Ar. 184. HbonnemcntS'BfdJngonäefi! BfionnemcntS- PreiZ pränumerando Z »ierteljährl. SM mi., rnonatl. l,tO 271!., »vöchentlich 2b Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Psg. Sonntags- numnicr mit illustrierter Sonntags. Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post- «bonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 87. Jahrs» erfödnt tftlld) außer Blontagt. Berliner Volksblnkk. Die Tnlerttons-Gebüftr velrägt für die sechsgespaltene Nolonef- zeile oder deren Raum b0 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins. und Versammlungs-Sst, zeigen S0 Psg. „Kleine Hnieigen", das erste(feit. gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- stellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Ndreffet ..SsilaliltvsMt Berlört Zentratorgan der rozialdcrnokrat» fehen Partei Deutfcblands. Redaktion s SM. 68, Lindenatrasac 69» Fernsprecher- Amt IV, Nr. IS8Z. Expedition: SM. 68, I�indenstragse 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. IS8I. ssropagancka fii? die Vernichtung des Hfylrechts. Die internationale kriminalistische Vereinigung, die An- fang August wiederum in Brüssel tagte, darf trotz ihrer bunt- scheckigen Zusammensetzung zu einem erheblichen Teil als die Vertreterin moderner kriminalistischer Anschauungen gelten. Sie besitzt eine zum Teil nicht unbegründete beträchtliche Autorität, die sich in Preußen-Deutschland freilich naturgemäß Viel mehr auf ihre reaktionären Tendenzen erstreckt, als auf ihre fortschrittlichen Anregungen. Es gilt daher, die öffentliche Aufmerksamkeit der ganzen Kulturwelt auf die geradezu skandalöse Haltung dieser Vereinigung in Sachen des Auslieferungsrechtes zu lenken und es ist in erster Linie Vflicht, in Deutschland u-nverzüglich dagegen mobil zu machen. Referent war Professor Liepmann-Kiel. Die Anschauungen, die dieser Herr unter dem lebhaften Beifall der Vereinigung vertrat, zeigten aufs neue die politische Un- zulänglichkeit und Gemeingefährlichkeit des deutschen Wald- und Wiesen-Professors, mag es sich auch um eine Leuchte auf irgend einem Spezialgebiete handeln. 1 Professor Liepmann will Auslieferungsrecht und-Pflicht allgemein international geregelt haben: er wünscht ihre Uni- formierung durch einen internationalen Code. Eine Re- solution der Vereinigung hat sich diese Forderung zu eigen gemacht und das Bureau der Vereinigung beauftragt, darauf hinzuwirken, daß auf die Tagesordnung der Haager Kon- ferenz die Aufstellung gemeinsamer Grundfätze über die Aus- lieferung gesetzt wird. Bei der Beschaffenheit der Haager Konferenz hat man selbstverständlich das Schlimmste zu ge- wältigen, der geplante Code würde nichts anderes als eine Vernichtung der bisherigen politschen Asyle bringen. Folgendes die gefährlichsten Vorschläge des Herrn Professors: «Die Klausel der beiderseitigen Straf- b a r k e i t m u ß f a l l e n": d. h. künftig soll die Pflicht zur Auslieferung nicht mehr wie jetzt davon abhängig sein, daß die Handlung, wegen deren die Auslieferung verlangt wird, auch in dem ausliefernden Staate mit Strafe bedroht ist. Mit höchst fadenscheinigen Gründen wird diese Forderung verfochten. Man beruft sich allen Ernstes auf die fllrchter- liche Konsequenz des gegenwärtigen Rechtszustandes, daß die Schweiz wegen ausgerechnet— Seeräuberei angeblich nicht ausliefern könne, übrigens ein offenbarer Unsinn, da das Schweizer Strafgesetz die Seeräuberei natürlich bedroht, wenn auch nicht im Sinne eines Spezialdcliktes. Professor Liepmann meint weiter, es bedeute eine Einmischung in die inneren Verhältnisse des anderen Staates, d. h. des die Aus- lieferung verlangenden Staates, wenn man die Strafbarkeit nach dem Rechte des ausliefernden Staates prüfe. Der brave Herr übersieht dabei, daß es sich vielmehr um eine Ein- Mischung in die inneren Verhältnisse des ausliefernden Staates handelt, wenn von diesem die Auslieferung wegen eines von seiner eigenen Gesetzgebung nicht für kriminell er- achteten Tatbestandes verlangt wird. Die Klausel der beider- feitigen Strafbarkeit kann ohne die Erschütterung aller Grundsätze des Strafrechts, wie sie in allen höher entwickelten Staaten bereits festgelegt sind, einfach nicht fallen gelassen werden. Die Auslieferung ist ein Akt der Strafverfolgung. Den um die Auslieferung angegangenen Staat zu der- pflichten, wegen einer von ihm selbst nicht bedrohten Hand- lung auszuliefern, heißt, ihn verpflichten, im Interesse eines anderen Staates eine Strafverfolgung zu inszenieren, die er nicht einmal in seinem eigenen Interesse inszenieren dürfte, die ihm nach seiner eigenen Gesetzgebung schlechthin verwehrt ist. Die Stmfverfolgungsbehörden des um die Auslieferung angegangenen Staats wären ein Spielball in den Händen des die Auslieferung fordernden Staates. Der primitivste Grundsatz alles Strafrechts, keine Strafe ohne Gesetz, würde mit Füßen getreten. Die zweite Forderung Liepmanns lautet:„Auch die eigenen Staatsangehörige>n find auszu- l i e fe r n." Wie national doch der Herr Professor gesonnen ist! Die Schweiz soll nach dem Wunsche des Herrn Pro- fessors genötigt sein, obwohl sie ein weit moderneres Straf- recht und einen viel besseren Strafprozeß als Deutschland besitzt, ihre eigenen Untertanen in die Hände der in vielen Beziehungen miserablen deutschen Justiz zu liefern! Von der Schweizer Regierung wird man erwarten können, daß sie ein solches Ansinnen energisch abwehrt. Aber felbst-« versländlich würde der Herr Professor Liepmann nichts da- gegen einzuwenden haben, wenn ein deutscher Staatsange- höriger in die Hände der russischen Schergen gegeben würde. Am Ende— wenn auch der erste Wunsch des Herrn in Er- füllung geht— wegen einer Handlung, die nicht nach deut- schem, wohl aber nach russischem Rechte strafbar ist. Das teure„Vaterland" würde damit seine für die weitesten Kreise der Bevölkerung bereits hinreichend ramponierte Beliebtheit ganz gewiß einigermaßen aufbügeln. Aber der Herr Professor hat, wie das ja schon in altem deutschen Märchen öfter vorkommt, drei Wünsche. Und der letzte ist der beste. Bedarf es noch eines Wortes, um zu sogen, daß sich diesex Wunsch auf die Auslieferung politischer Verbrecher bezieht. Ganz im Geiste der internationalen Polizei-Reaktion erklärt er es als„eine große Uebertreibung und eine gefährliche Illusion, alle politischen Verbrecher der Auslieferung zu entziehen". Er beginnt be- scheiden mit dem Hinweis auf die Brutalität der Königs- morde und erlaubt sich dann, wenn der uns vorliegende aus- fübrliche Bericht zutrifft, die niedliche Entstellung, daß die Attentatsklausel von England und anderen Staaten nur um deswillen in die Auslieferungsverträge nicht aufgenommen worden sei, weil sie sich gesagt hätten, daß diese Klausel viel zu eng sei. Diese geradezu unglaubliche Phantasie nach dem Grundsatz des„was man wünscht glaubt man gern", ge« währt dann dem Herrn Professor die begeisterte Hoffnung, daß es möglich sein müsse, eine solche erweiterte Klausel— wahrscheinlich nach dem Muster der Auslieferungsverträge zwischen Preußen und � Bayern einerseits und Rußland andererseits— international allgemein einzuführen: Das Minimum ist für den Herrn Professor, daß alle Delikte„ge- meingefährlichen Charakters", auch wenn sie aus politischen Motiven und zu politischen Zwecken begangen sind, die Auslieferung rechtfertigen. Selbstverständlich vor allem der„Meuchelmord"— außer wenn er— wie gütig!— im offenen Bürgerkrieg begangen ist. Sein ganzes Herz enthüllt Herr Liepmann schließlich, indem er ganz allgemein die Taten der Anarchisten der Auslieferung unterworfen wissen will. Wie mag Herrn Stolypin und wie mag dem guten russischen Väterchen, das sich soeben wieder anschickt, den deutschen Boden zu besudeln, das Herz vor Freude klopfen über dieses schöne Bekenntnis einer ihnen so nahe verwandten wenig schönen Seele! Natürlich hat der Herr Professor keine Ahnung, was ein Anarchist ist. Denkt er vielleicht an jene echten Anarchisten und wirklich gemeingefährlichen Verbrecher und Hallunken, die in Rußland in kructidus et kloribus sitzen oder be- schienen von der gnädigen Sonne der Regierungsgunst anderer Staaten dort ihr Wesen treiben als infame iBrnäter und Provokateure? Wir wissen aber aus dem Munde des Herrn Liepmann selbst, weshalb sein Herz an der Anarchistenverfolgung und überhaupt an der Beseitigung des Asylrechts für politische Verbrecher hängt. Er bekennt ganz ungeniert, freilich eben so naiv-offenherzig wie ungeniert: Einst galt das Asylrecht für politische Verbreckier mit Recht, denn„einst galten sie als Werkzeuge zur Einführung eines Fortschritts". Heute ist natürlich davon nicht mehr die Rede. Heute ist ja der Zu- stand der höchsten Vollkommenheit, heute ist ja die beste aller politischen Welten allenthalben bereits verwirklicht. Was heute gegen die heute bestehende Staats- und Gesellschafts- ordnung angeht, das ist„gemeingefährlich"— natürlich für die Nutznießer dieser heutigen Ordnung, zu deren Mundstück sich der deutsche Professor Liepmann mit aller Emphase her- abaewllrdigt hat. Und dieser Herr hat wahrhaftig die Kühnheit, am Schluß seiner Ausführungen, die auf eine internationale Koalition gegen allen Fortschrstt abzielen, zu behaupten, daß eine Durchführung seiner Anregungen dem „Fortschritt eine Gasse bahnen" würde! Jawohl: Dem ge- hemmten Fortschritt und dem geförderten Rückschritt! Das internationale Asylrecht ist wahrlich schon genügend auf dem Hund: die Vorgänge in der Schweiz haben es gerade jüngst wieder gelehrt. Und Deutschland hat das unwürdigste und elendeste Auslieferungsrecht unter allen fogenannton zivilisierten Staaten. Vor kaum� Jahresfrist haben unsere bayerischen Genossen das bayerische Abgeordnetenhaus zu einem einmütigen Protest gegen die Schande des bayerisch- russischen Auslieferungsvertrages veranlaßt und auch im preußischen Abgeordnetenhaus ist der preußisch-russische Aus- lieferungsvertrag erst vor wenigen Monaten gebührend ge- brandmarkt worden. Hier natürlich gegen den Protest der kompakten reaktionären Mehrheit des Dreiklasscnwahlrechts. Professor Liepmann hat kein Wort der Kritik gegen die schmachvollen- deutschen Auslieferungsverhältnisse gefunden: er ist offenbar ein Herz und eine Seele mit der preußischen Reaktion, dieser Vertreter des„Fortschritts"! Die internationale Solidarität aller Reaktion ist wahr lich nicht abhängig von irgend einem deutschen Professor oder irgend einer Resolution der internationalen kriminalistischen Vereinigung. Sie ist längst schon kein leerer Wahn mehr: vor allem die internationale Solidarität der politischen Re aktion und der sozialen Unterdrückung gegen das kämpfende Proletariat. Aber ebensowenig ist die Solidarität des inter- nationalen Proletariats ein leerer Wahn. Man wird es auf der Wacht finden, um das geplante neue Attentat auf den politischen und sozialen Fortschritt an den Pranger zu stellen und seine Durchführung zu vereiteln- Sie Slahlreforrn als SchacherobM? Daß die Wahlrechtsfrage unbedingt zu lösen ist, da» erscheint auch unseren reaktionären Politikern nachgerade als Axiom. Die Frage ist nur die: in welcher Form das Versprechen der Thron- rede eingelöst werden könne. Und dabei spielt wieber die Utzter- frage eine große Rolle: Wann ist eine neue Wahlrechtsvorlage einzubringen. Denn über den Termin ist man sich offenbar noch nicht einig. Manche Gründe sprechen dafür, daß die Wahlrecht?- vorläge schon vor den ReichStagswahley einzubringen sei; manche Gründe sprechen dagegen, Wichtiger noch ist die Frage, welche Form denn die Vorlage haben müsse. Daß die Regierung nicht das Reichstagswahlrecht vorschlagen wird, versteht sich ganz von selbst. Aber auch eine Wahl- rechtsvorlage, die sich das Elaborat des schwarz-blauen Blocks zum Muster nähme, hätte keine günstigen Aussichten. Es ist schon not- wendig, auch auf die Nationalliberalen Rücksicht zu nehmen. Seiner- zeit ist ja von dem schwarz-blauen Block das geheime und direkte Wahlrecht abgelehnt worden. Das Zentrum behauptete ja bekannt- lich, es sei nur deshalb gegen die Verbindung des geheimen mit dem direkten Wahlrecht gewesen, weil die Regierung niemals ein solches Zugeständnis bewilligt haben würde. Nach dem Verlauf der Kommissionsverhandlungen war es dagegen mindestens zweifel- Haft, ob die Regierung nicht eher das geheime Wahlrecht zugestand, als daß sie das von ihr vorgeschlagene direkte Wahlrecht abgelehnt sah. Wie dem aber auch sei. wenn die neue Vorlage kommt, können sich die Liberalen unmöglich einfach mit dem Zugeständnis des schwarz-blauen Blocks, das heißt der geheimen Wahl, ab- finden lassen. Sie, die diesmal das blau-schwarze Kompromiß ab- lehnten, müssen künftig erst recht ein wenig mehr bieten. Unter solchen Umständen könnte das Zugeständnis der direkten Wahl zur geheimen Wahl für unsere Nationalliberalen ausschlag- gebend sein. Es würde genügen, um das ja so leicht zu beruhigende liberale Gewissen unserer. Nationalliberalen zu beschwichtigen. Die übrigen Streitfragen zwischen dem schwarz-blauen Block und unse- ren Nationalliberalen würden dann schon, natürlich zum Schaden derVolksrechte, auszugleichen sein. Selbst dann, wenn die Vorlage nicht vor den Reichstagswahlen käme, könnte sich doch der„Jndustrie-Liberalismus", um mit der„Rheinisch- Westfälischen Zeitung" zu sprechen, beim Zusammengehen eines konservativ-nationalliberalea Blocks auf solche liberale Ver- heißungen berufen. Wie die Wahlrechtsvorlage dann schließlich ausfallen wird, hängt ganz von den politischen Umständen ab. Möglich, daß ein gewaltiges Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen der Regierung die Ueberzeugung beibringt, daß dem oppositionellen Ansturm in Gestalt des geheimen und direkten Wahlrechts eine Abschlagszahlung gewährt werden müsse. Es ist immerhin bezeichnend, daß auch die.,KonservativeMonats, s ch r i f t" sich in ihrer letzten Nummer entschieden für eine Wahl- reform ins Zeug legt. Sie sagt ausdrücklich, daß es k e i n P 0 st u» l a t des Konservativismus sei, sich unter allen Umständen auf daS indirekte Wahlsystem festzulegen. Es erscheint also nicht un- möglich, daß, wenn sich bei den Reichstagswahlen ein gewaltiger Druck der Massen offenbart, die Konservativen bereit sind» ein Loch zurückzustecken und neben dem Zugeständnis der geheimen Wahl auch das der direkten Wahl zu machen. Wobei natürlich ihre Absicht, wie die der Reaktion überhaupt, wäre, eine demokra« tische Reform des Dreiklassenwahlrechts zu verhindern. Es versteht sich von selbst, daß die„Deutsche T a g e s z t g." heftigen Einspruch gegen die Auslassungen der„Konservativen Monatsschrift" erheben. DaS Junkerorgan meint, die„Konser- vative Monatsschrift" brächte zwar eine„Reihe ausgezeichneter, prächtiger Aufsätze", sie habe aber schon viele Wandlungen durch- gemacht und früher schon die Neigung bewiesen, Ansichten zu ver- treten, die von den in der konservativen Partei herrschenden Aufs fassungen abwichen.— Köstlich vor allem aber ist, wie sich das leitende Jen« t r u m S 0 r g a n, die„Germania", zu der Frage der d i r e k» ten Wahl stellt. Es schreibt: „Will Herr v. Bethmann Hollweg seinen früheren Entwurf in dem Maße preisgeben, daß er, der Forderung Schmollcrs ent- sprechend, die direkte und geheime Wahl bewilligt, so ist es uns gewiß auch recht. Zu bedenken ist aber auch, daß der Staat nicht allein dadurch erschüttert werden kann, daß der Acheron sich in Bewegung setzt. Wir möchten ein Wahlrecht, das begründete und zeitgemäße Ansprüche der„Demokratie" befriedigt, ohne den Kon« servativcn gewaltsam aufgezwungen werde» zu müssen." Hier bestätigt also die„Germania", daß das Zentrum nur eins solche Wahlreform machen möchte, die den Konservativen angenehm ist. Das war aber just das, was seinerzeit der freikonservative Führer v. Zedlitz behauptete, und wogegen sich gerade damals die„Germania" mit einem ja großen Aufsand von Entrüstung verw.ahrtet fabiiche taktik. London, 5. August.(Eig. Ber.) Der erste Teil der Parlamentssession ist zu Ende und seine Geschichte wird kaum ein Ruhmesblatt für die englischen Liberalen bilden. Nach einem der hitzigsten und gewaltigsten Wahlkämpfe, die man kennt, erschien der Premierminister Asquith vor den siegreichen Liberalen und ihren Hilfstruppen mit dem demütigenden Bekenntnis, daß seine stolzen Worte, mit denen er den Kampf eingeleitet, mißverstanden worden seien und daß an eine Erfüllung der großen Hoffnungen des Volkes nicht zu denken sei. Die Antwort auf diesen offenkundigen Verrat der Wählerschaft ließ nicht lange auf sich warten. Die liberalen Mitglieder des Unterhauses, bei denen die Furcht vor dem Zorn des Volkes, dem der Kampf gegen die Lords keineswegs ein politisches Manöver, sondern bitterer Emst war, dieses Mal die Parteidisziplin überwog, drohten zu re- bellieren und Iren und Arbeiterpartei setzten der Regierung das Messer an die Kehle. Die Wighs zogen sich direkt in den Hintergrund zurück und es kamen nun unter dem Druck Herm Redmonds, der die Minister unermüdlich im Laufschritt hielt, jene Resolutionen zur Annahme, deren Schicksal im Oberhause das Schicksal der Lords bestimmen sollte. Wenn irgend einer Partei für ihre Leistungen in dieser an frucht- baren Arbeiten so armen Legislaturperiode Ehre gebührt, so ist es die Partei- der irischen Nationalisten unter der Führung Redmonds. Der unerwartete Tod des Königs Eduard machte den Aus- sichten auf einen nahen Zusammenstoß zwischen der liberalen Regierung und den Lords ein Ende. Die von konservativer Seite angesagte Konferenz zwischen den Führern der beiden um die Ministersessel streitenden Parteien war den Regierungs- männern, die sich ihrer Schwäche, die von der Uneinigkeit zwischen den verschiedenen Teilen dör liberalen Partei her- rührt, Wohl bewußt sind, keineswegs unangenehm. Die konservativen Tarifreformer hofften, daß die Ausschaltung der unangenehmen Verfassungsfrage ihren Agitatoren freie Bahn schaffen würde. Für die Liberalen wiederum war diese Verzögerungspolitjk eine Rückkehr in ein Milieu, in dem diese programmlose Partei am besten gedeiht. Man sieht aus der Erklärung, die Herr Asquith vor kurzem im Unterhause abgab ünd in der er uns zu verstehen' gab, daß die Regierung keineswegs bereit sei, die Verhandlungen niit der Opposition schon jetzt abzubrechen, daß den Ministern das untätige Schlaraffenleben sehr gut gefällt. Uebrigens kann man aus dem höchst sorgfältigst abgefaßten Schriftstück auch herauslesen, daß sich die Regierung den Weg nach beiden Seiten offen lassen will? sie gibt den Linkslibcralen zu ver- stehen, daß die Konferenz im Grunde genommen nur eine un- Vcrmeidliche politische Komödie war, der man, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen, ein Ende bereiten werde, und den Whigs und Konservativen versichert sie, daß eine Ver- ständigung nicht ausgeschlossen sei und daß man eine die konservativen Elemente befriedigende Mittellinie finden »verde. Indem die Regierung in dieser Weise verständnisvoll bald mit dem linken, bald mit dem rechten Auge zwinkert, befriedigt sie beide Parteien; denn jede denkt, die andere werde hineingelegt werden. Indessen kann man schon heute ziemlich deutlich wahr- nehmen, wohin der Wind weht. Seit den letzten Wahlen ist ein bemerkenswerter wirtschaftlicher Aufschwung zu verzeichnen, wenn man den offiziellen Ziffern über die Ein- und Ausfuhr Glauben schenken will. Wir scheinen wieder einer jener kurzen Prosperitätsperioden entgegenzugehen, die die arbeitende Klasse ein wenig für die bittere Not der langen Depression ent- schädigt. Diese Erscheinung ivird nicht verfehlen, auf die Ent- Wickelung der politischen Verhältnisse Englands einen ausschlag- gebenden Einfluß auszuüben. Lcben doch die Tarifreformer gerade- zu von dem wirtschaftlichen Niedergang. Zu solchen Zeiten lieben sie es, die Not der arbeitenden Klasse Großbritanniens dem vermeintlichen Wohlstand der arbeitenden Klasse anderer und zwar schutzzöllnerischer Länder gegenüberzustellen, von deren wirklichen Lebensbedingungen der Insulaner, der bisher mit schlecht verhüllter Verachtung auf die Kontinentalen herabsah, keine Ahnung hat. Die gute Konjunktur bedeutet daher für die Tarifreformer ein arges Mißgeschick. Dazu konimen noch mancherlei andere Umstände, die den konservativen Agitatoren das Leben sauer machen. Die Volksbewegung in Amerika und nanientlich in Deutschland gegen die unersättlichen Kraut- und Schlotjunker fängt an, auch im britischen Volke aufmerksame Zuschauer zu finden, denen die Wunderkraft des schutzzöllnerischen Allheilmittels ver- dächtig zu werden beginnt. Ein neuer schwerer Schicksals- schlag traf die Tarifreformer vor einigen Tagen, als sich Kanada, die„weiße Dame des Nordens", die schönste Tochter der britischen Mutter, die das Mutterland Wirtschaft- lich an sich ketten müsse, um die Einheit des britischen Welt- retchs zu bewahren, aus dem Munde seines Premierministers sich für den Freihandel erklärte. Die Farmer des sich mit großer Schnelligkeit bevölkernden Westens, lehnen sich dagegen auf. von den mit hohen Schutzzöllen aufgepäppelten In- dustriellen ausbeuten zu lassen und haben erklärt, daß sie kein Interesse daran hätten, den Arbeitern Großbritanniens das Brot zu verteuern. Mag auch Sir Wilfrid Laurier nur ein Freihändler im Sinne der Pickwickier sein, die rasch zunehmende politische Macht des Westens wird ihn bald zu seiner alten Liebe zurückführen. Aus all' diesen Indizien kann man schließen, daß die Tarifreformbewegung in Großbritannien sich nicht, wie manche glauben, unaufhörlich weiter entwickeln wird. sondern vor dem Niedergange steht, wenn dieser nicht gar " schon eingetreten ist. Die liberale Regierung verfolgt deshalb keine un- intelligente Politik, wenn sie ruhig sitzen bleibt und die Dinge sich entwickeln läßt. Was sie gegen Mitte des Monats November, wenn daS Parlament wieder zusammentritt, zu tun gedenkt, weiß sie jedenfalls selbst noch nicht. Der Kampf gegen die. Lords, mit dem sie höchst- wahrscheinlich wieder aufwarten wird, ist ein ausgespielter Trumpf; nur die Linksliberalen. denen die ungleich- artige Zusammensetzung ihrer Partei und der daraus resultierende Mangel an Schlagkraft noch nicht zum Bewußtsein gekommen ist, hoffen noch auf einen Vernichtungs- krieg gegen die Lords. Bei der Arbeiterpartei erweckt dieser Schlachtruf kaum noch ein Echo. Gelingt es den sozialistischen Parteien Englands, bis zum Herbst die angebahnten Einigungsversuche zu einem befriedigenden Abschluß zu bringen und mit vereinten Kräften die Politik und Haltung der Arbeiterpartei zu beeinflussen, so dürfte sich das Resultat der Wahlkampagne, deren Anfang um diese Zeit zu erwarten tft, für das englische Proletariat keineswegs ungünstig ge- stalten. Den Liberalen dürfte es alsdann schiverlich gelingen, das Volk wiederum mit verlockenden und unwirklichen Ver- fassungsfragen auf die falsche Fährte zu locken. politische Gebcrficbt. Berlin, den 8. August 1910. S entrumsgrunds ätze. Gas Zeittom hält, wie erst kürzlich wieder von seinen Blättern aus Anlaß des Martin Spahnschen Artikels im „Hochland" persichert wurde, unentwegt an seiner alten tradi- titnellen Forderung der Uebertragung des Reichstagswahl- «rechts auf Preußen fest. Wie es mit dieser Unentwegtheit bestellt ist, zeigen folgende Aeußerungen der„Germania" zu sdem kürzlich von uns wiedergegebenen Artikel des Professors jSchmoller: „Wir sind selbstverständlich ganz damit einverstanden, daß