?r. 201, RfeonneffltntS'Bedlngungen: BJormunrntS. PrriS pränumerando i vierleljährl. ZL0 Mk., monatl. 1,10 SDll. wöchentlich 28 Pfg. frei WZ Haus. Einzelne Nummer K Pfg. EonntagZ. nummcr mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt" lv Pfm Post. «bonnemcnt: 1,l0 Mark pro Monat. Eingetragen w die Post-ZeitungZ» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. PostabonnemeMS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, , Schweden und die Schweiz. Crlchdnt vigli» wBcr[Qontiai. Verlinev Volksblatt. S7. Jahrg. Me snlettlonz-kebah? beträgt für die sechsgespaltene Kolons!« geile oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Vereins« und BersammIungZ.Anzcigen M Pfg. „KUlnc Hnzetgen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf. slellcn-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort k Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächst- Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geWiet. Telegramm-Adressei „SszUliinwMt BtrliD* Zcntratorgan der Ibzialdcmohrati fchen parte! Deutfchlands. Redaktion! 8M. 68, Llndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt TV, Nr. 1983. Sonntag, den 28. Angnst 1910* Expedition: SM. 68, Lindenetraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Internationale. Kopenhagen. Mit emster Entschlossenheit hat daS dor drei Jahren in Stuttgart abgehaltene Weltparlament der internationalen sozialistischen Arbeiterschaft dem kämpfenden Proletariat aller Länder die Richtung seines weiteren Vormarsches gewiesen. Bestimmter und kräftiger noch, als die früheren internationalen Parteitage, hat dieser zum erstenmal auf deutschem Boden tagende Arbeiter-Weltkongreß ausgesprochen, daß für das, was heute den eigentlichen Inhalt aller bürgerlichen Politik der kapitalistischen Staaten bildet: für die imperialistische Eroberungspolitik, die profitlüsterne Kolonialerwerbssucht. den zum Krieg hetzenden nationalen Rassenhaß, kein Raum ist in der Gedankenwelt der klassenbewußten Arbeiterschaft. Der heute in Kopenhagen, dem„nordischen Paris", zusammentretende internationale Sozialistenkongreß, der dreizehnte seit der Gründung der Jntemationalen Arbeiterassoziation, ist bemfen, dieses Ver- mächtnis des Stuttgarter Kongresses zu bestätigen, verschiedene dort unerledigt gebliebene Fragen zur Diskussion zu stellen und das Band des gleichen Denkens und Strebens zu festigen, das trotz aller Rassen-, Sprachen- und Nationalunterschiede das sozialistische Proletariat der verschiedenen Länder um- schlingt. Die Kriegshetze, die vor drei Jahren, als der Stuttgarter Kongreß zusammentrat, durch die kapitalistische Presse tobte, hat sich seitdem noch gesteigert. Besonders in Deutschland und England Hetzen gewisse imperialistische großindustrielle und finanzielle Kreise das Volk mit perfidem Raffinement gegen einander in der Gewißheit, daß der Ausbruch eines volksmörderischen Krieges ihnen mannigfache Gelegenheit zur Befriedigung ihrer Profitsucht bieten werde, und daß es ja nicht ihr Blut ist, sondem das der von ihnen verachteten unteren Volksklassen, das die Schlachtfelder röten wird. Ein wildes Flotten-Wettrüsten hat auf beiden Seiten begonnen, Drcadnoughts auf Dreadnoughts werden gebaut; und diese Rüstungen verschlingen enorme Summen, die weit nützlicher für kulturelle Zwecke, besonders für die Lösung sozialpolitischer Aufgaben verwendet werden könnten. Und leider hat in England der Appell an das sogenannte National- bewußtsein auch teilweise in den Kreisen sozialistischer Politiker jingoistische Instinkte geweckt. Demgegenüber ist es die Pflicht des internationalen Proletariats, alle Versuche, den nationalen Paroxismus der Kapitalistenschichten auch in die proletarischen Reihen zu tragen, energisch zurückzuweisen und den skrupellosen Verhetzungen die Erkenntnis gegenüber- zustellen, daß das Proletariat jedes Staates weit größere Gegensätze von den herrschenden Klassen der eigenen Ratio- nalität trennen, als von den unter gleichartigen Lebens- bedingungcn existierenden Klassengenossen jenseits der Grenzen, mögen diese auch eine ganz andere Sprache sprechen. Will die internationale Arbeiterschaft im Kampf für eine neue sozialistische Welt ihr Ziel erreichen, dann muß. sie sich, ohne Rücksicht auf Rassen- und Nationalitätsunterschiede, zu gemeinsamem Streben und Handeln zusammenfinden, dann müssen sich die vielen variierenden nationalen Eigenwillen zu einem einheitlich gerichteten, weltumspannenden Gesamtwillen bereinigen, denn die hohen Menschheitsideale des Sozialismus lassen sich, nicht in einem einzelnen Staat verwirklichen, wenn die ganze umgebende Welt in den Fesseln des Kapitalismus hängen bleibt. Gerade in den letzten Jahren hat sich aufs neue gezeigt, wie sehr die Geschicke der Arbeiter aller Länder international ineinander verschlungen sind. Wie die imperialistische Expan- sionspolitik von dem einen Staat auf den andern übergreift, wie die sozialpolitische Rückständigkeit des einen Landes immer wieder derKaPitalistenklassc anderer Länder den Vorwand liefert, im eigenen Staatsgebiet den Ausbau der Arbeiterschutzgesetz- gebung zu hintertreiben, so stützen sich auch die reaktionären Gewalten in den verschiedenen Ländern aufeinander und garantieren sich gegenseitig ihre Macht. Der Absolutismus in Rußland findet sichere Unterstützung bei dem preußischen Junkerregiment, und dieses Junkerregimcnt wieder hat einen Rückhalt an der russischen Bureaukratendespotie. Der Zu- sammenbruch des Despotismus in Rußland würde zugleich Mittel- und Westeuropa von einem drückenden Alp befreien. Und das gegenseitige Flottenrüsten in Deutschland und England hindert nicht nur das letztere, die dringendsten sozialpolitischen Forderungen zu erfüllen, sondern führt auch im Deutschen Reich zur Lähmung der Sozialreform und zu fortwährenden neuen Steuerbelastungen der ärmeren Volks- schichten. ' Deshalb halten wir auch die Resolution der Sozialistischen Partei Frankreichs, die die Errichtung internationaler Schieds- gerichte zur Schlichtung der Streitigkeiten zwischen ver- schieden«» Staaten und die allgemeine Abrüstung fordert, für den wichtigsten Gegenstand der Tagesordnung des Kopen- Hagener Kongresses. Schon bisher hat zwar die Arbeiter- Internationale in Parlament und Presse das stetige Weit- rüsten und den volksfeindlichen Militarismus energisch bekämpft; aber die von bestimmten Schichten der Großbourgeoisie und des Militäradels betriebene Ver- hetzung der Völker erfordert verdoppelte und verdreifachte Gegenanstrengungen. Vor allem muß die Frage der Abrüstung in der sozialistischen Presse gründlich diskutiert und den Militärvermehrungsforderungen der Regierungen in den Parlamenten nachdrücklich die Forderung einer schleunigen und umfassenden Abrüstung entgegengestellt werden. In dieser Bekundung internationaler Solidarität sehen wir die wichtigsten Aufgaben des Kopenhagener Weltparlaments, doch findet sich dieses noch vor eine Reihe anderer bedeutungs- voller Fragen gestellt. Darunter vor allem die Frage: Wie stellt sich die politisch organisierte sozialistische Arbeiterschaft zur Genossenschaftsbewegung? Eine Frage, der das Internationale sozialistische Bureau folgenden Wortlaut gegeben hat:„Sollen die Genossenschaften neutral und unabhängig von den politischen Organisationen sein; sollen sie sich diesen durch ein persönliches Band oder sollen sie sich der Partei direkt anschließen?" Eine Antwort, die alle Einzelheiten der gegenseitigen Be- Ziehungen zwischen der Partei und der Gcnosscnschaftsbewcgung regelt, wird hierauf vom Kopenhagener Kongreß kaum ge- funden werden können, denn nicht nur hat in den einzelnen Ländern die Genossenschaftsbewegung, je nach den besonderen historischen Entwickelungsbedingungen, verschiedene Richtungen eingeschlagen, sondern es ist auch die Genossenschafts- und Vereinsgesetzgebung der Staaten so verschiedenartig, daß das, was in dem einen Lande gestattet, im anderen gesetzlich ver- boten ist. Welcher Unterschied besteht zum Beispiel nicht zwischen dem deutschen und dem belgischen Gcnossenschafts- Wesen. Konnte doch in Belgien die sozialistische Tagcspresse nur mit Unterstützung der Genossenschaften gegründet werden, und vermag sie doch selbst heute nur mit deren Hilfe zu existieren. Der Kopenhagcner Parteitag kann deshalb nur allgemeine Richtungspunkte für die Beziehungen zwischen den sozialistischen Parteien und den Genossenschaften fest- setzen; die eigentliche Regelung muß den einzelnen Landespartcien selbst vorbehalten bleiben. Die deutsche Sozialdemokratie hat bekanntlich damit bereits den Anfang gemacht, indeni sie auf die Tagesordnung des Magdeburger Parteitages die Erörterung der„Genossen- schaftsfrage" setzte und zum Referenten den Genossen H. Fleißner bestellte. Von nicht geringerer Bedeutung sind einige andere auf der Tagesordnung des Kopenhagener Kongresses stehende Fragen. Zum Beispiel die Frage, wie am besten der Arbeitslosigkeit entgegengewirkt werden kann und welche Mittel die geeignetsten zu ihrer Linderung sind: gewerkschaftliche Unterstützungskassen, kommunale und staatliche Arbeitslosenversicherungen, Er- richtung öffentlicher Arbeitsnachweise usw. ' Ferner wird sich der Kopenhagener Kongreß mit den Ergebnissen der Arbeitergesetzgcbung in den verschiedenen Staaten beschäftigen. Und außerdem wird voraussichtlich der von einem Teil der nordamerikanischen Genossen geforderte Ausschluß der„Asiaten", d. h. der Japaner und Chinesen, von der Einwanderung in das Gebiet der Vereinigten Staaten, sowie der Versuch der Tschechen, die gewerkschaftlichen Organi- sationen Oesterreichs national zu spalten und die tschechischen Arbeiter in besonderen nationalen Gewerkschaften zu organi- sieren, zu längeren Auseinandersetzungen führen. An Arbeit mangelt es demnach dem Kopenhagener Arbeiterparlament nicht, und auch an Mcinungsverschieden- Helten wird es trotz des gleichen Strebens nach demselben Ziel nicht fehlen, denn die Wahl der Kampfmittel ist in weitem Maße abhängig von dem Charakter der einzelnen Staaten, von ihrem Entwickelungsgang und der Schärfe der Klassengegensätze. Nicht überall zwingt die rohe Brutaliät herrschender Kasten die Arbeiterklasse in gleichem Maße zur politischen Klarheit und zur Taktik des Klassenkampfes wie in Norddcutschland. Aber trotzdem dürfen wir nach den Erfahrungen der bisherigen internationalen Parteitage mit Sicherheit darauf rechnen, daß das Ergebnis der Kopenhagener Tagung nicht nur in einer Vereinheitlichung der internationalen Arbeiter- bewegung, nicht nur in einer Stärkung des Bewußtseins be- stehen wird, daß wir alle Glieder einer und derselben großen sozialistischen Armee sind, sondern auch in einer wertvollen praktischen Arbeitsleistung. Seit der ersten Tagung des internationalen sozialistischen Arbeiterkongresses in Paris(1889)— die früheren Kongresse der Internationalen Arbeiterassoziation fanden unter ganz anderen Bedingungen statt— bedeutet fast jeder der ab- gehaltenen internationalen Sozialistenkongresse einen weiteren Fortschritt auf dem Wege zur Verwirklichung unserer sozia- listischen Ideale. Der Kopenhagener Kongreß wird, wie wir hoffen, sich den früheren Tagungen würdig anreihen. Die Schwarmgeisterei und die Kämpfe mit individuellen und kommunistischen Anarchisten, mit Mutualisten und Reformisten, die den größten Teil der Arbeit früherer internationaler Kongresse in Anspruch nahinen, sind überwunden. Die damals noch vielfach wildgärenden Meinungen haben sich im Tageskampf geklärt und geläutert, die Er- kcnntnis, daß die internationale Solidarität und Verständigung die erste, wichtigste Vorbedingung für den Sieg des Proletariats ist, hat in allen sozialistischen Parteien immer mehr an Boden gewonnen— so sind die Bedingungcn für ein gemeinsames, einträchtiges Zusammenarbeiten gegeben. Der Sozialismus ist längst aus dem Kindesalter herausgewachsen; er ist in schneller EntWickelung zu einem weltgeschichtlichen Faktor geworden. Einst nur ein Notschrei, eine Anklage, ist er heute die zielbewußte Politik der Arbeiterklasse, eine Politik, die auf deutlicher Erkenntnis der Bedingungcn der wirtschaftlichen EntWickelung fußt und dieser Erkenntnis die Mittel anpaßt. Die Kopenhagcner Tagung wird, wenn sie leistet, was sie verspricht, eine weitere Etappe in diesem Eni- Wickelungsprozeß sein._ Der Sozialismus in Großbritannien. London, im August. Während sich die sozialistische Bewegung in den fest- ländischen Industrieländern immer mehr ausbreitet und be- festigt und in Deutschland gar direkt auf jenen Entwickelungs- Punkt zusteuert, wo sie, wie englische Publizisten prophezeien, bald einen gewaltigen Faktor in der Umgestaltung Europas bilden wird, scheint unsere Bewegung in dem ältesten aller Industrieländer kaum merkliche Fortschritte zu machen. Nicht daß die Saat, die unsere Genossen in Großbritannien seit einer Generation rastlos ausgestreut haben, keine Früchte ge- tragen hätte: nach allen Berichten haben unsere Agitatoren nie einen so großen und aufmerksamen Zuhörerkreis gefunden, haben die Lehren des Sozialismus nie so sehr die Herzen und Gedanken des englischen Volkes beherrscht wie heute. Aber die Forin fehlt, die die große zerstreute Menge zu einem nützlichen Ganzen vereinigen könnte. Die sozialistisch empfindenden Arbeiter Großbritanniens und die, die uns leicht gewonnen werden könnten, gleichen den zahlreichen Goldkörnchen im Sande, die erst ihren Wert gewinnen, wenn sie der Goldgräber zu einer Masse vereinigt. Auch der Ein- fluß sozialistischer Gedanken auf die Gesetzgebung dieses Landes ist unverkennbar. Manche, wie die Fabier und andere, haben sich an diesen moralischen Erfolgen unserer Pro- paganda so sehr berauscht, daß sie diese Tätigkeit als der sozialistischen Weisheit letzten Schluß ansehen. Diese Politik führt aber zum Verderben, zur Aufgabe der Hoffnung auf die Herrschaft des Proletariats im Staate. Hat doch die Erfahrung bewiesen, daß eine Reformpolitik, die der Ar- beiterschaft einen gewissen Anteil an dem kulturellen Fort- schritt gewährt, auch bei der Herrschaft bürgerlicher Parteien denkbar ist. Dem Drucke der öffentlichen Meinung und dem Einfluß der sozialpolitischen Beispiele anderer Länder folgend, gaben die Konservativen dem englischen Volke das Unfall- entschädigungsgesetz und die Liberalen das Alterspensions- gesetz. Solche Ansichten führen am Ende zurück auf die politischen Ideen der englischen Altgewerkschafter, die sich die Arbeitervertreter als einen Teil der großen und mächtigen liberalen Partei dachten, auf die man bei Gelegenheiten einen Druck ausüben könnte. Würde man den Fortschritt des Sozialismus in Großbritannien nach dem Einfluß be- urteilen, den unsere Ideen auf die rcformatorische Tätigkeit des Parlaments gehabt haben, so könnte man leicht zu dem Schluß kommen, daß es mit unserer Sache hierzulande gar nicht übel bestellt sei. Aber für denjenigen, der neben der täglichen Reformarbeit, die die der kapitalistischen Klasse stets günstiger werdende Verteilung des Arbeitsproduktes nicht berührt, die eigentlichen Probleme des Sozialisinus, die nach unserer Auffassung nur durch eine übermächtige sozialistische Arbeiterpartei gelöst werden können, nicht ver- gißt, bietet der gegenwärtige Zustand unserer Bewegung in Großbritannien kein erbauliches Bild. Der Sozialismus macht augenblicklich in diesem Lande eine Baisse—„shimp" nennen es die englischen Genossen durch. Eine große Unzufriedenheit mit der Politik dets Varlam'enIsöetlrekK unb' der unseligen ZerspNÜerung Ler Streitkräfte hat weite Kreise der sozialistischen Arbeitler er- grifsen. Mögen sich auch gewisse Führer alle Mühe geben, diese Unzufriedenheit zu leugnen oder herabzusetzen: die Handlungsweise der Minorität des Parteivorstandes der I. L. P., die vor kurzer Zeit ein jetzt überall diskutiertes Manifest gegen die Politik der Arbeiterpartei im Parlament an die Zweigvereine der I. L. P. verschickte, beweist, daß man. es mit einer inneren Bewegung zu tun hat, die man nicht totschweigen kann. Aber auch innerhalb der Jndependant Labour Party, der größten der sozialistischen Parteien Groß- dritanniens, macht sich eine Ungeduld mit den herrschenden Zuständen bemerkbar, die man wohl als die Vorbotin ge- isünderer Zustände in unserem Lager ansehen kann. Doch bevor wir auf die EntWickelung und die Entwickelungs- inöglichkeiten der jetzigen Zustände eingehen, ist es notwendig, ein knappes Bild von dem Zustand der bestehenden sozia- iistischen Organisationen zu geben. Der Umstand, daß verschiedene sozialistische Organi- Nationen die Zahl ihrer Mitglieder aus irgendeinem Grunde nicht bekannt geben, macht es schwer, die Gesamtzahl der in sozialistischen Parteien und Vereinen organisierten Arbeiter anzugeben. Rechnet man die Papiersoldaten ab, so dürfte sich die Zahl der Arbeiter, die ihrer sozialistischen Ueberzeugung durch die Zahlung eines Beitrages an irgendeine der sozia- 'listischen Organisationen Ausdruck verleihen, auf nicht mchr als 50 000 für ganz Großbritannien stellen. Diese 50 000 verteilen sich auf mehr als ein halbes Dutzend Verbände und Vereine, von denen jedoch nur der I. L. P.(Unabhängigen Arbeiterpartei), der S. D. P.(Sozialdemokratischen Partei) und der Fabischen Gesellschaft Bedeutung zukommt. Von den drei Organisationen umfaßt die I. L. P. drei Fünftel aller organisierten englischen Sozialisten. Die älteste der sozialistischen Parteien Großbritanniens ist die S. D. P., die es trotz ihrer langen propagandistischen Tätigkeit noch zu keinen handgreiflichen Erfolgen gebracht hat, wiewohl man nicht leugnen kann, daß sie vcel zur Ver- breitung sozialistischer Ideen beigetragen hat. Als ihre ersten Führer gelten Hyndman, Queich und Burrows. Ihre Haupt- stärke hat die Partei in London, Northampton, Bristol, Bradford, Southampton, Burnley und Coventry. Die Parteipresse besteht au� dem Wochenblatt„Justice"(Ge- rechtigkeit), das noch heute einen harten Kampf um die Existenz zu kämpfen hat, und der Monatsschrift„Social Democrat". In einer Reihe von Gemeinderäten und anderen lokalen Verwaltungskörperschaften hat die S. D. P. Vertreter, doch ist es ihr bis jetzt noch nicht gelungen, einen Sozialdemokraten ins Parlament zu schicken. Eines ihrer Mitglieder, Will Thorne, sitzt zwar im Parlament, jedoch nicht als Sozialdemokrat, sondern als Arbeiterparteiler. Auf kurze Zeit gehörte die S. D. P. der Arbeiterpartei an, trennte sich jedoch los, weil ihre Mitglieder der Ansicht waren, daß die Arbeiterpartei kein Feld für die Ausbreitung sozialistischer Gedanken böte. Ob die S. D. P. damit klug handelte, ist von ihren Kritikern häufig in Frage gestellt worden. Man wies nicht mit Unrecht darauf hin, daß durch den Abzug der radikalen sozialistischen Elemente der ohnehin schon übermäßig starke nichtsozialistische Flügel der Arbeiter- Partei, die die für unsere Propaganda zunächst in Frage kommenden Schichten der britischen Arebeiterschaft enthält, nur um so stärker wurde. Wie alle selbständigen politischen Vereinigungen der Arbeiter Großbritanniens, hatte auch die S. D. P. unter der schlau berechnenden Politik der Liberalen, die vor fünf Jahren ans Ruder kamen, zu leiden. Die Liberalen nahmen eine der von den englischen Sozialisten propagierten Forderungen, gewährten unter großem Pauken- schlag ein Zipfelchen davon und säten damit Verwirrung unter die sich eben zur politischen Selbständigkeit und Klarheit emporringende Arbeiterschaft Großbritanniens. Die Niedergeschlagenheit, die diese Folgen der liberalen Diplomatie in den Reihen der Genossen hervorriefen, kam auf dem zu Ostern abgehaltenen Parteitag der S. D- P. drastisch zum Ausdruck, als Burrows, einer der wackersten Kämpfer der Partei, erklärte, daß die Politik der S. D. P. bankrott sei. Der Parteitag ließ es jedoch bei solchen Jeremiaden nicht bewenden, sondern beschloß, praktische Schritte zur Besserung der zerrissenen Parteiverhältnisse zu tun und eine Verständigung mit den Genossen anderer sozialistischer Organisationen anzubahnen. Dieser Beschluß ist nun soweit gereift, daß in nächster Zeit eine Konferenz zwischen Ver- tretern der S. D. P., der I. L. P., der Fabischen Gesellschaft und der Arbeiterpartei zusammentreten wird. Eine der unausbleiblichen Begleiterscheinungen der Zerrissenheit war die von Führern und Mannschaften der Parteien geübte Disziplinlosigkeit, die bei der S. D. P. vor kurzem in der bedauerlichen Handlungsweise Hyndmans, der in einem reaktionären Blatt einen flottenenthusiastischen Artikel ver- Lffentlichte, ihren Höhepunkt erreichte. Als zweitälteste der sozialistischen Vereinigungen gilt ble 1884 gegründete Fabische Gesellschaft, die gegenwärtig etwa 3000 Mitglieder zählt. Diese Gesellschaft versucht, sozialistische