ZK. WS. nbonnementS'Bedlnjflngtm iwonncmcnts> Preis pränumerando z Pierteijährl. 3£0 TOT, monatl 1,10 Tit.. wöchenllich 2» Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer K Pjg. EonnIagS« nuuimer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Seit" 10 Pfg. Pojt- tllionoement: 1,10 Marl pro Monat. kingelragen in die Post, ZciwiigS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland z Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Lurnänien, Schweden und die Schweiz. 87 ♦ Crfchtiot tZgllch aaSlr ICratagt. Vevlinev Volksblnkt. Die Tn!trf!cn$*6fbflftf fehägt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und LersammlungS-Anzeigcn SO Pfg. „steine Anreisen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numnier müssen bis 5 Uhr nachmittags üi der Expedition abgegeben werden. Die Expediti»» ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoziaWcmoKrat RirUa**. Zcntralorgan der Ibzialdcmohrati feben parte» Deutfcbtands. Redaktion: 8CQ. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Liberalismus und die Arbeiter- Vertretung in Lrokbritannieu. London, 13. August.(Eig. Ber.) Es ist keine Nebertreibung, zu sagen, daß es seit dem großen Wahlerfolge der britischen Arbeiterpartei vom Jahre 1906 eine der vornehmsten Aufgaben des Liberalismus dieses Landes gewesen ist, den unbequemen Rivalen um die Stimmen der Arbeiterschaft auf hinterlistigem Wege aus der Welt zu schaffen. Der Angriff der Konservativen war ein offener; zwar hüteten sich die klugen Führer dieser Partei aus taktischen Gründen, der Arbeiterpartei zu schroff gegenüber zu treten, aber die große konservative Masse stürzte sich auf das neue Objekt in der politischen Welt mit dem ungestümen Taten drang des ungelenken Rhinozeros. Tie Liberalen gingen vor sichtiger und bedächtiger zu Werke. Sie suchten der neuen Partei die Lebensluft abzuschneiden, und dies gelang ihnen durch die Entscheidung der„Law Lords" im Fall Osborne. In der Koterie der„Law Lords" haben sich die beiden großen bürgerlichen Parteien ein Instrument geschaffen, durch das sie ihre Macht den Angriffen des Volkes gegen über gewaltig stärkten. Wie es in Aincrika nicht darauf an kommt, wer die meisten Stimmen erhält, sondern darauf, wer die Stimmen zählt, so kommt es in Großbritannien nicht so sehr darauf an, wer die Gesetze macht, sondern darauf, wer die Gesetze auslegt. In der mephistophelischen Auslegung der Gesetze hat sich bekanntlich gerade der liberale Law Lord Shaw als Anwalt seiner Partei bei der endgültigen Eni- schcidung des Falles Osborne hervorgetan. Daß dieser Mann mit seinen Sophismen und pharisäischen Argumenten den innersten Herzensregungen der Liberalen entgegenkam, wird heute auch der verbissenste Apologet des modernen britischen Liberalismus nicht verneinen können. Die Entscheidung im Falle Osborne hat inzwischen ihr Werk getan. Ein Einhaltsbefehl ist dem anderen gefolgt und in der letzten Zeit haben die dunkeln Gewalten, die an der Zerstörung der Arbeiterpartei arbeiten, ihre Aufmerksamkeit besonders den finanziell mächtigen Bcrgarbeitergewerkschaften zugewandt. Das Werk ist so weit gediehen, daß der bedrohte Liberalismus wieder aufatmen känn. Lesen wir zum Beispiel, was die liberale„Daily Chronicle" vor einigen Tagen über die Arbeiterpartei zu sagen hat. Dieses verschmitzte Londoner Organ, das von unserem Brudcrblatt„Justice" häufig als das „Tägliche Krokodil" angeredet wird, schreibt in einem Leit- artikel: .ES ist keine Uebertreiöiing, zu sagen, daß die Arbeiterpartei unter dem Schlage des Osborne-Eutscheides taumelt. Der Ent- scheid hat den Grundstein des Gebäudes der Arbeitervertretung im Hause der CommonS gelockert und der ganze Bau droht einzu- stürzen. ES gibt zwei Mittel, wodurch dieses Unglück vermieden werden könnte f denn es würde sicherlich ein Unglück sein, wenn die Arbeiterschaft nicht im stände wäre, ihren Forderungen im Unterhause durch den Mund ihrer eigenen gewählten Kämpen Aus- druck zu verleihen. Eins der Mittel ist ein besonderes Gesetz, das die ZwangSbeiträge der Gewerkschaften zum Unterhalt ihrer Parlamentsvertreter legalisiert; das andere ist die Einführung von Diäten für die Parlamentsmitglieder." Dieser Ausdruck des Bedauerns, daß es der Arbeiterschaft Großbritanniens in Zukunft unmöglich sein könnte, ihre Ver- treter ins Parlament zu schicken, würde einem Tartüff alle Ehre machen. Das Krokodil, nachdem es seine Beute ver- zehrt, weint vor Rührung. Das Blatt führt dann weiter aus, daß wohl wenig Aus- ficht bestehe, daß der statu» quo ant« wieder hergestellt werden würde.„Kein Parlament", so heißt es,„wie es auch zusammengesetzt sei, wird leichten Sinnes ein Gesetz schaffen, das Juristen von der Bedeutung eines Cosens-Hardy und Farwell, Moulton und Shaw als gegen das Gemeinwohl, gegen den Geist des englischen Rechts und verderblich für die Prinzipien der repräsentativen Regierung bezeichnen." Sehr bezeichnend für die Gefühle, mit denen der englische Liberalis- mus die Arbeiterpartei betrachtet, ist auch folgende Dar- stellung, die das Blatt von der Entwickelung der Arbeiter- Partei gibt. Es schreibt: .Sozialisten nahmen an der Gründung des ArbeitervertretungS« Komitees, das die Genesis der Arbeiterpartei darstellt, einen regen Anteil und gewannen darin einen Grad von Einfluß, der zu ihrer numeriscben Stärke in keinem Verhältnis stand. Irgend jemand, der mit der Arbeiterbewegung in diesem Lande vertraut ist, weiß, daß die große Majorität der britischen Gewerkschaften keine Sozialisten sind. Aber es war ein Meistcrzug, durch die Bildung einer Arbeiterpartei die Möglichkeit zu schaffen, der sozialistischen Propaganda die Gelder der Gewerkschaften zuzuführen. So schien eö wenigstens zur Zeit. Gewerkschafter der alten Schule lehnten sich gegen die Herrschaft der Sozialisten auf und einer ihrer Zahl, Herr Walter V. Osborne von der Gewerkschaft der Eisenbahner, fing einen Prozeß an. der mit der wichtigen richterlichen Ent- scheidung endete, die jetzt den Bestand der Arbeiterverletung selbst bedroht. Es ist daS kurioseste Ding in der Welt, daß diese Ent- scheidung zu einer Zeit gefallen ist. da die Arbeiterpartei weniger sozialistisch und ausgesprochener gewerkschaftlich ist, als sie tni letzten Parlament war." Wenn der letzte Satz überhaupt einen Sinn hat, so bc- deutet er, daß die juristische Aktion gegen die Arbeiterpartei höchst wahrscheinlich unterblieben wäre, wenn die Gefahr, daß sie sich zum Sozialismus hin entwickeln würde, nicht bestanden hätte. Das Blatt gibt dann den Arbeiterparteilern den Rat, sich die Idee, das Recht der Gewerkschaften auf politische �Aktion wiederherzustellen, aus dem Kopf zu schlagen und Diäten für die Parlamentsmitglieder zu verlangen. In früheren Jahrhunderten bezogen die englischen Parlaments- Mitglieder Diäten. Das Gesetz ist nie widerrufen worden und es dürfte sich daher dieser Brauch, ohne ein neues Gesetz zu l schaffen, wieder einführen lassen. Damit wäre den britischen Arbeitern aber wenig geholfen; denn die größten Ausgaben einer Partei verursachen nicht die Gehälter der Abgeordneten, sondern die Kosten der Wahl, die in manchen großen Arbeiterkreisen ungeheure Summen ausmachen. Es ließen, sich noch mancherlei Betrachtungen über die Ausführungen der liberalen Zeitung anstellen. Das wichtigste daran ist aber, daß sie in unzweideutiger Weise die Feind- schast des Liberalismus gegen die unabhängige, dem Sozia- lismus zusteuernde Arbeitervertretung dolumcntarisch und die Notwendigkeit einer entschiedenen Stellung der britischen Arbeiterschaft gegen den Liberalismus betonen. Zeichen des Verfalls. Im„Vorwärts" ist bereits auf die Beharrlichkeit hingewiesen worden, mit der die ultramontane Presse bei Erörterung der Skandalaffäre Bock um den Kern der Sache herumgeht. Wir hatten betont, daß, wenn die erwähnte Presse in diesem �Zusammenhange auf die Institution der Beichte eingehen wollte, sie entweder den offensichtlichen Bankrott der religiös-dogmatischen Moralerziehung oder aber eine grobe Mitschuld der Kirche an dem ungeheuren Skandal konstatieren müßte. Und die schweigsame ultramontane Presse schweigt weiter! Unsere Feststellung, daß durch Pflicht- gemäße Verweigerung der Absolution in der Beichte die Kinder gezwungen werden konnten und mußten, sich den Eltern zu offen« baren und daß dadurch die scheußlichen sittlichen Verbrechen längst hätten aufgedeckt werden müssen, erhärtet die ultramontane Presse als richtig durch vielsagendes Schweigen. Wenn irgend ein liberales Blatt eine törichte Bemerkung über das Beichtgeheimnis oder die Unfehlbarkeit verzapft, dann serviert die schwarze Presse da§ ihren Lesern mit vielem Behagen in einer Sauce von Spott und Hohn. Dagegen geht sie der Erörterung der Beichtfrage und der katholischen Moralerziehung mit auffälliger Hart- näckigkeit aus dem Wege. Die„Kreuz-Zeitung" unternahm es, die katholische Kirche zu retten, indem sie— ebenfalls den Kern der Sache ignorierte und sich in der Hauptsache auf einige geistlose Bemerkungen beschränkte. So meint das edle Organ, es ginge nicht an, aus dem Bock-Skandal allgemeine Schlüsse zu ziehen, sonst könnte man ja auch sagen, alle Sozialdemokraten seien Spitzbuben, weil sich schon einige sozial- demokratische Kassierer als nicht ehrlich erwiesen hätten. Dazu wäre zu bemerken: Es ist uns gar nicht eingefallen, zu behaupten, alle katholischen Geistlichen, Lehrer und Schulkinder seien sittlich ver- lumpt. Zweitens aber: die Menschen, die als Kassierer sich Un- ehrlichkeiten zuschulden kommen ließen, haben keine sozialdemokratischen Schulen— sondern kirchlich abgestempelte besucht. Moralisch Schwache, krankhaft Veranlagte gibt es natürlich in jeder Gesellschaftsschicht, bei jedem Erziehungssyslcm. Daß ein katholischer Rektor zufällig als ein sittlich verkommenes Subjekt entlarvt wurde, das ist nicht das Wesentliche; sondern die betrübliche Tatsache, daß er viele Schandgenossen hat, daß er für seine Lasterneigungen eine große Zahl Opfer fand und daß er sein Unwesen lange, lange Jahre trotz katholischer Moral, trotz katho- lischer Vorgesetzter, trotz der sonst doch so hell- äugigen katholischen Geistlichkeit ungestört treiben konntel Charakteristischerweise genügt eS der„Germania", die deplacierten Bemerkungen der„Kreuz-Zeitung" als Verteidigung der katholischen Kirche— nachzudrucken I DaS Verhalten der sonst so redseligen ultramontanen Presse muß auch den Naivesten stutzig machen. Mit welchem Eifer die schwarze Presse sich bemüht, die Aufmerksamkeit von den springenden Punkten abzulenken, dafür er- bringt die ultramontane„Essener Volkszeitung" noch einen recht bezeichnenden Nachweis. Um daS bankrotte System zu retten, vertauscht sie die Rollen. Sie macht die Lehrer und Erzieher zu Verführten der— Kinder! Das Blatt schreibt ganz ungeniert: „Der andauernde Verkehr mit männlichen Lehrpersonen übt auf die Frühreifen einen gefährlichen Reiz aus, und von den an- gefaulten Elementen benehmen sich nicht selten einzelne heraus- fordernd gegenüber dem Lehr�. Es kommt vor, daß nicht der Lehrer das Mädchen verführt, sondern vielmehr von dem Mädchen der Lehrer verführt wird. Ist der Lehrer einmal einer solchen Versuchung unterlegen, so ist er auf die schiefe Ebene geraten und verliert vielleicht vollständig die Selbst- achtung und Selbstbeherrschung." Der Zweck heiligt die Mittel! Nicht nur das vorstehende Zitat ist ein Beweis dafür. Die katholische Kirche strebt nach der un- beschränkten Herrschaft in der Schule, als der besten, sichersten Grundlage ihrer Macht über das Volk. Um die Schule ganz in ihre Gewalt zu bekommen, entrüstet sie sich bewußt heuchelnd über zunehmende Unsittlichkeit. Angeblich soll es gegen die sortschreitende Sittenverwilderung nur ein Mittel geben: Un- b e sch r ä n k t e H e r r s ch a st derKirche in der Schule! In Wirklichkeit ist die Behauptung von der zunehmenden Un- sittlichkeit Schwindel. Die Masse des arbeitenden Volkes war wohl kaum je sittlicher, als gerade in der verlästerten Gegenwart. Richtig ist. daß in gewissen Gesellschaftsschichten als Folge sozialer Verhältnisse perverse Neigungen, moralische Verlotterung sich be- ängstigend stark ausbreiten und die Fäulnis teilweise auch auf Czepedition: SAl. 68, Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. arbeitende Schichten übertragen wird. Diese sind aber gewöhnlich nicht die Subjekte, sondern meist nur die Objekte sittlicher Verkommenheit. Und dann, was besonders betont werden mutz: die katholische Morallehre bildete noch nie einen sicheren Schutzwall gegen Seuchen der sittlichen Verderbnis, der sexuellen Zügellosigkeit und Perversität! Noch nie waren die Schäfchen und die Organe der Kirche immun gegen moralisckie Fäulnis I Die Gesckiichte der Kirche lehrt das. Zu allen Zeiten, bis in die Jugendtage der Kirche zurück, haben unter ihrem Szepter Zügellosigkeit und Korruption Orgien gefeiert. Sitt- sicher Verfall war ja auch für den Protestantismus weniger Motiv als erfolgreiches Mittel des Kampfes gegen Rom. Der ProtestantiS« mus bedeutete für die katholische Kirche eine ihr aufgenötigte Regenerationslur. Je nach Umständen wirkte sie mehr oder iveniger nachhaltig. Dort, wo der Protestantismus die Herrschaft der katho- tischen Kirche nicht bedrohte, war der Anstoß zu strengerer Zucht und Sitte nur schwach. In katholischen Staaten huldigt die Geistlichkeit einer laxeren Auffaffung in Sexualfragen, als bei uns üblich, und das Volk drückt— beide Augen zu. DaS Zölibat hat dort vielfach nur theoretische Bedeutung. Auch in den überwiegend katholischen Teilen Deutschlands ist man in dieser Beziehung viel toleranter als in Preußen. Hier, wo der Protestantismus überwiegt, die Staatsgewalt im allgemeinen in protestantischen Händen siegt, hatte die katholische Kirche seit der Reformation eine sehr exponierte Stellung zu verteidigen. Eine der wichtigsten Sorgen für sie war daher die unbedingte Integrität ihrer Organe. An katholischen Geistlichen durfte als Mensch kein Mäkelchen haften, um nicht dem Gegner Angriffsflächen zu bieten. Und die KirchendiSziplin wurde in Preußen mit rücksichtsloser Strenge gehandhabt. Selbst kleine sexuelle Verfehlungen brachten den Gestrauchelten in ein Kloster, wenn eine Versetzung nicht rätlich erschien, oder diese als Strafmittel nicht wirksam gewesen war. So kamen die Organe der katholischen Kirche in Preußen zu dem Rufe makelloser Sittenstrenge. Jnnerpolitische Verhältniffe wirkten verschärfend nach dieser Richtung. Die biSmärckische Kulturkampfgesetzgcbung brachte die katholische Kirche in scharfe Opposition zur Staatsmacht und zur anderskonfeffionellen Bevölkerung. Diese Situation zwang sie erneut die Disziplinargewalt mit aller Schärfe zu handhaben, um die Organe vor einem Straucheln auf dem schmalen Pfade der durch Kirchenlehre und öffentliche Meinung vorgeschriebenen Moral und Sitte zu bewahren. Das erforderte die Vorsicht, obwohl schon die Verhältniffe diese Organe zwangen, strengste Selbstdisziplin zu üben. Die katholische Kirche verfügt denn auch in keinem katholischen Lande über so durch Selbstzucht und KirchendiSziplin ausgezeichnete Organe wie bisher in Preußen. Wie b i S h e r I Nun zeigen sich, aus erklärlichen Gründen, auch hier Verfallsmerkmale. Die Maigesetze sind gefallen, bis auf den in der Praxis be» deutungslosen Jesuitenparagraphen, dessen Aufhebung daS Zentrum aus agitatorischen Gründen gar nicht wünscht. Die katholische Fraktion ist Regierungspartei in Land- und Reichstag, sie darf sich huldigender Aufmerksamkeit durch die Staatsmacht und deren Repräsentanten rühmen. Die katholischen Bürger erfreuen sich wachsenden Wohlstandes, sie, auch die Organe der Kirche. Lehrer und Geistliche, treten mehr und mehr auS der Isoliertheit heraus, drängen sich hinein in das gesellschaftliche Leben und werden von dessen Gewohnheiten, Sitten, den großen und kleinen Lastern erfaßt. Mit dem Wohlleben, dem Verlassen der exponierten Stellung, dem Aufgeben der Isoliertheit, mit dem Hineintauchen in das moderne Luxus- und Gesellschaftsleben schwindet auch die Immunität gegen die sozial-sittlichen Krankheiten. Erklärlich daher, daß man in den letzten Jahren auch in dem protestantischen Preußen immer häufiger von pikanten Geschichten galanter katholischer Geist» sicher und von groben sittlichen Verfehlungen hört, während daS früher ein Vorzug katholischer Länder war. Die katholische Kirche ist gegenüber solchen Erscheinungen, die in der Kriminalstatistik bisher nur schwach in die Erscheinung treten, nicht blind, daher ihre Scheu, auf das für sie kitzliche Thema einzu» gehen. Um so mehr ist eS Pflicht, die breite Oeffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen. DaS jetzige System der konfessionellen Moral« erziehung und Schulaufsicht ist bankrott, eS bedeutet eine moralische Gefahr, der vorgebeugt werden muß. NaHIßrels und Partei. Von KarlKautSky. Ein„Rabulist", der mit„demagogischen Kniffen",„faulem Zauber",„elenden Klopffechtereien' argumentiert und„wiffenschaftlich bankrott" ist— ein solcher Sünder ist jener, der die Haltung KolbS zur Parteidisziplin und zur Monarchie kritisiert. So behauptet wenigstens Kolb. Und der muß es wissen. Er hatte erklärt, die Disziplin der Partei müffe dort ein Ende finden, wo sie mit der Ueberzeugung der Genossen in Widerspruch gerate. Dem entgegen hatte ich darauf hingewiesen, daß dann bei einem Streik jene Arbeiter nicht mitzustreiken brauchten, nach deren Ueberzeugung der Streik verfehlt sei. Und ebensowenig brauchten dann radikale Genossen für einen revisionistischen Kandidaten zu stimmen. Darauf antwortet jetzt Kolb in einem Artikel des Karlsruher .Volksfreund", überschrieben: Ein'Rabulist. Er behauptet, diese Beispiele stimmten nicht. Selbstverständlich müßten radikale Genosien für einen revisionissischen Kandidaten stimmen. Da habe die Ueberzeugung nichts drein zu reden. Aber bei den Badener« handle es sich nicht umdenBefchlußemesWahlkreifeS. sonder» der Partei. «Wenn die Genossen eines Wahlkreises einen Kandidaten aufstellen, muh jeder Genosse für ihn stimmen, ganz selbst- verständlich. Wie aber wenn der Parteitag beschließen würde, die Genossen in Berlin müssen die oder jene Kandidaten aufstellen? Glaubt der Genosse Kautsky, daß die Berliner in einem solchen Falle sich einfach fügen würden?" Das glaube ich auch nicht. Aber sie würden sich dagegen auflehnen, nicht weil ihnen der Wahlkreis höher steht als die Partei, sondern weil hier ein Ausnahmegesetz für die Berliner geschaffen wäre. Wenn das Organisationsstatut bestimmte— und in mancher Partei gibt es ähnliche Bestimmungen— daß die Aufstellung der Kandidaten von einer zentralen Instanz, etwa dem Parteitag zu vollziehen sei, müßte sich jeder Wahlkreis dem fügen, so lange die Bestimmung besteht. Wogegen sich aber die Berliner mit Recht auf- lehnen würden, wäre ein Beschlutz, der ihnen und nur ihnen allein bestimmte Kandidaten aufoktroyieren wollte. So steht aber die Sache in Baden nicht. Wenn der Nürnberger Parteitag beschlossen hätte, die Badener haben das Budget zu der- weigern, die anderen können es damit halten, wie es ihnen paßt, dann hätten die Badener das Recht, sich gegen ein solches Ausnahme gesetz zu wehren. Dagegen mutz man schon von ihnen verlangen, daß Beschlüsse, die für die ganze Partei gelten, auch von ihnen gehalten werden. Wenn aber Beschlüsse des Parteitage? für den Wahlkreis nicht matzgebend sein sollen, warum ist es dann«selbstverständlich", datz „jeder Genosse" sich den Beschlüssen seines Wahlkreises fügen mutz? Von Logik ist in dieser Unterscheidung zwischen Wahlkreis und Partei nichts zu spüren. Aber sie ist deshalb nicht minder bemerkenswert. Dasselbe Ausspielen des Wahlkreises gegen die Partei finden wir in dem Fortgang der Polemik Kolbs. Ich hatte darauf hingewiesen, datz ein Abgeordneter die Pflicht habe, sein Mandat niederzulegen, wenn er glaube, einem Parteitags� bcschlutz als Abgeordneter nicht folgen zu dürfen. Darauf erwidert Kolb: «Das würde stimmen, wenn unsere badischen Genossen und Wähler die Auffassung KautSkys hätten. Das aber ist nicht der Fall. Die geradezu erdrückende Mehrheit der badischen Genossen steht hinter der LandtagSfraktion und teilt den Standpunkt, den fie eingenommen hat. KautSkys Argument wäre zutteffend, wenn die 17 Landtagsabgeordneten stch in Widerspruch mit den Wünschen ihrer Wähler gesetzt hätten. Darin liegt ja eben der Fehler des Nürnberger Beschlusses, daß er gegen den Protest ganzer Lands- Mannschaften diesen einen Beschlutz aufoktroyierte, der nicht gehalten werden konnte." Natürlich handelt eS sich nicht um die„Auffassung KautSkys", sondern um die Auffassung der Partei, die im Nürnberger Be- schlutz niedergelegt ist, zu der sich die siebzehn Landtagsabgeordneten in Widerspruch gesetzt haben. Dieser Widerspruch, meint Kolb, braucht sie nicht zu genieren, so lange sie ihre Wähler hinter sich haben. Hier wird also direkt von der Gesamtheit der Partei an die Wähler dcS Wahlkreises appelliert, der Wahlkreis zum Kampf gegen die Partei aufgerufen. Genau dieselbe Politik, die in Frankreich und Italien die Partei so sehr desorganisiert und geschädigt hat. Hier zeigt uns aber Kolb auch die Stelle, an der er sterblich ist: Er meint, auf Parteitagsbeschlüsse pfeifen zu können, so lange die Wähler zu ihm stehen, das heitzt, so lange den Wählern der Ab- geordnete Kolb wichtiger erscheint, als der Zusammenhang mit der Gesamtpartei. DaS Aufrufen der Wähler eines Wahlkreises gegen einen Be- schlutz der Gesamtpartei ist nur dort möglich, wo jenen Wählern die Bedeutung der Gesamtgartei nicht klar gemacht wurde, wo sie über diese fortlaufend falsch informiert werden, wo ihnen der Zusammen- hang mit der Gcsamtpartei nicht als Quelle der Kraft, sondern als Quelle der Schwäche, nicht als Hebel der Aufwärtsbewegung, sondern als niederdrückendes Hemmnis dargestellt wird. Man kläre die Wähler ans nnd sie werden sich selbst gegen Disziplin« bruch wenden. Wie immer der Parteitag mit den siebzehn Disziplinbrechern verfahren mag, eins ist klar: prinzipielle Aufklärung über die Be- deutung und das Wesen der Sozialdemokratie tut unter den Pro« letariern Badens dringend not. Wenn der Disziplinbruch den Parteitag veranlassen würde, eine energische Agitation für unsere Grundsätze und Forderungen in Baden in die Wege zu leiten, dann hätte dieser Disziplinbruch auch seine gute Seite. politische(Jchcrücht. Berlin, den 17. August 1910. Aus der Kuddelmuddel-Partei. Nachdem die jungliberalen Elemente in der nationalliberalen Partei vor dem Ansturm des rechten, agrarisch-industriellen Flügels das Hasenpanier ergriffen haben, ist in der national- Industrie und Arbeiter In Japan. Von C h a g r i n. vn. Wie lebt der japanische Proletarier? Die Ansicht ist allgemein. Japan sei, wie man zu sagen pflegt, ein billiges Land. Wie diese Meinung hat aufkommen können, ist einfach ein Rätsel. Der Lebensunterhalt ist dort für den Europäer eher teurer als in Deutschland oder Amerika; ob auch für die Ein- geborenen, soll noch gezeigt werden. Billig, schamlos billig, ist nur die nr enschliche Arbeitskraft und daS Pro- letarierfleisch. Wenn man die Kosten des Lebensunterhaltes in Japan in Zahlen fasten will und damit Vergleiche anzustellen beginnt, erheben sich so- fort haushohe Schwierigkeiten. Die Kosten des Lebensunterhaltes setzen sich zusammen aus den Preisen der Nahrungsmittel, der Kleidung, Steuern und noch manches andere mehr. Nun stellt der Japaner andere, viel geringere Anforderungen an das Leben als der Europäer. Bei einer vergleichenden Betrachtung des Lebensunter- Haltes müßten auch die Unterschiede der Bedürfmsse, der Sitten und der öffentlichen Einrichtungen erläutert werden, um zu einem halb- Wegs zuverlässigen Resultat zu kommen. Aber das ist hier auf engem Räume nicht möglich. Immerhin kann ohne großes Wagnis gesagt werden, datz, wenn der deutsche Arbeiter in Japan in seiner gewohnten Weise leben wollte, er die nämlichen, nein noch größere Summen ausgeben »nützte und er würde selbst für die höheren Ausgaben noch viele Dinge, die ihm das Leben erst des Lebens wert machen, nicht er- hallen. Aber auch dieser Satz sagt nicht viel. Um wenigstens einen Wergleich der Kosten des Lebensunter- Haltes zu ermöglichen, seien die Preise der sin Japan) notwendigsten Lebensmittel usw. hier angeführt. Ich erhielt diese Aufzeichnungen von meinem Logiswirt in Tokio. Er kaufte für seine Speisewirtschaft in größeren Mengen und an erster Stelle ein. Der Arbeiter, der seinen Bedarf täglich und stündlich beim Krämer deckt, hat natürlich höhere Preise zu zahlen und erhält obendrein noch schlechtere Qualität.(Um Bergleiche zu erleichtern, habe ich Matz, Gewicht und Währung in deutsche Normen umgerechnet.) Es kosten in Japan sin Mark): . 1 Pfd. 0,35—0,50 Holzkohlen 1 Kilogr. 0,25—0,37 . 1. 1.36 Eier... 1 Stück 0,05-0,07 . 1„ 0.15 Bohnen. 1 Liter 0,18 Tee.... Kaffee... Zucker... Brot.... Schweinefleisch Rindfleisch.. 0,13 0.65 0,90 Salz Milch Reis. 1, 1. 100, 0,09 0,45 17,70 liberalen Presse das Gerede von dem Anschluß nach links fast völlig verstummt. Selbst jene nationalliberalen Blätter, die vor wenigen Wochen noch freiheitstrunken von dem das ge bildete wohlhabende Bürgertum beherrschenden großen Zug nach links zu erzählen wußten, finden es heute ganz selbst verständlich, daß der Hauptkampf sich gegen die Sozial demokratie richten muß; nur meinen sie schüchtern, wo in einer Stichwahl sich Kandidaten der Fortschrittlichen Volks Partei und der Konservativen gegenüberständen, müsse von den Nationalliberalen der Fortschrittler unterstützt werden. Doch selbst dieser politische„Radikalismus" geht den großindustriellen Geldgebern der nationalliberalen Partei noch viel zu weit. Sie verlangen kurz und bündig, daß in solchen Stichwahlen stets der Konservative dem Fortschrittler vor gezogen wird, da es heute gelte, das Gewicht auf das nationale Moment zu legen und den Liberalismus vor läufig kaltzustellen. So schreibt als Sachwalterin der großindustriellen Kreise die„Rhein.