Pf*«v. FbemiflflfntS'Bedlngnngeii! BJonnnnentä- Preis pränumerando S »ierieljöhrl. 330 ÜKf., monatt. 1,10 Mk,, wöchentlich 23 Psg, frei WZ HauZ. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- kbonnement: 1.10 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland g Mark pro Monai. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Lureniburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, Crtditliit agil» joßer Deitagi. sVn* Jahrs. Vevlinev Volksblatk 4 v?e InleMonz-SedM»? Vekägt sür die sechSgespaltene Kolonel« zelle oder deren Raum M Psg„ sä« politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersamnilungs-Anzcigcn SO Pfg. �Uleln« Hnztigen", das erste lfett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weiter« Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg, jedeS weitere Wort s Pfg. Worte über 13 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer niüssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm. Abreiset „SozisldcmoHrat EtrlH", Zctitralorgan der foziatdemokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. CID neuer Scl)ildbürgerltreicl) aus GroB'Scboppenftedt; Aus Braunschweig wird uns geschrieben: Früher ging der Parade der langen Kerls ein kleines Kerlchen voran, der aus den Kleinsten ausgesuchte Tambour. So marschiert auch komischerweise heute noch der preußischen Reaktion die des kleinen braunschweigischen Herzogtums voran. Das gilt nicht nur für den Wahlrechtskampf, in dem bekannt- lich das erste Massaker in Braunschweig stattfand, sondern auch in anderer Beziehung. Das Vorgehen des Polizeipräsidenten von Jagow gegen die Freie Volksbühne hat ebenfalls sein Braunschweiger Vor- spiel gehabt. Vom Braunschweiger Theater hört man nicht viel. ist zwar in der Literaturgeschichte verewigt, weil auf dem Braunschweiger Hoftheater Heinrich Heines„Almansor" seine erste und letzte Aufführung erlebte; in der Gegenwart jedoch liegt die braunschweigische Hofbühne in einem tiefen Schlafe Die ganze neue und neueste Richtung ist spurlos an ihr vorübergegangen. Die Braunschwciger Spießer gehen in das Theater wie in die Kirche, auS Tradition und Respektabilität. lind so vermuckert wie die Kirche ist auch das Hoftheater. Man spricht selbst in Braunschweig nicht darüber. Wenn man das große steinerne Gebäude nicht unbedingt sehen müßte, wüßte nian überhaupt nicht, daß Braunschwcig sein ständiges Theater besitzt. Die für das kleine Land außerordentlich hohe Zivilliste von 1'/« Million jährlich ist zwar mit dem Zuschuß, den der Regent zum Hoftheater zu liefern hat, begründet worden, aber die Verwaltung der Zivilliste hat das Bestreben, so wenig Zuschuß wie möglich in das Hoftheater zu stecken, so daß das braunschtvcigifche Theaterleben vergrast wie ein verlassener Burghof. Das Volk kennt die Schauspieler und Sänger nicht einmal dem Namen nach. Selbstverständlich erhält der hiesige Bildungsausschuß auf dem Hoftheater keine Vorstellungen für die Arbeiterschaft. Die maßgebenden Kreise haben sich in ihren Arbeiterhaß so hinein gefressen, daß sie das Ansuchen des Bildungsausschusscs um einen Theaterabend wahrscheinlich sür eine Beleidigung ge halten und nicht einmal einer Antwort gewürdigt haben. So mußte denn der Bildungsausschuß sich bisher für feinen Theaterabend eine Berliner Gesellschaft kommen lassen. Das Hoftheater blieb der Arbeiterschaft, die mit ihren Stcucrgroschen die Zuschüsse dafür aufbringt, verschlossen, und andere Theater gab es im Winter nicht. Nun wurde» uns aber auch die Theateraufführungen der Berliner Gesellschaft unmöglich gemacht, indem uns der Reichsvcrband den einzigen großen Saal, der uns frei stand, abtrieb. Der Bildungsausschuß wandte sich jetzt an die Sommer- bühnen, die in zivei einer Aktiengesellschaft gehörigen Sälen Lustspiele und Operetten aufführen. Der Theaterdirektor, ein Oesterreicher namens Klein, hatte bereits eine Aüffühnings- serie in dem einen dieser Säle(Holsts Etablissement) zugesagt. Er hatte auch Stücke in seineni Repertoire, die sich ganz gut für unsere Zwecke geeignet hätten. So wurde vor einiger Zeit das Militärschauspiel„Die letzten sechs Wochen" von Leo Jungmann gegeben. In einer Kritik des Stückes er- wähnte der„Volksfreund", daß der Bildungsausschnß dieses Stück aufführen lassen würde. Da verschwand es plötzlich auf einen Wink der Behörden vom Spielplan, wie man schon vorher Thomas'„Moral" hatte verschwinden lassen. Dann folgten„Die Spiele Ihrer Exzellenz", die sogar in Breslau unbeanstandet aufgeführt worden sind. Der lobenden Kritik dieses in der russischen nachrevolutionärcn Schreckensherrschaft spielenden Stückes im„Volksfreund" folgte die polizeiliche Abwinkung aus dem Fuße. Auch„Die Spiele Ihrer Exzellenz" verschwanden in der Versenkung. Das gleiche Schicksal erlitt die satirische Groteske„Gretchen", die Schützlinge eine? MädchenheimS auf die Bühne bringt und die muckerische Heuchelei geißelt. Die Polizei sagte sich auch da:„Das ist etwas für den BildungsauSschuß" und verbot das Stück nach seiner ersten Aufführung. So säuberte, immer im Hinblick auf die Theaterausfühningcn des Bildungsaus- schusses, die braunschweigische Regierung die Sommcrbühnc im Etablissement Holst derart, daß nur noch Pariser Possen unpolitischen aber dafür um so schlüpfrigen Genres auf dem Spielplane blieben. Eine hochtalcntierte Schauspielerin sagte in der Redaktion des.Volksfreund", daß sich die Schau- spielerinnen schämten, an der von der Polizei zu einer un- anständigen Schmiere herabgedrückten Bühne überhaupt noch auszutreten. Da über die geschlossenen Theatervorstellungen des Bildungsausschusses die Polizei keine Zensur ausüben kann. hätte allerdings die Theaterdirektion die polizeilich abgewinkten Stücke hier aufführen können. Sic kam jedoch mit Ausflüchten, denen die Angst vor der Polizei aus den Knopflöchern guckte. Dennoch gelang es dem Bildungsausschuß, ein leidliches Pro- gramm zusammenzubringen. Die Direktion der Sommer- bühnen sagte auch zu und der Vertrag wurde festgemacht. Aber Vorstellungen für die Arbeiterschaft in denselben Sälen, in denen die Staatsstützen, die Minister verkehren, in [denen sogar schon der Regent erschienen ist— das scheint den matzgebenden Herren ein ungeheuerlicher Gedanke! Verbieten ließ sich nichts mehr. Da wurde wieder hinten herum ge- arbeitet und der Theaterdirektion vorgestellt, daß sie sich mit Aufführungen für den Bildungsausschuß die Ungnade von oben zuziehe. Und welchen Ausweg fand man? Die Theaterdirektion sagte ab mit der Begründung— die Verleger der Stücke hätten nach- träglich keine Erlaubnis zur Aufführung erteilt. Natürlich be- stand der Bildungsausschuß auf der Aufführung und hat die Sache vor den Kadi gebracht. Man sieht daraus, mit welch unglaublich kleinlichen Mitteln die Arbeiterbewegung in Braunschwcig bekämpft wird. Der kleine braunschweigische Tambour, der den langen Kerls der preußischen Reaktion voranmarschiert, ist seinem Berliner Bruder doch noch über. In Berlin schikaniert man die„Freie Volksbühne", in Braunschweig sperrt man den Arbeitern gleich das ganze Theater. Zensur als pornilachc. Polizeiwillkür ist nur stark, wo sie ohne Angaben von Gründen herrscht, sie ist aber immer schwach, wenn sie sich zu rechtfertigen sucht und wird lächerlich, wenn sie sich entschuldigt. Ueber den Ge- waltstreich, den der Polizeipräsident v. Jagow gegen die„Freie Volksbühne" unternahm, indem er ohne weitere Begründung mit einem Federstrich ihre Zensurfreihcit vernichtete, konnte man sich ent- rüsten, aber mit wesentlich anderen Gefühlen liest man den folgenden lendenlahmen EnlschuldigungSversuch, den der Gewaltige deS AlexanderplatzeS in der„National-Zeitung" zum besten gibt: „Die„Freie Volksbühne", die seit 1890 gegründet wurde und jahrelang 2000 Mitglieder zählte, hat seit 1900 einen ständigen Zuwachs erfahren und ist gegenwärtig aufeinerMitgliederzahlvon 1S400 angelangt. Die„Neue freie Volksbühne", ursprünglich 900 Mitglieder zählend, erreichte sogar eine dreitzigsache Vermehrung und besitzt 80 000 Mitglieder. Soll man nun eine Veranstaltung als nicht öffentlich betrachten, das heisst, geht sie wirklich von einem Vereine aus, so ist es ein wesenlliches Merkmal dieser Nichtöffentlich- keit, datz zwischen den Personen, vor denen die Veranstaltung stattfindet, ein inneres Band wechselseitiger persönlicher Beziehungen besteht, daß die Personen sozusagen einen in sich verbundenen abgegrenzten Kreis bilden. Bei den beiden Vereinen, deren Mitgliedschaft ja nur eine Formalität bildet, ist dies sicher nicht der Fall. Man hat angenommen, daß ich mich bei meiner Ver- fügung in erster Linie von Zensurrücksichteu leiten ließ. Nach meiner Ueberzeugung haben sowohl die„Freie Volksbühne' wie auch die„Neue freie Volksbühne" während der Zeit ihres Be- ftandeS niemals ein Stück aufgeführt, das irgendwie zensurwidrig wäre, schon einfach aus dem Grunde, weil sie stets bereits zensurierte Dramen auf den Bühnen zur Darstellung brachten. Mich hat vielmehr die Sorge zu meinem Beschlüsse bewogen, daß bei den Vorstellungen der Vereine der Sicherheitsdienst nicht von der Polizei gehandhabt wurde und da- durch lei cht Gefahren für das jeweilige Publikum bestanden. Die Vereinsvorstellungen, die in öffentlichen Theatern vor vollen Häusern stattfinden, unterscheiden sich ja eigentlich in nichts von den übrigen als öffentlich geltenden und erheischen deshalb den gleichen Sicherheitsdienst. Um diesen vorschrists- mäßig ausüben zu können, müssen die Vereinsvorstellungen eben ordnungsgemäß bei der Polizei angemeldet werden und nach dem Wortlaut des Gesetzes sind dann auch die zur Aufführung in Aus- ficht genommenen Siücke zur Zensur einzureichen. DaS geschieht aber nur, um der Form zu genügen, da man doch nicht nach Belieben Ausnahmen machen kann. Ich habe mit meiner Verfügung durchaus nicht die Absicht gehabt, die Tätigkeit der beiden Volksbühnen irgendwie einzuengen." Wir sagten schon neulich: Die Polizei reglementiert alles, am liebsten die Dinge, von denen sie nichts versteht. Aber daß Herr v. Jagow von den Dingen, in die er mit harter Polizeifaust drein- fährt, so gar keine Ahnung hat. wie er jetzt durch seine Ausreden beweist, hatten wir selbst nicht für möglich gehalten. An den Ausführungen des Polizeipräsidenten ist so ziemlich alles falsch, von der Angabe der Mitgliederzahl der Freien Volksbühne bis zu seiner naiven Auffaffung vom Wesen der Zensur. Falsch ist vor allem die Behauptung, daß die Mitgliedschaft bei den Freien Volksbühnen nur eine Formalität bilde. Wenn Herr Jagow damit sagen will, die Volksbühne sei gleichsam ein Taubenschlag, in dem ein- und ausfliegt, wer gerade billige Theater- Vorstellungen besuchen will, so hat er eben keine Ahnung von dem Wesen dieses alten fest abgegrenzten Vereins und seiner für die deutsche Kultur nicht unwichtigen Geschichte. Wäre der Polizeipräsident in dieser Geschichte auch nur oberflächlich bewandert, so würde er nicht den Versuch gemacht haben, die Oeffentlichkeit irrezuführen durch die Behauptung, der Verein habe niemals der Literatur Zuflucht vor polizeilichen Verfolgungen geboten. Gleich im ersten Heft der Vereinszeitschrift der Freien Volksbühne auS dem Jahre 1392 finden wir diese literargcschichtlich iniereffante Notiz: Gerhart Hauptmann« Drama„De Waber"(Die Weber), welches den Aufstand der schlesischen Weber in den vierziger Jahren mit ungewöhnlicher Dichterkraft behandelt, wurde infolge polizeilicher Einsprache vom Repertoire deS„Deutschen Theaters" abgesetzt. Vorstand und Ausschuß deS Vereins werden das Stück, wenn es irgend möglich ist, zur Aufführung bringen, vielleicht im Mai. Noch in den letzten Jahren hat die Freie Volksbühne wiederholt nicht zensurierte Stücke zur Aufführung gebracht. eS fiel ihr nicht ein. sich um die Zensurerlaubnis zu kümmern und niemand hat das auch von ihr verlangt. Wenn Herr v. Jagow meint, unter diesen Stücken sei kein einziges zenfmwidrig gewesen in dem Sinne- Expedition: 8M. 68» Lindenstrasst 69» Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981. baß ein gebildeter und vernünftiger Zensor Ursache gehabt hätte, es zu verbieten, so kann das ohne weiteres zugegeben werden. Aber verlasse sich einer auf die Vernunft der Zensur! Schon Grillparzer sagte, es könne keine Zensur geben, weil eS keine Zensoren gibt. Und darum dreht sich ja auch der Kampf der Freien Volksbühne, daß die deutsche Literatur nicht dem Zweifel- haften Wohlwollen und der noch zweifelhafteren Einsicht der preußischen Polizeibeamten wehrlos ausgeliefert sein soll! Jeder Absolutismus verspricht Wohlwollen, aber um waS eS sich handelt, das ist die gesetzliche und gewohnheitsrecht- liche Freiheit, die die Freie Volksbühne unter Koller und Hammer« stein, unter Meerscheidt-Hüllessem und Windheim besessen hat und die jetzt vernichtet werden soll. Eine„Formsache" nennt's Herr v. Jagow l Und in der„Deutschen Tageszeitung" tröstet eine ihm wahlverwandte fromme Seele: Mag einmal ein Zensor auch rigoroser in Berlin zu Werke gehen als anderswo. Literaturwerke zu vernichten, dazu reicht seine Macht nicht aus, auch wir kennen kein Theater- stück eines wirklichen Dichters, das dauernd durch die Zensur Schaden genommen hätte. Also richtig— ersticken kann man den freien Geist nicht, warum will man der Polizei dann das Vergnügen nicht gönnen, ihn ein bißchen zu würgen? Zumal, da ja Herr v. Jagow— einst- weilen— keine gefährlichen Absichten hat, sondern nur bloß nebenbei ein bißchen zensurieren will, während eS ihm in der Hauptsache, wie er treuherzig versichert, darauf ankommt, das„jeweilige Publikum" vor den Gefahren zu schützen, die ihm daraus entstanden, daß der Sicherheitsdienst bei den Vorstellungen nicht von der Polizei gehandhabt wurde. Hier offenbart sich jener väterlich besorgte Geist, der schon über dem H u m b 0 l d th a i n mit dem Meter» maßstab waltete. Seit zwanzig Jahren hat die Freie Volks- bühne ohne Polizei Ordnung gehalten. niemals ereignete sich der geringste störende Zwischenfall I Trotzdem fühlt der Sieger von Treptow, der Held des Tiergartens, sein Herz von Sorge er« füllt, er zittert vor einer polizeifreien Ordnung. Auf der Höhe seiner Aufgabe wird man ihn erst dann finden, wenn seine Be- waffneten in« Parterre einreiten und neben jedem Dichter ein Schutzmann steht t_ Preußens beleidigte Prinzen! Königsberg» 10. August.(Privatdepesche deS „Vorwärts".) Die Strafkammer verurteilte den Genossen M a r ck w a l d von der„Königs« berger VolkSzeitung" wegen Prinzen- beleidignng zu vier Monaten und den Genossen Linde vom„Landboten" zu sechs Wochen Gefängnis. Die Straftat wurde in einem Artikel gefunden» der die Er» höhnng der Zivilliste behandelte. Ein ungeheuerliches Urteil ist gefällt worden— ein Urteil, wie es nur in Preußen und wohl auch nur im östlichsten Preußen möglich ist. Nur möglich in einem Lande, in dem die staatSbürger» liche Freiheit nur soweit besteht, als sie die Junker gestatten, wo eS noch eine Bureaukratie gibt, die im Bürger den Untertan sieht, der vor dem Träger der Krone und allen Mitgliedern seines HaufeS in tieffter Demut zu ersterben hat. Sämtliche preußische Prinzen sollen die beiden Sünder beleidigt haben. Wodurch? Durch einen Artikel, der die Erhöhung der Zivil« liste behandelte und dabei das von der Negierung vorgebrachte Argument, daß die Krone steigende Lasten zu tragen habe, weil sie die zahlreichen volljährigen Prinzen des HohenzollernhauseS apanagieren müsse. In etwa 85 Zeilen war dieser„Grund" ge» bührend kritisiert worden. Der„VorivärtS" ist leider, da er auch in Preußen erscheint, nicht in der glücklichen Lage, wie die„Fränk. TapeSpost", die in ihrer DienStagSnummer den ganzen unter An» klage gestellten Passus des Königsberger Artikels abdruckt, weil sie weiß, das südwärts des Mains kein Staatsanwalt und kein Richter auf den Gedanken kommen kann, in den betreffenden Ausführungen etwas Strafbares zu suchen. Wir können, wie ge- sagt, leider dem Beispiel des Nürnberger Parteiorgans nicht folgen— könnten wir es, so würden unsere Leser erst die ganze Ungeheuerlichkeit der neuesten Leistung der Königsbergcr Justiz er- messen. So müssen wir uns mit dem Hinweis begnügen, daß der Artikel in seinem unter Anklage gestellten Teil, ohne irgendeine an sich beleidigende Wendung zu gebrauchen, das Argument der Re- gierung mit dem ganz vernünftigen Grund bekämpft, daß die er- wachsenen Prinzen, wie jeder andere erwachsene Mensch, wohl in der Lage sein müßten, sich durch die Arbeit ihreS Kopfes oder ihrer Hände selbst zu erhalten, wobei zum Schluß auf das Wort„Arbeit adelt" verwiesen wird! DaS ist das ganze Verbrechen I Und deshalb 4 Monate und S Wochen Gefängnis I Die Strafen sind hart, besonders die für den Genossen Marckwald; aber nicht deshalb nannten wir das Urteil ungeheuerlich. An harte Strafen sind wir Sozialdemokraten längst gewöhnt. Ungeheuerlich ist die Verurteilung an sich, ohne jede Rück- ficht auf das Strafmaß. Ungeheuerlich wäre sie, wenn auch nur auf 3 M. Geldstrafe erkannt worden wäre I Denn seit wann ist eS eine Be- lcidigung, wenn von jemand angenommen wird, daß er imstande ist, durch Arbeit seinen Lebensunterhalt zu gewinnen, feit wann ist eS eine Beleidigung, einem gesunden Erwachsenen die Selbst- Verständlichkeit zuzumuten, daß er selbst durch seine Arbeit sich seine Existenz gründe? Wenn die Arbeit adelt, soll sie Prinzen schänden? DaS Urteil von Königsberg verträgt keine Kritik. Erklärlich wird es nur aus einer Geistesrichtung heraus, die in allem, was den Monarchen angeht oder irgendwie mit ihm zusammenhängt, eine unanareifvare, Immune Institution steht. Und wir glausten nicht fehlzugreifen, wenn wir den eigentlichen Grund der Verurteilung nicht in den Ausführungen des Artikels über die Prinzen, sondern in der Tatsache sehen, daß er die Erhöhung der Zivilliste kritisiert. Denn nach der erleuchteten Auffassung der preußischen Bureankratie, wozu auch die Herren von der Justiz gehören, hat die Untertanen- schaft Steuern zu zahlen und den Mund zu halten. Auch wenn man ihr S'/a Millionen mehr für die Zivilliste abknöpft, obschon man ihr kurz vorher das gleiche Wahlrecht verweigert hat I... Der Krieg auf den Seekfyiffswerften. Der große wirtschaftliche Kampf auf den Werften, der durch den Beschluß>:i Werftgewaltigen, 60 Proz. aller Werftarbeiter Teutschlands auszusperren, erhöhte Bedeutung erlangt, zeigt auch den noch vom Harmoniedusel befangenen Elementen, daß die ökono- mische und damit auch die politische Befreiung der Arbeit nur das Werk der Arbeiter selbst sein kann. Alle Bitten der„besseren" Elemente unter der Arbeiterschaft, ihnen einen bescheidenen, den Teuerungsverhältnissen entsprechenden Lohnzuschlag zu gewähren, ist von den Werftbesitzern oder den Sachwaltern des Werftkapitals mehr oder minder brüsk oder sogar noch in höhnender Form zurückgewiesen worden. Da blieb den Werftarbeitern aller Bran chen nur die ultima ratio, der Streik, übrig, durch den sie ihre traurige Lebenslage erträglicher zu gestalten hoffen. Die Soldschreiber des Kapitals, allen voran die Skribenten der„Ham- burger Nachrichten", leisten sich das Menschenmögliche in der Ver- unglimpfung der Arbeiter, ihnen so die Erkenntnis in die Köpfe hämmernd, daß von einer �Harmonie zwischen Kapital und Arbeit nicht die Rede sein kann.