Ideen unter den Angehörigen der mittleren und oberen Gesellschaftsschichten zu verbreiten und setzt sich in der Hauptsache aus bürgrlichen Elementen, Gelehrten, Publizisten, liberalen Sozialpolitikern und anderen, zusammen. Sie ist der Arbeiterpartei angeschlossen und stellte bei den letzten Wahlen einen eigenen Kandidaten auf, der aber mit Sang und Klang durchfiel. Die Wirkung der von dieser Gesell- schaft herausgegebenen Traktate ist nicht zu unterschätzen; aber man kann nicht sagen, daß die Achtung des Publikums vor der Fabischen Gesellschaft in den letzten Jahren gestiegen ist. Die Presse nimmt die Fabier nicht sehr ernst und dies ist hauptsächlich dem superklugen und oft gezwungen-witzigen Gebaren zuzuschreiben, das die Jünger Shaws zur Schau itragen. Niemand wird etwas dagegen haben, wenn von ihnen der Sozialismus dann und wann mit sprudelnder Lebendigkeit und witzigen Paradoxen vorgetragen wird: aber was bei Bernhard Shaw natürlich und ungezwungen klingt, trägt bei seinen Anhängern den Schein öder Nachahmung «nd Ungereimtheit. Als die größte und tätigste der sozialistischen Parteien ist schließlich die I. L. P. mit ihren über 30 000 zahlenden Mitgliedern anzuführen. Sie wurde im Jahre 1893 ge- gründet, und zwar von Sozialisten, die mit der Politik der alteren S. D. P. nicht einverstanden waren. Als ihre Führer gelten Keir Hardie, Macdonald und Snowden. Die Partei veröffentlicht ein Wochenblatt, den„Labour Leader", und «ine Monatsschrift, die„Socialist Review". Eine bedeutende Zahl der Mitglieder sitzen in Gemeinderäten und ähnlichen Vertretungskörperschaften. Im Parlament'hat sie folgende Vertreter: Keir Hardie, Macdonald, Snowden, Parker, Jowett, Clynes und Pointer. Die I. L. P. bildet den eigent- iichen sozialistischen Flsigej dex Arbeiterpartei, mit dex sie im Län'fe 8er Zeit so-eng berwachsen ist, daß man ihre Tätigkeit nicht schildern kann, ohne auf die Lage und Entwickelung der letzteren selbst einzugehen. Auf die gegenwärtig in der Jndependent Labor Party herrschende Unzufriedenheit ist schon vorher hingewiesen worden. Die offiziellen und offiziösen Führer der Partei leisten der Sache des Sozialismus wahrhaftig keinen Dienst, wenn sie, wie sie es jetzt tun, der Kritik dadurch zu begegnen versuchen, daß sie die Führer der Unzufriedenen herabsetzen oder lächerlich machen.. Die Beantwortung der Kritiken war überhaupt bisher immer die schwache� Seite dieser Parla- mentarier,.und der Redakteur der„Socialist Review", der sich hat einreden lassen, er sei ein staatsmännisches Genie, behandelt seine einheimischen wie ausländischen Kritiker in jenem hochtrabenden Ton, den er seiner hohen Würde schuldig zu sein glaubt. Dem aufmerksamen Beobachter wird es ledoch nicht entgehen, daß wir vor einer folgenschweren inneren Krise der I. L. P. stehen, die durch die jüngste Ent- Wickelung der Arbeiterpartei heraufbeschworen worden ist. Glaubten die Genossen der I. L. P. zuerst, die Arbeiterpartei in sozialistische Bahnen lenken zu können, so wurden sie bald durch die Entwickelung dieser Partei enttäuscht. Noch im Jahre 1908 aus dem Kongreß zu Hull, wo die Delegierten der Arbeiterpartei eine Resolution annahmen, die den Sozialismus als das Endziel der Partei bezeichnete, konnte man mit Recht annehmen, daß die Entwickelung der Arbeiter- Partei zum Sozialismus nur noch eine Frage der Zeit sei. Seitdem hat sich manches geändert. Gerade die Führer, die dieser Entwickelung hätten Vorschub leisten sollen, bremsten und protestierten gegen den Versuch, die Arbeiterpartei und die Gewerkschaftsführer auf das sozialistische Programm zu verpflichten. Als dazu dann nach den letzten Wahlen die liberalen Bergarbeiterführer zur Partei stießen, schien es, als habe der Sozialismus innerhalb der Arbeiterpartei über- Haupt die Sprache verloren. Dieser Wandel in dem Charakter der Partei konnte den Mitgliedern der I. L. P., die vor allen Dingen eine sozialistische Partei im Parlament sehen wollten, nicht entgehen. Die Enttäuschung über die Entwickelung der Dinge bildet die Grundstimmung der herrschenden Un- Zufriedenheit. Mannigfaltige Fäden verbinden die liberal denkende Majorität der Arbeiterpartei mit der liberalen Partei und lassen bei der ersten keine entschiedene Opposition gegen die Regierung aufkommen. Und eine solche Opposition wäre gerade in den vergangenen Monaten, nachdem Asquith die Wählerschaft schnöde verraten, am Platze gewesen. Auf die Mehrzahl der englischen Genossen machte das Verhalten ge- wisser Arbeiterparteiler beim Zusammentritt des Parlaments einen geradezu niederschmetternden Eindruck. Die kühne Parole, die der eben erkorene Führer Barnes gegeben hatte, war kaum bekannt geworden, als sich auch schon sozialistische Arbeiterparteiler daran machten, ihren Führer zu des- avouieren. Und wie demütigend war nicht die Szene, die sich darauf im Parlament abspielte. Der Führer der Arbeiter- Partei mußte erklären, daß er zu dem eingestandenen Verrat des Premierministers keine Erklärung abgeben konnte. Er konnte sich auf seine Mannschaften nicht verlassen. Die Konservativen höhnten und die Liberalen hatten ein herab- lassendes Lächeln. Den peinlichen Eindruck haben die tapferen Reden, die verschiedene Arbeiterparteiler seitdem im Paria- ment gehalten'haben, nicht verwischen können. Auch die all- gemeine Unterstützung, die die Arbeiterpartei der Regierung hat angedeihen lassen, ist nicht nach dem Geschmack vieler englischer Genossen. Diese Unterstützung beruht, wie es scheint, in letzter Hinsicht auf der offenbaren Schwäche der Partei in den Wahlkreisen. Wenn die letzten Wahlen die Liberalen etwas gelehrt haben, so ist eS die Tatsache, daß die Arbeiterwählcr in den weitaus meisten Kreisen, in denen sie zwischen dem Konservativen, Linkslibcralen und Arbeiter- parteiler zu wählen haben, dem Linksliberalen den Vorzug geben. Das deutet darauf hin, daß viele, wenn nicht die meisten der Arbeiterparteiler im Parlament bei der Wahl von der liberalen Gunst abhängig sind.. Auf die Leiden und Sorgen der Arbeiterpartei ein- zugehen, liegt nicht im Rahmen dieses Artikels. Tie Arbeiter- Partei mußte hier nur gestreift werden, weil ihr Schicksal so innig mit dem der größten sozialistischen Organisation ver- knüpft ist. Die Kämpfe, die die Genossen der I. L. P. aus- zu fechten haben, sind theoretischer wie auch taktischer Natur: das beweist schon die Tatsache, daß sich beide Parteien ihre Namen aus der Geschichte der deutschen Parteikämpfe holen. Die Alten, die ihre Position verteidigen, pochen auf den Namen Revisionisten: die Jungen stürmen unter dem Banner des revolutionären Sozialismus heran. Unsere Sympathie, das braucht kaum gesagt zu werden, ist mit den revolutionären Elementen der Partei. Noch sind die Streitobjekte, wie immer zu Anfang solcher Kämpfe, nicht scharf umgrenzt, aber es läßt sich heute schon erkennen, daß es eine der ersten Auf- gaben der I. L. P. sein wird, ihre Parlamentsvertreter daran zu erinnern, daß man sie nicht ins Parlament geschickt hat, um farblose Arbeiterpolitik zu treiben, und daß sie in erster Linie Sozialdemokraten und nicht Arbeiterparteiler sind. Sie sozialistische Partei Frankreichs. Paris, im August. Der französische Sozialismus und die„geeinigte Partei41— diese zwei politischen Begriffe haben sich in den letzten Jahren der- art genähert, daß man wohl schon von ihrer Einheit sprechen darf. Die öffentliche Meinung erkennt in der geeinigten Partei die natürliche politische Organisation des revolutionären Proletariats an. Der„unabhängige44 Sozialismus, ein loses Gemenge von kleinbürgerlicher Demokratie und verräterischem Strebertum, kommt als Partei überhaupt nicht mehr in Betracht, trotzdem seine Glücks- ritter in der Krise deS bürgerlichen Radikalismus zur Regierung gelangt sind. Je schärfer sich aber die Umrisse des Parteikörpers in den Kämpfen der Demokratie ausgebildet haben, desto stärker ist auch unter den Parteigenoffen selbst das Bewußtsein der Parteizugehörigkeit, der Parteisolidarität geworden. Jeder Parteitag, jede Parteidiskussion bezeugt die Unzerbrechlichkeit der Einigkeit, über die die Gegner so gerne gespottet haben. Die Verschärfung deS KlaffcnkampfeS entscheidet, trotz aller Schlüsse und Prophezeiungen aus dem der Parteidisziplin angeblich un- befiegbar widerstrebenden.Nationalcharakter". Dannt ist natürlich nicht gesagt, daß in der geeinigten Partei die alten Gegen- sätze in der«uffaffung der Entwickelung der Gesellschaft zum Sozialismus verschwunden sind oder daß auch nur ihre Diskussion an Lebhaftigkeit und Leidenschast nachgelassen hat. Die Agrarstage, die Altersversicherung, die Genoffenschaftsfrage, die Frage der Be- deutung der sozialen Reformen überhaupt haben in den letzten Jahren hitzige Debatten hervorgerufen, die die Partei noch immer aus zwei großen Heerlagern zusammengesetzt zeigten, deren eines die durch Jules G u e S d e vertretene Auffassung der Marxschen Lehren in der Parkeitaktlk durchzusetzen versuchte, während der andere im wesentlichen den bor allem von Jean I a ür ö s ver» fochtenen Reformismus, der den Reformen selbst einen revolutionären Wert zuschreib» zur Richtschnur des Parteidenkens und der Partei- aktion zu machen bestrebt war. In der Taktik der Partei kommen indes diese Gegensätze wenig zur Geltung, da die fortschreitend sozialrcattionäre Politik der radikalen Bourgeoisie die Partei in die schärfste Oppositionsstellung hineinzwang. Die Phrase vom„re- publikaoischen Block44 hat ausgespielt und wird in der geeinigten Partei nur noch von ganz wenig Eigenbrödlern gepflegt, deren Parteizugehörigkeit überhaupt nur der Unlust der Genossen zu- zuschreiben ist, um einiger einflußloser Personen willen„Affären" zu schaffen. Der wachsenden polittschen Bedeutung der geeinigten Partei entspricht die Entwickelung der Organisation nur in beschränktem Maße. 1903, vor dem Stuttgarter Kongreß,.zählte die Partei 43 432 zahlende Mitglieder. Seither ist sie stetig,'aber doch verhältnismäßig langsam gewachsen. Der Bericht des National» rats an den Kongreß in NimeS im. Februar d. I. verzeichnete eine Mitgliedschaft von 53 928. Das ist sicher sehr wenig, namentlich wenn man diese Ziffern mit der der sozialistischen Wähler vergleicht, die im Mai d. I. 1 193 047 betrug. Indes wäre es ungerecht, etwa deutsche Maßstäbe anzulegen. Ju der französischen Denwkratie—; und namentlich auch in der sozialrevolutionären Bewegung mit ihren starken putschistischen Traditionen war ehedem ein geschloffenes. finanziell auf die Steuerwilligkeit der Mitglieder gestelltes Partei- wesen ganz unbekannt. Die geeinigte Partei ist in dieser Beziehung eine neue Erscheinung, und was sie unter den schwierigen historischen Umständen erreicht hat, wird von den bürgerlichen Parteien mit Ver- wunderung angesehen. Natürlich ist aber die große propagandistische Arbeit der Partei auS den Beiträgen der Mitgliedschaft nicht, zu bestreiten und auch nicht aus den Erträgen der Parteiunternehmungen. In dieser Sittiation war der Beschluß deS Parlaments über die Erhöhung der Deputtertenindemnität von 9000 auf 15 000 Fr. für die Parteikasse ein glückliches Ereignis, da die Deputiertensteuer von 3000 Fr. ihr sehr ansehnliche Summen zuführt. Durch diese neue Quelle und durch die Steigerung der allgemeinen Parteieinnahmen ist das Budget des Zentral organiSmuS der Partei von 59 751 Fr. im Jahre 1906 auf 128 894 Fr. im Jahre 1909 gewachsen. Die Entwickelung der Presse zeigt ebenfalls ein all- mähliches Fortschreiten, namentlich in der Provinz, die jetzt-drei sozialistische Tageblätter: in Toulouse, LimogeS und. Grenoble hat. Die„Humanitä44, die jetzt auch als Organ der Partei gellen muß. da diese statutengemäß im Verwaltungsrat die Nehrhejt hat und da der Parteitag ihren politischen Direktor ernennt, hat dagegen noch immer genug zu kämpfen und die Aera des Defizits noch nicht hinter sich. Die regionale Presse zählt außerdem zwei zweimal wöchentlich erscheinende, 41 Wochenblätter und drei Monatsblätter. DaS offizielle Parteiwochenblatt„Le Socialiste44 geht trotz aller Parteitags- und Nationalratsbeschlüsse zurück. ES leidet unter der Werbekraft der m den letzten Jahren gegründeten Organe, die bestimmte Tendenzen innerhalb der Partei vertreten und von denen die„Guerre Sociale" mit ihrer journalistisch außerordentlich geschickten anarchosozialistischen Propa» ganda auf die jüngeren Elemente einen unstreitig bedeutenden Einfluß ausübt. Jules GuesdeS Richtung hat ein wöchentliches Organ im„Socialiste". Die wiffenschaftliche„Revue Socialiste" deö extrem« reformistischen Professors Fournldre ist jetzt mit der„Revue shndicaliste" des Genossen Albert T h o>y a S vereinigt. Sie gibt auch der Genoffenschaftsfrage einen breiten Raum. Den sichtbarsten Erfolg hat die Partei bei den. Wahlen dieses Jahres erzielt. Sie steigerte ihre Stimmenzahl/ die 877 ZLS im Jahre 1908 betrug, um 228048, also um mehr als 20 Prozc Sie setzte 74 Kandidaten durch, gegen 54 im Jahr« 1903. Es ffi nicht zu bestreiten, daß eine Menge günstiger Zufälle, und augenblicklicher Konstellationen namentlich bei dem Mandatgewinn mitgespielt haben, indes tritt doch eine höchst bedeutungsvolle Tatsache hervor: daS Eindringen der sozialistischen Jdeett in die L anh» arbeiterschaft und das Kleinbauern tum. Die Wahlen für die Generalräte haben diese Tatsache, die bei dem vorwiegend agrarischen Charakter des Landes für seine künftige Geschichte von.ent» scheidender Bedeutung ist, bestätigt. Die Fortschritte des Sozialismus Är der Landbevölkerung erklären sich einesteils aus dem polittschen Bankrott deS Radikalismus, der seine Unfähigkeit, mit seinem Programni ernst zu machen, gezeigt hat, andererseits aus dem offenbaren kapitalistischen Schmarotzertum, das alle Kräfte der Reppblik aufsaugt und Regierung, Verivaltung und Justiz nach seiner Pfeife tanzen läßt, wie erst jüngst die Affäre Rochette gezeigt hat. DaS Verhältnis der Partei zu der» Gewerk« schaften ist in den letzten Jahren unstreitig beffer geworden. Wenn man. von einem Zusammenarbeiten noch lange nicht sprechen kann, so ist doch an die Stelle des Gegen- einanderarbeitens im ganzen und großen ein Neb e n emanderarbeiten ohne unnötige Reibungen getreten. Der revolutionäre Syndikalismus hat auS bitteren Erfahrungen gelernt, auf die„entschloffenen Minoritäten" und die„revolutionäre Gymnastik" nicht unbedingt zu vertrauen. Auch ist daS Selbstvertrauen der Partei im Zunehmen, die ehedem, namentlich in Paris, alle DemonsttationSpolittk ohne weiteres dem Gewerlschaftsverband überließ. Dir großartige Kund- gebung nach dem Justizmord an Ferrer hat der Pariser Bevölkerung gezeigt, daß das Proletariat bereit ist, dem Ruf der sozialistischen Partei zu folgen. Gegen das unverantwortliche, aus grenzenloser Ueberhebung geborene demagogische Treiben der„Jnsurrektionellen" haben sich die ein- sichtigen Gewerkschaftler gelegentlich mit einer Entschiedenheit ge- wendet, vor der die geeinigte Partei lange zurückgeschteckt hatte, Endlich hat auch das Eintreten nainhaster Mitglieder det Arbeiter- konfödcration, wie des Genossen Laurre im Parlament eine aus« gezeichnete Demonstration acl ooulos herbeigeführt, daß die Arbeiterpolitik des Wirkens im Parlamente nicht entraten und daß sie leine andere als eine sozialistische Pölittk sein kann. Die geeinigte sozialistische Partei steht in der allgememen Er- müdung der Demokratie allein kraftvoll und zuversichtlich da. Sie allein genießt das Vertrauen großer Massen und steht ihr Ansehen und die Zahl ihrer Anhänger stetig wachsen. So darf sie getrost der Zukunft entgegensehen, die sie berufen wird, eine wachsende Rolle in der Entwickelung der französischen Gesellschaft zu spielen und ihre Aufgabe im Kampf für die Emanzipation der Arbeit zu erfüllen. vie kriie des Internationallsnins in velterreich. Wien, im August.- Mit anderen Gefühlen als bdr drer Jahren- zum Stutt» garter Kongreß treten die Delegierten aus den österreichischen Ländern diesmal die Reise nach Kopenhagen au. Die Stutt- garter Tagung fand die österreichischen Sozialdemokraten im Triumphe ihres Sieges über das ganze alte und bürger- liche Oesterreich: in ihrem glorreichen Wahlrechtskampfe hatten sie die Burgen der PrjMegien erstürmt, die politischen Box« keDe ftteSetgeronn!«nF 5en SfrFeilefn tn'Fem Historismen Lande des Unrechts und der Ungleichheit das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht für das Reichsparlament erstrit- ten. Und dem sieghaften Wahlrechtskanipfe reihte sich ein ebenso erfolgreicher Wahlkampf an: bei den allgemeinen Wahlen für das Abgeordnetenhaus des Reichsrats zählte die Gesamtpartci mehr als eine Million Stimmen und nannte 87 Abgeordnete ihr eigen. Nun ist die Weltgeschichte nicht so gefällig, das Proletariat ständig vor große Kriege und weittragende Entscheidungen zu stellen: also ist es erklärlich, daß die Hochspannung jener geschichtlichen, gewitterschweren Zeit von bem Tagewerk der T�ctailkämpfe abgelöst werden mußte, die in Oesterreich. infolge der inneren Wirren des Nationalitätenstaates allzu leicht den- Charakter des Vergeh- lichen und Unersprießlichen empfangen. Aber das Bewußtsein dieses Unterschiedes ist es wicht, das auf der österreichischen Sozialdemokratie heute mit dumpfer Schwere lastet. Was sich in den drei Jahren in Oesterreich geändert hat. ist die Ueber- zcugung von der Festigkeit und Untrüglichkeit des internatio- ualen Gedankens in diesem Staate, dessen Sozialdemokratie kich gerade in der Verwirklichung und Bekräftigung der inter. nationalen Solidarität, der internationalen Geschlossenheit so fruchtbar erwiesen hat, so vorbildlich gewesen ist. Mit Stolz konnten die Sozialdemokraten in diesen Ländern auf ihre eigene Internationale weisen, auf ihre Ge- samtpartei blicken, die es, allem Chauvinismus der Bürger- lichen zum Trotz, zuwege gebracht hat, dem leuchtenden Ge- danken des internationalen Sozialismus mit gleicher Leiden- schaft in der Arbeiterschaft aller Nationen lebendige Kraft zu verleihen- und über alle nationalen Unterschiede hinweg eine einheitliche Sozialdemokratie in jedem Proletariat heimisch zu machen-. Daß diese Gewißheit heute erschüttert .ist, daß sie von der tschechischen Gruppe eine immer deutlichere Anfechtung erfährt, ist die quälende Sorge, die die Delegier- ten aus Oesterreich zum Weltkongreß der Sozialdemokratie begleitet. Denn nicht weniger ist der Konflikt, der sich zwischen der deutschen Sozialdemokratie, zu der die Sozial- demokratie aller anderen Nationen steht, auf der einen und der tschechischen auf der anderen Seite aufgetan hat, als die Krise des Internationalismus. Was an einzelnen Differenzen ihn entzündet hat und ihm immer neue Nahrung zuträgt, läßt sich mit dem einen Satze sagen: die tschechischen Genossen verleugnen den Gedanken einer internationalen Sozialdemo- ckratie in Oesterreich, einer Gesanitpartei, von der die uatio- nalen Gruppen eben nur Teile sind, vielmehr ist ihr Ideal heute � die Auflösung der einheitlichen Partei in nationale Parteien, die voneinander völlig unabhängig, also, wie sie es in ihren Staqtsrechtsreminiszenzeu sagen,„gänzlich selbstan- dig" sind, deren Verhältnis also auf die proletarische Soli- darität mit den ausländischen Bruderparteien reduziert wer- den soll. Wenn die sozialdemokratische Jnternationalität der Gedanke, des Verbindens, Verknüpfens und Zusammen- schließens ist, so ist der Grundsatz der tschechischen Sozialdenw- kratie heute der S e p a r a t i s m u s: der Trennung und Ab- sonderung auf allen Gebieten, der politischen Partei, der gewerkschaftlichen und der genossenschaftlichen Organisation, kurz der Zersprengüng der Gesanstpartci in lose Trümmer auf allen Kampfpunktcn des Sozialismus— was sie dann die �Derselbstöndigung" der ssckiechischen Sozialdemokratie nennt. Aber wie soll der proletgrische Klassenkamps geführt werden, wenn das Proletariat in einem und demselben Staate nüt denselben und gleichen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen des Klassenkampfes seine Einheit aufgibt und an Stelle der geschlossenen einen und einheitlichen Partei ciqem nebelhaften Föderalismus sich hingibt, der das alte Wort der Cäsaren dieses Staates in die neue Maxime um- setzt: Teilet euch, damit ihr leichter beherrscht werden könnt! Die Zersetzung der internationalen Sozialdemokratie wäre für das gesamte Proletariat in Oesterreich eine so Verhängnis- volle Entwickclung, daß die Hoffnung nicht aufgegeben wer? hen darf, aus der Krise des Internationalismus, die wir nun w'ahtnehmen, werde sich die Grundüberzeugung wieder zur vollen Klarheit, durchringen, daß der Separatismus, der mit der vernünftigen und zweckmäßigen Autonomie, nichts gemein hat, eine ebenso unhaltbare als gesährlidhe