Ar. 185. Ndonnementz-NeSIngunzeni IffionnEmentä- PreiZ pränumerando i «ierteljährl. 3£0 SKI, monatL 1,10 232 1., wöcheMich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags. nunnner mit illiistrierler Sonntags. Beitage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Ndonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeiwngs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. Postabonnemems nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 27. Jahrs. Gldsdot tZglhd auSer Qsntass. Berliner Volksblnkk. vle InlerNonz-eebahr beträgt für die sechsgespaltene Kolanel- gelle oder deren Raum 50 Psg,, für politische und gewerkschaftliche Pereins» und Versammlungs-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Hnieigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse! „Sozlaidcmekrat RtrUa* Zcntralorgan der foztaldemohratifcben parte! Oeutfcblands. Redaktion: 8 Cd. 68» Lindenstraose 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8Z. Sonntag, den 7. August Cxpcdttion: 8 Cd. 68, Lindenetraeae 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984» Nilhelm Ckbknecht. Am 7. August sind es 10 Jahre, daß Wilhelm Liebknecht aus den Reihen der deutschen Klassenkämpfer schied. So schmerzlich sein Scheiden uns damals war, wir müssen sagen: er erlitt den schönsten Tod. Wie Heine das von„Fortunas Favoriten" sagte:„Mit Rosen noch das Haupt umkränzt und Lächeln auf den Lippen." Kein Siechtum hatte ihn entstellt oder geschwächt. In vollster Kraft raffte ihn die Hippe hinweg. Welche Lebensvollkraft ihn noch durchströmte, bewies ein entzückendes Feuilleton, das er wenige Tage vor seinem Ende im„Vorwärts" schrieb, die moussierende Schilderung eines Ausflugs nach dem Werder der Baumblüte, die mit köstlichem Humor die Gefahren des ungewohnten Obstweingenusses schilderte. Und nicht nur inmitten der Vollkraft des Geistes, auch inmitten des Kampfes wurde Wilhelm Liebknecht dahingerafft. Am Mittwoch schloß ihm schmerzloser Tod die Augen, und am darauffolgenden Mittwoch gedachte er nach der Schweiz zu reisen, um in St. Gallen gemeinsam mit dem Führer der österreichischen Sozialdemokratie auf einem internationalen Arbciterverbrüderungsfest zu sprechen. Diese letzte Tat der Bekundung des Internationalismus der Sozialdemokratie blieb ihm versagt, aber sein ganzes Leben war lebendigstes Zeugnis dieses internationalen&e dankens. Schon 1849 trieb ihn der Zusammenbruch der deutschen Volksbewegung, an der er sich als Jüngling enthusm stisch beteiligt, ins Exil. 13 Jahre lang aß er in England das bittere Brot des Exils; aber diese 13 Jahre waren für ihn nicht nur eine Zeit der Not und des die Charakterstärke erprobenden Manneskampfes gegen das Schicksal, sondern auch eine Zeit der geistigen Entwickelung, des politischen Reifens. Im Verkehr mit den geistigen Häuptern des thea retischen Sozialismus, Marx und Engels, entwickelte sich der demokratische Revolutionär zum durchgebildeten Sozialisten, zum künftigen Führer des sozialistischen Klassenkampfes einer Millionenpartei. Als Liebknecht dann 1863 nach Deutschland zurückkehrte, war dort von Lassalle die hinreißende Losung zur Schaffung der Organisation des Proletariats erneut aus gegeben worden, und Liebknecht wurde im Verlaufe der Eni Wickelung, deren äußerer Anstoß von dem genialen Ungestüm Lassalles ausgegangen, einer der Bahnbrecher der sozialdemo kratischen Arbeiterbewegung Deutschlands. Die unbeugsame Kämpfernatur Liebknechts focht es nicht im mindesten an, daß er 1863 aus Preußen ausgewiesen wurde und seine Zuflucht in Sachsen nehmen mußte. Seit 1867 Mitglied des Nord deutschen Reichstages, seit 1868 Redakteur des führenden Blattes der Partei, traf ihn 1871 ein neuer schwerer Schlag der ergrimmten Reaktion. Schon früher hatte er wiederholt Untersuchungshaft und Gefängnisstrafen über sich ergehen lassen müssen, nunmehr wurde er gemeinsam mit Bebel wegen Vorbereitung und versuchten Hochverrats zu zwei Jahren Festung verurteilt. Aber auch diese Strafe zerriß nicht eine Faser an der zähen, markigen Persönlichkeit des„Alten". Der Fortschritt der deutschen Arbeiterbewegung war ja auch der beste Balsam für alle geschlagenen Wunden. Im Jahre 1875 half Lieb knecht die Einigkeit der Partei schaffen— in geschlossener Armee kämpfte fortan das deutsche Proletariat! Auch als Liebknecht 1881 aufs neue ins Exil— diesmal nur von Leipzig nach Borsdorf— gehen mußte, ertrug er dies Fatum mit gutem Humor. Aber auch die Jahre des Schandgesetzes gingen vorüber, und 1896 brachte den gewal- tigen Sieg über den Vater des Sozialistengesetzes, den Monster-Junker Bismarck!., Wie Liebknecht dann nach Berlin übersiedelte, wie er die Redaktion des„Vorwärts" übernahm, wie er durch sein Wirken in der Organisation, durch unermüdlichs agitatorische Tätigkeit zur populärsten Persönlichkeit Berlins und der Partei überhaupt wurde, das ist den Genossen noch allzu be- kannt. Wo sich, auf der Straße und in den Versammlungen, der Alte in seinem wetterfarbenen, nicht gerade nach der neuesten Mode gemachten Habit sehen ließ, da leuchteten die Augen, da schlugen die Herzen der klassenbewußten Arbeiter höher! � Und auf der sonnigen Höhe dieses höchsten Glückes, das einem Volksmanne werden kann, ereilte ihn das Los, das keinem Sterblichen erspart bleibt. Welch arbeits- und sturmerfülltes, und doch wieder welch glückliches Menschenschicksall .» Es ist unmöglich, in ein paar Strichen ein Bild der politischen Persönlichkeit Liebknechts zu geben. Nicht daß er eine zu komplizierte Persönlichkeit gewesen wäre. Sein Wesen lag klar vor aller Blick. Aber so klar und durchsichtig auch. seines innersten politischen Wesens Kern war, so wenig läßt sich die Fülle seines Strebens und Wirkens in wenigen Wor- ten erschöpfen. Wilhelm Liebknecht war jederzeit das, was man heute einen Radikalen nennt. Ein Schachern und Prachern um Grundsätze gab es bei ihm nicht, trotzdem von ihm das Wort stammt, daß er seine Taktik jeden Tag hundertmal ändere, wenn sich die Verhältnisse änderten. Der scheinbare Wider- spruch löst sich freilich leicht, wenn man berücksichtigt, daß für Liebknechts Taktik die prinzipielle Auffassung stets das Ausschlaggebende war. Liebknecht gehörte zu denen, die sich 1897 auf dem Ham» burger Parteitag, wo mit Mehrheit die Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen beschlossen wurde, gegen die Beteiligung aussprachen. Er sprach dagegen, weil er nicht er- wartete, daß das Proletariat aus eigener Kraft Man- date erringen könnte, was damals noch kaum jemand annahm. Von einem Wahlbündnis mit Liberalen erwartete er nichts— und die Zukunft hat ihm darin durchaus recht gegeben. Erst recht aber— und auch darin steht die Partei auch heute noch und sicherlich auch in Zukunft auf seiner Seite— wollte er nichts von einem Zusammengehen im ersten Wahlgange wissen, das damals ja einzelne Genossen be fürworteten. Jede Abschwächung des auch bei den Wahlen zu betätigenden reinlichen Klassenkampfes hielt er mit Recht für ein Uebel. Man glaubt, daß Liebknecht erst heute gesprochen habe, wenn man liest, was er in Hamburg ausführte: „Es sind zwei verschiedene Strömungen in der Partei. Die einen sagen, wir müssen mit der Fortschritts- oder einer anderen Oppositionspartei ein Wahlbündnis schließen. Auf diesen Ausdruck scheint man, weil er zu sehr mißfiel, wohl verzichtet zu haben; mit einem Leichnam kann man sich nicht verbinden, und bei uns in Deutschland ist die Fortschritts- Partei ein Leichnam. Es wird uns zugemutet, wir sollen den Leichnam zu neuem Leben galvanisieren, das Gleichgewicht wiederherstellen, das dadurch ver- schoben ist, daß die Sozialdemokratie der Fortschrittspartei einen Teil ihrer LandtagSwähler abgenommen hat. Das ist aber doch ein außerordentlich großer Vorteil für unS ge- Wesen. Darin liegt doch unser Fortschritt als Partei; darin offenbart sich, daß wir allmählich die Fort fchrittspartei gleich allen anderen kapita listifchenParteienüberwindenwerden. Den Fort- schrittlern die Wähler wieder zurückzugeben, die wir ihnen ab- genommen haben, das erinnert ja an jenen italienischen Wund- arzt, der bei Nacht die Leute überfiel und verwundete, um andern Tages die Wunden zu heilen. Das hieße doch den Kampf, den wir geführt haben, für töricht zu erklären." Und wenn trotz Liebknechts Mahnung die Beteiligung an den Landtagswahlen beschlossen wurde, so n i ch t im Sinne der Kompromiß Politiker, nicht gegen Liebknechts sondern aus der Absicht und Zuversicht heraus, durch den Wahlkampf den Klassenkampf fördern zu können. Für diejenigen, die bei der Abstimmung den Ausschlag gaben, galt das Wort der Genossin Klara Zetkin:„Ich gehöre mit zu denen, die darauf hinwirken möchten, daß sich unsere Partei bei den preußischen Landtagswahlen auf die Ebene begibt, die als schiefe bezeichnet worden ist. Mir erscheint sie allerdings als ein ausgedehntes Blachfeld für denKlassen- kämpf, wo wir neue proletarische Massen in die Gefechts- linie führen können." Aber noch in einer Beziehung war Liebknecht in Hamburg der vorbildliche Vertreter des alten proletarischen Klassen- kampfes, wie wir ihn in Deutschland seit mehr als drei Jahr- zehnten führen. So sehr seine Ueberzeugung sich gegen die vorgeschlagene Taktik der Beteiligung an den Landtagswahlen sträubte, so sehr fühlte er, der anerkannte, gefeierto Führer, sich doch als einfacher Soldat auf dem Schlachtfelde der Demokratie, indem er aus- führte: „Wenn die Gegner sich schon gefreut haben, daß es hier zu heftigen Auseinandersetzungen und schließlich zur u»vermeid- lichen Spaltung kommen werde, so wird diese Freude sich bald in Leid verwandeln. Denn wenn ich auch überzeugt bin, daß so mancher mit dem Resultat, welches die Debatte haben wird, nicht ganz zufrieden sein wird, so steht das Eine doch von vornherein fest: wie auch immer die Ent- scheidung ausfallen möge, die Disziplin in unserer Partei und das Vertrauen der Ge- nossen ineinander ist ein so großes, daß von einer Trennung der Partei, von einer Nicht- befolgung dessen, was beschlossen wird, nicht die Rede sein kann. Wir haben an einem warnenden Beispiel— ich mutz das leider ja erwähnen— in Sachsen gesehen, wie gefährlich es ist, wenn in einer solchen Frage auch von einernoch so kleinen Minorität eineab- weichende Taktik befolgt wird. Dessen sind wir alle sicher, und unsere Gegner werden es aus den Debatten ersehen, daß, wenn auch unsere Meinungen weit auseinandergehen� doch die Partei einig ist in dem Bestreben, von welchem jeder von uns in gleichem Matze erfüllt ist, das zu tun, was im Interesse der Partei liegt. Ich stehe nicht an, zu erklären, daß eine Debatte, wie sie in unserer Partei über die Beteiligung an den Landtagswahlen geführt worden ist, von keiner anderen Partei in so objektiver Weise hätte geführt werden können. Und das hat darin seinen Grund, daß in unserer Partei das persönliche Mo- ment, wenn es auch naturgemäß nicht ganz fehlt, doch weit mehr als in jeder anderen Partei hinter dem allgemeinen Interesse zurücksteht. Bei uns hat es stets geheißen: Erst die Sache, dann die Person." Wahrlich, ohne in irgendwelchen Personenkult zu ver- fallen, kann auch die jetzige Generation der Sozial- demokratie von dem vor zehn Jahren verschiedenen Vor- kämpfer selbst für die Kämpfe des Augenblicks gar manches lernen!_ Polizeipräsident v. fagow gegen die preie Volksbühne. Der Berliner Polizeipräsident hat am 23. Juli an die Berliner Theaterdircktionen eine Verfügung erlassen, in der er die seit vierzehn Jahren unangefochten bestehende Zensur- freiheit des Vereins Freie Volksbühne für aufgehoben erklärt. Er fordert die Direktionen auf, Vorstellungen, die von der Freien Volksbühne in ihren Theater- räumen veranstaltet werden, künftig als öffentliche zwecks Stellung des vollen Sicherheitsdienstes in der vorgeschriebenen Form anzumelden und die zur Aufführung bestimmten Theaterstücke rechtzeitig zuvor in je zwei gleichlautenden Exemplaren zur Zensur einzureichen". Von dieser ihr innerstes Wesen bedrohenden, prinzipiell äußerst wichtigen Verfügung des Polizeipräsidenten wurde die Freie Volksbühne nicht einmal direkt in Kenntnis gesetzt, sie erfuhr von ihr erst auf dem Umweg über die Theater- direktionen. Sie beabsichtigt nunmehr, wie selbstverständlich, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, um die Freiheit des Vcreinslebens und der Literatur gegen den Zenjurüber- griff des Polizeipräsidenten mit allen Kräften zu verteidigen. Der Polizeipräsident hat sich in seinem Rundschreiben an die Theaterdircktionen nicht viel Mühe gegeben, seine Ver- fügung mit G r ü n d e n zu belegen. Er beschränkt sich auf die Feststellung, daß die Freie Volksbühne eine hohe Mit- gliederzahl erreicht hat, um daraus zu folgern, daß die Ver- anstaltungen des Vereins nicht mehr als nichtöffentliche be- trachtet werden dürfen. Das ist der altbekannte polizeiliche Gedankengang, der uns hier wieder begegnet: wenn ein Verein den Beifall der Oeffentlichkeit findet und reichen Zu- wachs erfährt, hört er auf ein Verein zu sein und ver- liert die Rechte eines Vereins. Diesem Gedankengange folgend ist der Polizeipräsident zu seinem Entschluß gekommen: Die Freie Volksbühne blüht auf, da muß die Polizei etlvas dagegen tun! Seit mehr als zwanzig Jahren ist die Freie Volksbühne ein Hort deutscher Literaturfreiheit gewesen und manchen harten Strauß hat sie darum mit den Behörden zu bestehen gehabt. Schon im Jahre 1892 stigmatisierte sie das Oberverwaltungsgericht als einen politischen Verein sozialdemokratischer Tendenz, und cS begründete seinen Spruch mit dem Hinweise darauf, daß der Verein folgende acht Werke zur Ausführung respektive zur Verlesung gebracht hatte: 1. Ibsen,„Stützen der Gesellschaft". 2. Ibsen,„Volks- feind". 3. Schiller,„Kabale und Liebe". 4. Sudermann, „Ehre". 3. Hauptmann,„Vor Sonnenaufgang". 6. Pissemski, „Der Leibeigene". 7. Fulda,„Verlorenes Paradies" und 8. Reuter,„Kein Hüsung".„Diese Dichterwerke", erklärte das ober- vcrwaltungsgerichtliche Urteil,„sind für die Zwecke der sozial- demokratischen Parteiagitation besonders passend, denn sie sind gewiß alle geeignet, die„Hohlheit und Unhaltbar- k e i t" der geschilderten Verhältnisse in der Gesellschaft und unter den beamteten Staatsorganen vor Augen zu stellen, Phantasie und Leidenschaften der zu- hörenden Arbeiterschaft zu erregen, ihre Unzufrieden» heit mit den herrschenden Zuständen möglichst zu steigern und in ihnen den Willen, deren Aenderung herbei- zuführen und zu dem Zweck der Partei sich anzu- schließen, tunlichst zu erwecken und zu befestigen". Dieses Urteil kennzeichnet den Geist, von dem auch alle übrigen behördlichen Verfolgungen des aufstrebenden Kultur- Unternehmens geleitet wurden, auch den Geist der aller- neuesten Polizeiaktion. Man schämt sich zwar heute vielleicht schon ein wenig, es auszusprechen, Schiller, Ibsen, Reuter, Hauptmann als„umsturzverdächtig" hinzustellen, aber man handelt danach I Unter dem KöllerkurS, im Jahre der Umsturzvorlage 1895 glaubte die Polizei endlich den glücklichen Augenblick ge- funden zu haben, um der Freiheit der Freien Volksbühne für immer ein Ende zu bereiten. Sie erklärte— damals in einer direkt an die Vereinsleitung gerichteten Verfügung— die Vereinsveranstaltungen für öffentlich und zensurpflichtig. Der Verein suspendierte sich daraufhin sofort selbst und klagte gegen das Polizeipräsidium, wurde aber vom Obcrverwaltungs» gericht mit seiner Klage abgewiesen. Das Gericht erklärte da» mals. das Verhalten der Polizei sei»solange gerecht� fertigt, als die Organisation des Vereins nicht geändert ist".— Seitdem sind aber sämtliche seinerzeit vom Oberverwaltungsgericht' für notwendig erklärten Aenderungen der Orga- nisation tatsächlich vorgenommen worden! Der Verein konstituierte sich im Jahre 1896 auf neuer Grundlage, und seitdem ist es keinem Polizei- direktor, keinem Mini st er des Innern eingefallen, die Zellsurfreiheit des Ver- eins anzutasten, bis Herr v. Jagow Polizei- Präsident und Herr v. Dallwitz Minister des Innern wurde. Nun auf einmal wird das Ver- nichtlingswerk wieder aufgenommen, um das sich die Unter- gebenen des Herrn v. Köster vergeblich bemüht hatten. Und diesmal soll ganze Arbeit gemacht werden, die Zensur duldet in ihrem Reiche keine Enklaven der Freiheit mehr I Vergebens sucht man in den Tätigkeitsberichten und den sonstigen Veröffentlichungen der Freien Volksbühne nach irgend eineni Anlast dieses auffälligen polizeilichen Front- Wechsels. Doch schließlich fällt der Blick auf eine Denkschrift� die der Verein soeben zum Kampfe gegen das Lustbarkeits- steuerprojckt des Berliner Magistrats veröffentlicht und der eine Erklärung beigegeben ist, in der es heißt: Die Freie Volksbühne ist eine Organisation, die in ge- meinnütziger Absicht breiten Massen der Berliner Bevölkerung die Kenntnis der besten Werke deutscher und fremder Literatur zu vermitteln bestrebt ist. Seit mehr als zwanzig Jahren leistet sie ini Sinne ihres Programms wirkliche Kultur- arbeit, die ihr den lebhaftesten Beifall aller Ge- bildeten eingetragen hat. Organisationen solcher Art verdienen, durch den Staat und die Gemeinde in jeder möglichen Weise gefördert zu werden. Auf keinen Fall ist eS aber angebracht, ihre segensreiche Tätigkeit durch behördliche Eingriffe und steuerliche Belastungen zu beeinträchtigen! Unterzeichnet ist diese Erklärung u. a. von folgenden Persönlichkeiten der Wiffenschaft und Literatur: Hermann Bahr. Prof. K. Bücher-Leipzig. Richard Dehmel. ilrtur Eloesser. Fritz Engel. Ludwig Fulda. Stephan Groß- mann-Wien. Max Halbe. Gerhart Hauptmann. Julius Hart. Georg Hirschfeld. Monty Jacobs. Paul Mahn. Heinrich Mann. Thomas Mann. Fritz Mauthner. Franz Mehring. JuliuS Meier» Graefe. Prof. K. Lamprecht« Leipzig. I. Landau. Prof. P. Natorp- Marburg. Felix Pnppcnberg. Hans Rosenhagen. Erich Schlaikjer. Johannes Schlaf. Leopold Schmidt. Wilhelm Schmidtbonn. Hermann Sudermann. Ernst v. Wolzogen. Frank Wedekiud. Den„Kulturträgern", hieß es doch vor wenigen Monaten. sollte ein erhöhter Einfluß aus die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten eingeräumt werden. Allerdings waren damit nur die Kulturträger mit Zivilversorgungsschein gemeint, von anderen will sich die preußische Negierung in ihre Geschäfte nichts drein reden lassen. Kaum haben also diese anderen Kulturträger ihrer Meinung Ausdruck gegeben, daß es nicht angebracht sei. die segensreiche Tätigkeit der Freien Volks- bühne durch„behördliche Eingriffe zu beeinträchtigen", so er- folgt mit demonstrativ wirkender Promptheit der widerratene „behördliche Eingriff", gleichsam als ob damit gezeigt werden sollte, daß Leute, wie die Unterzeichner jener Erklärung, in Preußen, Gott sei dank, noch immer nichts zu sagen haben! Die Polizeibehörde verzichtet auf den„Beifall aller Gebildeten", sie hat kein Verständnis für„gemeinnützige Absicht" und interessiert sich nicht für„wirkliche Kulturarbeit". Sie will nichts als herrschen. Sie muß alles regle- mentteren, am liebsten d i e Dinge, von denen sie am wenigsten versteht. Und darum soll jetzt die Freie Volksbühne an ihrem Ehrennamen, dessen sie sich in zwanzigjähriger. Arbeit mehr als würdig gezeigt hat, das erste Wort streichen müssen. Eine „Volksbühne" mag sie bleiben, aber frei? Frei und in Preußen? l Die Freiheit der Volksbühne von Zensur und polizeilicher Bevormundung ist aber ein ideales Kulturgut, ein wertvolles Aktivum in der Bilanz des deutschen Geisteslebens. Wenn dem Verein, der Hauptmann und Halbe in Zeiten polizeilicher Bedrängnis den Weg zur Bühne offen gehalten, der Ibsen und Gorki dem deutschen Theater entdeckt hat, die Bedingungen seines bisherigen erfolgreichen Schaffens entzogen werden sollen, so bedeutet das einen empfindlichen Schaden für die gesamte Volkskultur. Wir sind gespannt, ob die bürgerliche Presse und die bürgerlichen Parteien die ganze Tragweite dieser Angelegenheit begreifen werden, oder ob ihr Verhalten das Urteil bestätigen wird, das einst Prof. Delbrück im Kampfe um die Lex Heinze fällte: ob wirklich deutsche Kultur und Geistesfreiheit nur noch beider Sozialdemokratie Schutz finden soll._ fieue enthiillungeu in der lliannesmann-flffäre. Bekanntlich hatten die Alldeutschen eine Hetze gegen den Staats- sekretär des Auswärtigen Amts, v. Schön, während der letzten ReichStagStagung inszeniert, weil er die Ansprüche der Kapitalisten- gruppe Mannesmann auf die Bergmerksrechte in Marokko nicht rücksichtslos genug wahrgenommen haben sollte. Die Mannes» männer hatten den Reichstag mit Eingaben bestürmt, worin sie nachzuweisen versuchten, daß ihre Rechte unantastbar seien. Sie beriefen sich auf ein vom Sultan Mulai Hafid erlasienes angeb« licheS Berggesetz, welches in Uebersetzung und im Faksimile bei- gefügt war. Einem Gutachten, das Professor Dr. G. Kampfs. meyer, ordentlicher Lehrer arabischer Dialekte am Seminar für Orientalische Sprachen der Universität Berlin, für das Auswärtige Amt erstattete und welches den Ansprüchen der Mannesmönner nicht genügend entgegenkam, wurde ein solches des Leipziger Professors Fischer gegenüber gestellt. Der nationalliberale Abgeordnete Urning hat. um die Fischersche Uebersetzung als die allein maß- gebende bezeichnen zu können, den Professor Fischer von der Tribüne des Reichstags herunter als den ersten lebenden „Arabisten" bezeichnet. In einer soeben erschienenen Broschüre zerpflückt Professor Kampffmeyer nun gründlich die gegen seine Stellungnahme angeführten Argumente.„Gegen August Fischer," so sagt Kampff- meyer aus Seite ö3 in der genannten Broschüre,„erhebe ich die An- klage, in derselben Angelegenheit über die Sache ohne gründliches Vorstudium geredet zu haben und da, wo reine Sachlichkeit Pflicht war, einer Gehässigkeit Raum gegeben zu haben, für die mir jedes Verständnis fehlt. Durch das Fischersche Gutachten ist die öffent- liche Meinung erneut auf das gründlichste irre geführt worden." Eingehend weist Professor Kampffmeyer nach, daß die im Besitz der Gebrüder ManneSmann befindliche Urkunde, auf welche sie ihre Ansprüche stützen und zu deren Durchsetzung die All- deutschen am liebsten Waffengewalt angewendet gesehen hätten, nicht aus einem Gusse ist. Daß das Siegel sich nur a u f ein t n Vermerk bezieht und daß das sogenannte Berggesetz nicht einmal ein Datum trägt. ist, so folgert Kampffmeyer nach längeren eingehenden Darlegungen, einfach nicht wahr, daß diese Urkunde den Erlaß eines marokkanischen Berg- gesetzeS ausdrückt. Denn Iväve das beabsichtigt, so würden Form und Ausdrucksweise völlig anders sein. Das Schriftstück sei durchweg ungeschickt, an vielen Stellen unklar und an wesentlichen Stellen unverständlich. Es sei unmöglich, daß Mulai Hafid ein der- artiges Schriftstück als Gesetz habe ausgeben lassen können. So sei der wichtige Paragraph 0, welchervonderKonzessions» erteilung handle, ein grauenvoller sprachlicher Wirrwarr und daher absolut unverständlich. Es handelt sich, so wird weiter dargelegt, offenbar hier nur um e i n e Anlage zu einem Gesetz, das nichterlaffen wor- den ist. Aus der ganzen Fassung gehe übrigens hervor, daß es sichumeinedeutscheUrschrift handle, die später u n v o l l- kommen ins Arabische übersetzt worden sei. „Ich wußte", sagt Kampffmeyer weiter,„daß der Ursprung dieser arabischen Fassung des»Berggesetzes" überhaupt nicht in Marokko liegt." Diese Andeutung ist nicht mitzzuverstehen. WaS werden die Manncsmäuner darauf zu erwidern haben? Was haben sie zu antworten auf die Frage, wer der Urheber dieses Schriftstücks ist, durch das das Auswärtig- Amt zu diplomatischen Schritten ge- nötigt werden sollte, die das Deutsche Reich in schwere internatio- nale Verwickelungen hätte bringen müssen? Die Gebrüder Mannes- mann und die hinter ihr stehenden kapitalistischen Gruppen, diese Ueberpatrioten, haben jetzt das Wort, denn deutlicher, wie Herr Kampffmeyer geworden ist, kann man nicht mehr gut werden! potttlscde Uebcrficht. Berlin, den 6. August 1910. Neue Nnterschleife auf der kaiserliche« Kieler Werft. Aus Kiel wird gemeldet, daß neue Materialiendiebstähle auf der kaiserlichen Werft entdeckt und der Matenalaufgeber B a l tz wie auch der Aliljändler Albrecht verhaftet worden sind. Baltz hat mehrere hundert Kilogramm Altmaterial in kleinen Partien unter der Weste versteckt aus der Werft heraus- geschmuggelt und an Albrecht verkauft. Die eingeleitete Unter- uchung führte weitere Veruntreuungen ans Tageslicht. Kieler Kriminalbeamte suchten die Lager der Althändler in Neu- münster ab und ermittelten dort beim Produktenhändler Wittko, daß dieser für 2000 Mark Altmaterial besaß, das auS der kaiserlichen Werft entwendet worden war. Wittko gab an, daß er es von einem Kieler Großkaufmann für 600 Mark er- worden habe, und daß dieser es wieder von Kleinhändlern gekauft habe. Es stehen noch weitere Verhaftungen bevor. Nach Schablone Da sich die Eisenbahnunsälle in letzter Zeit beträchtlich gemehrt haben und viele dieser Unfälle aus der Nichtbeachtung der Signale durch die Lokomotivführer entstanden sind, hat der Minister, der öffentlichen Arbeiten, Herr v. Breitenbach, wieder einen Erlaß an die Eisenbahndirettionen verschickt. Aus diesem Erlaß weiß der„Eisenbahn-Courier" folgendes mitzuteilen: „Das Durchfahren der Lokomotivpersonale auf längeren Strecken hat sich nach dem Berichte zwar bewährt, auch erklären die beteiligten Personale übereinstimmend, daß die Fahrten ohne Uebermüdung gut auszuführen sind. Indessen fragt es sich doch, ob nicht die mit solchen Dienstleistungen verbundenen größeren Nebeneinnahmen auf die günstige Beurteilung vielleicht einen Ein- fluß ausüben. In den Zeitungen und auch bei der Besprechung des Mülheimer Unfalles im Reichstag ist auf diesen Umstand mehrfach hingewiesen worden. Die Königl. Eisenbahndirektion wolle hier- über innerhalb zwei Monaten sich äußern, sowie insbesondere an- geben, ob allgemein die Gewährung von Stundengeldern an Stelleder Kilometergelder an das Lokomotivpersonal in Aussicht zu nehmen sein möchte. Der Wunsch auf allgemeine Einführung von Stunden- geldern ist wiederholt in den Kreisen des Lokomotivpersonals ge- äußert worden. Was die Frage betrifft, ob es ratsam erscheint, auf bestimmten Strecken den Schnellzügen einen dritten Mann auf der Lokomotive mitzugeben, der den Führer in der Signal- beobachtung zu unterstutzen hätte, so würde eine solche Maßnahme eine Einschränkung der Verantwortlichkeit des Lokomotivführers zur Folge haben. Die Mitgabe eines dritten Mannes als Lotsen ist notwendig, wenn der Führer die Strecke nicht genügend kennt. Daß sie auch für den streckenkundigen Lokomotivführer eine Hülfe sein würde, ist nicht anzunehmen. Die Anwesenheit eines dritten Mannes, dessen Wahr- nehmungen von vornherein nicht so zuverlässig sein können wie die des Führers, wird auf der Lokomotive eher Störungen hervorrufen, als Nutzen stiften. Ein kürzlich vorgekommener Unfall hat auch be- wiesen, daß ein dritter Mann auf der Lokomotive die sichere Be- obachtung und Beachtung der Signale durchaus nicht gewährleistet. Wichtiger als die Frage der Mitgabe des dritten Mannes ist die Stärkung des BerantworllichkeitSgefllhIS beim Lokomotivpersonal und die Ueberwachung feiner Tätigkeit während der Fahrt. Es ist eine volle Gewähr dafür zu schaffen, daß die Lokomotivführer insbesondere bei der Fahrt durch verschiedene Bezirke die Strecken genau kennen lernen. Ein gut ausgebildetes und sich seiner Pflicht vollbewußteS Lokomotivpersonal gibt die beste Ge- währ für die gewissenhafte Beachtung der Signale und die Sicher- heit der Fahrt." Im wesentlichen soll es also beim alten bleiben. Weltkongreß für freies Christentum. Nach einem feierlichen Empfang am gestrigen Abend ist heute morgen in Berlin der fünfte Weltkongreß für„freies Christen« tum" und„religiösen Fortschritt" eröffnet worden: eine Veranstaltung protestantischer Theologen, die das sogenannte positive evangelische Bekenntnis verwerfen. Am besten wird ihre christliche Richtung charakterisiert, wenn wir die Namen der Theologen hierher setzen, die das deutsche Komitee bilden. Es sind dies: Professor Baumgarten,.Kiel; Pfarrer Max Fischer, Berlin; Pfarrer Alfred Fischer, Berlin; Pfarrer Fobbe, Berlin; Reichs- tagsabgeordneter Pfarrer Friedrich Naumann. Berlin; Professor Rode, Marburg; Pastor Schiele, Berlin; Pfarrer Schneemelcher, Berlin; Pfarrer Traub, Dortmund. Den ersten Vortrag hielt heute morgen Professor Dr. Adolf H a r n a ck über„Das doppelte Evangelium im neuen Testament". Dann machten die Teilnehmer des Kongresses einen Ausflug nach Potsdam und besichtigten die dortigen historischen und kirchlichen Gebäude. Nachmittags wurde am Luther-Denkmal auf dem Neuen Martt ein Kranz niedergelegt, woran sich ein Kirchen- konzert in der Marienkirche schloß. In den nächsten Tagen finden weitere Vorträge über allerlei theologische Themata statt. Außerdem werden heute abend vier große Sonderversammlungen abgehalten, in denen verschiedene Theologen, darunter auch Max Maurenbrecher, über das Verhältnis der Religion zum Sozialismus, zur Enthaltsamkeit, zur Frauenfrage und zur Friedensbewegung sprechen werden. Ferner sollen morgen (am Sonntag) abend drei mit religiösen Gesängen beginnende und schließende Volksdersammlimgen stattfinden, in denen ungefähr zwei Dutzend Redner die Frage behandeln werden, ob der Austritt auO der Kirche zu empfehlen ist und ob die Schule von der Kirche g#- trennt werden müsse._ Der holsteinische Liberalismus uud der WahlzensuS. Dem unrühmlichen Beispiele in Kiel, Wandsbeck, JtzehoS und anderen Orten der Provinz Schleswig-Holsteins folgend, glauben auch die„liberalen" Stadtväter Altonas in Wahl- rechtsraub mächen zu sollen. Nachdem es nach jahrelangen Kämpfen unseren Genossen in Altona im vorigen Jahre zun» ersten Male gelungen war, in das mit Privilegien umwallt« Stadtparlament in Stärke von fünf Mann einzudringen, wurden sofort Stimmen laut, welche die Erhöhung des Wahl« zensus von 1200 M. auf den höchst zulässigen Satz vot» 1500 M. verlangten. Der Magistrat glaubte zunächst die Erhöhung des Zensus nicht befürworten zu sollen, da daS Bürgertum, wenn alle Kräfte angespannt würden, noch stark genug sei, dem weiteren Eindringen der Roten ein Paroli zu bieten. Das fortgesetzte Schwenken mtt dem roten Lappen scheint jedoch den Magistrat jetzt in die nöttge Stimmung versetzt zi» haben, den„starken Mann" zu spielen. Am Freitagmorgen gaben die„Hamburger Nachrichten" mit Behagen einer Zu- schrift Raum, in der es hieß, daß die dem Magistrat nahe- stehenden Kreise zu melden wüßten, daß eine Herauf- schraubung ires Wahlzensus noch bis zu den im Herbst stattfindenden Wahlen geplant s e i. Die Abendblätter vom Freitag bestätigten, diese„Absicht", Wie verlautet, wird schon die Ende August statt- findende gemeinschaftliche Sitzung von Ma» gistrat und Stadtverordnetenkollegium sich mit einer solchen Vorlage beschäftigen. Unsere Altonaer Genossen werden sicher ihren Mann stehen und es an Aufklärung der Massen über die Beschaffenheit des schleswig- holsteinischen„Liberalismus" nicht fehlet lassen._ Zum Wahlrechtsraub in Wandsbek. Vor�einigen Tagen gelangte im Wandsbeker Stadtparlament — in Schlcswig.Holstein tagen Magistrat und Stadtverordnet« gemeinsam— die Interpellation der sozialdemokratischen Stadt, verordnetenfraktion über die Streichung bisherige« Wähler aus der Bürgerrolle bezw. Verweigerung der Aufnahme solcher Bürger in dieselbe, die seit einem Jahre«in Einkommen von 1350— 1500 M. versteuert haben. Wie schon mit» geteilt, steht die städtische Verwaltung auf dem Standpunkt, daß nach der im vorigen Herbst beschlossenen Aenderung der Stadt, ordnung nicht mehr der Staatssteuersatz von 16 M.