RIwmMmtntS'BedbQvnatn: IBonnementä• Pr«S pränumerando i «ierteljährl. SLll Mä, monatl. l.l0 Ml, wöchentlich 2» Pfg. frei in» HauS. Einzelne Nummer B Pfg. Sonntags. nummn mit illuiirierler Sonntags« Beilage»Die Neue Welt' lv Pfa. Post» Nbonnement: l,l0 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post> Zeitunas. PrelSIiste. UMer Kreuzband für Deutfchland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Susland 8 Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien. Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 91* Jahrg. Crffttat ligstch uficr ffleatut. Vevlinev Volksblerkk. Tentralorgan äer tozfoldemohvatxtdbcn Partei Dcutfchlands. Die Tntirtlons'Gebflljr- veirägt für die sechsgespaltene Kolon ei- geile oder deren Raum 50 Psg, für politische und gewerlschastllche Bereins- »md BersammIungS.Anzeigen L0 Psg. „Kleine Hnzeigtn", das erste(fest. gedrucktes Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Slellcngeluche und Schlaf« slellen-Anzeigen daS erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächst- Nummer müsse» bis S Uhr nachmittags in der Expeditton abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Zrelegramm-Adreffei „Z»I»llUl»»Ilnt Berlin", Redaktion t 8 AI. 68, Lindenetraoae 69. Fernsprecher- Amt IT, Nr. lSSZ. Expedition t 8 AI. 68» lUndenotrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. IS8I» Parteigenossen! Laut Beschluß des Leipziger Parteitages findet der diesjährige Parteitag in Magdeburg statt. Auf Grund der ZA 7, 8. v, 10 und 1l des Organisationsstatuts beruft die Parteileitung den diesjährigen Parteitag auf Sonntag, den 18. September, abends 7 Ahr, nach dem Saale des„Luisenpark" in Magdeburg, Spie!» ga r t e n st r. 1, ein. An die Punkt 7 Uhr abends erfolgende Eröffnung schließen sich die Konstituierung des Parteitages, dfci Festsetzung der Ge« schäfts- und Tagesordnung und die Wahl der MandatsprüfungS» kommission an. Die Verhandlungen der folgenden Tage finden in dem gleichen Lokal statt. Als vorläufige Tagesordnung ist festgesetzt: 1. Geschäftsbericht des ParteivorstandeS: a) Allgemeines. Berichterstatter: M. Pfannkuch. d) Kasse und Presse. Berichterstatter: A. Gerisch. c) Die badische Budgetbewilliguvg. Berichterstatter: A. Bebel. 2. Bericht der Kontrolleure. Berichterftaitter: A. Kaden. 3. Parlamentarischer Bericht. Berichterstatter: G. NoSke. 4. Wahlrechtsfrage. Berichterstatter: H. Borgmann. v. Reichsversicherungsordnung. Berichterstatter: H. Molken» b u h r. S. Genossenschaftsfrage. Berichterstatter: H. Fleißner. 7. Maifeier. Berichterstatter: H. Müllet: 8. Internationaler Kongreß in Kopenhagen. Berichterstatter: P. Singer. S. Sonstige Anträge. 10. Wahl des Parteivorstandes, der Kontrollkommission und des OrteS, an dem der nächste Parteitag stattfinden soll. Parteigenossen! Bewirkt die Vorarbeiten für den Parteitag »- die Wahl von Delegierten und die Stellung von Anträgen— rechtzeitig. Die Anträge müssen spätestens am 22. August im Besitze des Parteivorstandes, Adresse: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindexstraße 69, sein, wenn sie entsprechend den Bestimmungen des ß 10 Abs. 2 des Organisationsstatuts im.Vorwärts' veröffentlicht und in die ge« druckte Vorlage Aufnahme finden sollen. Anträge einzelner Parteigenossen bedürfen der Gegenzeichnung des Vorstandes der örtlichen bezw. KreiSorganisatirm, falls sie zur Veröffentlichung und Berätung gelangen sollen. Den Anträgen etwa beigegebene Begründungen werden weder im.Vorwärts" noch in der den Delegierten zugehenden Vorlage abgedruckt. Die Genossen haben das Recht» ihre Anträge auf dem Parteitag selbst zu begründen oder durch befreundete Genossen begründen zu lassen. Die Delegierten werden ersucht, von ihrer Delegation dem Parteivorstande und dem Lokalkomitee rechtzeitig Mitteilung zu machen, damit ihnen die Vorlagen und sonstige Mitteilungen zugehen können. Die Adresse deS Lokalkomitees lautet: Franz Klüß, Magdeburg, Große Münzstraße 3. Die Mandatsformulare werden vom 15. August ah durch daS Parteibureau: W. Pfannkuch, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, versandt, Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteworstand. Meitcrbcwegung und Lenoikenlchaskmlen. 11. Wir haben nur die Konsumgenossenschaften des Zentralverbaudes näher betrachtet. Die Kredit-, Magazin- und Rohstoffgeuosseuschasten kommen ebenso wie die land- wirtschaftlichen für die Arbeiterklasse kaum in Betracht. Und die außerhalb des Zentralverbandes stehenden Kousuvlvereine, zu denen auch der größte deutsche Verein(Breslou mit über 80000 Mitgliedern) zählt, können weder wirtschaftlich noch sozial als Organe einer den breite� Massen dienenden Bewegung, die mit der Verwirklichung der genossenschillftlichen Idee auf allen Gebieten Ernst macht, gelten. Die Pro- duktlvgenossenschaften haben bisher mit wenigen Ausnahmen nicht bewiesen, daß ihnen eine allgemeine soziale Bedeutung innewohnt. Der größte Teil von ihnen hat entweder sein Dasein nur gefristet oder sich z» einer Art kapitalistischer Unternehmung umgebildet. Dennoch bleibt ihnen nicht nur für die Gegenwart der Wert eines Notbehelfs für manche Arbeitergruppcn: auch in der Zukunft kann ihnen vielleicht einmal größere Wichtigkeit verliehen werden, wenn eö sich um die Organisation der sozialistischen Wirtschaftsweise und um Schaffung von Gegengewichten gegen die ausschließliche Negiewirtschaft der öffentlichen Körperschaften und der großen Konsumgenossenschaften handelt. Das Schwergewicht auch der Produttion aber liegt in der Organisation der Konsumenten, die allein den gesicherten Absatz und die ausreichenden Be» triebsuiittel sickert und die Gefahr kapitalistischer Entartung erfolgreicher Unternehmungen ausschließt. Die Bau genossen- schaften sind eine Form der Konsumgenossenschaft, die, namentlich soweit es sich um Beschaffung von Kleinwohnungen für den Massenbedarf unter Aufrechterhaltung des gemeinsamen Eigen- tums handelt, keine geringe soziale Bedeutung besitzt. Immerhin stehen sie in ihrer Wirksamkeit nicht weit ab von der Tätigkeit von Gemeinden und gemeinnützigen Gesellschaften, so daß ihre nähere Betrachtung eher in eine Behandlung der Wohnungs- als der Genossenschaftsfrage gehört. Auch beginnen jetzt Konsumgenossenschaften, wenngleich noch immer zu langsam, das glänzende Vorbild, das die Hamburger„Produktion" auch in der Wohnungsversorgung der Mitglieder gibt, nachzu- ahmen. Welches ist nun das gegenseittge Verhältnis der Genossenschafts- und der politischenArbeiter- bewegung? Wir sahen, daß in Hannover die Neu- tralität der Partei ihnen gegenüber proklamiert wurde. Die Kundgebung des Parteivorstandes zum Kopenhagcner Kon- greß vertritt denselben Standpuntt. Und die Leitung des Zentralverbandes betont ihre absolute Neutralität in einer oftmals geradezu schroffen und nicht immer zutreffenden Art. Sie lehnt einen engen Anschluß der Genossenschaften an die Arbeiterbewegung aufs schärfste ab. Ihr Wahrspruch lautet: „Die Genossenschaft ist der Friedel" Umgekehrt hat die Neutralitätslehre manchenorts herhalten müssen, um die Gleichgültigkeit mancher Parteikreise gegen die Genosienschasts- bewegung zu decken. Nun kann unter unseren Verhältnissen keine Rede davon sein, etwa Parteigenoffenschaften zu gründen oder die bestehenden in solche umzuwandeln. Man wird sicher nie dahin kommen, von den Mitgliedern der Vereine ein politisches Glaubensbekenntnis zu fordern. Auch auf die Beiträge der Genossenschaften ist die politische Bewegung bei uns nicht angewiesen. Und doch besteht eine weitgehende Gemeinsamkeit des Strebens zwischen einer ihrer Aufgaben bewußten Genofsenschafts- und der allgemeinen Arbeiterbewegung. Man darf wohl sagen, daß der mächtige Aufstieg der Konsumvereine zum nicht geringen Teil auf die rege Agitation und Mitarbeit von Gcwerkschaftskartellen, Parteizeitungen usw. zurückzuführen ist. Und tatsächlich ist die moderne Genossenschaftsbewegung, wie schon die Zahlen lehren, ein Stück proletarischer Emanzipationsbewegung. Nach der Berufsstatistik der Mitglieder gab es unter 907 GOÖ an der Zählung Beteiligten 682 6Ü0 in gewerblichen, 24 850 in land- wirtschaftlichen Betrieben gegen Gehalt oder Lohn be- schäftigte. Die 35000 Angehörigen der freien Berufe und Beamten werden ganz überwiegend in die Gruppe der Arbeiter und Untcrbeamten gehören, ebenso unter den 55 160 ohne bestimmten Beruf die Arbeiterwitwcn, Invaliden- rentner u. a. stark überwiegen. Bleiben noch 62 600 selb- ständige Gewerbetreibende und Landwirte, über deren soziale Stellung wir nichts wissen. Ein guter Teil davon zählt sicher zu den proletarischen Elementen, die die große Masse der Mit- glieder ausmachen. Noch weit mehr würde das zutage treten, wenn man die Mitglieder der in den letzten zwölf Jahren gegründeten, fast ganz aus der Arbeiterbewegung hervor- gegangenen Vereine gesondert zählen könnte. Zu einem Teil haben die Behörden selbst das bewirkt, indem sie nach Mög- lichkeit durch Beeinflussung und direkten Zwang alle außer- halb der Arbeiterbewegung stehenden Elemente aus den Vor- einen gescheucht haben. Nun ist es aber so. Und daß heute denkender Arbeiter und Sozialdemottat fast identisch ist, bedarf keiner Darlegung. Die Häuslein, die den bürgerlichen Draht- ziehern in mannigfacher Verkleidung noch folgen, liefern den besten Beweis dafür. So mußte sich denn ganz von selbst eine geistige Gemeinsamkeit ergeben, die selbst ohne die engen Beziehungen zwischen Genossenschaften und Gewerk- schaften jene mit dem Zuge der Arbeiterbewegung immer enger zusammenknüpfen müßte. Es hat auch gar keinen Zweck, dagegen anzukämpfen. Zutreffend schrieb Ge- nosse P e u s schon 1903:„Unsere Dresdener Gegner mögen (mit dem Verbot der Mitgliedschaft für städtische Angestellte) zunächst nur ihren geliebten Mittelstand schützen wollen. Aber ganz gewiß haben sie auch schon ein geheimes Grausen vor der stetig wachsenden wirtschaftlichen Macht der organisierten Arbciterkonsumenten. Sollen die Gegner diese Macht eher fürchten lernen, als wir sie zu schätzen wissen? Esnütztja doch nichts,' den Konsumgenossenschaften das„sozialdemokratische Stigma" ersparen zu wollen. So neutral die Gewerkschaften sind und sein wollen, indem sie ihre eigene Aufgabe völlig selbständig zu lösen haben, werden sie doch, je mächtiger ihre EntWickelung fort- schreitet, als„sozialdemokratisch" verschrien werden, genau so wie die Gewerkschaften. Warum soll also der un< geheuere Fonds moralischer Autorität, den die Sozialdemottatie in der deutschen Arbeiterklasse besitzt, nicht endlich auch der Konsumgenossenschaftsbewegung zugute kommen? Vorgänge wie der Dresdener lassen diese Not- wcndigkeit immer dringender erscheinen. Ein längeres Zaudern ist Schwäche." Heute sind wir nun soweit, daß der Parteitag sich offiziell mit dem Genossenschaftswesen beschäftigen wird. Daß er im Interesse der Genossenschaften Stellung nehmen wird, bedarf keiner Darlegung. Und umso lauter wird dann die Meute bellen über die Konsumvereine, die„im Dienste der Sozialdemottatie den Mittelstand vernichten/ Wenn der Parteitag mehr tun will, als bloß für die Sicherung der Genossenschaften vor brutaler Vergewaltigung in gesetzlicher Form— es ist kennzeichnend, daß derselbe Staat, der die auf den Erwerb gerichteten landwirtschast- lichen und gewerblichen Genossenschaften durch steuerliche Be- günstigungen und direkte Staatszuschüsse aus den Taschen der Steuerzahler begünstigt, die Wirtschaftsgenossenschaften des arbeitenden Volkes in jeder Weise durch Steuern und Ver- waltungspraxis schröpft und belästigt— einzutreten, wie es die Vertreter der Partei im Reichstag und in den Landtagen schon stets getan haben, so wird er für die positive Förderung der Genossenschaftssache seine Autorität ein- zusetzen haben. Das geschieht einmal, wie es vom öfter- r e i ch i s ch e n Parteitag schon längst geschehen ist, durch die energische Aufforderung der Genossen zum Anschluß an einen Konsumverein und dessen rege Unterstützung durch Warenbezug. Dann aber, indem der Parteitag die wahrhaft genossenschaftliche Form der genossenschaftlichen Betätigung, die mit der sozialistischen Praxis durch- aus zusammenfällt, hervorhebt. Sozialdemokratin dürfen keine Dividendenjäger sein l Das Ziel der Konsum- gcnossenschaft ist in erster Linie die Verbesserung und Ver- billigung des Massenkonsums, in zweiter die organisatorische Ausdehnung der sozialen Machtstellung der besitzlosen Klaffe durch Zusammenschluß ihrer Kräfte. Daher ist es notwendig, daß an die Stelle der noch überwiegend üblichen Ausschüttung des Jahresübcrschusses in Form möglichst hoher Rückvergütung die Zusammenfassung des UebcrschusseS zum Zwecke der Ausdehnung des Betriebes und der Erweiterung der Eigen- Produktion tritt. Anstatt zahlloser verrinnender kleiner Tropfen muß ein mächtiger Strom geschaffen werden, der in der Folge durch Erweiterung der Vorteile der Genossenschast weit größere Vorteile schafft, als die paar Mark „Dividende" den einzelnen gewähren können. Hier ist in manchen Gegenden noch ein gewaltiges Stück genoffenschaft- licher Erziehungsarbeit zu leisten, das die Partei hier, wie auf anderen Gebieten, erheblich fördern kann. Die Erhöhung der eigenen Fonds der Vereine, die Schaffung von Not- f 0 n d s, die die Erübrigung im Interesse der Mitglieder für besondere Fälle(Arbeitslosigkeit, Aussperrung usw.) zusammen- hallen und durch Vermittelung der Bankeinrichtung der G.-E.-G. einen Teil davon den Vereinen als Betriebsmittel zur Ver- fügung stellen, wird unendlich viel zur Erweiterung des Eigen- bctriebcS beitragen können. Man bedenke doch, daß die Er» s p a r n i s s e der Massen, die heute den Gegnern: Unter- nehmern, Bodenspekulanten und Staaten zur Verfügung ge- stellt werden, nach Milliarden rechnen. Wie unendlich viel ließe sich hier noch hm! Was ist denn die A u f g a b e der Genossenschaften? Sie wollen die Lebenshaltung der Volksmaffen heben, ins- besondere in der heutigen Zeit künstlicher Lebensmittel- Verteuerung einen Ausgleich durch planmäßige Organisation deS Konsums zu schaffen suchen. Sie wollen durch die organisatorische und erziehliche Wirkung ihrer Tätigkeit die wirtschaftliche Umsicht ihrer Mitglieder fördern, durch Durch- führung der Barzahlung und mancherlei Fonds die Familie gegen Wechselfälle sichern und ihr erhöhte Widerstandsfähig- keit verleihen. Sie wollen schließlich, indem sie die Gedanken, die ihre Arbeit beherrschen, zu Ende denken, die Idee der gcnoffenschaftlichn Organisation der Volkswirtschaft mit all ihren wirtschaftlichen und moralischen Segenswirkungen zum beherrschenden Prinzip des Gescllschaftslebens machen. Kann man die Aufgabe der politischen Arbeiterbewegung in viel anders klingenden Worten bezeichnen? Und wenn man dort den„Frieden", hoch über„Sekte und Partei", verkündet und den Klassenkampf verpönt: Ist es wirklich Friede, wenn die Befreiung der Konsumenten von der eigennützigen Be» vormundung des Handels durch das Mittel der gefchäft- lichen Konkurrenz betrieben wird, die für den einzelnen unter Umständen viel schwerer wirtt als die Eni- eignung unter Sicherung der Existenz, wie die Sozial- demokratie sie'erstrebt. Und eS gibt sicher kein höheres Friedensziel als„die Abschaffung der Klassenherrschaft und der Klassen selbst, gleiche Rechte und gleiche Pflichten aller" mit dem Ziel„höchster Wohlfahrt und allseitiger har» monischer Vervollkommnung", wie unser Parteiprogramm es verkündet. Daß unS dieser Zustand nicht vom Himmel ge- schenkt wird, sondern entgegenstehenden Interessen durch Kampf abgenmgen werden muß. macht uns zur Kampf- Partei— genau so wie der Kampfzweck den Gewerkschaften, deren Ziel eine menschliche und zweckmäßige Ordnung der Pro- duktion ist. durch den Widerstand des Ausbeutertums aus» gedrängt wird. Genau so aber geht eS auch den Genoffenschaften. Sie werden durch Ausnahmegesetze verfolgt. Die herrschende Macht identifiziert sich auch hiermit den herrschenden Ausbeuwngs- interesscn. Und ein gut Teil ihrer Arbeit wird zunichte gemacht durch die planmäßige Lebensmittel- Verteuerung, die, durch daS Mittel der politischen Aktion geschaffen, durch das gleiche Mittel beseitigt werden muß. So wird eS eine Ehrenpflicht der Genossenschaften, sich nicht anzubiedern an die Organisattonen, die, wie die land- wirtschaftlichen Genoffenschaften in ihrer heutigen Gestalt. weder eine Gleichberechtigung der Landarbeiter mit ihren erren noch eine Einordnung der Landwirtschast in den ienst deS gesellschaftlichen Konsums bezwecken, sondern die Hand In Hand mit dem Nimmersatten Agrariertum auf anberem Gebiete arbeiten und(z. B. in den Molkerei- betrieben) ihre Arbeiter genau so ausbeuten wie andere Unternehmer auch. Die Form der Genossen- schaft entscheidet nicht über das Wesen. Sonst müßte man auch den Oeltrust oder das Kohlen- syndikat, falls sie nur die genossenschaftliche Rechts- form wählen wollten, als Genossen begrüßen. Entscheiden kann nur der soziale Charakter und das soziale Ziel. Das muß die modernen Konsumgenossenschaften an die Seite des übrigen organisierten und auf die Beseitigung des Kapi- talismus hinarbeitenden Proletariats führen. Sie müssen, soweit die engen Grenzen des heutigen Gesetzes es gestatten, auch den politischen Kampf gegen die Lebensmittelverteuernng fördern. Und sie müsien durch ihr ganzes äußeres Verhalten bekunden, daß ihnen diese Gemeinschaft mit dem Befreiungs- kämpf deS Proletariats wichtiger ist als irgend welche schönen Worte von hoher Stelle oder die Gemeinschaft mit bürger- lichen Politikern, die Niemals ernsthaft die Beseitigung der Ausbeutungswirtschaft erstreben. Gewiß gibt es, neben klerikalen Drahtziehern, die auch hier ihr Werk der Arbeiterzersplitterung betreiben— eine kleine Anzahl aufrichtiger bürgerlicher Genosseuschaftsfreunde, denen es mit der Förderung der Konsumentenorganisation ernst ist. Sie sind vereinzelt. Und sie erstreben zum Teil das gleiche Ziel der genossenschaftlichen Organisation der Wirtschaft auf anderem Wege. Aber auch darüber müssen wir uns klar sein, daß zwar die rechte Genossenschaft schon ein Stückchen Sozialismus darstellt und daß mit der Zeit ein ganzes Stück Sozialisierungs- und noch mehr Vorbereitungs- und Schulungsarbeit aus diesem Gebtete geleistet werden kann. Aber eben so sicher ist, daß Monopolbetriebe, die Herrschaft über den Boden und alles was auf staatlicher Verleihung und Regelung beruht, nicht durch das Mittel der genossenschaftlichen Organisation, sondern nur durch die politische Enteignung der Gesamtheit zu- geführt werden können. Die Macht, die auf sozialen Leistungen beruht, schwindet, wenn die Leistungen überflüssig werden. Die Macht, die auf Gewalt und Erbgang aufgebaut ist, bedarf, um zu verschwinden, der Nachhilfe durch Gewalt: hier die demokratisierte Staatsgewalt. Die gesamte Befreiungsbewegung kann nur eine sein. Durch Kampf zum Frieden! Durch wirtschaftliche Organi- sation und politische Machtgewinnung zur Umgestaltung unserer Volkswirtschaft im Sinne der Genossenschaftlichkeit, das heißt des Sozialismus l Damit gewinnt die politische Arbeiter- bewegung eine Verbreitung des Wirkungsfeldes und eine Vertiefung der sozialen Auffassung und Praxis— die Genossenschaften aber neben dem treuen Sachwalter ihrer Rechte in der Gesetzgebung und Verwaltung, dem einzigen» der ihnen geblieben ist, die stets wachsende Macht und die stoßkrästtge Begeisterung der sozialistisch fühlenden und politisch geschulten Arbeiterklasse. Gemeinsam ist das Ziel, gemeinsam sind die Feinde: Was könnte uns trennen? vom Kelchzverelnkgeletr. Die Handhabung des von den Liberalen als große Errungen- schaft gepriesenen Rcichsvereinsgesetzes zeitigt herrliche Früchte. Weil eine Versammlung unter freiem Himmek in Motzen im Kreise Teltow den Zweck hat, Anhänger für die Sozialdemokratie zu werben und inmitten einer den Bestrebungen dies« politischen Partei abgeneigten ländlichen Bevölkerung stattsinden soll, weil weiter die Teilnehmer größtenteils aus Ziegeleiarbeiter bestehen würden, bei denen nach Ansicht deS Herrn Amtsvorstehers»notorisch der übermäßige Genuß geistiger Getränks die Regel bildet", des- halb muß die Genehmigung versagt werden. Im April dieses Jahres wurde zum 8. Mai die Genehmigung zu einer Versammlung unter freiem Himmek in Motzen nachge- sucht. Die Antwort auf das Gesuch häutete: „Die nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung einer Der- sammlung unter freiem Himmel am Sonntag, den 8. Mai d. I., auf dem Grundstücke des Eigentümers Hett�lt zu Motzen muß versagt werden, da durch diese Veranstaltung in mehrfacher Hin- ficht Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu befürchten ist. > Da diese Antwort sich mit den gesetzlichen Bestimmungen nicht verträgt, wurde am 10. Mai eine Beschwerde an den Herrn Land- rat eingereicht.— Am 19. Juni traf der Entscheid des Herrn Landrats ein. Er lautete: „Auf die Beschwerde Dom 10. v. MtS. erwidere ich, daß der Amttvorsteher die Versammlung auf dem Herteltschen Grund- stücke in Motzen verboten, weil er befürchtete, daß eS infolge der Abhaltung einer sozialdemokratischen Versammlung auf dem Grundstücke eine? als soziatdemokratischen Agitators bekannten Mannes zu ernstlichen Ausschreitungen unter den OrtSein- wohnern kommen könnte. Bei der Zusammensetzung der Motzen« Bevölkerung war diese Voraussetzung begründet, zumal dort wiederholt gewaltsame Zusammenstöße stattgefunden haben, die den öffentlichen Frieden ernstlich gestört und die Polizei zu be- sonderen Maßnahmen veranlaßt haben. Im übrigen eignet sich nach der Ansicht d«S Amtsvorstehers das Hertelrsche Grundstück sowohl seiner Größe«IS setner Lage nach aus sichcrheitS. und feuerpolizeilichen Gründen nicht zur Abhaltung einer öffentlichen Volksversammlung unter freiem Himmel. Unter diesen Umständen vermag ich nicht anzuerkennen, daß eS dem Verbot an einer ausreichenden gesetzlichen Begründung gefehlt hat. und ich muß deshalb Ihre Beschwerde als unbe- gründet zurückweisen." Auch diese Ablveisung beschränkte sich nach Anficht des Ein- berufers nicht auf gesetzlich zulässigen Gründen, deshalb wurde am Lg. Juni eine Beschwerde an den Herrn Regierungs-Präsidenten gerichtet.— Eine Antwort ist jedoch bis heute auf diese Beschwerde nicht erfolgt. Die Interessenten warten noch heute nach zwei Monaten geduldig darauf. Um die Zeit jedoch nicht ungenützt verstreichen zu lassen, wurde am b. August die Genehmigung zu einer Versammlulng auf einem anderen Grundstücke zum 14. August nachgesucht.— Die Antwort darauf hatte jetzt folgenden Wortlaut: „Den Antrag vom S. d. MtS. auf Abhaltung einer öffent- lichen Versammlung unter freiem Himmel in Motzen muß ich ohne weitere Prüfung zurückweisen, da aus dem Gesuch nicht hervorgeht, zu welchem Zwecke die Versammlung veranstaltet lvird, an wen ich die Einladung richten soll und wer als Ver- anstalter oder Leiter anzusehen ist." Da die vom Amtsvorstcher aufgestellten Forderungen ge- setzlich völlig unberechtigt sind, teilte man ihm in einem Schreiben vom 10. August mit, daß der s 7 des ReichS-Vereins-Gesetzes keineswegs derartige Angaben vorschreibe, daß man«S deshalb ablehne, Auskunft über den Zweck der Versammlung usw. zu geben, gleich» zeitig wurde von neuem Beschwerde geführt und außerdem unter Klarlegung des Sachverhalts«in Schreiben direkt an den Herrn Minister des Innern gerichtet. Auf beide Schreiben ist bis zur Stunde»och keine Antwort erfolgt.! Um jedoch auf alle Fälle eingerichtet zu fein, falls die höheren Instanzen eingreifen folltxp, sucht« um W Iß. AllM bj® die Genehmigung einer Versammlung zMr 21, Augufl nach,— Hierauf traf folgendes Schreiben ein:> „Ohne Angabe des Zweckes.der Versammlung kann ich nicht die gemäß§ 7 Absatz L deS ReichsvereinSgesetzes erforderliche Prüfung vornehmen. Ich bin daher auch nicht in der Lage, die Genehmigung zur Abhaltung einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel in Motzen zu erteilen." Auch hiergegen ist selbstverständlich Beschwerde erhoben worden. — Um aber festzustellen, wie weit die Geschichte denn eigentlich gehen würde, wurde dem Ansinnen des Herrn Amtsvorstehers da- durch Rechnung getragen, daß man ein erneutes Gesuch einreichte, in welchem Ort und Zeit der Versammlung, und außerdem das nachfolgende mitgeteilt wurde: � „Die Versammlung hat den Zweck, nach einem Vorttage de» Herrn Reichstagsabgeordneten Fritz Zubeil über: Die Ver- Handlungen des deutschen Reichstages, Anhänger für die Sozial- demokratie zu werben." Damit war dem Herrn AmtSborsteher auch der letzte Grund zur Ablehnung genommen und er hat am 13. August dem Einbe- rufer in dankenswerter Offenherzigkeit den folgenden Bescheid zu- kommen lassen: „Die Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung unter freiem Himmel in Motzen muß ich versagen, und zwar auS fol- genden Gründen: Die Betsammlung, deren Zweck eS ist, Anhänger für die Sozialdemokratie zu werben, soll inmitten einer den Bestrebungen und Zielen dieser politischen Partei abgeneigten ländlichen Bevölk.erung und an ei'nem Sonntage stattfinden. Die Teil»- nehmer würden sich aus den Kreisen der Ziegeleiarbeiter zu- sammensetzen, bei denen nowrisch der übermäßige Genuß geistiger Getränke, namentlich an Sonntagen und bei derartigen Sie Ge. müter erhitzenden Gelegenheiten, die Regel bildet. Schlägereien zwischen der ländlichen und der Arbeiterbe- völkerung sind in der in Betracht kommenden Gegend an der Tagesordnung, wie verschiedene Vorfälle beweisen. Hiermit ist die Befürchtung begründet, daß die Versammlung Gelegenheit zu Reibereien und Ausschreitungen unter den einander gegenüber- stehenden Parteien und somit zur Störung der öffentlichen Sicherheit geben würde." Selbstverständlich ist auch hiergegen von neuem Beschwerde er- hoben worden und eS wird nun in Geduld abzuwarten sein, bis der Herr Landrat, eventuell auch noch der Herr Regterungspräsident, sowie der Herr Oberpräsident und dann zum Schluß eventuell das Oberverwaltungsgericht über die Angelegenheit entschieden haben werden. Bis dahin wird voraussichtlich noch eine geraume Zeit vergehen. Wenig schmeichelhaft ist übrigens die Antwort in dem letzten Bescheide für die Einwohner des ziemlich großen Ortes Motzen. Sie werden durch den Herrn Amtsvorsteher in einer großen An- zahl al» Säufer und Raufbold« hingestellt, denen man das sonst allen gesitteten Menschen gesetzlich gewährleistete Recht, sich versammeln zu dürfen, glaubt einfach vorenthalten zu müssen. ES hat also ein vegelrechteS Präventivverbot stattgefunden, und das, trotzdem der Herr Staatssekretär de» Innern, jetziger Reichskanzler von Bethmann Hollweg in der Sitzung des Reichstage» vom L. April 1V03 bei Beratung des Reichsverein». gesetzes erklärt hat: „Genau derselbe Zustand, der gegenwärtig in Preußen be. steht, wird nach Annahme des ReichSvereinsgesctzes in Deutsch- land bestehen. Denn ebenso, wie für Preußen das Oberverwal. tüngSgericht in mannigfachen und, wie ich annehmen darf, be- kannten Entscheidungen ausgeführt hat, daß ein Vereins- und bersammlungscechtlicheS Präventivverbot deshalb nicht zulässig sei, weil«ine entsprechende Bestim- mung im preußischen Gesetz n'icht stände, ebenso wird ein solches Präventivverbot in Deutsch- land nicht möglich sein, weil das Gesetz eine Be- stimmung darüber nicht enthält." Die Arbeiterschaft(und auch der Liberalismus) kann an diesem einen Beispiel sehen, wie groß der Unterschied zwischen schönen Er- klärungen vom Regierungstisch und der Praxi» ist.