fit. 198. HtwnflnentS'Bedlngangcnj NbonnementS- Preis pränumerando! Lierteljährl. 3£0 Mk., monatl 1,10 SKt, wöchenllutz 28 Pfg, frei WS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. SonniagS- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage»Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. ilbonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post,Zcitui.gS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Poftabouucments nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rtunänien. Schweden und die Schweiz, 37. Zahrs« Vlchelvt»glich außer incntags. Verlinev Volksblatt. DU TnlertlonS'StWUr ketrSgt für die fechsgefpaltene Kolonelzeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen LS Pfg. „Kleine Hnxelgen", das erste(fettgedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort S Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags w der Expedition abgegeben werden. Die Expeditton ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adreff«: „SoziaWeineHrat Rcrllnl Zentratorgan der fozialdemokrati fehen Partei Deutfchlands. Redahtton: SM. 68, LJndcnstraaac 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Donnerstag, den 25. August 1910. Expedition: SM. 68, Lindenetraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984, Zlchspau-Karienberg unier! Zschopau, 24. August. lP r i v a t. telegraium des„Vorwärt s".) Bei der heutigen Rcichötagsersatzwahl erhielt G ö h r e lSoz.) 14 35l), Brodaus sFortschr.) 4589, F r l tz s ch e(Antis.) 4459 Stimmen. Einige kleinere Orte, die aber am Resultat nichts mehr andern, stehen noch aus. G ö h r e ist mit über 5999 Stimmen Mehrheit gewählt. Bei der Wahl im Jahre 1997 erhielten G ö h r e 11 281, Zimmermann(Antis.) 14 237 Stimmen. Die bürgerlichen Par teien haben also 5297 Stimmen der loren, während die sozialdemokrati- schen Stimmen um 3963 zunahmen. Das ist das Resultat eines Kampfes, der mit beispiel koser Schärfe geführt worden ist. Handelte es sich doch um das erste Mandat, das die bürgerlichen Parteien Sachsens seit den Hottentottenwahlen zu verteidigen hatten. Gerade in Sachsen haben wir 1997 bei den Neuwahlen von den 29 Mandaten, die wir bei der Auflösung des Reichstages be� saßen, nicht weniger als 12 eingebüßt. Den Kreis Zschopaw Marienberg allerdings hatten wir bereits 1994 nach dem Tode Rosenows verloren. Damals stellte sich der Antisemit Zimmer- mann selber auf, während Konservative und der Bund der Landwirte einen eigenen gemeinsamen Kandidaten in der Person des Bürgernleisters Dr. Schanz besaßen. Ihnen stand Genosse Pinkau-Leipzig gegenüber. Dem Demagogen Zimmerilhann gelang es damals, seinen konservativen Gegner an Stimmen zu überflügeln, so daß er mit uns in die Stich- Wahl kam, in der er mit knapper Mehrheit siegte. 1996 einigten sich die bürgerlichen Parteien sofort auf die Kandidatur Zimmermann, der es dann bei dem tollen Hottentottenschivindel dem Genossen G ö h r e gegenüber auf die respektable Mehrheit von 3599 Stimmen brachte. Irgend eine feste Organisation hat in diesem Kreise keine der bürgerlichen Parteien je gehabt, und Zimmermann de- schränkte sich darauf, ein paar nationale Arbeitervereine zu gründen, deren einer ihm noch kurz vor seinem Tode eine scharfe Absage erteilte. Die Reichsfinanzreform brachte Ziinmermanns Stern rasch zum Verbleichen. Schon bei den sächsischen Landtagsivahlen getraute er sich nicht mehr, sich in seinem Rcichstagsivahlkreis aufstellen zu lassen, er suchte sich einen anderen Kreis im Erzgebirge— und fiel durch I Daß er auch in Zschopau-Marienberg keine Aussicht mehr hatte, nochmals in den Reichstag zu kommen, war ihm klar, des- halb wollte er in Bautzen, dem Kreise des mandatsmüden Antisenüten Gräfe kandidieren. Der Tod machte diesen Plänen ein Ende. Jetzt haben nun die Wähler in Zschopau-Marienberg ein Urteil über das politische H 0 ch st a p l e r t u m. das sich hinter dem Antisemitismus verbirgt, gefällt, wie es ver- nichtender in seiner Art kaum gedacht werden kann. Das ist umso höher anzuschlagen, wenn man sich die wirtschaftliche Struktur dieses Wahlkreises vergegenwärtigt. Im unteren Teil viel Fabrikindustrie, in weiten Strichen des oberen Teiles fast nur Hausindustrie, daneben im ganzen Kreise viel Land- Wirtschaft, freilich fast durchivegs kleine und mittlere Betriebe. Die Heimarbeiter leben in einem bitteren Notstand, Löhne von sieben, neun oder zehn Mark die Woche sind keine Seltenheit; eine kleine Hütte bindet sie meist an die Scholle. Die Gegner haben stets auf den stark sentimentalen Einschlag und auf die religiöse Stimmung dieser armen Bevölkerung speku- liert— diesmal haben alle diese Kniffe nichts genützt. Anti- semiten und Konservative können als abgetan gelten. Diesmal trat im Kreise eine neue Partei in die Er- scheinung. die F 0 r t s ch r i t t l e r. Bisher wußte man in diesem Kreis weder etwas von Fortschrittlern noch von Natioualliberalen. Plötzlich tauchte ein gemeinsamer Kandidat dieser beiden Parteien auf, ein Fortschrittsmann, nachdem die reaktionäre Leuchte des sächsischen Fortschritts, der Abgeordnete Günther-Plauen, erklärt hatte, daß nur der Fortschritt den Kreis dem Bürgertum erhalten könne. Das höchst zweifel- hafte Verdienst, daß der Greisinn im Reichstage nur aus rein taktischen Gründen gegen die Finanzreform gestimmt hatte, sollte jetzt für ihn den Steigbügel bilden, mittels dessen der Fortschritt sich in den Sattel schwingen wollte. Die Kopsch und Wiemer, Günther und Stresemann waren herbeigeeilt, um die Wähler nach allen Regeln der Kunst ein- zuseifen. Sie hatten dabei freilich nicht mit der Wachsamkeit unserer Genossen gerechnet, die in die fortschrittlichen Ver- sammlungen Redner entsandten, die die Haltung der Fort- schrittlcr zur Steuerfrage in das rechte Licht rückten. Dem Abg. Kopsch wurde das schließlich so unangenehm, daß er sich aus keine Diskussion mehr einlassen wollte, weil er seine Kräfte schonen müsse, um sich noch recht lange seiner Fannlie und dem Vaterlande zu erhalten! Ein genialer Einfall, um eine elende Kneifern zu beschönigen! Daß der nationalliberale Abg. Stresemann sich für den Freisinn so ins Zeug legte, hat seine Ursache darin, daß die Freisinnigen ini Wahlkreise Stresemanns sich verpflichtet haben, das nächste Mal auf einen eigenen Kandi- baten zu verzichten und sofort für ihn einzutreten. i Mit dieser Hingabe an den Freisinn will dieser strebsame s Politiker also sein in hohem Maße gefährdetes Reichstags- mandat retten! Unsere Genossen hatten zuerst die antisemitischen Ver- sammlungen besucht; als aber der Kandidat Kurt Fritz sche die Polizei gegen sie zu Hilfe rief, verhängten sie den Boykott über seine Versammlungen. Diese Tattik unserer Genossen hat sich glänzend bewährt, denn die Versammlungen der Anti- semiten wiesen eine gähnende Leere auf. Nicht nur der Kandidat selbst, sondern auch der zu seiner Hilfe herbeigeeilte Abgeordnete Werner hatten Versammlungen, in denen vier bis zwölf Personen anwesend waren. Sie verlegten dann ihre Haupttätigkeit in ländliche Bezirke, ohne daß es ihnen aber gelungen wäre, dort bessere Resultate zu erzielen. In den letzten Tagen wurde derWahlkreis von nationalliberalen und freisinnigen Parteiangestellten förmlich überschwemmt. Die Antisemiten hatten sich einen„nationalen" Arbeiter gekaust; die ganze Gesell- schaft schwindelte, daß sich die Balken bogen, Flug- blätter erschienen, die alles übertrafen, was sich die Gegner bisher schon geleistet hatten., Unflätige Beschimpfungen unseres Kandidaten und anderer führender Parteigenossen, hahnebüchene Verleumdungen der Sozialdemokratie und Einschüchterung der Wähler waren die Mittel, von denen man sich Erfolg ver- sprach. Der Reichsverband hatte mit seinen berüchtigten Flugschriften die Gegner nach Kräften unterstützt. Selbst die Auslassungen des Anarchisten Most in der„Freiheit" wurden gegen unsere Partei verwendet, und die Antisemiten versuchten den Anschein zu erwecken, als ob es sich bei der„Freiheit" um eine sozialdemokratische Zeitung gehandelt hätte. Daß auch die Behörden nicht müßig waren, versteht sich in diesem Teile des Königreichs Sachsen von selbst. In einzelnen Distrikten waren Säle überhaupt nicht zu haben, Versammlungen unter freiem Himmel wurden verboten, weil es angeblich an passenden Zugängen fehlte! Und doch: alles, aber auch alles war umsonst! Der Wahlausfall bedeutet die denkbar schärfste Verurteilung der Polittk, die im Zeichen des Schnapsblockes in Deutschland getrieben wurde und noch immer getrieben wird. Diese Verurteilung wirkt um so markanter, weil man auch die Stimmen der Fortschrittler als gegen die Konservativen gerichtet in Rechnung stellen muß. Das Wahlresultat bedentet aber noch mehr, nämlich auch eine scharfe Absage an den Liberalismus, der sich einbildete, im Trüben fischen zu können. Vor allem aber ist diese Wahl gewissermaßen eine Generalprobe für den Ausfall der allgemeinen Wahlen gewesen, die im nächsten Jahre stattfinden. Die bürgerlichen Parteien werden die Hoffnungen, die sie hegten, wesentlich reduzieren müssen. Sachsen ist auf dem besten Wege, wieder das rote Königreich zu werden. Rascher, als man es ver- muten konnte, haben die bürgerlichen Parteien ab- gewirtschaftet. Das vorliegende Wahlresultat ist der beste Be- weis dafür, daß die Sozialdemokratie mit der Haltung, die sie im Reichstage eingenommen hat, auf dem richtigen Wege war. In immer steigendem Maße gewinnt sie sich das Ver- trauen der Massen, die immer mehr erkennen, wie sie von den bürgerlichen Parteien am Narrenseil gegängelt worden sind. Auf den Höhen des Erzgebirges weht wieder die rote Fahne der Sozialdemokratie! Die Niedergerittene« reite»! Korea. Nun wird auch offiziell bestätigt, daß Japan die Annexion Koreas vollzogen hat. Die Nachricht ist wichtig genug, um die Auf- merksamkeit der ganzen Welt zu erwecken. Denn weit entfernt, die Ruhe in jenem politischen Wetterwinkel zu sichem, kann im Gegen- teil die Annexion zu neuen Konflikten führen. Ein Blick auf die Karte OstasienS genügt, um zu verstehen, daß für Japan allerdings LebenSintereffen auf dem Spiele stehen, wenn eine feindliche Militärmacht sich in Korea festsetzt. Dazu kommt, daß die rasend schnelle EntWickelung des Kapitalismus die japanische Bourgeoisie dazu drängt, sich Expansionsgebiete zu sichern und Korea ihr dabei als willkommenes Ausbeutungsobjett erscheint. Es ist kaum zu viel gesagt, wenn man die Geschichte deS mo- dernen Japan als ein Ringen um Korea bezeichnet. Kaum hatte die Umwälzung sich vollzogen, die Japan aus einem afiatischen „Feudalstaat" zu einem modernen Militärstaat machte, begannen die Konflikte mit dem Nachbarreiche. Ursachen zu Reibereien gab es vollauf: japanische Fischer suchen seit jeher die reichen Fisch- gründe an der Küste auf, japanische Händler waren bestrebt, in daS Land zu dringen. Der chinesische Vasallenstaat, der in noch höherem Matze als China selbst unter der Herrschaft eines verrotteten Man- dorinentums verknöcherte, schloß sich gegen die Eindringlinge ab. ES galt, diesen Widerstand zu überwinden und wir sehen in den sieb« ziger und achtziger Jahren Japan beständige Fortschritte in der«Er- schiietzung" Koreas machen, d. h. Schritt für Schritt in der Beein- flufiung des Landes vordringen. Die Methode war zum Teil der europäischen Diplomatie abgeguckt, zum Teil echt astatisch. Die japanische Regierung nahm stch mit Feuereifer der wirtschaftlichen Interessen ihrer Untertanen an, die in Korea Geschäfte machten; daneben zettelte sie fortwährend Wirren, Tumulte, Palast- revolutionen an in diesem Lande. Gelang es den japanischen Emissären, Einfluß auf die koreanische Regierung zu gewinnen, so bekam Japan neue Zugeständnisse, gelang eS nicht, wurden die japanischen Parteigänger bei solchen Palastrevolutionen gezaust. war die„nationale Ehre" beleidigt, Japan drohte mit Krieg und erzwang abermals Zugeständniffe. In den neunziger Jahren erschien ein gefährlicher Rivale auf dem Kampfplatze: Rußland baute die sibirische Bahn und setzte alles daran, einen eisfreien Hasen am Stillen Ozean zu ertverben, weil ohne einen solchen die Bahn auf einem toten Strang endet. Solche Häfen waren in Korea zu finden. Jetzt steigerte Japan seine Ansttengungen zur Beherrschung Koreas mit fieberhafter Eile: eS mußte Rußland zuvorkommen. Rußland suchte dem zu begegnen, indem eS China vorschob, das jetzt auf einmal seine Hoheitsrechte über den koreanischen Vasallenstaat mit Nachdruck geltend machte. Der japanisch-chinesische Krieg von 1894 war die Folge. Der junge Militärstaat trug einen leichten Sieg über den Barbarenstaat davon, aber die europäischen Mächte fielen dem Sieger in den Arm; die Mächte mit Deutschland an der Spitze besorgten die Geschäfte Rußlands, das Port Arthur in die Klauen bekam. DaS Spiel war halb verloren, denn nun umklammerte Rußland die Halbinsel von allen Seiten mit eisernen Zangen: die Mandschurische Eisenbahn, von dem östlichen Zweige der sibirischen Bahn nach Port Arthur geführt, schnitt mit ihrem Militärkordon Korea samt einem Teil der Mandschurei von China ab. Desto wütender wühlte Japan im Innern des Landes, und das Resultat dieser Wühlereien war die Palastrevolution von 1897, bei der die Königin ermordet wurde und der König nach der russischen Ge- sandschast flüchtete. DaS war abermals eine verlorene Kampagne für Japan. Der Agent der zarischen Regierung, Alexiejeff, schaltete und waltete in Korea, gebürdete sich bereits als Gouverneur des „Gouvernements Korea". Jetzt blieb nur noch das Wagnis auf Tod und Leben: Japan mußte Rußland mit den Waffen aus Korea verdrängen, oder eS wurde mit der Zeit von Rußland erdrosselt. DaS Wagnis gelang. Auf den Feldern der Mandschurei und den Gewässern von Tsuschima wurde die Macht deS Zarentums zer» trümmert und nun endlich fiel Korea dem Sieger zu. In den fünf Jahren feit dem Kriege hat Japan in Korea „Ordnung geschaffen". Die gefeierten.Freiheitshelden" haben es als Eroberer an Brutalität und roher Bedrückung nicht fehlen lassen. Die koreanischen Bauern wollten sich nicht fügen. Die Fremd- Herrschast wurde ihnen zum Verderben. Japanische Kolonisten verdrängen sie von ihrem Grund und Boden, japanische Händler bringen sie um den kargen Verdienst, den sie bisher als Lastenträger, Fuhrleute, Krämer und Hausierer fanden. japanische Beamte werfen die uralte Sitte über den Haufen, japanische Steuereinnehmer ziehen ihnen das Fell gründlicher über die Ohren, als es die einheimischen Mandarinen je getan. Revolten brachen aus und wurden mit eiserner Faust unterdrückt. Die Soldaten, die soeben am Dalu und bei Mulden wie die Helden gekämpft hatten für die Unabhängig- keit Japans, zwang man jetzt zu schmutziger Henlerarbcit gegen wehrlose Bauern, um Korea zu knechten! t�je alte Geschichte: der kapitalistische Staat wendet auch Heldentaten in Niedettracht.— Gleichzeitig ging die japanische Bourgeoisie daran, die Ernte ein« zuheimsen. Es galt, ein neues Land zu exploitieren, ein geknechtetes Volk auszurauben und zu proletarisieren. In den Häfen Koreas entstanden japanische Handelsgesellschaften, Bahnen wurden gebaut, Bergwerke und Fabriken gegründet. Die kapitalistische Pumpe ar« bettete mit Hochdruck. Indessen— hier meldeten sich die Rivalen: auch andere als die japanischen Kapitalisten haben ein Interesse an der Ausbeutung Koreas. Die russischen Unternehmer haben in Korea niemals Fuß gefaßt. Die Russen begnügten sich damit, zu rauben und zu stehlen. Ihre Unternehmungen(wie z. B. die berüchtigte Konzession zur Exploitation der Wälder am Dalu, die den Vorwand zum Kriege lieferte) waren eben nichts anderes als einfacher Raub. Englische Kapitalisten haben schon mehr sich eingenistet, aber die englische Bourgeoifie zog es vor, mit dem Sieger Halbpart zu machen, ihre Jnteresien werden durch die formale Annexion wenig berühtt. Es gibt jedoch eine andere Macht, die kaum die Annexion ohne Protest hinnehmen wird— die Vereinigten Staaten.— Die Amerikaner haben schon seit Jahren aus wirtschaftlichem Gebiete den Japanern das Feld in Korea streitig gemacht. Bereits in den neunziger Jahren haben amerikanische Kapitalisten sich zahlreiche Konzessionen erteilen lassen; sie richteten Telegraphen- und Fernsprechlinien ein. erbauten Straßenbahnen, versahen Söul mit elektrischem Licht, gründeten zahlreiche Handelsfaktoreien und gingen als erste im Bergbau vor. Zum großen Teil waren das blutige Gründungen, vor allem darauf zugeschnitten, den Staatsschatz Koreas zu plündern. Der Franzose Dumolard. der Engländer Hamilton und der Pole SieroSzewSki schildern dieses amerikanische Jndustrierittertum in recht grellen Farben. Dieses Vor- dringen des amerikanischen Kapitals in Korea ist kein Zufall. Der amerikanische Kapitalismus strebt nach Expansion. Die Eroberung KubaS und der Philippinen hat nur den Appetit gereizt, die amerikanische Bourgeoisie setzt alles daran, in Asien Fuß zu fasten. Unter diesen Umständen ist eS den Amerikanern durchaus nicht gleich- gültig, wer in Korea herrscht. Wenn eS nur auf den Absatz von Waren ankäme, dann wäre diese Frage minder wichtig, aber die Amerikaner wollen nicht nur Waren exportieren nach Asien, sie wollen Kapital exportieren, sie wollen an der Einführung des Kapitalismus in den asiatischen Ländern beteiligt sein, und hier ist ihnen die japanische Herrschaft natürlich ein Hindernis. Schon bisher waren die Reibungs» punkte zwischen Japan und der Union zahlreich genug und schon hat Uncle Jonathan mehr als einmal mit dem großen Stock hinüber- gedroht über den Stillen Ozean. ES ist also nicht wahrscheinlich, daß die amerikanische Bourgeoisie sich so ohne weiteres von der japanischen den Stuhl vor die Tür setzen läßt in Korea. Deshalb vor allem bedeutet die Annexion Koreas, auch wenn sie scheinbar nur die formale Bestätigung deS gegenwärtigen Zu- standeS ist, eine ernste Gefahr für den Wettftieden. Die Gefahr ist um so größer, als ein Krieg zwischen Japan und den Bereinigten Staaten von neuem die ganze.ostasiatische Frage' aufrollen würde, bei der die Interessen sämtlicher Weltmächte aufeinander platzen.' >" Paris, 24. August. Dem Ministerium des Aeußern ist die offi- zielle Nachricht zugegangen, daß der Kaiser von Korea in Gegenwart des gesamten Hofes und der Staatsbeamten feierlichst auf/ einen Thron und seine Recht« verzichtet hat. stugeburger Hiatholikentag. (Telegraphischer Bericht.) Augsburg, 24. August. Dritter Tag. In der dritten geschlossenen Versammlung, die der Vorsitzende, Reichstagsabgeordneter Marx leitete, beschäftigte man sich mit sozialen Fragen. Reichstagsabgeordneter Dr. Pieper M-Gladbach begründete im Auftrage des für diese Fragen eingesetzten Ausschusses einen längeren Antrag, der die religiös-sittliche Hebung des erwerbstätigen Volkes bezweckt. In dem Antrag heißt es: .Die 57. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands weist mit Nackdruck darauf hin, daß eine Erneuerung der christ- lichen Gesellschaftsordnung nur dann zu erwarten ist, wenn mit dem segensvollen Einfluß der Kirche, mit dem Sckutz und der Förderung durch die StaatShilfe, mit der genossen- schaftlichen Selbsthilfe und mit der Wohlfahrtspflege Hand in Hand geht die Erziehungsarbeit in der christlichen Familie. Sie an erster Stelle hat dem heranwachsenden Geschlecht das- jenige Wissen und Können, jene Tatkraft und Charakterfestigkeit. zene soziale Gesinnung zu übermitteln, ohne welche unsere zu- künftigen Männer und Frauen ihre Aufgabe im Staat. Gesellschaft und Familie, im Berufs- und Wirtschaftsleben nicht erfüllen können. Die christliche Sozialreform muß deshalb eine bedeutungsvolle Aufgabe darin ersehen, daß die Eltern befähigt und nachhaltig an- geregt werden zur erfolgreichen Erziehung und Schulung ihrer ■ heranwachsenden Söhne und Töchter. Diesem Ziele zuzusteuern ist vor allen Dingen Aufgabe der katholischen Standesvereine nicht nur in Städten, fondern auch auf dem Lande." MS Mittel zur religiös-stttlichen Hebung des arbeitenden Volkes empfiehlt dann der Antrag im einzelnen die Pflege des religiösen Lebens im Elternhause, die konfessionelle Volksschule, die Ein- richtung von Elternabenden, den Ausbau und die Verbreitung von Erziehungsschriften, die Errichtung von katholischen Standesvereinen, Muttervereinen und Jungfrauenvereinen. Der Airtrag wurde an- genommen. Hierauf ging die Versammlung zu einem Antrag über, der die Mrsorge für die schulentlassene Jugend zum Gegenstand hat. Er lautet: .Die ö7. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands betont von neuem die dringende Notwendigkeit der Anteilnahme > der Katholiken an den modernen Bestrebungen zum Schutze der volksschulentlassenen Jugend. 1. Sie begrüßt die Einführung der obligatorischen Fort- bildungsschule für Knaben und Mädchen und fordert für sie den pflichtgemäßen Religionsunterricht. S. Die Generalversammlung spricht ihre volle Anerkennung und weitgehendste Empfehlung den katholischen Jugendvereinen für die männliche Jugend in Stadt und Land aus, in denen gerade in den wichtigsten Jahren der körperlichen und geistigen EntWicke- lung das Werk der Erziehung fortgesetzt wird,.. 3. Die Generalversammlung empfiehlt ebenso die Sammlung der volksschulentlassenen weiblichen Jugend in Stadt und Land in Jugendvereinen, die neben edler Unterhaltung die Befestigung und Weiterführung der religiös-stttlichen Erziehung und geistigen Allgemeinbildung der Mädchen, insbesondere aber deren Haus- wirtschaftliche und berufliche Ausbildung bezwecken und dieselben so für die katholisch-sozialen Standesvereine vorbereiten. 4. Die Generalversammlung empfiehlt die Errichtung von katholischen Jugendheimen, in denen die Jugendlichen Schutz vor den Gefahren der Großstadt, billige WohnungS- und Speise- gelegenheit und passenden Aufenthalt an Sonn- und Feiertagen wie Wochenabenden finden. 6. Bei dieser bedeutsamen Arbeit erwartet die General- Versammlung vor allen Dingen die Mithilfe von Staat und Ge- meinde durch Bereitstellung finanzieller Mittel, Ueberlassung von Spielplätzen und Versammlungsräumlichkeiten u. dergl. 6. Als Pflicht aller katholischen Männer und Frauen erachtet eS die Generalversammlung, die katholischen Jugendvereine als zahlende Mitglieder sowie durch praktische Mitarbeit(zahlende und tätige Jugendfreunde) zu unterstützen." Der Antrag wurde unter lebhaftem Beifall einstimmig an- genommen. Der nächste Antrag betraf die Rilitärfürsorge. Der Antrag erachtet eine planmäßige Ausgestaltung der Militärfürsorge, bei der zwischen Rekruten-, Soldaten- und Reservistenfürsorge zu unter- scheiden ist, als erstrebenswert. Insbesondere wird die an manchen Orten schon vorteilhaft erprobte Einrichtung einer Rekrutenfürsorge im Anschluß an die katholischen Vereine empfohlen. Der Antrag winde einstimmig angenommen, ebenso zwei An« träge, die die Unterstützung der kaufmännischen Vereinigungen und deS katholischen Frauenbundes zum Zwecke haben. politifcbe deberficbt. Berlin, den 24. August 1910. Vertagung der Wahlreform? Das Scherl-Blatt meldet: .Es kann nunmehr als sicher betrachtet werden, daß dem preußischen Landtag in dessen'nächster Tagung keine neue Wahlrechtsvorlage zugehen wird. Die maßgebenden Stellen halten es für richtig, mit einer solchen Vorlage, die unter keinen Umständen eine bloße Wiederholung des vorigen RegierungSentwurfS sein darf, erst nach den all- gemeinen Neuwahlen zum Reichstage wieder an den preußischen Landtag heranzutreten." Ob diese Meldung auf offiziöser Erleuchtung beruht, läßt sich nicht feststellen. Doch haben wir wiederholt dargelegt. daß eine Vertagung der Äahlreform im Interesse der Reaktion zu liegen scheint, weil ein Wahlrechtskampf vor den Reichstagswahlen unter Umständen die Zwistigkeiten innerhalb der bürgerlichen Parteien verschärfen könnte, während doch die Regierung wiederum eine Sammelparole ausgeben möchte. Auch kann Herr v. Bcthmcmn Hollwcg die Liberalen viel leichter durch' alle möglichen Wahlrechts Zusicherungen zu ködern hoffen, als durch eine Wahlrechts Vorlage, die doch auch Konservative und Zentrum nicht vor den Kopf stoßen soll! Kommt auch die Wahlrechtsvorlage erst nach den Reichstagswahlen, so wird doch die Wahlrcchtsfrage einen der Kernpunkte der Wahlagitation bilden. Durch die Ab- gmmung bei den Reichstagswahlen hat das entrechtete »lk seinen unbeugsamen Wahlrechtswillen zu bekunden s. Gottgegebene Abhängigkeiten. Ein höchst seltsames Urteil hat das Oberverwaltungsgericht über die Frage gefällt,'ob die Unternehmer berechtigt sind, bei Wahlen in ihrem Sinne auf ihre Arbeiter einzuwirken. Eine Gemeinde- Vertretung hatte eine Wahl für ungüllig erklärt, weil ein Fabrikdireltor in unzulässiger Weise auf seine Arbeiter eingewirkt hatte. ES stand fest, daß der Fabrikdirektor Arbeiter in seinem Betriebe ersucht hatte, bestimmte Personen zu wählen. Wäh- rend in der Borinstanz die Wahl für ungüllig erklärt worden war, erachtete da? Oberverwaltungsgericht die Wahl für gültig. ES führte unter anderem aus: Wahlbeeiuflussungen könnten überhaupt nur insoweit in Betracht kommen, als sie tatsächlich von unverkennbarer Bedeutung für daS Endresultat der Wahl wären. Arbeitgeber und Beamte dürfen ebenfalls an der Wahlagitation teilnehmen. Nach- teile oder Vorteile dürfen aber nicht in Aussicht gestellt werden. Arbeitgebern stehe es frei, ihren Arbeitern mitzuteilen, welche Kandidaten sie für geeignet halten. Auf die Wähler dürfe jedermann einwirken; unzulässige Wahlbceinflufiungen lägen nur dann vor, wenn dadurch auch ein fester Mann zum Wanlen gebracht worden wäre. Eine sonderbare Auffastung. Wenn der Unternehmer in öffent- licher Versammlung erklärt: ich möchte, daß der und der gewählt wird, so läßt sich daraus sicherlich noch nicht ohne weiteres eine unzulässige Beeinflussung folgern. Ander« liegt die Sache, wenn der Unternehmer als solcher in der Fabrik unmittelbar zu seinen Arbeitern sagt:.Ich wünsche, daß Sie den und den wählen", und wenn ferner die Wahl eine öffentliche ist, also vom Unternehmer die Abstimmung kontrolliert werden kann. In diesem Fall bedeutet die direkte Aufforderung, für eine bestimmte Person zu stimmen, tatsächlich nichts anderes, als die Bedrohung mit einem Nachteil, nämlich mit der baldigen Entlastung. Aber vielleicht rechnet das Oberverwaltungsgericht die Abhängigkeit des Arbeiters vom Unter- nehmer auch zu den.gottgegebenen Abhängigkeiten' des Herrn v. Bethmann Hollweg._ Der„Spahn" im Fleische des Zentrum?. Unter diesem Titel bringt der uUramontane.Bayerische Kurier" einen heftigen Artikel gegen die Kandidatur des Prof.' Dr. Spahn jun. im Wahlkreise Warburg. Der mandatSliisteme junge Spahn, heißt eS darin, sei nicht nur ein Vielschreiber, sondern auch ein.Ober« Börnste" der sich schon in verschiedenen Wahllreisen als Kandidat angeboten hafbe. Bisher fei das freilich vergebens ge- Wesen, denn in jedem Wahlkreiskomitee fei wenigstens immer ein Mann gewesen, der Herrn Spahn kenne und der auf die Wahrung der Grundsätze deS Zentrum? nach der �eiteder politischen Freiheit etwas gebe. Nur in Warburg, wo Spahn auf Empfehlung des Abgeordneten Trimborn aufgestellt wurde, scheine der Zentrum?- Homer zu schlafen. Spahn habe sich über das preußische LandtagSwahlrecht so eindeutig geäußert—.ganz ent- gegen der ererbten Grundauffastung deS Zentrums'—, daß er trotz seiner nachträglichen Erklärungen nicht knS Zentrum ge- höre. Wenn man ihn in anderen Dingen unter die Lupe nehme, ließe sich schon ein Kompromiß mit ihm finden. Aber in der Wahlrechtsfrage dürfe eS für die Zentrumspartei kein Kompromiß geben, sonst gebe fich die Partei selber auf. Die oberste Parteileitung in der ReichStagSftaktion Wiste wohl nicht, wie das Volk derartiges aufnehme� sonst hätte sie gegen die Kandidatur Spahn sofort Stellung nehmen müsten. In Bayern müsse mau jedenfalls er- klären, daß eine solche Vermischung de S Zentrums mit rückständigen Elemenken auf die Verhältniste in Bayern nicht ohne Einfluß bleiben werde. Ter»Bahrische Kurier' erklärt, der Artilel sei ihm.von be- freundetet Seite" zugegangen. Man wird nicht fehlgehen in der Annahme, daß diese»befreundete Seite" der Reichs- und Land- tagsabgeordnete Dr. Heim ist. der ja zum»Bayrischen Kurier" in besonders engen Beziehungen steht. ... Die in Augsburg anläßlich de? Katholikentages versammelten Reichstagsabgeordneten der Zentrumspartei sollen nach einer Meldung der»Täglichen Rundschau' in geheimer Sitzung beschlosten haben. Herrn Universitätsprofessor Dr. Martin Spahn nahezulegen, von der ReichStagSkandidatur in Warburg-Höxter zurückzutreten. Man empfiehlt ihm dies mit Rücksicht daraus, daß sich seine in Wort und Schrift geäußerten Ansichten nicht mit denen seines Mandats- Vorgänger»(Schmidt- Warburg) decken und außerdem nicht die Billigung der Zentnimsabgeordneten finden. Gegen de« Fletschwucher. In fünf außerordentlich stark besuchten Volksversammlungen protestierte am Dienstag die Arbeiterschaft Leipzig? gegen die Fleischdeuerungspolitik. Es referierten unter lebhaftem Beifall die Genosten Lüttich, Lehmann, Geher, Ryssel und L i p i n s k i. In allen Versammlungen wurde e i n st i m m i g die folgende Resolution angenommen: Die gegenwärtig zu einer gefährlichen Kalamität gewordene Fleischteuerurig ist eine Folge der verbrecherischen agrarischen Reichspalitik und fördert die Unterernährung der Arbeiterbevölke- rung. Gesteigert wird die Teuerung noch durch die sachsische Sonderbesteuerung des Fleisches. Die Versuche der Arbeiter- schaft, durch Aufbesserung der Löhne einen Ausgleich der enorm gestiegenen Lebensmittelpreise herbeizuführen, beantworteten die Unternehmerverbände mit den brutalen Aussperrungen. Die sächsische, wie die Regierung des Reichs leugnen eine Fleischteucrung und weigern sich, Maßregeln zu deren Linderung zu ergreifen. Die Versammelten fordern als Mittel gegen die maßlose Teuerung: Sofortige Oeffnung der Grenzen für das ausländische Vieh, Aufhebung der Viehzölle, von der sächsische:, Regierung die Außerkraftsetzung der Fleischsonderbesteuerung. Sie fordern vom StÄtverordnetenkollegium und vom Rate, daß er bei' der sächsi- schen wie bei der Reichsregierung mn Erlaß der genannten Maß- regeln zur Verminderung der Fleischteuerung petitioniere. Die Versammelten versprechen aber auch, bis zur kommenden Reichstags- und Stadwerordnetenwahl«rnsthaft agitatorisch zu wirken, damit die sozialdemokratischen Kandidaten über die agrarischen und agrarfreundlichen Kandidaten siegen. Natürlich unzurechnungsfähig. Vor dem Kriegsgericht der 1. Garde-Divifion Kurde am Mittwoch der Prozeß gegen den Oberleutnant von P l e h w e vom 4. Garde-Regiment, der zurzeit als Hilfslehrer zur Jnfanterie-Schießschule in Spandau abkommandiert ist, verhandelt. Plehwe steht unter dem Verdacht des Sittlichkeitsver- gehens. Die Anklage legt ihm einen Fall zur Last, in dem er sich an einem schulpflichtigen Mädchen von zwölf Jahren unsittlich vergangen haben soll. P. soll das ihm zur Last gelegte Vergehen in einem Zustand totaler Trunkenheit ausgeführt haben. Es waren nicht weniger als 26 Zeugen und Sachverständige er» schienen. Unter den ersteren befinden sich allein sechzehn Offiziere, die über das Vorleben des Angeklagten sowie über Vorgänge vernommen werden sollen, die an der geistigen Zurechnung Sfähigkeit hei Angeklagten starke Zweifel auf- kommen lassen. Nach Verlesung der Zeugenliste ermahnt der Ver- hMdlungSheitUh KxiegSgerWSrat Htzrholz�r Mi' ZeMeg, h efog«' LerS Safs angeblich unsittlich berührte Kind und dessen Freundinnen zur strengen Wahrheit. Die Anklage vertritt Rechtsanwalt Dr. Kahser, während die Verteidigung in den Händen des Rechtsanwalts Ulrich liegt. Als ärztlicher Sach- verständiger über den Geisteszustand des Offiziers fungiert außer den zuständigen Militärärzten auf Antrag der Vertetoigung der bekannfe Gerichtsarzt Medizinalrat Dr. Störmer. Der Angeklagte, der aus dem Garnisonlazarett als � Untersuchungsgefangener borge- führt wird, wird zunächst über seine Personalien vernommen. Sein Führungszeugnis als Offizier lautet auf recht gut. Sodann stellt der Vertreter der Anklage einen Antrag auf Ausschluß der Oeffent- lichkeit. Nach kurzer Beratung beschloß das Gericht, wegen Ge- fährdung der Sittlichkeit die Oesfentlichkeit für die ganze Dauer der Verhandlung auszuschließen. In der wiederhengestellten öffentlichen Sitzung verkündete der Ver- Handlungsführer: Der Angeklagte ist f r e i g e s p r o ch e n, da nach den übereinstimmenden Gutachten der Sachverständigen der Ange- klagte sich zur Zeit der Tat in etnain Zustande befunden hat, in dem seine freie Willensbestimmung ausgeschlossen war. Merk- würdig: wenn Herr v. Plehwe nicht ein Sittlichkeitsvergehcn be- gangen hätte, würde tvahrscheinlich seine Unzurechnungssähigkeit noch auf lange Jahre hinaus unentdeckt geblieben seink Aus der preußischen Bertvaltungspraxis. Die preußischen Landräte sind die geplagtesten Geschöpfe der Welt. Sie haben nicht nur die Geschäfte der Regierung zu be- sorgen, sondern nebenbei auch noch Agimtion für die loniervativen Parteien zu betreiben. Da sie letztere Arbeit gewissenhaft leisten, ist es erklärlich, daß sie da, wo es auf ihre Tätigkeil als Staats- beamte ankommt, manches übersehen. Das passierte auch dem Land- rat des Kreises Ost-Priegnitz. Ihm war es vollständig unbekannt geblieben, daß in einer Geminde seines Kreises drei Jahre lang ein Gemeindevorsteher nicht vorhanden war. Die Wahl des Gemeindevorstehers mußte nämlich bereits Vor etwa drei Jahren vorgenommen werden, da die Amtsperiode des bisherigen Gemeindevorstehers zu diesem Zeitpunkte abgelaufen war. Das Dorfoberhaupt unterließ es aber, wie der.Kurier für die Priegnitz" erzählt, die erforderlichen Schritte für eine Neuwahl einzuleiten Er schickte vielmehr kurzerhand die ausgefertigten Papiere an den Landrat mit der Anzeige, daß die Wahl wieder auf feine Person gefallen sei. Vor einigen Tagen fragte ein Bewohner des Ortes beim Landrat an. warum denn nicht eine Neuwahl des Ge- meindevorstehers vorgenommen wurde. So lam die Angelegenheit an das Tageslicht. Gegenüber den Mitteilungen des in Pritzwalk erscheinenden Blattes erklärt jetzt der Landrat: Die Wahlzeit des Gemeinde- Vorstehers in B. fei allerdings vor drei Jahren abgelaufen, man habe aber damals irrtümlicherweise eine Neuwahl nicht angeordnet. Dagegen sei es unrichtig, daß der Gemeindevorsteher dem Landrat von einer erfolgten Neuwahl Mitteilung genmcht habe. Was geschieht jetzt mit den Amtshandlungen, die der ehemalige Gemeindevorsteher während der letzten drei Jahre rechtswidrig unter Aufsicht des Landrats vorgenommen hat? Eine feine Kolonialfache. Im Dezember 1908 war eS, da meldete auch der.vorwärts' von dem � bekannten Karl Peters, daß er unter die Gründer gegangen sei. PeterS meinte in Portugiesisch-Ostafrika, da« sagen- hafte Ophierland der Bibel, das Goldland wieder entdeckt zu haben. Man ist in den Jahrtausenden inzwischen modern geworden, und deswegen gründeten PeterS und andere eine Aktiengesellschaft zur Ausbeutung des Goldreichtums im sagenhasten, wieder- gefundenen.Ophierlande". Nun spielt sich ein typische? Stück Kolonialkapitalismus ab. ES ist besonders des- wegen lehrreich, weil gerade jetzt wieder einmal auch in den bürger- lichen Blättern, dort allerdings n u r im Handelsteil und nicht unter den politischen Nachrichten, wo man doch in Kolonialbegeisterung macht, .nachgewiesen wird, wie wenig rentabel heut noch die übergroße Mehrzahl der deutschen Kolonialaltiengesellschaften ist. Bei den aller- meisten wird eS e»vig so bleiben, wenn sie nicht vorher»ver- schmolzen' oder bankrott werden. PeterS sprach damals von groß- artiger Produktivität, BetriebSüberschüste von 4 Millionen Mark waren so gut wie sicher. Damals wurde schon darauf hingewiesen, daß da» Unternehmen, das aus englischem Besitz gegen gute Zahlung ge- kaust wurde, wegen Unrentabilität aufgegeben gewesen sr:. Dazu kam noch, daß die Gründer der deutschen Ophiergesellschast, PeterS. Dr. Schroeder, Paggelow und Dr. Scharlach-Hamburg, die Mit- Unterzeichner deS Gründungsprospektes. Vertreter größerer Posten von ShareS der Sourh West Africa Co. gewesen sein sollen, die offenbar Vor- oder Mitbesitzerin der Minenrechte war, die ay die neugegründete Ophiergesellschast übergingen. Trotz alledem, mit gattzen 460000 Mark Betriebs- kapital zog man nach Portugiesisch- Ostafrika. um Gold zentnerweise zu graben. Jetzt hat nun wieder einmal eine Generalversammlung der Gesellschaft stattgefunden. Dr. Karl Peters gab in seinem Bericht.seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß die Hoffnungen, die auf das Unter» nehmen gesetzt worden wären, sich nicht erfüllt hätten." Nach dem.L.-A." sagte er:.ES läge nahe, ihn zu fragen, warum er mit der Veröffentlichung der vorzüglichen AuS« beuterresultate, durch welche die Preise der Anteile in die Höhe getrieben worden seien, nicht gewartet hätte, bis man über die Nochhaltigkeit deS Vorkommen« Sicherheit erlangt hätte. Er hätte jeden einzelnen Bericht sofort veröffentlicht, weil man sonst den Vorwurf gegen ihn hätte erheben können, daß er seine Wissenschaft an der Londoner Börse ausnutzen wolle." Dann erklärte er, keinen einzigen Anteil der Ophiergesellschast ge- oder verkauft zu haben. Sie waren also nichts wert, oder andere haben es für ihn getan— die Geschichte ist doch sehr einfach zu lösen! Kurz und gut: die Gesellschaft hat eingepackt und sich zugleich ein neues Wirkungsfeld in Transvaal am Witwarers- rand, gesucht. DaS natürlich durch PeterS Vermittelung gewonnene Goldfeld ist„sehr aussichtsreich", aber nur,„wenn sich daS ge- nügende Kapital dafür findet". Dann verschwand die Ophier- gesellschaft laut Beschluß in einer neugegründeten englischen Ge- sellschaft mit 7 Millionen Mark Aktienkapital, und dort wird das lukrative Spiel von neuem beginnen. Heiliger Kolonialkapitalis- mus, wie schön und schnell kann man durch dich doch reich werden._ Die„objektivste Behörde" der Welt. In dem großen Wahlrechtsprozeß der„Dortmunder Arbeiter- zeitnng" standen sich bekanntlich die Aussagen der Beamten und der Zivilzeugen schroff gegenüber. Polizeiinspektor, Kommissar und Schutzleule bestritten, daß gelMien worden sei; die Zivil- zeugen bekundeten das Gegenteil. Das Gericht kam zu einer Ber- urteilung des Genossen Beyer, weil eS den eidlichen Aussagen der Beamten Glauben schenkte. Es meldeten sich nun aber über 30 neue Zeugen, lauter unbeteiligte Zuschauer, die bekunden wollten, daß die Beamten blank gezogen und gehauen hätten. Daraufhin erstattete Genosse Beyer Meineidsanzeige. Jetzt endlich, nach vier Monaten, ist der Bescheid erfolgt, daß daS Verfahren gegen die de» Meineids Bezichtigten eingestellt sei. Kein einziger der neu- benannten Zeugen ist vernommen Ivorden. Der Staatsanwalt meint. daß Gerich: würde deren Zeugnis nicht anders bewerten als das der beteiligten Zivilzeuge» im Prozeß Beyer. Mit ander«: Worten: dem Slaatsanwalt gilt nur, was die Beamten aussagen. Es wird Beschwerde gegen den Bescheid deS Staatsanwalt» erhoben. Ein Edelster nnd Bester. Dieser Tage hatte sich vor dem Kriegsgericht der 8. Diviston in Halle m S. der Hauptmann und Kompagniechef Guido von Polst vom 36. Infanterieregiment zu verantworten. Unter strengstem Ausschluß der Oeffemlichkeit wurde gegen ihn wegen sortgesetzter vorsätzlich falscher.dienstlicher Meldungen verhandelt. Der Angeklagte war in Vermögensverfall geraten und hatte seinen Vorgesetzten unrtchttge Angaven tiker seine Verhältnisse gemacht. Wegen dieses Vergehens wurde gegen ihn auf zwei Monate Gefängnis und Dienstentlassung erkannt. Hätte der Hauptmann„nur" Aehnliches Begangen, wie der Generalmajor v. Gagern, wäre er-allenfalls zur Disposition gestellt worden. Dem aber, der nichts mehr hat, blüht das Kriegsgericht. Auf diese Art„reinigt" man däs Ofsizierlorps. Freigesprochen. In dem Prozeß vor dem Kriegsgericht der 1. Gardedivifion, vor dem sich, wie wir berichteten, Oberleutnant v. Plehwe zu der- antworten hatte, ist gestern gegen Abend das Urteil gefällt worden. Auf Grund der Beweisaufnahme und der Aussagen der ärztlichen Sachverständigen gelangte das Gericht zu einem Freispruch. Ocrtcrreicb. Separatistisches.' Wir lesen in der Wiener„Arbeiter-Ztg.