Auslegung der Jnternationalität ist, und über ihn werde die Erkenntnis von der Notwendigkeit der solidarischen Einheitlichkeit am Schlüsse wieder Sieger bleiben. Dazu kann der Internatio- uole Kongreß wesentlich helfen. Wenn er die Resolution an- nimmt, die ihm. die österreichische Reichsgewerkschaftskom- Mission vorlegt und die von ihm nichts anderes fordert als die Bestätigung der Stuttgarter Resolution, welche die Ein- heit der Gewerkschaftsbewegung � für jeden Staat verkündet hat: wenn er. erklärt, daß dw sozialdemokratische Internatio- nalität den zweck- und ziellosen Separatismus nicht zu- läßt, vielmehr ihn strikte ausschließt, so wird er dem Prole- itäriat in Oesterreich einen Wegweiser geboten haben, der es aus den augenblicklichen Irrtümern und Abwegen heraus- und auf den internationalen Weg zurückführt. Es ist dieser Beschluß, den die klassenbewußte Arbeiterschaft aller Nationen in Oesterreich von unserem Kongreß erwartet und erhofft. Von dieser Sorge und Frage abgesehen, befindet sich die Sozialdemokratie in Oesterreich, und dies innerhalb aller Nationen, in einem, wenngleich als Folge der wirtschaftlichen Krise nicht stürmischen, so dach allgemeinen, sicheren und er- freulichen Fortschritt. Sie hat in allen Völkern die Kind- heitsmerkmale längst, überwunden und ist in ihrer Gesamtheit ein ebenbürtiges Glied der großen Internationale, die nach Kopenhagen ihre Vertretung zur sozialdemokratischen Vera- tung entsendet. In allen Nationen werden die Organisa- tionen ausgebaut, wächst die Größe und die Kraft des Kerns der Bewegung, überall steigen die Zahlen der Leser der so- zialdemokratischen Zeitungen, vertieft sich der gewerkschaftliche Gedanke und verbreitet sich der genossenschaftliche: zumal dieser, der auf dem Kongreß einer prinzipiellen Beratung Unterzogen werden soll, hat in Oesterreich einen ganz über- raschenden Aufschwung genommen. Auch ist die Gesamt- Partei in der � zielsicheren Beurteilung der politischen Er- ftrdernisse und Möglichkeiten durchaus einig: von anderen Zerwürfnissen und Differenzen als von dm nationalen ist sie bis heute niemals heimgesucht worden. Am letzten Ende sind die nationalen Streitfragen der Sozialdemokratie die traurige Wirkung der entsetzlichen Wirren diejes Staates, die einer Lösung so bedürftig und so wenig zugänglich sind. Und wenn die Stunde und der Tag wiederkommen werden— und die herrschenden beutegierigen Klassm werden dafür sorgen, daß sie bald kommen werden—, so wird die Sozialdemokratie in Oesterreich nicht nur ihre bewährte Schlagkraft erweisen, son- dern auch ihre alte Einigkeit wieder finden. Wir stehen einen Moment stille, um sodann mit erneuter und vermehrter Kraft vorwärts zu gehen._ t. a. Die ifalienitche Parte] am Vorabend des Internationalen Kongrelfes. Rom, im August. Man dürfte nicht fehl gehen, wenn man behauptet, daß die auf- steigende wirtschaftliche Lage, in der sich Italien seit Jahren befindet. in dem Zeitraum seit dem letzten Internationalen Kongreß nicht von jenem Aufstieg des Proletariats und der Festigung seiner politischen Organisation begleitet war, die man von sozialistischer Seite er- wartet und erhofft hatte. Wohl haben die Parlamentswahlen vom Frühjahr 1303 die Zahl der sozialistischen Mandate von 32 auf 42 erhöht, welche Zahl noch durch drei glückliche Stichwahlen vermehrt wurde, aber die Zahl der für Parteilandidaten abgegebenen Stimmen") wies zum erstenmal einen relativen Rückgang auf. Man hat den Eindruck, daß die heutige, nunmehr schon ein Jahrzehnt währende Periode wirtschaftlichen Aufschwungs mehr der Hebung einiger Schichten nnd Berufsgruppen, als der der proletarischen Klaffe gedient hat. Ihre politische Formel findet diese Erscheinung in dem Ueber» wiegen des Begriffs der Demokratie über den des Sozialismus. In der Tat erleichtert eine günstige wirtschaftliche Konstellation eine Reihe von Errungenschaften, die, ohne der Maffe des Proletariats zugute zu kommen, demokratischer Natur sind, wie die Berbefferung der Löhne für die hochqualifizierten Arbeiter, die Gehaltserhöhung der Beamten, die fiskalische Begünstigung des Genoffenschafts- wesenS usw. Günstige Konjunktur bedeutet eben vor allem ver- besserte Kampfbedingungen für die obersten und verhältnismäßig privilegierten Schichten des Proletariats sowie für die Beamten- schaft und das Kleinbürgertum. In die große Masse des Prole- tariatS sickert viel schneller die im Gefolge deS Aufschwunges ein- tretende Verteuerung aller Lebensmittel alS die Möglichkeit, sich höhere Löhne zu erkämpfen. Hierin mag wohl der Grund liegen für den Kontrast zwischen dem politischen Gewicht der Demokratie in Italien und dem der sozialistischen Partei. So paradox dies klingen mag, so wird doch jeder Kenner italienischer Verhältniffe eS zugeben müssen, daß die eigentlich lebendig e Macht, die wirkliche Kampf- tüchtigkeit der Demokratie in den Soziali st en und nur in den Sozialisten liegt. Die Radikalen haben wohl Führer ober keinen Anhang; der Rückhalt, den die Republikaner im Lande haben, beschränkt sich— von vereinzelten historischen lleberbleibseln abgesehen— auf die Romagna. Beide Parteien haben keine ernst zu nehmende Organisation und keine Disziplin. Man nehme der äußersten Linken— im Lande wie im Parlament— die Sozialisten, und es bleibt nichts übrig als eine Bühnen- dekoration, als eine tote Formel. So sehen wir in Italien die Demokratie stark werden, ihr Lebensblut empfangen durch die Sozialisten, und sehen gleichzeitig neben einer starken demokratischen Bewegung eine schwache sozialistische Partei. In der Klärung diese? scheinbaren Widerspruchs liegt der Schlüssel für daS Verständnis der italienischen Parteilage, sowohl der äußeren alS der inneren.— Ein? sozialistische Partei ohne praklische und in unserer Gesell- schaft erreichbare Ziele ist ein Unding. Sobald aber die Leichtigkeit, mit der«in Ziel erreicht werden kann, zu einem ausschlaggebenden Maßstab der Parteiaktion wird, so ergibt sich in Zeiten günstiger Konjunltur unfehlbar eine Parteiwirksamkeit zugunsten der durch diese Konjunktur geförderten Schichten: also nicht des Proletariats als Maffe, sondern einiger hochstehenden Berufsgruppen, sowie des Kleinbürgertums und der Beamtenschaft. In dieser Wirksamkeit sind der Partei Erfolge sicher. Für jedes Ministerium ist es von größter Wichtigkeit. Reformen zu gewähren, die von den Sozialisten ge- fordert werden und doch da? Klaffenintereffe der Bourgeoisie nicht ernstlich verletzen. Alle im Zeichen wirtschaftlichen Aufschwunges leicht erreichbaren Reformen find nun dieser Art. Denn der Grund- charakter deS KlaffenkonflikteS zwischen Bourgeoisie und Proletariat erfährt keinerlei Umgestaltung durch Gunst oder Ungunst der Konjunktur. Wenn die Beute der herrschenden Klaffe wächst, ist diese wohl bereit, dieser öder jener Gruppe Zugeständniffe zu machen, aber keineswegs ist sie in solchen Perioden weniger gewaffnet und weniger gewillt, das System zu verteidigen, das allein ihr die Beute ermöglicht. Will also eine sozialistische Partei mit dem geringsten Kraft- aufwand den größten praktischen Erfolg erzielen, so wird sie in Zeiten günstiger Konjunktur unwillkürlich und unbewußt zum Sach« Walter der Interessen einzelner Schichten und nicht des ganzen Prole- tariatS. Das ist in Italien in hohem Maße geschehen. Keine Partei hat hier solche Verdienste um die Beamtenschast erworben, wie die sozialistische. ES gehört zu den alltäglichen Ereigniffen, daß Staats- beamte öffentlich für sozialistische Kandidaten eintreten. In keinem anderen Lande genießt da? Genossenschaftswesen die Privilegien, die ihm das letzte Jahrzehnt in Italien verschafft hat. So ver- fügt die Partei über eine zahlreiche Klientel, die ihr Dank schuldet und auch bezeugt, die aber natürlicherweise nicht unserer Parteiorganisation angehört. Diese Klientel, die eine nicht unbedeutende Wahlmacht darstellt/- ist ihrem Denken und Empfinden nach nicht sozialistisch, schwört aber auf die sozialistische Partei, weil sie in ihr die einzig tätige Fraktion der De« mokratie sieht. Die praktische Arbeit, zu der sich die Partei drängte, war eben vorwiegend demokratischen und nicht sozialistischen Charakter?. Nichts wäre irriger, als dieser Erscheinung gegenüber von einem Aufgehen der Sozialisten in der bürgerlichen Demokratie zu sprechen. DaS.Aufgehen" setzt ein Verschwinden oder Zurücktreten voraus, während man in Italien nirgends auf etwas wie lebenS- tüchtige Demokratie stößt, ohne auf Sozialisten zu stoßen. Vielmehr haben die Sozialisten die bürgerliche Demokratie ausgehöhlt. Freilich nicht, um sozialistische Aklion an Stelle der demokratischen zu setzen, sondern um den bürgerlichen Demokraten ihre Arbeit ab- zunehmen. So ist die bürgerliche Demokratte Italien? stark durch die Sozialisten: ja, sie behauptet nur durch diese ihren Platz auf der Bühne der Tagesgeschichte. Aber die sozialistische Partei ist schwach durch die demokratische Aktion ihrer maßgebenden Persönlichkeiten. Wie zeigt sich diese Schwäche? Vor allem wohl in der skeptischen Gleichgültigkeit der Masten, die an die Stelle des früheren Enthusiasmus getreten ist. Die Parteiorganisation sieht ihr« Mitgliederzahl zusammenschrumpfen. Auf dem Parteitag von Jmola(1902) betrug die Zahl der Organisierten 37 718, zwei Jahre später 4ö 000, um dann im Jahre 1900 auf 86 428 zu sinken. Der letzte Parteitag(1903) zeigte einen Organisiertenbestand von 41694 Mitgliedern. Am 31. Juli d. I. betrug die Zahl der Organisierten nach offizieller Mitteilung deS Parteivorstandes 31 000, wovon aber etwa ein Drittel die Beitritts- karten bei der Parteizentrale nicht gelöst hat. Die Zahlen der früheren Jahre beziehen sich nur auf die bei der PartcizeNtrale Organisierten. Der.Avant!" vom 30. Januar d. I. veröffentlichte eine Mit- tetlung, nach der die Zahl der Sektionen von 1300 auf 900 zurück- *) Im Jahre 1904 wurden 826016, im Jahre 1009 847616 Stimme» für Sozialiste» abgegebe». gegangen ist. Allerdings darf man nicht vergeffe», baß die Mit- gliedSquote für die Zentralpartei auf dem Parteitage zu F l o r e n z (1903) von 60 Centesimi auf 1,60 Lire erhöht wurde, was viele Sektionen bewogen haben mag, eine geringere Mitgliederzahl an- zugeben. Auch in der Parteipresse macht sich die Depression deutlich fühlbar. Die Abonnentenzahl des„Avanti" ist beständig im Sinken, so daß diese Frage, die schon den Parteitag von Florenz beschäftigt hat, auch den kommenden beschäftigen wird. Sozialistische Tage?- Blätter existieren in Italien neben dem Zeutralblatt noch drei: der „Tempo" von Mailand, der Eigentum � einer unter Genoffen ge« bildeten Aktiengesellschaft ist, der Genueser»Lavöro", der den Gewerkschaftsorganisationen der Provinz Genua gehört, und die dem lokalen Parteiverbande gehörende„Provineia di Man- t o v a Da der italienische Parteivorstand keinen Partei« Verlag hat, existiert keine der Partei gehörende sozialistische Zeitschrift. Von Sozialisten redigiert werden die»Critica Sociale" des Geuosien Turati, der»Sempre Avanti" der Genossen M o r g a r i und P a o l o n i und das anti« klerikale Witzblatt. A s i n o", das die Gen. Podreeca jind Galantara redigieren. An Wochenblättern, die der Propaganda dienen, erscheinen in Italien gegen 160, über deren Auflage und Ver» breitung der kommende Parteitag Material beibringen dürfte. Was die Tätigkeit der Sozialisten in den G e in e i n d e n be- trifft, so ist es bei dem. völligen Mangel an Angaben schwer, diesem heute vielleicht ftuchtbarsten Gebiet gerecht zu werden. Der Eintritt der Sozialisten in die Stadtverwaltung bedeutet in vielen Often daS Ende eines kontrollosen Unter-sich-seinS der bisherigen Verwaltung, das Ende administrativer Mißwirtschaft und gelegentlich auch einer systematischen Plünderung. Dutzende von Stadtverwaltungen, so die von Reggio. Sonola, Budrio, Voltri, Sestrt P o n e n t e usw. sind ganz in Händen unserer Parteigenossen. In anderen, wie in Rom, Genua, Padua, BreScia.Spezia bilden sie eine Fraktion der herrschenden Majorität, während sie in Turin und Venedig eine starke oppositionelle Minorität dar- stellen. Der Anfang September in Florenz stattfindende Kongreß der sozialistischen Gemeinderäte wird einen Ueberblick über unsere nicht unbedeutenden Errungenschaften auf diesem Gebiete ermöglichen. Die Gewerkschaftsbewegung schreitet langsam aus dem Wege der Zentralisation fort. Die Mitglieder der allgemeinen Konföderation der Arbeit, die am Ende des Jahres 1908 306 967 waren, beliefen sich am Ende von 1909 auf rund 840 000. Die Gesamtzahl der gewerkschaftlich Organisierten ist in den letzte» Jahren ungefähr stationär und betrug nach den wahrscheinlich Über» tricbenen offiziellen Angaben des ReichSarbeitSamte», zu Beginn deS Jahres 1909 934 360, worunter 426 070 Landarbeiter. Die Zahl der Ausstände, die im Jahre 1907 mit 2286 und 614 803 Teilnehmer» einen Höhepunkt erreichte, ist in starkem Rückgang, was in der wachsenden Organisation der Unternehmer eine Erklärung finden dürfte. Im Jahre 1908 waren 1300 Streiks mit 864 636, im Jahre 1909 1092 und 196 132 Teilnehmern zu verzeichnen. Gerade der Umstand, daß die Gewerkschaftsbewegung fest und machtvoll dasteht, weist einem Teil der Oppofition gegen die heutige» Parteiverhältnisse die Wege. Ein Teil der Arbeiterschaft ftihlt est» daß die Partei die sozialistische Aktion gegen die demokratische ein» tauscht und man ist hier, gerade von reformerischer Seite, auf einen alten, ewig neuen Ausweg verfallen: Gründen wir eine Arbeiter» Partei. Vor Jahr und Tag wurde derselbe Vorschlag in der.Critica Sociale" von Turati befürwortet. Auch diesmal nahm ihn unser Zentralorgan mit unverhohlenem Wohl« wollen auf. Ja, der Fall steht vielleicht einzig in der Parteigeschichte da, daß daS Zentralorgan einer Partei mit Wohlgefallen eine» Vorschlag erörtert, der das moralische Todesurteil dieser Partei et»» schließt. Dieser Vorschlag aus reforinistisch-gewerkschaftlichem Lager, die sozialistische Partei abzudanken und zu ersetzen, ist um so be» deutungsvoller, als er gerade heute gemacht wird, in einer Aera un» beschränkter und unbestrittener reformistischer Herrschaft, wie sie d«t Parteitag von Florenz eingeleitet hat. Aber nicht alle innerparteiliche Opposition beschränkt sich auf da? Streben, an Stelle sozialistischer Ideal- die Realpolitik der Arbeiter» organisationen zu setzen. Ein Teil der Sozialisten glaubt vielmehr, daß gerade in dem Betonen dieser Ideale die Per» heißung eines neuen Lebens der Partei liege. Er glaubt, daß die praktische Eroberung auch einen auf die Zukunft gerichteten Wert hat, soweit sie nämlich eine» Kraft- aufwand der Massen verkörpert, eine Arbeit des' Proletariats an sich selbst, aber er spricht' diesen Wert den zugunsten der Beamtenschaft und einzelner proletarischer Schichten eSkamotierten Vorteilen ab. Was dieser Teil der Sozialisten an der.praktischen- Richtung" der Resomusten auszusetzen hat, daü ist gerade dje Praxis des geringen Kraftaufwandes, die an die Stelle der Erziehung der Mafien nichts setzt als die Interessenvertretung eines Bruchteils de? Proletariats. Die Formen der reformistischen Aktion der letzten Jahre war die, die Kräfte der Partei dahin zu verwenden, wo am meiste» praktischer Erfolg zu erreichen war, und daS ist natürlich immer q»f den Gebieten, die in bezug auf den Klassenkampf gewisser» maßen neutral sind. Erfolge find erzielt worden, aber die meisten sind der Beamtenschaft, die wenigstens dem Prole» tariat in den Schoß gefallen. Es waren Erfolge der Demokratie unter sozialistischer Etikette. Sie waren nicht Sache des Proletariats und so hat das Proletariat nicht für sie gekämpft. Ja, es hat nicht einmal verstanden, warum gerade seine Partei für Errungenschaften eintrat, die das Proletariat nur ganz mittelbar angingen. Dieses Gefühl der Unzufriedenheit und Unorienticrthcit dep Arbeiterschaft erreichte seinen Höhepunkt nach dem Vertrauens» Votum, das die Partcifraktion dem konservativ- reformistischen Ministerium Luzzatti gewährte. Jenes Votum, dessen parla« mentarische Zwecklosigkeit handgreiflich war, hat in der Partei eine heilsame Wirkung gehabt, wie die an es anschließende Agitatio» gezeigt hat. Wir wollen diesen kurzen SituationSbericht nicht schließen, ohne der schwere» Verluste zu gedenken, die seit dem letzten internationalen Kongreß die italienische Partei betroffen haben. Von den Vorkämpfern der ersten und opferreichsten Zeit sind zwei dahingegangen: Luigi M o n g i n i und Andrea Costa. Mongini hat ein ganzes Leben der Arbeit in den Dienst der Partei gestellt: alS Administrator deS„Avanti", als Verleger wichtiger Partei» Publikationen, als langjähriger Parteisekretär. Er hat gearbeitet, wie wenige und hat auch sein bedeutendes Vermögen her Sache der Partei geopfert: ein fanatischer unverwüstlicher Idealist, der mit weißen Haaren noch ein Feuerkopf war. Ein Jahr später ist ihm Costa gefolgt. Der internationale Sozialismus kennt diesen Kämpfer zu gut, als daß es hier am Platz wäre, feinem Andenken Worte zu spenden: lebt seine Gestalt doch fort in dem dankbaren Erinnern der internationalen Arbeiterschaft. Aber mit dem Erinnern an seine Ta�n lebt im Proletariat auch unzerstörbar das Gedächtnis seiner cMen schweren Kämpfe und des alten ewig jungen Idealismus seikier Bewegung. DaS Proletariat kann Stunden der Skepsis haben, es mutz sie haben. wüw t» die Wisn seiner Ugrtei nicht mehr versteht Wd all ihr irr wird. 86« die geschichtlichen und psychologischen Wurzeln deS sozialen Kampfes liegen zu tief in der Masie und ihrer sozialen Lage, als daß wir um die Zukunft des Baumes besorgt sein dürften. Wenn heute ein mißverstandener Nützlichkeitsstandpunkt Partei und Masse entfremden, so handelt es sich um eine Phase, an deren Abkürzung Partei und Proletariat arbeiten müssen und arbeiten werden. Beide haben Schuld an dieser Entfremdung und. beide die Kraft sie aufzuheben. Sie russische Sozialdemokratie. (Von unserem russischen Korrespondenten.) Nach dem beispiellosen Aufschwung der Jahre 1905—1906 ist die Arbeiterbewegung in Rußland im Niedergang begriffen, was sich auf allen Gebieten des Klassenkampfes deutlich �ihlbar macht. Die ersten Anzeichen des Niederganges wies tn erster Linie die politische Organisation auf. In der Mitte des Jahres 1907, als die Wässer der großen Flut schon be- deutend niedriger standen, findet die sozialdemokratische Partei Nußlands doch genügend Kraft in sich, um einen Parteitag einzuberufen, aus dem 30� Delegierte zirka 150000 Arbeiter repräsentieren.*) Doch in den nächsten drei Jahren ist die Partei nicht mehr imstande einen Parteitag abzuhalten. 1908 kommt es zu einer engeren Parteikonferenz und das Zentralkomitee der Partei versammelt sich immer seltener und seltener; in seiner letzten Sitzung beschließt das Zentralkomitee die Einberufung einer allgemeinen Parteikonferenz während der nächsten Monate, doch ist der Parteiapparat bereits zu schwach; es gelaug binnen der verflossenen sechs Monate nicht, die Konferenz vorzubereiten. Die Verbindungen zwischen den einzelnen sozialdemokratischen Ortsgruppen sind unterbrochen, sogar in den größeren Städten sind die Komitees sehr schwach, die illegale Agitationsliteratur wird unregelniäßig und in sehr bo schräuktem Maße herausgegeben. 1907 schien es, daß sich die ganze Energie des Proletariats von nun an auf die Gewerkschaftsorganisationen richten werde. In der Tat wachsen die durch den Sturm 1905 zum Leben erwachten Gewerkschaften mit fieberhafter Eile; es entstehen Gewerkschaftsvereine nach den Provinzen; die Gewerkschaftspresse blüht auf. Zu Anfang 1907 zählten wir 652 Ortsgewerkschafteu mit 246272 Mitgliedern. Doch auch hier ist bald ein Rückgang der Bewegung bemerkbar. Die heftige Krise, die zehn Jahre andauert, schwächt die Gewerkschaften, verstärkt die Unternehmervcrbände, die Administration versetzt den Arbeitern einen Schlag nach dem anderen. Um nicht in Details einzugehen, sei hier nur erwähnt, daß im Laufe des Jahres 1908 doppelt sovielsGewerkschaften von der Regierung aufgelöst wurden, als man neue in derselben Zeit gründete. 1S66 blieben bloß 300 Gewerkschaften mit 130 000 Mitgliedern. 