R�eimenflrtS'RtAngnngcA: AkonnemenlS» PrciZ pränumerando? Lierlcljährl. TO f., monatl. 1,10 TOI., wöchentlich ÜS Pfg. frei WZ HauS. Einzelne Nummer k Pfg. Sonntags- Eingetragen in die Post-ZeiMngS- Preislifle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. PoftabonnementS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, ikumänien. Schweden und die Schweiz, A7. Crlitdnt täglich außer Dsutagt. Verliner Volksblcltk. Wt Brtrtflt für die lechsgefpaltrnr Kolons« geile oder deren Raum 60 Pfg, für politische und gewerlschaftliche Vereins» Und Bersammlungs-Rnzeigen EO Pfg. ».KUinc ZZnreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg, jede« weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigen da» erste Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort L Pfg. Worte über IS Buchsiaben zählen für zwei Worte. Inserate für die»ächsle Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags In der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist vis 7 Uhr abend» geöffnet, lelegramm- Adresse: „Sozialiteinolirat«ci»»". Zcntralorgan der fozialdemokrat» fehen parte» Deutfchtands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr.»983. Expedition: 8M. 68, Lindcnetraaoe 69. Fernsprecher- Amt IV, Nr.»981« Vungerpreile. Grenzsperren,'Zölle, umfassende, kostspielige Quarantäne» Vorschriften, die dazu noch schikanös gehandhabt werden, bilden eine sichere Mauer gegen die Einfuhr ausländischen Viehes und Fleisches und damit gegen niedrige Fleischpreise in Deutschland. Unsere Junker verlangen für diese Matznahmen noch Dank. Nicht die Erlangung hoher Preise ist, wie sie der- sichern, der Zweck der Einfuhrerschwerung, sondern die Sorge um die Gesundheit und das Wohlergehen des Volkes. Die hohen Preise müssen die armen Viehproduzenten ganz wider Willen mit in Kauf nehmen. Angeblich ist alles ausländische Vieh verseucht. Deshalb mutz es vom deutschen Markte fernge- halten werden. Leider will es die Ironie der Geschichte, datz vor kurzem deutsches Mustervieh von der Ausstellung in Buenos Aires zurückgewiesen werden mutzte, weil es bei der Untersuchung als tuberkulös befunden worden war. Das für eine Ausstellung ausgesuchte deutsche Vieh tuberkulös I Trotz- dem: der deutsche Fleischkonsument mutz vor der Gefahr, krankes ausländisches Fleisch zu genietzen, durch preis- steigernde Maßnahmen geschützt werden! Und was haben die Verteidiger der Grenzsperre zu der blamablen Tatsache zu sagen? Die„Deutsche Tageszeitung" glaubt die Angelegenheit erledigt durch die Erklärung:„Die deutsche agrarische Bewegung hat mit der Ausstellung in Buenos Aires nichts zu hm".(Nr. 363 vom 6. August.) Ob der Bund der Landwirte an der Beschickung der Ausstellung in Buenos Aires beteiligt ist oder nicht, das ist vollständig gleichgültig. Worauf es ankommt, ist die nicht zu bestreitende Tatsache, daß deutsches Mustervieh, mit dem die deutsche Landwirtfchaftsgesellschaft auf einer Ausstellung Reklame machen wollte, als tuberkulös befunden worden ist. In Wirklichkeit ist den Junkern nichts mehr ver- haßt, als eine bessere Versorgung des heimischen Marktes mit billigen Lebensmitteln. Ihre Bestrebungen haben keinen hygienischen, sondern nur einen metallischen Grund. Das verrät die„Deutsche Tageszeitung" bei dieser Gelegenheit selbst mit dankenswertem Freimut. Sie meint: „Wir haben uns allerdings nicht gegen die von anderer Seite geplante Beschickung ausgesprochen, wohl aber haben wir uns gehütet, für die Beschickung irgendwie Stimmung zu machen. Wir taten das schon deswegen, weil man bei den Versuchen, uns dafür zu gewinnen, in Aussicht stellte, es werde vielleicht durch die Ausstellung und ihre Ergebnisse möglich sein, den Austausch landwirtschaftlicher Erzeugnisse zwischen Argentinien und Deutschland zu fördern. Die Vertreter deS Deutschen Reiches in Buenos Aires würden sich vermutlich davon überzeugen, datz die Ausfuhr argentinischen VieheS nach Deutschland zu Schlacht- zwecken nicht gefährlich sei, und man werde so zu einer beide Teile befriedigenden„Verständigung" kommen. Datz wir diesen Sirenensängen unser Ohr verschlossen, brauchen wir nicht wohl besonders zu sagen." Doch schnell wechselt die agrarische Meinung. Schon drei Tage später, in der Nr. 368 vom?. August, serviert die „Deutsche Tageszeitung" ihren gläubigen Lesern den von einem Professor Dr. Paul H. Roemer im„Argentinischen Wochenblatt" ausgesprochenen-Verdacht, bei dem für die beut- sche Landwirtschaft so blamablen Vorgange habe vielleicht die englisck>e Konkurrenz ihre unsauberen Hände im Spiele ge- habt. Früher schon hätten bestochene Stallknechte tuberkulöse, aus England eingeführte Tiere durch Immunisierung in Ar- gentinien eingeschmuggelt- Es wäre deshalb nicht ausge» schlössen, datz interessierte Personen, um der drohenden Kon- kurrenz aus Deutschland zu begegnen, allerlei Mittel ange- wandt hätten, um das gesunde deutsche Vieh tuberkulös erscheinen zu lassen- Wenn aber auch die Grenzsperrmatznahmen nicht das deutsche Vieh vor Verseuchung schlitzen, wie neben der obigen Affäre der jüngste Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in den Provinzen Ost- und Westpreutzen aufs neue beweist, so wirken sie um so vorzüglicher als Mittel der Preissteigerung. Schon sind wir wieder bei den Notstandsverhältnissen des Jahres 1966 angelangt. Diesmal'droht noch schlimmerer Schrecken, wenn keine Abwehrmatzregeln getroffen werden. Den Beweis dafür erbringt die amtliche Statistik. Nach den Vierteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches und den„Monatlichen Nachweisen" setzen wir die Hungerpreise aus dem Jahre 1966 zu den heutigen in Vergleich. Es kostete in Berlin ein Doppelzentner in Mark: Jahresdurchschnitt Juni Juni IWt»806 1909 1909 1910 >I?,0 133,8 133,3 122.78 126,30 117,3 147,7 131,6 125,00 146,75 127,1 168,5 163,3 163,78 176,11 112,9 151,7 141,5 148,22 153,67 Schweine n. Dual. Owsen„ Kälber, Hammel„ Wie die Aufstellung zeigt, sind die Notstandspreise deS Jahres 1966 jetzt teilweise sogar schon überholt. Und doch behaupten die Agrarier und Regierungsvertreter bei jeder Gelegenheit: Es handelt sich nur um einen vorübergehenden Notstand, ein Grund zum Eingreifen liegt nicht vor! Und noch immer steigen die Preise. Nach den amtlichen Ermitt- lungen in 56 preußischen Städten, zusammengestellt in der Statistischen Korrespondenz, kostete im Gesamtdurchschnitt ein Kilogramm in Pfennigen: Juni Juli Juli 1910 1910 1909 Rindfleisch.... 157,6 160,1 155.7 Kalbfleisch.... 177,3 180,2 172,3 Hammelfleisch... 171,3 173,5 168,4 Schweinefleisch.. 159,3 160,1 158,9 Di« Preise aller Fleischsorten waren im Juli dieses Jahres nicht nur bedeutend höher als im Juli 1969, sie haben auch die Sätze des Vormonats wiederum beträchtlich hinter sich gelassen. Und nun sollen laut der Beschlüsse der Schlächter innungen die Preise wiederum erhöht werden! Wo sol das hinaus? Daß die Händler und Fleischer ebenfalls ihr Schäfchen zu scheren suchen, ist sicher: aber auch die Produ zenten verschärfen noch die uns infolge der agrarischen Wirb schaftspolitik bescherte kritische Situation durch künstliche Be einflussung des Angebots. Zugleich wird, um die Preise zu steigern, die Nachzucht direkt vernachlässigt. Das geschieht oft so ungeniert, datz z. B. im November 1967, wie die ..Swinemünder Zeitung" berichtete, der Vorsitzende des land wirtschaftlichen Vereins in Demmin sich veranlatzt sah, den Bauern ins Gewissen zu reden. Der Vorsitzende meinte: Wenn die Bauern schmunzelnd 28 M. für Ferkelchen einsteckten, dann könnten sie auch kurze Zeit mit minimalen Preisen zufrieden sein, denn die Preiskalamität sei ja nur von kurzer Dauer. Daß der Mann mit der letzteren Bemerkung recht hatte. beweist die Preisentwicklung, die für die Konsumenten eine ständige Verschärfung der Preiskalamität bedeutet. Die Mahnung des Herrn hat in dem Boden des robusten agra rischen Erwerbssinnes keine Wurzel geschlagen. Daß man die Politik der künstlichen Beeinflussung des Angebots weiter praktiziert, darauf deutet eine Feststellung des Fleischver bandes hin. In seiner Korrespondenz vom 4. August schreibt er: „Die Monate Juli und August sind alljährlich die Schrecken deS Fleischergewerbes und des Viehhandels, denn zu dieser Zeit stockt regelmäßig die Marktbeschickung. Aber die diesjährige Minderbeschickung der Viehmärkte geht doch erheblich über den Nahmen deS Natürlichen hinaus. Die Aufuhr ist an manchen Märkten derart klein zeitweise ausgefallen, datz die größten Befürchtungen für die Fleischversorgung laut wurden, namentlich hatte der vorige Berliner Sonnabendmarkt eine so geringe Beschickung an Rindern, wie seit 20 Jahren nicht." Der stockende, hinter das Bedürfnis weit zurückbleibende Auftrieb hat naturgemäß eine weitere Einschränkung des Fleischkonsums zur Folge. Um vergleichbare Zahlen zu er hmlten, berechnen wir nach den Ergebnissen der amtlichen Schlachtvieh- und Fleischbeschau— ohne Berücksichtigung der Hausschlachtungen— und nach den vom preußischen Land Wirtschaftsministerium angenommenen Durchschnittsgewichten (235 Kg- fiir Rinder, 46 Kg. für Kälber, 86 Kg. für Schweine 26 Kg. für Schafe und Ziegen) den gesamten Fleisch- verbrauch sowie die auf den Kopf der Bevölkerung entfallende Menge(die Bevölkerungszahl ermittelten wir nach den An gaben der Zeitschrift'des Königl. Preußischen Statistisckzen Amts. 1916. I. Abt. S. XVII). Das Resultat ist folgendes Gesamtfleischmenge in Doppelzentnern: II. Duartal lonn lorn Rinder..... 1 274 388 1 263 151 Kalb..... 334 360 305 267 Schwein.... 1742 299 1 751 648 Ziegen und Schafe 76 906 80 352 Menge pro Kopf der Bevölkerung in Kilogramm Rinder..... 3,27 3,17 Kalb...... 0,85 0,76 Schwein..... 4,43 4,39 Ziegen und Schafe. 0,19 0,20 Insgesamt 8,74 8,52 Diese Zahlen zeigen jedoch noch nicht ganz die wirkliche EntWickelung, einmal verminderte sich relativ, teilweise auch absolut, die Zahl der Hausschlachtungen; ferner kommt jetzt viel minderwertiges, leichtes Vieh an den Markt. Die „Korrespondenz des Fleischerverbandes" schreibt:„Das an den Markt kommende Vieh ist höchstens Mittelware". Von der amtlichen Beschau waren Schlachtungen befreit 1964: 124 115 Rinder. 541 969 Schafe, 3688 086 Schweine und 504 906 iegen, dagegen 1907— 139 144 Rinder, 504 906 Schafe, 5861 366 Schweine und 468819 Ziegen. In derselben Zeit vermehrte sich die Bevölkerung um zirka 5 Prozent. Man mutz daher annehmen, datz der Fleischkonsum noch stärker zurückgegangen ist, als die obige Berechnung ergibt. Der Rückgang deS Fleischkonsums ist aber von um so größerer Bedeutung, alS auch bei anderen wichtigen Nahrungs- Mitteln eine Verminderung des Verbrauchs zu konstatieren ist. Nach den Angaben des Statistischen Jahr- buchs für das Deutsche Reich(1910) ergeben sich folgende Verbrauchsmengen pro Kopf der Bevölkerung: 1902/03 1908/09 Kilogramm Kilogramm Roggen Ii:. 158,3 141,3 Weizen und Spelz. 100.1 63,6 Ferner ist der Verbrauch von Heringen gramm pro Kopf im Durchschnitt der Jahre 1891/95 2,93 Kilogramm im Jahre 1909 zurückgegangen. Es ist demnach allerhöchste Zeit, die Einfuhr von Vieh und Fleisch zu erleichtern. Grenzen auf! Das ist die Forde- rung des Volkes! Verbrauchs« Verminderung in Prozent 10,74 16,4» Von 3,74 Kilo- aus Die angeblichen SleimhinleiÄehiingen des freihmo v. llichthsken. Der Hauptverein der deutschen Konser- vativen verbreitet die nachstehenden Mitteilungen: „Gegen den Landrat a. D. Freiherrn v. Richthofen« M e r t s ch ü tz, Mitglied deS Hauses der Abgeordneten, war be- kanntlich von einem entlassenen Wirtschaftsbeamten der schwere Vorwurf der Steuerhinterziehung erhoben worden, und der aus den Prozessen gegen das gräflich Pfeilsche Ehepaar be« kannte Detektiv G r ä g e r aus Wilmersdorf hatte der Staats« anwaltschaft eine dahingehende Denunziation auf Grund„eidesstatt- licher Versicherungen" deS betreffenden Wirtschaftsbeamten überreicht. Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz hatte daraufhin unver- züglich die angemessenen Schritte unternommen und der Ver« anlagungSkommission des Landkreises Liegnitz alle auf feine Einlommensverhältnisse und feine Steuerdeklaration bezüglichen Unterlagen unterbreitet. Soeben ist nun Herrn Freiherrn v. Richthofen« Mertschütz der»Bescheid des Vorsitzenden der Einkommensteuer-VeranlagungskominissiondeS Landkreises Licgnitz auf die Denunziation deS Wirtschafts« infpektors Karl Kasten" zugegangen: Der Bescheid ist vom 8. August 1910 datiert und trögt die Journalnummer II. E. St. T. 6021. Danach ist dem Einsender der„eidesstattlichen Ver« sicherung" des WirtschaftsinspektorS Karl Kasten, dem De- tektiv Gräger in Wilmersdorf bei Berlin der Bescheid— eben« falls vom 8. August 1910— und zwar„im Einvernehmen mit der königlichen Regierung" erteilt worden: „Daß die angestellten Ermittelungen ergeben haben, datz auch nicht der gering st e Anlatz zur Einleitung eines Straf« Verfahrens wegen Steuerhinterziehung gegen den Freiherr» V. Richtbofen auf Mertschütz vorliegt." Weiter heißt e§ in dem Bescheide: „Die von dem Wirtschaftsinspektor Kasten abgegebene e i d e S« stattliche Versicherung vom 29. Mai 1910 ist, soweit sie die Höhe deS vom Freiherrn v. Richthofen-Merlfchütz deklarierten und veranlagten Gesamteinkommens betrifft, völlig falsch." Und ferner wird bemerkt, datz„die vom Freiherrn v. Nicht» Hofen-Mertschütz angegebenen Zahlen", soweit sie von den An- gaben des Kasten abweichen,„völlig augeklärt sind". Diese Erklärung enthält im Grunde nichts Neues. Denn bereits in ihrer Nummer vom 26. Juli— also schon vor 14 Tagen— brachte die„Kons. K o rr." eine Erklärung, in der es hieß: „Her Freiherr v. Richthofen-Mertschütz hat am gestrigen Montag vor der Veranlagungskommission deS Landkreise? Liegnitz auf Grund genauester Buchführung den B e w e i S erbracht, datz er sein Einkoinmen mit peinlichster Geivissenhaftigkeit deklariert und niemals einen Pfennig an Steuern zu wenig gezghlt hat." Die Prüfung ist also wohl bereits in der Verhandlung vom Montag, den 25. Juli, abgeschlossen gewesen, denn ohne einen ihm damals bereits gegebenen mündlichen Bescheid würde Herr v. NichtHofen ja nicht durch die„Kons. Korr." haben erklären lassen können, daß er den Beweis seiner Unschuld erbracht habe! Die erst 14 Tage später erfolgte schriftliche Be- nachrichtigung an Herrn v. Richthofen und den Detektiv Gräger stellt also nur eine spätere Formalität dar. AuS diesem schriftlichen Bescheid ergibt sich, datz der Ver- anlagungSkommission nur die eidesstattliche Ver- sicherung deS Inspektors Karsten vorgelegen hat, daß demselben jedoch keinerlei Gelegenheit gegeben worden ist, sich in der Verhandlung selbst zu den egenerklärungen deS Freiherrn v. Richt- Hofen zu äußern! Wir können demgegenüber nur wiederholen, was wir be- reits am 27. Juli sagten: „Ohne in der Sache selbst eine Meinung abgeben zu wollen, müssen wir doch erklären, daß unS das Vorgehen des Freiherrn v. Richthofen befremdlich erscheint. Die betreffende VeranlagungS« kommission ist unseres ErachtenS gar nicht in derLage, die Berechtigung oder Nichtberechtigung der gegen den konservativen Führer erhobenen Anschuldigungen festzustellen, da sie auf die An« gaben und das Material des Freiherrn v. Richtbofen selbst an« gewiesen ist. Mindestens hätte doch auch der W i r t s ch a f t S« inspektor Kasten selb st hinzugezogen werden müsfenl Unserer Anficht nach trägt aber die Staatsanwalt- fchaft selbst resp. der Justizminister die Schuld daran, daß der Frhr. v. Richthofen zu so verfehlten Mitteln greift, um schleunigst die Haltlosigkeit der gegen ihn erhobeneu Beschuldi»' gnngen zu erweisen. Hätte die Staatsanwaltschaft auf die er« stattete Anzeige hin sofort ein Verfahren eingeleitet, so könnten schon jetzt die für Herrn v. Richthofen so wichtigen Feststellungen getroffen sein. Jetzt werden erst die Prozesse gegen die Presse Klarheit bringen können." Der konservative Führer v. NichtHofen selbst hat ein umso pötzeres Interesse daran, die Angelegenheit auch für die Öffentlichkeit zur völligen Klärung zu bringen, als die„Deutsche Journalpost" noch Anfang August, also nach Oer Notiz der„Kons. Korr." erklärte: „Sollte Herr v. Richthofen jedoch seine Drohung wahr machen und klagbar gegen uns vorgehen, so wird uns der Prozetz Ge- legenheit geben, auf gewisse Vorgänge Bezug zu nehmen, die vor der Publikation der ganzen Sache gespielt haben und die den Ausführungen der„Kreuz-Zeitung" direkt entgegenstehen, wonach wir unsere Veröffentlichung unternommen hätten,„ehe man sich durch Nachfrage an matzgebender Stelle dgpon überzeugt hatte, welchen Wert ihr die in Betracht kommenden Behörden bei» messen." Es wird in der Tat höchste Zeit, daß ein Gerichts- verfahren die nötige Klarheit schafft l vom Betrog zum lilord. Sitte Episode aus der Geschichte des amerika- nischen Zuckertrusts. New Dork, 31. Juli.(Eig. Wer.) Der Brooklhner Stadtteil Williamsburg hallte am letzten Donnerstag wider von Revolver- salven, die in frevlem Uebermute von den bewaffneten Söldlingen des Zuckertrusts gegen wehrlose und ruhige ausständige Arbeiter abgegeben wurden. Fünf Männer wälzten sich in ihrem Blute; einer von ihnen, Novakowsky, war bald darauf eine Leiche; außer dem zählt man Dutzende von minder schwer Verletzten. H. St. Morgan, Kassierer der an der Kent Ave. grlegencn Raffinerie des Zuckertrusts, der nach den übereinstimmenden Bekundungen mehrerer Zeugen den Mord an Novakowsky verübte, wurde ver- haftet, aber gegen 5000 Dollars Bürgschaft auf freien Fuß gesetzt; die SpezialPolizisten, welche gleichfalls auf die sich durch die Straßen bewegende Menge feuerten, blieben gänzlich unbehelligt. Sie können als„nützliche Elemente" weiterhin ungestört mit Knüppel und Revolver ihrer gemeingefährlichen, verbrecherischen Tätigkeit nachgehen. � Drei Wochen ruht der Betrieb der Williamsburgcr Zucker- raffinerie, ein Werkführer trieb die Anmaßung so weit, einen Ar- beiter zu schlagen. Zwei Kollegen des Mißhandelten suchten diesen vor der Wut des rohen Burschen zu schützen. Zur Strafe wurden sie gleich dem Geprügelten wegen„Widersetzlichkeit" entlassen. Glaubte der Trust doch, wie früher nach Belieben mit den mise- rabel entlohnten und daher minder widerstandsfähigen Arbeitern unspringen zu können! Aber seit dem letzten Frühjahre sind die Zuckerhausarbeiter organisiert und nicht mehr die wehrlosen Ob- jekte bubenhaften Uebermuts. Sie verlangten die Wiedereinstellung der drei Gemaßregelten und die Entlassung des schuldigen Werk- führerS, auf dessen Seite sich die Raffinerieverwaltung stellte. Die Arbeitseinstellung war die Folge. Acht Tage hatte sie gedauert, als die Fuhrleute, welche den Zucker von der Raffinerie nach dem nahe gelegenen Frachtbahnhofe fahren, in den Sympathiestreik eintraten. Letzten Donnerstag wurde die Beförderung des noch vorrätigen Zuckers nach der Dahn wieder aufgenommen. Die fast alle in der Nähe der Raffinerie wohnhaften Ausständigen, über 2000 an der Zahl, belebten die Straßen. Sie ließen die von Spezialpvlizisten bewachten schwerbeladenen, von Streikbrechern gelenkten Wagen der Raffinerie unbelästigt ihres Weges ziehen. Ein Junge streckte die Zunge gegen einen der SpezialPolizisten heraus. Dieser schlug mit seinem schweren Knüppel unbarmherzig auf den Knaben ein. Das war für die auf einer die Kent Ave. überspannenden, zwei Gebäude der Raffinerie mit einander verbindenden Brücke stehen- den, also sicherlich in keiner Weise bedrohten SpezialPolizisten und Beamten des Zuckertrusts das Signal, unter die Ausständigen zu feuern. Morgan verübte dabei den Mord an Novakowsky. So der Tatbestand nach dem gewiß unberdächtigen Zeugnis städtischer Polizisten, die von jeher dazu verwendet werden, Aus- ständige und Streikposten niederzuknüppeln; die daher von vorn- herein geneigt sind, durch ihre Darstellung feiernde Arbeiter ins Unrecht zu versetzen. Erblicken doch Polizei und Polizeirichter, wie sich aus Dutzenden amtlicher Aeußerungen nachweisen läßt, im Widerspruch zu den Bestimmungen des Gesetzes im Ausstand und Streikpostenstehen an und für sich eine Straftat. Mit welchen Elementen hat man es in den SpezialPolizisten zu tun? Was für eine Gesellschaft ist die als Zuckertrust bekannte American Sugar Refining Co.? Wie der Geier beim Aas. so findet sich überall, wo Lohn- kämpfe ausgefochten werden, Gesindel ein, das als berufsmäßige Streikbrecher ein halbmüßiges Dasein führen will. Von diesen Slbschaum werden besonders arbeitsscheue Subjekte, welche zudem vor keinem Verbrechen zurückschrecken, von den Unternehmern unter Zustimmung der Behörden mit Knüppel und Revolver bewaffnet, mit dem Schutze der anderen Streikbrecher und der„Aufrecht- erhaltung der Ordnung in und bei den Fabriken" beauftragt und „SpezialPolizisten" genannt. Sie wissen, daß sie in Ausübung ihres sauberen Berufes ungestraft morden können; und sie tun es, sofern sich der erwünschte Borwand bietet, unbedenklich, wie die Erfahrung hundertfach lehrt. Der Zuckertrust ist seiner SpezialPolizisten und seiner Be- amten würdig. JameS F. Bendcrnagel, Morgans Vorgänger, ist wegen fortgesetzten Betruges und wegen Verschwörung zu betrüge- rischen Zwecken zu Arbeitshaus verurteilt. Dasselbe Schicksal traf eine Reihe anderer Beamten, darunter auch Charles H. Heike, den Sekretär und Schahmeister, also eine der leitenden Persönlichkeiten der American Sugar Refining Co. Die Verbrechen, derentwegen die Verurteilungen erfolgten, wurden im Interesse und mit Wissen der eigentlichen Magnaten des Trusts begangen. Die Wagen, aus welchen der importierte Rohzucker am Pier der Williamsburger Raffinerie gewogen wird, wurden seit ändert- hälb Jahrzehnten mit Federn und anderen betrügerischen Vor- richtungen versehen und das der Verzollung zu Grunde gelegte Gewicht zum Nachteil der Bundeskasse zu niedrig ermittelt. Nach gerichtlichen Feststellungen wurden die Vereinigten Staaten nahezu um zwei Millionen Dollars betrogen; in Wirklichkeit dürste eS sich um eine noch viel größere Summe handeln. Hat der Zuckertrust jahrelang mit Vorbedacht gestohlen, so ist sein Schuldkonto seit Donnerstag auch mit einem in aller Oeffent- lichkeit verübten Mord, mit einem am hellen Tage in den Straßen Brooklyns angerichteten Blutbad belastet. An schleichenden, aus reinem Dividendenhunger begangenen Arbeitermorden hat er außer. dem sein vollgerüttelt Maß verübt. Kein anderer Trust verdankt sein Wachstum und seine Blüte in höherem Grade dem Schutzzoll, der, wie seine Befürworter im Kongreß geltend machten, den Unter- nehmern die Mittel zur besseren Bezahlung ihrer Arbeiter ge- währen sollte. Und doch werden selbst in dem ob feiner Lohnver- Hältnisse berüchtigten Pittsburger Bergbaudistrikt keine elenderen Löhne bezahlt als von dem Zuckertrust, dessen Lohnsklavcn bei einer unerträglichen Hitze schuften müssen und langsam aber rettungö- loS dahinsiechen. Wie anderwärts läßt sich auch in den Vereingten Staaten die Beobachtung machen, daß gerade diejenigen Kreise, welche auf Kosten der Gesamtheit gemästet werden, sich am frechsten über die Gebote-der Menschlichkeit und die Gesetze hinwegsetzen. Für den grenzenlosen Uebermut der Zuckermagnaten trifft die Bundes- regierung direkt einen guten Teil der Schuld. Hat sie doch den Beamten Parr, der zuerst die Betrügereien der American Sugar Refining Co. feststellte, zur Strafe von Brooklyn entfernt, die Zoll- Hinterziehungen zunächst ungeahndet gelassen und damit die Have- meher, Heike und Bendernagel in dem Glauben bestärkt, daß sie für die Gerichte tabu sind. politifcbe(leberllcbt. Berlin, den 11. August 1910. Tie katholische �achbereinsb�vcgu�utttcr dem Einstuft Die angeblich interkonfessionellen, tatsächlich aber katho- lischen«christlichen« Gewerkschaften Westdeutschlands werden bekanntlich von den Leitern der katholischen Fach vereine, der sogenannten Berlin-Trierer Richtung, aufs schärfste befehdet, da nach deren Ansicht der katholische Charakter der christlichen Gewerkschaften nicht scharf genug hervortritt und die Zulassung protestantischer Arbeiter zu diesen Verbänden das Seelenheil der katholischen Gewerkschaftler aufs äußerste gefährdet. Natürlich schweigen die Verteidiger der christlichen Gewerkschaftsorganisationen— und zu diesen gehören neben der„Kölnischen Volkszeitung" fast alle kleri kalen Blätter des Rhcinlandes mit Ausnahme der Mosel- gegend— nicht zu diesen Angriffen, wenn sie sich auch meist in der Defensive halten, da sie recht wohl wissen, daß fast der gesamte Episkopat Deutschlands auf der Seite der katholischen Fachvereinler steht und nur widerwillig die christ- lichen Gewerkschaften duldet. So'entspinnt sich denn manchmal ein recht niedlicher Kampf zwischen beiden Richtungen, in dessen Verlauf sie sich gegenseitig die schönsten Sottisen sagen und allerlei pikante Einzelheiten aus der hinter den Kulissen betriebenen ultramontanen Mache auskramen. Beispielsweise schreibt in seiner letzten Mittwochsnummer der Aachener„Volksfreund«, ein Blatt, das im Fahrwasser der „Köln. Volksztg." segelt, aber dieses an innerer demagogischer Verlogenheit noch um einige Nasenlängen übertrifft: „Die guten Absichten der Herren von Berlin-Trier in Ehren — sehen sie denn nicht, wie die Erfahrung der Geschichte sie laut und eindringlich auf andere Wege weist? Sehen sie denn nicht, wie sie selbst Schritt für Schritt ack absurclum geführt werden? Sehen sie nicht ein, wie vor den Pfaden, die sie wandeln, die vernehmbar warnende Inschrift steht: Vostigia terront! Sie sind doch Männer, welche die Ereignisse des Tages mit offenen Augen verfolgen; dann ist es auch ihre Pflicht, die Lehren zu ziehen. Sie müssen als erfahrene Männer aber auch Manns genug sein, um sich frei zu halten von weltfremden Einflüssen kurzsichtiger Weiblichkeit, die s i ch, zumal wenn sie ein Ordenskleid trägt, andere Gebiete der Betätigung suchen möge als die Zerklüftung des k ath o lis ch en V o lks te ils und dessen Einflußlosigkeit im politischen, wirtschaftlichen und literarischen Leben. Als der„Volksfreund" in dem Artikel„Schopen-Berlin- Trier" auf die geheimen Fäden und zugleich auf die große Gefahr hinwies, fand dieser Artikel die zustimmende Wiedergabe in der „Köln. Volksztg." Nur glaubte das Blatt damals den„Volks- freund" insofern belehren zu müssen, als es die Hauptstütze der gefährlichen Bewegung nach Berlin verlegte. Gewisse Ereignisse der jüngsten Zeit tchienen das auch zu bestätigen, als die Auslandspresse von Berlin aus mit Artikeln im Sinne„Berlin« Trier" reichlich versehen wird. Das ist indes wohl darauf zurückzuführen, daß ein führendes Mitglied dieser Richtung als geborener Luxemburger fremde Sprachen von Hause aus beherrscht und Beziehungen zur Sluslandspresse hat. Der Schwerpunkt der Be- wegung lie g t ab er s üd w e st w är ts. Kaplan Schapen und ein anderer im Sinne„Berlin-Trier" tätiger jüngerer Geistlicher arbeiten im Westfälischen, wenn auch ohne Erfolge. Dr. Kaufmann besorgt die Geschäfte in Köln. HassianuS sitzt in Mainz; in Trier wissen die St. Josephsschwestern und der DaSbachsche Preßkonzern näheres zu berichten." Der Erguß ist recht interessant. Also die Leiter der katholischen Fach vereine stehen unter dem Einfluß„kurzsichtiger Weiblichkeit«, die ein Ordenskleid trägt, und in Trier spielen die frommen„St. Josephsschwestern« die Gön- nerinnen derFach Vereinsbewegung. Eine ganz allerliebste Enthüllung, die hier in seiner Wut das Aachener Blatt ausplaudert._ Augsburger Katholikentag. Das Augsburger Lokalkomitee für die b7. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands ladet zu dem vom 21. bis 2ü. August in Augsburg stattfindenden Katholikentag ein. In dem Auftuf heißt es: „Ihr kennt selbst die Not der Zeit, die Bedürfnisse der Gegen- wart, die Bestrebungen der Gegner, den Kampf, der heutzutage auf allen Linien gegen das positive Christentum entbrannt ist. In diesem Kampfe steht nicht mehr Christ gegen Christ, sondern es stehen oder sollen stehen alle Christen vereint gegen den gemein- famen Feind, gegen den Unglauben und gegen das Freidenkertum, das nunmehr mit offenem Visier gegen Thron und Altar mobil macht. Enger Zusammenschluß aller treuen Christusbekenner, Erforschung der besten Abwehr- und Verteidigungsmiltel, Ausgleichung des doch nur vorgeblichen Gegensatzes zwischen Christentum und wahrer Kultur, Fortschrittsbestrebungen auf allen Gebieten der wahren Kunst und Wissenschaft, Stärkung der kirchlichen und staatlichen Autorität— diese und manche andere einschlägige Frage soll be« raten, beschlossen und zur Durchführung vorbereuet werden." DaS Programm ist dasselbe der früheren Katholikentage. Die Hauptsache ist wieder das Eintrittsgeld.' Wer an allen Schau- stellungen teilnehmen will, hat 7,60 M. zu zahlen, und falls er«inen numerierten Platz wünscht. 11,60 M. Außerdem kostet die Karte zum Festmahl noch 4,60 M., Wein extra. Landtagsersatzwahl in Anrich. Bei der heutigen Landtagsersatzwahl im Wahlkreise I Nurich fProvinz Hannover) wurden abgegeben für Oberbürgermeister Für- bringer(natl.) 147, für Schmidt(kons.) 143 Stimmen. Holländischer Protest gegen die Schiffahrtsabgaben auf dem Rhein. Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant« bespricht in einem Leitartikel die Frage der Rheinschiffahrtsabgaben und führt aus, daß die in Deutschland vom Bundesrat genehmigte und im Herbst im Reichstage einzubringende Vorlage über die Schiffahrtsabgaben für Holland unannehmbar sei. Eine Mitwirkung Hollands sei nur auf zweierlei Art denkbar: Es könnte dem neu zu errichtenden Rheinstromverband sich anschließen und als dessen Mitglied die nämliche Stimmen. zahl wie Preußen erhalten. Aber ein unabhängiger Staat könne einer Korporation nicht beitreten, die mit Stimmenmehrheit über seine Lebensinteressen entscheidet. Dabei könnten die Be- fugnisse des Rheinstromverbandes später erweitert werden und Holland könnte dadurch immerhin in eine unerwünschte politische Berührung mit deutschen Angelegenheiten kommen. Der zweite Fall wäre, daß Holland dem Verbände nicht bei- träte, aber das Minimum der Schiffahrtsabgaben bewillige und sich zu jedem Beschluß des Strombauverbanoes seine Zustimmung vorbehielte. Dann könnte aber jeder-Beschluß des Verbandes für Holland unwirksam gemacht werden, und damit wäre eine be- ständige Ursache für Scherereien zwischen dem Haag und Berlin gegeben. Jedesmal, wenn Holland einen Beschluß nicht bewilligte, und dies dürfte bei dem Jntercssenstreit öfter der Fall sein, würde auf Holland ein Druck ausgeübt werden und das Zu- ftandekommen anderer, mit den Schiffahrtsabgaben nicht zu- fammenhängenden Angelegenheiten von der Zustimmung zu den besagten Beschlüssen abhängig gemacht werden. Zwischen Holland und Deutschland wäre somit dauernd ein Stein des Anstoßes errichtet worden. Darum lehne Holland lieber jetzt den deutsche«.Antrag ab, damit sich nicht ständig Unannehmlichkeiten ergeben. '" Nach Set Stellung des holländischen SldTJes ist RkzNkeWM, daß in diesem Artikel die Meinung führender politischer Kreffc Hollands zum Ausdruck kommt.— Ein Reformer erster Güte. Der Kriegsminister v. Heeringen reformiert eifrigst, von seiner epochemachenden Reform des Ehrengerichtsverfahrens gegen ver- abschiedete Offiziere haben wir bereits mit gebührender Ehrfurcht Notiz genommen. Herr v. Hceringen scheint aber die Lorbeeren gleich massenhaft einsammeln zu wollen, denn er reformiert noch immer weiter. Heute sei folgendes Reförmchen registriert: Zu den Truppenteilen, die praktisch gar keinen Wert haben, ge- hört das reitende Feldjägerkorps. Diese Feldjäger rekrutieren sich aus den sogenannten besten Kreisen und ihre Aufgabe besteht darin, dem Auswärtigen Amt als Kuriere zu dienen. Ein oder zwei der Herren haben stets Dienstbereitschast, d. h. sie müssen gewärtig sein, jeden Moment nach dem Auswärtigen Amt gerufen und von diesem mit mehr oder weniger wichtigen Schriftstücken nach dem Ausland gesandt zu werden. Trotzdem wird diese Truppe, die mit der Armee— wenigstens im Frieden— in gar keiner Beziehung steht, auS dem Heereselat besoldet. Für diesen„aufreibenden Dienst" hatten die Feldjäger bisher Anspruch darauf, daß jede siebente Oberförsterstelle, die in Preußen ftei wurde, von ihnen besetzt werden konnte. Das ist nun geändert worden. Die Feldjäger werden künftig mit Ablegung des Examens als Assessoren eingetragen und dann nach ihrem Assessorendienst zu Oberförstern— zunächst ohne Revier— ernannt. Der Reichstag hatte schon einmal die Ausgabe für dieses sehr überflüssige Korps abgelehnt, auf Drängen der Agrarier gelang es aber, die Wiederherstellung dieser Ausgabe im Plenum deS Reichs- tages bei der dritten Lesung durchzusetzen. Wir find gespannt darauf, wie die nächste große.Reform« deS Herrn v. Heeringen aussieht._ Geht Kraetke? Wie die„National-Zeitung" erfahren haben will, trägt sich der Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke mit der Absicht, in den Ruhestand zu treten. Vorher will er aber noch die neue Fernsprech- gebührenordnung im Reichstag zur Durchführung bringen.— Herr Kraetke hat es verstanden, den Ruhm der Reiibspost nact, Möglichkeit zu vermindern. Weshalb er noch die Fernsprechgebührenordnung im Reichstage vertreten will, ist eigentlich nickt recht ersichtlich, da er doch schon Mißerfolge genug zu verzeichnen hat. Man sollte meinen, die heftigen Angriffe, die mehr als einmal im Reichstage gegen ihn gerichtet worden sind, müßten ihm gezeigt haben, daß man längst den Wunsch hat, einen tüchtigen Fachmann anstatt eines Bureaukraten an die Spitze des deutschen Postwesens zu wissen. Der Rücktritt deS Herrn Kraette ist schon öfter als bevorstehend angekündigt. Hoffentlich ist die Nachricht diesmal zutreffend. Ein konsequenter Jung liberaler. Der Borsitzende des Banner jungliberalen Vereins Stadt« verordneter Vesper, hat seinen Vorsitz niedergelegt und seinen AuS- tritt auS der nationalliberalen Parte» erklärt, um sich der Fortschritt« lichen Volkspartei anzuschließen. Ein Zentrumsführer, der sich drückt, ist immer schon Herr Justizrat Trimborn in Köln geivesem Nur selten hat er in den Parlamenten die städtischen Interessen so vertreten, wie er es nach seinen Reden im Nathause Hütte tun müssen. Sobald er in Berlin weilt, opfert er alle Bedenken den Fraktionsinteressen, verriet er seine Wähler an die Slgrarier. Im Herbst vorigen Jahres mußte, er sozusagen an den Haaren herbeigeschleift werden, damit er seinen Wählern über die neuen Steuern Bericht erstatte. Zuerst hatte er den von der parlamenta- rischen Arbeit erschöpften Mann gespielt, um sich vor der Per- antwortung zu drücken. Trotzdem konnte er die weite Reise von Köln nach Breslau zum Katholikentag machen, an dem er sich von Anfang bis Schluß beteiligte und wo er allgemein durch sprudelnde Heiterkeit auffiel. Ebenso beteiligte er sich an dem Eucharistischen Kongreß. Unterdes fabelte man den Kölner Zentrumsanhängern vor, ihr Slbgeordneter sei krank. Genau so treibt Herr Trimborn eS jetzt wieder. Am 5. April hatte die Kölner Zentrumspartei eine große Versammlung«in- berufen,„um den Wählern Gelegenheit zu geben, sich über die schwebenden politischen Fragen zu unterrichten". Wer aber nicht dabei war, das war der Vertreter Kölns im Reichstage und im preußischen Landtage. Wie um die Wähler zu höhnen. hatte er ein Begrüßungstelegramm von einer Reise nach Jerusalem an die Kölner Versammlung gesandt. Der Vor» sitzende der Kölner Zentrumspartei, Dr. M e r te n S. verkündete zugleich mit der Begrüßung: Heur Timborn werde „bald nach seiner Wiederkehr Gelegenheit nehmen, zu seinen Wählern zu sprechen." Und der Hauptredner der Versammlung. Reichstagtsabgeordnetcr Oberland- gerichtsrat Marx, versicherte ebenfalls, daß Herr Trimborn„i n der nächsten Zeit seinen Wählern Bericht erstatten". Zum Schluß sandte die dermaßen zuftiedengestcllte Versammlung auf Vorschlag des Abg. Marx ein Begrüßungstelegramm an Herrn Trimborn nach Jerusalem. Das ist vor vier Monaten gewesen. Seit Monaten ist Herr Trimborn zurück. Aber auf den' Bericht, auf die Rechtfertigung des Verhaltens seiner Partei und seiner Perfon, insbesondere in der Wahlrechtsfrage, warten die Kölner Zentrumswähler immer noch. Für a l l e s hat Herr Trimborn Zeit, für Kongresse der verschiedensten Art, für Vergnügungsreisen und ähnliche Dinge, aber um die Taten des Zentrums vor der Oeffentlichkeit zu ve» treten, dazu mangelt ihm Zeit und Mut. Bei der künstigen Reichstagswahl wird sich in Köln Gelegenheit bieten, das Gebaren des Zentrumsführers Karl Timborn ins rechte Licht zu setzen. Em„gereinigter" Wnhlrechtsfeind. Das Schöffengericht in Posen verurteilte den Schriftführer des dortigen Sozialdemokratischen Wahlvereins, den Genoffen David, wegen Beleidigung des Oberbürgermeisters Dr. Wilms zu 30 Mark Geldstrafe. David hatte in einer frei- sinnigen Versammlung den Oberbürgermeister wegen seiner Aeuße- rungen über daS ReichStagSwahlrecht im preußischen Herrenhause angegriffen. Der Oberbürgermeister fühlte sich beleidigt und lief zum Kadi. Herr Dr. WilinS hat zwar den Mut. unter dem Schutze der Jnunuililät im Parlament gegen die Volksrechte zu weltern, aber für seine Taten sich vor dem Volk zu verantworten» daS will ihm nicht passen._ Oeflermd). Der erschossene Spitzel. AuS Krakau wird uns geschrieben: Der ermordete Spitzel Ryb ak hat nie in einer sozialistischen Organisation eine Rolle ge- spielt, fondern gehörte der nationaldemokratischen Arbeiter- Vereinigung an, die die erbittetste Gegnerin aller sozialistischen Parteien Polens ist. In dieser Arbeitervereinigung hat Rybak als eine Art polnischer Asew gewirkt. Er gehörte der Leitung der nationalen polnischen Arbeiter. Partei an und redigierte auch zwei periodifche Zeitschriften der Partei. Rybak stand erwiesenermaßen im Dienste der Ochrana. wofür er. wie der„Naprzod" meldet, fünfhundert Rubel monatlich bezog. Vom Polnischen Volksverein in Krakau bezog Rybak einen Monatsgehalt von 80 Kronen. Der Attentäter Trubnowski war beim Verhör sehr gefaßt. Er gab an, in Warschau als der Sohn eines Schlossermeisters geboren zu sein und gegenwärtig jm 83. Lebensjahre zu stehen, Er sei J)feufciT3jSt Skaak?Sng'e�or?�er un5 naH BröM» 6erg zuständig. Zuerst war er in der väterlichen Werkstatt be. schästigt und arbeitete dann bei verschiedenen Unternehmungen. Warschau schloß er sich der nationalen revolutionären Partei an und war ein eifriges Mitglied dieser. Den Stanislaus Rybak lernte er ebenfalls in Warschau im Kreise der Partei kennen, in der sich dieser durch Abhaltung von Vorträgen für Arbeiter und durch großen Eifer im Dienste der Partei einen Namen machte. Schon damals seien zahlreiche Verhaftungen verdienst- voller Parteimitglieder vorgekommen und man habe bald gegen Rybak Verdacht geschöpft, daß dieser der Verräter sei. Doch hatte man keine sicheren Beweise für seinen Verrat in Händen, übrigens wurde Rybak bald darauf selbst verhaftet, jedoch nach kurzer Frist auf freien Fuß gesetzt. Hierauf wendete sich Rybak nach Krakau, wo er auf Grund von Empfehlungs- briefen Beamter deS Polnischen VolkSschulvcreins wurde. Hier setzte er nun seine verräterische Tätigkeit im Dienste der O ch r a n a fort und lieferte— wofür die Revolutionäre Beweise haben— zahllose Gesinnungsgenossen an den Galgen. Rybak selbst dürfte eine Ahnung seines schrecklichen EndcS gehabt haben und fühlte sich ständig beobachtet. Er ging nie allein auf der Straße und verließ des Abends niemals seine Wohnung. Montag nachmittag hatte Rybak einen dienstlichen Gang. Auf diesem Wege wurde Rybak von TrubnowSki, der ihn schon lange verfolgte, erschossen. Italien. Eine Meuterei von Carabinieri. Rom, 9. August.(Eig. Ber.) Ueber einen recht ernsten mili- tärischen Zwischenfall, von dem bisher die Presse völlig geschwiegen hat, berichtet der„Messaggero". Es handelt sich um eine Ge. horsamsverweigerung von etwa 69 Carabinieri, die der Schinderei ihres Dienstes und der völligen Vernachlässigung durch ihre Vor- gesetzten müde, in Ronciglione, Provinz Rom, gemeutert haben. Die Carabinieri waren zu den administrativen Wahlen nach Rom kommandiert und nach dem Wahltag in der Provinz ver- teilt worden. Bei dieser Verteilung hat man nun den hier in Frage kommenden 69 zugemutet, 66 Kilometer zu Pferde zurück» zulegen. Als sie dann in ihreip Bestimmungsort Ronciglione, angekommen waren, müde und verhungert, fanden sie weder Speise noch Nachtquartier vor und gaben ihrer Un- Zufriedenheit dadurch Ausdruck, daß sie den Offizieren den Gehorsam verweigerten. Erst längeres Zureden des Hauptmanns brachte sie von ihrem widerspenstigen Verhalten ad. Man erfährt jetzt, daß 12 wegen Gehorsamsverweigerung in da? römische Militärgefängnis überführt wurden. Die armen Teufel waren mit Handschellen gefesselt. Man spricht davon, daß auch Offiziere bestraft werden sollten, CKuis. Abwehrmaßregeln gegen Japan und Rußland. London, 11. August. Wie„Morning Post" auS Schanghai meldet, hat der Staatsrat mit Rücksicht auf den russisch- japanischen Bertrag Maßregeln erwogen, um die Inte» arität der Mongolei sicherzustellen, und beschlossen, zwei Divisionen moderner Truppen dorthin zu verlegen, den Unterricht nach dem chinesischen System zu reorganisieren und eine Eisenbahn von Peking aus durch die Mongolei zu bauen. Der Armeerat ist mit der Ausarbeitung eines Projektes für die Reorganisation und Vermehrung der chinesischen Armee beschäftigt. Etos der Partei* Die Nürnberger Genossen gegen die Disziplinbrecher. Ueber die Generalversammlung des Sozialdemokra- tischen Vereins Nürnberg, deren Ergebnis wir gestern telegraphisch meldeten, entnehmen wie noch dem Bericht der „Fränkischen Tagespost": »lieber den Magdeburger Parteitag referierte Genosse Treu. Zur badischen Budgetfrage schlägt der Vorstand ein- stimmig vor, diese Frage nicht zu debattieren, sondern sie gänzlich dem Parteitag zu überlassen. lieber diesen Vorschlag entspann sich ein« Debatte, in der er bekämpft wurde. Schneppenhorst sagt, der Vorstand wollte boß einen Antrag stallen, aber nicht die Mitgliedschaft von einer Auseinandersetzung abhalten, greift serner die»Fränk. Tagespost" heftig an; sie habe eine komische Haltung eingenommen und habe die Leser einseitig informiert. Er beantragt, die«Fränk. Tagespost" habe einen Artikel des Gen. K a u t S k y über Baden al�zudruckenl Die Versammlung lehnte den Vor- standsantrag ab, ließ also Diskussion über Baden zu. Genosse Treu faßte sich kurz und berührte die badische Frage nicht. Tann begann die Diskussion. ES liegt ein Antrag an den Parteitag vor, daß der 1. Mai nur durch Arbcitsruhe gefeiert werden dürfe. König ergänzt die Ausführungen von Treu und ver- urteilt die badische Landtagsmehrheit. Sie habe den Partei- vorstand nicht gefragt, obgleich die Fraktion nicht einig war, das sei der Disziplinbruch. Dann brandmarkt er auch den sogenannten Hofgang und die Beteiligung an der parlamentarischen Schluß- seier. TaS badische Gemeindegesetz bringe gar keine Verbesserung und könne die Haltung der Fraktion nicht rechtfertigen. Er be- antragt folgende Resolution: »Von der Ueberzeugung ausgehend, daß die Vorbedingung zu dauernden Erfolgen( der Sozialdemokratie nur in uner- schütterlichem Festhalten an den Grundsätzen der Partei und der Unterordnung aller Parteimitglieder unter die Beschlüsse der höchsten Parteiinstanzen begründet ist. verurteilt die heutige Versammlung... die Zustimmung der sozialdemokratischen Fraktion des Badischen Landtages zum Budget auf das Aller- entschiedenste. Desgleichen verurteilte die Versammlung die jedem demo- kratischen Gefühl ins Gesicht schlagende Hofgängerei der badi- schcn Genoffen.. � Die Versammlung erwartet von dem Parteitag in Magde- bürg, daß er Mittel und Wege finden wird, um derartige Ber- stöße gegen die Parteidisziplin, wie sie in der Badischen Land- tagSfraktion begangen wurden, für die Zukunft zu verhindern." Er spricht dann über die Haltung der»Fränkischen Tagespost". die er ebenfalls verurteilt. AuS der Erklärung der 66 könne nie ein Recht zur Budgetbewilligung abgeleitet werden und betont, daß im Interesse der gewerkschaftlichen Disziplin die der Partei hochgehalten werden müsse." Nachdem dann das Ergebnis der Wahlen zum bayrischen Parteitag verkündet war— es wurden delegiert die Genossen Frl. Grünberg. Treu. Schneppenhorst, Giermann. Fischer, Rudolf. Körner, Pfeiffer, Schuler-Feucht. Macher-Jischbach und Danner- Stein—. ging ein Teil der Versammlungsbesucher heim. Der Bericht der«Fränk Tagespost" fährt fort: .Merkel bedauert, daß meistens für wichtige Fragen den Parteitagen keine Zeit bleibe. Er spricht über die Genossenschafts. frage. Ueber Baden sagt er: Was gegen ParteitagSbeichlüsse der- stößt, muß gleich behandelt werden. Daß sich die Minderheit der Mehrheit nicht füge, darf unter keinen Umständen geduldet werden. Wie würde es da in den Gewerkschaften aussehen! M a i e r begründet den Antrag über die Maifeier. Der Partei- tag soll einmal ordentlich Stellung nehmen. Chefredakteur Herzberg widerlegt die Vorwürfe gegen die »Fränkische Tagespost". ES ist nicht wahr, daß wir die Nürnberger Genossen einseriig informiert hatten, wir haben die Reihe Preßstimmen für und gegen gebracht. Damit war die Sache für uns erledigt, um nicht wieder innere Kämpfe her- vorzurufen und weil, wie Genosse Ulrich auf dem Nürnberger Parteitag bemerkt hat, sie überhaupt nicht wichtig ist. Der Raum der.g. T." gilt in erster Linie dem Kampf gegen den Gegner. Schaffen Sie uns den Raum, dann werden wir Kautsky, aber' natürlich auch seine Parteigegegner in dieser Sache abdrucken. Wenn Sie der Redaktion die Meinungsäußerung verwehren wollen, dann müssen Sie Puppen hinstellen. fVielfache Zustimmung.) Bor zwei Jahren haben»Mänchener Post",„Fränlische Tagespost" und„Pfälzische Post" erklärt, sie halten fest an der Erklärung der 66 und sie müssen sich alle Schritte vorbehalten. Diese Haltung ist auch� in Nürnberg schließlich gebilligt worden. Die.Schlußfeier" ist eine gewöhnliche Landtagssitzung. Die Badener sollten in einem entscheidenden Moment ihre Großblock- Politik im Stich lassen? I— Die Erklärung der bayerischen Fraktion zum Finanzgesetz ist ebenso ein Verstoß gegen den Nürnberger Beschluß wie das Votum der Vadener, sie erleilt kein Mißtrauensvotum, sondern sie stimmt dagegen, weil die Session dem arbeitenden Volke nachteilig war. Ein Vertagungsantrag wird abgelehnt. Schneppen horst begründet feinen Antrag. Der Kautskysche Artikel werde die richtige Ausklärung bringen, der Partei- tbeoretiker soll zum Wort kommen. Der Redner beleuchtet die Budgetbelvilligung vom Gewerlschaftsstandpunkt auS und wendet sich gegen die Ausführungen HerzbergS. Er spricht besonders den Wunsch aus, daß die„Tagespost" den Artikel deS Genossen Lehmann-Mannheim zum Abdruck bringen möchte. Bei vielen Stimmenthaltungen wird Schluß der Debatte be- schlössen gegen die Ausführungen des Genossen Zwosta, der darauf aufmerksam macht, daß dieser Bruchteil unmöglich namenS der 1b(XX) Nürnberger Sozialdemokraten sprechen könne. Simon erllärt gegenüber einer Behauptung HerzbergS, daß die Erklärung in der bayerischen LandtagSfraktion mit 10 gegen S Stimmen gefaßt wurde. Der Maifeierantrag sowie die Resolution des Genossen König(gegen die Budgetbewilliger) werden angenommen." Was aus dem Antrage des Genossen Schncppcnhorst auf Ab- druck des Kautslyschen Artikels geworden ist, erfährt man auS dem Bericht nicht._ Ein notwendiger Rücktritt. Genosse Müller. Parteisekretär für die Wahlkreise Köln- Stadt und Land tritt zum 1. November von seinem Amte zurück. Müller hat sich, wie ein Zentrumsblatt ans Licht gebracht hat, um die Sekretärstelle eines ArbeitgebervcrbandeS im Saarrevier be« warben. Er will dabei der Ansicht gewesen sein, daß er seine politische Ueberzeugung dabei nicht zu verleugnen brauche. Wie das möglich gewesen sein lallte, ist uns unverständlich. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins für Köln- Stadt und Land erläßt im Anschluß an die Meldung eine Erklärung, worin eS heißt: Es sei betont, daß dieser Entschluß(zum Rücktritt) durchaus frei- willig ist. Genosse Müller hat für seine Person die Ueberzeugung, daß es ihm gelingen werde, sich von dem Makel, der ihm anhaftet, zu reinigen; er hält eS aber im Parteiinteresie für geboten, seineu parteiamtlichen Vertrauensposten in die Hände der Genossen zurück- zugeben. Der Vorstand des Sozialdemokratischen Vereins, der schon am Sonntag in der Generalversammlung in Sachen Müller eine Er- llärung abgegeben hat, hat sich am Dienstag nochmals mit der Angelegenheit beschäftigt. Als Ergebnis der Verhandlungen stellt er fest: DaS bisher vorliegende Material hat den Nachweis einer mit den Parteiinteressen völlig unver« einbaren Verfehlung nicht erbracht. Jedoch bemerkt der Vorstand ausdrücklich, daß die Untersuchung noch nicht abgeschlossen und zu einem endgültigen Urteil die Herbeischaffung noch weiteren Materials nötig ist. Wenn dieses auf anderem Wege nicht erlangt werden kann, so hofft man es zu bekommen durch d,e vom Genossen Müller bereits angekündigten Beleidigungsklagen gegen einige Zentrumsblätter. Wir wollen, da die Nächstbeteiligten mit ihrem Urteil noch zurückhalten, dasselbe tun. Vorläufig können wir uns allerdings nicht recht vorstellen, was eS an der Sache noch zu reparieren gibt. Brandenburgische KreiSkonferenzeu. Auf der Konferenz des Wahlkreises Kalau-Luckau, auf der 13 Ortsvereine durch 36 Delegierte, darunter vier Genossinnen, ver- treten und außerdem sechs Vertreter des KreiSvorstandeS, zwei Mit- glieder des Kreis-JugendausschuffeS, Genosse Zinke von der AgitationSkommission. Genosse Köckeritz vom zweiten Berliner Wahlkreis und Genosse Utz als Vertreter der Presse anwesend waren, teilte der Vorsitzende im Jahresbericht mit, daß die Zahl der Ortsvereine von 13 auf 16, die Mitgliederzahl von 12Sg auf 1646, darunter 227 weibliche stieg. Die „Märkische Volksstimme" hat im Kreise 1923 Abonnenten. Ver- breitet wurden 21(>tX> Kalender und ebensoviele Flugblätter. ES wurden 79 Mitglieder- und 33 öffentliche Versammlungen abgehalten. Nur in fünf Orten stehen uns Lokale zur Verfügung; die Ver- sammlungen unter freiem Himmel waren stets gut besucht. Die Zahl der sozialdemokratischen Gemeiudcvertreter beträgt 26, Finster- walde sandte 3 Genossen ins Stadtparlamcnt. Der Kassenbericht bilanziert mit 6396,63 M. Die Zahl der Mitglieder ist im Berichtsjahre um 619 gestiegen; als Wahlfonds ist die Summe von etwa 1899 M. angesammelt. Ueber die Jugendbewegung berichtete Genoffe Felgentrebe. In Finsterwnlde zählt die Jugendorganisation 829(darunter 69 weib- liche), in Nehesdorf 126 Mitglieder. Da der bisherige Reichsragskandidat Genoffe Schubert wegen andauernder Krankheit zurücktreten mußte, wurde Genoffe Wels, Parteisekretär zu Berlin, mit großer Mehrheit zum Kandidaten gewählt. Zur badischen Budgetbewilligung wurde die scharf verurteilende Resolution der KottbuS-Spremberger Genoffen einstimmig an« genommen. Zum Magdeburger Parteitage wurden die Genossen R» h l vom KreiSvorstand und W e l S- Berlin delegiert, zur Provinzialkonferenz die Genossen Brunnhuber- Finsterwalde, Weber- Spremberg und Mittag- Alt-Döbern. � Als Vorort des Kreises wurde Finsterwalde beibehalten. « Auf der Generalversammlung des Kreise? Over-Barnim in Heegermühle waren auS 7 Orten 23 Delegierte erschienen. Außerdem nahmen 6 Vorstandsmitglieder, der Kandidat Genoffe Bruns- Berlin, Genoffe I a c o b s e n von der Agitations- kommission, Genoffe Lorenz als Delegierter von Nieder- Barnim und Genoffe Prien von der„Brandenburger Zeitung" teil. Der Jahresbericht ergibt, daß die Mitglieder- zahl von 492 auf 1936 stieg; die Mitglieder verteilen sich auf sieben Ortsvereine. Die„Brandenburger Zeitung" hat im Kreise 634, der.Vorwärts" 86 Abonnenten. An Agitations- Material wurden öffentlich verbreitet: 17 999 Kalender(»Märkischer Volksbote") und 37 599 Flugblätter. Zum ersten Male wurden die Gemeindewahlen für den ganzen KreiS planmäßig durch« geführt. Es wurden gewählt 6 Stadtverordnete und 2 Gemeinde- Vertreter. Die Partei hat jetzt fünf Stadtverordnete und zwei Gemeindevertreter in drei Orlen. Es fanden 64 Mitglieder- und 39 öffentliche Versammlungen statt. An Versammlungslokalen ist großer Mangel. Der Kassenbestand belief sich am Ende des zweiten Quartals auf 438,63 M. Genosse Bruns- Berlin hielt ein Referat über �die politische Lage. Er erklärte den Großblock im Reiche für unmöglich wegen des Widerstandes des Bürgertums und bedauerte den Disziplin« bruch der badischen Landtagsfraktion. In der Diskussion wurde allgemein das Verhalten der Badenser scharf