Kr. 197. BbonncmentS'Bedlngungcn: MonnemenlS- Preis pränuml'rando z Liericijührl. S£0 mt., monatl. 1,10 Ml., wöwrnllich 2» Psg, frei ins Haus. emjdnc Nunmier 5 Pfg, Sonnlags. Nummer tnil illuslrierler Sonnlaas- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. tlboniiemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingelragen in die Posl-Zeimngs- Preislisle, Unter Kreuzband für Deullchland und Oeslcrreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. Postabonncinents nehmen an: Belgien, Dnneinark, Holland, Italien, Luxemburg. Porlugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 27. I!an mag über die Größe der Fortschritte, die diese Tättgkeit zuwege gebracht hat, dieser oder jener Meinung sein, für die l Beurteilung des Disziplinbruchs ist damit nichts oder �doch sehr wenig gesagt. Auf der hessischen Landes- konferenz hat Genosse Dr. David nicht verschmäht, die Disziplin. die die große Mehrheit der Partei heute von den badischen Genossen verlangt, dem Kadaver- gehorsamsam, wie ihn der Militarismus den Soldaten auf- zwingt, gleichzusetzen. Wie himmelweit beide von einander grundsätzlich getrennt sind, brauchen wir hier nicht noch einmal auseinanderzusetzen. Gänzlich falsch ist aber auch die Unterstellung, die bei diesem Vergleich mitspielt, als ob die Mehrheit der Gesamtpartei gewißermaßen aus bloßer Recht- haberei oder Engherzigkeit, um eines bloßen Blattes Papier wegen, beschrieben mit einem Parteitagsbeschluß, die badi- schen Genossen zu einer ihnen falsch erscheinenden Taktik zwingen wollte. Es ist nicht der Respekt vor dem Paragraphen, der der Partcimehrheit ihre Haltting diktiert, sondern die lebendige Sorge um den Lebensnerv der Partei, um ihre Geschlossenheit im Kanipfe, um ihre innere Festigkeit. Zumal die Parteimehrheit in dem Nürnberger Parteitags- beschluß nicht bloß einen Parteitagsbeschluß unter Hunderten, sondern die Formulierung eines Grundsatzes sieht, dessen Ver- lassen die Partei auf falsche Bahn führen muß. In dieser Beziehung hat das Referat des Genossen Kolb volle Klarheit gegeben. Offenheit muß ihm unumivunden zu- gestanden werden. Seinem sonderbaren Marxismus, der ihn nur die eine Seite der Marxschen Lehre, den großen Gedanken der gesetzmäßigen Elitwickelung sehen läßt, während er blind vorübergeht an den Stellen, wo von der Gewalt als der Geburtshelferin jeder neuen Gesellschaftsordnung die Rede ist, wollen wir hier beiseite lassen. Es genügt, festzustellen, daß Genosse Kolb, der sich ein Realpolittker dünkt, dem überflüssige Theorie den Blick nicht trübt, der Meinung ist, die badische Sozialdemokratie könne sich durch die von ihm empfohlene Taktik, könne sich durch Zustimmung zu Gesetzen und Bewilligung des Budgets der badischen Regierung un- entbehrlich machen. so daß eine Regierung, die sich auf eine nationalliberal- klerikale Koalitton stützt, im Lande Baden nicht mehr möglich sein wird. Und Genosse Kolb, der für die Prophezeiungen der Marxisten nichts anders denn bluttgsten Hohn hat, prophezeit vor dem Parteitag, daß es unmöglichst, daß die Verschärfung der Klassen- gegensätze die Stellung der badischen Sozialdemokratte als„ein Stück Regierungspartei"(um das Wort eines Zentrumsmanncs zu gebrauchen) jemals erschüttern könne. Solche Utopisterei kann wohl kaum noch überboten werden. Die Oberflächlich- keit solcher mehr als vcrttauensseligcn Auffassung zeigt mit einschneidender Deutlichkeit, wohin der einseitige Nurparlamen- tarismus führt, wie sehr er den Blick für die großen sozialen Zusanimenhänge trübt. In Offenburg ist die Schlacht geschlagen und die Mehr- heit der badischen Landtagsfrattion hat einen Sieg erfochten. Einen leichten Sieg, einen Sieg, den sie schon im voraus in der Tasche hatte. Denn über den Ausgalig der Tagung konnte niemand im Zweifel sein und ist niemand im Zweifel gewesen. Aber dieser Sieg ist nicht ohne Stachel für die Sieger. Denn die Minderheit, die sich gegen Disziplinbruch und Budgetbewilli- gung erklärte, die für die von dem Antragsteller trefflich be- gründete Resolutton Merkel- Mannheim stimmte, machte immerhin ein volles Viertel der Parteivertretung aus— und die Zahl der Bekenner übersteigt, wie wir wissen, er- heblich die, welche die badischen Genossen, die auf dem Boden der Beschlüsse der Gesamtpartei stehen, selbst er- wartet hatten. Dazu kommt, daß die außerbadischen Parter genossen fast überall, bis weit nach Süddeutschland hinein, sich gegen die Mehrheit der badischen Landtagsfrattion er- klärt haben. Allerdings ist ihr die hessische Laudeskonferenz zur Seite gettesen, aber dort ist der Beschluß gegen eine starke Minderheit gefaßt worden. Wenn sich Genossen wie v. Elm. Hue und Bömelburg gegen den Disziplinbruch wenden, Genossen, die alles andere als radikale Heißsporne sind, so� muß das den badischcn Genossen ernst zu denken geben und ihnen zeigen, wieviel mehr recht Genosse Müller vom Partcivorsland. hatte, als er ihnen sagte, daß keine Aussicht auf Aufhebung der Nürnberger Resolution bestehe, denn Genosse Kolb, als er den„Sieg der gesunden Vernunft" in Magdeburg prophezeite. In Magdeburg, nicht in Offenburg fällt die Ent- scheidung. Und da wird's sich zu zeigen haben, welchen Wert die vielen Beteuerungen des Vorsitzenden Dr.-Frank haben, daß die badischen Genossen im Rahmen der deutschen Gesamtpartci bleiben wollen, daß sie festhalten wollen an der Parteieinheit. Wir geben trotz alledem, was wir in Offenburg gehört haben, noch nicht die Hoffnung auf, bei unseren badischen Genossen werde die Erkenntnis siegen, daß die Unterordnung der Minderheit unter die Beschlüsse der Parteimehrheit keine Schande, sondern die selbstverständ- liche Pflicht jedes Sozialdemokraten ist. Schon gestern haben wir hervorgehoben, daß an der Budgetdebatte des Offen- burgcr Parteitages wenigstens das eine Gute ist, daß sie den badischen Genossen den Weg ins Lager der Gesamtpartei nicht oersverrt hat. Mögen sie ihn zu rechter Stunde finden— zu eigenem Heil und zum Heil der ganzen deutschen Arbeiter- klaffe! ••■ In unseren gestrigen Leitartikel haben sich zwei flnnstörende Fehler eingeschlichen. Im Schlußwort hat Genosse Kolb nicht prophezeit, daß in zehn Jahren jeder Beamte sich zur Sozialdemo» kratie bekennen darf, sondern er sagte, daß jeder b a d i s ch e Beamte das werde tun dürfen. Und weiter prophezeite er das Damaskus der preußischen und Berliner Sozialdemokratie nicht für den Fall, daß 120 Sozialdemokraten in den Reichstag, sondern für den Fall, daß diese Zahl sozialdemokratischer Abgeordneter in den p r e u tz i s ch e n Landtag einzieht. •» � Die Frankfurter„B 0 1 k S st i m m e' macht über den badischen Parteitag folgende bemerkenswerte Ausführungen, denen wir allerdings darin nicht beipflichten möchten, daß die Nürnberger Resolution eine zu starke Bindung sei. Wir geben aus dem Artikel mit Hinweglassung einiger Ausführungen, die sich gegen Genossen Ad. Geck richten, folgendes wieder: „Die Budgetbewilliger sind von ihren anderthalbhundert Landesdelegierten geradezu mit Ehren und Lobsprüchen überhäuft worden. In drei Beschlüssen hintereinander wird die grundsätzliche und taktische Haltung der Abgeordneten gutgeheißen und werden diese auch noch ausdrücklich im voraus scharf g e» macht gegen etwaige Magdeburger Parteitagsbeschlüsse, die die Zumutung der Mandatsniederlcgung an sie stellen könnten. Einer solchen Aufforderung sollen die Budgetbewilliger um keinen Preis nachkommen I Man könnte diese offenbare Verschärfung der Parteidifferenzen erklären wollen durch die seit Wochen tobende allzu scharfe Prcßpolemik.... Aber die Warnungen der beiden Vorstandsmitglieder Müller und Molkenbubr vom Vorstand unserer deutschen Gesamtparlei an die Adresse der badischen Genossen waren desto eindringlicher und überlegter, ebenso wie die kleine Rede des Mannheimer Genossen M e r ck e l gegen die Budgetbewilligung sich durch ihre Klarheit und soziale Tiefe sehr vorteilhaft von der allgemeinen Debatte abhob. Und trotzdem er» zielten auch fie keine merkbare Wirkung auf den badischen Parteitag und vermochten die Kriegserklärung an die Gcsamtpartei nicht zu verhindern.... Die Differenz muß tiefer liegen. Und sie liegt tatsächlich tiefer. Der Jubel, der auf dem badischen Parteitag ausbrach, als durch ein geschicktes Depeschenarrangement noch vor Schluß der Debatte der gleichzeitige Beschluß der hessischen Landes» konferenz für Freigabe der Budgetabstimmung verlesen iverden konnte, sprach in dieser Beziehung Bände. Die zu starke Bindung der Landtagsfraktionen durch den bekannten Nürnberger Beschluß wird offenbar über Baden hinaus als so drückend empfunden, daß jede Bewegung gegen diese Bindung von vielen unserer Genossen in den Einzelstaaten begrüßt wird. Man glaubt selbst genügende Urteilskraft und politische Einsicht zu haben, um entscheiden zu können, wo die einzelstaatliche Budgetverweigcrung im Jitteresse der sozialistischen Bewegung geboten ist und wo nicht. Und man lehnt sich auch deshalb gegen die Mehrheit der norddeutschen Genossen aus, weil diesen die parlamentarische Praxis der kleineren Landtage und die Nötigung fehle, sich als ausschlaggebende Gruppe eines Parlaments zu betätigen. Deshalb könnten sie die Lage der süddeutschen Abgeordneten nicht verstehen und sollen deshalb auf» hören, diesen die Hände durch Parteitagsbeschlüsse zu binden. Im Sinne eines solchen Protestes vielmehr, als im Sinne eines Ver- trauensvotums für die badische Regierung ist die letzte Budget» bewilligung gemeint gewesen. Diesen Eindruck werden die meisten Zuhörer vom badischen Parteitag mitgenommen haben. Ich habe mich lange dagegen gesträubt, die Haltung der badischen Fraktion so ausgefprochen als„gewollten Disziplinbruch" auf- zufassen. Aber die heutigen Offenburger Verhandlungen haben mich in der Tat belehrt, daß die badischen Genossen die Spitze ihrer Budgetbewilligung ganz bewußt und in er st er Linie gegen den Nürnberger Beschluß kehrten. Sie wollen durch eine disziplinwidrige Tat die Ent- scheidung schneller und gründlicher herbei» führen, als es sonst durch eine bloße Agitation im Nahmen der Organisation und der Disziplin möglich wäre. Das verschärft die Lage, auch wenn man sie ohne jede Sentimentalität betrachtet, ungemein, und es kommt hinzu, daß die sachliche Begründung ihres Schrittes durch die badischen Budget« bewilliger auch durch ihren beredtesten Verteidiger, durch Genossen Kolb, aus dem badischen Parteitage eine theoretisch und praktisch äußerst anfechtbare war und blieb. Hente soll noch gar nicht einmal die Rede davon sein, daß die soziale und politische Rolle der süddeutschen Eiuzelstaaten innerhalb des Deutschen Reiches von Genossen Kolb und seinen Freunden so wenig untersucht und ins Auge gefaßt wird, wie die Geschichte und die verdächtige Rolle der Liberalen, mit denen sie im badischen Großblock über die Wahlen hinqus zusammenarbeiten. Man kann aber doch in der deutschen Sozialdemokratie weder für die Einzelstaaten, die man plötzlich als bloße Verwaltungsorgani« sationen ohne allgemein politische Wichtigkeit ausruft, noch für die Zusammenarbeit mit den badischen Liberalen so völlig von der allgemeinen Marschroute der Gesamtpartei ab« führende Freiheiten verlangen, wenn man sich so wenig Mühe gibt, sie auch nur ein wenig durch die sozialen Entwickelungsgesetze zu begründen. Der langen Kolbschen Rede kurzer Sinn ist vielmehr ganz einfach folgender: in der badischen Kammer haben wir zwanzig Sozialdemokraten auf Liberale und Regierung einen so starken Einfluß, daß wir uns selbst ins Ge» ficht schlagen würden, wenn wir eine so erfolgreiche Tätigkeit mit einer Bndgetablehnung abschlösien. Durch die Budgetbewillignng geben wir der Regierung zu verstehen, wie abhängig sie von uns Sozialdemokraten istl So sagte Kolb wörtlich unter lebhaftem Beifall des Parteitages und zitierte nicht ohne tiefe Beziehung dazu eine Redewendung des Zentrumsführers Wacker, nach der die badische Sozialdemokratie„zu einem erheblichen Teil herrschende Re- gierungspartei geworden" sei. Unsere badischen Genossen sind des festen Glaubens, daß sie die dummen Liberalen im Großblock n gehörig überS Ohr gehauen und für proletarische Fortschritte :r Gesetzgebung eingespannt haben. Davon können sie alle Hin- weise auf die Erhaltung des Klassenwahlrechts bei der Gemeinde» reform, auf die Erhaltung der Klosterschulen und des Religions- Unterrichts für Volksschulen bei der verabschiedeten Schulreform, auf die Untätigkeit der Regierung gegenüber dem Mannheimer Maß- regelungöbureau der Industriellen und tausend andere Dinge, auf die an der Hand der Kolbschen Landtagsbroschüre noch ein» zugehen sein wird, nicht adkringen. Sie sind einst- weilen völlig in dem kleinbürgerlichen Wahn befangen, daß sie als Arbeiterminderheit so großen und dauernden Einfluß auf die bürger- liche Mehrheit des Landtags und die Regierung haben, daß, wie das Kolbsche Licblingswort lautet, ihre ganze Tätigkeit ohne Budgetbewilligung„parlamentarische Komödie" wäre. Den Gipfel erstieg Genosse Kolb, als er heute in seinem Schluß- Worte dem Sinne naä, ausrief:„Die Verschärfung der sozialen Gegensätze soll uns in Baden Rückschläge bringen? Das ist un- m ö g l i ch I" und als ihn Rufe aus dem Parteitag unterstützten: „Dann nehmen wir die Flinte." Mit solcher sozialen und politischen Harmlosigkeit ist ernsthaft kaum mehr zu diskutieren. Zu fürchten steht, daß der Schaden der badischen Kriegserklärung an die Gesamtpartei ein doppelter sein wird: zunächst eine st a r k e Erschütterung unserer Kampfphalanx, und dann mit tödlicher Sicherheit früher oder später eine furchtbare Ent- täuschung der badischen Genossen selbst, wenn die „unmöglichen" Rückschläge mit der unvermeidlichen Verschärfung der Gegensätze kommen. Dann wird das Völkchen den Teufel merken, der es am Kragen hat und dessen man durch Budgetbewilligungen nicht Herr wird!_ flugsburger Slacholihentag. Der Gehalt der auf dem AugSburger Katholikentag gehaltenen Reden steht in krassestem Widerspruch zu dem äußeren Gepränge der Veranstaltung. Wie auch das Thema lautet, über das ein Red- ner spricht, der Inhalt der Reden ist im Wesentlichen immer der gleiche. In unzähligen Variationen werden dieselben Phrasen wiederholt, die Macht der katholischen Kirche gepriesen, ihr segens- reicher Einfluß auf die Völker aller Zeiten und Gegenden gerühmt und zum Festhalten an ihren Glaubenssätzen aufgefordert. Eine ausführliche Berichterstattung lohnt sich deshalb kaum, Gestern nachmittag fand die erste öffentliche Sitzung statt, an der u. a. der Erzbischof von München sowie verschiedene Bischöfe teilnahmen. Die Sitzung wurde vom Präsidenten Ober- Landesgerichtsrat Marx-Düsseldorf mit einer Ansprache er- öffnet, in der er zunächst betonte, daß man in einer Zeit des wachsenden Unglaubens lebe, und sodann auf die aus Anlaß der Borromäus-Enzyklika gegen die Person des Papstes gerichteten un- gerechtfertigten heftigen Angriffe hinwies. Man habe anfänglich wohl die Erregung bei den gläubigen evangelischen Mitbürgern ver- stehen, dagegen nicht begreifen können, weshalb die Erregung sich auch auf jene Kreise habe ausdehnen können, die sich sonst von jedem öffentlichen Bekenntnis zum Glauben fernhielten. Nachdem die höchste kirchliche Stelle den Sinn und Zweck jener Enzyklika fest- gestellt und jede Mißdeutung ausgeschlossen habe, sei vollends kein Anlaß zur Erregung mehr gewesen. Redner erklärte zum Schluß: Wir wollen mit unseren evangelischen Mitbürgern nach wie bor in Eintracht und Frieden leben und Hand in Hand mit ihnen das Wohl des gemeinsamen Vaterlandes fördern. In einer Ansprache betonte Bischof Lingg-AugSburg, daß das Episkopat engste.Fühlung mit dem Katholikentag halte. Man solle doppelt ulträmontan sein und über die Alpen hin an den Papst und über daS deutsche Mittelgebirge hin an den Kaiser denken und beiden geben, was ihnen gebühre. Dann sprach der österreichische Staatsminister a. D. Eben- h o ch- W i e n über die katholische Weltanschauung und ihren gün- stigen Einfluß auf das Familien- und Staatsleben. Ihm folgte Domprediger Wagner- Augsburg mit einer Erörterung der Schulfrage. Seine Auffassung spiegelt sich in folgender Auslassung wieder: „Wir fordern vor allem die konfessionelle Schule.(Lang- anhaltender stürmischer Beifall.) Aber wir fordern noch mehr. Wir fordern auch die konfessionelle Ausbildung der Lehrer und Lehrerinnen, und wir bekämpfen die Ausschaltung der Geistlichkeit bei der Schulaufsicht. Dem Lehrer ist das kostbarste Gut der Nation in dem Kinde anvertraut, und daher hat die Kirche die Verpflichtung, auf die Schule nicht zu verzichten. Die moderne Zeitrichtung mit ihren verschiedenen Strömungen, mit Erschei- nungen, die erst gestern geboren, heute schon dem frühen Grabe verfallen, bedarf des Hortes, an welchem gesammelt sind die ewigen, unwandelbaren Wahrheiten für die Erziehung der Völker, den Hort der Kirche." Der heutige zweite Tag wurde eingeleitet durch eine Männer- Kallfahrt zum Grabe des heiligen Ulrich; dann begann die Generalversammlung des B-lksvereinS für baS jkatholifZe Deutschland in der Festhalle. Fabrikbesitzer Brandts- M.-Gladbäch schilderte in langer Rede das Wirken dieses Vereins, assistiert vom Bischof von AugS- bürg, dem Direktor Dr. Brauns und. dem Abgeordneten Land- gerichtsdirektor Gröber. Des Nachmittags fand die zweite öffentliche Versammlung statt, in der vom Professor Dr. Bock- Freiburg ein Referat über die„innere Mission und die Großstadtseelsorge" gehalten wurde, worauf der Abt Weber-St. Ottilien über«die Missionen" und Professor Dr. Meyer- Luxemburg über die „Aufgaben der Weltmission" sprachen. Die Metzelei von ßlagowelchtfcbensft. E3 sind nun gerade 10 Jahre her, seitdem die russische Re- gierung während des Box�raufstandes tausende friedlicher Chinesen mit Frauen und Kindern im Amur ertränken ließ und dadurch den Grundstein legte für den erbitterten Haß, den die chinesische Bevölkerung der Nordmandschurei gegen Ruß- land hegt. Seinerzoit wurde die Metzelei von Blagoweschtschensk in der russischen Presse vollständig totgeschwiegen, und nur daS in Genf erscheinende Organ der sozialdemokratischen Arbeiter- Partei Rußlands.