1909 schon weniger als 200. mit 37 000 Mit- gliedern. Ungefähr dieselbe Zahl Arbeiter, vielleicht noch weniger, sind durch Gewerkschaften gegenwärtig vereinigt. So wie die Gewerkschaften gleichsam als Ersatz für die Partei erscheinen, entstehen die Arbeiier-Konsumvereine als Ersatz für die Gewerkschaften. Im Laufe des Jahres 1908 werden allüberall Konsumgenossenschaften gegründet, sie wachsen rasch, wie Pilze nach dem Regen. Doch schon im Laufe des folgenden Jahres verkrachen die meisten von ihnen,— teils infolge der vollständigen Arbeitslosigkeit und der schrecklichen Not, die unter ihren Mitgliedern herrscht, teils infolge der Unerfahrenheit und UnVerläßlichkeit des leitenden Personals, endlich infolge der polizeilichen Repressiv- maßregeln. Nur eine kleine Anzahl dieser Konsumgenossen- schasten bleibt bis zu unseren Tagen bestehen. Dieses allgemeine Bild der fortschreitenden Schwächung des Klassen- kampses in dem nachrevolutionären Zeitabschnitt wird am grellsten durch die Zahlen der offiziellen Streikstatistik charakterisiert, so daß wir es für angemessen finden, einige hier zu bringen: �. Die ökonomischen und politischen Streiks 'b'tc Zahl der Streiks Zahl d. Teilnehmer 1895— 1904. 176 43 125 1905.. 13 110'») 2 709 695**) 1906.. 6114 1 108 406 1907 1908 1909 8 573 892 340 740 074 176 101 64 000 Die angeführten Zahlen sind unvollständig, da sie nur die den Fabrikinspektoren unterstellten industriellen Betriebe umfassen, aber die allgemeine Tendenz spiegelt sich in ihnen mit voller Deutlichkeit wieder. Die Schwächung der Tatkraft der Massen, hervorgerufen durch die grandiose Kraftauslösung 1905, durch das schreckliche Weißbluten, das der Konter-Revolution gefolgt ist, und durch die nicht enden ivollende Krise, wirkte verhängnisvoll auf das innere Leben der Partei. Je mehr sich die Partei von der Arbeitermasse löste, in sich selbst sich verschließend; je schwächer sie wurde infolge des Descrtierens der sozialisttschen Intelligenz sowie infolge der Polizeirepressalien, desto intensiver wurde der Kampf im Innern der Partei, desto tiefer die Spaltung unter den Fraktionen und Gruppen. Im Jahre 1905—1906 ver- einigten die Bolschcwiks und die Mcnschewiks unter dem Druck von unten ihre bis dorthin von einander vollständig ge- trennten Organisationen. 1907 wird zwar die formelle Ein- heit der Partei beibehalten, doch bilden die Bolschcwiks, die auf dem Londoner Parteitag wiederum die Majorität erhielten, mitten in der Partei ihre eigene Organisation mit einem be- sonderen geheimen Zentrum, geheim gehaltenen Gcldressourcen und eigenen Vorschriften, die sie entheben von der Notwendigkeit, sich den Vorschriften der Parteileitung zu fügen. Die neuen Formen und Aufgaben der Arbeiterbewegung: Parlameutaris- miis, Gewerkschufien, Konsumgenossenschaften stellen jedoch sehr bald den formellen und äußeren Radikalismus der Bolschewiks auf die Probe, der mehr die unmittelbare Verschärfung eines jeden politischen Gegensatzes im Auge hat, als die Erweiterung dessen sozialer Basis. Der Urbegründer der Boykotttaktik der Duma gegenüber, der Theoretiker des Partisanentums, der •) Die Delegierten versammelten sich ursprünglich in Kopen- Hagen, wo der Parteitag hätte stattfinden sollen, wurden jedoch Dank dem Eifer deS aufgetlärten Herrn(gewesenen) Justizministers Slberti deS Landes verwiesen. Bald nachher geriet dieser ehren- werte Freund deS russischen Zarismus vom Ministerfauteuil direkt ins Gefängnis. In seiner Einzelhaft tröstete den Herrn Exminister höchst wahrscheinlich der Gedanke, daß auch die Mehrzahl der Delegierten des russischen Parteitages seither hinter die Gitter der zarischen Gefängnisse kam— zwar für Verbrechen ganz anderer Art, als jener, welcher daS gewesene Haupt der dänischen Justiz in deren Objekt verwandelte. **) Der Prozentsatz der streikenden Unternehmungen im Jahre 1905 war 93,2 Proz., der der Arbeiter— 163,8 Proz.I Expropriation usw., der Führer der Bolschewiks, Lenin, machte eine ziemlich rasche Evolution durch in der Richtung der„Anerkennung" des Parlamentarismus, der Ausnutzung der legalen Möglichkeiten. Die Mehrzahl seiner Fraktion hält nicht Schritt mit ihm und die Bolschewiks spalten sich in drei Gruppen: die Anhänger Lenins, die in bedeutendem Maße ihren früheren geistigen Habitus eingebüßt, sich aber nicht von der fraktionellen Nnversöhnlichkeit befreit haben; die O t s o w i st e n(Abberufcr), welche die Abberufung der Fraktion aus der Duma fordern, und die U l t i m a t i st e n, die eine mittlere Position einnehmen. Lenin hat gegenwärtig die Majorität in dem Zentralorgan„Der Sozialdemokrat", den er im eng-fraktionellen Geiste weiterführt. Die' Ultimatisten gruppieren sich um das im Auslande erscheinende„Wpered" (Vorwärts). Die Otsowisten besitzen kein Organ.— Ein analogischer Spaltungsprozeß ging in den letzten zwei Jahren auch unter den Menschewiks vor sich. Auf dem rechten Flügel versammelten sich die sogenannten Legalisten und Liquidatoren, die mit dem Strom der Konterrevolution schwimmen, indem sie überhaupt die Notwendigkeit einer organisierten Partei negieren. Sie besitzen zwei legal erscheinende Preßorgane: „Nascha Sana" in Petersburg und„Wosroschdenie" in Mos kau. Auf dem linken Flügel bildete sich unter Führung von Plechanow eine Gruppe Menschewiks-„Partcilcr", welche sich mit Lenin vereinigten in dem Kampfe gegen die Liquidatoren und die Hauptvertreter des Menschewismus: Martow, Axelrod, Mariynow, Dahn, die keine ausgesprochene, bestimmte Stellung in dieser Frage einnehmen; ihr ausländisches Organ ist„Die Stimme des Sozialdemokraten". Noch nie standen die russischen Emigranten, die in unserer Partei eine unverhältnismäßig große Rolle spielen, den Interessen und Anforderungen der russischen Arbeiterbewegung so fremd gegenüber wie gerade jetzt. Die tatsächlichen politischen Differenzen haben sich abgeschliffen und gemildert, die Polemik hat einen rein scholastischen Charakter an genommen und im Zusammenbruch der früheren großen Fraktionen streben ihre einzelnen Teile danach, sich als selbständige Strömungen zu konstituieren. Trotzdem sind die Vertreter aller dieser Gruppen, als sie auf der letzten Vev sammlung des Zentralkomitees im Januar dieses Jahres auf die Äeantwortung der Frage:„Was tun?" herantraten, zu dem eiustimmigen Beschluß gekommen: die Tätigkeit der legalen und der illegalen Arbeiterorganisationen zu vereinigen, das Hervortreten der Dumafraktion in den Rahmen der allgemeinen agitatorischen Parteitätigkeit einzufügen und im Auslande eine Konferenz aus Sozialdemokraten zusammenzuberufen, die in der illegalen Partei und in den legalen Arbeiterorganisationen tätig sind, um auf diese Weise eine tatsächliche Wiedergeburt der Partei hervorzurufen. Diese Beschlüsse, welche leider dem Kampfe der ausländischen Emigrantengruppen kein Ende machten, haben eigentlich nur die Methode formuliert, nach welcher langsam, krankhaft und mit Unterbrechungen der Gesundungsprozcß der Parteiorganisation vor sich geht. Dieser Prozeß geht wirklich vor sich; man muß nur sehen können. Und wenn wir im vorhergehenden Teile unseres Artikels den Verfall der revolutionären Energie des Proletariats sowie die Entartung der früheren Parteiströmungen zu charakterisieren versucht haben, so bleiben uns jetzt die Elemente des Aufschwungs und des Wachstums der Partei zu skizzieren. In der Schule der Revolution und der Gegenrevolution erwuchs die sozialdemokratische Arbeitcr-Avantgarde, von der Partei geleitet und erzogen. Sie wirkt belebend auf die einander entfremdeten einzelnen Teile der Partei, leitet die Agitation, gibt Flugblätter heraus und bildet den Kern der Gewerkschaften, Bildungsvereine und Konsumgenossenschaften. 1907— klagte in der Duma der Gendarmerieches Kurlof— waren nuler 47 963 registrierten Gewerkschaftsmitgliedern 16 045 Sozialdemokraten, 1909 unter 27 619 Mitgliedern 13 475 1 Diese kleine Anzahl Sozialdemokraten ist der feste Grundstock der Bewegung. Sie ergreifen von jeder Bresche Besitz, ihre Repräsentanten treten in festgefügten Reihen auf allen bourgeoisen Kongressen: der Philanthropen, der Aerzte, Feministen und Feministinnen, immer die Prinzipien des Sozialismus verkündend, auf. Die in Wien mit Unterstützung des Zentralkomitees erscheinende Arbeiterzeitung„Pravda", welche sich von Anfang an ganz abseits von jeder Fraktions- Polemik gehalten hatte, stellt sich die Aufgabe, mittels plan- mäßiger politischer Agitation dieser Elite des Proletariats, die frei von jedem Vorurteile des Sektierertums ist, die Erneuerung der Partei auf gesunder, proletarischer Basis zu erleichtern. Wir besitzen eine parlamentarische Fraktion, welche aus 15 Mit- gliedern besteht. Gewählt unter den schrecklichsten Bedingungen, auf Grund des schändlichsten Wahlrechts, erhebt sie mitten in der undurchdringlichen Finsternis der Stolypinschen Duma tapfer die Stimnie des Protestes gegen die Greueltaten der trüliuphierendeu Reaktion. Je weiter, desto mehr lenkt die Fraktion die politische Aufmerksamkeit der vorgeschrittenen Arbeiter auf sich. Die Gewerkschaften tun alles, was sie können, um mit der Dumafraktion in Kontakt zu treten. Die gewerkschaftliche Presse wird trotz des über ihr hängenden Polizcischivertes im radikal-sozialdemokratischen Geist geführt, bringt die hervor- ragenderen Reden unserer Abgeordneten, beleuchtet kritisch die Arbeiten der Konsumgenossenschaften und Bildungsveran- staltungen und bringt auf diese Weise möglichst große Einheit in alle Gebiete des proletarischen Lebens und Kampfes. Derart sind die Elemente der Entwickeluug und Wiedergeburt der Partei. Wenn wir unsere jetzige Lage mit jener vergleichen, welche in Frankreich nach der Zerstörung der Kommune eintrat, als der Sozialismus für mehrere Jahre von der Erdoberfläche ver- schwand, so werden wir sehen, um wie viel wir jetzt reicher und stärker sind. Wenn sich die beginnende wirtschaftliche Belebung, die jetzt durch die schreckliche Cholcraepidemie unter- brachen ist, zu einem wirklichen Aufschivuug der Industrie entwickelt. Wird dies rasch die Gewerkschaften stärken, das Selbst- bewußtsein der Arbeiter heben und auf dieser Basis unsere Parteiorganisation festigen, indem sie für immer von den Uebcrbleibseln des Sektierertums der Intelligenzler gereinigt wird. Wir können mit Sicherheit der Internationale ver- sprechen, daß wir bis zum nächsten Kongreß viel stärker sein werden als jetzt._ - Oje Partei in Ilomegen. Kristiania, im August. Die sozialdemokratische Partei in Norwegen ist erst in den letzten Jahren ein wirklicher Faktor in der Gemeinde« und Staatspolitik geworden. Vor dem Jahre 1905 waren eS vornehmlich die UnionS» fragen, die Fragen des Verhältnisses zu Schweden, die im Vordergrunde des politischen Interesses standen und an denen sich die zwei politischen Parteien— Venstre, radikal, und Höire, konservativ— formierten. Nachdem die Venstrepartei eine Reihe konstitutioneller Refornen und die vollständige Selbständigkeit nach außen im Jahre 1905 durch» geführt hatte, ist diese bürgerlich-radikale Partei mehr und mehr dazu übergegangen, an dem Bestehenden festzuhalten und der wirk- liche Freisinn beginnt nun, sich unter der Fahne der Sozialdemokratie zu sammeln. Norwegen ist im Begriffe ein Industrieland zu werden, was sich auch im politischen Leben ausprägt. Es find in den letzten Jahren ein neues Fabrikgesetz, ein Gesetz über Staats zuschuß an Arbeitslosigkeitskassen und eine Zwangskranken» Versicherung für alle Lohnarbeiter, deren Verdienst in den 'Städten 1400 Kr. und auf dem Lande 1200 Kr. nicht übersteigt, durchgeführt worden. Diese Gesetze sind natürlich bei weitem nicht so, wie die Arbeiter» schaft sie fordert, aber sie bezeichnen doch einen sozialen Fortschritt und tragen auch das Gepräge, daß die gesetzgebende Körperschaft angefangen hat, in größerem Matze als bisher sich mit den ver« schiedenen Arbeiterfragen zu befassen. In Vorbereitung ist ein Gesetz über obligatorische Vermittelung bei Arbeiterkonflikten. Die Verfassung in Norwegen ist streng demokratisch und kennt nur das Einkommcnsystem, hat im weiteren eine ausgeprägt parla- mentarische Negierung und so gut wie kein königliches Veto. Nach der letzten Erweiterung des Stimmrechte? im Jahre 1909 haben alle Frauen und Männer über 25 Jahre Wahlrecht bei den Gemeinde wählen, ausgeschlossen sind nur diejenigen, die im letzten Jahre vor der Wahl Armenunterstützung bezogen haben. Bei den Storthingswahlen(Parlament) besteht noch eine Begrenzung für die Frauen, indem Steuerzahlung Bedingung für das aktive Wahlrecht ist. Ein Vorschlag zur Erweiterung ist dem Storthing unterbreitet, und es hat alle Wahrscheinlichkeit für sich, daß et angenommen wird. Die Mitglieder der norwegischen Arbeiter» parte! rekrutieren sich im wesentlichen aus den Fachvereinen, die in großer Zahl der Partei angeschlossen find. Die gewerkschaftliche und politische Arbeiterbewegung arbeitet in Norwegen Hand in Hand, ohne jedwede Reibungen, da die organisierten Arbeiter die Sozialdemokratie als die ihnen am nächsten stehende Partei erkennen. Der Fortschritt der politischen Arbeiterbewegung ist natürlich in hohem Grade von der Entwickelung der Industrie und den Gewerk- schasten bedingt. Aber auch in den ländlichen Distrikten sind in letzter Zeit eine Reihe sozialdemokratischer Vereine gegründet worden. Die Arbeiterpartei zählte im Jahre 1909 26 800 Mitglieder in 637 Vereinen. Die gewerkschaftliche Landesorganisation (Landeszentrale), die praktisch alle Arbeiterfachvereine umfatzt, hat ungefähr 50 000 Mitglieder. Von den Faibverbänden find der Ver- band der ungelernten Arbeiter und der Eisen- und Metallarbeiter- verband die größten mit 22 000 und 8000 Mitgliedern. ES existieren zurzeit 460 Tarifverträge, sie umfassen zirka 50 000 Arbeiter. Die meisten Verträge sind seit 1905 abgeschlossen, wo die Gewerkschaften sich durchzusetzen vermochten. Die verschiedenen Organisationen haben ein Gesamtvermögen von zirka 1 Million Kronen. Die Parteistärke bei der StorlhingSwahl 1909 war wie folgt: Konservative 173 092 Stimmen oder 41,7 Proz., Bürgerlich-radikale 132 907 Stimmen oder 31,7 Proz., Sozialdemokraten 91 047 Stimme« oder 21,7 Proz., andere Parteien 22 573 Stimmen oder 5,4 Proz. Im ganzen wurden 419 619 Stimmen in 123 Kreisen ab» gegeben. Die Abgeordneten verteilen sich wie folgt: Die Kon» servativen haben einen Abgeordneten auf 2748 Stimmen, die Bürgerlich-radikalen einen auf 2828 und die Sozialdemokraten einen auf 8277 Stimmen. Die Parteigruppen im Storthing bestehen nämlich aus 63 Konservativen, 47 Bürgerlich-radikalen, 11 Sozial- dcmokraten, 2 Unabhängigen. Daß die Sozialdemokraten trotz ihrer großen Stimmenzahl nur so wenig Abgeordnete erhalten haben, kommt davon, daß die Wahlen in Kreisen vor sich gehen, die nur einen Abgeordneten wählen. Bei den Stichwahlen gehen in der Regel die bürgerlichen Parteien(auf alle Fälle die konservativen) zusammen gegen die Sozialdemokraten. Auf diese Weise steht die Sozialdemo- kratie mit großen Minoritäten in einer Reihe von Kreisen, die voraussichtlich bei den nächsten Wahlen im Jahre 1912 ihr zufallen werden./ Die Partei schließ) keine Wahlbündnisse, weder in der ersten noch in der zweiten Wahl. Ausschlaggebend für diese Taktik ist zum Teil die Tatsache gewesen, daß die bürgerlich-radikalen Parteien in Norwegen stark militaristisch und protektionistisch sind und auf diese Weise ein Zusammenarbeiten unmöglich machen. Inwieweit diese Taktik auch fernerhin aufrechterhalten werden kann, wenn die Partei immer größer wird, ist eine andere Frage. Die sozialdemokratische Storthingsgruppe macht sich als antragstellende und angreifende Partei geltend und übt dadurch moralischen Einfluß auf das Storthing aus. Die bürgerlichen Parteien sind wegen des starken Anwachsens der Sozialdemokratie ganz ängstlich geworden; bezeichnend dafür sind die Worte eines Abgeordneten; er sagte nämlich, die einzigste Art, die Sozial- demokraten zurückzudrängen, sei, gute, soziale Reformen durch» zuführen. Auch in der Kommunalpolitik macht sich die sozial» demokratische Partei geltend. In mehreren größeren Städten und industriellen Distrikten bilden die Sozialdemokraten die zweit- größte Partei in den Gemeindcparlamenten und sind im Begriff, die Mehrzahl an sich zu reißen. Es ist speziell die Entwickelung der Volksschulen und kommunalen Betriebe, der Straßenbahnen usw. usw., für was die Partei dort arbeitet. Das Genossenschaftswesen ist m Norwegen weniger ausgebreitet; aber das Interesse für dieses Glied in der Arbeiter» bewegung befindet sich in starker Steigung und auf dem Kongreß der Landeszentralen in diesem Jahre ist diese Sache eingehend be- handelt und ein Vorschlag angenommen worden für Agitation und Förderung des Genossenschaftswesens. Die sozialdemokratische Presse hat w allerletzt« Zeit eine starke Zunahme und Erweiterung erfahren. Es erscheinen jetzt 8 täglich erscheinende Zeitungen, 3 dreimal wöchentliche. 7 zweimal wöchentliche, 3 Wochenblätter, 1 halbmonatliches Blatt, 2 Monatsblätter, 1 Vierteljahresschrift, 1 halbmonatliches Witz- blatt. Außerdem erscheint eine Reihe von Agitationsschriften. Die norwegische Arbeiterpartei hat durch den sicheren Mit- gliederstand, den sie in den Gewerkschaften besitzt und durch daS gute Zusammenhalten innerhalb der Partei die besten Aussichten für ein« gesunde und kräftige Entwickelung. Die Partei ist. üb« die erste Agitationszeit hinausgerückt und kann nun ihre Theorien teilweise in die Praxis umsetzen. Die demokrattsche Verfassung des Landes gibt den Arbeitern freien Zugang zur Uebernahme der Verwaltung in Staat und Kommune. Wann dies geschehen wird, das hängt von d« Auf. klärungs- und Agitationsarbeit ab, die. die Partei und die Ge- werkschasten leisten können. ES ist nicht ausgeschlossen, daß Nor- wegen in der Richtung deS sozialen Fortschritte? ein vorbildliches Land werden wird, was es bereits neben Finnland in Wahl- vechtsfragcn ist. (Fortsetzung in der 2. Beilage.) Verantw. Redakteur: Han« Weber, Berlin. Inseratenteil verantw.i Uh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanftall Paul Singer Le Co., Berlin L W. Hierzu 6P«ila»en. s,. m 27.1.1,«. 1. leiidje des DWlirts" Derlilltt DöiksdlM. z-W'.g.28.ZAHM0. Die neue Einberufung cles ikeichstagz! Nicht nur die nationalliberale Presse, sondern sogar freikonservative Blätter müssen mit dem Aus- druck des lebhaften Bedauerns einräumen, daß die Königs- berger Rede Wilhelms II. nicht etwa nur ein zwar bcklagcns- werter, aber politisch nicht tragisch zu nehmender Durchbruch des impulsiven Temperaments deS Kaisers war, sondern eine Kriegserklärung an das konstitutionelle Regime, ein bewußter, program ni«tisch er Bruch mit jener offiziellen Beschwichtigungserklärung, die in den stürmischen Novcinbertagcn 1908 der„Staatsanzeiger" abgegeben hatte. Ein B r u ch mit der Erklärung, daß Wilhelm II. seine vor- nehmste Aufgabe darin erblicke, die Stetigkeit der Politik des Reiches unter Wahrung der verfassungs- mäßigen Verantwortlichkeiten zu sichern. Die Königsbergcr Rede ist ein so nacktes und ostentatives Bekenntnis zum persönlichen Regiment, zu der Auffassung eines mystisch überspannten Gottesgnadentums, das sich er- haben dünkt über den Willen des Volkes und der Volks- Vertretung, daß ausländische Blätter voll mitleidigen Spottes erklären, in anderen Staaten vermöge man sich überhaupt nicht in die Gcistcssphäre solch' absolutistischer Vorstellungen hineinzuversetzen! Und diese Proklamation eines mystischen, mit der kon stitiltionellen Auffassung gänzlich unvereinbare» AbsolntisuinS erfolgte nach den Parlanientsverhandlungen, wie sie im No- vember 1908 stattgefunden hatten, nach so einzigartigen Verhandlungen, von deren drastischer Forin wir ja in unserer gestrigen Nummer hinlängliche Stilproben gegeben haben! Alle Parteien mit einziger Ausnahme der kleinen Gruppe der staatsstreichlerischen Junker, die den Absolutismus für die Vorbedingung ihres absoluten Junker- r e g i m c n t s halten, waren darin einmütig, daß es so uicht weiter gehen könne, daß das pcrsöuliche Regiment ver- schwinde» müsse, daß es unerträglich sei, daß der Träger der Krone seine persönlichen Ansichten zum Rtittelpunkt und ausschlaggebenden Faktor der Politik eines großen modernen Kulturvolkes inachen zu dürfen glaube! Und nach anderthalb Jahren, nachdem der damalige Kanzler, der, obwbhl viele Jahre hindurch das willige Werk- zeug persönlicher Impulse seines„Herrn", doch schließlich der Politik der persönlichen Einfälle Einhalt zu tun sich ge- nötigt gesehen hatte, ins Exil geschickt worden, erleben wir von neuem die Erklärung und Betätigung dieses unmöglichen, feierlich preisgegebenen Rc- giments! Die Novembertage sind vergessen, alle Versprechungen ausgelöscht! Ucber das Pronunziamento aller Parteien ist die Krone zur Tagesordnung übergegangen!