»».WS. RtoimementS'BedlngiinseB: ■Bonnrmcntä. Preis pränumeranda i «ierieljkhrl. SM Mk, monatl. l.lo MI., tvöchciuüch 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags« nummer mit illustrierter SonntagS- Bcilagc»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: l.w Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband flir Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland B Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland. Italien. Luxemburg. Portugal, piimflniMi. Schweden und die Schweiz, S7. Cclädot lsziis auBcr Verliner Volksblakk. v?e snIttNon».etdSh?— LelrZgi für die fechsgefpallene Kolsnel- geile oder deren Raum w Pfg., für politisch« und gewerkfchaflliche LercinS« nnd BersammIungZ-Anzeigen BD Pfg. „Rlclnc Hniclgen", da» erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg, jede» weitere Wort 10 Pfg. Stellcngeluche und Schlaf- stcllen-Anzeigen da§ erste Wort lll Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über »b Buchstaben zählen für zwei Worte. 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Wenn nämlich die Verteidiger der Flottenrüstungen recht hätten, dann würde sich beispielsweise das kleine Belgien überhaupt nicht in der Liste der Exportstaaten befinden, denn Belgien besitzt überhaupt kein Kriegsschiff. Trotz- dem hatte Belgien 1906 im SpezialHandel eine Ausfuhr von 2235 Millionen Mark. Ucbrigens hat sich der Ausfuhrhandel dieses Landes trotz vollständigen Fehlens einer Flotte geradezu fabelhaft entwickelt, wurden doch 1896 erst Waren im Werte von 1174 Millionen Mark exportiert. Und recht interessant ist auch ein Vergleich zwischen Frankreich und den Niederlanden. Ersteres ist eine starke Seemacht, gegen die die kleine holländische Kriegsflotte nicht im ent- ferntesten ankämpfen kann; gleichwohl erreichte der holländische Außenhandel beinahe den des vielfach größeren Frankreichs. Die niederländische Einfuhr betrug im Jahre 1906 4360 Mill. Mark und die Ausfuhr 3362 Millionen; Frankreich dagegen schloß ab mit 4183 Millionen Mark Einfuhr und 4034 Mit- lionen Ausfuhr. Und auch der riesenhafte Aufschwung des deutschen Welthandels fällt in eine Zeit, in der die deutsche Marine den Kriegsflotten fast»vller Großstaaten unterlegen war; dagegen hat sich Englands Industrie lange Zeit hindurch trotz der überlegenen Flotte nicht gerade sehr günstig entwickelt, wie vielleicht die folgende Tabelle aus- weisen kann: Die Ausfuhr im Spezialhandel betrug in Millionen Mark: England Frankreich Amerika Deutschland 1887.... 4534 2630 2052 2S37 1892.... 4642 2303 4260 2954 1897.... 4732 2914 4334 8S3S 1902.... 2731 3402 2693 4677 1900.... 7661 4213 7212 6329 1908.... 7692 4217— 6393 Also gerade der Ausfuhrhandel der beiden damals größten Seemächte hat sich am ungünstigsten entwickelt. Ja. wenn man das Jahrfünft 1886/1890 mit dem Jahrfünft 1896/1900 vergleicht, so ergibt sich, daß der Export Englands bis zum Jahre 1900 nicht nur relativ zurückging, sondern tatsächlich um 44 Millionen Mark abnahm. Recht deutlich zeigte sich die ungünsttge Entwickelung der englischen Industrie bei der Ausfuhr an Fabrikaten, die ja den Haupt- bestandteil des britischen Ausfuhrhandels bilden. Die Aussuhr an Fabrikaten betrug in Millionen Mark: 1883 1900. m,.„ 8""ahme tn Mill. Mark m Prozenten England... 4300 4460 160 3.7 Amerika... 260 1800 1240 221.0 Deufichland.. i960 2980 1020 22,0 Während also der Export Englands an Fabrikaten nahe- zu gleich geblieben ist, hat sich der der Vereinigten Staaten und Deutschlands ganz enorm ausgedehnt. Wenn man wieder das Jahrfünft 1880/1884 mit dem Jahrfünft 1896/1900 vergleicht, so ergibt sich auch hier eine Abnahme von rund 40 Millionen Mark. Ein kleines Beispiel mag zeigen, wie hart Deutschland zu jener Zeit die englische Industrie be- drängte. Während 1900 der englische Eisenexport nach Deutschland den deutschen Eisenexport nach England um ungefähr 28 Millionen Mark übertraf, überstieg 1902 die deutsche Ausfuhr nach England die britische Ausfuhr nach Deutschland um 80 Millionen Mark. Ebenso überstieg 1900 der britische Maschinenexport nach Deutschland den Deutschlands nach England um 14 Millionen Mark, während im Jahre 1902 Deutschlands Maschinenausfuhr nach Groß- britannien um 18 Millionen Mark höher war als der Eng- lands nach� Deutschlands. Der Stillstand in der Entwickelung der englischen In- dustrie läßt sich nicht etwa allein darauf zurückführen, daß die Kapitalistenklassen Deutschlands und der Vereinigten Staaten durch hohe Schutzzölle ihre heimischen Märkte zu monopolisieren trachteten, sondern auch in den englischen Kolonien ging der Absatz britischer Produkte stark zurück. Jedenfalls zeigt diese kurze Epoche in der Geschichte des eng- tischen Handels, daß Schiffskolosse und Marinegeschütze zwar die Landung preußischer Grenadiere vereiteln können, nicht aber die erfolgreiche Landung des feindlichen Kaufmanns. Und woher kam nun der Rückaang der britischen In» dustrie? Lassen wir da eine englische Autorität, Professor Ayrton, sprechen: »Wenn jemand eine elektrisch« Maschine nach einer tetailliertcn guten Zeichnung anfertigen lassen wollte, so würde ich sicherlich raten, er solle sie nicht bei einer englischen Firma bestellen. Unsere Fabrikanten bestellen Dynamomaschinen in Deutschland, Magnetstahl in Deutschland oder Frankreich, Mate- eial für Widerstgndsjxiralen in und dgs zux Zsolie- rung von Untergrundkabeln verwandte Papier in Amerika. . Fabrikanten importieren regelmäßig fertige Fabrikate aus i Amerika, Deutschland und Frankreich, nicht bloß wegen des billigen Preises, sondern weil sie bedeutend besser sind als irgend etwas, das man ohne Rücksicht auf den Preis in unserem Lande haben könnte." Und aus welchem Grunde konnten die Rivalen Englands besser und billiger produzieren? Hören wir auch hier wieder einen Engländer, und zwar den bekannten National- ökonomen Sir Henry Roscoe, der in einem Aufsatz über die Aussichten des britischen Handels 1902 das Folgende schrieb: „Was sind die veränderten Bedingungen der Industrie von heute, verglichen mit denen früherer Jahre? Der Unterschied kann mit einem Wort ausgedrückt werden. Es ist der Unter- schied zwischen der Herrschaft der rohen Gewalt und der Herr- schaft der Wissenschaft. Es ist der Unterschied zwischen Ignoranz und Bildung, zwischen dem Tappen im Dunkeln und dem Wan- dein im Sonnenlicht. Die Unterschätzung, die in vielen Fällen bis zur absoluten Nichtachtung sich steigert, für die Anwendung der wissenschaftlichen Methoden bei industriellen Unternehmungen, das Festhalten an veralteten Arbeitsweisen statt des Adoptierens geeigneter Neuerungen, das ist das schleichende lähmende Uebel, welches das industrielle Leben der Nation bedroht." Diese Sätze schildern trefflich, worauf die Stagnation der britischen Industrie zurückzuführen war: zunächst auf die nicht genügende Beachtung der wissenschaftlichen Forschungsergebnisse, dann auf das starre Festhalten an ver- alteten Einrichtungen und Arbeitsmethoden, die immer un- rationeller wurden, je mehr sich der Fortschritt in Amerika und Deutschland vollzog. Die Befürworter des Wettrüstens könnten sich bis hierher vielleicht mit unseren Ausführungen über die britische In- dustrie einverstanden erklären, und nun den Schluß daraus ziehen, daß also England tatsächlich Grund zur Eifersucht hat und auf einen passenden Moment wartet, um seinen Konkurrenten militärisch niederzuringen und ihm dadurch die Flügel zu beschneiden. Eine solche Schlußfolgerung wäre jedoch durchaus falsch; die vorstehenden Ausführungen zeigen nur, daß selb st die stärkste Flotte nichts zur Entwickelung des Handels tun kann, wenn die Industrie des Landes nicht auf der Höhe steht! In den letzten Jahren nämlich hat sich der britische Ausfuhrhandel großartig entwickelt. Das ist darauf zurückzuführen, daß die englische Bourgeoisie die Ursachen des Rückganges richtig erkannte und mit Eifer und Erfolg bemüht ge- Wesen ist, die Bildung der höheren Schichten, aus denen sich die industriellen Offiziere rekrutieren, zu vertiefen. Der Brite war.früher absoluter Herrscher auf dem Weltmarkt und sah halb verächtlich, halb mitleidig auf seine Konkurrenten herab. Erst durch das Erstarken seiner Rivalen mußte er von dem Wahne befreit werden, daß seine Arbeitsmethoden unfehlbar seien. Das ist nun gründlich geschehen, und gerade die letzten Jahre haben gezeigt, daß sich der Aufschwung Deutschlands jetzt nicht mehr auf Kosten Englands vollzicht, daß viel- mehr gerade England bei dem Wirtschaft- lichen Emporkommen Deutschlands pro- fitiert! Zunäcksst hat sich die englische Ausfuhr nach den britischen Kolonien wieder stark gehoben, so daß der englische Kaufmann begründete Ausficht hat, auch für die nächste Zeit seine Stellung auf dem kolonialen Markt behaupten und stärken zu könnenr Dann aber hat die Ausfuhr der eng- tischen Kolonien nach Deutschland, vor allem der Export von In d u st r i e r o h st o f f en, so stark zuge- nommen, daß für diese die Ausfuhr nach Deutschland eine Lebensfrage zu werden beginnt. Deutschland ist also der weitaus b e st e Kunde Englands, und eine Schwächung der deutschen Nation könnte vielleicht einigen Interessenten Genugtuung gewähren, würde sonst aber sicher für die gesamte britische Volkswirtschaft einen unermeß- lichen Schaden bedeuten. Die englische und die deutsche Nation sind aufeinander angewiesen, und die Erde hat für beide Völker Raum! Möchten sie doch, anstatt im barbarischen Rennen um die stärkste Seemacht ihre Kräfte zu vergeuden, im friedlichen Wettstreit um die Palme und den Ruhm ringen, die ersten Förderer der Kultur und Zivilisation zu fein! Hatten wir vorstehend gezeigt, daß durch die Flotte eine Stärkung des Handels nicht erreicht werden kann, so können wir aber andererseits den Nachweis � führen, daß die militärischen Rüstungen unser Volkswirtschaftsleben un- günstig beeinflussen. In allen Zweigen� der nationalen Arbeit, in der Landwirtschaft sowohl als in der Industrie, ist ein starkes Bedürfnis nach Kapital vorhanden. Wer vor- wärts kommen will, sei es durch Vergrößerung oder Ver- besserung des Betriebes, braucht Kapital. Wenn nun aber der Staat eine Anleihe nach der anderen aufnimmt, so ver- anlaßt er die Besitzer der Kapitalien, immer mehr Gelder in Staatspapieren anzulegen, immer mchr Kapitalien der land- wirtschaftlichen und gewerblichen Arbeit zu entziehen, denn bei den Staatspapieren hat ja das gesamte Volk die Zins- garantie zu übernehmen. Von den für das Wirtschaftsleben der Nation verfügbaren Kapitalien werden so große Be- tiäge fortgenommen, um in wirtschaftlich unproduktiven Bauten festgelegt zu werden. Ein solcher Aderlaß, eine solche künstliche Abzapfung vom Kapital schwächt das gesamte Wirtschaftsleben und hgt eine außerordentliche Anfpavnung des Geldmarktes zur Folge. Die Wirkung der letzten Er- scheinung ist ein Fallen der Löhne und eine Verminderung der Kaufkraft der breiten Massen. Uebrigens verringert auch jede indirekte Steuer die Konsumfähigkei-t des Volkes und verringert dadurch den Absatz gerade der wertvolleren landwirtschaftlichen Produkte und vieler Jndustrieerzeugnisse. Jede Flottenvermehrung bedeutet aber auch eine Ver- mehrung der indirekten Steuerlasten und damit eine Ver- tcuerung der wichtigsten Lebensmittel. Die Arbeiter werden zu immer neuen Lohnkänrpfen gezwungen, und die In- dustrie wird ständig erschüttert. Ein seltsamer Zirkel zeigt sich uns. Durch eine ein- seitige Agrarpolitik, durch hohe Zölle bringt man ganze Industrien an den Rand des Abgrundes, und dann baut man von den Erträgen jener Zölle eine Flotte, die— man könnte lachen vor Hohn— die Industrien schützen soll, die man vorher vernichtete. Eine abgründige Weisheit! Sie(mveiilche Steuerreform. Die bayerische Steuerreform ist angenommen und damit eltt Gesetzgebungswerk endgültig abgeschlossen, bei dem das auf- gewendete Quantum von parlamentarischer Arbeit keineswegs im proportionalen Verhältnis zur Qualität der Sache steht. Das be- kannte Sprichwort: Was lange währt, wird endlich gut! hat sich hier ins Gegenteil verkehrt. Denn je länger man an dem Ent- würfe herumkurierte, desto schlechter wurde er. Immerhin hat die Reform für Bayern in der allgemeinen progressiven Einkommen- steuer einen Fortschritt von grundsätzlicher Bedeutung gebracht, so daß ein kurzer entwickelungSgeschichtlicher Rückblick wohl angezeigt erscheint. In der letzten Session wurde durch den Landtag zur Vor« beratung der Steuergefetze ein besonderer Ausschuß ernannt, der in sechs Monaten seine Arbeiten erledigte. Nach mehr als zehn- wöchentlicher ununterbrochener Tätigkeit konnte die Kammer der Abgeordneten den Entwurf an die Kammer der Reichsräte hinüber» geben, die ihrerseits erst nach Monaten ihre Beratungen beendete. Danach begann die Zeit des parlamentarischen Handels zwischen dem Ober- und Unterhaus, in der die Gesetzeseniwürse mehrmals herüber und hinüber wanderten, bis der herannahende Schluß der Session dem grausamen Spiele ein Ende machte. Seitdem die Sozialdemokratie im bayerischen Parlamente der« treten ist, verlangt sie eine gründliche Reform der total veralteten Steuergesetzgebung, besonders die Einführung der allgemeinen progressiven Einkommens- und Vermögenssteuer. Die nun ab« geschlossene Reform bringt nur die allgemeine progressive Ein- kommensteuer, während die Einführung der Vermögenssteuer nach einem Plane der Regierung in einer zweiten Etappe erfolgen sollte. Also die Regierung hatte schon vpn vornherein auf ganze Arbeit verzichtet und widerstand auch im Vereine mit dem Zentrum allen Bemühungen der Liberalen und Sozialdemokraten auf gleich« zeitige Einführung der Vermögenssteuer. Jetzt ist selbst die Aus» ficht, die Regierung und das Zentrum für die nächste Zukunft eröffneten, geschwunden; denn die Reichsratskammer hat es prinzi» piell und unzweideutig abgelehnt, jemals für eine Vermögenssteuer einzutreten. Die hohen Herren der Reichsratskammer erblicken in einer Vermögenssteuer den Anfang einer allgemeinen Vermögens» konfiSkation. die in der weiteren Entwickelung zur völligen Be- seitigung des Privateigentums führen müsse. Mit der von der Regierung in Aussicht genommenen zweiten Etappe der Reform hat es also gute Wege.> Als der einzige große Fortschritt bleibt die allgemeine pro« gressive Einkommensteuer. Leider ist ihre TetailauSstattung in wichtigen Punkten eine so unsoziale, daß die sozialdemokratisch« Fraktion ihre Zustimmung versagen mußte. Insbesondere erhielt der Steuertarif eine Gestaltung, die eine ganz bedeutend« Mehrbelastung der kleinen und mittleren Berufs- und Lohnein» kommen im Gefolge hat. Diese Mehrbelastung beträgt 70, 8V, sogar 100 und 150 Proz. Alle Bemühungen, eine Entlastung der kleinen und mittleren Steuerträger herbeizufiihren und den Ausfall durch stärkere Heranziehung der höheren Einkommen zu decken, blieben bei dem Widerstande der Regierung und bürgerlichen Parteien erfolglos. So mußte aus Gründen sozialer Gerechtigkeit die sozial- demokratische Partei auch gegen diesen fortschrittlichsten Teil des ganzen Reformwerks votieren. Einen kleinen Fortschritt brachte der Regierungsentwurf auch in bezug auf das Steuerwesen der Gemeinden. Bisher besaßen die Gemeinden überhaupt keinerlei Steuerautonomie. Sie sollten nun das Recht erhalten, eine Wertzuwachs- und Bau» platz st euer einzuführen. Die Reichsratskammer hat nicht nur entschieden gegen diefen schüchternen Versuch zur Gewährung einer Steuerautonomie an die Gemeinden Front gemacht, sie hat die beiden genannten Steuern überhaupt abgelehnt und damit die Städte finanziell außerordentlich geschädigt. Die Reichsratskammer hat überhaupt in der Steuerreform- angelegenheit eine für das Volkswohl geradezu gemeingefährliche Haltung eingenommen. In der rücksichtslosesten Weise suchte sie die wenigen Bestimmungen zugunsten der unteren Volksschichten auszumerzen und noch über das Abgeordnetenhaus hinaus die kleinen Existenzen stärker zu belasten. Parallel damit lief die Aktion, die großen Einkommen und großen mobilen und immobilen Vermögen möglichst zu schonen. Grundbesitz und Geldkapital, die bürgerlichen Auffichtsräte und adligen Fideikommißbesitzer waren einig in der Schröpfung der Besitzlosen zugunsten der Besitzenden, Dem Egoismus der Reichsräte fiel auch das bißchen den Gemeinden zugedachte Steuerautonomie zum Opfer; Wertzuwachs- und Bau« Platzsteuex wurden abgelehnt. Ais stellten im.Schlußstadium de» LZeraklNg ter Mgeor�nelenkammer sogSr ein MimaluW, um ile Festsetzung des Höchstsatzes der Einkommensteuer auf 5 Proz. zu verhindern. Daraufhin tat die Abgeordnetenkammer ihrerseits wegen dieser 5 Proz. dasselbe. In diesem Zeitpunkte stand die Sache so unsicher, daß selbst der Finanzminister einen Schisfbruch für wahrscheinlich hielt. Durch ein Kompromiß gelang noch im letzten Augenblick das schwierige Rettungswerk. Die Reichsrats- kammer fürchtete die Steuerzuschläge und noch mehr eine in Auö- ficht gestellte Differenzierung dieser Steuerzuschläge für die Jahre lllio und 1911. Außerdem scheute sie sich doch, die Verantwortung für das Scheitern der Vorlage zu tragen, und so fand sich schließlich die notwendige Mehrheit. � Alles in allem genommen trägt die vollendete„große baherische Steuerrefor m", selbstverständlich kann man sagen, alle chrakteristischen Züge der kapitalistischen Gesellschaft, alle Züge des rücksichtslosen Egoismus der Besitzenden gegen die Besitzlosen, der Reichen gegen die Armen. Die sozialdemokratische Fraktion hat in der angestrengtesten SWeise an dem Gesetzgebungswerke mitgearbeitet, und ihre Schuld ist es nicht, wenn mit dem Jahre 1912 zu der jetzigen Steuerlast für die unteren Volksschichten eine neue und sehr schwere hinzukommt. poUtifchc Qcbcrltcbt. Berlin, den 5. August 1910. Die Abstimmung über das Budget. München, 5. August.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der Gesamtabstimmung über das Budget stimmte die sozialdemokratische Fraktion einmütig gegen das Budget. Genosse S e g i tz gab vor der Abstimmung folgende Erklärung ab: „Das gegenwärtige Finanzgesetz ist das Ergebnis einer Landtagstagung, die die breiten Schichte« des werktätigen Volkes mit uent« schweren und höchst ungerechten Steuern belastet, ihnen dagegen so gut wie keine Besserung ihrer soziale» und wirtschaftlichen Lage gebracht hat. Deswegen werden wir gegen das Finanzgefetz stimmen." Das Finanzgesetz wurde dann mit 94 gegen 20 sozialdemokratische Stimmen angenommen. Der Schluß des Landtages erfolgt am nächsten Mittwoch. Skrupellose Mache. Die reaktionäre Presse setzt ihre dringenden Mahnungen cm die Regierung fort, doch in keinem Fall einen Teil ihrer geplanten Militärforderungen zurückzustellen, sondern die gesamten Forderungen schon im Herbst dem Reichstag« vorzulegen und rücksichtslos auf deren Annahme zu bestehen. So schreibt zum Beispiel die„Rhein.-Westf. Ztg.": Unsere Nachricht in der Abendausgabe vom Donnerstag unter„Letzte Nachrichten", daß größere Militärforderungen weder für da? kommende noch für das darauffolgende Jahr in Ausficht genommen sind, wird in recht großen Kreisen unseres Vater- landes Besorgnisse wachrufen. Worüber man ja schon seit Jahren in eingeweihten, sachverständigen Kreisen spricht, ist ja heute leider ein öffentliches Geheimnis geworden, mußte es werden, nachdem die Verhältnisse immer ungünstiger sich gestaltet haben: Daß unser Heer in manchen Beziehungen der Ausrüstung und Bewaffnung, in seiner Friedensorganisation von anderen Heeren überholt werden wird, wenn nicht unverzüglich bedeutende An- strengungen zur Ausgestaltung unseres Heerwesens gemacht werden. I- Solche Hetznotizen entspringen, wie wir schon wieder- Eolt dargelegt haben, nicht der Besorgnis, daß die deutsche Militärmacht tatsächlich nicht stark genug wäre, Deutschlands Grenzen zu verteidigen und, wie es im patriotischen Zeitungsjargon heißt, des teuren Vaterlandes Ehre zu wahren. Die Verfasset solcher Notizen wissen sehr wohl, daß ihre Behauptung, die Heere der Nachbarstaaten überträfen das deutsche Heer an Stärke und Ausrüstung, keinen An- tspruch auf Richtigkeit machen kann. Sie verfolgen einen Tndnftrle und Arbeiter in Japan. Von C h a g r i n.- V. Auf dem Wege nach den Kupferminen. 99 Meilen nördlich von Tokio liegt im Schatten der Berge, von einem tosenden GebirgSbach umsäumt, daS Städtchen N i k r o. Diese landschaftliche Idylle bekam für den kleinen braunen Mann erst höchsten Wert und unwiderstehliche Anziehungskraft, als im 17. Jahrhundert I e y a f u, der Begründer der Dynastie der Toku- gawa, dort bestattet wurde. Diese Ruhestätte mit seinen herrlichen Tempeln und dem alles umsäumenden heiligen Hain bildet heute für Hunderttausende von Pilgern das Ziel. Die Eisenbahn macht, wohl, um die heilige Stimumng nicht zu stören, in allzu respekt- doller Entfernung Halt. Vom Bahnhof Nikko führt eine alte Heerstraße durch ein schier endloses Dorf sachte bergan. Sofort, nachdem das Bett des zuweilen äußerst wilden DayiabacheS über» schritten ist, steht man an der mit MooS überzogenen Mauer de» heiligen Hains. Zwischen den schlanken Stämmen alter Baum» riefen schimmern die gewaltigen Konturen der Tempel. Wer Geld und Leichtgläubigkeit in Fülle mitbringt, kann hier gar wundersame Mär hören und von buddhistischen Priestern ewig wundertätige Dinge kaufen. Aber diese heilige Stätte kann es auch nichts weniger als frommen Gemütern antun. Die mächtigen Tempel mit ihrem prächtig glitzernden Tand, bizarren Konturen und hölzernen Göttergestalten sind zu exotisch, als daß sie nicht anziehend wirken Iollten. Die in tausend Variationen glitzernde Pracht deS Innern >er Tempel könnte Jubeltöne entlocken, wenn nicht die überaus häßlichen Fratzen der Götterbilder Furcht einflößten und die gött» liche Ruhe und der einfältige Ernst der betenden Gläubigen jeden Ausbruch freudiger Gefühle zurückorängte. Die sonoren Stimmen buddhistischer Priester klingen wie wehklagend durch die kirchen- muffige Atmosphäre; draußen säuseln die Kronen der hundert- jährigen Baumriesen sanft, beschwichtigend, eine heilige Melodei. Die Seele spürt noch lange den Eindruck dieser stimmungS» vollen Szenerie. Die raffinierte Vermischung von heidnischer Pracht, frischem Leben, muffigem Moder, ernsten Sagen und bi- zarrem Unsinn übt eine Wirkung aus, der daS europäische Herz nicht widerstehen kann. Hier ist ein prächtiges Stück asiatischer Vergangenheit noch voller Leben, darin die europäische Kultur- Phrase noch nicht erklingen konnte; ein Stück feudaler Pracht, ver» herrlicht und belebt durch Natur, Menschenhand, Sage. Einbildung, Weihrauch und sonstigen Mummenschanz, daS seinen Weg bis in unsere nüchterne Gegenwart behauptete; ein glänzender Rest des alten Japan, an dem der Wurm der Neuzeit noch nicht bohrt. Wie lange noch? Schon drängt sich draußen an seinen Flanken daS neue Zeitalter. Hart an seiner Umfassungsmauer liegt ein schmales Bahn- gleis, auf dem tagaus tagein lange Reihen scheußlich quietschender Wagen rollen. Stämmige Ochsen ziehen in asiatischer Gemächlich. keit ihre Last vorüber. Ihre Herren und Hirten liegen schnarchend > ans dem Gefährt. Wer würde ahgen, daß M diese» ßsifsiasitß iückeren Meck ffilt Tren ErMaInungen oft Sic RegleruM. Diese soll nämlich an den Reichstag möglichst hohe Militär- forderungen richten. Wenn der Reichstag dann diese Forde- rungen ablehnt, oder nur zum Teil bewilligen will, soll die Regierung sofort den Reichstag auflösen, Neuwahlen aw setzen und vor dem Lande erklären, wenn die geforderten Heeresverstärkungen nicht bewilligt würden, drche dem Vater land die größte Gefahr. Auf diese Art hofft mcm die große Masse der nicht politisch gebildeten Wähler einzuschüchtern und sie zu veranlassen, ihre Stimme den sogenannten königs- treuen und staatserhaltenden Parteien zu geben. Das ist der saubere Plan! Zum Teil gibt das die„Rhein.-Westf. Ztg." offen zu, indem sie fortfährt: „Es ist uns unfaßlich, wie bei der Beurteilung dieser harten unabweisbaren Bedürfnisfrage andere Rücksichten überhaupt gel- tend gemacht werden können, wie man dringende Heeresforde. rungen mit Begründung notwendiger Rücksichtnahme auf die linke Seite des Parlaments— und wohl auch auf das Jen. t r u m— zurückstellt. Wir können auch die Regierung nicht klug, geschweige denn energisch und selbstbewußt nennen, die ihre Hal- tung in einer staatlichen Lebensfrage von der Angst vor einer Partei abhängig macht, schon deshalb nicht, weil einen gewissen Mangel an Energie zu zeigen eben einfach nicht mehr klug ist. Selbst die Anhänger der Regierung müssen an ihr irre werden. Die Gegner aber haben nicht nur kampflos einen großen taktischen Erfolg errungen, sondern sie haben auch ein bedenkliches Eingeständnis der Schwäche der Regierung und ihrer Ueber zeugung in Händen."