~• Die„verlStzliungspolM" In(lord- ichleswig. Die preußische Regicrungspolittk in NordschleSwig be- schreitet allmählich wieder die Köllerschen Bahnen unseligen AngedeNkenS. ES scheint, als ob die Regierung vollständig abhängig in ihren Entschließungen ist von der deutschen Hetz- presse in Nordschleswig, die sich in wüsten Hetzereien sicher- bietet, weil ihre Existenz von der Austechterhaltung des Kriegszustandes in NordschleSwig abhängig ist. Zwei der un- verständlichsten Maßnahmen der letzten Zeit, die auch im „Vorwärts" vermerkt worden sind, sind die Ausweisung deS dänischen Magisters H. V. Klausen und die I n h a f» tterung eines Fräulen Boesen aus Scherrebek, die eine Geldstrafe von 200 M. nicht bezahlen konnte, die ihr von der Regierung auferlegt worden war. weil sie, entgegen einer Kabinettsorder aus dem Jahre 1834. an jugendliche Personen unter 18 Jahren Turnunterricht ertellt hatte! Es verlohnt sich, auf den letzten Fall etwas näher ewzugehen, als es bis- her im„Vorwärts" geschehen ist. Fräulein Bösen war schon einmal in eine Geldstrafe von 100 Mark wegen Erteilung des Turnunterrichts genommen worden. Als die Strafe verhängt wurde, schwebte gerade das Verfahren gegen den Zahnarzt Smith in Hadersleben und den Redakteur Svensen wegen Aufforderung zur Uebertretung des Regierungsverbots der Erteilung des Turnunterrichts an Personen unter achtzehn Jahren. Die beiden Angeklagten wurden freigesprochen, das Verbot war damit vom obersten Gerichtshof für ungesetzlich erklärt worden. Trotzdem wurde die Strafe aufrecht er- halten! Ein Bekannter erlegte für das unbemittelte Mädchen die Geldstrafe. Gestützt auf das Reichsgerichtsurteil gegen Smith und Svensen folgte Frl. Boesen einem Rufe aus der Gemeinde Brcdebro, dort an jugendliche Personen Turn- Unterricht zu erteilen. Für die VerwaltungS- behörden besteht aber anscheinend das Reichsgerichtsurteil nicht. Die Regierung erließ gegen Fräulein Boesen ein Verbot unter Androhung einer Geldstrafe von 200 M. Um diese Zeit schwebte das Verfahren gegen den verantwortlichen Redakteur des„Vor- wärts" und den Redakteur der„Arbeiter-Turn- z e i t u n g" wegen Aufforderung zur Ueber- tretung der Regierungsverbote. DaS Reichs- geeicht sprach beide frei und bekundete damit aufS neue. daß das Verbot deS Turnunterrichts an jugendliche Personen unter 13 Jahren auf Grund der Kabinettsorder von 1834 nur dann berechtigt sei, wenn der Unterricht als Schul- Unterricht zu betrachten ist. Trotz dieses neuerlichen Urteils wurde die Geldstrafe aufrecht erhalten! Als die Aufforderung zur Zahlung der Geldstrafe keinen Erfolg hätte, wurde Frl. Boesen durch einen Gey dar® dem Amts- Vorsteher kn Scherrebek borgesührk,' und nachdem das Mädchen auch hier dre Erklärung abgegeben hatte, daß es die Strafe nicht zahlen könne, sofort eingelocht, um mit 20 Tagen Haft die Geldstrafe abzusitzen! Der Vater der Tmrnlehrerin wandte sich am 13. August in einem Telegramm mit dem Ersuchen an die Regierung in Schleswig, sie möge mit Rücksicht auf die beiden frei- sprechenden Rcichsgerichtsurteile feine Tochter sofort aus der Haft entlassen. Als ara 15. August noch keine Antwort von der Regierung in Schleswig da war, telegraphierte der Vater an den K u I t u s m i n i st e r. Er führte in dem Telegramm Beschwerde über den Regierungspräsidenten und gab darin den Wortlaut des Telegramms an den Regierungs- Präsidenten wieder. Am 16. August erhielt er vom Kultus- Ministerium die telegro phische Nachricht, daß seine Beschwerde der Negierung in Schleswig zur Berichterstattung an das Kultusministerium übersandt worden sei. So steht jetzt die Sache. Frl. Boesen sitzt aber«och jetzt als sprechendes Beispiel der preußischen Rechtssicherheit im Ge- fänguis in Tondcru, Kenn nach dort ist sie vom Gefängnis itt Scherrebek transportiert worden. Und was ist das für eine Haftstrafe I Selbstbekitzstigung und SclbstbeschSftignng würden zunächst nicht gewähr� dann bewilligt, die � e r st e r e später aber wieder zurückgez»gen. Die Freistunde muß die Gefangene mit den männlichen Gefangenen zusammen auf dem Hofe deS Gefängnisses verbringen, der zum großen Teil überschwemmt ist und nur einen schmalen Streifen zum Spazierengehen für die Gefangenen übrig hat. Die Ge- fangene ist gezwungcm, den größten Teil der Freistunde sich in einer Ecke des Hches aufzuhalten, wo die männlichen Gefangenen ihre BedürLnisse vernchten. So wird die an sich ungesetzliche Strafe noch durch einen vollständig unberechtigten, geradezu an russische Zustände erinnernden Strafvollzug verschärft! Wenn d'»: Regierung die Absicht gehabt hätte— das ist natürlich vollh'tÄndig ausgeschlossen—, die dänisch gesinnte Bevölkerung Nordschleswigs gegen daS herrschende System aufzuhetzen, der Zweck würde durch den Fall Boesen in hohem Maße erreicht worden sein! Aber auch der Humor kommt in dem Kriege in der Nordmark zur Geltung. Leider trifft das Sprichwort, daß Lächerlichkeit tötet, auf die Maßnahmen der preußischen Verwaltungsbehördem nicht zu. An dem Panzer des preußischen Bureaukratismus prallen ernste Kritik sowohl wie Hohn und Spott ab. Die Landräte in Nordschleswig haben wieder ein- mal die alte Verordnung tn Erinnerung gebracht, daß das Tragen von dänischen Kokarden und Fahnen und das Singen dänischer Lieder strafbar ist. Und nun gibt es täglich was zum Lachen. Eine Dame wird auf einer Straße in Haders- leben angehalten, weil der Kopf ihrer Hutnadel die dänischen Farben zeigt. Sie muß die staatsgefähr- liche Nadel entfernen. Ein Knecht in Djernis muß 20 M. Strafe berappen, weil die Obrigkeit feststellt. daß aus der Glocke seines Fahrrades die dänischen Farben sichtbar sind. In Sonderbnrg wird ein Student erwischt, der eben mit dem Schiff an Land gekommen ist und an der Mütze die dänische Kokarde trügt, die Kokarde muß sofort entfernt werden! In HaderSlebeU stellt ein Geschäftsmann eine kleine Tischfahne tn den deutschen Farben zür Dekoration ins Schaufenster, versehentlich stellt er aber die Farbenzusammenstelluna aus den Kopf. Der Hüter der Ordnung steht darin eiste Jf ex- h ö h n u n g der öffentlichen Ordnung und veranlaßt die E n t f e r n u. n g. Furchtbare Gefahren müssen dem Deutschen Reiche durch das kleine Häuflein Dänen in Nordschleswig drohen. Es fehlt nur noch, daß der Belagerungszustand über Nord- schleswig verhängt wird! politiscbe deberllckt. Berlin, den 20. August 1910. Badrscher sozialdemokratischer Parteitag. Offenbarg, 20. August. (Privatdepesche des„Vorwärts".), Die Sitzung begann um 3 Uhr im Dreikaisersaal. Den Vorsitz führt Genosse Franl. Ein Gegenantrag, den Genoffen Ad. Geck zum. Vorsitzenden zu wählen, wurde abgelehnt. Auch bei der Festsetzung der Tagesordnung ttaten die Gegensätze sofort hervor. Zmntobcl- Hausen beantragt, die Budgetstage von dem Parlamentsbericht zu trennen und den Genossen Adolf Geck als Korreferenten zu ernennen. Genosse Frank bittet um Ablehnung dieses Antrages. Er will einem Gegner der Budgctstage eine etwas längere Redezctt gewähren. Abg. Süß- kind bestreitet, daß Ad. Geck ein geeigneter Korreferent sei. da' er durch den Reichstag dem Landtage zeitweise ferngehalten wurde. Der Anttag Zumtobel wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Geiß gibt alsdann den Landesvorstandsbericht, Hahn den Kassenbericht. Beide betonen kräftig die Not- wendigkeit höherer Einnahmen. Darauf entspinnt sich eine kurze Debatte über die Organisation, der die Berichte über die Presse folgen. Die Debatte dreht sich meist um den Wunsch des Oberlandes, ein eigenes Organ zu besitzen. Der prinzliche Kolonialmörder straffreit Der Prinz Prosper v. A r e n b e r g. der seinerzeit wegen bestialischer Verbrechen in Südwestastika zum Tode verurteilt, dann zu 20 Jahren Gefängnis begnadigt, schließlich jedoch im Wiederaufnahmeverfahren wegen Geisteskrankheit freigesprochen worden rc>ar, ist nunmehr aus der Irrenanstalt entlassen worden, um nach Brasilien auszuwandern! Daß der prinzliche Mörder nach etlichen Jahren als geheilt oder wenigstens der Anstaltspslege nicht mehr bedürftig e n tla s sen werden und damit straffrei ausgehen würde, hat der„Vorwärts" bei seiner Freisprechung und In- ternierung in eine Irrenanstalt seinerzeit vorausgesagt!' Prinz Arenberg ist jetzt, wie uns aus Hannoversch- Münden gemeldet wird. aus dem Sanatori um Oberode entlassen worden, da er nach dem Gutachtm der Aerzte nicht mehr der Anstaltspflege be- dürftig ist. Die Grausamkeiten deS Prinzen erregten, als sie in der Oeffentlichkett bekannt wurden, großes Aufsehen. Prinz Aren» berg hatte unter anderen ein Negerkind, daS ihn im Schlafe störte, erschossen. Ferner jagte er einem anderen Neger eine Kugel in den Kops und zerrührte, als der Neger noch nicht ganz tot war, daS Gehirn mit ilke des Ladestockes zu einer breiartigen Kall«. W Prinz Nrenkerg sich vsr GerM vuaatwsrien, soNe, fnMen seine NngesiSrige'n zunächst MenN, daß et als St an des für st Anspruch darauf habe, vor ein Standesgericht gestellt zu werden. Der Kaiser ent- schied aber, daß er als Ossizier der Armee vor dem o r d e n t. l i.che n Gericht zu erscheinen habe. Der Prinz wurde darauf wegen Mordes zum Tode verurteilt. Später wurde er zu einer Gefängnisstrafe von zwanzig Jahren begnadigt. Im Jahre 13V4 gelang es seinem Rechtsbeistand, das Wiederaufnahmeverfahren durchzusetzen. Im Laufe der Verhandlung wurde festgestellt, daß der Prinz geisteskrank war und schon von früher Jugend an zu pathologischen Grausamkeiten geneigt hatte. So hatte er feinen Lieblingshunden die Rückenwirbel durch- schlagen. Nach der Freisprechung wurde der Prinz der Jrrenpflege übergeben. Seit drei Jähren befand er sich in der Anstalt des Dr. Lauenstein in Oberode bei Hannoversch-Müudcn, wo er unter dem Namen eines Rentiers Blanden lebte. Der Prinz wird sich jetzt in Begleitung eines ihm vom Vormund- schaftsgericht gestellten Herrn nach Argentinien begeben und dort die Bewirtschaftung einer Farm übernehmen. So ist also der prinzliche Mörder mit etlichen Jahren JUternierung in ein Sanatorium davongekommen! Daß er bei Begehung seines Verbrechens nicht normal war, mag gern zugegeben werden. Er war offenbar schon damals nicht normal, als er in deutschen Garnisonen die/ unglaublichsten Exzesse beging, z. B. Regimentskollegeu tätlich brutal mißhandelte(ohne nachfolgendes Duell! Von einem Prinzen an die Wand geworfen zu werden, bedeutet für die minder hochgeborenen Osfizieoe offenbar einen Vorzug! Auch ein Beitrag zur„besonderen Offiziersehre!> Trotzdem schickte man diesen tobsüchtigen Menschen nach den Kolonien, wo doch nur völlig g e- s u n d e und moralisch g e f e st e t e Elemente verwendet werden sollten! Und obwohl sich der„tolle Prinz" auch während der Ueberfahrt wie ein Wahnsiunigrr ge- bürdete, ließ man ihn als Offizier der Schutztrnppe auf die südwestafrikanlschen Eingeborenen los!! Kein Wunder, daß er dort— namentlich auch»nter der Einwirkung ungeheuerlicher Dose.n des konzentrierte st en Alkohols! wie eine Bestie tobte! Eines seiner Opfer war der Gefreite Kar n. ein farbiger Polizetsoldat, den er in der oben geschilderten Weise massakrierte I Kain war ein naher Verwandter Samuel Mahareros, so daß der Ausbruch deS südwestaZrikanischcn Krieges zum Teil auch den Deliriumstaten deS in so u n- begreiflichem Leichtsinn nach Südweswfrika ver- schickten wahnsinnigen Prinzen zuzuschreiben ist! Nachdem der prtnzliche Mörder im mehrjährigen Sanatoriumsaufenthalt seine lädierten Nerven anskuriert hat, kann er nun straflos nach Brasilien auswandern l Proletarische Mörder, bei denen �ich bei ebenso sorgfältiger ärztlicher Untersuchung zweifellos auch die gleichen Züge der Degeneration und Entartung feststellen lasten, werden geköpft oder lebenslänglich tm Zucht- Haus begraben!_ Die Neichstagsknndidatur des Herr?» Shahv jun. Der im Wahlkreise WaÄurg-HoxKe äl� Reich&ägSkaNdsWt aufgestellte Professor Martin Spahn, Sohn de» Zentrumsführers Peter Spahn, wird nicht nur von den demokratischen Elementen der ZentruckSpartei, sondern auch von den feudal-klerikalen heftig angegriffen. Die„Mil.'pol. Koroesp." veröffentlicht die Zuschrift eines über ZentrumS-Jnterna gut orientierten Magnaten in hoher »Hof- und Staatsstellung", nach welcher die Kandidatur de» Herrn Spahn jun. von dem Kardinal Kopp fiharf bekämpft wird. ES heißt in dieser Mitteilung: „Diese Entscheidung der Warbarrger-Höxter Parteileitung mußte um so eigenartiger berühren, da kein geringerer al» der Kardinal Kopp fich— am 27. Novbr. 1Ö09 in dem„Germania- Leitartikel„Klarheit und Wvhrhc/it"-7- auf das schärfste, ja vernichtend über den jungen Straüburger Universitätslehrer und seine Auffassung von innerkirchlichen Dingen ausgesprochen hat. Daß der Kardinal-Erzbischof von Breslau der Verfasser jene» in gläubig-katholifchen Kreisen viel beachteten Aufsatzes ist, haben die Herren an der hessifch-weftfälischen Grenze wohl gewußt, ebenso, wie ihnen nicht entgangen sein kann, daß die jüngst in einer Arbeitervereinssitzung ausgesprochene Mahnung Seiner Eminenz:„Wir können von unseren katholischen Grundsätzen nichts aufgebenl" erneut auch gegen den Straßburger Professor gerichtet gewesen ist. Da außerdem Professor Spahn sich in mindestens latentem Gegensatz zu den Grundsätzen der Zentrumtpolitik über die IWahlrechtsreform, die Podenfvage und die Finanzreform dcS SommerS 1909 befindet, so wird in sehr maßgebenden Partei- kreisen ernstlich erwogen, in Warburg-Höxter einen Zentrums- Gegenkandidaten aufzustellen, der in der Person einer hochange- sehen«, Persönlichkeit mit weit, und hochreichenden Beziehungen bereits gefunden ist." Der„Mann mit den weit- und hochreichenden Beziehungen" Ist— wie es heißt—„Herr Joachim Maria Joseph Franz de Paula Anton Alfons Grus von Schönburg, Gras und Herr zu Glauchau und Waldenburg, wie auch der der niederen Grafschaft Harten- stein, der Herrschaften Lichtenstem und Stein" usw. auf Wechsel» bürg bei Leipzig. Zur Charakteristik der im Zentrum vorherrschenden gegen- sätzlichen Strömungen ist diese Mitteilung recht interessant. Ffleischpreise und Lebenshaltung. Die„Köln. Ztg." veröffentlicht einen zwei Spalten langen Berliner Artikel, in welchem die Frage erörtert wird, in welchem Maße die noch immer singenden Fleischpreise die Lebenshaltung der inneren Volkskieise beeinträchtigen und durch welche Mittel sich die jetzige Fleischnot mildern ließe. Das Blatt schreibt: „Die letzten fünf Jahre haben in Deutschland eine große Steigerung der Fleischpreise zur Folge gehabt, die vielen Hau»- Haltungen erhebliche Lasten auferlegte und bei den minder bemittelten Klassen auch im Sinne der Einschräntung deS Fleisch» genusses einwirkte. Man wird e» zum Teil auf diese? Steigen der Fleischpreise zurückführen können— allerdings spricht dabei auch die Verteuerung anderer Lebensmittel mit— daß eine allgemeine Erhöhung der Löhne und Gehälter eintreten mußte. Diese könnte dann als erftculich bettachtet werden, wenn sie für die allgemeine Hebung der Lebenshaltung wirkte, aber ein' Erfolg in dieser Hinsicht wird allerdings durch die erhöhten Lebensmittelpreise wieder aus» geglichen. Ohne erhöht« LebeuSko st en befand man sich bei den alten GehaltSs ätzen ungefähr in der gleichenLage wie jetzt bei erhöhten Gehältern und gleichzeitig gestiegenen Lebensmittel« preisen. Es handelt fich hier also um eine Schraube, deren Anwendung direkten Vorteil nicht gebracht hat und in der weiteren Anziehung Schaden bringen müßte. Der Anstoß zur Verteuerung des Lebens ist jedertfolls durch die agra» rische Verteuerung der Lebensmittel gegeben. und angefil'hltS dieser Erscheinung ist eS nur natürlich, daß sich Gegensätze ergaben zwischen Produzenten und Konsumenten." Trotzdem das Blatt anerkennt, daß die Steigerung der Lebensmittelpreise die Steigerung der Löhne ausgleicht, kommt es doch nicht zur Forderung durchgreifender staatlicher Maß- nahmen gegen die Fleischteuerung. Alles, was es verlangt, ist, daß dre Vieheinfuhr in an der Grenze errichtete Schlacht- Häuser gestattet wird, in welchen das Vieh sofort, nachdem es für gesupd befunden worden ist. geschlachtet wird. Zur Fleischteuernng. Dia die aus den Reihen des FlcischergewerbeS an die ver- schied'men Behörden, Ministerien sowie an den Reichstag und die Landtage gerichteten Gesuche um Maßnahmen zur Verbilligung deS Fleisches sich alS vollständig nutzlos erwiesen haben, so haben fich jetzt, wie die„Deutsche Fleischer-Zeitung" meldet, die vereinigten Flechcheriimungen der Stadt Breslau mit einer ausführlichen Retolution direkt an den Kaiser gewandt. In dieser Resolution wkrd zur Verhinderung weiterer Erhöhungen der Viehpreise die zoll- freie Einführung von Nutz- und Zuchtvieh aus den Nachbarländern Anter Wahrnehmung der nötigen Vorsichtsmaßregeln, ferner der Fortfall der Tuberkulinimpfung für das aus dem Auslaiide stammende Schlachtvieh» sowie die zollfreie Einführ von Futter- getreide gefvrdett._ Magenbeschwerden. Herr Dr. Georg Oertel, der geniale Chefredakteur der„Deutschen Togesztg.", scheint sich wieder den Magen überladen zu haben und an Verdauungsstörungen zu leiden; denn, wie immer in solchen Fällen, bringt die„Deutsche TageSztg." in ihrer letzten Nummer unter der bekannten Kognakmarke, die sich Herr Oertel alS symbolische Chiffre für seine geistigen Leistungen erwählt hat, einen langen Sermon, in welchem er das Zusammenhalten der bürgerlichen Parteien und der deutschen Einzelregierungen gegen die„rote Hoch- flut" predigt. „Es ist die Pflicht der geordneten Regierungen," erklärt er pathetisch,„besonders in den monarchischen Staaten, in der abwehrenden Tätigkeit voranzugehen und immer ivieder zu gemeinsamer Bekämpfung der Gefahr zu mahnen. Für die Vertreter der deutschen Regierung kann und darf die Sozialdemokratie niemals und unter keinen Umständen etwas anderes sein als die anti monarchische, königtumsfeindliche Klaffen- Partei, die das geschichtlich Gewordene mißachtet und die deshalb mit allen Mitteln bekämpft werden muß. Jede Ver- beugung vor einer solchen Partei, jede Umschmeichelung ist eine schlimme Verfehlung gegen den monarchischen Ge- danken. eine schwere Gefährdung der Staatserhaltung und der Zukunft. Sämtliche deutsche Staaten sollten darin einig sein, daß die Sozialdemokratie sich durch ihr Be- kenntnis zum RepublikaniSmus außerhalb der Verfassung gestellt hat und daß sie dieser ihrer Stellung entsprechend gewettet und behandelt werden muß. Wird man das endlich allent« halben einsehen oder müssen etwa auch hier schlimme Erfahrungen die Lugen öffnen, die jetzt noch nicht Nor zu sehen vermögen? Noch steht der' Damm sicher und fest. Die rote Hochflut spült wohl heran, bi« nahe an seinen Kamm; aber es ist ihr noch nicht gelungen, ihn zu unterwühlen. E» wird ihr nicht gelingen, wenn die Männer, die be- rufen find, denn Damm zu hüten, die Lugen offen be- haK»«, und wenn die Volkskrcis«, die den Damm selbst bilden fest, gesund und kraftvoll bleiben. Von diesen Volksteilen steht da» B a u e r u t u m an erster Stelle. Bleibt eS fest, gesichert und lebensfähig, dann wird ei immer den festesten Damm bilden gegen die rote Hochflut." ES gibt doch sonderbare TierspezieS in der Gattung der Spalt» hufer._ Biilow als Geburtstngsgratulant. Der Text des gestern erwähnten Glückwunsches BüIowS zum 80. Geburtstag des Kaisers Franz Joseph stellt sich al» unrichttg heraus. Der letzte Satz von dem„den Forderungen deS Fort- schrittS fich rechtzeitig anpassenden verständnisvollen Konservatis- mus" und von„der Treue am gegebenen Wort" rührt nicht von Bülnw her, sondern ist dessen Glückwunsch von der„B. g. am Mittag", die BülowS Glück- wünsch von den Berliner Blattern zuerst brachte, zur Erläuterung angehängt worden, ohne daß der Glückwunsch von der Hinzufügung durch Schlußzeichen getrennt worden ist. So mußte die Ansichl entstehen, die Aeußerung der„B. Z. am Mittag" gehöre mit zum Tcrt des Bülowschen GrußeS von der Insel Norderney. In Wirklichkeit hat Fürst Bülow geschrieben: „In einer der ersten Reden, die ich im Reichstag gehalten habe, am 10. Dezember 1897, schloß ich meine Ausführungen mit den Worten:„An der Spitze des verbündeten und engbefreundeten österreichisch-ungarischen Reiches steht ein Herrscher, zu dessen Weisheit alle seine Völker mit gleichem Vertrauen emporblicken können." In den seitdem verflossenen Jahren haben die unter dem Zepter des Kaisers Franz Joseph lebenden Völker oft die Richtigkeit dieser Worte erprobt. Mit herzlicher Verehrung blickt die ganze zivilisierte Welt auf den greisen Monarchen, dem kein menschliches Leid fernblieb, der aus jeder Prüfung mit immer gleicher Würde hervorging, Großen und Kleinen ein Vorbild strenger Pflichterfüllung und schlichter Menschlichkeit. An seinem 80. Geburtstag wird außerhalb der Grenzen der Habsburgischen Monarchie des Kaisers Franz Joseph nirgend» mit wärmeren Wünschen gedacht werden, als rm deutschen Volke, in allen seinen Teilen, bei allen Parteien, in allen Schichten." Ans Sachsens Spuren. Nach dem Vorbild Sachsens hat nun auch die preußische Staats- bahnverwaltung ihren Arbeitern und Angestellten das Halten und die Verbreitung der vom TranSportarbeiterverband herausgegebenen neuen Zeitung„Die Eisenbahn" verboten unter der Androhung der sofortigen Kündigung. Am meisten ist die Staatsbahnverwaltung natürlich darüber entrüstet, daß das neue Blatt in Titel, Form und Ausstattung dem regierungsfromme» Blatt, das unter den Eisen- bohnern verbreitet wird, völlig gleich ist. Zum Leidwesen der Ver- waltung wird dadurch daS Denunziantenhandwerk erheblich erschwert. Der Zar unter dem Schutze von Polizeihunden. Die polizeiliche Schutzmauer, mit der der Großherzoa von Hessen seinen russischen Besuch im Schlosse Friedberg umgibt, ist jetzt auch noch durch Polizeihunde verstärkt worden. Drei Darmstädter Kriminalschutzleute haben Order erhalten, fich sofort mit Polizei- Hunden zur Bewachung des SchlosieS nach Friedberg zu begeben. Neben den zahlreichen Darmstädter Kriminalbeamten und den rusfi» schen SicherheitSbeamten sMd für den Patrouillendienst und Wacht» dienst 42 Gendarmen im Großherzogtum Hessen aufgeboten worden, die ihren Dienst in Zivilkleidung versehen. Außerdem sind noch Militärpatrouillen vorgesehen, insgesamt in Stärke von 200 Mann Infanterie und Dragoner. Dt« Furcht vor Angriffen auf daS Leben deS Zaren muß sehr groß sein, wenn solche Hilfsmittel in einer sonst sehr ruhigen und friedliche» Segend notwendig erscheinen. Oeftcmicb. Die Fleischteneruug. M«, 20. August. Es sinh recht erbauliche Dinge, die von der Mmisterlonserenz über die Frage der Fleischnot laut werdet Der Oeffnung der Valkangtettzen wird mit- dem Argument begegnet, daß dies ohnehin die Fleischzufuhr nicht erhöhen wurde, denn Rumänien steht im Handelsvertrag mit einem bedeutend höher zugestandenen Kontingent, Rumänien produziert weiterhin durchaus kein überflüssiges Vieh und Serbien hat während der vertragslosen Zeit sich auf die Ausfuhr nach Italien und anderen Ländern eingerichtet und sei darum gleichfalls gar nicht in der Lage, nach Oesterreich- Ungarn nennenswerte Fleischquantitäten zu exportieren. Früher hatte man aber damit geflunkert, daß der Zustand und die Viehproduktivität in dem wirtschaftlich ganz von Oestetreich- Ungarn umklammerten und abhängigen Serbien gar nicht so elend sei. Hier könne nur von einem serbischen, aber nie- mals von einem österreich-ungarischen Interesse die Rede sein. Nun zeigt es sich, daß man dem ausfichrungsunfähigen Ru- mänicn generös eine größere Onote zugeständen hat, die den Agrariern durchaus nicht wehe tut, weil sie in diesem Uni- fange gar nicht benutzt werden kann und daß man das Vieh- züchtende Serbien so lange drangsaliert habe, bis es sich auf eine Ablenkung seiner Vieheinsuhr eingerichtet hat. Der leid- tragende Teil ist einzig und allein die Arbeiterschaft und die östcrrcichisch-ungarische Industrie, die natürlich während des Zollkrieges von ihrem Absatzgebiete abgewichen war und daher im Vertrage mit Serbien kaum irgendwelche Zu- geständnisse verlangen konnte,»veil Serbien unterdessen mit seiner Viehausfuhr von Otsterreich-Ungarn vollständig unab- hängig geworden war. fttHkMldV LuftmilitarismuS. Paris, 20. August. Der Matin befragle den Marinemintster über seine Pläne bezüglich der Luftflotte. Der Minister er- klärte, die französische Flotte solle die erste der Welt bezüg» ltch der Luftschisfahrt sein, wie sie die erste hinsichtlich ver Unter- seeboote sei. Sieben Schisfsleutnants würden in einigen Wochen das Fliegerpatent besitzen. Aber das sei nur der Anfang. Die beschränkten Mittel dieses Jachres würde er zur Anschaffung von Aeroplanen verwenden. Die großen Hafenstädte Brest, Toulon, Cherbourg, Biserta müßten einen Lcnkballon und Aeroplane haben. um da» Metr und die Haseneingänge auszukundschaften und die Lage der Untersecmincn zu erkennen, die der Feind versenkt habe. Die Aeroplane seien Aufklärer. Für den Preis eines Kreuzers könne man tausend Aeroplane haben. Bezüglich Toulons habe der Kriegsminister bereits eine Order gegeben, bei Mourillon sei ein Terrain für einen Uebungsplatz und eine Halle hergerichtet und zwar auf der Seeseite. Auch solle eine Konkurrenz zur Er- langung eines brauchbaren Marineaeroplans ausgeschrieben werden. Der„Figaro" meldet, der Generalbertchterstatter für das Budget der Stadt Paris D a u s s e t habe angekündigt, daß er tn das nächstjährige Budget einen Posten im Mindestbetrage von 100 0M Francs einstellen lasse, zur Dotierung von Preisen für eine große aviatische Konkurrenz, die Paris im nächsten Sommer veranstalten wird._ Uebcrall Teuerung. Paris, 20. August. Zwei Abgeordnete haben heute morgen beim Minister des Innern vorgesprochen, um dessen Aufmerksamkeit auf die Verteuerung der Lebensmittel sowie auf hie Er- höhung der G e t r e idepreise zu lenken. Der den Minister vertretende erste Sekretär versprach, die. Angelegenheit in Kr» wägung zu ziehen und eventuelle Maßnahmen zu ergreifen. rj Italien. AuS ein« sozialistischen Stadtverwaltung. Rem, 18. Aug.