„Saria". vermochte einen wahrheitsgetreuen Bericht über die entsetzlichen Vorgänge im fernen Osten zu bringen. Jetzt veröffentlicht die in Petersburg erscheinende Monatsrcvue„Westny Jewropy" einen ausführlichen Bericht. Per auf Grund der offiziellen Gerichtsakten zusammengestellt ist. Die offizielle Schilderung ergibt folgendes Bild der Vor- gänge in Blagoweschtschensk: Am 8. Juli 1900 wurde während des Boxerausstandes vom jenseitigen Ufer deS Amur ein Gewebrfeuer gegen die Stadt Blagoweschtschensk eröffnet. Der Militärgouverneur Gribsky gab nach einem Bericht des Polizeimeifters den Befehl, daß sämtliche Chinesen aus dem Ge- biete über den AmurnachchinesischemGebiet transportiert würden. An demselben Tagewurden alle in derStadt und in derUmgegend wohnhaften Chinesen nach dem Sägewerk von Nordin zusammen- getrieben. Obgleich schon am folgenden Tage klar war, daß der Stadt von feiten der Aufständischen nicht die geringste Gefahr drohte, wurde der Befehl erteilt, die erste Chinesen- abteilung über den Amur hinüberzuschaffen. Etwa 80 Re- kruten mit Aextcn bewaffnet und einige Dutzend Kosaken und Freiwillige trieben, unter dem Befehl des Polizeioffiziers S., etwa 3S00 Chinesen nach dem Amur, wobei unzählige Per- funen, meist Frauen, Kinder und Greise, die nicht so schnell folgen konnten, mit den Aexten niedergeschlagen wurden. Noch nach zehn Monaten fanden die Unker- suchungsbeamten auf diesem Wege Ueberreste chine- sischer Kleidung, Mcnschenköpfe' und zahlreiche Skelette.... An dem Ufer des Amur angelangt, wählten die Führer der Militärabteilung eine Stelle, die etwa 100 Faden breit und über 2 tief war, und entschieden, daß nun weiteres nicht mehr nötig sei. Die Chinesen wurden einfach ins Wasser hinein- getrieben, und als diese sich weigerten, eröffneten die Soldaten und Kosaken ein Gewehrfeuer und trieben die Zurückweichenden mit Aexten und Säbeln ins Wasser zurück. Das Ergebnis war, daß die meisten Chinesen ertranken oder von den Russen getötet wurden. Von der ganzen Abteilung ge- langten nicht mehr als 100 Chinesen an das jenseitige Ufer. „Die Aussagen der Augenzeugen— so heißt es in einem offiziellen Bericht— führen zu der Ueberzeugung, daß dies kein Transport, sondern eine Vernichtung und Ertränkung der Chinesen war." Diese Bezeichnung trifft auch für die Transporte der folgenden Abteilungen zu, die in den nächsten Tagen erfolgten. Die zweite Abteilung(84 Personen), die von 10 Begleitsoldaten eskortiert wurde, wurde auf dieselbe Weise im Amur ertränkt. Die offiziellen Dokumente konstatieren ruhig, daß„fast die ganze Abteilung zugrunde ging". Am 6. und 8. Juli wurden zwei weitere Abteilungen(170 und 66 Personen) aus Blagoweschtschensk transportiert. Von ihnen gelang es höchstens 20 Personen über den Amur hin- überzuschwimmen. Die russischen Polizei- und Militärbeamten, die diese Metzeleien veranstalteten, machten kein Hehl von ihren „Heldentaten". So berichtete der erwähnte Pölizeioffizier S. in seinem Rapport vom 4. Juli, daß ein Teil der ersten Ab- teilung im Amur„ertrunken" sei. Als die Polizcioffiziere S. und L., die den Befehl erhalten hatten, zwei weitere Ab- teilungen zu eskortieren, sich an den Vorsitzenden der Amur- Militärverwaltung, Oberst W., üm Instruktionen wandten, erhielten sie von dem letzteren folgende telephonische Antwort: „Was belästigen Sie mich mit den Chinesen, kein Unglück, wenn man sie alle ertränken und niedermetzeln wird." Am 6. Juli telegraphierte derselbe Oberst W. an den Ataman des Kosakendorfes K.. wo 85 Chinesen angehalten worden waren:„Die Chinesen schaffen Sie in den Fluß oder vernichten Sie sie, wenn sie Widerstand leisten". Am 7. Juli versandte er eine Zirkulardepesche. an seine Untergebenen:„Vernichten Sie die auf unserer Seite auftauchenden Chinesen, ohne Instruktionen einzuholen." So wurden tausende friedlicher Chinesen von den Mordgesellen des Zaren ohne welchen Grund hingemordet,— im Namen der„europäischen Kultur und Gesittung", als deren Träger sich die russischen Administratoren im fernen Osten ausgeben. Da es unmöglich war. die ungeheuerlichen Ereignisse voll- kommen zu vertuschen, wurde eine Untersuchung angeordnet. Man würde aber in den Gerichtsarchiven vergebens einen Be- richt über die Prozesse gegen General Gribsky und seine Unter- gebcnen suchen, denn die Regierung begnügte sich mit den An- gaben der Voruntersuchung und stellte, nach Vereinbarung dreier Minister— des Minister des Innern Sipjagin, des Ministers des Auswärtigen Murawjew und des Kriegsministers Kuropatkin— die weitere Verfolgung der Angelegenheit ein. General Gribsky wurde zuerst seines Amtes enthoben, aber bald darauf, in Anbetracht seiner„kriegerischen Verdienste im fernen Osten im Jahre 1900", dem Chef des Hauptstabcs wieder zur Verfügung gestellt. Nur einige kleinere Beanite wurden zu geringen Strafen und zur Anitsenthebung ver- urteilt. Man geht aber nicht fehl, wenn man annimmt, daß die Leiter der Metzeleien während der Revolutionsjahre mit offenen Armen von der Regierung aufgenommen wurden, da sie ihren Befähigungsnachweis für den Kampf gegen das Volk in ausreichendem Maße erbracht hatten.— Es ist nicht nur historisches Interesse, das die angeführte offizielle Schilderung enthält. Die Politik, die Rußland während des Boxeraufftandes im fernen Osten führte, wurde in den nachfolgenden Jahren konsequent durchgeführt und förderte in nicht geringem Maße die russischen Niederlagen im Kriege gegen Japan. Namentlich jetzt, wo das russisch- japanische Bündnis einer Kriegserklärung gegen China gleich- kommt und von der chinesischen Bevölkerung in dem Sinne aufgefaßt wird, daß es eine Teilung der Interessensphäre in der Mandschurei zwischen Rußland und Japan bedeutet, hat die russenfeindliche Agitation in der Nordmandschurei ungeahnte Dimensionen angenommen. In der Umgebung Charbins werden von Agitatoren aus Shanghai und Kanton Volksversammlungen abgehalten, in denen die chinesische Vevölke- rung zum Aufstand gegen die Russen und zur R a ch e f ü r Blagoweschtschensk aufgerufen wird. Die chinesische Regierung macht die größten Anstrengungen, um die Koloni- sation der Nordmandschurei und der Mongolei durchzuführen und wirtschaftlich festen Fuß dort zu fassen. Neben der Wirt- schaftlichen Durchdringung geht die militärische und strategische Stärkung Chinas in den an Rußland grenzenden Gebieten. Es werden strategische Bahnen gebaut, die europäisch ge- schulten Truppen an der russischen Grenze konzentriert. Festungen gebaut usw. Wer die militärische Schwäche Ruß- lands im fernen Osten und seine ökonomische und kulturelle Rückständigkett kennt, kann keinen Augenblick daran zweifeln, daß die traditionelle Politik der zarischen Regierung dem russischen. Volke sehr ernste Gefahren im fernen Osten verspricht. War auch der jetzt abgeschlossene russisch-japanische Vertrag eher ein Ausdruck der Schwäche als der Aden- teurerpolitik der russischen Regierung, so bedeutet er— bei Jnnehaltung des konterrevolutionären Kurses im Inland— nichts anderes, als daß Japan mit russischer Hilfe in der Mandschurei festen Fuß fassen und es dem russischen Volke überlassen wird, bei einem Vorwärtsdringen der chinesischen Rassen die Zeche zu bezahlen für die verbohrte und verbreche- rische Politik des Absolutismus. poUtlfcbc öebcrficbt Berlin, den 23. August 1910. ReichshanShaltswkrtschaft im Jahre Ivo«. Der Endabschluß der Reichshauptkasse ist endlich erschienen. Er stellt sich im ganzen noch etwas günstiger heraus, als wir kürzlich meldeten. Die ordentlichen Einnahmen deS Reiches haben sich gegen den Boranschlag um rund 78,(53 Millionen Marl erhöht, die Ausgaben dagegen um rund 40.(58 Millionen erniedrigt. Von einem Ueberschnß kann natürlich trotzdem nicht geredet werden; denn der Reichshaushalt von 1S0S schloß mit einem Fehlbetrage von 893,76 Millionen Mark ab, der sich mithin nunmehr um 11? Millionen, also auf 126,46 Millionen verringert hat. Zu den Mehreinnahmen haben vornehmlich die Zölle, Steuern und Gebühren beigetragen. Ferner haben die Reichspost utzd die Reichseijenbghnen größere u�berjchüsse geliefert.' � Im Geschäftsbereich des ReichsamtS deS Innern ist efne Itcdef« schreitung von 1 497 000 M. zu verzeichnen. Für das Reichsheer sind bei den Kontingentsberwaltungen von Preußen, Sachsen und Württemberg einschließlich des diese Verwaltungen angehenden und mit einer Ersparnis von 3 685 000 M. abschließenden Abschnitts des allgemeinen Pensionsfonds an fortdauernden Ausgaben 6 535 000 M. weniger, bei den einmaligen Ausgaben dagegen 7 532 000 M. mehr als angesetzt erforderlich gewesen. Bei der Marineverwaltung schließen die dauernden Ausgaben einschließlich dieser Ersparnis mit 232 000 M., bei dem entsprechenden Abschnitt des allgemeinen Pensionsfonds mit 1 626 000 M. und bei den ein- maligen Ausgaben mit 250 000 M. weniger Austvand ab. Bei dem Fonds des Reichsschatzamts ergibt sich bei den fortdauernden Aus- gaben ein Weniger von 37 063 000 M. Bei den einnia.igen Aus- gaben wurden 11985 000 M. über das Etatssoll hinaus verausgabt. Bei der Reichspost- und Telegraphenverloaltung sind die fort- dauernden Ausgaben um 8 940 000 M. und die einmaligen Aus-! gaben um 148 000 M. unter dem Voranschlag zurückgeblieben, eben- so ist bei der Reichseisenbahnverwaltung ein Weniger von 6 268 000 Mark bei den fortdauernden und von 95 000 M. bei den einmaligen Ausgaben zu verzeichnen. Die Einnahmen an Zöllen, Steuern und Gebühren haben den Voranschlag um 72 188 000 M. über» schritten. Die Einnahmen der Reichspost, und Telegraphen- Verwaltung'sind um 4 827 000 M. hinter dem Etatsansatz zurück- geblieben,"~_ Zur Fleischteuerung. Auch die Mainzer Handelskammer nimmt zur Fleischteuerung Stellung. Sie forderl'die Heffische Regierung in einer Eingabe auf, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß eine billige Fleisch- Versorgung der Bevölkerung sichergestellt werde. Wenn auch nur vorübergehend, sollen Erleichterungen bei der Einfuhr von Schlacht- Vieh, geichlachtetem Vieh und Fleischwaren erfolgen. Ein teurer„Spast". Zu der Kaiserschloßeinweihung in Posen war auch der frühere Oberbürgermeister Posens Witting, jetzt Direktor an der Nationalbank in Verlin, geladen. Ihm zu Ehren wurde ein Frühschoppen veranstaltet und hier teilte Witting unter anderem mit, nach der Festtafel im Kaiserschlosse habe ihm der frühere Finanzminister Freiherr v. R h e i n b a b e n zu- gerufen:„Sie sind der teure Mann; mich hat der Spaß in Posen 35 Millionen gekostet!" Die Offenherzigkeit Rheinbabens ist lobenswert, nur hat er sich nicht ganz richtig ausgedrückt: der Poscner„Spaß" hat nicht Rheinbaben persönlich oder als Finanzminister 35 Millionen gekostet, das preußische Volk muß den schönen Spaß mit dieser Summe bezahlen. Zum Dortmunder Bankbruch. Unter einem Ausfall auf die sozialdemokratische Presse wird in Dortmunder bürgerlichen Zeitmigen bestritten, daß der Oberbürgex- mcister Schmieding an den Exstadtrat Maiweg 200 000 M. verloren habe. Die Auskunft des Maiweg ist ihr dafür matzgebend. Zugleich gibt der Konkursverwalter der„Niederdeutschen" die Er- Ilärung ab, daß Schmieding niemals in Beziehungen zur „Niederdeutschen" gestanden habe. Es wird auch bestritten. daß ein höherer Polizeibeamter Schuldner der Dank sei; er gehöre vielmehr zu den L e i d t r a g e n d e n. In dunklen An- deutungen spricht das Amtsblatt allerdings von Spekulationen, die sieben Jahre zurückliegen sollen. Warum man sich gerade gegen die sozialdemokratische Presse wendet, ist unerfindlich, zu« mal die auswärtige bürgerliche Presse schon einige Tage stüher mit aller wünschenswerten Deutlichkeit über dieselben Fälle berichtete. Die Dortmunder bürgerliche Presse schwieg hierzu beharrlich, bis endlich sich die„Arbeiterzeitung" und andere Parteiblätter der Sache annahmen. Und der„Dortmunder General- anzeigcr" bestätigte die Meldungen. Nun soll plötzlich alles nicht wahr sein. Man wird sich darüber seine eigenen Gedanken machen. Erst recht, nachdem die Dortmunder„Arbeiterzeitung" mit einer weiteren Enthüllung kommt, deren Richtigkeit niemand be- streiten kann, obschon sie geradezu unglaublich klingt. Nach dem Zusammenbruch der Bank drohte natürlich auch den verschiedenen Gründungen der Bank der Bankrott. Um von einer dieser Unternehmungen den Bankrott ab- zuwenden, ist man allen Ernstes an die Dort» munder Parteileitung herangetreten, 200000 Mark zu beschaffen. In der Not setzte also die ehrenwerte Gesellschaft die letzte Hoffnung auf die sozial- demokratische Parteikasse. Geradezu köstlich l Die Hoff- nung wurde natürlich zu Wasser und das Unternehmen ging pleite. Vielleicht erfährt man in Zukunft noch, in wessen Hirn eigentlich der famose Plan geboren wurde, die Kasse der Sozialdemokraten zu plündern._ Rusfisches anS Heften. Bekanntlich wird am 27. August das garenpaar nach Darmstadt fahren,- dort kurze Zeit verweilen und dann seinen Austnthalt im Friedberger Schloß nehmen, um in Bad Nauheim eine Kur durch- zumachen. Für diesen Aufenthalt werden die umfassendsten SicherheitSmaßregeln getroffen. Ein ganzes Heer von Polizisten. Gendarmen, SicherheitLbeamten und Soldaten wird aufgeboten, um das kostbare Leben Nikolaus des Blutigen zu schützen. Wie die „Franks. Ztg." mitteilt, wird z. V. die Ehrenwache für den Zaren nicht, wie bei früheren Fürstenbesuchen. ausschließlich von dem Garderegiment Nr. 115 ausgeübt. ES sind vielmehr dazu au§ jedem der fünf hessischen Jnfanterieregimenter, und zwar vom Regiment Nr. 115 Darmstadt, Nr. 116 Gießen, Nr. 117 Mainz, Nr. IIS Worms und 163 Offenbach-Butzbach je 82 Mann, ein Leutnant und Hauptmann Schmitz vom Regiment 168 Ostenbach kommandiert worden. In den Häusern der Burg Nr. 12 und 14 in Friedberg sind Kriminalbeamte untergebracht, die von da aus den ganzen Schloßplatz und Schloßhof übersehen können, ohne selbst ge- sehen zu werden und ohne ihre Wohnung verlassen zu müssen. Auch ist, wie man hört, neben den Telephouanlagen im Schloß ein Morseapparat aufgestellt worden, damit im Falle BersagenS der Telephonverbindung oder bei Störungen die Telegraphie zur Ver- Wendung kommen kann. Vor dem Schloßtor sind zwei Schilder» Häuser aufgestellt. Außer den hessischen Polizeibeamten werden auch mehrere Frankfurter Kriminalbeamte im Schloß stationiert werden._ Auch eine Reform. Die traurigen Vorkommnisse, die mehrfach in letzter geil äuI den Fürsorgeerziehungsanstalten an die Oeffentlichkeit drangen, haben schließlich auch die Regierung zu der Einsicht gebracht, daß das Erzieherpersonal dieser Anstalten„nicht immer den An- forderungen entspricht, die an seine sittlichen und praktischen Fähigkeiten gestellt werden müssen." Wie selbstverständlich ist, hat sich das preußische Ministerium des Innern aber zu irgend welchen gründ- lichen Maßnahmen nicht entschließen kömicn. Nach wie vor soll daS Erziehungspersonal aus frommen Anstalten, vornehmlich aus denen der Inneren Mission genommen werden, nur daß in Zukunft Fortbildungskurse für die Lehrer und Erzieher«in- gericbtet werden. Die ganze.Reform" läuft also darauf hinaus. daß künftig die Erzieher etwas länger als bislang der Dressur der Mssionsgeistlichkeit unterworfen werden. An dem Geist und der Art der Vorbereitung wird jedoch nichts geändert. Die„Verl. Corr." berichtet nämlich über die geplanten Maßnahnen: Die Anstaltsbeamten sollen daher durch Vorbildung und Unterweisung diesem Ziel näher gebracht werden. Zugleich soll eine bessere Regelung ihrer Gehaltsverhältnisse, welche gegen- wärtig nicht durchweg befriedigend sind, vorgenommen werden. Ueber die hierzu erforderlichen Maßnahmen hat auf Veranlassung des Ministers des Innern eine Aussprache zwischen Vertretern von Provinzialverwaltungen, Leitern von Anstalten der Inneren Mission und anderen Anstalten sowie Mitgliedern der Vereinigung für katholische chari- tative Erziehungstätigkeit stattgefunden. Die Ergebnisse der Konferenz und deren Vorschläge nun haben zu einem ministe- riellen Runderlaß an die Oberpräsidenten Anlaß gegeben. Fort- bildungskurse sollen eingerichtet werden. Auch sollen Anwärter für den Erziehungsberuf ausgebildet werden, zum Teil in den An st alten der Inneren Mission(!), znm Teil an der katholischen An st alt St. Joseph an der Höhe in Bonn. Ein Kursus soll für etwa sechs evangelische Anwärter an der staatlichen Erzichungs- anstatt zu Hardehausen mit dem Oktober beginnen. Ferner soll ein auf die Dauer von zwei Wochen berechneter Fort- bildungskursuS für Lehrer und Erzieher, vorwiegend aus den west- lichen Provinzen, im Oktober an der Anstalt Hardehausen ab- gehalten werden. Für die östlichen Provinzen darf mit einem Wiederholnngskursus an der Anstalt in Strausberg im Herbst dieses Jahres gerechnet werden. Da die Bezahlung des Erzieherpersonals an den kirchlichen, kommunalen und privaten Anstalten jetzt vielfach unzureichend ist, tritt«in häufiger Wechsel der Erzieher ein. Es soll deshalb an- gestrebt werden, für die Erzieher an den Anstalten so ausreichend bezahlte Stellen zu schaffen, daß sie als Lebensstellung angesehen werden können und die Gründung einer Familie gestatten. Demnach besteht die ganze Reform eigentlich nur in einer befferen Versorgung der Zöglinge frommer Anstalten. Bom Kriegsschauplatz in Nordschleswig. Wir berichteten in der Sonntagsnummer, daß ein Frl. Boesen aus Scherrebek auf 20 Tage ins Gefängnis gesteckt wurde, weil fie eine Geldstrafe von 200 M. nicht bezahlt hat, die ihr von der Regierung auferlegt wurde wegen Erteilung von Turnunterricht an jugendliche Personen unter 13 Jahren, trotzdem in zwei Fällen daS Reichsgericht entschieden hat, daß die Erteilung deS Turn- Unterrichts an Jugendliche nicht verboten werden kann, wenn eS sich nicht um Schulunterricht handelt. Auf die tclegraphifche Beschwerde des Vaters des Frl. Boesen an den Kultusminister, die am Ib. August aufgegeben wurde, ist erst am Sonnabend, den 20. August, die telegraphische Mitteilung vom Kultusminister eingegangen, daß die Vollstreckung der Strafe vorläufig ausgesetzt sei. Wohlgemerkt: nur ausgesetzt I Nachmittags 2 Uhr erhielt Boesen da? Telegramm, aber erst abends 7 Uhr konnte er die Freilassung seiner Tochter erwirken. Fräulein Boesen hat elf Tage von den ihr zudiktierten zwanzig Tagen abgesessen. Der Hofbesitzer MadS Phhsant in Langetwedt bei Rödding ist ausgewiesen worden._ Der Kronprinz als Ehrenrektor. In dem neuen KöntgSberger Universitätsgebäude fand heute in Gegenwart sogenannter hoher Gäste, deS gesamten Lehrkörpers und der Studenten die feierliche Proklamierung und Investierung des Kronprinzen als Rector magnifioentissimus der Albertusuniversität statt. Der Kronprinz hielt dabei eine durch ihre Kürze ausgezeichnete Rede, in der er die.Betonung unseres deutschnationalen Volkstums im Gegensatz zu den internationalisierenden Bestrebungen" wünschte. Seiner akademischen Würde noch gehört nun also auch der Kronprinz zu den Koryphäen der Wiffenschast. Nationalliberalismus und Großindustrie. In welchem Maße die nationalliberale Preffe und Partei von den Großindustriellen abhängig ist, zeigt folgende Annonce einer Zeitungsfachschrift(des.Zeitungsverlag»"): .Politischer Redakteur für ein nattonalliberaleS Blatt zur Vertretung der Interessen der Großeisen- i n d u st r i e und zur Förderung der Werksvereine zum eventuell soforttgen Eintritt �spätestens 1. Oktober) gesucht. Gute Redner bevorzugt. Gehalt bOOO M. Ausführliche Bewerbungen unter K. E. 7657 an die Annoncenexpedition Rud. Moffe, Saarbrücken." Demnach hält das betteffende nationalliberale Blatt den Rationalliberalismus sewst für eine Vertretung.der Jnteresseu der Großeisenindustrie"._ Ocftcmich. Gegen die Fleischnot. Wien, 23. August. DaS Eisenba hnministerium wird heute eine Verfügung veröffentlichen, nach der von allen Stattonen der österreichischen Staatsbahnen zunächst nach dem Wiener Zentralviehmartt eine fünzigprozentige Ermäßigung der Frachtpreise für Schlachtvieh gewährt wird. Die Ermäßigung ist für drei Monate in Aussicht genommen, aber unter dem Vorbehalte, die ermäßigten Tarife jederzeit widerrufen zu können, wenn die mit der Maßnahme der- bundenen Opfer nicht in den Fleischpretsen zum Ausdruck kommen sollten. Auch die Südbahn hat sich bereit erklärt, eine für die österreichischen und ungarischen Linien gleiche Vergünsttgung zu gewähren. Eine Nichtbestättgung. Wie», 23. August. Der Kaiser hat der Wiederwahl des Slovenischnattonalen Dr. H r i b a r zum Bürgermeister von L a i- buch, der Hauptstadt von Krain, die Bestätigung versagt- Spanien. Die klerikale Propaganda. Madrid, 23. August. Hier ist ein Flugblatt erschienen, in dem die K a r l i st e n erklären, sie seien entschlossen, ihre Religion mit Dolch und Revolver zu verteidigen. Die Opfer dieses Kampfes würden geradewegs in den Himmel eingehen. ktaUand. Die OrdeuSaffäre Knyper. Haag, 23. August. Ein aus drei Staatsmännern zusammen» gesetzter Ehrenrat. der aus Wunsch des ftühercn Ministers Dr. Kuyper gebildet wurde, um die gegen ihn erhobene Be- fchuldigung zu untersuchen, daß Knyper sich in der Angelegenheit der Ordensverleihung als bestechlicher Minister erwiesen habe, hat heute sein Urteil gefällt. Der Ehrenrat erklärt, daß die er- mittelten Totsachen es nicht zulassen, von Bestechlichkeit zu sprechen, und daß die Verwendung Kuypers bei einem seiner Minister- kollegen zugunsten seines Schiitzlings keine dienstliche Handlung dar- stellt. Im übrigen hat der Ehrenrat keinen Beweis dafür gefunden, daß Kuyper für sich Geld erhalten hat. (3?iecbetiUii sprechende Resolutton angenommen. Als Reichstags- wurde Liemsse Kurt Wey, LiewerkschgftSseliletär ia Hannover, aufgestellt, Lem auch zugleich die Delegakio« zuK Magdeburger Parteitag übertragen wurde. Die Generalversammlung des Wahlkreises Dortmund-Hörde beschäftigte sich zunächst mit der Erhöhung der Beiträge. Bisher., zahlten die männlichen Mitglieder 30 Pf., die weiblichen Mitglieder 15 Pf. pro Monat. Vom 1. Oktober ab wird der Beitrag erhöht für oie Genossen auf 40, für die Ge- nosstnncn auf 20 Pf. Als ReichStagSkandidat wurde der bisherige Abgeordnete Genosse Theodor Bömelburg einstimmig wieder aufgestellt. Aus seinen Ausführungen über die politische Situation sei folgendes wiedergegeben: „Es find in letzter Zeit Stimmen aufgetaucht, gemeinsam mit bürgerlichen Parteien gegen die Reaktion, gegen Zentrum und Konservative vorzugehen. Auf ein solches Gebiet darf sich die Sozialdemokratie keinesfalls begeben! Die Sozialdemokratie darf von der Verfechtung ihrer sozialistischen Ideale nicht