Ztr. 185. HbonnementS'Bedlngungen: fBonnementS• Preis pränumerando S Liertcijährl. 3�0 Mä, monatl. 1,10 Mk„ wöchentlich 23 spfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, EonniagS- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Psa, Post- Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungZ- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 8 Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portttgal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, g?. Jahrg. Sicheln« täglich außer montags. #■ Verlinev VolKsblatl. Die TnTertlons- Gebühr vekägt für die sechsgespaltene Kolone«- zcile oder deren Raum b0 Pfg., für politische und gewcrlschastliche Vereins- und BcrsamniIungS-Anzcigen 30 Pfg. „Alelne JJn-ngen", das erste sselt- gedr.ickte) Wort 20 P>„., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- «tcllen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüssen bis s Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Erpedition ijt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm> Adresse: „Soaialtleitiolii'at Berlin"4, Zentralorgan der fozialdemohrat« Tchen parte» Deutfchlands. Redaktion: SW. 68, Lindcnstrassc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Expedition: 8M. 68, Lindenetrasee 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984» Parteigenossen! Laut Beschluß des Leipziger Parteitages findet der diesjährige Parteitag in Magdeburg statt. Auf Grund der 8Z 7, 8, 9, 19 und 11 des Organisationsstatuts beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 18. September, abends 7 Ahr, nach dem Saale des„Luisenpark" in Magdeburg, Spiel- garten st r. 1, ein. An die Punkt 7 Uhr abends erfolgende Eröffnung schließen sich die Konstituierung des Parteitages, die Festsetzung der Ge- schäfts- und Tagesordnung und die Wahl der Mandatsprüfungs kommission an. Die Verhandlungen der folgenden Tage finden in dem gleichen Lokal statt. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. Berichterstatter: W. Pfannkuch, A. Gerisch. 2. Bericht der Kontrolleure. Berichterstatter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: G. NoSke. 4. Wahlrechtsfrage. Berichterstatter: H. Borgmann. 5. Reichsversicherungsordnung. Berichterstatter: H. Molken b u h r. 6. GenosienschaftSfrage. Berichterstatter: H. Fleißner. 7. Maifeier. Berichterstatter: H. Müller. 8. Internationaler Kongreß in Kopenhagen. Berichterstatter: P. Singer. 9. Sonstige Anträge. 19. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des Ortes, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Parteitag — die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen— rechtzeitig. Die Anträge müssen spätestens am 22. August im Besitze des Parteivorstandes, Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstraße 69, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des§ 19 Abs. 2 de? Organisationsstatuts im„Vorwärts" veröffentlicht und in die ge druckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung des Vorstandes der örtlichen bezw. Kreisorganisation, falls sie zur Veröffentlichung und Beratung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im„Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht, ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Delegierten werden ersucht, von ihrer Delegation dem Parteivorstande und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und sonstige Mitteilungen zugehen können. Die Adresse des Lokalkomitees lautet: Franz Klüß, Magdeburg, Große Münzstraße 3. Die Mandatsformulare werden vom IS. August ab durch das Partcibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, versandt. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand. Neuer SteuerfcHwindd des Zentrums. Im Juni d. I. nahmen wir uns eine vom Zentrum der- breitete Broschüre über die neuen Steuern vor und zeigten, wie gemeingefährlich darin die Oeffentlichkeit belogen wird. Es versteht sich, daß wir nicht sämtliche auf 67 Druck- feiten aufgetischten Lügen beleuchten konnten. Denn be- kanntlich versteht ein Jesuit in drei Zeilen mehr zu- sammenzulügen, als ein ehrlicher Mann auf drei Seiten wieder klarstellen kann. Nur ein einziges Beispiel haben wir herausgegriffen. Die Broschüre hatte es nämlich fertig gebracht herauszu„rechnen", daß die armen Leute in Deutsch- land eigentlich nur ganz minimal zu den Steuerlasten bei- tragen, so daß die Besitzenden und Reichen in ihrer großen Herzensgüte fast alles allein bezahlen, was in Reich, Einzel- staatc-n und Gemeinden aufgebracht werden muß. Natürlich haben wir nicht einen Augenblick angenommen, daß die arnien Leute— auch soweit sie Anhänger des Zentrums sind— das glauben würden. Denn sie fühlen zu sehr die Last, die sie drückt. Aber wir wollten unseren Agitatoren das zahlenmäßige Material in die Hand geben, um jenen be- törten Zentrumsanhängern die Augen darüber zu öffnen, in wie unverschämter Weise ihre Parteibonzen sie hinters Licht führen. Selbstverständlich wird jeder arme Bauer oder Ar- beitcr, der bisher Zentrumsmänncr gewählt hat, den Kopf schütteln, wenn er hört oder liest, daß all' die schweren Lasten, die ihm das Leben verbittern, eigentlich gar nicht vor- handen sind. Aber gegenüber der Sicherheit, mit der ihm der Schwindel vorgetragen wird, ist er verblüfft und nicht in der Lage, sich die Sache sofort in der richtigen Weise klarzu- legen. Da sollten unsere Agitatoren eingreifen, ihm die richtigen Zahlen liefern und ihm so beweisen, daß das, was seine tägliche Erfahrung am eigenen Leibe und sein Gefühl ihm sagt, das Richtige ist und nicht die kecken Behauptungen der Zentrumsdemagogen. Die Artikel sind denn auch weit im Reiche verbreitet worden und scheinen gewirkt zu haben. Denn jetzt ist das Zentrum nüt einer„Erwiderung" auf dem Plan erschienen. Was aber zuni Vorschein kommt, ist nach dem Rezept gearbeitet, die Aufmerksamkeit von allen wichtigen Punkten ab auf Neben- dinge zu lenken und diese Nebendinge in ein neues Lügen- geivebe zu füllen. Von unseren Zahlen und B e r e ch- n u n g e n erfährt der Leser kein Wort. Natürlich nicht. Denn die waren alle so klar, daß jeder sie nachrechnen und sich von ihrer Nichtigkeit selbst überzeugen konnte. Statt dessen wird ein großes Wesen gemacht z. B. von den Matri kularbeiträgen. Diese— in Belauf von 25 Millionen Mark — hatte die Zcntrumsbroschüre ganz und gar den Be sitzenden zugeschrieben. Wir hatten darauf gefragt: „Weshalb sollen die 25 Millionen Matrikularbeiträge ganz au Rechnung der Besitzenden kommen? Das sind die Zahlungen der Einzelstaalen an das Reich, und weil die Einzelstaaten einen großen Teil ihrer Einnahmen— bei weitem nicht alle!— aus direkten Steuern ziehen, deshalb sollen die Besitzlosen davon nicht getroffen werden I Die Broschüre tut nämlich überhaupt so als wenn zu den direkten Steuern die Armen nichts beitragen Wie falsch diese Behauptung ist, werden wir noch zeigen." Hierauf antwortet der wackere Zentrumsmann, der die Entgegnung verbrochen hat: „Von den Matrikularbeiträge» wird nun im„Vorwärts" be- hauptet, daß die Armen einen wesentlichen Teil davon mittrüge» da ja die Einzelstaaten ihre Einnahmen durchaus nicht aus lauter indirekten Stenern bezögen, sondern auch eine Reihe von Ver- brauchSabgaben besäßen. An Verbrauchsabgaben bestehen aber laut der amtlichen Statistik nach Abschaffung der Schlachtsteuer nur 8,3 Millionen Mark, eine Sumnie, welche bei den vielen hundert Millionen von Steuern, die in Reich, Staat und Gemeinde erhoben werden, kaum ins Gewicht fällt. Also mit dem ersten Argument des„Vorwärts" hat es nicht viel auf sich." Hier haben wir gleich ein Schulbeispiel für die Art, wie es im Zentrum gemacht wird. Es gehört viel Uebung dazu in so wenig Sätze so viele Irreführung hineinzubringen. E r st e n s sind die Matrikularbeiträge innerhalb der Steuern von 1969 eine unbedeutende Nebenfrage, von uns auch nur nebenbei erwähnt, während hier so getan wird, als ob dies für uns ein erstes und wichtiges Argument gewesen sei. Zweitens haben wir nicht behauptet, daß die Armen „einen wesentlichen Teil davon mittrügen"; im Gegenteil, in unserer Schlußrechnung haben wir 15 Millionen' davon auf das Konto der Besitzenden(mit über 3000 Mark Einkommen) geschrieben, 10 Millionen auf das Konto der Einkommenklasse von 1500—3000 M.. und auf das Konto der ganz Armen— gar nichts! Das erfährt der Zentrnmsleser nicht. Drittens haben wir von Verbrauchs abgaben an dieser Stelle kein Sterbenswörtlein geredet, wie obiges Zitat zeigt. Viertens haben wir statt dessen gesagt: Auch zu den direkten Steuern müssen die Armen zahlen. Und diese Frage der direkten Steuern haben wir an einer späteren Stelle unseres Artikels ausführlicher behandelt und die Tatsache angeführt, daß in Preußen die direkte Steuer schon bei 900 M. Jahreseinkommen anfängt, in Sachsen bei noch geringerem Einkommen. Woraus folgt, daß selbst dann die Armen etwas zu den Matrikularbeiträgen leisten müssen, wenn diese wirklich nur aus direkten Steuern genommen wären. Genau den gleichen Trick setzt der gute Zentrumsmann dann fort in Sachen der Beleuchtungssteuer. Auch diese hatten wir ganz nebenbei erwähnt, und zwar mit fol gendcn Worten: „Vollends aber die BeleuchtungSmittel. ,29 Millionen auf Gaslicht und elektrisches Licht, die das arbeitende Volk gar nicht treffen", heißt es auf Seite 44. DaS ist doch einfach unerhört Wir wollen schon gar nicht davon reden, daß heute selbst in vielen ganz kleinen Orten elektrische Beleuchtung in allen Kramläden und dergleichen anzutreffen ist. Aber wie steht es mit der Be lcuchtung in Fabriken, Werkstätten usw.? Die gehört doch zu den Geschäftsunkosten, wird mithin auf die Preise der Waren ge- geschlagen und von den Konsumenten, also auch vom arbeitenden Volk bezahlt." Darauf erwidert der Zentrumsmann: „Nehmen wir einen mittleren Textilbetrieb an mit einem JahreSumschlag von etwa 1 Million Mark. Durch die Beleuchtungs« steuer soll er mit 199 bis 299 M. jährlich getroffen werden. Ist es dann überhaupt möglich, die Steuer abzuwälzen? Antwort: nein; denn auf 1 M. Ilmsatz trifft in einem solchen Falle bloß t/m oder Vw Pfennig. Wenn ein solcher Geschäftsmann für 199 Mark Ware verkauft, kann er nun 1 oder 2 Pfennig mehr fordern? Das wäre ganz absurd. Die Behauptung von der Ueberwälzung der Steuer übersieht vollkommen, daß die PreißbestimmungSgründe der einzelne Fabrikant gar nicht vollkommen in der Hand hat. Er muß sich richten nach der Konkurrenz.... Ist aber die Kon- junktur so beschaffen, daß ein Geschäftsmann die Warenpreise er- höhen kann, so wird er daS tun, gleichviel ob eine Beleuchtungs- besteuerung besteht oder nicht." So viel Arbeit wird aufgewendet um einer Sache willen, die ebenfalls in unserem Zusammenhange ganz nebensächlich ist, nur um die Aufmerksamkeit von den wichtigen Dingen ab- zulenken I Aber wenn auch nebensächlich an sich— rührend ist es doch, wie winzig hier mit einem Male die höchst gehässige und enorm hohe Leuchtmittelsteuer dargestellt wird, eine Steuer, die für jede einzelne elektrische Glühlanipe, für jeden Brenner 5 Pf. bis eine Mark und darüber beträgt, für jeden Glühstrunipf 10 Pf., für Brennstifte 60 Pf. bis eine Mark usw. usw. Ein merkwürdiges Geschäft nnißte es sein, das da bei einer Million Umsatz mit 100—200 M. pro Jahr auskäme. Ein merkwürdiger Geschäftsmann aber auch, der nicht seine Unkosten ganz genau berechnen und danach seine Preise kalkulieren wollte. Es ist natürlich ausgeschlossen, daß wir alle die anderen Verdrehungen und Irreführungen der Erwiderung ebenso aus- führlich behandeln. Da müßten wir ein dickes Buch schreiben. Wir wollen deshalb nur noch die zwei Punkte herausgreifen. die dem Verfasser die wichtigsten zu sein scheinen. Wir hatten in unserem Artikel eine Stelle auS der Lügenbroschüre mit folgenden Worten zitiert: „Nun lehrt uns die preußische Finanzstatistik, daß etwa drei Viertel der Bevölkerung mit Einkommen bis zu 1599 M. ein- schließlich veranlagt sind.... Wendet man die Verhältnisse in Preußen auf das ganze Deutsche Reich an, so würde sich bei gleichem Prokopfverbrauch ergeben, daß von der vorgenannten Summe von 225 Millionen ein Viertel auf die bemittelten Klassen. drei Viertel dagegen auf die weniger bemittelten entfielen." Hier erhebt der Erwiderer ein fürchterliches Geheul, daß wir in der Mitte drei Punkte gesetzt und das, was da steht, „unterschlagen" hätten. Das sei, so behauptet er, eine„direkte Irreführung". Die Worte nun, die dort fehlen, lauten wie folgt: „Darunter sind jedoch eine ganze Reihe, die höheren Ein- kommenklassen angehören, aber infolge des KinderprivilegS um eine oder mehrere Stufen heruntergesetzt sind. Läßt man diese unberücksichtigt und" Nun fragen wir um alles in der Welt: was ist hier „unterschlagen" und„irregeführt"? Die ganze Erörterung dreht sich um die Leute, die bis 1500 M. veranlagt sind. Wenn einer etwas mehr hat und dazu so viele Kinder, daß man ihn in der Steuer herabsetzt, dann trifft ihn die Steuer genau so schwer, wie einen, der bei wenig oder gar keinen Kindern ein etwas geringeres Einkommen hat. Außerdem aber— und das ist das beste— sagt ja die Broschüre selbst, daß sie diese Leute unberücksichtigt lassen will l Wir haben also etwas ausgelassen, was für die Sache un- wesentlich ist und überdies von der Broschüre selbst ausdrück- lich außer acht gelassen wird. Und darum nun dies Geschrei l Das geschieht natürlich nur, um das Vertrauen in unsere Glaubwürdigkeit zu erschüttern und den armen Leser hinters Licht zu führen. Weiter hatten«vir die Spiegelfechterei aufgedeckt, die darin liegt, daß die Broschüre als unbemittelt nur die Personen mit Einkommen bis zu 1500 M. rechnet und die armen Schlucker mit 1500—3000 M. ohne weiteres zu den„Bemittelten" zählt. Hierzu fragt die Ertviderung: „Weiß der Kritiker denn nicht, daß Akademiker, die ein Studium von mindestens dreizehn Jahren und manchmal noch einige Jahre Praxis hinter sich haben, in den ersten Jahren vielfach sich mit 1299 bis 1599 M. begnügen müssen, daß mancher Jurist schon sein 39. Lebensjahr überschritten hat, ohne 3999 M. Gehalt zu beziehen? Ganz zu schweigen von den zahlreichen Chemikern, Techiiikern und sonstigen Privatangestellten, die froh wären, wenn sie 3999 M. Gehalt hätten. Oder glaubt er vielleicht, daß die Bauern in ihrer größeren Mehrzahl 3999 M. Einkommen oder gar darüber hätten?" Ja, warum sollen wir das alles nicht wissen? Das wissen wir recht gut. Aber wird denn nun dadurch das geringste an der Tatsache geändert, daß jeder, dessen Jahreseinkommen nicht einmal 3000 M. erreicht, bei den heutigen Preisen aller Verbrauchsgcgenstände arm ist? Wenn ein Jurist, ein Chemiker, ein Techniker oder ein Bauer mit seiner Familie nur eben gerade von der Hand in den Mund leben kann, so gehört er zu den Unbemittelten, und es ist eine Verdrehung, die von ihm bezahlten Steuern zu dem zu rechnen, was die Bemittelten, die Besitzenden zahlen. Also es bleibt schon dgbei: wenn die von uns gelieferte Berechnung niit niöglichster Sorgfalt unter den Arbeitern und sonstigen armen Leuten in Stadt und Land verbreitet wird, dann soll uns doch wundern, ob die sich vom Zentrum werden einreden lassen, daß sie eigentlich fast gar keine Steuern bezahlen. Im Gegenteil, dann werden ihnen die Augen darüber aufgehen, weshalb denn eigentlich das Zentrum so krampfhaft bemüht ist, ihnen die furchtbaren asten, die sie tragen müssen, wcgzuschwindeln. Und dann »verden sie den Grund bald finden: weil das Zentrum es ist, das ihnen im Verein mit den Konservativen diese Lasten auf- gehalst hat._ Vorbereitungen zu den Suhlen für die vierte Duma. Die Duma hat in den letzten Monaten der kürzlich abgeschlossenen Session den merkwürdigen Beweis erbracht, daß sie für den russischen Absolutismus ein lvillkommenes Werkzeug ist, um nicht nur die asiatischen Zustände in Rußland mit einem konstitutionellen Mäntelchen zu verhüllen, sondern auch die aggressiven Pläne der echt- russischen Beutepolitikerzuunterstütze». Die Duma, die sich während ihrer fast dreffähngen Existenz nur damit beschäftigte, als Schirmwand für die Bureaukratie zu dienen und ihr weitere Existenzmöglichkeit zu der- schaffen, sonst aber eine vollkommene gesetzgeberische Impotenz an den Tag legte, schwang sich in den letzten Monaten der verflossenen Session zu einigen energischen- Vorstöben gegen die„Fremdvölker" auf. die eine neue Ncra des rein„zoologischen" Nationalismus ein- leiteten. Jetzt, nachdem die Duma durch die Vernichtung der finnischen Freiheit ihre„Regierungsfähigkeit" dokumentiert hat, ist die herrschende Dumapartei von der weiteren Existenz der Duma überzeugt. Es wäre aber auch sonst kaum anzunehmen, daß die Regierung der dritten Duma den letzten Fußtritt versetzen würde, denn wie die dritte Duma nur aus Staatsstreichs- und Regierungs- gnaden existiert, so bedarf die Negierung Stolhpin der sogenannten Volksvertretung zu weiteren erpresserischen Manipulationen. Indessen wäre eS falsch anzunehmen, daß die Regierung auf ihren Lorbeeren ausruht und keine entsprechenden Maßnahmen für die vierte Duma trifft. Es war höchst charakteristisch bei der Beratung der Finnlandvorlage, daß der Duma das Recht entzogen wurde, die „allgemein staatlichen" Allgelegenheiten Rußlands und Finnlands fest- zulegen, denn, so führten die Vertreter der Regierungsparteien aus, die nächste Duma könnte liberaler sein und die Früchte des jetzigen Vorgehens gegen Finnland beeinträchtigen. Auch die einzelnen Par- teicii beginnen schon ihre Borkehrungen für die Wahlen zu treffen. So hat schon der„Verband des Erzengels Michael", der unter der Leitung Purischkeivilschs steht, ein Rundschreiben an die Provinz- filialen erlassen, in welchem anbefohlen wurde, sich für die Wahlen für die vierte Duma zu rüsten. In der großkapitalistischen Presse wird dafür Stimmung gemacht, daß die Fabrikanten bei den Wahlen selbständig vorgingen, um die Junker zurückzudrängen und die Interessen der Industrie in der Duma mehr zur Geltung zu bringen. Die liberale Presse ergeht sich gleichzeitig in tief- sinnigen Betrachtungen über die Wahlaussichten der Kadettenpartei und mißt, bezeichnenderweise, den Streitigkeiten zwischen den Nationalisten und Oktobristen, wie dem Zerfall der Oktobristen- Partei eine größere Bedeutung bei, als den Losungen ihrer eigenen Partei. Die russische Arbeiterklasse hat alle Veranlassung, den nächsten Dumawahlen schon jetzt die größte Aufmerksamkeit zu schenken. Man kann— so schreibt das Moskauer Gcwerkschaftsorgan„Nascb Putj"(Unser Weg)— die Vorzüge unserer einzelnen Duma- abgeordneten verschieden einschätzen, aber im großen und ganzen erkennen wir alle an, daß die Arbeiterfraktion in der Reichsduma die auf sie gelegten Hoffnungen gerechtfertigt hat. indem sie die Interessen der Volksmassen und speziell der Arbeiter mutig ver- teidigte. Durch die Festigkeit ihrer Ueberzeugungen und die liebung, die sie im Laufe der Dumatätigkeit gewann, festigte sie das Ver- trauen, das ihr entgegengebracht wird. Es wäre wünschenswert, dieselbe Fraktion auch in der vierten Duma wiederzusehen, indessen wird kein einziges Mitglied der Arbeiterfraktion während der Wahlen zur vierten Duma das Wahl- recht besitzen." Hier stoßen wir auf eine„nationale" Eigentümlichkeit der russischen Verfassung, die in der parlamentarischeir Geschichte einzig dasteht. Die sozialdemokratischen Abgeordneten, die zum Teil als Vertreter der Arbeiterkurien der sieben größten Städte, zum Teil als Abgeordnete der Gouvernements- Wahlmännerversammlungen in die Duma einzogen, besitzen nun weder hier noch dort das passive Wahlrecht. In der»Arbeiterkurie dürfe» sie ihre Kandidatur nicht mehr aufstellen, da nur der Arbeiter, der sechs Monate fortlaufend auf der Fabrik gearbeitet hat, das Wahl- recht besitzt. Und auch in der allgemeinen Wählerkurie kommen sie nicht in Betracht, da man hierzu mindestens ein Jahr an dem betreffenden Orte Inhaber einer eigenen Wohnung sein muß(als Jmmobilienbesitzer in Stadt und Land, die das Wahlrecht stets be- sitzen, kommen die Sozialdemokraten natürlich nicht in Betracht). Erst jetzt tritt die ganze Infamie des Stolypinschen Wahlgesetzes hervor, denn nicht genug, daß es die Arbeiterklasse des größten Teils seines Wahlrechts beraubt und den tüchtigsten Parteigenossen den Weg zur Volksvertretung durch administrative und gerichtliche Ver- folgungen versperrt hat,— es beraubt auch die Arbeiterklasse ihrer Vertreter, die sich bei der Tätigkeit in der Duma in fortgesetztem Kampf gegen die bürgerlich-jnnkerliche Majorität eine reiche parla- mentarische Erfahrung erworben haben. In Anbetracht der Tücken und Schliche des Stolypinschen Wahl- gesetzes und noch mehr wegen der sicherlich zu erwartenden„Senats- erläuterungen" wird der Wahlkampf der Sozialdemokratie ungeheuer erschwert sein, llmsomehr ist es schon jetzt Pflicht der legalen und illegalen Arbeiterorganisationen wie der einzelnen Parteigenoffen, an die Wahlvorbereitungen zu schreiten, und das umsomehr, als diese Ausgabe als vorzügliches Mittel dienen kann, den Wiederaufbau der Partei zu beschleunigen. politische Uchcrücht. Berlin, den 9. August 1910, Biilowsche Prestmnche. Die„Rhein.-Wcstfäl. Ztg." liebt es. den Fürsten Bülow gelegentlich zu kitzeln und aus seiner Amtspraxis allerlei kleine Episoden zu erzählen, die den weltniännischen Tänzer auf der mittleren Linie als eitlen Faiseur erscheinen lassen. Heute beschäftigt sie sich mit Vülow und seiner Presse, ein Thema, zu dem sie sich von einer„bekannten politischen Persönlichkeit" folgende Reminiszenzen schreiben läßt: „Auch Fürst Bismarck hat, um seine Zwecke zu fördern, das Instrument der öffentlichen Meinung sehr geschickt zu handhaben gewußt. Der Unterschied ist aber der gewesen, daß eS dem Fürsten Bülow in allererster Linie immer darum zu tun gewesen ist, seine Person in den Vordergrund zu schieben und sich von der Presse feiern zu lassen. Man frage irgend einen höheren Beamten, der in der Lage gewesen ist, die Preßtätigkeit des einstigen Kanzlers aus der Nähe zu beobachten. Sie sind in diesem Punkte ganz einstimmig, und die lustigen Geschichten, die auf diesem Gebiete zirkulieren, werden voraussichtlich einmal der weiteren Welt nicht verborgen bleiben. Sie werden auch später noch viel Heiterkeit erregen. Die Neigung des Fürsten Bülow. gedrucktes Lob zu lesen, beherrschte ihn dermaßen, daß ihm darüber der politische Zweck häufig verloren ging. Und dabei kam eS ihm gar nicht einmal darauf an, von wem dieses Lob ausging. Es ist eine Tatsache, daß er sich die größte Mühe gab. einen sehr bekannten deutschen Journalisten zu gewinuen, obwohl doch gerade dieser ihn wohl am schlechteste,!, und seine Person mit beißender Satire behandelt hat. Durch Mittelspersonen hat er jahrelang gesucht. Anschluß an seine viel gelesene Wochenschrift zu erhalten. Den Korrespondenten auswärtiger Blätter � ging er persönlich mit der ganzen Liebenswürdigkeit, über die er verfügte, um den Bart. Er machte ihnen geradezu d e n H o f. Er ergriff die Initiative, um sie kennen zu lernen und behandelte sie mit größerer Auszeichnung als die vor- nehmsten Botschafter des Reichs. Wenn dann im„Figaro" oder im„Temps" ein lobender Artikel erschien, war die Ge- nugtuung im Palais auf der Wilhelm st ratze groß. Wir konnten einen hohen und höchsten Beamten des Reiches mit Namen bezeichnen, der eS aufgab, in dem Palais wieder zu erscheinen, weil er länger antichambrieren mutzte, als ein ziemlich unbekannter aus- wärtiger Zeitungsvertreter." Uebertrieben sind übrigens diese Erzählungen nicht. Keiner hat die liberale Presse skrupelloser zur Befriedigung seiner kleinen Eitelkeit benutzt und keiner hat sie in gleichem Matze korrumpiert, als der„liberale" vierte Reichskanzler. Immer bedächtig! Herr Sydow, der frühere Reichsschatzsckretär und jetzige Handels- minister, ist eifrig bemüht, sich das Lob der Großindustriellen zu erwerben. Er hat folgenden schönen Erlaß an die Fabrikinspektorcn gerichtet: „Die Jahresberichte haben sich, ihrer gesetzlichen Bestimmung gemäß, auf die Milteilung von Totsachen und Wahrnehmungen zu beschränken, theoretische Erörterungen, insbesondere Abschweifungen auf das Gebiet der Ausgestaltung und Ab- änderung bestehender Gesetze, Verordnungen usw., gehöre nicht in diese Berichte. Nur solche Tatsachen sind mitzuteilen, die auf zuverlässige Ermittelungen beruhen i Angaben dritter Personen oder gar Gerüchte, deren Nichtigkeit sich nicht zweifellos so fest- stellen lassen, sind entweder überhaupt nicht zu berück- sichtigen oder, wenn ihre Erwähnung aus besonderen Gründen geboten erscheint, nur unter Mitteilung der von dem Aufsichts- beamten unternommenen Versuche zu ihrer Klarstellung und unter ausdrücklicher Betonung ihrer Unkontrollierbarkeit wieder- zugeven. ES ist zur Vermeidung jeder überflüssigen und lästigen Ausdehnung strengstens darauf zu achten, daß der Bericht nur über diejenigen Punkte sich verbreitet, hinsichtlich deren in, Berichts- jähr Wahrnehmungen gemacht worden sind, die wesentlich genug erscheinen, um zur Kenntnis des Bundesrates und des Reichstags gebracht zu werden." Die„theoretischen Erörterungen" und„Abschweifungen" der Fabrikiuspektoren sind den Scharfmachern stets unangenehm gewesen, so schüchtern auch die meisten Beamten sich geäußert haben. Künftig dürfen sie zwar noch mitteilen, daß da oder dort ein Unternehmer eine Kaffeeküche eingerichtet hat, aber Vorschläge zur Beseitigung von Mißständen müssen sie unterlassen. Nach Schablone Zu dem Artikel„Nach Schablone(Nr. 183 des„Vorwärts") schreibt man uns: Das lleberfahren von Signalen auf bloße Unvorsichtigkeit oder Fahrlässigkeit der Lokomotivführer zurückführen zu wollen, wie eS ja auch in gefälligen Zeitungen so bereitwillig berichtet wird, gehört zu den Gepflogenheiten der Personen, die die Aufgabe haben, die Ver- antwortung der Eisenbahndirektionen für den Be- triebSdienst möglichst bequem auf die Betriebsbeamten und Unter- beamten abzuwälzen. Von der erschöpfenden Ueberanstrengung und Uebernnidung gerade der Lokomotivführer kann sich der Fernstehende keinen Begriff machen. Wer darüber die Wahrheit erfahren will, der braucht bloß Gelegenheit zu suchen, die Aerzte zu hören, die kranke Lokomotiv- führer behandeln. Sie werden bezeugen, daß unser gesamtes Loko- motivpersonal übermäßig abgemartert und geplagt wird. Auch die scheinheilige Aeußerung, die öfters nach Unfällen in solchem amtlichen Bericht zu lesen ist:„Der fahrlässige Beamte war erst zwei Stunden in Dienst" oder:„Der Beamte hatte erst kurz vorher seinen Dienst angetreten"— ist weiter nichts als eine Ver- s ch l e i e r u n g des wahren Sachverhalts. Man erfährt nämlich nicht, wieviel„R u h e" der Beamte vor Antritt des Dienstes gehabt hat, ob er, der Uebermüdete, nicht wegen plötzlicher Erkrankung eines Kol- legen in der Nacht nach wenigen Stunden Schlaf sofort zum Dienst gepreßt wurde und nun trotz eigener Erschöpfung wieder auf- reibenden Dienst tun muß, den er dann allerdings mit aufgerissenen und immer wieder zufallenden Augen versieht, indem er mechanisch ohne wirkliche Arbeitsfähigkeit seine Tätigkeit leistet und dabei natürlich die unbegreiflichsten Versehen macht, die ihm bei klarer Besinnung und Körperfrische nie passieren würde». Also es bleibt dabei: Für SS Proz. aller Unfälle sind die Eiseubahnbetriebsämter, die Eisenbahudirektionen und die Eisen« bahnminister die Schuldigen. Eingesteckt werden Lokomotivführer, Weichen st eller, Bahnwärter. Denn eS ist das bequemste und leichteste, auf Grund der Hunderte von Paragraphen in den zahlreichen gedruckten Vor« schriften- Heften die Aermsten dem Staatsanwalt zu überliefern. Das nennt man dann:„Die Untersuchung ist in vollem Gange!" — Der Staatsanwalt findet spielend die Paragraphen heran», gegen die der Beamte gefehlt hat. Bequem ist diese Methode besonders deshalb, weil ja die gütige Eisenbahndirektion die Behörde ist, die vor Gericht zugleich als Sachverständiger fungiert. Nie würde ein Staatsanwalt wagen, nach der Schuld der Direktion zu fragen. Sie ist bei uns Ankläger und Richter zu- gleich!