8U.UH>. BfennanctitS'Btdlntfflftä): >bonn»ment«- PretZ pränumkrindo i SiertcljShrl. 3J0®if., monafl. 1.10 Mt., wSchcMIich 2b Pfg. frei in« Hau«. •tinjelne Kummet B SSfg. Sonntag?. j_nmct mit~ Beilage.Dil tlboniiemenl: eingetragen w die Pösl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonnement« nehmen an: Belgien, Dnncmart öolland, Italien, Luxemburg, Portuaal, ' tien, Schweden und die Schweiz, 87. Jahrs. olchtisl Ulzll»»iiScr MslHZ». yb V Vevlinev Volksblatt. Die TnlertlonS'Gebtllif JetrSgl für die f echsgespaltene Slolottel« geile oder deren Kaum 60 Psg., für polülsche und gewerlschafMche Berein«. und VersammlungS-Anzeigen 80 Psg, „klein. Snreigen", das erste lsett« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellettgesitche und Schlaf- slellen-Anzeigen da« erste Wort 10 Pfg, jede« weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen 61« S Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt di« 7 Uhr abend« geöffnet,' Jtclegramm- Adresse: „SozisUcmskrat Rtr'.lu* Zentralorgan der roztaldemokratifcben Partei DeutfcMande. Redaktion: 8Äl. 68, Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. fottichntt auf Höften der Arbeiter. Kürzlich(in Nr. 177 vom 31. Juli) zeigten wir an einem Vortrag des Charlottenburger Professors Kammerer, daß der technische Fortschritt, die Erhöhung der Produktivität, über die Leichen der Arbeiter geht. Wer nun aber glauben sollte, daß das bloß in den Industrie so ist, der würde sich schwer täuschen. Genau ebenso liegt die Sache in der Landwirtschaft. Die Lage der deutschen Landwirtschaft hat sich in den letzten 12— 15 Jahren ganz bedeutend gebessert. Das konstatiert mit Freude die„Deutsche Tageszeitung" in einer Polemik gegen das„Berliner Tageblatt". Und es kann gar keinem Zweifel unterliegen, daß das Agrarierblatt mit dieser Behauptung vollkommen recht hat, sofern man nämlich darunter versteht, daß die Besitzer, die ihre Einnahmen aus der Land Wirtschaft ziehen, heute besser daran sind als früher. Es ivird mehr produziert, und dieses Mehr wird zu teurerem Preise verkauft. Einige von der„D. T." beigebrachte statistische Zahlen mögen das beweisen. In Preußen ist zwischen 1895 und 1997 die Gesamtzahl der landwirtschaftlichen Betriebe von rund 3 300 009 auf rund 3 409 000 gewachsen. Jedoch waren es nur die ganz kleinen Parzellenbetriebe unter 2 Hektar und die mittelgroßen Betriebe von 5— 20 Hektar, deren Zahl zugenommen hat; alle anderen Größenklassen haben abgenommen. Da die kleinen Parzellen betriebe für die Produktion gar keine Rolle spielen— sind doch in manchen Städten die Laubenkolonien dabei mit gezählt I—, so muß man sagen, daß an diesem Wachstum eigentlich �mr die mittelbäuerlichen Betriebe beteiligt gewesen sind. Deren Zahl ist von 529000 auf 583000 in die Höhe gegangen. Dagegen sind die großbäuerlichen Betriebe (20—100 Hektar) gesunken von 188000 auf 176 000, und die Großbetriebe(über 100 Hektar) ebenfalls gesunken von 20400 auf 19 100. Auf der anderen Seite haben die kleinbäuer- lichen Betriebe(2—5 Hektar) nur ganz unwesentlich, von 623 000 aus 521 000 abgenommen. Diese Zahlen für Preußen stimmen durchaus überein mit denen für das ganze Deutsche Reich, die wir direkt der amt- lichen Statistik entnehmen. Auch hier sind es einzig und allein die mittleren Bauernbetriebe in der Größe von 5—20 Hektar, deren Zahl zugenommen hat, und zwar von rund 999000 auf 1065 500. Alle anderen Größenklassen haben abgenommen. Ebenso verhält eS sich mit der landwirtschaftlich benutzten Fläche. Sie hat fürs ganze Reich abgenommen von 32 518 000 auf 31 835 000 Hektar. In Preußen dagegen hat sie, wenn auch nur unwesentlich, zugenommen von 28 480000 auf 28513000 Hektar. Auf die einzelnen Größenklassen verteilt, haben im Reiche ebenso wie in Preußen die Betriebe von 2—5, und die von 5—20 Hektar ihre Anbaufläche vergrößert; die größeren Betriebe dagegen(von 20— 10Ö und über 100 Hektar) haben sie nicht unwesentlich verkleinert. Man muß also festhalten, daß in der Landwirtschaft nicht ebenso wie in der Industrie der Kleinbetrieb ohne weiteres vom Großbetrieb aufgesaugt worden ist. Vielmehr haben in der Zeit von 1895 bis 1907 die Großbetriebe sowohl an Zahl wie an Gesamtfläche abgenommen, indes die mittleren und zum Teil auch die kleineren Betriebe gewachsen sind. Hand in Hand damit geht eine recht ansehnliche Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion. Nach den An- gaben der„Deutschen Tagesztg." wurden geerntet im Durch- schnitt der Jahrfünste jährlich in Tonnen(1000 Kilogramm): Roggen Weizen Gerste Hafer Kartoffeln 1904/08. 9 957 600 3 733 200 3 107 800 7 751 600 43 831 600 dagegen 1886/90 5 845 000 2 640 200 2 205 000 4 583 000 24 465 040 Dienstag, den August Expedition: 8M. 68» �.indenstrasoe 69« Fernsprecher: Amt IV, Str. 1984. 1904/08 niehr 4 122 600 1 098 000 902 800 3 168 600 19 416 560 Nach der Rcichsstatistik ist der Ertrag gestiegen in der Zeit von 1899—1909 bei Roggen von 8 70OOOO auf 11 300000 Tonnen, bei Gerste von 3 auf 3'/, Millionen, bei Hafer von 6,9 auf 9,1 Millionen und bei Kartoffeln von 38V, auf 468/4 Millionen Tonnen jährlich; nur die Weizen- ernte ist mit 3,8 Millionen Tonnen konstant geblieben. Ebenso hat der Ertrag der Viehzucht zugenommen. Wie die«D. T." angibt, wurden gezählt: Pferde Rindvieh Schafe Schweine 190,... 4 345 047 20 630 544 7 703 710 22 146 532 1897... 4 035 485 18 490 772 10 866 772 14 274 557 mehr(-s-)bezw. weniger(-) im Jahre 1907+ 306 562+ 2 139 772— 3 163 062+ 7 871 975 Hier sind allerdings sämtliche Tiere gezählt. Doch auch wenn man sich auf die beschränkt, die in landwirt- schaftlichen Betrieben gezählt wurden, bleibt das Bild das gleiche. Einen sehr problematischen Wert hat es freilich, wenn die „D. T." nun weiter von dem Geldwert dieser Produktion spricht und ihn mit dem der industriellen Produktion vergleicht. Denn hier darf man doch nicht vergessen, daß die Preise gerade der landwirtschaftlichen Produkte durch die deutsche Zollpolitik künstlich in die Höhe getrieben worden sind. Es will also an sich noch gar nichts besagen, daß die Jahres- Produktion der Landwirtschast heute auf 14 Milliarden geschätzt wird, indes die Gewinnung von Steinkohlen, Braunkohlen und Roheisen zusammen erst zwei Milliarden an Wert Produziert. Ebensowenig— das muß hier gleich noch eingefügt werden, um Mißverständnisse zu vermeiden— ebensowenig besagen die obigen Zahlen irgendetwas über die Frage, ob die größere Produktivität in der Landwirtschaft dem Groß- ode dem Kleinbetriebe zu danken gewesen ist. Es wäre ein arger Trugschluß, wenn man etwa sagen wollte: die Großbetriebe haben an Zahl wie an Fläche abgenommen, die Kleinbetriebe umgekehrt zugenommen; die gesamte Produktion ist gestiegen, folglich ist die größere Produktivität des Kleiw betriebes in der Landwirtschaft erwiesen, lim das zu er gründen, müßte man vielmehr erst genau untersuchen, ob die größere Produktcnmcnge auch wirklich von den kleineren oder nicht vielleicht von den großen Betrieben geliefert worden ist— eine Frage, die für unseren gegenwärtigen Zweck nicht in Be- tracht konimt. Immerhin bleibt so viel übrig, daß der Ertrag der deutschen Landwirtschaft in den letzten 1'/, Jahrzehnten wesentlich ge- stiegen ist. Nun kommt aber der andere höchst wichtige, ja wichtigste Punkt, den das Agrarierblatt in seiner Erörterung einfach fortläßt. Die erhöhte Ertragsfähigkeit der deutschen Land- Wirtschaft zu leugnen, fällt uns nicht ein. Sie ist Tatsache. Wie jedoch verträgt sich damit die andere, ebenso unleugbare Tatsache, daß in derselben Zeit dieZahl derMenschen, die in derLandwirtschaft arbeiten und vonihr leb en.so stark a b g e n o m m e n hat? Dic„DeutscheTages- zeitung" sagt selbst, daß zur Erhöhung des Ertrages sehr viel mehr Arbeit nötig war. Und doch betrug 1896 die landwirt- schaftliche Bevölkerung rund 19 200 000 Personen--- 42'/, Proz. der Gesamtbevölkerung des Reiches, 1907 aber nur noch 17700000 Personen— 298/4 Proz. Wie reimt sich das zu- sammen? Die Frage löst sich leicht, wenn man die soziale Gliederung der landwirtschaftlichen Bevölkerung betrachtet. Da zeigt sich nämlich, daß die Zahl der Selbständigen ge> funken, die der Angestellten ziemlich konstant geblieben und die der Arbeiter— trotz gesunkener Gesamtzahl!— ganz bedeutend gewachsen ist. Es wurden in der Landwirschaft gezählt: 1895 1907 Selbständige... 2 563 725 2 500 974 Angestellte.... 96 173 98812 Arbeiter..... 6 627 794 7 283 471 Diese Tabelle zeigt, daß auch in der Landwirtschaft die Proletarisierung mit unheimlicher Geschwindigkeit vor sich geht. Die Erträgnisse der Landwirtschaft sind kolossal gewachsen, an Geldwert noch mehr als an Produkten. Aber die Besitzer, die den Segen einheimsen, sind weniger geworden. Und damit noch nicht genug. Es muß auch beachtet werden, daß innerhalb der so stark gewachsenen Arbeiterschar die Männer abgenommen, die Frauen aber um so mehr zu- genommen haben l Es gab: 1895 1007 männliche Arbeiter.. 3 239 646 3 023 933 weibliche Arbeiter.. 2 333 143 4 254 488 DaS Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Arbeitern in der Landwirtschaft hat sich seit 1895 genau um- gekehrt: damals gab es 58 Proz. männliche und 42 Proz. weibliche, heute 42 Proz. männliche und 58 Proz. weibliche. 5ftmmt man die Zählung von 1892 dazu, so zeigt sich, daß in diesen 25 Jahren die Landwirtschaft fast genau 600000 männliche Arbeiter abgestoßen hat. Damit ist doch der Beweis erbracht, daß die Landwirtschaft trotz ihrer gesteigerten Er- trägnisse nur einen immer kleineren Teil unseres Volkes zu beschäftigen und folglich zu ernähren in der Lage ist, daß der ungeheure Segen in die Taschen einer sinkenden Zahl von Besitzern fließt und daß der Fortschritt, genau wie in der Industrie, auf Kosten der Arbeiter vor sich geht. Die„Deutsche Tagesztg." läßt auch gar keinen Zweifel, woran diese gewalsige Abstoßung männlicher Arbeiter und ihre Ersetzung durch weibliche liegt. Sie schreibt: „Zur Erhöhung der Intensität— d. h. also zur Bewältigung der vermehrten Arbeit—„wurden natürlich auch unzählige Maschinen aller Art gebraucht.... Vom Jahre 1832 bis zum Jahre 1907 stieg die Anzahl der Betriebe, welche benutzten: Dampfpflüge von 836 auf'2635, Säcmaschinen von 63 842 auf 194 500, Mähmaschinen von 19 634 auf 131208, Dampfdresch- Maschinen von 75 690 auf 206 000, andere Dreschmaschinen von 298 367 auf 567 137. Hierzu kommen nun noch die bester konstruierten, sehr teuren eisernen Pflüge, Eggen, Walzen, die un» zähligen Kultivatoren, Düngerstreuer. Kartoffelernte« und Lege- Maschinen. Hunderttausende von Milchzentrisugen, alles Geräte, die vor 25 Jahren nur eine sehr geringe Verbreitung hatten." Also auch hier derselbe Prozeß wie in der Industrie: die Maschine ersetzt den Arbeiter, der Arbeiter fliegt auf die Straße. Es ist der reine Hohn,, wenn die„Deutsche Tages- zeitung" gleich dahinter die Landwirtschaft eine„Kraftquelle" nennt,«die für die Wehrhaftigkeit der Nasion und als frisch fließender Born zum Ersatz der sich allmählich in der Industrie- arbeit aufteibenden Stadtfamilien von unschätzbarem Wert ist". Eine schöne„Kraftquelle", die die männlichen Arbeiter all- mählich geradezu auf den Aussterbeetat setzt und nur einem immer kleineren Teil der Nation Unterhalt zu bieten in der Lage ist! Da sollen wohl in Zukunft die Frauen die Waffen tragen und die„Wehrhaftigkeit der Nation" darstellen? Das ganze nennt die„D. T." in echt kapitalisttschem Jargon einen„Aufschwung" der Landwirtschaft. Woraus man wieder einmal sieht, daß sie die Arbeiter zur„Landwirtschast" nicht mitzählt. i Der bayerische Candtag. München, 13. August. Am 29. September 1909 trat der bayerische Landtag zur Tagung zusammen und am 10. August 1910 wurde er geschlossen. Die Session hat also nicht weniger als 10'/, Monate gedauert, wobei als Unterbrechungen nur die üblichen Parlamentsferien an den großen Festen in Betracht kommen. Der bayerische Landtag mit seiner 10- bis llmonatlichen SessionS- daucr ist unter seinen Brüdern wohl ein Unikum. Um die ungebnhr« liche Ausdehnung der Parlamentssession eines verhältnismäßig kleinen Staates überhaupt verstehen zu können, muß man zwei für die Gesetzgcbungstätigkeit unpraktische und hinderliche, aber durch die Tradition geheiligte Dinge kennen: Einmal die zwei- jährige Budgetperioden, die in einer Session die Er- ledigung parlamentarischer Arbeit für zwei Jahre verlangen, und zum anderen den Finanzausschuß, den in der Vorberatung das ganze Budget mit den hierzu gestellten Anträgen durchlaufen muß. Dieser Finanzausschuß, wenig höflich, aber sehr zutreffend „Vorkaumaschine" genannt, erweist sich fortdauernd als ein be- deutendes Hindernis für ein rasche? Vorwärtsschreiten der parla- mentarischen Arbeit. Er kann nämlich seine Vorkauarbeit nicht so rasch erledigen, daß daS wiederkäuende Plenum ununterbrochen in Tätigkeit bleiben könnte. ES fehlt sehr häufig an Swff, was den Ausfall von Plenarsitzungen zur Folge hat. Für die Erhaltung der zwei« jährigen Budgetperioden sind die verknöcherten Bureaukraten der Regierung, nicht zum wenigsten die Minister, die auf diese Weise ein volles Jahr Schonzeit erhalten. Für die Konservierung de? Finanzausschusses tritt die verknöcherte Bureaukratie des Par- laments ein, repräsentiert durch jene Parteihäuptlingc. die sich durch Tüchtigkeit, Alter oder Tradition die Anwartschaft auf einen der begehrten Sessel des Finanzausschusses errungen haben. Zweijährige Budgetperioden und Finanzausschuß, diese beiden antiquarisch-parlamentarischen Raritäten, sind die stärksten Sperr» Vorrichtungen an dem LandtagSkarren. Die Pauschalierung der Diäten, der Versuch der Kontingentierung der Redner, der Be- schluß auf Abkürzung der mündlich zu erstatteten Referate hat nur wenig zur Verbesserung der Situation beigetragen, weil die Ver- einbarungen zumeist nicht gehalten wurden.— In das bayerische Parlament kamen die Sozialdemokraten mit dem Jahre 1893. Seitdem hat sich nicht nur die Arbeit?» Methode, sondern auch der Arbeitszweck der sozialdemokratischen Fraktion geändert. In den ersten Sessionen führte die bayerische Sozialdemokratie als interessante Neuerscheinung ihre parlamen- tarischen Kämpfe durchaus in großem Stil. Fragen grundsätz- sicher und gegenüber der bürgerlichen Phalanx unterscheidender Art wurden mit Vorliebe aufgeworfen und gründlich erörtert. ES war die Zeit, in der daS Parlament für unsere bayerische Partei politisch-jungfräulicher Boden, Neuland, war, in der die fünf Man» starke sozialdemokratische Fraktion direkte parlamentarische Er» folge nicht erhoffte, die«positive" Arbeit also eine mehr unter» geordnete Rolle spielte. Die erste Tätigkeit in der gesetzgebende» Körperschaft Bayerns galt nicht ausschließlich, aber in der Haupt- fache der Agitation und Propaganda der sozialistischen Ideen und Ideale auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete. In dieser Periode war eS eine Lust, parlamentarisch zu schaffen, und von ihr reden die„Alten" gerne in froher Erinnerung. ES war die» selbe Periode der Entwickclung, in der heute unsere preußischen Genossen im Klassenparlament zu Berlin stehen, und für die Sozialdemorkatie in Bayern gleichsam das Heroenzeitalter de? Parlamentarismus. Weltanschauungen und Prinzipien ändern sich nicht in Jahren und Jahrzehnten und so kam eS, daß in jeder Session dieselben Kämpfe mit denselben Gedankengängen und Motivierungen sich wiederholten und damit allmählich das Interesse zu schwinden be» gann. Die großzügigen Debatten über Kultur» und Weltanschauungen wurden in dem bayerischen Parlamente selten und seltener und an ihre Stelle traten eine manchmal recht erfolgreiche. aber vielfach sehr nüchterne Kleinarbeit. DaS Streben nach positiven Erfolgen rückte weit in den Vordergrund und mit ihm kam die Blütezeit der Kompromisse und Kuhhändel. Die parla- mentarische Arbeit der sozialdemokrasischen Fraksion ist praktischer, aber auch reizloser geworden. Diesen Charakter trug im ganzen auch die Arbeit unserer bayerischen Fraktion in der eben geschlossenen Session. Fast alle verabschiedeten Gesetze tragen deutliche Spuren sozialdemokratischer Mitarbeit. Bei jeder parlamentarischen Aktion stand die Fraktion mit im Vordrgrunde, nicht selten als Regisseur» häufig als Trägerin wichtiger Rollen der politischen Kriegsspiele. Und da» Ergebnis der langen und für unsere Genossen anstrengenden Tagung? Gleich Null. Wohl kaum eine Session hat einerseits so viel Unerfreuliches und andererseits so wenig positive Erfolgs für die Arbeiterschaft gebracht wie diese. Die neuen Steuergesetze, Steuerreform und Biersteuer, bringen für die unteren Bcvöllc- rungsschichten neue Lasten, denen auf dem Gebiete der Sozial» Politik nicht das geringste Erträgnis gegenübersteht. Zwar an schönen Worten über Koalitionsrecht und Koalitionsfreiheit, über Arbeitslosenfürsorge und Ausbau der Reichsversicherungsgesetzs hat eS nicht gefehlt. Auch Bodman sche Komplimente für unsere Partei können wir mehrfach verzeichnen, und ein Minister hat eS sogar gewagt— eS ist ihm allerdings schlecht bekommen—. dis Sozialdemokratie als eine Kulturbewegung mit dem Christentum auf«ine Vergleichslinie zu stellen. Die völlige Unfruchtbarkeit der letzten parlamentarischen S+'ioa weist wieder eingtgl deutlich dgrq� jstii, dgß hie SsiÄs Lnseker AeKegMg und die Basis 56t Erfolge ausier�alb des Pak- laments liegen. Es ist eine gründliche Aufklärungsarbeit durch das ganze Land, ein weiterer Zuwachs cm Anhängern notwendig, um die parlamentarische Stoßkraft der Fraktion zu vergrößern und so den Boden für neue Erfolge vorzubereiten. Das wird nur mög- lich durch eine scharfe Frontstellung gegen alle bürgerlichen Par- tcien, insbesondere gegen das Zentrum, das in dieser letzten Session sich mehr als früher als eine rücksichtslose Partei der schlimmsten Reaktion auf politischem und sozialpolitischem Gebiete erwiesen hat. Zehnter bayerischer Parteitag. Erlangen, 15. August. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Der diesjährige bayerische Parteitag wurde hier am So-nntag unter dem Vorsitz des Genossen von V o l l m a r im„Kolosseum" eröffnet. Der deutsche Parteivorstand war vertreten durch Genossen E b e r t- Berlin: von den badi» s ch e n Genossen war Geiß erschienen. Von der Landtags- fraktion Bayerns waren 11 Mitglieder anwesend. Landtagsabgcordnetcr Auer erstattete den Bericht des Landesvorstandes, der nach eingehender Debatte emstimmig genehmigt wurde. Auch die Vorschläge des Landesvorstandes und die ans den Parteiorganisationen hervorgegangenen An- träge zur Neuorganisation wurden gebilligt. In den parla- nientarischcn Bericht der Landtagsfraktion teilten sich die Genossen Adolf Müller, Dr. von H a l l e r und S e g i tz. Genosse Müller zeichnete in jein pointierter Weise ein Bild der i n n e r p o l i t i s ch e n Lage Bayerns. Er wies insbesondere auf den wachsenden Einfluß des Zentrums hin, das seine letzten demokratischen nhängfel abgestreift und nun immer mehr sich zur Bcamtenpartei entwickle. Ihr gegenüber stehe eine Regierung, die den immer reaktionärer werdenden Forderungen des Zentrums nicht mit dem nötigen Rückgrat entgegentrete. In Bayern gäbe es zwar keinen Regierungs» absolutismus, aber einen Absolutismus der Bureaukratie, der auch die Kainmermchrheit voll und ganz beherrsche. Die politische Lage sei ernst und es gelte zum Kampf gegen einen wohldisziplinierten Gegner alle Kräfte zu sammeln. Dr. von H a l l e r referierte über die Steuerpolitik des bayerischen Landtages, in dessen Vordergrund die bayerische Steuerreform und das Malzabschlagsstcuergesetz gestanden. Tie Steuerreform bringe zwar die allgemeine progressive Ein- kommensteuer, aber sie besitze den Fehler, daß sie die unteren Klassen zu stark belaste, die höheren Einkommen aber ängst- lich schone. Das Malzabschlagssteucrgesetz lasse 15 Millionen in die Taschen der Wirte und Brauer fließen, während die werktätigen Volksschichten dafür zu bluten haben. Zentrum und Liberalismus aber trügen gemeinsam die Schuld an dieser Ausräuberung des Volkes. Ein ähnlich trübes Bild von der reaktionären Strömung in der bayerischen Kammer malte Genosse S e g i tz in seinem Referat iiber die bayerische Sozialpolitik. Auch auf diesem Gebiete habe das Zentrum alles getan, um eine Vorwärtsentwicklung zu verhindern. Es habe die sozial- demokratischen Anträge niedergestimmt und sie in veränder- ter Form als ultramontanes Zukunftsprogramm hingestellt. Der Landtagsfraktion wurde einstimmig das Vertrauensvotum des Parteitages ausgesprochen. In den Landesvorstand wurden die Genossen von Vollmar, Adolf M ü l l er, E. Auer, Raith- Miiinchen, Treu und Simon- Nürnberg gewählt. Ueber den Entwurf eines neuen Gemeinde» Wahlprogramms, der im Wesentlichen dem Ludwigs- hafener Programm entspricht, aber den geänderten Verhält- uissen angepaßt ist, referierte Genosse Ed. S ch m i d- München. Der Entwurf wurde angenommen und mit den ein- gclausenen Anträgen einer Kommission von 5 Mitgliedern zur Ausarbeitung für den nächsten Parteitag übertragen. Die übrigen Punkte der Tagesordnung, die Agitation und Presse und die eingelaufenen Anträge wurden ohne wesentliche Debatte erledigt und der Parteitag mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. politische Gcbcrficbt. Berlin, den 15. August 1910. Konfliktslüsterne Gaunerpolitik. Die„Post" kommt in ihrer Sonntagnummer auf ihren bekannten Artikel zurück, in dem sie aufgefordert hatte, mit irgend einer Macht Differenzen zu suchen, um auf diese Weise eine zugkräftige Wahlparole vorzubereiten. DaS Blatt quittiert die Hiebe, die es von allen Seiten erhalten hat, da- mit, daß es recht auf seinem Standpunkte beharrt und rund heraus erklärt, von diesem nicht abgehen zu können. Zwar wird der Versuch gemacht, zu bestreiten, daß es sich um eine 5wiegshetze gehandelt habe, allein die„Post" erklärt gleich darauf wieder selbst: „Wir sind noch immer der Meinung, daß ein scharf« geschliffenes Schwert, wie unser Kaiser einmal sagte, die beste Friedensbürgschaft ist. Wer aber ein scharfgeschliffenes Schwert besitzt, der macht sich lächerlich, wenn er sich so benimmt, als ob er ein hölzernes an der Seite führe. Eine auswärtige Politik, wie wir sie verlangen, muh die Freude am Reich, den Stolz auf die eigene Nation heben und ist dementsprechend ein geeignetes Mittel, denjenigen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die aus dem Neichsverdruh und der Unzufriedenheit über unsere Zustände ihren Nutzen schöpfen." Die Empörung, die der Artikel der„Post" Herdorgerufen hat, dient dem Blatte als Beweis, wie glücklich der Gedanke war, und deshalb empfiehlt es allen maßgebenden Stellen noch einmal: «Durch eine männliche, selbst- und zweckbewuhte auswärtige Politik dem deutschen Volke die rechte Freude am Reich und volles Vertrauen zu seiner Regierung zurückzugewinnen. DaS wird eine gute Vorbereitung siir die kommenden ReichStagSwahlen geben." Bei einigen Blättern hat übrigens der schöne Vorschlag der„Post", einen Konflikt mit einer fremden Macht zu provozieren und dann nach allen Regeln der Kunst den deutschen ChauvinisrnuS aufzupeitschen, nicht nur theoretisches, sondern bereits praktisches Verständnis gefunden. So schreibt die„Tremouia". das Dortmunder Zcntrumsblatt. in einem„Hochfliegende Franzosen und schwer- mutig eAlldeutsche" überschriebenen Leitartikel, in dem sie den Fall behandelt, daß französische Aviatiker mit ihren Flugmaschinen über die deutsch-sranzösische Grenze hinweg- fliegen sollten: »... Je schärfer wir zu Felde ziehen gegen jedes Flugzeug, da? die Luftlinie oberhalb der Grenzlinie berührt, desto höher wird das Ding w der Wertschätzung unserer Nachbarn steigen. Das einzig wirksame Antipirin(Beruhigungsmittel) ist die Ausbildung der Fliegerkunst und der Flugzeuge in Deutschland. Wenn wir ebensoviel Aeroplane und noch einige Leukballous mehr haben, so wird der„luftige" Chauvinismus schon nachlassen. Eine absicht- liche Ueberschreitung der Grenze ist ungehörig; aber wir sehen nicht ein, daß man gleich mit Kanonen auf jeden Spatz schießen müßte. Ernste Maßregeln wären freilich geboten, wenn die Franzosen ihre Drohung wahr machen wollten, der Ausspähung halber über Metz oder anderen Festungen zu fliegen. In dem Falle könnten wir ja nach vorheriger Ver- Warnung eine Uebung im Scharfschießen auf Luftfahrzeuge vornehmen, was zur Ausbildung für den Ernst fall nicht unnütz wäre." Das ist für den Anfang eine ganz ansehnliche Leistung. Vielleicht werden uns die nächsten Monate noch schönere Kriegshetzartikel bescheren; denn der Zweck heiligt die Mittel. Um sich für die nächsten Reichstagswahlen eine bessere Position zu verschaffen, scheut, wie man sieht, das blau- schwarze Preßgesindel selbst nicht vor der Heraufbeschwörung eines blutigen Konfliktes zurück, der Hunderttausenden kräftiger Männer das Leben kosten kann. Weiterer Rückgang der Reichseinnahmen. Die Reichseinnahmen in den ersten vier Monaden des EtaiS- jahres zeigen ein wenig günstiges Bild. Denn die Einnahmen an Zöllen und Steuern belaufen sich in den ersten vier Monaten auf 208,4 Millionen Mark gegen 227,8 Millionen in der gleichen Zeit des Vorjahres; eö ergibt sich mithin ein Ausfall von 19,4 Mil- lionen Mark. Was die einzelnen Steuern betrifft, so beträgt im April-Juki die Verbrauchsabgabe für Branntwein 42,2 Millionen Mark und bleibt damit, da sie auf 189 Millionen für 1919 veranschlagt ist, bis jetzt erheblich hinter dem Voranschlag zurück. Die Brau- st e u e r mit 33 Millionen Ertrag erfüllt zwar annähernd, aber noch nicht ganz die Erwartungen des Voranschlages. Ganz erheb- lich bleiben zurück die Erträge der Leuchimittelsteuer und des Scheckstempels mit nur 2,7 und 1,2 Millionen in einem Zeitraum von vier Monaten. Günstig entwickelt haben sich weiter- hin die Zuckersteuer mit 53,2 Millionen und der Grundstücksumsatz- stempel mit fast 15 Millionen, sowie die Erbschaftssteuer mit 13,1 Millionen. Die Stempelabgabe von Wertpapieren bleibt zwar mit 19,7 Millionen um ein weniges hinter dem Ergebnis des Vor- jahreS zurück. Aber da in diesem eine sehr beträchtliche Veraus- gabung von Wertpapieren zum Zwecke der Steuerersparnis stattfand, so ist das Ergebnis noch vergleichsweise günstig. Insgesamt be- laufen sich die Einnahmenim April-Juli auf 468,5 Millionen gegen 432,9 Millionen im Vorjahr, und da der Gesamtvorcmschlag für das laufende Jahr an Zöllen und Steuern sich auf 1441,5 Millionen stellt, so würde, wenn man das Ergebnis des ersten Drittels für das ganze Jahr zugrunde legt, ein Ausfall von 86 Mil- lionen Mark gegen den Voranschlag zu verzeichnen sein. Eine antimonarchische Demonstration eigener Art soll am Dienstag, den 16. August, in Posen statt- finden. Bekanntlich wird dort mit großem Pomp und Gepränge das neue Kaiserschloß eingeweiht. Dieses Schloß kostet die Steuer- zahler über 6 Millionen Mark. Die Stadt Posen ist bereits künst- lich in einen wahren Taumel des Byzantinismus versetzt worden, und man macht gewaltige Anstrengungen, möglichst alle Einwohner zu veranlassen, den Festrummel, der«drum und dran hängt", mit- zumachen. Zur Ausschmückung einer kurzen Straßenstrecke, kaum kaum so lang wie der Weg vom Berliner Zeughause zum Schloß, hat die Stadt Posen 39 999 M. bewilligt. In Anbetracht dieser Sachlage haben unsere Parteigenossen beschlossen, Dienstag abend eine Gegendemonstration zu veranstalten, und zwar in Gestalt einer großen Volksversammlung, in welcher Redakteur Albert- Breslau über das Thema:„Schlösser und Millionen für den König— Fußtritte für das Volk" referieren soll. Die Versammlung gewinnt besonders dadurch an Bedeutung, daß in ihr an Ort und Stelle die Notwendigkeit der Erhöhung der Zivilliste prächtig illustriert werden kann. Znm Gouverneur von Südwestafrika soll der bisherige Gouverneur von Kamerun Dr. Seitz er- nannt werden. Die„Neue Badische Landeszeitung" in Mann- heim, die diese Meldung aus angeblich bester Quelle bringt, teilt noch mit. daß Seitz abgelehnt habe, als Unterstaats- sekretär ins Kolonialamt einzutreten. Die Königsbergcr Justiz. DaS ungeheuerliche Urteil im Königsberger Prinzen- beleidigungs-Prozeß ist selbst der„Frankfurter Zeitung" zu stark— beiläufig, soviel wir sehen, ist es. von den radikalen Berliner Montagsblättern abgesehen, das einzige liberale Blatt, das sich gegen den Spruch der Königsberger Richter wendet. Das Frankfurter Blatt findet das Urteil unter anderm auch deshalb furchtbar blamabel, da dadurch die absolute Unzulänglichkeit der seinerzeit von den Liberalen als große Errungenschaft des Bülowblocks ge- priescnen„Reform" des Majcstätsbeleidigungsparagraphen erwiesen wird. Was die Sozialdemokratie vorausgesagt hat, ist eingetroffen, die„Reform" verstärkt die Gehässigkeit dieser Strafgesetzgebung, da sie sie zu einem Ausnahmegesetz gegen Sozialdemokraten macht. Weil die Sozialdemokraten M a r ck w a l d und Linde nach dem durch keinerlei Sach- kenntnis getrübten Urteil der Königsberger Richter die Prinzen hassen müssen, so wird die Böswilligkeit der angeb- lichen Beleidigung geschlossen. In den Novembertagen des Jahres 1909 hat kein Staatsauwalt die zu einem großen Teil außerordentlich scharfen Kritiken verfolgt, die die deutsche Presse an der Person des Kaisers übte. Mit gutem Grund. Denn damals war es nicht nur die sozialdemokratische, es war mit wenigen Ausnahmen auch fast die gesamte bürger- liche Presse, die sich in dieser scharfen Kritik erging. Da waren die deutschen Staatsanwälte überzeugt, daß keinerlei Böswilligkeit vorhanden war.