(Eig. Ber.) Die Fabrikstadt V 0 l t r i an der Riviera di Ponente hat dieser Tage ihr Rathaus eingeweiht. Die Einweihung stellt einen Triumph der sozialistischen Stadtverwaltung dar, die seit S Jahren am Ruder ist. Der Bürgermeister, Genosse Puppo, ist Trambahnschaffner; alle Stadtväter ohne Ausnahme gehören dem Ardeiterstande an. Und diese wackeren Genossen, die nach ihrem Arbeitstage abends um 9 Uhr ihre StadtratSsitzungen ab- halten, haben eS fertiggebracht, ein ehemalige» Kloster, daS ein einziger Pfarrer bewohnte, in ein Altersheim für Arbeiter um- zugestalten, in dem vor der Hand allerdings nur 16 Greise unter- gebracht find, viel weniger,-al» den Bedürfnissen der 16 000 Einwohner zählenden Industriestadt entspricht. Zur Feier der Einweihung deS neuen Rathauses hat die Stadtverwaltung diesen Veteranen der Arbeit gemeinsam Mit den KriegSveteranen der Einigung»- kriege ein Festessen gegeben. Interessant ist. daß bisher der Großindustrielle Tassara alljährlich den Kriegsveteranen ein Bankett gab. In diesem. Jahre erklärte der Herr:„Laßt Euch von der neuen Verwaltung Feste geben," und entzog den Veteranen jede Unterstützung. Unsere Parteigenossen haben daraufhin die Alten vom Schlachtfelde der patriotischen Kämpfe mit denen vom Schlachtfelde der Arbeit gemeinsam zu einem Festmahl versammelt. DaS neue Rathaus, das auch Post- und Telegraphenamt beherbergt, liegt am Meere und ist ein stattlicher und vornehmer Bau, der 210 000 Lire gekostet hat. Zur Einweihung war er mit roten Girlanden geschmückt und mit der Inschrift verziert: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Die Arbeiterschaft Voltti» zeigt durch ihn. was sie zu leisten imstande ist. Nachdem jetzt die Stadt» Verwaltung ein würdige» Hau» hat, unternimmt der sozialistische Stadtrat den Bau von Arbeiterwohnungen. perlten. feie Die russische Invasion. tWf Teheran, 20. August. Zwischen dem Regenten und dem Kabinett hat eine Aussöhnung stattgefunden; der Regent bleibt auf seinem Posten. Im McdschliS»st der Antrag eingebracht worden, Sattar Khan und Bagir Khan lebenslängliche Pensicmsn zu gewähren. In einer Antwort auf die Interpellation betreffend die Zurückziehung der russischen Truppen au» Per- sien teilte der Minister des Auswärtigen mit, daß er vor kurzem in den Archiven des Auswärtigen Amts eine Mitteilung des ruf- fischen Gesandten entdeckt habe, die erhebliche Zeit' vor seinem Amtsantritt datiert sei. Diese Mitteilung, die er zu seiner Ueber. raschung unbeantwortet gefunden habe, gehe dahin, der> Gesandte nehme an, daß die russische Regierung, ohne Zweifel mit Rücksicht auf den ungeordneten Zustand deS Landes, nicht sonderlich auf die Zurückziehung der russischen Truppen bedacht sein werde, nachdem er an die persische Regierung zum Zweck einer Besprechung der Bedingungen» unter denen die Zurück- zichung erfolgen solle, herangetreten, eine derartige Bespre» chung jedoch nicht zustande gekommen sei. Der Minister des Auswärtigen gab seiner Ueberraschung darüber AuS» druck, daß die russische Regierung angesichts ihrer Erklärung an die europäischen Mächte, in der sie die Bedingung darlegte, unter der die russische Streitmacht nach Persie« gebracht wurde, nun eine Besprechung über anderweitige Bedingungen erwarte. Aber bei der langbewährten freundlichen Haltung der russischen Regierung sei er sicher, daß jede Besprechung, welche in die Wege geleitet würde. gemäßigten Charakter tragen werde. Er habe auf die Mitteilung des russischen Gesandten geantwortet, und es sei selbstverständlich, daß nunmehr Besprechungen wegen dex Zurückziehung der Twppm is Sgsge ftisa*~- v- ©ewcrfefcbaftUcbee* ChrtftUcbes I Im Ruhrgebiet finden allgemeine Aeltestenwahlen statt. Diese Gelegenheit ist den Christen anscheinend ein gesuchter Anlaß, mit dem Reichtum ihres Schimpfwortschatzes zu paradieren. In Nr. 31 des„Bergknappen", der christ- lichen Bergarbeiterzeitung, gab man eine programmatische Er- klärung ab. wie bei der Knappschaftswahl gekämpft werden solle; sie lautete in ihren wesentlichen Teilen: „Äatz unsere Freunde nur sachlich kämpfen, ist selbstderständ- lich. Genau so sachlich wie immer, aber noch entschiedener wie früher. Wir wollen nicht in die Kampfesart mancher unserer Gegner verfallen, aber von einer energischen Sachlichkeit wollen wir kein Jota abweichen." Die jüngsten Nummern des„Bergknappen", Nr. 32 und 33, hat nun die„Bergarbeiter-Zeitung" einmal auf ihre Sachlich- keit geprüft, sie stellt folgende Sammlung von„Sachlichkeiten", die sich gegen den freien Bergarbeiter-Lerband, seine Führer und seine Handlungen richten, zusammen: »Schwindeleien der Drcitzigtausendmarkmänner",»ES ist aber ein Ei'el",»frech verlogen",„Blödsinn",»Verleumdungs- Politik", verbohrten Ansicht des Genossenblattes",„Lüge",»infam", »sozialdemokratische Verdächtigungen",»sagen wissentlich die Un» Wahrheit",„Fälschungen", Verdächtigungen",„niederträchtige Lüge", „geschwindelt",„roten Schwindelei",„Ein Ekel",„Kindsköpfigkeit". „Idioten",„Maulhelden",»Bergarbeiterschädigende Gefahren", „liederliche Bearbeitung",„oberflächliche Redaktion der Berg- arbeiterzcitung",„ohne Spur von Sachkenntnis",»sorglose Redaktion",„Eselei",„Krakeelsucht",„Maulaufreißen",„Denkt Eurer Tricks mit Göttel",„Tölpel",„lügt",»unsinnig »frivol",»gegen Recht und besi'res Wissen",„Verlogener Haß und Hmterlist",»Ihr, die ihr Kompromisse schließt, mit Zechen, die ihr uns noch jüngst verließt bei Forderungen", „Psiii über solche Niederträctnigkeit",»Pstä über solche Menschen", »Dieser gehässige und verleumderische Kampf",»die gehässigen Angriffe der„Bergarbeiter-Zeitung",„ihren Gehässigkeiten".„Keil der Zwietracht immer stärker antreiben",„frivole Arbeiterfeinde" .Schwindel",.religionsfeindlich",„Religionsspöttereien",„Kon fessionelle Hetze",.Hetzapostel",„ihn feige zu erwürgen",„Lügew geschichte mit dem abscheulichen Flugblatt",»schofelsten Mitteln". Es ist sicher eine feine Auslese aus dem„sachlichen Kampfe" der christlichen Gewerkschastsleiter. Und die Leute halten'sich für bessere Menschen I Berlin und llmgegend. Zur Lohnbewegung der Dachdeckerhilfsarbeiter Bereits im Frühjahr 1910 nahmen die Dachdeckerhilfsarbeiler in einer sehr gut besuchten Versammlung Stellung zur Lohnfrage. Allseitig wurde betont, daß die Hilfsarbeiter mit den augenblick- lich gezahlten Stundenlöhnen von 4b bis bb Pfennig nicht mehr zu- frieden sein könnten. Es wurde beschlosien, eine Erhöhung des Stundenlohnes auf 60 Pfennig zu fordern. Für Pappdachdecker und Asphaltarbeiter wurden noch besondere Forderungen erhoben. So- dann hatten die Dachdeckerhilfsarbeiter auch einen Aktordtarif aus- gearbeitet, weil die Mehrzahl der Arbeitgeber, Dachsteine, Falz ziegel usw. auf Neubauten in Akkord tragen ließen. Während der Aussperrung im Baugewerbe war es nicht möglich, etwas zu unter- nehmen. Nachdem der Friede im Baugewerbe wieder hergestellt war, regte es sich auch wieder unter den Dachdeckerhilfsarbeitern und sie drängen auf Verwirklichung ihrer Forderungen. Auf Ver anlassung der Arbeitervertreter fand am 22. Juli d. I. eine Zu sammenkunft mit den Arbeitgebern statt. Die Arbeitervertretcr ermäßigten die Forderung von 60 Pfennig Stundenlohn auf bb Pfennig, erklärten aber auch, daß an diesem Satz unbedingt fest gehalten werden müsse, weil erstens ein erheblicher Prozentsatz der Arbeiter bereits«inen Stundenlohn von bb Pfennig erhält, und weil zweitens die meisten Arbeitgeber in den Jahren 1906 bis 1908 schon 55 Pfennig Stundenlohn bezahlt hatten. Die Arbeitgeber wollten keine bestimmte Zusage machen, sondern verwiesen auf ihre nächste Generalversammlung. Diese fand am Ib. August statt und hier beschlossen die Meister: Der Arbeitgeberverband des Dach deckergewerbes bewilligt den Dachdeckerhilfsarbeitern dieselben Löhne wie den Bauhilfsarbeitern, nämlich für geübte Hilfsarbeiter: bis zum 12. August 1910 50 Pfg., vom 13. August bis 30. September 1911 53 Pfg., vom 1. Oktober 1911 bis 31. Oktober 1913 55 Pfg.; für ungeübte Hilfsarbeiter für dieselben Zeiten 47% bis 50% und 52% Pfg. Alle anderen Forderungen bleiben der freien Verein- barung überlassen. Dieses Angebot ist für die Dachdeckerhilfsarbeiter imannehm- bar, denn es bedeutet bei sehr vielen eine ganz erheblich« Ver- schlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Am Montag, den 22. August finden wiederum Verhandlungen statt. Hoffentlich gelingt eS, die Arbeitgeber zu überzeugen, Latz mit dem Gebotenen die Dachdeckerhilfsarbeiter nicht zufrieden sein können. Am Dienstag, den 23. August— Näheres Inserat— nehmen die Dachdcckerhilfs- arbeiter Stellung zu den Vorschlägen der Arbeitgeber. Kraftdroschkenfllhrer! Im Betriebe Fabisch, Reinickendorfer Straße 22. sind Differenzen ausgebrochen; der Betrieb ist für Kraft- Wagenführer bis auf lveiteres gesperrt. Sektion IV des Bezirks Groß-Berkw des Deutschen Transportarbeiter-.Verbandes. Filiale Berlin. Achtung! Zurichter! Die Kollegen der Firma Chapal, Mon- treuil bei Paris, streiken. Zuzug ist fernzuhalten. Deutscher Kurschner-Verband. Der Streik in der Norddeutschen Gummiwarenfabrik dauert unverändert fort. Die Firma sucht schon Arbeitswillige durch An- gebot von Geldprämien, die nach— einem Jahre ausgezahlt wer- den sollen, zu ködern. Das ist bedenklich! Brauchbare Kräfte wird die Firma auch durch solchen„Kauf" nicht bekommen. Zuzug ist Weiterhin strikte fern zu halten. Verband der Fabrikabeiter Deutschlands. Ortsv. Berlin. Blumenarbeiter! Bei der Firma Seibt u. Becker, Weißeniee l Abteilung für künstliche Binderei) haben sämtliche als Binder be- schästigle Kollegen die Arbeit niedergelegt. Wir ersuchen, den Zuzug streng fernzuhalten. Allgemeiner deutscher Gärtnerverein, Ortsverwalwng Groß-Berlin. Verband der Blumen- und Blätterarbeiter und-Arbeiterinnen. Achtung, Metallarbeiter! Der Betrieb von Rauschenberger, Elisabeth-Ufer ist gesperrt. Die Kollegen streiken dort. Deutscher Melallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Oeurkedes Reich. Zur Werftarbeitcrbewegung. Ueber Streik und Aussperrung der Werftarbeiter werden den Zeitungslesern tagtäglich Nachrichten in großer Zahl vorgesetzt, die lediglich der Stimmungsmache dienen und oft kühner Phantasie ent- stammen. Unter Rostock wird da berichtet: Der reichstreue Arbeiterverein in Rostock beriet in einer außerordentlich stark besuchten Versammlung seine Stellung zum Werftarbeiterstreik. Es wurde beschloffen, daß der Verein ge- schloffen auf selten der Direktion der Rostocker Neptunwcrft stehe und unter keinen Umständen in einem solch frivolen Streik die Arbeit niederlegen werde. An und für sich ist diese Notiz keineswegs geeignet, irgendwelches Lufsehen zu erregen. Trotzdem ist eS nützlich, solche Lebensänße- rungen schöner Seelen von Zeit zu Zeit zu rubrizieren. Der reichskreue Arbeiterverein in Rostock ist än echkeZ und rechtes Gebilde kapitalistischer„Kontervevolution", gegründet zu dem Zwecke, den freien Gewerkschaften und ihren Ansprüchcm eine knecht- selige Söldnertruppe entgegenzusetzen, die gierig an dem Knochen nagt, den man ihr für„treue Dienste" hinwirft. Die Werftarbeiter in Hamburg wünschen eine Besserung ihrer Lebenshaltung. Die Unternehmer lehnen Verhandlungen ab und erklären höhnend, die Zeit sei eher dazu angetan, an den Löhnen eine Herabsetzung vorzunehmen. Die Hamburger Werftarbeiter greifen zum letzten Mittel, zur Arbeitsverweigerung, und die Werftunternehmer sperren 60 Proz. aller Werftarbeiter cruS. Auch die Direktion des Rostocker„Neptun" macht keine Ausnahme. Die Werftarbeiter beantworteten die Aussperrung mit der Arbeits- niederlegung— sicher der natürlichste Vorgang. Dieser Meinung sind aber nicht unsere„Reichstreuen". Sie wollen in diesem„fri- volen" Streik treu zur Direktion stehen! Nun die Direktion wird sich nicht lumpen laffen. Herr Blohm in Hamburg trieb seine langjährigen„Mitarbeiter", die ihm auch treu bleiben wollten, zum Tempel hinaus. Die Direktion des„Neptun" wird das nicht tun. Solche Anhänglichkeit verdient Belohnung. Kann man mit diesen Treuen auch keine Schiffe bauen, so gibt es sicher auf der Neptun- werft Arbeiten genug, zu denen man solche Helden gebrauchen kann. Eine prinzipiell wichtige Entscheidung. Die Zwirnerei und Nähfadenfabrik Göppingen bei Augsburg hat eine sechswöchentliche Kündigung(I) eingeführt, wodurch es den dort beschäftigten Arbeiiern nur sehr sckstver möglich ist, andere Arbeit zu finden, da die Stellen bis zum Ablauf der Kündigungsfrist schon längst wieder besetzt sind. Eine in dieser Fabrik beschäftigte Arbeiterin hatte nun schon vor 14 Tagen ge- kündigt, als sie eine Stelle in einem anderen Betriebe erhalten konnte, in dem ihr ein Tagesverdienst von 3 M. in Aussicht gestellt wurde, während sie in ihrer bisherigen Stellung nur 1,30 M. pro T�ig verdiente. Auf ihr Ansuchen, sofort die Arbeit verlassen zu dürfen, gestattete die Firma dies, doch wurde ihr wegen Nichtcin- Haltung der Kündigungsfrist ein Wochenlohn in Höhe von 10,80 M. einbehalten. Die Arbeiterin klagte nun beim Amtsgericht Augsburg— ein Gcwerbegericht ist in Göppingen nicht vorhanden— auf Herauszahlung dieser Summe mit der Begründung, daß sie nach§ 124a der Reichsgcwerbeordnung zum sofortigen Verlassen der Arbeit berechtigt gewesen sei. Der angezogene Paragraph berechtigt zum Verlaffen der Arbeitsstätte ohne Einhaltung der Kündigungsfrist, w«nn ein„wichtiger Grund" vorliegt. Die Klägerin behauptete nun mit Recht, daß es zweifellos ein wichtiger Grund zum Ver» laffen der Arbeitsstelle sei, wenn einer Arbeiterin durch längeres Verweilen an der alten Arbeitsstätte die Möglichkeit genommen werde, statt 10,80 M., 18 M. pro Woche zu verdienen. DaS Gericht stellte sich jedoch auf einen anderen Standpunkt und wies die Klage auf Herausbezahlung des einbehaltenen Lohnes ab, ob- wohl schon früher bei gleichgelagerten Fällen Gewerbegerichte sowohl wie ordentliche Gerichte im Sinne der klägerischen Partei ent- schieden haben._ Die Klagen der Zivilmusiker über die Konkurrenz der Militär- musiker erfahren in einem eben herausgekommenen Erliatz des bayerischen Kriegsministers einige Berücksichtigung. ES wird u. a. bestimmt, daß den Militärkapellen die Erlaubnis zum gewerb- lichen Spielen nur dann erteilt werden darf, wenn berechtigte Klagen der Zivilmusiker über Geschäftsbeeinträchtigung nicht zu erwarten sind. Mit den Vertretern der beruflichen Zivilmusiker sind da, wo es nach den örtlichen Verhältnissen angängig ist, Mindesttarife für die Musikleistungen zu vereinbaren; ein Spielen unter den ortsüblichen Preisen ist untersagt. Ausnahmen sind nur zulässig bei patriotischen Festen, Wohltätigkeitsveranstaltungen, Be- erdigungen von Kricgervereinsmitgliedcrn und dgl. Die Ver- einigung einzelner Militärmusiker zum gewerblichen Spiel ist ver- boten. In den„Oberrheinischen Metallwcrken" in Mannheim drohen infolge schlechter Lohn- und Akkordverhältnisse ernste Differenzen auszubrechen. Die Firma sucht nun in ganz Deutschland tüchtige Spengler, hauptsächlich für ihre Lampenabteilung. ES wird dringend ersucht, Zuzug fern zu halten. Deutscher Mctallarbeiter-Verbanld. Verwaltung Mannheim. Parkettlrger-Strcik. Bei der Firma Otto Hetzer in Weimar streiken sämtliche Parkettleger wegen Lohndifferenzen. Die Firma will eine Erhöhung nicht geben, auch einen Tarif nicht anerkennen. Es wird veriucht. in allen Städten Arbeitswillige anzuwerben. Die Parkettleger allerwärtS werden gebeten, die Arbeiten der Firma Hetzer zurückzuweisen; Zuzug ist gleichfalls fernzuhalten. Speziell im Rheinland und Westfalen sollen Arbeiten der Firma angefertigt werden. � Differenzen in der Etui-Branche. Die Arbeiter der Etui- fabriken in Eisenberg i. S. haben am Freitagabend mit großer Mehrheit beschlossen, am Montag in den Streik einzutreten, weil die Unternehmer die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligen wollten und auf keinen Tarifvertrag eingingen. ES kommen 350—400 Per- sonen in Betracht. Ausland« Die englischen Gewerkschaften im Jahre tSVV. Die„Labour Gazette" vom August bringt die vorläufigen Resultate der Erhebungen des Handelsamtes über die englischen Gewerkschaften im Jahre 1909. Daraus ergibt sich, daß, wahrend- dem die deutschen Gewerkschaften im vergangenen Jahre bereits wieder einen ganz ansehnlichen Aufschwung gegenüber dem Vor- jähre zu verzeichnen hatten, die englischen einen weiteren Rückgang gegen 1903 erlitten. Ende 1903 wurden 2 379 723, Ende 1909 da- gegen nur 2 347 461 Mitglieder gezählt; von 1967 zu 1903 war ebenfalls schon eine Abnahme von rund 32 000 zu verzeichnen. Die vergleichende Statistik des letzten Jahrzehnt zeigt, daß ein größerer Aufschwung nur in den Jahren 1905, 1906 und 1907 stattgefunden hat. Schon im Jahre 1901 wurden 1 969 324 Mitglieder gezählt, die nächsten Jahre brachten erhebliche Rückgänge. Danach scheint es fast, als ob die englischen Gewerkschaften ihren Höhepunkt er- reicht hätten, als ob sie eine stärkere Werbekraft nicht mehr be- säßen. Soweit dies zutrifft, brauchen die Ursachen hier nicht mehr erörtert zu werden. Vor allem werden die englischen Gewerk- schaften ihren Standpunkt gegenüber den ungelernten Arbeitern einer Revision unterziehen müssen. Eine ständige Abnahme seit dem Jahre 1900 haben merkwürdigerweise die Gewerkschaften der B a wberufe. Diese zählten im Jahre 1900 insgesamt noch 253 452 Mitglieder, im Jahre 1909 waren sie aus 163 627 Mitglieder ge- funken.— An weiblichen Mitgliedern zählten die englischen Gewerkschaften im Berichtsjahre zusammen 267 518; 1906 waren 124 053 vorhanden. Der Löwenanteil hiervon entfällt aus die Textilindustrie von Lancashire.— Ueber die finanziellen Ergebnisse enthält die gegenwärtige Veröffentlichung noch nichts. Statistik der italienischen Arbeiterkammeru. Wie alljährlich gibt das italienische Arbeitsamt nach Abschluß feiner Statistik über den Stand der Arbeiterorganisationen zunächst das Resultat derselben für den Monat Januar d. Js. bekannt. Zu diesem Zeitpunkt bestanden 104 Arbeiterkammern mit zu- sammen 4169 Berufsabteilungen und 503 991 Mitgliedern; Anfang des vorigen Jahres bestanden nur 98 Kammern, mit 3834 Ab- testungen und 501 220 Mitgliedern. Die Zahl der Arbeiterkammern, die einen Arbeitsnachweis besitzen, ist von 29 auf 39 gestiegen, 61 gewähren Rechtsbeistand gegen 57 im Vorjahre. Zurückgegangen sind dagegen die Kammern mit eigenem Sanitätsdienst und Unlerrichtskursen. Obgleich dke Mitgliederzahl fast stationär ist, sind die Gesamteinnahmen doch im Steigen begriffen, denn im Jahre 1903 betrugen sie 433 510 Lire, 1909 502 478 Lire und nach der vorliegenden Statistik 540 570. Die Ausgaben sind ungefähr in gleichem Verhältnis gestiegen. Die Zahl der Arbeiterkammern mit kommunalem Zuschuß nimmt stetig zu, da die Zahl der von den Volksparteien eroberten Swdtverwal- tungen beständig wächst. So erhielten im Jahre 1908 27 Kammern im ganzen 61 600 Lire Zuschuß, im folgenden Jahre 35 Kammern 85 000, während die jetzige Statistik feststellt, daß die Zahl der Arbeiterkammern mit kommunalem Zuschuß 43 beträgt mit 93 000 Lire Unterstützung.>- � Sozialem Bon der Bekleidungsindustrie, Ein« Besserung der Geschäftslage scheint auch in der Be- kleidungsindustrie eingekehrt zu sein. Denn nach dem Berichte der Bekleidungsindustrie-Berufsgenossenschaft ist die Zahl der ver» sicherten Betriebe von 9106 auf 9364 gestiegen, die Zahl der be- schäftigtcn Arbeiter von 273 730 auf 297 660. Sehr verschieden ist natürlich die Unsallgefahr unter den einzelnen Branchen, die zur Bekleidungsindustrie zählen. Gemeldet wurden im Jahre 1909 insgesamt 3457 Unfälle gegen 3207 im Vorjahre. Davon wurden nur 533 entschädigt. Von den entschädigten Unfällen er- eigneten sich allein 297 an Arbeitsmaschinen. Als Folgen der Un- > fälle wird verzeichnet: in 12 Fällen Tod, in einem Fall völlige,«» 408 Fällen teilweise und in 117 Fällen vorübergehende Erwerbs- Unfähigkeit. Die Zahl der Rentenempfänger beträgt zurzeit über 6000. Der dem Bericht wieder beigefügte Sonderbericht der tech- nischen Aufsichtsbeamten enthält wieder einige interessante Punkte. Besichtigt wurden im Berichtsjahre insgesamt 465 Betriebe, die 13 117 Arbeiter beschäftigten, in Norddeutschland und 493 Be- triebe mit 18 388 Arbeiter in Süddeutschland. Es wurden in diesen Betrieben allein 4 90 8 Verstöße gegen die Unfallverhütungs- Vorschriften vorgefunden. Der Bericht bemerkt hierzu: „Die Zahlen lassen deutlich erkennen, daß der Unfallver- hütung von feiten der Betriebsunternehmer sowohl wie auch von feiten der Versicherten immer noch nicht die ihr zukommende Bedeutung beigemessen wird, daß die Anbringung von Schutz- Vorrichtungen an den wichtigsten Maschinen in der Schuh- fabri�ition und im Wäschereigewerbe noch viel zu wünschen übrig läßt, und daß selbst die allereinfachsten, jedem Laien be- kannten Matznahmen zur Verhütung von. Unfällen, wie Ein- deckung der Emgriffstellen von Zahnrrädern, Einfriedigung von Riemen und Schwungrädern, die im Verkehrsbereiche der Ar- beiter liegen und dadurch diesen gefährlich werden können. Ab- deckung und Einfriedigung von Gruben und Bodenöffnungen, nicht getroffen werden." Eine Besserung sei nur zu erwarten, wenn bei Neuan- schaffung v«n Maschinen eben auf die Schutzvorrichtungen gesehen würde. Wie sehr aber den Unternehmern der Schutz der Arbeiter am Herzen liegt, melden uns die Beamten wie folgt: „In den von dem Vertreter des Südbezirks revidierten Be. trieben waren 754 männliche jugendliche Arbeiter unter sech- zehn Jahren, das sind 6.6 Proz. aller beschäftigten männlichen Personen, und 645 weibliche jugendliche Personen, das sind 0,4 Prozent aller beschäftigten weiblichen Personen, tätig, und von diesen arbeitete eine große Anzahl an unfallgefährlichcn Ma- schinen, zu denen die Dampfmangeln und Muldenmangeln im Wäschereibetriebe, die Stanzen, Spalt-, Schärf- und Schneide- Maschinen, die Absatzpressen und Absatzaufnagclmaschinen in den Schuhfabriken zn rechnen sind. Eine große Anzahl von zum Teil schweren Unfällen ist denn auch diesen jugendlichen Ar- beitern zugestoßen, und diese Unfälle, sind auf das Konto»Un- kenntnis der Gefahr"..Unachtsamkeit" und»jugendlicher Leicht- sinn" zu setzen. Es wäre zu wünschen, wenn an derartigen Maschinen nur ältere und gewandte Arbeiter beschäftigt werden." Geklagt wird auch, daß die Unfallverhütungsvorschriften vle». fach fehlen oder»in sehr schlechtem und kaum leserlichem Zustande" an„ungeeigneten, feuchtem und dunklen Orten hängen". Trotz- dem bemerkt der Bericht: „Ein großer Teil der Unfälle ist auf Nichtbeachtung der Un- fallvcrhütungsvorschriften seitens der Betriebsunternehmer und seitens der Arbeiter zurückzuführen; der überwiegende Teil fällt jedoch den letzteren infolge Ungeschicklichkeit und Unachtsamkeit zur Last...., Hochkonjunktur und Alkoholmißbrauch kommen auch im Berichtsjahre als Ursache von Unfällen nicht in Frage, letzters deswegen nicht, weil der überwiegende Teil der Versicherten weiblichen Geschlechts ist." Letzte IVachrlchtcn. Die Beschlüsse gegen die Fleischteurrung. Wien, 20. August.(W. T. B.) Der Ministerrat befaßte sich in den letzten Tagen mit der Frage der Lieh- und Fleischtcue- rung und beschloß, um eineVerstärkung des Angebots auf den in» ländischen Märkten herbeizuführen, unverzüglich eine Vertrags- mäßige Fleischeinfuhr auS Rumänien in die Wege zu leiten, ferner mit der ungarischen Regierung wegen Zulassung der Fleischcinfuhr aus Serbien schon vor Ratifizierung des Handelsvertrags zu verhan- dein, sodann von Fall zu'Fall die Erlaubnis zur Einfuhr lebender Rinder und Schweine unbedenklicher Herkunft aus Italien, Hol- land und Frankreich zu erteilen, die Frage der Einfuhr argenti- nischen Fleisches erneut zu prüfen und schließlich eine Aenderung deS Eisenbahntarifs ins Auge zu fassen, dagegen den Erlaß eines Viehausfuhrverbots mit Rücksicht auf die Be- stimmungen der Handelsverträge nicht in Erwägung zu ziehen._ „Der Staat ist in Gefahr." Trieft, 20. August.(W. T. B.) Vier Jugendvereine sind von der Statthaltcrei wegen Ueberschreitung ihres Wirkungskreises auf- gelöst worden. In dem Auslösungsdekret wird gesagt, daß diese Vereine unter dem Deckmantel des Sports eine staatsgefährliche und hochverräterische Tätigkeit entfalten. DaS gelegentlich einer in den Vereinslokalitäten vorgenommenen Hausdurchsuchung zutage geförderte Material hat bewiesen, daß Ziel und Absicht dieser Ver- eine die Bildung einer freisinnigen Organisation(Triester Koros) mit hochverräterischen Tendenzen gewesen sei. Bezüglich eine» Ver- eins hat das vorliegende Material außerdem erwiesen, daß der Ver- ein mit republikanischen Kreisen in Italien in Verbindung gestanden sei und eine hochverräterische Tätigkeit entfaltet habe. Drei Personen verbrannt. Troppm», 20. August. Heute nacht ist in Ernsdorf bei Bielitz der Gasthos K r e h u t vollständig abgebrannt. Hierbei sind drei Personen verbrannt und drei schwer»erletzt»irden. Großfeuer in einem Warenhaus. «uenoS Aires, 20. August. W. T. B. DaS Warenhaus „Stadt London" ist vollständig niedergebrannt. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Pesos geschätzt, Lerantw. Redakteur: Hans Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.: rh. Glocke. Berlin. Druck«.verlgg:vorwärt»Buchdr.n.Verlag»anstgll Paul Singer Lc Co., Berlin 2 W. Hierzu 4BeUa«en. it. 195. N.Ichgws. 1. WIM des Amiirk" Mm WliMM 5onntl»g. 21. Augnß 1910. Hua der Partei. Zum Parteitage. In ekier von über SSV Parteigenossen und Genossinnen be. suchten Mitgliederversammlung nahm der Sozialdemokratische Der» ein für Halle und den Saalkreis Stellung zum badischen DiSzi. plinbruch. Redakteur Genosse H e n n i g besprach die Tagesordnung des Parteitages, wobei er in prinzipiell klaren Ausführungen na- mentlich die Bedeutung der badischen Auflehnung behandelte. Er gelangte zur schärfsten Verurteilung des Verhaltens der Budget- bewilligec und Hofgänger, von denen der Parteitag Unterwerfung unter die Parteidisziplin oder Niederlegung der Mandate ver- langen müsse. Einhaltung der Parteidisziplin würde gleichzeitig das Aufhören der in Baden betriebenen verderblichen Großblock- Politik bedeuten, ein großer Gewinn für die kommenden Reichs- tagSwahlen. Die Diskussion währte bis 12 Uhr nachts. Die Mehrzahl der Redner verlangte den Ausschluß der bewußt gegen das Partei- intcrxsse verstoßenden badischen Landtagsabgeordneten. Gerade jetzt seien in Dortmund wieder einige Proletarier ausgeschlossen, weil sie anarchosozialistische Propaganda getrieben haben. Es würde die Masse verbittern, müßte sie gewahren, daß Parlamen- tariern ein anderes Recht zustände, als den einfachen Partei- genossen. Bemerkenswert ist auch, daß mehrere Gewerkschafts- angestellten die Handlungen der Badenser scharf verurteilten. