhalten hatten, erklärten:„Wie kann Gutsche und der „Bergknappe" das abstreiten? EsistjaTatsache, denn mehr als200 Mitglieder haben doch Fahr und Zehrgeld erhalten!" Das rief allerdings eine Empörung bei den Zentrumsanhängern hervor, die von der Ortsverwaltung Auskunft verlangten, ob es sich um Mit gliederbeiträge handele oder wo sonst das Geld hergenommen worden sei, wenn nicht aus der Gewerkvereinskasse. Der Ortsvorstand gab die Erklärung ab, daß keine Mit gliederbeiträge für politische Wahlzwecke verwendet worden seien, sondern Gutsche habe vom nationalliberalen Wahlkomitee aus Saarbrücken 2000 Mark erhalten, v o n d i e s em GeldeseienjeneFahr und Zehrkosten für die Versammlung be stritten und auch das Flugblatt mit Gutsche seiner Rede aus derselben Versammlung ge decktwordenl! Zum bessern Verständnis über den Wer des Flugblattes muß noch bemerkt werden, daß dasselbe schon am 4. Februar, also einen Tag vorher in der Druckerei des Stummschen„Schleifstein" hergestellt worden ist! Ob die Nationalliberalen dem Herrn Gutsche, damals '„Generalsekretär" des„königlich-christlichen" Gewerkvercins der Bergarbeiter, tatsächlich Geld gegeben haben und ob es L000 Mk. oder mehr gewesen sind, wollen wir vorläufig noch nicht als feststehende Tatsache betrachten, da es immerhin möglich ist, daß die„Christlichen" sich auf diese Art aus der Patsche heraushelfen wollen, aber der nationalliberale Partei Vorstand oder das damalige Wahlkomitee werden nicht um hin können, zu dieser Angelegenheit öffentlich Stellung zu nehmen. Sollte es sich wirklich bewahrheiten, daß Gutsche das Geld erhalten hat, wäre das ja ein Schauspiel für die Götter. Man denke sich die„christlichen" Gewerkschaftsführer im Kampfe gegen die saarabischen Scharfmacher und diese Arbeiter„führer" holen sich bei denselben Scharfmachern Geld, um ihre Wahlagitation zu leiten und die„organisierten" Bergarbeiter als Stimmvieh heranzuschleppen I Besser be sorgen es die Gelben auch nicht. Weiter kennzeichnet diese Handlungsweise aber von neuem die„Ehrlichkeit" dieser „christlichen"„Charakterköpfe". Nach der Wahl erschienen in der„Kölnischen Volkszeitung" und in allen den München Gladbachern gewogenen Zentrumsblättern, selbst im„Berg knappen" gut geheuchelte Entrüstungsartikel darüber, daß die Sozialdemokraten die beiden Wahlkreise an die Scharfmacher ausgeliefert hätten, da die Parole der Stimmenthaltung nicht befolgt worden sei. Die„Saarpost" hat wiederholt ge schrieben, daß die Sohlen, auf denen Herr B o l tz in den Reichstag gewandert sei, aus der Fabrik Leimpeters stammen und in der Bergarbeiterbewegung man das fort gesetzt gegen den Verband auszuspielen versucht, und nun er , fahren wir, daß es die„Christlichen" sind, welche dem Veo treter der saarabischen Scharfmacher die Schuhe gesohlt und in den Reichstag verholfen haben. Berlin und Clmgcgctid. Die Lohnbewegung der Klempner. Heber die Tarifverhandlungen mit den Unternehmern er- stattete die Kommission Bericht in einer Mitgliederversammlung oer Klempner, die am Donnerstagabend in den„Musikersälen" stattfand. Viermal ist bereits verhandelt worden, ohne daß über die wichtige Frage einer Lohnerhöhung eine Einigung erzielt werden konnte. Auf Einladung des Arbeitgeberverbandes fanden die letzten Verhandjungen am Mittwoch unter dem Vorsitz von Heuer statt. Der Streit um den§ 3 des Vertrages, die Löhne betreffend, wurde wieder nicht geschlichtet. Die Unternehmer beharren darauf, daß sie nur eine Zulage von 5 Pf. gewähren könnten. Dietrich, als Mitglied der Kommission, erklärte den Versammelten am Donnerstagabend, daß alle Verhandlungen als gescheitert zu betrachten seien, wenn die Arbeiter auf ihrer For- derung(7�2 Pf. Zulage) ebenfalls beharren. Die Kommission machte daher den Vorschlag, den§ g des Tarifs dahin zu ändern, daß er lautet: Der Mindestlohn beträgt mit Abschluß des Tarifs 75 Ps. pro Stunde, vom 1. April ISU ab 77 zh Pf. und vom 1. April 1912 ab 80 Pf.— Für Jungausgelernte kann der Lohn geringer sein, jedoch im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit nicht unter 60 Pf., im zweiten Jahre nicht unter 70 Pf./ Diese Sätze steigen am 1. April 1911 um 2)4 Pf., am 1. April 1912 wieder um 2zh Pf., sodaß der Stundenlohn im ersten Jahre 65 Pfennig und im zweiten Jahre 75 Pf. beträgt. Die Arbeiter hatten in ihren Versammlungen vom 23. und 27. Juni beschlossen, die Lohnsätze von 77>l> Pf., 80 Pf. und 8214 Pf. zu fordern und für Jungausgelernte 65 Pf. urrd 70 Pf., resp. 67)4 Pf. und 75 Pf., bei den gleichen Steigerungen um 2)4 Pf. pro Jahr wie in dem sogenannten Vorschlag der Kom- Mission. In der Diskussion traten zahlreiche Gegner des KommissionS- Vorschlags auf. Verschiedene Redner meinten, man sollte jieber ohne Tarif arbeiten, denn an der Aufstellung eines Tarifs hätten die Unternehmer, die eine gute Konjunktur erwarten, das größte Interesse. Man wunderte sich auch darüber, daß das Kartell im Baugewerbe die Unterhandlungen für die Klempnermeister führt, ote offenbar einen Tarif zu ihrer Sicherheit gegen zukünftige höhere Ansprüche der Arbeiter herbeiwünschen. Durch eine geheime Abstimmung wurde der Vorschlag der Kommission mit großer Mehrheit abgelehnt. Einen Tarifvertrag können die Unternehmer nur dann erhalten, wenn sie größere Zugeständnisse in der Lohnfrage machen. > Tarifverhandlungen der Einsetzer. Der neue Holzarbeitertarif gewährt den Arbeitern eine Lohn- erhöhung von 5 Proz. Auf Grund dieser Bestimmungen haben die Einsetzer seit einigen Wochen mit den Unternehmer» verhandelt, um den Akkordtarif so zu ändern, daß die tarifnräßige Erhöhung zum Ausdruck kommt. Ueber das Ergebnis dieser Verhandlungen berichtete der Branchenobmann am Donnerstag in einer Versammlung der Ein- setzer, daß die Unternehmer bereit sind, einen Teil der Positionen um annähernd 6 Proz. zu erhöhen, während sie auf andere Positionen keine oder nur eine zu geringe Erhöhung bewilligen wollen. Die Vcr- Handlungen sind vor zwei Wochen vorläufig abgebrochen worden, weil besonders über die Disferenzpunkte keine Einigung erzielt werden konnte. Dadurch ist aber eine Verständigung noch nicht ausgeschlossen, denn die Verhandlungen werden, wie bereits von beiden Seilen vereinbart ist, in den nächsten Tagen wieder aufgenominen. Wenn die Parteien sich nicht einig werden, so hat nach den Bestinimungen des Holz- arbeitertarifes das Einigungsamt endgültig zu entscheiden. Zu ciiiem Streik in der Norddeutschen Gummiwarenfadrik, Tempelhofer Ufer, kam es am Freilagmorgeu. 350 Mann legten die Arbeit nieder, um ihren neugewähltcn Ärbeiterausschuß zu decken. Am Mittwoch fanden die Wahlen statt und der Ausschuß wurde sogleich beauftragt, sich beim Direktor Schoen vorzustellen und einige Be- schwerden zur Sprache zu bringen. Der Direktor wies den Ausschuß in sehr unhöflicher Weise ab und ließ sich nicht sprechen. Darüber waren die Arbeiter sehr entrüstet. Als aber gar ein Mitglied des Ausschusses entlassen werden sollte, wandten sie sich sofort an ihren Verband. Ein Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes versuchte, die Differenzen zu schlichten, und der Direktor erklärte sich auch bereit, die Entlassung zurückzunehmen, verlangte aber, daß der betreffende Arbeiter nicht mehr als Mitglied des AuS- schusseS gelten sollte. Darauf gingen die Arbeiter aber nicht ein. sondern stände» fest hinter ihrem gewählten Vertrauensmann und legten die Arbeit nieder.— Zuzug von Gummiarbeitern aller Branchen ist bis zur Erledigung der Angelegenheit fernzuhalten. Für das Recht der Organisation traten die Arbeiter im Hart stcinwerk der Phönixwerke, Spandauerweg, ein, indem sie. dreißig Mann stark, am Donnerstag die Arbeit niederlegten, als sie sich unbilligen Zumutungen des Meisters Manz gegenübersahen. Dieser verlangte, daß alle Arbeiter ihreOrganisationspapiere ablieferten, damit er sie kontrollieren könne; er müsse«einige Note rausschmeißen, um mehr Ruhe im Werk zu haben". Die Arbeiter antworteten daraw mit dem Streik. Dem Vertreter des Fabrikarbciterverbandes erklärte die Direktion, daß sie nichts gegen den Verband einzuwenden habe, aber ihrem forschen Meister wollte sie auch nichts in den Weg legen. DetttTebea Reich. Die Arbeiter und Handwerker der Gasanstalt in Nord hausen beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Sie fordern einen Lohntarif und Erhöhung des Tagelohnes um 50 Pf., im zweiten Jahre eine solche von 20, im dritten von 30 Pf. pro Tag. Die Arbeiter sind fast ausschließlich im Verbände der Ge meinde- und Staatsarbeiter organisiert und beauftragten die Gauleitung, mit der Direktion in Verhandlungen zu treten zum Abschluß des Tarifes. Der Straftenbahnerausstand in Hanau a. M. wurde Donners tag nach zweitägiger Dauer erfolgreich beendet. Die erzielten Erfolge sind: Herabsetzung der Arbeitszeit von 305 auf 280 Stunden im Monat, 2 Proz. Tantiemen von den Tageseinnahmen, macht pro Mann 7—11 M. pro Monat. Anstatt des 12. freien Tages wird künftig jeder 6. Tag freigegeben. Muß an einem dienst freien Tag Dienst getan werden, so ist dafür eine Sonder Vergütung von 3 M. zu bezahlen. Nach einjähriger Dienstzeit hat jeder Angestellte drei Tage Urlaub unter Fortbezahlung des Lohnes. Vom 1. April nächsten Jahres ab werden die Gehälter erhöht um mindestens 5 M. pro Monat. Sämtliche Kündigungen werden von der Direktion zurückgenommen, kein Mann darf wegen seiner Beteiligung am Streik gemaßregelt werden. Die Tarifbewegung der Leipziger Bauarbeiter ist nunmehr endgültig beendet. Nach der offiziellen Beendigung der Aus sperrung hatten die Leipziger Bauarbeiter die Aufnahme der Ar beit abgelehnt und den Streik erklärt, weil die im Dresdener Schiedsspruch vorgesehene Lohnerhöhung von 1 Pf. für dieses Jahr ihnen zu gering war. Durch die Verhältnisse gezwungen, nahmen sie dann die Arbeit wieder auf in der Erwartung, daß durch weitere Verhandlungen doch noch etwas zu erzielen sei. Das ist jetzt auch insofern gelungen, als die Leipziger Bauunternehmer einen weiteren Pfennig Lohnerhöhung bewilligt haben, über den Dresdener Schiedsspruch also hinausgegangen sind. Die gesamte Lohnerhöhung beträgt nun für Leipzig 6 Pf., und zwar bis 31. März 1911 68 Pf., bis 31. März 1912 70 Pf. und bis 31. März 1913 72 Pf. für Maurer und Zimmerer und für Hilfs. arbeiter 62, 64 und 57 Pf. Für besonders schwere Arbeiten er- halten die Hilfsarbeiter 3 Pf. Zuschlag pro Stunde. Diese Vev einbarung gilt für Groß-Leipzig; für 5 Landbezirke sind die Löhne entsprechend niedriger und abgestuft. Die Arbeitszeit ist in Groß Leipzig 9 Stunden geblieben, in 3 Landbezirkcn 914 Stunden. Der Vertrag tritt sofort in Kraft und gilt bis 31. März 1913. Am Montag haben ihm die Hilfsarbeiter, am Dienstag die Zimmerer und am Mittwoch die Maurer— diese gegen eine erhebliche Minorität— zugestimmt. Der Streik der Zinkhüttenarbeiter in Obcrschlessen ist abge brochcn. Die auf den drei von G i e s che s Erben gehörigen Zink Hütten in Schoppinitz-Rogdzin(Oberschlesien) streikenden Arbeiter haben in einer Versammlung am 25. d. M. beschlossen, den Streik abzubrechen. Die angenommene Resolution hebt hervor, daß die Direktion der Hütten dem Streikkomitee erklärte, daß ein Teil der Wünsche der streikenden Arbeiter berücksichtigt wird, sobald sie zur Arbeit zurückkehren werden. Sollte dies nicht geschehen, dann werden die Arbeiter den Streik wieder aufnehmen. Den Streik leitete die polnische Berufsvereinigung. Husland. Der Gasarbeiterstreik in Rom verloren. Rom, 29. Juli.(Privatdcpesche des„Vorwärts".) Der Gas- arveiterstreik in Rom hat mit einer völligen Niederlage geendet. weil die Unternehmer die Gelegenheit benutzten, eine neue Gas- bereitung einzuführen, wodurch drei Viertel der Arbeiter entbehrlich werden. 240 Streikende wurden entlassen. Im Buchdruckgcwerbe Finnlands ist ein großer Lohnkampf in der Entwicklung begriffen. Ter Finnische Typographenvcrband hat vor einiger Zeit den Tarifvertrag gekündigt und verlangt be- cheidene Verbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Der Graphische Arbeitgeberverband, dessen Leitung übrigens auch an der Spitze des Allgemeinen finnischen Arbeitgeberverbandes steht, lehnt die Forderungen ab und will die Löhne, namentlich für die Maschinensetzer, herabsetzen. Man hat sich schon aus Schweden eine besondere Setzmaschine verschafft, an der junge Herren und Damen aus dem Bürgertum zur Streikbrecherarbeit angelernt werden. Der Streik an den Hochöfen von Piombino. Rom, 27. Juli. Eig. Ber.) Wegen Lohufragen und um eine Verminderung der Arbeitszeit zu erzielen, sind die Arbeiter an den Hochöfen von Piom- bino(Toskana) m den Ausstand getreten. Die Gesellschaft droht, alle 6000 Arbeiter auszusperren. Achtung, Lithographen Z Infolge der Bewegung in den Privatlithographien sind gesperrt: M. Schönhcrr, M. Hartwig und H. Juhre. Der Streik im Atelier„Phönix" ist am Donnerstag, den 23. Juli, zugunsten der Kollegen beendet worden.'Sämtliche Streikende sind wieder eingestellt und ist der BerbandSarbeitsnachweis anerkannt worden. Die Verwaltung ArbeiterbundeS. mit 123 gegen 54 Stimmen beschlossen, 200 Chinesen und 500 Japaner, die in den Bergwerken von Rock Springs arbeiteten, in seine Reihen aufzunehmen. Diese Entscheidung erfolgte zur Anerkennung dafür, daß dieChinesen und Japaner sich nicht als Streikbrecher ge- brauchen ließen, als die Weißen in einen Streik traten; sie legten sogar, was man gar nicht erwartet hatte, die Arbeit nieder und beteiligten sich an dem Streik. Versammwngsn. bracht, wo er schwer verletzt daniederliegt. Erdrutsch. Trient, 29. Juli. Im Sextcntale stürzte während eines heftigen Gewitters eine große Vergwirse ab, auf der eine Hütte stand, in welcher mehrere Personen vor dem Regen Schutz gesucht hatten. Ein Mädchen wurde getötet, mehrere andere Personen schwer verletzt.> Berantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Lnseratenteil verantw.i»h. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstal�kaul Singer Lc Co„ Berlin L W. Hierzu 3 Beilagen u.Uatcrbaltungsbl. Chinesen und Japaner als Mitglieder in amerikanischen Gewerkschaften, das ist eine so seltene Erscheinung, daß sie Aufsehen erregt, wo immer sie be- obachtct werden kann. Jüngst hat der Bund der Gewerk- schaften im Staate Wyoming, ein Teil des amerikanischen Der Verband der Gemeinde- nnd Staatsarbeiter(Filiale Groß-Berlin) hielt am Donnerstag iin großen Saal des Ge-- wcrlschaftshauses eine sehr gilt besuctile Geiieralversammluiig ab. Der Vorsitzende W u tz I y niachte zunächst einige das Verbands- leben betreffende Mitleilungen. Das Resultat der Wahl der Delegierten zum internationalen Kongreß in Kopciibagen, die in zwei über Demschland sich erstreckenden Wahikreisen vollzogen ivurde, liegt jetzt vor. Die Wahl fiel auf Richard Heck mann- Stuttgart und Emil Wutzky- Berlin.— Der Beschluß der neu angeschlossenen Gruppe der Privatbadeangestelllen, für ihre Mit- gliedcr Kontrollkarten einzuführen, sei durchgeführt. Es liege nun an allen Mitgliedern, nach dem Rechten zu sehen und auch nach Möglichleit die Genossen zu informieren. In städtischen wie in Privatbadeanstallen möge man die Angestellten stets nach der Kontrollkarte fragen, damit ihnen klar- gemacht lverde, daß sie in ihre Organisation gehörten. Das sei schon wegen des bestehenden Tarifs von großer Bedeiitimg.— Maßregelungen seien vorgekommen in der Irrenanstalt zu Bach nnd in den Englischen Gaswerken. Zähneknirschend müsse man sie hin- nehmen, denn der Geist der dortigen Kollegen sei noch nicht ein derartiger, daß man dagegen vorgehen könnte. In Bnch habe man ja immer Schwierigkeiten gehabt. Jetzt, wo dort etivas mehr Leben in die Kollegcnschaft gekommen sei. habe man zwei Vertrauensleute einfach auf die Straße gesetzt, unter Berufung auf alle möglichen Bestimmungen der Hausordnung, die absolut nicht zutrafen. Es sei nicht gelungen, ihre Wtedereinstellung zu er- wirken.— Die Englischen Gaswerke hätten zwei tüchtige Ver- trauenSleute, die sieben und zehn Jahre lang dort tätig waren, entlassen. Angeblich wegen ArbeiismangelS, obwohl erst kurz vorher Einstellungen von Arbeitern erfolgten und in dem Betriebe überhaupt dauernd Arbeiter ein» gestellt würden. Tatsächlich habe man sich der Leute entledigt, iveil man befürchtete, daß sie in den Arbeiteransschuß gewählt iverden würden. Die Folge dieser und anderer Vorgänge bei den Englischen Gaswerken sei wenigstens die, daß jetzt ein besserer Geist die Kollegen ergriffen habe.— Die Umfrage über die Zugehörigkeit zur politischen Organisation und über den täglichen Lesestoff haben nur 2915 Mitglieder von den danials vorhandenen rund 6600 Mit- gliedern beantwortet. Von jenen 2915lascn nnr 1509 den„Vorwärts" und nur 789 waren politisch organisiert. Das seien bedauerliche Zahlen. Und doch sei schon oft genug, davon gesprochen worden, daß gerade die Kollegen in städtischen Betrieben die verdammte Pflicht hätten, sich politisch zu organisieren; seien sie doch sehr darauf angewiesen, mit den Vertretern der orgaitisierten Arbeiterschaft zusammenzu- wirken, wenn sie etwas erreichen wollten. Ein Vorschlag der Ortsvcrivaltnng, BerbandSangelegenheiten, wie Versammlungen und dergleichen, von nun ab im „Vorwärts" zu publizieren, wurde angenommen. ReichStagsabgcordnetcr L e g i e n hielt darauf einen sehr in« struktiven Vortrag über den Kampf der U n t e r n e h in e r» verbände gegen die Gewerkschaften, indem er die Eni- Wickelung dieser Verbände und den Wechsel ihrer Kainpfestaktil ein- gehend würdigte. Nach den einschlägigen Feststellungen ist damit zu rechnen, daß die in den maßgebenden Verbänden vereinigten Unternehmer an 6 Millionen Arbeiter beschäftigen und eine immense wirtschaftliche Macht in sich verkörperten. Ans der anderen Seite stehen nur an« nähernd zwei Millionen organisierter Arbeiter, deren Orgattisattonen 1908 eine Einnahme von 48 544 000 M. und einen Kassenbestand von rund 40 800 000 M. hatten. Wenn nun auch, meinte Redner zum Schluß, trotz aller wechselnden Taktik der Unternehmerverbände die organisierte Arbeiterschaft ein erheblicher Faktor geworden sei, dürften wir unsere Kraft nicht überschätzen. Die Konzentration der eine so große wirtschaftliche Macht verkörpernden Unternehmer» verbände in Zentralen werde, wie bei den Arbeiter- organisationen, immer mehr fortschreiten. Für Redner sei es außer Zweifel, daß eines Tages die gesamte organisierte Ar- beiterschast mit dem gesamtorganisierten Kapital in Kamps stehen werde. Darauf müßten wir uns vorbereiten. Es sei von jedem die ganze Kraft einzusetzen, die Organisation zu stärken, damit auch die Macht der Arbeiterschaft immer mehr wachse und sie gerüstet sei für jeden Fall.