- Man muß sich die damaligen Ausführungen vergegenwärtigen, um die ganze Schwere der Tatsache zu empfinden, daß im Falle Königsberg Sätze ver- folgt wurden, und daß in ihnen die böswillige Absicht der Beleidigung gefunden wurde, von denen selbst die bürgerliche „Frankfurter Zeitung", die sich vor der angeblichen Geschmack- losigkeit des Artikels der„Königsbergcr Volkszeitung" hoch- fahrend bekreuzt, zugeben mutz, daß sie eine Beleidi. gung weder inr Inhalt noch der Form zu ent- decken vermocht habe. Uebrigens wird das ungeheuerliche Urteil um vieles ver- ständlicher, wenn man aus den Bericht, den die„Königs- berger Volkszeitung" über die Verhandlung brachte, ersieht, daß der Vorsitzende. Lyndgerichtsdirektor Schmidt, bei der Vernehmung des Ange?kag?en M'ar'ckwäkd' seine Unparleilich- keit durch folgenden Ausspruch dokumentierte: „Aber Angeklagter,«ie müssen doch zugebe«» daß Sie die königlichen Prinzen in dem Artikel verspottet und mit Hohn übergössen haben, und daß das auch Ihre Absicht war." Der Herr Vorsitzende hatte den Schuldigspruch also schon vor der Verhandlung fertig....l Schmiergelder in der wlarüte. Nicht nur beim Alteisenkauf auf der Neichswerft können Schmier- gelder gute Dienste leisten, wie durch den Kieler Werftprozeß er- wiesen worden ist, auch bei der Lieferung von Proviant für die Flotte spielen Schmiergelder eine Rolle. Darüber kamen in einem Prozeß, der sich am Sonnabend vor dem Kriegsgericht des ersten Geschwaders in Kiel abspielte, allerlei interessante Dinge in die Oeffentlichkeit. Angeklagt waren sämtliche sieben BottelierS des ersten Geschwaders, und zwar die BottelierS beziehungs- weise Oberbotteliers der Linienschiffe„Hannover",„Westfalen", „Wettin",„Zähringen",„Nassau",„Schlesien" und„Mecklenburg". Die Angeklagten waren angeklagt wegen Ungehorsamkeit gegen einen Dienstbefehl, der daS Annehmen von Schmiergeldern verbietet. Zur Anklage standen nur die in den letzten drei Jahren vorgekommenen Fälle, die anderen waren verjährt. Die Angeklagten gaben teils zu, kleinere Beträge von Lieferanten erhalten zu haben, teils leugneten sie jede Schuld. Die als Zeugen vernoimnenen Schlächtermeister, Bäckermeister und Brauereivertreter sagten aus, daß sie von Zeit zu Zeit Beträge von 19, 29, 39, auch 49 M. an die BottelierS bezahlt hätten. Ein Bäckermeister hat regelmäßig eine Summe an den Bottelier bezahlt, die einem Betrage von 5 Proz. der zu zahlenden Rechnung gleichkam. Ein Brauereivertreter hat einmal versucht, ob eS nicht ohne Schmiergelder gehe. Er mußte aber bald einsehen, daß es nicht möglich war. Ein Schlächtermeister ist mit einem seiner Berufs- kollegen Mitglied einer Kommission, die von den Schlächierineistern zur Abschaffung des Schmicrgelderunwesens gewählt worden ist. Auch die BottelierS schienen eine ähnliche Organisation zu haben wie die Allhändler, deren Organisation bekanntlich unter dem Namen Chabruse bekannt geworden ist. Der Schlächtermeister sagte nämlich vor Gericht aus, daß er und sein Kollege von den BottelierS boy- kottiert würden, weil sie Mitglied der obenerwähnten Kommission seien. So sei er jetzt die Lieferung für zwei OsfizierSmessen loS geworden. Einen Gaunertrick versuchte der am meisten belastete Bottelier Ezech vom Linienschiff„Westfalen", um seine Schuld möglichst klein erscheinen zu lassen. Er sagte, er sei schon deshalb auf Geschenke angewiesen, weil er den Mannschaften habe hin und wieder Geld geben müssen, denn sonst hätten ihn die Matrosen bestohlen. Das Gericht sprach den Bottelier vom Linienschiff.Zähringen" ftei und verurteilte die übrigen zu je vier Wochen Mittelarrest. Der Per» treter der Anklage hatte je sechs Wochen Mittelarrest beantragt. Die geschäftskundigen BottelierS können sich über die Härte der Strafe sicher nicht beklagen._ Nur der Rottenführer. Zu der vor einigen Tagen von uns veröffentlichten Meldung daß in der Nähe der Statton Bonfeld, Strecke Straßburg— Basel. sechs Streckenarbeiter durch einen Zug getötet worden sind, wird uns von einem Bauingenieur geschrieben: .... Das empörende Geschwätz der bürgerlichen Zeitungen, der mitgetötete Rottenführer Fischer trage die Schuld an dem grauen- vollen Vorfall, fordert doch zu einer ganz entschiedenen Zurück- Weisung heraus. Es wird behauptet. Fischer hätte eS gegen die Vorschrift unterlassen, einen Posten aufzustellen. Wo mögen die Zeitungen diese oberflächliche Begründung her- haben? Erstens genügt doch die Suffiellung eine» Postens gar nicht, sondern eS find bei solcher Maffenbeschäfttgung zwei Posten erforderlich— auf jeder Seite einer.— Zweitens hat die Aufstellung von Posten gar keinen Zweck, be« sonders bei Nebel, der an dem Morgen herrschte, wenn die Posten nicht mit Signalhörnern versehen find. Der Rotten- führer hat vermutlich keine Signalhörner bekommen und konnte daher keine Posten ausstellen. Wenn hier nach dem Schuldigen ge- sucht wird, so ist er wiederum nicht bei denen zu suchen, die sich fügen müssen,— vergleiche unseren Artikel„Schablone F* in Nr. 185— sondern bei denen, die verpflichtet find, die Schutzmittel zu stellen. Als nächster Schuldiger ist hier der Bahnmeister zu erachten, in dessen Verwahr sich Hörner befinden mußten. Es sind aber solche wahrscheinlich nicht vorhanden, es ist vielleicht jahrelang ohne diese gegangen, bis dann ein Massentod die Eisenbahnbetriebs- Inspektion daran erinnert, den Brunnen zuzudecken. Vielleicht hat der Bahnmeister aus Sparrücksichten nicht gewagt, Signalhupen zu fordern und so unterblieb die wichtigste VorfichtS« Maßregel. Die Schuld der Eisenbahnbehörde ist niemals erweisbar und die Zeugen, die Auskunft geben könnten, find zum Glück für die Behörde tot! Es muß deshalb mit aller Entschiedenheit dagegen protestiert werden, daß ein armer Rottenführer die Schuld an dem Massenunglück tragen soll. Die Ursachen solcher Unfälle sind dieselben wie beim Bergbau, wo ebenfalls die nächstliegenden Vorsichtsmaßregeln ver- nachlässigt werden. Auffallend ist auch das beharrliche Schweigen der sonst mit Berichtigungen so eilig herauskommenden Eisenbahn- direktion. Sollte hier ein besonders fahrlässiges Verhalten der ver- antwortlichen Betriebsstelle die wahre Ursache des jähen, schrecklichen Unglücks sein?_ Der Gendarm als Schutzengel der Sittlichkeitsverbrecher. Die Insel Helgoland hat einen Sittlichkeitsskandal zu ver» zeichnen. Ein Uhrmacher wurde verhaftet, weil er eine Reihe Jahre hindurch mit schulpflichtigen Mädchen schwere Sittlichkeiisverbrechen begangen hatte. Ein 13jährigeS Mädchen war von ihm geschwängert worden. Eine Stunde nach der Verhaftung vergiftete sich der Be« schuldigte im Gefängnis. Schlimmer fast noch als diese Verbrechen will uns die Tatsache erscheinen, daß ein Gendarm Mitwisser ge» Wesen ist. ohne den Unhold rechtzeitig das Handwerk zu legen. Dia „Berliner VolkSzeitung" ist in der Lage, einen Brief dieses Gen- barmen an einen langjährigen Besucher Helgolands abzudrucken, der die folgenden unglaublichen Selbstbezichiigungen des Gendarmen enthält. Der Gendarm schreibt: „Was sagen Sie zu der Angelegenheit Beckers?(des Sitt. lichkeitsverbrecherS). Er unterhielt seit zirka 7 Jahrenjnit schulpflichtigen Kindern Verkehr; einige waren erst acht Jahre alt. ein dreizehnjähriges Mädchen kam in andere Umstände.� Der Vater des Kindes erstattete mir Anzeige, hierdurch war ich ge» zwungen, ihn festzunehmen, zumal er am selben Tage die Insel verlassen wollte. Leicht ist mir dieses nun gerade nicht geworden...... Ich kann Ihnen ja gern anvertrauen, daß ich ihn im vorigen Jahre be. reits gewarnt habe. Er hätte sich auch längst vor der Katastrophe entfernen können. Im Laufe der Ermittelungen deckte ich dann noch vieles auf. Außer Beckers sind in der Sache ein Oberleutnant, ein Oberstabsarzt, ein Obermaat. ein Maat und fünf Helgoländer beteiligt. 7 Mädchen im Alter von 7—14 Jahani. Mündlich können wir mal besser darüber re&nl' Man wird ja Wohl nun bald erfahren, was mit diesem Netten„Schutzmann" geschieht, der die vornehmen Wüstlinge warnt und gern laufen läßt, wenn sie ihm nicht direkt zugetrieben werden,_ Die Gelben an der Arbeit. Wir besprachen unlängst einen von dem„Ausschutz zur Förderung der Bestrebungen vaterländischer Ar- beitervereine"(Vorsi�ender Generalmajor z. D. v. Loebell) erlasienen A u f r u f zur Gründung gelberOrganisationen. Den Arbeitgebern und sonstigen kapitalistisch interessierten Kreisen, denen dieser Aufruf zuging, wurde darin auseinandergesetzt, datz die Gesamtmitgliederzahl der gelben Vereine bereits 200 000 er- reicht habe. Es scheint aber, als ob diese Empfelung der angeblichen Erfolge der gelben Gewerkschaften, gegen die sich sogar die ch r i st- I i ch e n Vereine entschieden zu wenden genötigt sahen, dem General, major v. Loebell nicht eindrucksvoll genug erschien. Uns liegt wenig- stens ein Schreiben dieses Herrn vor, in dem er die Aufforderung zur Beitragsleistung für den Ausschuh damit zu begründen sucht, daß er die Leistungen der sozialdemokratischen Partei ins Ungeheuerliche zu vergrötzern sucht. In dem Begleitschreiben zu den gedruckten Beitritts- und Bei- tragsaufforderungen wird aufgefordert, den Beitrag für die gelben Organisationen gleich für einige Jahre zuzusichern! Es heitzt dann in diesem mit Schreibmaschinenschrift hergestellten und von Herrn von Loebell eigenhändig unterzeichneten Begleitschreiben am Schlüsse wörtlich: „Der Erfolg unserer Tätigkeit hängt wesentlich von der Höhe unserer Mittel ab, da die sozialdemokra- tische Partei über grotze Machtmittel verfügt. Ihre Jahreseinnahmen betragen mehr als 60 Mil- lionen Mark. Annähernd 200 politische und gewerkschaftliche Blätter neben Millionen von Flugschriften predigen den Klassen- Hätz. 260 Arbeitersekretariate und Auskunftsstellen wirken als Werbebureaus. Die Agitation wird geleitet von 49 Reichstags- abgeordneten, etwa 180 Landtagsabgeordneten und fast 7500 Mit- gliedern deutscher Gemeindevertretungen. In den Angestellten der Krankenkassen, der Konsumvereine, der politischen und gewerk- schaftlichen Organisationen stehen der Sozialdemokratie Zehn- tausende von Agitatoren zur Verfügung." Die Jahrescinnahme der Sozialdemokratie mit 60 Millionen Mark sind leider eine vielfache Ueberschätzung. Herr von Loebell hat einfach die gewerkschaftlichen Aufgaben dienen. den Einnahmen von mehr als 2 Millionen gewerkschaftlich organi- sierten Arbeitern den Einnahmen der sozialdemokrati- schen Partei zugerechnet. Wenn man so bei anderen Parteien verfahren wollte, mühten ja auch die Einnahmen der Hirsch- Dunckerschen Organisationen dem Freisinn, die der christlichen Or- ganisationen hauptsächlich dem Zentrum, die des Hansabundcs und der verschiedenen Arbeitgeberverbände den Nationalliberalen und Frcikonservativen, die der Innungen, Kriegervereine usw. den Konservativen zugerechnet werden. Ja, man könnte noch weiter- gehen und alle Einnahmen unseres K l a s s e n st a a t e s, die ja den Interessen der besitzenden Klassen und damit den b ü r- gerlichen Parteien dienen, einfach diesen Par» teien zurechnen, sodass deren Einnahmen auf mehrere tausende Millionen Mark zu schätzen wären! Als Agitatoren der bürgerlichen Parteien kämen dann nicht Nur die höheren Beamten, sondern auch zahlreiche mittlere und untere Beamte, Gendarmerie und Schutzmannschaft, die Geistlich- keit, der grötzte Teil der Lehrer, kurz, viele viele Hunderttausende von Staatsangestellten in Betracht! Jedenfalls aber verrät das eifrige Bemühen der Protektoren der gelben Organisationen, mit welchem Eifer die Sachwalter der Kapitalistenklasse an der Arbeit sind, durch künstliche Spaltung und Zerfleischung ver Arbeiterklasse die Sache des AuSbeutertumS zu fördern!_ Zum Wandsbeker Wahlrechtsraub. Wie schon wiederholt berichtet, hat die Wandsbeker Stadt- Verwaltung alle diejenigen Steuerzahler in der Bürgerrolle ge- strichen, deren Einkommen den Betrag von 1500 M.„nicht erreicht", während bis zur Aendsrung der Stadtordnung, am 17. September 1909, das Wahlrecht an einen Staatssteuersatz von 16 M.(1350 bis 1600 M. Einkommen) gebunden war. In der entscheidenden Sitzung erklärte der Oberbürgermeister,„niemandem solle durch diese Mahregel daS Wahlrecht geraubt werden, wie in sozialdemokrati- schen Kreisen behauptet werde". Jetzt hat man die ganze Gruppe Steuerzahler von 1350 bis 1500 M., etwa 300, der„Armenecke" überwiesen und zu Kommunalbürgern zweiter Klasse degradiert, weil ihr Einkommen 1500 M. nicht erreicht. Das„Rechts- gutachten" des Magistrats geht dahin, datz abzüglich aller Kranken. iassen- und sonstiger Versicherungsbeiträge ein reines Einkommen von 1500 M. entscheidend sei für die Verleihung deS Bürgerrechts. Ein solches Reineinkommen herauszunehmen, ist bislang keinem Reklamanten gelungen, denn der Magistrat, bestehend aus Rechen- meistern 4 la Adam Riese, prüft die Rechnungen genau nach und subtrahiert so lange, bis daS Reineinkommen eines Arbeiters einige Mark unter 1500 M. steht. Will also jemand sich in den Besitz des Wahlrechts setzen, so mutz er sich eine Staatssteuerstufe höher einschätzen, mithin einen Staatssteuerbetrag von 21 M. j(1500 bis 1650 M. Einkommen) zahlen. DaS Stadtverordnetenkollegium, das nach den Bestimmungen der schleSwig- holstcinschen Städteordnung über die Re- klamationcn in erster Instanz zu entscheiden hat, stellte sich auf den „Rechtsstandpunkt" des Magistrats und sanktionierte den WahlrechtSraub. Tie Angelegenheit wird voraussichtlich noch die höheren In- stanzen— Bezirksausschutz und LberverwaltungSgericht— be- fchäftigcn._ Die Polizeihunde— eine Gefahr für das Publikum. Zu einem gemeingefährlichen Unfug artet allmählich der immer mehr um sich greifende Gebrauch der Polizeihunde aus. In Dort- m u n d wurden Personen, die sich vor dem Laden eines boykottierten Tabakfaorikanten angesammelt hatten, durch Polizeihunde ange- fallen. Neuerdings berichtet ein Einwohner Dortmunds einen neuen Fall, wie die Hundebicster benutzt werden. Der Mann ging nachts, von einer Festlichkeit kommend, nach Hause und gewahrte, dass unterhalb eines GaSkandelabcrS dichte Rauchwolken aufstiegen. Auf der Strasse brannte nämlich an verschiedenen Stellen Gas, das einer defekten Rohrstille entwich. Als der Mann das Feuer nicht löschen konnte, alarmierte er durch einen Feuermelder die Wehr. In demselben Augenblick stürzten nach der Schilderung deS Mannes zwei Polizeibeamte auf ihn zu. Einer hielt ihn fest und der andere lietz den Hund los, der den Mann sofort in den Unterschenkel biss. Dem Ersuchen, den Hund an die Leine zu nehmen, wurde erst ent- Wrochen, nachdem der Mann noch wiederholt gebissen worden war. ES ist hohe Zeit, dass dem tollen Unfug energisch entgegen- getreten wird. Man mutz dem Publikum dringend raten, vor- kommcndenfalls die angreifenden Hunde einfach niederzuschlagen oder zu schießen. Räuberische Soldaten. Am ll. Juni verhängte das Kriegsgericht zu Lübeck schwere Strafen über die wegen Fahnenflucht, wiederholten Einbruchsdieb. stahls, Urkundenfälschung, Beschädigung und Preisgcbens von Dienjtgegenständcn. Gehorsamsverweigerung usw. angeklagten MuS- kotiere Max Steffel(der schon einmal wegen Fahnenflucht be- straft worden isth und Ferdinand Hoehn. Ersterer wurde zu «JahrenZuchthaus, Nebenstrafen und Ausstotzung aus dem Heere, letzterer zu 2� Jahren Gefängnis verurteilt. St. legte Be- rufung ein, weil ihm die Strafe zu hoch war, und gegen das Urteil gegen den Mitangeklagten legte der Eerichtsherr Berufung«äst. Keil nicht üllf Nevenstrafest und Ausstotzung äuS dÄN Heers er- kannt worden ist. Die Angeklagten verliehen am 27. März d. I. ihren Truppen- teil, verschafften sich durch Einbruch in das Bootshaus eines Lü- becker Ruderklubs Zivilzeua und gingen dann über Hamburg und Harburg nach dem Kreise Winsen, wo sie viele Einbrüche begingen. Mitte April wurden beide bei VerÜbung eines DicsstahlS abgefatzt. Nach Lübeck zurückgeführt, soll St. wiederholt Befehlen nicht nach- gekommen sein und die Arrestzelle beschädigt haben. Beide Ange- klagte wollen sich nur das zum Fortkommen Notwendige gestohlen haben. Das Oberkriegsgericht des 9. Armeekorps(Altona) er- mäßigte bei St. die Strafe auf fünf Jahre Gefängnis, be- liess es aber bei den Nebenstrafcn und erkannte gegen H. unter Bestätigung des Strafmatzes erster Instanz aus Nebcnstrafen und Ausstotzung aus dem Heere._ Oeftermeb. Vom Nationalitätenstreit. Wien, 14. August. Vor dem tschechischen VereinShauS, in dem sich 300 zum Besuch der JagdauSstellung hier eingetroffen- Tschechen, darunter viele Frauen, befanden, kam es heute zu tschechenfeindlichen Demonstratio'nen. Die Polizei verhaftete mehrere deutsche Demonstranten, die den zum Schutze des Vereinshauses gezogenen Polizeikordon zu durchbrechen ver- suchten.. frankmd). Eine abgelehnte Anszcichnung. Unser französischer Genosse, Abg. Voilin. ist kürzlich in die?age gekommen, eine ministerielle Auszeichnung ab- zulehnen. Welcher Art sie war, geht aus folgendem Brief hervor, den der Genosse an den Minister des Innern, Briand, gerichtet hat: „Ich ersehe aus dem„Journal Officiel" vom letzten Montag, daß ich das Objekt eines Glückwunsch. s ch r e i be n s bin für Taten der Aufopferung und des Muts im Lauf der Ueberschwemmungsperiode des vergangenen Januars und Februars. Ich bin um so überraschter und ver- blüffter, von Ihnen einer Auszeichnung würdig gehalten zu werden, da ich in keiner Weise etwas davon wußte, von irgend jemandem zum Objekt eines solchen Vorschlags gemacht wor- den zu sein. Eine große Anzahl meiner Mitbürger haben während der schmerzlichen Krise, die wir durchmachten, ihre Solidaritätspflicht erfüllt, als Männer, ohne auf eine Ent- lohnung oder Auszeichnung zu hoffen. Jchweigeremich, von dieser anonymen und edelmütigen Mnsse getrennt zu werden. Das um so mehr, als unter den Ausgezeichneten zu viele sind, die es nicht sein sollten und unter den Un- genannten viele, die es mehr verdient hätten. Als Mann hänge ich nur von meinem Gewissen ab, als Gewählter nur von meiner Partei und meinen Wählern. Ich lehne deshalb jeden ministeriellen Stempel ab. Empfangen Sie, Herr Minister, mit dem Bedauern, Ihre Glückwünsche nicht an- nehmen zu können, den Ausdruck meiner besonderen Hoch- achtung. L. Voilin.�_ Vom Luftmilitarismus. Paris, 14. August. Der Berichterstatter für da? Kriegsbudget Clementel hat einem Berichterstatter des Matin mit Be- ziehung auf daS Programm des Kriegsministeriums für die N u tz- barmachung des AeroplanS für die LandeSverteidi. gung erklärt, aus den Mitteln, die dem KriegSministerimn für 1910 zur Verfügung stehen, werde der Minister unverzüglich Aeroplane der bewährtesten Typen in Auftrag geben. Die Aufgabe der nächsten Zukunft wird die AuSbild'ung der Aviatikertruppe sein. Zu den jetzigen drei UebungS- Plätzen für Militäraeroplane werden drei weitere hinzu- kommen, davon einer in einer Gebirgsgegend. Auf diesen sechs UebungSplätzen werden die jetzigen Aviatiker der Armee verteilt werden mit der Aufgabe, erstens Schüler auszubilden und zweitens sich selber zu vervollkommnen und sich das höhere Diplom für Aviatik zu erwerben, daS durch einen Ueberlandflug von 100 Kilo- meter in 600 Meter mittlerer Höhe erlangt werden soll. Um einen geeigneten Militäraeroplan zu erlangen, soll ein Wettbewerb unter den Konstrukteuren ausgeschrieben werden. Der Militär- aeroplan soll die Fähigkeit besitzen, Fahrten von 200 Kilo» meter auszuführen mit einer Tragfähigkeit von mindestens drei Passagieren in voller Ausrüstung und Bewaffnung, außerdem sollen sich die Apparate leicht und schnell montieren und demontieren lassen und leicht transportierbar sein. An allen Manövern werden künftig Militäraeroplane teilnehmen. Für daS Jahr 1911 werden sofort bei Beginn der parlamentarischen Arbeiten zwei Milli- o n e n F r a n c S für die weitere Durchführung dieses Programms gefordert werden. Der Kriegsminister behält sich vor, nötigenfalls weitere Kredite im Laufe des Jahres 1911 anzufordern. Die gesamte Aviatikertruppe wird einem einheitlichen Kommando unterstellt werden, welche? dem General Rocques übertragen werden soll. EnAlanck. Der neue Ueber-DreadnouahtS. London. 15. August. Der neue Ueber-DreadnougthS„Lion". der in der letzten Woche vom Stapel gegangen ist, wird mit einem neuen Geschützmodell armiert werden, dessen Konstruk- tion von der Admiralität streng geheim gehalten wird. Man er- innert sich, datz die ersten Geschütze von 304 Millimeter, die man als die äußerste Möglichkeit auf dem Gebiete der Artillerie be- zeichnete, ,m Januar diese? Jahres auf den Kriegsschiffen „St. Bincent",„Callingwood" und„Wangaurd" zur Anwendung gelangten. DaS neue Ueber-Drcadnougthschiff soll jedoch mit 342 Millimeter Geschützen ausgerüstet werden. Orhel. Grenzkämpse. Saloniki. 15. August. Wie aus Papapuli berichtet wird, feuerten infolge von Reibereien zwischen griechischen und türki» schen Grenzwachen die Türken aus die Griechen. Drei grie- chische Soldaten wurden schwer verwundet. Auch bei Dome- nikon kam es zu einem Kampf zwischen griechischen Hirten, die von griechischen Soldaten unterstützt wurden, und der türkischen Grenz. wache; drei Hirten wurden erschossen, zwei türkische Soldaten ver- wundet. Die Verluste der griechischen Truppen sind unbekannt. Nene Banden. Sofia, 15. August. Nach Blättcrmeldungen hat sich in Wodena eine neue revolutionäre bulgarische Organisation gebUdet. DaS leiteude Komitee hat ein Zirkular ausgegeben, worin der Bevölkerung die Auslieferung der Waffen an die Türken verboten, in Fällen von Gewalttaten türkischer Be- Hörden bewaffneter Widerstand empfohlen und bei Nichteinhaltung dieses Verbots strenge Bestrafung seitens des Komitees angekündigt wird.____ Hue Induftm und Kandel. Fleischwucher. Von der Preistreiberei am Vieh- und Fleifchmarkt werden die aus Anlaß der berühmten Reichsfinanzreform ohnehin immer noch hoch gehenden Wogen der Empörung wie von einem Orkan erneut aufgepeitscht. In Zuschriften an uns fordert man die Organisation eines Fleischboykotts von feiten der Partei. Ein Empörter macht den Vorschlag, die Fleischer sollten den Vertrieb frischer Fische und der Erzeugnisse von Fischen aufnehmen. Das sind Beweise für die Stimmung in Konsumentenkrcisen. Und die Empörung ist berechtigt. Nach- folgende Aufstellung nach den Notierungen der Markthallen- direktion in Berlin veranschaulicht die Preisentwickelung. Es notierten am 12. August pro 50 Kilogramm in Mark: 1903 1910 in M. M. in M. Ochsenfleisch 1»... 68— 74 78— 82 8-1» Ua... 64— 68 76— 78 10-11 lila... 57— 64 64— 74 7—1» Bullenfleisch la,.. 63- 69 70- 75 6— 7 IIa... 52— 57 60— 69 8—12 9-11 II.— 4- 6 7-13 5.— 5.— Kühe, fett..... 49— 59 „ mager.... Fresser...... Bullen, dän..... Doppelender Kalbfleisch Mastkälber la... „ Ua... Kälber ger. gen.... Mastlämmer.... Hammel la.... „ IIa.... Schafe...... Schweinefleisch,.. 39— 49 50— 60 44— 58 105—115 90— 95 80— 87 65— 70 79— 83 72— 78 64— 70 55— 62 59— 66 1910 M. 78— 82 76— 78 64— 74 70— 75 60— 69 60— 68 50— 60 56— 66 67— 65 110—120 90—100 80— 87 57— 77 80— 83 75— 79 70— 74 64— 70 63— 71 2— 7 1— 1— 3 4- 6 8— 9 4- 5 Ihrer Herrschaft über die Regierung gewiß, haben die Junker für die Klagen und Nöte des Volkes nur kalte Ver- achtung. Sie wissen, die Konsumenten können ihnen nicht entrinnen, so lange diese sie an der Herrschaft lassen. Dem Lebensmittclwucher kann das Volk nur begegnen, indem es den nationalliberal-zentrümlich-konscrvativen Schutzzöllnern die politische Gefolgschaft versagt. Wie aus Dresden gemeldet wird, werden von der dortigen Bürgerschaft mehrere Protestversammlungen vorbereitet, in der die sächsische Regierung aufgefordert wird, eine unbeschränkte Oeffnung der Grenzen herbeizuführen._ Bcrkaufskontor syndikatSfreier Zechen. Unter diesem Namen ist beim Amtsgericht in Dortmund eine neue G. m. b. H. eingetragen. Das Stammkapital beträgt 300 000 M. Der Gesellschaftsvertrag ist am 1. Juli 1910 festgestellt. Geschäftsführer sind: Generaldirektor Berg- assessor a.D. Heinr. Janssen und Generaldirektor WiSkott. Der Name Janssen besagt schon, dass das neue Verkaufskontor eine Gründung der Zechen der BergwerkSgescllschaft Trier ist. Janssen ist Generaldirektor der Zeche R a d b o d. Die Gründung bedeutet nichts anderes, als dass sich auch die syndikatsfteien Zeichen syn« dizieren, also eine Gegenorganisation gegen das Kohlensyndikat bilden._ Die Hilfsaktion für die Gläubiger der Niederdeutschen Bank. Die an der Hilfsaktion beteiligten Banken haben beschlossen, den Gläubigern bis 100 M. 75 Proz., von 100—500 M. 50 Proz., von 500-3000 M. 30 Proz„ von 3000-10 000 M. 25 Proz. sofort auszuzahlen. Sollte die Konkursmasse die Verteilung einer höheren Quote gestatten, so würden die Prozentsätze später eventuell erhöht werden, dagegen wird der Ausfall von der Hilfsaktion ge- tragen. Kohlen- und Koksproduktion. Der rechnungSmässige Kohlenabsatz deS Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats betrug im Juli 1910 bei 26 Arbeitstagen 5 766 332 Tonnen oder arbeitstäglich 221 801 Tonnen (gegen Juli 1909 bei 27 Arbeitstagen 5 777 011 Tonnen oder arbeits- täglich 213 963 Tonnen). Der Versand hat mithin im Juli 1910 gegen den gleichen Monat des Vorjahres abgenommen insgesamt um 10179 Tonnen, arbeitstäglich dagegen zugenommen um 7838 Tonnen gleich 3,66 Proz. Der auf die Beteiligung anzurechnende Koks- und Brikettabsatz bat betragen in Koks im Juli 1910 bei 31 Arbeitstagen insgesamt 906 975 Tonnen(gegen Juli 1909 bei 31 Arbeitstagen insgesamt 799 555 Tonnen). Der Absatz in Briketts betrug im Juli 1910 bei 26 Arbeitstagen insgesamt 286 044 Tonnen (gegen Juli 1909 bei 27 Arbeitstagen insgesamt 254 557 Tonnen). Rüdenzuckerfabrik in England. Wie der„Standard" meldet, soll in Kidderminster eine Zuckerrübenfabrik, welche im Jahre 300 000 Tonnen Rüben verarbeiten kann, mit einem Kapital von 80 000 Pfund Sterling errichtet werden. Viele Landwirte haben sich zum Anbau von Zuckerrüben verpflichtet. „Standard" berichtet über die Grafschaft Kcnt als neues Anbau» gebiet. Die Errichtung einer Raffinerie in dem Gebiet von Tun- bridge-WellS ist danach gesichert. Die Verhandlungen zwischen den Zuckerrübenbauern und Kapitalisten haben schnellen Fortgang ge» nommen. Vierzig Anbauversuche hatten fast durchweg guten Erfolg. Die erzielten Rüben übertreffen die deutschen und andere festländische Gewächse an Grösse und enthalten durchschnittlich etwa 18 Prozent Saccharin, einen Satz, den die ausländischen Rüben nicht erreichen. Das Mitglied des Unterhauses Courthope erklärte, er werde bis zum nächsten Jahre im Osten der Grafschaft Sussex eine Rübenzuckerfavrik errichten. KonzcntrationSicstrebungen in der Eisenindustrie. Wie gemeldet wird, hat der Vorstand der Hüstener Gewerkschaft dem Walzwerk Gabriel und Bergenthal in Soest eine Fusionsofferte unterbreitet, dass das Soester Unternehmen in der Hüstener Gewerkschaft auf» gehen soll. Zwischen beiden Unternehmungen besteht bereit« seit längerem eine Interessengemeinschaft derart, dass Hüsten der Soester Firma im weitaus grössten Teile den Halbzeugbcdarf liefert. Die Ausfuhr der Bereinigte« Staaten von Amerika im Jahre 1909/10 bedeutet einen neuen kräftigeiiSchrittinderRichtung zum Industriestaat. Die landwirtschaftlichen Erzeugniffe, be- sonders die Nahrungsmittel, erzielten eine wesentlich verminderte. die Fabrikate eine stark gesteigerte Ausfuhr. Dazu eine grosse Steigerung der Einfuhr: ein Zeichen der gewaltigen Erhöhung der Kapilalmacht, die ihre Anlagen im Auslaiio nmcht. In den letzten 3 Jahren betrugen in Millionen Dollar(zu 4,20 M.) vom 1. Juli bis zum 30. Juni: Ausfuhr Einfuhr Mehrausfuhr 1908... 