verurteilt. Eine An- regung, Delegierte mit»gebundenen Mandaten" zum Parteitag zu schicken, die dafür eintreten sollen, daß den Disziplinbrechern der Ausschluß angedroht wird, fand keine Zustimmung, sondern wurde als Beleidigung für die betreffenden Delegierten be- zeichnet. Von der Annahme einer Resolution gegen die Badenser wurde Ab st and genommen. Begründend wurde ausgeführt, daß die Ansicht der Bersammlung ja durch die Presse bekannt werde. Genoffe I a c o b s e n hielt einen Vortrag über die Durchführung der praktischen Wahlarbeit. Zum Parteitag wurde der Vor- sitzende Genosse Gr äbert- Eberswalde delegiert. Auf der Provinzialkonferenz wird der Kreis durch die Genossen W a r m t h» Werneuchen, K u h l i ck e- Wriezen und Gräbert- Eberswalde ver- treten werden. Zum Vorsitzenden des KreisvorstandeS wurde wieder einstimmig Genosse G r ä b e r t- Eberswalde gewählt. • Auf der Konferenz von Guben-Lübben waren 9 Orte durch 26 Delegierte vertreten, ferner waren anwesend die sieben Genossen vom Kreisvorstand, der Kandidat des Kreises Genosse Kotzke, Richard Schmidt vom Provinzialsekretariat, Aysche und Pohl von der AgitationSkommission. U tz von der»Märkischen Volksstimine". Der Jahresbericht ergab, daß die Mitgliederzahl von 927 auf 1996, worunter 74 weibliche Mitglieder, stieg. Die Parteipresse hat 1723 Abonnenten gegen 1647 des Vorjahres. Mit einer Slimmen- zahl von 1899 eroberten die Gubener Genossen vier Stadtverord« uetenmandate. Die Fürstenberger Genossen entsandten einen Ge» nossen ins Stadtparlament. Sozialdemolratische Gemeindevertreter gibt es im Wahlkreise 7. In fünf Vierteljahren hatte der Kreis 3495,14 M. Einnahmen und 2458,87 M. Ausgaben. Ueber den Parteitag in Magdeburg referierte Genosse Thiele; eine von ihm empfohlene, die badische Budgetbelvilligung scharf verurteilende Resolution fand einstimmige Annähme. Aus den Ausführungen des Genossen Kotzke zu diesem Punkt ist folgende Stelle bemerkenswert: In bezug auf die Liberalen in Baden sollten sich die norddeutschen Genossen keiner Täuschung dingeben. Nirgends habe der Textilarbeiterverband soviel Maßregelungsunterstützung zu zahlen wi« im liberalen Musterländle Baden. Die Wahl der Delegierten zum Parteitage soll durch Urabstimmung vorgenommen werden. Beim Punkt Provinzial» konferenz wurde ein Antrag Guben eingebracht: »Die Generalversammlung des Wahlkreises Guben-Lübben wolle beim Vorstande der Provinzorganisation eine Zusammen» kunst aller Nichtberliner Zentralwahlvereine des Branden» burger Provinzialverbandes veranlassen, zwecks Aussprache über die Notwendigkeit getrennter Generalversammlungen oder Provinzialkonferenzen." In der Begründung führte Genosse Hänchen u. a. auS: Die Tatsache, daß die Berliner Genossen in der Lage seien, die Provinzler zu majorisieren, lasse das Verlangen der Provinzler nach getrennten Generalversammlungen oder Provinzialkonserenzen außerordentlich gerechtfertigt erscheinen. Genosse Provinzialsekretär Schmidt» Berlin führte dagegen an. die Berliner Genossen seien bestrebt, der Provinz nach Kräften entgegenzukommen, das Mitbestimmungsrecht müsse ihnen darum auch gewahrt bleiben. Daß die Provinz bei der Delegation zum internationalen Kongreß unberücksichtigt geblieben sei, liege nicht an den Berliner Genossen, die ja selbst Provinzler in Vorschlag gebracht haben, sondern an den Provinzdelegierten, die für Berliner Genossen gestimmt haben. Der Antrag wurde indes e i n st i m m i g angenommen. In den Kreisvorstand wurden gewählt: Otto Galle, Thiele. Vetter, Werner, Mai. Brandt, Hoffmann. Soziales. Der Streik ein gesetzwidriges und unlauteres Mittel? Eine sonderbare Ansicht über Streiks bekundete der Gewerbe« richter, Magistratsassor Dr. Seckt bei einem gestern verhandelten Prozeß. Der Wächter M. klagte gegen die Nachtwach- und Schließ» gcsellschaft auf Zahlung'einer Entschädigung von 19 M. wegen fristloser Entlassung. Die Beklagte wendete ein. daß der Kläger, der mit anderen Wächtern im Lunapark beschäftigt wurde, diese aufzuwiegeln versuchte und zum Streik veranlassen wollte. Der Kläger hatte, nach den Bekundungen eines Zeugen, eines TageS noch vier Ueberstunden zu machen, die ihm zusammen mit 69 Pf, bezahlt wurden. Dies hatte ihn zu Klagen über zu niedrige Be» zahlung seinen Kollegen gegenüber veranlaßt, wobei er auch äußerte, daß einmal gestreikt werden müsse, ohne damit bei seinen Kollegen Eindruck zu machen. Dr. Seckt erklärte den Streik für ein gesetz- widriges und unlauteres Mittel und empfahl dem Kläger, sich mit den von der Beklagten angebotenen 2,59 M. für den EntlassungS- tag zu begnügen. Der Kläger ging leider darauf ein. Da selbst nicht mal der Zeuge bekundet hatte, daß der Kläger einem Streik unter Außerachtlassung der Kündigungsfrist das Wort geredet hätte, waren die Äußerungen des Vorsitzenden doch sehr befremdend!_ Die Leistungen Arbeitswilliger. Am Mittwoch klagte beim Jnnungsschiedsgericht der Schmied Rusche gegen den Schmiedemeister Heinrich Hartstein. Der Kläger hatte wegen des soeben beendeten Schmiedestreiks zwei Tage lang dem Beklagten Rausreißerdienste geleistet, für die ihm aber kein Lohn bezahlt worden ist. Er forderte Bezahlung seiner Leistungen mit 12,99 M. Der Beklagte bestrttt, daß er mit dem Kläger 36 M. Wochenlohn vereinbart habe; dessen Leistungen seien so gering gewesen, daß er ihm nur 2,99 M. pro Tag zahlen könne. Der Vorsitzende des Schiedsgerichts erklärte jedoch dem Beklagten, daß der ortsübliche Tagelohn jetzt 3,69 betrage und nur für ungelernte Arbeiter bezahlt werde. Etwas mehr müsse er dem Kläger schon zahlen. Wenn seine Leistungen nicht befriedigten, so hätte ihn doch der Beklagte za gleich am ersten Tage wieder ent» lassen können.»Ja, wenn es nicht während des Streik? gewesen wäre, würde er ihn sofort wieder entlassen haben, aber so habe er sich schon mit ihm zufriedengeben müssen", gab der Be- klagte zurück; er sah jedoch ein, daß ein Vergleich nunmehr doch vorzuziehen sei und einigte sich mit dem Vertreter des Kläger» auf 19 M. Besser konnten die verbreiteten Behauptungen des Vorstände» der Schmiedeinnung, daß die Meister geübte Arbeitskräfte in gs- nügender Anzahl geyabt hätten, nicht widerlegt werden, als durch diese Wertschätzung der Leistungen Arbeitswilliger. Die Auswanderung im Jahre 1999. Die Zahl der im Jahre 1999 über deutsche Häfen Aus« gewanderten fft gegenüber dem Vorjahre gestiegen. ES sind inS- gesamt 267 962 ausgewandert, und zwar 239 637 Fremde und 18 315 Deutsche. Im Vorjahre wanderten aus 196 499 Fremde und 16 722 Deutsche. Neben den 18 315 über deutsche Häfen ausgewanderten Deutschen gingen über fremde Häfen 6696 ins Ausland. Die Ge- samtzahl der deutschen Auswanderer betrug also im Jahre 1999 24 921 gegen 19883 im Jahre 1998. An der Gesamtzahl der deut« scheu Auswanderer sind als AuSwanderungSgebiete beteiligt; Brandenburg mit Verlin mit über 2999, Bayern, Hannover, König* reich Sachsen, Posen, Westfalen und Rheinland mtt je über 1900. Ihrem Berufe nach entfallen von den deutschen Auswanderern 6779 auf die Landwirtschaft, 7628 auf Bergbau und Industrie, 3129 auf Handel und Verkehrsgcwerbe, einschließlich Gast- und Schankwirt- schast. Unter den über deutsche Häfen ausgewanderten fremden Auswanderern befanden sich 89 718 Russen, 83 229 Oesterreicher: und 61641 Ungarn. Von den deutschen Auswanderern gingen 19939. von den fremden 216 625 nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die überseeische Einwanderung über die Häfen Bremen unL Hamburg umfaßte im Jahre 1999 127 618 Personen, darunter 89 999 von Nordamerika, 8449 von Südamerika, 981 von West* indien und Mexiko, 4492 von Afrika, einschließlich 746 Mann deutsche Truppen, 1374 von Ostasien, einschließlich 296 Mann deutsche Truppen und 616 von Australien. GewcrhfdttftUcbee. Zentrum,„chnftUcbe" Gewerhfcbaftcn lind Konrumgenorrcnfchaften. Es ist fmmet dasselbe Spiel: Wenn die Sozialdemokraten in irgend einem Bezirk Terrain gewinnt, wird auch das Zentrum auf' merksam und bestrebt sich, zwar nicht die Interessen der Arbeiter zu wahren, sondern auf irgend welche Art die Arbeiter doch noch länger beim schwarzen Heerbann zu halten. Das Erstarken der Konsum genossenschaften gibt den Zentrumsauguren wieder eine harte Ruh zu knacken. Hatte schon die Durchsetzung der schwächlichen„christlichen' Gcwerkichaften schwere innere Kämpfe innerhalb deS Zentrums zur F«lge. die noch keineswegs abgeschlossen sind, so war dabei doch zu berücksichtigen, daß die eigentlichen grotzindustriellen Herren der Industrie, mit denen man in Konflikt geriet, vorwiegend.liberal' und freikonservativ waren. Nun macht die KoniunigenossenschaftS bewcgung Fortschritte und da sehen sich viele ultramontane Händler in ihren.berechtigten Jnteresien' bedroht und sie wollen von.christ- lichem' ReiS und„katholischem Kaffee", der durch zentrumschriftliche Arbeiterkonsumvereine vertrieben werden soll, gar nichts wissen. Andererseits erstarkt die.sozialdemokratische' KonsumvereinSrichtung andauernd und zieht auch die katholischen Arbeiter in ihren Bann. So sind denn die M.-Gladbacher ZentrumskapitalSwächter wieder an ihrer ZersplitterungSarbeit, die ihnen diesmal noch mehr Kopf zerbrechen macht als bei der Gewerkschaftstrennung. In einem Artikel.Arbeitervereine und Konsumvercinsbewegung' sieht sich die „Westdeutsche Arbeiter« Zeitung" zu folgendem Eingeständnis genötigt: .Auch aus politischen Gründen heraus hat man vielfach etwas auf Seite gestanden. Arbeiterwähler und kleine Geschäftsleute halten in manchen Städten gleich treu zur Zentrumspartei. Und es wäre nicht das erstemal, daß unter Ausnutzung der Wirtschaft lichcn Gegensätze, wie sie in der Konsumvereinsfrage liegen, ge� schickte liberale Macher bei Stadtralswahlen usw. Absplilterungen sehr unerwünschter Art unter der Flagge„Bürgerpartei" und der gleichen hervorriefen. AuS diesen Gründen ist man vrelerorts der Behandlung der Genossenschafts« frage in unseren Vereinen aus dem Wege ge gangen." Das ist ja niedlich I Die Arbeiter werden sich dieses Ein geständnis merken. Also die katholischen Arbeiter vereine werden so geleitet, dost die Interessen der— Krämer nicht Schaden nehmen, weil diese dem— Zentrum verloren gehen könnten. Bei den Arbeitern ist diese? wohl nicht zu befürchten; deshalb darf das Zentrum ihre Jnteresien andauernd mit Füßen treten. Eine Gefahr droht aber nun diesem„harmonischen" Verhältnis, nämlich von den Sozialdemokraten. Es wird in dem Zentrums- arbeiterblatt darauf hingewiesen, daß die sozialdemokratische Presse neuerdings entschieden die Genossenschaften de? Zentralverbandes propagiert. Deshalb müsse auch daS Zentrum refp. die christ liche Gewerkschaftsrichtung(!) in den sauren Apfel beißen und—.christliche" Genossenschaften gründen. Also wieder einmal.Arbeiterfreunde" wider Willen, weil die Sozialdemokratie die Peitsche in der Hand hat. Die Widerwilligkeit kommt schon durch einen Hinweis am Schlusie des Artikels zum Ausdruck, wo auf die„begrenzten EntwickelungSmöglichkeiten" der Konsumvereine hingewiesen wird. Also: Komödienspiel obendrein! Serlin und Omgegend. Warnung für Arbeitslose l »VermittelungS-Agentur für GeschäftSverkäufe sowie Wohnung?» und GeschäflSvermietungen „Kostenloser Nachweis" für Verwalter, Portiers und HauSreiniger Agentur für die Westdeutsche Krankenkasse Köln a. Rh. sowie LebenS», Feuer» und Killderversicherung, Sterbekasie." Diesen hochtönenden Titel führt ein mit, Bock, Kötelhoen u. E o.. Jnh. Bock und Maaß' bezeichnetes Unternehmen. Sein Domizil befindet sich in der L i e tz m a n n st r. IS und in Schöneberg, Hauptstr. 37. Die Firma scheint recht eigenartige Geschäftspraktiken zu belieben. Da die Firma angeblich«inen kostenlosen Arbeits- Nachweis unterhält, darf angenommen werden, daß sie sich über Zuspruch nickt beklagen kann. Zu denen, die sich durch dieses Institut eine Arbeitsstelle beschaffen wollten, gehörte auch der Heizer V. Als er bei Bock, Kötelhoen" um eine Stelle nachfragte, wurde ihm bedeutet, daß er erst Mitglied der Kranlenkasie„Wilhelma" werden müsse. Der so Beschiedene wanderte zur Subdirektion„Wil- helma" in der Landsberger Straße, entrichtete 1.78 M.. dadurch war er Mitglied dieser„Kasse"[\?) geworden. Er begab sich nun wieder zu„Bock usw." Eine Stelle erhielt er indessen, trotz mehrmaligem Hinlaufens, nicht nachgewiesen. Dagegen wurde ihm unter dem 12. Mai ein Schreiben von Bock. Kötelhoen u. Co. zugesandt mit folgendem fein stilisierten Inhalt: Herrn C. v....! Ihnen zur Mitteilung, daß wir mit dem heutigen Tage unser Geschäft für immer geschloffen haben, wir haben diesen Monat nicht eine Stellung reiubekommen, konnten unsere Miete sowie sonstige Verpflichtungen nicht rauSbekommen. und mußten folge- dessen unser Geschäft für immer schließen. Hochachtungsvoll Bock. Kotelhoen u. Co. Jnh. Bock-Maaß. Der arbeitslose V. war sein Geld loS, eine Stelle hat er nicht erhalten I Dafür muß er indesien noch bis ultimo September Beiträge an die„Wilhelma'-Kronkenkasie entrichten, weil der AuS- tritt aus dieser Kassenart nur zum Quartalsschluß möglich ist. Also Vorsicht l_ Erklärung. Zu dem in der Nr. ISS unter der Stichmarke„Zum Streik der Hofenorbeiter' erschienenen Artikel erklären wir bezüglich der Anführungen über den Gastwirt Berlin, daß es nicht zutrifft. daß in dem Lokale des Herrn Berlin Plakate zum Aushang ge- bracht waren, wonach Arbeitswillige für die Fitma Kurt Thomas gesucht wurden. Ferner ist eS nicht erwiesen, daß Herr Berlin Arbeitswillige von«einem Lokale durch die Hintertür dem Unternehmer Thomas übermittelt hat. Deutscher Transportarbeiterverband. Ortsverwaltung Spandau. Deutfd,«» Reich. Der Krieg auf den Werften. Stettin, 11. August.(Privatdepesche deS.Vorwärts".) Die Konferenz der Werftvertrauensleute beschloß, falls eine Aussperrung erfolgt, überall dort die Arbeit niederzulegen, wo es im Interesse der Gcsamtbewegung liegt und örtliche Verhältnisse es geboten erscheinen lassen. Betriebs- und Gruppenversammlungen dürften das Ergebnis zeitigen, daß von den Nichtausgesperrten folgende Gruppen in Sympathie- streik treten: im„Vulkan" der Turbinenbau, Dreherei und Schmiede und Tischlerei; bei gemeinen Ausstand kommen. Nueske dürfte eS zum all- Stettin, 11. August.(Eig. Ber.) Die Aussperrung der Werft- arbeiter ist gestern nachmittag erfolgt. Schon vormittags hatten die meisten der davon Betroffenen eine dahingehende Mitteilung von den Meistern erhalten. Soweit sich bis jetzt beurteilen läßt, geht die Stimmung im allgemeinen dahin, daß alle nichr Aus- gesperrten sich mit den gemaßregelten Kollegen solidarisch zu erklären haben. Voraussichtlich werden die Oderwerke und die N ü s k e- Werft vollständig stillgelegt werden. Auf dem Vulkan wollen die Dreher, Former und Modell- tischler geschlossen den Kampf aufnehmen. Die entscheidenden Ab- stimmungen stehen noch bevor. Selbst auf dem Vulkan, wo zurzeit schwacher Geschäftsgang herrscht, scheint es die Absicht der Arbeiter zu sein, auf die fortgesetzten Entlassungen mit der Arbeitsnieder- legung zu antworten. Es sind Kommissionen gebildet worden, die alle von den Gruppenversammlungen gefaßten Beschlüsse den Unter- nehmern zu übermitteln haben. Heute(Freitag) vormittag finden die gemeinsamen Versammlungen der Ausgesperrten statt. Gestern wurde auf dem Vulkan an sämtliche Arbeiter eine kleine Schrift verbreitet, die als Rechtfertigung der Aussperrung dienen soll. Der Inhalt dieser Schrift ist gleichzeitig an den öffentlichen Anschlagsäulen bekanntgegeben. Wenn namentlich auf den Oderwerken und bei Nüske die Er- regung der Arbeiter eine so große ist, so ist das besonders darauf zurückzuführen, daß in den letzten Jahren dort Akkordreduk» tionen von zehn und mehr Prozent vorgenommen wurden. Am Donnerstag find auch von den beiden Wersten.Lübecker Maschinenbau-Aktiengesellschasr" und G. A. Koch SV Prozent der Arbeiter ausgesperrt worden. Die betroffenen Arbeiter sind durch Anschlag aufgefordert worden, ihr Werkzeug am Donnerstag- nachmittag den Meistern auszuhändigen. In einer überfüllten Ver- sammlung haben die Arbeiter der beiden Firmen beschlosien, daraufhin sämtlich in den Ausstand zu treten. Die nicht ausgesperrten Arbeiter erklären sich also mit den ausgesperrten Kollegen solidarisch. Auf ber Werst des Bremer.Vulkan" in Vegesack find am Donnerstag mittag 12 Uhr etwa SOV Arbeiter, in der Norddeutschen Maschinen- und Armaturen-Fabrik in Bremen etwa 70V Arbeiter. auf der Werst von Tecklenborg in Geestemünde etwa 800 Arbeiter, aus der Werst von Seebeck in Bremerhaven etwa 400 und auf der Werst von RickmerS in Bremerhaven etwa 280 Arbeiter ausgesperrt worden. Auf der Aktiengesellschaft Weser in Bremen erfolgt die Aussperrung heute abend und umfaßt 2400 Arbeiter. Die Neptun- werft in R o st o ck sperrte gestern abend etwa 800 Arbeiter au». Im Breslauer Jnstallateurgewerbe find die von der Stadt und vom Vorsitzenden des Gewerbegerichts eingeleiteten Einigungsverhandlungen resultatlos verlaufen. Die Unternehmer wollen nicht mit den Verbandsvertretern verhandeln, obwohl sich der Vorsitzende deS GewerbegerichtS die denkbar größte Mühe gab, ihnen zu beweisen, daß nur der Verband eine Garantie für Erfüllung von Vereinbarungen leisten könne. Auch der Nach- weis des Vorsitzenden, daß die jetzigen übereilten JnnungSbeschlüsse über kurz oder lang wieder aufgehoben werden müßten, verpuffte an der Organisationsfeindlichkeit der Unternehmer. ES bleibt somit beim Kampfe. Für Installateure aller Art ist Breslau gesperrt. Achtung» Maschinisten und Heizerl Am 28. Juli hatten die Maschinisten und Heizer in Sommerfeld durch ihre Organisation dem dortigen Fabrikantenverein Forderungen eingereicht und hatten bis S. August Antwort erbeten. Am 2. August wurde ihnen vom Vorsitzenden des FabrikaiitenvereinS schriftlich er- klärt, daß die Fabrikanten nicht gewillt seien, mit den Vertretern der Organisation zu verhandeln. Am S. August schrieb dann der Verein, die Maschinisten und Heizer möcbten ihre Wünsche der fünferkommisfion unterbreiten. Da aber die Kollegen schon IVOS ei der Lohnbewegung der Textilarbeiter leer ausgegangen waren. so haben sie nun an die Fabrikanten die Forderung gestellt, ihre Organisationsvenreter zuzulassen; bis 11. August wird die Antwort erwartet. Wie jetzt die Dinge liegen, ist nicht ausgeschloffen, daß eS zum Kampf in Sommerfeld und der übrigen Lausitz kommen wird. Zuzug ist dringend fernzuhalten. Personen unter 13 Jahren in einem politischen verein gebulbet haben sollen. Gegen die Verfügungen ist Berufung eingelegt, da eS in Essen keine feste Organisation der Jugendlichen, sondern nur Abonnenten der„Arbeiterjugend" gibt. Versamlnlungen. am Mißstände iy den Betrieben der Kartoninbnsirke beschäftigten Dienstag eine Vranchenvcrsammlung der Kartonarbeiter und -Arbeiterinnen die im„Gewerkschaftshaus" stattfand. Die Karton- industrie hat sich in den letzten Jahrzehnten, namentlich hier in Berlin, sehr stark entwickelt. Die Kartons, die in großen Massen hergestellt werden, dienen meist nur zur Verpackung oder zur äußeren Hülle und Aufmachung anderer Jndustrieerzeugnisse und sollen natürlich so billig wie nur irgend möglich sein. Nachdem die Anwendung der Maschinen und damit die Ausbeutung der weib» lichen Arbeitskraft in der Kartonindustrie immer größeren Um- fang angenommen hat, wird denn auch Erstaunliches in der Billig» keit der Produkte geleistet. Von den rund 3500 in dieser Industrie beschäftigten Personen sind ungefähr 3000 weiblichen Geschlechts. Die Arbeiterinnen werden in manchen Betrieben an Maschinen beschäftigt, die die höchsten Gefahrenziffern aufweisen. Di« Löhne sind in vielen Fällen erbärmlich niedrig. Sogenannte Lehrmädchen erhalten 4, 8 oder 6 M. die Woche, und wenn sie ausgelernt haben, winkt ihnen ein Verdienst von 9 M., manchmal auch nur von 8, oder gar nur 7,80 M. für die Arbeit einer vollen Woche. Uebcr» zeitarbeit ist sehr verbreitet, und in nionchen Fällen pfeift man dabei auf die gesetzlichen Bestimmungen und setzt die Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft sogar deS Sonnabends bis in die späten Abendstunden fort. Die Löhne der männlichen Arbeiter bleiben ebenfalls in vielen Fällen weit hinter dem zu einem menschenwürdigen Dasein Notwendigen zurück. Es gibt Zu» schneider, die mit 22 oder 23 M. die Woche entlohnt werden, dafür aber auch den schönen Titel„Werkmeister" führen. Allerdings werden für Zuschneider auch 30, 33 uird 36 M. Lohn gezahlt, wie eS denn auch Arbeiterinnen gibt, die höhere Löhne als die oben an- gegebenen haben. Aber im allgemeinen sind die Löhne in der Kartonindustrie nicht besser, als sie schon vor 10 bis 20 Jahren waren, trotz der inzwischen eingetretenen unerhörten Verteuerung der Lebenshaltung. Mit den Dingen, von denen Gesundheit uns Wohlbefinden der Arbeiter im Betriebe abhängt, ist es in manchen Betrieben auch empörend schlecht bestellt. So wurde aus einem Be- triebe berichtet, daß für 27 Arbeiterinnen nur ein Klosett vor» handen sei, aus einem anderen, daß Arbeiter und Arbeiterinnen ein Klosett gemeinsam benutzen müßten und daß nicht einmal für Reinigung gesorgt werde. Ebenso fehlt es häufig an den nötigen Wascheinrichtungen sowie an Garderoben. In einem Betriebe ist die sogenannte Garderobe im Keller und besteht aus einem Brett mit Nägeln darin, in einem anderen im— Klosett. Unter solchen Umständen ist es nicht zu verwundern, daß die Behandlung, die den Arbeitern und Arbeiterinnen hier und da zuteil wird, rück» sichtslos und brutal genannt werden mutz. Daß die Zustände so schlecht sind, daran sind die Arbeiter und Arbeiterinnen selbst nicht ohne Schuld. Sie hätten die Macht in Händen, gründliche Verbesserung herbeizuführen, wenn sie nur in ihren eigenen Reihen für den notigen Zusammenhalt, für«ine starke Organisation ihrer Branche im Buchbinderverband sorgen wollten. Aber daran fehlt eS leider noch zum Teil. In einer Gruppe, der Postkartonindustrie, besteht ja schon fett Jahren ein Tarifvertrag, der die Verhältnisse einigermaßen zufriedenstellend geregelt hat, aber im übrigen fehlt es noch in der Kartonindustrie an einer allgemeinen Regelung der Lohn, und Arbeitsverhältnisse, die, wie alles, was in der Versammlung gesagt wurde, bewies, dringend notwendig ist. Ausland. Polizei und Gendarmerie ist jetzt gegen die ausgesperrte Textil» arbeiterschast von Enschede mobil gemacht worden. Man hat einen kleinen Belagerungszustand über die Stadt verhängt und ein Verbot erlassen, wonach mehr als drei Personen sich auf der Straße nicht versammeln dürfen. Als am Dienstag eine Volksmenge vor der Fabrik von Menco demonstrierte, hieb die Polizei mit blanker Waffe ein, und in der inneren Stadt wurde die Menge von berittener Gendarmerie attackierl, die ebenfalls von der Waffe rücksichrslos Gebrauch machte. Mehrere Personen wurden verhastet. Die Aussperrung dauert in vollem Umfange sott. Der Versuch, die Fabrikanteiivereinigung dadurch von der Berechtigung de« Streiks bei der Firma Menco zu überzeugen, daß man die Mißstände durch eine Fabrikantenkommission untersuchen ließ, ist mißlungen. Diese Kommission hat erklärt, sie sei zu dem Ergebnis gekommen, daß der Firma Menco tem Vorwurf zu machen sei und ebensowenig de» Wert- meistern der Fabrik. Die Proklamierung deS Streiks fei unverantwortlich. Diese Aeußerungen bestätigen nur das Sprichwort, daß eine Krähe der andern die Augen nicht aushackt. Wären die Zustände und wäre die Behandlung, die der Arbeiterschaft bei der Firma Menco zuteil wurde, nicht schlechter als in anderen Textilbetrieben, nicht unerträglich geworden, so hätte» die Texlilarbeiterorganisationen der verschiedenen Richtungen diesen großen Kampf nicht so einmütig ausgenommen und würden nicht geduldig die schweren Opfer bringen, die die allgemeine Aussperrung ihnen auferlegt.� Palmi im Generalstreik. Die stiefmütterliche Behandlung und unerhörte Sorglosigkeit, womit die Behörden den Ort Palmi in Kalabrien bedenken, hat die dortige Arbeiterkammer veranlaßt, den Generalstreik zu proklamieren. DaS Oertchen war, wie bekannt, bei dem Erdbeben vom 28. De- zcmber 1908 schrecklich mitgenommen worden, aber trotz der großen Not, eS fehlt z. B. an Trinkwasier, die Zahl der als Wohnung dienenden Baracken genügt nicht, hat das staatliche Bauamt es noch nicht für nötig befunden, ein Projekt zum Wiederaufbau der Stadl vorzulegen. Die Erregung ist daher groß, so daß an dem Protest- umzuge nicht weniger als 8000 Pcrionen teilnahmen. Die Verkaufs- läden find geschlossen und alle Arbeit ist eingestellt. Die.zur Ausrechterhaltung der Ordnung" entsandten Truppen wurden mit Pfeifen empfangen. Der Parteivorstand hat einen Vertreter geschickt der von der Menge begeistert aufgenommen wurde. Jugendbewegung. Vom Kampfplatze. Nach langen Voruntersuchungen, Haussuchungen und Beschlag- nahmen haben drei Essener Genossen Strafmandate in Höhe von 78 M. erhalten, weil sie den Vorschriften des VereinSgesetzeS über Gießerei; auf den Oderwerken Schiffbau, Gießerei, Nieter, l die Einrei'chung von Satzungen zuwidergehandelt und jugendliche verantw. Redalteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw Letzte ISachncbten und Dcpefcben Drohender Eisenbahnerstreik. PariS, 11. August.(W. T. B.) Der.Tempi" meldet aus NimeS: Der Generalsekretär des nationalen Syndikats der Eisen- bahnarbeiter berichtete heute an der Arbeiterbörse über die Organi- sationen deS drohenden EiscnbahnerstreikS. Er forderte die Eisen» bahner auf, falls sie MobilisierungSorlste erhielten, ihr nicht sofort Folge zu leisten, sondern erst drei biS vier Tage später, was große Unordnung im Eisenbahndienst hervorrufen würde, ohne daß die Ausbleibenden wegen Desertion belangt werden könnten. Die Versammlung nahm zum Schluß eine Tagesordnung an, in der sich die Teilnehmer verpflichten, der Aufforderung deS Syndikats zum Streik sofort Folge zu leisten. Im Schlaf überfahren. Tilsit, 11. August.