„Anständige Leute schreiben nicht für mich", hat der Blut- und Eisenmensch Bismarck einmal gesagt. Er kannte seine Pappenheimer! Die immer noch von den„großen" Gedanken ihres Idols zehrenden„Hamburger Nachrichten" stellt die kämpfenden Arbeiter sogar als Einbrecher und Geld- spindknacker hin. Arbeiter, merkt Euch diese Gemeinheit!' Um die bescheidenen Forderungen der Werft- arbeiter zu diskreditieren, wird behauptet, die Konjunktur im Schiffsbaugetuerbe sei nicht danach angetan, ihm weitere Lasten aufzubürden. In den besten Zeiten der Hochkonjunktur ist es den Werftgewaltigen nicht eingefallen, die Arbeiterlöhne nennenswert aufzubesiern; es bedurfte erst des Nachdrucks von feiten der Ar- beitssklaven. um wenige Pfennige herauszuschlagen. Schmunzelnd haben im Zeitalter der gepanzerten Faust und der Panzerkolosse die Werftkapitalisten den Goldsegen, den gemünzten Schweiß der Arbeiter, geerntet, während die Erzeuger aller Mehrwerte mit Hungerlöhnen abgespeist wurden. Da brach den Arbeitern die Geduld! Das Herrenmenschentum an der Wasserkante hofft auf Aufschub der Lieferfristen, ein Beweis dafür, daß die Kon. junktur keine schlechte sein kann. Die Nachtschusterei steht auf den Wersten in höchster Blüte. Wie es mit dem„Arbeitsmangel" in Wirklichkeit aussieht, zeigen die Aufträge der Werften. Die Werft von Blohm u. Boß, die größte Werft Hamburgs, hat außer den noch im Bau befindlichen noch zwei weitere große Kreuzer, und für die Hamburg-Amerika-Linie und die Ostafrika-Linie je einen großen Dampfer, sowie mehrere kleinere Dampfer zu bauen. Die Filiale des„Vulkan" in Hamburg baut außer dem Linien» schisssersatz„Heimdall" für die Amerika-Linie ein Schiff von riesigen Dimensionen, einen wahren Leviathan; das Deplacement soll 40—50 000 Ton» betragen. Auch die übrigen Werften Hamburgs haben viele Aufträge zu effektuieren, wie über- Haupt alle größeren Werften in Bremen, Geestemünde, Kiel, Stettin, Danzig, Flensburg usw. Wann wohl die Konjunktur ein- tritt, die höhere Löhne vertragen kann? Diese Frage dürften die Werftinteressenten als eine sehr naive bezeichnen. Das Telegraphenbureau Hirsch berichtet, von der ArbeitSein- stellung würden die Werften, soweit nicht an Lieferungsfristen ge- knüpfte Marinebauten in Frage kämen, nur wenig betroffen. Warten wir's ab! Der Geldbeutel ist der verwundbarste Punkt aller Kapitalistem Millionenbauten läßt man eben, des Zinsver- lustes wegen, nicht monatelang liegen. Mit auf der Straße aufgelesenen Lumpenproletariern kann man keine qualifizierte Arbeit leisten. Zur Herstellung dieser Wunder der Technik, wie man die großen Schiffskolosse mit Recht bezeichnet, bedarf es des Zusammenwirkens vieler geübter Hände und überlegender Köpfe. Nachdem die Hirsche sich mit den Freiorganisierten solidarisch erklärt hatten, haben dies jetzt ebenfalls die Christlichen ge- tan. Dem einigen Kapital steht die feste Phalanx der Arbeiter gegenüber. Wie aus den Forderungen der Werftarbeiter erhellt, wollen diese endlich geregelte Lohn» und Arbeits- Verhältnisse eingeführt sehen. Die Einführung von Mindest- oder Einstellungslöhnen wird, obwohl sonst überall längst durchgeführt, von den Werftprotzen als undurchführ- bar bezeichnet. Undurchführbar soll auch die Regelung der verschwommenen Lohnakkordsätze sein. Bislaug wußte kein Werftarbeiter, woran er war. Wurde er wegen angeb- lichen Arbeitsmangels entlassen, aber nach wenigen Tagen wieder in Gnaden aufgenommen, dann galt er als Neueinge stell- ter, der von unten wieder anfangen konnte. Neben der Ver. kürzung der Arbeitszeit legen die Arbeiter das Haupt- gewicht auf die Garantierung eines Mindestlohnes. Bürgerlichen Tintenkulis, sich dankbar an die Freifahrten und Ab- sütterungen bei der Weltlinie erinnernd, wenden sich gegen die „unverschämte" Forderung nach Verkürzung der Arbeitszeit von 56 auf 53 Stunden, wobei wir betonen wollen, daß die A m e r i k a- LinienochjetztinihrenWerft-undDock betrieben SO Stunden arbeiten läßt! Kulturforderungen dürfen eben nicht anerkannt werden, und ausgehaltene Tintenkulis dürfen nicht wider den kapitalistischen Stachel lecken, falls sie nicht bei denen um Ballin in Ungnade fallen wollen. Eine„Unverschämtheit" soll auch die Forderung einer zehnprozentigen Lohnerhöhung sein. Eine solche Lohnsteigerung würde die Produktionskosten ins Ungemessene steigern, so wird behauptet. 10 Proz. Lohnerhöhung oder durch- schnittlich etwa& M. pro Woche mehr bieten auch nicht annähernd einen Ausgleich für die im Zeitalter des Brot- und Fleischwuchers und der famosen Finanzreform eingetretene Verteuerung aller Bedarfsartikel, der Wohnungsmieten usw. Dreselben bürgerlichen Preßorgane, welche die bescheidenen Lohnforderungen der Werft- arbeiter herunterreißen, mimten noch vor kurzem Beamtenfteund- lichkeit. bezeickmeten deren Eingaben als von der Not der Zeit diktiert und stellten, wie die„Hamburger Nachrichwn, ,n deren «eitungSspalten sich zwei Seelen bre.t machen, mn Extrablatt rrnt Sen Beamten gewogenen Artikeln her, das den Hamburger Staats- bureaus zugestellt wurde. Ein Unterbeamter veroftentllchte tn �'em Blatt seinen Notschrei. Er Offerte smne�A�gabe� mit etwa 1450 M.. wobei der Littel« 1 c 1' �"„tr;*„ Tag und der Titel K l e i d u n g mit ganzen ist. Da» war eine„beachtliche" Stimme. DaS Arbeitseinkommen eines WerstproletarierS ist zum größten Teil heheutuO niedriger als 5as 5eS ÜnleiEeamleit. Mer 5er Prolei soll sich nach öer Decke strecken und den Hungerriemen um einige Löcher enger anziehen, dann wird'S schon gehen. Die Arbeiter sehen also, daß sie in diesem Riesenkampfe auf sich allein angewiesen sind. Das bekannte Tellwort:„Der Starke ist am mächtigsten allein!" ist von der Arbeiterklasse akzeptiert worden in dem Sinne, daß, wenn sie sich einig ist, sie sich stark genug fühlt, um auch den Kampf mit einem auf seine gefüllten Geldsäcke protzenden Gegner aufnehmen zu können. Ziel- und weg bewußt werden die Werftarbeiter, die nichts zu verlieren, sondern nur zu gewinnen haben, den Kampf für eine bessere Existenz zu führen wissen, damit auch sie und ihre Familien etwas vom Sonnenschein einer anständigen Existenz berührt werden. Spanien und der vallßan. Aus Madrid wird uns geschrieben: Spanien ist das letzte Land in Europa, das noch unter der absoluten Herrschaft Roms steht. Der Konflikt, der jetzt zwischen dem Vatikan und der spanischen Negierung ausge- krochen ist, ist der Anfang einer Aera der Befreiung. Diese Krise der religiösen Emanzipation ist dieselbe, welche alle europäischen Nationen durchgemacht haben, bevor der Endkampf um die soziale Befreiung ausgebrochen war. Im ersten Moment scheint der Kampf nur zwischen den klerikalen und den liberalen Mächten entbrannt zu sein, aber in Wirklichkeit wogt die Schlacht auf der einen Seite zwischen einer Kaste von Unterdrückern, die aus unfähigen Generalen, räuberischen Pfaffen und Geschäftspolitikern besteht, während auf der anderen Seite das unterdrückte spanische Proletariat steht- Man weiß, daß sich infolge der Hartnäckigkeit des per- ruchten Ministerpräsidenten M a u r a und seiner Salongene- rale, die eine Aera kolonialer Eroberungen beginnen wollten, und infolge der systematischen Opposition, die die Negierung allen Notwendigkeiten der nationalen Entwicklung entgegen- setzte, das Volk von Katalonien sich erhob und in Barcelona im Juli des letzten Jahres die Revolution ausbrach. Diese Ereignisse und die Ermordung F e r r e r s führten zum Sturze Mauras. Während seiner und seiner Vorgänger Regierung hatte Nom die Zügel der Regierung in Händen. Der spa- nische Ministerpräsident war nur eine Marionette, die an den Drähten tanzte, die in Rom gezogen werden. C a n a l e j a s kam zur Macht nach dem Sturze Morets, den Maura aus Haß zu Fall gebracht hatte, vielleicht auch in der Hoffnung, selbst wieder zur Macht zurückzukehren. Indem Canalejas das Steuer des Staatsschiffes, das bereits so arg mitgenommen war, ergriff, fand er sich vor Aufgaben gestellt, deren Lösung große Schwierigkeiten be- reiten mußte. Er machte sich zunächst an diejenige, deren Lösung ihm am leichtesten schien und die zudem unmittelbar seine Äusmerksamkeit in Anspruch nehmen mußte. Es war das die Revision des Konkordats. Man erinnert sich, daß nach den letzten spanischen Niederlagen im Kriege mit Amerika der größte Teil der Pfaffen, die katholischen Mönche und Ordensschwestern, aus den Kolonien nach Spa- nien zurückkamen, an dessen Marke ohnehin eine nur allzu zahlreiche Schar dieser Parasiten zehrt. Die Trennung von Kirche und Staat in Frankreich verschärfte noch die Situation, da die aus Frankreich vertriebenen Mönche in dem gastfreund- lichen katholischen Spanien ihre Zuflucht suchten. Spanien glich fast einem ungeheuren Leichnam, der von den Parasiten verzehrt wurde. Es handelte sich also darum, zu retten, was noch zu retten war. Zugleich mußte man dem Vatikan deutlich machen, daß Spanien es satt habe, seine Drahtpuppe zu sein. Einer der ersten Handlungen des Ministerpräsidenten war also die Einleitung von Verhandlungen mit Rom. um das Konkordat zu revidieren und es für Spanien weniger drückend zu gestalten. Um dem fressenden Krebsgeschwllr Einhalt zu tun, erließ Canalejas gleichzeitig eine Verordnung, welche die Bildung neuer Orden in Spanien bis zur gesetzlichen Neu- regelung untersagte. Dieses Dekret, welches die Türe neu eindringenden Parasiten verschloß, nannte man das„Gesetz des Vorhängeschlosses". Zugleich trug Canalejas einem mo- dernen Bedürfnis Rechnung, dessen Erfüllung schon lange von den zahlreichen spanischen Protestanten und Juden ge- wünscht wurde, und erließ eine andere Verordnung, welche allen Religionsbekenntnissen Kulturfreiheit gewährte. Dieser Akt war in den Augen des Vatikans an sich eine Revolution. Denn hatte nicht seit so vielen Jährhun- derten der Papst allein in Spanien regiert und seine protestan- tischen und jüdischen Konkurrenten von jeder Tätigkeit ausge- schlössen? Man kann sich also denken, daß diese beiden Ver- ordnungen die ohnehin schon sehr getrübten Beziehungen zwischen dem Vatikan und Spanien sehr verschlechterten. Der Papst und besonders sein Staatssekretär Morry delVal, ein hochmütiger Spanier, fühlten sich beleidigt. Sie zeigten sich unversöhnlich und forderten vor Wiederaufnahme neuer Verhandlungen von Canalejas den Widerruf der Verordnun- gen. Aber der Ministerpräsident konnte, wollte er nicht poli- tischen Selbstmord begehen, einem solchen Verlangen nicht zustimmen. Ende Juli begab er sich nach San Sebastlan. um vom König die Zustimmung zu seinem Vorgehen zu fordern. Die Situation A l f o n s o n war immerhin schwierig. Wenn er Canalejas freie Hand ließ, so wurde er zur Beute des wüten- den Hasses der spanischen Klerikalen, welche ihn anklagten, sich durch seine protestantische Frau, die bei ihrer Heirat zum Katholizismus übergetreten war. beeinflussen zu lassen-, wenn er aber Canalejas den Abschied bewilligte, so demütigte er Spanien vor dem herrschsüchtigen Vatikan und dies konnte einen allgemeinen Aufstand aller modernen Kräfte herbei- führen. Es scheint aber, daß dieser sonst sehr schlecht beratene König dieses Mal mehr Glück hatte, indem er Canalejas sein Vertrauen aussprach. Angesichts der unversöhnlichen Haltung Roms reiste der spanische Botschafter beim Vatikan, Herr Ojeda, von Rom ab. Der König ist im Begriff, nach England zu reisen und überläßt seinem Ministerpräsidenten die Sorge mit den fana- tisierten Katholiken von Biscaya fertig zu werden. Der Ministerpräsident hat die Methode der„starken Hand" ge- wählt. Er hat Truppen nach San Sebastian gesandt, um die von den Klerikalen angekündigten Demonstrationen zu verhindern. Der Rückzug der Katholiken hat ihm vorläufig einen vollen Erfolg gebracht, da nach den pomphaften Ankün- digungen der Klerikalen ihr Zurückweichen einem Eingeständ- nis ihrer Schwäche und Machtlosigkeit gleichkommt. Natür- lich können wir diese Methode nicht billigen; ist doch zu fürch- ten, daß sie auch, wenn die Gelegenheit sich bietet, gegen das kämpfende Proletariat angewendet wird. Die Situation bleibt aber noch ungeklärt und von Ge- fahren erfügt. Sie ist um so ernster zu bevxtxilea, da der König unier der Pression seiner oligär'chischen und bsgökten Umgebung jeden Moment Angst bekommen, zurückweichen und Canalejas verabschieden kann. Die Berufung jeines Reaktionärs zur Regierung würde aber sicherlich eine Revo- l u t i o n entfesseln. Aber auch wenn Canalejas an der Macht bleibt, ist die Stellung der spanischen Sozialisten eine sehr schwierige. Die Sozialisten wünschen mehr als irgend jemand anders die Wiedergeburt Spaniens, die mit der Befreiung von dem Joch des Klerikalismus beginnen muß- Erst dadurch gewinnen wir freien Zugang zu dem Schlachtfeld, auf dem der Klassenkampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie aus« gefochten werden kann. Aber, indem unsere spanischen Ge- nassen mit allen Kräften an dem Werk des Fortschrittes mit- zuarbeiten suchen, müssen sie stets auf der Hut sein, um sich vor den Fallstricken zu bewahren, wetche die bürgerlichen Butl». desgenossen bei einem solchen Werke ihnen legen könnten. »» * Eine Erklärung des Ministerpräsidenten. Paris, 10. August. Der„Petit Parisien" veröffentlicht eine Unterredung seines Madrider Vertreters mit dem spanischen Ministerpräsidenten. Canalejas erklärte, er sei mit der augenblicklichen Lage durchaus zufrieden; er erwarte die baldige Beilegung des Streiks in Bilbao, auch die Kon- flikte in Gijon und Santander gingen ihrer Beilegung entgegen. So könne die Regierung endlich an die Lösung anderer Probleme gehen, insbesondere den Plan der Neutralität des Unter- r i ch t s studieren. In den Baskischen Provinzen und in Navarra trete wieder Ruhe ein. Canalejas erkannte an. daß die Haltung der meisten spanischen Bischöfe klug gewesen sei; nur einige, wie der Bischof von Vittoria, der sich geweigert habe, die Priester zur Ordnung anzuhalten, hätten ihre Pflicht vergessen und m Predigten zum Aufstand angereizt. Diese sollten er- fahren, daß sie öffentliche Beamte seien und den Staat respektieren müßten. Die Manöver der Karliften in Katalonien seien bedeutungslos. Der Ministerpräsident erklärte zum Schluß, er wolle erstens feststellen, daß die große Mehr, heit des spanischen Volkes für die Kultusfreiheit und die Zahl der Ultramontanen nur gering sei, zweitens daß die ganze Welt sich lebhaft für die Vorgänge in Spanien interessiert habe und den neuen Geist zu schätzen wisse, der Spanien durchwehe. Spaniens Haltung Nom gegenüber werde sich nach der Haltung richten, die Rom selbst einnehme, die Initiative zur Einigung werde Spanien nicht zurückweisen.— politifchc deberficbt, Berlin, den 10. August 19101 Nationalliberal-klerikaleS Stichwahlbündnis in Bochum. Aus Bochum wird uns geschrieben: Die nächsten NeichStagSwahlen machen dem Zentrum im rheinisch- westfälischen Jndustrierevier schwere Sorgen. Fieberhast wird ge» arbeitet, um die Soziatdemokatte zurückzudrängen. Wie der nächste ReichStagSwahlkampf geführt werden soll, daS zeigt das Vorspiel der bevorstehenden KnappschaftSwahlen. Di« Parole des Zentrums wie der Nationalliberalen ist: Nieder mit dem Bergarbeiterverband um jeden Preis. Arm in Arm mit dem von den Zechengewaltigen subventionierten Evangelischen Arbeitervereinen marschiert der Christliche GeWerk« verein der Bergarbeiter gegen den Bergarbeiterverband. Zwar wagen die Christlichen dieses Bündnis nicht öffentlich zu prokla« mieren, weil sie sonst den letzten Rest ihres Kredites bei den Berg, arbeitern verlieren würden, aber dennoch ist daS Kompromiß eine vollendete Tatsache. Alle M.-Gladbacher Rabulistik schafft sie nicht auS der Welt. Und dieses schwarz-blaue Bündnis soll bei der nächsten Reich?