-Westf. Ztg.": Also mit dem Block von Bastermann bis Bebel ist eS nichts. DaS scheinen nunmehr auch die größten jungliberalen Hitzköpfe, die blinden Politiker, eingesehen zu haben. Nunmehr spukt noch gewaltig dieEinigung d eS g es amten Libe- ralismus in der Nationalliberalen Partei; hauptsächlich nur in dieser, denn man hat in dieser Beziehung wenig von den sogenannten Linksliberalen, den Anhängern und Organen der Fortschrittlichen Volkspartei gehört. Kann nach Lage der Dinge ein Zusammengehen derNatio- nalliberalen mit der Fortschrittlichen Volks- Partei in Betracht kommen? Nein. Die Zentral- leitung der Fortschrittlichen Volkspartei hat noch nicht mit Bestimmtheit ihre Taktik bekannt gegeben. Aber die Tatsachen der letzten Zeit zeigen, datz diese Partei ihr Glück mit einem mehr oder weniger innigen An- schlutz an die Sozialdemokratie versuchen will. Der radikale, de- mokrattsche Flügel, die sogenannten ggprozentigen Sozialdemo- kraten, die bei der Gründung des Blocks abgetan waren und z.T. kapituliert haben, scheinen durch die Sprengung des Blocks Ober- waster bekommen zu haben.... Das Zusammenwirken der gesamten liberalen Parteien mag theoretisch-ideologisch ganz schön sein, praktisch kann es nicht in Frage kommen. Die Nationalliberale Partei mutz also für die nächste Zeit den Schwerpunkt wieder auf das„Nationale" legen. Samm« lung der nationalen Kreise für die nationale Politik mutz für fie der leitende Gedanke für die«Neuorientierung der deutschen Politik" sein. Die Gleichgültigkeit gegenüber der Gemeingefährlichkeit der Sozialdemokratie, die infolge der steten Angriffe aus nationalen Kreisen auf die Rechte und infolge des RufS eines Zusammengehens mit der Sozialdemokratie eingerissen ist und auch weiter einzureißen droht, die aber die ernsteste Gefahr für unser Vaterland bedeutet, mutz aufhören. Eine Ver- ständigung mit den konservativen Kreisen nach dieser Richtung hin wird nicht allzu schwierig sein. Damit ist natürlich nicht gesagt. datz die Nationalliberalen dem Ultra-Agrariertum Unterstützung leihen sollen. DaS eine mutz feststehen: Bei einer Stichwahl zwischen der sozinldemokratisch-frcisinnigeo Paarung und einem rechtsstehenden Kandidaten ist unbedingt der nationale Kandidat von den Nationalliberalen und Konservativen zu unterstützen. Das Blatt der Zechen- und Hüttenbesitzer geht in seiner Begeisterung für das„Nationale" sogar soweit, daß es die Forderung stellt, die nationalliberale Partei dürfe nicht mehr ihr Augenmerk darauf richten, bisher von den Konser- vativen vertretene Wahlkreise zu gewinnen. Nur nach links dürfe der Wahlkampf geführt werden. Der Bund der Landwirte als Schützer der Boykottfreihcit. Der Bund der Landwirte, dessen Organe sich so oft über den Boykott widerrechtlich bedrängter Arbeitervereine sittlich entrüstet habest, will eine Art Organisation zum Schutze des Rechte? gründen, mißliebige Gegner zu boykottieren. Auf die Drohung des Hansabundes, jene leitenden Personen des Bundes, der Land- Wirte gerichtlich zur Verantwortung ziehen zu wollen, die Mit- glieder des Hansabundes öffentlich boykottieren, um diese zu zwingen, aus dem Hansabund auszutreten, antwortet der engere Vorstand des Bundes der La»idwirte mit folgender Aufforderung: »Der Hansabund veröffentlichte kürzlich in längeren AuS- führungen, daß er mit allen gesetzlichen Mitteln gegen die an- geblich vom Bunde der Landwirte oder von einzelnen Mit- Eine Flasche schalen Bieres von vielleicht einem halben Liter kostet 70 Pf., ein Fläschchen Cider(japanischer Champagner I) 22 bis 80 Pf., eine deutsche Groschenzigarre 40 bis 60 Pf., Rasieren(billig, weil Handarbeit) 3 bis 12 Pf., Waschen der Wäsche ist über die Hälfte billiger als in Deutschland, ein Bad in einer öffentlichen Badeanstalt kostet 6 bis 10 Pf., ein Kimono(Mantel) 2 bis 10 M., ein Paar Holztrittchen 90 Pf. bis 5 M. Diese Preisliste kann bei einem Vergleich der Kosten der prole- tarischen Lebenshaltung nur in beschränktem Matze Dienste leisten. Denn der japanische Arbeiter genießt nur äußerst selten Fleisch, Zucker. Bier, Brot, Milch oder Kaffee. Sein hauptsächlichstes Nahrungs, nittel ist der Reis, wozu in günstigem Fall noch etwas Fisch kommt; und sein Gettänk ist der Tee. Nun ist, wie die Aufstellung zeigt, Reis und Tee in Japan nicht sehr teuer, wenigstens wenn nur das Gewicht, die Quantität bewachtet wird. Wird aber auch die Qualität in Siechnung gestellt, so ver- mindert sich die Billigkeit. DaS Blätterzeug von Tee, das in Japan in den Bereich des proletarischen Haushaltes kommt, hat wenig gemein mit dem, waS der Europäer Tee nennt. Die daraus bereitete Brühe, die ohne jede Zutat an Milch oder Zucker genossen wird, hat einen bitteren, abstohenden Geschmack. Ich sah Japaner diesen Tee oft als Mundspülwasser benützen. Der ReiS, den der japanische Bauer produziert, ist unbestreitbar ausgezeichnet. Aber breite Schichten der ländlichen und städtischen Bevölkerung können ihn nicht kaufen? weil er für sie zu teuer ist. Japan kann lange nicht genug Nahrungsstoffe für seine eigene Bevölkerung produzieren. Jahraus, jahrein müssen beträchtliche Mengen Korn- und Hülsenfrüchte(1907: für 94 834 000 M.) ein. geführt werden. Das reisbauende Land psr exelience importierte zu den(1907) im Lande erzeugten neunundvierzig Millionen Koku Reis selbst noch drei Millionen Koku. Dieser Einfuhr steht nun allerdings auch eine Ausfuhr gegenüber. Aber sie ist sehr gering (222 000 Koku). Der importierte Reis steht an Güte weit unter dem japanischen. Das lätzt übrigens der Preis leicht erkennen. Kostet der inländische Reis im Großhandel(das Koku) 32 M., so der andre nur 20 M. Für die unteren Voltsschichten kommt nur der billige, schlechtere ausländische in Frage. Er wird entweder wie er»st, öder mit etwas japanischem vermischt genossen. In Bauern und Arbeiter wären noch herzlich froh, wenn ihnen ihre Mittel den Ankauf der minderwertigen Sorten erlaubten. Ihre Armut zwingt sie, noch schlechtere Waren zu verzehren, um die knurrenden Magen zum Schweigen zu bringen. Der Inhalt ihres Kochtopfes ist ein Gemengsel aus oödinärstem Reis, Bohnenhülsen und Gerstenkleie. Man muß aus dem Eßtopf von Fabrikarbeitern oder Kulis gegessen haben, um die Güte dieser aus undefinierbaren Substanzen bestehenden Gerichten würdigen zu können. gliedern deZfekEen begangenen dlitt versuchten Boykotte Soc- zugehen gewillt sei, und daß er ferne Freunde und Mitglieder bitte, ihm Material zur Verfügung zu stellen, auf Grund dessen er dann die in Aussicht gestellten Maßnahmen einzuleiten und durchzuführen gedenke. Dieses Vorgehen des Hansahundes enthält eine bis dahin im politischen Lebei» völlig ungewöhnliche Drohung, die den An- schein erwecken soll, als ob durch den Bund der Landwirte gc- setzwidrige Handlungen begangen worden seien. In der Er- klärung des Hansabundes tritt die Absicht der einseitigen politischen Bekämpfung des Bundes der Landwirte scharf hervor. Unter Entstellung von angeblichen Vorkommnissen wird dem Bund der Landwirte etwas angedichtet, wozu von den leitenden Organen des Bundes niemals in irgendeiner Kundgebung auf- gefordert worden ist. Die Gehässigkeit gegen den Bund der Landwirte ist um so sinnfälliger, als der Hansabund es unter- läßt, gegen den Boykott da aufzutreten, wo er in einer tatsächlich gefahrvollen Weise in Wirklichkeit geübt wird: nämlich seitens der Sozialdemokratie. Wir bitten nun unsere Mitglieder, uns ihrerseits mitzu- teilen, wenn der Hansabund sie in irgendeiner Weise seinen Androhungen entsprechend zu belangen sucht. Wir werden unsere Mitglieder, in der sicheren Ueber- zeugung, daß ungesetzliche Handlungen nicht begangen worden sind, selbstverständlich ver- treten. Der engere Vorstand deS Bundes der Landwirte. Die Vorsitzenden: Der Direktor: Dr. Roesicke-Görsdorf. Dr. Diederich Hahn. Frhr. v. Wcmgenheim-Klein-Spiegel." r Die RedefloSkel, der Vorstand des Bundes der Landwirte sei der„sicheren Ueberzeugung", daß ungesetzliche Handlungen von seinen Mitgliedern nicht begangen worden seien, ist allzu albern, als daß man sie ernst nehmen könnte. Wenn solche Handlungen nicht begangen worden sind, finden die Gerichte doch auch keinen Anlaß, Mitglieder des Bundes der Landwirte wegen Boykotts zu verurteilen. Oder will der Vorstand des Bundes behaupten, die Gerichte würden lediglich aus Animosität gegen die Bestrebungen deS Bundes der Landwirte die größtenteils den Schichten de? Landadels angehörenden einflußreichen Bundesmitglieder der» urteilen, die in den lokalen Verbänden die Führung haben? In Wirklichkeit besagt die Aufforderung des engeren Vor- standes des Bunde? der Landwirte nichts anderes, als:„Fürchtet Euch nicht vor dem Hansabund; der Bund der Landwirte steht mit seinem Einfluß und seinem Geld hinter Euch und wird Euch schützen, wenn Ihr im agrarischen Interesse gegen die Gesetzes- Bestimmungen verstoßt!" Es ist höchst anerkennenswert von den Herren deS„engeren Vorstandes", daß sie durch diesen Erlaß die ehrsame„Deutsche Tageszeitung" zwingen, ihre frühere Deklamationen gegen den Boykott selbst zu dementieren und ihre sittliche Entrüstung als faule Komödie hinzustellen. Freiherr v. Richthofen-Mertschütz. Die„Konserv. Korresp." hält eS für angebracht, nochmals in einer voreiligen Notiz den konservativen Abgeordneten Freiherrn v. Richthofen-Mertschütz gegen die Beschuldigung der Steuerhinter- ziehung in Schutz zu nehmen. Sie schreibt: «In der Angelegenheit deS Freiherrn v. Nicht- Hofen-Mertschütz hat die„Deutsche Journal- Post", die stch hier einer ihrem Wirkungsbereiche sonst gänzlich fern liegenden Angelegenheit mit auffälligem Eifer annimmt, die Meldung verbreitet, datz gegen den dem Landrat a. D.. Frhnn Ernst v Richthofen-Mertschütz, Mitglied deS HauseS der Abgeordneten, unterm 8. August 1910 zugegangenen Bescheid deS Vorsitzenden der Einkommensteuer-Beranlagungs- kommission des Landkreises Liegnitz von dem Detektiv Gräger in Wilmersdorf Beschwerde bei der OberstaatSanwaltschast Breslau eingelegt worden sei. Und zwar gründe sich diese Beschwerde vor allem darauf,«daß sich die Anzeige gegen Freiherrn v. Richthvfen nicht auf das Jahr 1910, sondern auf die Jahre 1907, 1908 und 1909 beziehe, da im Jahre 1910 der WirtschastSinspektor Karl Kasten, von welchem die Unterlagen zu der Anzeige gegen den Freihcrrn v. Richthofen herrühren, überhaupt nicht mehr m dessen Diensten gestanden habe." Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz ermächtigt uns demgegenüber zu der Erklärung, datz er selbstverständlich der Ver- anlagungskommission zu Liegnitz auch das Material zur Beurteilung der vergangenen Jahre genau unterbreitet hat. Es sind gerade die Ergebnisse der letzten drei Wirtschaftsjahre 1906/07, 1907/08 und 1908/09, in denen der WirtschastSinspektor Kasten unausgesetzt auf dem Rittergut Mertschütz tätig war, von dem Vorsitzenden der VeranIaglmgSkommission in Gemeinschaft mit einem vereideten Protokollführer einer detaillierten Prüfung unterzogen worden. Auch dabei hat sich nicht das geringste Bedenken gegen die An- gaben des Freiherrn v. Richthofen, die mit den genauesten Be- lägen versehen waren, ergeben. Der europäische Arbeiter, der auch wenig Mittel und Gelegen. heit zur Pflege der Feinschmeckerei hat, mag sich sagen: Reis und Tee»st zwar nicht gerade gaumenreizend, aber zur Abwechselung. „en passant" gehtS schon einmal an. Dabei mag er bleiben bis er die erste Mahlzeit in nationaler Uvwüchsigkeit vor die Rase be» kommt. Dann wird allerdings sein Gesicht so lang wie der Tag von Johanni.. �____ Wäre der ReiS wenigstens mit Milch gekocht,� mit Butter Übergossen und mit Zimmt und Zucker versüßt, so könnte er auch in einem europäischen Magen seinen Weg finde»». Aber der japanische Reis, wie er den proletarischen Tisch ziert, scheint mit Leimwasier gekocht. Schleimig, aber zäh und geschmacklos, ist er gar nicht durch die Zähne zu bri»»ge»». Seine Klebrigkeit scheint eher durch die Technik des Essens, als vom Geschmack geboten zu sein, denn ohne sie scheint es schier unmöglich, ihn mit den zwei Stöckchen, die hier Messer und Gabel versehen, in den Mund zu bringen. Zu allem Unglück stellt der Reiz die„kiece de resistance" der japanischen Mahlzeit bar. er soll dem Magen eine solide Basiö geben. Wo man hinkommt, ob in die Heim» der Bauern oder der Arbeiter, oder in die ländlichen Gasthäuser, überall steht der verdächtig riechende Trog mit dampfendem Inhalt bereit. Kaum niedergesetzt, ist auch der Tee eingeschenkt und eine Fuhre ReiS aufgeschaufelt. Der Nährwert de? Reises wird oft gepriesen. OS wohl seine Lobrcdner aus eignen Versuchen zu ihren Schlüssen gekommen ind? Meine Erfahrungen gebieten mir, die Wahrheit dieser Be- haupwng entschieden zu bestreiten. Es ist unglaublich, welche Mengen da verschlungen werden müssen, um die Schreie dcS Ma- gens zu stillen. Die Rationen eines Kulis genügten einem mitt- leren Elefante»». Als ich in der ersten Zeit die kleinen brauneil Leute den klebrigen Inhalt einer Anzahl Näpfe in den Mund topfen sah, glaubte ich, sie äßen für einige Tage auf Vorrat. Zu meinem Erstaunen begann eine kurze Weile später die Prozedur wieder mit der nämlichen Intensität. Dieser göttliche Appetit machte mir schließlich höllischen Spaß. Nur wenn ich die Stillung dieser Eßlust zu bezahlen hatte, konnte ich ein unausstehlicher Zu- schauer werden. Für eine Wohnung. baZ ist ein Zin»mer, zahlt der japanische Arbeiter vier bis zehn Mark pro Monat. Man kann ihre Klausen möbliert oder unmöbliert nennen, es bleibt sich ziemlich gleich, denn der Hausrat ist auf das denkbarste Minimum beschränkt. Die Kosten der Wahnungsausstattung können die japanischen Arbeiter unter den kleinen Ausgaben buchen. Mit Möbeln ist der Haus- halt nicht sehr belastet. Tische. Bänke, Stühle, SofaS, Schränke und dergleichen werden nicht gebraucht. Das einzige Möbelstück, das üösiall zu erblicken ig, ig ein niedriges Tischchen an de gl, auf Weder Herr Freiherr v. Richthofen-Mertschütz noch wir legen im übrigen Wert auf weitere Presse- erörterungen in dieser Angelegenheit. Es wird abzuwarten sein, welckes Ergebnis die Beschwerde deS Detektivs Grägcr und welches Resultat vor allem die von Herrn Freiherrn v. Richthofen angestrengten Prozesse haben werden. Der Detektiv Gräger und der Wirtschaftsinspektor Kasten täten ebenfalls gut, wenn sie ihren Feldzug bis dahin einstellen würden." Es ist recht anerkennenswert, dasj die.Kons. Korresp." auf weitere Behauptungen und Versicherungen verzichten und abwarten will, wie die vcA denr Frhrir. v. Richthofen-Mertschütz angestrengten Klagen auslaufen. Die Leiter der Korrespondenz hätten nur von vornherein dieses Verfahren einschlagen sollen, anstatt sich auf wert- lose Beteuerungen einzulasien. Was wahres an der Sache ist, kann vor Gericht entschieden werden. Die Stellung des Hansabnudes zur Sozialdemokratie. Der„Tägl. Rundschau" wird telegraphisch aus München gemeldet: .Die„Münch. Neuest. Nachr." veröffentlichen einen umfangreichen Briefwechsel zwischen dem Präsidenten des HansabundeS Rietzer und dem Münchener Bundesmitglied Freiherrn Wilhelm v. Pech« mann. Die Korrespondenz dreht sich um die Stellungnahme des Bundes in den zu erwartenden Parteikämpfen und gipfelt in der Frage, ob der Hansabund auch den Kampf nach links gegen die Sozialdemokratie aufzunehmen habe. Pechmann fordert den Kampf nicht nur gegen rechts, sondern vor allem gegen links. Die bisherige linksseitige Lähmung des Bundes müsse beseitigt werden. Rietzer führt dagegen aus, datz der Hansabund eine wirtschaftliche Vereinigung sei, die sich weder auf einen direkten Parteikampf einlasien, noch aus eine be- stimmte Parteirichtung festlegen könne. Der Hansabund habe da- für zu sorgen, dah seine Grundgedanken nach und nach Gemeingut aller politischen Parteien werden. Er führe den Kampf gegen jede einseilige Wirtschaftspolitik, von welcher Partei sie auch betrieben werde. Der Hansabund richte seine Front gegen alle ihm und seinen Zielen feindliche Parteien lind Personen und treibe nicht Politik der Worte, sondern der Tat. Die Schönheiten des Dreiklassenwahlsystems werden treffend illustriert durch eine amtliche Bekanntmachung, die dieser Tage in der.SaarbrücEer Zeitung' enthalten war. Dieses Kulturdolument lautet: Bekanntmachung. Die auf DonnerSlag den 11. August d. I., nachmittags 3 Uhr, im Sitzungssaale des Rathauses zu Brebach angesetzten Ersatz« Wahlen für den Gemeinderat von Brebach finden wegen der Ab- Wesenheit deS in der e r st e n Abteilung allein stimm- berechtigten Wählers an diesem Tage nicht statt. Der neue Wahltermin wird noch bekannt gemacht. Brebach den ö. August 1S10. Der Bürgermeister Beckers' Weil der hochmögende Erstklassige, der die erste Wählerklaffe ganz allein bildet, verreist ist, können auch die anderen Wähler ihr Wahlrecht nicht ausüben I_ Zur Erhöhung der Schlagfertigkett der Armee hat das Kriegsministerium folgende neue Bestimmungen erlaffen: .Bei Paraden vor Seiner Majestät spielen die Militärmusiken den zuständigen Präsentiermarsch und zwar so lange, bis der Kaiser den rechten Flügel des Truppenteils passiert hat; darauf wird die Nationalhymne gespielt, aber nur einmal durch und dann wieder der zuständige Präsentiermarsch. Bei Zapfenstreichen vor dem Kaiser haben von den Zuschauern während des Gebets die Offiziere den Helm und die Heeren vom Zivil die Kopsbedeckung abzunehmen und während des SpielenS der Nationalhymne die Offiziere zu salutieren und die Herren vom Zivil die Kopfbedeckung abzunehmen." Hat man denn keine vernünftigere Verwendung für hochbezahlte Offiziere, als datz man sie mit dem Ausdenken und Ausarbeiten solcher Borschriften beschäftigt!_ Borusstsche Wirtschaft. Im Wahlkreise Frankfurt-Lebu», in dem am IV. September die Nachwahl für den verstorbenen Nationalliberalen Detto statt- zufinden hat, macht sich der behördliche Apparat in recht ergötzlicher Weise bemerkbar. Unsere Genossen wollten am letzten Sonntag in Briefen in der Mark eine Versammlung unter freiem Himmel ver- anstaltcn und wandten sich um die dazu erforderliche Erlaubnis an den zuständigen Amtsvorsteher in Sieversdorf, v. Stünzner-Karbe. der zufällig auch Vorsitzender des Konservativen Ver- ein? für den Wahlkreis Franlfurt-LebuS ist. Auf daS Gesuch unserer Fürstenwalder Parteileitung erteilte Herr v. Stünzner-Karbe folgende Antwort: Der Amtsvorsteher. Siedersdorf, 9. 8. 1919. Ihr Gesuch von heute wird Ihnen umgehend zur Ergänzung zurückgegeben. Ich ersuche Sie, die Personenzahl anzugeben, die an der Versammlung teilnehmen werden, um prüfen zu können, ob der bezeichnete Garten auch grotz genug ist. Weitere not- dem Boden sitzend, die Mahlzeit eingenommen wird. Daneben wird auch noch ein Holzkasten mit einem Topf, in dem vorsichtig in Sand gehüllt eine glühende Holzkohle(zum Pfeisenanstecken) glüht, für nötig gehalten. Das ist so ziemlich alles, was in der proletarischen Wohnung zu erblicken ist. Was sonst noch an Ge- schirr und Wäsche vorhanden sein mag, steckt irgendwo in Wand- schränken. Die japanischen Kinder sollen die artigsten der Welt sein, weil sie weder Möbel ruinieren, noch Lampen zerbrechen. In diesem Punkt mutz man den Beschreibern Japans rückhaltslos zu- stimmen. Die Kinder zerbrechen auch tatsächlich nichts, schon auS dem einfachen Grunde, weil zu zerbrechen nichts da ist. Wie die Leute sich im Winter gegen Kälte schützen, bleibt ein Rätsel. Die dünnen Bretterwände und Papierscheiben können doch schwerlich den Frost bannen. Ein solider Ofen ist selten zu sehen. Der kleine(transportable) Fcuerkasten, auf dem mit Holzkohlen die Mahlzeit gekocht wird, kann doch unmöglich Wärme genug für die Heizung des Zimmers erzeugen. Der Japaner hat keine Bettstatt. Er kampiert mit feiner Familie auf dem Boden feines einzigen, vielleicht nur drei Meter langen und nicht viel breiteren Gemaches. Eigentlich geht er auch nicht zu Bett, sondern das Bett kommt allabendlich zu ihm. Wenn es dunkel geworden ist und er am Plausch mit dem Nachbar keinen Gefallen Mehr findet, holt er aus dem Parterre deS Wand- schrankes eine Decke hervor, breitet sie auf dem Boden aus und legt sich gewöhnlich angezogen wie er ist, darauf. So eine Schlafdecke ist ein teures und ehrwürdiges Stück Hausrat. Deshalb wird sie auch sorgfältig aufbewahrt. Manchmal sind diese Decken derartig verschlissen, datz sie ihren Namen nicht mehr verdienen. Gar nicht selten riecht man es ihnen schon an, datz sie der Tummelplatz vieler Familienfestlichkeiten gewesen sind. Wenn man sie über die Nase zieht, entströmt ihnen ein Aroma, daS von feudalen Zeiten träumen macht. Die Masse der Arbeiter mag monatlich eher weniger als fünf Mark für die einzimmerige Wohnung ausgeben. Das wird wenig erscheinen, solange man die Klause nicht kennt. Dieses niedrige, nackte, enge, in der Regel neunmal neun Fuß messende Zimmer, das nur von dünnen Brettern und Papierscheiben eingeschalt ist. würde anderwärts noch billiger sein, wenn die Polizei ihre Ver- mietinuz an Menschen gestattete. So primitiv wie die Nahrung und Wohnung, ist auch die Kleidung des japamschen Arbeiters. Mit einem Kimono(ein leichter, von den Schultern bis an die Knöchel reichender Mantel aus dünnem Gewebe), womöglich noch ein Unterleibchen und einem aus sechs Brettchen zusammengefügten Paar Trittchen ist sein Medopf an KlcidÄNg gedeckt. Freilich haben die bessergestellten wendige polizeiliche Erhebungen werden mit größter Be- schleunigung getroffen werden. v. Stünzner-Karbe. An den Stadtverordneten R. Felder, Fürstenwalde. Darauf schrieb der Genoffe Felber, datz der Garten, der an dem Hause eines unserer Partei freundlich gesinnten Dorfbewohners liegt, für 299 Personen Raum gewährt und mehr Personen auch kaum zu der Versammlung erscheinen dürften. Nunmehr erhielt Felber folgende originelle Antwort: «Bezüglich Ihres Gesuches vom 9. d. MtS. betreffend Ge- nehmigung einer Wählerversammlung unter freiem Himmel vom 14. 8. 19 zu Briefen i. M. erhalten Sie auf Ihr Schreiben vom 11. 8. 19 hierdurch folgendes zum Bescheid: Das in Frage kommende Grundstück habe ich persönlich in Augenschein genommen und gefunden, datz es wohl grotz genug ist, um 290 Personen zu fassen, doch ist auf demselben weder für Wasser gesorgt, noch ein Abort vorhanden. Da ein Abort unbedingt notwendig ist, wird Ihnen anheim- gestellt, einen solchen auf dem Platze zu errichten und zwar für Männer und Frauen gelrennt, da es nicht ausgeschlossen ist, datz auch Frauen an der Versammlung teilnehmen. Falls nicht beabsichtigt wird, zur Regelung der Wasser- frage eine Pumpe zu bauen, ist mir mitzuteilen, ob und wie- viel Gespanne zum Wassersahren bestellt sind. Die Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung kann nicht eher erteilt werden, bevor nicht mitgeteilt ist, datz obige Bedingungen erfüllt sind. v. Stünzner-Karbe." Genosse Felber teilte darauf dem Herrn Amtsvorsteher mit, datz auf dem Grundstücke zwei Aborte vorhanden sind; auch ein Brunnen ist auf dem Gehöft, um etwaige durstige Seelen zu er- quicken. Uebrigens könne der Amtsvorsteher seine Bedingungen auf keine gesetzliche Vorschrift stützen. Die Antwort war folgender Bescheid: „Sieversdorf. 13. 8. 19. Wie Sie bereit? aus dem Ihnen übermittelten Telegramm ersehen haben werden, wird die Genehmigung zur Abhaltung der öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel am 14. dieses Monats zu Briefen i. M. versagt. Gründe: 1. Da die Versammlung an einem Sonntage stattfindet, ist die Befürchtung, daß die Versammlung Gelegenheit zu R e i- b u n g e n und somit zur Störung der öffentlichen Sicherheit geben kann, keine so entfernte, datz sie nicht von der Polizeiver- waltung berücksichtigt werden dürfte. 2. Zu dem Grundstücke, wo die Versammlung abgehalten werden soll, führt kein öffentlicher Weg. v. Stünzner-Karbe." Man sieht, an Gründen zur Vereitelung einer sozialdemokra- tischen Versammlung war der Amtsvorsteher nicht verlegen. Aber genutzt hat ihm daS Verbot doch nichts. Die Versammlung fand zur festgesetzten Zeit in einem Wohnraum des PrivathauseS statt, die zahlreich erschienenen Besucher beschlossen laut§ 8 des VereinSgesetzeS, die Versammlung in den anstohenden Garten zu verlegen und dort konnte die Genossin Zietz-Berlin frei reden. Wieder ein russischer Grenzzwischenfall. Der„Frankfurter Zeitung" wird aus Königsberg ein neuer Nebergriff an der russischen Grenze gemeldet. Ein durch langjährigen Aufenthalt an der Grenze mit den Vorschriften wohl vertrauter und vielen russischen Grenzsoldaten gut bekannter 87 Jahre alter Mann wurde von einem Kosaken auf das zwischen den beiden Grenzgräben liegende neutrale Gebiet gelockt und dort festgenommen. Auf drei abgegebene Alannschllsse kam die Grenzwache herbei, da der Kosak erzählte, er wolle sich die für jede Festnahme an der Grenze übliche Belohnung von 3 Rubel verdienen. Nachdem der alte Mann in der nächsten Grenzwache und in dem etwa«ine halbe Meile ent- fernten Kordon verhört war. wurde er in daS Gefängnis geworfen, wo er 24 Stunden zurückbehalten wurde. Am anderen Tage wurde er an die preutzifche Grenze zurückgebracht, nachdem er vorher zwei Schriftstücke, deren Inhalt ihm nicht vorgelesen wurde, unter An« Wendung der Zwangsmatzregeln hatte unterschreiben müssen. Der auf diese Weise Mitzhandelte hat den Fall zur Anzeige gebracht, was ihm natürlich nichts nützen wird. Einschränkung der Gefängnisarbett. In Verfolg eines Beschlusses de» preuhischen Landtage« findet im Herbst eine Konferenz von Vertretern deS Handwerks, des ustizministeriumS, des Ministeriums des Innern statt, in der die rage der Konkurrenz der Gefängnisarbeit gegenüber dem Hand- werk beraten werden soll._ Militärjustiz. Vor dem Kriegsgericht der 1. Marineiuspektion in Kiel stand der Obermaschinistenmaat S ch o p p e vom Linienschiff.Braunschweig' als Angeklagter. Er hatte bei der Instruktion einen Heizer zweimal geschlagen, einmal direkt auf die Nase. I" der Nacht zum 9. Dezember schlug er zwei Heizer mit dem Schaufelstiel, weil sie nicht schnell genug arbeiteten. Das Urteil lautete auf 19 Tage Mittel- Arbeiter auch noch Reservestücke. Dafür gehen andrerseits auch viele im Sommer in einem Kostüm, das, wenn man von dem Strohhut und den. die edlen Teile an den Schenkeln bedeckenden Leinewandlappen absieht, schon dem biblischen Adam bekannt ge« Wesen ist. Auf den Sonntagsstaat sind sie weniger bedacht, schon aus dem Grunde, weil das Mikadoland den Sonntag nicht kennt. Die Japaner sind das reinlichste Volk der Welt! So steht es fast überall geschrieben. Man darf denen, die so berichten wegen ihres Irrtums nicht gram fem, denn sie haben ihre Kennt- nis in den höheren Schichten der japanischen Gesellschaft gesammelt. Die Untertanen des Mikado sollen jeden Tag baden. DaS müßte so sein, die körperliche Reinlichkeit heischte es. Der Japaner trägt keine Unterwäsche. Sein lose hängender Kimono läßt Staub und Schmutz ungehinoert auf den Körper dringen. Seine, wenn auch nicht eingige Waschgelegenheit ist daS Bad. Für viele Ar- beiter und Kleinbürger ist eine eigene Badeeinrichtung uner- schwingbar. Sie sind auf die öffentlichen Badchäuser angewiesen. Dort kostet dag Bad jedesmal drei Sen(8 Pf.). Datz aber die körperliche Reinigung im öffentlichen Badeort ein hygienischer Vorteil ist, können nur Leute behaupten, die nie darin gebadet haben. Der etwa anderthalb Meter in allen drei Dimensionen messende Wassertrog wird nur einmal täglich gefüllt. Alle Baoegäste eines Tages steigen in das gleiche Waffer, und bleiben lange darin hocken. Oft sieht man ein halbes Dutzend eifrig kon- vertierender Köpfe aus dem dampfenden Wasser lugen. Wtv der Inhalt des HolztrogeS nach einer mehrfachen Benützung aussehen mutz, kann man sich leicht vorstellen. Ich bin nur einmal am Morgen, als mir daS Wasser noch klar schien, hineingestiegen. AIS ich dann aber eine gelbbraune Brühe und dito Klumpen aufsteigen sah, stand fest, datz mein nach Reinigung schreiendes Gewissen mir die Benutzung des TrogeS für immer verbot. Die schreckliche Verbreitung scheußlicher Hautkrankheiten ist, wie eS mir scheint, neben der Kurpfuscherei auch besonders auf diese Art des Badens zurückzuführen. Meine Kenntnis der japanischen Arbeiterverhältnisse und der Kosten d«S proletarischen Lebensunterhaltes lassen mich sagen: In Japan verdient der tüchtige, gelernte Industriearbeiter im Durch- schnitt 1.29 Mk. pro Tag. Für seinen Lebensunterhalt mutz er, wenn er nicht frühzeitig an Unterernährung zugrunde gehen will, täglich 1.97 Mk.