die Negieung eine neue(und'bessere) Wahlvorlage einbringe. Wir stimmen Herrn Schmoller auch darin zu, daß es bester und• klüger sei, ein notwendiges Zugeständnis rechtzeitig zu machen, als sie sich unter revolutionärer Erschütterung des �Staatswesens abzwingen zu lasten. Die grundsätzliche Korberung des Zentrums ist bekannt. Wenn eS sich in der verflossenen.Session vorläufig mit wenigem zufrieden geben wollte, so geschah es in der Ueberzeugung, daß mehr zurzeit nicht zu erlangen sei. Will Herr v. Bethmann Hollweg seinen früheren Entwurf in dem Maße preisgeben, daß er, der Forde- rung Schmollers entsprechend, die direkte und geheime Wahl bewilligt, so ist es uns gewiß auch recht. Zu be- denken ist aie't auch, daß der Staat nicht allein dadurch erschüttert werden kann, daß der Ach er on sich in Bewegung setzt. Wir möchten em Wahlrecht, das begründete und zeitgemäße Ansprüche der„Demo- kratie" befriedigt, ohne den Konservativen gewaltsam auf- gezwungen werden zu müssen." Diese Definition des unfreiwilligen Zentrumswitzblattes ist köstlich. Also grundsätzlich ist zwar das Zentrum für ein allgemeines, gleiches, direktes und geheimes Wahlrecht für Preußen und hält mit Gottvertraueu und Ueberzeugung an dieser Forderung fest; aber Bedingung ist, daß die Konser- vativen sich auch zu dieser Forderung bekehren. Und da sie das nicht tun werden, so läßt trotz aller heiligen Grundsätze das Zentrum die Wörtchsn allgemein, gleich, direkt und geheim fallen und entscheidet sich, wenn es sein muß, für das ungleiche, indirekte und öffentliche Dreiklassenwahlrecht! Verlogenheit, dein Name ist Zentrum. Schutzzöllncr-Logik. Die industriellen Hochschutzzöllner sind eine höchst seltene Menschenspezies. Sie verlangen von ihren verschiedenen Vaterländern, daß sie ihre Produktion auf dem Inlandsmarkt schützen, das heißt durch höhe Schutzzölle die ausländische Konkurrenz möglichst ausschließen; verfährt aber ein anderer Staat ebenso und schneidet ihnen dadurch die Ausfuhr nach seinen Märkten ab, so schreien sie über Beeinträchtigung des Handels und fordern von ihrer Regierung ein energisches Einschreiten, nötigenfalls mit Waffengewalt. Dieselbe Schutz- Zollpolitik, die sie, wenn der eigene Staat sie befolgt, als große nationale Tat preisen, ist dann, wenn ein anderer Staat sie gegen ihren Export anwendet, eine Gemeinheit. Ein Beispiel für diese kuriose, durch das einseitigste Selbstinteresse diktierte Auffassung liefort aufs neue der schutzzöllnerische Zentralverbvnd deutscher Industrieller. Be- kanntlich ist Schweden dem Vorgehen des Deutschen Reichs gefolgt und hat ebenfalls seine Zollsätze hinaufgesetzt, beson- ders auf Jndustrieartikel. Dadurch ist der Abschluß emes neuen deutsch-schwedischen Handelsvertrages sehr erschwert, denn für eine ganze Reihe von Waren, die bisher ans Deutsch- land in Schweden eingeführt wurden, hat sich der Zollsatz nicht unbeträchtlich erhöht. Das hat den Zentralverband deutscher Industrieller bewogen, unter Bezugnahme aus frühere Eingaben sich nochmals an den Reichskanzler zu wenden und ihn aufzufordern, bei den Abschlußverhandlrmgen über einen neuen Handelsvertrag mit Schweden dahin zu wirken, daß die Sätze des schwedischen Zolltarifs dermaßen herabgesetzt werden, daß die deutschen Industriewaren, Haupt- schlich die Tertilfabrikate, nicht von der Konkurrenz ans den schwedischen Märkten ausgeschlossen werden. Ueber dieses Vorgehen berichtet der Zentralverband deutscher Industrieller selbst in einem Schreiben an die „Rhein.-Westf. Ztg.": „Er(der Zentralverband) hat zunächst den Nachweis ge- führt, daß schon in dem jetzt geltenden schwedischen Zolltarif für eine große Reihe von Positionen Zollsätze bis zu IS, 20, 30, S0 und 00 Proz. vom Wert der Waren vorhanden sind. Es wurden genaue Berechnungen für die hier zur Ausfuhr nach Schweden in Betracht kommenden Warengattungen dem Herrn Reichskanzler unterbreitet. Ferner wies der Zentralverband Deutscher Industrieller nach, daß der neue schwedische Zolltarif nicht nur Zollsätze enthält, die einem Wertzoll von IS, beziehungs- weise 20 Proz. entsprechen, sondern auch solche, die 40, S0, 60. 7S, 100 und mehr Prozent vom Wert darstellen. Es wurden dem Herrn Reichskanzler für die einzelnen Positionen und Warengruppen zahlenmäßige Ermittelungen vorgelegt. Außer den durch Beispiele nachgewiesenen hohen Zollsätzen, die in dem neuen schwedischen Zolltarif enthalten sind, wurde vom Zentralverband weiter dargelegt, daß für eine große Reihe von Positionen, die in dem bisherigen Zolltarif zollfrei belassen wurden, in dem neuen Tarif an Stelle der Zollfreiheit mehr oder weniger hohe Zollsätze eingeführt sind. Wie übertrieben hoch aber der Zollschutz in dem neuen schwedischen Zolltarif durchgeführt sei, dafür wurde auf folgende Bestimmung in der Tarifnummer 440 hingewiesen: „Für Gewebe mit eingewebtem Namen, Monogrammen, Buchstaben oder Ziffern erhöht sich der Zollsatz um 20 Proz. über den sonst für das Gewebe geltenden." Eine derartig ungerechtfertigte Bestimmung findet sich bisher in keinem Zolltarif der Aselt. Der Zentralverband hat dem Herrn Reichskanzler den Nachweis erbracht, daß der neue schwedische Zolltarif nicht einen Durchschnittssatz von 10 oder von IS Proz. des Wertes darstellt, sondern einen viel höheren Durchschnittswert der Waren re- präsentiert. Der' Zentralverbanö richte! an den Herrn Reichskanzler die Bitte, bei dem Abschluß des neuen Handelsvertrages dahin zu wirken, daß für eine große Reihe von Tarifnummern deS schwedischen Zolltarifes die Zollsätze weiter als bis zu 10 Proz. des Wertes der betreffenden Waren ermäßigt würden, um eine Ausfuhr aus Deutschland nach Schweden auch für die Zukunft zu ermöglichen. Es wurde dabei befürwortet, zum Vergleich mit den schwedischen Zollsätzen die Zölle des deutschen autonomen und Vertragstarifs heranzuziehen, die einem Wertzoll von Proz. bezw. einem noch geringeren Wertzoll entsprechen. Weiter wurde der Herr Reichskanzler gebeten, in dem neuen Handesvertrag zu vereinbaren, daß für diejenigen Positionen de? neuen schwedischen Zolltarifs� die bisher zollfrei belassen würden, auch wieder die Zollfreiheit zugestanden werde." Die industriellen Zentralverhändler sind recht sonderbare Käuze. Während sie bei den Zollkämpfen des Jahres 1902 Zölle forderten, die die ausländische Konkurrenz vom beut- schen Inlandsmarkt vertrieben, verlangen sie jetzt von Schweden, daß die deutschen Industriewaren, die bisher zoll- frei in Schweden eingingen, auch künftig keinen Zoll tragen. Reisepolitik. Der preußische oder, wie er von-der rohalistische« Presse ge« wohnlich genannt wird, der deutsche Kronprinz scheint sich das Signal der Huppen deS kaiserlichen Automobils, das der Berliner Volkswitz bekanntlich in die Worte übersetzt hat: Taril Tara! Bald hier, bald da! zur Richtschnur nehmen zu wollen, denn er wird demnächst wieder eine große Reise antreten, und zwar, wie offiziell verkündet wird. eine„Studien» und JnforMtiouSreise" nach Ostosie» unter Berührung von JndiW.-' Einige der konservativen Blätter sind über dieses dem teuren Vaterland vom Kronprinzen gebrachte Opfer ganz aus dem Häus- chen und schwelgen bereits in der Ausmalung all der riesigen poli- tischen Vorteile, die diese Reise Teutschland angeblich bescheeren wird. So schreibt die Post: „Diese amtlichen Quellen entstammende Nachricht, die sicher- lich von allen Vaterlandsfreunden mit großer Genugtuung be- grüßt werden wird, spricht zwar nur von einer Studien- und Informationsreise, aber wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir ihr eine hervorragende politische Bedeutung bei- legen. Wie die Reise des Prinzen Heinrich nach den Vereinigten Staaten förderlich für die guten deutsch-amerikanischen Be- Ziehungen gewesen ist, so wird sicherlich die Anwesenheit des beut- • schert Kronprinzen in Peking und Tokio die dortigen führenden Kreise neuerdings davon überzeugen, welch bedeutender und un- eigennütziger Freund Deutschland für sie bedeutet und noch mehr in kommenden Tagen bedeuten wird.... Wenn der Kronprinz mit seiner Reise dem Beispiele folgt, das der Zar als Großfürst-Thronfolger und der König von Eng- land als Prinz von Wales gegeben haben, so wollen wir nur wünschen, daß er trotz aller„höfischen Schranken" doch Gelegenheit findet, um aus eigener Anschauung heraus zu selb- ständigen Urteilen über die fremden Länder zu gelangem Und vielleicht wird auch nach Vollendung dieser ersten Weltreise eine neue ins Auge gefaßt: Ein Besuch der deutschen Kalo» nien! Davon würde sicherlich das gesamte deutsche Volk mit besonderer Freude Kenntnis nehmen." Hurra! Hurra! Hurra!_ Die Fleischteuerung. Trotz der schon sehr erheblichen Fleischteuerung ist in den letzten Tagen von zirka 40 Fleischerinnungen beschloffen worden. die Fleischpreise noch weiter zu erhöhen. Diese permanente Preissteigerung des Fleisches wird jetzt selbst bürgerlichen Kreisen zuviel. Die„Tägliche Rundschau" fürchtet, daß die Fleischteuerung, die die Gemüter ohnehin schon zu lange beunruhigt habe, dazu beitragen werde, die radikalen Strömungen im politischen Leben zu starkem Das Blatt fordert deshalb Erleichterung der Vieh- einfuhr: „Man braucht nicht ohne weiteres in die Forderung emzu- stimmen:„Die Grenzen auf!" Denn neben den Interessen der Konsumenten verlangen auch diejenigen der Produzenten die gebührende Beachtung. Aber unter voller Wahrung des Grund- satzes. daß der Schutz der heimischen Viehzucht vornehmstes Gesetz bleiben muß, sollte dafür gesorgt werden, daß eine, wenn auch nur vorübergehendeVerstärkungderFleisch. einfuhr ermöglicht wird. Man braucht lediglich an einigen Grenzstationen Schlachthäuser, die unter strenger staatlicher Aufficht stehen, zu errichten, um gegen das Schreckgespenst der Seuchengefahr ausreichende Bürgschaften zu bietem" Gegen den agrarischen Boykott. Der Hansabund hat gegen den Gemeindevorsteher bdn Niedermockstadt in seiner Eigenschaft als Vertrauensmann des Bundes der Landwirte die Einleitung des Disziplinar- Verfahrens bei seiner vorgesetzten Behörde beantragt, weil dieser Gemeindevorsteher aus Anlaß der Reichstagswahl in Fried» berg-Büdingen über die Nicdermockstädter Geschäftsleute, die in der Stichwahl sozialdemokratisch gewählt haben sollen, den Boykott verhängte. Die Geltendmachung privatrechtlicher Schaden» ersatzansprüche behielt sich der Hansabund vor. Der ehemalige Zenttnmsabgeordnete Fusangel ist am Sonntag in H a g e n i. W. an einer Lungenentzündung gestorben. Er ist ö8-Jahre alt geworden. Fusangel vertrat den Wahlkreis Arnsberg-Olpe-Meschede von 1833— 1907 und gehörte zu Anfang der Zentrumsfraktion an. Er geriet dann mit der offiziellen Zentrumsleitung in Differenzen und eS wurde ihm 1907 ein anderer Zentrumskandidat offiziell entgegengestellt, der Arbeitersekretär Becker, der auch mit 14 000 gegen die 9000 Fusangelschen Stimmen gewählt wurde. 1893 gründete FuSangel in Hagen ein eigenes Blatt, die„Westdeutsche Volkszeitung", in der er auch den Kampf gegen die offizielle ZentrumÄestung führte. Spanien. Zum Verständnis der Krise. Der spanische Genosse Fabra Ribas gibt in der Pariser „Hümanite" eine Darstellung der neueren EntWickelung Spaniens, der wir folgende lehrreiche Ausführungen entnehmen: Die gegenwärtigen Ereignisse sind nur äußere Kundgebungen einer langen, langsamen, peinvollen EntWickelung, die das spanische Volk jetzt durchzumachen beginnt. Mit den Flotten,, die vor 12 Jahren im amerikanischen Kriege untergingen, versank auch das alte Spanien der Ueberlieferung und der Cliquenherrschaft. um dem demokratischen und fortschrittlichen Spanien von morgen Platz zu machen. Seit der Entdeckung Amerikas am Ende des IS. Jahr» Hunderts bildete das militärische, daS geistliche und das Beamten» element eine einzige Macht oer Unterdrückung. Der Soldat er- oberte neue Länder. Der Priester ging daran, sie„für den Himmel zu retten", der Beamte, sie zu„zivilisieren". Man verbreitete in den Kolonien Religion und Kultur der Heimat und verschloß eifersüchtig die Grenzen bor den geistigen Bewegungen Europas. den Stürmen der Reformation, der Aufklärung, der französischen Revolution. Der religiöse Fanatismus und der Nationalstolz wurden auf die Spitze getrieben; die katholische Religion mit ihrer mittelalterlichen Philosophie war die Leuchte der ganzen Welt, und die Tapferkeit des spanischen Soldaten trug die Fahne von Kastilien über alle Länder. Diese ganze goldene Legende zerfiel plötzlich und für immer. als das Geschwader Ccrveras versenkt wurde, ohne sich nur ver- teidigen zu können, Santiago de Euba ohne Widerstand den Amerikanern überliefert und der Admiral Montojo das Gespött seiner Angreifer auf der Reede von Cavita wurde. Der furchtbare Schlag erschütterte den Einfluß der Diener des Herrn, zerstörte den Ruhm des Heeres und das Vertrauen zu den Herrschern de? Landes. Aber die herrschende Kaste wollte diese Wandlung nicht begreifen. Als es nach dem Verlust der letzten Kolonien galt, sich ernsthaft mit den Fragen des Heimatlandes zu befassen, hatte man ein leitendes Element, verrufen, unfähig und Freiveuter roher Art— auf der anderen Seite ein vielgeprüftes Volk, ohne jedes Vertrauen und entschlossen, seine Angelegenheiten selbst zu regeln. Begreift man nun, warum sich eines Tags die„katalonifche Solidarität" bildete, die Verbindung sämtlicher Parteien Kataloniens, um der Madrider Oligarchie die Herrschast streitig zu machen? Warum dieses Volk, das sich sonst ohne Murren in die Schlachthöfe Afrikas und der Kolonien hatte schleppen lassen, sich jetzt weigerte zu marschieren, die Flinten wegwarf, auf die Straße stieg und die Klöster in Barcelona und ganz Katalonien verbrannte? Manra aber und die Generale suchten hartnäckig die Ver- gangenheit durch die Diktatur aufrechtzuerhalten. Und die Kapita- listen in BiSeaha erklären im 20. Jahrhundert gegenüber dem so wohlbegründeten und würdigen Streikder Bergleute von Bilbao, sie könnten keine Zugeständnisse machen, um nicht der Autorität der Arbeitgeber einen schweren Schlag zu versetzen. Und die Kirche droht mit dem Bürgerkrieg, sobald eine gesetzliche Regelung der Beziehungen zwischen der weltlichen Gewalt und dem Vatikan versucht wird. Canalejas hat so eine Fülle von Aufgaben vor sich, die eise rasche Lösiuig erheischen, gebsi und hinter sich aber aur eine Anzahl zersplitkerler Kräfte, kaum ImstanbS, eine Schlacht W liefern. Er hat zunächst die Kirchenfrage in Angriff ge- nommen. im Gedanken, daß hinter dieser alle anderen im Augen- blick zurückträten, und datz er damit die Zeit gewinne, sein Heer auszubauen und schlagfertig zu machen. Es wird sich zeigen, ob er der Lage gewachsen sein wird. Nicht minder, ob jetzt, da die Man- archie ihre letzte Karte ausgespielt hat— und Canalejas ist sicher die allerletzte— die heutigen republikanischen Führer eine bessere Rolle spielen werden als einst die der ersten Republik(von 1863). Wessen wir aber ganz sicher sind, das ist, daß Spanien endgültig in das Zeitalter seiner Befreiung eingetreten ist, daß das Volk nicht abrüsten und nötigenfalls Gewalt gegen Gewalt setzen wird, um sein Recht zu erringen. Die Ereignisse der tragi- schen Woche(in Barcelona, Juli 1969), die grossen Streiks in Bilbao und Asturien(Nordwestspanien) und der Konflikt mit dem Vatikan sind alles nur Ausdrucksformen einer sehr verwickelten gesellschaftlichen Krise. M Das P r ol e t a r i a t ist in den Kampf eingetreten. Es bildet die einzige vorwärtsstürmende Macht im Fortschrittsheere. Es allein hat ein klares Ziel und eine sestbestimmte Taktik. Wenn die spanischen Reaktionäre nicht begreifen und ehrlich mit ihrer Vergangenheit und ihren Vorurteilen brechen wollen, dann gehen wir einer Zeit gewaltsamer Kämpfe entgegen, die durch gesetzliche Massnahmen völlig zu vermeiden gewesen wären. Die aufgegebene Demonstration. San Sebastian, 7. August. In vergangener Nacht trafen zwei Schwadronen Gendarmen hier ein. Die Ba h n h ö f e sind von Truppen besetzt. M>0 Katholiken sind in der Stadt; ihre Haltung ist friedlich. Ter Generalkapitän hatte eine Konferenz mit dem Ministerpräsidenten Canalejas, dem er versicherte, dass eine Störung oer Ruhe nicht zu befürchten sei. Die Organisationsausschüsse haben an die Bevölkerung von Biscaya und Navarra die Mitteilung gelangen lassen, dass von der geplanten Kundgebung der Katholiken Ab st and genommen sei, weil die Regierung die Transportmittel mit Beschlag belegt habe. Sie protestieren gegen die Akte der Will- kür, beklagen es. dass die Armee dazu bestimmt werde, die Ordnung gegen die Katholiken aufrechtzuerhalten, die das Heer liebten, und schliehen mit der Aufforderung, die Katholiken sollten den Mut nicht sinken lassen. Als gestern abend eine Gruppe von Manifestanten von einem Balkon herab„Nieder mit Spanienl Es lebe der Papst!" riefen, versuchten etwa 1999 Personen das Haus zu stürmen. Der Gouverneur eilte an der Spitze von Polizei- und Gendarmerie- Mannschaften herbei und stellte die Ruhe wieder her. Mehrere Per- sonen wurden verletzt. 44 wurden verhaftet. Im Zentrum der Stadt herrscht Ruhe. Bei Haussuchungen wurde eine Anzahl Feuerwaffen gefunden, 132 Verhaftungen wurden vorgenommen. Gegen 3 Uhr morgens wurde die Gendarmerie zurückgezogen. perNen. Strassenkämpfe in Teheran. Teheran, 7. August. Die Stadt befindet sich im Kriegs- zustande, sie offenen Plätze sind von Polizei und Gendarmerie besetzt; die Bachtiaren haben das Parlamentsgebäude besetzt und zur Verteidigung eingerichtet. Die Bevölkerung hat die Ablieferung der Waffen eingestellt, nachdem sich herausgestellt hat, dass Fidai und Leute der Tagisadepartei in Polizei- oder Militäruniform auftreten. Die Fidai konzentrieren sich unter Führung Sattar Khans und Baghir Khans. Die Regierung struppen ließen gegen die Fidais Ge. schütze auffahren ud gaben Schnellfeuer ab. Um öü Uhr abends war der Strassenkampf zu Ende und die Fidai st reckten die W)a f ss e n. Sie wurden mit den Führern Sattar Khan und Baghir Khan gefangen genommen. Sattar Khan ist verwundet, die erlittenen Verluste sind noch nicht bekannt. Teheran, 8. August. Bei den gestrigen Kämpfen sind auf Seiten der Regierungstruppen etwa zwölf Mann getötet oder ver- letzt worden und auf Seiten der Fidai etwa dreißig; dreihundert Fidai wurden gefangen genommen. Hcgyptcn. Englische Preßsreiheit. Kairo» 6. August. Der Dichter Ghahati wurde heute wegen Veröffentlichung eines Bandes revolutionärer Ge- dichte in absentia zu einem Jahre Gefängnis verurteilt, ein Mit. angeklagter erhielt drei Monate Gefängnis, zwei weitere Ange- Nagte wurden mit einer Verwarnung entlassen. Inclien. Gegen die Fremdherrschaft. London, 3. August. Wie asts D a c c a gemeldet wird, ist durch die Schriftstücke, die bei den kürzlich in Kalkutta und dem östlichen Bengalen vorgenommenen Verhaftungen beschlagnahmt wurden, «ine weitverzweigte Verschwörung zur Untergrabung der britischen Herrschaft aufgedeckt worden. Hus der Partei» : tleber 100 000 Mitglieder te Groß-Berlin! Da?„Mitteilungsblatt" der sozialdemokratischen Vereine Berlins und Umgegend kann in seiner neuesten Nummer die erfreu» liche Mitteilung machen, daß die Zahl der Parteimitglieder in Groß» Berlin die Hunderttausend überschritten hat. Die Berichte der Wahl- vereine für das Geschäftsjahr 1999/19 ergeben, daß zurzeit 101 191 Mitglirder gezählt werden, davon 88 426 männliche und 12 766 weibliche. Auf die einzelnen Kreise verteilen sich die Mitglieder wie folgt: Am 1. Januar 1996 kam die Zentralisation der Berliner Orga- nisationen init 41 700 Mitgliedern zustande. In den vier Jahren, die sie jetzt besteht, ist also ein erfreulicher Fortschritt zu verzeichnen. Aber noch gibt es in Berlin Hunderttausende für die' Organisation zu gewinnen. Der erzielte Fortschritt muß ein Ansporn sein zu weiterer kräftiger Werbe- und Aufklärungsarbeit, auf dass bald das zweite Hunderttausend voll werde. ReichStagskandidature». Das.Volksblatt für Anhalt' teilt in seiner Montags- Nummer mit: .Die Delegierten des ersten Anhaltischen Wahl» treiseS(Deffau-Zerbst) auf der Landeskonferenz haben sich gestern nach dem Landesstatut als Kreiskonferenz statuiert und darauf die Frage der ReichstagSkandidatur erörtert. Genosse Kurt Eisner-München gab folgende Erklärung ab: Sie haben mich vor l'/z Jahren mit dem ehrenvollen Auftrage überrascht, in diesem Kreise als ihr Reichstagskandidat zu fungieren. Ich habe mich um diesen Posten nicht beworben, aber es für meine Pflicht gehalten, Vertrauen mit Vertrauen zu erwidern. Inzwischen haben sich nun Veränderungen vollzogen, die es mir rätlich er- scheinen lassen, dies Amt wieder in Ihre Hände zurück zu geben. Ich bin zu schriftstellerischen Aufgaben verpflichtet, die ich kaum werde erfüllen können, wenn ich als ReichStagskandidat oder Reichstags- abgeordneter in Zukunft tätig sein muß. Es kommt hinzu, daß ich meinen Wohnsitz nach München verlegt habe. Dadurch ist die Ent- ferimng noch mehr gestiegen, es werden noch erhöhte Kosten dadurch der Partei auferlegt. Endlich sind aber auch andere private Ver- Hältnisse für mich Ursache, sie um Entbindung von dem Mandat zu bitten. Wäre ich schon Ihr Abgeordneter, so könnte kein Anlaß sein, auf diese Umstände irgend welche Rücksicht zu nehmen. Da ich es aber erst werden müßte, will ich keine Ursache geben, daß diese meine privaten Verhältnisse von der Gegnerschaft in der ihnen gewohnten schmutzigen Weise zur Erörterung gelangen. Darum bitte ich um Lösung deS Verhältnisses. Ich hege die Hoff- nung, den Genossen als Schriftsteller und Redner in Zukunft noch weiter dienen zu können. Der Vorsitzende Genosse Stelzer sprach dem Genossen EiSner seinen Dank aus und stellte fest, daß die beabsichtigte Veränderung in den Instanzen mit größter Sachlichkeit und ohne jede Unannehm- lichkeit behandelt worden sei. Sodann gab der Vorsitzende Kenntnis von den Schritten, die der Kreisausschuß getan, um einen neuen Kandidaten zu gewinnen. An den Bericht knüpfte sich eine kurze sachliche Debatte, an deren Schluß Genosse Abg. Wolfgang Heine-Bcrlin e i n st i m m i g als Kandidat für den ersten anhaltischen Wahlkreis aufgestellt wurde. Genosse Heine hat auf telegraphisches Ersuchen die Kandidawr angenommen. » Genosse Eichhorn, der in dem von ihm verttetenen Reichs- tagSwahlkreis P f o r z h e i m- D u r l a ch für die kommende Reichs- tagswahl wieder aufgestellt worden war, ist aus Rückficht auf seine Stellung als Leiter des sozialdemokratischen Pressebureaus von der Kandidatur zurückgetreten. »- Im 2 2. sächsischen Wahlkreise— Auerbach— wurde am Sonntag Genosse Dr. L e n s ch- Leipzig, Redakteur der »Leipziger Volkszeitung"« einstimmig als Kandidat aufgestellt. Auch ein Disziplinbruch. Die badischen Verteidiger der Budgetbewilligung und de? Disziplinbruchs sind arg um stichhaltige Argumente verlegen. In dieser Klemme greifen sie nach den kleinsten Strohhalmen. Der Karlsruher.Volksfreund' bringt in seiner SonntagSnummer einen fulminanten Leitarttkel,.Disziplin' überschrieben, der in seinem ersten Teil die-für die Beurteilung der ba- dischen Angelegenheit gänzlich gleichgültige Frage aufwirft, ob der Taktikresolution des Internationalen Sozialistenkongresses zu Amsterdam im Jahre 1993 gehorsamt werden müsse. Der.Volks- freund" ist offenbar nicht dieser Meinung, da seiner Ansicht nach die Abstimmung über diese Resolution ungültig war. weil sie nur mit einer Stimme Mehrheit, und zwar der des Genossen Kata- y a m a- Japan zustandegekommen sei, dieser aber nicht zur Ab» stimmung berechtigt gewesen sei, da es. wie ein Artikel deS Genossen Chagrin in der.Metallarbeiterzeitung' nachweise, gar keine sozialistische Partei in Japan gebe noch gegeben habe. An- genommen, daß alles, was der„Volksfreund' darüber sagt, richtig wäre, so wüßten wir nicht, was damit für die badischen Disziplinbrecher gewonnen wäre.