�: „Im„Pravo Lidu" beginnt heute Abg. Anton Nemec, Mitglied des Internationalen sozialistischen Sekretariats, wie höchst feierlich im Titel bemerkt wird, eine Artikelserie über den Kopenhagener Kongreß. Damit unsere Leser auch einmal einen Begriff bekommen, wie die tschechische Parteipresse die Ver- hältnffse in der österreichischen Sozialdemokratie schildert und von welcher. Wahrheitsliebe sie sich bei der kritischen Analyse des Konflikts leiten läßt, wollen wir die betreffende Stelle aus dem Artikel wörtlich hersetzen und bemerken ausdrücklich, daß die im Texte gesperrt gedruckten Sätze auch im Original durch den Druck hervorgehoben sind. Genosse Nemec schreibt also: Die deutschen Genossen in Wien kennen nur ein Gebot: Entweder werden sich die tschechischen Sozial» demokraten bedingungslos überall und in allem unterwerfen, sich mit der Rolle eines bloßen Tributpflichtigen und willenlosen StimmgterialS begnügen oder sie werden unS bekämpfen und bis zur völligen Ausrottung vernichten. So nämlich verkündet ihr führendes Organ, die „Arbeiter-Zeitung", so verkünden es ihre Sprecher in der wissen» schaftlickicn Revue der Partei und in Broschüren, so prahlen in der ausländischen Presse unsere deutschen Genossen. Seine Zngehörigksit zur großen Armee des klassenbewußten und der sozialdemokratischen Inten, ationale verbundenen Prole- tariats soll der tschechiche Arbeiter damit erkaufen, daß e r s i ch aller Selbständigkeit und Mannhaftigkeit als Proletarier, als Sozialdemokrat und als Tscheche«ntledigt und sich auf Gnade und Un- gnade den deutschen Genossen ergibt. Sie ganz allein maßen sich das Recht an, uns vorzuschreiben, welche Form unsere Gewerkschaflsorganisationen haben dürfen und welche Politik unsere polttischen Organisattonen im Interesse und zum Borteil der tschechischen Arbeiterschaft üben dürfen. Wie stch die tschechischen Arbeiter organisieren und wie sie vorgehen sollen, das verstehen einzig und allein die deutschen Genossen. Deshalb erlauben sie uns auch die tschechischen Arbeiter nur unter solchen Formen und Un, ständen zu organisieren, wie fie eS allein in ihrer absoluten Souveränität bestimmen, diesen Organisationen weisen sie dann als einzige Aufgabe zu: alle ihre Gelder nach Wien abzuführen und sich blind allen Be» , fehlen, die von dort kommen, zu unterwerfen. Diesen tscheschischen Organisationen werden auch die An- , gestellten und ihren Preßorganen die Redakteure von den deutschen Genossen in Wien bestellt, denen diese auch allein verantwortlich find. Diese Angestellten, von den tscheschischen Arbeitern unabhängig, erllären ihnen brüsk, daß sie nicht das geringste Recht haben, in ihren eigenen Organi» sationen zu entscheiden, weder über ihre Leitung noch über ihre Aufgaben, das alles stehe einzig uttd allein denen zu, die sie in die tschechischen Organisationen eingesetzt haben, den Wiener deutschen Genossen. Es ist selbstverständlich, daß die deutschen Genossen in Wien von dieser Kategorie ihrer Angestellten keine andere Qualifikation fordern als die absolute Treue zu Wien und die Erhaltung der tschechischen Arbeiter in ihrer Botmäßigkeit. Wir spalten angeblich ihre Gewerkschaftsorganisationen, wenn unsere Branchen nach ihren traurigen Erfahrungen nicht weiter die straffe Wiener Zentralisation anerkennen wollen, ja wir spalten ihre Organisation sogar dann, wenn fich bisher nicht zentralifierte Branchen der straffen Wiener Zentralisation nicht unterwerfen wollen. Und waS versprechen uns die Wiener Genoffen für unsere bedinaungslose Unterwerfung unter ihre Gebote' waS lehrt uns die bisherige Praxis? In wirtschaftlicher Beziehung versprechen fie uiiö zwar äiich, für die Hebung deS Lebensniveaus der tschechischen Arbeiterschaft zu sorgen, aber nur dann, wenn sie eS für gur halten, auf jeden Fall aber erst dann, biS die beut- schen Arbeiter ihre Berhältnisse geregelt haben werden. In politischer Beziehung verlangen sie, daß wir unS den politischen Bedürfnissen der Deutschen unterwerfen, daß wir, die Angehörigen einer politisch und kulturell unter- drückten Nation, die Politik der herrschenden, kulturell saturierten Nation machen sollen. In kultureller Beziehung verlangen sie, daß wir den tschechischen Arbeiter ohne jeden Schutz seinem deutschen Ausbeuter preisgeben, der ihn für elenden Lohn außer seiner Arbeitskraft seine Nation und das Recht auf Erziehung seiner Kinder nimmt.... Mögen uns die deutschen Genoffen zeigen, welche der Be» stimmungen der Internationale vorschreibt, daß die Arbeiter einer Nation vollständig und durchaus von der Arbeiterschaft einer anderen Nation abhängig, ihr tributpflichtig und untergordnet sein s o l l le n?... Mit diesen Worten schildert Genosse Nemec, der verantwort- lichstc Mann der tschechischen Pärtet. der tschechischen Partei- öffentlichkeit die Auffassungen der deutschen Sozialdemokraten! Es fehlt nur noch, daß er ihnen erzähle, daß die deutschen Ge- nassen die Leibeigenschaft für die tschechischen Sozialdemokraten einführen wollen. DieGenvsscn, die iin Auslande unserBlatt lesen, werden am heitersten aus dieser Schilderung wohl den Satz herausgelesen haben, daß in der„Arbeiter-Zeitung" verkündet wird,„daß sich die tschechischen Sozialdemokraten bedingungslos überall und in allem unterwerfen, sich mit der Rolle eines bloß tributpflichtigen und willenlosen Stimm- Materials begnügen sollen oder daß man sie bekämpfen und bis zur völligen Ausrottung vernichten werde". Angesichts dieser von offenem Deutschenhaß nicht weit entfernten Dar- stellung braucht man sich über die immer weiter wachsende chauvinistische Strömung in der tschechischen Partei nicht mehr zu verwundern. Sicher ist, daß solche, aller Wahrheit ins Gesicht schlagende Leistungen außerhalb der tschechischen Sozialdemokratie wohl in der ganzen Internationale un- möglich wären."_ Gegen die freie Schule. Wien, 24. August. Der LandeSschulrai hak dem Verein „Freie Schule" mitgeteilt, daß infolge der Abweisung der Be- schwerde de? Verein? gegen die Entscheidung deS Unterrichtsministeriums betreffend die Erteilung des Religionsunterrichtes durch das Erkenntnis des Verwaltungsgerichts» Hofes vom 3. Juli 1310 auch die mit dem Ministerialerlaß vom 1ö. SexteMer 1909 stjs zur Entscheidung der Ztrejtjrgge durZ den VerwalkungSgerichtShof zugestandene Fortführung deS Schulbetriebes hinfällig geworden ist. Die von dem Verein eröffneten Volksschulklaffen seien sofort zu schließen, widrigenfalls sie auf Anordnung von Amts wegen ge- schlosfeg würden- Rußland* Russische Offiziere. Petersburg, 24. August. Im Militärlager bei Moskau st ü r m t e n etwa 60 junge Offiziere die Baracke eines abwesenden unbeliebten Generals und zerhackten mit ihren Säbeln das gesamte Mobiliar. CMecKenland. Das Resultat der griechischen Kammerwahlen. Athen, 24. August. Das Resultat der griechischen Kamme» Wahlen ist bis zur Stunde folgendes: Gewählt wurden 180 Volks» parteiler, 80 Thcotokflsten, 50 Ralliften, 50 Mavromichalisten. Der Rest umfaßt unabhängige Abgeordnete.-~■" Cürheu Der Gcheimbund. Konstantinopel, 23. August. Die Unkersuchungs» k o m m i s s i o n des Kriegsgerichtes hat den Schlutzbericht über das vor einiger Zeit entdeckte Geheimkomitee erstattet. Der Bericht bestätigt die U m st u r z p l ä n e deS Komitees und be- antragt ein kriegsgerichtliches Verfahren gegen den Deputierten R i z o m u r und etwa fünfzig andere Mitglieder des Komitees. Hmcrxh*. Zollrcform. Beverly, 24. August. Präsident T a f t hat in einem Schreiben an den Abgeordneten M c K i n l e h erklärt, er wolle dem Kongreß eine Revision gewisser Tarifsätze empfehlen, die be- ruhen solle auf den Ergebnissen der Tarifkommission über die Produktionskosten in der Heimat und im Auslande. Die Korruption. Franklin(Pennsylvanien), 23. August. Das ehemalige Kongreß. Mitglied Josef Sibley ist wegen Bestechung von Wählern v e rh a f t e t und gegen Kaution wieder freigelassen worden. Sibley hatte gestern seine Kandidatur für den Kongreß zurück- gezogen, nachdem bekannt geworden war, daß er 42 000 Dollar ausgegeben hatte, um seine Wahl zu sichern. Skandal über Skandal. New Dork. 12. August.(Eig. Ber.) Aus den großen Skandalen, bei welchen leitende Persönlichkeiten der Bundesregierung mehr oder minder bloßgestellt werden, kommen wir in den Vereinigten Staaten gar nicht mehr heraus. Die wegen des, gelinde ausgedrückt, zweifelhaften Eunninghamschen Landkaufes gegen Ballinger, den Minister des Innern, eingeleitete parlamentarische Untersuchung ist noch nicht abgeschloffen. Erst im Juni dieses Jahres wurde im Kongreß festgestellt, daß Frank W. Carpenter, Exekutivsekretär der Philippinenregierung, unrechtmäßig Ordensländereien an sich brachte; daß E. L. Worcester, ein Neffe des Staatssekretärs der Philippinen, 3000 Acker Klosterbesitz im Widerspruch mit dem Ge- setze pachtete; daß Henry W. Taft, im Vertrauen auf den Einfluß seines Bruders, des Präsidenten der Vereinigten Staaten, das San Jose-Besitztum zu Mundoro trotz der entgegenstehenden gesetz- lichen Bestimungen zu erwerben versuchte; daß der Justizmmister Wickersham, der über die Durchführung der gegen die Trusts er- laffenen Gesetze zu wachen hat, von dem Zuckextrust ein Honorar von 107 000 M. erhielt. Zu Wickershams Entschuldigung wurde geltend gemacht, daß ein Teil dieser Anwaltsgebühren an den schon ge- nannten Henry W. Taft fiel. Gegenwärtig vernimmt ein aus Mitgliedern deS Repräsen- tantenhauseS bestehendes Komitee in Mc Alester, Okla., Zeugen, um eine von dem Bundessenator Gore im Kongreß erhobene Anklage zu untersuchen. Gore hatte versichert, Jacob H. Hamon, der Führer der Republikaner von Oklahoma, habe ihn mit 200 000 M. zu bestechen und zu bewegen versucht, seinen Widerstand gegen einen Gesetzentwurf aufzugeben, bei dessen Annahme Indianer um über eine halbe Milliarde Mark betrogen worden wären und der Advokat Mc Murrah von Mc Alester ein Honorar von zwölf Millionen Mark erhalten hätte- Die Choctaws und ChickasawS, zwei Indianer- stämme, verfügen in Oklahoma über weite und wertvolle Gebiete. Nun stehen die Indianer unter der Vormundschaft des Bundes und dürfen ihre ihnen von Staatswegen eingeräumten Liegen- schaften nur mit Zustimmung und unter Vermittelung der Washingtoner Regierung veräußern. Das Ministerium des Innern hatte seit Jahren wiederholt versprochen, einen Teil der Ländereien zu verkaufen. Aber eS machte nicht den geringsten Versuch, sein Wort einzulösen. Wenn eS mit Mc Murray unter einer Decke steckte, hätte eS nicht saumseliger sein können. Die Indianer brauchen notwendig Geld. Sie wollten daher einen Teil ihres Landes an den Mann bringen, um in den Besitz der für die Erschließung ihrer übrigen Ländereien erforderlichen Mittel zu gelangen. Der Anwalt Mc Murrah nützte diese allbekannte Notlage der Rothäute aus. Durch Agenten verschaffte er sich von 16000 In- dianern den Auftrag, einen Teil ihrer Liegenschaften zu ver- äußern, dessen Mineralschätze und Asphaltlager nach einer Berech- nung des BureyuS für geologische Aufnahmen einen Wert von 640 Millionen Mark haben. Ein hiesiges Syndikat hatte sich bereit gefunden, 120 Millionen Mark für den in Rede stehenden Grund- besitz zu bezahlen. Mc Murrah hatte sich von den Indianern eine zehnprozentige Provision, also eine Gebühr von 12 Millionen Mark, ausbedungen. Durch Gores. Enthüllung wurde vorläufig nichts aus dem Geschäft. Da der Verkauf von Jndianerländereien an Private nicht ohne weiteres gestattet und die Zahlung einer Vermittlergebühr ver- boten ist. so war die Annahme eines besonderen Gesetzes notwendig, um dessen Durchdrückung sich Hamon in Washington bemühte. Da- bei wurde nach Gores eidlicher Bekundung der Versuch gemacht, ihn durch Zahlung von 200 000 M. zur Aufgabe seines Widerstandes gegen den Gesetzentwurf zu bewegen. Auch der Bundessenator Curtis von Kansas und der Vize- Präsident Sherman sollen an dem Zustandekommen des Gesetzes finanziell interessiert gewesen sein. Außer dem Bundessenator Gore wurden auch den Repräsentanten Creager und Carter Be- stechungSsummen angeboten. Ueber manche Einzelheiten läßt sich kein sicheres Urteil fällen. Was der eine beschwört, leugnet der andere. Im Volke aber herrscht die Ueberzeugung, daß die Schilde- rangen von Käuflichkeit und Bestechung nur einen geringen Teil der traurigen Wahrheit enthüllen. Daß eS verbrecherisch zuging. steht schon jetzt fest. Durch seinen Vorsitzenden Burk« hat däs parlamentarische UntersuchungSlomitee erklären lassen, daß eS den Vizepräsidenten Sherman nicht vorladen oder vernehmen wird. Ist damit der „zweite Mann der Vereinigten Staaten" von jedem Verdacht ge- reinigt? Sein Name wird nicht zum erstenmal in Verbindung mit schmutzigen LanttranSaktionen genannt. Bor acht Jahren erklärte der NulidesjevMr Jos.& RallMs iai Kwgreß. dgß SherzWv so einem New Jerfeyex Syndikat beteiligt sei, welches sich-ungesetz- licherweise von den Ute-Jndianern Bergwerksgerechtsame ver- schaffen wolle. Unbestreitbare Tatsache ist, daß-derselbe Sherman, der heutige Vizepräsident der Vereinigten Staaten, als Sachwalter des Syndikats auftrat und kein Wort der Entgegnung gegen die Rawlinssche Beschuldigung fand. Und doch hatte er um so mehr Grund, sie zurückzuweisen, als er damals Vorsitzender des Kongreß- komitees für Jndianerangelegenhciten und daher doppelt verpflichtet war, den Nachweis zu führen, daß er seinen einflußreichen Ver- trauensposten nicht zu selbstsüchtigen Zwecken mißbraucht! Hus der Partei. RcichStagSkimdidatilr im drittel» Berliner Wahlkreise. Am Dienstag fand im großen Saale der Arminhallen eine sehr stark besuchte Generalversammlung des Wahlvereins für den dritten KreiS statt. Genosse Pfannkuch beleuchtete in einem mit leb- haftem Beifall aufgenommenen Vortrage die politische Lage und die Aufgaben der Sozialdemokratie.— Hierauf nahm der Vorsitzende, Genosse Pohl, das Wort zur Kandidatenfrage. Cr sagte, eS sei ja bekannt, daß Genosse Wolfgang Heine in einem anderen Wahlkreise die Kandidatur zum Reichstage übernommen habe. Den meisten Partei- genoffen möge das überraschend gewesen sein. Den Funktionären des dritten Kreises sei schon länger bekannt, daß ein Wechsel der Kandidatur im dritten Kreise stattfinden werde. Der Grund hierfür sei aber nicht der, den daS„Verl. Tageblatt" anführte, nämlich, daß die Parteileitung die Revisionisten kaltstellen wolle. Es liege ein anderer Grund vor. Eine am 24. Februar abgehaltene KreiS» konferenz habe stch mit den Ausführungen beschäftigt, die Genosse Heine am 13. Februar in einer Wahlrechtsversammlung machte. Nach diesen Erörterungen habe Genosse Heine er« klärt, er werde bei den nächsten allgemeinen Reichstags- wählen im dritten Kreise nicht wieder kandidieren. Wenn hiernach noch einige Genossen hofften, Heine würde sich eines anderen be- sinnen, so sei ja diese Hoffnung nunmehr als unbegründet erwiesen, denn Genosse Heine habe durch Uebernahme der Kandidatur eines anderen Kreises die Bahn für eine neue Kandidatur im dritten Kreise freigemacht. An demselben Tage, wo der„Vorwärts" mit- teilte, daß Heine als Kandidat in Dessau aufgestellt sei, habe er jPohI) einen Brief vom Genosten Heine erhalten, worin dieser erllärt, daß er eine Kandidatur im dritten Kreise nicht mehr annehme. Der Vorstand habe sich dann nach einein neuen Kandidaten umgesehen und der Funktionärkonferenz mehrere Vorschläge gemacht. Die Konferenz habe einstimmig beschlossen, der Generalversammlung den Genoffen Pfannkuch als Kandidaten zu empfehlen. Hoffentlich werde sich die Generalversammlung ebenso einstimmig für diese Kandidatur erklären. Genosse Fröhlich bezeichnete die Wahl der Kreiskonferenz als eine glückliche, beschwerte sich aber darüber, daß den Mitgliedern nicht Gelegenheit gegeben worden sei, an den Zahlabcnden über die Kandidatenfrage zu sprechen. Der Vorsitzende Pohl bemerkte hierzu, wegen der Kürze der Zeit sei eS nicht möglich gewesen, die Angelegenheit an den Zahlabenden zu behandeln. Hieraus beschloß die Versammlung mit allen gegen zwei Stimmen, den Genossen Pfannkuch als Reichstagskandidaten auf» zustellen. Genosse Pfannkuch nahm die Kandidatur mit dem Ausdruck des DaukeS für die ihm erwiesene Ehre und der Versicherung an, daß er die damit übernommenen Pflichten treu erfüllen werde. Zum Parteitag. In der Urabstimmung wählten die Genossen Be'S Wahlkreises Lennep-Mettmann außer den Genossen F a u r e und Grüß auch die Genossin Rosa Luxemburg zu Delegierten. Die Genossen von Elberfcld-Barmcn zur Bndgetbcwllligung. In der Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins des Wahlkreises Elberfeld-Barmcn referierte Genosse Karl H a b e r l a n d über den Parteitag in Magdeburg. Er verurteilte scharf das Vor- gehen der Mehrheit der badischen LaNdtagSsraktion. Der Vorstand legte dann folgende Resolution vor: „Die Versammlung erachtet die Zustimmung der Mehrheit der sozialdemokratischen Landtagsabgeordneten in Baden zum Budget und ihre Beteiligung an höfischen Zeremonien als einen Verstoß gegen die grundsätzliche Stellung der Sozialdemokratie zum Klassenstaat. Dieser Verstoß wird noch verschärst durch die Nicht- achlung des Nürnberger ParteitagsbeschlusieS zur Frage der Budget« bewilligung. Die Versammlung verurteilt daS Vorgehen der Badens« Abgeordneten aufs schärfste, weil es die grundsätzliche und organisatorische Einheit der Partei gefährdet. Die Ber-' sammlung erwartet, daß der Parteitag in Magdeburg die siebzehn badischen Abgeordneten auffordert ihre Vertrauensämter niederzulegen." Genosse Müller wandte sich gegen den letzten Satz dieser Resolution und beantragte statt dessen zu setzen: „Von dem Parteitag in Magdeburg erwartet die Versamm» lung, daß er den Grundsatz aufstellt: Parteigenossen, die sich in besonderen Siluatione», ohne den Versuch einer Verständigung mit dem Parteivorstand zu machen, disziplinlos über bestehende Beschlüsse der Parteitage hinwegsetzen, bekunden damit, daß sie auf eine weitere Zugehörigkeit zur Partei keinen Wert legen." Genosse Gewehr trat für die Resolution deS Vorstandes ein. In der weiteren Debatte wurde von mehreren Rednern eine Ver- schärfung der Vorstandsresolutton verlangt, nur ein einziger Redner erklärte unter starkem Protest der Versammlung dir Nürnberger Resolution für verfehlt. Genosse W i ch e l h a u s- Barmen stellt folgenden AbänderungS- antrag: „Die heutige Parteiversammlung fordert den Magdeburger Parteitag auf, die badischen Abgeordneten, die für das Budget gestimmt haben, aus der Partei auszuschließen." während Genosse Haberland beantragte, zu setzen: „Vorn Parteitag in Magdeburg erwartet die Versammlung, daß er Mittel und Wege findet, die geeignet sind, die Disziplin in der Partei und ihre grundsätzliche Geschlossenheit zur Führung deS Klassenkampfes der Arbeiter aufrechtzuerhalten." Einen vierten Abänderungsantrag stellte Genosse Löwen st ein» Barmen:- „Die Versammlung erwartet vom Parteitage, daß er Mittel und Wege finden werde, �solche Disziplinbrüche und Zuwider» Handlungen gegen das Parteiprogramm für die Zukunft unmöglich zu niache», nötigenfalls durch Ausichluß der Genossen, welche sich den Beschlüssen des Parteitages nicht fügen." Schließlich wurde mit Mehrheit der Antrag W i ch e l h a u S. der den Ausschluß der badischen Dis�iplinbrech« fordert, an« genommen, während der erste Teil der Resolution deS Vor» standes e i n st i n, m i g Annahme fand. Die- also gestaltete Ge» samtresolution wurde dann mit übergroßer Mehrheit angenommen. Außerdem wurde der folgende Antrag Gewehr angenommen: „Zur Herbeiführung einer größeren Einheitlichkeit in der Aktion und zur Vermeidung von Divergenzen ist daS Zentral- Franenbureau mit dem Bureau des Parteivorstandes zu ver« einigen." Als Delegierte zum Parteitag wurden gewählt die Genossin KautSiy, Ernst Dröner und Elfriede Gewehr. Kreiskonferenzen. In Set gestrigen Nummer des.Vorwärts" ist durch ein kech ttisches Versehen vom Bericht über die Generalversammlung des sozialdemokratischen Zentralvereins für den 7. s ch l e s w i g- holsteinischen Reichstagswahlkreis(Kiel-Neu- münster-Rendsburg) nur die letzte Hälfte(als erste Notiz unter dieser Rubrik) veröffentlicht worden, so daß nicht zu erkennen ist. auf welche Organisation die Angaben Bezug haben. Wir tragen hiermit den gestern ausgefallenen ersten Teil des Berichts nach: Der sozialdemokratische Zentralverein für den 7. sch l e s w i g- holsteinischen Reichstagswahlkreis(Kiel-Neu- münster-Rendsburg) hielt am Sonntag in Nortorf seine Generalversammlung ab. Die Parteiorganisation hatte am l. Juli 1910 in 13 Ortsvercinen 11 525 Mitglieder, und zwar 9925 mann- liche cknd 1699 weibliche. Die Mitgliederzahl hat sich seit dem 1. Juli 1999 um 1295 vermehrt, daran sind beteiligt die männlichen Mitglieder mit 1963, die weiblichen mit 227. Im Verhältnis zu den im Kreise abgegebenen sozialdemokratischen Reichstagswahl- stimmen sind rund 39 Proz. organisiert. Die„Schleswig-Hol- steinische Volkszeitung" wird im Kreise in 16 533 Exemplaren ge- lesen, die.Gleichheit" in 1349(im Vorjahre 1312),„Neue Zeit" 124(61). Die„SchleSwig-Holsteinische Volkszeitung" hat seit dem 1. Juli 1999 im Kreise 1834 Abonnenten gewonnen. Die Zahl der Teilnehmer an der letzten Maifeier wird auf 25 999 geschätzt. 