('_ Die Sehnsucht nach dem Bülow-Block. In nationalliberalen Blättern ist in letzter Zeit wiederholt die Meinung ausgesprochen worden, der Bülowsche Block müsse wieder hergestellt werden. Zwar seien zurzeit die Konservativen dafür noch nicht zu haben, aber wenn man die Agrarier nur noch eine zeitlang in der.Zentrumssuppe' kochen lasse, dann würden sie bald weich werden und selbst auf den Blockgedanken zurückkomme«. Darauf antwortet höhnisch die.Kreuzztg.": „Die Jungliberalen suchen in den linksstehenden Parteien, namentlich bei den Nationalliberalen, für die Wiederaufrichwng des„Bülow-Blocks" Stimmung zu machen und auch die Regierung für diesen Gedanken zu gewinnen. Dieses zähe Festhalten an einem Experiment, das gerade für den gemäßigten Libera- lisinus sich als verhängnisvoll erwiesen hat, ist nicht gerade ein Zeichen von Selb st vertrauen. Denn am letzten Ende erwarten die Blocksreunde von einem erneuten Versuche. die konservativ-Iiborale Mehrheit im Reichstage zusammenzubringen, doch nur eine Lahmlegung der Rechten und namentlich des Zentrums durch eine gekünstelte, keinen Augenblick sichere Politik. ES ist aber weder die Aufgabe der Regierung, noch die der übrigen Parteien, dem Liberalismus zuliebesichselbstzuschwächen und sich von den Liberalen, die sich zu keiner festen Stellung- nähme entschließen können, die Richtlinien für ihre Politik vorschreiben zu lassen. Am aller- wenigsten aber darf und wird die Regierung der Zumutung nach- geben, daß sie sich auf eine bestimmte, noch dazu knappe Parla- mentsmehrheit oder gar auf die in dieser herrschende Minderheits- heitspartei festlegen solle.... Die Wiederherstellung des„Bülow-Blocks" aber ist«ine Utopie. Sebnt man sich denn wirklich im nationalliberalen Lager nach einer Neuauflage der traurigen Blockperiode, in der Regierung wie Reichstagsmehrheit aus der Hand in den Mund lebte und niemals recht wußte, was der nächste Tag bringen wird? Einen unzuverlässigeren Bestandteil einer MehrhettS- Partei als die berühmte linksliberale FraktionSgemeinschast, die sich jetzt Fortschrittliche Volkspartei nennt, kann man sich doch wirklich nicht denken."_ Nationalliberale Sozialpolitik. Seitdem der Reichstagsabgeordnet« Freiherr v. Hehl aus der nationalliberalen Partei hinausgedrängelt worden ist, gefällt er sich darin, hin und wieder seinen alten Parteifreunden unbequeme Wahrheiten zu sagen. Die neueste Anrempelung dieser Art leistete er sich in einer Rede, die er bor einigen Tagen auf dem Garten. fest des nationalliberalen Arbeitervereins in Worms hielt. Außer einigen anderen Glossen gab er in einer Eharakterisierung des die Produkte von 19 999 Minenarbeitern an die stählerne Ader deS Weltverkehrs geschafft werden. Es wird nicht mehr lange dauern, bis der elektrische Funke die Tierkrast ersetzt. DaS Gleis schlängelt in sanften Windungen sachte bergan. Von beiden Seiten werfen massive Bergstöcke tiefe Schatten. Zur linken Hand erklingt das tosende Lied des DayiabacheS. In seinem steinigen Bett suchen Männer und Frauen die von der Natur schon etwaS vorgearbeiteten Quadern für den Bau einer Turbinenanlage heraus. In Körben oder an Tragstangen schleppen sie die schweren Brocken unter lautem Geschrei über Stock und Stein, über Bach und Flur bergwärtS. Am Straßensaum stehen die leichten ver- wetterten Behausungen der Bauern. Die ganze vordere HauS» front steht sperrweit offen. Drinnen liegen die Herren der Schöpfung in prächtig bronze-braunem Adamskostüm auf den Matten. Die Hausfrauen schäkern mit den Kindern, wenn sie nicht bei der Fütterung der Seidenwürmer beschäftigt sind. Nach Inständigem Marsche nimmt der Weg ein jäheS Ende. Er wird blockiert von einem mächtigen Holzgebäude, dessen Kon. turen europäischen Ursprung verraten lassen. Oben über dem Kopf zieht träge ew Drahtseilstrang mit Körben. In jedem liegt ein glänzender Kupferklumpen der im Innern deS mächtigen Holz- kastens automatisch auf die Erde geworfen wird. Diese Hänge- bahn schafft daS fertige Produkt der Kupfermine Afchio stunden- weit über die Berge und bringt Werkzeug und Lebensmittel zurück. Die Gegend ist jählings einsam und arm geworden. Unten im Tale zeigen die Häuser noch relativen Wohlstand. Die Tee- Häuser bergen noch Eier, Cider, ja, selbst Brot. Hier oben am BergeSrand gibt eS nichts als Reis und Tee. Und was für Zeug! Endlich oben auf dem Bergscheitel wieder ein Zeichen euro- päischerKultur: Eine amtliche Bekanntmachung in englischer und lapanischer Sprache droht schwere Strafe demjenigen an, der in dem kaiserlichen Walde pirscht. Ein Stück Weges weiter eine Proletariertragödie: Schweißtriefend wankt eine in Fetzen gehüllte Proletariergestalt der Höhe zu. Die abgehärmte Kreatur keucht unter einem Ballen Hausrat. Ihr folgt sein ein kleines Mädchen führendes junges Weib, dessen müdes, durch- furchte» Gesicht die ElendSgeschichte eines Lebens erzählen. ES ist eine Bergmannfamilie, die von der Kupfermine Aschio den Abkehr erhalten hat und nun mit allem, was sie besitzt, wieder über die Berge hinaus wandert in die Welt auf die Suche nach Brot. Unten im Tale liegen, vom Städtchen Aschio durch einen GebirgSbach getrennt, die ausgedehnten Werke der Kupferminen. gesellschaft Aschio. Die Minen und Erzlager, die eine Ausdehnung von 9% Million Quadratfuß haben, gehören der modern-feudalen Sippe der FurukawaS. Die hauptsächlichsten Kupferlager befinden sich unter dem Berg Bitzendate. Hier soll daS Gestein zuweilen 29 Proz. Kupfter enthalten. Die von allen Seiten hernieder. sausende Wasserkraft ist in elekrtische Energie— zusammen 491B Pferdekräfte— umgesetzt. Die technische Einrichtung und Organ:. sation weisen keine Unterschiede von denen der Minen in Europa auf. Ueberhaupt gewinnt man von Aschio im ersten Moment den Eindruck eines gut eingerichteten und äußerst straff organisierten Betriebes. Dieses Riesenunternehmen beschäftigt in seinen Bergwerken, SSWlMttep. NurzsyS yj», iMelEAt Ifillß MItzüv, �dsx. soziaspositischeik Eifers fei nassoftalliVetasett ResHs7agSfrall?okt folgende Reminiszenz zum besten: Mehrere Jahre hindurch habe ich im Reichstage für den ZehnstundenarbeitStag der Fabrikarbeiterinnen auf dem linken Flügel unserer Fraktion gefochten. Wissen Sie, wie viele Unter- schriften ich für meine Anträge von den Liberalen erhielt? Ich sage fünf! Schließlich mutzte ich mich, um die für die Ein- bringung nötigen Unterschriften zu erhalten, an das Zentrum wenden, das mich bereitwilligst unterstützte. Ebenso lagen die Verhältnisse bei den Verhandlungen über die Heimarbeit, die A rbe i t 2 ka m mern und die gesetzliche Kontrolle der Syndikate.< Die angeführte Tatsache wird richtig sein. Den in der national- liberalen Partei ausschlaggebenden industriellen Kreisen war stets jede Sozialpolitik zuwider, und nur aus Rücksicht auf den Teil ihrer Alählerschaft, der der Arbeiterklasse und der Schicht der ge- werblichen Angestellten angehört, haben sich die nationalliberalen Reichstagsabgeordneten gelegentlich bereitfinden lassen, auch in Sozialpolitik zu machen.' Bassermann kandidiert nicht in Heidelberg. Herr Bassermann hat noch immer keinen sicheren Reichstags- Wahlkreis. Auch mit Heidelberg-Eberbach-MoSbach scheint eS nichts zu sein. Der„Mannheimer Generalanzeiger", dem man enge Be- Ziehungen zum Reichstagsabgeordneten Bassermann nachsagt, be- zeichnet die durch fast alle. Blätter gegangene Meldung, daß Basser« mann im ReichStagswahlkreise Heidelberg-Eberbach-MoSbach kandi- dieren werde, als falsch. DaS Blatt bringt daS Dementi, indem eS gegen eine andere Mannheimer Zeitung, die ebenfalls die Meldung gebracht hatte, polemisiert, in folgender Form: „Wir sind von zuständiger Seite zq der Erklärung ermächtigt, daß diese„zuverlässige" Nachricht aus der Lust gegriffen ist. Ihre ganze Grundlage sind Vennutungen und Kombinationen, deren schon mehrere aufgetaucht sind und vermutlich noch mehrere auf- tauchen werden, aber nicht Tatsachen oder Entschließungen, auf die die behauptete Zuverlässigkeit der Nachricht doch allein sich gründen könnte." Unverständlich ist, warum der„Mannheimer Generalanzeiger' feinem Dementi eine so scharfe Fassung gibt. Ist das Gerücht vielleicht von Bassermanns lieben Freunden auf dem rechten Flügel der nationalliberalen Partei ausgestreut worden? Das Echo der letzten Reichsfinanzreform. In den„Berliner Neuesten Nachrichten"(Nr. 391 vom 4. Au- gust) gibt ein Zollinspektor seine Erfahrungen zum besten, die er über die Wirkung der neuen Steuern gemacht hat. Er knüpft in seiner Darlegung au die letzte ReichStagSwahl in Cannstatt» LudwigSburg an und sagt, der Abmarsch der Massen in daS sozialdemokratische Lager sei die Quittung auf die unglückselige Reichsfinanzreform und fährt wörtlich fort: „Ich bin als ausführender Beamter bei der Durchführung der Reichsfinanzreform tätig gewesen; ich habe mit vielen Ge- werbetreibenden, Kaufleuten usw. verhandelt, bin in Haushal- tungen ungebetener Gast gewesen, um den FiskuS zu seinem Rechte zu verhelfen. Ich muß sagen, mir ist ein Mißbeha, gen, eine Verärgerung über die neuen Steuern entgegen« getreten, daß ich mich fragte, gibt eS denn überhaupt noch zu- frieden« Menschen. Es gab nur ein Urteil: Diese Reform wirb sich dereinst rächen! Die armen Leute, der Kleinkauftnann, der kleine Gewerbetreibende werden demnächst mit dem sozialdem», kratischen Stimmzettel quittieren. Ein Kaufmann sagte mir, wenn die Erbanfallsteuer gekommen wäre, so wäre alles gut gewesen; man hätte die kleinen drückenden Steuern nicht nötig gehabt. Daß die Regierung-aber ja sagt zu Steuern wie die Zündholzsteuer, daS wird sich schwer rächen? Hunderte von ähn» liehen Aeutzerungen habe ich in Stadt und Land gehört und der eine sagts dem andern, es geht und schleicht»oie ein G-ist durch die Massen. Die Wirkung zeigt sich. ES kommt vielleicht noch schlimmer..." Der Zollinspektor rät dann den Parteien, die die FmaNzreform gemacht haben, Einkehr zu halten Und sich mit den anderen Par« teien wieder zu vertragen, denn er sieht schon auf den Trümmem der bürgerlichen Parteien„die roten Jakobiner" stehen. Hungernde Schulkinder. Auf der dritten Konferenz der Zentralstelle der LollSlSdhl» fahrt wurde über die ErnährungSverhältniffe der Volksschulkinder unter 817 Frauen), die mit ihren Angehörigen auf 23 143 Köpfe anschwellen. Der Wechsel der Arbeiter ist ungeheuer. Im Jahre 1908 kamen 7927, und 7776 gingen. Nach den Angaben der Direktion haben es nur 983 Leute länger als 5 Jahre auSgehalten. So ziemlich alle Versuche, die Leute zu halten, haben keine Er- folge gezeitigt. Weder der heiße Marsch über die Berge, noch die Aussicht auf eine lange Arveitslosigkelt kann die Bergleute ver» anlassen, zu bleiben. Wie sie gekommen sind, so suchen sie wieder die Ferne. Und wäre es nicht gelungen, viele von ihnen auf eine raffinierte Weise an die Mine zu fesseln, es würden noch mehr davonlaufen. Die, die sich nicht aus den Ketten befreien können. tragen ihr LoS in der Ergebenheit, die asiatischen Fatalisten und Stoikern eigen ist. Zwar nicht immer. Manchmal, leider ge» wöhnlich zur Unzeit, bäumt sich auch diese allergeduldigste Spezie der Menschenrasse auf und rüttelt gleich Simson an den Grund- festen der Tretmühle. Der Simson der Kupferminen fühlte sich in den ersten Februartagen 1997 frei und stark werden. Der Schrecken, den seine ersten schüchternen Erhebungsversuche den Unterdrückern einjagte, erzeugte bei ihm höllische Wonne. Wie ein Besessener nahm er die Gelegenheit wahr, ein für allemal Rache zu nehmen an semen Peinigern. Drei Tage hielt er den ganzen Distrikt in Hellem Aufruhr, schlug die größten Peiniger nieder, verbrannte oder schleifte einige der Zwingburgen, probierte die Wirkung des Dynamits auch ein paar Male über Tage; kurzum. er lieferte mit freigebiger Hand unwiderlegliche Beweise seiner wiedererlangten Kraft und Macht über seine Widersacher. Am vierten Tage kam ein Bataillon Soldaten:n Eilmärschen über die Berge geeilt und schaffte den rabiat gewordenen Riesen wieder in seine Tretmühle zurück, nachdem eS ihn erst tüchtig zu Ader gelassen hatte. Wie diese Tretmühle jetzt eingerichtet ist, soll hier berichtet werden. Eine Hochburg deS wohltätigen Feudalismus. In Aschio ist der von G h e n t(Benevolent Feudalisrne) so trefflich geschilderte„wohltätige Feudalismus" in seiner schlimmsten Auflage, in der asiatischen zu finden. Seine Devise ist bekannt: Etwas für das Volk, wenn eS den Profit erhöbt und garantiert! Seine„Fürsorge" und Wohltäterei werden in letzter Linie zum Stricke für die damit Beglückten. Daß er in Japan, dem Feudalstaat von gestern, von Haus aus schon eine plumpere Beschaffenheit haben und dem Profit vorteilhafter werden mußte als in seiner Heimat Amerika, versteht sich. So ziemlich in allen großen Werken Japans ist er mehr oder weniger gut organisiert zu finden. Aber sein eigentlicher Urboden sind die Textil- und Minenindustrie. Bor allem in Aschio und in Osaka, dem japanischen Manchester. In Aschio ist seit der blutigen Hungerrevolte(Februar 1997)! versucht worden, weitere Ausbrüche der Wut der Parias durch Ausbau der Wohltäterei und der Kontrolle zu verhmdern. Der Arbeiter wird jahrelang auf allen seinen Schritten beobachtet, seine Gesinnung sondiert, um ihn, wenn er unsicher, oder vollends gefährlich ist, beizeiten abschieben zu können. Dieses Präventiv- .ystem ist so übel nicht. Denn eS garantiert dem Kapital jene rnnere Ruhe, die die erste Bedingung für die Steigerung und un- gestörte BerdgMng hxz Profits ist. Eine NMqde der Kontrolle, verHcmiiett. Professor RuMr, Lee ZoMttettLe NeHur Set VSetUnet Universität.!am in seinen Darlegungen zu dem Schluß, daß die Ernährung der Schulkinder mangelhaft ist und dadurch nicht nur der Erfolg des Schulunterrichts, sondern auch die körperliche Eni- Wickelung der heranwachsenden Jugend außerordentlich gefährdet würde.. Dr. Kaup hat Untersuchungen angestellt über die Ursache für das Ausfallen des häuslichen Frühstücks. Seine Untersuchungen hatten folgendes Ergebnis: Bei 38 Prozent lag Hast und Nervosität der Kinder vor. bei 23 Prozent Nachlässigkeit der Mutter(I!). bei CS Prozent außerhäusliche Arbeit der Mutter, bei 20 Prozent Armut, Arbeitslosigkeit und Krankheit der Eltern, bei S Prozent gewerbliche Tätigkeit der Kinder vor dem Schulanfang. Aehnliche Zahlen ergaben sich auch für den Wegfall des Mittag- und Abend. efsenS. Professor Rubner erklärte, daß die bisher durch private Wohl» tätigkeit und die Gemeinden ins Leben gerufenen Einrichtungen nicht genügten. Nach seiner Meinung lasse sich die beste Form der Schülerspeisung in Verbindung mit Kinderhorten bewirken, die zugleich der Verwahrlosung der Kinder entgegenarbeiteten. Auch in den Ferienmonaten müßten die Speisungen der Schulkinder fortgesetzt werden. Die ernährungstechnische Seite müsse weiter ausgebaut werden in der Kostordnung, den Speiseregeln, den Nährwerten, der Kontrolle der Kinder. Auch für die vorschul» Pflichtige und schulentlassene Jugend müßten wirksame Maßnahmen getroffen werden. Weiterhin machte Rubner Vorschläge zur Hebung der NährungSverhältnisse in kinderreichen Arbeiter- familien.•'- WaS der Professor Rubner zur Abhilfe des entsetzlichen Kinderelends vorgeschlagen,, ist sicher sehr gut gemeint und mag auch an seinem Teile durchaus berechtigt sein. Die Hauptursache des Elends aber, die auf der Konferenz für Volkswohlfahrt nicht berührt wurde, ist die zu geringe Entlohnung der Arbeiter und die Verteuerung der LebenSmjttel durch die agrarische Brot. Wucherpolitik, die von der Regierung und den sogenannten staatS- erhaltenden Parteien gestützt und gefördert wird. Behandlung eines sozialdemokratischen Redakteurs im Gefängnis. Genosse Schiller aus Breslau hat dieser Tage nach drei. monatlicher Strafdauer das Gefängnis in Wohlau auf vierzehn Tage verlassen, um dann dort noch weitere vier Monate zu„der. büßen". Unser Genosse, der an seiner Gesundheit tatsächlich Schaden gelitten, erhebt gegen den'dortigen Äefängnisdircktor Leonhard bittere Klagen darüber, daß er ihn seine persönliche Voreingenommenheit gegen unsere Partei in jeder Weise fühlen ließ. Bezeichnend ist ein Vorfall bei der Entlassung. Drei Freunde unsere, Genossen hatten sich an der Gefängnistur einge. funden, um ihn zu begrüßen und ihm beim Transport eines Koffers behilflich zu sein. Da plötzlich erscheint ein Gefängnis- Beamter und verweist sie von der Straße, die zum Gefängnis führt und Eigentum des Fiskus ist, und zwar unter der Angabe, er handle>.�s�efehl des Direktors. Auf die höfliche Frage, ob der Herr Direktor zu sprechen sei. erfolgte die kurze Antwort: »Für Sie ist der Herr Direktor überhaupt nicht zu sprechen." Nachdem die drei Genossen sich entfernt hatten, wurde Schiller entlassen. Seinen Koffer mußte er an der Gefäng. nispforte zurücklassen, da er ihn nicht allein transportieren könnte. In dem ganzen Städtchen war nun kein Wagen für den Transport eines sozialdemokratischen Redakteurs vom Gefängnis nach dem Bahnhofe aufzutreiben. Es blieb den fortgewiesenen Genossen also weiter nichts übrig, als den verbotenen Weg doch wieder zu betreten und den Koffer zu holen. Ueber die Behandlung, die Genosse Schiller durch den Direktor Leonhard erfahren hat, kündet unser Breslauer Parteiblatt Ver- öffentlichungen an,> Einführung der Kopfsteuer in Dentsch-Ostafrika. Der CouvernementSrat in Deutsch-Ostafrika hat sich in seiner letzten Sitzung mit der Frage der Umwandlung der Hüttensteuer in eine Kopfsteuer beschäftigt. Nach langer Beratung, in der die Re> gierungsvertretung vor optimistischen Hoffnungen auf große finanzielle Erträgnisse der Kopfsteuern warnte, wurde eine neue Verordnung in folgender Form angenommen: wie sie in Aschio durchgeführt worden ist, kann aber nur günstige Resultate zeitigen, wenn, wie dort, das Terrain, für das sie be- stimmt, ein von Natur und Berufsart abgeschlossenes Ganzes bildet, aus dem nur ein paar leicht kontrollierbare Straßen führen und das in der Nachbarschaft kein Konkurrenzunternehmen hat, auf das die Unzufriedenen Hoffnungen richten können. Auf welche Art werden nun die Arbeiter in Aschio kontrolliert und schließlich gefesselt? i. Teilung der Arbeiter in Klassen. � D i e ganze Arbeiterschaft ist in zwei Klassen eingeteilt: indirekte und direkte Angestellte. Jeder Neuling wird vorerst indirekt angestellt, d. h. er zählt noch nicht zu dem festen Bestand des Unternehmens. Er steht nicht beim Unternehmer selbst, sondern bei einem Vorgesetzten, sagen wir bei einem Meister. ,m Arbeitsverhältnis. Wohl ist der Direktion von der Einstellung und dem(in Aussicht stehenden) Abgang des Indirekten unbedingt Mitteilung zu machen, aber icin Herr und Gebieter ist und bleibt für die ersten fünf Jahre der Vorgesetzte. Durch diesen konnte er eigentlich nur Stellung erhalten, und an diesen hat er sich auch zu wenden, wenn er seine Entlassung begehrt; er hat auch bei ihm zu wohnen und er hat ihm auch seinen Lohn zu bringen. Das Charakteristische der indi- reiten Anstellung ist, daß der betreffende Arbeitervonallem AnfanganfürjedeHandlungeinenVorgesetzten, seinen Meister, als Bürgen und Vormund haben muß. Aber vor den Augen de? indirekt angestellten Arbeiter? steht ständig das lockende Zlel. das zu erreichen ihm bei treuer Pflicht- erfüllung und absolutem Gehorsam in fünf Jahren erlaubt ist. Nach Ablauf dieser Frist kann er unter Zustimmung seines Bürgen, des Vorgesetzten, schriftlich um Aufnahme in die Kategorie der direkt angestellten Arbeiter nachsuchen. Stellt ihm der Vormund «in gutes Zeugnis aus und liegt sonst nichts gegen ihn vor, so kann dem Gesuche entsprochen werden. Aber vorher hat er sich durch Eid und Unterschrift wie folgt zu verpflichten: „Ich verspreche, die Arbeitsordnung zu beachten, Befeble zu befolgen und fleißig zu sein. Abgesehen von Fällen unabwendbarer Verhältnisse, will ich meine Entlassung nicht fordern wegen höheren Lohnes oder besseren Arbeits- jhedingungen auf anderen Gruben. Im Falle schlechter Führung, oder wenn es der Kompagnie t o n v e n i e r t, kannich, ungeachtetdesz 672 deSZlvil- gesetzeS, entlassen werden, ohne daß ich dagegen protestieren werde. Ich will die dem Laden der Kom- pagnie entnommenen Waren nicht verkaufen noch verleihen, noch will ich da» Pulver der Kompagnie mißbrauchen oder veräußern. Im Falle der Uebertretung ist die Kompagnie berechtigt, mich zu tbcstrafen, ohne daß ich mich dagegen auflehnen werde. Auch will tch die Arbeiter der Kompagnie nicht veranlassen, anders wo in Stellung zu treten." WaS ein solcher Kontrakt für einen vor der Autorität er- sterbenden japanischen Lohnstlaven bedeutet, kann nur der ganz ermessen, der dss Milieu kennt, für das er gemacht. Ist endlich '''„An Gfeffe der Hüttensteilee ist für ländliche B-hirle ein? Kopfsteuer von S Rupien für jeden erwachsenen arbettifähigen Mann zulässig. In städtischen Ortschaften kann die Kopssteuer neben der Häuser- und Hüttensteuer erhoben werden. Unter besonderen Verhaltnissen kann die Kopffteuer bis auf eine Rupie herabgesetzt werden. Die Einführung der Kopfsteuer ebenso wie die Herabsetzung des Steuersatzes bedürfen der Genehmigung des Gouverneurs. Mit Genehmigung des Gouverneurs kann in den einzelnen Bezirken den Steuerpflichtigen mit mehreren Frauen für jede zweite und weitere Frau ein Zuschlag zur Kopf- steuer bis zu drei Rupien auferlegt werden." Die Steuer soll bereits von ISil ab eingeführt werden, doch wird sie nicht allgemein, sondern versuchsweise in weiteren Orten eingeführt: in sieben von 21 Bezirken wird gegenwärtig schon eine Kopffteuer erhoben._ Zur Ermordung des Kaufmanns Bretschneider wird offiziös gemeldet: Mit der letzten Post ist ein amtlicher Be- richt über das vorläufige Ergebnis der Untersuchung über die Er- mordung des Kaufmanns Bretschneider in Südkamerun einge- gangen. Danach verlieh Bretschneider am 9. Mai d. IS. Abong Mbang am oberen Nyong, um durch das Makkagebiet nach Ngele- menduka und Nanga-Eboka, Landschaften» die von Dume au» in nordwestlicher Richtung liegen, zum Anwerben von Arbeitern zu gehen. Am folgenden Tage bog er von der großen Straße Dume— Akonolinga nach Norden in der Richtung auf Sef ab. Unterwegs wurde er von Häuptlingen vor den MakkaS mehrfach gewarnt, setzte aber in der Meinung, die MakkaS würden ihm nichts tun, da er in friedlicher Absicht komme, den Marsch fort. Von der Ortschaft Nangabetun ab begleiteten ihn bewaffnete Eingeborene, denen sich beim Orte Sef die Sef. und Wondo-Leute anschlössen. Im Sumpfe zwischen Sef und Ngamba wurden den Trägern die Lasten abge- nommen und ein Träger getötet. Gleich hinter Ngamba begannen die Makka, die Karawane mit Speeren und Pfeilen zu beschießen. Während die Träger dabonliefen, erhielt Bretschneider einen Pfeil» schuß in den Hals, der den sofortigen Tod herbeiführte. Die Leiche wurde unier die an dem Ueberfall beteiligten Häuptlinge verteilt. Von den Trägern haben sich nur zwei bei der ExpeditionLtruppe gemeldet, auf deren Angaben und die Aussagen mehrerer aufge- griffener Makka-Weiber stützen sich die vorläufigen Feststellungen. Diese Zeugen stimmen darin überetn, daß Bretschneider sich keine Uedergriffe gegenüber den Eingeborenen hat zuschulden kommen lassen. Die Motive der Tat bedürfen noch der Aufklärung. An Ort und Stelle bei dem Dorfe Ngamba sind von der Trvppenabteilung nur ein Koffer, eine Kiste und ein Notizbuch des Ermordeten, sowie ein an ihn gexichtetex Brief ge» funden worden._ Spanien. D.r Kulturkampf. Madrid, 6. August. Der Ministerpräsident C anale- ja s hat einem Berichterstatter erklärt: Wenn die Katholiken an anderen Orten manifestieren oder wenn sie mit der Kundgebung in Bilbao warten wollen, bis der Streik da- selbst beendet ist, so werde ich mich der Veranstaltung nicht widersetzen. Aber die Umstände, unter denen sie die Kundgebung veranstalten wollen, lassen diese als un- gesetzlich und aufrührerisch erscheinen. Ich weiß, daß in manchen Dörfern die-Pr teste r an die Menge Revolver und Pistolen verteilen. Die örtlichen Behörden haben die Aufgabe, die Schuldigen zu verfolgen. Ich weiß auch, daß die Manifestanten von Frauen und Kindern begleitet sein werden, um das Einschreiten der be- wasfneten Macht unmöglich zu machen. Aber ich bin ent- schlössen, die Kundgebung zu verhindern. Ich werde den Gesetzen Achhing verschaffen. Die Kundgebung soll aber nur vertagt werden, denn ich wünsche ebenso wie die Gegner, daß sie stattfindet, um zu sehen, auf welche Kräfte sie zählen können. Aus den Provinzen Navarra. Alava, Bisoaya und Guipuzcoa werden Anzeichen einer aufständischen Be- wegung gemeldet. Es sind Truppen dorthin entsandt worden. die Aufnahme in die Kompagnie der direkt Angestellten gelungen, erhält der Glückliche von der Direktion eine papcerne Anerkennung seiner fünfjährigen Dienstzeit. Jetzt ist er gezwungen, den Unter» stützungseinrichtungen beizutreten und andererseits kann er sich dem Genüsse der„Privilegien", die ein« direkte Anstellung mit sich bringt, hingeben, d. h. eS ist ihm erlaubt, sich ohne Begleitung ohne führende Hand und ohne das wachende Auge� des Vorgesetzten und Vormundes zu bewegen. Er hat sich ja während der fünf- jährigen Karenz das Vertrauen seiner Arbeitgeber erworben. Für seine Handlungen bildet der geleistete Eid und noch mehr die Arbeitsordnung die Richtschnur. In der Arbeitsordnung steht unter anderem geschrieben: Die tägliche Arbeitszeit ist im allgemeinen 12 Stunden; sie kann ver- länaert oder verkürzt werden. Im besonderen ist zetzt die(effek- tive) Arbeitszeit für Hauer, Schlepper usw. unter Tage acht Stunden; für Wagenführer, Tagelöhner usw. 12 Stunden; für Mädchen und Jungen unter 1ö Jahren 8— 12 Stunden. Im Krankheitsfall ist für Wegbleiben von der Mine Erlaubnis vom Vor- gesetzten einzuholen. Wer sonst ohne Erlaubnis fehlt, hat zehn Tage auszusetzen. 