-- Mögen die Verteidiger dcffen eingedenk sein, die berufen ind, die unglücklichen Opfer unserer Eisenbahn-Spar- und Knauserei- Wirtschaft zu vertreten._ Auch-Arbeiter. In A l l e n st e i n tagte am Sonntag der ostpreußische Verband evangelischer Arbeiter- und Volksvereine. Nach einem Bericht der „Kreuz-Zeitung" haben auf diesem Arbeitertag gesprochen: Super- i n t e n d e n t Graf. Superintendent Hassenstcin, Bürger- m e i st e r Dr. Zülch und einige andere Größen. Die Herren ühlen sich offenbar auch als— Arbeiter! Von dem Wirken dieser Vereine unter ihrer seelenhirtlichen Leitung bekommt man einen Begriff, wenn man sich die Abrechnung anschaut. 36 Vereine mit 4600 Mitgliedern hatten eine Gesamteinnahme im Jahre von 2001 M., das sind pro Mitglied und Woche noch nicht einmal ein ganzer Pfennig. Seltsame Auslegung des Reichsvereinsgesetzes. Das Stiftungsfest eines sozialdemokratischen Vereins ist als politische Versammlung zu betrachten: so hat das B r e S l a u e r Schöffengericht gegen den Einspruch eines dem Genoffen Neukirch als Vorsitzenden des sozialdemokratischen Vereins Breslau zu- gegangene» Strafbefcbls'entschiedcn. Am Stiftungsfest wurde nämlich eine Festrede gehalten, die einen Rückblick auf das Mjährige Bestehen des Vereins zum Inhalt hatte. Diese Festrede soll politischen Inhalts ae- Wesen sein. Der Eintvand des Genossen Neukirch, daß nur Mitglieder des Vereins Zutritt hatten, und daß es sich um eine geschlossene Gesellschaft gehandelt habe, wurde als nicht berechtigt anerkannt, weil die über 7000 Köpfe zählende sozialdemokratische Partei in Breslau ein viel zu lose zusainmengefügieö Gesellschaftsgebilde fei, um als geschlossene Gesellschaft im Sinne des Gesetzes gelten zu können. Der Strasbefehl wurde also bestätigt. Bisher haben wir noch nicht gehört, daß Stiftungsfeste Hurra- patriotischer Vereine mit noch mehr Mitgliedern als anmeldepflichtige politische Versammlung angesehen wurden. Die Wirkung der Getreidezölle. Professor� Lujo Brentano hat soeben in der Cottaschen Buch- Handlung eine Denkschrift:„DiedeutschenGetreidezölle" erscheinen lassen, in der er an verschiedenen Beispielen nachweist, wie die Zollerhöhungen die Lebensmittel verteuert haben. So heitzt eS!L der Schrift:. „Cr tili: aus sechs Personen bestehende Familie kamt für 2f M. in Gelderland(einer der östlichen Provinzen Hollands) ebenso- viel kaufen wie im Ruhrdistrikte Deutschlands für 28 M. Die Löhne sind höher in Deutschland; ein Spinner verdient z. B. in' Enschede lö— 16, in Gronau 15— 17 Gulden wöchentlich; ein Tag- löhner 7,5 gegen 0 in Gronau, ein Weber 10 gegen 11 in Gronau. Aber infolge der höheren Kosten des Lebensunterhaltes g e h t d e r deutsche Arbeiter aller Borteile seines höhe- ren Lohnes verlustig. Durch die höheren Kosten des Lebensunterhaltes sahen sich die holländischen Staatsbahnen im Jahre 1836 genötigt, ihren Angestellten in Emmerik(Deutsch- land) eine Extravergütung im Betrage von 10 Proz. ihrer Ge- hälter, mindestens aber 50 Gulden, zu gewähren, und diese Mini- malgchaltsznlage wurde seit dem Jahre 1907 auf 100 Gulden er- höht. Etwa 600—700 Arbeiter begeben sich jeden Tag von En- schcdc(Holland) nach Gronau(Deutschland) und kehren abends nach Hause zurück, weil es sich in ihrem Lande so be- deutend billiger leben läßt. Ein ganzes Dorf von 4000 Einwohnern ist in Glanerburg(Holland) nahe der deutschen Grenze aufgewachsen; die deutschen Fabrikanten errichten auf holländischem Grund und Boden Häuser für ganze Arbeiterkolonien, weil ihre Arbeiter in einem fremden Lande billiger und besser leben können."_ Total verkommen. Während die ganze Welt mit Spannung wartet, ob die Hoff- nuugen sich erfüllen werden, die man an das neue Heilmittel des Professors Ehrlich gegen die Syphilis knüpft, hat ein Zentrums- blatt es fertig bekommen, auch bei dieser Gelegenheit die Fäulnis seines sittlichen Gefühls an den Tag zu legen. Das in Danzig erscheinende„West preußische Volksblatt" schimpft darüber, daß die sozialdemokratische Presse manchem verbrecherischen Pfaffen die Maske vom Gesicht gerissen hat, und schreibt in diesem Zusammen- hang in seiner Nr. 168 vom 26. Juli d. I.: „Wollten die Herren wirklich sittliche Mißstände ausfegen, so könnte man sie höflichst einladen, zunächst gefälligst vor der eigenen Tür zu kehren; da gäbe eS sittlichen Schmutz genug zu bekämpfen. Keine Presse hat sich mit solch liebe- voller Sorgfalt um Professor Ehrlichs neues Syphilis mittel angenommen wie die sozial» demokratische." Also die Freude darüber, daß Aussicht besteht, eine der furcht» barsten Seuchen mit Erfolg zu bekämpfen, eine Seuche, die noch dazu häufig unschuldige Frauen und Säuglinge trifft, wenn ihnen das Unglück einen Shphilislranken zum Galten oder Vater beschert bat— diese Freude ivird hier als„sittlicher Schmutz" beschimpft. Es gibt doch kaum irgendwo sonst so viel innere Verknmpung wie bei den Leuten, deren Mund überfließt von der Religion der Liebe. Die heilige Disziplin. Wegen Ungehorsams, verübt anläßlich der Stellung, zu einer UeLuiig, beantragte der Vertreter der Anklage vor dem Kriegsgericht in Düsseldorf gegen den Arbeiter H e i m a n n zwei Monate Gefängnis. Der Mann hatte in der Trunkenheit dumme Antworten gegeben. Zur Begründung des hohen Strafmaßes hob der Ver- tretcr der Anklage hervor: Gegen solche Ungehörigkeiten müffe energisch vorgegangen werden. Es sei bedauerlicherweise ein erhebliches Schwinden des militärischen Geistes im Industriegebiet festzustellen, was in einer gewiffen Aufsässigkeit gegen die militärische Disziplin zum Ausdruck komnie, sowohl bei den Rekruten, wie auch bei den zur Reserve und Landwehr entlassenen Mannschaften. Besonders im Westen sei beob- achtet worden, daß die gedienten Leute bei geeigneten Anlässen sich nicht so verhalten, wie die Disziplin es erfordere. Die Armee aber müsse schlagfertig erhalten werden und dazu gehöre, daß di» ge» dienten(inaktiven) Mannschaften sich der Disziplin unterordnen. Das Kriegsgericht hatte Verständnis für diese Disziplinsorgen. es ging noch über den Antrag hinaus und erkannte auf drei Monate Gefängnis._ Spanien. Die klerikale Agitation. San Sebastian, 8. August. Die Junten von Navarra, BiScaya, Alava und Euipuzcoa haben beschlossen, die Propaganda in ganz Spanien fortzusetzen und Junten für die Verteidigung des Katholizismus zu bilden. ES wurde ein Generalrat ernannt, um eine großartige Kundgebung gegen die Negierung zu organisieren. Die Senatoren und Deputierten der vier Provinzen beschlossen die Freilassung der noch Verhafteten zu verlangen. Die Ruhe dauert an. In San Sebastian. San Sebastian, 3. August. Die Truppen bleiben vis auf weiteren Befehl hier. Die Abteilungen, welche nach verschiedenen Orten in der Umgegend entsandt worden waren, sind hierher zurück- gekehrt. Von den in der Nacht zum Sonntag verhafteten Personen sind 55 in Freiheit gesetzt worden; in Haft verbleiben noch 77. Weitere Haftentlassungen folgen allmählich. perNen. Zur Berhaftmig Sattar KhanS. Ew persischer Revolutionär schreibt uns: Datz der Held der persischen Revolution. der berühmte Sattar Khan, der mit so grotzer Energie und Ausdauer für ein parlamentarisches Regime gekämpft hatte. gegen die konstitutionelle Regierung die Waffen erhoben und erst nach tagelangem Kampfe überwunden werden konnte, mutz wohl allgemein Verwunderung erregen. Doch wird man solche Vorgänge eher verstehen. wenn man weitz. datz in Persien fast bei allen' Staatsmännern und Volksführeru das persön- liche Interesse leider eine grotze Rolle spielt. Der frühere Räuberhauptmann Sattar Khan gewann seine Popularität durch seine Kühnheit und Tapferkeit bei den Kämpfen in und um Täbris. Von Führung und Organisation hatte er allerdings kaum eine Ahnung, aber unter richtiger Oberleitung, war er als Kämpfer unersetzlich. Den bedeutenden Einfluß aber, den er durch seine Popularität gewann, nutzte er zu seinem persönlichen Vorteil aus. Durch Raub und Bestechung, durch sogenannte Geschenke und Strafgelder hat er schon während der Revolutton in Täbris ein Vermögen gesammelt, sich schöne Häuser bauen lassen und wunderbare Gärten angelegt. Nach der Revolutton hatte er seine Nolle eigentlich ausgespielt. Zum Staatsmann taugte dieser Mann, der kaum schrewen und lesen kann, sicherlich nicht. Durch seine ständige Elnnnschung in die neue Regierung, richtete er nur Schaden an. Er wurde für Täbris ein grotzer Schrecken, und es hat der Regierung sehr viel Mühe gekostet, ihn aus Täbris zu entsemen. In Teheran wurde er vom Polle begeistert empfangen. Er hielt sich eine Zeitlang ruhig, Als aber die allgemeine Entwaffnung angeordnet wurde, die das Land gegen die reaktionären Elemente und die Mollhas schützen sollte, weigerte sich Sattar Khan, die Waffen niederzulegen, da ja die Waffen- ablieferung seiner persönlichen Machtstellung ein Ende machen mutzte. So führte er seine Anhänger in den Stt'atzenkampf. der mit seiner Verhaftung endete, die längst eine unerläßliche Notwendigkeit geworden war. gerade im Interesse der konstitutionellen Entwickelung. für die Sattar Khan einst so hervor- ragend gekämpft hatte. Japan. • Die Sozialistenhe�e. Endlich kommt Licht in die Angelegenheit der anarchistischen Attentate in Japan, von denen kürzlich in der Presse gerüchtweise gemeldet wurde und über die die japanische Regierung alle näheren Nachrichten unterdrückt hatte. Der japanische Genosse D. Ten Kataya ma schreibt darüber unserem Genossen Longuet in Paris einen Brief, der in der Humanite veröffentlicht ist. Der Brief lautet folgendermaßen: Tokio, 9. Juli 1919. Lieber Genosse Longuet! ..ES ist schon lange her, seit ich Sie nicht mehr getroffen habe — seit dem Amsterdamer Kongreß. Die Welt hat sich seit dieser Zeit unaufhörlich gewandelt und der wachsende Sozialismus verschafft sich überall mehr Achtung— überall, außer in Japan. Seit den 6 Jahren, in denen wir uns nicht mehr gesehen haben, hatten wir unaufhörlich eine lange Reihe von Verfolgungen und ununterbrochene Unterdrückung durchzumachen. Während des Krieges mit Rußland haben wir einen kräftigen Ausfall in der Richtung der Bewegung gegen den Krieg gemacht, aber leider ging der Sozialismus aus diesem Unternehmen fast vollständig ver- nichtet hervor. Alle unsere Organisationen wurden aufgelöst und ihre Organe unterdrückt. Indes das Ministerium, das nach dem Krieg getrachtet hatte, erlitt einen fürchterlichen Stoß durch den Frieden von Portsmouth. Seine Unpopularität wurde so groß, daß es abtreten mußte. Das neue Ministerium des Herrn S a i o n j i gehörte der liberalen Partei an, und man ließ uns die sozialistische Partei neu bilden und mehrere Zeitungen herausgeben. Wir haben uns dann eifrig wieder ans Geschäft gemacht und im Januar 1997 konnten wir ein sozialistisches Tageblatt in Tokio ins Leben rufen. Aber gerade zu dieser Zeit brach der große Bergarbeiterstreik aus, der mit den Aufständen in den beiden größten Kupferminen, Aschio und Beschi, endete. Mehrere unserer Parteigenossen wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt, während gleichzeitig die Hetze gegen die Partei sich verdoppelte, die nach sechsmonatigem gesetzlichen Bestehen wiederum aufge- löst wurde. Unglücklicherweise hatte sich die Bewegung inzwischen in zwei Fraktionen geteilt, in die Anhänger der„direkten Aktion" und die Marxisten, die Anhänger der Taktik des modernen Sozialismus. Die Bewegung wurde dadurch entsprechend ge- schwächt. In dieser Zeit hatten wir, trotz der Auflösung der Partei, noch das Recht, öffentliche Versammlungen abzuhalten und unsere Zeitungen herauszugeben. Der Kabinettswcchsel und der Regierungsantritt des konservativen und militaristischen Ministeriums K a t s u r a wurde das Signal zur Verschärfung der Verfolgungen gegen uns, zur Auflösung unserer Vereine. zur Unterdrückung aller unserer Zeitungen, während eine Frak- tion unserer ehemaligen Genossen, die zur Gruppe der direkten Aktion gehörten, vollständig anarchistisch wurde und so unseren Herrschenden den ersehnten Vorwand lieferte, um alle Sozia- listen als Anarchisten darzustellen und sie als solche zu behandeln. Die Verfolgungsmaßregeln gegen uns wurden nun noch ver- schärst. Man verbot nicht nur unsere Zeitungen und Versamm- lungen, sondern sogar den Verkauf von Büchern, und viele unserer Genossen brachte die Polizei um ihre Stellungen, indem sie ihre Unternehmer von ihren„umstürzlerischen" Ansichten verstän- digte. Ein Polizist folgt den Schritten jedes Parteimannes, und ein Sozialist hat überall, wohin er geht, zwei oder drei, die dicht hinter ihm her sind. Das Resultat dieser Hetze nach russischer Methode war, daß es eine Zahl der unseren zur Anwendung extremer Mittel trieb, und auf diese Weise entstand das jüngste Komplott, um die höchste Gewalt in Japan(den Mikado) durch Dynamit in die Lust zu sprengen. Im Gefolge dieser bedauerlichen Unternehmung hat man gegen 49 Anarchisten verhastet und ins Gefängnis gesteckt. Die Verfolgung verdoppelt sich, man öffnet unsere Briefe, jeder Sozialist wird als Verbrecher behandelt, und die kapitalistische Presse wählt diesen Augenblick, um n»s als solche zu denunzieren. Ich bitte Sie, werter Genosse Longuet. Ihre Stimme zu er- heben gegen�die brutale Unterdrückung, der gegenwärtig die japanischen Sozialisten ausgesetzt sind. Helfen Sie uns, bitte, in diesem harten Kampf. Wenn Sie nach Kopenhagen gehen, bitte ich Sie, alles dies dem Kongreß mitzuteilen und der ganzen Welt unseren Protest zuzurufen. Der Ihrige für die Sache des Sozialismus S. Katayama." Vier der„H a u p t r ä d e l S f ü h r e r" sind bereits zum Tode verurteilt worden. Selbst die Gerichtsverhandlung wurde streng geheim gehalten. Das internationale Proletariat wird auf dem Kopenhagener Kongreß Gelegenheit nehmen, gegen die Gewalttajen der japanischen Regierung energischen Protest einzulegen._. Soziales* HandlungS- oder Gewerbegehilfen. Die Kammer 6 des hiesigen GewerbegerichtS unter Vorsitz dcS Magistratsassessors Dr. Seckt hatte gestern zu prüfen, ob der gegen das Kafe 5lcrkau von dem dort beschäftigt gewesenen Zigarren. Verkäufer M. geltendgemachte Entschädigungsanspruch von 499 M. berechtigt sei. Der Kläger war nach zehntägiger Beschäftigung fristlos entlassen worden. Zu dem Einwände des Beklagten, es sei Kündigungsausschluß vereinbart, bemerkte er, daß diese Verein- barung nichtig sei. da für Handlungsgehilfen die KündigungSstist nicht weniger als einen Monat betragen dürfe. Das Gewerbe- gericht vertrat die Ansicht, der Klageanspruch sei unbegründet. Zwar sei die Tätigkeit des Klägers eine kaufmännrsche, denn sie sei lediglich auf den Umsatz von Waren gerichtet. Nur aus dem Um- stano, daß er diese Tätigkeit im Gastwirtsgewerbe ausübte, wo es zunächst auf die Bequemlichkeit der Gäste ankommt, sei seine Tätigkeit der eines Kellners gleichzustellen. Kellner seien aber nur als Gewcrbegehilfen anzusehen. Für Gewerbegehilfen sei die Vereinbarung einer täglichen Kündigung wirksam. Nach dieser Belehrung nahm Kläger die Klage zurück. DaS Lob der Fürsorgeerziehung. Aufgabe der offiziösen Presse ist eS. sich farbenblind zu stellen und der täglich steigenden Unzufriedenheit zum Trotz zu beweisen. daß der preußische Himmel nicht schwarz behängen ist. sondern rosenrot erstrahlt. Wo zur Erheiterung des sonst tvahrlich nicht zum Lachen gestimmten Volkes Tag für Tag für die Unübertreff- lichkeit unseres Regierungssystems Beweise geliefert»Verden, darf e« nicht im geringsten Wunder nehmen, daß die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer Nr. 181 vom S. August 1919 die für sie vorhandene Oeffentlichkeit auch einmal mit der Nachricht von der Vorzüglichkeit der Fürsorgeerziehung und ihren Folgen über- rascht. Beweis:„Dem allgemeinen Durchschnitt nach haben sich 74 Proz. der männlichen und 73 Proz. der weiblichen Zöglinge ge- nügend, beziehungsweise(!) gut geführt." Von den in der Für- sorgeerzichung arbeitenden Männern und Frauen sei dem Be- dauern Ausdruck gegeben, daß Einzelfälle, wie der des Scheck- räubers Conrad, ohne Grund verallgemeinert»verden. Das ist alles. Wo nun etliche verbrecherische Taten einzelner Fürsorgezög- linge„verallgemeinert" worden sind, wissen wir zwar nicht; aber darauf kommt es auch nicht im geringsten an. Wohl aber schreit «im. Sünde laut zum Himmel, von der das offiziöse Blatt in seiner selbstgenugsamen Betrachtung auch nicht ein Sterbenswört- chen vermelden darf. Die Sünde der unerhörten Mißhandlungen nämlich, die etwelche m der Fürsorgeerziehung arbeitende Männer und Frauen an zenen verübt haben, von denen es in der Bibel heißt:„WaS ihr diesen der geringsten einen getan habt, da» habt ihr mir getan." Das hervorzuheben gebietet die Mcnschenpflicht schon in Rücksicht darauf, daß der Polizeiminister von Rhcinbabcn in der zur Empfehlung des Gesetzes vom Stapel gelassenen Herren- hausrede vom 11. Lvwgr 1Ö00 nicht mit dein Hinweis dgrguf l sparte, daß„die Vorlage im Interesse der Religion und Sittlich- keit liege, Dinge, für die das hohe Haus immer besonderes Ver- ständnis an den Tag gelegt hat." Sowohl der preußischen Regierung, die sich von der„Norddeut- schen Allgemeinen Zeitung" tolpatschig genug über den grünen Klee loben läßt, als auch der Bevölkerung, die unter frommer Ver- schandelung des deutschen Namens moralisch zu leiden hat, mögen daher etliche Großtaten, die unter dem Gesetze vom 2. Juli 1909 möglich waren, ins Gedächtnis gerufen werden. Um die Liste nicht zu lang werden zu lassen, können wir uns nur an die verhältnismäßia kurze Zeit zurückliegenden Fälle halten, aber auch diese bieten der Schande genug. iBeginncn wir mit dem Jahre 1997, so kommt folgendes zutage: Am 20. August 1997 verurteilt das Schöffengericht zu Güttingen die Ehefrau des WaiscnhausvaterS Bosse»vcgen fahrlässiger Körper- Verletzung zu 49 M. Geldstrafe, weil sie die elfjährige Halbwaise brutal mißhandelt hat. Ein Lehrer bekundet bei dieser Gelegen- hcit, daß das Kind zwar lügenhast gewesen sei, sich jedoch gebessert habe, nachdem es aus der Anstalt entfernt worden sei. Ende August 1997 wurden in Greisswald acht Insassinnen des dortigen Mädchenheims wegen Meuterei und Sachbeschädigung zu Gefängnisstrafen von verschiedener Dauer verurteilt. Es koinmi im Anschluß an diese Angelegenheit ans Licht, daß der Leiter der Anstalt, ein Pastor Jahn, im Einverständnis mit dein Landeshauptmann und dem Kuratorium Mädchen von 10 bis 21 Jahren „überlegt" und verprügelt. Die Mädchen werden ferner bestraft mit Ohrfeigen, Zellcnarrest bei Wasser und Brot, wochenlangem Entziehen des Waschwasscrs und Abschneiden der Haare. Das Töchterchen des Schmieds Preisler in Halle wird zuerst in das fromme Magdalenenstift in Wolmirstedt und dann zu dem Küfereibcsitzer Hoppe in Pahldorf in Fürsorgeerziehung gegeben. Der Sohn des Hauses prügelt das Kind und sucht es dann zu ver- führen. Als die Eltern darauf das Kind fortnehmen, iverden sie am I. Dezember vor Gericht geschleppt und der Staatsanivalt bringt es fertig, gegen Bater und Mutter je eine Woche Gefängnis zu beantragen. Das Gericht spricht die Angeklagten frei. Am 7. Januar 1998 verurteilt die Strafkammer Halle den 10jährigen Fürsorgezögling Böttcher zu 0 Monaten Gefängnis, weil er, um sich vor dem Prügeln in der Erziehungsanstalt zu retten, einen Strohdiemen in Brand gesteckt und sich dann selbst denun- ziert hat. Das Schwurgericht Halle verurteilt am selben Tage den 18jährigcn Fürsorgezögling Siebert zu 2% Jahren Gefängnis. Auch er hat, um ins Gefängnis zu kommen, wo er nicht geprügelt werde, Brandstiftung verübt. Ende Juli 1999 kommen durch sozialdemokratische Stadtver- ordnete die Greuel in der Berliner Erziehungsanstalt zu Mielczyn ans Licht. Es sind hier Stockhiebe auf die Fußsohlen verabreicht worden, ferner hat der Leiter der Anstalt, Pastor Brcithaupt, in zahlreichen Fällen Strafen bis zu 199 Peitschenhieben vollstreckt oder vollstrecken lassen. Weil er die ihm unterstellten Mädchen zum Meineide verleitet hat, verurteilte das Schwurgericht Altona am 39. Oktober 1999 den schon vorbestraften Hausvater Colander von der Erziehungsanstalt BlohmescheWildnis bei Jbchoc zu 1 Jahr 0 Monaten Gefängnis. In den verschiedenen Gerichtsverhandlungen gegen Colander kommt ans Licht, daß die Mädchen auf sein Geheiß ihren Kot mit dem Munde aufnehmen mußten und mit den raffiniertesten Foltern gepeinigt worden sind. Am 8. Dezember 1999 wird aus Barmen berichtet, daß in einer unter städtischer Verwaltung stehenden Erziehungsanstalt die Kinder mit Peitschenhieben und Kostabzug bestraft werden. Ein langjähriger Angestellter ist wegen Sittlichkcitsverbrcchcns an An- staltszöglingen mit 1 Jahr Gefängnis bestraft worden, ein anderer bereits wegen Diebstahl vorbestrafter Erziehungsgehilfe mit 3 Mo- naten Gefängnis, weil er einem Zögling das auf 199 M. lautende Sparkassenbuch gestohlen hat. Am 29. Februar 1919 berichtet„Vorwärts" über schlimme Mißhandlungen in der Handwerkerbildungsanstalt zu Ginünd im Regierungsbezirk Aachen. In der Anstalt sind etwa 169 Knaben zur Fürsorgeerziehung untergebracht. Sie»verden zum Teil mit dem„Jungfernkranz" bestraft, eine Prozedur, die darin besteht, daß man die Kinder mit Stricken am Tisch festbindet, ihnen einen Knebel in den Mund steckt und ihnen dann 199 und mehr Hiebe verabreicht. Die Liste ließe sich vervollständigen, doch werden die hier mit- geteilten Tatsachen bereits deutlicher als nötig den Wert der offiziösen Schönfärberei kennzeichnen. Aber auch in Anstalten, wo nicht die hier geschilderten Schand- taten verübt werden, fällt auf die Acrmsten der Armen nur selten ein Strahl der Lebensfreude. Schon am 29. März 1996 wies der freisinnige Abgeordnete Mertens, gestützt auf eine Schrift des Lehrers Agahd, im Reichstage darauf hin, daß dem Äinderschutz- gesctz zum Trotz in etlichen Erziehungsanstalten«ine unerhörte Ausnutzung der Zöglinge Sitte sei. In einer Anstalt»nüssen die kleinsten Kinder Bleisoldaten für eine Fabrik bemalen, in anderen werden die Zöglinge mit Korbmachen, Stuhlflechten. Tisch- lerei, Schuhmacherei, Bürstenbinderei, Kaffeesortieren usw. be- schäftigt, in anderen wieder müssen sie, vor dem Pflug gespannt, Feldarbeiten verrichten. Und das zumeist bei entsetzlich langer Ar- beitSzeit.„Die ganze Zeit", so lautet bei Agahd das Urteil über eine dieser Anstalten,„außer den Sonntagen und einer halben Stunde des Werktags, ist mit Schule und Arbeit von Morgen bis Abend ausgefüllt. Auf diese Weise ist keine Zeit für körperliche Ncbungen, Spielen und anderen Zerstreuungen übrig. Man sieht selten die Knaben spielen, auch hörte ich kein einziges Mal ein frisches herziges Lachen. Man»nag auch zehnmal zugeben, daß durchaus nicht alle 43 999 Fürsorgezöglinge in Preußen unter der hier geschilderten Trübsal leiden, so trifft doch zu, ti-as der Dezernent für Gefängnis- Wesen, Geheimer Oberjustizrat Plaschke, nach einem Bericht deS „Berliner Tageblatt" vom 29. April 1099 konstatierte, daß nämlich die in die Fürsorgeerziehung gesetzten Hoffnungen arg enttäuscht worden sind, weil das Gesctz vielfach nicht in dein von seinen Nr- hebern gewollten guten Sinne ausgeführt wird. Und somit kann ruhig der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" gegenüber be- hauptet werden, daß das Gesctz und seine Ausführung in gar manchen Stücken herzlich schuldlos ist an den Resultaten, über die das offiziös« Blatt statistische Beläge beibringt. Wenn drei Viertel der Zöglinge von fernerem Straucheln bewahrt geblieben' sind. so geschah eS dank dem guten Kern ihrer Natur und nicht infolge der frommen Prüaelpädagogik, über die das NegierungSorgan bei seiner täppischen Lobhudelei mit verdächtigem Slillschtveigen hiir- »veggeht._ Hiid Induftne und Handel Ein billiges kommlinales Elektrizitätswerk. Im vergangenen Jahre erwarb die Gemeinde Velten das dort von der Elektrizitätsaktiengesellschaft vorm. W. Lahmeyer erbaute Elektrizitätswerk zu einem Preise von rund 426 999 M. Diesen Preis muß man billig nennen, wenn man berücksichtigt, daß die buchmäßigen Selbstkosten der ausführenden Firma sich auf 699 999 M. stellen. Daß eine Aktiengesellschaft anstatt mit Gewinn mit fast 39 Proz.„Verlust" verkauft, ist jedenfalls ein außergewöhn- licher Vorgang. Dazu schreibt man uns: „Dies Wunder löst sich in(allerdings eigenartiges) Wohl- gefallen auf durch folgende Tatsachen: 1. Der seinerzeit die Geschäfte des Amtsvorstandes und deS Gemeindevorstandes in Velten führende Schöffe, Herr Herinann Zirner daselbst, verständigte mich am 26. Juli d. I. persönlich davon, daß namens der genannten Aktiengesellschaft nach Fertigstellung des Elektrizitätsiverkes an Zulicferanten für dasselbe die Bitte gerichtet»vorden sei. neben der richtigen, anerkannten und beglichenen Rechnung noch ein« ziveite, um bcstiminte Prozent- Ziffern erhöhte(unwahre) Rechnung auszufertigen und ihr zu überlassen. L. Dieselbe Amtsperson verständigte mich am 26. Juli d. I. pepsöstlich dgvon, büß diese d�k Alsstz, M» ÄWeindxveFtvÄftsNg nicht verborgen gebliebenen Manipulationen bei d'en(mit vtt av« norin niedrigen Preisbcmessung beendeten) Verkaufsverhand« lung eine Rolle gespielt hätten. 3. Mehrere Zuliescranten der Gesellschaft bestätigten mir am 26. Juli d. I. persönlich, daß sie gebeten worden seien, außer der richtigen, anerkannten und beglichenen Rechnung noch eine ziveite(umvahre) mit erhöhten Prcisziffern auszustellen. Selbst- verständlich hat der Amtsvorstand, der zahlreiche Zulieferanten über seine inerkwürdigen Manipulationen zu Protokoll ver- nommen, die für die Gemeinde günstige Situation ausgenutzt. So kau» Velten mit Hilfe eines Schiedsgerichtes, welchem die Vorgänge aktenmäßig zur Kenntnis gebracht wurden, um fast genau 199 999 M. billiger zu seinem Elektrizitätswerk, als buch- mätzig die Selbstkosten betragen. Der Vorsitzende des Aufsichts- rates der genannten Aktiengesellschaft ist selbstverständlich ohne Verzug im Detail über jene Manipulationen im Bereich seiner Gesellschaft aufgeklärt worden." Es bedarf noch der Aufklärung, ob es sich bei diesen Vorgängen vielleicht nur um Machinationen eines Beainten handelt, und ob die zlveiten Rechnungen auch dazu benutzt»vorden sind, die Selbst- tosten des Werkes höher-erscheinen zu lassen, als sie tatsächlich waren. Für Gemeinden und andere Korporationen ist es natürlich wichtig zu wissen, ob es möglich ist, sie durch dergleichen Manipulationen, »vie die geschilderten, zu schädigen. Die deutsche Laudwirtschast. Die Produktion an Nährfrüchten für Menschen»mb Vieh zeigt keine gleichmäßige EntWickelung. Es wurden gcerntet 1999 in To!»nen (1 Tonne— 20 Zentner): Roggen Weizen Gerste Hafer 1899.. 8 799 3899 3999 0999 1994.. 19 199 3899 2999 0999 1999.. 11 399 3899 3399 9199 Wir können aus Raummangel nicht die Zahlen für jedes einzelne Jahr wiedergeben, sonst Ivürde deutlich hervortreten, daß im ganzen der Ertrag von Jahr zu Jahr gestiegen ist.— Dasselbe zeigt sich,»venn»nan den Ertrag der Ernte mit der abgeernteten Boden- Hektar Kartoffeln 38 599 36 399 40 799 Heu 2339 2159 2219 fläche vergleicht. geerntet: Pro wurden in Doppelzentnern Roggen Weizen. Gerste Hafer Kartoffeln Heu 1899. 14,8 19,1 18,2 17.2 122,9 49.4 1994. 10,6 19,8 18,1 10,0 119,4 30.2 1999. 