(für Speise und Trank b0 Pfg., Wohnung 17 Pfg., Kleidung 19 Pfg., Diverses 39 Pfg.) ausgeben. So blieben ihm noch für außerordentliche Ausgaben jeden Tag 13 Pfg. DaS ?ilt für den kräftigen, gutbezahlten Profeffionisten. Bei den Ver- eirateten müssen Frau und Kinder mitschanzen, um den Hunger. wolf vpy der Tür zu hsstm, Wie aber die schlecht bezahlten KusiS 1 artest; daS Gericht nahm an. der Angeklagte Hove im Fieber« zustande gehandelt, weil er an Mandelentzündung und Rheuma« liSmus leide. Ein anderer Fall: Vor dem Kriegsgericht deS 1. Geschwader» hatten sich zwei Matrosen wegen Fahnenflucht zu verantworten. AlS daS Linienschiff„Witielsbnch" am 39. Juli bei Odde in Norwegen lag, benutzten sie einen Landurlaub zur Flucht. Sie wurden aber von der norwegischen Polizei ergriffen und zur Flotte zurückgebracht. Das Urteil lautete für jeden auf 1 Jahr 6 Monate GefäligNiS und Versetzung in die zweite Klasse deS SoldatenstaudeS. Oeftemich. Desertion Wien, 17. August. Wie aus Pola gemeldet wird, sollen von dem aus Argentinien zurückgekehrten Kreuzer„Karl VI." während dessen Aufenthalt in Argentinien SS Unteroffiziere und Matrosen desertiert sei». Spsnien. Versammlungsverbote. Madrid, 17. August. Die Regierung wird die gleich» zeitige Veranstaltung von karlistischen und republikani» schen Versammlungen, die in Catalonien für den 23. August gg. plant sind, nicht gestatten. Englancl. Tie Arbeitslosenversicherung. Zur Frage der Arbeitslosenversicherung hat der Leiter des Arbeitsnachweiswesens, W. H. Beveridge, in der Versammlung eines kleinen Privatversicherungsvoreins eine wenig hoffnungsvolle Erklärung abgegeben. Er sagte, es würde noch mindestens zwei Jahre dauern, biS die Regierung den Entwurf eines Gesetzes vorlegen könne. In- zwischen solle jeder Weg der Abhilfe beschritten werden; denn weniger noch als irgendwo sonst könne man in dieser Sache auf die Regierung warten. Das sieht fast aus, als solle die Arbeitslosen» fürsorge noch manchmal als liberale Wahlparole dienen. Dänemark. Klassenjustiz. Unser dänische Parteigenosse Folketingsmann Sabroe, dov besonders durch seinen unermüdlichen Kampf gegen Kindermitz- Handlung und Mißstände in den Erziehungsanstalten bekannt ge- worden ist, wurde am Montag vom Hof- und Stadtgericht in Kopenhagen zu 3S99 Kronen Geldstrafe oder 219 Tagen Gefängnis verurteilt, weil er durch drei im Jahre 1998 in„Socialdemokraten" veröffentlichte Artikel die Vorsteherin eines Kinderheims beleidig! haben soll. Der Redakteur des bürgerlichen Blattes„Klokken 12", der die Artikel übernommen hatte, ist seinerzeit mit 359 Kronen Geldstrafe davongekommen. Unser Genosse ist also zehnmal so hart verurteilt worden, obwohl durch Zeugenaussagen der Klägerin schwerwiegende Dinge zur Last gelegt wurden. Gegen das Urteil ist Berufung beim Höchsten Gericht eingelegt worden.— Eine Beleidigungsklage gegen„Socialdemokraten" in Kopenhagen hatte der frühere Landwirtschaftsminister Ole Hansen angestrengt wegen zweier Artikel, aus denen er den Vorwurf herauslas, daß er als Revisor des ButterexportvereinS von den Betrügereien seines Ministorkollegen Alberti gewußt habe, ohne etwas davon zu verraten. Das Gericht sprach jedoch unfern an» geklagten Genossen, Redakteur Lundbeck, frei, mit der Bq» gründung, datz der Vorwurf der Mitwisserschaft Ole HansenS in den Artikeln nicht enthalten sei. Oirkd. Die Entwaffnung in Mazedonien. Konstantinoprl, 18. August. Nach Depeschen deS WaR von Kossowo dauert die Einsammlung der Waffen bei den Bulgaren in Kasas, Jstip und Kotschana fort. Die Bulgaren von Koeprülü veranstalteten eine große K u n V- gebung gegen die geplante Bandenbewegung, wobei sie gegen die Sprache der bulgarischen Presse Verwahrung einlegten. Die Bewegung im Bezirk Jstip flaut ab. Die Bevölkerung ist ruhiger und gibt ihren Widerstand gegen die Behörden auf. Die Situation wird danach allgemein günstiger beurteilt. Hmerlha. Gegen den Reklamehelden.. New Vork, 16. August. Die Freunde RoofeveltS er- klären, datz der Kampf um den Vorsitz auf dem bevorstehenden Staatskonvent in Saratoga noch nicht zu Ende sei, da die zum Konvent erscheinenden Delegierten nicht an die Empfehlung des vorbereitenden Ausschusses gebunden seien und Roosevelt dennoch zum Präsidenten wählen könnten. DaS Vorgehen deS Ausschusses ist dahin zu verstehen, datz er zum Kampf ent» schloffen ist, um der politischen Vorherrschaft Noosevelts ein Ende zu machen. und die Arbeitslosen leben, zeigt ein Gang durch die Proletarier» distrikte der industriellen Zentren. In diesen feiert die mensch» liche Misere scheußliche Orgien. Hier hausen Tausende und Aber- tausende von menschlichen Kreaturen den Tieren gleich in schmutzigen, verpesteten, stinkenden Löchern, nicht wissend, woher eine Handvoll ReiS nehmen, womit die Blöße bedecken. Der japanische Arbeiter im allgemeinen sieht sich in Tagen wirtschaftlicher Not allein und verlassen. Sein einziger Freund ist der Tod. Japan wird nicht vergeblich das Land des Selbstmordes genannt. Staatliche Unterstützung gibt es nirgends; die Privathilfe ist gleich Null. Im Fall der Krankheit sucht der arme Teufel, wenn er noch einige Sen hat, beim Quack» salber Linderung, oder legt sich ruhig hin, um in stoischer Er- gebcnheit zu sterben. Die hohen Honorare der modernen Aerzta kann er nicht bezahlen. Immerhin hat er noch eine Stätte, wo er sich niederlegen kann. Aber die Bewohner der Slums wandern jeden Abend auf die Suche nach einer Liegestatt. Glücklich jene» die das Schicksal noch einige Sen finden ließ, um dafür in einer Zwei-Sen-Restauration eine Mahlzeit und einen Schlafplatz für eine Nacht erstehen zu können. In diesen Herbergen pressen sich die mit schmutzigen Fetzen bedeckten Parias auf dem harten Boden eng aneinander, um nicht zu erfrieren, Die einzigen Glücklichen in diesen Häufungen de» Elends sind die Wucherer. Sie verstehen es meisterhast, aus der Misere der Aermsten Profit zu pressen. Das Hab und Gut, da» die armen Teufel noch besitze» mögen, wird, obwohl es anderwärts für einen Schutthaufen zu schlecht wäre, noch von den Wucherern als Pfand für ein paar Sen angenommen. Die Allgemeinheit de» Elends garantiert ihnen steigenden Reichtum. Die vom Geld und Gut gänzlich Entblößten betteln in de» Krankenhäusern, Kasernen und europäischen Restaurants um Speiseabfälle. Zumeist ohne Erfolg. Denn was übrig bleibt, wird schon von den Agenten einer Gesellschaft geholt, die daraus Mahl- zeiten für die Gäste der Zwei-Sen-Rcstaurationen bereitet. Diel nagend« Bestie Hunger zwingt die unglücklichsten Stiefkinder de» Schicksals, die Mülleimer nach Nahrung zu durchwühlen. Fisch» köpfe. Eingeweide, Brotrinden, Knochen, kurzum, alles, was zu< Stillung des Hungers halbwegs geeignet ist, wird peinlichst ge- sammelt und verschlungen. Die Stratzcnhunde können es nicht viel orbärmlicher haben. Das Elend den Großstädte Amerikas und Europas ist auch grauenhaft, aber es verblaßt, es scheint erträglich zu werden, wenn man durch die Tokioer Quartiere Schitaya, Hongo oder Schiba wandert. WereinenOrtProletarier» Hölle taufen will, sollte sich erfl; die ElendSn scattkn JgpsvS suschev. GewcrfercbaftUchee. Gegen die JVIaulkorbverfüguncf." DaS Gewerkschaftskartell in Frankfurt a. M. beschäftigte sich kürzlich u. a. auch mit dem neuen Erlaß des preußischen Handelsministers in der Frage der Berichterstattung der Gewerbeinspektoren. Der Minister hat sich das Wohlgefallen der Industriellen erworben durch die Anweisung an die Aufsichtsbeamten, sich auf die einfache Tatsachenberichterstattung zu beschränken, keine Kritik zu üben, keine Ratschläge zu erteilen. Nach einer entsprechend scharfen Kritik der ministeriellen Maulkorbverfügung gelangte in der Kartell- sitzung folgende Resolution zur Annahme: „Die Kartellversammlung der Frankfurter GelverkschaftS- delegierten, die aus dem Jahresbericht des Arbeiter- und Gewerk- schaflssekretariatS die ungeheuren Schwierigkeiten des Kampfes der organisierten Arbeiter für Hebung ihrer Lebenshaltung und Lrbeiterschutz entnimmt, spricht ihre schärfste Mißbilligung über den neuesten Erlaß deS preußischen HandelSministers auS, durch den die preußischen Gewerbeim'pektoren in der Kritik und in ihren Verbesserungsvorschlägen zur deutschen Arbeiterschutzgesetzgebung gehindert werden sollen. Sie erblickt in der Maßregel des preußischen Handelsministers eine aufreizende Stellungnahme zu- gunsten der Scharfmacher und der Feinde des ArbeiterschutzeS und erwartet von den Aufrechten unter den preußischen Gewerbe- aufsichtSbeamten, daß sie sich durch den arbeiterfeindlichen Erlaß in der sachkundigen Besprechung der zahlreichen Lücken der Arbeiter- schutzgesetze nicht beirren lassen." Berlin und Qmgeg-end. Tarifbewegung der Jnneuausbautischler. Die Vertrauensleute und Ausschußmitglieder der Betrieb«, deren Inhaber dem Verein Jnnenbau angehören, waren am Dienstag im GewcrkschaftShauie versammelt, um den Bericht der VerhandlungS- kommission entgegenzunehmen. Laughammer, der den Bericht gab, führte aus, daß die Unternehmer keinerlei Zugeständniste gemacht hätten. Die Einführung der Lohnarbeit sei glatt abgelehnt worden. Die Kommission habe nun versucht, die Kostgeldfrage in der Weise zu regeln, daß der vereinbarte Lohn als Abschlag gezahlt werde, wie daS schon in einigen Betrieben eingeführt sei. Doch auch daS sei abgelehnt worden; ebenso ein anderer Vor- schlag, die Abschlagszahlung staffelweise, für alle Betriebe gleichmäßig, nach der Lohnhöhe zu regeln. Die Arbeitgeber beriefen sich auf den allgemeinen Vertrag und wollten nicht über 33 M. Abschlagszahlung hinausgehen. Am Schlüsse erklärten sie allerdings, in den Betrieben mit den Ausschüsse» verhandeln zu wollen, auch den besser entlohnten Arbeitern ein höheres Kostgeld zu zahlen. Herr Rahardt, der an der Verhandlung teilnahm, habe«S den Meistern recht schwer gemacht, etwas zu bewilligen. Die Versammelten waren über das Ergebnis der Verhandlung sehr enttäuscht. In der nun folgenden Diskussion kam ein großer Unwille zum Ausdruck. Einige Redner erklärten, wenn man nichts zugestehen wolle, dann hätten die Verhandlungen mit dein Verein überhaupt keinen Zweck. Man lehne es natürlich ab, zu schlechteren Bedingungen zu arbeiten, als in vielen anderen Betrieben eingeführt sind. ES wurde be- schlössen, die Ausschüsse sollen noch einmal vorstellig werden und den Unternehmern folgende Wünsche unterbreiten: Als Abschlagszahlung bei Akkordarbeit sind mindestens 36 M. zu zahlen, bei einem Stundenlohn von 80 Pf. 40 M., bei höherem Lohn nach freier Ver> einbarung. Die Verhandlungen sollen Donnerstag und Freitag stattfinden und bis Montag abend sollen alle Betriebe über daS Er gebnis berichten. veutkebes Reich. Der Kampf auf den Schiffswerften. Die Situation hat sich nur wenig geändert. Mahnrufe einiger bürgerlicher Blätter und Sozialpolitiker an die Adresse der Regierung und an Männer von„großem Einfluß", doch ja recht bald Frieden zu stiften, machen anscheinend nicht den gewünschten Eindruck. Wie empfindlich sich der Streik der Hamburger Werftarbeiter bemerkbar macht, ist aus den sich jetzt häufenden Nachrichten zu ersehen, daß Schiffe, die früher stets in Haniburg ihre notwendigen Reparaturen vornahmen, nunmehr das Ausland zu diesem Zwecke aufsuchen müssen. Außer dem Dampfer„HelioS", der schon in der vorigen Woche nach ShieldS ging, um dort repariert zu werden. geht nunmehr auch der Dampfer„Geestemünde" wegen Boden- fchadenS nach England. Der in Kopenhagen durch Feuer schwer be- schädigte Dampfer„Standard" soll dort bleiben, um gleich an Ort und Stelle die nötigen Reparaturen vorzunehmen. Alle drei Schiffe gehören der Deutsch-Amerikanischen Petrolenm-Gesellschaft an. Wie bei allen großen Kämpfen zwischen Kapital und Arbeit zeigt sich auch bei der Werftarbeiterbewegung die Solidarität der übrigen Arbeiterschaft. Die Verwaltungsstelle Hamburg deS Zentral- Verbandes der Schmiede nahm zum Streik der Werftarbeiter Stellung. Zur Verhandlung stand die Erhebung eines Extrabeitrages, um die streikenden und ausgesperrten Werftarbeiter recht totkräftig unter- stützen zu können.— Einstimmig war man der Meinung, daß den Kollegen auf den Werften alle Sympathie zngewendet werden müsse. Beschlossen wurde, vorläufig auf die Dauer von sechs Wochen einen wöchentlichen Extrabeitrag von 1 M. zu erheben. In den Tod gejagt. In der Nähe von Weißcnburg in Mittelfranken ließ sich auf der Bahnstrecke Nürnberg— München der ledige Töpfer Artur Mückel aus Meißen vom Zuge überfahren und war sofort tot. Mückel ist ein Opfer des Unternehmerterrorismus geworden. Er war im vorigen Jahre am Töpferstreik in der Fabrik von Lang u. Wertheimer in Günzenhausen beteiligt, der monatelang dauerte und schließlich ver- loren ging. Die Firma begnügte sich nicht mit ihrem Sieg, sondern ließ die Streikenden bis in die letzte Zeit herein durch den Unter- nchmerverband mit einer schwarzen Liste verfolgen. Auch Mückel bekam die Scharfmacherrache empfindlich zu verspüren. Wiederholt hatte er in anderen Orten Arbeit erhalten, prompt tat die schwarze Liste jedesmal ihre Schuldigkeit, stets mußte er auf Verlangen de» Unternehmerverbandes wieder entlassen werden. Auf solche Weise von Ort zu Ort getrieben, wurde der erst ISjährige junge Arbeiter zuletzt zur Verzweiflung getrieben und in de» Tod gejagt. Mit der genannten Firm hatte der Töpferverband schon mehrmals wegen Aufhebung der schwarzen Liste verhandelt, aber stets vergeblich. Nachdem daS Unglück geschehen, hat man die Liste aufgehoben, weil die Firma„kein Interesse mehr daran habe, ob die ehemaligen Streikenden Arbeit haben oder nicht I" Anerkennung der Organisation in der Branindnstrie. In der Magdeburger Brauindustrie wehrten sich bis jetzt die Unternehmer hartnäckig gegen die Anerkennung der Organisation der Brauereiarbeiter. Sie hatten sich in dem„Bund Deutscher Brauer- gesellen" eine gelbe Schutztruppe geschaffen, mit deren Hilfe sie das Eindringen des Brauereiarbeiterverbandes in Magdeburg und somit auch eine zeitgemäße Regelung der Arbeits- und Lohnverhältnisse zu vereiteln hofften. Als aber Anfang 1904 der Brauereiarbeiterverband doch Eingang in Magdeburg fand, schloffen die Unternehmer schnell mit ihrer gelben Schutztruppe einen„Tarif", gültig bis 1907, ab, der dann mit geringen Aenderungen bis 1912 verlängert wurde. Der Zweck der Uebung war, der gelben Schutztruppe bei einem etwaigen Vorstoß der frei organisierten Brauereiarbeiter ganz sicher zu sein.— ES hat ihnen nichts genützt; jetzt haben sich die Magdeburger Brauereien nacheinander zur Anerkennung der Organisation und zum Abschluß eines Tarifvertrages bequemen müssen. Der Vertrag sieht eine Lohnerhöhung von 1,60 M.. teilweise aber auch von 2 bis 6 M. pro Woche vor, ferner eine Arbeitszeitverkürzung von einer halben Stunde täglich und noch andere erhebliche Verbesserungen. Die dem Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein angeschlossenen gelben Bundesbrauer müssen nach ihrem„Tarif" bis 1. April 1912 noch zehn Stunden täglich arbeiten; auch steht der tarifliche Lohn der gelben Brauer bedeutend hinter den Löhnen der gleichen Lohngruppe deS jetzigen Tarifes zurück._ Aus der Holzarbeiterbeivegung. Die Holzarbeiter in Altenburg haben ohne Arbeitseinstellung eine nicht unbeträchtliche Verbesserung ihrer Lohnverbältnisse erzielt. Sie erhielten bei einem Vertragsabschluß auf die Dauer von vier Jahren eine Lohnzulage von 6 Pf auf die Stunde, davon 3 Pf sofort, einen Mindestlohn von 43 Pf.; 10 bezw. 20 Pf Aufschlag für Ueberstunden und eine bessere Bezahlung für Monlagearbeite». In der Stnhlfabrik von Rod. Oehlschlägel u. Co. in P r e u ß i s ch- Holland sOstpr.) haben sänUliche dort beschäftigten Stuhlbauer. Polierer, Drechsler und Tischler die Arbeit niedergelegt. Die Firma weigerte sich, auf die Forderungen der Arbeiter: Verkürzung der Arbeitszeit und Erhöhung der Stundenlöhne resp. Akkordpreise annehmbare Zugeständnisse zu machen. Es werden neue Arbeits- kräfte gesucht, die beim Eintritt in das Arbeitsverhältnis erklären müssen, daß sie keiner Gewerkschaftsorganisation angehören. Zuzug nach Pr.-Holland ist streng zu vermeiden. Die Tischlergesellen in Bünde sWestf.) sind in eine Lohn- bewegung eingetreten. Sie fordern Erhöhung des Stundenlohnes von 33 aus 40 Pf.; für Gehilfen im ersten Gesellenjahr 33 Pf, 5 Pf Zuschlag für Ueberstunden und Sonnabends die neunstündige Arbeitszeit. Da die Meister die Forderungen ablehnten, haben sämtliche Gehilfen die Kündigung eingereicht. Zuzug»st femzu- halten._ Töpferstreik in Leipzig. Nachdem die Unternehmer es abgelehnt hatten, auf die Forde- rungen der Töpfer— Erhöhung der Akkordsätze im neu abzu- schließenden Tarif— einzugehen, haben diese am Mittwoch, den 17. August, die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng zu vermeiden. Ausland. Der Nationalverband der belgischen Bergleute, der am 2. Fe- bruar 1890, als die Zusammenfassung der zersplitterten Ortsverbände errichtet wurde, zählte im Jahre 1909 in 3 Bezirksverbänden und 136 Ortsvereinen 30 800 Mitglieder(1899: 18 500); 32 Proz. der über 16 Jahre alten Bergleute(93 800). Das Vermögen beträgt nicht weniger als 3.1 Millioiten Frank; mehr als 30 M. auf das Mitglied. Seit 1901 erscheint ein Fachblatt, das monatlich. seit Anfang 1910 zweimal monatlich herausgegeben wird; man hofft. bald zu einem Wochenblatt zu konimen. Eine flämische Ausgabe erscheint in 1000 Exemplaren. Die Auflage stieg von rund 70 000 im ersten Jahre auf 110 000 1909 und wird jetzt 130 000 betragen. Seit 1903 besteht ein Sekretariat. Damals wurden die Leistungen für die Verbandszentrale von 10 auf 20 Cent, monatlich erhöht; immer noch ein sehr magerer Betrag. Der Verband besitzt ein um- fassendes Programm, das neben einer Reihe engerer Berufs- angelegenheiten eine Anzahl Forderungen von allgemeiner Bedeutung ausstellt: so die Vergesellschaftung der Bergwerke; Recht auf Arbeit und Achtstundentag; von den Arbeitern gewählte Inspektoren: Schiedsgerichte und Einigungsämter; Alterspension von 600 Frank für Bergarbeiter im Alter von 30 Jahren usw. Bergarbeiterausstand. Paris, 17. August. Die Bergleute deS Kohlenbeckens von La Mure bei Grenoble sind in den Ausstand getreten. Zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung sind Gendarmen dorthin beordert worden. Keine Metallarbeiter nach Italien. DaS internationale GewerkschaflSsekretariat erläßt eine dringende Warnung für Metallarbeiter vor Zuzug nach P i o m b i n o in der Provinz Pisa in Jialien. Dort sind 3000 Eisenhüttenarbeiter seit dem 24. Juli ausgesperrt, weil sie Lohnerhöhung verlangten. Die Unternehmer versuchen mit allen Mitteln, Streikbrecher auS dem AuS- lande, speziell auS Deutschland, zu importieren. Verlammlungen. Vierter Wahlkreis. Am Dienstag hielt der Wahlverein deS vierten Kreises in Kellers Saal eine Generalversammlung ab, welche die Berichte der Kommissionen, die in der vorigen Ver- sammkung noch nicht erledigt werden konnten, entgegenzunehmen hatte. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärte Genosse Hackelbusch, der als Parteitagsdelegierter gewählt worden ist. daß er das Man- bat des vierten Kreises nicht annehmen könne, weil er kurz vorher die Reichstagskandidatur im Kreise Prenzlau-Angermünde und auf dringendes Ersuchen der dortigen Genoffen auch ein Mandat ihres Kreises zum Parteitage habe übernehmen müssen. Das hierdurch erledigte Parteitagsmandat des vierten Kreises wurde nun dem Genossen Paul Böhm übertragen, der bei der Wahl nach Hackelbusch die meisten Stimmen erhalten hatte. Im Anschluß an diese Angelegenheit entstand eine Debatte, in der mehoer« Redner sich dagegen aussprachen, daß Genossen gleich. zeitig in zwei Kreisen zum Parteitage kandidieren. Ein vom Ge- nassen David gestellter Antrag wurde angenommen, welcher besagt: Wenn jemand außer im vierten Kreise noch in einem anderen Kreise zur Provinzialkonferenz oder zum Parteitag« kandidiert, so soll er von der Kandidatenliste des vierten Kreises gestrichen werden. Sollte die Doppelkandidatur erst nach erfolgter Wahl bekannt werden, so soll die Wahl des betreffenden als ungültig erklärt werden. Hierauf trat die Versammlung in die Tagesordnung ein. Büchner gab einen kurzen Ueberblick über die Tätigkeit der Preßkommission. Hackelbusch, der den Bericht der Agitationskommission er- stattete, schilderte die Schwierigkeit der Agitation auf dem Lande und zeigte, daß wir trotzdem recht gute Erfolge erzielt haben, so- wohl bei den Gemeindewahlen als auch im Wachstum der Partei- organisation. Weiter bemerkte der Redner, daß die Funktionäre der Partei und der Gewerkschaften einmütig zusammenarbeiten. Rott, der Vertreter der Lokalkommission konstatierte, daß der vierte Kreis keinen Lokalkampf zu führen habe, da ihm Lokal« genug zur Verfügung stehen. Im übrigen verwies der Redner auf den Bericht im Mitteilungsblatt. Genossin Wen gel s berichtet« über die Arbeiten der Kinder« schutzkommission und plädierte für rege Beteiligung an derselben. In der Diskussion hielt Regge eine länger« Rede, worin er die Anwendung schärferer Kampfmittel zur Erreichung der Partei- ziele energisch befürwortete und von der Parteipresse verlangte, daß sie diese Kampfmittel propagiere. Am„Vorwärts" sei zu tadeln, daß er es an Aufklärung über die Kampfmittel des Proletariats fehlen lasse, und daß er die Artikel von Rosa Luxemburg über den Massenstreik zurückgewiesen habe. Die Wahlrechtsdemonstrationen hätten bewiesen, daß die Massen von Kampfesstimmung beseelt seien und des Rufes zum Massenstreik warteten. Die Parteipresse habe die Aufgabe, diesen Geist in den Massen zu pflegen� B e t h g e trat dem Vorredner entgegen, indem er ausführte, die Tatsachen hätten bewiesen, daß Regge die Stimmung der Massen nicht zutreffend beureile. Die Taktik des„Vorwärts" in der Frage des Massenstreiks sei die richtige. Auch im übrigen entspreche die Haltung deS„Vorwärts" durchaus den Interessen der Partei. Wenn alles, was in der Parteipress« hinsichtlich der Pflege des Idealismus und des sozialen Geistes gesagt werde, von allen Genossen befolgt würde, dann wären solche Trraden, wie der Vorredner gehalten, überflüssig. Hierauf würde ein Schlußantrag«tgsttommm. Die Neuwahlen, beziehungsweise Vorschläge zum Zentral« vorstand hatten folgendes Ergebnis: Aktionsausschuß: Paul Hoffmann. Preßkommission: Büchner. Agrtationskom- Mission: Hackelbusch. Lokalkommission: Rott. Aspiranten: Mann, Barenthin, Bethge. Revisor: Z e u n e r. Ver- treterin der Frauen: Genossin Wengels. Geschäftsführender Ausschuß: Ernst, Liepmann, Böske. Nun folgte die Beratung verschiedener Anträge. Nach kurzer Debatte wurde ein Antrag angenommen, welcher bezüglich der Be- Handlung von Ausschlußanträgen folgendes bestimmt:„Dem Vor- stände steht das Recht zu, Ausschlußanträge einei�aus sieben Per- sonen bestehenden Schiedskommission zu überweisen, die alljährlich in der Generalversammlung neu zu wählen ist. Gegen die Eni- schcidung der Kommission steht den Beteiligten innerhalb vier Wochen vom Tage der Entscheidung ab Berufung an den Vorstand zu.— Beschwerden und Streitigkeiten unter den Mitgliedern, so- weit sie nicht Ausschluß inträge zur Folge haben, werden von der Schiedskommission endgültig erledigt.— Die Schiedskommission hat von allen Verhandlungen dem Vorstande Bericht zu erstatten." Ein Antrag der 29. Abteilung, der sich dagegen wendet, daß der Kassierer Barenthin zu.a Besuch der Parteischule bestimmt worden ist, wurde nach längerer Debatte durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Die Marmorarbeiter nahmen am Dienstag in einer über- füllten Versammlung den Bericht der Tariskommission entgegen. Obwohl die Tarifvorlage bereits vor vier Wochen an den Unter- nehmerverband eingereicht worden ist, soll erst am 19. August eine Verhandlung mit der Tarifkommission der Arbeiter abgehalten werden. In dem Einladungsschreiben ist außerdem darauf hin- gewiiesen, daß seitens des Unternehmerverbandes„eine Geneigt- heit auf Grund des eingereichten neuen Tarifes, Verhandlungen zu pflegen, nicht besteht" und daß die Herren nur bereit seien, auf der Grundlage des alten, vor drei Jahren abgelaufenen Tarifes, zu verhandeln. Der alte Tarif entspricht aber weder in seinem technischen Aufbau, noch in der Preisfestsetzung den gegenwärtigen Verhältnissen. In ausgedehnter Debatte machte sich eine berechtigte Empörung über die Verschleppungstaktik der Unternehmer Luft. Folgende Resolution gelangte einstimmig zur Annahme: „Die im Zentralverband der Steinarbeiter Deutschlands or» ganisierten Marmorarbeiter Groß-Berlins nehmen Kenntnis von dem Stande der Tarifbewegung. Sie erblicken in der Hinaus- schiebung der Verhandlungen durch die im Verbände der Stein- metzgeschäfte von Groß-Berlin für die Marmorbranche maß- gebenden Personen eine absichtliche Verschleppung derselben und ermächtigen ihr« Tarifkommission, die Verhandlungen mit dem Arbeitgeberverbande abzubrechen, falls dieser nicht die Gewähr für einen geregelten Fortgang der Verhandlungen bietet. Die alsdann zu unternehmenden Schritte unterliegen der Zustimmung einer zu diesem Zwecke einzuberufenden Versammlung.— Um den Gang der Verhandlungen möglichst zu beschleunigen, beschließen die Versammelten ferner, bis zum Abschluß der Tarifbewcgung die normale Arbeitszeit, 8ih bezw. 9 Stunden nicht zu über- schreiten und eventl. notwendig werdende Ueberstunden(Notstands- arbeiten) nur mit Zustimmung der Tarifkommission zu leisten. Eine für Sonntag, den 21. d. M., vormittags 10 Uhr, nach dem Englischen Garten, Alexander Straße 27c, einberufene Dersamm- lung wird alsdann eventl. weitere Beichlüsse fassen. Letzte Nachrichten und DepcFchcn. Englische Sympathiekundgebnng für die Werftarbeiter. London, 17. August.(W. T. B.) Das Parlamentarische Komitee der Trade Unions hat eine Sondersitzung abgehalten, um zur Bewegung der deutschen Werftarbeiter Stellung zu nehmen. In einer Resolution wurde den deutschen Werft» arbeitern die Sympathie der Versammelten zum Ausdruck ge« bracht. Die Bedingungen, gegen welche dte deutschen im Kampfe begriffen seien, stellten eine Bedrohung für die engli» schen Arbeiter dar, und an alle Mitglieder der Trade Unions sei die Mahnung zu richten, den deutschen Werftarbeitern jede finanzielle und sonstige Beihilfe zuteil werden zu lassen. Amnestie für Ungarn. Wien, 17. August.(Pretz-Tel.) Eine Amnestie aus Anlaß des 80. Geburtstags Kaiser Franz Joseph? gibt 20 wegen Hochverrat» und Aufreizung gegen die Staatsgewalt zum erstenmal verurteilten Ungarn die Freiheit wieder._ Der Dampfer„Elsa" beschlagnahmt. Gibraltar, 17. August.