(Großer Beifall.) Der Kassierer H o f f m a n n erstattete dann den Kassenbericht für das zweite Quartal. Die Hauptlasse balanzierte mit 30 423,85 M. in Einnahme und Ausgabe. Zur Ausgabe gehören 15 707,12 M., die an die Zentralkasse abgeliefert wurden.— Die Lokalkasje hatte ein« schließlich eines alten Bestandes von 27 030,55 M. eine Einnahme von 45 006,01 M. Insgesamt ausgegeben wurden 15181,12 M., so daß ein Bestand von 24 824,39 M. verblieb.— Mitglieder hatte die Filiale am Schluß des Quartals 6700. Daun erledigte man noch einige interne Verbandsangelegenheiten. Letzte IVacbricbtcn und Oepelcben. Zur Unterschlagung im Postamt 17. Kurz vor Redaktionsschluß echt uns vom Polizei, Präsidium folgende Mitteilung in Sachen des Tefrau« danten Bergmann zu: „Es wurde festgestellt, daß der Briefträger Bergmann am 28. Juli früh 8 Uhr mit einer Droschke aus der Madaistraße nach Ecke Friedrich- und Karlstraße und weiter nach Marien» straffe 31 gefahren ist, wo er sich von dem Friseur Eichler den Schnurrbart ganz kurz abschneiden lieh, dann Marienstr. 6 bei Pcschke nach einem möblierten Zimmer gefragt hat, aber abgewiesen wurde. Seitdem ist er verschwunden. B. führt einen kleinen alten verstaubten schweren braunen Handkofser bei sich und trug einen alten blauen Jackettanzug und schwar» zen steifen Hut."_ Ein politischer„Verbrecher". Batum, 29. Juli.(Meld,-der Petersburger Telegr.-Agentur.) Das Mitglied der türkischen Deputiertenkammer B a st b r Madshsan ist hier verhaftet worden unter der Beschuldigung der Teilnahme an politischen Verbrechen, die 1906 in T i s l i s be« gangen worden sind. Ucberfall auf seine Frau. Dortmund, 29. Juli.(B. H.) Der von seiner Frau getrennt lebende Arbeiter Fiedler kehrte gestern zurück und verlangte von derselben, daß sie die Arbeiter, die bei ihr in Kost waren, entlasse. Als die Frau erklärte, dem Wünsche nicht nachkommen zu können, wurde sie von ihrem Manne mißhandelt. Hierauf fielen drei Kostgänger über den Mann her und brachten ihm sechs Revolverschüsse bei. Der Ehemann wurde ins Krankenhaus ge- lt. 176. 27. Jahrgang. 1. KtilG dts Jotmäils" Öctlintt Jlollisliliitt. Sonnabend. 80. Juli 1910. Die Budgetbewilllgungsfrage. cschlutz.) Die Gegensätze der Parteien sind in letzter Linie zitrückzufüTjre- auf die Gegensätze der Klassen, die sie vertreten. Jede Partei such die Staatsmacht zu erobern, um sie den Interessen bestimmte Klassen dienstbar zu machen, dadurch Staat und Gesellschaft ii beitimmten Sinne zu gestalten. Die Ziele ihres politischen Kampfei »cgr sie in einem Programm nieder. Aber bei den bürgerlichen Parteien sehen wir, daß sie sich in Laufe der EntWickelung einander immer mehr nähern, ihre pro grammatischen Gegensätze immer mehr abstumpfen oder ihr Pro gramm immer mehr aus den Augen verlieren. Sie werden ebei immer mehr konservativ, Staat und Gesellschaft sind im wesentliche! bereits ihren Interessen gemäß eingerichtet, ihre kleinen Gegensätz« treten immer mehr zurück hinter den großen Gegensatz zum Prole tariat, von dessen Ausbeutung sie alle leben, und ihr Bedürfnis den Staat noch mehr als bisher in ihrem Sinne umzugestalten, triti zurück hinter das Bedürfnis, ihn so zu erhalten, wie er ist, um ihn vor der Umgestaltung durch das Proletariat zu behüten. Aber diese Tendenz zur Annäherung der bürgerlichen Parteien aneinander wird immer wieder durchbrochen durch neue Tendenzen die nach stets wachsender Entzweiung der Parteien streben. Dahin wirkt vor allem der«neue Mittelstand", der an Stelle des versinkenden alten tritt, die Scharen der Intellektuellen und � der Kämpfenden werden, daß manche unter ihnen dabei sich schließ. I lich dazu versteigen, im Kampfe um den Futtertrog die Unter- j stützung sogar der Sozialdemokraten anzurufen, von denen man ' doch durch eine tiefe Kluft getrennt ist. Die gewöhnliche Methode ist das freilich nicht, schon deshalb nicht, weil ja die Sozialdemokraten noch nicht über die Regierungs- gewalt verfügen, und wenn sie einmal darüber verfügten, allem Ausbeutungsunwesen ein Ende machen würden. Der nächste und gangbarste Weg ist der, sich dem Herrn der Regierungsgewalt als verwendbare Diener anzubieten, ihm zu zeigen, daß man alle Prinzipien als schädlichen Ballast betrachtet und bereit ist, dem Herrn ebensogut zu dienen und noch billiger als die eben im'Amte befindliche Konkurrenz, daß man als Demokrat bereit ist, jede Erhöhung der Zivilliste und des Militärbudgets mit Hurra zu bewilligen. Indes das genügt nicht immer, um die Konkurrenz aus dem Felde zu schlagen. Man muß auch zeigen, daß man bequemeres Regieren verheißt als sie, das heißt, man muß trachten, sie im Parlament in die Minorität und sich selbst in die Majorität zu bringen. Dazu gibt es zwei Wege. Einmal den, sich mit anderen Par- teien zu verbinden, wenn man allein nicht über die Mehrheit ver- fügt. DaS war ehedem nicht leicht, solange die Parteien noch für Programme und Prinzipien fochten. Nur einander verwandte Parteien konnten sich verbünden. Heute geht das einfacher. Man verbündet sich ja nicht, um irgend ein Programm durchzuführen, sondern um«regierungsfähig" zu werden, das heißt Zutritt zur ihrer Handlanger, die sich aus dem Nachwuchs des alten Mittel- staatlichen Versorgungsanstalt zu erlangen. Sobald man sich mit standes, überschüssigem Nachwuchs der Kapitalistenklasse und ein. anderen Mitstrebern darüber verständigt hat, liegt dem Zusammen- zelnen aufsteigenden Spitzen der Avdeiterklasse rekrutieren. treten zu einer„positivfr��baren Arbeitsmajorität" nichts mehr Diese Scharen wachsen rasch an. weit rascher als die Nachfrage im Wege. Der Bülowblock �at gezeigt, daß sogar eine Koalition nach ihren Diensten, Auch in ihren Reihen bildet sich Ueberproduk-»wischen Freisinnigen und Konservativen nicht mehr zu den Un- tion. Um so wichtiger wird für sie der Staat. Dessen Bedarf an moguch leiten gehört. � � c c � Hilfskräften aller Art. hohen und niederen Beamten, wächst eines-, Störend wirkt dabe, nur eins: Jede der Cliquen mochte so teils infolge der Zunahme der Funktionen des Staates, anderer- wel als möglich aus dem Staate herausholen, das setzt aber vor- seits auch infolge der Ausdehnung des Staatsgebietes durch die«sis. daß vorher auch recht viel hineingetan wird. Darüber, daß Kolonialpolitik: der Staatsdienst gewinnt so für den neuen Mittell die ietzigen Ausgaben des Staates in ihrer bisherigen Höhe ver- stand immer größere Bedeutung. Zugleich auch die Staatsliefesi{LWuj'm müssen und die Masse der arbeitenden Schichten zu ihrer rungen immer größere Bedeutung für die verschiedensten Waren»! Deckung aufkommen muß, stnd sie alle einig. Aber die Belastung Produzenten Volksmassen findet ihre Grenzen, wird auch immer gefahr- Indes, so groß die Staatskrippe ist und so sehr sie ununter- l'cher. Die Besitzenden müssen schließlich ebenfalls zu den Staats- brachen wächst— sie reicht doch nicht auS, aller Nachfrage nach kalten zugezogen werden— jeder will aber so viel als möglich Stellen zu genügen, alle zu ve?s°rgen. die versorgt s�n möchtem"ewen so wenig als möglich geben. Jede Clique sucht das Ein Teil bleibt von der Krippe ausgeschlossen. Die Regierung aber Zahlen den anderen zuzuschieben, wenn einmal d«e Besteuerung ist es in letzter Linie, die entscheidet, wer an die Krippe darf, wer der Besitzenden unvermeidlich wird Daruber entspinnen sich oft nicht. Ihre Freunde werden zugelassen, ihre Gegner ausgeschlossen, die wütendsten Kampfe. Dieselben Elemente, die mit größter Ge- So ersteht für die einzelnen Parteien ein zweites Motiv, nach mutsruhe den arbeitenden Klassen die größten Lasten auferlegen, der Staatsgewalt zu streben, neben dem. die Macht zur Durch, geraten auger sich und erklaren die heiligsten Guter der Mensch- führung ihres Programms zu erringen: das, die Verfügung über?, � bedroht, sobald ihnen eine neue, wenn auch noch so unbe- alle die unzähligen Posten und Pöstchen zu erlangen, die von der deutende Steuer zugemutet wird. In Geldsachen Hort leicht nicht Regierung besetzt werden. Vom Beginn des modernen Staates alle Gemütlichkeit, sondern auch alle Blockpolitik auf. an war dieses Bestreben bei den bürgerlichen Parteien vorhanden. Außer durch Bündnisse mit anderen Parteien kann man auch Es tritt jedoch in dem Matze in den Vordergrund, in dem da? durch Veränderungen des Wahlrechts die Stärke der eigenen Par- andere Motiv zurücktritt. Je weniger ernst es den Parteien ist, tei vermehren. Neben dem wachsenden Ansturm der Sozial- die Regierung zu gewinnen, um ihr Programm durchzuführen, um demokratie ist dies einer der Gründe, warum in den verschiedensten so ernster wird für sie die Gewinnung der Regierung zur Aus- Ländern und Gemeinden Wahlrechtsänderungen in letzter Zeit nutzung des Staates für ihren Anhang als Versorgungsanstalt, vorgenommen werden. Aber auch hier handelt eS sich bei den Der Weg zur Macht erhält so für sie eine eigenartige Bedeutung bürgerlichen Parteien mcht mehr um Prinzipien und Programme. Die Macht, die sie anstreben, ist schließlich nicht mehr die Macht den Staat umzugestalten, sondern nur noch die, den Staat aus- zubeuten. Entwicklung die Kriterien sehr verschieden, nach denen die Zu- sondern nur noch um Mandate. Nur die Sozialdemokratie verficht in dieser wie in jeder anderen Sache stets den gleichen prinzipiellen demokratischen In den verschiedenen Staaten sind je nach ihrer historischer Standpunkt. Die Forderungen und Bestrebungen jeder einzelnen bürgerlichen Partei, selbst der bürgerlichen Demokratie, wechseln lassung zum Staatsdienst ober das raschere Fortkommen in ihm dagegen mit den Umständen. Wo es profitabel ist, tritt nicht bloß bestimmt wird. In Oesterreich bildet die Zugehörigkeit zu be- der Freisinn, sondern auch das Zentrum fürs allgemeine, gleiche stimmten Nationalitäten dabei eine große Rolle. Im Deutschen und direkte Wahlrecht ein. Neben der Sozialdemokratie waren Reiche die Religion. ES macht einen gewaltigen Unterschied im eS die Ultramontanen in Süddeutschland wie in Oesterreich, die Fortkommen, ob man Protestant, Katholik oder Jude ist. die letzten Wahlresormen machten. Aber derselbe Freisinn, der in Die Parteien, welche die bisher im Staatsdienst begünstigten Preußen anscheinend eine Verbesserung des Wahlrechts fordert, Kategorien vertreten, kämpfen mit Nägeln und Zähnen dafür, verschlechtert das Wahlrecht, wo ihm die Sozialdemokratie auf den ** o �-------—, r i— rfTV L— Co__ i____ l__ v——_..—««««K T)<-> v»+ 1» t-v» S � P,«v* V• �(TQ dies Privileg aufrechtzuerhalten. Die Vertreter der zurückgesetzten oder gar ganz ausgeschlossenen Kategorien kämpfen ebenso wütend dafür, selbst zur Macht zu kommen, um das Privileg zu brechen. Obwohl die Prinzipienkämpfe der bürgerlichen Parteien immer mehr aufhören, tritt doch nicht Friede unter ihnen ein, sondern ihre Kämpfe werden oft noch erbitterter als bisher, gerade des- wegen, weil sich'S dabei nicht mehr um große, weltbewegende Ideen, sondern um bloße Geldgeschäfte handelt. So groß kann die Wut kleines Feuilleton. Schiaparelli über die MarSkanäle. Der jüngst verstorbene italienische Astronom Schiaparelli, dem wir die ersten grundlegenden Beobachtungen über die sogenannten MarSkanäle verdanken, hat noch kurz vor seinem Tode in einem Privaibrief zu dieser viel umstittenen Erscheinung Stellung genommen. Der schwedische Physiker Arrhenius hatte die«Kanäle' für Spalten erklärt, die unseren Erdbebenspaltcn entsprechen. Schiaparelli äußert sich dazu in dem vom.KoSmoS" veröffentlichten Briefe:«WaS mich betrifft, so ist eS mir noch nicht gelungen, mir ein organisches Ganzes von ver- nunsrgemäßen und glaubwürdigen Gedanken über die Mar«- fhänomene zu bilden, die vielleicht doch noch etwas verwickelter« Er- cheinungen darstellen als Herr ArrheniuS annimmt. Aber ich bin mir ganz klar über einen Punkt, hinsichtlich dessen ich mich in voller Ucbereinftimmung mit ihm befinde, daß man nämlich eine Mit- Wirkung der geologischen Struktur des Planeten in Rechnung ziehen muß: Alexander v. Humboldt nannte dies in abstrakter Weise die Reaktion des Innern auf die Oberfläche und auf die den Planeten in Form einer Atmosphäre umgebenden Hüllen, Ich glaube auch mit Herrn Arrhenius. daß die Linien und Streifen des MarS(der Name«Kanäle" sollte vermieden werden) sich durch die Tätigkeit von physiko-chemischen Kräften ganz allein erklären lassen; ausgenommen immer gewisse periodische Färbungen, die wohl das Er» gebnis organischer Bildungen von großer Ausdehnung sein könnten, wie auf der Erde das Blühen der Steppen und ähnliche Erscheinungen. Ich bin ebenfalls der Meinung, daß die geometrischen und regelmäßigen Linien sderen Vorhandensein noch von vielen Personen bestritten wird) uns für den Augenblick hin- sichtlich der wahrscheinlichen oder unwahrscheinlichen Existenz intelli- genter Wesen auf diesem Planeten gar nichts lehren. Indessen er- achte ich es für gut, wenn jemand alles sammelte— sei eS auch nur als Grundlagen für die Prüfung—, waS sich auf vernünftige Weise zugunsten dieser Existenz vorbringen läßt. Und unter diesem Gesichtspunkte schätze ich außerordentlich die hochherzigen Bemühungen deS Herrn L o w e l l und die von ihm zu diesem Zweck gemachten Aufwendungen an Geld und Arbeit sowie seine sehr scharfsinnigen Ausführungen darüber." Die„wissenschaftliche Bildung" deS bayerischen KleruS. Aus Müncli en wird uns geschrieben: Viel belacht wird hier ein grau- samer Neinfall eines Zentrums theo logen, der es unter- nommen hat, den Bischof von RegenSburg wegen seines bekannten Ausspruches:«Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben I" gegen die An- «risse der sozialdemokratischen Presse zu verteidigen. Die«Münch. !ost" hotte an der Hand von Bibelstellen nachzuweisen gesucht, daß sich in den Schriften des Apostels Paulus, auf den sich der Bischof berufen, ein derartiger Ausspruch nicht finde, und hatte dazu bemerkt: «Wir benützen den Text der ganz zuverlässigen Konstanzer Ausgabe der Blbl. Sa er, vom Jahre 1770." Diesen Quellennachweis gibt der ultramontane Theologe, der in mehreren Blättern einen großen, angeblich.wissenschaftlichen' Fersen ist, und dasselbe Zentrum, das in Bayern die Wahlreform förderte, hindert sie in Preußen. Nirgends ein großzügiges Pro- gramm, überall nur kleinliche Berechnung deS nächstliegenden Augenblicksvorteils. Auch bei dieser Rauferei um die Mandate gibt eS oft leb- hafte Kämpfe zwischen den bürgerlichen Parteien. Die Sozialdeisiokratie muß natürlich alle Zwistigkeiten zwischen ihren Gegnern zu ihren Gunsten auszunützen suchen, mögen deren Rechtfertigungsartikel zugunsten de? Bischofs veröffentlicht, wieder, indem er sagt, die Herren Theologen der sozialdemokratischen Presse beriefen sich auf„den Text der ganz zuverlässigen Konstanzer Aus- gäbe der biblischen Sakramente sl)" usw. WaS sich der Zentrumstheologe unter der Konstanzer Ausgabe der«biblischen Sakramente" vorgestellt hat, ist sein Geheimnis. Von jedem Buchhändlerlehrling hätte er sich belehren lassen müssen, daß die Abkürzung Libl, sacr. nichts anderes bedeuten kann als Biblia sacra, zu deutsch: heilige Bücher. So etwas braucht ein ZentrumStbeologe natürlich nicht zu wissen. Aber nicht genug damit; mit einem ganz unscheinbaren Mittels nämlich mit Hilfe deS hinzugesetzten AuSrnfungszeichenS, weiß der«Bayer. Kurier", der den Artikel auch abdruckt, die zentrumS- theologische Dummheit von den«biblischen Sakramenten" als ein Zeichen sozialdemokratischer Unwissenheit erscheinen zu lassen I So paaren sich bei dieser ultramontanen Sippe in anmutiger Gemeinschaft Unwissenheit und Perfidie. Der unterbliebene Handkuß. Die russische Zeitung.Retsch' be- richtet aus Orenburg: In der achten Klasse des Orenburger Gymnasiums stand der Schüler Wssewolod Schukschinzew vor dem Abiturium. Neun Jahre lang war er, wie der Direktor wiederholt äußerte, Musterschüler gewesen! er war infolge dessen Kandidat für die goldene Schulmedaille. Da kam am 15. Juni das Abiturium, und der junge Mann bestand es glänzend. Etwas sehr Bedauer- licheS passierte nur bei. der Religionsprüfung, Bischof Dionysius von TscheljabinSk, der dem Examen beiwohnte, verteilte unter die Absolventen Evangelien. Schulschinzew nahm sein Evangelium, küßte eS, vergaß aber die Hand des Bischofs zu küßen. Entrüstet entriß der geistliche Herr dem Schüler das Evangelium, eilte zum Katheder und änderte die gute Zensur 4, die der Abiturient in Religion er- halten hatte, in 2 um. Als aber der Sünder auf Verlangen des Direktors den Bischof um Entschuldigung bat, verrauchte der Zorn des kirchlichen Würdenträgers und er änderte die 2 in eine 3 um. Das Reifezeugnis war gerettet. Alle waren zufrieden, nur der Direktor nicht. Er zitierte die Mutter des Knaben zu sich und erklärte, er gebe ihrem Sohne das Abgangszeugnis nicht, bevor sie nicht den Bischof um Verzeihung für ihren mißratenen Jungen gebeten haben würde. Die schüchterne und kränkliche Frau tat das. Der Bischof war über den Ilebereifer des Direktor? sehr «staunt, aber durchaus nicht erfreut. Aber der Direktor >oar noch nicht zufriedengestellt. Er forderte von der Rutter ein ärztliches Zeugnis über die geistige Anormalität ihres Sohnes, den er früher als Musters-büler gepriesen hatte. Die Natter beschaffte das Zeugnis(1). Und auch das genügte dem Direktor nicht. Er berief den Lehrcrrat und setzte hier durch, daß »er ausgezeichnete Schüler für Betragen eine schlechte Note erhielt. Nit dieser Zensur und dem ärztlichen Zeugnis war dem jungen Abiturienten der Zutritt zur Universität verschlossen. Und um seinen Großzügigen Strafpkan ganz durchzuführen, ging