117 Volksversammlungen und 178 Vereinsversammlungen wurden abgehalten. 517 999 Flugblätter, 4999 deutsche und 8999 polnische Broschüren. 2899„Gazeta Robotnicza", 1299 sonstige Agitations schriften, 8999 Maizettungen, 15 909 Flugblätter an die Land arbeiter(der Kreis hat außer den Städten annähernd noch 599 größere und kleinere Ortschaften), 72 783 Exemplare der für die ganze Provinz herausgegebenen Monatszeitung» für die Land arbeiter. die„SchleSwig-Holsteinische Landpost", wurden verbreitet. Die„Landpost" hat 5485 feste Bezieher im Kreise. Die Opfer der Wahlrechtsdemonstrationen in Kiel und Neumünster wurden vet zeichnet mit 5}4 Jahren, 7 Monaten und 21 Wochen Gefängnis. 25 Tagen Haft, 328 Mark Geld st rasen. Bei den Kommunalwahlen wurden vier Stadtverordnetenmandate erobert, eines in Kiel, drei in Ncumünster. Die Partei ist mit 14 Mandaten in den Stadtparlamenten(11 in Kiel, 3 in Neu Münster) und mit 16 Mandaten in den Gemeinoevertretungen veo treten. Die Gesamteinnahme betrug 69196,36 M. Am 1. Juli war ein Kassenbestand von 17 232,92 M. vorhanden. An den Partei vorstand wurden 8754,74 M., an die Agitaticnskommission in Altona 4377,39 M. abgeführt. Unabhängig davon hat der von Partei und Gewerkschaften geineinsam aufgebrachte und verwaltete Maifonds die Höhe von 19 914,15 M. erreicht. Für Bildungszwecke wurden 2185,91 M. ausgegeben. Bildungskommissionen bestehen in Kiel, Neumünster und Rendsburg. Jngendkommissionen bestehen in Kiel, Neumünster, Rendsburg und Preetz. Sie hatten eine Einnahme von rund 3599 M., davon sind Zuschuß von Partei und Gewerkschaften 2599 M. Die„Arbeiter-Jugend" hat 859 Abonnenten, gegen 759 im Vorjahre; die vier Jugendorganisationen in Kiel, Neumünster, Rendsburg und Preetz haben zusammen 739 Mitglieder gegen 797 im Vorjahre. Der 1. württembergische Reichstag s wa h l k r e i s (Stuttgart Stadt und Amt) hielt am letzten Sonntag in Plieningen auf den Fildern seine Generalversammlung ab. Die Mitglieder- zahl ist im letzten Jahre von 5752 auf 6688 gestiegen: Der Zu- wachs beschränkt sich fast ganz auf die Stadt Stuttgart, während die 21 ländlichen Vereine einen nennenswerten Mitgliederzuwachs nicht zu verzeichnen haben. In der Debatte wurde gewünscht, daß bei der Agitation auf dem Lande für die prinzipielle Durchbildung der Genossen mehr geschehe. Reichstags- abgeordneter K. Hildenbrand erwiderte, daß seinerseits ge- schehe, was möglich sei. Eine längere Erörterung entspann sich über die Frage der Doppclkandidaturen zum Reichstag und Land- tag. Einem Beschluß der Landesversammlung gemäß sollen Doppel- Kandidaturen nach Möglichkeit vermieden werden. Die Kreis- generalversammlung beschloß, eine Revision dieses Beschlusses zu beantragen. Die Kandidatenaufstellung zum Reichstag erfolgt durch eine später stattfindende Urwahl. Die b a d i s ch e Angelegenheit wurde nur gestreift. Der Referent des Kreis- Vorstandes W e n g e r t erklärte, die Angelegenheit sei in einer Parteiversammlung in Stuttgart durchgreifend behandelt worden. Zu einem anderen Resultat wie in der Stuttgarter Versanimlung werde man kaum kommen. Auch die Kreisgeneralversammlung werde den Disziplinbruch der Badener verurteilen müssen. Eine Diskussion der badischen Vorkommnisse unterblieb daraufhin. Unsere Toten. Gustav Ulrich, einer unserer alten Parteigenossen, starb in der Nacht vom Sonntag auf Montag im Vorort Degerloch bei Stuttgart. Ulrich, von Profession Kaufmann, hat be- sonders unterm Sozialistengesetz der Partei wertvolle Dienste ge- leistet. Er führte in Ulm ein Bankgeschäft; in seinem Hause verkehrten viele hervorragende Parteigenossen, manchem hat er in schwerer Zeit den Kampf ums Dasein erleichtert. Im Jahre 1898 kandidierte Ulrich im Reichstagswahlkreis Bielefeld-Wiedenbrück. Er unterlag der Koalition aller bürgerlichen Parteien. Zu- nehmende Kränklichkeit zwang ihn, sich mehr und mehr vom öffent- lichen Leben zurückzuziehen. Nun ist er, 69 Jahre alt, seinem langjährigen Leiden erlegen. Die Partei wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren._ Die Wiener Arbeiterschule beginnt Mitte Oktober ihren zweijährigen Unterricht wieder. Er findet allwöchentlich an zwei Abenden zweistündig im neuen Parteihausc statt, wo die Arbeiterschule ein eigenes Lokal hat. Die Schüler zahlen jedes Semester 2 Kronen Beitrag. Unterrichtet werden Staats- und Gesellschaftslehre, Volkswirtschaft, Geschichte des Sozialismus, österreichisches Recht. Nur von ihrer Organisa. tum empfohlene Genossen und Genossinnen werden aufgenommen. Die Schülerzahl ist beschränkt; die Auswahl trifft der Wiener Unterrichtsausschuß._ Fortschritte in Obcrösterrcich. Auch in diesem industriearmen Lande eines ausnahmsweise kräftigen Bauernstandes, der übrigens durch- aus klerikal ist. geht eS flott vorwärts. Ein am 14. und 16. d. M. abgehaltener Landesparteitag genehmigte einen Grundstücksankauf in Linz zum Zweck der Errichtung eines ArbeiterheimS, in dem auch die bereits konzessionierte Parteidruckerei, die Arbeiterschule und ein Jugendheim untergebracht werden sollen. Die derzeit dreimal wöchentlich erscheinende„Wahrheit" soll von Neujahr 1911 an Tageblatt werden— das wäre das dritte Tageblatt der deutschösterreichischen Parteigenossen. Der Betrieb geht auf eine offene Handelsgesellschaft der drei Vorsitzenden des LandeSvorstondeS, der Linzer Abgeordneten Spielmann und Weiguny und des Gewerk- fchaftssekretärS Genossen Dametz. Die Sozialdeaiokratit Kroatiens und Slavoniens hielt ihren S. Parteitag ab, der eine Aera der Krise und rusfischer Verfolgungen folgte, in der aber die Partei trotz alledem vorwärts kam. Bei dem elenden ZensuSwahlrecht gelang es. ein Zeichen des Vordringens auf dem Lande, im syrmischen Bezirk Schid den Genossen K o r a t s ch in den Landtag zu bringen. Die Partei hat nur etwa 6999 richtige, also auch zahlende Mitglieder— und doch gelang es durch opfermuttgen Kampf eine Wahlreform zu erreichen, die die Zahl der Wahl- berechtigten von 26 999 auf 399 999 erhöht. Die Parteipresse umsaßt das Agramer Tagblatt„Slobodna Rijec", dem nur mehr 499 Abonnenten zur Aktivität fehlen, ferner ein Wochen-, ein Landarbeiterblatt, eine serbische und eine deutsche Zeit- schrift, letztere das„Volksrecht' in Essig. Parteidruckereien find in Agram und Schid. Das Parteiprogramm deckt fich in Prinzipien- erllärung und nächsten Forderungen mit dem österreichischen. DaS nationale Programm fordert die Umbildung Oesterreich-Ungarns in einen neutralen, demokratischen Bundesstaat freier, gleichberechtigter, verbündeter und autonomer Nationen. Selbstverständlich wird auch schon im gegenwärtigen Staatsverband mit Ungarn weitestgehende Demokratisierung Kroatien-SIavonirnS verlangt. - Die Arbeiterbewegung in Finnland. Der Bericht der finnländischen Sozialdemokratie an den inter« nationalen Kongreß gibt Kunde von schweren Mühen unter den ungünstigsten Umständen, aber auch von großen Erfolgen. �Auf einer Fläche von 373 999 Quadratkilometern, größer als das König- reich Preußen, wohnen knapp 3 Millionen Menschen, davon nur ein Siebentel gewerblich, vier Siebentel landwirtschaftlich Tätige. So ist es nicht wenig, wenn die Gewerkschaften in 27 Verbänden und 698 Zahlstellen 24 999 Mitglieder, davon 3999 weibliche. zählen, zumal die Großindustrie noch sehr unentwickelt ist. Weit mächtiger aber ist die EntWickelung der Partei. Rund 337 999 Landtagswähler sind durch 36 Abgeordnete unter 299 vertreten. Im Jahre 1998 gab es 1127 Arbeitervereine mit 71 266 Mitgliedern. Die Einnahmen betrugen 2 596 599 finnische Mark(zu 81 Pf.), das sind auf den Kopf über 28,54 M. in der Wochel Die Parteipresse umfaßt 19 Blätter, dar- unter 3 täglich, 11 wöchentlich dreimal erscheinende. Das Zentral- organ„Tyomies"(Der Arbeiter) hat eine Auflage von 27 999. Ein Witzblatt erscheint in 6999, eine Frauenzeitung in 4999, eine wissenschaftliche Rundschau in 1999 Exemplaren. Die Frauen- vereine zählen rund 3999, die 196 Gruppen der Jugend- organisation über 19 999 Mitglieder. Für den Herbst ist die Er- Lsfnung einer Parteischule geplant. Die Gesetzgebung ist natürlich keine sozialistische, trägt aber den Stempel der Arbeiterbewegung. So ist der Achtstundentag in den Bäckereien samt dem Verbot'der Nachtarbeit einge- führt. Für die Kleinpächter ist eine Pachtdauer von 59 Jahren und eine Festsetzung der Pacht durch Schiedsämter bestimmt. Das Verbot der Erzeugung und des Verkaufs alkoholischer Ge- tränke, das der Landtag, entgegen dem Willen der reaktionären Altfinnen schließlich einstimmig beschlossen hat, ist freilich vom Zaren nicht bestätigt worden und wird wohl nie Gesetz werden. Es widerstreitet allzu sehr den Kulturzielen, die nunmehr von der russischen Herrschaft im Lande verfolgt werden. Der demnächst zu- saminentretende Landtag dürfte mit der voraussichtlich einstimmi- gen Ablehnung der russischen Vorlagen(darunter Wahl von Ver- tretcrn zur Duma, also Anerkennung der Zugehörigkeit Finnlands zu Rußland) wohl für längere Zeit den Abschluß der parlamentari- schen Arbeit des finnischen Volkes bedeuten. Der bevorstehend« schlvere Kamvs um Unabhängigkeit und Kultur des von der Pest des russischen Despotismus besudelten Landes wird, wie bisher, die Sozialdemokratie in vorderster Linie finden und ein Vorbild für die Freiheitsbewegung im ganzen Reiche abgeben. GewcrhrcbaftlicbcB. Eine gelbe ZentraluntcrrtützungöhalTe. Trotz aller Ablcugnungsversuche geht es überall mit der durch Unternehinergeld aufgepäppelten gelben Bewegung riesenschnell berg- ab und die geschaffenen und in Aussicht gestellten„Wohlfahrts- eiurichtluigen' hindern durchaus nicht, daß die betörten, in die gelben Werkvereine gepreßten Arbeiter das Unwürdige ihrer Lage erkennen und daraus die Konsequenzen ziehen. So auch in Augsburg, dem Ausgangspunkt der gelben Bewegung. Es ist daher begreiflich, daß die Hintermänner der gelben Arbeiterzersplitterung nach Mitteln suchen, um die Arbeiter zu fesseln. Wie nun die letzte Nummer der.Wehr'(da? in Augsburg er- scheinende Organ der gelben Arbeitervereine) mitteilt, hat die Gründung einer gelben Zentral unter st ützungS- lasse stattgefunden, die ihren Sitz in Augsburg hat. Die Grün- dung dieser Kasse ist schon auf der gelben Tagung in Kiel Ostern 1998 beschlossen worden. Ueber ihre Vorgeschichte verbreitete sich in einer jüngst in Augsburg abgehaltenen gelben Versammlnng der als eifriger Förderer der Gelben bekannte Prokurist Pfeiffer der Maschinen- fabrik Augsburg, nebenbei auch Vorstandsmitglied des bayrifchenMetall- industrielleuverbandeS. Einige seiner Aussührungen sind fehr interessant. Er erzählte z. B.. daß nach der ersten Berechnung für die Zentralkasse ei» GründuugsfondS von 36—49999 M. notwendig ge- worden wäre, anderenfalls die Genehmigung durch das Reichs- aufsichtsamt nicht erteilt worden wäre. Leider hätte die Gründung aber bisher nicht stattfinden können, weil wohl einige Arbeitgeber sich bereit erklärt hätten, zum GründungsfondS beizusteuern, die große» Arbeitgeberverbäude hätten jedoch eine abwartende Stellung eingenommen; auch sei durch das unbegreifliche Vorgehen von sonst befreundeter Seite Unklarheit und Verwirrung verursacht worden- Dann sagte Pseiffer in bezuz auf die tätige Mithilfe des Reichs- aufsichtsamtes an dieser famosen Gründung: „Ich konstatiere mit besonderem Vergnügen und Dankbarkeit, daß genannte hohe Behörde unsere Sache in entgegenkommendster Weise aufnahm, bei den mehrfachen Konferenzen wertvolle Auf- schlüsse und Ratschläge, weit über das dienstliche Maß hinaus» und schließlich uns solch« Bcrgünstigmige» gab, daß es uns möglich wurde, ohne versicherungstechnisches Gutachten» ohne erheblichen Griindungssonds, den Geschäftsbetrieb aufzunehmen. Das Schrift- aint hat den Dank hierfür nach Genehmigung der„Zentral- Unterstützungskasse" bereits dargebracht.' Allerhand Hochachtung vor dem Entgegenkommen de? Reichs- aufsichtsamtes den Gelben gegenüber. Ob man anderen, nichtgelben Arbeiterorganisationen ein ähnliches Maß von Entgegenkommen zeigen würde, bezweifeln wir. Die gelben Werkvereine haben also jetzt eine Zentralunter- stützungskasse von Unternehmergnaden und mit dem Gelde der Unter- nehiner gegründet. Wie blutiger Hohn klingt eS, wenn in Ansehung dieser Tatsachen der gelbe Protektor Pfeiffer zu den gelben Arbeitern sagt:„Hoffen wir. daß die nunmehr geschaffenen Verbesserungen in der Freizügigkeit unserer Mitglieder reiche Früchte bringen."— Die Früchte der neuen gelben Wohltat heimst aber lediglich der Unter- nehmer ein. Denn die gelben Arbeiter werden nach wie vor auf die Straße geworfen werden._ Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung der Dachdeckcrhilfsarbeiter wird offenbar nicht ohne Kampf verlaufen, da das Angebot der Unternehmer den Arbeitern durchaus unannehmbar erscheint. Am Dienstag berichtete Hensel in der außerordentlich zahlreich besuchten Versammlung der Dachdeckerhilfsarbeiter über die am Tage vorher mit den Unternehmern gepflogenen„Verhandlungen". Die Unter- nehmer hielten einfach an dem von ihrer Generalversammlung be- schlossenen Angebot fest und erklärten, das sei das äußerste, weiter- gehende Abmachungen könnten sie nicht treffen. Wollten die Arbeiter sich damit nicht zufrieden geben, so sollten sie bis zur nächsten Generalversammlung warten. Es war den Arbeitervertretern trotz aller Bemühungen nicht möglich, weitere Zugeständnisse von den Unter- nehmern zu erzielen. Das Angebot läuft, wie wir ja schon in der Sonntagnummer des„Vorwärts" mitteilten, darauf hinaus, daß den Dachdeckerhilfsarbeitern nichts weiter als die Tariflöhne der Bau- Hilfsarbeiter bewilligt werde» sollen, und daß alle anderen Forde- rungen, wie die für die Pappdnchdecker und Asphaltarbeiter und die eines Akkordtarifs für Trägerarbeiten, der freien Vereinbarung über- wiesen, also gänzlich abgelehnt werden. Schon während der Berichterstattung gab die Versammlung durch lebhaste Zwischenrufe und Unruhe zu erkennen, daß man von dem Angebot durchaus nicht beftiedigt war, und diese Tat- sache trat noch deutlicher in der Diskussion hervor. Nicht ein einziger Hilfsarbeiter sprach für Annahme des Angebots, alle verlangten die Ablehnung. Man war auch sehr unzuftieden darüber, daß die Arbeitervertreter seinerzeit bereits die Forderung von 69 Pf. Stundenlohn auf 66 Pf. ermäßigt hatten. Als der Bevoll- mächtigte Görnitz die geringen Borteile, die das Angebot der Unternehmer und ein dementsprechender allgemeiAer Tarifvertrag bietet, schilderte und den Abschluß des Vertrages empfahl, erregt« dies allgemein Widerspruch. Nach gründlicher Aussprache lehnte die Versammlung das Angebot der Unternehmer e i n st i m m i g ab und beschloß, an den ursprünglich ge st eilten Forde» rungen unbedingt festzuhalten. Wie Görnitz hervor- hob, ist mit diesem Beschluß der Kampf als unvermeidlich anzu- sehen._ Achtung! Metallarbeiter. Der Betrieb der Firma Rauscken- berger, Elisabethufer, ist gesperrt. Die Kollegen dieser Firma be- finden sich im Streik. Da die Firma versucht, von auswärts Arbeitskräfte heran« zuholen, ersuckien wir die arbeiterfreundlicben Blätter nm Nachdruck. Deutscher Metallarbeiterverband. OrtSverwaltung Berlin. DeutkeKes Reich. Zur Werftarbeiterbewegung. Von dritter Seite werden jetzt Versuche gemacht, eine Vermittelung herbeizuführen. Es verlautet, daß auch die Unternehmer diesem Vermittelungsversuch nicht ablehnend gegenüberstehen. O Auf einer Reihe Hamburg-Altonaer Schiffsreparaturbetrieben hat man wieder von den Arbeitern Streikarbeit verlangt. In Be- lracht kommen 7 Betriebe mit 259 Arbeitern. Diese haben deshalb am Mittwoch die Arbeit niedergelegt. In der Ottenser Maschinenfabrik vorm. AhrenS in Altona» Ottensen ist es ebenfalls zur Arbeitseinstellung gekommen. Auch dort war versucht worden, Streikarbeit herstellen zu lassen. Mit« inhaber der Firma ist Herr Koch aus Lübeck(Kochsche Schiffswerft). Trotz mehrmaliger dringender Vorstellung der Arbeiter bestand die Firma darauf, die Streikarbeit herstellen zu lassen. Daraufhin haben zirka 89 Arbeiter den Betrieb verlassen. Streik der Bauttschler in Mühlhausen in Thüringen. Am Mitt- woch find in Mühlhausen in Thüringen die Bautischler sämilicher Bettiebe in den Ausstand getreten. Die Ursache bilden Lohn- differenzen. Die Schwerfuhrwerkökutscher in Halle a. S. errangen nach zwei- tägigem Streik einen schönen Sieg. Ihre Forderung, 25 M. Wochenlohn zu zahlen, wurde vertraglich anerkannt und hat Gültigkeit bis 31. August 1912; rund 169 Gcschirrfllhrer haben dadurch eine Lohn» erhöhung von je 3 M. pro Woche erzielt. Eine gelbe Strastenbahnerorganisation. Die Leipziger Straßenbahner stehen gegenwärtig in einer Lohnbewegung. Der Transportarbeiterverband machte dabei erfreuliche Fortschritte und es war nicht ausgeschlossen, daß die An- gestellten zur Erzwingung ihrer Forderungen die Arbeit einstellen. In dieser Not verfiel vre Große Leipziger Straßenbahn auf das alte Rezept, eine Stteikbreckerorganisation zu gründen. Am 23. August erschien an den Bekanntmachungstafeln der Straßen- bahnhöse ein Aufruf, unterzeichnet von einigen Angestellten, in dem auf das„frühere gute Einvernehmen zwischen Angestellten und Direktion" hingewiesen und zum Austritt au« dem Ver- band aufgefordert wird. Noch fei es vielleicht nicht zu spät, „den alten bewährten Weg der friedlichen Verständigung mit Erfolg weiter einzuhalten". WaS habe z. B. den Kollegen der Streik der Leipziger Elektrischen Straßenbahn(vor mehreren Jahren) genützt? Der Aufruf schließt: Kollegen I Seid einig, einig, einig in dem Bestreben: los vom Verband I Wer darin mit den Unterzeichnern übereinstimme, solle ihnen seine Adresse geben. Am Donnerstag werden die Leipziger Straßenbahner zu diesem neuesten Streich der Großen Leipziger Straßenbahn Stellung nehmen. TlusUmd. Ein groher Erfolg der«ngarische« Holzarbeiter. Die Budapester Tischlereiarbeiter, rund 6999 Mann, haben so- eben nach elfwöchentlichem Kampfe ihre Lohnbewegung mit einem vollständigen Sieg beendet. Die Unternehmer haben sämtliche Forderungen der Arbeiter anerkennen müssen. Es wurde ein Ver- trag auf zwei Jahre abgeschlossen, der die 64stllndige wöchentliche Arbeitszeit festlegt und eine Erhöhung des Lohntarifs von 16 Proz. vorsieht. Da, wo bessere Bedingungen bisher schon vorhanden waren, dürfen sie nicht verschlechtert werden.