1860773. 1 194341 666432 1909... 1663 011 1311920 351091 1910... 1744 966 1 557 854 187112 Wenn die Entwickelung in dieser Richtung fortschreitet, wird an Stelle des Aussuhr- bald ein Einfuhrüberichuss. wie in den anderen grossen kapitalistischen Länden getreten sein. Von der Einsuhr entfielen aus: Rohstoffe für die Industrie 560 Millionen Dollar ---- 36'/, Proz. der Gesamteinfuhr(im Vorjahre 452 Millionen — 34'/, Proz.), auf fertige Fabrikate 365 Millionen— 23'/, Proz. (299— 23 Proz.) Von landwirtschaftlichen Erzeugnissen erzielte nur Baumwolle eine etwas erhöhte A u s f u hr(dem Wert, nicht der Menge nach): 400,8(417,1) Millionen Dollar. Sonst wurden ausgeführt: Weizen 45,5(60,7). Weizenmehl 47,4(50,9), Mais 23,3 (24,7), andere Brotstoffe 5,5(8,26), Meiereierzeugnisse und Fleisch 109.84(146,28), Schlachtvieh 11,88(17,94) Millionen Dollar. Die Gesamt ausfuhr dieser Nahrungsstoffe sank also von rund 315 auf 243 Millionen Dollar.— Erdöl wurde für 94,6(1V2) Mill. Dollar ausgeführt. Gewerhrcbaftlicb� Die größte deutfche Gewerkschaft im �abre 1909. Der deutsche Metallarbeiterverband gibt soeben sein JaSr» Und Handbuch berauS. Ein kurzer wirtschaftlicher Abriß leitet die Arbeit ein. Die Mitgliederbewegung ergibt in 436 Mitgliedschaften für 1308 und 1303 362 073 und 373 3 43 Organisierte. Eine Mitgliederabnahme haben zu verzeichnen! Die Optiker. Gold» und Silberarbeiter, Werftarbeiter und Huf- und Wagenschmiede. In der Mitgliederzunahme steht obenan der Beruf der Schlosser mit 3323, dann folgen Dreher mit 1837, Klempner 864, sonstig« Metallarbeiter 840, Former 717, Gürtler 4S3, Gießerei-Hilfsarbeiter 331, Arbeiterinnen 381 usw. Wie viele Berufe und Branchen der Metallarbeiterverband als Agitatwns- und Arbeitsgebiet hat, zeigt eine Tabelle; es sind dorr allein über 30 wesentlichere Spezialberufe angegeben. Die Fluktuation ist noch außerordentlich groß. Die Zugänge betrugen in dem einen Jahre mit den Uebertritten usw. 114 S43. Dem steht ein Wicderabgang von 103 273 gegenüber. Recht gering erscheint noch die Zahl von 16 648 weiblichen Mitgliedern. Die Jugendlichen zählten Ende 1303 7860. Eine sehr wichtige Ta> belle betrifft das Alter und die Mitgliedschaftsdauer am Schluß des Jahres 1303. Von allen Mitgliedern waren rund 3 Proz. 13 bis 20 Jahre alt, 23 Proz. 20 bis 26 Jahre, 22 Proz. 26 bis 30 Jahre, 17 Proz. 30 bis 36 Jahre, 11 Proz. 36 bis 40 Jahre, 7 Proz. waren 40 bis 46 Jahre alt; die n»ch verbleibenden Prozente verteilen sich auf die hier nicht genannten Lebensalter. Die Mitgliedschaft? d'auer zeigt, daß vor dem Jahre 1301 7,8 Prag, der heute dem Verbände angehörigen Mitglieder ein- getveten sind. Aus dem Jahre 1303 stammen 6,1 Proz. der heutigen Mitglieder, 1306 stellt 11,4, 1306 noch mehr, nämlich 16,6, 1307 hat wieder nur 13,0, 1308 12,1, das Jahr 1303 schließt mit 20,3 Proz. Die Unterstützungen, die 1303 7,126 Millionen be- trugen, sind für 1303 auf 7,033 Millionen Mark zurückgegangen. Der Rückgang ist durch weniger Ausgaben für Maßrcgelungs- und Umzugsunterstützung möglich geworden. Während die rund 3 Millionen Mark jährlich betragenden Unterstützungen bei Krank- heit, die 1303 gezahlt wurden, gegen 1308 keine Veränderungen darstellen, sin ddie Ausgaben für Aebeitslosigkeit— 1808 waren es 8,033 Millionen Mark— auf 3,183 Millionen Mk gestiegen. 1308 erhielten 63,6 Proz. aller Mitglieder Unterstützungen, 1303 ist ein kleiner Rückgang, auf 62,4 Proz. zu verzeichnen. Den Haupt- anteil haben in beiden Jahren die Krankenuntcrstützung— 23,7 und 23,0 Proz. aller Mitglieder, und die Arbeitslosenunterstützung — 18,7 und 20,7 Proz. Beachtenswert erscheint, daß die Aus- gaben für Streik und Maßregelung, die 1300 von den Reinein nahmen 88 Proz. ausmachten, 1306 die Höchstziffer von 63,7 Proz. erreichten, 1303 die niedrigste Prozentziffer, nämlich 10,1 Proz. darstellten. Die Bewegungen deS Verbandes umfaßten 1303 40 673 Mitglieder, dies sind rund 3 Prag, aller Mitglieder überhaupt. 1806 waren an den Bewegungen rund 118 000 Mitglieder(33 Proz.) beteiligt. Die Angriffs streikS umfaßten 1303 7,4 Proz. aller Be- wcgungen und 4,3 Proz. aller Beteiligten. Die Abwehr streikS stellten 18,6 Proz. aller Bewegungen dar und umfaßten 10 Proz. der an allen Bewegungen Beteiligten. Die Aussperrungen umfaßten 4,6 Proz. der Bewegungen und 7,8 Proz. der Beteiligten. Die Bewegungen ohne Arbeitsein st ellungen machen den Hauptantei l aller Kämpfe mit 63,4 Proz. aus, die 77,3 Proz. der kämpfenden Mitglieder umfassen. Die Resultate der Kämpfe waren: für 4110 Personen je 2,8 Stunden wöchentliche Arbeitszeitverkürzung, und für 12 044 Kämpfende je 1,83 M. wöchentliche Lohnerhöhung. Für 716 Kämpfende wurden je 6,4 Stunden Arbeitszeit Verlängerung, und für 10 334 je 1,76 M. Lohn k ü r z u n'g abgewehrt. 26 Proz. aller Kämpfe blieben erfolglos, fast 64 Proz. endeten mit vollem Erfolg. Tarifverträge wurden 1303 61 für 6627 Personen abgeschlossen. Es bestanden Ende 1303 338 Tarife für rund 35 000 Personen. Der Verband schließt das Berichtsjahr mit einem Kampffonds von 6,3 Millionen Mark. Für BildungSzwecke gab der Verband 840 000 M. aus._ Berltn und Omgegend. Im Kampfe gegen Streikposten. Seit Hier Wochen streiken die Tapezierer bei der Firma R. Spindler, Bernauer Straße 80. Am Freitag morgen um 10 Uhr wurde ein Streikender, der auf der fast menschenleeren Straße langsam einherging, von einem Polizeibeamten barsch auf- gefordert, weiter zu gehen. Der Streikende ging ruhig weiter und kehrte nach einiger Zeit wieder zurück. Da trat der Beamte auf ihn zu und erklärte: Sie gehen sofort mit zur Wache, die Sie vor 8 Uhr wohl nicht verlassen werden!— Trotz des Wider. spruchs des Streikenden, weil er zu der Verhaftung auch nicht den allergeringsten Anlaß gegeben habe, wurde er zu der Wache nach der Wolgaster Straße gebracht, und in eine fast finstere, hinter einem Klosett befindliche Zelle gesperrt. Seine Erklärung, daß er krank sei und in dem kleinen, dumpfen, dunklen Loche sich den größten gesundheitlichen Gefahren aussetze, nutzte nichts. Erst nach wiederholten Reklamationen wurde das im Klosettraum be- findliche kleine Fenster geöffnet. Endlich um)45 Uhr ließ man den Verhafteten in der Mannschaftsstube Platz nehmen, wo er bis %7 Uhr verbleiben mußte. Sein Hinweis darauf, daß seine Frau in anderen Umständen sei und jede Stunde niederkommen könnte, vermochte es nicht, ihn aus der Gefangenschaft zu befreien. Und hier hatte er noch den ganzen Tag hungern müssen. Man wollte ihm höchstens gestatten, daß er sich für sein Geld einige Lebens- mittel holen lasse. Das mußte der Inhaftierte ablehnen, weil er für solche Luxusausgabe keine Mittel habe; für ihn werde zu Hause gekocht, da könne er nicht noch nebenbei Einkäufe machen. Wer ihn wider Willen und ungerechtfertigter Weise der Freiheir beraube, der müsse auch für seine Beköstigung sorgen. Um%7 Uhr wurde der Streikende, ohne daß man ihm irgendwelche Mit» teilung über die Ursache der Verhaftung oder der Haftentlassung gemacht, in Freiheit gesetzt. Was sagen die vorgesetzten Be. Hörden dazu? Achtung, Metallarbeiter! Die Firma SchSffer u. Oehlmann Metallwarenfabrik, ist für Dreher und Revolverdreher gesperrt. Für Budapest werden in letzter Zeit häufig Metallarbeiter in Berlin gesucht. Da wir durch Anfrage beim ungarischen Metall- arbeiterverband festgestelli haben, daß eS sich um Firmen handelt, die in Budapest und anderen ungarischen Orten wegen schlechter Löhne und schlechter Behandlung keine Arbeiter bekommen, warnen wir hiermit unsere Kollegen vor Arbeitsannahme nach Ungarn. Deutscher Metallarbeiterverband, OrtSverwaltung Berlin. Stellmacher. Unhaltbare Zustände herrschen in der Maschinen- fabrik Eckert in Lichtenberg. Dort sollen die Stellmacher die Her- ftellung von Militärartikeln in Akkord übernehmen. Bei einer zehn- Kündigen Arbeitszeit würden die Kollegen, da Vorrichtungen und aterial zum Verleimen fehlen, mit einem Wochenlohn von 24 M. nach Hause gehen. ES ist deshalb zu Differenzen geZvmnren und die Firma Eckert für Stellmacher gesperrt. Die Branchenkommisston der Stellmacher. veurlcbes R.eicK. Ter Krieg auf den Werften. Es ist jetzt möglich, Genaueres über die Zahl der am Streik und an der Aussperrung beteiligten Werstarbeiter zu veröffentlichen. In Flensburg sperrte man 60 Proz. der Werft- arbeiter aus, die übrigen schloffen sich ihren Kollegen an. Insgesamt kommen 1350 Arbeiter in Betracht. Von Kiel wird gemeldet, daß auf der Germaniawerft, bei Howaldt und bei Stocks u. Kolbe 3400 Arbeiter aus- gesperrt wurden. 600 Mann schloffen sich ihnen an. Ge- samtumfang der Bewegung 4000 Arbeiter. Lübeck meldet außer 1200 Ausgesperrten 500 Strei- kende, insgesamt 1700 Werftarbeiter. In R o st o ck wurde die Aussperrung in gleicher Weise beantwortet. 820 Arbeiter meldeten sich zur Kontrolle. Darin einbegriffen sind auch ca. 70 unorganisierte Arbeiter, die auf die Provokation der Unternehmer die gleiche Antwort gaben, wie ihre organisierten Kollegen. In Stettin sind in den drei Werftbetrieben 3680 Arbeiter ausgesperrt. 559 Arbeiter verließen darauf die Arbeitsstätte, so daß insgesamt 4239 Arbeiter die Arbeit ruhen lassen. In B r e m e n sind im ganzen 2400 Arbeiter an der Be- wegung beteiligt. In Bremerhaven beträgt die Gesamtzahl aller Aus- gesperrten und Streikenden, zusammen mit ca. 400 Un- organisierten, 2100. Für Vegesack können rund 1000 Werftarbeiter als ausgesperrt oder als streikend gemeldet werden. Zusammen kämen in den oben aufgeführten Werftorten 17 609 Arbeiter in Frage. Zu dieser Zahl ist aber noch zu bemerken, daß eine große Anzahl Ausgesperrter bei der Zählung nicht erfaßt werden kann, weil sie sich gar nicht zur Kontrolle melden, da sie sofort abreisen oder anderweit Be- schäftigung finden. Von Hamburg ist zu berichten, daß sich auch hier die Zahl der Streikenden durch die gleichen Ursachen fortgesetzt vermindert._ Streik i« den Nürnberger Kunstanstalten. In 11 Kunstniistalten in Nürnberg haben Montag früh zirka 30 Arbeiter und 600 Arbeiterinnen wegen Ablehnung des vorgelegten Tarifs die Arbeit niedergelegt. Mit Ausnahme eines Betriebes ist die Arbeitsniederlegung vollständig. Zuzug von Fräsern, Fräserinnen, Buchbindern und Buchbinderei arbeiterinnen ist streng fernzuhalten. ArdcitSelnstellung. Die Arbeit niedergelegt haben die Arbeiter der Wilhelmshavener Brauereien und Vierverlagsgeschäfte, nachdem die seit zwei Monaten gepflogenen Verhandlungen ein die Arbeiter befriedigendes Resultat nicht erzielt haben. Ter Streik der Gasarbeiter in Nordhause« beendet. Durch Verhandlungen mit der Verwaltung des Gaswerks wurde der Ausstand der Gasarbeiter beigelegt. Die Verwaltung stellte so- fort einen Teil der Ausständigen wieder ein. Die übrigen sollen nach Bedarf in Arbeit treten. Zugestanden wurde ein EinheitSlohn für Feuerhausarbeiter von 41 Pf. pro Stunde, wo früher Staffel- löhne von 33, 41 und 44 Pf. gezahlt wurden. Während der dritten Woche, wo diese Arbeiter Hofschicht haben, wird ein Stundenlohn von 38 Pf., bisher 36 Pf. gezahlt. Weiter wurde die Wahl eines ArbeiterauSschusseS zugestanden. Die Löhne der Außenbetriebsarbeiter bleiben augenblicklich die gleichen. Eine Lohnzulage ist für später ebenfalls zugesichert. Alle Neuein- stellungen erfolgen nur aus den Reihen der ÄuSständigen. Matz- regslungen wegen Zugehörigkeit zur Organisation sollen nicht statt- finden. Der Lohntarif und die Erweiterung der Sommerferien wurden abgelehnt. ZZusland. Streikerklärung. St. Etienne, 16. August. Im Verlaufe einer gestern hier ab- gehaltenen Versammlung der Eisenbahner wurde der Anschluß an den Generalstreik beschlossen, sobald er verkündet werden sollte. Die Kontrollkommission, über die Leopold berichtete, hiiell 131 geschäftliche und 1816 Werkstattsitzungen ab. An diesen nahmen 22 432 Kollegen aus 2213 Werkstätten teil. Auf dem paritätischen Arbeitsnachweis waren, wie Güth be- richtete, 10 353 Arbeitsuchende eingeschrieben. 6066 offene Stellen waren gemeldet, davon wurden 6486 besetzt. Die Nachfrage war verhältnismäßig schwach, nur 60 Proz. der Arbeitslosen erhielten Arbeit nachgewiesen. Im Monat Juli hat sich das Verhältnis besser gestaltet. Es konnten 76 Proz. in Arbeit gebracht werden. Dies spricht dafür, daß die Verbandsbeschlüsse betreffend Benutzung des Arbeitsnachweises, die im 2. Quartal noch nicht voll zur Wir- kung kamen, nunmehr ihre Wirkung ausüben und mit der Zeit dazu führen werden, datz die Arbeitsvermittelung ausschließlich durch den Arbeitsnachweis geschieht. lieber den Arbeitsnachweis des Verbandes berichtete Spät he« daß 365 Adressen eingingen, wovon 224 besetzt wurden. Hierauf erfolgte die statutenmäßige Neuwahl der Hälfte der Ortsverwaltung. Es wurden wiedergewählt: 2. Bevollmächtigter Leopold, 2. Kassierer I ä ck, 2. Schriftfühhrer I l a u, Beisitzer Appich und Plautz, Revisor Schmidt, Obmann der Schlich- tungsiommission Maß. Arbeitsvermittler Fechner� und Hübner, Bibliothekar Sp ä t h e, Bureauarbeiter Nitschke. Von mehreren Anträgen, die nunmehr zur Beratung standen, wurden die folgenden angenommen: 1. Delegierte, welche gegen die Beschlüsse des Verbandes ver- stoßen, können von der Mitgliederversammlung ihres Amtes ent- hoben werden. 2. Wer durch den Arbeitsnachweis in ein Arbeitsverhältnis vermittelt wird, welck>es in den ersten sechs Wochen wieder gelöst wird, kommt in der Nachweisliste nicht an die letzt-- Stelle, sondern wird hinter seiner alten Nummer um so viel« Nummern zurück- versetzt, als neue während seiner Avbeitsdauer eingetragen wurden. jedoch ist dies nur zweimal hintereinander zulässig. Verlaminlungen. Holzarbeiterverband. Die am Freitag abgehaltene General- Versammlung der Zahlstelle Berlin nahm den Kassenbericht für daS 2. Quartal entgegen. Derselbe zeigt für die Hauptkasse eine Ein- nähme von 216 264 M., eine Ausgabe von 214 736 M. Die Lokalkasse hatte eine Einnahme von 376126,26 M., eine Ausgabe von 167 670 M., bleibt ein Bestand von 203 454,68 M. Für Unterstützungen wurden 132 722 M. ausgegeben, davon an Arbeitslose 63 333 M., an Kranke 33 384 M., an Streikende 13 681 M., an Ge- maßregelte 4208 M., in anderen Unterstützungszweigen 6451 M. Am Schluß des Quartals hatte die Zahlstelle 23 240 männliche, 240 weibliche, 36 jugendliche Mitglieder. Dem vom Vorsitzenden Glocke erstatteten Vorstandsbericht ist zu entnehmen, daß sich im zweiten Quartal zwar keine bedeuten- den Ereignisse abspielten, aber eine rege Tätigkeit in bezug auf die Tätigkeit des Verbandes entfaltet werden mußte. Besonders handelte es sich darum, datz verschiedene Bestimmungen deS Vertrages von manchen Arbeitgebern nicht innegehalten wurden und die vertragsmäßige Lohnerhöhung von 6 Proz. in vielen Fällen auf Schwierigkeiten stieß.— Die Verhandlungen über den Akkord- tarif der Bautischler, die sich sehr lange hinzogen, sind nun zum Abschluß gekommen. Es müssen aber bald wieder neue Verhand- langen eingeleitet werden, um die vertragsmäßige Erhöhung von 6 Proz. auf den revidierten Akkordtarif zu schlagen. Auch die Ein- setzer haben ihre Verhandlungen, welche die fünfprozentige Er« höhung des Akkordtarifes bezwecken, noch nicht zum Abschluß bringen können. In der Branche der Ladentischler machen sich Schwierigkeiten bemerkbar wegen Erhöhung des Montagegeldes. Ueber diese Angelegenheit schweben noch Verhandlungen. In der Jnnenbaubranche wird noch wegen Regelung der Kostgeldfrage ver- handelt.— In anderen Branchen, die nichl unter den allgemeinen Vertrag fallen, ist versucht worden, Verbesserungen durchzusetzen. So haben die Stockarbeiter ein« Einschränkung der Heimarbeit er- reicht. Die Jalousiearbeiter haben eine Lohnbewegung eingeleitet. Auch die Kistenmacher streben eine Aufbesserung ihrer Lage an.— Besondere Beachtung verdient immer noch die Frage des Arbeits- Nachweises. Die Vertragsbestimmung, welche beide-Seiten zur Be- Nutzung des paritätischen Arbeitsnachweises verpflichtet, wird noch oft umgangen. Beschwerden in dieser Hinsicht sind sowohl gegen Arbeiter wie gegen Arbeitgeber erhoben worden. Ueber die Tätigkeit der Schlichtungskommission berichtete Reiche. Die Kommission wurde 112mal angerufen. Sie ver- handelte 87mal und 16mal mit Sachverständigen. Bei 102 nicht unter dem Vertrag« stehenden Meistern fanden 130 Verhandlungen 'tatt. Gestreikt wurde in 46 Betrieben mit 777 Arbeitern. 3 Streiks mit 82 Beteiligten gingen verloren, 6 Streiks mit 131 Beteiligten endeten mit einem Vergleich, 37 Streiks mit 664 Kollegen brachten Erfolg. Letzte IVacbricbtcn und Dcpcfcbcn. Solidarität. Kiel, 15. August.( P r iv a t d ep efch e des„Vor- w L r t s".) Die Arbeiter der Howaldtwerke haben heute abend in einer Versammlung beschlossen, daß sich am Dienstag früh die Schiffszimmerer, Schiffs- bauer, Nieter, Maschinenschlosser und M o n- tageschlosser den Ausgesperrten anschließen und den Betrieb verlassen. Im ganzen kommen 400 Mann in Betracht._ Der Tod in der Dunggrube. Sin bedauerlicher Unfall, bei dem ein Arbeiter seinen Tod fand und ein zweiter lebensgefährlich verletzt wurde, ereignete sich gestern abend am Weidenweg 60, im Osten Berlin». Auf dem Grundstück befindet sich ein r-'hftall, zu dem eine große Dunggrube gehört, die etwa zwei 2,�:ter tief ist. Gestern abend sollte nun der Dung aus der Grube herausgeschafft werden. Zu diesem Zweck stieg der Arbeiter M u tz, der in der Cuvrystraße 13 wohnt, in die Grube hinab. Als er einige Minuten gearbeitet! hatte, fiel er plötzlich bewußtlos um. da sich in der Grube giftige Gase angesammelt hatten. Der Unfall wurde sofort bemerkt. Um dem Verunglückten Hilfe zu bringen, begab sich dann der Arbeiter E h l e r t, Dolziger Straße 33, in die Grube. Kaum hatte aber dieser seinen Kollegen erreicht, als auch er umstürzte. In aller Eile wurde nun die Feuerwehr alarmiert, die mit dem siebenten Löschzuge anrückte. Brand- meister Voth ließ sofort einen Feuermann mit einem Rauch- schutzhelm ausrüsten, und daS Rettungswerk begann. In kurzer Zeit kamen die beiden Verunglückten aus der Grube herausgeholt werden. Im Beisein eines Arztes wurden dann Wiederbelebungsversuche angestellt. Während sich der Arbeiter Mutz nach etwa zehn Minuten erholte, waren alle Bemühungen bei dem Arbeiter Ehlert vergeblich. Nachdem dieser eme Stunde lang erfolglos behandelt worden war, stellte der Arzt den Tod fest. Ehlert war verheiratet und stand im 28. Lebensjahre. Der Arbeiter Mutz wurde nach dem Krankenhaus Am Friedrichs- Hain geschafft._ Maßnahmen gegen die Fleischteuerung. Wien. 16. August.(W. T. B.) In der am 13. b. M. abgehaltenen Konferenz von Vertretern des Handelsministerium» und des AckerbauministeriumS ist beschlossen worden, eine Reihe handelspolitischer Maßnahmen behufs Linderung der Fleischteuerung in Vorschlag zu bringen. Diese Vorschläge dürften voraussichtlich schon in dem demnächst statt- findenden Ministerrat zur Besprechung gelangen. Inzwischen hat übrigens Handelsminister Dr. Weißkirchner dem Sektionschef Riedl telegraphisch Weisungen betreffend weitere Maßnahmen gegenüber der Fleischverteuerung erteilt. Diese Weisungen be- ziehen sich insbesondere auf die unverzügliche Einleitung von Ver- Handlungen mit den kompetenten Ressorts wegen Herabsetzung der Frachtsätze für Schlachtvieh und Fleisch. Ferner soll den Kommunalverwaltungen, insbesondere der Gemeinde Wien, nahe- gelegt werden, auch ihrerseits zur wirksamen Durchführung der Aktion beizutragen, und zwar hauptsächlich durch zeitweilige Herab» setzung aller jener städtischer Abgaben, durch welche der Berkehr mit Bieh und Fleisch belastet wird. Eine Besprechung in der Fleischfrage wird unter dem Vorsitz des Handelsministers Mittwoch, den 17. d. M., im Handelsministerium stattsinden. am Bei einer Schlägerei vom Gerüst gestürzt. Frankfurt a. M., 15. August.(W. T. B.) Bei einem Hand- gcmenge auf einem 6 Meter hohen Gerüst im großen Saale der Frankfurtloge in der Eschenheimer Landstraße stürzten heute nach- mittag der 46 Jahre alte Arbeiter L o h m a n n und der 36jährigs G i e r ch ab und erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Beide sind am Abend im Hospital gestorben. Großfeuer. Wien, 16. August.(W. T. B.) Die„Neue freie Presse" meldet auS Bozen. Heute abend gegen 8 Uhr ist in O s f e n f a ß ein Feuer zum Ausbruch gekommen, das mit solcher Schnelligkeit um sich grisf, daß binnen kurzem 6 Häuser eingeäschert waren. Für den Ort besteht ekne außerordentlich große Gefahr. Nähere Nachrichten fehlen zur Stunde noch, da die telephonischrn Verbindungen noch Ossensaß unterbrochen find._ Abgestürzter Tourist. Ischl, 16. August.(W. T. B.) Der Hofzahnarzt Rittervon Puenther ist heute vormittag von der Bleichwand bei Strobel abgestürzt und war sofort tot. Der Lustmord im Wiener Prater. Wien, 16. �lugust.(W. T. B.) Unter dem dringenden Per- dacht, den vorgestrigen Lustmord im Prater begangen zu haben (siehe unter Vermischtes), ist heute der 32jährige Zimmermanns- gehilfe Christian Voigt aus Tettau in Bayern verhaftet worden. Voigt hat bereits vor 8 Jahren in Thüringen einen Lustmord ver- übt, wurde aber damals für wahnsinnig erklärt. verantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.i Uh. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Hierzu 3 BcUagca u-llaterhaltungSbl. |t. 190. 27. ZahtMg. 1. Keillige btö Jomiitls" Sttlintt Poliiolilatt. Dleaslllg. 16. Avgtlsi 1910. ßrandkata!tropl)e auf der Brülklcr Neltausstelluug. Von ein-?r schweren Brandkatastrophe ist Brüssel, ja ganz Belgien betroffen worden. Der größte Teil der W e I t- a u s st e l l u n g ist n den ersten Nachtstunden vom Sonn- tag zum Montag in Flammen aufgegangen! Werte, die im Augenblick ganz unschätzbar sind, sich aber wohl auf Hunderte. von Millionen belaufen, sind in wenigen Stunden von den Flammen zerstört worden. Wunderwerke der modernen Technik, Kostbarkeiten der Manufaktur, Schätze des älteren Kunstgewerbes, zahllose Werke moderner Kunst — alles ist von den Flammen vernichtet worden! Vieles von diesen Werten ist ja versichert, aber gar mancher namentlich kleinere Aussteller, der die hohe Versicherungsprämie nicht zu tragen brauchen geglaubt hatte, hat durch die Katastrophe furchtbare Verluste erlitten. Aber nicht nur die Versicherungsgesellschaften und die Aussteller trifft ein enormer Schaden durch die Vernichtung von Werten, in denen eine Unsumme menschlicher Nerven- und Muskelkraft verkörpert war. sondern auch Belgien selb st und vor allen Dingen die Ausstellungsstadt Brüssel. Die Weltausstellungen haben manches von ihrer früheren Bedeutung für die industrielle und merkantile Entwicklung verloren. Bei den heutigen Formen des Wettbewerbs von Handel und Industrie bietet sich dem Gewerbe und der In- dustrie jedes einzelnen Landes ohnehin reiche Gelegenheit, ihre Konkurrenzfähigkeit zu erweisen. Immerhin bieten die Weltausstellungen auch heute noch für manche Gebiete der Produktion und manche Zweige der Technik eine treffliche Ge� legenheit, aus dem internationalen Wettbewerb zu lernen und die besonderen Vorzüge zu entfalten. Auf alle Fälle aber haben die Weltausstellungen noch kaum etwas von ihrer An- ziehungskraft auf die breiten Massen des internationalen Publikums eingebüßt. Auf solchen Weltausstellungen kommt jeder auf seine Kosten, der Interessent und Fachmann, der seine Spezialität studieren kann, wie der Laie, der sich willig dem überwältigenden Eindruck der Gesamtdarbietungen hin- gibt, die ihm ein Bild entrollen von den riesenhaften Fort- schritten in allen Zweigen der Produktion, aus allen Ge- bieten der Technik und des Weltverkehrs. Und nicht zuletzt kommeg. auch diejenigen auf ihre Rechnung, die solch ein Welt- jahrmarkt hauptsächlich seines vielgestaltigen internationalen Treibens und seiner mannigfaltigen Zerstreuungen wegen an- lockt. So sind die Weltausstellungen stets mit einem un- geheuren Fremdenzustrom verbunden, und auf diesen Zustrom richtet sich Handel und Wandel der ganzen Ausstellungsstadt ein. Wenn deshalb solch vernichtende Katastrophe iiber eine Ausstellung hereinbricht, wie in Brüssel, so bringt das für alles, was mit der Fremdenindustrie in irgendeinem Zu- sammenhang steht, einen Schaden von vielen Millionen. Man begreift deshalb die anfängliche Fassungslosigkeit und Niedergeschlagenheit der Brüsseler Bevölkerung. Aber diese Depression hat nur kurze Zeit gedauert. Nachdem man den heroischen Kampf mit der Riesenfeuersbrunst beendet hatte und gewahrte, daß doch immerhin noch Reste der Aus- stellung. darunter auch die deutsche Ausstellung, übriggeblieben waren, will man mit noch größerem Heroismus darangehen, das vernichtete Werk wiederherzustellen, so gut es geht. Unserer Nachbarnation und allen von der Katastrophe Betroffenen gehört unser herzlichstes Beileid; unsere Be- wunderung gehört auch der Tatkraft, mit der Brüssel und Belgien sich vereinigen, um aus dem Riesentrllmmerfeld sofort wieder eine Welt des Wettbewerbs der schafftnden Kräfte erstehen zu lassen!# m Der Huabruch des Brandes. Crfijfel, 15. August.(Originaldepesche des „Vorwärts".) Gesternabend gegen 9 Uhr kam eS auf dem Weltausstellungsgelände in der Küche eines Restaurants inmitten des Festplatzes infolge Kurzschluß zu einem Brande, durch den in kurzer Zeit ein großer Teil der Ausstellung in Flammen stand. Das herrliche Wetter hatte Tausende und Abertausende von Menschen in die Welt- ausstellung gelockt, die die verschiedenen Hallen, die Promenadengänge und Restaurants des weiten Geländes dicht bevölkerten. Ungeheuer war die Bestürzung, als sich in Brüssel die Nachricht verbreitete, daß die Weltausstellung in Flammen stehe. Bald sollten die nach dem Ausstellungs- gelände Strömenden erfahren, daß das Gerücht schreckliche Wirklichkeit war. Blutig rot färbte sich der Himmel. Rauch- Wolken und Feuergarben schössen aus dem Gelände empor. Eine furchtbare Panik hatte die Besucher ergriffen. Alles drängte nach den Ausgängen, um das eigene Leben zu retten. Gerüchte der wildesten Art schwirrten umher. Nach den ersten Nachrichten sollten viele Menschen, vor allem Angestellte der Restaurants, in den Flammen umgekommen sein. Von der Alt- Brüssel getauften Festwiese breitete sich das Feuer mit un- geheurer Schnelligkeit über weite Teile des Ansstellungsplatzcs aus und schlug auf die Einzelausstellungen verschiedener Länder über. Vollständig verbrannt ist die englische Ausstellung, die französische Jndu st riehalle, teilweise auch die Internationale Jndu st riehalle. DaS Hauptgebäude der belgischen Abteilung ist ebenso wie die am Haupteingang liegende Empfangs- halle nur noch ein Trümmerhaufen. Der größte Teil der dicht bebauten Festwiese ging gleichfalls in Flammen auf. Auch eine größere Anzahl privater Gebäude in der Nähe der Ausstellung ist ein Raub der Flammen ge- worden. Die zuerst laut gewordene Befürchtung, daß der Brand viele Menschenleben gefordert hat, hat sich erfreu» licherweise nicht bestätigt. Nach den bisher vor- liegenden Nachrichten ist niemand ums Leben gekommen, da- gegen sind etwa 20 Personen mehr oder minder schwer verletzt worden. 1 'e Boenr/»*/ 1 Crosse Eisenbahn-Halle Z Maschinen-Halten 3 Deutsche Abteiturm t Belgische 5 französische- .Pavillons von C/. Spanien 15 Mexiko IS Venecue!» 17 Brasilien G englische.' 18 Algier 7 Österreich fcriH. 