27 Tage ,m Jahr sind als Ruhetage festgesetzt. Der gute Arbeiter kann auf eine sukzessive Erhöhung des Lohne» bis zu b0 Proz. hoffen. Die Auszahlung des in einem Monat verdienten Lohnes findet im folgenden zwischen dem 11. und 12. Tage statt. Nahrungsmittel und Kleider können rechtschaffenen Leuten von der Kompagnie auf Borg gegeben werden und werden dann jeweils am nächsten Zahltag abgezogen. Wer praktische Vor- schlüge macht, wodurch Arbeiter geschützt oder der Ausbruch von Gefahren verhindert werden können(Vorbereitung von Streiks?), hat, wenn er es im geheimen tut, Belohnung zu erwarten. Das ist das finstere, befehlende Gesicht des wohltätigen Feuda- liSmus. Aber er hat auch ein freundliches, verheißendes Gesicht; er muß es haben, ansonst er weder seinen Namen verdienen würoe, noch sein Ziel, die Fesselung der Arbeiter behufs intensiverer Aus- beutung erreichte. Vorerst sind viele Lohnklassen für jede Berufsgruppe ein- gerichtet. In die oberste Klasse, in der immer nur ein oder zwei Mann stehen, kann nur eingerückt werden, wenn die darin befind- lichen Leute durch Tod oder Weggang Platz gemacht haben. WaS hat daS aber zu sagen? Dieses hehre Ziel, die erste Lohnklasse, steht konstant lockend vor den Augen der ewig hungrigen Proletarier. Damit die Freude am langen Warten auf den Eintritt in die höheren Lohnklassen nicht geschwächt wird, stellt die Arbeitsordnung für ununterbrochene Tätigkeit uns langes Ausharren im Geschäft Prämien in Aussicht. Dieses System der Prämiierung ist nicht wenig kompliziert, derart verzwickt, daß man sich berechtigterweise fragen kann, ob der mit simpler Intelligenz ausgestattete Prole- tarier klarzusehen imstande ist; ob er nicht am Ende noch über? Ohr gehauen wirb. Die Höhe der Belohnung richtet sich nach der Art der guten Tat, dann auch, welchen Wert sie für die Kompagnie hat, und schließlich, in welcher Lohnklasse der gute Täter steht. So wird zum Beispiel dem unbescholtenen Angehörigen der ersten Lohnklasse, wenn er in einem Monat nicht mehr alz zwei Tage von der Arbeit wegbleibt,«inBonuSvonzweiTagelöhnen gezahlt; dem der Zwesten Lohnklasse einer von anderthalb Tage- s' MZassung?es Lo'skaussyfkeW« Madrid, 4. August. Der Ministerrat hat sich mit detft Plan der Einführung de rall gemeinen Militärdien stpfltHt in seinW großen Zügen einverstanden erklär�" Cnglanä. Ausdehnung der Grundsteuer. London, b. August. Von 134 Parlamentsmitgliedern, worunter auch einige der Arbeiterpartei angehören, wurde dem Mi- nisterium eine neue Denkschrift über die Grundsteuer ein- gereicht, in der die Regierung aufgefordert wird, diese dem letzten Budget angefügte Bodenreform weiter auszudehnen. Besonders werden eine kommunale, wie auch eine staatliche Grund- steuer befürwortet, wodurch die Haussteuer vermindert, die Steuer auf Tee, Zucker. Kakao und andere Konsumartikel vollständig ab- geschafft und die kommunalen Steuern für Polizei, Unterricht und Armenpflege dgrch ngtionale Beiträge vermindert werden löynfen. Dänemark. Der Militarismus auf der'Höhe. In der Garnisonstadt Nhborg hatte sich im Junk dieses Jahres ein Rekrut Frederiksen aus Verzweiflung über die schlechte Behandlung, die ihm zuteil wurde, das Leben ge- ndommen. Der Verantwortliche für diese Edldatenfchindereii war der Garnisonches Leutnant Dederding. Als die Leiche des Rekruten zum Bahnhof gebracht wurde, da demonstrierte die Bevölkerung der Stadt mit Pfeifen und EntrüswngS- rufen gegen Dederding und den Militarismus. Das gab dem Garnisonchef Veranlassung, Generalmarsch blasen zu lassen und die ganze Stadt durch dag gesamte Militär auf einige Stunden in den Belagerungszustand zu versetzen. Der Bürgermeister protestierte gegen diese Uebergriffe und erklärte, daß Die zivile Sicherheitsbehörde vollauf imstande sei, die Ordnung aufrecht zu erhalten, war aber natürlich machtlos dem Militär gegenüber. Gegen Dederding wurde— eS war noch unter dem Ministerium Zahle— ein Kriegsgerichtsverfahren ein- geleitet, sowohl wegen der Mißhandlung des Rekruten, wie wegen seiner kriegerischen Maßnahmen gegen die Stadt Nyborg. Das Gericht hat nun sein Urteil gesprochen und den Garnisonchef wegen Mißbrauch seiner Amtsgewalt verurteilt zu einer—„Zurechtweisung". Unter dem radikalen Ministerium hätte man vielleicht erwarten können, daß eine höhere Instanz zur Nachprüfung bei Urteil» berufen worden und Dederding nicht so leichten Kaufes davongekommen wäre. Aber die gegenwärtige höchst militärfromme Regierung Klaus BerntsenS gibt sich mit dem Urteil zufrieden. fkmtand. Em Protest der australischen Frauen. Der politische Verband derFrauenAustralienShakam 6. Juni in Melbourne auf einer großen Versammlung eine Resolu- tion angenommen, worin gegen die Aufhebung der berfassungS- mäßigen Rechte des finnischen Volkes energisch pro- testiert und die Hoffnung ausgesprochen wird, daß die Duma die Rechte des kleinen und heldenmütigen Volkes zu respektieren wissen wird, obgleich der Zar seine heiligsten Schwüre bricht.— In Australien scheint man die wahre Natur der Duma nicht ge- lagnt zu haben. Amerika. Politische Korruption; MuScogre, S. August. Vor dem Kongreßkomitee. Mchcs angebliche Bestechungsversuche in Verbindung mit versuchter Erwerbung wertvoller Ländereien von Indianern untersucht, erklärte Bundessenator Gore, nach ihm von dem republikanischen Politiker Hammon gemachten Mitteilungen sei Vizepräsident Shermaw an der Länderei, angelegenheit interessiert. Der Vizepräsident Shermon erklärte demgegenüber, daß dis vom Senator Gore gegen ihn erhobene Anschuldigung jeder Begründung entbehre.) löhnen; dem der dritten einer von einem Tagelohn. usw. Der Hauer, also einer der bestbezahlten Leute, der ein volles Jahr ohne jede Unterbrechung arbeitet, erhält eine Prämie von 6 M.; der Schlepper dafür 4 M., usw. Der Hauer, der zwei volle Jahre ohne jede Unterbrechung arbeitet, erhält 19 M.. für drei bis fünf Jahre 29 M., für 7 Jahre 39 M., für 19 Jahre 69 M. Natürlich haben auch die niedrigeren Lohnklassen alle ähnliche Staffeln. Daß diese Prämien in den meisten Fällen nur als Köder dienen, aber niemals zu erreichen sind, weih jeder, der in ein« Fabrik gearbeitet hat. Denn daß ein Arbeiter ohne jede Unte?» brechung jahrelang tätig sein kann, ist eine platte Unmöglichkeit. DaS wissen natürlich die Unternehmer am besten. Es ist ihnen auch nicht um die Belohnung der Arbeiter zu tun, sondern um sie mit den in Aussicht gestellten Prämien zu eifriger und steter Fron anzutreiben. Auch bei dem Genuß der Unfall- und Krankenunterstützung spielt die Länge der Zugehörigkeit zum Geschäft eine wichtige Rolle. Um die Arbeiter nicht durch hungernde Jndustriekrüppel und total hilflos sterbende Kranke abzuschrecken, hat man in Aschio eine Unfall- und Krankenkasse errichtet. Die erstere hat 6 Klassen. Je länger die Dienstzeit im Werk, je höher die Klasse. Das höchste, was die Hinterbliebenen an Entschädigung für den bei einem Unfall getöteten Ernährer erhalten, ist ein Betrag, der 399 Tagelöhnen entspricht. In der untersten Klasse(wenn weniger als ein Jahr in der Mine tätig, und ,n der vierten Lohnklasse stehend), ist die Entschädigung gleich dem hundertfachen Tagclohn. Die Verletzten erhalten 39—49 Pf. täglich. Die Hilfskasse auf Gegenseitigkeit unterstützt alle die. die durch Unfall oder sonst arbeitsunfähig werden, dann die, die länger als 7 Tage krank sind, und zuletzt) Unfallverletzte, die mehr als b Tage nicbt arbeiten können. Die Einnahmen der Kasse bestehen aus dem Zuschuß der Kompagnie(einmalige Zah- lung von 1299 M.) und den MonatSbeiträgcn der Arbeiter(29 Pf.)i und der Beamten(3 Proz. des Gehalts». Wie hoch die Unter- stützungen dieser Kasse sind, soll hier kurz gesagt werden: An Arbeiter, die dauernd arbeitsunfähig sind, oder die, bei denen noch Hoffnung auf Genesung besteht und sich noch in Behandlung be, finden, wird gezahlt, wenn. in der Mine tätig pro Tag weniger als ein Jahr l. 10 Pf. 1—2 Jahre..... 22„ 2-4„..... 24„ UU�i. X\J ff OL/ � Aber wie gesagt, der wohltätige Feudalismus würde feinen Namen nicht verdienen und seinen Zweck nicht erfüllen, wenn er nur belohnen und unterstützen, aber nicht bestrafen wollte. Noch rapider alz Prämien und Hilfeleistungen steigen die Strafen. Der Strafkodex ist gut ausgebaut und feinfühlend und brutal zu- gleich. Kleinere Vergeben, wie Widerspenstigkeit, schlechte Auf. fuhrung. rohe Sprache. Wortstreit. Vernachlässigung der Maschinen und dergleichen wird mit Versetzung in eine niedrigere Lohnklasse bestraft, schwere Vergehen werden mit Entlassung geahndet. GcwerkfcbaftUcbe� Der Rriegerbund gegen die Gewerhfcbaftew. Auf einem Abgeordnetentage des Deutschen KriegerbundeS im vorigen Jahre in Eisenach wurde die Errichtung einer Arbeits- losendersicherung angeregt. Der Bundesvorstand will diese Anregung aber nur dann verwirklichen, wenn die Beteiligung stark genug ist. Um daS festzustellen, wurde an die Vorstände der Unter- verbände ein Rundschreiben verschickt, das einige interessante Stellen enthält. Es heißt darin, daß eine solche Versicherung von großem Segen für den Kriegerbund sein könne, denn sie sei geeignet,„dem Einflüsse der sozialdemokratischen Gewerkschaften entgegenzuarbeiten." Weiter wird gesagt: „Die sozialdemokratischen Gewerkschaften verfügen über reiche Geldmittel, die sie zum größten Teile für die Zwecke der Lohnkämpfe, zur Unterstützung bei Streiks und bei der durch Streiks oder Aussperrung entstandenen Arbeitslosigkeit, zum kleinsten Teile zu Unterstützungen bei Krankheit und Not ver- wenden.— Die freien Gewerkschaften haben sich dadurch und durch ihre straffe Organisation ihre Mitglieder, fast 2 Millionen zurzeit, in die Hand gespielt, und sie üben, wie allseits be- kannt, einen empörenden Druck auf sie aus, der mit der von der Sozialdemokratie im Munde geführten Freiheit und Gleichheit nicht das mindeste zu tun hat." Nachdem so die Schrecknisse der„sozialdemokratischen" Gewerk- schaftshölle geschildert worden sind, werden die Herrlichkeiten auS- gemalt, die derer warten, die sich in den Kriegerbund aufnehmen lassen, wenn er erst eine Versicherung gegen Arbeitslosigkeit ge- schaffen habe. Aber, diese Versicherung allein zu bilden, erscheine „wegen des damit verbundenen unübersehbaren Risikos allzu ge- fährlich und daher unausführbar". Die Gefahr dürfte aber ver- mindert werden, wenn sie mit einer Krankengeldverfiche- r u n g verbunden werde. Die„gegen Tage- oder Wochenlohn ar- bettenden" Krieger solftn Gelegenheit finden, sich gegen Krankheit und Arbeitslosigkeit in ihrem Bunde zu versichern. Mit der Ver- sicherung der Handwerker, Kaufleute, Gewerbetreibenden und Be- amten will man vorläufig, angeblich auS technischen Gründen, noch warten. Ein vollständiger Plan liegt noch nicht vor, nur flüchtige Umrisse gibt der Bundesvorstand bekannt, aus denen wir folgendes entnehmen: Mit der Arbeitslosenversicherung soll die Benutzung der öffentlichen und privaten Arbeitsnachweise verbunden werden; die Errichtung eigener Arbeitsnachweise wird„in der ersten Zeit" nicht beabsichtigt. Ueber die Leistungen der Versicherung heißt es: „In Aussicht genommen ist nach sechsmonatiger Mitglied- schaft eine Wochenrente von 10 M. und eine Unterstützungsdauer von je 8 Wochen während eines Jahres in Fällen unverschuldeter Krankheit oder Arbeitslosigkeit mit Ausnahme der durch Streiks oder Aussperrung entstandenen Arbeitslosigkeit während der Dauer derselben. Bei längerer als dreijähriger Mitgliedschaft könnte die Unterstützung bis zu je 13 Wochen im Jahre aus- gedehnt werden. Der wöchentliche Mitgliedsbeitrag für je 10 M. Wochenrente soll 75 Pf. betragen. Die Kassenmitglieder sollen Rechtsanspruch auf die. Unterstützungen haben. Die Verbands- und Vereinsvor- stände werden ersucht, bis 1. November dieses Jahres mitzuteilen, ob sie gewillt sind,„die Durchführung des Planes dauernd und wirksam zu unterstützen", und„ob sich die genügend große An- zahl von Kameraden finden, die an der neuen Kasse teilnehmen wollen." Findet sich eine genügende Teilnehmerzahk, so soll dem nächsten Abgeordnetentag in Detmold eine entsprechende Vorlage unter- breitet werden. Aus alledem ist ersichtlich, daß der Kriegerbund zu einer all- gemeinen gelben Organisation umgestaltet werden soll. Durch die Bermittelung von Arbeitsstellen und die Verweigerung der Unter- stühung bei Streiks und Aussperrungen werden die Mitglieder zum Verrat an ihren Klassengenossen angehalten. Wenn der Vor- stand des Deutschen Kriegerbundes jedoch meint, daß er mit einer solchen„Versicherung" bei der Arbeiterschaft Erfolge erzielen, der Gewerkschaftsbewegung Abbruch tun könne, so irrt er. Im Gegen- teil: Die denkenden Arbeitermitglieder werden den Kriegervereinen mit Abscheu den Rücken kehren, wenn sie zu vollkommenen Streik- brechervereinigungen gemacht werden sollten. verlln und Qnigegend. Stukkateure! Bei der Firma Grandtke, Niederschönhausen, find Differenzen ausgebrochen. Zentralverband der Stukkateure. OeuttcKes Reich. Streikjustiz. Ein ausgesperrter Bauarbeiter K. in Lübeck soll angeblich einige Arbeitswillige durch Bemerkungen wie:„Heute kommst Du noch nach Hause, aber morgen kommst Du nicht mehr nach Hause, und wenn es drei Jahre kostet", zu„nötigen" ver- sucht haben. Einem Arbeitswilligen, der K. denunzieren wollte, hat letzterer den Rock aufgeschnitten. Wegen dieser Vergehen gegen die dreimal geheiligten nützlichen Elemente verurteilte das Lübecker Schöffengericht K. zu zwei Monaten Gefängnis.— Tie Bonner Studenten können froh sein, daß sie ni.'.t vor Lübecker Richtern standen; wie hoch würde wohl ihre Strafe geworden sein??? Zum Streik auf den Hamburger Seeschiffswerften. Mit seltener Einmütigkeit ist am Donnerstag die Arbeit auf den Hamburger Werften eingestellt worden. Gemäß ihrer alten Gepflogenheit sprechen die von den Herren von der Wasserkante mit fetten Annoncen ausgehaltenen Scharfmacherblätter von dem Streik als von einer grenzenlosen Frivolität und. Gewissenlosigkeit, von einer durch nichts gerechtfertigten Kraftprobe der sozialdemokra- tischen Organisationen usw. Am tollsten treibt eS das Scharf- macherblat par excellence, die„Hamb. Nachrichten". Dieses edle Blatt kann auch anders. Als vor einigen Wochen die Gehaltsvor- läge der Beamten Hamburgs das Licht der Welt erblickte, stellte eS eine Extranummer mit beamtenfreundlichen Artikeln her, in denen die Notwendigkeit einer durchgreifenden Besoldungsreform dargetan wurde. Und diese Extranummer deS an Abonnenten- schwund leidenden Organs wurde paketweise den einzelnen staat- lichen Bureaus zugestellt. Das Blatt meint, da erst vor wenigen Jahren die Werftarbeiter eine Erhöhung der Löhne sowie andere wesentliche Verbesserungen erreicht hätten und keinerlei Aende- rungen eingetreten seien, die eine weitere Erhöhung der Löhne usw. gerechtfertigt erscheinen ließen, müßten kurzerhand diese Forde- rungen zurückgewiesen werden. Die„Hamb. Nachrichten" können schreiben so, sie können auch schreiben anders. Bei den Beamten ist bekanntlich 1907, also nach der„Aufbesserung" der Werftarbeiter- löhne, eine Gehaltsaufbesserung erfolgt, die durch eine weitere mit rückwirkender Kraft abgelöst werden soll!— Das„Hamb. Fremdenblatt" führt einen Eiertanz auf, um es mit keiner Seite zu ver- derben, und bemerkt am Schluß:„Eine Reihe der Forderungen der Arbeiter mag gewiß zu weit gehen, aber eine Verringerung der Arbeitszeit und vielleicht auch eine geringe Lohnerhöhung mit der Zusage weiterer Verbesserungen bei anhaltender günstiger Wirt- schaftslage dürfte schon dazu führen, daß in nicht allzu ferner Zeit ein Ende des Kampfes abzusehen ist." Diese Wirtschaftslage wird von den kapitalistischen Blättern in düstersten Farben geschildert. Mag sein, daß ab und zu in den letzten Jahren, wie in allen anderen Industrien eine kleine Stockung "«eräntw� Redakteur: Hg«» Weber. Berlin. Inseratenteil verantw. fil den Aufträgen borhanden Eck?, aber tm großen und ganzen haben die Seeschiffswerften eine goldene Ernte gehabt. Aber auch zu Zeiten hochgehender Konjunktur ist es den Schifssbaukapitalisten nicht eingefallen, eine durchgreifende, den Zeitverhältnissen ent- sprechende Aufbesserung der Löhne vorzunehmen. Die Arbeiter sind mündig, sie bedürfen nicht der Vormundschaft, sondern wählen sich selbst ihren Zeitpunkt, um den hartleibigen Dividendenonkeln Zugeständnisse abzuringen. Die Einmütigkeit und Geschlossenheit der Werftarbeiter bürgt für den guten Ausgang deS Riesenkampfes. Die Lohnbewegung der auf den Lübecker Holzlagerplätzen bej schäftigten Arbeiter endete mit, der Annahme einer Vereinbarung, welche die Erhöhung des Stundenlohnes um 2 Pf. sowie eine Rege- lung der Ueberstundenbezahlung vorsieht. Weiter soll seitens der Arbeiter eine Kommission gewählt werden, die in Zukunft mit den Unternehmern verhandeln soll. Der Haupterfolg liegt in der An- erkennung der Organisation der Arbeiter seitens der Arbeitgeber, welche früher nicht erreicht werden konnte. Der Vertrag soll bis zum 31. Dezember 1911 gelten. Aus dem Holzgewerbe. Die Tischler, Drechsler und Maschinenarbeiter haben Forderungen eingereicht, resp. befinden sich im Slreik in Hamburg iSeeschiffs- werften), Bremerhaven, Cuxhaven, Vegesack, Alten- bürg, Gera, Greiz. Bautzen, Dessau, Dahme und Wesel. Die Stellmacher und Tischler in Delmenhorst fWagenfabrik), Kassel(Fabrik für moderne Fahrzeuge, früher Brink) und in A m m e n d o r f bei Halle a. S.(Firma Lindner). Der Streik der Stellmacher in Bremen dauert fort, ebenfalls die Streiks der Korbmacher in Berlin(Stralauer Glashütte), G l ü ck st a d t und Nürnberg, sowie der Bürsten- machet in Ouakenbrück und Augsburg. Zuzug nach allen diesen Orten ist von den in Frage kommenden Branchen streng fernzuhalten. In Großenhain wurde die Lohnbewegung bei der Firma Kirchner günstig beendet. Eine Stunde Arbeitszeitverkürzung pro Woche und 6 Pf. Stundenlohnerhöhung während der Bertragsperiode ist das Resultat. Hier machten die Hirsche ausnahmsweise nicht den Streikbrecher I In Friedland(Mecklenburg) wurde ein einjähriger Vertrag für die Tischler abgeschlossen und zwar nach siebenwöchentlichem Streik. Erreicht wurde zwei Stunden Arbeitszeitverkürzung und 7 Pf. Lohnerhöhung pro Stunde. In Müblhausen(Thür.) erfolgte Vertragsabschluß mit S Pf. Lohnerhöhung, ferner wurde die bbstündige Arbeitszeit ein- geführt. In Naumburg a. S. wurde ebenfalls ein Vertrag ab- geschlossen, der den Tischlern die 56 stündige Arbeitszeit und 6 Pf. Lohnerhöhung bringt, auch in der Korbwarenfabrik R e i m a n n in Dresden und der Thermometerfabrik Staschert in Mellen- buch ist der Streik erfolgreich beendet. Mit der Schloßbranerei Liegnitz, der größten Brauerei am Ort, schloß der Brauereiarbeiterverband einen Tarif ab, wonach die Arbeitszeit täglich um eine halbe Stunde verkürzt und der Lohn wöchentlich um 2 M. erhöht wird. Ueberstunden und Sonntagsarbeit wurde ebenfalls höher bezahlt. Eine Woche Erholungsurlaub unter Weiterzahlung deS Lohnes, Entschädigung für militärische Uebungen und bei Krankheit Auszahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld wurden t a r i f l i ch festgelegt. Vor drei Jahren kam eS wegen der gleichen For- derung zu einem erbitterten Kamps zwischen dem Verbände und den Brauereien. Husland. Auf dem Wege zum Jndustrieverband der Schweizer Uhrenarbeiter. In der Generalunion der Uhrenarbciter, der Zusammenfassung einer Menge von Brauchenverbänden, bis herab auf einige Dutzend Mitglieder, hat eine Urabstimmung über die Verschmelzung zu einem einheitliche» Jndustrieverband stattgefunden, die mit geringer Mehrheit die Annahme der Bereinigung ergab. Nur der Verband der Schalenmacher hat die Verschmelzung abgelehnt(mit 1050 gegen 780 Stimmen, 7 größeren gegen 17 kleinere Sektionen). Der außerordentliche Kongreß der Uhrenarbeiter, der am 17. Juli in Biel getagt hat, beschloß auf Antrag des Hanptvorftandes, die Konstituierung des Verbandes noch hinauszuschieben. Doch wurde ein gemeinsamer Sekretär bestellt. Der schweizerische Gewerkschaftsausschuß hat in einer in Ölten abgehaltenen Sitzung die Einsetzung einer stäitdigen siebengliedri- gen Kommission in Bern beschlossen, die in öffentlichen Angelegenheiten den Standpunkt der Arbeiterschaft zur Geltung bringen soll. Der Sekretär des GewerkschastsbundeS ge- hört der Kommission von Amtswegen an. Die übrigen Mitglieder werden auf Vorschlag der Zentralvorstände unter Berücksichtigung der einzelnen Industrien vom Bundeskomitee gewählt. Die end- gültige Stellungnahme zu Gesetzentwürfen bleibt einem einzuberufenden Gewerkschaftskongresse vorbehalten. Kein Zen- tralvcrband darf mehr auf eigene Hand Stellung nehmen, indem er die Parole zur Annahme oder Verwerfung in der Voltsabstim- mung ausgibt. Hinsichtlich der Kampfestaktik wurde gegen das eigenmächtige Vorgehen örtlicher Arbeiterunionen Stellung ge- nommen und feste Bestimmungen für die Verhängung von Boy- ko tt S beschlossen._ Ein Triumph der amerikanischen Gewerkschaften. Nach vierjährigem Ringen hat der dramatische Boykottkrieg gegen die„Bucks Stove and Range Company", der von der orga- nisierten Arbeiterklasse gegen daS organisierte Unternehmertum des ganzen Landes geführt wurde und durch die Verurteilung der obersten amerikanischen Gowerkschaftsleiter seine schärfste Zu- spitzung erfuhr, einen für die Arbeitersache siegreichen Ausgang genommen. Alle in den amerikanischen Gerichten erkämpften Siege haben der boykottierten Ofenbau-Gesellschast nicht geholfen, und nachdem im Mai ihr Direktor van Cleave an seiner eigenen, rabiaten Scharfmacherei gestorben ist, die er bis in seine letzten Tage fortsetzte, hat die Firma- sich nun den Gewerkschaften unter- warfen, um sich nicht bankerott zu„siegen". Die Unterwerfung wurde vollzogen in einer Konferenz von Vertretern der„Company" mit solchen der am nächsten beteiligten Gewerkschaften, unter Teil- nähme des Präsidenten des amerikanischen Gewerkschaftsbundes, Samuel Gompers, und zwar fand diese Konferenz am 19. Juli in Cincinnati statt. Die Friedenspräliminarien in diesem histori- schen Kampfe besagen: „Innerhalb dreißig Tagen sollen die Vertreter der hierin be- nannten Organisationen mit dem Leiter der Bucks Stove and Range Company zur Festsetzung der Löhne. Arbeitsstunden und sonstigen Arbeitsbedingungen zusammentreten. DaS zu treffende Uebereinkommen soll nach 90 Tagen in Kraft treten und auf die Löhne und Arbeitsbedingungen gegründet sein, wie sie in den Fabriken der Konkurrenz in St. Louis existieren, soweit diese ihre Betriebe unter Gewerkschaftsbedingungen führt. Die inter- efsierten Arbeiterorganisationen sollen gemeinsam bekanntgeben, daß alle Kontroversen und Differenzen mit der Bucks Stove and Range Company von St. LouiS zufriedenstellend und ehrenvoll beigelegt sind." Dies der Wortlaut des llebereinkommenS, soweit eS sich auf den wirtschaftlichen Kernpunkt des Streits bezieht. Der Streit selber begann am 26. August 1906, als die Metallpolierer der Firma, die um jene Zeit zehn Stunden den Tag arbeiten mußten, die Wiederherstellung des ihnen 18 Monate zuvor bewilligten, dann wieder entrissenen NeunstundentageS verlangten. Die Maß- regelung einiger„Rädelsführer", die ihre Kameraden zu bewogen ri.Gl»ile,Bttliv. Druck u. Verlag: LorwariS Buchdr. u. Lerlag»anffall berftanden hallen, sich den Neunstundenkag ganz einfach zu nehmen, hatte dann einen Streik der Metallpolierer zur Folge. Der Ver- such aber, den Ausstand auf die gesamte Arbeiterschaft der Fabrik auszudehnen, scheiterte an der Mangelhaftigkeit der Organisation, und an Stelle des allgemeinen Streiks wurde nun der Boykott gesetzt. Der Boykott wurde sogleich von vier direkt interessierten Gewerkschaften energisch aufgenommen und auch von dem Gewerk- schaftskartell in St. Louis, sowie von der„American Föderation of Labor" sanktioniert, in deren Monatsorgan die Bucks Stove and Range Company, auch kurzweg Ofentrust genannt, seitdem als „unfair" aufgeführt wurde. Andererseits wurde die Sache der boykottierten Firma von dem örtlichen Unternehmerkartell zu St. Louis und auch von dem nationalen Fabrikantenbund„in- dossiert", dessen Präsident eben der nun verstorbene Direktor der Ofenfabrik war, der seinen Bund dazu brachte, einen„Erziehungs- fonds" von 1l4 Millionen Dollars zur Finanzierung des Kampfes gegen die Getverkschaften zusammenzuschnorren. Außerdem beteiligte sich die„Anti-Boykott-Association" an dem Vernichtungs- feldzuge gegen die Arbeiterbewegung, indem sie ein Rudel kapita- listischer Advokaten auf die Arbeiterführer losließ. Die Bucks Stove and Range Company selber erhielt von den verschiedenen Kapitalistenverbänden finanzielle Unterstützung. Krieg bis aufs Messer dem„Arbeiter-Trust" war bis vor ein paar Monaten die Parole der van Cleave und Konsorten, die bei den Gerichten Schutz suchten vor dem Boykott, der unterdessen seine gewaltigen Wir- kungen äußerte. Richter Gould von Washington verbot denn auch den Arbeiterorganisationen Ende 1907, die Ofenbaufirma in der Boykottliste aufzuführen, und dieser provisorische Einhaltsbefehl wurde bald darauf permanent gemacht, ohne daß der„American Federationist" sich aber anfänglich daran kehrte. Di« Firma blieb als„unfair" an den Pfahl genagelt, und das Blatt schrieb:„Die Loser sollten stets bedenken, daß es kein Gesetz und auch keine Gerichtsentscheidung gibt, die organisierte Arbeiter oder ihre Freunde zwingen kann, einen von der Äuck-Compagny hergestellten Koch- oder Heizofen zu kaufen." Es folgte dann im Dezember 1908 die Verurteilung der Gompers, Mitchell und Morrison zu einem Jahre, bezw. 9 und 6 Monaten Gefängnis. Das Urteil schwebt gegenwärtig noch vor dem Oberbundesgericht zu Washington als letzter Instanz. Der Prozeß nimmt auch nach der jetzigen Kapitulation der Ofenfabrik seinen Fortgang, da die Sache von dem Fabrikantenbund geführt wird und die Anti-Boykott-Assoziation die Kosten trägt, indessen hat sich die Firma verpflichtet, ihre An- wälte zurückzuziehen und keinerlei aus der vergangenen Kontra- verse sich etwa noch ergebende Streitfrage vor die Gerichte zu bringen. Die Anti-Boykott-Assoziation dagegen kündigt bereits unter Protest gegen den Friedensschluß an, daß sie„selbstverständ- lich alle Versuche, eine endgültige Entfcheidung in diesem Prozeß zu verhindern, zurückweisen werde". Und es ist den Sckarfmc chern „selbstverständlich" durchaus nachzufühlen, daß sie den Prozeß nun gerade mit noch größerem Eifer betreiben wollen, nachdem dieser Ausgang der Auseinandersetzung zwischen den Nächstbeteiligten ihnen die ungeheure Macht des Boykotts so schmerzlich demonstriert hat. Der Scharfmacherverband ist jetzt naürlich wütender als je darauf aus, den Arbeitern eine so wirksame Waffe zu entwinden, es spricht auch alles dafür, daß das plutokratische Oberbundes- gericht in Washington den Kapitalisten zu Willen sein wird, wenn der moralische Einfluß des Friedensschlusses in St. Louis und—; die politische Klugheit der herrschenden Klasse die Gompers, Mitchell und Morrison auch davor schützen mögen, das Gefängnis beziehen zu müssen. Den amerikanischen Gowerkschaften ist zu ihrem Siege in einem so wichtigen,„ohne Furcht und Tadel" Durchgeführten Kampfe von Herzen zu gratulieren. Ihre Freude ist so gerecht, wie die Wut und Enttäuschung der um Hunderttausende an Pro- zeßgeldern geprellten Unternehmer. Aber noch besteht die Gefahr, daß gerade dieser Erfolg der gewerkschaftlichen Waffen zu der allerschinählichsten Entwaffnung der amerikanischen Arbeiterklasse führen mag. Würden die von Gompers geführten Gewerkschaften dieselbe Kampfesenergie, die sie in dieser wirtschaftlichen Fehde gezeigt haben, auch auf dem politischen Felde entwickeln, so würden die Arbeiter jetzt nichts zu fürchten und die Unternehmer nichts mehr zu hoffen haben. Letzte Nacbricbt�cn und Depcfcben. Sympathiekundgebung für die streikenden Werftarbeiter. Stettin, 5. August.