der Direktor zum Aater des Schülers, der als Lehrer am Gymnasium fein Unter- gebener war. und forderte ihn auf, um seinen Abschied einzukommen. So lebt man in Nußland I Differenzen auch nicht mehr, wie ehedem, prinzipiellen Gegen- sätzen, sondern nur noch dem Hunger nach Aemtern und� Liebes» gaben und der Abneigung vor der Tragung von Staatslasten ent- springen. Sie muß jeweilig einzelne Parteien gegen andere unter- stützen, wie sie es seit jeher getan. Aber sie kann das nur tun» um dabei bestimmte einzelne Erfolge zu erreichen, eUva eine be- stimmte Wahlresorm durchzusetzen, die schon beraten� wird, oder eine bestimmte Steuer abzulehnen, die vorgeschlagen ist. Dagegen wäre es schlimmer als zwecklos, wollte sie sich mit einzelnen bürger» lichen Parteien zu einer längeren Aktion oder gar zu einer festen, dauernden Regierungsmehrheit vereinigen. Derartiges erwies sich schon undurchführbar zu der Zeit, wo die bürgerlichen Parteien noch feste, weithinschauende Programme hatten. Selbst damals, als der deutsche Libesalismus noch etwas an sich hatte, das nach revolutionärem Charakter aussah, wurde er die Furcht vor der politischen Macht des Proletariats und den Gegensatz des Kapi- talisten zum Arbeiter nicht los. H-eute aber ist auf keine der bürgerlichen Parteien in irgendeiner der Fragen, die das Prole». tariat interesiicren, irgendwie ein Verlaß möglich. Man spricht von einem liberal-sozialdemokratisckien Block zur Bekämpfung der Reaktion des Zentrums und der Konservativen. Jedoch gestern erst mußten unsere Genossen in Süddeutschland mit dem Zentrum Hand in Hand gehen, um den liberalen Widerstand gegen die Wahlresorm zu überwinden, und gestern erst fanden sich die Freisinnigen mit den Konservativen in Preußen zusammen, um eine„positiv-fruchtbare Arbeitsmajorität" zu bilden. Sicher müssen wir heute das Zentrum bekämpfen wegen seiner reaktionären Politik. Aber die Liberalen bekämpfen es nicht aus dem gleichen Grunde. Sie waren bereit und sind bereit, mit den Konservativen gemeinsame Politik zu machen. Was sie gegen das Zentrum erbittert, das ist die Tatsache, daß es den Konservativen ermöglicht, reaktionäre Politik ohne Liberale zu treiben, daß der Platz an der Futterkrippe durch klerikale Streber besetzt wird, auf den die liberalen Streber Anspruch erheben. Die liberalen und klerikalen Streber gleichzeitig zu befriedigen, geht schwer an, dazu ist der Ausbeutungsorganismus des Staates noch nicht groß genug. Die Liberalen hassen die Klerikalen, aber sie sind stets bereit, um sie zu ersetzen, an ihrer Stelle reaktionäre Politik zu machen. Und das sind die Bundesgenossen, die wir uns suchen sollen, um derentwillen wir alles aufgeben sollen, was unsere Sache groß und siegreich mackst! Man muß alles sozialistische Empfinden verloren haben, muß alles prinzipielle Denken verlernt oder nie besessen haben, muß sich ganz vom bürgerlichen Beispiel, von dem Vorbild der jetzigen, nicht ehemaliger bürgerlicher Politik beherrschen lassen, um die Kühnheit aufzutreiben, unserer Partei zu raten, sich mit den Nationalliberalen zu einer Regierungsmehrheit in gleicher Weise zusammenzutun, wie es die Freisinnigen mit den Konservativen taten. Der Karlsruher„Volksfreund" hat recht, wenn er erklärt, die „Prinzipienreiterei" komme bei der Großblocktaktik„nicht auf ihre Kosten". Allerdings, wenn er hinzufügt, die„Prinzipienreiterei" sei ein„ebenso leichtes wie bequemes Vergnügen", so beweist er damit, daß er nicht weiß, was ein Prinzip ist, auf welche Weise man sich zu Grundsätzen durchringt, in welcher Weise man unter ihrer Leitung kämpft. Er scheint unter Prinzipien leere Redens- arten zu verstehen. Jeder urteilt über Prinzipien nach denjenigen, die er hat. Wenn unsere Partei sich soweit kastrieren würde, daß sie selbst die Gegnerschaft der Nationalliberalen in Zutrauen verwandelte, so würde sie doch dabei nicht einmal vorübergehend gewinnen— weder sie noch das Proletariat, denn das gemeinsame Arbeiten wäre ja nur dadurch möglich, daß unsere Partei alles vermiede, was bei den Liberalen Anstoß erregen könnte, wie ja auch schon das badische Beispiel beweist, wo unsere Genossen im Landtag sich gezwungen sahen, die neue Gemcindeordnung, die das Drei- klassenwahlsystem verewigt und die Arbeiter dauernd hindert, zur Mehrheit in der Gemeindevertretung zu gelangen, als demo- kratische Errungenschaft zu preisen. Denn um ihre nationallibe- ralen Bundesgenossen nicht abzustoßen, durften sie nicht eine Agi» tation für das gleiche Wahlrecht zur Gemeindeordnung im Lande entfalten. Der ganze Effekt der Graßblockpolitik, wenn sie im Reich über- Haupt möglich wäre, könnte höchstens der sein, daß wir den Libe» ralen als Stufe dienten, über die sie zur Staatskrippe hinauf- stiegen, um dieselbe reaktionäre Politik mit einigen unbedeutenden Variationen zu machen, die jetzt gemacht wird: Weltpolitik, Die Sublimatvergiftungen im Deutschen Reich. Sublimat ist eines der vorzüglichsten Desinfektionsmittel, das wir besitzen. eS wird daher nicht nur von den Aerzten, sonder» auch vom großen Publikum in ausgedehntem Maße verwendet. Außerdem wird Sublimat zu gewerblichen und technischen Zwecken und neuerdings auch in der Amateurphotographie in großem Umfange verwendet. Die beliebteste Anwendungsform ist die in Form der Pastillen, die aus gleichen Teilen Sublimat und Kochsalz bestehen unter Zusatz eines roten Farbstoffes. Dieser rote Farbstoff, meist Eofln, bezweckt, die Ge- fahr der Verwechselung des an sich farblosen Sublimat? herab- zumindern. Sublimat ist nämlich ein furchtbare? Gift und wie manche zu Desinfektionszwecken viel gebrauchten Stoffe, z. B. Karbolsäure und Lysol, werden auch die Sublimatpastillen mit zunehmender Ver- breitung zu Selbstmordzwecken benutzt; desgleichen sind sie manchmal aus Fahrlässigkeit oder Versehen eingenommen worden. Um zu- verlässige Unterlagen über die Unglücksfälle durch Sublimat zu erhalten, hat der Reichskanzler vom Jahr 1897 ab statistische Er- Hebungen veranstalten lassen, deren Resultate jetzt vom ReichSgesundheitS» amt publiziert wurden. Danachsind von 1897— 1905 im Ganzen 101 Ver- giftungen mit Silblimatpastillen amtlich gemeldet worden, von denen 92 in selbstmörderischer Absicht erfolgten und die übrigen auS Versehen. Von den 101 Vergiftungsfällen verliefen 58 tödlich, während 43 Vergiftete am Leben blieben. Das weibliche Geschlecht über- wiegt beim Selbstmord mit Sublimat gegenüber dem männlichen. wobei die Geneigtheit des weiblichen Geschlechtes, zu Selbstmordzweckcn Gift zu wählen, deutlich hervortritt. Als töd- liche Dosis genügt schon das Verschlucken einer Sublimatpastille von>/z Gramm. Es hat nach dieser Statistik die Zahl der in Deutschland jährlich vorgekommenen Sublimatvergiftungen durch- schnittlich 11 betragen, von denen 10 in selbstmörderischer Absicht ausgeführt wurden; das ist eine geringe Zahl, beendeten doch in Preußen allein im Jahre 1905 im ganzen 630 Personen ihr Leben freiwillig durch Gift._ Notizen. — Die Reinigung der Straßen von— Denk« m ä l e r n. Der Pariser Gemeinderat hat vor einigen Tagen in einem ausführlichen Bericht dargelegt, daß eine der ärgsten Ver- kehrShemmungen in der zunehmenden Masse der Denkmäler besteht. In der Tat hat die Vetternivirtschafl in der Gemeinde und das Mäccnatentum dekorationSsnchtiger Spießer eine wahre lieber« schwemmnng in Bronze und Marmor hervorgerufen. So ist z. B. Alfred M u s s e t in Paris gleich mit drei Denkmälern vertreten. Corberller fragt nicht mit Unrecht:„WaS hat Shakespeare auf dem Boulevard Haußmann zu tun, Henri Becque auf dem Trottoir der Avenue de Villiers"? Aber da» sind immerhin doch Größen der Literatur, die im Publikum mehr oder Minder Erinnerungen aus- lösen. Sinnloser noch sind die Monumente von allerhand längst vergessenen Generälen und Admirälen und obskuren Professoren. Corbeiller beantragt, einfach alle Denkmäler— mit Ausnahme der patriotischen Größen— auS der Stadt zu schaffen und auf den Festungswällen aufzustellen, wo sie niemand genieren. Kloitenpolitik. VerinehrungSi, Set Landarmee, Erhöhung Set Zivil- liste. Fortschung det Schutzzollpolitik. Verschleppung der preußischen Wahlreforu.. Geändert hätte sich nichts als eine Kleinigkeit: Wir hätten uns selbst mattgesetzt. wären nicht mehr imstande, alledem entgegenzutreten, ja wir würden sogar die Mitschuldigen an allen diesen Tingen werden. Freilich, ein nationalsoziales Herz würde das nicht schwer empfinden und wir gewönnen dafür die unschätz- bare Genugtuung, daß einmal am Ende selbst ein deutscher Reichs- kanzler unsere Bewegung als eine Kulturbewegung bezeichnete! War die Idee des Blocks der Linken von Äassermann bis Bebel stets eine Torheit— vom sozialdemokratischen, nicht vom bürgerlichen Standpunkt—, so nie mehr als im jetzigen Moment. Alle� bürgerlichen Parteien ohne Ausnahme sind moralisch bank- rott. Die Teuerung, die Steuererhöhungen, das Wettrüsten, der wachsende Notstand von Volk und Reich, das alles erregt steigende Erbitterung in allen unteren Volksschichten, weilt über die eigent- liche Arbeiterklasse hinaus, eine Erbitterung, die sich gegen alle Parteien richtet, deren Mitschuld an dem bestehenden Regierungs- system außer Frage ist, nicht bloß gegen die Parteien des schwarz- blauen Blocks, sondern auch gegen die des.Bülowblocks. Nur zur Sozialdemokratie haben die Massen noch Zutrauen, weil sie die einzige Partei ist, die dem herrschenden Regime in unversöhnlicher Feindschaft gegenübersteht, die einzige, die mit ihm nicht paktiert, die nicht ihre Grundsätze für Aemter verkauft; die energisch gegen den Militarismus, das persönliche Regime, das Dteiklassenwahlshstem. die Hungerzölle zu Felde zieht. Darauf beruht die ungeheure Werbekraft, die unsere Partei heute ausübt. Daher die blasse Furcht unserer Gegner vor den nächsten Wahlen, daher der große Erfolg, den sie uns versprechen. Wie weit sie uns einen Mandatsgewinn bringen, das läßt sich heute nicht berechnen, da die gegenwärtige Situation ganze große Volksschichten uns zugewandt hat, die uns bisher ferne standen. Sicher aber ist ein großer Zuwachs an Stimmen— wenn wir bleiben, was wir waren, die Todfeinde des bestehenden politischen und sozialen Zustandcs, der die Massen immer quälender bedrückt, dessen Ueberwindung sie immer heißer herbeisehnen. Treten wir dagegen in den Wahlkampf, Arm in Arm mit den Freisinnigen oder gar mit den Nationalliberalen, machen wir uns zu ihren Mitschuldigen, erklären wir uns bereit zu der gleichen Erbärmlichkeit, deren sich die Freisinnigen schuldig machten durch ihr Eintreten in den Bülowblock, so enttäuschen wir die Massen; wir stoßen sie von uns ab und ertöten das politische Leben. Denn wenn selbst die Sozialdemokratie als Oppositionspartei versagt, wenn selbst sie bereit ist, ihre Grundsätze zu verraten, sobald sie dadurch„regierungsfähig" wird, dann verlieren alle von den heutigen Zuständen Bedrängten das Zutrauen, durch politischen Kampf vorwärts zu kommen; dann säen wir auf der einen Seite die Saat der politischen Gleichgültigkeit und auf der anderen die des anarchistischen Syndikalismus. V. Die Großblockpolitik bei den Neichstagslvahlen wäre schlimmer dlS ein Verbrechen, sie wäre eine ungeheure Dummheit. Es ist auch ganz sicher, daß die überwiegende Mehrheit der Genossen sie ohne weiteres entschieden ablehnt. Das wissen die Verfechter dieser Politik selbst. Aber sie geben die Hoffnung nicht auf. Können sie die Partei nicht veranlassen, die Großblocktaktik zu machen, so erwarten sie doch, durch ein„kluges" Vorgehen es dahin zu bringen, daß die Partei die Taktik des Blocks der Linken dort duldet, wo diese Taktik Gläubige findet. Dazu soll die Durch- hrechung der Parteidisziplin dienen. Es handelt sich darum, die Bahn frei zu inachen für eine Wahlpolitik unter dem Zeichen des Blocks der Linken nicht bloß in Baden, sondern„weit über die Grenzen Badens hinaus". Darum auch der DiSziplinbruch gerade im jetzigen Moment. Es erscheint uns unerklärlich, wie Genossen es fertig bringen können, gerade jetzt, vor den Reichswgswahlen, die diesmal von entscheidendster Bedeutung werden, wo wir die Einigkeit not- wendiger brausen als je, ohne Not einen Zankapfel in unsere Reihen zu werfen, der sie mit der schlimmsten Zerklüftung be- droht. Es wäre unerklärlich, wenn es nicht gerade die Aufgabe des Zankapfels wäre, jene Zerklüftung für die Wahlbewegung zu jschafsen. Die Vadenser Abgeordneten wollen freie Bahn gewinnen, um den Wahlkampf im Namen und im Sinne des Blocks der gesamten Linken zu führen. Sie rechnen darauf, daß unmittelbar vor den Wahlen der Parteitag es nicht wagen wird, energisch gegen ihren Disziplinbruch vorzugehen, sondern sich mit einiger Entrüstung begnügen wird. Wäre es aber nicht doch möglich, daß ihre Spekulation auf die Zwangslage der Partei sich als falsch erweist? Wenn man sagt: nur keinen Streit am Tage vor der Schlacht, so darf man wohl mit der Frage antworten: wann ist es mehr geboten, die Disziplin aufrecht zu halten, als am Tage vor der Schlacht? Der große moralische Wert der Disziplin, der sie unschätzbar für jeden Kampf großer Massen macht, beruht in der Tatsache, daß unter ihr jeder Kämpfende sich auf alle Mitkämpfer fest verlassen kann, er sicher ist, daß sie alle in gleicher Hingebung gegen den gleichen Feind der gleichen Parole folgen und dadurch den Erfolg sichern. Man kann nicht mit voller Zuversicht kämpfen, wenn man neben sich Kameraden weiß, die bereit sind, aus den Reihen zu treten, um mit dem Feinde zu paktieren. Wir müssen, ehe der Wahlkampf beginnt, der vollsten und aufrichtigsten Disziplin aller unserer Genossen sicher sein. Wir können nicht mit Elementen zusammenkämpfen, die sie uns verweigern. Man glaube ja nicht, daß es sich bei der badischen Budget- bewilligung um ein Ding der Vergangenheit handelt. Nein, der Disziplinbruch hängt aufs engste zusammen mit dem kommenden Wahlkampf. Läßt man ihn hingehen, erklärt die Partei, sie sei wegen der Nähe des Wahlkampfes nicht imstande, die Befolgung ber Partetdisziplin zu erzwingen, so öffnet sie damit Tür und Tor allen Disziplinbrüchen mitten im Wahlkampf selbst. Dann chchben wir statt eines einheitlichen Wahlkampfes das greulichste EhaoS, dann kämpfen die einen Wahlkreise unter dem Zeichen deS Blocks der Linken und die übrigen unter dem Zeichen der Gegner» fchaft gegen alle bürgerlichen Parteien. Welche Gegnerschaft natürlich nicht ausschließt— das sei hier bemerkt, um Mißver- iständnissen vorzubeugen—, daß wir stets bei Stichwahlen für das kleinere Uebel stimmen, und daß diesmal wohl überall das Zen- trum als der Uebel größtes erscheint. DaS ist ja selbstverständlich, schließt aber nicht aus, daß unsere Agitation allen bürgerlichen Parteien die MaSke vom Gesicht reißt, keine schont. Wird die badische Großblocktaktik konsequent weiter entwickelt, bann muß es auch noch dahin kommen, daß die Sozialdemokratie davon absieht, eigene Kandidaten in Wahlkreisen aufzustellen, wo sie selbst keine Aussicht hat und die Wahl eines Liberalen ge- ifährdet; daß schon für die Hauptwahlen von Nationalliberalen und Sozialdemokraten gemeinsame Kandidaten aufgestellt werden. Unser Tarmstädter Kandidat Ouessel befürwortet das bereits ganz offen. Wer so denkt wie die Mehrheit der badischen Landtagsfraktion, der ist von solcher Wahltaktik nicht entfernt, und in einem Jahre kann ja der badische Großblock noch nette Früchte bringen. Gerade die Notwendigkeit der Einheit im Wahlkampf mahnt uns also aufs dringendste, die Tinge nicht einfach laufen zu lassen, sondern jeder Möglichkeit eines Disziplinbruchs einen festen Riegel vorzuschieben. Serichw- Leitung. Blanmachen. Das Schöffengericht Erlangen verurteilte einen Tischler wegen ArbcitSsäumnisses am Kirchweihmontag zu S Tagen Hast. In der Berufungsinstanz setzte die Strafkammer zu Fürth die Strafe auf einen Tag Haft, die Mindcftstrafe. die das bayerische Polizeistraf- gesetzbuch für Blaumachen androht, hepab�' DaS bayerische Polizeistrafgesetzbuch bedroht das„Feiern deS mehr auf Gebieten, wo fle herrschten. Alle Gesetze strömen heut« blauen Montags" mit Hast bis zu 6 Wochen. Aehnliche Vorschriften noch von diesem Geiste aus. Das Wcib hat in der Gemeinde zu bestanden in fast allen süddeutschen Ländern seit dem 16. Jahr- schweigen! �... hundert. Die bayerische Partikularvorschrift dürfte mit dem Reichs-.«uch mnerhalb der bürgerlichen Parteien denkt man nicht fX, �«»„rfL daran, den Frauen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Zwar muv gejetz unvereinbar sein. Die Geewrbeordnung hat das Rechts- � � � da dem Inge der Zeit etwas anpassen, aber Verhältnis der gewerblichen Arbeiter völlig geregelt, so daß Raum wotzdem jetzt auch in Preußen ein Vereinsgesetz herrsckit, das nicht für partikularrechtliche Vorschriften nicht mehr bleibt. Das erhellt mehr die Frauen mit Kindern und Idioten auf eine Stufe stellt, ist insbesondere auch daraus, daß die Gewerbeordnung unter Abände- es auch bei diesem„EtwaS" geblieben. Bei den Konservativen hat rung der meisten bis 1869 bestandenen Gewerbeordnungen, Säum- immer noch der Gedanke die Oberhand behalten, daß der Mann ein nisse des gewerblichen Arbeiters nicht mehr mit Strafe belegte, höherstehendes Wesen ist, das allein zu gebieten hat. Der Es wäre zu wünschen, daß das Reichsgericht Gelegenheit bekäme. Cedanke der Gleichberechtigung will diesen Herrn gar nicht die Ungültigkeit der Maumontags-Strafvorschrift zu bestätigen. n bcn_ Herrlcheritandpliuk'st oa?!, tm,.. rrwir.»;.,;?-Fu-n /.i.a ausgeprägt, dag nach ihrer Memung dann, wenn der Mann die Zügel „blauer Moiwag. im O�rrheinischen auch„guter Montag, LÖQ. �'er läßt, die Frau unbedingt die Herrschende werden muß. nannte man im Mitte. alter den..contag vor Beginn der Fasten nidjt begreifen, dah es den nach Rechten strebenden (Montag nach Estomihi). Frauen garnicht in den Sinn kommi, Vorrechte zu verlangen. So Von diesem Tage an wurden die Altäre blauviolett behängen, ssi es direkt eine Verdrehung oder Lerkenming von Tatsachen, wenn Der Name„baucr Montag" rührt wohl von dieser«Bekleidung pst von einem schließlich hereinbrechenden Weiberregiment die Rede her. Andere meinen, es stehe mit den Volksbelustigungen an diesem ist. Sollte es solche Angstmeier auch noch vereinzelt in der Sozial» Tage in Zusammenhang, deren Ende ein Bläuen(Prügeln) in der demokratie geben, so müssen diese eines Besseren gewhr Regel war. Allmählich wurde jeder Montag, an dem man nicht®." 