18,6 29.5 21.2 21,2 149.6 37.1 Wenden»vir uns nun zur Viehzucht. Im Deutschen Reiche lvurden in den lairdwirtschaftsichen Betrieben gezählt: Pferde 1882 3 199 099 1895 3 799 999 1997 3 699 999 Man sieht, daß Rinder Schweine Schafe 16 699 999 8 499 999 21 199 999 17 199 090 13 090 900 12 699 990 20 909 999 18 999 009 8 909099 die Zahl der Rinder und besonders die der Schlveine ganz beträchtlich zugenommen hat. Die Schafzucht freilich ist ebenlo gelvallig zurückgegangen, was offenbar damit zu- saminenhängt, daß die Weidewirtschast zugunsten des Anba»lS von Getreide, Kartoffeln usw. eingeschränkt werden»nußte. Es darf jedoch in diesem Zusammenhange nicht unerwähnt bleiben, daß trotz dieser giinstigeii Ergebnisse zur Ernährung des deutschen Volkes immer noch die Einführ großer Mengen von Ge- treibe aus dem Auslände erforderlich»oar. So wurden z. B. 1999 »och 2 433 999 Tonnen aus dem Auslande eingeführt, ferner 2 679 900 Tonnen Gerste. Nur die Einfuhr von Roggen ist 1999 merklich zurückgegangen und betrug nur noch 276 999 Tonnen. Ist somit trotz verminderter Fläche die Produktivität der deutschen Landwirtschaft sowohl in Ackerbau»vie in Viehzucht nicht unbeträchtlich gestiegen, so versteht es sich von selbst, daß die hierzu erforderliche intensivere Wirtschaft immer steigende Mengen von Düngemitteln und Futtermitteln verbraucht. So ist z. B. der Bedarf an Chilesalpeter in den letzten 30 Jahren aus das Siebenfache gestiegen. Es»vnrden davon eingeführt: 1839 für 17190 909 M.. 1899 für 66 109 009 M.. 1990 für 77 690 090 M.. 1996 für 119 909 909 M.. 1999 für 119 890 990 M. Die gesamte Einfuhr an künstlichen Düngemitteln betrug: 1889 09 199 999 M.. 1890 101 200 900 M., 1900 112 800 009 M., 1909 199 300 000 M. Davon wird freilich ein großer Teil wieder ausgeführt, aber eS bleibt doch ein starker Ucberschuß der Einfuhr über die Ausfuhr übrig, der 1999 74 490 099 M. betrug. Immerhin werden Düngemittel, z. B. Kalisalze, auch in erheb» lichem Maße im Inland gewonnen. Dagegen kann der Bedarf an Viebfutter bei»veitein nicht mehr im Jnlande gedeckt werden. Im Jabre 1999 lvurden Futtermittel(in der Hauptsache MaiS, Oelkuchen und Kleie) für rund 309 Millionen Mark aus dem AuS» lande bezogen und nur für 32 Millionen ausgeführt. Beschränken wir unS auf die genannten 3 hau»'tsächlichsten Futtermittel. Deren Einfuhr betrug 1999 rund 310 Millionen Mark; dagegen 1889 nur 66 Millionen, 1399 erst 190'/» Millionen, 1999 237 Millionen. Unter Hinzurechnung sonstigen ViehfutterS ergibt sich für 1999 eine Ge- famtauSgabe für Futtermittel von nicht»veniger als 433 Milliolren Mark. So belveift auch die deutsche Laudwirtschast und zwar gerade durch die erfreuliche Stei(jer»lng ihrer Produktivität, wie enjj die verschiedenen Völker für ihre Ernährung aus einander angewiesen sind und wie falsch es ist, den Verkehr zwischen ihnen durch hohe Zollschranken künstlich in Fesseln zu schlagen. Stahlwcrlsvcrband. Der Deutsche Stahlwerksverband hat im Monat Juli einen bedeutend geringeren Versand gehabt als im Vormonat. Denn insgesamt betrugen die Versendungen von Produkten A nur 391 090 Tonnen nach den vorläufigen Er- Mittelungen gegen 448 999 Tonnen im Juni und 398 999 Tonnen im Juli 1999. In Halbzeug»vnrden 192 999 Tonnen versandt gegen 113 909 Tonnen, in Eiscnbahnmatcrial 143 000 Tonnen gegen 171000 Tonnen und in Formeisen 140 090 Tonnen gegen 103 000 Tonnen. Es ist kein Geheimnis, daß der internationale Eisenmarkt eine bemerkenchverte Abschlvächmig erfahren hat. Trotz- dem wird wohl auch diesmal wieder der Absatz deö Stahlwerks» Verbandes nach dein Auslände einen Teil des nocli größeren MinuS herausgerissen haben, den das JnlandSgcschäst gebracht hat. Früher veröffentlichte der Verband auch die Exportziffern. Den Wunsch, diese Publizierung noch weiter zu pflegen, hat der Ver» band immer abgelehnt uiid seine Haltung damit begründet, daß sonst das Ausland seine Geschäfte viel zu sehr neichlontrolliereu könnte. Das ist zum Teil richtig, aber nur zum Teil. Denn der aus- ländische Markt ist durch die Exportausweise genau darüber unter» richtet, wieviel Halbzeug, Eisenbahumatcrial und Formeisen in den einzelncn Monaten nach den verschiedenen Absatzgebieten deS AuS- landeS geht. Der Stahliverksvcrband ist aber so ziemlich der ein» zige Berseuder dieser Waren. Die Geheimnistuerei ist daher recht überflüssig. Nur scheint die Leitung deö Verbandes zu fürchten, daß eine gleichzeitige Bekanntgabe der Absatzziffern und des Ausland- Versandes allzu sehr zu Vergleichen zloischen beiden und zu einem Urteile über die Versandpolitik des Verbandes verleitet. Dann würde auch die Preispolitik des Verbandes in den KreiS der Er» örternng gezogen werden, und da« scheut ma». Aus den amtlichen Nachrichten für Handel und Industrie ist zu entnehmen, daß im Juli dieses Jahres gegenüber Juli 1909 die Ausfuhr gestiegen ist: bei Trägern von 214 004 Tonnen auf 371 1l2 Tonnen, bei Eisenbahnschienen von 293 813 Tonnen auf, 464 414 Tonnen und bei Eisenbahnschwellen von 49 217 Tonnen auf 71383 Tonnen. Dadurch bestätigt sich die oben ausgesprochene Ansicht. Der JnlandSverbrauch hat demnach erheblich abgenommen. Ein Fest für die Aktionäre. Der LnfsichtSrat des Eisen- und Stahlwerks Hoesch schlägt eine Dividende von 18 Prozent gegen 14 Prozent im Vorjahr vor. Rohcisenerzeniiiuig. Nach den Ermittelungen d s Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustrieller betrug die Roheisenerzeugung in Deutschland und Luxemburg während deö Monats Juli 1910 ins- gesamt 1228 310 Tonne» gegen 1219071 Tounen im Juni 1910 und 1 091 069 Tonnen i,n Juli 1909, Gewerhrcbaftlkbe� Der zentrumschnftUcbc Gewerhrcbaftöftreit. Der Kaplan Schapen hat in seiner Schrift:„K ö l n, ein innere Gefahr für den Katholizrsmus" auch ein Aktenstück über den Streit zwischen den christlichen Gewerkschaften und den Fachabteilern veröffentlicht. In diesem„Promemoria" wird für die katholischen Arbeiter eine Anlehnung an die konfessionelle holländische Organisationsform verlangt. Offen wird in dem Schrift stück erklärt: „Tatsächlich ist M.-Gladbach eine spezifisch katholische Institution� tatsächlich ist M.-Gladbach der Schöpfer und geistige Leiter der Gewerkschaften." Die„unbehagliche Stimmung" auf der Seite der Protestanten könne„auch bei»och so groszem Entgegenkommen in Vergebung der leitenden Stellen zweiten und dritten Ranges" nicht besiegt werden. Gehörten ja auch in den christlichen Gewerkschaften 5/6 der Mitglieder der katholischen und nur Vs der evangelischen Konfession an, während die katholische Bevölkerung nur Vs- die evangelische � des Deutschen Reiches ausmache. Das„Correspondenzblatt der Generalkommissiou" hat dieses Aktenstück zum zentrumschristlichen Gewerkschaftsstreit etwas unter die Lupe genommen. Am Schlüsse heißt eZ im»Correspondenz blatt": „Wenn also der KleruS eine andere, dem Katholizismus un- gefährlichere Organisalionsform für die Katholiken anordnet, werden wohl auf der ganzen Linie die evangelischen Mitläufer aus der „stubenreinen" Bude herausgeworfen werden. Will das eine Sechstel evaugelischer Arbeiter so lange warten?" Das hat nun die zentrlimschristlichen Matadore auf den Plan gerufen. Sowohl das„Zentralblatt der christlichen Gelverkschaflen wie auch die M.-Gladbacher„Westdeutsche Arbeiter-Zeitung" fahren großen Kanonen auf. Es sei ausgeschlossen, daß ein solcher Heraus- Wurf stattfinden könne.„Die kameradschaftliche Treue", meint das „christliche" Zentralblatt, sei unter den christlich organisierten Arbeitern „so fest und stark, daß sie jede derartige Zumutung mit Entrüstung zurückweisen würden". Das ist weiter nichts als leere? Gerede. Die katholischen Führer der ZentrumSgcwerkschafteu müssen nach der Pfeife des Klerus tanzen Giesberts bezeichnete auf dem Kölner Kongreß die konfessionellen Arbeitervereine als die Grundlagen der„christlichen" Gewerkschaften Die katholischen Arbeitervereine aber werden völlig vom Klerus be- herrscht. Die zentrumschristlichen Führer sind sich ja auch ihrer dies fettigen Abhängigkeit vollkommen bewußt. Die starken Worte von Zürich:„Den Bischöfen muß gezeigt werden—„Bis hierher und nicht weiter!" sind kniefällig zurückgenommen worden. Giesberts hat dies auch öffentlich kundgetan in seiner Schrift:„Friede im Ge Werkschaftsstreit?" Darin meint Giesberts, daß die Gewerkschafts bewegung abhängig bleibe nicht nur vom göttlichen Sitten gesetz, sondern auch von der kirchlichen Autorität, sei für die zentrumschristlichen Führer„eine solche Selb st Verständlichkeit, daß wir darüber gar nicht reden." Und an anderer Stelle: «Wenn ein Zusammenarbeiten von Katholiken und Evange lischen, wie es in den christlichen Gewerkschaften geschieht, nach den Lehren unserer heiligen Kirche nicht erlaubt ist, so mag eine aller höchste Entscheidung es generell verbieten. Man wird in uns gehorsame Katholiken finde n." Mithin halte daS„Correspondenzblatt der Generalkommission" völlig recht zu seiner Schlußfolgerung. Wenn zurzeit die End scheidung des KleruS noch etwas hinausgeschoben ist, so scheint, daß die zentrumschristlichen Auguren dafür um so wütender m der Be kämpfung der Sozialdemokratie werden wollen. Jedenfalls sind die Zentrumschristen zurzeit auf der ganzen Linie dabei, sich als Sturnv bock gegen die Sozialdemokratie dem„Bürgertum" devotcst anzu> bieten, besonders für die kommenden Reichstagswahlen. Auch die bevorstehenden bergmännischen Wahlen im Ruhrrevier weisen darauf hin. Ihrem Verhängnis wollen also die Zentrumschristen noch eine Weile dadurch entgehen, daß sie möglichst wenig, und noch weniger als bisher, gewerkschaftliche Arbeit im Interesse der Arbeiterklasse verrichten, trotzdem Giesberts früher einmal davon sprach, eS sei nicht Ausgabe der„Christen", als Sturmbock gegen die Sozial dcmokratie zu dienen, das möchten diejenigen besorgen, die die Sozialdemokratie großgezüchtet hätten. Andere Zeiten, andere Sitten. Damit werden aber die Zentrumschristen um so eher an der CharybdiS scheitern, weil damit die Arbeitcrmassen noch um so mehr der Sozialdemokratie zuströmen werden als der einzigen ehr lichcn Arbeiterpartei._ Berlin und Umgegend. In einer Böttcherversammlung am 7. August berichtete der Be« vollmächtigte L. KlapschuS über die Lohnbewegung. Mit den beiden Böttcherinnungen ist ein Tarifvertrag schriftlich auf drei Jahre ab- geschlossen. Die von dem Verbände gestellten Forderungen: 35,10 M. Wochenlohn oder öö Pf. pro Stunde sowie eine Arbeitszeit von 53 Stunden pro Woche sind akzeptiert. Bei Lohnarbeit wird die Woche zu 54 Stunden gerechnet. Die Lohnzahlung erfolgt Freitags während der Arbeilszeit. Auch einige andere Fabriken, die Böttcher beschäftigen, darunter die Essigfabrik Karl Kühne, Bninnenstraße, haben die Forderungen der Böttcher bewilligt. Demnach ist die all- gemeine Lohnbewegung günstig für die Böttcher verlaufen. Nur bei der Weinfaßhandlung G. Schulz sind die Böttcher seit sieben Wochen ausgesperrt. Obgleich Schulz der Innung wie auch der Tariskommission der Arbeilgeber angehört, glaubt er die Be- schlüsse der Innung mißachten zu dürfen, den Böttchern die neun- stündige Arbeitszeit verweigern zu können. Als Retter in der Not ist ihm ein Böltchermeister R. Schmidt aus Rixdorf mit seinen Söhnen hilfreich beigesprungcn, indem er Streikarbeit in eigener Werkstatt verrichtet. Zuzug ist streng fernzuhalten. Das Mitgliedsbuch Nr. 969 des Zentralverbandes der Asphal- teure, ausgestellt auf den Namen Hermann Hering, ist gestohlen worden. Es wird gebeten, daSsetbe anzuhalten. Die Ortsverwaltung Berlin. Lohnbewegung der Asphaltcure. In einer am Sonntag, den 7. August, abgehaltenen, vom Zentralverband der Asphalteure ein- berufenen, stark besuchten Versammlung wurde nach einem ein- leitenden Referat des Genossen G. Link einstimmig beschlossen, den Unternehmern im Asphaltgewerbe einen Lohntarif zu unterbreiten, da die Löhne zu einer entsprechenden Lebenshaltung bei weitem nicht mehr ausreichen. Auch soll das Ucberstundenwesen und die Nachtarbeit im Beruf geregelt werden. Jetzt ist eine Arbeitszeit von täglich 12 und.6 Stunden noch so ziemlich die Regel. Der Streik der Schmiede ist beendet. Die Bemühungen, vor dem Gewerbegericht zu einer Verständigung zu gelangen, scheiterten. In einer Versammlung der Streikenden, die am Dienstagmorgen in BoekerS Saal, Weberstraße, stattfand, wurde ein Antrag der Ver- waltung und der Streikleitung, den Kanipf abzubrechen, eingehend beraten. Neben der allgemeinen Ungunst der Umstände spricht gegen eine Fortsetzung des Streiks besonders die gegenwärtige Lage auf den Schiffswerften mit, die die Berufsgenossen in den betreffenden Hafenplätzeu zahlreich in den Kampf treibt, wodurch die Kraft des Verbände? stark in Anspruch genommen wird. Dia V.'rsammlung beschloß in geheimer Abstimmung gegen eine erhebliche Minorität die Aufhebung des Streiks._ Oeutkchcv Reich. Der Krieg auf den Werften. Stellung des ReichsamtS des Innern zum Werftgrdeiterstreik. Kiel, 9. August. DaS Rcichsamt dos Innern wird, wenn die Zunahme des Streiks der deutschen Werftarbeiter an- dauert, den„Kieler Neuesten Nachrichten" zufolge, selbständig zu unparteiischen Vermittelungsversuchen schreiten. ** 9 Die Stettiner Werftarbeiter, die im Hirsch-Dunckerschen Gewcrk verein organisiert sind, haben zum Streik Stellung genommen und beschlossen, daß Hirsch-Dunckcrsche Werftarbeiter überall da, wo von den frciorgonisierten Arbeitern ein Streik mit Mehrheit beschlossen wird, sich diesem Streik anzuschließen haben. � � Der Werftarbeiterstreik dürfte sich nicht auf Danzig ausdehnen. Trotz Beschlusses der Gruppe der deulschcn Werften, dem Verband deulscher Eisenindustrieller, hoffen die Danziger Privatwerflen, ob wohl sie zum Verbände gehören, infolge der besonderen Verhältnisse auf den Werften des Ostens ihre Betriebe voll aufrecht erhallen zu können. In den organisierten Arbeiterkreisen ist man allerdings darauf vorbereitet, daß die Aussperrung auch nach Danzig per- pflanzt wird. #* Am Montagabend fand eine von über 5000 Streikenden besuchte Versammlung statt, in der Genosse Franz, Bevollmächtigter der Mitgliedschaft Hamburg des Metallarbeiterverbandes, völlige Einig keit und Geschlossenheit der Werstarbeiter konstatierte. Die Unter stützungsfrage sei von allen Organisationen einheitlich geregelt worden. Am DienStagmorgen stellten, wie schon gemeldet, die bei der Hamburg-Amerika-Linie beschäftigten Schiffsreiniger, S ch i f f s m a l e r und Dockarbeiter die Arbeit ein, weil die Direktion sich den bescheidenen Lohnforderungen gegenüber strikte ablehnend verhielt. In der Versammlung dieser Kategorien wurde scharf hervorgehoben, daß mit den bisherigen Löhnen nicht mehr auszukommen sei; es handele sich also nicht um einen Sympathiestreik, sondern um einen Lohnkampf. Zum Kampf gegen den Metallindustriellen- Arbeitsnachweis. Der Verband der Metallindustriellen in Leipzig hat noch in letzter Minute auf das an ihn gerichtete Schreiben geantwortet. Er schreibt: „In Ihrer Zuschrift an den Verband der Metallindustriellen im Bezirk Leipzig beklagen Sie sich über eine unwürdige Behand- lung der Aibeilsnchenden auf dem Arbeitsnachweis. Wie Sie durchaus richtig annehmen, Ivünscht der Verband der Metall- industriellen nicht, daß irgend ein Arbeiter ungehörig behandelt wird. Der Verband bat daher seine Beamten auch jederzeit an- gewiesen, sich eines zuvorkommenden, anständigen Benehmens zu befleißigen. Die strikte Befolgung dieser Anweisung wird aber dadurch sehr erschwert, daß eine große Anzahl Arbeitsuchender in der Arbeitsnachweisstelle ungehörig auftritt. Ließe sich dieses un- gehörige Auftreten Arbeitsuchender abstellen— vielleicht durch Einwirkung Ihres Verbandes—, so würde, das ist unsere feste Ueberzeugung, der jetzt auf den Arbeitsnachweisen herrschende, nicht immer schöne Ton sehr bald ein anderer werden." Die Antwort ändert durchaus nichts an der ganzen Situation, der Kampf bleibt bestehen._ Erfolgreicher Streik der Dachdecker in Burg. Der Streik der Dachdecker in Burg"ist nach fünf Tagen mit vollem Erfolg beendet. Der Lohn erhöht sich um 3 Pf. pro Stunde, auch für Hilfsarbeiter. Am 1. April 19l1 steigt der Lohn abermals um 2 Pf. pro Stunde. Außerdem sind die Zulagen bei Ileberland- arbeit und Ueberstunden geregelt. Tarifdauer bis 31. März 1913. Die Arbeitsloscnfiirsorge in Mainz. Die vom Gewerkschaftskartell beantragte städtische Arbeiter- für sorge für den Winter 1909/10 nahmen nach dem soeben er- schienenen Bericht der Bürgermeisterei 336 Arbeiter aus 36 Berufs- arten, die im Lebensalter zwischen 18—70 Jahren standen, in Au- pruch. Von dem für diesen Ziveck seinerzeit von den Stndtverord- neten bewilligten Betrag von 10 000 Mark wurden nur 4423,25 Mark ür Unterstützungen verbraucht. Der Bericht hebt hervor, daß sich die Arbeitslosenfürsorge in der Form einer Arbeitslosenunterstützung als zweckmäßige Einrichtung bewährt habe. RusUnd. Die allgemeine Textilarbeitcrausfperrnng in Enschedc Die allgemeine Aussperrung in der Metropole der holländischen Textilindustrie, die seit Anfang Juli dauert, ist dem Statut der Fabrikantenvereinigung entsprechend durchgeführt worden. In den ersten beiden Wochen wurden die Fabriken an 2 Tagen per Woche till gelegt, in den folgenden beiden Wochen an 4 Tagen, und nun ist die Aussperrung auf alle Wochentage ausgedehnt worden, obwohl in den letzten Tagen gewissermaßen eine Annäherung der Parteien tattgefunden hat. Die Aussperrung ist bekanntlich eine Folge des Streiks in der Fabrik von Mcnco. Die Fabrikantcnvereinigung hat ich in der vorigen Woche damit einverstanden erklärt, daß die Lohn. und Arbeitsverhältnisse bei der Firma Menco, die die Ursache des Streiks waren, untersucht werden, und daß auf Grund des Ergeb- nisscs dieser Untersuchung eine Besprechung zwischen der Fabri- kantenvereinigung und den Vertretern der Textilarbeiterverbände tattfinden soll. Ob und wann diese Maßnahmen zum Frieden uhren werden, ist noch nicht vorauszusehen. Die Fabrikanten- Vereinigung will natürlich die allgemeine Aussperrung nicht eher aufheben, als der Streik bei Menco für beendet erklärt wird. Die Streikenden wie die Ausgesperrten denken jedoch nicht daran den Kampf preiszugeben, und sie können um so besser im Kampfe aus- harren, als die holländische Arbeiterschaft, namentlich auch durch den Verband der Gewerkschaften, nach besten Kräften für die Auf- bringung von Unterstützungsmitteln sorgt. Im ganzen Lande und in allen Berufen wird für die Ausgesperrten gesammelt und außer. dem haben die Gewerkschaften, soweit es ihre Kasscnmittel erlauben, der Textilarbeiterschaft mehr oder minder große Summen zur Ver- äigung gestellt. So hat z. B. der allgemeine niederländische Diamantarbciterverband schon vor 14 Tagen allein 10 000 Gulden zu diesem Zweck bewilligt. Durch die Opferfreudigkeit der organi- iertcn Arbeiterschaft ist es möglich geworden, nicht nur die organi- sierten Ausgesperrten hinreichend zu unterstützen, sondern auch den Unorganisierten Unterstützung zu gewähren. Grofter Kampf in New Dork. London, 9. August.„Times" melden aus New York: Der Streik im Mäntelnähgewerbe hat bisher 70 000 Personen ergriffen. ES ist daS die größte Zahl, die je ein Ausstand innerhalb eines einzigen Gewerbes in New Dork erreicht hat. Auch 21 000 Schneider befinden sich im Ausstande, und man erwartet, daß im Lause der Woche weitere 45 000 hinzukommen werden.-- In den hiesigen Zuckerraffinerien sind 2000 Mann ausständig. suchen nun die Frauenarbeit immer mehr auszudehnen. Dadurch wird es ihnen möglich, die Löhne auf ein tieferes Niveau herab- zudrücken; denn die Gehilfen sind schließlich gezwungen, wenn sie sich die Arbeit nicht gänzlich entgehen lassen wollen, sie zu eben denselben niedrigen Akkordlöhnen zu übernehmen, wie die Arbeite- rinnen. Um diesem Uebel zu steuern, hatten sich die Arbeiter bc- reits an die Schlichtungskommission gewandt. Diese hielt jedoch die Vertragsbestimmungen für unzureichend, um auf Grund der. selben eine Entscheidung, wie sie von den Arbeitern begehrt wurde, zu fällen. Dagegen wurde von den beteiligten Arbeitgebern die Schaffung tariflicher Bestimmungen, die eine Abgrenzung der Frauenarbeiten von den Gehilfenarbeiten vorsehen, für notwendig und wünschenswert erachtet. Auch die Arbeiter glaubten diesem allseitig empfundenen Bedürfnis Rechnung tragen zu müssen und beauftragten ihre Organisation, den Buchbiuderverband, sich mit der Arbeitgcberorganisation zwecks Ergänzung des Tarifvertrags ins Benehmen zu setzen. In einer am 3. August in Kärstcns Festsälen in der Oranien- straße tagenden gut besuchten Versammlung der Album-, Mappen- und Gaiantericarbeiter, an der insbesondere Arbeiterinnen in großer Zahl teilnahmen, teilte der Branchcnobmann Gerber mit, daß die Arbeitgeberorganisation auf die übermittelten Anträge der Arbeiterschaft nach Verstreichung einer längeren Frist nur mit de.n Hinweis geantwortet habe, daß ja der Tarifvertrag mit dem 30. Juni nächsten Jahres ablaufe und die ihnen zugegangenen An- träge bei den Verhandlungen über den neuen Tarif mit beraten werden könnten. Gerber empfahl den Versammelten, nunmehr selbst mit einer Abgrenzung der Frauenarbeit anzufangen. Solches Beginnen stelle keineswegs eine Verletzung des Tarifverhältnisses dar. Die Versammlung nahm darauf eine Resolution an, die der Arbeiterschaft und insbesondere den Verbandsmitglicdern als Richtlinie dienen soll. Nach derselben sollen die eventuell den Arbeiterinnen angebotenen Gehilfenarbeiten von diesen zurück- gewiesen werden. In allen Betrieben wird auf strengste Befolgung des Beschlusses geachtet werden. Als Arbeiten, die nur von Ge- Hilfen selbständig ausgeführt werden dürfen, gelten: Pressen, Prägen, Stanzen, daS Anfertigen von Postkarten- und Poesie» alben, Schreibmappen, Mappen in Stoff oder Leder sowie das Herstellen von Decken jeder Art. Heber Mißstände bei der Firma„Deutsche Linoleum- und Wachstuch Co.," Rixdorf, klagten die Arbeiter dieser Fabrik in einer Versammlung, die sie am Sonnabend abend in Wolffs Lokal, Wipperstr., Rixdorf, abhielten. Die Firma ist stolz auf allerlei „Wohlfahrtseinrichtungen", die aber von den Arbeitern sehr gering eingeschätzt werden, denn die beste Wohlfahrt, ein guter Lo h n und nicht zu lange Arbeitszeit, fehlt gerade in dieser Fabrik. Und Bestrebungen, durch die Organisation sich diese Wohl» fahrt zu verschaffen, werden von der Firma bekämpft. Eine Lcbensversicherungspolice, die nach vielen Jahren harter Arbeit gekauft wird, eine kleine Wcihnachtsbeschcrung für Kinder, eine Woche Urlaub nach 5 Jahren Arbeit und ein paar Mark dazu, darin besteht die„Wohlfahrt" für die Arbeiter, die ihr Recht opfern sollen, sich zu organisieren, und dadurch besser« Arbeitsbedingungen anzustreben. B e n t i n vom Verband der Fabrikarbeiter hielt den Versanimelten einen Vortrag, in dem er die bei der Firma be- stehendeü Verhältnisse näher beleuchtete. Löhne von 21 M. bis höchstens 24 M. werden bezahlt für eine lange Arbeitszeit, die, mit Ausnahme des Sonnabends, täglich lOi� Stunden beträgt. Wo sich aber etwas regt an Agitation, da wird„eingeschritten",„ver- warnt". Die organisierten Arbeiter spürt man aus, und dann werden sie bald entlassen. In einem Bericht der Gewerbeinspektion von Rixdorf werden die Wohlfahrtseinrichtungen der Firma rüh. mend erwähnt. Die Arbeiter aber fragen, warum immer da die Wohltätigkeit am aufdringlich st en ange» boten wird, wo die Verhältnisse mit am ungün» st ig st en liegen? Der intelligentere Teil der Arbeiterschaft läßt sich damit nicht hinters Licht führen. Ein Vertrauensmann ist kürz. lich entlassen worden mit der Motivierung, daß man seine Agitation für den Verband dst Fabrikarbeiter nicht dulden könne. Ein an» derer Vertrauensmann wurde ohne Angabe des Grundes entlassen. Die Arbeiter protestieren dagegen und sind umso eifriger bestrebt, die Organisation unter den 500 Arbeitern des Betriebes zu stärken. Der Verband der Fabrikarbeiter hat in dem Werke in der letzten Zeit erfreuliche Fortschritte gemacht, trotz aller„Wohltätigkeit" der Firma. Letzte Nachrichten und Depeschen. Unter den Rädern eines Geschäftstvagens getötet. Ein schrecklicher Unglücksfall Hat sich gestern abend an der Millionenbrücke am Gesundbrunnen zugetragen. Eine un- bekannte etwa 60 Jahre alte Dame geriet beim Passieren der Brücke zwischen zwei Gefährte. Bei dem Versuch, sich in Sicher- heit zu bringen, kam sie einem Geschäftswagen des Tietz. scheu Warenhauses zu nahe und wurde niedergerissen. Die Räder gingen der Unglücklichen über den Kopf hinweg und zermalmten diesen fast vollständig. Man brachte die Verunglückte nach der nächsten Rettungswache, doch konnte der Arzt nur noch den inzwischen eingetretenen Tod konstatieren. Ein aufregender VorfaN spielte sich am Dienstagabend in der Gneisenaustraße 108 ab. Dort war im linken Seitenflügel in einer Küche beim Kochen von Teer Feuer ausgekommen. Während es dem Ehemann Schulze gelang, sich durch eilige Flucht in Sicherheit zu bringen, war der Ehefrau der Ausgang durch eine Doppeltür versperrt. Die Flammen erfaßten Späne, Petroleum und die Kleider der Frau. Diese, eine sehr korpulente Frau und Mutter von 5 Kindern, kletterte in ihrer Angst aus dem Fenster auf das Dach eines kleinen Anbaues und sprang von dort trotz der Warnun. gen der Feuerwehr ineinSprunj ihrer Schwere etwas verletzte. Die, nach dem Urban-Krankenhause. > t u ch, wobei sie sich infolge Feuerwehr schaffte die Frau Versammlungen. Die Album-, Mappen- und Galanteriearbeiter fiihren schon seit längerer Zeit einen beständigen Kampf um ihre Existenz. Der im Oktober vorigen Jahres abgeschlossene Tarifvertrag erschwert das Herabdrücken der Akkordlöhne etwas. Die Arbeitgeber ver. Zum Attentat auf de» russischen Spitzel. Krakau, 9. August.(Preß-Tel.) Es ist festgestellt worden, daß Rybak ein monatliches Gehalt von 500 Rubel für seine Spitftldienste bezog. Er hatte es verstanden, sich in die Kreise der polnischen Sozialdemokratie Eingang zu verschaffen. Was er hier an politi- scheu Geheimnissen erfuhr, meldete er unverzüglich nach Warschau. Von Warschau aus wurde auch die Beseitigung des Spitzels unter. nommen. Das Exekutivkomitee der dortigen Sozialdemokratie hat wahrscheinlich den Studenten Stanislaus Trobnowsky mit der Er- mordung Rybaks beauftragt. Krakau, 9. August,(ffi. T. B.) Der beschäftigungslose Ar» bester Sadowski aus Warschau ist unter dem Verdacht, an der Ermordung des Beamten Rybak beteiligt zu sein, verhastet worden. Er ist mehrfach in Gesellschaft des Mörders TrobnowSli gesehen worden. Vormarsch der Aufständischen. New Orleans, 9. August. fW. T.©.) Nach einer hier ein- gegangenen Depesche ist die Stadt La C e i b a fHonduraS) von den Äufstäudischen eingenommen worden. Zum Tode verurteilt. München, S. August.(W. T. B.) Der Infanterist Ludwig F o e g e r l e, welcher in der Nacht zum 8. Mai die Geschäfts. inhaberin Katharina Hierer mit einem Bügeleisen erschlagen und sie nachher ausgeraubt hat, wurde heute vom Kriegsgericht der ersten Division zum Tode, dauernden Verlust der Ehrenrechte und Ausschließung aus dem Heere verurteilt. verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: xtz, Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSgnftqU Kaul Singer Le Co., Berlin LVV. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhaltungsbl. Ar. 185. 27. Zahrgang. 1. KnlM Ks Lmärls" Srrliin WIKsM Mtvoch. W. August 1910. 21. Juteruationaler Dkrgurbkitcrkongreß. Brüssel, 8. August 1910. Der dieSjäTjrige Internationale Bergarb eiter- Zo ng re ß wurde am Montag vormittag in der Maison du Peuple eröffnet. Zum ersten Male beteiligt sich auch eine Vertretung der holländischen Bergleute an einem Internationalen Berg. arbeiterkongreß und zwar handelt es sich um eine Vertretung der Bargleute aus dem erst kürzlich erschlossenen, dem Aachener Revier benachbarten Bergwerksdistrikt der Provinz Limburg, der in rascher Entwicklung begriffen ist und in dem bereits etwa 7999 Bergleute Beschäftigung finden. Dagegen fehlt Oesterreich diesmal voll- ständig. Deutschland, in dessen Hauptstadt der Kongreß im vorigen Jahre abgehalten wurde, hat nur eine kleine Delegation senden können. Sie besteht aus den Genoffen Schröder, Huse mann und P o k o r n y- Bochum. Sämtliche Kräfte werden gegenwärtig in Anspruch genommen durch die Agitation für die bevorstehenden Wahlen der Sicherheitsmänner und Kirappschafts ältesten. Für die Polnische Berufsvereinigung ist R h m e r aus dem Ruhrrevier anwesend. Die N.-H.-D.