(W. T. B.) Der deutsch« Dampfer „Eksa" ist mit Beschlag belegt worden, da die Eigentümer des untergegangenen Dampfers„Marios" einen Schadenersatzanspruch in Höhe von 16 500 Pfund Sterling geltend gemacht haben. Beendeter Streik- Paris, 17. August.(W. T. B.) Ter Streik der Arbeiter der Eisenbahnwerkstätten der Nordbahngesellschaft in Tergmier ist beendet. Nachdem die Verwaltung zugesagt hatte, daß keine Matzregelungen erfolgen würden, haben die Arbeiter heute fast vollständig die Arbeit wieder aufgenommen. Vom Ucherlandflng Frankfurt-Mannheim. Mainz, 17. August.(W. T. B.) I e a n n i n ist heute abend iVi. Uhr zur Fahrt nach Mannheim gestartet und in Sand- Hofen, etwa sechs Kilometer vor dem Landungsplatz Mannheim, niedergegangen. Ob er heute noch aufsteigen wird, ist Zweifel- Haft. Er hat Hilfe von Mannheim erbeten. Beschädigungen hat der Apparat nicht erlitten. I e a n n i n hatte die Richtung verfehlt.— Der Apparat W i e n c z i e r s erlitt beim Anlauf einen Raddefekt und mutzte die Fahrt für heute aufgeben. Sein Apparat wurde in die Halle gebracht. DaS Ergebnis des AeroplanrundflugeS. Paris, 17. August.(W. T. B.) Nach der offiziellen Klassie- rung wurde die heutige letzte Etappe der Rundfahrt durch Ost- frankreich, Amiens— Paris, zurückgelegt von Leblanc in einer Stunde 46 Minuten 37 Sekunden, von A u b r u n in einer Stunde 54 Minuten 1 Sekunde. Die Gesamtzeiten der beiden sind 12 Stunden 0 Minuten 56 Sekunden bezw. 13 Stunden' 23 Minuten 15 Sekunden. Leblanc gewinnt den Preis des„Matin" im Be- trage von 100 000 Frank, fünf erste Preise und zwei Preise für Einzeletappen, im ganzen 127 000 Frank. A u b r u n gewinnt nur Preise für Einzcletappen, und zwar fünf zweite und einen ersten Preis im Gesamtbetrage von 13000 Frank._ Lustmord an einem Knaben. Schoenebeck bei Vorbeck, 17. August.(W. T. B.) Heute wurde ein seitgestern vermißter neunjähriger Knabe in einem Getreide- feld ermordet aufgefunden. Die Leiche weist mehrere Stiche in Brust und Rücken auf. Wahrscheinlich liegt Lustmord vor. Der Täter ist unbekannt._ Der Stand der Cholera iu Petersburg. Petersburg, 17. August. In Petersburg sind in den letzten 24 Stunden(von Mittag zu Mittag) an Cholera 48 Personen er» krankt und 24 gestorben. Der Krankenstand betrug am Ende der 24 Stunden 755 Personen. Aug den Zahlen ergibt sich ein wenn auch langsames Nach, lassen der Choleraerkrankungen. ierantw. Redakteur: Kan» Web», Berlin. Jnjeratxntkil v«anttv.l rtz, Glocke, Berlin. Druck u. Berlgg: vorwärts Buchdr. u. PrrlagSgnstglt Paul Singer h Co., Berlin SW. Hierzu L Beilagen«.Unterhaltung»»!. Nr. 192. 27. Iahrgallg. tilnp Ks Joifitls" Donnerstag. 18. Angnst 1910. Quittung. Im Monat Juli gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altona, 8. und 10. schleSW,-holst. Wahlkreis, 2, Quart. 1910 2257,39. Arnstadt, Wahlkr. Schwarzb.-Sondersh., 2. Quart. 1910 98,64. Aalen, 13. württemb. Wahlkr., 2. Quart. 1910 17,82. Aachen- Land-Eupen, 2. Quart. 1910 57,—. Berlin, diverse Beiträge: W. Z. 50,—. Von der Fiinfzigpfennigkasse der Kollegen der Firma Scheibe, Britz 5,—. Mitglieder des Verbandes deutscher Buch- drucker im„Vorwärts" 100,—. D. K. R. 25,—. Ges. durch Giwau, Kreuzbergstr. 29 10,45. Zinsenannahme« Verweigerung d. Sp. u. P.-Kasse durch O. W. 1,08. Dr. L. A. 109,—. Tischlerei Haferkorn u. Rau durch R. 3,—. Die Kontobncharbeiter vom Wedding 5,—. Gutenberg 31,10. Fünf Hutmacher, Königstr. 23 12,—. A. B. 50,—. P. S. 50,—. M. 28. 2,—. Jute, Rilterstr. 85 14,80. Bant, 2. oldenb. Wahlkr. 626,—, 2. hannov. Wahlkr. 68,10, 2. Quart. 1910, Sa. 694.10. Baden-Baden. 8. bad. Wahlkr., 2. Quart. 1910 66,18. Braunschweig, 1. Wahlkr. sBrauuschw.-Blankenb.), 2. Quart. 1910 1050,25. Desgl. 2. Wahlkr.. 2. Quart. 1910 132.10. Desgl. 3. Wahlkr. sHolzminden-Gandersh.), 2. Quart. 1910 inkl. er- folgter Nachzahlung 82,59. Breslauer Agitation-bezirk, 2. Quart. 1910, Wahlkreise: Guhrau 5,94; Militsch 20,53; Oels 12,16; Stieg 52,72; Ohlau 51.10; Breslau-Land 316,36; Neustadt 19,50; Neige 10,60; Liegnitz 220,34; Summa 709,30. Bremerhaven u. 19. hannov. Wahlkr., 2. Quart. 1910 633,92. Bremen, Beitrag sür 1. Halbjahr 1910 4259,09. Bern 75.—. Butzbach i. H.. X. Y. Z. 6,—, N. N. 1.—. Sa. 7,—. Butzbach i. H., I. O. u. K. O. 5,—. Bautzen, 3. sächs. Wahlkr. 1. Halbjahr 1910 373.40. Biberach, 16. württemb Wahlkr., 1. Halb- jähr 1910 11,70. Backnang. 11. württemb. Wahlkr., 2. Quart. 1910 42.03. Cassel-Melsungen, 2. Quart. 1910 502.82. Crefeld, Wahlkreisbeitrag für 2. Quart. 1910 259.30. Casseler Agitationsbezirk, Jahresbeiträge für 1909/10. Wahlkreise: Eschwege-Schmalkalden 249,96; Ninteln-Hofgeismar 127.86; Fritzlar-Hombnrg 28,53; Hers- feld-Notenburg 23,02; Waldcck-Pyrmont 12,96; Sa. 447,38. Calw, 7. württemb. Wahlkr., 2. Quart. 19lO 101,73. Cottbus, Kreistag- diäten-Uebersch. 1,85. Duisburg, Wahllreisbeitrag für 2. Quart. 1910 596,80. Dortmund-Hvrde, 2. Quartal 1910 1373,—. Darmstadl-Gr.-Gerau, 2. Quart. 1910 393,60. Danzig, Provinz Westprensjen, 2. Quart. 1910. Wahlkreise: Elbing-Maricnbrwg 56,49; Danzig-Land 11,23; Danzig-Stadt 191,24; Neustadt-Karihauö 4,—; Bereul-Stargard 1,48; Sluhm-Marienwerder 11,53; Graudenz- Strasbnrg 32,80; Thorn-Kulm 13,44; Schwetz 7,36; Konitz- Tuchel 6,56; Schlvchau-Flaiow 10,20; Dcutsch-Krone 10,20; Sunrma 356,58. Ehlingen, 5. württemb. Wahlkr.„ 2. Quart. 1910 451,81. Eisleben, Mansfelder Wahlkreis, Jahresbeitrag für 1909/10 280,71. Elbcrfeld-Barmen, 2. Quart. 1910 900,—. Einbeck, 11. hannoverscher Wahlkreis 313,08. Eberswalde, Wahlkreis Oberbarnim, 2. Quart. 1910 146,54. Eilenbnrg, Wahlkr. Delitzsch- Bitterfeld, 2. Quart. 1910 281,52. Falkenbcrg(Oberschl.) 17,—. Frankfurt a. M., Nestbeitrag sür 2. Quart. 1910 253,16. Frank- surt a. O.-Lebus, 2. Quart. 1910 214,88. Freiberg. 9. sächs. Wahlkr., 1. Rate sür 1909/10 200,—. Flensburg, 1. u. 2. schlesw.-holst. Wahlkr., 2. Quarr. 1910 358,66. Finsterwalde, Wahlkr. Kalau-Luckau, 2. Quart. 1910 252,08. Forst, Wahlkr. Sorau-Forst, 2. Quart. 1910 372,—. Göllingen, 12. hannov. Wahlkr., 1. Halbjahr 1910 112,—. Goslar, 13. hannov. Wahlkr., Beitrag für 1. Halbjahr 1910 154,58. Gotha, Wahlkreisbeitrag für 1909/10 876,25. Gr-Ottersleben, Wahlkr. Wanzleben, 2. Quart 1910 300,—. Geldern. Wahlkr. Cleve- Geldern. 2. Quart. 1910 14,60. Grabow, 3. mecklcnb. Wahlkreis, 1. Halbjahr 1910 68,30. Giehen-Grünberg i. H. a Konto der Bei- träge für das 2. Quart. 1910 48,40. Gebweiler i. E., Wahlkreisbei- trag sür 2. Quart. 1910 14,72. Goldbeck i. Altm., stiller Partei- genösse 10,—. Heiligenstadt, Beitrag vom Kreisverein für 2. Quart. 1910 5,10. Hagen-Schwelm, 2. Quart. 1910 sdarunter von Frauen 34.75) 539,43. Hornberg, 2. badischer Wahlkr., 2. Quart. 1910 66,—. Heilbronn, 3 württemb. Wahlkreis, 2. Quart. 1910 195,80. Horburg, 17. hannov. Wahlkr., Restbeiträge für das 3. und 4. Quartal 1909 u. 1. Quartal 1910 536,51, Beitrag für das 2. Quartal 1910 880,99, Sa. 1417,50. Hemelingen, 6. Hanno« versche Wahlkreis. Jahresbeitrag für 1909/10 930,62. Heidel- berg, Wahlkreisbeitrag für 2. Quart. 1910 181,70. Hanau- Gelnhausen-Orb, 2. Quart, 1910 1516,59. Itzehoe. 5. schlesw.-holst. Wahlkr.. 2. Quart. 1910 323,76. Köln a. Rh., Reg. W. 20.—. Karlsruhe-Bruchsal, 10. bodischer Wahlreis, 2. Quart. 1910 kleines feuülcton. Statistik dcs Vergnügens. Ans dem Jahresbericht des statistischen AmteS der Stadt Düsteldorf für 1909 lätzt sich an her Hand der Lustbarkeilssteuern eine Statistik des Vergnügens gewinnen. Zu be- rücksiititigen ist bei den Zahlen, daß an diesen Aufwendungen nicht nur die 328 000 Einwohner, sondern auch Fremde in erheblicher Masse beteiligt sind. Obenan stehen die 910 381 Karten für Kinemato- graphen. Dann kommen Konzerte mit 684 503 Karten, wobei die Gartenkonzerte eingeschlosien sind. Für Theatervorstellungen wurden 396 145 Karten versteuert, für das Spezialitätentheater 361 005, für Tanzbelnstigungen, Maskenbälle, Karnevalssitzungen 188 023. Dagegen fanden deklamarorische Vorlesungen nur 983 Liebhaber. Die große Masse der Besucher füllt die billigsten Plätze unter 50 Pf.: 1 537 845 Personen entfallen auf diele Kategorie. Bon 50 Pf. bis 1 M. für den Platz legten 234 059 Personen an, bis zu 2,50 M, gingen 127 4Ö4, 3,50 bis 4 M. wenden immer noch 42 917 Personen an, über 4 M. 1915 Bevorzugte. AuS dieser Aufstellung läßt sich bei den Konzerten und Theatervorstellungen nichl ertennen, was ernsteren künstlerischen Zwecken dient. Die Statistik läßt aber zur Genüge erkennen, daß die Masse des Volkes Hauptträger der Steuer ist. Die projektierte Berliner Lustbarkeitssteuer würde also auch in erster Linie die zahlreichste Klasse der.Lustbarkeitskonsumenlen" die Arbeiter treffen. DaS Gehirn des ältesten Menschen. In der französischen Akademie der Wissenschaften hat Eduard Perrier einen Abguß der Schädelhöhle des prähistorischen Menschen von Chapelle-aup-Saints überreicht, des älresten Repräsentanten der menschlichen Rasse, den die Wissenschaft bisher kennt. Der Abguß ist unter der Aufficht von Boule, den be- kannten Professor für Paläontologie, angefertigt worden. Es ist Boule dabei gelungen, die Schädelftagmente so glücklich zusammen- zufügen, daß der Abguß ein genaues Bild der Gehirnform und Gehirngröße gibt. Der Vergleich dieses Gehirns des ältesten Menschen mit den Schädelfornien des Europäers und der Affen ergeben, daß das Gehirn von Chapelle-aux-SaintS seinem Umfange nach zweifellos dem menschlichen Typus angehört. Da- gegen weisen die Ausdehnung der Stirnlappen und der Hinterkopf. läppen auf den Anthropoiden hin; hierin entfernt sich das Gehirn von Chapelle-aux-SaintS sehr stark von dem der lebendigen Menschen und steht selbst noch hinter den Gehirnformen der primitivsten Menschen zurück. Ein Sprachzentrum scheint zu fehlen; dagegen weist ein leises Vorwiegen der linken Schädelbälfte darauf hin, daß dieser Vorfahre dcs Menschengeschlechts rechtshändig war. Das Männerkindbett. Eine äußerst seltsame Sitte findet sich «och heute bei manchen Naturvölkern: das sogenannte Männer- kindbett. Sobald bei diesen Völkern eine Frau entbunden hat, legt sich— der Vater des Kindes ins Wochenbett, bleibt dort wochenlang liegen, empfängt Glückwünsche und läßt sich in allem wie eine Wöchnerin behandeln. Diese selbst aber muß schon sehr bald ausstehen und den häuslichen Verrichtungen nachgehen. Schon die Alten kannten diesen Gebrauch bei ewigen Völkern, Diodor fand th» auf Korsika, Strabo bei den Iberern usw. Später ent- 181,96. Königsberg, Agitationsbezirk Ostpreußen, 1. u. 2. Quart. 1910. Wahlkreise: Königsberg-Stadt 667,54; Königsberg-Land 123,10; Tilsit- Niederung 63,08; Ragnit- Pillkallen 41,26; Gumbiunen-Jnsterburg 39,53; Memel-Hehdekrug 36,73; Rastenburg- Gerdauen 24,49; Labiau-Wehlau 23,93; Lyck-Johannisburg 18,92; Osterode-Neidenburg 8,89; Brannsberg« Heilsberg 4,63; Einzel- Mitglieder 13,18; Summa 1070,43. Kiel, 7. schleswig-holsteinischer Wahlkreis, 2. Quartal 1910 2228,66. Landsberg- Soldin, Rest- beitrag für 1909/10 91,22. Lübau, 2. sächs. Wahlkreis, Jahresbeitrag für 1909/10 971,64. Luckenwalde, Wahlkreis Jüterbog-Zauch-Belzig, 2. Quartal 1910 434,22. Linimer, 9. hannov. Wahlkreis, Restbeitrag für 1909/10 369,11. Marburg i. H., Wahlkreisbcitr f. 2. Quart. 1910 18,—. München I u. II, 2. Quartal 1910 2221,46. Mannheim, 11. bad. Wahlkr., 2. Quart. 1910 650,—. Markirch-Rappoltsweilcr, 2. Quart. 1910 9,12. Meißen, 7. sächs. Wahlkr., 1. Halbjahr 1910 1750,—. Mühlhausen-Langensalza, 1. Halbjahr 1910 132,40. M.Gladbach, Wahlkreisbeitrog für 1. Quart. 1910 69,77, desgl. für 2. Quartal 1910 58.25, Sa. 123,02. Malchin, 4. mecklenb. Wahlkr., Jahresbeitrag für 1909/10 230,75. Metz, Wahlkreisbeitrag für 1. u. 2. Quart 1910 22,60. Nordhausen-Grafschaft Hohenstein, 1. und 2. Quartal 1910 374,59. Nienburg a. W., 7. hannoverscher Wahl- kreis 46,32. Neustadt i. H., 9. schleswig-holstein. Wahlkreis 178,56. Oberschlesischer Agitationsbezirk, 2. Quartal 1910. Wahlkreise: Beuthen-Tarnowitz 74,32; Kattowitz-Zabrze 69,93; Ratibor 17,91; Gleiwitz 11,40; Kasel 8,16; Pleß-Rybnik 7,56; Leobschütz 7,26; Oppeln 6,54; Kreuzburg-Rosenberg 3.24; Sa. 206,82. Oldenburg, 1. oldenb. Wahlkr. 153,85. Pforzheim-Durlach, 9. bad. Wahlkreis, 2. Quartal 1910 271.05. Plauen-OelSnitz i. V., 23. sächs. Wahlkr., 1. Quartal 1910 434.89, desgl. 2. Quartal 494,84, Sa. 929,73. Pößneck, Restbeitrag für Meiningen II für 1909/10 Pirna, 3. sächsischer Wahlkreis, Resibeitrag für 1909/10 Potsdam-Spandan-Osthavelland, 2. Quart. 1910 361.90. 5. mecklenb. Wahlkr. 474,03. Rehna, 1. mecklenb. Wahlkr., beitrag 1909/10 290,83. Staßfurt, Wahlkreis Calbe-Aschcrsleben Quedlinburg, 2. Quart. 1910 689,—. Solingen, Wahlkreisbeitrag für 2. Quart. 1910 sdarunter von Frauen 32,07) 569,91. Singen a.H., 1. badischer Wahlkreis 40,—. Stockelsdorf, Fürstentum Lübeck, 1. oldenb. Wahlkr., 2. Quart. 1910 194,08. Schleswig. 3. schleöw.- holst. Wahlkr., 2. Quart. 1910 149,53. Schwiebus, Wahlkr. Züllichau- Krassen, 2. Quart. 1910 75,63. Stettin. Agitationsbez. Pommern, 1. Quart. 1910, Wahlkreise: Stettin 231,88; Randow« Greifenhagen 758,84; Ueckermünde-Wollin 78,78; Greifswald-Grimmen 84,84; Stralsund- Rügen 103,78; Anklam-Demmin 23,32; Kolberg-Köslin, 4. Quartal 1909 69,04, 1. Quart. 1910 29,—, Sa. 98,04; Stolp-Lauenburg 13,04; Naugard-Regenwalde 8,24; Pyritz-Saatzig 7,30; Greifenberg- Kammin 12,36; Neustetlin 8,40; Dramburg-Schivelbein 3,74; Bütow-Rummelsburg 8,40; Sa. 1197,06. Stuttgart, 1. württemb. Wahlkr., 2. Quart. 1910 985,36. Schwenningen, 9. württem- bergischer Wahlkreis, 2. Quartal 1910 173.92. Schopfheim, 3. bad. Wahlkr. 81,43. Stadthagen, Wahlkreis Schaumburg-Lippe, 1. und 2. Quart. 1910 63,08. Strclitz, Wahlkr. Mecklenb.-Strelitz 194,03. Siegen-Wiltgenstein, 2. Quart. 1910 26,10. Schkeuditz, Wahlkr. Merieburg-Querfurt, Jahresbeitrag für 1909/10 631,54. tchwedt, Wahlkr. Prenzlau-Angermünde, 2. Quart. 1910 33,60. angermünde, Wahlkr. Stcndal-Osterburg. 2. Quart. 1910 202,10. Uelzen, Wahllreisbeitrag für 1. Halbjahr 1910 73,30.„Vorwärts"- Ueberschuß 2. Quart. 1910 31 652.95. Worms-Heppenheim, 2. Quart. 1910 51.—. Zittau. 1. sächs. Wahlkreis. 2. Quart. 1910 304,32. Zwickau, 13. sächs. Wahlkr., Restbeitrag für 1909/10 731,96. Berlin, den 13. August 1910. Für den Parteivorstand: A. G e r i s ch, Lindenstr. 69. 150,—. 1266,80. Rostock, Jahres- Sie„verksssllngsmWige verpsllchtuog". In der Verteidigung der Hofgängerei der badischen Landtags- fraktion ist auch als Argument die verfassungsmäßige Veipflichtung aufgetaucht. Kolb und andere erklären, daß die Fraktion ver- pflichtet sei, sich an diesen höfischen Aktionen zu beteiligen, weil sie bei der Uebernahme des VizepräsidentenpostenS versprochen habe, alle verfassungsmäßigen Verpflichtungen zu erfüllen. Die Verpflichtung zur Teilnahme an der Gratulationsdeputation sei aber begründet in dem 8 74 der Geschäftsordnung der Zweiten Kammer. Genosse Kautsky hat in seinem Artikel in Nr. 46 der„Neuen Zeil" schon bezweifelt, daß dieser§ 74 eine solche Verpflichtung statuieren deckte ihn Marco Polo in einem Teile Chinas, andere Reisende bemerkten ihn in Ostindien, Kalifornien, Westindien, Brasilien, Westafrika usw. Uebrigcns existiert der Brauch vereinzelt auch noch in Süd-Frankreich unter der Bezeichnung„couvada", ebenso bei den Basken in Biscaya und Ravarra. Die psychologische Erklärung dieser Erscheinung ist bis jetzt noch nicht völlig geglückt. Die Indianer geben in der Regel als Grund an, daß das Kind direkter vom Vater als von der Mutter stamme. Sie sagen, der geringste vom Vater begangene Diätfehler oder eine sonstige Unvorsichtigkeit könne dem Kinde das Leben kosten. Neuere Forscher haben sich mit dieser Erklärung, die man lange Zeit für genügend hielt, nicht zufrieden gegeben und glauben in dem Männer- kindbett einen symbolischen Akt zu erkennen, durch den der Vater das Kind der Mutter abkaufen müsse. Sie bringen dies in Verbindung mit der Theorie des sogenannten Mutterrechts, daS in der Urzeit bei den Völlern geherrscht hat. Nach diesem Mutterrecht erbte das Kind ursprünglich Namen, Besitztitel, Herrschwürden usw. ausschließlich von der Mutter, während cS mit dem Vater als nicht verwandt galt und ihm völlig fremd blieb. Als später daS Vater- recht sich durchsetzte, mußte dann der Vater das Kind der Mutter förmlich abkaufen, ein Brauch, der heute noch bei manchen Völkern herrscht, oder der Kauf wurde durch die Zeremonie dieser Schein- entbindung ersetzt. Die Entstehung einer Blitzröhre. In sandigen Gegenden trifft man nicht selten auf die Gebilde, die als Vlitzröhren bezeichnet werden, weil sie durch das Einschlagen eines Blitzes in dem Sand- bodcn entstehen. Sie sind selbstverständlich zu unterscheiden von den sogenannten Donnerkeilen, die mit dem Blitz gar nichts zu tun haben, sondern Reste von Versteigerungen(Bclemniten) darstellen. Das Studium der Vlitzröhren ist bisher ziemlich vernachlässigt ge- wesen, man weiß nur, daß sie gewöhnlich eine spiralige Form be- sitzen, aber nicht, wie diese zustande kommt. Ein Mitarbeiter der Nature hat in diesem Sommer Gelegenheit gehabt, diese Blitzröhren sehr genau zu beobachten, die sich durch einen wenige Fuß von ihm eingeschlagenen Blitz, also fast unter seinen Augen gebildet hatte. Es muß ein besonders glücklicher Zufall gewesen sein, daß der Augen- zeuge dabei seiner Sinne so wenig beraubt wurde, daß er den Vor- gang zu verfolgen imstande war. Ms der Blitz den Bodcn traf, er- hob sich von diesem ein« Rauch» oder Staubsäule bis zur Höhe von etwa drei Metern. An der getroffenen Stelle fanden sich drei kleine Lücher auf einer Linie von einem halben Meter. Das mittlere Loch hatte einen Durchmesser von 2� Zentimetern. Da es seit mehreren Tagen viel geregnet hatte, war der Boden sehr feucht und infolgedessen ein guter Leiter für die Elektrizität. Die Löcher waren ziemlich tief, und der Beobachter kam auf den glücklichen Einfall eines von ihnen mit Zinn auszugießen. Er stellte dabei fest, daß das Metall bis zu einer Tiefe von 1,20 Metern eingedrungen war. Dieser Umstand'.vor nur dadurch zu erklären, daß der Sand in der Umgebung des Loches durch den Blitz geschmolzen und zu- sammengesintert war. Der Ausguß hatte eine spiralige Form wie ein Pfropfenzieher und zwar recht regelmäßig in seiner ganzen Länge. Nach unten verengte sich das Loch, so daß der Metall- auSguß in eine scharfe Spitze endigte. In der Nachbarschaft der Löcher fanden sich zahlreiche in kleine Kristalle umgeschmolzene könne und hat den Wunsch ausgedrückt, den Wortlaut kennen zv lernen. Daraufhin schreibt man uns aus Baden: „Die badische Verfassung zeigt, daß die Entsendung außerordent- sicher Deputationen an den Großherzog nur in politischen Angelegen- heilen erfolgen kann, denn die Zulassung solcher Abordnungen an den Fürsten des Landes war ein Ersatz für das fehlende Initiativ- recht der Volksvertretung. Nach dem ursprünglichen(bis 21. XII. 1869 gültigen) Rechte der badischen Legislatur war der Volksvertretung nur ge- stattet, den Vorlagen der Staatsregierung die Zu- stimmung zu geben oder zu versagen. Abgesehen von der Mög- lichkeit, im Einverständnis mit her Regierung an deren Vorlagen einige Aenderungen vorzunehmen, konnten also aus der Mitte der Kammer selbst Entwürfe zu neuen Gesetzen nicht her« vorgehen. Deshalb bestimmte der 8 67 Abs. 3 der ursprünglichen Verfassung, daß durch eine mit dem Einverständnis beider Kammern vorzulegenden Adresse die Volksvertretung dem Großherzog die Bitte um die Vor- läge eines Gesetzes vortragen kann.(Reg.-Blatt XXI S. 345.) Der neue§ 67 der Verfassung verleiht den Kammern das Recht der Vorstellung und Beschwerde. Solche können von jeder Kammer für sich ausgehen.„Sie können den Großherzog unter Angabe der Gründe um den Vorschlag eines Gesetzes bitten." Für diese Inanspruchnahme des Regenten, deren rein politischer Charakter sich zweifellos offenbart, ist deshalb vorgeschrieben, daß der anderen Kammer vorher eine„Gelegenheit gegeben werden muß, sich�arüber auszusprechen". Die Verfassung enthält sonst keine Bestimmung, die einen Ver« kehr der Kammern mit dem Großherzog vorsieht. Die alte verfassuiigsgemäße Vergünstigung, um ein Gesetz unter« tänigst petitionieren zu dürfen, erforderte aber auch eine entsprechende Bestimmung in der alten Geschäftsordnung der Zweiten Kammer, welche sich bis in die heutige Zeit ohne wesentliche Ver- änderungen erhalten hat. Der„famose"§ 74 der Geschäftsordnung, der von diesen Bittgängen an den Hos handelt, d. h. von den De- putationen, lautet: „Deputationen, die nach eingeholter Erlaub« nis an den Großherzog abgeordnet werden, bestehen aus dem Präsidenten, den Vizepräsidenten, den Sekretären und aus einer von der Kammer zu bestimmenden Anzahl anderer Mit« glieder, die durch das Los gewählt werden." Beim Vergleiche mit dem Zitate aus der Kolbschen Streitschrift (Fol. 693 der„Neuen Zeit") erkennen wir sofort, daß in der Kolb« scben Vorführung des„famosen" 8 71 die Hauptsache weg- gelassen ist: Es kann eine solche Kammerdeputation nur dann zu Hofe gehen, wenn beim Großherzog vorher darum nach« gesucht und eine Erlaubnis gütigst gewährt worden ist. In der Kolbschen Propagandaschrift der Hofgängerei wird der Paragraph wahrscheinlich auch deswegen nur so unvollständig mit« geteilt, weil es den Verteidigern der Hofgängerei unbequem ist zu« zugeben, daß die Gratulationsdeputation, die im September sich im Schloß zu Karlsruhe vorstellen soll, im Widerspruch zu den Vor« schriftcn der Geschäftsordnung zustande gekommen ist. Denn diese Deputation ist nicht in einer ordentlichen Sitzung der Zweiten Kammer durch das Los gewählt, sondern in vertraulichen Be« sprcchungen unter den Parteien zustande gekommen. Ohne die Erlaubnis des Landesvaters, ohne die Beachtung der Bestimmungen deS 8 74 l Schon aus diesem rein formellen Grunde kann absolut gar keine Rede davon sein, daß die sozialdemokratische Fraktion wortbrüchig würde, wenn sie die Beteiligung an solcher Deputation ablehne. Die alte Deputationsbestimmung der Kamniergeschäftsordnung kam früher öfter in politischen Angelegenheiten zur Anwendung, so« lange die Kammern nicht das Recht hatten, selbst Gesetzentwürfe vorzulegen. Ein Recht, das ihnen nach dem jetzigen 8 65a der Ver- fassung zusteht. Damit hat der 8 71 der Geschäftsordnung eigentlich seine Bedeutung verloren. Er war keineswegs als Handhabe für byzantiinsche Kundgebungen gedacht. Auch wenn die Deputation ge- treulich nach den Bestimmungen des§ 74 eingesetzt worden wäre, könnte von einem Wortbruch der sozialdemokratischen Fraktion aar keine Rede sein, da sie sich lediglich dem Mißbrauch dieses Paragraphen zu einem Zwecke widersetzte, der ihm ursprünglich ganz fremd war. Außerdem: für eine Deputation einer einzelnen Kammer, welche nach geschlossener Tagung zum Großherzog geht, gibt weder Perfassung noch Geschäftsordnung irgend einen gesetzlichen Boden. Sandkörner, und in der weiteren Umgebung wurden noch andere Blitzröhren entdeckt._ Notizen. — Die Freie Volksbühne teilt mit: Aus zahlreichen Anfragen geht hervor, daß unter Mitgliedern die Meinung ver» breitet ist, der Verein würde infolge des behördlichen Eingreifens gezwungen sein, seine Tätigkeit bis auf weiteres einzustellen. DaS ist jedoch keineswegs der Fall. Als der Verein im April 1895 unter Zensur gestellt werden sollte, sistierte er seine Tätigkeit freiwillig, um sich auf veränderter Grundlage neu zu konstituieren. Zu einem gleichen Vorgehen liegt diesmal kein Grund vor; denn Statut und Organisation des Vereins sind jetzt entsprechend den Ansprüchen des Oberverwaltungsgerichts derart geändert, daß der Verein getrost alles weitere an sich herankommen lassen kann. Die Freie Volksbühne nimmt somit am ersten Sonntagnachmittag des September in den fünf von ihr gemieteten Theatern> respektive Theaterräumen, ihre Tätigkeit in vollem Umfang wieder auf. An- meidungen zur Mitgliedschaft nehmen sämtliche Zahlstellen ent- gegen. Aufgeführt'werden zunächst GalsworthYS Schauspiel: „Kampf"(aus dem Leben der englischen Arbeiter), Björnson: „U e b e r unsere Kraft", Hermann Bahr:„DaS Konzert", „Die 3 00 Tage" von Gavauld und„Der Herr Senator" von Schönthan. — Eine Proudhon-Feier mit offiziellem Tam« t a m. Am Sonntag ist in Besanqon anläßlich einer Reise deS Präsidenten der Republik ein Denkmal des kleinbürgerlichen Anarchisten Proudhon enthüllt worden. Die Festrede hielt der Arbeitsminister B i v i a n i, der sich hauplsächlich bemühte, ProudhonS sentimentalen Gcrechtigkeits-SozialismuS gegenüber Karl Marxens„Fatalismus" herauszustreichen. Immerhin zeigt die Rede des Exgcnossen Viviani denn doch ein ganz anderes Gedankenniveau, alS die Auslassungen preußischer Staatsmänner über den Sozialismus. In einer Bankett« rede feierte auch Herr FalliöreS in Wendungen von vorsichtiger All- gemeinheit die Verdienste des Anarchisten Proudhon um die Demo« kratie. Der Dichter Maurice B o u k a y ließ in einem zu dieser Gelegenheit verfaßten Gedicht das Volk dem Denker ein rosa Hecken« röschen darreichen. Die ganze Veranstaltung war aber schon sehr in Blaßrosa gehalten. — Forschungsarbeit in Arabien. Der Wiener Pro« fessor Musil ist am Mittwoch von seiner Forschungsreise in Arabien zurückgekehrt. Die Ergebnisse der Reise sind sehr groß. Musil ent« deckte großartige Nekropolen(Totenstätten) nnd hochwichtige historische Inschriften. Er glaubt, den wahren biblischen Berg Sinai wieder« gefunden zu haben(?). -»Die indische Pest im Erlöschen. Nach einem Bericht des„Lancet"°Korrespondenten aus Kalkutta sind in der ersten Juliwoche in ganz Indien nur noch 891 Todesfälle an der Pest verzeichnet worden, während die Peststerblichkeit vor einigen Monaten noch 20 000 in der Woche betrug. Da sonst die Abnahme der Seuche sich erst bei Eintritt der kalten Jahreszeit zu zeigen pflegte, besteht jetzt etwas mehr Aussicht auf das Erlöschen der furchtbaren Epidemie, die dem indischen Reich Millionen bsn Menschenleben gekostet hat. Nach Schluß der Kammer besteht kein Präsidium mehr. Laut Gesetz wird in der Zwischenzeit die gesetzgebende Körperschaft einzig und allein repräsentiert vom ständischen Ausschuß, der am Schlüsse jeder Tagung gewählt wird. Er ist verfassungsmäßig auf ein ganz bestimmtes Arbeitsgebiet beschränlt. W e i te r e Gegenstände können ihm nur durch einen iibereinstimmenden B e s ch l u tz beider Kaminern mit Genehmigung des Großherzogs übertragen werden. Diesem ständischen Ausschuß hätte also durch den Landtag die Gratulation übertragen werden können. Wir dürfen also die gesetzlichen Voraussetzungen prüfen, so peinlich es geschehen kann, eS läßt sich absolut nicht nachweisen, daß mit der Uebernayine aller verfassungsmäßigen Bestimmungen durch die sozialdemokratische Fraktion der Zweiten badischen Kammer der Zwang zur Hofgängerei gegeben ist. Es ist nicht einmal notwendig, daß sich das Präsidium bei Beginn der Session zum Großherzog begibt. Wie die Praxis beweist! denn in dieser Session verzichtete das Kannnerpräsidinm darauf, sich bei Hofe vorzustellen, wie es bisher Sitte war. Man teilte dem Landesvatcr die Konstituierung