« tagswahl auch im Wahlkreise Bochum- Gelsenkirchen verwirklicht werden. Bereits am Sonntag vor acht Tagen fand in Wanne(Wahlkreis Bochum) eine Zentrumsversammlung statt, in der ein Pfarrer Luft den Vorschlag machte, mit den Nationalliberalen im Wahl- kreise Bochum- Gelsenkirchen eine Koalition für die Stichwahl ab» zuschließen. Dieser Borschlag wird in der„Westfälischen Voll?» zeitung"(Nr. 176 vom 8. August) aufgegriffen und dazu bemerkt: „Vor allem verdient aber hervorgehoben zu werden, daß Pfarrer Luft wohl seine rein persönliche Ansicht ausgesprochen hat, als er ein Kompromiß zwischen Zentrum und Alt- liberaltSnius für den Fall einer Stichwahl in Aussicht stellte. Ein derartiges Abkommen wäre denn doch ein zu ge- wagte? Experiment, denn eZ hätte zur Voraussetzung, daß die gesamte Wählerschaft willenlos einer Parleiparole gehorchte, die vor der Wahl gegen und im Falle der Stichwahl für den Alt» liberalismus lautete. Wenn die beiden Parteien sich zu gemein- samer Arbeit zusammenfinden sollen, wenn sie sich auf einen gemeinsamen Kandidaten, der für die Be- strebungen beider Parteien garantiert, einigen können, dann darf dies nicht erst geschehen, wenn eS zu spät ist. Und zu spät wäre es, wenn man erst in der Stichwahl die Stoßkraft der Wählermassen in Anspruch nehmen wollte. nachdem die Wähler durch den Mißerfolg de? ersten Wahlganges enttäuscht und verbittert sind." Die„Westfälische VolkSzeitung" ist das offizielle Zentrum». organ in Bochum und es darf als selbstverständlich angenommen werden, daß dieser Vorschlag nicht ohne die Zustimmung der Lei- tung der Bochumer Zentrumspartei erfolgt ist. Charakteristisch für die Zentrumspartei ist aber, daß das Kompromiß mit dem Alt- ljberaliSmus beabsichtigt wird. Wer ist denn dieser A l t liberaliS- muS? Niemand anders als die rheinisch-westfälischen Schlotbarone und Zechengewaltigen l Ein solches Kompromiß wäre allerdings nur die Konsequenz der vom Zentrum in Westfalen betriebenen Politik. Die Nationalliberalen würden dann aber auch das vor drei Jahren den evangelischen Arbeitern gegebene Versprechen, bei der NcichstagSwahl 1S12 einen Arbeitcrkandidaten aufzustellen, nicht einlösen brauchen. Eine Erlösung aus einer fatalen Situation. Fraglich ist nur. ob die Wählermassen mit diesen sauberen Ma- növern einverstanden sind. Uns kann diese Klärung der Verhältnisse nur willkommen sein. Sie macht die Wahlarbeit einfacher. Auch den christlichen Arbeitern wird dadurch gezeigt, wohin die Reise der hiesigen Zentrumspartei geht._ Strafrechtliche Folgen der allerhöchsten Lohnbewegung. In Gnesen ist der Redakteur des„Lech" wegen Maje- stätsbeleidigung verhaftet worden, die er durch einen Artikel über den„Armen König von Preußen" begangen haben soll. Die Erhöhung der Zivilliste treibt sonderbare Blüte: Der König kriegt das Geld und die Redakteure gehen ins Gefängnis. Die Slgrarier gegen die dirette Wahl. Die„Deutsche Tageszeitung" wendet sich in der heftigsten Form gegen die„Konserv. Monatsschrift", die eS gewagt hatte, zu behaupten, daß durch die Einführung der geheimen und direkten Wahl in Preußen weder konservative Grundsätze noch das konserbatlbe Programm verletzt würden. darauf: „ES ist gewiß an sich richtig, baß die indirekte Wfchl und die Oeffentlichkeit der Wahl kein« konservativen Grundsätze, keine Forderungen des konservativen Programms sind. Derartige Dinge werden überhaupt nicht programmatisch festgelegt, sondern müssen nach der jeweiligen Zweckmäßigkeit entschieden werden. Wohl aber ist ein unverrückbarer Grundsatz des Konservatismus die Stützung der Autorität und die Anknüpfung an das geschichtlich Gewordene. Ein Wahlrecht, das im Königreiche Preußen den Grundsatz der Oeffentlichkeit und zugleich den der indirekten Stimmenabgabe beseitigte, würde in die geschichtliche Entwickelung brutal eingreifen und deswegen mit den kons er- vativen Grundsätzen nicht vereinbar sein. Die Konservativen in Preußen fürchten, und zwar mit Recht, daß ein solches Wahlrecht auch geeignet sei, die Autorität des Staates, ja der Mon- archie zu untergraben. Deshalb bekämpfen sie ein solches Wahlrecht nicht nur vom Standpunkte der politischen Zweckmäßigkeit, sondern von ihrem grundsätzlichen Stand» punkte aus. Nach konservativer Weltanschauung ist nur das Wahl- recht innerlich und grundsätzlich berechtigt, das den Bestand des Staates und die Erfüllung seiner geschichtlichen Aufgabe sichert. DaS ist durch das jetzt geltende preußische Wahlrecht geschehen. Von einer radikalen Aenderung des Wahlrechts ist dagegen eine Gefährdung der Staatssicherheit und Staats» zukunft zu erwarten. Deshalb stemmen sich die Konservativen einer derartigen Aenderung entgegen, und zwar wiederum nicht nur aus politischen Zweckmaßigkeitsgründen, sondern aus Gründen der Weltanschauung. Das ist»n der»Konservativeil Monats» schrift" übersehen worden. DaS Zentrum, der Verbündete der Junker, hat bekanntlich immer erklärt, daß daS direkte Wahlrecht gar keine so große Bedeutung gehabt habe. Die»Deutsche TageSztg." aber behauptet, daß die direkte Wahl in Verbindung mit der geheimen Wahl die furchtbarsten Gefahren heraufbeschwöre, nicht nur für die Junker, sondern auch für die Monarchie und den Staat! DaS letztere ist natürlich barer Unsinn. Richtig ist allerdings, daß die Einführung des geheimen und direkten Wahlrechts den Junkern etliche Mandate kosten könnte. Aber auch diese Gefahr wäre durch das Dreiklasienwahlrecht und die agrarische Wahlkreis- einteilung auf ein Minimum beschränkt. Sicherlich aber werden die konservativen und ultramontanen Reaktionäre alles aufbieten, um auch bei einer erneuten Wahlreform das Wahlrecht so zu gestalten, daß jede Schwächung deS Agrarier» tumS ausgeschlossen ist!_ Tie Flottentreiber rühren sich! DK Hauptversammlung des braunschwetgischen Landes- flottenvereinS hat den Beschluß gefaßt und dem Präsidium des Flottenvereins in Berlin übermittelt: »Das Präsidium wird gebeten, auf sein Aktionsprogramm den baldigsten Ersatz für die verkauften Kriegsschiffe»Branden- bürg' und«Wörth'... zu setzen.' Bei dem Ersatz handelt es sich wohl schwerlich um die Ersatzbauten für die Brandenburgklasse, die ja schon nach dem Flottengesetz von 1900 vorgesehen waren und nach der Flotten Novelle von 1908, die das Dienstalter der Linienschiffe von 2£> auf 20 Jahre herabsetzte, im Jahre 1910 begonnen werden müssen. Es wird sich vielmehr um einen neuen doppelten Ersatz der verkauften Kriegsschiffe handeln, die man ja in der Tat bereits mehrere Jahre früher losschlug, als für sie ein Ersatz in Gestalt von Neubauten vorhanden war. Unsere Flottentreiber verlangen also, daß die 18 Millionen des Verkaufspreises schleunigst wieder als erste Raten für zwei neue Ersatzbauten angelegt werden, die uns zusammen über 100 Millionen kosten würden! Koloniale Exzesse. lieber die Ermordung deS deutschen Kaufmann? Bretschneider äußett sich daS»Leipziger Tageblatt' nach Mitteilungen, die ihm von wohlunterrichteter Seite gemacht worden find. ES schreibt: ES ist in Südkamerun ein offenes Geheimnis, daß der Stationschef der Dumestation feine schwarzen Soldaten nicht so in der Hand hat, wie eS die Verhältnisse im Bezirk er- heischen. Der farbige Soldat kennt erfahrungS« gemäß keinerlei zarte Rücksicht gegen seinen schwarzen Mitbruder, sondem nützt das Ueber- gewicht, das ihm seine Stellung verschafft, nach Kräften zu seinem persönlichen Vorteil aus, wenn er nicht scharf beauffichtigt wird. Beliebt ist die gewaltsame Wegnahme von Weibern, Erpressung von Waren und Lebensmitteln. Werden solche Aus- schreitungen nicht vom StationSchef rücksichtslos unterdrückt und geahndet, so verlieren die Eingeborenen eben daS Vertrauen zu den deutschen Beamten und Offizieren und greifen zur Selbsthilfe. Die ersten Opfer sind dann vielfach Unschuldige, die lediglich durch ihre weiße Hautfarbe den erregten Schwarzen verdächtig und ver- haßt sind. So war es im Falle des Leutnants Reuter und offen» bar jetzt wieder im Fall Bretschneider. Die Darstellung stimmt im wesentlichen mit dem überein, was auch in anderen Blättern von Landeskundigen ausgeführt wird. Nur daß es unrichtig ist. den Weiberraub und die Erpressungen allein den Mannschaften der schwarzen»Schutztruppe' in die Schuhe zu schieben, da die gleichen Praktiken auch von K a u f l e u t e a und anderen Reisenden geübt werden! Trotzdem fordert das Leipziger Blatt nicht die rücksichtslose Unterdrückung und Ahndung solcher an den Eingeborenen be» gangenen Frevel, sondern die— größte Rücksichtslosigkeit gegenüber den durch diese Frevel zur Notwehr gezwungenen Ein» geborenen!_ MandatSmiide. Der konservative Reichstagsabgeordnete Henning, der zurzeit den Wahlkreis Kalau-Luckau im Reichstage vertritt, will mcht mehr kandidieren. Von konservativer Seite will man den Landrat Freiherrn v. Manteufsel als Kandidaten vorschlagen. Diese Mühe könnten sich die Konservativen voraussichtlich sparen. Der Ab- geordnete Henning ist allerdings mit 1b 346 Stimmen gewählt worden, denen 0669 sozialdemokratische und 6206 freisinnige Stimmen gegenüberstanden. Sein Mandat war angefochten und wäre auch zweifellos für ungültig erklätt worden, wenn der Reichs- tag nicht in der bekannten skandalösen Weise die Wahlprüfungen er- ledigt hätte. Der Bürgermeister von F i n st e r w a l d e hatte näm- lich die� zum Wahlkreis gehörige Stadt zwar in 4 Wahlbezirke«in- geteilt. d,e Wähler aber nichr nach ihrem Wohnsitz, sondern nach dem Alphabet den einzelnen Wahlbezirken zugeteilt. Selbst dieser ungeheuerliche Verstoß gegen das Wahlgesetz wurde von der Mehr« heil deS Reichstages als unbeachtlich erklärt. Hoffentlich wird dieser Wahlkreis das letztemal konservativ im Reichstage vertreten gewesen fem._ Bürgermeister und Major. Vor dem Kriegsgericht der b. Division zu Nürnberg hatte sich der Major Ferdinand v. �lcschuny. Sohn des Flügelatjudantcn und Generals FleschunY, wegen tätlicher Beleidigung zu vcrant- Worten. Der Major war Kommchar der PferdemnfterungSkommission und hatte als solcher in dem Dorfe Beitsbronn bei Fürth i. B. am B. Mai die Pferdenrusterung vorzunehmen. Dort hatte er an der Fassung der MustxrMgssiste, die vom Ortsschullehrer hergeMlt DaS Oertel-Blatt entgegnet! und vom Bürgermeister versaßt war. verschiedenes auszusetzen. Er gebrauchte dabei die Worte,„ein gescheiter Bürgermeister macht, daS nicht so". Da diese Bemerkung in erregtem Ton gemacht wurde, erwiderte der Bürgermeister:„Ich bitte Sie, Herr Major, mit mir etwas anständiger zu reden." Diese Mahnung des schlichten Dorfbürgermeisters zum Anstand brachte den adeligen Offizier noch mehr in Aufregung. Er riß dem Bürgermeister die Musterungsliste aus der Hand, warf sie zu Boden und machte dabei die Bemerkung:„Da haben Sie Ihr Ge- lump." Alsdann faßte der erregte Offizier das Dorfoberhaupt an der Brust und schob es zurück. In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht erklärten Zeugen, daß v. FleschunY derart schrie und lärmte, daß„das ganze Dorf zusammenlies und die Weiber aus den Häusern rannten." Vor der Verhandlung war der beklagte Offizier bereit, die Be- leidiaung unter dem Ausdruck des Bedauerns zurückzunehmen und die Kosten zu tragen. Der steifnackige Dorfbürgermeister wies diesen Vergleichsvor- schlag zurück. Das Kriegsgericht verurteilte den Major zu 66 M. Geldstrafe oder 16 Tagen Haft und Publikation des Urteils an der Ge- memdetafel in Beitsbronn._ Ein Elektrizitäts-Agraricr. Der geistige Urheber des großen WalchenseeprojekteS, daS jetzt glücklich den bayerischen Landtag passiert hat und seiner Ausfuyrung entgegensieht, ist, wie man sich erinnern wird, der Major v. D o n a t, der— ein zweiter Zeppelin— anfangs mit seinen Ideen nicht ernst genommen, nun die Genugtuung erlebt, sie dennoch verwirklicht zu sehen. Als ein rechter Vater ist er auch bemüht, für die Zukunft seines KindeS zu sorgen, und da macht doch ein Gedanke ihm das Herz recht schwer. Die Wasserkraft, so sagt er sich, ist Bayerns größter Reichtum, sie wird das Land noch einmal wirtschaftlich groß und glücklich machen; aber— ihr droht gar ge- fährliche Konkurrenz: sowohl bezüglich des Luftsal- Peters, mit dem Schweden-Norwegen die Welt beglückt, als auch namentlich für den nach seiner Ansicht wahrscheinlichen Fall, daß Edisons und anderer feiner Köpfe jahrelanges Forschen nach einem leichten, leistungsfähigen Akkumulator Erfolg hat. Wo bleibt dann Bayern mit seiner schön aufgespeicherten Wasserkraft? Doch Herr v. Donat ist nicht nur ein genialer Erfinder, er ist auch ein weitschauender Wirtschaftspolitiker. In einem Epilog zu den LandtagSverhandlunKen über das Walchenseeprojekt, den er in bayerischen Blättern veröffentlicht, gibt er bereits Mittel und Wege an, wie der angedeuteten Gefahr vorzubeugen sei: .-Bayern", so schreibt Herr v. Donat,„hat dem Reiche so manches Opfer gebracht— darf auch mal eine Revanche ver- langen. Weil nun lange Zeit erforderlich sein wird, um die un- ausbleiblichen Widerstände zu überwinden, muß Bayern heute (chon beim Reiche zu dringen beginnen auf einen Schutzzoll ür Luftsalpeter und akkumulierte elektrische Energie." Dieselbe Originalität, die der Erfinder v. Donat sein eigen nennt, kann allerdings der Politiker v. Donat nicht für sich in An- spruch nehmen. Das Rezept, das er hier empfiehlt, ist der allbe- kannten großen a g ra r ischen Apotheke entnommen. Eigent- lich setzt Herr v. Donat sich hier ja auch in einen gewissen Wider- Ipruch mit sich selbst. DaS Ziel des WalchenseeprojekteS ist doch, wie er elbst an anderer Stelle sagt, die Verbilligung der Kraft, >i« Möglichckeit einer ausgedehnteren Benutzung der elektrischen Kraft in allen BcvölkerungSschichten. Kommt nun aber jemand daher und will diese Kraft noch billiger liefern, da sagt Plötzlich Herr v. Donat: halt, das gibtS nicht! Wo bleibt da die Konsequenz? Eine Verhöhnung der Opfer vom Schlachtfelde der Industrie. Der Bericht der Sektion I der Rheinisch-Westfälischen Hütten- und Walzwerks-BerufSgenossenschaft, der neben der Kruppschen Fabrik nur noch einige kleine Werke aus dem Kreise Essen ange- hören, teilt u. a. mit, daß von 441 im Jahre 1669 entschädigten schweren Unfällen— 12 davon hatten den Tod zur Folge— kein einziger auf die Schuld des Betriebsunternehmerz, dagegen 862 auf die Schuld der Verletzten selbst, 28 auf die Schuld von Mitarbeitern, 68 auf unvermeidliche Betriebsgefahren und 3 auf höhere Gewalt zurückzuführen sind. Solche Behauptungen sind allerdings..bewiesen' durch die Po- lizeilichen FeftstellungSorgane, trotzdem bleiben sie eine geradezu unglaubliche Leistung angesichts der Tatsache, daß die Essener „Arbeiterzeitung" in vielen Fällen die wirklichen Ursachen von Unfällen besonders auf der Kruppschen Fabrik schonungslos kritisiert hat. Die berufSgenossenfchafllichen Feststellungen bleiben aber nach wie vor das»einwandfreie Material für die Unfallstatistik. Der Bürgerfinn der Verwandten preußischer Minister. Ein überaus eigentümliches Licht wirst ein Brief Martin Biedermanns, jenes bekannten polnischen Güterparzellanten, an�die Redaktion des„Kurjer Poznanski" und anderer polnischer Blätter, auf die Zustände, die die Ostmarkenpolitik Preußens her- vorgerufen hatte. In diesem Briefe, in dem sich Biedermann gegen Vorwürife illoyalei: Handlungen gegenüber seinen Landsleuten in einer längeren Amjandlung verteidigt und dabei u. a. auch den durch sein„Polnisches Gemeinwesen' bekannt gewordenen Pro- fessor Bernhard der Entstellung von Tatsachen bezichtigt, sagt der Briesschreiber auch folgendes: Bernhard wirft mir vor, daß ich mit deutschen Grunoeigentümcrn Verträge deS Inhalts abgeschlossen hätte, daß ich daS Gut Wohl kaufe, es aber an die Kolonistenkommission abgeben müsse, wenn diese einen höheren Preis bewilligen sollte. Ein Teil deS Preisaufschlages sollte ein- tretendenfalls mir zufallen, und diese Art Einkommen sollten meine Haupteinnahmequelle sein. Um diese Aktion zu fördern, sollte ich in polnischen Blättern die angebliche Parzellierung des gegebenen Gutes ankündigen und so die Kommission zur Zahlung mär che n ha st er P r eise veranlassen. Demgegenüber erkläre ich hiermit öffentlich, daß mir wohl des öfteren und dazu selbst von Seiten bekannter überaus naher Verwandter preuktzischer Minister ähnliche Manipulationen vorgeschlagen worden waren— wofür ich im Notfall« mit Beweisen zu dienen vermag— aber gegen eine solche Art Geschäfte hatte ich stets Widerwillen und habe sie abgelehnt als unvereinbar mit dem würdigen Verhalten eines Bürgers und Kaufmanns. Biedermann behauptet, Beweise für diese blamablen Anschuldi- gungen liefern zu können. Die öffentliche Meinung Preußens hätte das größte Interesse daran, diese Beweise veröffentlicht zu sehen. Da würde sich wohl auch zeigen, welche eigentlichen Trieb. sedern die Kolonisationspolitik Preußens geschassen haben und erhalten wissen wollen! Daß Millionen von Geldern preußischer Steuerzahler in die Taschen der stets notleidenden deutschen A a r a r i e r gewandert stnd, und daß gerade die Kolonisations- Politik Preußens eine Ho ch ko nj un k t ur auf dem Güter- markte und damit auch eine Verteuerung der not» wendigsten Lebensmittel hervorgebracht hatte, war all- gemein bekannt. Daß aber gerade die nächsten Verwandten preußischer Minister von dieser Entwickelung des Rahm abzuschöpfen versuchten, ist neu! Meineidsprozeß Schröder und Genossen. In dem Wiederaufnahmeverfahren gegen den Genossen Schröder und Genossen ist die Boruntersuchung abgeschlossen. ES heißt, daß die Verhandlung im Januar nächsten Jahres in einer Sonderperiode vor dem E s s e n c r Schwurgericht stgtifindev wird. Schweiz. Verwerfung der Altersversicherung in Genf. Gens. 8. August. sEig. Bcr.) Im Kanton G e n f ist gestern i» der BvlksgbftiNMMg die GesetzeLvsrlgg« betreffWd die Ein» führüng der staatlichen Altersversicherung mit 6666 gegen 2666 Stimmen, also mit großer Mehrheit, verworfen worden. DaS Projekt bot insofern besonderes Interesse, als einfach« alle voll» jährigen Personen als versicherungspflichtig erklärt und die Kosten der Versicherung in Form ein.r direkten Staatssteuer von 2,66 Frank jährlich im Minimum bei Einkommen von unter 1266 Frank und von 26 Frank im Piaximum bei Einkommen von über 4666 Frank aufgebracht werden sollten. Der Staat sollte unabhängig und getrennt von der allgemeinen Verwaltung die Administratur der Versicherung unentgeltlich besorgen und außerdem noch einen Jahresbeitrag von mindestens 166 666 Frank leisten. Die Pen- sionsberechtigung sollte mit dem 65. Lebensjahre beginnen und die Pension jährlich 366 Frank betragen, die aber unter gewissen Be- dingungen reduziert werden konnte. Vielleicht auch darum haben die'reichen Leute und ihr anderweitiger bürgerlicher Anhang die Vorlage verworfen. frankmch. Sozialdemokratische Erfolge. Die Bezirkswahlen im Departement du Nord ergaben einen großen sozialistischen Erfolg. In den Kantonen, den kleinsten Bezirken, werden die Vertreter zu den Arrondtssement-(Kreis-) und den General-(Provinzial-) Räten gewählt. Die Partei hatte in 50 unter 67 Kantonen Kandidaten aufgestellt. Sie hatte 4 Sitze im Generalrat. 3 im Arrondissementsrat von Lille zu verteidigen. Diese wurden sämtlich, meist mit sehr starker Stimmenzunahme. wieder- gewählt. Neu gewonnen wurden 4 General- und 8 Arrondissementsratssitze in Lille, Roubaix usw. In 21 Kantonen fehlte nicht viel an der Mehrheit, und fast überall wurden starke Stimmenzunahmen erzielt. Insgesamt wurden über 115000 Stimmen für unsere Kandidaten ab- gegeben. Im Generalrat des Nord sitzen nun 11 Sozialisten. Bei den nächsten Wahlen wird in sämtlichen Kantonen der Kampf aufgenommen werden. pcrRcn. Die Lage in Teheran. Teheran, 16. August. Die B a z a r s find geschlossen. Eine Truppenabteilung ist nach Schah Abdul Asim entsendet worden, um den dorthin geflohenen Serghmn es Sultaneh und seine Bach- tiaren zu entwasfnem Die in Atabeks Park eingedrungenen Bach. tiaren haben das dortige Palais vollständig geplündert und einige in der Nähe liegende Häuser russischer Untertanen aus» geraubt, darunter dasjenige des Erziehers des Schahs, Smirnoff. Kanada. Die Frcihandelsbewcgung. Die Farmer in Wlestkanada, die ihre Erzeugnisse ins AuS» land absetzen und Jndustrieprodukte kaufen müssen, sind Gegner des Schutzzollsystems, das ihre Produktion und Lebenshaltung verteuert und ihren Absatz erschwert. In einer Massenversamm» lung in Winnipeg(Siidwest-Kanada) forderten sie den libe- ralen Ministerpräsidenten Laurier auf, für die Be» seitigung der Schutzzölle einzutreten.„Wir verlangen ein ge» sicherteS Gegenseitigkeitsverhältnis zu den Staaten. Ms freie Männer wollen wir nicht anderen Mitbürgern Tribut zahlen. Wir wollen bie Steuern, die uns zukommen, bezahlen, wir fordern keine Begünstigung, aber unser Recht." Laurier erklärte in seiner Erwiderung seine Anhänglichkeit an den Freihandel.„Das Schutzzollsystem war ein große? Uebel und hat entsittlichend auf Mllionen gewirkt. Es machte den einzelnen selbstsüchtig und unehrlich, denn es brachte das unehrenhafte Prinzip zur Geltung« Vorteile ohne Gegenleistung zu erstreben.* Soziales* ((Siehe auch 1. Beilage.)