-B e r g l e u t e haben von einer Delegation Abstand genommen, wünschen aber dem Kongreß den besten Erfolg. Am stärksten ist wiederum England vertreten, dessen Delegation die überwiegende Mehr. heit des Kongresses darstellt. Die Tagesordnung enthält die seit vielen Jahren von den Bergarbeitern aller Länder erhobenen Forderungen auf dem Gebiet des gesetzlichen Bergarbeiterschutzes. Der englische Abgeordnete Edwards, Mitglied der Arbeiter- Partei, hieß in seiner Eigenschaft als Präsident der Internationalen Bergarbeitcrunion die Delegierten auf das herzlichste willkommen. Die Internationale Bergarbeiterunion vollendet in diesem Jahre ihr 21. Lebensjahr und hat damit das Alter ihrer Großjährigkeit «reicht. In einem kleinen Bergarbeiterdorf Belgiens trat der Internationale Bergarbeiterkongrctz zum ersten Male zusammen. In den 21 Jahren seines Bestehens ist manches für die Berg- arbeiter erreicht worden. Noch sind einige Veteranen aus der alten Zeit vorhanden. Sie und die Jungen arbeiten gemeinsam, um mit aller Hartnäckigkeit die Besserung der Lebenshaltung, die Verringerung der Arbeitszeit, die größere Sicherheit der Arbeiter in den Gruben und eine auskömmliche Pension für die Veteranen der Industrie zu erreichen. In dem kleinen neutralen Lande, wo sich alle großen Nationen jetzt treffen, ist der Wunsch besonders am Platze, den Frieden zu erhalten, der allein den Fortschritt der Menschheit ermöglicht.(Lebhafter Beifall.) M a ro i l l e- Belgien heißt die Delegierten im Namen der belgischen Bergarbeiter willkommen. Vor 21 Jahren waren wir nichts, heute haben wir Fortschritte erreicht, denen sich niemand verschließen kann. Nach langer Mühe ist in Belgien ein Gesetz zustande gekommen, das die Arbeitszeit auf 9� Stunden vom nächsten Jahre ab festgesetzt. Im Jahre 1912 wird ie Arbeitszeit in den Gruben ganz allgemein auf 9 Stunden herabgesetzt werden. In den Neunstundentag sind Ein. und Ausfahrt mit eingeschloffen. Noch immer aber bleibt das Ziel, den Achtstundentag zu erobern. Eine andere Vorlage, die die gesetzliche Alters, und Invaliden- Pension einführt, steht in Aussicht. Geht man durch die Welt- ausstellung und sieht die Werke, die die Arbeiter aller Länder geschaffen haben, dann fragt man sich, weshalb die Arbeiter noch immer nicht die Früchte ihrer Arbeit selber genießen. Wenn erst di« Bergarbeiter einig sind, dann könnten sie durch einen Streik von einigen Wochen die bürgerliche Gesellschaft zur Kapitulation zwingen. Nicht Kaiser und Könige, wir Bergarbeiter sind die Herren der Erde.(Stürmischer Beifall.) G o n i a u x- Pas de Calais hebt hervor, daß die Bergarbeiter nicht nur. um ihre Berufsintereffen zu wahren, international sich vereinigt haben, sondern auch um die Idee der internationalen Brüderlichkeit zu pflegen. Wir wissen, daß in der kapitalistischen Gesellschaft ein Stück nach dem andern von unseren Forderungen erobert werden muß. Wir nehmen alles, wir verzichten aber nicht auf unsere weiteren Ziele. England hat den gesetzlichen Acht- siundentag errungen. Aber die Antwort der Kapitalisten war der Versuch, die Löhne herabzusetzen. So müssen wir immer gerüstet sein. England, Frankreich und Deutschland geben Milliarden für Heer und Flotte aus und der Wahnsinn des Wettrüstens greift immer weiter um sich. Der Moloch des Marinismus und Milita- rismus saugt die Quellen trocken, die für das Volk bestimmt sind. Wir müssen mit aller Kraft unsere Regierungen zu beeinflussen versuchen, die allgemeine Abrüstung zu proklamieren.(Lebhafter Beifall.) S ch r öde r- Bochum schließt sich diesem Gedanken an und freist auf die schweren Kämpfe hin, die gerade die deutschen Berg- Kleines feiiilletcm. Das Ende der Morgue. Die Morgue, der finstere Bau mit dem düster klingenden Namen, wird verschwinden. Noch ein kurzes und emsige Arbeiter werden hinter der Notre-Dame-Kirche, am letzten Ausläufer der altehrwürdigen Pariser Stadtinsel, das Ge» bäude abtragen, das im Jahre 18S4 der Architekt Gilbert gesckmffen hatte. Kein Pariser und kaum ein Fremder, der die französische Metropole durchschlendert, wird die gedrungene, breithingelagerte, niedere Silhouette des unheimlichen Baukörpers vergessen, in dessen Inneren der Tod und das Entsetzen zu Hause sind und wo so viele tragische Schicksale ein trauriges Ende gefunden haben. Immer waren die kleinen, engen Fenster verhüllt, waren geschlossen wie Augen, über die die Lider sich hinabsenken, um nicht die Seine zu sehen, die der Morgue so oft einen grausigen Inhalt schenkte. Nun wird dies Heim des Grauens verschwinden, an der Stelle, wo einst die entstellten Leichen der Lebensmüden und der Opfer der Verbrecherwelt und des Zufalls eine kurze Ruhestätte fanden, wird ein blumengeschmückter, freundlicher Platz entstehen, auf dem fröhliche Kinder ihr Spiel treiben und sorglose Spaziergänger lustwandeln werden. Doch es waren, leider, keine ästhetischen Rücksichten, die das Schicksal der Pariser Morgue besiegelten. Hier ist es das Böse, das das Gute schafft: die Verbrechertaten der Apachen sind von Jahr zu Jahr gewachsen, die Straßenunglücke häufen sich, die Zahl der Selbstmörder nimmt zu, und die beschränkten Räume der alten Morgue sind dem Andränge nicht mehr gewachsen. Die Kiihlapparate reichen nicht mehr aus, der Autopsiesaal genügt nicht mehr den Ansprüchen. Die Pläne zu dem neuen Heim des Schreckens, zu der neuen Morgue, sind bereits in Arbeit. Au der Place MazaS wird sich ein stattlicher Bau erheben. Aber eines wird doch bleiben: auch die neue Morgue wird bei aller Ver- größerung den niedrigen, gedrückten Charakter behalten. Das Ge- väude wird nur eine Etage haben, in der das gerichtsärztliche Institut seine Räume aufschlagen soll. Seit dem Jahre 1877, in dem Prof. Brouardel seine ersten Kurse für Gerichtsmedizin in der alten Morgue abhielt, ist die Zahl der Schüler gewachsen, und in dem neuen Hause werden ihnen große, weite Räume zur Verfügung gestellt, um diese düsteren Studien fortzusetzen. Im Untergeschoß aber werden die Kühlapparate, die VorratSräume, die Beamten- zimmer und der Schausaal mit seinen Glaskästen ein neues Heim finden. Musik. Die diesjährige Salzburger Mozartfeier, in den Tagen vom 29. Juli bis zum 6. August, erhielt ihre besondere Bedeutung durch die Grundsteinlegung des neuen Mozarteums. dieser Sainmelstätte alles sich auf den Salzburger Meister Be- ziehenden, die seit etwa einem halben Jahrhundert besteht. Die Mozartfeier hat mit dem sonstigen Rusikfestrummel unserer Zeit arbeiter zu führen haben. Jetzt sind alle Kräfte tätig, um die Wahlen der Sicherheitsmänner, die am 2. September nach dem Gesetz vorgenommen werden, vorzubereiten und ebenso die Wahlen der Knappschaftsältesten. Für nächsten Sonntag sind allein 199 Versammlungen im Ruhrrevier vorgesehen. Freiwillig wird den Arbeitern nichts geschenkt, sie müssen sich alles erkämpfen. Wir sind noch lange nicht über den Berg hinweg. Aber wir haben die Sicherheit, daß wir unsere Ziele zum Wohl der gesamten Mensch- heit siegreich durchsetzen werden.(Stürmischer Beifall.) Nachdem die Wahlen für eine Redaktions- und eine Wahl- Prüfungskommission vorgenommen waren, werden die weiteren Verhandlungen auf Dienstag vertagt. Zehnter Nerliandstag des Zenlllllverbnudes der Fflhniwbeiter AeuWands. Halle, 8. August. Am Sonntagabend trat der Verbandstag der Fabrikarbeiter Deutschlands im großen Saale des schönen Halleschen ArbeiterheimS zu seiner Konstituierung zusammen. Es waren 117 Delegierte er- schienen, 18 Gauvorsitzende, der Agitationsleiter für die auf Ziege- leien beschäftigten Arbeiter, Vorstand, Redakteur und ein Vertreter des Ausschusses und der schwedischen und dänischen Bruderorgani sation. Am Montagmorgen erstattete der Verbandsvorsitzende Reichstagsabgeordneter Brey, den mündlichen Geschäftsbericht. Er wertete den schon in unserem Vorbericht geschilderten ziffern- mätzigen Aufschwung des Verbandes, den auch Redner als den Ver- Hältnissen gemäß zufriedenstellend bezeichnete. Der Vorstand nehme für sich in Anspruch, seine Pflicht und Schuldigkeit getan, vor allem die Agitation in jeder denkbaren Weise unterstützt zu haben. Es sind aus dem Zentralburcau 34ö 999 Beitrittserklärungen hinaus gegangen, 149 999 Weckrufe für Kollegen, 39 999 Weckrufe für Arbeiterinnen, 137 999 Flugblätter für die Arbeiter in der chemi schen Industrie. Außerdem ist die Broschüre, welche sich über die Lage der chemischen Arbeiter verbreitet und ein Referat enthält, das der Redakteur Schneider auf der Konserenz der chemischen Ar- beiter in Frankfurt gehalten, in 39 999 Exemplaren versandt wor- den. Ferner noch 117 999 Flugblätter für Ziegeleiarbeiter, 39 999 Flugblätter für die Arbeiter in der Papierindustrie und in 79 999 Exemplaren eine allgemeine Broschüre, die über die Ursachen und Bedeutung der Wirtschaftskrisen das nötige Wissen unter den Kol- legen verbreitet. Und wie in der schriftlichen so sei auch an der mündlichen Agitation nicht gespart worden. Die Gauleiter haben in 1191 öffentlichen und in 1276 Mitgliederversammlungen Referate ge- halten; weiter sind sie in 1667 Betriebsversammlungen anwesend gewesen. Neben dieser Agitation sei natürlich auch eine rührige Agl tation von den Zahlstellen geleistet worden. Alles zusammen hat den agitatorischen Erfolg herbeigeführt, der außer in dem Mit- gliederaufschwung auch darin besteht, daß die Zahl der„Durch- läufer" sich etwas gemindert hat. Je mehr der Grundsatz, nur bei zuständigen Kollegen zu werben, umsichgreift, desto kleiner die Fluktuation, desto größer aber auch die Möglichkeit, die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Kollegen zu bessern. Warm zu empfehlen seien auch die Aufsuchekommissionen und Erinnerungsbriefe, die den Zweck haben, abgesprungene Kollegen auf die moralischen und materiellen Schäden ihres Austritts aufmerksam zu machen. Die genannten Einrichtungen sind geeignet, manchen unüberlegt han- delnden Kollegen zur Fahne der Organisation zurückzuführen. In bezug auf die Leistungen des Verbandes sei zu sagen, daß die Etats aller Unterstützungen und Ausgaben heraufgegangen sind, mit Ausnahme der Ausgaben für die Lohnbewegungen. In dem Maße aber, wie wieder eine flotte Beschäftigungsperiode eintritt, werde auch dieser Posten, und zwar sehr wahrscheinlich wie nie vorher, in die Höhe schnellen.— Eine relativ viel zu große Ausdeh- nung habe die Erwerbslosenunter st ützung angenommen. Der Verband erzielte in der verflossenen Geschäftsperiode eine Mehreinnahme von 11,2 Proz., bei einer Mehrausgabe von 23,2 Proz. Sowohl die fortlaufenden und auf die Dauer sich steigern- den Ausgaben für Erwerbslosenunterstützung wie die mit Sicher- heit eintretende Steigerung der Streikausgaben machen eine Er- höhung der Beiträge zur unbedingten Notwendigkeit. Man dürfe dem Vorstande zutrauen, daß er ohne große Not den Vorschlag der Beitragserhöhung nicht vertritt, aber jeder Eingeweihte müsse zu- geben, daß die Anforderungen an die Organisation sich mit den gegenwärtigen Beiträgen nicht mehr vereinigen lassen. nicht das mindeste gemein: hier gilt es nicht, die internationalen Snobs zu rupfen, sondern hier gilt und galt es stets einzig und allein: de» Manen des göttlichen, melodienfrohen Meislers zu opfern aus freiester innerlichster Ueberzeugung heraus I Mit den Leitern des Mozarteums verband sich Lilr Lehmann, die Altmeisterin klassischer Musikinterpretasion zu reinstem idealistischen Tun. Aus aller Herren Ländern eilten Ge- sangs- und Jnstrumcntalkünstler herbei, und so kamen im kleinen, entzückend rokokostilechteu Theater und in der altehrwürdigen Aula der alten Universität Theater- und Konzertauffiihrungen zustande, die einheitlicher, stilvoller kaum gedacht werden können. Die große Masse des Publikums hielt sich natürlich vor allem an die beiden Theaterfestspiele, an die italienische Musteranffllhrung des»Don Giovanni" und an die deutsche Aufführung der„Zauber- flöte". In der Tat bedeutete die Vorstellung des„Don Giovanni" eines der unvergeßlichen Erlebnisse dieses Festes. Die beiden italieni- schen Darsteller, S cotti als Don Giovanni und de Segurola als Leporello, hatten auch nicht die mindeste Star-Unmanier an sich. Was Segurola aus der Leporellopartie machte, grenzt ans Wunder- bare. Frl. Geraldine Farrar stellte uns eine wahrhaft zur Ent- sührung verführende, geradezu ideale Zerline dar. So weit die romanischen Darsteller. Die deutschen Partner, an der Spitze L i l i Lehmann als, zumal darstellerisch, noch immer mustergültige Donna Anna, Frau GadSky-Tau scher(als Elvira), sowie die Herren W. Paul(Hannover), M a i k l und S t e h m a n n(Wien) fügten sich dem Ensemble mit vollendeter Stiltreue ein. Das Musterorchester der Wiener Philharmoniker spielte unter Dr. Karl Mucks straffer Führung ganz wundervoll. Die„Z a u b e r f I ö t e" unter der Leitung des in letzter Stunde eingesprungenen Kapellmeisters M i k o r e y(Dessau) erklang nicht ganz ebenso rein inidersreulich. Die intimsten Genüsse wurden uns in den sechs Festkonzerten zu teil, die eine herrliche Auslese aus der Orchester-, Vokal- und Kammermusik des Meisters boten. Da hörte man unter anderem Mozards erschütternden, teilweise nur im Entwurf beendeten Schwanengesang, das.Requiem", einige der bedeutendsten Sinfonien, darunter die mächtige.Jupiter"-Sinfonie, erklangen unter der Meisterleitung Dr. Mucks und von den Wiener Philharmonikern wahrhaft ergreifend nacherlebt; auch von den Streich- und Klavier- quartetten vermittelte uns das allein gespielte, in Deutschland noch viel zu wenig bekannte Wiener Fitzncrquartett der bedeutendsten etliche. Aparte Reize strömen die Bläserserenaden aus, die uns die Wiener philharmonischen Bläser interpretierten. Als willkommene Unterbrechung dienten Arien- und Duettvorträge. Die Weihe des ganzen Festes aber bildete die Grundsteinlegung des Mozarteums. — ea.— Humor und Satire. Die„Kulturträger" in der Oper. Es war im.Tristan". Vor mir saßen zwei behäbige, ältere Herren. Sie hatten schon wiederholt ihrem Mißbehagen unverhohlen Redner besprach dann die von uns ebenfalls im Vorbericht ge- schilderten Wirkungen der Lohnbewegungen. Es haben in diesem Jahre bereits 165 Bewegungen in 276 Betrieben mit 18 651 Be- schäftigtcn stattgefunden. Und das Resultat dieser Bewegungen waren 3317 Stunden Arbeitszeitverkürzung und 23 763 M. Lohn- erhöhung pro Woche. Das bekräftige aber aufs neue die Auf- fassung, daß mit fortschreitender Besserung der wirtschaftliche,> Verhältnisse die Ausgaben für Lohnkämpfe gewaltig in die Höhe gehen.— Redner trat dann warm dafür ein, dem Vorstande bei allen Bewegungen das unumgänglich notwendige Vertrauen entgegenzubringen. Er wies, ohne indes auf Einzelheiten einzu- gehen, auf ein paar bedauernswerte Fälle mangelnden Vertrauens hin, die zu schlimmen Folgen für die Kollegen und zu ebenso nach- teilig wirkenden Eindrücken auf die breite Oeffentlichkeit geführt haben. Die Schlußerörterungen der mit Beifall aufgenommenen Aus« führungen des Redners waren der Besprechung einer Anzahl der vorliegenden Anträge gewidmet. In bezug auf den darauf folgenden Bericht des Kassierers Bruns können wir der Kürze halber auf die Ausführungen in unserem Vorbericht verweisen, wo alle nötigen Angaben bereits gemacht sind. Mertens- Harburg erklärte im Auftrage der Revisoren, Kasse und Buchführung stets in bester Ordnung befunden zu haben. Der Ausschußbericht des Kollegen K a s ch- Hamburg be- traf nur interne Verbandsangelegenheitcn. Redakteur Schneider konnte konstatieren, daß nennenswerte Beschwerden über die Haltung der Redaktion nicht eingegangen seien, auch aus den Anträgen sei nicht ersichtlich, daß die Gesamt« heit irgendwie unzufrieden mit der Haltung des Blattes sei. Redner ging dann sofort auf die Besprechung der zum Fachblatt vorliegenden Anträge über, wobei das geforderte achtseitige Er» scheinen des„Proletariers" durchaus seinen Beifall fand(doch seine Verwirklichung sei abhängig von der zukünftigen Beitragsgestal« tung). Dagegen wurden die Vorschläge auf Schaffung einer „Frauenecke" und Herausgabe des„Proletariers" in tchechischer Sprache von ihm unbedingt verworfen. Längere Ausführungen machte er dann über die Absichten, die er bei der Abfassung ver- schiedener Artikel verfolgt, die den Widerspruch einiger Mitglieder hervorgerufen haben. Es handelt sich um Artikel über das Kartell- Wesen und verschiedene Verhältnisse unter 1>en Unternehmern der Papierindustrie, Kautskhs„Weg zur Macht und einen Artikel der „Leipziger Volkszeitung" über Gewerkschaftsbeamte und Maifeier. Zu den Artikeln gegen den„Weg zur Macht" habe Redner sich ver- pflichtet gefühlt, als ihm bekannt wurde, daß die Parteiorgani- sationen auf alle Weise versuchten, diese Broschüre in die Hände der Gewerkschaftsmitglieder zu bringen Auf den Artikel der„Leip- ziger Volkszeitung" mußte umso eher erwidert werden, als es ohne» hin früher schwer war, im Verbreitungsgebiet der„Leipziger Volks- zeitung" gute gewerkschaftliche Arbeit zu leisten. Sachbich wäre jedoch auf diesen Artikel überhaupt nicht zu antworten gewesen, eS mutzte einfach erwidert werden nach der Devise: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. In der darauf«insetzenden Diskussion erklärte zunächst Schu- mann- Leipzig, daß Schneiders Darstellungen über die Leipziger Verhältnisse nicht in allen Dingen richtig seien. Er konstatierte ausdrücklich, daß durch die„Leipziger Volkszeitung" in ihrem Be- reich die gewerkschaftliche Tätigkeit nicht erschwert, sondern in jeder Art und Weise gefördert werde. Das erkennen selbst solche Gewerk- schaften an, die schon über gelegentlich zu scharfe Ausdrücke bei der Redaktion der„Leipziger Volkszeitung" Beschwerde führten. Die Stellung Kautskhs zur Gewerkschaftsbewegung wurde von einem Hannoveraner Delegierten H a r t l e i b sehr temperament- voll in dem Sinne erörtert, daß Kautsky in keiner Richtung ein Feind der Gewerkschaftsbewegung sei und seine Verdienste um die Arbeiterbewegung nicht abzuleugnen seien. Was Kautsky mit seinen prinzipiellen Auseinandersetzungen bezweckte, sei, die Ge- werkschaftcn vor einer Ueberschätzung der Gewerkschaftsmacht, den Verfall in Nurgewerkschaftlerei, zu warnen und ihnen zu zeigen, daß die kapitalistische Gesellschaft selbst der Gewerksck�fts- macht ihre Grenzen zieht. Ein anderer Redner, der auf die Sache einging, bezeichnete die Polemik des„Proletariers" gegen Kautsky als zwar scharf aber sachgemäß.- Im übrigen fanden aber fast alle Diskussionsredner an der" Haltung des Fachorgans wie der Tätigkeit des Vorstandes nichts wesentliches auszusetzen. Eine Aussprache pro und contra zwischen einem Delegierten der Waltershausener Filiale und einem Mit- glied des Zentralvorstandes sowie dem zuständigen Gauleiter zeitigte eine im Mai dieses Jahres sehr unerquicklich verlaufene Lohnbewegung in Waltershauscn. Die Debatte wurde nicht zu Ende gebracht ufid die Fortsetzung auf Dienstag vertagt. Ausdruck gegeben, daß ihnen das Stück zu lange dauere. Inzwischen war die Vorstellung bis zum dritten Akt vorgeschritten. Tristan ringt mit seiner Sehnsucht nach Isolde und dem Tode, ringt. ringt... Tief Atem holend und mit einer Kopfbewegung nach der Bühne fragte der eine der beiden Herren den anderen:„Ob der wohl noch stirbt?' Und der Gefragte erwiderte:„Ich gäb's uff.� An der gleichen Stelle— es war auch in einer Aufführung von „Tristan und Isolde"— hörte ich einmal während des dritten Aktes meinen Nachbar zu seiner Frau sagen:„Jetzt haben mer noch für 6ö Pfennig." Der Herr Staatsanwalt T. wohnt einer Vorstellung der„Walküre" bei. Nach dem Schluß des ersten Aktes, da Sigmund mit seiner bräutlichen Schwester Siglinde in die monddurchgläuzte Frühlings« nacht hinausgeflohen ist, wendet er sich entrüstet zu seiner neben ihm sitzenden Gattin:„Daß sich mein Vorgänger Anno 86 diese Gelegen- heit entgehen lietz l" In Musik gesetzter Inzest in idealer Kon« kurrenz mit Ehebrnch l Heutzutage- sollte mir einmal einer solche Schweinereien auf die Bühne bringen!" Das Pferd Grane, daS hervorragendste Mitglied dcS Wagner- schen zoologischen Gartens, muß bekanntlich in der„Götterdämme- rung" mit Brnnnhilde ins Feuer springen. Bevor eS sich aber zu dieser Glanzleistung entschließt, pflegt es regelmäßig vor Angst auf offener Bühne den unterirdischen Göttern zu opfern. Als bei � der letzten Vorstellung der„Götterdämmerung" wieder dies � Ereignis eintrat, sagte die Frau Kommerzienrat Lilienthal, wie selbst erleichtert, zu ihrer Freundin:„Jetzt ist's. Gott sei Dank, bald zu Ende."—„Woran merkst Du das?" fragte diese, die zum erstenmal den„Ring" hörte. Da deutete die Frau Kommerzienrat niit dem feinbehandschubtcn Zeigefinger nach einem braunen Häuflein, daS vorn an der Rampe neben dem Souffleurkasten lag, und sprach mit Kennermiene:„Grane hat bereits das Zeichen zum Fallen des Vor« Hanges gegeben."<„SimplicissimuS".> Notizen. — Gegen die Polizeizensur. Die jüngste Verfügung deS Polizeipräsidenten an die Theaterdireltionen betrifft nicht nur die„Freie Volksbühne", sondern auch die„Neue Freie Volks« b ü h n e". Die Verwaltungen beider Vereine werden in den nächsten Tagen zusammentreten, um über gemeinsame Maßnahn«» in dieser Angelegenheit Beschlüsse zu fassen. Es wird voraussichtlich eine Feststellungsklage beim Oberverwaltungsgericht eingeleitet werden. — Der Beitritt Hollands zur Bern er Kon. V e n t i o n. Auf dem internationalen Verlegerkongreß, der in Amsterdam stattfand, wurde von Regierungsseite bestätigt, daß die Niederlande dem von der Berner Konvention organisierten inter» ngtiogalen Literaturschutz beizutreten gedeaken. Aus dem gelben Sumpfe. Karl May gegen Lebius. Eine der widerlichsten Erscheinungen des Kapitalismus sind die sogenannten gelben Organisationen. Nicht nur für jeden Sozialisten, jeden gewerkschaftlich organisierten Arbeiter, sondern auch für jeden anständigen Menschen. Auch die Gewerkschastsorganisationen, die sich ausdrücklich auf den Boden der bestehenden Gesell« schaft stellen, die von einer Harmonie zwischen Kapital und Arbeit träumen, können zu den schwierigsten Hemmnissen und Schädlingen im Enianzipationskampf des Proletariats werden. Aber die Angehörigen dieser Organisationen sind doch in ihrer übergroßen Mehrzahl nicht bewußte Feinde dieses Befreiungskampfes der Arbeiterklasse, ihr Verhalten entspringt ihrer ungenügenden sozialen Einsicht und sorgsam gepflegten Vorurteilen. Die Gelben dagegen sind bewußte Feinde ihrer Klassengenossen. Sie wissen, daß sie ihre Arveitsbrüder schädigen, ihnen bei dem Bestreben, die Gesamtlage des Berufes und der Arbeiterklasse zu heben, in den Rücken fallen, Knüppel zwischen die Beine werfen. Sie wissen, daß sie die Schutztruppe der Kapitalistenklasse sind, sie pfeifen auf jedes Gefühl der Solidarität ihrer Klasse gegenüber aus verächtlichster Etreberei, aus ekelstem persönlichem Egoismus. Kein Wunder, daß sie bei den sozialdemokratischen Arbeitern sowohl wie bei den christ- lichsozialen Gewerkschaften dem gleichen Gefühle der tiefsten Ver- achtung begegnen. Um das Maß der Verachtung voll zu machen, steht an der Spitze der Gelben eine Persönlichkeit, die geradezu den Typus eines politischen Renegaten und Bravos darstellt. Das deutsche Scharsmachertum hat wirklich ausgesuchtes Pech ge- habt, als es die Unvorsichtigkeit beging, sich mit einem Rudolf Lebius einzulassen, einem Menschen, von dem eine Broschüre des Deutschen Metallarbeiterverbandes nicht nur behaupten, sondern auch an der Hand zahlloser Aktenstücke beweisen konnte, daß er für Geld schlechterdings für alles zu haben sei. Aus zahllosen Briefen deS Lebius wurde in dieser Broschüre nachgewiesen, daß dieser Führer einer Arbeiter organisation die Gelder für seine Gründung von den Unternehmern zusammengeschnorrt, gelegentlich freilich nur zusammenzuschnorren gesucht habe. Und dabei hatte dieser Mensch, der für klingendes Geld eme Streikbrechertruppe für das Scharf- machertum zu organisieren unternahm, die Dreistigkeit besessen, sich bis kurz vorher jahrelang als Sozialdemokrat aufzuspielen I Was von den Gelben zu halten und wes Geistes Kind Rudolf Lebius ist, ist den.deutschen Arbeitern ohne Unterschied der politischen Gesinnung imr zu gut bekannt. Wenn wir trotzdem heute dem Charakterbilde deS Führers der Gelben einige Striche hinzufügen, so geschieht das weniger der Gelben und des Lebius wegen, als vielmehr zur Beleuchtung der Unternehmer- moral, die es nicht verschmäht, sich eines Werk- zeuges von den Qualitäten eines LebiuS zu bedienen. Der Stoßseufzer eines Scharfmachers: An- ft ä n d i.g e Menschen bekommen wir ja nun mal nicht l mag ja eine gewisse Rechtfertigung dafür sein, daß unser Unternehmertum so lange einen Lebius ausgehalten hat; allein daß dieser LebiuS gerade eine so eigenartige Verkörperung aller negativen Moral ist. das ist, wie wir schon einmal sagten, das ganz besondere Pech unserer Scharfmacher. gu denen, die den Ehrenmann Lebius in seiner ganzen Vollendung kennen lernen sollten, gehört auch der Schriftsteller Karl May, der Verfasser vielgelesener Reiseerzählungen. Karl May, der in Dresden wohnt, wo auch Lebius mehrere Jahre domizilierte, war, wie dem„Vorwärts" zu Ohren gekommen war, das Opfer skandalöser Erpressungsversuche des Lebius geworden. BIS Karl May, vom„Vorwärts" dazu aufgefordert, sich bereit erklärte, in dem von Lebius gegen den„Vorwärts" angestrengten Prozeß als Zeuge aufzutreten, begann LebiuS, der sich schon früher an May dafür, daß er ihm kein Geld ge— pumpt hatte, durch revolver- journalistische Attacken gerächt hatte, einen wüsten BernichtungS- feldzug gegen Karl May, gegen denselben Mann, den er früher angeschnorrt und angehimmelt hatte! Zum Verständnis des Vorgehens des LebiuS find ein paar Be- mertungen über sein Opfer notwendig. Karl May hatte sich durch seine namentlich bei der Jugend außerordentlich beliebten abenteuer- lichen Geschichten, die er geschickt in die Form von Ich-Erzählungen und persönlichen Reiseerlebnissen zu kleiden verstand, eme beispiellose Popularität erworben. Und so viel sich auch gegen den literarischen Wert dieser Erzählungen einwenden läßt— eine ganz ungewöhnliche, phantastische Erzählungsgabe und eine erstaun- liche Produktivität wird man May nicht absprechen können. Und längst schon, bevor LebiuS gegen Karl May vom Leder zog, hatten Blätter aus den verschiedensten Lagern, wir nennen nur die .Kölnische VolkSzeitung" und die„Frank. Ztg.", einen systematischen Feldzug gegen den literarischen Jugendvergifter Karl May unternommen, der durch die ungesunde Phantastik seiner Er- Zählungen die jugendlichen Gemüter verwirre und verwüste. Wenn also Rudolf Lebius, sei eS auch nur aus Aerger darüber, daß er mi t ein em e i g e nen S ensati on s- roman nicht ähnliche pekuniäre Erfolge erzielt. sich damals diesem literarischen Feldzug gegen Karl May angeschlossen hatte. so wäre das nichts auffallendes ge- Wesen. Aber LebiuS wollte damals, im Jahre 1304. nicht gegen. sondern f ü r Karl May schreiben! Er hatte damals nach seinem Austritt aus der sozialdemokratischen Partei ein Blatt heraus- gegeben, für das er kapitalkräftige Interessenten suchte. Nicht nur Inserenten, sondern auch Literaten, die für Reklamezwecke im Textteil nette runde Summen opferten I So schrieb er denn an Karl May am 7. April 1304: „Sehr geehrter Herr I Schon vor anderthalb Jahren versuchte ich, mich Ihnen zu nähern, wovon die inliegende Karte ein Beweis ist. Inzwischen habe ich hier eine neue Zeitung heraus- gegeben, die großen Anklang findet. Können Sie mir vielleicht etwas für mein Blatt schreiben? Vielleicht etwas Biographisches, die Art. nach der Sie arbeiten. oder über derartige Einzelheiten, für die sich die deutsche May- Gemeinde interessiert. Ich würde Sie auch gern inter- v vorzüglicher Hochachtung Rudolf LebiuS Verleger und Herausgeber.- Am 23. April schrieb er: „Vielen Dank für Ihr liebenswürdige? Schreiben. Ihrer freundlichen Einladung leiste ich natürlich gern Folge. Falls Sie mir nicht eine andere Zeit angeben, komme ich Montag, den 2. Mai ü Uhr zu Ihnen(Abfahrt 3.31). Mit großer Hochachtung und Verehrung Rudolf Lebius/ Und am 3, Mai: „Sehr geehrter Herr Doltorl Was Sie' niir' gestern erzählt haben, habe ich heute noch einmal überdacht. Es will mir scheinen, als ob trotz des kolossalen Absatzes Ihrer Werke derUmsatz noch erheb- lich gesteigert werden könnte. Meine Buchhändler- und Verlagserfahrungen haben mich gelehrt. daß der Wert einer richtig geleiteten Propa- aanda und direkten Reklame gar nicht über- schätzt werden kann.