„So will ichs, so bcfchl' ichs", soll wieder die einzige Parole sein für die deutsche Politik nach außen und nach innen! Daß die Junker, die 1908 kleinlaut und verzagt bei- feite standen, jetzt jubilieren, ist nur zu begreiflich. Was wären sie ohne das absolute Regiment, ohne den Einfluß der Kama- rilla, der höfischen Einflüsterung und Ränke! Und daß das Zentrum, das sich auf Tod und Leben mit den Junkern verbündet hat, heute gegen die Proklamation des Absolutis- mus kein entschiedenes Wort findet, ist ja auch nur zu be- greiflich. Um so erstannlichtr aber lst es, das: der Liberalismus noch keine schärferen Töne gefunden, daß er sich nicht sofort zu der einzig möglichen und unbedingt gebotenen Losung auf- geschwungen hat: Wir verlangen die sofortige Einberufung deö Reichstages! Soll die Sozialdemokratie wiederum die einzige Vertreterin nicht etwa der Demokratie, sondern sogar unserer Konstitution bleiben?� Denn nicht um dcinokratisckze Forderungen handelt es sich in diesem Augen- .blick, sondern uin die Wahrung der konstitutionellen Rechte des deutschen Volkes! Um die Wahrung jener Rechte, auf die keine moderne Nation verzichten kann, ohne der Verachtung der ganzen politisch mündigen Welt anheimzufallen! Die Versprechungen des„Staatsanzeigers" vom 17. No- vember 1908 sind gebrochen worden. Soll die deutsche Volksvertretung nicht zum europäischen und internationalen Kindsrgespött werden, so muß sie jetzt ohne Zaudern die konstitutionellen Garantien schaffen, die bereits im Jahre 1908 zu schaffen sie zu schwachherzig und zu optimistisch war! Denn daß ein persönliches Regiment, wie es in Königs- berg„stabiliert" worden ist, absolut unverträglich ist mit dem Gedanken der Konstitution, das ist ain 2. und 3. De zcmbcr 1908 von den Vertretern der ungeheuren Mehrheit des Reichstags einmütig festgestellt worden. Sozial demokratie. Freisinn, Skationalliberale, Zentrum und Polen waren sich v ö l l i g e i n i g in der Ansicht, daß ein unverantwortliches persönliches Regiment nicht länger zu dulden sei! Hier- nach dein amtlichen Stenogranim die urkundlichen Beweise dafür. Es erklärten: Dr. Müllcr-Meiningen(frs. Vp.): Dies« Beschränkung der Rechte des Parlament? auf die sogenannte parlamentarisch-politische, auf die mora- l i s ch e Verantwortlichkeit wurde im Jahre 1867 auch von den her- vorragcndsten Parlamentariern sowohl der Deutschen Fortschritts- Partei wie der nativnallibcralen Partei auf das aller- schärfste bekämpft. Ter Abgeordnete Schulze-Delitzsch hat nach meiner Ucbdrzcugung den Nagel auf den Kopf getroffen, als er damals aussprach: Das Prinzip der moralischen Verantwortlichkeit ohne jede Garantie ist das Prinzip des Absolutismus.(Zustimmung links.) Das Prinzip der juristischen Verantwortlichkeit bis zur kriminellen Haftung hin ist das Prinzip des konstitutionellen Staates.(Erneute Zustimmung links.) In der Sitzung vom 23. März 1867 hat der bekannte Rechts- kehrer, der Abgeordnete Dr. v. Waechter, richtig prophezeit, indem er dem Deutschen Reichstage zurief:..Wenn wir die wesentlichen Grundpfeiler unserer Verfassung aus- lassen, so setzen wir unseren Nachkommen einen beinahe un- über steiglichen Damm entgegen, um das zu erreichen, auf da» vir jetzt dringen müssen." Nun, erwarntevergebens. eine Ccheinverfassung, eine blosie„Folie für den ZlbsolutismuS" anzunehmen. Dr. Spahn(Z.): Wir habe» den Wunsch, eine übercinstimmende Auffassung des Reichstages als Abschluß der Novcmberdcbaiten dahin herbeizu- führen, daß uns ein Ministerverantwortlichkcits- g e s e tz vorgelegt werde, um die Verantwortlichkeit des Reichs- konzlers praktisch geltend machen zn können. Wir denken uns, daß die Verantwortlichkeit des Reichskanzlers sich zu erstrecken hat aus die Tätigkeit als Berater des Kaisers in den Fällen der Gegenzeichnung, wie sie der Art. 17 bereits enthält.... Tonn wird der Kanzler allerdings auch verantwortlich sein müssen für die Tätigkeit als Chef der gesamten Reichsverwaltung, also auch für die ministeriellen Handlungen, die von ihm oder seitens der Staatssekretäre vorgenommen werden, und zwar selbstärndig als Vertreter des Kaisers.... Dann würde als dritter Punkt noch in Frage kommen, in- wieweit sich die Ministerverantwortlichkeit auch auf solche Hand- lungen des Kaisers bezieht, die nicht gegengezeichnet zu werden brauchen oder bei denen ihrer Natur nach eine Gegen- Zeichnung unmöglich ist. Zu den letzteren Handlungen würden ja nun die Reden des Kaisers gehören, würden Privat- g c s p r ä ch e gehören, würden unter Umständen auch Briefe gehören. Wir haben ja Mitteilungen nach diesen verschiedenen Richtungen bekommen. Nun ist zweifellos, daß die Verantwortung des Reichskanzlers in diesen Fällen nicht in dem Sinne zu der- stehen ist, daß der Kanzler sie zu verhindern hätte; denn er bekommt sie ja selbst erst zur Kenntnis, nachdem sie geschehen sind, und sie lassen sich ja dann nicht mehr rückgängig machen. Aber die Ver- antwortlichkeit trägt er in der Weise, daß er, wenn er sie mißbilligt, entweder uns gegenüber die Verantwortung übernimmt, trotzdem er sie mißbilligt, cder das) er seine Demission nimmt.... Allerdings wollen wir auch das nicht verkennen, wenn es dazu kommt, daß M i n i st c ra n k la ge gegen einen Kanzler erhoben wird, und wenn diese V e r u r t e i- lung dazu führt, das? nun nicht mehr der Kaiser allein über die Entlassung des Kanzlers entscheidet bczw. der Kanzler darüber, ob er sein Demissionsgesuch einreichen kann, sondern daß der Staatsgerichs hos mitspricht, dann wird das parlamentarische Wirkungen ausüben; denn es wird für den Kaiser in seiner AnS- wähl der Personen eine besondere Schranke insofern bilden, aW er der Gefahr sich nicht aussetzen will, daß nachher eine Minister- anklage den Kanzler seines Amtes entsetzt, und er wird auf die Mchrhcitsgrilppierungen, die im Parlament sich gebildet haben, bei der Ausmal?l seiner Kanzler Rücksicht nehmen. v. Brudzcwo-MiclzYnSki(Pole): Meine Herren, wir haben in den letzten Tagen sowohl vom Ministertisch als auch von einzelnen Abgeordneten so viel von ganzer Arbeit gehört. Ich glaube, das) beute der?luaenblick da ist, wo ganze Arbeit gemacht werde» soll.(Sehr richtig!) Jeden Ver- such, aus dem Wege einer Aufforderung an die Regie- r u n g irgendwelche Garantien zu geben oder gar durch eine Adrcße au den Kaiser die bestehende?: Verhältnisse zu ändern und irgendivelche unbefugten Machtfaktoren zu verhindern, in das Rcichsrcgiment eilizugreifcn, halteg wir nur für ein Fli ckwcrk, für einen Schlag ins Wasser, der die bestehenden Verhält- liisse nicht ändern ivird, sonder?: die Minister u??d die regierenden Faktoren i?: der Ansicht verstärken wird, daß sie auch weiter- hin über die Beschlüsse des Reichstages werden zur Tngesord?:ung übergehe?: kön?:en.(Sehr richtig! bei den Polen und links.) Rur eine Aenderung der Verfassung, welche de?n Volke durch sei?:« Vertreter das Recht sichert, über seine Geschicke mit zu entscheide??, kann den U?nsiäiidcn, Ivelche— das werden alle cinräKmen— unhaltbar geworden sind, ein Ende machen. Dr. Junck(natl.): Die Verantwortlichkeit des Ministers ist das iiotlvcndige Korrelat der Tatsache, daß der Monarch selbst— auch in konstitutionellen Staate??, nicht bloß in absolute?:— persönlich nicht zur Vera,?twortung gezogen werden kann. Es?nuß daher cien Person geben, die für alle seine Ne- giern»gshandl??ngcn verantwortlich gcinacht werden kann; sonst ist die eigentümlich.; Stellung des Monarchen nicht de?:kbar, a?: der wir unbedingt festhalte?: Ivollcn. Ei?: geordnetes Verantivortungs- systei?: liegt sowohl im Interesse des Ministers als auch des Mo- narchen,— im Interesse des Ministers, weil zweifellos der Hin- weis, daß er, in ga?:z präziscin Sinne, veral?twortlich sei, seine Stellung gegenüber dem Monarchen stärken muß; aber auch im Interesse des Monarchen, hier des Kaisers, weil es nur auf oieseWeise möglich i st, dieKritiküberdieHand- lungen des Kaisers auf einen neutralen Boden zu ziehe?:. Ledcbour(Soz.): Wie toerden denn jetzt bei uns die Minister ge?nacht? Meine Herren, die Minifterfabrikation(Heiterkeit) vollzieht sich in einer Dunkelkammer, aus der plötzlich ein ganz unbekannter Genius, wie ein Homunkulus aus der Retorte, hcrausspringt. Was für Persönlichkeiten haben wir hier nicht plötzlich als Minister auftauchen sehen!(Er?:cute Heiterkeit.) Ein früherer Husarengeneral stellt sich eines schönen Tages mit der- gnügtem Lächeln als P o st??: i?: i st e r vor. Weshalb wurde er gerade für die Post ernannt? Es war vielleicht augenblicklich keine andere Vakanz da, u??: einem so vorzüglichen Skat- spicler seinen gebührenden Platz zu geben!(Große Heiterkeit.) Daß er nachher voin Sessel des Post??:inisters hinüber- voltigierte aus de?: Sessel des preußischen La?:dw:rt- s ch a f t s m i n i ste r s, na, das hatte noch immerhin die Räson, daß er ein erfahrener Großschlvcinezüchtcr loar.(Heiterkeit.) Und daß er uns heute nicht erleuchtet mit seinen merkwürdigen, über die Gra?mnatik hinausgehend stilisierten Reden, das liegt einfach daran, daß er sich schließlich doch noch bei T i p p e l s k i r ch u. Co. vor den Bauch gestoßen hat.(Anhaltende Heiterkeit.)... Ein Herr Reichskanzler(stür?nische a??dauer??de Heiterkeit) erschien hier eines Tages, kurze Zeil nachdem er sein Amt über- nommen hatte, und auf eine etwas herbe Kritik der Ansichten über innere Politik, die man bei ihm vcr?nutete, sagte er vergnügt: „Aber, meine Herren, Sie kennen mich ja noch gar nicht l (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten) warten Sie doch ab, wie der Hase läuft I" Ja, meine Herren, so cttvas dürste sich kein Reichstag, so etwas dürfte sich ein reifes Volk nicht gefallen lassen(Sehr richtig! bei den Sozialdeinokraten), daß der let- tende Mi»ist er ernannt wird, oh?:e daß über- Haupt jemalsin der Oeffentlichkeit dasgeringste darüber verlautet ist, was für Uebcrzeugungen er hat, ob er seinen Charakter iin Kampfe gestählt hat, daß?na?: sich aus die Betätigung seiner Ueberzeugungcn verlassen kann, wie diese Uebcrzcugungei: auch sein mögen.(Sehr richtig! bei den Sozialdc???okrate?: und den Polen.) DaS war eine der schwersten Provokativlien des Reichstages. Daß der Reichstag sie sich da?nals hat gefalle?: lassen— wir Sozialdemokraten haben dagegen remonstriert— erklärt, weshalb er /fortwährend mit derartiger Nichtachtung behandelt wurde, wie ihn die regierenden Kreise stets I und ständig behandelt haben.'(Sehr richtig! bei den Sozmldemos kraten.) In eine?» Volke, Ivo wirklich das Volk in letzter Lii:ie über seine Geschicke entscheiden soll, da dürfe?! l?ur Männer an die Regierung kommen, die eben ihre U e b c r- zeugung, ihren Charakter bewährt haben, die als Person ein Prograinm vertreten(Sehr richtigl bei den Sozialde?no- kraten rlnd den Polen), nicht irgendein Mann, der in irgendwelcher Beziehu??g sich das Wohlgefallen des zur Zeit maßgebe??de?: Favo- ritcn der entscheidenden 5ra?na rilla erworben hat(Heiterkeit). wo dann der??: a ß g e b c n d e Favorit sagt: Bernhard ?n u ß nach B e r l i n I(Erneute Heiterkeit.). Ja, v?cine Herren, es geht nicht so weiter.... Wir wollen heute nicht darlegen, wie es kam, daß es trotz dieser Erklärung beim alten blieb, daß die Reichstags- niehrhcit schließlich auf die Schaffung der konftitutioiiellen Garantien verzichtete. Nachdem sich aber nunmehr herausgestellt hat. welch sträflichem O p t i m i s m u s sich diejenigen Parteien hingegeben haben, die damals der feierlichen Erklärung des „Staatsanzcigers" Glauben schenkten, ist es endlich aller- höchste Zeit, das Versäumte unverzüglich nachzuholen! Wir erwarten, daß sich zum mindesten der gesamte Liberalismus mit allem Nachdruck unserer Forderung anschließt:■* Sofortige Einberufung des Reichstages! Sie fresse und die liaiierrede. Es ist deutlich zu erkennen, daß der s ch w a r z b l a u e Block gewillt ist. Wilhelm II. in seiner Kampfansage gegen die verfassungsmäßigen Rechte des deutschen Volkes Gefolgschaft zu leisten. Den: Z e n t r u?n, das ja manchmal einen demokratischen Charakter hervorzuheben liebt, ist zwar � nicht gerade sehr behaglich zu M?ite. Aber auf der schiefe?: Ebene des Volksverrats, den es in dem Steuerraubzug und in der preußischen Wahlrcchtsfrage verübt hat, gibt es cbe?: kein Halten mehr. Vor die Wahl gestellt zivischen dem Recht des Volkes und dem Anspruch deS Gottesgnadentums zu wählen, zaudert das Zeiltrum nicht und entschließt sich für das persönliche Regiment gegen das Volk. Dies zeigt delitlich der Kolllmcntar, den das führende Zcntrumsorgan, die„Köln. V o l t s z t g." zur Kaiserrede liefert. Telegraphisch wird uns darüber be- richtet: Die„Kölnische VolkSzcitling" schreibt z?lr KönigSbergcr Kaiser- rede, die Aera B ü l o lv ist endgültig vorüber. daS belvcist am besten die Königsberger Rede, und dar????: fühlt sich der Kaiser auch der Fessel» lcdig, die er sich damals auferlegt hat. Wenn die liberale Presse ihn nninnehr als ,. Rück« fällige?:" kennzeichnet, so entspricht das weder dieser Sachlage noch politischer Klligheit. Sicherlich hat der Kaiser mit Absicht, ?:: i t volle?:: Vorbedacht eine Gelegenheit herbeigeführt,:nn seine Auffassung mit aller Bcstiinintheit zmn Allsdruck zu bringen. DaS mag man i?:: liberalen Lager als Demonstration, als Alltlvort aus gelvisse Reden vom November 1608 eillpfindc?:, ein„Rückfall" ist dafür aber gewiß nicht die richtige Bezeichnung. Wir glallbci: aber auch nicht dara??, daß der Kaiser nll??i??chr wieder ganz in derselben iinpulsiven Weise, wie in früheren Jahren sich auch über TageSfragen äußern wird. Erfahrungen gehen a?? nic?nalld spurlos vorüber. Kaiser Wilhcln: ist geiviß der letzte, der aus Erfahrul:gen nicht lerne?: invchte, man kam: dies auch an der KönigSberger Rede sehr wohl erkennen, trotz aller Be- stimmtheit i?: der Forn: enthält sie doch keine jener aggressiven Wcndunge?:, die in älteren Reden nicht selten Aussehen erregten, sie ist sozusagen rein grundsätzlicher Art, ohne Stcllungnahine in einer bestimmten Einzelsrage der Tagespolitik. Mag mai: mit der Königs- bergcr Rede auch nicht in allein cinverstanden sein— auch wir mochten nicht jede Wendung unterschreiben—, als Proklamation des AbsolutislNllS, als Kampfansage an das Parlament überhaupt wird man sie bei ruhiger Ueberlegung doch schlvcrlich be- zeich??«: dürfe?:. Empfindet sie der LiberalisnmS als„Kampfansage", so ist daS seine Sache. Unseres Ecachtei:S geht auch das zu weit, wir sind keiileStvcgS so optimistisch, z?: hoffe?:, daß der Kaiser das Tischtlich mit den Liberale?: habe zerschneide?: wollen, dagcge?: spricht auch«mnche andere Erwägung und Erfahr??ng, aber eine Warnul:g a?: die Adresse deS Liberalis in us mag die Rede wohl sein, eine Warnlliig iir Form einer Antwort auf den November stürm von 1908. Das ZeutrurnSblatt hat also nur eine Sorge: Wilhelm II. soll seilte Gnade den Liberalen entziehen und den Klerikalen zuwenden. Alles andere existiert für das Blatt nicht. Die Verfassung ist Nebensache, das Zentrum ist mit dem Absolutismus völlig einverstanden, wenn er nur seine und nicht die liberalen Geschäfte besorgt. Die Beteiligung des Zentrums an den Novemberstürmcn wird so nachträglich von seinem Hauptorgan selbst als elende Komödie offenbart. Für das Zentrum handelte es sich auch damals nicht um eine Sicherung der Verfassung, fanden: lim eine Intrige zum Sturze B ü l o w s. Nachdem dies ge- Illligen, hat ja gerade das Zentrum in trauter Gemeinschaft lilit den Konservativen alles darangesetzt, um die Schaffung vcrfassllngsmäßigcr Garantien zu v c r h i n d e r n. In ähnlichem Sinne tvie die„Köln. Volksztg." nimmt auch die„Germania" Stellung. Von den konservativen Blockbrüdern bricht heute die„Deutsche Tageszeitung", das Organ für Brot- und Fleischwucher, eine Lanze für das Gottes- gnadcntum. Und die„Krcuz-Zeitung" schreibt: „Der gesamten Linken ist das Dogma von der Volkssonverärntät gemeinsam, während Wilhelm II. an der konservativen Auf- f a s s u n g s e st h ä l t, daß den Königen von Preußen die Kro?le „von Gottes Giladcn allein verliehe?: sei und nicht von Parla?l:enten, Volksversanunlungen uild Volksbeschlüsse?:". Zlvische?: diesen polt- tischen Dogmen ist cii? Ausgleich unmöglich. Ailch die V e r f a s s u n g hat ihn nicht gebracht. Es ist darum Spiegelfechterei, wenn liberale und demokratische Zeitungen sich a?>f die Verfassimg berufen, als habe die Verfassung, indem sie das Volk?:: ü n d i g sprach, den König entmündigt. Ja, das war die Hoffnung der Liberalen und Demo» kraten, als in den Nove?::bertagen der Kö?:ig sich Schiveigen auferlegte u?:d still über sich ergehen ließ, wofür andere die Hauptschuld trugen: der Kö??ig, der gleichberechtigte Faktor der Gesetzgebung, der Inhaber der Exekutivgcivnlt und oberste Kriegsherr, sollte ga?,z verstillnmcn, die Parla?ne??te, die VolkSversimmstunge» und Zeitungen sollten allein z?nn Volke spreche?: dürfrn, und was die Parlamente beschlösse?:, dem sollte sich der König fügen. Es war aber nicht (inzimchmcn, daß sich der König aus die Dauer ins Unrecht fetze» ließ, und er hat am 2ö. August seine Auffassung von den Rechten und Pflichten des Königs von Preußen wieder einmal so scharf und deutlich ausgesprochen, wie nur je zuvor." Man sieht, die„Kreuz-Ztg." hat die feierliche Erklärung Wilhelms II., sich in Zukunft die- nötige Zurückhaltung aufzu- erlegen, nicht als auf die Dauer berechnet angesehen. Sie dachte eben in bezug auf dieses Versprechen nicht minder skeptisch wie über dasjenige einer Wahlreform in Preußen. Und das rohalistische Blatt hat, wie die Ereignisse zeigen, ja ein sehr maßgebendes Urteil in diesen Dingen. Von den sonstigen Urteilen der deutscheu Presse wollen wir uns nur auf die folgenden beschränken. Die konservativen „Verl. Neuest. Nachr." schreiben: „Mir tiefem Bedauern, da? verstärkt wird durch den Zeitpunkt der neuen Kundgebung, stellen wir fest, daß das deutsche Noll seit dem November ISVS in einem Irrtum befangen war. Wu glaubten, daß der Monarch durch freien Entschluß aus der Schußlinie getreten fei, in der ihn kein Vaterlandsfreund gerne erblicken durfte. Wir überließen uns der Hoffnung, daß er sich nicht mehr den Angriffen der Tageskämpfer aussetzen werde und nicht mehr ihren vielleicht noch peinlicheren Verteidigungen. Das ganze Volk glaubte, daß eine solche Zurückhaltung beschlossen und daß sie deni Herrscher wie dem Vaterlande zum Segen gereichen werde. Es war ein Irrtum. Die Täuschung ist vorüber; wir sind lv i e d e r, wo wir to a r e n.... Ob der Kanzler die Rede vorher gekannt hat oder nicht: in beiden Fällen wird ihm Gelegenheit werden, sich zu verantworten. In beiden Fällen erheischt seine Rolle eine Erläuterung." Die demokratische„Verl. Morgenpost" schreibt: „Die Königsberger Rede deutet auf Sturm. Und in der Tat: das Volk müßte ja Fischblut in den Adern haben, müßte aller politischen Reife völlig bar sein, wenn eS ruhig und gelassen bleiben sollte, angesichts der Tatsache, daß die Grundsätze der Konstitution, deren Segnungen es nunmehr länger denn ein halbes Jahrhundert genießt, den hohen und höchsten Regionen nach wie vor etwas Fremdes, ja vielleicht sogar etwas Widerwärtiges sind. Noch aus einem anderen Anlaß haben wir Grund zur Unruhe und zur Besorgnis. Anfang Juli brachten wir einen Artikel, in dem eine politisch sehr gut unterrichtete Persönlichkeit die öffentliche Auf« merksamkeit auf die Pläne des Herrn v. B e r h m a n n H o l l lu e g lenkte. Er will das Resultat der kommenden ReichZtagswahlen, das be- stimmt in einem gewaltigen Sieg der äußersten Linken bestehen wird, benutzen, um die süddeutschen Buiidcsfürsten für eine Bcr- schlcchtcrung dcS RcichStagSniahlrechtS, und die preußischen Reaktionäre für eine Anpassung des preußische» Wahlrechts an das also vcr- schlcchtcrte RcichstagSwahlrecht zu gewinnen. Sollte die Königs- bergcr Rebe, und die auffällige Rückkehr zu der novemberlichen NcdeproxiS der Anfang zu der kommenden Reaktion fein? Es wäre freilich die denkbar verkehrteste Einleitung." Die Kommentare der auswärtigen Presse sind zu- meist auf einen höhnischen Ton gestimmt. So schreibt der Londoner»Dailh Expreß":! „ES ist wahrscheinlich, daß Kaiser Wilhelm der einzige Mensch a u f E r d e n ist, welcher noch ernstlich daran glaubt, daß er oder jeder andere Herrscher das vom Himmel auserwählte Werkzeug sei, über seine Untertanen zu regieren. Seine Unter- tanen mögen jedoch immer an den Ruhm denken, der durch den Besitz eines solchen Herrschers einzig in seiner Art und einzig in seinem Glauben auf sie zurückfällt." Das liberale„Daily Chronicle" meint: Der Kaiser hat sich wieder einmal durch seine überströmende Beredsamkeit fortreißen lassen. Seine Reden sind beredter, interessanter und pikanter als solche der anderen gekrönten Häupter Europas. Aber es ist f r a g l i ch. ob eS für die Minister und das Volk besser ist. einen Herrscher zu haben, der eine Beredsamkeit be- sitzt, von der mai, niemals wisse, w aS er sagen wird, oder einen Herrscher, der nicht so beredt ist, aber von dem man im voraus weiß, daß er nicht sagen wird, was er nicht soll, respektive was nicht vonseinenMinisterngutgeheißenist. Dagegen findet Wilhelm II. in der reaktionären und deutschfeindlichen„Times" auf einmal eine warme Ver- teidiqerin.