ablassen. Die paar Demokraten m Deutschland kommen nicht in Betracht; unsere Freisinnigen sind auch nicht Leute, mit denen man einen Pakt schließen kann. Und gar erst die L i b e r a l e n I Man kennt ja die Herren in unserer Gegend ganz genau; man kann sie ruhig mit den Junkern in einen T opf werfenl Es ist ja bezeichnend, daß gerade in der hiesigen Gegend Erörterungen darüber stattgefunden haben, inwieweit Zentrum und Liberale zusammengehen können. DaS sind leine Parteien, mit denen die Sozialdemokratie zusammengehen kann. Die Frage der Abstimmung bei Stichwahlen wird davon natürlich nicht berührt.... Wir gehen zweifellos schweren Kämpfen entgegen, wir werden sie aber um so eher bestehen, je einiger wir sind. Die Vorkommnisse in Baden sind zweifellos bedauerlich. Es ist gar nicht abzustreiten, daß die badischen Genossen einen Disziplinbruch begangen haben, und es ist kein sehr schönes Bild, daß auf der einen Seite unsere Redakteure wegen Prinzriibcleidignng ins Gefängnis kommen, und auf der anderen Seite geht man zu Hose!! Aber die badische Angelegenheit darf uns nicht ein Hemmnis werden in den kommenden Zeiten; wir wollen die Sache in Ruhe und Würde behandeln, im Interesse unserer eigenen Sache." Zum deutschen Parteitag wurde folgender Antrag angenommen: „Der Parteitag erkennt an, daß die Arbeiterbiblio» t h e k e n ein wesentliches Mittel zur sozialistischen Erziehung der Massen und die eine der Grundlagen aller proletarischen Bil» dungsarbcit darstellen. Da das Bibliothekswesen aber noch viele Mängel aufweist, so wird der Bildungsausschuß beauftragt, ihm besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Insbesondere soll er er- wägen, ob nicht anläßlich des nächstjährigen Parteitags eine Konferenz von Bibliothekfachleuten abgehalten werden kann, die sich mit dem Ausbau und der Vereinheitlichung des Arbeiter» bibliothekwescnS zu beschäftigen hätten." Nach einer lebhaften Debatte über daS Verhalten der Badenser wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: »Die Zustimmung der badische» Landtagsfraktion zum Budget widerspricht dem Beschlüsse des Nürnberger Parteitages. Eme solche Abweisung von Parteitagsbeschlüssen mutz im Interesse der Einheit der Partei ganz entschieden, wenn auch mit der not». Wendigen Ruhe und Sachlichk.it, zurückgewiesen werden.. In Anbetracht der gegenwärtigen politischen Situation nnd' der bevorstehenden Reichstagswahlen ist es um so mehr zu be- dauern, daß die badischen Genossen den Varteitag wiederum vor eine solche Entscheidung gestellt haben. Wenn noch auf dem Nürnberger Parteitage scheinbar zur Entschuldigung ausreichende Gründe für das Vorgehen der badischen Genossen angegeben werden konnten, so trifft das in diesem Falle nicht zu. Die für unsere Genossen gegebene politische Situation in Baden, d. h. die Notwendigkeit der Zurückdrängung der konservativ-klerittilen Reaktion war kein genügender Anlaß, dem Budget die Zustimmung zu geben. Unter allen Umständen aber wäre eS Pflicht der badischen Fraktion gewesen, sich mit dem Landesvorstand und dem Vor- stand der Gesamtpartei über ein solches Vorgehen zu ver- ' ständigen. Es ist im Interesse der Einheit der Gesamtarbeiterbewegung, der politischen wie der gewerkschaftlichen, unbedingt notwendig, solche Disziplinwidrigkeiten und Gefahren zu bannen, die geeig- net sind, die Einheit der deutschen Arbeiterbewegung zu ge« fährden. Nicht minder ist die Beteiligung unserer badischen Fraktion an monarchischen Huldigungen zu verurteilen, die zu den demo» kratischen Grundsätzen des Parteiprogramms im schroffsten Widerspruch stehen. Die Delegierten des Wahlkreises Dortmund-Hörde werden beauftragt, auf dem Magdeburger Parteitag in diesem Sinne zu wirken, ferner aber auch darauf zu achten, daß der Parteitag nichti zu einer Fundgrube für die Agitation der gegnerischen Parteien gemacht wird." Der Parteitag wird mit drei Delegierten beschickt. Die Parteiverhältnisse in Niederschlesirn. Im Agitationsbezirk Görlitz, der sieben niederfchlesische ReichStagSwahlkreise umfaßt, ist die Zahl tzer Parteimitglieder von 4981 auf 6287 gestiegen. Für daS Parteiorgan, die ,, Görlitzer Volkszeitung", wurde eine Druckerei errichtet, die im Berichtsjahr« eröffnet werden konnte. Die Zahl der Abonnenten der Parteipresse steigerte sich im Berichtsjahre um 1593. Bei den Stadtverord- neten- und Gcmeindevertreterwahlen hat unsere Partei glänzend ah» geschnitten. Die Zahl der Stadtverordneten und Gemeindevertretcr konnte verdoppelt werden. Sie beträgt zurzeit 101, davon 13 Vertreter der zweiten Abteilung. Auch die Jugendbewegung hat beachtenswerte Ansätze im Bezirk zu verzeichnen. .Genossin Luxemburg schreibt in der„Leipziger VolkSztg.": Genosse Cunow erklärt es als eine„Unanftüichigkeit", daß ich aus„Privatbriefen" die Mitteilung über jene..Vereinbarung' zwischen der Redaktion und den Parteiinstanzcn veröffentlicht habe, kraft deren die Debatte über den Massenstreik im„Vor, wärt»" nicht zugelassen worden ist. Demgegenüber erkläre ich, daß ich mein Lebtag mit Genossen Cunow keine»Privatkorre» spondenz" geführt habe, daß in jenem Brief, der eine einfache Antwort der Redaktion auf meine Zusendung des Artikel» war, nicht eine Zeile außer der Motivierung der Ablehnung stand.' Ich hatte es vielmehr für unanständig, angesichts einer solchen „Vereinbarung" öffentlich denjenigen, die ihre Existenz feststellen, Wider besseres Wissen„Tratsch" und„phantasievolle Behaup- tungen" vorzuwerfen. Die Partei hat das Recht zu wissen, ob derartige„Vereinbarungen" zwischen der Redaktion deS leitenden Organs und den Parteiinstanzen bestanden oder nicht, und die Bemühungen, den Sachverhalt zu vertuschen, sind nur geeignet, die breiten Parteikreise irrezuführen, was meines Erachtens wedxr politisch klug noch auch anstandig ist. � RosaLuxemburg. s O Ich habe schon in Nr. 193 des„Vorwärts" erklärt, daß ich mit Genossin Luxemburg über die Unanständigkeit, aus Privatbriefen Mitteilungen zu veröffentlichen, nicht rechten will, da ihr meines Erachtens daö Gefühl dafür fehlt. Die obige Aeußerung in der „Leipz. VolkSztg." bestätigt nur meine Annahme. Ich halte eine Antwort auf einen direkt an mich gerichteten Brief, die ich nicht im- Namen der Redaktion, sondern persönlich erteile und in der ich Angelegenheiten berühre, die klar ersichtlich nicht für die Oeffent- lichkeit bestimmt sind, für einen Privatbrief. Sieht Genossin Luxemburg darin etivaS anderes, ist das ihre Sache. Ebenso steht es mit dem Ausdruck„Vereinbarung". Ich habe offen dargelegt, worin die„Vereinbarung" bestand. Will absolut Genossin Luxemburg in dieser Vereinbarung ein. Verbot fthen,«W, so kann ichs Mt äMxv. Sunow. � 0ewcrhrcbaftUcbee. Zur La wiesen. Wenn wissenschaftliche Argumente fehlen, ist der Ver» letzte ein Alkoholiker oder ein Simulant, sicher indes eia Uebev- treiberl„,*« Letzte J�achncbten. Der Protest der Rixdorfer Kommunalwähler. In fünf öffentlichen Versammlungen beschäftigten sich gestern die Rixdorfer Kommunalwähler mit dem volksfeindlichen Beschluß des Magistrats, der entgegen Recht und Gesetz die Wählerlisten zu den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen wieder nach dem 1)4 fachen Durchschnitt aufstellte. Die Versammlungen waren sämtlich über« füllt In einzelnen Versammlungen erklärten die Vertreter der demo, kratischen Partei, daß sie im bevorstehenden Wahlkampfe mit unsere« Partei Schulter an Schulter kämpfen werden. In allen Versamm« lungen wurde unter lebhaftem Beifall folgende Resolution ange« nommen: Die heute Versammelten protestieren auf das energischste gegen die volksfeindliche Haltung des Magistrats, die Wähler« listen zu den diesjährigen Stadtverordnetenwahlen wieder nach dem 1)4 fachen Durchschnitt aufzustellen. Durch diese Handlungs« weise hat der Magistrat bewiesen, daß er nicht gewillt ist, die Interessen der übergroßen Mehrzahl der Bevölkerung wahrzu- nehmen, sondern lediglich bestrebt war, den Wahlrechtsräubern auch fernerhin die Macht zu erhalten. Die Versammelten erklären daher, daß sie bei den bevor« stehenden Stadtverordnetenwahlen die äußerste Energie aufbieten werden, daß nicht Wahlrechtsräuber, sondern Stadtverordnete ge» wählt werden, welche nicht die Einwohnerschaft um ihre Rechte he- trügen. Wenns nur nicht anders kommt. Baden-Baden, 23. August.(B. H.) Morgen nachmittag wird das Luftschiff L. Z. VI. sich an dem Blumcnkorso beteiligen. Nach Schluß der Korsofahrt findet ein ausgedehnter Flug über die Höhen und Täler der Umgebung statt, der 2 bis 3 Stunden dauern soll. Der Preis für die Teilnehmer der Fahrt beziffert sich auf 460 M. pro Person._ Grubenbrand. Dortmund, 23. August.(Privattelegramm des„Vorwärts".). Auf der Zeche Kaiserstuhl ist heute abend gegen 7 Uhr im Aufbruchs» schacht zwischen der zweiten und drittxn Sohle ein Grubenbrand aus- gebrochen. Das Feuer fand an der trockenen Zimmerung und am Kohlenstaub reichliche Nahrung. Die in der Grube arbeitende Be- lcgschaft konnte noch rechtzeitig ausfahren, jedoch wurden zwei Ar- beiter bereits betäubt zu Tage gebracht. Vom Blitz erschlagen. Kronenberg, 23. August.(B. H.) Bei einem schweren Ge- witter, welches gestern hier niederging, wurde ein l8jähriger Arbeiter auf dem Heimweg vom Blitze getroffen und war sofort tot. Durch Blitzschläge wurden auch sämtliche Telephonverbindunge» der Umgegend zerstört. Eine Schreckensfahrt. Pirmasens, 23. August.(B. H.) Ein bedauerlicher Auto» mobilunfall ereignete sich gestern auf der Bergstrahe zwischen Trulbe und Niedcrscheid. Bei einer Straßenbiegung versagte die Bremsvorrichtung eines Automobils. Das Gefährt sau sie den Berg hinab und langte schließlich voll» ständig zertrümmert im Straßengraben an. Der Chauffeur, der unterwegs abgesprungen war, wurde schwer verletzt. Von den vier Insassen, drei Damen und ein junger Mann, wurden die Damen gleichfalls schwer verletzt, während der Begleiter mit dem bloßen Schrecken davonkam. Abgestürzt. Lauterbrunnen, 23. August.(W. T. 83.) Im Gebiet der Jungfrau ist heute der Züricher Tourist N u e ß l i durch Absturz tätlich verunglückt. Kaul Singer& Co., Berlin 2W, Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltungsbl, Nr. 197. 27. Jahrgang. I KnlU ks.liitiiiiirlö" Mitimch, 21 AyH 1910. Cbren-Cebius. Herr Rudolf Lebius, der Wandelbare, dürfte nichl viel Leute Auftreiben, die ihn für einen Gentleman halten. Trotzdem wird mancher seine Fähigkeiten noch besser würdigen, wenn er folgendes beeidigtes, notarielles Protokoll liest, das der„Hohenstein-Ernst- thaler Anzeiger" veröffentlicht Darin he igt es u. a. wörtlich: „Die Eheleute Krügel erklären sich bereit, sich als Zeugen cid lich von mir vernehmen zu lassen. Sie werden durch das Zeugnis des mir persönlich bekannten Expedienten Friedrich Eduard Vogel von hier legitimiert. Die Zeugen wurden von mir eingehend auf die Bedeutung des Eides hingewiesen und hierauf und zwar zunächst Herr Krügel in Abwesenheit seiner Ehefrau vernommen wie folgt: Herr Krügel sagte aus:.,...Zur Sache: Gegen Mitte November 1909 kam eines Tages der mir bis dahin unbekannte Journalist Rudolf Lebius aus Charlottenburg in meine Wohnung(es war gegen Abend) und fragte mich, ob ich im Besitze eines Tagebuches meines verstorbenen Bruders Louis Napoleon Krügel sei, er be- absichtige einen humoristischen. Kalender herauszugeben uns wolle in diesem Kalender einige der Taten beschreiben, die mein Bruder Louis Napoleon in hiesiger Gegend mit Karl May vollbracht habe. Ich erwiderte ihm. ein Tagebuch meines Bruders hätte ich nicht. Auf weiteres Befragen sagte ich, dah ich wohl einiges wisse, aber nur das, was mir mein Bruder Louis Napoleon, mit dem ich früher zusammen im Waldenburgischen gearbeitet habe, während der Frühstücks- und Vesperpausen erzählt habe. Lebius bat mich, ibm das zu erzählen, was ich von meinem Bruder gehört hätte und ihn zu diesem Zwecke in das hiesige Hotel„Drei Schwanen" zu begleiten. Er erklärte dazu, ich könne viel Geld dabei verdienen. Ich bin darauf mit ihm in das Hotel„Drei Schwanen" gegangen und habe dort im Gastzimmer ihm alles er- zählt, was ich aus den Erzählungen meines Bruders noch wußte, habe aber dabei Herrn Lebius darauf hingewiesen, ich wisse nicht, ob das, was ich erzähle, auch wahr sei, ich wisse das nur aus den Erzählungen meines Bruders. Gegen Weihnachten erhielt ich aus Eharlottenburg ein Exem plar der Zeitschrift„Der Bund" zugeschickt, in welchen, die gröbsten Anschuldigungen gegen Karl May erhoben wurden. Neben Er- Zählungen, die ich Herrn Lebius nach den Mitteilungen meines Bruders gemacht hatte, waren ein großer Teil solcher Behauptungen aufgestellt, von denen mir mein Bruder nichts mitgeteilt hatte und die ich für durchaus unwahr hielt. Ich ärgerte mich damals sehr darüber. Herrn Lebius überhaupt Mitteilung gemacht zu haben, da ich annahm, daß der Artikel im„Bund" sich lediglich auf meine Mitteilungen stützte und die Zusätze freie Erfin- düngen des Herrn Lebius waren. Eine Erklärung Herrn Lebius gegenüber habe ich nicht abgegeben. Nach langer Zeit, wohl im Juni 1919, erhielt ich von Herrn May die Privatklage, in der ich beschuldigt wurde, alles das über Herrn May geäußert zu haben, was in dem vorerwähnten Artikel des„Bund" stand, also auch das, ivas mir von meinem Bruder Louis Napoleon gar nicht erzählt, sondern meiner Meinung nach von Herrn Lebius erfunden war. Hiervon habe ich sofort Herrn Lebius benachrichtigt und angefragt, was ich nun tun solle. Herr Lebius schrieb, wir seien im Rechte, ich solle die zwei Schriftstücke, die er mir mitschickte, unterschreiben, bei Gericht einreichen und im. übrigen mich an Herrn Rechtsanwalt Carstanjen in Hohenstein- Ernstthal wenden. Das habe ich getan. Am Sonntag, den 7. August 1919, erhielt ich ein Telegramm von Herrn Lebius, in welchem er mich Montag, den 8. August, nach- mittags 2 Uhr in das hiesige Hotel„Gewerbehaus" bestellte und sich bereit erklärte, mir den entgehenden Arbeitsverdienst zu ersetzen. Als ich hinkam, war Lebius in einem von ihm ermieteten Zimmer des ersten Stockwerkes. Dort ersuchte er mich, mit ihm in die„An- lagen" spazieren zu gehen, da im Nebenzimmer der Amtsrichter wohne. Wir gingen hierauf in die Parkanlagen des hiesigen Erz- gebirgsvercins und dort erklärte mir Lebius, ich brauchte keine Angst zu haben, wir würden den Prozeß gewinnen, ich sollte nur alle in der Klage enthaltenen Punkte aufrechterhalten und als wahr bezeichnen und sollte tun, als wenn ich sie alle selbst miterlebt hätte und nicht bloß aus Mittei- lungen meines Bruders wüßte. Er werde die Beweise liefern. Ich erwiderte ihm, ich könne doch unmöglich das, was ich von meinem Bruder gehört hätte, als eigene Erlebnisse hinstellen, und � könne doch die unwahren Angaben des fraglichen Artikels nicht als Tatsache behaupten. Herr Lebius erklärte hierauf, das sei alles Mumpitz, wenn nur zwei oder drei Fälle erwiesen würden, das andere sei Nebensache, ich solle nur so aussagen, wie er mir an- gegeben habe. Im weiteren Verlaufe des Gespräches erklärte er, wahrschein- lich würde ich auch in dem Charlottenburger Prozeß als Zeuge abgehört werden, da solle ich dann ebenso aussagen und auch so tun, als wennich das, was mein Bruder erzählt hat, und was sonst noch in dem Artikel behauptet werde, selbst mit erlebt hätte. Wenn dann die Prozesse sämtlich vorbei seien und wenn wir siegreich gewesen sein würden, so werde er mir als Bcloh- nung 2999 Mark zahlen. Ich lehnte sofort ab, irgendeine Unwahrheit zu sagen. Lebius wiederholte dann seine Zusicherung, mir 2999 Mark zu zahlen, wenn wir die Prozesse gewinnen würden, noch zwei- oder dreimal. Als ich dabei blieb, daß ich keine Unwahrheit sagen würde, erklärte er noch:„Dann sind wir geschiedene Leut e."... Hierauf wird vernommen Frau Krügel und sagt aus, wie folgt: ..... Gegen 8 Uhr abends desselben Tages kam hierauf ein Herr in meine Stube, und ich dachte mir sofort, daß das Herr Lebius sein müsse. Er fragte nach meinem Manne, der nicht zu Hause war, und erklärte, als ich nach seinem Namen fragte, er sei aus Chemnitz. Nachdem er von mir gehört hatte, mein Mann sei nicht zu Haufe, entfernte er sich, kam aber gleich darauf wieder und sagte, ich möchte meinen Mann, sobald er käme, in den „Schwan" schicken. Darauf sagte ich ihm auf den Kopf zu, er sei Herr Lebius aus Charlottenburg, was er nach einigen Zwischen- äußerungen zugab. Hierauf legte ich ihm die Privatklage zur Durchsicht vor. Er wollte sie mitnehmen, ich gab sie aber nicht her. Darauf hat er sie durchgelesen. Währenddessen hielt ich ihm vor, was denn werden solle, wenn mein Mann Strafe erleiden würde, er habe doch meinen Mann belogen, er habe erklärt, er wolle einen Kalender herausgeben, womit mein Mann sich Geld verdienen könne und jetzt bekomme er deswegen eine Klage zugeschickt. Lebius erklärte darauf, wenn mein Mann bestraft würde, werde er mich und meine Kinder nicht sitzen lassen, sondern unterstützen. Ferner fragte er:„Leiden Sie Not?", und als ich hierauf nicht antwortete, nahm er sein Portemonnaie zur Hand und erklärte, er wolle mir 29 Mark geben. Ich erwiderte: „Das nehme ich nicht!" Darauf ging er, erklärte aber an der Tür noch: Warum haben Sie die 29 Mark nicht genommen; ich nehme 5 Pfennig, wenn sie mir jemand schenken w i l»l."... Hierauf wird Herr Krügel nochmals vorgerufen und erklärt: „... Am fraglichen Tage habe ich Herrn Lebius im genannten Hotel getroffen und ihm auf sein Ersuchen die Privatklage, die ich eingesteckt hatte, behändigt. Auch an diesem Tage führte mich Lebius in die Parkanlagen und schon hier instruierte er mich, ich solle bei den früheren Angaben stehen bleiben, die Beweise werde er beibringen, ich solle mich nicht fürchten, wenn ich b e st r a f t würde, käme er dafür auf. Dabei fragte er mich nach meinem Wochenvcrdienst und erklärte, als ich diesen Verdienst an- gab, daß, wenn ich bestraft würde, er meiner Frau zu deren Lebens- unterhalt wöchentlich 18 M. bezahlen würde, solange meine Haft dauer e." Auch diese Niederschrift wurde Herrn Krügel von mir vor- gelesen und von ihm genehmigt. Hierauf leisteten die Zeugen in Gemäßheit des Z 392 Z.-P.-O. den Zeugeneid vorschriftsmäßig ab. L. S. Dr. Oskar Dierks, K. Sächs. Notar." Wahrlich, die Unternehmer können auf ihren bezahlten Mit- Helfer im Kampfe gegen die Arbeiter stolz sein. Die Sache, die Lebius vertritt, harmoniert mit seinem Charakter. Bilder vom Katholikentag» Augsburg, 22. August. Man mag dem Katholikentag alles nachrühmen, nur eines ver- mag auch der wohlwollendste Beobachter nicht zu entdecken: Die heilig inbrünstige Stimmung. DaS Ganze erscheint mehr wie ein Masseneinbrnch hungriger und durstiger Fremdlinge; die plötzliche Vermehrung einer Stadt von 199 909 Einwohnern(mit verhältnismäßig wenigen Gasthäusern) um fast die Hälfte muß nichts wie eine tilmultnarische Aufregung hervorbringen. So ist dem Zentrums- tag ein Massenmord von unschuldigen Kälbern vorausgegangen, 1209 ihre« Stammes sollen ihr Leben für die Ungläubigen haben Hingeben müssen; und am Sonntagabend ist namentlich das Personal der Gastwirtschaften in völlig erschöpftem Zustand. 