6!n Ii"1 Instanzen»st bte® et- arbeitete,„blauer Montag" und das Feiern„Blaumachcn" ge-„/'die Wahlvereine Ist alles getan worden, um auch nannt. Dagegen wettern schon seit dem 16. Jahrh�indert eine jjem Buchstaben in der Wirklichkeit Geltung zu verschaffen. Reihe ländliche und städtische Observanzen und Statuten. Die Wenn die Zahl der weiblichen Mitglieder, obgleich sie gewallig ge- Strafvorschrist in Bayern gegen den blauen Montag ist ein Uebcv stiegen ist, immer noch weit hinter der Zahl der männlichen Mit- bleibsei des Aufbegehrens der Meister gegen das Blaumachen der glieder zurücksteht, so liegt das an dem Unistande, daß auch jn Gesellen. unseren Kreisen viele Frauen noch in dem alten AbhängigkenSgefühl - befangen sind und es nicht für nötig halten, sich in die Reihen der Müssen geschlossene Gesellschaften vom Wirt gemeldet werden? Kämpfer zu stellen, daß andererseits die Männer es mit der Gleich- Den Gastwirten kann nicht zugemutet werden, es der Polizei berechtigung nicht sehr ernst nehmen oder diesen Gedanken nur b>S anzuzeigen, wenn in ihrem Lokal geschlossene Gesellschaften Vcr- Z" einem gewissen Grade gelten lasten. V.-le von ihnen ahnen gnügungen abhalten wollen. So hat das Kammergericht jetzt in'"cht, was eine aufgeklarte, kluge rcrau für einen einem Strafverfahren gegen den Gastwirt Griebsch aus Schatz ,m ehelichen Zuiammenleben der stumpf dahinlebenden Wolfen entschieden. In einer Verordnung des Regierungs. Frau gegenüber darstellt. Darum koimen wrr unseren Genossen nur Präsidenten zu Merseburg vom 4. Juli 1897 ist folgende Be. raten, d-.-les Ueberbleibsel daS ihnen aus der bürgerlichen An- stimmung enthalten: Gast- und Schankwirte, welche ihre Lokali schauuugsweise anhaften blieb, abzustreifen, den Frauen dagegen geschlossenen Gesellschaften zum Gebrauch überlassen wollen, haben muß ans Herz gelegt werden cnergstch die alten Fesseln zu sprengen der Polizei davon Anzeige zu machen. Dieser Vorschrift hatte der stch als frei und gleich dem Manne gegenüber zu suhlen, dann muß Gastwirt Griebsch nicht entsprochen, als er seinen kleinen Tanzsaal Ichließlich auch der Druck der bürgerlichen Gelellscha,t weichen. Man in Wolfen einem Klub„Humor" zu einer Festlichkeit, an der nur wird es nicht langer wagen, unserem energischen Fordern em striktes die Mitglieder teilnahmen, zur ausschließlichen Benutzung über. Nein entgegenzusetzen. In unserer Zeit brauchen wir nicht nur ließ.— Das Landgericht Halle a. S. als Berufungsinstanz sprack Männer, die den Willen haben das alte Joch zu zerbrechen, wir den Angeklagten frei, indem es die angezogene. Bestimmung fü> brauchen alle llnterdriicllen zum gemein, amen Aufmarsch, aljo auch ungültig erklärte. Zur Begründung wurde ausgeführt: Da die Fcauen, die am meisten gedrückt sind. Polizeiverwaltungsgesctz(in den neuern Provinzen die Verordnun von 1867) rechne zu den Gegenständen polizeilicher Vorschriftei „das öffentliche Interesse in bezug auf die Aufnahme und Be Herbergung von Fremden, sowie in bezug auf die Wein-, Bier- uw Kaffcewirtschaften und sonstige Einrichtungen zur Verabreichung von Speisen und Getränken". Ferner„Ordnung und Gesctzlichkei bei dem öffentlichen Zusammensein einer größeren Anzahl vor Personen." Also nur zum Schutze des öffentlichen Interesse« könnten entsprechende Vorschriften erlassen werden. Jeder Versuch darüber hinauszugehen, sollte versagt sein. Die Gastwirtschafte» unterlägen ohne Zweifel dem polizeilichen Verordnungsrecht. Wem aber von einem Wirt sein Tanzsaal an eine geschlossene Gesell schaff vermietet werde, so werde der Saal dadiIch dem öffentliche� Verkehr entzogen. Er sei dann nicht mehr öffentlich und siir der Fall stehe der Polizei jene Befugnis nickst mehr zu. Darum se die Bestimmung ungültig. Möglicherweise sei nun die Verordnung erlassen, um der Polizeibehörde ihr Amt, für«die öffeniliche Ruhe und Ordnung zu sorgen, zu erleichtern. Zu diesem Zweck könnte die Vorschrift aber auch yicht erlassen werden. Sie wäre auch dann ungültig. Das Kammergericht verwarf die von der Staatsanwaltschaft gegen daS Urteil eingelegte Revision mit folgender Begründung: Mit Recht nehme das Landgeriicht an, daß ein Raum, der an eine geschlossene Gesellschaft vermietet sei, damit aufgehört habe, ein öffentlicher zu sein. Die Ueberwachung sei dann aber der Polizei entzogen. Ein Reicht habe die Polizei nur mit Bezug auf öffent- liche Interessen, auf den öffentlichen Verkehr usw. Es sei nun gesagt worden, die Polizei verfolge mit der Bestimmung die Ab- ficht, ihr Recht der Aufrcchterhaltung der Ordnung auf der öffent- liehen Straßen zu fördern, sowie Scheingründungen entgegenzu- treten und zu verhindern, daß unter dem Schein der Geschlossenheit tatsächlich öffentliche Tanzlustbarkeiten ohne Genehmigung ab- gehalten würden. Die Polizei gehe hierbei aber einen falschen Weg. Sie wende sich nicht an die, welche erheblich das öffentliche Interesse gefährdeten, sondern sie wende sich an die Gastwirte in gesetzlich unzulässiger Weise. Sie wolle sich ihr polizeiliches G��tVnde B o ne b ol'd«wäblt. schüft dadurch erleichtern. ES sei aber gesetzlich unzulässig, dies.' �en Rechenschaftsbericht erstattete H i l d e S h e i m: Der Bestand Versammlungen. Verband der Tapezierer. Die Filiale Berlin hielt am Mittwoch ihre Quartalsversammlung ab. Den Bericht erstattete Z i tz e w i tz. Tie Lage im Tapczierberufe hat sich auch im 2. Quartal nicht gebessert, worunter auch die Agitation leidet. Eine vorgenommene HauSagitation war nicht«befriedigend; dennoch wird der Vorstand auch in Zukunft alles aufbieten, die Fernstehenden heranzuziehen. Die Ziffer der Vollberechtigten ist erfreulicherweise immer auf» wärts gegangen. Differenzen größerer Art waren in diesem Quartal nicht zu verzeichnen. Die Geschäftslage ist auch jetzt zu Anfang des 3. Quartals noch nicht günstig, immerhin ist zu erwarten. daß es jetzt besser wird.— S c z i l i n s k i gab den Kassenbericht der Lokalkasse. Einnahme im 2. Quartal 4910,75 M., Bestand vom vorigen Quartal 19 549,34 M., Summa 24 469,69 M., ab Klusgabe 2914.09 M.. Bestand für das 3. Quartal 21 546 M. Darunter sind �olgende Posten für Unterstützungen: Reise 26 M., Streik 6,59 M.. Naßregelung 7,59 M., für die ausgesperrten Bauarbeiter 399 M.» ür die Bibliothek wurden 39 M. verwendet. Abrechnung der dauptkass«: Einnahme 12 929,39 M., Ausgabe 12 929,39 M. Bei )en Unterstützungen sind folgende Posten hervorzuheben: Reise Z4 M., Arbeitslosen 3161 M., Kranken 696 M., Sterbegeld 180 Naßregelung 45 M. An die Haupttasse eingesandt 5572,99 M. Die Mitgliederzahl beträgt 1735.— Eine längere Diskussion löste im Anschluß an die letzte Versammlung die vom Hauptvorstande ab» zelehnte Lohnbewegung aus, in die auch S p l i e d t vom Haupt- vorstände eingriff, der dessen Standpunkt noch einmal präzisierte. Die Abstimmung über die auf der Tagesordnung stehende Beitrags- :rhöhung wurde infolge der vorgeschrittenen Zeit vertragt=- Der Streik bei der Firma Spindler dauert unverändert fort. Zentralvereiu der Bildhauer. Die Ortsverwalttmg Berlin hielt am Donnerstag ihre OuartalSgeneralversammlung ab. Bei der Neuwahl der Beisitzer zum Zentralvorstand wurden Blasig und reier, als Revisor Hu ber, alS Schriftführer zum Orts- Absicht dadurch zu verfolgen, daß sie andern Verpflichtungen auf« erlege. In jedem Falle fei die angezogene Vorschrift ungültig woraus die Freisprechung des Angeklagten folge. Natürlich ist es jedem Gastwirt unbenommen, mitzuteilen, das eine geschlossene Gesellsckwft bei ihm weilt, um der unberechtigter eine geschlossene Gesellschaft bei ihm weilt, um unberechtigter nach Möglichkeit zu entgehen. )Ziis cler. frauenbenegung. Gleichberechtigung. ES ist eine Tatsache, daß ein großer Teil der Männer herab- sehen auf die.unwissenden" Frauen, die nach der Ansicht dieser Männer nur dazu geschaffen sind, um dem männlichen Geschlecht das Leben recht angenehm zu gestalten. ES ist ebenfalls eine Binsen- Wahrheit, daß unzählige Frauen daS Demütigende einer solchen Stellung in der Gesellschaft gar nicht empfinden. Sie fühlen sich Wohl in der Abhängigkeit vom Manne, der für sie arbeitet und alle Sorgen— wenigstens in pekuniärer Beziehung— in der Hauptsache auf sich niinmt. Jeder muß aber bei einem Blick' ans unser heuliges Wirtschaftsleben ohne weiteres zugeben, daß der sorglos dahinlebenden Frauen immer weniger werden. In Arbeiterkreisen find sie wohl überhaupt nicht mehr zu siicben: man findet sie nur noch in den sogenannten höheren Gesellschaftsschichten. Trotz der Umgestaltung der ökonomischen Ber- hälttiisse, die jeder Hausfrau ein Päckchen Sorgen und Lasten nach dem anderen auf die Schultern ladet, ist daS Abhängigkeitsgefühl nicht im gleichen Maße geschwunden. RechtSverhäliniffe, Lebensgewohnheiten und Gebräuche ändern sich gewaltig lang- sam; sie passen oft lange nicht mehr in die Zeit hinein, in der sie noch Anwendung finden. Heute können wir auch überall die Be- obachtung machen, daß die meisten Menschen, mehr als sie vielleicht zugeben loollen, am alten hängen. Nur so können wir es verstehen. daß nicht nur Männer das alte Abhängigkeitsverhältnis der Fra» vom Manne noch als richtig anerkennen,»ei» daß auch die Frauen sehr wenig Anstalten treffen, um sich aus diesem Verhältnis ielbst zu befreien. Allein daS Schicksal in Form der kapitalistischen Gesellschaft ist ein gewaltiger Herrscher, unaufhörlich wirft es größere Scharen von Frauen in das Erwerbsleben hinein, diese Frauen arbeiten nicht nur für sich, sondern zum Teil noch mit für Mann und Kinder. Ganz von selbst wächst so daS Selbstbewußtsein, das Vertrauen auf das eigene Ich. Allen diesen Frauen, die sehen müssen, daß das Kapital absolut keine so große Ehrfurcht vor den? der Hauptkasse betrug am 1. April 1910 474,18 M., die Einnahme 8999.49 M., die Ausgabe 9124,76 M., der Bestand am 1. Juli 1919 339,83 M.— Die Lokalkasse hatte am 1. April 1919 einen Bestand von 82,85 M. Die Einnahme betrug 3739,65 M., die Ausgabe 3918, 43M., Bestand am 1. Juli 894,97 M.— Den Bericht vom Arbeitsnachweis gab M i e S b ach. Am 1. April 1919 waren 152 Arbeitslose, zureisten 62, am Orte meldeten sich 479. Vermittelt wurden 189 und nach außerhalb 26 Kollegen. Am Schlüsse deS Quartals blieben 97 Ar- beitslose. Bönig berichtete dann über die Geschäftsführung. Er ermahnte unter anderem die Mitglieder, das VersammlungSlvesen mehr wie bisher zu pflegen. Eine Debatte löste die Frage der Zusendung der Zeitung ans. Dieselbe wurde früher ins Haus geliefert, waS aber später in Fortfall kam. Die Mitglieder wünschen nun, daß der frühere Zustand wieder eintrete, doch scheiterte dies bisher an dem Widerstande der Kollegen gegen einen erhöhten Beitrag, der die Folge davon wäre. Es wurde beantragt, daß der Vorstand noch einmal die Frage prüfe, da die Lokalkasse die Kosten für freie Lieferung tragen könne, andernfalls zu erwägen, einen Beitrag von 10 Pfennig pro Kopf und Quartal zu diesem Zwecke festzusetzen. Zum Schlüsse gab A tz m a n n noch einen SituationSbencht von dem Streit bei der Firma Neumann u. Bunar, Lausitzer Platz. Ein VerniittelungSversuch seitens eines Vorstandsmitgliedes der Freien Vereinigung der Holzindustriellen scheiterte an dem ab- lehnenden Verhalten der Firma. Der Streik dauert unverändert fort. Hildesheim tcille noch mit, daß die Krankenkasse der vildhauer sich der Protestbewegung gegen die ReichsversicherungS- ordnung angeschlossen hat._ Briefkarten der Redaktion. ®te tiirifrlfdit evr-chfliiud- fluvri« I itBen f» r n ye?tr. 60, vor» i>l«r Tredvc»— H n h r ft n Ii I—, viocheniäaliid von 4'/, bis?>/, Ulir abeiiBS, Sonnabend» von 4,/i bt» 0 Uhr nachiuitiasS ftnit. Jeder für den Brief» tufien bestiminten ilufrnn- ist etil BuNiiiabe»nd eine Zadl alt Viert- eirhcn fecuufüfleti. Briefliche"Jln iiuuii wird nicht erteilt. Eilia« eraaen traue aian in der Svrechftnnde vor. B. P. W. Duiktler& Hiimblot, Leipzig. DreSdenerstrasie 17.— Wahlbrz. 353. 1. Nein. 2. Die Sinzahl ist nicht bekannt.— R. ch. 4S. l. und 2. Zwangsweise Fortnahnie ist unslatthasr.(§ 4, letzter Satz der Dienstanweiimig vom 5. März 1899.)— M. B. 3t!. Verfuchen Sie bei dem Schreibliichbezug mit einer Lösung von Bittersalz, die Sie mil einem Schwamm aus den Fleck aul tragen und nach etwa 19 Minuten mit einer weichen Leinewand uachreiven. Aus der Gardine lassen sich Tintenflecke mit Z«Ironensast, Kleesalz oder CHIorkaltwasscr elttsernen.— Mechaniker. Die Ablcgung der Meisterprüsung ist erforderlich. Im übrigen wenden Sie tl w■___ V,____ M c.-_____.»„.. 00.« t«.% O»..:- V__?.f. Ti � � 1 n ätSm CS Ct K � A amuftämS«na��faieaJ&0r6 Er''s°ll"d?inÄ? sein"«e*: s°. VniU aufdämmern, daß das Gebot.„Er soll dein Herr sein» keine Be-... M. G.. Spandau, l. Ja, wenn, was anscheinend der Fall ist, deutung mehr hat. So bildet sich nach und nach ein Gleichheus« Bersührung vorliegt. Das Verfabrcn kann schon jetzt anhängig gemacht verhäliiiiS heraus, Mann und Frau, die im Produktionsprozeß all werden. 2. Nicht Sie, wohl aber der Schwangerer. Gegen die Herrschast Gleichwertige nebeneinander hergehen, gewöhnen sich daran, auch in sonstigen Leben sich als Gleichberechtigte zu betrachten. Dazu Hot fteilicb auch die sozialdemokratische Lehre ihr redlich Teil beigetragen läßt sich nichts machen. 3. Eine Unterredung kami nicht» schaden. Sie müssen aber ruhig und sachlich bleiben. 4. Der Arzt war zur SluSkwistS- «v..««.... vv.v...u..... crteilung nicht verpflichtet.— Leonie Seh. I. Innerhalb eines Jahres ?cmsend�U�d�obttta?send�Lvsen�ef�iat�wor�� � �" �nd��sV'�L ÄtinÄ�Ä Die' Klage tausend und abertauiend Kopsen befcuigt wordeif. hgiwn wir aber mit Rücksicht daraus, daß der Vater Rentenempfänger ist, Den Reaktionaren aller Art ,st d,e Gleichberechtigung der Frauen ftr aussichtslos. 8. Es wäre— falls Sie ein Urteil erlangen und die innerhalb unserer Partei von je her ein Dorn im Luge gewesen. Vollstreckung erfolglos bleibt— Ladung zum OssenbarungSeid zu- und konnten sie bei uns nichts ausrichten, so versuchten sie eS umso lässig, s. Der Hilse eines Rechtsanwalts müssen Sie sich dam» BeWttttn, wenn daS Ovjeki mehr tili 600 M. BeirZgt.— X. Ja. — P. Sch. 23. 1. Nein. 2. Nein, salls, wie wahrscheinlich, der Sohn nach dem Eintritt des Erbsalles großjährig ist.— E. 0t. 20. Sie sind nur zur Zahlung des Reinerlöses, der sich bei der Versteigerung ergeben hat, verpslichtct, salls Sie vor dem Versteigerungstermin eine Slussordenmg zur Freigabe nicht erhalten haben. Ist das letztere in glaubhaster Form geschehen, so sind Sie zur Erstattung des ganzen Wertes verpflichtet. — C. Z. Das Vorhandensein zweier Kinder berechtigt Sie zu dem Ver« langen auf Herabsetzung um eine Steuerstuse.— Martha. Melden Sie sich bei der Zillgemeinen Ortskrankenkasse, Neue Friedrichstrahe 9/10. 100 St. 1. Ja, 3—5 Mark wöchentlich. 2. Nein, sosern Ihre Frau die Sachen eingebracht oder während der Ehe erworben hat.— 52. Besten Dank. Werden Ihren Wunsch berücksichtigen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markthallen-Direktion über den Grotzbandel in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch- Zusuhr reichlich, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Oeschäst rege, Preise gut. Weilügel: Zusuhr'genügend, Geschäft lebhast, Preise sest. Fische: Zusuhrmäßig, Geichäit rege, Preise für Flußsische hoch. Butter und Käse- Geschäst ruhig, Preise un- verändert. Gemüse, Obst und Südsrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst ansangs still, später reger, Preise sast unverändert. Wetterprognose kür Sonnabend, den 30. Juli lOIO. Ziemlich warm bei mäßigen südlichen Winden, zunehmender Bewölkung und Gewitterneigung: später wieder ausklarcnd. Berliner Wetterbureau. Thealer und Vergnügungen Eonnabend, den 30. Juli. Ansang 7 Uhr. Neues köniql. Operu-Theater. Die Wallküre. Ansang S Uhr. Deutsches. DorothyS Retwng. K a m m e r s p i c I e. Liebeswalzer. Lessing. Kasernenluft. Komische Oper. Der Regiments- Papa. Berliner. Taisun. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang '/,9 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Hebbel. Wem gehört Helene? Spuk.(Ansang 8'/, Uhr) Neues Operetten. Der Gras- von Luxemburg. Lustspielhaus. Das Leutnants- mündet. Thalia. Charlehs Tante. Schiller O.-Wallner- Tbeater.) Milchmädchen von Schöneberg. Sch-lle> Ellarlotrenburg. Die von Hochsattel. Luisen. Der Graf von Monte Christo. Herrnfcld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Rose. Der Seekadett. Metrovol. Halloh II— Die große Revue. Foltes Caprice. Die böse 13.— Die keusche Toinette.— Der Athlet.— Pariser Ehen. (Ansang 8-,. Uhr.) Boigt. Vineta. Puhlmann. Berliner in Japan. Apollo. Spezialitäten. Baiinge. Spezialitäten. Retchsballrn. Winter Tymian. Walhalla. Spezialitäten Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten Prater. Schützenlisl. llrania. T»»de»>>rahe 40/49. AbendS 8 Uhr: Die Insel Rügen. Sternwarte. Jnval'.denstr. 67—62. Lessing-Theater. Täglich 8 Uhr: Kasernenlust. Berliner Theater. v-ut- 8 Uhr- Taifun. Morgen: Talfnn._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Montag und folgende Tag«: KasernenSuft. Nene. Operetten-Theater. Heute und folgende Tag« 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 3 Uhr zu a> mäßigt. Preisen: vis 0oll»rprinro«»ln. Tdester des Westens. Saison-Cröffnungt Sonntag, den 31. Juli. 8 Uhr. IM» eenchledcne fran. Residenz-Theater. Direktton: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Wiedereröffnung Sonntag, gl. Juli: Im Taubenschlag. Schwant in 3 Akten von Hennequtn und Veber. Morgen und solgende Tage dteselde Lorstellung. _ Sommer-Preise._ Luisen-Theater. Sonnabend, den 30. Juli, 8 Uhr: Der Gral von ieleHsto. Schauspiel in 7 Abt. nach A. DumaS. Sonntag und solgende Tage: Der Graf von Monte Christ». Sonnt. 