(1350— 1500 M. Einkommen), sondern ein Einkommen von 1500 M. zur Ausübung des kommunalen Wahlrechts erforderlich ist. Als unsere Genossen in der entscheidenden Sitzung die Vorlage als einen Wahlrechts« raub charakterisierten, erwiderte der Oberbürgermeister:.... Man redet in sozialdemokratischen Kreisen von WahlrechtSraubk Wi» kann von einem Raub des Wahlrechts gesprochen werden, wo nie« mandem das Wahlrecht genommen, im Gegenteil eS erweitert wird? Nehmen, rauben tun wir nichts." An diesen nicht miß« zuverstehenden Ausspruch erinnerten unsere Genossen das Stadt« oberhaupt, das sich seiner damaligen Worte nicht mehr genau zu erinnern vermochte. Als ihm das Amtsorgan, in dem der zitiert« Ausspruch wörtlich steht, vorgehalten wurde, desavouiert« er seineu Moniteur, indem er kühl meinte, er sei für dessen Schreibweis« nicht verantwortlich, wi« er überhaupt keinen Einfluß auf di« Presse habe. Von den bürgerlichen Vertretern hatte nur der Stadt« verordnetenvorsteher und Gymnasiallehrer S p r o e s s e l, ge« wesener„liberaler" Landtagskandidat für den Kreis Stor« marn, den traurigen Mut, sich der Ansicht des„OberS" anzu« schließen, während alle anderen schwiegen. In etwa 14 Tagen.wird daS Stadtverordnetenkollegium, da» in solchen Dingen in erster Instanz entscheidet, über die zahlreichen Reklamationen wegen Aufnahme in die Bürgerrolle zu befinden haben. Da gilt eS Farbe zu bekennen, zumal die meisten Stadt« verordneten„freisinnig" sein wollen! Die Angelegenheit soll bi» in die oberste Instanz getriebe» werden.-'_ Die Waldenburger Polizeischlacht. Ein ungloubliches Urteil fällte das Schöffengericht in Reichen» hall. Durch einen im„Proletarier aus dem Eulengebirge' er« schienenen Artikel soll Genosse Feldmann ein halbes Dutzend Personen aus Waldenburg beleidigt haben. Anlaß dazu gab da« nicht einwandfreie Verhalten der Polizisten und einer Anzahl städtischer Wasserwerksarbeiter bei der Straßendeinonstration in» April dieses Jahres, bei der Demonstranten durch Säbel« hiebe verwundet und ihre Anzüge durch Wasser« strahlen verdorben wurden. Das Gericht lehnt» jeden Wahrheitsbeweis ab. DaS in dem Artikel Behauptete wurd» einfach als wahr unterstellt, nur die Form sei beleidigend und des« halb müsse eine Verurteilung erfolgen. Der Staatsanwalt bean« tragte gegen Feldmann fünf Monate Gefängnis, gegen den Drucker. Genossen Pelz, 200 M. Geldstrafe. DaS Schöffengericht in Reichenbach erkannte auf drei Monate Gefängni« gegen Feldmann, und gegen Pelz, der nicht den geringsten Einfluß au$ die redaktionelle Haltung de»„Proletariers" hat, auf 20 M» Geldstrafe. Gegen da» unverständliche Urteil wird natürlich Be» rufung eingelegt. Die Waldenburger Polizeischlacht wird übrigen» am 1. Sep« tember vor der ersten Breslauer Ferienstrafkammer noch einmal aufgerollt werden. Genosse Albert soll Polizisten und Gendarmen. die auf wehrlose Straßendemonstranten mit den Säbeln einschlüge» und diese zum Teil sehr schwer verletzten, durch zwei Artikel in der Breslauer„Volkswacht" beleidigt haben. Für den Termin sind zwei Tag« in Aussicht genommen. Der Staatsanwalt hat 42 Zeugen. darunter allein über 20 Gendarmen und Polizisten laden lassen. Albert will den Wahrheitsbeweis durch eine große Anzahl vo« Zeugen führen; Genosse Karl Liebknecht hat die Verteidigung übest nommen. Von Waldenburger Richtern wurden auf Grund von Aussage» von Polizisten drei Demonstranten zu je drei Monaten G ei fängnis, mehrere andere zu Geldstrafen verurteilt. Angebliche sozialdemokratische Verhetzung. Durch die Reichsverbands» und Unternehmerpresse macht ein zuerst in der„Kölnischen Zeitung" erschienener Artikel die Runde. ,n dem es heißt: „Die Firma Th. Goldschmidt, Chemische Fabrik und Zinn» Hütte in Essen, will die Leistungen der für die Arbeiter ihre» Werkes gegründeten und unter der Mitverwaltung der Arbeite« stehenden Pensionskasse erhöhen, nachdem eine im Auftrage der Firma von versicherungstechnischer Seite vorgenommene Prü- fung der Kasse ergeben hat, daß eine Erhöhung der Pensions- sätze und Sterbegelder um die Hälfte möglich erscheint. Der aus fünf Mitgliedern— unter ihnen befinden sich drei Arbeiter bestehende Vorstand der Werkpensionskasse tritt einstimmig auf den Boden der Vorschläge der Firma und beantragt bei der Hauptversammlung der Kassenmitglieder die Genehmigung eines entsprechenden Antrages. Die Hauptversammlung der Mitglieder indes, die durch einen nach seiner eigenen Aussage vom Arbeiter» sekretariat instruierten sozialdemokratischen Agitator aufgehetzt . Mtlde« sich ist die im Interesse der Nrbeitxx von der Firmg diu» fiiBoTcrte köesenIWe Cr�ö�ung fcr Leistungen der Penstonskaste ob. weil nicht auch gleichzeitig die vom Agitator in den Vorder- grund gerückte Forderung der Rückzahlung der Beiträge aus- scheidender Arbeiter von der Firma zugestanden wird und Augestanden werden kann. So wirb cS, obwohl die Leistungsfähigkeit der Kasse nach einem, wie angedeutet, von versicherungstech- nischer Seite eingezogenen Gutachten außer Zweifel steht, der Firma Th. Goldschmtdt unmöglich gemacht, die Kassenleistungen zu erhöhen und damit den Wünschen der Pensionäre und Hinter- oliebenen von Mitgliedern auf Erhöhung ihrer Bezüge Rechnung zu tragen. Das Bild dieses Kampfes erscheint besonders ge- eignet, zu zeigen, daß den Führern dieser Arbeiterorganisationen jede Handhabe recht ist, ihre hetzerische Agitation daran zu knüpfen. Kämpfen sie doch gegen Einrichtungen einer Pensions- kasse, deren Satzungen ohnedies schon allen Anforderungen ent- sprechen, welche die eigene Presse der sozialdemokratischen Partei und deren Vertreter im Reichstage bisher gestellt haben. Es kommt jenen Organisationen offenbar nur darauf an, Unzu- friedenheit unter der Arbeiterschaft der Firma Th. Goldschmidt zu erregen, und zu diesem Zwecke werden Forderungen gestellt, von denen man genau weiß, daß sie unerfüllbar sind." Dieser Artikel enthält direkte Schwindeleien, denn es ist ein- fach nicht tvahr, daß die Satzungen der Kasse„ohnedies schon allen Anforderungen entsprechen, welch« die eigene Presse der sozial- demokratischen Partei und deren Vertreter im Reichstage bisher gestellt haben". Weiterversicherung nach dem Ausscheiden oder Rückzahlung der Beiträge ist die allgemeine Forderung der Ar- lbeiter, und gerade um dies« Forderung drehte es sich jüngst in dem Kampf der Goldschmidtschen Arbeiter. Die Goldschmidtsche Chemische Fabrik ist eine jener Gifthütten, in denen aus Dreck Gold gemacht wird und wo die Gesundheits- Verhältnisse der Arbeiter sehr schlecht, der Arbeitecwcchsel sehr groß ist. Die PensionSkasse hat vornehmlich den Zweck, die Arbeiter an das Werk zu fesseln. 1908 hatte di« Kasse(bei zirka 620 Ar- heitern der Fabrik) 4 Pensionäre, die zusammen eine Jahresrente von 627 M., einzeln pro-Tag zirka 36 Pf., bekamen, für Sterbe- fälle wurden noch 999 M. gezahlt, die Arbeiterbeiträge allein über- stiegen aber die JahresauSgaben um inehr als das Achtfach« I Des- chalb beantragten die Arbeiter, im Statut zu bestimmen: ..Mitglieder, die aus den Diensten der Firma freiwillig aus- scheiden, ohne dienstuntauglich zu sein, oder solche, die aus irgendeinem Grunde entlassen werden, haben dann Anspruch auf Rückzahlung der zur Pensionskasse gezahlten Beiträge, wenn diese für ein Jahr lang gezahlt sind. Die Beiträge gelangen erst ein halbes Jahr nach dem Austritt aus den Diensten der Firma zur Auszahlung." Nun setzte eine wütende Agitation der Firma und ihres »Rechtsbeistandes" gegen die Arbeiterforderungen ein. Die Firma beantragte, die Pensionen um die Hälfte zu erhöhen, offenbar in der Absicht, damit für alle Zukunft die Realisierung der Beitrags- rückforderung unmöglich zu machen. Weil die Arbeiter nicht nachgaben, wurde der„Rädelsführer" gekündigt, und in der Hoffnung, die„Roten" würden sich am Mai- ausflug beteiligen, die entscheidende Versammlung auf den 1. M a i festgesetzt. Der„RechtSbeistand" der Firma hielt eine große Rede über die Sozialdemokratie. Opponierenden Arbeitern aber schnitt man das Wort ab. Der Arbeiterantrag erhielt 233. der Antrag der Firma 136 Stimmen, so daß dem Arbeiter« antrag einige Stimmen an der erforderlichen Zweidrittel-Majori- tat fehlten und auch der Antrag der Firma abgelehnt wurde. BloheS Gerücht oder Tatsache? Die in Bonn erscheinende„Deutsche Reichszeitung' krachte kürzlich folgende Meldung in durchschossenem Druck: „Elsenborn, 24. Juli. Wie von hier mitgeteilt wird, find bei dem Gewitter vom letzten Freitag zwei Geschütze vom Blitz getroffen worden. Bei dem einen derselben wurden von der Mannschaft acht Leute, darunter«in Offizier und ein Arzt getötet." Elsenborn ist der große MilitSrschießplatz in der Eifel. Ueber den von dem Blatte geschilderten Borgang haben wir in anderen Zeitungen nichts gelesen; auch nähere Mitteilungen über daS furcht- bare Ereignis hat das Blatt bis auf den heutigen Tag nicht gebracht. Widerrufen oder berichtigt hat es aber unseres WissenS die Meldung auch nicht. Merkwürdig an der Notiz war schon, daß sie zwei Tage «ach dem angegebenen Ereignis datiert war. Jedenfalls aber ist die Meldung des rheinischen BlatteS so un- geheuerlicher Art, daß die Angelegenheit unbedingt der Aufklärung bedarf._ Spanien. Zurückgewichen. Madrid, 6. August. Das Komitee für die in San Sebastian geplante Kundgebung der Katholiken hat be- schloffen, auf die Kundgebung zu verzichten. Die katholi- scheu Zeitungen werden heute ein diesen Beschluß erklärendes Manifest veröffentlichen._ Zusammenstoß. Barcelona, 5. August. Gestern abend kam e« zu einem neuen Zusammen stoß zwischen K a r l i st e n und Radikalen. Die Kämpfenden wurden durch die Polizei auseinander getrieben. Eine Versammlungsstatistik. Paris, 6. August.„Malm" berichtet aus Madrid: Der Kabinettschef hat eine Statistik aufstellen lassen über die Zahl der Versammlungen und öffentlichen Kundgebungen, welche seil seinem Regierungsantritt, der am 6. Februar d. I. erfolgte, veranstaltet worden find, resp. abgehalten worden seien. Es haben insgesamt 298 Versammlungen und 200 Kundgebungen klerikalen und anti- klerikalen Charakters in dieser Zeit stattgefunden. CanalejaS will durch diese Statistik beweisen, daß keine Regierung der Welt in derselben loyalen und liberalen Weise wie die spanische Regierung, das Recht, Kundgebungen zu veranstalten, gewahrt habe. Rußland. Ein geplanter Anschlag auf das russische Parlament. Man schreibt uns aus Petersburg vom 3. August: Selbst das nachher verworfene und gänzlich umgearbeitete Bu- lyginsche Verfassungsprojekt gewährleistete den Abgeordneten volle Redefreiheit im Parlament, in der notgedrungenen Voraussetzung, daß ein Parlament ohne dieses Vorrecht kaum existieren kann. Und von da ab, sowohl während der kurzen Hausse- als währeav der langen Baissezeit de? russischen Parlamentarismus, galt der Grundsatz als unanfechtbar, daß die Volksvertreter ob ihrer Dumareden nicht zur Verantwortlichkeit gezogen werden dürfen. Oft genug waren daher Deputierte— auch solche der dritten Duma — in der Lage, die russische Mißwirtschaft zu schildern �.und ihre Be. hauptungen unter Namensnennungen und genauen Tatsachen- angaben zu belegen. Darob gab es aber hellen Zorn in der demora. lisierten russischen Bureaukratie, deren schlimmste Vertreter durch die Oeffcntlichkeit um Ehre und Ruf gekommen waren. Traten dann auch für die Gekränkten meist ihre vorgesetzten Minister ein, so fehlte es diesen an wirksamen Argumenten, und mit leeren Redensarten war der Sache nicht geholfen. Darum soll jetzt die Gesetzgebung eingreisen, um die„treuen StaatSdiener" kräftiger zu beschützen. Das Ministerium des Innern bereitet nämlich einen Gesetzentwurf vor, der die „Verantwortung der Deputierten wegen Ver- leumdung von Staatsbeamten" in Dumareden statuiert. So weit geht also schon in Rußland die Ausgestaltung einer„vernünftigen parlamentarischen Immunität". Laut dem Gesetzentwurf soll jedem Staatsbeamten anheimgestellt werden, wenn er in der Rede irgend eines Deputierten die MerkMle einer Ver» leumdung wahrnimmt, sich dadüber bei seinÄn DoWsetziest zü b'i-' schweren. Wenn der betreffende Ressortchef die Beschwerde für begründet erachtet, hat er sie dem Ministerrate zu unterbreiten, welcher dann darüber entscheidet, ob gegen den Deputierten durch das erste Departement des Reichsratcs eine gerichtliche Anklage zu erheben oder die Sache einzustellen sei. Wenn dieser Entwurf tat- sächlich Gesetz werden sollte, so würde man von einem I n t e r- pellatiönsrecht in Rußland noch kaum reden können: ein„beleidigter" Beamter würde nun das Recht er- halten, jeden Deputierten den Widerwärtigkeiten eines gerichtlichen Verfahrens und durch seine Macht auch schweren Strafen auszu- setzen; denn jeder Ressortchcf wird sich sicher seines Beamten— zumal gegen einen oppositionellen Abgeordneten— annehmen. Die Selbständigkeit cknd Unabhängigkeit, d. h. die Lebenskraft und der politische Sinn der gesetzgebenden Körperschaft würden unter solchen Umständen ganz verschwinden. Der sibirische Jntendantursumps. ES wäre geradezu unnatürlich, wenn das entlegenere Sibirien nicht eine ebenso gestaltete Intendantur, wie das zentrale Rußland, hätte. Dort konnte man ja im Gegenteil in noch patriarchalischerer Weise(soweit dies denkbar ist!) ungestört wirtschaften. Tatsächlich weist die sibirische Intendantur dasselbe bekannte Bild auf, und wenn irgend ein Unterschied doch wahr- zunehmen ist, so ist er vorwiegend quantitativer Natur. So pflegte in früheren Zeiten der sibirische Intendant als„D e m o k r a t" zu gelten. Denn während seine Moskauer und anderen Kollegen vermittelst verschiedener Kombinationen mit Preisen, fiktiven An- kaufen, Prozenten usw. operierten, mußte sich der sibirische Inten- dant bloß mit„kleinen Diebstählen", wie sich einer der Revisoren äußerte, begnügen. Und wenn die Herren sich trotzdem auch in Sibirien große Summen„erwarben", so mußten sie, um solche Re- sultate zu erzielen, einfach fertige War« aus dem Lager schleppen und anderweitig verkaufen.„Schleppen" konnte man gewöhnlich nur »n kleineren Portionen von jeder Lieferung; daher erhielten die sibirischen Intendanten die verächtliche Bezeichnung„Kleinhändler' im Gegensatz zu den„Großuitternehmern" von Moskau, PeterS bürg, Kiew, Kasan, Warschau usw. Nur während des Krieges entfalteten auch die sibirischen Intendanten eine„aristokratische" Schwungkraft, indem sie Privatwaren als Kriegsmaterial tranS- portiertcn. In friedlichen Zeiten hingegen waren die Intendanten hauptsächlich auf die„Naturalwirtschaft" angewiesen. Die von den Revisoren vorgeladenen Sachkundigen gaben ihr Gutachten über den auf dem Lager der Jrkutsker Garnison gefundenen Zucker dahin ab, die Kisten wären statt mit Zucker mit einer feuchten grauen Masse gefüllt, die wohl nicht als Zucker, aber als Sirup zu verwenden wäre. Ueber den Ursprung dieser Masse äußerten sich die Experten, daß den Kisten ein bestimmtes Quantum Zucker entnommen worden sei, worauf man, um daS Fehlgewicht zu verdecken, Wasser hineinzugießen pflegte. In derselben Weise wirtschaftete man auch mit sämtlichen anderen Produkten, die für daS Militär bestimmt waren. Daraus entwickelte sich eine ausgiebige Jntendanturindustrie: die gestohlenen Waren gehörten zu den besten Sorten und fanden deshalb leichten Absatz. ES ging ganz geschäftsmäßig zu, die Intendanten nahmen rechtzeitig Bestellungen entgegen und erledigten sie unmittelbar nach Ankunft eines neuen Transports. Wie groß die„Handels- Umsätze" waren, lehrt eine Leistung deS Intendanten Pawlow, der während des Krieges auf einmal 800 000 Pud Heu, das für die Kavallerie bestimmt war, an Private verkaufte. Zwar erhielt der Generalintendant RostkowSky von dieser Ope- ration Kenntnis, er traf aber leine Maßnahmen zum Schutz der Staatskasse Anfangs 1906 kamen die Intendanten der aktiven Armee nach Jrkutsk und lehrten ihre Kollegen, größere Gewinne zu er- zielen, so daß die Schüler bald ihre Lehrer übertrafen. In Si- birien erreichten nach kurzem die Unterschlcife und Gaunereien der Intendantur horrende Dimensionen. Wo auch immer eine Garni- son vorhanden war, gab es Orgien des Diebstahls. Die In- tendanten hatten kaum die Möglichkeit, alles, was sie stahlen, zu Geld zu machen, und das zusammengeraffte Gold erweckte alle son- stigen Instinkte und Leidenschaften. Die Nächte hindurch spielten die Herren Hazardspiele, bei denen große Gläser, mit Gold gefüllt, als Einsätze dienten. Sie wirtschafteten wie Wahnsinnige, ohne an irgendwelche Nemesis zu denken. Und wer weiß auch jetzt, wie das Endergebnis fein wird? CilHtei. Meuterei? Konstantinopel, 6. August. Heute früh wurde hier Gewehr- feuer gehört, das zu verschiedenen unkontrollierbaren Ge- riichten Anlaß gab. Es wirdj unter anderem davon gesprochen, daß die für das Haurangebiet bestimmten Truppenteile gemeutert hätten, wobei es v i e l e T o t e und Verwundete gegeben habe. Der für gestern in Aussicht genommene Truppentransport ist heute abgegangen.__ Hub Induftm und Handel Anziehen der Preisschraube. Durch Jnnungsbeschlüsse sind, wie die„Deutsche Fleischer- Zeitung" mitteilt, bisher die Fleischpreise in über 40 Städten heraufgesetzt worden. Weitere Preissteigerungen sollen un- mittelbar bevorstehen, da die Viehpreise so enorm hohe seien. daß ohne Erhöhung mit Schaden gearbeitet werde. In Nürnberg habe der Magistrat offiziell anerkannt, daß die Preiserhöhung gerechtfertigt sei, und auch sonst hätten Unter- suchungen ergeben, daß die Fleischpreise nur zögernd den enorm steigenden Mehpreisen folgten. Eine gewisse Rolle spielen, wie der Vorstand der Hannoverschen Fleischerinnung erklärte, bei der Teuerung auch die Viehverwertungs-Genossen- schaften. Diese seien weit davon entfernt, durch Ausschaltung des Zwischenhandels die Preise herabzudrücken, sondern suchten sie auf möglichster Höhe �u halten, um den Gewinn der Land- Wirte zu vermehren. Es ist gar keine Frage, schreibt das genannte Organ, daß, wenn nicht durchgreifende Maßregeln von feiten der Reichsregierung ergriffen werden, eine Fleisch- kalamität zu erwarten sei, gegen welche die des Jahres 1906 geringfügig genannt werden könne. In den Fleischerkreisen fordert man einmütig eine gänzlich veränderte Zollpolitik und eine Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh. Im zweiten Vierteljahr 1910 sind die Schlachtungen außer. ordentlich zurückgegangen. Es sind u. a. nahezu 11 000 Jungrinder und über 72 000 Kälber weniger geschlachtet worden als im gleichen Vierteljahr des Vorjahres. Auch die Schlachtungen von Bullen bleiben um 4000 gegen das Vorjahr zurück. Die Schwemeschlach- tungen sind nur um 11000 gestiegen, eine Ziffer, die viel zu ge- ring ist. die nicht im entferntesten dem Wachstum der jöevölkexung entspricht._ Bom Warenmarkt. In Berlin war die Preisbewegung für Weizen eine rückläufige und die Notierung für Septemberweizen war am Ende der Berichts- Woche um 2 M. niedriger als am Beginn. Die Notierungen der deutschen Zuckermärkte folgen weiter der Tendenz nach oben. In Hamburg stieg der Preis für Lugusllieferung Vis auf Vi M. und ist bainit um die Hälsis höher als M e: sprechenden VorjahreSzeit. Die Exportausfichten, besonders nc England, sind schlecht und drohen nach Ablauf der Konvention nc schlechter zu werden.. An der New U orker Baumwollbörse stiegen die Notierungen si.. Augustlieferuug bis auf 16,60 M. und in Bremen notierte Lokoware am Schluß der Woche mit 77.76 M. Entsprechend der sommerlichen Jahreszeit war daS Geschäft an den deutschen Wollmärkten in der abgelaufenen Woche recht sttll. Die Antwerpeuer Notierung für La Plata Kammgarnzug erhöhte sich von S.07i/z Fr. auf 6.10 Fr. Die Notierungen am Londoner Kupferinarkt erlitten nur geringe Veränderungen. Standardlupser schloß per loko mit 65% Pfd. Sterl. Am Hamburger Kaffeemarkte haben die Preise neuerdings eine Erhöhung erfahren. Die Notierung für Septemberlieferüng erhöhte sich auf 33 M. Ebenso zogen in Havre die Preise an. Gewinnsteigernng. Die Rrihrgrubenmagnaten jammern, wie die Agrarier, über UN» genügende Rentabilität. Die Löhne werden gekürzt, der Sozial. Politik erklärt man den Krieg und die Ueberschüsse steigen! Die folgende Gegenüberstellung der Resultate der ersten Halbjahre resp. der beiden zweiten Quartale der Jahre 1910 und 1909 beweisen das. ES erzielten Ueberschüsse: l. Halbjahr: Mark Mark Harpen........ 3779000 gegen 3 400 000 Hibernia....... 2 456 767 � 2 623 488 Essener Steinkohlen...1589 194„ 1774079 Q. Quartal: Mlllheimer Bergwerlsverein 601493„ 609186 Köuigsborn...... 581 548„ 669 686 König Wilhelm..... 646 161„ 554 857 Massen........ 179 203„ 171624 Aplerbecker Aktien-Verein. 112 844„ 132127 Bochumer Bergw.-Gesellsch. 95 641„ 62 335 Bon den Ruhrkohlen- Gesellschaften erzielten Graf Bismarck..... 1 002 869 gegen 1 000 066 Ewald Eriedrich der Große ömg Ludwig.. Königin Elisabeth. Dorstfeld.... Helene u. Amalie. Eintracht-Tiefbau. Joh. Deimelsberg . 1 023 172 454 994 428 126 410 458 342 154 195 081 J 47 788 102 382 801 805 638 440 423 503 890 885 377146 189 970 143 591 04 016 174 618 78 163 46 050 52 947 25 373 ras Schwerin..... 161 784 Caroline....... 80 014 Blankenburg...... 48 455 Schürbank u. Charlottenburg 85 287 Alte Haase...... 25 325 Insgesamt ergibt sich eine Zunahme des Uebcrschusscö von rund 200 000 M. Aber die Abschlüsse geben kein ungeiriibtcs Bild von den wahren Verhältnissen; vielfach läßt man die Ueberschüsse geringer erscheinen als sie sind, um Lohiireduktionen und Preisaufschläge nach außen zu rechtfertigen._ Wie man die deutsche Arbeit„schützt". Ende Juli tagte in Berlin die außerordentliche Hauptver- sammlung des Vereins deutscher Zündholzfabrikanten, dem gegenwärtig so ziemlich die gesamte Zündholzindustrie des Reichs angehört. Die Versammlung brachte in einer Resolution die ungeheure Notlage zum Ausdruck, unter der die Zünd» Holzindustrie Deutschlands seit Inkrafttreten des neuen Steuer» gesetzes leidet. Eine große Anzahl von Fabriken mußte den Betrieb gänzlich einstellen, andere arbeiten unter großen Verlusten mit der Hälfte oder einem Drittel ihrer ProduktionSfähigkeit. Tausende von Arbet. tern sind brotlos gemacht oder im Verdienst wesentlich geschmälert.. Diese Notlage ist zunächst durch die ungeheuerliche Verteue- rung der Zündhölzer verursacht— muß man doch jetzt dreimal soviel bezahlen wie vor der Steuer. In einer Zuschrift an die „Deutsche Tageszeitung" gibt ein Fabrikant an, daß infolgedessen seit Wirksamkeit der Steuer knapp ein Drittel der früheren Pro- duktion abgesetzt sei. Doch ist dies nicht der einzige Grund. In der'„Franks. Ztg.' wird nachgewiesen-, daß die Steuer die Kon. kurrenzfähigkeit des Auslandes auf dem deutschen Markte gewaltig gesteigert hat. Ehemals kostete im Detailhandel eine Schachtel sogenannter inländischer Schweden 1 Pf., heute 3 Pf. Die Steuer von 1% Pf. pro Schachtel muß von ausländischer wie inländischer Ware gezahlt werden, bleibt also für die Konkurrenzfähigkeit außer Betracht. Außerdem zahlt die ausländisch« Ware 30 M. EinaangSzoll pro Doppelzentner. Ein Pack zu 10 Schachteln mit je 60 Stück wiegt 125 bis 135 Gramm. Es kommen also auf den Doppelzentner 740 bis 800 Pakete mit 7400 bis 8000 Schachteln. Der frühere Zoll für die Schachtel be. trug 0,125 bis 0,136 Pf., und es verblieben bei dem in Deutsch- land damals üblichen Verkaufspreise von 1 Pf. pro Schachtel dem ausländischen Fabrikanten 0,865 bis 0,876 Pf. Bruttonutzen. Jetzt beträgt der Zoll pro Schachtel 0,376 bis 0,406 Pf. bei einem Ver. kaufspreis von 3 Pf. pro Schachtel. Es verbleiben mithin dem anS» ländischen Fabrikanten gegenwärtig 2,696 bis 2,626 Pf. Brutto. nutzen; die Wettbewerbsfähigkeit des ausländi» schen Fabrikates ist also um 200 Proz. durch die famose Steuergesetzgebung g«steigert worden. Der Einwand, daß die enorme Steigerung der Einfuhr nur eine vorübergehende gewesen, wird als hinfällig bezeichnet; die Einfuhr habe jetzt nur wegen der Uebersättigung des Markte» nachgelassen. Sobald die großen Mengen verbraucht sind, werdv die Einfuhr weiter steigen. Komisch wirkt, daß bei dieser Sachlage ein Gewährsmann der „Deutschen Tageszeitung" der Steuer noch das Wort redet und auch noch die Besteuerung sämtlicher Ersatzmittel(Feuerzeuge usw.) verlangt._ Die verkrachte Bank. Nachdem die Verhältnisse bei der verkrachten Bank in Dort. mund etwas geklärt sind, soweit daS bei den Ächachtelgeschäften überhaupt möglich ist, glaubt man, daß vielleicht 40 Prozent in der Masse liegen bei völligem Verlust deS Aktienkapitals. Nach Schätzungen belaufen sich die gesamten Verbindlichkeiten der Bank auf etwa 40 Millionen, darunter etwa 7 Millionen Akzeptverpflichtungen, 22 Millionen Schulden bei Banken und Bankiers und rund 10 Millionen Depositen- und Scheckcinlagen. Die Leidtragen- den sind fast ausschließlich kleinere Geschäfts- und Privatleute. Schlechte Nachrichten ans der amerikanischen Eisenindustrie. Der diesmalige Bericht des Jron Monger über die Lage der amerika» nischen Eisen- und Stahlindustrie lautet ebensowenig zufrieden» stellend wie die Berichte der Vorwochen. Die Hochöfen haben nichts zu tun und die Vorräte sind im Steigen begriffen. Auch sollen bereits Preisreduktionen zu verzeichnen sein. Demgegenüber erklärt aber der Stahltrust, daß er keine Herabsetzung seiner Forderungen für Fertigmaterial habe vornehmen müssen. Doch wird auch doii führender industrieller Seite in den Vereinigten Staaten nicht be» stritten, daß der Union eint Abschwächung der industriellen Kon» junktur bevorstehe. Hat doch der Chef des Bankhauses Hallgarten in New Dorf neulich in der„Neuen Freien Presse" erklärt, daß die schlechteren Zeiten nicht ausbleiben würden. Es verlautet, der Stahltrust verkaufe nun Posten Schienen 1'/« Dollar unter dem bisherigen Preise. Unabhängige Werke gewährte» schon früher Preisnachlässe. GewcrfercbaftUcbe� „Gebildete" Ontemebitier. In Erfurt stehen die Steinmetzen der Firmen Karl W a l t h e r und Hartmann(Merkel Nachf.) in Streik, weil die Unternehmer sich fortgesetzt weigerten, den im Jahre 1VV8 vor dem Erfurter Gewerbegericht als Einignngsamt nach langem Kampfe abgeschlossenen Tarif einzuhalten. Ueber den Ausstand der Gehilsen gibt nun namentlich Herr Karl Walther seinen Unmut in äußerst provokatorischer Weise gegen die Streikposten Ausdruck. Wessen Geistes Kind dieser Herr Walther aber eigentlich ist, das zeigt sich in einem Briefe, den er noch während der Unterhandlungen mit den Gehilfen an den Vorstand der Zahlstelle Erfurt des Verbandes der Steinarbeiter Deutschlands gerichtet hat. Das vom 11. Juli datierte Schreiben lautet wortgetreu: „Auf das Schreiben der organisierten Steinmetzen zur Erwiderung: Wenn ich auchüberzeugi bin, daß durch eine verkehrte Wirtschaftspolitik im vorigen Jahre, die Lebenshaltung der unteren und mittleren Berufsstände erheblich verschlechtert worden ist, und somit das Bestreben die Arbeitslöhne zu erhöhen berechtigt und selbstverständlich ist. mutz ich es aber mit Rücksicht ans meine an- gegriffenen Nerven ganz entschieden ablehnen, mit orgarnisierten Bildhauern Steinmetzen, Maurern, Zimnierern und Bauarbeitern in irgendwelche freiwillige Berührung zu treten, da sich ein Teil dieser Berufsstände, mir gegenüber ohne jede Veranlassung, auf Stratze», öffentlichen Plätzen und an Neubauten, nicht wie an- ständige Arbeiter, sondern wie feiges, feiles, ehrloses Zuchthaus gesindel beträgt, datz man oft an Neubauten von der Vorstellung befallen wird, man stehe einer Herde dem Zuchthaus entsprungener Verbrecher gegenüber. Datz sich an diesem viehischen Betragen sogar scheinbar ganz vertierte Weiber von Steinarbeitern beteiligen, lätzt erkennen, wie tief der Bildungsgrad in den Familien eines Teiles von organi- fierten Arbeitern herabgesunken ist. Hochachtungsvoll Karl Walther.* Es erhöht den Reiz dieses Schreibens, daß Herr Walther früher, als er noch„gewöhnlicher" Arbeiter tvar, selbst der Organisation angehörte und sogar in ihr Ehren- ä m t e r bekleidete. Im übrigen ist das Schreiben sehr lehr- reich sowohl hinsichtlich des Eingeständnisses der Berechtigung höherer Lohnforderungen der Arbeiter wegen der„verkehrten Wirtschaftspolitik" als auch wegen des unglaublich rüden Tones, den dieser Musterunternehmer„seinen" Arbeitern und ihren„Weibern" gegenüber anzuschlagen beliebt. Arbeiter würden einen derartigen Brief an eine Unternehmerorgani- sation sicher nicht schreiben, täten sie es aber, so würden sie gewiß dem Staatsanwalt verfallen. Dem„noblen" Unter- nehnier Walther wird aber wohl kein Haar ob seiner un- glaublichen Beleidigungen gekrümmt werden. Berlin und Umgegend. Anwürfe gegen den Metallarbeiterverband. Vor einigen Tagen hat. nach dem Bericht der„Berliner Volks- zeitung* eine Rohrlegerversammlung stattgefunden, die vom„All- gemeinen Metallarbeiter-Verband"(Richtung Wiesenthal) einberufen worden war. In dieser Versammlung wurde von Wiesenthal und einigen anderen Herren behauptet: Der Deutsche Metallarbeiter- verband hat Streilbruch begangen, indem seine Mitglieder bei der Firma Auer arbeiten, wo seitens des Allgemeinen Verbandes gestreikt wird! Datz die Behauptung unwahr ist, wird jeder, der die Hand- langen und die Bestrebungen des Deutschen Metallarbeiler-Verbandes kennt, sich selbst sagen. Damit aber die Oeffemlichkeit über diesen neuesten Behauptungen Wiesenthals und seiner Getreuen richtig in- formiert wird, und nur aus diesem Grunde, sehen wir uns veranlatzt, folgendes zur Steuer der Wahrheit mitzuteilen: Bei der Firma Auer waren als Rohrleger 37 Mitglieder von unserem Verbände und 3„Wiesenlhaler* beschäftigt. Demnach mutz man ohne weiteres annehme», datz, wenn>ein Tarif mit der Firma vereinbart werden sollte, zunächst unsere Mitglieder, welche die über- grotze Mehrheit der in Betracht kommenden Arbeiter stellen, ihre Zu- stinimung geben müssen. Jedoch, Herr Wiesenthal hatte unbekümmert darum die genannte Firma veranlatzt, den Tarif, der zwischen dem Arbeitgeberverbande und den Wiesenthalern vereinbart ist, anzuerkennen. Was dabei der Firma Auer erzählt worden ist, entzieht sich unserer Kenntnis, jedenfalls mutzte aber die Firma an- nehmen, datz alle bei ihr beschäftigten Rohrleger und Helfer Herrn Wiesenihal beauftragt hätten, mit der Firma zu verhandeln. Dies war jedoch nicht der Fall. Es hat wegen dieser Angelegenheit eine Besprechung der betreffenden Rohrleger nicht stattgefunden. Als nun arbeitslose Rohrleger, welche unsere Mitglieder sind, bei dieser Firma Arbeit erhielten, jedoch sich erst die Erlaubnis von dem Arbeitsnachweis Wiesenthals holen wollten, kam es zu Differenzen. Eine Kommission unserer Mitglieder verlangte von der Direktion, sie solle die beiden Kollegen ohne die Zustimmung Wiesenthals ein- stellen. Diesem Verlangen wurde stattgegeben I Ferner erklärte die Direktion, datz sie von' dem mit Wiesenihal abgeschlossenen Tarif« vertrag zurücktrete. Es kam dann eine Verständigung mit der Firma zustande, die den Kollegen bessere Lohn- und Arbeilsbedingungen garantiert, als der Vertrag nrit Wiesenthal; insbesondere ist der Stundenloh» um L'/z Pf- höher. Jetzt erklärte Wiesenihal: dieser Vertrag ist ungültig, der Deutsche Metallarbeilerverband hat Tarifbrüche verübt! Er ver- anlatzte die acht Mitglieder„seines Verbandes*, die Arbeit einzu- stellen. Das ist der Streik bei Auer. Unsere 37 Mitglieder wurden nicht gefragt, sie haben durch ihr gutes OrganisalionSverhältnis eine Verbesserung ihrer Arbeitsverhällniffe erreicht. Die Tat- fachen sprechen hier für sich selbst und sind somit die Behauptungen Wiesenthals und seiner Vereinsleitung genügend widerlegt. Nur eines wollen wir noch benierken: Herr Wiesenthal handelt nach der bekannten Spitzbnbentaktik, wonach der Spitzbube am lautesten schreit: Haltet den Dieb! Im Jahre 1303, als zirka 1200 Rohr- leger und Helfer sich im Streik befanden, da war es Herr Wiesen- thal. welcher dafür sorgte, daß die Plätze der Streikenden so weit wie möglich besetzt wurden. Und lange vor der Streikerklärung hatte Wiesenthal den Arbeitgebern versprochen, datz, wenn der Deutsche Metallarbeiter-Verband streike, er(Wiesenthal) für Arbeits- willige sorgen werde. Auf das, was Herr Wiesenthal über unsere Organisation und den„Vorwärts" erzählt hat. wollen wir nicht eingehen: es ist zu dumm und bedarf deshalb nicht der Widerlegung. Herr Wiefenthal brauchte wieder einmal die Reklame für sich und in seiner beliebten Jahrmarktsmanier wollen wir ihn nicht weiter stören. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Achtung, Fräsekutscher! Die Differenzen bei der Firma Karl Graul. Petersburger Siratze 86, sind.beigelegt. Die Sperre über den Betrieb gilt hiermit als aufgehoben. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirk Grotz-Berlin. BeutlcKes Reich. Der Krieg auf den Werften. Wie schon mitgeteilt ist die Arbeitseinstellung auf den See- schiffsloerften in Hamburg mit großer Einmütigkeit erfolgt. Außer den freigewerkschaftlich Organisierten haben, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, auch die Hirsche und die Christlichen sich zum größten Teil dem Streik angeschlossen, so daß die Zahl der Streikenden etwa 9760 beträgt. Bei Blohm u. Boß befinden sich 4300, bei der Vulkan- werft über 2000, bei der Reiherstieg-Werft 1600. bei der Amerika- Linie 700 und auf den kleineren Wersten zusammen annähernd 1000 Arbeiter aller Branchen im Ausstand. Die bedauernswerten Leser der kapitalistischen Blätter werden von diesen angeschwindelt, daß der Streik mit„grenzenlos frivoler Gewiffenlosigkeit" vom Zaun gebrochen worden sei. Es heißt da u. a.:„Es bedarf keiner weiteren Ausführung, daß diese geradezu übermütigen Forderungen im kraffesten Widerspruch stehen zur gegenwärtigen Lage der Schiffbauindustrie und daß auch die Lage der Reederei sie nicht im geringsten rechtfertigt." Mit dieser„In- formation" müssen sich die Leser der Scharfmacherorgane abfinden. Lassen wir kurz die„übermütigen Forderungen" der Werft arbeiter und die weitere Ursache des Riescnausstandes Revue Passieren. Bei der Buntscheckigkeit der auf den Sceschiffswerften beschäftigten gelernten und sog. ungelernten Arbcitertatcgoricn herrscht naturgemäß auch ein sehr unterschiedlicher Lohn, der durch den am 1. Oktober 1307 in Kraft getretenen und nun abgelaufenen Vertrag in ganz minimaler Weise aufgebessert wurde. Die vorher bestehende Arbeitszeit von 60 Stunden wurde herabgesetzt auf 56 Stunden, während die Löhne nur um soviel aufgebessert wurden pro Stunde, als der Ausfall der vier Stunden betrug. Es handelte sich also nur um eine Herabsetzung der Arbeitszeit bei gleich bleibenden Wochenlöhnen. Die Arbeiter profitierten bei dieser Regelung nur die Herabsetzung der Arbeitszeit. Die effektive Eo höhung des Stundenlohnes schwankte von 2 bis 4 Pf. Das war alles. Und das nennen die kapitalistischen Organe eine durch- greifende Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse auf den Werften, an denen nichts geändert werden soll. Was wird nun verlangt? Zunächst die Verkürzung der Arbeits zeit von 56 auf 53 Stunden, Umrechnung des Lohnes für 56 auf 53 Stunden und auf diesen so umgerechneten Lohn soll ein Zuschlag von 10 Proz. erfolgen. Weiter wird verlangt die Regelung der un klaren Akkordlöhne. Die Ueberstundcn sollen mit 33 � Proz.(bislang 25), Nachtstunden mit 50(wie bisher) und Sonn- und Feier- tagsstunden mit 75 Proz.(bisher 50) bezahlt werden. Endlich soll die völlig zügellose Ueberzeitarbeit in geordnete Bahnen gelenkt werden. Wie vorgestern schon mitgeteilt, betrug bei der„noblen' Amerika-Linie die Arbeitszeit noch 60 Stunden, so daß der Stunden lohn ein niedrigerer war als auf den anderen Werften. Von den weiteren Forderungen seien noch erwähnt: Schaffung von Ein stellungslöhnen für die einzelnen Berufe in der Weise, daß der bei den bisherigen Einstellungslöhnen erreichte Wochenverdienst auf 53 Stunden umgerechnet und der erzielte Stundenlohn um 10 Proz. erhöht wird. Die so entstehenden Einstellungslöhne sind für jeden Beruf festzulegen. Bei Lohnakkord wie bei jedem festen Akkord ist ein Mindestübcrverdienst von 33% Proz. zu garantieren. Bei Eni lassungcn oder freiwilligem Austritt aus der Arbeit sind dem bc- treffenden Arbeiter etwaige Akkordüberschüffe unverkürzt auszu zahlen usw. Diese in Anbetracht der seit drei Jahren erfolgten kolossalen Lebensmittelverteuerung und der sonstigen Steigerung aller Be darfsartikel, der Mieten usw. gewiß äußerst bescheidenen Forde rungen wurden im Auftrage der Werftarbeiter unter dem 11. Juli d. I. der Gruppe deutscher Seeschiffswerften überreicht. In einem Schreiben vom 26. Juli teilten die Unternehmer mit, „die Lage des deutschen Schiffsbaues sei nicht derart, daß er irgendwelche Beunruhigung oder Matznahmen vertragen könne, die geeignet sind, seine Leistungsfähigkeit noch mehr zu beeinträch- tigen. Die in der letzten Zeit für Neubauten im Kriegs- wie Handelsschiffbau erzielten Preise seien so niedrig, daß eher eine Ermäßigung als eine Erhöhung der Löhne daraus resultieren sollte. Die am 1. Oktober 1907 eingetretene Verkürzung der Arbeitszeit auf 57 bezw. 56 Stunden pro Woche habe noch nicht bewiesen, datz die Arbeitsleistungen der Arbeiter entsprechend größer geworden seien, so daß die Werften sich auf eine weitere Verkürzung der Arbeitszeit nicht einlassen könnten. Den anderen Punkten der eingereichten Vorlage könnten die Wersten nicht zu- stimmen, weil sie darin eine Beeinträchtigung des Verhältnisses sowohl zwischen sich und den Arbeitern als auch der einzelnen Arbeiterkategorien zueinander erblicken. Am Schlüsse des Schrei- bens erklärten sich die Unternehmer bereit, mit Vertretern ihrer Arbeiter zusammenzukommen, um ihnen die Gründe für ihre Stellungnahme mündlich zu erläutern, und wollten Vertreter der beteiligten Arbeiterorganisationen wie im Jahre 1907 zur Teil- nähme an dieser Sitzung einladen." Dieses Schreioen bedeutet eine Verhöhnung der Arbeiter. Die „Verhandlung* dachten sich die Unternehmer in dem Sinne, daß sie den Arbeitern auseinandersetzen wollten, daß sie nicht in der Lage seien, etwas zu bewilligen Durch Herabsetzung der Akkordpreise sind die Arbeiter in schwerster Weise provoziert worden. Die Werft- kapitalisten wollen nach wie vor einseitig dekretieren, was die Ar- beiter, die Proben ihrer Mündigkeit abgelegt haben, sich nicht mehr gefallen lassen wollen. Die in Betracht kommenden Zentralverbände überlleßen es nun den lokalen Mitgliedschaften, in der ihnen geeignet erscheinenden Weise vorzugehen. Die Forderungen wurden am 1. August von der Verwaltungsstelle des Deutschen Metallarbeiterverbandes bei den Hamburger Werften eingereicht, worauf am Dienstag die sck Koe eingesetzten Kommissionen die— abschlägige Antwort der Werften entgegennahmen. Die Werftbesitzer bezw. die Beauftragten des Werftkapitals meinten, die Kommissionen sollten sich nochmals an die Organisation der Unternehmer wenden, an dieselbe Organi- sation, die sich strikte ablehnend verhalten hat. Diese„Antwort* wurde mit dem an Einstimmigkeit grenzenden Beschluß der Arbeitseinstellung beantwortet. » Wie schon gestern kurz telegraphisch gemeldet, tagten am Freitag- abend in Stettin vier grotze Wcrftarbeiterversamm- l u n g e n, die sich mit der Werftarbciterbewegung und mit dem Streik der Hamburger Kollegen beschäftigten und schließlich die bereits mitgeteilte Sympathieresolution mit großer Be- geisterung annahmen. Ueber den Verlauf der Versammlungen er- halten wir noch folgenden näheren Bericht: Die Versammlungslokale im Bredower Schützenhaus, im Volksgarten Telzerow, im Deutschen Haus Züllchow und in Frauendorf waren schon frühzeitig überfüllt. Die Redner gaben ein klares Bild von der jetzigen Lohnbewegung. Sie gingen aus von den eingereichten Lohnforderungen der Arbeiter an die Gruppe deutscher Sceschiffswerften und verlasen die provokatorische Antwort der Unternehmer, um sie dann in gebührender Weise zu beleuchten. Mit Entrüstung wurde von der Versammlung aus dem Antwortschreiben der Unternehmer entnommen, datz eher eine Ermäßigung als eine Erhöhung der Löhne eintreten solle. Wenn die Arbeiter Forderungen stellen, so führten die Redner aus, dann sind sie auch reiflich und wohl erwogen. Das mutzten sich ohne weiteres auch die Besitzer der deutschen Sceschiffswerften sagen. Die Arbeiterschaft ist gewillt, diese Forderungen mit allem Nach- druck durchzuheften. Und wenn die Unternehmer erklären, datz ihre Betriebe eine Beunruhigung nicht vertragen können, dann werden sie durch einen Streik und eine eventuelle Aussperrung mehr beunruhigt, als wenn sie einige Pfennige Lohnerhöhung anerkennen. Es ist ein Glück, datz die große Mehrzahl der deutschen Werften Aktiengesellschaften sind, man also erfährt, wie hoch der Verdienst ist, den die„armen Aktionäre" einheimsen Wir brauchen nur nach dem„ V u l c a n" zu sehen, um zu sagen, datz die Aktionäre sehr wohl noch bedeutend mehr Lohnerhöhung zahlen könnten, ohne datz si- nur Vi Proz. weniger Dividende erhalten würden, als 14 Proz.! Aber den Zlrbcitern soll nichts gewährt werden„Die Preise sind so niedrig, daß eher eine Ermäßigung der Löhne eintritt!" (Hört! hört!) Den Arbeitern so etwas zu bieten, ist eine Provoka- tion, wie fie ärger nicht gedacht werden kann. Wir dürfen da die Antwort nicht schuldig bleiben. Die Konferenz der Delegierten in Hamburg hat alle Fragen genau erörtert und sich entschlossen, datz der Kampf zunächst in Hamburg allein beginnen solle. Es wird aber kaum 8 Tage dauern, dann sind auch sie draußen und ein Kampf entbrennt, wie ihn Deutschland selten oder vielleicht noch gar nicht zu verzeichnen gehabt hat. Selbst der Riesenkampf der Bau- arbeiter dürste in den Schatten gestellt werden. Die gewerk- schaftlichen Organisationen sind vorbereitet! Mit großer Einmütig- keit haben die Hamburger Kollegen die Arbeit am letzten Donners- tag niedergelegt. Die Werftarbeiter in anderen Orten haben gleich- falls schon Stellung zu der Bewegung genommen und sich einmütig damit einverstanden erklärt, daß zunächst in Hamburg allein vor- gegangen werde. Der Stein ist im Rollen. Alles andere ergibt sich von selbst. Die Taktik der Arbeiterorganisationen wird sich nach der Taktik der Unternehmer zu richten haben. Die Werftarbeiter schauen dem kommenden Kampf ruhig und gewappnet ins Auge. Auch die Stettin er Werftarbeiter werden in diesem Kampf genau so einmütig und geschlossen ihren Mann stehen wie in früheren Jahren.(Sehr richtig!) Der Kampf kann sich sehr lang- wierig gestalten. Wir werden den Unternehmern zeigen, daß sie mit der Einigkeit de r Arbeiter zu rechnen haben.(Beifall.) Die Stettiner Werftarbeiter werden nicht zurückstehen hinter den Kollegen in anderen Werstor-en.(Stürmischer Beifall.) Nach einem Schlußwort der Vorsitzenden gelangte dann die Resolution zur Annahme._ Drohende Aussperrung in der optischen Industrie Rathenows. Die in der optischen Fassungsindustrie Rathenows beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen sind in eine Tarifbewegung eingetreten. Seit den letzten zehn Jahren haben allgemeine Lohnaufbesiernngen nicht stattgesunden. Die Arbeiter fordern neben einer Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 56 ans 53 Stunden und Abschaffung der Akkordarbeit einen Minimal-Stundenlohn, der im ersten Jahre noch beendeter Lehrzeit 40 Pf., ün zweiten Jahre 45 Pf. und für alle länger Ausgelernten 50 Pf. betragen soll. Für Arbeiter, die bisher einen höheren Verdienst hatten, soll der bisherige Durchschnitts- verdienst bei der Lohnsestsetzung zugrunde gelegt werden. Für Ar- beiterinnen soll der Mindestlohn bis zu 16 Jahren 10 M., über 16 Jahre 13 M. betragen. Die Unternehmer wollen nur eine Stunde Arbeitszeitverkürzung bewilligen und lehnen alle weitergehenden Forderungen ab. Sie verlangen dagegen eine Aenderung(Reduzie- rung I) des SpezialtarifS der Einschleiser, ferner eine Verlängerung des bestebenden allgemeinen Tarifs auf weitere zwei Jahre und kündigen für den Fall der Ablehnung eine allgemeine Aussperrung zum 31. August an. Die Mehrzahl der optischen Arbeiter Rathenows gehört dem Deutschen Melallarbeiterverbande an. Einführung der Jnvaliden-Unterstützung. Im Buchbinderverbande ist soeben durch Urabstimmung die Ein» führung der Jnvaliden-Unterstützung für die Mitglieder der höchsten Beitragsklasse beschlossen worden. Für die Einführung stimmten von 10 584 Stimmberechtigten 6985 Mitglieder, dagegen 1666. so daß die Einführung eine unerwartet große Majorität fand. Noch vor sechs Wochen war auf dem Verbandstage in Erfurt die Ein» führung dieses UnterstützungSzweigeS mit 37 gegen 37 Stimmen ab- gelehnt worden. Die Invalidenversicherung tritt am 1. Oktober 1910 in Kraft. Die Mitglieder der nächst hohen Beitragsklasse können freiwillig der Versicherung beitreten. Karenzzeit ist fünf Jahre._- Die Bau- und Möbeltischler in Schweidnitz beschlossen die Kündigung einzureichen, da die Meister nicht die geringsten Zu» geständnisse machen wollen. In Frage kommen ea. 100 Arbeiter. Zuzug ist fernzuhalten. Erfolgreicher Streik der Brauereiarbeiter in Stettin. Der Streik der Brauereiarbeiter der Viktoriabrauerei in Stettin ist nach kurzer Dauer mit vollem Erfolg beendet. Der Direktor hatte die schriftliche Erklärung abgegeben, daß er geneigt sei, einen Tarifvertrag auf der Grundlage der Verträge mit den anderen Brauereien abzuschließen. Der Vertragsabschluß ist bereits erfolgt. Er bringt den gesamten Arbeitern ganz erhebliche Vgr- besserungen in Arbeitszeitverkürzung, Lohnerhöhung, Bezahlung sämtlicher Sonntagsarbeit, Ueberstundenbezahlung auch für Bier» fahrer, Urlaub usw. Was lange Verhandlungen nicht möglich machten, bewirkte hier recht schnell die Einigkeit der Arbeiter. BusUnd. Ein Grabdenkmal für Genossen Rouschar, den unermüdlichen, selbst« losen Borkämpfer der Gemerkschaftsorganisation im tschechischen Arbeitervolk, ist auf dem Wolschauer Friedhof bei Prag enthüllt worden. In den Gedenkrede» suchten die Abgeordneten Njemec und Jarosch den Toten für die tschechische Gewcrkschaflszersplilterung zeugen zu lassen, wodurch sich Abgeordneter Cerny(Metallarbeiter) genötigt sah. festzustellen, daß Rouschar die Autonomie der tschechischen Gewerkschaften im Rahmen der Zentralisation wollte. Letzte bfoebriebten und vepelcben. Aussp errn ng sg elii ste. Hamburg, 6. August.(W. T. B.) Da infolge der Ab- lehnung der von den Werftarbeiterorganisationen gestellten Forderungen die Arbeiter auf den Werften in Hamburg in den Ausstand getreten sind, wurde in einer heute abgehaltenen Sitzung des Vereins deutscher Seeschiffwerften cinstimmig bc- schlössen, im Laufe der nächsten Woche auf sämtlichen Werfte» eine große Betriebsciirschränkung eintreten zu lassen. Mißglückter Ausbruch. Hannover, 6. August.(B. H.) Zwei Insassen des Wolfen- bütteler Zuchthauses, der bekannte Ein- und Ausbrecher Juden- berg, der bereits mehrere schwere Gefängnisstrafen verbüßt hat. und der Einbrecher Müller aus Kipenbrück versuchten, aus dem Zuchthause auszubrechen. Den Verbrechern, welche wegen schweren Diebstahls zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt waren, gelang es, in der vorigen Nacht aus ihren Zellen zu entkommen, indem sie die Zelle eines dritten Gefangenen aufschlössen. Die drei Ein» brecher sind auf dem Hofe der Gesangenenaustalt, auf welchen sie aus ihrer in der dritten Etage gelegenen Zelle gesprungen waren, von einem anderen Wärter bemerkt worden. Auf das von diesem sofort gegebene Alarmsignal stürzten sofort sämtliche Wärter des Gefängnisses auf den Hof. Mit deren Hilfe wurden die Entwichenen in ein festes Gewahrsam gebracht. Wegen Betruges verhaftet. Kiel, 6. August.(B. H.) Unter dem Verdachte seinen früheren Kompagnon, den Kaufmann Möllgaard, in Firma Hagemann u. Möllgaard, um mehrere Hunderttausend Mark betrogen zu haben, wurde der inzwischen nach Hamburg verzogene Kaufmann Hage, mann verhaftet und ins hiesige Gefängnis eingeliefert. Eisenbahnunglück in Rumänien. Bukarest, 6. August.(B. H.) Auf der Eisenbahnlinie Campino» Bicoin fand ein Zusammenstoß zwischen zwei Pctroleumzügen statt, wobei 1 Mann getötet und 11 schwer verletzt wurden. Lerantw. Redakteur: HanS Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: ktz. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstall Paul Singer Sc Co., Berlin Hierzu 4 Beilagen. |r. 183. 27. Iahrgavg. 1, WIM Ks JoriÄ" Knlimr Sunirfaj, 7.3up|Il910. Die totgeiagte Aahlrechttbeweguvg. Genossin Luxemburg hatte im März dieses Jahres erklärt, «S sei die Zeit gekommen zu schärferen Mitteln als Straßen� demonstrationen im Wahlrechtslampf zu greifen. Eine große Massew streikagitation müsse entfesselt werden, solle die Wahlrechtsbewegung nicht zusammenbrechen. Die Partei reagierte nicht auf diese Aufforderung und nun er- klärt Genossin Luxen, bürg am Ende ihrer bekannten Polemik, der Wahlrechtslampf in Preußen sei tatsächlich zusammengebrochen und zwar deshalb, weil ihre Aufforderung keinen Widerhall fand. Diese Konstatierung vollzog sie, kurz nachdem der badische Disziplinbruch die ganze Partei in tiefste Erregung versetzt hatte. Nichts konnte den badischen Parlamentariern gelegener kommen, als die Ausfälle der Genossin Luxemburg, die sich gegen dieselbe Seite richteten, gegen die die badischen Budgetbeioilliger den Kampf in erster Linie führen zu müssen glaubten: Die Parteigenossen Preußens und deren„leitende Instanzen*. So nimmt sich denn der Karte ruher.Volksfreund* jetzt der Genossin Luxemburg aufs liebevollste an— eine ganz ungewohnte Erscheinung. Zuerst brachte er einen Artikel Eisners zum Lob der Genossin Luxemburg, die wohl erkannt habe, daß der preußische Wahlrechtslampf weit wichtiger sei, als die badische Budget bewilligung. Dann veröffentlicht dort Gen. Kolb selbst einen Artikel, in dem er versichert: .Die Genossin Luxemburg ist gegen den Genossen Kautsky. gegen den Parteivorstand und gegen die überwiegende Mehrheit der ganzen preußischen' und sächsischen Sozialdemokratie zweifellos im Recht, denn sie hat unbestritten die Konsequenz der sozial revolutionären Taktik auf ihrer Seite.* Und früher heißt es dort: .Der Streit zwischen beiden dreht sich um die Taktik beim preußischen Wahlrechtskampf, von dem die Genossin Luxemburg mit Recht behauptet, daß er.mausetot* geschlagen sei. .„Keine Demonstrationen, nicht einmal Versammlungen be fasten sich mit der Wahlrechtsfrage, die sturmahnende Rubrik des Wahlrechtskampfes ist aus der Parteipresse verschwunden**, schreibt sie in der.Neuen Zeit*. In der Tat, der mit so großem Elan inszenierte, von elementarer stürmischer Begeisterung ge- tragen? preußische Wahlrechtskampf ist total im Sande verlaufen, abermals auf das tote Gleise geschoben worden, ausgegangen wie das Hornberger Schießen! In dieser Konstatierung ist daS Paar einig. Bloß darin unter- scheiden sie sich, daß die Genossin Luxemburg meint, die Wahlrechts� bewegung sei deshalb.mausetot* geschlagen, weil ihre Anregung des Massenstreiks.mausetot* geschlagen wurde, indes Kolb meint, daß die Wahlrechtsbewegung nur dann hätte am Leben bleiben können, wenn die preußische Sozialdemokratie das badische Muster nachahmte. Trotz der unerwarteten Uebereinstimmung zwischen Kolb und Luxemburg wird Herr Bethmann Hollweg gut daran tun, sich auf ihre Konstatierungen nicht allzusehr zu verkästen und die preußische WahlrechtSbewegung nicht allzu sicher als.mausetot* zu bewachten. Er würde einige unangenehme Ueberraschungen erleben. Wäre die WahlrechtSbewegung wirklich zusammengebrochen, so müßte dies in der Stimmung der Partei zutage treten. Depression müßte in ihr herrschen. Zweifel an der eigenen Kraft. Wo aber ist derartiges bei uns zu finden? War unsere Partei jemals stolzer, fiegesgewisser, von ihren Gegnern mehr gefürchtet als jetzt? Man mutz ganz eigenartige Ohren besitzen, wenn man, wie jetzt die Genossin Luxemburg, in der Partei nichts hört als.kleinlautes Knurren der Bor« bereitungen für die Reichstagswahlen*! Die Nachwahlen zum Reichstag, die Schlag auf Schlag die Gegner niederwarfen, die ar- bewenden Masten hoch aufjubeln lasten, sollen nichts sein als.klein- lautes Knurren* I Man muß tief in seinem Schmollwinkel vergraben sitzen, wenn man heute in unserer Partei nichts hört, als.kleinlautes Knurren". Nie war die Kampfcslust und sieghafte Zuversicht der Masten größer als jetzt, und selbst die wegwerfendste Kunft und Industrie. WaS ist es für eine Lust zu leben! Nach tagelangem Regen lmd Schmutz scheint die liebe Sonne wieder, scheint auf Dächer und Swatzen, im Osten und Westen, im Noroen und Süden, kurzum in Berlin. Wo man geht und steht, empfindet man die wohlige Wärme, freut man sich der verjüngten Gesichter, und der Schatten, der uns überall hingeleitet, ist uns eine Freude, ein Freund, den man nicht missen möchte, aus Angst, daß er wieder abhanden kommen könnte! Ohne Schatten, keine Sonne! Denn der Schatten am Abend der sich von Laternenpfahl zu Laternen- pfähl an unsere Ferse heftet, gleicht nicht entfernt dem fröhlichen Schatten, dem wie ein Hund oder Duzfreund so getreuem Schatten der endlich wieder erwachten Augustsonne. Die Füße in einem Sonnenkringel, sonnige Wärme an Waden lmd Knien— von der Sonne in meinem Gehirn ganz zu schweigen! — beginne ich über die Kunst von heute zu schreiben. Ach, ich würde lieber Spalten voll über den Glanz auf meinen Blumen- topfen, den Glanz auf meinem Arbeitstisch, den Glanz auf dem Asphalt berichten, wo die Spatzen hin- und hertrippeln und tänzeln und miteinander karessieren, als ob die 1l) Gebote für Anstand unv Sitte nicht existierten. Ich würde tausendmal lieber über den köstlichen Sommer plaudern, als über die Kunst von heute, die, um es gleich von vornherin zu sagen, noch ein wenig reserviert u sagen, eine Dirne ist oder zur Dirne wird. Sollte dies für ae Dirnen, worunter es doch auch wirklich ehrliche, verständige und trotz ihres Polizeibüchleins zur Lebenseinsicht gelangte Frauen gibt, beleidigend klingen, so beeile ich mich, zu erklären, daß ich weit mehr Sympathie für die zerstörten Leben der unzähl- baren Berliner Frauen hege, als für die Tausende von Künstlern, die schon„auf der Höhe" sind oder dorthin zu gelangen hoffen. Denn— das ist eine Frage, die gar nicht oft genug gestellt werden kann— sind die Künstler von heute, die ausschließlich für ihr eigenes Ich, für ihre eigenen kleinen Interessen, für ihren„Ruhm", für ihre Börse und Arbeitgeber„ringen*, überhaupt einen Schuß Pulver wert? Durchwandeln sie die Schrecknisse des Daseins, um mit der Macht ihres Talentes leidenschaftliches Zeugnis davon abzulegen? Sind nicht drei Viertel von ihnen duldende, leidende Kaffeehausbesucher, ehrsüchtige Hanswürste, vor allem aber Fabri- kanten von nettem oder nett-erotischen oder sensationellen Romanen, Novellen und Gedichten? Sind für das überwiegende Gros dieser Menschen Verleger, wie die Scherl, Moste. Ullstein. Fischer usw., um nur ein pcrar der mächtigsten von ihnen herauszupicken, nicht Götter, nicht hervorragende Männer, nicht ganz exklusive Wesen, vor denen mar: sich neigt, vor denen gekniet wird, und vor deren Geschmack, Einsicht und Wünschen die allerbesten„Dichter* im Schweiße ihre�s Angesichts schaffen? Besteht bei den auserkorenen Geistern auch, nur ein kleines Fünkchen von Begeisterung für die Sache des Sozialismus, für das Schicksal und die Ideale des modernen Proletariats, für die getvaltige Strömung, die die Strömung»der Zukunft ist? Lesen sie etwas anderes als Zei- d und verächtlichste Behandlung des Wahlrechtskampfes wird diese begeisterte Stimmung nicht zu dämpfen vermögen. Wenn diese Stimmung heute nicht allein den Kampf ums preußische Wahlrecht, sondern den Kampf um den deutschen Reichstag belebt, so beweist das nicht, daß der erstere Kampf im Sande verlaufen ist, sondern nur, daß es nicht möglich ist, nach Be lieben die Massen immer und ununterbrochen auf dasselbe Kampf- objelt zu konzentrieren. Stärker als die stärkste einzelne Partei ist das Leben der gesamten Gesellschaft deS Kapitalismus, dieses wechselnde Leben und nicht die Vorschrift einzelner Parteiinstanzen oder gar einzelner Schriftsteller bestimmt, auf welches Gebiet sich jeweilig das Juteresse der Massen richtet. Danach müssen auch wir unsere Tätigkeit gestalten und unsere Kräfte stets auf jenes Gebiet konzentrieren, dem jeweilig das politische Interesse der ganzen ar- beitenden Massen gilt. Gerade in einer politisch regsamen Zeit wechseln diese Gebiete rasch. Sehen wir etwa in der französischen Revolution einen un- unterbrochenen Kampf um dieselbe Forderung? Nichts weniger als das. Es wechselten in ihr nicht bloß erregte Zeiten mit Ruhepausen, denn man kann nicht immer in höchster Erregung arbeiten; auch in den erregten Zeiten wechselten die Kampfgebiete: gestern galts dem König, heute der Pariser Gemeindeverwaltung, morgen den Brotwucherern, übermorgen dem Auslande usw. Nichts wäre sinn- loser gewesen, als zu glauben, eine dieser Bewegungen wäre deshalb zusammengebrochen, weil sie durch eine andere vorübergehend in den Hintergrund gedrängt wurde. So ist es auch töricht, von einem.Zusammenbruch* unserer prächtigen Wahlrechtsbewegung zu sprechen. Im Gegenteil! Ihr erster Zweck, die Verhinderung eines Schandgesetzes, das zugleich ein großes Hindernis jeder weitergehenden Reform gewesen wäre, ist völlig gelungen. Aber auch das andere, nächste Ziel ist erreicht: die preußische Wahlreform steht im Mittelpunkt der ganzen inneren Politik, die Regierung ist trotz allen WiderstrcbenS gezwungen, eine neue Vorlage einzubringen und damit aufS neue die heftigsten Kämpfe zu entfesseln, alle Parteien mästen sich nach ihrer Stellung zur Wahlreform orientieren. Der Kampf selbst hat das Siegesbewußtsein und das Machtgefühl der Massen außerordentlich gehoben und das brennende Interesse an den Reichstagswahlen ist nicht zuletzt durch den Wunsch hervorgerufen, diese Wahlen zu einer gewaltigen Abrechnung mit den bürgerlichen Wahlrechtsfeinden zu gestalten. Wenn je die Partei Grund zur Zufriedenheit mit dem Verlauf einer Aktion gehabt hat— so weit Sozialdemokraten überhaupt zufrieden sein können—, so seit Führung und Verlauf des preußischen Wahlrechtskampfes. Freilich können wir nicht mit absoluter Sicherheit sagen, welche Bewegung uns morgen erfassen wird. Wir erhoffen vom deutschen Parteitag, daß seine Verhandlungen über die Wahlrechtsfrage das Signal geben werden, die Wahlrechtsbewegung im Herbst mit aller Kraft wieder aufzunehmen. Eine kräftige Führung des Wahlrechts kampfes ist zugleich die beste Vorbereitung für die kommende Reichstagswahl. Aber wer kann die Notwendig keit leugnen, diesen Kampf auch noch durch andere Kämpfe ergänzen zu müssen, vielleicht, um ein Beispiel zu nennen, durch einen Kampf um die Wahrung des Weltfriedens. Sind doch Faktoren an der Arbeit, die aus Angst vor dem Zusammenbruch der Regierung bei den nächsten Rcichstagswahlen auswärtige Ver Wickelungen herbeiführen wollen, um die rote Springflut durch einen patriotischen Sturmwind zurückzutreiben. Nicht allein darauf kommt es an, auf welchem Gebiete gerade gekämpft wird, sondern daß gekämpft und daß erfolgreich ge kämpft wird. Die einzelnen Gebiete unseres Kampfe? selbst stehen in innigster Wechselwirkung untereinander, und wir können nicht auf dem einen Gebiete siegen, ohne unsere Stellung auch auf den anderen Gebieten zu stärken. Wenn wir jetzt bei den Nachwahlen zum Reichstage so glänzende Erfolge davontragen, so hat der preußische Wahlrechtskampf auch sein gut Teil daran. Und umgekehrt, wenn wir einen machtvollen Sieg(.bei den Neichstagswahlen erkämpfen. so bedeutet das eine enorme Kräftigung unserer Partei für den Wahlrcchtskampf. Wenn dieser tunken mit und ohne Kritik über Theater und Bücher? Bemühen sie sich auch nur im allergeringsten, sich über das. was„unten* wühlt und schiebt und drängt, zu orientieren? Ist Dichten nicht etwas, das fern von„platter Wirklichkeit* geboren wird? Ja, als die Elendsmalerei in der Zeit des Naturalismus Mode war, ja, damals durfte ab und zu ein wenig von den Welterschei- nungen genascht werden. Damals spielte Hauptmann den Vru- talen, den„Pfadfinder" in seinen„Webern" und in„Vor Sonnen- aufgang", und auch andere bliesen sich zu roten Kampfhähnchen auf, aber das war ja bald vorbei. Es waren so wenig Ehren und noch weniger Tantiemen dabei einzuheimsen. Für Reinhardt und Brahm war die Torheit auf die Dauer nichts. Keine Kassen- einnahmen, keine Stücke mit„Tendenz". Und nur Shaw blieb durch seine Paradoxen in Gunst bei der zahlenden Bourgeoisie. Wer hat in den nachfolgenden Jahren würdig und ohne Mätzchen von unserer Weltanschauung aus geredet? Wer? Es tut mir leid, daß ich heute bei der prächtigen Sonne so übelgelaunt dar- über sprechen muß. Ich wage fast, keine Namen zu nennen. Von ie hundert Dichtern sind neunundneunzig schon bei ihren Lebzeiten gestorben und der Ueberlebende brütet bei einer Zigarette und einem Kaffee mit Schlagsahne, ob er sein Stück im fünfzehnten oder sechzehnten Fahrhundert spielen lassen, ob er seinen Roman Ullstein oder Scherl geben soll, und ob er nicht etlvas noch nie Dagewesenes ersinnen kann, um nicht„vergessen" zu werden. Die paar Dichter, die einst eine Ueberzeugung hatten, sind ihre Ueber- zeugung los. Einen Theaterdirektor mit einer Ueberzeugung hat es nie gegeben, und ein Verleger, der ein Buch herausgibt, weil er es ohne Nebenabsichten schätzt, soll noch geboren werden. Einst in alter Zeit tvar ein wirklicher Dichter jemand, der sich berufen fühlte, einer, der sich mit Herz und Seele an seine Gemeinde wandte. In jener guten alten, längst vergangenen Zeit kannte ein Dichter keine schönere Leidenschaft, als zum Volke zu reden. der Barde eines Volkes zu sein, und was gelitten und gestritten wurde, wiederzugeben. Das geschieht jetzt nur noch in der sozia- listischen Presse. Vor dem Eingang jedes Theaters steht ein Polizist, um darauf zu achten, daß die Fabrik da drinnen keine verkehrten Grundstoffe verarbeitet. Und auch wenn kein Polizist dasteht, weiß der Theaterdirektor doch verteufelt gut, daß Loge und Orchestersessel, Parkett und Balkon seine„Kunden" sind, so gut wie der Verleger, der keine Inserate und Abonnenten verlieren will. Sind es denn heute die Künstler, die das Wort führen? Es ist ja zum Lachen! An der Spitze der„Kunstindustrie* stehen die Scherl, die Ullstein, die Fischer, die Moste usw., die den"all- gemeinen Geschmack" zu kennen sich anmaßen, und die nichts auf den Vergnügungsmarkt, in den literarischen Lunapark, auf den Bücherkorso bringen, ohne es vorher kastriert zu haben. Ein Pferd wird, wenn es jung ist, kastriert, auf daß es arbeiten kann. Der „Dichter" von heute, der auf dem Vergnügungsmarkt mitreden will, wird durch die Großindustriellen des Theaters, der Zeitungen, der Zeitschriften, des Verlages kastriert. Ein Ullstein bezahlt beispielsweise für einen schlechten Hintertreppenroman von der einst begabten Clara Viebig, für einen Rudolf Stratz, für einen Ompteda, oder für die vornehm-klassischen Novellen, die seine Leser wieder aufgenommen wird, dürfen wir darauf rechnen, daß eS mit verdoppelter Kraft geschieht. Im großen und ganzen haben wir also allen Grund, mit unserer jetzigen Situation zufrieden zu sein und wir können das „kleinlaute Knurren" darüber dem neuesten Block der Mißvergnügten überlassen. Weit weniger Grund zur Zufriedenheit hätten wir, wenn wir der Anregung der Genossin Luxemburg gefolgt wären. Sie meinte, nach dem Scheiter» der WahlrechlSvorlage sei die Regierung in einer argen Klemme gewesen. Diesen Moment hätte man ausnützen inüssen zu einer großen Massenstreikaktion. DaS mußte die WahlrechtSbewegung mächtig fördern. In Wahrheit konnte der Regierung nichts Besseres passieren, um sie aus der Klemme zu be- freien, in der sie heute noch steckt. Ein machtvoller Aufruf zur Mastenstreikaktion hätte bei der da- maligen Stimmung nicht die Gesamtmasse der Proletarier mit sich fortgerissen, sondern nur einen lebhaften Kampf innerhalb der organisierten Arbeiterschaft für und wider den Massenstreik entfesselt. Die Polemik, die sich nur in der„Neuen Zeit* abspielte. weil niemand Miene machte, die Anregung der Genossin Luxemburg in die Praxis zu übersetzen, sie hätte sich in allen Organisationen der Partei und der Gewerkschaften entsponnen und sie tief zerklüftet, wenn