45 999 Personen haben die Eisenbahnen— 85 Sonderziige— am Sonntag früh in die Stadt geschleppt und 49999 am Abend wieder heimgebracht. Die Zahl der Teilnehmer am Festzug wird von dem offiztellen Festblatt auf 35 999 geschätzt; meine eigene gewissenhafte Zählung aber er- gibt höchstens 25 999. Viele hatten es wegen der quälenden Hitze vor- gezogen, in den Wirtschaften zu bleiben,� wie denn auch die größte aller Arbciterversammlungen in der Festhalle nur eben so zahlreich besucht war, daß die Redner— Adel und Arbcitersekretäre— eine Corona um die Tribüne hatten. Die Sanitätskolonne wurde 89 Mal zur Hilfe gerufen. In diesem Jahrmarktstreiben gewahrt man nur selten ein liebenswürdig stilles Bild. Am Sonmagvormittag brachten junge Burschen dem AugSburger Bischof ein Liederständchen. An der Pforte seines grünumhegten, herrlich ruhigen Heims entließ dann der Bischof die Sänger. Der wohlbeleibte Herr mit dem gemütlich Augen Gesicht,»u seinem lichtvioletten Gewände, wirkte recht bildhaft, wie er jedem Einzelnen die Hand reichte und freundliche Worte des Dankes an die beglückten Burschen richtete. Die Szene atmete etwas wie Gemeinschaftsgefühl, und wenn sie auch nur geschickte Technik sein mochte, so läßt sich doch gerade aus solchen väterlich demokratischen Zügen ein gut Teil des Einflusses erklären. Auffällig wirkt immer wieder der Gegensatz, wie sehr der hohe Klerus in Tracht. Haltung und Körper auch die ästhetischen Bedürfnisse zu be- friedigen bemüht ist. während die niedere Geistlichkeit in sinnen- feindlicher Häßlichkeit der Kleidung und häufig auch in höchst undisziplinierter Leibiichkcit ihren Stolz sucht. Während des Festzuges konnte man einen Augenblick den Geist dieser Veranstaltung von Grund aus verwandelt glauben. AuS der Gruppe eines Arbeitervereins ertönte plötzlich die— Marseillaise, die von kräftigen Stimmen begonnen, aber bald wieder abgebrochen wurde. Welchen Text sie der revolutionären Melodie untergelegt haben, konnten wir nicht vernehmen. Aber eS war doch wenigstens fchon die Melodie, wie eine Verheißung einer freien Zukunft. Freilich musikalisch sind die Frommen auch sonst unbedenklich. So spielte eine Jugendkapelle den weltlich-sündhaflen Carmen-Marsch, indem sie allerdings die Sinnlichkeit dieser Musik durch falsches Spiel erheblich abtöteten. Mache im übelsten Sinne war es, wie der Bauerndoktor Heim mit Erzberger in der Maximilianstraße, der alten Hauptstraße Augsburgs, einem unerreichten Wunder verlorener Städtevaukunst. auf einem Auto sich aufgepflanzt hatten und nun GtNtralvtrsmllNllung des Uerbilndes der FitHoppHtn, Stelndrncker und vemandten Geiverbe. Hamburg, 22. August. Am Montagnachmittag wurde im Gewerkschaftshause zu Ham- bürg die von öS Delegierte», vier Vorstandsmitgliedern, einem AuS- schuß- und einem Redaktionsmitgliede deS Verbandsorgans besuchte die ganze Zeit lang die unablässigen Hochrufe der Festzügler huldvoll entgegen nahmen. Diese bis in alle Einzelheiten im voraus geregelte„Stimmung" des Katholikentages läßt überhaupt jeden echten Eindruck schnell wieder verschwinden, der an sich unler dem Gefühl des Massen- aufgebots einstehen könnte. Nach wenigen Minuten der Teilnahme ninnt man schon das bestimmte Urteil, daß das Ganze eine leere widerwärtige Karrikatur des Gottesdienstes ist. Die von der lebendigen Teilnahme ausgeschlossene Menge betätigt sich, statt durch Diskussion, mit Zwischenrufen, die mechanisch geregelt sind, wie die Chorrufe im kirchlichen Ritus. Beifall, Händeklatschen, Heiterkeit, die in regelmäßigen Abständen, ohne jeden Anlaß, betätigt werden, sind keine elcmenentaren Stimmungs- ausbrüche. keine Improvisationen, sondern eben nur feste Bestand- teile der— Geschäftsordnung. Und eine Gruppe von Geistlichen wirkt ganz deutlich und recht plump als Stimmführer für die höchst unmotivierten Ausbrüche der Begeisterung der— Masse; daS ließ sich namentlich in der ersten geschlossenen Sitzung höchst lustig be- obachten. Die innere Oede wird noch fühlbarer durch die religiös gefärbte Routine, die unerträglich gesalbte und gezierte Redeweise. die von den Laien noch pastoraler getönt wird als von den Geist- lichen, und endlich durch die süßliche gegenseitige Anhimmelung. Alle Ansprachen und Reden sind vorher festgestellt, soweit sie für die Oeffentlichkeit bestimmt sind. Daher denn das hiesige offizielle Festblatt, da§ täglich erscheint, am Montag in aller Frühe schon den Wortlaut aller Ergüsse bringen konnte, die am Sonntagabend von statten gingen— eine namentlich für die ZentrumSpresse erstaunliche journalistische Leistung, die da- durch erklärlich wird, daß sie eben vorher schon gesetzt waren. Eine kleine Abweichung vom Programm, die sich der Vorsitzende des LokalkomiteeS in der Begrüßungsversammlung am Sonntag« abend zuschulden kommen ließ, konnte in dem Bericht des Festblattes nicht mehr ganz berücksichtigt werden und wurde damit zum Vor- räter dieser Organisation. So ist auch die ganze Tendenz der Veranstaltung vorher pein- lich geregelt. Mit ganz besonderer Eindringlichkeit wird diesmal Frieden und Toleranz gegenüber der anderen Konfession gepredigt. Um so wilder schrillt der Schlachtruf gegen Freidenker und Modernisten. Selbst das historische Vergleichsbeispiel ist vorher angeordnet: es kehrt bei mehreren Rednern wieder. Dieser Katholikentag soll so eine Art neue Schlacht auf dem Lechfelde sein gegen die„Hunnen" des Unglaubens, gegen die Hunnen des Wortes und der Feder. Dieses Anstürmen gegen die Freidenker ist aber auch nur ein Ersatz für das Kulturkampfsalz, das nachgerade dumpf ge- worden ist. Es kostet immer mehr Mühe, sich als die Ver- folgten darzustellen und so den Fanatismus aufzupeitschen. Und wenn gar in Augsburg, wo der liberale BürgermeisteramSonntag dicGläubiaen — eben noch hatte die klerikale Augsburger.Postzeitung" die Liberalen für schlimmere Kirchenfeinde als die Sozialdemokraten ausgegeben! �„tiefempfunden" begrüßte und der Vorsitzende des LokalkontiteeS das hohe Lied der Toleranz sang:„Unsere Redner werden über olles sprechen, aber über eines werden sie nicht sprechen: über die Verhüllnisse einer anderen Konfession". Ucber Bauch- anbeter darf nicht gesprochen werden, also los auf die Atheisten, Modernisten, Freidenker. Unter diesem Mangel an wirklich begründeter Kampfesstimmung Generalversammlung eröffnet. Außerdem sind erschienen die Ver- treter der Tapetendrucker. Formstecher und Chemigraphen. Die Generalkommission ist durch Dublin- Berlin vertreten, der auch zugleich Vertreter des Buchdruckerverbandes ist. Als Gäste sind Ver- treler anderer graphischer Organisationen anwesend. In seiner Begrüßungsrede betont der VerbandSvorsitzcnde S i I l i e r- Berlin, daß dieses Jahr auch ein Jahr des Jubiläums für den Verband sei, denn vor 25 Jahren sei in Berlin der Grund- stock für den Verband gelegt worden durch Gründung eine? Fach« Vereins. Andere Städte folgten, und im Jahre 1899 sei in Magde- bürg der Zentralverband ins Leben gerufen worden. Anfangs 2359 Mitglieder zählend, betrug die Mitgliederzahl bei der Ver- schmelzung(1995) 11 599 und ist jetzt auf über 17 599 gestiegen. Durch die Tarifbewegung seien die Mindestlöhue ganz bedeutend in die Höhe gegangen, so daß jetzt auch in den kleinsten Orten der Anfangslohn für einen Gehilfen nach beendeter Lehrzeit 13 M. betrage. Im Namen der Hamburger Kollegen heißt Ulrich die Dcle« gierten herzlichst willkommen, im Namen des österreichischen Zentral- Verbandes übermittelt Mühlborger- Wien die Brudergrüße seiner Organisation, den Arbeiten der Generalversammlung besten Erfolg wünschend. Außer den rein geschäftlichen Angelegenheiten stehen auf der Tagesordnung die„Taktik bei Lohnbewegungen",„Unser Verhältnis zu den ckudercn graphischen Gewerben" und die„ReichSversichcrungS- ordnung". Abgesehen von dem Punkt„Taktik bei Lohnbewegungen", tragen die auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände einen rein geschäfts- mäßigen Charakter. Dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht, der eine dreijährige Periode umfaßt, entnehmen wir folgende Angaben: Vom Verbände der Photographen traten 257, vom Verbände der Formstecher 439 Mitglieder über. Am 1. Januar 1997 betrug die Gcsamtmitgliederzahl 15 768, am I.Januar 1919 17 595, am 1. April 1919 17 397. Als Ursache dieses kleinen Rückganges in der letzten Zeit wird das Zurückgehen des Berufes bezeichnet.„Eine ganze Reihe von Mitgliedern suchten sich eine Existenz in anderen Berufen und traten damit auch in andere Organisationen über," heißt eS diesbezüglich im Bericht. Der Lehrlingsabtcilung ge« hörten am 1. Januar 1919 3396 an gegen 2464 am 1. Juli 1993. Diese Abteilung wurde am 1. März 1993 ins Leben gerufen. Der Kassenbericht umfaßt die Zeit vom 1. Juli 1997 bis 31. März 1919, also einen L�jährigen Zeitraum. Die Gesamt- einnähme beläuft sich auf 2 373,769,94 Mark, die Gesamt- ausgäbe auf 2 698 613,36 Mark. Die LehrlingSabteilung ver- eiunahmte mit dem 7595,83 Mark betragenden Zuschuß auS der Gewerkschaftskasse des Verbandes 37 956,33 M. und verausgabte 36 464,19 M. Die in Liquidation befindliche Witwen- und Waisenkasse des Senefelderbundes vereinnahmte 26 481,35 M. und verausgabte 393 187,67 M. Der Kassenbestand bei Auf- lösung des Bundes bezifferte sich auf 383 939,91 M., der Ueberschuß der Allgemeinen Unterstützungskasse auf 76454,96 M., so daß eine Gesamteinnahme von 485 975,32 M. zu verzeichnen ist, der die genannte Ausgabe gegenübersteht. Der Kassenbestand betrug am 2. April 1919 182 787,65 M. Das Vermögen deS Verbandes betrug am 39. März 1919 883 393 M. Bei der Ver» schmelzung am 1. Juli 1995 wurden vom Senefelderbnnd 261 998 M. und vom Verband 257 543 M. übernommen. Unter den AuSgabeposien stehen für Krankenunterstiitzung 812 169 M., Arbeits- losenunterstützung 436 639 M., Extraunterstlltzung 165 894 M., Reise« Unterstützung 88 398 M., Umzugskosten 41 958 M.. Gemnßrcgclten- Unterstützung 28 567 M., Rechtsschutz 5710 M., Sterbegeld 39 629 M„ Witwenunterstützuug 123 953 M. und Jnvalidenuntcrstütznng 239 433 M.— Was die Lohn- und Tarifbewegungen in der Berichts- Periode anlangt, so fanden 225 Lohnbewegungen mit und ohne Streiks statt; es kamen in Betracht 159 Orte mit 433 Betrieben und 5252 Beschäftigten. Durch die Tabaksteuer ist der Beruf stark in Mitleidenschaft gezogen worden, weil jetzt weniger farbige Packungen in Frage kommen; zum Teil wird die bunte Packung ganz ausgeschaltet.„Wir können uns also bei der deutschen Reichsregierung bedanken, daß sie durch solche unsinnige, zum mindesten wirtschaftlich schwer schädigende Steuerschraube ein gut Stück unseres Erwerbslebens vernichtet hat. Wäre die Plakatsteuer auch noch Gesetz geworden, wie es die Reichsregierung beabsichtigte, dann könnten ruhig etliche Hundert, ja Tausende Kollegen unserer Branche unseren Beruf ver- lassen, weil die Industrie zum guten Teil vernichtet wäre, was einer in Deutschland nicht verfolgten, sondern längst verfolgenden Partei litten die Ansprachen in der BegrüßungSversammlung. Sie waren schal und geschwätzig. Nur eine markante Erscheinung hob sich aus den bürgerlichen Mittelmäßigkeiten hervor: der brasilianische Titularbischof Bahlmann, der Sohn eines Oldenburger Schul- lehrers, der die Grüße von Brasilianern, Indianern imd Franziskanern überbrachte. Eine schlanke, hohe Erscheinung mit einem hageren, herrschaftsgewohnten Zäsarenkopf und dunkel glühenden Augen, in einem zartgrauen Gewände, von dem sich die leuchtend roten Handschuhe mit dem mächtigen goldenen Ringe wirksam abhoben. Der war viel weniger fromm verzückt wie der Direktor der Münchener Staatsbibliothek Grauert, der vor dem Lokalkomitee seinen Dank aussprechen sollte, sich aber in einen unendlichen Phrasenschwall verlor und mit fürchter- lichem Pathos persönliche Bekenntnisse seines Christentums ablegte. Der tanzte außer der Reihe, weshalb denn der Bericht des Fest« blattes nichts von dieser langen Rede iveiß, die in dieser kühl über- legten künstlichen Welt geistlicher Diplomatie und— Demagogie stilwidrig und parodistisch störte. Einen bedeutenden Raum nehmen diesmal in den unendlichen Veranstaltungen die Akademiker ein. Die katholischen Studenten- Vereinigungen veranstalteten am Montag vormittag eine Wagen- ausfahrt. Die jungen, glattgescheitelten pomadisierten Herren fanden in ihren bunten Jacken viel Publikum. Namentlich Frauen und Kinder drängten sich dicht und manche Jungfrau streute Blumen in die Wagen der ineusurenfreien Helden. Auch die Esperantisten haben sich jetzt katholisch organisiert. Eine Enttäuschung brachte die katho- tische Lehrerversammlung. Der modernistisch verdächtige Herr Spahn junior hielt eine professoral matte Rede über die Notwendigkeit katholischer Lehrerverciuigungen und konfessioneller Schulen— er war ganz korrekte Gesinnung. Von dem Vorsitzenden der Ver- sammlung wurde Bayern als das Land gefeiert, wo man noch etwas von Schulen versteht. „Nach der gestrigen Parade beginnt heute der Ernst"— mit dieser unvorsichtigen Wendung eröffnete heute Herr Reifert, der Rechtsanwalt der strenggläubigen Professoren gegen die Würzburger Modernisten die erste geschlossene Versammlung. Das Präsidium wurde gewählt: Oberlandesgerichtsrat Marx wurde erster Präsident, der das Amt schon in einer breitspurigen und geschwollenen Rede an- nahm, ehe er eigentlich gewählt war. Erster Vizepräsident ward ein Feudaler auS der sächsischen„Diaspora", Graf Schönburg-Glauchau, der Schutzherr Karl Mays, zweiter Vizepräsident der Münchener Eosiu-Agrarier Speck. Telegramme an Papst, Kaiser, Prinzregenten wurden abgefertigt, der Geschäftsbericht des Zentralkomitees debatte- los erstattet. Endlich wurden noch die Anträge ohne Diskussion er- ledigt, die nicht erst in die Ausschüsse verwiesen wurden. Karl Bachem behandelte die römische Frage. Vom gefangenen Papst ist längst nicht mehr die Rede, die Forderung der Unab- hängigkeit des Kirchenstaates wird kaum noch angedeutet. Dafür gibt eS eine Polemik gegen die jüngst in einer Schweitzerschen Broschüre'behandelte Auffassung, daß das Papsttum nicht göttlichen Ursprungs sei. Wie, ruft Herr Bachem mit einer eigens für diesen Zweck erfundenen neuen Logik aus, läßt sich sonst erklären, daß das Papsttum alle weltlichen Dynastien überdauert hat. Freilich geht es dem Papsttum gegenwärtig übel: Frankreich und jetzt auch Spanien hat den Bruch mit ihm vollzogen, wie vorher schon Italien. Um ohnehw durch die unglückliche Zollpolitik bereits geschehen ist/— Die internationalen und nationalen Beziehungen zu anderen Verbänden sind in entsprechender Weise gepflegt worden.— Ueber den Schutzverband deutscher Steindruckereibesitzer wird gesagt, dasi dieser sespjt von«inigen Unternehmern„Friedensstörer" genannt werde. Hamburg, LS. August. Die Punkte der Tagesordnung sind verschoben worden, so daß erst die Generaldebatte über die zum Verbands st atut gestellten Anträge stattfindet. Der Hauptvorstand schlägt vor, an den Unterstützungssätzen nichts zu ändern. Bei der Lehrlings- abteilung soll der Beitrag von 10 aus 16 Pf. erhöht werden, um daS Defizit von MM M. auszugleichen. Wie der Hauptkassierer be- tont, gibt es Mitgliedschaften, die, obwohl sie hinsichtlich der Unter- stützinigsauszahluiig an erster Stelle marschieren, eine Herabsetzung der Beiträge wünschten. Pro Jahr und Mitglied zahlten an Unter- stützungen: Breslau 61,76 M., Kassel 64.86 M., Karlsruhe 66,46 M., Augsburg 73 M., Frankfurt a. M. 79,66 M., Berlin 46 M. und Leipzig 36,31 M. Um die T a p e t e n d r u ck e r, die zu den schlechtestbezahlten Arbeitern im graphischen Gewerbe gehören, mehr für den Verband zu gewinnen, tritt U l r i ch- Hamburg in warmen Worten für die Einführung eines Staffelbeitrages ein. Gelingt es dem Verbände, die Lebenslage der Tapetendrucker zu heben, dann könnten diese später vollzahlende Mitglieder werden. Der Beitrag für diese Kollegen könnte 76—86 Pf. betragen unter Fortfall der Invaliden- und Witwenunterstützung und Herabsetzung der Krankenunterstützung. — Müller vom Hauptvorstand bekämpft diese Ansicht, weil es unter den übrigen graphischen Gewerben viele Mitglieder gebe, deren Einkommen unter 26 Mark betrage. Wir müßten dann ein Viertel aller Mitglieder der zweiten Klasse überweisen. Führen wir gestaffelte Beiträge ein, dann müßten auch die Unterstützungssätze unterschiedlich sein. Die Staffelung würde den Ruin der Jnvalidenkasse bedeuten. Ob eine Herabsetzung des Beitrages auf eine Mark— und so hoch müßte der Beitrag sein— eine so außerordentliche Werbekraft besitzen würde, bezweifle er stark. Es sei gesagt worden, der gewerkschaftliche Charakter des Verbandes trete durch das Unterstützungswesen in den Hintergrund. Redner ist anderer Ansicht und führt aus, daß unter Umständen die ganze Kasse für Kampfzwecke zur Verfügung stehen müsse. Die Debatte setzt sehr lebhaft ein, liegen doch über 266 Ab- ändcruugsanträge zum Statut aor. Hus Induftnc und ftandeL Zechengas. Die Versorgung von Städten mit KokSofengaS, die in Deutsch- land jetzt praktische Bedeutung erlangt hat, fand zuerst in den Vereinigten Staaten Ausbreitung. In Everett bei Boston sind seit 1961 466 Otto-Oefen in Betrieb. Bei diesen wird das GaS fraktio- mert aufgefangen und die erste, bessere Hälfte zur Stadtversorgung, die letzte, schlechtere zum Beheizen der Oeken benutzt. Weitere der- artige Anlagen erhielten Glaßport. Hamilton, Camden, Duluth, Halifax, JohnStown. Milwaukee. Detroit. Baltimore und Chicago. in England Little Hulton, Bargoed und Roxton; in Frankreich Montceau-leS'Mines sbereits seit 1898 durch 36 Brunck-Oefen. Im Ruhrgebiet ist nun auch schon eine Reihe von Städten und Gemeinden an Koksöfen angeschlossen. Bochum, Castrop, Essen, Borbeck und Nachbargemeinden, Mülheim a. Ruhr, Velbert, Neviges und Barmen erhalten KokSofengaS, teils als Zusatz zum Retorten- gas. Im Saarbezirk werden Saarbrücken, Brebach und Heinitz ver- sorgt; in Niedcrschlesien Hermsdorf. Im Oberbergamtsbezirk Dort- mund wurden 1968 12 Millionen, 1969 26 Millionen Kubikmeter ab- gegeben. Die Ersparnis für die Städte ist eine beträchtliche, denn sie zahlen für das Kubikmeter nur 2 bis 4 Pf., letzteren Preis frei Gasanstalt. Ein Fachmann schlägt sogar schon bor, London statt mit 15 Millionen Tonnen Kohlen mit 6 Milliarden Kubikmeter Gas aus dem 286 Kilometer entfernten Süd-Aorkshire-Revier durch 4 Leitungen von 1 bis 2 Meter Durchmesser unter 36 Atmosphären Anfangsdruck zu versorgen. Nach seiner Berechnung stellen sich die Kosten der Leitung nebst Zubehör auf 141 Mill. M., der Kompressoren auf 66 Mill- Mark, die Transportkosten für 1 Kubikmeter Gas auf 6.43 Pf., während der Transport der entsprechenden Kohlenmenge 2,4 Pf. kostet. Demnach würde sich eine Jahresersparnis an Transportkosten von 80 Millionen Mark ergeben. Sämtliche Städte der Rheinprovinz verbrauchten im Fahre 1967 236 Millionen Kubikmeter Gas! dagegen schätzt der Techniker Förster den Gasüberschuß im Oberbergamtöbezirl Dortmund für 1968 aus 1866 Millionen Kubikmeter. Für Deutschland beträgt der Ueberschuß 2400 Millionen Kubikmeter, mehr als alle Gasanstalten erzeugen. Betrübte Lohgerber. Vielen von denen, die sich durch den Dernburg-Bülow-Kolonial- »ummel haben dazu verleiten lassen— aus vatriotischer Begeisterung natürlich— Kolonialpapierchen zu kaufen, die die Gründer gern los sein wollten, dürfte es jetzt wieder katzenjämmerlich zu Mute sein. Bei den meisten Gründungen müssen die Papierkäufer Haare lasten. In den letzten Tagen ist der KurS der Anteile der Deutschen Kolonialgesellschaft um über IM Proz. gefallen. Die schon mehr- fach erwähnten Anteile der„Hänge'-PeterS-Gründungen sind schon bald für 0, nichts zu haben. Michel, bleche 1 Fische statt Fleisch. Die jetzige Periode hoher Schlachtviehpreise ist wohl geeignet. wieber mehr auf die Bedeutung des FifchkonsumS für so notwendiger aber ist die deutsche Hilfe und Sammlung von Geldmitteln, die nicht Glanz und Pracht dienen, sondern den Zwecken der Kirche. Herr Bachem verheißt die Ewigkeit des Papsttums. DaS deutsche Zentrum lebt ja noch I Der erste Präsident bekräftigt das Referat: Die römische Frage ist für uns unantastbar wie die ewige Stadt selbst. Ich sage Ihnen: Sie haben die Resolution schon angenommen. In solcher Form stimmt man aus Katholikentagen ab l Besonders eindringlich wird für den B o n i s a z i u S- V e r e i n geworben. Graf Galen begründet den Antrag, der bezweckt, die Katholiken in der Diaspora zu retten. Man denkt hauptsächlich an die bayerischen Arbeiter, die nach Norden abwandern und sehr oft durch Mangel an katholischer Seeliorge und durch Eingang gemischter Ehen vom Glauben abfallen. Einen Augenblick wird bei dieser Gelegenheit unvorsichtig der Toleraiizmantel fallen gelassen. Ein schreiendes Bedürfnis fei es. den Simultankirchen, namentlich in der Pfalz ein Ende zu machen. Ist eine Simultanlirche ein würdiger Ort für unseren Gottesdienst, fragt Graf Galen heftig. und die Versammlung stößt die Rufe ans: Nein I nein I So tief empfindet man den Schimpf, daß die Konfessionen gemeinsam eine Kirche benutzen. Lebhaft wurde über daS heilige Land geklagt. Wenn nicht ge- halfen werde, so sei es in wenigen Jahren für die Kirche verloren. Selbst das modernste Mittel, die Schule ohne Gott, hat in Beirut festen Fuß gesaßt. Palästina muß für die wahre Kultur und für den wahren Glauben zurückerobert werden I... Mehr als für die Verhandlungen interessieren sich die Männer auf der Bühne für die privatenMitteilungen desHerrn Porsch. der heute früh aus Posen eingetroffen ist und nun Bericht erstattet über den neuesten Polenkurs. Er ist mit Besorgnis nach Posen ge- gangen, aber von den Vorgängen sehr befriedigt. Vielleicht kann man auf dem nächsten Katholikentag— in Mainz— den Triumph der endlichen Ernennung eines genehmen ErzbischofS von Posen genießen. DaS Zentrum ist mit Wilhelm ll. zufrieden. die Volksernährung hinzuweisen. In den letzten Jahren find so große Fortschritte in der Organisation des Transports frischer See- fische gemacht worden, daß man nur wünschen kann, die Nach- lrage nach den relativ billigen Seefischen nähme kräftiger zu. Hohe Fleischpreise sollten geradezu zu einer stärkeren Nach- frage nach Fischen drängen. Flußfische kommen freilich für den M a s s e n k o n s u m nicht in Betracht, da sie zu teuer sind, aber die Reichhaltigkeit der gebotenen Seefische, die den verschiedenen An- sprüchcn gerecht iverdende Preislage bieten auch dem bescheidensten Haushalte die Möglichkeit, sich ein Fischgericht zu gönnen. In dieser Beziehung können wir vom Auslande, namentlich von England noch mancherlei lernen. Das Augebot wird leicht steigen, wenn erst einmal eine kräftige Nachfrage sich herausgebildet hat. In den letzten drei Jahren ist der Wert der Fangergebnisse im Nord- und Ostsee- gebiet um 4,2 Millionen Mark gewachsen. Da der Werl der Faugergebnisse sich im Jahre 1967 auf 28,94 Millionen Mark stellte, beträgt die Zunahme rund 15 Proz. Auch im laufenden Jahre ist eine weitere Zunahme des Angebotes zu konstatieren. In den ersten sieben Monalen dieses und der drei Vorjahre betrugen nämlich im Nord- und Ostseegebiet die Fangergebnisse: 1967 1368 1369 1916 in Tonnen.. 