des Landtages schriftlich mit, ohne deswegen in allerhöchste Ungnade zu fallen. Die Berufung auf die verfassungsmäßigen Verpflichtungen ist also ein sehr brüchiges Argument. Wenn die feierliche Eröffnung und Schließung des Landtages stattfindet, herrscht in den Räumen dcS Landtages der mittelalterliche Herr Hofzeremonien meist er und schreibt den Erkorenen deS Volkes vor, wie sie sich während dieser schranzenhaften Zeremonie zu kleiden, zu bewegen und zu betragen haben. Unter anderem v e r- ordnet dieser höfische Kodex für parlamentarische Stall- knechtSordnung. daß eine Deputation der Zweiten Kammer den Großherzog im Hnusgange beim Hoftor des Ständehauses unter- tänigst zu empfangen und an den Thron im Sitzungssaal zu ge- leiten habe. Das Los bestimmt in der vertraulichen Vorbesprechung der Abgeordnelen diese Deputation; die ausgelosten Sozialdemo- kraten traten bisher zu dieser Arbeit nicht an. Vielleicht bringt es die Angst vor der Wortbrüchigkeit noch fertig, daß nach der Auf- fassung der modernen.prallischen Arbeit" auch die Teilnahme an diesem Empfang als eine übernommene verfassungsmäßige Pflicht- erfüllung hingestellt wird. Allen Ernstes versicherte ein badischer Abgeordneter, diese vorsintflutlichen Zeremonverordnungen des Hof- marschallainteS könnten auch als ein Stück Verfassung an- gesehen werden I— Mit verschwindenden Ausnahmen verurteilte bisher die gesamte badische Pnrteigenossenschoft den Hofgangsbeschluß der Mehrheit der Fraktion. Es darf deshalb mit Recht verlangt werden, daß die Ge- nossen Geiß und Pfeiffle den Willen der badischen Genossen erfüllen und sich an der Gratulationsdeputation nicht beteiligen. *•* Dazu noch Eines I Wie in der Pforzheiiner Parteiversammlung vom Referenten Geck niitgeteilt wurde, beabsichtigte er, seine im Vorstehenden gekennzeichnete Auffassung über die Anwendung der Verfassung und Geschäftsordnung gelegentlich der GratulationS- beratnng im Plenum der Zweiten Kammer vorzutragen. Auf Antrag deS Genossen Dr. Frank beschloß die Fraktion alsbald gegen wenige Stimmen, daß der Kollege Geck diese, der Auffassung der FraktionSniehrheit widersprechende Anschauung vor der Kammer nicht aussprechen darf. Dieser Beschluß erscheint nur als eine Konsequenz ans dem generellen Gebot, dem- zrifolge die Minorität der Fraktion sich bei Abstimmungen im Plenum der Kammer der Auffassuilg der Mehrheit anzupassen hatte. Wer seiner Ucberzeugung gemäß nickt für eine von der Fraktions- Mehrheit gebilligte Gesetzcsvorlage(z. B. Finanzgesetz, Gemeindeordnung) stimmen konnte, hatte in der Disziplin nur die Möglich- keit, der Abstimmung fernzubleiben. Entsprechend verfuhren drei Mitglieder der Fraktion iviederholt. ES möge daraus auch erkannt werden, welche sachliche Beurteilung jene Behauptungen der badischen Parteiorgane verdienen, welche den nichteingeweihten Genossen ver- kündeten, daß der oppositionellen Seite der sozialdemokratischen Kanimerfraktion volle Zungenfreiheit gewährt worden sei." So weit unser badischer Genosse. Wir möchten noch hinzufügen, daß wir es als selbstverständlich erachten, daß mit der Uebernahme eines Präsidentenpostens die verfassungsmäßige oder geschäfts- ordnungsmäßige Verpflichtung zur Teilnahme an höfischen Altionen nicht verbunden werden darf. 1l. Nerbandstag der Schneider, Schneiderinntv und pschlörbeiter Deutschlands. Hamburg, 17. August. In der heutigen Vormittagssitzung wurde die Debatte über den Geschäftsbericht. Abteilung AllgememeS, Lohnbewegungen und Agilation durch Schlußantrag beendet. Derbandsvorfitzender S t ü h m e r konstatiert in seinem Schlußwort, daß eine prinzipielle Abl-buung des SchiedSgertchtSablonrmenS zwischen den Haupt- vorstäudcn nicht gefordert worden sei. Ein Schiedsgerichtsspruch werde wohl niemals beiden streitenden Parteien völlig gerecht werden, weil ein solcher immer auf der mittleren Linie zustande komme. Was die Anbahnung paritätischer Arbeitsnachweise sAntrag Bremen) anlange, so werde dagegen von der anderen Seite kein prinzipieller Widerspruch erfolgen. Sollten fort- Iiesetzte Tarifvcrstötze von feiten der Arbeitgeber erfolgen, o könne uns niemand daran hindern, das Tarif- abkommen zu lösen. Die Fluktuation unter den Mitgliedern«verde man auch nicht durch Mehreinstellung von Gau- und Bezirksleitern aus der Welt schaffen. Der große Metallarbeiterverband mit seinen guten Unterstütznngseinrichtuiigen habe im vergangenen Jahre, wie der.Vorwärts" soeben mitteilt, von den 114 000 neu eingetretenen Mitgliedern nur 11 000 zu halten vermocht. Genossin L i p p a- Wien schildert in ebenso temperamentvoller wie sachkundiger Weise die Erfahrungen in Oesterreich, die sie auf dem Gebiete der Organisierung der Frauen in der Wäschebranche gemacht hat. Anfangs sei es nur langsam vorwärts gegangen; als aber der Organisationsgedanke festen Fuß faßte, sei das schnell anders geworden. Jetzt gehören in Wien 9S Proz. der in den Wäschefabriken usw. beschäftigten Personen der Organisation an. Die Anstellung einer Agitatorin werde auch in Deutschland von Erfolg gekrönt sein, zumal eö an der Zeit sei, daß in dieser Branche geordnete Zustände Platz greifen. In Berlin seien die Löhne in oer Wäschebranche bedeutend niedriger als in Wien. S t ü h m e r bemerkt, der Vorstand habe der Organisierung der Wäschebranche große Aufmerksamkeit zugewendet. In Berlin existiere eine weibliche Agitationskraft; obwohl dort nur 120 Arbeiterinnen der Wäschebranche organisiert seien, leiste der Verband einen Jahreszuschuß von 2S00 M. Der Verband stehe dieser Frage durchaus nicht gleichgültig gegenüber. Aus dein vom Hauptkassierer Heitmann«Berlin erstatteten Kassenbericht geht hervor, daß die Kassenverhältniffe bedeutend günstiger sind als am Schlüsse der vorigen Periode. Der Kassen- bestand beträgt 423 000 M. gegen rund 16S 000 M. am Schlüsse der Vorigeu Periode. Sämtliche vorliegenden Anträge zu diesem Punkt werden einer aus fünf Personen bestehenden Kommission zur Beratung überwiesen. Es folgen vi« Berichte des Ausschusses und der Haupt- kassenrevisoren, worauf um 1 Uhr mittags die Verhandlung auf Donnerstag vertagt wird, weil der Nachmittag zu eine» Be- fichttguug des Hamburger Hafens usw. freigestellt ist. Hirn der Partei. Zum Parteitage. Der Sozialdemokratische Verein für Magde- bürg und Umgegend hielt am Dienstagabend eine General- Versammlung ab, um zum Magdeburger Parteitag Stellung zu nehmen. Der Referent Parteisekretär Genosse Holzapfel er- Arterie in der Hauptsache den von den Badener Landtagsabgeordneten herausbeschworenen Parteikonflikt. Die von einzelnen Seiten ge« äußerte Ansicht, daß die Badener Genossen böswillig gehandelt haben, könne er, Redner, nicht als zutreffend anerkennen. Den Vor- wurf des Disziplinbruchs lönne man ihnen aber nicht ersparen. Aber dessenungeachtet brauche es auf dem Magdeburger Parteitag nicht zu unerquickliche» Debatten zu kommen. Am aller- wenigsten sollten die Magdeburger Genossen dazu bei- tragen, schon aus Gründen der Gastfreundschaft s?) nicht. Die Partei habe aber auch gegenwärtig Einigkeit und Ge- schlossenheit nötiger denn je. Es wäre tief bedauerlich, wenn diese Einigkeit unter den Erörterungen über die Badener Angelegenheit leiden sollte. Am liebsten wäre es ihm, wenn der Parteitag nach dem Chemnitzer Antrag verfahren würde, die Badener Angelegenheit als Punkt 7 der Tagesordnung zu verhandeln. In der Diskussion nahmen zwei Genossen zu kurzen Be- merkungen das Wort, in denen sie die Budgetbewilligung der Badener entschieden verurteilten. Da Anträge zum Parteitag nicht borlagen, wurde der Punkt verlassen und zur Delegiertenwahl geschritten, aus der die Genossen K l ü h s und KleeS ssu. sowie die Genossin K a ß n e r hervor- gingen. Im Bockenheim er Wahlberein sprach Genosse Dr. Q u a r ck am Freitag über die Budgetfrage. Er bemerkte unter anderem zum Vorgehen der Badenler, die Gründe, die Kolb und Frank im einzelnen anführen, sind wenig st i ch h a l t i g, so gern anerkannt sei, daß sie mit ihrem Ver- halten der Partei dienen und politische Fortschritte für die proletarische Bewegung erzielen wollten. Falsch ist, daß man nicht auch im badischen Landtage DemonstrationS- Politik und praktische Arbeit nebeneinander treiben könne. Die eine schließt die andere durchaus nicht aus. Praktische Arbeit in allen Einzelfragen, wodurch wir uns eine immer festere Position in den Massen verschaffen, und grundsätzliche Ablehnung aller Zugeständnisse an die Machthaber im Klassenstaat, wodurch wir die geistige Führung der Massen gewinnen und uns erhalten. Unter diesen Gesichts- punkten können intensive Mitwirkung bei allen Gesetz- gcbungsarbeiten und Ablehnung der Zivilliste sowie jede Hof- gängerci durchaus nebeneinander hergehen. Sie heben sich nicht auf. sondern ergänzen sich im proletarischen Sinne. Nur muß stets die agitatorische Fühlung mit den Massen im Lande gesucht und erhalten Iverden. Und auch darin hat es die badische Fraktion beim Gemeindewahlrecht und der Schulgesetzgebung arg fehlen lassen. Zweitens aber ist unrichtig, daß wir durch die badische Be- willigungstoktik dauernd volksfeindliche Mächte, wie das Zentrum, ausschalten könnten. Zentrum wie Nationalliberale sind dieselben bürgerlichen Gegner der Arbeiterbewegung. Sie kämpfen in Baden um die StaatSknpjje, und die Nationalliberalen benutzen im so- genannten Block uns, nickt wir sie. Auch mit dem Zentrum haben wir schon Fortschritte erkämpft, so das Wahlrecht in Bayern und Baden. Wir müssen uns von jeder kompromittierenden Intimität fernhalten, sonst sind wir immer und schließlich die Getäuschten im Klassenkampfe.— Ein Beschluß wurde nicht gefaßt.— Als Delegierter zum Parteitag wurde in der Ur- abstimmung der Frankfurter Organisation Genosse Dr. O u a r ck "wählt. In Stichwahl kommen die Genossen Co h en» Hopf, kr ich und Wittich._ Eine Berufung an den Parteitag. Die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Vereins Mülhausen vom Dienstagabend nahm nach kurzer Begründung durch den Abgeordneten Genossen Emmel den folgenden Antrag deS Vorstandes zum Magdeburger Parteitag an: „Der Parteitag erklärt, daß das Programm der Sozialdemo- kratischen Partei Deutschlands, unter Forderung der stusenweis steigenden Einkommen- und Vermögenssteuer sowie der Erbschafts- stener, den Parteigenossen im Reich, in den Einzelstaaten und in den Gemeinden den Kampf gegen das System der in- direkten Steuern zur Aufgabe und Pflicht macht. Diese Aufgabe ist auch in der Kommunalpolitik um so ernster aufzufassen, je mehr die herrschenden Klassen im Reiche die inS Ungeheure wachsenden Ausgaben für RüstungSzwecke durch das Mittel der indirekten Besteuerung den Schultern der breiten Massen aufbürden, so daß der Kampf gegen die indirekten Steuern in zunehmendem Maße zum allgemeinen, immer weitere Kreise interessierenden Volkskampfe wird. Mit dieser Erklärung weist es der Parteitag zurück» daß auf der Konferenz der sozialdemokratischen Gemeinde- Vertreter Elsaß-Lothringcns am 20. Februar d. I. die Zustimmung der Reichstagssraklion zum Verbot der Weiter- crhebung kommunaler Nabrungsmittelabgaben im§ 13 deS ZolltarisgesetzeS von 1002 als„keine arbeitrrfreundliche, sondern Mittelstandspolitik" angefochten worden ist und daß hiervon ausgehend die Mehrheit der elsaß-loth« ringischen Landeskonferenz vom 17. Juli d. I. eine Resolution annahm, die den Kampf gegen den Oktroi in den Gemeindekollegien abzuschwächen und zu vertagen geeignet ist. Der Parteitag verurteilt eS. daß aus einer solchen, dem Parteiprogramm wie der bisherigen Taktik der Partei entgegenstehenden Auffassung heraus sozialdemokratische Gemeinderaismitglieder sogar der Erhöhung der Schlachtgebühren als Ersatz für fortgefallenen Oktroi zugestimmt haben, ohne daß das Parteiorgan des Bezirks diese Zustimmung rügte und ohne daß die Landeskonferenz der Partei eS für nötig hielt, zur Ver« nieidung solcher Entgleisungen, die der Partei im Kampfe gegen die indirekten Steuern Hindernisse bereiten, eine Mißbilligung aus- zusprechen." In seiner Begründung hob Genosse Emmel hervor, daß die Stellungnahme des Parteitages zum elsüssischen Oktroistreit desto dringender sei, da die Mannheimer.Volksstimme" und der Karls« ruher„Volksfreund" sowie der Genosse Kolb persönlich in seiner Broschüre zur Verteidigung des badischen Disziplin- b r u ch e s sich darauf berufen haben, daß die Gesamtpartei dem elsüssischen Disziplinbruch und den Programmverstößen in der Oktroifrage eine auffällige Schonung angedeihen lasse. Die badi- scheu Disziplinbrecher reklamieren diese Schonung auch für sich. Mit ihrem Antrag wollen die Mülhauser Parteigenossen dem Parteitag Gelegenheit geben, den Badcnsern, deren Verhalten im Sozial- demokratischen Verein Mülhausen sofort die schärfste Verurteilung erfahren bat, diesen Vorwand zu nehmen und in unseren elsässischen Parteidifferenzen ein Wort zu sprechen, daS die dringend nötige Klarheit bringt. Bereits hat bei der Gemeinderaisnachwahl in Gebweiler die durch das Referat auf der Gemeinde« vertrelerkonferen� vom 20. Februar d. I. angerichtete Konfuston in der Oktroifrage ihren nachteiligen Einfluß geltend gemacht. Genosse W i ck h wies noch darauf hin, daß bei den nächsten ReickStagS» wählen die Partei ihren wirksamsten Vorstoß gegen das im Elsaß übermächtig« Zentrum mit dem Hin» weis auf die Steuermacherei des Schnapsblocks aus» führen könne; ist nun der Beschluß der Colmarer Landes- konferenz in der Oktroifrage nicht korrigiert, so können die Gegner in Elsaß-Lothringen mit Erfolg uns entgegenhalten, daß die Stellungnahme der Partei zu den indirekten Steuern selber zwei- deutig sei. Die Partei hat also ein dringende» Interesse daran. daß diese agitatorisch höchst wirksame Angriffswaffe gegen da» Zentrum nicht abgestumpft werde.— Die Annahme der Resolution erfolgte hiernach e i n st i in in i g. Krciskonferenzen. Der sozialdemokratische Zentralverein für den v. schleswig-holsteinischen Wahlkreis sDith« marschen-Steinburg) hielt in Itzehoe seine Generalver- sammlung ab. Der Verein zählte am 1. Juli 1910 1614 männliche und 148 weibliche Riitglieder, gegen 1472»lännliche und 133 Weib- Iiche"im Vorjahre. Seit dem 1. Juli 1910 ist das Partcisekretariat in Tätigkeit und ist seitdem schon ein erfreulicher Aufschwung der Bewegung zu verzeichnen. Der Kassenbericht verzeichnet eine Ein- nähme von 7230,30 M. und eine Ausgabe von 6309,12 M., darunter 1S06,0S M. an den Parteivorstand und 603,09 M. an die AgitationS- kommissson der Provinz. Die„SchleSwig-Holsteinische Vokkszeifting" wird im Kreise in zirka 1900 Exemplaren gelesen, die „SchlcSwig-Holfteinische Landpost", die von der AgitationS- kommissson der Provinz herausgegebene Agitationszeitung für das Landgebiet, hat im Kreise 2223 feste Bezieher. In zwei Städten, Itzehoe und Kellinghusen, sitzen je 2 sozialdemokratische Stadtverordneie in den städtischen Kollegien und in 9 Gemeinden im ganzen 19 sozialdemokratische Gemeindevertreter in den Gemeinde- rätcn.— Die badische Hofgängerei und Budgetbewilligung wurde in einer ein st immig angenommenen Resolution ver- urteilt und der Parteitag ersucht, Stellung gegen die Partei- schädigende Haltung der Mehrheit der badischen sozialdemokratischen Landtagsfraktion zu nehmen. In seinem Referat über das Thema„Welche Aufgaben erwachsen der Parteiorganisation aus der politischen Lage?" ging der Reichstagskandidat des Kreises. Genosse Paul Müller- Berlin, auch auf die Parteikonstellation in der Provinz ein. Er meinte, man möge über ein Bündnis mit dem Freisinn denken, wie man wolle, in der Provinz Sckleswig-Holstein gebe es keinen bündnisfähigen Liberalismus. Der Freisinn Schles- wig-Holsteins ist reaktionär bis auf die Knochen. Wir find in der Provinz vollständig auf unsere eigene Kraft angewiesen. Ohne Konzessionen dürfe in Zukunft dem Freisinn kein Mandat mehr zu- geschanzt werden. Der Vorgang von 1907, wo wir dem Freisinn in der Provinz zu drei Mandaten vcrhalfen, er unS dagegen in zwei Kreisen an die Reaklion verriet, dürfe sich nicht wiederholen. Die Generalversammlung des 6. schleswig-hol» steinischen ReichStagSwahlkreiseS(Pinneberg- Segeberg) beschäftigte sich am Sonntag mit dem Magdeburger Parleitag. Genosse v.' Elm bemerkte in seinem Tortrage zum Verhalten der Badenser, daß eS sich für unsere Partei doch nicht darum handeln könne, durch Diplomatisieren und Paktieren mit den Gegnern im Parlament einige Scheinerfolge zu erzielen. Die neue Gemeinde- ordnung hätte vor allem die badischen Genossen ver- anlassen müssen, gegen daS Budget zu stimmen. Die Gratulationscour zur Silberhochzeit des GroßherzogSpaareS fei ein Firlefanz sondergleichen. Es könne nicht da- von die Rede sein, in Magdeburg den Nürnberger Parteitags- beschluß aufzuheben. Die Partei könne sich nicht durch ein disziplinwidriges Vorgehen einer kleinen Miuderheit einen Beschluß aufzwingen lassen. Er stehe auch nicht an, zu erklären, daß sich die Partei auf die Dauer eine solche Nichtachtung ihrer Beschlüsse nicht gefallen lassen könne. Die Debatte über das Vorgehen der Badenser endete mit der Annahme der bekannten Hamburger Resolution, die mit 89 Stimmen angenommen wurde. 32 Delegierte stimmten für die Berliner Resolution. Der sozialdemokratische Verein für den 8. und 10. schleswig-holsteinischen ReichstagSwahlkreiS Altona-Stormarn und Herzogtum Lauenburg hielt in R a h l st e d t seine Generalversammlung ab, die von 73 Dele- gierten und Parteifunktionären besucht war. Die Beiträge betrugen 27 293 M., die weiteren Einnahmen 3806 M. Der Hauptkasse in Berlin flössen als Pflichtbeiträge 8023 M.. der Agitationskommission SchleSwig-Holsteins 4102 M. zu. Insgesamt brachten die Mitglied- schatten beider Kreise die respektable Summe" von 03 457,36 M. auf. Die Zahl der Mitglieder stieg um 1100, so daß der Verein 12 960 Mitglieder zählt, davon entfallen 746 auf den einen fast rem agra- rischcn Charakter aufweisenden KreiS Lauenburg. Die Jugend- organisation stieg von 448 auf 667 Mitglieder. An Flugblättern wurden 537 000 Stück verbreitet, daneben die.Landpost" in 37 700 Exemplaren. DaS„Hamburger Echo" wird in beiden Kreisen in 9142(-{- 767), die„SchleSwig-Holsteinische VolkSzeitung" in 296(+ 68) Exemplaren gelesen. Trotz gestiegener Einnahmen verminderte sich der Kassen- bestand von 4686 M. auf 2847 M., was auf die großen Aktionen wie Wahlrechtsdemonstrationen usw. zurückzuführen ist. Stach einem Referat deS Genossen Thomas- Altona über die Tagesordnung des Parteitage« in Magdeburg wurde gegen eine Stimme(dem betreffenden Genossen ging die Resolution nicht weit genug) eine Protestresolution gegen die badischcn Disziplin- brecher angenommen. In seinem Vortrag über den Wahlrechtskampf und die bevorstehenden ReichstagSwahlen" forderte Genosse F r o h m e unbedingte Sufrechterhaltung der Disziplin als einen der ersten Parteigrundsätze. Ohne Disziplin könne die Partei auf die Dauer nicht bestehen. Er verurteilte ebenfalls scharf daS ver- halten der badiscken Budgetbewilliger und Hofgänger. In völliger Einheit und Geschlossenheit müsse die Partei in den Wahlkampf ziehen. Aum Parteitag sollen fünf Delegierte, darunter eine Genossin, ent« andt werden. Als Kandidat für den 8. KreiS(Altona-Stormarn) wird Genosse F r o h m e wieder aufgestellt, mit der Kandidatur für den 10. KreiS (Lauenburg) Genosse Schaumburg- Hamburg betraut. Das Mandat zum Internationalen Kongreß ist dem Genossen F r o h m e übertragen. Brandenburger Kreiskonferenzen. Die Generalversammlung der West-Prignitz in Witten» berge war von 18 Delegierten aus zehn Orten beschickt; außerdem nahmen sechs Vorstandsmitglieder. Genosse Fischer von der AgitationSkommission und Genosse Prien von der.Brandenburger Zeitung" teil. Die Mitgliederzahl stieg von 418 aus 661. Die „Brandenburger Zeitung" hat tm Kreise 854, der.Vorwärts" und das»Hamburger Ecko" zusammen 30 Abonnenten. An AgitationS- material wurden öffentlich verbreitet 12 000 Kalender(.Märkischer Volksbote") und zahlreiche Flugblätter. Bei den Stadtverordneten- wählen in Wittenberge wurden drei sozialdemokratische Kandidaten gewählt. Die Agitation im Kreise wird sehr durch den Mangel an Versammlungslokalen beeinträchtigt. In einigen Orten, in denen der organisierten Arbeiterschaft kein Lokal zur Verfügung steht. wurden Versammlungen unter freiem Himmel abgehalten. InS« gesamt fanden 23 öffentliche Versammlungen statt. Nach kurzen Referaten der Genossen Schulz und Fischer, in denen diese die vom Parteitag zu erledigenden Arbeiten, in»- besondere die Stellungnahme zum DiSzipliubruch der Badenser. einer Betrachtung unterzogen, nahm die Versammlung die bekannte Berliner Resolution gegen die Budgetbewilliger an.— Gcnoffe Fischer referierte sodan» über daS Thema:.MahlauSsichten und Wahltechnik."— Zum Parteitag wurde Genosse Schulz- Wittenberge delegiert. Auf der Provinzialkonferenz wird der Kreis durch die Genossen Schütz- Havelberg, O l l r o t t- Wittenberge und K e i l e r- Wittenberge vertreten werden. Die Aufstellung des ReichstagSkandidaten soll in einer außerordentliche« Generalversammlung erfolgen._ Ein neues Parteiblatt wird demnächst für die Provinz West- preußen in Tanzig erscheinen. E« wird den Namen.Volks» wacht" führen und seine erste Nummer am 23. August heraus« geben.. Jiiis Industrie und Kandel. Die Vertevernng der Lebensmittel. Mit großer Besorgnis sehen die Hausfrauen vor allem auf die steigende Bewegung der NahrungSmittelpreife. Schon im vorigen Monat setzte die Aufwärtsbewegung ein und da« Resultat aller Veränderungen war zweifellos eine erneute Steigerung des Nahrungsmittelaufwandes. Dies wird Ziffern- mäßig durch den Kostenbetrag dargestellt, der im Durchschnitt von 33 deutschen Städten für den wöchentlichen Nahrungsmittelaufwand einer vierköpfigen Familie bezahlt werden mußte. Wenn auch der Konsum in den einzelnen Orten qnantitativ und qualitativ sehr schwankend ist, wenn starke Unterschiede in der Art der Ernährung durch die soziale Schichtenlage bedingt sind, so ergibt fich doch auS der Berechnung einer Standardziffer die Tendenz der Preis- bewegung in ihrer Einwirkung auf den Haushalt in unzweideutiger Weise. Der wöchenMche Kostenbetrag fvr den Nahrungsmittel- aufwand einer vierköpfigen Familie betrug in Mark: im mo Wf"a Juni.... 23,27 23,11— 0,16 Juli.... 23,67 23,63— 0,04 Differenz gegen Juni...-s- 0,40»f» 0,52 Im Juni blieb die Standardziffer noch um 0,16 M. hinter dem Vorjahre zurück, im Juli nur noch um 0,04 M. Dabei ist zu be- rücksichtigen, daß die Standardziffer im Vorjahre ganz unverhältuis- mäßig hoch war. Während im vergangenen Jahre von Juni auf Juli die Kosten des wöchentlichen Nahrungsmittelaufwandes eine Erhöhung um 0,40 M. erfuhren, find sie in diesem Jahre um 0,b2 M. in die Höhe gegangen. Von den in die Berechnung ein- bezogenen Nahrungsmitteln haben so ziemlich alle an der Steigerung teilgenommen. Besonders merklich ist die Erhöhung der Fleisch- und Kartoffelpreise gewesen. Bei Fleisch ist es vor allem Rindfleisch, das eine starke Preissteigerung aufzuweisen hat. Im Juni kostete 1 Kilogramm der berücksichtigten Qualität 139.7 Pf., im Juli stellte sich der Preis auf 148,8 Pf. Schweine fleisch kostete durchschnittlich 164,6 Pf. pro Kilogramm gegen 163,5, Hammelfleisch 163,2 gegen 162,4 Pf. Der Preis für Kartoffeln ist im Durchschnitt von 7,2 auf 11,1 Pf. pro Kilogramm hinaus gegangen. Keine Maßnahme zur Linderung der Fleischnot. In der Frage der Fleischteuerung erfährt die»Deutsche Fleischer-Zeitung", daß auch die sächsische Regierung trotz der Protestbewegung in Dresden und Leipzig keine erweiterte Grenzöffnung beim Bundesrat befür- Worten will. Der Arm der Junker reicht weit, und er ist stark dank der ultramontanen Stütze. » DaZ Gemeindekollegium in Nürnberg beschloß, den Magistrat aufzufordern, sofort bei der StaatSregierung zwecks Maßnahme zur Abstellung der Fleischnot vorstellig zu werden.— Zur Nachahmung empfohlen._ Ein Prozent in der Mafle. In einer Gläubigerversammlting im Konkurs über das Vermögen deS Bankiers Ohm wurde mit- geteilt, daß Ohm Privatschuldcn nur in geringem Umfange zu be- gleichen hatte. Es waren im ganzen 3500 M. Sein Wohnhaus kostete 290 000 M. ohne Grundstück. Es sind dafür schon 225 000 M. geboten worden. An Aktiven sind etwa 150 000 M. vorhanden. Die Passiven, die in der Hauptsache aus Bürgschaften und Regreß- ansprächen bestehen, schätzt der Verwalter auf 15 bis 20 Millionen Mark. Die Banque Privöe in Paris meldet eine Million an. Hier- nach wird nur etwa ein Prozent in der Masse liegen. Der Konkurs- Verwalter wird verschiedene Schenkungen, die Ohm zugunsten seiner Kinder gemacht hat, anfechten. Im Konkurs der Lünener Bank fand eine Gläubigerversammlung statt. Der Konkursverwalter hat die Ueberzeugung gewonnen, daß diese Bank nur ins Leben gerufen wurde, um gewisse geschäftliche Transaktionen und Kosten, die der Niederdeutschen Bank unbequem geworden waren, aufzunehmen. Es find in dieser Beziehung ganz mittellose Personen mit Summen bis über 60 000 Mark bei der Lünener Bank belastet worden. Die Nederdeutsche Bank wird für die zu erwartenden Ausfälle in Höhe von zirka drei Millionen Mark verantwortlich gemacht. Bei der Lünener Bank kommen kleine Gläubiger kaum in Frage, da der Direktor in der letzten Zeit die kleinen Einlagen zurückgezahlt hat. In der Maffe werden nach Ansicht des Konkursverwalters etwa 23 Prozent liegen, falls der Konkurs der Niederdeutschen Bank mindestens 10 Prozent Dividende bringt. Reue Ueberlandzentrale. In Nürnberg erfolgte die Gründung «tneS Mainkraftwerkes mit dem Sitz in Höchst am Main. Das Aktienkapital beträgt 2 Millionen Mark. Unter den Gründern der Gesellschaft befindet sich unter andern die gelten u. Guillaume Lameyer-Werke Akt.