ein praktischer Versuch zur Inszenierung eines MasseustreilS im Reiche gemacht worden wäre. Die Genossin Luxemburg nimmt das freilich sehr leicht. Ja sie sieht einen Vorteil darin. Sie meint: „Wären die Gewerkschaftsführer allein in der jüngsten Wahl- rechtskampagne gegen die Losung des Massenstreiks öffentlich auf« getreten, so hätte dies nur zur Klärung der Situation, zur Schär- sung der Kritik bei den Massen geführt." Eine so gewaltige Aktion wie den Massenstreik wollte sie mi innerem Zwist beginnen! Gleichzeitig hätten wir alle bürgerlichen Elemente der Regierung zugetrieben. Das wäre zu ertragen gewesen, wenn es gelang, das Proletariat zu einer einheitlichen Aktion zusammenzufassen. Aber das Gegenteil wäre eingetreten. Wir einigten die Gegner und spalteten die eigenen Reihen— das wäre im März oder April das Resultat eines Versuchs mit dem Massenstreik im Reich gewesen. Unter solchen Umständen hätte man mit inehr Fug von einem Zusammenbruch des WahlrechtskanipfeS reden können. Unter den Verhältnisten Deutschlands ist ein Massenstreik zu politischen Zwecken aussichtslos, wenn er nicht von der Masse des Proletariats einmütig gefordert und getragen wird. Darin, in der Auffassung der Situation und der Taktik des Massenstreiks unterscheiden wir uns von der Genossin Luxem- bürg. Den Weg. den uns Genosse Kolb weist, müssen wir dagegen grundsätzlich ablehnen. Er behauptet, es gibt nur zwei Wege, im Wahlrcchtskampf vorwärts zu kommen: entweder den Massenstreik unter allen Um- ständen, ohne Rücksicht auf seine Möglichkeiten und Aussichten— das nennt nämlich Genosse Kolb„Konsequenz" I— oder die badische Taktik. Da der Massenstreik im März nicht aussichtsreich war, schließt er, er werde unter allen Umständen unmöglich bleiben, und außer ihm gebe es nur ein einziges Mittel, von den Gegnern Konzessionen zu erlangen, die badische Praxis,„die einzig mögliche Taktik innerhalb der Verhältnisse, in welche die deutsche Politik ein- gezwängt ist*. Diese Politik würde auf Preußen angewandt heißen, daß unsere Abgeordneten den bürgerlichen Wahlrechtsfeinden entgegen- kommen, auf Beseitigung des Dreiklassenwahlsystems verzichteten, sich mit einer kleinen Teilreform, etwa Einführung deS geheimen und direkten Wahlrechts begnügten und nun Ausschau hielten nach bnrger» lichen Parteien,- denen sie diese.Konzessionen* gegen Gewährung anderer Gefälligkeiten abHandel» könnten? Vielleicht daS Zentrum? Denn Freisinnige und Nationalliberale bilden keine Majorität. Wir fürchten, diese„einzig mögliche Taktik* wird in der Sozial« demokratie Preußens nur eine Antivort finden: Uuehrerbietiges Gelächter I in seinen Blättern zu genießen bekommen, 55000, 20 000 und 30 000 M. Ein Scherl legt für die alle Literatur verulkenden, nichtsdestoweniger epochemachenden Erzählungen in der„Woche", in der„Gartenlaube" oft 2 M. pro Zeile an. Für den Erstabdruck einer minderwertigen Arbeit, vorausgesetzt, daß sie romantisch wie ein Detektivroman, und daß sie nichts enthält, WaS den noch immer als Halbidioten verschlissenen Leser in seiner gottesgläubigcn, politischen oder anderen Ueberzeugung stört, werden Kapitalien von 10 000— 40 000 M. bezahlt, so daß der glückliche, gottbegnadete Dichter, der ohne Tendenz, oder wenigstens ohne abweichende Tendenz arbeitet, wenn er sein gottbegnadetes Werk noch einmal in Buchform erscheinen läßt, durch die tägliche Industrie der Kunst, die nie Kunst war, ein Leben führen kann wie ein Prinz. Bücher von wirklich literarischem Wert, Bücher, die sich in empörender Naivität nicht den Forderungen der Industrie anpassen, werden entweder mit„großem Leidwesen" abgelehnt, oder geraten in die Hände machtloser kleiner Verleger. Denn, können diese mit einer Bezahlung von 2, 3 M. pro Zeile konkurrieren? Und können sie anarbeiten gegen Ullsteinsche Preise von einer Mark(Elegant gebunden!) für im ganzen genommen Bücher sechsten Ranges, die innerhalb Jahresfrist wieder vergessen sind, und die dem deut- scheu Volk nur durch ihren Warenhauspreis einen Geschmack auf- drängen, der nicht dem Geist und den Wünschen des deutschen Volles entpricht! Und das Theater? Aber darüber ein andereSmal. Heinz Sperber. kleines feuiUeton. Der regeureiche August. Die außerordentliche Unbeständigkeit, die die Witterung trotz ihres hochsommerlichen Charakters seit Be- ginn dieses Monats aufweist, äußert sich in manchen LandcZteilen durch ganz ungewöhnlich große Niederschlagsmengen. Besonders das mittlere Norddeutschland ist von gewaltigen Wolkenbrüchen heim- gesucht worden. In Berlin sind während der ersten vier Tage des Monats nicht weniger als 121 Millimeter Regen ge» fallen; weitere Gewittergüsse am 6. August haben diese enorme Regenmenge abermals vermehrt. Abgesehen von einem großen Wolkenbruch, der am 14. April 1002 zn Berlin in wenigen Stunden die riesenhafte Menge von 166 Millimeter Regen lieferte, sind fast auf den Tag fünfzig Jahre vergangen, seit innerhalb ganz kurzer Zeit in Berlin so große Wasscrmasscn niedergegangen sind. Damals, am 30. und LI. Juli 1860 fielen während eineS zweiundvierzigstündigen Landregens 108,8 Millimeter Regen. Der August ist in der Reichshauptstadt jetzt schon regenreicher als der nasse Mai 1908; fährt er sofort, so wird er womöglich dem Juli 1007 gleich kommen, der 230 Millimeter Regen lieferte. Uebrigens er- streckt sich die Rcgenzone über einen großen Teil deS Gebiets zwischen der mittleren Elbe und Oder; weit südlich und südöstlich von Berlin, z. B. im Spreewald, sind gleich große Wasser» massen niedergegangen. Hus der parte!* DK Hamburger Genossen gegen die badischen Budgctbcwilliger und H-sganger. Am Donnerstag und Freitag fanden in den drei Hamburger Reichstagswahlkreisen eine Reihe Parteiversammlungen statt, die sich mit dem Parteitag in Magdeburg beschäftigten. Selbstverständlich stand im Vordergrunde der Diskussion der Disziplinbruch der badischen Landtagsfraktion, den gutzuheißen oder zu entschuldigen kein Genosse das Wort ergriff. In nicht mißzuverstehender Weise verurteilten im ersten Kreise die Genossen Schaumburg, Hübner, Kelling und Tennies, im zweiten Kreise die Genossen Hoffmann, Stengele und Kopeke und im dritten Kreise die Genossen H. Stubbe, Lorenz und andere das Verhalten der badischen Diplomaten. In allen Versammlungen wurde folgende Resolution gegen wenige Stimmen, darunter auch solche, denen die Resolution noch nicht scharf genug war, angenommen: „Die Zustimmung der Mehrheit der sozialdemokratischen Fraktion in der badischen zweiten Kammer zun: Budget ist ein schwerer Disziplinbruch, weil in schärfstem Wider- spruch zu dem Beschluß des Nürnberger Parteitages stehend. Sie ist nach Lage der Sache anch eine gewollte Herausforderung der Gcsamtpartci und eine absichtliche Störung der für den Kamps gerade jetzt so dringend notwendigen Einigkeit und Geschlossenheit. Die Budgetbewilligung ist ferner ein Verstoß gegen die Grundsätze der sozialdemokratischen Partei, indem sie ein vor- behaltloseS Vertrauensvotum für die Regierung in ihrer Stellung als Exekutive des kapitalistischen Klassenstaates darstellt. Die höfisch-byzantinischen Kundgebungen einiger Vertreter der Sozialdemokratie in Baden sind beschämende Zeugnisse von Schwäche oder Heuchelei; sie sind geeignet, den demokratisch- republikanischen Charaker der Arbeiterklassenbewegung zu verschleiern oder zu beflecken. Die Budgetbewilligung wie die höfischen Huldigungen er- scheinen uns in ihrem Zusammenhang mit anderen Borgängen als ein Ausfluß jener Politik, die gewollt oder ungewollt auf eine Annäherung und Verbllndung mit bürgerlich-kapitalistischen Parteien hinausläuft rind an Stelle des Prinzips des Klassenkampfes das System des Opportunismus setzen will. Daß die Mehrheit der badischen Genossen das Verhalten ihrer Vertreter ausdrücklich billigt, läßt einen bedauerlichen Mangel an prinzipieller Durchbildung erkennen und weist auf Fehler in der bisherigen Agitation hin. Wir fordern vom Parteitag der deutschen Sozialdemokratie, daß er den Disziplinbruch der Mehrheit der badischen sozialdemo- kratischen Fraktion mit aller Schärfe verurteilt und keinen Zweifel darüber läßt, daß die Partei gewillt ist, ihre prinzipielle und taktische Geschlossenheit zu sichern, wenn nötig durch Abstoßung von Gliedern, die sich als schädlich erweisen. Wir fordern ferner, daß der Parteitag den Parteivorstand be- auftragt, überall da, wo es als notwendig erscheint, von der Zentralstelle auS eine umfassende Agitation zur prinzipiellen Durch- bildung der Parteimitglieder zu veranstalten, insbesondere dafür zu sorgen, daß den badischen Parteigenossen die Bedeutung der Budgetbewilligungsaffäre mit ihrem Zubehör hinreichend dar- gelegt wird."_ AuS badischen Organisationen. Der Sozialdemokratische Verein in Kandern nahm eine Resolution an, die sich gegen die Budgetbewilligung aus- spricht und Einhaltung der Beschlüsse des Parteitages fordert, sowie die Hofgängerei verurteilt. Im Sozialdemokratischen Verein zu Durlach sprachen fich fünf Redner gegen, einer für die Budgetbewilligung aus. Alle verurteilten die Hofgängerei. Der Genosse Landtagsabg. Weber suchte die Fraktion zu verteidigen. Eine Resolution wurde nicht gefaßt. Zustimmende Resolutionen zur Budgetbewilligung wurden gefaßt in Sondhofen-Schriesheim und Laden- bürg, doch wurde in Sondhofen die Hofgängerei auf das entschiedenste verurteilt, in Ladenburg sprachen sich mehrere Redner dagegen aus.— In Fahrnau wurde in einer Versammlung der Mitgliedschaften Zell, Hausen, Fahrnau, Schopfheim und Maulburg mit Vierfünftelmehrheit eine Resolution angenommen, die die Budgetbewilligung billigt, aber die Hofgängerei be« dauert. Genosse Z u m t o b e l- Hausen hatte nach dem Referat des Genossen Landtagsabgeordneten Müller, der die FraktionS- Haltung verteidigte, scharf gegen ihre Politik gesprochen, die nur dazu führen könne, die klaren Ziele der Partei zu verwässern. Resolutionen für die Budgetbewilligung wurden ferner in Weingarten bei Bruchsal, Baden-Baden, Wolfach und Humor und Satire. Gefahrenklasse I. Tagtäglich liest man, ich möchte wetten, Etwa da« Folgende in den Gazetten: „Ein Monoplan, o große Not, Fiel aus den Wolken; der Führer lot.# „Ein Luftschiffer hat— nicht mit Vorbedacht Seine Frau zur trauernden Witwe gemacht.* „'Rem Aviatiker kamen beim Landen Der Kopf und sämtliche Beine abhanden; Sein Partner mußt' sich zu seinem Schrecken Am Boden als tote Leiche entdecken.*_ „Ein Schraubenflieger fiel aus der Höh'; Dem Führer tut kein Zeh mehr weh.* Ja, ja, wenn man solches lesen muß, Dann kommt man füglich zu diesem Schluß: ES ist der Beruf eines Aviaten So gefährlich wie der eines Literaten, Der's unternimmt, mit treffenden Wörtem Einen stinkenden Saustall zu erörtern. Ein Fehlgriff am Steuer— ein Federrutsch— Und Aviat und Skribent find filtsch. Ja ja, gegenüber den höhern Gewalten Soll man sich möglichst neutral verhalten. DaS heißt: recht hübsch auf der Erde bleiben, Und immer hübsch zahm und hübsch kriechend schreiben. Wer frevelnd die göttliche Ordnung verletzt, Wird kalt gemacht oder kalt g e s e tz t. _ Altro. Notizen. — Sudermanns.Schmetterlingsschlacht*, die von der Neuen Freien Volksbühne aufgeführt werden soll, ist, wie uns mitgeteilt wird, bereits früher von der Freien Volksbühne ge- spielt worden. Das Drama ist also seit dem Premierenskandal doch, und zwar vor einem objektiveren Publikum in Berlin zu seinem Recht gekommen. — Die internationale Städtebau-AuSstellung wurde am Freitag in Düsseldorf eröffnet. — Deutscher Zarendienst. Die deutsche Knechtselig- keit kann sich immer noch nicht genug tun in ihrem hündischen Zarendienst. Kaum ist das in München gemaßregelte Pogrombild des polnischen Malers Fabianski in Frankfurt a. M. ausgestellt worden, als auch dort schon der Versuch gemacht wurde, das Bild verschwinden zu lassen. Die Polizei hatte die Unverfrorenheit, mit Rücksicht auf den bevorstehenden Zarenbesuch in Hessen um die Zurück- ziehung des Bildes zu ersuchen. Man hatte aber den Mut, sie ab- fahren zu lassen. — Ein Mittel gegen die Rindertuberkulose. AuS Toulouse wird berichtet, daß der Direktor der Veterinär schule in Lyon, Prof. Arloing, auf dem Kongreß zur Förderung der Natur- Wissenschaften mitgeteilt habe. eS sei ihm gelungen, ein Mittel zur Impfung der Rinder gegen Tuberkulose zu entdecken. Tüngen angenommen. In Baden-Baden wurden in der Diskussion auch Stimmen gegen die Bewilligung laut. In der Versammlung in Pforzheim vom 4. August, wo die Resolution, die der Landtagsfraktion das Vertrauen und die Zustimmung zur Budgetbewilligung aussprach, mit S9 gegen 98 Stimmen abgelehnt wurde, war eine zweite Resolution eingebracht, die gegen das Vorgehen der norddeutschen Partei- genossen protestiert, die Budgetfrage als eine Frage der Taktik erklärt, die Aufhebung des Nürnberger Beschlusses verlangen, hin« gegen die Zustimmung der Fraktion zum Budget als D i s z i p l i n- bruch mißbilligen wollte, lieber diese Resolution wurde nicht abgestimmt. Genosse Stockinger, einer der drei Landtags- abgeordneten, die bei der Budgetabstimmung den Saal verließen, erklärt« in dieser Versammlung, daß er btt einem etwa erfolgenden Ausschluß der badischen Abgeordneten durch den Magdeburger Parteitag sich den Ausgeschlossenen frei- willig anschließen würde. Wer„fälscht"? Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Mannheimer„Volksstimme" versucht in ihrer Nr. 209 gleich an zwei Stellen die Feststellungen in Nr. 179 des„Vorwärts" über ihre eigenartige Berichterstattung zu entkräften. Ueber die nervöse Schreiberei im zweiten Blatte können wir hinweggehen, zumal dort nun unzweideutig zugegeben wird, daß die Stelle in der„Volksstimme" über meine Ausführungen zum Gemeinde- budget eitel Schwindel war. Ueber die Abstimmung der beiden Resolutionen zur Budget- frage schreibt nun die„Volksstimme" von neuem: „An dieser Stelle begnügen wir uns damit, nachdrücklich festzustellen, daß unsere Angaben durchaus den Tatsachen ent- sprechen, und daß diese Tatsachen so einwandsfrei festgestellt sind(durch wen?), daß jeder Versuch, sie nachträglich noch zu fälschen, kläglich Schiffbruch leiden muß." Demgegenüber stelle ich fest: Am Vormittag des 4. August behauptet noch die„Volksstimme", daß von 690 Versammlungs- teilnehmern nur 59 bis 69 für die Resolution votierten, die sich gegen die Haltung der badischen Landtagsfraktion aussprach, und weiter, daß meine gegenteilige Erklärung ein Versuch der Fälschung sei— aber am Abend desselben 4. August stimmt sie einer ent- gegengesetzten Feststellung zu. Am Abend des 4. August tagte im Gewerkschaftshaus zu Mannheim die Generalversammlung des Sozialdemokratischen Ver- eins. In dieser Versammlung wurde das Protokoll über die Ver- sammlung verlesen, in der die strittige Abstimmung stattfand. Dieser Handlung wohnte die Redaktion bei, ohne gegen den Inhalt des Pvotokolls Einspruch zu erheben. Dieses wuüe vielmehr ein- stimmig gut geheißen. Die Stelle im Protokoll über die Abstimmung lautet: „Die Resolution R. wurde gegen«ine starke Minderheit abgelehnt, die Resolution H. mit einer großen Mehrheit ange- nommen." Man lese nun meine Darstellung in Nr. 179 des„Vorwärts" nach, ob diese mit dem Protokolle im Widerspruch steht. Oder will die„Volksstimme" gar plausibel machen, daß in einer Versamm- lung von 699 Personen 69 bis 69 Stunmen eine starke Minderheit darstellen?!_ H. Remmele. Als Erwiderung auf die Anfrage des Genossen Adolf Geck ev» halten wir folgende Zuschrift: Genosse Adolf Geck ist von seinem Berichterstatter falsch infor- miert worden. Meine Bemerkung, daß nicht Genosse Geck gemeint sei, bezog sich auf folgenden Vorfall: Ich erzählte in der Karls- ruher Versammlung, daß einer der drei Kollegen, die sich der Ab- stimmung enthielten, offenbar nicht viel von der Ablehnung des Budgets halte; denn er habe in der Fraktion den verblüffenden Vorschlag gemacht, die Partei solle doch im Landtag beantragen. daß die Abstimmung über den Etat abgeschafft werde. Auf eine Anfrage erklärte ich, daß es sich nicht um den Genossen Adolf Geck handele. Der Genosse M o n s ch, auf den ich anspielte, hat in- zwischen seine einfache Lösung deS Budgetproblems auch vor seinen Wählern zur Diskussion gestellt. Ueber den Berichterstatter des„Vorwärts" sagte ich, er habe den Beschluß der Fraktion, ihren Mitgliedern die Teilnahme an der Schlußsitzung des Landtags freizustellen, sofort veröffentlicht. Ich selbst wäre von dem Landtagsschluh ferngeblieben, wenn nicht zwei Tage vorher diese Denunziation gekommen wäre. Ich wollte den Schein vermeiden, als ob ich aus Furcht vor einem Denun» zianten nicht teilnehmen würde. Ich habe beigefügt: Wer der Be. richterstatter war, weiß ich nicht. Wer es getan hat, mag sich ge- troffen fühlen. Mannheim, v. August 1910,' .»Ludwig Frank. Die Mitteilung einer Tatsache, die sich vor aller Oeffentlich- keit vollzieht, als„Denunziation" zu bezeichnen, ist ein so wunder- barer Einfall, daß sich eine ernsthafte Zurückweisung wirklich nicht lohnt. Interessant ist nur die Psychologie des Genossen Frank, der sich durch unsere Meldung sofort bestimmen ließ, einem höfi- schen Akt beizuwohnen, dem er ursprünglich die Weihe seiner An. Wesenheit versagen wollte. Offen gestanden, wir haben bisher wirklich nicht gewußt, daß der Mut des Genossen Frank es notwendig hat, den Schein der Furcht so sorgfältig zu vermeiden. Nochmals die Wahlkreiskonferenz in Bretten. Aus Baden wird uns geschrieben: Unsere Bemerkung in der Donnerstag-(nicht schon in der Mitt- woch-Nummer, wie die„Bolksstimme", wie wir annehmen, ohne Nebenabsicht, berichtet), daß die badische Parteipresse weder einen Bericht von der Konferenz gebracht, noch von der Aufstellung deS Genossen Horter als Reichstagskandidat Notiz genommen habe, entschuldigt unser Mannheimer Parteiorgan m:t der Behauptung, daß der Schristführer der Konferenz den Auftrag gehabt habe, einen Bericht an die Parteipresse zu schicken, daß er dieser Pflicht aber nicht genügt habe. Der Berichterstatter des„Vorwärts" hätte die Pflicht gehabt, sich zu erkundigen, ob dieser Genosse, der, wie die Mehrheit der Delegierten dieses Kreises, zu den Budget. gegnern gehörte, auch den ihm gewordenen Auftrag erfüllt habe. Wir nehmen von dieser Erklärung Notiz und bedauern, daß die Redaktion der„Vo lk s st i m m e" in diesem Falle nur auf diese budgetfeindliche Quelle angewiesen war. Der hier ange- grifsene betreffende Genosse dürfte übrigens an geeigneter Stelle sich noch zu der Beschuldigung äußern, er habe seine Pflicht nicht erfüllt.__ Tschechisch-sozialdemokratische Taktik. Im Diskussionsorgan der tschechischen Sozialdemokratie„Aka- demie" beschäftigt sich der Prager sozialdemokratische Abg. H u d e c, Redakteur am Zentralorgan„Pravo lidu"(Volksrecht) mit der Tätigkeit der Reichstagsfraktion. Die Tschechischbürgerlichen werden ihre helle Freude an diesen Ausführungen haben, und die Deutsch- nationalen werden nicht unterlassen, sie gegen die deutschen Ge» nassen auszubeuten, die so„volksverräterisch" sind, die von allen sozialen Sorgen und Pflichten ablenkende Cyauvinistenpolitik nicht mitzumachen. Die parlamentszerstörenden, aber Arbeit hindern- den Obstruktionen der Tschechischbürgerlichen findet er moralisch fundiert, weil sie sich gegen ein national ungerechtes Regime rich- leten. Merkwürdig war, daß den wirklich oder angeblich tschcchen-, sicher aber arbeiterfeindlichen Regierungen nie ein größerer Ge- fallen geschehen konnte, als mit der Obstruktion, die alle ministerielle Unfähigkeit, Untätigkeit und Unfruchtbarkeit deckte. Natürlich kann man dann die aufopfernde Bekämpfung dieser Obstruktion durch die Sozialdemokraten nicht besonders gutheißen. Aber die haben noch schlimmeres getan— sie haben die grundlegende Wichtigreit der Forderung aller slawischen Streber nicht erkannt, daß für die Besetzung der Ministerstühle der— Völkerproporz eingeführt werden muß. Negativ verhält sich die Partei zu der Forderung. daß alle Kabinette aus sechs„slawischen" und fünf„deutschen" .Exzellenzen bestehen müssen» unbekümmert natürlich«m das imaginäre Nationakbekußtsem fieS biegsamen BureäukrakeN. Jetzt weiß man also, was dem tschechischen Proletariat, außer � zersplitterten, kraftlosen Gewerkschaften nottut: daß den Kramarschzec und Staijek und ähnlichen Strebern oder Pensionensammlern und Aemterhäufern stets gesichert sei das Recht auf ein Ministerium. Doch halt, Genosse Tusar hat ja in Brünn, nach unwieder- sprochenen Berichten der deutschösterreichischen Parteipresse, erklärt, die tschechischen Sozialdemokraten und Gewerkschaftszersplitterer, die es ausgehalten, daß man sie gebüttelt und die Sakramente gegen sie gespendet und das„Allerheiligste" gegen sie ausgestellt, sie würden auch ertragen, wenn sie die Internationale ausschlösse. Vielleicht muß man hinzufügen: wird sie dann der gewiß leichtere Zutritt zur Slawischen Union, dem slawisch-bürgerlichen Block, darüber rasch trösten. Geht doch der Nationalismus«llöm anderen vor. � Aus der Parteibewegung in Russisch-Polen. Die Partei- organisationen in Russisch-Polen sind gegenwärtig mit den Vor- arbeiten zu der bevorstehenden Konferenz der S. D. P. u. L. beschäftigt, die bor der geplanten allrussischen Parteikonferenz stattfinden soll. Die Tagesordnung der Konferenz unserer pol- nischen Genossen enthält folgende Punkte: 1. Organisation und Agitation; 2. Ausnutzung der legalen Möglichkeiten: s) in den Ge- werkschaften, b) in den kulturellen und Bildungsinstitutionen, c) in den Genossenschaften; 3. die Tätigkeit der Partei in Verbindung mit der Tätigkeit der sozialdemokratischen Dumafraktion; 4. die Situation in der Gesamtpartei: 6. die allrussische Parteikonferenz. Alle diese Fragen wurden in den Rayonkonferenzcn sehr lebhaft diskutiert. Es war namentlich die Frage über die legale Gewerk- schastsbelvegung, die die Genossen veschäftigte. Schon der letzte sechste Kongreß der S. D. P. u. L. zu Ende 1998 hatte den Beschluß gefaßt, daß man zur Legalisierung der Gewerkschaften schreiten müsse, wenn die Bedingungen der Arbeiterbewegung günstiger werden würden. Diese Voraussetzungen waren schon Ende vorigen Jahres vorhanden. Zudem macht sich, wie die Rahonkonferenzen konstatieren, in letzter Zeit ein Zufluß der Arbeiter zu den Partei- organisationen in verstärktem Matze bemerkbar. Die Zahl der Rahone wird allerorts verstärkt, das Parteiorgan„Die rote Fahne" wird in einer größeren Anzahl von Exemplaren verkauft usw. Schon Ende vorigen Jahres sprachen sich die Vorstände der illegalen Ge- werkschasten und das Warschauer Parteikomitee für die Notwendig- keit aus, an die Legalisation der Gewerkschaftsbewegung zu schreiten. Der Vorstand der S. D. P. sprach sich gleichfalls für diesen Versuch aus und unterstützt alle Schritte der polnischen Organisationen in dieser Richtung. Zu gleicher Zeit macht sich auch eine Belebung des Gewerk- schaftskampfes bemerkbar. Das Lodzer Parteikomitee verbreitete einen Aufruf gegen die Verlängerung der Arbeitszeit aus die Fabrik von Poznanski. eine der größten Lodzer Firmen, die 1997 die bekannte große Aussperrung einleitete. Die schon proklamierte Verlängerung der Arbeitszeit wurde dank dem Widerstande der Arbeiter rückgängig gemacht..Der Warschauer illegale sozialdemo- kratische Bäckerverbatfd verbreitete einen Aufruf gegen die„christ- lichen" Streikbrecher, die den streikenden jüdischen Bäckern in den Rücken fielen. Der Aufruf und die Agitation des Verbandes er- wiesen sich für die jüdischen Arbeiter als eine wirksame Unter» stützung. Trotz der Verhaftungen verläuft der Streik ziemlich günstig. Unter den Warschauer Schuhmachern ist eine Streik- bewegung im Gange. Die illegale sozialdemokratische Schuhmacher- organisation veröffentlichte einen Aufruf mit detaillierten Lohn- forderungen, die von den Streikenden aufrecht erhalten werden. poli-eiUcKes, Gerichtliches ulw. Der Nutzen der sozialdemokratischen Presse. Der Genosse Schlegel von der„Frank. Tagespost* war von der„Nürnberger Kranken-. Sterbegeld-, Doktor, und Apothekenversicherung, eingeschriebene Hilfskasse" verklagt worden, weil er vor dieser Kasse gewarnt hatte. Das Schöffen» gericht Nürnberg hat den Beklagten freigesprochen mit der Begründung, daß die Warnung vor jener Kasse als einem verdächtigen und Msichereo Unternehmen völlig berechtigt gewesen fei. �_• Soziales. � Wichtigkeit von Lohnbüchern. Wie wichtig der Nachweis des JahreSarbeitsverdiensteS ist. weil danach die Unkallrente bemessen wird, zeigt folgender Fall: Der minderjährige Bäcker H. ans St. erlitt am 22. Dezember 1998 im Betriebe der Firma C. dadurch einen Unfall, daß er sich an einer zerbrochenen Fensterscheibe eine Schnittwunde am rechten Unterarm, mit teilweiser Zerschneidung des Ellenbogennervs zuzog. Die Nahrungsmittelindustrie-Berufsgenosscnschaft lehnte ab, den Verletzten zu entschädigen, da sie behauptete, daß eine Erwerbs- beschränkung über die 13. Woche hinaus nach dem Unfall nicht mehr vorhanden war. Der von der Genossenschaft gehörte Arzt hatte eine Erwerbsbehinderung von 16 Proz. angenommen. Das Schiedsgericht für Arbeiterversicherung, Stadtkreis Berlin, sprach dem Verletzten eine Rente von 33Vtz Proz. zu, berechnet nach einem Jahresarbeitsverdienst von 879 M. Das ist der 399fache Betrag deS damals festgesetzten Tagelohnes von 2,99 M. Der Vertrauens» arzt des Schiedsgerichts stellte fest, daß bei Berührung des Ellen» bogens Schmerzen ausgelöst werden und die rechte Hand einen deutlichen Schwund der Zwischenknochenmuskulatur ausweist. Dieser Arzt hielt weitere Heilbehandlung für notwendig. Diese übernahm dann auch die Genossenschaft, während gegen die Eni- scheidung des Schiedsgerichts Rekurs bezüglich der Höhe des Jahresarbeitsverdienstes seitens des Verletzten eingelegt wurde. Geltend wurde gemacht, daß H. einen täglichen Verdienst von 8.69 M., also pro Woche 21 M. hatte, mithin der vom Schieds- gericht angenommene Jahresarbeitsverdienst zu gering bemessen sei. DaS ReichS-VersscherungSamt erhob Beweis, indem«S den Arbeitgeber des H. vernahm und durch Einsichtnahme in die Lohn- bücher feststellen ließ, welchen Lohn H. im Jahre vor dem Unfall gehabt hat. Diese auf Grund der Lohnbücher vorgenommene Fest« stellung ergab, daß H. in dem ganzen Jahr vor dem Unfall einen gleichmäßigen Wochenlohn von 21 bis 26 M. erhalte» habe, dem» zufolge wurde der Jahresarbeitsverdienst auf 1196 M. festgesetzt, also um 236 M. höher, als daS Schiedsgericht diesen bemessen hatte. Die Rente erhöht sich demzufolge bei der gleichen Erwerbs» unfä�keit durch das erhöhte Jahreseinkommen pro Monat um In dem vorliegenden Fall gelang es. durch die Lohnbücher den richtigen Jahresarbeitsverdicnst festzustellen. Die Arbeiter tun daher gut, wenn sie sich wöchentlich notieren, waS sie ohne Abzug deS Kranken, und JnvalidenbeitrageS verdient habe«. Die Wertlosigkeit der Zwangsinnungen wird in ihrem klasst, chen Lande, in dem zünftlerischen Oesterreich, durch eine soeben er» chienene Schrift des Wiener Advokaten Dr. Heller nachgewiesen. Insbesondere ist die Geldwirtschaft der Zwangsgenoffenschaften elend; teils führen sie keine ordentlichen Aufzeichnungen, teils werden die Gelder nicht zu Genossenschaftszwecken verwendet. In manchen Fällen wurden für Verwaltung 81 Proz. der Ausgaben verwendet. Von den 2,3 Millionen Kronen, die die Wiener Ge- nossenschaften jährlich ausgeben, werden nach Dr. Heller 74 Proz. zu anderen als den gesetzlichen Zwecken verwendet. Daß da ab und zu auch was für zünftlerisch-scharfmacherische Wahlzwecke abfällt, rann man nicht ganz von der Hand weisen. Kinderarbeit in Großbritannien. AuS London wird uns geschrieben: Nichts fällt fc-m kontinen- taten Besucher englischer Großstädte mehr auf als die Menge bleicher, zerlumpter und verwahrloster Knaben, die-nachmittags und abends mit einem Packen Zeitungen durch die Straßen laufen und ununterbrochen mit kreifchendor Stimme Wörter wire„winner", „murdet" Ulld ähnliche ausstoßen. Wer in der Nähe der Fleet Streek, der Zentrale LeS Londoner Zeitungdtoesend weilt, wird auch zu gewissen Tageszeitungen junge Burschen beobachten können, die sich mit einigen Hundert Zeitungen auf dem Nucken auf dem Fahr- rad mit rasender Geschwindigkeit und mit der Sicherheit eines Fahrradkünstlers durch den regen Verkehr der inneren Stadt schlängeln. Verfolgt man diesen schwer beladenen Zcitungsträger, so wird man finden, dass er an gewissen Straßenecken Halt macht, wo sich eine Schar kleiner zerlumpter Zeitungsverkäufer auf ihn stürzt und ihm eine Handvoll Zeitungen entreißt. Viele dieser Kinder sehen nicht älter als 9 oder 10 Jahre aus. Mit ihren mageren Gesichtern, zerfetzten Kleidern und Schuhen appellieren sie unmittelbar an das Mitgefühl der Spaziergänger. Manch einer tauft ihnen eine Zeitung ab, um sie gleich darauf wieder fortzu- werfen, und fragt sich wohl, was aus diesen verwahrlosten Ge- schöpfen, die im Laster und Schmutz der Straße und in steter Be- rührung mit dem Spielteufel aufwachsen, später einmal werden wird. Die Beschäftigung der Kinder liegt bekanntlich in Groß- britannien noch sehr im argen. In der Textil- und Montan- industrie haben selbst die Arbeiter noch kein genügendes Verständ- uis für die Schädlichkeit der Kinderarbeit. Viel schlimmer als diese geregelte Kinderarbeit ist jedoch die Beschäftigung der Kinder im Straßenhandel, die in den Großstädten Englands«inen bedeu- tcnden Umfang angenommen hat. Genaue Ziffern liegen zwar nicht vor; man kann jedoch mit Sicherheit annehmen, daß mindestens EiOOOO Kinder von 11 bis 14 Jahren in diesem Straßenhandel be- schäftigt werden. Vor kurzem erschien der Bericht einer Regierungs- kommission, die im vorigen Jahre eingesetzt wurde, um über die Wirkung des Gesetzes vom Jahre 1903 und die weitere Ein- schränkung und Regelung der Beschäftigung der Kinder im Straßen- Handel berichten sollte. Die über diesen Gegenstand bestehenden gesetzlichen Bestimmungen kann man kurz wie folgt zusammen. fassen. Kein Kind unter 11 Jahren darf im Straßenhandel be- schäftigt werden. Kinder unter 14 Jahren dürfen zwischen 9 Uhr abends und ö Uhr morgens in keiner Weise beschäftigt werden. Kinder zwischen 14 und 16 Jahren dürfen zwischen 9 Uhr abends und 6 Uhr morgens nicht im Straßenhandel beschäftigt werden. Kinder von 11 bis 16 Jahren dürfen am Tage nur nach den Be- stimmungen der lokalen Behörden im Straßenhandel beschäftigt werden. Die meisten der auf der Straße beschäftigten Kinder ver- kaufen, wie schon erwähnt, Zeitungen. Sie führen ein unstäteS und oft trauriges Leben; der englische Volksmund bezeichnet sie mit dem Namen„street Arab"(Straßen-Araber). Neben den behörd- lich konzessionierten Verkäufern mutz es eine große Anzahl nicht konzessionierter geben, die sich der Kontrolle zu entziehen wissen, was ja auch keineswegs schwer ist. Die Bericht erstattende Kommission fordert, daß der Straßen- Handel für Knaben unter 17 und Mädchen unter 18 Jahren gänz- lich verboten werden soll. Eine Minorität der Kommission stellt etwas mildere Forderungen und verweist auf die Schwierigkeit, die darin besteht, daß es nicht gut möglich sei, für diese jungen Arbeits- kräfte unmittelbar neue Arbeitsgelegenheit zu finden. Em der frauenbcwegimg. Zahlen, die zu denken geben. Das soeben erschienene Statistische Jahrbuch für das Deutsche Reich(51. Jahrgang, 1910) berichtet in nüchternen Zahlen: an dem allgemeinen Rückgang in der Zahl der Sterbefälle in Deutschland ist die Säuglings st erblichkeit nicht nennenswert beteiligt I Einer geringen Abnahme der Todesfälle ehelicher Kinder im ersten Lebensjahre steht eine Steigerung der Todesfälle unehe- l: ch e r Säuglinge gegenüber. Es kamen durchschnittlich auf 100 Lebendgeborene fast 18 Fälle von Säuglingssterblichkeit; der Prozentsatz derselben unter den unhelichen Kindern allein belief sich auf nahezu 30 Proz. Wir wissen, daß die soziale und Wirt- schaftliche Bedrängnis der unehelichen Mütter hieran die Schuld trägt. Die schlecht genährte, von Sorgen bis zur Verzweiflung gequälte unehliche Schwangere, die sich bis kurz vor der Geburt unter möglichster Verbergung ihres ZustandeS abrackern mutz; die Verfehmte, der sich oft erst im letzten Moment die Tore eine? Llshlz für die schwere Stunde öffnen, kaim nur lebensschwache Kinder zur Welt bringen. Infolgedessen pflegt schon im zweiten Monat die Zahl der Todesfälle der unhelichen Kinder die Jahres- giffer der ehelichen zu erreichen. In Deutschland selbst sind in den einzelnen Bundesstaaten die Verhältnisse bezüglich der Säuglingssterblichkeit verschieden gelagert. Ten höchsten Prozentsatz haben Sachsen-Altenburg !