3 Uhr: Lena Waruftette». Lustspielhaus. AbendS 9 Uhr; Das Leutnantsmündel Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Insel Rügen. i\] LOS!SCH£R GARTEN Täglich: Großes Miiilär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abends 0 Uhr ab SO Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. Täglich(Anfang 8 Uhr): Kinematographische Vorführungen. ITcnte neues Programm. Castans Panoptikum Friedriohstr. 165(Pschorrpal.) Größte Sehenswürdigkeit Berlins Der Mann mit der eisernen Zunge. Geöffnet von 9 Uhr früh bis 10 Uhr abds. J Passage-Panoptikum. Die zusammengewachsenen Schwestern Biazek und ihr Kind. Von 11—1 Uhr mittags u. von 3— lOUhr abends zu sehen. Kein Extra-Entreel Xur wenige Tage t Eintritt 60 Pf., Kinder und Soldaten 25 Pf. Passaga-Theater. 5 Abends 8 Uhr: Der größte der spanische Caruso Senor Ordnua, der stimmgewaltigste Tenor, der je gehört wurde, das große Juli-Programm. I U. Ketropol Theater Hallo!!! Die groiSe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul tiinolce. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ab 8 Uhr: Das Programm der großen Spezialitäten. 9'/, Uhr: KlaKslsclic Titnzcrinnon vom königl. dänischen Ballett S Beaates Korlnuas 5. 9'/. Uhr: Schlmpanse- Orang-Utang als Taudemfahrer usw. usw. usw. OSE=THEATE Saison-Schluß: 31. Juli 1910. ■«r Vorletzter Tag! La Tortajada in ihrer neuesten Schöpfung: n Abenteuer eines Toreros". Garcias jonglierende Silhouetten, Kaufmaniis Lady Cycle-Troupe sowie die sensationollen Attraktionen des Jull-rrogranuus I Große Frankfurter Str. 132. Ans der isiartenbühne: Der Scclcadctt. Operette in zwei Akten von Otto Richter. Musik von G. Sieftens. Auftreten erstldassiger Spezialitäten. Großes Gartenkonzert. Ans. 4'/, Uhr. n Vereins-Brauerei Rixdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt BW Tttgllch: Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. m Sonntag» 4 Uhr. {•»cMller- ScHMIer-Thealer 0.(Wallner-Theat.) Gottscheid-Oper. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zu volkstümlichen Preisen: Gas Milchmädchen aus Schöneberg. Sonntag, nachm. 3 Uh; bei ermäßigten Preisen: Martha oder: 0er Markt zu Richmond. Sonntag, abends 8 U H r: Gas Milchmädchen aus Schönellerg, Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die von lloclisnttel. Lustspiel in 3 Auszügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach 10 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Blv von lIochHattr.i. Montag, abends 8 Uhr: Hie von Hochüattel. TERRASSEN HALENSEE Größter Tergnagungspark des Kontinents. Täglich: Sensationelle Attraktionen, Transiateur- und Militär- Orchester.— Eintrittspreis 50 PI. Demnächst: Tanagpa9 das achte Weltwunder. Gala-Tag. | Sonnabend, den 30. Juli: Kapellen. „Pharus-Sommer-Thealer Besitzer: Max Ludwig. Art. Leitung:Max Beinhart. Berlin II., Müllerstr. 142. T&gllch: Im herrlichen Naturgarten, bei Rogen im Theatersaal: Konzen. Spezialitäten-Vorstellung 20 Klinstler-Attraktionen. Stets wechselndes Familien-Programm. Außerdem jeden Freitag: Die beliebten Apoll osSänger. _ Anfang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr._ Achtnng! Diez' nur Achtung! Seeterrasse Siehfenberg - N Täglich: RöderstrnBo 11/13. Zwischen Landsberger Allee und Röderplatz. Griisttes und schönstes Lokal Berlins. Bei ungünstiger ÜBIilmmg Schutz für 8000 Personen. Ob schön I ob Regen; Cwl*« KAOlIZ0]?ti» Austreten der besten Turmseilküttstler der Weit The üepelt». The 8 Blnchfourns, phänomenaler Lusileiter-Akt. Gr. Lach erfolg: Gnatav I-oeaep Comp. Sensations- Pantomime, ein Spaß in einer holländischen Waschanstalt.— Duett lii-ltl und Gnatav Müller, Ortginal-Hnmoristen mit ihren wunderbaren aktuellen politisch-satirischen Schlagern und das ßllstx- neue beste Programm Berlins. - Feuerwerk und Ball. —— Jeden Dienslag: GroheS Ktndcr-Freudenfest.<• Anfang 3 Uhr. Wochentags 4 Uhr. Gesamtelntritt 20 Pf. Kinder frei. Um gütigen Zuspruch bitten Louise und Waldemar Diez. Biugthsatss-Klnematogsaph vorm. Grolcrjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönt, nuscraillcc 129. Sei. 3, 9353. Lebeudc Photographien. Während der Sommermonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintrit! 39 u. 40 Ps., Kinder dicHälste. Aus.? U„ Sonnt. 4 11. Vorzugskarton, nur wochent. gültig, 23 Ps. aus allen Plätzen. Stctö wertis. Progr. Jed. Sonnt. i.Oberjaal: Künstlerkonzert. Entree 13 Ps. Garderobe 19 Ps. N. d. Konzert: Famliien-Kränrciien. Täglich: Frelkonzert t und Fesfsäle. Inh.; Rndolf Krüger. Hasenheide 13/15, vis-k-vis v.Tumpl. Tüglich '- II. Artist. Leitung: Walter Grävenftz, Kapellmeister; Max Wolffheim. Jeden Donnerstag: Klite-Xag! Anfang: Wochent. S Uhr, Soant.';36Uhr. Abfahrtstelle Scliillingsbrücke am Schlestsche» Bahnhof. rgen flfnnntag mit Ul»»Ur~3. M G u S läaühle. Dar Mar früh 8 116t und__. mittags 2 Uhr"ach>■>■ Nächsten Dienstag: Kinderfest. Abfahrt früh 10 Uhr und mittags 2 Uhr. Onkel Pelle an Bord. Hin und zurück 50 Pfl_ 149b Hin 50 Pf. zurück 50 Ps. Von der Miehaellirllcke sSnSab»�"111*6-- a.»Uli uri Dlliuaciurucäc Lonnahend: Gr. Moudschein Pronieuadenfallrt mit Musik»ach Mvggelwerder mit Rundfahrt aus dem Müggelsee. Safclbft Sommernachtsball. Stbf. 9'/, Uhr abds. PreiS hin u. zurück 50 Ps. Reederoi G. Zachow. Tel. 4. 5621. aBEBBSSa=«i» Reederei Kahnl& aertzer, TeNl0A�2v" Biilige Dampler-Extrafaiiptßii ah Waiseahrileke. Jed. Montag u. Donnerstag nach Freibad Grünau u. NeuoMlihle(A6f. nachm. „ Dienstag und Freitag nach Wollersdorfer Schleuse fLUbr.binu. . Mittwoch nach Freibad Grünau und Ziegdnbals(zurück 50Pf. „ Mittwoch nach Teupilz, Tornows Idyll, Abf. 7ll, Uhr, hin u- zurück 2 M. . Montag, Dienstag, Donnerstag, Freitag nach Heu-Zittau, Abfahrt 10 Uhr morgens, hin und zurück 75 Pf., Kinder die Hälste. D liglich(außer Sonntag) nach Freibad Grünau, Zieganbals u. Neue Mühle, Abfahrt 91/» Uhr morgens, hin und zurück 75 Pf., Kinder die Hälste. Ab Weldendarnmerbrücke(gegenüber der Prinz-LouiS-Ferdinand-straße): Jeden Dienstag«.Donnerstag nach Brandenburg a. H. Abfahrt 7'/, Uhr morgens, hin und zurück 2 M., ab Spandau. Charlottenbrücke O1/« Uhr morgens, hin und zurück 1.75 M, Achtung! Morgen Sonntag, d. 3l. Jult, nach Teupliz, Tornows Idyll, ab Waisenbrücke 7 Uhr vorm., hin und zurück 2 M.. und Zlegendals, Abjahrt B1/, u. 21/< Uhr, hin u. zurück 75 Ps., eins. 50 Pf., Kinder d. Hälfte. ßr. Berliner Kiinstaiisslellig 1919 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Einiriit: 10-6 Uhr 1 M.. o. 6 Uhr ab 50 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. Folies Caprice Anfang S1/« Uhr. Ende lO'/jUhr. Die böse 13. Die keusche Toinette. Der Athlet. Pariser Ehen. Heute; Wiedereröffnung. Die grössten Schlager der letzten Saison: Die Welt geht unter! und Wenn Wki dasselbe tun mit Anton und Donat Herrnfcld. Billetivorverk. tl—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. OrällNsNe | Dai itefnun aller eiiroiiäi5cii.M-Ciroe g in, Pö(; früherer alter Botan. Garten. Tel. Amt 6, 129. Sonnabend, SO. Jall, abends 81/, Uhr: Gr. Gala-Premiere mit allen Weltschlagem. Vorverkauf: A. Wertheim, _ Leipziger Straße._ KÖnigntadt-Kasinu. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraße. (Inhaber: Mar Schindelhauer.) Im herrlichen Naturgarten(bei un- günstiger Witterung im Theaicrsaal). Täglich: Hund„Konsul" aus S)oko- Haina??? Masini. bester Eni- jesselungSkünstl., usw. GoldschiutcdS Tiichtrrleln, Volksst. m.Ges. in t Ait. Ansang wochent. 7fl„ Sonnt. 5 Uhr. Keieitstiallen-Titealer. Gastspiel Winter Tymian mit seiner berühmten Herren- Gesellschaft Ans. wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. �UMontag, d. 1./8.: Wiederbeginuder Golreen der Stettiner Sftnger. Volksga rten> Theater früher Welmann. Badstr. 8, Bebm- u. Bcllcrmannstraße. Täglich: Konzert», Theater- und Sperlalitäten-Vurstellung. DaS neue Riesen-Juliprogr. Zur Aussühr. gel.: Ber Goldtentel. Lebensbild mit Gesang u. Tanz in 3 Akt. v. K. Elmar. Jed. Donnerst.: Gr. Brillant-Feuerw. UrunuenstraBe 16. Das größte Kino- Theater Berlins. Henes Programm. Eintritt 30 Pf- Alt-Boablt 47/49. Tägllclt s Konzert, Tbeater, Spezialitäten. \l/alhalla TT Variete �Theater Weinhergsweg 19-20, Roienth.Tor. Abends 81/, Uhr: Das grofiartige Tarlet�-Programm» Voigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58' Sonnabend, den 30. Juli: 'us uhr Vineta. uhr Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Schulz. Das glänzende Juli-Prograim». Kassencröffnung 2 Uhr. Slns. i1/. Uhr. Schweizer Garten j Am Konlgstor— Am Friedrichshain. B®- TägUoh:~€mS Spezialitäten-Yorstellung. Jeden Abend'/,t0 Uhr: 1 Berliner Herzen. ( Volksstück mit Ges. in 2 Akt. Volksbelustigungen. Tanz. I Anfang 5 Uhr. Entree SO Pf. I Jed. Mittw.: Kinderfreudenfest. Mäintanns Theater Schönh. A. 148— Kastanien-A. 97/99. Wenn schön— im Garten l Wenn Regen— im Saal I Die Tochter der Hölle Dazu die brillanten Spezialitäten. Ansang wochent.'1,5, Sonnt.'1,1 Uhr. Entree wochent. 20 Ps., Sonnt. 30 Ps. Mittwoch zum ersten Male: 21er- liebte Sliädchcn. Sonnabend, den 6. Aug.: Benefiz sür Frau Käte Reich: Die Blnmenkäte. »m See und Bahnhof Stralau-Ruramclsburg. Täglich: H Spezialitäten Theater, Konzert. -Victoria- Brauerei, Lützowst. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Gr», hnmoriat. Soiree. (Gesangsvorträge, Theater und Variets-Borstcllunaen.) Sonntags, Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränrehen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle Bons gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 75 Ps. Gr. u. ll. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Ma» Saeger. Sprccgartcn Creptow. (Gegenüber der Sternwarte.) Bleute Sonnabend, den 80. Juli: Kapelle d. Garde-Grenadier- Reg. No. 5, kgl. Obermusik- moistor Kneifel. Im Riesen- Fest-Saal: Großer Someniaelits-llall. Kerliutr Prater- Thetlter Kastanienallee 7—9. Täglich! ScbützenUöH- Spezialitäten, Konzert und Ball. Ansang 41/, Uhr. Entree 80 Ps. 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Juli 1910. Hus Induftne und Handel. „Ehrlich im Handel— christlich im Wandel!" Zum Dortmunder Bankkrach. AuS Dortmund wird uns geschrieben: Der Fall des„ollen, ehrlichen" Christenmenschen, der schrecklich fromm tut, damit ihm die lieben Mitmenschen nicht genauer auf die Fäuste sehen, hat abermals eine neue Auflage erlebt. Die Niederdeutsche Bank hat an vielen Plätzen Zweiggeschäfte, auch mehrere im Münsterland, wo die Bank durch das fromme Getue des ehrenwerten Direktors Ohm beim Klerus Einflusj hatte. Die Verbindlichkeiten der Bank werden auf zirka bv Millionen Mark geschätzt. Zahlreiche Beamte der Treu- Handgesellschaft sind anscheinend in 14 Tagen noch nicht in der Lage gewesen, Klarheit in die verwirrten Verhältnisse zu bringen. Nicht blosz das ganze Aktienkapital ist verloren, sondern auch die Gläubiger kommen um den größten Teil ihres GeldeS. Bei den vielen Geschäften, die mit der Niederdeutschen Bank in Zusammenhang stehen, gibt es einen Krach, wie ihn Westfalen noch nicht gesehen hat. In Betrocht kommen: die Lnnener Bank, die Allemannia-Brauerei A.-G., die A.-G. für luftlos-elastische Fahr- radbereifung in Dortmund, die A.-G. Pretter u. Co. in Dortmund, die Blankencse-Marienhöhe Terrain-A.-G. in Hamburg, die Ptzrophor- Metallgesellschafl A.-G. in Köln, die Habcrmann u. Guckcs A.-G. in Kiel, die Schlcppdamvfschisfahrtsreederci Karl Tiedemann und KaulS u. Blohm A.-G. in Hamburg, die Dortmunder Brauhausgesellschaft, die Aktiengesellschaft für Holzvcrwertung, die Maschinenbauanstalr Altcnessen, die Motoren- und Lastwagen-Aktien- gesellschaft in Aackien, die Gummiwerke Frankfurt, die Nordische Küstenfahrtaktiengesellschaft, die Westdeutschen Marinor-�und Granit- werke. Die Niederdeutsche Bank hat Filialen in Bedburg, Bramsche, Brandenburg a. H., Bremerhafen, Bremervörde', Burgsteinfurt, Cloppenburg, Coesfeld, Emden, Emsdetten, Essen, Gelsenkirchen, Godesberg, Güttingen, Hamburg, Hannover, Hörde, Horrem, Lüding- hausen, Melle, Münster, Oelde, Osnabrück, Paderborn, Pyrmont, Warendorf usiv. Allgemein herrscht die Ansicht, daß noch weitere Verhaftungen folgen werden, da die Schiebungen— mit einem Loch wurde das andere zugestopft— auch dem AufsichtSrat hätten bekannt sein müssen. Beim letzten Mal wurden noch 7 Proz. Dividende ausge- worfen. Die Erbitterung der Bevölkerung richtet sich vor allem gegen den fromm-katholischen Direktor Ohm. An tausend Menschen hatten sich bei der Verhaftung am Banklokal angesammelt.— Die„bürgerlichen" lokalen Zeitungen zeigen sich nun zum Teil recht tapfer und wünschen die Schuldigen in die tiefste Wolfsschlucht. Wenn aber dabei mitgeteilt wird, daß man die Dinge schon lange durchschaut habe und in Dortmund jeder habe wissen können, wie es niit der Nieder- deutschen Bank st ehe, so fordert dies doch eine eingehendere Würdigung heraus. Wenn das so ist, wenn verschiedene Zeitungen um die-faule Sache gewußt und nichts getan haben, um das Publikum zu warnen, so sind diese ehrenwerten Blätter in hohem Grade mitschuldig an der Katastrophe. Es ist also wieder die alte Geschichte: die Wissenden wollten sich„nicht die Finger verbrennen", sie„nahmen sich in acht" und so weiter, wie ja die geschäftsmäßig„weisen" Lebensmaximen lauten. Der Mut zum Urteil hört auf, wo'S Geschäft Schaden nehmen kann. Jetzt wird die„arme, alte Frau" angeschleppt, die »alles verloren" hat, den„Trost und das Entzücken ihres hilflösen Alters." Das erinnert wieder an den Satz aus Lessings„Nathan", wieviel leichter„andächtig schwärmen' als gut handeln ist und wie so viele Menschen andächtig schwärmen, um gut handeln nicht zu müssen. Indem die Wissenden von der bürgerlichen Presse ihr Publikum schweigend täuschten und dies noch dummerweise nach- träglich an die Glocke hängen, wird ein großes Stück Preß- korruption aufgedeckt. Nicht ganz so dumm schreibt die„Rh.-Westf. Zeitung": „Bis in die letzten Tage noch hat es die Leitung der Nieder- deutschen Bank für nützlich und erlaubt gchallen, die Zeitungen für ihre Zwecke zu mißbrauchen: sie zur Verbreitung, wie jetzt nicht mehr zu bezweifeln ist. irreführender Nachrichten benutzt und sie durch Drohungen zu bestimmen versucht, die Wahrheit zu ver- schweigen. Daß solches Bestreben, durch die Presse zwar Erfolge gern laut verkündigen zu lassen, Mißerfolge, die natürlich überall einmal vorkommen, aber zu unterdrücken, bei der jetzt fallierten Bank bestanden hat, ist leider nun der Fall. Eine ähnliche Mahnung ist an das Publikum, an die Aktionäre zu richten. Die wollen im allgemeine» durch die Presse schon unterrichtet werden, schimpfen und toben aber, wenn gegen die Vor züglichkcit und die glänzen- den Aussichten„ihres" j e w c i l i g e n U n t e r n e h m e n s in Zeitungen auch nrir ein Wort des Zweifels laut wird. Das Bankgeschäft ist mehr als jeder Warenaustausch VertrauenssaGe. Vertrauen ist daS größte Sktivum einer Bank. Die riesige Verantworlung, ihr das zu raube», darf nur jemand übernehmen, der recht sichere Unterlagen in Händen hat." Die„Rh.«Wests. Ztg." meint dann weiter, die Verwaltung der Pank habe sich nicht in die Karten gucken lassen. Aber die im obigen Zitat von uns gesperrten Stellen zeigen uns doch klar den KorruptionSsumpf. Man richtet eine Mahnung an das Publikum, sich belehren zu lassen. Als ob„das Publikum" auf Wunsch von der Presse belogen werden müsse oder dürfe! Recht niedlich I Damit also die Leser das bürgerliche Blatt nicht abbestellen und der Ver- leger weniger gute Geschäfte macht, werden ungünstige Nachrichten unterdrückt I Nein, die bürgerliche Presse hat kein Recht, jetzt in„Entrüstung" zu machen, sie ist mitschuldig, soweit sie wußte und schwieg. Die Sozialdemokratie will die Korruption mit der Wurzel aus- rotten und bekämpft deshalb die kapitalistische Wirtschaft, mit deren Fall erst der Korruptionssumpf trocken gelegt werden kann. Beteiligung der ReichSbank beim Konkurse der Niederdeutschen Bank. In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichs- bank teilte der Vorsitzende über die Beziehungen zu der Nieder- deutschen Bank mit, daß die ReichSbank im Verkehr mit diesem Institut stets große Vorsicht geübt habe. Das gesamteWechsel- engagement belaufe sich nach dem Stande vom 23. Juli d. I. auf 1 264 000 M. Hiervon würden nach vorsichtiger Schätzung 844 000 M. voraussichtlich durch die Milverbundenen bezahlt werden. Die übrigen 420 000 M. seien durch die gesperrten Giro- salden und durch andere Sicherheiten im Betrage von zusammen rund 500 000 M. gedeckt, so daß der R c i ch s b a n k aus dem Zu- saminenbruche der Niederdeutschen Bank, soweit sich bis jetzt über- sehen lasse, V e r l u st e überhaupt nicht erwachsen würden. Ein russischer Gctreidering. Aus Petersburg wird tele- graphiert: Unter dem Vorsitz des Gehilfen des Handels- in i n i st e r s v. Miller hat heute eine Beratung der bedeutendsten Getrcideexporteure Petersburgs stattgefunden, in der be- schlössen wurde, cincu Bund der Getreideexporteure zu gründen zum Zweck der Regulierung des Getreide- Handels und des Schutzes seiner Interessen im In- und Auslande. Vermischtes. Bluttat einer Geisteskranken. In Köln-Ehrenseld wurde Freitag früh in dem Hanse Lichtstraße 64 die S3jährige Frau des Wcgemcistcrs W e f e r s am Fenster ihrer Wohnung erhenkt aufgefunden. Die 33 jährige Tochter der Frau lag erdrosselt vor dem Bett. Drei Kinder ihres Sohnes wurden erdrosselt in ihren Betten auf- gefunden, T« die 53 jährige Mörderin schon in einer Nerven- anstalt war, nimmt man an, daß sie die Tat in gcistesge- störtem Zustande verübt hat. Noch am Abend vorher hat sie ge- äußert, sie wolle die ganze Familie umbringen. Der Mann der Mörderin befindet sich zurzeit auf einer Ferienreise. Der Vater der ermordeten drei Kinder: ein Reisender, befindet sich ebenfalls auf einer Reise in Holland. Weiter wird zu der Schreckenstat berichtet: In der Woh nung der Mörderin wurden zwei Zettel gefunden, auf deren einem sie von ihrem schrecklichen Vorhaben Kenntnis gibt, während sie auf dem zweiten Zettel mitteilt, iaß sie die Tat vollbracht habe und sich selbst das Lebe» nehmen werde. Unter dem Kopfkissen der Mörderin wurde