— Die Organisation der Arbeiter bat sich durch diese Bewegung erfreulich vorwärts ent» wickelt. Im Jahre 1996 wurde der ungarländische Holzarbeiter» verband von der Koalitionsregierung auf Betreiben der Unternehmer aufgelöst. Die neugegründete Organisation mußte dann zwei Jahre auf die Genehmigung der Statuten warten.— Jetzt nun waren die Unternehmer gezwungen, mit dem Holzarbeiterverband eine« Vertrag abzuschließen._ Versammlungen. Deutscher Metallarbeiterverdand. Eine allgemeine Versammlung der Rohrleger und Helfer tagte am Dienstag im Gewerkschaftshause. Nach einem Vortrage des Kollegen Hilpert über:„Thomas Moore und seine Utopie", wurden Berbandsangelegenheiten erledigt. Der Borstand war in Verhandlungen getreten mit der Firma Auer, wo 38 Kollegen aus dem Deutschen Metallarbeiterverband und 9 Mitglieder de« Allgemeinen Metallarbeiterverbandes be» schäftigt waren. Diese Angelegenheit ist zu beiderseitiger Zu« friedenheit erledigt. Ebenfalls lagen bei der Firma Steuer Differenzen vor, wo den Rohrlegern keine Helfer ge« stellt werden sollten. Nachdem nun die Organisation nnt dieser Firma in Verbindung getreten war, wurde auch dieser Streitfall geregelt, außerdem wurden den dort beschäftigten Kollegen die Stundenlöhne erhöht. Handle teilte noch mit, daß der Ortsvorstand empfiehlt, den Arbeitsnachweis in der Gormannstraße nach wie vor zu meiden, doch kam hiergegen ein starker Widerspruch aus der Versammlung zum Ausdruck. Handle trat noch einmal warm für den obigen Vorschlag ein und erklärte, daß diese Maßnahme von der Not- wendigkett diktiert sei und unbedingt auch befolgt werden müsse. Letzte JMaebnebten. Krieg im Frieden. Bozen, 24. August.(B. H.) Bei einer Gebirgsübung wurde ein Offizier durch Abstürzen schwer verletzt. Ein Soldat ist tot, einer schwer verletzt._ Tie Cholera in Italien. Rom, 24. August.(W. T. B.) In den letzten 24 Stunden ist in Cerignola eine Erkrankung und ein Todesfall an Cholera festgestellt worden, in Margherita di Savoia ein ver- dächtiger Fall, in Barletta 11 Erkrankungen und 7 Todesfälle (davon 6 unter den an den Vortagen Erkrankten), in Tränt 4 Erkrankungen und 4 Todesfälle(davon 2 unter den an den Vor, tagen Erkrankten), in A n d r i a 2 Erkrankungen und 2 Todesfälle, in Canosa di Puglia 2 verdächtige Erkrankungen, in Ruvo ein verdächtiger Fall. In allen anderen Gemeinden der Provinzen Bari und Foggia ereignete sich kein neuer Fall. Dies läßt hoffen» daß die Epidemie im Abnehmen ist. ßerantw. Redakteur: Hau« Weber, Berlin. Inseratenteil VerantV.: Uh.Gl»cke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall Maul Singer Sc Co.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.UnterhaltungSbl. Ar. 198. 27. Jahrgang. 1. Kilye to.lotiiiitte" Nomtktstag. 25. AnguA 1910. ürbeltsverbältnUIe der Staatswerftei» Deutschlands und der Vereinigten Staaten. Man schreibt unS: Das Reichsmarineamt hat eine Schrift herausgegeben, welche sich betitelt:„Die Organisationen der Werften der Vereinigten Staaten". Sie ist vom Admiral Wodrig bearbeitet. Nach den Verhandlungen über die großen Kieler Werstunter- schleife wurde vom Neichsmarineamt der Admiral Wodrig nach Amerika gesandt, um über die kaufmännische Verwaltung und Organisation der dortigen Staatstvcrsten die nötigen Instruktionen und Informationen zu sammeln. Seine Erfahrungen legte er in der vorerwähnten Schrift nieder. Leider ist dieselbe der L-effentlichkeit bisher nicht zugänglich gemacht worden, vermutlich wegen der in vielfacher Beziehung un- endlich weit rückständigeren und unfreieren Arbeitsverhältnisse der deutschen Werftarbeiterschaft gegenüber der amerikanischen. Wir sind jedoch in der Lage, den für die Arbeiterschaft wichtigsten Teil dieser Schrift, der die Betriebsweise und das Arbeitsverhältnis für die dortigen Arbeiter behandelt, hier mitzuteilen. Das Studium dieses Abschnittes veranlasste unwillkürlich eine Gegenüberstellung mit den Arbeitsverhältnissen unserer Kaiserl. Werften. Da heißt «s z. B. in der Arbeitsordnung der Amerikaner: Die zuständigen leitenden Personen haben die Arbeiter nach ihrer Geschicklichkeit und ihren Leistungen und ohne Rücksicht auf irgendwelche anderen Erwägungen zu verwenden. Kein Offizier oder Beamter oder sonstiger StaatSangcstclltcr darf einen Arbeiter auf der Werft veranlassen oder auffordern. Geld für politische Zwecke zu zeichnen oder zu zahlen, auch darf kein Arbeiter wegen seiner politischen Gesinnung entfernt oder entlassen werden. Wer gegen diese Bestimmung vcrstösjt» ist aus dem Staats- dienst z» entlassen. Wie blamabel nehmen sich demgegenüber die Bestimmungen der deutschen Arbeitsordnurvg auZ. Hier heisst es: Tie für den Dienst in der Marineverwaltung im Arbeits- Verhältnis anzunehmenden Personen müssen folgenden Bedin- gungen entsvreckzen: Sie müssen sich im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden und sich in ihren bisherigen Lebensverhält- nissen achtbar geführt haben. Sie dürfen nicht sozialdemokratische Agitatoren oder sonstige Personen sein, von denen vorauszusehen ist, daß sie den Frieden zwischen der Behörde und den Arbeitern oder der Arbeiter unter» einander stören wollen. Die annehmende Behörde unterrichtet sich über das Vorhan- deirsein dieser Erfordernisse in geeigneter Weise. Diese Bestimmung hat denn auch der annehmenden Behörde «och immer die Handhabe geboten, politisch oder auch nur geWerk schastlich Anrüchige von den Staatswerften fernzuhalten resp. diese auf dem schnellsten Wege wieder ohne Kündigung zu entfernen. Hunderte von Fällen sind zu verzeichnen, wo gewerkschaftlich orgami sierte Arbeiter wieder entlassen wurden, weil sie nach Ansicht der Orts, und Polizeibehörden ihres vorherigen Beschäftigungsortes wegen gewerkschaftlicher Betätigung keinen achtbaren Lebenswandel geführt haben. Allerdings wird der Grund etwaiger Entlassung streng ge heim gehalten und in keinem Falle mitgeteilt. Jedoch Waren sich 69 Proz. der wieder zur Entlassung gekommenen Arbeiter keines anderen Verbrechens bcwusst, als der Zugehörigkeit zu ihrer ge- werkfchaftlichen Organisation und der Betätigung in derselben. Da die Orts» und Polizeibehörden über den Leumund der neueinzustellenden Arbeiter berichten, so ist der Willkür und Ran. küne Tür und Tor geöffnet. Wir sind im Besitze eines charakteri stischen Originalschreibens; eS handelt sich um einen Arbeiter auf Helgoland. Die Werft Wilhelmshaven schreibt an die Polizeiver waltung in Helgoland: „Der Arbeiter N. N., geboren........... angeblich wohn. hast auf Helgoland, hat gebeten, als Werftarbeiter eingestellt zu werden. Ehe die Werst ihn endgültig annimmt, bittet sie um Auskunft, ob er ReichSangehöriger ist, ob er sich in seinem bis kleines Feuilleton. Die Schrecken amerikanischer Waldbrände. Die Verheerungen, ine die schon seit Wochen im Nordwesten der Vereinigten Staaten wütenden Waldbrände angerickstet haben, kommen bereits den gröss- ten Waldbrandkatastrophen gleich, von denen Nordamerika im Laufe der letzten Jahre heimgesucht worden ist.� Unsere Einbildungskraft versagt bei der Vorstellung von Waldbränden, die drei unö vier Monate hindurch in ungeminderter Heftigkeit airdauern und wäh- rend dieser Zeit die üppige Urwaldvegetation eines Gebietes vom Flächeninhalt des Dentschen Reiches in eine öde, schwarze Wüstenei verwandeln. Alles, was auf diesem Gebiet an menschlichen Siede» kungcn an Einzelfarmen, Dörfern und kleinen Städten vorhanden ist, fällt der zehrenden Flamme zum Opfer. Und selbst die um- sassendsten Hilfsaktionen können in der Siegel nicht verhindern, dass auch zahlreiche Menschenleben verloren gehen. Eines der schlimm- sten Brandjahre, so weit die menschliche Erinnerung zurückreicht, war das Jahr 1998. Während der Monate Oktober und November war ein sehr grosser Teil des nordamerikanischen Kontinents von einer dichten Rauchwolke bedeckt. New Uork, das sich im Gegensatz zu London einer sehr klaren Atmosphäre erfreut, war wochenlang in einen dichten, brenzlich riechenden Stebel gehüllt. Wenn in weiter Entfernung von dem eigentlichen Schauplatz der Katastrophe solche Erscheinungen auftreten, kann mm: sich wohl ein ungefähres Bild von den Schrecknissen machen, die dieser Schauplatz selbst darbieten muss. Alexl Cormans entwirst in der„New Docker Staatsztg." eine packende Schilderung. Es war um die Mitte des Monats Oktober, als aus dem Innern des Staates Michigan der Ausbruch eines Waldbrandes gemeldet wurde. Am dritten Tage nach der Entdeckung hatte sich der Brand bereits über eine Strecke von 390 Kilometer Länge ausgebreitet. Die Eisenbahngesellschaften rüsteten HilfSzüge aus, die die Bewohner der zumeist bedrohten Ortschaften in Sicherheit bringen sollten. Ein solcher Hilfszug wurde auch von dem Städtchen Posen abgelassen mit der Bestimmung, die fünf- hundert Einwohner des Dorfes Metz herbeizuholen. Als der Zug in Metz ankam, hatte auch das Feuer die Ortschaft bereits erreicht und mehrere Käufer in Asche gelegt. Halb wahnsinnig vor TodcS- angst stürzten sich die noch im Orte befindlichen Menschen in die Abteile deS Zuges, der sich nach kürzestem Aufenthalt unter Voll- dampf wieder in Bewegung setzte. Man wählte für derartige NettungLzüge immer die schnellsten Lokomotiven, über die man verfügt. Aber die roten Flammenrosse «ines amerikanischen Waldbrandes sind schneller als die stärkste Eil- Zugmaschine. Mit Knistern und Krachen, Zischen und Sausen jag- ten sie hinter dem Zuge drein, dessen Führer mit nicht mehr als minutenlangem Vorsprunge rechnen durfte, wenn es ihm gelingen Jollte, der gefährlichen Region unversehrt zu entrinnen. Da, bei er Annäherung an den Bahnhof von HarokS, halbwegs zwischen Metz und Millesburg, gewahrte der Lokomotivführer, daß eine gc- Wattige, kompakte Flammcnmauer ihm den W-g versperrte. Auf der einen Seite des Schienenaleises brannten die langgestreckten Bahnhofsgebäude, auf der anderen die ünmittelbar neben dein herigen Lebensverhältnis achtbar geführt hat, insbesondere ob er bestraft ist, ferner ob er für sozialdemokratische Bcstrebmigen agitiert oder von ihm vorausgesetzt werden kann, dass er den Frieden zwischen der Behörde und den Arbeitern oder den Ar- beitern untereinander stören wird." Das Landratsamt Helgoland überwies die Angelegenheit dem Gendarmericwachtmeister I. zur Feststellung. Nach Abschluss der Feststellungen des Gendarmeriewachtmeisters ging ein Antwortschreiben an „das Arbciteramt der Kaiserl Werft Wilhelmshaven mit der Mitteilung ecgeöcnjt zurück, dass M. am......... wegen Unterschlagung mit 3 M. Geldstrafe oder 1 Tag Haft bestraft ist. Diese Sache ist ganz geringfügig gewesen. Ausser dieser Strafe hat M. sich sehr gut geführt. Er ist kein Sozialdemokrat. Es ist auch nicht zu befürchten, dass er den Frieden zwischen Behörde und Ar- beitern oder den Arbciteni untereinander stören wird." Name unleserlich. Der in Frage kommende Arbeiter kann sich glücklich schätzen, dass die Behörde eine Strafe von 3 M. wegen Unterschlagung als geringfügig angesehen hat. Auch ist ihm das Nichtvorhandensein einer gewerkschaftlichen Organisation auf Helgoland ebenfalls zu- gute gekommen. Wäre ermittelt worden, dass er einer gewcrk- schaftkichcn Organisation angehörte, so wäre zweifellos berichtet worden, M. sei Sozialdemokrat. In diesen Dingen geht der Polizei jedes Unterscheidungsvermögen ab. Vor nicht langer Zeit wurde ein Arbeiter wegen einer geringfügigen Sache(Entwendung von einigen Bleisoldaten) entlassen, obwohl er nur bedingt zu 1 Tag Gefängnis verurteilt worden war. In der Arbeitsordnung der Amerirancr heisst es weiter: Die Lohnsätze der Angehörigen der Werft sollen mit den in der Privatindustrie in unmittelbarer Nähe der betreffenden Werft gezahlten Löhne übereinstimmen, sie sollen jährlich neu be- stimmt und am 1. Januar in Kraft gesetzt werden. Jährlich am 1. November ernennt der Oberwerfibirektor eine aus höheren Angestellten bestehende Kommission, die bei den hauptsächlichsten Fabriken in der Umgxgcnd sorgfältige Erhebungen anzustellen hat über die Höhe der Löhne, die dort an die Arbeiter der verschiede- nen Klassen in jeder Gewerkschaft oder Beschäftigung, die in der Lchnklasientabelle der Werft verzeichnet ist, für gleiche oder ähn- liche Arbeit gcUihlt werden. Die Kommission hat über das Ergebnis an den O. W. D. zu berichten und Vorschläge für die Lohnsätze der Werftarbeiter in den entsprechenden Handwerken und Klassen zu machen. Der niedrigste Lohnsatz betrug 1999 für Lehrlinge 99—59 Proz. des Lohnes, den die in der 1. Klasse befindlichen Arbeiter desselben Handwerks erzielten. Jugendliche Arbeiter erhielten 1,52 Dollar — 6,30 M. Der Höchstlohn eines Handwerkers betrug 5,29 Dollar — 20,80 M. pro Tag. Alljährlich wird ein neuer Lohntarif her- ausgegeben. Man vergleiche demgegenüber die Löhne der deutschen Werftarbciterschaft. Lehrlinge erhalten 9 bis 20 Pf. pro Stunde, jugendliche Arbeiter von 16 bis 19 Jahren 12 bis 27 Pf. Hand- werker erhalten 40 bis 51 Pf. Der Höchstlohn für eine kleine Gruppe(6 Vorarbeiter) beträgt 54 und 56 Pf. pro Stunde. Die Arbeitszeit für Arbeiter beträgt in den Staatswerften der Vereinigten Staaten 8 Stunden, von 8 bis 12 und von 1 bis 5 Uhr. Höhere Beamte haben 7 Stunden Dienst, von 9 Ulzr vorm. bis 4% Uhr nachm. Wenn man bedenkt, welche langwierigen Kämpfe es gekostet hat, ehe die deutschen Staatswerftacbeiter auch nur die östündige Arbeitszeit erhalten haben, so kann man ermessen, wie ungeheuer rückständig und zurückgeblieben die Arbeits» und Ar- beitcrverhältnisse in den deutschen Staatsbetrieben noch sind. Aber unsere Regierung fürchtet das Gebelfer der tonangebenden Grossindustriellen so sehr, dass sie nichts unternimmt, was das Miss- fallen dieser Kreise erregen könnte. Diesem Umstände ist es auch zuzuschreiben, dass die Marineverwaltung und auch die übrigen Ressorts 19 Jahre lang zauderten und zögerten, ehe sie dem un- aufhörlichcn Drängen der Arbeiterschaft nachgegeben und 1996 die 9stündige Arbeitszeit eingeführt haben. Schon der Amtsborgänger des jetzigen Marincininisters soll die Einführung der Neunstunden- schicht in den Reichsmarincbetrieöen angeregt, jedoch infolge der sofort einsetzenden heftigen Opposition der Grossindustriellen schien nigst den Rückzug angetreten und pater peeeavi gesagt haben. Bahnkörper aufgestapelten Kohlenvorräte. Lichterloh brennende Balken und Kohleiimasscn waren in Menge auf die Schienen ge- stürzt, jede Möglichkeit eines Weiterkoinmons ausschließend. Da auch auf die Dächer der Waggons bereits brennende Trümmer niederfielen, griff der Lokomotivführer Foster zu dem einzigen nach Lage der Ding« gegebenen Auskunftsmittel, indem er den Zug mit Volldampf rückwärts laufen lieh; aber die Fahrt ging nicht weiter als über wenige 199 Meter; dann geriet der Güterwagen, der den Beschlutz macht«, aus den Schienen, und für die unglücklichen Men- scheu in den von zuckenden Flammen umleuchteten Wagen gab es so wenig mehr ein Vorwärts als ein Zurück. Der Heizer Lee flüch- tete sich in das Wasserreservoir des Tenders, und er war infolge- dessen der einzige, dessen gekochte Ueberreste später mit Sicherheit identifiziert werden konnten, während von dem tragischen Ende der übrigen nur unkenntliche, verkohlte, kaum noch menschenähnliche Massen uns Kunde gaben. Zweien allein von den 299 gelang es, sich zu retten, dem Lokomotivführer und einem Passagier. Mir schweren Brandwunden bedeckt und völlig erblindet, kamen sie am nächsten Vormittag in Posen an, ohne über die nahezu wunderbare Art, wie sie dem brennenden Walde entronnen waren, irgend- welche Auskunft geben zu können. Von 399 grossen Waldbränden, deren Entstchungsursache sich mit einiger Sicherheit feststellen liess, waren 121 durch die Funken von Lokomotiven veranlasst worden. Man hat in Amerika hohe Preise für die Erfindung von Vorrichtungen ausgeschrieben, die das AuSsprühen solcher Funken völlig zu verhindern imstande wären. Aber das Problem ist trotz aller Experimente von seiner befriedi- genden Lösung noch so weit entfernt, dass einem genialen Kopfe noch immer die Möglichkeit geboten ist, durch eine glückliche Erfin- düng zum reichen Manne und zu einem Wohltäter ganzer Länder zu werden. AlS die Stadt deS Telephons mutz New Dork bezeichnet werden. denn an keinem Orte der Welt wird wohl mehr telephoniert und für keine Stadt hat das Telephon eine so grosse wirtschaftliche Bc- deutung erlangt wie für New Dork. Wie„Prometheus" nach einer amerikanischen Quelle berichtet, besaß vor 39 Jahren noch New Dork nur eine einzige Telephonzentrale, und das Ve �eichnis der Fern- fpreckteilnehmer enthielt nicht mehr als 252 Namen; heute sind 85 Telephonzentralen vorhanden, in denen ein Heer von 5999 Tele- phonislimien tätig ist, und die Zahl der Telephonanschlüsse hat 335 999 schon überschritten. Ein einziges Gebäude, das Hudson Terminal Building, enthält mehr Fernsprechanschliisse als Griechen- land und Bulgarien zusammengenommen. Der Telephonverkehr kommt in New Dork auch in der Nacht nicht zur Ruhe. Die ruhigste Zeit ist die Stunde zwischen 3 und 4 Uhr früh, da dann im Durchschnitt nur etwa 19 Anschlüsse in der Minute verlangt werden. In der folgenden Stunde wird aber das Telephon schon durchschnittlich von 2999 Personen benutzt. Zwilchen 7 und 3 Uhr früh werden schon 25 999 Anschlüsse verlangt, zwischen 19 und 11 schon 139 999, und kurz vor Mittag, zwischen 11 und 12 Uhr. erreicht das Geklingel seinen Höhepunkt, da dann nicht weniger als 189 999 Anschlüsse zu vermitteln sind. d. h. 59 in jeder Sekunde.— Auch andere amen- kanische Großstädte besitzen ein ausgedehntes Telephonsystem, wie Interessant ist auch das Verhältnis der Anzahl der Beamten zur Arbeiterschaft. In den deutschen Reichsmarinebetrieben kommt schon auf 7 Arbeiter ein Beamter, in den Staatswerften der Ver- einigten Staaten erst auf 12� Arbeiter. Die Arbeiterschaft ist auch der Ueberzeugung, daß das ungeheure Beamtenheer in den deutschen Staatswerften die ganz ausserordentlichen Prodnktions- kosten der in eigener Regie gebauten Schiffe verschuldet. Nach Be- hauptungen des Reichsmarineamts und der Werftbehörden soll dicS an den hohen Arbeitcrlöhncn liegen. Auch bezüglich der Akkord- arbeit sind die Verhältnisse im Dollarlcmde weit günstigere als bei uns. Der Bericht besagt, auf der Staatswerft in New Dork werde im Schiff- und Maschinenbau nur in sehr geringem Umfange in Akkord gearbeitet. Bei Neubauten soll der Akkord nur 5 Proz. der Gesamtarbeit betragen, NrParaturcn werden überhaupt nicht in Akkord gemacht. Herr Admiral Wodrig bemerkt in seinem Bericht, daß die geringe Anwendung der Akkordarbeit jedenfalls mit dem Widerstand der Tradcs-Unions zusammenhängt. Jedoch sollen die Werften im übrigen mit deu Organisationen nichts zu schaffen haben, wenn auch die meisten Werftarbeiter ihnen angehören. Wir können bestätigen, dass 99 Proz. aller in den Staatswerften der Vereinigten Staaten beschäftigten Arbeiter Mitglieder der Trade Unions sind und daß deren Einfluß auch ohne offizielle Aktionen so unverkennbar zutage tritt, dass sie in tacto in die Produktions- und Arbeitsverhältnisse mitbestimmend und regelnd eingreifen. Es ist eine absolute Unmöglichkeit für die dortigen Behörden, bestehende Arbeits- und Lohnverhältnisse zu verschlechtern. Mögen die Ar« beiter unserer Stvatswcrften einmal Vorgleiche ziehen zwischen dem bevormundeten Arbeiter hier und dem sozial höher bewerteten freieren Arbeiter und dessen Existenzbedingungen jenseits des Ozeans, dann wird sich ergeben, dass der deutsche Arbeiter unter den rückständigsten politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, daß insbesondere die vom Staate beschäftigten Arbeiter sich eine Bevormundung gefallen lassen, die eines freien mündigen Ar- beiters unwürdig ist. Trotzdem lebt aber immer noch ein grosser Teil der Werft« arbeiter stumpfsinnig und gleichgültig in den Tag hinein, ohne an die dringende Pflicht und Notwendigkeit der Zugehörigkeit zur politischen und gewerkschaftlichen Organisation zu denken. Wir hoffen, daß der jetzige grosse Kampf der Werftarbeiter gegen da» hochmütige Reeder- und Werftprotzentum um verbesserte Arbeits- bedingungen auch den Arbeitern in den Staatswerften die Augen öffne, sie zu der Ueberzeugung kommen, dass nur durch eine ge- schlössen« Organisation, durch das einmütige Zusammenstehen aller, eine Aenderung der jetzigen ungerechten und schmachvollen politi- scheu und wirtschaftlichen Verhältnisse herbeigeführt werden kann. Generllivtrsllnimlulig des UerblUides der Fithographev, Simdrulktt und vernilllldttn Gtloerbe. Hamburg, 23. August. Nachmittagssitzung. In der Generaldebatte über die Anträge zum Statut wird namentlich die Frage der gestaffelten Beiträge lebhaft erörtert. Der Vertreter der Tapeten drucker tritt warm für die Stoffe« lung ein. Wolle man die Tapetendruckcr beim Verbände halten bezw. die noch Fernstehenden für unsere Orgamsatio» gewinnen, so müsse der unterschiedliche Beitrag eingeführt werden. Der Vertreter der Chemigraphen tritt im Jntereffe seiner Berufskollegen ebenfalls für den Staffelbcitrag ein. Ein Delegierter ist für die Sanierung des KaffenmesenS in der Richtung, daß die Unterstützung in KraiikheitZfällen und bei Arbeitslosigkeit nicht sofort erhoben werden dürfe. Bei den Textilarbeitern habe sich die Staffelung der Beiträge nicht bewährt; nur ein geringer Prozentsatz befinde sich dort in der ersten Klasse. VcrbandSvorsitzender S i l l i c r betont, daß der größte Teil der Tapetendrucker dem Verbände und nur ein kleiner Bruwteil dem Fabrikarbeitcrverbande angehöre. Bei unS betrage der Beitrag 1,29 M. wöchentlich, bei den Fabrikarbeitern nur 49 Pf. Wären die vorgebrachten Argumente für die niedrigeren Beiträge richtig, dann müßten die Verhältnisse umgekehrt liegen.