(23 Proz.), Mccklenburg-Strelitz(22,7 Proz.) und Pommern !<22.1 Proz.) aufzuweisen, die niedrigsten Zahlen finden wir in Waldeck, wo ö, in den beiden lippeschen Staaten, wo 11, in Hessen- Nassau, wo 10 Säuglinge von 100 starben. Die höchste Zahl der Todesfälle unehelich geborener Säuglinge erreicht die Provinz Westpreutzen mit nahezu 40 von 100. Dann folgen Posen und Mecklenburg-Strelitz mit 39 und 34 Proz. Das agrarische Ostelbien kann also den traurigen Ruhm für sich beanspruchen, hin- sichtlich der Säuglingssterblichkeit in Deutschland an der Spitze zu marschieren. Dort fehlt eS noch durchweg an Einrichtungen der öffentlichen Säuglingsfürsorge, deren Anfänge in anderen Gegenden wenigstens versucht werden; hier finden wir das größte Wohnungselend zusammen mit der intensivsten Ausbeutung der wirtschaftlich Abhängigen. Werfen wir einen Blick auf die internationale Ueber- pcht der Säuglingssterblichkeit, so finden wir, daß Deutschland gleich hinter Rußland, Oesterreich-Ungarn und Rumänien rangiert. Relativ günstig stehen da die Schweiz und die Niederlande mit 10 Proz, dann Schweden mit 8 und Norwegen mit 7 Proz., sowie Irland mit 9 Proz. Die ärztliche Wissenschaft nimmt an, daß in einer Sterblichkeit von 7— 8 Proz. die natürliche Lebensgefährdung des Säuglings zum Ausdruck kommt. Wenn man mit diesem Maß- stab die enown Ziffern Deutschlands und anderer ihm hierin verwandter Länder vergleicht, so hat man ein volles Recht, von einem legalen Kinder m o r d in der kapitalistischen Gesellschaft zu sprechen. Außerhalb Europas finden wir eine ganze Reihe von .wilden"' Ländern, die hinsichtlich der Säuglingssterblichkeit geradezu glänzend dastehen, so Algerien mit 11 Proz., ähnlich einige amerikanische Staaten. Die niedrigste Kinder- sterblichkeit der Welt aber finden wir in Australien. Hier haben die Frauen bekanntlich seit langem das aktive Wahl- recht, das von der günstigsten Wirkung auf die EntWickelung ihres Verantwortlichkeitsgefühls war. Sie haben ihren direkten Einfluß auf die Gesetzgebung benutzt, um eine Menge von trefflichen Ein- richtungen zum Schutze der Mütter und Säuglinge zu schaffen. So haben sie den großartigen Erfolg erzielt, in fast allen der sieben Republiken die Säuglingssterblichkeit auf den oben als normal bezeichneten Satz von 7—8 Proz. und darunter herabzu- drücken._ Tägliche Marschleistung einer Kellnerin. Eine Mündjener Kellnerin, die in einem größeren Restaurant mit Gartew beschäftigt ist, stellte kürzlich mit Hilfe eines Schrittzählers fest, daß sie täglich bei der Ausübung ihres Berufes nicht weniger als etwa 53 000 Schritte zurücklegt, das ergibt, die Schrittlänge zu 70 Zentimeter gerechnet, die ansehnliche Weglänge von 40 Kilometer oder eine Marschleistung von 3 Stunden. Dabei ist zu berücksichtigen, daß diese Arbeit geleistet werden mutz mit einer Last von einer Menge leerer und gefüllter Matzkrüge und Platten von Speisen und leerem Geschirr. Bedenkt man außerdem, daß größtenteils ein r rasches Tempo eingeschlagen wird und das Gehen auf dem foxi Münchener Äellerwirtschaftx.n»blichen Kiesboden Jucht gerade zu den Annehmlichkeiten gehört, so mutz man in der Tai sagen: alle Achtung vor der körperlichen Ausdauer und Zähigkeit dieser Frauen! VerlammUmgen. Die Streikenden von der Norddeutschen Gnmmilvarcn- fabrik versammelten sich am Sonnabendmorgen zu einer Besprechung in ihrem Streiklokal. Zwei Kommissionsmitglieder hatten mit dem Direktor eine Konferenz, über deren Verlauf sie der Versammlung Bericht erstatteten. Der Direktor stellte die Sachlage zwar so dar, als sei er durchaus nicht in Verlegenheit und als könne er genügend Leute bekommen, aber die Arbeiter, die den Fabrikbetricb doch sehr genau kennen, wissen, daß sich die täglich wachsenden Schwierig- leiten nicht so leicht überwinden lassen. Ein Meister soll betrübt erklärt haben, in zwei Jahren sei er eine Leiche, wenn er sich seine Arbeiter neu anlernen müßte. Viele Arbeitswillige, etwa 40 an der Zahl, haben die Fabrik wieder verlassen, weil ihnen die ungesunde und schlecht bezahlte Arbeit wenig zusagte. Die„Gummi- Zeitung" vom 5. August erklärt, daß der Betrieb sich mit 70 Leuten aufrecht erhalten lasse. Sie schreibt auch von den„guten Löhnen", die in der Fabrik bezahlt werden, während in Wirklichkeit mancher verheiratete Mann mit einem Anfangslohn von 18 und 19 M. zu- frieden sein mußte. Den Arbeitswilligen ist allerdings 21 M. an- geboten worden. Viel kritisiert wurde der Bericht in der„Gummi- Zeitung" auch deswegen, weil er von dem„Hetzer" Krüger spricht, den die Direktion nicht als Mitglied des Arbeiterausschusses an- erkennen konnte, was bekanntlich den Streik zur Folge hatte. Nun ist Krüger aber schon drei Jahre im Ausschutz, und bei einer Wahl hat ihm der Direktor, der ihn jetzt durchaus nicht anerkcnnen will, sogar freundschaftlich geraten:„Lassen Sie sich doch wiederwählen, wir sind doch immer ganz gut ausgekommen I" Aus dem Bericht der Kommission ging hervor, daß der Direktor jetzt nicht abgeneigt ist, Verhandlungen zu führen, da zu Anfang der Bewegung einige Mißverständnisse, die später geklärt wurden, die Spannung erhöht hatten. Die Haltung der Streikenden ist musterhaft: Abtrünnige haben sie nicht zu verzeichnen. Solange die Differenzen nicht geschlichtet sind, darf natürlich keine Arbeit aus dieser Fabrik bei anderen Firmen ausgeführt werden. Auf Verhandlungen darf sich kein einzelner einlassen, das ist allein die Aufgabe der Streikkommission. Arbeiter-Stenographenverband Stolze-Schrey. Generalver- sammlung am 24. Juli im Gewerkschaftshause zu Hamburg. Bei der Gründung am 1. Oktober 1909 zählte der Verband vier Mit- gliedschaften mit 137 Mitgliedern. Am 30. Juni 1910 war er auf 14 Mitgliedschaften mit 347 Mitgliedern angewachsen. Während des am 30. Juni abgelaufenen Zähljahres wurden 277 Personen, darunter 17 Volksschüler, mit Erfolg in der Stenographie unter- richtet. Am 1. Januar 1910 wurde das Verbandsorgan„Der Schriftgenosse" begründet. Seine Auflage stieg von 2S0 auf 425 Exemplare. Die neu gegründeten Mitgliedschaften erhielten das Blatt während eines Halbjahres unentgeltlich. Ein Vortrag des Genossen Heinrich Hillen über das Thema:„Woher rühren die außerordentlichen Erfolge des Systems Stolze-Schrey?" wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Eine große Zahl von Anträgen gab Anlaß zu ausgedehnten Beratungen. Das Verbandsblatt soll in Zukunft monatlich erscheinen. Der Verbandsbcitrag wurde von 60 Pf. auf 1 M. pro Jahr und Mitglied erhöht. Mit jeder Gene- ralbersammlung soll eine stenographische Ausstellung verbunden werden. Ein Antrag, vom Verbände auS monatlich ein Preis- schreiben zu veranstalten, wurde dem Vorstande überwiesen. Als Sitz des Verbandes wurde Hamburg wiedergewählt. In den Ver- bandsvorstand kamen folgende Genossen: Fritz Hagenow, Hammer- brookstratze 79, 1. Etg., als erster Vorsitzender. Karl' Fischer, Sachsenstraße 83, H. 2, 2. Etg., als Kassierer, I. Pierskalla als zweiter Vorsitzender, Karl Schumann als Schriftführer und Max Dürkop als Beisitzer. Rechnungsprüfer wurden Rud. Fick und Rich. Back. Der Berliner Arbeiter-Stenographen-Verein Stolze- Schrey, welcher obigem Verbände angehört, hat seine Ucbungen jeden Donnerstag abend von 8 bis 10 Uhr in der«Alten Post", Lothringer Straße 62._ Der Bericht von der am Dienstag abgehaltenen Rixdorfer Generalversammlung enthält im ersten Satz über die Abstimmung der Resolution des Zentralvorstandes, betreffend den Disziplin- brach der wadenser, eine unklare Fassung. Wir sind ersucht worden, zu berichten und kommen dem hiermit nach, daß vom Bureau der letzten Generalversammlung erklärt worden ist, es hätten ca. 100 Parteigenossen gegen die Resolution des Zentralvorstandes ge- stimmt. Für die schärfere Fassung— Resolution Stadthagen— wurden nur wenige Stimmen abgegeben. Der Vorstand des WahlvereinS Rixdorf. VernriscKtes. Die Korruption der ruffireben Klöster. Aus St. Petersburg schreibt man uns vom 3. August: Der berüchtigte W o st o r g o w hat vor kurzem die spezielle Mission erhalten, in Sibirien eine Reihe von neuen Klöstern zu gründen, die als Kultur- und Geisteszentren für die zukünftige weitgehende Kolonisierung des Landes sich entwickeln sollen. Aehn- lichen Zwecken sollen fortan die Klöster im projektierten Gouverne- ment Holm dienen. Also imperialistische und nationale Staats- Politik durch die Klöster! Und dies gerade jetzt, da sie durch ihr Treiben allmählich jegliche Autorität in den Augen der Be- völkerung eingebüßt haben. Nach und nach bringen nämlich die Revisionen auch in das Dunkel des russischen Klosterlebens einiges Licht, so daß die Frommen, die eben noch vor den heuchlerischen Heiligen zu er- schauern pflegten, sich jetzt die Augen reiben und entsetzt dir Eni- hüllungen über das klösterliche Diebes- und Unzuchts- treiben lesen. Am unverschämtesten hat es darin der Vorsteher des Kiewer Troitzkhklosters Melchizedek getrieben, der von den ständigen und außerordentlichen Einnahmen über 300 000 Rubel einsteckte und sein Kloster in eine Laster- stätte verwandelte. Und der Kiewer skandalöse Fall ist durchaus nicht vereinzelt: ähnliche Enthüllungen kommen aus zahlreichen anderen Klöstern und weitere stehen für die allernächste Zeit bevor. Die ganze Wahrheit dürste indes nimmermehr an den Tag kommen. Die Geistlichkeit, welche die Macht in Händen hat, möchte 'die Gemeinheiten mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln ver- tuschen und bedient sich dazu der verwerflichen Methoden. Solche Mönche, welche als Zeugen über das Treiben in den Klöstern wahrheitsgemäß Auskunft geben, werden aufs schwerste ver- folgt und zum Schweigen gezwungen. So wurden vor kurzem nach dem Kiewer Konsistorium die Winche des Troitzky- klosters Jrineus, Juvenal u. a. beordert und gründlich heruntergemacht, weil sie über den Klostervorsteher Melchizedek kompromittierende Bekundungen gemacht hatten. In Gegenwart des Tschigiriner Bischofs Paulus erklärten ihnen die Mit- glieder des Konsistoriums mit dem Oberpriestcr Slatowerchnikow an der Spitze, daß die ganze Brüderschaft„etwas ab- bekommen" würde, wenn die Mitteilungen an die Presse über Mclchizedeks Treiben nicht aufhören sollten. Die zitierten Mönche sollten des Mönchsstatuts eingedenk sein, das Gehorsam gebiete, und nicht die Taten ihres ehemaligen Vorgesetzten bloß- stellen..... In einem analogen Fall wurde einigen Mönchen des Klosters in der Optina-Einöde ihre Versetzung nach einem anderen Orte in Aussicht gestellt, und das Swjato-Nikolsker weibliche Kloster ent- fernte tatsächlich mit Polizeigewalt mehrere nn- bequeme Nonnen, damit sie, wie die Vorsteherin sich auS- drückt?, nicht alz Zeuginnen auftreten könnten. Die Beispiele ließen sich leicht bermehreik. Es ist immer 5aS- selbe Bild: kolossale Unterschlagungen und Unzucht, fast so wie in der Jntendanturverwaltungl Und da wollen noch die Vertreter der Klöster als Pioniere der Kultur die sibirischen Völker be- glücken._ Grubenkntnstrophe. Ein schweres Unglück, durch das voraussichtlich mehrere Bergarbeiter ihr Leben einbüßen werden, hat sich am Fidtag in den englischen Kohlengruben vön Garfort h in der Nähe von L e o d s zugetragen. Ein Fahrstuhl, auf dem sich 30 Grubenarbeiter befanden, stürzte etwa 30 Meter über dem Grunde des Schachtes in die Tiefe. Von den Arbeitern wurden sechs so schwer verletzt, daß sie in hoffnungslosem Zustande darniederliegen. Ein Teil der Arbeiter erlitt weniger schwere Verletzungen. Eine Geistel Nu�lands. In erschreckendem Maße mehrt sich die Zahl der Cholera« erkrankungen in Rußland. Allein in Petersburg sind nach den amtlichen Mitteilungen in den letzten 24 Stunden 102 Personen neu erkrankt und 29 gestorben. Die Gesamtzahl der zurzeit an Cholera erkrankten Personen beträgt 719. Die korrupte Bureaukratie und die durch Regierung und Geistlichkeit künstlich aufrecht erhaltene Unkultur in den niederen Schichten der Bevölkerung bieten den besten Nährboden für ein immer weiteres Umsichgreifen der verhercnden Seuche. Die Cholera, die in den nieisten übrigen Ländern nur in vereinzelten Fällen auftritt, hat sich im russischen Reiche als ständiger Gast eingenistet; erst mit der Besserung der ganzen politischen und sozialen Verhältnisse wird die dauernd drohende Gefahr neuer Epidemien beseitigt werden können. Sparmarken-Automaten in der Schule. In einigen Schulen der Stadt München hatte man ver- suchswcise Sparmarkenautomaten aufgestellt, in denen die A-B-E- Schützen ihre Pfennige und Groschen, die ihnen gelegentlich durch Muttern zugesteckt wurden, sparen sollten. Die Erfahrungen, die mit den Automaten gemacht wuroen, waren so günstig, daß die städtischen Kollegien sich jetzt entschlossen haben, in einer weite- ren Anzahl Schulen Sparautomaten aufzustellen. Unwetter in Brüssel. Ein furchtbares Gewitter, begleitet von heftigem Hagelschlag, ist Freitagnachmittag über Brüssel und Umgebung niedergegangen. ES fielen während einer Viertelstunde Schloßen in Haselnutzgrötze, welche an den Bäumen, auf den Feldern und an den übrigen Kulturen großen Schaden anrichteten. Eine große Anzahl Fensterscheiben wurden zertrümmert. Der Blitz schlug an mehreren Stellen ein und zündete wiederholt; unter anderem an dem Hotel du Nord, wo eine große Feuersbrunst entstand. Da das Feuer in unmittelbarer Nähe eines VariotöteaterS ausgebrochen war, wo gerade eine Vor« stellung stattfand, so wurde der Saal von der Polizei geräumt. Die Feuerwehr traf wegen Störung in der telegraphischen Leitung sehr spät auf der Brandstelle ein. Sie wurde infolgedessen bei ihrem Erscheinen von der Volksmenge durch Zischen und Johlen begrüßt. Infolge des stark niedergehenden Regens wurden verschiedene Straßen in den Vorstädten der Stadt unter Wasser gesetzt, speziell die Kellerräume, in welche das Wasser mit Macht eindrang._ Steuereifer. "Einem Luxemburger Bürger hat der hl. Bureaukratismus e!n Stückchen geliefert, das beweist, daß auch in Belgien die Zunft der Bureaukraten ihr Wesen treibt. Der Bürger Breisch hatte in der Luxemburger Abteilung der Brüsseler Ausstellung eine Anzahl von ihm gearbeiteter Schmucksachen ausgestellt, die in der Nacht vom 23. Juli gestohlen wurden. Er gibt deren Wert auf 14 000 Frank an. Kaum war die Nachricht von dem Diebstahl durch die Zeitungen gegangen, da erhielt Herr Breisch von der belgischen Zollverwaltung ein Schreiben folgenden Inhalts:„Da Ihre Schmucksachen zollfrei nach Belgien eingeführt sind in der Voraus- setznng, daß sie nach Schluß der Ausstellung wieder ausgeführt werden— diese Voraussetzung aber nach dem Dieb- stahl hinfällig wird, indem die Sachen nunmehr auf belgischem Gebiete dauernd verbleiben werden — werden Sie aufgefordert, die entfallenden Zollsätze für die gestohlenen Gegen st än de sofort zuent- richte n." Herr Breisch soll geantwortet haben, er schiebe die Ver- pflichtung zur Erlegung der Zollgebühren aus den Dieb ab. Vielleicht macht diesen die Zollverwaltung ausfindig, nachdem die Polizei bis jetzt vergeblich nach dem Diebe Umschau gehalten hat. Kleine Notizen. Bei dem Brande cineS HotclS in dem Orte Jamaika in der Nähe New Uorks fanden sieben eingewanderte Polen den Tod in den Flammen. Da« Hotel war zum größten Teil von Einwanderern aus Europa besetzt. Durch Explosion sind auf dem englischen Unterseeboot A 1 zweiOsfiziere und vier Matrosen verwundet worden. Sittliche Verfehlungen an Knaben hat sich in S o l o t h u r n in der Schweiz der katholische ReligionSlebrer und Dom» kapellmeister Rauber zu Schulden kommen lassen. Der Unhold hat seine Schuld eingestanden und ist verhaftet worden. Unfall eineS Militärautomobils. Ein vom Flugfelde in Caen nach Versailles zurückkehrendes Automobil, das mit zwei Offizieren und zwei Artilleristen besetzt war, ist in voller Fahrt gegen einen Baum gefahren. Das Automobil überschlug sich, die beiden Offiziere wurden au« dem Wagen geworfen und schwer verletzt. Die Artilleristen kamen unter das Automobil zu liegen und erhielten außer schweren Verletzungen auch noch durch Explosion der Benzinbehälter entsetzliche Brandwunden, so daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird. Gesunkener Dampfer. Der kanadische Dampfer„Prinzeß May" ist auf der Fahrt nach den Häfen von Alaska an der Küste von Alaska gesunken. ISO Passagiere und die Besatzung deS Dampfers konnten gerettet werden. Eisenbahnunglück. Der amerikanische Sonderzug, in welchem sich der Premierminister L a u r i e r und der Eisenbahn- minister Graham befanden, stieß bei einer Fahrgeschwindig- keit von 60 englischen Meilen in der Stunde in der Nähe von Regina mit einem Güterzuge zu- s a m m e n. Der Premierminister wurde am Knie ver- letzt und erlitt einen starken Nervenchok, der Eisenbahnminister eine Verrenkung deS Knies, andere Personen kamen mit leichten Verletzungen davon. Ein Heizer wurde getötet. lönUsImtanl! d. Glasarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands OftsverivaltanK Berlin. Den Mitgliedern der Zahlstelle Berlm zur Nachricht, daß unser Kollege PauB WeSkiscBi, unser langjähriger 1. Vorsitzender, am Sonnabend abend 9'jt Uhr, sanft enlschlasen ist. Möge ihm die Erde leicht sei»! Ehre seinem Audenkeu! Der V o r st a n d. F= A.WERTHEIM O. m. b. H. LEIPZIGER STR. ROSENTHALER STR. Versand-Abteilung Berlin W. 66. ORANIEN-STR. OTConf&g undie£ DAMEN-WÄSCHE Taghemden 1.95 T aghemden rtlcÄ Mrotivu"d. gB: 2.50 Taghemden ÄÄ2.10, 2.35 Taghemden ,Ä�e!u:,:as.s!n: 2.85 T aghemden 2.45, 2.85, 3.80, 5.25 Garnituren! Beinkleider dazu paaaendS.yO, 2.50, 4»50, dazu passend. 5,25 Nachthemden dazu passend. 4.25, 6.50, dazu passend. 1.50 Nachthemden Stickerei 4.35, 5.25 Beinkleider s�eAliEin-uSsTtz 3.30 Nachthemden 3.30 w. 6.25 Nachtjacken s" ck�vtCnt 2.25, 2.75 Beinkleider ÄÄ 1.75 bi.2.20 Untertaillen mit Stickerei.... I.40 Beinkleider ÄVvÄ?. T1! 2.50 Untertaillen 2.25, 2.60 Weisse Stickerei-Röcke mit Stlckerel-Eln- und Ansatz. 5.75 bis 0.75 Weisse kurze Barchent-Röcke mit Langette 1.80, mit Stickerei- Volant. 2.50, 2.85 Deckbettbezüge � o__ aus Louisianatuch........ 0.35, O« 75 Kissenbezüge dapa8.8nd l.oo, 1.05 Damast-Garnituren zx?�4! 8.00 Daulas-Bettlaken?6o"ooccm I.95 Grösse ca. 160/226 cm 2. 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Itaislf Hilferding:„Das Finanzkapital. Sine Studie über die jüngste EntWickelung des Kapitalismus." Dritter Band der von Dr. M a x A d l e r und Dr. R u d o l f Hilferding herausgegebenen„Marxstudien". Wien ISIV, Verlag der Wiener Volksbuchhandlung Jgnaz Wrand u. Co. Xl und 477 Seiten 8°. Preis gebunden 9 Kronen= 7,70 M. Der Band enthält außer HilferdingS Werk eine Studie von Tatjana Grigorovici:»DieWertlehrebeiMarx undLasfalle". Lange Zeit haben die Schüler der Marxschen ökonomischen Lehren ihre Hauptaufgabe fast lediglich in der Popularisierung und Verteidigung des Lebenswerkes ihres Meisters gesucht. Besonders hat die Abwehr der Angriffe der zünftigen Universitäts- und Han- delskammer-Nationalökonomie manche Arbeitskraft verschlungen, die nützlicher im Dienste der sozialistischen Bewegung hätte verwendet werden können. Gehörte es doch zeitweilig fast auf akadcmisch-volks- wirtschaftlichem Gebiet zum Befähigungsnachweis, irgendeine Marxsche Theorie kritisck zu vernichten. Jeder, der auf einen akademischen Lehrstuhl oler auf einen Posten als Sekretär einer kapitalistischen Jnterejscnsereinigung spekulierte, fühlte sich ver- pflichtet, die Berechtiguns seines Anspruchs durch eine Widerlegung Marxscher Lehren zu erpeisen und sich von den ihm nahestehenden Fachzeitungen attestierer zu lassen, daß er nun Marx endgültig als ökonomischen Theore'.iker erledigt habe. Mag auch heute noch die zünftige Universitäts-Nationalökonomie ßu einem wesentlichen Teiie im Bewußtsein ihrer höheren voraus- setzungslosen Wissenschaftlihkeit verächtlich auf das Marxsche„ K a- p i t a l" herabsehen, der eigenartige Sport der kontinuierlichen Marxvernichtung hat immrhin eine starke Einschränkung erfahren. Man hat zugeben müssen, aß auch die offizielle Wissenschaft manche ihrer tieferen Erkenntnift aus den Marxschen Schriften bezogen hat; vor allem aber hat nan einsehen gelernt, daß auf diese Weise die Bedeutung der Marzschen Wirtschaftslehre nicht hinwegargu- mentiert werden kann. Während nicht nur die Vernichtungs- Jfchristen, sondern auch di« Namen ihrer Verfasser größtenteils ver- schollen sind und nur gelegentlich von Material suchenden Fach- gelehrten in öffentlichen Bibliotheken flüchtig aufgestöbert werden, steht das Marxsche �Kapital" noch immer als bedeutsamstes Vermächtnis der vol wirtschaftlichen Literatur des letzten Jahr- Hunderts an der Schi �lle der neuen Zeit. Diese Abflauung i>cr antimarxistischen Kritik hat endlich den Marxisten die ersehn!,,' Gelegenheit geboten, von der Verteidigung der Marxschen Theorien zur Fortbildung dieser Lehren überzu- gehen und zugleich die Ehrenpflicht zu erfüllen, den Marxschen literarischen Nachlaß herauszugeben. Trotz der Anforderungen des politischen Tageskampfes, der den einzelnen immer wieder in seine Fron zwingt und wissenschaftlicher Arbeit entzieht, sind denn auch in den letzten Jahren verschiedene Werke erschienen, die wertvolle Ergänzungen des„Kapitals" bilden. Darunter vornehmlich die von KarlKautskh aus dem Marxschen Nachlaß herausgegebenen »Theorien über den Mehrwert", deren dritter Band jüngst erschienen und im„Vorwärts" besprochen worden ist. Ihm schließt sich als neueste wertvolle Ergänzungsschrift Rudolf Hilferdings vor kurzem erschienenes„Finanz- kapital" an: ein Werk, das auf der Grundlage der Marxschen Werttheorie in gründlicher Weise die seit dem Abschluß des Marx- scheu„Kapitals" hervorgetretenen neueren Entwickelungsphasen des Kapitalismus, speziell die fortschreitende Mobilisierung des Kapitals, schildert und den Einfluß dieser Neugestaltungen auf die Wirt- schaftspolitik untersucht. Einzelne dieser neueren Wirtschafts- erscheinungen, wie z. B. die Kartelle und Trustorganisationen, die EntWickelung des Bankkreditwesens, die Veränderung des Cha- rakterS der Wirtschaftskrisen, die Wandlungen der Handelspolitik, sind zwar auch von anderen marxistischen Schriftstellern bereits mehrfach in kürzeren und längeren Artikeln behandelt worden, aber meist geschah dies lediglich zum politischen Tagesgebrauch— zu dem Zweck, den Leser über diese wirtschaftlichen Neuerscheinungen und ihre Einwirkung auf bestimmte wirtschaftspolitische Strö- mungcn kurz zu unterrichten. Die Artikel waren politische Gelegenheitsarbeiten. Hilferdings Schrift hat dagegen den Charakter einer streng systematisch-theovctischen Analyse, die im Anschluß an die Marxsche Lehre vom Reproduktions- und Zirkulationsprozeß des Kapitals die neueren Erscheinungen des Kapitalismus als Fort- bildungen bezw. Erweiterungen der im Marxschen„Kapital" dar- gelegten Gestaltungen zu erfassen und nachzuweisen sucht. Mit großer Fertigkeit hat sich Hilferding in die Gedanken- gänge und selbst in die Marxsche Darstellung-- und Ausdruck-weis« hineingearbeitet, so sehr, daß man oft nicht weiß, ob man nicht Ausführungen aus dem„Kapital" liest und sich erst durch einen Vergleich überzeugen muß, daß die betreffenden Ausführungen völlig Hilferdings geistiges Eigentum sind. Wie nach dem Aus- sprach von Engels Marx geflissentlich in seiner Darstellung mit Hegel kokettiert hat, so kokettiert Hilferding vielfach mit den Marx- scheu Stileigcnheiten. Sogar die Vorliebe von Marx, seiner Satire selbst inmitten streng analytischer Deduktionen die Zügel schießen zu lassen und allerlei bissige Bemerkungen über die zitierten Auwren oder über die bürgcrlich-geschäftliche Moralheuchelei einzu- flechten, hat sich Hilferding angeeignet. Teilweise hat diese enge Anlehnung an die Marxsche Dar- ftellungs- und Ausdrucksweise einen entschiedenen Vorteil. Sie erleichtert dem, der die drei Bände des„Kapital" kennt, das Eindringen in die von Hilferding behandelte schwierige Materie. Der Leser hat das Gefühl, als marschiere er durch ein ihm schon größtenteils vertrautes Terrain. Andererseits dürfte allerdings dem, der nicht die Marxsche Schule durchgemacht hat, die hegelia- nische Antithesenhascherei und der Gebrauch mancher Anglizismen die Lektüre oftmals erschweren. Die Aufgabe, die Hilferding sich gestellt hat, ist eine äußerst schwierige. Seine Leser sollen die neueren Erscheinungen des Kapitalismus wissenschaftlich verstehen lernen, und zwar in ihrem kausalen Zusammenhange als natürliche Ergebnisse der Entwicke- lungstendenzen des Kapitals. Er will zeigen, wie das Finanzkapital stch mehr und mehr vom industriellen und kommerziellen Kapital loslöst, sich verselbständigt hat, daS heißt besonderen Tendenzen folgt, und wie diese neuere EntWickelung, obgleich Marx sie bei der Abfassung seine?„Kapital" nicht kannte und kennen konnte, s i ch doch au» dessen ökonomischen G r u n dau f fa s s u n- gen folgerichtig ergibt. Aus dem Ziel ergab sich von selbst die Gliederung deS Stoffes. HtlferdingS„Finanzkapital" beginnt mit einer Analyse des Geldes und der Kreditfunktionen. Ausgehend vom Warenaustausch und dem sich in diesem durchsetzenden Wertgesetz, erörtert Hilferding die Notwendigkeit des Geldes als Vermittlers der Warenzirkula- tion, die Ersetzung des Metallgeldes durch staatliche Geldzeichen, durch das sogenannte Papiergeld, die Arten der Papierwährung und die Frage der Entwertung des Papiergeldes in seinem Verhältnis zum Metallgeld. Dann folgt eine kurze Darstellung der Ent- stehung des Kreditgeldes, der Funktionen des Geldes in der Zirku- lation des industriellen Kapitals, des Kreditverkehrs der Banken (besonders des Wechsel- und Kapitalkredits) und schließlich der Be- stimmung des Zinsfußes. Größtenteils lehnt sich in diesen Kapiteln Hilferding an die Darstellungen an, die Marx im ersten Abschnitt des zweiten Bandes des„Kapital" über den Zirkulationsprozeß des Kapitals, sowie im vierten und fünften Abschnitt des dritten Bandes über die Metamorphosen des Waren- und Geldkapitals bietet; aber H i l- ferding übernimmt keineswegs ohne weiteres die Marxschen Ausführungen. Es zeigt sich vielmehr, daß er in der Behandlung des Stoffes viel selbständiger verfährt, als die äußere Anpassung seiner Darstellung an die Marxsche an- nehmen läßt. Er hat überall die neueren Wirtschaftstatsachen vor Augen, prüft die Marxschen Auffassungen an diesen und stellt mehrfach auf Grund der neueren ökonomischen Erfahrungen An- sichten auf, die über die Marxsche Lehre in bestimmter Richtung hinausgehen. So macht z. B. Hilferding der sogen,„charta- l i st i s ch e n" Richtung neuerer Währ.ungspolitiker verschiedene Zugeständnisse, wenngleich er im ganzen die von Marx vertretene Ansicht(I. Band des„Kapital". III. Kapitel, 2 c:„Die Münze, das Wertzeichen") akzeptiert, daß gemünztes Geld immer nur soweit durch Papiergeld ersetzt werden kann, daß die Masse des Papiergeldes unter dem Mini malmatz der zur Zirkulation erforder- lichen Gesamtgeldmenge bleibt. Weiter hinaus über Marx geht Hilferding in seinem Kapitel über die Veränderungen des Zinsfußes. Gegenüber Marx, nach dessen Erklärung die Variationen des Zinsfußes(abgesehen von den speziellen Verhältnissen der einzelnen Länder) lediglich vom Angebot des Leihkapitals, das heißt jenes Kapitals abhängen, das in Form von Geld(Hartgeld und Noten) verliehen wird(im Unter. schied zum industriellen Kapital, das in Warenform vermittelst des kommerziellen Kredits verliehen wird), macht Hilferding— meines Erachtens mit vollem Recht— geltend, daß diese Erklärung allzu einseitig von den Verhältnissen des englischen Geldmarktes ausgeht, wo durch die Peelakte die zirkulierende Notensumme ein für alle- mal in einem bestimmten Ausmaße festgelegt worden wäre. All gemein betrachtet, das heißt, wenn man den außerenglischen Geld- markt mit in Betracht ziehe, hänge die Aenderung des Zinsfußes nicht nur von dem Angebot des Leihkapitals ab, sondern von der Gesamtmenge des verleihbaren Geldes, das sich in den Kellern der Banken befindet und erfahrungsgemäß als notwendige Reserve für die inländische und internationale Zirkulation dient. Die In- anspruchnahme dieses zum Ausleihen verfügbaren Restes bestimme in letzter Instanz hie Höhe des Zinsfußes: eine Inanspruchnahme, die jedoch ihrerseits wieder abhänge vom Stande des Zirkulations-, also des kommerziellen Kredits. Solange dieser sich in gleichem Maße ausdehnen könne, wie es die gestiegene Nachfrage verlange, werde keine Veränderung im Zinsfuß erfolgen. Der größte Teil der Nachfrage werde durch ein Angebot befriedigt, das gleichzeitig mit der Nachfrage wachse, denn der größte Teil des Kredits sei kommerzieller Kredit. Die Ausdehnung dieses Kredits aber sei möglich ohne jede Wirkung auf den Zinsfuß. Der Zinsfuß, so führt Hilferding, gestützt auf die Erfahrungen der Bankdiskont- Politik, weiter aus, steige erst dann, wenn die Geldbestände der Banken abnehmen, die Reserven sich ihrem Minimum nähern und die Banken daher den Diskont hinaussetzen. Von der Darlegung der Funktionen deS Geldes und Kredits schreitet im zweiten Abschnitt Hilferding fort zur Schilderung der zunehmenden Mobilisierung des Kapitals. Mit dem technischen Fortschritt und der stetigen Ausweitung der Produktion verändert sich auch das Produktionskapital. Da? konstante, d. h. das in sachlichen Produktionsmitteln be- stehende Kapital, wächst schneller als das Lohnkapital, besonders nimmt jener Teil des konstanten Kapitals, der in Gebäuden, Ma- schinen, Werkzeugen, Transportmitteln usw.besteht und deshalb als„fixe s" Kapital bezeichnet wird, weit schneller zu als das in Löhnen, Roh- und Hilfsstoffen bestehende zirkulierende Kapital. Die kapitalistische Wirtschaft wird vorwärts getrieben durch die Sucht nach Profit, und dieser Kampf um den Profit zwingt jeden Unternehmer, einen Teil des jährlichen Profits nicht für seine Privatbedürfnisse zu verwenden, sondern damit er konkurrenzfähig bleibt, aufzuhäufen und in seinem Betriebe neu anzulegen. Doch geht diese einzelne Kapitalanhäufung zu langsam vor sich, als daß sie den Bedürfnissen der Produktionserweiterung zu genügen ver- möchte. Der Unternehmer sieht sich zu steigender Inanspruchnahme des Kredits, vornehmlich des Bankkredits, genötigt. Damit ändert sich auch das Verhältnis der Banken zu den Industriellen oder, wie man gewöhnlich sagt, zur Industrie. Gibt die Bank die Mittel her zur Vergrößerung des fixen Kapitals industrieller Unter- nehmungen, so erlangt sie damit meist zugleich auf diese einen bestimmenden Einfluß. Aber auch der Bankkredit genügt nicht der rasch zunehmenden Nachfrage nach industriellem Kapital. Die Folge ist, daß das Aktienwesen einen immer größeren Umfang annimmt. An die Stelle des Einzelunternehmers tritt die Aktiengesellschaft. In mehreren Kapiteln untersucht Hilferding die Eigenart der Aktie und zeigt, daß der Aktionär nicht als industrielle» Unter- nehmer, sondern nur als Geldkapitalist aufgefaßt werden kann, wie auch die Aktie nicht eine Anweisung auf einen Teil des im betreffenden Unternehmen tatsächlich fungierenden Kapitals, son- dern eine Anweisung auf einen Ertragsanteil, einen Revenuetitel auf künftige Produktionserträge darstellt, weshalb auch der Umsatz von Aktien lediglich ein Kauf und Verkauf von Rententiteln ist, kein eigentlicher Kapitalumsatz. Dann schildert Hilferding die Entstehung des Grün- dergewinneS, die Finanzierung der