19 Tunis ZO tndo-Chirtn ZI Banadt ZZ Uruguay S3 StOominqo ZU der Stade Brüssel Al•■'' folonial Harten Zillertal-Panoramh Lawn Tennis- Hitze 1 ——fTHI Bektricitäts-tobdu fng/ischejandmrt- L/f- 13 �/fisenhahnen Grosse Terasse schalts-AussLePung '£3 Brüsseler Dartat 35 franzosLanderAusst ---■yt.Strasscnbahneo H H 30 Rubens-Saal S-UO Restaurants Plan dar Weitausstellung in Brüssel 1910. lieber die Brandkatasttophe, bei der in wenigen Stunden un- geheure Werte vernichtet wurden, werden uns durch Depeschen noch folgende Einzelheiten gemeldet: Brüssel, 16. August. Der Andrang zur Ausstellung war gestern ganz ungewöhnlich groß, denn zu dem Feiertage, der heute in ganz Belgien gefeiert wird, dem Tage Maria Himmelfahrt, waren gestern allein 227 Extrazüge nach Brüssel abgelassen worden. Man glaubt, daß sich gestern auf dem Ausstellungsgelände ungefähr eine Biertelmillion Besucher befanden. Infolgedessen war das Leben und Treiben in der ganzen Stadt ganz außerordentlich. Zehn Minuten vor S Uhr entdeckte der Kellner eines Restaurants in unmittelbarer Nähe deS Haupteinganges zuerst einen Feuerschein und schlug sofort Alarm. Aber wenige Minuten später stand bereits die Haupthalle in Flammen. In dieser Halle waren untergebracht die Bureaus des AusstellungSkomitees, daS Post« und Telegraphenamt, der größte Teil der belgischen Aus- stellung und daS große Restaurant Universelle. Schon um ö'/, Uhr stand daS große mächtige Gebäude vollständig in Flammen und das Feuer wütete dermaßen, daß 20 Minuten später kaum noch mehr übrig war als d a s E i s e n g e r i p p e. Ehe die Feuerwehr ein- traf, waren t'/z Stunden verronnen und die FeuerSgefahr bedeutend gewachsen. DaS Hauptgebäude lag in Trümmern, außerdem waren aufS stärkste bedroht daS Vergnügungs Stadtviertel Alt-Brüssel(Brüsseler KirmeS) und der Lunapark. Vom Lunapark aus verbreitete sich daS Feuer über daS ganze Stadtviertel Alt-Brüssel und nach und nach wurden die Häuser dieser Vergnügungs stätte zerstört. Innerhalb einer knappen Stunde war das Viertel fast vollständig verschwunden. In dem Augenblick, als daS Feuer im Stadtviertel Alt-Brüssel ausbrach, befanden sich etwa 10000 Personen darin. Schreckensszenen bei der Flucht. Um eine große Katastrophe zu vermeiden, wurde die Stätte mit eiserner Gewalt geräumt. Es kam zu wilden, erregten Szenen. Bei der Flucht wurden Frauen und Kinder niedergetreten und den Leuten die Kleidung vom Leibe gerissen. Alle» suchte sich zu retten. Die gleichen Szenen wiederholten ssch kurz darauf, als das Feuer auf die Land straße überttat. Vollständig vernichtet sind: die belgische und die e n g li s ch eAuS st el lun g, die A l t- V r ü s s e l e r Kirmes� von der französischen Ausstellung die Abteilung für Nahrungsmittel sowie der Pavillon der Stadt Paris, ferner kleine Teile der übrigen Ausstellungen; die Restaurants, darunter recht große, in der Nähe der belgischen Ausstellung find ebenfalls zerstört. Die deutsche Abteilung hat sofort, nachdem der Feueralarm ergangen war, umfassende Borstchtsmastregeln getroffen. Die vorhandenen Spritzen wurden in Tätigkeit ge« setzt und zunächst das Restaurant Kaiserhof unter Wasser ge« nommen, damit die herumsprühenden Feuergarbcn nicht auch hier daS verheerende Element ausbreiten konnten. Brüssel, 16. August. Die RettungSarbeiten wurden durch die in der Ausstellung anwesende ungeheure Menschenmenge und den ungenügenden Druck der Wasserleitung stark gehemmt. Die brennenden Gebäude boten einen schauerlichen Anblick, ungeheure Flammensäulen erhoben sich gen Himmel und waren stundenweit sichtbar. Ein gefährlicher Funkenregen ging über einen Teil der Neustadt nieder und brachte zahlreiche Gebäude in Gefahr. Räumung eines Krankenhauses. DaS Lazarett St. Antoine, welches sich in der Brandstätte be- findet, mußte geräumt werden. Innerhalb des Ausstellungs- terrainS wurden 13 Wohnhäuser eingeäschert. Es heißt, die Ausstellung werde nur für zwei bis drei Tage geschlossen bleiben. Die Trümmer auf der Brandstätte werden militärisch scharf bewacht, da sich unter ihnen die Diamanten und Eoldgegenstände der belgischen und französischen Abteilung befinden. Der durch den Brand angerichtete Schaden ist auch noch nicht annähernd festzu- stellen. Etwa 30 Personen mußten wegen Verletzungen verschiedener Art in ärztliche Pflege gegeben werden. Ein Franzose stürzte aus sehr beträchtlicher Höhe ab, als er sich an den RettungSarbeiten beteiligen wollte. Ein Feuerwehrmann schlug sich bei den Rettungsarbeiten selbst einen Fuß mit der Axt ab. In- folge des BrandeS stockte der Verkehr in diesem Stadtteil während des ganzen Abends vollständig, man konnte nur mit größter Mühe nach dem AuSstellungSterrain gelangen. Aus dem Lokal deS Ver- waltungSkomiteeS konnte man rechtzeitig wertvolle Gobelins, sowie andere Kostbarkeiten und 100000 Fr. der Kasse retten. Von den in der englischen, belgischen und einem Teil der französischen Abteilung ausgestellten wertvollen Juwelen und Bronzen konnte nur sehr wenig gerettet werden. In diesen Abteilungen sind für Millionen Juwelen. Goldarbeiten und Diamanten zugrunde gegangen. Stillstand des Brandes. Brüssel, 15. August.(Privatdepesche des„Vor- wärt s".) Nachdem während der ganzen Nacht das Feuer den vereinigten Anstrengungen der Wehren sowie großer Truppenabteilungen Trotz geboten hatte, gelang es gegen 4 Uhr, ein weiteres U in sichgreifen der Flammen zu verhüten. In der Nacht haben Pioniere eine Laufbrücke, die die beiden Teile der Ausstellung verbindet, gesprengt. Dadurch gelang es, das Uebe» greifen des Feuers auf die bisher von den Flammen ver« schonten Teile der Gesamtausstellung zu verhindern. Aus den Trümmern schlagen dann und wann noch hohe Flammen auf. Gegen 5 Uhr konnte der Brand als ge- löscht gelten. An eine Bergung der unter den eingestürzten Häusern lagernden wertvollen Ausstellungsstücke ist nicht zu denken. Der ganze westliche Teil der Ausstellung macht einen trostlosen Eindruck. Oer Brandschaden. Brüssel, 16. August. Der ganze westliche Teil der Ausstellung bietet das Aussehen emeS ungeheuren Trümmerhaufens. Ali-Brüssel ist vom Erdboden völlig verschwunden. fünfzehn Wohngebäude, die sich im Bereiche des wütenden Elements efanden, wurden vollständig zerstört. Der Schaden beläuft sich nach den vorläufigen Schätzungen auf 15« Millionen Frank. England allein verlangt von der belgischen Regierung und dem Allsstellungskomitee 76 Millionen Frank Schadenersatz und auch andere in Mitleidenschaft gezogene Aussteller haben bereits Schadenersatzansprüche geltend gemacht. Der Brand bedeutet auch für die Versicherungsgesellschaften eine finanzielle Katastrophe erster Ordilimg. DaS Exekutivkomitee der Ausstellung ist heute morgen zur Beratung der Lage zusammengetreten. Es waren verschiedene Vorschläge eingegangen, darunter solche, die Fassade der belgischen Abteilung sofort wieder aufzubauen und die Aus« stellung zu verlängern. Es ist jedoch wenig Aussicht vor« handen, daß diese Vorschläge realisiert werden. In der belgischen Abteilung befand sich unter anderem die Vertretung der Diamant- und Brillantenhändler, welche große Schätze barg. U. a. war dort das BrüsselerRathauS aus Ed e l st e in e n aufgeführt ausgestellt, welche allein einen Wert von l'/a Millionen Frank repräsentierten. Ferner befand sich dort die Ausstellung der Debeers-Kompagnie, welche nußgroße Diamanten aus« gestellt hatte. Alle diese Edelsteine waren glücklicherweise in feuer« festen Schränken und unterirdischen Gewölben untergebracht und sind gerettet; auch aus der fran« zösischen Abteilung wurden für etwa 7 Millionen Frank Juwelen und sonstige Kunstgegenstünde gerettet, die in der Abteilung fiir Gold« schmiedekunst ausgestellt waren. Die gesamte Garnison Brüssels ist aufgeboten, um den Ordnungsdienst zu versehen, da eine ungeheure Menge Neugieriger andauernd dem AuSstellungSterrain zustrebt. Aus Antwerpen sind 200 Mann Genietruppen eingetroffen, um die noch stehenden Trümmer einzureißen und eine möglichst schnelle Beseitigung deS Brandschuttes vorzunehmen. Brüssel, 16. August. Die deutsche Abteilung ist voll« ständig intakt geblieben. Sofort nachdem der Brand ausgebrochen war, wurden die Löschapparate der deutschen Abteilung in Tätigkeit gesetzt, um die Gebäude zu retten, denn die Feuergarben flogen auf dem ganzen Ausstellungsgelände umher. Neichskommissar Geh. Re« gierungsrat Albert war nicht anwesend, er war nach Eng« land gereist. Trotzdem funktionierten die Rettungsarbeiten tadellos. Es bestand übrigens keine ernste Gefahr für die deutsche Abteilung. die etwa 400 Meter vom Brandherde entfernt liegt und außerdem durch eine Treppe von dem vorderen Teil der Aus» stellung getrennt ist. Auch die holländische Abteilung. welche der deutschen Abteilung gegenüber liegt, ist vollständig unversehrt. Außerdem die Abteilungen von Monaco, Spanien, Eanada, Brasilien, Dänemark, Rußland, Schweiz, Oesterreich- Ungarn, Argentinien. Luxemburg, Türkei,' Persien, Japan. China, Vereinigte Staaten von Nordamerika und die große internationale Maschinenhalle. Die Archive der englischen Abteilung konnten gerettet werden. Es ist unrichtig, daß die ganze eine Seite der Avenue des NationS zerstört sei. Der Pavillon der Stadt Paris ist ein Raub der Flammen geworden. Die französische Sektion ist stark beschädigt. Die Abteilung für Lebensmittel ist fast vollständig verloren. Auch der Maschinensaal der französischen Abteilung ist beschädigt worden, die Maschinen sind vollständig intatt. Außer- dem sind viele Bijouterien gerettet, die von Gendarmen bewacht werden. Heute vormittag wurde ein Dieb verhaftet, als er Uhren entwenden wollte. Die italienische Abteilung ist von dein Feuer nicht berührt, ist aber durch Wasser beschädigt worden. l�saeK dem Brande. Brüssel, 15. August. Die Zahl der in der Avenue Sokbosch ah. gebrannten Häuser beträgt nach der neuesten Feststellung 21. Ein Nahen der Feuerwehr war unmöglich. Ucber die Organ isa«. tion der Löscharbeiten wird viel fach gel lagt. Einige der Vorortfeuerwehren mußten über eine Stunde warten« bis sie die Erlaubnis von den Verwaltungen bekamen, an den Lösch« arbeiten teilzunehmen. Hunderte von Personen sind durch den gestrigen Tag vollständig brotlos. In gang Altbrfissel war kein M e n f ch v e r s i ch e r t, da die Häuser nur aus Stuck und Brettern hergestellt waren. Im Belgischen Hause waren im Moment der Katastrophe über 10 000 Personen anwesend. Die ganze Garnison von Brüssel, sowie die Genietruppen waren sehr schnell zjur Stelle. Die Stadt Brüssel gleicht heute eine belagerten Stadt. Die Men- scheu kampieren vielfachimFreien. Die ganze Avenue Louise ist mit Betteg besät. »» » Tie Ausstellung nicht geschloffen. Brüssel, 15. August. Die Leitung der Weltausstellung per« öffentlicht folgendes Communique: Ein Teil der belgischen Abte�, lung, die englische Abteilung und die Lcbensmittelgruppe der ftM, zSflschsn Mkeilüng Pnd d'ittH UfaSni zerstörk. Der Rest der ÄuSstcllung ist völlig unversehrt geblieben. ES sind Maßnahmen getroffen, daß das Publikum die Ausstellung be- suchen kann. Brüssel, 13. August. Wie die Blätter melden, hat das Komitee der Ausstellung in einer Sitzung erwogen, ob nicht eine Fassade errichtet werden soll, welche die Trümmer verdeckt. Der Architekt Acker, der die zerstörte Jndustriehalle errichtet hat, will die Pläne dazu in einigen Tagen fertig stellen. Allenthalben arbeiten Diebe, da die Wertgegenstände, die gerettet sind, in den Gärten zerstreut liegen. Es wurden schon verschiedene Verhaftungen vorgenommen. Nach den bisherigen Feststellungen sind in der Avenue Solbosch zwölf Häuser zerstört worden. »» » Gerichtliche Schlieftung der Ausstellung. Brüssel, 15. August. Auf Befehl des Gerichts wird die Ausstellung heuteabendkUhrgeschlossen und alle Ausgänge durch Truppen und Gendarmerie be- fetzt. Man hatte heute Nachmittag das Publikum zu- gelassen: es waren außer den Abonnenten 93 999 Men- s ch e n, die den Eintritt bezahlt hatten, auf dem Aus- stellungsterrain anwesend. 9• • Der bisherige Erfolg der Ausstellung. Die Ausstellung hat, wie man weih, alle gehegten Erwartungen bei weitem übertroffen und keine der bisherigen Weltausstellungen hatte einen derartigen Erfolg aufzuweisen wie diese. Bis jetzt waren Eintrittsgelder von vier Millionen Franks erzielt worden und man rechnete damit, bis auf 3 Millionen Franks zu kommen, v_ Soziales. Der Reisende mit Plattfüßen. Wer an Farbenblindheit leidet, sollte nicht Maler werden, und jemand der mit Plattfüßen behaftet ist, sollte sich nicht auSge- rechnet dem Berufe eines Reisenden widmen. Das war die Quint- essenz einer Entscheidung, die dieser Tage vor der ersten Kammer des Berliner Kanfniannsgerichts gefällt wurde. Der Beklagte S. hatte einen diebessicheren Frühstücksbeutel erfunden, und enga- gierte, den sich auf ein Inserat meldenden Kläger B. als Stadt- reisenden auf einen Monat zur Probe gegen lOO Mark Monatsgehalt und Provision. B. sollte Straße für Straße die einschläg- lichen Geschäfte besuchen, verkaufte aber im ganzen Monat nicht einen einzigen Beutel. Wie die Ehefrau des Beklagten bekundete, fei sie selbst gar nicht kaufmännisch geschult, habe aber doch bei einem kleinen Versuche in wenigen Stunden 13 Beutel verkauft. Ein Kaufmann, den Kläger besucht haben wollte, bestreitet das auf das allerentschicdenste. Demgegenüber wendet der Kläger ein, er habe jeden Tag etwa 15 Besuch gemacht, das Patent sei aber nicht unterzubringen gewesen. Er hätte schließlich intensiver arbeiten können, wenn er nicht entzündete Plattfüße gehabt hätte. DaZ Kaufmannsgericht wie? den Kläger mit feiner Forderung von 100 Mark für den Probcmonat ab, indem eS der Meinung war, daß SB. feine Dienstpflicht nicht erfüllt habe. Bei einem Ar- tikel, der cinfachr nicht gedacht werden kann, hätte B. mindestens 30 Besuche machen können, 13 Geschäfte, die Kläger besucht, haben will, wären in einer Stunde zu erledigen. Mit Plattfüßen hätte er gar nicht Reisender werden dürfen, denn zum Stadtreisen- den gehört bor allem eine reichliche Lauffteudigkeit und Laufmög. lichkeit. B. hätte sich bei seinem Leiden einem anderen Berufe zu- wenden sllen.— Schwerlich ist doch der mit Plattfüßen behaftete Kläger nur deshalb Stadtreisender geworden, weil er eine besonder« Seidenschaft für diesen Beruf besaß, sondern weil er im Augenblick keine andere Erwerbsmöglichkeit befaß. Ziegeleiarbeiter. Der Bericht der ZiegeleiberufSgcnossenschaft spricht von einer ».trüben Geschäftslage", der Krisis im Baugewerbe. Dies kommt auch in den Zahlen zum Ausdruck. Während im Jahre 1008 noch 11 308 Betriebe mit 277 907 Arbeitern versichert waren, gibt der Bericht für 1900 nur noch I1 192 Betriebe mit 260 092 Arbeitern an. Die Zahl der Arbeiter hat sich also gegen daS Vorjahr um rund 16 990 vermindert. Die Arbeiter haben also den größten Nachteil von der Krise. Die Zahl der„Stundungsgesuche war wieder groß", bemerkt der Bericht,„und die Bearbeitung der Zwangsbeitrei- bungsanträge verursachte auch dieses Mal große Schwierigkeiten, weil die Bestimmungen über das Verfahren m jedem Bundesstaate andere und vielfach recht umständlicher Art sind." Dies im Deut- fchen Reiche.... Trotz stark verminderter Arbeiterzahl sind die Unfälle wieder gestiegen, und zwar von 6464 im Jahre 1908 auf 6677. Entschädigt wurden jedoch nur 1704 Unfälle, wovon der Bericht wieder 316 auf „Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit der Arbeiter". 191 auf„Han- dein wider bestehende Schutzvorschriften" usw. zurückzuführen sucht. Liest man aber den Sonderbericht der technischen Aufsichtsbeamten durch, so ergibt sich doch ein anderes Bild. ES wird hier aus- geführt: „Andererseits ist darüber Klage zu führen, daß die sogenannten Slkkordmeister der Unfallverhütung so gut wie gar kein Interesse entgegenbringen. Die geringen Akkordsätze, das Streben nach reich- licherem Gewinn, die stellenweise bestehende Verpflichtung, die Schuyvorkehrungen aus eigenen Mitteln anzubringen, bilden die hauptsächlichsten Gründe für diese Erscheinung. Die wenigsten Arbeiter in den genossenschaftlichen Betrieben sind mit dem Wesen der Unfallverhütung übertraut." Revidiert wurden im Berichtsjahre 1343 Betriebe und in diesen Betrieben allein 3254 Verstöße gegen die UnfallverhütungSvor- schriften vorgefunden. Diese verteilen sich auf fehlende Schutz- Vorrichtungen in 957 oder 61,9 Proz. der Betriebe. In 350 Betrieben fehlten die Vorschriften, in 223 Betrieben daS Verbandszeug usw. Der Bericht bemerkt weiter: „Es steht fest, daß an Walzwerke» und Revolverpressen vielfach jugendliche Arbeiter(14 bis 16 Jahre alt) verunglückt sind. Es wird daher die Aufnahme nachstehender Bestimmung in die Unfall- bcrhütungsvorschriften empfohlen:»Jugendliche Arbeiter und Ar- Veiterinnen dürfen an Walzwerken und Revolverpressen nicht be- schäftigt werden". Wiederum ist über die mangelhafte Beschaffenheit einzelner Arbeiter-Wohn- und Schlafräume geklagt worden. Bei den Revi- sionen traten mehrfach Arbeiter an die technischen Aufsichtsbeamten mit der Bitte heran, den Unternehmer zur Beschaffung eine» Unter- tunftsraumes bei schlechtem Wetter und zur Bereitstellung guten Trinkwassers anzuhalten. Abhilfe wurde stets angeregt und vom Unternehmer in den meisten Fällen zugesagt. Jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen wurden mehrfach bei her Gewinnung des Rohmaterials und bei Arbeiten in Brennöfen angetroffen, auch waren solche häufig an Walzwerken und Revolver- pressen beschäftigt. In einigen Fällen wurden die zuständigen Ge- Werbeinspektionen hiervon benachrichtigt. Ein technischer AufsichtS- veamter traf einen vierzehnjährigen Arbeitsburschen an, dem in der Abwesenheit des Ziegelmeisters die Führung der Lokomobile anvertraut war. ES wurde zunächst für Abstellung der Maschine bis zur Rückkehr dcS Meisters gesorgt. Auch im Berichtsjahr ist häufig die Gleichgültigkeit und Ver- pändnislosigkeit der Arbeiter gegenüber den Unfallverhütungsmaß- «ahmen aufgefallen. Daß viele Betriebe ausländische Saison- arbeiter beschäftigen müssen, die der deutschen Sprache nicht mächtig Snd und daher nur schwer mit den Unfallverhütungsvorschriften ckaontgemacht werden können, ist eine beklagenswerte Erscheinung. Gerade unier diesen Arbeitern sind Me Unfallziffern recht hoch, die sorgfältige Beaufsichtigung der ausländischen Arbeiter kann deshalb nicht oft genug anempfohlen werden. In mehreren Fällen wurden von den technischen Aufsichlsbeamten gegen versicherte Personen wegen Zuwiderhandelns gegen die Unfallverhütungsvorschriften Strafen beantragt. Durch die Anbringung sämtlicher Schutzvorrichtungen wachsen naturgemäß die Preise der Anlagen. Da viele Unternehmer jedoch ihre Maschinen möglichst billig kaufen wollen, so beauftragen sie gern eine Maschinenfabrik mit dem Bau ihrer Anlage, die zwar den billigsten Kostcnanschlag gemacht hat, dafür aber auch nicht die not- wendigste Schutzvorrichtung liefert." Gesundheitsschädliche Einflüsse. Von gesundheitsschädlichen Einflüssen in den Betrieben der Ziegeleiberufsgenossenschaft ist hauptsächlich die Staubentwickelung beim Auskarren und Verladen der Fabrikate und an den Zerkleinerungsmaschinen zu erwähnen. In vielen Kalksandstein- und Torfstreufabriken fehlt es an Vor- richtungen, dem schädlichen Staub Abzug zu verschaffen. Auch für den Abzug der Rauchgase auf den Brennöfen wird immer noch wennig gesorgt. Die nachgewiesenen Löhne sind gegen das Jahr 1908 um mehr als 2 Millionen Mark zurückgegangen. Berechnet man den Durch- schnittslohn pro Arbeiter, so ergibt sich, daß ein Ziegelarbeiter pro Jahr 797 M. verdient hat. Ist eS nach diesen Darstellungen aus Unternehmermunde nicht begreiflicher, daß die Ziegeleiarbeiter Deutschlands so schwer zu einer Organisation zu bringen sind? Säuglingspflege in einem katholischen Kloster. Pirmasens, den 12. August.(Eig. Ber.) Der Fabrikarbeiter I. Ehresmann war gezwungen, sein vier Wochen altes gesundes Knäblein in daS katholische Kloster zur Pflege zu geben, weit seine im Wochenbett erkrankte Frau nach Heidelberg in die Frauen- klinik verbracht werden mußte. Nach vier Wochen wurde der Säu�- ling wieder in die elterliche Wohnung zurückgeholt, nachdem die Mutter aus der Klinik zurück war. Zu ihrem größten Schrecken muhten die Eltern sehen, daß sich der Säugling in ganz verwahr- lostem Zustand befand. Am Gesäß hatte er eine tiefe eitrige Wunde, in den Fersen Löcher mit Eiter unterlaufen. Von der großen Zehe fehlte der Nagel. Am Hinterkopf befanden sich zwei Löcher und am Genick und den beiden Schenkeln wurden Eiter- Päckchen festgestellt. Der königliche Bezirksarzt, dem das Kind zur Untersuchung über- bracht wurde, ordnete sofort die Unterbringung ins Krankenhaus zur ärztlichen Behandlung an, wo eS heute gestorben ist. Besonders charakteristisch ist, daß eine Klosterschwester� beim Abholen des Kindes erklärte: man möge von den Löchern, die das Kind habe, nichts weiter erzählen. Wie der HauSarzt des Klosters erklärte, hatte er keine Kenntnis von diesem schrecklichen Zustand des Kindes und wurde auch nicht darauf aufmerksam gemacht, ob- wohl er am Tage zuvor, ehe das Kind aus dem Kloster geholt wurde, im Kloster zum Besuch der Kinder anwesend war. Die Eltern des Kindes sowie die Frauen, die daS Kind in dem verwahrlosten Zustand betrachteten, sind empört über eine der- artige Verwahrlosung eines Kindes. Da bereits Anzeige erstattet ist, wird sich, wenn die gerichtliche Untersuchung stattgefunden hat, zeigen, wem dje Schuld bei- zumessen ist._ Versammlungen. Die Arbeitcr-BildungSschulc hielt am letzten Tonnerstag ihre ordentliche Generalversammlung für daS zweite Quartal dieses JahreS ab. Dem Bericht des ersten Vorfitzenden Lammö ist zu entnehmen, daß im BerichtLquartal der Besuch recht gut war. Ver- anstaltet hatte die Schule sechs Unterrichtskurse. Die Gegenstände in den einzelnen Kursen waren: Geschichte, Redcübung, Ein- führung in den wissenschaftlichen Sozialismus, Gesetzeskunde, Nationalökonomie und Nationalökonomie für Fortgeschrittene. An sonstigen Veranstaltungen hatte die Schule 1 Sonntagsversamm- lung und 3 Ausflüge arrangiert. Die Verwaltungsarbeiten wurden in 3 Vorftandssitzungen und 1 Generalversammlung er- ledigt. Der Mitgliederbestand stellte sich auf 861. Den Bericht für die Bibliothekare gab Pluschke, den über den Stand der Kasse Königs. Grunwald gab den Bericht des Lehrerkollegiums. Er be« kündet, daß die Lehrer mit dem von den Schülern gezeigten Lern- eifer zufrieden waren und fordert auf, schon im Laufe der Sommermonate eifrig für die Schule zu werben. Im Anschluß daran teilte er mit, daß vor geraumer Zeit der Berliner Polizei- Präsident an alle Lehrer der Schule mit dem Ersuchen heran- getreten sei. den abgestempelten Nachweis ihrer Lchrbefähigung zu erbringen. Die Lehrer haben dem Polizeipräsidenten mitteilen lassen, daß sie der Aufforderung nicht entsprechen werden, weil sie nicht unmündigen Kindern, sondern erwachsenen Personen Vor- lesungen halten. Seit jener Aufforderung sind jetzt etwa zwei Monate vergangen, ohne daß die Lehrer wieder von der Ange- leycnheit gehört haben. An diese Berichte schließt sich eine kurze Diskusswn. Der Antrag der Revisoren auf Dechargecrteilung wird angenommen. Sodann kam ein VorstandSantrag zur VerHand- lung, der den früheren Zustand deS S Uhr-SchulbeginneS wieder herstellen will. Der Antrag wurde nach längerer Debatte mit 79 gcgen 22 Stimmen abgelehnt. Vermischtes. EifenbaKuKataftfopKe in Südfrankrcicb. Durch den Zusammenprall eines vollbesetzten Personen- zuges mit einem Güterzuge wurden am Sonntagvormittag auf der im Süden Frankreichs gelegenen Station S a u j o n eine Anzahl blühender Menschenleben ver- nichtet. Ein VergnllgungSzug, der jeden Sonntag die Strecke befährt, fuhr auf dem Bahnhof mit voller Geschwindigkeit auf einen leeren Güterzug auf. Der Zusammenprall war furchtbar. Die ersten sechs Wagen dritter Klasse wurden vollständig ineinandergepretzt, drei davon buchstäblich zermalmt. Aus den Trümmern wurden 32 Leichen und etwa 199 Verwundete hervorgezogen, von denen drei noch auf dem Transport ihren Verletzungen erlagen. An der Mehrzahl handelt es sich bei den Opfern um Zöglinge eines Mädchen pensio» n a t s. die sich auf einer sonntäglichen Erholungstour be- fanden. Ter Lokomotivführer des Vcrgnügungszuges wurde weit weggeschleudert und schwer v e r l e tz t, der des Güter- zuges lag zermalmt unter seiner Maschine. Heber das entsetzliche Unglück meldet uns ein Tele- gramm aus Paris noch folgende Einzelheiten: Der Unglückszug fuhr mit einer Geschwindigkeit von etwa 49 Kilometern in der Stunde auf den Güterzug auf. Die Lokomotive des Personenzuges wurde links aus dem Gleis geworfen und fiel den Bahndamm hinunter. Der Packwagen und der erste Personenwagen türmten sich aufeinander, wäh- rend der zweite Personenwagen, in dem sich d i e Z ö g l i n g e eines Mädchenpensionats befanden, voll- ständig zersplitterte. Die Rettungsarbeiten auf dem Bahnhof gingen sehr langsam vor sich, da ein außer- ordentlicher Mangel an HilfSgcrätschaften zur Bergung der Toten und Schwcrverunglückten vorhanden war. Die Schuld an dem Unglück soll den Stationschef desBahnhofstreffen.der nicht die nötigen Vorsichts- maßregeln getroffen hatte, um zu verhindern, daß her Per- sonenzug auf den Wterzng auffuhr. Starker Tabak. Der in Stuttgart erscheinende„Schwab. Merkur� bringt in einer seiner letzten Nummern einen bemerkenswerten Brief eines jungen Schwaben aus Havanna, den dieser am 21. Juni d. I. an seine Angehörigen in Stuttgart schrieb. In demselben findet sich folgende interessante Stelle: „Einen hochinteressanten Ausflug machten wir am folgenden Vormittag in eine der weltberühmten Zigarrenfabriken Havannas, die Firma Bock, die besonders die Marke Henry Clay herstellt, bei deren Namen schon dem Feinschmecker das Herz im Leibe lacht." Dann heißt es nach emer längeren Be- schreibmig der Fabrikräume u. a.:„Im oberen Stockwerk be- finden sich die Lager- und Trockenplätze; für über 1>/, Millionen Mark lagert hier Rohmaterial, verrät uns unser Führer,� teils in Fässern verschlossen, teils lose auf Holzgestellen aufgeschüttet. In einem anderen Raum werden die fertigen Zigarren sortiert, von geübten Arbeitern, denn die Farbenunterschiede der einzelnen Gattungen sind so verschwindend, daß ein Laie sie nie bemerken würde. Auf einem Sorticrtisch lagen besonders schöne und große Exemplare, die Leibzigarre unseres deutschen Kaisers; neugierig wägen wir eine in der Hand und atmen ihr Aroma ein; zirka 6 M. kostet eine in der Fabrik." ES ist recht bedauerlich, daß der Finanzminister sich dieses durchschlagende Argument für die Erhöhung der Zivilliste deS preußischen Königs hat entgehen lassen. Vom Löwen zerfleischt. Während der Sonntagsvorstellung in der Menagerie B o st o ik in der Brüsseler Weltausstellung wurde der Tierbändiger Tomtalon schwer verwundet. Er fühtte dem Publikum gerade einen seiner Haupttricks vor, indem er einem riesigen Berberlöwen seinen Kopf in den geöffneten Rachen steckte. Schon oft hatte Tom- talon dieses getan, ohne daß ihm je etwas geschehen wäre. Gestern nachmittag schnappte plötzlich die Bestie zu und die Zähne derselben gruben sich tief in die beiden Schläfen des Tierbändigers. Als daS Publikum aus dem Nachen deS Löwen Blut fließen sah, erhob sich eine wüste Panik, man schrie nach den Warten,. Inzwischen war Tomtalon o h n- mächtig geworden. Die Wärter hatten große Mühe, ihn auS dem Rachen der Bestie zu befreien. Glücklicherweise war das Tier durch das Geschrei der Zuschauer verblüfft worden und hatte nicht weiter zugebissen. Trotzdem wird an dem Aufkommen deS Tierbändigers gezweifelt._ Die Waldbrände in Amerika. Der in Nord-Jdaho seit längerer Zeit wütende Wald- brand nimmt immer größere Ausdehnung an. Zur Bekämpfung deS Feuers sind Truppenverstärkungen abgeschickt worden, da eS den bisher bei der Abdämmung des Brandes tätigen Mannschaften nicht gelang, des Feuers Herr zu werden. Die inmitten der Brände gelegene Ortschaft Taft mit 200 Häusern mußte den Flammen preisgegeben werden; im Suaw Creek, der gleichfalls rings von Flammen umgeben ist, befindet f i ch eine Anzahl Personen, darunter Frauen und Kinder. Ein LebenSmittelzug mit 33 Menschen, der in die gefährdeten Ge» biete abgegangen ist, wird vermißt. Man befürchtet, daß eS auch den neuerlich abgesandten Rettungsmannschaften nicht ge- lingen wird, rechtzeitig Hilfe für die bedrängten Ortschaften zu bringen._ Aufstand von Gefangenen. In dem Gefängnis der Stadt Hadra in Aegypten brach unter den Sträflingen eine Meuterei aus, die mit Hilfe der Polizei unterdrückt wurde. Zwischen den Beamten und den Sträflingen kam eS zu einer förmlichen Schlacht. Einer der Gefangenen wurde getötet, mehrere wurden verwundet. Auch von den Beamten sind mehrere schwer verletzt worden._ Erstklassige Menschen. Bekanntlich herrschen in Ungarn Patriotismus und Religion in enger Harmonie. Nur vaterlandslofe Gesellen suchen die gott- gesetzte Ordnung zu stören. Welcher Art diese Ordnung ist, zeigt ein Blick in den Inseratenteil der Budape st er Presse. Die „Wiener Arb.