(W. T. B.) Amtliche Meldung. Am 10. August, abends 11� Uhr, wurde durch den Personenzug 110 bei der Fahrt von Memel nach Jnsterburg auf dem mit Schranken ver» sehenen Niveauübergang der Chaussee Kraupischken— Jnsterburg ein Bierfuhrwerk deS Brauereibesitzers Fröse in Jnsterburg überfahren, dessen Führer anscheinend geschlafen hatte und dessen Pferde, nach» dem sie auf der Chausseekreuzung etwa? nach der Seite hin zur Gleisstrecke abgebogen, stehen geblieben waren. Da der Wagen nicht beleuchtet und die Nacht finster war, wnrde das Fuhrwerk von dem Schrankenwärter beim Schließen der Schranke nicht bemerkt und eingeschlossen. Der Wagen mtt Ladung wurde zertrümmert, die beiden Pferde wurden getötet. Der lebensgefährlich verletzte Führer ist in der Nacht vom 10. zum 11. August in Jnsterburg gestorben. Reisende und Personal wurden nicht verletzt bis auf den Heizer der Lokomotive, der durch die Splitter der zerschlagenen Fensterscheibe leicht im Gesicht verletzt wurde. x Zwei Raubmorde. München, 11. August.(W. T. B.) Wie der Polizeibericht meldet, wurde in ihrer Wohnung an der Frauenhoferstraße mittags die S7iährige KausinannSwitwe Ida Feldmeier ermordet aufgefunden. Der Mord dürfte bereits gestern abend um 7 Uhr ausgeführt worden sein. In der Wohnung waren Kästen und Tische durchwühlt, so daß Raubmord anzunehmen ist. Als Täter kommen daS gestern bei der Ermorderten eingetretene Dienstmädchen aus LandShut bezw. deren Geliebter in Betracht. Beide sind seit der Tot verschwunden. » Kurnil(Prov. Posen), 11. August.(W. T. B.) Der Fleischer» meister KozielS ki von hier wurde heute früh im nahen Walde tot auf« gefunden. Als Täter kommt nur ein gewisser DudzinSki in Betracht, der mit ihm am Abend vorher gezecht und ihn gebeten hatte, ihn auf seinen Wagen mitzunehmen. KozielSli hatte 800 M. und eine Uhr bei sich gehabt; beides fehlte. ES liegt also Raubmord vor. Der Mörder wurde heute gegen Abend in Posen verhaftet. Noch eine Verhaftung. Krakau, 11. August.(W. T. B.) Der Zeichner MilziSIauS WojtaSkiewicz aus Warschau ist unter dem Verdacht der Mitschuld an der Ermordung NybakS verhaftet worden. Attentat auf den Orient-Expreß. Sofia. 11. August.(Preß-Tel.) Auf der Eisenbahnbrücke bei Lubimec wurden die Gleise losgeschraubt. Kurz vor dem Heran- brausen des Konstantinopel— Wiener Schnellzugs wurde das Atten» tat gemerkt, sodaß im letzten Augenblick eine Entgleisung deS ExpretzzugeS und damit eine furchtbare Eisenbahnkatastrophe ver, hindert werden konnte Utz, Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstaU Uflul Singer& Co., Berlin S W, Hierzu 2 Beilagen«.UnterbaltungSbl, It. 187. 27. Zahtgavs. filojf Ks Joniiiitto" 5nilaz> 12. ZsMß 1910. üuch ein Hrbeltswllliser.*) von Karl KautSky, I. 1. Parteidisziplin. Einer der beliebtesten Vorwürfe unserer Gegner ist der, daß die Sozialdemokratie nicht„positive" Arbeit leistet. Wie lächerlich dieser Vorwurf ist, wenn man unter„positiver" Arbeit die mora-- tische, intellektuelle und physische Hebung des Proletariats versteht, wurde schon oft genug nachgewiesen. Aber unsere Gegner ver» stehen etwas anderes unter„positiver" Arbeit. Wir haben in Deutschland kein parlamentarisches Regime. Die Regierungen werden nicht von der Mehrheit des Parlamentes eingesetzt, sondern vom Monarchen. Das Parlament zwingt der Negierung nicht die Gesetze auf, sondern es vereinbart sie mit ihr. Bestimmungen, die die Einzclregierung im Staate oder die vcr- bündeten Regierungen im Reiche ablehnen, werden nicht Gesetz, sebst wenn eine erdrückende Mehrheit für sie im Paulament vor« handen ist. Zu alledem kommen in den Einzelstaaten noch die Ersten Kammern. Vom Standpunkt der bürgerlichen Parteien scheint es da, als könne im Parlament positive Arbeit, das heiht die Schaffung von Gesetzen, nur geleistet werden im Einvernehmen mit den Regie- rungen.„Positiv arbeiten", nennen sie mit der Regierung zu- sammen als Regierungspartei— nicht als regierende Partei— arbeiten, Selbst den so harmlosen und so sehr nach der Regie« cungsgunst lüsternen-Freisinnigen wird vorgeworfen, sie seien eine rein negierende Partei, wenn sie einmal nicht anders können, als Opposition zu machen, um sich nicht zu blamieren. Die Sozialdemokratie hat es bisher stets abgelehnt, in dieser Art„positive" Arbeit zu leisten. Sie fand stets, die wirksamste Methode, Reformen durchzusetzen— soweit solche bei den gegebenen Machtverhältnisien überhaupt durchzusetzen sind—, sei die. an die Massen zu appellieren, bei allgemeinein gleichem Wahlrecht an die Wähler, und durch die Furcht von diesen den Regierungs- Parteien und Regierungen so viele Konzessionen abzupressen als möglich. Jetzt haben sich aber Genossen gefunden, die die bürger- liche Argumentation annehmen, die der Partei vorwerfen— ebenso wie es unsere Gegner tun—. sie weigere sich, positive Arbeit zu leisten, und im Gegensatz zur großen Mehrheit der Partei ihre Bereitwilligkeit erklären, im Sinne der bürgerlichen Parteien und Regierungen positive Arbeit«ju leisten. Wie bei anderen Arbeitswilligen, so geht eS auch bei diesen positiv Arbeitswilligen ohne Disziplinbruch nicht ab. Die Badener Budgctbewilliger sind im Grunde nichts anderes als politische Streikbrecher Zur Rechtfertigung seiner Handlungsweise hat jetzt einer dieser Arbeitswilligen, Genosse Kolb, ein kleines Schriftchen heraus- gegeben unter dem Titel:„Die Taktik der badi Aschen Sozialdemokratie und ihre Kritik"(Karlsruhe, Kuchdruckerei Geck, 40 Seiten). Er gibt zu, daß die badischen Budgetbewilliger einen Disziplin- bruch begangen haben, aber daran sei nur der Nürnberger Beschluß schuld, der ihnen Unmögliches zumute und„den zulässigen Begriff der Disziplin überschreite"(S. 22). Er beruft sich auf David, der in Nürnberg erklärt hatte: »Die Disziplin kann nur bis zu der Grenze gehen, wo die Ueberzeugung anfängt, daß ein Beschluß der Sache schaden könnte. Wenn Sie etwas anderes konstruieren wollen, dann nennt man das nicht Disziplin, sondern Kadavergehorsam." DieS Wort gefällt Kolb so gut, daß er es fett drucken läßt und «och mehrmals wiederholt, wobei er hinzufügt: „Niemals darf eine Partei den Disziplinbegriff so auf die Spitze treiben, daß dadurch einem großen Teil ihrer Anhänger das politische Rückgrat gebrochen und ihnen eine bewußte Heuche- sei zugemutet wird." Danach hört also die Disziplin dort auf. wo sie mit der Ueber- geugung in Widerspruch kommt. Haben unsere Disziplinbrecher überlegt, welche Konsequenzen dieser Grundsatz nach sich zöge? Nehmen wir an, in einem Industriezweig einer Stadt breche ein Streik aus. In einer Fabrik sind die Arbeiter der Ueber» zeuyung, der Streik sei unzweckmäßig, sie würden mehr erreichen, wenn sie sich mit ihrem Unternehmer auf guten Fuß stellten. Will #) AuS der„Neuen Zeit" Nr. 45. kleines feuilleton. Reinhardt in München. Aus München wird uns geschrieven: ES ist für Max Reinhardt und seine Truppe in diesem Sommer schwerer wie in den beiden Borjahren innerhalb des Münchener Kunstsommers feine ihm gebührende Stellung zu erringen und zu behaupten. Denn die Konkurrenz auf allen Gebieten der Kunst ist 1S10 zu groß. ES ist erstaunlich, was sich da alles in den paar Sommermonaten zusammendrängt: eine Schumann-Gedenkfeier, die Richard- Strauß- Woche. Mozart- Festspiele im Residcnztheater, Wagner im Prinzregententheater. Sommergastspiele eines Ber- liner Ensembles im Lustspielhaus, Konrad Dreher im Neuen Unioulheater. Beethoven- Brückner- BrahmS- Zyklus, Lehär- Fall- Strauß als AuSstellungs- Walzerdirigenten, ein französt« scheS Musikfest, die Uraufführung der Mahlerfchen VHL. dazu Ober- ommergau, Parfefal-Luftfahrten, Sioux« und Negerkapellen: wo soll da schließlich das Interesse und die Konzentrationsfähigkeit der so überaus in Anspruch genommenen zahlungsfähigen Fremden her- kommen I? So erklärt sich auf die natürlichste Weise auch der mangel- baste Besuch der Reinhardtschen Bühneusestspiele im Müuchener Küustlertheater. Reinhardts Programm ist diesmal ein vor- wiegend klassisches. ES gab bisher Aufführungen deS .Kaufmann von Venedig", des„SommernachtslraumS". deS „Wiinermärchens", der Aristophanischen.Lysistrata" in GolinerS Bearbeitung, die Münchener Premiere von HoffmannSthalS Novität.CHristinaS Heimreise". Bevorstehen die beiden „Faust" in Erters vielumstrittener Ausstattung.„Minna von Barn- Helm".„Hamlet",„Julius Cäsar", die„Orestie" und als dekorativer Clou deS jungen Freksa orientalische Pantomime„Sumurun". Wahrlich, ein reicher und vielseitiger Arbeitsplan, der die Wunder der Reinhardtschen Regie und des Ensemblespiels in allen möglichen Stilarten zeigen kann. „CHristinaS Heimreise" hat nach der Umarbeitung bei ihrem ersten Ericheinen in München nicht viel Glück gehabt. Reinhardt und seine Getreuen mühten sich um ein bleiches Werk. dem weder dio unvergleichliche Leuchtkraft seiner Inszenierung noch das lebenpulsende Spiel seiner Darsteller die richtige Theaterfarbe und Theaterwirkung zu geben vermochten. Hoffmannsthal ist ja immer mehr Poet als Dramatiker gewesen. Allem in diesem romantiichen Stück strotzender Abenteuer hantiert er nur mit Impressionen. Die Gestalten zerrinnen in der Luft. Ein welliger Lyrismus von Stimmung. Farbe, Ton, träumerisch sinnend, bald erwärmt, bald feurig erhitzt nnt Bildern, Gedanken und Worten. Aber alles bleibt nur ein loses Gefüge von burlesken und schwärmerischen Begebenheiten, dem alle straffe Linienführung und mannhafte Gestal- tung fehlt. Florindo ist Hoffmannsthal: ein inkurabler Aesthet, der in allen Situationen des Lebens und der Liebe mit Anstand und Gefühl reflektiert und sich in stilisiertem endlosen Wortgepränge verliert. Nein, der Wiener Dichter bleibt auch hier, wo er scheinbar aus mystischen Tiefen an die Oberfläche des realen Kolb behaupten, ihre Ueberzeugung enthebe jene Arbeiter ihrer disziplinarischen Pflichten und erlaube ihnen den Streikbruch? Aber vielleicht wird er sagen, ja, das möge für das gewerk- schaftliche Gebiet gelten, nicht aber für das politische. Folgen wir ihm auf dieses. Die Mehrheit der Genossen im Wahlkreis sellt einen revisi- onistischen Kandidaten auf, etwa Kolb oder Ouessel. Die Minderheit ist der„Ueberzeugung", daß dieser Kandidat„der Sache schadet". Also hat sie nach Kolb das Recht, für diesen Kandidaten nicht zu stimmen, ja sogar, ihm einen Gegenkandidaten entgegenzustellen. Denn von Radikalen verlangen, einen Revisionisten zu wählen, hieße doch, ihnen„das politische Rückgrat brechen und eine be- wußte Heuchelei zumuten". Ebenso steht es aber mit der Parteiprcsse. Ist irgendwo eine Minderheit mit der Haltung ihres Parteiorgans unzufrieden, hat sie die„Ueberzeugung", daß es„der Sache schadet", dann steht ihr nach Kolb das Recht zu, ein Gegenorgan zu gründen, denn dies „schädliche Organ" zu unterstützen, wäre doch„bewußte Heuchelei". In der Tat sind wir in Frankreich schon so weit gekommen. Zuerst verlangten die Abgeordneten für sich die Unabhängigkeit von der Disziplin, das Recht, ihre Ueberzeugung höher zu stellen als die Disziplin, dann ging das aber auch auf ihre Wähler über. Neben den Parteikandidaten traten„unabhängige" Sozialisten als Kandidaten auf, und neben der Partcipresse gaben unabhängige Sozialisten besondere Blätter heraus. Auf diese Weise kommt die Partei zur Auflösung, wenn es ihr nicht gelingt, wie es in Frankreich ja schließlich zum großen Teil gelungen ist, der Parteidisziplin wieder zu ihrem Rechte zu verhelfen. Sicher ist es schlimm, wenn Ueberzeugung und Disziplin in Widerspruch miteinander geraten, aber daraus folgt nicht, daß die Ueberzeugung das Recht haben soll, die Disziplin zu durchbrechen. sondern vielmehr, daß ein ersprießliches Zusammenarbeiten auf die Dauer innerhalb einer Partei nur für Leute möglich ist, die in den wesentlichen Dingen der gleichen Ueberzeugung sind. Das Wort Kadavergehorsam auf die Parteidisziplin anzu- wenden, ist aber lächerlich. Der militärische Kadavergehorsam unterstheidet sich in zwei sehr wesentlichen Punkten von der Partei- disziplin. Einmal darin, daß niemand gefragt wird, ob der Soldat sein und bleiben will. Er muß. Dagegen wird niemand gezwungen, unserer Partei anzugehören. Sie zwingt also auch niemand zu bewußter Heuchelei. Bewußte Heuchelei begeht nicht derjenige, der der Parteidisziplin entsprechend handelt, sondern derjenige, dessen Ueberzeugung unvereinbar ist mit der der Partei und der doch in ihr bleibt. Bei den Budgetbewilligern liegt indes die Sache weit weniger gefährlich. Die Forderung der Budgetvevweigerung ist eine Forde- rung, die bloß an die Parlamentarier gestellt wird. Der Nürnberger Beschluß verlangt von den Parlamentariern, die unserer Partei angehören, daß sie das Budget ablehnen, er verlangt aber nicht, daß der Genosse Kolb Parlamentarier sei. Kommt ein sozialdemokratischer Abgeordneter zur Ueberzeugung, die Budgetverweigerung bedeutet einen tiefgehenden Schaden für unsere Sache, so stellt ihn daS noch nicht vor das Dilemma des Disziplin- bruchs oder des Ausscheidens aus der Partei, sondern nur vor das Dilemma des Disziplinbruchs oder des Verzichtes auf sein Mandat. Glaubt ein sozialdemokratischer Abgeordneter nicht die Ver» antwortung für die Befolgung des Nürnberger Beschlusses tragen zu können, dann yibt ihm das keineswegs das Recht, die Einheit- lichkeit der Partei zu durchbrechen und die Partei dadurch aufs tiefste zu schädigen. ES legt ihm nur die Pflicht auf, vor die Ge- nassen seines Wahlkreises zu treten und zu erklären: Unter diesen Bedingungen bin ich nicht der richtige Vertreter für euch. Sucht euch einen anderen Vertreter, dessen Ueberzeugung mit dem Partei« tagsbeschluh besser harmoniert. Das ist die einzige Antwort, die ein sozialdemokratischer Ab- geordneter oder Vertrauensmann der Partei überhaupt zu geben hat, wenn ein Parteibeschluß ihm Pflichten auferlegt, die er glaubt, nicht erfüllen zu können oder zu dürfen. Die Partei verlangt von niemand ein Opfer seiner Ueberzeu- gung, sie bricht niemand sein politisches Rückgrat, mutet stiemand politische Heuchelei zu. Aber die Beachtung ihrer Beschlüsse muß sie von jedem verlangen, der ihr angehört und so lange er ihr an- gehört. Und von ihren Abgeordneten darf sie erwarten, daß sie der Masse der Genossen mit gutem Beispiel vorangehen, sich nicht über die Beschlüsse der Partei erhaben dünken. DaS ist noch lange kein Kadavergehorsam, sondern frei- Daseins heimgekehrt ist, ein blasser Schönredner, ein romantische Literat, in dessen Adern Orangenwasser fließt.... Viel besser als die drei Hauptfiguren Florindo, Christina und Kapitän, die Moissi, Frl. HeimS und Diegelmann vollendet spielten, find zwei Nebenfiguren geraten, ein malayischer Diener(S Ä i 1 d k r a u t) und ein philosophischer Hausknecht, mit dem Waßmann erschütterte. m. Ostende alS Seebad für Arbeiter. Das muß doch ein rechter Glückspilz von einem Arbeiter sein, werden sich die meisten Leser sagen, der sich einen Aufenthalt in dem als teuer verschrienen See- bad Oslende leisten kann. Auch der gewöhnliche Besucher Ostendes wird dieser Ansicht beipflichten, wenn er auf der prächtigen breite» Promenade am Meeresstrand die blasierte Lebewelt beirackitet, die in einem so sonderbaren Gegensatz steht zu der unzählbaren Schar der jubelnden Kinder, die auf der weiten reinen Sandfläche leckere Sand- kuchen backen, Kanäle graben und kunstvolle Monumentalbauten auf« führen. Und dennoch ist es von allen Seebädern gerade Oftende, daS den Arbeitern, die so glücklich sind, Ferien machen zu können, die Annehmlichkeiten des Seebades bieten kann. Daß heute auch ein Arbeiter Ostende besuchen kann, sei es aus Gesundheitsrücksichten oder zum Vergnügen, verdanken wir der bewundernS- würdigen Tatkraft unserer belgischen Genossen. Ostende besitzt schon seit sieben Jahren ein Volkshotel, die „Hotellerie du Pcuple", wo man für billiges Geld unterkommen kann. Man trifft dort um die Sommerzeil Genossen aus Belgien und allen umliegenden Ländern. Aus Großbritannien, wo eine große Anzahl Arbeiter die jährlichen Ferien nicht mehr als ein Ideal, sondern als etwas SelbsterständlicheS, für die Gesundheit eines jeden arbeitenden Menschen Notwendiges betrachten, sind stets Genossen vertreten, und auch aus Deutschland stellen sich immer eine stattliche Anzahl Besucher ein. Das Volkshotel ist eine Gründung der Geuter Sozialisten. Als diese nämlich vor einigen Jahren fanden, daß sie zum Zwecke der Agitation eines Lokals bedurften, gründeten sie die Gesellschaft„Die Sonne", die sich zum Ziel setzte, in allen Orten, wo sich Ansätze zu einer sozialistischen Organisation zeigten, die Genossen mit Versammlungslokalen zu ver- sorgen. Auf Betreiben der Genoffen Dr. Terwagne und Ed. Anseele, die im Jahre 1903 im„Vooruit" die Notwendigkeit eines Volkshotels in Ostende betonten, entschloß sich„Die Sonne", ein Haus in Ostende zu erwerben. Die Genossenschaft„Vooruit" von Gent half und noch im selben Jahre kaufte man ein Grundstück von 400 Quadratmeter. Mit dem Grundstück erwarb man das darauf befindliche geräumige Gebäude, das ein großes Restaurant, einen Speisesaal und 40 Zimmer enthielt. Gleich schnellte die Zahl der Ostender Genoffen, die sehr arm sind und sich bis dahin mit einem Keller als Versammlungslokal begnügen mußten, in die Höhe, und auch alle anderen von' den Sozialisten begonnenen Unternehmungen. Gewerk- schaften und Genossenschaften, fingen an zu gedeihen und stehen heute auf festen Füßen. Das Unternehmen war von Anfang an ein Erfolg. DaS soll nicht heißen, daß»Die Sonne" Prosite macht. Nein, die paar willige Disziplin, weil ja die Zugehörigkeit zur Partei und dw Annahme eines Mandats keine Sache des Zwanges ist. Aber noch in einem zweiten Punkte unterscheidet sich dre Partei- disziplin bei aller Strenge vom Kadavergehorsam: durch das Recht der Kritik. Jeder muß den Parteibeschlüssen nach« kommen, solange sie bestehen, aber jeder hat daS Recht, an ihnen Kritik zu üben und dahin zu wirken, daß sie geändert werden. Mögen die badischcn Genossen die Mehrheit der Genossen von der Richtigkeit ihrer Taktik überzeugen, und kein Parteitag wird ihnen mehr etwas in den Weg legen. Auch Genosse Kolb versucht in der hier besprochenen Broschüre die Parteigenossen zu überzeugen. Aber er scheint von vornherein kein großes Zutrauen zur Ueberzeugungskraft seiner Argumente zu haben, denn er erklärt: beschließt was ihr wollt, wir fügen unS nicht, wenn der Beschluß gegen uns ausfällt. Anders ist es nicht aufzufassen, wenn er sagt: „Was wir fordern und worauf wir bestehen müssen, ist die Beseitigung eines Beschlusses(des Nürnberger), der gleicher- maßen für die Disziplin wie für die Einheit der Partei ge« fährlich ist"(S. 26). Und früher schon erklärte er, „daß die badische Landtagsfraktion sich in dieser Frage nicht unterwerfen kann(im Original fett gedruckt. X.), tveil sie sich damit unrettbar lächerlich und politisch unmöglich machen würde..... Die Partei darf und kann keinen Beschluß auf- recht erhalten, der große und wichtige Teile ihrer parlamentari» schen Vertretung zur Heuchelei und zur Praisgabe ihrer Ueber« zeugung zwingt. Man treibe endlich in solchen Situationen keine Sentimentalität mehr. Hier ist es Pflicht jedes einzelnen, mann« Haft und unerschütterlich zu seiner Ueberzeugung zu stehen, und wenn eS nicht anders geht, mit ihr zu fallen.". Angesichts dieser Sprache wird sich der Parteitag wohl bor allem genötigt sehen, festzustellen, daß seine Beschlüsse unter allen Umständen für jeden bindend sind, der als Parteigenosse betrachtet werden will. Es wäre ja zwecklos, Beschlüsse irgendwelcher Art zu fassen, wenn sie bloß für die Mehrheit verbindlich wären und die Minderheit das Recht hätte, zu erklären, sie widersprächen ihrer Ueberzeugung und darum könne sie sich ihnen„nicht unterwerfen", Es wäre nichts verkehrter, als wollte man Disziplin und Einheit der Partei durch Unterlverfung unter die Diktate Kolbs und seiner Freunde retten. Es hieße die Einheit und � Disziplin dadurch retten zu wollen, daß man diejenigen frei gewähren läßt, die an ihrer Auflösung arbeiten. 2. Die Monarchie. Aus den Worten Kolbs spricht eine verzweifelte Stimmung: so unentbehrlich erscheint ihm die Budgetbewilligung, so unermeßlich der Schaden der Dudgetverweigerung, daß ihm nicht bloß einmaliger Disziplinbruch, sondern selbst Zersplitterung der Partei noch wem- ger schädlich erscheint. Da darf man einigermaßen neugierig sein, durch welche unerhörte Tatsachen eine so unerhörte Auffassung be- gründet wird. Und was von der Budgetbewilligung, gilt ebenso von der Hofgängerei, die ebenfalls allen bisherigen Anschauungen unserer Partei ins Gesicht schlägt. Wer nun erwartet, in der Schrift Kolbs Tatsachen öder Er- wägungen kennen zu lernen, die eine auch nur einigermaßen ein- wandfreie, geschweige denn eine zwingende Begründung deS Disziplinbruchs und der Hofgängerei enthalten, wird schwer ent- täuscht werden. Man darf annehmen, daß Kolb in seiner Broschüre alles vorbrachte, was die badische Fraktion zu ihren Gunsten vorzu- bringen weiß. Es ist auffallend dürftig. Noch mehr. Die einzelnen Argumente widersprechen sich, schlagen einander gegen- seitig tot. Einmal behauptet Kolb, der Disziplinbruch erkläre sich aus den ganz eigenartigen Verhältnissen Badens, die außerhalb Badens nur schwer zu begreifen seien und die eine besondere parlamentarische Taktik erheischten. Dann aber sagte er, die parlamentarische Taktik der Badener Landtagöfraktion sei die einzig rationelle, die auch in den andern Staaten und im Reich zum Durchbruch kommen müsse, wenn wir Fortschritte machen wollen— und doch soll dieselbe Taktik niemand verstehen können, der nicht in alle Mysterien des badischcn Ländchens eingeweiht ist! Und ebenso gehts mit der Hofgängerei. Die Akte, die man de« ladischen Fraktion vorwirft, lverden einmal als einfache Höflichkcits» akte oder von der Geschäftsordnung auferlegte Bedingungen hin- gestellt— leere Zeremonien ohne jede Bedeutung. Dann aber wird auf ihre hohe Bedeutung hingewiesen und bemerkt, daß sie Vorbild- lich für unsere Haltung zur Monarchie in den anderen Staaten seien, welche Haltung wir einer gründlichen Revision zu unterziehen hundert Frank Ueberschuß, die in den letzten sieben Jahren erzielt worden sind, sind kaum der Rede wert. Ueberschüsse zu er- zielen, ist auch nicht die Absicht der belgischen Genossen; es soll vor allen Dingen der Arbeiterschaft die Möglichkeit geboten werden, die Freuden des Meeresstrandes zu genießen und sich zu erholen. DaS Volkshotel rechnet je nach der Lage deS ZjmmerS 4 Frank, 4.60 und 5 Frank für volle Pension. Die Zimmer sind äußerst sauber, die Nahrung vorzüglich und so reichlich, daß auch der größte Esser befriedigt wird. Die Besucher meiden meistens den osfiziellen Badeplatz, wo das tägliche Bad eine an» sehnliche Geldsumme verschlingt, und gehen hinaus in die Dünen, wo sie als eine große sozialistische Familie ihre See-, Sand-, Luft- und Sonnenbäder nehmen. Man nimmt eine Schaufel mit, um am Meeresstrande ein großes Loch zu graben, das mit Hilfe von Spazierstöcken, Schirmen und Handtüchern in eine Art Höhlenzelt verwandelt wird, in dem sich die Genossinnen an- und auskleiden können. Eine bunte und lustige Gesellschaft ist eS. die in den Sommermonaten im Volkshotel ein« und auszieht und manch herzliche Freundschaft ist hier schon zwischen den Genossen der ver» schiedcnen Nationen geschlossen worden. Wie vorzüglich diese von den belgischen Genossen geschaffene Einrichtung ist, beweist die Tatsache, daß sich auch manche Personen, die unserer Bewegung fernstehen, als Gäste einfinden. DaS ist vielen Genossen, die ,m Hochsommer, wenn alle 70 Betten besetzt sind, vergeben» anklopfen, keine angenehme Talsache. Diese Fremd- linge in unserem Lager handeln anscheinend nach dem Goethewort. daß der deutsche Mann den Franzmann nicht liebt, aber seine Weine gern trinkt. Sie mögen die Sozialisten nicht, aber unsere Butter« brote essen sie gern. Das Volkshotel in Ostende wird von Jahr zu Jahr beliebter. Schon ist es viel zu klein für die Bedürfnisse aller derer, die eS benutzen wollen, und schon denkt man an eine Erweiterung. DaS ist ein erfreuliches Zeichen der wachsenden Kulturbedürsnisse der Arbeiter» schaft. Mag auch der Spießbürger an seinem Biertisch über die Be- gehrlichkeit der Arbeiter poltern und über den Proletarier im See» bade öde Witze machen, der Sozialismus wird nicht ruhen und rasten, bis daß sich ein jeder, der der Gesellschaft die Kraft seiner Muskeln oder seines Hirns opfert, im Sommer aus dem Lande, im Gebirge oder an der See erholen kann. Notizen. � Theaterchronik. Die erste Novität de? Deutschen Theaters in der neuen Spielzeit ist„Simson und Delila", ein« Tragikomödie von Sven Lange. T�Mascagni als Erfinder. MaScagni, der gegen- wartig eine Konzertreise in Amerika unternimmt, soll, nach englischen Meldungen, eine Vorrichtung erfunden haben, die mit einem Piano berbuuden wird und die Noten, wie sie gespielt werden, sofort zu Papier bringt. Man soll mit Hilfe dieser Vorrichtung imstande sein, jede musikalische Jmprovisatton sofort in einer Abschrist sestzulegen. (Die Sache klingt etwa» amerikanisch.) hatten. Da erfahren wir, welch tiefer Sinn: In dem kindischen Spiele liegt. Betrachten wir zunächst die Argumente zugunsten der Hof- Gängerei. Da haben wir einmal die Gratulationscour. Kolb schreibt: Jedesmal, wenn wir in ein Präsidium eintraten, haben wir, auch im Reichstag, uns bereit erklärt, alle in der Verfassung und der Geschäftsordnung vorgesehenen Bedingungen zu erfüllen. „Die Geschäftsordnung der Zweiten badischen Kammer ent- hält in dem Z 74 die Bestimmung, daß der Landtag an den Groß- herzog eine Deputation senden kann, die aus den Mitgliedern des Präsidiums und etwa noch ausgelosten weiteren Mitgliedern der Zweiten Kammer besteht. Nun hat die Zweite Kammer bc- schloffen, dem Groffherzog anläßlich seiner silbernen Hochzeit ihre Gratulation zu übermitteln und damit das Präsidium auf Grund des Z 74 der Geschäftsordnung beauftragt. Wollten wir nicht wortbrüchig werden, dann blieb nichts übrig, als daß unsere Vertreter im Präsidium sich ebenfalls bereit erklärten, den von der Zweiten Kammer ihrem Präsidium erteilten Auftrag mit auszuführen." Und Kolb fragt weiter, was man denn sonst hätte tun können? ES ist mir leider bisher noch nicht gelungen, dieser famosen Geschäftsordnung habhaft zu werden und den Wortlaut des H 74 zu erfahren. Das was Kolb darüber mitteilt, zwingt niemand, an einer Gratulationscour bei Hofe teilzunehmen. Der Z 74 hat offenbar den Zweck, der Zweiten Kammer die Entsendung von Depu- tationcn an den Großherzog zu politischen Zwecken zu er- möglichen, etwa um ihn mit