! Der Magistrat in seinem Wohlwollen für die BerNner Arbeiterschaft. „Wir haben beschlossen, davon Abstand z« nehmen, Beisttzev deS Gewerbe- und KausmannSgerlchtS zu der Bcrbandsvcrsamm» lung in Köln a. Rh. zu entsenden." So lautet die lakonische, kurze Antwort, die den Gewerbe» SerichtSbeisitzern zuteil wurde, die sich der Hoffnung hingegebeK atten, daß der freisinnige Magistrat der größten Stadt deS Reiches eine Delegation einiger seiner Gewerbe- und Kaufmanns» gerichtSbeisitzer zu dem Gewerbegerichtstage entsenden werde. Sie haben sich getäuscht; so etwas tun wohl die kleinen Städte und Gemeinden um Berlin und in Deutschland, aber Berlin braucht sein Geld für EinholungSfeicrlichkeiten oder wo es sonst was zum Bauchrutschen gibt. Allenfalls werden zu Etädte-Ausstellungen die Stadträte gleich zu Dutzenden delegiert. Ader hier, wo wichtige Fragen über Tarcf-Akkordverträge usw. zur Verhandlung kommen. könnten ja die Arbeiter etwas lernen. Für solchen Luxus hat der weise Magistrat von Berlin kein Geld. Aber eS ist das um so verwunderlicher, nachdem das Berliner Gewerbegericht Mit- glied des Verbandes Deutscher Gewerbegerichte und Herr v. Schulz erster Vorsitzender dieses Verbandes geworden ist. Daß das Berliner Gewerbeaericht. das sich früher im ganzen Reiche einer gewissen Popularität erfreute und den anderen Ge- Werbegerichten voranmarschierte, durch solche Beschränkungen an seinem Ansehen einbüßt, ist jedem klar. Ja, man sieht schon die Folgen, die darin bestehen, daß man bei großen Ausständen Per» sonen und Vorsitzende aus anderen Städten heranholt, um die Einigungsverhandlungen zu führen. Natürlich, wenn es die Innungen wären, so hätte der Herr Oberbürgermeister mehr Verständnis dafür! Hoffentlich nehmen die Stadtverordneten einmal Gelegenheit, um über den Wert, den die Gewerbegerichtstage für die Arbeiter haben, mit dem Magistrat zu reden._ Zwölf Stunden pausenlose Arbeitszeit. Welche übermäßigen Anforderungen oft an weibliche Arbeits- kraft gestellt werden, lehrte eine gestern vor der 1. Kammer des Berliner KanfmannSgerichtS stattgehabte Verhandlung. ES erhob dort die Verkäuferin Anna D. gegen den Kaufmann Karl Gruhn Klage auf Zahlung des Gehalte» bis zum Ablauf der Kündigungs- frist, da sie sich zu unrecht entlassen fühlte. DaS junge Mädchen war vom Beklagten zur Leitung einer Blusenverkaufsfiliale in der Wilsnacker Straße bestellt worden. Der Prinzipal stützt dia Entlassung darauf, daß er von Geschäftsleuten in der Umgegend gehört habe, die Klägerin habe öfters erst gegen zh6 statt um 8 Uhv geöffnet, auch sei sie in ein benachbartes Geschäft gegangen, umt dort Kaffee zu trinken. Nach dem Vertrage habe Fräulein D, überhaupt kein Recht gehabt, fortzugehen, denn sie hatte zwölf» stündige pausenlose Arbeitszeit. Hierauf erwiderte die Klägerin, sie habe allerdings einige Male etwas später geöffnet, auch habe sie einmal im Winter, als es sehr kalt war, zu einer befreundeten Geschäftödame herumgeschickt, mit der Bitte, ihr etwas Warmes. ein bißchen Kaffee oder Tee. abzulassen. Zu berücksichtigen sev aber, daß sie damals unter der Kälte— die Räume waren un» geheizt— wie unter der langen Arbeitszeit gleichermaßen zu leiden hatte. Das Kaufmannsgericht erklärte in einem Beschluß die sofortige, Entlassung für ungerechtfertigt. Wenn die Klägerin auch einige Male später öffnete, so sei das unter Berücksichtigung der ganzen Sachlage keiu EnüassuiigSgrund. Der Vorsitzende führte noch aus: Solche Anstelluugsverträge, nach denen der Gehilfe kaum das Licht der Sonne zu sehen bekommt, dürfe ein Prinzipal gar nicht schließen, und ein Beisitzer bezeichnete es als„geradezu Unmensch» lich, einen Angestellten Tag für Tag 12 Stunden hintereinander an die Arbeit zu kesseln"....... GewcrhrcbaftUchce« Tom Kampf auf den Merften. Folgende Proklamation hat die Direktion der»Vulkan'-Werft in Stettin in Form eines Anschlages erlassen: „Die vereinigten Gewerkschaften der auf den Seeschiffs» werften beschäftigten Arbeiter haben an die Gesamtgruppe deutscher Seeschiffswerften Forderungen gestellt, welche von dieser wegen der Lohnforderung und wegen der von der Arbeiterschaft beabsichtigten Eingriffe in die Betriebsleitung abgelehnt werden mufften. Die Ablehnung dieser Forderungen hat am 4. d. M. zu einer Arbeitseinstellung auf sämtlichen Hamburger Seeschiffs- werften geführt. Wir sehen uns deshalb veranlasst, am Abend des 11. August August eine grössere Bctriebseinschränkung ein- treten zu lassen, welche wir wieder aufheben werden, sobald die Differenzen auf den Seeschiffswerften beendet sind." Eine zweite Bekanntmachung der Direktion des„Vulkan" hat folgenden Wortlaut: „Im Anschluß an unsere Bekanntmachung vom 10. d. M. bringen wir hiermit zur Kenntnis, datz wir morgen, Donnerstag, 10. August 1010, abends bei Schlutz der Arbeitszeit um 5)4 Uhr, eine Anzahl Arbeiter wegen Betriebseinschränkung entlassen werden. Von morgen nachmittag 1Z4 Uhr ab haben die von dieser Massnahme betroffenen Arbeiter zunächst ihr Werkzeug abzu» geben und um 544 Uhr an den Zahlstellen ihre Löhne nebst Eni- lassungspapieren in Empfang zu nehmen." Von der Aussperrung werden zirka 3000 Melallarbeiler berrosfen. Von den Werft» und Modelltischlern in Hamburg, die die Arbeit einstellten, sind etwa 20 Proz. sofort abgereist oder haben andere Arbeit genommen. Sie beteiligten sich nicht an der Kon- trolle. Die von den Werftbesitzern angegebene Ziffer von 0500 Streikenden dürfte ungefähr das Nichtige treffen. Die nicht- gelernten Arbeiter haben versucht, sofort andere Arbeit zu finden und ist anzunehmen, dass schon jetzt annähernd 50 Proz. der Be- teiligten anderweitig Arbeit gefunden haben. Weiter kann mit- geteilt werden, dass von den Branchenaugchörigen, die sich zur Kon- trolle meldeten, eine grosse Anzahl anderweitig Beschäftigung ge» funden hat, von einzelnen Branchen schon 20— 40 Proz. Die Arbeiter rechnen mit einer langen Dauer des Kampfes und richten sich mit Recht darauf ein. In Hamburg merkt man von dem 5iampfe nur wenig. In der Nähe des Hafens stehen die Streik- Posten an den vorgeschriebenen Plätzen. Hin und wieder sieht man Gruppen sonntäglich gekleideter Arbeiter, die sich die Werften aus der Ferne ansehen. Die Fähren verkehren wenig besetzt. Die ge» ringe Zahl Arbeitswilliger drücken sich scheu in den Fahrzeugen zusammen. Hier und dort eine Pickelhaube vervollständigt das Bild. Die bürgerlichen Blätter, die betrunkene Arbeitswillige ein- !ach zu Überfallenen Arbeitswilligen stempelten, sino von ihrer An- icht wieder abgekommen. Sie konstatieren— man merkt ihnen allerdings das Bedauern an—, dass absolute Ruhe herrsch« und dass sich die Streikenden nicht des geringsten Uebergriffes zuschulden kommen liessen. Kompliziert wird die Sache durch die nachträgliche ArbeitSein- pellung der Schiffsreiniger der Küste und der Deckarbeiter und Schiffsreiniger(Gänge) der Hamburg-Amerika-Linie. Durch die Arbeitsniederlegung dieser Arbeiterkategorien ist der Kampf nun auch noch auf den Hafen übertragen. ES ist noch nicht abzusehen, ob hierdurch nicht der ganze Hafen in Mtleidenschaft gezogen wird. * Die bürgerlich« Presse Hamburgs stellt sich gegenwärtig so, als ob ihr das Interesse der Arbeiter ebenso sehr am Herzen liege wie das der Reeder und Werftbesitzer. Man„bedauert", daß„die Ham- burger Arbeiterschaft wieder dazu ausersehen ist, für die übrigen die Kastanien aus dem Feuer zu holen". In der MittwochauSgabe behandelt das„Fremdcnblatt" an leitender Stelle den„Arbeits- kämpf auf den Werften". ES weist darauf hin, dass durch die Aus- sperrung von 60 Proz. der Arbeiter das gesamte deutsche Schiffs- gewerbe in Mitleidenschaft gezogen werde, da zweifellos die Nicht. ausgesperrten sich solidarisch erklären. Man habe auf beiden Seiten damit gerechnet, dass der anfangs lokale Kampf auf alle Hafen- gebiete Deutschlands übergreifen werde und sich schon entsprechend »zentralisiert". Das Blatt schreibt: „Wenn nun diese dräuenden Streitkräfte zusammenstossen, so wird in dein gewaltigen Ringen nicht nur eine viel grössere Zahl von Existenzen und Wirtschastsgütern direkt gefährdet, es werden vor allen Dingen auf einem unverhältnismäßig weiten Schlachtfelde unberechenbare Verwüstungen angerichtet." In diesem Falle sei sogar die Volkswirtschaft des ganzen Reiches gefährdet, „denn", so heißt eS dann wörtlich weiter,„wenn die Schiffs- werften feiern, so spüren dies nicht nur die Erwerbsgruppen, die durch den Bedarf der Arbeiter— unmittelbar oder mittelbar — beschäftigt werden, sondern nahezu alle wichtigen Industrie- gebiete und die mit diesen auf Gedeih und Verderb verbundenen Bevölkerungskrcise empfinden eine starke Rückwirkung, wenn das Schiffsbaugetverbe lahm liegt und die Produkte der anderen Be- triebe nicht mehr abzunehmen vermag. Wenn in der kunstvoll ineinander arbeitenden Maschinerie unseres vielfach ver- schlungenen Wirtschaftslebens ein wichtiges Rad ins Stocken kommt, so übt dies auf den Gang der Maschine eine unheilvolle Wirkung aus. Und deshalb ist ei» Arbcitskampf, der die ge» samten deutschen Werften lahmzulegen droht, durchaus keine Privatangelegenheit der beiden streitenden Parteien mehr, sondern er ist ein Problem geworden, an dessen schneller und befriedigender Lösung das gesamte Volk ein Interesse und dadurch auch das Recht des„Hineinredens" hat." Das Blatt hält eine Vermittelungsaktion für dringend notwendig. "„Könnte nicht Senat oder Bürgerschaft in Hamburg die Rolle tibernehmen? Der Krieg ist von Hamburg ausgegangen. In zweiter Linie käme das Reichsamt des Innern in Betracht. Auch dieser Lohnkampf zieht ja, vielleicht noch mehr als die friedlich beigelegte Bauarbeiterbewegung sämtliche Wirtschaftsgebiete des Reiches in Mitleidenschaft. Mit einigermaßen gutem Willen würde eS sicher einer dieser Behörden gelingen, die Parteien zu Verhandlungen zu veranlassen. Ist aber erst eine Seite gewillt, einen Schiedsspruch anzunehmen, so wird es auch nicht schwer halten, in kurzer Zeit eine Kommission zu finden, die die Ver- Mittelung übernimmt.... Die Partei jedoch, die sich weigert, einem unparteiischen Schiedsgericht ihre Anforderungen zu linterbreiten, würde damit dokumentieren, dass sie an die Be- recht igung ihrer Forderungen selbst nicht glaubt. Und dann läge zutage, dass es sich nicht um die strittigen Punkte, sondern lediglich um eine Machtprobe dreht. Man hört vielfach die Ansicht vertreten, daß es sich diesmal um einen prinzipiellen Kampf, um die Macht handele, zu dem sich beide Parteien feit langem so sorgsam gerüstet haben. Wir trauen beiden Parteien ein grösseres Mass von sozialem Ver- ständnis zu, als dass wir sie einer derartigen Absicht für fähig hielten. Denn die Unternehmer wissen ganz sicher, daß sie mit einer gewaltsam niedergerungenen und verbitterten Arbeiter- schaft, die in ewiger Gärung und versteckter Auflehnung sich befindet, auf die Dauer nicht wirtschaften können, und den Ar, beitern ist es gewiss bewußt, dass sie sich selbst schädigen, wenn sie durch ihr Verhalten Unternehmungslust und Gewinnmöglichkeit aus den Betrieben verjagen..... Es wäre nur dringend zu wünschen, daß sich bald auf pri- vater oder auf staatlicher Seite jemand findet, d�r erfolgreich auf eine Verständigung einwirken kann." Ob„ein hoher Senat" seine Vermittelung anbieten wird, ist «och sehr fraglich. In Bremen sollen am Donnerstag ebenfalls 60 Proz. der Werftarbeiter entlassen werden. Die weiteren 40 Proz. haben be- schlössen, mit ihren Kameraden die Werft zu verlassen.__ verantw. Redakteur: Hans Weber. Berlin. Inseratenteil verantw.: In Kiel Kird die Enklassung am kommenden Sonnabend a* folgen,_ Berlln und Umgegend. Menschliche Ware! Soziale Studien konnten in der Mittagsstunde deS gestrigen TageS Passanten und Passagiere auf dem Stettiner Bahn- Hof machen. Ein Arbeitswilligentransport nach Pommerensdorf bei Stettin sollte verladen werden: in fürsorglicher Weise be- hüteten ein Polizeileutnant und vier Schutzleute die menschliche Ware, die verfrachtet wurde, damit kein organi- sierter Arbeiter an die zum Verrat an ihre Klassengenossen Ge- wordenen herankam. Trotz der getroffenen Vorsichtsmaßregeln gelang eS, einen Teil der Leute zurückzuhalten. Einer der Zu- treiber des Streikbrecheragenten machte seinem Zorn gegen die ihm abtrünnig Gewordenen Luft, indem er die sich Sträubenden mit einem Stock bedrohte. Der Transport in Stärke von etwa 60 Mann war teils im Asyl für Obdachlose in der Wiesen st raße, teils durch eine Annonce in der„Volks-Zeitung" an- geworben worden. Die auf Grund der unverfänglichen Annonce sich Meldenden— es wurden zwei Dreher und fünf Arbeiter ge- sucht— waren in das Restaurant Sommer, Chaussee- st r a ss e 4 0. bestellt worden, wo sie durch einen Agenten Koch aus Pankow für die ChemifcheFabrikinPommerens- darf bei Stettin angeworben wurden. In dieser Fabrik streiken seit 7 Wochen etwa 700 Arbeiter wegen einer geringen Ausbesserung ihrer Löhne. Da voraussichtlich auch anderwärts versucht werden wird, Ar- beitSwillige für die bestreikte Fabrik anzuwerben, ersuchen wir arbeiterfreundliche Blätter, vor Zuzug zu warnem Fabrikarbeiterverband. Verwaltung Berlin. Veurlcbcs Reich. Feige Bluttat eineS Arbeitswilligen. Aus Hamburg wird gemeldet: Auf dem Platz von Dabcrstein und Ritters an der Pinnebergcr Chaussee wurde Montag nachmittag ein Streikposten der ausständigen Abbruchsarbeiter, Karl Vahrs, von einem Arbeitswilligen niit einem Revolver von hisiten geschossen und allem Anschein nach sehr schwer verletzt. Vahrs wurde sofort ins Krankenhaus gebracht. Der arbeitswillige Revolverheld wurde verhaftet. Gesperrte Staatsbetriebe. Eine vom Verbände der Staalsarbeiter in Bremen einberufene Versammlung erhob Protest gegen die Art der Behandlung ihrer Anträge aus Verbesserung der Lohn- und ArbeitSverhälmisse in den Staatsbetrieben und beschloß, über sämtliche Staatsbetriebe die Sperre zu verhängen, also den Zuzug von ihnen fernzuhalten. Gute EntWickelung. Die Kassenabrcchnung des BergarbeitervcrbandcS für das erste Halbjahr 1S10 weist eine Gefamteiiuiahme von 1 243 128,59 (899 309,90 Mark im Vorjahre) auf. dem eine Ausgabe von 571211,51 Mark(464 508.83) gegenübersteht. Die Einnahmen aus Mitgliederkreisen sind also um 343 819.29 Marl höher als im gleichen eitraum des Vorjahres. Der Vermögensbestand betrug am 1. Januar 1910 3 122 375,53 M.. am 31. Juli 1910 3 713 193,00 M. Mithin Vermögenszuwachs im ersten Halbjahr 1910 590322,47 M. Wegen Arbeitsmungcl entlassen? Auf Schacht Joachim der Zeche Königin Elisabeth ist 60 Berg» leuten mitgeteilt worden, daß ihnen am 15. d. M. gelündigt wird. Als Grund wird Arbeitsmangel angegeben. Gleichzeitig werden auf der«rwähnteir Zeche aber wieder genau so viel neue Arbeiter an- gelegt. Die Aufregung unter den Bergleuten ist gross. Unter den Gekündigten befinden sich die Kandidaten für die SicherheitS- mäniierstellen und die Kandidaien für die bevorstehenden Knapp- schaftswahlen. Für Sonntag ist eine Belegschaftsversammlung ein- berufen._ Der Streik der Schreiner und Maschinisten in Freiburg i. B. hat sich zu einer Aussperrung in dem größten Teil der nicht be- streikte» Betriebe ausgewachsen. Am Montag legten die Meiste- den noch arbeitenden Kollegen einen neuen Tarif vor, wer nicht unterschrieb, wurde ausgesperrt. Von der Aussperrung wurden in 13 Betrieben 83 Kollegen betroffen, so daß jetzt im ganzen 234 Kollegen im Kampfe stehen. Wir ersuchen die Holzarbeiter an allen Orten, den Zuzug nach hier fern zu halten. Die Streiklommission. Die Lübecker Steinsetzer und Hilfsarbeiter befanden sich seit einiger Zeit in einer Tarifbewegung. Jetzt ist dieselbe beendet. Erreicht wurde der Abschluß eines Tarifes bis zum Jahre 1914. Derselbe sieht eine Lohnerhöhung von 2 Pf. Ar 1911 und von 3 Pf. pro Stunde ab 1912 vor. Die wichtigste Errungenschaft ist die Beseitigung der Akkordarbeit. Schwarze Listen im Verbände Deutscher Buchbindereibcsitzer. In der Leipziger Grossbuchbinderei von E. A. EnderS erklärte der Direktor Kloth einigen Buchbindern, als sie infolge Differenzen den Betrieb ohne Kündigung, aber im Einverständnis mit der Ge- schäftSleitung verließen: „Sie machen von Ihrem Rechte Gebrauch, selbst- verständlich werde auch ich das tun. Sie wissen wohl, dass jedes Mitglied des Verbandes der Unternehmer verpflichtet ist, Sie zu entlassen und dass Sie dann ein Vierteljahr lang keine Arbeit erhalten. Sollten Sie aber dennoch in einer Verbandsfirma Unterkommen finden, dann werden Sie nach Bekanntgabe Ihrer Namen wieder entlassen." Wenn die Worte des Direktors Kloth zutreffend sind— und wir haben keine Ursache, daran zu zweifeln— so bedeutet diese Praxis einen Bruch deS Tarifvertrages, bei dessen Abschluß aus- drücklich daS Führen der schwarzen Listen untersagt wurde. Der Verband der Buchbiudererbesitzer wird nicht umhin können, sich hierzu zu äussern. ZZusland. Der Streik der Möntelarbeiter in New Uork, der in der zweiten Woche des Juli begonnen hat, rückt mit jedem Tage dem Siege näher. Zahlreiche Fabrikanten, grosse und kleine, haben mit der Gewerkschaft Frieden geschlossen und die gestellten Forde» rungen anerkaimt. Rund 200 Verhaftungen hat die Polizei während des Streiks vorgenommen; von den Verhafteten wurden etwa 100 des„ungebührlichen Betragens" angellagt. 12 des„bos- haften Unfugs", über 50 des„Angriffs auf eine Person", andere der„Einschüchterung" und einige sogar des„Straßenraubes". Die letzteren Anklagen wurden einfach abgewiesen; die Hälfte der Ver- hafteten wurden wieder entlassen, ein Teil erhielten kleine Geld- strafen und schliesslich wurden nur �12 Mann den Gerichten über- wiesen, was bei einem Massenstreik, an dem 75 000 Personen be- teiligt sind, nicht ins Gewicht fällt. Die Streikenden hoffen auf einen endgültigen Sieg; die Gewerkschaft der Mäntelarbeiter hat einen mächtigen Aufschwung genommen. Massenhaft haben sich die Arbeiter aufnehmen lassen und sind unter besseren Bedingungen zum grossen Teil schon wieder an die Arbeit gegangen. Eine Tageszeitung der Eisenbahner. Vom 1. November d. IS. an wird bie italienische Zentralorganisation der Eisenbahner, daS „Syndacato", eine eigene Tageszeitung herausgeben, deren Neda!» tion im Sinne deS intranstgenten Sozialismus geleitet werden soll.. Uh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanstall| Versammlungen. Mißstände im Urban-Krankenhause. Am 5. August versam« melte sich das Personal des Krankenhauses am Urban im Lokale von Bieler, um Stellung zu nehmen gegen die plötzliche Entziehung des seit Jahren gewährten Wochcntagsurlaubes. Dieser Urlaub währte bisher von nachmittags 2 Uhr bis nachts 12 Uhr.