„ Meine Frau und ich empfehlen sich Ihrer werten Frau Ge- mahlin und Ihnen in Verehrung und Dankbarkeit ergebenst Rudolf LebiuS.- Inzwischen hatte ein Freund MayS, ein Schriftsteller Dittrich. »ine Broschüre über May verfaßt. Um d e n L e r l a g d i e s e r Broschüre bewarb sich LebiuS! Nicht aus der m seinen vriesen so ansdringlich betonten.Verehrung- für Karl May, sondern zu dem Zwecke, diesen„berehrten- Autor kräftig schröpfen zu können, wie folgende Briefe verraten. „Dresden-A., 12. 7. 04. Fürstenstraße 34. Sehr geehrter Herr Doktor! Ich möchte sehr gern die Dittrichsche Broschüre verlegen und würde mir auch die größte Mühe geben, sie zu vertreiben. Durch den Rücktritt von der „Sachsenstimme"— offiziell scheide ich erst am 1. Oktober d. I. aus— bin ich aber etwas kapitalschwach geworden. Würden Sie mir vielleicht ein auf drei Jahre laufendes, öprozentiges Darlehen gewähren? Ich zahle Ihnen die Schuld vielleicht schon in einem Jahre zurück. Als Dank dafür würde ich die Broschüre so lanzieren, daß alle Welt von dem Buche spricht. Ich habe ja auf diesem Gebiete besonders große Erfahrung. Meine Zeitung kommt zustande und zwar auf ganz solider Basis. Nun heißt es arbeiten und zeigen, daß man ein ganzer Kerl ist usw. usw. Beste Empfehlung an Ihre Frau Gemahlin Ihr Ihnen ergebener Rudolf LebiuS." Am 8. August schrieb LebiuS abermals: „Die„Sachsenstimme" ist am 4. ds. zu vorteilhaften Be- dingungen an mich allein übergegangen. Ich kann jetzt schalten und walten wie ich will. Um mich von dem Drucklegcr unabhängig zu machen, würde ich gern einige Tausend Mark<3000—6000) auf ein halbesJahr alsDarlehen aufnehmen. Ein Risiko ist ausgeschlo)sen. Hinter mir stehen die jüdischen Jnteressen-firmen. die mich, wie die letzte Saison bewiesen hat, in weitgehendem Maße unterstützten. Das Weihnachtsgeschäft bringt alles wieder ein. Würden Sie mir das Darlehen gewähren? Zu Gegen- leistungen bin ich gern bereit. Die große Zahl von akademischen Mitarbeitern erhebt mein Blatt über die Mehrzahl Ver sächsischen Zeitungen. Wir können außerdem die Artikel, auf die Sie Wert legen, an 300 oder mehr deutsche und österreichische Zeitungen versenden und den betreffenden Artikel blau an st reichen. So etwas wirkt unfehlbar. In Dresden laß ich mein Blatt allen Wirtschaften(1760) zugehen. Mit vorzüglicher Hochachtung Rudolf Lebius." Es wurde leider nichts aus dem Geschäft. May hielt seine Taschen zugeknöpft. Und nun veröffentlichte schleunigst Ehren- mann Lebius Artikel gegen den„verehrten" May, in denen er ihn nicht nur literarisch, sondern auch moralisch in den Kot zu treten suchte. Als nun gar May in einem„VorwSrtS"-Prozeß mit Lebius als Zeuge genannt wurde, begann Lebius noch schwereres Geschütz aufzufahren. Ihm genügte nun nicht mehr der(für jeden denkenden Menschen total überflüssige) Beweis, daß MayS Ich-Erzählungen nur phantastische Erfindungen usw., sondern er spürte nunmehr der Vergangenheit MayS nach und erzählte dem Publikum, daß May vor einigen vierzig Jahren(I) veritabler Räuber Hauptmann gewesen seil Daran war soviel Wahres, daß May. ein offenbar etwas pathologischer Charakter, ein für den Psychologen sicherlich inter. essanter Schulfall für die Verbindung von Genie und Irrsinn, in seiner Jugend, vor vierzig Jahren, wegen verschiedener Delikte zu schweren Freiheitsstrafen verurteilt worden war. Lebius, der makellose Charakter, der hervor- ragende Ethiker, begnügte sich aber nicht etwa damit. einem Manne, der sich seither durch 40 Jahre einwandfreier Führung zu rehabilitieren versucht, seine Jugendsünden vor- zuhalten, sondern er machte auch schleunigst auf Grund eines BierbankgeschwätzeS aus May einen Räuberhauptmann, dem er die wundersamsten, romantischsten Räubertaten andichtete, die leider nur einen Fehler hatten, nämlich den, nicht wahr zu sein! Und nur dem Umstände, daß Karl May, der Verfasser so prächtiger Räubergeschichten, inzwischen so pedantisch und philiströs geworden ist, den unverdienten Nimbus solchen Heldentum? ab- zulehnen, verdanken wir es, daß die revolverjournalistischen Prak- tiken des LebiuS jetzt abermals eine Beleuchtung erfahren haben. Durch eine Klage, die Karl May in Hohenstein-Ernstthal gegen einen Waldarbeiter 5irügel angestrengt hatte. Dieser Krügel ist der Bruder jenes Krügel, der nach der Schilderung deS LebiuS der Komplice des Räuberhauptmanns May gewesen sein sollte. Die Prozeßverhandlung, die gestern stattfand, bewies wiederum, mit welch grenzenloser Leichtfertig- keit LebiuS bei seinen journalistischen Rache- und Raubzügen zu Werke geht. AlleS, was LebiuS von May erzählte, entstammt einem Wirtshausgespräch deS Lebius mit dem Bruder des schon vor neun Fahren verstorbenen Krügel, der damit zu renommieren pflegte, daß er der Spießgeselle des berühmten Räuberhauptmanns Karl May gewesen sei. Ter Angeklagte Krügel fand sich schließlich, nachdem die verschiedensten Zeugen die Unglaubwürdigkeit und Renommiersucht des verstorbenen Krügel charakterisiert, zu einem Vergleich bereit, in dem er er- klärte, daß er mangels irgendwelcher Beweise seine Behauptungen über Karl May zurück» nehmen müsse l Der Prozeß erwies also nicht nur. daß LebiuS die Wirtshaus- renommistereien des überlebenden Krügel, die er mit 6 M., ein paar GlaS Bier und etlichen Zigarren bezahlt, ohne jede Nach- Prüfung für bare Münze genommen und zur Grundlage seiner Veröffentlichung gegen Karl May gemacht hatte, sondern sie ergab auch ferner, daß LebiuS auch den Versuch gemacht hatte, durch materielle Beeinflussung auf die Aussage verschiedener Zeugen einzuwirken! Heißt eS doch in dem Prozeßbericht: Rechtsanwalt Puppe: ES ist unS bekannt geworden, daß der Beklagte gestern nachmittag gesagt hat, er könne daS alles nicht mehr ertragen, er wolle seine Familie im Stiche lassen und sich ein Leid antun. Ist dem Beklagten bekannt, daß seine Frau eS ablehnte, gestern mit LebiuS zu sprechen, und, als LebiuS ihr eine Bezahlung anbot, erklärte, sie nehme von LebiuS nichts an? Der Beklagte gibt beides gu. In der Tat: Unser Scharsmachertum kann stolz sein auf einen solchen ,Bund"es-Genossen I Buq der Partei. Zum Mandatswechsel des Genossen Heine. DaS„Verl. Tagebl." äußert heute über die Gründe, die Genosse Heine zur Annahme deS Mandats in Anhalt bewogen hätte, das folgende: „Anscheinend ist er den maßgebenden Männern von der Parteileitung dort unbequem. Berlin soll offenbar von der„Pest deS Revisionismus' gesäubert werden." Diese Vermutung ist falsch und solche Absichten bestehen nicht._ Der Landesparteitag des Bezirks Oldenburg-OstfrieSland tagte am Sonntag in Oldenburg. Anwesend waren außer den Delegierten der Vorstand, die Rcichstagskandidaten und vom Parteivorstand Genosse M ü ll e r- Berlin. Aus dem JahreS- bericht ist hervorzuheben: Die Agitation in Wort und Schrift war eine sehr rege. Sozialdemokratische Gcmeindebertreter sind in L0 Orten 115, gegen 62 in 14 Orten im Vorjahre, vorhanden. Auch in sonstigen Körperschaften sowie als Schöffen und Geschworene sind mehrfach Parteigenossen tätig. In den beiden letzten Jahren habest 17 Ortspereine Bibliothelest erhaltest. Die Orggstisatipnen haben keine wesentlichen Verschiebungen erfahren. In elnlgen Orten gelang es nicht, geeignete Genossen �ur Erhaltung der Or- ganisation zu finden. Der erste oldenburgsich Wahlkreis zählt 708 männliche und 451 weibliche Mitglieder(Zugang 441, Abgang 557), der zweite oldenburgische Wahlkreis 2984 männliche und 633 weib- liche(Zugang 1549, Abgang 1022), der dritte oldenburgische Wahl- kreis 864 männliche und 4 weibliche(Zugang 181, Abgang 186), der erste hannoversche Wahlkreis 503 männliche und 30 weibliche(Zu- gang 290, Abgang 215), der zweite hannoversche Wahlkreis hat 333 männliche und 47 weibliche Mitglieder(Zugang 60, Abgang 17). Die politische Frauenbewegung hat eine ruhige EntWickelung ge- nommen; in 19 Ortsvereinen sind Frauen organisiert; die..Gleich- heit" ist obligatorisch eingeführt. Die mehrfachen Versuche, dem Landarbeiterverband pRitglieder in größerer Anzahl zuzuführen, hatten nicht den erhofften Erfolg, dagegen hat die Jugendbewegung recht gute Fortschritte aufzuweisen, sind doch in 6 Orten 42�Wtit- glieder vorhanden. An einigen Orten wurden wissenschastliche VortragSkurse des Genossen Jul. Borchardt-Berlin abgehalten, die reges Interesse erweckten. An Einnahmen hatte die Landeskasse 9283,60 Mk., an Ausgaben 6237,25 Mk. zu verzeichnen; der Partei- lasse wurden außerdem 3509,69 M. zugeführt. Das Landesorgan, das„Norddeutsche Volksblatt" in Bant, hat wieder eine Zunahme an Abonnenten zu verzeichnen. Landtagsabgeordneter Meyer» Bant referierte über die Reichstagswahlen, über den inter- nationalen Kongreß Parteisekretär Schulz- Bant, der auch als Delegierter nach Kopenhagen gewählt nnirde.— Einem neuen Bezirksorganisationsstatut wurde noch einigen Abänderungen zu- gestimmt.— Die Bildung eines Maifeierfonds wurde den einzelnen Wahlkreisen resp. den Ortsvereinen zur Regelung überwiesen.— Der Landesvorstand wurde beauftragt, eine Broschüre hervuszu- geben, in der das Reichstagswahlgesetz, das oldenburgische Landtags- wahlgesctz, die wichtigsten Bestimmungen des Schulgesetzes und der Gemeindeordnung enthalten sind, ferner die Herausgabe einer Ge- schichte der Oldenburger Parteibcwegung vorzubereiten.— Zu der Budgetbewilligung der badischen Landtags- abgeordneten nahm der Parteitag Stellung und machte nach längerer Diskussion die Resolution Großberlins zu der seinigen.— Als Vorort wurde Bant, als Vorsitzender Genosse H u g wiedergewählt._ Kreiskonferenzen. Der Kreiswahlverein Stralfund-Rügen hielt Sonntag in Bergen feine Generalversammlung ab, die von 30 Genossen besucht war. Ferner war der Kandidat des Kreises, Genosse Katzen st ein, sowie als Vertreter der AgitationZkommisfion Ge- nosse Ha ni sch-Stettin und der Gauleiter der Landarbeiter, Ge- nosse Botzenhard, anwesend. Die Zahl der Mitglieder ist von 825 auf 942 gestiegen. Die Einnahmen betrugen 3276,25 M., die Ausgaben 2464,45 M. Flugblätter und Broschüren wurden 40 000, Volkskalender 8150 verbreitet. Nach Referaten der Genossen Katzen st ein und Botzenhard kam man auch auf die Budgetbewilliger zu sprechen. Folgende Resolution wurde einstimmig beschlossen: Die Generalversammlung verurteilt die Budgetbewilligung der badischen Landtagsfraktion als Disziplinbruch und Verletzung der Parteigrundsätze. Sie verurteilt aufs schärfste die Beteili- gung an höfischen Kundgebungen als Verleugnung des anti- monarchischen Charakters der Partei. Die Generalversammlung erwartet, daß der Parteitag ausspricht, daß durch Wiederholung gleichartiger Kundgebungen die betreffenden Genossen sich außerhalb der Partei stellen. Der sozialdemokratische Zentralverein für den e r st e n und zweiten schleswig-holsteinischen Wahl- kreiS hielt am 7. August seine Generalversammlung in FlenS» bürg ab. Als Kandidat für die nächste Reichstagswahl wurde für den ersten Kreis— HaderSleben-Sonderburg— Arbeitersekretär Genosse Gustav Niendorf« Kiel und für den zweiten Kreis— Apenrade-Flensburg— Genosse Peter Michelfen aufgestellt. Zur Frage der Budgetbewilligung nahm die Generalversammlung nach einem Referate des Genossen Michelsen eine Resolution einstimmig an, in der es zum Schlüsse heißt: „Die Zustimmung der Mehrheit der sozialdemokratischeil LandtagSfraklion zum Budget und der Beschluß, sich bei der silbernen Hochzeit des GroßherzogSpaareS vertreten zu lassen, erklärt die Generalversammlung als einen schweren Verstoß gegen die Prinzipien und die bisherige Taktik der sozialdemokratischen Partei, der die allerfchärfste Verurteilung erfordert. Die Generalversammlung erwartet, daß die badische Landtags» fraktton den Beschluß, sich bei der silbernen Hochzeit deS Groß- herzogSpaarcs vertreten zu lassen, rückgängig macht. Sollte die badische LandtagSfraktion diesen Erwartungen nicht entsprechen, dann möge der Magdeburger Parteitag einen Beschluß dahin- gehend fassen, daß eine klare Scheidung zwischen bürgerlichem Parlamentarismus und sozialdemokratischer Taktik und Prinzipien gezogen wird und alle Helfershelfer deS bürgerlichen Staates dahin verwiesen werden, wohin sie ihrem ganzen politischen Denken und Handeln nach gehören; WS bürgerliche Lager." Die Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Recklinghaufen-Borken fand am Sonntag, den 7. August, in H e r t e n statt. Der Verein hat im ver» flossenen Geschäftsjahr eine Einnahme von 9715 M. zu verzeichnen, der eine Ausgabe von 9761 M. gegenübersteht. Der Kassenbestand beträft 899 M., außerdem sind 2459 M. zinsbar angelegt. An Beiträgen wurden 5709 M. eingenommen. Die Mitgliederzahl be» trägt 1750, davon 630 Genossinnen. Zur Maifeier wuroen für 1054 M. Karten umgesetzt. Die Abonnentenzahl� des„Volksblattes" beträgt im Kreise 3600. Sie hat im vergangenen Jahre um über 1000 zugenommen. Der bisherige Kandidat des Wahlkreises. Genosse Pokorny, hat wegen Uebertritt zu einer anderen Tätigkeit in der Arbeiter- bewegung die Kandidatur niederlegen müssen. Die Generalver- sammlung ermächtigte den Vorstand, mit geeigneten Kandidaten in Verbindung zu treten. Als Delegierter zum Parteitag wurde Löneböhn gewählt. Der 2. braunschweigische Re i ch StagS wah l- kreis(Wolfenbüttel-Helm st edt) hielt am Sonntag in Wolfenbüttel seine Jahreskonferenz ab, die von 20 Dele- gierten beschickt war. Der Kreis zählt 878 Parteimitglieder gegen 856 im Jahre zuvor, 2242 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter .«gegen 2193 im Jahre 1909.„VolkSfreund'-Abonnenten hat der Kreis 1616 gegen 1062 im Vorjahre. Ein Flugblatt über die Wir- kung der neuen Steuern wurde in 20 000, ein Agitationskalender in 13 300 Exemplaren verbreitet. Die Partei hat in einer Stadt (Schöningen) 6 Stadtverordnete und in zwei Orten 3 Gemeinde- ratSmitgliedcr. Der Jahreseinnahme von 1772,11 M. steht eine Ausgabe in Höhe von 1506,67 M. gegenüber. Ein Antrag, einen ständigen Agitator für den Kreis anzustellen, wurde dem Kreis- vorstand zur Erwägung überwiesen. Um die Finanzen der Orts- vereinskasse zu stärken, wurde beschlossen, zu dem Monatsbeitrag von 30 Pf. vom 1. Oktober an einen Zuschlag von 10 Pf. zu er- heöen. Zu dem Magdeburger Par teitage wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Die... 5lreiSkonferenz... verurteilt den durch die Zustimmung zum Budget von der badischen LandtagSfraktion be- gangenen DiSziplinbruch aufs entschiedenste, da dadurch die Ein- heit der Partei aufs schwerste geschädigt wird. Durch ihre Zu- stimmung hat die Fraktion nicht nur dem Klassenstaat ein Wer- trauensvotum ausgestellt und dadurch das sozialistische Endziel preisgegeben, sondern sie hat auch durch ihre Teilnahme an höfischen Äunogebungen den republikanischen Charakter der Partei verhüllt und daz demokratische Gefühl der Genossen ver- letzt. Die Versammlung erwartet deshalb vom Parteitage i» Wagdebupg, daß er Maßnahmen trisjt, die solche xartetschädige» Ren Borkommnisse'ein für aüemal unmöglich machen. Gleich- zeitig mutz der Parteitag ausdrücklich betonen, dah im Reichstage wie in den Landtagen nur das proletarische Klassenkampfprinzip die Grundlage des Handelns der sozialdemokratischen Vertreter bildet. Reichstagskandidat des Kreises ist Genosse Ricke, Maurer in Braunschweig. Der sozialdemokratische Verein des Kreises Essen beschäftigte sich am Sonntag mit dem deutschen Parteitag. Nach einem Referat des Genossen Limbertz und nach lebhafter De- batte, in der von keinem einzigen Redner das Verhalten der badi schen Fraktionsmehrheit entschuldigt wurde, fand einstimmig eine scharf verurteilende Resolution Annahme, in der vom Magdeburger Parteitag Mahnahmen gegen die Wiederholung von solchen Dis ziplinbrüchen gefordert werden. Die stark besuchte ordentliche Kreiskonferenz für den Wahlkreis Lennep-Remscheid-Mett- mann tagte Sonntag zu Remscheid. Die Einnahme der Kreiskasse beträgt im verflossenen Geschäftsjahr 10 480,95 M., die Ausgabe 5788,40 M. In den Ortsgruppen wurden an Beiträgen 13 498,15 M. erhoben; der Kreiskasse wurden davon 8308,71 M. zugeführt. Zahlende Mitglieder waren im Jahresdurchschnitt 2883 (davon 377 weibliche) in 17 Ortsgruppen vorhanden. Die Zu nähme gegen das Vorjahr beträgt 180. Das„Morgenrot", eine vom Bezirksvorstand herausgegebene Monatsschrift, ist in 2708 Exem plaren verbreitet. Flugschriften zu Wahlzwecken wurden 58 100, autzerdem 141 900, in Summa 200 000, Broschüren und Volkskalender 21 100 verbreitet. Versammlungen fanden 309, dw von 139 öffentliche, statt. Der Reichstagskandidat, Genosse Wilhelm D i t t m a n n, hielt einen instruktiven Vortrag über:»Die politische Lage und die bevorstehenden Reichstagswahlen". Sodann nahm die Konferenz Stellung zu der Budget- bewilligung. Sämtliche Redner verurteilten in schärfster Weise das Vorgehen der badischen Fraktion. Die Kreisleitung hatte folgende Resolution vorgeschlagen: Die am 7. August in Remscheid tagende Kreiskonferenz des Wahlkreises Lennep-Remscheid-Mettmann erblickt in!der Zu ftimmung der badischen Landtagsfraktion zum Finanzgesetz einen auf das entschiedenste zu verurteilenden Disziplinbruch, durch den sich die badischen Abgeordneten außerhalb der Partei gestellt haben. Von mehreren Rednern wurde folgender Zusatzantrag gestellt: Die Konferenz fordert die Abgeordneten auf, ihre Mandate niederzulegen. Mit diesem Zusatz wurde die Resolution einstimmig an- genommen. Weiter wurde beschlossen, das Delegationsrecht voll » auszunützen und drei Delegierte zum Parteitage zu entsenden. Die Generalversammlung des Wahlkreises Hanau tagte am Sonntag, den 7. August in Bad Orb und war von 91 Delegierten aus 64 Orten beschickt, darunter 4 Frauen. Ter gedruckt vorliegende Jahresbericht gibt ein erfreuliches Bild stetigen Fortschritts und Erfolgs. Die Mitgliederzahl ist auf 7502(darunter 1138 weibliche) Personen gestiegen; eine Zu nähme von 1574 Mitgliedern seit dem vorigen Bericht. Organisiert sind jetzt im ganzen 41,8 Proz. der sozialdemokratischen Reichstags- Wähler von 1907. Die Einnahmen der Kreistasse betrugen vom 30. Jüni 1909 bis 1. Juli 1910 21 283,14 M., denen 19 478,59 M. Ausgaben gegenüberstehen. Die Kolportage hatte im gleichen Zeit- räum einen Umsatz von 11 133,40 M. gegen 7510,52 ML im vorigen Geschäftsjahre. Auch die Parteipresse gewinnt im Kreise immer mehr an Ausbreitung. Ebenso erfreulich steht eS mit der Jugendbewegung. so hat z. B. die„Arbeiterjugend" bereits 502 Abonnen- ten. 005 Mitglieder- und 180 öffentliche Versammlungen fanden statt. 137 500 Flugblätter und 5000 Broschüren gelangten zur Ver- teilung. Die Versammlung stimmte dem Antrage des Kreiswahl- vereinsvorstandcs auf Anstellung einer Hilfskraft für das Partei- fekretariat zu. Parteisekretär D i tz m a n n referierte darauf über den bvdischen Disziplinbruch, worauf ohne jede Debatte nachstehende Resolution einstimmig angenommen wurde: Die Versammlung betrachtet die Zustimmung der badischen Landtagsfraktion zum Budget, wie deren Teilnahme an höfischen Kundgebungen als eine offene und bewußte Provokation gegen- über der Gesamtpartei und deren seitheriger grundsätzlicher Stellung. Die Zustimmung zum Budget ist ein grober Verstoß gegen die demokratischen Prinzipien der Partei und gleichzeitig ein offener Disziplinbruch gegenüber den Parteitagsbcschlüssen, insbesondere des Nürnberger Parteitages(1908). Die Ver- sammlung verurteilt ein solches Vorgehen aufs schärffte und er- klärt, daß sie ein solches Vorgehen von Parteigenossen unverein- bar hält mit der Bekleidung höchster Vcrtrauensämter innerhalb der Partei. Die Grundpfeiler der politischen und wirtschaftlichen Arbeiterbewegung sind Disziplin uno freiwillige Unterordnung jedes einzelnen Mitgliedes unter die Beschlüsse der Gesamtheit. Auf dieser Grundlage beruht die Einheit der Partei und muß an ihr unter allen Umständen festgehalten werden, und zwar nicht nur gegenüber dem einfachen Mitglied innerhalb der Partei, sonoern in erster Linie auch gegenüber den Genossen, welche mit an führender Stelle stehen. Die badischen Budget- bewilliger haben sich mit ihrer Handlung außerhalb des Rahmens der Partei gestellt. Die Versammlung erwartet vom Magde- burger Parteitag, daß er in konsequentem Sinne zu dem die Partei schwer schädigenden Disziplinbruch Stellung nimmt und entsprechend dem Leganisationsstatut verfährt. Zum Parteitag wurden velegiert: Robert Dißmann- Hanau, Ernst Winter- Groß-Auheim und Ernst Pe t e r» Geln- Hausen. Der Reichstagswahlkreisverein Forchheim-Kulmbach- Pegnitz nahm in seiner Wahlkreis» Generalversammlung am Sonnlag folgende Resolution an: Die Generalversammlung verurteilt den durch die Zustimmung zum Budget der badischen LandtagSfraktion begangenen Disziplin- bruch auf das allerentschiedenste, da dadurch die Einigkeit der Partei aufS schwerste geschädigt wird. Durch die Zustimmung hat die badische Fraktion nicht nur dem Klassenstaat ein Vertrauens- Votum ausgestellt und dadurch daS sozialistische Endziel preis- gegeben, sondern fie hat auch durch ihre Teilnahme an höfischen Kundgebungen den republikanischen Charakter der Partei verhüllt und daS demokratische Ehrgefühl aller Genossen verletzt. Die Versammlung erwartet deshalb vom Parteitag in Magdeburg, daß er Matznahmen trifft, die solche parteischädigenden Borkommnisse ein- für allemal unmöglich machen. Hus der Frauenbewegung. Abgewunken? Die liberalen Frauen haben für den t. und 5. Oktober eine Konferenz in Frankfurt a. M. angesetzt, um für die Aufnahme der staatsbürgerlichen Gleichheit der Frau in daS Parteiprogramm der »Freisinnigen' zu wirken. Sie berufen sich darauf, daß die Frei- finnige Volkspartei vor der Fusion eine erneute Erörterung der Frauenforderungen in Aussicht gestellt habe und die Freisinnige Vereinigung geradezu auf den Boden der politischen Gleichberech- tigung der Frau getreten sei. Aus jene Erklärungen gründen sie die Hoffnung, in»kürzester Zeit" den Hauptwunsch der fort- geschrittenen Frauen dem Programm der neuen Partei einverleibt >v sehen. Herr Pachnicke hält eS nun für angebracht, den Damen schon im voraus in der.Bosfin' das Aussichtslose ihre» Beginnens zu bestätigen. Er schreibt.prinzipiell": „Das LebenSelement deS Staates ist die Macht. Die aber stützt nur der Mann. Darum ist der Anspruch des Mannes auf das Recht am Staat ein größerer. Männliche Züge trägt die Völkergeschichte lrotz gelegentlicher weiblicher Regentschaften, und sie wird diesen ihren Charakter auch in Zukunft wahren. Das ist die prinzipielle Seite..." Der Freisinn ist prinzipiell gegen die politische Gleich bercchtigung der Frauen. Aber auch praktisch siebt er zu der Forde rung in— prinzipiellem Gegensatz. Der Freisinnsführer schreibt weiter: „Diese Vermutungen weisen darauf hin, daß in katholischen Gegenden unter dem Einfluß des Beichtvaters die Frauen scharen weise für das Zentrum, in Jndustriebezirken für die Sozialdemo kratie stimmen würden. Dem konfessionellen und dem Klasseninsiinkte folgen sie um so sicherer, je mehr ihnen die politische Schulung fehlt. Ob bürgerliche Frauen immer für den bürgerlichen Kandidaten stimmen würden, ist mindestens nicht ausgemacht. Tun sie es, so bedeutet dies auf dem Lande eine Verstärkung des Bllndlertums. Die Gutsbesitzerssrau wird, vom politischen Feuer erfaßt. Himmel und Hölle— Hölle vielleicht noch mehr als Himmel— in Bewegung setzen, um die zu verderben, die ihr als Feinde der Land- Wirtschaft geschildert worden sind. Bei der jetzigen und voraus- sichtlich auch künftigen Einteilung der Wahlkreise überwiegt das Land die Städte derart, daß ein Gegendruck der Handels- und Gewerbefrauen im Gesamteffekt verschwände. Fazit: eine riesige Verstärkung des Klerikalismus, der Sozialdemokratie und wohl auch des Bündlertums. Kann das die Liberalen locken, ihre theoretischen Bedenken auszugeben?" Die Antwort, die Herr Pachnicke auf die Frage gibt, lautet so:«Heute i st es unmöglich." Er könnte hinzusetzen— „und wird es bleibe» l' Trotzdem: die Damen werden nach wie vor hoffen und harren — als Narren._ Die Frauen und das Gewcrbcgericht. Mit dem Anschwellen der weiblichen Arbeitskraft in den ver- schiedensten Gewerbezweigen wuchs auch die Zahl der Streitfälle zwischen Arbeitgebern und Arbeiterinneu, die durch die Gewerbe- gerichte geschlichtet bezw. entschieden werden mußten. Man sollte nun meinen, daß in einem Rechtsstaate, wo zirka 9 Millionen Frauen produktiv tätig sind und, soweit es die Steuerverhqltnisse betrifft, als Vollbürgerinnen angesehen werden, diesen Produ- zenten mindestens dort, wo ihre ureigensten Interessen auf dem Spiele stehen, das Recht eingeräumt werde, ihre Stimme mit in die Wagschale zu werfen. Aber weit gefehlt! Allen Rechts- und Billigkeitsgründcn entgegen wird auch heute noch den arbeitenden Frauen das selbstbcrständliche Recht vorenthalten, bei der Wahl der Beisitzer zum Gewerbegericht mitzuwirken. Das Gewebegericht setzt sich aus Laienrichtern zusammen, an deren Spitze ein unparteiischer Vorsitzender steht, der weder den Arbeiter- noch Arbeitgeberkreisen entnommen werden darf und den die Gemeindebehörde ernennt. Die Beisitzer werden durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer gewählt. Wählen, sowohl alz auch gewählt werden dürfen aber nur solche Personen, die die Qualifikation als Schöffe besitzen. Dies kommt in folgender Bestimmung des Gerichtsverfassungsgesetzes zum Ausdruck: Z 31. Das Amt eines Schössen ist ein Ehrenamt. Dasselbe kann nur von einem Deutschen versehen werden. Da nun nach der Logik der Gesetzesmacher ein Weib kein Deutsche— r ist, so kann ein solches auch nicht Schöffe, ebenso nicht Gewebegerichtsbeisitzer werden und hat auch bei der Wahl nix tau seggen. Dieser Zustand ist unwürdig und beschämend zugleich. Dadurch werden all die Frauen, die im Erwerbsleben mit Erfolg sich betätigen und auf anderen Gebieten durch Intelligenz und Tatkraft segensreich wirken, wie z. B. In der Armen- und Waisen- pflege, um ein ihnen Kraft der Vernunft schon zustehendes Recht gebracht. Die Frauen, die Werte schaffen und in vollem Maße zu den Staatskosten herangezogen werden, haben einen begründeten Anspruch auf alle Rechte des Staatsbürgers. Mit der Frage des Frauenwahlrechts zu den Kaufmanns- gerichte» beschäftigte sich die Hauptversammlung des deutschen Zentralverbandes für Handel lind Gewerbe am 9. August in Barmen. Baumann-Hamburg befürwortete einen Antrag des Ver- eins der Kolonialwarenhändler von 1872 in Hamburg, der lautete: »Der Zentralverband möge den Bestrebungen, die das Frauen- Wahlrecht für die KaufmamiSgcrichte fordern, ablehnend gegenüber- stehen und der maßgebenden Stelle eine dementspreckiende Eingabe unterbreiten."