Forderungen der Kammer bekannt zu machen. Unsere Fraktion hatte da nicht nur das Recht, sondern die Pflicht, energisch dagegen zu protcjneren, daß dieser Paragraph dazu mißbraucht werde, das Präsidium zur Staffage bei un- politischen Familienfesten zu degradieren. Es war ihre Pflicht, zu erklären, bei einem derartigen Mißbrauch der Geschäfts- ordnung zu byzantinischen Zwecken würden sie nicht mittun. Aber merkwürdig, dieselben Leute, die mit dem Disziplin- b r u ch gegenüber der Partei so rasch bei der Hand sind, um ihre Ueberzeugung nicht zu gefährden, sie vermeiden ängstlich auch nur den entferntesten Schein eines Bruchs der Geschäftsord- nung und nehmen lieber an jedem Mißbrauch derselben teil, mag auch ihre republikanische Ueberzeugung dadurch noch so sehr verletzt werden. Da empfinden sie plötzlich den„Kadavergehorsam" als ihre heiligste Pflicht— unsern Gegnern gegenüber. Ebensolchen Kalibers sind die Gründe für die Teilnahme am Hoch auf den Großherzog bei der Schlußfeier: „Daß wir bei diesem Hoch aufgestanden sind, entspricht nicht den Tatsachen, die ganze Versammlung hatte sich schon zuvor von den Sitzen erhoben. Allein das ist ja ohne Bedeutung, denn daß man, wenn man schon an solchen Akten teilnimmt, bei einem Hoch aufsteht, entspricht den einfachsten Regeln des Anstandes und des in der ganzen kultivierten Welt üblichen Taktes. Wenn auf unseren Parteitagen ein Hoch auf unsere Partei ausgebracht wird, erheben sich die anwesenden Gegner auch, wenigstens diejenigen, die Anstand gelernt haben"(S. 30). _ Also sie sind nicht aufgestanden, sind aber doch aufgestanden, weil bei solcher Gelegenheit jeder anständige Mensch aussteht, also auch unsere badischen Aufständischen—„wenn man schon an solchen Akten teilnimmt". In diesem Sätzchen liegt des Pudels Kern. Wer zwang unsere Genossen, an jenem Akt teilzu- nehmen? Sie wußten, daß die Schlutzfeier eine Huldigung für den Großherzog mit sich bringe, sie waren ihr entsprechend fest- lich gekleidet erschienen— und dann wollen sie uns weis- machen, das Ganze sei einfach ein bedeutungsloser Akt des„ein- Wachsten Anstandes". Daß das nicht stimmt, verrät uns Kolb in seinem Eifer selbst: '«In der Politik gibt eS Imponderabilien, Dinge, die man nicht wägen und nicht messen kann, deren Beachtung oder Nichtbeachtung doch auch manchmal nicht ohne Bedeutung ist. Wo die Taktik unserer parlamentarischen Vertretung ausschlaggebend in die Wagschale fällt, sind auch solche an sich belanglose Dinge (wie die Teilnahme an Huldigungen K.) nicht ganz ohne Bedeu- tung. Ob unsere Teilnahme an der Schlußfeier aus Gründen der politischen Zweckmäßi gleit geboten war oder nicht, darüber können wir jedenfalls ein zutreffenderes Urteil fällen als jene Genossen, die unsere Beteiligung so abfällig kritisieren. Auch hier handelt es sich um eine Frage der Taktik. Für den Taktik gibt es aber sehr oft Gründe, die man nicht an die große Glocke hängt. Es ist doch sicher kein Zufall, daß die Zentrumspresse gerade auch über unsere Beteiligung an der Schlußfeier im höchsten Grade entrüstet ist und in allen Tonarten über uns herfällt. Die Herrschaften des schwarzblauen Blocks haben instinktgemäß begriffen, daß dieser an sich, wie gesagt, be- deutungslose Vorgang für die badische Politik nicht so bedeutungs. loS ist, als unsere norddeutschen Parteiorgane annehmen. Früher hat sich die Zcntrumspresse über unser Fernbleiben entrüstet und es politisch ausgeschlachtet, jetzt versucht sie in ohnmächtigem Grimm das Gegenteil, genau wie bei der Budgetabstimmung" (S. 29, 30). Dem Zentrum werden wir es nie recht machen, so oder so. Um so weniger beweist die jetzige Entrüstung des Zentrums über die sozialdemokratische Teilnahme an der Schlußfeier etwas dafür, daß diese Teilnahme am Platze gewesen sei. Wohl aber zeigt der ganze Passus, wie alles, was uns über die Bedeutungslosigkeit der ver- schiedenen Akte der Hofgängerei gesagt wird, daß sie nur durch Rücksichten auf Geschäftsordnung und Anstand erzwungen worden seien, nichts ist als leere Flausen. Man will eine politische Wirkung mit diesen Huldigungen er- zielen— sie waren„durch Gründe der politischen"Zweck- Mäßigkeit geboten," sagt Kolb selbst, wobei er geheimnis- voll hinzufügt, diese Gründe dürfe er nicht„an die große Glocke" hängen. Seine intimen Kenntnisse der höfischen Strömungen darf er uns nicht verraten, ob er auf die„Imponderabilien" des Groß- Herzogs selbst spekuliert oder des ErbgroßherzogS oder irgend einer seiner Tanten oder Basen, deren Einfluß„nicht ganz ohne Bedeutung" ist. Aber so viel läßt er uns doch erraten, daß die Hofgängerei zu dem Zweck unternommen wurde, bei Hofe eine günstige Meinung von der Sozialdemokratie— oder vielmehr von dieser Art Sozialdemokratie— hervorzurufen und dadurch die parlamen- tarische Stellung der Fraktion zu stärken. Es wäre ein bedenkliches Zeichen, wenn diese Art Politik beim badischen Proletariat Anklang fände. Höfische Hintertreppen- Politik ist nie eine großartige Sache. Höfische Hintertreppenpolitik von Vertretern einer proletarischen, republikanischen Politik be- trieben, kann diese Politik nur verächtlich machen, auch bei denen, lim deren Gunst sie sich untertänig bemüht. Kolb ist indes nicht zufrieden damit, die Hofgängerei al» ein bedeutungsvolles Produkt schlauer Taktik aus den besonderen badischen Verhältnissen zu erklären und sie gleichzeitig«IS politisch bedeutungslose Konsequenz bloßer GeschäftsordnungZbestimmungen und allgemeinen AusftandeS hinzustellen, den die Gegner auch für uns an den Tag legen. Er fügt zu diesem Widerspruch noch den hinzu, daß er einmal die Hofgängerei als ein Produkt badischer Eigenart hinstellt, dann aber erklärt, sie sei eine Notwendigkeit für bie monarchischen Länder überhaupt! -, Er fragt die Gegner seiner Taktik: „Glauben sie wirklich, daß Sozialdemokratie und monar» chische Staatsform unter allen und jeden Umständen sich gegen. feitig ausschließende Begriffe sind? Notabene, eS handelt sich also nicht um Sozialismus und Monarchie. Eine sozialistische Gesellschaftsordnung mit monarchischer Spitze ist undenkbar. Bei der Frage, die ich aufwerfe, handelt es sich um etwas anderes, um eine Sache, die in parlamentarisch regierten Monarchien über kurz oder lang für unsere Partei akut wird. Zunächst will ich aber auf deutsche Verhältnisse exempli- fizieren, denn die liegen uns näher. Gesetzt den Fall, in irgend einem Bundesstaat erobert unsere Partei die relative oder gar die absolute Mehrheit im Parlament. Sie wird dann nicht umhin können, nicht nur den ersten Präsidenten zu stellen, wenn sie sich nicht für politisch bankrott erklären will. Glaubt man «un im Ernst, daß in einem solchen Falle der sozigldSUg- k r a k i s ch e Präsid'enk den Landesfürsten, der verfassungsmäßig nicht nur der Repräsentant des Staates, sondern ein mit- bestimmender Faktor von Gesetzgebung ist, einfach igno- rieren kann? Das ist doch schlechterdings ausgeschlossen." Kein Zweifel, der Fall, den Kolb hier im Auge hat, bietet große Schwierigkeiten. Dank unserem Partikularismus ist es möglich, daß die Sozialdemokratie in irgend einem deutschen Einzel. staat die Mehrheit in der Kammer erobert, indes im Reich die Sozialdemokratie noch in der Minderheit ist. Die Mehrheit in jenem Einzelstaat wird da in die schwierigsten Verhältnisse ver- fetzt, alle Aufgaben einer sozialdemokratischen Mehrheit werden ihr zugewiesen, indes ihr gleichzeitig die Macht vorenthalten wird, diesen Aufgaben gerecht zu werden. Aber die Frage, wie sich der sozialdemokratische Präsident zum Landesfürsten stellt, wird dann die geringste unserer Sorgen sein. Sie ist völlig bedeutungslos gegenüber der Frage, wie sich die Mehrheit zur Regierung und deren Anforderungen stellen wird! An der Zivilliste z. B. wird dem Regenten weit mehr gelegen sein als an der persönlichen Vorstellung des Präsidenten. Und sollen wir das Kultusbudget bewilligen, die politische Polizei, die Ge- hälter von Beamten, die das Recht brechen, um das Proletariat in seinem Klassenkampf zu hindern? In einem solchen Land muß es dann'zu einer Periode tief- gehender Konflikte kommen, in denen unsere Vertreter den größten Scharfsinn, die größte Zähigkeit und Unerschrockenheit werden auf- bieten müssen, um sich zu behaupten. Sie verlieren aber das Spiel von vornherein, wenn ihre erste Sorge die ist, die Gunst des Landesherrn zu gewinnen, wenn sie das Unmögliche möglich machen wollen, gleichzeitig für Proletariat und für die Monarchie zu arbeiten. Das aber ist nach Kolb zunächst ihre Aufgabe. Schon früher in seiner Schrift behauptet er: „Wenn wir heute in irgend einem Staate die Mehrheit er- halten, das heißt die politische Macht erobern, so haben wir damit noch keineswegs die Macht, die Monarchie und die Klassen zu beseitigen, das heißt also die sozialistische Gesellschaft zu«er- richten." Das dient zur Bekräftigung des Satzes: „Die kapitalistische Gefellschaft läßt sich nicht durch politische Demonstrationen aus der Welt schaffen, sondern nur dadurch, imß wir uns in steigendem Maße Einfluß auf alle in ihr wirkenden EntwickelungSkräfte ver- schaffen."(S. 11. 12). Hier ist die Hofgängerei nicht mehr ein bedeutungsloser AuS- 'luß eines Zwanges des Z 74 der Geschäftsordnung der badischcn Zweiten Kammer, sondern ein Ausfluß der einzigen Methode, die Kolb kennt, um die ganze kapitalistische Gesell- chaft zu bekämpfen. Diese Methode heißt: Einfluß auf alle in ihr wirkenden EntwickelungSkräfte gewinnen, auf Monarchen, Bureaukraten, Kapitalisten ebenso wie auf das Proletariat. DaS ist die einzige Methode praktischer Politik, die er kennt, alles andere ist leere„Demonstration". Klassengegensätze und Klassenkampf existieren für ihn nicht; er findet sie nicht in der Wirklichkeit, sondern nur in den„verknöcherten Dogmen" der Theoretiker. Wie kann aber die Sozialdemokratie Einfluß gewinnen auf sene„EntwickelungSkräfte", die durch die Ausbeutung und Be- herrschung des Proletariats existieren? Ich gewinne nicht Ein- 'luß auf Elemente, die ich bekämpfe, sondern nur auf Elemente, >eren Interessen ich entweder wirklich oder doch dem Anschein nach vertrete. Sicher kann auch der Sklave Einfluß auf seinen Herrn gewinnen und durch diesen Einfluß eine gewisse Macht ausüben. Manche Sklaven der römischen Kaiser beherrschten das Reich. Aber der Sklave kann zu solcher Herrschaft nur gelangen als An- walt der Interessen seines Herrn, durch völligen Verzicht darauf, die Sklaverei aufzuheben oder auch nur einzuschränken. Die Kolbsche Methode ist die Methode des Sklaven, der sich innerhalb der Sklaverei möglichst bequem einzurichten sucht, der darauf verzichtet, auf der Beseitigung der Sklaverei hinzuwirken, der sich seinem Herrn durch den großen Nutzen, den er ihm schafft, unentbehrlich zu machen sucht. Es ist nicht die Methode des Kämpfers, der seine und seiner Genossen Ketten zu brechen sucht. Die Kolbsche Methode ist nicht nur nicht sozialdemokratisch, sie ist nicht einmal mehr demokratisch. Sie ist nationafliberal. Ifljiitft Verbssildstlig des Zentrillottbandes der Fabrililttbeiter Dentschlands. Halle, 10. August. Der dritte Verhandlungstag war der Beratung der Statuten gewidmet, bei der die größte Rolle die Gestaltung des Beitrages und der verschiedenen Unterstützungsarten spielte. Gegenwärtig besteht im Verband ein Wochenbcitrag von 40 Pf. für männliche und 20 Pf. für weibliche Mitglieder; außerdem ist eS den erwachsenen männlichen Mitgliedern freigestellt, einen Beitrag von 50 Pf. pro Woche zu zahlen gegen die Gewährung höherer Unter- stützung. Höchst und Frankfurt a. M. wollten jegliche Erhöhung nur durch eine Urabstimmung beschließen lassen, während Köln die Urabstimmung anwenden wollte, wenn die Erhöhung über ö Pf. hinausgehen sollte. Vom Vorstand lag ein Antrag vor auf öv Pf. für männliche, 30 Pf. für weibliche und Personen unter 18 Jahren; Freiwilligenklasse 60 Pf. Den weiblichen Mitgliedern sollte es freigestellt kein, ebenfalls den 50-Pf.-Veitraa zu leisten. Die Grundlage der Diskussion bildete eine ausführliche Vorlage der Statutenberatungskommission. Ihr Vorschlag zur Beitrags- erhöhung lautete folgendermaßen: Der Beitrag beträgt pro Woche 50 Pf. für männliche und 25 Pf. für weibliche Mitglieder und männliche unter 18 Jahren. Der Vorstand hat das Recht, für Orte, in denen der ortsübliche Tagelohn für erwachsene männliche Ar- heiter nicht über 2 M. beträgt, und die Mehrzahl der erwachsenen männlichen Mitglieder weniger als 2,50 M. pro Tag verdient, auf Antrag derselben den Beitrag pro Woche auf 40 Pf. für männ- liche und 20 Pf. für weibliche Mitglieder festzusetzen. Erwachsenen männlichen Mitgliedern ist eS freigestellt, einen Beitrag van 60 Pf. pro Woche zu zahlen gegen Gewährung höherer Unter. stützung.— Außerdem enthielt die Vorlage Abänderungsvorschläge in bezug auf die einzelnen Unterstützungsarten usw. Nur wenige Stimmen wurden laut, die mit der Vorlage in jeder Hinsicht ein- verstanden waren. Aber die meisten Redner wiesen doch ein- dringlich nach, daß man die Beiträge unbedingt erhöhen müsse und man sich auch nicht mit einer unzureichenden Erhöhung von 5 Pf. begnügen dürfe. Die Anträge auf eine Beitragserhöhung von 5 Pf. sowie auf Staffelung der Beiträge fanden lebhafte Befürworter. Donners- tag wird die Debatte fortgesetzt. Berichtigung: Der Bericht über den zweiten VerhandlungStq, läßt einen Essener Redner sagen,„im Essener Gebiet allem befänden sich fünf Zechen, die 24 080 Tonnen Nebenprodukte herstellen". ES muß heißen: L004480Tonnen. 21. Intervationaler SergltrbttttrklivgrtK. B r ü s s e l. 9. August 1310. Der erste Gegenstand der sachlichen Beratungen des Aon- gresses ist die Forderung von Arbeiterlnspektorea. Eine Resolution der deutschen Delegation verlangt«von den Arbeitern gewählte und vom Staat besoldete Grubenkontrolleure, die das Recht haben müssen, so oft sie wollen, oder so oft die Ar- beiter es verlangen, die Gruben zu inspizieren". Eine englische Resolution beschränkt sich auf die Forderung einer Vermehrung der Zahl der Inspektoren, die aus der Ar- beiterklasse auszuwählen seien. H u s e m a n n- Bochum erinnert an Radbod. Von den 350 Kameraden, die dgrt im November Ivos elend zugrunde gingen. sind erst 118 beerdigt, und eS ist fraglich, od die übrigen fe SstZ Tageslicht geschafft werden können. Der Prozeß gegen die«Berg» arbeitcrzeitung" ist vom Reichsgericht an die Strafkammer in Bochum zurückgewiesen worden und wird im November oder De- zember d. I. erneut zu Verhandlung kommen. Die Schuldfrage wird dort gründlich erörtert werden. Das Ermittelungsverfahren gegen den verantwortlichen Leiter der Grube Radbod ist noch in der Schwebe, und niemand weiß, wann ZF zum Abschluß kommen wird. Das Jahr 1909 ist ohne größere Unglücksfälle im Bergbau verlaufen; dennoch sind über 100 000 Unfälle vorgekommen, darunter 12 770 schwere und tödliche. Das neue Gesetz hat den preußischen Bergarbeitern die„Sicherheitsmänner" gebracht, aber diese Einrichtung, mit der der Minister Delbrück die„Seelen der Arbeiter" gewinnen wollte, ist durchaus unzulänglich. Den Sicher- heitsmännern sind die Hände gebunden; nur in Gegenwart von Beamten dürfen sie einfahren. Es sieht beinahe so aus, als sollte die Einrichtung nur benutzt werden, um den Arbeiterkontrolleuren die Schuld an Unfällen aufzubürden; bei der Grube Reeden hat man ähnliches erlebt. Trotz alledem werden die Bergarbeiter von der neuen Einrichtung Gebrauch machen und die öffentlicbe Meinung aufrufen, um sie auszubauen und so zu einem wirk- samen Mittel zur Verminderung der furchtbaren Unfallgefahr im Bergbau zu gestalten.(Lebh. Beifall.) Brace(England): Die englische Resolution legt der Forde- rung, daß die Bergarbeiter selber die Grubeninspektoren wählen sollen, geringere Wichtigkeit bei. Die Hauptsache ist uns, daß die Zahl der Arbeiterinspcktoren vermehrt wird. Der Bergbau Groß- britanniens fordert in jedem Jahre 1000 Tote. 140— 150 000 Unfälle kommen in jedem Jahre vor, wobei nur diejenigen Unfälle gezählt sind, wo die Herstellung der Verwundeten länger als eine Woche gedauert hat. Angcsichts dieser schrecklichen Ziffern muß die Forderung größerer Sicherheit in den Gruben nicht als Partei- politisch, sondern als humanitär gelten. Wir haben nun Aus- ficht, demnächst die Zahl der Arbeiterinspektoren vermehrt zu er- halten. In der letzten Session des Unterhauses haben Edwards und ich eine Resolution beantragt, die die Vermehrung tzer In- spektoren fordert. Der Minister des.Innern hat versprochen, unserm Verlangen nachzukommen(Beifall). Es bedarf dazu keiner besonderen Vorlage, sondern nur einer Verständigung zwischen ihm und dem Finanzminister bei der Aufstellung des nächsten Etats. Die Bergarbeiter, die das Zentrum der modernen Pro- duktion bilden, haben ein Recht darauf, daß ihr Leben und ihre Gesundheit sicher gestellt werden.(Lebh. Beifall.) C o r d i e r(PaS de Calais): Seit dem Unglück von Courriere ist die Grubeninspektion in Frankreich bedeutend verbessert worden. Tie Selbständigkeit der Arbeiterinspektoren, ihre Unab- bängigkeit von den Grubenverwaltungen ist sichergestellt und ihre Funktionen sind erweitert worden: so habcn� diese von den Ar- beitcrn gewählten Inspektoren die Kontrolle über die Ausführung des Gesetzes von 1900— Kinderarbeit in den Bergwerken— und des Gesetzes von 1905— Einschränkung der Arbeitszeit in den Gruben. Ebenso liegt in ihren Händen die Prüfung der Gesund- heitszustände in den Bergwerken.(Beifall.) Ballas(Belgien.) Das belgische Gesetz von 1897 über die Grubenkontrolle befriedigt nicht, vor allem nicht die Art, wie die Arbeiterinspektoren ernannt werden. Der Minister hat sie auf Grund einer Liste auszuwählen, die von den Handels- und In- dustrieräten aufgestellt wird. Diese Jndustrieräte setzen sich auS Arbeitern und Unternehmern zu gleichen Teilen zusammen; natürlich gelangen sie nie zu einer gemeinsamen Liste. � ES werden also zwei Listen dem Minister vorgelegt, und dieser wählt die Ar- bciterdelegierten regelmäßig aus der Unteruehmerliste. Die Berg- arbciter haben daher gar kein Vertrauen zu den Grubenkon- trolleuren, deren Wirksamkeit noch dadurch beschränkt wird, daß sie nur in Gegenwart eines Grubenbeamten einfahren dürfen. Die einzige Abhilfe erwarten wir von der Durchführung der beut» scheu Resolution.(Lebh. Beifall.) Elfer». Holland: Der holländische Bergbau, dessen Arbeiter zum ersten Male auf einem internationalen Bergarbeiterkongreß vertreten find(Beifall) ist jung, aber die Zahl seiner Unfälle ist bereits beträchtlich. Im Jahre 1906 ist ein Bergwerksreglement geschaffen worden, wonach sich Arbeiterkontrolleure mit der Sicher- heit und Hygiene in den Gruben befassen sollen. Aber es ist sehr ungenügend durchgeführt. Die allgemeinen Gewerbeinspektoren, die häufig nicht das Geringste vom Bergbau verstehen, sind vielfach mit der Grubcnkontrolle betraut. Die Frage wird von den holländischen Bergarbeitern jetzt eifrig studiert; wir werden in nächster Zeit mit bestimmten Vorschlägen im Sinne der deutschen Resolution an unser Parlament herantreten. Die deutsche Re» solution verdient, da sie präziser ist, den Vorzug vor der englischen. (Lebh. Beifall.) Avramoff(Bulgarien). Auch die bulgarischen Berg» arbeiter sind zum ersten Male hier.(Beifall.) Unsere Organi- sation ist jung aber sehr eifrig. Noch liegt alles im argen. Von Arbeiterkontrolleuren ist in Bulgarien noch nicht die Rede. Wir haben zwar Jnspektoven, die die Durchführung des Gesetzes über die Frauen- und Kinderarbeit zu beobachten haben, aber sie werden vom Minister ernannt. Nur die deutsche Resolution kann uns genügen. Niemals darf man einer Regierung die Auswahl der Grubenkontrolleure überlassen. Die besten Hüter der Arbeiter- interessen sind die Arbeiter selbst.(Bravo l) Der englische Dele- gierte meinte, die Frage der Sicherheit in der Grube sei keine politische, keine Parteifrage, sondern eine humanitäre Frage. Diese Auffassung scheint mir nicht der Wirklichkeit zu entsprechen: sie war immer eine politische und eine Parteifrage. Die einzige, sichere Hilfe für die Arbeiter ist eine zielbewußte Arbeiterpartei. (Lebh. Beifall.) Die Engländer ziehen darauf ihre Reso» lution zugunsten der deutschen zurück, und diese wird einstimmig von allen auf dem Kongreß vertretenen Nationen (England, Belgien, Frankreich, Deutschland, Bulgarien und Holland) angenommen. Die nächste Frage, die den Kongreß beschäftigt, ist die der Nationalisation der Bergwerk«. Eine Resolution der Belgier, die L o m b a t begründet, wendet sich gegen den Brauch, Gesellschaften mit beschränkter Haftpflicht. privaten Finanzleuten und Kapitalisten Bergwerkskonzcssionen zu erteilen und fordert, daß die Bergwerke zum Nutzen der ganzen Gesellschaft betrieben werden. Eine französische Resolution fordert gleichfalls, daß die Berg» Werke nicht Privatpersonen überlassen werden sollten und daß da» nationale Interesse ihre Ausbeutung zum Nutzen der ganzen Nation erheischt. C h o q u e t(Frankreich) stellt fest, daß in seinem Lande in dieser Frage kaum Fortschritte erzielt worden sind. Die so» genannten sozialistischen Minister Viviani und Briand sind eben im Begriff, neue Konzessionen für Kohlcnfelder im PaS de Calais. im Departement Meurthe et Moselle und vor allem in Nordaftika an Privatkapitalisten zu erteilen. Die sozialistische Fraktion wird äußersten Widerstand leisten und die Kohlenarbeiter werden sie darin unterstützen. Handelt es sich doch besonders bei den Boden- schätzen in Algier um Milliarden, die der Nation entzogen werden. P okorn y-Bochum: Der Gedanke der Verstaatlichung der Bodenschätze dringt immer weiter vor, selbst breite Kreise de» Bürgertums verschließen sich ihm nicht länger. Der Privatkapi- talismuS treibt Raubbau mit den Dingen und den Menschen. Man braucht nur an die ungeheuren Unfall- und Krankenziffern und an die Masse von Not und Elend zu denken, dit sich in den Bergwerkdistrikten aufgehäuft hat, um die Notwendigkeit der Ver- staatlichung einzusehen. Im Rulnbecken sind 10 Familien die un- umschränkten Herrscher über 350 000 Bergarbeiter, 150 000 Hütten» arbeiter und andere Arbeiter, über ihre Familienangehörigen, über ein Heer von Beamten und zahllose kleine Geschäftsleute. Dieser Zustand ist unhaltbar. Wenn diese kleine Gruppe sich mit ihren Kollegen, die die anderen Reviere beherrschen, verbündet, dann fühlt sie sich stark genug, der politischen Gesetzgebung, dem Ktaate, Widerstand zu leisten. Es ist sie?in Hemmschuh gegen jeden vernünftigen Fortschritt in der Ardeiterschixtzgesetzgefmng, in der Arbeiterversicherung, so getraut sie sich jeden Minister, der bei ihr in den Verdacht kommt, zu arbeiterfreundlich zu sein, zum Teufel zu jagen. Deutschland ist kein parlamentarisch regiertes Land wie England und Frankreich. Die Minister werden vom Monarchen eingesetzt, aber abgesetzt werden sie— das steht nach der Geheimkonferenz im Palasthotel fest— von den Grubenbaronen. Dort ist gesagt worden, wenn die Regierung es wagen sollte, den Wünschen der Bergarbeiter entgegenzukommen, dann fliegt der erste Minister, und nützt das nichts, dann der zweite, dritte, vierte Minister und sofort, bis wir einen haben, der uns gehorcht. Unheilvoll ist der Einfluß dieser Grubenlords auf unser ganzes politisches Leben und ihre wirtschaftliche Uebermacht, ihr Bestreben, alles von sich abhängig zu machen, wird auch dem großen Heere der Konsumenten sehr bemerkbar, deshalb wächst auch in diesen Kreisen der Gedanke, möglichst bald zu einer Vor- staatlichung zu gelqngen. Diese Stimmung müssen wir möglichst zu nähren suchen. Wie weit wir sind, hat sich bei der Beratung des Kaligesetzes gezeigt. Da spielte der Gedanke der Verstaat- lichung eine große Rolle. Dem Wirken Hues und der sozialdemo- kratischen Fraktion ist es zu danken, daß bei dem Kaligesetz auch die Interessen der Arbeiter einigermaßen berücksichtigt worden sind. Immer mehr dringt die Erkenntnis durch, daß die Schätze des Bodens der Nation gehören und nicht einer kleinen Gruppe von Leuten, die keine Grenze für ihre Profilsucht kennen.(Lebh. Beifall.) Gilmoor(England). Die Verstaatlichung der Bergwerke ist noch ein Ideal, aber es ist gut, wenn die Bergarbeiter es immer vor Augen haben. Was heute noch Ideal ist, kann morgen schon Wirklichkeit werden. Die Frage der Altcrspensionen schien in England bis vor kurzem ganz außerhalb des Bereichs der prakti- schcn Politik zu stehen, heute steht sie im Beginn der Verwirk- lichung. Freilich stehen der-Nationalisierung der Bergwerke zu- mal in England noch große Schwierigkeiten gegenüber. Nicht nur die Abgaben müssen abgelöst werden, die dem Grundherrn für die Bergwerksgerechtsame'zu zahlen sind, das ganze Land mutz ihnen, wenn sie wollen, erst abgekauft werden, bevor man an die Erd- schätze herankann. Dazu sind gewaltige Summen erforderlich, und eine Verdoppelung der nicht kleinen englischen Staatsschuld würde, gering gerechnet, die Folge sein. Was hilft aber auch die bloße Verstaatlichung der Gruben, solange da? kapitalistische System existiert. Auf den preußischen und österreichischen Staats- gruben sind die LöhUe niedriger als auf den Privatgruben. Es gilt also, das ganze kapitalistische System zu stürzen. Die englischen Arbeiter bewundern die deutsche Sozialdemokratie, die von Sieg zu Sieg schreitet. Sie hoffen, daß der Tag nicht mehr fern ist, wo sie das Heft in Händen hält. Folgen wir Engländer diesem Kcispiell(Lebh. Beifall.) Rymer(Berufsvereinigung der polnischen Bergarbeiter) gibt folgende Erklärung ab: Wir begrüßen die Forderung mit Freuden, die Bodenschätze zum Gemeingut zu machen. Augen- blicklich aber sind die Arbeiter in den fiskalischen Bergwerken in keiner beneidenswerten Lage. Der Grubenfiskus ist kein muster- gültigen Arbeitgeber. Vor allem sucht er auch die politische lieber- zeugung seiner Arbeiter zu knechten. Darunter haben wir Polen besonders zu leiden. Wir közznen für keine Resolution stimmen, die uns einen Arbeitgeber gibt, der viel schlechter ist, als der gegen- wältige Private und werden deshalb, obwohl wir prinzipiell mit der Forderung einverstanden sind, uns der Stimme enthalten. Mit dieser Ausnahme werden die beiden Resolutionen ein- stimmig angenommen. Es- folgt die L o h n f r a g e. Hierzu liegt ein Antrag Deutsch. lands vor, der den Abschluß von Tarifverträgen auch im Bergbau empfiehlt. Rymer(Polnische Berufsvereinigung) begründet den Antrag und befürwortet auch zwei Anträge der G e l g i e r und Franzosen auf gesetzliche Festlegung eines Minimallohnes. Bisher haben die Unternehmer noch immer versucht, in Zeiten der Krise die Bergarbeiterlöhne hcrabzudrücken, leider meist mit Erfolg. Solche Lohnherabsetzungen sind zumal in der gegenwärtigen Zeit recht unangenehm, wo neue Steuer» lasten auf die arbeitende Klasse abgewälzt worden sind. Not und Elend müssen da Platz greifen. Daher müssen Tarifverträge ab- geschlossen werden, die dieser Unternehmerwillkür einen Damm entgegensetzen. Man sagt, Tarifverträge wären im Wergbau nicht möglich. Dahinter steckt nur die Furcht, daß es dann mit dem Herr-im-eigenen-Hause-sein ein Eride haben wird. Als beim Kaligesetz nicht alles so kam, wie die Herren eS sich dachten, da kündigten sie auch flugs eine Lohnherabsetzung an. An den Ar- beitern wollten sie sich schadlos halten. Glücklicherweise traten im Reichstag die Arbciterabgeordneten dagegen auf und, wenn ihnen auch nicht alles gelang, etwas kam doch heraus. Wir müssen nun versuchen, in Zukunft mehr zu erreichen. Wir stimmen für alle drei Anträge.