� Bedenkt man, daß die Angestellten der Krankenhäuser im allgemeinen über wenig freie Zeit verfügen, so wird diese Massnahme der erwähnten Direktion vom Personal um so schmerzlicher empfunden, als es nur gerade während dieser Zeit in der Lage war, seine Einkäufe und sonstigen Besorgungen zu erledigen. Der vom Personal gewählten Deputation, welche bei der Direktion vorstellig wurde, ist erklärt worden:„Wenden Sie sich wegen dieser Angelegenheit an den Arbciterausschuss, wir können so nichts dagegen tun." Gleichzeitig wurde der Deputation gesagt:„Ihr Arbeiterausschuss tut nichts für Sie, warum wählen Sie sich einen solchen Ausschuß." Nun pfeifen es aber schon die Spatzen von den Dächern, daß gerade im Urbankrankenhaus dem Arbeiterausschuss bei Ausübung seiner Funktionen die größten Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Direktion ob solcher Massnahmen beim Personal in Misskredit gerät. Zahlreich gaben die Angestellten in der Versammlung ihrer Empörung Ausdruck. Selbst vor den schärfsten Mitteln wollten viele nicht zurückschrecken. Mit Mühe gelang es dem Verbandsvertreter, die Gemüter noch ein» mal zu beschwichtigen. Er empfahl der Versammlung, zu versuchen, diese Angelegenheit noch einmal aus gütlichem Wege beizulegen. Folgendes wurde in dieser Sacke beschlossen: Der Arbeiterausschuss ist aufzufordern, unverzüglich für die Wiedereinführung des Ur- laubes einzutreten. Des weiteren ist der Direktion und der Krankenhausdeputation eine diesbezügliche Eingabe zu unter» breiten. Eine grosse Anzahl der Anwesenden ließ sich in den Ver- band aufnehmen. Folgende Resolution wurde einstimmig ange- nommen: „Die am 5. August dieses Jahres bei Bieler zahlreich besuchte Versammlung des Personals des Krankenhauses am Urban pro» testiert ganz entschieden gegen die Entziehung des bisher gewährten Wochentagsurlaubes. In Anbetracht der Schwere des Dienstes und der geringen Erholung und weil Einkäufe und andere Besorgungen nur während dieser Urlaubszeit gemacht werden können, fühlen sich die Angestellten durch die Massnahme schwer geschädigt. Sie for- dern deshalb, dass die Direktion den Urlaub in vollem Masse weiter- gewährt. Um zukünftig Verschlechterungen des Dienstverhältnisses zu verhüten, verpflichten sich die Angestellten, allesamt dem Ver- band der Gemeinde- und Staatsarbeiter beizutreten." Letzte Nachrichten und Oepe sehen. Einberufung des finnischen Landtags. Petersburg, 10. August.(W. T. B.) Der finnische Landtag ist zum 14. September für zwei Monate einberufen worden zur Ausarbeitung der Grundlagen für die Wahl finnischer Mitglieder in die ReichSduma und den Reichsrat sowie für die Bollziehung dieser Wahlen, ferner zur Ausarbeitung eines Gutachtens über die rechtliche Gleichstellung der in Finnland lebenden russischen Untertanen mit den finnischen Bürgern, sowie über Zahlung von Entschädigungen an Stelle der persönlichen Wehrpflicht. Vom Streik in Bilbao. Pari?, 10. August.(W. T. B.) Nach einer Depesche deS „TempS" aus Madrid haben die Streikenden von Bilbao daS An» gebot der Arbeitgeber als ein beleidigendes Almosen zurück- gewiesen. Sie bestehen auf Kürzung des Arbeitstages. Der Minister des Innern sucht weiter zu vermitteln. Eisenbahnunglück. Mende(Frankreich), 10. August.(Preß-Tel.) Heute entgleist« hinter dem Bahnhof von Monastier der Güterzug von St. Flour nach Severac le Chateau. Die Maschine und die zehn folgenden Wagen stürzten den Bahndamm herab. Ein Bremser wurde sofort getötet. Seine schrecklich verstümmelte Leiche konnte erst nach Stunden unter den Trümmern hervorgezogen werden. Zwei weitere Bahnbeamte wurden schwer verletzt. Gegen den Wohnnngswucher. Bari, 10. August..«. Aktienkapital Dividende ffiXnfVvL, in Mill. Mark in Proz. Weieuiqaslen 1908/09 1909/10 1908/09 1909/10 mehr als 10 Mill. M. 8 244.75 262,50 8,8 8,8 6—10,» 5 83,25 33,25 6,4 8,1 1—5,» 16 28,53 29,43 8,1 8,4 weniger als 1»„ 7 2,79 2,64 8,4 9,1 Am günstigsten haben'die Gesellschaften mit einem Aktien- kapital von 5 bis 10 Millionen Mark abgeschnitten, denn sie konnten ihre Dividende um 1,7 Proz. des Aktienkapitals in die Höhe setzen. Veranlaßt wurde die Steigerung bei diesen hauptsächlich durch die Ergebnisse der Altiengesellschaft Mix u. Genest, die ihre Dividende von 0 auf 3 Proz. erhöhte und die der Norddeutschen See» kabelwerke, die ihre Dividende von 4 auf 10 Proz. hinauf- setzten. Die nächstgroße Steigerung der Dividende weisen die Gesellschaften mit einem Aktienkapital von weniger als 1 Million Mark auf, während die Dividende bei den ganz großen Gesell« schaften sich auf dem Vorjahrsstande hielt. Die Erhöhung der Dividende, die die Siemens u. Halske A.-G. von 11 auf 12, die Schuckertwerke in Nürnberg von 6 auf 6 Proz. vornahmen, wurde kompensiert durch den Rückgang der Dividende der Felten u. Guilleaume-Lahmeyerwerke von 8 auf 6 und der Elektrizitätswerke vorm. W. Lahmeyer u. Co. in Frankfurt a. M. von 6 auf 5 Proz. Die Getreidepreise an deutschen FrnchtmSrkten find nach der Abwärtsbewegung in den letzten Monaten im Juli 1910 wieder in die Höhe gegangen. Nach den Notierungen in den Provinzplützen, bei denen alle LandeSteile Deutschlands berücksichtigt sind, ergab sich im Durchschnitt aller Märkte eine nicht unerhebliche Steigerung der Preise gegenüber dem Vormonat, der sich mit AuS« nähme von Gerste, wo der Preis noch einen geringen Rückgang er- fuhr, alle Gctreidearten anschlössen. Der Umsatz im Juli diese? Jahres war stärker als im Vorjahr; er stellte fich auf 133 737 Doppelzenwer gegen 120 014 im Juli 1909. Der Preis für Weizen betrug bei einem Umwtz von 40 826 Doppel- zentner an 62 Marktorten durchschnittlich IS, 58 pro Doppel« zentner gegen 18,89 im Juni und 27,17 im Juli 1909. Der höchste Preis im BerichtSmonat wurde in Württemberg mit 24,00 notiert, während der niedrigste Weizenpreis mit 14,00 in Mecklen- öurg-Schwerin bezahlt wurde. Der Preis für Spelz stellte sich im Juli 1910 auf 21,36 M,; er hatte im Juni 19,29, iin Juni 1909 28,03 betragen. Roggen wurde im Juli 1910 an 62 Marktorten in einer Menge von 62 356 Doppelzeittner umgesetzt, und zwar belief sich hier der Durchschnittspreis auf 14,00 M. gegen 18,55 im Vormonat und 18,97 im Juli 1909. Am höchsten stand der Roggenpreis im Juli dieses Jahres in Württem- berg mit 18,20 M., am niedrigsten in Mecklenburg-Schwerin mit 11,— M. Der Preis für Hafer, der in einer Menge von 51 423 Doppelzentner umgesetzt wurde, erfuhr eine Erhöhung von 14,43 auf 15,03 M.; im Juli 1909 hatte er 20,34 M. betragen. Den höchsten Haferpreis wies im Berichtsmonat Schwarzburg- Sondershausen mit 19,— M. auf, der niedrigste Preis dagegen wurde mit 11,80 M. in Schlesien notiert. Der Preis für Gerste endlich, bei der sich der Umsatz an 36 Marktorten auf 16 324 Doppel- zentner stellte, schwächte fich von 13,61 M. im Juni auf 13,57 M. im Juli ab. Im gleichen Monat des Borjahres hatte er 16,67 M. betragen._ DaS neue Roheisensyndikat. Es scheint jetzt gelungen zu sein, die meisten am Roheisenmarkt beteiligten Werke zum Beitritt zu der Verlaufsvereinigung deutscher Roheisenwerke zu bewegen, die kürzlich geschlossen worden ist. Aber man darf die jetzt gelungene Ver- ständigung nicht aus eine Stufe mit dein früheren Syndikat stellen. An dessen Bedeutung reicht die Konvention nicht entfernt heran, da ihrer Wirksamkeit enge Grenzen gezogen worden sind. Im be» sonderen geht der Berkauf weiter durch die einzelnen Werke. Dann stehen auch noch einige Hütten, so die Siegerländer, draußen. Doch kommt es im ganzen hierauf weniger an, da die Siegerländer Hütten wegen der besonderen Qualität ihres Roheisens von jeher eine Sonderstellung eingenommen haben und in einem eigenen Sieger- länder Berkaufsverein zusammengeschlossen waren, der nur einen Vertrag mit dem Düsseldorfer Syndikat geschlossen hatte. Die Luxem- burger Werke stehen gleichfalls abseits, wenn sie auch der Vereinigung beigetreten sind. Wenig tröstlich. In der ersten Gläubigerversammlung der Niederdeutschen Bank konnte der Verwalter des Konkurses überhaupt noch keine Zahlen bezüglich der Höhe der Aktiva und Passiva geben. Die Lage sei wenig tröstlich. In der Hauptsache habe die Bank große Verluste bei Spekulationen erlitten, bei Getrcidespekulationen über eine Million Mark. Werftcrweiterung. Die Wersten von Blohm u. Voß und die Reiherstieg Schiffswerft beabsichtigen eine Vergrößerung ihrer Be- triebe und die Erweilerung des Areals. Die Verhandlungen der Reiherstiegwerst mit dem Staat sind bereits zum Abschluß gelangt. Berteuernng der Baumwolle. Vergleicht man die Baumwollpreise an den beiden wichtigsten deutschen Marktorten nach den amtlichen Notierungen im letzten Jahr« zehnt unter Berücksichtigung des höchsten und niedrigsten Jahres- durchschnittS mit der Notierung vom Juni 1910, so erhellt deutlich die diesjährige Rohstoffverteuerung am Baumwoll- markt. ES betrugen die Preise: 180<> lOfU IflNA 10in Bremen, Middl. Uvl... 67.80 124.30 119,75 150.71 Good Omraw. ll 54,80 96,30 91.22 lOS.ZO Hamburg. New-Orl. Middl. 63,10 125,40 119.33 151.50 Zwar wurde in letzter Zeit angesichts der Ernteberichte die Po- fition der Haussepartei am amerikanischen Baumwollmarkt wiederholt erschüttert, doch selbst noch in den letzten Wochen tonnte sich an- gesichtS der Knappheit der auf den Markt gebrachten Ware eine erneute Befestigung der Preise für sofortige Lieferung vollziehen. Die PreiSnotterungen am New Uorker Markt zeigten nämlich folgenden Verlauf: 12. Mai 31. Mai 16. Juli 1. August 6. August 15,95 14,50 16,40 15,20 15,90 Demgegenüber haben sich die Preise für T e r m i i n k ä u f e be- deutend niedriger und zwar für Januar 1911 am 6. August auf 18,42 gestellt. Diese Preislage sür Terminläufe, die den Baumwoll« sannen, im Vergleich mit den GarnberkZufen zurzeit eine de deutend günstigere Marge sichert, hat zu Terminläufen an- geregt, die immerhin nach ihrer Preistendenz zeigen, daß mit einem Preisrückgang nach der neuen Ernte gerechnet wird. Die Baum- wollernte hat sicherlich im laufenden Jahre trotz aller Alarm- Meldungen günstigere Aussichten als im Borjahre. Zwar ist der Kapselwurm wieder aufgetreten, aber bei weitem nicht in dem für die Stauden schädigenden Masie wie im Vorjahre. Aus den weniger gefärbten Berichten über die Ernteaussichten in Aegypten und Indien geht ebenfalls deutlich hervor, daß in diesen Ländern ein besseres Ernteergebnis als im Borjahre zu erwarten ist, so dafj die amerikanischen Nachrichten von einem ungünstigen Stands in Texas sehr mit Vorsicht aufgenommen werden müssen. Nicht nur das deutsche sondern das Textilgcwerbe aller europäischen Länder hat ein Interesse an einer Herabsetzung der zum groszen Teil durch die amerikanische Spekulation gesteigerten Baumwollpreise, die sich aber selbst bei einer Verhältnis- mäßig günstigen Ernte nur dann verwirklichen kann, wenn die Verbraucher zur Deckung ihrer geschwundenen Borräte nicht eine zu stürmische Nachfrage zeigen, die trotz ausreichender Versorgung� mengen das Preisniveau hochhalten müßte. Die Fusionisten. Die Deutsch-Luxemburgische Bergwerks- und Hütten-Aktien gesellschaft erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Bruttogewinn von 1815 010,04 M. gegen 9 290 771,09 M. im Borjahre. Nach Ab- schreibungen von 5 440 742,55 M.(Vorjahr 5 100 000 M.) wird eine Dividende von 11 Proz.(Vorjahr 10 Proz.) auf daS dividendenberechtigte Kapital von 50 000 000 M. in Vorschlag gebracht. Der Aufsichtsrat beschloß, der Generalversammlung die Erhöhung de? Aktienkapitals um 36,5 Millionen Mark vorzuschlagen, so daß das Kapital 100 Millionen Mark betragen wird.— Die Union-Dortmund schließt ab mit einem Gesamtgewinn von 7 773 349,54 M. (i. SB. 6 784 991,66 M.), 5 656 578,31 M.(i. V. 4 899 629.59 M.) bleiben zu Abschreibungen und Reservestellungen sowie zur Gewinn- Verteilung versügbar. Davon sollen für Abschreibungen 2 934 974,97 Mark vorgesehen werden. Zur Verteilung kommen auf die Aktien I-it. v. 5 Proz., auf die Aktien Dit. 0. 3 Proz. Dividende gegen 5 resp. 2 Proz. im Vorjahre._ Preisermäßigung für Stahlschicncn. Wie der„Daily Telegraph" aus New Kork meldet, hat der Stahltrust den Preis für Stahl- schienen von 23 Dollar auf ZS'/i die Tonne herabgesetzt. Diese Ermäßigung sei dadurch nötig geworden, daß die englischen und deutschen Produzenten trotz des Zolles ihre Erzeugnisse zu dem niedrigeren Preis nach San Francisco bringen können. Der amerikanische Saatenstandsbericht weist für Winterweizen eine Steigerung der Ertragsschätzung auf. Während am 1. Juli dieses Jahres der Stand auf einen Ernteertrag von 435 660 000 BushelS schließen ließ, lautet jetzt die Ertragsschätzung auf 458 294 000 BushelS. Die Elbätzung in der gleichen VorjahrSzeit lautete auf 432 920 000 BushelS, der tatsächliche Ertrag stellte sich indes aus 446 366 000 Bushels, so daß also die jetzige Schätzung größer ist als die vorjährige Ernte. Der Durchschniitsertrag pro Acre ist in diesem Jahre höher als im Vorjahre. Er stellt sich auf 15,8 Bushels gegen 15,5 im Vorjahre und 14,3 in 1903. Der Stand des Frühjahrsweizens hat sich gegen den Vormonat verschlechtert. ES beträgt der Rückgang aber nur 0,6 Prozent. Trotz deS Rückganges der WertungSziffer hat die Ertragsschätzung bei Frühjabrsweizen gegenüber dem Vormonat eine Steigerung erfahren; der Ertrag wies auf 199 394 000 BushelS gegen 189 523 000 BushelS im Juli 1910. Vergleicht man nach den jetzigen Schätzungen die Weizenernte unter Hinzurechnung der zum Beginn der Saison vorhanden ge- wesenen Vorräte, so ergeben sich folgende Mengen(in 1000 Bushels): 1910 1909 1998 1907 Mnterweizen-Ernte 453 294 446 366 437 908 409 442 Sommerweizen-„ 199 304 290 823 226 694 224 646 Bestände am 1. Juli 51 881 26 342 49 166 101 393 Zusammen: 709 669 763 531 713 768 735 480 Der Stand deS Mais ist mit 79.3 Proz. jetzt zirka 6 Proz. schlechter als im Vormonat und 6 Proz. geringer als vor einem Jahre. Aber bei einem Anbau von 114 Millionen Acres gegen 109 Millionen in 1909 schätzt man den voraussichtlichen Ertrag noch immer auf 2398 Millionen Bushels, während im letzten Jahre die endgültige Taxe 2772 Millionen betrug. Vcrmifchtce. Cheztcr imd GeiltUcfckdt Sehr besorgt um das geistige und leibliche Seelenheil der ihr anvertrauten Schäflein scheint die Bocholter Geistlichkeit zu sein. Wie das„Bocholter Volksblatt" zu melden weiß, wurde am letzten Sonntag in den katholischen Kirchen von den Kanzeln fol- gende Epistel verlesen: „Die katholische Geistlichkeit Bocholts hält es für ihre Pflicht, folgendes bekannt zu geben. Da nach zuverlässigen Mitteilungen ein hiesiges Theater ein Bühnenstück gebracht hat, das„von Frivolitäten und Gemeinheiten wimmel t", so er- suchen wir dringend unsere Pfarreingesesienen, alle in sittlicher Hinsicht bedenklichen Theateraufführungcn nicht zu besuchen, und machen namentlich die Eltern auf ihre strenge, unabweisbare Pflicht aufmerksam, ihre Söhne und Töchter, sowie ihre sonstigen Hausgenossen von solchen sittenverderbenden Gelegenheiten fern- zuhalten und auch selbst dieselben zu meiden. Die Warnung bezieht sich auf die in Bocholt ausgeführte Operette„Die geschiedene Frau", die unter dem lebhaften Beifall der zahlreich im Theatersaal anwesenden„besseren Kreise" Bocholts in Szene ging. Hoffentlich hat die von der Geistlichkeit in so feierlicher Form den Gemeindemitgliedern vorgetragene Warnung vor dem Sündenpfuhl den erwarteten Erfolg. Ist doch schon so manches tugendsame Menschenkindlein durch das Anhören der leichtfertigen Operettenmusik an den Rand des Verderbens, ja sogar mitten hinein gelockt mordest. Auch der katholische Pfarrer Scheuer aus Kolbermoor, der jetzt in Amerika in Asche Buße für feine Sünden tut, soll erst durch öfteren Besuch frivoler Operettenvorstellungen in sündiger Liebe zu der Portierstochter Traut sch entbrannt sein. Jetzt sitzt sie wögen des Meineides, zu dem sie der fromme Gottesmann verleitet hat, im Zuchthause. Am Ende ist auch der Rektor Bock von der katholischen Mädchenschule in Berlin, der seinen Namen so recht zu Ehren brachte, erst durch den Besuch sittcnverderbender Theatervorstellun- gen zu feinen sittlichen Verfehlungen an Schulkinder angeregt worden. Ob die Bocholter Geistlichkeit mit ihrer Epistel gegen„Die geschiedene Frau" den Beifall des Kronprinzen erringen wird, erscheint uns freilich sehr zweifelhaft. Wie seinerzeit die Zeitungen meldeten, hat der Kronprinz mehrere Male mit großem Vergnügen „Die geschiedene Frau" gesehen. Lebensgefährlicher Sport. Die Sucht vieler Automobilisten, mit rasender Ge- schwindigkeit weite Strecken zu durcheilen, fordert andauernd neue Opfer. Fast gleichzeitig meldet der Telegraph drei Automobilunfälle, bei denen verschiedene Menschenleben der- nichtet wurden. In der Nähe von Homburg fuhr ein Automobil in scharfer Fahrt gegen einen Steinhaufen und wurde zertrümmert. Zwei der Insassen wurden tödlich, zwei andere leichter verletzt.— Bei einer Automobilübungsfahrt im Wiener Prater stürzte ein mit fünf Personen besetztes Automobil tn einen Graben. Sämtliche Insassen wurden herausgeschleudert und er- litten schwere Verletzungen.