61 622 66 489 61 646 66 642 in 1666 Mark. 11 963 12 991 13 662 15 632 Der Wert ist demnach andauernd gestiegen. Da diese EntWickelung gerade in der Zeit der Erhöhung der Fleischpreise erfolgte, so ist eS nicht ausgeschlossen, daß sie bereits das Zeichen einer stärkeren Nach- frage nach Fischen ist._ Saatenstandsbericht. Der neueste Bericht für das Deutsche Reich weist zwar mit dem Vormonat sJuli) etwas ungünstigere Begut- achtungsziffern auf, jedoch steht nach wie vor eine gute Ernte in Aussicht, umsomehr, als die Anbauflächen für Brotgetreide größer sind als früher, lieber die Höhe des Ertrages und die Güte der Frucht gehen— wie im Berichte ausgeführt wird— die Ansichten noch recht weit auseinander. So wird aus Bayern berichtet, daß auf eine gute Mittelernte gerechnet werden kann, während von anderen Stellen die Erträge als wenig beftiedigend oder als hinter den Erwartungen zurückbleibend bezeichnet werden. Gerste hat viel- fach nicht rechtzeitig eingebracht werden können, ist infolgedessen mit Auswuchs behastet und hat vielfach an Farbe verloren. Hafer hat sich, namentlich in Süddeutschland, besser gehalten, doch wird aus den übrigen Teilen des Reiches vielfach über Lagerung und Zwei- wüchsigkeit geklagt. Ein« süddeutsche Zinkblechvcreinigung ist gegründet worden. Wie die„Franks. Ztg." erfährt, gehören ihr bereits 28 Fabriken an, aber auch die Detailfabrikanten des ZinkblechhandelS sollen an diese Ver- einigung angeschlossen werden. Di» Jnternationalitit des Kapitalismus wird durch eine Statistik über die im Ausland angelegten Werte, die Neymark aufgestellt hat, hell beleuchtet. Danach gab es 1367 in allen Ländern rund 565 Milliarden Franken„handelbare" d. h. in W e r t- papieren ausgedrückte Werte. Nach einer Aufstellung S p e a r e S waren davon 146 Milliarden, ein volles Viertel, im Ausland an- gelegt. Davon entfielen auf England 69 466, Frankreich 36 066, Deutschland 19 250, die Vereinigten Staaten 16626 Millionen Frank. Man sieht, in welch riesigem Maße namentlich England als Gläubigerstaat erscheint. Zu Hause find alle diese internationalen Spekulanten. Moewes Hohersteinweg 6/7. Tel. I, 8360. Phönix- Brauerei A.-O. Erstklassige viere. Ritütii« ts., J.[. fi.. Ä gegr. 1820. Berlin G 54. T.III, 1517. 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Metallverarbeitung Industrie der Maschinen Weibliche Personen 1895 1907 � i895 Unternehmer.... 8 496 3 327 924 948 Technische U. Aufsichtsbeamte..... 31 160 17 147 Gelernte Arbeiter und Lehrlinge.... 9019 18012 1 576 4847 Ungelernte Arbeiter.26 523 50 294 7 645 26 308 39 074 7I7SZ 10 161 32 245 Die Ziffern zeigen, wie die weibliche Arbeitskraft in erster Linie als»Ungelernter Arbeiter� in die Metallindustrie einrückt, aber auch die»Geleniten Arbeiter' stellten ein immer grötzer werdendes Kon- tingent weiblicher Arbeitskräfte. Auch in die technischen und beauf- sichligenden Stellungen rücken die Frauen ein. Hinter dieser starken Zunahme bleibt die Zahl der weiblichen Verbandsmitglieder weil zurück. Dafür kann man eine Reihe von Ursachen anführen, aber die hemmenden Faktoren müssen überwunden werden. Und das geschieht am wirksamsten, wenn die männlichen Berufsgenossen der Arbeiterinnen diese für die Organisation zu gewinnen suchen. Gegen das Frauenwahlrecht. London, 23. August. Der Präsident der antifeministischen Liga hat von einem Unbekannten eine Summe von 400 000 M. zugeschickt erhalten, um die Kampagne gegen das Wahlrecht der Frauen zu unterstützen. Semkts- Deining. Ein feines Geschäft. Wegen Unterschlagung wurde am Sonnabend von der Ferien- sirafkammer des Landgerichts III der Installateur S ch e f f l e r aus Spandau zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Derselbe hatte den bei ihm beschäftigten Handwerkern die Krankenkassenbeiträge, über 100 M. im ganzen, vom Lohn abgezogen, dieselben aber nicht zur Krankenkasse abgeführt. Es ist sehr bedauerlich, datz derartige an armen Arbeitern be- gangene Unterschlagungen so milde beurteilt werden. Die 50 M. Geldstrafe wirken aus den betrügerischen Unternehmer wie eine Prämie für seine Unterschlagungen, �enn nach Zahlung der Strafe hat Scheffler, deffen Name übrigens in den Gerichtsberichten der Spandauer Lokalblätter schamvoll verschwiegen wird, an dem»Geschäft" bare 50 M. verdient. Ein unverbesserlicher Hochstapler mutzte sich gestern in der Person des Landmessers LinuS Falsch vor der dritten Ferienstrafkammer des Landgerichts III unter der Anklage des Betruges im strafschärfenden Rückfalle verantworten. Der Angeklagte, welcher der Sohn eines ehrbaren Handwerkers aus dem Norden Berlins ist, versteht es schon seit einer Reihe von Jahren, alle möglichen Geschäftsleute und Privatpersonen in der raffiniertesten Weise zu prellen. Vor längerer Zeit trat er als flotter KorpS st udenl auf, nachdem er sich mit Hilfe eines Rasiermessers ein paar„Schmisse" auf der Wange beigebracht hatte. Da er ein glänzendes Unterholtungstalent besatz, verstand er es, sich Eingang in wohlhabende Kreise zu verschaffen, in denen er mit bei- spielloser Sicherheit auftrat. Bei passender Gelegenheit verstand er es dann, seine Bekannten in unverschämtester Weise zu rupfen und ihnen olle möglichen Wertgegenstände abzuschwindeln. Auf seine erste Strafe folgte bald die zweite; seit mehreren Jahren befindet sich der Angettagte deshalb immer nur kurze Zeit auf freiem F u tz e, da er stets wieder bei der Verübung neuer Hoch- sla�leien abgefatzt worden war.— Im Februar d. I. tauchte Felsdij in H ü r st e n w a l d e auf, wo er sich als„Mitglied der kgl. Bau- kommission in Berlin" ausgab. Hier pumpte er in kurzer Zeit Hinz und Kunz an, um dann eines TageS plötzlich wieder zu ver- schwinden. Er fand dann bei einer Firma Wollberg u. Sandow in Charlottenburg eine Anstellung, der er ein wertvolles Metz- inslriiment abschwindelte und versetzte.— Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die vielfachen Vorstrafen des Angeklagten auf i Jahr und 3 Monate Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte 1 Jahr und 7 Monate Zuchthaus beantragt. Milchpantschcreicn. Der schon einmal wegen Nahrungsmittelverfälschung vor- bestrafte Milchhändler Paul Gloger aus Drewitz mutzte gestern wieder auf die Anklagebank wandern, um sich wegen wissent- licher Nahrnngsmittelverfälschung und Feilhaltung zu verantworten. Gloger wurde am 28. Februar in Potsdam beini MilchauSfahren von der Potsdamer Nahrungsmittelpolizei auf der Strotze betroffen. Er hatte eine Milchkanne, die 30—40 Lirer satzt, und in ihr waren die Vollmilch sein sollenden Milchvorräte enthalten. Schon bei flüchtiger Prüfung sah der Beamte an der Farbe, datz die Milch keine Vollmilch sei und vor allem nicht den vorgeschriebenen Fettgehalt von 2,7 Pcoz. haben könne. Gloger rechtfertigte sich nun damit, datz er die Milch mit seinem Areometer gemessen habe. Die beste Milch sei obenauf gewesen und habe 2.7'Proz. Fettgehalt enthalten, der aber den unleren Milchmengen schon durch das Abschöpfen und durch den Milchverkauf entzogen sei. Die letzten paar Liter könnten nicht mehr die Menge der Fettstoffe enthalten. DaS Gericht hörte den Sackverständigen Dr. Beyer an, der bestätigte, datz die Milch durch M a g e r m i l ch v e r f ä l s ch t sei. und energisch bestritt. datz gute Vollmilch in ihrem Fettgehalt durch das Abichöpfen ab- nehme. Das Gericht verurteilte den Angeklagten, der sich schon einmal wegen dieses Vergehens zu verantworten hatte, zu 50 M. Geldstrafe und Publikation des Urteiistenors. Hus aller Alelt. Die atnenkamfeben Älaldbrande. Die mit ungeschwächter Heftigkeit andauernden Brände in den Wäldern der Staaten Montana und Idaho fordern immer neueMenschenleben. Aus S p o k a n e wird gemeldet, daß ein Eisenbahnzug vermißt wird, der am Montagnachmittag 42 F l ü ch t li n g e und 19 Pflege- rinnen von dem brennenden W a l l a c e nach Missoula beförderte. Wahrscheinlich ist der ganze Zug mit seinen sämtlichen Insassen verbrannt. Allein im Westen des Staates Montana soll das Feuer über 200 Menscheuleben vernichtet haben. Von einer Anzahl kleiner Städte und Dörfer sieht nian nur noch die rauchenden Trümmerhaufen. Unter den Ortschaften, die vollständig zer- stört wurden, befinden sich Avery, Hodresson; zu Gelegenheit zu so schnell als der flüchtenden große Strecken andere Strecken sind. In den einem großen Teile vernichtet ist auch W a l l a c e. Vier andere Städte Belknap, White-Pine, Noyon und Heron stehen in Flammen. Hier versucht man vergeblich, dem wütenden Element Einhalt zu tun. Im Laufe des Dienstag kamen aus dieser Gegend über ein Dutzend Eisenbahnzüge mit Geretteten in Missoula an. 30 Kompagnien Soldaten sind in die ge- fährdeten Gebiete abgesandt. Vergebens schlägt man in die Wälder breite Straßen, gräbt metertiefe Graben, um dem Weitergreifen des wütenden Elements vorzubeugen. Nach dem offiziellen Bericht sind in den vom Feiger betroffenen Staaten über 25 Po st bezirke abgebrannt, weitere 200 Po st bezirke stehen in großer Gefahr. Gegenüber dem gewaltigen Gebiet, das von den Wald- bränden erfaßt ist. sind die angewandten Mittel zur Be- kämpfung der Feuersbrunst vollständig ungenügend. So hatte man bei Ausbruch des Feuers z. B. auf einem Gebiete von über 1 Million Hektar Wald nicht mehr als vierzig Förster zur Hand. Man mußte sich daher darauf be schränken, den bedrohten Bewohnern bieten, die brennenden Ortschaften möglich zu verlassen. Der Transport Menschenmengen ist sehr erschwert, da der Eisenbahnlinien vollständig zerstört, des Feuers wegen fast unpassierbar vom Feuer ergriffenen Ortschaften hatten sich entsetzliche Szenen abgespielt. Ein junger Mann wurde von niederstürzendem Gebälk schwer verletzt, er lag hilflos am Boden, die Kleider verbrannt. Sein Bruder mußte ihn liegen lassen, wollte er nicht mitverbrcnnen. In Palser-Creek retteten sich 12 Personen in einen Tunnel, alle erstickten, da das näherkonunende Feuer einen furchtbaren Oualm entwickelte. Durch den zurzeit herrschenden heftigen Wind wird die weitere Ausdehnung des Brandes noch begünstigt. Inden Kirchen fleht man um Regen, um des entfesselten Elements Herr zu werden._ Der Ueberlandflug Frankfurt-Mannheim. Nachdem am Montag der Wettbewerb für den Ueberlandflug sein Ende erreicht hatte, fand gestern vormittag die Preisverteilung statt. Den ersten Preis im Betrage von 25 000 M. erhielt I e a n n i n, den zweiten Preis von 10 000 M. L o ch n e r. Die für den dritten Preis ausgeworfenen 5000 M. für besonders hervor- ragende Leistungen unter schwierigen Witterungsverhältnissen fielen Lindpaintner zu. Außerdem erhielten Theten, Wien» cziers und P loch mann verschiedene Ehrenpreise. Wenn auch die ganze Veranstaltung unter der Ungunst des Wetters etwas gelitten hat, so ist doch der Erfolg nur ein.sehr ge- ringer. Während noch vor wenigen Tagen bei dem französischen Ueberlandfluge etwa 800 Kilometer in verschiedenen Etappen erfolgreich durchflogen wurden, gelang eS bei der deutschen Kon- kurrenz nur drei Aviatikern, das Ziel zu erreichen, das vom Aufstiegsorte etwa 115 Kilometer entfernt ist. Feannin ist zweimal nach Mannheim geflogen, das erste Mal mutzte er Zwischenlandung vornehmen und erreichte Mannheim erst in 36 Stunden. Bei seinem zweiten Fluge gelang cS ihm, das Ziel in 1% Stunden ohne Zwischenlandung zu erreichen. Lochner, der den zwe.'/en Preis erhielt, passierte das Ziel erst nach zwei Zwischen- landungen, ebenso Lindpaitner, der noch am letzten Tage der Kon- kurrenz die Strecke durchflog. Vergeblich versuchten die sonstigen beteiligten Aviatiker, die gesamte Strecke zu durHfliegen; Motoo- defekte und dadurch hervorgerufene Beschädigungen der Apparate zwangen sie, von ihrem Vorhaben abzustehen. Verunglückter Exprestzug. Ein schwerer Eisenbahnunfall, der leicht eine große Reihe Menschenleben hätte fordern können, hat in der DienStagnacht bei Malinel in Belgien stattgefunden. Ein Expretzzug, der von Brüssel kam, stieß mir einem von Antwerpen kommenden Zuge, der glück- licherweise leer war, zusammen. Die beiden Maschinen und mehrere Wagen wurden vollständig zertrümmert. Zwei Maschini st en und zwei Heizer sind schwer verletzt. Einer der Zug- führer wurde getötet, der andere schwerverletzt. Verschiedene Passagiere erhielten teils leichte Verletzungen, teils schwere Brandwunden und Quetschungen. Die meisten der Passagiere kamen aus Süddeutschland und zwar aus Oberammer- gau, wo sie den PaffionSspielen beigewohnt hatten. Die Katastrophe wäre bedeutend schlimmer ausgefallen, wenn der erste Wagen des Expretzzuges, der wegen eines Fehlers in der Gasbeleuchtung als defekter Wogen leer ging, besetzt gewesen wäre. Der Materialschaden beläuft sich auf mehrere hunderttausend Frank. Der Auitsstil.'' Die.„Stratzb. Post" erhielt von einem Leser folgende Zuschrift: In einer Anzeige erlätzt eine hiesige Behörde eine Bekannt- machung über eine Abänderung der Marktordnung, die als ein Muster dafür gelten kann, wie man amtliche Verordnungen nicht ab- fassen soll. Der Inhalt ist recht einfach; wie umständlich, schleppend und papieren aber ist die ganze Ausdrucksweise. Ich gebe sie nach- stehend wieder und setze gleich einen Verbesserungsvorschlag daneben: Diejenigen Personen, Die Marktbesucher, insbesondere welche die Märkte auf- die Käufer und die Verkäufer, suchen, insbesondere die Käufer Fuhrleute und ihre Gehilfen haben sowie Verkäufer und Fuhrleute die Anordnungen zu befolgen, die und deren Hilfspersonal die Polizeibehörde für die Sicher- sind verpflichtet, den im Jnter- heit und Ordnung des Verkehrs esse der Sicherheit und der Ord- an den Zugängen zu den Märkten nung des Verkehrs an den Zu- und auf den Märkten selbst erlätzt. gängen zu den Märkten und auf den Märkten selbst seitens der Polizeibehörde ergehenden Anord- nungen Folge zu leisten. Dieselbe Verpflichtung Ebenso sind zu befolgen die besteht des weiteren ge- polizeilichen Anordnungen über genüber den polizeilichen Anord- die Benutzung der für den Markt nungen, die h i n s i ck> t l i ch der bestimmten Räume, über das Feil- Benutzung der zu Marktzwecken halten. Aufbewahren, Auf- und bestinrmlen R ä um lich kei t e n, Abladen, das Herrichten und die ferner bezüglich des Feil- Aufstellung von Waren und die Haltens, des Aufbewahrens, des Beschaffenheit der Geräte. Auf- und Abladens, des Her- richtens der Marktwaren, der Art und Weise der Auf- itellung der feilgehaltenen Waren sowie der Beschossen- heit der verwendeten Ge» rätschaflen getroffen werden. Man sieht: eS läßt sich mit wenigen Worten derselbe Sinn viel einfacher und klarer ausdrücken. Und sollte eS sich nicht empfehlen, diese einfache und natürliche Ausdrucksweise gerade da anzuwenden, wo man es mit einfachen Leuten zu tun hat, die von „seitens",„hinsichtlich",„bezüglich" usw. noch nie etwas gehört haben und bisher kaum mutzten, datz sie„Hilfspersonal" be- schästigtenl_ Der Rubel rollt. Petersburg, 22. August,(©ig.©er.) Nach dem vorläufigen Niederwerfen der russischen Revolution hat die zaristische Bureaukratie ihre alten Praktiken wieder auf- genommen; der rollende Rubel herrscht von neuem im Lande. Sowohl die höhere wie die niedere Beamtenschaft betrachtet in ihrer übergroßen Mehrzahl das vom Staate gezahlte Gehalt nur als eine Beihilfe zum Lebensunierhalt. Der größere Teil der UnterhaltungS- kosten wird durch betrügerische Manipulationen und direkte Er- Pressungen aufgebracht. Seit einiger Zeit sind Untersuchungen im Gange, die die Unterschleife bei der Sibirischen Bahn aufllären sollen. Der mit der Revision beauftragte Senator Graf Medem steht vor einer fast nicht zu bewältigenden Aufgabe. Nur über wenige Stationen erstreckt sich bisher die Untersuchung, und bereits haben sich Unter schleife im Umfange von 23 Millionen Rubel heraus« gestellt. Fast auf jeder Station sind Unterschlagungen der Beamten und falsche Buchungen in großer Zahl zu verzeichnen. Eine Anzahl BetriebschesS sind verhaftet worden. Auch die Revision der Staats- bahnen in Südrutzland hat eine ganz gewaltige Mitzwirt- ichast aufgedeckt. In vielen Städten wurden M i l l i o n ep;- Unterschleife festgestellt. Eine Anzahl höherer Beamten ist durch beschlagnahmte Briefschaften auf das ärgste bloßgestellt. Während die höhere Beamtenschaft um Millionen betrügt, müssen sich die unteren Beamten mit Hunderten oder taufenden Rubeln begnügen. So haben, wie ein russisches Blatt meldet, elf Absender von Getreidefrachten auf der Sration I e l a n j der Rjänsan- Ural-Bahn eine Beschwerde eingereicht, wonach seit dem Herbst 1909 bis jetzt auf der Station Jelanj Kamhschanskaja Bestechungsgelder genommen werden. Hervorragend beteiligt daran sind der Stationsches A f n a s j e w und der Wiegemeister R o s h- destwenSky. Wie die Beschwerdeführer in ihrem Schreiben erklären, scheuten sie sich, Getreide zum Elevator zubringen, da jede einzelne Sendung durch die Beamten beraubt wird. Es habe seit Bestehen der Bahn noch nie eine solche Bestechungsaktion gegeben, wie sie gegenwärtig im Gange ist. Bei jeder Waggonladung Ge- treibe sei ein Diebstahl von 6—30 Pud obligatorisch. Außer- dem nimmt der Stationschef an Bestechungsgeldern einen Rubel pro Waggon. Wie die Beschwerdeführer in ihrer naiven Weise erklären, sei das ja noch eine erträgliche Be- stechungSsumme. wenn wenigstens die Waggonladung an ihren Bestimmungsort gelangen würde. So aber gehe von etwa zehn Waggonladungen Getreide eine Waggonladung in die Hände der ungetreuen Beamten über. Ob die Beschwerde Abhilfe bringt, erscheint zweifelhaft, denn schließlich treiben die höheren Beamten es ja auch nicht anders. Nur begnügen sie fich nicht mit so ge- ringen Erträgnissen._ Einer bösen Korruption ist man ans Zeche„D orstfeld" auf die Spur gekommen. Von den Tagesbeamten wurde eine ganze Anzahl gekündigt, einige wurden sofort entlasten. Ueber den Grund zu dieser Matzregel er- fährt man, datz Kohlenunterschlagnngeil resp. Verunlreuunge'n vor- gekommen sind. Gefüllte Kohlenwagen wurden mit einer leichten Steinschicht bedeckt und dann zur Berghalde geschickt für die kohlen- suchenden Frauen. Ueber das Verhältnis der Frauen zu den Be- amten wird allerlei geredet, die Untersuchung wird wohl näheres ergeben. Für diese Kohlen erhielten die Bergleute keinen Lohn. Beschwerde war erfolglos, weil man ihnen nicht glaubte. Auch an Fuhrleute sollen Kohlen verkauft worden sein, ohne datz die Zeche den Erlös erhielt._ Kleine Notizeni Eiscnbahnunfall. In der Nacht zum Dienstag entgleisten auf der Stracke Pallowitz— S o hr a u in Oberschlesien infolge Verschlemmung des Bahndammes durch starken Gewitterregen die Lokomotive, der Packwagen und ein Personenwagen eines Zuges. Die Lokomotive stürzte den IVz Meter hohen Bahndamm hinab. Außer dem Lokomotivführer, der unerheblich ver- letzt wurde, kam niemand zu Schaden. Ein großer Brand kam in der letzten Nacht auf der Besitzung des Gutsbesitzers H i l l e b r e ch t in Heins(Hannover) aus. Auf dem Gute war eine Abteilung des Jägerregiments zu Pferde aus Langensalza, das bei Ahlfeld manövrierte, einquartiert. Bei den Rettungsarbeiten ist der Soldat Helm verbrannt. Neun Pferde sind in den Flammen umgekommen, eine große Anzahl erlitt schwere Verletzungen, so oatz sie nachträglich getötet werden mutzten. Familicndrama. Als gestern Morgen der Heizer Z i e l i n s k i in Essen von seiner Arbeit zurückkehrte, fand er seine Frau und seine sechsiährigeTochter mit durchschnittener Kehle, außerdem seinen vier Monate alten Sohn tot vor. Der letztere ist nach Ansicht der Aerzte an allgemeiner Schwäche ge- starben. Da die Ehefrau dem Trünke ergeben war, wird ange- nommen, datz sie, nachdem ihr Kind gestorben war, im Wahn ihre Tochter und darauf sich selbst mit dem Rasiermesser getötet hat. Vom Zuge Uberrannt. Bei einem Stratzenübergang in der Nähe von L i l l e r s(Frankreich) wurde ein mit sieben Personen besetzter Wagen von Linem Eisenbahnzüge erfaßt. Zwei In- fassen des Wagens wurden getötet und drei schwer ver- letzt. «mtltckier Marktbericht der NSdMchen Marktballen-DtreNton über den Mroybandel in den Zenwal-Mnrktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr reichlich. Geschält flau, Preise unverändert. Wild: Zufuhr be» sticdigend, Geschäsl ziemlich rege, Preise wenig verändert. G e s l g g e l: Zuinhr reichlich, Gelchätl schleppend, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr mähig. Geschält ruhig, Preise, ausgenommen für Aale, im allgemeinen be- sriedigcnd. Buller und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Ob!» und S ü d s r ü ch t e: Zufuhr genügend, Geschäft sehr flau, Preise wenig verändert. WitterungSüberstcht vom SS. August 191», morgen«« Uhr. Ltatwuen L§ s Z-. jl te®- if Lwmemde!757 W Hautburg j 760 283© Berlin 7SgNW Franks- Mi 763 SA München 764 SW Wien!763W Vetter 4 wolkig 4 wolkig 4 wolkig 4 wolkig 8 halb od. 8halbbd. k? mZ, Elutionen Wetter ** C"* t* Havaranda 754 31 Petersburg 753 3D Scilly elberdeen Parts 762©NW 4 halb bd. 1 Nebel 3 bedeckt 761 WNW 1 wollig 765 SSW 2halbbd. i U 8 12 14 9 13 Wetterprognose für Mittwoch, den 24. August 191». Ziemlich heiter, aber noch sehr veränderlich mit vereinzelten Regen» schauern; noch kühl. Berliner Wette rbureau. Arbeiter- GesundliejtsbiioM Hcst 11: Frauenleiden n. deren Verhütung. Nebst tiucm Anhang: Die Verhütung der Schwangerschaft. Bon 0r. I. Zidek. Preis... 