Aktien- gesellschaften, die Emissionstätigkeit der Ban- ken, die Funktionen der Börse, die Spekulation an der Effekten- und Warenbörse, und analysiert darauf im zehnten Kapitel, das den Titel„B a n k k a p i t a l und Bankgewinn" trägt, die Funktionen des Bankkapitals und die verschiedenen Verwertungsmöglichkeiten, die sich diesem durch die Börsenspekulation neu erschlossen haben. Trotz der Mobilisierung des Kapitals verringert stch indes mit der kapitalistischen EntWickelung die Möglichkeit der stetigen Ab- und Zuwanderung des industriellen Kapitals aus wenig rentieren- den(d. h. eine geringere Profitrate abwerfenden Unternehmungen) in profitablere. Je größer das in Gebäuden, Maschinen, Transport- Mitteln angelegte Kapital ist, desto schwieriger ist es, dieses Kapital wie der gewöhnliche Ausdruck lautet,„flüssig" zu machen und in anderen Unternehmungen zu verwenden. Die Folge ist, daß in gewissen Produktionssphären die Profitrate sich oft längere Zeit unter dem Durchschnitt hält, besonders in solchen Großindustrie- zweigen, die, durch frühere zeitweilige Umstände begünstigt, eine über Bedarf starke Ausweitung(Produktionsfähigkeit) erfahren haben. Die Folge ist, daß in solchen Industriezweigen sich mehr noch als in anderen das Bestreben zur Abschüttelung oder doch Ein- schränkung der preisdrückenden Konkurrenz geltend macht, und der Erfolg dieses Bestrebens wird, wie Hilferding nachweist, dadurch er- leichtert, daß häufig in solchen Branchen nur wenige kapitalstarke Großbetriebe vorhanden sind, die zudem meist in technischer Be- ziehung einander gleichen, und daß ferner die an mehreren solchen Unternehmungen beteiligte Bank ein entschiedens Interesse daran hat, die den Profit und damit auch ihren Profitanteil schmälernde Konkurrenz zwischen den betreffenden Werken möglichst auSzu- schalten. Das führt vornehmlich, wenn die ausländische Konkurrenz ohnehin vom inländischen Markt durch Zoll- und Frachttarife aus- geschlossen ist, zur Entstehung sogenannter Interessengemeinschaften' und Fusionen(Kartelle, Syndikate, Trusts). In knapper und doch alle wichtigeren Momente scharf herbor- hebender Weise bespricht Hilferding unter Bezugnahme auf die deutsche Kartellenquete und die EntWickelung des mnerikanischen Stahltrusts die Organisation dieser Verbände, ihren Einfluß auf den Handel durch eine mehr oder minder ausgedehnte Selbstüber- nähme des Absatzes ihrer Produkte und untersucht schließlich im fünfzehnten Kapitel die Frage, wie sich der Preis der Kartellprodukte bestimmt und sich dementsprechend die Kartellprofitrate zur Durchschnittsprofitrate verhält. »» » Der interessanteste Teil des Buches ist jedoch der Abschnitt über „Das Finanzkapital und die Krisen", in dem Hilfer- ding, ausgehend von einer Analyse der Gleichgewichtsbedingungen des kapitalistischen Reproduktionsprozesses die Ursachen der Krise, die Gestaltung der Kreditverhältnisse im Verlauf der Konjunktur und das Verhältnis des Geldkapitals zum produktiven Kapital wäh- rend der folgenden Depression untersucht. Nirgends tritt die Be- gabung Hilferdings für die theoretische Analyse so deutlich hervor, wie in diesen Kapiteln; und doch, trotz aller Vorzüge habe ich mich, offen gestanden, von diesem Teil des Werkes am wenigsten be- friedigt gefühlt. Das kommt daher, daß meines ErachtenS Hilfcr- ding den Standpunkt, von dem er an die Bewältigung seiner schwie- rigen Aufgabe geht, von vornherein falsch gewählt hat. Sieht Hilferding auch keineswegs, wie so mancher unserer heutigen libe- ralen Krisentheoretiker, in den letzten Wirtschaftskrisen nur söge» nannte Geldkrisen, so geht er doch in seiner Auseinander- setzung nicht von der neueren EntWickelung des Produktionsprozesses aus, sondern von der Aenderung der Austauschverhältnisse. Er zitiert selbst die von Marx im neunten Kapitel des zweiten Bandes des„Kapital" ausgesprochene Ansicht, daß die Krisenperioden mit dem„Wertumfang und der Lebensdauer des an- gesammelten fixen Kapitals" zusammenhängen, oder, wie sich Marx einige Zeilen später ausdrückt, daß„die materielle Grundlage der periodischen Krisen" sich aus dem„eine Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zusammen- hängenden Umschlägen" ergibt, in welchem das Kapital durch seinen fixen Bestandteil gebannt ist; aber Hilferding verfolgt diesen Gedankengang nicht weiter. Er geht in seiner Betrachtung vielmehr von dem äußeren Symptom aus, daß die Krise mit einem Sinken der Profitrate verbunden ist, und stellt nun einfach die Frage: woher kommt der plötzliche Fall der Profitrate, nachdem diese vorher während der Aufschwungsperiode so schön gestiegen war? Die Antwort' besteht darin, daß er Seite 822 seines Werkes ausführt, während der Prosperitätszeit finde eine starke Neuanlage von Kapital statt, und damit erlitte das variable Kapital(Lohn- kapital) im Verhältnis zum Gesamtkapital eine Abnahme, es drücke sich also dieselbe Mehrwertsrate in einer geringeren Profitrate aus. Zweitens vergrößere sich mit dem Anteil des fixen Kapitals gegen- über dem zirkulierenden die Umschlagszeit des gesamten Produk- tionskapitals. Ganz abgesehen davon, daß diese Erklärung einfach unterstellt, daß die Mehrwertsrate während des Wechsels von Prosperität und Krise dieselbe bleiben mutz— sie kann ebensogut auch in den ein- zelnen Industriezweigen steigen—, begründet sie in keiner Weise den plötzlichen Umschlag, sondern deutet lediglich die im Gefolge dieses Umschlags erkennbaren äußeren Symptome. Das scheint Hilferding selbst gefühlt zu haben; denn er fügt diesem Erklärungsgrund gleich noch eine Anzahl weiterer Gründe hinzu, indem er fortfährt(Seite 322): „Dazu kommen andere Umstände, die die Umschlagszeit ver- längern; auf dem Höhepunkt der Prosperität kann die Arbeits- Periode sich verlängern, weil Mangel an Arbeitskräften, besonders an qualifizierten, eintreten kann, abgesehen auch von Lohn- kämpfen, die in solchen Perioden häufiger zu sein pflegen; Stö- rungen im Arbeitsprozesse können sich auch ergeben aus allzu in- tcnsiver Ausnutzung des konstanten Kapitals, z. B. aus allzu großer Beschleunigung der Laufzeit der Maschinerie, die auch durch Einstellung ungeübter Arbeiter geschädigt werden kann, oder aus Vernachlässigung von Reparaturen und Hilfsarbeiten, um die kurze Zeit industrieller Hochspannung ja nicht ungenützt vorüber- gehen zu lassen. Zugleich verlängert sich im weiteren Verlauf die ilmlaufzeit. Der Bedarf des inländischen Marktes ist befriedigt, weiter entferntere«uswärtige Märkte müssen aufgesucht werden r-sw.".... Eine recht wohlfeile Erklärung, die auf den Satz hinausläuft: die Krise entsteht aus allerlei ungünstigen Umständen, die die Fort- setzung des Produktionsprozesses stören. Nach meiner Ansicht muß die Krisenerklärung mit einer Untersuchung der Veränderungen der Produk- tionsweise beginn en. Vor allem müßte gezeigt werden, wie mit der zunehmenden Anwendung technischer Hilfsmittel die Pro- duktion sich in steigendem Maße der Erzeugung von Produkiions- Mitteln zugewandt hat, die wieder als fixes Kapital in den Pro- duktionsprozeß eingehen, wie demnach die Produktion von allge- meinen Genußgütern oder, um mit Marx zu sprechen, von Gegen- ständen der individuellen Konsumtion gegenüber der Erzeugung von Mitteln der produktiven Konsumtion längst nicht mehr jene Rolle spielt� wie früher, und diese EntWickelung nicht nur teilweise die industrielle Reproduktion von der individuellen Konsumtion unab- hängiger gestaltet, nicht nur den Produktionslreislauf ausgedehnt und die Umschlagszeit des produktiven Kapitals innerhalb mancher Industriezweige verlängert hat, sondern wie auch dadurch die Be- dingungen der Umsetzung von Geldkapital in fixes Kapital sich der- ändert haben. Denn solche Betriebsmittel(z. B. Fabrikanlagen, Hochöfen, maschinelle Einrichtungen) werden nicht gleich den Genutz- und allgemeinen Gebrauchsgütern, z. B. Stiefeln, Strümpfen, Taschentüchern, fertig für den Konsum auf Lager gehalten; sie werden auf Bestellung hergestellt, und es gelten für sie ganz andere Bestellungs-, Lieferungs- und Zahl- f r i st e n. Kurz, diese ganze Verschiebung des Ge- sam t p rodut ti ons p r ozc s s es mit s einer Rückwirkung auf die Waren- und Geldzirkulation hätte zunächst untersucht und dargelegt werden müssen. Ferner die Steigerung der industriellen Produktivität in ihrem Verhältnis zur gegebenen Konsumtionsfähigkeit— wozu auch die Frage der Aufnahmefähigkeit der Landwirtschaft für in- dustrielle Produkte und der Einflutz des Fallens oder Steigens der Preise der zum Lebensunterhalt nötigen landwirtschaftlichen Pro- dukte auf die allgemeine Konsumtionsgcstaltung gehört—, denn der letzte Grund aller wirklichen Krisen bleibt immer, wie Marx sagt, „die Armut und Konsumtionsbeschränkung der Massen gegenüber dem Triebe der kapitalistischen Produktion, die Produktivkräfte so zu entwickeln, als ob nur die absolute Konsumtionsfähigkcit der Gesellschaft ihve Grenze bilde". Das sind vielleicht grotze Anforderungen; aber ohne diese Unter- suchung ist das Problem der Krisenlehre nicht zu lösen. Nur solches Eindringen vermag auch Aufschlutz darüber zu geben, weshalb früher die Krisen eigentlich Krisen der Baumwollindustrle waren, die letzten Krisen in Deutschland und der nordamerikanischen Union aber hauptsächlich die Eisenindustrie trafen, und weshalb sich der Charakter der Krisen im einzelnen so beträchtlich verändert hat. Im Anschluß an diese Darstellung der neueren Phasen der Kapitalsgestaltung untersucht Hilferding im letzten(fünften) Ab- schnitt, wie die jüngste kapitalistische EntWickelung auf die Wirt- schaftspolitik der heutigen Industrie- und Handelsstaaten, besonders Deutschlands, eingewirkt hat: eine hochinteressante Darlegung, d i e deutlich zeigt, daß zwischen den E n t w i cke lu n g s- tendenzen des modernen Finanzkapitals und der schutzzöllnerisch- imperialistischen Richtung der deutschen Wirtschaftspolitik mancherlei kausale Zusammenhänge bestehen. Das Finanzkapital, so führt Hilferding in den Kapiteln über die Wandlungen der Handelspolitik und den Kapitalexport aus, be- deutet die Vereinheitlichung des Kapitals. Die früher getrennten Sphären des industriellen, des kommerziellen und des Bankkapitals sind jetzt unter die gemeinsame Leitung der Hochfinanz gestellt, die die Herren der Großindustrie und der Banken in inniger Personal- union vereint: eine Vereinigung, die zur Grundlage die Aufhebung der freien Konkurrenz des EinKelkapitalisten durch die grohen mono- pölistischen Verbände hat. Damit ändert sich aber auch naturgemäß das Verhältnis der Kapitalisten zur Staatsmacht. V: Vor allem richtet sich das Interesse der kartellierten Industrien darauf, den Schutzzoll zu einer dauernden Einrichtung zu machen. Erstens um den Bestand der Kartelle zu sichern, zweitens, um ungehindert durch die ausländische Konkurrenz ihre Produkte auf dem Inlandsmarkt mit einem Extraprofit ver- kaufen zu können. Zwar bedeutet der Schutzzoll insofern eine Einschränkung des Wirtschaftsgebietes und damit zugleich eine Hemmung der EntWickelung der Produktivkräfte, als er das Größen- maß der industriellen Betriebe verkleinert, die Spezialisierung er- schwert und schließlich jene internationale Arbeitsteilung hindert, die bewirkt, daß das Kapital sich den Produktionszweigen zuwendet, für die das betreffende Land die günstigsten Vorbedingungen besitzt. Aber das fällt für die beteiligten Kapitalisten kaum ins Gewicht; ihr Streben richtet sich ausschließlich auf Erhöhung des Profits; und die Kartelle wissen die ungünstigen Wirkungen des Schutzzolls auf die Höhe der Profitrate durch mancherlei Mittel zu paralysieren. Vor allem durch die Ausbildung des Exportprämienshstems und den Kapitalexport. Die Industrie, die sich in ihrem Absatz nach fremden Märkten durch den dort erhobenen Schutzzoll bedroht sieht, nutzt jetzt selbst diesen Schutzzoll aus, indem sie einen Teil ihrer Produktion ins Ausland verlegt. Wird damit auch die Ausdehnung des Stamm. betriebes unmöglich, so wird das doch wieder weit gemacht durch die Profiterhöhung, die ihr aus der Preiserhöhung der im Auslande er- zeugten Produkte zufließt. Dieser Kapitalexport vollzieht sich in verschiedenen Formen. Das Kapital wandert entweder ins Ausland als zins- tragendes oder als profittragendes Kapital. Als letzteres kann es wieder als Industrie-, Handels- oder Bankkapital fungieren. Heute wandert das Kapital bereits vielfach direkt als Bank- oder Finanz- kapital aus. Eine deutsche Großbank gründet z. B. eine Filiale im Auslande; diese vermittelt eine Anleihe, deren Erlös zur Errich- tung einer Elektrizitätsanlage verlvendet wird, und diese Anlage wird nun einer Elektrizitätsgesellschaft übertragen, mit der in der Heimat die Bank in engster Verbindung steht. Oder noch einfacher: die ausländische Filiale der Bank gründet im Ausland ein industrielles Unternehmen, emittiert die Aktien in der Heimat und überträgt nun die Lieferung dem Industrieunternehmen, das mit der Hauptbank zusammenhängt. Wie dieser Kapitalexport sich im einzelnen gestaltet, wi« speziell engste die heute in der Kapitalistenklasse aller größeren Staaten auf- tauchenden imperialistischen Bestrebungen zusammenhängen, weiß Hilferding anschaulich auseinanderzusetzen, wie denn überhaupt diese Partien des Werkes— da sie Vorgänge schildern, die jeder sorg- fältige Beobachter unseres Wirtschaftslebens täglich mit eigenen Augen sieht— zu den leichtverständlichsten gehören. Und nicht nur die Wirtschaftspolitik der Staaten wird durch diese moderne Kapitalsentwickelung in bestimmte Richtung gedrängt, das Finanzkapital beeinflußt auch von Grund auf die politische Struktur der Gesellschaft. „Die Kartellierung," erklärt Hilferding,„vereinigt die Wirt- schaftliche Macht und erhöht dadurch unmittelbar ihre politische Wirksamkeit. Sie vereinheitlicht aber auch zugleich die politischen Interessen des Kapitals und läßt die ganze Wucht der Wirtschaft- lichen Kraft direkt auf die Staatsmacht wirken." Hilferding da? näher zu erweisen, indem er darlegt, wie sich die Interessen deS mobilen lind immobilen Besitzes mehr Und mehr öerelnheite lichen, ein großer Teil der Kleinbetriebe zu bloßen Anexen der Großbetriebe geworden ist, während in anderen Industriezweigen, wo zurzeit noch die Kleinbetriebe überwiegen, wie z. B. im Bau- gewerbe, der Gegensatz zum Großkapital immer mehr an Schärfe verliert.„Dem Kohlcnsynditat, dem Stahlwerksverband, der Elektrizitäts- und chemischen Industrie sind die Mittclstandsforde- rungen, wie sie heute vertreten werden, ziemlich gleichgültig. Die klein- und mittelkapitalistischen Interessen, die dadurch etwa leiden. sind nicht oder wenigstens nicht unmittelbar die ihrigen. Dagegen sind die Vertreter dieser Forderungen gerade die heftigsten und er, bittersten Gegner der Arbeiterforderungen." Ich vermag diesen Auffassungen über dos allmähliche Schwinden der Interessengegensätze zwischen den verschiedenen Kapitalistenschichten nur zum Teil zuzustimmen. Hilferding begeht meines ErachtenS den Fehler, daß er die Kartelle zu sehr als ein- heitliche Macht auffaßt und den Jnteressenkampf, der sich in ihren eigenen Reihen abspielt, besonders zwischen den Roh- und Halb- stoffkartcllen und den deren Erzeugnisse weitervcrarbeitenden Gruppen, unterschätzt, und daß er ferner zwar die tatsächlichen Annäherungen zwischen bestimmten Zweigen des mobilen und immobilen Kapitals in Betracht zieht, aber darüber die zwischen anderen Zweigen entstandenen neuen Interessengegensätze über- sieht, so z. B. die scharfen Gegensätze, die durch die neuere Handels- und Zollpolitik in Dutschland zwischen dem Großhandel(speziell dem Import- und Exporthandel) und iem Agrariertum, zwischen den Schiffahrtsinteressenten und den Äihlen-, Eisen- und Stahl, syndikaten entstanden sind. Doch wenn ich mich auch nicht mit Äen Ausführungen Hilfer« dingS einverstanden zu erklären vermag— weniger deshalb, weil er nach meiner Ansicht direkt falsche Fogerungen zieht, als weil er mehrfach nur die zurzeit hervorstechemstcn Züge des Entwicke- lungslaufs beachtet— so sehe ich doch in seinem„Finanz, kapital" eines der bedeutendsten Werke, das die ökonomische Literatur der letzten Zeit Hervorgebrecht hat. Nicht nur sind meines Erachtens die wichtigsten Tatächen der neuen kapita- listischen Entwickelung richtig erfaßt uid geschildert, sie werden uns auch meist als natürliche Folge: jener älteren Kapital- tendenzen nachgewiesen, die Marx y meisterhaft analysiert hat. Und diese Darstellung Hilferdngs enthält nichts Ge» zwungenes, nichts Gekünsteltes. Von«n ißarxschen Begriffen ausgehend und mit diesen Begriffen arbeitend, schreitet et methodisch vorwärts und fügt die Egebn sss neuester Wird- schaftSentwickelung dem Marxschen Systan en. WaS Marx oft nur kurz angedeutet oder skizziert hat, hier erjebt es sich zu einem massiven Gedankenbau, der sich den drei Bälden des Marxschen „Kapital" als eine wertvolle Ergänzung anschließt. Allerdings leicht zu lesen ist HilferdingS Buch nicht. Manche Abschnitte sind kaum leichter zu verstehen alsdie deS„K a p i t a l". In die grotze Masse des Proletariats kann ds Werk deshalb nicht dringen; aber sicherlich wird es, indem es us in scharfer Fassung ein Stück weltgeschichtlicher Entwickelung vorführt und deren innere Zusammenhänge aufzeigt, der soialistischen Literatuv manche Anregungen und Waffen im Kamp liefern. Heinrich Cunow,_ □ □□ □ □□ Lessing-Theater. Sonntag 8 Nhr: Das Konzert. Montag 8 Uhr: Tos Konzert. Dienstag 8 Uhr: Nora._ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Taiklltl. Morgen; Taifun._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Täglich s Kasernenluft. Berliner Volksoper. Heute>/,9 Uhr: Gastspiel de» Neuen Schauspielhauses: _ Alt-Heidelberg. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschiedene Frau. _ Operelte von Leo Fall._ Scues Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette tu 3 Att. von A. W. Willner u. R. Bodanzly. Musik v. Franz Lehär. kesiden?-Theater. Direktion: Richard Alexander.- Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 8 Alten von Hennequin und Beber. _ Morgen und folgende Tage dieselbe Somtticr, Preise._ Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Insel Rügen. Montag abend 8 Uhr: In den Dolomiten. ■OCISCHfRl GARTEN Heute am ersten Sonntag Im Monat Eintritt OK Df pro Person: ÄS rl. Ab nachmittags 4 Uhr: Qr. Konzert (3 Kapellen). Morgen sowie täglich: Militär- Doppel-Konzert. fc*vl»irivr-fri»«alvr. jUtapH i Zoo. Täglich(Anfang 6 ühr): Kinematographische Vorführungen. Pente neues Programm. Luisen-Theater. 3 Uhr: Lena Warnstetten. s uhr- Ans der Goldulstge. Schausp. in 5 Akt. v. Stahl u. Rittcrseldt. Montag: Aus der(Äoldwage. Dienstag: Der Gras v. Monte Christo. Mittwoch: Aus der Goldwage. Donnerstag: Der stille See._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr- Das Leutnautsmündel 8 Uhr. DaS neue 8 Uhr. ftnsatwneUe Urogramm. TV große Attraktionen 10. fttiLiHjö'ftmopliltiini.l fBoddiias dunkles Geheimnis! V IVouht~7 Vifascop- Theater| AWsnsptieum 1 Experiment aut der 4. Olmenslon Alles ohne Extra-Entree! 1 Passage-Tliealer. 5 B Heute Sonntag: llVoretellungen, t nachm. 3—7 Unr kloine Preise, J abends 8—11 Ohr. Ein einziger Erfolg! f «»! L,a mlmc espagnole ZoraVta u. das großart. August-Progr.| Gr.ßerto teMelluog 1910 30. April bis 3. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-« Uhr 1 M.. v.« Uhr ab so Pf, Svnnwgs so Pf. Dauerk. 6 M. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) dott.cheld-Oper. Sonntag, nachm. 3 Uhr bei ermäßigten Preisen: ver Erel.ehtUM. AbcndS S Uhr:»lo Zauberflötc. Montag, abenvS 8 Ubr: u ermaß. Preisen: Her Troupadeiir. i e ii S l a g. abends 8 Uhr: Die Znnhcrflüte. I äZZX Schiller-Theater Charlottanburg. Sonntag, abends 8 Uhri Die von Hoch.attel. Lustspiel in 3 Auszügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach 10 Uhr. Montag, abend« 8 Uhr: Die von lloeh.attel. Dienstag, abends 8 Uhr: Die von lloehsattel. Hetropoi-Tbeater Hallo!!! Die grolle Revue 1 In 8 Bildern von Jnl. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Antang 8 Uhr. Rauchen gestattet Klinlg.tadt-Ka.in«. Holzm-rktstt. 72, Ecke Alexanderstraße. (Inhaber: Max Schlndelhauer.) Im beirlichen Naturgarten(bei UN- günstiger Vittermig tm Theatersaal). La Leiten, Exzentriksängerw u. a. Röslein rot! Singspiel w 1 Akt. Nach d. Vorstellung- Mittwoch, Sonn» abend u. Sonntag: Danzkränzche». An sang wechent. Vit, Sonnt. 6 Uhr. Gastens Panoptikum LMezMuMiiM. bpfW Im neu renovierten Konzerlsaal nachmittags und abends Qr. Konzert erster Künstler. Täglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abds. Eintritt 50 Pf., Militär ohne Charge und Kinder 26 Pf. OSE=THEATE Schloß Weißensee. Jeden Sonntag: 87/16 K Oroßes Militär-Konzert. K Theater und Spezialitäten-Vorstellung. Im Bal.champstre: Grand EHte�Ball. Anfang 3';a Uhr.— Entree 30 Ps., inkl. Spezialitäten-Vorst. Kinder srel. Gin Kommerfest an» der Oderfpree zwischen Berlin(Jannowltzbrllcke) und dem Müggel-_ See, veranstaltet von 20 der grötzten Oberspree-Restaurant« meinschast mit der Spree. Havel« Dampsschissahrt-Gesellschast»Stern- und Zeulhener fe is, in®t'£ iiagjoniuopsll Ununterbrochener ,Stern"-Tampferverkthr von früh 10 Uhr an, In viertelsliindlicher Folge, ab Jaiiiioivthbrücke iBclvedere) und Schlestsche« p Tor, lerner ab Köpenick(Zum Dampsschiss) und Grünau(Gesell- L schastShauS). fiegrrtcher ■feuerwerhe— Dekorationen und Illuminationen der feltwlrtlehiften— Beleuchtung der Blamarchwarte. Die geftfavten berechtigen zum freien EinWitt in alle Festwirt- Ichasten und zur Benutzung sämtlicher Festdampser mit beliebigen Fahrtunterbrechungen an einem Tage. 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August 1910: ->/.« Uhr Vineta.'/,s Uhr Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H.«chulz. DaS grosse August- Spezialitäten- Programm. ftasscBtvSffmms s Uhr. Ans. 4 Uhr. eater Die grösjten Schlager der letzte» Saison: Die Weit geht anter! m Wenn Ml dasselbe tun mit Anton und Donat Herrnfeld. Billcttooroerk. 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Relehshslleii-Ttiösler. Bon nun wled. täglich: Stvilinor Sänger Ansang Wochentag» 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. chJt-ZIoaklt 47/49. Täglicli: Konzerl, Theater, Spezialitäten. Vä alhalla- V r»« fp Thpafcr | Woinbergsweg 19-20, Roienth.Tor. 1 Anfang 81/, Uhr. Die nenen amüaanteil Sjjeilalitiiten. Vereins-Brauerei Rixdorf, Hermannstr. 211/219. Oekonom: Max Wendt 00 Täglich:"ABB Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. ,. Sonntags 4 Uhr. VolksgaHen- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bellermannstraße� Täglich: Xonrert-, Iksate,'- und Spezialitäten-Vorst. Das neue Riesen- Augustprogr. Reu: Ter Zigeuner- baron. od.: Die Jagd n.d. Schwieger- söhn. Pofle m. Ges. u. Tanz in 5 Bild. Jed. Donnerst.: l-r. vriliani-sseuer«. 8ch>vel?er(Zarten gm XSnigslor— gm frieiirioiisiiain. Täglich am 91/» Uhr: Berliner Kerzen. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. Neue Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 6 Uhr. Entree 30 Pf. Burgtheater- Kinematograph Dornt. Groterjan. JnHab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Souuabeud, Sonntag n. Montag. Eintrill 30 u. 40 Ps., Kinder die Hülste. Ans.? U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochent. gültig, 25 Ps. auf allen Plätzen. Stets wechs. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Künstlerkouzert. Entree 15 Ps. Garderobe �10 Ps R. d. Konzert: ssamillen-Xrinzcdon. _ Täglich: Freikonzert. Kttliiltt Pratkl-Thtater Xasianienalleo 7—9. Heule 8cl)Ljt2entts�. Speiialilsleti. ttmerl unti Ball. Ansang l'i, Uhr. Entree 30 Ps. und Festsäle. Inh.; Kndolt Krüger. Hasenheide 13115, vis-a-vis v.Tnmpl. Tttgltch: Große Theater- u. 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Aber die Gabenfüll« stillt nicht der Junker Begehrlichkeit. So lange es noch ein Nahrungsmittel gibt, das nicht durch Zollasten den Agrariern Liebes- gaben sichert, fordern sie zum Heile des Vaterlandes„Schutz der nationalen Arbeit", und ihre Sorge um der Monarchie Sicherheit findet immer aufs neue, daß nationale Gefahr von den zu niedrigen Zollmauern drohe. Eine Schraube ohne Ende! Wenn es aber ans Zahlen geht, dann fordert bedrohter agrarischer Familiensinn Be- freiung von den Lasten. Das Volt mutz den Funkern die Liebes- gaben bezahlen und auch die Steuerlasten tragen. Trotzdem hört man bei jeder Gelegenheit das Klagelied von der Not der Land- Wirtschaft. Dieser Not Beweise erbringt man durch Hinweis auf mangelnde Steuerkraft der Großgrundbesitzer und geringe Ver- zinsung der in der Landwirtschaft investierten Kapitalien. Die schwache Steuerkraft mancher Großgrundbesitzer ist, wie bekannt, das Resultat geschickter Buchführung oder mehr als naiver Auf- fassung über den Begriff des steuerpflichtigen Einkommens, und die schwache Verzinsung ist weiter nichts als das Ergebnis einer Vorkapitalisierung der Grundrente. Kaum waren die höheren Zölle gesichert, da begann auch schon ein rapides Steigen der Güterprcise. Heute dürfte infolgedessen zu einem großen Teile das Verhältnis zwischen investiertem Kapital und'Rente, wie es vor der Geltung der neuen Handelsverträge bestand, wiederhergestellt sein. Die neuen Handelsverträge haben die Preise der landwirtschaft- lichen Erzeugnisse ganz gewaltig gehoben. Damit ist natürlich auch die Rentabilität des landwirtschaftlichen Betriebes entsprechend ge- stiegen. Durch gleichzeitige Steigerung der Pachten und Güterpreise ist der Mehrertrag aber schon vorweg kapitalisiert worden. Teilweise kommt das in der Hypothekenbewegung zum Ausdruck. Die BeleihungSfähigkeit des ländlichen Grundbesitzes ist stark ge- wachsen. Für Preußen liegen über die Hypothekenbewegungcn in den ländlichen Bezirken folgende Angaben vor: „.Xn»ch»-- SÄ* in Millionen Mark 1898....... 847,93 490,38 857,55 1905....... 1140,— 670,69 469,31 1906....... 1209,22 694,03 515,19 1907....... 1209,64 653,33 566,31 im Jahresdurchschnitt 1886-1907.... 833,58 527,31 300,26 Ein Vergleich deS letzten Resultats mit dem Durchschnitt der Periode 1886/1907 zeigt, wie stark die BeleihungSfähigkeit des länd- lichen Grundbesitzes zugenommen hat. Rechnet man mit einer Zinsenpflicht von nur 3% Proz., dann bedingen die erhöhten Hypo- thekenkapitalien des letzten Jahres im Vergleich mit dem an- gegebenen Durchschnitt allein eine jährliche Mehraufwendung von 8?L Millionen Mark Zinsen. Diesen Grundrentenanteil verrechnen die LiebeSgabenschluckcr als BctriebSunkosten, womit der Nachweis geführt sein soll, daß höhere Zölle notwendig seien, um die Land- Wirtschaft rentabel zu gestalten. Und schon weisen die Junker auf die Objekte ihrer neu angefachten Begehrlichkeit hin. Durch Ein- führung eines Milchzolles soll auch dieses wichtig« Nahrungsmittel verteuert werden. Die weitere Folge wäre natürlich auch eine Preissteigerung für Erzeugnisse aus der Milch, wie Butter, Sahne und Käse. Der Zollhunger steigert sich beim Essen! Die Agrarier haben ferner herausgefunden, daß ein beträchtlicher Zoll auf Obst der nationalen Arbeit, das heißt der Junker Portemonnaie, wohl- tätig sein werde. Nach den geltenden Handelsverträgen beträgt der Zoll pro Doppelzentner für frische Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen, Kirschen, Weichseln und Mispeln 2 M. Im Zolltarif von 1902 waren 3 bezw. 6 M. vorgesehen. Erdbeeren, für die der Zolltarif einen Zollsatz von 20 M. vorsah, tragen 10 M. Zoll, nur aus Italien ist die Einfuhr frei. Bccrcnobst, für lvelchos nach dem Zolltarif d M. erhoben werden sollten, ist zollfrei geblieben. Frei ist sodann alles andere frisch eingehende Obst in Postsendungen im Gewichte bis zu 5 Kilogramm. Aepfel, Birnen und Quitten sind auch ftei in Mengen bis zu 50 Kilogramm, die unverpackt oder in Säcken in der Zeit vom 1. September bis 30. November eingehen. In der Zeit vom 1. Dezember bis 31. August beträgt der Zoll für in er- wähnter Packung eingehendes frisches Kernobst 2 M., in anderer Verpackung, einfacher Umschließung 3,20 M., in doppelter Um- schlietzung 5 M. Pfirsiche, außer aus Italien, Rumänien und Serbien 2 M. Kirschen sind frei aus der Schweiz; die aus anderen Ländern eingeführten Kirschen tragen einen Zoll von 1 M. Da früher Aepfel, Birnen und Quitten überhaupt zollfrei eingeführt werden konnten, haben die neuen Handelsverträge schon eine Ver- schlechterung gebracht, was nicht ohne Einfluß auf die Preis- gestaltung geblieben ist. Und hier soll die Schraube erheblich schärfer angezogen werden. Erfreulicherweise hat in den letzten Jahren der Obstgenutz im Volke stark zugenommen. Verschiedene Ursachen wirkten nach dieser Richtung: Aufklärung über den gesundheitlichen Wert des Obst- genusses, die Ausbreitung des Vegetarismus, die antialkoholische Propaganda, vor allem aber das durch technische Fortschritte ermög- lichte verbesserte Transportwesen. In kurzer Zeit, ja selbst in wenigen Tagen können jetzt Früchte aus entfernten Ländern auf den heimischen Markt gebracht werden, deren Einfuhr früher nicht mög- lich war, weil sie zu schnell in Verwesung übergingen. Ferner hat eine planmäßige, großzügige Verkaufsorganisation in Verbindung mit verbesserter Versandtcchnik, die hoffentlich noch iveiter Fort- schritte machen wird, den Transport so verbilligt, daß selbst der Import verhältnismäßig billiger Obst- und Fruchtarten lohnend wurde. Man denke nur an die Einfuhr von Apfelsinen und Bananen. An der Förderung des Obstverbrauchs in Deutschland hat die heimische Landwirtschaft keinen Anteil. Sie hat vielmehr die Ent- Wickelung gehemmt. Dank der korrumpierenden und demoralisieren- den Liebesgabenwirtschaft richteten die Agrarier ihre Aufmerksam- keit nur auf solche Erzeugnisse, die schnellen und hohen Gewinn aus der Zoll- und Grenzsperrpolitik versprachen. Kulturen, die erst nach mehreren Jahren Ernten erlauben, und bei denen kein Zoll- gewinn lockte, blieben vernachlässigt. Und so verkümmerte der Obstbau in Preutzcn-Deutschland. Er gehört seit Jahrzehnten zu den Stiefkindern der Agrarkultur. Leider gibt uns die Statistik nur mangelhaften Aufschluß über die EntWickelung des heimischen Obstbaues. Zwei allgemeine Erhebungen aus den Jahren 1878 und 1900 entbehren, weil nach verschiedenen Prinzipien erfolgt, der ver- gleichbarcn Resultate. 1878 wurden nur die tragreiftn Bäume sowie die Erträge, und zwar nur in den Gemeinden, deren Obstbau als„örtlich wichtig" galt, ermittelt, während die Zählung im Jahre 1900 sämtliche Obstbäume im Reiche erfaßte; eine Ermitte- lung der Ernteerträge erfolgte dabei nicht. Beide Erhebungen haben jedoch erwiesen, daß der Obstbau im Osten des Reiches, in den Domänen der Junker am wenigsten verbreitet war. In Preußen wurden nach der Erhebung im Jahre 1878 an Aepfeln, Birnen, Pflaumen, Kirschen, Edelkastanien, Walnüssen und Tafel- trauben 255 308 631 Kilogramm geerntet. Die Zählung im Jahre 1900 ergab folgende Resultate(in 1000 Stück): Preußen Obstbäume überhaupt...... 90 388 ----- 26 898 12 247 37 420 13 824 Apfelbäume. Birnbäume.......... Pflaumen« und Zwetschgenväume.. Kirschbäume......... Auf einen Quadratkilometer der Ge- samlfläche entfallen Obstbäume über- Haupt........... Apfelbäume...»..... Birnbäume.......... Pflaumen- und Zwetschgenbäume.. Kirschbäume......... 259 77 85 107 40 Deutsches Reich 168 432 52 332 25116 69 436 21648 811 07 46 128 40 Preußen hält demnach nur mit den Kirschbäumen den Durch- schnitt des Reiches; in allen Sorten bleibt es weit hinter der Reichs- ziffer zurück. Das schlechte Resultat verursachen die östlichen Pro- vinzen. Hinter dem Staatsdurchschnitt von 259 Bäumen stehen in weitem Abstände Westpreußen mit 128, Ostpreußen mit 98,5, Pommern mit 121 und Posen mit 166 Bäumen. Diese Provinzen erreichen mit dem Obstbaumbcstand nur 30 bis 50 Proz. der Reichs- durchschnittsziffer. Die heimische Produktion konnte dem allmählich stärker wer- denden Obsthunger bei weitem nicht genügen; in steigenden Mengen mußten ausländische Erzeugnisse eingeführt werden. Nach der Statistik des Deutschen Reiches wurden eingeführt: Mengen in Tonnen Wert in 1000 Mark 1902 1905 1903 1902 1905 1903 Aepfel. frisch. 