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: „Die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen Ver- eins für Halle und den Saalkreis beantragt, der Parteitag möge beschließen: Der Parteitag bekräftigt von neuem die Resolution des Nürnberger Parteitages zur Budgetbewilligung und fordert von jedem Abgeordneten eines deutschen Landtages die E r k l ä r u n g, daß er sich der Resolutron unterwerfe. Wird diese Erklärung verweigert oder im ablehnenden Sinne abge- geben, so hat dieser Abgeordnete sein Mandat niederzu. legen, andernfalls er als bewußter Disziplinverweigerer aus der Partei ausgeschlossen wird." Am Donnerstag fand in Königsberg eine außerordeni- liche Generalversammlung des Sozialdcmokraiischen Vereins statt, die sich mit dem bevorstehenden Magdeburger Parteitag beschäftigte. Genosse Hugo Haase referierte. Er kritisierte unter anderem kehr scharf, aber durchaus sachlich, den groben Disziplinbruch der badischen Abgeordneten, der angesichts des Nürnberger Partei- tagSbeschlusses geradezu unerhört sei. In gleicher Weise wie Haase verurteilten alle Redner in der folgenden Debatte die Taktik der Wodener, die zur politischen Vernichtung der Partei führen muß, falls es nicht endlich gesingt, durch geeignete Matznahmen solche trostlosen Vorgänge unmöglich zu machen. In diesem Sinne sprachen die Genossen Kassenfübrer Otto Braun, Dr. Gottschälk, Redakteur Marckwald, Gelverkschaftsbeamter Seemann u. a. Am Schlüsse der Debatte empfahl Genosse Haase die An- «ahme folgender Resolution zum Magdeburger Parteitag: Der schwere Tisziplinbruch der badischcn Landtagsfraktion bedeutet die denkbar schärf st e Herausforderung der Gesamtpartci, der diese mit allem Nachdruck entgegentreten mutz, um die Geschlossenheit im Kampf gegenüber den Gegnern aus- rcchtzuerhaltcn. Die Zustimmung der badischen Fraktion zum Budget, trotz des Nürnberger Parteitagsbeschlusscs, und die Teil- nähme von Sozialdemokraten an höfischen Kundgebungen, ist auf das entschiedenste zu verurteilen. Der Magdc- bvrger Parteitag beauftragt den Parteivorstand überall, namentlich in Baden, eine umfassende Agitation zur prin- zipiellen Durchbildung der Parteimitglieder zu veranstalten und dafür zu sorgen, daß den badischen Partei- genossen die Bedeutung der Budgetbewilligung nach allen Rich- tungen klar gelegt wird." Im Anschluß hieran brachte Genosse Otto Braun eine Re- Solution ein, die nach seiner Begründung dem Streit über die Eugetbewilligung, der nun bereits in unserer Partei über Ein- «inhalbjahrzehnt die Geister gegeneinander treibt, ein Ende be- reiten könnte. Er führte aus, daß darüber nicht bei allen führen- den Genossen Klarheit zu bestehen scheine, ob die Budgetbewilligung für die Regierungen ein Vertrauensvotum sei ober nicht. ES heißt in dieser Resolution� „Um gleichen Vorkommnissen wie in Baden mit ihren für die Partei so nachteiligen Begleiterscheinungen tunlichst vorzu- beugen, wird eine Kommission eingesetzt, die auf Grund des von den Genossen der einzelnen Bundesstaaten zu liefernden und in der„Neuen Zeit" zu veröffentlichenden Serlin— die f�ufikrtadt. „Weil", sagt unser trefflicher englischer Genosse Walter Crane, dessen Schriften über das Kunstgewerbe leider noch zu wenig be- iannt sind:„weil", sagt er dem Sinne nach,„die Menschheit in ihrem gewissermaßen reglementierten Jdiotendasein einer Abwechselung bedarf, haben wir uns eine Spezialgruppe für unsere Zer st reuungen zugelegt. Sowie der mittel- alterliche Burgherr sich den Hofnarren hielt, um sich wenigstens etwas geistige Anregung zu sichern, so unterhalten wir unsere Künstler, Dichter. Musici und Schauspieler— oder wir lassen sie vor Hunaer umkommen." Crane schrieb dies, wenn ich nicht irre. ums Jahr 1690. und Crane als Maler, der sich mit seinen Worten besonders an die für Malkunst Interessierten wandte, konnte zu jener Zeit noch nicht mal über die ganze Sachlage unterrichtet sein. In einer wohlgeordneten Kulturstcrdt wie Berlin, wo keine Ob- dachlosen die Nacht schlafend auf den Bänken im Park verbringen. wie in London, wo weder Hund noch Mensch ohne Maulkorb herum- Ipazieren, wo jeder, anständige" Künstler sein Brot verdient— in lieser Riesenstadt lernt man die Kunstverhältnisse nach allen Seiten bin besser kennen. Vor Hunger umkommen tut hier kein Maler, kein Bildhauer, kein Schauspieler, kein MusikuS, kein Dichter. Das ist ein romantischer Ausdruck, wogegen sich unser gesunder Verstand auflehnt. Nein,„vor Hunger umkommen" lassen wir schon niemand mehr. Aber wir ermorden daS Talent. Wir ermorden das Talent, indem wir eS ohne viel Radau, ohne besonderen Klimbim, ohne daß Huhn oder Hahn danach kräht, zur Ruhe und Ueberlegung zwingen. Was bleibt im täglichen Ringen umS Dasein von den Absichten der Jugend, von den prächtigen Idealen, von dem Ungestüm und der Beseelung zurück? Was wird aus den jungen Künstlern, die da träumten und Berge versetzen wollten und sich leuchtenden AugeS auf den Pfad begaben? Lebt nicht in jedem angehenden Künstler der Trotz gegen Unrecht und Zwang? Wo begraben sie in der Stille und ohne feierlichen Sermon ihre Ideale, ihre„revolutionären Empfindungen", ihr« Schaffensfreudigkeit, ihre Jugendhoffnungen? Lernen sie nicht, sich unterwerfen, wie Lohndiener, die die„Kunst von Gottes Gnaden" verschachern? Die kapitalistische Gesellschaft be. zahlt. Sie hat den Liebesdienst in den Krankenhäusern, den Liebes- dienst in den Irrenanstalten, den Liebesdienst bei Beerdigungen. den Liebesdienst auf religiösem Gebiete, den Liebesdienst der Künste j» Lohndienst umgesetzt. Die Freude an allem ist tot. Nicht allein der Magen kommt vor Hunger um. AuchderGeist... Ich sprach schon flüchtig über die Tagesliteratur und über die Thealcrindustrie. Auf musikalischem Terrain wiederholt sich die- selbe monotone Geschichte. Berlin ist zum„Mittelpunkt" der musi- kalischen Bildung geworden, hat Wien verdrängt. Wer heute etwas al» Solist werden will, kommt nach Berlin. Hier gibt es beinahe 6! viele Konservatorien wie Poussierkneipen und Pensionen mit immern aus Monate, Wochen. Tage. Und außer den Konserva- Materials, die Budgetfrage eingehend studiert und dem nächsten Parteitag eine Vorlage zur endgültigen Regelung dieser Angelegenheit unterbreitet, und zwar so frühzeitig, daß sie vorher in Versammlungen und in der Presse noch eingehend erörtert werden kann." Nachdem über die beiden Resolutionen noch mancherlei für und wider gesprochen, gelangte die des Genossen Haase mit allen gegen zwölf Stimmen zur Annahme. Es wurde dann auch noch über den Kommissionsantrag des Genossen Braun besonders ab- gestimmt, der aber keine Mehrheit fand. Als Delegierte zum Parteitag wurden die Genossen Rechts- anwalt Hugo Haase und Parteisekretär Doualit gewählt. Die Genossen in Bremen beschäftigten sich in drei auf- einandereinanderfolgenden Parteiversammlungen mit der b a d i- schen Budgetbewilligung. Der Reichstagskandidat Ge- nosse Henke legte als Konsequenz seines Referates die folgende Resolution vor, die auch von dem Genossen Pannekoek unter- zeichnet war: „Die Versammlung fordert vom diesjährigen Parteitag: a) Die Bestätigung der Nürnberger Budgetresolution; b) daß er alle Genossen, welche erklären, dieser Budget- resolution nicht Folge leisten zu können, für ungeeignet erklärt, fernerhin mit dem Landtagsmandat betraut zu werden; c) daß er beschließe, die Genossen haben sofort ihre Mandate niederzulegen, anderenfalls sie aushören, Mitglieder der Partei zu sein; 6) und endlich, daß er den Parteivorstand beauftragt, in Baden und überall dort, wo es ihm notwendig erscheint. Ein- richtuitgen zu einer prinzipiellen Durchbildung der Partei» Mitglieder zu treffen." Nach umfassender Diskussion wurde die Resolution an- genommen. Als Parteitagsdelegierte wurden gewählt: Henke, Pannekoek, Wellmann und Rauch. Die ersten beiden hatten im Sinne ihrer Resolution gesprochen, die letzten beiden hatten für Ausschluß der badischen Abgeordneten plädiert. Tie Landesorganisation der sozialdemokratischen Partei Hamburgs hielt am Freitagabend eine Generalversammlung ab, in welcher der Ja hresbericht erstattet wurde. Auf allen Gebieten des Parteilebens wird ein erfreulicher Fortschritt konsta- tiert. Die Mitgliederzahl ist von 39 931 auf 4 3 2 3 5, die Zahl der Abonnenten auf das„Hamburger Echo" um 5999 ge- stiegen, so daß die Auflage 63 699 beträgt. Durch die Krise von 1993, die sich namentlich in Hamburg stark bemerkbar machte, ging die Auflage um mehrere Tausend zurück. Jetzt ist der Höchststand vom 1. Januar 1998 um beinahe zweitausend überholt. Di« „Gleichheit" hat ein Plus von 339 Abonnenten zu verzeichnen, der Abonnentenstand beträgt jetzt 1919. Die Notwendigkeit prinzi- pieller Durchbildung erkennend, hat der Landcsvorstand vor einigen Jahren mit der Herausgabe guter Schriften zu einem sehr niedri- gen Preise begonnen. Neben diesen Broschüren sind für Bücher, Broschüren. Kalender und Protokolle 22 885 M. eingegangen. Was die Parteibuchhandlung umgesetzt hat, ist hier nicht mit aufgeführt. Gute Fortschritte gemacht hat die Jugendorganisation. Nach Vereinbarungen zwischen Partei und Gewerkschaftskartell soll die Gcwerkschaftsbibliothek in gemeinsamen Besitz übergehen. Zwi. schen beiden Gliedern der Arbeiterbewegung hat bei Erledigung aller Angelegenheiten immer ein gutes Einvernehmen geherrscht. An Einnähmen aller Art verzeichnet der Bericht 269 523 M. Der Parteikasse in Berlin sind 88 999 M. überwiesen. Den Ausgesperr. ten in Schweden wurden 19 999 M. bewilligt, für Agitation im 19. hannoverschen Wahlkreis 3116 M., für Fortbildungs» wesen und K i n d e r f ch u tz über 8999 M.. für Beschaffung von Versammlungslokalen 19 999 M. hergegeben. Im GeWerk- fcha f t sha u s e sind 59 999 M. investiert, außerdem wurde diesem ein Darlehen von 19 999 M. überwiesen. Gegen den Bericht wurden Einwände nicht erhoben. Der An- trag, die Gewerkschaftsbibliothek in gemeinsamen Besitz übergehen zu lassen, wurde angenommen und beschlossen, seitens der Partei sofort 3999 M. beizusteuern. Die weiteren ErneuerungS-, Er- gänzungs- und Verwaltungskosten sollen gemeinschaftlich getrggen werden._ Barteiliteratur. Im Leipziger Parteiverlag ist soeben ein„Klei- nerLeitfadenfürArbeiterbibliotheken"mit einem Anhang:„Einiges über Privatbibliotheken" erschienen. In seinem Vorwort sagt der Verfasser, Gen. E r n st M e h l i ch:„Diese Schrift ist hervorgegangen aus Vorträgen, die der Verfasser auf Veanlassung des Stettiner Bildungsausschusses über die Aufgaben torien existieren hier zu Tausenden die Musiker, die für ein Ei und ein Butterbrot Privatstunden erteilen. Betrachten wir einmal zur „Saison" die Menge der Inseraten, worin Konzerte angekündigt werden, studieren wir doch einmal die Fachorgane mit rhren ge- radezu flehenden Offerten, sehen wir den Wochcnplan der Konzert- direktionen, schauen wir die Reklamen der Konservatorien, und wenn man dann schon ein wenig orientiert zu sein glaubt, dann begebe man sich in einen Konzertsaal, der eine Vorspiegelung falscher Tatsachen darstellt, weil der volle Saal einfach Betrug ist. Dann begebe man sich einmal in die Restaurants mit Musik, in die Hotels mit Musik, in die Bars mit Musik, in die Tanzsäle mit Musik, in die abgelegenen Tingeltangel mit Musik. Ueberall treffen wir Musik an, ausgenommen die Orte, wo Musik eine angenehme Abwechselung sein würde, wie das Polizeipräsidium, das Obdach, die Fabriken, bei den Heimarbeitern, in Gesängnissen, Krankenhäu» sern usw. Und eS gibt keinen Musiker, dem nicht auf seinem Gesi sern usw. Und es gibt keinen Musiker, dem nicht auf seinem Gesicht ge. schrieben steht, daß er daS„Fach" nie erwählt haben würde, wenn er gewußt hätte, daß seine Violine, sein Piano, seine Klarinette ihn so tief in den Existenzkampf herabziehen würden. Bei den Künst- lern auf literarischem Gebiet, auf der Bühne, in der Malerei kann nach draußen geschwindelt werden, bei den Musikern nicht. In den Luxushotels, wie„Kaiserhof",„Esplanade", in den teuren Nestau- rantS sitzen in den Orchestern junge Leute mit großem Talent, die zu essen haben müssen, und die nun, weil sie n i ch t s zu essen haben, als minderwertige Lohndiener beim Tafeln der schlemmenden Bour- geoisie das Geräusch der Messer und Gabeln, das Klirren der Teller maskieren müssen. So wird ein vornehmer und zarter Zweig der Kunst mit der Reitpeitsche zur Prostitution herabgewürdigt. Ist ein stärkerer Hohn, eine ungeheuerlichere Knechtschaft, als das„vor- zügliche Musizieren" unter Leitung eines Maestro Soundso beim Essen, Trinken, Schwatzen, Lachen, Flirten einer Menge, die sich an den teuersten Sachen einer Hotelküche delektiert, denkbar? Ich be- eile mich, hinzuzufügen, daß ich kein„Stimmungsbild" schreibe. Man schreibt sogenannte„Strmmungsbilder" zur Ausspannung für die lesende Bourgeoisie. Unser„Stimmungsbild" ist die nüchterne Untersuchung nach Ursache und Folge. Es geht heute nicht anders. Es ist heute eisernes Gesetz, daß keine Kunst ihrer selbst wegen aus- geübt werden kann. Und daß drese Erscheinungen auf musikalischem Gebiet auffallend abstoßend zutage treten, kommt uns nur so vor, weil der Musiker andauernd in der Oeffentlichkeit duldet. In Berlin gibt eS einen Trust, einen Trust von Unternehmern, die samtlich auf Kosten ihrer Schlachtopfer ansehnliche Summen verdienen. Ihn bilden die Vermieter der Konzertsäle, die Konzert- direktionen, die Konservatorien, die Musikakademien von Ruf. Die letzteren ziehen die jungen Musiker und Sänger groß. Ob sie viel Talent oder Stimme haben, ist Nebensache. Jeder Anfänger ist ihnen eine Milchkuh. Jeder Anfänger wird so lange wie möglich am Gängelband geführt, und erst nachdem die gröblichst Hintergangenen Eltern lange Jahre alles geopfert haben, den Konzertdirektionen überwiesen. Hier wird die der Funktionäre in der Arbeiterbewegung hielt. Sie beruht auf einer fast zehnjährigen praktischen und theoretischen Beschäftigung mit dem Bibliothekwcsen und will Anregungen und Winke zu dessen Ausbau geben und zu einer Vereinheitlichung der technischen Ein- richtungen beitragen. Daneben soll dies Büchlein den Arbeiterbibliothekaren, die meist ohne jede Vorkenntnisse zu diesem Amte berufen werden, eine systc- matische Einführung in die mannigfachen Aufgaben bieten, die mit diesem Posten verbunden sind. Es will also beitragen zu einer bisher leider vielfach versäumten Schulung unserer Bibliothekare, deren Arbeit für unsere Organisation eine außerordentlich bedeu- tungsvolle ist. Der Verfasser hofft mit dieser Schrift eine fühlbar« Lücke in unserer Literatur auszufüllen und wird seine größte Be- friedigung darin finden, wenn sie allerorts ein regeres Interesse für das Bibliothekwesen weckt." Der Preis der gut ausgestatteten Schrift bon 94 Seiten betragt 69 Pf., geb. 1 M.__ Hua Industrie und Kandel. DaS Einfuhrscheinunwesen. Mit der Ausfuhr von Getreide und Mehl wird im laufenden Jahre ein lukratives Geschäft betrieben. Aus der Reichskasse erlangen die Exporteure durch das System der Einfuhrscheiue eine Aussuhrprämie in der Höhe der Eingangs- zölle. In dem letzten Verrechnungsjahre— vom 1. August 1909 bis 81. Juli 1910— wurden nur 3 244 969 Doppclzentner Roggen eingeführt, aber 6 791 427 Doppclzentner exportiert. Noch schlimmer gestaltete sich zuungunsten der Steuerzahler die Entwickelung im Mehlhandel. Der Ver- edelungsverkehr, der durch den Einfuhrschein geschützt werden sollte, dient nun auch der Erlangung von Ausfuhrprämien. Es gestaltete sich der Außenhandel mit Mehl in den letzten drei Jahren wie folgt: Roggenmehl_ Weizenmehl Einsuhr 1997/08.. 23 940 1908/09.. 15 397 1909/10.. 10 423 Gegen die Vorjahre AnSfuhr Einfuhr Ausfuhr in Doppelzentner 532 993 297 685 1 126 429 963 497 135 942 1 654 929 1 352 761 166 872 1 683 411 sind die mittels Einfuhrscheinen be- glichenen Zollbeträge wiederum beträchtlich gestiegen. Für die Zeit Januar-Juli ergeben sich folgende Summen: Mark 1998.... 39 539 957 1999.... 54227989 1919.... 6448842? Viele Millionen fließen aus dem Steuersäckel kn die Taschen der Liebesgabcnschlucker, aber unsere Witwen und Waisen— können betteln gehen, wenn sie hungrig sind. Für sie hat Vater Staat kein Geld! Der Staat al» Diener de» A. E. G.-KonzernS. Kaum ist bekannt geworden, daß der preußische FiskuS dem A. E. G.-Konzern im Saargebiet eine Monopol st ellung in der Kraft- und Lichtversorgung einräumen will, da kommt schon wieder eine ähnliche Nachricht. Unter den vielen Ueberlandzentralen, die jetzt gebaut werden und die für die Allgemeine ElektrizitätS» gesellschaft die Grundlage zu einem zukünftigen ElektrizitätS« monopol abgeben, erscheint daS Projekt einer solchen, die daS ganze Herzogtum Gotha versorgen soll. Die darüber bekannt werdenden Begleitumstände lassen dies Geschäft besonders interessant erscheinen. 'Die A. E. G. verpflichtet sich, eine Anlage zu errichten, die sämt- liche Gemeinden des Herzogtums mit Strom versorgen kann. DaS klingt harmlos I Und doch handelt es sich um ein Monopol für ein Privatunternehmen. Man hat der Gesellschaft, die die A. E. G. zu diesem Zwecke besonders gründen wird, daS aus» s ch l i e ß l i ch e Recht auf die Benutzung der Staatsstraßen für elektrische Zwecke gegen eine bestimmte Abgabe zur Verfügung ge» stellt I Der Entwurf zum Starkstromgesetz sieht bekanntlich dasselbe Privilegium für die-'Elektrizitätsgesellschaften vor. Da wird eS wirkich Zeit, daß sich gegen ein Versahren, das der L. E. G. ein Monopol sichert, in der schärfsten Form Protest erhebt. Der Staat Milchkuh noch einmal gemolken. Es wird kein eisstes Konzert von jemand mit oder ohne Talent gegeben, bei dem wicht der Konzertgeber bei der Konzertdirektion einen Betrag von 599, 1999 oder noch mehr Mark deponiert, deponiert für die Saalmiete, die Inserate in den Zeitungen, die Reklame auf den Litfaßsäulen, die Provision der Konzertdirektionen. Die Vermieter der Konzertsäle, die Konzertdirektionen, die Konservatorien ver- dienen immer— die jungen M kuschen, die hochkommen wollen, ziehen sich bis auf das Hemd aus und sind schon froh, wenn im Sturmlauf der Konzerte der eine oder andere Musikkritiker einen Teil ihres Konzertes anzuhören die Güte hat. Denn darum handelt es sich. Und auch das mißglückt meistens. Es wäre denn, daß dieser Kritiker solch einem Konservatorium als Lehrer verpflichtet fei, was heute noch ausnahmsweise der Fall ist, aber morgen viel» leicht schon Regel sein dürfte. Die enorme Anzahl der Konzerte der Stadt, die der„Mittelpunkt" des musikalischen Lebens heißt, wird durch die schmerzzuckenoen Konzertgeber selbst bezahlt. Besitzen sie Geld, dann können sie das noch einige Male wiederholen, haben sie kein?, dann liegen sie am Boden. ES ist hauptsächlich eine Geld» fache, ausnahmsweise eine Sache des Talents. Wer Geld hat und Talent und ab und zu die Kritiker zum Abendessen einladen kann, hält sich oben. Wer nur Talent hat und eS beim ersten teuer be- zahlten Konzert nicht weiter als zu einem Gelegenheitsspeech bringt, den die bürgerliche Presse für solches Auftreten im Satz stehen hat, sinkt unweigerlich, unwiderruflich zum gewöhnlichen Orchester, dem Orchester für Afternoonteas oder Restaurants herab oder landet auf den Brettern einer Operettengesellschaft oder bei einem Variete. In einer gesunden Gemeinschaft, in einer glück- lichen Gesellschaft, einer Gesellschaft mit Kunst und Wissenschaft für jeden würde das alles natürlich nicht möglich sein, würde der Ausbeutung der Konservatorien und dem Parasitentum der Kon- zertdirektionen ein Ende bereitet werden, würde Halbtalent nicht ermutigt werden, würde das wirkliche Talent sich logisch und normal entwickeln, würde die verwerfliche Industrie, die unzählbare Fami» lien unglücklich macht, dem Tode verfallen sein. Nun vegetiert das Musikleben des„Mittelpunktes" zu reichlich neunzig Prozent auf dem verpesteten System der Freibilletts. Keine Konzertoirektion besitzt den Anreiz, sich für den neuen Konzertgeber einzusetzen. Sie arbeitet mechanisch mit ihrer bestimmten albernen Freibillettliste und steht mit den Saalvermietern auf intimem Fuß. Jede Ber- liner Konzertsaison ist ein Niesenschwindel, ein industrielles Melken und Martern der Solisten, die mit ihren letzten Moneten ihrem Schicksal zu entrinnen trachten. Jedes Jahr kommen neue Menschen mit Idealen, jedes Jahr verschwinden sie. Aber das an Freibilletts gewöhnte Publikum bleibt— und es bleiben die Vermieter der Konzertsäle— die Konzertdirektionen— die Konservatorien— die Musikakademien— die Luxushotels mit Musik, die Restaurants mit Musik, die BarS, die Tingeltangel, die Tanzsäle.„Vor Hunger um, kommen", so wie Crane das düster meinte, tut so leicht niemand« Nein, eS herrscht steigende Nachfrage nach industrieller Musik. Heinz Sperber« ist doch schließlich nicht ttttt dazu da, um einer Altiengesellschast UN« gestörte Ausbeutung und hohe Dividende zu sichern. Die deutschen FeuerversicherungSgesellschafte«. Der Briiffeler Ausstellungsbrand wird die Dividenden der be- iteiligten Feuervcrsicherungsgesellschaften in diesem Jahre merklich beeinflussen. Das deutsche Versicherungsgeschäft wird dabei viel weniger getroffen, als das anderer Länder. Die deutschen Ver-- sicherungsgesellschaften hatten sich schon beim Beginn deS Baues der Brüsseler Weltausstellung dahin geeinigt, nur von deutschen Ausstellern Versicherungen aufzunehmen. Djese sind dann so erfolgt, dast die deutsche Ausstellungskommission eine Gesamtversicherungs- isumme festgestellt hat, die durch die einzelnen Ausstellungs- tcilnehmer benutzt worden ist. Da die deutsche Ausstellung bei dem Brande unversehrt blieb, so wird eine direkte �ahlungs- Verpflichtung für die Versicherer nicht entstehen. Inwieweit die deutschen Versicherungsgesellschaften an der Rückversicherung aus- ländischer Institute beteiligt sind, ist heute noch nicht bekannt. ES lohnt sich bei dieser Gelegenheit, einmal die Gewinne der deutschen Feuerversicherungsgesellschaften etwas näher zu beleuchten. Das «kaiserliche Anfisichtsamt für Vjrivatversiche- rung hat auf Veranlassung der bayerischen Regierung wegen der dort beabsichtigten Errichtung' einer staatlich geleiteten Mobiliarfeuerversicherung, ein Gutachten ausgearbeitet, das der kürzlich dem bayerischen Landtage zugegangenen Denkschrift über die Frage der Mobiliarversicherung beigefügt ist. Es werden da die folgenden Gewinnziffern der deutschen Feuerversiche rungsgesellschaften auS dem deutschen Versicherungsi ge s ch ä f t mitgeteilt. Betriebsgewinne auS den Fahren 1902 bis 1007 in absoluten Zahlen und in Prozenten der Brutto-Jahresprämieneinnahme: 1902..... 19 282 000 M.= 17,8 Pro». 1903..... 15 381 000„= 13,0, 1004..... 0 085 000„= 7,4, 1005..... 18 877 000„= 14,9„ 1906..... 17 703 000,----- 13,4„ 1907..... 15 334 000„-=• 11,3. Fm Durchschnitt der sechs Jahre ergibt sich demnach ein Ge» Ibinn der deutschen Feuerversicherungsgesellschaften aus dem Ge- schäft in Deutschland von 12,8 Proz. der Prämieneinnahmen. Sicher ein recht anständiger Gewinn! Betriebseinschränkung. Die Baumwollspinnereien in den Neu-England-Staaten, welche 50 000 Arbeiter beschäftigen, kündigen, wie auS New Dork gemeldet wird, eine weitere Betriebsein- schränkung an. In den Südstaaten werden im September 3 Mil lionen Spindeln eine Woche lang ruhen. Klus der frauenbe�egung. Leseabende. Nieder-SchSnhlnisen-Nordend. Montag, den 22. August, S'/a Uhr. bei Radseck. Kaiser-Wilhelm-Str. 10: Vortrag. Genosse Braun: „Glaubt nicht an Uebernatürliches". Pankow. Montag, den 22. August, 8'/, Uhr, im Lokale deS Herrn Grosskurt, Berliner Str. 27: Vortrag. Gen. Schmidt. GevichtQ- Zeitung. Ohne Feigenblatt. DaS Buch„Ohne Feigenblatt" von A. O. Weber, dem Gatten der Frau von Schönebeck, bildet den Gegenstand eines Prozesses, gestern die 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts l unter Vor- fitz de? Landgerichtsrats Arnold beschäftigte. Wegen Vergehens gegen den Z 184 des Strafgesetzbuchs(Verbreitung unzüchtiger Schriften) waren der Schriftsteller O. A. Weber und der Buch- Händler Hugo Schildberger angeklagt.— Zur Anklage stand das von A. O. Wieder versagte und im September vorigen Jahres er- fchienene Buch mit dem Titel„Ohne Feigenblatt", welches zahl- reiche Gedichte derb pikant-satirischen Charakters enthält. Während dieses Buch über ein halbes Jahr ohne jegliche Beanstandung im Buchhandel blieb, ordnete Anfangs dieses JahreS die StaatSan- Waltschaft plötzlich die Beschlagnahme an. Wie behauptet wird, kleines feuilleton. Theater. DeutscheSTYeater:„Simsontlttd Dekilä", Tragt- komödie von Sven Lange. Sven Lange, der melancholisch- psychologische Sinnierer, hatte mit der leichtgezimmerten, seine eigentliche Physiognomie nur in zerstreuten Zügen andeutenden Tragikomödie einen starken Theatererfolg— einen Erfolg, der zu der Lauheit, mit welcher sein aus dem Innersten geschöpftes Ehe- drcuna der„stillen Stuben" in dem damals Reinhardtschen Kleinen Theater aufgenommen wurde, ironisch kontrastierte. Sein anderes Hauptwerk„Der Verbrecher" ist in der Hauptstadt nur als Ver- einsvorstellung der Freien Volksbühne gegeben worden. Erst in der hallckurlesken Maskerade fand man ihn genießbar. Die un- gewohnte Zustimmung wird ihn vielleicht mit Misttrauen erfüllen. Indes, so sehr er semen Hang, dem Geflechte seelischer Beziehungen auf dunklen Wegen nachzuspüren, hier zugunsten loser Jmprovi- sationen zurückdrängt, die kleine Skizze zeigt noch immer so viel Geist, in dem Grotesken so viel Feinheit der Nuancen, daß sie, auch ohne recht zu überzeugen, von Anfang bis zu Ende fesselt. Der Dichter Peter Krumlak, der eine hübsche Schauspielerin gefreit hat und von ihr im Bund mit den Philistern betrogen und vernichtet wird, hat davon abgesehen, mit dem biblischen Simson. dem Helden seines dramatisch-symbolischen Gedichts, herzlich wenig Aehnlichkeit. So steht der Inhalt der Tragikomödie zum Titel und zu den Prätentionen, die Peter hier und da zu erheben scheint, nicht recht im Einklang. Er ist. abgesehen von seiner Liebesleiden- ifchaft, schließlich nur ein schrullig-witziger Kauz. Kein Wort gibt von seiner Dichtergröße Kunde. Er selbst glossiert, wenn er nicht gerade den Abstand vom Philistervoll markieren will, die Kinder seiner Muse recht mokant und den Anderen imponieren sie noch weniger. Man hat sein Drama halb aus Barmherzigkeit im Theater angenommen. Und die symbolische Auslegung, die er einem Schauspiel gibt, daß auch die ganze Theaterwelt wider Tim» on, wider den Poeten, mit den feindlichen Philistern verschworen , ei, klingt wie eine Persiflage auf modernes, schwülstig überspanntes Aesthetcntum. Der Dialog der beiden Gatten in der Erposition, Peters unter Scherzen aufleuchtende Eifersucht, die sich beim Erscheinen des verhaßten Großhändlers Meier in einem Strudel burlesker In- vektiven entlädt, die Koketterie, und Lügenkunst der Frau ist glän- zend in Wendungen von epidramatischer Schlagkraft durchgeführt. Entscheidend für den Erfolg war der hinter den Kulissen spielende zweite Akt, in dem die übermütige Komik plötzlich vor dem Auf- schrei gequälter Leidenschaft zerstiebt. Peter hält die letzte Probe für den Simson, in dem seine Frau Dagmar die Delila darstellen soll. Seine Eifersucht hat ihm inzwischen ganz den Kopf verdreht, er kann es nicht mit ansehen, wie sie in der Liebesszene ihren schönen, dummen Partner in die Arme zieht. Er schiebt den Schauspieler zur Seite, will in der Rolle SimsonS selbst ihre Um. armung fühlen. Sie scheint sich zu erwärmen, doch ihr zärtliches Delila-Lächeln gilt nicht ihm. sondern dem leis herangeschlichenen Nebenbuhler. Peter stürzt sich auf den Verhaßten. Man reißt shn fort, und die Erregung löst sich.