— Ein Delegierter meint, die reformierende Hand müsse bei der Kranken- lasse angelegt werden. Hilfe aus diesem Dilemma könne nur die z. B. Chicago mit 185 999 Anschlüssen, Philadelphia, Baltimore, Boston mit je 199 999, eine Zahl, die in Berlin noch nicht er- reicht ist. Humor und Satire. Katholikentag. Zn Augsburg beim heiligen Ullerich Da drängen und schieben die Massen sich, Sie fühlen sich satt und sehr hochgeehrt, Grad hat man den Sickenberger verzehrt; Man fühlt sich so wohlig im Magen, Und das Fett, es glänzt noch am Kragen. Zu Augsburg beim heiligen Ullrrich Da schiebt durch die Straßen der Festzug sich, Ganz vorn die Regie und dahinter der Chor, Man brüllt rechts und linls zu den Fenstern empor, Da stehen die Grossen deS Landes Und mancherlei dienenden Standes. Zu Augsburg beim heiligen Ullerich Da herrschet im Festsaal ein buntes Gemisch, Es werden die nämlichen Phrasen Wie seither und jeher geblasen. Auch wettert Herr Gröber im.VolkSvereln', Wie einer Sozialdemokrat könne sein; Fürs n ä ch st e Jahr— wir sind'ö gewärtig— Sind auch schon die Reden heut fertig. Paulchen. Notizen. -- Ein Preisausschreiben für unfallsichere F l u g m a s ch i n e ir. Die französische Nationale Luft-Liga kündigt ein Preisausschreiben für Flugmaschinenkoiistrukteure an, um eine Flugmaschine zu erhalten, bei der tödliche Unfälle mimöglich sind. ES handelt sich dabei um drei verschiedene Dingo: 1. eine Kleidung, die gegen Verletzungen beim Fall schützt, 2. Erfindungen zur Ver- Hinderung jäher und gewaltiamer Landungen, und 8. Fallschirme, die automatisch bei einem Sturz aus grosser Höhe in Wirksamkeit treten. Rcnö Oninton, der Präsident der Liga, ist überzeugt, daß durch solche Vorrichtungen das Fliegen sicherer gemacht und dann leichter weiter entwickelt werden kann. Die größte Schwierigkeit wird darin liegen, sie leicht genug zu machen, daß sie den Flug nicht behindern. — Ein neuerAuSbrnch deS Hekla auf Island. In Kopenhagen sind Meldungen eingetroffen, nach denen auf Island eine lebhafte Besorgnis herrscht, da sich alle Anzeichen für einen neuen grossen Ausbruch deS Vulkans Hella bemerkbar machen. Der Schnee, der den Berg seit einer Reihe von Jahren bedeckte, ist ver- schivunden und man nimmt an. dass er durch die steigende Glut, im Innern deS Vulkans zum Schmelzen gebracht ist. Rauchwolken steigen aus dem Krater empor und in der letzten Zeit wurden auch verschiedene Erdstöße verspürt. So weit die Ueberliefcrung zurück- reicht, sind 18 Ausbrüche des Hella verzeichnet, der erste nn Jahre 1198 und der letzte 1878. Gerade die Gegend in der nächsten Röhe des Vulkans ist die fruchtbarste und bestkultivierte von Island. Herabsetzung 6eS Krankengeldes bringen. SS gebe nirgends«ine Krankenkasse, die bei einem Beitrag von SS Pf. so hohe Unter- stützungen zahle. Auf Kosten des wirtschaftlichen Kampfes dürfe man nicht solche Zuwendungen an diesen Unterstützungszweig machen. Ein Delegierter aus München wünscht die Erhöhung des Wochen- beitrageL auf 1,40 M., um so die Gcwerkschaftskasse zu stärken. Gegen die Staffelung der Beiträge wenden sich die meisten Delegierten. Nachdem über 20 Redner zu diesem Punkt gesprochen, wird die Debatte durch Schlustantrag abgekürzt. Für den Staffelbeitrag stimmten 15, dagegen 69 Dele gierte. Gegen fünf Stimmen wird die Erhöhung des Bei> träges von 1,20 M. auf 1,30 M. beschlossen. Die U n t e r st ü tz u n g s s a tz e in der jetzigen Form bestehen zu lassen, wird mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Mehrheit setzt sich aus Delegierten zusammen, die für die Herabsetzung einzelner Unterstützungssätze eintreten. Der Beitrag in der Lehrlingsabteilung wird von 10 auf 15 Pf. pro Woche erhöht. Die Extraunter st ützung für Ausgesteuerte soll mit dem 1. Oktober ILIO in Fortfall kommen. Das gesamte vorliegende Material wird sodann einer Kommisston zur Beratung überwiesen. Den Geschäftsbericht, den wir auszüglich wiedergegeben haben, erläutert der Verbandsvorsitzende S i l l i e r, der hervorhebt, daß die Frage der Taktik bei Lohnbewegungen in nicht- öffentlicher Sitzung behandelt werden solle, zumal die Gegner ihre Taktik auch nicht vor dem Forum der Oeffentlichkeit behandeln. Der Extrabcitrag von 20 Pf. sei im allgemeinm gut eingegangen, nur Frankfurt a. M. und Offenbach hätten unrühmliche Ausnahmen gemacht. Schuld daran seien die betreffenden Ortsverwaltungen, die sich nicht gescheut hätten, in einem an die Mitglieder versandten Wochenblatt gegen die Extrabeiträge Sturm zu laufen. Redner er- sucht die Mitgliedschaften, sich nicht mit kleinlichem Tratsch zu be- schäftigen, sondern mit Fragen, die im Interesse des EmanzipationS- kampfcs der Arbeiter lägen. Durch gegenseitiges Vertrauen werde sich ein guteS Zusammenarbeiten erzielen lassen. Der Hauptkassierer B r a l l geht näher auf den Kassenbericht ein. Die, G r a p h i s ch e P r e s s e* bat in der Berichtsperiode zusammen eine Summe von 108 834 M. erfordert oder 3Vs Pf. das Exemplar. Redner empfiehlt den Mitgliedschaften die Benutzung des Handbuches, das auch über alle kassentechnischen Fragen Aus- kunft gebe. H i e ckm a nn, Vertreter des Ausschusses, erklärt, dieser hätte sich nur mit einigen Beschwerden zu befassen gehabt; das Ver- hältnis zwischen Hauptvorstand und Ausschuß sei ein gutes gewesen. Den Bericht für die„Graphische Presse'' erstattet Redakteur Barthel, der betont, er vertrete nach wie vor die Ansicht. daß daö Verbandsorgan stets den Kampfcharakter des Verbandes hervorheben müsse. Von dieser Auffassung ausgehend, habe er zu den einzelnen Fragen Stellung genommen. Redner ersucht um die tatkräftige Unterstützung der Mitglirdschaslen, die den Redakteur auf dem Laufenden erhalten müßten. Die Bekanntschast mit den Be- richten sei der Redaktion nicht erspart geblieben; in einem Falle sei aus eine Geldstrafe von 100 M. erkannt worden. Der Redakteur der technischen Beilage„Graphische Rundschau' Hansen gibt einen anschaulichen Bericht über seine Tätigkeit. Die Inanspruchnahme des FragekastenS fei in ständigem Steigen be- griffen, die Zahl der Anfragen werde in diesem Jahre über 400 be- tragen. Nach beinahe zehnstündiger Sitzung wird die Verhandlung auf Mittwoch vertagt. � Hamburg, 24. August. Da die Frage der Taktik bei Lohnbewegungen in einer nicht öffentlichen Sitzung zur Verhandlung gelangt, dreht sich die Debatte über den Vorstandsbericht hauptsächlich um interne Verbandsangelegenheiten. ES liegen Anträge vor auf innere Ausgestaltung der„Graphischen Presse' und Zusammenlegung des RedakiionS- und Druckortes dieses BlatteS. Die oft erhobenen Einwände, die Photographen vermöchten nicht die hohen Ver- bandsbciträge zu zahlen und blieben deshalb dem verbände fern. wird von einigen Delegierten als Ausrede bezeichnet. Such die Photograph'n seien hierzu in der Lage, die Verhältnisse hätten sich inzwischen geändert. Die Einwände werden nur von solchen Leuten erhoben, die noch vom bürgerlichen Dünkel befallen seien und die man vor den Bestrebungen deS Verbandes bange gemacht habe. Einen breiten Raum in der Debatte nimmt die Erörterung der Extrasteuer ein. die zu zahlen man sich in einigen Orten geweigert hat. Die Extrasteuer wird erhoben, wenn Maßnahmen seitens der Unternehmer geplant werden. Die statutarischen Bestimmungen dürften nicht umgangen werden. Der Verbandsvorsitzende S i l l i e r erklärt im Namen deS HauptvorstandeS. daß die Extrasteuer bis zum 1. April 1911 erhoben und bezahlt werden muß. Weiter wird das Bestreben der Unternehmer, für die Lehrlinge eine Organisation in ihrem Sinne zu schaffen, um so den Lehrlingen nicht weiteren „Gefahren" durch den Verband auszusetzen, unter die Lupe genommen. Jeder Versuch in dieser Richtung müsse zurückgewiesen werden. Ein Redner verlangt, das VerbaudSorgan solle mehr daS Organ der Kollegen sein als daS des Hauptvorstandes, dessen Meinung immer im Vordergrund stehe.__ 7. Internationaler Cransportarbeitcr- Kongreß. Kopenhagen, den 23. August 1910. Der 7. internationale TranSportarbeiter-Kongreß wurde heute /Dienstag) vormittag durch den internationalen Sekretär H. Jochade-Berlin mit einer kurzen Begrüßungsansprache eröffnet. Im Namen d-r dänischen Transportarbeiter begrüßte Jäpelt- Kopenhagen die Delegierten und Gäste und wünschte, daß die Be- schlösse des Kongresses für die international organisierten Trans- Portarbeiter von Nutzen sein mögen. Die Feststellung der Präsenz- liste ergab die Anwesenheit von 40 Delegierten und 14 Gästen, die insgesamt 379 810 Mitglieder vertreten. Vertreten sind 150 000 Transportarbeiter. 26 940 Seeleute, 34 870 Hafenarbeiter und 468 000 Eisenbahner. Unter den Transportarbeitern sind auch die im Deutschen Transportarbeiterverband organisierten Eisenbahner, Hafenarbeiter und Seeleute Deutschlands gezählt. Auf eine Ver- tretung haben verzichtet oder glaubten aus verschiedenen Gründen Abstand nehmen zu müssen: Die Eisenbahner Englands, die Hafen- arbeiter in Antwerpen, das Eisenbahnzugspersonal der Schweiz, die Seeleute in Barcelona, die Hafenarbeiter in Marseille und der Verband Süddeutscher Eisenbahner. Letztere Organisation ent- lschuldigte ihr Fernbleiben von dem Kongreß mit Rücksicht auf ihre Existenz. Die Eisenbahner Rußlands übersandten dem Kongreß IGrüße und bedauerten, keinen Delegierten entsenden zu können. Der Verband der Seeleute Englands, der mit seinen Beiträgen an die Internationale TranSportarbeiter-Federation im Rückstand ist, hat einen Teil der Beiträge nachgezahlt und durch seinen Vertreter erklären lassen, daß der Rest in kurzer Zeit noch bezahlt werden «soll.— Auf Antrag Paul Müller- Deutschland wird beschlossen, die Verhandlungen in vier Sprachen, deutsch, englisch, französisch und dänisch zu führen. Den italienischen Vertretern soll von den tlebersetzern kurz der wesentliche Inhalt der fremdsprachigen Reden Mitgeteilt werden.— Die Geschäftsordnung des Kongresses wird gemäß dem Vorschlag des ZcntralrateS beschlossen. ES folgt die Wahl deS Präsidiums. Zu Vorsitzenden mit gleichen Rechten für die ganze Dauer des Kongresses werden Schumann- Deutschland und L i n d l e y- Schweden, zu Schrift- führern F o r st n e r- Oesterreich und L e G u e n n i c» Frankreich gewählt.— Bei Festsetzung der Tagesordnung beantragt West- th a l- England, bei Behandlung des Punktes„Die Aktionen der nternehmerverbände" die Presse auszuschließen. Der Antrag ruft eine lebhafte Debatte hervor, an der Vertreter aller Nationen teilnehmen. Ein Schlußantrag setzt der Diskussion ein Ende. Da die.Präsenzliste noch nicht vollständig fertiggestellt und inzwischen die MitkagSpause eingekteken ist, wird die Abstimmung über den Antrag Westphal bis zum Beginn der Nachmittagssitzung zurück- gestellt. In der um 3 Uhr von Schumann- Deutschland eröffneten Nachmittagssttzung wird zunächst die Abstimmung über den Antrag Westphal vorgenommen. Mit allen gegen 10 200 Stimmen wird der Antrag abgelehnt. L i n d l e h- Schweden beantragt, nur die bürgerliche Presse auszuschließen. Nach einer zeitraubenden Ge- schäftsordnungsdebatte wird der Antrag mit 314 770 gegen 64 440 Stimmen abgelehnt. Punkt 1(Konstituierung des Kongresses) und Punkt 2(Bericht des Zentralrates) der Tagesordnung werden un- verändert angenommen. Bei Punkt 3(Stand, Anwendung und Einfluß der internationalen Gesetzgebung auf die soziale und recht- liche Lage der S.eeleute, der Hafen- und Transportarbeiter und der Verkehrsarbeiter) schlägt der Zentralrat vor, den Teil„Ver- kehrsarbeiter" zu trennen und die Frage, soweit sie die Eisenbahner betrifft, besonders zu behandeln. Als Referent ist Brunner-Berlin vorgesehen. Dem Vorschlag wird zugestimmt. Hierauf wird in die Tagesordnung eingetreten. Der Bericht des Zcntralrats liegt gedruckt vor. Der sich auf zwei Jahre erstreckende Bericht hebt hervor, daß es den Arbeitgebern in den letzten beiden Jahren gelungen sei, ihre Organisation auszubauen und zu kräftigen. Die von den deutschen Reedern angestrebte inter- nationale Organisation der Reeder, Makler und Stauer ist zustande gekommen; sie trägt den Namen„Internationale Shipping Fede- ration" und hat ihren Sitz in England. Das Kuratorium ist aus Vertretern aller angeschlossenen Nationen zusammengesetzt. Die Reedereien fast aller Länder haben sich der Internationalen Shipping Federation angeschlossen. Die Organisation hat eine Streikentschädigungskasse eingeführt, mehrere Streikbrecherschiffe angeschafft, die dazu bestimmt sind, bei ausbrechenden Differenzen in den Häfen den festangestellten Kontraktarbeitern als Quartier zu dienen. Auch eine„Streikklausel", die bezweckt, jeden Schaden, der durch einen Streik oder durch eine Aussperrung entsteht, dem Empfänger oder dem Verlader der Güter aufzuhalsen, ist von den Reedern vereinbart worden. Auch bei den Arbeitgebern des Trans- Portgewerbes macht sich ein enger Zusammenschluß, sowohl national wie international bemerkbar. Eine internationale Verbindung besteht erst zwischen einzelnen Ländern. Bei den Eisenbahnern fehlt heute noch eine internationale Organisation der Arbeitgeber, dafür aber funktioniert die gegenseitige Verständigung der Ver- waltungen und Regierungen vortrefflich. Das Erstarken der Organisation der Arbeitgeber und die wirtschaftliche Depression bewirkten, daß in einigen Ländern die Arbeitgeber versuchten, die Löhne herabzusetzen oder die Organisationen der Arbeiter zu ver- nichten. Die in Schweden und Nordamerika um die Existenz der Organisationen der Hafenarbeiter beziehungsweise Seeleute ge- führten Kämpfe bildeten die hauptsächlichsten Vorgänge der letzten beiden Jahre. Die Tätigkeit des internationalen Sekretariats beschränkte sich hauptsächlich auf die Durchführung der Beschlüsse des Wiener Kongresses, d. h. auf die Erhebungen über die Lohn-, Arbeits» und Rechtsverhältnisse der Eisenbahner. Straßenbahner, Hasenarbeiter, Seeleute, Chaufseure und Transportarbeiter. Ueber die Entwickeluna der Internationalen Transportarbeiter- Federation macht der Beruht folgende Angaben: Am 1. Juli 1908 waren 44 Organisationen mit 496 620 Mitgliedern in 18 Ländern und am 1. Juli 1910 42 Organisationen mit 467 913 Mitgliedern in 16 Ländern der Internationalen Transportarbeiter-Federation angeschlossen. Die Organisationen berteilen sich auf folgende Länder: Nordamerika 2, Belgien 6, Bulgarien 1, Dänemark 3. Deutschland 4, England 3. Finnland 1, Frankreich 2, Italien 1, Niederlande 4. Norwegen 2, Oesterreich 4, Portugal 2, Schweden 2, Schweiz 1, Ungarn 3. Die Mitglieder verteilen sich auf folgende Gruppen: Eisenbahner 265 516(1908: 270 870), Hafenarbeiter, Binnenschiffer und Flößer 84 536(1908: 90 430), Straßenbahner, Fuhrleute und andere Transportarbeiter 93 016(1903: 90 169), Seeleute 27 850(1903: 45 100). In der Berichtsperiode sind zehn Organisationen mit 27 970 Mitgliedern beigetreten, acht Organisa- tionen mit 14 228 Mitgliedern sind ausgetreten oder wurden wegen Nichtzahlens der Beiträge ausgeschlossen. Aufgelöst haben sich sechs Organisationen mit 18 202 Mitgliedern. Die Kassenübersicht der Internationalen TranSportarbeiter-Federation umfaßt den Zeit- räum vom 1. Juli 1908 bis 1. Juli 1910. Inklusive eines am 1. Juli 1908 vorhandenen Kasscnbestandes von 4733,41 M. beträgt die Gesamteinnahme 55 030,67 M. Die Gesamtausgabe beläuft sich auf 48362,65 M., so daß sich ein Kassenbestand von 6668,02 M. ergibt. In der Gesamteinnahme sind 6220,83 M. freiwillige Unter- stützungen für Streiks und Aussperrungen enthalten, außerdem stand dem internationalen Sekretär von der vorigen Berichts- Periode ein geringer Betrag für diese Zwecke zur Verfügung, so daß den Hafenarbeitern in Schweden 6959,50 M. zur Unterstützung übersandt werden konnten. Als JnformationSorgan der Inter- nationalen TranSportarbeiter-Federation diente das„Korrespon- dcnzblatt" nicht in dem Maße, wie eS wünschenswert gewesen wäre. Die umfangreichen Arbeiten, die durch dw praktische Verwertung des durch die Erhebungen über Lohn- und Arbeitsbedingungen und über soziale Gesetzgebung gewonnenen statistischen MaiermlS ge- statteten nicht die Herausgabe deS.Korrespondenzblattes" in kurzen Zwischenräumen. Deshalb wurde neben dem„Korre- spondenzblatt" an Stelle der früheren„Rundschreiben" ein Wochen- bericht in fünf Sprachen herausgegeben. Jochade-Berlin gibt hierzu noch einige Erklärungen. Die dem internationalen Sekretär von dem Kongreß in Wien über- tragenen Arbeiten konnten nur zum Teil erledigt werden, da die Erhebungen sehr umfangreiche Arbeiten erforderten. Der gedruckte Bericht soll nur ein vorläufiger sein, er wird dem Protokoll über die Verhandlungen des Kongresses in erweiterter Form beigegeben. Trotz der Krise und trotz der Angriffe der Unternehmer auf die Organisationen hat sich die Internationale Transportarbeiter- Federation gut zu halten vermocht. Die Berichterstattung der an- geschlossenen Organisationen lasse leider noch viel zu wünschen übrig. Hoffentlich tritt darin in Zukunft eine Besserung ein. Es handelt sich insbesondere auch darum. Nachrichten über Vor- gänge in solchen Organisationen zu erhalten, die der Inter- nationale» Transportarbeiter- Federation noch nicht ange- schlössen sind. In der Diskussion erklärt RemiSzeg-Jtallen. daß er im großen Ganzen mit dem Bericht einverstanden sei, nur in bezug auf die Presse habe er einige Wünsche. ES sei vor allem nötig, daS.Korrespondenzblatt" auch in italienischer Sprache erscheinen zu lassen. Die daraus entstehenden höheren Kosten würden teil- weise durch den Verkauf der Blätter von italienischen Kameraden Wieoer aufgebracht. Er glaube auch mit einiger Bestimmtheit schon heute sagen zu können, daß die italienischen Seeleute bis zum nächsten internationalen Kongreß sich der Internationalen Trans« portarbeiter-Federation anschließen werden. Zu bedauern sei, daß die nationalen Organisationen ihre Pflicht nicht in genügender Weise erfüllen, indem sie ihre Berichte nicht rechtzeitig dem inter- nationalen Sekretär zustellen. Dadurch sei dieser nicht in der Lage, seinerseits die angeschlossenen Organisationen rechtzeitig und vollständig zu informieren. ES fei nötig, baß die Leiter der nationalen Organisationen jährlich zweimal ihre Berichte über Stand und Tätigkeit möglichst in statistischer Uebersicht zusenden, um diese so auch den anderen nationalen Organisationen zuganglich zu machen. Andersen- Schweden ist ebensalls mit der Tätigkeit des internationalen Sekretärs einverstanden, desgleichen Müller- Oesterreich. Wenn auch der Bericht noch lange nicht Anspruch auf Vollständigkeit machen kann, so ist doch zu erkennen, daß der gute Wille, das beste zu leisten, vorhanden war. Wenn nicht mehr geleistet worden ist. so liegt das lediglich an den nationalen Organisationen. Dem internationalen Sekretär sind wir jedenfalls Dank schuldig. Der Antrag des Kollegen Remiszea könne aber keine Annahme finden, denn sonst müßte man auch noch weiter gehen und das«Korrespondenzblatt" noch in anderen Sprachen erscheinen lassen. Die Diskussion über den Bericht wurde dann abgebrochen und auf morgen(Mittwoch) vormittag verjagt. Hua Incluktrie und Pandel. Der Arbeitsmarkt in Industriestädten. In einer ganzen Reihe Städte geht der Andrang im laufende» Jahre sogar noch über den vorjährigen Stand hinaus. So ist in fast allen größeren Orlen Schlesiens im Juli d. F. eine Verstärkung des Andranges gegenüber dem vorjährigen zu bemerken: In Breslau stellt er sich auf 114,2 gegen 111,9, in Kattowitz sogar auf 296,4 gegen 62,4, in Liegnitz auf 107,6 gegen 101,6. Auch in der industrie- reichsten Stadt Pommerns, in Sretlin, weist der Andrang eine Zu- nähme auf, er ging von 117,7 auf 125.7 hinauf. In den Orten der Provinzen Brandenburg, Schleswig-Holstein und Sachsen hat der ArbcitSmarkt dagegen eine Erleichterung aufzuweisen: In Nixdorf bciBerlin betrug der Andrang imJuli nur 115,4 gegen 160.1, in Schöne- berg 120 gegen 123, in Kiel 190,5 gegen 302,4, in Flensburg 96.4 gegen 110,8, in Magdeburg 155,4 gegen 182,1. Auch im Königreich Sachsen ist durchweg eine Besserung zu beobachten: in Dresden ging der Andrang von 112,4 auf 100.8 zurück, in Plauen i. V. von 106 auf 64,5 und in Leipzig von 114,7 auf 106,1. Im westdeutschen Jndustricbezirk gibt es wieder eine ganze Anzahl von Städten, in denen der Andrang den des Vorjahres übersteigt. In Bielefeld zum Beispiel ergibt sich ein Andrang von 61 gegen 34,4 im Vor- jähre, in Hagen i. W. ein solcher von 214,2 gegen 212. In Essen ging der Andrang von 86 aus 101, in Elberfeld von 145 auf 154,2, in Rheydt von 101 auf 113, in M.