112 636 182 433 180 017 13 259 20 242 18 803 Apfelsinen, gi- troncn, Feigen, Datteln u. a. Südfrüchte. 89147 90 636 142 947 14 247 14 627 23 873 Seit 1902 ist die Einfuhr von Aepfeln um rund 60 Proz. ge- stiegen, dagegen beträgt die Wcrtstcigerung nur 42 Proz. Demnach ist eine Vcrbilligung der vom Auslande hereingebrachten Aepfel ein- getreten. Allerdings spielt bei dem Preise die Ernte eine große Rolle. So war im Jahre 1905 der Einheitspreis erheblich höher als im Jahre 1902. Es kostete die Tonne 1902: 118 M., 1905: 153 M. und 1908: 104 M. Fast gar nicht berändert erscheinen die Einheitspreise der Südfrüchte; sie betragen pro Tonne 1902: 160 M., 1905: 161 M. und 1908 wieder 160 M. Für das Jahr 1889 ergibt die Statistik die Einfuhr von 68 725 Tonnen frisches Obst(ohne Weinbeeren und Südfrüchte), mit einem Wert von 16 891 000 M. Die entsprechenden Ziffern des Jahres 1908 sind: 223 184 Tonnen und 23 580 000 M. Der Menge nach ist die Einfuhr um 225 Proz., dem Werte nach um 160 Proz. gestiegen. In der angeführten Zeit ermäßigte sich der Einheitspreis von 246 M. pro Tonne auf 128 M. Die Einftlhrivcrte sind natürlich nicht allein bestimmend für den Verkaufspreis im Detailhandel. Verbesserter Transport und entsprechende Organisation des Vertriebes hat den Preis der Süd- früchte im Kleinhandel erheblich sinken lassen, obwohl den statistischen Einfuhrwerten nach der Preis unverändert geblieben ist. Dagegen sind?lepfel, trotz der niedrigeren Einfuhrwerte eher noch teurer als billiger geworden. Starker Begehr erlaubte dem Handel und den inländischen Produzenten, höher« Preise zu erlangen. Ver- änderter Bertrieb fpiclt dabei eine große Rolle. Früher wurde von den in der Nähe größerer Märkte gelegenen Obftproduzcnten die Ware mit dem Fortschritt der Ernte in kleineren Mengen auf den Markt gebracht und direkt an die Konsumenten abgesetzt, zu Preisen, die meist weit unter den heutigen standen. Jetzt ist das anders! Alles Obst wird von Händlern aufgekauft oder von Genossenschaften auf den Markt gebracht. Das ermöglicht festere Preisbestimmungen und vor allem höhere Verkaufspreise! Die Folge der neuen Vor- tricbswcise ist, daß das Obst in den Erntcgcgenden nicht mehr billiger verkauft wird, als in entfernten größeren Konsumortcn. Im Großhandel kosteten in Berlin 50 Kilogramm Aepfel nach den Notierungen in der Zentralmarkthallc: Amerikaner Tiroler Sieirische Italiener hiesige M. M. M. M. M. 1900... 15.0 19,6 16,0— 13,3 1901... 21,0 23,2 16,2— 13,5 1902... 16.1 22,1 13,8 9.1 10,0 1903... 21,0 27,3 16,3 10.0 9,0 1904... 18.6 27,0 12,5 8,9 7.7 1905... 25,5 24,9—— 12,9 Die Preisbewegung ist, wie die Ausstellung erkennen läßt, sehr verschieden. Unverkennbar ist jedoch die Tendenz der Verteuerung, die besonders für Amerikaner und Tiroler Aepfel konstatiert werden muß. In den letzten Jahren ist auch der Preis für inländische Ware wieder sehr stark gestiegen. Die Agrarier sind mit dieser Entwicke- lung noch nicht zufrieden, sie verlangen eine hohe Obstzollmauer. Zweifache Motive sind dabei bestimmend: wirtschaftliche und Partei- politische! Durch weitere künstliche Steigerung der Obstpreisc soll die agrarische Liebesgabe erhöht werden; sodann will man den Teil der Landwirte, der mit den bisherigen Folgen der agrarischen Wirt- schaftspolitik nicht zufrieden ist, durch hohe Obstzölle dafür inte» esfieren. Den allermeisten kleinen Besitzern bieten z. B. die Korn- zölle nicht nur keinen Vorteil, sie haben sogar noch Schaden davon. Soweit Klein- und Mittelbauern hauptsächlich Obst- und Gemüse- bau betreiben, haben sie auch keinen Gewinn von den Fleischzöllcn und Grenzsperren. Diese Elemente hofft man nun durch die For- derung einer lückenlosen hohen Zollmauer für Gemüse und Obst erneut vor den agrarischen Karren spannen zu können. Daher die Propaganda für die Einführung bezw. Erhöhung von Zöllen für die hier in Betracht kommenden Produkte. Die Hauptschreier sind die Junker, die sich um den Obstbau wenig oder'gar nicht gekümmert haben. Ein neuer Beitrag zum Kapitel des agrarischen Schutzes der nationalen Arbeit! D. Serie 1 Braun n.»chwarr echt Cherr.- Schnüratiefel, Gr. 17—21. Braun Ziegen). Knopfstiefel, Fledc, Gr. 23— 26...... 1 35 Solson-Ausverhouf Serie 3 Weiß echt sänriadi Schnüratief, Gr. 27—35«•*..«.... Weiß n. gran Damen-Segel tndj- achuhe u.-Stfl. teils Lederaba. Braun echt Cheyr.-Schnürstiefel m. 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Um stilles Beileid bitten vis trauernden Hinterbliebenen, Weißensee, Gustav-Adols-Str. 22. Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. August, nachm. t Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fricdhoses Weißensee, Rölckestratze, statt. 41lL Sozialdeniokralisclier WaUvereln Bezirk Weißensee. Den Genossen zur Nachricht. daß unser Mitglied, der Zimmerer Julius Simon plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 7. August, von der Leichenhalle des Gemeinde-Fried- hoscs Weißensee in der Rölckc- straße statt. 13/5 Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung Weißensee. Zentral-Verband der Zimmerer Deuisclilands. I Zahlstelle Berlin und Umgegend.> (Bezirl 32.) Den Berussgenossen zur Nach- licht, daß unser Mitglied Julius Simon am 2. d. M. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am j Sonntag, den 7. August, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des. Gcmcindesricdhoses in Weißensee,! Rölkesttagc, aus stait. Um rege Bctetirgung ersucht 25511 Der Borstand. Zentralverband der Töpfen Deutschlands Filiale Berlin. Todesanzeige. Hierdurch den Mitgliedern die traurige Nachricht, daß der Kollege l�idiard Müller (Bezirk Gesundbrunnen) am b. August im Alter von 22 Jahren an der Lungenschwind-» sucht verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle deS neue» Pauls-Ktrchhoses, Seesttaße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verbandl Bettvaltungsstclle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher i�iedsrä Tempel am 6. d. M. an Lungenletden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. August, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen. Halle des Dankes-Kirchhoset in Reinickendors aus statt. Ferner starb am 4. August unser Mitglied, der Dreher Ulbert Struck an Herzleiden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 8. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- halle deS Virchow-KrankenhauseS aus aus dem städtischen Friedhof in der Müllerstraße statt. Rege Beteiligung erwartet 119/13 Tie Ortsverwaltung. Deutscher 3 Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlln. Hiacliruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kohlen« arbeiter'• Gustav Schulze am 2. d. Mts. im Alter von 39 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat am S. d. Mts. stattgesuiiden. 70/13 Die Hezirksverwaitung. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Kollegen, insbesondere dem Rauch- verein„Jinmersrei" sage ich hiermit stir die vielen Beweise inniger Teil- nabme bei der Beerdigung meiner zu früh dahnigeschicdcneii lieben, unvcr- geßlichen Frau Marie Wiegand weinen herzlichsten Dank. 274V »ritz Wiegand vebst Angehörigen. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben, ew- ztgen TöchterchenS, sagen wir hiermit allen Verwandten, Belannten, Kollegen und dem Gesangverein.Männerchor Sleglitz-Friedenau' unseren innigsten Dank. 5941S Franz Seegcr und Frau. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten sowie dem Chef der Firma Gebr. Dehle u. Wagner, Herrn Kommcrzien- rat Hugo Dehle, dem Personal der Buchdruckabtestung Gebr. Dehle u. Wagner, den Mitgliedern der 6. Abt. des Berliner Arbeiter» Radfahrer- Vereins, den Mllgltcdern des K. Berliner Reichstags« Wahlkreises, Be- zirk 543», dem Deutschen Transport- arbeitcrverband sür die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben BruderS, Schwagers und OnkelS 422L Bernhard Behrend sagen wir unseren aufrichtigen tief- gesühlten Dank. Im Namen der trauernden Hinter- bliebenen Karl Pfuhl und Frau. Znrttehgehehrt 214/1 Dr. Julius Baruch, HohenzollerndammT, Siralauerstr. 54. Zentralkrankenbsse der Maurer BV Grundstein cur Einigkeit"' UVtzf Verwaltungsstelle 3erlUt. Freitag, den 12. August, abends 81/, Uhr, im Saal 7 des„Getverkschaftshauses� Mitg/Ileder-Wersammliiiig Tagesordnung 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom 2. Quartal 1910. 2. Verschiedenes und Kassenangelegenheiten. 149/9___ D i e OrtSverwaltnng. D/e Harnleiden ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von ])r. med. Sc fj aper, BERLIN— Preis I Mark. W Tin Tausend.> VnIaiMaxRichtirÄÄ Kleinen linden mit Nebenränmen zu vermieten Berlin C., Spree str. 14/15, per 1. 10. 10. Verwaltung Berlin. Korbmacher. Montag, den 8. August, abends 8'/, Uhr, im GclverkschaftShause, Engeluser 15, Saal 7 s Branchen.Versammlung. Tagesordnung: 1. Beratung der Anträge zur Generalversammlung. 2. Wahl heg Ob- manneS und der Kommission. 3. VerbandSangelegenhetten. JaEousiearbeiter. Montag, den 8. August, abends 8'/, Uhr, bei Bocker, Weberstr. 17: Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Ausgabe der neuen Kontrollkarten. 3. VerbandsangelegenHeiten._ Kistenmacher. Montag, den 8. August, abends 8 Uhr, im GewerkschastShanse, Engelufer 11/15, Eingang B, Arbeitslosensaal: Branclien- Versammlung Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent: Sctalemmlnger. 2. Beratung der Anträge zur Generalverfammlung. 3. Branchenangelegenheiten. Tlsdhler(Bezirk Süden). Montag, den 8. August er., abends 5 Uhr(gleich nach Feierabend), im ntlrkl.chen Hof, Admiralstr. 18 et Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: Beratung der Anträge zur Generalverfammlung. Tischler(Bezirk Osten III). Montag, den 8. August, abends 8'/, Uhr, in den Braeht.&Ivn des Ostens, Frankfurter Allee 153: Außerordentliche JUitgiiedcr-Vcrfamnilung. TageS-Ordnungt Fortsetzung der Tagesordnung der letzten Verfauunlmig. Neuwahl der Kommiffion. Linsefccer. Montag, den 8.«nguft er., abends 8 Uhr. im GeivrrkschaftShanse. Engelufer 11/15, Saal 8: Brancben-Verrammliing TageS. Ordnung: Beratung der Anträge zur Generalversammlung. Branchenangelegenhetten. Bautischler. Dienvtag. de« S.«nguft, abends 8'/, Uhr. im Gewerkfchaftshanse. Engelnfer 14/15, Daal Is Vertrauensmänner' Versammlung für Berlin und Vororte. TageS-Ordnung: Die strikte Durchführung der ArbeitSnachweiSbestinummgen und Ver- besserungSanträge zur ArbeiiSvermittelung. MAU- Für die arbeitslosen Kollegen gibt der Arbeits« Vermittler BertrauenSmännerkarten auS."MW Lodenleger. Dienstag, den S. August, abends 8 Uhr, im GewerkschastShanse, Engelnfer 14/15: === Versammlung TageS-Ordnung: Beratung der Anträge zur Generalverfammlung. Branchenangelegenhetten. Freitag, den RS. Angnst 191X1, abends 8 Uhr: Zeneral-Versammlung im Gewerkschaftshans, Engelnfer 15. Sogeä- Ordnung: Kassenbericht. Bericht der Ortsverwalwng. Wahl der Ortsverwaltung und der An- gestellten. Anträge. Mitgliedsbuch und Delegiertenkarte legitimiert. 87/12 Die Ortsverwaltuns. Deutscher Buchbinder- Verband. Kartonbranche. Dienstag, den g. August ISld, abends 81/, Uhr, im Saal 7 deS GewrrkschaftshanseS = Branchen-Versammlung= für die in der Kartonbranche bcsch&ftlsten Arbeiter und Arbeiterinnen I Tagesordnung: 1. Tie Miststände in den Wcrkstnben der Karton- brauche und ihre in letzter Zeit anftrctenden Erscheinungen. 2. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Die Wichtigkett der Tagesordnung erfordert daS Erscheinen aller Branchenangehörigen. Niemand darf fehlen. 124/7 Die Agitattonskomniisswn der Kartonbranche. Stukkateure! Montag, 8. Angnst, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Saal I: MglkAer- Versammlung Tage»-Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Brückner:„Hat die Arbeiterklafie im heutige» Staate Gleichberechtigung 7« 2. Diskussion. L. Gewerk- schastlicheS, darunter Wahlen. 173/9 Erscheinen aller ist dringend nottoeudig!_ Rixdorf. Zentral-Krankenkasse der JKaurcr etc. „Grundstein zur SinigUeit". Montag, de« 8. Angnst, abends S'/a Uhr, im Lokale von Wolf, Kirchhofstraste 41: Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Abrechmmg vom II. Quartal. 2. Verschiedenes in Kafsenangelegen« Helten. 3. Besprechung über ein abzuhaltendes Vergnügen zum Besten unseres JnvalidensondS. 149/10 Zahlreichen Besuch erwartet_ Die»rtl. Verwaltnng. Or med. Karl Reinhardts spezial-ärztlicho Institute fOr Geschlechtskrankheiten Haut-, Harnleiden, Schwache ' Neanderstraße 12nah9 �Yi.0vÄ.tick0 Potsdamer Straße 117 Tollkommenste. kombinierte. Hellverrahren bei frischen nnd veralteten Füllen. Nachweislich unerreichte Dauererfolge in verhältnismäßig kurzer Zeit Um sich vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zu sohützeu, verlange man ausführliche Broschüre in meinen Instituten oder durch die Post(verschloss. Kuvert) gratis und franko. IMT Blutuntersuchung Am Blttwoch, den 10. August, findet in den Fttrstcnberg'Sülen, Rosenthalerstr. SS, ein Herren- V ortrag über chronlsehe Harnleiden statt. Nach dem Vortrag Frageboantwortung. Eintritt frei.— Anfang 9'/« Uhr abends. Staunen errest Herknies-Blelcli-Seifenpulver a Pfund 15 Pf. 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Heute Sonntag finden die Wahlen zum Vor» stand sowie die Delegiertenwahlen zum Parteitag und der Branden» burger Provinzialkonferenz von vormittags 10 Uhr bis 1 Uhr nach» mittags m den am Freitag und Sonnabend bekannt gemachten Lokalen statt. Strglitz-Friedena«. Wir machen noch einmal auf das heute Sonntagnachmittag von 2 Uhr an im„Birkenwäldchen*, Steglitz, Schützcnstraße, Ecke Chaufieestraße, stattfindende Volksfest aufmerksam. Billetts find an der Kaste zu haben. Jedes Kind erhält ein Frei» billett für Stocklaterne, Rodelbahn und Bondon. Friedenau. Am Mittwoch, den 10. August, findet im Lokal von Mechelke, Handjerystr. 60/61, ein gemeinsamer Zahlabend sämt- licher Bezirke statt. Tagesordnung: Der Magdeburger Parteitag und die Budgetbewilligung in Baden. Referent: Stadtverordneter Genoste K ü t e r. Lichtenberg. Am Montag, den 8. August, abends 8'/, Uhr, Jjindet im„Schwarzen Adler', Frankfurter Cbaustee 6/6, eine große öffentliche Versammlung, veranstaltet von Partei und Gewerkschaft statt. Vortrag des Gewerkschaftssekretärs A. Mann über:„Wie steht es mit der neuen Reichsversicherungs» o r d n u n g.* Baumschulenweg. Der gahlabend am Mittwoch ist ein gemein» samer für alle vier Bezirke und findet bei Speer, Baumschulenstr. 78, statt. Tagesordnung: 1. Berichterstattung von der Kreisgeneral- Versammlung durch Genosten Paul Magel. 2. Der Massenstreik. Referent: Genoste Lüdke. Korreferent: Genoste Waclawiak. Mon» tagabend 8'/, Uhr Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen auS. Der Vorstand. JohanuiSthal. Dienstag, den S. August, abends 8 Uhr, findet bei Senftleben, Friedrichstr. 48, der gemeinsame gahlabend des Wahlvereins statt. Der Vorstand. AdlerShof. Am Mittwoch, den 10. August, findet an Stelle des fälligen Zahlabends eine außerordentliche Generalversammlung im Lokal von Kaul statt. Tagesordnung: 1. Vortrag:„Warum müsten wir dem heutigen Staat die Mittel verweigern?* Referent Genoste Horlitz. 2. Diskusfion. 8. Bericht aus der Kreisgeneralversamm» lung. 4. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Alt-Glienicke. Am Dienstag, den 9. August, findet im Lokale des Herrn TroppenS die Mitgliederversammlung des hiesigen Wahl» Vereins statt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. NowaweS. Mittwoch, den 10. August, abends 8'/» Uhr, findet im Schmidtschen Lokal(J. H. Hermann Wolfgramm), Wilhelmstr. 48, die Versammlung des Wahlvereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Geschäftliches. 2. Die Auftegung der bürgerlichen Parteien über die hiesige Fortbildungsschule. 3. Bericht von der Kreis« generalversammlung. 4. Verschiedenes.— Gäste haben Zutritt, auch werden neue Mitglieder aufgenommen. Der Vorstand. berliner JVacfmcbtcii* „Gemütliche»« au» der Heimstätte Buch. In der Heimstätte Buch, wo der Arzt Dr. Reuter komman» diert, gibt es immer wieder Zusammenstöße zwischen ihm und seinen Patienten. Der Ton, den er manchmal ihnen gegenüber an- schlägt, ist nicht mehr so unsanft wie früher, aber sanft kann man ihn auch jetzt noch nicht nennen. Viel Verdruß wird seinen Patienten und ihm selber dadurch bereitet, daß er die mehr oder minder harmlosen Ungchörigkeiten, an denen es leider so manche Patienten nicht fehlen lassen, zu schweren Vergehen aufbauscht. Dabei ist er bei Reibereien zwischen Patienten nur zu geschwind den Denunziationen zugänglich, mit denen einzelne Patienten sich bei dem Herrn Doktor.ih»' Recht holen* zu sollen meinen. Gewiß, eS ist dringend zu wünschen, daß die Patienten unterein- ander Frieden halten und alle» Ungehörige vermeiden; das liegt im Interesse der Patienten selber, und anders ist ein Betrieb einer solchen Anstalt nicht möglich. Wier so unsozial ist, über diese selbst- verständliche Forderung sich hinwegzusetzen, der darf hinterher sich nicht betlagen, wenn auch gegen ihn keine Rückficht geübt wird. Aber sehr oft kann ein Anstaltsleiter einem Konflikt die Schär se nehmen, indem er sich begnügt, etwa mit einem humorvollen Wort in den Streit einzugreifen oder einen vorlauten Patienten zurückzuweisen. Indes, eben das versteht der Herr Dr. Reuter ganz und gar nicht. Seine«Forsche" ist die, polternd da- zwischen zu fahren, dem Angeschuldigten womöglich jede Widerrede abzuschneiden und vermeintliche Unbotmäßigkeit �mit sofortiger Entlassung zu ahnden. Man glaubt'S nicht, aus was für Kleinigkeiten der Herr Doktor eine hochwichtige Affäre zu machen weiß. Da weilte kürzlich in dem Reich des Dr. Reuter als Patient ein Schlosser S., der eS liebt, sich manchmal ein bißchen drastisch auszudrücken, drastischer, als eS empfindliche Naturen vertragen. Den verdroß es schon lange, daß bei Tische die langsameren Esser in der Regel zu kurz kommen, weil die geschwinderen den gesamten Speisenvorrat durch zwei- oder dreimalige Nachforderung vertilgen, ehe die anderen recht mit ihrer ersten Portion fertig werden. Da auch er selber zu den Langsamen gehört, so ließ er eines Mittags gegenüber einem Patienten V., der schon zum soundsovielten Male sich noch ein Kleckschen Kvmpott holte, sich zu einem Zuruf hinreißen, der etwa so lautete:«Du, Langerl Wieviel Wuchten hast Du Dir denn schon wieder geholt? Kannst Du denn anderen nicht auch 'was zukommen lassen?" V., der in einer Anstalt der Stadt Verlin angestellt ist, nahm diese Derbheit krumm, einmal deshalb, weil er mit S. auf so vertraulichem Fuß nicht stand, vor allem aber wohl deshalb, weil er sich nicht zu den Arbeitern, sondern sozusagen zu den„Beamten* zählen zu sollen glaubt. Er lief mit einer Beschwerde zu Dr. Reuter, und der lachte nicht etwa den über- empfindlichen V. auS, sondern nahm sich S. vor und kanzelte ihn tn echt Reuterschem Tone ab. Als S. sich verteidigte, er habe nur gegen die Benachteiligung der langsameren Esser mal Einspruch erheben wollen, wehrte Dr. Reuter ab:«Jeder ißt hier so viel, wie er kriegt. Wenn Ihnen das nicht paßt, so ändern Sie es dochl öch gL.de.re iie KsZs Mt.» Das Mts mmtliQ KeißM r«Aendern Sie'S, indem Sie die Anstalt verlassml* Dieser Aus- !weg wird ja in den Anstalten der Stadt Berlin so gern den 'unbequemen Insassen empfohlen, die sich über irgendwelche Mängel beklagen. S. verließ die Anstalt zunächst nicht, sondern wartete, bis seine Zeit um sein würde. Daß er aber noch im letzten Augenblick zwangsweise entlassen werden sollte, hätte er sich nicht träumen lassen. Eines Morgens wurde den Insassen des Zimmers, zu dem er gehörte, von Herrn Dr. Reuter— wieder auf Grund einer eingegangenen Denunziation, und zwar einer irrigen— vor- geworfen, daß sie am vorhergehenden Abend«Krach gemacht* hätten. Als S. später den Urheber der Denunziation zur Rede stellte und es dabei zu einer erregten Szene kam, lief dieser zu Dr. Reuter. Wieder schnitt der Herr Doktor dem angeschuldigten S. die Verteidigung ab, und er schloß damit, daß er die sofortige Entlassung verfügte. S sagte ihm, er habe kein Geld in der Tasche und könne so nicht nach Berlin zurückgelangen; darum solle man ihm den Aufenthalt in der Anstalt noch bis gegen Abend gestatten, wo seine Frau eintreffen werde. Dr. Reuter antwortete:«Sie können ja solange auf dem Bahnhof warten." S. mußt» tatsächlich sofort seine Sachen packen und sah sich dann genötigt, Geld von einem Patienten zu leihen, um nach Berlin fahren zu können. Der Vorfall rief in der Anstalt große Entrüstung hervor, die sich teils gegen Dr. Reuter, teils gegen den Denunzianten wendete. Dem letzteren wurde von einem anderen Patienten(nicht von S.) übel mitgespielt. Man sieht an dieser Ausschreitung und ihrer Vor- geschichte, was alles in Buch möglich ist. Die Erbitterung über das Verhalten des Herrn Dr. Reuter veranlaßte schließlich noch einen Pattenten K., freiwillig mit S. der Anstalt den Rücken zu kehren. Ob solche höchst unerquicklichen Geschehnisse in Buch zu den Nnvermeidlichkeiten gehören, diese Frage sollte einmal von dem Heimstättenkuratorium ernstlich erwogen werden. Uns will scheinen, daß manches vermieden werden könnte, wenn an der Spitze der Heimstätte eine geeignete Persönlich- keit stände, die bei derartigen Konflikten mit der erforderlichen Besonnenheit und Umsicht einzugreifen wüßte. Die Einnahmen der städtischen Straßenbahnen im Juli 1910 betrugen 131 268,06 M. gegen 71 924 M. im Juli 1909, das ist eine Tageseinnahme von 4234,13 M., gegen 2320,13 M. im Juli 1909. ES wurden insgesamt 1 423 464 Personen gegen 768 644 Personen im Vorjahre befördert. Die Anzahl der im Juli ge- fahrenen Wagenkilometer(Motorwagen und Anhängewagen) ist von 138316 des Vorjahres auf 241 703 gesttegen. Die Einnahme für den Wagenkilometer beträgt 64,30 Pf. gegen 62 Pf. im Vor- jähre. Der Magistrat beschlost in seiner Sitzung, zur Tagung deS deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeit in Königsberg vom 14. bis 17. September die Stadträte Dr. Münsterberg und Düring, und zum Verbandstage der deutschen Gewerbe, und Kauf- mannsgerichte in Köln am 16. bis 17. September Magistratsrat von Schulz als seine Vertreter zu entsenden. Wegen eines grasten Brandes wurde am Freitag nachmittag die Feuerwehr nach der Schillingstraße 1 alarmiert. Dort stand ein Keller mit Papiervorräten in großer Ausdehnung in Flammen. Brandmeister Sandberg fand bei seinem Eintreffen eine kritische Lage vor. Die Flammen gefährdeten die oberen Geschosse, und der Qualm war so enorm, daß alle Feuerwehrmänner eS nicht lange in dem Qualm aushalten konnten. Es mußte deshalb Luft ge. macht werden, und dann gelang es durch kräftiges Wassergeben mit zwei Rohren, die Gefahr einer weiteren Ausdehnung zu verhüten. Der Keller stand schließlich fußhoch unter Wasser. Die Auf- räumungsarbeiten nahmen dann noch geraume Zeit in Anspruch. Die Entstehung des gefährlichen Brandes war nicht mehr zu er. mittein, vermutlich liegt Fahrlässigkeit vor. Der Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Die sogenannte„volksverstcherong" der Versicherungsgesellschaft«Viktoria* sucht hauptsächlich in der Arbeiterbevölkerung die Leute, mit denen sie ihr Geschäft machen will. Die Sache sieht auf den ersten Blick billig auS, und die Chancen des Versicherten erscheinen günstig, werngstenS für den Fall, daß er zeitig stirbt. Man schließt eine Versicherung über einige hundert Mark ab, zahlt allwöchentlich eine Mark oder einen ähnlichen Betrag in nicht unerschwinglich scheinender Höhe, und kann sich nun damit trösten, daß für die Familie«gesorgt* ist, wenn ihr der Ernährer plötzlich durch den Tod entrissen»oitb. Mancher stirbt aber doch nicht so bald, wie der Versicherungsagent es ihm als möglich hingestellt hatte. Wenn der Versicherte lange genug gelebt und Woche für Woche sein Geld hingegeben hat, waS ihm besonders in Zeiten der Arbeitslosigkeit sehr schwer werden kann, dann wird nach Ablauf der in der Versicherungspolice vereinbarten Frist ihm ausgezahlt, was er zu fordern hat. Da gibt eS nun immer wieder Leute, die sich einbilden, jeder Versicherte habe min- bestens das zu fordern, was er im Laufe all der Jahre eingezahlt hat, und womöglich noch ein niedliches Sümmchen Zinsen dazu. JndeL, zu solchem Zweck macht selbstverständlich keine Vcrsicherungs» gescllschaft ihre Geschäfte und am allerwenigsten die«Volksversiche- rung" der„Viktoria*. Groß ist die Enttäuschung manches Versicherten, wenn ihm die Abrechnung überreicht wird. Einer, dem's so ergangen ist. teilt uns seine Erfahrungen mit und legt uns als Beweisstück die Abrechnung vor. Vor zehn Jahren ließ er als junger, unverhei- vateter Mann sich verleiten, mit der„Viktoria* auf zehn Jahre eine Versicherung über 360 M. abzuschließen, wofür er wöchentlich 1 Mark zu zahlen hatte. Bei solchen Bedingungen entrichtet der Versicherte, wie jeder sich ausrechnen kann, schon in sieben Jahren mehr als voll die Summe von 360 Mark, wobei noch von Verzin- sirng abgesehen ist. Wenn der Versicherte nicht rechtzeitig starb, so hatte er bi» zum Ablauf des zehnten Jahre» weiterzuzahlen, aber dafür winkte ihm bei der schließlichen Auszahlung seiner 860 Mark noch ein„Gewinnanteil*. Zehn Jahre hindurch zahlte er also jede Woche seine Mark, so daß er in lOmal 52 Wochen im ganzen 620 M«rk hingab. Zählt man die Gebühren für die Auf. nähme und für zehn Jahresquittungskarten hinzu, so kommt, sagt er uns, eine Gesamtaufwendung von 622,60 M. herau». Und als er nach Ablauf der zehn Jahre immer noch nicht gestorben war, was wuvde ihm da ausgezahlt? Die schriftliche Abrechnung, die ihm überreicht wurde und jetzt un» vorliegt, billigte ihm außer der Ver- sicherungSsumme von 360 M. einen Gewinnanteil von 134,79 M. zu. DaS macht zusammen 484,79 M., um 87,71 M. weniger, alSerin barhingegeben hatte. Die Abrechnung schließt mit dem folgenden Satz:„In der Hoffnung, daß Sie unserer Ge- sellschaft und ihren Einrichtungen ein freundliches Interesse de. wahren und geneigt sein werden, unsere Volksversicherung in wei» teren Kreisen zu empfehlen, zeichnen wir hochachtungsvoll Victoria zu Berlin usw.* Nachdenklich las der Empfänger visfeg Schluß- iflfc, vsMMch ftälte kr fciflk 4L4.7S M. eia.«~- ?u dem Mann, der so um eine Hoffnung ärmer und um eine cung reicher geworden mar, kam bald darauf wieder ein Ver» sicherungsagent der„Victoria". Wieder wurde angeftagt, ob man nicht mit der„Volksversicherung* einen Vertrag, diesmal vielleicht auf fünfzehn Jahre, abschließen wolle. Wieder wurde der Vorteil hervorgehoben, den bei der„Volksversicherung* der„Victoria* auch mal ein Versicherter bezw. seine Familie haben kann, wenn er bei» zeiten stirbt. Wer will einem Versicherungsagenten den Eifer ver» denken, mit dem er für seine Auftraggeber wirbt? Er ist ja darauf angewiesen, mit jedem Groschen Provision zu rechnen, der für ihn dabei abfällt. Diesmal aber blieb aller UeberredungSkunst der Erfolg versagt._ Das Vertrauen seiner Berufskollegen schnöd« mißbraucht hat der Kassierer des Verbandes der Lederarbeiter Deutschlands, Filiale Berlin II, Alfred Becker, Mirbachstr. 24. Wie uns von der Lei» tung des Verbandes mitgeteilt wivd. hat sich bereits bei einer vor drei Wochen vorgenommenen Revision herausgestellt, daß Becker die Bücher gefälscht hat. Die Fälschungen datieren schon länger zurück und sind so ausgeführt, daß B. bei seinem uneingeschränkten Ver» trauen, das er als Kassierer genoß, die Revisoren täuschen konnte. Es handelt sich um Unterschlagungen in Höhe von etwas über 5000 Mark. Die Mitteilung in bürgerlichen Blättern, daß es 8000 M. seien, ist unzutreffend. Kurz nachdem man von den Unterschleifen Beckers Kenntnis hatte, wurde die Staatsanwaltschaft ersucht, gegen Becker vorzugehen; diese hat jedoch bis heute außer einer Verneh» mung des Bevollmächtigten noch nichts unternommen. Becker, der erst nach der Schweiz flüchtete, nach kurzer Zeit aber wieder nach Berlin zurückkehrte, befindet sich gegenwärtig bei seinem Bruder in Rummelsburg. Seinen Verletzungen erlegen ist gestern vormittag im Lazarus- krankenhause der 27 Jahre alte Bahnarbeiter Gustav Fiebig auS der Gartenstraße Nr. 67, der verheiratet war. Fiebig verun» glückte am 3. d. M. beim Rangieren auf dem Stettiner Bahnhof und erlitt schwere innere Verletzungen. DaS rechte Bein wurde ihm zerquetscht. Uebcrfahren und tödlich verletzt wurde gestern vormittag der dreijährige Sohn Erich des in der Grünthaler Sttaße 10 wohn» haften Arbeiters Kroll. Der Kleine hatte mit älteren Kindern im Humboldthain gespielt und lief beim Ueberqueren deS FahrdammS in der Brunnenstratze gegen einen in langsamer Fahrt heran» nahenden Arbeitswagen. Der Knabe wurde umgestoßen und geriet unter das Gefähtt, dessen Räder ihm über Kopf und Brust hinweg» gingen. Der Verunglückte wurde nach der nahen Unfallstation in der Badstraße gebracht, wo ein komplizierter Schädelbruch und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Als das tödlich ver- letzte Kind, nachdem eS Notverbände erhalten hatte, nach dem Krankenhause geschafft werden sollte, erschien plötzlich die Mutter auf der Station und nahm den sterbenden Knaben mit nach ihrer Wohnung. Den Tod in den Wellen fand der 83 Jahre alte Rentier Hermann Pade ans Berlin. Der alte Herr hatte sich einige Tage in Woltersdorf aufgehalten und auf bisher noch nicht aufpeklärie Weise geriet er bei einem Spaziergang in den Flakensee. Spazier- gänger, die bald bemerkten, wie P. mit den Wellen kämpfte, eilten zur Rettung herbei, und es gelang ihnen auch, den Gefährdeten den Fluten zu entreißen. Unter den Händen eines hinzugerufenen AerzteS hauchte P. sein Leben aus. Ob er infolge eines verhäng» nisvollen Unfalles in den tückischen See geraten ist oder ob er tu selbstmörderischer Absicht gehandelt hat, konnte bisher nicht auf- geklart werden. Die Leiche ist vorläufig von der Kgl. Staats» anwaltschast beschlagnahmt worden. Beim Durchqueren des Müggelsee» ertrunken. Mit dem Tode hat ein unbekannter Schwimmer ein gewagtes Unternehmen büßen müssen. Nachdem er sich am Rahnsdorfer Ufer der Kleider ent- ledigt hatte, schwamm er in der Absicht in den See hinaus, um da? andere Ufer zu erreichen. Der Schwimmer hatte sich aber an- scheinend stark überschätzt. Noch hatte er nicht den dritten Teil des See» durchquert, als seine Kräfte plötzlich nachließen und laute Hilferufe ertönten. Unglücklicherweise war aber in diesem Augen» blick kein Fahrzeug in der Nähe und so mutzte der kühne Schwimmer hilflos ertrinken. Die Leiche konnte bisher noch nicht geborgen werden. Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßenbahnwagen der Linie Zentralviehhof-— Virchow-KrankenhauS und einem Flaschenbierwagen der Schultheißbrauerei ereignete sich gestern, Sonnabendabend, um 3 Uhr in der Bernauer Straße, Ecke Wolliner Straße. Einige auf dem Vorderperron des Straßenbahnwagens stehende Fahrgäste wurden hierbei durch die von dem Flaschenbierwagen herabstürzenden Flaschen und Bierkästen leicht verletzt. Der Wagenführer der Elektrischen und der Kutscher des Schultheißwagens wurden durch den starken Zusammenprall auf die Straße geschleudert und erlitten ebenfalls leichtere Verletzungen. Der Borderperron des Straßenbahn» Wagens wurde sehr stark beschädigt. Arbeiterbildungsschule. Sonntag, den 14. August, Ausflug nach Karkshorst, Pferdebucht, Hirschgarten. Treffpunkt: Im Lokal am Bahnhof bis 10,30 Uhr. Abfahrt Bahnhof Alexanderplatz 8,30 Uhr. Schlesischer Bahnhof 8,36 Uhr bis Karlshorst. Die Nachzügler fahren bis Hirschgarten und treffen sich in der«Waldburg", In» haber Keller, am Bahnhof. Daselbst Aufenthalt von 12,30 Uhr ab. Deutscher Arbciter-Siingerbund, Gau Berlin und Umgegend. Heute am 7. August kommen die Emil Salzer-Chöre, Leipzig(M. d- ?l. S. B.) nach der Reichshauptstadt und werden bei dieser Gelegen- heit im Konzertgarten der Brauerei FriedrichShain ein Konzert veranstalten. Die Parteigenossen und SangeSfteunde werden hier- auf hingewiesen, da die Leistungen der Leipziger Sänger gelegent» lich der Mitwirkung beim letzten Leipziger Parteitage alle Anev- kennung gefunden haben. In der Wassertorstraße suchte gestern ein junger Mann mit Büchern(„Bühne und Sport") Geschäftsleute dadurch zu brand» schätzen, daß er angab, ihre Kunden seien Besteller der Bücher, augenblicklich seien sie jedoch nicht zu Hause. Der Bbireffende?