— Uebrigens vergißt der„Volks- freund" in seinem Eifer ganz, dass auch die zweite abgelehnte Re- solution Adler-Vandervelde, die dem Kongreß vorlag, anti» ministerialistisch war, den Inhalt der Dresdener Resolu- tion vollständig akzeptierte und nur einige Ausdrücke milderte. Aber der„Volksfreund" hat noch anderes Material. Auf seiner Suche nach Disziplinbrüchen hat er gleich zwei furchtbare Ver- brechen der sächsischen und der preußischen Genossen entdeckt. Sie haben nämlich— hör'S und schaudere, o Leserl— gegen die Resolution des Bremer Parteitags vom Jahre 1994 zur Kommunalpolitik verstoßen! In dieser Resolution werden staatliche Zuschüsse für die Ausgaben der Ge- meinden auf dem Gebiete der Volksgesundheit, der Schulpflege, der Armenpflege und des Wegebaues gefordert. Die letzte sächsische Landeskonferenz hat aber„in flagrantem Widerspruch zu der Bremer Resolution" in ihrem Gemeindeprogramm vom Staate ge- fordert:„Uebernahme der Lasten oder Leistung genügender Zu» schüsse für die Ausgaben deS Volksgesundheitswesens, deS Schulwesens, der Armenpflege und des Wegebaues."— Und die Preußen sind ebenso arge Sünder; auf dem letzten preußischen Parteitage haben sie ein Kommunalprogramm aufgestellt, das ebenfalls die Uebernahme der Volksschullasten durch den Staat fordert. Dröh- nend erhebt der„Volksfreund" nach dieser erschütternden Fest- stellung die Frage: „Soll denn in unserer Partei mit zweierlei Mass gemessen werden? Sollen die Preußen und die Sachsen für sich in Anspruch nehmen dürfen, was anderen Parteigenossenschaften verweigert wird? Wenn wir erst dahin gekommen sind, dan« ist eS wahrlich schlimm um die Partei bestellt!" Und zum Schluß erläßt unser Karlsruher Parteiblatt sodann die schmetternd« Herausforderung: .... Wir möchten alle unsere norddeutschen Kritiker bitten, sich einstweilen über die hier aufgeworfenen Fragen einmal aus» zulassen. Hoffentlich fehlt es den Parteiblätter», die sich so überaus eifrig mit der Verurteilung der badischen Parteigenossen beschäftigen, in der nächsten Zeit nicht an Raum, diese Fragen ihre» eigenen Lesern vorzulegen und eine recht ausführliche Antwort darauf zu geben. Wir sind dann selbstverständlich gerne bereit, an unserem Teil dieser Antwort zu einer grösseren Ver- breitung in Süddeutschland zu verhelfen. Also los!" An Raum und Zeit fehlt es uns nun eigentlich sehr für diese Frage, wenn wir sie lediglich an sich, nach ihrer sachlichen Bedeutung betrachten. Aber da dem„Volks freund" so viel daran liegt, wollen wir doch kurz feststellen, daß wir diese„Disziplinbrüche" ebenso- wenig tragisch nchmen können, wie es die ganze Partei bisher nicht getan hat. Wie man das Hinausgehen über die betreffende Be- stimmung der Bremer Resolution, eine Verschärfung, die zu threm Geiste in keinerlei Widerspruch steht, mit dem Bruch eines Partei- tagsgebots in Parallele setzen kann, ist uns ebenso unverständlich. wie es wohl den gesamten Parteigenossen Deutschlands unverständ- lich sein wird. Der„Volksfreund" sammelt jetzt Disziplinbrüche, wie andere Marken sammeln— seine Sammelobjekte haheg un- gefähr denselben Wert wie— Briefmarkent,-—- Die Landesfonserettz für Guz VroWrzSgflM Anhast_ war am 7. August in Wernburg versammelt. Anwesend waren 89 Delegiert«. Dem vom Landesparteisekretär Günther er- statteten Jahresbericht zufolge ist die Zahl der Mitglieder der beiden sozialdemokratischen Wahlkreisvereine von 6487 auf 7994 gestiegen. Weibliche Mitglieder sind 2136 vorhanden. Die in den Ortsvereinen und Kreiskassen vorhandenen Kassenbestände be- tragen 7297,66 M.; sie vermehrten sich um 2981 M. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeindevertreter im Lande stieg von 78 auf 91, die Zahl der Abonnenten des Parteiorgans von 19 962 auf 19 798.— Als Delegierter für den Internationalen Kongreß wurde Parteisekretär Günther gewählt.— In der Budgetfrage wurde das Verhalten der badischen Landtctgsverireter von Pens und Eisner gebilligt. Beide Redner verlangten die Wiederaufhebung der Nürnberger Resolution. Der Kandidat des dritten anhaltischen Wahlkreises, Genosse Bender, trat beiden Vorrednern scharf entgegen und bezeichnete die. Miß- stimmung der Badenser zum Budget als schweren Disziplin- bruch. V ander Annahme einer Resolution wurde Abstand genommen. Bon allen Rodnern wurde ge- wünscht, daß der Magdeburger Parteitag diese Angelegenheit leidenschaftslos erledigen möge.— Zum Landesvorsitzenoen wurde Genosse D ei st- Dessau wiedergewählt. Der Gothaische Landcsparteitag fand am Sonntag im„Volkshaus" in Gotha statt. 97 Delegierte waren anwesend. Die vom Landesvorstand erstatteten Berichte gaben im allgemeinen von einer befriedigenden Tätigkeit Zeugnis. Der Abonnentenstand des„Volksblatt" ist gegenüber der ent- sprechenden Zeit des Vorjahres um mehr als 1999 gestiegen. Die Unterrichtskurse des Bildungsausschusses sollen im Winter fort- gesetzt werden. Den Bericht über die Tätigkeit der Landtags- fraktion erstattete Genosse Wolf. Das dem Landtage zur Be- ratung vorliegende neue Gemein deabgabengesetz rief eine lebhafte Debatte hervor. Einstimmig wurde Genosse Wilhelm Bock wieder als Reichstagsland idat augestellt. Als Parteitagsdelegierter wurde Genosse Zentgraf gewählt. Nach eingehender und gründlicher Beratung wurde ein, den modernen Bedürfnissen entsprechender Statutenentwurf mit geringen Aende- rungen angenommen. Zum badischen Budget st reit wurde idte folgende Resolution angenommen: „Der Gothaische Lanbesparteitag protestiert energisch gegen das Verhalten der badischen Landtagsfraktion und sieht in der Zustimmung zum Budget, trotz der Beschlüsse des Lübecker und Nürnberger Parteitages einen unerhörten Disziplinbruch und eine schwere Schädigung der gesamten Partei. Der Parteitag von Magdeburg wird ersucht, Vorsorge zu treffen, daß solche Verstösse von Parteigenossen, die noch zudem in der höchsten Vertrauens- stellung stehen, nicht wieder vorkommen können. Der Partei- vorstand wird aufgefordert dafür zu sorgen, daß auch in den Landesteilen, die heute noch den geeigneten Boden für diese Quer- treibereien abgeben, in Zukunft eine geeignete, unseren Grund- sätzen, unserem Parteiprogramm und den hohen Zielen des Sozialismus entsprechende Propaganda entfaltet wird. Diese grundsätzliche Aufklärung soll dazu beitragen, dass den zu der» urteilenden revisionistischen Seitensprüngen jeder Kgd.ey in der Partei entzogen werde. � Krciskonfcrenzen. Die Generalversammlung des sozial d'emo» kratischen Vereins für den 23. sächsischen Reichs» tagSwahlkreis(Plauen-Oelsnitz) befaßte sich am letzten Sonntag neben den üblichen geschäftlichen Angelegenheiten auch mit der badischen Budgetbewilligungs ßi a g e. Zwei hierzu vorliegende Resolutionen, welche das Verhalten der badischen Landtagsfraktion auf das schärfste verurteilen, wurden von dem Kreisvorsitzenden Genossen H. Bauer und dem Genossen S ch n i r ch eingehend begründet. Zur Annahme gelangte mit 87 Stimmen die Resolution des Kreisvorstandes, die folgenden Wortlaut hat: Die heutige Parteiversammlung verurteilt auf das ent» schiedenste das Verhalten der badischen LandtagSsraktion. Sie erblickt in ihrer Zustimmung zum Staatsbudget eine bewußte Verletzung der im Kampfe gegen die Klassenherrschaft unbedingt notwendigen Disziplin. Die Partei erstrebt auf staatsrechtlichem Gebiet die Re» publik. Die Versammlung brandmarkt deshalb die Beteiligung der badischen sozialdemokratischeil LandtagSsraktion an den Huldigungen für den Grossherzog, den Gratulationscouren und allen sonstigen- Hofgängereien als eine würdelose, mit dem Parteiprogramm unvereinbar« Demonstration. Die versammelten Genossen des 23. sächsischen Reichstags- Wahlkreises sind der Meinung, dass die badischen Budgetbewilliger sich durch ihre Handlungen selbst ausserhalb der Partei gestellt haben.. Einer starken Minorität von zirka 69 Stimmen war der An- trag in seiner verurteilenden Tendenz noch nicht scharf genug. Zum Parteitag in Magdeburg wurden die Genossen S ch n i r ch und Müll er- Plauen, zur Landeskonferenz in Leipzig die Ge- Nossen Kretzschmar, Wagner und Voss delegiert.> Eine lebhafte Debatte entspann sich über den Antrag deS OrtS» Vereins Plauen, das Parteiserretariat für den 22. und 23. Reichs- tagSwahlkreis künftig nur auf den 22. Kreis zu beschränken, da die Tätigkeit des Sekretärs weder bisher noch künftig für den 23. Kreis irgendwelche Vorteile geboten habe und bieten könne. Seine Arbeit müsse nutzlos sein, weil die Verhältnisse des Kreises dies aus- schlössen. Der Antrag wurde von den Genossen Müller, BreS» lauer und Pieper energisch bekämpft, von den Genossen Schnirch, Steinkamp befürwortet und schliesslich mit grosser Majorität a n g e n o m m e n. Am Sonntag tagte in Teuditz die Kreiskonferenz des Wahl- kreifes Merseburg-Querfurt, auf der berichtet wurde, dass die Mitgliederzahl im letzten Jahre um 368 stieg und jetzt 1837 beträgt. Sozialdemokratische Stadtverordnete sind 9, ländliche Ge- meindevertreter 33 vorhanden. Die Einnahmen der Kreiskasse be- trugen 6894,53 M., die Ausgaben 4587,39 M., so daß ein Kassen- bestand(zugleich Wahlfonds) von 2217,23 M. verbleibt. An Geld- strafen mußten über 699 M. bezahlt werden. Zum Parteitage re- ferierte der ReichStagskandidat Genosse Pollender- Leipzig, der den Disziplinbruch der badischen Parlamentarier scharf verurteilte. Er empfahl folgende Resolution: Die Versammlung erklärt: Die Budgetbewilligung und die Verbeugungen der badischen Landtagsfraktion vor dem monarchi» schen System sind unverträglich mit den Grundsätzen unserer Partei. Das Verhalten der Badenser ist ein bewußter DiSzipli n bruch, der mit seinen Folgen geeignet ist, die sozialdemokratische Arbeiterbewegung aufs schwerste zu schädigen. Die- Versammlung erwartet deshalb vom Parteitage Mass» nahmen, die eine Moderholung derartiger Vorgänge unmöglich machen. In der lebhasten Debatte wurde von mehreren Rednern der Schluß der Resolution als nicht klar und konsequent genug ver» urteilt und schliesslich mit 21 gegen 19 Stimmen der letzte Zusatz' dahin geändert: Die Versammlung erwartet deshalb vom Parteitage den Ausschluß der Betreffenden aus der sozialdemokratischen Partei. Diese Resolution wurde dann ohne Widerspruch angenommen. Ueber die Frage der Beitragserhöhung auf 19 Pf. pro Woche wurde eine Urabstimmung beschlossen. Zum Parteitagsdelegierten wurde Genosse Pollender ge» wählt. Die klare und scharfe Stellungnahme des„Halleschen Volks» blatte»" wurde einmütig gebilligt. 6ewcrhrcbaftUcbce. Der Krieg auf den dlerften. Wie schon telegraphisch berichtet, hat am Sonnabend die Generalversammlung der Gruppe der Schiffsioerften beschlossen, im Laufe dieser Woche auf sämtlichen Seeschiffswerften Deutsch- lands eine große Betriebseinschränkung vor- zunehmen. Es sollen 60 Prozent aller Arbeiter ausgesperrt werden. Ob die restlichen 40 Prozent diesen Rauswurf ihrer Kollegen ruhig ansehen werden, wird sich bald herausstellen. Wie uns mitgeteilt wird, ist es den einzelnen Arbeiterorganisationen überlassen worden, zu dieser Angelegenheit Stellung zu nehmen. Auf den Seeschiffswerften sind insgesamt 33 OVO Arbeiter aller Brauchen beschäftigt. Der Kampf wird also riesige Dimensionen annehmen. Das„Hamb. Fremdenblatt", das seit Ausbruch des Streiks einen wahren Eiertanz aufführt und aus dem Einerseits und Andererseits nicht herauskommt, verwahrt sich dagegen, eine arbeiterfeindliche Haltung eingenommen zu haben; es will nur „Zuschriften" Raum gewährt haben, in denen von„exorbitanten" Forderungen der Arbeiter diö Rede sei. Nach den bisherigen Erfahrungen in solchen Dingen trägt die Neutralität dieses liberalen Organs einen etwas verdächtigen Charakter. Im übrigen tritt das Blatt dafür ein,„daß von privater oder staatlicher Seite auf eine Verständigung hingewirkt wird, wie sie beim Ausstand der Schauerleute und zuletzt noch bei der Maurerbewegung erfolgreich eingetreten ist". Die mit offenem Visier kämpfenden Arbeiter sind stets zu Verhandlungen bereit, weil ihre äußerst bescheidenen Forderungen das Licht der Oeffentlichkeit nicht zu scheuen brauchen. Nach den Angaben der Werften sind am Streik über 9500 Arbeiter beteiligt. Von den freigewerkschaftlich Organi- sierten haben sich 6574 Werftarbeiter aller Kategorien ge- meldet. 9• « Das provokatorische Schreiben der Gruppe deutscher Seeschiffs- werften an den Vorsitzenden des Deutschen Metallarbeiter-VerbandeS hat folgenden Wortlaut: Die gestrige Versammlung der Gruppe deutscher Seeschiffs- werften hat die von Ihnen unterm 11. Juli eingereichte Vorlage durchberaten. Die Lage des deutschen Schiffbaues ist nicht derart, baß er irgendwelche Beunruhigung oder Maßnahmen vertrogen kann, welche geeignet sind, seine Leistungsfähigkeit noch mehr zu beeinträchtigen. Wir weisen insbesondere darauf hin, daß noch in der letzten Zeit die für Neubauten erzielten Preise im Kriegsschiffbau wie im Handelsschiffbau so niedrig sind, daß eher eine Er- Mäßigung als eine Erhöhung der Löhne daraus resultieren sollte. Zudem hat die am 1. Oktober 1£K)7 eingeführte Verkürzung der Arbcilszeit auf 57 rcsp. 56 Stunden noch nicht bewiesen, daß dadurch die Arbeitsleistungen der Arbeiter entsprechend größer sind, so daß die Werften nicht daran denken können, sich auf eine weitere Arbeitszeitverkürzung einzulassen. Die anderen Punkte Ihrer Vorlage haben den vereinigten Werften keine Möglichkeit gegeben, denselben zuzustimmen, weil sie darin eine Beeinträchtigung erblicken nicht nur zwischen sich und den Arbeitern, sondern auch der einzelnen Arbeiterkategorien zu- einander. Wenn Sie nach Vorstehendem glauben, daß in der Arbeiter- schaft der Wunsch besteht, die Gründe für unsere vorstehend skizzierte Stellungnahme mündlich erläutert zu erhalten, so erklären wir unS gern bereit, mit Vertretern unserer Arbeiterschaft zu- sammenzukommen und Sie zur Teilnahme an dieser Sitzung, wie im Jahre 1907, einzuladen. Hochachtungsvoll sllnterschrift). Der Vorsitzende des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Alexander Schlicke, antwortete darauf mit folgendem Schreiben: An die Gruppe Deutscher Seeschiffswerften z. H. des Herrn Hermann Blohm Hamburg. Ihnen den Empfang Ihres Schreibens vom 26. d. MtS. bestätigend, erlaube ich wir namens der Vorstände des Deutschen Metallarbeiterverbandes, des Deutschen Holzarbeiterverbandes, des Verbandes aller in der Schmiederei beschäftigten Personen, des Verbandes der Kupferschmiede Deutschlands, des Verbandes der Heizer und Maschinisten Deutschlands, des Verbandes der Schiffs- zimmerer, des Verbandes der Maler und Lackierer und des Ver- bandeS der Fabrik- und gewerblichen Hilfsarbeiter hier- durch zu bemerken, daß unserer Ansicht nach in den Kreisen der Arbeiterschaft, die Mitglieder unserer gewerk- schaftlichen Zentralverbände sind. wohl gern darauf ver- zichtet werden dürfte, von Ihnen eine Erläuterung für Ihre ablehnende Haltung den von den Arbeitern durch uns eingereichten Vorschlägen gegenüber in mündlicher Aus- spräche zu erhallen, zumal da ja Ihrerseits vor Ihrer Stellung- nähme auf eine mündliche Begründung der gemachten Vorschläge durch Vertreter der Arbeiter auch verzichtet wurde. Ihre Entschließungen werden wir aber mit der uns zugegangenen Er- läuterung den unseren Verbänden angehörenden Arbeitern zur Kenntnis- und Stellungnahme unterbreiten. Hochachtungsvoll Namens der oben angeführten gewerkschaftlichen Zentralverbände gez. Alexander Schlicke. LcrUn und Nmgegend. Forderungen an die B. E.-W. erhoben die Maschinisten, Heizer und Berufsgenossen, die� in� einer Versammlung am Sonntagmorgen sich mit den Verhältnissen in den Zentralen der Berliner Elektrizitätswerke eingehend beschäftigten. DaS Maschinellpersonal dieser Werke ist unzufrieden mit den Be- dingungen unter denen sie arbeiten müssen. Und sie haben dazu um so mehr Grund, als das Maschinenpersonal in anderen Betrieben weit besser gestellt ist, zum Beispiel in den Brauereien, wo die acht- stündige Arbeitszeit eingeführt worden ist und sich auch recht gut bewährt hat. In den B. E.-W. herrscht die zehnstündige Arbeitszeit. die, wie der Vortragende Schwittau in der Versammlung aus« führte, für die schwere und verantwortungsvolle Arbeit des Maschinen- Personals entschieden zu lang ist. Und dazu kommen die schlechten Löhne, die dort gezahlt werden. Die folgende Lohntabelle der Berliner Elektrizitätswerke wurde von Schwittau bekannt gegeben: Die Hilfsmaschinenmcister erhalten einen� Anfangslohn von BS Pf. pro Stunde, der langsam steigt, so daß nach drei Jahren 65 Pf. erzielt werden. Der Wochenlohn beträgt als niedrigster 83 M., als höchster 39 M. Die Maschinenschlosser bekommen 50 Pf. bis 60 Pf. Stunden- lohn unter denselben Bedingungen; ebenso Wochenlöhne von 30 M. bis 36 M. Die Obermaschinisten und Oberheizer haben S2>/, Pf. bis höchstens 60 Pf. und Wochenlöhne von 31,70 M. bis 36 M. Die Maschinisten und Schaltisten erzielen 45 Pf. bis 621/j Pf. und Wochenlöhue von 27 M. bis 31,70 M. Die Heizer beziehen 46 Pf. bis 65 Pf. und Wochenlöhne von 27 M. bis 33 M. Die Atkumulatorenwärter, Schmierer, Keffelreiniger, Kohlen- zieher, Arbeiter erzielen unter den gleichen Bedingungen wie die verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantv.; vorgenannten Angestellten 40 Pf. bis 47'/» Pf. und Wochenlohne von 24 M. bis 28,70 M. Diese Löhne, die schon seit Jahren unverändert bestehen, sind niedriger als die vom Zentralverband der Maschinisten und Heizer tariflich festgelegten, die in manchen anderen Betrieben gezahlt werden. Den Arbeitern kommt es aber zunächst darauf an, die lange Arbeitszeit zu verkürzen, und sie beschlossen nach einer regen Diskussion, den Arbeiterausschuß zu beauftragen, bei der Direktion die Einführung der achtstündigen Arbeitszeit zu beantragen. Für den Fall aber, daß die Direktion damit nicht einverstanden ist, soll eine Erhöhung der Löhne um 5 Pf. pro Stunde gefordert werden. Wird die achtstündige Arbeitszeit eingeführt, so darf natürlich deswegen keine Kürzung der jetzt gezahlten Löhne ein- treten. Für Ueberstunden wird ein Aufschlag von 25 Proz. verlangt. Man ist ferner mit der jetzt geübten Praxis mit Bezug auf die Sonntagsruhe nicht länger einverstanden, da diese Praxis gegen die Bestimmungen der Gewerbeordnung verstößt.— Die Beschlüsse wurden einstimmig angenommen.— In der Diskussion wurde das Spar- und AnsbeutnngSsystem der B. E.-W., das manchen Unglücks- fall unter dem Maschinenpersonal schon zur Folge gehabt hat, scharf verurteilt._ Tarifbestrevungen der Elektromonteure. „Wie stellen wir uns zu den Tarifverträgen?" stand auf der Tagesordnung einer allgemeinen Versammlung der Elektromonteure und Helfer, die am Sonntag den großen Saal von Dräsel in der Neuen Friedrichstraße füllte. Der Bevollmächtigte Handle vom Deutschen Metallarbeiterverband schilderte die Entwickelung des Tarifvertragswesens und die Verbreitung, die es nunmehr in Industrie und Handwerk gefunden hat. Der Deutsche Metallarbeiter- verband hatte im Jahre 1903 erst 32 Tarifverträge für 11 800 Arbeiter und Arbeiterinnen abgeschlossen, Ende des Jahres 1909 aber waren es 393 Verträge, die für 10 752 Betriebe mit 95 137 Arbeiter und Arbeiterinnen galten. Auch für die Elektromonteure bestehen schon in verschiedenen Städten Deutschlands, in Hamburg, Hannover, Breslau, Mannheim, Tarifverträge; in Berlin wird jedoch in diesem Berufs- zweige noch völlig tariflos gearbeitet, und die Lohnbewegung im Jahre 1907 hatte nicht den gewünschten Erfolg, wenn auch in mehrere» Betrieben Lohnerhöhungen erzielt wurden. Im allgemeinen ist die Bezahlung sehr ungleichmäßig und die Löhne bleiben in vielen Fällen weit hinter dem zurück, was zu einem halbwegs menschenwürdigen Dasein notwendig ist. Die Arbeitszeit ist teil- weise noch 10 Stunden und wird durch Ueberstunden auf 11, 12, ja 13 Stunden ausgedehnt. Unter solchen Umständen ist eine allgemeine tarifliche Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse um so dringender notwendig.— Diese Ueberzeugung trat auch in der regen Diskussion, die dem Referat folgte, allgemein hervor. Die Versammlung schloß mit einstimmiger Annahme folgender Resolution: „Die Versammlung erkennt, daß die Lohn- und Arbeits- Verhältnisse der Elektromonteure und Helfer einer Verbesserung dringend bedürfen. Um dies Ziel zu erreichen, ist es notwendig, daß die OrganisationSverhältnisse der Elektromonteure und Helfer so gestaltet werden, daß eine etwailse Lohnbewegung auch mit Erfolg durchgeführt werden kann. Darum verpflichten sich die Versammelten, für die Ausbreitung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes in den Reihen ihrer Berufsgenossen zu sorgen. Die Versammlung beauftragt die Agitationskonnnission, in Verbindung mit der Ortsverwaltung geeignete Maßnahmen zu treffen, um eine allgemeine Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen der Elektromonteure und Helfer auf Grund schriftlicher Verein- barungen herbeizuführen."_ Die Tarifbewegung in der Stapelkonfektion. Um die weiteren Vorbereitungen zur Durchführung fester Tarif- Verträge in der Stapelkonfektion zu treffen, hatte sich die Arbeiterschaft dieses Ziveiges derHerrenkonfektonamSonnabend wiederum bei Schulz in der Münzstraß« versammelt. Entsprechend den in der vorigen Ver- sammlung aufgestellten Grundsätzen hatte die dort gewählte Kommission über die an die Zwischenmeister zu stellenden Forde- rungen beraten und einen Tarifentwurf ausgearbeitet. Nachdem Kunze nun eine kurze Uebersicht über die allgemeine Situation ge- geben, und über die Arbeiten der Kommission berichtet hatte, wurde der Entwurf zur Diskussion gestellt und dann mit einigen Ab- änderungen von der Versammlung gutgeheißen. Er enthält in den Hauptpunkten folgende Forderungen: Beschränkung der Arbeits- zeit auf 10 Stunden täglich, ausschließlich der Pausen; Festsetzung von Mindestlöhnen für die verschiedenen Gruppen, und zwar für die ersten Bügler von 42 M. die Woche, die zweiten Bügler 34 M., die ersten Stepper 44 M., die zweiten Stepper 33 M., die Taschenmacher 36 M., die Futtermacher 32 M., die ersten Handnäher 34 M., die zweiten Handnäher 30 M. und für die Ausfertigerinnen 21 M. Die hier angeführten Löhne werden, soweit erste Kräfte in Frage kommen, in den meisten Fällen schon jetzt bezahlt; im wesentlichen wird es sich nur bei den schlechter bezahlten Arbeitskräften um eine geringe Lohnerhöhung handeln. Die geforderten Löhne sind selbstverständlich immer als Mindestlöhne anzusehen, so daß. wo höhere gezahlt werden, keine Lohnkürzung eintreten darf. Für Ueberzeitarbeit bis 16 Uhr abends werden 25 Prozent Zuschlag verlangt, für Nacht und Sonntagsarbeit 60 Pf. Das Verlangen nach Erledigung eines be- stimmten Arbeitspensums, wodurch die Regelung der Arbeitszeit außer Kraft gesetzt würde, soll untersagt werden. Streitigkeiten aus dem Tarifvertrag sollen durch Verhandlungen der Organisations- Vertreter mit den Zwischenmeistern erledigt, und eventuell durch das Gewerbegericht als Einigungsamt entschieden werden. Als Dauer des Vertrages wird, wie bei den übrigen Tarifen für die Herren- konfektion, die Zeit bis zum 1. März 1913 vorgeschlagen. Ebenso ist eine dreimonatige Kündigungsfrist vorgesehen. Uebcr die Einreichung der Tarife soll in einer späteren Ver- sammlung beschlossen werden._ Achtung, Holzarbeiter! Die Unternehmer in Stolp i. Pommern, bei denen unsere Kollegen die Arbeit niedergelegt haben, suchen Arbeitswillige in Berlin anzuwerben. Sie bedienen sich hierzu einer Agentur in der Destillation Linienstr. 