-Gladbach von 90 auf 120 hinauf. Dagegen weist Dortmund eine Erleichterung von 192,1 au? 161,2 auf, in Herford ging der Andrang von 116 auf 99, in Düsseldorf von 156,1 auf 115,7, in Krefeld von 239 aas 162 zurück. Straßburg und Mülhausen weisen eine Erleichterung, Kalmar eine Verschlechte- rung des ArbeitSmarkteS aus. In den wichtigeren Jndustrieorten Bayerns bleibt der Andrang durchweg hinter dem vorjährigen zurück. Nach dem Bericht des„Reichsarbeitsblattes" hat die Lage auf dem ArbcitSmarkte im Juli kaum eine bemerkenswerte Veränderung aufzuweisen, trotz der Wiederaufnahme der Arbeiten im Baugewerbe nach der Aussperrung. Auf dem Ruhrkohlenmarkte war keine Besserung zu verzeichnen; es mußten mehr Feierschichten als im Vormonat eingelegt werden. Im oberschlesischen Kohlcngebiete wird die Lage noch als befriedigend bezeichnet; hier reichten die Arbeits- kräfte im allgemeinen aus, stellenweise mangelten jedoch inländische Arbeiter. Die Metall- und Maschinenindustrie war ausreichend beschäftigt, daS Angebot an Arbeits- kräften deckte fest durchloeg die Nachfrage. Die elektrische Industrie hatte, gleichfalls einen zufriedenstellenden Geschäftsgang zu verzeichnen. Die Baumwollspinnereien klagen über eine ungünstige Geschäftslage, so daß vielfach wöchentlich Feierschichten eingelegt werden mußten. Die chemisch« Industrie war bei normalem Arbeits- angebot gut mit Aufträgen versehen. Nach den Berichten der Krankenkassen ergab sich im Juli für die versicherungspflichtigen Mitglieder eine Zunahme der VeschäftigungS- ziffer um insgesamt 41 574 Mitglieder, die sich auS einer Zunahme der männlichen Mitglieder von 51 456 und einer Abnahme der weiblichen Mitglieder von 9382 zusammensetzt. Im Vorjahre war die Zunahme(-j- 12 163) erheblich geringer; im einzelnen betrug die Zunahme für die männlichen Mitglieder nur 15 636, während die Abnahme bei den weiblichen Mitgliedern geringer wie in diesem Jahre war. Dabei ist jedoch im Auge zu behalten, daß die im Vergleiche zum Vorjahr erhöhte Zunahme m den Monaten Juli und Juni in erster Linie auf das Baugewerbe entfällt. Bei der Gesamtzahl der Arbeitsnachweise, von denen vergleichbare Zahlen vorlagen, kommen im Juli 1910 auf 100 offene Stellen bei männlichen Personen 162 Arbeitsuchende gegen 202 im entsprechenden Monat deS Vorjahres und 165 im Juni 1910. Es ist demnach gegen den Vormonat eine kleine und gegen denselben Monat de« Borjahres eine erhebliche Besierung zu verzeichnen. Bei weiblichen Personen kommen im ganzen auf 100 offene Stellen 93 Gesuche gegen 93 im Juli 1909 und 83 im Vormonat. Im einzelnen hielt auf dem Berliner Arbeitsmarkt die nicht ungünstige Lage des Vormonats an' gegen dieselbe Zeit de» Bor« jahreS war eine wesentliche Verbesserung zu verzeichnen. Sehnlich lautet daS Gesamtergebnis für Schleswig- Holstein und Kiel. In Hessen. Hessen-Nassau und Waldeck war in der Metallindustrie lm allgemeinen eine langsam« Verbesserung des ArbeitSmarkteS zu beobachten. Eine erhebliche Verbesserung gegen das Borjahr wird auch aus Bayern, Württemberg und Baden berichtet; im Vergleich zum Vormonat hielt die verhältnismäßig günstige Lage de» Arbeits« rnarkteS an._ Die Mitteschraube. Der HauS- und Grundbesitzerverein in Velbert hat, wie die.Bauw.' mitteilt, beschlossen, zu Beginn de» neuen Mietjahre» die Mieten um 10 Prozent zu erhöhen. Er be» gründet diesen Beschluß mit der beträchtlichen Steigerung der lln- kosten in den letzten Jahren. Die Hausbesitzer jammern über Be- astung durch Steuem und die Mieter müssen bezahlen. Milchpreise. DaS Statistische Amt der Stadt Frankfurt a. M. hat für eine Reihe größerer Städte die Durchschnittspreise von Milch für März und April 1910 festgestellt, und zwar den Einkaufspreis, den die Milchhändler den Landwirten zahlen, und den Preis, den sie selbst von den Konsumenten verlangen. Bei der wachsenden Bcdruwng der Milch für die großstädtischen Haushaltungen, wo sie immer mehr zum VollsnahrungSmittel wird, sei kurz auf die Ergebnisie dieser Erhebung eingegangen, wobei wir einer auSzugSweisen Wieder- gab« derselben in den„Statistischen Monatsberichten der Stadt Düsieldors" folgen. Die erwähnte Erhebung hat ergeben, daß die Milchhändler in den 26 Städten, die bei der Unifrage berücksichtigt wurden, durch- schnittlich für das Liter 6 Pf. mehr forderten als sie an den Land- wirt zahlten. Am höchsten ist die Spannung zwischen dem Ein- und Verkaufspreise in Düsseldorf und Köln, wo das Liter Milch durch« schnittlich 22 Pf. kostet, bei einem durchschnittlichen Einkaufspreise von l4?/g Pf. für das Liter. Während z. B. den Milchkonsumcnten in Lübeck, Kiel und Hannover dir Nähe viehreicher Marschen in niedrigem Preise der Milch zugute kommt, bleibt für die in Dllsiel- darf und Köln üblichen Verkaufspreise die Nähe der viehreichen niederrheinischen Ebenen ossenbar so gut wie ohne Einfluß. Dentschland» Kohlenproduktion. Im Juli wurden im Deutschen Reiche an Steinkohlen erzeugt 13 031 230 Tonnen(i. B. 13 276 717), an Koks 1 975 127 Tonnen(i. V. 1 795 836), an Braunkohlen 5 666 355 Tonnen(i. B. 5 799 916), an Steinkohlenbrikeits 875 S56 Tonnen(i. V. 346 786) und an Braunkohlenbriketts 1 295 486 Tonnen(«. B. 1820428). Die Steinkohlenprodultion ist demnach etwas zurückgegangen. Frankreich baut in Oesterreich Kanäle. Seit langem schon besteht in Oesterreich die Lbstch». die Wasser» straßen des Landes miteinander zu verbinden. ES sollen Kanäle zwischen der Elbe und der Donau, zwischen der Donau und der Oder sowie der Weichsel gebaut werden. Doch fehlte eS, wie schon immer im Reiche der Habsburger, an dem nötigen Kiemgeld. Jetzt hat sich nun ein Konsortium von französischen und belgischen Banlen gebildet, an dessen Spitze die bekannte Banque de Paris et des BayS-BaS steht, daS mit der österreichischen Regierung Verhandlungen angeknüpft hat, um eine StaatSsubvention für den Bau eines Kanals von der Donau nach der Oder und der Weichsel zu erhalten. Da» Kapital, das dem Konsortium zur Verfügung steht, wird mit 500 Millionen Kronen angegeben. Alle großen Bahnen beö halb»« burgischen Landes sind mit westeuropäischem Gelde gebaut worden, das in erster Linie von dem Pariser Hanse Rothschild gegebe» wurde. Noch heute werden die«ltien der österreichisch-ungarischen EtaatSbahn an den Börsen mit„Franzosen" bezeichnet. Sozialee« Berechtigte Lösung des Arbeitsverhältnisses. Der Inhaber einer Schuhmacherei, Albert Gerbert, hakte der für ihn im eigenen Heim arbeitenden Stepperin H. einen Lohnabzug von 2 M, gemacht, weil sie zwei Dutzend Reiseschuhe nicht ordnungs- mäßig gesteppt hatte. Die Klägerin glaubte, der Lohnabzug sei ihr zu Unrecht gemacht worden, stellte die Arbeit ein und verklagte den Arbeitgeber zur Zahlung der 2 M. und einer Lohnentschädigung für 14 Tage von weiteren 36 M, beim Gewerbegericht. Dieses prüfte unter Vorsitz des Magistratsasscssors Dr. Maguhn die Berechtigung deS EinwandeS der mangelhaften Arbeit und erachtete auf Grund des Ergebnisses der Beweisaufnahme für erwiesen, daß die Arbeit der Klägerin tatsächlich mangelhaft gewesen und bei der Lieferung sofort bemängelt worden ist. Da aber als Arbeitslohn der Klägerin für die fraglichen Schuhe nur 2 M. ausbedungen war und die Schuhe inzwischen vom Beklagten verkauft worden sind, er- achtete das Gewcrbegericht den in voller Höhe des Arbeitslohnes gemachten Abzug als nicht berechtigt, denn die Arbeit der Klägerin müsie doch immerhin etwas wert gewesen sein. ES hielt einen Abzug von 50 Pf. für angemessen. Der Lohnabzug von 2 M. war demnach in Höhe von 1,60 M. unberechtigt und dadurch die Klägerin nach§ 124 Ziffer 4 der Gewerbeordnung berechtigt gewesen, daS Arbeitsverhältnis fristlos aufzulösen. Für den der Klägerin durch die fristlose Lösung des Arbeitsverhältnisses entstandenen Schaden habe der Beklagte aufzukommen. Dem Einwände des Beklagten, die Klägerin habe schon auf die bloße Inaussichtstellung des Lohn- abzuges die Arbeit einige Tage früher eingestellt als der Lohn fällig war, gab das Gericht statt, indem eS den Entschädigungsanspruch der Klägerin für diese Tage abwies. Da aber der Lohnabzug nicht nur in Aussicht gestellt, sondern auch tatsächlich erfolgt ist, wurde der Beklagte zur Zahlung von 23,50 M. verurteilt. Hue der frauenbewegung. Die internationale Franenkonferenz, die am Freitag und Sonnabend dieser Woche in Kopenhagen ab- gehalten wird, dürfte, wie„SvAialdemolraten" mitteilt; iveit stärker beschickt werden, als man ursprünglich erwartete. Ungefähr 130 De- legierte aus den verschiedenen Ländern und Erdteilen werden daran teilnehmen. Auch aus Amerika kommt eine ziemlich starke Delegation, und selbst Ostindien wird auf der Konferenz vertreten sein. Neben der Konferenz, die ja im Folkets Hus, im Volkshause am Jagtvej tagt, wird am Sonnabend im Grundlvigs Hus in der Studiesträde eine öffentliche Versammlung veranstaltet, in der Vertreterinnen der sozialdemokratischen Frauenbewegung aus den verschiedenen Ländern Ansprachen halten._ Bersauimlungen— Veranstaltungen. Zentralverband der Hausangestellten. Donnerstag, den 25. August, abends SVa Uhr, Kaiser- Friedrich- Festsäle, Charlottenburg, Kaiser-Friedrich-Straße 24: Dieiistbotcn-Versainmlung. Vor- trag von Fräul. Ida Baar:„Brauchen Dienstboten eine Fach- auSbildung für ihren Beruf?" Diskussion.— Die Arbeiter- schaft wird ersucht, alle ihr bekannten Dienstboten auf diese Versammlung austnerksam zu machen.— Sonntag, den 28. August: Ausflug nach HemtSdorf-.Forsthaus", Auguste-Viktoria-Str. 18. Abfahrt 3.40 vom Stettiner Borortbahnhof. JJiis aller Melt. Die üdaldbrande in Hnierika. Die heute vorliegenden Nachrichten über die ungeheuren Brände in den nordamerikanischen Wäldern lassen erkennen, daß die Brände an einzelnen Stellen durch die jetzt zahl- reicher zur Verfügung stehenden Hilfsmannschaften l o k a l i- s i e r t sind. Die Stadt T a c o m a, die durch die Flammen schwer bedroht war. scheint gerettet zu sein. da der Wind gestern nachmittag seine Richtung ge- ändert hat. Aus Missoula wird gemeldet, daß die Feuersbrünste im Coeur d'Allane-Gcbtet lokalisiert sind und das; man hofft, in den nächsten 24 Stunden den Brand vollständig zu löschen. Auch dis Stadt S p o k a n e ist dank der heroischen A tt st r e n g u u g e n der Frauen ausser Gefahr. Diese haben die FeuerLbrunst in der Stadt und in der allernächsten Umgebung gelöscht, während die Männer in den Wäldern das weitere Vordringen des Feuers eindännnten. Der starke Wind hat die ganze Umgebung, die früher von einem prächtigen Waldbestande bedeckt war, in ein weithin leuchtendes silbernes Aschenmeer verwandelt. Ueber Spokane hinaus steht das ganze Land noch in hellen Flammen. Trotzdem ist die Situation in den beiden Staaten Montana und Idaho nicht mehr so verzweifelt wie bisher. Sehr be- droht ist noch die Stadt Albarn in Montana; nach dorthin sind gestern SM Soldaten zur Hilfeleistung gesandt worden. Infolge der durch die Brände hervorgerufenen Aufregung der Einwohner und der Flucht derselben lässt sich die Zahl der bei den Bränden ums Leben Gekommenen noch inimer nicht genau feststellen. Man glaubt aber, d a ss weit über 4<)() Personen ihr Leben durch die Flammen verloren von M u r r r a y(Idaho) sind lich verstümmelte Leichen 6M Rettungsmannschaften, die sich nach den einzelnen Brand Herden begeben haben, sind 300 verschwunden. Man glaubt, dass sie im Staate Idaho von einem Feuer ein- geschlossen und sämtlich erstickt oder verbrannt sind.— Die Eiscnbahngesellschaften gehen mit fieberhafter Hast daran, die vom Feuer zerstörten Eisenbahnbrücken wieder aufbauen zu lassen._ Wieder ein Erpresser. In Gießen gingen dieser Tage mehreren Einwohnern von Lauterbach aus verschiedene Briefe zu, in denen ihnen Bomben- attentate angedroht wurden, falls sie nicht zu einer bestimmten Zeit postlagernd Gießen 400 Mark senden würden. Die Leute machten der Polizei Mitteilung. Als der Schreiber der Erpresserbriefe unter der angegebenen Chiffer vom Postamt die ver- langte Summe am Schalter abholen wollte, fand er zwar nicht die gewünschte Geldsumme, wohl aber einige Polizeibeamte vor, die feine Verhaftung bewirkten. Der Erpresser ist der stellenlose Tage« löhner Johannes Slieler. haben. Nördlich allein 56 schreck- gefundcn worden. Von Von Zigeunern entführt. Wie uns ein Telegramm aus Rom meldet, wurden aus einem Dorfe in der Nähe Roms mehrere Kinder, die auf der Straße spielten, durch eine wandernde Zigeunerbande ent« führt. Bald nach dem Raube der Kinder wurde jedoch das Ver- schwinden bemerkt. Eine größere Zahl der Bewohner deS Ortes nahm, mit Gewehren bewaffnet, die Verfolgung der Zigeunerbande auf. Nach Erreichen des von der Bande aufgeschlagenen Lagers kam es zu einem Handgeinenge. in dessen Verlauf zwei Zigeuner erschossen wurden. Kleine Notizen. Gemeinsam in den Tod gegangen ist ein junges Liebespaar, das gestern früh in einem Walde bei 2 o n s ch in Hessen wt aufgefunden lvnrde. Beide hatten Schußwunden im Kopfe. Aus einem zurückgelassenen Briefe geht hervor, daß sie freiwillig aus dem Leben geschieden sind. Lynchjustiz. Bei einem Streite zwischen Arbeitern,_ die in Dorsel an der Ahr am Bahnbau beschäftigt sind, wurde einer der Beteiligten erschossen. Seine Freunde verfolgten den Mörder und du r ch s ch n i t t e n i h nr den Hals. Beim Bau einer Ma'rnbriicke in Aschaffenburg stürzte ein Baugerüst. ein und riß mehrere Arbeiter mit sich in die Tiefe. Einer von ihnen wurde getötet, mehrere erlitten schwere Verletzungen. Erdbeben in Spanien. In Alineria wurde am Dienstag- nachmittag ein leichtes Erdbeben verspürt. Die Bevölkerung flüchtete entsetzt ins Freie. Personen ivurden nicht verletzt, doch sind mehrere Häuser eingestürzt. Ein Dorf in Flammen. Wie ein Telegramm auS Budapest meldet, steht die ungarische Ortschaft S i e l o n c z in Flammen. Das Feuer hat bereits eine solche Ausdehnung genommen, daß wenig Hoffnung besteht, die Ortschaft vor der gänzlichen Vernichtung zu rette«. ßmfkaftcn der Redaktion. Sit fnriftilckt Svtcrfifnmbt Nudel L i» d e n si r a h e Nr. KS, dorn vier Trcvven— a>> r N» Ii l—. wocheniäoli» vou i'h bis T'/s Nvr abeiidS, Sonnabend.' von«>/, bis K Uhr nachmitiags ilatl. Jeder fiir den Brief- kästen bestimmten Antra»« ist-»I Äuchstave und eine ilabi als tvtert- »ciMen bel»»iü»ra. Briefliche SInlivorl wird nicht crkeilt. Eilige kiraaru traue man in der Svrcchstunde vor. K. 2. 1. Das ist ein ScheldungSgrund. Die ZeuzniSverwcigerulig wird in der Regel als Zugeständnis angesehen. 2. Austorderung ist nicht er- forderlich. 3. Die Erlangung eines Armutszeugnisses ist abhängig von de» Einkommens- und VernivgenSverhältnissen.— 21. 3. 31. 1. Die Klage musj von einem bei dem betreffenden Gericht zugelassenen Rechtsanwalt unterschrieben sein. 2. Bei der Armcndirektion.— Becker. An den Mann nur dann, wenn die Frau ihm Unterhalt gewährt hat.— 91. K. 39. 1. Ja. Verjährung liegt»och nicht vor. 2. Vor dem Rixdorser Gewerbegcricht.— Schankkonzessionssteuer.— P. 97. Ja. der Kosten sind Sie verpflichtet, da Sic veranlaht haben, ohne einen Vorbehalt E. L. 123. Bcsragen Sie den Arzt.— Zt. T. 100. Dorimundc'r„Arbcitcr-Zeilmig- und Vreslauer„Volksmacht". — E.<5. Unseres Erachtens nicht.— Alimeiitation 4. 1. und 2. Es ist Sache des Vormundes, bei der Polizeibehörde Ermittelungen nach der Wohnung anzustellen. Ist die Arbeitsstelle des Schuldners bekannt, so kann bei dem zuständigen Amtsgericht die Pjändung des Lohnes beantragt werden. 3. Die„Leipziger Volkszeitung" wird Ihnen aus Anfrage darüber AuStunst erteilen.— W. F. 296. 1. Ja. 2. Das ist Kirchenrecht und im Bürgerlichen Gesetzbuch nicht behandelt.— Nr. 160. G. B. 1. Ver- jührung liegt nicht vor. 2. In der Siegel mit einer Geldstrase, deren Höhe der Richter sestsetzt.— Ernst W. 44. 1. Ja. 2. und 3. Nein. 166 K. Berlin erhebt keine — H. M. 812. Zur Zahlung die Einstellung des Verfahrens wegen der Kosten zu machen.— ZMijMi'MIi.NMkW für den UerlinerReiclistaiswaliftpeis. Landsberger Viertel. (Bezirk 411. T-U II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Friseur 5su! Hannemaim Elbinger Straße 88 gestorben ist. Ehre seinem Nndenken! Die Becrdiguna findet am Donnerstag, den 25. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des Bartholomäus« Kirchhoscs in Wcißensce, Faltenberger Straße, ans statt. 220/10 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezlrksverwaltung Groß-Berlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher Frib: Boleck am 22. August im Alter von 64 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Nndenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. dS. MtS., nachmiitagS 5 Uhr, von der Leichenballe des Bartholomäus- Kirchhofes, Weißcnsce, Falken- bnrger Straße, aus statt. Um zahlreiche Betelligung ersucht 71/S Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schlosser Willi Ebertier am 22. d. MtS. an Herzleiden gestorben ist. 126/2 Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am Donnerktag. den 25. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- hall» deS Gcmeindc-FriedhofcS in Tegel aus statt. 126/11 Rege Beteiligung erwartet Die OrtSverwoltung. des jg. Herl. Reichslags-Walirelses. Tod es- Anzeige. Am 17. August oerstaib durch 'i Unfall unser Mitglied, der Maler Paul Koboldt Rostocker Str. 13. Ehre seinem Nndenken! Die Beerdigung findet morgen ! Freitag, den 26. August, nach- j mittags 51/, Uhr, von der Leichen- ! Halle des Heilands-KirchhofeS in Vlötzensee auS statt. Um rege Beteiligung ersucht zden Vorstund. Nerdand der Water, Lackierer, Aastreicher usw. j Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht daß der Kollege ?snl Koboldt am 17. August gestorben ist.(Unfall.)| Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet aml Frettag, den 26. August, nach-! mittags 5'/, Uhr, von der Halle I des Heilands. Kirchhofes ins Plöpensee aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 122/15 Die Oetsverwaltiing. Deutsciier Holzarbeiter- Verband I Den Mitgliedern zur Nachricht,{ | daß unser Kollege, der Tischler Hobert Lämmeriiardtl ! am 21. August gestorben ist. Ehre seinem Nndenken! Die Beerdigung findet heutcl Donnerstag, den r5. August, nach- 1 mittags 41/, Uhr, von der Halle! deS Thomas« Kirchhofes in'Rix- dors auS stait. Um rege Beteiligung ersucht 83/15 Die Ortsverwaltung.\ Für die bewiesene herzliche Teil- vahme bei der Beerdigung meines lieben Manne» und guten Vaters lagen aus diesem Wege ihre» herz. Achen Dank 513b krau Tbeuer und Kinder. Zentralverband der Deutschlands Fl Haie Berlin. T-dcSanzeige. Am Dienstag, den 23. August, verstarb der Kollege /Uex Saturn (Bezirk Schöneberg) im Alter von 43 Jahren an der Lungenschwindsucht. Ehre keinem Andenke« k Die Beerdigung findet am Freitag, den 26. August, nachmittags 5 Uhr, von der Leichen. halle de» St. Matthäus- Kirch- hoses in Marienhöhe bei Südende auS statt. 193/8 _ Der Vorstand. Turnverein„Fichte"! (Mitglied des A.-T.-B.). Nachruf. Am 16. August verunglückte der! Jugendturner Prltz Gerischer bei der Arbeil tödlich und fand! die Beerdigung am 22. August! aus dem Städtischen Friedhose in I der Müllerstraße statt. Ehre seinem Andenken! 289/5 Der Vorstand. I Bureau: Engelufer 16, lük. �weixverein Berlin. Telephon: Amt IV, 40SS Todes-Anzciec. Am 23. August verschied unser i Mitarbeiter, der Buchbinder Karl Albrecht im Mter von 31 Jahren. Ehre seinem Andenken; Die Beerdigung findet Freitag, den 26. d.M., nachmittags 5>f, Uhr, von der Leichenhalle deS sankt f Georgcn-Kirchhoscs in der Lands- berger Allee aus statt. 520b! DasPersonal der Bucbdrockerei| H. S. Herrmana. Sonnabend, den 27. Augnst, in K l i e m s Festsnlen, Hasenheide 13— IS: IS. StijiuilPjeÄ de Zweipereins bestehend aus Konzert, Chcater« und Spozlalitätenvorftollung unter freundlicher Mitwirkung deS vezemsverclns Berliner Elaurcr. In drei Sälen:©lüfjCt* Ball. Eröffnung 8 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Die KalTecIciiclie steht den geehrten Damen von 3 Uhr ab zur Verfügung. DWJ- Bei ungünstiger Witterung ist für 15<-0 Sitzplätze unter Zelten gesorgt."«Ml Hierzu ladet freundlich ein Das Komitee. BillcttS zum Preise von 50 Pf. für Herren inkl. Tanz und 25 Pf. für Damen sind bei alle» Obleuten und Hauöknssicrern sowie im BerbandSburcau, Engelufcr 15 lll, Zimmer 53, zu haben. DaS Burca» des ZwcigvcreinS ist am Sonnabend, den 27. August, dem Tage des StistungSfesieS, von 1 Uhr mittags an, geschlossen._ 138/13_ Der ZweigvcreinSvorstaud. ZklitrelnttlWd der Meschliiijit«»> Hehn ftiliic Kmiftpnsscn DtilWlinds Vcrwaltangsstolle GroO-Berlla. Sonnabend, den 37. August 1910, abends 8 Uhr: Uersammlung in den„Armlnknllen", Kommandantenstraße 58—59. Tages. Ordnung: 1. Vortrag de» Genossen BrUclmcr über:»Die ReichL- verstcherungsordnung-'. 2. Verschiedenes. SW Das Erscheinen aller Kollegen ist notwendig. 145/16 I. 81.: II. t-tclm lttaa. Soeben erschienen: WM Von Knrl Legien. Zweite, umgearbeitete Auflage. Preis 2ö Pf. EzpMiou des„Uswörts" Berlin«IV.. Lindenftr. SS (Laden).• Dr.Schünemann Spezlalarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 3312' Friedrichstr. ii03. Ecke schützeustr. Wochentags 16— S, S— 7. Berliner i 8 IR-Trlo. Felix Scheuer U Stralsunderstr 1 NiSIt's Fest-Säle Dennewstzstraße 13. Jeden Donnerstag. Sonnabend und Sonntag: 4432* Qroßer Sali. C. Älßle. ZentraiverbandderHausangsstellten Donnerstag, den 85. August, abends 81;, Uhr, in den Kaiser-Friedrich-Festsälen, Charloitenhurg, Kaiser-Friedrich-Str. 24: Greße Dienjiliotti-Nttsliiimlmig. Thema:„Brnneleen Dienstboten oluo Facbaasblldang für Ihren BernfJ" Referentin: Frl. Ida Baar. Danach freie Aussprache,-Wg 289/6 Arbeiter-WanderM ■*„Dia Naturtede", Wanderfahrten am Sonntag, den 28. August 1910. 1. Flnkeiitruz« Vehlefanz. Abfahrt Lehrter Fernbahnh. 6" Uhr vorm, 2. Botanischer Garten(Dahlem). Treffpiüttt: Bahnh. Steglitz>/,2 Uhr nachm. Gäste willkommen. 2/10 MW Aussührliche Programme bei Heys», Bohenstr. IS, zu haben. Wegen Aufgabe unserer VerkausSräume, Roßstraße 2 Aii!»lll!offk, Winter- Pnleiststsffe, Dnnlentnche spottbillig, unter Preis. 2782 !lljebS8eckiiiI.liM!IMllü,b,g. Roststraße». Vör-Slvss-Ilüt! Fertige Herrenanzug oder Paletot von 20M. an, feinste Zutaten, auf Roßhaar, zwei Anproben, für guten Sitz betain gold. Medaille. Bitte zum Maßnehmen um Ihren Besuch, da leine Vertretung. Ei» Versuch führt z dauernd.Kundschast. l-rrdrvlK Bngcl, Prenzlauer Str. 23, II, Alexauderplatz. Gegr. 1892. Siehe auch Adreßbuch I. Teck, 1910, Seite 552, unter E. 95/6 Tuciiresle HoHen spottbillig l Neueste Muster! olastoffe Rissenauswahl aller Qualitäten l I Wolle- Oaefpl Moqaett»* Plüsch- r�blvi satfeUaschen Zimmer- und Treppen- LäuferstolTe Kocos, Uaargarn, Velour etc. Mustn flSK1;(ranke. Teppich-SjrczjaniaDs Emil Lefevre Berlin, OraDienstr.iiS Theater und Vergnügungen Donnerstag, 25. August. Ansang TU Uhr. Neue» tonigf. cnern-Theater. Der Gras von Monte Der Waffenschmied. Lönigl. Schauspielhaus. Widerspenstigen Zähmung. Ansang b Uhr. Deutsche». Simson und Delila. k a m m e r s p i e I e. LiebeSwalzer. Lcssinß. Die versunlene Glocke. Berliner. Taisun. Komische Oper. Zigeunerliebe. Kleines. LuxuSzug. Neues. Kasernenlust. Residenz. Im Taubenschlag. Neues SchauiPielUaus RaffleZ. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller o. erniinci. ioeatet.) Die Fäister-Christl. ©rti u.- Charlottenburg. Zapfen« streich. Berliner Bolksopcr. Mt-Heidel- bcrg. sAnsang 8>/, Uhr.) Luisen. Der G Christo. Hebbel. Wem gehört Helene? Der Nüst aus der Redoute.(An» sang B'l, Uhr.) Neues Oneretten. Der Gras von Luxemburg. Lustspiclhaus. Da» Leutnants» mündcl. Herrnfeld. Die Welt geht unter. Wenn zwei dasselbe tun. Moie. Ein seltsamer Fall. Trinno». Pariser Witwen. FolieS Caprice. Die böse 1Z.— Die keusche Toinette.(Ansang S-/« Uhr.) Voigt. Lebenswillen. Puhlmann. Am Rande deS Ab- grunds.(Ansang'/,S Uhr.) Metrovol. Halloh!I— Die große Revue. Slpabo. Spezialitäten. Bagage. Spezialitäten. Reichöbnllen. Steiiiner Sänger. Walhalla. Svezialilälen Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Prater. SchätzenliS'l. Schweizer-Garte«. Spezialitäten. Elternlos. Max Klirm. Spezialitäten. Volts garten. Der Zigeunerbaron. Urania. Ta»ve»>ir»ffe Abends 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Stein»' nrrr, eZuvalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr: Die versunkene Glocke. Freitag 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend 3 Uhr: Der Biberpelz. Sommrrpreise: Park. 5, 4u. 3 M. tc. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Morgen: TaHan._ Neues Theater. Täglich s Kasernenluft. Ansang 8 Uhr. Berliner Volksoper. Heute'/zö Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Sllt-Heidelberg. Tdeater des Westens. Ansang 8 Uhr. Dir Kcnctalcdcne Frau. _ Operelte von Leo Fall._ HioaeN Opt>rFtt<»n.Th<-ater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Operette in 3 Att. von A. M. Willner u. R.BodanSky. Musik v. Franz Lehär. kesiden�-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwank in 3 Akten von Hennequtn und Veber. Morgen und folgende Tage dieselbe Vorstellung. Sommer-Preise. Luisen-Theater. Letzte Woche! Donnerstag 8 Udr: Schauspiel in 7 Abtell. nach A. DumaS. Freitag: Auf der Goldwage. Sonntag 3 Uhr: Der Graf von Monte Christo. Abends 8 Uhr: Der stille See._ OSE=THEATE Droste Franliurter Str. 132. täglich Ansang 8 Uhr: _ Ein seltsamer Fall. Aus der Gartenbühne: Theater» Vorstellung, Spezialitäten.(Neues Programm.) Ansang 4'/, Uhr. Cssino-Theater Lothringer Straffe 37. Täglich 8 Uhr. Wieder-Gröfsnuiig 10. Saison. Solluabend.dtll 27. Anguß: Der schneidige Rudolf. Rudols Pimvelmann: Dir. H. Berg. Kerliuer Prater-Theater Kasianienalleo 7—3. Täglich: Schuheulis'l. . Umert Ulli! M. Uhr. Entree 30 Bs. 6r. Kinderfreudenfest. Spezialitäten. Ansang l'i, 8. Sept.: Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr; Von derZugspttze zum Watzmann. OGISCHER GARTEN Täglich: Grones Militär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark. von abends G Uhr ab 50 Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hülste. Täglich 6—11 Uhr: Riesen-Kinenialograpii. Passage-Fanoptikimi. Bodühas dunkles Geheimnis.! Der Mann mit dem! eisernen Schlund! Vouht"7 Vitascop- Theater| AWSnoptieum Experiment aus der 4. Dimension Alles ohne Extra-Entree! r Passage-Tiieater. Anfang 8 Uhr. Ein einziger Erfolg t In eine» s 4 !In mime espagnole ZoraTta ß und das großartige Augustr Programm. v« k Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Trianon-Theater. Heute u. folgende Tage(Ans. 8 Uhr) Pariser Witwen. Helropol-Tiiöllter HaUoü! Die grolSe Revue! In 8 Bildern von JuL Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Bich. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet Letzte Woche des unübertroffenen komischen Angn.t• Programm.. Das EroiöDis-Propiii Dorothy Toye die stimmphänomenale amerik. Sängerin. Mizzi Wtrth, bestbok. Operettenstar. Paul Cinquevalli, Meistor- Jongleur. The cagle and the girl, mystischer Illnsionsakt. Paulton u. Ooley, kom. Radfahrer. Morris o. Leona, amerik. Tänzer-' paar. Rajah, aegyptische Tänzerin. Bort Levy, Zeichner eigen. Genres. Colllns u. Hart, Exzentr.-Parodist. Archiv L. Goodale, Evolutionen im Riesenreifon. The 12 Sunshlne glrls, englisches Gesangs- und Tanz-Ensemble. Biograph. Reietishailen-Tliealer. Von nun wird, täglich: LisiKsnvi» Sängvi» Ansang wochentags « Uhr Sonntags 7 Uhr. Leruntwortlicher Redakteur: Svlilller-Thsaler 0.(Wallner-Theat.) Sottseholck-Oper. Donnerstag, abends 8 Uhr: Bio Föi-stßP-Chfistl. Operette in 3 Alien v. Georg Jarno. Ende 10-/, Uhr. Freitag, abends 8Uhr: Der Trompeter von Säckingen. Sonnabend, nachm. 3 Uhr, bei ermäffigien Preisen: Unfllne. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bor FOrstcr-Chrl.tl. Theater. Schiller-Theater CharioKenburg. Donnerstag, abends 8 Uhr: Zap fcnstpeicli. Drama in 4 Auszügen von Franz Adam Beyerlein. End- 10-/, Uhr. Freitag. abendSVUHr: Gioltlenv Bov�va. Sonnabend, abends 8 Uhr: Bre.tQi's Billioava. lZi'.Dei'iMi' kuüZto�leüiiüg 1910 30. Zlpril bis S. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr l M.. 0. 6 Uhr ab 50 Ps., SonntagS 50 Ps. Dauert. 6 M. Karl Haverland- Ansang Theater präz. 7-/,U. 77/79 Kommandantenftraffe 77/79. Das wunderschöne Die BltgUcdsImrten müssen noch heato ans den Zahlstellen abgeholt werden, da dieselben sonst an neue iüitlgileder aasgegeben werden. Kciic BitgUeder küuacn sich in allen Zahlstellen anmelden. 13röffsmiag;sYoristelIimgen Thalia-Thealer Galswortv: 4. September: Kampf. Abt. 9/10(Gruppe 40— 43) Lesslug-Theater Bahr: 4. September: Das Konzert. Abt. 3(Gruppe 9—13) ]tes Schauspielhaus Bjömson: 4. September: Uelior unsere Kraft. Abt. 1(Gruppe 1— 4) Besidenz-Tiieater Gavauld: 4. September: Die 300 Tage. Abt. 8/9(Gruppe 35—38) Berrnfeld-Tiieater ÄbeodabteilUDgen im Keuen Schauspielhaus 6., 12, 19., 28. September Raffies. Sonntag, 18. September: v. Scbönthon-Kadelburg: Der Herr Senator. Abt. 11/12(Gruppe 49— 51) Eilravorsteilung im Lessing-Tlieater Sonntag, 20. November: 3., 10., 17., 24. Oktober Molibre: Tartüff, 31. Oktob., 7., 14., 21. November Ueber unsere Kraft. Winkler. Wff" Scliloll Welssensee. Großes TInrschall-Konzert. Heute Donnerstag:£Iltctag. Internationale Ringkampf-Konkorrenz ES ringen: Manfredo, Italien, geg. Bayern, gegen ivladrailli, Armenien. Frachet, S Michailoff� Saarer. Ruffländ, gegen Bellingroth, Hamburg. Rolanb, Deutschland, geg. Reckling. Hamburg. iiiiglämpsen: Theater- und SpezlalitSten-B»rftellung. Im Bai cbarnpotre: Grand EUte-Ball. Anfang der Vorstellung 7'/, Uhr, der Ringkämpfe 9-/, Uhr. Auto-Fre>< Vor den Ringlämpsen: Theater- mib fahrt vom Alexanderplatz(Tietz) 8-/, Morgen Fortsetzung. killtfittspl-ek 59 Pf. Ronnahend, den S7. Aagnst: W Elitetag."UW Tausend und eine Nacht. Feenhafte Parkbeleuchtung durch 16 Schiffsscheinwerter, Magische Beleuchtung. O- Aladins Wunderlampe. Dirigentengastspiel von Viktor Holländer mit dem Translateur-Orcbestcr. Sensationelle Attraktionen. 4 Kapellen, Koufetlisclilaeiil, Luftschlaugeu.! V olksgarten- Theater früher Welmann. Badstr. 8, Bebm» u. Bellermann straffe. Täglich: Xenzort-, Theater- und Zpezialitäten-Veret. DaZ neue Riesen» Augustprogr. Neu: Der Zigeuner» baron. od.: Die Jagd n.d. Schwieger- söhn. Posse m. Ges. u. Tanz in 5 Bild. Jed. Donnerst.: Gr. Brillani-Feuerw. 'Spree-Garten1 Treptow. (GegenQbor der Sternwarte.) Beate Donnerstag: Elitetag. Crols iitir-lfoDzeil. | Kapell© d. Kadetten-Korps, i ! Kgl ObermusikmeistorNajock j Uonster-Gala- I�Feuerwerk�j Brillanl-HShen-Wasser- und Fronten-Feuerwerk. 1 Neues SchluBtabl. Neue Pieeen. Pyroteohniker Adolf Book. Anfang 7 Uhr. Entree 25 Pf. Kinder unter 10 Jahren frei. Im Riosonsaal: Honte: GroOer Ball. Voigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Donnerstag. 25. August,'/ß Uhr: Lebenswellen. Gr. Lebenzbild mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von H. Silken. DaS groffe Angustprogramm. Kasteneroffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. MS« Königstadt-Kasino. Holzmarkistr. 72, Ecke Zlleranderstraffe. Inhaber:«az 5chiaderhauer. Im herrlichen Naturgarten(bei uu- günstiger Witterung im Theatersaat). bes Fleurs. Hand. u. Kopsequilibrilt. Kle? des Teufeis Wülfel. Tbe Wllluhus, Champion-Mal-Akt. MitstvochS: ITreitiinss. Ansang wochentags 71/, Uhr. „ Sonntags 5 Alt-Hoablt 47/er Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und ZW M. Geldstrafe eventuell noch(30 Tage Zuchthaus._ Jugendliche Taugenichtse. Der 18jährige Mechanikerlehrling Erich Neubauer hatte sich unter der Anklage der Begünstigung und der Hehlerei zu verant- Worten. Wegen Hehlerei war ferner die Frau Halene Kalweit mitangeklagt.— Es handelte sich um jenen recht vaffiniert ausge- führten Juwelendiebstahl, welcher vor wenigen Wochen in der Oeffentlichkeit dadurch grostes Aufsehen erregt hatte, datz der eigentliche Täter der eigene Sohn eines hochangesshenen und begüterten R e n t i e rs V. war. Dieser 18jährige junge Mensch war schon von der Schule her mit dem jetzigen Angeklagten Neu- bauer eng befreundet. An Stelle der harmlosen dummen Streiche, wie sie in der„guten alten Zeit" bei der Jugend ohne Tugend üb- lich waren, traten bei den beiden jungen Leuten gewisse Gewohn- heiten, die sonst nur bei Lebemännern zu finden sind. Die beiden Achtzehnjährigen waren nämlich Abend für Abend in dem Foyer des Metropoltheaters zu finden, wo sie in Begleitung von Halb- Weltdämchen an dem Sektbüfett Stammgäste waren. Da Neubauer als Mechrnikerlehrling schon am anderen Morgen in aller Frühe wieder an seinem Schraubstock in einer hiesigen Telephonfabrik stehen mutzte, so war es kein Wunder, datz er allmählich auf den Gedanken kam. diese lästige Beschäftigung gänzlich abzuschütteln. Da ihm autzer verschiedenen von„Muttern" heimlich zugesteckten Markstücken von seinem Vater, einem in beschränkten Verhältnissen lebenden pensionierten Magistratssekretär, keinerlei Mittel zu jenen vornehmen Passionen zur Verfügung standen, so kam ihm eine Er- Zählung seines Freundes, datz sein Vater kostbare Juwelen in seinem Geldschrank aufbewahrte, sehr gelegen. Wie der junge V. behauptet, habe ihn N. dazu angestiftet, sich den Schlüssel zu dem Geldschrank zu beschaffen und sich die Schmucksachen anzueignen. Da die Eltern des V. sich in einem Badeorte befanden und nur eine Verwandte die Wohnung beaufsichtigte, gelang der Plan. Der junge Mensch entnahm dem Geldschrank seiner Mutter gehörige Brillantschmucksachen im Werte von zirka 12 000 Mark. Ein Ring mit einem brasilianischen Brillanten wurde von dem Vater des Neubauer versetzt, dein die beiden Taugenichtse vorgeredet hatten, daß V. den Ring geschenkt erhalten habe. Von diesem Zeitpunkt ab spielten die beiden jugendlichen Lebemänner die reichen Kavaliere. Mit einer von V. gemieteten Equipage fuhren beide vor dem Metropoltheater vor. wo sie zarte Beziehungen zu einer„Mio" und„Hanni" und autzerde,» noch zu der dort am Sektbüfett beschäf- tigten Angeklagten Kalweit angeknüpft hatten. Die K. versetzte u. a. auch ein Paar wertvolle Brillmitohrringe, für die sie 900 M. erhielt. Nach Abzug eines„Schmuhgroschens" von 100 M. lieferte sie den Rest ab, ohne jedoch den Pfandschein sehen zu lassen. Mit dem Gelde fuhren beide, nachdem sie noch von mehreren nachträg- lich gestohlenen Sparkassenbüchern 950 M. abgehoben hatten, nach Hamburg und London und von dort nach Bern. Von hier aus rich- tete V. einen demütigen Brief an seinen Vater, der wie aus allen Himmeln gerissen war. Das leichtsinnige Bürschchen wurde schließ- lich in Hamburg festgenommen. Da der Vater den Strafantrag gegen ihn zurückzog, wurde das Verfahren gegen ihn eingestellt. Bald darauf wurde auch Neubauer in Berlin verhaftet.— In der gestrigen Verhandlung ging der Vorsitzende mit den nunmehr in ge- teilten Rollen auftretenden jugendlichen Sündern scharf ins Ge- richt, so datz N. ein umfassendes Geständnis ablegte. Er bestritt jedoch, datz er den V. zu dem Diebstahl angestiftet habe.— Der Amtsanwalt beantragte gegen Neubauer3 Wochen und gegen die Kalweit 1 Woche Gefängnis. Das Urteil gegen Neu- bauer lautete jedoch auf. 1 Jahr und 6 Monate Gefäng- n i s. Die Kalweit wurde dem Antrag des Staatsanwalts ye- mäh wegen Hehlerei zu einer Woche Gefängnis verurteilt. «mtltcher Marktbericht der städtischen Marttballen-Dtrektlon stder den Grohbandel in den Hentral.Mnrktballen. Marktlage: Fleisch: Zufuhr ichwach, Seschält still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr ge- nügend, Geschäst nicht lebhasl genug, Preise wenig oerändert. G c j l ü g e l: Zufuhr reichlich, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert. Fische» Zustihr etwas reichlicher,(«eichäit ziemlich rege, Preise wenig verändert. «ulter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse. Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, in Birnen und Bananen über Bedarf, Geschäst sehr still, Preise meist nachgebend. Witterungsüberstcht vom 24. August 1910, morgen» 8 Uhr. etattonen 1-2 a 5 I8RH -Z grotnembe. 761 W Eamdurg 762 WS? erlin 1762 33 Franki.a M. 762 NW München j764SW Wien! 763 NW Setter 2 heiter 2 heiter 1 heiter 1 halbbd 2halbbd. 1 wölken! vi« »!> k? W io Stationen 5-- U CR »•c Havaranda 7S9N Petersburg 755 NW Sctllh 759 WNW Äderveeu Part» 759 OSO 760 S Wetter »S B« ü *k 2 wolkenl 2 wölke, tl »heiter 3 wolkig 3 Regen 6 9 13 12 14 Wetterprognose für Donnerstag, den SS. August 1910. Vielfach wolkig, am Tage etwas wärmer, vereinzelte Regenschauer; Südwcstwtnde. Berliner W e t terb ur ea»». WafferstandS-Nachrtchte» der LandeSanstalt sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Bertiner Welterbureau. Lasserstand M- m e l. Tilstt P r e g e l, Jnsterbmg Weichsel, Thorn Oder, Ratlbor , Krassen , Frausturt Warthe, Schrimm . LandSberg Netze, Vordamm S l b e, Leittncntz , Dresden , Bardo , Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Svandau') , Rathenow') Spree, Svremberg') , Beeskow Weser, Münden , Minden Rhein, MaftinMimSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbrona Main, Wertheiw Mosel, Trier ')■+• bedeutet Wuch»,— Fall.•) Unierpegel. am 23. 8. cm 88 78 66 106 156 —69 18 528 312 314 105 147 fest 22.8. ein1) — 4 +4 — 1 _ 2 +5 — 1 0 +8 —7 —9 +28 +8 GEGRÜNDET 1867 Der Raumimgs- Verkauf dauert nur bis S.September Saison-Räumungs V erKauf zu ganz aussergewoimlich billigen Preisen' Verkauf nur Jemsalemer Strasse 38-39 Um mit den Vorräten der diesjährigen Sommer-Saison zu räumen, haben wir grosse Bestände von Schuhwaren aus unsern sämtlichen Geschäften herausgezogen und stellen diese grossen Vorräte in unserm Hauptgeschäft, Jerusalemer Strasse 38-39, zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen zum Ausverkauf. 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