-Ztg." teilt daraus neben anderen Kuppel» a n n o n c e n, die da gang und gäbe sind, einige chrakteriftifche mit. Eine stehende Figur ist da die Dame, die Bekanntschaft mit einem Kirchenfür st en sucht. Einige Männer erbieten sich Damen zu „jedem gewünschten Dien sie". Das Grausigste aber ist ein Herr, der„die Protektion deS Direktors oder Sekretärs Mädchenerziehungsanstalt' wünscht. Kleine Notizen. Passagierfahrten im Lcnkballon. Der in München statio» nierte Lenkballon„Parseval VI" ist am Sonntag zu seiner ersten Passagierfahrt aufgestiegen, an der insgesamt 16 Personen, einschließlich der Besatzung, teilnahmen. Nach anderthalbstündiger Fahrt landete der Ballon glatt vor der Ballonhalle auf dem AuS» stellungSplatze. Für ihr Kind in den Tod gegangen. In Hameln wollte am Sonntagnachmittag die Ehefrau des Schauspielers Strauß ihr IVbjährigcs Kind, das auf der Chaussee spielte, vor dem Ueber- fahrenwerden retten. Die Frau kam dabei selbst unter daS Ge» fährt und wurde getötet, das Kind blieb unverletzt. Bei den Kirchweihscstlichkeitcn in Grimlinghausen wurde ein Polizist, der zwei Leute, die auf einer Dampffähre Revolverschüsse abfeuerten, verhaften wollte, von diesen durch Messerstiche schwer verletzt und ins Wasser geworfen. Bei dem Sturze zog der Polizist einen der Täter mit sich in den Rhein. Während der Polizist gerettet wurde, ertrank der Revolverheld. Unterschlagungen im Kruppwerk. Ein seit langen Jahren im Dienste der Firma Krupp stehender Beamter hat durch eine Reihe Unterschlagungen seit etwa 15 Jahren 30 000 Mark verun- t r e u t, indem er Lohnlisten fälschte. Nach Entdeckung der Unter- schlagungen ist der Täter flüchtig geworden. Durch einen Aeroplan getötet. Bei Flugversuchen des Avis- tikerS Vollmöller in Stuttgart wurde ein 12jähriger Knabe durch den Apparat so schwer verletzt, daß er noch während der Ueberführung nach dem Krankenhaus starb. Einsturz auf einem Neubau. In Niederbonsfeld im Rheinland stürzte gestern nachmittag die Giebelwand eines Neu» baucS ein und begrub mehrere Arbeiter unter sich. Bis- her hat man drei Schwerverletzte geborgen. Es konnte noch nicht festgestellt werden, ob sich noch mehr Verunglückte unter den Trümmern befinden. Die Ucberschwenimuiigen in Japan. Nach amtlichen Fest- stellungen sind infolge der Ueberschwemmungen 1112 Personen umgekommen bezw. werden vermißt. 3953 Häuser sind vom Wasser fortgerissen. Tausende von Menschen sind obdachlos und auf die öffentliche Wohltätigkeit angewiesen. Ein Lustmord. Am Sonntag morgen wurde im Wiener Prater die schrecklich verstümmelte Leiche einer unbekannten Frauensperson aufgefunden, die einem Lu st morde zum Opfer gefallen ist. Durch elektrischen Strom getötet. In einer Oclfabrik in Gent kamen zwei Arbeiter den elektrischen Leitungsdrähten der Kraft- station zu nahe. Die stark verkohlten Leichen der Ver» unglückten sind kurz darauf aufgefunden worden. Bei einem Zusammenstoh zweier Güterzüge in der Nähe von Petersburg wurden sieben Schaffner verwundet. 33 Mgey nutz zwej LokonMven stürzten den Bahndamm hinab. (Hnsegangem OrildtfcbrifftiL Von der..Gleichheit", Zeitschrist für die Jnteresien der Ardeiterinnen (Stuttgart, Verlag von Paul singcr), ist uns foeben Nr. 23 des 20. Jahrganges zugegangen. Sie hat folgenden Inhalt: Mehr Schuz den Müttern. — Der Anteil der Frau an der deutschen Industrie. Von Mathilde Wurm. — Die vermögensrechtlichen Verhältnisse der Ehegatten. III. Von Ernst Oberhoizer.— Johann Gottfried Seume. III. Von Dr. 2S. Haufenstein. — Die Arbeiterin in der Gewertschaftsstatistil für 1907 und 1908. Von R. S. — Vom Kamps um das Frauenwahlrccht in England.— Vom Spinnen und Weben in alter Zeit. III. Von H. Jäckel.— Der Fabrikarbeiterverband. Von W. Kühler.— AuS der Bewegung: Von den Organisationen. — Jahresberichte der Genossinnen in Braunschweig und Lübeck.— lieber den Stand der Nürnberger Slrbeiterinnenbewegung 1909.— Politische Rundschau. Von II. B.— Gewerkschaftliche Rundschau.— Notizentcil: Dienstbotenfrage.— Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen.— Landarbeiter- srage.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Fürsorge für Mutter und Kind.— Verschiedenes. Für unsere Mütter und Hausfrauen: Epistel. Pon Otto Erich Hartleben.— Kleidung und Gcwandftoste in alter Zeit. I. Von Hannah Lewin-Dorsch.— Schwimmhallen für Frauen. Von H.— Herstellung von einsachen Obstkonserven. Von öl. Kt.— Feuilleton: Unter Feinden. Von Fr. Nietzsche.— Es ist ein Kind.... Von Werner Peter Larsen.— Eine Frauenrevolte im Elsaß auS dem vierzehnten Jahrhundert. Bon Emil Unger. Für unsere Kinder: Bekenntnis. Von Ludwig van Beethoven. — Mutter Sonne. Von sck.— Hunger. Von Hammersdorsf.(Gedicht.) — Ein Ferientag mit der Dresdener 5kinderschutzkommission. Von Hans Löwe und Martha Krause.— Von den Schildbürgern.— Fasauenmutter. Von Ernest Seton Thomson.— Die klugen Bäume. Von E. H. Stras- burger.(Gedicht.) Die.Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer IV Ps.. durch die Post bezogen beträgt der AbonnementSprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld SS Ps.; unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement 2,60 M. »Den Schwarzen gewidmet!• Unter diesem Motto präsentiert sich uns die neueste Nummer des„Wahren Jacob" als eine S p e z i a l. nummer zur tieSjährigen Zentrumsparade, dem in der nächsten Woche in AuSburg stattfindenden„Katholikentag". WaS mit der Nummer bezweckt wird, spricht das Begrüßungsgedicht aus, dem wir folgende Verse entnehmen: ... Mit kund'gcn Worten euch zu feiern Ziemt leider mir, dem Laien, nicht: Drum mal ich nur in schlichten Zügen Der Welt heut euer Angesicht. Damit das sünd'ge Volk erkenne, Dag auch in dieser schlimmen Zeit Im Kreis der wahrhasr Frommen duftet Die Blume reinster Sittlichkeit...1 Was ich vernahm von euren Taten, Was jedes Gläubigen Herz erfüllt, DaS zeig', der West zu Nutz und Frommen, Ich hier w schlichtem Spiegelbild.... Dieser Ankündigung entspricht in der Tat der Inhalt der Nummer: den„Schwarzen" wird hier ein Spiegel entgegengehalten, aus dem uns ihr BUd in seiner ganzen abschreckenden Häßlichkeit entgegenlcuchtet. Wir erwähnen aus dem reichen Inhalt der 16 Seiten starken Nummer dte folgenden Beiträge: Bilder: Aus einem katholischen Kinematographen. Von H. G.Jentzsch. — Geistliche schulaussicht. Von A. Mrawek. Mit einem Gedicht von j. S. — DeS Deutschen Reiches heilige Drei. Von R. Hannich.— Am Astloch. Von P. Thesing.—„Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben." Von M. Engert. — Aus der Schweineausstellung.— Erbauungsstunde. Von Rud. Wolf.— In der Klosterschule. Von R. Grieß.— Die besten Borsätze. Bon R. Rost. — Finstc-linge. Von M. Vansclow.— Der Theologe. Bon SÄ. Rost.— Frömmigkeit. Von R. Graes.— Der Sicherheit halber. Von R. Hannich. — Marterl am blauschwarzen Sumpf. Von Erich Schilling.— Bibelsprüche zum Trost für Zölibatäre, verbessert und ergänzt durch Pfarrer Scheuer zu Kolbermoor. Von M. Vanselow.— Spaniens Erwachen. Von A. Mrawek. Text: An unsere Schwarzen I— Der Sieg in Cannstatt.— Die Frondeure. Von P. E.— Die Rückkehr des Zentrums.— Deutsche Diplomalenlogik. Von Balduin.— DaZ Muttermal. Von TobiaS.— „O diese bösen Sozi!"— Svmpathie. Von T.— DaS Volk des Herrn. Von Gustav Weber.— Der Westenlnops.— Das Unglück. Von R. 0. Ö. — Der Erste. Von P. E.— Angewandte Bibclkunde.— Usw. usw. Der Preis der Nummer ist 10 Ps. Probenummern sind jederzeit durch den Verlag Paul Singer in Stuttgart fowie von allen Buchhandlungen ima Kolporteuren zu beziehen._ ßmfkarteii der Rcdalition. Dt« intlftKAe evrtchftn»»« flnbe« Liudenftrai!« Nr.«». vorn vier Treppen— Ii a d r st» v l—, ivooienläglich von bis 7'Ii»dr»vends, Tonnabciids vo» 4'/z bis C Ithe nachniitiagS stall. Jeder nir de« Brief» taste» destiiiimlen Zlutraa- ist-»> Buchstnvc im» eine Zahl als wierr» »eiche» vci»»/, Uhr. Neue» königl. Opcrn-Thcater. Fidelis. Königl. Schauspielhaus. Wie dt« SUten sungen. Deutsches. Faust. Kamme rspiel«. LIebeSwalzer. (Ansang 8 Uhr.) Ansang S Uhr. Lesfiiig. Die Weber. Berliner. Taifun. Komische Oper. Zigeuner liebe. Rlcincö. Nur ein Traum.(Ansang S'l, Uhr.) NcucS. Kosernenlusi. Residenz. Im Taubenschlag. Neues SclinuipielstaiiS. RafsleS. Weste». Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller o. lWalluer- Theater.) Die Zauberflöie. Schilte, Charlottenburg. Die von Hochsattel. Berliner Boltsoper. Der Flieger. (Ansang 8'l, Uhr.) Luisen. Aus der Goldwag«. Hebbel. Wem gehört Helene? Der Kuß aus der Redoute.(An- sang 8'/, Uhr.) Neue« Operette«. Der Gras von Luxemburg. Luftspielhaus. DaS Leutnants mündel. Herrnfcld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Roir. Ein seltsamer Fall. Trianon. Pariser Witwen. golicS Caprice. Die böse 13.— Die lcusche Toinette.(Ansang 8-,« Uhr.) Voigt. Vineta. Puhlinn»». Verliebte Mädchen. Wietrovoi. Hollah ll— Die große Revue. 'Apollo. Spezialitäten. Pniiage. Spezialitäten ReichSliallru. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Wiiitcrgnrten. Geschlossen. tiarl Hnpcrland. Spezialitäten. Prater. SchützenlisD Urania. T»»l>e»i>r>>fte 48/41). Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Steniinorte. Juvalidenstr. 67—62. Lessing-Theater. 8 U6r: Die Weber. Mittwoch 8 Uhr: Das Konzert. Donnerstag 3 Uhr: Gespenster. Gommerprciic: Park, ö, 4u. 3 M. tc. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: TÄlkUll. Morgen: Talfnn._ Neues Theater. TSglich: Kasernenlufl. Ansang 8 Uhr. Berliner Volksoper. Heute>/z9 Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: _ Ter Flieger._ Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschiedene Frau. _ Operette von Leo Fall._ IVcaes Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ter Graf von Luxemburg. Operette in 3 Alt. von W. M Willner u. R.BodanSky. Musik v. Franz Lehär. iieictiZlisllen-Iliealöf. Von nun Wied, täglich: Stvttinvn Ssngon Anfang wochentags 8 Uhr SonntagS 7 Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Von derZugspitze zum Watzmann. �(BÄHTEN � Täalicb: Großes Militär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abends<5 Uhr ab 50 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. 8vI»iKKvi'-TItHatvr. Schiller-Theater Charlottenburg. Dienstag, abend» 8Uhr: Die von Hochsattel. Lustspiel in 3 Auszügen von Leo Walter Stein und Ludwig Heller. Ende nach 10 Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die von IRoehsattel. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die»tirtlleh. Verwandton. Hieraus: In Zivil Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottscheld-Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Ehrenabend des Herrn Emst Fischer. Die ZanherUUte. Oper in 2 Akten van W. A. Mozart. Ende 11 Uhr. Mittwoch. abendS 8 Uhr: Zar nnd Zlmnicrinann. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die ZanherilOte. Trianon-Theater. Heute u. folgende Tage(Ans. 8 Uhr): Pariser Mthuett. OSE=THEATE Uelliitt am Zoo. Täglich(Anfang 8 Uhr): Bnematograpliiselie forlrunp. Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! vuto"7 Vilascop- Theater AyuAnoptieum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Ein einziger Erfolg t III Ea mime espagnole ZoraTfta und das großartige August- Programm. Große Franksurtcr Str. 132. Ein«eitnanier Fall. Phant. Schauspiel in 4 Akren von Morton und Gunniver. Ansang 8 Uhr. Ende'/ill Uhr. Auf der Gartenbühne: Theater- Vorstellung. Spezialitäten, große» Konzert. Ansang 4'/, Uhr._ Metropol-Theater Hallo!!! Die groISe Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieb. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Residenz-Theater. Direktton: Richard Mexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hemiequln und Veber. Morgen und solgcnde Tag« dteselle Vorstcllunq. Sommer-Preise. l-nisen-Theater. Nur noch uienige Aufführungen: 5 u'hr- Auf der Koldwage. Schausp. in 5 Akt. v. Stahl u. Nitterseldt. Bis Freitag: Auf der Goldwage. Sonniag 3 Uhr: Ter Graf pon Monte Christo. 8 Uhr letzter Sonntag: Auf der Goldwage. I-uvlspivIksus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Ab 8 Uhr dte Kolossal- Attraktionen. 5:n ScbUnhclten:u Rj Tänzerinnen Korinnas.** Schimpanse— Orang-Utan als Tandemfahrer. lillly Walter Schreiber, der größte kleinste Varietä-Stern. JulretteS Seeldwen. Demokrltoa, die letzte Neuheit, U- da» weiter« Sensationsprogramm. heute xescdlosseu! Morgen Mittwoch, den 17. August: !! Premiere!! Der Vorverkauf = hat bereits begonnen!!= Die Theaterkasse ist von vormittags 9 Uhr bis abends 9 Uhr Pf* ununterbrochen-UW geöfinet. läftnlgsttadt-Kasino. Solzmarklstr. 72, Ecke Alcxanderstraße. Im Herrlichen Naturgartcn(bei un- günstiger Witlerung im Theatersaal). Neu! Kurzes Kastjp. der brill. Musil- virtuos. Iren« u. Max Maxwell. Novität: Frauenemanzipation! Schwank, usw. NB. Mein großer Festsaal ist noch an einigen Sonnabenden u. Sonn- tagen an Vereine zu vergeben. Realen Die größten Schlager der letzten Saison: Die Welt grht outer! und Wtttn Mi dasselbe tun mit Anton und Donat Herrnfeld. Billettvorverk. U— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. alhaila- Variete-Theater 1 Weinhergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang S1/. Uhr. Erol in seinen SO Verwandlungen 36 [und die übrigen Spezinlit&ten. jhihlfflanns Theater Schfinh. A. 148— Kastanien-A. 97/99. Zum letzten Male: Verliebte Mädchen. Vorher und nachher: DaS riesengroste vollständig neue Spezialität«, i-Proaramm k Ansang V«5 Uhr. Crnhce 20 Ps. Täglich: Großer Ball. Mittwoch zum ersten Male: Um Ehr' und Liebe. dirSOter Tergnogungspara des Kontinents. Sensationelle Attraktionen, Translateur- und Militär- Kapellen, Oberbayerische Sänger und Schuhplattler. Neu! Tanag/ra, Eintrittspreis 50 PI. das achte Weltwunder. „Pharus-Sommer-Theater" Besitzer: MazLudwig. Art. Leitung:Maz Beinhart. Berlin M.,.TlUIlerstr. I 4L. Tttgllch: Im herrlichen Naturgarten, bei Bogen im Theatorsaal: Konzert..Spezialitäten-Vorstellung 20 KOnstler-Attraktlonen. Stets wechselndes Familien-Programm. Auterdem jeden Freitag; Die beliebten ApolloaSänger« Anlang Sonntags 4 Uhr, wochentags 6 Uhr. Karl Haverland- Ansang Theater präz. 7>/,U. 77/79• Kommandantcnstraße 77/79. Premiere Souuabeud, deu W. August. CIRCUS Cyrill Halle ßcrlin, Potsdamer Straße Alter Botanischer Garten, Ferurun;! Ami 6,1 29. f Heute Dienstag 8»/, Uhr: l>ebat Hugo Renz mit seinen Elefanten. AuCerdem: Die Qbrigen Attraktionen. A.lt-noabU 47/40. Täglich: Konzert, Thealer, Spezialitäten. BrunnenatraBe 10. Das größte Kino- Theater Berlins. Heues ProBrannn. Eintritt 30 W. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9363. Lebende Photographien. Während der Sommcnnonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 80 u. 40 Ps., Kinder dieHätste. Ans.7U., Sonnt. 4 U. Verzngslierten, nur wochcnt. güllig, 85 Ps. aus alle» Plätzen. Stet» wechs. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Küustlerkonzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Familien-Kränzchen. Täglich: Freikonzert. lSpree-Oartenl Treptov. (Gegenüber der Sternwarte.) Beute Dienstag: Grones Militär-Konzert KapeUe d. Eisend.-Bog. No. 1. Kgl. Obermusikmeister Lobede Anfang 7 Uhr. Entree 18 Ff. Voranacige! Mittwoch und PUfpf arvA Donnerstag: ClUeiagC. Mittwoch: Schlachtmusik Tamboupkorps. Donnerstag: Monsler-Qala-Feuerwerk. Volksgarten-Theater früher Wolmann. Badstr. 8, Behm> u. Bellermannstraße. Täglich: Konzert-, Theater- und Spezialitäten-Vorst. DaS neue Riefen» Augustprogr. Neu: Der Zigeuner- baron. od.: Die Jagd n. d. Schwieger» söhn. Posse m. Ges. u. Tanz in S Bild. Jed. Donnerst.: Gr. Brilisnt-Fenerw. ! Kouzertparh des Frieilrich-ffilhelmstiiiltischen I N., CHaussee- straBe 30. Carl Richter. 8W Täglich j Gr. Militär-Konzert. Anfang: Sonntags 5 Uhr. HIon 7 Uhr.___ V olgt-Xheater Gesundbrunnen Badstr. S8. Dienstag, den 16. August: Zum letzten Male: '1,8 Uhr Vineta.',.8 Uhr Gr. romant. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 3 Akten von H. Schulz. DaS neue erstklasi. Augustprogr. Kafseneröstnung 2 Uhr. Slns. 4'/, Uhr. Schneller Larte» Am Känlgster— Am Friedrichshain. Täglich abends'/«lO Uhr: Klternlos oder; Berlin arm nnd reich. Volksstück mit Oes. in 2 Akt. Vorher: Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree 80 Pf. -Victoria- Brauerei, LDtzowat. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Vir. hnmorlst. Solree. (GesangSoorträge, Theater und Varietä-Dorstellungen.) Sonntag», Dienstags, Donnerst. und Sonnabends: Tanzkränzchen. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle Bon» gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 7» Ps. Gr. u. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art. Max Saeger. Mai ieus Soiimrtoler und Festsäle. Inh.: Kudolt Krttger. Hasenhelda 13/18, vis-k-vis v.TumpL Tttglich: Große Theater- n. Spezialifitten- VorsteilUDg. Artist. Leitung: Walter Grävenltz, Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag; Elite Tag! Anfang: Woehant.SUhr, Sonnt.'),6 Uhr. Kttliner Pruter- Theater KastanTenallee 7—9. Täglich: SchÜhtNtlSl. Spezialitäten, Konzert nnd Bali Ansang 4'i, Uhr. Entree 30 Ps. 3. Sept.: Gr. Klndarlreudantesf. Vereins-Brauerei Rlxdorf, Hernannstr. 214/219. Oekonom: Max Wendt ■MT* Tttglich:-wa Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. , Sonntags 4 Uhr. Ftir de« Inhalt der Jnfera»» äberuimm» die Redaktia« de« Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Sozialdemokratischer Wahlverein des 4. Berliner Beiehstags'Wahlkreises. Dienstag, den 16. August, abends SVa Uhr, in Kellers Festsälen(Inhaber Freyer), Koppenstraste ÄS: GeiieralversiiiBiBBiltiiig. TageS. Ordnung: L Komm-.IsionZbericht und Neuwahl der Zentral-Vorstandzmttglieder. 2. Diverse Anträge. 3. Verschiedene?. 223/8* I>er Vorstand. jß � j �;•*: Bureau: Engelufer 16, HI. frveixverem Berlin. Telephon: Amt IV, 4093 Mittwoch, den 17. August, abends 8V3 Uhr: keveralverüsnnlllllng des Gesamtzmeipereins in den„Mnsikersälen", Kaiser-Wilholm-Straste 18 w. Tage?-Ordnung: 1. GeschäftZ- und Kassenbericht vom II. Quartal 1910. 2. Vereinsangelegenheiten. — Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dasselbe kein Eintritt. Der Zweigvereinsvorstaud bis. Hierdurch teilen wir allen Mitgliedern mit, daß die Revtston der Zweigvereinsbibliothek beendet ist NNb Bücher wieder entliehen werden lönnen. Die Bücherentnahnie kann täglich in den Bureaustunden vormittags von 8 bis 1 Uhr und nachmittag« von S bis 7 Uhr, außerdem jeden Montag und an den Tagen, an welchem im GewerkschastShauS Versammlungen des Zweigvereins stattfinden, bis 3 Uhr abends ersolgen. Die Bibliothekskommisston. Sonnabend, den 27, August, in Kliems Festsälen, Hasenheide 13— IS: IS. Stifhingsjest des Zweiguereins bestehend au» Konzert, Theater* und Spezialitätenvorftellung unter freundlicher Mitwirkung deS Clesangrerclns Berliner Hanrer. In drei Sälen: GvoHev Ball. Eröffnung 3 Uhr. Anfang deS Konzerts 4 Uhr. Die Kaireekttelie steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zur Versügung. Otf~ Bei ungünstiger Wittenina ist sür ISdO Sitzplätze unter Zellen gesorgt."M Hierzu ladet freundlich ein DaS Komitee. Billetts zum Preise von 50 Pf. für Herren inkl. Tanz und 25 Pf. für Damen find bei allen Obleuten und Hauskassiercrn sowie im Berbandsbureau, Engelufer 15 III, Zimmer 53, zu haben. Zur Beachtung! Vom Sonnabend, den 13. Angnst an» tritt im gesamten Baugewerbe im Vertragsgebiet von Berlin und Vor- orte die Lohnsteigerung von 3 Pf. für die Stunde ein und zwar steigt der Lohn der Maurer von 75 auf 78 Pf., der geübten Bauarbeiter von SS auf S3 Pf der Kalkschläger, Wasserträger und Rüster von SS auf S8 Pf. und der im Lohn arbeitenden Träger von 7S auf 73 Pf., der Lohn der Fliesen- leger von SS auf V3 Pf., der Fliesenleger-Hilfsardeiter von SÄ»/, a«f SS'/z Pf. Gipsbaubranche: Der Lohn der Einschalwand-, Rabitz- und Zementdraht- Putzer von SV auf S3 Pf., der Rabitzspanner von 7S auf 78 Pf., der Träger von 72'/? auf 76 Pf., der Hilfsarbeiter von SS auf S3 Pf., der Wafferträger von SS anf S8 Pf. Betonbaubranche: Der Zementierer und Flechter von 7S»/, auf 7S>/, Pf., der Einschaler von 6Ä>/z auf 6?»/, Pf., der Hilfsarbeiter von SS auf S3 Pf., für Handbetonmischer, für Wasser- und Betonträger, welche das Material von unten herauf tragen, sowie für die am Fahrstuhl oder Aufzug mit dem Einbinden und Abnehmen beschäfttgten Hilfsarbeiter von SS auf S8 Pf. Im übrigen gelten die Bestimmungen des alte« Tarife?, nur find im Geltungsbereich die Orte Lichtenrade und Wannsee aufgenommen und muß auch dort jetzt obiger Lohn gezahlt werden. Der erhöhte Lohn must für die Woche vom Sonnabend, den 13. August, bis Freitag, den IS. Angnst» am Sonnabend, den ÄS. August, zur Auszahlung kommen. Wir ersuchen alle Kollegen, streng auf die Durchführung des Vertrages in diesem Punkte wie in seinen übrigen Bestimmungen zu achten und Verstösse gegen denselben sofort der Organisattonsleitung zu melden. Die Zweigvereinsvorstände des Maurer- und des Bauhilfsarbeiterverbandes. SM» der Ghs- mi JmrÄrmche! Zwei große Mitglieder Uersammwngen. Dienstag, den 16. Angnst, abends 8'/, Uhr, im Gewerkfchaftshans, Engelufer IS, Saal 1: Gipsbaubranche: Nutzer, Trezer, WitzsMlicr. Mittwoch den 17. Angnst, abends 8»/, Uhr, bei Jannaschk, Jnselstr. IV: Betonbaubranche: Zenienliercr, Ei»schaIn,Ws»rI>. Tae»«ordnunz In beiden Versammlungen: 138/11 1. Die Durchführung der am 13. August laut Tarifvertrag für alle Gruppen zu erfolgenden Pohnerhöhuiig bei allen Unternehmern im Gips- und Bctonbaugeiverbe. S. Diskussion. Pflicht eines jeden Kollegen ist eS. die Versammlung seiner Gruppe zu besuchen. Der SektionSvorstand. IffliEchgeschäft 230 Str., Miete 62,50, wegen lieber- nähme eines Hauses sosort zu ver- lausen Graft- Lichterfeidc- West, Knesebeckstr. 6, am Bahnhof. 89/16' »sgieniselie Brozxerle Zareniba, Wcinbergsiveg l, dir. a.Roseilthaier Tor. � Billigste Bezugsquelle 1 Versuch(. zur dauernden Kundschaft Klnmtn- nnd ßrutitbiitdem Don Robert Meyer,* not MnrialMtn-Strliße 2. Uir IMirtr Verwaltung Berlin. Laden- und Koutorbranche. Dienstag/, den IS. �nxnst ISIS, abends 8'/, Uhr: Branchen-Versammlung Im„Enellncben Garten", Alexander-StraOe 27 c: TageS-Ocdnung: 1. Bericht von der Verhandlung mit den Unternehmern. 2. Branchenangcl, genhciten. 3. Verbandsangelegenheiten. mr Alle Kollege» müssen zn dieser Versammlung erscheinen. 88/4 Die Branchenlettnngen. Spri-ftesfattrant Treptow empfiehlt Parkettsaal mit Bühne und großen Nebenräumen zu Ber. sammlungen und Festlichkeiten« Angenehmer Familienausenthalt. * Sonnabeuve noch frei Z! ii Zahlstelle Charlottenburg. Mittwoch, 17. August, abends 8 Uhr, im Bolkshause, Rosincnstraße: Aiitzcrordt«tliltzcWjjgIik!ikr»krsliillii>I»«g. TageS-Ordnung: 1. Ist der Zniammenschlust der Zahlstellen im Lohngebiet Gros?. Berlin notwendig? Rejerent: Kollege iStnsehe. 2. Gewerkschast- liches und Verschiedene». 88/1» ES ist Pflicht eines jeden MUgliedeS, in der Versammlung zu erscheinen. Ble Ortsverwaltang. Deuischer Holzarbeiter-Verband. ——— Zahlstelle Bixdorf. DienStag, den IS. August, abends 8'/, Uhr, in Hoppes FestsSlen, Hermannstraße 49: Aüßtrsrdkülliiljt Gtlikral-Ntrsliiiimlmiz. TageS-Ordnung: Ist der Zusammenschluft der Zahlstelle« im Lohngebiet Grob- Berlin notwendig? Reserent: Urans Stnsche. Kollegen I Da in dieser Versammlung ein im Interesse de» Verbandes eschluß gesaßt werden soll, ist e« notwendig, daß sämtliche wichtiger Kollegen erscheinen? 87/17» Die Srtsverwaltnngt. Maßanzüge sehr elegant, 82—85 SR., fertige Anzüge 8,25 an. Tuche sehr große AuS- wähl. Posten� engl. Stoffe u. Anzug Gern schicken wir unsere mtt Muster reste billig. Vertreter Deipflichluttg.Tactagcs Koltbuserdamm 16—17(Hoch zetger d. Inserat» erhält S°l, Kaus- Tachgesellschaft ) Vor« Rabatt. Wegen Aufgabe unserer VerkausSräume, Roßftraße 2 AnsnOoffe, Wiuttt- PMolßiiffk, Damentuche spottbillig, unter Preis. 278L leebS Seeland, liezeIKMi!i.b.H. Rofsstraste 2. Sehn-edter Str. 23/24. Großer Saal mit Thcaterbühne Jounabend, den lv. Scptdr.. und 22. Oktober sreigeivorden. Kleiner Saal mit Parkettboden und Bühne zu Hochzeiten, Fest- lichleiten jeder Art noch mehrere Tage zu vergeben.» „Ich war am ganzen Leibe mit Fleehleo bebastet, welche mich durch das ewige Jucken Tag und Nach! nicht tn Ruhe ließen. Nach einer Einreibung von kaum 14 Tagen mit Zucker'S Patent- Medizinal- Seife waren meine Flechten vollständig verschwunden. Ihre Seise ist nicht 1.50 M., sondern 100 M. wert. Sergeant M. in G.' a Stck. 50 Pf.(15°/, ig) und 1,50 M. (35°/, ig, stärkste Form). Dazu. gehörige Zuckoob-Crcme 75 Pf. und 2 M., serner Züäoob-Seife(mild) 50 Ps. und 1,50 M. in Berlin in Behrens Drog.(Apoth. H. Krause), Frankfurter Allee 120; O. Schultz. Chausseestraße 87; Hugo Schul«. Müllcrdroa., Müllerstr. 166a; Otto Binder. Prinzen-Allee 29; in Rix- dors: Drogenhaus Bincent. sowie in sämtl. Apoth.. Drog. u. Parfüm. Nichts anderes ausreden lassen. Es gibt dafür keinen Ersatz I Karo« Buch ort. nR.*. 12 M. tt. 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Statt der Draht- züge, die von der Gondel her durch den Steuermann deS Luftschiffes betätigt werden, um dem Fahrzeug die gewünschte Seitenrichlung zu geben, kann man sich auch der unsichtbaren Verbindungen bedienen, welche durch die Hochfrequenz-Wechselströnie hergestellt werden, deren man sich auch bei der drahtlosen Telegraphie bedient. Man kann diese Verbindungen sogar, statt von der Gondel auS, von irgend einer Stelle des festen Bodens aus spielen lassen. Im Londoner Hippodrom ist zurzeit ein Luftschiff von Philipp« ausgestellt, das durch solche elektrischen Ströme gesteuert wird. Dies geschieht nach der„Elekro- technischen Zeitschrift" auf folgende Weise: Vier Elektromotoren treiben das Luftschiff vorwärts, und zwar treibt jeder von ihnen einen eigenen Propeller. Diese Propeller, auf Deutsch„Treib- schrauben", sind an dem Körper des Luftschiffes so verteilt, daß einer oben, einer unten, einer rechts und einer links vorwärts zu könne, eine Art Taschenmesser, das man in der Tasche„für alle Fälle" zusammengeklappt bereit halten oder auch nach Beschluß aufklappen und gebrauchen kann." Genossin Luxemburg zitiert dann die Ausführungen de? Genossen Pannekoek gegen die Meinung Kautskys, daß die öffentliche Er- örlerung dem Gegner die schwachen Stellen der eigenen Position mitteilen heiße. Vollständig unverständlich ist der Genossin das weitere Bedenken Kautskys, daß eine Diskussion, in der die eine Seite ihre Gründe für die augenblickliche Aussichtslosigkeit eines Massenstreiks auseinandersetzte, das Gegenteil einer Anfeuerung zur Aktion sein werde. .... Wir haben dte„Anfeuerung zur Aktion' noch nie durch Illusionen und durch Vertuschung des wahren Sachverhalts vor den Massen zu erzielen gesucht. Haben die Gegner des Masien- streiks mit ihren Gründen für die Aussichtslosigkeit einer solchen Aktion recht, so ist es durchaus heilsam und notwendig, daß wir ihre Gründe hören und ihnen beipflichten. Haben sie unrecht, so ist eS ebenso heilsam und notwendig, daß ihre Gründe öffentlich als uustichhaltig erkannt werden. Die eingehendste Erörterung kann da nur von Nutzen sein und zur Selbstklärung der Partei beitragen, uns auf die Schtvächen unserer Bewegung aufmerksam machen, uns die dringendsten praktischen Aufgaben der Agitation oder Organisation vor die Augen führen. Hatte aber Genosse Kautsky hier gar die Gefahr im Auge, daß durch meine schriftliche und mündliche Agitation die Gewerk- schaftsführer auf den Plan gerufen und ihre großen Kanonen gegen die Idee des Massenstreiks auffahren würden, so lag in dieser Befürchtung meines Erachtens eine Ueberschätzung der Macht der Führer, die wieder nur durch die etwas mechanische Auffassung des Massenstreiks als eines vom„Generalstab" ausgeheckten und kommandierten Nebernimpelungsplans erklärt werden kann. In Wirklichkeit sind die Gewerkschaftsführer gar nicht imstande, eine Masseustreikbewegung zu unterbinden, wenn diese sich aus den Ver- Hältnissen, aus der Zuspitzung des Kampfes, aus der Stimmung der proletarischen Massen ergibt. Treten in solchen Situationen die Gewerkschaftsführer gegen die Bestrebungen der Masse auf, dann ist es nicht um die Stimmung der Masse, sondern um die Autorität der Gcwerlschaftsführer geschehen. Tatsächlich herrscht bereits jetzt eine so lebhaste Kampfstimmung in der Arbeiterschaft, daß das öffentliche Auftreten des gewerkschaftlichen Generalstabs im Sinne des Bremscus nichts anderes zur Folge gehabt hätte, als das Erwachen der Kritik und des Protestes in den eigenen Reihen der GewcrkschaftSgeuossen. Im Jnteresie der„Anfeuerung zur Aktion" konnte also nichts wünschenswerter sein, als daß die Gewerkschaftsführer endlich mit ihren„großen Kanonen" auf dem Plane erschienen, damit man sich ihre Argumente bei Lichte be- sehen und damit konstatiert werden konnte, wie sehr die Führer in ihrem Fühlen und Denken hinter den Massen zurückgeblieben sind. Daß Genosse Kautsky den Gewerkschaftsführern diese peinliche Mühe abgenommen hat, indem er sich selbst zuerst gegen die öffentliche Diskussion sträubte und, als dies vergeblich war, öffentlich austrat, um seinerseits als Theoretiker deS Radikalismus die Gedanken und daS Interesse vom Massenstreik auf die kommenden ReichstagSwahlcn abzulenken, das wird sicher die lebhafte Genugtuung der Generalkommission der Gewerkschaften hervorgerufen haben. Ob es aber geeignet war.