206, Ecke Kl. Rosenthalerstraße. Wir ersuchen unsere Kollegen, den Werbungsagcnten die gebührende Antwort zu geben und Stolp streng zu meiden. Deutscher Holzarbeiterverband, Ortsverwaltung Berlin. Die Differenzen bei der W ä s ch e f a b r i k von I. B e ch e r. G. m. b. H., Große Frankfurter Straße 137, sind beigelegt. Die Zuschneider haben ihre Kündigung zurückgenommen; in der strittigen Angelegenheit fand eine Einigung statt. Die Sperre wird hiermit aufgehoben. Verband der Schneider und Wäschearbeiter, Filiale Berlin Hl. Die Ortsverwaltung. Der Streik der Gummiarieiter bei der Norddeutschen Gummi- Warenfabrik dauert an. Die angebahnten Verhandlungen mit der Direktion sind ergebnislos verlaufen. Glasarbeiter! Wegen Differenzen sind für Glasmacher gesperrt: die Firma Fertig, Glasschleiferei, Friedrichstr. 2, und A. E. G.. Glühlampenfabrik, Sickingenstraße; letztere Firma wegen Lohn- abzugeS in Höhe von 60 Proz. Zentralverband der Glasarbeiter. Lokalverband Berlin. Anwürfe gegen den Mctallarbeitcrverband. In der Notiz unter Vorstehender Stichmarke in der SonntagSnnmmer des„Vorwärts" hat der Druckfehlerteufel gehaust. Im ersten Absatz heißt eS:„Als nun arbeitslose Rohrleger, welche unsere Mitglieder sind, bei dieser Firma Arbeit erhielten, jedoch sich erst die Erlaubnis von dem Arbeitsnachweis Wiesenthals holen wollten.. während e» heißen soll„holen sollten".— Die Hilfe eines Wiesenthal-Arbeitsnachweis Gh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanftall in Anspruch zu nehmen, daran denkt natürlich kein Verbands« Mitglied. Deutfcbes Reich. Heeresschau der Königsberger freien Gewerkschaften. Am Sonntag, den 7. August, feierten die Königsberger freien Gewerkschaften im Parteilokal Ludwigshof ihr diesjähriges Sommer- fest. Eingeleitet wurde die Feier durch einen Festzug, der im Stadt- innern Aufstellung genommen hatte, und der sich in drei großen Zügen durch die Straßen der Stadt nach dem Parteietablissement bewegte. Am Fcstzug bewegten sich 33 Gewerkschaften mit rund 8000 Teilnehmer, einschließlich der Arbeitergesang- und Sport- vereine, Männergesangverein Vorwärts, Metallarbeiter-Liedertafel, Freie Turnerschaft und die Mitgliedschaft Königsberg des Arbeiter- radfahrervereins Solidarität. Die Schutzmannschaft hielt sich vollständig reserviert, die Aufsicht übten die von den Gewerkschaften erwählten Ordner aus. Alles klappte mustergültig. Der Vorbeimarsch des ZugeS nahm fast eine Stunde in Anspruch, der ganze Aufmarsch dauerte zwei Stunden. Für die Marschweisen sorgten drei Musikchöre. An der Gartenveranstaltung nahmen zirka 15 000 Personen teil. Hier gelangte eine Festschrift zur Ausgabe, die unter andern einen Artikel über die Entwickelung der Gewerkschaften in Königsberg i. Pr. bringt und in der der Satz steht: „Gewerkschaft und Partei— zwischen beiden Teilen der Arbeiterbewegung existieren keine Differenzen, diese Zeiten sind ein für allemal vorüber. Wir sind an den Zeitpunkt angelangt, daß beide Glieder des großen Körpers nach dem einen großen Ziele streben. In der Stadt selbst herrschte ein lebhaftes Treiben als sich der Festzug durch die Straßen bewegte, taufende Personen bildeten Spalier, in den Häusern waren alle Fenster besetzt, das Bürgertum sah mit Staunen die große Heerschau des gewerkschaftlich organi« sierten Proletariats._ Zicglerstreik. Am 6. August trat die Arbeiterschaft der Rotherschen Kunstziegeleien in Liegnitz nach Ablauf der Kündigungsfrist und nachdem alle Versuche, auf gütlichem Wege zu einem Tarifabschluß zu kommen, an dem orgonisationsfeindlichen Verhalten der Firma gescheitert, in den Streik. Beteiligt sind 63 Männer und 41 Frauen. Als Streikbrecher blieben 13 Hirsch-Dnnckersche Arbeiter und'ebenso- viel Unorganisierte stehen. Der Firma gehören noch die Ziegelei- und Tonwerke in Haynau, Siegersdorf, Bienitz und Lauban, und wird die Firnia jedenfalls versuchen, Arbeiter von dort nach Liegnitz zu dirigieren, was hoffentlich an dem Solidaritätsgefühl der dortigen Arbeiter scheitert. Zuzug ist unter allen Umständen fern- zuhalten._ Beendigung der Lohnbewegung der Rheinschiffer. Die Lohnbewegung des Personals der Rheinschiffe der Firmen: Badische Aktien-Gescllschaft für Rheinschiffahrt und Seetransport; Rheinschiffahrts-Aktien-Gescllschaft vorm. Fendel; Mannheimer Lager- Haus-Gesellschaft„Badenia"; Rhein- und Seeschiffahrts-Gesellschaft und Mannheimer Dampsschleppfchiffahrts-Gesellschaft, sämtlich in Mannheim, ist mit vollem Erfolg für die Arbeiter erledigt. Wiederholte Verhandlungen führten zu einem für die Arbeiter annehmbaren Resultat. Die Wochenlöhne haben im allgemeinen eine Steigerung bis zu 5 M. erfahren, außerdem ist die Forderung des Personals auf Be- zahlung der Uebcr- und Nachtarbeit erfüllt worden. Für Ueber- stunden, für die bisher gar nichts oder nur sehr wenig gezahlt wurde, gilt in Zukunft der Satz von 0,60 M.; Nachtarbeit, die bis- her zu dem Satze von 2,50 M. oder umsonst verrichtet werden mußte, wird ab 1. August mit 0,75 M. pro Stunde vergütet, wobei als Nachtarbeit die Arbeit in der Zeit von 9 Uhr abends bis 6 Uhr morgens gilt. Letzte Nacbnchtcn und Dcpcftbcn. Ein neuer Streik in Hamburg. Hamburg, 8. August.(W. T. B.) Die SchiffSreinkger, Mal« und Dockarbeiter der Hamburg-Amerika-Linie haben in einer heute abend abgehaltenen Versammlung mit großer Stimmenmehrheit beschloffen, am Dienstag die Arbeit niederzulegen. Attentat auf einen Spitzel. Krakau, 8. August.(W. T. B.) Ein Beamter eines polnischett Volksschnlvereins, Namens Rybak, ist auf offener Straße durch drei Rcvolverschüsse getötet worden. Der Täter wurde verhaftet und gab auf der Polizei an, er habe Rybak als einen russischen Spion und Agent provocateur auf Befehl seiner Partei ermordet. Wie ein Telegramm des Preß-Tel. aus Krakau meldet, ist der Attentäter der Student Stanislaus TrobnowSky. Als sich Paffanten auf ihn stürzten und ihn lynchen wollten, rief er ihnen zu:„Laßt mich, ich habe einen russischen Spion getötet, der tausend Menschen nach Sibirien gebracht hat!" Eine Untersuchung hat in der Tat ergeben, daß Rybak ein Spion in russischem Sold war. Er verkehrte in der Krakauer Gesellschaft, kundschaftete hier die Ge- sinnungen vieler aus und berichtete getreulich an die russische Polizei, die dann entsprechende Maßnahmen ergriff. TrobnowSky wurde ins Gefängnis abgeführt. Abrüstung in— Marokko. Paris, 8. August.(W. T. B.) Aus FeS wird gemeldet, der Sultan habe beschlossen, in Rücksicht auf die Finanzlage den Ge» samtbestand der scherifischen Truppen auf 16 000 Mann zu redu, zieren. Wirklich ein wildes Land, dieses Marokko. Wäre es ein Kultur» staat wie Preußen-Deutschland, brauchte es bei den Militärlasten keine Rücksicht auf die Finanzlage zu nehmen. Ein paar neue Steuern auf notwendige Lebensmittel und sofort wären genügend Mittel für militärische Zwecke vor- handen._ Menschenopfer. Saargemünd, 8. August.(B. H.) Im H a y i n g e r Hoch» ofenwerk wurde ein 30jähriger verheirateter Hüttenarbeiter zermalmt. Vom Bergarbeiterstreik in Spanien. Madrid, 8. August.(Preß-Tel.) Trotz aller Versuche, ein Ende des Bergarbeiterstreiks herbeizuführen, greift dieser immer mehr um sich. So haben die Bergleute von Gallara den Sym» pathieausstand erklärt und fordern ihre sämtlichen Kollegen zum Generalstreik auf. In vielfachen ProtestversamHlungen wurde, wie in L u ch a n a, den Ausständigen die Sympathie ausgesprochen. In C a d i z und Kartagena fanden große Protestversammlun. gen gegen die Bergwerksbesitzer statt. Allenthalben ist man auf, feiten der Arbeiter. Sogar die ToreroS von Kartagena habeg ihr« Sonntagseinnahmen für die Streikkassen gespendet, Abgeschlossener Tarifvertrag. Manchester, 8. August.(W. T. B.) Heute ist zivischen Arbeit- gebern und Arbeitnehmern der Baumwollenindustrie ein Vertrag unterzeichnet worden, der den Frieden in dieser Industrie auf fünf Jahre sichert.__ faul Singer& Co., Berlin S W, Hierzu 2 Beilage»«.UnterhaltungSbl. Hr. 184. 27. Jahrgang. 1. Wi« dis Jormitto" Aerlim MksdlM. Der Zentral-KlaftlvereiD für teltoW'Beeshow �ttlf am Sonntag im„Volkshause" zu Charlottenburg seine Generalversammlung ab. Sie war besucht durch 112 Delegierte aus 42 Orten. Nicht vertreten war der Ort Markgrafpieske. Kerner waren anwesend der Zentralvorstand des Kreises, der tneichstagsabgeordnete des Kreises und ein Vertreter des Verbands- Vorstandes von Groß-Berlin. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der vorn Genosser, Pagets erstattete Bericht deS Zentralvorstandes. Derselbe erstreckt sich auf die beiden ersten Quartale des laufenden Jahres. Der Redner beleuchtete zunächst die Wahlrechtsbewegung und die dadurch entstandene Agitationsarbeit. Dann gedachte er der Gemeindewahlen. Solche fanden in 43 Orten des Kreises statt. Ende IVOS hatte unsere Partei itt 7 Städten 74 und in 80 Landgemeinden 75 Vertreter. Ende Juni 1910 waren es in 7 Städten 73 und in 41 Landgemeinden 112 Vertreter. Das ist ein Zuwachs von 35 Vertretern.— Zum Zweck der Agitation wurden 1 296 500 Flugblätter, 10 000 Exemplare der„Fackel" und 5000 polnische Flugblätter verbreitet.— Die Zahl bet Mitglieder ist von 23 757 auf 26 504, also um 2747 gestiegen. Von den Mit- gliedern sind 22 605 Männer und 3899 Frauen. Von der Zu- nähme der Mitgliederzahl kommt der gröstte Anteil, nämlich 2118, auf Rixdorf. Entsprechend der Vermehrung der Mitglieder ist die Zahl der verkauften Beitragsmarken gegen das Borjahr um 16 599 gestiegen. Der Kassenbericht schließt mit einer Einnahme von 55 104,71 M. und einer Ausgabe von 46 919,96 M., so daß ein Bestand von 8184,75 M. bleibt.— An die Kasse von Grotz-Berlin sind für Beitragsmarken 13 500 M. und an sonstigen Einnahmen 2650 M. abgeführt worden. Genosse G r o g e r gab einen kurzen Ueberblick über die all- gemeine Tätigkeit des Aktionsausschusses und verwies bezüglich der Einzelheiten auf die Berichte im„Mitteilungsblatt". Der vom Genossen Heinrichs gegebene Bericht der Preß. kommission deckt sich mit den unseren Lesern bekannten Angaben, die bereits in den Berliner Versammlungen gemacht worden sind. Genosse Fischer erstattete den Bericht der Agitations- Kommission. Er konstatierte erfreuliche Erfolge der Agitations- arbeit. Die Einzelheiten sind ebenfalls aus den Berliner Ver- sammlungen schon bekannt. Genosse Rohr, der den Bericht der Lokfilkommission gab, meinte, er könne wenig von Erfolgen sprechen. In verschiedenen Orten, wo uns Lokale zur Verfügung staGden, sind sie wieder zurückgezogen worden. Nicht nur in einer Reihe kleiner Orte. sondern selbst in einigen größeren Vororten Berlins haben wir keine Versammlungslokale. Auch der durch lebhafte Agitation unterstützte Boykott bestimmter Lokale in westlichen Vororten hat keinen Erfolg gebracht. Der Redner betonte die Wichtigkeit des Lokalkampfes und ersuchte um Unterstützung desselben durch alle organisierten Arbeiter. Genossin Thiel gab einen kurzen Bericht über die Agitation zmter den Frauen. Die Diskussion über die gesamte Berichterstattung erstreckte sich fast ausschließlich auf den Bericht der Preßkommission. Nament- lich war es di? Frage der Herausgabe eines Abendblattes des »Vorwärts", die zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß gab. Ein- zelne Redner meinten, trotz der vom Genossen Heinrichs vor- getragenen Berechnungsergebnisse müsse man der Herausgabe eines Abendblattes nähertreten. Es sei doch nicht sicher, daß diese Berechnung unanfechtbar sei. Das Abendblatt sei ein dringendes Bedürfnis, was man daraus sehe, daß viele Arbeiter die Abend- blätter der bürgerlichen Presse lesen. Ebenso dringend sei daS Bedürfnis nach einem Montagsblatt. Andere Redner meinten dagegen, eS liege keineswegs ein allgemeines Bedürfnis nach einem Abendblatte vor. Der Lesestoff des„Vor- wärtS" sei schon jetzt so reichhaltig und so umfangreich, daß die meisten Arbeiter ihn gar nicht bewältigen können. Vor allem sei aber zu bedenken, daS die Herausgabe des Abendblattes an dem Kosten- punkt scheitere. Da der größte Teil der Mehrkosten auf die Er- höhung des Botenlohnes entfällt, so meinte ein Redner, eS sei doch zu prüfen, ob wir die in dieser Hinsicht gestellten Forderungen n Kleines feuilleton* Talsperren. Die großen Ueberschwemmungen, die in den letzten Wochen in allen Teilen Deutschlands großes Unheil angerichtet haben, lenken das Interesse auf die Wasserbauunternehmungen,-die der Flußregulierung dienen sollen. Die gewaltigsten von ihnen sind die Talsperren mit ihren mächtigen und hohen Mauern und ihren riesigen Staubecken. Sie sind zwar in erster Linie Unternehmungen zur industriellen Ausnützung der Wasserkräfte unld haben vor allem wasserwirtschaftliche Bedeutung; allein sie bieten auch einen ge- wissen Schutz gegen die Hochwassergefahr, ja im Gebiete der Oder z. B., wo bei Marklissa eine Talsperre im Betriebe ist, bei Mauer eine gebaut wird, ist dieser Schutz die Hauptsache. Nach einer Zu- sammenstellung des Herdcrschen Jahrbuchs der Naturwissenschaften ist bisher die größte Talsperre Europas-die Roer- oder Urfttal- sperre, deren Sammelbecken 45 Millionen Kubikmeter fassen kann; indessen wird sie in kurzem durch die Sperre bei Mauer in Schlesien lBobertalsperre) übertroffen werden, da deren Fassungsraum 50 Millionen Kubikmeter beträgt. Allein diese beiden gewaltigen Anlagen sind verhältnismäßig klein gegenüber den geplanten oder im Werden begriffenen Möhne- tal- uno Edertalsperren. DaS Gebiet der ersteren liegt zwischen Soest und Arnsberg(Westfalen) an der Mündung der Helve in die Möhne, die sich bald darauf in die Ruhr ergießt. Ihr Sammel- decken soll 130 Millionen Kubikmeter fassen. Die Sperrmauer, deren Kosten allein auf 20 Millionen Mark veranschlagt werden, wird 40 Meter hoch und an der Krone 632 Meter lang sein. Die Sperre wird der Wasserversorgung uno Wasserkraftgewinnung dienen. Man hofft sie nach siebenjähriger Bauzeit im Jahre 1914 zu voll- enden. Unternehmer ist der Ruhrtalsperren-Verein. Der Stau- Inhalt der Edertalsperre im Fürstentum Waldeck, die der Ver- hütung von Hochwasserschäden, der Schaffung eines regelmäßigen Schiffahrtsbetriebes auf der Oberweser zwischen Münden und Hameln und der Speisung oeS Mittellandkanals dienen soll, über- trifft den der Möhnetalsperre noch um 90 Millionen Kubikmeter. Der Stau ist 25 Kilometer lang, das Staubecken wird 1100 Hektar bedecken und eine Reihe von Ortschaften dem Untergange weihen. Die Mauer, die an der Sohle 34 Meter dick und 270 Meter lang. an der Krone 5 Meter dick und 400 Meter lang sein soll, wiro eine Höhe von 48,6 Meter haben. Bon kleineren Unternehmen, die im Bau sind, nennen wir die Neyetalsperre der Stadt Remscheid, die der Wasserversorgung dienen soll und einen Beckeninhalt von sechs iMillionen Kubikmeter haben wird, und die Listertalsperre im Kreise Olpe mit 22 Millionen Kubikmeter; ihre Kosten werven auf 3 Mil- lionen veranschlagt, und die jetzt vollendete Laubenbachtalsperre zur Wasserversorgung von Chemnitz; ihr Sammelbecken faßt szh Millionen Kubikmeter. Bei den Talsperrebauten in Deutsch- land haben sich die Unternehmer häufig za jchren Ungunsten verrechnet und Mit Verlust gearbeitet. des Transportarbeiterverbandcs in vollem Umfange bewilligen müssen. Es sei doch nicht gerechtfertigt, daß der Transportarbeiter- verband an den„Vorwärts" Forderungen stelle, die bei der bürger- lichen Presse nicht erfüllt werden, weil dort der Transportarbeiter. verband die Zeitungsfrauen nicht organisieren könne.— Das Bedürfnis nach einem Abendblatte bestritt auch Genosse Zubeil. Die Herausgabe eines Montagsblattes bezeichnete er als notwendig und durchführbar. Aus Schöneberg war der Antrag gestellt, den Bezirksanzeiger und die Bezugsquellenbeilage in eigene Regie zu übernehmen. Da- gegen machten einige Redner geschäftliche Bedenken geltend. Der Antrag wurde abgelehnt.— Dem Kassierer wurde einstimmig Decharge erteilt. Die hierauf vollzogene Vorstandswahl hatte folgendes Er- gebnis: 1. Vorsitzender H i r s ch- Charlottenburg, 2. Vorsitzender B ö s k e- Rixdorf, Sekretär G r og er- Rixdorf, Kassierer P a g e l s- Rixdorf, Beisitzer S t i e f e n h o f e r- Charlottenburg, U l rn- Zehlendorf. Frau T h i e l- Temvclhof. Revisoren Wel- mann- Britz, T u r o w- Rixdorf, W e n z e I- Gr.-Lichterfelde, Riedel- Wilmersdorf, Schenk- Steglitz. Ferner wurden gewählt: In die Preßkommission des„Vor- wärts": Heinrichs- Rixdorf, Hoffmann- Nowawes, B r u n n e r- Charlottenburg. Preßkommission der„Märkischen Volksstimme": Sydow- Ketschendorf, Gruhl- Nowawes. Aktionsausschuß: Groger und Pagels. Agitationskommis- sion: K ü t e r- Schöneberg und F i s ch e r- Schöneberg. Lokal- kommission: Rohr- Britz. Revisor für Grotz-Berlin: Wei- mann. Britz.— Für den geschäftsführenden Ausschuß Groß- Berlins wurden Ernst, Liepmann und Böske vor- geschlagen. Es folgte nun die Stellungnahme zum Parteitage. Nachdem der Referent, Genosse Böske, alle Punkte der Tagesordnung des Parteitages eingehend erörtert hatte, wandte er sich der badischen Angelegenheit zu. Die Budgetbewilligung sei wie ein Wermuttropfen in die gute Stimmung gefallen, in der sich die Parteigenossen angesichts der für uns so überaus günstigen Situation befänden. Die politischen Verhältnisse in Baden seien durchaus nicht derart, daß die von unseren dortigen Landtags- abgeordneten eingeschlagene Taktik erfolgreich sein könnte. Doch darum handele es sich jetzt nicht, sondern nur darum, daß die Mehrheit der badischen Fraktion über einen Parteitagsbeschluß hinweggegangen sei und dadurch einen Disziplinbruch begangen habe. Auch die Teilnahme einiger badischcn Genossen an höfischen Veranstaltungen sei nicht sozialdemokratisch. Wie man sich auch zur Budgetfrage stellen möge, der Disziplinbruch müsse einmütig verurteilt werden, denn Einheit und Geschlossenheit der Parte« sei die Grundbedingung ihrer Erfolge. In der Partei werde ja der Disziplinbruch in Baden allgemein verurteilt. Nur in Baden stehe, wie es scheine, ein großer Teil der Wähler hinter den Budget- bewilligern. Würde es sich nur um die 17 Abgeordneten handeln, so könnte man die Resolution Stadthagen annehmen. Wir hätten jedoch keine Ursache, dem Parteitage vorzugreifen. Die Möglich- keit einer Verständigung müsse offen gehalten werden, denn die Einigkeit der Partei sei in der gegenwärtigen Situation not- wendiger wie je. Wenn die badischen Genossen erklären, eine solche Dummheit nicht wieder machen zu wollen, dann könne die Sache damit erledigt sein. Geben sie eine solche Erklärung nicht ab, dann müsse Kurzschluß gemacht werden. Zubeil verwies darauf, daß viele Orte des Kreises sich schon mit der badischen Angelegenheit befaßt und dieselbe einmütig ver- urteilt haben. Auch hier, in der Generalversammlung werde ja vollkommene Einmütigkeit in der Verurteilung des Disziplinbruchs herrschen. Hier noch weiter darüber zu reden, wäre überflüssig, denn es könnte ja nur wiederholt werden, was in zahlreichen Versammlungen und in der Presse bereits gesagt worden sei. Die Versammlung möge die Resolution des Verbandsvorstandes an- nehmen. Ulm bezeichnet eS als notwendig, daß das Verhalten der badischen Abgeordneten, welches gar nicht scharf genug verurteilt werden könne, auch an dieser Stelle eingehend besprochen werde. Es sei nicht zu hoffen, daß die Wiederholung solcher Vorgänge unterbleibe, wenn nicht der Parteitag ganz entschieden gegen das Vorgehen der badischen Genossen Stellung nehme. Ein Antrag auf Schluß der Diskussion wurde angenommen. DaS deutsche Bolksbadewesen. Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder, die den Wahlspruch aufgestellt hat:«Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad I" hat eine Statistik über den Stand des Volks- badewesens aufgenommen. Danach gibt eS im Gebiet des Deutschen Reiches 2847 öffentliche Warinbäderanstalten, daS ist eine Badeanstalt auf zirka 21 000 Personen. Hierbei sind nur die öffentlichen Anstalten berücksichtigt; ausgeschlossen sind auch die Kurbäder. In den An- stalten waren insgesamt 18 966 Badewannen. 11 110 Braiisen und 232 Schwimmbassins vorhanden. Nach den statistischen Feststellungen leben nur etwa zwei Fünftel aller Einwohner des Reiches in Orten mit öffentlichen Warmvadeanstalten. Auf 100 000 Einwohner kommen Badewannen in Württemberg 58.8, Königreich Sachsen 58,3, Baden 51,9, Anhalt 50.0, Bayern 25.3. Preußen 25,2, Hessen 25,5 usw. Nach der letzten Volkszählung von 1905 hat sich ergeben, daß sogar von den mehr als 3000 Einwohnern zählenden Gemeinden im Deutschen Reiche 1092 mit einer Geiamtbevölkerung von 6>/z Millionen öffentliche Warmbadcanstalten überhaupt nicht besitzen. Eine durchgreifende Besserung und die Verwirklichung des Wahl- spruchs der Gesellschaft kann nur herbeigeführt werden, wenn das Badewesen nicht mehr ein Geschäft ist, sondern wenn sich die Gemeinde der Angelegenheit annimmt und öffentliche u n e n t- g e l t l i ch e Badeeinrichtungen beschafft. Hier hat die gemeinnützige Tätigkeit der Kommunalverwaltungen noch ein großes Arbeitsfeld. Die Deutsche Gesellschaft für Volksbäder sollte ihr Ziel hierauf richten. Mufik. Leipziger Arbeitersänger in Berlin. Arn letzten Sonntag gaben die Leipziger Gesangsabteilungen Stötteritz- Schönefeld-Möckcrn-Laßning im Garten der Brauerei Friedrichshain unter Mitwirkung des Berliner Tonkünstler- Orchesters(Dirigent: Holl selber) ein großes Vokalkonzert. Der gewaltige Raum vor der Brauerei war vollgefüllt von Zu- Hörern. Offen sei es herausgesagt: bei allen musikalischen Dar- bietungen im Freien geht die eigentliche Kunst zum Teufel. So war es auch diesmal. Und das ist um so mehr zu beklagen, als diese Leipziger Lerchen unter ihrem so feinfühligen Chormeister Emil S a l z e r erstaunliche Leistungen bieten. Man mag vom künstlerischen Standpunkt berechtigte Bedenken gegen die stark an Manieriertheit streifende Behandlung der Tongebung äußern. Aber wer den Vortrag der„Badischen Volksweise" gehört hat. der muß dies Pianissimo, diese fast geisterhaft, dennoch klanggesättigt dahin- schwebende Schattierungskunst, nicht hervorgebracht etwa von einem Quartett, sondern von einem Riesenchor, alz ein technisches Munder erklären. Damit steht im innigen Kontakt: die Präzision, die rhythmische Energie, die Kraft, die glanzvoll schmiegsame Ge- schmeidigkeit dieses ungemein geschulten ChorS, der bei aller saube- ren Herausarbeitung im Kleinen doch immer bedacht ist, daS Lied als GanzeS großzügig und wuchtig zu gestalten. Wenn schon im offenen Garten trotz widriger Windstöße alle diese Vorzüge hervor- traten, wieviel mehr erst in einem großen geschlossenen Räume, wo dem Hörer doch keine Nuance verloren ginge! So lebhaft wir ge- wünscht hätten, die Leipziger Arbeitersänger im Konzertsaal zu hök.eo ßir fish iSuefl svK so dgnlbax veMudeg t« ihre Ke« Dann nahm die Versammlung die bekannte Resolution deS Vev» bandsvorstandes gegen eine Stimme an. Zum Parteitag lag noch ein von Genossin Lütke- Chat- lottenburg begründeter Antrag vor, welcher eine Schnittmuster- beilage zur„Gleichheit" fordert.