(Beifall.)>— Cadeaux» Frankreich verweist auf die gerade jetzt sehr lebhafte Agitation unter den französischen Bergarbeiteim auf Ein- iführung eines Minimallohns in Höhe von 6,73 Fr. für den Tag. Die Unternehmer befürchten davon einen Rückgang der Produktion, während sie selbst heute durch Einstellung ungeübter Hilfsarbeiter einen folchen Rückgang verschuldet haben. Die Fortsetzung der Debatte wird auf Mittwoch vertagt. Ken Vorsitz führt morgen Husemann-Bochum. Hus Induftm und ftandd. Patriotische Kohlenpreise. Dem rheknisch-westfälischen Kohlensyndikatswucher steht der der oberschlesifchen Kohlenmagnaten durchaus ebenbürtig gegenüber. In der letzten Zeit hat sich der preußische Staat alle Mühe gegeben. den Kohlenmagnaten Schlesiens BesänftigungSgeschenke zu gewähren. Deren Wunsch, nach Berlin billige Frachtsätze für die oberschlesische Kohle zu bekommen, um so gegen das englische Material konkurrieren zu können, wurde durch den Eisenbahnzentralrat Sicht erfüllt. Es wäre auch ein Skandal sondergleichen gewesen, �enn dafür gesorgt worden wäre, daß Berlin nicht mehr die billige englische, sondern die teurere oberschlesische Kohle hätte kaufen müssen. Kürzlich bekamen die Oberschlester schon ein Pflaster für diesen Schmerz dadurch, daß die sächsischen Staatsbohnen beschlossen, einen langfristigen Lieferungsvertrag auf täglich b00 Tonnen Lokomotivkohlen mit oberfchlestschen Unter- nehimmgen abzuschließen. ES waren die oft genannten Friedländer und Wollheim, die daS glänzende Geschäft machen konnten. Erleichtert wurde«S ihnen dadurch, daß daS preußische Eisenbahnzentralamt für die Kohlentransporte nach Sachsen den Regiefrachtsatz bewilligte, das heißt, eine um 40 Prozent erniedrigte Fracht ficherte. Der Ausfall für die böhmische Braunkohlenindustrie ist ganz gewaltig. Die Wiener.Neue Freie Presse" teitt mit, daß durch diesen Vertrag jährlich ungefähr 130 000 Tonnen böhmische Braunkohlen weniger nach Sachsen gehen würden. Dazu kommt aber noch, daß jetzt die bayerischen Staatsbahnen eben- falls beschlossen haben, ihren Bedarf aus Oberschlesien zu beziehen, sicher ebenfalls unter Gewährung des AuSnahmetarifS. DieS wäre ein weiterer Ausfall für die österreichische KohlenauSfuhr von rund 170000 Tonnen, durch die wieder besonders da» Brüxer Revier getroffen würde. Die österreichische Regierung will nun die kürzlich er- höhten Ausfuhrtarife für Kohlen wieder ermäßigen. Bemerkenswerter- weise wirdpeinlich verschwiegen, welche Preise in den Lieferungskontrakten festgelegt worden sind. Vielleicht sind sie so unverschämt hoch, daß man sich einfach scheut, sie öffentlich bekannt werden zu lassen. Es sei hier an die Verträge des preußischen EisenbahnfiSkuS mit dem Kohlensyndikat auS dem Jahre 1907 erinnert, die für das.liebe Vaterland" Preise vorsahen, die um rund 60—80 Proz. höher waren, all die, die nian im ftanzöfifchen Konkurrenzgebiete forderte. Die oberschlesifchen Auslands- und Inlandspreise, die kürzlich beröffent- licht wurden, ergeben dasselbe Bild. Die Preise, die für daS Inland je nach der Sorte zwischen 12,50 und 8,50 M. schwanken, lauten im besttitleneu Gebiete auf 7,50 bis 4,50 M. l Und so wird der jetzige sächsische Vertrag auch weiter nichts sein, als ein gutes Mittel für die Oberschlester, die Preise für das Inland nach oben festzulegen. Mit den bayerischen Abmachungen dürfte eS nicht viel anders werden. Der Schlußeffett ist immer wieder: der dumme deutsche Michel zahlt allesl Und die Herren Magnaten sprechen mit Begeisterung von ihrem Vaterlande! Man kann aber auch anders I Als vor zwei Jahren daS Reichs- marineamt nicht die teure deutsche, sondern die billige schottische Kohle kaufen wollte, da drohten die.Hamburger Nachrichten" damit, daß die deutschen Schlachlstbiffe im Kriegssalle keine deutschen Kohlen bekommen würden. Jetzt kaust das Reichsmarineamt selbstverständ- lich wieder die teuere rheinisch-westfälische Kohle. Und der PatriotiZ- muS lodert wieder hell auf!_ Eine stürmische Gläubigerversammlung. Ueber den Verlauf der Versammlung der Gläubiger der ver- krachten Niederdeutschen Bank in Dortmund wird uns noch berichtet: Außer den Vertretern der Großbauken, der Treuhand-Gesellschaft, der Reichsbank und kleinerer Bankinstitute waren auch zahl- reich die sogenannten kleinen Leute aus dem Mllnsterlande und auch vom Rhein erschienen. Gleich als der Konkursrichter die Ver- sammlung eröffnete, wurden allgemein Ruft nach dem inhaftierten Bankier Ohm laut. Der Konkursverwalter erstattete dann seinen Bericht, der die pessimistischen Urteile über die traurigen Aussichten der Gläubiger in allen Teilen vollauf bestätigte. Nach Ansicht deS Konkursverwalters haben die Gründer der Bank von vornherein die Absicht gehabt, Spekulations- geschäfte zu machen. Ohm hat sich nicht nur in Effektengeschäften engagiert, sondern auch große Produkrengeschäfte durch die Firmen Blomberg u. C o.- Düsseldorf und Siegel u. Lau-Köln entrieft. Im Auftrage von Ohm kauften diese Getreide gegen drei MonatS-Akzept, un� es sofort wieder mit Verlust gegen Kasse zu verkaufen. Das bare Geld erhielt Ohm. An diesen Geschäften sind nach den Feststellungen des Konkurs- Verwalters 1000 000 M. in ganz kurzer Zeit verloren gegangen. Die Lünener Bank, eine Gründung Ohms, deren Direktor ebenfalls in Untersuchung sitzt, hat von der Niederdeutschen Bank mehrere hunderttausend Mark dubiose Forderungen und fingierte Konten übernommen. Die enormen Verluste hat Ohm bilanzinäßig nie zum Austrag gebracht. Die ganze Arbeit der Konkursverwaltung ist bisher auf die Lösung der Börsenengagcments verwandt worden. Was für die Gläubiger bei dem Konkurs herauskommen wird, das hängt nach den Ausführungen des Konkursverwalters in der Haupt- fache davon ab, wie die Werte der Tochtergesellschaften realifieft werden können. Von neun zu bestimmenden Mitgliedern des GläubigerauSschusfes verlangten die Hauptgläubiger, Deutsche Handelsgesellschaft, West- holsteinsche Bank und einige andere für sich das Recht, acht Mitglieder zu bestimmen, wohingegen die gesamten anderen Gläubiger nur ein Mitglied ernennen sollten. Den Vcftretern der Großbanken warf man vor, daß sie zum Nachteil der Gesamtmasse Sonder« inleressen verfolgten. Die sehr begehrte Mitgliedschaft zum Gläubigerausschuß dürfte schätzungsweise jedem Mitgliede 10—15000 Mark einbringen. Nach einein während der Verhandlungen vom Reichsbankpräsi- deuten an Direktor U h l e m a n n eingegangenen Telegramm sind die Großbanken angeblich nach wie vor bereit, dem kleinen Gläubiger der Niederdeutschen Bank einen Teil seiner Forderung möglichst bald in bar auszuzahlen. Trotz dieser wiederholten Versicherungen stehen Eingeweihte den schönen Worten skeptisch gegenüber. Jedenfalls fehlt auch den kleinen Gläubigern zum großen Teil der Glaube an die Botschaft. Inzwischen war vom Gefängnis die Nachricht eingegangen, daß die Vorführung OhmS nicht möglich erscheine, weil er krank sei. Die Mitteilung wurde von der Versammlung mit foftgesetzten Zurufen aufgenommen. Der Antrag Ohms auf Haftentlassung ist am Dienstag vom Oberlandesgericht abgelehnt. Man nimmt deshalb an, daß Herr Ohm nun einen neuen Weg einschlagen will, um auS der ihm sehr unbequemen Haft entlassen zu werden. Der KoukurSrichter hatte schließlich an die Gläubiger-Versammlung den Vorschriften gemäß, die Frage zu stellen, ob der KonkurSschuldner bezw. seine Familie aus der Masse unterstützt werden sollten. Die Anfrage löste nochmals einen wahren Sturm aus. Der Ruf: Laßt sie betteln! wurde mehrfach laut. Bei dem gegenwärtigen Stand des Konkurse? blieb der Ver- samnilung weiter nichts übrig, als sich zu vertagen. Von den Hauptgläubigern wurden in der Versammlung an Forderungen geltend gemacht: Deutsche Handelsgesellschaft 3 000 000 M., von denen das Gericht unter Vorbehalt 2 000 000 M. anerkannte, von der Westholsteinschen Bank 1000 000 M., vom Dortmunder Brauhaus A.-G. 2 000 000 M., von der verkrachten Lünener Bank 3 500 000 M. Die anderen größeren Gläubiger machten keine näheren Angaben über ihre Forderungen. Nach Mitteilungen von informierter Seite dürste die Unter- suchung gegen Ohm mit dieser Versammlung in ein neues Stadium treten. Die Untersuchung wurde bisher nur wegen Bilanz- Verschleierung geführt. Nach der Gläubigerversammlung ist gegen Ohm auch Strafanzeige wegen Depotunterschlagung in Höhe von 400 000 M. erstattet. Von dieser Anzeige war bisher Abstand ge- nommen, weil die Geschädigten glaubten, ihre Depositen, die sich in Händen von Berwaltungsmrtgliedern befinden, zurückzuerhalten. Die Verwaltungsmitglieder haben nunmehr endgültig die Herausgabe verweigert, weil sie nach ihrer Behauptung dieselben bona Ms erworben haben. In der Buchhandlung der Doftmunder„Arbeiter- Zeitung" ist eine jener Haussparkassen ausgestellt, mittels deren die Agenten der Bank unter Assistenz katholischer Geistlicher den frommen Kirchen- gläubigen das Geld aus den Häusern abholten. GericMs- Leitung. In dir Welt berjenigrn,«die nicht alle werdend führten zwei Verhandlungen, welche gestern das Moabiter Straf. gericht beschäftigten. Die erste dieser Verhandlungen gestattete einen recht interessanten Einblick in jenes Verbrechertum, welches immer noch, trotz aller Beobachtungen der Kriminalpolizei, die großen Berliner Bahnhöfe unsicher macht. Wegen Betruges im strafschärfenden Rückfall war der Händler Hermann Schröder an- geklagt. Der Angeklagte, welcher zu der edlen Sippe der Bauern- fänger gehört, hat schon insgesamt über fünf Jahre wegen Betruges und gewerbsmäßigen Glücksspiels hinter den„schwedischen Gardinen" gesessen. Am 15. Juni d. I. wurde er nach Verbüßung einer längeren Gefängnisstrafe aus der Strafanstalt entlassen. Am nächsten Tage spähte er schon wieder in der Vorhalle deS Schlesischen Bahnhofes auf Opfer aus. Bald lief ihm auch ein „Grüner" in der Person des Arbeiters Offowski, der aus Dort- mund nach seiner westpreußischen Heimat zurückkehren wollte, in die Hände. Der Angeklagte machte sich in geschickter Weife an sein Opfer heran, indem er sich als Landsmann ausgab. Alles verlief auch programmäßig. OssowSki wurde durch die Straßen Berlins geschleppt, bis er überhaupt nicht mehr wußte, wo er eigentlich war. In einer bekannten„Nepperkneipe" in der Auguststraße fand sich dann der gute Bekannte des angeblichen Landsmannes hinzu, und ebenso„zufällig" wurde unter einer Zeitung ein Spiel Karten entdeckt. Bald War ein kleines Spielchen im Gange, bei welchem O. erst gewann, dann aber im Handumdrehen seine sauer ersparte Barschaft in Höhe von 130 M. verlor. Als sich dann die berden Gauner unter einem Borwande empfeblen wollten, er- innerte sich O. mit einem Male daran, daß er in seinem Heimat» licheti Lokalblättchen schon etwas von einer gejpissen Sorte von Schwindlern gelesen hatte, die etwaS„naiven" Prsbinzialen beitft Kümmelblättchen das Geld abnehmen. Er folgte dem Angeklagten und erwischte ihn gerade noch, als er verschwinden wollte. Von dem Geld hätte der„Landsmann" jedoch keinen Pfennig mehr be? sich; mit diesem war sein Genosse längst über alle Berge.— Die Strafkammer erkannte mit Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit des Treibens des Angeklagten dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf zwei Jahre Zuchthaus, 300 M. Geldstrafe, eventuell noch 20 Tage Zuchthaus zusätzlich, und drei Jahre Ehrverlust.— Aehn- liche trübe Ersahrungen in der Großstadtluft mußte ein Land- Wirt I. machen, der aus dem Städtchen L. in Pommern Mitte April d. I. nach Berlin gekommen war. Als I. am Abend des 10. April d. I. die Friedrichstratze entlang ging, wurde er in der Nähe des Oranienburger Tores von zwei schon etwas angejahrten und stark gepuderten Dämchen angesprochen, die ihn kurz entschlossen unter die Arme nahmen und ihn durch verschiedene Lokale in der Elsasserstraße schleppten. In der Wohnung der einen„Schönen" in der Ziegelstraße kam es dann zu einem Eklat. Die holde Dulzinea, die wohl früher in einer Jahrmarktsbude als Riesen- dame angestellt gewesen war, nahm dem völlig eingeschüchterten Provinzonkel einfach das Portemonnaie und machte sich mit dem Inhalt in Höhe von 58 M. selbst bezahlt. Schließlich gab sie ihm aus Mitleid 2 M. Fahrgeld. Die beiden tatkräftigen Venus» priesterinnen, die Händlerin Anna Lotze und die Frau Helene Rebstock wurden gestern zu einem Monat bezw. zu drei Monaten Gefängnis verurteilt._ Wahlvcrgehen. Von der Ferienstrafkammer des Dortmunder Landgerichts wurde ein Dachdecker zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt, weil er bei der im Dezember stattgefundenen GewerbegerichtSwaht zum drittenmal auf eine fremde Wahllegitimation hin hat wählen wollen. Nach denk Urteil hatte der Dachdecker zweimal gewählt, als er noch ein drittes Mal zum Wahllokal ging, um nochmals für einen anderen zu wählen._ Polizei und Recht deS StreikpostcnstehcnS- AuS Anlaß deS Gemeindearbeiterstreiks waren im Vorjahre in Kiel 16 Arbeiter mit einem polizeilichen Strafmandat bedacht worden, weil sie den Anordnungen der Schutzleute, wegzugehen, nicht Folge geleistet hatten. Sie verlangten gerichtliche Eni- scheidung, und das Schöffengericht verurteilte mehrere, sprach andere aber frei. Gegen die freisprechenden Urteile legte die Staatsanwaltschaft, gegen die verurteilenden legten die Verurteilten Berufung ein. Die Strafkammer setzte die Verhandlung aus und beschloß, die Entscheidung des Kammergerichts über Streikpostenstehen herbeizuschaffen und Erhebungen zu veranstalten, ob vom Kieler Polizeipräsidenten während des Streiks besondere An- ordnungcn für das Verhalten der Schutzleute gegenüber den Streik- Posten ergangen seien. Am Dienstag kamen nun die Berufungen vor der Strafkammer in Kiel zur Verhandlung. Die herbei- geschaffte Entscheidung des Kammergerichts besagt: „Ein Schutzmann ist nicht befugt, auf Grund allgemeiner polizeilicher Anweisungen Streikposten wegzuweiscn, ohne vorher zu prüfen, ob eine Gefährdung der öfscntlichc» Ordnung und Sicherheit vorliegt." Der als Zeuge geladene Polizeiinspektor Kelpe bekundete nun: Wegen der gefährlichen Situation beim Gemeindearbeiterausstand, sowohl für die Schutzleute als auch für das Publikum, wies der Polizeipräsident die Schutzleute in einem schriftlichen Befehl an, jedem Versuch der Streikenden, die Arbeitswilligen bei ihrer Tätigkeit zu belästigen oder gar tätlich anzugreifen, entgegen- zutreten, sowie auch von vornherein den Streikposten entgegen- zutreten eventuell durch Erstattung von Anzeigen auf Bestrafung aus 8 43 der Strahenpolizeiverordnung vom 11. August 1906 zu dringen. Der Polizeiinspektor erklärte, daß die Schutzleute in jedem Falle nachprüfen sollten, ob die Befürchtung vorlag, daß eS zu Unruhen kommen könnte. Während der Zeuge Polizei. kommissar Leder sich der Auslegung anschloß, die der Polizei- inspektor dem Befehl des Präsidenten gab, hat der kommissarisch vernommene Polizei kommissar Arend erklärt, daß er aus dem Be- fehl entnommen habe, baß den Schutzleuten eine eigene Prüfung der Sachlage nicht überlassen sein sollte, daß sie vielmehr jede» Streikposten wcgzuweisen hatten. Daz Gericht entschied, daß der vom Polizeipräsidenten er- lassene Befehl nicht der vom Gesetz vorgeschriebenen Form entspricht. Die auf Grund des Z 43 getroffenen Anordnungen müssen allgemein bekannt gemacht werden, denn es heißt in dem Para- graphen ausdrücklich, das Publikum müsse den Anordnungen folgen. Der Befehl des Polizeipräsidenten sei aber so aufzufassen, wie� ihn der Kommissar Arend aufgefaßt habe. Deshalb müsse in jedem einzelnen Falle festgestellt werden, ob der Schutzmann annehmen konnte, daß durch das Stehen des Streikpostens eine Gefährdung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit entstehen werde. Bei jedem einzelnen Falle erklärte nun der Schutzmann, der die Wegweisung des Streikpostens veranlaßt hatte, daß er in dem Streikposten eine Gefährdung der Ruhe, Ordnung und Sicherheit in der betreffenden Gegend erblickt habe. Außerordentlich be- merkt wurde es, daß der Polizeikommissar Leder alle Schutzleute auf dem Korridor des Gerichtsgebäudes um sich versammelt hatte. und zwar nachdem das Urteil über den Befehl des Präsidenten ergangen war und bevor die einzelnen Fälle zur Aburteilung standen. Das Gericht hob nach den Aussagen der Schutzleute alle freisprechenden Urteile auf und verurteilte die Angeklagten ztt Geldstrafen von 1 bis 3 M. Danach ist das gesetzliche Recht deK Streikpostenstehens abhängig von der Gnade des Schutzmanns� Vermifcbtes. Vom Kleroplanrunäklug in franferdd). Am Donnerstag handelte eS sich darum, die dritte Etappe deS RundflugS durch Frankreich zu nehmen. Die erste Etappe von 135 Kilometern war von sechs Fliegern durchmessen worden, bei der zweiten Etappe hatten nur drei Flieger das 160 Kilometer weite Ziel erreicht. Bei der am Donnerstag zurückzulegenden dfttten Etappe von Nancy nach Meziöreü kamen von den drei übrig ge- bliebenen Konkurrenten noch zwei an, und zwar die Bleriotflieger L e b l a n c und A u b r u n. Der dntte Konkurrent Legagneux, der einen Sommerapparat fährt, konnte nicht starten, da sein Motor in Unordnung geraten war und trotz aller Reparaturversuche nicht in gebrauchsfähigem Zustand gebracht werden konnte. Die beiden abgefahrenen Bleriotpiloten erreichten jedoch glücklich ihr Ziel. Der bisher besonders vom Glück begünstigte L e b l a n c gebrauchte zur Zurllcklcgung der 160 Kilometer langen Strecke nur 125 Minuten. Aubrun, der morgens 5 Uhr 43 Minuten abgeflogen war, traf erst 9 Uhr 25 Minuten am Ziele ein. Er hatte den Weg verloren und eine Zwischenlandung machen müssen. Auch der Deutsche Lindpaintner. den auf der zweiten Etappe kurz vor dem Ziele eine Motorpanne zum Landen gezwungen hatte, die ihn verhinderte, rechtzeitig in Nancy einzutreffen, hatte noch einmal den Versuch gemacht, sich wenigstens um den Etappen- preis zu bewerben. Er geriet jedoch unterwegs in ein Gewitter, daS ihn zum Niedergehen zwang, während die bedeutend schnelleren Bleriotflieger dieser Gefahr entgingen. Der bisherige Verlauf des RundflugeS stellt immerhin eine bis« her von Aeroplanen noch nicht erreichten Rekord dar. Ist e» doch bis jetzt den beiden Bleriotfliegern gelungen, an drei vorher bestimmten Tagen eine Gesamt st recke von 460 Kilo» meternzurückzulegen._ Ein neuer tteberseeflug. Der englische Aviatiler Lorraine, ein belannter Schau- spieler, hat am Mittwoch einen Ueberlandflug zurückgelegt, bei dem er 77 Kilometer über das Meer fliegen mußte. Brookins nicht tot« Der Amerikaner Brookins, der mit einem Höhenflug von annähernd 1900 Metern bisher den Weltrekord im Höhenflug mit dem Aeroplan(einer Wrigthmaschine) hält, sollte nach einer gestrigen Meldung bei einem Absturz tödlich verunglückt fein und auch mehrere Zuschauer schwer verletzt haben. Nach einer neuerlichen Meldung handelt es sich um einen Absturz von wesentlich geringfügigeren Folgen. Brookins soll nicht getötet worden sein, sondern nur einen Bruch des Nasenbeins erlitten haben. Auch von den Zuschauern erlitt niemand tödliche Verletzungen._ Der Aeroplan im militärischen Aufklärungsdienst. Wie aus B o u y gemeldet wird, sind dort interessante Aeroplanmanöver vorgenommen worden, um die Brauchbar keit des Aeroplans zum Zwecke des militärischen Aufklärung� dienstes festzustellen. Zwei Leutnants war die Aufgabe ge< stellt worden, mittels einer Flugmaschine den Standort zweier feindlichen Batterien festzustellen, die in der Entfernung von etwa 12 Kilometern Aufstellung genommen hatten. Die Offiziere stiegen bis zu einer Höhe von 500 Metern auf und nahmen in einem 25 Minuten währenden Fluge die er- forderlichen Erkundungen vor, die durchaus befriedigend ausgefallen sein sollen, da die Stellung des markierten Feindes entdeckt und seine genaue Position notiert werden konnte. Die Hebungen sollen fortgesetzt werden. Schweres Eisenbahnunglück. Gestern früh 6 Uhr 45 Min. sind bei Kilometer 24,1 der Strecke Strasburg— Bösel zwischen Motzenheim und Benfeld(Gemeinde- bezirk Sand) bei starkem Nebel während der Begegnung der Personen« züge 206 und 201 von dem letzteren sechs Nottenarbeiter überfahren und getötet worden. Bom Schlachtfeld der Arbeit. Auf dem Eisen- und Stahlwerk H ö s ch zersprang Donnerstag früh im Drahtwalzwerk ein Schwungrad. Durch die umherfliegenden Teile des Rades wurden die Arbeiter Ruppert und Speuermann ge- tötet, fünf andere verletzt, darunter einige schwer. Flucht eines TigerS t Rom, 10. August. In graste Aufregung wurde, wie der Telegraph schon berichtet hat, ein Teil der Bevölkerung eines Dörfchens der italienischen Alpen, B e u r a im Kreise Domodossola, in diesen Tagen versetzt. Zwei sich als Menageriebesitzer ausgebende ( Männer zeigten die Flucht eines TigerS an. besten sie trotz aller Be- mühungen nicht wieder hätten habhaft werden können. Nachdem sie diese Aussage abgegeben hatten, verschwanden beide. Die Gemeindeverwaltung glaubte an den Tiger und setzte sogar eine Prämie von 50 Lire für den aus, der den Tiger zur Strecke brächte, während die Polizei sich wunderbarerweise gar nicht um die Jagden kümmert, da sie nicht an das Vorhanden- sein des Tigers glaubt. Dieser Auffassung hat sich ein Teil der Be- völkerung angeschlossen, während der andere sich aus Furcht vor einer Begegnung mit dem Untier nicht aus dem Dorfe wagt. Nach An- ficht der Mailänder Blätter sollte die Polizei die Gegend gründlich nach dem Tiger absuchen, wobei sie sich sicher weniger lächerlich machen würde, als bei gewissen Jagden aus zweibeiniges Wild, denn schlimmstenfalls könnte das Resultat doch nur dasselbe sein, wie bei diesen, nämlich dast sie mit leeren Händen von ihrem Ausflug heim- kehrt._ > Meine Notizen. LieveStragödie? B o n n, 11. August. In einem hiesigen Hotel hat sich in vergangener Skacht, wie der„Bonner Generalanzeiger" meldet, ein junges Ehepaar aus Breslau erschossen. Ueber die Ursache deS Doppelielbstmordes haben die jungen Leute nichts hinterlasten, dagegen das Geld für das Begräbnis und die Hotel- rechnung. Mysteriöser Mord. München, 11. August. Heute in den Mittagsstunden wurde in einer der belebtesten Gegenden, in der Frauenhoferstraste, eine etwa 40 Jahre alte Witwe von einem noch unbekannten Täler ermordet und beraubt. Grubcnunfall. Z a b r z e, 11. August. Auf dem Krugschacht rist die Kuppelung zweier Förderwagen. Ein Wagen sauste zurück und erfastte den Bergmann Gallus; der Kopf wurde ihm vom Rumpfe getrennt, so dast der Tod sofort eintrat. Ein rabiater Liebhaber. Mannheim, 11. August. Der 23 Jahre alte Roman Crupp unterhielt seit längerer Zeit mit der Näherin Gretchen Horneff aus Ludivigshafen ein Liebesverhältnis und demnächst sollte die Hochzeit stattfinden. Dieser Tage nun hatte Roman Crupp seinem zuküuftiPi, Schwiegervater 60 M. gestohlen und bestellte nun heute morgen seine Braut, um sie darüber zu be« fragen, wie sich ihr Vater zu dem Diebstahl geäustert habe. Das Mädchen teilte ihrem Bräutigam mit, dast der Vater Anzeige er- statten werde. Darüber wurde Roman Crupp so aufgebracht, dast er ein Messer auS der Tasche nahm und blindlings damit auf das Mädchen losstach. Dann verletzte er sich mit dem Mester selbst so schwer, dast er alsbald tot zusammenbrach. Das Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht und liegt hier an vielen Stich- und Schnitt- wunden sehr krank danieder. Automodilllnfall. Bonn. 11. August. Wie die Blätter aus Wiesbaden melden, wurde auf der Chaussee nach der Platte gestern das Automobil eines hiesigen Kurgastes, des Rittmeisters Krank, in dem sich der Diener und der Chauffeur befanden, durch einen Bnfatz total zertrümmert. Es geriet bei einer scharfen Kurve ins Rutsche» und überschlug sich. Die beiden Insassen wurden herausgeschleudert und erlitten schwere Arm-, Bein- und Rippenbrüche. Ihr Zustand hat sich bereits gebessert. Schwerer Betriebsunfall. Wie da? Luxemburger.Wort' meldet ist in Esch an der Alzette das Gerüst eines Maschinenhausneubaue« der Gelsenkirchener Bergwerks- und Hüttenbau-A.-G. gegen 2 Uh: nachmittags eingestürzt. Drei Arbeiter find getötet und drei fchwe: verletzt worden. «ttterungSüberficht vom II. Sluguft ISIS, morgen« 8 Hb». -ff ti 10 10 11 12 16 «enervrognoie für Freitag, den 13. August 1910. vielsach wolkig, zeitweise heiter ohne erhebliche Niederschläge: am Tag» etwas wärmer. Berliner Wetterburea» «vasserstandS,Nachrt-v»r» der Land«? anstalt fllr Gewässerkunde, mstgeteilt vom Berliner Weltcrbureau. Wasserkland Memel, Tilsit Siegel, Jnsterbmg Weichsel, Tboru Oder, Natibor , Krosten , Frantiurt Warthe, sckrimm , Landsberg Netz«, Vordamm Elbe, Lettmeritz , Dresden » Barba , Magdeburg 0 4- bedeutet Wuchs,— stall.— Unterpearl. Jilp.MsH.SteiMasse il.deiitscfienöreetisler genesen: E. H. 86. Verwallungsst, Berlin 8. Am 8. d. MtS. verstarb unser Mitglied �ugll5l kolesleised. Ehre seinem Audenke»! Die Beerdigung findet Frei- tag, den IL, August, nachm. 3 Ubr. von der Halle deS Zentralsried- hoseS in Friedrichsselde auS statt. 