20 Pf. Gute Ausgabe SO. txpsliition des„Vorwärts" verlin SHV., Lindenftr. SS, Laden vkutsetlLl Kueltdiiillsl-Vörbgnll. ZsMsteNe LerUn. Donnerstag, den SS. August, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Eugelufer IS(Saal IV): General-Versammlung. Tages-Ordnung! 1. Geschäft»- und Kassenbt�cht. 2. Wahl von zwei Revisoren der Lotal- kasse. Z. Festsetzung der Seiträge zur Lokalkasse. 4. Verbandsangelegen- heiten und Verschiedenes. IKF* Mitgliedsbuch legitimiert. 24/12 Die Versammlung wird pünktlich'/,9 Uhr eröffnet. Zahlreichen Besuch erwartet vi««i-t»v«i'«'»Iti»iie. » Achtung t Achtung! fiadentisehler. Donnerstag, den 25. August 1910, abends 8'/, Uhr: = Branchenversambttlung= im Englischen Garten, Alrxanderstrafte 27«. Die Verschleppungspolitik der Unternehmer und wie stellen wir uns dazu. _ vi« Branchenlcitnn Berliner yiK-Trlo. Felix Scheuer Stralsunderstr.l , OOOOOOOOWOOOOOOOf -Bernau. [ VarzellevonSWU. an(ca 90 1R.) j » Kleine Anzahlung u. langjährige i ' Hypotheken. Pläne gratis. Vor-( käufer ständig am Bh( Zepernick. I [ J. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5,! Achtung! Bernh. I/iebehenitch«l, «isenbahnstr. 26, Restaurant t.V.A Theater und Vergnügungen Mittwoch. 24. August. Ansang TJ, Uhr. stleues kSntgl. Lpern.Dheater. Der Freischütz. Königl. Schauspielhaus. Der Schwur der Treue. Ansang S Uhr. Deutsche«. Faust.(Ans. 7'/, Uhr.) Stammer] picke. LlebeSwalzer. Lelfing. Hedda Gabler. Berliner. Taifun. Komische Oper. Zigeunerltebe. Kleines. Nur ein Traum. NeueS. Kasernenlust. Resideuz. Im Taubenschlag. Neues Schauspielhaus. Ihr letzter Brief. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller O. ittnUtict• Xbeatet.) Der Posttllon von Lonjumeau. Sch>ne> Eharlottenburg. Zapfen streich. Berliner BolkSoper. Der Flieger. (Ansang 8'/, Uhr.) Luisen. Der Gras von Monte Christo. Hebbel. Wem gehört Helene? Der Kuß auf der Redoute.(An- sang S'/t Uhr.) Neue» Operetten. Der Gras von Luxemburg. Lustspielhau». Da» Leutnant» mündel. Herrufeld. DI« Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Mos«. Ein seltsamer Fall. Trianon. Pariser Witwen. gsolies«aprice. Die böse IS.— Die keusche Toinett«.(Ansang 8',. Uhr.) Voigt. LebenSwellen. Puhlmann. Am Rande de» grundS.(Ansang'1,6 Uhr.) Metrovot. Halloh ll— Die grotze Revue. Apollo. Spezialitäten. Patlage. Spezialitäten. MetchSdallen. Stettin« Singer. Walhalla. Spezialitäten. Wintergarte». Spezialität«. Karl Haverlaud. Spezialität«. Prater. Schützen«»'!. Schwei, er-Garten. Spezialst äten. Elternlos. Mar Kliem. Spezialität«. BolkSgarte«. Rosenau» dem Süd«. Urania.»aud»»t«rast« 4HI4V. Abends 8 Uhr: Bon der Zugspitze zum Watzmann. Tteentvnrte. Jnvalidenstr. 57— 62, Lessing-Theater. 8 Uhr: Hedda Gabler. Donnerstag 8 Uhr: Die versunkene Glocke. Freilag 8 Uhr: Da» Konzert. Sommerpreiset Park. S, 4u. S M.»e. öerllner Theater. H«te 8 Uhr: TaltUN» Morg«: Derltuir. tisiiss Iliögtsr. «Sglich, Xasernenlukt. Ansang 8 Uhr. Berliner Volksoper. Heute'/,0 Uhr: Gastspiel deS Reuen Schauspielhauses: _ Ter Flieger._ Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Ol« geBcbledene Frau. Operette von Leo Fall. Xo««» Vp««vtt«n-Dl>«at«r. Heute und folgende Tage 3 Uhr: Der Graf Po» Luxemburg. Operette in SAtt. von V.M. Willner u. R.BodanSty. Musik v. Franz Lehär. l�eslclenz:-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Beber. Morgen und solgmde Tag« dteselbe '«UNl Borstel komm�-Preise. Luisen-Theater. Letzt« Woche I Mittwoch und Donnerstag 3 Uhr: Der Graf von Monte Ghnsto Schauspiel in 7 Abteil. nach A. Duma». Freitag: Sonntag 8 Monte Christo ig: Auf de»«olbwagr. onniaa» Uhr: Der Graf von Der stille See. AlendS 8 Uhr: Trianon-Theater. Heust u. folgend« Tage(Auf. 8 Uhr): Pariser Witwe«. Urania. Wissenschaftliches Theater. TaubenstraCe 48/49. Beute abend 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. _ PCISCHER GARTEN Täglich- Großes Militär- Doppel-Konzert «iutrite 1 Mark, von abend» 6 Uhr ab SO PL Kinder unter zehn Jahren die Hälste. ImWWs m Zoo. TUglioh 6-11 Uhr: Riesen-Kinemalograph. Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Oer Mann mit dem eisernen Schlund! Voüto~7 Vitascop- Theater Jlquanopticum Experiment aus der 4. Oimenslon. Alles ohne Extra-Entree! Passage-Tiieater. Anfang 8 Uhr. Ein elnilger Erfolg! I Eis mime espagnolo ZoraVta und das großartige August- Frogremm. Lustspielhaus. Abend» 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Faul lincka. In Szene gesetzt vom Dir. Eich. Schultz. Antzwg» Uhr. Rzuehe» pertzitei. Das Eri Horothy Toy© die stinunpbänomenale anjerik, Sängerin. Mlizl Wlrth, bestbek. Operettenstar. Paul Clnquevalll, Meister- Jongleur. The ezqla and the girl, mystischer niosionsakt. Pausten u. Ooley, kern. Radfahrer. Morrlz u. Leone, emerik. Tänzerpaar. Rajah, aegyptische Tänzerin. Bert Levy, Zeichner eigen. Genres. Calllns u. Hart, Ezzentr.-Farodist. Arehle L, Qaodele, Evolutionen im Riesenreifen. The 12 Sunshine glrl», englisches Gesangs- und Tanz-Ensemble. WM- Biograph.-WM Vereins-Brauerei Rlxdorf, Hermennstr. 214/219. Oekonom; Max WendL VAU- Täglich:"WM Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. a Sonntag» 4 Uhr. Schtller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottscheid-Oper. Mittwoch, abend» 8 Uhr: ver Postillion von Lonsumeau. Komische Oper in 3 Ast. V.A.Adam. Sude 10'/, Uhr. Donnerstag, abend« 8 Uhr: vfc FOrster-Chrlatl. Freitag, abend« 8 Uhr: Der Trompeter von Säkklngen. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abend» 8 Uhr; Zapfenstreich. Drama in 4 Aufzügen von Franz Adam Lcheriein. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag. abend»8Uhr: Zapfenstreich. Frettag, abend» VUHr: Goldene Heraen. OSE=THEATE Große Franks urte: Str. 132. Täglich Ansang 8 Uhr: __! Ein seltsamer Fall. Ans der Gartenbühne: Theater- Vorstellung, Speziaiitülen.(Neues Programm.) Ansang 4'/, Uhr. bellte Woche iC&Tep Die gröftten Schlager der letzten Saison: Die Welt geht nnter! und Wenn zwei dasselbe tnn mit Rnton und Donat Herrnsekb. Billettoorverk. 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. den uniibertrokkenen komlseken ■Angnst- Programms. Casino-Theater Lothringer Strohe 37. Täglich 3 Uhr. Wieber-Gröffnung 10. Saison. Sonnabend, den 27. August: Der schneidige Rudolf. Rudolf Ptmpelmann: Dir. H. Berg. Holzmarststr. 72. Ecke Sllexanderstraße. Inhaber: Max godlndorhauer. Im hcr-rlichcn Naturgarien(bei un- günstiger Witterung im Theatersaal). Lee Fleurs, Hand- u. Kop cnustibrist. Kio? de» Teufels Würfel. The Willuhus, Champlon-Mal-Akt. Mittwochs: FrcUans. Ansang wochentags 7'/, Uhr. _, Sonntag« 5,_ Reichsliallen-Thealer. Von nun Wied, täglich t Stettiner Senger Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Volksgarten-Theater früher Welmann. Badftr. 8, Behm» u. Bellermannstratze. Täglich: stoneert-, Theater- und Spexialltäten-Vorst. Da» neue Riesen- Augustprogr. Neu: Der Zigeuner- baren, od.: Die Jagd n. d. S chwicger- lohn. Posse m. Gel. u. Tanz in 6 Bild. Jed. DonnerSt.: Sr. � llriilant-Pousr». ksrl Nsverlllllrt- Anfang Theater präz. 7'/,U. 77/7S Kommandantenstratze 77/79. DaS wunderschöne »WMpil TERRASSEN HAIENSEE GrISter VergnQgungtpark de« Kontinents. SensationeUe Attraktionen, Translatenr- nndMUltär- Eapellen, Oberbayerische Sänger und Schuhplattler. Neu! Tanagra, Eintrittspreis SO Pf. IHonnabend, den 97, Angnst: das achte Weltwunder. Elitetags Tausend und eine Nacht. Feenhafte Parkbeleuchtung durch 16 Schiffsscheinwerfer. Magische Beleuchtung. O Aiadius Wunderlampe. Dirigentengastspiel von Viktor Holländer mit dem Translaleur-Orchester. Sensationelle Attraktionen. 4 Kapellen, Konfettiscblaebt, Lutlschlangen. Schloß Weißensee. Heute; 5 spannende Ringkämpfe 5 Blßbach gegen llkadrallll: Rechllng gegen Slobronstecber; nichalloir gegen Frachot! 94/20 Roland gegen BelUngratb. Entscheidungskampf: Saarer gegen Nfoldt. Vor den Ringkämpfen: Theater- und Spezialitäten-TorstellUDg. Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr, der Ringkämpfe 9'/, Uhr. Anto-Frcliahrt vom Alexandcrplatz(Tictz) Üllr. IMS* Moigflfl: JSocteetsusg.-W> 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Antritt: 10-6 Uhr t M.. 0. 6 Uhr ab M) Pf., Sonntag« 50 Pf. Dauert. 8 M. Pankow, Berliner Str. (n. d. Schönhauser ÄUee). Honte Mittwoch, den 24. August, nachm. 4 u. abends 8'/, Uhr: 2 Gala-VorstelliiDp 2 1 Nachm. 1 Kind in Begleit. Erwachsener frei. Außerdem zahlen unter 12 Jahre alte Kinder sowie Militär v, Feldwebel abwärts auf allen Plätzen halbe Preise. Abends volle Preise. Die Straßenbahnlinien No. 46, 47, 49, 61 u.57 führen zum Cirous HatlA, der in 2 bezw. 4 j Minuten v. d. Ringbahnhöfen Pankow. Nieder-| Schönhaus. bezw. Schön- haoa.AUee entfernt liegt. FarnruFsl Aml 6, 129,[ Alt-ffloablt 47/40. Tügltch: Konzert, Thealer, Spezialitäten. L» a firlete Th�afer 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenlh.Top, Anfang 8'/, Uhr. Die«unUaanten N CO 3 ET CD K CO -O -n & g rasi« •• B ZZ w ä* 3- � 9 D. •-Ier SohSnh. A. 14«— Kastanien-A. 97/89. Aus vielfach« Wunsch: Die Blumentäte. Bilder a. d. LebenSschicks. e. Verlorene«. Kät«... Käte Reich. Stolpe.. Dir. C. Reich. vorher und nachher: Spezlaliilto. Ansang de» Konzert»'/,6 Uhr. , der Vorstellung'/,6 Uhr. In dm Paus« u. nach d. Vorst.: llall. Freitag Premiere: Genietzet das Leben. Scbvelier Garten Am KOnigstor— Am Friedrichehain. Täglloh abends'/,10 Uhr; E�llernlos oder:» Berlin arm und reich. Volksstück mit Ges. in 8 Akt. Vorher: Speaiallttitea. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Entree SO Pf. Hai Xta Somoirteaier und Festsäle. Inh.; Bndolt KrUger. Haienheide 18/15, vis-A-vis v.TurnpL Täglich: Grolle Theater- o. Spezialititen- Vorstellung. itung: Wsltei Artist Leitung: Walter Grlvenltz, Kapellmeister: Man Wolffheim. Jeden Donnerstag; F, Ute-Tag! Anfang; Wechsnt 6 Uhr Sonnt.'/, 6 Uhr. am Kottbuser Tor. Im prächtig renovierten Theater vom September ab estauration«ma Nordpol Sehenswert■ m Inhaber: 469b* Hax Worlltzei* = Berlin O. 112,=s Oürtelstraße No. 15. S>tr den Inhalt der Inserate stberuimmt die Siedaktiou' Publikum gegenüber vcrautworwug. keinerlei MM der Steinsetzer, Pflasterer und Berulsg. DeutsehL Filiale GroS-Berlin. Bezirk Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege (Zustsv Hebel im Alter von 42 Jahre» ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am DrnnerStsa. den 25. August,»ach- mittags 4 Uhr, von der deichen- Halle des Kemeindc-FriedhosS, Bumboldtstratze in Reinickendors- st. auS statt. Rege Beteiligung erwartet _ Der Borstand. Nachruf. Am 14. d. MtS. verschied nach jahrelangem, schwerem Leiden die Vorsitzende des srvhcren Frauen. und Mädchen-BildungsvercinS, die Genossin Atertha Damm. Wir verlieren in der Ver- storbenen eine tüchtige, befähigte Kämpserin, die eS stets verstand, die Liebe und Hochachtung aller derer zu gewinnen, dt« mit ihr zu tun hatten. Wir beklagen diesen Verlust und werden versuchen, in dem Sinne der Dahingeschiedenen zu wirken. IS/S Die Genossinnen SehSnebergs. Deutscher Buchbinder- Verband. (Znhlstella Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Lt. August unser lang. jähriges Mitglied, die Kartonnagenarbeiterin Antonie Haberstroh verstorben ist. Wir werden ihr Andenken in Ehren halten I Die Beerdigung findet Mittwoch, 24. August, nachmittags L'/, Uhr, vom Trauerhause Höchsleur. IS aus nach dem städtischen Frtedhoj in ffriedrichSselde tS Uhr) statt. Um rege Beteiligung ersucht tili Die OrUverwaltung Danksagung. Für die vielen Beweis- herzlicher Teilnahme an dem Begräbnis meines lieben Manne», des Schlossers ItesH Voigt sagen wir allen denen, die ihm das letzte Geleit gegeben haben, insbesondere dem Herrn Ches, Kol» legen und Lehrlingen der Wagen- achsensabrtk Pankow, sowie dem Deut- schen Metallarbeiterverband, Ort»- Verwaltung Berlin, unseren innigsten Dank. 6016 Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Für die herzliche und zahlreiche Teilnahme bei der Beerdigung unsere» lieben Bruders Aaguat Prensel Kransuhrcr in der A. E. G., Brunnen- strotze, sagen wir allen Verwandten und Bekannten, seinen lieben Freun- den und Arbeitskollegen sowie dem TranShortarbeiterverband, dem So, zlaldcmokraiischen Wahlveretn, 734. Wahlbezirk, unseren herzlichsten Dank, Die Brüder Robert und Qastnv Prensel nebst Frauen. 6026 Danksagung. Für die liebevolle Tetlnahme und reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meiner lieben Frau sage ich allen Freunden, Bekannten und Ber> wandten sowie den Kolleginnen und Kollegen de» Zentralvcrbande» der freien Händler und Haufierer, Sitz Essen, Ortsverwaltung Berlin, und den Genossen de» Wahlverein» weinen herzlichsten Dank. 4»öb t'ran» Baschin nebst Kindern. Gartenstadt Hoben- Heuendorf i Wald(Nerdbahn), Wässer, [ biUigetee, eohönstes Ge- l&nde rund um Berlin.— Arzt, Gas-, Wasserleitung, Gemeinde- u.höh-Sohulen Am SchBtzenhaus iE herrl.{ Hochwald-Landbaustellen. Qu-R. 12 M. ant 10°/, Anzahl. Tilgung des Restes 1 in 10 jähr!. Rat Baugeld u. Hypotheken. Sommer- u. Ferienhäuser| 300 Mark an. niustr. Broschüre gratis t Berlin, Naua i)l Kinigsir. 71. Fernspr. VII, 8088 MuDsTraueriiiagaziD Extra- Abteilang { I. Gesch.; Berlin W., Mohren- Slrale 37a(2. 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September, abends 7 Uhr. im Restaurant Escbnvr zu Adlcrwhof, am Bahnhof. statlsindcnden ausierordentlichen Veueral-Ve�ammluug laden wir die Bertreter der Arbeit- nehmer u. der Arbeitgeber hiermit ein. ' Tages-Ordnung: Aenderung der Satzungen. AdlerShos, den 23. August 1910. Ter Borstand. B. IlanHcn, Vorsitzender. Restaurant u. FeatHÜle — Fracht-Straße 86a.—— Empfehle den verehrlichen Vereinen und Gewerkschaften meine Räume. Sonnabend und Sonntag noch frei.* "120 ja- 3« H tlÄ Die Gänsesaison ist eröttnet. la Bratgänse von 4.25 an. la Oderbrucher Gänse Pfund 75 Pf. Rümpfe von A 8 an, Kcalcn, Lebern» Liiescn, Haat, CiünseatUckenllelsch, Ciänseklcln. 95/1 Frische Gttnscgrlovcn. Sämtl. Wurstwaren ohne Preiserhöhung, Neueröffnet: Rituelle Stadtkilche. FestnUle für Hochzeiten usw. kostenfrei. Ilov Cnlinnwalrl I�okauer Btr. 1. 1h(IA M vUUil II Cllilg Femspr.-Amt 4. 514. 4597. Filialen; Schüneberg, BnrbaroeeapL 2. Pernsp.-A.6. 16852. 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Verlag: Lvr»är� Luchdruckerei u, Berlag-anitait Kaul Singer ör So» Berlin SVL Nr. 197. 27. Iahrgaug. cilligk des JsniiÄ" fnlinet MlisblM Uittmch� 24. M im Pkudo--llrbiiter'flu$!cl)üffe. Aus den Kreisen der siädtischen Arbeiter wird uns geschrieben: Der von den Berliner städtischen Arbeitern geführte Komps um die Aufbesserung ihrer gänzlich ungenügenden und zum Teil gerodezu elenden Löhne sowohl, als auch um die notwendige Ausgestaltung der Albciter-Ausschüsse ireibt inuner nettere Blüten. Den neuesten Beitrag hierzu hat die K a n a l i s a t i o n s v e r w a l t u u g geliefert und damit bewiesen, ivie recht die Berliner Arbeiter-Ausschüsse halten, als sie mit Rücksicht auf ihre Rechtlosigkeit und auf die ihnen shstematisch ent- gegciigesegtcn Widerstände inl April einmütig ihre Mandate nieder- legten. Zwar ritt damals der Berlin.cr Magistrat stolz in die Arena und verkündete der Ocffentlichkeit hochnäsig von oben herab, dah die in der entscheidenden Riesenveriammlung der städtischen Arbeiter von dem„sozialdemokratischen Stadtverordneten aus Rix- dorf" für die Wertlosigkeit der gegenwärtigen Ausschüsse angeführten Tatsachen unwahr seien. Diese Kampfmcthode, welche den fach- lichen AuSsührungen des Gegners geflissentlich aus dem Wege geht, ihn aber dafür persönlich begeifert und in den Augen befangener Schwächköpfe als„Hetzer" herabzusetzen bemüht ist. ließ aber bei den Arbeitern nicht den geringsten Eindruck zurück. Im Gegenteil: sie zeigte wiederholt, wie herzlich schlecht der Magistrat über die Arbeiterverhältnisse in seinen Betrieben informiert ist und daß seine Verlatckbarungen über die Tätigkeit der Arbeiter-Ausschüsse nichts als eitel Dunst waren. Man' behauptete u. a. dreist und gotteö- fürchtig— Herr Stadtrat N a m s l a u verschrieb sich dazu extra einen Interviewer vom«Berl. Lokal-Anzeiger"—, daß die Arbeiter- Ausschüsse geradezu mit einer Liebe behandelt würden, die durch nichts zu übertreffen sei; vor allem würden sie stets und inuner mit ihren Anliegen gehört. Was es mit diesen Beschwichligungs- Manövern auf sich hat, dafür hat die KanalisationSverwaltmig einen weiteren Beweis geliesert. In dieser„Muster"-Verwaltung des Berliner RathauSliberalismus haben Tausende von Bau- und Nieselfeldarbeitern überhaupt keine. dafür aber rund 400 Pumpwcrksarbeiter gleich sechs Arbeiter- AuSschüsie. Nachdem die letzteren nach der Mandatsniederlcgung wieder neugewählt waren, reichten sie— ebenso wie die Ausschüsse aller anderen Verwaltungen— die beim Etat fast völlig un- berücksichtigt gebliebenen Forderungen von neuem ein, da die ge- zahlten Löhne in einem krassen Gegensatz zu den fortdauernd steigenden Lebensmittelpreisen stehen. Dem Beschlüsse der Gesamt- kollcgenschast entsprechend, war serner zur Beratung der ein- zuberufenden Ausschußsitzung ein Antrag auf Reorganisation der wie gesagt in ihrer jetzigen Gestalt völlig versagenden Arbeiter- Ausschüsse gestellt. Und das Resultat dieses erneuten Versuchs der Arbeiter, zu ihrem Rechte zu kommen? Hier ist cS in Gestalt eines bezeichnenden Dekrets: „Berlin, den 30. Juli 1S10. Dem Arbeitcr-Ausschuß...... gebe ich hierdurch davon Kenntnis, daß ich seinen Antrrig vom 26. Juli d. I. auf Ein- bcrufung einer Ausschußsitzung mit der vorgeschlagenen TagcS- ordnnng: 1. Anträge auf Verbesserung der Arbeitsverhältnisse, 2. Reorganisation der Arbeitcr-Ansschüsse ablehne, weil die gleichen Anträge z u 1 erst kürzlich am 27. Juni er. von der Deputation der Kanalisationswerke bezw. dem Magistrat— hier durch Aushang