— Dieser Antrag wurde durch Genossin S chu l t e- Rixdorf dahin erweitert, daß von Partei« wegen eine eigene Zeitschrift, welche den Absichten der Antragstellev gerecht wird, ins Leben gerufen werde. In den Rabrnen der von der„Gleichheit" verfolgten Ziele passe die Musterbeilage nicht, Der Antrag der Genossin Schulte wurde angenommen. Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt: Heinrichs, Wilk, Wenzel, Frau Thiel, Ulm. Stiefenhofer wurde als Tele«. giertet des Kreisvorstandes bestätigt. Nachdem Fischer- Schöneberg einen Ueberblick über die Aufgaben der Provinzialkonferenz gegeben hatte, wurden als Dele- gierte zu derselben Pagels, Sydow, Frau Lütke und als Ersatz« mann Petras-Mittenwalde, gewählt. Hierauf referierte Genosse Wenzel über die zum 1. Oktobev in Aussicht genommene Uebernahme der„Vorwärts"-Speditionen, durch die Expedition des Blattes.— Die Versammlung erklärte sich mit Anschluß der Speditionen des Kreises an die Expedition im Prinzip einverstanden. Für die Verbandsgeneralversammlung von Groß-Berlin lag ein Antrag vor, welcher besagt: In den Wahlvereinen soll ein Wochenbeitrag von 10 Pf. für männliche und 5 Pf. für weibliche Mitglieder eingeführt und für den Fall der Ablehnung dieses An- träges der monatliche Beitrag auf 40 Pf. erhöht werden. Sollte auch das abgelehnt werden, dann wird für den Kreis Teltow- Beeskow die Erhebung eines Monatsbeitrages von 40 Pf. ge- wünscht. Der Antrag wurde angenommen. Ferner nahm die Versammlung einen Antrag an, welcher den Parteivorstand und die Preßkommission ersucht, die Heraus« gäbe'eines Montagsblattes des„Vorwärts" in die Wege zu leiten. Damit war die Tagesordnung erledigt. Hus Induftrie und ftandel. Grenzen anf! In beängstigender Weise schnellen die Fleischpreise hinauf. Der Auftrieb zu den Märkten ist zu gering, aber die Grenzen bleiben geschlossen. Ein Notstand entwickelt sich; er ist schon dal Folgende Preistabelle beweist das. Nach amtlichen Er- Mittelungen an 50 preußischen Marktorten kostete 1 Kilogramm w Pfennigen � IM z»»i Juli•£ 3«ti!ÄZ «InHI.ildi:«" 1810""W von der Keule..... 168,4 170,8 173,3 4,9 voin Bug...... 155,7 156,0 158,3 8,6 Vorn Bauch...... 135,4 138,9 141,4 6,0 Kalbfleisch: von der Keule..... 179,2 186,5 187,6 8,4 vom Bug...... 162,0 163,6 169,2 7,2 Hammelfleisch: von der Keule..... 174,3 178,6 180,0 6,7- vom Bug...... 159,7 161,6 163,6 8,9 Schweinefleisch: von der Keule..... 177,0 174,5 177,1 0,1 Vom Bug...... 164,6 164,1 164,6 0,0 Kopf und Beine.... 82,4 88,9 85,8 3,4 Rückensett...... 166,2 159,8 158,9 3,7 Ger. Schweinespeck, 179,9 186,8 186,6 6,7 Das sind wiederum respektable Steigerungen. Am stärksten sind sie bei der billigsten Sorte Rindfleisch, bei den von den Arbeitern am meisten konsumierten Schweinefleisch- sortcn und bei Kalbfleisch. Was tut die Regierung, um den Notstand zu mildern? Nichts! Sie gehorcht auf Kommando der Junker; sperrt die Grenzen und duldet eine schikanöse Handhabung der Einfuhr- und Ouarantäuebestimmungen, wodurch die Versorgung des inländischen Marktes vermindert wird. Das Volk hungert nach Fleisch, die Junker jubeln; sie heimsen Preise ein, die ihre Tasche füllen— zum platzen. sangsleistungen, die wir nicht anstehen, als ungewöhnliche zu er« klären.' e. k. Humor und Satire. Königlich Preußische Feuerbestaktung. Die von dem jetzigen preußischen Minister des Innern von Dallwitz in An» halt eingeführte Feuerbestattungsordnung schreibt vor, daß die Feuerbestattung nur auf Anordnung der Verstorbenen und nach schriftlicher Genehmigung der Polizei stattfinden dürfe. Die An- ordnung deS �Verstorbenen muß in einer letztwilligen Verfügung oder in einer unter der Angabe der Zeit und deS Ortes eigenhändig geschriebenen und unterschriebenen Urkunde oder in einer öffentlich beglaubigten Erklärung erfolgt sein. Nach diesem Muster wird Herr von Dallwitz nun auch die preußische Feuerbestattungsordnung ausarbeiten. Nur hat er sich in der Zwischenzeit davon überzeugt, daß die oben erwähnten Be- stimmungen unzureichend sind; denn in der Zeit zwischen der Aus- stellung dieser Erklärungen und dem Tode kann ja der Verstorbene seinen Sinn geändert haben. Deshalb genügt eine Erklärung nicht, die in der Vergangenheit abgegeben ist; die Feuerbestattung wird in Preußen vielmehr nur zulässig sein, wenn die erwähnten Er- klärungen nach dem Tode des zu Bestattenden, aber vor der Be- stattung abgegeben sind. Nur bei Katholiken soll auch ein Wunsch genügen, ber auf dem Sterbebette gegenüber dem Beichtvater ab- gegeben ist, wenn auch der letztere seinerseits die Feuerbestattung befürwortet und wünscht.; ZopfigeS. Als die chinesische Kommission zum Studium der deutschen Rechtspflege am Ende ihrer Reise war, meinte einer der Herren:„Wozu die wette Reise eigentlich?'s ist ja doch fast so, wie bei uns!" Der Terrainspekulant:„Die Erde besteht aus zwek Dritteln Wasser! Lieber Herrgott, was für'ne Verschwendung!" _(„Jugend.") Notizen. — DaSErgebniS deS Hamburger SchachtUt�«». Der Schlußstand des Turniers war: Schlechter 11 Vz. ZMras 11, Niemzowitsch lO'/o, Spielmann 10, Marshall. Teichmann je 9'/», Alckhin, ChotimirSli je 8>/z, Fleischmann(Forgaes), Tarrasch je s. Köhnlein, Leonhardt, Salwe, Tartakower je 7. Speyer 5'/z, John 5. Aates 2'/». Schlechter hat also die bereits im Match mit LaSker erregten Hoffnungen voll erfüllt. Er erhielt den ersten Preis. — Wie man am billig st en auf die Welt« aus stellung kommt, wenigstens in den Augen seiner Be« kannten, dafür gibt ein vom„Kunstwart" in verschiedenen Zeitungen entdecktes Inserat den Weg an. ES lautet:„Gegen Einsendung von M. 1.— sende ich Ihnen durch mein Bureau in Brüssel sechs AnsichtS- karten der Brüsseler Weltausstellung, die Sie mir mit Text und Adresse versehen retournieren. Dieselben werden dann durch mein Bureau in Brüssel zur Post gegeben, so daß Ihre Freunde und Bekannten Sie auf der Brüsseler Weltausstellung glauben. Verblüffende, groß- artige Ueberraschung. Für jede Karte sind für Porto weitere W Pf. in Marlen beizufügen." Die Genossenschaften im Dentschen Reiche. xZie Statistische Abteilung der Preußischen Zentral-Genossen- schaftZ-Kasse bearbeitet die bisher bestehende amtliche Genossenschafts- statistik für das Deutsche Reich, unter Mitwirkung der süddeutschen Bundesstaaten. Die Statistik wird alljährlich als„Mitteilungen zur deutschen Genossenschaftsstatistik* veröffentlicht. Der neueste Jahr- gang ist soeben erschienen und reicht bis zum Jahre 1903. Nach dieser Quelle gab es im Deutschen Reiche 26 863 Genossenschaften mit 4 308 20S Mitgliedern; davon entfielen auf Preußen 15 200 Ge- nossenschaften mit 2 370 803 Mitgliedern, auf Bayern 4414 bezw. 489 333, auf Sachsen 767 bezw. 305 247, auf Württemberg 1751 bezw. 291067, auf Baden 1072 bezw. 224 016, auf Hessen 926 bezw. 136 236, auf die übrigen deutschen Bundesstaaten 2733 Genossen- schaften mit 491 498 Mitgliedern. Gegen die Jahre 1903, 1904, 1905, 1906 und 1907 ist die Genossenschafts- und Mitgliederzahl in den vor« genannten Gebietsteilen beträchtlich gewachsen. Die Stärke der Genossenschaften, an der durchschnittlichen Mit- gliederzahl gemessen, hebt sich von Jahr zu Jahr; es hatte je eine Genossenschaft durchschnittlich Mitglieder: 1903 151, 1904 153, 1905 162, 1906 155, 1907 157 und 1908 160. Bei den Genossenschaften mit unbeschränkter Haftpflicht war die durchschnittliche Stärke in den drei letzten Jahren unverändert 116, bei denen mit unbeschränkter Nachschußpflicht betrug sie 163 bezw. 171 und 176, bei denen mit be- schränkter Haftpflicht dagegen 239 bezw. 243 und 249. Bei diesen letzteren stellte sich die gesamte Haftsumme wie folgt: im Durchschnitt im Durchschnitt im ganzen für eine Genossen- für einen erworbe- schast m. b. H. nenGeschästSanteil 1903... 420 668 018 M. 71 167 M. 197 M. 1904... 468 960 709. 71 227„ 198„ 1905... 519 046 614, 72 020, 202, 1906... 568 304 969„ 73 720. 204, 1907... 626 445 631„ 76 071. 207„ 1908... 694 790 618„ 78 454, 203. die Haftsumme für den Geschäfts für das einzelne Mitglied ist sie ES ist bemerkenswert, daß anteil von Jahr zu Jahr steigt; aber höher, weil viele Mitglieder der Genossenschaften mit"beschränkter Haftpflicht mehrere Geschäftsanteile erwerben können und erworben haben._ Deutsche? Reich..... Großbritannien und Irland Oesterreich...... Ungarn........ Schweiz....... Niederlande...... Zahl 6148 43 038 648 2070 3111 5465 Die Aktiengesellschaften in de« verschiedenen Ländern Europas. Die gewerbliche Warenherstellung hat sich in den letzten Jahr- zehnten Hand in Hand mit dem Uebergange zum Großbetriebe der Unternehmungsform der Aktiengesellschaft zugewendet. Für das Jahr 1907 läßt sich für eine Reihe der europäischen Länder die An- zahl der bestehenden Aktiengesellschaften vergleichen, die auf die Ber- breitung der Betriebsform der Aktienunternehmung in den einzelnen Ländern interessante Schlüsse zuläßt. Die Zahl der Aktien- gesellschaften sowie die Gesamtsumme deren Nommalkapitalien stellte sich im Jahre 1907 wie folgt- Nominalkapital in Millionen Mark 14 893,3 42 044,2 2 315,4 1220,1 1 947.1 2 497,0 Demnach zeigt sich, daß das größte Aktienkapital in Groß- britannien arbeitet, ebenso wie dort die größte Anzahl von Aktien- gesellschaften vorhanden ist. Deutschland steht mit der Summe des werbenden Aktienkapitals in ganz bedeutendem Abstände an zweiter Stelle, aber nur in betreff der Zahl der Gesellschaften. Beachtens- wert ist jedoch, daß in Deutschland auf das einzelne Aktienunter- nehmen ein bedeutend größeres Nominalkapital als in Groß« britannien entfällt, nämlich rund 2,797 gegenüber 0,976 Millionen Mark. Zu beachten ist, daß m Deutschland die Eisenbahnen ver- staatlicht find, was in England nicht zutrifft; daher zum Teil hier die höhere Kapitalssumme._ Rheinisch- Westfälisches Ziegeleisyndikat. Die Aussperrung im Baugewerbe hat den Absatz der Produkte wesentlich beeinflußt. Die Bauunternehmer, welche nicht ausgesperrt hatten, bezogen die Steine aus dem Auslände und da in den meisten Fällen größere Abschlüsse vorlagen, so wirkte dies auch noch für die Folge auf das Absatz- Verhältnis. Der Gesamtabsatz betrug im Juni 32 941 616 Stück Steine gegen 18 501 261 im Mai und 61 333 136 im Juni des Vorjahres. Im ersten Halbjahr betrug der Absatz insgesamt 149 116 822 Steine gleich 14 Proz. der Gesamtbeteiligung, wohingegen im ersten Halbjahr des Vorjahres der Absatz 196 000 638 Stück betrug. Versammlungen. Verband der Steinarbeiter. Die Sektion I hielt am 3. August ihre Mitgliederversammlung ab. H a n s ch k e referierte über das Ergebnis der Kommissionsberatungen über eine einzuführende Arbeitslosenunterstützung. In der letzten kombinierten Versammlung war das A und O der Ausführungen aller Redner: es ist zu wenig, was uns geboten wird I Ja, 6 M. feien ja wenig, aber höher könne man eben zurzeit nicht gehen. Hierzu trügen zum größten Teil auch die letzten Jahre der Krise bei. Er empfehle die Vorlage mit dem Hinweise darauf, daß ja ein Weiterausbau möglich sei. Die Arbeitslosenunterstützung sei notwendig, wenn man mit den anderen Gewerkschaften vorwärts schreiten wolle. Er bitte, bei der Kritik deS Entwurfs sachlich und überlegend vorzugehen. In der Diskussion wurden vor allem folgende Bedenken ge« äußert: Der Beitrag sei zu hoch, die Unterstützung zu niedrig, und durch diese Einrichtung würden noch mehr Restanten herangezogen. Von anderer Seite wurden die Vorteile der Vorlage hervorgehoben. 6 M. zu haben oder nicht zu haben, sei in Zeiten der Arbeitslosig- keit denn doch nicht gleichgültig. Auch bilde die Unterstützung ein gutes Agitationsmittel, um Fernstehende heranzuziehen. Es sei ja auch nur der erste Schritt; wenn der Versuch einschlage, könne man ja auf diesem Wege weitergehen. Der Beitrag käme nur für Arbeitswochen in Betracht, und da könne doch jeder die Mark ab- geben. In der nachfolgenden Abstimmung wurde der Entwurf mit 61 gegen 43 Stimmen abgelehnt. VermilcKtes. äa Hms der Frauenbewegung. Statistik der Ehescheidungen. Die Zahl der Ehescheidungen ist im Steigen begriffen. Nach Ausweis des Statistischen JnhrbuckS für das Deutsche Reich(1910) wurden im Durchschnitt der Jahre 1903—1907 jährlich ges-bieden 11 337 Ehen. Im Jahre 1908 erfolgten 13 327 rechtskräftige Urteile auf Scheidung. Auf 100 000 Einwohner kamen 1903—1907 durch- schnittlich jährlich 18 Ehescheidungen, 1903 stieg deren Zahl auf 21. Die Tatsache der Zunahme der Ehescheidungen ist um so bemerkenS- werter, als die deutschen Ehescheidungsgesetze bekanntlich sehr streng find. Man war bei der Schaffung des Bürgerlichen Gesetzbuche» in dem törichten Wahn, die Sittlichkeit schützen und heben zu müffen dadurch, daß man das Scheidungsrecht nach Möglichkeit beschräntte. Dieser Zweck ist nicht erreicht worden, wie die oben angeführten Zahlen dartun, und konnte auch gar nicht erreicht werden, da die f rößere oder geringere Häufigkeit der Ehescheidungen als Maßstab ür die Sittlichkeit nicht gelten kann. In Oesterreich hat z. B. die durch die Vorschriften der katholischen Kirche bedingte Unlöslichkeit der Ehe zu einer riesenhaften EntWickelung des Konkubinats geführt. Erwerbstätigkeit und Heirat. Die Zunahme der erwerbs- -tätigen Frauen hat schon oft zu der Erörterung der Frage geführt, ob die Erwerbstätigkeit nicht dazu führe, den Beruf der Frau als Mutter und Hausfrau zu beeinträchtigen. Die Statistik gibt uns darüber Auskunft, wieviel von den erwerbstätigen Frauen ver- iheiratet sind. Da zeigen sich nun für die verschiedenen Großstädte -so starke Unterschiede, daß man für die erwerbstätige verheiratete Frau für die verschiedenen Städte ganz verschiedene Arbeits- Bedingungen vermuten mutz. In Berlin z. B. ist die Zahl der erwerbstätigen verheirateten Frauen äußerst niedrig. Von 100 erwerbstätigen Frauen sind nur 19,11 verheiratet. Den äußersten Gegensa? zu Berlin bildet Braunschweig, wo von 10Ö erwerbs- tätigen Frauen nicht weniger alz 88,67 verheiratet sind. Berlin nahe stehen Plauen mit 19,95, Halle a. S. mit 20,63 Proz. Zwischen Braunschweig und Berlin steht die Prozentziffer in Dresden j<31,48 Proz.), Magdeburg(34,63), Krefeld(37.17). Straßburg 1(46,18), Erfurt(47,10) und Nürnberg(64,72). Es ist nicht ohne weitere? zu bestimmen, woher es rührt, daß in Berlin der Prozent- -satz der Verheirateten unter den erwerbstätigen Frauen so niedrig, warum er in Braunschweig so außergewöhnlich hoch ist. Sollte in Berlin die verheiratete Frau sich mehr aus dem Erwerbsleben zurückziehen können als in anderen Städten? Oder find et sie bei dem großen Angebot Unverheirateter weniger Arbeitsgelegenheit als in anderen Städten! Oder spielt die Frage der Heimarbeit auch in die Beziehungen zwischen Erwerbstätigkeit und Hchrat mit herein? Kurz, die Feststellung der Statistik löst die wichtige �rage vicht, sondern regt zu neuen Untersuchungen einer merkwürdigen Iwalia Erscheigung gn. Im Heroplan durch Oftfranferdch. Wenige Tage, nachdem der Oberpräsident für die Provinz Brandenburg jene famose Bekanntmachung erlassen hat, die für sein Gebiet die Ueberlandflüge im Aeroplan zur Unmöglichkeit macht. findet in Frankreich ein« abiatische Veranstaltung statt, die beweist, wie voreilig und unnötig das Verbot des UeberfliegenS geschlossener Ortschaften ist. Die französische Zeitung„Motin" veranstaltet einen Aeroplanrundflug durch Frankreich— bei dem in mehreren Etappen im ganzen etwa 700 Kilometer durch- flogen werden sollen. 36 Aviatiker haben zu der Kon- kurrenz, die dem Sieger einen Preis in der Höhe von 100 000 Francs bietet, ihre Beteiligung gemeldet. Außerhalb der Konkurrenz nehmen im Auftrage des Kriegsministeriums einige Offiziere mit ihren Apparaten an dem Fluge teil. Am Sonntag wurde die erste Strecke durchflogen. Von Paris, wo der Ausstieg erfolgte, flogen die Aviatiker nach der Stadt Trohes, 136 Kilometer von Paris entfernt. Die spart- lichen Leistungen waren geradezu glänzende. Dem Avia- tiker L e b l-a n c gelang es, die 135Kilometerin1 Stunde 32 Minuten zu durchfliegen, zweiter wurde A u b r u n. der nur fünf Minuten mehr für die Strecke gebrauchte. Die von den Aviatikern überflogene Landschaft ist dichtbevölkert, eine große Zahl„geschlossener Ortschaften" mußten passiert werden, um das gesteckte Ziel zu erreichem »• • Das sensationelle sportliche Ereignis wirb in der fronzösischen Presse mit Worten größten Lobes besprochem Der„Matin" schreibt: Es gibt keinen Eisenbahnzug, der heute fähig wäre. daS zu leisten. Selbst die schnellsten Eilzüge brauchen min« bestens 1 Stunde 47 Minuten. So haben denn gestern die Vogelmenschen den Dampf geschlagen. Mit ihren leichten Appa. raten haben sie ausgeführt, was selbst die unförmlichen Lokomotiven nicht leisten könnten. Binnen zwei Jahren der Mühe erreichen sie ein Ergebnis, das die tüchtigsten Ingenieure mit den auSgezeich- nessten Werkzeugen und Milliarden von Kosten in einem halben Jahrhundert der Arbeit nicht erreichen konnten." 27 Menschen verbrannt. Ein schtfleres Brandunglück, verursacht durch einen Blitz- schlag, meldet der Telegraph aus Paris. Nach dort ein- getroffenen Nachrichten wurde die Ortschaft Toumouna (Senegal) durch einen Blitzschlag vollständig ein- geäschert. Bei dem Brande, der sich mit großer Schnellig» keit über die ganze Ortschaft ausdehnte, sind 27 Per- s o n e n, darunter drei Europäer. umS Leben gekommen. Die Zahl der Verletzten beträgt 13, darunter 12 Europäer._ Der streikende Pfarrer. Daß ein Pfarrer stteitt, weil ihm fein Mehner nicht ge» L l l t, dürfte wohl bisher noch nicht dagewesen sein. In Ober- gessertShausen, einem Orte in der Augsburger Gegend, ist dieser Fall tatsächlich jetzt passiert. Dort sollte vor einigen Tagen ein Trauergottesdienst für eine verstorbene Witwe abgehalten werdem Sämtliche Anverwandte aus dem Orte und von auswärts waren im Gotteshause versammelt, da erschien der Pfarrer Dr. Gras und erklärte, er werde so lange in der Kirche keinen Gottesdienst mehr abhalten, als der Schneidermeister Anton Schuster noch Mehner fei. Der Mehner führe in der Kirche die ganze Herrschast und er, als Pfarrer, müsse dem- selben immer Untertan seinl Nach dieser Erklärung verließ der Herr Pfarrer die Kirche und fuhr nach Augsburg. Nur gut, daß das Zuchthausgesetz nicht in Kraft getreten ist, sonst wäre dem Herrn Pfarrer sein Verstoß gegen daS kaiserliche Wort:„Schwerste Strafe dem, der einen anderen an fteiwilliger Arbeit hindert", schlecht bekommen. Henkerschicksal in Ruhland. AuS Petersburg schreibt man uns: Seitdem die Todesstrafe in Rußland zur MtagSerfcheinung ge- rden ist, hat sich hier eine g a n z e Schar von Menschen lildet, die mit der Ausübung des H e n k e r a m t e S sich befassen. worden,-------- t gebildet, die mit der Susübung Fast alle rekrutieren sie sich anS sten MM zum 1$C------------- .. den Reihen der schlimm- Verbrecher, die. zu l e b e n S l ä r�g l i ch e r K a t o r g a oder zum Tode verurteilt, durch Annahme deS Henker- Postens frei werden oder eine wesentliche Strafmilderung erfahren. Ihr Schicksal wird damit indes nach jeder Richtung hin ein tief. trauriges: als Menschen demoralisiert und zugleich degradiert, haben sie gar häufig die verschiedensten Racheakte zu gewärtigen. Wenn sie in späterer Zeit in ihren Heimatskreis zurückkehren, wendet sich alles voll Grausen von ihnen ab. Sie find für ihre Umgebung ge- zeichnet.... Auf diesem Boden entstand jüngst ein charakteristischer Konflikt, der selbst dm Premier zur Stellungnahme zwang. Wegen Beraubung und Ermordung eine? Dorfgenossen war der Bauer Jegor Schipka» renko zur Katorga und zum Verlust sämtlicher Bürgerrechte verurteilt worden. Da machte ihm die Verwaltung deS Jekaterinoslawer Ge- fängnisseS. in dem er interniert war, den Vorschlag, daselbst Henkers- dienste zu verrichten und damit zunächst von der Deportation nach der sibirischen Katorga befreit zu werden. Der Bauer willigte ein und war mehrere Jahre„tätig", bis er vor kurzem pensioniert wurde und als begnadigter freier Bürgernach seinem Heimatdorfzurückkehren durfte. Hier erwartete ihn aber eine unangenehme Ueberraschung. Die Gemeinde machte von dem ihr von alterSher zustehenden Rechte, lasterhafte Mitglieder auszustoßen, Gebrauch, was die Verbannung des Mörders und ehemaligen Henkers»ach Sibirien zur Folge haben müßte. Da wandte sich Schipkarenko als ehemallger.Staats» beamter"— als Heuler ist er doch ein solcher— an verschiedene Instanzen, um den Gemeindebeschluß aufzuhehen. Weil aber dabei alles im gesetzlichen Rahmen vorschriftsmäßig sich zugetragen hatte, konnten die Behörden dem Mann nicht helfen. Nun beschwerte sich Schipkarenko bei Stolypin selbst über das ihm zugefügte„Unrecht", er wies darauf hin, daß am Gemeindebeschluß Verwandte der von ihm Hingerichteten teilgenommen hätten, und erreichte es, daß eine zweite Gemeindeversammlung den gefaßten Beschluß revidieren mußte. Trotzdem das Bauernforum diesmal von dem Adelsmarschall Rodsjanko geleitet wurde, blieb es doch bei seinem Beschluß. Um das Schicksal des ausgeftoßenen Henkers braucht man natür- lich nicht besorgt zu sein, da die Regierung schon Mittel und Wege finden wird, um einem solch' nützlichen Beamten zu helfen. Kenn« zeichnend ist aber die ganze Geschichre für den moralischen Abstand zwischen dem russischen Müüsterkabinett und einem russischen Bauern- dors._ Flugvorführungen im Gefängnis. Den Sträflingen des Staatsgefängnisses in PittSburg(V. St. v. N.-A.) ist am Sonntag abend ein seltenes Schauspiel ge« boten worden. Wie uns ein Telegramm meldet, führte auf Veranlassung der Anstaltsdirektion der bekannte Aviatiker Clann H. C u r t i ß den über 600 Sträflingen seinen Apparat vor. Die Insassen der Anstalt wurden in den großen Hof des Gefängnisses geführt, hier von Schutzleuten überwacht und oben in den Lüften umkreiste der Aviatiker bald niedrig, einmal in engen, dann in weiten Bogen die Gebäude der Anstalt. Wie allgemein bekannt, erfreuen sich die Sträflinge der ameri- konischen Gefängnisse auch sonst einer humaneren Behandlung, als ihre deutschen Leidensgenossen. Kleine Notizen. Ermordet wurde am Montag in der Nähe vonHallederga. lizische Arbeiter Böhla in einem Kartoffelacker aufgefunden. Neben dem Ermordeten, dem die Kehle durchgeschnitten war, lag sein l e e r es Portemonnaie. Als der Tat dringend ver, dächtig ist ein Arbeiter Opitz aus Radebeul verhaftet worden. Vom Zuge überrannt. Auf der Straße nach Lünen in der Nähe von Dortmund stieß ein Kohlenzug mit einem Wagen zu» sammen. Der Wagen wollte, da die Schranken nicht herunterge» lassen waren, den Bahndamm noch überqueren, als plötzlich in voller Fahrt der Kohlenzug heransauste und in den Wagen hinein- fuhr. Beer Personen, die in dem Wagen fuhren, wurden wer verletzt, außerdem trug der Heizer des Zuges leichtere erletzungen dahpn. Bergmannstod. Auf der Zeche Wilhelmine bei Gelsen» kirchen kamen zwei Häuer unter niedergehende GesteinSmassen und fanden dabeitzen Tod.— Auf derselben Zeche erlitt ein anderer Arbeiter durch einen Sturz schwere Verletzungen. Schwere Automobilunfälle. Am Sonntag nachmittag verun-- glückte am Kapellenderg in Sachsen das Automobil de» Di- rektors F r a n ck von der Plauener Maschinenfabrik. Frau Franck sowie der Chauffeur wurden getötet. Die Tochter des Franck und zwei Herren, die als Gäste an der Fahrt teilnahmen, wurden schwer verletzt.