„anfeuernd auf die Aktion" zu wirken, erscheint mir zweifelhaft." Genossin Luxemburg fragt sodann, welche Gefahren es denn eigentlich gewesen seien, die den Genossen Kautsky veranlaßt hätten, seinen Warnuugsruf ertönen zu lassen. Habe vielleicht irgend jemand daran gedacht, von heute auf morgen einen Massenstreik zu kommandieren, oder bestand die Gefahr, daß man in der Partei grundlose Illusionen in bezng auf die wundertätige Wirkung des Massenstreiks erweckte? Nichts sei geschehen, was solche Be- sürchtungen rechtfertige. Zum Beweise, daß sie jedenfalls gar keine Zweifel nach dieser Hinsicht gelassen habe, zitiert Genossin Luxemburg zwei Stellen aus ihrem ersten Artikel, die in dem Auszug, den der„Vorwärts" in Nr. 160 I.Beilage gab, ebenfalls abgedruckt sind(erste Seite 2. Spalte Zeile 37—64 von oben und zweite Seite Spalte 1 Zeile 45 von oben bis Schluß). Darauf fährt der Artikel fort: „Die Hauptsache also, worum eS sich handelte, war, daß die Massen sich mit der Frage des Massenstreiks befassen und dazu Stellung nehmen. Ob ein Massenstreik möglich, angebracht, notwendig, würde sich dann aus der weiteren Situation und auS der Haltung der Masie ergeben. Da« Auf- treten des Genossen Kautsky dagegen erscheint nun gerade vom Standpunkt der Marxschen Auffasiung mcrklvürdig. Ge- drücken sucht. Wenn alle vier gleich stark arbeiten, fliegt das Luft- schiff geradeaus. Wenn die obere langsamer arbeitet als die untere, richtet sich die Spitze nach oben, und daS Luftschiff geht in die Höhe und umgekehrt. Oder tvenn der rechte Motor stärker arbeitet als der linke, dreht sich das Luftschiff nach links. Das verschiedene Arbeiten der Motoren, die durch eine Akkumulatorenbatterie gespeist werden, erreicht nun Phillips dadurch, daß er die Motor-Anlasicr durch die Feruivcllcn betätigt. Die Jahrhundertfeier eines Wohltäters der Menschheit. Die Deutschen scheinen doch eine recht undankbare Rasse zu sein, denn sie haben es ganz vergessen und müssen von weit her daran erinnert werden, das Jubiläum der ersten Einführung einer Einrichtung zu begehen, die sich als einer der größten Wohltäter der Menschheit mit Rücksicht auf Annehmlichkeit und Gesundheit bewährt. Dieser Fortschritt heißt auf gut Deutsch„Water Closet". Ein Mitarbeiter des Journal der amerikanischen medizinischen Vereinigung hat fest- gestellt, daß Deutschland das erste Land gewesen ist. wo das W. C. zuerst in allgemeineren Gebrauch genommen wurde und daß diese EntWickelung im Jahre 1810, also gerade vor hundert Jahren, be- gönnen habe. Schon 35 Jahre früher freilich, im Jahre 1775. wurde das erste englische Patent für einen solchen Apparat vergeben, und zwar an einen Uhrmacher Alexander Cummings. Dagegen dauerte es bis zum Jahre 1833, ehe sich in dem erfinderischen Amerika jemand fand, der sich mit dieser nützlichen Aufgabe beschäftigte. Der eigentliche allseitige Erfolg ist dem W. C. begreiflicherweise erst im Lauf der Jahrzehnte zuteil geworden, denn man weiß, welch außerordentliche Umwandlungen auch in den Städten nötig sind, um jedes Haus und jede Wohnung mit den notwendigen Vor- kehrungen zu dieser Einrichtung zu versehen. Die Schaffung der Kanalisation, die wie keine andere Maßnahme zur Abnahme der Sterblichkeit in den Städten beigetragen hat, steht mit dieser Eni- Wickelung selbstverständlich in engster Verbindung. Leider gibt es sogar eine Großstadt in Deutschland, die noch heute im Jahre der Zentenarfeier auf die Einführung einer Kanalisation und damit auch des Wasserklosetts wartet, nämlich Kiel. Theater. Münchener Theater. Es handelt sich zwar um«ine Tegernfeer Aufführung, aber Ludwig T h o m a ist der Autor und der gilt als Vollmünchener. Zudem wird das kleine Tegernfeer Bauerntheater des Michael Dcngg noch nie so viele Münchener Theaterfreunde und Kritiker in seinen bescheidenen Wänden gesehen haben wie am 12. August, dem Tage der Uraufführung von Thomas neuem Bauernfchwank„ E r st e r Klasse", den er auf seinem Landsitz bei Egern am Tegernsee seinen guten Frermden, den Dengg- schen Bauernspielern auf die Lederhose geschrieben hat.„Erster Klaffe" ist in der Tendenz und im Dialog ein Seitenstück zur „Medaille", deren Glanz es aber nicht erreicht. Der Trick des kurzen DialogakteS ist die leibliche Erscheinung deS bekannten Zentrums- abgeordneten Joseph Filser, den sein geistiger Vater aus den Spalten des„Simplicissimus" auf die roten Ptüschmöbel eines zwischen Rosenheim und München-Ostbahnhof mit Schneckentempo sausenden Eilzugs verpflanzt hat. Filser steigt in Dingharting ein 1 I nosie Kautsky selbst baut seine ganze Theorie von der„ErmattungS- strategie" darauf, daß wir zivar nicht jetzt, aber nach den Reichstagswahlen im nächsten Jahre in die Zwangslage kommen köimeu, den Massenstreik anzuwenden. Genosse Kautsky gibt ferner selbst zu, daß„irgend ein plötzliches Ereignis, sagen unr ein Blutbad nach einer Siraßendenioustration", den Massenstreik ganz spontan notivendig niacben kann. Ja, er schreibt selbst zum Schlüsse:„Seit dem Bestand deS Deutschen Reiches waren die sozialen, politischen internationalen Gegensätze niemals so gespannt wie jetzt-- Nichts leichter möglich als Ueberraschungen, die noch vor den nächsten Reichstagswahleu zu gewaltigen Entladungen und Katastrophen führen, in denen das Proletariat zum Aufgebot aller seiner Kräfte und Machtmittel hingerissen wird. Ein Massenstreik unter solchen Umständen könnte sehrgvohl imstande sein, das be- stehende Regime hinivegziifegen." Ist-dem aber so, ist auch nur eine Möglichkeit vorhanden, daß der Massenstreik in nächster Zukunft in Deutschland in An- Wendung kommt, dann ergibt es sich von selbst, daß es unsere Pflicht ist, auch den Masien alle diese Eventualitäten vor die Augen zu stellen, jetzt schon in möglichst breiten Kreisen des Proletariats Sympathie für diese Aktion zu wecken, damit die Arbeiterschaft nicht überrumpelt wird, danrn sie nicht blindlings, nicht unter einem Affelt, sondern mit vollem Bewußtsein, in sicherem Gefühl der eigenen Kraft und in möglichst gewaltigen Massen in die Aktion eintritt. Die Masse selbst soll eben für alle politischen Eventualitäten reif sein und selbst ihre Aklionen bestimmen, nicht aber„im gegebenen Moment" ans den Taktstock von oben warten,„vertrauend ihrem Magistrat, der fromm und liebend schützt den Staat durch huldreich hochwohlweises Walteu", während es der Parteimasse stets ge- ziemt,„daS Maul zu halten". Die Marxsche Ausfasiuug besteht ja gerade in der Beachtung der Masse und ihres Bewußtseins als des bestimmenden Faktors bei allen politischen Aktionen der Sozialdemokratie. Im Geiste dieser Auffassung ist auch der po- litische Massenstreik— wie der ganze Kamps um das Wahlrecht— schließlich doch nur ein Mittel zur Klassenaufklärung und Organi- sation der breitesten Schichten des Proletariats. Wie man also an die Ausführung solcher Aktionen möglicherweise in der nächsten Zukunft denken und zugleich der Masse verbieten kann, sich mit diesem Problem zu befassen, als wenn eS sich um das Spielen mit dem Feuer handelte, vor dem die Masse bewahrt werden müßte, ist gerade vom Standpunkt der Marxschen Lehre ganz rätselhaft, und alle moderne und antike KricgSstrategie vermag dieses Rätsel nicht zu erklären. Im zweiten Teil ihres Artikels wendet sich Genossin Luxemburg gegen die Forderung Kautskys, daß man DemonstcationSstreik und Zwangsstreik, ökonomischen Streik und politischen Streik streng auseinanderhalte. Solche Rubrizierungen möchten für den parla- mentarischen Alltag ausreichen, sobald jedoch groß- Massenaknonen und politische Sturinzciten begönne», würden diese Rubriken vom Leben selbst durcheinander geworfen. Das sei in Rußland der Fall gewesen. Genosse Kautsky lehne freilich da? Beispiel Rußlands ab, weil dort„damals die Revolution herrschte". Aber je mehr wir auch in Deutschland stürmischen Auseinandersetzungen deS Proletariats mit der herrschenden Reaktion entgegengingen, um so mehr würden auch die Erscheinungen der revolutionären Situation für unsere Verhältnisse gelten. Aber auch die Geschichte des Wahlrechlskampfes in Belgien zeige dasselbe und beweise, daß Kautsky sich irre, wenn er meine, wenigstens„in den Wahlrcchlskämpfen Westeuropas wäre bisher das ökonomische und das politische Moment streng geschieden" gewesen. Die belgische Wahlrechtsbewegung habe 1886 mit„einem ganzen Sturm wirtschaftlicher Kämpfe" begönne». Den Lohn- fordernngen wurde bald überall die Forderung deS allgemeinen Wahlrechts zugesellt und unter Benutzung der großen Erregung des wirtschaftlichen Kampfes konnte die junge belgische Sozialdemokratie am 15. August 1886 ihre erste Massendemonstration für das allgemeine Wahlrecht in Brüssel veranstalten. Dasselbe wiederholte sich später. Der große politische Massenstreik 1891, der die Wahlrechtsvorlage erzwang, war das Produkt einer Reihe gewerkschaftlicher Aktionen. Nachdem der politische Streik beendet war, da er den Sieg gebracht hatte, setzten die Bergarbeiter von Charleroi den Kampf um Lohnerhöhung und Arbeitszeitverkürzung fort. Im Jahre 1892 war große Arbeits- losigkeit, mehrere Streiks zur Abwehr von Lohnkürzunge» fanden statt. Bei der Kammereröffnung im November organisierte die Partei in Brüssel in sämtlichen Fabriken einen Demonslralionsstreik. Im Dezember veranstaltete sie große Arbeitslosendemonstrationen. „So wurde in beständiger Wechselwirkung der Demonstrations- und der.Zwangsstreiks" der wirtschaftlichen und der politischen Aktion und gerät zwischen ein Hochzeitspärchen, einem kgl. bayerischen Ministerialrat und einen preußischen Reisenden in Kunstdüüger. Filser macht aus seinem gut ultramontaii-partikularistischen Herzen keine Mördergrube und redet wie— ungefähr wie der Metzger- »leister Lampl auf die preußische Revolverschnauze und den hoch- nasige» Bureaukraten loS. Als der zuletzt erfährt, wer der polternde Radaubruder ist, bittet er ihn um seine hohe Protektion und macht den Gepäckträger für den schmunzelnden Filser. So schaut aus dem harmlosen Bauernschwank der gesalzene politische Satiriker herau». rn. Notizen. — Theaterchronil. DaS Schiller-Theater beginnt die neue Spielzeit im Charlottenburger Hause am 18. August und bringt die Eröffnungsvorstellung die Benedixsche Komödie„Die zärtlichen Verwandten" und den Kadelburgschen Schwank„In Zivil". Im Schiller-Theater O.(Wallncr-Theater) wird die Saison am 1. September mit„WallensteinS Lager" und den „Piccolomini" eröffnet. Die Villettabteilungcn sind von Montag ab wieder regelmäßig von 10— l'/s llhr und 6—8 Uhr geöffnet. — Der A er o plan aus dem Theater. Die Aviatil als dramatisches Sujet— das ist das neueste, was die sommerliche Theaterrcportage in Paris anzukündigen hat. Und zwar haben sich glcichzeilig zwei Autoren an den Stoff herangemacht. Der eine ist Henry K i st e m a ck e r S. ein in Paris lebender Belgier, der im Roman und auf dem Theater schon ansehnliche Erfolge errungen hat, der zweite der mehr als Skandalschciststeller bekannte Gustav T ü r y, der sich unter anderem an I a u r ö S in einem unnoblen Buch gerieben hat. Törys Stück wird„Die Vögel" heißen, aber wie der Verfasser versichert, zum Unterschied von dem gleich be- titelten des Aristophanes ganz unpolitisch sein. — Ein R i e s e n w a lfi s ch. An Bord deS FrackUdampferS „Aragonia" ist in New Dork daS Skelett eines Walfisches ein« getroffen, das im amerikanischen Museum für Naturgeschichte einen Ehrenplatz erhallen soll, denn es rührt von einem der größten Wal- fische her, die je erlegt worden sind. Allein dieKiefernknochen haben eine Länge von 23 Fuß, das ganze Tier war über 200 Fuß lang, das getrocknete Skelett wiegt 55 Tonnen. Das Monstrum wurde im vergangenen Wimer in japanischen Gewässern harpuniert. Die Uebcrführung deS Skeletts van Moji in Japan nach New Dork hat allein an Fracht 20 000 M. verschlungen. — E i n r i e s i g e r S ä g e f i s ch ist in der Nähe von Ceylon erbeutet worden. Dieser gewaltige Fisch, der schon seit dem Alter- tum als eine große Naturmerkwürdigkeit gilt und auch von der heutigen Naturwissenschaft als ein Bindeglied zwischen der Familie der Haifische und der Rochen eine ähnliche Schätzung genießt, hat seinen Namen von einer eigenartigen Perlängerung des oberen Kopfleils in eine lange und schmale mit seitlichen Zähnen besetzte Knochenplatte, als zu einem Vergleich mit einer Säge herausfordert. Das gefangene Exemplar, das eine Länge von fast' fünf Meter be- saß, war noch dadurch merkwürdig, daß sich in seinem Innern 23 noch unentwickelte Junge vorfanden. der folgende gtofee WahlrechtSmasienflreik und der entscheidende Kamps im Jahre 1893 vorbereitet." Wenn KautSkh seltsamerweise darauf hinweise, dasz Belgien bis heute noch nicht das allgemeine Wahlrecht habe, so konnte das nur ein Argument gegen den sein, der den Massenstreik als ein Allheil- mittel betrachte. Jedenfalls sei es mit seiner Hilfe gelungen, dem belgischen Proletariat den Weg inS Parlament zu bahnen. Der grotze Kampf im Baugewerbe müßte nach dem Schema des Genossen KautSkh von der Wahlrechtsbewegung streng geschieden werden und hätte im Interesse der Wahl- rechtSbewegung womöglich vermieden werden sollen. Solche Trennung aber wäre da« törichteste, was wir beginnen könnten. Unter dem Eindruck der Brutalität des Kapitals im Bau- gewerbe wecke in den WahlrechiSversammlungen, in denen natürlich die Aussperrung besprochen werde, jedes Wort der Kritik an den be- stehenden Zuständen ein lebhafteres Echo in den Masten. Die Kraft- probe im Baugewerbe erhöhe die Kampfstimmung für das Wahlrecht und umgekehrt komme die allgemeine Sympatie, die allgemeine Er- regung der Masten im Wahlrechtskampf den Bauarbeitern zugute. Ebenso hätten wir uns eigentlich schon gegen das Schema ver- sündigt, indem wir den Wahlrechtskampf mit der Maifeier verknüpft hatten. Aber gerade durch die Verbindung mit den Mailofungrn des internationalen Sozialismus habe unser preußischer Wahlrechts- kämpf seinen richtigen Rahmen als proletarischer Klassenkampf er- halten. „Hier liegt eben der Schwerpunkt der Frage. Wollen wir unsere preußische Wahlrechtöbewegung im Sinne des bürgerlichen Liberalismus und in Bundesgenossenschaft mit ihm als einen nur politischen VerfastungSkampf führen, dann ist allerdings eine strenge Scheidung dieser Bewegung von allen ökonomischen Kämpfen mit dem Kapital am Platze. Dann ist aber auch der streng politische Mastenstreik von vornherein als eine halbe Maßregel zum Fiasko verurteilt, wie dies die Schicksale des belgischen Massen- streiks im Jahre 1902 dartun. die dem Genossen Kautsky vielleicht erklären können, warum„andererseits Belgien bis heute noch nicht das gleiche Wahlrecht besitzt". Wollen wir hingegen den Wahlrechtskamps im Sinne rein proletarischer Taktik, das beißt als eine Teilerscheinung unseres allgemeinen sozialistischen Klassenkampfes führen, wollen wir ihn durch eine umfastende Kritik der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Klassenverhältnisse begründen und auf die eigene Macht und Klassenaktion des Proletariats allein stützen, dann ist eS klar, daß eine«strenge Scheidung" von wirtschaftlichen Interessen und Kämpfen des Proletariats zweckwidrig, ja unmöglich erscheint. Es hieße dann die Kraft und den Schwung der Wahlrechts« bewegung künstlich lähmen, ihren Inhalt ärmer machen, wollten wir nicht alles in ihr aufnehmen, sie nicht von ollem tragen lassen, was die Lebensinteressen der Arbeitermasten berührt, was in den Herzen dieser Masse lebt. Genosse Kautsky redet hier gerade jener pedantisch-engherzigen Auffassung der Wahlrechtsbewegung das Wort, die uns ohnehin bereits geschadet hat. Als wir im Jahre 1908 und 1009 den ersten Demonstrationssturm in der preußischen Wahlrechts- bewegung erlebten, bekam die Arbeiterschaft eben die Schrecken der wirtschaftlichen Krise zu kosten. Eine grauenhafte Arbeits- losigkeit herrschte in Berlin und äußerte sich in erregten Arbeitslosenversammlungen und Demonstrationen. Anstatt nun diese ArbeitSlosenbcwegung mit in den Strudel de« Wahlrecht«- kampfeS zu lenken, anstatt den Ruf nach Arbeit und Brot mit dem Rufe nach gleichem Wahlrecht zu verbinden, wurde umgekehrt die Sache der Arbeitslosen von der Sache des Wahlrechts auf das strengste geschieden, und der„Vorwärts" gab sich alle Mühe, die Arbeitslosen von den Rockschößen der WahlrechtSbewegung öffent- lieh abzuschütteln. Nach dem Schema des Genossen Kautsky war dies ein weises Stück„Ermattungsstrategie", noch meiner Auf- fastung war eS ein Verstoß gegen die elementarste Pflicht einer wirklichen proletarischen Taktik und mit einem Mittel, die da- malige Demonstrationsbewegung bald zum Stillstand zu bringen. Indem Genosse Kautsky jetzt wieder die strenge Trennung der WahlrechtSbewegung von den großen wirtschaftlichen Masten- kämpfen befürwortet, stutzt er theoretisch gerade jenen Geist in der Partei, auS dem heraus sich die Neigung unserer führenden Parteikreise erklärt, am liebsten Demonstrationen nur mit Orga- nisterten zu veranstalten, jenen Geist, der die ganze Wahlrechts- bewegung als ein unter strengem Kommando der oberen Instanzen »ach genauem Plane und Borschrift aufgeführtes Manöver auffaßt. statt m ihr«ine große historische Massenbewegung, ein Stück de« großen Klassenkampfes szu sehen, der aus allem seine Nahrung schöpft, waS den heutigen Gegensatz zwischen dem Proletariat und dem herrschenden Klassenstaat ausmacht. Mit einem Worte. Genosse Kautsky stützt theoretisch just die Vorurteile und Beschränktheiten in der Auffassung unserer leitenden Kreise, die ohnehin jeder größeren und kühneren politischen Massen- oktion in Deutschland im Wege stehen, und die zu überwinden da« dringend« Interesse der jetzigen WahlrechtSbewegung ist." Zehnter Uerbandstag des Zentralverbandes der Fabniiarbeiter Deutsllilands. Halle, 13. August. Sechster Berhandlungstag. Neun Anträge aus den vevschiedensten Teilen de« Reiche? woll- ten eine bedeutende Umänderung der Gaueinteilung herbeiführen. Dann wurde der Beschluß gefaßt, daß alle Angestellten des Verbandes in jedem Jahre 14 Tage Ferien erhalten sollen und daß der nächste Verbandstag eine Regelung der Beamtengehälter her- beiführen soll. AuS zehn Orten waren Anträge eingegangen, die Ver- fchmelzung mit den Organisationen der Textilarbeiter, Leder- arbeiter, Staats, und Gemeindcarbeiter vesp. den Zusammenschluß aller ungelernten Arbeiter au« allen Industrien, oder genaue Grenz« regulierung verlangten. Dt« BerschmelzungSanträge wurde alle ab- gelehnt. Zur Frage der Grenzvegulierungen wurde folgende Re. folution Hannover angenommen: „Infolge des UebereinkommenS der Vorstände unseres und de? Gemeindearbeiterverbandes im Jahre 1903 sollte fortab der Eemeindcarbeiterverband für die Gasanstalten zuständig sein. Unsere Mitglieder in einer Anzahl in Privatregie befind- licher GaSmistalten haben e« bisher abgelehnt, zum Gemeinde- arbeiterverband überzutreten. Sie haben vielmehr die Werbe« arbeit für unfern Verband fortgesetzt. Dte Mitglieder der Zahl- stelle Hannover, soweit sie in der hiesigen Gasanstalt beschäftigt sind, lzirka 2b0) haben erklärt, in unserm Verbände bleiben zu wollen und nach wie vor die Werbearbeit nur für unfern Ver- band zu leisten, weil sie die Gasanstalten als zur chemischen In- dustrie gehörig betrachten. Die Mitgliedschaft Hannover hat sich dieser Auffassung ange- schlössen und ersucht den Verbandstag, den Vorstand zu beauf- tragen, das getroffene Uebeveinkommen mit dem Gemeinde« arbeiterverband zu lösen." Damit waren alle Anträge, die das Statut betreffen, erledigt. Der VentandStag erklärte einstimmig, da ß alle Beschlüsse am 1. Oktober dieses Jahres in Kraft treten sollen. Dem Vorstand wurde dann noch der Auftrag erteilt, für den nächsten Verbandstag eine Vorlage über Staffclbeiträge auszu- arbeiten und sie vor Stattfinden des nächsten Verbandstages rechtzeitig im„Proletarier" zur Diskussion zu stellen. Bei der Wahl des Vorstandes wurden die alten Vorstands- kollegen und der Redakteur einstimmig wiedergewählt, ebenso die alte Revisionskommission. Bruns- Hamburg wurde wieder als Vorsitzender des Ausschusses bestätigt. K a s ch- Hamburg als sein Vertreter gewählt. Damit waren die Arbeiten des Verbandstages erledigt. Der Verbandsvorsitzender Brey gab in einem Rückblick auf die Tagung »md in einem begeisternden Appell an die Treue und den Opfermut 1 defi die Delegt eckest sicher auch für die Zukunft! dem Verbände gegenüber bezeugen würden, der Hoffnung Ausdruck, daß die Be. schlüsse dem Verbände zum Nutzen und zur Fortentwicklung dienen mögen. Ein dreifaches Hoch schloß die Tagung. Stehend sangen die Delegierten den ersten Vers der Marseillaise. 11. Verbandstag der Zchueider, Schneidennuea and Mäsliiearbkiter. Hamburg, den 15. August. Heute begann im Gewerkschaftshause zu Hamburg der Ver- bandstag der Schneider usw. Außer den vielen zu Punkt Lohn- bewegungen und zur Agitation gestellten Anträgen werden den Verbandstag beschäftigen die„Ausbildung der Lehrlinge in der Schneiderei, Konfektion und Wäscheindustrie", der„Heimarbeiter- schütz im Deutschen Reichstage", die„Stellungnahme zur Reichs- Versicherungsordnung" und andere wichtige Dinge. Dem umfangreichen gedruckt vorliegenden Geschäfts- bericht über die verflossene zweijährige Periode entnehmen wir, daß der Verband sich kräftig entwickelt hat. Im Fahve 1907 hatte der Verband die Aussperrung von 12 000 seiner Mitglieder durch- zumachen. Der mit großen Opfern geführte Kampf um die An- erkennung des Verbandes ist nicht umsonst durchgefochten worden, denn ohne ihn wäre das Tarifvertragswesen nicht zu so hoher Blüte gelangt. Die Arbeiter im Schneidergewerbe sind jetzt gleich- berechtigte und mitbestimmende Faktoren im Produktionsprozeß. Am 30 Juni 1908 bestanden 276 Tarife für 7579 Betriebe mit 59 050 Personen, 1910 dagegen existierten 354 Tarife für 8918 Be- triebe mit 81 917 Personen. In der letzten Geschäftsperiode waren 282 Lohnbewegungen zu verzeichnen gegen 283 in der vor- letzten Periode, in der aber nicht weniger als 56 Aussperrungen stattfanden gegen nur vier in der verflossenen. Ueberwiegend wur- den Lohnkämpfe in der Konfektionsbranche geführt. In Berlin, München, Stettin. Elberfeld usw. hat man beachtens- werte Erfolge erzielt, andere Orte werden folgen. BezüKich der Einführung der Arbeitslosenunterstützung hatte der letzte Verbandstag beschlossen, das gesamte Material den Mit- gliedern zur Beratung und Urabstimmung zu unterbreiten. Be- teiligt haben sich daran in 236 Filialen 12 270 Mitglieder; davon stimmten 3397 für, 8756 gegen die Arbeitslosenunterstützung. Die Zahl der Mitglieder, die für diesen Unterstützungsziveig stimm- ten, beträgt nur 27,43 Proz. der an der Abstimmung Beteiligten und nur 8,83 Proz. der gesamten Mitglieder. Auf dem Berbandswge hatten sich in namentlicher Abstimmung 37 Delegierte für und 54 Delegierte gegen die Arbeitslosenunterstützung erklärt.„Durch die Entscheidung," so heißt eS im Bericht,„ist die Frage wohl vor- läufig von der Tagesordnung unserer VerbandStage verschwunden." Biel zur Belebung der Agitation hat die im Januar 1909 in Berlin stattgehabte Konferenz der Konfektions» sch neider beigetragen. Stellung genommen wurde ferner zur ReichsversicherungSordnung. In einer Resolution wurden dem Reichstage wie dem Bundesrate die diesbezüglichen Forderungen des etwa 40000 Mitglieder zählenden Verbandes unterbreitet Neben diesen umfangreichen Arbeiten wurde die Pflege der Jnternationalität nicht vergessen, wie die Deputationen zu den Generalversammlungen ausländischer Per- bände und die Unterstützung des schwedischen Generalstreiks mit 25 399,25 Mk. beweisen. Nach Ueberwindung der wirtschaftlichen Krise, von der auch der Verband getroffen wurde, ging eS schnell wieder aufwärts. Schon das erste Quartal 1910 brachte einen G e» w i n n von 2253 Mitgliedern, so daß der Verband die 4 0 0 00 überschritten hat. Die Bilanz weist ein« Einnahme von 1473 786 Mark und«ine Ausgabe von 1048 755 Mark auf. Ein Vergleich des vorliegenden Kassenberichts mit dem für die vorhergehende Geschästsperiode zeigt eine Steigerung der Einnahme um 188 652 Mk. Hierbei muß aber berücksichtigt werden, daß in der vorletzten Geschäfts- Periode ein Darlehen von 103 000 Mk. aufgenommen wurde, außer- dem durch Extrabeiträge 138 092 Mk. und durch Sammlungen 12 756 Mk. der Hauptkasse zugeführt wurden. In dies« Geschäfts- Periode sind nur als besondere Einnahme für Extrabeiträge 2230,50 Mark gebucht. Di« Mehreinnahme an Beiträgen in dieser gegen- über der vorigen Periode beträgt 346 406, welche Steigerung Haupt. sächlich auf die Beitragserhöhung zurückzuführen ist. Für Lohn- bewegungen aller Art verausgabte der Verband 234 923,57 Mark. Die Reiseunterstützung erforderte 48 541 Mk., die Krankenunterstützung 173726 Mk., Gemaßregelten- Unterstützung 6864 Mk., Umzugskosten 2171 Mk., Rechtsschutz 2185 Mk., Zuschüsse zur Agitation 21 386 Mk., Herstellung des BerbandsorganS 69000 Mark usw. . Der Verbandstag ist von 69 Delegierten, 11 Parteifunktionären usw. besucht. Als Gäste sind anwesend: A r u p- Kopenhagen vom Dänischen Schneiderverband, K u i p e r S- Amsterdam vom Nieder- ländischen Schneidcrverbcmd, M a rkg ra f- Zürich vom Schweizer Schneiderverband, S m i t k a- Wien vom Oestrrreichischen Schnei- derverband, Cilly Lippa- und Joseph Zalenka-Wien von der Union der Textilarbeiter Oesterreichs, Sektion Wäschearbeiter und -Arbeiterinnen. S t ü h m e r, Verbandsvorsitzender, richtet herzliche Be- grüßungsworte an die Delegierten und Gäste, bemerkend, daß der Verbandstag auf gewertschaftSgeschichtlichem Boden tage. Auch die Geschichdo der Schneiderorganisation sei eng mit dem Namen Hain- bürg verknüpft. Bereits im Jahre 1865 habe in Hamburg eine Lohnbewegung stattgefunden. Nach einem geschichtlichen Rückblick auf die Schnei derb ewegung erklärte er den Verbands tag für er- öffnet. Die ausländischen Gäste entbieten die Brudergrüße ihrer Orga. nisationen, schildern deren Fortschritte und wünschen den Arbeiten des Verbandstages besten Erfolg. S m i t k a- Wien bedauert die aus dem„Nationalitätenprinzip" hergeleitete Absplitterung der tschechischen Kollegen, die sich eine eigene Zentralorganisatton leisten zu sollen glaubten. Mit dem Vorsitz werden Plettl- Frankfurt und Spree« berg- Hamburg betraut. Die Vormittagssitzung wird mit der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten ausgefüllt, wie Festsetzung der Tagesordnung, zu der mehrere Anträge vorliegen. Den Geschäftsbericht wird von Stühmer erläutert. Hub der Partei. Häßliche Manöver. Der»Karlsruher Volksfreund" bringt in seiner SonntagSnummer einen Leitartikel»Rosa Luxemburg". Es werden darin die Angriffe, die Genossin Rosa Luxemburg in einem von uns nicht aufgenommenen, von der„Bremer Bürgerzeitung" veröffentlichten und mit der Anmerkung, daß sie nicht in allen Punkten mit dem Inhalt übereinstimme, versehenen Artikel gegen die Gesamtpartei wegen Vernachlässigung der republikanischen Agitation, Ueberschätzung deS Parlamentarismus, Abbruch de» preußischen Wahlrechts- kampfeS usw. erhebt, zugunsten der badischen Disziplinbrecher aus« ,»beuten gesucht. Dieser Teil deS Artikels interessiert uns hier nicht weiter. Ander» steht eS mit dem letzten Abschnitt. Hier wendet sich der„Volttfreund" gegen einen Satz deS Luxemburgischen Ar- tikelS, worin eS heißt, daß eine Dreimillionenpartei sich schon ge- fallen lassen muß,»daß sich allerlei kleinbürgerliche Reformer a la Frank, Kolb, Ouessel und sonstige, die auf keinem anderen Gebiete ein lockendes Betätigungsfeld finden, partout darauf versteifen, sich für Sozialdemokraten zu halten'. Der„Dolksfteund', der schon geraume Zeit zu objektivem Lesen budgetgcgnerischer Artikel nicht mehr fähig ist, sieht darin einen An- griff auf die politische Ehre der Genannten, obgleich in der Wen- dung„sich... partout darauf versteifen, sich für Sozialdemokraten zu halten", für jeden ruhig Urteilenden das Anerkenntnis deS guten Glaubens enthalten ist. Von der falschen Prämisse ausgehend, daß den betreffenden Genossen poli- tische Ehrlostgleit vorgeworfen werde, begeht der.Volksfreund' daS häßliche Manöver, der Genossin Luxemburg vorzu« halten, daß sie mit derartigen Anklagen vorsichtiger sein sollte, da sie selbst jahrelang unter dem Verdacht der politischen Ehrlosigkeit gelitten, jahrelang gegen den Verdacht habe anlämpfen müssen, russische Polizeispionin zu sein. Dabei wird durch die Be« merkung, daß die„Fränlische Tagespost" in Nürnberg noch Ende der neunziger Jahre daS Material wieder einmal zusammengestellt habe, „ohne daß, nebenbei gesagt. Rosa Luxemburg damals unseres Wissens irgend etwas darauf erwidert hätte", der Anschein zu erwecken versucht, als wenn vielleicht doch etwas Wahres an diesen Verdächtigungen gewesen sei.