bekannt gegeben am 5. Juli 1910 abgelehnt worden sind, und der Antrag z u 2. iveil allgemeine Angelegenheiten betreffend, nicht vor den Ausschuß der Betriebsinspektion gehört. Der Betriebsinspektor (Unterschrist)" Ein Kommentar ist hier überflüssig. Besser kann die Ohnmacht der Arbeiter-Ausschüsse nicht illustriert werden, als durch die im vor- stehenden Schreiben bewiesene Tatsache, daß man dieselben als Luft behandelt, sofern sie nur einmal ernstlich die Interessen ihrer Mandatgcber zu vertreten versuchen. Die beantragte Sitzung wird einfach nicht ein- berufen, sondern nach Straußenart der Kopf vor den traurigen Arbeitsverhältnissen in den städtischen Betrieben möglichst tief in den Sand gesteckt. Was sagt der Magistrat und sein Be- schwichiigungs- Stadtrat Namslau dazu? Wie denkt sich der Magistrat— welcher den Arbeitern keine Möglichkeit gibt, mit ihm direkt zu verhandeln, sondern sie ans den berühmte».Juslanzen- weg" verweist— die Anbringung solcher Anträge, wie den auf Reorganisation der Arbeiter- Ausschüsse wenn die den Vorsitz in den Ausschüssen führenden Betriebsleiter die Kompetenz derselben bestreiten? ES muß verlangt werden, daß im Rathause für diese und viele andere Fragen der Arbeiterverhältnisse endlich einmal ein Teil der Zeit geopfert wird, nicht aber im engen Rahmen einer sogenannten Magistratskommission, die sich darauf beschränkt, die Berichte der Verwaltungen unter die Lupe zu nehmen und schließlich noch daS wenige Gute, was sich da noch hinein verirrt haben sollte, wieder hinausznwcrfcn oder möglichst weit zurückzurcvidieren. Soll ganze Arbeit gcmackit und eine brauchbare Basis� für die Arbeitsver- Hältnisse der Berliner Gcmeindcarbeiter geschaffen werden, so muß sich der Magistrat gründlicher informieren als bisher, und zwar durch Vertreter der Arbeiter selbst. Die durch diverse Instanzen gesiebten Aeußerungen der Verwaltungen sind ein- seitig und können keineswegs als objektiv gelten. Wie die aus dem gegenwärtigen System hervorgehenden Knebelungsbestrcbungen gegen die Arbeiter-Ausschüsse auf die Be- troffcnen ivirken, davon gab die sehr zahlreich besuchte Versammlung der Kanalisationsarbeiter am Sonnabend, den 13. August, ein Bild. Der obige Utas war Gegenstand der Tagesordnung und führte zu einer sehr erregten Debatte, in welcher es dem Vertreter der örtlichen Berbandsleitung nur mit Mühe gelang, die beantragte sofortige Niederlcgung der Arbeiter-Ausschußmandate zu verhüten. Beschlossen wurde aber einstimmig: „Die zahlreich besuchte Versammlung der Kanalisations- arbciter nimmt entrüstet Kenntnis von der Nichteinberufung der beantragten Arbeitcr-Ausschußsitzungen. Sie erblickt darin eine Nichtachtung der Ausschußmitglieger und beauftragt dieselben, bei der Direktion rcsp. Deputation Beschwerde zu führen." Man kann nur wünschen, daß die Arbeiter sich in dieser Weise energisch wehren, um dem Betriebsabsolutismus in den städtischen Werken ein Ende zu bereiten und Arbeiter-Ausschüsse zu bekommen, die ihren Namen verdienen und nicht Spielball der Laune ihrer so- genannten„Vorsitzenden" sind. Partei- EtogelegenKeiteu. Zweiter Wahlkreis. Sonntag, den 28. A u g u st, findet von nachmittags 2 Uhr ab bei Rabe, Fichtestr. 29, großesKinder- f e st statt. JedeS Kind erhält Mütze und Slocklaterne gratis. Ver» losung nur für Kinder. Kaffeelochen: 1 Liter 70 Pf.,>/z Liter 30 Pf. Tanz usw. Eintritt freil Recht zahlreiche Beteiligung erwartet DaS Komilee. Vierter Wahlkreis. Am Donnerstag, den 23. August, abends «'/, Uhr, findet bei Boeker, Weberstr. 17, eine öffentliche Frauen- Versammlung statt. Referentin: Frau Marie Grcifenbcrg. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Zossen. Wir machen auf die am Donnerstag, abends S'/z Uhr, heim Genossen Kurzner stattfindende Wahlvercinsversammluiig auf- merksam. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Kreisgeneralversammlung und Generalversammlung von Eroß-Berlin. 3. Verschiedenes. Der Vorstand.' Hohcn-Schönhausen. Heute, Mittwoch, den 24. August, abends S'/z Uhr, findet im Lokal des Genossen Herschleb, Berliner Straße 93, die'Mitgliederversaminlung des Bezirks statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag des Genoffen W. D ü well. 2. Berichterstattung von der Generalversammlung Groß-Bcrlin. 3. Geschäftliches. Bedincr JMacbncbtem ErliolltitgSPliiste und Publikum. Die von der Stadt Berlin dem Publikum zur Verfügung ge- stellten Spiel- und Erholungsplätze sind im Sommer namentlich für die arbeitende Bevölkerung unentbehrliche Aufenthaltsorte. Nach jenen Plätzen ergießt sich des Sonntags ein breiter Mcuschenstrom, bieten sie dem die ganze Woche über an die Arbeit festgebannten, in schlechter Luft atmenden Arbeiter, seiner Frau und seinen Kindern doch die beste Möglichkeit, sich anszutummeln, den Körper zu baden in besserer Luft und sich beim Spiel zu ergötzen. Wenn Arbeiter- familicn, die an jedem vom Wetter begünstigten Sonntag nach einem solchen Spielplatz gehen, plötzlich einmal der Spielplatz ent- zogen wird, so bedeutet das für sie geradezu eine Einbuße an körper- sicher und geistiger Erfrischung. Der Treptower Park mit seinen beiden großen Spielplätzen ist für die Tausende von Arbeiterfamilien dcS Südostens, Ostens und der angrenzenden Stadtteile Bersins sowie der Vororte ein Zufluchtsort geworden. Hier ergeht sich Sonntags alt und jung in munterem und fröhlichem Spiel. Seit Wochen hat sich hier sogar bereits eine Ueberfüllung bemerkbar gemacht, weil die städtische Parkdcputation den einen Spielplatz behufs Rasenerneuerung fast gänzlich abgesperrt hat und der andere sich als zu klein erweist, die Tausende der Ar- beiterfamilien aufzunehmen. Wochentags ist auch dieser Platz außer an zwei Tagen nachmittags für das Publikum gesperrt. Warum man den Platz zu einer Zeit, in der der sonst zur Verfügung ge- standene Platz gesperrt ist, nicht freigibt, ist nicht zu verstehen. Auf der kleinen noch nicht abgesperrten Ecke des der Rasenerneuerung unterzogenen Platzes kann man an schönen Wochentagen beobachten, wie Frauen und Kinder auf dem rasenlosen feuchten Boden lagern müssen, dieweil die städtische Park- deputation den anderen Spielplatz für das Publikum gesperrt hält. Man sollte doch erwarten, daß unter den gegebenen Umständen die Verwaltung für die eine in der Erneuerung befindliche und den Er- holungsbedürftigen gesperrte Wiese dadurch Ersatz schafft, daß sie die andere frei gibt. Weit gefehlt. Sie hat, wie man uns mitteilt, am letzten schönen Sonntag sogar die andere Wiese in ihrer ganzen Ausdehnung gesperrt und dieselbe einigen SportSvereincn zur Ver- fügung gestellt, damit diese die Meisterschaft im Tamborin ouS- fechten konnten. Als eine Anzahl Spaziergänger trotzdem die Wiese betraten, weil sie nicht einsehen konnten, daß man ihnen einiger Dutzend junger Sportsleute wegen die Möglichkeit der Erholung rauben müsse, schalten etliche Sportsmen über die„Unvernünftigen". Warum berücksichtigt die Parkdeputation daS ErholungS- bedürfniS der Bevölkerung nicht in genügendem Maße? Den Sportsvereinen sind doch bekanntlich einige, wenn auch nicht so große Wiesen im Treptower Park zur Verfügung gestellt, die das Publikum nie betreten darf. Genügen diese Plätze zu Meisterschafts- konkurrenzen nicht, so könnten dieselben ja auf dem Tempelhofer Feld ausgefochten werden, das sich sicher hierfür als ganz geeignet erweist._ Die Mehrung der Almosenempfänger in Berli« dauert noch immer fort. Bis zum Juni 1910 stieg hier die Zahl der mit regelmäßigem Monatsalmosen unterstützten Armen aus 33 424, das sind um 1943 mehr als im Juni 1999 und um 2932 mehr als im Juni 1998. In den Jahren 1996 und 1997 war es der Armenverwaltung gelungen, die Schar der Almosenempfänger zu mindern. Sie durfte diefe» Erfolg melden, nachdem sie gegen- über dem Andrang von Unterstützungsucheudcn wieder mal das Mittel gewählt hatte, die Frage der Bedürftigkeit„strenger zu prüfen". In 1998 aber half auch das nicht mehr: Arbeitslosigkeit und Notstand griffen immer weiter um sich, und die u n a u f- haltsam anschwellendeFlut der Hilfsbedürftigen machte alle Eindämmungsversuche zunichte. Die erneute Mehrung der Almosenempfänger, die in 1993 begann, hat seitdem durch das ganze Jahr 1999 angedauert und ist auch in 1919 bisher noch nicht zum Stillstand gekommen. Dementsprechend hat denn auch der Ausgabebetrag, aus dem die Almosen gezahlt wurden, beträchtlich erhöht werden m ü s s e n. Für daS Elatsjahr 1999 hat der Jahresabschluß, wie wir schon meldeten, besonders bei der Armenverwaltung ein sehr schlechtes Ergebnis gebracht. Gegenüber dem Voranschlag des Etats war es um 1 114 999 Mark ungünstiger, und hiervon entfielen allein 737 999 M. auf die AuSgabeüberfchreitung für Almosen. Da für Almosen im ganzen 6 999999 M. in den Etat eingestellt worden waren, so beläuft hier die Ilebcrschreitung sich auf nahezu 11 Proz. deS Voranschlages. Man sieht, wie arg die Armenverwal- tung sich verrechnete, als sie— trotz„der ungünstigen Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse und der Steigerung der Lebensmittelpreise", auf die sie in den Erläuterungen zum Armen- etat hinivies— mit nur 6 999 999 M. auszukommen sich getraute. Das Nachrichtenamt des Magistrats hat in der kürzlich den Zeitungen übersandten Mtteilung über den Jahresabschluß auS 1999 das für die Armenverwaltung so ungünstige Abschlußergebuis„auf- fällig" genannt. Möglich ist's ja, daß in der Armendirektion an leitender Stelle anderes erwartet worden war. Da wollen wir daran erinnern, daß im„Vorwärts" schon im März 1999, als der Stadthoushaltetat erst im Entwurf vorlag, auf die U n- zulänglichkeit der im Armenetat vorgesehenen Mittel hingewiesen wurde. Damals wurde von dem sich ge- kränkt fühlenden Chef des ArmenwesenS, dem Stadtrat Münster- berg, der ungewöhnliche Versuch gemacht, durch ein persönliches Schreiben an die.VorwärtS"-Redaktion die Aufstellung deS Etats in dieser Unzulänglichkeit zu verteidigen. Recht behalten hat leider nicht Stadtrat Münsterberg, sondern der„Vorwärts". Nur eine Proletaricrleiche! Gestern früh um 7� Uhr wurde an der Kreuzung der Rosen- und Neuen Friedrichstraße ein bejahrter, in dieser Gegend ziemlich bekannter Abträger aus der Zentralmarkt- Halle durch Gehirnschlag voin Tode überrascht. Der Mann war mitten auf dem Fahrdamm zusammengebrockien und zlvar ein paar Meter von der dortigen breiten Fahrdaniminsel entfernt. Ein Schutz- mann war schnell zur Stelle. Er benachrichtigte das zuständige Polizciburean, holte das für solche Fälle auf jeder Polizei- wache in Bereitschaft gehaltene Lcinentuch herbei und bedeckte damit den Toten. Um 8'/., Uhr erschien ein Arzt, der amtlich den Tod feststellte. Wer nun glaubte, daß die Leiche jetzt vom Fahr- dämm entfernt werden würde, hatte sich geirrt. Es bildete sich bald ein großer Auflauf von Passanten und Anwohnern, die ihrer Ent- rüstung darüber Ausdruck gaben, daß man einen toten Menschen genau wie einen krepierten Gaul stundenlang auf dem Fahrdamm liegen lasse. Man sprach energisch auf den in- zwischen auch noch erschienenen Revierwachtmeister ein und forderte mit aller Entschiedenheit, daß der Tote wenigstens nach einem Hausflur oder Hof gebracht werde. Der Wacht- meistcr erwiderte darauf, daß sich kein Unberufener darum zu kümmern habe, wie lange der Tote auf der Straße liege. Im übrigen sei es nicht angängig, die Leiche nach einem Hausflur zu schaffen, da die Hauswirte dagegen in solchen Fällen Protest erhöben. Gegen Ende der zehnten Stunde lag die Leiche noch immer an der- selben Stelle. Warum haben denn die Beamten in mehr als zwei Stunden keinen Versuch gemacht, die Erlaubnis eines benachbarten Hauswirtes zur Uuterbringung der Leiche einzuholen? Ein dabei- stehendes Fräulein ging sofort zu dem Besitzer des Hauses Rosen- straße 1, vor dem die Leiche lag, und fragte denselben, ob er die Erlaubnis verweigere. Der Herr erklärte, daß er gegen die Niederlegung der Leiche auf seinem Hofe schon auS menschlichem Mitgefühl nicht daS geringste einzuwenden gehabt hätte, wenn man ihm mit solchem Anliegen ge- koinmen wäre. Dies sei aber nicht geschehen. Inzwischen schienen die Beamten von der Nachfrage Wind bekommen zu haben, denn als die Dame wieder die Straße betrat, war die Leiche soeben nach dem Hofe des Hauses Nosenstraße 1 an der Ecke der Heidereuter- gaffe geschafft worden. Also nachdem sie länger als ztvei Stunden auf dem Fahrdamm ge- legen hatte! Um 19� Uhr langte endlich der so« genannte Obduktionswagen an, der die Leiche nach dem Schauhause brachte. Ob bei solchen Unglücksfällen auf offener Straße die Schutz- leute verpflichtet sind, für menschenwürdige Unterbringung der Leiche durch Nachfrage bei benachbarten Hauswirten Sorge zu tragen, wissen wir nicht. Mindestens wäre es angebracht gewesen, die Lerche aus dem Bereiche von Wagenrädern und Pferdehufen nach der Fahr- damminsel zu bringen. Wozu Soldaten verwendet werden. Daß Soldaten zu Arbeiten im Haushalt höherer wie auch niedriger Offiziere, ja sogar von Feldwebeln, Sergeanten und Unteroffizieren verwendet werden, ist bekannt. Unbekannt dürfte jedoch sein, daß Soldaten sogar der Braut eines Sergeanten bei ihren häuslichen Arbeiten hilfreiche Hand bieten müssen. Ucbcr einen solchen Fall witd uns aus dem Hause Kurfürstendamm 144 berichtet. Dort wurden am Sonnabendnach» mittag Vi3 Uhr drei Soldaten vom Elisabethregiment beobachtet, als sie mit den verschiedensten Arbeiten, wie Läufer- und Teppich- klopfen, beschäftigt waren. Da in genanntem Hause ein Militär nicht wohnt, erkundigten sich die in einem dortigen Betriebe be» schäftigten Arbeiter danach, wessen Dienste die Soldaten verrichteten. Es stellte sich heraus, daß die«Vaterlandsverteidiger" der Braut eines Sergeanten, die in dem Hause bei einem Privatier bedienstet ist, in Abwesenheit ihrer Herrschaft beim großen Reinemachen be- hilflich waren. Und da zweifeln gewisse Leute noch daran, daß die zweijährige Dienstzeit nicht dringend erforderlich ist. Wenn die Instruktion sich schon bis auf das Tätigkeitsgebiet einer Sergeantenbraut erstreckt, so ist der Beweis der Notwendigkeit doch wohl hinlänglich erbracht. Lebendig verbrannt. Ein schweres Brandunglück hat sich gestern nachmittag 3>/, Uhr in der Katzbachstr. 19 im Südwesten Berlins zugetragen. In ihrer Wohnung wurde dort die böjährige Witwe Luise Mau rischat verbrannt ausgefunden. Die Unglückliche hatte am ganzen Körper schreckliche Brandwunden davongetragen und war bereits verstorben. Die alarmierte Feuerwehr übergab die Leiche der Revierpolizei. Die alte Frau hatte in der Küche Wäsche geplättet und dazu ein SpirituSplälteisen benutzt. Jedenfalls beim Nachgießen von Spiritus ist dann in der Küche eine Explosion erfolgt, wobei die Kleider der Frau in Brand gerieten. Einer Fcuersäule gleichend ist die Unglückliche dann nach der Wohnstube gelaufen, um Hilfe zu rufen. Kurz vor dem Fenster brach sie aber erschöpft zusammen und wurde von dem Feuer verzehrt. In der Küche hatte das Plättbrett und der Fußboden Feuer gefangen. Wegen Unterschlagung von 4500 Mark ist ein Ingenieur Rudolf Stöger, der am BundeSralsufer wohnte und bei einer hiesigen Eleklrizilätsgesellschaft angestellt war, verhastet worden. Der junge Mann führte bei dem Werk die Lohnlisten, fälschte diese und steckte das Geld, was ihm auf die gefälschten Listen über den wirklichen Betrag hinaus bezahlt wurde, in seine eigene Tasche. Bei seiner Verhaftung wurde von dem veruntreuten Gelde nichts mehr gefunden. Er behauptet, daß er den größten Teil einem guten Freunde ab- gegeben habe, der ihn ausgebeutet hätte. Der Verhaftete ist wegen Betruges schon vorbestraft und wurde deshalb dem Untersuchungs- richter vorgeführt. Keine Haftung für Fahrräder in den Fortbildungsschulen. Den Schülern der Berliner Pflichtfortbildungsschulen ist bekannt ge- geben worden, daß die Stadt nicht für Fahrräder, die aus den Schulgebäuden entwendet werden, haftbar gemacht werden kann, da sie eine Garantie für sichere Aufbewahrung der Fahrräder nicht übernimmt. Diebstähle von Fahrrädern auS den Pflichtfortbildungsschulen kommen leider sehr häufig vor. Die Diebe müssen unter den Schülern selbst sein, da die Räume zur Aufbewahrung der Fahrräder nach Beginn des Unterrichtes bis zum Schluß ver- schloffen sind. Ein Opfer deS RollschuhsporteS wurde vorgestern nachmittag die neunjährige Elisabeth Tetzschlag, Brunhildstraße 13 wohnhaft. Das kleine Mädchen lief in schnellem Tempo durch die Gustav-Müllcr- Straße, als plötzlich aus einer Seitenstraße ein Wagen der Ber- liner GcnossenschaftSbäckerei aus der Gerichtstraße 23 in die Gustav- Müller-Straße einbog. Die kleine T. prallte gegen das Gefährt an und kam so unglücklich zu Fall, daß die Räder des schweren Wagens über sie hinweggingen und die Oberschenkel vollständig zermalmten. Das Kind, das außerdem noch Quetschwunden an Brust und Händen erlitten hatte, wurde in schwerverletztem Zustande nach dem städti- schen Krankcnhause gebracht. Mit 1399 M. flüchtig geworden ist der 28 Jahre alte Bier- zapfer Rcinhold Koch. Er war seit Sonnabend voriger Woche bei einem Bierausschank von Oswald Berliner in der Brunnenstr. 149 beschäftigt. Gestern vormittag war der Oekonom mit einer Ab- rechnung beschäftigt und hatte die Kassette offen auf den Ladentisch gestellt, als er von einem Ingenieur auf fünf Minuten in den Garten gerufen wurde. Diesen Augenblick benutzte Koch, um mit der Kassette zu verschwinden. Er trug eine Geschästsjacke, Pantoffeln und war ohne Kopfbedeckung. Der„Räuberhauptmann" Mohr, der nun schon geraume Zeit von sich reden macht, wurde vorgestern abend vom Amtsgerichts- gefängnis in Bergen nach Berlin gebracht und hier im Gewahrsam deS Polizeipräsidiums einstweilen behalten. Gestern vormittag wurde er einen, Verhör unterzogen. Mohr ist des Ueberfalls an dem Küster Bösener in Friedenau geständig. Nur bestreitet er, daß er der An- stifter und Führer gewesen sei. Die Untersuchung anderer Straftaten dauert noch fort. Zeugen dcS Zusammenstoßes der Automovildroschke 8471 mit einem Straßenbahnwagen in der Rosenthaler Straße am Soflntag- abend werden gebeten, ihre Adresse an Frau Mathilde Kupfer, Schankwirtin, Elbinger Straße 22, gelangen zu lassen. In der Generalversammlung des Verbandes sozialdemokratischer Wahlvereine am letzten Sonntag ist versehentlich ein Regen- schirmmitgelberKrücke mitgenommen worden. Dafür ist ein solcher mit grilner Krücke stehen geblieben. Der Eigen- tümer des letzteren wird gebeten, denselben gegen Rückgabe des anderen in, Verbandsbureau Lindenstr. 69 abzugeben. Feuerwehrbericht. Gestern vormittag kam in der Albrechtstraße Nr. 19 Feuer aus. Bei Ankunft der Feuerwehr brannte dort auf einem Mehlboden der Fußboden.— Am Tempelhofer Ufer 36 kam nachts um 12 Uhr in einem Keller Feuer aus; Preßkohlen hatten sich dort entzündet. Wegen einer Explosion erfolgte nachts ein Alarm nach der Rykestraße 13. Als die Feuerwehr erschien, brannte dort Spiritus u. a.— In der Alten Jakobstraße 62 mußte ein Schaldeckenbrand abgelöscht werden, und in der Fruchtstraße 13 auf einem Kohlenlagerplatz ein Feuer, das durch Selbstentzünoung von Preßkohlen entstanden war. Ferner wurde die Feuerwehr nach der Waldstraße 46, Liebenwalder Straße 42 und anderen Stellen gerufen. Einen empfindlichen Verlust hat ein Bäcker zu beklagen; der- selbe verlor am Montagabend �/«11 Uhr aus der Hochbahn sStralauer Tor) ein Portemonnaie mit 7b M. barem Gelds. Der Finder wird gebeten, feine Adresse an Paul Bachran, Hohenlohestr. 