— Bei Dieburg überschlug sich das Auw. mobil des Gymnasialprofessors Dr. M a d i aus Mainz. Der Pro- fessor erlitt so schwere Verletzungen, daß er nach kurzergeit starb. Seine Frau kam mit leichteren Verletzungen davon. Beim Edelweißsuchen sind im Oberengadin vier Personen abgestürzt. Nur einer von ihnen konnte gerettet werden, die anderen drei büßten bei dem Sturz ihr Leben«in. Aus Eifersucht hat in Aachen ein junger Handwerker zwei Revolverschüsse auf seine Braut abgegeben; dann schoß er sich selbst eine Kugel in den Kopf. Die beiden mußten in schwer ver, letztem Zustande in ein Krankenhaus gebracht werden. Durch Einsturz einer im Bau befindlichen Brücke wurden in der spanischen Ortschaft Rubite zwei Personen getötet und mehrere verletzt. � Zentral-Kranken- DnterstiitziiDjjS- vereln der Sctimlede ii. verw. Gewerbe Deutschland*. Zahlstelle Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Paul Welkisch am 6. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, de» 10. August, nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- halle de» Zentral-Friedhose» in Fricdrlchsselde aus statt. Um zahlreiche Beteiltgung ersucht Tie Ortsvrrwalning. V oz>I? ili- 1 n»ti tat: Frledriehst.l 15/1, a.Orabg. "Set. ffileg. Frack, Gehrock l,50Ho(el,00, Weste S0Pj. Ton der Reise ssardckt Dr. Hoffitiann Augenarzt Gr. Frankfurter Str. 184- '/,9— 11,_ 6—7 Uhr. �Hygienische tjea«xis&ruitoi.-Neuest. Katalog V- ExnpfohLriel-Aerzte u.Prol grat. xxjM H. Unnr, ftommiw&renftibrik Berlin NW- PriedrichBiraaa e 81/9 -r" Bach Schönst. Villenort. nR.». 12 M. an. 20 Pf. v. Stett. BEI., 25 Min. Fahrt, 10 PI. v.Pankow-Schönh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bist. Bebauungspl. genehmigt Pläne gratis. Mäu. Anz.u. langjähr. Hypotheken. Verkäufer ständig a. Bhl. Karow. 433L* J. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. Hg mm** Cigarcttcn Beste Qualitäten SozlaliieniokratiselierValilYereiD für den 4. Berl. Reielislags-Walim Stralauer Viertel. (Bezirk 354s, Teil II.) �kaelirut. Den Mitgliedern zur NaSrtibt, dab unser Gcnofle, der Gastwirt Nsx Viedemann Warschauer Str. 4 am 4. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. SoziaMeffiofratiscIierWalilvereiii des 6. Berl. Relrisstags-ffahlkrelses. Tode«- Anselgc. Am 6. August verstarb unser Mitglied, der Arbeiter (justsv Brandt Malplaquetstr. 37. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet heute Dienstag, den S. August, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» städtischen FriedhoseS, Müllerstr. 42-43, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 2SSI2 Der Vorwtand. Deutseher Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, dah unser Kollege, der Maschinen- arbeiter (Zustsv kranät am S. August gestorben ist. Ehr« seinem Audeuken l Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 9. August, nach- mittags 5'/, Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhoses, Müllerslrabe 42/43, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/13 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dah mein lieber Mann, Vater, Bruder und und Schwager, der Hutmacher Oho Rosin nach langem Leiden verstorben ist. Die trauernde Witwe Llissbetk Rosin nebst Tochter. 2956 Die Beerdigung findet heute Dienstagnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Gethsemane- Friedhose», Nordend, aus statt. SozialdemokratiscIierVaiilrerelii des 6. Berl. Reichstags-Wahlkrelses. Tode«- Anzeige. Am 6. August verstarb unser Mitglied, der Hutmacher Otto Rosin, Lychener Str. 11. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet heut«, Dienstag, den 9. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Gethsemane-Gemeinde, Nieder- Schönhausen, Nordend, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/3 ver- Vorstand. alier in der Hut- ii. FilzwareDiiidustrie beschält Arbeiter d. ÄrbeitBriniieiL Ortsverwaltung Berlin. Unseren Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß der Kollege Otto Rosin am 5. August verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle de« Gethscmane-KirchhoseS in Nteder-Schönhausen- Nordend, auS statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 7S/S Oer Vorstand. verlin XI. Otto Rosin im 41. Lebensjahr. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags 5 Uhr. von der Halle des Gethsemanc-Kirch. hoseS in Nordend auS statt. Um rege Betelligung ersucht zgzh Die Qrtsverwaltun Danksagung. Illen Freunden und Bekannten m hiermit unseren innigsten nk sür die rege Teilnahme und lreichen Blumenspenden bei dem /räbnis metner lieben Frau. Wilhelm Steinbrink. ilkbsl Kindern. t2SL Todes-�n?eixe. Allen Freunden und Bekannten dl« traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Bater, der Glasschleifer Paul Weikisch nach schwerem Leiden sanst ent- schlafen ist. Um stille» Beileid bitten 0!e trauernden Hinterbliebenen. Berlin, Blumenstr. 67a. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle deS städtischen Friedhofes aus statt. SozialdemokratlsctierWalilverelii für den i Berliner ßeicbstags-Wahlkreis. Frankfurter Viertel. (Bezirk 290.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Glas- schleifer Paul>VetKisdi Blumenstr. 74 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. August, nachmittag» 4 Uhr, von der Leichen- Hall« de» Zentral- Friedhoses in Friedrichsfelde auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Zentralverband der Giasarlieiter und-Arbeiterinnen Deutsehlands. Am Sonnabend, den 6. August, verschied unser treuer Mitkämpjer Paul �VetliiscK. Der Verstorbene hat lange Bahre seine Tätigkeit unserer rganisation gewidmet und als Leiter der Zahlstelle Berlin stets treu seine Pflicht getan. Wir werden unserem Kollegen ein ehrende» Angedenken de- wahren. 73/6 Der Hauptvorstand. Zentraherband der Glasarbeiter und-Arbeiterinnen Deutsehlands Sitz Berlin. Di« Beerdigung de» Kollegen Weikisch Die Kollegen werden ersucht, fich recht zahlreich zu betelligen. Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die liebevolle Tellnahme sowie reichen Kranzspenden bei der Be> erdigung meiner lieben Frau sagen hiermit besten Dank Franz Huth 291b nebst Kindern. SozialdeniokratlschEr Wahhereln Bezirk Weißensee. Am Freitag, den 5. d. Mts., verstarb unser Mitglied, der I Möbelpolierer Otto �ippmann plötzlich am Lungenschlag. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, nachmittags 5'/, Uhr, von derLeichenhalle des Gemeinde- Friedhofes in der Nölckestraße aus statt. 18/6 Rege Beteiligung erwartet Die Bezirksleitung. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Weistensee. Unsern Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Möbelpolierer Dtto Lippmann am Freitag, den 5. August, Plötz- lich am Lungenschlag verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 5'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gemeinde- Friedhoses in der Roelckestraße aus statt, Um reg« Betelligung ersucht 87/14 Tie Ortsverwaltung. > Weißcnse«. Allen Freunden und Bekannten I die traurige Nachricht, da» unsere j inniggelicbte Mutter, Schwiegerund Großmutter, die Gastwirtin «Johmirm Asmus geb. Glerloff, am Sonntag, den 7. d. MtS., früh 2 Uhr, nach langem, schwerem Leiden im 60. Lebensjahre ver- schieden ist. 428L Mit der Bitte um sttlle Teilnahme Familie Kerds, Weißens««, Sedanstraße 125. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 10. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Weißenseer Friedhoss, Röldestraße, aus statt. Osutselmr Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schleiser Reinhard Körte am 6. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. 119/14 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de» Tbomas-Kirchhose» in Rirdors aus statt. Reg« Betelligung erwartet _ Die Ortsverwaltung Dr.Schünemann Spezlalarzt für Haut- und Harnleiden. Frauenkrankheiten, 3312* Friedrichstr. 203, Ecke Schützeustr. Wochentag« 10-2, 5-7. Danksagung. Hierdurch sagen wir allen denen, die bei der Beerdigung unsere» lieben, unvergeßlichen Bruders, Schwager» und Bräutigam» BteVni't«!» Geißler in so herzlicher Welse tellnahmen, unseren ausrichtigst«« Dank, wSbesondere dem Chef der Firma Greisenhagen, Herrn Morri», der GeschästSleitung, sowie dem gesamten Personal und seinen Kollegen der Firma H. Greisenhagen Nächst seinen Kollegen vom Transportarbeiter-Verband, der Branchenleitung der Fahrstuhlführer und Portier», den Kollegen der Finna A. Jandors u. To., vom GesrierbauS Zentrum, seinen Gesinnungsgenossen vom 6. Berliner ReichStagSwahl- kret», sowie dem Bezirk 480. Ferner seinen Freunden von der Slrb citer-Btldun g S! ch ule uno allen denen, die ihm al» Freund oder früherer Arbeit»kollege näher standen. Auch dem Männerchor, sowie Herrn Mar Schütte sür die Ge. dächwiSrede am Sarge de» Verstorbenen statten wir unseren besten Dank ab. 280b Die trauernden Hinterbliebenen. Deutscher Qansportarbelter-Verdand vezirk GroL-Beflta. Buren»: Engelufer 14/15. Fernsprecher: Amt IV, 2382, 4747. IV 3348 Arbeitsnachweis t Engelufer 15. I 2632„ Alte Leipziger Str. 1. �cdtunF I Achtung! Mitglieder alter Branchen und ans allen Sistrihtenl Donnerstag, den 11. August 1910, abends 8'/- Uhr. m den Gemania- ?raehtsälenf Chausseestraße 110: Ordentl. Generawersammwng. Tages. Ordnung: 1. Mitteilungen. 2. a) Geschäftsbericht, b) Kassenbericht, c) Arbeitsnachweisbericht pro 2. Quartal. 3. Geschäftliches. 70/14 Mitgliedsbuch ist als Legitimation mitzubringen und beim Eingang zur Bcrsammlung vorzuzeigen. Wer mit seinen Beilrägen über 10 Wochen im Rückstände ist, hat keinen Zutritt. Einen guten Besuch erwartet_ Die Vezirksvcrwaltung. I. A.: A. W e r n e r. Deutscher ! Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroS-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, i daß�unser Kollege, der GlschSsts- Fritz Beckmann lam 7. August im Alter von j 22 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Mittwoch, den 10. August, nach- mittags 41/, Uhr, von der Leichen. halle de» EmmauSlirchdoscS in ! Rirdors, Hermannsttaße, auS statt. ! Um rege Betelligung ersucht s 70/15 Die Bezirksvcrwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser lieber Fritz im Alter von 22 Jahren am Sonntagvermittag verstorben ist. Um stille Tellnahme btttet psmilie lulius Beckmann. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 4'/, Uhr, aus dem Emmaus-Kirchhoj in Rixdors statt. 290b Jfiermtt zur Nachricht, daß meine e Frau und gute Mutter k-odity Sahne verstorben ist. 4322 Die Hinterbliebenen. Arno Lahre, Töpfer, Psarr- straße 58, nebst Kindern. Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 10. August, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn au» statt. Abfahrt Bahnhof Friedrlchsselde 5 Uhr 30 Min. Orts-Krankenkafle der Dreohslor und verwandten Gewerbe zu Uerlln. Am Mittwoch, den 17. August 15)10, abends präzise 8 Uhr, findet in den Ariiiinhalle«, Kommandantenstraße 58/59, eine MmiMl GenEPalveMlDng statt, wozu die Herren Vertreter hiermit eingeladen werden. Tages. Ordnung! 1. Bestätigung des neugewählten Beamten. 2. Vortrag des ArbeltersekretärS Herrn Rud. Wisseil über die Reichs- Versicherungsordnung. 251b Der Vorstand. I.A.: G. Tledt, Vorfitzender. Maßanzüge sehr elegant, 32—85 M., ferttge An- züge 8,25 an. Tuche sehr große AuS- wähl. Posten engl. 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Spieljahr 1910/11. | Mitgliederbestand !(Sommer 1910): 88000 Sröffnungs- Vorstellungen: Deutsches Theater ZuüM. Trauerspiel von Friedrich Hebbel. t Kammerspielbaus Qauiati. Schauspiel von Eduard Stucken. Schiller-Theater 0. Lgmont. Trauerspiel von Goethe. Schiller-Theater Atsue Sugenä Schauspiel von Ter Hedt Hedberg. Die Beitrittsbedingungen, Satzungen usw. sind in nachstehenden Zahlstellen sowie in der Oeschttftsstelle, Ktfpnlcker Str. 68, erhältlich, wo auch Anmeldungen entgegen genommen werden. Heues folks-Thealer Kdpnicker Str. 68. Ale Stützen der Gesellschaft Schauspiel von Henrik Jbsen. Die Srziehung zur 8he. Komödie von Otto Erlck Hartleben. «fShraitd. Tragikomödie von Frederik». Eeden. Novität! Der G'wissensumrm. �7��° von Kanneles Himmelfahrt. lzGtrh"1 Der Tor und der Tod. Dramatisches Gedicht von Hugo v. Hotmannsthal. Gnadenbrot. Ein russisches Lebensbild von Turgenjew. Novität! Die SchmetterUngssehlaeht. Komödie von Hermann Sudermann. Ueber unsere Kraft, sohanspieivon sj-mson. Sin Vermaehtnis. Ein Wiener Schauspiel von Artur Schnitzler, Bildscbnitzer?chaa-spiei aus tü-oi von k. SchSnherr. Kater Satnpe. Komödie von Emil Rosenow. Volks-Oper Der Troubadour, oper von e. v.rdi. Sroffnnngs- Vorstellungen: Kleines Theater Der ideale Gätte. Komödie von Oskar Wilde. Neues Theater" TofetfeM' Lustspiel von Mollbre. JAS tllj]., Deutsch von Ludwig Fulda. Metropol-Theater pariser Leben. 0perette von Heues Operetten-Theater Die Giocken von Gorneville. Operette von Roh. Planquette. Neu einstudiert! Das einmalige Elnschrelbegeld für Xeneln tretende beträgt 1,16 Mk. Bei der Anmeldung ist zu erklären, für welche Gruppe die Aufnahme erfolgen soll, ob für eine gemischte Abteilung(7 Nachmittags- und 6 Abend-Vorstellungen) oder für eine Abendabteilung(nur Abend- eUungen).— Die Abend'""'— Volks-Theater und _______ ig Vorstellungen).— Die Abendvorstellungen finden im Bfenen in der V Olks- Oper statt. Ferner finden statt; Lese- Abende mit BflcherTerlosung(jeden Millwocli), Kunst- Abende (Rezitationen, Lichtbildervorträge usw.), Konzepte im Konzertsaal der kgl. Hochschule, im Blflthnersaai usw.), gesellige Festlichkeiten(Herbstfest, Vinterfest, ilpenfest u. a. m.) Zahlstellen: Nord: Fischer, Veteranenstr. 6. Knapp,( Zerndt, Brüsseler Straße 17. Hasel, Weißenburger Straße 60. Menok, Driesener Straße 20. Müller, Putbuser Straße 42. Jordan, Bemauer Straße 60. Blums, Ohausseestraße 30/31. Pinz, Gerichtstraße 4. Kisohkat, Gleimstr. 45 III(privat). Strehlau, Oudonarder Straße 3 HI(privat). Buhk, Mal- plaquetstr. 14. Schröder, Pappel-Allee 48. Kasulke, Müllerstraße 174. Nordost: Sohrolle, Landwehrstraße 3. Sohurig, Linienstraße 8. Hannomann, Immanuelkirchs tr. 20. Schöngalla, Kniprode- straße 11/12. Marotzki, Strausberger Straße 35. Nordwest: Becker, Gotzkowskystro Qe 9. Löbe, Wiclefstraße 7. Piel, Sohiffbauerdamm 6. Volkmann, Lehrter Straße 48 a. Walf, Stephanstraße 13. Oster, Paulstraße 33. Süd; Bobsien, Kommandantenstr. 62. Bielefeld, Gräfestr. 35. Schindler, Neue Jakobstr. 8. Südost: Martienzen, Admiralstraße 30. Gleich, Cuvrystraßo 33. Stangenberg, Köpenicker Straße 20a. Giebel, Engelufer 13. Schmädicke, Adalbertstraße 89. West: Kittel, Joachimsthaler Straße 17. Martienzen, Potsdamer Straße 43. Kasulke, Am Potsdamer Bahnhof. Südwest: Landgraf, Zossener Straße 42. Pech, Teltower Str. 37. Martienzen, Friedrichstr. 204. Warenhaus Tietz, Leipziger Straße. Ost: Tabert, Markusstraße 14(Eingang Grüner Weg). Hirsch, Lithauer Straße 19, Hof IH(privat). Gom, Oadmer Str. 1. Gräbke, Früchts tr. 65. Eisholz, Friedrich-Karl-Straße 17a. Zietz. Warschauer Straße 61. Jahn, Zorndorfer Straße 59. Kasulke, Auf der Warschauer Brücke. Warenhaus Tietz, Frankfurter Allee. Zentrum: Martienzen, Neue Promenade 1. Keller, Molkenmarkt 14. Warenhans Tietz, Alexanderplate. Adlershof: Bester, Bismarckstraße. Baumschulenweg; Scharf, Baomschulenstr. 73. Charlottenburg: Dom, Potsdamer Straße 5a. SohSfer, Schiller- Straße 102, Lindenau, Grolmanstraße 4/5. Kfipenlck: LefSvxe, Grünstr. 16. Friedenau: Danz, Kirchstr. 15, Seitenflügel HI(privat). Friedrichshagen: Stegemann, Seestraße 107. GroB-Liohterfelde: Doli, Friedrichstraße 4. Halensee: Kasulke, Am Bahnhof. Lankwitz: Port, Kaulbachstr. 71(privat). Lichtenberg: Müller, Hagenstr. 58. Nieder-SchSnhausen: Jutzi, Tresckowetr. 55. Ober-SchSneweide: Rabe, Wilhelminenhofstraüe 43, Pankow; NieseL Grunowstraße 6. Reinickendorf; Schmidt, Residenz straße 53. Rixdorf: Heinrich, Münchener Straße 19. Weber. Hermann» Straße 110(am Bahnhof). Rummelsburg: Rosen, Schillerstr. 3. Schöneberg: Arendt, Akazienstraße' Straße 5. Spandau: Lorenz, Bahnhofstr. 7. Steglitz: Hilsoher, Albreohtstr. 7. Tegel: Taesler, Tresckowstr. 11. Tempelhof; Davids, Berliner Straße 48. WelSensee: Karow, König-Chaussee 47o. Wilmersdorf: Gieseler, Gasteiner Straße 29 I(privat). Zehlendorf: Miesterfeld, Machnower Straße 3. Spittel, Mersebnrger .Seit Jahren litt Ich an lästigem Gesichtsausschlaa und BartflecWe. Nach Anwendung van Zucker's Patent-Medizinal-Setfe bin ich seit'/« Jabren geheilt. F. M. in D." k Stck 50 Pf.(15-,„ig) und 1,50 M. (85°,„ig. stärkste ßorm). Dazugeh. Zuckooli-Creme 75 Pf. u. 2 M., fern."Fülfooli-Seife(mild) 50 Pf. u. l,50 M.'M Herli» in Behrens Drog.(Apoth. H. Krause), Franks. Allee 120, SD. Sehnlst, Chaussee« ftraBc 87, Hugo Ichnist, Müller« drog., Miillerstr. 166a. Otto Binder, Prinzenallee 29: in HixelorF, Drogenhaus Vincent, sowie in lämll Apoth.. Drog. u. Parfiim. Nickis anderes ausreden lassen. Es gibt dafür keinen Ersatz I Fabrikraum hell. hi. Doppcllicht, lOO�j-Mster, 1 Tr., per 1. Okt. sehr preisw. zu ocrmleten Tiii'in>>iti». 78, Moabit��beste�Gcschästsgegen� Geschenkt bekommen neben abgebildete und noch viele andere hübsche Gegenstände, wenn Sie das SchalicrAme ,,Rii||rin cc in Ihrem Haushalt verwenden. Alleiniger Fabrikant Carl Gentaier' in Göppingen cwürttembg.) und Fabrikant des� beliebten Vellcbeneclfenpalvcrs„Holdperle" mit Geschenk in jedem Paket. Verantwortlicher Redakteur: HanS Weber. Berlin. Für de il Inseratenteil peragtvri Th. Glocke, Berlin, Druck ß, Verlag: VorwärtD Buchdrucker« u, Verlagsanstalt Paul Twger& HüL Lttli» SW. |t. 184. 27. IahrgW. 2. Dnlqe des.Awiirls" KMcr KIWM Ditlistllg. 9. Aligilst 1910. Mitwoch, Äen 10. Zlugult, Zahlabenä in den ISezirkn Groß-ßcrlins. partci- Hnöfclegenbciten» Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Z a h l n a ch t für Buch- drucker, Stereotypeure usw. Mittwoch, den 10' August er.. bei Jul. Meyer, Orauicnstr. 103. Tagesordnung: 1. Geschäft- liche Berichte. 2. Sisyphusarbeit sHans Weber). Regen Besuch er- warten Die Vertrauensleute. Halcnsee. Der Zahlabend am Mittwoch findet gemeinsam bei dem Genossen Sengebusch, Karlsruher, Ecke Heilbronncr Straße, statt. Friedrichsfclde. Morgen, Mittwoch, den 10. August, abends L'/z Uhr, bei Kohlhase, Schloßstr. 2: gemeinsamer Zahl- abend. Tagesordnung: 1. Der Deutsche Parteitag. Referent: Genosse E. Lehmann. 2. Vereinsangelcgenheiten. Britz-Buckow. Bei der Dampferpartie de? WahlvercinS nach Ziegenhals am Sonntag, den 31. Juli, sind gefunden: 1 Kinderhut. ein Armband sowie ein Portemonnaie ohne Inhalt. Sämtliche Gegenstände sind abzuholen bei Herrn Krause, Konsumladen. Werdeo Ecke Rungiusstraße. Der Vorstand. Adlcrshof. An Stelle des am Mittwoch, den 10. August, fälligen Zahlabends findet eine außerordentliche Generalversammlung im Lokal von Kaul mit folgender Tagesordnung statt. 1. Vortrag: Warum müssen wir dem heutigen Staate die Mittel verweigern? Referent: Genosse Horlitz'. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreis- generalversammlung. 4. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. _ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Nachlese. Ferienschlutz! Die schöne, wenw auch regenreiche Zeit Hai ihr Ende erreicht. Von den Fernbahnhöfen rollten in Hochbepackten Troschkon die letzten Sommerfrischler dem dunstigen Großstadthcim wieder zu, Nucksackträger stürmten Elektrische und Omnibusse. Nun gleitet das große Leben, in den alten Gleisen für alle, die ein paar Wochen lang Neben Wege wandeln durften. Auch die Ferienspielplätze, auf denen sich die Volksschüler der Millionenstadt wochenlang tummeln durften, liegen jetzt wieder still und verödet da. Kein Kinder lachen flattert mehr über die grünen Rasenflächen. Kein Sang erschallt, keine Spielfreude lärmt in jubelnden Tönen Das Leben der Schulpflichtigen, das Tagübcr hinausgezogen war nach der Peripherie der Großstadt und mit seiner wild- jugendlichen Lebhaftigkeit die Lüfte erfüllte, hat wieder stadt- wärts seinen Weg genommen zur Zucht der Schulstuben und zur bedrückenden Atmosphäre der Mietskasernen. Draußen aber auf den verödeten Spielplätzen spinnt der Sommer seine Träume weiter,— der Sommer, der es diesmal so wenig gut mit den proletarischen Großstadlkindern gemeint hat, der ihnen Sturm und Negengiisse sandte, von denen sich jedoch ihre standhafte und unzerstörbare Jugendlichkeit in keiner Weise unterkriegen ließ. Und wie ich, oben im Norden der Stadt, einen der Ferienspielplätze entlangschreite, erblicke ich ein paar Kinder: Zehnjährige etwa. Mädels mit blonden Zöpfen und hager cufgeschossene, blauäugige Jungens. Noch hat die Ferien- luft, die sie wochenlang hier draußen einatmeten, ihre Wangen leicht überbrgunt. Still ziehen sie ihres Weges. Ihre Stimmen sind gedämpft. Sie tauschen Erinnerungen aus an die Zeit, die sie hier sreudeerfüllt durchlebten. Es ist ein Abschied, den die Kinder nehmen. Allein sind sie noch- uiols hinausgepilgert nach der ihnen liebgewordenen Stätte. Stumm liegt heute, das noch gestern von Lärmen und Lachen erfüllte Land. Sturmwind kräuselt das lehmige Regen- Wasser in den Pfützen am Wege und düstere Wolkenzüge segeln tief am unfreundlichen Himmel. Noch einen letzten Wlick werfen die Kleinen über die Stätte chrer Ferienfreuden. Dann wenden sie dm Fuß. Die Mädchen haben sich unter- gearmt. Schweigend, mit gesenkten Köpfen trotten die Jungens ihnen nach. Stadtwärts. In Erinnerungen ver- funken ziehen sie dahin. Ter trübe, sonnenlose Augusttag hat sie mit seiner Wehmut erfüllt. Sie haben ihre Nachlese gehalten._ DaS Anschlagwesen in Berlin muß im nächsten Jahre neu geregelt werden. Wir meldeten be- reits, daß der Magistrat beschlossen hat, es neu durch öffentliche Ausschreibung an den Meistbietenden zu verpachten. Der gegen- wärtig noch geltende Vertrag mit der D r u ck e r e i f i r m a N a u ck u. H a r t m a n n, die an die Stadt eine Pacht von 400 000 M. pro Jahr zahlt, läuft seit 1. April 1001 auf zehn Jahre und erreicht somit sein Ende am 1. April 1011. Nauck u. Hartmann sind jetzt dreißig Jahre hindurch Pächter des Anschlagwesens in Berlin, und in diesen drei Jahrzehnten hat der Pachtbetrag sich ganz merk- würdig sprunghaft gesteigert. Bis 1880 hatte die Druckereifirma Littfaß das Anschlagwesen in Pacht gehabt, und zwar für den Be- trag von nur S000 M. pro Jahr, was selbst für die damaligen Ver- ihältnisse lächerlich wenig war. Dann kamen Nauck u. Hartmann und erklärten sich zur Zahlung des Zehnfachen des bisherigen Be- jtrages bereit, worauf die Stadt mit ihnen unter Vereinbarung eine� JahreSpacht von 50 000 M. einen Vertrag auf zehn Jahre schloß. Nach weiteren zehn Jahren, im Jahre 1891, wollte der Magistrat diesen Unternehmern den Vertrag gegen eine Jahrespacht von 100 000 M. verlängern. Damals war es unseren Genossen in der Stadtverordnetenversammlung zu verdanken, daß man sich den Plan des Magistrats genauer besah. Es kam wenigstens eine öffentliche Ausschreibung zustande, und hierbei blieben Nauck u. Hartmann Sieger mit einem Pachtangebot von— 255 OOO M. pro Jahr. Die- selbe Firma Nauck u. Hartmann, die nicht mehr als das Doppelte des bisherigen Betrages, 100 000 M. statt bisher 50 000 M., hatte zahlen wollen, bequemte sich plötzlich, mehr als das Fünffache zu zahlen, statt 50 000 M. nun 255 000 M. Sie wußte, was das Ge- schäft in dem abgelaufenen Jahrzehnt ihr eingebracht hatte, und konnte sich im voraus berechnen, was es ihr in dem nächsten Jahr- zehnt einbringen würde. Da griff sie, durch die öffentliche Aus- schreibung genötigt, scbr viel tiefer