-Ges. Ein Trust von Bamnwollfedriken ist im Staate New Jersey gebildet worden. Das Kapital beträgt 20 Millionen Dollar, womit 20 große Fabriken in den Bereinigten Staaten und mehrere in Kanada erlvorben worden sind. Die Zahl der Arbeiter ist 10 000, die bisherige Jahresproduktion 13 Millionen Dollar fhauptsächlich Kattun in etwa 3000 verschiedenen Arten). Durch den Zusammen- schluß soll eine große Berbilligung und Ausdehnung des Betriebs gesichert werden. Die Gesellschaft besitzt 4000 Hektar Land, großen- teils mit Baumwolle bepflanzt. Ueber die amerikanischen Eisenbahn- und Jndustriepapiere ist vor kurzem der Jahrgang 1910 deS Handbuchs von I. Singer erschienen. DaS Buch ist vornehmlich zur Information für solche Leute bestimmt, die ihr eigenes oder fremdes Geld in amerikanischen Papieren anlegen wollen, also für Kapitalisten und Bankiers. Dem- zusoloe gibt es von möglichst vielen einzelnen Unternehmungen in den Vereinigten Staaten möglichst viele einzelne Tatsachen an, die zunächst den Börsenman» interessieren. Selbstverständlich findet sich darin auch mancherlei Material von allgemeinem, Volkswirtschaft- lichem Interesse. Als Beispiel seien einige Daten über den riesigen amerikanischen Stahltrust tUtfited States Steel Corporation) hier wiedergegeben. Der Stahlttust wurde am 5. Februar 1901 im Staate New Jersey geschaffen, und zwar aus dem Zusammenschluß von zunächst 8 Gefellschasten, von denen jedoch jede schon ihrerseits das Resultat einer vorangegangenen Vereinigung vieler kleinerer Betriebe war. So war z. B. die»American Tin Plate Co." lWeißblech» Gesellschaft) selbst erst 1898 gegründet worden und besaß damals zirka 35 Betriebe. Der größte Teilnehmer am Stahl- trust war die Carnegic-Co., die schon damals ein riesiger Trust war. Die ebenfalls beigetretene Tube Co. sRöhrengesellschaft) hatte schon 1899 ungefähr 90 Proz. der gesamten Röhrenproduktion de« Landes in Händen gehabt. Kaum war der Stahltrust— d. h. also die Vereinigung jener acht Gesellschaften— ins Leben getteten, so drängten sich weitere Gesellschaften zum Beitritt. Das ursprüngliche Aktienkapital von 850 Millionen Dollar wurde schon am 1. April 1901 auf 1100 Millionen Dollar erhöht(1 Dollar 4,20 Mark). Und in den folgenden Jahren bis Ende 1908 wurden noch eine ganze Reihe weiterer Gesellschaften, teils freiwillig, teils gezwungen, dem Trust ein- verleibt. Als Gegenstände seines Geschäftsbetriebes werden in der GriindungSurkunde hauptsächlich bezeichnet: Verarbeitung von Eisen, Stahl, Mangan, Koks, Kupfer, Holz und anderen Materialien und Produkten daraus; Erwerb, Besitz, Pachtung, Benutzung oder EntWickelung von Ländemen, enthaltend Kohlen, Eisen, Manganerze, Stein, andere Mineralien, Oel, oder von anderen Ländereien für irgend einen Zweck der Gesellschaft. Dazu ferner ein ausgedehntes Bankgeschäft, bestehend im Bertrieb der eigenen und ftemder Wert- papiere. Entsprechend diesen Vergrößerungen ist nun die Produktion des StahltrustS ins kolossale gewachsen. Der Geschäftsbericht für 1903 macht darüber folgende Mitteilungen: ProduktionSfähigkeit am 1. April 1901 1. Januar 1909 Hochofenprodufte.... 7 440 000 To. 14 990 000 To. Stahl-JngotS..... 9 425 000, 17 070 000. Walz- und andere Stahl- und Eisenprodukte.. 7719 000, 12 900 000» Zement....... 500 000 Barrels 6 100 000 Barrels Trotzdem hat der Trust kein Monopol, im Gegenteil, sein An- teil an der gesamten Stahlproduktion des Landes soll sogar 1908 geringer gewesen sein als 1901. Nach den Angaben deS GeschäftS- verichtS für 1808 lieferte drr Trust an Roheisen 1901 43,2 Proz., 1903 48,5 Proz, der gesamten Produktion des Lande?, an Stahl da- gegen 1901 66,2 Proz., 1903 nur 56,4 Proz. Ein wesentlicher Teil der Produkte deS Stahltrustes geht ins Ausland, 1908 bclief sich das Exportgeschäft von fertigen Stahlprodukten auf ungefähr den achten Teil des gesamten Absatzes. Dabei war 1903 ein ziemlich schlechtes Jahr, in dem der Export lvon fertigen Stablprodukicn) nur rund 800 000 Tonnen betrug gegen 1014 000 Tonnen 1907 und 1 079 000 Tonnen 1906. Soziales. Die Entlassung wegen Widerstandes gegen abgeänderle Arbeitszeit. Um die Frage der Berechtigung des Prinzipals, die Arbeits- zeit abzuändern, entstand ein Rechtsstreit, der gestern vor der 3. Kammer des Werliner Kaufmännsgerichts zum Austrag kam. Der gegen die Firma Mannesmann G. m. b. H. als Kläger auftretende Kontorist Erich K. begründet seine Klage auf Zahlung von 192 Mk. Restgehalt wie folgt: Am 30. April wurde den Angestellten nach erfolgter Gehaltszahlung, als bereits die leitenden Persönlich- leiten fortgegangen waren, die Eröffnung gemacht, sie hätten von nun an statt 3 Stunden, wie bisher, nur 2 Stunden Tischzeit zu machen. Die Folge davon war, daß sofort vier Angestellte ihre Kündigung zum nächsten Ultimo per Brief übermittelten. Der Kläger zog es vor, am nächsten Tage dem Direktor in mündlicher Aussprache zu erklären, daß er in Rücksicht auf die besonders ent- fevnt gelegene Niederlassung der Fabrik gezwungen sei, an der dreistündigen Tischzeit festzuhalten. Der Direktor schlug ihm darauf vor, drei Stunden Tischzeit zu machen, ober uiy 7 Uhr statt wie bisher um 3 Uhr zu kommen,«doch auch damit will sich K. nicht einverstanden erklärt haben. Er teilte vielmehr der Direktion nach einigen Tagen brieflich mit, daß er auf der beim Engagement vereinbarten Arbeitszeit bestehen müsse. Die Beklagte begründet die daraufhin ausgesprochene Entlassung des Klägers damit, daß K. sich den Anordnungen der Gesellschaft auch dann noch widersetzt hatte, als diese ihm sogar noch eine besondere Konzcssion machte. Der Kläger sei weder um 7 Uhr früh angetreten, noch habe er sich mit der Tischzeit nach dem Willen der Gesellschaft eingerichtet. Det vom Gericht gehörte Sachverständige bestätigt dem Kläger, daß er ein nervöser und auch in anderer Beziehung kränklicher Mensch ist. Das Kaufmannsgericht kam zur Verurteilung der Gesellschaft entsprechend dem Klageantrag. In der Begründung heißt es: Der Geschäftsherr darf nie die Arbeitszeit des Angestellten zu seinen Ungunsten ohne seine Einwilligung erheblich ändern. Hat der Ge- Hilfe die neue Arbeitszeit aufgenommen, so kann er innerhalb der Kündigungsfrist, sofern er zur Jnnchaltung psychisch oder physisch nicht mehr imstande ist, seine Einwilligung zurückziehen. Die körperliche und wohl auch geistige Beschaffenheit des Klägers hat es ihm unmöglich gemacht, die Neueinführung durchzuführen. Um 7 Uhr anzutreten brauchte K. nicht und konnte es wohl auch nicht. Das Gericht ist auch der Ansicht, daß es nicht richtig war, die Ab- änderung am MonatSschlusse im letzten Moment bekannt zu geben. Kein Betriebsunfall, sondern Unfall beS gemeinen Levens. Der Arbeiter Ernst W. in Z. benutzte am 26. Oktober 1908, mittags, einen leeren Lorenzug, der nach der Ziegelei fuhr. W. wollte in der Ziegelei sein Mittagbrot einnehmen. Etwa 100 Meter von der Ziegelei entfernt kippte die Lore um, W. wurde hinausge- schleudert und erlitt ein Verletzung des linken Oberschenkels und Quetschung des rechten Oberschenkels. Er erhob bei der Ziegelei- Bcrussgenosscnschaft Anspruch auf Unfallrente, wurde indessen damit abgewiesen. Weil„er oie Lore nur benutzt hätte, um das Gehen von der Tongräberei nach der Ziegelei zu ersparen— also aus Bequemlichkeit— und um schneller dorthin zu gelangen, obwohl das Besteigen deS LorenzugeS allen Arbeitern von ihren Arbeitgebern mündlich verboren war und auch Ihnen dieses Verbot bekannt sein mußte. Sie sind demnach in Ihrem eigenen Interesse bezw. zur Befriedigung eines leiblichen Bedürfnisses während der Mittags- pause, also während des Ruhens der Betriebsarbeit nach der Zie- gelei gefahren." Die Mitfahrt mit dem Lorenzug soll somit für den Ziegelei- betrieb weder notwendig, noch förderlich, noch nutzbringend, noch durch diesen veranlaßt worden sein; andererseits hätte W. einem bestehenden Verbot bewußt zuwidergehandelt, sich dadurch von dem Betriebe losgelöst und dadurch in eine selbst geschaffene Gefahr be- geben." Der Unfall»stellt sich somit nicht als Betriebsunfall im gesetzlichen Sinne, sondern als ein Unfall des gemeinen Lebens dar." W. legte gegen den Ablehmingsbescheid,beim Schiedsgericht für Arbeiterversicherung für den Reg.-Bez. Potsdam Berufung ein. Er bestritt, daß ein Verbot vorliege. Es sei gang und gäbe, daß die Arbeiter die Lorenzüge benutzten; dagegen sei niemals etwas ein- gewendet worden. Die Berufung hatte Erfolg. Das Schieds- gericht nahm das Vorliegen eines Betriebsunfalles an. Es geht davon aus,»daß die Ziegelei und die Tongräberei des unfallbrin- gendcn Betriebes sowie das beide verbindene Schienengcleise als eine einheitliche Betriebsstätte anzusehen sind. Der Klüger hatte daher, als er den Lorenzug benutzte, die Betriebsstätte überhaupt nicht verlassen, und er befand sich demnach, als er verunglückte, im Gefahrenbereiche des Betriebes. Es ist daher völlig unerheblich, zu welchem Zwecke er die Fahrt von der Tongräberei nach der Ziegelei angetreten hat, und ebensowenig ist es von Bedeutung, daß das Be- nutzen der Lorenzüge den Arbeitern angeblich verboten war." Die Ziegelei-Berufsgenossenschaft wurde verurteilt, den Kläger für die Folgen des Unfalles mit einer Rente von 33)� Proz. zu entschädigen. Gegen das Urteil des Schiedsgerichts legte die Berufsgcnossen- schaft Rekurs beim ReichSversichcrungSamt ein. Es sei belanglos — so wird begründend ausgeführt— ob eine»BetriebSeinrichtung bei dem Zustandekommen des Unfalles mitgewirkt habe oder nicht. Maßgebend sei, daß die Handlung der Kläger? mit dem Betriebe nichts zu tun hatte." Die Berufsgenossenschaft hatte mit ihrem Rekurs Erfolg. Der erkennende Senat des Reichsversicherungsamtes hob das dem Bcr- letzten günstige Schiedsgerichtsurteil aus, da das Vorliegen eines Betriebsunfalles nicht angenommen werden kann. Nachdem aus- geführt ist, daß ein verbotwidriges Handeln nicht unter allen Um» ständen die Entschädigungspflicht ausschließe, heißt es in der Be- gründung deS Urteils unter anderem:„Es schließt also ein Verbots- widriges Handeln den Entschädigungsanspruch in den Fällen nicht aus, in denen der verbotswidrig Handelnde bei diesem Handeln eine Betriebsbeschäftigung, d. h. eine durch ben Betrieb veranlaßte Tätigkeit ausübte. Diese Voraussetzung mutz jedoch erfüllt sein, und der Beweis, daß dies der Fall ist. muß in solchen Fällen, in denen es sich um ein verbotswidriges Tun handelt, unbedingt sicher erbracht sein. Der Beweis, daß der Kläger den Unfall bei der Ausübung einer Betriebstätigkeit erlitten hat, ist im vorliegenden Falle nicht erbracht. Es handelt sich vielmehr lediglich um die Be- Nutzung einer Betriebseinrichtung im persönlichen Interesse des Klägers. Der Unfall ereigneie sich nach dem Beginn der Mittags pause, also zu einer Zeit, wo der Kläger an sich schon nicht mehr im Betriebe tätig war, urO» als er sich zweck» Einnahme seines Mttag- mahlcs nach der Ziegelei begeben wollte, also bei einer ausge- sprachen eigenwirtschaftlichen Tätigkeit des Klägers. Besondere Umstände, zufolge welcher dieser Weg des Klägers ausnahmsweise dein Betriebe zugezählt werden müßte, liegen nicht vor. JnSbeson- dere steht eine schnelle Beförderung der Arbeiter zum Mittags- mahle im Betriebsinteresse nicht in Frage. Denn eine weselttsicke Zeitersparnis konnte bei der kurzen, nur etwa I Kilometer beln?- genden Entfernung der Arbeitsstätte von der Ziegelei und bei der bekannten, geringen Geschwindigkeit der Feldbahnen nicht erzielt werden. Auch der angeblichen Aufforderung des Werkmeisters an die Arbeiter, den Äipplorenzug zu besteigen, kann eine füt den Ent- schädigungsanspruch des Klägers günstige Bedeutung nicht beigemessen werden, als auch sie, wenn sie wirklich erfolgt sein sollte, die, wie oben dargelegt, nur aus eigenwirtschaftlichen Interessen er- folgte Benutzung oeS Wagens durch den Kläger nicht zu einer Be» Iriebshandluffg mächen würde.— Endlich ist auch der Umstand, daß sich der Unfall bei der Benutzung eines Betriebsgerätes und ver- mutlich auch auf der Betriebsstätte ereignete, um deswillen ohne Einfluß, weil der Kläger das bestehende Verbot nicht als eine im Betriebe tätige Person überschritt, sondern bei Ausübung einer rein eigenwirtschaftlichen, mit dem Betriebe in keinem ursächlichen Zusammenhange stehenden Tätigkeit, und sich überdies bei der Be- Nutzung des zur Beförderung völlig ungeeigneten Lorenzuges will- kürlich und ohne zwingenden Grund einer Gefahr aussetzte, die der Betrieb an sich nicht bot." Würde es sich um eine Klage aus dem Zivilrecht handeln, dann dürfte man sagen, daß das Urteil außerordentlich„ausgetüftelt" ist. Indessen vom öffentlich-rechtlichen Fürsorgcstandpunkt, der unseres Erachtens bei der Arbeiterversicherung nur in Frage kommen kann, scheint das Urteil deS erkennenden Senats recht bedenklich._ Das Schiedsgerichtsurteil ist sachlich und rechtlich durchaus begründet. Die Auffassung des erkennenden Senats ist nicht haltbar, es ist a» der Zeit, daß damit gebrochen wird. Der Verletzte, der auf der Be- tricbSftätte durch ein Betricbsgcrät— und sei eS auch in der Mittagspause— einen Unfall erleidet, wird es nicht begreifen, daß er deswegen, weil der Unfall sich nicht direkt bei der Arbeit ereig- nete, keine Rente erhalten kann. /Zug cler Frauenbewegung. Die sozialdemokratische Frauenbewegung in der Schweiz- Die Betätigung der Frau im Klassenkampf, wie er sich nach außen hin am meisten bemerkbar macht, nämlich in der sozial- demokratischen Partei, ist ganz minimal. Die Mitglieder des Arbeiterinnenverbandes, der seit 1890 besteht, gehören zwar heute schon der sozialdemokratischen Partei insofern an, als die einzelnen Sektionen Glieder der Arbeiterunion sind, und als solche mit ihren Beiträgen auch die Beiträge an die kantonale und schweizerische sozialdemokratische Partei leisten. Im Vorstand mehrerer Arbeiterunioncn sitzt auch bereits eine Genossin, während in den leitenden Korporationen der Partei noch keine Frau Eingang gefunden hat. Nur auf den kantonalen Parteitagen Zürichs sieht man zwei oder drei weibliche Delegierte aus Zürich und Wintcrthur. Ist also in dieser Beziehung das Ausland, besonders Deutschland, der Schweiz weit voraus, so steht cS mit der Aktivität der Frau im schweizerischen gewerkschaftlichen Leben, wenn auch nicht viel, so doch etwas besser. Den Gewerkschaften gehören direkt etwa 6000 Arbeiterinnen als Mitglieder an. In manchen Gewerkschafisvorständen sitzen bereits neben den mann- lichen auch weibliche Mitglieder. Der Gewerkschaftsbund hat schon vor Jahren das Arbeiterinnensekretariat geschaffen. In seinem Bundcskomitee aber hat noch keine Genossin einen Platz erhalten. Sogar die schweizerischen Konsumgenossenschaften sind heute nur Männerorganisationen. Man sieht, die sozialdemokra- tische Frauenbewegung in der sonst so fortschrittlich verschrieenen Schweiz ist noch sehr im Hintertreffen. So zählt der ganze Ar- beitcrinnenverband nur etwa 1000 Mitglieder. Von den mehr als 200 000 organisationsfähigcn Lohnarbeiterinnen sind, wie bemerkt, nur etwa 6000 organisiert. Auch die Abonnentenzahl der»Vor- kämpferinnen", des Organs des Arbeiterinnenverbandes, ist schwach. Es bleibt also der sozialdemokratischen Partei der Schweiz noch sehr viel zu tun übrig, wenn sie die lvcrtvolle Kraft der Frauen end- lich in die Gleise deS proletarischen Klassenkampfes leiten will. Leseabende. Steglitz. Freitag, den 19. August, S'/z Uhr bei Schellhase, Ahorn- straße 15a. Vortragende Genossin Thiel, Tempelhof:»Die Kinderschutzkom Mission". Sericdts- Leitung. Ein Mann mit zwei Frauen mußte sich gestern in der Person des Glasers Ernst Blaschei vor der Ferienstrafiammer des Landgerichts II verantworten.— Der L�naeklagte, welcher sich wegen Bigamie zu verantworten hatte. verheiratete sich im Jahre 1892 zum ersten Male. Er mußte wohl hierbei ein Haar in der Suppe gefunden haben, denn eines Tages ließ er seine«bessere Hälfte" im Stich und ging ins Ausland, da er sich nach seiner Behauptung nicht zu Tode schikanieren lassen wollte. Der Angeklagte hielt sich dann mehrere Jahre in Nor- wegen auf und ging hier im Jahre 1903 eine neue Ehe ein. Als er wieder einige Jahre später nach Deutschland zurückkehrte, traf er hier durch einen Zufall mit seiner ersten Ehefrau zusammen, die unverzüglich gegen ihn Anzeige wegen Bigami« erstattete. Vor Gericht behauptete oer Angeklagte, daß er geglaubt habe, eine neue Ehe eingehen zu können, da ihn von einem Bekannten aus Deutsch- land mitgeteilt worden sei, daß seine Ehe aus Veranlassung seiner ersten Ehefrau geschieden worden und diese längst Ivieder ver- heiratet sei. Da der Angeklagte keinerlei Beweise für diese An- gaben vorbringen konnte, hielt das Gericht diese Angaben für un- glaubwürdig. Das Urteil gegen ihn lautete deshalb auf 9 Mo- nate Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft._ Vermilcdtes. Seftanctnls der Leipziger Erpresser Gebrüder Koppüfs. Die vor kurzem wegen der Erprcssungsversuche an dem Verlagsbuchhändler Weber in Leipzig verhafteten Brüder Karl und Friedrich Koppius haben gestern vor dem Untersuchungsrichter ein umfassendes Geständnis abgelegt. Danach haben die durch die Untersuchung arg w die Enge getriebenen Brüder nicht weniger als vier Morde begangen. Am 17. August 1906 hat Karl Koppius den Geld- briefträger R ü b n e r im Trcppcnhause des Grundstückes Nikolaistraße 11/12 mit einem Hammer er- schlagen und aus dev Geldtasche des Briefträgers 9000 M. erbeutet. Nachdem er in leichtsinnigster Weise das Geld verjubelt hatte, versuchte er am 5. Oktober 1907 die Frau des Fabrikbesitzers Wagner zu ermorden, die er bis zu ihrer Wohnung in der Gottschedstraße verfolgte. In der Haustüre versuchte er. der Frau niit seinem Taschenmesser den Hals zu durchschneiden. Die gellenden Hilferufe der Frau verhinderten ihn an der Ausführung seines blutigen Vorhabens. Bald darauf erfolgte die Ermordung des Friedrichschen Ehepaares, an der die beiden Brüder beteiligt waren. Die alten Leute wurden mit einem schweren Hammer niedergeschlagen. Bekanntlich wurde das Verbrechen Vmivt, um durch einen fingierten Auftrag einen Geldbriefträger in die Wohnung des Ehepaares zu locken, um ihn dann zu berauben. Beide Brüder sind auch an dem Morde des Dien st mädchens Seiffert beteiligt. Be- absichttgt war, die Ermordung und Beraubung der Wohnungsinhabcrin, bei der die Seiffert in Stellung war. Nach Angabe des Karl Koppius wurde an einer be- stimmten Stelle im Walde der Hammer gesunde«. mit dem die Eheleute Friedrich und das Dienstmädchen ermordet worden sind. Die Untersuchung gegen die Naub- Mörder ist abgeschlossen. In kurzer Zeit werden sie sich wegen ihrer schweren Verbrechen vor dem Richter zu ver- antworten haben. Der Heroplawundflug in Ortfranhreicb. Die letzte Etappe des großen RundflugeS in Ostfranlreich ist am Mittwoch glücklich zurückgelegt worden. Und zwar ist eS den beiden BlSriotpiloten Leblanc und A u b r u n gelungen, die ganze Strecke programmäßig zurückzulegen. Die Rundfahrt ging belanntlich in sechs Etappen vor sich, von Paris nach Trohes, von Trohes nach Nancy, von Nancy nach MeziöreS, von MeziöreS nach Douai, von Douai nach AmienS und schließlich von AmienS zurück nach Paris. Diese Etappen, deren einzelne Entfernungen zwischen 8S und ISS Kilometern schwankten, waren in sechs vorher bestimmten Tagen zurückzulegen, zwischen die je ein Ruhetag eingeschoben worden war. An der Konkurrenz beteiligten sich acht Flieger, von denen sechs daS erste Ziel erreichten. Die zweite Etappe wurde nur von drei Fliegern bewältigt, während bei der dritten Etappe nur die beiden Bläriotpiloten Leblanc und Aubrun übrig blieben, die denn auch bis »um Schluß der Konkurrenz durchhielten. Legagneuy beteiligte sich zum Schluß wieder an den Flügen über mehrere Etappen, schied aber für die Gesamtkonkurrenz aus. Als erster langte Leblanc in Paris an, wo er von einem Publikum, das nach Hunderttausenden zählte, enthusiastisch begrüßt wurde. Ihm fiel auch der Preis von 100 000 M. zu, weil er die Gesamtentfernung in der kürzesten Zeit zurückgelegt hatte. Aubmn hatte annähernd zwei Stunden mehr gebraucht. Zwei dcutfche Corpcdoboote gesunken. Auf der Kieler Förde stießen in der Nacht zum Mittwoch zwei Torpedoboote,.8. 76' und.3. 32', die als Depeschenboote der Hochseeflotte dienten, mit solcher Heftigkeit zusammen, daß sie i n wenigen Minuten sanken. Durch die in der Nähe befind- lichen Panzerkreuzer.Danzig' und.Undine' konnten die Mann- schaften gerettet werden. Die kaiserliche Werst hat bereits Maßnahmen zur Hebung der Fahrzeuge getroffen. .. Zum Untergang des spanischen Dampfer?„MartoS". Ueber die gestern von uns gemeldete Dampferkatastrophe wird noch berichtet: Der Dampfer.MartoS' fuhr deS Nebels wegen mit verminderter Geschwindigkeit und gab Nebelsignale, als er mittschiffs beim Maschinenraum von dem Dampfer.Elsa' ge- troffen wurde. Der.MartoS' lief sofort voll Wasser und sank nach Verlauf von drei Minuten. Unter den Paffagieren, die zum größten Teil schliefen, entstand eine große Panik. Von den Passagieren der 1. Kajüte ist nur einer gerettet, von den geretteten Zwischendeckspassagieren sind vier verletzt. Der 70jährige Kapitän deS.MartoS' ist auf der Kommando- brücke stehend mit seinem Schiff untergegangen. Der heilige Ziegenbock von Wreschen. Von interessierter Seite wird uns ein Brief aus Wreschen (Provinz Posen) zur Verfügung gestellt, dem wir folgende.Heiligen'- Geschichte entnehmen: .Da sich jetzt wieder etwas Reue« zugetragen hat, so muß ich eS Ihnen mitteilen. Vergangene Woche wurde hier ein Ziegenbock auf dem jüdischen Kirchhof von Schreier beerdigt, mit Einwilligung deS Rabbiners und Vorstehers R a d j e« S k i. Der Sachverhalt ist folgender: Vor 3'/, Jahren hat dieser Ziegenbock bei Leiser in Stralkowo als Erst- geborener daS Licht der Welt erblickt. Nun ist er vor z w e i M o« naten verendet und wurde er dort verscharrt. Jetzt kam aus Polen einer und sagte, s o l ch ein erstgeborenerBock muß auf dem V e i s a u l o m(BegräbniSplatz) beerdigt werden. Wir fragten unfern Rabbi an und der hat begutachtet, daß eS ein Heiliger ist und auf dem jüdischen Friedhof beerdigt muß werden. Als wir dieses erfahren haben, machten wir eine Eingabe an den Vorsteher um Wegschaffung deS Ziegenbocks vom Friedhof, da wir es für eine Schändung ansehen, wenn Mensch und Tier zusammen beerdigt sein soll. Der Vor> sicher hat unserer Eingabe kein Gehör geschenkt, so haben wir eS der Polizei gemeldet und eS in die Oeffentlichkeit gebracht. Sollten wir hier nichts schaffen, dann gehen wir an die Regierung.' Hoffentlich gelingt es den Modernisten innerhalb der jüdischen Gemeinde von Wreschen, den unkoscheren Ziegenbock endgültig vom Friedhof zu verbannen._ Ucberlandfluge Frankfurt-Mainz. Während in Frankreich Ueberlandflüge über Hunderte von Kilometern ausgeführt wurden— selbst der vom Mißgeschick ver- folgte Latham hat eS am Mittwoch auf 120 Kilometer gebracht— begnügt man sich in Deutschland vorläufig mit ungleich be- scheideneren Leistungen. Bei dem Ueberlandflug Frankiurt a. M.- Mainz-Mannheim stieg am Mittwoch morgen T h e l e n auf seinem Wrightapparat in Begleitung des Aviatikers V. Gorriffen auf. Nach einer Fahrt von 40 Minuten erreichte Theten auch das zirka 35 Kilometer entfernte Mainz, von wo er, ohne die erlaubte Landung vorzunehmen, nach Mannheim weiterflog. Infolge eines Zylinderbruchs mußte er jedoch wenige Kilo- meter hinter Mainz landen. Nachdem der Zylinder in Mainz ausgewechselt worden war. trat Theten mit seinem Passagier wieder die Rückfahrt nach Frankfurt an, um den Flug zu wiederholen. Er gelangte indes nicht ans Ziel, da er wegen HeißlaufenS deS Motors ei G i n S h e i m landen mußte. Im Laufe des Nachmittags starteten weitere zwei Flieger zu dem Ueberlandflug nach Mainz. Wiencziers fuhr um 6 Uhr 4 Minuten mit einem Antoinetteapparat ab und wurde bereits nach 23 Minuten in Mainz in einer Höhe von 300 Meter gesichtet und bei seiner Landung von einer nach Tausenden zählenden Menschen- menge begrüßt. Eine halbe Stunde später startete I e a n n i n aus einem Farmanapparat, um gleichfalls nach halbstündiger Fahrt in Mainz glatt zu landen. Die Ucberlegenheit der stanzösischen Flieger liegt wohl nur zum Teil an der größeren Routine und Schneidigkeit der Franzosen, zum größeren Teil aber auch an der U e b e r l e g e n h e i r der n e u e st e n Motoren, die sich sowohl bei den letzten Flugmeetings als auch bei den großen Ueberlandflügen der letzten Tage so glänzend bewährt und namentlich den Blöriot-Apparaten so außerordentliche Triumphe verschafft haben._ 80 000 Mark Postgelder unterschlagen. Durch einen schlau ausgeklügelten Plan suchte sich am Mittwoch der Postillion Roland aus Forbach in den Besitz von SO 000 M. Bargeld zu setzen, die ihm zum Transport im Postwagen an- vertraut waren. Auf der Fahrt von Forbach nach Frankfurt a. M., wohin die Summe bestimmt war, öffnete Roland durch einen Nach- schlüffel daS Wertgelaß, in dem das Geld deponiert war. Um den Verdacht deS Diebstahls von sich abzulenken, zertrümmerte er den Boden des WertgelasseS; durch dieses Manöver sollte der Anschein erweckt werden, als seien die Wertstücke während der Fahrt verloren gegangen. Roland hat die Beute in einem Korbe verpackt, fingierte eine Adresse.Bahnlagernd Neunkirchen' und über- gab daS Paket einem Frankfurter Spediteur zur dringenden Be- sorgung. Letzterer schöpfte Verdacht und erstattete Anzeige. Der Gesamtbetrag von 80 000 M. wurde in dem Korbe vorgefunden. Der ungetreue Beamte wurde noch im Laufe des Tage» ver- haftet._ Ueberlandflug parle— London. An dem gleichen Tage, an dem in Paris die Leblanc und Aubrun wegen des glücklich absolvierten Sechstage-Ueberland» fluges gefeiert wurden, bei dem sie insgesamt?7t) Kilometer zurückgelegt hatten, machte sich ein noch Unbekannter Avtatiker namens Moifant daran, eine neue Großtat im Ueberlanb« flug zu vollbringen, nämlich im Aeroplan die Strecke Paris— London an einem Tage zurückzulegen. Moisant stieg mit einem Blöriot-Apparat am Mttwoch früh 3'/« Uhr auf. um in ununterbrochener Fahrt bis Calais zu fliegen, wo er niederging, um sich mit neuem Benzin- Vorrat zu versehen. Um lO'/a Uhr vormittags trat er die Ueberquerung des Kanals an. Er erreichte auch glücklich bei Dover die englische K ü st e und setzte seinen Flug nach London längs der Bahnlinie fort.— Auch wenn Moisant London selbst nicht erreichen sollte, hat er doch eine großartige Leistung vollbracht, da er mit der Ueberquerung des Kanals einen Flug von zirka 250 Kilometer ausgeführt hat.— Weniger vom Glück begünstigt war Latham. der gleich- falls zu einem Fluge Paris-London aufgestiegen war. Latham hatte in La Faloise bei Montdidier infolge Bcnzinmangels eine Zivischenlandung vorgenommen, von wo aus er am Mittwochmorgen seinen Flug fortsetzte. In AmienS umkreiste Latham dreimal den Aerodrom, wobei er so heftig gegen einen Baum stieß, daß seine Maschine völlig zertrümmert wurde. Latham blieb glücklicherweise unverletzt. Kleine Notizen. Vom Blitz getötet. Bei einem Gewitter, daS über die Ortschaft Reil im Rheinlande niederging, schlug der Blitz in einen Baum ein, unter dem zwei Arbeiter Schutz vor dem Regen gesucht hatten. Einer von ihnen wurde getötet, der andere schwer ver- letzt. Der Präsident der chilenischen Republik, Pedro Montt, ist am Dienstagabend in Bremen kurz nach seiner Ankunft aus Amerika ge- starben. Der Präsident wollle zur Kur nach Bad Nauheim, wo er Linderung von einem Herzleiden suchte. Meuternde Sträflinge. 50 Sträflinge, die beim Neubau der Landesirrenanstalt Bohuic bei Prag beschäftigt wurden, meuterten gestern früh wegen Streitigkeiten mit einem Auf- s e h e r. Erst nachdem drei Anstifter durch Revolverscbüffe schwer verletzt worden waren, gelang es, die Sträflinge zu über- wältigen. Unter starker Bewachung wurden sie nach Prag zurück- gebracht. Blutige Kirchweih. Auf dem Kirchweihfest in der Ortschaft N o g r a in Ungarn kam eS zu blutigen Zusammenstößen mit der Gendarmerie, die von ihren Feuerwaffen Gebrauch machte. Bei dem Kampfe wurden zwei Personen getötet und zwei schwer verletzt. Strandung eines englischen DampferS. SuS Tanger kommt die Nachricht, daß bei Kap Spartet ein großer englischer Dampfer im Nebel auf einen Felsen gelausen sei. Man glaubt, daß das verunglückte Schiff der White-Mail-Companie gehört. Bon Gibraltar ist Hilfe zur Flottmachung des Dampfers abgegangen. LSitterungSüderftch» vom 17. August 1910, worgeu» 8 M>r« L ■s 5« Sa »=H SZ i? Swmemd» gamdurg granfl.a M. 766 Still Manche»! 