(Privatdepesche des„Vor- wärts".) In vier Versammlungen nahmen heute abend die Werftarbeiter Stettins Stellung zu dem Streit ihrer Ham» burger Kollegen. In allen Versammlungen wurde nach den ein- leitenden Vorträgen unter lebhaftem Beifall folgende Resolution angenommen:»Die Versammelten erklären sich mit dem Vorgehen der Vorstände der freien Gewerkschaften durchaus einverstanden. Die ablehnende Haltung der Gruppe der Seeschiffswerften gegen- über den bescheidenen Forderungen der Arbeiter gab keine andere Möglichkeit, als den organisierten Werftarbeitern die Entscheidung zu überlassen. Die Versammelten erklären ferner, daß die Ham- burger Kollegen durch die Arbeitsniederlegung den Unternehmern die richtige Antwort gegeben haben. Sie sprechen den Streikenden ihre volle Anerkennung und Sympathie aus. Die Versammelten werden nunmehr in aller Ruhe die weiteren Schritte der Unter- nehmer abwarten und überlassen den Leitungen der freien Ge- werkschaften die Bestimmung darüber, welche Maßnahmen für die Stettiner Werften zu treffen sind." Der Versammlungen, vom besten Geiste beseelt, waren derart überfüllt, daß ein großer Teil der Besucher in den Sälen keinen Platz fand._ Reaktionäre Vorbeugungsmastregeln. Altona, 5. August.(P r i v a t d e p« s ch e d e s„V o r w är t S".) Der Altonaer Magistrat Plant eine ZenfuSerhöhung von 1260 auf 1566 Mark. Trotzdem die nächsten Kommunalwahlen bereits im November dieses Jahres stattfinden, will man jedenfalls die Vor- läge bis dahin unter Dach und Fach bringen. Das Attentat auf das Wahlrecht, durch daS Tausenden von Komnrunalwählern ihr Mit» bestimmungsrecht entrissen werden soll, ist geboren aus der Furcht vor weiteren Erfolgen unserer Partei, der es im vorigen Jahre gelang, zum ersten Male fünf Vertreter in das Stadtparlament zu entsenden. Opfer der Arbeit. Dortmund, 5. August.(W. T. B.) Durch einen auf der Schlackenhalde des Stahlwerkes Hoesch platzenden Schlackenblock wurden mehrere Arbeiter verbrannt, darunter drei sehr schwer, Zwei von ihnen sind bereits gestorben. Aus Eifersucht. MonS, 5. August.(B. H.) Ein furchtbares Ehedrama hat sich in der vergangenen Nacht in Baudour abgespielt. Ein 38jähri- ger Mechaniker, welcher seine Frau in dem Verdachte hatte, daß sis ihn betrüge, legte sich, wie gewöhnlich, gestern abend ins Bett, nach- dem er jedoch vorher unter seinem Kopfkissen eine scharfe Eiche» verborgen hatte. Gegen Mitternacht, als die Frau fest schlief, er- hob er sich sind versetzte der Schlummernden mehrere furchtbare Hiebe mit dem scharfen Instrument in Kopf, Hals und Brust. Er schnitt ihr unter anderem beide Handgelenke durch. Hieraus ergriff er die Flucht. Die Frau wurde schwer verletzt in hoffnungslosem Zustande ins Hospital gebracht.______ jßgul Singer Sc Co, Bkrlin L W. HierzulZBeilageo«.UaterhaltungSvl, Nr. 182. 27. Jahrgang. 1. KeilM des Jotiiiirte" Derlim iolblilaft. Zonnabend, 6. August 1910. Hus der partcü Nervosität. Unsere Genossen in Baden sind in steigender Verlegenheit. Es ist gar kein Zweifel möglich, dasi das Ausspielen von«Süddeutsch- land gegen Norddeutschland", das vor dem Nürnberger Parteitag so unheilvoll auf die Debatten zurückwirkte, diesmal völlig misigliickt ist. Die auch von einem opportunistischen Standpunkt aus ganz un- zureichende Begründung der Budgetabftimmung, die Störung des Parteifriedens in einem Moment, wo die Einheit der Partei jedem seiner Verantwortung bewußten Parteigenossen über alles gehen mutzte, der unentschuldbare Bruch der Parteidisziplin und schließlich die beschämende Beteiligung an der Ovation für den Grotzherzog und die bevorstehende Teilnahme an der Gratulationsconr, das sind Dinge, die von den süddeutschen Parteigenossen in wachsendem Matze ebenso verurteilt werden wie von den norddeutschen. Es ist heute gar kein Zweifel, daß die Partei in stets geschlossenerer Einmütigkeit für die Wahrung der Beschlüsse ihrer obersten Vertretung, für die demokratische Grundlage ihrer Organi- fation und die Einheit der Aktion eintritt. Und alle Versuche, hier einen Gegensatz zwischen süddeutschen und norddeutschen Genossen konstruieren zu wollen, dürfen heute als gescheitert betrachtet werden. Wir sind alle Sozialdemokraten, die gleich empfinden, Gleiches wollen, Mitglieder der einen großen Partei, auf deren Schlagkraft wir alle gleich bedacht sind, und die wir alle in gleicher Weise bewahren und stärken wollen. An dieser Tatsache des gleichen proletarischen Empfindens und der gleichen proletarischen Interessen müssen die Versuche scheitern, unsere süddeutschen Genossen gegen die norddeutschen in irgend einen Gegensatz zu bringen. An solchen Versuchen mangelt eS freilich nicht. Unsere badischen Parteiblätter stellen immer wieder die Be� hauptung auf, daß unsere norddeutsche Parteipresse völlig ununter richtet ist und ihre Leser ununterrichtet läßt. Diese Behauptung ist völlig unhaltbar. Nicht nur der«Vorwärts", sondern der größte Teil unserer Parteipresse hat die Darlegungen der badischcn Parteiblätter und der führenden Landtagsabgeordneten fast wörtlich wiedergegeben und sich bemüht, in objektivster Weise, wie eS ja Pflicht ist, die Auffassung der badischen Genossen ihren Lesern zu unterbreiten. Man kann das gleiche leider nicht in gleichem Umfange von unseren badischen Genossen behaupten. Wir wollen nur«in Beispiel an. führen. Die«Wiener Arbeiterzeitung" hatte daS badische Vorgehen scharf verurteilt. Die badischen Parteiblätter gaben diese Stimme nicht wieder. Dann brachte unser Wiener Parteiorgan einen längeren Artikel, der den Disziplinbruch neuerlich verurteilte, das Vorgehen der Badener al« Vorstoß des bewußten Revisionismus zurückwies und zugleich die Gründe ihres Vorgehens darlegte. Dieser Artikel wurde merkwürdigerweise in den badischen Blättern den Lesern al» eine Verteidigung des badischen Vorgehens vorgesetzt. Sl» sich da» Wiener Blatt gegen diesen Mißbrauch kräftig verwahrte und in neuerlicher Darlegung an seiner scharfen Verurteilung keinen Zweifel ließ, fand diese Verwahrung tot Karlsruhe und Mannheim nicht die geringste Beachtung. Die Leser dieser Blätter find über die wirkliche Stellungnahme unserer österreichischen Genossen falsch unterrichtet und werden eS auch bleiben Da» hielt den«VolkSsteund" nicht zurück, uns einen Vorwurf daraus zu machen, daß wir den Artikel der.Arbeiterzertung" nicht ab- gedruckt hätten. Die» al» Jllufttatton einer Berichterstattung. die man beim besten Willen al» vom Geist der Objektivität und Loyalität erfüllt nicht gerade wird bezeichnen können. Um so eifriger sind aber unsere badischen Parteiblätter, wenn »» gilt, irgend eine scharfe oder vielleicht auch unrichtige«eußerung eines norddeutschen Parteigenossen aufzuspießen, um daran einen feurigen Appell zu schließen an die«badischen" Genossen, über die Ueberhebung und Unwissenheit der.norddeutschen" Genossen in flammende Entrüstung zu geraten oder sie mit gebührender Verachtung zu strafen. Daß der Karlsruher.VollSfreund" Zuschriften b a d i s ch e r Genossen gegen die Taktik der Fraktion mit Schwänzchen versteht, die noch hämischer und gehässiger sind als die gegen.norddeutsche" Artikel gerichteten, zeigt allerdings, daß selbst der Karlsruher«Volks« kleines feuilleton. Die Frau in der Vorgeschichte. Auf der Hauptversammlung der »Deutschen Gesellschaft für Vorgeschichte", die in Erfurt tagte, iprach Professor Gustav K o s s i n n a aus Berlin über die Stellung der Frau in der menschlichen Vorgeschichte. Das.Paradies'— so führte er aus— war sozusagen das Sammlerstadium des Menschen, von dort ist der Sprung zum Pflugbau des ManneS ungeheuer. Dazwischen liegt die Stufe des Hackbaues, der ausschließlich Frauensache war. Die Frau hat von Anfang an die Pflicht der Familienernährung. Der Mann hat nur soziale Pflichten, sonst ergibt er sich einem vornehmen Müßiggänge. Die Frau war erstens Sammlerin für den Tagesbedarf, zweitens Vor- ratssammlerin, drittens Schöpferin de» Baues von Nahrungspflanzen durch Hackbau. Noch heute ist der Gartenbau Sache der Frau, auS- genommen die Obstzucht. Der Mann beschäftigt sich mit den Tieren. m 10 000 v. Chr. war bereits der Hund in Mitteleuropa Haustier, um 4000 solgle Klein« und Großvieh, zuletzt daS Pferd. Nimmt man den Wagen hinzu, so waren die Elemente gegeben, woraus der Mann sich die Pflugkultur schuf, die nun die Frau vom Ackerbau ausschloß. In daS früheste Sammlerstadium, in die Eiszeiten, fällt das Stadium des Mutterrechts. Die Frau ist der einzige bleibende Mittelpunkt der Familie. Aus der dritten Stufe kennen wir zahlreiche Frauen- sigürchen, die Fruchtbarkeitsgöttinnen darstellen. An denselben Wohn- statten S ten die Frauen die von ihnen geschaffene Töpferkunst aus. Bei der».eramik spielt die Frau noch eine große Rolle in der Darstellung. Die sogenannten Gesichtsurnen sowohl der Steinzeit wie der frühesten Eisenzeit geben stets Frauenbüsten wieder. Ebenso ist die Darstellung von Frauenbüsten, die die alt- indischen Riten vorschreiben, in der Bronzezeit auch in Mittel- europa üblich. Sacke der Frau ist dann die Sorge für Bekleidung der Familie, das Flechten und Weben. Die schweizer und öfter« reichischen Pfahlbauten zeigen viel Leinengewcbe und Tonfiguren von Frauen mit reichgeftickten Gewändern. Der Norden zeigt um« gekehrt fast ausschließlich Wollengewebe in den berühmten Trachten der wunderbar konservierten Leichen auS der älteren Bronzezeit. Die Frau hat Kopfhaarnctz, Aermeljacke, langen Rock mit feinem Quasten- gürtel, bronzene Gürtelplatte, herrlich verzierte Armbänder, Hals- ringe und fast stets einen Bronzedolch. Nicht selten bestehen die Perlenbänder aus mehrfarbigen Glasperlen ägyptischer Fabri- kation. In der Hallstattzeit hat daS Frauengewand bis zu 0000 Glasperlen als Besatz. Die Dolchwafse beweist nicht die Teil- nähme am Kriege, viel eher ihre Tätigkeit als Wundärztin. AIS solche wirkte sie auch mit Zaubersprüchen. Allgemein war sie tatsächlich hoch geachtet, obwohl rechtlich schlecht be- dacht. DaS zeigen die reichen Frauengräber mit ihrem reichen Schmuck, der allerdings in der Eisenzeit sehr monströs wird. Da erscheinen die kolossalen geschlitzten freund' seine Taktik, einen Gegensatz zwischen Nord- und Süd- deutschland zu konstruieren, nicht konsequent festzuhalten vermag. Aber alle taktischen Bedürfnisse auch bedrängter Parteigenossen müssen schließlich eine Grenze finden an der Achtung, die man der Partei selbst entgegenbringen muß und die jedem Parteigenossen die Pflicht auferlegt, in der Polemik ein gewisses Maß nicht zu über- schreiten. DaS geschieht aber in einem Leitartikel«Schämt Euch" des Karlsruher„Volksfreund", der sich gegen einen Artikel«Die Revolte in Baden" des Genossen Pannekoek richtet, den einige Parteiblätter veröffentlicht haben. Der»Volksfreund" zitiert aus dem Artikel folgende Stelle: „Fragt man sich, weshalb die Badenser gerade diesen Augen- blick für ihre Revolte auswählten, so liegen die Gründe aus der Hand... An der klaren sozialistischen Einsicht der Arbeiter muß der schlau überlegte Versuch, die Partei auf eine falsche Bahn zu drängen, scheitern." Der.Volksfreund" behauptet, daS besage, daß die badischen Abgeordneten absichtlich die Partei schädigen wollten. Das ist unserer Meinung nach keineswegs gesagt. Pannekoek spricht von dem schlau überlegten Versuch, die Partei in eine Bahn zu drängen, die falsch ist. Er sagt aber mit keinem Wort, daß die bndischen Abgeordneten wissen, und darauf käme eS an— daß die Bahn falsch ist. ES wäre auch wirklich ein Unsinn— den Pannekoek nicht gemeint haben kann, wäre dies der Fall, würden wir es ohne weiteres zurückweisen— die badischen Genossen zu be- schuldigen, daß sie bewußt und mit Absicht, die Partei in falsche Bahnen drängen wollten. Der«Volksfreund" aber läßt sich durch seine Auffassung ver- leiten, gegen Pannekoek in einer Weise zu polemisieren, die, wie wir hoffen, auch dort schärfsten Widerspruch finden wird, wo man mit Form oder Inhalt des Artikels des Genossen Pannekoek nicht ein- verstanden ist. Der«Volksfreund" schreibt: «Zu den i n f a m st e n Hetzern gegen die badischen Land- tagSabgeordneten im besonderen und die hinter ihnen stehende» badischen Parteigenosse� im allgemeinen gehört ein Mann, der seit einiger Zeit eine Anzahl von deutschen Parteiblättern durch eine Korrespondenz mit Artikeln zu versorgen pflegt, der Genosse Dr. A. Pannekoek, ein Holländer. In seiner Heimat fand er wohl nicht den rechten Boden, um seinen Tatendrang auS- zuleben und so kam er denn nach Deutschland, wo er, eine Leuchte deS Radikalismus, seither mehr schlecht als recht feine Lnffassung vom Sozialismus artikelweise verzapft hat. Wenn wir sagen: er kam nach Deutschland, so müssen wir der Genauigkeit wegen noch hinzufügen, daß der Parteivorstand ihm diese Uebersiedelung da- durch erleichterte, daß er ihm, in gebührender Hochschätzung seiner strengen«Rechtgläubigkeit" ein Lehramt an der Parteischule an- bot; vermutlich deshalb, um nur ja nicht zu einem Manne greifen zu müssen, der auch nur entfernt im Verdacht gestanden hätte, den sisif Revisionismus nicht.energisch" zu bekämpfen. Wir würden der Tätigkeit deS Genossen Pannekoek auch nicht die allergeringste Beachtung schenken— womit wir im allgemeinen glauben, ihm am besten gerecht zu werden—. wenn es nicht eine Anzahl von deutschen Parteiredaktionen für angebracht erachteten, taktische Artikel über Fragen der deutschen einzclstaatlichen Politik von ihm zu veröffentlichen. Auch selbst dies möchte vielleicht noch erträglich sein sobschon es offen- bar mehr als merkwürdig ist, daß deutsche Redakteure sich ihre tattischen Auffassungen von einem Ausländer diktieren lassen), f o la n g e d er G en o ffe P a nne ko e k sich von nichts- nutzigen und unverschämten persönlichen An- griffen freihält." Diese Auslassungen zeigen, daß man in der Redaktion in Karls- ruhe jede Ruhe verloren hat. Diese Ausländerhetze in einem sozialdemokratischen Blatt ist ein Exzeß, der überall nur U n- willen erregen wird. Man muß in Karlsruhe recht wenig Zu- verficht in die eigene Sache haben, wenn man sich zu solcher Polemik fortteißen läßt._ Der Wahlkreis Gießen hielt am Sonntag feine Generakver- fammlung des Kreiswahlvereins ab, die aus 19 Orten von 37 Delegierten besucht war. Außer den geschäftlichen Angelegenheiten, erörterte man die badische Angelegenheit. Vetters hält die Gründe, die die Badenser für ihr Verhalten anführen, durchaus nicht für stichhaltig. Wegen der freundlichen Worte des Ministers Bodman hätten die badischen Genossen wahr- haftig nicht nötig gehabt, das Parteiinteresse zu schädigen und die Hohlwülste, die Goethe vor hundert Jahren für Klang- instrumente erklärte. Die Sitte des freiwilligen Witwentodcs, die bei fast allen Jndogermanen bezeugt ist, kann trotzdem nicht ur- sprünglich indogermanisch sein: der Norden kennt sie nicht, dorthin gelangt sie erst in den Stürme» der Wikingerzeit; in Deutschland war sie unbekannt. Die Vorgeschichte hat auch auf dem Gebicie der Stellung der Frau schiefe Beleuchtungen der Geschichtsüberlieferung zurechtgerückt. Sie wird much in der Zukunft noch manches Miß- Verständnis und manche Mißachtung aus unserer Vorzeit hinweg- räumen. Die Jkariden. Immer noch stürzen jene Kühnen aus den Lüften herab, die sich wie einst Ikarus vermessen, in stolzem Fluge der Sonne entgegcnzui'chweben. Und wahrhaft erschreckend groß ist die Zahl der Opfer unter den modernen Jkariden, den Künstlern des Fluges, die sich die Herrschaft über die Lüfte zu ertrotzen suchen. Nicht weniger als zehn Namen, teilweise von allerbestem Klange in der Aviatik, verzeichnet die Verlustliste des Flugsports feit dem Be« ginn des Jahres 1910. Hier ihre Reihenfolge: Am 5. Januar: Lson Delagrange; am 2. April: Leblon; am 13. Mai: Hauvete- Michelin; am 5. Juni: E. Six; am 19. Juni: Thaddäus Robl; am 3. Juli: Ch. Wächter; am 14. Juli: Daniel Kinet; am 12. Juli: S. Rollz; am 3. August: NicolauS Kinet und Dr. Ch. Walden. Eine große Zahl anderer Aviatiker ist beim Absturz mit mehr oder weniger schweren Verletzungen davongekommen; eS gibt wohl überhaupt' leinen Flieger, der nicht schon mindestens einen unfrei- willigen Absturz hinter sich hat. Manchmal erscheint die Retlung der aus der Höhe zu Boden Sausenden geradezu als ein Wunder. Es konimt eben völlig auf die Zufälligkeiten an, unter denen der Absturz erfolgt, und ähnlich wie bei Automobilunglücken geht der eine unversehrt oder nur mit ganz unerheblichen Verletzungen auS der Katastrophe hervor, während der weniger vom Glück Begünstigte daS Genick bricht oder von seinem Motor zerschmettert wird. Angesichts dieser unaufhöilichen Flugkatastrophen kann nur völlige Verblendung glauben, daß der«eroplan in absehbarer Zeit zu einem Verkehrsmittel werden wird, wie das kühne Phantasten immer wieder behaupten. Ob der Aviatik oder aber der Luftschiff- fahrt die Zukunft gehört, das heute schon zu entscheiden, wie das von vielen zugunsten des Systems„Schwerer als die Luft" ge- fchieht, ist völlig unmöglich. Bis jetzt zeigen beide Systeme noch außerordentlich große Mängel, die abzustellen die Aufgabe und die Arbeit noch vieler, vieler Jahre sein wird. Augenblicklich ist die Luftschiffahrt als vollkommener und sicherer zu betrachten; niemand weiß aber, wie das Verhältnis in fünf, in zehn, in zwanzig Jahren sein wird. Vielleicht wird tat- sächlich die Fliegerkunst die Siegerpalme davontragen, wem, die technische Fertigkeit im Bau leichter und absolut zuverlässiger Motoren viel größer sein wird als heute. Aber wer vermag die technische EntWickelung vorauszusehen? Unterlassen wir deshalb lieber das Prophezeien und suchen ivir aus den Unglücksfällen, die Einheitlichkeit der Partei in Frage zu stellen. Daß sie sich viel� leicht in einer heiklen Situation befanden, mag zugegeben werden. Aber habe doch selbst ein Liberaler, Breitscheid, es für selbstver- ständlich gehalten, daß die Opposition der gegnerischen Regierung nicht die Mittel zum Regieren bewilligt!— An der Diskussiow beteiligten sich Beckmann, Diehl, Noll und Krumm. Während Dieht die Haltung der Badenser begreiflich findet und billigt, sprechen sich die übrigen darüber ablehnend aus. Krumm meint, daß mit der badischen Taktik alle Parteitradition zum Teufel und die Partei das Vertrauen des Volkes verlieren müsse, was jedenfalls mehr wert fei, als ein paar freundliche Ministerworte. Was da alles zur Verteidigung des badischen Streiches vorgebracht würde, sei schon bald nicht mehr schön. Äe- sonderes leiste Dr. Q u e s s e l in Darmstadt; er wundere, sich, daß sich die Darmstädter das gefallen ließen. Man täusche sich, wenn man etwa glaube, durch eine derartige Politik etwas zu erreichen. Unter allen Umständen müsse aber die Einheit der Partei gewahrt werden!— Es wurde beschlossen, den Parteitag zu beschicken: die Wahl des Delegierten erfolgt direkt. Der Sozialdemokratische Verein Offenbach nahm am Donners« tag nach einer mehrstündigen Diskussion, in der sowohl Anhängerl der Budgetbewilligung wie auch deren Gegner zum Worte kamen» gegen 3 Stimmen folgende Resolution an: „Die Versammlung erkennt an, daß die Budgetbewilligung im badischcn Landtage durch die besonderen politischen Verhält- nisse gerechtfertigt war. Sie betrachtet die Budgetbewilligung als eine taktische Frage, über die die Entscheidung den Fraktionen der Einzcllandtnge überlassen werden sollte. Die Versammlung erwartet deshalb vom Magdeburger Parteitage die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses. Die Hofgängerei der badischen Land- tagSabgeordneten wird, als dem republikanischen Charakter der Partei widersprechend entschieden verurteilt." Ein Antrag, den Beschluß Nr. 99 des Nürnberger Parteitage» aufzuheben, der die Genossen, die am 1. Mai ohne Lohn« ausfall feiern, zur Abführung eines Tagelohns verpflichtet, wurde abgelehnt. Eine Parteiversammlung in Qiotha, die stark besucht war, nahm am Mittwoch ohne Diskussion, aber mit allseitiger lebhafter Zu» stimmung«in Referat des Genossen Wilhelm Bock entgegen über die Taktik der Partei und die Frage der Budgetbewilligung. Unser ganzes Empfinden und Denken, so führte Genosse Bock aus, wendet sich auf das ent» schieden sie gegen die Badenser Abgeordneten« deren Verhalten und höchst sonderbares Handeln die ganze Parter in einen Sumpf führen muß, wie ihn schon Lassalle den früheren Fortschrittspartcilcrn zum Vorwurf machen mußte. Genosse Bock wies eingehend nach, um wieviel schlimmer um den heutigen Libera« liSmuS und seine Führer es steht, woraus sich für jeden Partei» genossen klar und deutlich ergeben müsse, daß ein Zusammenarbeiten mit dieser den Reaktionären Zuträgerdienste leistenden Partei nicht ermöglicht werden könne und dürfe. Heute seien wir so stark, daß wir sehr wohl überall auf die Hilfe der bürgerlichen Parteien ver» zichten könnten; viel energischer müsse aufgetreten werden als bis» her. Und nach Lübeck und Nürnberg hätte er(B.) das Vorgehen in Baden nicht mehr für möglich gehalten. Das sei eine Disziplin- lofigkeit sondersgleichen!(Lebhafter Beifall) Praktische Lebens- erfahrung sollen die sozialdeniokratischen Führer besitzen; könnte man dies in Baden nicht einsehen, so müsse der letzte Schritt auS der Partei erfolgen, was in Magdeburg radikal gesagt werden muß, damit nicht ein zweites Mal solch eine Partcipfuscharbeit geleistÄ werde!_ Eine Lanze für Mannheim. Unter diesem Titel schickt uns Geirosse Arbeitersekretär Rich. B ö t t g e r. Mannheim eine Zuschrift, aus der wir unter Hinweg» lassung einiger persönlicher Ausfälle, die mit der Sache in gav keinem Zusammenhang stehen, folgendes wiedergeben: Was mich vor allem veranlaßt, und zwar als gefchäftS« führender Vorsitzender des Ortsvereins Mann» heim und des 11. badischen ReichstagswahlkreiseS, ist die ten» denziös entstellte, der Wahrheit ins Gesicht schlagende Wiedergabe über die Abstimmung der Budgctresolution in der Mannheimer Parteiversammlung. Ich weiß nicht, ob Genosse R e m m e I e auch der Absender des in der Freitagsnummcr des„Vorwärts" erschie» nenen einseitig gefärbten Telegramms ist. Nachdem fein� Artikel im„Vorwärts" am letzten Mittwoch erschienen, ist diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Bereits im Freitagstelegramm ist davon div Rede, daß die Vertrauensresolution für die Budgetbewilligev „gegen eine große Minderheit" angenommen wurde. In der letzten Notiz„Eine eigenartige Berichterstattung" legt Genosse Remmele der technischen Unzulänglichkeit der Flugapparate entspringen, zu lernen. Notizen. — M u f i k ch r o n i k. In der G o t t s ch e i d o p e r im Schiller- Theater O. wird Gonnntag nachm. 