13, gelangen zu lassen. Vorort- J�acbricbtcn. ehrt*! Ottenburg. Unschuldig verhaftet und unter Püffen und Stoßen zur Wache gebracht wurde in der vorigen Woche ein Anwohner der Wallstraße. Eine Anzahl bezechter und sich streitender Personen hatten in der Röntgenstraße vor einem Lokal eine Scheibe zertrümmert. Die alsbald herbeigerufene Polizei nahm mehrere Verhaftungen vor; unter den Verhafteten befand sich auch ein junger Mann, der an dem Streit völlig unbeteiligt gewesen war und der zur Zeit, als sich der Streit auf der Straße abspielte, nicht die Straße betreten hatte. Nachdem der junge Mann beteuert, daß in ihm ein Un- schuldiger verhaftet worden sei, wurde er wieder auf freien Fuß gesetzt. Einige Stunden später erschien aber bereits abermals ein Beamter und nahm den Betreffenden, diesmal von seiner Woh- nung aus, mit zur Wache. S.. so heißt der junge Mann, war das Opfer einer Verwechselung und wurde auf die Versicherung einer Frau, daß er der Mann gewesen sei, der die Scheibe zertrümmert habe, verhaftet. Er versichert uns, daß er, obwohl er dem ihn verhaf- tenden Beamten beteuert habe, daß er eines Streites mit anderen Personen gar nicht fähig und noch völlig unbescholten sei, von dem Beamten auf dem Wege nach dem Polizeirevier Havelstra�e wie ein Verbrecher transportiert wurde. Auch auf dem Polizeirevier sei ihm übel mitgespielt worden. Nicht allein, daß man ihn dort von 1 Uhr nachts bis zum anderen Tag mittags festgehalten und seiner Freiheit beraubt habe, sei er auch entwürdigend behandelt worden. Erst als man sich auf der Polizeiwache von seiner Unschuld über- zeugt zu haben schien, habe man ihn freigelassen. Wir haben mit dem jungen Mann Rücksprache genommen und sind zu der Ueberzeugung gekommen, daß bei etwas Beobachtungs gäbe und Menschenkenntnis es unmöglich sein sollte, daß der Polizei ein solcher Mißgriff unterlaufe. Wenn sie aber der leichtfertigen Denunziation einer Frau, wie das hier der Fall war, Glauben schenkte und den Mann verhaftete, so muß mit allem Nachdruck ver- langt werden, daß einem der Schuld noch nicht Ueberwiesenen eine anständige Behandlung zuteil wird. S. ist nach seiner Entlassung arbeitsunfähig gewesen, was aus seinem Krankheitsattest ersichtlich ist. und noch zeigen sich in seinem Gesicht Spuren starker Mißhand lung, von der er behauptet, daß sie ihm auf der Polizeiwache zuteil geworden sei. Uns liegt außerdem noch ein Schreiben vor. worin eine Anzahl unterzeichneter Personen ihrer Empörung über den Borgang Ausdruck geben. Höhere Beiträge zur Jnvalidenverflcherung in CharlottenVurg. Vom Id. Juli d. I. ab sind die ortsüblichen Tagelöhne gewöhnlicher Tagearbeiter für den Stadibezirk Charlottenburg auf 3,69 M. für männliche Arbeiter über 16 Jahre(bisher 2,99 M.) 2,29,. weibliche„, 16,. 1,75# festgesetzt worden. Die 899 fachen Beträge dieser Tagessätze(und n i ch t der wirkliche Verdienst) gelten als Jahresverdienst für alle versicherungspflichtigen Personen, die keiner gesetzlichen Krankenkasse angehören. Hiernach sind bei einem JahreSverbienst von mehr als 359 bis zu 650 M. 29 Pf. 1 :: S;: im: � ,. 1150 36,/ zu verwenden. Gegen die bisherige Markenverwendung ist vom 15. Juli d. I. ab nur insofern eine Äenderung eingetreten, als für weibliche Per- fönen über 16 Jahre bei der Beschäftigung als Dienstbote. PotierS- frau, Auswärterin usw.(statt 29 Pf.) 24 Pf.-Marken und zwar be- reitS für die am ll. Juli begonnene Woche zu verwenden find. In Charlottenburg dürfen nur Jnvalidenmarken mit dem Auf- druck Brandenburg verwendet werden. Lichtenberg. Eine außerordentliche Stadtverordnetenversammlung findet morgen Donnerstag, nachmittag 6 Uhr, im Siadtverordnetensitzungssaalo des Rathauses statt. Auf der Tagesordnung steht u. a.: Wahl eines stellvertretenden Borsitzenden de» hiesigen Gewerbe- und Kaufmanns- gerichtS. Beschlußfassung über die Errichtung neuer Lehrerstellen an den hiesigen Gemeindeschulen. Beschlußfassung über Be- schickung de« am 15., 16. und 17. September cr. in Köln stattfindenden Gewerbe- und Kaufmannsgerichtstages. Be- schlußfasiung über die Versorgung der Gemeinde Mohlsdorf mit elektrischer Energie. Bewilligung der Restmittel für den Ausbau des Gaswerks. Erweiterung des Wasserwerks. Vewilligung von Mitteln zur Herstellung eines neuen ZufahrtS- Weges zur Desinfektionsanstalt. Bau eines RegenwasserkanalS von der Frankfurter Chaussee, Ecke RathauSstraße, nach dem Kuhgraben im Zuge des Verbindungsweges und der Pfarrstraße sowie Be- Willigung der erforderlichen Kosten. Beschlußfassung über die Ver- Wertung des früheren Dottischen Geländes und der zu einer Arron- dierung angekauften Grundstücke. AchSneberg. Die Wählerlisten liegen noch bis einschließlich 39. August an den Wochentagen von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 2 Uhr und am Sonntag von vormittags 11 Uhr bis nachmittags 1 Uhr im Magistratsbureau dl. Feurigstraße 63, Vorderhaus 1 Treppe links, zur öffentlichen Einsicht a»S. Es muß Pflicht eineS jeden Einwohners sein, sich zu vergewissern, ob sein Name in der Liste steh», da daS Nichtvorhandensein den Verlust deS Wahlrechts bedeutet. Wem es selbst nickit möglich ist, einzusehen, der beaustrage jemanden mit der Einsichtnahme. Außerdem haben sich bereit erklärt einzu- sehen: Andreas, Feurigstr. 16; Rethfeldt» KönigSweg 42; DombrowSki, CheruSkerstr. 23. Mariendorf. «Erste Hilfe im Rathaut!" Wie schön leuchtet dieses TranS- parent an den verkehrsreichen Straßenecken und wie stolz ist die kleine Gemeinde Mariendorf in bezug auf„erste Hilfe' ebenso zu glänzen wie jede Großstadt. So sehr aber das Transparent leuchtet, so wenig ist von einer ersten Hilfe im Rathaus etwas iu verspüren. Schon wiederholt wurde von den sozialdemokratischen liemeindevertretern daran scharfe Kritik geübt und verlangt, daß stets eine geschulte Person hierfür mit der notwendigen Ausrüstung anwesend sein muß. Trotz der gegebenen Zusage scheint aber bis heute noch keine Äenderung Platz gegriffen zu haben._ Verantwortlicher Redakteur: Hans Weber, Berlin. Für den unsere Gegner schienen Anstoß an den Ausführungen zu nehmen, denn sie machten ihrem Unwillen durch häufige Zwischenrufe Luft. Nach dem Vortrage fand eine lebhafte Aussprache über örtliche Angelegenheiten mit den.Gegnern statt. Spandau. Erhebungen über die hiesigen Wohnungsvcrhältnisse werden auf Ersuchen der Feldzeugmeislerei denmäckist auf Anordnung des Magistrats vorgenommen werden. Den Anlaß zu diesen Erhebungen gab folgendes: Bon Arbeitern der StaatSwerkstätlen waren wieder- holt Eingabe» an die Feldzengnieisterei gemacht, worin die Wohnungs» verhälinisse in Spandau als sehr schlechl bezeichnet, die Wohmmgs- mieten als unerschwinglich dargestellt und um Bau von fiskalischen Arbeiterwohnhäusern gebeten wurde, das Material war auch dem Abgeordnete» P a u li- Potsdam zugestellt, der es in einer Reichs« tagsverhandlnng bei der Beratung des Militärbudgets benutzte, um die Notwendigkeit für ein Eingreifen der Heeresverwaltung in die Spandauer Wodmmgsfrage klarzulegen.(Späler hat ja der Ab- geordnete Pauli seine Ansicht über die Frage geändert.) Der Grund« besitzervercin hatte hiergegen Stellung genommen und ebenfalls eine von ihm aufgestellte Statistik bei der Feldzeugmeisterei eingereicht, um nach- zuweise». daß die Angaben der Staatsarbeiter vielfach unrichtig sind. Diese beiderseitigen Darstellungen, die erheblich von einander abweichen, sollen nun durch die Erhebungen geprüft werden und von dem Ergebnis wird es abhängen, ob vom Militärfiskus hier weiter Arbeiter- und Beamtenivohnhäuser gebaut werden. Auch die Frage soll bei dieser Gelegenheit entschieden werden, ob die Char- lotlenburger Baugenosseiischaft bei ihrem Plan, in Spandau mehrere Tausend Wohnungen für die Staatswerkstättenarbeiler zu bauen, von Staats wegen unterstützt werden soll. Nachdem der hiesige Oberbürgermeister in einer Stadlverordnctenversammlung bereits erklärt hat, daß von einer Wohnungsnot in Spandau keine Rede sein könne und die Herren Hausbesitzer sehr in Schutz nahm, wird man sich ungefähr denken können, wie das Resultat der Er- Hebungen ausfallen wird. Traurige Folgen hatte die in der Aufgeregtheit begangene Tat des Produktenhändlers Z i e l i n s k i. Derselbe fuhr am ver- gangenen Sonnabend mit einem mit Lumpen beladenen Hunde- fuhrwerk die Falkenhagener Straße entlang. Der vor dem Wagen gespannte Hund hinkte etwas und sah auch abgemattet aus. Hier- über hielten sich einige Personen, darunter auch der Dachdecker H u t h auf. Zielinski, ein sonst sehr harmloser stiller Mensch, der den Beruf als Produktenhändler nur ergriffen, weil man ihm seine Unfallrente, trotzdem er nicht arbeiten konnte, so gekürzt hatte, daß es ihm unmöglich war davon zu existieren und der vor einiger Zeit seine Frau durch den Tod verloren hatte, wurde über daS Verhalten des Huth sehr erregt und versetzte ihm einen Stoß, so daß dieser rücklings mit dem Kopf auf das Straßenpflaster fiel und bei ihm sofort eine einseitige Körperlähmung eintrat. Der Verunglückte wurde in seine in der Falkenhagener Straße belegene Wohnung geschafft, wo er am Sonntag gestorben ist. Gegen Z. ist Strafantrag wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang gestellt. Heute, Mittwoch, abends 8zh Uhr, hält die„Arbeiter-Samariter- kolonne", Abteilung Spandau, bei Böhle, Havelstr. 29, ihren regel». mäßigen Uebungsabend ab. Gäste willkommen. Potsdam. Der Anschluß an das Potsdamer städtische Elektrizitätswerk wird jetzt auch von einer größeren Anzahl von Eigentümern in der Kolonie Rehbrücke und vor allem von einigen Landwirten in Bcrgholz und Saarmund begehrt, trotzdem bereits in diesen Gemeinden Leuchtgas installiert wurde._ Jugendveranstaltungen. Freie Jngendorganisution Treptow. Die MteilungSversammIung findet heute abend S Uhr bei Schnorre, Elfenstr. 103/194 statt. Herr Dr. Bab spricht über-„Die Entstehung der Erde'. Gäste, besonders jugendliche Ar- bcitcr und Arbeltcrtnncn find willkommen. Als am letzten Sonntag ein Mann dort hingeführt wurde, der sich eine stark blutende Verletzung im Gesicht zugezogen hatte, mußte die Wahrnehmung gemacht werden, daß überhaupt niemand anwesend ist, denn trotz wiederholten Läutens wurde nicht geöffnet, so daß der Verwundete einen Arzt aufsuchen mußte. Das war in der zehnten Stunde, zu einer Zeit, wo in Mariendorf des Sonntags durch die Ausflügler sehr starker Verkehr herrscht und an den Haltestellen der Straßenbahn durch Gedränge sehr bald ein Unfall passieren kann. Trotzdem ist nicht dafür Sorge ge- tragen, daß immer jemand im Rathaus anwesend ist. Das Publikum verläßt sich doch darauf, bei Unfällen die„erste Hilfe im Rathaus" benutzen zu können. Wie leicht kann durch eine Verzögerung bei einem Unfall größeres Unheil eintreffen, wenn der Verunglückte nach dem Rathaus transportiert wird und ihm dort gar keine Hilfe zuteil werden kann. Wenn ein Sozialdemokrat beerdigt wird, stellt man der Kirchen- gemeinde sofort erste Hilfe durch einen Gendarmen und Polizei- beamtcn. Ebenso gewissenhaft sollte auch die Gemeinde auf der Unfallstation sein und dafür sorgen, daß wirklich erste Hilfe im Rathaus vorhanden ist. Nenenhagen-Fredersdorf. Die Gemeindevertretung nahm zunächst Kenntnis von der freiwilligen MandatSniederlegung des Herrn Dohmgoergen aus der ersten Klasse; die für die Sozialdemokratie aussichtslose Ersatz- wähl sowohl für die erste als auch für die zweite Klasse findet am Freitag, den 26. August, im Lokal Fagerstern statt. Nach Gc- nehmigung einiger Baugcsuchc wurde Genosse O. Göller in die Wegebaukommission und Genosse K. Köseling in die Rechnungs- Prüfungskommission gewählt. Für Ergänzung und Reparatur der Akkumulatorenbatterie unseres Elektrizitätswerks sind 4599 M. in den Etat eingestellt; da dieselbe aber in ihrer Größe nicht den gestellten Anforderungen genügt und um nicht erst Flickwerk zu machen, wurde beschlossen, gleich die ganze Batterie zu erneuern; es wurden zirka 13 999 M. dazu bewilligt. Hiervon sind jährlich 4999 M. zu zahlen und die letzten 8999 M. mit 4 Proz. zu verzinsen. Dieser in finanzieller Hinsicht auf denselben Effekt ab- zielende Beschluß bietet in technischer Beziehung bedeutende Vor- teile für unser Werk. Um einen direkten Zugang von der projektierten Straße 16 des Ansiedelungsterrains zum Bahnhof Hoppcgarten zu schaffen, wurde beschlossen, einen dahingehenden Antrag an die Eisenbahn- Verwaltung zu stellen. Die allen unseren Genossen sehr zu emp- fehlende Benutzung der bedeutend vergrößerten Gemeindebibliothek ist kostenlos. Die Ausgabe und Zurücknahme der Bücher, letztere hat innerhalb 14 Tagen zu geschehen, findet nur Mittwochnach- mittags, im Sommerhalbjahr von 6—6�, Uhr und im Winterhalb- jähr von 5�—-6 Uhr statt. Ober-Schöneweide. Daß die von uns mehrfach besprochene und das lesende Publi- kum vergiftende Schundliteratur leider auch in einem Jndustricort mit starker Arbeiterbevölkerung verbreitet ist, beweist folgende Zu- schrift eines kleinen Papier- und Buchhändlers. In einem solchen ausgesprochenen Jndustrieorte wie Ober-Schöneweide glaubte ich, daß in bezug auf Lektüre etwas höhere Anforderungen gestellt würden. Doch weit gefehlt; in keinem Orte und läge er weitab von der Kultur, könnte mehr in Schundliteratur verlangt und gelesen werden, wie hierorts. Die für die Arbeiterschaft in Betracht kommende Lektüre ist von dem Bahnhof verbannt, nur das auf niedrige Instinkte gerichtete Lesefutter ist gestattet. Die offenen Geschäftsläden sollen von der Schule resp. Schulkindern boykottiert werden, sofern sie Schundliteratur führen; auf allen Ecken und Plätzen sitzt jedoch der Straßenhändler mit seinen Schmökern, recht auffällig und für die Schuljugend verlockend die Ware ausgebreitet. Ungerechnet die unzähligen Kolporteure, die Haus für Haus ihren Schund anbieten und leider auch, wie der Augenschein lehrt, zahl reiche Bestellungen entgegennehmen. Es müßte der Vertrieb gesetzt lich verboten werden, wie doch so vieles vom Hausierhandel aus- geschlossen ist, was nicht einmal moralischen Schaden anrichtet. Die seßhaften Ladcnhändler würden dann ganz gern auf den Ver trieb dieser Schmöker verzichten. Ich habe immer wieder versucht, Neuerscheinungen in wirtschaftlicher wie sozialer Richtung einzn führen; es sind Ladenhüter geworden, wäbrend die Schmöker von Jung und Alt mit Gier gelesen werden, so daß sie die wöchentlichen Fortsetzungen kaum erwarten können. Um nicht den Laden zuzu- machen und den Straßenhändlern und Kolporteuren das Feld zu überlassen, bin auch ich, der ich von dieser Kundschaft im Innern angewidert bin, gezwungen, diese Räuber- und Liebesromane zu führen. Die Vorstände der Bezirke des hiesigen sozialdemokratischen Wahlvereins haben ebenso über mangelndes Lesevedürfnis zu klagen, trotz jedesmaligen Hinweises. Wilhelmsruh-Rosenthal. Eine imposante Volksversammlung unter freiem Himmel fand am Sonntag in Rosenthal statt. Da die Lokalbesitzer von Rosenthal der Arbeiterschaft ihre Säle zur Abhaltung von Versammlungen verweigern, hatten unsere Genossen auf dem Grundstück de» Herrn Müller Kapitz eine Versammlung einberufen. Dieser vor der Jahr- hunderte alten Mühle gelegene Versammlungsplatz machte einen prächtigen Eindruck. Als um W Uhr der Vorsitzende. Genosse Z u n k e r, die Versammlung eröffnete, mochten etwa 7— 899 Personen anwesend sein, die den rot dekorierten Versammlungsplatz füllten. Nach einem stimmungsvollen Lied des Gesangvereins „Einigkeit"-Reinickendorf-West referierte an Stelle des verhinderten Genossen Adolf Hoffmann Genosse Schumann über:„Was will das Volk?" Die Versammelten folgten den trefflichen AuSfüh» rungen deS Redners in lautloser Stille und sie bekundeten am Schluß der Rede durch starken Beifall ihr Einverständnis mit dem Referenten. In der anschließenden Diskussion wurde von einem Genossen darauf aufmerksam gemacht, daß am nächsten Sonntag in Rosenthal das Erntefest stattfindet; er forderte die Anwesenden auf, an diesem Sonntag Rosenthal zu meiden. Auch an die Berliner Genossen richtete er die Mahnung, die Parteigenossen in diesem Kampf gegen die Saalinhaber zu unterstützen. Gerade am Ernte- fest kämen Scharen Berliner Arbeiter nach Rosenthal und füllten den Wirten die Taschen, denselben Wirten, die die Arbeiter ver- höhnen und ihnen die Tür weisen, wenn sie einen Saal zur Ver- sammlung verlangen. Nachdem die Anwesenden aufgefordert wur- den, dem Wahlverein beizutreten und an Stelle der Klatschpresse den „Vorwärts" zu abonnieren, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Der Gesangverein brachte am Schluß nochmals ein stimmungsvolles Lied zum Vor- trag. Die Polizei verhielt sich ganz zurückhaltend, und sie überließ es verständigerweist: unseren Ordnern, für die Sicherheit der An- wesenden zu sorgen. Waidmannslnst. Die Bersagung der Gemcind'eturnhalle dem Arbeiterturnverein 'gegenüber lautet daS Thema, das in einer heute, Mittwoch, von der„Freien Turnvereinigung von Tegel und Umgegend" im Restaurant„Zum Bergschloß" einberufene öffentliche Turnerver- sammlung behandelt wird. Bruchmühle-Radebrück. Die Kolonien Bruchmühle und Radebrück bilden vom 1. Oktober I. ab eine selbständige Gemeinde. Da in allernächster Zeit die Vertreterwablen stattfinden müssen, so sind unsere Genossen am Orte schon eifrig an der Arbeit, damit auch in der neuen Gemeinde die Interessen der werktätigen Bevölkerung gebührende Berück- sichtigung finden. Zu dem Zwecke fand am Sonntag eine äußerst zahlreich besuchte Versammlung statt. Mit großer Ausmecksamkeit lauschten die Besucher den Worten unseres Genossen Ströbel, der über das Thema„Ziele der Sozialdemokratie" referierte. Bloh 1+ bedeutet Vmb»,— Fall.*) UMerveael. Inseratenteil veranttv.: ThTGlockc, Berlin, Druck u Ärriag: Vorwärts Buchbruckerei u. Vrrlagöanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Lese- und DiskuticrNub„Süd-Ost". Heut« Mttwoch, abends 8>/. Uhr, bei Ncidhardt, Görlitzer Straße 58: Mitgliederversammlung. Gäste will- kommen. Lese- und DiSkutierklub„Heine". Hmte abend 8'/, Uhr bei Grün- berg, Rodenbergstr. 8. Gäste willkommen. Zentralverband der freien Höndler. Hausierer und verwandte» BeriifSgenossen Teutschlands. Sitz Essen»Ruhr, Verwaltungsstelle Berlin, Bezirk IV. Süd-Ost, Süden. Heute abend 8'/, Uhr bei Haupt, Adalbertstr. 4 Versammlung. Gäste willkominen. Singegangene Druck IcKrifieti. Charakterbild eines Königs vom Marquis von gegeben von F. TönnicS. 1,59 M. K. Eurtius, Berlin Hera«»» Briefkartcn der Redaktion. Sit sarlftll», Svrechsinnve finde« Lludeuftrast, Nr. 00, dorn »«er Treppen— gfnfiTftnbl—,«ochentSglia,»o» 4,/i tzt»?>/- Ildr abend». Eonnadend» von 4Y, bl» 0 Nh, nachmitiagS ftoi». Jeder für den Vrief- taste» bestimmte» etiifrage ist ein ituidiimtie und»ine öool als Merk» «eirtien beumiiqen.«rtesliche Slniwvr» wird nicht erteilt. Eilig» .ernaen trage man in der Svrechstundc bor. V- Z. 101. 1. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes, mit Orts. bezeichnung und Dalum versehenes Testament ist giUiig. 2. DaS ist zulässig, aber nicht notwendig.— K. G. 50. Zur Instandsetzung oder Be. schassung einer gleichwerligen Markise ist der Eigeniümer oerpflichiet, zu eiwaS weiterem nicht.— H. ivi. S4. 1. Von den bezeichneten Gegen- ständen unterliegen unseres ErachlenS keine der Piäiidung. 2. DaS ist be. dcnllich. Fordern Sie unter Setzung einer Frist Beseiligung, nach ersolg. losem Ablaus klagen Sie.— C. L. IL». Das kann Ihnen nur der Arzt sagen.— P. K. 0. Das regeln die Vorfchristen, die bei den Truppen- teilen Nicht einheitlich find.— C. W. 30. 1. Nach vorausgegangener ein» monatlicher Kündigung kann Klage eingereicht werden. 2. Nur für die Minderjährige. 3. Die großjährig« Tochter mutz selber klagen. 4. Die F> an muß ebenso wie der Mann aus Zahlung, außerdem der Mann ans Duldung der Zwangsvollstreckung tn das Vermögen der Frau verklagt werden. 5. Nein. 6. Die Zinsen gleichzeitig mit dem Kapital nach voraus- gegangener Kündigung. Die Einklagung von Zinseszinse» ist«rsolgloS. 7. Die großiäbltge Tochter muß selber lündigcn. 8. DaS ist zulässig, im Kosteninteiesse auch zweckmäßig.— M. SLS. Nein. — C. 70. Nein, aber zur Angabe deS aus der AuStrMSbeicheinigimg be- findlichen Aktenzeichens.—>. 2. 4. Erklantung der AtmungSorgane oder des BrustsellS.— 31. B. 30. Rein.—- K. S. Schönerltnde. Ja. — K. H. S. 1. 3,59 M. 2. In der Regel daS Viersachc. 3. Ja. — C. B. 10. t. Nein. 2. Wenn Sie nicht verurteilt sind und Ihnen ebörige Sachen gcpsändct werden, so sordern Sie die Gläubigeriii zur ireigabe unter Setzung einer Frist und unter Vcisügung einer eidcsstatt- chen Versicherung, in der Ihr EigenIumSrccht gl-ubhast gemacht wird, aus. Nach ersviglosem Ablaus der Frist beaniragen Sie bei dem Amts- gerlcht Bcrlin-Mitle die Einsteliung der Zwangsvollstreckung und erheben Sie gleichzeitig die Widcrspruchsklag«.— Ricke, o.— 100 A. H. An daS zuständige Schösfengericht._ evasserstandS-Nichrtevten der Landesanstalt sür Gewasserkunde, mitgeteilt vom Berliner Wctlerbureau. vafierkland M- m- l, TUN« V e e g e I, Jnsterbnrg Weichsel, Schorn Oder. Rakibor 0 krassen , Frantsurt Warthe, Schrimm , SandSbtrg Netze, Vordamm Elb«, LeiMicritz , Dresden 0 Bart ij . Magdeburg