ein Geldbetrag gefunden. Nach dem Befund scheint sie die meisten Opfer durch Würgen am Halse getötet zu haben. Das sechsjährige Mädchen wurde dagegen mit einem Strick um den Hals erdrosselt aufgefunden. Da das dreijährige Kind Blutspuren im Gesicht aufweist, nimmt man an, daß es wach geworden ist und sich gewehrt hat._ Die Bergung der Leichen auf Zeche Radbod. Auf Zeche Radbod siud seit dem 11. d. M., wo die letzten Bergungen erfolgten, wieder 13 Leichen geborgen worden und sind gestern vormittag von denselben 10 in einem Massengrab in Hövel beigesetzt worden. Im ganzen sind jetzt 191 Leichen geborgen. Schwere Unwetter. AuS Mailand meldet uns der Telegraph: Ein heftiges Un- weiter herrschte gestern in der Gegend von B u st o und in der Um- gegend von Mailand. Der Zyklon hat neuerdings großen Schaden angerichtet. Namentlich die Weinernte ist auf großen Strecken völlig vernichtet. Auch andere Arten von Feldfrüchten haben durch die Ueberschwemmung sehr gelitten. Die tele- graphischen und telephonischcn Verbindungen mit Mailand sind vollständig zerstört. Mehrere Personen wurden verletzt. Einige Frauen sind wahnsinnig geworden. In V i n c e n z a hat ein plötzlicher Wettersturz stattgefunden. Empfindliche Kälte ist eingetreten. Es herrscht so starkes Schneegestöber, wie eS selbst bei dem letzthin stattgestindenen Wettersturz im Juni nicht der Fall war und wie sich derartiges selbst die ältesten Leute in der Umgebung nicht erinnern können, derartiges jemals erlebt zu haben. Das Thermometer stand zeit- weise unter Null. In der letzten Nacht hat sich die Witterung etwas gebessert. Gewitter gingen in den frühen Morgenstunden nieder. Im Gebirge herrscht ebenfalls Unwetter. Die Wege sind durch die überall niedergehenden Lawinen unsicher gemacht. Die Züge können nur mit großer Verspätung verkehren. Porter wird nicht ausgeliefert. Rom, 23. Juli. sEig Ber.) Wie der„Messaggero" aus London erfährt, wird Porter, der Morder vom Cvmcrsce bestimmt von den Vereinigten Staaten nicht ausgeliefert. Da die italienische Regierung nie und in keinem Falle von ihrem Rechts- grundsatz abgegangen ist, keinen italienischen Staatsbürger aus- zuliefern, so will auch die amerikanische Regierung nichts von der Auslieferung eines Anierikaners wissen. Es ist aber immerhin ein Unterschied zwischen der italienischen und der ameri- kanischen Gepflogenheit, da der im Auslande zum Verbrecher ge- wordene Italiener nach seiner Rückkehr von italienischen Gerichten gerichtet wird, während Porler ganz unbehelligt bleibt und seine Delinquenz ruhig weiter betätigen könnte, wenn man ihn nicht in einer privaten Irrenanstalt interniert. Ans dem dunkelsten Bayern wird uns geschrieben: In der Oberpfalz, der Domäne des Zentrums, herrscht namentlich auf dem Lande noch der finsterste Aberglaube. In Piclenhofen mußte kürzlich eine Tagelöhnersfrau auf dem Heimwege vom Felde an dem Anwesen des Schmiede- mcisters B. vorübcrfahren. Ein zufällig vor dem Stalle B.s stehender Arbeiter meinte zu der Frau:„Schau nur dem B. seine Kühe an, wie schön die sind l" Die Frau erlviderte:„Ja, der füttert halt gut," und ging bis zur Stalltür hin. In diesem Augen« blick kam der Schmied herbei und rief ganz bestürzt dem Arbeiter zu:„Warum hast Du mir diese Hexe in den Stall gelassen? Wenn meine Kuh jetzt weniger Milch gibt, dann ist's g'fehlt!" Und „g'fehlt ist'S", rief der Mann immer wieder aus und gebärdete sich dabei, als ob er vom Teufel besessen wäre. Der abergläubische Meister ließ sich auch in seinem Glauben nicht irre machen und ver- sicherte hoch und teuer, daß die Milch, die seine Kuh jetzt weniger gebe, der Frau in die Brust gefahren sei!— Die Frau wollte sich aber keine„Hexe" schelten lassen und ließ den Schmied vor den Bürgermeister rufen, der ihm eine an die Armenkasse zu zahlende Buße von fünf Mark zudiktierte. Von seinem Aberglauben wird der gute Mann dadurch freilich nicht kuriert sein. Meine Notizen. Schwer verunglückt. Wie Miiuchener Blätter aus Setzendorf melden, ist der Reichstags- und Landtagsabgeordnete Freiherr v. Freyberg sZenlrum) bei einer Ausfahrt infolge Scheuens der Pferde aus seinem Wagen geschleudert ivorden und hat eine Gehirn ersckiütterung erlitten. Erst nach langer Zeit kam er zum Bewußtsein, jedoch besieht eine unnültelbare Lebensgefahr nicht. Auch der Kutscher wurde schwer verletzt. Ein Eiscnbahnunfall wird aus Nürnberg vom gestrigen Tage gemeldet: Vor dem fahrplanmäßig um 11 Uhr 46 Min. in Bamberg fälligen Schnellzug Miinchen— Berlin D 39 riß sich infolge Achse»- bruchS 300 Meter vor der Station Kersbach der letzte Wagen erster Klasse los, sprang aus den Schienen und grub sich in der Erde fest. Eine Dame ivurde verletzt. Der Zug setzte die Fahrt mit eiustündiger Verspätung fort. Riiffinicrtcr Diebstahl. Dem Direktor eines großen Brüfieler Unternehmens, der am Mittwoch zur Börse kam, wurden 76 000 Frank in Banknoten gestohlen. Er trug die Summe in einer Handtasche und ging in ein Kaffeehaus, um einige Erfrischungen zu sich zu nehmen. Als er in die Zeitung vertieft war, tauschte ein junger Mann die Tasche mit dem Gelde, die der Direktor neben sich auf einen Stuhl gestellt hatte, mit einer ähnlichen um und entkam. Von dem Täter fehlt jede Spur. Ein Doppclsclbstmord ivurde gestern am Ammersee sOber« bayern) begangen. Die Majorswitwe Scngl aus Hamburg und ihre 26 jährige Tochter sprangen in den Ammersee, nachdem sie sich zusammengebunden hatten. Die Leichen wurden noch gestern ge« Vorgen. Die Tat geschah, weil der in einem Ammerseeort tätige frühere Verlobte des Mädchens das Verhältnis rückgängig gemacht hatte. Vom Automobil überfahren. Der 80 jährige Sohn des Mühlen« besitzers Krämer fuhr mit seinem Fahrrade von Friedberg nach Nau- heim. Er wurde von einem Automobil überfahren und so schwer verletzt, daß er bald seinen Verletzungen erlag. Der Chauffeur wurde verhaftet. Pilzvergiftung. Die Kinder eines Schreiners in Frankfurt sammelten am Sonntag im Walde Schwämme, welche die Familie am Montag als Mittagsmahl genoß. Darauf erkrankte die ans Mann, Frau und vier Kindern bestehende Familie sehr schlvcr au Pilzvergiftung. Ein 9 jähriges Mädchen ist an den Folgen derselben bereits gestorben; die drei anderen Kinder befinden sich noch in Lebensgefahr.. Die Schule geschlossen. In Schwerte(Westfalen) sind wegen epidemischen Austretens des Haarschwundes unter den Schülern und Schülerinnen der Volksschule die Schulen bis zum 10. August seitens der Behörden geschlossen worden. Bis jetzt sind über 200 Kinder erkrankt. Tödlich verunglückt. Bei einem Straßenbahnzusainmenftoß in Danzig, der sich gestern abend ereignete, erlitt der dort zum Besuch weilende Polizeiwachtmeister Paul Bücking-Berlin eine Ge- hirnerschütierung. der er erlegen ist. Die Parsrvalfahrt verschoben. Die für Freitag früh angekündigte Fernfahrt des„?. VI." von Bitterfeld nach München wurde abgesagt. Ein Postwagen beraubt. Der Postwagen des ExpreßzngcS Paris— Orleans ist beraubt worden. Sechs leere Briefiäcke, dreizehn leere Geldbriefumschläge und zehn auf den Inhaber lautende Obligationen sind in der Nähe von Orleans gefunden worden. Man vermutet, daß der Diebstahl durch Gebrauch von Nachschlüsseln ausgeführt wurde und daß die Wertgegenstände so« dann während der Fahrt Mitschuldigen zugeworfen worden sind. Explosion. Aus P o I a meldet ein Telegramm: Beim Bau der Hafensperre in Balde Sigo entstand auf bisher noch nickt auf« geklärte Weife eine Explosion. Mehrere Arbeiter erlitten schwere Verletzungen, zivei von ihnen dürften kaum mitdemLebendavonkommen. Gestrandet. Der 7000 Tonnen fassende Dampfer„A g a m e m« n o n" ist in der Nähe der irländischen Küste auf einen Felsen g e« laufen. Die Besatzung konnte sich retten, jedoch wird be» fürchtet, daß daS Schiff nicht wieder flott gemacht werden kann. Eine Falschmünzcrbande. Der Pariser„Eclair" berichtet au? Rom: In der römischen Patrizierfamilie B a st e l l ist ein großer Skandal ausgebrochen. Die Polizei entdeckte in dem Landhause der Familie eine vollständig eingerichtete Falschmünzerwcrkstätte. Alle Mitglieder der Familie sind verhaftet worden. Bon einem Jäger erschossen. In Oberalm erschoß, einer Meldung au« Salzburg zufolge, auf der Jagd der BauamtL- assistenl Scharsching den 45 jährigen Fabrikarbeiter Johann Eibel. w* i « Am 1. Juli beginnt ein neues Abonnement der Zeitschrist ♦ j«»a smot Zlluskrierie Romanbibliothek für das arbeitende Volk Jri Wochenheflen. je 24 Seiten, für 10 Pfennig Als Gratisbeilage erhalten die Leser mit dem 52. Heft daS zweifarbige Kunstblatt: ---------- Alußlandschast mit Windmühle---------- von Jacob RuiSdael. OTff" Jeder Leser unseres Blattes lasse sich von dem Zeitungs- träger ein Probeheft vorlegen. � ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelsmerder, °Heerstra"-" beÜN Alten Freund. 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Schwedter Strohe 83, abends Vortrag des Kollegen- Adolf Wuschick über:.Gewerkschafts bcwegung und Konsumgenossenschaften". siönieü''■>a'lkcs Pestsäle, Badstr. 19, abends 8'/, Uhr. segel! üUßftiUi' Fpai'htsäle Kord- West, Wiclefstrahe 84, abends Vesten ullü ZellSnelierg: oslen villi Lichtenberg: 5eme'et Stralau und Rummelsburg: SÜdeilbSZirk�' Süd-Ost, Söol&emorftrofiC 73, abends UfoiRoneaa• Restanrant zum Prälaten, Weiftensee. n ClUcllSCC. Lehderstr. 138, abends S'/j Uhr. RiXÖOrf! Hoppcs Festsäle, Hermannstr. 49, abendZ S'/a Uhr. CiiarlOttenbvrg: Volbshans, Rosinenstr. 3, abends S'/i Uhr Vortrag des Genossen Dr. Bruno Borchardt. Steglitz' Festsäle, Ahornstrahe 15a, abends Köpenick u Friedriclishagen: GeÄcichÄr8' Friedrichstr. 69, abends 81;, Uhr. Cnanrlon* Restaurant Vorwärts, Schönwalder Strafte 89, »PtlllUall. abends 8-/, Uhr. Ober-Scliöneweide: I otjn. Ts�bb's, 5'/,«�. Tages'Ordnung: 119/5 Stellungnahme zu der Generaloersammlung. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Maß- Anfertigung 1 1 Teiiznuiiins Kn KS gowlhr« Ich J.dtrmann geschieht in eigenen BetriebswerkstStien unter Bennau �ung modernster technischer Hilfsmittel Idjluug, SIMattlitt! Die Mitgliederversammlung findet Nlltjt am 2. August, sondern am Montag, 8. AngUfi, statt. nw der mim it Bureau: Sebastianstr. 37/38, Hos rechts II.— Telephon: Amt IV. 9737. A»wg! Stapelkonfeiitialls Sonnabend, den 30. Juli, abends 8'/» Uhr, im Lokal von Schulz, Münzstrafte 17(Eingang Königsgraben): Versammluiig aller in der StapelUonJektion beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: „Die Loh«-«nd Arbeitsverhältnisse i« der Berliner Stapelkonfektion und waS muß hier geschehen?" Referent Kollege Kunze. Kollegen und Kolleginnen I Erscheint alle in dieser Versammlung. 132/11 Die Kommission. Ein Tip ist es, wenn Sie vor Schluß meines Saison- Räumungsverkaufes die Gelegenheit zum Kauf eleganter moderner Herrengarderobe fertig und nach Maß benutzen. 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I., nachmittags 3 Uhr, im Viltoriagarten, Alte Luisenstraße 19: StistungSsest des Wahlvereins.— Mittwoch, den 3. August, findet bei Glaser, Kaiser-Wilhelm-Straße, die Generalversammlung des�Wahl- Vereins statt.(HalbjahreSbericht, Vorstandöwahlen und Delegierten- Wahlen zur Krciögeneralversainmlung.) Der Vorstand. Mariendorf. Am Sonntag, den 31. Juli, findet der Familien- ausflug des Wahlveceins nach Blankenfelde statt. Treffpunkt ist friKj 8 Uhr an der Dorf- und Großbeerenstraßen-Ecke. Von dort nach Bahnhof Marienfelde, von wo aus die Abfahrt nach Mahlow 8 Uhr 56 Min. stattfindet. Für Nachzügler ist der Zug von Mariendorf 12 Uhr 51 Min. zu benutzen. Für diese beiden Züge ist am Bahn- Hof Mahlow ein Wagen für die Kinder bereitgestellt. Mittag ist für 2 Uhr bestellt. Das Komitee hat alles aufgeboten, um den Genoffen mit ihren Familien einen angenehmen Tag zu bereiten. Der Vorstand. Trebbin. Am Sonntagnachmittag in der Plantage Clieston Sommervcrgnügen des Wahlvereins. Alle Arbeiter und uisbesondere alle Arbeiterinnen find hiermit eingeladen. LerUner JNfacbncbteiio Piraten im Althandel. Die Not war aufs höchste gestiegen. Ich selbst arbeits- los, die Frau krank, zwei Monate mit der Miete rückständig. nur noch ein paar Groschen in der Tasche zu Brot für die Kinder. Schmalhans war schon seit Wochen bei uns Küchen- meister. Der Armenvorsteher, der niit größtem Widerwillen in Anspruch genommen worden war, hatte einen Rechercheur geschickt. Der musterte mit kritischen Blicken die wahrlich nicht elegante, aber tadellos erhaltene Wohnungseinrichtung und meinte unzweideutig, daß davon doch nianches Stück eigent- lich überflüssig sei. Also veräußern sollten wir, was mit äußerster Mühe, mit Tausenden von Spargroschen angeschafft und unser häuslicher Stolz war. Ich nrachte eine Faust in der Tasche. Wer haben will, muß in solcher Lage sich bezähmen. Schnell waren die paar Mark aufgezehrt. Was nun? Schlächter und Bäcker gaben nichts mehr auf Kredit. Ich nahm es ihnen nicht übel. Ueberall ging man uns aus dem Wege wie Aussätzigen. Schändet die Armut doch? War uns die heimlich getragene Not schon an den Augen anzusehen? Tausend wirre Pläne, um Geld und Nahrung zu schaffen, wurden erwogen, tausend wieder verworfen. Und immer festere Gestalt nahm der Rat des ArmenpfleaerS an: Verkauft, was ihr entbehren könnt I Wieder biß ich die Zähne zusammen, griff nach einem Zei- tungsblatt. Da stände verlockend in langer Reihe hintereinander: „Komme sofort, zahle konkurrenzlos die allerhöchsten Preise... Komme bestimnit. unübertreffliche Preiszahlung... Unglaub- lich hohe Preise zahle ich... Fabelhast hohes, staunenerregen- des Preisangebot... Verpflichte mich, mehr zu zahlen, als jeder andere Händler.. Und sie kamen alle, an die ich mich ausgeliefert hatte, einer nach dem andern, wie auf Kommando. Als ob sie sich verab- redet hätten, die Zitrone bis auf den letzten Tropfen auszupressen. Ob ich nicht die ganze Wirtschaft verkaufen und neue Sachen auf Abzahlung nehmen wolle? Scheinbar ging ich auf das An- gebot ein. Tausend Mark reichlich waren allein in die Möbel hineingesteckt. Was boten die Hyänen des Althandels? Den unübertrefflichen, staunenerregenden, fabelhaft hohen Preis von— hundert Mark 1 1 1 Wenn du die jetzt hättest..., dir wäre geholfen. Nur ein Moment des Schwankens, dann siegte die Vernunft. Den ersten Zitronenpresser lachte ich aus. den zweiten bat ich, schleunigst die Tür von draußen zu- zumachen, den dritten, der für ein guterhaltcncs Kleiderspind o Mark bot und für einen Winterübcrzieher die Hälfte, nahm ich beim Kragen und setzte ihn an die frische Luft. Allen Nachzüglern wünschte ich hohnlachend glückliche Reise ins Psefferland. Aber am Abend schrien die Kinder nach Brot. Wutfiebernd schrieb ich wieder, auch an jenen, der meine Faust im Nacken gespürt hatte. Er kam... sogar sofort. Windelweich und demütig. Er könne beim besten Willen nicht mehr zahlen als vier Mark für daS Klciderspind und anderthalb für den Ueberzieher. Und die sechs Stühle (unter Brüdern waren sie mindestens vierzig Mark wert) wolle er auch noch nehmen, das Stück für zwei Mark, auch die Waschtollette für sechs Mark. Mir wurde es schwarz vor den Augen. Hinter mir flehte mein Jüngstes:„Vater, kriegen ivir nun bald was zu essen? Ich habe so furcht- baren Hunger...." Wild schlug ich mit der Faust auf den Tisch: �.Halunken seid ihr doch alle I In Dreiteufelsnameu.... her mit dem Geld I Her, sage ich... hört ihr nicht das Jammern meiner Kinder?" Nicht doch, so schnell ging das noch nicht.„Wie haißt... Geld? Muß ich doch erst ab- holen lassen die Sachen... und bringe sofort noch heute das Geld." Also wieder warten... warten... und den Jammer mitanhören. Er hielt Wort, fürchtete wohl, daß ihm der Raub noch entgehen könnte. Ein Stück nach dem andern trugen sie mitleidslos hinaus... und tausend wehmütige Er- inneruugeu. Wie Feuer brannte das Goldstück in meiner Hand. Klirrend flog es in die äußerste Ecke. Und mit dem roten Golde. das zum Leben reichte für acht Tage, spielten die hungernden Kinder. Was dann werden sollte, wenn wieder der letzte Groschen für Brot ausgegeben war... nein, nur nicht denken, nur ausharren und... nach Arbeit jagen. Als drei Tage später das Unglück durch einen Zufall sich wendete und ich meine in der äußersten Not für ein Sündengeld verschleuderten Sachen zurückkaufen wollte, waren sie in alle Winde zerstreut, Verschachert. Und so oft mein Blick wieder mal auf jene Zeitungsrubrik fällt, hinter der so viel Tücke lauert, packt mich die Wut über jene gewerbsmäßigen Hyänen, die die Not aus- Playern bis auss Hemd._ Die jugendliche» StraßenrelnigungSarbeiter, die man als Asphaltburschen zu bezeichnen pflegt, sind für die Staßenreinigungsverwaltung von jeher„ein Stein des Anstoßes" gewesen.- Immer wieber hat he geklagt, daß he Mit ihnen wenig ! Freude erlebe, und daß viele schon nach kurzer Zeit wieder entlassen (werden müssen oder selber ihre Tätigkeit aufgeben. Sie hat das oft daraus erklären wollen, daß es den meisten an der rechten Lust! fehle. Im„Vorwärts" aber ist wiederholt die Frage aufgeworfen worden, ob nicht die Hauptschuld auf Seiten der Verwaltung liege. Sie wünscht, daß die jugendlichen Straßenreinigungsarbeiter mehr Berufsfreudigkeit zeigen. Gewiß, dieser Wunsch ist berechtigt. Aber wenn ihm Erfüllung werden soll, so muß vor allem sie selber noch manches tun. Zur Berufsfteudigkeit bedarf es nicht nur einer auskömmlichen Höhe des Lohnes und einer angemessenen Beschränkung der Arbcitsdauer, sondern auch einer die Person- lichkeit achtenden Behandlung durch die sogenannten Borgesetzten. Obwohl in manchem die Lage der Asphaltburschen sich in neuerer Zeit gebessert hat, kann doch auch heute noch keineswegs ihr Lohn als hoch angesehen oder die ihnen zugemutete Arbeitsleistung eine mäßige genannt werden. Hinsichtlich der Behandlung durch die Vorgesetzten scheint sich wenig oder nichts geändert zu haben. Noch immer ist bei der Straßcnreinigung der Unter- offizierSton üblich, noch immer werden besonders die jugend- liehen Arbeiter in einer Weise behandelt, die nicht mal auf dem Kasernenhof als zulässig gilt. Daraus mag sich dann die doch einigermaßen auffällige Tatsache erklären, daß bei den Asphalt- burschen auch an dem Hin und Her der Ausscheidenden und neu Eintretenden und wieder Ausscheidenden sich nicht viel geändert hat und dort noch immer ein ständiges Kommen und Gehen wie in einem Taubenschlag zu beobachten ist. Die meisten Burschen lassen sich die ungehörige Behandlung eine Zeitlang ge- fallen, und auch die Eltern schweigen dazu im Hinblick auf die dem Sohn für später winkende„Lebensstellung", bis eines Tages die Geduld reißt und der Sohn mit Zustimmung der Eltern oder auch ohne solche die Arbeit hinwirft. Selten dringt etwas über diese Zustände in weitere Kreise. Eine Mutter hat uns jetzt gebeten, einmal öffentlich zu sprechen, welche Erfahrungen ihr Sohn bei der Straßenreinigung in der Abteilung 27 gemacht hat, deren Depot sich in der E l b i n g e r Straße befindet. Andere Burschen, die in derselben Abteilung beschäftigt sind oder waren, haben die uns gemachten Angaben be- stätigt. Der Aufseher Orth scheut nicht davor zurück, zur„Er- ziehung" der ihm unterstellten Burschen sich grober Schimpf- Wörter zu bedienen.