— Mehrere Redner ersuchten, von einer Beschluß- assung abzusehen. Der Antrag wurde jedoch mit erheblicher Mehr- heit angenommen. Also diejenigen Unternehmer, die mit der weiblichen Arbeits- kraft den schlimmsten Raubbau treiben, wollen den Frauen keine Rechte� gewähren. Man will sich die Ausbeutungsfreiheit nicht beschränken lassen. Die Moral der Krauter und Krämer steckt im Portemonnaie. VermifeKtes. Attentat auf den Bürgcrmeirtep von f�ew �oik. Auf den New Uorker Bürgermeister G a V n o r ist am Dienstag an Bord des im New Dorker Hafen zur Abfahrt nach Europa bereit- liegenden Lloyddampfers„Kaiser Wilhelm der Große" ein Revolver- attentat verübt worden, durch das G a v n o r am Kopfe schwer verwundet wurde. Der Bürgermeister wollte mit dem Lloyd- dampfer eine Ferienreise nach Europa antreten. In dem Augenblick, wo das Attentat erfolgte, stand G a v n o r auf dem Oberdeck des Dampfers in Unterhaltung mit mehreren Freunden. Die Kugel drang in d i e l i n k e Kopfseite ein. Auch der neben Gavnor stehende Kommissar Edwards wurde durch eine Revolverkugel leicht verletzt. Der Bürgermeister wurde in bewußtlosem Zustande in ein Kranken- haus gebracht; seine Verletzung ist zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich. Der Täter, Jules Gallagher mit Namen, war Wächter des städtischen Hafenamt?. Er gibt als Grund an, der Bürgermeister habe ihn um sein Brot ge- bracht. Ein Lloydbeamter schlug den Angreifer nach der Tat nieder._ Schwere Feuerwerksexplosion. Einen traurigen Abschluß fand am Montagabend in Sofia eine von einem Pionierregiment veranstaltete Iubi- läumsfeier. Als Höhepunkt des Festes war ein Freudenfcuer- werk geplant, mit dessen Arrangement eine Anzahl Pioniere betraut wurde. Bei der Legung des Feuerwerks erfolgte plötzlich eine Explosion, durch die neun S o l- baten getötet und ein Leutnant und fünf Mann schwer verletzt wurden. Für das Aufkommen der Verwundeten, die schrecklich zugerichtet sind, besteht wenig Hoffnung._ Im Aeropla» durch Ostfrankreich. Auch die zweite Etappe der Aeroplan-Konkurrenz durch das östliche Frankreich endete mit einem vollen Erfolge der be- teiligten Aviatiker. Der als Ruhetag bestimmte Montag war von den Konkurrenten benutzt worden, um im Automobil die zu durchfliegende Strecke Trohes- Nancy— etwa 160 Kilometer— zu studiereu. Gerade auf dieser Strecke ist eine Orientierung während des Fliegeus sehr schlver, da weder Flüsse noch Eisenbahndämme als Richtlinien benutzt werden können. diese vielmehr durchweg die Flugstrecke durchqueren. Infolgedessen hat daS Or- ganisationskomited große weißeLeinentücher an verschiedenen hochgelegenen Stellen ausbreiten lassen. An anderen Stellen sind Strohfeuer angezündet worden, deren aufsteigender Rauch den Aviatikern den Weg zeigen soll. Am Dienstagmorgen um 5 Uhr begann der Aufstieg der Aviatiker, die in Abständen von fünf Minuten einander folgten. Den Fliegern war die Orientierung über die einzuhaltende Richtung trotz der angewandten Hilfsmittel durch den herrschenden Nebel sehr erschwert. Sieger auch in der zweiten Etappe wurde L e b l a n c, der die Strecke in zwei Stunden 20 Minuten zurücklegte. Zweiter wurde wieder A u b r u n, der zwei Stunden 30 Minuten brauchte. Begagneux verirrte sich und mußte eine Zwischenlandung vornehmen. Infolgedessen langte er erst kurz vor 11 Uhr am Ziele an. Der Deutsche Lindpaitner ist mit seinem Flugzeuge etwa 12 Kilo- meter vor Nancys abgestürzt. Der Flieger blieb unverletzt. jedoch wurde der Apparat beim Absturz so beschädigt, daß es zweifelhast ist, ob Lindpaitner in der vorgeschriebenen Zeit das Ziel erreicht. Die nächste Strecke führt von Nancy nach MözisreS; die Aviatiker haben dabei auf besserem Terrain 145 Kilometer zu durch- fliegen._ iEifenbahnkatastroPhe. Aus San Francisco kommt die Nachricht überfein schweres Eisenbahnunglück, das auf der Strecke San Francisco— Santa Rosa passierte. Dort stieß am Dienstag ein stark besetzter Personenzug in voller Fahrt mit einer Lokomotive zusammen. Bei dem Unglück, über das Einzelheiten noch nicht vorliegen, wurden 13 Personen getötet und 12 verletzt. Stallknechtsmanieren. Am Sonntag wollte auf dem Bahnhos Wiener-Neustadt der österreichische Oberstleutnant v. Mouillard mit dem Mittags- zuge abreisen. Der Zug stand bereits abfahrtsbereit und der Osfizier war im Begriff, einzusteigen, doch sein Gepäck, welches knapp vor Abgang des Zuges zur Aufgabe gebracht wurde, war noch nicht expediert. Er eilte daher auf den Perron, wo etwa 300 Passagiere standen, und schrie aus Letbeskräften:„Elende Hundebagage, wo ist mein Gepäck?' Der diensthabende Beamte traf auf ihn zu mit den Worten:„DaS Gepäck wurde zu spät gebracht, im übrigen sind wir keine Bagage, sondern stehen im Dienst!' Indes fuhr der Zug ab und der zurückgebliebene Offizier erging sich weiter in Beschimpfungen, woraus die Passagiere auf dem Perron gegen ihn Stellung nahmen, mit erhobenen Schirmen und Stöcken sich ihm gegenüberstellten und schrien:, A b z u g I PfuiH OberstleutnantI' Dieser zog es vor, durch die Restauration den Bahnhof zu verlassen und mit dem um eine halbe Stunde später abgehenden Zuge zu reisen. Doch die Passagiere auf dem Perron begannen neuerdings, als sie deS Offiziers ansichtig wurden, zu schreien: „Pfuil Abzug! OberstleutnantI' und setzten die Rufe bis zum Abgang deS Zuges fort. Zu bedauern sind die armen Soldaten, die einem derartigen Offizier willenlos ausgeliefert sind. Vom Blitze getötet. Ueber das Dorf Roßbach im Montag ein schweres Gewitter nieder. HauS deS Schneidermeisters Müller, jährige Tochter und zündete. Flammen auf. Kreise Eschwege ging am Der Blitz schlug in das tötete dessen neun» Die Gebäude gingen in Selten macht man sich wohl eine Vorstellung, wie groß der durch zündende Blitze verursachte wirtschaftliche Schaden ist. Einer Aufstellung der„Statist. Korresp." ist zu entnehmen, daß der Schaden in die Millionen geht. In Preußen allein hat der Blitz in den 22 Jahren von 1885—1807 einen Schaden von 117310000 M. angerichtet, das heißt im Durchschnitt jedes Jahr mehr als Millionen. Für die einzelnen Jahre sind die Zahlen sehr verschieden. Die niedrigste war aber doch 2�/« Millionen Mark im Jahre 1887, die höchste 9»/« Millionen Mark im Jahre 1905. Eines Befferen belehrt. Wie dem„Preß-Tel." aus Trient gemeldet wird, erregt die Flucht eines deutschen Mönches aus dem dortigen Franziskaner-KIoster großes Aufsehen. Der Mönch Josef Mahlmann, Sohn eines rheinischen Großkaufmanns, wurde von seinen Klosterbrüdern fe st gehalten, als er die Mauern des Klosters für immer verlassen wollte. Es entspann sich ein Kampf auf offener Straße und schließlich gelang eS dem Deutschen, mit Hilfe der Polizei zu entkonimen. Der junge Mönch befand sich seit längerer Zeit mit seinen Klosterbrüdern in Uneinigkeit. Er hat ein Buch verfaßt, das das Klostcrlebeu der Franziskaner schildert und nach Abhilfe der jetzt herrschenden Zustände ruft. Man hatte ihm daher den Spott- namen»Martin Luther' beigelegt. Kleine Notizen. Untergang eines deutschen Seglers. In der Meeresstraße von Le Maire ist der Hamburger Viermaster„Fischbeck" gestrandet. Die Mannschaft konnte gerettet»erden, Schiff und Ladung sind verloren. Bon einem Radfahrer überfahren wurde in der Nähe von Görlitz der 78jährige pensionierte Lehrer Lamberti. Wenige Minuten nach dem Unfall starb der Verunglückte au den erhaltenen Verletzungen. Mit dem Tode bezahlen mußte ein Milchkutscher seinen Wage- mut, der trotz mehrfacher Warnungen mit seinem Gefährt d i e Fulda bei Rothenburg durchqueren wollte. In der Mitte des Flusses erfaßte die Strömung das Gefährt, Kutscher und Pferd ertranken. Durch eine Kesselcxplosion wurden in einer Eisengießerei in Malaga(Spanien) vier Arbeiter getötet und 22 verletzt. Nach Unterschlagung von 100 000 Kronen aus der Gemeinde- kasse wurde in Prag der Nentmeister der böhmischen Stadt Rakonitz verhaftet. Die Unterschlagungen wurden von dem ungetreuen Beamten schon seit Jahren begangen. Durch schwere Regengüsse wurden m der japanischen Provinz Shizuolla große Ueberschwemmungen verursacht. Mehrere Eisenbahnzüge wurden dadurch zur Entgleisung gebracht. Hunderte von Häusern stehen unter Wasser, viele Be- wohner des Landes sind obdachlos. BrUfKatten der Rcdahtton. inrlftttckie«vre«N»»de flubet Lindeuftrafte Nr.«», vor« biet Trevven— globrftHhl—, UioibenlänUch Bon 4«/i bis 7-!t Übt abend», «»»»abends bo» 4V- bis« Uhr nachmittags Natt. Jeder für de» Brief- rasten destinimte» Anfran- ist ei» Buchstabe und eiue Zabi als Mert» .»extirn brn»füfltn. Briefliche äliuhnin wird»ich! erteilt.«kilig« ifraae»«raae»IN» in der Svrechstuude»or. 9k. L. 35. Ist die Ausrechnung von Gegenforderungen, wie wir an- nehmen, im MctSvettrage untersagt, so müssen Sie schleunigst die volle Miete zahlen, andernsallS vom Vermieter die Räumungsklage erhoben werden kann. Sie können das Zimmer renovieren lassen und die gehabten Kosten vom Vermieter nach vorheriger Zahlungsaufforderung t»i Klagcwege ehtfortfrt».— A. N. 58. Nur dann, wenn die Verstorbene wegen Er- werbsunsähigkeit dcZ Mannes die Ernährerin der Familie war. und zwar aus die Häljte, wenn niindestens 200 Marken geklebt waren—K. Zl. 100. Allerdings entspricht der Standpunkt der VeranlagungSkommission der Praxis. Versuchen Sie es mit der Berufung.— Tegel 5ti. 29 Mark. Anspruch aus Befreiung von der Steuer besteht nicht.— O. L. 36. Auskünste über Geschäfte erteilen wir nicht.— R. O. 9. Nein. — M. E. 66. 1. Sie können den Betreffenden unter Setzung einer Frist zur Abholung auffordern unter der Androhung, dag nach Abiaus der Frist Versteigerung erfolgt. Nach fruchtlosem Ablauj der Frist können Sie einen Gerichtsvollzieher mit der Versteigerung beaustragen. Zwischen der Be« nachrichtigung und dem Versteigerungstcrmin muff ein Zeitraum von mindestens einem Monat liegen. Der Vcrstcigerungstermin ist der Be- stellerin bekannt zu geben. 2 Den Ueberschuff erhält die Bestellerin. 3. Ja. 4. Schulen mit Schülern und Lehrern verschiedener Religionsbekenntnisse.— M. H. In gröfferen Hotels, Cass Bauer, Depcschensaal, Unter den Linden, Ecke Wilhclmstraffe, Adressenverlag Robert Teffmer, Markgrasenstr. 92/93. — S. 10. Die Angelegenheit läßt sich besser in der Sprechstunde er- örtcrn. Kommen Sie dorthin.— Hermann Sch. 69S. 1. Ja. 2. Nein. — E. Ich. 1000. Das läßt sich ohne nähere Kenntnis des in Frage kommenden Sachverhalts nicht beurteilen.— A. M. 11. 1. Bei Bedürftig- kcit jsa. 2. Nein, wenn das Geld der Tochter gehört.— H. W. 1. 1. Ja, soweit der Nachlaß der Frau in Frage kommt; dieser besteht nach Ihrer Darstellung in zwei Stand Betten. 2., 3. und 8. Nein. 4. Das Kind.— E. E. 100. Fragen Sie bei Alexander Schlicke u. Co., Charitsstr. 3, an. Dort werden Sie die Berichte erhalten.— H. S. Ein Rechtsanspruch daraus besteht nicht, sie können sich beim Rcichsversicherungsamt beschweren. Anspruch aus Rente besteht dann, wenn Sie im Sinne des Gesetzes erwerbs- unfähig sind.— A. 100. 1. Wenden Sie sich ans Nachlaffgericht— das ist dasjenige Amtsgericht, in dessen Bezirk Ihre erste Frau verstorben ist— mit dem Antrag aus Vermittelung der Auseinandersetzung. 2. Wenn ein Sachverständiger die Angemessenheit des von Ihnen geforderten Betrages begutachtet, besteht Aussicht, daß der Prozeß zu Ihren Gunsten ausfällt. Zuständig ist das Amtsgericht Rixdors.— W. S. 123. Sie haben recht. — M. 200. Sie sind zur Zablung der Kosten dann verpflichtet, wenn die Einigung mit dem Bäckermeister nach Ablauf der vom Rechtsanwall gesetzten Frist erfolgt ist.— F. M. 72. 1. Ja. 2. Benachrichtigen Sie in der zweiten Hälfte des September den Magistrat von Ihrem Ende September erfolgenden Fortzuge.— E. M. 37. t. Nein. 2. u. 3. Setzen Sie sich mit Wilh. Hinz, Prinzcnstr. 6S, IV in Verbindung.— Hugo P. 49. Nach Vollendung des 17. Lebensjahres können Sie als Freiwilliger, wenn Sie tauglich sind, auch bei der Marine eintreten. Nach Beschaffung dcS Meldescheins bei dem Zivilvorsitzenden der Ersatzkommission Ihres Aufenthaltsortes können Sie sich an das kaiserl. Kommando der I. Matroscndivisiou in Kiel oder an dasjenige der II. Matrojendivision in Wilhelmshaven mit einem Gesuch um Einstellung wenden.— S. 19. Sie erhalten zum Teil Besoldung vom Staat, zum anderen Tel! taxmäßlgi Gebühren für ihre beruflichen Funktionen.— Taler 1880. Nur noch silberwert._ WitterungSubcrstcht vom 9. August 1910, morgens 8 Itlir. Stationen L 3 L n l®=H c B i■e Stationen XS � 3 <=5 cS B? Setter »s t* W« Swinemde. 753 NW 5 bedeckt' 18 Havcranda 764 N 6 wolkig! 9 Hamburg 760 NNW 2 wolkenl 16 Petersburg 755 ONO 2halb bd. 15 Berlin l 758 NW 2 wolkig 16 Scillp �759 ONO 3halbbd. 14 Frants.a M. 758 SO 1 wolkenl 16 Aberdeen 764 still balb bd. 14 München 758 NO 2 heiter 14 Paris 756 NO 1 bedeckt, 15 Wien(759 NW Wetterprognose für Mittwoch, den 10. August 1910. Zeitweise ziemlich heiter, aber noch sehr veränderlich, doch ohne erhebliche Niederschläge; am Tage wenig wärmer. Berliner W etterbureaa. Thealer und Vergnügungen littwoch, 10. August. Ansang VI, Uhr. NcueS köuigl. Opern-Theater Lohengrin. Antang 8 Uhr. Deutsches. Judith. Kammerspiele. LiebeSwalzer. Lessiug. Roscnmontag. Thalia. Polnisch- Wirtschaft. Neues. Kasernenlust. Komische Oper. Der Regiments papa. Berliner. Taifun. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang -/-o Uhr.) NeueS Schauspielhaus. Der Flieger. Verliuer Bolköoper. M-Hcidel- berg.(Ans. 8'/, Uhr.) Hebbel. Wem gehört Helene? Der Kuß aus der Redoute.(An- sang 8'/« Uhr.) Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Lustspielhaus. DaS Leutnants mündet. Westen. Die geschiedene Frau. Nesisenz. Im Taubenschlag. Schiller<».«irollner- Theater.) Die Förster-Christel. SchiUr, Chariottenburg. Die von Hochsattek Luisen. Aus der Goldwage. Herrnfeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Oloie. Ein seltsamer Fall. Metrovot. Halloh II— Die große Revue. giolieS Eaprice. Die böse 13.— Die keusche Toinelte.(Ansang 3',. Uhr.) Voigt. Vineta. Puhlinanu. Die BlumenkSte. Sipo Uo. Spezialitäten. Vniioge. Spezialitäten. Sirichsballen. Steitiner Sänger. Walhalla. Svezialitäien. Wintergarte». Geschloffen. Karl Haverland. Spezialitäten. Prater. Im Reiche des MarS. Urania. To>>ve»itr>ihe in/40. Abends 8 Uhr: Die Insel Rügen. Sterni»är»e, Invalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. Mittwoch 8 Uhr: Rosenmontag» Donnerst. 8Uhr: TantriS der Narr. Freitag 8 Uhr: Das Konzert. berliner Tkester. Heute 8 Uhr: l'aiLUN. Morgen: Talkiiu. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: In den Dolomiten. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel J�cli iiier Schiller-Theater 0.(Wallncr-Theat.) Gottscheld-Opcr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Zum letzten Male: Vi« V'OrutQr-Otirlutl. Letztes Austreten und Ehren-Abend von Fräulein Alexandrine Reinhardt als Christi. Donnerstag, abends 8 Uhr: and Zimniermann. Theater. Schiller-Theater Chariottenburg. Mittwoch, abend? 8 Uhr: vi« von Ilochsattel. Lustspiel in 3 Auszügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach 10 Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: vi« von Hocli.attol. Freitag, abends 8 Uhr: Die von Hochaattel. 8 Uhr. Das 8 Uhr. neue jettjationelle Programm. 10 große Attraktlone« 10. Ueti'opolt'desler Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Faul Idncke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Achtang! Diez9 nur Achtang! Seeterrasse Siehtenberg ROderotraße 11/13. Zwischen Landsberger Allee und Röderplatz. 11/13. Zwischen Landsberger/ Größtes und schönstes Lokal Berlins. un d � D?c«"st a g? Or. KOllZCrt. Austreten der besten Tnrmseilknnftler der Welt The Liepe»». The 3 Blackburns, Mr. Steffin tÄ'Ä?' Ponh, Esel, Schwein u. Hunde, u. das neue beste Programm Berlins. �Qand.°'anZ'waUe?-pöUerVe!'jl Ulll! LSlI. ——» Jeden Dienstag: Grostes Kindcr-Freudenfest. Anfang 3 Uhr. Wochentags 4 Uhr. Gesamteintritt 20 Pf. Kinder frei. „Pharus-Sommer-Thealer Besitzer: Max Ludwig. Art. Leitung: Max Beinhart Berlin ü., lltUllcrstr. 148. Täglich: Im herrlichen Naturgarten, bei Regen im Theatersaal; Konzerte. Spezialitäten-Vorstellung 20 KOnstler-Attraktionen. Stets wechselndes Familien-Programm. AuBerdem Jeden Freitag; Die beliebten ApollovSäng/er» Anfang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr. Geschlossen! Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Täglich: Kasernenluft. Berliner Volksoper. Heute'/,9 Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: - Alt-Hcidelberg. Idealer äes Westens. Anfang 8 Uhr. Die geschiedene Frau. Operelte von Leo Fall. IVeaeg Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Alt. von A. M. Willner B. R. Bodanzky. Musik v. Franz Lehär. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Im Tanbenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Vcbcr. Morgen und solgende Tage dieselbe Vorstellung. Sommcr-Preis« Luisen-Theater. s Uhr: Auf her Goldwllge. Schausp. in 5 AN. z. Stahl u. Ritterseldt. Donnerstag: Der stille See. Schauspiel in 6 Alt. v. E. Rilterfeldt. Freit., Sonnab., Sonnt., Moni. 8 Uhr: Aus der Goldivage. Sonntag 3 Uhr: Der stille See. OSE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ein»cltHamcr Fall. Phant. Schauspiel in 4 Akten von Morton und Gunniver. Ans. 8 Uhr. Morgen: Dies. Vorstellg. Auf der Gartenbühne: Theater- Vorstellung, Spezialitäten, großes Konzert. Ansang 4'/, Uhr. Wieltss-EMnung Mittwoch, den 17. August. Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. Ein einziger Erfolg! I-a mime espagnole ZopaTta und das großartige Augusfc- Frogramm. Passage-Panoptikum. S Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund I �uht-7 Vitascop- Thealer dlquatiopttcum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Gr. 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr t M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. Lckweher Garten Am Königstor— Am Friedrichshain. Täglich um S /, Uhr: Berliner Kerzen. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. Neue Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. TERRASSEN HALENSEE GrSBter Tergnogungspara des Kontinents. en, Translateur- und Mil Kapellen, Oberbayerische Sänger und Schuhplattler. Eintrittspreis 50 Pf. Tanagra �SS Neu! ss« Die größten Schlager der letzten Saison: Die Mrlt geht uiltkr!»nd Menn peri dessklbe tun mit Anton und Donat Hcrrnfeld. Billettoorvcrk. 1t— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. das achte Weltwunder. Festwoche ans der Oberspree Montag, den 8. bis Sonnabend, den 13. August in Milheelbrnillt 9 Uhr 39 Min., 19.39, 2.39. 3.39. 292b Am Mittwoch u. Donnerstag Abfahrt letzter Dampser 7 Uhr abends. Fahrkarten a 1 M., Kinder 50 Pf., sind aus der Dampferstation zu haben. Hierzu ladet ergcbcnst ein_ Reederei G. Kachow. $Sr Extra-billige Promenaden-Korsofaiirfen. Mittwoch, 10. und Tonnerstag, 11. August: Dampferstation Schillingsbrucke��j�- | mit festlich geschmückten Danipfern. Jeder Dampfer mit Musik. Dundfahrt auf dem Müggel- oder Langku-See. Die Dampfer fahren an sämtlichen dekorierten Lokalen vorbei. WMB» Abfahrt von vormittags 9 Uhr an ununterbrochen. Außerdem: Abfahrt von 7 bis 9 Uhr mit illuminierten ®am&räleuchulmti9Un8 Bismarckwarte, dann zurück nach dem großartig illuminierten Lokale Rentaai-ant Kyirhttnsor. Daselbst: Groffes Gartenkonzert und Ball. Fahrpreise für die ganze vorgenannte Fahrt SO Pf. Zur Rückfahrt vom Restaurant Kyffhäuser nach Berlw sind Extra- Billetts a Person 30 Pf. au lösen. Die Dampser verkehren nach Bedarf. Theater 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang 8-/. Uhr. Die neuen amUannten Spezialitäten. V olksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Bebm- u. Bellerniannftraße Täglich: Konzert-, Theater- und Spezialitäten-Verst. Das neue Riesen- Augustprogr. Neu: Der Zigeuner- baro», od.: Die Jagd n.d. schwieger- söhn. Posse m. Ges. u. Tanz in 5 Bild. Jed. Donnerst.: 6r. Brillant-Feuerw. CIRCUS Cyrill Halle [BcrUn, Potsdamer Straße Alter Botannischer Garten. J FernruF:! I Ami 6, 129.1 Täglich abends 8'/,: Gr. Gala-ibend. Mittwoch u. Sonntags 2 Vorstellungen nachmittags 4 Ohr und abends SV« Uhr. Freilag, 12. August: Benefiz für Herm Knrt Jost, Schulreiter. Alt-noablt 47/49. Täglich: Konzert, Thealer, Spezialitäten. V olgt-T heater Gesundbrunnen Badstr. 58. Heute: Große Elite-Vorstelliiug. '/� Uhr Pineta. llß Uhr Gr. romnnt. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Schulz. Das grofte August-Prograinm. Kaffcncröffnung 2 Uhr. Ans. 4>/, Uhr. Kttliuer Prater-Thklittt Kastan>enallee 7—9. Heute Scküt�enlis�. SpezIaMlee. Konzert und Ball. Anfang 4',, Uhr. Entree 30 Pf. PuMmanns Theater Schfinh. A. 148— Kastanien-A. 97/99. Große Elite-Borstellung! Von Stnfe 7 Uhr. 7uhr. zn Stnfe. Lebensbild mit Gesang in 5 Akten. Marie, Putzmacherin: Kate Reich. Ernst Wohlgemuth: Dir. C.Reich. Ansang'/,» Uhr. Entree 20—69 Pj. Kinder halbe Preise! Donnerstag: verliebte Mädchen. ��3 Brunnenatrnfie 10. Das größte Kino- Theater Berlins. Köniestadt-Kasino. Holzmarklstr. 72, Ecke tllexanderftraße. Im herrlichen Nawrgarten(bei un- günstiger Witterung im Theateilaal). Aeul Kurzes Gastsp. der brill. Musik- virtuos, irene u. Max Maxwell. Novität: Frauenemanzipation! Schwank, usw NB. Mein großer Feftsaal ist noch an einigen Soiiuabende« u. Sonn- taae« an Vereine zu vergeben. GttdH» GARTEN Täglich; Großes Militär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark. von abends 6 Uhr ab 39 Ps., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. WiilinMfe i Zoo. Täglich(Anfang 6 Uhr): Kinematographische Vorführungen. Hente neues Programm. Reietislialien-Tbeater. Von nun Wied, täglich: TAsttitisn Sänger Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnbab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographie». Während der Sommermonate«nr Sonnabend, Sonntag u. Montag. Elniritl 39 u. 49 Ps., Kinder dieHälste. Ans.7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochent. gültig, 23 Ps. aus allen Plätzen. Stets wcchs. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Künstlerkonzert. Entree 13 Pf. Garderobe 19 Ps. N. d. Konzert: Familien-Kränzchen. Täglich: Freikonzert. pSpree-Garlea Treptow. (Gegenüber der Sternwarte.) 1 Hente Hlttwoch: Großer SciiönlieitskongreB. 3 Barprclae: M. 50, M. 30, M. 20. Jeder Besucher ist Preisrichter. Militär-Elite-Konzert Kap. des Pion.-Bat. v. Rauch, kgl. Musikmeister K n o c h. Festausschniücknng. Illumination. Uferbeleuchtung. Anfang 7 Uhr. Entree 20 Rf, Im Rieecn-Festsual: Großer Fest-Ball. Ballmusik der Hauskapelle. 2Xanzmeister. 2 Tanzmeister. Morgen: Monster-Feuerwerk. B Will! und Festsäle. Inh.: 11 n doli Krüger. Hasenheide 13/18, vis-ä-vis v.TurnnL Tügllch: Große Theater- u. Spezialten- Artast. Leitung: Walter GrävenHi. Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag; KHte-Tagl Anfang: Wochent 6 Ohr. Sennl.'/.S Uhr. Vereins-Brauerei Rlzdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt. wr- Täglich:-TO» Gr. Militär-Konzert. klnsang wochentags 7 Uhr. . Sonntags 4 Uhr. Für den Inhalt der Jnirriite »drrniinmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. Lkrantwortllcher Redalteiiri L>anK Mber, Zkklia. Lür dis Lnieratkllteilekrallt»� Th. Glocke, YerliB, Krucku,Berlog: BoripärtSPuchdruckkrei». Berlagsgnftalt Paul Singer& So> 8/etIin SW. |li.l85. 27. Zahrgllvg. 2. Bfildut des Jormirtü" Ictlinet lolbhlnlt. Mittwoch. 10. August 1910. Für die ausgesperrten Bauarbeiter. Bei der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend gingen für die ausgesperrten Bauarbeiter Deutschlands ein: Liste 6539 2,50. 6540 4,40. 7071 2,20. 10963 Tischlerei Moldenhauer Söhne 9,85. Unterkommission Köpenick aus salzende Listen: Vom Arbeiter- Radsahrcrvercin Vorwärts 30,—. Durch den Verband der Heizer und Maschinisten, Zahlstelle Köpenick: 5618—5623 24,40. Genosse Wißler 5611 und 5614 40,65. T-rtilarbeiterverband 5615 und 5616 16,90. 5612, 5613, 5616, 5624, 5626, 5€27. 5628 20,30. Summa 132,25.— Verband der Steinarbeiter: 560 durch Hauschke 9,85. 565 durch Klcngler 2,30. 578 durch Rehn 3,50. 7863 durch Pelz 2.70. 7866 durch Ostheimer 2.—. 7868 durch Barkowski 4,60. 7869 durch Niunig 4,—. 7873 durch KIcinert 5,—. 7879 durch Rattcy 5,50. 7883 durch Marquardt 5,70. 10629 durch Becker 1,—. 10631 durch König 6,85. 587 durch Rauchbach 3,50. 485 durch Fritsch 5,25. 5447, 5458. 5459, 5460 Verband der Steinsetzer 21,35. 6553 2,-. 7178, 7179, 7188, 7189 11,10. 6587, 6588, 6592, 6594, 6595, 6896 12,20. Liste 257 5,75. Verband der Buchdruckerei-Hilssarbeiter, Ortsverw. Berlin, aus solgende Listen: 10 046 Messe, Falzerei 20,—. 10 042, Kühn Söhne 5,20. 10043 H. S. Herrnann 18.—. 10047 Boll 8,35. 9102 Kroll 3,20. «103 Bernstein 4,05. 10039 Möser 10,20. 7962 Grcve 7,70. 7964 Mosse, Rotationsabt. 22,50. 10045 Neue Zeit 2,—. 9145 A. W. Schade 7,20. 9112 Ullstein, Falzcrei 27,50. 9111 do. Rotationstagabt. 13,60. 9110 do. Jllustr. Ztg. 10,20. 9109 Atzidcnzabt. 11,60. 9141 Galo.PIastik 3,90. 7950 Regenhardt 1,60. 10041 Maurer u. Dimmick 1,40. 9142 Janiszewski 1,35 912? Licbhcit u. Thiessen 2 50. 7953 Atzhclm 5,05. 9124 Heins Erben 2,15. 9140 Union 1,90. 2975 Paß u. Garleb 12,85. 9135 do. 845. 7929 do. 10,50. 9148 Elsner 8,35. 5872 Rcichsdruckerci 30,10. 5863 Germania 1,50. 9150 W. Büxenslein 10,25. 9104 Seidel u. Co. 4,55. 10037 Billig Nachs. 3,75. 10044 H. S. Hermann 7,—. 9132 Sonntagsblat 16,75. 9149 Mosse, Rotationsabt. 23,10. 9101 Dtsch. Verl. 7,—. Verband der Lithographen, Verivaltung Berlin aus Listen 163,40. Verband der Maler und Lackierer,.Verwaltung Berlin, aus Listen 264,30.— Unterlommission Rixdors aus Listen 388,20. 1775 1,50. 500 Pianosabrik Linke u. Godcnlchweger 7,20. Verband der Wäschearbeiter aus solgende Listen: 7333 Plätterci Arndt 1,30. 7335 Korsettsabrik Neumann 7,35. 7336 durch Alb. Brcndt 1,80. 7354 Zuschneider I. Becher 3,50. 7355 Zu- schneidere! I. Jakobh 2,20. 7356 Zuschneiderci von Mosse 4,35. 7360 Zu- schneideret Seiingcr, Lippmann, Richs 2,—. 7361 Zuschnciderei von Plaut u. Zöllner 4,—. 7363 Zuschneiderei von Behrendt—,85. 7367 Zuschneiderci von Jakoby Nchsgr. 2,50. 7368 Zuschnciderei von Fritze u. Wohs 2,55. 7372 Zuschnciderei von Sonn u. Sommer 1,—. 7378 Kragennäherei Buchbolz 1,25. 7405 Krage, iplälterci I. Jakobh 1,—. 7415 Plätterci Sonn u. Sommer—,75. 250 9.60 10 954 5,25. 289 13,60, 8501 7,60. 1881 4,—. Verband der Fabrikarbeiter aus solgende Listen: 1005 2,75. 1010 5,25. 1030 2,90. 1038 1,30. 1043 3,—. 1055 2,—. 1056 7,35. 1068 3,50. 1083 6,-. 1082-.90. 7541 3,20. 7553 6,85. 7559 3,80. 1059 Chemische Fabrik Gries: ein, Spandau, 2. Rate 19,80. 1070 Gummisabrik Herz 19.50. Anilinsabrik Treptow 1071 13,50 1072 7,65. 1074 13,2o. 1084 Deutsche Messingwerke Nieder- Schöneweide 13,45. 7568 Chemische Fabrik Schering, Müllerstrage 8,25. Pflanzervcrein Veilchen 3,50. Deutscher Metallarbeiterverband, Ortsvcrwaltung Berlin, 19. Rate. 3186 Koll. o. Plagge u. Hartmann 10,90. Schivartzkopff, Scheringstr., 3362 9,15. 3363 11,35. 3364 10,—. 3365 30,75. 3366 15,80. 3367 2t,—. 3368 28,75. 3369 15,75. 10488 30,25. 10489 42,05. 10490 42,30. 10491 1,55. 10192 17,—. Anhalt. Masch.-Fabr. 4012 3,40. 4019 1,—. 4020 16,50. 4021 16,35. 4022 9.15. 4519 durch Parzick 5,—. Pintsch 4768 12,75. 9424 3,80. 10583 13,30. 10584 5,75. 10585 11,75. 8101 Hcppner 2,50. Dr. P. Meyer 8239 7,05. 8240 6,30. Siemens, Glühlampemverk 8282 13,30. 9307 2,45. 9309 18,80. Brendel u. Lewig 8949 6,50. 8950 13,40. 4914 Gesammelt v. d. Freiorganisicrten 57,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der A. E. G., Brunnen« u. Voltastratze, 4925 8.25. 4926 13 30. 4929 25,80. 4943 13,95. 4944 6.75. 4954 17,10. 4955 29,80. 4971 21,40. 4972 14,40. 4931 6.25. 4983 48,05. L. Löwe u. Co. 8412 36.25. 8413 11,65. 8414 9.25. 8415 8,05. 8417 12,45. 8418 13,30. 8419 21,15. 8420 13,15. 8421 7,30. 8422 24,05. 8423 13,25. 8424 16,45. 8426 7,20. 8427 6,20. 8769 Krohnc u. Co. 11,50. 9383 Koll. Socol 0,50. 9434 A. M. Krause. Pankow 10,—. Sielaff 9552 10,43. 10235 11,35. 10324 Henning 8,50. 10487 Tack 2,20. Summa 971,90. Deutscher"Mctallarbeite-Vcrband, Ortsverwaltung Berlin, 20. Rate: 8531 durch A. Dräger 5,—. 8686 Eva Read! Met.-Ind. 6,30. 9430 Berliner Straßendahn Treptow 6,40. 9433 durch König 10,50. 10581 Weiß u. Samek 11,50. 70 Unterlartell Obcr-Schöneweide 1,25. Kabelwerk Oberspree 3005 5,40. 4444 3,90. 4445 31,55. 9655 5,—. 9656 4,50. Sluto Ober-Schöne- weide 4442 21.—. 9663 21,85. Massei Schwartzkopfs Wildau 9233 10.—. 9236 18,55. 9240 16,—. 9241 21,05. 9242 10,—. 9243 6,50. Siemens Dynamo-Werk 5,80. 8145 7,95. 8146 13,50. 8147 9,—. 8148 6,55. 8149 8,—. 8150 9,55. 8151 21,05. 8152 11,50. 8154 6,85. 8155 4,50. 7,—. 9619 10,25. 9620 11,30. 9621 16,60. 9624 7,00. 9625 7,25. 9628 9,60. 9629 11,—. 9631 8,90. 9634 7,—. 9635 6,20. 9637 9,—. 9638 3,75. Borsig 8683 13,55. 6684 39.—. 8685 9,35. 8692 12,—. 8694 9,50. 8699 3,25. 8706 26,30. 8711 20,50. 8712 26,10. 8717 2,75. 8718 10,05, 8691 19,90. 8698 10,55. 8710 20,50. 8716 11,40. 8729 3,30. 8156 5,50. 9627 2,50. 9636 8682 11,30. 8690 10,70. 8697 17,50. 8709 24.40. 8715 14,40. 8' 28 31,25. 8680 14,70. 8081 27,40. 8688 27,—. 8689 12,90. 8695 7,45. 8696 13,85. 8707 7,50. 8708 15,—. 8713 24,75. 8714 13,20. 8726 22,50. 8727 7,70. 