--- suchte dann die Geschäftsleute, da er Zahlung leisten müsse, zur Abnahme und Zahlung der Bücher. Der Bote leistet Quittung mit dem Namen Schttelbeltz, Blücherstr. 86. Der angegebene Name aber ist im genannten Hause nicht zu ermitteln. Arbciter-Samnriterbnnb, Kolonne Berlin. Die für heut« auf dem in Treptow belegenen Turnplatz des Turnvereins„Fichte* an- gesetzte Uebung findet bei regnerischem Wetter nicht statt. Am Donnerstag Uebungsstunde der dritten Abteilung in Schöneberg. bei Wicloch, Grunewaldstr. 32. Im Zoologischen Garten ist vor wenigen Tagen ein Dril geboren worden, den die Mutter sorglich nährt und an ihrer Brust umherträgt. DaS nur ganz spärlich behaarte Töchterchen beobachtet bereits mit Interesse die Umgebung und gedeiht vor» züglich. Mutter und Kind hausen im Käfig des prächtigen wohl- bekannten Nasendrils im allen Affenhause, der sich ausgezeichnet mit ihnen verträgt, während Pater Dril, der sich weniger rücb- WÄüll ftüiMLck ideo AebeMfig bewohnt. Ks ijt wohl tzgs «rfieMas, faß diese selten als erwachsene Tiere Tn unseren Sammlungen anzutreffenden Paviane gezüchtet worden sind. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania gelangt in dieser Woche der mit zahlreichen farbigen Bildern und Wandelpanoramen ausgestattete Bortrag:„Die Insel Rügen" am Sonntag, Mitt- woch und Donnerstag zur Darstellung. Am Montag und Diens- tag wird der Bortrag:„In den Dolomiten" wiederholt, während am Freitag und Sonnabend der Vortrag:.FZon der Zugspitze zum Watzmann gehalten werden wird. Im Sportpark Steglitz beginnt am heutigen Sonntag, nach- mittags 4 Uhr, nach fünfmonatlicher Pause das erste Meeting mit Fliegerrennen, an denen über 50 Flieger teilnehmen. In dem Großen Preis von Europa treten Salzmann, Rhser, Dickentman, Schipke und Demke zweimal über je 50 Kilometer gegenüber. Ins Wasser gesprungen und ertrunken ist in der vergangenen Nacht zwischen 1 und 2 Uhr an der Mühlenschleuse ein unbekannter Mann von etwa 28�Jahren. Rettungsversuche blieben erfolglos. Eine Stunde später wurde der Lebensmüde als Leiche gelandet. Der Ert.runkene scheint ein Arbeiter gewesen zu sein. Vorort-McKricKten. Dahlem will Gemeinde werden. In den Kreisen der Bewohner des Gutsbezirkes Dahlem macht sich das Bestreben geltend, den Gutsbezirk in eine Gemeinde umzu- wandeln, da man der Ansicht ist, daß der Ort erst dann aufblühen werde, wenn die Einwohnerschaft durch von ihr gewählte Vertreter an der Verwaltung mitwirkt. Von einer Gemeindevertretung er- hofft man, daß sie energisch für die Schaffung eines eigenen Postamts, einer Feuerwehr und von Verbindungswegen nach den Schulen eintreten würde. Als ein großer Mißstand wird es empfunden, daß die für Dahlem zuständige Polizei zu weit entfernt stationiert ist. Bemängelt wird auch, daß die Auf- teilung durch die Kommission, die viel zu teuer arbeite, zu langsam vor sich gehe. In den nächsten Tagen soll eine große Protest- Versammlung stattfinden, von deren Ergebnis man eine Lösung der Gemeindewcrdungssrage erhofft. Von anderer Seite ist eine Ein- gemeindung des Gutsbezirks Dahlem nach Wilmersdorf angeregt worden, mit dem es ja räumlich zusammenhängt. Diese Maßnahme liegt um so näher, als die im Bau begriffene Untergrundbahn Wittenbergplatz— Dahlem die Gebiete der Stadt Wilmersdorf und der Kolonie Dahlem verbinden wird. Rixdorf. Die sozialdemokratische Stadtverordnetcnfraktion hat bei dem Bureau der Stadtverordnetenversammlung den Antrag eingebracht, sofort eine Sitzung derselben einzuberufen. Der Magistrat soll interpelliert werden, nach welchem Grundsatz er gedenkt die Wähler- listen aufzustellen. Sollte der eincinhalbfache Durchschnitt zugrunde gelegt werden, waS den Magistrat veranlaßt die Wählerlisten gegen Gesetz und Rechtsprechung aufzustellen? Di« Rixdorfer Feuerwehr mußte in der letztei» Nacht einen Kellerbrand am Kottbuser Damm 75 löschen, der durch Selbst- entzündung von Preßkohlen um 1 Uhr ausgekonimen war. Wilmersdorf. Auf schreckliche Weise verunglückt ist am Sonnabend der 2S Jahre alte Arbeiter Paul Gcllert. G., der auf dem Neubau Raffauische Str. 25 beschäftigt war, wollte von einem vor dem Neu bau haltenden Wagen eine Atolle Mörtel holen, als ein mit Steinen beladener Wagen ihm in der Toreinfahrt entgegenkam. Der Ar- beiter versuchte zwar an dem Gefährt vorbeizukommen, als plötzlich das eine Pferd vor dem Manne scheute und heftig nach der Seite drängte, so daß die Deichselstange den Maurer gegen die Seiten- wand drückte. Obwohl der Kutscher des Gefährtes sofort zu bremsen versuchte, drang doch die Stange dem Unglücklichen in den Unterleib. Der Schwerverletzte wurde sofort in einer Droschke nach dem Krankenhause in Moabit gebracht, wo er hoffnungslos da- niederliegt. Schöneberg. Ueber die trostlose Beschaffenheit des Priesterweges geht uns folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung zu: Der Priesterweg, vom Sachsendumm abzweigend, ist die direkte Ver- bindungsstraße zwischen Schöneberg und Südende und wird daher von Fußgängern, Fuhrwerken und Automobilen stark benutzt. Auch die nahe gelegenen Friedhöfe bedingen einen nicht unerheblichen Verkehr. Leider hat diese mit hübschen Kastanien umrahmte Straße den Uebelstand. daß sich etwa halbwegs zwischen Schöncberg und Südende der Fahrdamm auf eine Strecke von 200—300 Metern erheblich senkt. Die Folge davon ist, daß sich bei heftigem Regen- weiter auf dieser Strecke kolossale Wassermassen ansammeln, die keinen Abfluß mehr haben. Gewiß bilden sich auch anderwärts bei solchem Wetter, wie in letzter Zeit,„Seen", nur mit dem Unter- schiede, daß diese bald abfließen, während hier— dicht vor den Toren von Schöneberg— das Wasser in einer Tiefe bis zu einem halben Meter oft wochenlang unberührt stehen bleibt, bis es allmählich von der Sonnenhitze austrocknet. Vom sanitären Standpunkte aus muß man hier die Frage auf- werfen: Gibt es in nächster Nähe von Schöneberg denn keine Gesundheitspolizei? Daß dem Magistrat die Sache bekannt ist, be- weist eine vor einigen Tagen an der Ecke des SachsendammeS und Priesterweges angebrachte Tafel mit der Aufschrift:„Wegen Waffer- ansammlung gesperrt. Der Magistrat." Nichtsdestoweniger fahren Fuhrwerke und Automobile durch den„See" und freuen sich offenbar, je höher das Wasser den unglückseligen Paffanten bespritzt, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte. Diese Zustände be- stehen schon seit geraumer Zeit; dahingehende Eingaben blieben bis heute unberücksichtigt. In technischer Hinsicht dürfte Abhilfe nicht schwierig sein. ES befremdet, daß vor einiger Zeit der Priesterwcg ledig- lich bis zu der kritischen Stelle neu gepflastert wurde. Nicht unerwähnt sei daß sich zu beiden Seiten des PriesterwcgeS zahlreiche Lauben- kolonien befinden. Bei den letzten Wasseransammlungen strömte das Wasser über die Bordschwellen der Straße in verschiedene Lauben, dort die mühsam gezogenen Blumen mit Schlamm bedeckend. Es betrifft diese kleinen Laubenbcsttzer um so schlimmer, als sie nach des TageS Last und Mühen und zur Auffrischung ihrer Gesundheit hier .Erholung' suchen. Bielleicht entschließt sich endlich der Magistrat, dies« skandalösen Zustände zu beseitigen. Einen schaurige» Fund machten Kinder, die gestern nachmittag am Abhang des Dorfpfuhls gegenüber der Schwarzen Brücke am Sachsendamm spielten. Zwei 10jährige Schüler entdeckten in einer Erdvertiesung eine Zigarrenkiste, die zugenagelt war. Zu ihrem nicht geringen Schrecken enthielt die Kiste die Leiche eines neu- geborenen Kindes weiblichen Geschlechts. Die Leiche wurde von der Kriminalpolizei beschlagnahmt. Lankwitz. Am 30. Juli brachte der„Vorwärts" den Bericht der General- Versammlung des hiesigen WahlvereinS, in der«in Beschluß gefaßt worden, wonach Genosse R. Theurig nicht mehr als Vertreter der Partei angesehen werde, da er fich beharrlich weigere, in Versamm- lungcn zu kommen und Bericht zu erstatten. Dre„Lankw. Nachr." brachten einen Auszug des Artikels mit der Ucberschrift„ein„treuloser" Parteigenosse", worauf anderntags eine Berichtigung erfolgte, daß irgend welche Unehrlichkeit nicht vorliege. In der gestrigen Nummer des- selben Blatte» ist aber nun noch ein Artikel, unterzeichnet„Mehrere Parteigenoffen' enthalten, in welchem der„Vorwärts", weil er eine Berichtigung nicht gebracht, hiesige Parteigenoffen und besonders der Zentralborstand verunglimpft werden. Statt den Zentralvorstand gegen� den Beschluß der Versammlung anzurufen, wenden sich die Genoffen an ein bürgerliches Blättchen und verunglimpfen in dem selben die Redaktion des»Vorwärts" wie den Zentralvorstand des KreiswahlvereitiS. Weistensee. Ein Unverbesserlicher! Herr Dr. Pape, der besoldete Schöffe unseres OrteS, hat sich wieder mal eine Glanznummer geleistet. Zum Ouartalsanfang befand er sich auf Urlaub, und kein Mensch wußte, wo er sich aufhielt; trotzdem verlangte er, daß man ihm sein fälliges Gehalt auszahlte oder seiner Bank überwies. Der Rendant der Kasse konnte das Gehalt jedoch ohne Onittung nicht auszahlen, was ganz in der Ordnung ist. Der Herr Äffest or aber äußerte, daß daS Gehalt auch ohne Quittung an ihn ausgehändigt werden müffe. Von Stralsund aus telegraphierte er an den Landrat und zugleich an den Regierungspräsidenten, der Gemeindevorstand sperre sein Gehalt und wollte die Gründe wissen. Der Gemeindevorsteher hatte von diesen Manipulationen jedoch keine Ahnung, da die Kasse ganz selbständig und nach den Etatssätzen die Gehälter der Beamten gegen Quittung auszahlt. Das mutzte der Assessor wissen und weiß es auch, da er schon sechs Jahre lang sein Gehalt auf diese Weise bezieht. Dadurch verzögerte sich die Gehaltsauszahlung bis zum 27. Juli. Was tut nun weiter der Jurist Dr. Pape? Er verklagte den Gemeindevorstand auf Verzugszinsen und Er- stattung der Telegramme im Betrage von 6,87 M. In der Anklageschrift gibt er an, daß er vom Gemeindevorstand schikaniert werde. Allgemeine Entrüstung gab eS bei den Gemeinde- verordneten, die der Klage ihre Zustimmung geben sollten. Auch kam ganz unverhohlen zum Ausdruck, daß es bald an der Zeit sei, daß die Gemeinde von diesem Manne erlöst wird, der ein schweres Gehalt einsteckt und seine kostbare Zeit dazu benutzt, um immer neue Marotten auszugrübeln, womit die Gemeindevertretung sich zu beschäftigen hat. Jetzt ist er wieder Liebling der alten Fraktion und nimmt sogar an deren Sitzungen teil. Da er die Sitzung verlassen mußte, übergab er Herrn Fechner das Material zu seiner Ver- teidigung. Nieder-Schönhausen. AoS der Gemeindevertretung. Die Kohlenlieferung für das Winterhalbjahr 1910/11 wurde der hiesigen Firma Ritter übertragen. Dieselbe liefert die Kohlen bis zum 31. August für 1,12 M. pro Zentner, vom 1. September für 1,16 M. Die Vermögensnachweisung der Klaukestiftung wurde verlesen und dem Kuratorium Entlastung erteilt. Nachdem die hinterlaffenen Papiere zum größten Teil ein- gelöst sind, beträgt daS Gesamtvermögen 239 232 M. Nach Erledigung einiger für die Oeffentlichkeit weniger wichtigen Punkte folgte hier- auf eine nichtöffentliche Sitzung. Bezüglich Entrichtung der Steuern macht der Gemeindevorstand bekannt, daß für das dritte Quartal 1910 daS bisher übliche Mahn- verfahren durch die Post nicht mehr in Anwendung komme. Für diese Mahnung wurde bisher 6 Pf. bezahlt. Die Billigkeit dieses Verfahrens hat dazu geführt, daß etwa 40 Proz. aller Steuerzahler sich mahnen ließen und mit dem Ausschreiben der Mahnungen gehe jedoch einem großen Teil der Gemeindebeamten Arbeitszeit verloren, die zu nützlicheren Zwecken verwendet werden könnte. Es liege somit im Interesse jedes Steuerpflichtigen, die fälligen Steuern bis zum 1>5. August d. I. zu zahlen. Nach dem 20. August wird den säumigen Zahlern durch die Vollziehungsbeamten ein Mahnzettel zu« gestellt. Für diese Zustellung werden dann an Gebühren erhoben bis zu 3 M. 10 Pf., von 3 M. bis 15 M. 20 Pf., von 15 M. bis 150 M. 40 Pf., über 150 M. 75 Pf. Wittenau. Tödlich verunglückt ist gestern der 46 Jahre alte Kutscher Fer- dinand Kuhrt aus der Neuen Hochstraße 51. K. war bei einem Fuhrherrn in der Scharnhorststraße beschäftigt, der die Fuhren für die Deutsche Waffen- und Munitionsfabrik in Wittenau ausführt. Als Kuhrt auf einem 20 Meter hohen Kran stand und Eisenstücke abnahm, trat er fehl und stürzte auf den Hof hinab. Er erlitt Ver- letzungen an Schultern und Beinen und eine Gehirnerschütterung. Auf dem Wege nach dem Paul-Gerhardtstift starb Kuhrt. Er war verheiratet und Vater von vier Kindern, von denen zwei noch schul- pflichtig sind. Spandau. Der hiesige Konsumverein Merkur hielt vor einigen Tagen tn der Flora, Pichelsdorfer Straße, eine gut besuchte Mitglieder- Versammlung für die Wilhelmstadt ab. Die Verwaltung gab be- kannt, daß vom 1. Oktober ab die Geschäfte Sonntags g e- schloffen bleiben. Ein Referat des Genossen S. Horn- Berlin über Sonntagsruhe im allgemeinen und in den Konsumvereinen im besonderen, beleuchtet« die verschiedenen Epochen des Kampfes der Handelsangestellten um die Sonntagsruhe und den Achmhr-Ladenschluß Redner betonte, daß besonders die Konsumverein« berufen seien, mit gutem Beispiele voranzugehen. An dem beifällig auf- genommenen vortrage schloß sich ein« kurze im allgemeinen zu- stimmende Diskusston an. Nachdem eine Bezirkseinteilung zur Ver- breitung des KonsumgenoffenschaftSblatteS vorgenommen war und der Vorsitzende bekannt gemacht hatte, daß die ordentliche General- Versammlung am 17. August stattfindet, wurde mit einem Hinweis St rege Agitation zur Errichtung weiterer Verkaufsstelle» die ver- mmlung geschloffen. PotSdam. Der tragisch« Abschluß einer HochzettSfeier spielte fich vorgestern spät abends tn Potsdam ab. In der Nähe des EisenbahnhotelS tn der Havel ertrank vorgestern abend der 61 Jahr« alte Rektor Robert Schäfer aus Reutlingen in Württemberg. Rektor Schäfer weilte bei den Eltern seiner Schwiegertochter im Hause de? Rektors Donat in NowaweS zum Besuch, um der Hochzeit seines Sohne« beizuwohnen. Als Nachfeier zu der Hochzeit unternahmen die Familienmitglieder gestern einen Dampferausflug. Bei der Landung des Dampfers am Eisenbahnhotel in Potsdam wurde Rektor Schäfer vermißt. Plötzlich hörte man Hilferufe aus der Mitte der Havel und sah Rektor Schäfer, der verzweifelt gegen die starke Strömung anzukämpfen versuchte. Da keine RettungSmittel zur Stelle waren, ertrank der Rektor vor den Augen seines Sohnes und der Hochzeitsgesellschaft. Erst nach längerer Zeit gelang eS. ein Boot flott zu machen. Die Nachforschungen nach der Leiche blieben aber erfolglos. Auch im Laufe des heutigen Vormittags sselang eS nicht, die Leiche, die anscheinend von der Strömung fortgerissen worden ist, zu bergen. I« der stark besuchte» Generalversammlung des WahlvereinS wurden gewählt: Staad als 1.. Stöwcsandt als 2. Vorsitzender, Waach als Kassierer. Lemm als Schriftführer und Frau Kichl als Beisitzerin. Als Revisoren die Genossen Diener, O. Weißkopf und O. Schulz.— Eine rege Aussprache veranlaßt« die Tagesordnung der Kreisgeneralversammlung, vor allem der Antrag der Spandauer Genossen, an den Parteitag den Antrag zu stellen, die Badenser wegen absichtlicher Schädigung der Parteiinteressen aus der Partei auszuschließen. Sämtliche Redner waren sich in der Ver- urteilung der Vorgänge einig. Man wollte aber die für notwendig erachteten Maßnahmen dem Parteitag als oberste Instanz überlassen. Vost den drei Resolutionen erklärten sich für die Span- daucr nur wenige Stimmen; für diejenige des Berliner AktionS- auSfchusieS 44 und für die Niederbarnimer jStadthagen) 55 Stimmen. Letztere soll auf der Kreisgeneralversammlung zur Annahme empfohlen werden. AIS Delegierte wurden die Gen. Lemm. Krüger und Gen. Frau Mehl gewählt. Gegen die Gcmeindewählerliste sind einige Einsprüche eingelegt. Obwohl in diesem Jahre regelmäßige Ersatz- oder Neuwahlen nicht in Aussicht stehen, sind die Listen doch zahlreich eingesehen worden. Man kann immer noch nicht glauben, daß die Stadtverwaltung anderthalb Jahre die sechs Mandate der Versammlung unbesetzt lassen und so die Rechte der Bürgerschaft illusorisch machen wird.— Im übrigen zeigt die Wählerliste wieder dieselbe Ungerechtigkeit wie früher. Bon den eingetragenen 11316 Gemeindewählern gehören 274 zur ersten Klasse, 1931 zur zweiten Klaffe und die Übrigen 9111 bilden die Wähler der dritten Klasse. Sericbts- Leitung. Berurteilter Duellant. Ein Säbelduell zwischen einem Leutnant ver Landwehr und einem Student der Rechte lag einer Anklage zugrunde, welche die 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts l beschäftigte. Wegen Zweikampfs war der Student Erich Müller angeklagi. Die Ursache zu dem Duell war, wie in den meisten derartigen Fällen, Liebes» geschichten, welche zwei bis dahin gut befreundete Leute hart zu« sammengebracht hatte. Die Folge einer sich hieran anschließenden groben Beleidigung war ein unter schweren Bedingungen ausge- sochtenes Säbelducll, welches mit beiderseitigen Verletzungen endete. Der Gegner des Angeklagten wurde als Leutnant der Landwehr vom Kriegsgericht zu 4 Monaten Festungshaft verurteilt. DaS Urteil der Straflammer lautete aus 5 Monate Festungshaft, Ein internationaler Taschendieb, der sich das bei Beginn der Reisezeit auf dem Stettiner Bahnhos herrschende kolossale Gedränge hatte zunutze machen wollen, wurde gestern von der 7. Ferienstrafkammer des Landgerichts I auf längere Zeit unschädlich gemacht.— Der zu der ständigen Taschen- diebskontrolle des Polizeipräsidiums gehörende Kriminalschutz- mann Busdorf beobachtete eines Tages auf dem Stettiner Bahnhof den Angeklagten, wie sich dieser wiederholt gerade an Stellen aufhielt, wo das größte Gedränge herrschte. Plötzlich bemerkte er, wie der Verdächtige einen vor ihm stehenden Herrn absichtlich an- stieß und dabei mit seiner rechten Hand in einer überaus ge- schickten Weise dessen Taschen einer Revision unterzog. Während er noch seine Hand in der fremden Tasche hatte, fühlte sich der Herr Langfinger plötzlich etwas unsanft am Kragen gepackt und trotz seines lebhaften Protestes aus dem Mcnschenstrom heraus. gezerrt.— Auf der Polizeiwache zeigte es sich, daß der Beamte einen guten Fang gemacht hatte. Der Taschendieb entpuppte sich als der allein in Oestereich schon achtmal vorbestrafte angebliche Kaufmann Samuel Schäfer.— Die Strafkammer erkannte mit Rücksicht auf die bielfachen Vorstrafen des Angeklagten und der Gemeingefährlichkeit seines Treibens auf 1 Jahr inid 6 Monate Zuchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Barbarische Erziehungsmethoden. Die Leidensgeschichte eines Kindes beschäftigte gestern wieder einmal den Strafrichter. Unter der Anklage der fortgesetzten Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges mutzten sich der Stellmacher Friedrich Lehmann und dessen Ehefrau Marie L. aus Mariendorf vor dem Schöffengericht Bevlin-Tempelhof veranl- Worten. Vor längerer Zeit verfiel der in Mariendorf wohnhafte Schmied Wohlgemuth und auch dessen Ehefrau in Geisteskrankheit, so daß die Ueberführung in eine Irrenanstalt angeordnet werden mußte. Der Ehemann Wohlgemuth entwich später aus der Anstalt und soll sich zurzeit in der Schweiz aufhalten. Für die achtjährige Tochter der W.schcn Eheleute wurde von der Gemeinde Mariendorf der Straßenmeijter Sange als Pfleger bestellt. Dieser gab das bedauernswerte Kind den jetzigen Angeklagten in Pflege, da er diese für zuverlässig hielt und nichts Ungünstiges über sie bekannt war. Die kleine Emma hatte eS jedoch von dem ersten Tage an bei ihren Pflegeeltern schlecht. Sie wurde hauptsächlich von der Ehefrau Lehmann tagtäglich in der schwersten Weise mi« einer Klopfpeitsche mißhandelt. Die rabiate Frau schlug das geistig etwas zurückgebliebene und erblich belastete Kind, wo sie hintraf, so daß bald das Gesicht, der Kopf. Schultern und Rücken des Kindes mit blutigen Striemen und Beulen wie übersät war. Am 29. Mai konnte eS das Kind bei seinen brutalen Pflegeeltern nicht mehr aushalten. Es lief davon und wandte fich an eine Tante, der eS sein Leid klagte. Eine Besichtigung des Körpers des Kindes durch einen hinzugerufcncn Arzt ergab, daß der Rücken und Schultern de? Mädchens eine einzige blaue Stelle bildete.— Vor Gericht behauptete die Angeklagte, daß sie das ZüchtigungSrecht nicht überschritten habe. Sie habe das Kind allerdings häufiger züchtigen müssen, da es sehr naschhaft und verlogen gewesen sei, Die Beweisaufnahme ergab jedoch, daß die Angeklagte oaS Kind in unmenschlicher Weise mit der Klopfpeitsche mißhandelt hatte. Gegen den Ehemann L. konnte nur ein Fall einer Mißhandlung festgestellt werden. Der Staatsanwalt beantragte gegen den Ehemann 20 M. Geldstrafe und gegen die Ehefrau drei Wochen Gefängnis. DaS Gericht ging bezüglich der Ehefrau erheblich über den Antrag des Staatsanwalts hinaus und erkannte gegen sie unter Versagung mildernder Umstände auf 2 Monate Gefnägnttz. Gegen den Ehe- mann L. lautete das Urteil dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf 20 Mark Geldstrafe. Amtliche» Marktbericht der fttidttlchen Martthallen-DtreMon aber den Grotzbandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach, Velch-ift ruhlg, Preise unverändert. Wild: Zufuhr nicht genügend, Geschäft lebhast, Preise fest. Geflügel: Zufuhr knapp, Geschäft reg«, Preise gut. Fische: � Zufuhr etwa» reichlicher, Geschäft schleppend. Preise wenig verändert. Butter und Käs«: Zufuhr gering, Gefchäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd» srücht«: Zufuhr Zgenügend, in Gurken und Pfesserlingen über Bedarf, Geschäft flau, Gurken und Salat fast unverkäuflich, Preis« gedrückt. BSttternngSüderüch» vom«. August 1910, morgens 8 Udr. CMtornn |i I Haparanda Petersburg Scillp tlberdeen Paris II 770D 764 339! SB 755 9! 33 763 SW I nette tt f- Hk 2 walken! 2 wolkig 5Regen 1 Regen 15 13 13 13 Wetterprognose kür Sonntag, den 7. August 1910. Zeitweise aulklar end, aber noch sehr veränderlich, vereinzelte leichte Regen- sälle, Nordwest« bis Westwinde und wenig höhere TageZtemperatur�; Berliner Wetterburea«. OvasserstandS-Rachrtibt-n S« LandeSan stall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand R e m e l. Tilsit Bregel, Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor » Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netz«, Vordamm Elbe. Leitmerttz , Dresden » Bardo , Magdeburg vasserftand Saale, Grochlitz Havel, Svanda»-) . Rathenow'? Spree, Svrember�) , BceSkow Weser, Münden , Minden Rhein, MtusttmlianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main, W-rtheim Masel, Trier am 5. S. ein 164 70 38 151 114 144 156 557 334 347 194 84 feit 4. 8. cm1? +30 —6 +1 +67 0 +94 +120 +11 —1 —7 +89 -S 1+ bedeutet Wuchs,— Fall.— Untervegel. Nach telegraphischen Meldungen ist da? Hochwasser im Onell- gebiete der Weser stark gefallen und Aussicht aus weiteres Steigen nicht vorhanden. Dt« L a u f i tz e r Neiße ist auch wieder gefallen. Mocl?en Spielplan der Berliner Cbeater. KSnigl. Opernhaus. Geschlossen. Königl. Tchanspielhans. Geschlossen. RencS königl. Opern-Theater. Sonntag: Tristan und Isolde.(Zlns. ? Uhr.) Montag: Nheingold.(Ans. 8 Uhr.) Dienstag: Die Walküre. (Ans. 7 Uhr.) Mittwoch: Lohcngrin.(Ans. 7'/. Uhr.) Donnerstag: Sicgsried.(Ans. 7 Uhr.) Freitag: Tristan und Isolde.(Ans. 7 Uhr.) Sonnabend: Götterdämmerung.(Ans. 6'/, Uhr.) Sonntag: Tannhäuser. Montig: Die Meistersinger von Nürnberg.(Ans. 7 Uhr.) Deutsches Dlieatcr. Sonntag: Judith.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Frühlings Erwachen.(Ansang 3 Übr.) Dienstag: Der Widerspenstigen Zähmung.(Ansang 7>/, Uhr.) Mittwoch: Judith.(Ansang 8 Uhr.) Donnerstag nnd Freitag: Der Widerspenstigen Zähmung.(Ansang 7�/, Uhr.) Sonnabend: Faust.(Ansang 7>/, Uhr.) Sonntag: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag: Gyges und scnr Ring.(Ansang 71/, Uhr.) Deutsches Theater(Na mm erspiele). Täglich: Liebeswalzer. Ansang 8 Uhr. Lessing- Theater. Sonntag und Montag: Das Konzert. Dienstag: Nora. Mittwoch: Noscnmontag. Donnerstag: Tantrrs der Narr. Freitag: Das Konzert,«onnabend: Hedda Gabler. Sonntag: Der Biberpelz. Montag: Das Konzert.(»Ansang 8 Uhr.) Kleines Theater. Täglich: Nur em Traum. Ansang 8'/, Uhr. Berliner Theater. Täglich: Taifun. Ansang 8 Uhr. NeucS Theater. Montag und solgende Tage: Kajernenlust.(An- sang 8 Uhr.) Neues Schauspielhans. Täglich: Der Flieger. Ansang 8 Uhr. Hebbel-Theater. Sonntag und solgende Tage: Wem gehört Helene? Kuß aus der Nedoute. Ansang 8'/« Uhr. Komische Oper. Täglich: Der Regimentspapa. Anfang 8 Mr. Thalia-Theater. Sonntag und solgende Tage: Polnische Wirtschast. Ansang 8 Uhr. Schiller- Tbcater O, Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Freischütz. Abends 8 Uhr: Die Zauberflöte. Montag: Der Troubadour. Dienstag: Die Zauberflöte. Mittwoch: Die Förster-Christl. Donnerstag: Zar und Zimmermann. Freitag: Die Zauberflöte. Sonnabend: Zar und Zimmer» mann. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Förster-Christl. Abends: Undine. Montag: Martha. Ansang 8 Uhr. Schiller. Theater Charlottenburg. Täglich: Die von Hochsattel. Ansang 8 Uhr. F-riedrich-Wilhelmstäptisches Schauspielhaus. Geschlossen. Neues Operetten> Theater. Sonntag und solgende Tage: Der Gras von Luxemburg. Ansang 8 Uhr. Residenz-Theater. Sonntag und folgende Tage: Im Taubenschlag. Anfang 8 Uhr. Theater deS WestenS. Sonntag und solgende Tage: Die geschiedene Frau. Ansang 8 Uhr. Berliner Bolks-Oper. Sonntag und folgende Tage: Alt-Hcidelberg. Ansang S'/i Uhr. Luisen-Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Lena Wartcnbcrg. Abends 8 Uhr: Auf der Goldlvage. Montag: Aus der Goldwagc. Dienstag: Der Gras von Monte Christo. Mittwoch: Aus der Goldwage. Donnerstag: Die stille See. Freitag und Sonnabend: Aus der Koldmage. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Der stille See. Abends 8 Uhr: Der Gras von Monte Christo. Ansang 3 Uhr. Lustspiclhaus. Allabendlich: DaS LentnantSmündel. Ansang 8 Uhr. Herrufeld-Xheater. Täglich: Die Welt geht unter. Wenn zwei das- selbe tun. Ansang 8 Uhr. Brater-Thcatcr. Täglich: SchützcnliS'l. Ansang 8 Uhr. Roie-Tbeater. Täglich: Ein seltsamer Fall. Ansang 3 Uhr. Apollo-Tlieatcr. Allabendlich: Spezialitaten. Ansang 8 Uhr. Folics Caprice. Allabendlich bis aus weiteres: Die böse 13. Die keusche Toinette. Anfang 8'/« Uhr. Metropol- Theater. Allabendlich: Hallo I Die große Revue I Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Buggeuhageu. Täglich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Rcichshnlle»- Theater. Täglich: Stcttiner Sänger. Ansang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Karl Haverland- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Prater-Thcatcr. Täglich: Schützenlisl. Ansang 8 Uhr. Urania- Theater. Taubenstr. 48/49. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag und Dienstag: In den Dolomiten. Mittwoch und Donnerstag: Die Insel Rügen. Freitag und Sonnabend: Von der Zugspitze zum Watz- mann. Sonntag: Die Insel Rügen. Montag: Unbestimmt. Ansang 8 Uhr. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57—82. Briefkasten der Redaktion. Tie stiriftilibe Eprechstunve sind«» Lindenftrahe Nr. KV, dorn vier Treppen— stzadrstiidl—, wowentägliiti donSfl, bis 7'h Uhr abends, Eonuabcud» von bis 0 Uhr nachmittags statt. Jeder für den Pries- tasten bestimmten Slusrag- ist ein Pochftadc nnd eine Zahl alS Stiert- jcirtirii beiziitüge». Briefliche Antwort wird nicht erteil». Eilige Sraacn träne man in der Evrechstunde vor. Ehemaliger Fiirsorgezögling H. Charlottenburg. Sie haben in Ihrem Bries Ihre Adresse nicht angegeben. Teilen Sie uns diese so s o r t mit.— Ausland. 1. Ja. 2. DaS hängt von dem Inhalt deS Vertrages ab. Ist darüber nichts vereinbart, so haben die Erben Anspruch aus Provision von sämilichen abgeschlossenen Geschäften, auch dann, wenn die Lieferung noch nicht erfolgt ist. Die Erben lömicn Rechnungslegung und Zahlung evcniuell im Klagcwcgc, verlangen. Der Anspruch verjährt in zwei Jahren. — IgSS H. Den Tausch selbst halten wir für rechtswirlsam(§ 110 Bürgert. Gesetzbuch). Dagegen ist der Junge oder dessen Vertreter nicht verpflichtet, die Zuzahlnng zu leisten.— A. B. Derzeitige Adresse leider nicht bekannt.— Wagner, Görlister Strasse. Nein. Ersatz des Schadens können Sie aber verlangen.— H. P. 07. Ja. Wenden Sie sich an einen Musilvcrlag, vielleicht an Bote u. Bock, Leipziger istr. 37.— 3». 3. 1. Der Wirt hat an den Sachen das Pfandrecht, jalls Jbre Multe» den Vertrag mitunterschrieben hat. Er könnte daher der Fortschaffung widersprechen. 2. Dem Vater, wenn daS Gericht aus Antrag nicht eine anderwcite An- ordnung trisst.— I. C. 50. Wenden Sie sich an Will). Hinz, Prinzen- straße öS.— A. H. JJOI. Die Fragen lassen sich nur bei Kenntnis des Güterstandcs, in dem die Schwiegereltern leben, beantworten. Dazu sind An- gaben über dcnZcitpniitl dcrEheschlicßung und den ersieiiEhcwohiisitz crsorderlich. — O. S. 10. Die Kauimännische Fortbildungsschule erteilt Unterricht in der russischen Sprache. Sprechen Sic evcnt. mit dem Direktor Dr. Knörk, Biirgstr. 25(Sprechstunden 12'/,— 2). Karl Lnpnih, Beusselstr. 44kl, wird Ihnen aus Anfrage Auskunst crteUcn, falls Hie Privatunterricht wünschen. — Kriiliiincstr. 40. Sie würden nur dann basten, wenn die lieber- tragung des Geschästs zu dem Zweck geschieht, um die Gesellschast zu be- nachteiligen, sonst nicht.— Rixdorf IVO. 1. Ja. 2. Eine andere Stelle ist uns nicht bekannt.— A. S. 40. Nein.—<5. I. 11. 1. Ja. Sie müßten dem Schuldner über den Empfang den Eid zuschieben. 2. Der Nachweis eines solchen Anerkenntnisses reicht aus. 3. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirl der Schuldner seinen Wohnsitz hat. 4. Die Kosten trägt der unterliegende Teil. Verlieren«ie den Prozeß, so sind Sie zur Erstattung der gegnerischen Anwnliskosten verpflichtet.— O. Oi. Ja. — B. 306. Im Verlage der Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69, ist erschienen:.Frauenleiden und deren Verhüiung", mit einem Anhang.Die Verhütung der Schwangerschaft'. Preis 50 Pf., Vvlksausgabi 20 Pf., Porto 3 Pf.— G. G. 23. 1. Die Beitragshöhe richtet sich nach der Höhe des von der Ortskrankcnkasse ermittelten durchschnittlichen Tagclohns. Der Arbeitgeber zahlt die Hälfte. 2. Fricdrichstratze 3 Kilometer. 3. Etwa 7 Kilometer.— O. M. 80. 1.— 3. Die mitgeteilte Form hat Leine rechtliche Wirkung. Im Anschluß an das Schuldauerkennlnis empfiehlt es sich, einen Kaufvertrag oder einen Sicherungsübereignungsvertrag zn schließen, der am zweckmäßigsten von einem Rechtsanwalt oder Notar entworsen wird. — E. L. 10. 1. Besteht tatsächlich Gütergemeinschaft, so erben die Eltern den Anteil der Verstorbenen am Gesamtgut. 2. Stein, wenn Eltern oder Geschwister vorhanden sind._ Von der Reise zurück! Freischmidt, prakt. Arzt, Wundarzt und Geburtshelfer. Charlottenburg, 333L Berliner Straße 98. (ihren, Ketten Goldwaren in bester Ausführung j zu billigsten Preisen 1 Preisliste umsonst| und portofrei S. Krelscli Bier,„ ÄÄ, Arbeitsranme Frankf. Allee 167 N Tr. 6 helle Borderzimmer mit Küche uKorrtd. per l.Okt. preiiw.zu vcrm. Näheres dort bei Hintes. 87/2* f oeee»«»»— eeo— f Zepermek-Bernau. Parzelle von SSV 11. an(ca SOGR.) Kleine Anzahlung u. langjährige Hypothclen. Pläne gratis. Verkäufer eUndlg am Bhf. Zepernick. J. Bieger, Berlin, Gontardstr. 5. Kolonie Engelmann' ansehen! 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