8 Uhr zu ermäßigten Preisen «Der Freischütz" gegeben; abends 8 Uhr findet neu einstudiert in der Einrichtung des Miinchcner HofthcaterS eine Aufführung von Mozarts.Zauberflöte" statt. — Kunstchronik. Die Akademie der Künste wird in ihren Räumen Pariser Platz 4 in der zweiten Hälfte deS Monats September zusammen nnt einer S k a r b i n a- GedächtniS-AuSstellung eine Ausstellung von Arbeiten des verstorbenen Professors Joseph M. O l b r i ch veranstalten. — DaS Zeitalter der Operette. Zum Bau eine» Operettentheaters an der Ecke der Kursarstenstraße und der Nürn» berger Straße wurde die Erlaubnis erteilt. Das«Deutsche Operettentheater"— so wird es heißen— soll im Herbst 1911 eröffnet werden und zweifellos einem von den zahlreichen Operetten- theatern noch nicht genügend befriedigten tieferen Kulturbedürfnis Genüge tun. — Was unseren Kunstausstellungen nottut. In den Berichten über die Große Berliner Kunstausstellung wurde mit Genugtuung vermerkt, daß heuer die fürchterlichen Schlachten- bilder und sonstigen patriotischen Schinken fehle». Darüber herrscht unter den Lesern der«Deutschen Tageszeitung" offenbar Entsetzen. ES ergeht sich denn auch einer in lebhafter Klage über diesen Fehler. Schon sind die wunderbaren Schlachtenpanoramen verschwunden. «um so unbegreiflicher erscheint es, daß gerade in dem gegenwärtigen Jubeljahre nicht die Wände einer der Hauptsäle in dem Ausstellung»» gebäude am Lehrter Bahnhof mit Schlachtenbildern, die Episoden au« dem Kriege 1870/71 darstellen, geschmückt worden sind, durch die der Beschauer an die Zeit vor 40 Jahren erinnert wird und zum Nachdenken Veranlaffnng findet". Doniit der Arme nicht ganz verzweifle, wollen wir ihm ver- raten, daß er in der National-Galerie und im Zeughause sich immer noch mit„einem gewissen Schaudern" an solchen Verhöhnungen der Kunst und der Menschlichkeit ergötzen kann. Von der arktischen Studienreise Zeppelin» wird über Tromsoe aus Spitzbergen gemeldet: Die Teilnehmer waren am 24. Juli auf der„Mainz" in der Lillebay. einem Teil der Croßbay, angekommen. Dort gelang es Zeppelm, einen zur Anlegung einer Station geeigneten Platz zu finden. Es wurden m-hrfach Aufstiegversuche mit kleinen Ballons unternommen, die sehr beuächtliche Höben erreichten. Am 30. Juli gingen.Mainz' und .Phönix" zur Eisgrenze ab, während Graf Zeppelin mit Begleitern landeinwärts über die Hochebene nach Westen zog. Dort soll wahr- scheinlich«in Ballonplatz angelegt werden. dkest unlöafre absurde Berlchlerstatüt'ng soga'r noch ziffernmäßig fest. Er spricht von Stimmenthaltung und ausgezählten Stimmen (210—230 für Mißtrauensvotum; 27V— 290 dagegen). Diese Schilderung, die, wie gesagt, den Stempel tendenziöser Entstellung an der Stirn trägt, ist eine glatte Unwahrheit. Der Hergang der Sache ist so: Nach dem Referat des Genossen Geiß kamen fast hintercin- ander 4 Budgetgegner zu Wort(H. Remmele, Lehmann, Harter und Schmitz), während außer dem Referenten Genosse S ü ß k i n d und Frank das Verhalten der Fraktion verteidigten. Wie das anderwärts auch gewesen sein wird; im Laufe der Debatte hatten sich zwei kompakte Richtungen gebildet. Jeder wußte, welcher Re- solution er seine Stimme zu geben hatte. Die Erregung über den behandelten Stoff war derart, daß von einer gleichgültigen Stimm- enthaltung absolut keine Rede sein kann. Die Abstimmung über die Mißtrauensresolution Remmele ergab deren Ablehnung gegen eine überaus große Majorität. Im für Remmele ollergünstigsten Falle IVO gegen 400 Stimmen. Das Resultat über die Willens- Meinung der Versammlung im befürwortenden Sinne der Budget- frage war das umgekehrte Verhältnis, nämlich 400 gegen 100 Stimmen. Es wurde dieses taxierte Ergebnis von mir, als Leiter der Versammlung, wegen der späten Zeit(M2 Uhr nachts) nicht ausdrücklich k o n st a t i e r t; vielmehr festgestellt, daß die Ver- trauensresolution mit übergroßer Majorität angenommen sei. Dieses Abstimmungsergebnis ist relativ da? glüche wie über die- selbe Resolution auf der drei Tage späteren Konferenz des 11. ba- dischen ÄcichstagSwahlkreises. Hier wurden ziffernmäßig 92 für und 6 Stimmen gegen die Budgetbewilliger festgestellt. Es läßt sich an dieser von mir gegebenen Feststellung nichts drehen und herumtüfteln. Uebrigens wurde auch gegen das in der Monats- Versammlung verkündete Resultat von keiner Seite, auch.den Budgetgegnern nicht, Widerspruch erhoben. Das Ergebnis der Ab- stimmung ist protokollarisch festgelegt und Genosse Remmele hat kein Recht, die Mannheimer Parteiorganisation samt deren Lei» tung öffentlich der Unwahrheit— wenn euch in versteckter Form— zu bezichtigen. Oder wagt Genosse Remmele vielleicht, meine Neu- tralität als Vorsitzender bei Behandlung der Budgetfrage anzu- zweifeln? Es mutet sonderbar an, daß Genosse Remmele, der un- entwegte Verfechter der Parteibeschlüsse, im gleichen Augenblick, als er gegen die, seiner Ansicht nach, bcüischen Disziplinbrecher losstürmt, Beschlüsse der eigenen Parteiorganisation kalten Blutes -mit Füßen tritt. Oder weiß Genosse Remmele nicht, daß über der Redaktion der„Volksstimme" die Preßkommission steht? Gab es wirklich keinen andern Weg in der Partei, als mit Aufbietung aller vabulistischen Kräfte das eigene Nest zu beschmutzen? Die seit- herige Parteitätigkeit des Genossen Remmele in allen Ehren--- in Mannheim haben wir trotz Parteischule noch nichts verspürt— -mit seiner mehr wig„eigenartigen Berichterstattung" hat er seiner engeren Organisation und der Sache, für die er eintritt, einen isehr schlechten Dienst erwiesen." Wir müssen gestehen, wir begreifen die Aufregung deS Gen. Vöttger wirklich nicht. Seine persönlichen Ausfälle gegen Gen. Remmele sind um so unverständlicher, als in der Einsendung gegen die Geschäftsführung des Gen. Böttger auch nicht ein Wort gesogt wird. Äen. Böttger gibt selbst zu, daß, was ja sicherlich bedauer- lich ist, eine Konstaticrung des Stimmenverhältnisses unter- blieben ist. Nichts natürlicher aber,-daß in einem solchen Falle Differenzen über das Stimmenverhältnis entstehen. Gehen ja sogar die Schätzungen beider Genossen über die Teilnchmerzahl offenbar um 100 auseinander. llnS find übereinstimmende Berichte von verschiedenen Seiten und unabhängig voneinander zugegangen, die alle betonten, eS habe sich um eine sehr starke Minderheit gehandelt, und gar so unbeträchtlich -ist auch die Minderheit, die Genosse Böttger angibt, nicht. Wenn unser badische Genosse so entrüstet ist, daß Genosse Remmele sich mit seiner Darstellung an uns gewandt hat, so wendet sich diese Entrüstung an die falsche Adresse. Genosse Remmele hat sich sehr loyalerweise zuerst an die Mannheimer„Volksstimme" und erst als diese ablehnte, an das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie gewandt. Was das mit Disziplinbruch zu tun haben soll, ist völlig unerfindlich. Die Heftigkeit des Genossen Böttger läßt sich nur aus der großen Nervofität erklären, die da- -durch hervorgerufen wird, daß die Taktik der badischen Fraktion in wachsendem Maße Widerstand im eigenen Lande findet. AuS den Organisationen. Der Jahresbericht des Sozialdemokratischen Vereins Nürnberg-Altdorf für das Geschäftsjahr 1909/10 ist soeben im Druck erschienen. In gedrängter Kürze gibt er ein anschauliches Wild über die Tätigkeit im abgelaufenen Jahr. Die Mitgliederzahl -ist wieder in erfreulicher Weise gestiegen. Trotzdem am 1. April d. I. der Beitrag für männliche Mitglieder von 25 auf 36 Pfennig pro Monat erhöht wurde, betrug die Mitgliederzahl am 30. Juni 1910 16 809 gegen 14 228 zur gleichen Zeit des Vorjahres. ES ist somit ein ZuivachS von 1683 zu verzeichnen. Davon entfallen 367 auf die Frauen, deren Mitgliederzahl nunmehr 1060 beträgt, die in der obigen Gesamtzahl mit inbegriffen ist. Versammlungen haben stattgefunden: 10 Mitgliederversammlungen, 202 Bezirks- und Distriktsversammlungen, sowie 85 öffentliche Volksversammlungen, insgesamt also 297. Für die Frauen sind Leseabende eingerichtet, -in denen ebenfalls eine Reihe von Vorträgen gehalten wurden. Flugblätter kamen drei in einer Gesamtauflage von 250 000 Exem- plaren zur Verteilung. Die Leserzahl der„Fränkischen Tagespost", die im Vorjahre 30 500 betrug, hat um 1500 Abon- nennten zugenommen, die„Neue Zeit" wird regelmäßig in 200 Exemplaren abgesetzt, wovon rund 180 durch den Verein be- zogen werden. Beiträge wurden geleistet 175 097 gegen 157 533 im Vorjahre, daS ergibt eine durchschnittliche Beittagsleifwng für 14 591 Mitglieder, ein Resultat, wie eS wohl wenige größere Ver- eine günstiger aufweisen dürften. Die Einnahmen und Ausgaben bilanzieren mit 82 421,42 M., cm die einzelnen Parteiinstanzen wurden abgeführt 19 876,13 M. Der Kasscnbestand beträgt 18 888,92 M. Der Verein unterhält«in eigenes Sekretariat, in dem zwei Sekretäre und ein Hilfsarbeiter beschäftigt werden. poltreiliches, Omchtlichca ufw. f. Doch keine Aufreizung zum Klassenhaß. Der Bericht über die erste große Dortmunder Wahlrechtsdemonstration, den die Dort- mimder„Arbeiterzeitung" veröffentlichte, wurde seinerzeit von der Staatsanwaltschaft wegen Aufreizung zum Klassenhah unter An- klage gestellt. Das Gericht erkannte jedoch gegen den Redakteur, Genossen Beyer, nur auf 500 M. Geldstrafe wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze. DaS Reichsgericht gab jedoch der Revision des Staatsanwalts nach, hob das Urteil auf und ver- wie? die Sache zurück zur Nachprüfung, ob nicht doch Aufreizung zum Klassenhaß vorliege. Das Dortmunder Gericht verhandelte am Donnerstag abermals in der Sache, jedoch hatte der Staats» anwalt kein Glück. Das Gericht sprach aus, daß es beim vorigen Urteil bleiben müsse, es liege keine Aufreizung zum Klaffenhaß vor. Die Geldstrafe von 500 M. für die angebliche Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze bleibt indes bestehen. Soziales. Lohn für SonntagSorbeit.- Der Inhaber eines GrabdenkmalbetriebeS, ein Herr Wohtfchewski, hielt sich zum Besorgen von Botengängen, Rech- «ungen einkassieren und dergleichen den Arbeiter S., der daneben -in Berlin und Umgegend die Familien zu besuchen hatte, bei denen Todesfälle eigetreten sind, um sie als Kunden zu gewinnen. Seine Tätigkeit nahm neben den Wochentagen auch immer noch den Sonn- tag mit 7 Stunden in Anspruch. Anfänglich erhielt er wöchentlich 25 M., später SO, 35 und 40 M. Nach 17wöchiger Tätigkeit sollten die Zahlungen wieder herabgesetzt werden, und da er dem Wider- stand entgegensetzte, wurde er entlassen. Er klagte nun beim Ge- werbcgericht auf Bezahlung seiner Arbeitsleistungen an den (17 Sonntagen mit 57,50 M. Der Beklagte wandte ein, daß die Be- «ahlung für diese Leistungen in den erhaltenen Bezügen inbegriffen jei, mä der Algger entschieden destritt. Die dem Meflagten ge-i führten Bücher ließen auch erkennen, daß die an den Kläger er- folgten Zahlungen nur a Contozahlungen sind. Da der Kläger bei seinen Geschäftsreisen auch keine Spesen extra erhalten hat, konnte das Gewerbegericht nicht die Ueberzeugung erlangen, daß durch die geringen ä Contozahlungen die Sonntagsleistungen des Klägers mit abgegolten sind und gab dem Klagealltrage statt. Konflikt in der Offenbachcr Ortskrankenkasse. Im Februar d. I. wurde in der Generalversammlung der Ortskrankenkasse in Offrnbach der bisherige Vorsitzende und Ge- schäftsführer der Kasse, Streb» der bisher Vertreter der Arbeit- nehmer gewesen war, von diesen nicht mehr als Vorstandsmitglied wiedergewählt. Dafür wurde er aber jetzt von den Arbeitgebern als ihr Vertreter in den Vorstand delegiert. Die Abeitnehmer- beisitzer de? Vorstandes erhoben gegen die Zugehörigkeit Strebs zum Borstand Protest bei der Aufsichtsbehörde, da er als Auge- stelltet der Kasse nicht zugleich Vorstandsmitglied sein könne. Das Verfahren schwebt zurzeit noch beim Provinzialausschuß in Darm. stadt. Inzwischen hatten die Arbeitgebervcrtreter insofern Ob- struktion geübt, als sie an den ordnungsmäßig einberufenen Sitzungen des Vorstandes nicht mehr teilnahmen, trotzdem sie hier- zu jedesmal eingeladen waren. Als infolge dieses Fehlens der Arbeitgeber der Vorstand der Ortskrankenkasse zur Regensburger Tagung der Ortskrankenkassen Deutschlands nicht wie bisher zwei Arbeitnehmer und einen Arbeitgeber, sondern drei Arbeitnehmer als Delegierte wählte, erhoben nunmehr die Arbeitgebervertreter wegen dieser angeblichen Zurücksetzung bei der Aufsichtsbehörde Protest. Der Protest wurde aber von der Aufsichtsbehörde als un- Zstlässig zurückgewiesen. Darauf teilten am vorigen Sonnabend die Ärbcitgebervertreter dem Vorstande mit, daß sie ihr Amt, so- wohl als Vorstandsmitglieder, wie auch als Generalversammlungs- Vertreter niederlegen, weil die Majorität des Vorstandes sich bei ihren Maßnahmen von parteipolitischen und persönlichen Gründen leiten lasse. Eine Angabe darüber, worin die parteipolitischen per- sönlichen Bestrebungen liegen, haben die Arbeitgcberbeisitzer bisher nicht gegeben, trotzdem sie hierzu in der Presse aufgefordert wurden. Der Konflikt dreht sich unzweifelhaft um die Person des Renegaten Streb. Es scheint beabsichtigt zu sein, die allgemeine Ortskrankenkaffe in Offenbach zu schwächen uno zu sprengen durch Gründung einer Anzahl Betriebskrankenkassen. Einer der größten Offenbacher Betriebe, die Schraubenfabrik Gebrüder Hein, deren Inhaber zu den Vorstandsmitgliedern der OrtSkrankenöisse gehört, hat seinem Arbeiterausschuß bereits mitaeteilt, daß die Errichtung einer Betriebskrankenkasse in Kürze zu erwarten sei. Die Auf. sichtsbehörde erklärte das Verhalten der Arbeitgebervertreter für ungesetzlich. Heilstättenbehandlung für tuberkulöse Eisenbahner wird auf Grund eines Uebereinkommens des österreichische» Eisenbahn- Ministeriums mit den Lungenheilstätten Alland und HörgaS ge- währt. Alljährlich können 45 Eisenbahner verpflegt werden; die Aufnahme ist auf solche Mitglieder der Staatsbahn-Krankenkasse beschränkt, die an der Lungenschwindsucht im AnfangSstadium er- krankt sind und bei denen noch begründete Aussicht auf Heilung be- steht._ Staatliche Trinkerfürsorge in der Schweiz. Ein Gesetz zur Versorgung von Gewohnheitstrinkern ist am 1. Juli im Kanton Luzern in Kraft getreten. Danach werden trunksüchtige Personen auf 6— 12 Monate, im Wiederholungsfälle 1—2 Jahre einer Trinkerheilanstalt überwiesen. Nächst dem zu Versorgenden und seinen Verwandten haftet für die Kosten die Wohngemeinde, der aber vom Kanton äa� dem Alkoholzehntel ein bis zwei Drittel ihrer Auslagen erstattet werden. Ein ähnliches Gesetz hat im vorigen Herbste der Kanton Thür- ga« eingeführt. Danach find in einer Trinkerheilanstalt zu ver- sorgen: Personen, die infolge Trunksucht ihre Angelegenheiten nicht zu besorgen vermögen oder sich oder ihre Familien den Gefahren des Notstandes aussetzen oder die Sicherheit anderer gefährden oder wiederholt öffentliches Aergernis erregt haben. Besteht keine Aus- ficht auf Heilung, so soll Unterbringung in einem Asyl oder einer Irrenanstalt erfolgen. Die Versorgung erfolgt in der Regel auf 8—12 Monate. Viraussetznng der Unterbringung, die vom Waisenamt des Wohnorts auf Antrag einer anderen Behörde oder von Amts wegen verfügt wird, ist erfolglose amtliche Verwarnung oder das Zeugnis eines approbierten Arztes, der die Unterbringung für erforderlich erklärt. Die Swsten werden, falls das Vermögen des Versorgten nicht ausreicht, wie Armenunterstühung gedeckt. Auch ist die Fa. milie, wenn durch die Versorgung Not eintritt, zu unterstützen.— Der Grund der Versorgung ist genau nach dem Wortlaut deS§ 8 Abs. 3 deS deutschen Bürgerlichen Gesetzbuchs, der die Entmündi- gung wegen Trunksucht vorsieht, formuliert. Doch ist in der prak- tischen Durchführung des Gedankens daS Deutsche Reich bereits weit überholt worden._ Huö Induftm und Handel Steigerung der Vichpreise. Seit einiger Zeit schnellen die Viehpreise wieder kräftig auf. Die Bewegung ist so stark, daß der HalbjahrSdurchschnittspreiS für die ersten 6 Monate 1910 den Satz der Parallelzeit des Vorjahres schon weit überholt hat. Recht markant wird die Preissteigerung durch die folgende Aufstellung veranschaulicht. Nach den Angaben deS Organs des Deutschen FleischerverbandeS betrugen die Julipreise für Ochsen II. Qualität: Der jetzige Preis überragt mithin den aller früheren Jahre be- trächtlich. Bei Kälbern ist diese Avance noch bedeutender. Der JulidurchschnittSprei» stellt sich für verlin auf 175 M. bei II. Qualität, während der Höchstpreis früherer Jahre mit 156,60 M. im Jahre 1908 erreicht wurde. Im Jahre 1901 notierte Berlin III M., so daß in den letzten 10 Jahren eine Preissteigerung um zirka 60 Proz. vorliegt. Der Durchschnittspreis stellte sich in Hamburg auf 192,20 M.. daS find 80 M. mehr als im Juli vorigen JahrcS. Ebenso ist das Preisverhältnis an den übrigen Märltkn. Nicht minder schlecht steht eS bezüglich der Hammel. Der Durchschnittspreis erreichte mit 180 M. für IL Qualität in Hamburg den Höchststand und über» trifft den höchsten Preis des Jahres 1906 noch um 10 M. Der Berliner Durchschnittspreis stellte sich auf 154,20 M.. der allerding» in den Jahren 1906 und 1907 eine Kleinigkeit übertroffen wird. In München stieg der Lebendczewichtspreis auf 112,80 M. gegenüber 96 M. im Vorjahre. Nur bei den Schweinen liegt ein kleiner Rück- gang gegenüber dem vorjährigen Julipreise, der bis dahin der höchtte war. vor. Die vorjährigen Julipreise stellten sich auf 140—144 M., der jetzige auf 130—140 M. per 100 Kilogramnr, Jin einzelnen stiegen im Monat Juli die Preise für Ochsen um 1—2 M. per Zentner, in Berlin um 4, in Köln nm 6 M.; für Bullen war die Markttage ruhiger, die PreiSauffchläge geringer, im Durch- schnitt ging der Aufschlag nicht über 1—1,60 M. hinaus, mit Aus- nähme von Hamburg, wo gegen Schluß de« Monats erhebliche Preiserhöhungen starttanden. Für Kühe war die Marktlage fest bis steigend. Das zur Schlachtung kommende Vieh ist durchweg nicht ausgemästet. Die Fettausbeute ist eine derartig geringe, wie seit Jahren nicht. Der Handel sticht eben nach allen Kräften Vieh an den Markt zu bringen. Würde man sich jetzt auf die genossenschaft- liche Organisation des Biehhandels verlassen müssen, so wäre die I Kalamität noch viel größer. An allen Märkten werden jetzt Ochsen zu 95 Pf. bis 1 M, per Pfund Schlachtgewicht gehandelt. � Auf dem Kälbermarkte sind die Zufuhren außerordentlich zurück« gegangen. Die Mindcrzufuhr betrug in Berlin 5500, Breslau, Dresden und Franksiirt 2100—2300, München, Hamburg und Kol» 1500—1800. Infolgedessen sind auch die Preise wieder fester. Sie stiegen am stärksten in München, aber auch Hamburg und Berlin brachten Aufschläge von 3— 4 Marl Im Hammelhandel war das Geschäft gleichmäßiger. Die Sterge- rung der Zusubr hielt in Mitteldeutschland an. Auch Süddeutschland hatte bessere Beschickung, während West-, Nord- und Ostdeutschland weniger Zufuhren aufwiesen. Trotzdem stiegen die Preise, und zwar recht beträchtlich in Dresden. Breslau und München, in geringerem Grade in Hamburg, Köln und Berlin. Auf den Schweinemärkten waren die Zufuhren gegenüber dem Juni niit Ausnahme von Hamburg und Frankfurt vermindert. Es fehlte sehr an guter Ware, so daß an allen Märkten böhere Preise angelegt werden mußten. Der Aufschtag stellte sich in Frantfurl auf fast 5 M,, in Berlin auf 3l/t M,. Hamburg, Köln und München 2 bis 2'/, M., Breslau und Dresden 1>/, M. Bei aller, Viehgatiungen finden wir also ein mehr oder minder starkes Anziehen der Preise._ Unsicherheit der Tuberkulinprobe. In der„Schlacht- und Biehh.-Ztg." veröffentlicht Dr. T. Bolle einen Artikel über die Tuberkulinprüfung der Kindermilchkühe in der Meierei Bolle. Dabei wird nachgewiesen, daß die Prüfung bei dem- selben Tiere einmal positiv, ein andermal wieder negativ ausfällt. ES werden 18 Fälle angeführt, worunter mehrere find, bei denen die positive und negative Reaktion zweimal sich abwechselte. Die Tiere reagierten zuerst negativ, dann positiv, dann wieder negativ und schließlich wieder positw. Wie man einer derartigen Methode Be- weisschlüssigkeit zusprechen kann, würde vollständig unverständlich sein, wenn sie nicht notwendig wäre für unsere be— rühmte Grenz« sperrpolitik._ Die Baukoujuuktur. Die Hoffnung, daß nach der Aussperrung im Baugewerbe eine sommerliche Nachsaison den Ausfall an Arbeitsgelegenheit, den der Arbeitskampf gebracht hatte, bis zu einem gewissen Grade wieder einholen werde, kann man fallen lassen. Aus vielen Orten kommt die Nachricht, daß die Bauuntenrehmer die Ausführung zahlreicher Bmtten verschoben hätten, vielfach sogar schon bis zum nächsten Jahre. Kurz und gut, die Unternehmungslust hält sich in engen Grenzen. Da» ist für den großen Kreis der vom Baugewerbe lebenden erwerbstätigen Bevölkerung wenig erfreulich. Ob im nächsten Jahre die Beschaffung d e r n ö t i g e n K a p i t a l i e n zu annähernd gleich günstigen Bedingungen wie dieses Jahr möglich ist, muß als fraglich bezeichnet werden. Denn wenn im nächsten Jahre Industrie und Handel mit steigendem Kapitalbedarf an den Geldmarkt herantreten, dann ist mit höheren Zinssätzen zu recknen, waS sich beim Bauen besonders rasch und intensiv zeigen würde. Aus allen diesen Ursachen ist eS recht unerfreulich, daß die Bautätigkeit vom Frühjahr bis zum Sommer dieses Jahr die erwartete starke Belebung nicht erfahren konnte. Mag der Herbst auch noch eine Besserung bringen, er wird das Versäumte nicht mehr einzuholen vermögen._ Bermehrnng der Produktionsmittel. Obwohl zurzeit die Produktionsmittel der Eisengroßindufirie bei wertern nicht voll ouSgemitzt werden können, find die Werke doch eifrig dabei, ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen, lieber die Betriebs- mittclvermehrung an der Saar und Mosel macht die„Rh. W. Ztg." folgende Angaben: Die Firma Thyssen u. Cie. hat bereits mit dem Bau neuer Hochöfen im Anschluß an die Sanrbre-et-Mosellc-Oefcn bei MaizidreS begonnen. Desgleichen wird da? Terrain, daS zwischen MaizräreS, Nombach und der ausgebauten Eisenbahnstation Hagendingen liegt, für große Stahl« und Walzwerksanlagen derselben Finna bereits vorbereitet. Es wird also hier in nicht allzusdrner Zeit ein große? Industrieviertel entstehen, da die Rombacher Hütte mit ihren Stahl- und Walzwerksanlogen und ihrer Moselhütte un» mittelbar dabei liegt, und da außerdem nicht weit davon entfernt die Firma Stumm in Ueckingen über eine große Hochofenanlage verfügt und ebenso die Firma Röchling in der Carlshütte bei Dieden- Hofen bereits eine feste Niederlassung in Lothringen hat. In nächster Nähe DiedenhosenS treffen wir weiter die Industrie des FentschtaleS, die de Wendelichen Werke und die Hütte Aumey-Friede, von denen de Wendel gleichfalls auf eine starke Erweiterung der Roheisen- erzeugung durch Errichtung von einer Anzahl neuer Hochöfen hin- arbeitet. In Luxemburg schließlich ist die neue Anlage der Gelsen- kirchener Gesellschaft in ibrem Bau bereits weit vorgeschritten, während daS gemeinsame Stahlwerk der Burbacher Hütte und der Firma Metz u, Cie. in Esch ebenfalls bereits in Angriff genommen ist. ES handelt sich nach ungefährer Schätzimg bci diesen Neuanlagen um eine Bermehrung der Roheisenerzeugung im Jahr um zirka 5 bis 600 000 Tonnen und der Slahlerzeugung von 7 bis 800000 Tonnen. Die Roheisenerzeugung in Südwcstdcutschland, die im letzten Jahre zwischen 4'/, und 5 Millionen Tonnen geschwankt hat. würde also um mindestens 10 Proz. gesteigert werden und hinter der Rheinland- Westfalens keinesfalls mehr zurückstehen. Versammlungen. Zentralverbanb der Schuhmacher. Die Generalversammlung tagte am Mittwochabend bei Boeker in der Weberstraße. Bendig erstattete zuerst den Kassenbericht für das zweite Quartal dieses Jahres. Einnahmen und Ausgaben der Zentralkasse bilanzieren mit 13 945,15 M. Unter den Ausgaben stehen für Unterstützungen verzeichnet: an Arbeitslose 1841,50 M., an Kranke 2933,96 M,, als Reisegeld 202,40 M., als Umzugsbeihilfe 118 M., in Sterbefällen 76 M. Die Einnahmen und Ausgaben der Lokalkasse bilanzieren mit 13 123,97 M. Unter den Ausgaben stehen 600 M. für die Bauarbeiter verzeichnet. In der lokalen Zuschußkaffe bilanzieren die Einnahmen und Ausgaben mit 8037,05 M. An Arbeitslosen- Unterstützung wurden 128,20 M„ an Streikunterstützung 135,40 M. ausgezahlt. Die Mitgliederzahl der Zahlstelle Berlin beträgt 2504. Den Geschäftsbericht erstattete dann Karl Herrmann, der besonders auf die jüngste Bewegung der Schoßschuhmacher zu sprechen kam, die etwa 1000 M. kostete. Es fanden im zweiten Quartal zwei Agitations-, fünf allgemeine Mitglieder- und sieben Branchendersammlungen statt. Von den letzteren beschäftigten sich fünf mit den Angelegenheiten der Schoßarbeitcr. Von 50 Betriebs- konferenzen wurden 22 für die Schoßarbeiter«abgehalten� 17 Be- zirkskonferenzen, 3 VertrauenSmännersitzungen und 8 Sitzungen der Verwaltung fanden statt. Von 28 Verhandlungen mit den Unternehmern wurden 13 für die Schoharbeiter geführt. Es ge- lang, für eine Reihe von Differenzen einen günstigen Abschluß zu erzielen. Der Redner erläuterte eingehend das VerbältniS deS Berliner Fabrikantenverbandcs zu dem Zentralverbanoe der Schuhmacher. Der erstere hatte gewünscht, daß der Zentralverband bei ausbrechenden Differenzen, besonders in Streikfällen, sofort Fühlung mit ihm suchen sollte, um durch Verhandlungen die Diffe. renzen zu schlichten. Dieser Vorschlag war Gegenstand mancher Beratung in der Verwaltung des Zentralverbandes, und man kann zu dem Resultat, daß mau prinzipiell damit einverstanden sein könne, wenn durch Verhandlungen zwischen den Organisationen der Unternehmer und der Arbeiter dem Ausbruch von Streitigkeiten vorgebeugt wird, aber der Vorschlag wäre nur dann praktisch etwas wert, wenn die Unternehmer einer tariflichen Rege- l u n g de? Arbeitsverhältnisses und einem paritätischen Arbeitsnachweis zustimmen würden. Nur unter diesen Bedingungen kann der Zentralverband sich verbindlich machen, den Borschlag der Fabrikanten aufzunehmen. Die Verhandlungen dar- über sind noch nicht abgeschlossen.