-- Wenn sich der Redakteur deS„VolkSfreund", als er daS niederschrieb, dieses Versuchs bewußt war, so läge hier ein Fall von Ehr« abschneiderei vor, der mit Parteigenössischen Pflichten unvereinbar ist. Die Redaltion deS.Volksfreund" sollte sich ernstlich bemühen, sich die Verantwortung zu vergegenwärtigen, die sie auf sich lädt, wenn fie auf diese Weise zu dem politischen Streit noch einen häßlichen Skandal in der Partei fügt, llebrigens ist die Darstellung des „VolkSfreund" auch sachlich eine grobe Entstellung der Tatsachen! Jene gehässige Verdächtigung wurde auf dem Züricher Kongreß nicht gegen Genossin Luxemburg, sondern gegen den Redakteur deS polnifch-sozialdemokratifchen Parteiblattes„Sprawa Robotnicza' erhoben, das sie damals delegierte. Auch in bezug auf diese» Genosten A. I. Warski ist fie längst als durchaus falsch erwiesen. Der Artikel des„Bolls freund" schließt mit der beliebten SuSländerhetze, die schon gegen den Genosten Pannekoek angewendet wurde. Eine Zurückweisung verdienen diese Anwürfe nicht, wir be- gnügen unö mit dem Hinweis, daß der Redakteur des.VolkSfreund' in dieser Beziehung noch rückständiger ist als daS Gesetz deS Klassen« staatS, das Genossin Luxemburg als deutschen Bürger anerkennen muß. Hcsfische Genossen gegen den Disziplinbruch. Im Wahlkreis Friedberg-Büdingen stieg im avsse- laufenen Geschäftsjahr die Zahl der Filialen deS KreiSwahlverernS auf 44, die Mitgliederzahl um 461; sie beträgt jetzt 1805. Die Kreiskonferenz, die am Sonntag in H o I z h a u s e n v. d. H. tagte, stand unter dem Zeichen de» Sieges bei der Reichstagswahl. Beschlossen wurde, im Winter für Gemeindevertreter Lehrkurse ab» zuhalten und wenn möglich auch Ausbildungskurse für Agitatoren. Zum Parteitag wurde nach einem Referat von H. Schmidt« Vilbel, der auch alS Delegierter gewählt wurde, einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Konferenz nimmt Stellung zur Budgetbewilligung der badischen Landtaasftaktion. Sie erblickt in derselben einen den ParteitagSbeschlüssen entgegenstehenden Bruch der Parteidisziplin. Die Konferenz hofft, daß der diesjährige Parteitag endgültig Stellung zu dieser Frage nimmt und die betreffenden Ge» nossen in die Schranken der ParteidiSziplia zurückverwiesen werden." Kreiskonfcrenzen. Auf der Generalversammlung des Sozialdemokratischen Ber, «ins fürden6. sächsischenWahlkreis(DreSdeii»Land)) wurde mitgeteilt, daß die Mitgliederzahl im verflossenen Jahrs um 2258 g e st i e g e n ist. lieber den Magdeburger Parteitag referierte Parteisekretär Kahmann. Er verurteilte die badische Budgetbewilligung und die Hofgängerei, wandte sich gegen den Artikel deS Genossen Gradnauer zur Sache in der„Dresdener Volkszeitung", erklärte sich gegen den Ausschluß der Badenser au? der Partei und hofft, daß der Parteitag Mittel und Wege finden werde, die alte Einheit in der Partei festzuhalten. c Genosse F l e i tz n e r wandte sich sehr scharf gegen die badischet» Budgetbewilliger; ihr Verhalten sei virekte Auflehnung gegen dia Partei. Gradnauers Artikel enthalte mehr Entschuldigung als> Verurteilung. Er huldige der Devise: Stille, stille, kein Geräuschs gemacht! Man müsse alles beim richtigen Namen nennen. An» statt Disziplinbruch sage Gr.„bedauerliche Nichtberücksichtigung", Solche Ausdrücke müßten Verwirrung in den Köpfen der Leser hervorrufen. Fleißner fand großen Beifall. Genosse Gradnauer verteidigte seine Haltung. Sein« Devise sei nicht:„Stille, stille, kein Geräusch gemacht", aber man dürfe nicht nur die Stimme des Zorns reden lassen. Auch er ver« urteile die Handlungsweise der Badenser; sie hätten sollen durch Wort und Schrift gegen den Nürnberger Beschluß arbeiten. Als er seinen Artikel schrieb, waren ihm die hofischen Taten der Badenser, die er ebenfalls zum Teil verurteile, noch nicht bekannt. Hier sei er aber anderer Ansicht als Fleißner. Man könne sich Aber Herr RegierungSratI Lesen Sie doch bitte den Bericht Ihres Kollegen aus dem Unter» Elsaß, der da durchblicken läßt, wer daran schuld ist, daß jugend- liche Arbeiter unzufrieden mit den bestehenden Zuständen Iverden. Die Herrn Unternehmer, wenigstens die Großunternehmer, scheinen ihm Engel in ihrer„Anspruchslosigkeit" und„Sittenreinheit", die jugendlichen Arbeiter aber die reinsten Bonner Borusscn in Zucht- losigkeit und Verschwendungssucht. Er fiihlt nicht allein echt mensch- lich, sondern auch, was bei einem RcgierungSrat selbstverständlich ist, auch echt christlich und widmet deshalb auch eine Seite seines Berichts, der Reklame des frommen Arbeiterinnen-Vcreins und der Empfehlung des Organs„Die Arbeiterin". Es fehlte nur noch, daß er schreibt, er sei Ehrenvorsitzender. Besonders scheint ihm zu gefallen, daß in diesem Vereinchen die Uebcrwachung und Leitung in Händen eines Geistlichen liegt. Da passiert denn sicher keine Zuchtlosigkeit, denn Kolbermoor liegt weit von Mülhausen. Von Mißständen weiß er sehr wenig zu berichten, und wo er berichtet, klingt eS schonend für die Unternehmer, mehr verletzend für die Arbeiter. So schreibt er unter anderm: „In den entlegenen Gebirgstälern fehlt der Sinn für Rein- lichkeit noch sehr und die Arbeitgeber(doch) halten es dort für -ausreichend, wenn die Arbeiterinnen sich nach dem Putzen der Maschinen an einem Brunnen auf dem Fabrikhof oder an dem nahen Bache waschen. Auch in den auf dem Lande gelegenen Zigarrenfabriken ist das Bedürfnis nach Wasser äußerst gering, eine Waschschüssel für 12 bezw. 16 Personen würbe dort als genügend erachtet." Von wem. wenn man fragen darf? Doch jedenfalls von dem Unternehmer, aber nicht von lden Arbeitern. Eine Seite de» Berichts ist noch gefüllt mit Ruhegehältern, Gratifikationen, bronzenen, silbernen und goldenen Denkmünzen, welche die Nähfadenfabrik Dollfuß Mieg und Kompagnie in Mül- hausen aus„wohltätigem" Herzen den„verschwendungSsüchtigen" attgewordenen Arbeitern verehrt, und der Bericht ded Herrn Cvepin ist, nachdem er noch über einige Streiks berichtet, und so zwischen drin doch noch einige Unregelmäßigkeiten bei Kleinunternehmern konstatiert, zu Ende., SozIaldenioRratisctierWalilverelD (Or den I. BerL BeicktsMtillm. Petersburger Viertel. (Bezirk 323.) Dm Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Tischler Richard Pritsche Rigaer Str. I gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. August, nach- mittags 2 Ubr. von der Hall« de» Zentral-FriedhoseS in Friedrichs- selbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 220/9 Der Vorstand. Allen Freundm und Bekannten I hiermit die traurige Nachricht, I daß mein lieber Mann, unser lier Dater, Schwiegervater und Sroßvater, der Putzer Karl Rolle nach langjährigem schweren Leiden am IS. d. MtS. im 70. Lebens- jähre verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 18. d. Mts., nachmittags i Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhose», R-xdors, Hermann- sirahe, auS statt. Sagm hierdurch allen verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen der Finna Fahnkow für die stille Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meine» lieben Mannes und unsere» guten Bater» herzlichen Dank.«SIL Die kauernde Witwe Emilie Weidemann nebst Kindern. Rixdors. Sozialdemokratischer WahlYereln des 6. Herl. Relehstags- Wahlkreises. Tode*- Aaselse. Am 13. August verstarb unser Mitglied, der Arbeiter kusisv Neue (Ackerftraße 106). Ehre feinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. August. nach> mittag» S'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Elisabeth. Kirchhose», Prinzen'Allee, au» statt. Um rege Beteiligung ersucht JDei- Vomtand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tod e*• Anselge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Vuslav Nouv am 13. d. Mt». gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 17. Angust,»ach. mittag» S'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» LcrfihnungS-Kirchhose» in der Prinzen-Allee au» statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. irjp Bruch-Pollmann empfiehlt sein Lager In Bruch. _ bandaaen, Laibbinden, Geradehalten), Spritzen, Suspensorien sowie atmtlleha Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant sür OrtS- und HilsS-KraiileuIastew Heriii» N.,* jetzt I.othringer StrnBe 60. 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Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler -Artiir Kerber am 13. August gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 16. August, nach- mittag» 4 Uhr, von der Halle de» Georgen- Kirchhofe», Land»- berger Allee, au» statt. Um rege Beiligung ersucht 38/3 Die OrtSverwaltung. die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Manne», unsere» guten Baters sagen wir allen Beteiligten unseren tiesgesühlten Danl. S76b Mg. Minna Stabenow kÄ. Deutseher Kürschner-Terhand Filiale Barlin. Toden-Anceice. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Kürschner Isidor Schlesinger am 12. b. M. gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. DienStag, den 16. August, nach. mittags 2 Ubr, von der Leichen- balle de» Jüdischen Kirchhofes m Weißenfee au» statt. Rege Beteiligung erwartet 102/13 Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben unvergeßlichen Mannes, unsere» guten Vater» 4gSL ftchard Zander sagen wir allen Freunden und Be- kannten, besonder» dem Vorstande und den Angestellten der Ortskranken- lasse der Buchbinder, sowie den Bu- rcauangestclltc» und dem Deulschen Buchbinderverbande unseren tiesae- sühltesten Dank. Die kauernde Witwe A. Zander g-v. HOnicke nebst Kindern. O ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder, an der neuen Heerstraße beim Alten Freund. Cigaretten Qualitätsmarke mit und ohne, auch mit Croldmiindstfick, St. Z, 3, 4 und 5 Pf. Cigarettenfabrik NAMKORI Piauos-Gelegenlieils- kUnfe in gr. Auswahl v. 300 bis 400 M., dar. Schiodmeyer, Biese etc. Garant. Planohang Krause, Berlin W., Ansbacherstr. 1.* Habe» Sie schon «In« Parzelle? Sie kaufen am besten und billigsten von meinem Terrain tn Röntgeutal. QU. von 8 M. an. 7 Min. v. Bahnbof, 20 Ps. vom Kc- sundbrunnen. Geringe An- und Ab- zahlung. 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Partei- Angelegenheiten. Vierter Wahlkreis. Heute abend. 8>/z Uhr, findet in Kellers Fesfiälen, Koppenstr. 29, eine Generalversammlung des Wahlvereins statt. Da die Tagesordnung eine sehr wichtige ist, ist es Pflicht eines jeden Genossen, zu erscheinen. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Die Genossinnen der 8. Abteilung des Wahlvereins veranstalten am Mittwoch, den 17. Aug» st, im Heidekrug an der Jnngferit Heide ein Kaffee- kochen, wozu alle Genossinnen eingeladen werden. Charlottcnburg. Wir machen die Parteigenossen darauf auf- merksam, datz am Freitag, den 19. d. M., abends S1/, Uhr, eine öffentliche Bersanimlung auf dem Spandauer Bock stattfinden wird, in der Genosse Fritz Zubeil eineu Vortrag halten wird. An die Genossen in Spandau richten wir die Bitte, sich auch an dieser Veranstaltung recht zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute 8Vz Uhr abends findet im«Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 6/6, die Mitgliederversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht von der Kceisgeneralversammlung. Geschäftliches. Baumschuleuwcg. Heute abend 8V3 Uhr bei Speer, Baum- schulenstraste 73: Fortsetzung vom gemeinsamen Zahlabend. Ortstcil Treptow. Heute abend 8'/z Uhr im Lokal.Rennbahn" Mitgliederversammlung des Wahlvereins. Tagesordnung: Bericht von der Kreisgeueralversammlung. Wahl der Delegierten für Groß- Berlin. Bericht von der Gemeindevertretung. Bereinsaugelegen- heiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Ober- Schönewcide. Die Mitgliederversammlung des hiesigen hiesigen Wahlvereins findet am heutigen Dienstag, abends 3 Uhr. in Mörncrs Blumengarten statt. Der Vorstand. Britz-Buckow. Heute abend'/«b Uhr findet im Buschkrug, Rudower Straste 61, die Vereinsversammlung statt. 1. Vortrag des Reickistagsabgeordneten Genossen Emil Eichhorn über: Die Reichs- Versicherungsordnung. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreis- generalveriammlung. 4. Wahl der Delegierten zur Generalversamm- lung von Grofi-Berlin. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Mariendorf. Heute Dienstagabend 8'/z Uhr bei Preusi, Kur- fürstenstratze 44, Mitgliederversammlung. 1. Vortrag des Genossen Redakteur Mermuth«Der Sozialismus von der Utopie zur Wissen- schaft". Diskussion. 2. Die Antwort der Kirchengemeinde über die vielen Kirchenaustritte. 3. Vercinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. KönigS-Wusterhauscn. Am Mittwoch, den 17. d. M., abends 8 Uhr, findet im Lokal der Witwe Wedhorn, Altes Schützenhaus, unsere Wahlvereinsversammlung statt. Tagesordnung: 1. Wahl des ersten Vorsitzenden. 2. Bericht von der Kreisgeueralversammlung. 3. Wahl von zwei Delegierten zur Generalversammlung Groß- Berlins. 4. Parteiangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Tegel. Heute, Dienstag, den 16. August, abends 8>/z Uhr. findet im Lokal von Jul. Klippenstein, Spandauer Straße 4, die Mitglieder- Versammlung statt. Da eine wichtige Tagesordnung, unter anderem Wahl eines ersten und zweiten Bezirksleiters, zu erledigen ist, wird um pünktliches Erscheinen gebeten. Die Bezirksleitung. Lerlmer JVadmcbtm Die Fürsorge für erkrankte Dienstboten ist einer der heikelsten Punkte in der sogenannten Dienstbotenfrage. In Berlin besteht für Dienstherrschaften ein Verein, der gegen Zahlung einer Abonnementsgebühr ihnen für ihre Dienstboten die ärztliche Behandlung und nötigenfalls die Ueberweisung an ein Krankenhaus gewährt. Bei emsteren Erkrankungen, die zu längerer Arbeitslosigkeit führen. helfen die meisten Herrschaften sich mit Ab- schiebung in ein Krankenhaus. So werden sie alle Scherereien los, und im übrigen dürfen ja auf Vcreinskosten die Aerzte nur in ihren Sprechstunden konsultiert werden, so daß etwaige Hausbesuche von den Herrschaften selber bezahlt werden müßte«. In der Regel wird bei längerer Arbeitslosigkeit auch zurKündigung geschritten, weil die Herrschasten ihre Dienstmädchen nicht entbehren können oder wollen und sich Ersatz beschaffen müssen. Ist aber nach Ablauf der Kündigungsfrist daS Dienstverhältnis beendet, so hört auch die Hilfe des Vereins auf. Denn der Verein will nicht den Dienst- mädchen helfen, die durch Krankheit erwerbsunfähig werden, sondern nur den Herrschaften die Fürsorge für erkrankte Dienstmädchen, so lange sie ihnen obliegt, erleichtern. Bei sofortiger Entlassung. wie ste bei gewissen Krankheiten vorkommt, leistet der Verein von vornherein keine Hilfe. Wenn er seine Hilfeleistung versagt oder einstellt, bekommen die Dienstmädchen es zu spüren, daß dieser .Abonnementsverein von Dienstherrschaften für kranke Dien st boten" nur die Karikatur einer Krankenversicherung ist. Sie müssen dann entweder selber die Kosten der Behandlung durch einen Arzt bezw. der Verpflegung in einem Krankenhause zahlen, oder die öffentliche Armenpflege hat für sie eiitzulreten. Einen Fall dieser Art möchten wir weiteren Kreisen bekannt- geben. Bei einer Frau Reiche, die als Rentiere lebt und int Hause Adalbert st raße 63 wohnt, diente ein Fräulein X. Als da« Mädchen erkrankte, ließ die Dienstherrin, die dem Abonnementsverein angehört, den Vereinsarzt Dr. Reiche konsultieren, der ihr eigener Sohn ist. Herr Dr. Reiche stellte eine jener Krankheiten fest, die nach der Gesinde- ordnung zu sofortiger Entlassung berechtigen. Auf Grund dieser Feststellung wurde die Erkrankte an dem auf die Konsultation fol- geuden Tage tatsächlich ohne Kündigung entlassen, und sie stand nun ohne Hilfe da. so daß sie zunächst Unterkunst bei einer Verwandten suchen mußte. Herr Dr. Reiche hatte als Vereinsarzt jetzt nicht« mehr mit dem Fall zu tun. weil ja nach erfolgter Eni- lassung. wie gesagt, gegenüber dem Mädchen jede Verpflichtung des Vereins aufhört. Aber der Herr Doktor ist daneben auch noch Armenarzt. Zu seinem Armenarztbezirk— er selber wohnt Köpenick«: Straße 72— gehört auch das Haus Adalbert- straße 63, in dem seine Mutter, die bisherige Dienstherrin des Fräu- lein X., wohnt. Alö Armenarzt durfte Dr. Reiche selbstverständlich der Kranken die etwa erbetene Hilfe nicht verweigern, wenn sie zu seinen, Bezirk gehörte und der zuständige«rmenpfleger eine Hilfs- bedürftigkeit im Sinne der öffentlichen Armenpflege annahm. Es scheint nun, datz Dr. Reiche selber sie auf diesen Ausweg gewiesen hat. Als sie am Tage vor der Entlassung ihn konsultierte, verstand sie ihn dahin, daß Ueberweisung an ein Krankenhaus wünschenswert sei. Aus seine Anordnung kam sie am Tage nach der Entlassung noch einmal zu ihm, und nun bescheinigte er ihr schwarz auf weiß, daß er sie znr Aufnahme in ein Krankenhaus empfehle. Inzwischen war sie aber durch die Uebersiedelung zu ihrer Verwandten in einen anderen Armenarztbezirk verzogen, sodaß dem Herrn Dr. Reiche die peinliche Pflicht erspart blieb, selber als Armenarzt einem Dienstmädchen beistehen zu müssen, das so- eben von seiner eigenen Mutter auf Grund einer von ihm als Bereinsarzt gegebene„Auskunft ent- lassen worden war. Er belehrte Frl. X., daß zunächst der Armenvorsteher aufgesucht und um einen Krankenschein gebeten werden müsse, den sie dann dem zu konsultierenden Armenarzt vorzulegen habe. Herr Dr. Reicke soll ihr auch eingeschärft haben, daß sie, wenn man sie nach ihrem Wohnsitz frage, die Wohnung der Verwandten angeben müsse. Sie begab sich zum Armenvorsteher und bekam den er- forderlichen Krankenschein, aber aufKonsultatiou noch des anderen Arztes, der nun zuständig war, glaubte sie verzichten zu dürfen. Die Aufnahme in ein Krankenhaus wurde schließlich erreicht auf Grund der von Dr. Reiche gegebenen Bescheinigung. Man sagt uns, dieses Attest sei von ihm niedergeschrieben worden auf einem jener Formulare, wie sie für Armenärzte bestimmt find. Sollte das zutreffen, so hätte Herr Dr. Reiche sich allerdings vergriffen. Denn als Armenarzt war ja nicht mehr e r zuständig, wenn die Bescheinigung zu einer Zeit ausgestellt wurde, zu der das Mädchen schon aus dem Dienst entlassen war und nicht mehr im Bezirk wohnte. Wir finden, daß dieser Fall mancherlei zu denken gibt. Wieder einmal ist es die öffentliche Armenpflege, die hier zum Schaden des Stadtsäckels die Kosten wird übernehmen müssen. Weder braucht der Abouneinentsverein auch nur einen Pfennig zu den Kosten der KrankenhauSbehaudlung beizutragen, noch wird die frühere Dienstherrschaft sich hierzu ver- pflichtet halten. Wird das Ende vom Liebe sein, daß die Armen- Verwaltung das Mädchen selber zur Rückerstattung der Kosten zu nötigen versucht?_ Der Erwerb deS Opernhauses durch die Stadt Berlin soll, wie eine Korrespondenz bereits am Sonnabend mitzuteilen wußte, zum Preise von 4l/2 Millionen Mark gesichert sein. Wie es weiter heißt, sind die Pläne für die spätere Restaurierung des Gebäudes, die auf die dem Hause von Knobelsdorff gegebene Urgestalt zurückgehen, vom Geheimen Baurat Dr. Ludwig Hoffmann bereits fertig- gestellt. Hierzu möchten wir bemerken, daß sich erst die Stadtverordneten- Versammlung mit dieser Frage zu beschäftigen und darüber zu be- schließen hat. Von einem endgültigen Ankauf kann also noch keine Rede sein. Ter erste warme Sonntag nach langer Zeit lockte vorgestern noch einmal Hunderttausende in die spätsomnterliche Natur. Am glücklichsten waren die vielen Vereine, die ihre diesjährige Sommerpartie gerade auf diesen Tag verlegt hatten und in aller Frühe mit dem bekannten Ulk weit nach den Vororten gondelten. Das Gros der frischclufthungrigen Berliner flatterte aber doch erst in den Nach- mittagstuuden aus, als an die Stelle der empfindlichen Vormittags- kühle eine für Milte August überraschende Wärme getreten war. ES war das echte, rechte Spazierwetter, das eine lauge Wanderung an Wiese und Feld vorbei, durch den schon stellenweise in frühherbst- lichen Tinten schimmernden Wald zu einem Hochgenuß machte. Noch im Untergehen.stach" die Sonne förmlich. Dann gab es einen prächtigen lauwarmen Sommerabend, der besonders auch unseren Laubenkolonisten zugute kam. Dennoch hatten gar viele Berliner dem Waffenstillstand des Regengottes nicht recht getraut.und waren vorsichtig innerhalb der Weichbildgrenze auf dem Straßenbummel geblieben. Feuer im Jakobshof. In der Sonntagnacht hatte die Bcr- liner Feuerwehr abermals einen größeren Brand in dem be- kannten Jndustrie-Gebäude«Jakobshos", Alte Jakobstr. 23/24, der erst kürzlich von einem Großfeuer heimgesucht wurde, zu löschen. Dort stand abends um 10 Uhr in einem großen Keller auf dem zweiten Hofe das Glaswarenlager der Firma E. Stein, die auch bei dem letzten Brande empfindlich betroffen worden war, in Flammen. Diese hatten besonders an Stroh und Holzwolle sowie anderem Verpackungsmaterial reiche Nahrung gefunden. Brandmeister Grabow ließ sofort Luft machen und einen Mann mit einem Rauchschutzapparat bis zum Brandherd vordringen. Durch kräftiges Löschen gelang es den Brand um 11'/« Uhr zu löschen. Nach etwa 6 Stunden, früh um 6 Uhr erfolgten schon wieder zwei Alarme nach dem«Jakobshof". Und abermals brannte der große Lagerkeller in großer Ausdehnung. Wie festgestellt werden konnte, war der Keller noch eine Stunde vor Ausbruch des zweiten Brandes vor- schriftsmäßig vom Pförtner und anderen Personen revidiert worden. Dabei war nicht die geringste Gefahr bemerkt worden. War schon der Ausbruch eines Brandes abends um 19 Uhr und zwar noch dazu an einem Sonntag recht auffallend, so mußte die Ausdehnung des zweiten Brandes früh um 6 Uhr geradezu überraschen, umsomehr, als nur leicht brennbares Material in Frage kommt, das sofort wieder gebrannt hätte, wenn der erste Brand nicht vollständig ab- gelöscht worden wäre. Es wird daher Brandstiftung vermutet. Dieser Kellerbrand ist nun schon der dritte größere auf dem Grundstück, das große Werte in zahlreichen Betrieben birgt. Die Feuerwehr war gleich mit zwei Zügen ausgerückt. Durch vieles Wassergeben gelang es, den Brand auf den Lagerkeller zu be» schränken. Von den Glasvorräten konnte natürlich fast nichts ge- rettet werden. Die leichte Ware sprang schon infolge der großen Hitze in der brennenden Verpackung in Scherben. Diese bedeckten den Fußboden, die Treppen und den Hof, wohin der Brandschutt gebracht wurde. Vom elektrischen Strom getötet. Am Sonntag brachten wir die auch von anderen Blättern übernommene Meldung einer Korrespondenz, wonach in der A. E.-G., Brunnenstraße, der 27 Jahre alte Kran- sührer August Preurel bei der Arbeit vom Herzschlag betroffen tot zusammengebrochen sei. Hierzu wird uns nun gemeldet, daß P. nicht am Herzschlag ge- storbcn, sondern vom elektrischen Strom getötet worden ist. Gegen- wärtig ist man in dem dortigen Betriebe damit beschäftigt, die In- stallationsarbeiten sowie die elektrischen Kraftanlagen einzubauen. P. war mit der Ausführung von Kranarbeiten beschäftigt. Während seiner Tätigkeit kam P. einem neuen elektrischen Leitungsdraht zu nahe, an dem er mit dem Kopf hängen blieb. Erst nach Ausschalten des Stromes konnte der Verunglückte aus seiner Lage befreit werden. Kurze Zeit darauf verstarb P. Nicht Herzschlag, sondern durch elek- trischen Strom eingetretener Gehirnschlag ist der Tod des P. herbei- geführt worden. Nach dem Tode Preurels wurde sofort angeordnet, die gefährliche Stelle zu verkleiden. Wie uns weiter versichert wird, sind gerade in der Abteilung Maschinenlagcr, in der P. beschäftigt war. in letzter Zeit häufig Unfälle vorgekommen. DaS soll nicht zum geringen Teil darauf zurückzuführen sein, daß die vorhandenen Schutzvorrichtungen unzulänglich sind. Aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist der Agent Johannes Gehl, der unter dem dringenden Verdacht stand, den Land- Wirt Möser um 22 000 M. beraubt zu haben. Gehl ist deshalb wieder auf fteien Fuß gesetzt worden, weil die Möglichkeit besteht, datz der Betrunkene auch von anderen Personen gefleddert worden sein kann. Tödlich veninglückt ist vorgestern auf dem Ostbahnhof der elf- jährige Sohn Artur des Arbeiters Weikert aus der Laugestr. 