288/17 Der Borstand. Ofls-Krartenftisse der Buchbinder a. verwandten Gewerbe. Unseren Mitgliedern und Be> kannten die traurige Nachricht, dast unser Kassenbeamter, Herr Itfdiard Zander am 9. August an Schlaganfall plötzlich gestorben ist. 277/4 Wir verlieren in demselben einen äusterst tüchtigen und ge- wisscnhasten Beamten, welcher in seiner 13jährigen Tätigkeit bei uns stets seine Pflicht treu ersüllte. Der Borstand. Nachruf. Am 9. d. MtS. verstarb plötzlich infolge eiueS SchlaganjallS unser langjährige Kollege Richard Zander Im 46. Lebensjahre. 277/5 Wir werden sein Andenken in Ehren halten! Die Anaestellte« der Orts-Krankenkasse der Buchbinder. Danksagung. Allen Freunden und Bekannwe sage hiermit für die rege Teilnahm« und die zahlreichen Blumenspenden bei dem Begräbnis meines lieben Gatten, des HutinachcrS Vito Bosin «einen innigsten Dank. 4SSL Die trauernde Witwe. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung unserer lieben Mutter, Schwieger- und Groß. Mutter SSLL Johanna Asmus lagen wir allen Neben Verwandten, Freunden und Betannten, sowie den Vereinen„Roie Nette-,.Große« Los-,.Vergißmeinnicht- und dem Gesangverein.Männerchor Weißen- iee- unseren innigsten Dank. Jb'nmllle Korbn. Kaulsdorf und Mahlsdorf. Nur 20 Pf.-Fahrt v. Zontnim Borlins, trotzdem billig, als weiterv Berlin Seiegone Orte, wie Hoppegarten, enonhagenusw.Mäß. Anzahlung, lang). Hypotheken. Pläne gratis. Verkäufer ständig am Bhf. Mahisdorf im Pavillon. 435L» I. Rieger, Berlin, Gontardstr. 6. Danksagung. Sage hierdurch allen Verwandten und Bekannten, sowie den Kollegen der Tischlerei Hischer u. Konradsen, dem Deutschen Holzarbeiler-Verband, den Genossen de« 6. Wahlkreises (Bezirk 725b) und dem Gesangverein „Wcdding- sür die stille Teilnahme und Kranzspende bei der Beerdigung meine« lieben Mannes und Vaters meinen herzlichsten Dank. 4533 Weißcnsee, den 11. August 1910. Witwe Frau Brandt nebst Kindern. „Berliner irlielter- fladlahrer-llereir Mitglied de« Arbeiter» Radsahrer-Bunde» »SoltdaritSf. Touren zum Sonntag. 14. August. 1. Abt.: Sonnabend: Epreewald, 7 Uhr Görlitzer Bahnhof. Sonntag 1 Uhr: Heiligensee(Waldschloß). Start: Bülowftraße 58. 2. Abt.: K>/z Uhr: Köpenick Schnitzel- jagd. 12 Uhr: Familientour Eich- walde(Witte). Statt: Fontane- Promenade 18. 3. Abt.: 4 Uhr: Neu-Ruppw (Schähler, Karlstr.). 1 Uhr: Nowa- weS(Singer). Statt: Mariannen- platz. 4. Abt.: 8 Uhr: Hoppegatten (Wilden Mann). 1 Uhr: Johannis- lhal(Schulz) Statt: Küstttner Platz. 5. Wt: 6 Uhr: StreiWge biftch den Blum entöl. 1 Uhr: Röntgental. Start: Elystum.. � � 6. Abt.: Sonnabendabend» Ubr: Wörlitz. Anhaller Bahnhof 5.35 btS Btttenberg. Sonvkg 12 Uhr: Wannfee (Fürstenhos). Statt: Oderberger Straße 28._ 7. Abt.: Sonnabendabend 8 Uhr: Spreewald(Mehnett). Sonntag 5 Uhr: Teupitz(Tornows Idyll). 2 Uhr: Grünau(Köpenicker Stt. 88). Start: Kösliner Straße 8. 8. Abt.: 3 Uhr: Brandenburg a. H. (VollShauS). 12 Uhr: Potsdam (Viktoriagatten). Statt: Waldsw. 8. 10. Abt.: 6 Uhr: Strausberg(Spitz- mühle). 12 Uhr: Hungriger Wölfl Statt: Weberstraße 6. Lichtenberg: 5 Uhr: Prenben(Hll- enseld). 1 Uhr: Schöneich«(Lemle). statt: Pfarrstr. 74. 11/20 Slwelgverela Berlin and Cmeegend. Sonntag, den 14. August 1910, mittags IS Uhr, in den Musiker« Festsalen, Kaiser. Wilholm-Itraße 18«: Geffentliehe Bauhilfsarbeiter-Versammlung des Lohngebiets Groß-Berlin. Tagesordnung: 1. Vortrag dcS Genossen Bitter:»Zweck und Ziele der Gewerkschafts- bewegung--. 2. DiSkusfivn. 3. Verschiedenes. 30/10- ggT" Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist da» Erscheinen aller BauhilsSarbeiter dringend notwendig."OQ Der Elnbemter. Verleih Inatltnt: Friedrichst.l 1B/I, a-Oraba. "Tor. Eleg. Frack, Sehrock I.b0�ole l.00. Weste bOPfl Maßanzüge Verwaltung Berlin. Einsetzer. Sonntag, 14. August, vormittags 9 Uhr, finden die Bezirks- Versammlungen in folgenden Lokalen statt: 1. Bezirk: MerkowSki» Andreasstraße 26. S.„ Gliesche, Kopenhagener Straße 74. 9.„ Sauer, Levetzowstratze 21. 4.„ Preil, Rixdorf, Rosenstratze 24. F.„ Wiemer, Bülowstratze 53. 9.„ Mix, Skalitzer Straffe 69. 7.„ Charlottenburg, Rosinenstraße 8. 8.„ Melzer, Wtesenstraffe 29. Die Kommlsfio«. flchniog! Vertrauensleute! Die Zahlstelle 71 ist von Warschauer Straffe 22 nach Nr. 1?, Lokal von Böhl, verlegt worden. 87/16 Die Ort» Verwaltung. Die Gänseansschlachterei von Karl Riedel, Rildorf, Hermannstr. 2Ü5, ist wieder eröffnet sehr elegant, 32—85 M.. fettige An» züge 8,25 an. Tuche sehr große AuS« wähl Posten engl. Stoffe u. Anzug» reste billig. 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WSL* Dr.Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 3312* Ariedrtchftr. 203, Ecke Schützcnsir. Wochentags 10-8, 5-7. Hn die vetebtlicben Salem flleikum-Raucbcr! Infolge der den Bedarf in brauchbaren Tabaken nickt deckenden türkifeben Rohtabak- ernten der letzten Jahrgänge fehen wir uns vor die Frage gcftellt, entweder die Qualität zu verldileditem, oder den Detailpreis der Salem fUcikum- Cigarette Nr. 3 um einen halben Pfennig zu erhöhen. Da der große Konlum nur auf der guten Qualität dieler jeder befteeb enden Husftattung entbehrenden Cigarette beruht, konnten wir uns in Rnbetracbt des MrO-AiuieM. waebfenden Verftändnilles, welches das p. t. Publikum Quaütäts- cigaretten entgegenbringt, nur für das letztere entfeheiden und wir glauben, damit im Interesse aller Qualltätsraucbet zu bandeln- Salem fllcikum wird in der alten feinen Qualität unter Nr. 4 5 6 8 10 zu 4 5 6 8 10 Pf. d St. weitergeführt. Orient. Tabak- u. ZArws*" Ind. Hugo SHetr Cigatettenfabrik„ I wIIICIZjw Dresden. Soeben erschienen: Kadischt Devolutiousgrschilhten au de» Jahre« 1848». 1841 Bon Wtlbelm Bio«. Brosch. 1 M., geb. 1,50 S Das Finanzhapital Eine Studie über die jüngste Cuiwickelung tu Kapitalismus. Don Bndoir Hlltordlnc. Geb. 9,70 SR Handbuch der sozial' dtmokralischeu Parteitage uro 18ti3—1909. Bearbeitet von Wllb. Schröder. Geb. 7 M. ELptditioil des„Domarts� Berlin SW., Lindenstr. SS (Laden).* +" HygienischB Drogerie Zaremba, WeinbrrgSwrgl, dir. a.Rosenthaler Tor. Billigste Bezugsquelle I Versuch s. zur dauernden Kundschaft, ~ m—— � r i, i—_— 1« Q**»- wissavosmyss oVUsIl Verantwortlicher Redakteur: San» Weber, Kerlin. Sür deaLnseratenteilveraw»� Ttz.Gl»de, Nerli». Krück».Berlag: Lorwärt» Kuchdrucketti u. verlagSanftalt Kaul Singer h sverlig SW. Kr. 187. 27. Zahrgang. 2. ßfilnijr des Jotriito" ßttlintr Jollislilutt. Frettag. 12. Attgnst 1910. Partei- Hngelcgenbciten. Rizdorf. Heut« abend von 7 Uhr ab findet von den bekannten Stellen aus eine Flugblattverbreitung statt. Genossen, seid zeitig zur Stelle. Der Vorstand. Wannsee. Sonnabend, pünktlich l/$ Uhr abends, WahlvereinS» Versammlung im Restaurant„Fürstenhos". Zernsdorf. Am Sonntag, den lt. August, nachmittags 8 Uhr, findet im Knorrschen Lokale die Mitgliederversammlung deS Wahl- Vereins statt. Tagesordnung: 1. Bericht von der Kreisgeneral- Versammlung. 2. Bericht der Gemeindevertreter. S. Bereinsangelegen- heilen und Verschiedenes. Der Vorstand. MeS. was in Feld und und Wellen bezwungen, in alles war nun daheim. In Sie war schon vor mehreren aber nur der Portier hatte sie bis jetzt Wie meine Zigarre Dazu er- ßerltner JVacbncbtcn. Es hat geregnet. Diese Ferien waren nicht vergangen, wie die Zeit sonst vergeht. Nicht wie Wochen— nein, wie Tage vergangen. Alles ging ja so sehr viel schneller. Man stand des Morgens auf, man sah sich kaum um— da war es Mittag. „Mittag?" fragte man.„Schon— „Nachmittag." sagte jemand. Und die Sonne sank. Und die Schatten wuchsen. Da war es Abend.— So ging diese Zeit; schneller, viel schneller als sonst. Nicht wie Wochen— nein, wie Tage der- gehen... Nun aber war alles daheim Wald gewesen, Berge erklettert Wasser und Sonne gebadet— den Städten.— Auch Lilli war wieder da Tagen gekommen. gesehen. „Ganz braun ist sie,' sagte er. hier— ja. so braun l" Er stand auf der Treppe und bürstete etwas. zählte er. Von Afrika: wie heiß eS da sei. O. er wußte eS genau; er hatte einen Freund dort. Der war erst braun!— fast schwarz war er l Wie ein Neger fast. So brennt da die Sonne... „Wie im Backofen�, sagte er. Er wollte noch mehr erzählen. Aber dazu kam eS nicht. „Erna!" rief es plötzlich irgendwo Die Meine sprang davon. Lilli! Sie fiel fast die Stufen hinab. .'n Tag I" Lilli flog ihr entgegen. Sie hatte ein weißes Kleid an und eine Schleife im Haar. So braun wie die Zigarre war sie ja nicht, nein, aber tüchttg verbrannt war sie doch. Ihr Papa, dem das Haus gehötte, hatte noch ein zweites, ein kleineres, wo sie im Sommer wohnten. Jeden Sommer. sagt Lilli. Und sie sagt, das sei am Meer. ..Ganz am Meer. Das Meer ist blau. Groß und blau. «nd immer sind Schiffe darauf. Und die Wellen brummen. st kann man nicht einschlafen, so brummen sie." „So laut—?" „Ja. so laut... Und du? Wo warst du?' „Zu Hause." „Das hättest du nicht sollen. Hättest du uns DaL war was I Geangelt, gebadet, und abends gefahren, jeden Abend fast— im Segelboot— und weit?" „O, sehr weit. Und ein Wald war da. ew großer Wald. Und eine Wiese, da wurde Ball gespielt—" Lilli erzählt. Sie kann gar nicht genug erzählen. Was der Jörg für Ohrringe hat! Und wie er sie einmal zum Aalfang mit- genommen I Und was er von der Meerfrau erzählt I „Was hast du?" fragt sie plötzlich. Die Augen der Freundin werden groß... sie schimmern ... Die Hände öffnen sich, strecken sich aus, als wollten sie all die Herrlichkeiten greifen— fassen-- Lilli denkt nach. Ihr Blick wird furchtsam— zittert: eS will ihr jemand den Wald entteißen— die Wiese— das Meer— und all die Schiffe darauf-- „Aber so sehr schön ist es nicht", sagt sie.„Nein, so sehr schön nicht. Es hat auch geregnet..." gesehen hinaus Wenige Jahre nur werden vergehen und das Leben wird Klüfte zwischen sie graben, Klüfte, die unüberbrückbar sind. Das Leben wird sie sieben und sondern: Reich zu Reich und Arm zu Arm. Das Leben ist hart. Es wird sie von dem Hof treiben, fort von den Spielen, von der Kinderzeit Da sehe ich sie: ihre Worte sind bitter, ihr Auge kalt. Ich sehe die Arbeiterin. Und ich sehe die Dame. Die eine— müde, mit schwieligen Händen; die andere— lässig und stolz. „Es geht uns gut", sagt sie und lacht.„O. wie kann man doch leben!" „DaS kann man— „Man kann l" sagt die Dame.„Sind wir nicht gesund? Machen wir nicht Reisen? Haben wir nicht Geld— Und plötzlich verstummt sie. Ihr Blick wird furchtsam— zittert... Die andere wächst. Sie reckt sich auf— höher und höher— sie streckt die Hände auS, die schwieligen Hände-- O, was will sie? Will sie etwa initleben? Mittun—? Etwa teil haben an all der Pracht—? Die Dame zittert. „Aber nicht immer ist's so— nein, nicht immer. Wir haben es auch schiver. Nicht nur Sonnenschein. O. nein. Es hat auch geregnet.._ Die Freizügigkeit der Lehrer. Aus Lehrerkreisen wird uns ge- schrieben: Zum Schutze der Freizügigkeit der Lehrer und Beamten Berlins beabsichtigt der Berliner Lebrcrverein in Verbindung mit anderen Beamtenvcreincn geeignete Schritte zu unternehmen. Er Eammelt gegenwärtig das nötige Material hierfür. Die Bestrebungen, >en Beamten die Freizügigkeit zu beschneiden, gehen bekanntlich von den HauS- und Grundbefitzervereine» aus. Man gebe den Lehrern eine solche WohnungSentschädiguiig, das; sie in Berlin dafür an- gemessene Wohnungen in der Nähe ihrer Schulen finden, dann Verden sie nicht in die Ferne schweifen. Manchmal ist eS gar keine nennenswerte Entfernung, die da mitspricht, denn oft liegt eS so, tag man eS zum nächsten Vorort näher hat als in die Gegend, wo man eine preiswerte Wohnung findet. Für die Hausbesitzer ist eS natürlich eine Magenstage und sie haben die Macht, also auch das (Recht. Daß es aber auch für den Beamten meist nur eine Magen- frage ist, das übersieht man einfach. Zum Dampfcrunglück auf der Oberspree. Das vom Dampfer „Khffhäuser I" zum Kentern gebrackne Motorboot„Agnes" ist gestern früh gehoben und an das User gebracht worden. Das ertrunkene Mädchen ist inzwischen als die Lljäbrige Grete Bens aus Berlin er- mittelt worden. Der Führer deö Dampfers„Kyffhäuser I" wurde im Dienst belassen, da er an dem Vorfall nach der übereinstimmen- den Aussage zahlreicher Augenzeugen keine Schuld tragen soll. Wie Bummeleien im Stcncrbureau entschuldigt werde». Oft schon ist an dieser Stelle die Lolrerwirtschaft, die in unseren Steuerbureaus zuweilen herrscht, Gegenstand der Kritik gewesen. Insbesondere haben wir es wiederholt rügen müsse», daß Steuerbeamte Einwohnern, von denen sie die Steuer abholen wollten, sie aber nicht antrafen, den Mahnzettel an die Tür klebten und dieselben so vor den anderen Mietern des Hanfes bloßstellten. Uns wird von einem Fall Mitteilung gemacht, wonach der Geniahnte seine Steuer sofort bezahlte und der Steucrbeamte doch seine Wohnungslür mit solchem Mahnzettel beklebte. Der Bewohner des Hauses K., Ritlerstr. 97, erhielt am 1. August den Stcuerzettel. Am 2. August begab er sich bereits nach dem Steuerbureau Breitestr. 24 und bezahlte dort den Stcuerbetrag. Am S. August wurde dem K. mit dem bekannten Steuerdeputations- sieael ein Mahnzettel an die Wohmmgsrür geklebt, tvorin derselbe aufgefordert wird, entweder die Steuer an die Steuerkasse Parochialstraße oder an die für den Stadlbezirk zuständige Annahmestelle zu entrichten. Am 19. August prangte abermals ein Mahnzettel an der Wohn- tür Ks. Um nun einer weiteren Unannehmlichkeit zu entgehen, de- gab sich K. nach dem betreffenden Steuerbureau und machte den Beamten darauf aufmerksam, daß er die Steuern, um derentwillen er fortgesetzt gemahnt und vor den Hausbewohnern blamiert werde, schon längst bezablt habe. Hier soll man nun dem K. geantlvortet haben, daß er eben die Steuern nach dem Stadthause, Parochial- straße, hätte tragen müssen, dann wäre ihm das Mahnen erspart ge- blieben. Ein sonderbarer Bescheid. Der betreffenoe K. bezahlt seine Steuern in der Annahmestelle, wo er sie seit Jahren entrichtet und wohin ihn der Steuerzettel verweist, und der Beamte entschuldigt sich damit, daß er sie wo anders hin hätte tragen sollen. Wäre eS nicht besser gewesen, wenn man K. geantwortet hätte, daß das Vor- kommnis auf eine Bummelei im Steuerbureau zurückzuführen ist. Vielleicht macht die Stenerverwaltung dem Beamten klar, wie er sich in solchen Fällen zu Verhalten hat. Paul Wclkisch, der Vorsitzende der Filiale Berlin des Glas- arbeiterverbandes, wurde am Mittwoch unter zahlreicher Beteili- gung seiner Berufsgenossen auf dem Friedrichsfelder Friedhof zur letzten Ruhe bestattet. In dem Verstorbenen verliert die Organi- sation einen unerschütterlich rastlosen Kämpfer, der 14 Jahre in selbstlosester Weise an der Spitze der Berliner Glasarbeiter ge- standen hat. Nachdem der Gesangverein der Glasarbeiter dem Verstorbenen den letzten Scheidcgrutz gewidmet hatte, gedachte Genosse Manasse in einer Ansprache der Verdienste des Verstorbenen, um am Schluß den zahlreichen Kollegen ans Herz zu legen, die Arbeit für die Sache der Organisation mit derselben Zähigkeit und Energie' wie der Verstorbene fortzuführen. Eine gefährliche Passage. Durch den Bau der Untergrundbahn in der Schönhauser Allee ist beim Senefelder Platz der dortige West- liche Bürgersteig und auch ein großer Teil des Fahrdammes eingezogen und eingezäunt worden. Zwischen dem Bauzaun und der nächsten Straßenbahnschine befinde: sich ein freier Raum von nur einem Meter Breite. Dieser schmale Gang, der völlig ungeschützt ist, wird aus alter Gewohnheit von zahlreichen Paffanten, die die Straßenseite nicht wechseln wollen, benutzt. In solchen Fällen, wo der Bauzaun weit in die Straßenflucht hineinragt, muß vorschriftsmäßig neben dem Bauzaun ein hölzerner Fußweg mit Geländer an- gelegt werden. Es bedarf hoffentlich nur dieses Hinweises, daß die Bauleitung das Versäumte schleunigst nachholt. Ein Bauunfall ereignete sich gestern vormittag auf dem Grundstück Kronenstraße 8/9. Dort läßt die Firma Trunk einen AnSbau des Grundstückes zu Lagerräumen für Möbel ausführen. Zu diesem Zweck wird eine Treppe heruntergerissen. Der Arbeiter Paul Juhl, Biesenthaler Straße wohnhaft, war gestern gerade damit beschäftigt. die rechte Giebelmauer zu behauen, als plötzlich die vor der Mauer liegenden Schuttmassen durch die Erschütterungen nach der Mauer zu fielen und dieselbe eindrückten. Juhl wurde von der einstürzenden Mauer verschüttet und erlitt schwere innere Verletzungen, die seine Ueberführung in das Urban-Krankenhaus notwendig machten. Wie uns von Arbeitern de« Baues mitgeteilt wird, wurden dort nicht genügende Sicherheitsvorrichiungen angebracht, um die be schäftigten Arbeiter vor Lebensgefahr zu schützen. Sollen doch noch alte, zehn Meter hohe Gicbelwände völlig uilabgesteift dastehen. Vielleicht untersucht die Baupolizei den Ausbau einmal auf die not wendigen Schutzvorschriften. Auf den Hof hinabgestürzt hat sich vorgestern abend der 33 Jahre alte Kellner Alfred Simon ans der Rigaer Straße 39. Simon, der früher in einer Anstalt war, hatte mit der 28 Jahre alten Schneiderin B. aus der Palisadenstraße ein Liebesverhältnis. Vorgestern besuchte er seine Braut. Später hörten Hausbewohner in der im ziveilen Stock belegenen Wohnung einen Streit. Simon lief plötzlich nach der Bodenkammer im vierten Stock und stürzte sich durch ein Fenster auf den Hof hinab. Er erlitt einen schweren Schädelbruch und war sofort tot. Ein Betriebsunfall ereignete sich gestern nachmittag 4 Uhr in der Luxuspapierfabrik von MoniaS, Lindenstr. 1(3/17. Der 20 Jahre alte Präger Mündt geriet dort mit vier Finger der linken Hand in die Stanzmaschine, wobei ihm die Finger vollständig abgequetscht wurden. Der Verunglückte wurde dem Urban-Krankenhause zu- gefühtt. Die Leiche eines unbekannten Mannes ist vorgestern aus dem Langen See bei Marienlust gelandet worden. Der Tote ist etwa 39 Jahre alt und mit einem schwarzen Gehrock bekleidet. ES liegt zweifellos Selbstmord vor, darauf deutet auch der Umstand hin, daß bei ihm ein Zettel vorgefunden wurde, in dem er den Wunsch ans- spricht, neben seiner vor einem Jahre verstorbenen Mutter beigesetzt zu werden. In der Hosentasche befand sich ein Portemonnaie mit irka 4 M. Inhalt und eine Visitenkarte, die den Namen Gustav liack, Belforter Straße 2, trägt. Polizeiliche Recherche» haben jedoch ergeben, daß an der genannten Adresse ein Mann dieses Namens nicht wohnt und auch niemals gewohnt hat. Die Leiche wurde nach der Grünauer Leichenhalle gebracht. Einbruch in eine Kirche. In der Nacht zum Mittwoch sind bis« her unbekamit gebliebene Personen— wahrscheinlich halbwüchsige Burschen— in die Christuskirche in der Königgrätzer Straße ein- gestiegen und haben einige wertlose Gegenstände gestohlen. Sie waren durch ein schmales Fenster hineingestiegen und hatten nun ungehinderten Zutritt zur Sakristei und den anderen Vorräumen. Dort haben sie gesessen und geraucht und schließlich, ohne die mit Geld gefüllten Büchsen oder wertvolle Gegenstände mitzunehmen, die Kirche wieder verlassen. Ein aufregender Borfall, bei dem eine große Zahl von Personen in Lebensgefahr schwebte, spielte sich gestern mittag am Dönhoff- platz ab.' Bon der Kommandanteststraße Im ein einspänniger Wagen des Fleisch- und GcflügelhändlerZ Lasnitzki in tollstem Galopp heran und versuchte in die Leipziger Straße einzubiegen. Der Besitzer des Fuhrwerks hatte die Herrschaft über das Pferd ver« loren. An der Ecke der Leipziger Straße stürzte das Pferd und fiel unter einen hoch mit Kisten beladenen Rollwagen. Der etwa sechzig Jahre alte Besitzer des Fuhrwerks wurde auf den Straßendamm ge- ichlendert, ebenso sein Sohn Max. Die Verletzten wurden nach der Unfallstation am Spittelmarkr gebracht. Anscheinend hat der ältere der beiden LaSnitzkis außer äußeren auch innere Verletzungen erlitten. Das Pferd wurde erheblich verletzt unter dem Magen her- vorgezogen. Brand auf dem Güterbahnhof Nordbahn. Durch FunkenauSwurf auS einer Lokomotive geriet gestern nachmittag gegen 2 Uhr auf dem Güterbahnhof Nordbahn ein mit Heu beladener Waggon in Brand »nd ging vollständig in Flammen auf. Die Feuerwehr aus der Odcrberger Straße hatte über eine halbe Stunde zu tun, um das Feuer aus seinen Herd zu beschränken. Aus dem Kriminalgmcht entwichen ist der 38 Jahre alte, auZ Rostock gebürtige Strafgefangene Wilhelm Wellbrand. Ein Aufseher der Strafanstalt Tegel hatte ihn nach dem Gericht in der Turm- straße gebracht, um ihn zu einem Termin vorzuführen. Wellbrand entsprang seinem Transporteur und ist seitdem verschwunden. Der ZirkiiS Cyrill Hatle am alten Botanischen Garten in der Potsdamer Straße hat seit heute eine erhebliche Ermäßigung der Eintrittspreise auf allen Plätzen vorgenommen. Gefunden wurde am Sonnabend, den 6. August, abends zwischen 8 und 7 Uhr, am Bahnhof Siralau-Rummelsbnrg ein Damen- Portemonnaie mit Inhalt. Dasselbe kann 0. 112, Wescrstr. 29, im Zigarrengeschäft in Empfang genommen werden. Von der Johannisthaler Flugkonkurrenz. Der Held des gestrigen Tages war zweifellos Robert Theten, der mit seinem Wrightflieger sehr erfolgreich mehrere der ausgeschriebenen Konkurrenzen angriff. Bald nach b Uhr be- warb er sich um den Preis für den kürzesten Anlauf vor dem Aufstieg, wobei es ihm gelang, nach 47,39 Meter Anfahrt sich vom Erdboden zu erheben. Mehrere andere Kon- kurrenten, die sich andauernd um denselben Preis bewarben, konnten die Leistung Thelens nicht überbieten. Bald nach 7 Uhr flog T h e l e n um den B e l a st u n g s p r e i s, für den drei Preise von insgesamt 9999 M. ausgeworfen sind. Mit 1 9 9 K i l o- g r a m m Belastung blieb er 7 Minuten und 39 Sekunden in der Luft, während als Minimalgrenze 149 Kilogramm Belastung und eine Flugdauer von b Minuten vorgeschrieben sind. Gleich nach- dem er gelandet war, unternahm er einen neuen Flug mit einer Belastung von 219 Kilogramm. Diesmal blieb er 7 Minuten und 3 Sekunden über dem Erdboden. Die Sensation deS Tages war aber ein von ihm um 7 Uhr 45 Minuten unternommener Höhenflug, bei dem«! in eleganten Kurven in immer größere Höhen steuerte. Nach sechs Minuten hatte er den höchsten Punkt mit 877 Metern er- reicht. Vier Minuten später landete er bereits wieder und wurde von dem zahlreich anwesenden Publikum stürmisch begrüßt. WienczierS verunglückte mit seinem Antoinetteapparat, nach- dem er 16 Minuten lang mit einem Passagier die Bahn umrundet hatte. Bei dem Versuch eines Gleitfluges kam sein Apparat kurz über dem Erdboden inS Wanken und stürzte um. WienczierS sowohl wie der Passagier blieben unverletzt, der Apparat dagegen wurde erheblich beschädigt. Den täglichen Dauerpreis in Höhe von 599 M. eroberte sich I e a n n i n, der mit seinem Farman- apparat fast«ine Stunde die Bahn in etwa 49 Meter Höhe um- kreiste. Auch Kapitän Engelhardt nahm mit seinem Wright- apparat mehrere Konkurrenzen in Angriff, ohne jedoch größere Er- folge zu erzielen. Leutnant von G o r r i s s o n, der um 7 Uhr 12 Minuten startete, verließ bereits nach einer Runde die Flug« bahn zu einem Ueberlandffug nach Britz, wo er eine Zwischen- landung vornahm. In Britz besuchte er den am Mittwoch vcrun. glückten Heim, der infolge seines Absturzes an einer leichten Gehirnerschütterung krank darniederliegt. Pünktlich um 8 Uhr erschien Gorrisson, dem es anscheinend Vergnügen macht, das Verbot des RegierunxKpräsidenten zu durchbrechen, wieder auf dem Flugplatze, wo er von den Zuschauern lebhaft applaudiert wurde. Vorort- I>7aclmd)ten. Charlottenburg. Spurlos verschwunden ist der langjährige Vorsteher deS Fund- bureaiis der hiesigen Polizei. Polizeisekretär Dietsch. Er war unverheiratet und rn der Linienstraße in Berlin bei seiner Schwester polizeilich gemeldet, ließ sich dort aber nur dann und wann sehen und nächtigte auf einem Sofa. Mitte vorigen Monats meldete er sich auf Grund eines ärztlichen Attestes, nach welchem er an einer Nervenzerrüttung litt, krank, wollte aber am 1. August wieder zum Dienst erscheinen. Dies geschah nicht; man nimmt daher an, daß er das Weite gesucht hat. Es ist im Juli von einem Beamten, der ihn kurze Zeit vertrat, entdeckt worden, daß eine deponierte Fund- fache von 599 M. fehlte; den Betrag soll Dietsch, der die Sache auf ein Mißverständnis zurückzuführen suchte, schon am nächsten Tage wieder ersetzt haben. Da nach den bisherigen Feststellungen an- zunehmen ist, daß er sich Unterschlagungen an anderen Fundsachen hat zu schulden kommen lassen, ist ein Haftbefehl gegen ihn erlassen worden. Wo Dietsch, der sich nur im Besitze eines einzigen Anzuges befinden soll, bisher gehaust hat und wo er sich jetzt aufhält, konnte noch nicht ermittelt werden. Unter Ch-lcraverdacht wurde die 59 Jahre alte Frau Henriette Geisler aus der Cauerstr. 24 in das Krankenhaus Westend über- geführt. Die Frau war vor kurzem aus Roiheubach bei LandeShut in Schlesien zu ihrem Schwiegersohn nach Charlottenburg übergesiedelt. Sie erkrankte gestern, und der behandelnde Arzt ordnete wegen ge- wisser choleraverdächtigcr Umstände ihre Ueberfübrnng in das Krankenhaus Westend an. Die bakteriologische Untersuchung ist bis jetzt noch nicht abgeschlossen. Zn dem Selbstmord in der Nutodroschke, über den wir berichteten, wird noch gemeldet: Der Selbstmörder, Schreiber Voigt auS der WilincrSdorfer Straße 13, war zuletzt bei einem Rechtsanwalt in Charloltenburg tätig. Er hatte es verstanden, sich das Berttauen deS Chefs in hohem Grade zu erwerben, und hatte zuletzt die kleine Kasse geführt. Voigt halte ein„Verhältnis" und brachte in den letzten Wochen mehr Geld durch, als er verdiente. Seiner Braut erklärte er am Montag, daß er„Schluß" machen müsse, so oder so, und daß. wenn sie ihn lieb habe, fie mit ihm noch einmal am Dienstagabend nch dem Grunewald fahren möge. Das Mädchen war noch bis gegen 12 Uhr nachts mit Voigt und seinem Freunde Rieck zusc amen; man trennte sich vor der Wohnung der Braut. Voigt hatte an dem Abend viel getrunken und erklärte seinem Freunde, als sich beide im Auto befanden, daß er sich das Leben nehmen müsse. Es gelang dem Rieck. den Auf- geregten zu beruhigen und ihm den Revolver aus der Hand zu nehmen. Am Reickiskanzlerplatz schoß Rieck auS Vorsicht mehrere Kugeln ab; er glaubte, daß nunmehr die Waffe entladen sei, und gab den Revolver an Voigt zurück. Es befanden sich aber noch drei Kugeln in der Waffe. Als Rieck eingeschlafen war, führte Voigt den Selbstmord au8; die ersten beiden Schliffe gingen fehl, so daß beinahe der Chauffeur getroffen worden wäre. Schöneberg. Die bevorstehend» Erweiterung der Sonntagsruhe ist das Thema einer Volksversammlung, die heute abend 8'/« Uhr im„Schwarzen Adler", Hauplstr. 