— Bei Cape May in New Jersey stieß an einem Bahnübergange ein Auto- mobil mit einem Schnellzuge zusammen. Fünf Insassen wurden getötet, unter ihnen befand sich der Sohn Mergenthalers, des Erfinders der Setz- Maschine._ Grohfener in Boston. Die amerikanische Stadt Boston wurde am Dienstagabend fast gleichzeittg von zwei verheerenden FeuerSbrünsten heim- gesucht, von denen die eine im Hafenbezirk, die andere im Zentrum der Stadt ausbrach. Bei den Bränden sind etwa 50 Mietskasernen eingeäschert worden. Reiche Nahrung fand das schnell um sich greifende Feuer an den Lagern der Holz- großhändler. Das Feuer, das ein Gebiet von einer englischen Onadratmeike umfaßte, mußte schließlich durch Dynamit« sprengungen an weiterer Ausdehnung verhindert werden. Bei den Löscharbeiten wurden zehn Feuerwehrleute schwer verletzt. Der durch das Feuer angerichtete Schaden wird auf über eine Million Dollar geschätzt. Ein genialer Beschlnst. Eine FriedenSavstimmung in der ganzen Welt hat der Brüsseler Weltfriedenskongreß beschlossen. Am 22. Fe- bruar 1911 soll in allen Hauptstädten eine Volksabstimmung über die Frage der schrittweisen Abrüstung statt- finden, die in den folgenden drei Jahren in allen Städten fortgesetzt werden soll. DaS Gesamtergebnis soll 1914 der Haager Friedens- konferenz vorgelegt werden. Eine Gedenkmarke mit der Auf- schrist Mundi(Weltfriede) wird zum Zweck die; er Kundgebung herausgegeben werden. Wenn auch sonst keine praktischen Erfolge ans diesem Beschluß der Friedensschwärmer entspringen, so werden wenigstens die Brief- Markensammlungen um eine neue Marke bereichert. Unter den Apachen New DorkS. In Begleitung mehrerer Detektivs unternahm am Dienstag der zurzeit in New Dork weilende Herzog von Montpensier eine Rund« fahrt durch das gefährliche, fast ausschließlich von Diebesgesindel bewohnte Quartier Grand Duc. Der abenteuerlustige Herzog wurde dort auf offener Straße von einer Banditen» gesellschaft attackiert. Im Verlaufe des Kampfes wurde eine große Zahl Revolverschüsse gewechselt; einer der Banditen wurde erschossen. Den infolge des LärmS herbeigeeilten Polizeimannschafren gelang eS, mehrere der Apachen hinter Schloß und Riegel zu bringen. Meine Notizen. Ein schwerer Unfall ereignete sich in der Vakunm-Oelfabrik in Wedel. Während seiner Arbeit rutschte ein Angestellter i n oinen Kessel mit Schwefelsäure. Mit entsetzlichen Brandwunden versehen wurde der Unglückliche in ein Kranken- haus geschafft, wo er hoffnungslos daniederliegt. Ein Emdencr Fischcreidampfer ist bei der Doggerbank von dem schwedischen Dampfer„Annie" angerannt und zum Sinken gebracht worden. Die Mannschaft konnte gerettet werden. Hingerichteter Raubmörder. Gestern früh wurde in Guben der wegen Raubmordes zum Tode verurteilte Maler Seng er aus Forst hingerichtet. Senger hat am 27. August 1903 in einem Walde den früheren Versicherungsagenten Franke aus Berlin erschossen und ihn seiner Barschaft beraubt. Ein Ge« ständnis hat der Hingerichtete nicht abgelegt. Nach Unterschlagung bedeutender Summen ist in S t. W en d el der Rendant der dortigen Kreiskommunalkasse verhaftet worden. Neues Hochwasser in der Schweiz. In der O st s ch w e i z tritt von neuem im Gebirge Hochwasser auf. Die Eisenbahn- linie Zürich— Chur ist bei Rechenburg unterbrochen, da der Damm weggespült ist. Im Toggenburg-Gebiet sind Straßen beschädigt und Brücken weggerissen. Einen Mord an einer Prostituierten hat in Wien in der Nacht zum Mittwoch ein italienischer Arbeiter verübt. Der Täter wurde verhaftet. Total niedergebrannt ist das Hotel Gaßner in Ober« V e l l a ch(Kärnten). Bei dem Brande ist eine unbekannte Frau in den Flammen umgekommen. Ein Attentat auf einen Personenzug versuchten in der Nähe von T r i e n t unbekannte Täter, indem sie mittels Dynamit einen großen Felsblock absprengten und ihn auf die Schienen rollten. Der Aufmerksamkeit eines Bahnwärters gelang es, den Zug noch rechtzeitig zum S t e he n zu bringen. Die Choleraepidemie in Kaschmir greift immer tveiter um sich. Am Sonntag wurden 224 Erkrankungen und 147 Todes- fälle, am Montag 139 Erkrankungen und 145 Todes- fälle gemeldet._ Zentralverband der freien Händler, Hausierer und verwandten Bernfsgenoffe» Dentschlands. Sitz Essen« Nnhr, Verwaltungsstelle Berlin, Bezirk III Osten. Heute abend 8'j, Uhr bei Rott, Straßmann- strahe 29: Versammlung, Gäste willkommen, o Unserem VereinSgenossen .Alois Schmidt ! nebst Braut gratuliert znr! , Hochzeit 314b j Lalterie-Vereln Froh« Hoffnung. 1 r HtzHH««» Herzlichen Glückwunsch Ä zur silbernen Hochzeit 4S dem Jubelpaare 8 Deraam BsmeinMii u.FraD 6 S Die Genossinnen und Genossen R ra deS II. Bezirks der I. Abteilung von Lichtenberg. 3136 SozialtekraüseherWablverelD des 2. Herl. ReitMpaireises. (Bezirk 111.) Am Montag, den 8. d. MtS., verstarb unser Mitglied, der Schlosser Karl WoscKokius Kopischstr. 3. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags 6 Uhr, von der Halle deS Heilig-Kreuz- KirchhoseS(Maricndors) au» statt. Um rege Beteiligung ersucht 210/16 Der Vorstand. SodaldenokratiseherWaUrcreinj für den 4. Eerl. Reichstais-WiiliIkrEis.l Petersburger Biertel. (Bezirk 353.) Den Mitgliedern zur Nachricht, l daß unser Genosse, der Metall- s drücker Aagnst HoIeOelsch Weidenweg 9 gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. August, nachmittag» 3 Uhr, von der Halle de» Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- setde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/6 Der Borstand. Sozialileniokraliscler Verein für den l Herl. ReicMagswalreis. Bezirk 31. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß in der Nei-venbeilanstalt Nordend im Alter von 32 Jahren unser Genosse Eiuxen Roos am 2. August gestorben und am 6. August in FriedrichSsetde bc- erdigt worden ist. Ehre seinein Andenken! 210/17 Der Vorstand. OaMH Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes• Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Graveur Franz Großmann am 8. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 11. August. nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle de» SmmauS-5Urch. hoseS, Hermannstratze, auS statt. Ferner starb unser Mitglied, der Drücker August HoIeOelsch am 8. August an Herzleiden. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 12. d. M., nach. mittags 3 Uhr, von der Halle de» Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selde aus statt. 113/17 Rege Beteiligung erwartet Die Orttverwsltung Sozialdemokratiseb-WahlTerein Nieder-Barnim. Bezirk Stralau. Nachruf. Am Sonnabend, den 6. August, verstarb unser langjähriges Mit- gltcd, der Glasarbeiter Geinricli Jungblut an Lungenentzündung. Ehre seinem Andenke»! 238/11 Die Bezirksleitung. Mand der Brauerei- n. Milblen-I Arbeiter und verwandter ßernlsg.i Ortsverwaltung Berlin. Am 9. August er. starb unser Kollege, der Hilssarbctter Gustsv kecker (Brauerei Nclch) nach schweren Leiden, Ehre seinem Aiidenken: Die Beerdigung findet am Freitag, den 12 August cr., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle der FriedcnS-Gemeinde in Nordend auS statt. 42/19 Die Ortsverwaltung. Deutscher Tabakarbeiter-Verband - Zahlstelle Berlin.- Donnerstag, den 11. August Ivlv, abends 8'/, Uhr: KttgUeäer- Versammlung im„Rofenthaler Hof«, Rosenthaler Strafte 11/13. TageS-Ordnuna: 187/12 1. Abrechnung vom 2. Quartal 1910. 2. Berichterstattung der Delegierten über die 14. Generalversammlung deS Verbandes. 3. Verbands angelegenhciten. Wir bilicn um pünklllchcs Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen. Mit kollegialem Gruß Die Ortsverwaltnng. I.A.: Ludwig Walter. >43 eigene ISampler Von frischen Vängen unserer flotte empfehlen wir besonders preiswert: ff Seekarpfen(QoiabarBeh).. pro Pfund 10 pi „ Brassen, sehr beliebt....,, 10 Pf. (! Soekarpfen oder Brassen in Bier gekocht ist eine Delikatesse!) ff. Bratschollen...... pro Pfund 18 Pf. „ Scharbenzungen...... 20 Pf. Allen Freunden und Verwandten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau .Anna Wenzel am Montag Im Wochenbett verstorben ist. Um stilles Beileid bittet Der trauernde Gatte Paul Wenzel, Schliemannstr. 9. Die Beerdigung findet Donners- tag, nachm. 5 Uhr, von der Leichen- Halle der Georgen-Gemeinde in Weißensee aus statt. 3t 5b Von der Reise zurück* Dr. Leopold Liiienthal Arzt für Haut- und Harnleiden, Licht- und Röntgen-Behandlung. Gr. frankfurter str. 107. pro Pfund It. Seelacbs im Anschnitt 20 Pf. .. Kabeljaa. 25 Pf. .. Sebelltlsch,„ 80 Pf. „SeeWt.„ 80 pf. pro Pfund v. Bralschclltisch.... 18 pf. .. Geig. Sclielltisch... 25 pf. „ gr. Rotzungen.... 50 Pf. .. Austerniiseb-Hnad. 80 pt Preise für diese Woche! ln allen Verkaufsstellen gleiche Preise. „Hordsee" Größte Hochseeflscberel DcntscJilands Hauptgeschäft: Berlin C,(Bahnhof Börse) A�t™ � CharlottcnbnrjjrWilmers- dorfer Straße III. Augsburger Str. 18. SchOneberg;: Akazienstr.Sl Verkaufsstellen: C.: Bahnhof Börse, Bog. 8-10. Ih'.: Invalidenstraße 131. STO.: Landsberger Str. 52-53. O.: Gr. Frankfurter Str. 85. O.: Madaistraßo, Bogen 8-9 (Früchts traße gegenüber). S.: Prinzenstraße 94. Stcglltvs: Schloßstr. 121. Zchlcndort: bei Herrn Karl Schi'n, Grunewald-AUee 2. Fernsprecher 11.79. Weißenaees Langhansstraße 143. 441L iJHgcncp�eehafen. Soeben erschienen: Kadische Rtvoliitioltsgrschichttn aus deu Jahren M8 u. 1849. Von WUbleta, Bios. Brosch. X M., geb. 1,50 M. Das Finanzkapital. Eine Studie über dir jüngste Eutwickelung dcS Kapitalismus. Von Badollk BUksrdinU. Geb. 9,70 M. Handbuch der fspl* dtuwbratjschkll Parteitage vou 181)8—1909. Bearbeitet von Wilh. Schröder. Geb. 7 M. 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Wer sich als Mitglied aufnehmen lassen will, schreibe Namen, Stand und Adresse in ein in jeder Zahlstelle erhältliches Formular und ist der erste Monatsbeitrag(1,10 M. für die Nachmittagsabteilungen oder 1,30 M. für die Abendabteilungen) zu hinterlegen. Das einmalige Eintrittsgeld nur für neue Mitglieder beträgt 90 Pf., der Monatsbeitrag wird im Jahre nur zehnmal erhoben. H. Rolofit: Zu Sgarrenhandlung, Paul Mazanbe, Zigarrenhandlung, Panks tr. 24. H. Vogel I, Zigarrenhandlung, Lortzingstr. 37. 0. Opitz, Zigarrenhandlung, I�ynarstr. 2. H. Wemicke, Restaurant, Äckorstr. 123. A. Tietz, Zigarrenhandl., Inralidenstr. 124(Stett. Bahnh.) Kriedemann, Zigarrenhandlung, Stargarder Straße 74. H. Brückner, Zigarrenhandlung, Gartenstr. 71. KO.: Franz Niemeyer, Zigarrenhandlung, Woberstr. 19. J. Beul, Zigarrenhandlung, Bamimstr. 42. H. Herfortb, Zigarrenhandlung, Lippebner Straße 15. O.; P. Borsch L Zigarrenhandl., Engelufer 15(Gewerksch.) G. Vogel B, Zi SO. Zigarrenhandl., Engoluler iö(uew Zigarrenhandlung, Koppenstr. 81. Lohaus, Zigarrenhandlung, Tnaerstr. 61. Karl Dahn I, Zigarrenhandlung, Petersburger Str. 34. A. Böttger I, Zigarrenhandlung, Skalitzer Straße 107. Friedrich, Zigarrenhandlung, Mariannenstr. 5. Neithardt, Restaurant, Oörhtzer Straße 58. Karl Scholz, Glaserei, Wrangelstr. 110. Paul Ihm, Zigarrenhandlung, Wrangelstr. 68. R. Schmidt I, Zigarrenhandlung, Kottbuser Damm 8. Gottfried Schulz II, Zigarrenhandlung, Admiralstr. 40a. W. Börner, Zigarrenhandlung, Bitterstr. 16. F. Meyer I, Caf6, Dresdener Str. 128/129. Zahlstelle SW.: Rudolf Daehnll, Zigarrenhandlg., Hagelberger Str. 27. Julius Meyer, Restaurant, Oramenstr. 103. F. Ohnesorge, Restaurant, Markgrafenstr. 102. A. Böttger II, Zigarrenhandlung, Zossener Straße 30, TV.; Wiomors, Restaurant, Bülowstr. 59. Max Weber, Zigarrenhandlung, Barbarossastr. 64. MW.(Moabit): Ernst Voigt, Zigarrenhandlg., Charit�str. 3 (Verbandshaus der Metallarbeiter). Lampreoht, Restaurant, Putlitzstr. 10. Karl Märker, Zigarrenhandlung, Turmstr. 52. H. Ramm, Zigarrenhandlung, Stralauer Straße 8/6. Alb. Löwenberg, Zigarrenhdlg., Nene Schönhaus, Str. 18. Glasen, Zigarrenhandlung, Gipsstr. 27. G. Weihnacht, Restaurant, Grunstr. 21. Kixdorf-Britz: H. Kramer Restaurant, Zietenstr. 69. Max Zirkel, Zigarrenladen, Fuldastr. 55(Idealpassage). A. Mittag, Zigarrenhandlung, Qhausaeestr. 82. Cbarlottcnburg: A. Wilk, Zigarrenhandlung, Klruhstr. 80. F. Schmidt D, Zigarrenhandlung, Wilmersdorf er Str. 130. W il mersdorf: B. Meyer D, Konflturonhandlung, Uhlandstr. 97. Friedenau: B. Kropp, Zigarrenhandlung, Bomstr. 4. Tcmpelhof: M. Müller, Restaurant Berliner Straße 41/42. Obcr-Schßnewelde: H. Knappe, Restaurant, Westondstr. 22. Tegel: Johann Lauer, Zigarrenhandlung, Berliner Str. 98, Weißensee: Neriich, Zigarrenladen, Lothringenstraße 13. Kummeisburg- Boxhagen: Bavenstein, Zigarren laden, Lenbacbstr. 22. (Ütrainn: Gerhard, Zigarrenhandlung, Stralauer Alle« 2A l'unkow: Janioke, Zigarrenhandlung, Mühlenstr. 38. Uauiuschalenwcg: Bommel, Zigarrenhandlung, Kiefholzstr. 188. Reinickendorf: H. Gründer, Zigarrenhandlung, Boppestr. 24. Frlcdrlchsli»gen: Franke(Konsumgenossenschaft), Friedrichs tr. 98. I.ankwits-Liichterrelde: P. Dehns, Zigarrenhandlung, Seidlitzstr. 12, Orttnau- Adicrshof: A. Beck(Konsumgenossenschaft), Bismarekstr. 11. Friedrlchsfelde- Ijichtenberg: O. Kegel(Konsumgenossenschaft), Oapriviallee 44. II Die Adresse der Geschäftsstelle und Kassenverwaltung ist: O. Winkler, BerlinsRixdorf, Kirchhofstr. 46 II rechts« An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. Hfuntergiiltlg in Konntrnktlon und AanfUhrung, gleich vorzilglicb fHr Haasgebranch n. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. BERUM, lieipzigcr Straße OS. Läden in den verschiedenen Stadtteilen. B JlSoldfarb. TOttssStatfiJs�- n.R.W.Z.Ul tlA2 Health snuff fobacco. Fabac S priser de santS. Tabake do zazywania dla zdrowia. Tabocco da naso alla salute. Die Oefonomte des VetbiiäiigHiiiiscs der Gastiliirisgthilst«. Kerliu, Stoße Hamborser Straße t8-lS, ist per 1. Oktober d. I. zu vergeben. Zur Uebernahine sind erforderlich 6000 M Angebote sind zu richten an den Vorstand der Ortsverwaltung Berlin l. 2135' Wie dic(e Palme das auf der Erde wandelnde Ties» reich überragt,(o überragen die Pflanz erv fette PALMIN und PflLMONfl(Pflanzen. Butter-Margarine) die tierildten Fette durch Ihre Reinheit und Oüte. Das beweift am betten der Umftan4 dafl Palmin und Palmona tlcrifche Fett« In der frinen (tfld bürgerlichen Küche Immer mehr verdrängen, Palmin zum Kochen, Braten und Badcetv Pxdois(außer Konkurrenz) 8 Min. 7 Sek., 2..Welle" 1. Mannlchast 3 Mm. 11-/, Sek. Kopswciisprung. 1. E. Müller,.Welle" 15'/, Meter 23 Sek. 8. R. Förster,.Welle" 15 Meter t7 Sek. 3. A. Preuß, 12'/, Meter 14 Sek. Hrmplspringen, 6 Kürsprünge. 1. F. Ra> tun, Fr. S. Charlottenbnrg, 21'/. Punkte. 2. E. Müller..Welle" 20'/, Punkte. Kleiderschwiuimen. 100 Meter in Hose, Weste, Jackett, Hut und Stlesel. 1. A. Hartman»,.Welle" 2 Min. 38-/, Sek. 2. Kühn,.Welle, 2 Min. 50 Sek. Ueber einen Mißstand im Zoologischen Garten wird uns von einem Leser folgendes geschrieben: Am. letzten Sonntag begab ich mich eine halbe Stunde vor der festgesetzten Zeit in das bereits stark gesiillte RaubtierhauS, um die Fütterung der Tiere zu beobachten. Trotzdem bereits eine fürchterliche Enge herrschte, drängten sich noch immer Menschen durch den Mittclgang. Am schlimmsten wurde eS, als der Wärter den Tieren ihre Ratlonen verabfolgte. In diesem Moment drückte alles von hinten, so daß gerade eine Lebensgefahr für Frauen und Kinder bestand. Erst als gerufen wurde, daß Menschen in Gefahr seien, ließ daS Gedränge nach. Wäre eS nicht nötig, daß namentlich am ersten Sonntag im Monat zwei Wärter dafür sorgten, daß eine Ucberfüllung verhütet würde? Verloren gegangen sind am Montagabend auf dem Wege von der Voltastraße bis Schönhauser Allee 86 Verbandsmarken a 76 Pf. (Metallarbeitervcrband). Der ehrliche Finder wird gebeten, die- selben bei Gustav Hornberger, Wichcrtstr. 10, abzugeben. Wer ist der Tote? Am 4. August d. I. hat sich in Strausberg- Vorstadt ein unbekannter Mann, anscheinend Ziegeleinrbciter, mittels eines Revolvers erschossen. Er ist etwa 22 Jahre alt, 1,73 groß, hat rötlichblondeS Haar, blaue Augen und geschwollene, anfgesprungene Lippen. Bekleidet war er mit dunklem Tuchanzug, grauem Flanell- Hemd, schwarzem Tuchchemisett, dunkelgrünem Filzhut und schwarzen Zngstieseln. Nachrichten über die Persönlichkeil deS Toten werden in jedem Polizeirevier, bei der Kriminalpolizei, Alexanderstr. 3/6. III, Zimmer 346a, und bei der Polizeiverwaltung in Strausberg ent- gegengenommen. Vermißt wird seit dem 11. Juli 1969 der Bauarbeiter Willi Richardt, 22. April 1878 zu Berlin geboren, Ebertystr. 15 wohnhaft gewesen. Derselbe ist 1,70 Meter groß, mit schwarzem kurzen Haar, schwaraem starken Schnurrbart, hat rundes, volles Gesicht und dicke, breite Nase. Bekleidung: Dunkelbraunes Jackett, schwarze gestreifte Hose, schwarze Weste, schwarzen steifen Hut, schwarzes Tuch- chemisett ohne Kragen, Zugstiefel. Nachricht zu Nr. 2878 IV/43 10 an den 3. Kriminalbezirk._ Dauerflüge und Absturz. Der heutige vierte Tag der Flugwoche in Johannis- thal, der endlich einmal durch wirklich schönes Wetter begünstigt war, brachte neben einer Reihe prächtiger Flüge leider auch eine bedauerliche Katastrophe. Der Wrightpilot Heim war gegen 7 Uhr aufgestiegen und bollführte 12 Minuten lang Rundflüge in einer Höhe von teilweise mehr als IVO Meter. Plötzlich, als der Apparat sich in einer Höhe von 80 Meter befand, trat ein Bruch der hinteren Steuerung ein(nach der Behauptung von anderen Augenzeugen soll ein Propellerbruch die Katastrophe herbeigeführt haben), worauf die Maschine, sich mehrfach überschlagend, senk» recht in die Tiefe stürzte. Ungefähr 20 Meter über dem Boden geriet sie noch einmal für einige Sekunden in eine horizontale Lage, in der die Tragflächen fallschirmartig wirkten, dann jedoch sauste sie aberNialz kopfüber herab. Das Publikum, das dem prächti- gen Flug HeimS mit Bewunderung gefolgt war, geriet in große Ezregtzng. die[ig erjt zu lest Vi bestann. als tn.qn erfuhr, datz de; Unglückliche Fahrer zkvar anschelnenL schtvers Verlegungen eMlelr habe, aber doch mit dem Leben davongekommen sei.. Während die Katastrophe eintrat, befand sich nur noch I e a n n i n mit seinem Farmanapparat in den Lüften. Dieser Flieger setzte seinen Dauerflug auch Runde um Runde fort. Für geraume Zeit freilich schien den übrigen Fliegern die Lust zum Aufstieg vergangen zu sein, nur der Antoinettepilot WienczierS gesellte sich um%8 Uhr noch einmal zu Jeannin, bis das Schluß- zeichen um 8 Uhr den Flügen ein Ende machte. Vor der Katastrophe bot das Flugfeld ein überaus interessantes Bild. Zeitweise befanden sich bis zu sechs Fahrzeugen gleichzeitig in der Luft. Brunn huber auf einem Sommer-Apparat und Thelen auf einer Wrightmafchine rangen im Bewerb um den Daucrpreis um die Palme. Nach reichlich anderthalbstündiger Flugdauer ging Thelen nieder, während Brnnnhuber erst nach genau einer Stunde und 50 Minuten landete. Auch Jeannin brachte ez zu anderthalbstündiger Flugdauer. In einem ersten Aufstieg erreichte WienczierS mit einem Passagier eine drei» viertelstündige Flugzeit. Dazwischen flogen länger oder kürzer Engelhardt, Behren d. Dorner, Loitsch und Gorisen: der letztere unternahm zwei Ueberlandflüge von je etwa 1l> Minuten Dauer. Kurz: sämtliche Aviatiker bewiesen, wie gewandt sie ihre Maschine zu handhaben verstehen. Schade nur. daß der böse Sturz Heims die enthusiastischen Zuschauer wieder daran erinnerte, daß zurzeit die Flugmaschine trotz ihrer brillanten Leistungen von dem Ideal möglichst absoluter Betriebs- ficherheit noch recht weit entfernt ist. Vorort- Mchndrten. Charlottenburg. Nach der Unterschlagung von 30 WV M. geflüchtet ist der frühere Inhaber der Möbelfabrik Alma Braunfisch in der Scharrcnstr. 5, der verheiratete 45jShrige Möbelfabrikant Georg Braunfisch. In seiner Begleitung befinvet sich die 17jährige Ver- käuferin Gunhild Prolin. Ueber den Vorfall wird folgendes ge- meldet: Georg Braunfisch blieb, nachdem die Firma in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umgewandelt war, Geschäftsführer und Prokurist. B., der verheiratet und Vater von fünf Kindern ist, hatte vor einiger Zeit mit einer Freundin seiner ältesten Tochter, der 17jähri«n Gunhild Brolin, die als Verkäuferin in einem Juweliergesihäft tätig war und bei ihrer Mutter in der WilmerS« dorfer Straße 159-100 wohnte, ein Liebesverhältnis angeknüpft. Vor einigen Wochen hatte B.