8503, 8504 u. 8505 durch Roi 36,45. A. E.-G., Brunnenstraße 3941 u 4937 2,—. 3920 31,40. 4912 8,95. 4999 11,75. 3752 Ludw. Löwe u. Co. 5,50. 8353 Saucrbier 8,50. 8383 Koll. Kollin 0,20. Firma Auer 8385 0,75. 8387 6,—. 8389 0,45. 8842 Firma Fries 5,15. 8959 durch Gehring 19,55. 9211 Stein 18,10. 8591 Stolzenberg 19,35. Summa 1157,95, Unterkommission Spandau aus Listen 48,05. Zentralveretn der Bildhauer, Verwaltung Berlin aus Listen 166,45. 5604 3,50. Verband der Tapezierer, tiliale Berlin aus Listen 180,25. 1920 4,25. Verband der Kürschner, Filiale erlin aus solgende Listen: Pelzwarensabrikcn Zielke 2781 4,50. Kalinowsky 72 3,90. Unterbusch 62 19,—. Dreiblatt 47 21,—. Mützensabriken Schwarz 39 6,80. Smarsch 36 18,20. Grünwald 26 8,45. Mcrcy 15 1,—. Zurich- tcrei Müller 7698 12,30. Pelzwarcnsabrik F. Singer 7696 8,25. Mützen- sabriken H. Zins 7694 7,10. G. A. Hofsmann 7693 7,85. Zurichterei Hondscha u Wodrich 7690 1 2,50. Mützensabriken Geselle 7679 7,75. Souschon 7678 10,50. Pelzwarcnsabriken Meiner 7677 2,20. Jacob u. Bräutigam 7676 14,—. Gcrson (Grünwald) 7675 10,50. Michelet 7673 9,45. Stein 7670 5,30. Beil 7667 9,55, Landsberger 7663 10,85. Pelzwarenfabri ken C. Winter 7660 3,50. Scholtze 7655 6,50. Saalbach 7649 17,70. Mützensabrik Ch. Haug 7724 6,20. Pclzwaren« sabrik V. Manbeimer 7721 14,45. Mützensabrik A. Ärotchenn 7720 7,75. Pelz- warensabrik Radow 7713 2,30. Bureauliste 7708 2,50. Mützensabriken H. Stockmann 7707 11,35. G. A. Hofsmann 7701 4,45. Sa. 277,65. Kahlbow 7,25. 7870, 10627 Verband der Stcinarbeitcr 29,40. 2844 7,35. 245 12,30. Tr.-A.-Vbd.—,50. 314 1,20. 5605 17,80. Verband der Glasarbeiter auf Listen 18,30. 7448 3,75. 4152 6,30. Verband der Steinsetzer aus Listen 22,15. Verband der Bäcker u. Konditoren aus Listen 9,90. Verband der Schmiede aus solgende Listen: 503 6,25. 505 7,65. 506 2,—. 507 1,85. 508 2,90. 509 5,80. 514 4,20. 517 1,25. 544—.50. 6743 5,—. 6727 1,15. 6744 4,50. 547 Patzenhoser I 11,40. 6724, 6725 Wagensabrik Lange u. Gutzeit 20,50. 6741 Schmiede u. Nieter bei Druckenmüller 16,25. 453 3,60. 7056, 7057, 7075 15.15. Verband der Isolierer u. Steinholzlcger aus Listen 63,45. 204 bis 209 durch Koch 32,05. Verband der Gemeinde- arbeitet', Verw. Berlin aus Listen 86,05. 1810, 1970, 9891, 9870, 9871, 9872 Stockarbeiter-Branche 35,65. 10929 3,15. 6600, 6618 7.60. Vciband der Handlungsgebilsen, Bezirk Berlin, aus Listen 36,25. Lottene- llub.Zusriedcnheit' 4,50. Unterkommission Charlottcnburg aus Listen 19,55. 10 943 Tischlerei Hyan 8,80. Listen 7601, 7602, 7603, 7609, 7610, 7612, 7616, 7617 der 14. Abt. 4. Kreis 25,90. Verband der Tapezierer aus Listen 17,50. 5918, 5919 Unterkommission Spandau 11,80. 7435, 7446, 7449 vom Verband der Maschinisten u. Heizer 22,20. Verband der Textilarbeiter aus solgende Listen: Posamentenbranche 907 6,60. 908 3,20. 909 6,15. 910 3,50. 911 1,75. 912 1,50, 913 2,—. 916 2,20. 985 1,25. Stickereibranche 919 10,—. 986 1,—. 987 2,—. Stickerei Kerb 988 7,15. Lande 989 6,90. Dekatur Mühlberg 947 3,80. Heese 954 6,50. Tack 955 0,90. Behlnack 958 8,70. Ramitz u. Walter 960 6,15. Bchmack 961 6,75. Gottschalk u. Laste 978 5,90. Oppenheim 984 5,25. 993 0,25. Teppichsabriken Feibisch 943 3,45. 2,75. 982 16,80. 983 16,05. 990 17,05. 991 Verband d. Blumen- u. Blättcrarbciter aus Listen 28,55. Portarbeiterverband aus folgende Listen: 605 2,50. 610 3,50. 616 11,10. 637 3.50. 638 7,60. 656 Kaffeerösterei Engclmann 9,15. 657 6,70. 658 1,20. Otto Müller Benjamin 931 1,90. 992 13,95. Deutscher Trans> 676 1,—. 807 17,15. 809 13,60. 810 2,—. 855 Betrieb L.'Figner, Georgen« kirchstraße, verlor. Betrag abgeliefert. 861 4,10. 894 2,— i 895 13,35. 897 Hilssarb. d. Fa. Sentker, Maschiuensabr. 13,—. Verb. d. Schneider aus Listen 52,75. 5. Kreis aus solgende Listen: 169,95: 1. Abteilung 6874 9,25. 6880 2,75. 6883 9,10. 6885 1,—. 6890 1,80. 6894 10,15, 6895—,50. 6897 11,25. 6904 4,25. 6908 6,30. Sa. 56,35. 3. Abteilung 6916 1,75. 6951 2,20. 6952 6,20. 6953 8,—. 6959 7,85. 6960 9,55. 6965 2,—. Sa. 37,55. 4. Abteilung 6977 1,—. 6978 5,45. 6980 2,—. 6981 1,25. Sa. 9"X 5. Abteilung 7000— 30. 7001-,60. 7002—,40. 7003 3,—. 7009 1,—. 7011 23,25. Sa. 28,55. 6, Abteilung 7017 2,—. 7018 2,—. 7023 3,85. 7029 1,75. 7030 2,30. 7032 7,10. Sa. 19,20. 7. Abteilung 7038 18,60. 5304 8,05. Wahlverein Königs-Wusterhausen aus Liften 43,45. Lemmin, Homberg am Rhein 4,50. � Jankc, Bootsbauer 10,05. Unter» Immission Friedrichshagen aus Listen 27,—. 487 Schmidt 2,—. Insgesamt 5708,05 M. Bisher sind abgerechnet 138.521,27 M., in Summa 144 229,32 M. W i r bitten noch einmal, die noch in Händen be» findlichen Listen abzuliefern. Oeffentliche Ouit« tungwirdnichtmehrgegeben. Gelder, welche per Post eingesandt werden, sind an A. Körsten, 80. 16, Engelufer 15, I zu senden. Alle Sammlungen sind sofort auf unserem Bureau, Engelufer 15,. I, Zimmer 23 an den Wochen- tagen in der Zeit von vormittags 9—12'/3 Uhr und nachmittags von 4— 7>/z Uhr abzuliefern. Sonnabendnachmittag geschlossen. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission für Berlin und Umgegend. I. A.:«. Körsten. Amtlicher Marktbericht der siädtilchen Marktballen-DIrektion über den Großhandel in den Zentral-Marktballcn. Marktlage: Fleiich: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend. Preise unverändert. Wild: Zufuhr reichlich, Geichäst flau, Preise nachgebend. Geslügel: Zusuhr in Gänsen reichlich, sonst knapp, Geschäft schleppend, Preise befriedigend. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Gcichäit ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Zufuhr gering, Geschäft ruhig, Preise unverändert. Ge» müse, Obü und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise gedrückt, Gurken fast nicht verkäuslich. BSasserstandS-Nachrickite« der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetcllt vom Berliner Weltcrbureau. 1 ff- bedeutet Wuchs,— Fall,— Unierpegel. Nach telegraphischer Meldung war die Oder bei Ratibor gestern nachmittag um 5 Uhr aus 862 cm und bis heute morgen aus 305 cm gefallen und fällt weiter. SwiiüdemokraflschefffaWverelii für den 4. Berliner Reiclislags-Walilkreis. Frankfurter Viertel. (Bezirk 301.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schuh- macher fenünand Weiß (Palisadcnstraße 92) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. August, nach' mittags 4 Uhr. von der Leichen- balle des Auserstchiings-Kirchboses in Weißcnsec ans statt. 220/4 Der Vorstand MdeMrstod.Mrä für den LBerlinerReiebsiaiswaitois. «openicker Viertel. (Bezirk 186.) Den Mitgliedern zur Nachricht, Sag unser Genosse, der Graveur Franz Großmann Mantcuffelstraße 24 zestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigmig findet am Donnerstag, den 11. August, nach- mittags 4'i« Uhr. von der Halle des Enlmaus-KirchhoscS in Rix- Dorf, Hcrmannstraße, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwattung l-rok Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Mörtel- kutschcr kriedrick Lengert am 7. August im Alter von 33 Jahren verstorben Ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. August, nach. mittags 5 Uhr, von der Lelchen» halle de« Rixdoiser Gemeinde- Kirchhofes aus statt. 70/16 lii« Bezirkavenwaltung. )n der Reise zurück. 440L Dr. Zadek, ph. IV 3630. Dresdener Sir, 10«. m der Reise zurückgekehrt. nitätsrat Dr. Böhm, ialarzt für Wasserheilverfahren. Charlottenntr. 14. Raoh langem Leiden sankt entschlafen ist am 8. August, morgens 12'/. Uhr, meine liebe Frau, unsere herzensgute Mutter, Dochter, Schwester, Tante und Schwägerin Marie Pruschinski geb. Heppelmann, verw. Glaser im 44. Lebensjahre. Potsdam, 9. August 1910 439L Im Namen der Hinterbliebenen: Wilhelm Pruschinski, Marie Glaser, Luise Glaser. Die Beerdigung findet ara Donneistag, den 11. August, nachmittags 2 Uhr, vom Trauorhause, Kaiser-Wilhelmstraße 38, aus auf dem alten Friedhof statt. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schrauben- dreh er Max Zimmermann am 7. b. MtS. an Nierenleiden gestorben Ist. Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 10. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle des neuen Rixdorscr Kirch- hose», Mariendorfer Weg, auS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schloffer Karl WoschoHus am 8. d. MtS. an Magenleiden. Ehre ihrem Andenken I Die Beerdigung findet am Donneistag, den 11, August, nach- mittags 6 Uhr. von der Leichen- halle des Heiligkreuz-KirchhoseS in Mariendorf aus statt. Rege Beleiiigung erwartet 119/16 Die OrtS Verwaltung. ZeutralverliaDil der fiandlungs- gel!ilfeiiu.GebiIfiniieii0eutaehL Bezirk Groe-Berlin. Erst jetzt erfahren wir, daß uns unser Mitglied , Erich Bude am 31. Juli durch Ertrinken im Müggelsee entrissen wurde, was wir unseren Mitgliedern hierdurch mitteilen. I Ehre seinem Andenken l 288/16 Die Orlsverwaltung. Danksagung. Sagen hierdurch allen Freunden, Bekannten und Verwandten sowie den Kollegen der Firma Lehwarlz- kopff und dem Deutichcn Metall- arbeiterverband für die zahlreiche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres unvergeßlichen VaterS und Schwiegervaters, des Dreher» sUben� Struck unseren herzlichsten Dank. 305b Wwe. Emma Strack. Walter Struck. E. ItGckert nebst Frau geb. Struck. Danksagung. !e liebevolle Teiin 8086 Für die liebevolle Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage Ich den Arbeitern der Finna Rudolf Hartmann sowie dem Gesang- verein.Rixdorser Liedertafel-, dem Wahlverein, dem Deutschen Metall- arbeilervcrband, dem Sparverein »Biene- und allen Genossen und Ge- nosfinnen meinen besten Dank. Wwe. Minna Jung nelist Kindern. Ton der Reise snrückt Dr. Hoffmann Augenarzt Gr. Frankfurter Str. 134. »/«st— 11, 5-7 Uhr. Von der Reise zurück. Dr. Magnus Hirscbfeld, Nervenarzt, In den Zelten 16 1. Extra- Abtellnng 1 1. Gesch.; Berlin W., Mohren- 1 StraSe 37a(2. Haus von der[ Jerusalemer StraSe). II. Gesch.: Berlin HO., Grolle I Frankfurt. Str. 1 1 5(2. Haus| von der Andreasstralle). Sehr gr. Ausw. kort. Kleider, 1 I Hüte, Handschuhe, Schleier! I etc. v. einfachsten bis zum I | hochelegant. Genre z. äußerst| niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: RaOnnfcrtigung in 10 bis 12 Stunden. FiBiale Berlin. Freitag, den 12. August 1910, abends 6V2 Uhr, in den„Musiker-Festsälen". Kaiser-Wilhelmstraße 18m: iußerordentl. Mitglieder- Versammlung. TageS-Ordnung: Bericht von der O. Genera Iversainmlang In Dresden. 193(7_ Anfang Präzise. Kein Kollege darf fehlen!-fM! Der Vorstand. Maßanzüge sehr elegant, 32—85 M., ferttge An- züge 8,25 an. Tuche sehr große Aus- wähl. Posten engl. Stoffe». Anzug- rcslc billig. Ger» schicken wir unsere Bertreter mit Muster ohne Kauf- vevPftichiuiig.Tnekgesellseliart Koltbuscrdamm 18—17(HochbJ Cor- zeigcr d. Inserats erhält 5«/„ Rabatt. (Haben Sie Stoff? Ick Jertitte dafon Anzug od. Paletot nach Mass, schick, dauerh, Zutaten, ton 20 Mark an. M oritz La band, . Neue Promenqdek.II.( Stdlh Börse). Wer-Stoff-hat! Fertige Herrenanzug oder Paletot von 20 M. an, feinste Zutaten, aus Roßhaar, zwei Anproben, für guten Sitz bekam gold. Medaille. Bitte zum Maßnehmen um Ihren Besuch, da keine Vertretung. Ein Versuch iübri z.dauernd.Kundschast. Endwlg Engel, Prenzlauer Str. 23, II, Alexanderplatz. Gegr. 1892. Siehe auch Adreßbuch I. Teil, 1910, Seile 552, unter B. 89/11 Tucliresle'V' Hosen spottbillig 1 Neueste Musler I Verl oll,-Institut: Friedrichsl.1 Ill/I, a.Orabg. 'Tor. Eleg. Frack, Gchrock l,50.Hoscl.OO. Weile 50Pf. I Zepernick-Bernau. Parzelle von 390M. an(ca stOnfi-) i Kleine Anzahlung u. lairgjäyngc i Hypotheken. Pläne gratis. Vor-> käufer ständig am Bhf. Zepernick. 1 J. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5.' Von der Reise zurück. Dr. Elatow, 89/7 Große Frankfurter Straße 101. Von der Reise zurück! FrelNclimidt, prakt. Arzt, | Wundarzt und Geburtshelfer. Charlottciifenrg, 1 333L Berliner Straße 98. »STmJWD AAnhronffr* 1»-..�,,-------- v/U _ MOftreflrtr. 37a. sme lemsalemEßlr) Grosse rrankfcirters[p.ll5i(nabe FtiKcfr nur' gute Fabrikate! werden Jolzt während des Umbaues Kostnms Mäntel Kleider Bücke Binsen Wetter- Capes Kimonos passend llir Jede, auoh die stärkste Figur, LH ü Utl M eew-e weei«UM II VI M «. B. fr. teilw. 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Referent: Kollege Handle. 2. Diskussion. Kollegen und Kolleginnen! In dieser Versammlung soll festgestellt Werden, ob Sie mit den gegenwärtigen Lohn- und Arbeitsbedingungen auch serner zusrieden sein können. Zu diesem Zweck ist es notwendig, dag Sie alle in dieser Versammlung erscheinen, damit Ihre Meinung einheitlich zum Ausdruck gebracht wird. ES darf im eigenen wie im allgemeinen Interesse niemand schien. Die Versammlung wird Pünktlich eröffnet. Donnerstag, den 11. August 1910, abends 0 Uhr: LdrKz- Versammlung für Weißensee und Umgegend im„Prälaten", Weiftensee, Lehderstraße 122. TageS-Ordnung: l. Jahresbericht der Bezirksleitung. 2. Neuwahl der Bezirksleitung. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. 119/15 Deutsclier Buchbinder-Verband. - Zahlstelle Berlin.-------------------- Achtung! Etnlsbranelie! Achtung! Donnerstag, den 11. August 191«, abends 51/, Uhr, findet die Versammlung im Saal 1 des Gcwerkschaftshanses. Engelufer 15, statt. 24/9 Die Ortsverwaltnug. 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Wegen Streik llud Lohndifferenzen sind gesperrt: Pianofabrik ffrlMicb£«ernlae, Königsbcrgcr Str. 10. Küchenmöbelfabrik PfeUTer, Retnickendoil, Holländerstr. 110.; Kelnoh, Tischsabrtk. Fruchtstratze 32. Korbmacherei der Siralauer GlaS« Hütte. Pianofabrik Stelnwosöh 8«n» in Hamburg, sämtliche Tischlereien in Dahme in der Mark, Stolp und Lassan w Pommern. Das Berliner Arbeitswilligen» vermtttelungSburea« d. gelben »HandwcrkerschutzverbandeS«. Tie Ortsvenoattung Berlin d. Dcntich. Holzarbeiterverband. Leianttvortlicher Nedakteur: Hqns Weber, Berlin. Für beil Inseratenteil verantw,? Th. Glocke, Berlin, �rucku. Verlag: Vorsärtt Kuchdrutzni u. Ve.rlgLsgnitg.lt Pggl Singer& So.. Berlin SWt Nr. 185. 27. Jahrgang. 3. Seine des Dmiirls" Sftliatt Snlblilatt.• . Anguß 1910. Heute, den 10. Euguft, Zd!)ldbend in den Bezirken Groß'Berlins. parte!- Hngelegenheitem Das Ergebnis der Urwahlen im 4. Wahlkreise. An der Wahl beteiligten sich 4172 Mitglieder. In den Vor- stand wurden gelvählt: Paul H o f f in a n n, 1. Vorsitzender, Wilh. Mann. 2. Vorsitzender; Hcrm. Barenthin, 1. Kassierer, Wilh. Jöchel, 2. Kassierer; Max Menzel, 1. Schriftführer, Adolf Zeuner, 2. Schriflfnhrcr; Margarete Wengels, Beisitzerin. Revisoren: Karl Arndt, Max Frehland, Willi Grog er, Karl H a s e l o f s, Franz K u p f e r s ch m i d t, Albert Mermuth. Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt: Agnes Fahren- w a I d, Georg David söhn, Karl B e t h k e, Wilhelm Mann, Richard H a ck e l b u s ch, Paul L i t f i n. Als Delegierte zur Brandenburger Konferenz wurden gewählt: Leo O st r o w s! i, Ernst Fischer, Wilh. E u e. Der Vorstand. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Zahlnacht für Buch dr ucker, Stereotypeure usw. Hellte Mittwoch, den 10. August er., bei Jul. Meyer, Oranienstr. 103. Tages ordnung: 1. Geschäftliche Berichte. 2. Sisyphusarbeit lHans Weber).. Die Vertrauensleute. Dritter Kreis. Für die Bezirke 157 bis 160 und 259 findet ein gemeinsamer Zahlabend im GewerkschaftShaus, Saal I mit einem Vortrag des Gen. Ad. Ritter statt. Für die Bezirke 253 und 273 tagt der Zahlabend bei Julius Meyer, Oranienstr. 103. Der Vorstand. Schöncbcrg. Ans dem Abschiedsfest der Ferienkolonie im Linden- park ist eine schwarze Damenledertasche verloren gegangen und eine Kindennütze gefunden worden. Die Gegenstände sind beim Kassierer L. Herter, Grunewaldstr. 30 abzugeben bezw. abzuholen. Der Vorstand. Eharlottcnburg. Die Parteigenossen der dritten Gruppe werdeil daraus aufmerlsam gemacht, dah der heutige Zahlabend des 25. und 26. Bezirks(Kietz) ausnahmsweise bei Fritz Kant, Tegelerweg 38/39, stattfindet. Wilmersdorf. Der neunte Bezirk, der sich bis dahin bei Käster, Lauenburger Strohe, versainmelte, hält heute abend im Gesell- schaftshause, Wilhelmsaue 112, seinen Zahlabend ab. Der Vorstand. Friedenau. Wir machen auf den am heutigen Abend bei Mechelke, Handjerystr. 60/61, stattfindenden gemeinsamen Zahlabend aufmerksam. Halens«. Der Zahlabend am heutigen Mittwoch findet gemein- sam bei dem Genossen Sengebusch, Karlsruher, Ecke Heilbronner Straße, statt.. Baumschulenweg. Heute abend S'�Uhr gemeinsamer Zahlabend bei Speer, Baumschulenstr. 78. Tagesordnung: Berichterstattung von der Kreisgeneralversammlung und Vorttag über den Massen- stteik. Bohnsdorf und Nmgegend. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heute abend 8>/� Uhr in Villa Kahlert statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Krelsgeneralversammlung. 2. Dis- kussion. 3. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung von Groh-Berlin, sowie Wahl emer Genossin zur Konferenz der Lese- obendleiterinnen. 4. Vereinsangelegenhelten und Verschiedenes. Die Beiträge werden vor der Versammlung entgegen genommen. * Der Vorstand. FriedrichSfelde. Heute Mittwoch, abends 8�/, Uhr, findet ein gemeinsamer Zahlabend bei Kohlhase, Schloßstr. 2, statt. Tagesordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag. 2. Vereins- angelegenheiten. Erkner-WolterSdorf. Heute Mitgliederversammlung des Wahl- Vereins in Erkner. Der Vorstand. Berliner JVacbrichten. In Chorin und am Paarsteiner See. » � Ein Äusflug nach Chorin und seiner landschaftlich reizenden Umgebung bietet sowohl dem Geschichts-, als auch -dem Naturfreunde viel Schönes und Interessantes. Vom Stettiner Bahnhof, ab 6 Uhr morgens, erreicht man nach etwa fünfviertelstündiger Fahrt(Sonntagsfahr- karte dritter Klasse hin und zurück 2,40 M.) das Dorf Chorinchen. Vom Bahnhof wandert man östlich durch den freundlichen Ort und dann auf einem Feldwege weiter nach dem Kloster Chorin. Die Höhe, über die der Weg führt, bietet eine prächtige Aussicht in die hügelige, schöne Ucker- neark. Abwärts führt der Weg durch herrlichen Kiefernwald, bis bald zwischen den-stammen der Spiegel des Choriner Amtssees aufblitzt. Still und verträumt, von den Lichtfluten der Morgensonne umkost, liegt er friedlich in idyllischem Grün. Man könnte stundenlang hier am Ufer sitzen,»sinnen und träumen. Wendet man sich nun rechts und folgt dem munteren Fließe, das den See verläßt, so öffnet sich vor dem staunenden Auge ein Bild des lieblichsten Waldeszaubers. Seltsam, oft wunderlich gestaltete uralte Hainbuchen und Nüstern strecken phantastisch ihr Geäst hinauf zu dem grünen Laubdach. An einem Holzsteg steigt man links den Pfad aufwärts in den Klostergarten, der jetzt forstwissenschaftlichen Zwecken dient, aber doch wunderbare Anlagen besitzt. Aus deni dichten Grün ragen dann bald die grauen Gemäuer der Klostcrruinen auf. Ende des 13. Jahrhunderts von dem Mönchsorden der Zisterzienser gegründet und erbaut, wurde der einst so stattliche Bau im dreißigjährigen Kriege zerstört. Chorin ist heute wohl eines der schönsten Baudenkmäler Norddeutschlands. Die hohen, spitzbogigen Fenster, die ge- wölbten Kreuzgänge, die mit Blattornamenten geschmückten sechs und achtkantigen Säulen weisen überall einen rein gotischen Stil aus. Mit einem Aussluge nach Chorin läßt sich noch sehr gut eine Wanderung durch den prächtigen Chorin-Oderberger Wald an den Paarstciner See verbinden. Südlich vom Kloster zweigt von der Eberswalder Chaussee ein Weg ab, der nach Oderberg führt. Auf diesem wandert man durch herrlichen Buchenwald mit teilweise recht üppigem Unterholz nach Forsthaus Liepe. Wohl ein gutes Viertelstündchen vor diesem zieht sich links nach Norden der staatlich geschützte Naturpark der Plagefenns. Für den Botaniker ist ein kleiner Abstecher dorthin zu empfehloir. Eine üppige Flora belebt diese verlandeten Seen und ein wildes Buschtverk von Erlen, Wirken und Kiefern bildet einen schier undurchdringlichen Urwald. Nie greift hier die Hand des Menschen ordnend ein, ja, es ist streng verbotest, Zweige, Pflanzen usw. abzubrechen. Da keimt's, wächst's, stirbt's ab. vermodert und schafft wieder Nährstoff für neues Leben. Vom Forsthaus Liepe kann man nun südlich nach Dorf Liepe wandern, von da am Nieder-Oderbruch die neuen Schleusenanlagen des Stettiner Schiffahrtskanals besich- tigen und von Nieder-Finow(von wo die Sonntagskarte nach Chorin auch Gültigkeit hat) abends 8.39 Uhr zurück- fahren. Nach dem Paarstciner See wandert man noch ein halbes Stündchen auf dem graumarkierten Wege weiter, bis an einem Kreuzwege ein Wegstein nördlich nach Pehlitz zeigt. Hier kommt man durch einen stattlichen Buchenwald. Lichtet sich der Wald, so blinkt der Spiegel des Paarsteincr Sees auf. Eine weite Landschaft dehnt sich wieder vor dem staunenden Auge. Der See ist einer der größten der Mark, bis hinauf nach Herzsprung reicht sein Nordzipfel. Auf dem Pehlitzwerder, einer hier auf dem Südende liegenden Insel, stand ehemals das Kloster Marienscc, der Vorläufer von Chorin. Vom Paarsteiner See wandert man nun durch an- mutiges, hügeliges Gelände über Pehlitz nach Brodowin. Die Spiegel von kleineren Seen blinken häufig auf, denn man durchwandert auf dieser Tour einen Teil der nckermärkischen Endmoräne. Von Brodowin führt ein wcißmarkierter Weg zurück nach Chorin und Chorinchen. Man wandert wieder durch prächtigen, abwechselungsreichen Wald. Nach einer guten Stunde liegt der Amtssce, vom Golde der Abendsonne übergössen, wieder da und aus den grünen Wipfeln der Bäume ragen die Zinnen der Ruine hervor, ein Bild friedlich und schön._ „Apachen" in Berlin. Unter dieser Spitzmarke ging vor einigen Tagen eine Notiz durch eine Anzahl Blätter, in welcher über das Ueberhandnehmen des Rowdytums sowie über steigende Unsicherheit in einigen Straßen Berlins Klage geführt wurde. Anlaß zur Verbreitung jener Notiz bot der Totschlag des Händlers Katzerowski in der Danziger Straße, der heute noch der völligen Aufklärung harrt. Mitarbeiter einiger Blätter, so u. a. der.Berliner Morgenpost" wie der.Deutschen Tageszeitung" haben jene Gegend, die Danziger Straße sowie deren Nebenstraßen, Schliemann-, Duncker-, Senefelderstratze u. a. besucht, um sie auf ihre.Sicherheit" zu prüfen. Sie haben an ihre Auftrag- geber den Bescheid zurückgebracht, daß die Sicherheitszustände jener Gegend.jeder Beschreibung spotteten" und daß sie sich nur noch be- Waffnet und unter dringender Veranlassung in jene Gegend wagen würden. Immerhin sind die so sehr bedrohten Herren wieder ohne Schaden ans jener nach ihrer Meinung von dem Rowdytum völlig beherrschten Gegend, in der der arme Schutzmann zu völliger Ohnmacht verurteilt ist, gekommen Die.Morgenpost" sang in ihrer Sonntagnummer am Schluß einer nochmaligen.Die Rowdyplage in Berlin" überschriebenen Notiz ein Klagelied über zu schwache Besetzung der Schutzmann schuft wie über„empfindlichen Mangel" an Schutzleuten überhaupt. Diese Notizen haben bei einer Anzahl Bewohner jener Straßen nicht geringe Verwunderung hervorgerufen. Hiernach müßten sie sich ja, ähnlich wie jener Reporter, beim bloßen Betreten der Straße bis an die Zähne bewaffnen. Ja, die Bewohner empfinden eS sogar als eine Beleidigung. daß man gerade in jene Straßen die Polizei schicken will. Das Rowdytum macht sich nach der Versicherung der Anwohner nicht mehr bemerkbar, wie in vielen anderen Gegenden auch, und eS liegt gar keine Veranlassung vor, diese Straßen extra in ein Belagerungsgebiet für die Polizei zu verwandeln. Die über triebenen Schilderungen jener Blätter könnten letzten Endes nur noch zur Folge haben, daß eine Anzahl Geschäftsleute schwer ge schädigt werden. Die nach Meinung der.Deutschen Tageszeitung „scheußliche Gegend da im Norden" wird von ebenso anständigen Leuten bewohnt wie der Westen. Auch letzterer ist von einem ge wissen Rowdytum nicht minder frei wie der Norden sowie auch der miterwähnte Osten Berlins. Wenn die Polizei den ernsten Willen hat, einzelnen Rowdys das Handwerk zu legen, so bedürfte es sicher einer Verstärkung der Schutzmann- schaftnicht. Denn die Tatsache, daß oft unnötigerweise— und nicht zuletzt im Norden— Personen sistiert und zur Wache gebracht werden, läßt auf einen Mangel an Schutzleuten nicht schließen. Ueberdies scheut sich die Polizei ja bei Wahlrechtsdemonstrationen keineswegs, ganze Stadtteile polizeilich zu entblößen, ohne Rücksicht auf das Rowdytum. In der Untersuchung gegen den Rektor Bock greifen die Maß- nahmen auch auf andere Personen hinüber, deren Reihe erst be- gönnen hat. Dem Rektor Bock ist gestern einer seiner Lehrer in das Untersuchungsgefängnis gefolgt, und auch sein eigener 16 Jahre alter Sohn soll sich nach dem bösen Beispiel seines Vaters mit Schülerinnen zu schaffen gemacht haben. Als der Lehrer K. gestern morgen erschien, um den Unterricht zu beginnen, wurde er von der Kriminalpolizei empfangen und nach dem Polizeipräsidium ge- bracht. Das Ergebnis des langen Verhörs und der Gegenüber- stellungen war, daß die Kriminalpolizei den Lehrer gestern nach- mittag mit einer Droschke nach Moabit brachte und dem Unter- suchungsrichter vorführte. Es wird über ihn gemeldet, daß er eines Sonntagsnachmittags ein Mädchen auf sein Wohnzimmer geladen und empfangen hatte, angeblich, damit diese sich an Gesangsvor trägen ergötze. K. soll auch nachgewiesen sein, daß er ehemalige Schülerinnen, Mädchen bis zu 17 und 18 Jahren, nach seiner Wohnung mitgenommen, und daß er dort versucht habe, sie zur Duldung schmutziger Dinge zu verleiten. Ueber die Verfehlungen des Rektors Bock selbst werden noch Untersuchungen angestellt, da dieselben zehn Jahre zurückreichen. Die Mitteilung, daß der Rektor neben seinem Amtszimmer noch ein Zimmer gehabt habe, um sich dorthin die Schulkinder und früheren Schülerinnen zu bestellen, wird in einer neueren Meldung als nicht richtig bezeichnet. Alles was dem Rektor zur Last fällt, habe sich im Amtszimmer und in Absteigequartieren ab- gespielt, wovon bis jetzt zwei ermittelt worden seien, die in der Kronenstraße und in der Halleschenstraße liegen. Es wird sogar oie Behauptung aufgestellt, Rektor Bock habe anderen Herren, mit denen er bekannt und befreundet war,, Mädchen aus den Kreisen seiner Schülerinnen zugeführt, um sie ihnen für gewisse Dienste in den Absteigequartieren zu über- lasten. Rektor Bock habe sich mit seinen Freunden, denen er ge- fällig sein wollte, in seinem Amtszimmer getroffen. Dorthin habe er dann, zum Teil unter der Vorspiegelung, daß sie seiner Tochter Gespielinnen fem sollten, die hübschesten und am besten entwickelten Mädchen kommen lassen und dieselben veranlaßt, vor seinen Gästen Geoichte aufzusagen. Er habe es dann so eingerichtet, daß er ab und zu das Amtszimmer verließ und ein Weilchen wegblieb. Einige Herren holten dann später die Kinder auch aus der Schule ab. Tie Bekanntschaften, die auf diese Weise angeknüpft wurden, fanden nach der Schulentlassung der Mädchen ihre Fortsetzung. Aber nicht bloß in seinem Amtszimmer habe Bock Kinder mit seinen Freunden zusammengeführt, sondern auch in Cafes und verschwiegenen Zimmern gewisser Wirtschaften. Zu geeigneter Zeit sei er dann verschwunden und habe die Mädchen seinen Freunden überlasicn. Es muß natürlich erst abgewartet werden, ob sich Bock auch noch des Verbrechens, Kupplerdienste für andere Personen geleistet zu haben, schuldig gemacht hat. Für de» psychiatrischen Kongreß, offiziell vierter internationaler Kongreß zur Fürsorge für Geisteskranke genannt, der vom 3. bis 7. Oktober 1910 im Abgeordnetenhause abgehalten werden soll, wird von gewisser Seite, die dem Berliner städtischen Jrrenwcsen nicht fernsteht, in der Presse eine lebhaste Propaganda eurfaltet. Dagegen ist, weil es sich um einen außerordentlich gemeinnützigen Zweck handelt, gciviß nichts einzuwende». Um so erstaunter darf man sein, daß gewisse Vereinigungen, die ausdrücklich die Jrreufürsorge be- zwecken, bis jetzt vom Kongreßlomitee völlig ignoriert worden sind. Sollte dies etwa daran liegen, daß gerade die so ge- flisscntlich übergangenen Vereinigungen mit dem modernen