„Bummler",„Vagabund", „Strolch", das sind Ausdrücke, mit denen er Burschen seiner Abteilung titulieren zu dürfen gemeint hat. Kürzlich äußerte er vor seinen Burschen, bei der Straßenreinigung melde sich ja keiner weiter als die Faulenzer, die nicht arbeiten wollen; wenn dies« Bummler arbeiten wollten, so wären sie nicht hierher ge- kommen. Danach scheint Herr Orth aus seiner Erfahrung heraus zu der Ansicht gelangt zu sein, daß man bei der Straßen- reinigung ein Bumniler- und Faulenzerleben führen könne. Die Burschen, die unter ihm tätig sein müssen, sind anderer Meinung, und auch die erwachsenen Arbeiter seiner Abteilung dürften schwerlich ihm bestätigen, daß sie selber auf Rosen gebettet seien. Gegenüber den jugendlichen Arbeitern schlägt dort übrigens auch ein Vorarbeiter Schmidt einen Ton an, der schäfste Rüge verdient. Eines Tages erklärte er, die Burschen müßten mit dem Ochsenziemer gehauen werden, morgen? zweimal und abends fünfmal. Man sieht:„Wie der Herr«, so'S Gescherre", wie der Aufseher Orth, so sein Vorarbeiter Schmidt! Daß unter einem solchen Aufsichtspersonal den Jugend- liehen die Zugehörigkeit zu einer der Verwaltung unbequemen Organisation noch mehr erschwert wird als den Erwachsenen, das versteht sich von selber. Als einmal die zur freien Jiugendorganisation gehörenden Asphaltburschen von einem der anderen als„rote Hunde" beschimpft wurden und es darüber zu einem Wortwechsel kam, wurde dem Aufseher Orth bekannt, daß Burschen seiner Abteilung es getoagt hatten, ihrer Ueberzeugung zu folgen und sich jener Organisation anzuschließen. Er versammelte seine Burschen, fragte sie, wer zur freien Jugendorganisation gehöre, und drohte dafür Entlassung an. So sieht die„Freiheit" aus, die bei der Straßenreinigung der Stadt Berlin herrscht. Auch ein erwachsener Arbeiter mußte den Zorn deS Aufsehers Orth sühnen, als er es gewagt hatte, in seiner freien Zeit die Jugendlichen durch Zettel zum Besuch einer Versammlung ein- zuladen. Ihm wurde das unter groben Schimpfreden verboten. Di« Straßcnreinigungsverwaltung wird sich diesen Herrn Orth und vielleicht auch seinen Vorarbeiter Schmidt einmal etwa? genauer besehen müssen. Daß solchem AuffichrSpersonal das Handwerk gelegt werde, liegt nicht nur im Interesse der jugendlichen Straßenreinigungsarbciter, sondern auch der Verwaltung selber. Sie sollte dafür sorgen, daß alle» vermieden wird, was den Jugend- lichen die Freude an ihrem Beruf fch mä lert und ihr selber die Heranziehung eines S t a mmr e s tüch- tiger. Burschen erschwert. Es gibt zu denken, daß bei 525 bis 556 Burschcnstellen im Jahre rund 366 neu besetzt werden müssen. Die Mehrzahl der Burschen halten nicht länger als ein Jahr aus, bei vielen dauert eS sogar nur ein paar Monate, bis sie es satt haben und um eine Enttäuschung reicher von bannen gehen. Schon manchem Vater und mancher Mutter sank da jäh die Hoff- nung auf eine„Lebensstellung" des Sohnes in nichts zusammen. Rückkehr von Frrienkolonisten. lieber 1600 Berliner Ferienkolonisten sind vorgestern und gestern mit zwei Sonderzügen und den fahrplanmäßigen Zügen auf dem Stettiner und Anhalter Bahnhof wohlbehalten wieder in Berlin eingetroffen. Groß war die Freude der Eltern, als sie ihre von der Lust gebräunten Lieblinge wieder. in Empfang nehmen konnten. Trotz des nicht immer besonders günstigen Wetters war die Gewichtszunahme bei den meisten Kolomsten eine recht erfreu» liche. Unfälle, Krankheiten und iinangenehme Vorfälle sind trotz der großen Zahl der schwächlichen Kinder fast gar nicht zu verzeich. nen gewesen. Herzerftischend war es mitanzuschen, wie die Kmder von ihren Führern und Führerinncn Abschied nahmen und von ihren Angehörigen ausgeftagt und gemustert wurden. Aus Bad Sulza kamen 100 Mädchen, aus Kolberg 150 Mädchen, aus Zingst, Prcrow, Wustrow, von Rügen, aus Waren, Demmin i. P. trafen zahlreiche Knaben und Mädchen ein. So erfteulich es ist. daß diesen armen Kindern ein stärkender Landaufenthalt zu teil wurde, so dürfte eS noch eine kurze Spanne Zeit dauern, bis die Kinder ihre frühere blasse Farbe wieder be- kommen, weil sie in dieselben trostlosen Verhältnisse wieder hinein- kommen, aus denen sie einige Wochen herausgeholt worden sind. Die Kastanienläume i» der Bcllevuestraße Häven eS feit einiger Zeit dem„Berliner Tageblatt" angetan. Ohne zu wissen, um waS es sich bei dem Beschluß der Tiefbaudeputation und der diesen Beschluß sanktionierenden Zustimmung deS Magistrats handelte, hat es verschiedene Artikel verbrochen, in denen eS sich in der heftigsten Weife gegen die Entfernung der Kastanien- bäume in der Bellevnestraße wendete. Die„B. Z. am Mitlag" und die„Vossische Zeitung" folgten dem Beispiel des„Berl. Tageblatt' und selbst die„Kommunale Praxis" schloß sich w einem vom Genossen Dr. Südekum verfaßten Artikel dem Protest des„Tage- blattes" an. In Wirklichkeit beruhten alle die Protestartikel auf falschen Voraussetzungen und ungenügender Information. Wir selbst haben kürzlich über die Sachlage eingehende, auf Grund genauer Kenntnis der Dinge beruhende Mitteilungen gemacht, die zeigten, daß der Beschluß der Tiefbaudcputation ei,, sehr wohl- erwogener war und im Interesse der Stadt eine vorausschauende Politik verriet, nach welchem auf Jahre hinaus an eme Beseitigung der Bäume gar nicht zu denken sei. Die genannten Blätter kümmerten sich um diese Sachdarstellung nickt. Allerdings ist daS Nochrichtenamt des Magistrats an der falschen Auffassung der Blätter nicht ganz unschuldig, da die erste Mitteilung des Nach- richtcnamtes sehr unvollkommen war und jede Auslegung zuließ. Jetzt bringt das Nachrichtenamt eine, wenn auch noch nicht ganz korrekte Ergänzung jener ersten mißverständlichen Notiz, die sich im Rahmen der von uns gegebenen Sachdarstellung bewegt. DaS «Berliner Tageblatt" meint nun, der Magistrat trete mit dieser Auf- klärung den«Rückzug" in der Sache an. „Es unterliege keinem Zweifel, daß die.Durchführung' des Planes der„Festsetzung" sofort gefolgt wäre, wenn nicht rechtzeitig in entschiedenster Form dagegen Verwahrung eingelegt worden wäre und wenn unser energischer Protest nicht einen so starken Widerhall im Publikum gefunden hätte. Man würde indessen sehr leichtsinnig handeln, wenn man nun die Angelegenheit für erledigt ansehen wollte. Es wird im Gegenteil notwendig sein, sie recht genau im Auge zu behalten, damit nicht die eben gerettete Kastanienallee in einer stillen Nacht doch der„vorausschauenden Kommunalpolitik" ge- wiffer Projektenmacher geopfert wird." Was das„Tageblatt" hier schreibt, ist purer Unsinn. Der Magistrat hat seit der Zeit, da er dem Beschlüsse der Tiefbau« depulation zustimmte, in der Sache keinen anderen Beschluß gefaßt, kann also gar keinen Rückzug angetreten haben. Uebrig bleibt nur, daß„Tageblatt" und andere Blätter ihre Tinte an einer Sache ver« schwendet haben, die sie gar nicht kannten. Der Postdefrandant Bergmann, der im Postamt 17 50 000 M. unterschlagen hat, ist noch nicht ergriffen. Nach neueren Meldungen wird angenommen, daß B. sich noch in Berlin befindet. Die Post- direktion gibt in Ergänzung unserer Mitteilungen bekannt: Der Geldbetrag bestand zu 26 700 M. in Hundertmarkscheinen, deren Nummern unbekannt sind, 20 000 M. in Gold, 3200 M. in Silber und 100 M. in Nickel. Auf die Ergreifung des Bergmann und die Wiederherbeischaffung des Geldes ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt worden. Mitgeteilt wird außerdem, daß Berg- mann vor einem Vierteljahre vom Wilmersdorfer Postamt nach Postamt 17 strafversetzt worden sei. Es befremdet daher, daß seine Vorgesetzten ihm so großes Vertrauen entgegengebracht hätten. Bon unserer Steuerverwaltung. Dieser Tage kam ein Arbeiter C., der in der Elsasser Straße S wohnt, nach Hause und war nicht wenig erstaunt, an der Tür seiner Wohnung einen vom Steuererheber Klitsche angehefteten Mahn- zettel wegen Zahlung rückständiger Steuern zu finden. Adressiert war der Zettel an ihn selbst, so daß die an der Wohnungstür vor» übergehenden Mieter glauben mußten, die öffentliche Biahnung gelte ihm. dem Inhaber der Wohnung. Auf der Rückseite des Mahn» zettels fand sich folgender mit Bleistift gemachter Vermerk:..In der Steuerangelegenheit für Herrn Schulz war ich heute zur Pfändung ohne Schlosser hier. Bei Nichtwiederantreffen wird die Wohnung zwecks Pfändung ITdm Schlosser geöffnet." Aus diesem Vermerk ergibt sich, daß nicht C., sondern ein ge» wisser Schulz der Steuerschuldner ist und es ist also ganz unver- ständlich, warum der Steuererheber Klitsche den Mahnzcttel auf der für jedermann sichtbaren Vorderseite mit der Adresse des C. ver- sah. Dazu kommt aber, daß Schulz bei dem C. zwar gewohnt hat, aber seit einem Vierteljahr ausgezogen und auch polizeilich ab- gemeldet ist. Brickt unter diesen Umständen der Steuererheber in Abwesenheit des Wohnungsinhabers C. in die Wohnung ein, so kann der Eifer dem Herrn Klitsche sehr teuer zu stehen kommen. Der Vorfall zeigt aber, in welcher Weise von unseren SteuerbureauS gearbeitet wird._ Unter einem Bretterstapel begraben. Ein entsetzlicher Un- glückSfall hat sich gestern nachmittag auf einem Holzplay am Kott» buser Ufer ereignet. Dort spielten die 5jährige Tochter Bertha und der sechsjährige Sohn Paul der bei der Holzfirma beschäftigten Arbeiter Reuter und Giese neben einem hohen Brelterstapel. Plötz» lich gerieten die Hölzer aus bisher nicht ermittelter Ursache inS Rutschen und die beiden Kinder wurden vor den Augen ihrer Väter von den herabstürzenden Brettern begraben. Sämtliche auf dem Holzplatz anwesenden Arbeiter und Kutscher machten sich sofort an die Rettungsarbeiten und es gelang ihren Anstrengungen, die Ver- unglückten schon nach wenigen Minuten zu befreien. Während der Knabe wunderbarerweise mit allerdings ziemlich erheblichen Haut- abschürfungen am Kopf und an den Beinen davongekommen war, hatte das Mädchen außer einer klaffenden Kopfwunde und einem Bruch beider Beine schwere innere Verletzungen erlitten. DaS bedauernswerte Kind verstarb unter entsetzlichen Schmerzen in den Händen de» zu Hilfe gerufenen ArzteS. Seinen Verletzungen erlegen ist der achtjährige Knabe Erich Günzel, der dieser Tage in der Alten Schönhauier Straße von einem schweren Lastwagen, den der Vater fuhr, überfahren wurde. Wie uns in Ergänzung unserer neulichen Mitteilung berichtet wird, ging der Knabe neben dem Wagen recktS auf dem Trottoir her, rutschte aus und geriet zum Entsetzen deS Vaterö zwischen Border- und Hinterrad deS Wagens. Das linke Bein mußte dem Knaben ampu- tiert werden, er überstand aber die Amputation nicht. Beim Kinderfest deS vierten Kreises im Elhsium find zwei Schirme verloren gegangen; es wird um Abgabe gebeten im Bureau des Wahlvereins, Slralauer Platz 1/2. Vorort- Nacbrichtem Charlottenburg. Die Gehaltsfestsetzungen für die Lehrerinnen und HandarleitS» lchrerinncn an den Gcmrindcschulen in Charlottenburg sind von der königl. Regierung zu Potsdam in der vom Magistrat seinerzeit be» antragten Höhe nunmehr genehmigt worden. Für die Lehrerinnen beträgt hiernach das Grundgehalt 960 M.. steigend nach 31 Dienst- jähren auf 1200 M., die Mictsentschädigung 550 M., Ortszulage 250 M., steigend bis auf 450 M., die AlterSzulage beginnend nach sieben Dienstjahren mit 100 M., steigend bis auf 1250 Mark; zusammen SnfangSgehalt 1760 M., Höchstgehalt nach 31 Jahren 8450 M. Für die Handarbeitslehrerinnen beträgt das Grundgehalt 800 M., steigend nach 81 Dienstjahren aus 1000 M.. die Mietsentschädigung 550 M., die Ortszulage 150 bezw. 100 und 50 M., die AlterSzulage beginnend nach 7 Dienstjahren mit 100 M., steigend bis auf 1250 M., zusammen Anfangsgehalt 1500 M.. Höchstgehalt nach 31 Jahren 2800 M. Die Besoldungsordnung für Rektoren und Lehrer an. den Ge« meindeschulen ist noch nicht genehmigt; sie liegt noch dem Pro- vinzialrat zur Entscheidung vor. Wegen der Amtszulage für die Rektoren. die vom Magistrat auf 1200 M. angesetzt, voiv der Regierung in Potsdam in dieser Höhe aber nicht genehmigt wurde, ist vom Magistrat Beschwerde beim Unterrichtsminister eingereicht. Gchöneberg Tie gut besuchte Gencralversummlung bcs Wahlvereins vom LS. Juli befaßte sich zunächst mjt dem Bericht der Funktionäre. Ter Bericht, der zum ersten Male gedruckt vorlag, erstreckt sich über IVa Jahre(1. Januar 1909—30. Juni 1910) und legt Zeugnis von reicher Agitationsarbeit ab.— Die Geschäftsführung machte 57 Sitzungen des Vorstandes erforderlich. 16 Wahlvereins- und 15 öffentliche Versammlungen dienten der allgemeinen Aufklärung. Die Zahl der Mitglieder weist 2050 männliche und 320 weibliche auf. Die Zahlabende wurden durchschnittlich von 33 Proz. der Mitglieder besucht. Der Kassenabschlutz balanziert in Einnahme und Ausgabe mit 11 792,43 Mk. Der„Vorwärts" hatte Ende Juni «inen Abonnentenstand von 3113.- In Anbetracht der reichen Tagesordnung wurde die Diskussion über den Vorstandsbericht vertagt. Ueber den nächsten Punkt:„Die Budgetbcwillig�ing in Baden" referierte Genosse Adolf Hoffmann. Er führte aus: Wenn die Tagesordnung des Magdeburger Parteitages manchem Genossen wohl zu ruhig und nüchtern dünke, so wäre doch die Wachhaltnng des Volkes und die Schärfung unserer Waffen zur Reichslagswahl sicher bedeutend genug gewesen. In die für uns politisch so günstige Zeit falle nun die Nachricht von der Zustimmung der badischen Landtagsfraktion zum Budget, die angetan sei, die Einheit der Partei in Frage zu stellen.— Der Redner schilderte nun die„Ver- grösserung" Badens durch Napoleon, die nach dessen Sturz Wider Willen einsetzende liberale Regierung und den Freiheitstaumel im Musterländle. Wtenn der politische Fortschritt in Süddcutschland auch mehr in die Erscheinung trete als nördlich des Mains, so müssen sich Sozialdemokraten von diesem Taumel(der sich sogar mal bis zu einer Republik mit dem„roten" Grotzherzog an der Spitze verstieg), fernhalten. Leider zeige die Beteiligung der badi- schen LlAidtagsfraktion an höfischen Zeremonien das Gegenteil.— Da nach der bekannten Erklärung des Genossen Frank im badischen Landtage die politische Gleichberechtigung noch nicht durchgeführt und auch die Voraussetzung für eine Bewilligung des Budgets nicht gegeben sei. so dürfen wir nicht dulden, daß auf dem Parteitage das Für und Wider nochmals zur Sprache kommt, sondern es handelt sich lediglich darum, ob Beschlüsse zu halten sind oder nicht. Der Parteitag muß Stellung nehmen zu dieser svstematischen Ignorierung seiner Beschlüsse, zu dieser schweren Verfehlung gegen die Einheit der Partei. Das sei kein Zwischen- fall mehr(wie die„Voss. Ztg." schrieb), sondern es handle sich um Sein oder Nichtsein. Die Einheit der Partei, die uns so groß gemacht, stehe über allesl(Lebhafter Beifall.)— Weiter kam der Redner auf die Illusionen einiger Genossen zu sprechen, durch ein Bündnis mit der bürgerlichen Linken bessere Zustände zu schaffen. Er weise nur auf die Wahlrechtsverhandlungen hin, um die Utopie eines Großblocks einschließlich der Nationalliberalen darzutun. Wer aber dennoch auf eine Koalition von Bassermann bis Bebel hoffe, der sei an die Ausführungen des Demokraten Dr. Breitscheid erinnert, daß ein Großblock der Linken ein parlamentarisches Mini- sterium voraussetze und bei Militärvorlagen schon in die Brüche gehen müsse.— Genosse Hoffmann empfahl nun die Resolution des Zentralvorstandes. Dieselbe werde verschiedenen Genossen nicht scharf genug sein, man könne jedoch alles weitere dem Parteitage überlassen. Es genüge, zu zeigen, daß Groß-Berlin an den Be- schlüssen des Nürnberger Parteitages festhalte.