— Die Versammelten waren mit der Haltung der Verwaltung in dieser Frage einverstanden. Als erster Bevollmächtigter des Verbandes wurde durch eine geheime Abstimmung Hqmann gcMhltz. Theater und Vergnügungen Sonnabend, v. Aug» st. Ansang Vlt Uhr. Nene? fönigl. LPcru.Theater. Tannhäuser. Thalia. Polnische Wirtschast. Zlniang 8 Uhr. Deutsches. Judith. K a m m e r I p i e l e. LlebcSwalzer. Lessing. Gespenster. Neues. Kasemcnlust. Komische Lper. Der Regiments- papa. Nerliucr. Taismr Kleines. Nur ein Traum.(Ansang Uhr.) Neues TchausPielhauS. Der Flieger. Berliner BolkSoper. M-Heidel- b-ra.(Ans. 8-/. Uhr.) Hebbel. Wem gehört Helene? Der Kusj aus der Nedoute.(An- sang 8'/« Uhr.) Neues Cbcmtcu. Der Gras von Luxemburg. Luftspiclbaus. DaS Leutnants- mündcl. Westen. Die geschiedene Frau. Rcsidcuz. Im Taubenschlag. Schiller O. tDlallner• Lpeater.) Martha. Schiller Gbarlottenburg. Die von Hochsattel. Luisen. Slus der Aoldwage. Hcrrnfeld. Die Welt geht. unter. Wcim zwei daSsewe tun. Rose. Ein seltsamer Fall. Metrouul. Halloh II— Die große Revue. Kolirs Gaprice. Die böse 18.— Die keusche Toinette.(Ansang 8',. Ubr.) Voigt. Vincta. Puhlmaun. Die Blmnenläte. Apvllo. Spezialitäten. Paiinge. Spezialitäten. Rcichsdalleu. Steitiner Sänger. Walballa. Svezmltlären. Wintergarten. Geschlossen. Karl Havrrland. Spezialitäten. Prater. SchützenliSl. Urania. T»»vrniirns,e SttiSV« AbendS 8 Uhr: Die Insel Rügen. Sternn-art». Jnvalld-nstr. 87—82. L.essiujj-'niester. Eonnabend 8 Uhr: Gespenster. Sonntag 8 Uhr: DaS Konzert. Montag 8 Uhr: Das Konzert. EterUner Theater. Heute 8 Uhr: TalfUIl. Morgen: TaHnn._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Täglich: Kasernenluft. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die eetichiedcne Frau. Operette von Leo Fall. taisispislkatis. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel SieDea Opepctten-Thcater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Sonntag nachmittag 8 Uhr zu er- mäßigt. Preisen: vi« Dollarprlnrouln. Berliner Volksoper. Heute llt9 Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Lllt-Heidelberg< I�esidenx. Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwant in 3 Akten von Hcnnequin und Veber. Morgen und solgende Tage dieselbe Lorslelluni. _ Sommer-Preise._ Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Der Cref von Monte Christo Morgen und solgende Tage: Der Graf von Monte Ghrlsto. Sonntag ZU.: MariaMagdalena. S"|ii«t Stf! OSE=THEATE| Große Frantsurler Str. 132. Iii» ncltaaiuvp Fall. Phant. Schauspiel in 4 Akten von Morton und Gunnioer. Ansang 8 Uhr. Ende'1,11 Uhr. Kuf der Gartenbühne: Theater- Vorstellung, Spezialitäten, großes Konzert. Ansang 4'/, Uhr. fPassai-Theater. Ein einziger Erfolg! neu Qa minie eapasnolo ZoraYia v. das großart Angust-Progr- wwwwwwww w w w w w w w ww w» w Urania. Wissenschaftliches Theater- Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Insel Rügen. Metropol-Theater Hallo!!! Die grolSe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 8 Uhr. Das 8 Uhr. «ene senlationelle Programm. 10 große Attraktionen 10. lZöLeiilussen! Wietior- Eröffnung tttittvocli,/.: Gr. Gala-Abend. Mittwoch u. Sonntags 2 Vorstellungen Dacbmiliags 4 Ubr and abends SV« Ubr. 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Zch�ei�er Garten Am KSnigetdr;- Am Friedriche»»,«. 1 Täglich um Q'h l�r: Berliner Men. Volksstück mit Ges. in 2„Mtt. Neue Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Untres SO Pf. Vereins-Brauerei Rixdorl, Hermannstr. 214/219. Ookonom: Max Wandt, Wty TUglich:~4M Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 llhr. , Sonntags 4 llhr. öulgfhögtef-KIitömstogsZsifi vorm. Grolerjan. JnHab.: Rud. Herr, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353, Lebende Photographie». Während der Sommermonate«ne Sonnabend, Sonntag u. Montag. Einiritl 30 u.«0 Pj., Kinder die Hälfte. Aiis.7 U.. Sonnt. 4 U. Vorzugekartei», nur wochent. gültig, 25 Ps. aus allen Plätzen. StetS mechs. Progr. Set». Sonnt. I.Obersaal: Kiinstlerkonzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Famiiien-KrSnzeheli. Täglich: Freikonzert. -Victoria- Brauerei, mizewet. 111/112 Im Garten oder Saal: Diiglich Br. hnmoclat. Soiree. (GesangZvorträge, Theater und Vasiets-V orstellunaen.) Sonntag», Dienstag», Donnerst. und Sonnabends: Tanzkrllnzehen. Ans.: Wochentag» 8, Sonntag» 7 Uhr.— Alle von» güliig. Im Restaur.: MittagStisch 75 Ps. Gr. u. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Man Saeger. �Spree-Garten� Treptow. icnllber der Sternwi (Gegenüber der Sternwarte.) Erstklassiges, grSBtes Konzert- Etablissement Treptows. Heute Sonnabend: » Kapelle d. Garde-Grenndier- Rag. No. 6, kgl. Obermueik- meiater Kno if eh Operetten-ibend. Anfang 7 Uhr. Entreo 15 Pf. Nißle's Festslle, Dennewitzstr. 13. Sonnabend, de» 6. August» Großer italienischer Smernaclits-Ball mit herrlichen Ueberrasehungeo oeranslaitet von» Spar-Vcrcln„Kaktus**. Ansang>/,9 Uhr.— Ende 1 Alle Freunde und Bekannten ladet freundlichst ein DaS Komitee» NiBIs's Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jede» DounerStag. Sonnabend und Sonntag t 2920* Großer Sali. C. NIOlo. ffftt den Inhal» der Inserate «iberrrimm» die Redaktion dem Publik«« gegenüber teiueriei Verantwortung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unier Kollege, der Kistcnmacher Stanislaus Chudzieki am 2. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 6, August, nach- mittags 2Uhr, von derLcichenhalle des katholischen Kirchhoses in Wilhelmsberg aus statt. 87/11 Die Ortsverwaltung. OSUtSvllös Transportarbeiter-Verband. Zweigbureau Charlottenburg. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser langjähriger Kollege, der Hausdiener 70/12 LiwstWeiktaen am 3. August nach schwerem Nervenleiden verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 0. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle dcS FriedhoseS in Adlershof aus statt. 70/12 Die Bezirksverwaltung. Zentral-Terbantl der Maurer Deutscblamis. Zwelgvcrcin Berlin. Am 1. August verstarb unser Mitglied Franz Strehl (Bezirk Osten II.) Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 6. August, nach. mittags 2 Uhr. von der Halle des I Zentral-Friedhoss in Friedrichs- selde aus statt. 138/9 1 Um rege Bet�Iigunz ersucht Allen Verwandten und Bc- kannten die traurige Nachricht. dag meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwicger« und Grog- mutier Ida Steinbrink geb. Kapplusch nach langem, schwerem Leiden am 4. August saust entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Montag, den 8. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsfelde aus statt. 406L Danksagung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Genossen de? vierten Berliner Reichstagswahl- kreis es und den Kollegen und Mit- arbeitern der Firma Scharnweber u. Stodtner. sage ich hiermit sür die vielen Beweise innigster Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben ManneS meinen innigsten Dank. Witwe Böttcher nebst Kindern. Orts-Krankenkaffe Sozhllgeu-R»mintls!iurg. Einladung zur ausserordentlichen venera!- Versammlung am Freitag, den 19. August, abends S Uhr, im Cass Bellevue, Hauptstr. 2. TagcS- Ordnung: 1. Acnderung der KZ 28 und 29 des Kassenslatuts. 2. Bericht von der 6. Konserenz der Freien Ber- einigung der Krankenkassen der Pro- vtnz Brandenburg. 3. Bericht vom Vcrbandstag des ZentralverbnudeS der Orts-Krankenkassen in Regensbur g. 4. Wahl eincS Vorstandsmitgliedes (Arbeitnehmer). S. Verschiedenes. Die Einladungskarte dient zur Legitimation. 277/3 Der Vorstand. A. K o w a l k e, Vorsitzender. I Mark wöclientliche Teilzahlungen liefere elegante fertige Ersatz für HaO Anfert. n. MaB Tadellose Ausf. Julius Fabian Schneiderni�r. Große Frank- furterstr. 3711 EingangStraus- bergor Platz. II. Geschäft: Turmstr. 18 nur erste Etage, kein Laden. 'Jeder Hrbcltcr, jeder nandwerkei* Tollte zur Hrbeit die Lederhose H Herkules tragen. S Unerreichte S Leistungsfähigkeit Allein-Verkanf. Sehr starkes Leder in grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. 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August ISIO, findet per Urabstimmung die Mahl von sieben Uorstandsmltgltedern«nd der Revisoren, desgleichen die Wahl der Delegierten zum Parteitag«nd zur Brandenburger Konferenz in folgenden Lokalen statt: 7. K. Arndt, Palisadenstr. 52. 8. H. Hecker» Samariterstr. 11. 9.£1. Rott, Strahmannstr. 29. 10. L. Zwarg, Friedebcrger Str. 1. 47. 11. P. Litfin, Memeler Str. 67. 12. O. Beetz, Goßlerstr. 10/11. Wahlberechtigt ist nur daS Mitglied, welche? bis zum April dieses Jahres seine Beiträge entrichtet hat. Die Wahlzeit beginnt um 10 Uhr vormittags und endet 1 Uhr nachmittags. 129/20»_ Per Toratana. 1. E. Voigt, Naunynstr. 67. 2. B. Krone, Liegnitzer Str. 13. S. M. Mix, Skalitzer Str. 59. 4. A. Grundmann, Pücklerstr. 18. 5. P. Hoffmann, Oppelner Str. 6. A. Boeker, Weberstr. 17. Jescheit■■ siratze 3. Ensemble Gethsemane Berufs- u. Schutzkleidung für alle Zweige der Gewerkt o. Industrie, Sanitdtidienst usw, BAERSOHN Spezlal-Hau» größten MaBstabM Cbautaeestr. 19-30— Brückenstr. U Gr. 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Mitgliedsbuch legitimiert, In Anbetracht der interessanten Tagesordnung wird zahlreiches vnd panktlicheS Erscheinen erwartet._ Die Ortaverwaitong. II ill Bureau: Sebasttanstr. 37/38, Hos recht» EI.— Telephon: Amt IV, 9737. MüHil Stnpfllionfcklion! MÜHL1 t, abends S'/s Uhr, im Lok»! von Schulz, 17(Eingang Königsgraben): Sonnabend, de» 6. Au. Münzsträ Versammlung aller in der Stapelkonfektioa beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. TageS-Ordnung: »«Selche ffordernngen erhebe» wir a« die Zwischenmeister 7» Referent: Kollege liaa»«. Kollegen und Kolleginnen i Erschewi all« in dieser Versammlung. 153/12_ Ple KommlnBion» KlnljeHspretl».. M. 1 2.50 Laxua-Auslührung M, 16,50 Aostühmag, rinwini HatttxrM■ Pnia der SalaaaaderstieM i den wMrvshatwtaa Fordtra Sh Mitirtgifc. V Salamander V.• PHodrfoh-S C. Köoig-StraaM 47 SW. Friedrich■ Strasae 231 C. Rosen Ihaler Tor W. Potsdamer Strasse& NW. Wilsnaeker Strasse Ecke Turm-Strau. 8 W. Tauentzien-Strasse 15 N. 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Verlag: Borwärt»Luchdruckere, u. LerlggSgnjtglt Kaut Singer& fto., Berlin SW. Ar. 183. 27. Iahrgavs. %. Knltze dcs.AmSrls" Kcrliiin WIKsblM Lriefkalten cler keckaktion. 9U(««IlliUM CütcAfhtnbt flnbet Sinbtnftt äfft Mr. SO, vorn Wer Trevven— Aavrftubl—, wochentagllch von 4'/, bt??>/,»dr ab«»d», Sonnabend» von 4'/, vi»« Nhe nachmittags statt. Jeder für den Brief- tasten bestimmte» Anfrage ist ein Buchstabe und eine Aadl alS Viert- »eichen beizufügen. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige Frage»«rage man in der Svrechstnnde vor. Strlegan Nr. WV. Senden Sie uns den Brief ein.— E. R., Langestrafte. Die Kasse ist zur Ablehnung der Wöchnerinnenunterstützung llllZ dem angegebenen K runde nicht berechtigt.— Nnstand. 1. Ja. 2. Das bängt von dem Inhalt des Vertrages ab. Ist darüber nichts vereinbart, so haben die Erben Anspruch aus Provision von sämtlichen abgeschlossenen Geschäften, auch dann, wenn die Lieserung noch nicht erfolgt ist. Die Erben können Rechnungslegung und Zahlung, eventuell im Klagcwege, verlangen. Der Anspruch verjährt in zwei Jahren.— G. B. 81. Ihre Braut ist zur Mitreise verpflichtet. Die Kündigung ist nur zum Ersten zulässig.— A. P. LS. Fragen Sie bei dem Bezirksvorsitzcndcn sür Anhalt, Gen. M. Günther in Beniburg, Wolsgangstr. 43. an.— Gedichte Nr. 32. Verlag Karl Hcnckell u. Co., Zürich(auch Leipzig).— K. M. 1000. Derartige Unternehmungen existieren allerdings. Empfehlen können wir aber leins derselben. DaS Zweckmäßigste ist, Sie besprechen die Angelegenheit init dem Direktor eines Gymnasiums.— R.. Cervelatwurst..............«»nd I.20 Salafiiiwurst................ Pfund I.20 Teewurst...................... wuid I.20 Schinkenwurst............ Pfund I.20 Flockwurst.................. I.20 Thüringer Knoblanchvorst»v-d L20 ff. Leberwurst.............. pr°°d l.os Landleberwurst.......... Pfund 95 pt Mettwurst««d 95 p«. 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Werner, Herrn., TIT Wllier, Bans, Rosenth.-Str. 68/64.' Winkler, W;, Reinickend.-8tr.22. Wjttl|,Äd.,BeÄ«. Wolter jJ.,Ri.,a.Bhf.,Hermaimit, Wiisteney, O, Brunnenstr. 106. Wutk e, Karl Sliu i» RonsKtei�Ä«�- c WnrenhSusep c Seifen J Gustav Oambai, Kantstr. 64. Memeieratr. 48 S, Annenstr. 13. _ Z Alle Haushaltnngsart. HugoioskeA* Sslra-Ptirol., Breasspirlt., Falnr., llefg. f. Hau. KW.. Ktis.-Aiig.-AIIes I, T. U, 141. R. Semrau, Wrangelstr. 118, Pflcklerstr. 26, Elsenbahnstr. 26. Bernhard, O, Ober-Schönoweide. Bieber, Nf., Yorkstr. 37, am Bhf. MaxBIumenrelch,�'� Brünn, Nachf.,�� c Selfenpulvep Kauft nur Dp. Lrohmanns »»Pix u. Fertig und Lomax" unerreichte Waschkraft. ���ppjöh��Teäp�nen� Frankenstein d Co., Ri., BergsLUO. Wiimeradorfer Straße 118/119. Mauerhoff. Gr. Frkf. Str. 9.pt. C Tollettemlttel Lanolin „Marke Ariof dsiB.esl«b.ipröd.llaBt Shampsoii lif nQ Streupulver ÜÜHlUnolfntelfc C Tpeuei-Wennzln J Uhron u. Goldwaren Westmann Mohrenstr. 37 a, Gr. Frkf. Str. 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M,, 8Vz Uhr abends, findet im„Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 6/6, eine große öffentliche Versammlung, veranstaltet von Partei und Gewerkschaft, statt. Vortrag des Gewerkschaftssekretärs A, Mann über:„Wie steht es mit der neuen Reichsversicherungsordnung". Diskussion. Flugblattverbreitung für den ganzen Ort am Sonntag« vormtttag von den bekannten Stellen aus. Rlldersdorf-Kalkberge. Am Sonntag, den 7. August, nachmittags 3 Uhr, findet im Restaurant„Jnnungshaus", Jnh. E. Mißler, Schul- stratze 46, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Aus der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des Stadtv. D ü w e l l- Lichtenberg über:„Treue, Fleiß und Pflichtgefühl nach einer Rede des königlichen Bergrats'. 2. Freie Diskussion. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer. NowiweS. Am Sonntag, den 7. d. M., findet eine Flugblatt- Verbreitung— die Gewerbegerichtswahl betreffend— statt. Treff- Punkt morgens 7 Uhr im Lokal von Gruhl. ßerliner JVacbricbten. „Tips." WaS ein Buchmacher ist, weiß jeder, der nur einen Schimmer von Rennbahnjargon hat. Einer, der Rennwetten, in kleinen Beträgen oder auch in großen annimmt und dabei stets gewinnt. Mal zahlt er Gewinne, die der Toto heraus- gibt, reell aus, viel öfter betrügt er seine Kundschaft. Wie's gerade trifft und ihm in den Kram paßt. Ob er für ein nicht siegreiches Pferd die eingezahlten Gelder überhaupt ge- setzt hat, soll ihm erst nachgewiesen werden. Sein wohl in den meisten Fällen von vornherein auf Lug und Betrug auf- gebautes Geheimgewerbe ist polizeilich verboten. Oft genug werden Buchmacher auf der Rennbahn von Kriminalbeamten festgenommen und dem Strafrichter zugeführt. Weniger ist deshalb ihre Zahl nicht geworden. Trotz der hohen Gefahr lockt die leichte Art, auf Kosten anderer ein Vermögen zu erwerben, immer wieder neue dunkle Existenzen an, die ein weites Gewissen haben und Hals und Kragen riskieren. Nicht so allgemein bekannt ist der„Tip- macher", natürlich auch eine moderne Rennbahn-Sumpfflanze. Der hört es wachsen auf dem grünen Rasen und gibt sich den Anschein, als ob er nicht bloß Frau Fortuna, sondern auch den Kniffen der Jockeis ins Handwerk pfuschen und den Renngäulen ihre Fähigkeiten unfehlbar von den bandagierten Beinen ablesen kann. Ein Mann, der angeblich eine feine Nase für edelsten Pferdemist und für die berüchtigten Stall- geheimnisse hat, die er für ein paar Nickel oder auch Mark an Dumme weiter verkauf� Er selbst wettet entweder gar nicht oder legt da� ergaunerte Geld in ganz anderen als den„todsicher" empfohlenen Pferden an. Existteren Stallgeheimniffe nur in der vom Golde geblendeten, überreizten Phantasie der Wetter? O nein, es gibt wirklich so etwas. Manches Rennen ist längst entschieden, ehe die vierbeinigen Renner über die Bahn gehen, und mancher Jockei weiß ganz genau, weshalb er ohne Besorgnis taufende setzt auf einen Gaul, den er— nicht reitet. Ein paar dem Glück nachhelfende gewiffenlofe Jockeis, die sich dabei nicht kriegen und die bunte Seidenjacke voll hauen lassen, haben es ganz in der Hand, daß der Favorit, auf dem riesige Summen gewettet sind, verliert und daß ein krasser Außen- seiter, den nur die wenigen Eingeweihten und einige zu- fällige Glückliche wetten, mit einer Sensationsquote Sieger wird. Und loenn der Tipmacher zufällig mal auch diesen siegreichen Gaul empfahl, ist sein Rennbahnrenommee begründet, hat er für längere Zeit eine gläubige Kundschaft. Nirgends wird dem ersten besten, der mit Geschick und großem Maul seinen Pferdeverstand verzapft, leichter geglaubt und nirgends blüht der Schwindel unverschämter als auf der Rennbahn. Die Wettsucht ist eine Modekrankheit geworden, die alljährlich tausende von gesicherten Existenzen in grenzenloses Elend stürzt. Portokassen werden geplündert, Einbrüche, Fälschungen und Defraudattonen verübt, bloß um dem Wettteusel, der noch schlimmer als der Alkoholteufel ist, seinen Tribut zollen zu können. Wer da seine Hand erst mal ausstreckt nach dem Rachen der Wettmaschine, ist meist unrettbar verloren. Nur wenigen, die gegen den Strom ihrer Geldverhältnisse schwimmen, glückt es, noch recht- zeittg das Ufer zu erreichen und ihre Leidenschaft hinter sich zu werfen. Einer der letzten Scnsattonöhelden, an deren Fall auch der Toto mitgearbeitet hat, war bekanntlich der Brief- träger Bergemann. Leider tvird diese Wettkrankheit noch be- günstigt durch gewisse Tageszeitungen, die sich neben den eigentlichen Sportzeitungen auch als„Tipmacher" auf- spielen. Hier findet man zu jedem Rennen, auch zu den ausländischen, zwei Gäule verzeichnet, die als vermut- liche Sieger in Betracht kommen. Vergleicht man diese Vorhersagen untereinander, so ergibt sich, da auch jede der be- treffenden Zeitungen vor der andern um eine Nasenlänge voraus sein will, die überraschende Tatsache, daß beinahe alle beteiligten Pferde gewinnen müßten. Verfolgt man längere Zeit die Rennergebnisse und stellt ihnen die Tips jener Zeitungen gegenüber, so ergibt sich abermals das reine Zufallsspiel, wie ja überhaupt der Totalisator im großen und ganzen weiter nichts als ein staatlich konzessioniertes, für den Staat gewinnbringendes Hasardspiel ist. Wer schlau ist, pfeift auf alle Edelgäule, Stallgeheimnisse und Tips... und behält sein sauer verdientes Geld todsicher in der Tasche. Der Magistrat stimmte in seiner gestrigen Sitzung der Ver- größerung der städtischen Badeanstalt in der Bärwald- straße durch einen Anbau an der Ecke dieser Straße und der Wilmsstraße im Grundsatze zu. Der Anbau, der in ähnlichen aber einfacheren Stilformen als das bestehende Gebäude geplant ist, ist zur Aufnahme von Brause- und Badezellen und besonders einer großen Schwimmhalle für Männer bestimmt. Durch die Vergröße- rung ergibt sich die Möglichkeit, die Schwimmhalle im Hauptgebäude lediglich für Frauen zu reservieren. DeS weiteren wurde beschlossen, das öffentliche Anschlagwesen nach Beendigupg der laufenden Pachtperiode am 1. April 1911 im Wege der öffentlichen Ausschreibung auf zehn Jahre wieder zu verpachten. Aus der Erziehungsanstalt zu Zühlsdorf> Mitteln, wann der Zögling H. zuerst die Anzeichen der b�naenden neuen Erkrankung gespürt bezw. darüber geklagt h«», Scharfschieße» im Walde. Der Amtsvorsteher von Schmöckwitz erläßt folgende Bekanntmachung:„Am Sonntag, 7. August, von 12 Uhr ab, findet auf dem Schießstand w der Forst zwischen Eich- walde»md Schmöckwitz seitens des Eichwalder KriegerveretnS ein Scharfschießen statt. Bor dem Betreten des gefährdeten Geländes wird gewarnt." Diese Bekanntmachung muß den schärfsten. Unwillen in der Gemeinde und anderen Orten an der Görlitzer Bahn hervor- rufen. Tausende von Berlinern besuchen an den Sonntagen die Waldungen in Grünau, Eichwalde und Schmöckwitz. Der Schieß- stand aber ist nicht genügend mit Wällen umgeben, so daß sehr leicht Kugeln abirren können. Wo aber die„gefährdeten Stellen" sind, die auch der Amtsvorsteher in seiner Bekanntmachung zugibt, ist den Waldbesuchern zumeist nicht bekannt. Wenn Anhänger der Sozialdemokratie einen harmlosen Spazier- gang unternehmen wollen, so wird ihnen das wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und des Verkehrs untersagt; hier aber hat ein Kriegerverein daS Recht taufenden Erholungsuchenden daS Betreten des Geländes unmöglich zu machen. Der Verkehr über die Millionenbrücke weist seit kurzem eine starke Vermehrung auf. Das ist lediglich auf die Eröffnung des neuen Zuganges zum Ring-, Vorort- üvd Fernbahnhofes Gesund» brunnen von der Bellermannstratze aus zurückzuführen. Die Vor- aussage, an welche die Eisenbahnverwaltung lange Zeit mit be- kannter Kurzsichtigkeit nicht glauben wollte, hat sich also glänzend bestätigt. Beim Badstraßenzugang macht sich die Verkehrsoblen» kung nach Osten sehr angenehm fühlbar. Es fehlt nur noch der Stratzenbahnverkehr über die Brücke, der jetzt dicht dabei an der Ramlerftratze abschneidet. Durch die Wetterführung würde zweifel. los eine starke Entlastung der durch die Badskatze nach dem Ge- sundbrunnen, nach Schönholz und Reinickendorf fuhrenden Linien erzielt werden. Unlautere Kautioosmanrlver werden dem früheren Oberkon- trolleur der städtischen Stvatzenbahn Friedrich Haß auS der El- binger Stratze zur Last gelegt. Hätz, der Familie hat wird be- schuldigt, stellungslosen Leuten unter der Vorspiegelung, sie bei der städtischen Straßenbahn„anbringen" zu können, Kaution ab- genommen zu haben. Hätz ist bereits seit Monatsfrist aus dem städtischen Dienst im Disziplinarwege entlassen worden. Für 60 099 Mark Pelzwaren gestohlen. Gestern nacht haben Diebe der Pelzwarenfirma A. u. S. Segall in der Kurstr. 47/48 einen unerbetenen Besuch abgestattet. Die Spitzbuben drangen von der Adlerskatze aus in das Lokal ein, indem sie die schwere, mit Eisen bekleidete Tür mit Rachschlüsseln öffneten. In aller Ruhe konnten sie dann ihre Auswahl treffen. Sie nahmen nur die besseren Waren, wie Warderstolcn und-Muffen und konfektio- nierte Nerzsachen, außerdem eine grotze Zahl von Otter- und Biber- fellen, wie solche für Herrenpelze verwendet werden. Der Wert der erbeuteten Waren beziffert sich auf rund 69 009 Mark. Zu erregten Strastcnszcnen kam es am Donnerstag in der achten Abendstunde am Ringbahnhof Schönhauser Allee bei der polizeilichen Sistierung eines etwa Lvjährigen Arbeiters. Was derselbe begangen hat, ist für die Beurteilung des Falles gleich- gültig. In Betracht kommt nur, daß die beiden sistierenden Schutz- leute, sehr gutgenährte Gestalten, durch die Art, wie sie mit dem Sistierten umgingen, den höchsten Unwillen des bald zu Hunderten angesammelten Publikums provozierten. Der Sistierte blutete stark an dem einen Handgelenk und leistete keinen Widerstand. Trotzdem hielten ihn die beiden Beamten am Rockkragen gepackt und schleiften den Körper am Boden wie ein Stück Vieh vom Ring- bahnhof durch die Schönhauser Allee und Stargarder Stratze nach der Polizeiwache in der Greifenhagcner Stratze. Als den Schutz- leuten das Ziehen des Körpers hinter sich her zu unbequem wurde, wechselten sie um und schoben ihn wie eine Karre. Der Sistierte, der sich dabei in keiner Weise widersetzte, rief nur immer:„Laßt mich los, laßt mich los!" Eine immer mehr anwachsende erregte Menge gab dem skandalösen Transport das Geleit. Aus Zurufe M degl WbsikuM«MM äft« ltaxke SAitzleifts vsrketztW Sistierten nicht tragen könnten, gab der ein« zur Antwort:.5ÖaS machen wir, wie wir wollen!" Man braucht sich nicht zu wundern, wenn auf Grmrd solcher) durch die Polizei herbeigeführter Stratzenszenen das Publikum auf die Polizei nicht gerade gut zu sprechen ist. Der Räuberhauptmann Mohr bleibt vorläufig int Gericht?- gewährsam zu Bergen auf Rügen, wo die Ermittelungen m bezuA auf den Doppelmord des Vermehrenschcn Ehepaares vorgenommen werden sollen. Es handelt sich bezüglich der Täterschaft MohrS in diesem Falle sowie auch in dem Falle des Direktors Friedrich, der auf einer Brockenwanderung erschossen und beraubt wurde, vorläufig nur um Vermutungen. Bestimmtes Beweismaterial habe» die Ermittelungen noch nicht zutage gefördert. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich gestern nachmittag in dem Hause Kleine Markusskaße 4 zugetragen. Bei der dort woh- nenden Witwe Berger weilte seit einigen Tagen deren Nichte, die 7jährige Irina Wittwer, Am Ostbahnhof 6 wohnhaft, zu Besuch. Als sich die Kleine gestern nachmittag gegen �6 Uhr nach dem Hof hinabbegeben wollte, beugte sie sich in der vierten Etage zu weit über das Treppengeländer, verlor das Gleichgewicht und stürzte kopfüber in die Tiefe. Das Mädchen siel durch den Lichtschacht in den Keller, wo es blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Die Verunglückte, die schwere innere und äußere Verletzungen er- litten hatte, wurde zunächst nach der Unfallstation mn Grünen Weg und von dort, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, nach dem Krankenhause Friedrichshain übergeführt, wo sie hoffnungslos daniederliegt.» c. Durch die Explosion einer Spiritusbrennmafchine entstand in der Swinemünder Stratze 73 ein Brand, wobei Vorhänge, Gardinen usw. in Flammen aufgingen. In einer Schneiderwerkstatt in der Choriner Stratze 16 brannte der Fußboden u. a. und in der Bülowstraße 36 Betten usw. auf einem Hängeboden. Durch eine Lampe kam im Flur des Hauses Rückerstratze 1 Feuer aus. Ein Opfer des Strafvollzugs ist der Arbeiter P., der eine Gefängnisstrafe von neun Monaten zu verbüßen hatte, geworden. Am 14. Dezember vorigen Jahres trat P. seine Strafe in Tegel an. Am 7. Februar wurde er von dort nach Plötzensce übergeführt. Der Transportwagen, der hierbei verwendet wurde, soll nach Aussage des P. so beschaffen gewesen sein, daß dieser durch alle seine Fugen die kalte Winterluft hindurchziehen ließ, so daß die Insassen am ganzen Leibe froren. P. zog sich hierbei eine empfindliche Er- kältung zu. Da ihn der Husten allzu sehr quälte, ließ er sich nach einigen Tagen dem Anstaltsarzt melden, der ihm nach einer Unter- suchung etwas verschrieb. Da der Husten jedoch nicht nachließ, meldete sich P. wiederholt beim Arzt, der ihm Pulver sowie Tropfen verordnete. Als der junge, vor seiner Strafzeit völlig gesunde, 21jährige Mensch gänzlich entkräftet war, wurde P., wie er uns mitteilt, am 14. Juni also nach vier Monaten— dem Anstaltslazarett zugeführt. Die bereits entwickelte Lungenkrankheit P.S war nach den Einrichtungen, wie sie unsere Gefängnisse aufweisen, auch im Anstaltslazarett nicht zu bessern. Hiervon scheint auch der Arzt überzeugt gewesen zu sein, denn am 3. August eröffnete man dem Kranken, daß seinem bereits am 18. Juli gestellten Antrags auf Urlaubsbewilligung entsprochen worden und er bis zum 31. Dezember beurlaubt sei. Verwandte holten ihn noch am Abend des Tages mittels Droschke aus dem Lazarett._ Ein Privatarzt, der nun hinzugezogen wurde, vermochte aber nicht mehr helfend einzugreifen. Er verfügte die Ueberführung in ein Krankenhaus. Ein Wiederaufkommen des Kranken ist kaum zu erwarten. Wäre der kranke Mensch nicht zu retten gewesen, wenn man ihn sofort nach Erkennen seines schwer leidenden ZustandeS entlassen hätte? Mit Leuchtgas ,» vergiften suchte sich gestern früh um 6 Uhr der 17jShrige Hausdiener Franz Richter, der in dem Geschäft von Krntlow beschäftigt ist. Die Feuerwehr flößte dem Lebensmüden Sauerstoff ein und brachte ihn nach dem LazaruZ-Krankenhause w der Bernauer Sttatze. Auf der Treptow-Stcrnwarte findet am Sonntag, den 7. August, nachmittags 5 Uhr, ein Vortrag von Herrn Direktor Dr. Archenhold statt über daS Thema:„Einführung in die Astronomie". Dieser Vortrag wird populär gehalten und eignet sich speziell für die Jugend. Nachmittags 7 Uhr spricht Dr. Archenhold über„die Vergangenheit und Zukunft der Planeten". Montag, den 8. August, lautet daS Thema:„Weltanschauung und Himmelskunde". Sämtliche Vorkäge werden mit zahlreichen Lichtbildern erläutert.— Mit dem großen Fernrohr wird jetzt abends die Wega, Sternhaufen und der Ring- nebel in der Leier gezeigt. Kleinere Fernrohre stehen den Besuchern zur Beobachtung verschiedener Himmelsobjekte frei zur Verfügung. Zeugen, die gesehen haben, wie am 9. Juni d. I., ftüh 4i4 Uhr, in der Friedrichstraße, Ecke Jägerstratze, zwei Droschken zu- lammenfuhren, werden gebeten, ihre Advesse Engelufer 1ö, Zimmer LI, abzugeben._ Vorort- Mcd ricdten. Tegel. Beim Angeln ertrunken ist vorgestern der 80jZhrige Rentier Emil Memmert aus Friedenau, der seit Anfang Juli in Tegel weilte. M. ist ein passionierter Angler und lag kotz seines Alters täglich schon in den frühen Morgenstunden seiner Liebhaberei ob. Als der Rentier vorgestern früh an einer besonders tiefen Stelle des Tegeler Sees angelte, glitt er auf dem schlüpfrigen Uferrande aus und stürzte in das Wasser. Da Hilfe nicht in der Nähe und M. des Schwimmens nicht kundig war, ertrank er. Die Leiche konnte noch nicht gelandet werden. Oranienburg. Die letzte Stadtverordnetenversammlung bewilligte zunächst 199 M. an die freiwillige Feuerwehr, 169 M. als einmalige Unterstützung an den Verschönerungsverein als Beihilfe zur Fertigstellung der See- Promenade an der Liebesinsel, und endlich 186,74 M. zur baulichen Instandsetzung des Pfarrhauses. Ebenso wurde das Ortsstatut be- treffend der Umsatzsteuer, welches von, Bezirksausschuß, weil es am 29. Mai d. I. nicht auf der Tagesordnung stand, zurückgewiesen wurde, von neuem genehmigt. Der nächste Punkt der Tagesordnung: Erbauung einer Brücke über die begradigte Havel, scheint unter den Interessenten eine besondere Anziehungskraft auszuüben, denn der Zuhörerraum war dicht besetzt. Der Magistrat forderte an Stelle der bisherigen Fußgängerbrücke von Holz, welche abgerissen werden muß, eine Eisenbelou-Brücke und zwar an derselben Stelle. Die widerstreitenden Interessen Katen nunmehr zutage; auf der einen Seite möchte man am liebsten gar keine Brücke, um alle vom Bahn- hos Kommenden zu zwingen, die Bernauer Straße zu benutzen, andere wieder möchten die Brücke ganz hinaus nach dem sogenannten Berlinerfeld gebaut wissen, um den bisher fast unbebauten Siadtteil zu erschließen, ohne Rücksicht auf den Verkehr nach dem alten Stadt- teil und Kolonie Eden zu nehmen. Andere halten das Erbauen einer massiven Brücke für verfrüht und wünschen wiederum eine Fußgänger« brücke. Unsere Genossen wiesen auf den unhaltbaren Zustand der Brücke am Luisenplatz hin, welche mit Lastwagen wegen der enormen Steigung ganz besonders im Winter kaum zu passieren ist, und unterstützten die Magiskatsvorlage. Nach längerer Debatte wurde die Borlage einer besonderen Kommisston überwiesen, der auch Genosse Schumann an- gehört. Hierauf erfolgte der Bericht der Kommisston be« treffend der Havelvermessungsarbeiten. Das hiesige Vermessungß- Bureau von Richter hatte seinerzeit an die Stadtverordneten und Mitglieder des Magistrats eine Beschwerdeschrift wegen angeblicher Machinationen des Magistrats, zugunsten der Firma Kreifeld geschickt. Die Firma Kreifeld, welche die Arbeit nhielt, soll für diele Arbeit,-für welche Richter 2199 M. fordert«» das Doppelte erhalten haben. AuS dem Bericht der Kommission war zu entnehmen, daß es sich hier nicht nur um die eine Arbeit handelte, sondern um noch zwei weitere Arbeiten, so dag dieser Punkt der Beschwerde haltlos wurde. Ebenso erging es den übrigen. Die Kommisston empfahl, um in Zukunft derartige Verdächtigungen unmöglich zu machen, die Offerten von jetzt ab schriftlich einzureichen und in öffentlichem Termine zu öffnen. Spandau. Eine Feriensitzung hielten am Donnerstag die hiesigen Stadt- verordneten ab. Es handelte sich im wesentlichen um die Geneh- migung des Entwurfs für den Rathausneubau, sowie um eine Er- Weiterung der Rathausneubau-Anleihe bis zur Kostenanschlags- summe von 2 949 000 M. und Bewilligung von 3100 M. für ein Baumodell und die Transmissionsberechnung der Zentralheizungs- anlage. Ursprünglich waren für den Rathausneubau 2 Millionen Mark vorgesehen. Es hat sich aber durch Bohrungen ergeben, daß die FundamentierungSarbeiten erheblich höhere Kosten erfordern, als angenommen, und so ist man denn schon auf 3 Millionen Mark gekommen. Dabei ist die innere Einrichtung noch nicht mit ein- begriffen. Die Versammlung genehmigte im Prinzip die Vorlage, behielt sich jedoch für die einzelnen Bauausführungen noch die Beschlußfassung vor. Auch sonst stand diese Ferienversammlung im Zeichen der Geldbewilligungen. Es wurden gefordert und auch bewilligt: 30 000 M. für die Gasrohrverlegung über die Schulen- burgbrücke am Hafen, sowie von der Pichelsdorfer bis zur Ruh- lebener Straße; 25 000 M. zur Herstellung des Wafferrohrnetzes im Hafengelände; 75 000 M. zur Herstellung von Zufahrtsstraßen vom Tiefwerderwog nach den Ufern IIa, II und III des Hafens; 5000 M. zur Herstellung einer Regenwafferleitung in der Götel- straße; 40 000 M. zur Verbreiterung, Befestigung und Entwäffe- rung der östlichen Brückenrampe der Schulenburgbrücke am Hafen; 77 000 M. zur Pflasterung der Zufahrtstratzen und Befestigung der Lagerplätze am westlichen Ufer des Haveldurchstichs am Hafen; 0200 M. zur Herstellung von Treppenanlagen an der Schulenburg- brücke. Es ergibt dies das nette Sümmchen von 204 800 M. außer der Drei-Millionen-Anleihe für den Rathausneubau. Manchem biederen Spießbürger fällt schon jetzt das Herz in die Hosen, wenn er an die Aufbringung der Mittel denkt. Namentlich in Spekulanten- und Grundbesitzerkreisen ist man sehr unruhig dar- über, daß man sie zur Deckung etwas schärfer heranziehen wird. Am Sonntag, �den 7. August, feiert die„Freie Turnerschaft" ihr diesjähriges Sommerfest in der Brauerei Pichelsdorf. Auch finden nachmittags die Kinderspiele statt. Es wäre sehr wün» schenswert, wenn die Genossen sowie die Gewerkschaftler sich recht rege an dem Sommerfest beteiligen würden, da die„Freie Turner- schaft" schon immer bei den Festen der Partei und Gewerkschaften zur Verschönerung tätig gewesen ist. Nachmittags um 2 Uhr findet ein Festzug statt, welchers vom Restaurant„Vorwärts", Schönwalderstraße, ausgeht.__ Jugendveranstaliunge«. Pankow» Nieder- Schönhausen. Am Sonntag, den 7. August: Ausflug nach dem Lehnitzsee. Tresspunkt:'/J Uhr Bahnhof Schönholz; für Nachzügler bis'1,10 Uhr:„ParadieSgarten", Birlenwerder.— Gäste herzlich willkommen I_ 6cricbt9- Zeitung. Ein nächtlicher Einbruch in ein Grabgewölb» lag einer Anklage zugrunde, welche gestern vor der 1. Ferienstraf- tammer des Landgerichts III zur Verhandlung kam. Aus der Untersuchungshaft wurden der Monteur Egidius RybSki und der Bauarbeiter Otto Mehlitz vorgeführt, um sich wegen Ein- bruchsdiebstahls zu verantworten.— Am 0. Juni d. I. drangen die beiden Angeklagten durch ein offenstehendes Dachfenster in die Kirche zu Blumberg ein. Nachdem sie in der Kirch« selbst nichts Wertvolles gefunden hatten, versuchten sie in die unter der Kirche S gelegene Gruft der Familie von Arnim einzudringen. Nachdem ie mehrere Stühle losgerissen und auf den Altar geworfen hatten, versuchten die beiden Einbrecher die Steine zu lösen, um in das Grabgewölbe zu gelangen. Als ihnen dies zu beschwerlich war, verschafften sie sich durch einen Seiteneingang Zutritt zu der Gruft, in welcher die Leiche des im Jahre 1871 verstorbenen Gene. rals von Arnim aufgebahrt stand. Di« Verbrecher scheuten selbst davor nicht zurück, den Zinksarg aufzuschneiden und in den Knochenresten herumzuwühlen, da sie dort Schmucksachen der- muteten. Als sie hier nichts fanden, demolierten sie den Sarg eines im Jahre 1881 verstorbenen Angehörigen der Familie von Arnim. Diesem zogen sie von dem Handgerippe einen Trauring ab. Nachdem sie sich dann noch mehrere Orden und Ehrenzeichen, u. a. das Eiserne Kreuz, welches der General von Arnim getragen hatte, angeeignet hatten, verließen sie die Kirche wieder durch das Dachfenster. Glücklicherweise wurde der Diebstahl bald darauf von dem Ortsgeistlichen bemerkt. Dieser benachrichtigte sofort den Gendarmeriewachtmeister Zühlke in Blumberg, der sich kurz ent- schloffen auf sein Rad schwang und die Verfolgung der beiden Ein- brecher, die das Dorf in der Richtung nach Berlin zu verlaffen hatten, aufnahm. Es gelang dem Beamten, die Diebe kurz vor Ahrensfelde zu verhaften. In ihrem Besitz wurden die der Leiche abgenommenen Orden und der Trauring vorgefunden.— Vor Gericht behauptete der Angeklagte Mehlitz plötzlich nach altbewährtem Rezept, geisteskrank zu sein. Das Gericht beschloß deshalb, die Verhandlung gegen Mehlitz abzutrennen und diesen erst auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lasten. Gegen Rybski, der erst kurz vorher aus dem Zuchthause gekommen war, lautete das Ur- teil mit Rücksicht auf die überaus schändliche Tat auf 5 Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Bestrafter„Patriotismus". Einen recht eigenartigen Abschluß hatte eine Verhandlung, die gestern unter Vorsitz des Landgerichtsrats H e i l b r u n n die 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts l beschäftigte. Wegen Dieb« stahls war der Arbeiter Hermann Kuhnert angeklagt, während sich die Produktenhändlerin Marianne Jäger und der Althäudler Wilhelm H ö l l e r wegen Hehlerei zu verantworten hatten. Der Angeklagte Kuhnert, welcher in einer Fabrik in der Skalitzer Straße beschäftigt war, hatte einem aus demselben Grundstück wohnhaften Gelbgietzermeister größere Ouantitäten Messingabfälle und messingene Türklinken gestohlen, die er dann bei den beiden Mitangeklagten verkauft hatte. Kuhnert wurde wegen Diebstahls zu 9 Monaten, die Frau Jäger wegen Hehlerei zu 6 Monaten Ge- sängnis unter Anrechnung von 4 Monaten der erlittenen Unter- suchungshaft verurteilt. Der dritte Angeklagte Höller wurde frei- gesprochen, da angenommen werden mußte, daß er den strafbaren Erwerb des Metalls nicht gekannt habe. Während Landgerichtsrat Heilbrunn das Urteil publizierte, ereignete sich etwas Uner- wartetes. Der freigesprochene Angeklagte Höller kletterte plötzlich auf die Anklagebank und rief mit Stentorstimme durch den Ge- richtssaal:„Hurra, hoch lebe Se. Majestät der Kaiser und König!" Nachdem man sich von der ersten Ueberraschung erholt hatte, er- hob sich der Vertreter der Amtsanwaltschaft und beantragte gegen den eifrigen Patrioten eine sofort zu vollstreckende Ordnungsstrafe von einer Woche Haft. Das Gericht erblickte ebenfalls in dem Verhalten des Angeklagten eine Ungebühr, ließ jedoch Milde walten und erkannte auf eine Ordnungsstrafe von 10 Mark. Straßenauflauf. Dortmund. An einigen Abenden im Mai entstanden vor dem Laden des von den Arbeitern boykottierten Tabakfabrikanten Hannemann am Steinplatz Menschenansammlungen, wo- gegen eine große Zahl Polizeimannschaften aufgeboten wurden. die den Platz„säubern" sollten. Verschiedene Personen wurden verhaftet. Am 4. August beschäftigte sich die Strafkammer mit der Sache. Vier Personen waren angeklagt, den Weisungen der Beamten, sich zu entfernen, nicht Folge geleistet und die Beamten als Bluthunde, Schweinehunde usw. beschimpft zu haben. Einer Ler Angeklagten ist Werkmeister, einer„'christlich' organisiert vnd ein dritter ist in keiner Gewerkschaft und gab selbst an, bei einem Streik„treu und brav" weitergearbeitet zu haben. Sieben Polt- zeibeamte wären als Zeugen aufgeboten worden. Einer will einen Steinwurf an den Kopf bekommen haben. Daß die Angeklagten die Schimpfworte gebraucht haben, wollen einige der'Beamten daraus schließen, daß sie„Mundbewegungcn" gesehen haben. Ueber solch kühnen Schluß war auch der Gerichtsvorsitzende etwas er- staunt. Das Gericht erkannte auf Geldstrafen von 100, 75 und zweimal 50 M., eventuell entsprechende Gefängnisstrafen. Am Tage vorher hatte sich schon das Schöffengericht in einem Falle mit der gleichen Sache beschäftigt. Der Angeklagte sollte mit einem Stein in einen Straßenbahnwagen geworfen haben, in dem Hannemann und ein Polizeibeamter eingestiegen waren. Ein Zeuge wollte entsprechende Armbewegungcn des Angeklagten ge- sehen haben. Der Amtsanwalt hatte— 5 Monate Gefängnis be- antragt, das Gericht kam zu einem Freispruch. Mit 99 Prozent Wahrscheinlichkeit könne nach dem Urteil der Angeklagte als Täter angesehen werden, aber es sei doch nicht ganz ausgeschlossen, daß es ein anderer gewesen sei._ Kann ein Gemeindeerntefest eine geschlossene Lustbarkeit sein? In Adlich-Bublitz bei Stolp i. P. wurde im Herbst 1909 beim Gastwirt Schulz das Gemeindeerntefest gefeiert. Der Gemeinde- vorstand hatte den Saal dazu gemietet. An dem Fest nahmen auch einige Einwohner von Köntglich-Bublitz, der Nachbargemcinde, teil. Der Tanz wurde bis nach 12 Uhr nachts ausgedehnt. Gegen den Gastwirt erfolgte demnächst Anklage wegen Uebertretung der Polizeistunde und wegen Uebertretung einer Regierungs-Polizei- Verordnung vom 10. Juni 1804, wonach öffentliche Tanzlustbar- ketten nicht über 19 Uhr abends hinaus dauern sollen. Die Staats- anwaltschaft ging davon aus, daß es sich hier um eine öffentliche Tanzlustbarkeit handele, die an die Polizeistunde gebunden sei, mindestens aber nach der erwähnten Polizewerordnung um 10 Uhr beendet sein müsse. Die Strafkammer in Stolp trat der Auf- fassung bei und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe. Schulz legte Revision ein und machte geltend, daß das Ge- meindeerntefest schon seit vielen Jahren so gefeiert worden sei, und daß noch niemals Bedenken dagegen geltend gemacht worden seien. Es handele sich um eine ganz kleine Gemeinde, wo sich alle Einwohner kennen. Das Vergnügen müsse deshalb als ge- schlossene Gesellschaft angesehen werden, die ihren Charakter als solche auch nicht dadurch verliere, daß einige Leute aus dem Nach- barort, besonders von Burschen eingeladene Mädchen, an dem Tanz teilgenommen hätten. Die geschlossene Gesellschaft sei aber nicht an die Polizeistunde gebunden und die angezogene Polizeiverord- nung, die ja nur auf öffentliche Tanzlustbarkeiten sich beziehe, könne auch nicht Anwendung finden. Das Kammergericht hob auch die Vorentscheidung auf und ver- wies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an die Strafkammer zurück. Begründend wurde ausgeführt: In der Auffassung des Begriffs„öffentliche" Tanzlustbarkeif habe der Vorderrichter durchaus gefehlt. Die Strafkammer lege auf die An- Wesenheit einiger Personen aus der Nachbarschaft zwar nicht den größten Wert, meine aber, daß, wenn eine ganze Ortschaft zu einem Tanzfest eingeladen sei, wie hier, auf jeden Fall eine öffent- liche Tanzlustbarkeit vorliege. Die Strafkammer habe ganz über- sehen, daß es sich hier um ein kleines Dorf handele und daß es Dörfer gebe, die nur fünf oder sechs Stellen hätten. Es sei denk- bar, daß sich in Adlich-Bublitz die Leute untereinander kennen. Eine geschlossene Gesellschaft würde vorliegen, wenn die Ein- wohner eines kleinen Orts durch das äußere Band der Gemeinde miteinander verbunden seien und ein inneres Band der Freund- schaft oder guten Bekanntschaft zwischen ihnen bestehe. Gerade wenn die Leute aus einem kleinen Ort gemeinschaftlich ein Ernte- fest feierten, spreche das gegen die Annahme einer öffentlichen Tanzlustbarkcit und für die Möglichkeit einer geschlossenen Gesell- schaft. Darum müsse die Strafkammer sich nochmals mit der Sache beschäftigen, um festzustellen, ob hier die Teilnehmer an dem Erntefest einen„nach außen abgegrenzten, innerlich miteinander verbundenen Personenkreis" darstellten. Sei das der Fall, dann sei der Begriff der geschlossenen Gesellschaft erfüllt upd bet angeklagte Gastwirt müsse freigesprochen werden. Vermischtes. (Uetin„Väterchen" Befuche macht Nikolaus der Blutige will für einige Zeit feinem Lande ent- fliehen. Die unmenschlichen Greuel, die unter seiner Zustimmung verbrochen, das Entsetzen der ganzen Menschheit hervorgerufen haben, lassen ihn natürlich beständig für sein ärmliches Leben fürchten. Mit der schwersten Blutschuld beladen, zittert er vor der Rache seines getretenen und geknechteten Volkes. Ist es da ver- wunderlich, daß zu dem Ende August erwarteten Besuche in Hessen schon jetzt die umfangreichsten Vorsichtsmaßregeln getroffen werden? In Friedberg, wo der Henker seines Volkes Wohnung nimmt, ist man, wie ein Telegramm meldet, dabei, das Schloß in eine regelrechte Festung zu verwandeln. Bauliche Aenderungen werden borgenommen, die Gewähr bieten sollen, daß daS Leben des Zaren nicht in Gefahr gerät. An dem vorderen Tore des Schlosses wird ein Schlagbaum errichtet werden; das nördliche Burgtor bleibt während der Anwesenheit des Zarenpaares vollständig geschlossen. Sämtliche Kanalabflüsse, welche nach dem Burgwall zu münden, werden einer genauen Kon- trolle unterzogen, die Kanalabflüsse werden mit starken Eisengittern versehen. Sämtliche in der Umgebung des großherzog- lichen Schlosses bewohnten Privatgebäude werden leer stehen. Den Bewohnern ist zum 15. August gekündigt worden. Eine Witwe, die in einem der großherzoglichen Häuser ein Mädchenpensionat unterhält, das mit der Nord- und Ostscite an den Schlotzgarten angrenzt, muß bis zum 15. August eben- falls ihre Wohnung räumen. Die bisher von ihr be- nutzten Zimmer sollen zur Unterkunft für russische und deutsche Polizeibeamte hergerichtet werden. Die übergroße Mehrzahl des deutschen Volkes ist einig in dem Gedanken, daß der Besuch des Oberhauptes des fluchwürdigen Regimes eine Schmach für Deutschland bedeutet. Kulturträger. Vergnügte Tage resp. Nächte bereiteten sich in Pirna der sogenannten besseren Gesellschaft angehörende Lebejünglinge und-Greise. Sie belustigten sich in einem Kinematographentheater an der Vorführung unzüchtiger Bilder, wie beispielsweise „Im Harem".„Haremsfreuden" usw. Das nächtliche Amüsement dauerle so lange, bis die Polizei dahinter kam und dem Treiben ein jähes Ende bereitete. Die Filmz wurden beschlagnahmt und eine Untersuchung darüber eingeleitet, wer der Hersteller der unzüchtigen Films war. Da ergab sich die merkwürdige Tatsache, daß sie nicht etwa aus Paris, sondern aus Dresden stammten. Der Inhaber einer hiesigen Filmfabrik Dederscheck hatte einige zwanzig, männliche und weibliche, Modelle engagiert, mit denen die be- treffenden Sujets„gemimt" wurden, und zwar teils inner- halb der Fabrik, teils aber auch unter freiem Himmel. Darauf wurde gegen Dederscheck und seine Modelle die An- klage erhoben. Am Donnerstag wurden die Angeklagten vor dem Dresdener Landgericht abgeurteilt. Dederscheck sowie sein Kompagnon Kretschmar erhielten je fünf Monate Ge- f ä n g n i S, die Modelle, von denen nur zwei freigesprochen wurden, wurden zu Geldstrafen von 20—200 M. verurteilt. Fürsorglicher- weise hatte das Gericht, da die FilmS auf einem Apparat vorgeführt wurden, die Vertreter der Presse von der Verhandlung auS« geschloffen, dagegen aber einigen Vertretern de? Polizei» Präsidiums und des M i n i st e r i u m s d e S Innern die Teilnahme gestattet. Sicherlich gehören die beteiligten Pirnaer Lebemänner zu jener Gattung, die über Unsittlichkeit und Verrohung in Arbeiterkreisen zetert._ Anch ein Glaubensstreiter. Fanatische Anhänger der christlichen Kirche versuchen oftmals mit allen Mitteln der religiösen und politischen Verhetzung dem von ihnen vertretenen Glauben zu dienen. Nicht der geringsten einer von diesen fanatisierten GlaubenSaposteln scheint der katholische Pfarrer Adam Pfeuffer in Hendungen sNordbayern) zu sein, der es fertig brachte, vor kurzem von der Kanzel herab auf die k i r ch e n f e i n d l i ch e Presse zu schimpfen und dabei zu er- klären, daß die Frau, deren Ehemann die„Neue bayerische Landes- zcitung" lese, da S Recht habe, sofort Klage auf Ehe« scheidung zu stellen. Die genannte Zeitung ist ein in W ü r z b u r g erscheinendes mittelstandsparteiliches, dabei aber anti ultramontanes Blatt. Die so recht zu Herzen gehende Sonntagsprcdigt gab Anlaß zu einer Korrespondenz zwischen dem Ehegatten, auf den die Rechts- belehrungen des Gottesmannes gemünzt waren und dem Diener der allbarmherzigen Religion. In dem Antwortschreiben hupfte der rechtsgelahrte Pfarrer zwar etwas zurück: er wollte es nicht ganz so gemeint haben, es sei nur seine persönliche Ansicht gewesen usw., fügt dann aber am Schlüsse hinzu: Ich bitte Sie, wer ist denn schuld am Unfrieden? Doch nur Ihre Zeitung! Ei, so schaffen Sie sie ab, und es wird vieles besser....Ihre Frau macht schon lange auf die Leute den Eindruck eines tiesbekümmerten Weibes. Bin ich daran schuld? Es kann die Schuld nur an Ihnen liegen.... Ich bitte Sie nochmals, tun Sie Ihrer Frau, der Gemeinde und vor allem Gott zu lieb ein kirchenfeindliches Blatt weg! Le sen Sie lieber den, General-An- zeig er", wenn Sie ein katholisches Blatt nicht mögen! Ich habe gestern abend noch viel für Ihre Familie gebetet und will es fort und fort tun. Ihr wohlmeinender Pfarrer Pfeuffer. Dem Empfänger des Briefes werden wohl die Gebete eine? Mannes, der durch seine religiöse Verhetzung den Anlaß zum Unfrieden in der Ehe gibt, sehr wenig imponiert haben. Fraglich erscheint es auch, ob der von dem P'arrer angerufene Gott gerade ein begeisterter Anhänger des„General- anzeigerS" ist. Das ganze Vorgehen des Pfarrers zeigt aber, welch ungeheueren Einfluß die katholische Kirche noch aus die familiären Verhältnisse ihrer Mitglieder ausübt. Kleine Notizen. Infolge heftigen Regens ist in Hamburg der Damm der Stadtbahnstrecke Hamburg Güterbahnhof bis Berliner Tor an mehreren Stellen gerutscht. Der Verkehr wird durch Pendel- und Teil- betrieb aufrecht erhalten. § 175. Zu den vor einigen Tagen von uns gemeldeten Verfehlungen gegen den§ 175 in Magdeburg ist zu berichtigen, daß nicht die Tochter des Gastwirtes, sondern ein Lehrling, der erkrankte, der Polizei von dem Treiben Kenntnis gab. Im ganzen sind bisher 17 Verhaftungen vorgenommen. Der Wirt des Lokales hatte von den Vorgängen im Lokale keine Kenntnis. Bei einer Bootsfahrt auf der Donau kippte in der Nähe von Budapest das Boot, in dem sich vier Studenten befanden, um. Alle vier Studenten sind ertrunken. Die Erdbebenwarte i» Laibach registrierte gestern morgen 2 Uhr 4? Minuten ein etwa 8000 Kilometer entferntes Erd» beben. Das Beben dauerte eine Minute und zehn Sekunden. Buboncnpest in Odessa. Auf einem im Hafen von Odessa vor Anker liegenden Schiffe ist ein Matrose an der Bubonenpest er- krankt. Selbstmord eines RennstallbesitzerS. Schwere Spielverluste auf Rennplätzen haben den Rennftallbesttzer und Husarenleutnant Karl G o l d s ch m i d t in W i e n in den Tod getrieben. Gestern früh jagte sich Goldschmidt, der weit über seine Verhältnisse Hinaus gelebt hat, eine Kugel ins Herz. Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich in der Nähe der rumänischen Ortschaft S i n a i a. Dort stießen in voller Fahrt zwei Automobile zusammen. Von den Insassen wurde ein Kind ge- tötet, eine Frau und zwei Kinder lebensgefährlich verletzt. Die Fahrzeuge gingen vollständig in Trümmer.! Frelreligiöse Gemeinde. Sonntag, den 7. August, vormittags 1t Uhr, Kleine Frankfurter Straße S: Vortrag des Herrn M. H. Barge: „Der Materialismus, seine Vorzüge und seine Grenzen'.