Irren- Haussystem, dessen Schwächen und Mängel zahllos sind, Iviederholt scharf ins Gericht gingen und daß die Fachpresse dieser Vereinigungen den heutigen Irrenärzten gründlich die Wahrheit sagt? Der Berliner psychiatrische Kongreß will nach seinem Programm alle Untersuchungen und Einrichtungen fördern, die dem Schutz der geistigen Gesundheit in den verschiedensten Richtungen dienen. Er hofft daher nicht bloß das Jutcrcsse von Aerzten, sondern auch von Verwaltuugsbeamten, Juristen. Technikern und Pädagogen, besonders auch der Presse, zu finden. Er will der Schädigung des Geisteslebens durch soziale Mängel und hygienische Uebclstänve nachgehen, die Entstehung geistiger Erkrankung von frühester Kindheit ab aufklären und auf die Wege zur Verhütung geistiger Anormalität hinweisen. Er soll ferner die Hilfsmittel gegenüber abnormen psychischen Zuständen, das heißt ärztliche Behandlung innerhalb und außerhalb der Anstalten, geordnete Familicnpflege, Unterstützung und Beratung der An- gehörigen. Ordnung der rechtlichen Verhältniffe der Kranken, Beihilfe, Arbeitsbeschaffung und sonstige Fürsorge, fördern. Auch die Erziehung und den Schutz der jugendlichen Psychopaten und Ent- wickelungsschivachen(will er auf Grund wissenschaftlicher Erfahrung weiter ausbilden. � AuS diesem überreichen Programm geht hervor, daß an dem „Kongreß der Psychiater" auch Leute, die nicht akademisch- psychiatrische Bildung genossen haben, teilnehmen dürfen. Will man aber den rein psychiatrischen Elcnienteu bei den Ler- Handlungen die ausschlaggebende Macht einräumen und die Laien nur als geduldete Staffage bewachten, so ist der gemeinnützige Zweck vollkommen verfehlt. DaS JrrenhauSgcbiet greift heutzutage� so tief in unser Volksleben, in unsere ganzen sozialen Verhälmisse ein, daß auch NichtPsychiater, die sich mit solchen Fragen in idealster Absicht beschäftigen, nicht von den Wissen- schastlern über die Achsel angesehen werden sollten. Das System vieler moderner Irrenärzte ist sogar so anfechtbar und wimmelt so von Mißständen, daß es sehr wünschenswert wäre, wenn auf dem Kongreß mit den Herren Psychiatern mal Auge in Auge sehr beut- liche Worte gewechselt würden. Die früheren internationalen Kongresse für Geisteskrankenfürsorge haben derartige oppositionelle Regungen stets zu unterbinden gewußt. Pastor Diestelkamp ans Bodelschwinghs Spuren. Der �bekannte Herr Pastor, Hausbesitzer und Heimgriinder Diestelkaiup in der Schönhauser Allee ist wild über den Abbruch des scheußlichen fis- kalischen Zaunes vor dem dcuiebe» belegenen Exerzierplatz. Er unterhält in dem bezeichneten Hause das sogenannte Frommelheim für würdige Krieger- und Beamtenfrauen und wettert nun darüber, daß die alten Damen seit dem Fall des Zaunes noch mehr als bisher durch Steinwürfe und häßliche Reden belästigt werden. Nur hat von diesen Belästigungen bisher kein anderer etwas gehört als Herr Diestelkamp selbst, der bei dieser Gelegenheit a la Bodelschwingh um 50 Pf. zu einem Brett und 1 M. zu einer Latte für einen neuen langen Zaun an der Seite seines Grundstücks bettelt. Wohlgemerkt desselben Grundstücks, das Herrn Diestellamps Eigen- tum ist. Der spekulationstüchtige Expastor von Nazareth hat in dem Frommelheim mit lauter kleinen Zimmerchen, die vermietet werden, eine brillante Mietskapitalanlage für sein Haus gefunden. Nun will er auch noch einen Zaun gratis haben. Und da nehmen seliger denn geben ist, ferner auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Bettelwege ein paar tausend Quadratmeter anstoßendes Gartenland vom Exerzierplatz. Alles natürlich nur für die alten Damen. Ob dabei nicht auch die HauSaklien steigen werden, Herr Diestelkamp? Ein brennender Straßenbahnwagen. In der Brückenstraße geriet gestern niittag ein vollbesetzter Wagen der Straßenbahnlinie 11 in» folge Durchbrenuens des Leitungskabels in Brand. Im Nu schössen unter dem Vorderperron große Flammcngarben hervor. Der Wagen wurde von den Insassen schleunigst verlassen. Mit dem eigenen Sandstreuapparat und mit Wassereimern hilfsbereiter Ladcnbesitzer ging man dem Feuer zu Leibe. Inzwischen kamen zwei Löschzüge herbei, die das AblöschungSwerk vollendeten. Der Wagen wurde darauf von einem folgenden fortbugsiert und auS dem Betriebe ge- Logen. In England verhaftet wurde der 22jährige Buchhalter Erich Rochow aus der Möckernstraße 100. Er war seit sieben Monaten bei einer hiesigen Gesellschaft zur Herstellung von Dünger be- chäftigt. Trotz seines jugendlichen Alters war er verheiratet und Vater eines Knaben. Während die Familie des jugendlichen Mannes sich bei seinen Schwiegereltern in der Provinz aufhielt, älschte er Schecks in Höhe von 12 000 Mark, die er aus den, Kontor seiner Firina entwendet hatte, machte dieselben zu Geld und lüchtete vor vier Wochen nach England. Ihren Brandwunden erlegen ist die 27 Jahre alte Schneiderin Klara Gläser aus der Ackerstr. 48. Am Sonntag wollte sie sich da? Mittagessen auf einem Spirituslocher wärmen. Aus Versehen stieß sie den Kocher um, ihre Kleider fingen Feuer und brennend lief sie zu einem auf demselben Flur wohnenden Krankenwärter, der im- geachtet eigener Verwundungen die Flammen erstickte. Die Vcr- unglückte brachte man nach dein Lazaruskrankcnhause. Hier starb sie gestern vormittag. Wegen eines DachstuhlbrandeS wurde in der letzten Nacht die Feuerwehr nach der Nostizstr. 30 alarmiert. Dort stand das Kessel- ha»S der Seifenfabrik von G. Spielhagen G. m. b. H. in Flammen. Durch kräftiges Wassergeben mit mehreren Rohren von Dampf- spritzen gelang es, den Brand auf den Dachstuhl des Kessel- Hauses zu beschränken. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Genthiner Straße, Prinz- Eugen- Straße 15 u. a. gerufen.— Am DicuStag nachmittag um 3 Uhr kam in der alten königl. Bibliothek am Opernhausplatz durch elektrischen Kurzschluß Feuer aus.. Es brannte die Holzwaud in der Aula. Die anwesende Feuerwache bemerkte die Gefahr und löschte noch vor Eintreffen der Feuerwehr die Flammen. Vor dem Hause Brfickettstr. 10 brannte die Isolierung eines Straßenbahnwagens und in der Birkenstr. 21 Flugruß. Ferner hatte die Feuerwehr in der Straße Alt-Moabit 82 zu tun.— Dort hatte sich eine Person mit Leuchtgas vergiftet. Die Feuerwehr konnte aber nicht mehr helfen. Wie ein Arzt dann fest» stellte, war der Tod schon eingetreten und deshalb alle Wieder- belebungsversuche erfolglos. Berliner Aquarium. Unter den nach den letzten Eingängen vermehrten Vertretern der großen und wichtigen Fischgemeinschaft der Stachelflosser, deren Rücken-, Bauch, und Achterflossen im vor- deren Teil aus ungegliederten Stacheln gebildet werden, fällt ein durch seine Gestalt und Flossenbeschaffenheit sofort als ein Barsch- fisch sich zu erkennen gebender stattlicher grau- oder blaugrüner, an den Bauchseiten bläulichweißer Schuppenträger auf, dessen Aussehen schon einen Schluß auf seine Verwendung als Speisefisch zuläßt. Aber nicht nur die Menge und Festigkeit des Fleisches qualifizieren den Seebarsch oder Seewolf, wie dieser bis meter- lang und bis 10 Kilo schwer werdende Fisch genannt wird, dazu, sondern vor allem der köstliche Wohlgeschmack des Fleisches, so daß dieser Bewohner des Mittelmeeres schon bei den Feinschmeckern des Altertums hochgeschätzt war, und daß es zu bedauern ist, wenn der Fisch bisher nur vereinzelt auf unsere Tafel gelangte. Der Rang als Delikatesse wurde ihm im Altertum nur streitig gemacht von zwei noch heute in hohem Ansehen stehenden, gleichfalls hier ausgestellten Mittelmeerfischen: der aalartigen Muräne und der karminroten Meerbarbe. In der Treptow-Sternwarte wird am heutigen Mittwoch, den 10. August, abends 8Vz Uhr, Direktor Dr. F. S. Archenhold über die„Beobachtung und Herkunft der SKrnschnuppenfälle, ins- besonders der Perseiden" einen gemeinverständlichen Lichtbilder- Vortrag halten.— Im Anschluß hieran werden auf der Plattform der Sternwarte die Sternschnuppen beobachtet werden.— Im großen Fernrohr wird tagsüber die Sonne und abends der Ring- nebel in der Leier beobachtet. Außerdem stehen den Besuchern kleinere Fernrohre zur Beobachtung beliebiger Himmelskörper zur Verfügung. Bei dem am Sonntag in der Brauerei Friebrichshai« statt- gefundenen Konzert der Salzerschen Chöre aus Leipzig sind fol- gende Gegenstände verloren gegangen: Ein Double-Armband, eine schwarzlederne Tasche und ein Kneifer. Es werden die Finder gebeten, diese Gegenstände bei Gustav Schönthal, Weidenweg 4, abzugeben. Vorort- JVadmcbten. berichtigte Liste der stimmfähigen Bürger für die Stadtverordnetenwahleu Rixdorf. Die wird in der Zeit vom 15. bis 30. August d. I. an de» Wochentagen während der Geschäftsstunden von 3 Uhr vor- mittags bis 3 Uhr nachmittags und an den Sonntagen von 8 bis 10 Uhr vormittags ausgelegt. Die Auslegung der Liste erfolgt an den Wochentage« im Rathause, Eingang Berliner Straße 62, 1 Treppe rechts. Wahlbureau, an de» Sonntage» für die I. Wählerabteilung im Rathause, Berliner Straße 62, 1 Treppe rechts, Wahlbureau, für die H. Wählerabteilung Nordbezirk und die Wahlbezirke 1—6 der III. Wählerabteilung, umsassend: Berliner Straße 18—40 und 71— g2, Boucköflratze, Donau. strafet 1—23 und 111—181, Elbestrafee, erlanger St. ,e, Friedelstrafee, Ebastrafee, Harzer Strafe« 1—25, Hobrechtstrafee, Jansastrafee, Kaiser- drichstrafee 1— 55 und 195—248, Köllnisches Ufer von 50— 74, Kott» n Damm, Laubestrafee, Lenaustrafee, Liberdastrafee, Lohmühlenplatz, Lohmllhlen strafe« 25—36, ManitiuSftrafe«, Maybachuser, Münchener Strafe« 1-13 und 42—55», Nansenstrafee, Pannierftrafee, Pflügerslrafee. Reuterplatz, Reuterstrafee 27—65, Rütlistrafee, Sanderstrafee, Schandauer Strafe«, Schinlestrafee, Tellstrafee, Weichsclplatz, Weichselliiafee, Weigand- user 1—16, Weserstrafe« 1—58 und 164—217, Wiesenuser, Bürtnerswafe«, Ossastrafe«, in der Turnhalle der 17.118. Gemeindeschule, Weserftrafte 12/13, siir die II. Wählerabteilung Ostbezirk und die Wahlbezirke Nr. 7—12 der III. Wählerabteilung, umsassend: Anzengruberstrafee, Bergstr. 1— 42, 69—106 und 127—163, Berliner Str. 41—70, Berthelsdorfer Strafe«, Boddtnstr. 1—9 und 58 bis 66. Böhmisch« Strafe«, Brockenstrafe«, Brusendorser Strafe«, Canner Chaussee, Canner Strafe«, Donaustr. 24—110, Drorystrafee, Elsenstrafee, Elsterslrafee, Erkstrafee, Finowstrafee, Gärtnerftrafee, Goethestrafee, Grenz. ''»ertzbergplatz, Hertzberg. ufe-Strafee, Jsarstrafee, Ikirchgasse, Kirch hos. 7—150, KöllnischeS Allee, Harzer Str. 26—93, Heidelberger Strafe«, strafe«, Hohenzollernplatz, Jnnstrafee, Johann Kai er-Friedrich-Str. 56-194, Kiesholzstr. 63— ll2, KW strafe« 1—9 und 35—50, Knesebeckstr. 1—5 und 147— User 1—49, Lahnstrafee, Mareschstrafee, Mtttelbuschwcg, Naumburger Strafe«, Reckarstrafee, Niemetzstrafee, Richardplatz, Richardswafee, Rosegger- strafee, Rosenstrafee, Saalestrafee. Schönstedlstrafei, Schbneweider Strafe«, Schudomastrafee, Stuttgarter Strafe«, Teupitzer Straße, Thüringer Straße, Treptower Str. 1—44 und 50—106, Weiganduser 17—48, Weserstr. 59 bis 163, Wtldenbruchplatz, Wildenbruchstraße, Wipperstrafee, Zeitzer Straße, Straßen 15. 15b. 16. 16-r, 17, 22a, 37, 47. 52, 63, 54, 65, 60, 62, 65, 66, 180a, 180o, I80d, 180e, 181, 181a, 185a, 187, 187b, 188, Platz 8, Platz W, Platz Z, in der Turnhalle der lS./SO. Gemeindeschule. Stuttgarter Strafte 3S-38. am Herftbergplaft. für die II. Wählerabteilung Südbezirt und die Wahlbezirke 13-13 der III. Wählerabteilnng, umsassend: Am Wasserturm, Lambachstraße. Bendastrafee. Bergstr. 43— 68 und 107—126, Boberstraße, vodestrafee, Bruno-Bauer-Strafee, Delbrück. strafe«, Edmundstrafee, Emser Straße, Falkstr. 1— 7 und 20—28, Glasow- ftrafee, Grüner Weg, Hermannstr. 56—207, Hcrthastrafee, Jlsestrafee, Jonaistrafee, Juliusstrafee, Ktrchhosstr. 10—34, Knesebecksw. 6—146, Kops. strafe« 13—61, Kranoldplatz. lkranoldswafee, Leinestraße. Lichtenrade! Strafe« 23—38. Mariendorfer Weg. Neißestraße, Netzestrafee. Nogatswafee, Oderstr. 1—89, Oderstrafeenbrücke, Oterswafee, Prtnz-Handjerh-Sw. 20—34 und 54-69, Reinholdstrafee, Ringbahnstraße, Schierlcstrafee, Schiller. Promenade 16-23, Seltcstraße, Siegsriedstrafee. Steinmetzstr. 20-42 und 81-105, Stubenrauchplatz, Thomasstrafee, Walterstrafee. Warthesttafee, Weisestr. 26-40, Strafen 166, 167a, 170, 202, in der Turnhalle der Oberrealschule, Emser Str. 133—37, tfür die II. Wählerabteilung Westbezirk und dfe Wahl- bezirke IS— 24 der III. Wählerabteilung, umfassend: Zlllerstrafee, Berliner Str. 1—17 und 93-107, Biebrichstrafee, rafee, Licht cnr aber Str. 1—22 und 39—62, Mahlower Strafe«, Mainzer Strafee, Mittelweg, Münchener Str. 14-41, Oders«. 40—52, Prinz. Handjerh-Str. 1—19, 35—53 und 70—87, R-uterftr. 1—26 und 66—99, Schillerpramenad« 1—15 und 29—42, Selchower Strafee, Steinmetz- strafe« 1—19, 43—80 und 106—126, Wanzlitswafee, WafemannSdorjer Strafee. Weisestr. 1—25 und 41—66, Wifemannstrafee, Ziethenftrafee, Straßen 204, 207d. 151, 152, in der Turnhalle der 21.123. Gemeindeschule. Weisestr. 19/80. Während der Zeit der Offenlegung der Liste kann jedes Mitglied der Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit derselben schriftlich oder zu Protokoll Einspruch erheben. Wie weiter mitgeteilt wird, läßt der Magistrat jedem Wähler bis zum 15. d. M. eine Nachricht zugehen, ob er überhaupt in der Wählerliste verzeichnet ist und falls dieses der Fall, welcher Klasse er angehört und unter welcher Nummer er eingetragen ist. Wähler, welche bis zum 20. August keine Nachricht vom Magistrat erhalten, können annehmen, daß sie nicht in der Wählerliste verzeichnet sind. Als Zeitpunkt der Aufstellung der Wählerliste gilt der 13. Juni. Die Wähler sind daher in den Wählerlisten derjenigen Be irke verzeichnet, in denen sich ihr Wohnsitz am 15. Juni efand. Bei der Aufstellung der Wählerlisten hat der Magistrat das System des 1�/z fachen Durchschnitts angewendet und gibt zur Entschuldigung an, daß bei Aufstellung der Listen das Urteil des Bezirksausschusses vom 12. Juli 1919 noch nicht vorlag. Wirklich naiv. Erst verzögert der Magistrat den Termin dadurch, daß er dem Bezirksausschuß monatelang das Akten- material vorenthält um hinterher zu erklären, daß er dieses Urteil nicht berücksichtigen könnte. Kindliche Gemüter können also annehmen, daß der Magistrat, wenn ihm das Urteil früher bekannt gewesen wäre, dann die Wählerlisten nach den gesetzlichen Bestimmungen, d. h. nach dem System der Drittelung aufgestellt hätte. Wenn diese Absicht wirklich bestanden hätte, so wäre der Magistrat sehr wohl in der Lage gewesen, auf Grund der Entscheidung des Oberverwaltungsgcrichts vom 18. Januar 1910, das prinzipiell entschieden hat, die Wählerlisten sind nach dem System der Drittelung aufzustellen, dem nach- zukommen. Die Wirkung, welche durch das anderthalbfache System in diesem Jahre erzielt wird, ist folgende: I. Klasse 305 Wähler, der niedrigste Steuersatz 1097,20 M. n.„ 1605„,.. 131,94„ m.„ 35 904 Die Steuergrenze zwischen der II. und III. Klaffe hat sich also seit vorigem Jahre von 118,32 M. auf. 131,94 M. erhöht, eine Wirkung, die wir erst kürzlich vorausgesagt haben. ir fordern daher alle Kommunalwähler auf, Mann fürMann gegen diesen schamlosen Gewaltakt zu protestieren, die Wählerlisten einzusehen und bei der Einsichtnahme zu Protokoll zu geben, daß sie gegen dieRichtig- keit der Aufstellung der Wählerliste auf rund des 1'/, fachen Durchschnitts Einspruch erheben. Niemand lasse sich abweisenl Wir wollen noch darauf aufmerksam machen, daß die Steuer- ermaßigungen, welche des Kinderprivilegs wegen erlassen sind, mit zur Anrechnung kommen müssen. Jedem dieser Wähler muß daher der Steuerbetrag angerechnet werden, den er eigentlich zu zahlen hätte, nicht den er in Wirklichkeit zahlt. Aus Nahrungssorgen und Brbeitslofigkeii hat gestern der 5V Johre alte Tischler Gustav Weidemann aus der Melchiorstraße 34 seinem Leben ein Ende gemacht. Er schoß sich aus einem Revolver eine Kugel in die rechte Schläfe und war sofort tot. Das Berschwinden einer Mutter und deren Kind sucht die Polizei aufzuklären. Es handelt sich um die 28 jährige Ehefrau des Schlossers Neugebauer aus der Kopfstraße 33. Frau N. besuchte am ver- aangenen Mittwoch mit der Kleinen ihre Schwester und erbat von dieser Geld, da sie sich in größter Verlegenheit befand. Hier soll sie jedoch nichts erhalten und beim Verlassen der Wohnung Selbstmord gedanken geäußert haben. Seitdem ist die Mutter mit dem Kind verschwunden und es wird befürchtet, daß sie ihr Vorhaben bereits zur Ausführung gebracht hat. Groh-Lichterfelde. Bauunfall. Gestern nachmittag 4 Uhr stürzte der Maurer Pape in der Limonenstraße am Botanischen Garten vom ersten Stock eines Neubaues ab. Er arbeitete an der Zumauerung eines Bogen», trat hierbei fehl und stürzte in die Tiefe, wobei er sich«ine Ver- stauchung des Rückgrats zuzog. Der Verunglückte wurde nach der Rettungswache des Kreiskrankenhauses geschafft. Weitere Verletzungen hat der Arzt nicht feststellen können. Lichtenberg. Mit dem Entwurf der ReichSversicherungSorduung beschäftigte sich am Montag eine von der Arbeiterschaft Lichtenbergs zahlreich besuchte öffentliche Versammlung. Der Referent Genoffe Mann unterzog den arbeiterfeindlichen Entwurf einer scharfen Kritik. Zum Schluß wurden die versammelten aufgefordert, sich der politischen wie gewerkschaftlichen Organisation anzuschließen. Tempelhof. Beim Auffahren von Richtholz schwer verunglückt ist am Montag nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr der Zimmerer Wilhelm Kühn. K., der bei der Firma Aßmann, Groß-Lichterfelde, auf dem Neubau des hiesigen Gymnasiums beschäftigt war, geriet beim Auffahren des Holzes mit der linken Hand in den Seillloben, wobei ihm das erste Glied deS Ringfingers abgerissen und der kleine Finger schwer beschädigt wurde. Nach Anlegung eines Notverbandes im Garnison lazarett wurde der Verunglückte durch die Samariterkolonne vom Roten Kreuz dem Groß-Lichterfelder Krankenhause zugeführt. RummelSburg. Zeugen gesucht. Die Personen, welche Sonntag, den 7. August, abend« gegen 11 Uhr, mit dem Kremser deS Herrn Geißlet vom Restaurant Klugmann bis zur Schlichtallee mitgefahren sind, woselbst der angebliche Kutscher den Wagen stehen ließ und flüchtete, werden gebeten, ihre Adresse bei Hugo Martin, RummelSburg, Wagenknecht- hos 9, abzugeben. Weistensee. Aus der Gemcinbeveriretung. Dreizehn Tagesordnungspunkte wurden in noch nicht einer halben Stunde erledigt; dafür brauchten drei Punkte der geheimen Sitzung aber drei Stunden zu ihrer Erledigung. Auf dem Rieselgute Birkholz werden zum 1. Oktober 150 Kühe eingestellt; die zu erzeugende Milch ist mit 14 Pf. pro Liter als Höchstgebot verpachtet worden. Einer neugewählten drei- gliederigen Kommission für Verkehrsfragen gehört unter anderem auch der Genoffe Fuhrmann an. Für die Aufrechterhaltun� des NachtfernsprechdienfteS muß die Gemeinde 1250 M. garantieren. Nach Ablauf des ersten Jahres sind aus der Gemeindekasse 917,60 Mark zugeschossen worden. Zum Kongreß der Gewerbe- und Kauf- mannSgerichte in Köln werden von beiden Gerichten je zwei Dele- gierte, 1 Arbeitgeber und 1 Arbeitnehmer, sowie der Vorsitzende delegiert. Die Entschädigungen betragen pro Tag, inklusive Reise- tage, 10 M. Von dem ehemaligen Hoffmannschen Gelände in der Königschaussee ist die zweite Ecke der Tassostraße an den Bauunter- nehmer Meier für 1200 M. die Ouadratrute verkauft worden. Die verlängerte Elsaßstraße soll den Namen Tassostraße erhalten. Da» Restaurant„Schloß Weißensee" ist auf 10 Jahre an die Inhaber der Brauerei Gabriel u. Richter verpachtet worden. Die Pacht- summe beträgt in den ersten fünf Jahren pro Jahr 30 000 M. vom sechsten Jahre ab pro Jahr 1000 M. mehr bis 35 000 M. Ferner stimmte die Gemeindevertretung einem Vertrage mit einer ASphaltfirma zu, wonach dieselbe in fünf Jahren 50 000 Quadrat» meter Stampfasphalt für den Preis von 12,50 M. pro Quadratmeter zu verlegen und für 20 Jahre die verlegten Strecken un- entgeltlich zu unterhalten hat. Sollte in fünf Jahren die an- gegebene Quadratmeterzahl nicht verlegt sein, so hat sie sich ver- pflichtet, auch über die Zeit hinaus den Preis nicht zu erhöhen. Potsdam. Ueber das Attentat auf de» Kanonler Szelag liegt jetzt fol- gende ausführliche Meldung deS Wvlffschen Bureaus vor: Am Montagabend zwischen 8 und 10 Uhr stand der Kanonier Szelag von der 1. Batterie des 2. Garde-Feldartillerieregiments am PulverhauS zwischen Fahrland und Satzkorn Posten. Gegen 9 Uhr 45 Minuten bemerkte er plötzlich in der Ecke des Fahrländer Sees drei Männer, die sich ihm naherlen und ihm ein„Haltl" zuriefen. Er rief darauf ebenfalls„Halt! Wer da?— ich schießet" und öffnete den Verschluß seines Karabiners. Jetzt warfen die drei Männer sich schnell nieder; plötzlich pfiff dem Posten eine Kugel dicht am rechten Ohr vorbei. Szelag erwiderte mit zwei Schüssen, hatte aber in der Dunkelheit kein sicheres Ziel. Während der Posten sich schnell nach der Klingel begab, um die 200 Meter entfernte Wache zu alarmieren, näherte sich ihm wiederum einer von den drei Männern, auf den Szelag nochmals schoß. Als nun zwei von der Wache entsandte Kanoniere eintrafen, fanden diese trotz sorgfältigster Absuchung des Terrains nichts Verdächtiges vor. Zur Vorsicht ließ der wachthabende Gefreite bis 3 Uhr früh Doppel- Posten stehen. Als dann der Tag graute und alles ruhig geblieben war, versah Szelag von 3 Uhr ab wieder allein den Postendienst. Gegen 3 Uhr 30 Minuten näherte sich ihm wieder ein Mann von der Seite her. Er rief ihm dreimal„Halt! Wer da?— ich schieße!� zu, und feuerte dann, als der Betreffende noch weiter kam, auf ihn. In demselben Augenblick schoß auch der Unbekannte und traf den Posten am linken Unterarm, wodurch der Verletzte am weiteren Gebrauch seines Karabiners behindert wurde. Als der wacht- habende Gefreite diese beiden Schüsse vernahm, schickte er die zwei im Wachtlokal noch verfügbaren Kanoniere dem Szelag zur Hilfe, nach deren Eintreffen Szelag sich ins Wachtlokal begab, um dort zunächst notdürftig verbunden zu werden. Einer der nachgeschickten Kanoniere bemerkte wiederum ein verdächtiges Geräusch, das ihn zur Abgabe eines Schusses veranlasste; sofort fiel ein Gegenschuß. Die Absuchung des Geländes ergab wiederum nichts Verdächtiges. Trotz aller sorgfältigsten Bemühungen fand sich keinerlei Spur. Auch durch die Polizeihunde wurde kein bestimmter Anhalt über den Verbleib der Täter gewonnen. Unter Hinzuziehung eines Potsdamer Polizeikommissars und mehrerer Kriminalbeamter fand gestern ein Lokaltermin statt. Zur Ermittelung der Täter sind Gipsabdrücke von den Fußspuren genommen und auch Polizei- Hunde auf die Spur gesetzt worden. « Jugendveranstaltungen. Köpenick. Sonntag, den 14. August: Ausflug nach der Ravenftelner Mühle. Treffpunkt mittags!>/, Uhr aus dem Heuplatze(Gymnasium). Zahlreiche Beteiligung ermattet Der Jugend-Ausschuß. Gericbts- Leitung. Schadenersatz für einen Hundebiß.. � �. Der 10jährige Knabe H. in Dessau wurde am 8. Oktober 1907 im Hause des Arbeiters K. von einem Hunde deS Schlossers Ha. gebissen. Auf die von seinem gesetzlichen Vertreter angestrengie Klage auf Schadenersatz(Wert des Streitgegenstandes 2300 bis 3400 M.) hat das Landgericht Dessau den Anspruch dem Grunde nach für berechtigt erklärt. Das Oberlandesgericht Naumburg hat die Berufung des Beklagten zurückgewiesen. Das Reichsgericht ent» schied zuungunsten des Angeklagten indem es dessen Revision zurück- wies. Die Entscheidungsgründe, welche von allgemeinem Jnter- esse sind, lauten: Die Annahme des Berufungsgerichtes, Beklagter Ha. hafte als Tierhalter, ist rechtlich nicht zu beanstanden. Wenn auch das Tier bei dem Arbeiter K. gefüttert und gesiegt worden ist, so ist ihm doch von Ha. Obdach und Unterhalt gewährt worden» denn die Verpflegung erfolgte im Auftrage und auf Kosten des Ha.. der seinen Hund, um ihn vorteilhafter verkaufen zu können, in gutem Stand erhallen wollte. Wohl zog K. einen Vorteil, aber dieser Vorteil bestand nicht in der Nutzung des Tieres, sondern in der Vergütung für seine im Interesse des Eigentümers ge- machten Aufwendungen und geleisteten Dienste. Da K. durch Vertrag die Führung der Aufsicht über den Hund übernommen hatte, konnte er nach s 834 BGB. verantwortlich sein; die. Haftung deS Beklagten Ha. als Tierhalter wurde dadurch nicht berührt. Auch die Rüge der Verletzung des ß 254 BGB. kann keinen Erfolg haben. MerdingS ist nicht zu billigen, wenn das Berufungsgericht ausführt, es könnte aus dem Grunde, weil der Kläger zur Zeit des Unfalls erst 10 Jahre alt gewesen sei, in einem Necken des Hundes kein die Anwendung des Z 254 rechtfertigendes Ver- schulden deS Klägers gefunden werden. Die Anwendung des z 254 wurde durch das jugendliche Alter des Klägers nicht aus- geschlossen. Die Entscheidung des Berufungsgerichtes beruht jedoch nicht auf der Gesetzesverletzung, denn der BerufungSrichter hat auch festgestellt, daß nach der Angabe der vernommenen Zeugin der Kläger den Hund nicht geneckt hat. Die Besorgnis deS zukünftigen Ausbruchs der Geisteskrankheit eines Ehegatten stellt keinen Anfechtungsgrund der Ehe dar. Das Reichsgericht verneint den EhescheidungSgrund, der in der Sorge besteht, daß der Ehegatte später geisteskrank werden kann, weil dessen Eltern und Geschwister mit Geisteskrankheit schwer bv- lastet sind. Die Prozeßgeschichte entwickelte sich in Berlin. Es klagte zunächst die Frau K. auf Ehescheidung wegen Mißhandlung, odann focht der Ehemann die Ehe wegen Irrtums an, weil die ?rau aus einer mit Geisteskrankheit schwer belasteten Familie stamme. DaS Landgericht Berlin wies die Klage ab. Das Kammer- gericht daselbst erklärte die Ehe für nichtig. Es geht davon aus. daß es sehr wahrscheinlich sei. daß auch die Ehefrau deS Wider- klägers später geisteskrank werde, wenn auch bisher bei der Frau und ihrem Kinde Spuren geistiger Erkrankungen noch nicht zu finden seien. Auf die Revision der Klägerin wurde das Urteil des Kammergerichts vom Reichsgericht aufgehoben und die Sache zur anderweiten Entscheidung an das Kammergericht zurückverwiesen. Der 4. Zivilsenat des höchsten Gerichtshofes erklärt dazu: Eine zur Zsit der Eheschließung bei der Klägerin bereits bestehende Geisteskrankheit würde allerdings eine im Sinne des§ 1333 BGB. erhebliche persönliche Eigenschaft gewesen sein;«ine dahingehende Feststellung ist jedoch nicht getroffen worden. Es ist nicht einmal festgestellt, daß bei der Klägerin persönlich Zeichen einer Ver» anlagung zur Geisteskrankheit wahrnehmbar sind; es liegt nichts vor als die unbestimmte Besorgnis von dem künftigen Ausbruch einer Geisteskrankheit in Anbetracht mehrerer in ihrer Familie vorgekommener Falle von derartigen Erkrankungen. DaS ist keine persöliche Eigenschaft im Sinne deS§ 1333 BGB. Das der An- fechtungswiderklage des Ehemannes auf Grund des§ 1333 BGB. stattgebende und mit Rücksicht hierauf die Scheidungsklage der Ehe- frau abweisende Berufungsurteil war sonach aufzuheben. Berein ehemaliger Hoheuekfer. Nächste Versammlung: Sonntag, den 14. August, abends 8 Uhr, bei C. Berndt, Köpenick« Str. 147. Sehr wichtige Angelegenheiten. VorstandSsitzuiig eine Stunde vorher. GgssngMöin„ M. d. A.-I.-B. Den Mitgliedern zur Nachttcht, dafe unser treuer Freund und SangeSbruder Ksr! Woschowius am Montag seinen schweren Leiden erlegen ist. Ehre feinem Aubenken! Die Beerdigung findet Donners- tag, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Heil. Kreuz- KirchhojeS, Mariendorf, aus stall. Der Tomtand. + L-l-J Bruch-Pollmann empfiehlt selnLager tn Bruch* bandagen, Leibbinden, Garadehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstall. Lieferant sür Orts- und HilsS-Krankenkassen. Derll» ISst,• jetzt liOthringer Straße 60. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- lotten, angenehm u. weich am Körper. roll» Scheuer Stralsunderstr.l Pcwiurcortücher Redakleuri Hans Weber, Berlin, Für den Inseratenteil seraiUw� Th. Glocke, Berlin, Jruck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckersi u, BerlagSgnjtglt Paul Singer& Co., Perlin SW,