144, ftatifindet. Referenten sind die Gen. Bublitz und Küter. Die Arbeiterschaft wird ersucht, für zahlreichen Besuch der Versanimlung Sorge zu tragen. Zehlendorf(Wannfeebahn). Ueber die gegenwärtige politische Lage und die planmäßige TolkSentrechtung durch die Regierung und die herrschenden Parteien referierte am Sonnabend der Landtagsabgeordnete S t r ö b e I in einer gut besuchten öffentlichen Versammlung. Seine Kritik des elenden DreiklassenwahlrechtS und seine Ausführungen über den Kolonienschwindel Dernburgs, der die ReichSlagSwahlen 1907 beherrschte, sowie über die unverschämte Belastung des Volkes durch die letzte ReichSfinanzreform wurden mit großem Beifall auf« genommen. Der von dem Redner ausgesprochene Wunsch, zum Protest gegen jegliche Bedrückung sich in der politischen sowie geWerk- schaftlichcn Organisation zusammenzutun, hatte den Erfolg, daß eine Anzahl Genossen sich in die Mitgliederliste des Wahlvereins eintragen ließe». Nixdorf. Der Selbstmord des Tischlers Gustav Weidemann, von dem wir in der Mitlwochnummer des.Vorwärts" Notiz nahmen, ist, wie uns Familienangehörige deS Verstorbenen mitteilen, nicht wie irrtümlich berichtet, aus Nahrungssorgen und Arbeitslosigkeit, sondern auf ein Nervenleiden deS W. zurückzuführen. W. habe in geordneten Verhältnissen gelebt. Zeugen, welche gesehen haben, wie am 13. Juli abends nach 7 Uhr am Thomaskirchhof in der Hermannstrahe ein größerer Mann einem anderen mit einer Flasche in Papier gewickelt den Kopf vcr- letzte, werden gebeten, sich Biebrich-Straße 13 im Milchgeschäft zu melden. Ober-Schönetveide. Gemeindevertretersitzung. Vom Ministerium für Land- und Forstwirtschaft ist an die Gemeinde der Bescheid ergangen, daß die von der Gemeinde beim Fiskus nachgesuchte Uefoerlaffung eines beim Krankenhause gelegenen forstfiskalischen Grundstückes nicht erfolgen könne. Durch den Beschluß des Berliner Magistrats, die Wuhlheide zu erwerben, müssen die Verhandlungen wegen dieses Grundstückes mit Berlin geführt werden: jedoch besteht wenig Hoffnung, auf Erfolg, da das in Frage kommende Terrain von dem Tiefbrunnenstreifen, einem 30 Meter breiten Terrain, durch- schnitten wird. Ein wesentliches Verhandlungsobjekt bei der Aus- führung vorgenannter Tiesbrunnenanlage wird die jetzt in das Eigentum der Gemeinde Oberschöneweide übergegangene Zufahrts- straße zum Krankenhause bilden, deren Durchkreuzung mit den Nohranlagen von der Zustimmung der Gemeinde abhängig ist.— Eine Petition der Gemeinde um Abänderung der Bezeichnung des Staatsbahnhofes Niederschöneweide-JohanniStal dergestalt, daß der Ortsname Oberschöneweide hinzugefügt wird, ist vom Minister abschlägig beschieden worden mit der Begründung, daß ein Bedürfnis nicht vorliege.— Die Verhandlungen über die Erneuerung deS Vertrages nrtt dem Unternehmer wegen der MülL abfuhr und Verpachtung des Müllabladeplatzes wurde vertagt, da noch in letzter Stunde ein Antrag des Unternehmers einge- gangen ist, dessen Durchberatung der Baukommission überwiesen wird. Die Frage der Müllabfuhr dürfte in nicht allzu ferner Zeit für die Gemeinde brennend werden, indem der jetzige Abladeplatz im Gebiete der von Berlin zu erwerbenden Wuhlheide liegt und es sehr fraglich erscheint, ob von dort wie zur Zeit vom Forstfiskus eine Verpachtung stattfindet. Die Erwerbung eines neuen Platzes wird mit großen Kosten verbunden sein, da in der Nähe kaum ein Terrain in Frage kommt und in diesem Falle noch! ein kostspieliger Transport in Frage käme.— Für das im Bau begriffene Real» gymnasium werden folgende Arbeiten vergeben: Zimmerer- arbeiten zum Preise von 11 933 M. an die Firma Unger-Berlin, Dachdcckerarbeiten zum Preise von 12 482 M. an die Firma Kopp- Berlin, Klempnerarbeiten in Höhe von 8275 M. an die Firma Thielemann-Berlin. Die von den am Orte ansässigen Firmen ab- gegebenen Preisofferten gehen um 2000 bis 5000 M. über die von vorgenannten Firmen geforderten Preise hinaus. Die Arbeiten für die gärtnerische Herrichtung des S ch m u ck p l a tz e s an der RathauSstraße zum Preise von 13 198 M. werden an die hiesige Firma Ulbricht vergeben; die Ausführung soll sofort erfolgen. Die Verhandlungen mit der Terraingesellschaft Oberspree, welche zur Anlage dieses Platze? vertraglich 13500 M. beizusteuern hatte, haben ergeben, daß die Gesellschaft obengenannte Kosten sowie die Summe von 2010 M. für eine zweijährige Unterhaltung übernimmt. Ein An- trag deS Gemeindevorstehers, die Gebühren deS Einwohner- Meldeamtes von 25 auf 50 Pf. zu erhöhen, wurde abgelehnt mit der Motivierung, daß es nicht angängig sei, eine gemeinnützige Einrichtung zu verteuern. Die Heizung der alten Turnhalle an der Fuschenstraße mit Koksöfen ist unzulänglich und soll hin- fort durch Zentralheizung des anliegenden Amtshauses erfolgen. Um die Staubplage von dem im Herbst zu eröffnenden Kranken- hause abzuwenden, wurde die Chaussierung des sogenannten Sommerweges neben der vorbeiführcnden Straße und Anlage eines befestigten Fußweges bis zum Krankenhause vom Schnitt- Punkt der Rummelsburger Chaussee beschlossen. Desgleichen wird der Kreis den weiteren Teil der Straße bis Karlsborit ausbauen. — Ein von unseren Genossen gestellter Antrag, aus den Rechen der Beisitzer deS Gewerbe- und KaufmannSgerichteS eine Delega- tion zu dem in Köln stattfindenden Verbandstage des Verbandes der deutschen Gewerbe- und Kaufmannsgerichte zu entsenden, führte zu einer ausgedehnten Debatte, in welcher teilweise recht komische Ansichten zum Westen gegeben wurden. Wenn eS gilt, Städtctage und andere Veranstaltungen mit dem Gemeindevor- steher und den Schöffen zu beschicken, erfolgt debattelose Zustim- mung. Im Bemühen der Herren, den Antrag zu Fall zu bringen, verlor sich die Debatte direkt ins Lächerliche. Herr Fabrikbesitzer Feld mann z. B. meinte— naiv wie immer— als Retter der Situation: erstens könne man sich ja nur die Protokolle der Ta- gung senden lassen und zudem würden die Arbeiterbeisitzer auch nichts mehr zu lernen brauchen, da sie mit ihren Urteilen gegen Arbeitgeber doch schon fertig seien. Schließlich fand der Antrag doch eine Mehrheit, es wurden der Vorsitzende des Gewerbegerichts sowie die Beisitzer Kabelitz, Liesegang und Scharf delegiert.— Ein weiterer Antrag unserer Genossen verlangte eine anoerweite Rc- gelung des S» ch e r h e i t s d ie n st e s, da sich durch unerhörte Exzesse des Rowdytums in den Nachtstunden gezeigt hat, daß eine gründliche Regelung am Platze sei. Es wurde Untersuchung und Abhilfe zugesagt. Ein Antrag des Herrn Nollenberg verlangt Wiedereröffnung der gesperrten Chaussee von der Edison- bis zur Frischenstratze, da sich die Pflasterung verzögert und sich große Miß- stände ergeben; dem Antrage wird stattgegeben.— In geheimer Sitzung wird die Umänderung des Ortsnamens in Berlin-Ober- fchoneweide beschlossen. Rummelsburg- Stralau. Am Montag, den 15. August, abends 8'/- Uhr, findet im Cafö Bellevue, Jnh. G. Tempel, Rummelsburg, �jauptstr. 2, eine große öffentliche Versammlung, veranstaltet von Partei und Gewerkichast, statt, in welcher Gewerkschaftssekretär Eug. Brückner über Volks- betrug durch die Reichsversicherungsordnung sprechen wird. Flug- blattverbreitung hierzu für beide Orte am Sonntagvormittag von den bekannten Stellen aus. Die Flugblätter sind abzuholen für Rummelsburg in der Spedition, Alt-Boxhagen 56. Die Freie Turnerfchaft Rummelsburg und Umgegend begeht ain 18. und 14. August er. die Feier ihres zehnjährigen Bestehens. Am Sonnabend, den 13. August, abends 8 Uhr, FestkommerS im Cafö Bellevue. Sonntag 8 Uhr morgens Beisammensein im Turnlokal der lll. Abteilung Restaurant F. Bube in Friedrichefelde und Besuch der Grabstätten von Liebknecht und Auer auf dem gentralsriedhof. Mittags 2 Uhr Festzug und 3— 6 Uhr großes Schauturnen auf dem Sportplatz Berlin- Ost, Hirschberger Straße(5 Minuten vom Festlokall, darauf Festball im„Bellevue". Der Verein hat sich bei der Arbeitersckaft einen guten Ruf erworben, weshalb auf zahlreiche Be- teiligung bei diesem Turnfest gehofft wird. Umfangreiche Vorarbeiten garantieren einen guten Verlauf. Weißensee. Eine» neuen Reinfall hat der besoldete Schöffe Dr. Pape zu verzeichnen. Derselbe hatte gegen die Wahl des Herren MeweS zum Gemeirdeverordneten der zweiten Abteilung Einspruch erhoben. weil bei dem Wahlakt verschiedene Unregelmäßigkeiten vorgekommen sein sollten. Die Gemeindevertretung erklärte die Wahl einstimmig für gültig. Herr Dr. Pape erhob Klage, wurde jedoch vom Kreis- ausschuß abgewiesen. Auf seinen erfolgten Widerspruch hat nun auch der Bezirksausschuß seinen Klageantrag abgewiesen. Dieser Reinfall reiht sich würdig allen andern an. Bohnsdorf. Dir Mitgliederversammlung des WahlvrrcinS nahm zunächst den Bericht des Genossen Nillert von der Kreisgeneralversammlung ent- gegen. Genossin Wedekind ergänzte denselben in einigen Punkten. In der daran anknüpfenden Diskussion sprachen sich die Genossen Liefländer, Oppenborn, Gaßlaug und Schiffke gegen Einführung eines Abendblattes des„Vorwärts" an?, während Genosse Kimmritz meinte, man müsse der Entwickelung der Verhältnisse Konzessionen machen. Als Delegierte zur Generalversammlung von Groß-Berlin wurden die Genossen Liefländer und Oppenborn gewählt. Zur Konserenz der Leseabend-Leiterinnen wurde die Genossin Wedekind gewählt. Eine längere Debatte löste der Bericht deS Genossen Schisske über die Gemeindewahlangelegenheit auS. Bekanntlich wurde die letzte Gemeindevertreterwahl vom Gemeindevorsteher für ungültig erklärt, weil Genosse Schiffke als Kandidat angeblich nicht als Angesessener im Sinne der Landgemeindeordnung zu betrachten sei. Der Kreisaussckrnß belehrte allerdings den Herrn Gemeinde- Vorsteher eines besseren. Jetzt hat nun der Herr den Bezirks- ausschuß angerufen. Wir können den Verlauf der Angelegenheit, der nur bezweckt, unser» Genossen möglichst lange aus der Gemeinde- Vertretung fernzuhalten, ruhig abwarten. Die Zeit, wo die Bohns- dorfer Gemeindevertretung ungestört ihre Jnleressenpolitik treiben konnte, ist nun einmal vorbei. Verschiedene Schulzendorfer und Waltersdorfer Genossen brachten die Lokalkalamität in diesen Orten zur Sprache, und es wurde allgemein gewünscht, daß das Lokal von H u g in Schulzendorf von der Arbeiterschaft streng zu meiden ist, da sich der Inhaber nach wie vor weigert, seinen Saal der Arbeiter- schaft zur Verfügung zu stellen. Der nächste Leseabend für Frauen findet am Donnerstag, den 18. d. M. statt. Neinickendorf. Der Arbeiter-Turnverein„Reinickendorf"(Abt. Ost) feiert am kommenden Sonnabend in dem„Schönholzer Tivoli"(Schaller), Provinzstr. 69, sein Sommerfest. Da der Verein oft schon dazu bei- getragen, das Programm der Parteiveranstaltungen zu bereichern, werden die Parteigenossen gebeten, fich zahlreich an dem Vergnügen zu beteiligen. Hermsdorf-Wnidmannslust. Am Sonnabend, den 13. August, feiert der Arbeitergesangverein „Nordische Klänge' in Waidmannslust, Restaurant zum Bergschlotz, sein erstes Stiftungsfest. Da genannter Verein bei allen Partei- arbeiten und Festlichkeiten sich zur Verfügillig stellt, wäre eS sehr erwünscht, wenn die organisierte Arbeiterschaft daS Fest besuchte. Jngendveranstaltungen. Freie Jugendorganisation Berlin(Abt. IS). Am Sonntag, den l4. August, findet eine Partie mit Eltern nach Hirschgarten(Restaurant Aussichtsturm) statt. TrcsfpunN- Bahnhof Hirschgarte» vormittags 10 Uhr. Für Nachzügler daselbst tin Restaurant. Freie Jugendorganisation Steglitz nnd Umgegend. Am Sonn. abend, den 13. August, findet bei Rohmann, Steglitz, Schloßstrahe 117, die Abteilungsversammlung statt. Herr Ungcr spricht über:.Poesie und Elend des Handwerksburschen-. Ebenso findet In Zeblcndors bei MIecklel, Potsdamer Str. 25, die AbtellungSvcrsammIung statt. In der Herr Jeserich über:„Wanderungen durch die Rtark* spricht.— Am Sonntag, 14. August, bei Wahrendors in Groß-Lichterfelde, Bäkestr. 22: Gemeinsames Spielen. Treffpuntt sür Steglitz und Friedenau um 2 Uhr nachmittags am Bahnhof Steglitz. Nach dem spielen: Geselliges Beisammensein. Die Arbeiterschaft wird gebeten, ihre erwachsenen Sohne und Töchter zu den Veranstaltungen zu schtckm. Hub der frauenbenegung. Die Frauen i« den Krankenkasse«. Die rapide Zunahnie der Frauenerwerbsarbeit spiegelt fich natur« gemäß auch in der steigenden Zahl der weiblichen Krankenkassenl Mitglieder. Hier tritt die steigende Verwendung der weiblichen Ar- beitSkrast sogar am schnellsten in die Erscheinung und hier läßt sie sich auch am schnellsten statistisch erfassen. Je größer die Zahl der weiblichen Kassen- Mitglieder, desto ernster wird für sie die Pflicht, sich an der Verwaltung der Kasse, an der Aus gestaltuniz ihrer Leistungen zu beteiligen. Denn hierzu ist den Frauen die Möglichkeit gegeben, weil sie als Kranken kassenmitglieder das aktive und daS passiveWahlrecht zu dem Vertreterkörper haben. Bei Krankenkassen mit 500 und mehr Mitgliedern bilden nicht die Mitglieder die Generalversammlung der Kasse, sondern die Mit glieder haben Vertreter zu wählen, und diese bilden die General- Versammlung. Die Frauen. die Mitglieder der Kranlenkasse sind, haben nun, genau wie die männlichen Mitglieder, daS Recht, die- jenigen ihrer Kollegen und Kolleginnen als Vertreter vorzuschlagen und sie zu wählen, zu denen sie daS meiste Vertrauen haben. Im Interesse der Frauen, ja der Gesamtarbeiterschaft liegt eS nun, daß die weiblichen Mitglieder in ausgiebigster Weise von diesem Recht Gebrauch machen. Warum daS? Die Vertreterversammlung/,»dr abeud», Eoiinabeuds von 4'/, bis 6 Uhr nachmitiaaS ftoet. Jeder für den Brief» fasten bestimmten ilufraae ist ein Buchstabe nnd eine Zadt atS wtert» zeichen beizufügen. Briefliche SluiMor, wird«ich« erlctlt. Eilig» Krage» trage man in der Sprechstunde vor. L. B. H. Wenden Sie stch mit der Anfrage cm die Zeitschrift„Die Flamme», Bcilin. Breitestr, 5.— F. H. 9. Richten Sie efne Beschwerde an den Magistrat, sür den Fall der Ersolglostgleit eine Petition an die Stadtverordnetenversammlung.— Helote. In einem im Frühjahr er» schienenen Artikel haben wir unsere dahingehende Ansicht ausgesproche» Diese wird von den Steuerbehörden nur in auSnah mSweile gearteten Fallen gebilligt.— Reinickendorf lSS. Nein.— W. Zeh. 8. 1. und 2. Ja. 3. Von dem Verdienst ist nichts der Psändnng unlerworjen.— O. M. 4. An das Amtsgericht, in dessen Bezirk die Kinder wohnen. Ist Ober-Schöneweide der Wohnsitz, so ist das Amtsgericht in Köpenick zuständig. Die Kosten sind nicht erheblich,—®, M. 1870. Ja. — Gleimstr. 8. Darüber befindet das Gericht. ES muß ein sachgemäßer Antrag gestellt werden.— P. P. 47. Nicder-Schönhausen. Wir können zum Beilritt nicht raten.— P. A. 599. Vom Lohn sind etwa 9 M. wöchentlich pfändbar.— B. TS.«9. 1. Antrag beim VormundschastS- gettcht. 2. Da» ist zweckmäßig, ve-ursacht aber Kosten. S. Die Bestellung eines Vormundes ist unzulSsstg. solange der Vater lebt. Dagegen kann ei» Pfleger, der natürlich nicht der Vater sein darf— bestellt werden.— R. 119. 1. und 2. Nein. 3. Ja.— M. F. 66. Die Beantwortung ist ohne Kenntnis deS näheren Sachverhalt» nicht möglich.— W. L.«. 100. C F. Ein Arzt beantwortet die Fragen am zweckmäßigsten.— Z. C. 85. Das ist strafbar.— W. R. 38. 1. 3S 000 M. Gehalt, 24 000 M. RcpräsentationSzulage. 2. Ja. in der Regel jedoch ausschließlich Repräsen- tattonszulage. 3. Etwa 80, 4. AuS dem preußischen Etat.—{*. P. SS. Eine solch» Verpflichtung besteht u. E.— B. D. 99. DaS ist nicht anzuraten. Der Betreffende kann bestraft werben, muß möglicherweife auch noch dienen. Amtlicher Marktbericht der städttichm Markthallen-Dttektton über den Großhandel in den Zenttal-Marktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geschäft reg-, Prelfe für Schweinefleisch anziehend, sonst unverändert. Witd: Zufuhr genügend, Geschäft schlecht, Preise nach. gebend. Geflügel: Zufuhr ausreichend. Geichäst etwas lebhast, Preise Geschäft anfangs still» später lebhast, Preif« wenig verändert. Theater und Vergnügungen Freitag. 12. August. Ansang 7 Uhr. NeueS königl. Operu-Theater. Tristan und Isolde. Ausanq 8 Ubr. Deutsches. Der Widerspenstigen Zähmung.(Ans. 7»/, Uhr.) K a m m e r s p i e l e. LiedcSwalzer. Sessing. Das Konzrrt. Thalia. Polnische Wirtschast. Neues. Kascrnenlust. Komische cper. Der Regiments» papa. Berliner. Taifun. Kleines. Nur ein Traum.(Ansang -/.9 Uhr.) Neues Schauspielhaus. Der Flieger. Berliner VollSoper. Alt-Heidelberg.(Ans. 8'/, Uhr.) Hebbel. Wem gehört Helene 1 Der Kuß aus der Redoute.(An- sang 8'/. Uhr.) Neues Lnerettc». Der Gras von Luxemburg. Lustspielhaus. Das Leutnants- mündcl. Westen. Die geschiedene Frau. Residenz. Im Taubenschlag. Schiller U.«»äanel. Theater.) Die Zauberflöte. Tchiiu, Shariottenburg. Di« von Hochsattel. Luisen. Aus der Goldtvage. Herrnfeld. Die Well geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Mos«. Ein seltsamer Fall. Metroool. Halloh II— Die grohe Revue. Folies Saprice. Di« böse IS.— Die keusche Towette.(Ansang 8-/. Uhr.) Bolgt. Bineta. Puhlmauu. Verliebte Mädchen. Rpallo. Spezialitäten. ivaüaae. Spezialitäten. ReichSballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Svezialitäien. Wintergarte». Geschlossen. Karl Haverland. Svezialitäten. Pratcr. Im Reiche deS Mars. Urania. Ta»vr>>s«rahe Abend» 8 Uhr: von der Zugspitze zum Watzmann. Sternniaree. Ziwalidenftr. 67— 62. Lessing-Theater. Freitag 8 Ubr: Da» Konzert. Sonnabend 8 Uhr: Hedda Gabler. Sommerpretse: Parkett 6, 4 u. 8 M. öerüner'süeater. Heute 8 Uhr: Morgen: D'alkiii»._ Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Täglich t Raseraenluft. Berliner Volksoper. Heut«>/,S Uhr: Gastspiel des Reuen Schauspielhauses: Alt-Heidelberg Idealer des Westens. Ansang 8 Uhr. VI« AvUclrtadvn« Fran. DpereUe von Leo Fall._ IVeae» Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Akt. von A. M. Willner u. R. BodanSky. Musik v. Franz Lehär. ttesiclenx-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank w 3 Akten von Hennequiu und veber. Morgen und solgende Tage dieselbe Vorstellulig. Tommer-Preife�_ Lusispielhaus» Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Jus der MiHligt. Schausp. In 5 Akt. v. Stahl u. Ritterseldt. Morgen und solgende Tage 8 Uhr: Auf der Goldwage. Sonntag 3 Uhr: Der stille See. joH-INHOT (»roge Frankfurter Str. 132. Ein seltiminep Fall. Phant. Schauspiel In 4 Allen von Morton und Gunnwer. Ansang 8 Uhr. Ende st�ll Uhr. Auf der Gartenbühne: Theater. Vorstellung, Spezialttälen, grotzeS Konzert. Ansang 4'), Uhr._ Hetropol-Theater Hallo!!! Die grolSe Revue! In 8 Bildern von Jnl Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauohea geeUttet Cr, Berliner Kunstausstellung 1910 30. April bis«. Oktober. Im Park täglich Doppel- Konzert. Eintritt: 10-S UHr l M.. v.« Uhr ab 60 Ps., Sonntags 50 Pf. Dauert. 6 M. Hcliiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottschcld-Oper. Freitag, abends 8 Uhr: Die ZanberflOtc. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zar und Zimmermann. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Hie Zanberflöte. Sonntag, abend» 8 Uhr: Ündlne. Theater. Schiller-Theater Charlettenburg, Freitag, abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Lustipiel in 3 Auszügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach l0 Uhr. Sonnabend, abend« 8 Uhr: Hie von Hochsattel. Sonntag, abends 8 Uhr: Die von Hochsattel. Achtnng t Diez9 nur Achtnng t Seeterrasse Siehtenberg ROderstraßc 11/13. Zwischen Landsberger Allee und RSderplal Grösttes und schönstes Lokal BcrltnS. RSderpläll. ttnebe tTÄb®€rl** Konzert. Austreten der besten Turmseilküzzftler der Welt Tb. Liepe,,.. The 3 Blackburns, SSÄ Mr. Steffin tßTÄ?' Pony, Esel, Schwein u. Hunde, u. das neue beste Programm Berlin?. �Eand- �nnel' IVasse?" F6U6FW6Fk UllÜ LSÜ. —— Jeden Dienstag: GrotzeS Kinder-Freudenfest.—— Anfang S Uhr. Wachentags 4 Uhr. Lesamieintritt 20 Pf. Kinder(ral. I © Sfliliffaiim 1 0. Beriif Beietstpites. Sonntag, den 14. August 1910 t Großes fSommerfest im Insel«Restaurant, Plötzensee, seestr. si (veranstaltet von der 7. und 8. Abteilung) bestehend in Konzert, Gesang, Spezialitäten, turnerischen Aufführungen, Raritäten- Kabinett, Volksbelustigungen aller Art Von 4 Uhr ab im Saal und Bal-Obamp8tre; GrOßCF Bllll. - Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet.'' 1)9 Jedes Kind erhält am Eingang eine Stocklatome und einen Bon zur Benutzung dea Karussells oder der Luitschaukel gratis."WG KassencrOlTnang 13 Chr. Anfang dos Konxerts 8 Chr. Eintrittspreis 20 Pf., an der Kasse 25 Pk. 229/i Das Komitee. „Pharus-Sommer-Theater Besitzer: Max Ludwig. Art. Leitung:Maz Beinhart Berlin N., SlUIlerstr. 142. Täglich: Im herrlichen Katurgarten, bei Hegen im Tbeatersaal: Konzert». Spezialitäten-Vorstellung 20 KOnstler-Attraktionen. Stets weohselndea Familien-Programm. AuBerdem jeden Freitag; Die beliebten Apollo«Sänger. Anfang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstralle 48/49. Heute abend 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. 8 Uhr. Da» 8 Uhr. neue sensationelle Cyrill Hatle Theater Die gröstten Schlager der letzten Saison: Die Meli geht unter! und MkNll\mi dasselbk tun nrtt Anton und Donat Herrnfeld. Billettoorverl. ll— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Eteriin, Potsdamer Straße (alter Botanischer Garten)— Tel. VI, 129. Freitag, 12. August, abends 8'/. Chr: Ehrenabend des Schulreiters Herrn KlU*t Ja8t9 außerdem außerordentliches Gastspiel des Hof-Opem sängen S.D. Herrn CremO Hoffmanfl als Heldentenor zu Pferde. Der allgemeinen sohlechten Konjunktur Rechnung tragend und um Jedermann den Besnoh meiner glänzenden Vorstellungen bequem zu ermöglichen, habe ich mich entschlossen, die IVochentagsprelse wie folgt erhebhoh herabzusetzen: Passage-Theater. Anfang 8 Uhr. Ein einziger Erfolg! i WG-WWI. Ca mlme espagnole ZoraVta und das großartige August- Programm. I»wwwwww wwwww IKIeine Preise! Sonntags Galerie...... 40 Pf. III. Platz..... 80 Pf. II.„---- 1.00 M. L„•••. 1.50 ,, Sperrsitz---- 2.00 8.00„ 4.00„ Die Direktion. Ab 16. August neue Debüts! Hugo Benz kommt!_ Wochentags Galerie...... 80 Pf. »1. Platz..... 60 Pf. IL„..... 80 Pf. L„---- 1.00 H. Sperrsitz.... 1.50.. Logensitz.... 8.00 ..... 4.00 Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! vui£"7 Vllascop- Theater Bouanopticum Experiment au« dort. Dimension Alles ohne Extra-Entree! ilusstellungshalle am Zoo. Täglich(Anfang 8 Uhr); KioematographiseheVorlruip. Li�JosIscher CSABTCN Täglich: Großes Militür- m Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark. von abends« Uhr ab SO Pst, Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. m alhalla � ♦leti Theltef 1 Weinbergswsg 19-20, Rosanth.Tor. Anfang 8'/. Uhr. Die neuen nmttwanten Kgozlalittitcn. Pnhltnanns Theater Schönh. A. 148— Kaslanfen-A. 97/99. Wenn schön— im Garten I Wenn Regen— im Saall '/.8 Uhr: Verliebte Mädchen. Volksstück mit Gesang u.Tanz In 8 Akt. Tegalis komische Menschen(Blitz- verwandlungSakl) und die 20 hervor- ragenden August-Tpeztalitäten. Ansang>/,5 Uhr. Kasseckäche 2 Uhr. Ball. Entrce S0-00 Ps. Kinder halbe Preis«! Sonnabend: Bon Stufe zu Stufe. Lclweto Garten Am Ktnlgitor— Am Frledrlohshain. Täglich um O'/, Uhr: Berliner Herzen. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. Neue Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tai». Anfang 5 Uhr. Entroo SO Pf. V olgt-Theater Gesundbrunnen ',.SUhr Freitag, den 12. August: Vineta. Babstr. S8. '1,6 Uhr Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Schulz. DaS große Augnst.Prograinm. Kasseneröstnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Kerlinkr Vrater-Thenter Kastanienallee 7—9. Heute ScbützenUa'l. SpezialiläteD, Konzert und Ball. Ansang 41/, Uh r. Entree 30 Ps. 3 SEr UrunncnstraOo 10. Das größte Kino- Theater Berlins. jenes Prognum Eintritt 30 PI- %••• ä» i% ä Iah.: Karl I Vthtona-Oarten Empfiehlt sein Etablissement au kulanten Bedii Karl Cadwlg 457L Einige Sonnabende noch frei. OUI. e dingungen. Mii Alt-Houblt 47/40. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. und Festsüle. Inh.: Itudolt Krtlgen. Hasenheide 13/15, vis-ä-vis v.TuxnpL Tllgllch: Große Theater- u. Spezialteo- Artist. Leitung: Walter Grlvsnltz, Kapollmeistor: Max Wolffhelm. Jeden Donnerstag; Ellte-Tagt Anfang: Weohent. 6 Uhr, Sonnt,'/»Q Uhr. Königntadt-KaRino. tolzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraßa. m herrlichen Naturgarten(bet un» günstiger Witterung im Thentersaal). Neul Kurze« Gaftip. der brill. Mufik- virtuos. Irene u. Max Maxwell. Novität: Frauenomanrlpatlonl Schwank, usw. KB. Mein grober Festsaal tst noch an rtnigcn Soiiundenden u. Ton«» tagen an Vereine zu vergeben. Keiclisiisllen-Tkealör. Von nun wleb. täglkch: Ststtinoi» Sängen Anfang Wochentag» « Uhr Sonntag? 7 Uhr. Burgtheater- Klnematograph vorm. Groterlan, Jnhab.; Rud. Merz, Schönhauser Allee 120. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Sonnabend. Sonntag n. Montag. Eintritt 30 n. 40 Ps., Kinder dieHälste. Anf.7U.. Sonnt. 4U. Verzugskarteil, nur wochcnt. gültig, 20 Ps. auf allen Plätzen. StetS wechf. Proar. geh. Sonnt, i. 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FUr den Inhalt der Inserat« ttberntmmt die Redaktion de« Publikn« gegenüber ketaerlet Verantwortung. tWiMMMMiiiiMHiiiHMM Seßiuss des Saison-ffusverüaufs Montag» den 75. d, Monats/ Leipziger Str. 65* KCnlgstraSe 34 Oranienstraße 34— Oranlenstnße 47a Müllers traße Z»— Rixdorf, Bwj�rtr. 7-8 i Gänsesaison ist eröffnet. Ia Bratgäuse von 4.25 an, la Oderbracher Gänse Pfund 75 Pf. Rümpfe von M. 8 an, Kcnlen, Lebern, Lieaen, Haut, Gttnaeatttcheiiflelach, Ganseklein. 86/18« Ia Gänseschmalz, gar. rein, Pfd. 1,20 Frische Günscgrlevon. Sämtl. Wurstwaren ohne Preiserhöhung. Berlin, Luckauer Str. 16. Femspr.-Amt 4. S14. 4597. Filialen; Schbnebcrg. BarbarossapL 2. Femsp.-A.6. 16852. Hoabit, Lessingstr. 35., 2. 1269. Max Schönvald, IK und VI/ gegründet) VI/ 1, Oktober 1906 St/ Belle- Alllance. Straße No. 106 st/ Z feierte heute den 25 000 � Patienten. � gegründet St/ i. Oktober St/ 1906 � Großer Parkettsaal. 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