(Beifall.) In der Diskussion führte Genosse Eduard Bernstein etwa fol- gendcs aus: Durch die Rede des Genossen Hoffmann klang hin- durch, daß Einheit und Disziplin gewahrt werden müsse. Tos sei richtig. Da sei es nun aber merkwürdig, daß die badischen Ab- geordneten in verschiedenen Orten Zustimmung gefunden haben. Weiter sei zu beachten, daß eS Grundsatz sei, Gesetze und Vor- schriften so abzufassen, daß sie gehalten werden können. Wir wollen doch freiwillige Disziplin, keinen Kadavergehorsam. Jeder Päda- goge werde sich überlegen, Vorschriften aufrechtzuerhalten, die immer wieder übertreten werden, weil sie gegen ein natürliches Bedürfnis verstoßen. Der Nürnberger Beschluß sei eine solche ver. fehlte Vorschrift. Redner erklärt sich mit Entschiedenheit gegen die Idee eines GroßblockS von Bebel bis Bassermann. DaS sei eine Utopie, schon deshalb, weil zahlreiche Anhänger deS Zentrums weiter links stehen als die Nationalliberalen. Da können wir Sozialdemokraten uns nicht verpflichten, unter allen Umständen für einen Nationalliberalen gegen einen ZentrumSmann zu stimmen. Unsere Mitarbeit im Parlament bringe auch Verantwortung. Wenn wir bei einzelnen Positionen eines Ge- setzes die günstigsten Verbesserungen durchsetzen, können wir nicht ständig die Mittel zur Durchsühruug verweigern. Der Parka- mentarismus ist aber zu neun Zehnteln Reformarbeit. Uebrigens werde der Schlußabstimmung übergroße Bedeutung beigelegt, die sie in verschiedenen Ländern gar nicht habe. Die Süddeutschen seien durch die Nürnberger Resolution in unmögliche Situationen gekommen. Sie verlangen mit Recht nach Lage der politischen Verhältnisse größere BetoegungSfreiheit im Rahmen des Partei- Programms. Genosse Bernstein befürwortete dann folgende Re- solution: ,„Die heutige ordentliche Generalversammlung deS sozialdemokratischen WahlvereinS Schöneberg spricht den Wunsch aus. daß es dem Parteitag in Magdeburg gelingen werde, für die Frage der Bu d g e t ab stji mmu n ge n eine solche Lö- s u n g zu finden, die den Vertretern der Partei in den staat- lichen und städtischen Parlamenten diejenige Freiheit der Entschließung läßt, deren sie bedürfen, um die poli- tischen und wirtschaftlichen Interessen der Arbeiter unter allen Umständen wirksam geltend machen und die Ränke bürgerlicher Parteien jederzeit zu- Nichte machen zu können." Genosse Thielicke hält eine Spaltung der Partei für unaus- bleiblich. Die Führer in Baden fühlen sich nicht mehr eins mit der Arbeiterklasse. Ihnen fehle die Empörung gegen die heutige Gesellschaftsordnung infolge ihrer Erziehung. Wenn die badischen Führer durch ihren Hofgang sich als Knechte fühlen, mögen sie Knechte bleiben. Unsere Agitation für die Reichstagswahlen wird erschwert. Wir müssen von HauS zu Haus agitieren, die Wissen. schaft dringe nicht in all« Kreise. Die Badenser hätten eine Aende- rung des Nürnberger Beschlusses beantragen müssen, wenn sie den- selben für verfehlt halten. Redner wendet sich gegen etwaige AuS- schluhanträge und spricht sich für die Berliner Resolution auS. Genosse Peterfon: Wenn in der engeren Bewegung der einzelne kleine Verstöße sich zuschulden kommen lasse, so drohe gleich der Ausschluß. Man möge nun mit den Badensern auch nicht zu glimpflich verfahren. Die Ansicht des Genossen Bernstein, den Abgeordneten in den einzelnen Staaten mehr Bewegungsfreiheit zu gewähren, werde so viele Meinungen und Grundsätze, wie wir Vaterländer im Reiche haben, zur Folge haben, und die Einheit der Partei wäre dahin. In seinem Schlußwort ging Genosse Hoffmann auf alle Ein- wände in der Diskussion ein: Bei einer Absplitterung der Badenser würden die Führer bald Offizieren ohne Soldaten gleichen.— Die Zustiimnung der badischen Wühler gegenüber ihren Abgeord- neten sei erklärlich; wenn aber in jeder Versammlung ein ,Kor- referent zur Stelle gewesen wäre, würden in den einzelnen Orten andere Beschlüsse zustande gekommen sein.— Der Nürnberger Be- schluß wäre leicht zu halten gewesen, denn vas Budget wäre auch ohne Zustimmung nicht schlechter geworden.— Das Beispiel des Genossen Bernstein mit dem Pädagogen sei leicht zu widerlegen. Ein Erzieher werde eines unfolgsamen Kindes� wegen seine Grund- sätze nicht ändern zum Nachteil anderer gehorsamer.— Wenn Genosse Bernstein den ständig verneinenden Standpunkt für ver- kehrt halte, würden unsere Genossen in den Parlamenten nach Bernsteins Ansicht in die Lage kommen, für den Militäretat zu stimmen, wenn beispielsweise eine von uns beantragte Erhöhung der Mannschaftslöhne durchgesetzt worden ist.— Genosse Hoffmann spricht sich dann noch gegen die Resolution Bernstein aus, deren Annahme eine Aufhebung unserer Grundiatze bedeuten würde. Die Resolution des Zentralborstandes wurde hierauf mit über- 1 Treptost». großer Majorität angenommen. Für die Resolution Bernstein er- hoben sich nur wenige Hände. Die durch Stimmzettel vorgenommenen Wablen der Funk- tionäre und Delegierten hatten nachfolgendes Resultat: 1. Vor- sitzender: R. Küter; 2. Vorsitzender: A. Mohs; 1. Kassierer: H. Fischer: 2. Kassierer: L. Herder; 1. Sckiriftführer: W. Hein- rich; 2. Schriftführer: Chr. Franke; Beisitzerin: Frau Böhm; Revisoren: Peters, Leinert, Mazurkowski; Lokalkommission: Peter- son, Kliche, Knobloch.— Zur Kreisgeneralvcrsammlung! wurden delegiert: Däumig, Herter, Mohs, Palm, Stenzel, Frau Heyde. — Als Delegierter zum Parteitag wird der Kreisgeneralversamm- lung Genosse Mohs, zur Provinzialkonferenz Genosse Stenzel vor- geschlagen.— In den Kreisvorstand sollen die Genossen O. Schenk als Revisor, H. Fischer und R. Küter als Agitationskommissions- Mitglieder und R. Palm als Pretzkommissionsmitglied empfohlen werden. Ein zur KreiSgencralversammlung gestellter Antrag, der sich mit einer Regelung des Urlaubs des angestellten Sekretärs und Kassierers besaßt, wurde abgelehnt. Die Fortsetzung der Generalversammlung findet am DienS tag, den 2. August, statt. In der letzten Sitzung der Gcwerkschaftskommisston hielt Genosse Däumig einen Vortrag über:„Kommunale Arbeitslosenfürsorge." In Deutschland seien cS leider erst wenige Städte, die derartige soziale Einrichtungen getroffen hätten, während andere Länder, wie Belgien und England, bereits weiter vorgeschritten seien. So babe England im Jahre 1908 aus Staatsmitteln 8'/z Millionen Mark zu diesem Zwecke seinen Gemeinden überwiesen.— Redner kam dann auch darauf zu sprechen, daß ja im Schöneberger Stadtparlamente eine kommunale Arbeitslosenfürsorge erwogen worden ist, eS wurde auch ein Ausschutz eingesetzt, um die notwendigen Vorarbeiten zu erledigen. Derselbe habe bereits seine Arbeiten beendet und ein Statut nach dem Genter System aus- gearbeitet. Der Magistrat habe sich jedoch nicht bereit finden können, seine Zustinimung zu geben, sondern erklärt, er wolle nicht der erste auf diesem Gebiete sein. Erst nach den Ferien soll erneut zu dieser Frage Stellung genommen werden und gedenkt der Magistrat mit Charlotlcnburg in Verbindung zu treten, um ein gemeinsames Vor- gehen dieser beiden Städte zu erzielen. Boxhagen- Nummelsdurg- Stralau. „Die Jugend� die Jugdenheime und ihre Bedeutung für die Arbeiterbewegung" lautete das Thema, das Genosse Dr. Liebknecht am Dienstag in einer auch von Frauen zahlreich besuchten öffent- lichen Versammlung im„Cafe Bellevue" erörterte. Der Redner verbreitete sich über die Notwendigkeit, der arbeitenden Jugend sich besonders anzunehmen. Was die Arbeiterschaft für die Jugend in materieller Hinsicht ausgibt, bekommt sie mehrfach in ideeller Hinsicht dadurch zurückerstattet, daß die jungen Leute nach dem Auslernen oder wenn sie ins Mannesalter treten, gleich solidarisch fühlen und als bewußte Klassenlämpfer in ihre Reihen treten. Zur geistigen und körperlichen Pflege empfiehlt Redner, der Jugend die wahre geschichtliche Entwickelung zu lehren, sowie dieselbe durch Einführung in die vorhandenen Kunstschätze und in die Schön- heiten der Natur, in ihrem Selbstbewußtsein zu heben und ihr Streben zur Teilnahme an den Kulturgütern zu fördern. Zur Aufnahme von guter geistiger Nahrung gehört aber auch ein ge- sunder Körper, und darum ist es notwendig, daß die Jugend auch zum Wandern und Turnen sowie überhaupt zu Leibesübungen angehalten wird. Auf den Wert der Jugendheime übergehend, betont Redner, daß es notwendig ist, solche Heime zu gründen und zu fördern, um die jungen Leute von der Straße und von wüsten, den Körper schädigenden Vergnügungen fernzuhalten. Diese Heime sind einfach, aber soviel wie möglich künstlerisch auszu- statten. Es ist eine gute Bibliothek zu halten und eS sind vernünftige Unterhaltungsspiele zu veranstalten. Bei der Auswahl der in den Heimen tätigen Erwachsenen soll man vorsichtig zu Werke gehen; es kann wohl einer ein sehr tüchtiger und befähigter Klassenkäinpfer sein, sich deswegen aber noch lange nicht zum Er- zieher und Pädagogen eignen. Auch der Ausbeutung der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen haben die Jugend» ausschüsse ihre Aufmerksamkeit zu widmen. Mit der Mahnung an die Mütter und Väter, ihre Kinder den Jugendheimen und den Jugendorganisationen zuzuführen, und an die Mitglieder der Jugendausschüsse, ihre Tätigkeit nicht als Herren und Vorgesetzte der Jugendlichen zu betrachten, sondern ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen als Freunde, damit zu hoffen ist, daß der heranwachsenden Generation die Morgenröte der Freiheit bald leuchten möge, schloß der Redner seinen mit großem Beifall auf- genommenen, interessanten und belehrenden Vortrag.— Von einer Diskussion wurde Abstand genommen. ES erfolgte die Wahl des Jugendausschusses für Boxhagew-Rummelsburg-Ttralau. Der Leiter forderte am Schlüsse die anwesenden Eltern auf, ihre Kinder nach dem RummelSburger Jugendheim: Alt-Boxhagen 56 vorn I, zu senden. Lankwitz. In der Generalversammlung am Mittwoch erstattete der Ge- nosse Anders zunächst den Vorstandsbericht. Danach haben im ver- flcssenen halben Jahr stattgefunden: 2 Generalversammlungen, 5 Mitglieder- und 5 öffentliche Versammlungen, 1 engere und 9 erweiterte Vorstandssitzungen. Außerdem gelangten 24 090 Flugblätter zur Verbreitung. Genosse Anders rügt den Mangel an Arbeitslust, den die Mitglieder zeigen. Wenn auch die Organi- sation am Ort von 199 Mitgliedern am 1. Januar auf 251 Mit- glieder am 89. Juni gewachsen sei, so hätte bei reger Betätigung der Mitglieder bedeutend mehr erzielt werden können. Auch der ungünstige Ausfall der Gemeindevertreterwahl sei nur der Lauheit der Mitglieder zu danken. Der Bericht deS Kassierers ergab eine Einnahme im letzten Quartal von 200,55 M. Dem steht eine Ausgabe von 83,88 M. gegenüber, dem Kreis überwiesen wurden 116,67 M. Die Neuwahl zeitigte folgendes Ergebnis: 1. Vorsitzender: Anders; 2. Vorsitzender: ZiegS; Schriftführer: Dehnst; Kassierer: Kister und Beisitzer Boxheimer. Revisoren: Rietz, Reetz und Reinke. Lokalkommission: G. Hinze und Hilbert; Bibliothekar: Voigt. Jugendausschuß: Port und Voigt. In die Kinderschutzkommission wurden die Genossinnen Modrack, Zicgs, Herold, Kneuker und Hinze gewählt. Da der Gemeindevertreter Genosse Theurig sich beharrlich wei- gert, seinen Mandatgebern über seine Tätigkeit im Gemeinde. Parlament Beriefst zw erstatten, so wird ihm mit allen gegen eine Stimme ein Mißtrauensvotum erteilt, indem die Versammlung einem Antrag Dehnst, den Genossen Theurig nicht mehr als den Vertreter unserer Partei anzuerkennen, zustimmte. Dann wurde Stellung genommen zu der am 21. August statt- findenden Verbandsgeneralversammlung, welche sich mit der Er- Höhung der Beiträge beschäftigen wird. Die sich hierüber entspin- nende, sehr rege Diskussion ergibt, daß die große Mehrheit sich mit einer Beitragserhöhung nicht einverstanden erklären kann. Ferner verurteilt die Versammlung das Verhalten der badi- schen Landtagsfraktion durch die einstimmige Annahme folgender Resolution: „Die heutige Generalversammlung von Lankwitz spricht ihr lebhaftes Bedauern über die Budgetbewilligung seitens der Ge- nossen der badischen Landtagsfraktion aus. Die Versammelten erblicken hierin ein Attentat gegen die Einheit der Gesamtpartei und Mißachtung der Beschlüsse der Gesamtheit; sie erwarten von dem kommenden Parteitag eine Stellungnahme, die solche Vorkommnisse für die Zukunft unmöglich machen." Spandau. Den Partei- und GewerkschaftSgenossen zur Mitteilung, daß die Auskunfterteilung in Gewerbe-, Jnvaliditäts- und Unfallsachen wieder vom Genossen Härtung, Seeburger Straße 83, ausgeübt wird. Heute: Sonnabend, den 30, Juli, feiert der Turnverein„Jahn" in Treptow(M. d. A.-T.-B.) im Lokale des Herrn Ludwig, am Treptower Park, sein 4. Stiftungsfest. Da sich genannter Verein bei Arbeitcrfestcn jederzeit zur Verfügung stellt, wäre eine rege Beteiligung der Arbeiterschaft erwünscht. Zehlendorf(Wannseebahn) Der hiesige Wahlvercin nahm in seiner Versammlung am 26. Juli ebenfalls Stellung zu dem Magdeburger Parteitag. Genosse U I m führte in seinem Referat aus, daß der diesjährige Parteitag einen Markstein in der Entwickelung der Partei bilden müsse. Das habe er dem Vorgehen der badischen Landtagsabgeord» neten zu danken, die durch ihr Verhalten bei der Budgetabstim» mung und der Schlußsitzung des Badischen Landtages in schwerster Weise gegen die notwendig« Disziplin in der Partei gefrevelt haben. Dem Parteitag in Magdeburg ist es vorbehalten, die Stellung ein- zunehmen, die gegenüber einem solchen Verhalten von Auchgenossen unerläßlich ist, soll nicht die Aktionsfähigkeit der Partei in Frage gestellt werden. Hier handelt es sich nicht um die Gefährdung der freien Meinungsäußerung, wie viele glauben machen möchten, sondern es gilt festzulegen, daß Beschlüsse, die von verschiedenen Parteitagen festgelegt sind, gehalten werden müssen, solange si? nicht durch andere ersetzt sind, soll man nicht das Vertrauen an den Kampfgenossen verlieren. Mitschuldig an dem Vorgehen sei der Parteitag in Nürnberg, der sich nach der bekannten Erklärung der 60 der Situation nicht gewachsen gezeigt habe. Gleich nach dem Parteitag in Nürnberg konnte bekanntlich ein Calwer im Scherlschen„Tag" schreiben, daß der Parteitag in Nürnberg praktisch den Sieg des Revisionismus bedeute, denn die Erklärung der 66 zeige, daß ein großer Teil unserer Parlamentarier es satt habe, nur zu„negieren", und daß er praktische Arbeit leisten wolle. Die praktische Arbeit liegt jetzt vor uns, und der Parteitag hat sich damit abzufinden. Er darf sich nicht mehr mit der bloßen An- nähme von verurteilenden Resolutionen begnügen. Er muß klar die Grenze ziehen, die kein Genosse überschreiten darf, will er nicht aufhören, Mitglied der Partei zu sein.— An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Scheler, Kutta und Herr Osk als Gast. Während erster im Sinne Ulms sprach und eine entsprechende Re- solution einbrachte, hoffen Genosse Kutta und Herr Osk ein noch» maliges Ueberbrücken, um in der gegenwärtigen Situation eine Spaltung zu vermeiden. Um ein einheitliches Vorgehen der Ge- nossen Groß-Berlins zu betätigen, vereinigten sich die Genossen dann auf die Annahme der Resolution des Zentralvorstandcs von Groß-Berlin. Trebbin(Kreis Teltow). AuS der Stabtverordnetensitzung vom 28. Juli. Zur Regelung des Nühringwinkelweges wird einstimmig beschlossen, Herrn Fenger für seinen in Betracht kommenden Teil die Auflassung zu geben!. Die Regierung hat ihren Zuschuß zur gowerbliehen Fortbildungsschule verringert. Genosse Richter nahm dies Verhalten der Re- gierung in allen derartigen Fragen und Angelegenheiten unter die Lupe. Es wurden einstimmig 137,50 M. nachbcwilligt. Zur end- lichen Erledigung und Inangriffnahme der Entwässerung des Siebbuschcs machte sich eine Mehrausgabe von 800 M. notwendig. Mit Ausnahme von zwei interessierten Herren wurden die Aus» gaben beschlossen. Nowawes. Tie Ausschreibung der Herstellung einer Regenrohrleitung in der Wilhelmstraße zwischen der Charlottenstraße und der Ruthe hatte ein Resultat gezeitigt, welches wieder einmal zeigt, in wie oberflächlicher Weise in den KalkulationSbureauS mancher Unternehmer bei der Berechnung von Submissionsarbeiten verfahren wird. Zur Ausführung der genannten Arbeit hatten 13 Unternehmer Offerten eingereicht; während die Firma Holzmann u. Co. in Berlin für die Herstellung der Leitung 13075 M. verlangte, erbot sich die Firma Thiel u. Schneider in Charlottenburg, dieselbe Arbeit für 3960 M. auszuführen. Dieser letzteren Firma wurde auch der der Arbeiterver- > übrigen Offerten hat der Rechts» ' r veranlaßte, 'ein Bedauern Erledigung Zuschlag erteilt, da Nachteiliges, auch Hältnisse, nicht in Erfahrung gebracht wurde. schwankten zwischen 4624 und 12 691 M.! Sein Amt als Gemeindevertreter zweiter' anwalt Altenau niedergelegt, was den Bü in der letzten Sitzung der Gemeindever darüber auszudrücken, da ihn Herr Alten von Rechtssachen vielfach unterstützt habe._ Betreffs der Höhcrlegung des Bahnkörpers durch NowaweS kursierte in letzter Zeit hier das Gerücht, daß'idichelbei um zwei Jahre verschoben sei. Demgegenüber können wir soststellen, daß die abgeschlossenen Verträge von den maßgebenden Instanzen geneh- migt sind, so daß wahrscheinlich schon in nächster Zeit mit den Arbeiten zur Höherlegung begonnen werden wird. Potsdam. 1290 Personen in einer Volksversammlung sind ist Potsdam bisher wohl noch nie dagewesen. Und trotzdem mußten noch ver- schieden« Personen umkehren, als am Mittwoch Genosse Dr. Karl Liebknecht die gegenwärtige politische Lage im Lokal„Viktoria- garten" besprach. Von den bürgerlichen Parteien meldete sich nie- mand zur Diskussion, trotzdem sie besonders eingeladen waren- Der zahlreiche Besuch dürfte der„Erfolg" des am Orte besonders intensiv arbeitenden Reichsverbandes sein. Nur so«eitert Jngendveranstaltunge«. Freie Jugendorganisation Berlin. Heute abend pünktlich 8 llbr in den Arminhallen, Kommandantenstr. 58(großer Saal): Generatver» sammlung. Da die Tagesordnung ewe sehr wichtige ist, so muß jedes Mitglied pünktlich erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. FreirellgiSse Gemeinde. Sonntag, den 81. Juli, vormittag« 11 Ubr, Kleine Franksmter Straße S: Vortrag von Frl. I. Altmami: „Wo Kops und Herz sich streiten." Damen und Herren als Säfte(«u willkommen. Sozialdemokratischer Zentralwahlverein ittrnSwalde- Friede» berg, Ortsverein Berlin. Sonntag, den 3t. Juli, nachmittag» 8 bei Thimm, Tilsiter Str. 7g: Generalversammlung. Gäste kommen. 'S Singegangene Dmchfdiriften. SluS Natur und Getsieöwelt. Sammlung wiss verständlicher Darstellungen au» allen Gebieten des W de» deutschen Baoernsiandes. Bon Dr. Heinrich GerdeS.(320. 1 Die Grundbegriffe der modernen Naturlehre. Von Profcsstr.. Felix Auerbach.(40. Land.) Die Kälte, ihr Wesen, ihre Grzeugn und Verwertung. Von Dr. H. Alt. Mit 45 Abbildungen und 2 Tgs (311. Band.) Herz,«lntgesäße und Blut und deren Erkrankung.�. Bon Dr. Heinrich Rosin.(312. Band.) Preis pro Band geh. 1 M., geb. 1.25 M. Verlag von B. G. Teubner m Leipzig. eSafferstandS-Rachrtivte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wellerbureau. Wasserstand Kemel, Ttlstt Vregel, Jmterdurg Weichsel. Tbor» Oder, Ratibor , Krofia, Franksuri Warthe. Schrimm . Landsberg Reh». Vordamm 816», Leitmeritz „ Dresden „ Barbll , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') . Ratbenow') T p r e e, Svremberg') , Beeskow Weser, Münde» , Minden Rhein, Maximiliantau Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main. Werlheim Mosel. Trier ____________»)+ bedeutet Wucht,— Fall.— Unierpegel. «erantvortlicher Redakteur Richers Barth, Berlin. Für dsJnleratevteilherallw� Td.Gls