«ine Erholungsreise angetreten, von der er jedoch nicht zurückkehrte; die Revision der Bücher ergab, daß B. recht erhebliche Beträge, die fast 30 000 M. erreichen, ein. gezogen bezw. für die Firma abgehoben und für sich verwendet hat. Zu gleicher Zeit ist auch die Gunhild Brolin verschwunden. Das Pärchen hat sich anscheinend zunächst nach Salzbrunn ge- wandt und dann nach Kopenhagen. Dort hat die Brolin, die wahr» scheinlich von der unrechtmäßigen Aneignung des Geldes keine Ahnung hat, ihre Ankunft Bekannten angezeigt. Man hat, sobald dies in Charlottenburg bekannt wurde, Schritte getan, um das Paar dort festzunehmen. Schießmanöver im Automobil. Gestern morgen nahmen in der Danckelmannstraß« der Schreiber Fritz Vogt au» der WilmerSdorfer Strohe 13 und der Kaufmann Richard Ulrich ein Automobil und beauftragten den Chauffeur Gustav KeSker, sie nach dem Reichs- kanzlerplatz zu fahren. Bereit» vor dem Platz zahlten die Fahr- xäste da» Fahrgeld, stiegen aus und begaben sich seitwärts «ach dem unbebauten Gelände, auf dem fie Schießversuche anstellten. Sie kamen bald darauf wieder auf die Fahr- firaße und trafen noch den dort mit seinem Wagen haltenden Chauffeur. Vogt und Ulrich bestiegen da» Automobil und ließen sich nach der Wilmersdorfer Straße 13 fahren; Vogt setzte sich in das Auto, Ulrich neben den Fahrer. Plötzlich wurde vom Innern de» Wagens ein Schutz abgegeben, der den Chauffeur streifte, ein zweiter Schuß traf Ulrich in die Schulter; dann gab Vogt einen dritten Schuß auf sich ab, durch den er sofort getötet wurde. Die Gründe des Selbstmordes sind unbekannt. Vogt und Ulrich find junge Leute von zwanzig Jahren. Rixdorf. Auf der Kehrmaschine angeschossen wurde gestern der An- gestellte der Rixdorfer städtischen Straßenreiniaung Badanz. Als die Kehrmaschine die Pannierstraße entlang fuhr, um den Damm zu säubern, erhielt er vor dem Grundstück Pannierstr. 29 einen Schuß in die rechte Wange. Er stieg sofort vom Wagen und wollte den leichtfertigen Schützen festnehmen. Dies gelang ihm aber nicht. Es ist noch nicht festgestellt worden, wer den Schutz. der aus einem großen Teschingkaliber gekommen ist, abgegeben hat. Mariendorf. In arger Bedrängnis befindet sich der hiesige Gemeindekirchenrat infolge der zahlreichen Kirchenaustrittserklärungen. Alle diejenigen, die ihren Austritt aus der Kirche angemeldet hatten, erhielten von dem Kirchenrat ein vier große Seiten hektographierteS Schreiben, in welchem ganz.freundlichst- auf die.schweren Folgen" eines solchen Schrittes hingewiesen wird. ES wird in dem Schreiben auf die Rechtsverluste hingewiesen, die ein Kirchenaustritt nach sich zieht. Der Ausgeschiedene hat kein Recht mehr auf eine Patenstelle, dürfe da? heilige Abendmahl nicht mehr nehmen und verliere fein aktives und passives Wahlrecht. Unter 6. heißt eS dann wörtlich:.Sie verlieren den Anspruch auf eine Grabstelle auf unserem Friedhofe, da dieser der kirchlichen Gemeinde gehört, aus der Sie sich selbst ausschließen." DaS ist ein Irrtum. ES besteht eine Abmachung mit der Gemeinde Mariendorf, nach der die Kirchengemeinde verpflichtet ist, die im Gemeindebezirk Mariendorf Verstorbenen auf dem Friedhofe der Kirchengemeinde beerdigen zu lasten, da leider noch kein Gemeinde- friedhof vorhanden ist. Nach Aufzählung der RechtSverluste steht dann der Satz:»Diese Verluste fügen Sie sich und den Ihrigen— vorausgesetzt, daß Sie sich nicht dies oder jene» Recht später erschleichen wollen, was aber eines auf- richtigen Menschen unwert sein dürfte— selber zu." Wer wird sich Rechte erschleichen wollen?— Ein Mensch. der mit der Kirche innerlich schon längst gebrochen hat, hat auch schon längst auf diese Rechte freiwillig und gern verzichtet. Ueber die eventtiellen AuStrittSgründe wird in dem Schreiben fol- gendcS angeführt: Sie wollen vielleicht ausscheiden, weil Sie mit Ihren religiösen Anschauungen nicht mehr auf dem Boden der Kirche zu stehen glauben. Aber bedenken Sie wohl, daß in der evan« gelischeir Kirche die verschiedenartigsten Auffassungen nebeneinander bestehen und jeder ein Mitglied der Kirche sein und bleiben kann, der dem Evangelium Jesu Christi von der Gottes- und Menschen- liebe sich nicht verschließt. Oder aber Sie sagen:.Ich habe nichts von der Kirche; aber bedenken Sie wohl, daß die Schuld lediglich an Ihnen liegt! Warum halten Sie nicht treu zur Kirche? Jede Sache ist einem so viel wert, als man sich zu ihr hält und für sie eintritt." Na also! Warum ivill die Kirchengemeinde solche Mitglieder noch halten, die in der heutigen Kirche keinen Wert mehr erblicken und infolgedessen austreten? An anderer Stelle heißt «»:»Oder aber Sie scheiden aus, weil Sie es der Kirche zum Bor- Wurf machen, daß sie mit dem Staate rechtlich verbunden ist und oft nur im Jnteresie des Staates gearbeitet hat. Aber wenn auch hier manchmal Fehler vorgekommen fein sollten, welche menschliche Organisation wäre fehlerfrei? Vergessen Sie nicht, daß viele fromme Christen innerhalb der Kirche längst sich Mühe geben, die Beziehungen von Staat und Kirche auf das Mindestmatz ein- zuschränken und die Kirche nur ihre eignen rein geistigen Aufgaben erfüllen zu lassen. Oder wollen Sie etwa be- haupten, daß die Kirche keine SegenSmacht gewesen wäre und nicht unendlich viel GuteS gestiftet hätte? Nun, das wäre nur ein Zeichen dafür, daß Sie geschichtlich schlecht unterrichtet sind und daß Sie leichtgläubig sich von ungebildeten und lügenhaften Schwätzern und Fanatikern ver- Hetzen ließen, ohne— wie es einem wahrheitsliebenden Menschen zukommt— selber sich zu unterrichten." Wie sehr die Kirche ihre Beziehungen zum Staate auf das .Mindestmaß" herabgedrückt hat, ist hinlänglich bekannt, unterstehen doch in Preußen die Volksschulen gänzlich der geistlichen Aufsicht. Wenn von Verhetzung durch ungebildete und lügenhafte Schwätzer und Fanatiker geredet wird, so scheint man gewiß die kürzlich statt- gefundene Versammlung im Auge zu haben, in der im überfüllten Saale Genosse Hoffmann über Kirchenfragen referierte und die auch diesen MasienauStritt nach sich zog. Zu dieser Versammlung hatte der Einberufer.»wie eZ einem wahrheitsliebenden Menschen zukommt", die beiden Geistlichen am Orte eingeladen und schriftlich die Garantie gegeben, daß die Herren unbeschränkt reden können und in jeder Weise geschützt seien. Erschienen sind sie nicht um den»lügenhaften und ungebildeten Fanatiker" zu widerlegen. Jetzt erklären sich abxr die beiden Herren in dem Schreiben bereit, zu jedem gern kommen zu wollen, um zu.orientieren". Daß die Herren damit Glück haben, ist mehr als zweifelhaft. Wer noch schwankend war, wird nach diesem Brief gewiß mit seinem Austritt nicht mehr zögern. Selbst der Schlußsatz, daß es sich die Gemeinde sehr überlegen wird, wenn so ein leichtfertig Ausgetretener wieder eintreten will, denselben wieder aufzunehmen, wird nicht mehr ziehen. Köpenick. Bon einem großen Brande ist die Zichorienfabrik von F. F. Resag, in der Lindenstr. 7, in der letzten Nacht heimgesucht worden. Um 11 Uhr kam das Feuer in einem Popierlager aus»och nicht auf- geklärter Ursache zum Ausbruch und fand an dem Packmaterial usw. reiche Nahrung. Die Flammen ergriffen bald das Dachgebälk eines Mittelbaues, der zwei Fabrikgebäude miteinander verbindet. Die freiwillige Feuerwehr von Köpenick, sowie die von SpindlerSfelde und die von Ober-Schöneweide waren bald zur Stelle und griffen tüchtig mit mehreren Schlauchleitungen an. ES gelang den ver- einten Anstrengungen der Feuerwehren den angrenzenden Speicher zu schützen. Der Dachstuhl des Mittelbaues ist niedergebrannt und sind dabei etwa 100 Zentner Rohmaterial teils verbrannt, teils beschädigt. Der Schaden ist voll versichert. Eine Betriebsstörung findet nicht statt. Gestem früh konnten die Wehren wieder abrücken. Weihensee. Herr Dr. Pape meldet sich. In dem Organ der alten Fraktion. dem.Weißenseer Tageblatt", nimmt der besoldete Schöffe Dr. Pape zu der Notiz»Ein Unverbesierlicher" in Nr. 133 des.Vorwärts" Stellung; er erklärt, die Mitteilung enthalte eine vollständige Ver- drehung des Tatbestandes. Den Verfasser der Notiz macht er auch verantwortlich für einen über sein« Person in der.Morgenpost" erschienenen Artikel, der verschiedenes über seine Versehlungen aus ftüherer Zeit enthielt. Auch meint er, daß er den Sozialdemokraten wohl schwer im Magen liegen müsie, weil sie ihn nicht in Ruhe lassen. Aber er könne auch wieder andere Saiten anschlagen, wenn die Herren eS wünschen. Wer lacht da? Auch rühmt er sich, daß er den anderen Juristen der Gemeinde- Verwaltung allemal gewachsen sei. Bis jetzt ist bloß da? Gegenteil erwiesen, denn»nit allen durch die Person Dr. Pape angestrebten Prozessen hat die Gemeinde die Kosten ge- tragen. Ueber seinen jetzigen Prozeß gegen den Gemeinde- vorstand gibt eS in der hiesigen Bevölkerung nur ein Urteil. Ferner erklärt er noch, daß er sich zur Arbeit gar nicht zu drängen brauche, da man dem Burcaudirektor ein höheres Gehalt bewilligt habe, als ihm als besoldeten Schöffen. Auch spüre er gar nichts von Unwillen in der Einwohnerschaft gegen seine Person, im Gegen- teil richte sich der Unwille gegen eine andere Stelle. Herr Pape scheint wohl vergesfe» zu haben, daß das Disziplinarverfahren auf Dienstentlassung, was mit einer Verurteilung zu 400 M. Geldstrafe endete, lediglich auS Unwillen gegen ihn eingeleitet worden ist. Wittenau. Ncber den tödlichen Unglücksfall in der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik, worüber wir in der Sonntagnummer berichteten, wird uns von den Arbeitern genannten Betriebes folgendes berichtet: Kuhrt holte Drehspäne aus der Fabrik ab. Als er im Begriff war nach Haufe zu fahren, mußte er, weil der Kran gerade über dem Wege stand, durchfahren. Die Kette des KranS, an welche die Gegenstände angehängt werden, war jedoch nicht hoch genug gezogen, der Haken blieb daher am Kutscherbock hängen, was K. mcht be- merlte, und so mußte der nur auf schmalen Füßen stehende Kran beim Weiterfahren umfallen. Der Kutscher wurde von hinten auf den Kopf und Oberschenkel gettoffen, worauf der 15—20 Zentner schwere Kran zwischen die Pferde fiel. Tegel. Die von den Senosfianen veranstaltete» Ferienkinderspiele er- fteuten sich auch in diesem Jahre einer regen Beteiligung. Damit ist die Notwendigkeit, daß derartige Veranstaltungen später von der Kommune geleitet werden, erwiesen. Durchschnittlich beteiligten sich an einem Spieltage 100 Kinder, an den sieben Spieltagen ins- gesamt 710. Spandau. Die hiesig« WalderholungSftätte an der Radelandstraße ist jetzt fertiggestellt und soll der Benutzung übergeben werden; eS fehlen aber die Erholungsbedürftigen, nicht etwa, weil keine da sind, bei. leibe nicht. Erholungsbedürftige sind in sehr großer Anzahl vor- handen, nur will niemand in diese von der Stadt geschaffene Er- holungsstätte gehen. Nicht allein, daß man entgegen de» Wünschen der Krankenkassen einen Platz gewählt hat, der sich zu einer Wald- erholungSstätte nicht eignet, hat der Magistrat auch noch die Be- stimmung getroffen, daß vorläufig nur männliche Personen auf- genommen werden, und daß Essen, namentlich warmes Mittagessen. nicht verabfolgt wird, trotzdem man eine Küche gebaut hat. Man stelle sich einmal vor, auf einem an einer ziemlich belebten Straße, dem Friedhofswege, belegenen, mit einigen Kiefernbäumcn be- ftan denen Platze, der etwa 2 Morgen groß ist, hat man in der Mitte eine Küche mit kleinen Wirtschaftsräumen gebaut. Essen wird allerdings nicht gekocht. Zu beiden Seiten der Küche(?) be- finden sich offene Hallen, die mit Zementfußboden hergestellt sind. Licht und Luft kommt in diese Hallen nicht viel hinein, weil sie zu niedrig sind. Von der Küche(?) sind nach jeder Halle Schalter angebracht. Ursprünglich sollten wohl hier die Speisen durch- gereicht werden. Da aber nicht gekocht wird, dienen die Schalter wahrscheinlich dazu, um die in der Halle auf dem Zementfußboden liegenden Erholungsbedürftigen zu beauffichtigen. Wege existieren nicht, die sollen wahrscheinlich die Erholungsbedürftigen erst machen. Hinter den Liegehallen befindet sich die Retirade. Rund um dieses Musterwerk hat man einen Zaun gemacht, der wie ein Wildgatter aussieht. Man hat nämlich nur Spanndrähte in Ab- ständen von zirka 80 Zentimeter von einem Pfahl zum anderen gezogen. Die in dieser Erholungsstätte aufgenommenen Erholung»- ssedurfliM können San allen biet Seffstt lleollachlek IverLeii, Und das nennt man ia Spandau eine Walderholungsstätte, Nowawes. Bcisitzcrwahlen zum Geweriegericht. Die Wahl der Beisitzer zum Gewerbegericht erfolgt am Mon« tag, den 15., und Dienstag, den 16. August, nach« mittags von 6— 3 Uhr, im Restaurant zur Turnhalle, Sugustftt. 47, und zwar wählen am 15. August die Wähler mit den Anfangs- buchftaben A— L und am 16. August die Wähler mft den Anfangs- buchstaben M— Z. Die Liste des GewerlschaftskartellS hat die Nummer 1. worauf zu achten ist. Berechtigt zur Wahl sind alle Arbeitnehmer, welche das 25. Lebensjahr vollendet haben und in NowaweS beschäftigt sind, oder falls sie außerhalb in Arbeit stehen(auch bei JnnungSmeistern) hier wohnen. Für die Wahl gilt daS Proportionalsystem. Die Wahl ist geheim und erfolgt mittels Stimmzettels, auf welchem lediglich die Ordnungsnummer der Liste, also in diesem Falle die Nummer 1, angegeben ist. Zusätze zur OrdnungSnummer find unzulässig, ganz besonders die Bezeich- nung der auf den Listen vorgeschlagenen Personen. Stimmzettel mit irgend einem anderen Vermerk als der Listennummer sind ungültig. Die Stimmzettel find am Wahllokale zu haben. Jeder wähl- berechtigte Arbeitnehmer hat sich mit einer Legitimation zu versehen, die entweder vom Arbeitgeber oder von der Polizei- behörde zu beglaubigen ist. Die Formulare hierzu find bei der hiesigen Polizeibehörde zu haben. Jeder versehe sich deshalb noch rechtzeitig mit einem solchen Formular. Hiesige Mtglieder einer Innung, für die ein Schiedsgericht errichtet ist und deren Ar- beiter sind weder wählbar noch wahlberechtigt. Versäume niemand sein Wahlrecht auszuüben, dann wird auch die Lifte des Gewerk- fchaftskartells glänzend siegen. Jugendveranstaltunge«. Freie Jugendorganisation Berlin(Abt. 21). Donnerstag, den 11. August, bei Neithardt, Görlitzer Str. 58: Versammlung. Vortrag des Herrn Dr. Edwin Bab über:.Die Abstammung dcS Menschen". Gäste herzlich willkommen._ Gerichte-Zeitung* Berliner Apachen.,- An Straßenraub grenzte eine Straftat, welche gestern den Händler Max Noack vor die 10. Ferienstrafkammer des Land« gerichts führte.— Eines Sonnabends hatte der gerade aus der Provinz zugereiste Arbeiter Jwicke einen nächtlichen Spaziergang durch verschiedene Schankwirtschaften gemacht. In der Invaliden» straßc, in der Nähe des alten Hamburger Bahnhofes, begegnete ihm der Angeklagte in Begleitung dreier, ebenfalls wenig Vertrauens« erweckender Gestalten. Ehe I. ausweichen konnte, war er von den vier dunklen Ehrenmännern umringt, die ihn aufforderten« etwas zum besten zu geben. Als er sich weigerte, griff ihm der Angeklagte mit schnellem Griff in die Tasche und entwendete ihm daS Portemonnaie mit vier Mark Inhalt. Der Beftohlene forderte fein Geld zurück, erhielt jedoch als Antwort nur höhnische Redens« arten. Als er mit der Polizei drohte, die zwar nirgends zu sehen war, fielen die vier Wegelagerer über ihn her und prügelten ihn noch obendrein durch. Erst an der Scharnhorststratze gelang e» ihm, einen Schutzmann zu finden, der den Angeklagten festnahm, während seine Spießgesellen flüchteten. DaS Gericht hielt e» für angebracht im Interesse der nächtlichen Sicherheit auf den Strahns ein Exempel zu statuieren und erkannte auf eine Zuchthausstrafe von Jahren und die üblichen Nebenstrafen. Teilhaberschwindel. Ein umfangreicher Gründung»- und Teilhaberschwindelproze» beschäftigte gestern unter Vorsitz de» LandgerichtSratS Kade die 7. Ferienstrafkammer de» Landgericht» I. Aus dem Tegeler Straf« gefängnis, wo er seinerzeit eine ihm wogen Betrüge» zudiktiert» dreimonatliche Gefängnisstrafe verbüßt, wurde der Kaufmann untzj Restaurateur Wilhelm Willbrandt vorgeführt, um sich wegen Be« trüge» in mehreren Fällen und schwerer Urkundenfälschung tu einem weiteren Falle zu verantworten.— Der Angeklagte, welche, früher den Restavratwnsbetrieb auf den zwischen Saßnitz und Trelleborg verkehrenden Schiffen inne hatte und nach seinen An« gaben noch jetzt Besitzer des Strand�KotelS in Saßnitz ist. ha< angeblich ein sehr wertvolles Patent zur Herstellung eines automa« tischen Bierdruckapparates erworben. Wie sich ergab, soll er auch hier schon in betrügerischer Weise vorgegangen sein, indem et) eine völlig wertlose Hypothek auf ein Gut NeuhauS, welche» schon bi» über oen Schornstein Hinaus belastet war, in Zahlung gegeben hatte. Auf Grund dieses Patentes gründete der Angeklagte die HelioS-Werke". Er ließ sich Briefbogen mit dieser Firma und mid allen möglichen hochtönenden Zusätzen drucken und ging dann ia dieser Weise genügend vorbereitet auf den Teilhabcrschwindel au», da ihm der sonst bei derartigen Gründungen üblich« KautionS« schwinde! zu gefährlich erschien. Auf Grund verschiedener Inserat» engagierte er Lagerverwalter und Kassierer, denen er Beträge bis zu mehreren Taufend Mark abnahm, wofür diese die hohe Ehr» hatten. Teilhaber der„HelioS-Werke" zu werden. In einem Falls nahm er einem dieser Teilhaber sogar einen Betrag von 3500 Mark ab. Nebenher verübte W. verschiedene andere Schindeleien, be» bei denen er Geschäftsinhaber um größere Summen prellte. Nach mehrstündiger Verhandlung hielt die Strafkammer den An« geklagten des wiederholten Betruges für überführt und erkannt» unter Freisprechung in einigen Fällen auf eine Gesamtstrafe von 1 Jahr und 9 Monaten Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dager von Z Jahre». /Jus der frauenbewegung» Dameuinteressen. Ueber die Ziele der Frauenbewegung vertritt Frau Dr. v. Färb» stein in einer im Verlage de» Schweizerischen Grütliverein»(Zürich) herausgegebenen Broschüre Anschauungen und Forderungen des moralisierenden Typs der bürgerlichen Frauenrechtlerinnen, die nicht» anderes sehen alö die Geschlechtshörigkeit deS Weibe» und die ia einfeittgem Kampfe gegen diese Hörigkeit die Aufgabe der Frauen« bewegung gelöst sehen. Der politische Kampf ist dieser Richtung die nur in der Bourgeoisie wurzelt, Nebensache, ja, fie ist von diesem gar nicht erbaut. Aber da sie da» ausgesprochen Geschlecht« liche in den Vordergrund schiebt, die Befreiung des LLeibeS von der Männerherrfchast propagiert, laufen politisch Indifferente wohl leicht in die Netze dieser Sorte Frauenrechtlerinnen. Besonders dann, wenn die Propaganda so geschickt gemacht wird, wie von Frau Dr. B. Farbstein. Sie fordert nicht das Stimmrecht, sondern für die Frau das Recht jedweder Berufsarbeit, lediglich darum, damit sie auf sexuellem Gebiete so frei sich bewegen kann als der Mann. Den außerehelichen Geschlechtsverkehr verwirft die Ver- fafferin aus gesundheitlichen Gründen. Damit die jungen Leute heiraten können, sollen alle Frauen erwerbstätig fein, dann, meint sie, feien die heutigen Ehehindernisse beseitigt, und da» geschlechtS- reife, gesunde Mädchen brauche nicht mehr zu Watten, bi» der ältere Mann mit Verntögen und— Syphilis ihrer