4. Der Knabe stand auf dem Ostbahnhof in der Nähe einer Lowrh, als an dieser die Klappentür herunterfiel. Die Tür flog ihm gegen den Kopf und den Leib und verletzte ihn so schwer, datz er bewußt- los zusammenbrach. Bahnarbeiter hoben ihn auf und nahmen sich seiner an, bis er wieder zu sich gekommen war. Der Verunglückte erholte sich auch soweit, daß er allein nach Hause gehen konnte. Dort klagte er über heftige Schmerzen. Der Zustand verschlimmerte sich gegen Abend so sehr, daß ein Arzt hinzugezogen wurde. Schon um 9>/z Uhr starb der Knabe, nach Gutachten eiiieS Arztes au innerer Verblutung infolge einer Verletzung der Bauchhöhle und vielleicht auch infolge der Kopfverletzungen, die« erlitten hat. Ein nächtlicher Raubanfall beschäftigt die Berliner Kriminal« Polizei seit 14 Tagen, ohne daß es bisher gelungen ist, den Täter zu ermitteln. Am Abend des 30. Juli kam der Händler Edwin Berg aus der Provinz nach Berlin. Nachts um 2 Uhr besuchte er die„Schwemme" in der Dirksenstraße in der Nähe des Bahnhofs Alexanderplatz. Um 4 Uhr morgenS lud ihn ein Zechgenosse zu einer Spazierfahrt ein. Berg sagte in der Trunkenheit zu. In der Schönhauser Allee an der Schivclbeiner Straße stieß der Räuber Berg plötzlich aus der Droschke, so daß er mit dem Kopf gegen die Bordschwelle fiel und sich schwer verletzte. Hierbei fiel ihm sein Geldbeutel, der 360 M. enthielt, aus der Tasche, und daS Geld rollte auf den Straßendamm. Ein Bäckerjunge und andere Leute kamen dazu, rafften mit dem Räuber und dem Droschkenkutscher daS Geld auf und ergriffen die Flucht. Der Räuber bestieg eine leere Aulodroschke, die gerade vorbeifuhr, gab Berg, der miteinsteigen wollte, einen Stoß, so daß er abermals hinfiel, und suchte dann das Weite. Berg ist infolge seiner Verletzungen auf dem rechten Auge erblindet. Aach 32 Einbrüchen verhaftet wurde vorgestern abend der Schlosser Robert Zuch aus Brandenburg, der mit seinem vor acht Tagen fest« genommenen Spießgesellen Klebsch zusammen arbeitere. Die beiden Diebe und Einbrecher bestahlen hauptsächlich Wohnungsinhaber, bei denen sie unter allen möglichen Namen Zimmer mieteten. Auch die Kircheneingrüche, die in der letzten Zeit in Reinickendorf und Pankow verübt wurden, fallen Zuch und Klebich zur Last, ebenso der Einbruch bei dem Obersten v. Wildner im Militärwaisenhause zu Potsdam, bei dem Zuch ans dem Fenster sprang und vergeblich verfolgt wurde. Nach einem Einbruch in der Gartenstraße wurde der Verbrecher fest- genommen. Zuch räumt 28 in Berlin verübte Einbrüche und Dieb- stähle ein. Wegen eines sehr gefährlichen Brandes wurde am Sonnabendabend nach 10 Uhr die Berliner Feuerwehr nach der Lüneburger Str. 16 alarmiert. Dort war in der Garage von August Lill angeblich durch Emflammung von Benzin Feuer ausgekommen, das an den Benzin- Vorräten und an Oelen sowie an dem Inhalt der Garage, mehreren Automobilen und der leichten Bauart der Gebäude reiche Nahrung fand. Brandinspektor Hammer, der mit mehreren Zügen erschienen war, ließ von Dampsspritzen mit 4 Schlauchleitungen kräftig löschen. Es gelang schließlich die Flammen auf dem Platz, der dem Fiskus gehört, zu beschränken. Drei Kinder ausgesetzt. Am Sonnabendnachmittag um 2 Uhr erschien in einem Gasthof in der Madaistraße ein Ehepaar mit drei kleinen Kindern, einem Knaben im Alter von vier Jahren und zwei Mädchen im Alter von vier Wochen und zwei Jahren. Die Leute gaben an. daß sie aus der Umgebung von Breslau kämen und sich auf der Durchreise befänden. Der Mann nannte den Namen Tietz- mann. Das Paar nahm ein Zimmer mit zwei Betten und legte die Kinder dort hinein. Um 6 Uhr entfernten sich die Eltern, um an- geblich das Gepäck vom Bahnhof zu holen, kehrten aber nicht wieder zurück. Der Wirt behielt die Kinder bis Sonntag früh bei sich und benachrichtigte dann die Revierpolizei. Diese ließ die Kinder gestern nach dem Waisenhause bringen. Nach dem Ehepaar wird gesucht. Ein Straßcnbahnunfall ereignete sich gestern abend in der Leip- ziger Straße. Vor dem Hause 98 wollte ein Zeitungsjunge auf einen in voller Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen springen; hierüber kam er zu Fall und geriet unter den Wagen. Der Ver« unglückte wurde am Kopf blutend und stark verletzt hervorgezogen und nach der Unfallstation in der Kronenstratze gebracht. Das Auf- und Abspringen auf Straßenbahnwagen ist bekanntlich untersagt, und wir find der Meinung, daß es von jedem befolgt werden sollte. Dieses Verbot wird von den in den Straßenbahnwagen Zeitungen verkaufenden Jungen? aber nicht beachtet. Wir wissen nicht, ob sie von der Gesellschaft, in deren Auftrag diese Jungeus Zeitungen verkaufen, zum Auf- und Abspringen der in Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen angehalten sind, jedenfalls sollte eS ihnen wegen der damit verbundenen Unglücksfälle streng untersagt werden. Allerdings würden die jungen Leute, die jeder einzelne einen ge- wissen Rayon zugeteilt erhalten, nicht so viel Schriften verkaufen können, wenn sie erst immer bis zur nächsten Haltestelle mit dem Auf- und Abspringen warten müßten. Hinzu kommt, daß die Schriftenverkäufer bestrebt sind, möglichst viel zu verkaufen, weil ein geringer Prozentsatz des Umsatzes an Schriften einen Teil ihres Lohnes ausmachen soll. Bei einem solchen System können Unfälle der hier erwähnten Art nicht ausbleiben. Radrennen in Zehlendorf. Die am Sonntag, den 14. August, bei gutem Wetter und leidlichem Besuch ausgefahrenen Rennen boten des Guten etwas diel, hatten aber eine» ganz interessanten Verlauf. Besonders die Dauerrennen hielten die Zuschauer in Spannung, da eS zu dem„Großen Sommerpreis" zwei Vorläufe gab, deren Ver- lauf für die Besetzung des Endlaufes entschied. Beide Vorläufe führten über 20 Kilometer. Im ersten Lauf blieb Erxleben Sieger über Bäumler, der 180, und Bodewig, der 3200 Meter zurücklag. Der zweite Laus brachte einen Sieg von Ouadfasel, dem Brügge- mann mit 970 Meter Abstand folgte, während Waßmuß durch Sturz ausschied. Der Eudlauf brachte eine interessante Be- gegnung von Erxleben und Quadfasel, einem Anfänger. Dieser blieb dem siegenden Erxleben dicht auf den Fersen und endete mit nur kurzem Abstand. Bäumler fuhr ebenfalls gut, während Brüggemann mit 4 Runden im Rückstände blieb.— Die Fliegerrennen hatten mehr lokale Besetzung und brachten dem Teptower Vierck verschiedene Siege.— Ergebnisse: 20 K i l 0- meterrennen. 1. Erxleben 19 Min. 24l/t Sek.; 2. Bäumler 180 Bieter; 8. Bodewig 3200 Meter. 20 Kilometerrennen. 1. Ouadfasel 20 Min. 26 Sek.; 2. Brüggcmann 970 Meter; 3. Waßmuß, aufgegeben. Großer SommerpreiS. 1. Erx- leben 49 Min. 434/5 Sek.; 2. Ouadfasel 170 Meter; 8. Bäumler 660 Meter; Brüggemann 1870 Meter. Malfahren. 1. Vierck; 2. Buchwald; 3. Bussow. Hauptfahren. 1. Vierck; 2. Stomneck; 3. Bussow. Prämienfahren. 1. Vierck; 2. Hanfe; 3. Stomneck. Entschädigungsfahren. 1. Rettig; 2. Müller. 3. Pietsch. Radrennen in Treptow. Die Rennen am Sonntag brachten ein Stunden fahren(100, 60, 60. 40, 80, 20 M., außerdem dem Ersten bei jeder Viertelstunde 26 M.), bei dem je zwei Fahrer eine Mannschaft bildeten/ die sich beliebig ablösen können. 36 Fahrer be- stritten das Rennen, so daß immer 18 in Tätigkeit waren; zwei Mannschaften gaben infolge Sturzes bezw. IleberrennenS auf. Sieger waren Lorenz-Saldow l40 Kilometer vor W. Theis- Stellbrink, Hama»n-v. Natzmer, Trinks-Abraham, Sterba-Götze, Schmittchen-P. Möller. Die Prämien bis je 16 Minuten gewannen T. Stellbrink und Lorenz(2).— Das über 60 Kilo- meter flihrende Dauerrennen mit Motorführung (600, 400, 200, 100 M.) wurde von dem Berliner Pawke, I. Millcr-Schweiz, G. Cuzin-Frankreich und WatcrreuS- Holland ausgefahren. Die beiden letzteren konnten sich nicht zur Geltung bringen; sie endeten in allen drei Läufen weit zurück. Ergebnisse: 1. Lauf: Pawke, Miller, Watcrrens, Cuzin; 2. Laus: Miller, Cuziir, WaterrcuS, Pawke; 3. Lauf: Pawke. Cuzin, WaterrcuS. Miller. Pawke hatte im zweiten Lauf unter Motorwechsel zu leideir. Gesamt-Klassierung: 1. Miller, 68,960 Kilometer; 2. Pawke, 68,440 Kilometer; 3. WatcrreuS, 66,810 Kilometer; 4. Cuzin, 66,780 Kilometer. Miller fährt mit einem Lorbeerkranz geschmückt eine Ehrenrunde.— Ein Vorgabe- fahren über 1600 Meter(60, 20, 15, 10 M.) brachte 62 Fahrer auf die Bahn, von denen 16 den Endlauf bestritten. 1. Finn (80 Meter Vorgabe). 2. Abraham(80), 8. Lorenz(0), 4. Ehlert(60). Der Besuch war gut. Am wissenschaftlichen Theater der Urania in der Tauvenstratze Wird am Donnerstag und Sonnabend, abends 8 Uhr, Professor Bjarne Emilh aus Bergen einen Vortrag„Streifzüge durch Nor- wegen, das Land der Mitternachtssonne" halten und an der Hand zahlreicher farbiger Bilder einen lebenswahren Ausschnitt aus diesem nordischen Alpenlande, der Heimat germanischer Ursagen und Herr- lichcr Natnrszenerien geben. Billetts zu diesen Vorträgen sind bereits von heute ab an der Kasse der Urania erhältlich. Bei dem Sommcrfest des 6. Kreises am 14. August im Jnsel- restaurant in Plötzensee sind folgende Gegenstände gesunden worden: Eine Damenhandtasche, ein Damcngürtel, ein Schirm und eine Knabenmütze. Die Sachen sind bei F. Fröhlich, Wittstocker Str. 23, Laden, abzuholen. :in» Vorort- JNfach richten» Tharlottenlmrg. Die Liste der stimmfähigeu Bürger liegt jetzt bis einschließlich 80. August öffentlich wochentags von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags(außerdem am S o n n a b e n d, den 20. m:d den 27. d. M. noch nachmittags von 6 bis 8 Uhr) Sonntags von 10 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags BerlinerStr. 71, rechter Seitenflügel Zimmer I aus. In der oben angegebenen Zeit kann jeder Bürger der Stadtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Einspruch erheben. Im Interesse der Richttigkeit und Vollständigkeit der Liste ist es dringend erwünscht, daß von dem Recht der Einsichtnahme möglichst viel Gebrauch gemacht wird, da spätere spräche unberücksichtigt bleiben müssen. Wer selbst keine Zeit hat, die Wählerliste einzusehen, der beauftrage eine der unten aufgeführten Personen mit der Einsicht nähme. Diese reichen auch gleichzeitig etwa erforderliche Proteste ein: Alfred Will, Kirchstr. 30. Friedrich Stabenow, Uhrmacher, Berliner Str. 143. Franz Schmidt, Wilmersdorfer Str. 130 August Weisheit(Stehbierhalle), Rostnenstr. 8. Friedrich Schulze. Gastwirt, Wallstr. 00. F. Müller, Gastwirt, Schulstr. 17. Tchöneberg. Ueber die bevorstehende Erweiterung der Sonntagsruhe referierten die Genossen B u b l i tz und K ü t e r in einer vom Zentralverband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands und dem Deutschen Transportarbeiterverband am Freitag, den 12. August, im Schwarzen Adler einberufenen gutbesuchten öffentlichen Versammlung. Die Referenten bedauerten, daß der vom Zentralverband unter- nommene Versuch, durch Vereinbarung unter den Geschäftsinhabern eine Verkürzung der Sonntagsarbeit in Schöncberg durchzuführen, an dem unsozialen Verhalten einiger Geschäftsinhaber gescheitert ist. Der Beschluß des Berliner Magistrats biete jedoch Gelegenheit, sich erneut mit der Frage zu beschäftigen. Von den Handelsangestellten müsse die vom Berliner Magistrat beabsichtigte Neuregelung der Sonntags geschäftSzeit als völlig unzulänglich bezeichnet werden. Die Ver sammlung forderte daher die Vertreter der Sozialdemokratie in Schöneberg und Friedenau auf, mit allen Kräften dahin zu wirken. daß dem Berliner Beschluß nicht bloß beigetreten, sondern daß die Verkürzung der Sonntagsarbeit auf drei Stunden zum mindesten aus alle Geschäfte ohne Ausnahme ausgedehnt wird, wenn nicht eine völlige Sonntagsruhe zu erreichen ist. Vielleicht sei eS dadurch möglich, auch die Berliner Kommunalverwallung zu veranlassen, wenigstens die Ausnahme der LebenSniittelbranche von der Ver kürzung der Sonntagsarbeit aufzuheben. ES wurde einstimmig eine Resolution angenommen, nach welcher den gesetzgebenden Körper schaften von Schöneberg und Friedenau entsprechende Anträge unter- breitet werden sollen. Die Arbeiterschaft wird aufgefordert, die Einkäufe an Sonntagen zu vermeiden, um den Geschäftsinhabern den letzten Einwand zu nehmen, daß die Arbeiterschaft den Sonntag zu ihren Einkäufen braucht. Die Referenten zeigten in überzeugender Weise, daß die Angestellten am besten die völlige Sonntagsruhe erreichen können. wenn alle Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen dem Zentralverband der Handlungsgehilfen und alle Handels- und Transportarbeiter dem Deutschen Transportarbeiterverband beitreten. Der bedauerliche Unglücksfall beim Hantieren mit der Schuß- Waffe, worüber wir in der Sonnabendnummer berichteten, hat sich, wie uns von Angehörigen der verstorbenen Ehefrau des Maurers Winter mitgeteilt wird, nicht in der Erdmannstr. 12, sondern in der Wohnung der Verstorbenen, Kaiser-Friedrich-Str. 14, zugetragen. Der Unglücksfall sei entstanden, daß der Eigentümer der Waffe, Herr Blume, erklärt hätte, sie sei nicht geladen. Die 20 Jahre alte Tochter der Verstorbenen, Frau Tierenfeld, habe die Waffe ihrem Manne zeigen wollen und hierbei habe sich dieselbe entladen und die � dabei stehende Mutter getroffen. Der Vorfall trug sich bereits am 1. August zu, am 10. August sei dann Frau Winter im Kranken- hause gestorben. Treptow-Baumschulentveg. Die Beerdigung des am 12. d. M. verstorbenen Gen. Ernst Schnitt findet nicht, wie im Inserat in der Sonntagsnummer angegeben, nachmittags um 3 Uhr, sondern um 3� Uhr von der Leichenhalle des Gemeindefriedhofes, Reue Krug-Allee, aus statt. Ober-Tchönetveide. Der Ardeiter-SamariterkursuS fällt heute Dienstag aus. Der- selbe findet dafür am Donnerstag, den 18. August, statt. Neue Teilnehmer können noch eintreten im„Hackepeter", Siemensstr. 12. Borsigwalde. Mit der Gründung eines parteilosen Mietervereins beschäftigte sich am Donnerstag eine öffentliche Mieterversammlung, in welcher Stellung genommen werden sollte gegen die Willkür der Haus- besitzer. Die Mieter waren durch Handzettel von einem„Vor- bereitungskomitee" eingeladen; man hatte diese schöne Bezeichnung gewählt, um ja keine Personennamen vorzeitig zur Kenntnis zu bringen. Die Versammlung war von unseren Genosien sehr stark besucht. Der Referent, ein früherer Genosse, der aus dem Wahlverein ausgeschieden ist, um sich wegen verschiedener Handlungsweisen nicht verantworten zu brauchen, hob hervor, daß der Verein nur einen wirtschaftlichen Schutz bezwecke und Politik ausgeschlossen sei. In der sehr regen Diskussion wandten sich unsere Genossen in scharfer Weise gegen die Gründung eines solchen Verein«, der nur geeignet sei, Verwirrung zu stiften und bei künftigen Gemeindevertreterwahlen eine Stimmen- Zersplitterung herbeizuführen, da die Mehrzahl der Mitglieder aus Gegnern bestehe. Die Stoßkraft des Wahlvereins am Ort und die Agitation sei bedroht durch solche Vereinsmeierei, auch könne ein solcher Verein keinen Schutz gegen HauSbesitzerwillkür bieten. Wie recht die Genossen die Stimmung der Versammelten zum Aus- druck gebracht hatten, bewies die Annahme der folgenden Resolution gegen 10 Stimmen:„Die heute im Lokal von Richter- Borsigwalde tagende öffentliche Mieterversammlung nimmt Abstand von der Gründung eines Mietervereins, sie fordert die Versammelten viel- mehr auf, Mann für Mann dem sozialdemokratischen Wahlverein beizutreten. Nur dadurch können am Ort alle Mißstände beseitigt werden. Die Versammelten verurteilen das rigorose Borgehen einzelner Hausbesitzer aufs schärfste." Von einem Redner wurde der Charakter und die Vielseitigkeit des Referenten einer Kritik unterzogen. Mit einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemokratie verließen am Schluß der Versamm- lung die Anwesenden den Saal. Gpandan. Wie der Magistrat bekannt macht, liegt die Liste der zu Schöffen und Geschworenen geeigneten Personen vom Montag, den 15. August, eine Woche lang im Stadtsekretariat, Rathaus, Zimmer 13 und 14, 'während der Dienststunden zu jedermanns Einsicht ans. Es wäre empfehlenswert, wenn auch die Arbeiter diese Listen einsehen würden, sei eS auch nur. um festzustellen, wie viele man von ihnen für das Amt eines Schöffen oder gar Geschworenen geeignet hält. Will unsere Gcrichtspraxis den Anspruch auf Unparteilichkeit machen, dann muß auch dafür gesorgt werden, daß alle Schichten der Bevölkerung, auch die Arbeiter, zu dem Amte eines Schöffen zugelassen werden und nicht nur die besitzenden Klassen. Bor einiger Zeit wurde in einer öffentlichen Protestbersammlung eine Resolution angenommen, welche sich dagegen wendet, daß dem Arbeiter-Turnverein die Jubiläumsturnhalle nicht zur Benutzung überlassen wird. Diese Resolution wurde von dem Versammlungs- Bureau der Stadtverordnetenversammlung zugesandt und die Stadt- verordnetenversammlung überwies die Sache dem Siebener Ausschuß. Dieser Ausschuß hat bis jetzt aber in der Angelegenheit noch nicht verhandelt. Trotzdem ist dem Vorsitzenden des Turnvereins vom Magistrat ein Schreiben zugegangen, in welchem gesagt ist, daß die städiischen Körperschaften es ablehnen, dem Verein die Jubiläums- Turnhalle zur Verfügung zu stellen. Die sozialdemokratischen Stadt- verordneten sind ganz erstaunt über dieses eigenmächtige Vorgehen des Magistrats und werden bei der nächsten Gelegenheit den Ober- bürgermeister dieserhalb interpellieren. Potsdam. Stadtvcrordnetcnsiynng. Zu einer Feriensitzung hatte man die Stadtverordneten zusammengetrommelt, um über zwei Einsprüche gegen die Wählerliste zu befinden, welche bis zum 15. August laut Gesetz erledigt sein müssen. Der Stadtv. Grell gab seiner Ver> wunderung Ausdruck, daß die Listen auslagen, und frug an, ob man daraus schließen dürfe, daß in diesem Jahre Wahlen vorgenommen werden. Er wurde belehrt, daß dies gesetzliche Vorschrift ist und daß damit nicht gesagt sein soll, daß Wahlen stattfinden.(Stadtv. Grell kennt seine Pappenheimer schlecht, denn diese werden sich hüten, jetzt, nachdem man die Folgen der Müll- und Kanalisationssteuer zu fühlen bekommt, Wahlen vorzunehmen. trotzdem es die höchste Zeit wäre, da Sitze unbesetzt sind.) Auch ist es den Stadtverordneten nicht lieb, daß man sie wegen der Einsprüche in ihren Ferien stört, denn dieses könne alle Jahre eintreten. Es sollen Mittel gesucht werden, dies zu ver- meiden.— Der verstorbene Kaufmann Beutel hat der Stadt sein Vermögen vermacht. ES besteht aus einem Hause Schockstr. 12, dessen Wert der Erblasser aus 80 000 M. angibt und einem Kapital von über 100 000 M. Es soll zur Unterstützung hilfsbedürftiger Potsdamer ohne Unterschied der Konfession verwandt werden. Als Gegenleistung soll die Stadt das Beutelsche Erbbegräbnis während des Bestehens des Kirchhofes erhalten. Außerdem erhalten zwei alte Damen lebenslängliche Renten von zusammen 2100 M. Der deutsche Schulverein soll 4000 M. erhalten. Auch sind den Bedienstelen kleine Zuwendungen zugedacht worden.— Das elektrische Kabel netz wird in der Richtung WilHelmSHorst, Langcrwisch und Michew dorf erweitert. Die Kosten betragen 75 000 M. Wilhelmshorst garantiert die ersten fünf Jahre für 2000 M. Stromabnahme. Wenn auch die Rentabilität vorderhand noch in Frage gestellt ist, so sollen doch in nicht zu serner Zeit in der Michendorfer Gegend fiskalische Anlagen mit hohem Strombedarf errichtet werden. Die Erledigung der Angelegenheit brennt, denn man fürchtet, daß die Konkurrenz den voraussichtlich später fetten Happen wegschnappt. Wenn auch einzelne Stadtverordnete Bedenken hatten, so wurden diese widerlegt und betont, daß hier Sachen mitspielen, welche man vorläufig der Oeffentlichkeit vorenthalten muß.— Ein> gangS der Sitzung lag ein Dringlichkeitsantrag des Stadt verordneten B e c c u vor, welcher den Betrag von 500 M., der an die Veteranen zur Verteilung gelangen soll, erhöht wissen will. Der Antrag fand keine Unterstützung. Der Vorsteher warnte vor Dring« lichkeitSanträgen, wenn sie nicht wirklich außerordentlich dringlich sind, denn seitens der Regierung seien erst kürzlich dieserhalb Ein- Wendungen erhoben worden._ Jugendveranstaltungen. Freie Jugendorganisation Weihenfee. Donnerstag, den 13. d. MtS., abends 8'/, Uhr, findet unsere Mitgliederversammlung im Lokale von Weber, Friedlichste. 37 statt. Kolleginnen und Kollegen, erscheint zahlreich und pünktlich; bringt Eure Arbeitskollegen mit. Quittung. Für den Verein„Arbeiter-Jugendheim" gingen bei dem Unterzeichneten ein: 14 M. von den Arbeitern der Brauerei Engelhardt, Pankow.— SM. gesammelt aus dem Ausfluge deS Vereins für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Berlin, den 13. August 1310. K. N o s e n s e l d, 0. 2, An der Spandauer Brücke la. Huö der frauenbewegung. 82 000 weibliche Parteimitglieder. Nach dem Bericht des Parteivorstandes an den Parteitag zu Magdeburg hat die Partei eine Mitgliederzunahme von 89 521 zu verzeichnen, an der die weiblichen Mitglieder mit 20 383 bc- teiligt sind. Die Partei mustert gegenwärtig 82 645 weibliche Mitglieder. Gewiß eine stolze Ziffer für die kurze Spanne Zeit seit dem Inkrafttreten des Reichsvereinsgesetzes. Gemessen an der Zahl der männlichen Parteimitglieder er- scheint sie jedoch noch recht winzig. Die zweiundachtzigundeinhalb- tausend politisch organisierter Frauen und Mädchen bilden nur 13 Proz. der Gesamtpartei. So sehr wir uns über den prächtigen Fortschritt freuen, so sehr lehrt uns qlher auch diese Differenz zwischen männlichen und weiblichen Mitgliedern, wie außerordentlich viel wir noch zu arbeiten, zu agitieren und zu organisieren haben. Der Nürnberger Parteitag sprach für die Genossen da? Pflicht- gebot aus, ihre weiblichen Angehörigen aufzuklären, damit sie Mitglieder der Partei werden. Gegen diese moralische Vcrpflich- tung, die auch ohne ParteitagSbeschluß eine selbstverständliche für jeden Genossen ist. wird zweifellos noch sehr viel verstoßen. Und daS geschieht, obwohl die Befolgung der Aufforderung ebensosehr im Interesse der Genossen und der Gesamtpartei liegt, wie im Interesse der Genossinnen. Erklärlich genug: Mit dem Wachstum, mit der zunehmenden Stärke der Gcsamtpartei wächst auch ihr Ansehen und ihre Macht. Mit der Zuführung sämtlicher weiblicher Angehörigen der Ge- ncssen müßte die Zahl der Parteimitglieder sofort um mindestens 75 Proz. gesteigert werden. Welch ein Fortschritt wäre das! Das wäre ein Fortschritt, weit größer, als ihn die in Frage kommenden Zahlen widerspiegeln können. Wieviel hemmender, feindlicher Einfluß wäre damit beseitigt, wenn alle Frauen und erwachsenen Töchter unserer Genossen über- zeugte Mitglieder unserer Partei wären. Die Genossen brauchten nicht immer aufs neue den Widerstand ihrer indifferenten Frauen zu bekämpfen; den Kolporteuren unserer Zeitungen wäre der stille, aber aufreibende Kampf erspart, den sie immer wieder aufs neue aufnehmen müssen gegen die rückständigen Frauen unserer Parteimitglieder. Ja mehr noch: Ein großer Teil i)er Frauen und Töchter unserer Genossen, die unS heute noch ernstehen, würden, einmal gewonnen, werbende Kräfte für die Partei. Werbend in der eigenen Familie durch ent- brechende Erziehung der Kinder, werbend in den Reihen der Indifferenten. Und beides ist dringend notwendig im Interesse der Partei. Aber auch gute Mit- arbeiterinnen inerhalb der Organisation würden sicher aus den Reihen der Frauen und Töchter unserer Genossen heraus- wachsen. So gut, wie ein großer Prozentsatz der bereits Orga- nisierten freudig und opferwillig an der Verwaltung, an der Ver kreikung ßoft Flugblättern, AgitationSkalendestn, SN der Klein. arbeit, in Versammlungen, bei Wahlen, an der Werbung von Mit- gliedern und Abonnenten der Parteizeitungen sich beteiligt, so gut würden es auch jene tun, die nun zunächst zu gewinnen sind: Die Frauen und Töchter der Genossen I Natürlich soll auch die Agitation unter jenen Frauen nicht vernachlässigt werden, deren Männer, Väter und Brüder uns ebenfalls noch fernstehen. Nimmer kann die Sozialdemokratie ihre Schlachten schlagen und ihre Siege erfechten, stützt sie sich nur auf die eine Hälfte der Arbeiterschaft, auf die männliche, sie bedarf vielmehr aller Kräfte. Aber auch die Frauen und Mädchen selbst gewinnen außer- ordentlich, wenn sie in die Ideenwelt des Sozialismus eindringen, sich der Partei anschließen und in ihr und für sie wirken. Intellektuell werden sie emporsteigen und das Eintreten, da? Kämpfen für das hohe, herrliche Ideal des Sozialismus wird ihnen einen köstlichen Lebensinhalt geben. So emporgehoben durch die Bewegung, durchglüht von Begeisterung, von Kampfes- lust und Siegeszuversicht, den Blick gerichtet auf die sonnigen Höhen der Menschheitsbefreiung, werden sie auch um so Besseres leisten für die Bewegung. Darum darf die Freude über die 82 645 weiblichen Parteimitglieder nicht zu einem Ruhekissen für uns werden, sie muß anspornen zu erneuter, rastloser Agitationsarbeu, damit die ersten 100 000 bald voll werden. 0+ bedeutet«mb«.— Fall.*) Unierpegel.•) höchster Wasserstand ______________ am 18. zwischen 6 und 12 llhr abends: 642 cm._ KerantworU'icher Redakteur: Ka«S Weber, Berlin. Für den Jnjeratenteil versntw,: Ttz, Glocke, Berlin. Druck».Berlag; Vorwärt« Buchdruck««! u. Lcrlagsanstalt Paul Emger& Bcrim�V�,." Gericbtö- Zeitung» Wen» man ein schlechtes Gedächtnis hat. Ein kleiner Gedächtnisfehler bildete die Veranlassung zu einem Strafverfahren, welches gestern die Ferienstrafkammer des Land- gerichts III beschäftigte. Angeklagt wegen intellektueller Ur- kundenfälschung beziehungsweise wegen Anstiftung zu diesem Vergehen waren der Kutscher Wilhelm Berndt und der Kutscher Karl Runge. Der Angeklagte Runge hatte vor einiger Zeit eine gegen ihn verhängte Gefängnisstrafe von 4 Wochen zu verbüßen. Da er gerade eine gute Arbeit hatte und er diese nicht gern ver- lieren wollte, suchte er und fand einen„Stellvertreter in der Person des Mitangeklagten Berndt, der gerade ohne Arbeit war und dem die vier Wochen„staatlicher Pension" sehr gut gelegen kamen, zumal ihm Runge außerdem noch eine Belohnung von 80 Mk. zu- sicherte. Nachdem er von Runge über dessen Personalien genau in- formiert worden war, meldete er sich als angeblicher„Runge" in der Strafanstalt und ließ sich beim Strafantritt auch unter diesem Namen in das Gefangenenregister eintragen. Alles„klappte" auch vorzüglich und niemand wäre hinter diese Stellvertretergeschichte gekommen. Durch einen Zufall ergab sich die Notwendigkeit, daß bei seiner Entlassung nochmals die Personalien festgestellt werden mußten. Hierbei verließ den angeblichen Runge das Gedächtnis; er gab ein falsches Geburtsdatum an, so daß die Gefängnisbehörde Verdacht schöpfte und feststellte, daß ein Falscher die Strafe verbüßt hatte. Das Gericht erkannte gegen den Anstifter Runge guf 6 Mo- nate und gegen Berndt auf 1 Woche Gefängnis. Haftbarkeit der Eltern für versäumte Nachfitzestunde«. � Das Kammergricht hatte sich mit der grundsätzlichen Frage zi» beschäftigen, ob sich Eltern strafbar machen, wenn sie ihre Kinder nicht nachsitzen lassen. In allen Provinzen sind Schulordnungen ergangen, nach welchen die Eltern dafür sorgen müssen, daß ihre Kinder die Schule besuchen. Frau R. war vor einiger Zeit münd» lich mitgeteill worden, daß ihr Sohn nachsitzen solle. Als der Knabe nicht erschien, wurdo die Mutter wegen der Schulversäumnis ihres Knaben angeklagt und verurteilt, da auch Nachsitzestunden zum Schulunterricht gehören, auch sei eS unerheblich, ob der Mutter mündlich oder schriftlich mitgeteilt worden sei, daß ihr Sohn nach- sitzen müsse. Diese Entscheidung focht Frau R. durch Revision beim Kammergericht an, welches indessen die Revision als unbegründet zurückwies und u. a. ausführte, die Eltern haben nicht nur ihrv Kinder zu den regelmäßigen Schulstunden, sondern auch zu den Nachsitzestunden und zu Schulfestlichkeiten zu senden, zum Schul» Unterricht gehören auch solche Veranstaltungen, welche vorwiegend einen erziehlichen Charakter haben. Bei Schulfesten ist eS auch un. erheblich, ob sie innerhalb oder außerhalb der Schulräume statt- finden. Die Versäumnis von Nachsitzcstunden, Schulfesten, welche von der Schulbehövde zur Belehrung und Erziehung der Schüler veranstaltet werden, sind ebenso zu beurteilen, wie die des ge- wohnlichen Unterrichts. Sozialdemokratischer Wahlvmi» Landsberg» Soldt».(Orts- verein Berlin.) Mittwoch, den 17. August, abends Sst, Uhr, im Lokale des Genossen Herm. Strehlow, 0. 112, Schreinerstr. 2: Monatsversammlung. Gäste willkommen. Kaufmännische Kranken- und Sterbekaffe von I88S.($. H. 71.) Dienstag, den 13. August, abends 3 Uhr, im Restaurant A. Landre, Stralauer Str. 36/37: Sitzung. Arbeiter- Sa marttcrbund, Kolonne Spandau. Am Mittwoch, de« 17. d. Mts., findet bei Bohle, tzavelstr. 20, der UebungSabend statt. Amtlicher Marktbericht der ftädMchen Markthallen-Dtrektio» aber den Großhandel tn den Zentral-Martthallen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr stark, Geichäst schleppend, Preise wenig verändert. Wild: Zu- fubr reichlich, Geschäft schleppend, Preise gedrückt. Geslügel: Zusuhr genügend, Gelchäst etwaS lebbast, Preise befriedigend. Fisch«: Zusuhr mäßig, Geschält ruhig, Preise fest. B u t t e r und K S I e: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ods» und Südsrüchte: genügend, Geschäft reg«, Preise wenig verändert. WitterungSuderstcht vom 18. August Ivlv. morgens 8 Uhr. «tattonen i1 |L II SwMemde 7S4WSW Hamburg 733 OSO verlin!73SSW Frantf.a M. 732 SO München>763 SO Wien! 763 NO Setter 1 heiter 2 halb bd. 1 heiter 3 heiter 3 wölken! 1 wolkeul to« tiS> t* «tattonen II 8? l Haparanda' 759 S Petersburg I Sctllh Ab erde«» Pari» 759 W 753 SO 759 S Setter 2 bedeckt ** C* t- *0 11 17 4 heitert 4bedeckt 14 1 wollig, 19 LSetterPrognos« für Dienstag, de« 16. August 1910. Zunächst ziemlich heiter, später wieder stärkere Bewölkung mit vereinzelten leichten Regensällen; wänner. Berliner Wetterburea«. «SasserstanbS'Nachrtlhteu der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berllner Wetterbureau. Wasserstand M e m« l. TUM P r e g« l, Jnfterburg Weichsel, Th oro Oder, Ratibor , Krassen . Frantturt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz , DreSde» , Bardo . Magdeburg vasserftand Saal«, Grochlitz Havel, Spandau') , Rathenow') S p r««, Svremberg') , BccSlow Weser, Münden , Minden Rhein, MlusiotilianZau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main, Weriheim Mosel. Trier