— Herr BienSfeldt gab das mit wundervoller Echtheit wieder— in Scham und grenzenloser (Depression. Er schleicht geduckt davon, seine Dichterträume und alles Hoffen hat die Erschütterung verratener Liebe für immer aus» gelöscht. Der letzte Aufzug fügt dem Bilde keine neuen Farben zu, soll hie Anzeige bon einer Person ausgehen, die'als SittlichkeitS- schnüffler bekannt ist und schon mehrere derartige Anzeigen er- stattet hat. Als unzüchtig werden von der Anklagebehörde folgende in dem Buche enthaltene Gedichte angesehen:„Birnen",„Die Hoch- zeitsrcise von Berlin nach Potsdam",„August mit de kalte La- mäng",„Der schwarze Peter",„Die Miele von Trapezunt" und „Der Handelsreisende". Diese Gedichte sollen, wie die Anklage behauptet, bei normalem sittlichen Empfinden als unzüchtig an- zusehen sein. Die Angeklagten stellen dies entschieden in Abrede und behaupten, daß es sich lediglich um derb-satirische Gedichte handele, die genau denjenigen gleichen, die schon vor längerer Zeit einmal von der Staatsanwaltschaft inkriminiert worden waren, jedoch zu einem freisprechenden Urteil geführt hatten, da die Strafkammer sie für völlig unbedcn�ich hielt.— Bei Beginn der Sitzung war nur der Angeklagte Schildberger erschienen, nicht aber der Hauptangeklagte A. O. Weber. Erst nach einer längeren Wartezeit erschien auch W. und entschuldigte die Verzögerung da- mit, daß er einen falschen Zug benutzt habe.— Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Wenzel Goldbaum stellte vor Verlesung des Eröffnungsbeschlusses den Antrag, den Angeklagten gestatten zu wollen, vor der Anklagebank, an dem Verteidiger- tische, Platz zu nehmen. Der Angeklagte Weber unterstützte diesen Antrag nochmals unter Hinweis auf die Verfügung des Justiz- Ministers, nach welcher es bei geringfügigen Vergehen den Ange- klagten gestattet werden kann, an dem Verteidigertisch Platz zu nehmen. LandgerichtSrat Arnold: Eine derartige Verfügung ist zwar durch die Zeitungen gegangen. Dem Gericht ist dagegen von einer derartigen Verfügung amtlich nichts bekannt geworden. Das Gericht lehnt deshalb diesen Antrag ab.— Bor Eintritt in die Verhandlung stellt Staatsanwalt Heinbmann den Antrag, wegen Gefährdung der Sittlichkeit dir Oeffentlichkeit auszuschließen.-— Der Angeklagte Weber widerspricht diesem Antrage mit dem Hin- weis darauf, daß er Zeugen dafür benennen könne, daß die hier zur Anklage stehenden Gedichte schon wiederholt die polizeiliche Zensur anstandslos passiert hätten und von der Polizei zum öffent- lichen Vortrag zugelassen worden seien. Es sei selbstverständlich, daß die Gedichte nicht für Kinder bestimmt seien, da die Sachen das erotische Gebiet streifen, wenn jedoch die Polizei selbst den öffentlichen Vortrag gestatte, so sei es unverständlich, wenn man jetzt die Vorlesung in öffentlicher Sitzung v-rbieten wür??. Staatsanwalt Heinbmann beantragte nochmals, die Oeffentlich- keit auszuschließen, da die Gedichte nach Ansicht der Anklage grob unzüchtig und im allerhöchsten Matze geeignet seien, das Scham- und Sittlichkeitsgefühl normal empfindender Menschen zu ver- letzen.— Das Gericht beschloß nach kurzer Beratung, den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit abzulehnen. Der Vertreter der Anklage beantragte hierauf nochmals auf Grund deS§ 176 des Gerichtsverfassungsgesetzes, ihm Gelegenheit zu geben, in nicht öffentlicher Sitzung den Antrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit näher zu begründen. Die Oeffentlichkeit wurde hierauf auf kurze Zeit ausgeschloffen, jedoch bald wieder hergestellt. DaS Gericht lehnte den nochmaligen Antrag des Staatsanwalt? ab, so daß die Verhandlung in voller Oeffentlichkeit stattfindet. Auf eine Frage des Vorsitzenden erläutert der Angeklagte Weber ausführlich, wie er darauf gekommen sei, sich der satirischen Literatur zuzuwenden. Weber erklärte, daß er vor mehreren Fahren häufig im„West- minster-Cafe" gewesen sei und hier mit mehreren Literaten bekannt geworden sei. Er habe einmal ein kleines satirisches Gedicht mit dem Refrain:„Wozu hat man die Gefühle, wenn man sie nicht zeigen soll" verfaßt, welches er Hansi Niese gewidmet habe, und von dieser auch wiederholt vorgetragen sei. Als einmal bestritten wurde, daß er derartige Sachen jederzeit verfassen könne, sei es zu einer Wptte um drei Flaschen Sekt gekommen. Er habe dann mehrere derartige Gedichte verfaßt, die er später unter dem Titel „Mixed-Pickles" herausgegeben habe. Diese? Buch sei damals als unzüchtig beschlagnahmt worden. DaS Verfahren habe seinerzeit mit seiner Freisprechung geendet. DaS für ihn sogar sehr schmeichelhafte Urteil habe ihm dann ermutigt, ähnliche Datieren zu verfassen. Er habe sich dann hauptsächlich der sozialen und schmeichelhafte Satire und mir gelegentlich der erotischen Satire zu- gewandt. Auch in dem Buche„Ohne Feigenblatt" wären nur wenige Gedichte vorhanden, die das erotische Gebiet streifen, jedoch keinesfalls als unzüchtig anzusehen seien.— Auch der Angeklagte Schildberger bestreitet auf das entschiedenste, daß d-aS inkriminierte Buch unzüchtigen Charakters fei. Es folgt hierauf die Verlesung de? gesamten Inhalts de? Büches. bringt nur den äußeren Abschluß. Wahnsinnig kehrt der Totgeglaubte nach langem Schweifen nach HauS zurück. Er findet seine Frau in zärtlichem Beisammensein mit Meier, bedroht das Paar mit dem Revolver und schießt zuletzt sich selbst die Kugel in den Kopf. Nicht ein Simson,— ein Kranker, der in seiner Krank. 5eit aber menschlich sympathischer berührt als die gesunden, platten, ratz egoistischen Naturen, an denen er zugrunde geht. Die Regie führte Herr Geher. In erster Reihe stand die schon erwähnte frappante Leistung B i e n S f e l d t S, der sein Ta- lent bisher fast nur im Komischen erwiesen. Bortrefflich war Lucie Höflich als Dagmar-Delila, Josef Klein als unwiderstehlich fader Philister-Don Juan, und Tiedtkeinder Episodenrolle de? gutherzigen, von allen über die Achsel angesehenen glten Theater- direktorS. 6t. Humor und Satire. V opelia hilf! iRit Trauer stimmt der Sänger seine Leier Und in den Schoß die milde Träne rollt: ES handelt sich nicht um belieb'gen Meier, Vielmehr um Ordnung, so von Gott gewollt. ES liebt' ein Freiherr einst ein junges Dingchen, Wie sehnlichst hofft' sie auf das Eheringchen---- Schließlich verkam sie— arm und unerkannt, Der and're wurde Flsigeladjutant. In dieser sehr gehobenen Lebenshaltung Betrieb er seines Daseins Kunstgestaltung: Der Lohn blieb auch nicht aus: eS war Berlin, Er durfte in den Beneralftab ziehn. Takttk studierend und verschanzte Lager Ward bald er seines besten Freundes Schwager� Bei einem andern nahm er mit Humor Die Rolle als des Hauses Bater vor.——— O Frau VopeliuS, wie wird mir übel l — TS regen sich die bösen Mächte all'—. O komm' geschwind mit Deinem kalten Kübel, Sonst wird er Graf— vielleicht noch Feldmarschall l Paulchen. Notizen. »» Ein Ehrenpreis für Statistik ist unserem Genossen Lektor Denis, Universitätsprofessor in Brüssel und Mitglied der Kammer, für seinen AtlaS der wirtschaftlichen, finanziellen und Sozialstatistik Belgiens und Studien über Moralstatistik verliehen worden. So ttef würde man in Deutsch» land nicht sinken. Ist doch, nach der zuverlässigen Versicherung eines anerkannten linksstehenden Nationalökonomen, ein Sozial- demokrat unwissenschaftlich. — Die Insekten- Menagerie. Auf den Vorschlag des Naturforschers Alfonse Labitte wird das Pariser Naturhistorische Museum durch eine„Jnsekten-Menagerie" bereichert werden, die ge- wiß zu den unterhaltendsten Teilen des Instituts gehören wird. In kleinen Käfigen aus Gaze oder in Glaskästen wird man hier die ganze Welt der Insekten in ihrem emsigen Treiben beobachten. Man wird Bienenkörbe und Ameisenkolonien studieren können, daneben werden Spinnen ihre Netze ziehen, man wird Skarabäen an der Arbeit sehen, und die so verschiedenartigen Raupen werden sich ein- spinnen. Ein dunkler Saal wird für die nächtlichen Insekten ein- gerichtet, unter denen besonders einige Schmetterlinge und die Glüh- würmchen die Aufmerksamkeit erregen werde«. Kaüj Verlesung Rf snkrinÄnierketl MdWe veati kragte Staatsanwalt Dr. Heinbmann dir Verurteilung beider Ange- klagten. Nach Ansicht des Vertreter? der Anklage deute schon der Titel„Ohne Feigenblatt" darauf hin, daß auf die Lüsternheit des Publikums spekuliert werde. Der Antrag des Staatsanwalts lautete deshalb auf je 150 M. Geldstrafe. Rechtsanwalt Dr. Wenzel Otoldbaum beantragte die Freisprechung, da die Lektüre des Buches bei jedem normal empfindenden Renschen höchstens ein fröhliches Lachen, nicht aber eine sexuelle Erregung auslöse, und deshalb keinesfalls als unzüchtige Schrift anzusehen sei. Der Angeklagte Weber trat selbst noch energisch fiir seine Freisprechung ein. In dem Buch würden lediglich gewisse menschliche Schwächen lächerlich .gemacht, die natürlich auch auf das erotische Gebiet hinüberstreifen. E.s sei eine eigentümliche Erscheinung, daß die Staatsanwaltschaft gew'isse französische Sittenstücke und andere ausländische Romane, in denen das Sinnliche viel stärker zutage trete, unbeanstandet lasse, sobald sich jedoch ein deutscher Schriftsteller auf da? Gebiet der Pika.nterie und Satire wage, so sei gleich der Staatsanwalt bei der Hund. Unter allgemeiner Heiterkeit brachte Weber dann eine kleine Variante eine? der inkriminierten Gedichte vor, in welchem es unter anderem heißt:„Darum, böseS Mädchen, laß das Küssen ungeübt, dann bist du in unserem Städtchen und selbst beim— Staatsanwalt beliebt." Wenn er allen seinen satirischen Dichtungen diesen Schluß anhängen müßte, so könne er eben nicht satirischer Dichter bleiben, sondern müsse unter die Moralprediger gehen.— Das Gericht erkannte nach kurzer Beratung auf Frei- sprechung, auch wurde die Beschlagnahme de» Buche» aufgehoben. Huö aller Melt. Fahrschein-Tragödie. Im Ringbahnzage, eng ,u zwei'n, Sin Jüngling fitzt, ein Jungfräulei«. Wie sorglos ist sie von Natur I Ihr Fahrschein steckt im Pompadour. Den reißt der Jüngling plötzlich weg. Erst ist die Jungftau starr vor Schreck. Doch dann erwogt sie wütend:„Hat Wozu ist denn die Leine da?' Ein rascher Griff, ein derber Ruck; Die Bremse kreischt; es hält der Zug. Der dreiste Jüngling denkt:„O weh!' Und flink verläßt er das Coups. Beamte laufen her und hin: Die Jungftau sitzt alletne drin. Vom Drückeberger keine Spur, Futsch ist er und der Pompadour. Fort geht'» im Fluge zur Station; Der BahnhofStwrstand wartet schon. Forscht der dem bösen Räuber nach Und überliefert ihn der Schmach? Die Jungftau hofft'» und lächelt ftoht Er lädt sie HÄflich ins Bureau. Dort stellt er fest mit kluger LP, Daß sie mm ohne Fahrschew ist. Ach, ihren Fahrschew hat der Dieb: Wen aber kümmert'», wo der blieb? Hauptsache heißt, Schockschwcrebrett: Sie löst ein neues Fahrbmett. O Fiskus, nenne mir den Manu, Der so voll Umficht handew kann! Ein wahrer Musterbureaukrat I Ja. solche Männer b r a a ch t der Staat.. _ Michel. Die Cbclerafälle in Hputien. Rom, 18. August.(Eig.©ei.) Nach mehrtägigen Vertuschungsversuchen hat die Regierung zu- geben müssen, daß mehrer« Fälle bakteriologisch ftstgestellter asiatischer Cholera in der Provinz Bart aufgetreten sind. Ueber den Weg, den die Seuche genommen hat, ist noch nichts bekannt, aber e» ist wahrscheinlich, daß die Einschleppung au» den russischen Seuchen- Herden durch eine Zigeunerbande stattfand. Bi» jetzt find gegen 30 Todesfälle gemeldet!; als infiziert gelten Margherita di Savota, Trint Tapoli, S. Ferdinando, Trani, Biscaglte und Larletta. Man spricht auch von ewrm TodeS» fall in Bari. Um sich über die Bedeutung der Gefahr klar zu werden, mutz man sich einerseits vor Augen halten, daß da» italienische SanitätS- wesen über ganz anderes Personal und ganz andere Mittel verfügt, als das russische, andererseits, daß es sich um eine äußerst verarmte. unwisiende, schlecht mit Verkehrsmitteln versehen« Landschaft handelt. Die Maßregeln, die für die Isolierung der Seuchenherde getroffen sind, werden voraussichtlich ihren Zweck erreichen und di« Epidemie beschränken, soweit diese nicht etwa schon vor ihrer Feststellung ver- schleppt wurde. Die sanitäre Organisatton ist durch die systematische Malariabekämpsung der letzten Jahre geübt und befähigt, allen modernen Ansprüchen zu genügen. Ander« steht es um die Ausrottung der Seuche an den schon infizierten Orten. Es handelt sich um Städte,stn denen die Bevölkerung eng zusammengepfercht lebt wie die» die ungenügende öffentliche Sicherheit und die Malaria in ftüheren Zeiten notwendig machten. Bielfach fehlt eS ganz an Kanalisierung, überall mangelt e» in hohem Maße an Trinkwasser. In vielen ajulischen Städten, so in F o g g i a, muß dieser gekauft werden und kostet 1 bis 2 Soldi für jede Flasche. ES leuchtet ein, daß unter diesen Umständen die Sauber- keit leidet. Dabei sind die Lebensmittel so teuer, daß die arme«Leute fast auSschließlichvon Gemüse und Brot leben. Demgegenüber ist eS sogar zu bezweifeln, ob das verbot des Fischfanges im Meere, das die Sanitätsbehörden erlassen hoben, zweckmäßig ist. oder nicht vielmehr die ohnehin chronische Unterernährung der Massen vermehrt. ES unterliegt wohl keinem Zweifel, daß in den Orten, wo die Epidemie schon ausgebrochen ist, die Verteilung gesunder Nahrungsmittel, besonders von Brot, wichtiger ist, als die von Desinfektionsmitteln. ES ist die Unterernährung, die der Krankheit den. Weg ebnet. Noch heute glaubt d-r frühere Ab- geordnete von Andria, Spagnoletti, nicht ar» die Existenz der Cholera, sondern meint, daß die Todesfälle durch das Elend, durch Hunger und ungesunde Nahrung veranlaßt seien l Bielleicht bietet die Cholera den Anstoß zu ernstlichen RegierungSmaßnahmen. Was man der himmelschreienden Not der Bevölkerung ApulienS seit Jahren verweigert, wird man vielleicht dem Schreckbilde der Seuche gewähren: Umgestaltung de» lokalen Abgabenwesens, ausgedehnte Arbeiten zur Ueberwachung und Be- fchleunigung des Baue» de» großen apulischen Aquädukts. Seit Jahren ist die Rot in Apulien so groß, daß sie die Cholera kaum noch steigern kann. Es wird sich als unmöglich erweisen, der Seuche entgegenzuarbeiten, ohne sich gegen ihren treuesten Berbsindeten, das Elend, zu wenden. » Rom, 20. August. Nach Nachrichten, welche beim Ministerium deS Innern eingegangen find, find in den letzten 24 Stunden in Trani sechs neue Cholerafälle festgestellt worden. Kein neuer Todesfall ist zu verzeichnen. In Barletta sind fünf oeue Erkrankungen and zwei kodeifSkie dorgekommen. In Sdria. Bieceglie und B i t o n t o sind keine neuen Erkran� kungen zu verzeichnen. Me Kranken, insbesondere auch ein in Bari erkrankter Soldat befinden sich auf dem Wege der Besiermig. Nach richten aus anderen Teilen des Landes schließen jeden Verdacht einer Veiteren Verbreitung der Seuche aus. Ein GemütSmenfch Der Budapester Scharfrichter Michael Bari hat, wie der „Preß-Telegraph" meldet, dem Abgeordnetenhause eme Denk- s ch r i s t überreicht, in der er auf die übertriebene Humanität der ungarischen Rechtsprechung hin w e i st. Er bittet um Erhöhung seines Gehaltes, da mit seinem jetzigen nicht mehr auskommen kann. Denn er mit temem ictzigen mqr meyr ausiommen rann. Venn bei der gegenwärtig üblichen Bezahlung eines jeden.Falle?' muh er dauernd weniger erhalten, da die Hinrichtungen mit jedem Jahre «ingeschränkt werden. Vielleicht verlegt der Arbeitswillige seinen Wohnsitz nach dem benachbarten Nutzland; dort bringt die Regierung derartigen Wünschen das weitgehendste Interesse entgegen. Rußland als Förderer von Kunst und Wissenschast. In der nächsten Zeit soll in P e t e r s b u r g der S. i n t e r- nationale Rubin st ein-Wettbewerb stattfinden. Zu dieser künstlerischen Veranstaltung haben zahlreiche Pianisten und Komponisten ihre Beteiligung angemeldet. Die russische Regierung, für die jedwede wissenschaftliche oder künstlerische Veranstaltung den Keim der Revolution in sich birgt, würde wahrscheinlich am liebsten die ganze Veranstaltung verbieten. Da sie jedoch befürchtet, sich durch»ein vollständiges Verbot dem Gelächter der ganzen Welt auszusetzen, beschränkt sie sich darauf, nur die Teilnahme jüdischer Komponisten undPianisten an dem Wett- bewerb zu verbieten. Dem Direktor der Veranstaltung ging nach einem Telegramm auS Petersburg vom Ministerium des Innern der Bescheid, zu, dah jüdischen Künstlern, die sich an dem Wettbewerb zu beteiligen wünschen, der Aufenthalt in Petersburg nicht gestattet wird. Diese Verfügung bezieht sich auch auf die russischen Künstler jüdischen Glaubens. ES ist für die russische Bureaukratie ja auch viel leichter, ihren Hätz gegen die Juden zu betätigen, als wirksame Lbwehrmatzregeln gegen die furchtbaren Choleraverheerungen zu ergreifen. Zu welchen unsinnigen Matznahmen sich die russtsche Regierung in ihrer blinden Wut gegen die Juden verleiten lätzt, beleuchtet auch die Tatsache, datz auf einer unter Vorfitz deS Professors Rein zum Schutze gegen die Cholera einberufenen Konferenz in Charkow erklärt wurde, datz ein allgemeiner weitgehender Mangel an ärztlichem Personal vorhanden sei, der im wesentlichen darauf zurückzuführen ist, dah das Ministerium de» Jnnern jüdischen Aerzten und Heilgehilfen den Sanitätsdienst im Cholera- gebiet nicht gestattet._ Das Gesangbuch als Wechselmappe. Vor kurzem hat in Osnabrück ein Bauunternehmer— Rasche ist sein Name— Pleite gemacht. Ueber das Wirken des frommen Schwindlers bringt dt« Gohfelder ,Bolkswacht* folgende .erbauliche" Schilderung: In geradezu meisterhafter Weise hat eS dieser Herr verstanden, unter der MaSke eines frommen Bieder- manneS eine grotze Zahl der Einwohner um Geldbeträge zu bringen. Die Schuldenlast beträgt SOlXZoo Mark: Altiven in nennenswerter Höhe sind nicht vorhanden, so oatz nur zirka t'/, Proz. in der Masse liegen. Herr Rasche galt als einer der Frömmsten im Lande und war ein angesehener Freund aller Orthodoxen. Auf keinem der vielen Missionsfeste in der Umgegend fehlte er: überall da, wo Bibel- stunden abgehalten wurden oder fromme Versammlungen stattfanden, war er zu finden. In der Hand hielt er se.in Gesangbuch, in dem er für jeden Fall gleich einige— Wechsel- formulare mitgebracht hatte. Er war stets mitleidig und barmherzig; wenn er auf seinem Wagen zum Misfionsfeste fuhr und ein akter. frommer Bauer hatte dasselbe Ziel, so lud er ihn als Bruder in Christo ein, mit ihm gemeinsam zu fahren, denn eS sei doch die Pflicht aller Christen sich gegenseitig in den Nöten dieser Welt zu helfen und zu stützen. Am Ende der Fahrt lietz Rasche sich dann aus Gefälligkeit einen Blanko-Wechsel, den er seinem Gesangbuch entnahm, unterzeichnen. DaS Vertrauen der evangelischen Geistlichkeit wutzte er sich dadurch zu erwerben, dah er für die Heiden- und die Innere Mission stets eine offene Hand hatte. Für die Bewirtung des Jungfrauen- Vereins mit Kaffee und Kuchen stiftete er einmal 70 M., danach erleichterte er Pastor und Kantor um Taufende. Der Pastor K u h l o in H ü l l h o r st verliert allein SO 000 M. Von Arbeitern und annen Witwen lietz sich der grotze Herr.Laufzettel" unterschreiben, so datz er stets über einen großen Posten Blanko-Akzepte verfügte, in die er dann später nur die gerade benötigten Beiträge hinein- zuschreiben brauchte._ Kleine Notizen. Absturz mit dem Aeroplan. Bei M a g l i a n a ist ein italie- nischer Offizier, der mit einem Aeroplan von Rom aus einen Ueber- landflug unternommen hatte, abgestürzt. Der unglückliche Flieger war sofort tot. Sein Angesicht wurde bis zur U n- kenntlichkeit entstellt. Beim Baden ertrunken. Ein Soldat des Ib. Dragoner-Regi- ments in B o r d e a u x, der in dem Flützchen G e r s ein Bad nahm, sank plötzlich unter. Ein Kamerad, der ihm zu Hilfe eilte, ertrank gleichfalls; auch ein Leutnant, der herbeigeeilt war, um beide zu retten, fand in den Fluten s e i n e n T o d. Eine Zugentgleisung ereignete sich gestern auf dem Bahnhof Polzin in Pommern. Fünf Reisende wurden bei dem Unfall schwer verletzt. Die Pest in Odessa. Nach einer Meldung aus Odessa sind dort neuerdings vier Pe st fälle und drei pestverdächtige Erkran- kungen konstatiert worden. Einen gräßlichen Mord verübte in Chesterton in England eine Frau, namens Hoporoft, an ihrem siebenjährigen Knaben. Sie ielt das. Kind mit dem Kopf so lange in eine Wanne mit heitzem asser, bis das Fleisch am Kopfe förmlich gekocht war. Nach ihrer Verhaftung erzählte sie zynisch die Einzelheiten der grausamen Tat. Erdbeben in Algier. In der Nacht zum Sonnabend wurden in Algier mehrere Erdstötze verspürt. Die entsetzten Ein- wohner verliehen schleunigst ihre Wohnungen und flüchteten ins ' reie. Es wurde jedoch durch das Beben nur ein geringer Material- aden angerichtet._ CQocbcn-BpUlplan der Berliner Cbeater. Königl. OpernbniiS. Geschlossen. Köninl. Schauspielhaus. Sonntag: Die OuitzowS. Montag: Wilhelm Tell. Dlenslaa: Zopf und Schwert. Mittwoch: Der Schwur der Treue. Donnerstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag: Bürgerlich und romantisch. Sonnabend: Julius Cäsar. Sonntag: Iphigenie aus TauriS. Moniag: Die Journalisten.(Anfang 7'/, Uhr.) NcneS königl. Lpern-Theater. Sonntag: Carmen. Montag: Tannhäuser. Dienstag! Bohdmc. Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: Der Wafsenschmich. Freilag: Margarete. Sonnabend: Salome.(Anfang 9 Uhr.) Sonntag: Samson und Dalila. Montag: FigaroS Hochzeit.(An- sang VI, Uhr.) Deutsches Theater. Sonnlag: Simson und Deliia.(Ansang 8 Uhr.) Montaa: Faust. Dienstag: Simson und DclUa.(Ansang 8 Uhr.) Mitt- woch i Faust. Donnerstag: Simson und Deliia.(Anfang 8 Uhr.) Freitag: Faust. Sonnabend und Sonntag: Simson und Deliia.(Ansang 8 Uhr.) Montag: Faust. Anfang TJ, Uhr. Dcntfchrö Theater(Kamm erspiele). Täglich: LiebeSwalzer. Ansang 8 Uhr. Lessing-Theater. Sonntag: Das Konzert. Montag: Nora. Dienstag: Da» Konzert. Mittwoch: Hedda Gabler. Donnerstag: Dle versunkene Glocke. Freitag: DaS Konzert. Sonnabend: Der Biberpelz. Sonntag: Tantri« der Narr. Montag: Die Weber. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater, sonntag: LuxuSzug. Montag: Nur«w Traum. DIenSlag: LuxuSzug. Mittwoch: Nur ein Traum. Donnerstag: Luxuszug. treitag: Nur ein Traum. Sonnabend und Sonntag: Lnxuszug. Montag: ur ein Traum. Ansang 8 Uhr. Neues Tchanspielhans. Sonntag, Montag und Dienstag: RaffleS. Mittwoch: Ihr letzter Brief. Donnerstag und Freitag: RaffleS. Sonnabend: Ihr letzter Brief. Sonntag: RaffleS. Montag: Ihr letzter Brief. Ansang 8 Uhr. »erNne« Theater. Täglich: TasstM. Anfang« M. Neues Theater. Sonntag und folgende Tage: Kasemenlust.(An- fang 3 Uhr.) Hebbel-Theater. Kuß auf der Redoute. Sonntag und folgende Tage: Wem gehört Helene? Anfang 8fl« Uhr. Komische Oper. Sonntagnachmittaa 3 Uhr: Hofsmanns Erzählungen. Abends: Zigeunerlieve. Montag: Tiestaitd. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Zigeunerliebe. Freitag: Tiefland. Sonnabend und Sonntag: Zigeunerltebe. Montag: Tiefland. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Tiefland. Thalia- Theater. Heute nachmittag«'/, Uhr- Prinz Bussi. All- abendlich: Polnische Wirischast. Anfang 8 Uhr. Nächsten Sonntag nach- mittag 3>/, Uhr: Glück bei Frauen...... Schiller- Theater«». Sonnwgnachmittag 3 Uhr: Undine. AbendS: Der Postillion von Lonjumeau. Montag- Die Zauberflöte. DienSiag: Die kleinen Michu. Mittwoch: Der Postillon von Lonjumeau. Donner». tag: Die kleinen Michu. Freitag: Der Trompeter von Säckingen. Sonnabend: Die kleinen Michu. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Zar und Zimmer- mann. Abends: Der Trompeter von Säckingen. Montag: Unbestimmt. Ansang 8 Uhr. Egmonb Montag: Nächsten Sonntag- Geschlossen. Herzen. Sonnabend: Bresters Millionen. Sonntag Die Zärtlichen Verwandten. In Zivil. Ansang 8 Uhr. nachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. ktzriedrich-WilhclmstädttscheS Schauspielhaus. �. Neues Operetten-Theater. Sonntag und folgende Tage: Der Graf von Luxemburg. Anfang 3 Uhr. Nestdenz-Theater. Sonntag und folgende Tage: Im Taubenschlag. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens. Sonntag und solgende Tage: Dl« geschiedene Frau. Ansang 8 Uhr. Triauou-Theater. Sonntag und solgende Tage: Pariser Witwm. Ansang 8 Uhr. Berliner Volks- Oper. Sonntag, Montag und Dienstag: Alt. Heidelberg. Mittwoch: Der Flieger. Donnerstag und Freilag: Alt-Heidel- oerg. Sonnabend: Der Flieger. Sonntag und Montag: Ait-Heidelberg. Anfang 81/, Uhr. Luisen-Theater. Sonnlagnachm. 3 Uhr: Der Gras von Monte Christo. Sonntag bis Mittwoch: Auf der Goldwage. Donnerstag: Der Graf vo» Monte Christo. Freitag: Auf der Goldwage. Ansang 8 Uhr. Sonnabend und Sonntag: Unbestimmt. Montag: Geschlossen. Lustspiclhaiis. Allabendlich: DaS LeutnantSmündel. Anfang 8 Uhr. Herrnfeld-Theater. Täglich: Die Welt geht unter. Wenn zwei da»- selbe tun. Anfang 8 Uhr. Casino-Theatcr. Täglich: Der schneidige Rudols. tzlnfang 8 Uhr. Nose-Theatcr. Täglich: Ein seltsamer Fall. Ansang 8 Uhr. Slpollo-Tlicater. Allabendlich: Spezialitaten. Ansang 3 Uhr. ?folieS Caprice. Allabendlich bis aus weitere»: Die böse U. cusche Toinctte. Ansang 8'/, Uhr. Mciropol- Theater. Allabendlich: Hallo l Die grotze Revue I Ansang 8 Uhr. Passage- Theater. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten. Ansang 3 Uhr. Wintergarten. Von Mittwoch ab allabendlich: Spezialitäten. An- sang 8 Uhr. Neichshalleu- Theater. Täglich: Stclttner Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten. Anfang 8 Uhr. Prater-Theater. Täglich: Schützenlisl. Anfang 3 Uhr. Urania» Theater. Tanbcnstr. 48/49. Sonntag und Montag: Die Insel Rügen. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Von der Zugspitze um Watzmann. Freilag, Sonnabend und Sonntag: In den Dolomiten. tag: Unbestimmt. Ansang 8 Uhr. Sternwarte, Jnvalidenslr. 57— S2. WitternngSstberstcht vom SV. August 1010. morgen» 8 Uhr. Qtttn SwMemd»'. 7S5WSW 5 Sedeckt Hamburg 1 758 WSW 6 wolkig erlin 1759 SW Franks.a®t 7fU W München 1767 SB Wien>764 W 5 wolkig 8 heiter »Regen 3 Regen 6". i? E tattonen - c »«H *§ 5 2 Bf Haparanda 1 752 Still Petersburg 749 SW Scillp">759 SSW Vetter e-* »II ft» ik slberdeen Bart» 757 WSW 766® iwolkeul 1 bedeckt 5 Regen Ihalbbd. 1 bedeckt> » 14 17 ,3 17 Wetterprognose für Sonntag, den S1. Rngnst 1910. Vorerst noch meist verdeckt, später zeitweise ausklarend, mit vereinzelte» Regenschauern; etwas kühler; Nordwestwinde. Berliner Wetterbureau. I Jffä 0„ aa iL/ AI'! Sw iSMm T.loe*»' iJf.»st.'_{ E; V''aj"tlty*'' f---*'* v.. >•,. Fl■ Im ZklckM von ROntgcntal verkaufe meine Parzellen, trotzdem schon jetzt s�Mute 25 M. wert, noch von 8 M. an.? Min. v. Ladnhos. 20 Ps. v. Gesundbrunn. Geringe An. u, Abzahlung. Cirafr, AII.Moabit 83 d. Sonntag» Röntgen- tat, Bahnhossrestaurant von Basener. 'Koste osmentuvh«, schwarz u. sarvig.! Xortlimsiotio. neuest. Must..Z«iljs. Samm«te,Bes&tze, Futterstoffe,| PlüschezuMänteln.Che*■Kammgarne zu Knaben-Anzügen. Konfektion: Paletots, Jacketts, Staubmtntel, 1 KostUme, KostUmricke. Stets Gelegenheitskäufe! 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Jeder Blusen* oder Rockschnitt....................... 25?/. Jeder Kindergarderobenschnitt................'....... 25?/. Jeder Wäsche* oder Schürzenschnitt................ I5rt. IScrüntooctlidjet Redakteur: Hans Meber, Berlin. Für deitJnseratenteil verantw.: TH.Gl»cke. Berlin. Truck u. Verlag: BorwärtsBuchdruckerei u. BerlagSanstall Paul Singer&«so» Berlin SW. ».195. 2. KtilllP des LllMlick" Serliner Zolllltag, A. Allgtlß IM NirtichsMicher Aochenberlcht. B e r l i n, 20. August 1910. Gidwache vautStigkeit.— EnttSoschtr Hoffaungrti.— Versand beS StahlwerkSverbondr».— Jnlandsverbrauch.— Arbeitsmartt.— Der»ampf auf den Werfte».— AussperrungShetze.— Lebens- Mittelwucher und Prozrntpatriotismus.— Neue Plündergelüste. Nicht nur das eigentliche Baugewerbe selbst, auch die Mate- rialien liefernden Unternehmungen hofften, datz die Beendigung des Kampfes im Baugewerbe eine bemerkenswerte Belebung der Erzeugung im Gefolge haben werde. Glaubte doch sogar der Stahl- Werksverband mit Hinweis auf das Kampfende für später flotteren Abruf in Baueisen in Aussicht stellen zu können. Die tatsächlichen Verhältnisse rechtfertigen dergleichen Hoffnungen und Erwartungen Nicht. Abgesehen von wenigen Orten ist die Bautätigkeit flau ge- blieben. Es erübrigt sich, an dieser Stelle im einzelnen nachzu- weisen, welchen Einfluß das auf die an dem Baugewerbe mit Mate- riallieserungen beteiligten Gewerbe hat. ES mag genügen, zwei bemerkenswerte Tatsachen hervorzuheben. Die vor mehreren Monaten gegründete Zicgelkonvcntion, die sich die Aufgabe gestellt hatte, die Preise nicht sinken zu lassen, mutzte, dem Zwange der Verhältnisse gehorchend, bereits eine Preisermähigung bewilligen. Und der Stahlwerksverband hatte im zweiten Monat nacb der Bau- arbeiteraussperrung einen schlechteren Versand in Formeisen als in den Monaten März, April und Juni. Der Abstoß im Juli war nur ganz unbedeutend höher als im Kampfmonat Mai. Die Aus- weise des Stahlwerksverbandes ergeben für Formeisen folgende Versandmengen: März 163 888 Tonnen, Juli 148 373 Tonnen. Um die Bedeutung dieser Zahlen für den Inlandsmarkt richtig zu würdigen, mutz aber auch die Ausfuhr in Betracht gezogen werden, und da zeigt sich, daß die Versorgung des heimischen Marktes noch viel geringer war als die aufgeführten Versandzahlen vermuten lassen. Von 296 234 Doppelzentnern im Juni 1909 stieg die Aus- fuhr von Trägern im Juni 1910 auf 424 742 Doppelzentner. Für die ersten sieben Monate ergeben sich folgende Ausfuhrmengen: 1999: 140 947 Tonnen, 1910: 206 606 Tonnen. Und die Beschäftigung in Formeifen hat sich auch in den letzten Wochen noch nicht gebessert. Nach Meldungen aus dem Ruhrbezirk ist die Nachfrage am Eisen- markt allerdings etwas reger geworden, aber das ist kein Beweis gesteigerten Verbrauchs. In Erwartung des Zusammenbruchs des Roheisensyndikats und der dann folgenden Preiskämpfe haben Händler und Verbraucher mit Eindeckungen zurückgehalten. Diefe Einschränküng bedingt letzt eine etwas größere Nachfrage. Ob dieie von Dauer se»n wird, mutz erst noch abgewartet werden. In Ueber- einstimmung mit Klagen über Arbeitsmangel steht die Bewegung am Arbeitsmarkt. Der Andrang von Bauarbeitern war nach den Aufzeichnungen der Arbeitsnachweise im Juni d. Js. stärker als im Juni deS Vorjahres, obwohl dieser Monat eine erhebliche Ver- schlechterung der Marktlage ankündigte. Es kamen nämlich auf 100 offene Stellen Arbeitsuchende: Mai 1909: 112,25, Juni: 155,79 und Juni 1910: 159,3. Im Vergleich mit dem Juni vorigen Jahres stieg das Angebot der Maurer von 160,36 auf 167,47, der Zimmerer von 127,00 auf 155,69. Die Beendigung des Kampfes im Bau- gewerbe hat für die in Betracht kommenden Gewerbe die erhoffte Belebung nicht gebracht. Jetzt wird das Eisengewerbe erneut durch ejnen großen wirtschaftlichen Kampf in Mitleidenschaft gezogen. Der Kampf auf den Wersten hat für heimische Unter- nehmungen nicht nur eine vorübergehende Beschäftigungsverminde- rung im Gefolge, sie müssen auch einen nicht wieder einzuholenden Verlust ertragen, indem eine gewisse Summe Arbeit ins Ausland wandert. Mehrere Schiffe, die sonst in deutschen Häfen ausgebessert worden wären, haben bereits zwecks Vornahme größerer Aufarbei- tungen fremde Häfen aufgesucht. Dem Herr-im-Hause-Spielen der Werftgewaltigen, der protzig-trotzigen Ablehnung jeder Verbesserung der Arbeitsverhältnisse verdanken auch noch andere Gewerbe und Arbeiter Schädigungen ihrer Erwerbsgelegenheiten. Ginge es nach dem Willen der satten und frechen Agrarier, dann würde das Unternehmertum im Eisengewerbe sogar über eine Viertelmillion Metallarbeiter aussperren. Einen solchen Rat gibt den Scharf- machern das unverschämte Agrarierblatt„Deutsche Tageszeitung. In den Organen des Grotzgewerbes hat der Vorschlag gar keinen Widerspruch gefunden. Der Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht für die gesamte Arbeiterschaft sehr lehrreich. Bisher haben die Sprachrohre der Mordwerkzeugfabriken, be- sonders die der Schiffsmaterial liefernden Gewerbe sich übereifrig bemüht, dem deutschen Volke klar zu machen, daß die Wehrfähig- keit des Vaterlanoes bedauerliche Mängel aufweise, denen durch den beschleunigten Bau von Panzerschiffen begegnet werden müsse. Nun spielt man mit dem Gedanken, fast das gesamte deutsche Eisen verarbeitende Gewerbe vielleicht auf Monate still zu legen, nur zu dem Zwecke, um einem paar tausend Werftarbeiter unbedingten Ge- horsam beizubringen. Wirklich, eine nette Kennzeichnung des Ge- tues der Panzerplattenpatrioten über die Gefahr, in der das ge- liebte Vaterland schwebe, wenn nicht schleunigst etliche Millionen Mark Gewinne sichernde Panzerschisfe gebaut werden. Wenn das Herr-im-Hause-Spielen anfängt, dann ist den Prozent- nationalen das Vaterland furchtbar gleichgültig. Aehnliche Be- leuchtung erfährt durch die zetzigen Vorgänge die Phrase von dem „Schutz der nationalen Arbeit", die man so gern gegen die Arbeiter ausspielt. Angeblich verlangt des Deutschen Reiches Sicherheit, gegen England zur See zu rüsten. In dem Augenblicke jedoch, wo in England ein Streit in der Schiffsindustrie auszubrechen droht, erzwingen unsere Werftprotzen einen Kampf, der auf Wochen, wenn nicht länger, die Arbeit auf den deutschen Werften zum Stillstand bringt, und der die englischen Werftbesitzer veranlaßt, sich schien- nigst mit ihren Arbeitern zu verständigen. Schmunzelnd erfreuen sie sich nun der Arbeit, die ihnen infolge des von unseren„Schützern der nationalen Arbeit" erzwungenen Kampfes überwiesen werden mutz. Und noch in einer anderen Beziehung ist das Verhalten unserer Erbpachtnationalen sehr bemerkenswert und lehrreich. Sie zwingen zu der Erkenntnis von den wirtschaftlichen und politischen Zusammenhängen. Wie schon bemerkt, fordert die agrarische Presse in gewissenloser, hetzerischer Weise die Aussperrung von Million Metallarbeitern. Angeblich deshalb, weil die Arbeiter aus politischen Gründen den Kampf aufgenommen hätten. Da das Werben mit der Reichsfinanzreform usw. nicht mehr ziehe, suche man durch Streiks die Massen zu verhetzen, behauptet das Oertelblatt. Ist das schon Wahnsinn, so steckt in solchem frechen Auf-den-Kopf-stellen der Dinge doch Methode. Die von den Werftarbeitern erhobetynt Forderungen sind begründet in der durch unsere agrarische Wirtschaftspolitik hervorgerufenen Ver- tcuerung der Lebenshaltung. Diese gleicht ja auch fast alle in den letzten Jahren eingetretenen Lohnerhöhungen aus, sie diente als Begründung der Forderungen und wurde bei deren Auer- kennung vielfach auch ausdrücklich hervorgehoben. Ist doch selbst die Forderung der Erhöhung der Zivilliste mit dem Ainwcis auf die verteuerte Lebenshaltung begründet und— bewilligt'worden. Es mutz daher als eine über alle Matzen freche Verhöhnung der Massen bezeichnet werden, wenn die Junkerpresse jetzt den Anschein zu erwecken sucht, als ob die Klagen über Steigerung der Lebens- mittelpreise und schmerzenden Steuerdruck gar kein» Berechtigung hätten, lediglich einem HetzbedürsniS entsprungen wären. Die Nimmersatten wollen es den Arbeitern verwehren, durch Ein- kommensverbesserungen die Lebensmittelverteuerung wenigstens zum Teil wieder auszugleichen. Darum wollen sie die Unter- nehmer zum strikten ablehnenden Widerstand gegen alle Arbeiter- wünsche aufreizen. Dadurch will man auch verhindern, daß den Gewerbetreibenden die gewerbefeindliche Wirkung der agrarischen Zoll- und Steuerpolitik voll bewußt werde. Glückt das Plänchen, dann dürfen die Junker hoffen, bei noch weiterspannenden Zoll- Plänen von jener Seite keinen Widerspruch zu finden. Mindestens wird die Opposition stark abgeschwächt. Insofern haben die Junker recht, wenn sie dem Kampfe auf den Werften politische Absichten unterstellen. Der Agrarier Hetzen, ihr Aufruf an die Unternehmer, durch einen Gewaltstreich, durch Lahmlegung fast des gesamten Eisengewerbes die Arbeiter zu Boden zu werfen, geht von der Absicht aus, sich von den Gewerbetreibenden den Weg zu neuen Zclliebesgaben ebnen zu lassen. Der böse Wille findet allerdings in den Verhältnissen einen starken Gegner. Vom politischen Standpunkt aus könnte eS uns schließlich angenehm sein, wenn die junkerliche Aufforderung auf' fruchtbaren Boden fiele. Gerade in den Kreisen der grotzgewerb- lichen Arbeiter ist das Klassenbewußtsein teilweise erst wenig ent- wickelt; eine Aussperrung würde da zweifellos gute Dienste tun, prächtige Vorarbeit leisten für die nächsten Wahlen und den Rahmen unserer Organisationen beträchtlich erweitern. Um diesen Preis können wir jedoch die von den Junkern geforderte Gewalt- kur nicht befürworten. Wir sind' nicht brutal und gewissenlos genug, die Mittel nur nach ihrer Wirkung zu wägen. In dieser Beziehung überlassen wir den frommen Brotwucherern und den Scharfmachern das Feld ganz allein. Nicht aus moralischen, sondern aus rein kapitalistischen Gründen werden diese sich aber doch hüten, den agrarischen Lockrufen zu folgen. Haben sie schon mit dem bisherigen Kampfe dem Auslande fette Gewinnhappen zugeworfen, in ungleich größerem Matze würbe das durch eine um- fangereichere Aussperrung geschehen. Eine solche gäbe nämlich den amerikanischen Eisenkönigen sicherlich die erwünschte Gelegen- heit zu einer erheblich gesteigerten Ausfuhr nach Deutschland und dessen Absatzmärkten, die dann zu einem guten Teile für immer verloren sein könnten. Die Lage am amerikanischen Eisenmarkt ist so unbefriedigend, daß man bort die Frage der Organisation einer umfassenden Beschickung des Weltmarktes erörtert. Eine große Aussperrung in Deutschland würde solche Pläne sicherlich über Nacht aus dem Stadium der Vorbereitung zu dem der Aus- fübrung heranreifen lassen. Dürften daher dre Aussperrungs- Hetzereien auch kaum praktische Bedeutung gewinnen, so enthüllen sie doch die Gewissenlosigkeit der Lebensmittelwucherer: man ver- sucht, die Folgen der schwarzblauen Zoll- und Steuerpolitik allein von der Arbeiterschaft tragen zu lassen und trifft Vorbereitungen zu einer neuen Plünderung. D. Sinqegancsene DrudtrcbrlftOL Universal-Btbliotbek 5212. Staatsanwalt Alexander. Schauspiel von C. Schüler. 5217. Do» Ferra»«. Schauspiel von E. König. Einzel- nummer 20 Pf. PH. Reclam, Leipzig. Der zweite Parteitag der Demokratischen Bereinigung zu Köln 1910. 130 Seite». K0 Pfennig. Demokratische Verlagsanstalt, Berlin 81V. Kleiner Leitfaden für Arbeiter-Bibliotheken. Von Ernst Mehlich. so Pf., geb. 1 M. Leipziger Buchdruckerei A.-G., Leipzig. „Militär- und Mariiie-Humoresken». Von Victor Laverrenz. Illustriert. Volksausgabe in Lieserungen h 20 Ps. Verlagsanstalt.Kosmos», Berlin und Leipzig. Ginfegnungs tonjäge VKodeme Grzeugniffe cht mgtwSiaßd stichhaltigen'Webortto. 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Praxis: Moabit, Huttenstraße 65. «erantwortlichn Wfber, geilia Mr desLnleralenliilvsagl«� Sl.Vlidt, gueiin,«.Verlag: Borsärt»Buchdtukkr.ki u,«utagBgnKaU Bani Singe» 4 So. Seciia; -"«»» 3. Keilxge i>es Jormärtf§kilii>rr VslKsdlM. 1l. Verbandstag der Schveidtr, Schllkiderinuev oud Maschearbetter Deutschlands. Hamburg, 19. Sugust. In der heutigen Sitzung gela!ngten noch mehre« wichtig« Puntte zur Verhandlung, lieber den Heimarbeiterschutz im Deutschen Reichstage referierte in sachkundiger Weise K ä m i n g. Berlin. In scharfen Worten charakterisierte er die bislang erlassenen völlig unzuläng- lichen Bestimmungen über den Heimarbeiterschutz und bezeichnete den gegenwärtig dem Reichstage vorliegenden Entwurf eines Hausarbeiterschutzgesetzes als einen Hohn auf den Begriff ..Arbeiterschutz". Ein solcher könne nur durchgreifend sein, wenn die von der sozialdemokratischen Fraktion vorgeschlagenen Beftim- mungen Gesetzeskraft erhielten. Ohne Debatte wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Der Verbandstag erklärt, daß der dem Reichstag vor- liegende Entwurf eines Hausarbeitsgesetzes weder in der Fassung der Regierungsvorlage noch in der Kommissionsfassung den An- forderungen entspricht, welche wir auf den verschiedensten Ver- bandstagen und Kongressen aufgestellt haben und wie sie auch in dem Gesetzentwurf der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion zum Ausdruck kamen. Der Verbandstag erachtet eS deshalb als eine dringende Aufgabe aller Kollegen und Kolleginnen, die Agitation für einen durchgreifenden Heimarbeiterschutz und die Stärkung der ge- wcrkschaftlichen Organisation mit aller Energie fortzusetzen." Redakteur S a b a t h- Berlin sprach alsdann über Lehrlingsausbildung. Nach allgemeiner Betrachtung über die in der Schneiderbranche beliebte LehrlingSzüchterei behandelt Redner die diesbezüglichen Fcrderungen. An einer theoretisch und sachlich gründlichen Aus- bildung des jungen Nachwuchses habe auch die Arbeiterschaft ein hervorragendes Interesse. Die Innungen hätten sich als unfähig erwiesen, die ihnen aus dem Lehrlingsprivileg erwachsenen Auf- gaben zu erfüllen. Es liege darum im Interesse des gesamten Ge- Werkes, vor allem aber im Interesse der Arbeiter, daß nicht nur den Innungen dieses Privileg entzogen werde, sondern daß auch die Bestimmungen der Gewerbeordnung über das Lehrlingswesen von den gesetzgebenden Faktoren einer gründlichen und zeitgemäßen Revision unterzogen werden. Das Recht der Prüfung, wer sich zur Lehrlingsausbildung eigne, werde am zweckmäßigsten den zu schaffenden Arbeiter- resp. Arbeitskammern zu übertragen sein. Den Vorzug für eine zweckmäßige Ausbildung der Lehrlinge hätten Lehrweichstätten, die von Staat und Kommune sub- ventioniert, von tüchtigen Fachleuten geleitet und mit allen tech- nischen Hilfsmitteln der Neuzeit ausgestattet werden müßten. Die Kontrolle resp. Beaufsichtigung dieser Lehrwerkstätten müsse von Arbeitgebern und Arbeitnehmern paritätisch erfolgen. Bis zur Schaffung solcher Lehrwerkstätten müsse eine andere Regelung Platz greifen. Die Lehrzeit in der Herren- und Damenschneiderei darf für männliche Lehrlinge nur drei Jahre währen, für weibliche Lehrlinge in der Damenschneiderei zwei Jahre. Die Aus- bildung muß in Betriebswerkstätten erfolgen. Um der Lehrlings- züchterei entgegen zu wirken, darf ein Meister, falls er keinen Ge- Hilfen beschäftigt, nur einen, im höchsten Falle, je nach der Zahl der Gehilfen, zwei oder drei Lehrlinge halten. Die Arbeitszeit richtet sich nach den für die Gehilfen getroffenen tariflichen Ver- einbarungen, darf aber inklusive Schulbesuch nicht länger als zehn Stunden täglich dauern. Die weiteren Vorschläge beziehen sich auf die weitere Regelung des Lehrlingsschutzes und des Lehrver- träges, die Entschädigung der Lehrlinge usw. Sorge man so für einen nachhaltigen Lehrlingsschutz, so würden die heranwachsenden zukünftigen.Kollegen rechtzeitig den Wert der Organisation zu erkennen vermögen.(Beifall.) Weitere Anträge verlangen die Anbahnung einer Regelung der Lehrlingsfrage in der Konfektions- und Wäschebranche. Sämtliche vorliegenden Anträge wurden einer Kommission zur Beratung überwiesen. In einer Abendsitzung wurde die Frage der Schlichtung bei Tarif- und sonstigen Streitfragen erledigt. Die wichtigsten Bestimmungen lauten: Schlichtungsorgane sind: 1. die beiderseitign Ortsvorsitzenden, 2. die Ortsvorstände, 3. die Gau- schiedsgerichte und 4. die beiderseitigen Hauptvorstände.>— Besteht zwischen einer Gruppe des Arbeitgeberverbandes und einer Filiale des Schneiderverbandes ein prinzipieller Streit über die Aus- lcgung einer oder mehrerer Tarifpositionen, so ist derselbe nicht den Gäuschiedsgerichten, sondern den Hauptvorständen zur Ent- scheidung zu überweisen.— Die Schiedsgerichte sind für beide Teile bindend. Streiks und Aussperrungen dürfen nur dann in Anwendung kommen, wenn eine der Parteien sich weigert, den Schiedsspruch anzuerkennen bezw. danach zu handeln. Hamburg, 20. August. Die SkatutienveratungSkommission erstattet durch Kunze-Berlin Bericht. Alle auf Erweiterung der Unter- stützung und Erhöhung der Beiträge abzielenden Anträge werden auf Antrag der Kommission abgelehnt. Zur Annahme ge- langen unter anderem folgende Anträge: Eine zweckmäßigere Gau- bezw. Bezirkseinteilung vorzunehmen, wird dem Vorstande zur Ausführung überwiesen.— Mitglieder, die vom Aus- lande kommen, erhalten die Unterstützungssätze der zweiten bezw. vierten Klasse; Mitglieder, die früher dem Verbände angehört haben, sollen die Unterstützung der Klasse bekommen, der sie früher angehört haben.— Wer nach beendeter Lehrzeit s o f d r t dem Ver- bände beitritt, der erhält nach halbjähriger Dauer der Mitglied- schaft Reiseuntcrftützung, sonst erst nach einjähriger Karenzzeit. — Der Verbandstag soll, wie bisher, alle zwei Jahre stattfinden. Der Ausschutz soll als Aufsichtsinstanz für das Fachorgan fungieren. — Bei Entbindungen kann den weiblichen Mitgliedern eine ein- malige Unterstützung in der Höhe des vierwöchentlichen Betrages der Krankenunterstützung sofort nach Beibringung deS Geburts- scheineS gewährt werden. Die Höhe derselben richtet sich nach der Dauer der Mitgliedschaft. Während der letzten ö2 Wochen be- zogene Unterstützung muß hierbei in Anrechnung gebracht werden. '— Die Höchstsumme der Unterstützung, die das Mitglied bei Er- werbsunfähigkeit zu beanspruchen hat, darf innerhalb 52 Wochen nur einmal ausbezahlt werden.— Bei Streiks und Aussperrungen übernimmt die Hauptkasse die Entschädigung für die den Streik leitenden Personen, sofern diese nicht angestellt, daS heißt vom Verstand oder der Filiale besoldet werden, und zwar bei 100 Streikenden eine, bis 500 zwei, über 500 drei Personen. Die Ent- schädigung beträgt je nach den örtlichen Verhältnissen 25, 30, 35 M. pro Person und Woche, unter Fortfall der statutarischen Streik- Unterstützung. Nebenfche Kranken- und Stervekasse Nr. 6, gegründet 17SS. Heute Zahl- und Aufnahmetag 2—7 Uhr bei Roewer, Elisabethkirchstr. 14. ..viraAlf.i-i-ii'i»tMi »Willi« GEGRÜNDET 1867 Der Räumungs- Verkauf dauert nur bis S.September Serie I SS— J7 as-j» Serie B Mädchen-Schnur-«.Knopf-Stiefel braus Chevreau und Bozeslf 25—77 28-30 31-J5 36-39 4.80 5.80 6.80 7.80 Knaben- Schnür- Stiefel 31-85 36-33 Viabaladar 3.80 6.80 Knaben- Schnür- Stiefel 31-35»8-88 •cht Borealf*7 r» dauerhaft/.25 050 «ebr Saison-Räumungs-Verkauf zu ganz aussergewöhnlich billigen Preisen Verkauf nur Jerusalemer Strasse 38-39 Um mit den Vorräten der diesjährigen Sommer- Saison zu räumen, haben wir grosse Bestände von Schuhwaren aus unsern sämtlichen Geschäften herausgezogen und stellen diese grossen Vorräte in unserm Hauptgeschäft, Jerusalemer Strasse 38-39, zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen zum Ausverkauf. 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August, abends 8% Uhr: MerordentiicHeGcneralveriaminluna In den Arminhallen, Kommandantenstraße 58/59. rageSordnung: 1. Bortrag des Genossen W. Pfannkuch(Mitglied deS Partei- Vorstandes) über:„Die politische Lage". 2. Diskussion. zur ReichStagSwahl.'" eichStagSwahl. 4. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert.— Zahlreichen Besuch 3. Ausstellung des Kandidaten L13/10» erwartet Der Vorstand. Zlimirsiverdand Dachdecker ii i niiiv n Terwaltanesatelle BcrHn.— r--,.--- Dlenstnc. den«S. Ancnat, abend« S Uhr, bei tirande, Welnstr. 11 s Versammlung der Dachdecktr-Hilfsardkiter. Tagesordnung: Bericht über die vervandlungeu mit den»rdettgeiern« DG� kellt ptlledt»Her Im 0aodö«ok»ed«,ut deeodSftlgtea Nil«»--WE DM-»rdslter, In ölsesi' Vsrenmmlung zu erscheinen.-W>U M/2______ Per VorntanJ. Deutscher Holzarbeiter-Verband. ——. Benirk Steelltn... «ienstag. den SS. August 1910. adendS S Uhr, i« Lokal „Birkenwäldchen«: BezirkS-Mitglieder-Versammlung für die im Bezirk der Zahlstelle« Gr.-Lichterfelde und Steglitz beschäftigten Verbandsmitglieder. TageS-Ordnung: Unsere Tarifd erHandlungen und die Ttellnngnahme der Arbeit» geber dazu. 1SS/11 Um vollzSHNgeS und pünMicheS Erscheinen aller Mitglieder ersucht l»e TarHberalungs Kommlselen für Sr.-üehterielJe und Stefllitz. Abendkurse. Autbildung von Technikern und Meistern in Elektrotechnik nnd Baschlnenbaa. Technische Akademie. Berlin 45, MarkgrafenstraSe 100. WEWW Prospekte frei. BABB Bürger, Kommunalwähler Rixdorfs! Dienstag, den AS. August, abends 8 Uhr: fünf öffentliche veriammlungen Hoppe, Hermannstr. 49, strafte 4»/4»,' in den Lokalen .Karlsgarten", KarlSgartenstr. 6—10. Kelsch, KneseVeck- geldschlöftche«, Elsenstr. 75. Wolf, Kirchhofstr. 41. Voltsfeindliche Haltung deS Magistrats. >!> freie TJusspradie.-------------- Reserentm: Stadtverordnete Dr. Silberstein. Scholz, Pngels, Groger und Eonrad. Magistrat und Stadtverordnete find hiermit eingeladen. Angehörige aller Parteirichtungen willkommen I Entrechtete! Bürger und Wähler Rixdorfs! Protestiert gegen die Aufstellung der Wählerliste für die diesjährigen Stadtverordnetenivahleu und erscheint voll- hltg in den Versammlungen. III Der Ginbernfer. Altred Schol«, Weiseskr. 23. MPI. wOch. Ohne Anzahlung Bitte Spiegel, Bilder, Decken, Portieren, Teppiche, öardlnen, genau aal Stores; ferner mit kl. Anzahlung(1 Mk. wöchentlich) Hans-Nr. Herren-, Damen-, Kinder-Garderobe, Bett- und Laib- ftfintöTT! mRamK» DnMnn l/i n rlaxK Aide t Allan rnu, la alnv Urthal Wäsche, Betten, Kinderbettstetlen sowie elnz. Möbel Jfl ndrsD Brttckcnatr. fl_ erste Bitte Besuch ■«■BMSBj nahelanncwitzbr. Etage, ed. Poetkarto. eiDfcgnungS'flnziige ans blanen nnd achwarscn Stoffen sowie fertige Herren- und Knaben» Bekleidung kanten Sie infolge Selbsttabrlkatlon am reellaten n. billigsten bei S. Koffmann, Gharlottenburg, TVilmersdorfer Str. IS, Ecke SchnlstraOe. HaB• Ansttge nnd Paletot» von M. 48.— an Einsecnnnga-AneUce,, 85.— tö Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verwaltung; Berlin. DienStag, den SZ. Augnst, abends 8 Uhr,»el Beeker, Weberstr. 17: Ävmhlnivi'Kv Vonssmmlung «ler llonttollliomiliillloi»«. vewslfiigg. 88/19 Die Ortsverwaltonj. Jalonsiearbeiter. Sonntag, den 21. August, morgend 10 Uhr, im Gewerkschaft» bans(Saal 7): Kranchen- Versammlung TageS-Ordnung: diu: Bericht über die Derbandlungen mit den Arbeitgebern. «- Das Erscheinen sämtlicher Kollegen ist dringend erforderlich. PI« Brancbcnkonunlaalo OB. Trepvengeländerbranche. Montvg, de» 22. August, abend»«>/, Uhr. im tm««nlgatadt- Baaln«, Holzmarktslr. 78: Versammlung aller Ii» rreppeltgelSoiler-vetileden beschäftigten Arbeiter. Tagesordnung: . Wie führen wir die vertraglich testgelegfen Lohnerhöhungen durch . verschledme». Ple Braach Irancbenkommlsalon. Die Kollegen der IrepvevgeiSvdei'-, vreekzier-, l-oillsmöbei-, uvd �iolls!esi'deiloi''Lr»oeds machen wir aus da? am 27. August in A. VoekerS ffestsdle«, Weber» Pratze 17. stattfindende Sonsalcraacbt»-Vcrgattgca ausmerksam. Montag, den»S.August, abendS S'/, Uhr(gleich nach Feierabend): Rlikglivdvn-Vonssminlung des Vezkrlis Ost«» MIX tat Krane(Prachtwllle den Osten«), grankfurter Allee. 1 Bericht von b«»enerakversamwlung. S. TageS-Ordnung: " Diskussion. 5. verschiedenes. Ple Konunlsslon. Montag, den»». August 1010, abends 6 Uhr (gleich nach Feierabend): JMItgllcdcr- Vor ramm lung des Bezirks Osten II mmrnmmmmmmm bei LitfiU. MCMCl« Strasse. TageS-Ordnung: f. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbands- >■»«M"»'"»- Koul„,„. Bezirk Südost I. Montag, den SS. August Ivlv. abend» S',. Uhr (gleich nach Feierabend): Mitglieder-Versammlung in den Naunyn-FestsSlen, Naunyustrafte S. TageS-Ordnung: 1. Bericht von der Geueralversammluna. 2. Unsere gegen- ton. 3. Diskussion. S. BerschledeneS. wärtige Situation Zahlreichen Besuch erwartet Ple KennalGBlea. Korbmacher. Montag, den»». August. abendS 8'/, Uhr, tm Gewerkschafts- baim(Saal 7): Brun chen«Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Di» kommende ReichSversicherungSordnuug. Referent! Kollege Bernhard. SL Bericht ovo der Gsneralversammlung. 