begehre. Deshalb erflärt sie:»Abhilfe kann einzig geschaffen werden durch die Berufsarbeit aller Frauen, insofern sie kein Vermögen haben; die Neuorganisation der Frauenarbeit, nämlich die Trennung der Erwerbs- von der Hausfrauenarbeit und Kinderpflege, die Reform der Ehegesetze und die Abschaffung des ß 140. Die Frau darf für den Mann nicht eine ökonomische Last fem, deShab muß fie einen Beruf haben, die Hausarbeit der erwerbenden Frau muß fortfallen, damit für sie nicht das Eingehen einer Ehe eine Doppelbelastung bedeutet; beide Teile dürfen in ihrer Entwickelungsmöglichleit und ihrem sozialen Fort- tommen nicht durch allzu frühen Kindersegen gehemmt werden, und die selbständige Frau darf nicht durch mittelalterliche Ehegesetze vom Eingehen der Ehe zurückgeschreckt werden." Weiter sollen die jungen Eheleute eine Reihe von Jahren den vorbeugenden Geschlechtsverkehr pflegen, damit die junge HauS» und Ehefrau nicht sobald Mutter- pflichten zu erfüllen habe. Die Proletarierin hat größere Sorgen und Lasten als die der jungen Mutterschaft in der Ehe. Ihr fehlt nicht das Recht auf Arbeit. Für die privilegierten bürgerlichen Be- rufe usw. kommt sie ja nicht in Betracht. Ihre Unterdrückung als Arbeiterin, die Minderentlohnung der weiblichen Arbeitskrast ist für sie neben der politischen Rechtlosigkeit die wirksamste Fessel ihrer GeschlechtZhörigkeit. Daran ist nichts geändert, wenn die Damen das Recht erlangen Professoren, Richter, Staatsanwälte und Ge- fängnisdirektoren zu werden. Daß Frau Dr. Farbstein ganz in den bürgerlichen Gedankengängen lebt, aus diesen heraus urteilt, beweist fie noch deutlicher durch ihre Schmerzen wegen der Dienstbotenftage. Diese macht der Arbeiterin nur als Mutter Sorgen und Beschwerden, nicht als Dienstherrin. Frau Farbstein will die Dienstbotenmisere für die Herrschaften beseittgen durch Aufhebung des Einfamilien- hauShaUS. Die Einführung der Hausgenossenschast soll den Töchtern des Mittelstandes j!) eine angenehmere Berufsarbeit eröffnen. Man sieht, jede bürgerliche Reformbestrebung läuft auf die Erweiterung der Klaffenprivilegien der Bourgeoisie hinaus. Arbeiterinnen, die sich für solche Bestrebungen einfangen lassen, setzen ihr» Kräfte nur gegen ihre eigenen, gegen die Klassenintereffen des Proletariats ein. Ein ArbeiterinnenstreN in Paris. In dem Modehause EsderS kam ein Organisierter mit einem Aufseher in Streit, infolgedessen nicht nur er selbst, sondern auch seine drei dort beschäftigten Schwestern entlassen wurden. Darauf legten fast sämtliche Schneiderinnen die Arbeit nieder. Die Firma, dre erst Unterhandlungen abgelehnt und lieber ihr Geschäft zu schließen erklärt hatte, gab schließlich in allen Punkten nach. Die Entlassenen wurden wieder eingestellt, der schuldige Aufseher(früher Berbandsinitglied) entlassen und eine Lohnerhöhung bewilligt._ Lefeabende. Mariendorf. Donnerstag, den 11. August, 8 Uhr, bei Loewcnhaaen, Chaussecstr. 27. WttterunnSNberstch» vom 10. August 1010. morgens 8 Uhr. 5Ä gl »=■ A= s x: i? Zwtnemde erlin jjtanfl.o M Münlheu Wien 75SN 761 76931 758IAD 758(320 756(3! Setter 2 heiter 2wolNg 1 wolkig 2 heiter 1 Regen tbedeckt WB ti« t"- wi CWtonen ££ gf s Haparanda 1 764 920 Petersburg 753 N Sctllh Werdern Pari» 764 NNW 767 NW 75992320 Setter CS"* »II 5* w« 2 wollen! 2 bedeckt 1 heiter 1 bedeckt 2 halb bd. «Wetterprognose für Donnerstag, den 11. August 1010. Zeitweise heiter, aber sehr veränderlich, mit vereinzelten geringen Regenfällen: am Tage mäßig warm. Berliner D etterbureau. Amtlicher Marktbericht der städtische» MarNhalltN'DlreMo» über den Großhandel in den Z entral-M artthallen. Marktlage: �Fleisch: : Zujubr mäßig, Geschält ruhig,.. T und Käse! Zufuhr gering, Geschäst ruhig, Preise unverändert. Ge« müse, Ob ii und Südsrüchte- Zusuhr genügend, Geschäft sehr flau, Preise gedrückt. BSasserftandS-Rachrichte» der Landesansialt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. * Wasserstand Memel, Tilsit Pregel. Justerburg Weichsel. Thor» Oder, Ratibor , Krassen , Frantiurt Warthe, Schrimm . LandSberg Netz«, Bordamm Elbe, Leilmeritz , Dresden . Barby . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') Spree, Epremöerg') , Beeslow Weser, Wänden , Minden Rhein, MaximUianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main. Wertheim Mosel, Ttter am S. 8. cm 162 70 48 24» 130 23 134 580 401 397 108 233 IIS ')+ bedeute» Wuchs,— Fall.— Unterpegel. Nach telcgraphischer Meldung war die Oder vormittag bis aus 242 cm gefallen. seit S. S. cm') _ 23 -2 +1 +4 +1 —19 -42 +10 +10 -22 —28 +9 bei Ratibor heute nun □DD □□□ Theater und Vergnügungen □□□ Donnerstag. 11. August. Ansang 7 Uhr. NeneS königl. Opern. Theater. Siegfried. Anfang 3 Ubr. Deutsches. Der Widerspensttgm Zähmung.(Ans. 7'/. Uhr.) Kammerspiele. LiebeSwalzer. Lessing. TantriS der Narr. Thalia. Polnische Wirtschaft. NeueS. Kasernenlust. Komische Oper. Der Regiments- papa. Berliner. Taisun. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang '/.S Uhr.) Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Berliner BolkSoper. Alt-Hetdel- bera.(Ans. ö>,, Uhr.) Hebbel. Wem gehört Helen«? Der Kuß aus der Redoute.(An- sang 8'/. Uhr.) Neues Overette«. Der Gras vou Luxemburg. Lustspielhaus. DaS Leutnants- mündel. Westen. Die geschiedene Fra». Sieiidcnz. Im Taubenschlag. Schiller O. iwallner. äpcotn.) Zar und Zimmermann. Schiuer«hnriottrnburg. Die von Hochsattel. Luisen. Der stille See. Herrufeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei daSsewe tun. Mose. Ein selisamer Fall. Mrtropoi. Halloh ll— Di« große Revue. FolieS Caprtc«. Die bise 13.— Die keusche Toinette.(Ansang «'/. Uhr.) Boigt. Bineta. Puhlman». Verliebte Mädchen. Apollo. Spezialitäten. tviiüngr. Speziaiitäten. NeichSKallrn. Stettin« Säng«. Walhalla. Spezialtläien. Wintergarten. Geschlossen. Karl Haverlanb. Spezialität«». Prater. Im Sieiche de» MarS. Urania. Ta»oe»i«raüe 41«<40. Abend» S Uhr- Die Insel Rügen. Eieruwart«, Jnvaltdenstr. 57—62. �essia�-Idester. Donnerst. 8 Uhr: TantriS der Narr. Freitag 8 Uhr: DaS Konzert. Sonnabend 3 Uhr: Hcdda Gabler. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: T fllf Ulla Morgen: Talfnn._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Täglich: Kasernenlud Berliner Volksoper. Heute'/,9 Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Alt-Heidelberg. Idealer äes Westens. Anfang 8 Uhr. Die snachicdene Fran. Operette von Leo Fall._ Kcoes Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf vou Luxemburg. Operette w 3 Alt. von A. M. Willner u. Zi. Bodanzky. Musik o. Franz Lehär. l�esiclen?»Theater. Direktton: Richard Alexand«. Anfang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Bcber. Morgen und folgende Tage dieselbe vorstellunq. Sommer-Preise. Cr. Berliner Kunstausstellung 1910 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M.. v.» Uhr ab V0 Ps., Sonntags S0 Pj. Dauert. SS». Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Insel Rillen. Lustspielhaus» Abend» 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Der stille See. Schauspiel in 6 All. o. E. Rilterseldt. Freit, Sonnab., Sonnt., Moni. 8 Uhr: Auf der Goldwage. Schausp. in 5 Akt v. Stahl u. Ritterseldt. Sonntag 3 Uhr: Der stille See. IOSE=THEATE| A rosse Frankfurter Str. l3L. Fla aelt»uiaer Fall. Phant. Schauspiel in 4 Akten von Morton und Gunniver. Ansang«Uhr. Ende-/.II Uhr. Auf der Garteubühue: Theater. Vorstellung, Spezialitäten, grosses Konzert Ansang 4-/, Uhr._ 8 Uhr. 8 Uhr. DaS neue sensationelle Programm. 10 grosse Attraktionen 10. ülelropoltdeiiter Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jnl. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vorn vir. Rieb. Schnitz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gettatlet Geschlossen! Wieder- Eröffnung Mittwoch, den 17. Aussast Voigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Donnerstag, den 11. August: 'Iß Uhr VlNeta.-/,« Uhr Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Schulz. Das graste Zluguft-Programm. Kassenerössnung 2 Uhr. Ans. 4-/, Uhr. Alt-Hoabit 47/40. Täglich: Konzert, Thealer, Spezialitälen. Schiller- Sohlller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottacheld-Oper. Donnerstag, abend» 8 Uhr: Kar and Klnunennann. Komische Oper in 3 Alten von Albert Lortzing. Freitag. abendSOUHr: Dl« KaabcrflOte. Sonnabend, abend» 8 Uhr: Kar and Klniinermann. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abend» 8 Uhr Hie von Hochaattcl. Lustspiel in 3 Auszügen von Leo Walter Stein und Ludivig Heller. Ende nach 10 Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: IM« von Uochaattcl. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die von Hoehaattel. AchtunK! Diez9 nur Achtong k Seeterrasse Siehtenberg BOderstraße 11/18. Zwischen Landsberger Alice und Rötferplatz. GröstteS und schönstes Lokal Berlins. W'MW Slr. Renzert. Austrete» der deste« TurINseilkÜttftler der Welt The Llepelte. The 3 Biackburns, ESÄ Mr. Steffin tÄÄt f»* Pony, Esel, Schwein u. Hunde, u. da» neue beste Programm Berlin». �«nZ-°"«nT wLZl"- Feuerwerk und Ball. —— Jeden DIenStag: Grostes Ktnder-Freudenfest. Anfang 8 Ohr. Vochentaga 4 Uhr. Gesamteintritt 20 Pf. Kinder frei. „Pharus-Sommer-Tliealer" Besitzer: Max Ludwig. Art Leitung: M a x Beinhart Berlin Itf., Bttlleratr. 14». Täglich: Im herrlichen Naturgarten, bei Begen im Theaterssal: Konzert».Spezialitäten-Vorstellung 20 Künstler-Attraktionen. Steta wechselndes Faminen-Programm. AuBerden Jeden Freitag: Die beliebten ApollosSänger. _ Anfang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr._ TEBMSSEN HALENSGE flrBBter Tergnogungspam de* Kontinents. Sensationelle Attraktionen, Translatenr» und Militfir- Eapellon, Oberbayerisobe Blingoi and Schahplattler. Eintrittspreis 50 Pf. Neul M Tanagpa Hau! den achte Weltwunder. «h* ABb«hd» 4t A A A 4h 4h* A. Passage-Theater Anfang 8 Dhi. Ein einziger Erfolg! In ein airbtt Mg-WW. La mime espngnole ZoraTfta und das«-oßartige August-] Programm. Theater Die größten Schlager der letzten Saison: Die Welt geht llnter!«nd Well« jlliei dasselbe tan mit Auto« und Donat Herrnfeld. Lissettvorvert. 11-7-2 Uhr. Ans. SUhr. WmgWS Theater SohSnh. A.«48— Kastanien-A. 97/99. Wenn schön— im Garten I Wenn Regen— im Saall '1,8 Uhr: Verliebte Mädchen. VolkSstück mit Gesang u.Tanz in 3 Att. SegaltS komische Menschen(Blitz- verwandluiHaSalt) und die 20 bervor» ragenden August.Spezialitäten. Ansang l/Ji Uhr. ftoffeefüche S Uhr. «all. Enttee 20-00 Pf. Kinder halbe Preise! Sonnabend: Bon Stufe zu Stufe. BelMIttsdunldesGebelinnls. Der Mann mit dem eisernen Schlund! vüh1r7 Vltascop- Theater äquanoptiettm Experiment aus der 4. Dimension. Anes�jhneJ&t� iussieligsMIle an Zoo. Täglich(Anfang 6 Uhr): Kinematographische Vorführungen. Hente nenea Programm. LOSISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abend» S Uhr ab SV Psi. Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. CIRCUS Cyrill Harle Täglich abends S'l,: Gr. Gala-Abend. Mittwoch u. Sonntags 2 Vorstellungen naebmUtags 4 Uhr und abends SV» Uhr. Freitag, 12. August; neneflz für Herrn Kart Jast, Scbulreiter. Schweizer Garten Am Künlgstor— Am Friedrichthaln. Täglich um O'/j Uhr; Berliner Herzen. Volksstück mit Oes. in 2 Akt. Neue Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree SO Pf. BronneuMtrafie 16. Das größte Kino- Theater Berlins. Eintritt 30 W- Nißie's Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: 4432* Großer Sali C. NlBle. Vereins-Brauerei Rlzdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt IW TttgUch:-MW Gr. Militär-Konzeit. Ansang Wochentag» 7 Uhr. , Sonntag» 4 Uhr. 1 Weinbergsweg 19-20, Rosonih.Tor, Anfang 8'/. Uhr. Die neaen ainttsanten Spe»iialltftten. Volksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm< u. Bellermamrstraß«. Täglich: Konzert-, Theater» und Sflvzialltäton-VnrsL Da» nene Riesen» Augustprogr. Reu: Der Zigeuner, baron, od.: Die Jagd n.d. Schwiegcr« söhn. Posse m. Ges. u. Tanz in 5 Bild. Jed. Donnerst.: Ilr. Brlllant-Feuerw. Kerlmkr Prater- Theattr Kastamenallee 7—9. Heute Zm Reiche des Jffars. Spezialitäten, Konzert ond Ball. Anfang 4>/, Uhr. Eilttee30Pr. uiici restsäle. Inh.; Bndoll Krüger. Hasenhoide 13/15, vis-ä-vis v.TurnpL Tügllch: Große Theater- u. Spezialitäten- Artist. Leitung: Kapellmeister: Walter Sravenltt, Max Wolftheim. Jeden Donnerstag: Ellte-Tagl Anfang: Wochent. 6(ihr, SnnnL'/.vUne. Königmtadt-Kanino. Holzmarktstt. 72, Ecke Alcranbersttaße. Im herrlichen Naturgarten(bei un« günstiger Witterung im Theatersaal). Neul Kurze» Kastsp. her brill. Mustk» virtuos. Irene u. Max Maxwell. Novität: Frauenemanzipation I Schwank, usw. NB. Mein grosser Festsaal ist noch an einigen Sonnadendr« u. Ton«» tagen an Vereine zu vergeben. Relebsballeii-Ibealsi1. Von nun wied. täglich: Steftiner Sängen Anfang Wochentag» 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographie». Während der Sommermonat« nur Sonnabend. Sonntag u. Montag. Eintritt 89 u. 49 Ps., Kinder dieHälste. Ans.T U., Sonnt. 4U. Vorzugskartan, nur wochent. gültig, 25 Ps. auf allen Plätzen. Stets wechs. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Künstlcrkouzert. Enttee 13 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Famiilen-Krünzchsn. _ Täglich: Freikouzert. »Vlctorl»'• Brauerei, loizowsl 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich «r. hnnioriwt. Solree. (GesangSvorträge, Theater und Varietä'Vorstellungen.) Sonntag», Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränzchen. Ans.: Wochentag» 8, Sonntags 7 Uhr.— All« Bons gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 75 Ps. Gr. u. tl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Sacger, Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redattiou de» Publik»« gegenüber Berantwortung. ketnerlet ZwelgTePcfn Berlin and IJnigcgend. Sonntag, den 14. August 1910, mittags 12 Uhr, in den Musiker- Festsälen» Kaiser-Wilhelm-Strafte 18m: Geffeniehe 8 anbilfsarbeiter-Versaminlung - des Lohngebiets Ki'oK-üvi�m. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Bitter:»Zweck und Ziele der Gewerlschasts- bewegung�. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 30/10* MF* Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller Bauhilfsarbeiter dringend notwendig. Der Elnbernter. lir Im U- nd Mitte Chauffeur des OpelwagcnS, welcher frcitag, den S., nachmittags Uhr, Linden(Kranzler-Ecke) 1 Herrn und 2 Damen nach Grunewald- Restaurant und 4 Uhr zurück nach Kaiserkeller gesahren hat, bitte Portier des Kaiserbotels zu melden. Xisililfs Riesenauswahl aller Qualitäten 1 1 Wolle- flacfpf Moguetts* Plüsch- Sattelfaschen Zimmer- und Treppen- Läuferstoffe Kocos, Haargarn, Velour etc. Muster Mo. Teppieli• SpeziaMos Emil Lefövre Berlin, Oranienstr. 158 Verwaltung Berlin. Freitag, den 1Ä. August 1910, abends 8 Uhr: Senerai-Versammlung im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS. TageS-Ordnung: Kassenbericht. Bericht der Ortsverwaltung. Wahl der Ortsverwaltung und der An- gestellten. Anträge. Mitgliedsbuch und Delegieltenklute legitimiert. Achtung! Vertrauensleute! Die Zahlstelle 71 ist von Warschauer Straße 22 nach Nr. 17» Lokal von Böhl, verlegt worden. 37/16 Hie Ortsvepwaltnng. Cliarlottenbargs. Hiermit zur gefälligen Kenntnisnahme, daß ich das Lokal von Kim-I Bevei-, Snarrzftr. 8. aus das beste. käuflich übernommen habe und empfehle mich 421L WHheBm Liedtke, Tischler. Deutschlands.(Zahleteil. Berlin.) Sezirksversammtungen: Bezirk 1: Donurrstag, de« 11. August, beim Kollege» Küster, Bcussclstr. 22. Bezlrk S: Donnerstag, den 11. August, beim Kollegen Joseph spranke, Badstr. IS Vortrag deS Kollegen M ü n z e r über Einkaufsgenossenschaft. Bezirk S: Freitag, den IS. August, beim Kollegen Kranz, Duncker- strage 8. Vortrag deS Kollegen O b i g l o. Bezirk 4: Freitag, den IS. August, beim Kollegen Preust» Hotz- martttlr. 68. Bezirk S: Donnerstag, de« 11. Augnst, detm Kollegen Karl Golliez, Britzer Stratze lg. Bezirk O: Freitag, de» IS. August, Köpenicker Straße 47. Vortrag deS Kollegen M a t t h e S. HSSP* Sämtlich nachmittags 6 Uhr,'73SQ 70/17 Zahlreiches Erscheinen wird erwartet. Bio OrtBverrvnltnnA. 4, Hygienische' _____> Neuest Katalog it. EispfehLviel. Aerzte u.Proi grat. ti4S H- Oafer, fiemailwuwifevria Berlin NM- rdedncbstiae.. 0119 Dr.Schünemann Spezlalarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 331ß* Friedrichstr. SVS, Ecke Schützeustr. Wochentags 10— S, S— 7, „Bio kislllsflLllNlZö". IVsB�erkskrteB am Sonntag, den 14. August 1910. 1. Spandau-HenniaSdoef. Abfahrt Lehrter Fcrn-Bahnhos 1" vormittags. 2. Buch. Abfahrt Stettin« Vorort- Bahnhof 1M nachmittags. 2/8 Gäste willkommen. BOT" Ausführliche Programme bei Heise, Boyenstr. IS, zu haben. Gartenstadt WWW» | Hohen-Neuendorf j Waid—(Nordhahn)— Master Am Sthnhettlinus flerrl. Boehwaiii-landbausteljen n-B-'2 an 10•/„ Anzahlung Tilgung d. Restes in 10 jährl. Raten. Sonuner- und FerieiMuser 300 M an. 4422 Jlluftr. Broschüre gratis. Berlin NO. 43 Neue Kfinigetr. 71. Fernspr. Vit, Erklärung. Die Nr. 15 vom 30. Juli 1910 des MitteilungS-Blattes der Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Buch- und Steindruckerei-Hilssarbeiter«nd Arbeiterinnen Deutschlands(Verlag A. Moritz) enthält einen Artikel über meine Firma. Ich erkläre hierdurch aufs Nachdrücklichste und ohne jeden Vorbehalt, daß die in dem Artikel behaupteten Tat- fachen jeder Grundlage vollständig entbehren und durch gänzlich falsche Informationen entstanden sind. Die Nr. 16 des„Mitteilungs-Vlattes" wird einen entsprechenden Widerruf des Verlegers Herrn Moritz bringen. 300b Mannes Gerold Inh. H. Rorikampf BERXIN, jLützowstr. 94. Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zahlen doppelt. Kleine Anzeigen[ ANZEIGEN ffir die nächste Nummer werden in den Aiuahnis- stellen tOr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-EYpeditlon, Lindenstrasse M, bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche(fehlerhafte) Gelegen heitskaus. Fabriklager Mouerbost, Große Franksiirtersttaße S, Flureingang. Vorwärtslesern 6 Prozent Extrarobatt. Sonntags geöffnet. Steppdecken billigst Fabrik Große Franksurlerstraße 9, Flureingang. I GarbineithauS, Große Frank. j surlerstraße 9, Flureingang. 3491K* PsandleihbatisKrebber, Küstriner. platz 7, spottbilliger Bettenverkaus, Gardlnenverkaus, Wäscheverkaus, llbrenberkaus, Deckenverkans, Schmuck- (achen, Goidsachen, Silbersnchen. ver- allene Pfänder. L492K Borwärtölefer erhatten 5 Prozent Extrarabatt leibst bei Gelegenheits- kaufen. Tevpich-ThomaS, Oranien- ftrage 130, Oranienviah. 894K Äerbrrchen und Prostttutton als soziale Krankheitserscheinungen von Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mari. Expedition Vorwärts, Lindenstraße 69. 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