„ Von amerikanischen Blättern schreibt die New Yorker„Times" unter Hinweis auf die letzten sozialistischen Wahlsiege: „Die Sozialisten und Linksliberalen seien die einzigen Parteien. welche bei den neueren Wahlen Gewinne zeigen werden. Das seien aber gerade diejenigen Parteien, welche das Gottesgnaden- tum entschieden ablehnen. Uebrigens könne die Ne- gierung nicht einmal auf die ihr sonst ergebenen Parteien bauen, um diese längst veralteteTheoriezu stützen." Die„Sun" zieht in einem Artikel, überschrieben„Das kaiserliche Ich" eine Parallele zwischen dem Kaiser W i l h e l m H. und Roosevelt. welch letzterer ebenso wie der Kaiser f a st in jedem Satze das Wort Ich im Munde führe. Von den französischen Blättern liegen nur wenige Kommentare vor. Die„Lanterne" spottet darüber, daß man einem modemen Volke noch immer den göttlichen Ursprung des Königtums zumuten könne. Das Blatt meint: „In Frankreich gibt eS immer noch eine große Anzahl wütender Royalisten. aber keiner von ihnen würde eS wagen. behaupten, daß die Vorfahren des Herzog« von Orleans ihre Krone von Gott erhalten hätten. Allerdings würde man in Frankreich nicht verfehlen, ihnen zu bemerken:„Wenn Gott ihnen die Krone gegeben hat, so hat er sie ihnen auch wieder genommen, der Name Gottes sei dafür gesegnet und darauf wäre dann offenbar nichts zu erwidern. Der„Matin" übt folgende Kritik:.,,, „Ganz wahrscheinlich wird Kaiser Wilhelm schon heute seine Worte in Königsberg bedauern. Kaiserworte, dw fem ganzes aroßeS deutsches Volk mißbilligt und die sein Kanzler sicherlich sehr beklagt. Der Teil der Rede, in welchem Kaiser Wilhelm von seinen göttlichen Rechten spricht, hat nichts Auffallendes in dem Munde dieses Herrschers und harmoniert mit dem Charakter Kaiser Wilhelms, welcher dieselbe Phrase bei jeder Ernennung von höheren Beamten im Munde führt. Aber das Unglück will, daß all diese erhabenen Gefühle, die. wie gesagt, wohl bei Kaiser Wilhelm ver- ständlich, für die ganze übrige politische Welt jedoch höchst u n- verständlich sind, einen anderen Schein, ein anderes AuSiehen erhalten, wenn man sie auf das Terrain des politischen Lebens verpflanzt. Und es ist zu erwarten, daß diese unglückliche Rede, welche übrigens der Schönheit nicht entbehrt, von der Oeffentlichkeit scharf kritisiert und eine ähnliche Preßkampagne hervor- rufen wird, wie die? 1008 geschah. Es ist unvermeidlich, daß Kager Wilhelm aus dieser Kampagne verkleinert und ge- deniütigt hervorgehen wird. Man kann nicht sagen, daß diese Rede des Kaisers eine kluge politische gewesen ist. Aber man kann versichern, daß der Kaiser sich heute nicht mehr als Vollstrecker deS Bollswillens betrachte." Sitzimg des SozialiRIUljen Internationalen Bureaus. (Telegraphischer Bericht.) Kopenhagen, 27. August. Am Freitagabend folgten die Mitglieder deS Internationalen Bureaus einer Einladung des dänischen Organisationskomitees zu einem intimen Essen. Der dänische Abgeordnete O-rjeag be? grüßte die Führer der iniernationalen Sozialdemokratie aufs herzlichste. B ra nt in g« Schweden sprach sein Bedauern darüber aus, daß nicht alle skandinavischen Länder Gastgeber sein könnten und gab seiner Freude Ausdruck, daß die internationale sozia- listische Bewegung in den letzten Jahren so große Fortschritte ge- macht hätte. Adler-Wien zog einen Vergleich zwischen dem internationalen Kongreß von 188g in Paris und dem jetzigen Kongreß von 1910 in Kopenhagen. Die gleichen Fortschritte zeige auch die Internationale und die Hebung der Lebenshaltung der arbeitenden. Klassen. Wenn man den dänischen Genossen herz- lichen Dank aussprechen müsse für die schwere Arbeit, die sie über- nommen hätten, so dürfe man darüber nicht vergessen die müh- selige Arbeit des internationalen Sekretärs, des Genossen HuyS- maus.(Beifall.)— V a i l l a n t- Frankreich dankte nochmals den dänischen Genossen und ließ die Internationale hochleben. Am Sonnabend früh begann wiederum die ernste Arbeit. Die Fragen des Abstimmungsmodus und des Zulassungsmodus des Internationalen Bureaus standen auf der Tagesordnung. Hill» q u i t- Nordamerika schlug eine Aenderung des Abstim- mungs modus für das Internationale Bu.reau vor. Die sozialdemokratische Partei Nordamerikas, die 97 Proz. der organisierten Sozialisten des Landes umfaßt, ohne im Bureau bei Entscheidungen mehr vertreten zu sein, als die Organisation, der nur die übrigen 3 Proz. angehören. Es sei notwendig, daß man die Vertretung von Delegationen, die niemals als wirkliche Parteien angesehen werden können, kürze. In einer Resolution wurde verlangt, daß der bisherige Abstimmungsmodus nach Nationen nur stattfinde» soll, wenn drei Nationen es verlangen.— D e Leon- Amerika, der sich mit dem Antrag Hillquit einverstanden erklärte, betonte, daß er darin einen Rückzug Hillquits insofern erblickte, als die Minoritäten sozial- demokratischer Parteien in d en einzelnen Ländern bisher im Bureau überhaupt nicht vertreten sein sollten.— Ka u t s k y- Deutschland möchte dem Antrag Hillquit eine andere Fassung geben, damit die Frage prinzipiell entschieden würde. Die Zu- lassung der Delegationen müßte erörtert werden. Es müsse be- stimmt werden, daß jede Partei, die das Recht einer besonderen Vertretung auf dem internationalen Kongreß besitze, automatisch auch das Recht erhalte, im Bureau vertreten zu sein.— T ra e l st ra- Holland bekämpfte Kautskys Vorschlag, dessen Fehler darin bestehe, daß er im Internationalen Bureau einen Kongreß in Permanenz erblicke, während es doch nur ein Veavaltungs- !• Arbeitel! Itorteipofeii! Erscheint am in Massen zn den von der Berliner Arbeiterschaft einbernfenen ! I I körper sei. Es würde eine völlige Umkehrung des Charakters des Internationalen Bureaus bedeuten, wenn man allen auf dem Kon- greß zugelassenen Parteien auch eine Vertretung im Bureau geben würde.— Branting- Schweden war derselben Ansicht wie Troelstra und befürchtete ebenfalls, daß eine unnütze Zeitverschwendung die Folge deS Antrages sein würde. Wenn auch nicht alle möglichen Schattierungen im Bureau vertreten seien, so wäre der Fehler sicher nicht so groß, als wenn man das Bureau auf alle möglichen Schattierungen ausdehnen würde. Im übrigen sei die Frage wichtig genug, um eine genaue Ueberlegung zu ver- langen, und er beantrage deshalb die Vertagung der Frage.— Kau t s k v- Deutschland betonte noch einmal, daß man nicht Leute aus dem Bureau ausschließen könnte, die auf dem Kongreß zu» gelassen wären. Es erscheine ihm, als ob man die Folgen seines Antrages übertreibe. Jedoch sei er mit der Vertagung einver» standen.— Vaillant- Frankreich erkannte die Richtigkeit des Grundgedankens in dem Kautskyschcn Antrag an. Der Antrag bringe aber so viel Komplikationen mit sich, daß sich die Vertagung empfehle.— Adler-Wien ecklärte sich nur dann mit der Ber- tagung einverstanden, wenn sie nicht auf den St. Nimmerleinstag verschoben würde.— Hillquit- Nordamerika will eine sofortige Abstimmung über seinen Antrag herbeiführen. Mit allen gegen eine Stimme wurde die Vertagung der Anträge von Hillquit Und Kautsktz beschlossen. Der internationale Sekretär HuysmanS- Brüssel gab darauf verschiedene Anträge bekannt, die beim Bureau eingelaufen sind. Die Zio nisten verlangen die Schaffung einer besonderen jüdischenSektion. Dem Stuttgarter Beschluß gemäß wurde der Antrag auch diesmal ohne Debatte abgelehnt. Die sozialdemokratischen Jugendorgani» sationen Schwedens, die bisher durch die dem Bureau an- gegliederte Gesamtpartei vertreten waren, wollen eine spezielle Vertretung.— HuysmanS betonte, daß dies nicht angängig wäre.— Branting-Schweden führte aus, daß die Jugend- bewcgung in Schweden ihre eigenen Wege gehe, daß sie nur zum Teil der Partei angeschlossen sei. Er würde gern sehen, wenn das Bureau über diese Frage sofort eine Entscheidung herbeiführen könnte.— E b e r t- Deutschland teilte mit, daß er den Auftrag habe, mit dem Internationalen sozialistischen Bureau darüber zu verhandeln, ob sich nicht ein Anschluß des internationalen Jugendbureaus ermöglichen lasse, um den Dualismus zu beseitigen. der jetzt in gewisser Beziehung bestehe. Die Abstimmung sowohl über den schwedischen Antrag als über einen Antrag deS aus der ungarischen Partei ausgeschlossenen Genossen Alpari. der eine besondere Vertretung auf dem Kongreß verlangt, als auch über den Antrag der sozialdemokratischen Partei Hollands, die im Gegen- satz zur Erklärung G o r t e r S in der letzten Sitzung des Jntcr- nationalen Bureaus eine Stimme im Bureau fordert, wurde, da sie mit den Anträgen Hillquit und KautSky zusammenfällt, vertagt. Di« Perhandlungell midesi«bj Zglljitgg jxüh 9 Utzr jortgesetzf. poUtifcbe OcberHcbt. Berlin, den 27. August 1910. Wo bleibt Bethmann Hollweg? Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" findet kein Wort über die Rede Wilhelms II. Sie lügt zivar über den Posener Kaiserbesuch, daß Herrscher und Volk sich überall einhellig z u s a m m e n s i u d e n, wo es große Gesichtspunkte gilt, eine Behauptung, die eine Provokation iväre, wenn sie nicht durch ihre L ä ch e r- l i ch k e i t entwaffnete. Man erfährt aber absolut nichts davon, was der Verantwortliche Mini st er über den neuesten Vorstoß des persönlichen Regiments zn sagen hat? Oder hat er nichts zu sagen? Hat er die Absicht, sich wieder einmal taub und stiiimn zu stellen? Die Äanzentaktik ist ja die einzige, die er halbivegs beherrscht, aber wir denke», da� er damit diesmal nicht auskommen wird. Der Kanzler ist verpflichtet, dem deutschen Volke zu sagen, ob er den Wortlaut der Rede vorher gekannt und gebilligt hat oder ob er auch dann an seinem Amte kleben bleiben will, wenn der Absolutismus sich über die niinisterielle Verantwortlichkeit leichtherzig hinwegsetzt. Bethmann Hollweg mag die Verantwortung übernehmen oder ablehnen, aber auf jeden Fall muß er sprechen. Sein Schweigen wäre eine Kneiferei, die ihm die schließliche Rechenschaftsablegung weder ersparen noch erleichtern würde. Das Volk zu sozialer Gesinnung zu erziehen bezeichnete Abg. Gröber auf dem Augsburger Katholikentage als die Hauptaufgabe und gerade der Sozialdemokratie fehle es am meisten an sozialer Gesinnung. Diese Erziehungsauf- gäbe dürfte am besten erfüllt werden durch die Lehre von der Steuerfreiheit der großen Erbschaften und der Besteuerung aller Lebensmittel und B e» d a r f s g e g e ii st ä n d e, von der Ueberflüssigkeit der Invalide»unter st ützu n g, der Witwen- und Waise n verssicherung)und denr Notwendigkeit, Dreadnougths zu bauen und den Offizieren für ein Pferd vier und sechs Futterrationeu zu zahlen. Auch die Behandlung der Kapitel vom Wucherzoll und der Grenzsperre für Vieh und Getreide, sowie vom hundertfachen Reichstagswahlrecht der Z e n- trumsbauern gegen die Großstadtproletarier und von der Un Vergänglichkeit der Drei- k l a s s e n s ch a n d e dürfte im Sinne des Herrn Gröber liegen. Unsere Genossen werden es daran gewiß nicht fehlen lassen I_ Tie Reichskafse stimmt immer weniger. Hat schon der jetzt bekannt gewordene Jahresabschluß der ReichSeinnahmen durchaus nicht die Erwartungen vieler Optimisten befriedigt, die jetzt fortlaufenden Ausgaben werden eS noch weniger tunl Die amtliche- Uebersicht der Ein- nahmen an Zöllen. Steuern und Gebühren für die Zeit von, 1. April 1919 bis zum Schlüsse des Monats Juli zeigen bei den meisten Einzelposten eine deutliche Differenz zwischen der Soll- und der Jsteimiahme. Die Zölle brachten bis jetzt statt 219,2 Millioiicii Mark Soll nur 208,1 Millionen Mark Ist, die Hauptlirsache ist das Eiiisuhrscheiiisystem. Die Tabaksteuer brachte rund 00 000 M. weniger als vorgesehen, die Zigarettensteucr brachte statt 9 472 000 M. nur 7 212 000 M.. die V e r b r a u ch S a b g a b e für Branntwein statt S2,S Millionen nur 42,2 Millionen Marl! Die Zündwarensteuer brachte bis jetzt rund S2S 000 M. weniger als bei der sehr, sehr vorsichtigen Vorberechnung angenoninien worden ist. Die Brausteuer und die Uebergangsabgabe für Bier brachie statt 34,2 Millionen Mark Solleinnahme bis jetzt nur 33,1 Millionen. Die Reichsstempclabgabeii sind durchweg geringer ausgefallen als bis jetzt angenommen worden ist. Wenn dielen Wenigereimiahuvii auch Mehreinnahmen aus der Zuckersteuer, der Salzsteuer usw. gegenüber- stehen, sie decken immer noch nicht die Differenz zwischen den Soll- und den Jsteinnahmen._ Zum Fall Eulenburg. Berliner Blätter hatten gemeldet, daß gegen Phili Eulendurg auf zwei Jahre das Verfahren eingestellt worden sei, weil der Fürst an Arterienverkalkung leide und des- halb nach den gerichtsärztlichen Bekundungen durch gerichtliche Ver- ndlungen nicht belästigt werden dürfe. Demgegenüber wird jetzt . Ibamtlich erklärt, daß nach der Mitteilung des Ersten Staats- änwalts beim Landgericht Berlin die Nachricht von der Unterbrechung'des Verfahrens unzutreffend sei. Wir dürfen also erwarten, daß das Verfahren gegen Phili Eulenburg demnächst seinen Fortgang findet! Denn daß bei proletarischen Angeklagten eine Arterienverkalkung, an der Eulenburg übrigens schon seit dem Jahre 1897 leiden soll, Anlaß zur Aussetzung des prozessualen Verfahrens gebew. würde, davon ist uns n o ch n i ch t s bekannt gewordenl' Folgen der Tabakftenererhöhung. Ein überaus trauriger Vorfall, der sich in dem Havel- städtchen Z e h d e n i ck i. d. M. ereignete, gibt jedem, z der denken kann, den Beweis von der wahrhaft mörderischen Wirkung speziell der neuen Tabaksteuer. Ter Zigarrcnfczbri- kannt Pannitz, wohnhaft am Markt daselbst, dessen Verkält- nisse sonst ganz geregelte waren, war dadurch, daß infolge der Wertzuschlagsteuer der Fabrikant nicht nur den Zoll, sondern auch den neuen 4vprozeiitigen Wertzuschlag sofort er- legen mußte, in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Scjns mannigfachen Versuche, der Schwierigkeiten Herr zu werden, waren umsonst, so daß den sonst so betriebsamen Mann die Verzweiflung erfaßte. Er beschloß, seiner Frau sowie sich das Leben zu nehmen. Er tötete sich selbst durch einen Schuß, nachdem er seine Frau durch einen Schuß in die Schulter vcr- letzt hatte. Das so traurige Ereignis hat auch noch die schlimme Nebenwirkung, daß die bei P. beschäftigt gewesenen Arbeiter nun auf der Straße liegen und das Heer derjenigen, die durch die Steuerwirkungen existenzlos geworden sind, noch vergrößern._ Frcisinnig-nationalliberale Wahlbündnisse. Wie die„Tciutsche Tageszeitung" feststellt, haben in 39 Wahlkreisen die Nationalliberalen bereits ein Bündnis mit dem Freisinn geschlossen. In Thüringen sollen nach dem Willen der Nationalliberalen die jetzt durch Schutzzöllncr ver- tretenen Kreise Weimar, Lange nsalza-Mllhl- Hausen. Merseburg. Querfurt. Eschwege. Schmalkalden in freisinnige Hände fallen.— Wenn nur nicht unsere Parteigenossen einen dicken Strich durch diese liberale Rechnung machen'._ Vom Kriegsschauplätze in NordschleSwig. Die Polizeibehörden in NordschleSwig finden Gefallen daran, den Unternehmern Handlangerdienste zu reichen. Der Ausweisung der drei dänischen Zinrmergesellen, die eS ablehnten, in Apenrade bei einem Bauunternehmer mit Kollegen zusammen zu arbeiten, die sich während der großen BauarveiterouZsperrung der Pflicht der Solidarität entzogen haben, ist jetzt ein Aus- Weisungsfall in Hadersleben gefolgt. Der dänische Arbeiter Niels Jessen hat seit Mitte Juli bei dem Maurer- mcister Jvers gearbeitet und wird von diesem als ruhiger und fleißiger Arbeiter geschildert. Er ist plötzlich mit 24stündiger Frist ausgewiesen worden, weil er— so wurde ihm gesagt— seine bisherige Arbeits stelle ohne Kündigung der- lassen hat!_ Zur Kaiscrrede. Wir haben bereits bemerkt, daß die Kaiserrede Donnerstag gs- halten, aber erst Freitag mittag den Berliner Blättern vom offiziöse» Depeschenbureau übermittelt wurde. Kvnigsberger Blätter haben die Rede schon Freitag morgens veröffentlicht und der Wortlaut ist der gleiche wie der offizielle. Offenbar hat� man an der zuständigen Stelle in Berlin geschwankt, ob man die Aeußerungen Wilhelms II. in dieser Form veröffentlichen könne, schließlich aber doch in den sauren Apfel gebissen. Die Ehrenrettung der Polizei. Eine Meldung bürgerlicher Blätter, daß der russische Zar im Juli d. I. zum Besuche des Prinzen Heinrich auf Gut Hemmelmark bei Eckernförde eintreffen werde, hatte die„Schleswig-Holsteinische Bolkszeitung" bewogen, mit Rücksicht auf die bei solchen Besuchen üblichen polizeilichen Vorbereitungen Vergleiche zwischen der durch ihre WahlrechtSattacken berühmt gewordene Polizei in Kiel und Nenmünstcr und der russischen Polizei zu ziehen. Der Vergleich wurde von den Polizeibehörden in Kiel und Neumünster so schmerzlich empfunden, daß der Staatsanwalt Anklage gegen den verantwortliche» Redakteur der.Schleswig'Holst. VolkSztg.", den Genoffen Herin. Brecour, erhob. Die Ferienstrafkammer 1 des Kieler Landgerichts ahnte am Freitag die Beleidigung mit 30(1 Mark Geldstrafe. Der Staatsanwalt hatte drei Monate Gefängnis be- antragt. Bemerkenswert war die Aussage eines vom Angeklagten geladenen Zeugen, der auf die Frage des Vorsitzenden nach seiner Parteizuhörigkeit erklärte, daß er nicht d»r sozialdemokratischen Partei angehöre. Er sagte aus, daß er viele Freunde unter den Schutz- leurcn habe und viel mit Schutzleuten verkehrt sei, das Borgehen der Schutzleute bei den Wahlrechlsdcmonstrationen habe ihn jedoch so empört, daß er den Verkehr mit den Schutzleuten abgebrochen habe._ Wer ist ber Handabhncker? Eine ganz unerwartete Wendung hat der.Fall B i e w a l d* in Breslau genommen, eine Wendung, die zweifellos in der ganzen Welt, wo man die Schurkentat des HaudabhackerS von Breslau kennt, lebhaftes Aussehen erregen wird. Es wird uns darüber aus Breslau geschrieben: Weil Genosse Albert von der.Breslauer Volkswacht" in einem Artikel an die Objektivität der— Staatsanwallschaft gezweifelt, erhielt er eine Anklage wegen Beleidigung der Staatsanwaltschaft. Zum Beweise nun dafür, daß die Staats- anwaltschaft nicht objektiv ist, behauptete Albert unter anderm, daß der Vertrete'r des Polizeipräsiden ten, RegierungSrat Frost, ganz genau wisse, wer dem Bicwald die Hand abgehackt habe, und daß die Staatsanwaltschaft nichts unter- n o m m e n habe, durch die Polizei jenen feigen Halunken zu ermitteln. Als Zeugen benannte Albert Justizrat M a m r o t h, der der StaatSauivaltschaft 1906 diesen Beweis vergeblich angeboten hatte, und den Negierungsrat Frost als stellvertretenden Polizeipräsidenten. Das Gericht lehnte aber die Ladung der Zeugen als.nicht zweck- dienlich" ab. Daraufhin ließ Albert den Polizcichcf durch seinen Verteidiger aintlich laden, sodaß er also(der Termin war am Sonnabend) hätte erscheinen»> ü s s e n. Schon war alles gespannt darauf, wie der Herr sich in dieser heiklen Situation benehmen würde. Ileberall in Juristen- und vor allem in Gcnosscnkreisen diskutiert« man eifrig die Frage: Wird er unter Eid sagen, erkenne den Handhnckcr nicht? Tann wäre AlbertS Beweis mißglückt. Oder aber werde er die Aussage verweigern? Dann konnte Albert und die gesamte Oeffenllichkeit sagen: DaS läßt tief blicken! Das genügt.... Aber aus dieser tödlichen Verlegenheit hat den Polizeichef soeben sein höherer Vorgesetzter, der Regierungspräsident von Bamnbach errettet I Der Regierungspräsident verfügte nämlich, daß RegierungSrat Frost nichts aussage, denn— durch die Anssage dcS Herrn stell- vertretenden Polizeipräsidenten würde die— Sicherheit des Deutschen Reiches und dcS preußischen Staates gefährdet!!! Nunmehr erklärte Genosse Albert dem Gericht im Termin, daß ihm auch diese Antworl genüge, denn wenn die Polizei den Handabhackcr nicht kennen wiüde, dann hätte das Herr Frost ja ruhig beschwören können,(ba ihm aber die Aussage verboten wurde. habe er, der Angeklagte, nunmehr ein volles Recht, in alle Welt hinauszurufen, daß die BrcSlaucr Polizei den feigen Helden vom 19. April 1906 zwar ganz genau kenne, aber nicht verfolge, ja, ihn der strafenden Gerechtigkeit entziehe. Und ferner habe er erst recht alle Veranlassung, der Oeffenllichkeit mitzuteilen, daß die Staats- anwaltschaft nicht objektiv sei, denn sie tue ja nichts, obwohl sie die Macht dazu habe, die Polizei zur Herausgabe, zur Auslieferung des HandnbhackcrS zu zwingen. Das weitere wird jetzt der Juftizminister veranlassen müssen. Er wird im Landtage gefragt werden, ob er auch diese Art von Ausübung der Polizeigewalt billigt oder nicht. Und die Oeffentlich- keit hat bis dahin reichlich Muße, sich über Polizei und Staats- anwaltschaft so ihre eigenen Gedanken zu machen. Wir aber sind boshaft genug, uns über diese Wendung diebisch zu freuen, denn derartige Vorgänge sind prächtig dazu aiigetan, unsere Justizzustände und Rechtspflege blitzartig zu beleuchten. Zur Stichwahltaktik. Der als Freisinusorgan immerhin zu beachtende Nürnberger .Fränkische Kurier" geht in einer Betrachtung über unsere AuSsiibrungcn zur linksparteiliche» Stichwahltaklik so weit, im Interesse der Liberalen den o b e r st e n Zweck der Reichstags- Wahlen— eine Willensäußerung und Offenbarung der Ueberzeugung des Volkes herbeizuführen— ganz zu übersehen! Er mutet der Sozialdcniokratic z», tun.falsche Stichwahlen" zu vermeiden, in aussichtslosen Kreisen keine Kandidaten auf- zustellen I.... Die„Genossen" möchten sich recht gründlich über- legen, ob denn das bloße Renommieren mit einer möglichst Hoheit Zahl sozialdcmokcalischer Wähler so viel wert ist, daß man dafür drei oder vier Dutzend reaktionäre Reichstagsniandate in den Kauf nehmen mutz". Diese Naivität ist einzig. Als so zuverlässig hat sich wahrlich der deutsche Liberalismus noch lange nicht erwiesen, daß ihm die Arbeiterklasse auch nur ein Mandat kampflos überlassen könnte I_ frankreicb. Ter LtlftmilttarismuS. Paris, 27. August. Der Kriegsministcr erklärte einem Bericht- erstatter gegenüber, die Flieger spielten bei den großen Manövern lediglich die Rolle von Beobachtern. Jeder führe zwar ein Maschinengewehr mit sich, doch geschehe dies nur, um die Offiziere an mehr Belastung zu gewöhnen. Die Soldaten würden vielleicht Befehl erhalten, auf in Schußweite Liegende Aeroplane Salven abzugeben, um die Truppen daran zu gewöhnen, auf fliegende Zielscheiben zu schießen. Scheinangriffe auf Flugzeuge der feindlichen Parteien sollten nicht stattfinden, um oas Leben der Flieger nicht zu gefährden. Die Korps- kommandcure sollten den Aviatikern nichts befehlen, sondern nur diese und jene Aufgabe anregen, über deren Ausführbarkeit dann der Führer der aus vier Aeroplanen bestehenden Gruppe selbst zu entscheiden habe. Einige der besten Aviatiker müßten bei den Lenk- dallons bleiben, um durch Prüfung der höheren Luftschichten die Svfstiegmöglichkett zv bezirteileg. �______..._ Spanien. Kein Zurückweiche». San Sebastian, 27. August. Ministerpräsident Canalejas gab die Erklärung ab, die Regierting werde das Cadenas- Gesetz, das die Neubildung von Orden und die Einwanderung der Mönche provisorisch untersagt, nicht zurückziehen, weil das Sache des Senats sei, dessen Mehrheit daS Gesetz angenommen habe. Canalejas fügte hinzu, in dem CadenaS-Gesetz läge weder eine Herausforderung noch eine Beleidigung des Vatikans, und die Regierung könne es ohne Verletzung der Verfassung nicht zurück- ziehen. Snglanä. Die Arbeiter und die Monarchie. London, 25. August.