8. Branchen- angeiesnchitlnt. PI« Branchenhonualnaloa. tnuiüiinUrumcotcn'Hrbdter. Montag, de» 8». August Ivlv, avend» 8 Uhr: JUliemtelüche �tanditn�ctfflninilnnB im Gewerkschaftshanse(Saal IV), Eugelnfer IS. TageS-Ordnung: 1. Die Lohn- nnd ArbeitSverbältnisse in der Mufikinstrumenten- Industrie und wie können wir dieselben verbefler«. Referent: Kollege F. Leopold. 2. TiSkusston. 3. Bericht von der General- Versammlung. 4. Branchen- unv SZerbaudsangelegenheiteu. Die Anwesenheit sämtlicher BerdandSmstglieder aus der Musik- instrumenten-Branche ist drwgend erforderlich. 88/12 BW BltgUedabnch legitimiert.'W Hat pünktliches Erscheinen ersucht Ple Brancbealeltiuig. Wer Mar Arbeitsnachweis: hos I. Amt 3, 1239. BerwaltungSftellr Berlin. Hauvrburrau: CherittstraBe 3. hos M. Amt 3. 1987. Montag, den»». August, abend» 8 Uhr» Vranehen»Versammlung der RaHmenvergolder bei Kcrkewakl, AudreaSstraste 26. Tagesordnung: L»Stellungnahme zur Tariffrage-, g. Branchen- angelegenhette». ES ist Pflicht aller Rahmenvergelder, in dieser Versammlung zu er- schewen. Die Branchenleitnng. g. A.: Otto Schulze. Mittwoch, de»»». August 1S10. abend» 8'/, Uhr, tm Lokale von F. PrenO, Holzmarktstr. 65: Branchen-Versammlung der, Bürsten- nnd Pinselmacher usw. Berlin» und Umgegend« Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Bericht von der Neneralversammwng. 8. vranchenangelegenhelteo. Ple Branchenhommlsal'on. NB. Die Adresse de» Obmann» ist: Richard Sehmalbach, 0 17, Stralauer Allee 29b._ Perlmutt- und Knopfarbeiter! Mittwoch, den 24. August, abend« S'/. Uhr, tm Gewerkschaft»« Hause,«ugel-Ufer IS. Saal S: Branchen-Bersammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Unsere gegenwärtige Ettuattou im Perlmutt- und Knopsgewerbe. 8. Verschiedenes. Ple Praackeakemml«afea. Donnerstag Bautischler. Bezirk B tag, de» 2S. August, abend» 8'/, Uhr.»ei G Kopenhagener Str. 74: Branchen-Bersammlung. Glleacbe, Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung, t Der ArbettSnachwei». 8. BerbandSangelegenhelten. Die Kemmlaslon. Stellmacher! 5. August. abendS 8'/, Uhr. i lof, Rosenthaler Str. 11/12 ' Branchen-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag über modern« Ar beltgeberverbände. Ref.: Kollege Langhammer. 2. Bericht von der Generalversammlung. 8. Branchenangelegenheiten. 4. Stellungnahme zur Zeichenschule. ES Ist Pflicht, datz jeher Kollege zu dieser Versammlung«rlchilnt Ple Praachcakoaunlaaloa. Achtung! Die Bibliothek Achtung! Donnerstag» de» 25. August, abendS 8'/. Uhr, tm Boaenthaler Hof, Rosenthaler Str. 11/12: ist von Montag, den SS. August 1910, ab wieder geöffnet und ersuchen wir unsere Mitglieder, dieselbe recht fleiftig z» benutze». vis OrteverwaKtiog. Dienstag, den SS. August 1919, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS, Saal 4: HUgcmdiKVcrsammUing der Rohrltger und Helfer Serlws»ud Umgegend. Tagesordnung: 1. Bortrag de» Kollegen Hilpert über:.Thomas Moore and seine Utopie". 2. Diskussion. 8. BerbandSangelegenhelten 4. Verschiedenes. Mt Rücksicht aus die Wichiigkeit der Tagesordnung und der letzten vortommnisse in unserer Branche ersuchen wir um recht zahlreiche» und pünktliches Erscheinen sämtlicher Kollegen. Dienstag, den SS. August 1919, abends 9 Uhr» im Gewerkschaftshaus, Engelufer IS, Saal 1: \ crsammlang/ der MetalldMer Sellins und Umgegend. Tagesordnung: 1. Bericht der Agitattonskommisston 2. Diskusston. 8. Neuwahl der AgiiattonSkommission. 4. Branchenangelegenhetten. Zahlreicher Besuch wird erwartet. 1SQ/7 Mittwoch, den 24* Anguft 1910: Bezirks- Versammlungen für die gelsmie Verwaltungsstelle Berlin in folgenden Lokalen: Hörden I Pharn«-Stllc, Mttllerstr. 142, abends 8*/, Uhr. Norden*®(b,l�108 reatasie, Schwedter Strafte 23, abends Horden I Voigt-Theater, Badstr. 58, abend« 81/, Uhr. Tonel* Boralgsralder Fcststtle in Borsigwalde, Span» Icyci. hauet Strafte, abendS 6 Uhr. MOäbit* �rachtattle Kord-Weat, Wielefstrafte 24, abend» Weslen nDd Sctiäneberg: Osten und Uchlenberg: Stralau u. Rnmiuelsliurn: Südenbezirke:*' aöt,lbcwaeWtafie 75' o6enbä WoiRoneoo* renkerta Rcstanrant, Weiftensee, Königs- BeiUvIlbev. Chaussee 88. abends 8 Uhr. RildOrf: Hoppe« FeatatUe, Hermannstr. 49, abends 8'/, Uhr. Cbarloltenburg: Volkahau«, WoRnenfrt.», abends e'/i Uhr CtanlltT* Wahrendorf, Graft> Lichterfelde, BSkestrafte 22, oivglltl. abends 8',. Uhr. Xöpeniek u. friedriebZbsgen:«ÄTf'. strafte 44, abend» 8l(, Uhr. Spandau:»."n'u®""4''8-*•"»• 8»- OOer-ScMneweide: g5ÄSÄ!7Ä«.>». Tagesordnung: fieriebterstattung von der Reneraloersannolimg. Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreichen Besuch erwartet_ Die OrtSverwalwng. Möbel» Tischlerei... Lasrer kompl. 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Die Genoffen wollen für guten Besuch des Festes Sorge tragen. Charlotteniura. Am Dienstag, den 23. August, abends S'/q Uhr, findet für die Mitglieder des fünften Kommunalwahl- bezrrkS eine Versammlung im kleinen Saal des Volkshauses statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Dr. Borchardt. 2. Aufstellung des Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl. Wir er- suchen die Mitglieder für recht zahlreichen Besuch dieser Ver- sammlung zu sorgen; da Ende Oktober schon in diesem Bezirk die Ersatzwahl stattfindet, müssen wir rechtzeitig mit der Agitation ein- setzen. Der Vorstand. Friedenau. Am Dienstag, den 23. August, abends 8% Uhr, findet bei Mechelke, Handjerystr. 60/61, die ordentliche Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Vortrag des Genoffen Schenk über.Die moderne Jugendbewegung". Zehleudorf(Wannseebahn). Dienstag, den 23. d. M., findet die Mitgliederversammlung bei Mickley statt. Tagesordnung: Bortrag des Genossen Ed. Scheler:.Die Umwälzungen im Zukunftsstaate. 2. Diskussion. 3. Bericht von der Generalversammlung von Groß- Berlin. 4. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Johannisthal. Dienstag, den 23. August, abends S'/a Uhr, findet bei Bieler. Friedrichstr. 6, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: t. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vorttag über praktische Forderungen der Sozialdemokratte. 3. Be- richt von der Generalversammlung Groß-Berlins. 4. Parteiangelegen- heiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Zoffe«. Am Donnerstag, abends 3'/a Uhr, findet beim Genossen P. Kurzner unsere Wahlvereinsversammlung statt. Tages« ordnung: 1. Aufnahme neuer Mtglieder. 2. Bericht von der Kreis- aeneralversammlung und Generalversammlung Groß-Berlin. 3. Ver- schiedenes. Der Vorstand. KaulSdorf fOstbahn). Eine Volksversammlung für KaulSdorf vnd Mahlsdorf findet am Sonnabend, den 27. d. M., abends 8 Uhr in KaulSdorf in Hamanns GesellschaftshauS(Inhaber Kobelt), Ber- liner Chaussee, statt. Auf der Tagesordnung steht:.Die Vor- bereitungen der Regierung und der bürgerlichen Parteien auf die kommenden Reichstagswahlen". Referent Reichstagsabgeordneter Genosse Emil Eichhorn, Berlin. Parteigenossen und Genossinnen in KaulSdorf und MahlSdorf, agitiert für massenhaften Besuch dieser Versammlung. Die Bezirksleitung. Weißensee. Auf die am Dienstagabend bei EnderS stattfindende öffentliche Versammlung, in welcher Genoffe Dr. Kurt Rosenfeld über»Die Bedeutung der Jugendbewegung für die Arbeiterbewegung" referiert, werden die Genoffen besonders aufmerksam gemacht unversucht, für rege Anteilnahme der Frauen au sorgen. Weiter geben wir bekannt, daß im Interesse dieser Ver- sammlung derFrauenleseabend um eine Woche verlegt werden muß. Derselbe findet nunmehr am Montag, den 29. d. M., statt. Die Bezirksleitung. WilhelmSruh-Niederschönhausen(West). Heute Sonntag, nach- mittags 2 Uhr, findet auf dem Grundstück Hauptstr. 84, Restaurant zur Mühle, eine Volksversammlung statt. Genossen, sorgt für zahl- reichen Besuch._ Die Bezirksleitung. Berliner Nachrichten. Die„Geschichte". Hier draußen in Halensee wohnt nun— knappe drei Straßen von mir— dies pudelnärrische Wesen, die ver- schrobene alte Jungfer; morgens und abends sehe ich sie manchmal vorbeitrotten und dann kann ich mir nicht helfen — beim besten Willen nicht— dann werde ich ärgerlich und verdös, dann fühle ich, wie meine Mundwinkel anfangen, zu zucken; sonst bin ich ihr nicht weiter feindlich gesinnt— ich meine, ihr, als Person—, ja ich würde nicht mal den Aus- druck„alte Jungfer", den ich im Grunde häßlich finde, auf sie anwenden, wenn es nicht eben der einzige wäre, der auf sie paßt. Wenn ich mich so recht bedenke, finde ich sogar, daß sie ein armes, beklagenswertes Geschöpf ist, beklagenswert, weil die Natur ihr so wenig Verstand gegeben hat und arm. weil ihr nun auch die Menschen nichts geben wollen— ich meine, zu essen.... Verstand:— daß ihr der fehlt, ist ein arges Uebel, ge- wiß, gegen das sich nun aber einmal nichts machen läßt. Was jedoch das Essen anbelangt, so hat sie davon doch immerhin noch etwas— noch irgend etwas—; kommt dann aber die Stunde— und die Stunde kommt— in der sie sieht, daß sie dann und dann nichts mehr haben wird, aber auch gar nichts, dann, ja— dann wären wir nun bei unserem eigentlichen Thema. Dann nimmt diese alte Jungfer Papier und Feder, tüftelt, grübelt, beschwört den Geist der Marlitt herauf und beginnt zu schreiben. Eine Stunde— eine zweite— eine dritte—. Um die dritte Stunde schließt sie plötzlich die Augen, schnappt nach Luft, läßt die Feder sinken und seufzt auf:— da hat sie entbunden.... Sie betrachtet ihr Junges eine Weile, tut eL dann in ein Kuvert, schreibt den üblichen Begleitbrief„an die hochwohl- löbliche Redaktton" und heidi I— schon fährt es davon... Es ist kein Topf so schief, es findet sich ein Deckel darauf. Es ist keine Arbeit so schlecht, so jämmerlich, es findet sich— im heutigen Deutschland— ein Narr, scheinbar ein Narr—, der sie druckt... Die Arbeit kommt in die Redaktton; sie wandert in die Druckerei und aus der Druckerei wiederum hinaus— als ein Teil der Zeitung— sie wandert in die Straßen, in die Häuser, in die Wohnungen der Menschen:— die„Geschichte". Da sehe ich nun die Menschen diese„Geschichte" lesen— überall: beim Kaffeetisch und im Omnibus, in den Parks und in den Sttaßen; ich sehe sie die„Geschichte" lesen, Tag für Tag, Jahr für Jahr, ohne daß sie merken, wie sich ihnen all- mählich ein Schleier ums Gehirn legt, ein dichtes Gewebe von Unsinn und Lügen, von Anschauungen, die ihnen einer einflüstert, der sie in Elend und Fron, in Demut und Dünkel erhalten will, der nicht will, daß sie erwachen und wachsen, daß sie sich ihrer bewußt— daß sie Menschen werden. � �. Ich gehe zu diesen Menschen und sage:„Was ihr da habt, ist ja Gift, eine Lüge, ein Unsinn,— ein Unsinn, den eine arme Närrin sich abpreßt, ein armer, beschränkter, hungriger Mensch, der sich geistig prostituieren muß, weil er nichts zu essen hat..." „Ja," sagen die Menschen,„ja, ja... aber die Ge- schichte... wir wollen doch unsere Geschichte.. Da gebe ich ihnen eine Geschichte. Ich gebe ihnen eine andere, eine bessere, eine wahre und ehrliche, die das Leben spiegelt, wie es ist, ein Leben, wie es sein könnte, oder sein sollte;— ein Teil der Menschen nimmt sie, dieser Teil kommt zu sich, erwacht, der andere aber— ach. der kann meine Geschichte schon nicht mehr verttagen; der ist ja längst eingelullt und versunken, untergegangen in Unsinn und Lügen, — verloren... Manchmal, wenn ich die alte Jungfer sehe, denke ich bei mir: wie wäre es. wenn wir ihr einen Mühlstein beigäben und sie ins Meer versentten, wo es am tiefften ist? Aber dann sage ich mir, daß sie ja nicht die Person ist, sondern der Typus, daß, versenken wir sie heute, morgen tausend andere an ihre Stelle treten.... Nein, die alte Jungfer ist gar nicht so schlimm: sie ist. ein armes be- schränktes Wesen, das einen winzigen Verstand hat bei einem großen Hunger, ein Mensch, der sich, wie tausend andere prostituieren muß, um zu leben.... Wie wäre es denn aber, wenn wir den Narren nähmens, jenen Narren von einem Redatteur, und dem das Handwerk legten: Aber da sehe ich wiederum, daß ja auch der Redatteur nicht schuld ist; daß tausend andere schon warten, um sofort an seine Stelle zu springen, tausend andere, die wie er auf eine eigene Meinung verzichten, auf ihre Meinung und ihren Willen, wenn sie nur leben, sich irgendwie ernähren können; da sehe ich, daß dieser Redakteur ja nichts als ein Werkzeug ist, ein Sklave, ein Tintenkuli—, ein armer Kerl, dem es durchaus nicht besser geht, als der alten Jungfer, wenn der Verleger ihn eines schönen Tages beim Schopf nimmt und ihn hinaus- setzt— auf die Straße.... Der Verleger— ja, das ist ein Mann l Der Verleger ist die Macht, die Kraft,— er ist der Kapttalist,— ein Herrscher— ein Gebieter über Millionen. Er spinyt seine Fäden nach hier und nach dort, über das Land und die Städte, hinter ihm aber— hinter ihm da steht die Schar der Gleichgesinnten, die Gruppe, die Partei, deren Ziele er ver- tritt, deren Zunge und Sprachrohr er ist. Er geht hin und kauft sich die alte Jungfer, er kaust sich den Kuli von Redatteur, er kauft sich all die Hunderte anderer, deren Kraft ihm verwendbar dünkt— für ferne Ziele verwendbar— und mit ihrer Stimme, mit ihren Worten schreit und flüstert, wettert und donnert er über das Land... — Die kleine„Geschichte", die die Menschen im Omnibus lesen,— diese„Geschichte", die eine arme Närrin sich ab- gepreßt hat,— diese kleine Geschichte geht zurück bis auf die Riesenschlacht, die draußen das Land kämpft, zurück bis auf den Kampf der alten zermorschten mit einer neuen besseren Zeit, bis auf das Ringen großer gewalttger Parteien. Und wenn ich das alles so recht durchdenke, da packt mich plötzlich der Wunsch, auch ein Sprachrohr zu nehmen — ein mächtiges, ein riesengroßes— es an den Muno zu setzen und gleichfalls hinauszuschreien, durch das Land, durch all die Dörfer und Städte, in die Häufer, ja in jede Wohnung, in jede einzelne, hinein:„Hinaus aus eurem Haus mit all den verschrobenen„Geschichten"! Hinaus aus eurem Haus mit dem Unsinn und den Lügen, die man euch einflößt, um euch fernerhin zu knechten, um euch auch ferner im Trüben und Dunkel zu erhalten— und hinein mit einem frischen Wind, mit Licht und mit Wahrheit: — hinein mit der sozialisttschen Presse!" Die Geburtenmindernng war in Berlin im Jahre 1909 ganz besonders scharf hervor- getteten. Es scheint aber, daß fie in dem laufenden Jahre 1910, deffen erste Hälfte wir bereits hinter uns haben, noch fühlbarer werden soll. Auf je 1000 Personen der durchschnittlichen Bevölkerungszahl Berlins wurden hier im Jahre 1909 nur noch 22,66 Kinder geboren (einschl. totgeborene), während in den vorhergehenden zehn Jahren von 1908 zurück biS 1899 noch 24,23, 25,24, 25,36, 25,52, 25,86, 25,79, 27,00, 27,69, 27,71, 27,99 Kinder auf je 1000 Personen der durch- schnittlichen Bevölkerungszahl der betreffenden Jahre geboren worden waren(immer einschließlich Totgeborene). In keinem der letzten zehn Jahre zeigt diese die Minderung der Gebutten veran- schaulichende Ziffermeihe ein so jäheS Absinken, wie von 1908 zu 1909. Vergleicht man nun die erste Hälfte des JahreS 1910 mit demselben Zeittaum von 1909, so zeigt sich, daß in 1910 bisher die Geburtenziffer noch sehr viel ärger zusammengeschrumpft ist. Die Meldungen liegen erst aus den sechs Monaten Januar bis Juni in leidlicher Vollständigkeit vor. so daß hier Nachttäge in nennenswerter Zahl nicht mehr zu erwarten sind. Die Berechnung der Geburten- Ziffern für die einzelnen Monate ergibt, daß auf je 1000 Personen der durchschnittlichen Bevölkerungszahl geboren wurden: Januar Februar März April Mai Juni 1910.. 22.13 22,97 21,56 21.48 21,18 21,84 Kinder 1909.. 24,94 24,15 23.69 28,50 22,85 22,62, Da ist in 1910 bisher nicht ein einziger Monat, in dem nicht die Geburtenziffer wieder noch beträchtlich geringer gewesen wäre alS in demselben Monat von 1909. Man darf erwarten, daß die zweite Hälfte deS JahreS 1910 ein ähnlich ungünstiges Ergebnis haben wird. Schon jetzt ist es zweifellos, daß das ganze Jahr 1910 mit einer Geburtenziffer wird abschließen müffen, die noch sehr viel dürstiger als die von 1909 sein wird. . Die Minderung der Geburten dauert bereits seit Jahrzehnten an. Daß aber diese Abwärtsbewegung w den letzten Jahren noch beschleunigt wurde, das ist eine Folge der WirtschaftSkrisiS und der Notstands zeit. Immer wieder sehen wir diese Wirkung, so oft für die Arbeiterbevölkerung die Arbeitsgelegenheit sich mindert und die Erwerbserschwerung noch fühlbarer als bisher wird und obenein noch eine Verteuerung allerLebens- mittel hinzukommt._ .Der Magistrat erteilte in seiner Sitzung dem Antrage der Tiefbaudeputalion auf Ankauf des Hauses Neue Friedrichstraße 92 i weckS Durchlegung der Parochialstraße bis zur ieuenFriednchftraße seine Zustimmung. ♦ Ausflüge mit Automobilomnibussen veranstaltet die Allgemeine Omnibus-Gesellschaft am heutigen Sonntag vom Brandenburger Tor nach dem Stößensee. Die Wagen verkehren nachher zwischen dem Knie und dem Stößensee. Ferner gehen Wagen vom Halle- scheu, Oranienburger und Brandenburger Tor sowie von der Bülowstraße nach Beelitzhof und Wannsee. Luxusautomobil-Omni- busse gehen vom Brandenburger Tor und vom Knie nach der Renn- bahn Grunewald. Diese Wagen verkehren nachher zwischen dem Reichskanzlerplatz und dem Hauptrestaurant auf der Rennbahn. Wagen gehen auch zu den Rennen in Karlshorst vom Halleschen Tor, den Linden und dem Alexanderplatz von 1 Uhr an in Ab- ständen von 10 bis 15 Minuten. Der räuberische Ueverfall in dem Südringznge hat das Wesen deS preußischen BureaukratismuS wieder einmal in bengalischer Be- leuchtung gezeigt. Dem Räuber gelang eS bekanntlich, nachdem die Ueberfallene die Notleine gezogen hatte, aus dem Abteil zu ent- weichen und ungestött zu verschwinden. Das Verlangen einiger Fahrgäste an die Eisenbahnbeamten, die Verfolgung des TäterS auf« zunehmen, soll von den Beamten, wie gemeldet wird, abgelehnt worden sein. Auf dem Bahnhof WilmerSdorf-Friedenau, wo man den Stationsvorstand ebenfalls von dem Vorfall in Kenntnis setzte, soll der Beamte nicht etwa eine Verfolgung des Räubers zugesagt, sondern vielmehr Vorweisung der Fahrkarte von Fräulein K. ge- fordert habe. Vergebens, so heißt es in einer Zuschrift an den.L.-A.". suchte diel junge Dame dem Stationsvorstand klar zu machen, daß die Fahrkarte sich in der geraubten Handtasche befinde. Der Beamte ftagte nach ihrem Namen»behufs Feststellung", da die junge Dame ohne Fahrkarte gefahren sei.... Ein Fahrgast begleitete schließlich Fräulein K. zum Polizeirevier am Kaiserplatz. Den wachthabenden Schutzleuten wurde der Fall vor- getragen mit dem Ersuchen, die Verfolgung des Burschen aufzu- nehmen. Die Beamten aber erklärten, fie könnten nicht einschreiten, das fei Sache der Bahnpolizei. Es wäre zum Schreien, wenn sich in dem hier dargestellten Vorgang nicht ein geradezu gefährlicher preußischer BureaukratismuS zeigte. Man bedenke, um der Verfolgung eines Räubers willen er- geben fich zwischen Bahnpolizei und kommunaler Polizei Kompetenz- konflitte. Man verkriecht sich hinter Neinlichen bureaukratischen Formeln und läßt somit einen Verbrecher in aller Ruhe entkommen. Und der Beraubten werden obendrein noch Scherereien bereitet, weil fie die von dem Räuber mit gestohlene Fahrkarte nicht vorzeigen kann. Erst muß in Preußen also die Frage der Zuständigkeit gelöst sein, ehe ein EisenbaHnräuber verfolgt werden kann. » Heber den Raubanfall selbst wird noch berichtet, daß derselbe trotz eifrigster Nachforschungen der Schöneberger Kriminalpolizei, welche nunmehr die Ermittelungen leitet, bisher noch keine Auf- klärung gefunden hat. Dagegen ist eS gelungen, das genaue Signalement des.Täters zu erhalten, der als ein etwa 20jähriger gutgekleideter Mann geschildert wird. Der Räuber ist etwa 1,70 Meter groß, von schlanker Gestalt, hat ein schmales, blaffes Gesicht, Anflug von Schnurrbart und große, schwarze. stechende Augen. Für die Ermittelung des Burschen ist eS von größter Wichtigkeit, daß sich die junge Dame meldet, die in dem- selben Nichtraucherabteil mit der Ueberfallenen von der Statten Schöneberg aus gefahren ist. Auf die Ermittelung deS Eisenbahn räuberS hat die kgl. Eisenbahndirektion Berlin eine Belohnung von 200 M. ausgesetzt. Die Kriminalpolizei hätte vielleicht die eiftigen Nachforschungen nicht mehr nötig, wenn sofort die Verfolgung deS Räubers auf- genommen worden wäre, und die Eisenbahndirektion hätte nicht nötig gehabt, 200 M. Belohnung für die Ermittelung desselben aus- zuwerfen._ Eine neue Erpresseraffäre. Die Lichtenrader Erpresser haben Schule gemacht. Am DonnerStagnachmittag wurde dem Besitzer des Restaurants„Zur Strauchwiese", Adolf Gordowski, Schloß» allee 1/2 zu Pankow ein Brief übergeben, der die Aufforderung enthielt, bis zum 21. d. Mts. an einem bestimmten Platze 500 M. zu deponieren. Der Brief des Erpressers hat folgenden Inhalt: „Wir haben beschlossen, daß Sie 500 M. in Papier an uns ab- senden sollen. Sollten Sie bis Sonntag, den 21. August, dies nicht getan haben, so gibt es ein Unglück. Hüten Sie sich, der Polizei von diesem Briefe Mitteilung zu machen. Der Platz, wo das Geld hingelegt werden soll, ist durch ein lateinisches H am Bretterzaun des Freitagschen Grundstückes bezeichnet. Dort werden Sie eine Blechbüchse eingegraben finden.(Unterschrift) B D C D." Nach Empfang des Briefes begab sich der Gastwirt Gordowskk, der in der ganzen Angelegenheit den Racheakt einer ihm feindlich gesinnten Persönlichkeit sieht, zur Polizei und teilte dieser den Sachverhalt mit. Daraufhin fand eine polizeiliche Untersuchung statt, bei welcher an dem von dem Erpresser angegebenen Orte tat- sächlich eine Konservenbüchse zutage gefördert wurde. Da man annahm, daß die Büchse, wie in der Lichtenrader Affäre, mit einem Sprengstoff gefüllt sein könne, sperrte man zunächst das Terrain an und ließ die Büchse vorsichtig untersuchen. Es stellte sich jedoch heraus, daß die Büchse tatsächlich leer und nur zur Aufnahme deS Geldes bestimmt war. Die Polizei beobachtet seit dem Donnerstag unausgesetzt das ganze Freitagsche Grundstück, ohne jedoch bisher etwas Näheres entdecken zu können. Die Polizei mißt dem Fall, wie weiter gemeldet wird, keine ernstliche Bedeutung bei. Der Lichtenrader Anschlag habe an» steckend gewirkt, jedoch meist nur schlechte Scherze hervorgerufen. Fast täglich gehen über ähnliche Streiche Anzeigen ein. Eins Prüfung solcher Anzeigen hätten bisher in keinem einzigen Falls einen ernsten Hintergrung ergeben. Beschlagnahmt wurde von der Schöneberger Kriminalpolizei eine große Menge Falschmünzerhandwerkzeug und falscher ünf-und Zweimarkstücke. Wie wir berichteten, wurde vor rzem in Schöneberg bei der Verausgabung von falschem Gelds ein elegant gekleideter junger Mann festgenommen, der zu- nächst jegliche Angaben über seine Personalien verweigerte. Der Polizeikommissar, der den Festgenommenen vernahm, bemerkte an der Uhrkette des Mannes eine Goldmünze, die auf der einen Seite die Widmung...