in ihren Beutel, um nur ja das So profitable Unternehmen nicht einem mehr bietenden Konkurren- en überlassen zu müssen. Als dann auch dieser Vertrag zu Ende ging, wurde wieder öffentliche Ausschreibung beschlossen, und wieder blieben in dem Wettbewerb von zehn Firmen die Unternehmer Nauck u. Hartmann glückliche Sieger, diesmal mit dem alles über- bietenden Pachtbetrag von— 400 000 M. pro Jahr. Nun sah man es. daß sie in den zehn Jahren ä 255 000 M. Pacht einen noch recht hübschen Profit drüber behalten haben mußten. Und so darf auch jetzt als sicher angenommen werden, daß sie ebenso in dem folgenden Jahrzehnt, bei 400 000 M. Jahrespacht, sich wieder nicht verrechnet haben werden. Die Firma Littfaß war schwerreich gewprdene weil I das Polizeipräsidium 1854 ihr das Anschlagwesen auf zunächst fünf- I zehn Jahre ausgeliefert und später den Vertrag auf weitere zehn �Jahre verlängert hatte. Die Firma Nauck u. Hartmann, die in ihren dreißig Jahren gewiß auch nicht zu knapp Reichtümer ge- sammelt hat, darf sich bei der freisinnigen Mehrheit der Stadtver- ordnetcnvcrsammlung dafür bedanken, daß immer wieder die Aus- beutung des Anschlagwesens ihr überlassen wurde. Schon im Jahre 1890, als zum erstenmale der Vertrag mit Nauck u. Hartmann ver- längcrt werden sollte, erhob die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten die grundsätzliche Forderung, die Stadt solle selber das Anschlagwesen übernehmen. Der Antrag wurde damals abgelehnt, abgelehnt auch im Jahre 1899, wo unsere Genossen im Hinblick auf den wiederum bevorstehenden Ablauf des Vertrages diese Forderung wiederholten. Auch gegen die bekannte Dreistigkeit der Firma Nauck u. Hartmann, die Säulenanschläge einer lacherlich engherzigen Zensur zu unterwerfen, haben in der Stadtverordnetenversammlung unsere Genossen immer wiever Ein- spruch erhoben. Diese Willkür wäre ein Grund mehr gewesen, ihrem Monopol ein Ende zu setzen. Aber auch hierdurch hat die frei- sinnige Stadtverordnetenmehrheit sich nicht beirren lassen in ihrem Grundsatz, über dem privaten Unternehmertum schützend ihre Hand zu halten._ Die Mißstände in der Irrenanstalt Buch. Mit der an die Presse versandten„Berichtigung" des Berliner Nachrichtenamtes über die veröffentlichten Mißstände in der Irren- anstalt Buch beschäftigte sich eine in Buch bei Groll tagende Ver- sammlung des Personals der Anstalt. Zu dieser Versammlung war auch die in Betracht kommende Direktion schriftlich eingeladen worden, um sich über die in ihrer Anstalt herrschenden Uebelstände genau orientieren cvcnt. verteidigen zu können, letztere war jedoch nicht erschienen. Von den Rednern wurde bestätigt, was in der Versammlung am 7. Juli 1910 und in der Nr. 100 des„Vorwärts" in dieser Sache behauptet wurde. Schon der ganze Widerruf des Nachrichtcnamtes sei höchst lendenlahm, auch sei die Untersuchung in ungeeigneter Weise geführt worden. So fei trotz der gegenteili- gen Behauptung des Nachrichtenamtes die Dcsinstzierung eines Teiles der Sachen erst erfolgt, nachdem dieselben noch tagelang im Saal resp. Badcraum gelegen haben. Ein Teil der Sachen sei überhaupt nicht desinfiziert, sondern zwischen die Wäsche geworfen worden. Wenn man sich hier auf das Zeugnis des Oberpflegers Voß von Haus I berufe, so sei dies wohl die ungeeignetste Person. Denn würde er diese Mißstände zugeben, so würde er sich ja nur selbst belasten und sich in seiner Stellung unmöglich machen. Mög- lich sei jedoch, daß bei dem ausgedehnten Privatgeschäft, welches derselbe mit Zigarren, Zigaretten, Tabak, Seife usw. unter den Kranken betreibt, solche Kleinigkeiten— wie die Desinfizicrung— übersieht resp. vergessen habe. Es wurde darauf hingewiesen, warum man sich nicht habe den Dcsinfektionszettel vorlegen lassen, und warum in dieser Sache nicht die Pfleger des betreffenden Hauses vernommen worden seien, lieber den Syphiliskrankcn wurde festgestellt, daß der stellvertretende Obcrpflegcr Klandat selbst erklärt habe, der Kranke habe Syphilis. Augenblicklich be- findet sich der Kranke im Virchow-Krankenhause. Vielleicht liehe sich dort feststellen, ob es richtig sei, daß man die Hornhautcntzün- dring mit einer Schmierkur behandele. Die Berichtigung erwähne kein Wort, wo die infizierte Watte von dem Kranken mit der Gesichtsrose geblieben sei. Mit keinem Wort habe man auch der Badetücher erwähnt, von denen auf 34 Krankenur 3 kamen; stillschweigend habe man dieselben auf 10 bis 12 erhöht. Das Ein- seifen mit dem Pinsel sei erst unterblieben nach der Veröffent- lichung. Der Barbier bekomme nun auch 2 Handtücher, ebenso iverde jetzt nach jedem Rasierten das Messer mit Lysol desinfiziert. Es wurde die Frage aufgeworfen, warum das Nachrichtenamt nicht den wahren Tatbestand zugegeben und sich auf die Ausrede be- schränkt habe, daß noch keine Anzeigen vom Personal eingelaufen wären. Ferner lourde betont, daß die schmutzige Wäsche noch immer im Speise- und Besuchsraum gezählt werde. Jetzt warte man jedoch damit wenigstens solange, bis das Personal gegessen hat, während vordem schon während dem Essen begonnen wurde. In der Oekonomie werde noch immer der Abzug der 10 Gramm Butter fortgesetzt. Das Personal erkläre dies als Schädigung an dem ihm zustehenden Lohn, da die Kost doch ein Teil seines Lohnes sei. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob man die so gesparte Butter wieder aufsammeln wolle bis dieselbe ranzig werde, um sie dann wieder— wie dies schon einmal geschehen— zu vergraben. 2 Zentner Linsen hätten im Oktober 1909 mehrere Wochen offen i n einem schmutzigen Keller gestanden und seien dieselben dadurch ganz verstaubt. Die Kranken hätten mit schmutzigen Händen hin eingefaßt und nachdem seien die Linsen ge- kocht worden. Erinnert wurde auch noch an die 300 Liter Suppe, die man am 20. August 1909 in die Gosse laufen ließ, weil die Hafergrütze schlecht war. Dafür habe es dann Wassersuppe gegeben. Wenn gesagt werde, die Schuldigen würden zur Ver- antwortung gezogen, so sei dies zu bezweifeln, denn die Oberköchin, die den Kaffee auslaufen lieh, befände sich noch immer im Dienst, während doch sonst das Personal bei dem geringsten Vergehen auf Straße flöge. Wie ferner noch erwähnt wurde, soll am Tage nach dem Erscheinen des Artikels im„Vorwärts" ein Herr von der Deputation zur Untersuchung in der Anstalt gewesen sein. Man habe ihn nur in den sauberen Vorratsraum geführt. Wäre der Herr ein paar Stufen tiefer in den Keller geführt worden, wo damals die Linsen standen, so hätte er vielleicht noch verschiedene Säcke mit Gries, Graupe und Backobst in verschimmeltem Zustande sehen können. Zu dem Wechsel des Personals wurde nochmals festgestellt, daß derselbe laut Bericht der Betricbskrankenkasse der Stadt Berlin 745 Personen betrug. Wie das Nachrichtenamt zu 324 kommt, war der Versammlung ein Rätsel. Wenn ührigens die Ausführungen des Nachrichtenamtes stimmen würden, so müßte der Wechsel in den ersten Jahren am größten sein, aber gerade das Gegenteil sei der Fall. Interessant seien demgegenüber einige Aeußerungen des Magistratssckretärs Herrn Block I, der betonte, daß die Anstaltsleitung deshalb vom Vermittler ihr Personal be- ziehen müsse, weil sie nicht in der Lage wäre, aus den öffentlichen Arbeitsnachweisen genügendes Personal zu bekommen. Und das in einer Zeit, in der ein Uebcrangebot von Arbeitskräften bor- handen sei. Erst vor einiger Zeit sei ein Arbeitsuchender von der Direktion wegen Mangel an Beschäftigung abgewiesen worden. Schon am nächsten Tage wurde derselbe jedoch durch den Privat- stellenvermittler von der Direktion eingestellt. Der Ausspruch des Herrn Dr. Richter über altes Personal sei unwiderlegt geblieben. Auch sei es unbestreitbar, daß man altes brauchbares Personal bei kleineren Vorkommnissen hinauswerfe, habe doch der Ober- Pfleger Thyssen von Haus 9 zu einem seiner Kollegen gesagt?<, Ich begreife nicht, wie Sie sich mit solch alten Pflegern, die von Dall- darf her alles wissen, aufhalten können". Behauptet wurde, daß die höheren Vorgesetzten sich zu sehr von den Oberpflegecn beein- flussen ließen, ohne sich selbst genügend von den Dingen zu über- zeugen. Di« Versammlung nahm am Schluß folgende Resolution einstimmig an: Die am 4. August bei Groll tagende gut besuchte Dersamm- lung des Personals der Irrenanstalt Buch stellt abermals fest, daß die in der Versammlung vom 7. Juli zur Sprache gebrachten und in der Presse veröffentlichten Mißstände der genannten An- stalt voll und ganz der Wahrheit entsprechen. Den Versammelten ist(J deshalb unerklärlich, daß das Berliner Nachrichtenamt den Mut hatte, zu versuchen, diese Tatsachen durch Erklärungen abzuschwächen resp. zu widerrufen. Die Anwesenden stellen fest, daß noch weitere Mißstände zu verzeichnen sind und auch diese der Oeffentlichkeit übergeben werden können. Um aber für das Personal und die Patienten erträglichere Zustände zu schaffen, geloben die Versammelten samt und sonders, ihrer Organisation beizutreten._ Ein orkanartiger Sturm, der in der Nacht zum Sonntag ein- setzte und während des ganzen Tages anhielt, hat eine Reihe von Schäden und Unfällen zur Folge gehabt. So wurden an der öst- lichen und nördlichen Wcichbildgrcnze der Reichshauptstadt eine große Zahl von Bäumen entwurzelt: arge Schädigungen erlitten auch die Laubenkolonien in jener Gegend. Eine Reihe von Un- fällen sind auf dem Wasser infolge des Sturmes vorgekommen. So kenterte Sonntagnachmittag infolge einer plötzlich einsetzenden Bös auf dem Großen Wannsee gegenüber vom„Breiten Horn" die Privatsegeljacht„Wogelinde", die mit vier Personen besetzt war. Alle Versuche von Ruderern und anderen Segelbooten, an die Jacht heranzukommen, blieben wegen des hohen Wellenganges erfolglos. Die Insassen des gekenterten Bootes hatten sich auf den Kiel ge- rettet und wurden nun durch den sturmgepeitschten See hin und her geschleudert. Schließlich gelang es zwei Motorbooten, die Schiffbrüchigen zu retten. Da sie sehr ermattet waren, fanden sie zunächst im benachbarten Orte Gatow Aufnahme und Pflege und wurden dann in Wagen nach Haus befördert.— Ein weiterer Unfall ereignete sich am Kottbuser Ufer. Dort lag die Zille des Schiffers Friedrich Lenz aus Charlottenburg. Als seine Frau sich gestern früh auf Deck begab, wurde sie vom Sturm erfaßt und über Bord geschleudert. Infolge der gellenden Hilferufe der Frau eilten Schiffer aus der Nachbarschaft herbei und retteten die völlig erschöpfte Schiffersfrau.— Auch vom Paetzsee bei Grünheide werden Unfälle gemeldet.Dort kenterten kurz nacheinander am Vormittag zwei Boote; sämtliche Insassen stürzten in die Fluten, konnten aber ourch das tatkräftige Eingreifen hilfsbereiter Segler, ohne erheblichen Sckiaden genommen zu haben, gerettet werden. Zwischen Saatwinkel und Baumwerder kenterte ein Segelboot mit zwei Insassen. Die beiden Segler, die auf das untergehende Boot kletterten, wurden von zwei herbeirudernden Kähnen auf- genommen und mit dem verunglückten Boot an Land gebracht. Nachdem das Boot ausgepumpt, ging die Fahrt mit verstärkter Mannschaft von neuem los. als ziemlich an derselben Stelle, bei voller Fahrt, der Mast mitten durchbrach und beinah das Boot wieder zum Kentern brachte. Durch Sturz aus dem Fenster getötet hat sich der 38jährige Versicherungsbeamte Otto Eckert. Kieler Straße 4. E. hatte in letzter Zeit Spuren von starker Nervenüberreizung gezeigt. Da er noch geisteskrank zu werden fürchtete, stürzte er sich aus dem Fenster seiner im dritten Stockwerk belegenen Wohnung auf die Straße hinab und blieb leblos unten liegen. Auf dem Transport nach dem Krankenhause erlag er den schweren Verletzungen, die er sich bei dem Sturze zugezogen hatte. Ein braves Nettungswerk vollbrachte vorgestern nachmittag ein dreizehnjähriger Schüler auf dem Wedding. Ter zweijährige Paul Kosmehl, dessen Eltern Wiesenstr. 38 wohnen, hatte mit anderen Kindern in der Uferstraße an der Panke herumgespiclt. Der Kleine kroch durch das abgrenzende Gitter hindurch und stürzte in die Pauke hinab. Ein dreizehnjähriger Knabe, der den Vorgang be- obachtet hatte, sprang dem Kinde nach und holte es aus dem Wasser heraus. Acht Tage tot in seiner Wohnung gelegen hat der 55 Jahre alte Schuhmacher Bcrthold Braun aus der Blumenstr. 23. Vor- gestern abend um 12 Uhr kamen Hausbewohner von einem Ver- gnügen nach Hause und nahmen einen Verwesungsgeruch wahr. In der Nacht noch ließen sich die Bewohner von dem Wirt einen zweiten Schlüssel geben und öffneten die Wohnung. Braun lag als Leiche ganz verwest auf dem Fußboden. Wahrscheinlich hat ihn ein Herzschlag getötet. Das Thnlia-Theater eröffnete am Sonnabend mit einer Novi- tät—„Polnische Wir tschast", Posse mit Gesang und Tanz in drei Akten— seine diesjährige Saison. Der reiche Er- folg des Abends zeigte, daß der Griff, den die Direktion getan, ein guter war. Das Publikum amüsierte sich anscheinend köstlich. Das Berlinertum kam vollauf zu seinem Recht; es wurde in zahl- reichen Couplets gefeiert, die sogar schon den Lunapark verarbeitet hatten. Von einem Inhalt des Stückes kann man eigentlich kaum reden; eine Possenhandlung pflegt ja immer nicht allzu kunstreich verwickelt zu sein. So genügt auch hier die Wiederverlobung eines vor der Scheidung stehenden Ehepaares fiir die Handlung. Tie üblichen dramatischen Effekte wurden durch Zutaten erzielt, mit denen die Autoren Kurt K r a a tz und G. O k o n k o w s k y in keiner Weise gekargt hatten: Badckostüme, Tänze, Beleuchtungen, Tcko- rationen; auch der bewährte Kniff, einen Mann in eine Damen« rolle zu stecken, versagte diesmal nicht. Dazu kam eine leichte, ein- schmeichelnde Musik, die ihr gut Teil zum guten Gelingen de? Abends beitrug. Das Zusammenspiel klappte vorzüglich. Helene Ballot(Erika Mangelsdorff) gab sich graziös und neckisch; Arnold Riek wirkte urkomisch in seiner Frauenrechtlerrolle; Junker mann mimte prächtig den spaßigen Aviatiker Sperling; sehr fein durchgearbeitet hatte Stolzenberg seine Rolle als polnischer Adliger; ihm ebenbürtig war Paul Wuchert als Rittergutsbesitzer Hegewaldt; Emil Sondermann schließlich und Johanna Juncker-Schatz entwickelten als Herr und Frau©tadtrat üviangelsdorff ihren oft bewährten mitreißenden Humor. Seinen etwas abseits liegenden Titel führt das Stück aus dem Grunde, weil eS teillpeise in den polnischen Ostmarken spielt.> Unbekannt gestorben ist vorgestern nachmittag gegen 1 Uhr gegenüber dem Hause Görlitzer Straße 57 an der BahuhosSmauer ein unbekannter Mann, der dem Arbeiterstande angehört zu haben scheint. Er fiel plötzlich um und verschied, ohne daS Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Er ist etwa 35 bis 40 Jahre alt, 1,65 bis 1,68 Meter groß, hat dunkelblondes Haar und Schnurrbart und trug einen sogenannten Pfeffer- und salzfarbiggestreisten Jackettanzug, einen schwarzen Schlapphut und schwarze Schnürstiefel. Auf seinem roten Leibgurt stand in weißer Perlenstickerei: Gut Heil. Wegen einer LelichtgaSvergiftnng wurde in der letzten Nacht die Feuerwehr nach der Krautstr. 23 alarmiert. Samaritern der Feuerwehr gelang es, den Lebensmüden durch Einflößen von Sauerstoff wieder ins Leben zu rufen. Vier Preßkohlcnbrände be- schäftigten die Feuerwehr in der Lichtenberger Str. 17, Lychener Straße 113, Poststr. 10/11 und Fichtestr. 25. In der Fichtestraße brannten Preßkohlen zweimal in kurzen Zeiträumen hinterein- ander. Ferner hatte die Wehr in der Schillingstr. 13, wo Holz brannte, in der Skalitzer Str. 27, Niederwallstr. 11 und anderen Stellen zu tun. Ein ungebetener Gast im Luftballon. Bei dem vorgestrigen Aufstieg der Luftschifferin Käthe Paulus im Lunapark ereignete sich ein eigenartiger Zwischenfall. Der Ballon war bereits völlig aus- gewogen und die drei Herren, welche die Fahrt mitmachen wollten� IjaHeit bereits neben 5er Führerin in M Gondel Platz MoMmeN, während der Ballon noch von zirka 30 Angestellten gehalten wurde; als das Signal„Ballon los!" ertönte, machte sich einer der Ange- stellten, ein ehemaliger Akrobat, den Spaß, sich am Korb festzu- halten, der ihn mit in die Höhe nahm. Ein Schrei aus allen Kehlen ertönte und man befürchtete einen Unglücksfall, doch bald löste sich die Spannung in lauten Beifall auf, als der Akrobat begann, am Ankerseil hochzuklettern. Als der Ballon schon eine Höhe von einigen hundert Metern erreicht hatte, wurde der Akrobat in die Gondel gezogen. Der Ballon landete zum erstenmal bei Müllrose b. Frank- furt a. O., wo aber ein Herr Maconnen zu früh glaubte, die Gondel verlassen zu dürfen. Ein heftiger Windstoß trieb den leichter ge- wordenen Ballon wieder empor. Die zweite Landung bei Oderberg in Schlesien tKklief glatt. Radrennen zu Steglitz, 7. August. Der„Große Preis Von Europa"(2200, 1730, 1430, 1133, 333 M.), ein Dauer- rennen über 133 Kilometer, das in zwei Läufen über je 53 Kilo- meter gefahren und von Demke, Dickentman, Ryser, Salzmann und Schiple bestritten wurde, gestaltete sich zu einem spannend ver- laufeneu Rennen, denn in beiden Läufen waren die Abstände zwischen den drei Ersten nur geringe. Der Berliner war in beiden Läufen Erster, doch verdankte er im zweiten Lauf seinen Erfolg dem Mißgeschick DickentmanS, der an führender Stelle kurz vor dem Schluß infolge eines Motordefekts Demke passieren lassen mußte. Die Ergebnisse stellen sich wie folgt: 1. Lauf: 1. D e m k e in 37 Min. 47 Sek.; 2. Dickentman, 453 Meter, 3. Salzmann 1753 Meter, 4. Rhser 3353 Meter, 5. Schipke 4323 Meter zurück; 2. Lauf: 1. Demke 43 Minuten 23 Sekunden, 2. Dickentman 163 Meter; 3. Salzmann 833 Meter, 4. Schipke 2843 Meter, 5. Rhser 6433 Meter.— Gesamt- ergebnis: 1. Demke 133 Kilometer, 2. Dickentman 39 333 Kilometer, 3. Salzmann 97 453 Kilometer, 4. Schipke 92 843 Kilo- meter, 5. Rhser 93 253 Kilometer.— Die„Fliegerrennen" erweckten durch die Teilnahme von Walter Rütt und Henri Mayer, die beide unlängst in Brüssel bei dem Weltmeisterschaftsrcnnen von der„Union Cycliste Internationale" disqualifiziert worden waren, erhöhtes Interesse. Beide Fahrer wurden bei ihrem Erscheinen von den Zu- schauern mit lauten Beifallsrufen begrüßt. Das Hauptfahren über 1333 Meter(153, 133, 83 M.) vereinigte im Endlauf Rütt, Mayer und den Berliner Stabe. Es wurde sehr lang- sam gefahren, Stabe lag an der Spitze; in der letzten Runde machte Rütt einen gewaltigen Vorstoß, dem die anderen nicht zu folgen vermochten, so daß er mit großem Vorsprung gewann. In dem zweiten Zwischenlauf gab es leider einen Sturz Großmanns, der von Wegener angefahren wurde. Wegener wurde zur Strafe von den weiteren Rennen des Tages ausgeschlossen.— Den Grunewaldpreis<1333 Meter, 75, 53, 43 M.) gewann Kendelbacher vor Kurzmeier und Lorenz. Im Preis von Tempelhof<1333 Meter, 43, 33, 23 M.> siegte Fr. Stellbrink vor Fr. Hoffmann und Tadewald.— Zwei Rennen waren den Zweisitzern vorbehalten. Tandem-Haupt- fahren<3333 Meter, 153, 123, 83 M.): 1. Maher-Rütt, 2. Schwab-Stabe, 3. Kendelbacher-Ganzevoort.— Tandem- Prämienfahren<3333 Meter, 73, 53. 43 M.): I.Mayer- Carapezzn, 2. Techmer-Tadewald, 3. Tetzlaff-Kiehne. Prämien a 25 M. gewannen Lorenz-Abraham und Kendelbacher-Ganzevoort. Ihren Wochenverdienst nebst Trauring, beides in einembraunen Lederportemonnaie befindlich, hat am Sonnabend eine arme Ar beiterfrau am Bahnhof Savignyplatz verloren. Der Finder wird gebeten, Mitteilung an Anna Treptow, Soldiner Straße 12 v. IV, gelangen zu laffen._ Torort- JVacbrtcbtem Wilmersdorf. Einer Veruntreuung in der Stadthauptkasse ist. wie wir der «Wilmersd. Ztg." entnehmen, die Behörde auf die Spur gekommen. In der Stadth'auptkaffe werden in den ersten Tagen des Quartals die staatlichen Pensionen an die hier in unserer Stadt ansässigen Pensionäre ausgezahlt, deren Quittungen vorher geprüft werden. Denjenigen Empfängern, die die Einkassierung nicht persönlich vor- nehmen können, wird die Pension auf ihren Wunsch per Post zu gesandt. Hierauf baute der mit der Prüfung der Rechnungen be ouftragte Bureaugehilfe Emil B e l l a ch, der seit Oktober 1937 im hiesigen Rathause beschäftigt und vordem in der Teltower Kreiskasse tätig und von dieser empfohlen war, seinen betrüge rischen Plan auf. Unter Vorspiegelung, daß einige Pensionäre ihre zur Auszahlung fälligen Beträge per Post zugesandt erhalten wünschten, hob Bellach diese Beträge von der Stadthauptkaffe ab, die ihm auch anstandslos ausgehändigt wurden. Den Aufforderungen der Vorgesetzten, die noch ausstehenden Abrechnungen abzuliefern, kam B. nicht nach, so daß man sie kurzerhand aus seiner Wohnung holte. Bei näherer Prüfung derselben stellte sich nun das obige heraus, das zu einem sofortigen Einschreiten der Behörde Ver anlassung gab. Augenblicklich erstrecken sich die festgestellten Ver untreuungen auf zirka 6333 Mark. Wohin fich der Flüchtling, der am 23. Juli 1886 geboren ist und als besonderes Merkmal eine ver- krüppelte Hand aufweist, gewendet hat, ist noch nicht aufgeklärt. Rixdorf. Nahrungsforgen und andauernde Arbeitslosigkeit haben den 38 Jahre alten Packer Heinrich Berger aus der Canner Straße 32 in den Tod getrieben. Vorgestern abend gegen 9 Uhr wurde er in seiner Wohnung von seiner 7 jährigen Tochter in dem Abort erhängt aufgefunden. Stralau. Aus der Gemeindevertretung. Die Pläne zum Bau einer neuen Leichenhalle durch die Kirchengemeinde lagen der Vertretung vor. Der geräumige, der Neuzeit entsprechende Bau enthält außer der großen Halle und hellen Räumlichkeiten im Erdgeschoß einen Obduktionsraum, der der Gemeinde zur Verfügung steht. Letztere hat die für diesen Raum erforderlichen Geräte zu beschaffen. Die Genleindevertretung hat in einer früheren Sitzung 6303 M. für diesen Bau bewilligt. Zur Beschaffung von Badekarten für Schul- linder wurden weitere 130 M. gefordert und ohne Debatte bewilligt Der nächste Punkt betraf die Nachbewilligung von 233 M. für Badekarten für erwachsene Gemeindeangehörige. Als entschiedener Gegner dieser Forderung bekannten sich die Verweter Heinicke und Bolze. Bade- gelegenheit sei heute, meint Herr Heinicke. in jeder Fabrik und in Arbeiterwohnungen vorhanden. Die Arbeiter sollten die hohen Bei- träge sparen— gemeint sind die Partei- und Gewerkschaftsbeiträge — dann könnten sie die Badekarten aus eigener Tasche bezahlen. Eine Kontrolle über die Benutzung der Vadekarten vermißt Herr Bolze; die Arbeiter könnten die Karten vym Amt abholen und— man höre— wegwerfen und auf diese Weise die Gemeinde schädigen. Nach einer Entgegnung unseres Vertreters auf diese Ausführungen wurde die Vorlage mit 9 gegen 3 Stimmen angenommen. Punkt 5 der Tagesordnung, Benennung von Straßen, wurde unter Wider- spruch unseres Genossen in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. Be» schlössen wurde die Straße a Tübbeckestraße. la Krachtstraße, 2a Bahrfeldstraße zu nennen. Der Ortsbezeichnung„Stralau-" soll das Wort„Berlin" vorangestellt werden. Steglitz. Bor den Augen der Mutter überfahren wurde gestern abend um 8 Uhr die vierjährige Tochter des Zimmermanns Z i e g l e r. Schloßstraße 117. Die Kleine geriet beim Ueberschreiten des Fahrdammes vor dem Hause Schloßstraße 118 unter einen Wagen der elektrischen Straßenbahn der Linie 59, der gänzlich über sie hinwegfuhr. Schwerverletzt mußte da? Kind mittels Kranken- wagcnS nach dem KreiSlrankenhauS Groß- Lichterfelde geschafft werden. Beim Volksfest am Sonntag ist eine goldene Damenuhr der- loren gegangen. Es wird ersucht, dieselbe bei Ernst Bode, Friedenau, Bontstt. 