767 NW Wie»>766 W 763 W 765 WSW 765 W Setter 4woMg 3 wolkig 4 halb bd. Dunst 1 halb bd. 1 wolkig dS> a. H h •KtUmn öl 1' L; ZZ ■f Havaranda 757 Still Petersburg 756 SSW Ectlly llderdee» Pari« 760 SB 756 S 764 SSO > Setter t* wolkig 1 Regen 4 wolkig 2 Regen 1 halb bd. l 10 12 1« 13 IS llSetterprognofe für Donnerstag, den 18. August 1910. Vorwiegend heiter und trocken; am Tage mäßig warm, abend»«ch nachts ziemlich kühl: Westwinde. Berliner W e t t erb u r« a u. Am Dienstagmorgen verschied nach langem schweren Leiden unser lieber Kollege der Schrisb setzer Ferdinand Sossmann im Mter von 56 Jahren. Sr hat sich durch sein ruhigeS. bescheidenes und kollegiales Wesen sowie durch seinen ausrichtigen und ehrlichen Tharatter bei sewen Kollegen ein dauerndes Andenken erworben. Sie Kollegen der Norddeotscben Bacbdrockerel. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den IS. August, nachmittags 5 Uhr. von der Leichenhalle deS Zentral-FricdhoseS in Friedrich». felde au» statt. 1'�pognspkis. Den verehrt Mitgliedern die betrübende Nachricht, daß unser treues Mitglied, Kollege Ferdinand Sossmann nach längerem Leiden am DienS- tag früh verstorben ist. Sein stet» regeS Interesse für den Verein, sowie seine 25 jährige Atitgliedschast sichern ihm ein bleibendes Gedenken bei den Mit- gliedern. Di« Mitglieder werden gebeten, unserem braven Kameraden mög- lichst vollzählig da» Geleit zu geben. Beerdigung stehe vorstehend. vor Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband BerwaltnngSftelle Berlin. Todea- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Frtedrick Mattke am 13. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Freitag, den 19. August, nach- mittag» 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Dankes- Kirchhofes in Reiiiickendors auS statt. Rege Beteiligung erwartet 120/3 Die Ortsverwaltung Sozialdemokrat Wereiii für den J. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gürtler kieliard Gregorius gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag» 5 Uhr von der Leichenhalle de» Thomas- Friedhofes au» statt. Der Borftanb. Deutselier Transportarlieiter- Verband. Bezirksverwaltung GroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Fahrstuhl- sührer Emil Loffler am 16. d. M. im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet am Freitag, den IS. d. M., nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- Halle de» Bartholomäus-KirchhosS, Weißens«, aus statt.• 71/3 Die Bezirköverwattnng. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Sohne» Artur Kerber sagen wir hiermit allen, unseren herzlichsten Dank. Witwe Kerber nebst Kindern. n Borneo- Deckblatt hell, erste Länge Vollblatt, schnerweitz brennend, per Pfund S M. W Filiale: Berlin W., Brilnnenstraste 190. Tom 1. tiepteinber ab: Brunnenftratze 25.296/U* Zahlstelle Berlin. Bezirk Südost II. Montag, den 22. Siu( (gleich nach ust, abend» 5'/, Uhr eterabend): Mitglieder- Versammlung im Reicheoberger Hof, Reichenberger Straße 147. TageS-Ordnungt 1. Bericht von der Teneralverlammlung. 2. Unser« gegenwärttge Situation. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Zur Beachtung. Die Kollegen werde» ersticht, in alle» Fällen, wo Kollegen eingestellt werde«, welche nicht durch unsereu Arbeitsnachweis ver» mittelt werde», dieses dem Obmann zu melden. 88/6_ Die Kommlulon. Achtttttg: iMcbiiKnarbcitcfw«cht»ng! Montag, den 22, August, abends 8 Uhr, in Obiglos Feftsälen, Schwedter Str. 24/25- Oeffentliche Versammlung fir ake au Solibtarbtitungsmaschiuea beschästigteu Arbkiter für deu KeMk Nordtn, Moabit, Eharlotteu- bürg usw. Tage S-Ordnungi 1. Die jetzige Lage der Maschinenarbeiter. Reseratt Kollege Dhiele- mann. 2. Diskussion. 3. Verschiedene». Ehrenpflicht eine» jede» Kollegen ist eS, w dies« Versammlung zu er- scheinen._____ Der Einderuser. Arbeiter-Wanderbunil a»„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 21. August 1910. 1. Buckow(Märkische Schweiz). Abs. Schles. Bahnhos 5" Uhr vormittags. 2. Treptow-Köpcnlck. Treffpunkt- Bahnhos Treptow 2 Uhr nachmittags. Gäste willkomme». 2/g Ausführliche Programme bei Heise, Boycnstr. IS, zu haben. Maßanzüge sehr elegant, 32— 85 M., fertige Anzüge 8,25 an. Tuche sehr große AuS- wähl. Posten engl. Stoffe u. Anzug- reste billig. Gern schicken wir unlere Vertreter mit Muster ohne Kauf- verpstichlung.'riiebgeaellweliart KoUbuserdamm 18—17(ßochbj Vor. zelger d. Inserat» erhält 5 0l0 Rabatt. Cinmal...Die wieder Schwaben, Motten, Flöhe usw ' Denlislm" richtig anwenden. Glänzende Arteste. Wirkung unfehlbar, stelvbels haben Sie in der Wohnung Wanzen, wenn Sie dagegen die bel-tlhmteiK Reichels Spcslalmlttel Wirkung unfehlbar. Reichels verstärkt. Wanzenfluid„Radikal", FL 50 Pf., 1.—, 2.—, 3.—, Llterfl 6.—. Reichels Spezlal-Schwabenpulver„Poudre Martiat", Dose SO Pf., 1.—, 2.—, Pfund 4.—. Reichels Spezial-Mottenpulvor„Total" 50 Pf, 1.—, 2,—, Pfund 3.—. lSprühapparate von 50 Pf. an.) Man nehme aber nichts anderes als die echten Originalpackungen mit Marke„Dod und Deufel-, die einzige Garantie für Erfolg. In den Drogerie» und bei Ott« Btelchel, Berlin, Eisenbahnstr. 4, Fernspr. A. IV, 4751, 4752, 4753. I.(Solüfarb prrass.StarsarÄ gegründet 1839. B=sg— Qi l IIIW Tatac russe h priser. soöt de üowink 0't>cH>oH>c>o-n'0-n'D'C>aot300 -------- Prawdzlwa tabaka do zaiywanla„KowrioerT Wegen Aufgabe unserer VertausSräume, Roßstraße 2 Anziizjiofft, Winter- sililcioffloffc, Damentuche spottbillig, unter Preis. 278L IloedS8eckiid.l!eMMi!!.b.g. Rohstraste 2. Dr.Schünemann Spezialarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 3312* Frtedrichftr. 203, Ecke ischützenstr. Wochentags 10—8, 5—7. tzeee>ec»e»eeee»f t Zepernick-Bernau. J Parzelle von 39014. an(ca SOnR.) i i I Kleine Anzahlung u. langjährige »Hypotheken. Pläne gratis. Ver- » käufer ständig am Bhf Zepernick. ' J. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. EMffMef fMMt Verantwortlicher Redakteur) Han» Weber. Berlin. Für dea Jnjeratenteil perant w.; Th.«locke. Berlin, �«cku. Verlag: vorwatt» LuAdruckklki u, VerlagSanflalt Paul Sing» k to, Berlin SW. Purpur, 2" 8 35 Crelonne/s1� 150 Trikot, d3i*. 4381 800 SimiliseideboourvA438>#-02 MÄjW EmUvre Berlin, Oranienstr. 158 it. 192. 27. ZahtgiNlS. 2. Dkikie des.Amiirls" K»Iim RlisblR Dovverstag, 18. Augnst 1910. Partei- Angelegenheiten. Zm L»kakliste. Der Ortsverein der Maschinenbau» und Metallarbeiter tHirsch-Duncker) veranstaltet am 20. Sugust ein Sommerfest im„ S e i d l i tz", Seidlitzstr. 14; am Sonntag, den 21. August, findet in der, P b i l h a r m o n i e" ein vom Gesangverein„Schtlvhorn* arrangiertes Konzert statt. Wir ersuchen beide Veranstaltungen streng zu meiden, da uns die genannten Lokale nicht zur Bersugung stehen. In Bohnsdorf bei Grünau wird am Sonntag, den LI. August, das übliche Erntefest gefeiert. Wir weisen darauf hin, dafi uns die beiden im Orte befindlichen Lokale von Schulz und Dolling nicht zur Verfügung stehen. Wir ersuchen speziell die Hunderte von Aquarienliebhaber aus Arbeiterkreisen, die diesen Ort wegen des im Dorfreich vorhandenen lebenden Fischfutters aufsuchen, dies besonders zu beachten. Frei ist dortselbst nur das dicht an der Eyaussee belegene Lokal von K a r l M e n t e l sV i l l a Kahl) und das in F a l t e n b e r g am Wasserturm gelegene Lokal von G o t t � fried Schäfer. Die Lokalkommission. Eharlottenburg. Wir machen die Parteigenossen darauf auf merksam, daß am Freitag, den IS. d. Mts., abends S'/z Uhr, eine öffentliche Versammlung auf dem Spandauer Bock stattfindet, in der Genosse Fritz Z u b e i l einen Vortrag halten wird. An die Genossen von Spandau richten wir die Bitte, sich auch an dieser Veranstaltung recht zahlreich zu beteiligen. Der Vorstand. KaulSdorf a. d. Ostbahn. Am Sonntag, den 21. d. M., findet unser erstes Sommerfest in Hamanns Gesellschaftshaus, Frankfurter Chaufiee, statt. Wir bitten auch die Genossen der umliegenden Orte, sich recht zahlreich mit ihren Familien zu beteiligen. Außerdem wird zum Sonnabend, den 27. d. M., eine öffentliche Versammlung im selben Lokale einberufen, in welcher der Genosse Reichstagsabgeordneter Eichhorn referieren wird. Rudow. Am Sonntag, den 21. August, nachmittags 6 Uhr, findet bei August Palm, Bismarckstr. S, eine Versammlung statt. ,ce �todbin. Am Sonnabend, den 20. August, abends 8'/? Uhr, im esellschaftshauS tags sind im Oktober und April einige Züge mehr vorgesehen. Der Fernverkehr der Strecke Berlin-Velten-Kremmen beschrankt sich vom Oktober an auf die Stationen Berlin, Gesundbrunnen, Tegel, Velten usw. Bisher hielten einzelne Züge auch auf Zwischenstationen. Während bisher alle Züge im Fernverkehr von Berlin nach Kremmen durchgingen, verkehren vom 1. Oktober an aus Berlin sechs dieser Züge. Vier weitere Züge haben in Velten Anschluß an Vorortzüge. Dasselbe ist der Fall mit einem nur werktags verkehrenden Frühzug und umgekehrt. Bon der Lungenheilstätte Graiowsee hat in unserem gestrigen Artikel der Druckfehlerteufel behauptet, daß in ihr der Brauch herrscht,.die Patienten zu allerlei keineswegs gesund- heit schädigenden Arbeiten zu nötigen. In Wirklichkeit handelt es sich um.allerlei keineswegs gesundheitfördernde Ar- bciteir". Keine Erweiterung des Vorortverkehrs auf der Anhalter Bahn. Seit Jahren sind bekanntlich Wünsche auf Erweiterung des Vorort« Verkehrs auf der Anhalter Bahn laut geworden. Jetzt find diese wieder der Eisenbahndirektion Halle unterbreitet und wieder sind fie abgelehnt worden. Die Eisenbahndirektion führt für ihren ab- lehnenden Standpunkt die Unrentabilität und die hohen Kosten ins Feld. Zahlreiche Bewohner der westlichen Vororte sind dieser Mei- nung nicht, sie glauben vielmehr, daß ein ganz beträchtlicher Ueber« schuß für die Eisenbahn sich ergeben würde, wenn der Vorortverkehr erweitert würde. Bon einem Fahrstuhl zu Tode gequetscht wurde gestern vormittag der 2öjährige Maler Kobold, Rostocker Straße 19 wohnhaft. Der junge Mann war auf einem Neubau in der Kopernikusstr. 32 be« schäftigt und wollte im Innern des FahrstuhlfchachteS einen Anstrich vornehmen. Plötzlich setzte sich der Fahrstuhl in Bewegung und sauste auf K. herab. Der Verunglückte konnte erst nach längerer Zeit auS seiner schrecklichen Lage befreit und nach der Unfallstation in der Warschauer Straße gebracht werden, wo der diensttuende Arzt nur noch den Tod infolge Schädelbruchs feststellen konnte. Ein bespanntes Fuhrwerk in den Landwehrkanal gefallen. Am Planufer nahe dem Urbanhasen stürzte gestern beim Umwenden ein Steinwagen mit den beiden davorgespanntcn Wagen in den Landwehrkanal. Ter Kutscher konnte sich»och durch einen Sprung Vom Wagen in Sicherheit bringen. Von den beiden Pferden gelang es der zur Hülfe gerufenen Fsuerlvehr eines zu retten, während das andere ertrank. Opfer der Straße. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am gestrigen Nachmittag gegen'/zS Uhr vor dem Hause Kopernikusstr.'13S. Dort versuchte der Radfahrer Walter Schover, Rochowstr. 3, mit seiner Maschine daS Gleis kurz vor dem Motor- wage» 1776 der Linie 46 zu kreuzen, wurde umgestoßen und geriet unter den Vorderperron des Waggons. Mit Hilfe von Passanten wurde der Wagen angehoben und der Verunglückte hervorgezogen. Der Verletzte, der einen Schädelbruch und eine schwere Gehirn- «rschütterung erlitten hatte, wurde nach dem Krankenhause Bethanien geschafft. Ein zweiter Unfall ereignete sich in der Viktoria-Lnise-Straße, Ecke Neue Winterfcldtstratze. Dort versuchte eine Frau Retzlaff. Neue Winterfeldtstr. 26 wohnhaft, den Hinterperron des Motorwagens 2800 der Linie 91 während der- Fahrt zu besteigen, kam zu Fall und erlift eine leichte Gehirnerschütterung. Die Verletzte wurde nach ihrer Wohnung geschafft. t Wegen Urkundenfälschung und Unterschlagung in Höhe von 1800 Mark wurde der 19jährige Expedient Georg Mehl aus der Köpenicker Straße verhaftet. Der junge Mann war seit einem Jahre bei einer GaSglühlichtgesellschaft angestellt und meldete sich vor acht Tagen krank. Während er keinen Dienst tat, fand man, daß Glühlampen und Drähte fehlten, ebenso daß Rechnungen mit gefälschten Unter- schriften eingezogen worden waren und falsche Buchungen statt- gefunden hatten. Als gestern M. seine Arbeit wieder aufnehmen wollte, nahm ihn die Kriminalpolizei fest. In einem Schranke in seiner Wohnung fand man noch für ISO M. Glühlampen. Im Zirkus Cyrill-Hatlö im alten Berliner Botanischen Garten, an der Ecke der Potsdamer und PallaSstraße, fand am Dienstagahend eine Novitätenvorstellung statt, die aufs neue den Beweis lieferte, wie unberechtigt das weilverbreitete Vorurteil ist, die Leistungen eines Zeltzirkus vermöchten nicht mit den Darbietungen der großen equestrischen Institute, wie z. B. des Zirkus Busch oder des Zirkus Schumann, zu rivalisieren. Eine große Wasser- und Feuerpantomime bietet freilich der Zirkus Chrill-Hatlö nicht; aber sonst sind durchweg seine Vorführungen ersten Ranges und manche müssen sogar als hervorragende Leistungen bezeichnet werden, vornehmlich die akrobatischen Künste der beiden hochkomischen Brüder Honnew und der drei graziösen Tigergrazien, sowie der kühne verwegene Luftakt der„ArtoniS" an dem unter der Decke des Zirkus aufgespannten dreifachen Trapez. Dazu bietet der Zirkus Cyrill-Hatlü eine Reihe prächtiger Löwen-, Hunde-, Schweine-, Pferde- und Elephantendreffuren. Besonders verdienen die Exerzitien, die Herr Hugo Renz seine beiden indischen Elefanten ausführen ließ, alle Anerkennung; und noch höher stehen die schneidigen, exakt durchgeführten Freiheitsdressuren des Herrn Idar Petterson, die dem ZirkuS zugleich die Gelegenheit boten, ein prächtiges Pferde- Material in der Manege aufmarschieren zu lassen. Die zuletzt vor- geführten zwölf russischen Rapphengste find wahre Prachttiere und geradezu vorzüglich einexerziert. Wer ist der Tote? Aus der Spree wurde gestern an der Sttalauer Allee eine unbekannte männliche Leiche gelandet. Der Tote ist etwa 45 bis 50 Jahre alt und 1,66 Meter groß, hat blondes, kurzes Haar, eine Glatze, einen dunklen Schnurrbart und trug ein rot und blau kariertes Hemd, daS A. K. gezeichnet ist, grau- gestreiste Hosen, ein dunkles Jackett, graue Strümpfe und einen roten Riemen. Im wissenschaftlichen Theater der Urania, Taubenstraße, wird Professor Björne Smith auS Bergen heute, Donnerstag, abends 3 Uhr einen Bortrag mit zahlreichen farbigen Lichtbildern über .Streiszüge durch Norwegen, das Land der Mitternachtssonne"' halten und diesen Vortrag am Freitag snicht wie angekündigt am Sonn- abend) wiederholen. Am Sonnabend wird der Vortrag ,Jn den Dolomiten' gehalten werden. Vorort- �lacdricdten. Schöneberg. Der schulärztliche Bericht auS den Mittel- und Gemeindeschuken liegt nunmehr, mit Ausnahme der 5. und 10. Schule, in genauer Uebersicht vor. Die gesundheitlichen Verhältnisse unter den Kindern waren im allgemeinen zuftiedenstellend. Jnfekttonskrankheiten traten nicht epidemisch auf. Nur in der 6. Gemeindeschule wurde wegen zweier Diphtheriefälle, die in unmittelbarem Zusammenhang standen, Schließung der Klasse bezw. Desinfektion beantragt; erster« wurde vom Kreisarzt nicht für notwendig erachtet, die Desinfeftion dagegen ausgeführt. Die Haarkrankhei:(Mikrosporie) ist infolge des sofortigen energischen Eingreifens der Schulbehörde bald beseitigt worden. Unter ärztlicher Kontrolle standen 2484, auf- genommen wurden 608 Kinder. Als noch nicht schulfähig wurden 93 Kinder auf ein halbes Jahr zurückgestellt. Es entfallen, da 14 Schulen vorhanden, durchschnittlich 7 Kinder auf jede Schule, die zurückgestellt werden mußten. Diese Zahl könnte eingeschränkt werden, wenn die Stadt eine Art Vorschule oder Spielschule ein- richten würde, in der die zurückgestellten Kinder in Anschauung und Handfertigkeit unterrichtet und Bewegungsspiele mit ihnen unternommen würden. Geistta zurückgebliebene Kinder könnten von dieser Borklasse dann in die Hilfsklasse übertreten und die Normalflaflen würden von diesen Kindern entlastet. Sodann könnten auch schwexe Fälle von Schwachsinn in derartigen Vorklassen besser beobachtet und geeigneten Anstalten, von denen eS leider nur eine beschränkte Anzahl gibt, zugeführt werden. Die Unter- suchungen ergaben, daß 20S8 Gesundheitsscheine vorhanden waren. Defekte Zähne hatten 1312 Kinder, Blutarmut wurde bei 613 fest- gestellt. Skrofulöse hatten 568. Nervenleiden 40, Verkrümmung der Wirbelsäule 336, Herzkraulheiten 103, Lungenkrankheiten 177, Tuberkulose 65 und Jdiotte 15; Augen- und Ohrenkranke waren 253 Kinder vermerkt. Mit der Einrichtung der Schulzahnklinik in der Belziger Str. 46/47 dürfte den zahlreichen Zahnerkrankungen wesentlich gesteuert werden, wenn auch die Eltern mit dazu bei- tragen, daß die Kinder die Klinik regelmäßig besuchen. Erschreckend hoch ist die Zahl der an Tuberkulose erkrankten Kinder, die nicht in die Schule, sondern in Heilstätten gehören. Sollen die von den Schulärzten getroffenen Verordnungen von Erfolg begleitet sein, dann ist unbedingt notwendig, daß zum Zwecke einer genauen Durch- fnhrung eine Schulschwester angestellt wird, die die Eltern aus das Befolgen der ärztlichen Anordnungen aufmerksam macht. Lebhafte Beschwerden führen die Aerzte über die Versendung in die Ferien- kolonien. Die peinliche Sorgfalt sowie vorsichtige Auswahl zur Verschickung der Kinder wurde schlecht belohnt, da nur ein geringer Teil der vorgeschlagenen Kinder berücksichtigt werden konnten. Dies lag wesentlich daran, daß ein erheblicher Teil der bürgerlichen Ver- treter für derartige Zwecke im Stadtparlament die Mittel zu knapp hält. Nur die Sozialdemokratie hat für derartige Zwecke das richtige Verständnis gezeigt. DaS Ansinnen der Rektoren, daß die Schul- ärzte bei den Eltern in den Wohnungen Erkundigungen einziehen ollten, um festzustellen, ob die Angaben der Eltern oder Kinder richttge seien, wenn letztere einmal die Schule nicht besuchten, wurde energisch zurückgewiesen. Rummelsburg. Eine bis auf den letzten Platz gefüllte öffentliche Verfamm- lung fand am Montag im großen Saal des»Cafe Bellevue" statt. GewerkschaftSfekretär Eugen Brückner hielt«inen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über:»Volksbetrug durch die ReichSversicherungsordnung". In klaren Zügen erläuterte Redner die so reichhaltig an Paragraphen gehaltene, den Innungen und Landekversicherungen zum Schutz, den Arbeitern zum Schaden ge- 'chaffene Reichsversicherungsordnung. Treffend wies der Re. eient den Argwohn der Regierung, daß in den Vorständen sozial- »emokratischer Mißbrauch getrieben würde, zurück; die Regierung habe bis jetzt unterlassen, auch nur einen einzigen Fall anzuführen. Die Jnvaliden-Versicherung bringe dasselbe Verhältnis nur zum Schaden der Arbeiter. Einstimmig gab die Versammlung der in Berlin angenommenen Resolution ihre Zustimmung. Gen. Schmidt und Nollstädt ersuchten die Versammelten, die notwendige Beseitigung der SonntagSarbeit im Kaufmannsgewerbe möglichst dadurch herbei. zuführen zu helfen, daß die Frauen der Genossen des Sonntags nichts mehr einkaufen. Eine in dem Sinne verfaßte Resolution wurde angenommen und unseren Gnneindcvertretcrn zur Kcsur- wortung übermittelt. Gen. Witzki wies auf das mit schweren Opfern errichtete Jugendheim hin, und forderte di-e Genossen auf. die Jugend dem- ebben zuzuführen. Am Schluß der Versammlung forderte Gen. lebscher die Anwesenden auf, aus dem Gehörten die Konsequenz zu ziehen, und sich der gewerkschaftlichen� politischen sowie der genossen. "chastlichen Organisation anzuschließen. Treptow-Baumschulenwcg. Unter Parker Beteiligung wurde am Dienstag unser Genosse Schnitt auf dem hiesigen Gemeindefriedhof beerdigt. Der stimmungsvolle Gesang des Gesangvereins.LiedeSfreundschast' hatte der Trauerfeier einen würdigen Charakter verliehen. Ohne Zwischen» fall sollte die Feier aber leider nicht beschlossen werden. Als im Namen des Wahlvereins Genosse L ü d k e einen Kranz niederlegen und einige Widmungsworte sprechen wollte, störte der Friedhofs- inspektor die Feier mit den Worten:»Reden mit lieber Freund und so dürfen Sie hier am Grabe nicht halten.' Als L ü d k e noch die Worte sprach:»Lieber Freund, zu früh bist Du Deiner Familie und uns entrissen worden', rief er,»ich werde Sie anzeigen'. Um die bis dahin ruhig und würdig verlaufene Feier durch den Inspektor nicht weiter stören zu lassen, mußte man sich vorläufig bescheiden. Unsere Gemeindevertret-r werden wohl Gelegenheit nehmen, in geeigneter Weise den Herrn Bürgermeister über ein derartiges Verhalten des FriedhossinspettorS zu interpellieren, da« mit wenigstens in Zukunft solche Störungen vermieden werden. Lankwitz. Am Sonntag, den 21. August» findet vom hiesigen Arbeiter- Gesangverein ein Sommerfest im Restcmrant Prochatzka, Viktoria- straße, statt, daS um 3 Uhr mit Konzert beginnt. Da der Verein bei Parteifestlichkeiten stets gerne mitwirkte, darf er wohl die Unter- stützung der Genossen erhoffen, Adlershof. Am Sonntag, de« 2t. August, findet im Lokale von Wöllstein das Gewerkschaftsfest. veranstaltet vom Wahlverein und Unterkom- Mission der Gewerkschaften, statt. Das reichhaltige Programm weist unter andern auf: Mitwirken des Arbeitergesangvereins»Froh- sinn", sowie erstklassige Spezialitäten und Kinderbelustiaungen der verschiedensten Art. Die Festrede hält ReichStagsabgeocdneter Ge. noss« Fritz Z u b e i l. Wir ersuchen die Genossinnen und Genossen� recht rege für den Besuch genannter Veranstaltung zu agitieren,„ Lichtenberg. Die am Dienstag stattgrfundene Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins nahm zunächst den Bericht von der Kreisgeneralversammlung entgegen. Die längste Zeit nahm der Badenser Disziplinbruch in Anspruch. DaS Verhalten der Badenser wurde von sämtlichen Parteigenossen scharf verurteilt. Ebenso wurde die vom Genossen MiruS auf der Generalversammlung vertretene Ansicht nicht gutgeheißen. Einige Genossen waren der Meinung, die Resolution Stadthagen wäre zu scharf. Es genügte, wenn die Resolution de? Zentralvorstandes angenommen würde, welche zum großen Teil dasselbe enthalte. Durch diese Ansicht wurden einige Redner veranlaßt zu betonen, daß bei einer derartigen Affäre Klarheit zum Ausdruck kommen müsse, wie über diese Angelegt G g. gedacht wird. Genosse Düwell verlangte eine nochmalige or�,- stimmung über die Resolutton Stadthagen, damit festgestellt wcd«> könne, ob die Mitglieder mit dieser Resolution einverstanden Die Zustimmung erlolgte gegen fünf Stimmen. fftp Weistensee.'V Laßt Herrn Dr. Pape in Ruhe! verlangt da»»Weißense«,' Tageblatt': das Ansehen des OrteS wird geschädigt, wenn Berline: Zeitungen fortwährend sich mit der Person des besoldeten Schöff■ in so herabsetzender Welse beschäftigen. Daß aber gerade!« »Weißenseer Tageblatt', die.unabhängige' Hausbesitzerzeitung ,== Leiborgan bei Herrn Doktor seinerzeit in sensattoneller Weise"*1 Gehaltszahlung resp. Verweigerung aufbauschte, ist in Vergessen Seraten, denn damals ließ Herr Dr. Pape über seine Person im Sperrt 1 hreiben, daß schon wieder ein Gewaltstreich de» Gemeindevorftan?*; gegen ihn ausgeführt ist, indem man ihm das Gehalt sperre.!"" weit das Ansehen des Ortes durch solche Lächerlichkeiten geföriK IC oder geschädigt wird, lassen wir getrost alle einsichtigen Leute eiz l2 scheiden. Wenn man aber glaubt, damit die Berichterstattung des? .Borwärts" zu gloffieren, und daS bezwecken die Eingesandts im be-� zeichneten Organ, so find die Einsender auf falschem Wege. We,' sich in Gefahr begibt, kommt darin um, sagt ein alteS Sprichwort. Die Angriffe des Herrn Dr. Pape auf die Arbeiterschaft sollen ja. doch erneut werden, er will ja. wie angekündigt, auS feiner Reserve" herausgehen, folglich wird man über seine Person noch lange nicht zur Ruhe kommen. r Potsdam. Ueber das Vermöge» bei Oberlehrers Lange an«wer höheren Knabenschule ist nach dessem Tode der Konkurs eröffnet worden.'' Die gerichlliche Abrechnung bei der Schlußverteilung zeittgte folgendes bemerkenswerte Resultat: 87 696,70 M. Forderungen steht eine verfügbare Maffe von 6203,24 M. gegenüber, wovon noch die gerichtlichen Kosten und die Jnserttonsgebühren zu begleichen sind.— Herr Lange muß neben unbeschränktem Kredit recht noble- Passionen gehabt haben. Erst vor kurzem hatte sich das Militärgericht in Potsdam mit einer nächtlichen Ausschreitung von Chargierten gegen Zivilisten(damals Offiziere in Zivil) beschäftigt und diese ztt schweren Strafen verurteilt. Jetzt beschäftigt wieder ein ähnliches Fall die Oeffentlichkeit. Ein Musiker(Unteroffizier) hat nach Mittels nacht nach dem Spandauer Markt fahrende Gemüsehändler in der Jägerallee aufgehalten, die Wagenlaternen ausgepustet und belästigst� In den Streit mischten sich dann drei weitere Unteroffiziere«,n!. Erst nach ungefähr einer Stunde konnten die Händler ihren Weg fortsetzen und dann auch erst, nachdem die vom Revier alarmierte Polizei die Streitenden auseinanderbrachte. Nicht allein wegen diese» nächtlichen Unfugs, sondern auch wegen Ueberschreitung ihre» Urlaub» haben bereits die militärischen Vernebmungen stattgefunden. Es wird sich noch als notwendig erweisen, daß ein besonderer nächt» sicher Polizeidienst zum Schutze der Einwohner in der Nähe von Kasernen eingerichtet wird, um so mehr, da doch sonst die Polizei, z. B. bei Wahlrechtsversammlungen, sehr fürsorglich war. Jugendveranstaltungen. Potsdam. Sonntag, den 21. August, findet ein AuSfiug der schul-' entlassenen Jugend nach Caputh statt. Versammlung um 2 Uhr am TabakshäuSchen(Baffinplatz). Die Parteigenossen wollen ihre Söhne und Töchter daraus aufmerlfam machen. Lese- und DiSkutierklub»Wilhelm Liebknecht«. Heute, Donner». tag. abend» 9 Uhr: Sitzung bei Karl Eichhorn, Danziger Str. LZ, Vortrag. Gäste willkommen._ «mtltcher Marktbericht der städtischen Narkthallen-Dtreltton über den Grohhandel w den Zentral-Marttballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr schwach. Geschäft fnll, Preise unverändert. Mild: Zufuhr ge, nügend, Geschäst etwas lebhafter, Preise gedrückt. G e s l ü g e l: Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise wenig verändert. Fische: Zufuhr mäßig, Geschäft lebhast, Preise mit Ausnahme von Aalen hoch. Luit er und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und S ü d j r ü ch t e: Zufuhr genügend. Geschäft flau, Preif« wenig verändert. Wasserstands-Nachrtchte» der Landesanstalt für Gewäfferlunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. vafierstan» Kemel. Tilstt P r» g e l, Jnfterbmg Weichsel. Thorn Oder, Ratibor . Krossen , Frankfurt Warthe. Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Elbe, Leitmeritz # Dresden , Barby , Magdeburg am U>. 8. cm 184 98 250 180 183 217 —8 —30 —18 —3 r-130 154 138 fett 15. 