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Mmtlteher Marktbericht der städttlchen Martthallen-DireNIo» ttder den Großhandel in den Zeniral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich. Geschält etwas reger, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäft rege, Preise anziehend. Geflügel: Zusuhr reichlich in Gänsen, sonst genügend, Geichäst lebhaft, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Geschäst ziemlich lebhaft, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft leb- Haft, Preise wenig verändert.__ Wttternngstiberstch» vom 5. August XOXO, morgens« Udr. «Settervrognose für Sonnabend, den 6. Nugiist l»to. Weiter ausklarend, aber noch veränderlich, langsame Erwärmung, vereinzelte Gewitterregen. Berliner Wetterburea«. «SasserstandS. Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Beritner '1-I- bedeutet Wuchs,— Fall.— Unierpeaei. Nach tclegraphischen Meldungen haben die Lausitzer Reitze, Fulda, obere Aller, Oker, Leine und I n n e r st e Hochwasser. leboch wurde daS mttlere Hochwasser heute morgen noch nicht überschritten. Die obere Fulda, obere Oker und obere I n n e r st e s allen bereits wieder. Mraotjportlicher AMfteyc; HgpL Weber, Berlin. Für de» Jnjergtenteil verantw.; TH.GUckr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdrucker« u, Verlggsanstglt Paul Einger h Co» Berlm SW. Nr. 182. 27. Jahrg. KeilM des.Armck"- AiljkiW fm dfc Sin, Wm 6. Aagast 1910. Hus der Frauenbewegung. Frauenemanzipation. In überraschend einfacher Weise löst Franz Staudinger in der »Frauen-Zukunft"— Heft 2— die Frage der Frauenemanzipation. Eigentlich haben sich die Frauen nur als Konsumentinncn zu or- ganisieren und die Hauptemanzipationsarbeit ist getan! Stau- dinger sieht im Wirtschaftsorganismus zu sehr den Mechanismus, er untersucht nicht die treibenden Kräfte und Zusammenhänge. Im Produktionsprozeß, sagt er, ist jeder nur ein Teil der Maschine, die einzelne Teilarbeit ist für sich ziemlich wertlos, erst durch das Zusammenfügen der einzelnen Teile, also der Arbeitsrcsultate aller Beteiligten, entsteht das mehr oder minder komplizierte Ge- brauchsgut. Die Organisation der Arbeit macht diese also erst eigentlich produktiv. Aber der Mensch als Träger der Arbeits- kraft ist hierbei zu sehr nur Objekt, als Produzent beherrscht er die Gütererzeugung nicht, es wird ja nur zum Verkauf produziert, er mutz sich daher auch als Konsument organisieren und das soziale Problem ist gelöst. Und die Organisation des Konsums soll Haupt- aufgäbe der Frauen sein. Wie mechanisch Staudinger urteilt, be- weise er schon mit dem Diktum:„Die Demokratie kann nicht er- obert, sie muß geschaffen werden." Er meint allerdings weiter: „Freilich, die Hemmnisse, die diesem Schaffen entgegenstehen, muß man beseitigen, teils vor dem Schaffen, teils Hand in Hand mit ihm.. Wie das ohne Eroberung der Grundlage der Demokratie — der politischen Rechte— geschehen soll, verrät der Verfasser nicht. Ohne attf die gebietenden und zwingenden Zusammenhänge einzugehen, konstatiert er:„Die Technik des Lebens aber heißt heute: Arbeit für den Verkauf! Arbeit für den Verkauf aber heißt unerbittlich: je länger, je mehr: Arbeit für eine Macht, welche Herren wie Knechte in ihren Dienst zwingt, für eine unpersönliche Macht des immer mächtiger und nur zu oft zwecklos wachsenden Mammons.. Und die Nutzanwendung, die er daraus zieht:„Soll aber dieser Zweck heute bei unserer bereits so viel verzweigten Menschen- Verknüpfung und Arbeitsverknüpfung erfüllt werden: nun man sollte meinen, es verstehe sich von selbst, daß dann— vor allem die Bedürfnisse der Menschen selbst organisatorisch verknüpft werden müßten. Soll die gemeinschaftliche Arbeit dem gemeinschaftlichen Gebrauche und Verbrauche dienen, so muß dieser Gebrauch und Verbrauch als der Zweck der Arbeit selber seine Verknüpfung finden. Es bedarf also vor allem der Konsumentenorganisation." ...„Den Konsum organisieren, das heißt an Stelle der Arbeit für den Verkauf in zunehmendem Umfange die Arbeit für den organisierten Selbstgebrauch zu setzen. Das ist die Kulturaufgabe, zu der vor allem sie(die Frau) berufen sein sollte." Staudinger gelangt schließlich zu folgendem Schluß:„Die Befreiung des Volkes und die Befreiung der Frau hängen hier an der Wirtschaft- lichen Frage in ihren Wurzelfäden auf das engste zusammen.„Die Emanzipation der Frau ist auch die des Mannes..."„Das also ist die Grundfrage, die sich der heutigen Frauenwelt gegenüber auf- richtet. Einst in der Römerwelt rief man den Konsuln zu, sie möchten zusehen, daß der Staat keinen Schaden erleide. Die Kon- fuln sahen zu und Rom ward vernichtet. Heute heißt es nicht mehr „videant consules", sondern„videant feminae"! Möchten die sich -ihrer Aufgabe besser gewachsen zeigen als jene männlichen Hüter." Das wünschen wir auch— und darum dürfen die Frauen sich nicht auf die falsche Bahn der Nurkonsumvereinsbewegung locken lassen. Wenn wir hier etwas näher auf die Ausführungen Staudin- gerS eingegangen sind, dann aus zwiefachem Grunde: einmal um vor Illusionen in der Ueberschätzung der Konsumvereinsbewegung zu warnen, dann aber auch, um dieser Bewegung selbst wirklich zu dienen. ES könnte der Bewegung nichts mehr schaden als politische Einschläferung. Macht man sie zu einem bloßen Mechanismus der Güterverteilung, ohne sich die Herrschaft über die gesamte Produk- tion und ihrer Elemente angeeignet zu haben, dann wird der Güter- Verteilungsorganismus auch nur ein„Knecht im Dienste der unper- sönlichen Macht,"— daS heißt der Macht des Kapitals. Ja, dessen Macht wird größer, weil die seiner unbeschränkten Herrschaft widerstrebenden Interessenten ausgeschaltet sind. Was dep po- litische Faktor bedeutet, dafür liefert die agrarische Zoll- und Steuerpolitik in Deutschland für jeden Einsichtigen genügend Be- «eise. Den Frauen ein«dcn wollen, sie könnten als organisierte Konsumentinnen die politischen Faktoren unwirksam machen, ist ein Versuch, den sie als schädlich zurückweisen müssen. Die Interessen der Frauen bei den Emanzipationsbestrebungen gehen übrigens auch weit über den von Staudinger gezimmerten Rahmen hinaus. Ihre Befreiung als Geschlechts-, als HauS» und Lohnsklavin be- dingt eine neue Gesellschaftsordnung, die man nicht einfach als Konsumvereinsmitglied, sondern nur als klassenbewußte, die De- mokratie erobernde Kämpferin herbeiführen helfen kann. Gewiß, die Konsumvereinsbewegung als ein Teil der modernen Arbeiter- bewegung ist notwendig und nützlich, aber der politische Kampf ist die Grundlage der Frauenemanzipation. Vorort- l�ackriebten. Wilmersdorf. Die Fortsetzimg der vertagten Generalversammlung deS Wahl- Vereins fand am TienStag. den 2. August, statt. In derselben wurde recht ausführlich die badische Bndgetbewilligung erörtert, welche durch ein Referat des R.-A. Genossen Stücklen vom 26. Juli 1S10 bereits scharf verurteilt war. Als erster Diskussionsredner ging Genosse Hilbig den Badensern scharf zu Leibe und forderte, daß der Magde- burgcr Parteitag nicht zweierlei Genossen schaffen soll. Habe man von den ehedem lokalorganisierten Genossen �verlangt, daß sie dem Parteilagsbeschluß nachkommen sollen, so müßte dies von Genossen in hervorragender Stellung erst recht verlangt werden. Es müsse reiner Tisch gemacht werden durch Ausschluß der Disziplinbrecher, eine Spaltung der Partei befürchte er nicht.— Genosse R.-A. Stücklen betont, daß sich bisher Sö Proz. der Genossen gegen die Budget- bewilliger ausgesprochen haben und nicht bloß Norddeutsche, sondern auch Süddeutsche, sogar Badenser. Es läge lediglich die Absicht vor, die Partei in ein anderes Fahrwasser zu drängen, und es sei daher ganz zwecklos, auf dem Parteitage nur ernste Worte zu reden. Redner empfahl schließlich die Annahme der Resolution des äentralvorstandes von Groß-Berlin.— Oskar Riedel warnte, mit ücksicht auf die kommenden Rcichstagswahlen mit den Badensern so scharf ins Gericht zu gehen, fand aber nur heftigen Widerspruch der Versammlung.— Genosse Wilhelm Schröder hält einen histo- rischen Rückblick über frühere Parteiausschlüsse, speziell der Unab- hängigen 1891, und meinte schließlich, daß die Badenser den Fehler begangen hätten, zu früh mit dieser Taktik herausgekommen zu fein. Redner verteidigte nochmals die Haltung der Badenser in der Budget- frage sowohl als auch betreffs der Hofgängerei und meinte, daß wir auch in Preußen noch einmal dahin kommen können. Auch dieser Redner erntete nur häufigen und lebhaften Widerspruch der Versammelten. Die Genossen Härder, Stücklen und Hilbig treten den Vorrednern noch einmal sehr energisch entgegen und heben hervor, daß, wenn die Partei noch länger derartiges Treiben der Revisionisten duldet. den radikalen Genossen endlich die Geduld reißen wird und letztere dann der Partei den Rücken kehren werden.— Schließlich suchte noch Genosse Engelhard für die besonderen badischcn Verhältnisse Stimmung zu machen, obgleich er ebenfalls init der Haltung der badischcn Genossen Vicht einverstanden sc«. Unter Ablehnung der Resolution des Zentralvorstandes, die man al» nicht weitgehend genug bezeichnete, wurde auf die Annahme weiterer Anträge verzichtet, da die KreiSgeneralversammlung am Sonntag, den 7. August Stellung hierzu nehmen wird.> Als Bezirksführer für den I. Bezirk wurde der Genosse Grassow bestätigt. Als Delegierte zur Generalversammlung des Verbandes Groß-Berlin wurden die Genossen Hilbig, Härder und Genossin Markiwitz gewählt. Leider war die Versammlung nicht gut besucht, wie es eigentlich bei einer so wichtigen Tagesordnung nötig gewesen wäre. ES ist Pflicht der Genossen, in Zukunft ein regeres Interesse am Partei- leben zu bekunden. Ichoneberg. Eine Untertimnelung der Wanuscebahn, nordöstlich vom Bahn- hos Friedenau dieser Bahnlinie, beschäftigt gegenwärtig die zu- ständigen Behörden. Die Schönebergcr Schnellbahn endigt vorläufig in der Haltestelle„Hauptstraße" an der Ringbahn; von hier führt ein Schienenstrang unter der Ringbahn südlich weiter zum Abstell- bahnhof der Untergrundbahn, aus dem sich auch die Umformerstation und die Reparaluriverkstatt befinden. Nach Südosten abzweigend von den Abstellgleisen ist die Schvneberger Schnellbahn weiter nach dem Südgelände geplant, auf welchem u. a. das Helmholtz-Gymnasium und das neue städtische Krankenhaus belegen sind. Das Gelände wird jetzt weiter der Bebauung erschlossen, so daß mit der Straßen- regulierung fortgefahren werden muß. Es kommt dabei zunächst die Verlängerung der Jnnsbrucker Straße in Frage, welche an dem neuen Schöneberger Gemeindefriedhofe vorüberführt. Diese Straße kreuzt den Damm der W a n n s e e b a h n, für welche bei Unterführung der neuen Straße ein eiserner Viadukt gebaut werden soll. Um nun bei dem späteren Erweiterungs- bau der Tunnelbahn die Fundamente der Eisenbahnbrücke nicht noch- mals freilegen und unterfangen zu müssen, soll schon jetzt eine Strecke der Erweiterungslinie gleichzeitrg mit der Straßenregulierung und dem Brückenbau ausgeführt werden. Danach würde die Bahn in der Achse der neuen Straße liegen, die Wannscebahn unterfahren und südlich derselben auf einer Rampe zum vorläufigen Endbahnhof emporsteigen. Später würde die Bahn dann als Niveanbahn iveiter nach Süden bis an die Thorwaldsenstraße, die Grenze zwischen Schöneberg und Steglitz, geführt werden; der Bahn- Hof, in den sie hier endigen würde, liegt dicht am Schöne- berger Krankenhause, dem die neue Verkehrsverbindnng sehr zu statten kommen dürfte. Die Arbeiten für den ersten Teil der Er- Weiterungslinie werden voraussichtlich schon in diesem Herbst in Angriff genommen werden, da die Straßenregulierung drängt. Diese Teilstrecke mit eingerechnet, würde die Schöncbcrger Schnellbahn Nollendorf-Platz bis zum vorläufigen Endbahnhof, östlich der.Wan»see- bahnstation„Friedenau" über vier Kilometer lang sein, der Betrieb also lohnender sein, als nur bis zur Ringbahnstation„Ebers- Straße". Es steht aber auch der Betriebseröffnnng der drei Kilo- meter langen Bahn Nollendorf-Platz— Hauptstraße im Herbst d. I. nichts im Wege, da diese Programm mäßig fertiggestellt sein wird. Rixdorf. Die Kinber-Fericnspiele. welche der Jugenbausschuh der. Arbeiterschaft Rixdorfs auf drei Spielplätzen täglich veranstaltet hat, erreichen mit dieser Woche ihr Ende. Die Beteiligung war um ein Bedeutendes größer als im Vorjahre; etwa tausend Jungen und Mädchen fanden sich pro Tag durchschnittlich zusammen und tummelten sich unter der Leitung von Genossinnen in heller Lust beim frohen Spiel. Als Abschluß der Ferienspiele findet am Montag, den 8. August, ein gemeinsames S p i e l f e st auf dem Platze der Freien Turtzerschaft Rixdorf-Britz an der Grenzallee statt— nicht also, wie ursprünglich geplant, am Sonntag, den 7. Agugust. Die Kinder versammeln sich zu dem Zwecke mit ihren Angehörigen am Montag mittag pünktlich um IM Uhr an den bekannten Sammelstellen. Unter Leitung der Helferinnen wird dann nach dem Richardplatz marschiert. Hier treffen alle zusammen und marschieren um 2 Uhr mit Musik nach dem Restaurant Heckert an der Grcnzallee zum Kaffeekochen. Im Anschluß daran wird auf dem Turnplatz gespielt; auch sind für die Kinder Ueberraschungen in Aussicht genommen, zu denen einige Mittel von freiwilligen Spendern zur Verfügung gestellt wurden. Die Spiele werden durch eine Ansprache geschlossen. worauf um 8 Uhr abends der Rückmarsch erfolgt. Die Beteiligung der Kinder am Spielfest ist unentgeltlich; Erwachsene müssen eine Teilnehmerkarte zu 10 Pf. bei den Helferinnen lösen. Die„Freie Turnerschaft" Rixdorf-Britz veranstaltet am 7. August in Raddatz' Konzert-Park, Britz, Chausseestraße 39, ihr diesjähriges Sommerfest, bestehend aus Konzert, turnerisckien und humoristischen Aufführungen, unter Mitwirkung des Berliner Ulk-TrioS. Da ge- nannter Verein bei Veranstaltungen der Arbeiterschaft mitwirkt, so bittet derselbe um gütigen Zuspruch. Vom eigenen Wagen überfahren und schwer verletzt wurde der Mörtelkutscher Fritz Leonhardt aus der Hermannstraße. AlS L. mit seinem Fuhrwerk durch die Stuttgarter Straße fuhr, scheuten die Pferde plötzlich und gingen durch. Er wurde vom Bock herunter- gesdileudert und fiel so unglücklich unter den Wagen, daß ihm das linke Bein fast zermalmt wurde. Auch schwere Kopfverletzungen er- litt der Verunglückte. L. fand im städtischen Krankenhause Auf« nähme. Johannisthal. Um die Erwerbung deS forst fiskalischen Terrain? in der Um- gevung von Johannisthal bemüht sich gegenwärtig ein Konsortium, das dasselbe der Bebauung erschließen will. ES ist hierüber bereits zu Verhandlungen zwischen Vertretern deS Konsortiums und der Gemeinde Johannisthal gekommen, die leider unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfanden. Die Stimmung der Grundbesitzer in- und außerhalb der Gemeindevertretung, die Bautätigkeit zu fördern, möge es kosten was es will, ist dazu angetan, prinzipielle Rechte der Gemeinde der ErwerbSgesellfchast zu opfern. Man hat bereits der Gesellschaft, die vorsichtigerweise vor dem Erwerb des Geländes vom ForstfiSkuS mit der Gemeinde um den Erlaß der Umsatzsteuer und Abtretung eines Prozentsatzes deS Geländes zu Gemeindezwecken feilschte, die ursprünglich geforderten 5 Prozent des Geländes auf 3 Proz. ermäßigt und die Erhebung von bv Proz. der für den Ort gültigen Umsatzsteuer erlassen. Von der sich immer weiteren Kreisen aufdrängenden Notwendigkeit, von der Mietskaserne wieder abzukommen, ist bei den bürgerlichen Gemeindevertretern, die nur daS eine Interesse haben, die Bodenwerte ins Unermeßliche zu steigern, keine Spur vorhanden. Und so liegt die Gefahr nahe, daß zu gunsten einer Spekulationsgesellschaft, die weiter kein Interesse an der Erschließung deS Geländes hat. als aus diesem neue Kapitalien herauSzuwirtschaften, für unabsehbare Zeiten eine der Gesundung deS Volkes entsprechende Bebauung unterbunden wird. Der Gedanke, den Wald erhalten zu helfen, der für die südöstlichen Teile Berlins und semer Vororte trotz der Zerstückelung durch den Flugplatz immer noch von bedeutendem Werte ist, findet in der Gemeindevertretung schon lange keine Beachtung. Daß der ForstfiSkuS diesem Gedanken nahe tritt, ist ebenfalls nicht zu erwarten. ES ist daher die Zeit nicht mehr fern, daß die Königsheide vom ForsthauS Canne bis zur AdlerShof-Rüdower Chaussee der Vergangenheit angehört. Groh-Lichterfelde. Die am 26. Juli vertagte Generalversammlung des WahlvereinS nahm am Dienstag im Lokal von Wahrendorf ihre Fortsetzung. Bei der Debatte über die Beitragserhöhung beantragte Genosse Osburg, den Beitrag entsprechend dem Einkommen festzusetzen und zwar bis 1000 M. 20 Pf., bis 2000 M. 40 Pf., und über 2000 M. 60 Pf. Der Antrag wurde, weil praktisch undurchführbar, abgelehnt, dagegen der Antrag des Zentralvorstandes mit 213 Stimmen angenommen. Genosse Rarasiewicz regte an, daß die Kreis- Generalversammlung sich für die Einführung des Wochen-Abonnements für den„Vor- lvärts" erklären möge. Nach einer Erklärung des Genossen Wenzel, der auf die Undurchsührbarkeit aufmerksam machte, lehnte die Ver- sammlung den Antrag ab. In der Badener BudgetbewilligungS» angelegenheit wurde der Resolution des Zentralvorstandes zugestimmt. Als Delegierte zur KreiS-Generalversammlung wurden die Genossen Schindler, H. Wienicke und Balkow, und als Delegierte zur Verbands- generalversammlung die Genossen Ziege und O. Wienicke gewählt. Als Delegierten zum Parteitag empfiehlt die Versammlung der Kreisgeneralversammlung den Genossen Wenzel; letzteren bringt sie auch als Revisor des Kreises in Vorschlag. In die Kinderschutzkommission wurde die Genossin ContS und in die Lokalkoinmission Genosse Rarasiewicz gewählt. Der Bildungs- ausschuß besteht aus den Genossen Kaliski, Balkow und H. Wienicke. Für die zutünftigen Wahlen wurde eine Kommission, bestehend auS den Genossen Wenzel, Hecht. C. PintS, Balkow und H. Wienicke ein- gesetzt. Der in der vorigen Versammlung bereits gegebene Kassen« bericht weist eine Einnahme von 283,20 M. und eine Ausgabe ein- schließlich der Abführung von 188,80 M. an den KreiS von 352,80 M. auf; eS verbleibt somit ein Defizit von 69,60 M. In den Wahlverein wurden 11 Genossen neu aufgenommen. Grünau. „Unsere Stellung zum Parteitag" war das Thema, über das Genosse G r o g e r in der letzten Mitgliederversammlung deS Wahl- verriaS referierte. Nach eingehender Darlegung der Tagesordnung des Parteitags gelangte der Referent zu einer scharfen Verurteilung des Badener Disziplin bruchs und fand darin in der Diskussion leb« hafte Unterstützung. Eine Delegation Adlershofer Genosten machte Propaganda für ihr Jugendheim; es wurden auch einige Aufnahmen gemacht. Die Vorstandswahlen ergaben als 1. Vorsitzenden Genossen Fechner, an dessen Stelle als Schriftführer Genossen Scharfe und für diesen als BezirkSsührer Genossen Moritz. Am 30. August findet eine öffentliche Versammlung statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. In der Diskussion über die KreiSgeneralversammlung wurden die Delegierten beauftragt, über die Beitragserhöhung Urabstimmung zu beantragen. Tempelhof. Volksbetrug durch die neue RrichSversichcrungSordnnng war daS Thema, das Genosse Eugen Brückner in einer gulbesuchtcn ösfent- lichen Versammlung im Wilhelmsgarten behandelte. In seinem Vortrag schilderte der Referent die Beischlechterungen, die durch diesen Gesetzentwurf der arbeitenden Bevölkerung bevorstehen. Nach- dem in der Diskussion sich die Redner den Ausführungen deS Reserenten angeschlossen hatten, fand eine dahingehende Resolution einstimmige Annahme. Boxhagen- Rummelsburg. Morgen Sonntag, den 7. August, findet daS vom hiesigen Wahlverein im Waldlokal von Klugmann wie alljährlich ver» anstaltete, bei Jung und Alt so beliebte Kinderfest statt. Anfang des Gartenkonzerts um 4 Uhr, Beginn der Spiele um 6 Uhr. Eintritt 15 Pf. Kinder frei. Jedes Kind erhält außer Mütze und Stocklatcrne noch ein Geschenk. Eintrittskarten sind vor» her in den bekannten Stellen zu haben. Der Festausschuß. Lichtenberg-Rummelsburg. Aus der Gewerkschaftskommisfion. Die letzte Sitzung beschäftigte sich mit einem Antrage des Ortes Stralau, welcher eme Angliederung dieses Ortes an die Unterkommission Lichtenberg-Rummelsburg be- zweckt. Dem Antrag wurde, nachdem der Ausschuß sich mit dem- selben beschäftigt hatte, zugestimmt. Nach Erledigung der Wahl der Vertreter zum örtlichen Jugendausschuß und Erledigung interner Kartellangelegenheiten wurde den Delegierten anheimgegeben, dafür Sorge zu tragen, daß die öffentliche Versammlung, welche am Montag, den 8. August, abends 8>/„ Uhr, im Lokal von Arnhold, Frankfurter Chaussee, stattfindet und sich mit der ReichSVersicherungS- Ordnung beschäftigt,_ recht rege besucht wird. Zu diesem Zwecke findet am Sonntag eine Flugblattverbreitung für den Ort Lichtenberg statt. Nicht vertreten waren die GastwirtSgehilfen, die Bauarbeiter von RunimelSburg und der Ort WilhelmSberg. Weistenfee. Bon einem scheu gewordene» Gespann überfahren und schwer verletzt wurde vorgestern nachmittag i» der Sedanstraße die 70jährige Witwe Wlodarchk. Bor dem Geschäft des Bierverlegers Rohde stand dessen mit zwei Pferden bespannter Wagen, während der Besitzer im Hause weilte. Plötzlich scheuten die jungen Tiere vor einem langsam vorüberfahreiiden Kraftwagen und gingen durch. Sie jagten die Sedanstraße entlang, während Frau W.' gerade den Fahrdamm dieses Straßenzuges überschreiten wollte. Die Greisin wurde überrant und geriet unter den schweren Wagen, dessen Räder ihr über beide Beine hinweggingen. Die Verunglückte erlitt außer schweren inneren Ver» letzungen eine Zersplitterung deS rechten Oberschenkels, die eine Am- putation des verletzten Gliedes erforderlich machte. Frau W. liegt im Auguste Viktoria-Krankenhause in sehr bedenklichem Zustande darnieder. Sie bleiben die alten. Nämlich die übrig gebliebenen sieben Herren der Gemeindevertretung, welche sich nun gänzlich von der neu gegründeten Fraktion lossagten und sich von einer„grrroßen" Versammlung ein Vertrauensvotum holten. Mit vielem, tage» langem Tamtam wurden die Hausbesitzer von Alt- und Neu- Weißensee zur Versammlung geladen; erschienen waren zirka 200 Mann, darunter die Häuptlinge des Mietervereins. Die neue Fraktion hat inzwischen einen neuen Hausbesitzerverein gegrüw« det, so daß deren Zahl wieder drei beträgt. Herr Könitz von der alten Partei führte den Vorsitz und betonte, recht sachlich zu tagen, aber er verhinderte es nicht, daß die einzelnen Redner hahne- buchene Verdächtigungen gegen einzelne Mitglieder der neuen Fraktion erhoben. In der Hauptsache klang m>S den Reden, daß die„sieben Alten" von ihrem Ziele nicht abweichen, jedwede Geld- mittel für soziale Zwecke abzulehnen. Eine komische Rolle spielt allerdings Herr Könitz, der vor noch nicht langer Zeit einen Orden erhielt, tveil er sich bei der Schaffung sozialer Einrichtungen,, ,«» in der Säuglingsfürsorge, beim Gemeindehausbau usw. hervor- tat. Nach der Ordensverleihung ist er wie umgewandelt. Ein offenes Geheimnis ist jedoch eine neu« Spekulation, er will Direktor der Weißenseer Bank werden, und da braucht er die Leute, die als Hüttenbesitzer der Weißenseer Genossenschaftsbant angehören und dort sowohl wie im Grundbesitzerverein den Ton angeben. Hat er erst das Ziel erreicht, dann wird sich das Blatt angeben. Hat er erst das Ziel erreicht, dann wird sich vielleicht daS Blatt wenden. Die Wandelbarkeit deS Herrn Könitz ist schon so oft in den eigenen Reihen kritisiert worden, aber trotzdem bleiben sie die alten, Zossen. Die„Freie Turnerschaft" feiert am Sonntag, den 7. August, ihr fünftes Stiftungsfest. Mittag? 2'/, Uhr findet von Kurzners Lokal aus ein Festzug statt. Da sich die„Freie Turner» schast" dem Wahlverein stets zur Verfügung gestellt hat, werden die Genossen ersucht, sich recht zahlreich an dem Festzug zu beteilige»».! Friedrichshagen. Am heutigen Sonnaiend feiert der hiesige Arbeiter-Turnverem „Vorwärts" sein füitfteS Stiftungsfest. Ein gewähltes reichhaltige» Programm dürfte eine gute Unterhallung der Gäste gewährleisten Da der Verein bei Veranstattuugen der Arveiterschask mitwirkt, wäre ew guter Besuch bsä Feste» zu wünschen. v :: BERLIN O. Er.FriinklurterSli.ns Eckhaus Koppen-Strasse :: BERLIN O.:: Gr. Frankfurter StrJZS Eckhaus Koppen-Strasse Schwarze Kleiderstoffe. 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I|7U der Schulfrage beschäftigten sich folgende Schriften, die ■'8 wir zur Anschaffung empfehlen: Clara Zetkin, Die Schalfrage Referat, gehalten auf der dritten Frauenkonferenz in Bremen Preis 15 Pf. Tin temperamentvoller Vortrag, in dem namentlich aus die Stellung der Frau zur Schulsrage Bezug genommen wird. Dr. ffl. Otuarck, Kommunale Schulpolitik Ein Führer durch die Gemeindetätigkeit auf dein Gebiete der Volksschule Preis 1 M.. Vereineausgabe 50 Pf. Erpeditio« des„Vorwärts« Partei- Speditionen: Zentrum: MTB tri Hahnisch, Auguststr. 50, Eingang Ioachimstrahe. 2. Wablbrel«, Westen: Gustav Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch- parterre. , Südenund Südwesten: Hermann Werner, Gnetsenaustr. 72, Laden. 3. Wahlkrel«: St. Fritz, Prinzenstr. 31, Hos recht« Part. 4. Vadlbrel» i Oft t n: Rodert W e n g e I«, Gr. Franksurterstr. 120. — Wilhelm Mann, PeterSburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten: Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/15 fLa!' 5. 6. fLaden). 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