16, abzugeben. Friedenan. Grosse Empörung rief, so schreibt man uns, am Sonntagmittag das Verhalten des auf dem Neubau Ecke Kaiserallee-Fröaufstraße angestellten Bauwächters unter dem Publikum hervor. Vor dem Neubau liegen neben Steinen und allerlei Baumaterialien auch einige Haufen Sand. In demselben spielten einige kleine Kinder von zwei bis drei Jahren. Als der Bauwächter dies bemertte, hetzte er ohne weiteres seinen Hund auf die Kinder, wobei eines derselben um- geworfen wurde. Von einem Erwachsenen darüber zur Rede gestellt, antwortete der Bauwächter mit einer Reihe beleidigender Ausdrücke. Der Bauwächter ist bei der den Bau ausführenden Firma Hugo Allers sen., Schöneberg. Hanptstr. 151, beschäftigt. Daß der Mann von obiger Firma beauftragt ist, so seinen Posten zu versehen, ist sicher nicht anzunehmen. Nikolassee. In ihrer letzten Sitzung beriet die Gemeindevertretung in drei« stündiger nichtöffentlicher Debatte die Schaffung eines Rathauses. Diese geheimen Sitzungen, besonders bei solchen Fragen I Wie oft haben sie schon zum Schaden der Gesamtheit der Gemeinde- angehörigen gewirkt. Der treibende Faktor mag sein, die Speku- lationssucht bei solchen Angelegenheiten auszuschalten. Aber wird dies durch geheime Sitzungen vermieden? Mit nichten. Viel häufiger ist das Gegenteil der Fall, da die Grundstückspekulanten schon ihre Gönner in jeder Gemeindevertretung haben. Uns ist da ein Fall aus der Nachbargemeinde Zehlendorf bekannt. Ein reicher Bäckermeister aus Berlin hatte durch gute Fühlung erfahren, daß die Gemeinde Zehlendorf auf ein bestimmtes Grundstück reflektiert. Flugs ging er hin und kaufte es. Schon als er nach der Um- schreibung deS Grundbuchamt verließ, werden ihm von einem anderen Reflektanten 6333 M. mehr geboten als er bezahlt hatte. Aber der gute Mann wußte was er wollte, und nach einigen Monaten durfte die Gemeinde das Grundstück von ihm gegen 25 333 M. Aufschlag zurückkaufen. Bei voller Oeffentlichkeit der Verhandlungen dürfte schon die Gesamtheit mehr darauf achten, daß sie nicht in solcher Weise geprellt wird. Aber das liegt natürlich nicht im Interesse der Grundstücksschieber, die in vielen Gemeindevertretungen ihr Unwesen treiben. Oeffentlich befaßte sich die Vertretung noch mit der Durch- beratung des Etats, der in Einnahme und Ausgabe mit 113 853 M. genehmigt wurde. Dabei ist zu erwähnen, daß die Einkommensteuer nur 53 Proz. Zuschlag bettägt. Von der Biersteuer erwartet man eine Einnahme von 1530 M., von der Umsatzsteuer 1733 M. Strausberg. Auf der Promenade erschossen hat sich der Berliner Händler Georg Lüdecke. L. hatte sich vorübergehend in Strausberg auf- gehalten. Vorgestern erregte er auf der Promenade an der Kaiser- straße durch sein seltsames Wesen die Aufmerksamkeit der Passanten. Plötzlich holte er aus der Rocktasche einen sechsläufigen Revolver heraus und jagte sich vor den Augen zahlreicher Personen eine Kugel in den Kopf. Der Selbstmörder sank tot nieder. Weihensee. Ein geregelter Nachtdienst der Aerzte ist endlich zustande ge- kommen. Die Gemeinde hat mit sieben Aerzten einen Vertrag ab« geschlossen, worin fich dieselben bereit erklären, von abends 9 Uhr bis morgens 7 Uhr ärztlichen Rufen durch die Gemeinde Folge zu leisten. Falls sie den Dienst in einer ihnen zufallenden Nacht nicht übernehmen können, verpflichten sie sich, einen Vertreter zu stellen und denselben rechtzeitig der Polizei zu nennen. Die Aerzte verpflichten sich ferner in den Nächten ihres Dienstes auf persönliches Verlangen eines Polizeibeamten sowohl Patienten in der Wohnung des ArzteS, als auch in der Wohnung deS Patienten zu behandeln unter der Bedingung, daß der Pottzeibeamte auf Wunsch deS Arztes bei der ärztlichen Hilfe zur Hand bleibt. Der ärztliche Dienst soll sich nur auf bestimmte Bezirke erstrecken, derart, daß das Gemeindegelände von Weißensee in zwei Hälften geteilt wird, deren Grenze verlaufen soll von der Gürtelstraße durch die König- Chaussee über den Antonplatz durch die Gäblerstraße nach dem Mirbach platz durch die PistoriuSstraße bis zur Rennbahnstraße an der Ge meindegrenze. Die Reihenfolge wird Polizei und Aerzten bekannt gegeben und alle Vierteljahre neu festgestellt. Serztliche Bemühungen werden von der Polizeibehörde notiert und von der Gemeinde nach der Preußischen Gebührenordnung mit der Mindesttaxe honoriert mit der Einschränkung, daß für die Bemühungen in der Wohnung des ArzteS nicht unter 3 M. für eine Bemühung, außerhalb der Wohnung des Arztes nicht unter 6 M. erhoben werden sollen. Außerdem soll für Bemühungen, welche mehr als 2 Kilometer von der Wohnung des Arztes entfernt sind, dem Arzte 3 M. für Fahrgeld bezahlt werden. Reichen die Aerzte innerhalb acht Tageni ihre Rechnung bei der Ge- meinde ein, so sind sie nicht berechtigt, von dem Kranken direkt noch etwas zu fordern. Andererseits können sie dem Pattenten eine Privatliquidation schicken, dann gehen die Aerzte jedoch ihrer An- sprüche an die Gemeinde verlustig. Die beteiligten Aerzte find Dr. Euphrat, Dr. Fleger, Dr. Gelsenberg, Dr. Koser, Dr. Coro. Dr. Friedländer und Dr. Kochmann. Pankow. Schwerer Unfall im Wasserwerk. Gestern, Montag früh um 5 Uhr, wollte der Arbeiter Kummer den Motor anlassen, um eine von den Pumpen wieder in Bewegung zu setzen. Der Motor steht in einem 13 Meter tiefen Schacht. Bevor der Arbeiter in den Schacht hineinsteigt, soll der Motor angelassen werden, um durch die Be- wegung etwa vorhandene schlechte Gase zu beseitigen. Ob der Ar- beiter von dieser Porsicht Gebrauch gemacht hat, ist nicht festgestellt. Als er nach einiger Zeit nicht zum Borschein kam, stieg der Maschinist Meißner in den Schacht, um aber nach wenigen Schritten umzukehren, weil sich starke Gase angesammelt hatten. Der herbeigerufene Leiter deS Wasserwerks Tierbach stieg nun selbst in den Schacht, ohne auf die Warnung des Maschinisten zu hören. Nach wenigen Schritten bereits stürzte er ab und blieb ohnmächtig liegen. Bedauerlicherweise war weiter keine Hilfe zur Hand. Da kein Nachtanschluß auf dem Wasser« werk vorhanden, mußte die Feuerwehr mit Hilfe der Polizei herbei- gerufen werden. Nach längerer Zeit erst kamen zwei Männer mit dem Sauerstoffapparat. Hilfe war nunmehr ausgeschlossen. Beide wurden tot herausgezogen und nach dem Krankenhaus gebracht. Wer an dem Unfall die Schuld trägt, wird schwer festzustellen sein. Ob hier nicht von der Verwaltung vorgebeugt werden konnte, wird jedenfalls die Gemeindevertretung noch zu untersuchen haben, um so mehr, als vor wenigen Wochen ein ähnlicher Unfall passiert ist, wo auch ein Arbeiter beim Ausheben eines SaugerohreS m den Schacht stürzte und jetzt noch im Krankenhause liegt. Spandau. Arbeiter-Samaritcrbuud, Kolonne Spandau. DeS Zahlabends wegen findet der Uebungsabend am Donnerstag, den 11. d. M abends 8 Uhr. bei Bohle, Havelstr. 23, statt. Borttag des Genossen Krause-Berlin. Potsdam. Ucdcrfall auf einen Artillerieposten. Am PulverhauS, zwischen Nedlitz und Fahrland wurde gestern früh gegen 3 Uhr ein Attentat verübt, fcü in seinen Einzelheiten noch der Aufklärung bedarf. Als der Posten, der Soldat Anton Szelag, vom 2. Feldarttllerieregiment vor dem Pulverturm auf Wache stand, kamen plötzlich drei Männer auf ihn zu. Der Posten rief sie an. aber ehe er eine Antwort er- hielt, knallte ein Revolverschutz, und der Soldat war von einer Kugel am rechten Arm verletzt. Darauf ergriffen die Täter die Flucht. Welche Ziele sie mit dem Attentat verfolgten, steht vorläufig noch nicht fest. Die Leiche des verunglückten Rektors Robert Schäfer aus Reut- lingen, der. wie berichtet, in der Havel vor dem Eisenbahnhotel in Potsdam ertrank, ist geborgen worden. Die Leiche wurde am Kirfchelgelände in Potsdam angeschwemmt; bei Schäfer wurde ein größerer Geldbetrag gefunden. l Einbruch im Großen Militar-WaisenhauS zu Potsdam. Gestern nachmittag wurde im Großen Mlitär- Waisenhaus in der Dienst- Wohnung des Kommandeurs Oberst v. Wegenern im Hause Breite Straße Nr. 9 von einem jungen Manne ein Einbruch verübt. Der Täter klingelte erst an der Korridortüre und als er mertte, daß niemand öffnete, verschaffte er sich durch eine Hintertüre Eingang, die ihn nur in die Küche führte. Dort setzte die Küchentüre seinem weiteren Vordringen ein Ziel. Er begoß darum die Türe mit Pe- troleum und setzte sie in Brand. Wie groß die Beute des Einbrechers ist, steht noch nicht fest. Auch die Persönlichkeit des Täters ist noch unbekannt, sie muß aber mit der Oertlichkeit verttaut gewesen sein. EericKts- Leitung. � Umfangreiche Warenhausdiebstähle führten gestern die Schlächtergesellen Rudolf Methling und Otto Thiel vor die 6. Ferienstrafkammer des Landgerichts I.— Die beiden Angeklagten waren längere Zeit in der Lebensmittel- abteilung des Warenhauses Wertheim angestellt gewesen. Nach- dem sie mangels genügender Beschäftigung entlassen worden waren, verwandten sie die Kenntnis der Einrichtungen in dem Waren- hause zu fortgesetzten Diebstählen. Einer der Angeklagten ließ sich in dem Tamenwäschelager Waren zeigen. Bald darauf trat der zweite Angeklagte hinzu und verstand es, die Verkäuferin derartig zu beschäftigen, daß ihre Aufmerksamkeit von seinem Kom- plicen völlig abgelenkt wurde. Dieser stahl unterdessen wie ein Rabe, während der andere zum Schein etwas kaufte. Auf diese Weise stahlen die Angeklagten ganze Posten von Damenwäsche. Den Absatz besorgte ihre Schlafstellenwirtin, der sie vorspiegelten, daß sie jetzt als Reisende in einer großen Wäschefabrik tätia seien. Die Frau, welche in einer Konservenfabrik tätig war und keine Ahnung von der eigentlichen Herkunft der Wäsche hatte, trieb in der Fabrik einen schwunghaften Handel mit„billiger" Wäsche.— Am 7. Juni d. I. wurde endlich den beiden Dieben durch die Auf- merksamkeit der Aufsichtsdame Marie Michlick das Handwerk ge- legt, als sie gerade zwei Panamahüte im Werte von 67 M. unter ihren Paletots hatten verschwinden lassen.— Vor der Strafkammer kamen die Angeklagten mit dem alten Märchen von dem„Un- bekannten", von dem sie die bei ihnen in der Wohnung beschlag- nahmten Sachen gekauft haben wollten. Das Urteil lautete gegen Methling auf 1 Jahr und gegen den schon vorbestraften Thiel auf IVt Jahre Gefängnis und je 3 Jahre Ehrverlust. Die Unsicherheit auf der Berliner Stadtbahn wird durch einen Fall treffend illustriert, der gestern die 3. Ferien- strafkammer des Landgerichts III beschäftigte. Aus der Unter- fuchungshaft wurde der Tischler Paul ManSke vorgeführt, um sich unter der Anklage des Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle zu verantworten.— In der Nacht zum 4. Juni d. I. benutzte der Student der Philosophie D. von dem Bahnhof Bcllevue aus einen Stadtbahnzug. Als er gerade dem Einschlafen nahe war, bemerkte er, daß der neben ihm sitzende Angeklagte seine Hand so vorsichtig als es irgend möglich war, in seine Rocktasche gleiten ließ und diese einer Revision unterzog. Er hatte die Geistesgegenwart, sich schlafend zu stellen, so daß der Fledderer dem scheinbar Schlafenden in aller Gemütsruhe das Portemonnaie aus der Tasche ziehen konnte. In demselben Augenblick faßte D. zu und hielt den Dieb solange fest, bis der Zug in den Bahnhof Halensee eingelaufen war. Bei seiner Feststellung wurde in dem Besitz des Stadtbahnfledderer? eine goldene Uhr vorgefunden, die, wie festgestellt werden konnte. einige Tage vorher einem Kellner W. auf der Fahrt vom Bahnhof Charlottenburg nach Gesundbrunnen in einem Ringbahnzuge ge- stöhlen worden war. Außerdem war ihm ein Betrag von 163 M., den er kurz vorher auf der Rennbahn gewonnen hatte, gestohlen worden. Auf der Polizeiwache entpuppte sich der Festgenommene als der vielfach wegen ähnlicher Straftaten vorbestrafte jetzige Angeklagte. Mit Rücksicht auf die enorme Gemeingefährlichkeit derartiger Stadtbahnräubereien erkannte die Strafkammer au� eine Zuchthausstrafe von 1% Jahren. ßnefhaften der Redahtfon. fnriftifAc Evrech stund» findet LIudenstraft» Mr. CO, dorn vier Treppen- Fadrftudl—, wvAentägli» von 4>/, dt»?><, Ndr abend», Sonnabend» von 4>/, btS N Nhe nachmittags ftat». Jeder für den Brief- »asten bestimmten Anfrage ist ei» Buchstabe und eine Zabl al» Merk. zeichen beizufügen. Briefliche Autwor, wird nicht erteilt. Eilige »ragen trage man in der Sprechstunde vor. B. D. 88. Englisches Konsulat, Wilhclmstr. 73, oder ZentralauSkunstS» stelle sür Auswanderer, Schellingstr. 4.— M. B. 66. Ja.— E. B. 858. Sie können bis spätestens den 3. Oktober»um 1. Januar kündige», wenn Sie den Vertrag nicht mltun terschncbcn haben. Ist die» der Fall, so hasten Sie bis zum Abiaus der Ver tragidauer.— M. R. Ist monatliche Miete verabredet, so kann nur spätestens vom 15. zum 1. rechtsivirksam gekündigt werden.— Genosse 4. E. R. 1. Die rückständigen am 14. Mai 1912. 2. Sie können aus dem bereit» vorliegenden Urteil erneut vollstrecken lassen. 3. Bei der Sachlage wird sich nicht« tun lassen. Ein Schwager kann vereidigt werden, s. Sie können bei der StaatSanwaltschast ansragcn, ob das Ermittelungsversahren«wgeslellt ist.— U. K. 8. Die Kosten erster Instanz sind Sie an den Anwalt zu zahlen verpflichtet. Die Ge- bühren find richtig berechnet, fall« eine BeweiSausnahme stall gesunden hat. »mtltche« Marktbericht der städttlchen Marktballen-Dtrektton über den Großhandel w den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zusuhr stark. Geschäft rege. Preise sür Fresser nachgebend, sonst unverändert. Wild: Zusuhr reichlich, Geschäst lebhaft, Preise fest. G e s I ü g e l: Zusuhr genügend. Geichäst ziemlich rege, Preise besriedigend. Fische: Zusuhr mäßig,«eichäst ruhig. Preise wenig verändert. Butter und Käse: Zusuhr gering, Geschäst ruhig. Preise unverändert. Gemüse. Obst und Süds rü cht e: Zusuhr reichlich. Geschäst gut, Preise mehrjach verändert. Witternngvaberstcht vom 8. August 1S10, morgens 8 Ndr, ZI Swvirmd» Hamburg verlin Franks. a M München Wien II B« 755 3! 92 JB 753339223 757 B 760 Still 761 SB 760 B Vetter «wolkig 3 bedeckt 5 bedeckt Nebel 1 wollenl S wölke»! »K t* Haparanda Petersburg Sctlly ilberdee» Pari» u 764 NNO 755 ONO 759 OSO 762 SO 760 SSW Vetter ri» »» S* 4 wölken! 3 bedeckt 2 bedeckt 1 Nebel.. Iwolkenl 16 15 15 14 13 Wetterprognose für Dienstag. den S. Mugnst 1910. Meist bedeckt, noch Regensälle. kühl, schwache dt» mäßige nordwestliche Winde. Berliner Wetterbureau. SSasserstandS-Nachrtchten d« L-mdeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berlwer Wetterbureau._ Wasserstand Kernel, Tilsit Pregel, Insterburg Weichsel, Thor» Oder, Rattbor ,»rossen , Frankturi Warthe, Schrtmm # Landsberg Netz«, Vordamm Elbe. Leitmeritz Dresden Bardy , Magdeburg Wasserstand Saale. Grochich Havel, Spandau') » Rathenow') Spree, Spremderg') » Biestow Weier. Münden » Minden R h e l u, MarimilianSau , Kaub . Köln Neckar. Heilbrono Main, Wertheim Mosel, Trier 3-I- bedeutet Wuch».- Fall.- Unferveael. Die obere Oder hatte Hochwasser das aber unter dem mittleren Hochwasser geblieben ist. In R atibor wurde der Höchststand gestern nachmittag mit 518 erreicht, heuttger Stand nur noch 416. Die Nebenswlse verstärken da» Hochwasser nicht. Die Spree bat heute Hochwasser. Im W e s e r g e b i e t ist der Wasserstand wieder zurückgegangen. onn □□□ Dienstag. 9. A u g u st. Anfang 71/, Ahr. RcucS königl. OPern-XKeater. Die Wallüre.(Ans� 7 UHr.) Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung.. Kammerspiele. Liebeswalzer. Ansang 8 Uhr. Lessing. Nora. Thalia. Polnische Wirtschast. Neues. Kasernenlusl. Komische Oper. Der Regiments- papa. Berliner. Taisun. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang '1,9 Uhr.) Neues Schanspielhaus. Der Flieger. Berliner BolkSoper. Alt-Heidel- berg.(Ans. S-/, Uhr.) Hebbel. Wem gehört Helene? Der Kuß aus der Redoute.(An- sang 8>/. Uhr.) Neues Lveretten. Der Gras von Luxemburg. Lustspielhaus. DaS Leutnants- inündcl. Westen. Die geschiedene Frau. Residenz. Im Taubenschlag. Schiller<». iWallner- Theater.) Die Zaubcrflöte. Schiller Charlottenburg. Die von Hochsattel. Luisen. Der Gras von Monte Christo. Herrnfeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Rose. Ein seltsamer Fall. Metrovol. Halloh II— Dt« grob« Revue. Folics Caprice. Die bös- 13.— Die keusche Towette.(Ansang Uhr.) Voigt. Vmeta. Puhl in au ir. Die Blumenläte. Apollo. Svezialitäten. Baiiage. Spezialitäten. Reichsballen. Steitiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Wintergarten. Geschlossen. Karl Haverland. Svezialitäten. Prater. Im Reiche des Mars. Urania. Tauoeiiürahr 48/49. Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Sternniarte, Jiivalidaistr. 57— 62. Theater und VergnügungenMlljM'�M l.es8>nx-Ikeater. Dienstag 8 Uhr: Nora. Mittwoch 8 Uhr: Rosenmontag. Donnerst. 3Uhr: Tantris der Narr. berliner Theater. H-ute 8 Uhr: Taifllll. Morgen: Taifun. Neues Theater. Anfang 8 Uhr. Täglich: Kasernenluft. Berliner Volksoper. Heute'/,S Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Alt-Heidelberg. Ideater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschlcdono Frau. Operelte von Leo Fall. Illeue» Operetten-Theater. Ans. 8 Uhr. Heute zum 225. Male: Ter Gras von Luxemburg. Morgen und solgende Tage: Der Gras von Luxemburg._ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Beber. Morgen und solgende Tage dieselbe Borstelluna. __ Sommer-Preise._ Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Schauspiel in 7 Abt. nach A. DumaS. Mittwoch: Ans der Goldwage. Donnerstag: Ter stille See. Schauspiel in 5 Akt. v. E. Ritterseldt. Freit., Sonnab.: Auf der Goldwag e. Lustspisiksus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel IOSE=THEATE Groge Frankfurter Str. 132. Flu»eitttniuv� Fall. Phant. Schauspiel in 4 Allen � von Morton und Gunniver_ Ans. 8 Uhr. Morgen: Dies. Borstellg. Auf der Gartenbühne: Theater- Vorstellung, Spezialitälen, groheS Konzert. Ansang 4',. Uhr.'° B Gr. Berliner KunMellung 1318 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 19—6 Uhr 1 M.. v. S Uhr ab 60 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauerk. 6 M. SScMller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottscheid- Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Die ZaubcrflOte. Oper in 2 Allen von SB. A. Mozart. Ende 10°,. Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die FOrster-Christi. Donnerstag, abends 8 Uhr: Zar und Ziunnermaun. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abend» 8Uhr: Die von Hochsattel. Lustspiel in 3«luszügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach 10 Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. DonnerStag,abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Achtung k Diez9 nur Achtung I Seeterrasse Siehtenberg Röderstraße 11/13. Zwischen Landsherger Allee und Räderplatz. GröstteS und schönstes Lokal Berlins. u»d°T?ens'!ag? KOMZCrt. Austreten der besten Tnrmseilkttttstler der Welt The Liepe,,.. The 3 Blackburns, ffiÄ Mr. Steffin t,ÄÄe?8' Pony, Esel, Schwein u. Hunde, u. das neue beste Programm Berlins. �Daud.°'uuZ'�assZ?-keuerverk und Ball. —— Jeden Dienstag: GrostcS Kinder-Frcudenfest.—■»« Anfang 3 Uhr. Wochentags 4 Uhr. Gesamteintritt 20 Rf. Kinder frei. „Pharus-Sommer-Theater" Besitzer: Max Ludwig. Art. Leitung:Max Beinhart. Berlin ST., Hflllerstr. 142. Täglich: Im herrlichen Naturgarten, bei Hegen im Theatersaal; Konzerf».Spezialitäten-Vorstellung 20 KUnstler-Attraktionen. Stets wechselndes Familien-Programm. AuBerdem jeden Freitag: Die beliebten ApollosSänger. Anfang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr. 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Außerdem: Abfahrt von 7 bis 0 Uhr mit illuminierten Dampfe��urBesichiigung Bismarckwarte, dann zurück nach dun großartig illuminierten Lokale Restanrant KylThänscp.'Safdbst; Greftes Gartcntonzert und Ball. Fahrpreise für die ganze voracnannte Fahrt SO Pf. Zur Riickfahrt vom Rrftaurant Kyfshäuser nach Berlin sind Extra- Billetts a Person 30 Ps. zn lösen. Die Dampfer verkehren nach Bedarf. am*. aAsataa* j Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. Ein einziger Erfolg! ein«MIM l I.a mime espagnole ZoraVta I und das großartige August-> rogramm. Brnnncnatrafio 10. Das größte Kino- Theater Berlins. tleiies Programin. Eintritt 30 p». iff I! !I! Sonntag, den 14« August 1910: Große« �oiumerfeist: im InseURestaurasit, Plötzensee, seestr.»i (veranstaltet von der 7. und 8. Abteilang) bestehend in Konzert, Gesang, Spezialitäten, turnerischen Aufführungen, RaritSten- Kabinett, Volksbelustigungen aller Art. Von 4 Dhr ab im Saal und Bal-Champetre: ÖrOßCI* Bflll* ----------------- Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet.- 0�"- Jedes Kind erhält am Eingang eine Stocklateme und einen Bon zur Benutzung des Karussells oder der Luftschaukel gratis."WS KasBcnerOlTnang 13 Uhr. Anfang des Konzerts 8 Uhr. Eintrittspreis 30 Pf., an der Kasse 35 Pf, 229/1 Das Komitee. »000« 8 Uhr. Das neue 8 Uhr. sensationelle Programm. ifte Attraktion« 10 gro nen 10. Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr Rauchen geotatteL Geschlossen! Wieder- Eröffnung Mittwoch, den 17. August MMH Die gröstten Schlager der letzten Saison: Die Welt gkht nuter! md Wenn\mi dasselbe tun mit Anton und Donat Herrnfeld. Billetloorverk. 1,-2 Uhr. Ans. 8 Uhr. CIRCUS» Cyrill Harle Tttgllch abends 8'/,: Gr. Gala-Abend. Mittwoch u. Sonntags 2 Vorstellungen nachmittags 4 und abends SV« Ohr Ohr. Reichshallen-Theater. Von nun Wied, täglich: Steitiner Sängen Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: In den Dolomiten. _ OCfSCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert Eintritt I Mark, von abends S Uhr ab SO Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. MMWM am Zun. Täglich(Anfang 6 Uhr): Kinematographische Vorführungen. Honte nenca Programm. Passage-Panoptikum. ?Bod(ihas dunkles M Geheimnis!• vuta~7 Vitascop- Theater Jlquanopticum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Alt-Hoablt 47/40. Tttgllch: Konzert, Theater, Spezialitäten. Varitfp THtafer I Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Ter. I Anfang 8l/t Uhr. Die nenen amüsanten I _ Spezlallttttcn. I Königstadt-Kasino. Holzmarftftr. 72, Ecke Alexanderftratze. (Inhaber: Max, Schindelhauer.) Im herrlichen Naturgarten(bei un- günstiger Witterung im Theatersaal). La Löiten. Exzentriksängerin u. a. Röslcin rot! Singspiel in 1 Akt. Nach d. 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Jeden Donnerstag; killt« Tag t Anfang: Wochent. 6 Ohr, Sonnt.'/, S Unr. -Victoria-■ Brauerei, LDtzowet. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Gr. hnmorlst. Solree. (Gesangsvorträge, Theater und Variets-Vorstellungen.) Sonntags, Dienstags, DonnerSt. und Sonnabends: Tanzkränzohen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.- Alle Bon» gülttg. Im Restaur.: Mittagstifch 75 Pf. Gr. u. kl. Säle z« Festlichkesten aller Art. Max Saeger. Vereins-Branerei Rlxdorf, Hermannsfr. 214/219. Oekonoin: Max Wandt. DV Täglich:-M> Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. . Sonntag» 4 Uhr. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedatttou dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. »Kglönlaetis Dregerle Äkarcmha, Weinbergswrgl, dir. a.Rosenihaler Tor. Billigste Bezugsquelle I versuch f. zur dauernden Kundschaft Von der Reise zurück. Gertrud Rewald, 89/2 Prlnzenstr. 08 1. H.Pfau, Baiilagist Dircksenslräüe 20 »wischen Bahnhos Alerandervllltz und Polizeipräsidium.— Amt VU, 13799. 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