8. cm') +9 — 10 — 18 —12 —25 —3 0 0 +2 +11 —8 -12 -? Wasserstand Saale, Grochlttz Havel, Svandau«) » Rathenow«) Spree, Svremberg«) , BeeSlow Weser, Münden , Minden R h e t n, MaximilianSau , Kaub Köln Neckar, Heilbronn Main. Wcrthets Mosel, Trier am IS. 8, cm 110 80 63 144 141 -43 44 574 400 403 80 98 fett 15.8. am1) —4 0 0 -4 —5 —32 +2 +4 —14 —2 0+ bedeutet Such»,— Fall.•) llnterpegel. Thealer und Vergnügungen Donnerstag. 18. August. Ansang VI, Uhr. NeueS königl. Opera-Theater. Lohengrin.(Ans. 7 Uhr.) Königs. Schauspielhaus. Der deutsche König. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Faust. Kammers piele. Liedeswalzer. Lessing. Gespenster. Berliner. Tai/un. «omiiche Qper. Zigeunerltebe. Kleines. Luxuszug. Neues. Kasernenlust. Residenz. Im Taubenschlag. Neues SchausPielliauS. RasfleS. Weste«. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller o.> Wallner. Theater.) Die Zauberflöte. Schiller Charlottcnburg. Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Berliner Bolksoper. Der Flieger. (Ansang 8'/, Uhr.) Luisen. Auf der Goldwag«. Hebbel. Wem gehört Helene? Der Kuß aus der Redoute."(Am sang SlU Uhr.) Neues Ovcretten. Der Gras von Luxemburg. Luftsptelhaus. DaS Leutnants- miindel. Herrnfeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Roie. Ein seltsamer Fall. Trianon. Pariser Witwen. Folies Taprice. Die böse 13.— Die teusche Toinette.(Ansang »'/« Uhr.) Botgt. Lebenswellen. Puhlmann. Um Ehr und Liebe. (Ansang'/.8 Uhr.) Metro,'ol. Halloh ll— Die große Revue. Apoll«. Spezialitäten. Pallage. Spezialitäten. ReichSballen. Steitiner Singer. Walhalla. Spezialitäten. Wintergarte»». Spezialitäten. Karl Haverlaud. Spezialitäten. Prater. Schützenlis'l. Schwetzer-Garten. Spezialitäten. Elternlos. Mar Kltem. Spezialitäten. Volksgarten. Spezialitäten. Die Jagd nach dem Schwiegersohn. Urania. Tandeullrahe Abends 8 Uhr: Streiszüg« durch Norwegen Sternwarte. Jnvaltdenstr. 61— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr: Gespenster. Freitag 8 Uhr: Das Konzetit. Sonnabend 8 Uhr: TantriS der Narr. Sommerpreise: Park. V. tu. 3 M. it. Berliner Theater. Heul.«Uhr: Talflltl* Morgen: Taifun. Neues Theater. TSglich: Kasernenluft. Ansang 8 Uhr. Berüaer Volksoper. Heute-/,? Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Der Alteger. Idealer des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschiedene Frau. Operette von Leo Fall. Mene» Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Operette in 3 Att. von 41. M. Willner u R. BodanSky. Musik v. Franz Lehär. kesldenx-Theater. Direktion: Richard Mexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Veber. Morgen und solgende Tage dieselbe Borslellung. Sommer-Preise. Luisen-Theater. Nur»och wenige Aufführungen: Ä- Auf der Goldwage. Schausp. in 5 Akt. v. Stahl u. Ritterseldt. Bis Freitag: Auf der Goldivage. Sonn lag 3 Uhr: Der Graf von Monte Ehristo. 8 Uhr letzter Sonntag: Auf der Goldwage. UranZa. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Prof. Bjame Smith aus Bergen: Streitzdge durch Norwegen. lOCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert Gintritt 1 Mark. von abend»« Uhr ab SV Pf., Kwder unter zehn Jahren die.Hälfte. Hiisiie» Zoo. Täglich 6—11 Uhr: Riesen-Kinematograph. Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Vou�~7 Vitascop- Theater Ayuanoptieum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! * i > i < i i i < ( t < < < | und ( Passage-Theater. Abends 8 Uhr; Ein einziger Erfolg I La mime espngnole ZoraTta das großartige August-\ Programm. i Hetropol-Thealer Hallo::: Die große Revue! In 6 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Mizzi Wlrth, der besthekannte Operetten-Star. Rajah, aegyptisohe Tänzerin. Paul Cinquevalli, Meister-Jongleur. The eagle ond the glrl, mystischer Illusionsakt Paulton u. Ooley, kern. Radfahrer. Morris u. leona, amerik. Tänzerpaar. Oorothy Toye, amerik an. Btimm- phänomen. Bert Levy, Zeichner eigen. Genres. Collins u. Hart, Exzentr.-Parodist. Archie L. Goodale, Evolution Riesenreifen. The 12 Sunshine girls, englische Gesangs- und Tanz-Ensemble. Biograph Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel OSE=THEATE Kroge Frankfurter Str. 132. Ein s«lt«nni»r Fall, Phant. Schauspiel in 4 Akten ZZ1 von Morton und Gunniver. Ansang 8 Uhr. Ende'Ml Uhr. Ans der Gartenbühne: Theater- Ab 3 Uhr die Kolossal- Attraktionen. 5::: Schönhelten a E Tänzerinnen KorinnaS. A» Schimpanse— Orang-Utan als Tandemfahrer. I-llly Walter Schreiber, der grohte kieinste Varieie-stern. JulieiieS Seelöeven. Hemohrltos, die letzte Neuheit, u. daß weitere Sensationsprogramm. Vorstellung, Programm.) Spezialitäten.(Neues Anfang 4'/, Uhr. Trianon-Theater. Heut««. folgende Tag«(Ans. 8 Uhr): Pariser Witwe». Theater Die größten Schlager der letzte» Saison: Die Welt geht unter! und Menn zwei dasselbe tun mit Anto« und Danat Herrnfeld. Billettoorverk. 11— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Keriiner Prater-Theater Xastanwnallee 1—9, Täglich: SchllhkNllS'i. SpezlalitäteD, Anfang 1'/, U Konzert und Bull Uhr. Entree 30 Pf. 8. Sept.: Gr. Kinderfreudenfest. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Ciottacheid-Oper. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hie ÄlanhertlÖte. Op« w 2 Akten von W. A. Mozart. Ende 10»/. Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Hie kleinen HHchn. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Her Freischütz. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hl« kleinen Hlchn. Schiller-Theater Charlottenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hte riirtJich. Verwandten. Lustspiel in 3 Ausz. von R. Benedix. Hierauf: In Ziyll. Schwanken 1 Akt v. Gustav Kadelburg. Ende nach 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: Hie zilrtllch. Verwandten. Hieraus: In SElvil. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hie ztirtlleh. Verwandten. Hieraus: In Zivil. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser'Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographie». Während der Sommennonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 30 u. 40 Pf., Kinder dieHälft«. Ans. 7 U.. Sonnt. 4 U. Vorzugskerien, nur wochent. gültig, LS Ps. aus allen Plätzen. StctS wechf. Progr. ged. Sonnt, i. Obersaal: Künstlerkonzert. Elltree IS Ps. Garderobe 19 Ps. N. d. Konzert: Pamiilen-KrZnzehsn. Täglich: Freitonzert. Lonntax, den 4. Leptember, z Uhr Sroffnungs-Vorstetlungen Thalia-Tliealer Qalsworty: Kampf. 4h t. 9)10(Gruppe 40-43) Lessing-Theater Hermann Bahr: Das Abt. 3(Gruppe 9—13) Keues Sehanspielhans Björnson: Ueber unsere Kraft. Abt. 1(Gruppe 1—4) Residenz-Theater Gavauld: Die 300 Tage. Abt. 8/9(Gruppe 36-r~ Herrnfeld-Theater Sonntag, 18. September: ▼. Sohönthan-Kadelburg: Der Herr Senator. Abt. 11/12(Gruppe 49—51) Abendabteilungen im Kenen Sehanspielhans 5., 12., 19., 26. September Rafflos. S., 10., 17., 24. Oktober Moliöre: Tartüff. 31. Oktob., 7., 14., 21. November Ueber unsere Kraft. Hie Hitgltedskarten müssen noch hento ans den Zahlstellen abgeholt werden, da dieselben sonst an neue Mitglieder aasgegeben werden. Keao Mitglieder können sich in allen Zahl- Stellen anmelden. Ordnersitznng S o a n> b e n d, den 20. August, abends 8*/, Uhr, Gewerkscnaftshause. Her Vorstand. I. V. G. Winkler, Extraiorstellung im Lessing-Theater Sonntag, 20. November: Hartleben: Rosenmontag. �ofnrd.'irii Auf as* I Königstndt-Knsino. W«ig«J JL UCi« Holzmarklstr. 72, Ecke Alexanderstrahe. Gesundbrunnen Badstr. 53. Donnerstag, 18. August,'1,8 Uhr: Lebenswellen. Gr. Lebensbild mit Gesang und in 4 Bildern von H. Das«ene erftklass. Augustprogr. Kaffeneröffnung 2 Uhr. Ans. i'/, Uhr. Beginn der Wintersaison 1910/11: Montag, den 5. September. nnlllk-Trlo. Fells Scheuer Stralsanderstr 1 TERRASSES HALENSEE GrOBter Vergnogungspark des Kontinents. Sensationelle Attraktionen, Translatetu� und Militär- Kapellen, Oberbayerisohe Sänger und Schahplattler. Neu! Tanagra, Eintrittspreis 50 Pf. MV* Sonnabend, den 80. Angnat*W> Elite tag JubiläumsaPest anlbUllch des w 100. Abende teil Bestehen des Luna-Parks. Monster-Konzert; 150 Musikep (5 Kapellen) Haoerrorstellangen Im Tatiagra• Theater. Brillant- Feuerwerk. KoBfettlschlaeht Lnftschlangen Inhaber: Max Sohindsrhausr. Im herrlichen Naturaarten(bei on- günstiger Witterung im Theatersaay. los Pieurs, Hand- u. Stopjcquilibritl. Kio? des Teufels Würfel. The Willuhus, Champlon-Mal-Akt. Mittwochs: Freltans. Ansang wochentags?>/, Uhr. , Sonntags 5, Heiehshailen-Thealer. Von nun Wied, täglich l Stettiner Senger Anfang wochentags 8 Uhr Sonntag« 7 Uhr. Alt-MonhU 47/40. Täglieh: Konzert, Theater, Spezialifäfen. 'Spree-Garten� Treptow. (GegenDbsr der Sternwarte.) Heute Honnerstag: Elitetag. GroBes Militär-Konzert Anfang 7 Uhr. Entree 80 Pf. Kinder 15 Pf. Im Rieseneaal: Großer Ball. Havertand- Anfang Theater präz. 7'/,U. 77/79 Kommandantenstratze 77/70. Premiere Sotlllabtud, deuM.Augllst. Heute Donnerstag, 18. August, abend» 81/, Uhr; Beknt Cremo Hoffmann, Heldentenorist zu Pferde. laetzter Tag im Alten Boten. Garten: Freitag, lO. Angnst, abends 81/, Uhr: Gala-Vorstellung. und Festsale. Inh.; Rudolf Krüger. Hasenheide 13116, vis-a-vis v.TurnpL TitgUch: Große Töeater- a" Forstellanj. Artist. Leitung: Walter OrSvenltz, Kapellmeister: Max Wolffheim. Jeden Donnerstag; Elite-Tag{ Anfang: Wochent. 6 Uhr, Sennt.'fa6Unr. | Weinbergsweg 19-20, 1 Anfang 8'/, Uhr. Erol in seinen 86 Verwandlungen 86 | und die übrigen Spezialitäten. Volksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm> u. Bellermannstrahe. Täglich: Konzert-, Theater- und SpezInlilSten-Verst. DaS neue Riesen» Augustprogr. Neu: Der Rtgeuuer» baron. od.: Die Jagd n.d. Schwieger» söhn. Posse m. Ges. u. Tanz in 5 BUd. Jed. DomierSt.: Gr. Brillant-Feuerw. Schweizer Garten Am KSnlgstor— Am Frledriohshain. Täglich abends>/,I0 Uhr: Flternlos oder: Berlin arm nnd reich. Volksstück mit Ges. in 2 Akt. Vorher: Epeclalltttteo. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree SO Pf. Mimanns Theater SohSnh. A. 148— Kastanien-A. 97/». Wenn schön— im Garten l Wenn Regen— im Saall Täglich: Konzert. Neue Spezialitäten. l/,8 Uhr: Um Ehr und Liebe. Ans.',.5 Uhr. Sonnt.'1,4 Uhr. Ball. Entree 20—60 Ps., Sonnt. 30-100 Pf. Kinder halbe Preise. Vereins-Brauerei Rlzdort, Hermannstr. 214/219, Oekonom: Max Wandt. wer TUglleh:"MM Gr. Militär-Konzert. Anfang wochentags 7 Uhr. . Sonntag» 4 Uhr. »Victarta» Brauerei, tutzowat. 111/112 Im Garten oder Saal: Täglich Hr. hnmorlst. Solree. (Gesangsvorträge, Theater und Bariets-V orstellungen.) Sonntags, Dienstags, DonnerSt. und Sonnabends: Tanzkränzobsn. Ans.: Wochentags 8, Sonntags 7 Uhr.— Alle BonS gültig. Im Restaur.: Mittagstisch 76 Ps. Gr. u. kl. Säle zu Festlichkeiten aller Art Max Saegsr. Nißie's Fest-Säle Dennewltzstraße 13. Jeden Donnerstag, Sonnabend und Sonntag: 44311* Großer Sali C. Hlfilc. Für den «ibernimmt Publikum gegeunber Bkrantwortnng Inhalt der Inserate die Redaktion de» teinerleß Scbwedter Str.£8/%4. Großer Saal mit Theaterbühne Sonnabend, den 10. Septbr.. und SS. Oktober srcigeworden. Kleiner Saal mit Parkettboden und Bühne zu Hochzeiten, Fest- lichkeiten jeder Art noch mehrere _ Tage zu vergeben._• �Hygienische. Neuott Katalog D. JM3Dj)fohl. viel���t<�uJtoLgrat. vjj Qariia N�tiiodricbiiraM« dl/9 Wir fahren alle nach der Schmerzlose Behandlung Da erhalten Sie unter Garantie für absoluten Sitz und Brauchbarkeit nur echte Zähne. Keine hohlen Zähne oder mit eisernen Stiften versehenen Zahnersatz. Ueberzeugung macht wahr! Zahn- Praxis Carl Rudolph. 6. Praxis; Charlottenbur?, Wilmersdorfer Str. 117. 7. Praxis: Lichtenberg, Frankfurter Allee 169. 8. Praxis: Spandau, Neuendorfer Straße 106. 1. Praxis: Friedrichstr. 35. 2. Praxis: Elsasser Str. 14. 3. Praxis; Oranienstr. 61. 4. Praxis: Palisadenstr. 106 Praxis: Moabit, Hutten- Straß e 63. asmorb i �rssdencr Acwaogt Kasino-Säle �reSdenerstr. 96. 4303 Sonnabende u. Sonntage frei mit und ohne Bühne. Amt IV. 8666. Ad. Unzfcldt. KI. Mttallgitßtrei und Formeret mit neuem Inventar |ür 1200 M. josort zu vertansen, günstige ZahlungSbedwgungen, slän« dige Kundschaft, fichere Existenz für Fachmann, auch Anfänger. Industrie« reiche, herrl. Gegend a. d. Elbe. Ost. u. D. P. 4182, Rud. Moste, Dresden. Müdelkadrilc Julius Apelt, Tischler-Meister 6. Adalbertstraße Np. 6 SSi», Komplette Wohnnngs-Sinriebtungen zum Preise von 500, 600, 700, 800, 000, 1000 31. usw. cfpfipn 7iir Anesirht in modernster Aosf Abrang von den elnfacbsten bis zn den elegantesten fcUI rvnait-us In meinen groSen Fabrik- und Verkaufsräumen. AVA Anf Wunsch Zabtungserleicbterung. In jetziger teurer Zeit � MAGCl5 Suppen der sparsamen HanSsrau Vorzügliche Dienste. Nach wie vor kosten fie nur 10 Pfg.(ein Würfel für 2—3 Teller). Sie schmecken nur mit Waster wenige Minuten gekocht, ebenso lrästtg wie die beste mit Fletschbrühe hergestellte Suppe. Man oerlange auS» drücklich 3R A Li tS I» Suppe«(Schutzmarke Kreuzstern). Mehr als 30 Sorten. „HA Ollis gut«, sparsame KDche" Hssuterc(Iltis In Konstruktioa und AnafOhrang, gleich vorzüglich für Hansgebraach a. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. _E BERLIIV, Leipziger Straße OS. Laden in den versehfadenaa Stadtteilen. Eigene Fabrikation im Hanse t □- An dfesem Schild sind die Läden erkennbar, In denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. gm es Teppiche(fehlerhafte) Gelegen« eitSkauf. Fabriklager Mauerhost, roße Franksurterstratze 9, Flurein- mg. Vorwärlslesern 6 Prozent trnrabait. Sonntags geöstnct. Steppdecke» billigst Fabrik Große graiiksurtcrstratze 9, Flureingang. Gardinenhans. Groxe Frank- surteritraße 9, Flureingang. 24glK' Sozialreform oder Revolution, von Rosa Luxemburg. Zweit« durch- gesehene und ergänzte Auslage. Preis 50 Pf. Expedition Vorwärts, Linden- ftrahe 69. PsandleihhausKrcbbcr, Küstriner« platz 7, spottbilliger Brltenverkaus, Gardincnvcrkaus, Wäschevertaus, Ubrenverkaus, Deckenverkaus, Schmuck« lachen, Goldsachen, SUbersachen. ver- sallene Pfänder._ 2492K Borwärtsleier erhalten S Prozent Exirnrabatt selbst bei GelegenbeitS- käuscn. Teppich-ThomaS, Oranien- ftrage 160. Oranienplatz. 894K Gebrauchte Näbmaschinen billig Lellmann, Gollnowstraße 26. 327 K* Ztnkwnschfässcr, Zober, Eitz- Ivannen, Badewannen. Spezialsabrik Wienerslraße 12. Lesern 5 Proz.' Teppiche t(sehlerhailc) in allen ©rösten, fast für die Hälfte deS WerleS Tevpichiager Brünn, Hackescher Warft 4, Bahnbos Börse.(Leser deS »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!' Littauers Näbmaschinen ohne An- Zahlung, gebrauchte spotlbilligl Ska- litzerstraße 99, Warschauerftraste 67. Billige�Hosenwoche. Hochelegante Herrenhosen auS feinsten Maststosten 7— lö Mark, TcnniShosen. Versand. hauS Germania, Unter den Linden 21. Ävrjährige cleganteHerrcnanzüge «nd Palelots aus feinsten Maststosten 20— 40 Mark. Versandhaus Germania. Unter den Linden 21. 379b� Schlafdeiken(Dcckbettersatz) Nor. mal(buntfarbig) 1,85 bis 12 Mark, Wolle(einfarbig) 2.85 bis 18 Mark. EpezialhauS Emil Lesövre, Oranien- ftrahe 158._ 5980 Drehrollen«Teilzahlung), Krigar ». yhsten, Wastmannstraße 29.sll23� GaStocherhauS! Gesch, offene Lweiivchgaskocher! 5,00. VierlochgaS- kocherl 9,00. Gasbratbackösen l 8,00. BronzeggaSkronenl GaSzuglampcnl GeschästSverkaus spottbillig l Woh- lauer, Wallnertbeaterstratze 82.* Hermannplatz 6. Allerbilligste Psänderverläuse. SommerpaletotS. Jackettanzüge. Gebrockanzüge. Herren. boten. Extrabilliger Bettcnverkaus. LermtetungSbelt. Brautbeltcn. AuS- stcuersachen. WäscheauSwahL Gar. dmcnauswahl l TeppichauSwabl I Plüichtischdecken. Steppdecken. Wand- uhren. Taschenuhren. Goldsachen. GrotzberlinS allerbilligster Waren- verkauf im PsandlcihhauZ Hermann- platz 6. Auch Sonntags geöffnet.* Unkenrufe aus dem Tümpel der Kultur. Satircnbuch von Fritz Schweynert. Verlag der.Tribüne', verlin. Preis elegant gebunden 1.— Mark. Zu haben Buchhandlung vorwärts. 10990* Durch Rauch und Staub beschä« dtgte Gardinen, StoreS, Tüllbeltdecken, Fabrilreste, 1.75. 2.25, 2.S5, 3.75, 4.85, 5.50, 6.75 usw._ ErbStüllftores und Bettdecken, 3.45, 3.85. 4.75, 5.75. 6.50 usw. E. WeistenbergS Gardinenhaus, Grohe Franksurlerstraste 125, im Hause der Möbelfabrik._ Tuch- und Plüschdccken 1.25, 1.75, 2.50, 3.35, 4.75, 6.50, 8.75 bis 30 Mark. und Tuchportieren 3.25, 3.85. 4.85, 6 35. 7.85 usw. Grosti Frankfurterstraste 125. «bfallteppiche 3.85, 4.75, 5.50 usw._ Plüschteppiche mit kleinen Fehlern, in allen Grösten, 6.75, 8.25, 9.85, 11.50, 13.50 biS 60 Mark. Groste Franksurterftraste 125, im Hause der Möbelfabrik. Sport» und Lammwolldecken 1.65. 2.50, 3.25, 4.50, 5.25, 6.75 diS 20 Mark. ivtöbelstoff-. Läuser- und Lino- leumreste spottbillig. E. WeistenbergS Teppich dauS, Groste Franksurter- straste 125. Taschenbuch für Gartenfreunde Ein Ratgeber für die Pflege und sachgcmäste Bewirtschaftung deS häuS- lichen Zier-, Gemüse- und Obst- gartenS von Max HeSdörser. Zweit« vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dilion Vorwärts, Lindcnstr. 69. Gardtnen, englisch Tüll, Meter von 0,20 an, Stores von 0,90 an, Tüllbeltdecken von 1,75 an, Gardinen abgepastt, ganzes Fenster von 1,50 an. Kaufhaus Levy. Brunnen- ftraste 5JL_» Portieren, Tischdecken, Vorleger, Zelle, zu sabelhasi billigen Preisen. Levy, Brunncnstraste 59. Betten, Bcttsedern, Verkauf staunend billigen Preisen. Levy, zu Brunnensiraste 59. 1163K' Kinderwagen. Gummiräder, neu, 20,00 Andreasstraste 53._ 951K Billige e. Hochelegante dorserstraste 48. 1000K MonatSanzüge, PaletotS, wemg getragene, von 5 Mark an, groste Auswahl für jede Figur, auch neue elegante Garderobe au» erster Be» zugSguelle, 20 Prozent billiger wie tm Laden, direlt vom Schneider» Meister Paul Fürftenzelt, nur Roien» thaleritraste l0.,___ 282/10* Tischlerwagen, stark, zu verkausen Stallschreiberstrahe 56, Hos IL 397b Nähmaschinen-Speicher. Berühm- teste Nähmaschinen umständehalber halbumsonst. Schletermacherstraste 11. nesevSktsverhSuIe. Famillenexiftenz, Markthalle(auch Frau paffend), 300 Mark, umstände. halber, Weddinghalle, Stand 201. Billigst gutgehendes Kolonial-, Porlostgcschäst mit Rolle, Frau Neben- erwerb, verkaust sosort..Familien» zwist', Postamt 39._+17 Schankwirtschaft, gutgehend, 1200 Marl Miete, zu verlausen. Rixdorf, Kaiser Friedrichslraste 83. 408b vkrantwortljcher Sikdaftku?: Ken? Weber, sverlm. gut dey Achtung! 700 erforderlich, schöne» Schanlgeschäst(Lausgcgend), tüchtige Leute, groster Ausschank, Wohnung anschliestend. Vertreter Holzstamm, Strausbergerstraste 49. 205/20 �arrengeschäst. guier Verdienst, schJne billige Wohnung. Rixdors, Fall- straste 23._+46 Milchgeschäft zu verkausen. Umsatz 600 Liter wöchentlich. Zu erfragen Expedition� Challottenburg, Sesew +48 «Sdel. Möbelangebot, gebrauchte und neue Einzelmöbel und ganze Ein- richtungen, einiachste, eleganteste Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlaf. zimmcr, belieben gewesen, oersallen, Ivottbillig. Riesenlager, 5 Etagen. MöbclsveichereL Reue Königstr. 5,6, Fabrikgebäude. Teilzahlung gestattet. o-onnlag» geöffnet. 282/9* Gnetieuauftr. 10, Eck« Nostizstr S. Grau, bekannt al» beste Bezugs- quelle. Kassa und Teilzahlung. Mobeltiirblcrei.Harnack.Tilchler- meister, gegründet 1901, Stallschreiber- ftraste 57(Moritzplatz), liefert kom- Pleite Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabrilpreisen. Unüber- troffen« Leistungsfähigkeit. Enorme Auswahl. Zahlungserleichterung. Vorwärtsleser 3 Prozent. Kein Laden, Verlaus Fabrikgedäude. Möbel t Für Braulieule günstigste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Rtit kleinster Anzahlung gebe schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. Uebervorteilung daher ausgeschloffen. Bei Krankheits- fällen und Arbeilslosigkeit anerkannt gröstte Rücksichi. Möbelgejchäst M. Gotdstaub, Zoffenerstraste 38, Ecke Gncisenaustrai gcschästl Abzahlungs- Möbel-GelegenhettSkäuse w aller. gröstter Auswahl: einfache sowie bessere Wohnungseinrichtungen be« deutend billiger wie regulär. Er- gäiizungSmöbcl. Büfette 120. Schreib- tische 45, Soja» 45, Garnituren 66, Trumeau» 30, Schränle, Vertikos 26, Kronen, Teppiche, Bilder, Küchenmöbel, Klubsessel, Ledersosa«, Um- baue, Lederftüble usw. spottbillig. Lennert» Möbelspeicher, Lothringer- ftrahe 55, Rosentbaler» Tor. Die Möbel sind in vier Etagen aus- gestellt. 1142K* M oebel- Boebel, Moritzplatz 58. In meinem seit 31 Jahren bestehenden Möbelkaulhause stehen in süns Etagen lomplette WobnungSeinrichiungen zu 268,—, Wohnzimmer, modern 297,—, Küche 568,—, 667,—, englische Bett- stelle mit Matratze 43,—, Kleider- spind 30,—, Trumeau, geschliffen 34.—. Schlassosa 36.—, Plüschsosa 55,—. Umbau 50,—, Teppiche. Rtesenlager. Besichtigung erbeten. Transport und Lagerung kosten- frei. Eventuell ZahIungSerleichtc- rangen. Geöffnet 8—8, Sonnlag» 8—2. Kein Laden. Verkauf nur im Fabrikgebäude. Musterbuch F. gratis und franko. 997K* , Kleiderspind 22,00, Chaiselongue, Küchcnelnrichtung 28,00, viele Möbel Von 3—8 nachmittags. Stall- schreiberstraste 52, Rehrkorn. 255/15* Kleiderschrank 28.—, Vertiko 32,—, englische Bettstellen 24,—, Plüschsosa 55.—, hübsche Küchen 65,—, .komplette Schlafzimmer, Birke, Eiche, enorme Ausmahl. Dwinatzki, Andreas- ftraste 30, geradcüber Markthalle.* Wichtig! Möbel, gebrauchte und oerliehen gewesene, Kleiderspiud 18.00, Bettstelle mit Federmatratze 17,00, Ausziehtisch 14,00, Stühle 2,00, Kom- mode 12,00, Ruhebett mit Decke 13.00, Waschtoilette 8,00, Gardcrobenspmd 33,00, Plüschgarnitur 18,00, geschnitzte Säulenschränke, Bücherschränke, An- lleideschrank 65.00, AuSziebsoja 16,00, Salin-Schlaszimmcr. piksein. 220,00, Herrnschreibtisch 28,00, Lederstühle 8,00, Herrenzimmer. Speisezimmer, Standuhr, Federbetten, Stand 16,00, Saalteppich 20,00, bunte Küchen 55,00, Säulentrumeau 30,00. Gebe auch Möbel aus Teilzahlung. Sonntags geöffnet. Stargardt, Lothringer- strage 69. 255/17* Fahrräder. Herrenfahrrad, Damenfahrrad, einmal benutzt, 35,—, Holz, Blumen- straffe 36b. 1653K Teilzahlungen. Dreijährige Gw rantie. Spezial-Garantierad 55,00, Kaffe. Jnvalidenstraste 20, Wilhelm» havenerstrahe 73. 760SI* Kahrrad mit Torpedo« Freilaus, gut erhalten, verlause für 40 Mark. Zeschke, Andreasstraste 28, vorn III. �U8lK. Pianino. hohe», Schnitzerei, 145,—. Turmstraste 8 I.(Teil- zahlung.)__ 92/8* Pianino, gut erhallen, 150,—, sosort verläuflich Potsdamerstraße 27b. Hochparterre. 1180Sf KtavierknrsnS. Erwachsenen Schnellmethode. Monatspreis 3,00, Klavierüben frei. 20 Klaviere. Musik akademie Oranienftrast« 147, Moritz' platz. 92/13' Verschiedenes. Kunktftnvkeret von Frau KoloSlh Schlachteniee. Kurstraste 8, III. Ehanffenr-AuSbildung. theorettsch «nd prakttsch. Auto», Flugtechniker. TageS-, Abendkurse. Prospekt l Auto» techn-kum, Charlottenburg, Frltsche. straste 27 n. 1052SI Technikum. Berlin, Ncanderstraste 3 (Schinkel-Akademie), Maschinenbau, Eieltrotechnlk, Hochbau, Tiesbau, Jngenieurkurse, Technikerkurse, Werl- meister-, Monleurkurse, JnmmgS- meister-, Polierturse, Architektur, Tageskurse, Abendkurse. 1077K* Bibliotheken, Neurenovattön schnellstens, Bücherposten verkauft Buchbinderei Sieber, Annenstraste 50. Platinabfülle, Gramm 8,70. Silberabsälle. Goldsachen, Zahiigebisie, kaust Blümel, Augustttraste 19.+49* Patentanwalt Weisel. Gtlschmer» Krane»4a._ Handwäscherei grau Melchert, Köpenick, Grünauerstraste 42, wascht Laken, Leibwäsche, vier Handtücher 0,10. Abholung täglich._ lt73K Handwäschrrei Frau Obsl, Köpenick, Grünauerstraste 42, wäscht Laken, Leibwäsche, vier Handtücher 0.10. Abholung täglich. 1179K Wasche wird sauber gewaschen, Freie« getrocknet, Laien, Leibwäsche 0,10. Abholung Sonnabend». Frau Panlrath, Köpenick, Müggelheimer. straste 40.__ 256/19 Aulpolfterung. Bettmatratze 4,00, Sosa 5,00. Auch außerm Hause. Hot. mann. Neue Köingstraste 30. 255/18 Handwüscheret, Naturbleiche, vier Handtücher, Leibwäsche, Laien 0,10. AbholungSonnabenSS.MontagS. Frau Lythje, Köpenick, Grünauersttaste 18. Vermietungen. Schlofferei, l.jlO.verlw, Oranien. straste 2 a. 114+ Pferdeftall, Remise, auch einzeln. sosort Berlin, Orauienstraste 2 a. 45* HVohnunxea. Prachtwohnungen Soldinerstr.32. Stube und Küche, 18—28 Mark, Orauienstraste 2a. 114+' Zwei-. Einzimmer. Wohnungen sosort, auch später Soldinerstraste 16. Zwei-, Einzimmer- Wohnungen sosort, auch später Sonnenburger- straste 27. I37d* Mainzerstraste 17, an Frankfurter Allee, renovierte Ein- und Dreizimmer- Wohnung Oktober vermietbar.* Frankfurter Allee 167, schöne, helle Zweizimmer und Einzimmer mit Küche 1. Oktober billig zu ver- mieten. 191/13* Sonnige Porderwohnung, Stube, Küche, Korridor 27,50. Goldbecg, Lynarstraste dreL 92/10 Limmer. Möbliertes Zimmer, Teilnehmer. 12 Marl Miete. Admiralstraste 18b, Ouergeb. IV. Reiher.+123 Möbliertes Zimmer zu ver- mieten. Baumschulenweg, Trojan- straste 6 II, gegenüber der Aus- stellung. 2675b �.rdeitsmarkt. Stellengesache. Wer lehrt jungen Mann lohnende Näharbeit oder Zuschneiden? Offerte L. IL Postamt 59. 403b Stellenangebote. Bsigler» tüchtige, sosort bei dauernder Stellung verlangt bei 40 Mark Wochenlohn. F. Holz, Oranienftrast« 10/11. 92/14* Schlctferlehrling. AusaugSIol/n 7,50, verlangt Prinzenstrahe 98 L Schallplatten-Mischer für Masse gesucht oder Rezept zu kaufen unter Diskretion. Berlin, Franseckhstr. 17 in rechtS.___+139 Putzlehrmädchen, gründlichste Ausbildung, Vergütung, Zuarbeiten». Melchiorftrahe 25._ 402b Glasvergolderi« verlangt Otto Grund u. Co., Wassergasse 3. 896b Müt/cnitepprrin in und austerm gause bei hohem Verdienst verlangt strolenk, GipSslraste 11._+49 Farbigmacherinuen verlangt Raschig, Köpeuickerstraste S7, 8. Hos 4 Treppen. 1181K Ärbeiterinuen aus bessere Kamm- garnblusen, Jacken und SportsassonS sucht Lcyscr, Groste Franlsurter« straste 137, 2. Hof, Ausgang B. Künstliche Blumen> Kröserinneu und Klebcrinncn, nur tm Hause, sucht Schindelhauer, Alle Jalob- straste 156. 386b* Zeitungsfrauen verlangt schöne- berg, Hauptstraste 155._ 91/17* Zeitungssroueu sosort verlangt Königstraste 56/57._• Mamsells aus schwarze Paletot», Fahrgeld oergüttgt, Neide, Schlie- mannstraste 23.+139* Im Arbeltsmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen koste« 30 Pf. die Zeile. Zeitungsverkäufer gegen Fixum und Provisto« für Abendblatt gesucht. Lindenstr. it, Drnckereigrbaude, vierter Hof rechts ll. I98b Stnllliatettre! Bei«randtke, Nieder-Schön- Haufen, liegen Differenzen vor. Bauten Nicder-Schönhausen. Blücherstraste, Bau Rücker. TreSlowslraste, Bau Mohr. Marthastraste. Kaiserweg, Ecke Wrangelstraße. Blücherstraste, Bau Grandtle. Kaiser-Wtlhelm-Straste, Bau Schneider. Kaiser-Wilbelm-Straste, Bau Liedcmit. verlin, Oberbaumbrücke, Gröben» «ser. 173/11» Heliliilig! HolAsdeilös. Wegen Streik und Lohndifferenze» sind gesperrt: Kitchenmöbelfabrik Erelkr«?, Reinickendorf, Holländerstt. 110. tzlvlsvh, Tischsabrik. Fruchistraste 32. Korbmacherei der Stralauer Glas» büite. Möbelfabrik»Genossenschaft», Weißensee, Langbansstr. 100. Waggonfabrik Elndner, Halle- Ammendors. Ptanofabrik Stelnveg A Sans w Hamburg, sämtliche Tischlereien in Stolp und Lassan in Pommern. Die Ortsverwaltung Berlin. Tj.Mgckr.Lekfjo. MlSK-Laisgs LgWirt» K. Btttss�gstSsIt favi Zivg»& fte« Beriio SW._