„Den siegreichen Streitern" und auf der Rückseite die Inschrift.Südwestaftika 1904—1906" trug. Außerdem wurde bei dem Verhafteten ein Amtsstempel der Kaiserlichen Schutztruppe von Südwestafrika(2. Gebir, sbatterie) vor- gesunden. Als der Beamte dem Falschmünzer erklärte, daß er ihn mit seinen Kriegskameraden konfrontieren werde, bequemte er sich zu einem vollen Geständnis. Er gab an, Hennann Kreisel zu heißen und in Birkenwerder zu wohnen. Er gestand ferner ein, schon seit längerer Zeit falsches Geld fabriziert und mit Hilfe mehrerer Komplicen in Verkehr gebracht zu haben. Die fortgesetzten eifrigen Ermittelungen der Schöneberger Kriminalpolizei führten denn auch in diesen Tagen zur Festnahme mehrerer Helfershelfer des K. Erst gestern aber ist eS gelungen, das gesamte Handwerkszeug der Falschmünzer und eine große Menge falscher Fünf» und Zweimarkstücke im Gepäckraum eines im Norden liegenden Bahnhofs zu entdecken und zu beschlagnahmen. Die Mitglieder der Falschmünzerbande haben jedesmal nach Beendigung einer„Tour* die Koffer und Kisten mit ihrem Handwerkszeug und den nach- gemachten Geldstücken auf einem Bahnhof als Gepäck ausgegeben, um so vor Ueberraschungen durch die Polizei gesichert zu sein. Bier Kinder durch Stechapfclgenuß vergiftet. Auf dem Hofe des Hauses Steglitzer Straße 8 fanden vorgestern nachmittag Kinder einen Stechapfel, den sie untereinander teilten und aßen. Bald darauf erkrankten sie unter Vergiftungserscheinungen. Es wird hierüber vom gestrigen Tage gemeldet: Gestern nachmittag spielte die achtjährige Tochter Frieda des in dem Hause Steglitzer Straße 8 wohnenden Arbeiters WischnewSki mit der fünfjährigen Maria Stock, dem fünfjährigen Hans Fiering und seiner S'/s Jahre alten Schwester Erika, deren Eltem in demselben Hause wohnen, auf dem Hofe. Dabei fand die kleine Wischnewski einen Stechapfel. Sie hielt ihn für eine Kastanie und öffnete die Frucht. Zu ihrem Erstaunen fand sie im Innern eine Anzahl Körner, die sie nun gleichmäßig unter die vier Spiel- geführten verteilte. Die Kinder atzen die Körner auf und spielten dann weiter, bis sich bei allen heftige Schmerzen einstellten. Nun eilten die Kinder zu ihren Eltern. Alle Vergifteten bekamen heftiges Erbrechen und wanden sich krampfartig in ihren Schmerzen, so daß zu einem Arzt geschickt wurde. Dieser sah, daß die Kinder unter schweren Vergiftungserscheinungen litten und stellte durch Nach- fragen fest, daß die Kinder einen Stechapfel verzehrt hatten. Rasch wurden die vier Kinder nach dem Elisabethkrankenhause gebracht, wo ihnen geeignete Gegenmittel gegeben wurden. Gestern mittag war der Zustand der Kinder noch immer bedenklich, doch hoffen die Aerzte, fio am Leben zu erhalten. Aus der Strafanstalt Plötzensce entsprungen. MS gestern vor- mittag der Wagen der Kartonfabrik Wunderlich aus Berlin den Hof des Gefängnisses in Plötzensee mit einer Ladung Kartons verließ, hatte es der Sträfling Sukow, der noch nahezu zwei Jahre Ge- fängnis zu verbüßen hat, verstanden, sich im Innern des Wagens zu verstecken. Kurze Zeit, nachdem der Wagen den Hof der Anstalt verlassen hatte, wurde das Verschwinden des Gefangenen bemerkt. Es war aber schon zu spät. Sukow hatte unterwegs den Wagen bereits verlassen und entkam unbemerkt in die naheliegende Jungfern- Heide. Der„arme" Diestelkamp. Unsere Notiz über den Fünfgroschen- zäun des Pastors Diestelkamp auf dem Exerzierplatz zur einsamen Pappel scheint dem alten Herrn ein paar schmerzliche Stunden be- reitet zu haben. Aus einer ellenlangen Gratisdanksagung, die der Herr Pastor und Direktor des Frommelheims gestern(Sonnabend) im„Berliner Lokal-Anzeiger" veröffentlicht und wobei er seiner Freude Ausdruck gibt über das vom„Vorwärts" geprägte Wort: „Pastor Diestelkamp auf Bodelschwinghs Spuren", nehmen wir gern davon Kenntnis, daß Herr Diestelkamp nicht mehr das Haus Schön- hauser Allee 141 besitzt, sondern„nur" noch zwei Grundstücke in der Seestratze und zwei Grabstellen. Nebenbei besitzt er also auch Galgenhumor. Als im Winter 1306 das Frommelheim ein- geweiht wurde, war Herr Diestelkamp Besitzer des Grundstücks, auch noch längere Zeit nachher. Wenn er sein Eigentum an das Frommelheim aufgelaffen hat, so bestätigt uns das aufs neue das bekannte Spekulationstalent des Herrn Pastors, das wohl bei der Transaktion mindestens nichts zugesetzt haben dürfte. Bedauerlich ist es, daß Herr Diestelkamp nach seiner Angabe als Direktor des Frommelheims in dem nunmehr diesem gehörigen Hause„teure" Miete bezahlen mutz. Vielleicht findet sich jetzt ein Gönner, der dem großen Menschenfreund Diestelkamp auch die Mietssorgen ab- nimmt. i Vom Winde umgeblasen wurde gestern mittag' der an der Front des Leichenschauhauses in der Hannoverschen Straße befindliche Bretterzaun in einer Länge von 25 Metern. Der Zaun, der schon viele Jahre steht, war vor längerer Zeit morsch geworden. Ein gerade vorübergehender Mann erlitt durch die umgeworfenen Bohlen «ine leichte Verletzung. Wege» einer Leuchtgasvergiftung wurde gestern früh um 8 Uhr der 12. Zug der Feuerwehr nach der Bülowstraße 35 gerufen. Ein Mädchen hatte sich dort vergiftet. Durch Einflößen von Sauerstof gelang eS. das Mädchen zu retten. Ein Kellerbrand beschäftigte den 8. Zug in der Skalitzer Straße 57. Stroh brannte dort. Der 7. Zug hatte in der Memeler Straße 76 zu tun. wo in einer Küche Feuer ausgekommen war. In der Grünauer Straße 3 brannte eine Strohmiete. Der 8. Zug mußte dort tüchtig Waffer geben. Gar- dinen wurden in der Slrtilleriestratze 35 und Preßkohlen in der Krenadierstraße 12 ein Raub der Flammen. Entführung eines KiudeS. Das Polizeipräsidium teilt mit: „Mitte März d. I. hat eine unbekannte, angeblich den befferen Ständen angehörende Dame einer zur Entlassung gekommenen Wöchnerin in der königl. Charitö ihr neugeborenes Kind weiblichen Geschlechts, namens Edith Günter, abgenommen mit der Angabe, daß das Kind adoptiert werden soll. Die Mutter deS Kindes will geglaubt haben, daß die Dame die Benachrichtigung des Bormundes übernehmen würde. Die Dame ist vom Lehrter Bahnhof aus von Berlin abgefahren. Der Ort ist unbekannt. Das Reiseziel soll fünf bis sechs Stunden von Berlin entfernt gewesen sein. Bis jetzt fehlt jede Nachricht über den Verbleib des Kindes, das dunfle Haut und schwarzes Haar hatte. Die Dame wird als ungefähr 40 Jahre alt, auffallend groß und hellblond beschrieben. Sie trug Trauerkleidung. Die Kriminalpolizei ersucht um Nachricht über den Verbleib des Kindes zu 2594 IV/1S. 10." Wochenkarte auf der Großen Berliner Straßenbahn. Die Große Ber- liner Straßenbahn gibt an Arbeiter bekanntlich auch Wochenkarten aus, um ihnen die Fahrten zu verbilligen. Die Arbeiter muffen sich diese Karten am Sonntag vormittag auf dem Bahnhof lösen, zu dem die betreffende Linie gehört. Wenn es nun aber dem Arbeiter gelungen ist, eine Wochenkarte zu erhalten, die ihm(nebenbei gesagt) die Fahrt für die ganze Woche um 20 Pf. verbilligt, so ist noch nicht gesagt, daß er dieselbe auch voll ausnützen kann. wie aus folgender Zuschrift ersichtlich ist: Ein Arbeiter, dessen Arbeitsstelle in Friedenau an der Kaisereiche liegt, muß, um dieselbe zu erreichen, die Straßenbahnlinien 59 oder 60 benutzen. Der be- treffende Arbeiter stieg nun am Prenzlauer Tor auf und glaubte, er könne bis Friedenau. Kaisereiche, fahren; aber weit gefehlt: in Schöneberg an der Maxstratze erklärte der Schaffner:«Jetzt müssen Sie aussteigen, wenn Sie bis Kaisereiche fahren wollen, müssen Sie 10 Pfennig zahlen. Wenn nun der Arbeiter nicht die halbe Stunde laufen will, so muß er die 10 Pfennig zahlen und bekommt einen Fahrschein, gültig für die Strecke Weißensee-Kaisereiche; er muß also für dieselbe Zebnpfennigstrecke, für die er sich die Wochenkarte gelöst hat, noch einmal 10 Pf. zahlen. Hat also der Arbeiter keine Wochenkarte, so kostet ihm die Fahrt für die ganze Woche 1,20 M. Wenn er sich aber am Sonntag längere Zeit versäumt hat, um in den Besitz einer Arbeiterwochenkarte zu gelangen, dann kostet ihm dieselbe Fahrt 2,20 M. Solche idealen Zustände herrschen bei der Großen Berliner. Arbeiter-Samariter-Bund. Kolonne Berlin. Heute vormittag 8 Uhr Versammlung aller aktiven und passiven Mitglieder bei Dase, Brunnenstraße 154. Am Dienstag' in demselben Lokal Uebungs- stunde der 2. Abteilung. Am Freitag im Dresdener Garten, Dresdener Straße 45, Monatsfitzung der aktiven Mitglieder. Materialausgabe nur von 8 bis 9 Uhr. Wer ist die Tote? Am 18. d. M. wurde vor dem Kottbuser Ufer 3 eine unbekannte, weibliche Leiche, etwa 35 bis 40 Jahre alt, 1,65 Meter groß, mit dunkelblondem Haar, aus dem Landwehrkanal gelandet und nach dem Schauhause geschafft. Sie war bekleidet mit blauem Rock, blau und weiß karierter Bluse, rotem Gürtel, blau und weiß gestreifter Schürze, schwarzem Samtjackett, schwarzen halben Schuhen und schwarzen Strümpfen. Personen, die Angaben über die Tote machen können, wollen der Kriminalpolizei zu Tage« buch Nr. 3510 IV. 55. 10. Nachricht geben. Im Zoologffchen Garten ist eine Mönchsrobbe ein- getroffen, eine Art, die nur selten lebend zu uns gelangt und bisher noch nie hier vertreten war. Das Tier hat eine gewisse Aehnlich- keit mit der aus der Ostsee bekannten Kegelrobbe, unterscheidet sich aber auf den ersten Blick von ihr durch seine abgesetzt weiße Unter- feite und den breiten Kopf. Der werwolle Fremdling, der erst vor kurzem bei Madeira gefangen worden ist, hat die sehr stattliche Länge von 2,40 Meter und zeigt sich zunächst noch etwas wählerisch in der Annahme der ihm gereichten Fische, so daß er bei der Fütte- rung nicht das spannende Bild abgibt, wie die ewig hungrigen See- Hunde und der Seelöwe. Das Luisenthcatcr eröffnet die neue Spielzeit am 1. September mit„E g m o n l" von Goethe. Musik von Beethoven. Die Titel- rolle spielt der neue Direktor Alving selbst. Im Berliner Aquarium wird der Naturfreund außer mancher- lei neuen Erscheinungen der Meeresfauna auch verschiedene ab- sonderliche Süßwaffer- und Landbewohner bemerken. In einem besonderen Glaskasten im Schlangengang ist ein Froschlurch unter- gebracht, der in seinem landkartenartig gefleckten, samtgrün und grauweiß gefärbten und rot gepunkteten Kleid gar fremdländisch anmutet und von den meisten auch als eine ausländische Ticrform betrachtet wird, bis sie durch dew Hinweis belehrt werden, daß die grüne Kröte ein Bürger unseres Erdteils ist. Gewissermaßen einen Uebergang von den nackthäutigen Lurchen zu den beschuppten Kriechtieren bildet eine Kröten-Echse aus Mexiko, die mit ihrem ge- drungenen, an den Krötenleib erinnernden, aber mit Schuppen und Hornstachcln bewehrten Körper so gänzlich abweicht von den schlanken Gestalten der eigentlichen Echsen. Zeugen gesucht. Am 16. Juli früh 8/z7 Uhr wurde in der Frankfurter Allee vis-a-vis der Kronprinzenstraße ein Arbeiter von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn umgefahren und in schwerverletztem Zustande nach der Rettungswache gebracht. Der Verunglückte ist jetzt auS dem Krankenhause entlasten und bittet, daß sich Zeugen des Vorganges bei Robert Kretschmer, Berlin 0., Hausburgstr. 19 vorn IV melden möchten. Eine Wasscrwage mit zwei Buchstaben ist gefunden worden. Dieselbe kann in der Spedition Jmmanuelkirchstraße 12 abgeholt werden. Vorort- jVadmcbtcn. Charlottendnrg. Die Liste der stimmfähigen Bürger liegt noch bis einschließlich 30. August öffentlich wochentags von 8 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags, Sonntags von 10 Uhr vormittags bis 12 Uhr mittags Berliner Str. 71, rechter Seitenflügel Zimmer I aus. In der oben angegebenen Zeit kann jeder Bürger der Stndtgemeinde gegen die Richtigkeit der Liste Einspruch erheben. Im Interesse der Richtigkeit und Vollständigkeit der Liste ist es dringend erw ünsch t, daß von dem Recht der Einsichtnahme möglichst viel Gebrauch gemacht wird, da spätere Ein« sprüche unberücksichtigt bleiben müsien. Wer selbst leine Zeit hat, die Wählerliste einzusehen, der beauftrage eine der unten aufgeführten Personen mit der Einsicht« nähme. Diese reichen auch gleichzeitig etwa erforderliche Proteste ein: Alfred Will, Kirchstr. 30. Friedrich Stabenow, Uhrmacher, Berliner Str, 146. Franz Schmidt, Wilmersdorfer Str. 130, August Weisheit(Stehbierhalle), Rosinenstr. 8. Friedrich Schulze, Gastwirt, Wallstr. 90. F. Müller, Gastwirt, Schulstr. 17. A. Stüwe- Cauerstr. 12. K. Schulze, Barbier, Galvanistr. 6. Heute nachmittag findet von 4— S Uhr in ber Turnhalle der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule ein Schauturnen der Freien Turnerschaft Charlotlenburgs statt. Nachdem KommerS im Volks- Hause, Rosinenstr. 3. Gäste sind herzlich willkommen. Ichöneberg. Ein schwerer Automobilunfall, bei dem eine Person lebenS- gefährlich verletzt wurde, hat sich gestern in Schöneberg zugetragen. MS der Chauffeur Konstantin SpieSke auS der Erdmannstr. 8 mit seinem Auto Nr. 14 9663, in welchem der Gärtner Karl Ehlend auS der Bennigsenstr. 26 in Friedenau saß, die Kaiser Friedrichstraße entlang fuhr, verlor er plötzlich infolge Versagens der Steuerung die Gewalt über das Gefährt und der Kraftwagen sauste mit ziem- licher Geschwindigkeit den abschüssigen Straßenzug entlang, bald nach links, bald nach rechts schleudernd. DaS Auto raste in die Haupt- straße hinein und fuhr mit solcher Wucht gegen die dort stehende Uraniasäule, daß das Gefährt sich mehrmals überschlug und krachend in Trümmern ging, während die Säule schwer beschädigt wurde. D:r Jnsaffe des Kraftwagens flog in weitem Bogen auf die Straße und blieb blutüberströmt und besinnungslos liegen. Er hatte außer mehreren klaffenden Kopfwunden einen Bruch des rechten Armes und schwere innere Verletzungen erlitten und wurde in hoffnungslosem Zustande in daS städtische Krankenhaus eingeliefert. Der Chauffeur, der ebenfalls von seinem Sitz geschleudert wurde, kam wunderbarer- weise mit ganz unerheblichen Verletzungen davon. Steglitz. Der Storch auf der Polizeiwache. Unangemeldeten Besuch erhielt vorgestern die Polizeiwache in Steglitz. Ein Beamter hatte ein junges Mädchen in hilflosem Zustand auf dem Marktplatz angetroffen und sie nach dem nahen Revier gebracht. Kaum war das junge Mädchen dort eingettoffen, als es von einem kräftigen Knaben ent- Kunden wurde. In einem Krankenwagen wurde die Wöchnerin mit ihrem Kinde später nach dem Berliner Wöchnerinnenheim gebracht. Britz-Buckow. Die letzte Mitgliederversammlung deS Wahlvereins ehrte zunächst daS Andenken des verstorbenen Genossen E. Schreiber in der üblichen Weise. Hierauf referierte Reichstagsabgeordneter Eichhorn über die Reichsversicherungsordnung. An der darauf folgenden Diskussion beteiligten sich die Genossen Lehmann, Friedrich und Beuthmann. Den Bericht von der Kreis-Generalversammlung gab Genoffe Beuth- mann. Als Delegierte zu der Generalversammlung von Groß-Berlin wurden die Genossen Prenslau und Tiepke gewählt. Der Vorsitzende forderte die Genossen auf, recht zahlreich mit ihren Frauen zu der am 29. August stattfindenden Fraucnversammlung zu erscheinen. Zum Schluß wurden die Versammelten ersucht, die Bibliothek, die seit dem 20. August wieder eröffnet ist, eifrig zu benutzen. Rnmmelsbnrg. Deutscher Arbciter-Sängerbund. Am Dienstag, den 23. August, abends 8'ch Uhr findet bei Setzepfand, Goethe str aß« 9, eine kombinierte Sängerversammlung statt, in welcher zu dem weiteren Ausbau der beiden am 18. d. M. ver- schmolzencn Vereine„Einigkeit" und„Sängerchor" Stellung ge- nommen werden soll. Wir bitten alle stimmbegabten Partei- genoffen, welche es mit den Bestrebungen der Arbeiterschaft ernst nehmen, an dieser Sitzung teilzunehmen.- Köpenick. Von einem Pferde gebissen worden ist die 10jährige Tochter des Arbeiters Schultze von hier. DaS Mädchen sprelte mit mehreren Sdmlgefährtinnen auf der Straße und kam dabei dem Pferde eines Lastwagens zunahe. Das bösartige Tier biß sofort zu und brachte dem Mädchen eine Verletzung an der linken Hand bei. Vor Schreck wurde die kleine Sch. ohnmächtig und mußte von hilfsbereiten Passgnten nach der Wohnung der Eltem transportiert werbe». Weißensee. Einen recht bemerkenswerten Beschluß hat in ihrer letzten Mitgliederversammlung die Zahlstelle Weißensee des Deutschen Holzarbeiterverbandes gefaßt. Die Zahlstelle löst sich ab 1. Oktober d. Js. als selbständig auf und besteht als Vorortbezirk der Zahl- stelle Berlin weiter. Das Bureau nebst Angestellten bleibt bestehen; demzufolge sind alle Angelegenheiten nach wie vor am Orte zu erledigen. Nur die Verwaltung und Kontrollkommission wird einige Aenderungen erfahren und zweckentsprechend umgestaltet werden. Damit ist ein Schritt getan, der seit langem vorbereitet ist. Die vertraglichen Abmachungen mit dem Arbeitgeberschutz- verband auf dem Gebiete des Arbeitsnachweises und der Lohn- tartfe ließen eine Verschmelzung in hohem Grade notwendig er« scheinen. Diesem Wunsche ist nun Rechnung getragen. Franz-Joseph-Straßr. Die 2'/« Kilometer lange Straße dl, die von der Rennbahnstratze über die Berliner Straße und dann parallel der Industriebahn bis zur Falkenberger Straße führt, heißt von jetzt ab Franz-Joseph-Straße. Anlaß zu dieser Benennung gab der 80jährige Geburtstag des österreichischen Landesfürsten, sie ist auf Vorschlag eines ehemaligen österreichischen Schauspielers und jetzigen Weißenseer Bauspekulanten geschehen. Zossen. In der stattgrfnndenen Kartellsitzung wurde der Vorstand neu gewählt, da der alte teils aus Gesundheitsrücksichten, teils wegen Ärbeitsüberbürdung von seinem Posten zurücktrat. Es wurden ge- wählt: Karl Grobe als Vorsitzender, F. Gortschling als Kassierer, Emil Hamann als Schriftführer, Fritz Brändle als LokalkommissionS« Mitglied, Otto Schüler als Mitglied zum Jugendausschuß. Die Ab- rechiiung pro 1. und 2. Quartal hatte folgendes Ergebnis: Ein« nähme 518,45 M., Ausgabe 454,90 M., Ueberschuß 63,55 M. Für die Bauarbeiter wurden außer von Gewerljchaften direkt abgeschickten Gelbem 220 M. abgesandt. Spandau. Ueber eine allgemeine Lohnaufbessening in den hiesigen Staats- Werkstätten wußten vor kurzer Zeit die hiesigen Lokalblätter zu be- richten. Wir wiesen darauf hin, daß es sicb um eine Vereinfachung im Rechnungswesen handelte, die aber keine Lohnanfbesserung be- deutete. Jetzt bringen nun die hiesigen Zeitungen, wahrscheinlich auf Veranlassung der Siaatsarbeiter selbst, die Bestätigung dessen. was der„Vorwärts" damals darüber geschrieben. Das wird jedoch diese Blätter nicht hindern, bei nächster Gelegenheit ihren Lesern wieder ähnliche Meldungen aufzutischen, deren Zweck inZ der Haupt- fache ist. die Direktionen der Staatswerkstätten zu schmeicheln und die Arbeiter friedfertig zu machen. lieber zu scharfes Borgehe» des erst seit kurzer Zeit im Dienst befindlichen Polizeikommissars im dritten Bezirk wurde in der Ber- sammlung deS bürgerlichen Bezirksvereins Neustadt lebhaft Klage geführt. Man beschloß, daß die dem Bezirksverein angehörigen Stadtverordneten in der nächsten Stadtverordnetenversammlung die Sache zur Sprache bringen und dagegen vorstellig werden sollen. Solange sich die Polizeigewalt nur gegen Arbeiter richtete, fand man dies in Spießerkreisen ganz gerechtfertigt. Nun sie aber selber scharf in Mitleidenschaft gezogen sind, schreien sie Zetermordio. Sämtliche drei hiesigen Zeitungen entrüsten sich darüber. Dem jungen Mann, der durch sein Auftreten selbst die behäbigen Spießbürger wild ge- macht hat. dürfte in der Stadtverordnetenversammlung nicht schlecht der Marsch geblasen werden und mit Recht. Steuerzahler sind nicht dazu da, um sich von Polizeibeamten schurigeln zu lassen. Falkenhagen-Seegefeld. Ein grelles Licht auf die öffentlichen Zustände in Falkenhagen wirft ein Unglücksfall, worüber uns von einem Augenzeugen fol- gendeS gemeldet wird: Neulich saß im Lokal von Schreiber ein fremder, älterer Mann. Wenige Minuten nach seinem Weggang hörte ich plötzlich von anderen Gästen, der fremde Mann habe sich auf der über den Straßengraben führenden Treppe den Fuß ge- brachen. Ich ging sofort aus dem Gastzimmer auf die Straße und sah wie der Fremde neben der Treppe auf einem Stuhle saß. Er hatte einen komplizierten Bruch etwa 2— 3 Finger breit über dem Knöchel erlitten, der Fuß baumelte am Unterschentel. Ich forderte die ratlos Umherstehenden auf, einen Arzt oder die Sanitätskolonne zu holen, und versuchte, den Fuß des Verletzten in eine bessere Lage zu bringen. Einer der anwesenden Herren, ein Gemeinde- Vertreter, meinte sogar, der Mann sei jedenfalls schon mit dem ge- brochenen Bein in das Lokal gekommen!! Ein endlich erscheinendes Mitglied der Sanitätskolonne hatte kein Verbandszeug und fruK wer ihm denn Verbandszeug bezahlen wolle? Aus seiner Tasche könne er das nicht kaufen! Schließlich ging ich mit einem Be- kannten zum Arzt. Eine Tragbahre war nicht zu finden. Der Arzt schickte dann seinen Hilfsarzt mit, welcher den Verletzten mtt unserer Hilfe verband. Da an dem Abend ein Transport in das Kreiskrankenhaus nicht mehr möglich war, so blieb der Krank« über Nacht bei dem Gastwirt. Die Ursache deS Unfalls ist vor allem in dem koddrigen Zu- stand des Grabens zu suchen. Die Treppe nach dem Lokal hat kein Geländer. Wie leicht kann ein Fremder im Dunkeln und bei Regenwetter auf dem schlüpfrigen Steig ausgleiten! Sehen denn das die Behörden nicht? Und die freiwillige Sanitätskolonne? Sie bekommt doch Zuschuß aus der Gemeindekasse! Wohl paradiert die Kolonne in schöner Uniform in den Straßen des Ortes, aber die notwendigsten Hilfsmittel für die erste Hilf« bei Unglücksfällen sind nicht zu haben. Und die Masse der aus Arbeitern bestehenden Einwohnerschaft? Als drittkkafsige Wähler dürfen sie alle 2 Jahre einen Vertreter der dritten Klasse zur Gemeindevertretung wählen. Die Abhängigkeit der Arbeiter und der Druck der Behörden haben eS bisher noch verhindert. einen Parteigenossen in die Gemeindevertretung zu wäh- len. Ein Dunkel umhüllt die Tätigkeit der Gemeindeverwaltung. Der sozialdemokratische Wählverein wird sich bemühen, in dieses Dunkel mit der Fackel der öffentlichen Kritik hineinzuleuchten. Durch rastlose Aufklärung wird das Interesse der Arbeiterschaft er» weckt, und der Anschluß an die Arbeiterbewegung herbeigeführt Dann werden Vorfälle wie der vorstehend geschilderte, die so be« schämende Zustände enthüllen, nicht mehr möglich sein. Jngendveranstaltnngen. Wilmersdorf. Die jugendlichen Arbeiter und Arbelterinnen treffen sich zwecks gemeinschaftlicher Spiele heute, Sonntagnachmittag S Uhr bei Seile, Brandenburgische Straße 100. Bei ungünstiger Witterung finden im Jugendhelm GeselllchastSspiele statt. Der JugendauSschuß. LrkfKaften der Redaktion. »Kunstfrage-. Die Frei« Bolksbübne ist im Unterschiede von Sbn» lichen Vereinen eine aus dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehende Orgaliijatio» zur Kunstpflege innerhalb der Arbesterfchast. WaflerstandS.Siachrtchte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgetellt vom Beritner Wcltcrbureau._ ')+ bedeutet Wuchs.— Fall.*) Unterpeget. Deutscher Metallarbeiter-Verband VeNvaltungsftellr Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Otto Knuth gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 22. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen St. Pauls-Kirch- Hojcs in Plötzensee aus statt. Rege Beteiligung erwartet 12018 Die Ortsverwaltung Deiitseher Transportarbeiter Bezirksverwaltung GroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Wagen- Wäscher 7l/8 Ricksrd Müller am 18. d. M. im Alter von 52 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«: Di« Beerdigung findet am Sonntag, den 21. d. M., nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen Matthäuskirchhoss, Schöneberg, Prieslerweg, aus statt. Die Bezirksverwaltung. Zentralverbanii freier indler, Hausierer und verw. Berufs- genossen Deutschlands. (Sitz Essen.) Am 17. August verstarb nach kurzer Krankheit unser treues Mitglied 459B Gertrud Baschin geb. Kraatz. Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mon- tag. den 22. August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Krankenhauses am Friedrichshaw aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung Berlin. Invaliden-DnterstWngsIlasse d.8teindrucIteru.Mograplien. Die Beerdigung des am 18. August verstorbenen Stein- druckers Georx Kuhlig findet statt am Montag, den 22. August, nachm. 5 Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorfcr GemcindesriedhoseS, Tempelhos, Gottlieb-Dunkel-Sirasje, aus. 474b Das Komitee. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem Begräbnis des Schlossers kriedrich Matthe sagen wir allen denen, die ihm das letzte Geleit gegeben haben, sowie dem Deutschen Metallarbeiter-Ber- band, Ortsverwaltung Berlin und seinen Arbeitskollegen der A. E.-G., Brunnenstrafie. Abteilung Retzlaff, unseren innigsten Dank. Die Hinterbliebenen. crür die herzliche Teilnahme bis der O Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Verwandten und Be« kannten, insbesondere den Sängern, sowie den Krankenkassen-Vorständen und Herrn Simanowski meinen innigsten Dank. 463b rran Luise Gregorius. Von der Heise zurück Dr. L. Jacobsohn Augenarzt 214/7 Prenzlancr Straße 10. Die Harnleiden ihre Gefahr«in, Verhütung und Beseitigung von ])r. med. Scfjaper, BERLIN— Preis 1 Mark. W 7tes Tausend. W VBrlaiiMaxRichlerlÄÄ Syphilis- Nachweis in allen Irisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wissenschastl. Untersuchung. sosort; desgl. Harn-(spez. aus Go- norrhoe-Füden) u. Stzutum-Analhlen. Or. Horneyer 4 Co., Spezial-Laborat., gritbrich str. 189, zw. Kronen- und Mohrenstrafie), I. 8724. Pers. Rückspr. diskr. u. koslenl. Geöffnet von 8—3 Sonntags von 12—1._* Danksagung. Sage hierdurch allen Verwandten und Bekannten, insbesondere dem Ge- nassen Kütcr jür die ergreisende Rede am Grabe, dem Gesangverein Schöne- berger Männerchor für den Gesang, meinen Wilsten Kollegen und den Frauen, sowie den Frauen des sozial- demokratischen Wahlvereins, sür die zahlreiche Teilnahme u. Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau meinen herzlichsten Dank. S67L Oswald Danin». Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, sagen wir hiermit allen Beteiligten sowie dem Verband und dem Gesang- verein der Putzer unseren lies- gesühllen Dank. Marie Rolle und Kinder. Eztra-Abtellnng j I. b.-rh.: Berlin W., Mohren- 1 Strafet,'la(2. Haus von der| Jerusalem.- StraBe). |ll. Gesch.; Benin NO., GroBel Frankfurt. Str. 1 f 5(2. Haus( von der AndreasstraBe). 1 Sehrgr.Äusw. fert. Kleider, I I Hiite, Handschuhe, Schleier ■ etc. v. einfachsten bis zum 1 | hochelegant. Genre z. äußerst| niedrigen Preisen. 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I Formerlchrlmg, 1 Gürtler- und Dreherlehrling bei steigender Ver- güwng stellt ein: Kart Mtllarg, Bronzewarensabnk Gotzlerstratze 20. Rister verlangt Kartonsabrtt Äatz U. Co., Jmmanuelttrchsttatze 3/4. Lausbnrschen»eilangl Modehaus JacqueS Cohn, Müllerliratze 182/83. Hansdiener verlangt Modehaus Jacques Cohn, Müllersiratze 182/83. Tüchtige Feriigpolierer verlangt Pianosabrik Lindowerstrah« 18/19 am Weddingplatz. Arbeitszeit'/,8— 5. SchiosserlehrlingoeUangiTegelcr- ftratze 5. 4476 Vertreter wenn auch geschäsllich ohne Erfahrung, aber mtt Bekanntschasl und Zutritt in vornehmeren Kreisen, wird zum Verkauf von Spezial- Welnen gegen Fixum und hohe Provifion für Berlin und Umgebung sosort ausgenommen. Refleltanten wollen ihre Offerte an die Gesellschasi Tokajer Wein- Produzenten A.-G., VertriebS-Ableilung Budapest, V. Lipöt-körut 2,«in- enden.* Lauf- und Meitsburschen im Alter vou 14—16 Jahren verlangt sofort der vorn S Treppen. r j Zimmer 48. Geöffnet von 7 Uhr morgen» bi» 6 Uhr abend»._[71/7 verlangt Tegeler- 4466 Bau schlofler stratze 5._ Friseurlehrliug verlangt'Aork- stratze 76. 4S7b Tchloffbauer für schloß verlangt G. Lind stratze 43. Geldschrank- den«, Gollnow- 256/4. Tüchtige Fliesenleger sofort ge- sucht. Korner u. Wallher, Char- lottenburg, Grolmanstratze 18. 471b Korbmacher aus grüne eckige Kiepen verlangt W. Grohmann, Franzöfisch-Buchholz,Hauptstratze70Ä.. Rockarbeitcrin aus garnierte Zuitersachen verlangt Wolter, Rix- >ors, Donaustratze 8._+45 Paletots-Arbeiterinnen autzerm Hause verlangt Hintze, Petersburger- stratze 11. 4646* Knabenjacken, Hofen 1—6, die grotze Posten liesern, verlangt Grün- stein, KönigSbergerstratze 15, vormalS David.+15* Mamsells aus Jacketts, im, autzerm Haus« verlangt Kube, PeierS« burgerstratze 43, HI.__+15 Mamsells aus anliegende PalelotS verlangt Eidam, Leitestratze 5. 94/8 Künstliche Blumen> Kröserinnen und Kleberinnen, nur im Hause, sucht Schindelhauer, Alle Jakob- stratze 156. S36b* Künstliche Blumen- Lehrmädchen sucht Schindelhauer, Alt« Jakob« stratze 156._ 385b* Zeitungsfrauen verlangt sofort Schützenstratze 24, Hos parterre.• Im ArbeitSmarkt durch besonderen Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SV Pf. die Zeile« ssrieizekretSr für Köln gesucht. Rur tüchtige Kräfte wollen ihr Angebot mit Ge- haltSansprüchen und der Ausschrift .Parteisekretär' bis zum 15. September an den Vorsitzenden des sozialdemokratischen Vereins in Köln, Jakob Kaaer, Ursulaplatz v. richten. Di« Anstellung soll 1. November, kann nötigenfalls auch 1. Januar 1911 erfolgen. 289/3* Automateneinrichter, welcher fich aus Cleveland- und Löwe-Fassonautomaten verstebt, sosort von«wer Schrcibmaschinenfabrtt der Provinz Sachsen gesucht. Gest. Offerten an Rudolf Moffe. Berlin SV., erbeten unter J.Z.1L857. 94/10 Matrizenbauer gesucht! ES wollen fich jedoch nur Leute melden, die im Bau von Matrize» für Magnefia-Rwge und Mundslücke vollständig firm sind und selbständig gearbeitet haben.— Offert. 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Waggonfabrik l-Iackuer, Halle- Ammendorl. Pianofabrik Stefime� 4fc Sons in Hamburg. sämtliche Tischlereien w Etolp und Lassan in Pommern. 33/8 Parkettfabril Otto Heiser in Weimar. Die OrtSvermaltuug Berlin. Einem Teil unserer heutigen Auflage— Moabit, Rorde« und Nordoste«— liegt ein Prospekt der HvbelfabrUr B. Harnsck, Berlin SW., Stallschreiberstratze 57.»et. J