(Eig. Wer.) Die Hoffnung, daß sich die politischen Ansichten der englischen Arbeiter bald klären werden, erhält von Zeit zu Zeit eine recht unsanfte Aufrüttelung durch Ereignisse, die auf eine vollkommene Beherrschung der politischen Ideenwelt durch die Bourgeoisie hinzuweisen scheinen. Die loyale Tränenflut, die nach dem Tode Eduards VII.. fast die ganze bri- tische Arbeiterklasse mit riß, war ein solches Ereignis. Daß die Königstreue ober nicht nur eine FcsttagSstimmung gewisser britischer Arbeiterführer ist, sondern einen integrierenden Bestand- teil ihrer politischen Ueberzeugung bildet, wird durch eine Rede dargetan, die der ArHciterparteiler Shackleton kürzlich in Swansca hielt, wo die elfte Jahreskouferenz des Generalrats der allgemeinen Gcwerkschaftsföderation stattfand. Indem er für den Empfang der Delegierten durch die Stadt dankte, wies er unter anderem auf die Begeisterung, mit der auf. dem veranstalteten Festessen der Trinkspruch auf die Gesundheit des Königs ausge- bracht worden sei, hin und fügte hinzu, daß, wenn die kontincn- talen Nachbarn ähnliche Demonstrationen der Königstreue seitens ihrer Arbeiter wünschten, sie dafür sorgen müßten, daß ihre Herrscher auch Sympathien für andere Klassen als ihre eigene be- kündeten. Mit der„Sympathie" der Herrscher für die Arbeiter- klaffe ist es auf dem Kontinent keineswegs so schlecht bestellt, wie Herr Shackleton meint; nur wissen die kontinentalen Arbeiter die arbeiterfreundlichen Redefloskeln ißch kleinen Artigkeiten der Häupter des kapitalistischen Staates meist weit besser nach ihrer wirklichen Bedeutung und Absicht zu beurteilen als ihre britischen Freunde. Wenn man die Gedankenrichtung, aus der die Rede Shackletons entsprungen, als typisch ansehen muß, so sind die bri- tischen Arbeiter leicht zu befriedigende Menschen: ein Lob auf die Würde der Arbeit(der man selbst aus dem Wege geht), ein Orden für einen Bergarbeiter, der seinem Kameraden das Leben ge- rettet, ein warmer Händedruck, den der Monarch einem Arbeiter- Vertreter gibt— und die königstreue Gesinnung steht uncrschüttcr- lich fest. Wenn die englischen Könige auch nur einmal in den schweren Kämpfen, die das Proletariat dieses Landes auszukämpfen gehabt hat, ihren Einfluß zugunsten der Arbeiterschaft in die Wagschale geworfen hätten, so könnte man diese monarchistischen Kundgebungen der Arbeiterschaft noch allenfalls verstehen. So aber kann man diese Bezeugungen der Treue gegen den Sach- Walter der bürgerlichen Parteien, die eben im Begriff sind, die politische wie die wirtschaftliche Bewegung der britischen Arbeiterschaft zu vernichten, nur als eine Wirkung des monarchistisch- chauvinistischen Aberglaubens betrachten, mit dem die unumschränkt herrschende bürgerliche Presse dieses Landes das Proletariat so erfolgreich chloroformiert. Um so mehr muß man es begrüßen, daß sich©enqge K e i r H a rd i e bei der großen jährlichen Kundgebung der Bergarbeiter von Northumberland in Tynemouth mit großer Entschiedenheit über die Stellung der Arbeiter zur Monarchie ausgesprochen hat. Er wies hin auf die Notivendigleit einer Klassenorganisation der Arbeiter und den Haß, den ihr Auftreten auf der parlamcn- tarischen Bühne erregt habe, und kennzeichnete dann die Gefahr der wachsenden Macht des Kabinetts und der Krone.„Die Kontrolls des Unterhauses ist nicht mehr so wirk- sam wie vor 29 Jahren. Zu gleicher Zeit ist die Macht der Krone gewachsen, die mit jedem Jahre größer wird. Ich erkläre aber, daß jelier Einfluß, der im Dunkeln geübt wird und auf den wir keine Einwirkung üben können, z u b e k ä m p f e n ist. Wir dürfen ihm vor allem nicht gestatten, Funktionen auszuüben, die sonst dem Unterhaus zustanden. Ich wünsche im Augenblick nicht die Erneuerung einer republikanischen Agitation im Lande: wir haben jetzt dringendere wirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Aber wir wollen den Herren erklären: wenn die Dinge so weitergehen wie jetzt. wird der Tag kommen, wo wir den KampfdesVolkesgegen daS Vorrecht führen werden. Auch dazu bedürfen wir einer starken Arbeiterpartei." Griecbenlanct. Die Wahlen. Athen, 27. August. Nach einer Aufstellung des Blattes „Athinai" find in die Nationalversammlung gewählt: 94 Thcotokisten, 64 Anhänger von Rhallis, 34 Anhänger von MavromichaliS, die eine Nationalversammlung mit konstituierendem Charakter lvollen, 13 Zaimisten, 4 Kreter und 146 Unabhängige, d. h. Kandidaten, die außerhalb der früheren Pcrsonenparteien aufgestellt sind. Von diesen 146 gelten 39 als thcssalische Agrarier, 36 als freisinnige Anhänger der konstituierenden National- Versammlung, 4 alS Sozialisten, 86 haben sich nicht darüber aus- gesprochen, ob sie für eine revisionistische oder eine konstituierende Nationalversammlung sind.•— v'• China. Die konstitutionelle Reform. Peking, 27. August. Die konstitutionelle Reform wird trotz Verweigerung eine Nationalversammlung einzuberufen, f o r t g e se tz t. Die Einrichtungen eines obersten Nechuungs- Hofes sind im Prinzip bestimmt. Das Reformkomitee be- reitet konstitutionelle Gesetze vor und schlägt vor, die bevor- zugte Gerichtsbarkeit für die reicheren Klassen der Bevöl- kerung zu unterdrücken. Amerika. Rooscvelt und Taft. Rooscvclt, der Mann der Reklame, den der„Appeal te Reason" als den„politischen Dr. Cook" gekennzeichnet hat, beginnt, sich auf die verschiedensten Arten öffentlich bemerkbar zu machen. Die Niederlage, die ihm die Republikaner der alten Richtung im Exekutivkomitee des Staates New Jork bereitet haben, kann ihn, den Führer der„Insurgenten", natürlich nicht abschrecken. Man erwartet zunächst, daß er als Gouvernör-Kandidat der Republikaner für den Staat New Aork, dessen Chef nächst dein Präsidenten des Bundes der be- dcutcndste Beamte der Union ist. aufgestellt werden wird. Gelingt es ihln dann nicht, die Berufung zur dritten Prä- sidcntenschaft als republikanischer Kandidat zu erlangen, so traut man ihm zu, daß er auch bereit sein wird, als Demo- krat zu kandidieren. Mit Hilfe der aufsässigen Republi- kaner hätte ex dann die besten Wahlaussichten. Tech wixd stark bezweifelt, daß die Demokraten, die ihren alten Bryan fallen gelassen haben, ihren siegreichen Gegner von ehedem nun als Vertreter anerkennen werden. Man erwartet eher, daß ihr siegreicher Kandidat bei der New Jorker Mayorlixihl, Gaynor, der den seltenen Ruf eines ehrlichen Politikers genießt und durch seine Märtyrerrolle, als Opfer des Atten- tates eines abgesetzten Beamten, natürlich an Volkstümlichkeit sehr gewonnen hat, von ihnen für die Präsidentschaft vor- geschlagen werden wird. E i n Element, das einen starken Bestandteil des republi- kanischen Stimmenheeres ausmacht, hat Roosevelt ganz auf feiner Seite: die Neger. Als einem der seltenen weißen Politiker, die Neger anständig und verurteilslos behandelt haben, folgen sie ihm durch dick und dünn. Auf einem Kongreß des Nationalverbandes von Neger- Geschäftsleuten wurde ihm begeistert gehuldigt und Unterstützung bei jedem Unternehmen zugesichert. Er selbst hielt»dort die erste An- spräche seit seiner Rückkunft, die indessen keinen politischen Charakter trug. Inzwischen sucht auch Taft, der seine Präsidentschaft als das willenlose Werkzeug der Trustmaguaten begonnen hat, der veränderten Zeitströmung Rechnung zu tragen. Man erwartet, daß er in der nächsten Kongreßsession eine neuer- liche Revision des erst vor kurzem in der Richtung des Hochschutzzolls revidierten Zolltarifs vorschlagen wird. Jeder einzelne Zoll solle auf Grund genauer Prüfung der einheimischen und ausländischen Produktionskosten und nur in solcher Höhe festgesetzt werden, daß dem amerikanischen Unternehmer ein„vernünftiger" Gewinn bleibe. Uebermäßige Gewinne sollen nicht mehr geduldet werden. Man hofft, auf diese Weise die„Insurgenten", denen auch Senator A I d r i ch, der Vater des neuesten Hochschutzzolls, und der Sprecher des Repräsentantenhauses, C a u n o n, der Sachwalter der Trusts, geopfert werden sollen, wieder mit der Partei ver- söhnen zu können. Unmöglich wäre das bei der Wetter- wendischkeit ainerikanischer Reformbewegungen sicher nicht. Aber ob damit die tiefe Unzufriedenheit des Volkes, das aufs schwerste unter der Schutzzoll- und Trustwirtschaft leidet, bei- gelegt werden wird, steht sehr dahin. Jedenfalls sind die Aussichten unserer Genossen diesmal besser als zuvor. Rm der Partei. Der Ncuc-Welt-Kalcnder für das Jahr 1911, der vor kurzem erschienen ist, präsentiert sich in dem gefälligen, schon seit Jahren bekannten Gewände. Der literarische Inhal! bietet in dem Rückblick auf das verflossene Jahr sowie in Beiträgen über die alte und rieue Blockpolitik, die Landarbeiterflucht, die Parteigeschichte, den schwedischen und den Mansfelder Streik und endlich über den Alkoholismus eine ziemlich reichhaltige politische Belehrung. Ein Nachteil ist es ja, daß der Kalender so früh er- scheinen muß. Denn infolgedessen ist es nicht möglich, einen Ucber- blick über das Jahr 1910 zu geben. Und das lväre es doch, was man eigentlich um die Jahreswende erwartet. Vielmehr muß die Uebersicht mit dem 15. Mai 1910 abschließen. Aber das ist ein Ilcbelstand, gegen den sich wohl kaum etwas wird machen lassen.— Für Unterhaltung ist durch mehrere recht hübsche Geschichten ge- sorgt, unter denen ein Beitrag von Klara Viebig,„Der Käse", durch hohen literarischen Wert hervorragt. Auch die Bilder sind zum größeren Teil gut gelungen, zum Teil freilich lassen sie zu wünschen übrig, z. B. die Illustrationen zu der Geschichte„Die Jubiläumstorte".— Für Belehrung auf anderem als politischem Gebiet sorgen Beiträge über die neueste Technik im Verkehrswesen und über Sport und Arbeiter. Dazu Gedichte, Rätsel, statistische und sonstige wissenswerte Mitteilungen, so daß man alles in allem den Kalender als wohlgelungen bezeichnen und den Genossen zur Lektüre empfehlen kann. Zum babischen Parteitag. Auf den von uns zitierten„Bra:fl>stister"-Artikel der„Mann- heimer BolkSstimme" antwortete die„Frankfurter Volksstimme": „Das ist«in starkes Stück Parteipolemii, von dem man annehmen möchte, es wäre lediglich durch eine Art Verzweiflungstaktik ein- gegeben, die nicht mehr ein noch aus weiß, nachdem sie merkt, was sie angerichtet hat.... Alle Parteiorgane, die sich über Offen- bürg selbständig äußern, stellen inzwischen die durch die badischen Parteitagsbeschlüsse gegebene Verschärfung der Lage fest. Die (Stuttgarter)„Tagwacht" meint:„Man kann dem badischen Par- teitag den Vorwurf nicht ersparen, in einer Weise zur Verschär. fung des Ernstes der Lage beigetragen zu haben, die weder durch die Sache selbst, noch durch die schärfsten Preßäußcrungcn ge- rechtfertigt erscheint." Man gewinnt den Eindruck,„als ob man in Baden den Bruch mit der Gesamtpartei will". Und die bisher sehr zurückhaltende„Magdeburger Volksstimme" meint:„Das ist zweifellos eine offene Fronde gegen die Gesamtpartei. An dieser Tatsache gibt eS nichts zu rütteln." So lauten die Stimmen süd, lich und nördlich der Mainlinie, und mit dem seltsamen Versuch. «inen einzelnen Genossen und sein nach bestem Wissen über Offen- bürg gefälltes Urteil für die Zuspitzung der Diyge verantwortlich zu machen, ist es nichts. Da aber die„Mannheimer Volksstimme" nicht verstehen will. wie man allerseits zu dem ihr unangenehmen Urteil kommt, ja überlegt sie vielleicht noch folgendes. Es ist in Offenburg nicht der geringste Versuch gemacht worden, auch nur ein wenig den norddeutschen Genossen die Hand zu reichen. Vom Reichskanzler verlangen wir, daß er um Indemnität nachsucht, wenn er Zlus- gaben ohne Bewilligung des Reichstags gemacht hat. Die Bodencr Genossen übertreten einen unter großen Schwierigkeiten zustande gekommenen Beschluß ihrer eigenen Partei, halten eS aber nicht für nötig, m ihren Resolutionen auch nur ein Wort des Bs» dauern? nach Norddeutschland darüber zu sagen, daß sie wenigstens um nachträgliche Zustimmung des Parteitags ersuchen. Kein ver- söhnlicher Ton in dem Referat und in der Debatte! Die Vertreter des Parteivorstandes läßt man von der Trauer und dem Schmerz sprechen, die das Zerwürfnis der Gesamtpartei verursacht, reagiert aber mit keinem Worte auf ihre Vorstellungen, ebenso wenig, wie auf die Partcikritiken an der Budgetbcwilligung, und nimmt statt dessen drei Resolutionen an, von denen eine immer heraus- fordernder ist, als die andere. Auch der Vorsitzende des Parteitags tut keinen Schritt zur Milderung der Gegensätze Und dann wundert man sich, wenn daS Echo bedauerlicherweise so ausfällt, wie es unter solchen Umständen ausfallen muß." „Das Wiindeririinklein." Zu diesem von uns zitierten Artikel der Frankfurter„Volks- stimmc" schreibt das„Offenbacher Abendblatt": In Wahrheit hat Genosse Dr. David kein Wort von dem dummen Zeug gesagt, daS ihm der Leitartikler der Frankfurter „Volksstimme nachredet. Davon hatte dieser sich, bevor er schrieb, leicht überzeugen können, indem er einen Blick in den Be- rtcht warf, den die„VolkLstimme" selbst über die hessische Landes- konferenz brachte. Kein Wort von dem, was hier im Leitartikel der„Volksstimine" behauptet wird, findet sich in ihrem Bericht, nicht einmal etwas, das auch mit sehr großer Skrnpellosigreit im Auslegen für den Leitartikel der„Volksstimme" ver- wendet tncröcn könnte. Gewiß aber hätte sich der Berichterstatter der„Volksstimme", wie wir ihn kennen, den Braten nicht ent. gehen lassen, wenn Genosse David ihn geboten hätte. Das hat er nicht getan, wie auch aus unserem Bericht hervorgeht und wie äDrigcn» bei einem Manne von den geistigen Qualitäten Davids auch der„Volksstimine" selbstverständlich sein sollte. Wir müssen deshalb auch die völlig unmotivierte hochmütige Schulmeistcrci der im proletarischen Kampfe ergrauten Teilnehmer an der hessischen Landeskonferenz entschieden zurückweisen. Wir können auf Grund der vorliegenden knappen Berichte über die hessische Landeskonferenz nicht den Wortlaut der Sätze fest- stellen, die der Frankfurter.Volkssiimme" den Anlast zu ihrem Artikel gegeben haben. Es will uns aber nach diesen Berichten scheinen, als wehre sich das„Offcnbacher Abendblatt" lediglich da- gegen, daß unser Frankfurter Partciblatt den Inhalt der David- schen Ausführungen in eine drastische Form gekleidet hat, die diesen Inhalt deutlicher hervortreten läßt, als es in den Worten Dr. Davids geschieht. Ter Hinweis auf die Berichte der Frank- furter„Volksstimme" und des hessischen Parteiblattcs verfängt nicht, denn diese Berichte geben die Ausführungen des Genossen Dr. David natürlich stark gekürzt. Die badische Sozialdemokratie in ZcntrumSbelcuchtnng. Der„Karlsruher Volksfreund" wünscht, daß die norddeutsche Partciprcsse, nachdcni sie den Artikel des Nationallibcralcn Reb- mann über die badische Sozialdemokratie wiedergegeben habe, nun auch die folgenden Bemerkungen des Führers der badischen Zcn- trumspartci, des Geistlichen Rats Wacker, veröffentlichen möge. Im katholischen Volksverein in Freiburg sprach er sich über den Einfluß der badischen Sozialdemokratie wie folgt aus: „Die Sozialdemokratie spielt bei uns in Baden eine Rolle, die man noch vor kurzer Zeit für unmöglich gehalten hatte. Und daß sie diese Rolle spielt, ist nicht hauptsächlich ihr eigenes Ber- dienst, sondern Schuld der Kreise, die eigentlich zu den Erst- berufenen gehören, wenn es sich darum handelt, die Sozial- dcmokratie zu bekämpfen. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Sozialdemokratie in mehr als einer Beziehung zurzeit das einflußreichste Element im öffentlichen Leben Badens ist. Wenn es sich bei der Regierung darum handelt, auf die parla- mentarische Vertretung der einzelnen Parteien Rücksicht zu nehmen, dann kommt weit vor dem Zentrum die Sozialdemo- kratie. Die Sozialdemokratie ist eine Partei geworden, die einen erheblichen Teil der Regierungspartei darstellt. Der Geist der Sozialdemokratie hat in den letzten Jahren erheblich zugcnom- men. Wir stehen im öffentlichen Leben ungleich mehr, als wir cS wissen, unter dem Bann der Sozialdemokratie. Ich habe noch nie zu den Schwarzsehern gehört, aber ich muß offen bekennen, daß es zu unheilvollen Folgen führen muß. Ich möchte die Vcr- antwortung dafür, daß mit meiner Hilse die Sozialdemokratie groß geworden ist, nicht tragen." Der„Karlsruher Volksfreund" gibt selbst zu, daß von dem Gesagten etliche Prozent abzuziehen sind, weil der Zentrums- führer diese Sätze aus parteipolitischem Jutcrcsse gesprochen habe. Wacker hat ein Interesse daran, die sozialdemokratische Gefahr in Baden möglichst groß hinzustellen. Man kann dem entgegenhalten, daß der Nationalliberale Rebmann das umgekehrte Interesse habe. Indes sein Urteil wird durch die Tatsachen, durch die Beschaffen- heit jener Gesetze, die als die Früchte der Großblockpolitik präsen- tiert werden, wesentlich unterstützt. Zum Bericht der sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten, auß dem wir in Nr. 199 einen Auszug gaben, ist festzustellen, daß die Stimmenzahl, die die Partei 1998 bei der Präsidentenwahl er- zielte, 421 599 betrug, nicht 4 221 599, wie der Druckfehlerteufel, wohl die künftige Entwickclung vorwegnehmend, uns hat behaupten lassen._ Gcwcrhlcbaftlicbco. Der fall Oöbome. London, 23. August 1910. Endlich rüsten sich die britischen Gewerkschaften und die Ar. deiterpartei zu einem entschiedenen Kampf gegen die Mächte, die die politische Aktionsfähigkeit der Arbeiterklasse bedrohen. Die letzten paar Tage haben ein unerwartet schnelles Tempo in die EntWickelung der ganzen Frage gebracht. Doch bevor man auf die Darstellung der jüngsten Ereignisse eingehen kann, ist es notwendig, die unmittelbar vorangehende Geschichte der Angelegenheit zu streifen. Seit der Urtcilsfällung der letzten Instanz im Falle Osborne sind außer der Gewerkschaft der Eisenbahner noch 12 andere Gc werkschaftcn mit Jnhibitionsbefehlen bedacht worden. Augenblick lich schweben noch Prozesse gegen die Handlungsgehilfen und die Postangestelltcn, und es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in kurzer Zeit alle der Arbeiterpartei angeschlossene Gewerkschaften in das Netz der Jnhibitionsbefehle gezogen werden. Den ersten ernsten Abwehrversuch machte die Arbeiterpartei in der letzten Legislaturperiode, indem sie eine Vorlage einbrachte, die den Gewerkschaften das Recht auf politische Betätigung zurück- geben sollte. Die Vorlage gelangte aber nicht zur zweiten Lesung. Eine Resolution, die denselben Gegenstand betraf, wurde letzten April iin Parlament verhandelt; es kam aber zu keiner Ab- stimmung, da sie der Linksliberalc Markham nach altem Brauche tot redete. Die damalige Debatte hatte aber den nützlichen Zweck, daß sie über die Absichten der Regierung und die prinzipielle Stellungnahme der liberalen Partei zu dieser Frqge aufklärend wirkte. Es zeigte sich, daß die Arbeiterpartei die heftigste Opposition von linksliberalcr Seite und von den der liberalen Partei noch angehörenden Arbeitervertrctern zu erwarten hat. Ter RcgierungS- Vertreter war, wie immer, sehr sympathisch oppositionell, ging um die Frage herum, Wik die Katze um den heißen Brei, und meinte schließlich, daß die Besoldung der Abgeordneten der Arbeiterpartei aus der Verlegenheit helfen würde. Die nun folgenden An- strcngungen der Arbciterparteiler, die Regierung zu bewegen, einer von der Arbeiterpartei befürwortete� Bill über die politische Aktion der Gewerkschaften freie Bahn zu verschaffen, hatten keinen Er- folg; ebenfalls ohne Erfolg blieben die Versuche, den schlauen liberalen Fuchs aus seiner Höhle zu locken und ihn zu einer Er- klärung zu veranlassen. Die Regierung hatte der Arbeiterpartei zu verstehen gegeben, daß sie ihre Absichten noch vor den Parla- mentsfericn kundgeben werde. Sie verschob diese Bekanntmachung aber von einem Tag auf den anderen und vergaß sie schließlich gänzlich. Die Arbeiterparteilec hatten sich wieder einmal nas- führen lassen. Die Lage der Arbeiterpartei schien von Tag zu Tag vcr- zweifcltcr zu werden, und die bürgerliche Presse rechnete sich schon an den Geldmitteln, die der Partei noch zur Verfügung stehen, den Tag aus, an dem sie das Begräbnis der proletarischen poli- tischen Aktion begehen könnte. Tic Arbeiterpartei und die Gcwcrk- schaften aber setzten sich energisch zur Wehr. Gestern hielt das gemeinsame Komitee, in dem die Arbeiterpartei, die Allgemeine Föderation der Gewerkschaften und das parlamentarische Komitee des Gewerkschaftskongresses vertreten sind, eine Sitzung ab, in der folgende Resolutionen angenommen wurden: 1. Das Urteil im Falle Osborne berührt nicht nur die parlamentarische Vertretung, sondern macht es auch den Zweig- vereinen der Gewerkschaften unmöglich, mit den lokalen Gcwcrk- schaftskartellcn zusammenzuarbeiten, und untergräbt auch die Diskussions- und Bcschlußfreihcit, deren sich der Gewerkschafts- kopgreß immer erfreut hat, insofern, als dieser Kongreß Hand- lungen politischen Eharakters im Interesse der Lohnarbeiter unternommen hat. 2. Das Urteil vorenthält den Gewerkschaften das Recht, ihren ausdrücklich genannten statutarischen Zweck,„die Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zu regeln", auszu- führen, insofern als die modernen Verhältnisse der Industrie und der hohe Grad der Organisation des Kapitals die parla- mentarische Aktion für diesen Zweck notwendig macht. 3. Das Urteil raubt den Gewerkschaften eine Freiheit und «in Recht, das sie schon seit beinahe 59 Jahren besitzen, und das veräntwortlichcr Redakteur: Hans Weber, Beel-n. Für den sie nur mit der Zustimmung ihrer Mitglieder und zum Vorteil der Allgemeinheit ausgeübt haben." Dieser prinzipiellen Erklärung folgen die Forderungen des Komitees, welche lauten: Das Komitee fordert deshalb, daß diese Rechte sofort wieder- hergestellt werden, so daß die Gewerkschaften in die Lage versetzt werden, ihre statutarischen Funktionen in einer solchen Weise zu erfüllen, wie es die Mitglieder der einzelnen Gewerkschaften nach ihrem Statut beschließen sollten. Das Komitee bedauert, daß die Regierung beschlossen hat, der Beratung der Bill, die in der gegenwärtigen Parlaments session zu dem angegebenen Zweck eingereicht wurde, keine Zeit einzuräumen, und daß sie nicht einmal die bindende Garantie gegeben hat, ihr häufig wiederholtes Versprechen, für die Ae soldung der Parlamentsmitglieder und die Bezahlung der Wahl- bcaniten Sorge zu tragen, zu erfüllen. In Anbetracht der Ungerechtigkeit des Urteils und der Dring. lichkeit der Angelegenheit, fordert das Komitee die affiliiectei' Organisationen mit Rücksicht auf die Entstellungen der Lage, die kürzlich in der Presse erschienen sind, auf: 1. mitzuwirken, um die öffentliche Meinung über die An gelcgcnhcit aufzuklären; 2. sich mit dem Parlamentsmitglied ihres Wahlkreises ins Einvernehmen zu setzen, und 3. ihre Mitglieder zu bewegen, diese»Frage bei allen Wahlen zu einer Testfrage(d. h. zu einer Frage, die jeder Kandidat, der sich um die Stimmen der Arbeiterschaft bewirbt, zufriedenstellend beantworten muß) zu machen. Wird der Kampf, wie von den Führern der Arbeiterpartei versichert wird, nunmehr mit aller Schärfe entbrennen, so kann es auch nicht ausbleiben, daß die latenten, den Klasseninteressen entsprechenden Gegensätze zwischen Arbeiterpartei und Liberalismus auch auf politischem Gebiete klar zum Ausdruck kommen. Wie nun auch der Kampf der Arbeiterpartei um ihre Existenz ausfallen mag, das eine steht fest: er muß zu einem heftigen Anprall mit der liberalen Partei führen, einem Ereignis, das die größten Umwälzungen in der politischen Welt Großbritanniens zeitigen kann.„Nun ist es ganz klar", schrieb vor vierzehn Tagen der Genosse Jowett lParlamentsmitglicd), der frühere Vorsitzende der I. L. P.,„daß der liberale Einfluß in großem Maße gegen die Arbeiterschaft in die Wagschale geworfen werden wird, und wenn nicht die ganze Stimmkraft der Arbeiterpartei in Kreisen, wo kein Arbciterparteiler aufgestellt wird, als drohender Faktor in der Situation auftritt, so möchte ich keinen Pfifferling für alle Aussichten geben, die jetzt bestehen, um die Gewerkschaften von der größten Gefahr, die ihnen seit einer Generation begegnet ist, zu retten."_ Berlin und Umgegend. Der Kraftdroschkenbetrieb Faiisch, ReinickendorferStr. 22, ist für organisierte Kraft ivagenführer gesperrt. Ein bei der Firma Fabisch beschäftigter Fahrer wurde be» auftragt, mit einem Kraftwagen nach Posen zu fahren. Ein Lohn von fünf Mark pro Tag bei freier Station ivard vereinbart. Die Fahrt nahm vier Tage in Anspruch und hatte der Fahrer 29 Mark zu verlangen. Frau Fabisch, im N e b e n b e r u f H e b a in in e, versuchte, den Fahrer mit 19 Mark abzuspeisen, also den Lohn um 59 Prozent zu reduzieren. Als der Kollege erklärte, daß er mit 2,59 Mark feine Frau und vier Kinder nicht ernähren köime lind seinen wohlverdienten Lohn verlange, wurde er wegen„Un. Botmäßigkeit" entlassen. Der VerbandSvertrcter. der eine Ver. ständigung herbeiführen wollte, wurde gar nicht gehört. Da der Fahrer über Jahr und Tag in dem Betriebe beschäftigt war und bis dato im weitgehendsten Maße seine Schuldigkeit getan hatte, sahen die übrigen Kollegen in der Eiitlassung eine rigorose Vehand- lung und legten sie ciiiiiiütig die Arbeit nieder. Leider haben sich für die Wagen Nr. 8793, 8794 und 8795 be. reits ArHßitswissige gefunden. Organisierte Kollegen haben den Betrieb zu meiden. Bezirksleitung Groß-Berlin des Deutschen Transportarbeiter. Verbandes. Der Streik in der Norddeutschen Gummifalirik dauert fort. Die Firma glaubt noch immer, Ersatz für die Streikenden finden zu können. Augenblicklich sucht mau in Frankfurt a. M. und der Umgegend geübte Arbeiter mit demselben Erfolg, wie schon Ivo anders. Verhandlungen, welche von den Streikenden angebahnt waren, führten zu keinem Resultat, da der Direktor verreist war. Wie bei allen solchen Anlässen, so glauben auch hier die Arbeitswilligen sich alles erlaube» zu dürfen. Mit Gummiknüppel�ewaffnet, provozieren sie die Streikposten, und selbst Unbeteiligte, so daß die Polizei sich bequemen mußte, einem dieser Herren den Knüppel abzunehmen. Nach wie vor ist es Ehrenpflicht jedes Arbeiters, speziell der Gummi- arbeiter, diesen Betrieb zu meiden. Gummiarbeiter allerorts, meidet Berlin. Verband der Fabrikarbeiter, Berlin. Zur Lohnbewegung der DachdeckerhilfSarbeiter. In der Werk- stelle von Horn u. Hummel in der Großgörschen Str. 49 haben am Sonnabend, den 27. August, sämtliche Dachdeckerhilfsarbeiter die Arbeit eingestellt, weil die Forderungen nicht bewilligt wurden. Die Werkstelle ist von Dachdeckerhilfsarbeitern unbedingt zu meiden. DeutTcbcs Reich. Die Sicherheitsmannerwahlen im Ruhrrevier finden, soweit sie bis dahin noch nicht erledigt sind, am 29. Anglist statt. Wahlberechtigt sind nur diejenigen Bergarbeiter, die mindestens ein Jahr umiiiterbrochen auf derselben Grube gearbeitet haben, deutsche Staatsangehörige sind und sich im Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Wählbar als SicherheitSmann ist außerdem nur der Bergmann, der 39 Jahre alt ist, mindestens 5 Jahre als Hauer, davon 3 Jahre ii, gleichartigen Betrieben gearbeitet hat und ein Jahr ununterbrochen auf der Grube tätig war. Durch diese eingehenden Bestimmungen geht zunächst der größte Teil der Berg- lenie seines Wahlrechtes verlustig und besonders für de» Berg- arbeiterverbaud war es sehr schlver, auf allen Zechen Kandidaten zu finden, die de» gesetzlichen Anforderungen entsprechen, lieber den Wechsel der Belegschaft und die Zahl der Ausländer in, Nuhrbergbau orientieren folgende Zahlen: �. Durchschn. BelegschaftSwechsel Veleascki�n stallen 3� der J-V Ges.-Velegsch. Zugang Abgang 1995 299 999 191 367 92 379 38 34 18 373 1999 289 731 162 999 139 519 57 49 21 193 1997 399 311 218 951 173 993 71 56 25 750 1993 343 323 216 944 198 153 93 58— 1999 348 389 179 959 178 262 52 51 31875 Diese Zahlen zeigen, daß die Mehrzahl der Ruhrbergleute nicht wahlberechtigt ist, weit sie kein Jahr ununterbrochen aus der Grube gearbeitet haben; außerdem sind die Ausländer nicht wahlbereckitigt. Von diesem gewaltigen BelegschaftSweckisel wird aber auch der Berg- arbeiterverbaud stark betroffen, weil seine agitatorisch tätigen Mi:- glicder auf den Zechen nicht gern gesehen werden, Wenn man sie auch nicht entläßt, werden sie aber vielfach in die schlechtesten Arbeiten verlegt, so daß sie oft genug gezwungen sind, den Staub von den Pautoffel» zu schütteln. AuderS liegt es aber niit den Vergarbeiteru, die von der Zeche begünstigt werden. Diese erhalten die besten Arbeiten und haben düher keine Veranlassung, ihre Arbeit zu wechseln, sie bilden den alten Schmarotzerstainm, der sich vielfach von den Zechen auch gegen die Interessen seiner Klassengenosien mißbrauchen läßt. Aus diesen Kreisen haben sich auch die über 19 999 Streikbrecher beim Berg- arbeiterstrcik 1995 rekrutiert. Aus all den Gründen heraus haben die Zechen bei den Sichcrheitömännerwahlen einen ansschlaggebeuden Ein- fluß; da dcrGcwerlverciiichristlickicrVergarbciter beiden bevorstehenden Wahlen in einem Kompromißverhältiiis mit den Zechen sieht, sind feine Chancen bedeutend günstiger Wie die des VergarbcitcrvcrbandeS. Der Ausfall der Sicherheitsmänuerivahlen läßt daher keinerlei Schlüsse auf die Aeltesteiiwahlcn zu. Für die Aeltestenwahlen bestehen die einschränkenden Bestimmungen an die das Wahlrecht gebunden ist. nicht. wahlberechtigt sind hier alle Bergarbeiter, auch Ausländer, die der Kranken- oder Pensionskasie angchörcil. 21 Jahre alt und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sind. Kliopfardeitcrstrcit. In Fronkenhausen traten am Sonnabend in 14 Äiiopffabrilen die Perlmutterlnopfarbeiter wegen Lohndifferenzen in den Ausstand. Zuzug ist streng fernzuhaltrn. Ausland. Proklamierung des Generalstreiks. Bilbao, 27. August. Der Generalstreik ist definitiv für nächsten Montag proklamiert worden. Morgen Sonntag werden drei große Versaminlungen stattfinden, in welchen alle Arbeiter von Bilbao aufgefordert iverden, sich dem Ausstände anzuschließen. Versammlungen. Ter Zentralvcrband der Handlungsgehilfen und-Gehilfinnen Deutschlands. Bezirk Groß-Berlin, hielt am Donnerstag, den 18. August, in den„Arminhallcn" seine ordentliche Mitglieder- Versammlung ab, in der zunächst die Abrechnung über das 2. Vierteljahr 1919 erstattet wurde. Die Kassenverhältnisse und die Mtgliederbewcgung sind sehr erfreulich, und das Verbandsleben war auch in den Sommermonaten recht rege.— Die Versammlung wählte eine aus acht Kollegen bestehende Agitationskommission für die Vororte. In Sachen der Sonntagsruhe wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die am 18. August 1919 in den„Arminhallen" tagende Ver» sammlung des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und-Ge- hilfinnen Deutschlands, Bezirk Berlin, spricht ihr Bedauern darüber aus, daß die Gemeindebehörden von Berlin die vollständige Sonntagsruhe im Handelsgcwerbe durch Ortsstatut immer noch nicht eingeführt haben. Die Versammelten erheben ferner energischen Protest gegen die Behauptungen des Tetailistenvcrbandes der Beklcidungs- industrie usw., der die geplante Erweiterung der Sonntagsruhe mit der Begründung bekämpft, daß schon im Interesse der Arbeiter und Handwerker, welche die Woche hindurch schwer arbeiten müssen und deshalb die frühen Stunden an den Sonntagen zur Erholung verwenden, die Geschäfte von 12 bis 2 Uhr geöffnet sein müssen. Die Versammelten weisen darauf hin, daß die Arbeiterschaft wieder- holt und zuletzt erst vor ganz kurzer Zeit zum Ausdruck gebracht hat, daß sie die Einführung der vollständigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe als dringend notwendig erachtet und die angebliche Rücksichtnahme auf sich als Konsument mit aller Entschiedenheit zurückiveist. Die von der Gewerbedcputation und dem Magistrat beschlossene Ausdehnung der Sonntagsruhe dergestalt, daß die offenen Ver- kaufsstellen von 19 Uhr ab geschlossen sein sollen, ist nicht weit- gehend genug. Von dieser Acndcrung aber noch die Lebensmittel» brauche auszuschließen, ist durch nichts begründet. Die Ver- sammelten sind aus den schon wiederholt dargelegten Gründen der Ucberzeugung, daß die Einführung der vollständigen Sonntags- ruhe im Handelsgcwerbe unbedingt notwendig ist. Sie erwartet deshalb vom Magistrat und von der Stadtverordnetenversammlung die baldige Einführung der vollständigen Sonntagsruhe im Handelsgewerbe."_ Letzte f�aebnebten» S. M. redet weiter! Nachdem Wilhelm II. am Donnerstag in Königsberg seine vielerörterte Rede gehalten hatte, ist er am Freitag nach Tanzig ge» fahren, wo er eine Rede an die ihn begrüßende Stadtvertretung richtete. Gestern sprach Wilhelm II. in Marienburg, wo er eine Parade abhielt. Bei der Paradctafel brachte er, wie W. T. B. meldet, folgenden Trinkspruch aus: Mein Toast gilt heut dem XVll. Armeekorps, dem ich schon draußen— und ich wiederhole dies hier— von ganzem Herzen meinen Glückwunsch ausgesprochen habe zu der vorzüglichen Parabel DaS Armeekorps hat hcut im Verein mit der Marine die Wehrmacht des Deutschen Reichs gewiffermafien versinnbildlicht. Die Haltung der Truppen auf der Parade gewährleistet mir, daß ihre kricgS- mäßige Ausbildung meinen Wünschen entspricht. Ich werde sie im Manövcrfclde wiederfinden und spreche Ihnen im voraus meinen herzlichsten Dank aus für die Friedensarbeit, die Sie mit hingebender Arbeit und Aufopferung geleistet haben. Sie können nur stolz auf das Resultat sein. Die Zufriedenheit Ihres Kriegs- Herrn haben Sie sich erworben. Das XVII. Armeekorps Hur rat Hurrai Hurrai Des Volkes Antwort. Bremen, 27. August. Bei der heutigen Ersatzwahl zum bremischen Parlament wurde der wegen seiner sozialdemo- kratischen Gesinnung gemaßregelte Lehrer Wilhelm Holzmcycr mit 492 gegen 144 Stimmen in die Bürgerschaft gewählt. Ein Fluchtversuch des alten Sünders. Rom, 27. August.(Preßte!.) Das„Giornale d'Jtalia" weiß von einem Fluchtversuch Abdul Hamids aus der Villa Allatini in Saloniki zu berichten. Einem früheren Beamten des Exsultans soll es gelungen sein, sich mit diesem in Verbindung zu setzen und alles für die Flucht vorzubcreiten. Er weilte selber in der Villa und bereits hatte sich Abdul Hamid seinen Bart stutzen lasse«, um unerkannt die Kette der Wächter passieren zu können, als der Fluchtversuch entdeckt und vereitelt wurde. Die Bewachung des Asyls Abdul Hamids ist unverzüglich verstärkt worden, sodaß der- artige Versuche des Exsultans endgültig unmöglich gemacht sein dürften. Ausstand der Knopfarbeitcr. Frankcnhauscn(Thüringen), 27. August.(B. H.) In vierzehn hiesigen Knopffabriken traten heute die Prrlmuttcrknopfarbcitrr wegen Lohndifserenzen in den Ausstand. Abgestürzte Aviaiikcr. Arnheim, 27. August.(W. T. B.) Ter holländische Aviatiker van Mnßdyk ist mit seinem Apparat abgestürzt und hat dabei den Tod gesunden. Le Havre, 27. August.(W. T. B.) Ter Aviatiker Legagncux stieß heute bei einem Fluge um den GesamtdistanzpreiS gegen eine» Pylot» wobei sein Apparat mit dem linken Flügel hängen blieb und zur Erde stürzte. Ter Pilot wurde aus verschiedene» Wunden blutend unter den Trümmern des Apparates hervorge- zogen und fortgebracht. Ucbcr seine Verletzung ist noch nicht? näheres bekannt._ Keine neuen Choleraerkrankungen. Wien, 27. August.(W. T. B.) Das Sanitätsdepartement des Ministeriums des Innern veröffentlicht ein Kommunique, nach dem seit der bakteriologischen Feststellung von Eholera in den Fällen Held und Hofmann bis zum Abend des 27. August keinerlei Reu- erkrankung an Cholera dem Ministerium deS Innern angezeigt ist; bei 5 internierten Personen ist Choleravcrdacht ausgeschlossen, ebenso bei einem im 21. Wiener Bezirke vorgekommenen verdäch» tigcn Todesfälle,_ Durch Fcner vernichtet. HelsingforS, 27. August.(W. T. B.) DaS Michaelstadtviertel ist durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt worden. Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag-Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer Li Co„ Berlin SW. „ m z. Ktilllge des„Nsmarts" Kerlilter NslksdlM. Die Internationale. DK Sozialdemoliratle in Belgien. Brüssel im August. Noch immer gilt für Belgien Marxens Wort, daß es ein Paradies der Kapitalisten sei. Nach wie vor haftet ihm der traurige Ruf an, daß es das Land der niedrigsten Löhne und der längsten Arbeitszeiten ist. Aber auch das Paradies der Pfaffen ist Belgien, die es seit 26 Jahren unter politischer Herrschast halten und die sich im Pluralvotum und in einein künstlich konstruierten, ihren Zwecken angepaßten Proportio- nalsystem das Mittel geschaffen haben, den Ausdruck des Volkswillens zu fälschen und die aufstrebende Macht des Proletariats zurückzudrängen. In diesen zwei Faktoren: der maßlosen Ausbeutung durch den Kapitalismus, gegen den eine gesetzliche Schranke zu schaffen sich Klerikale im Bund mit den Liberalen sträuben, und der Niederhaltung jeder geistigen Entwicklung durch den Klerikalismus, liegen auch die Ursachen, warum sich der Aufstieg der Arbeiterklasse in Belgien nur so langsam vollzieht, warum dieses industrie- reiche Land eine insbesondere gewerkschaftlich so schwach ent- wickelte Arbeiterbewegung hat. Belgien zählt rund 126 606 gewerksckwstlich organisierte Arbeiter, die auf dem Boden des Klassenkampfes stehen. Die belgische Gewerkschaftskommission vereinigt bekanntlich die„Unabhängigen Gewerkschaften", die sich zum Klassenkampf bekennen, und die„sozialdemokra- tischen", die der Partei direkt angeschlossen sind. Die Mit- glieder der letzteren beziffern sich nach den Ergebnissen von 1909 auf 72 660.— Die Gesamtzahl der der politische» Partei angehörigen Mitglieder umfaßte 1969 185 366 Personen. Während das vorige Jahr, als Krisenjahr, den Gewerkschakten Verluste brachte, verzeichnet die politische Partei eine fyrtlausende allmähliche Steigerung. Die belgische Partei zählte in runden Ziffern 1906: 145 700 Mit- glieder: 1967: 161 246; 1968: 184 666; 1909: 185 300 Mit- glieder. Gewinn und Verlust der Gesamtzahl der Gewerk- schaften stellen sich folgendermaßen dar: 1906: 127 166 Mit- glieder. 1907: 138 763, 1908: 125 943 Mitglieder. Die Zahl der der Partei angeschlossenen Gruppen— Gewerkschaften, politische Organisationen, Verein für gegenseitige Versiehe- rung und Genossenschaften umfassend— stieg von 863 im Jahre 1906 auf gegenwärtig 966 Gruppen. Entsprechend diesen Ziffern verfügt die Partei für Propagandazwecke über nur geringe Geldmittel. Der Generalrat z. B. erhebt von den Parteiangehörigen einen Beitrag von 16 Centimes pro Jahr und Mitglied und verfügt demnach aus dieser Quelle über eine Summe von 26 666 Frank. Wie erwähnt, fälscht das herrschende Pluralsystem das politische Machtverhältnis zugunsten der Besitzenden, der bäuerlichen Wähler und damit zugunsten der herrschenden Partei. Zur Ungerechtigkeit und damit zum Privilegium der P l u r a l i t ä t— bis zu vier Stimmen 1— gesellt sich aber noch die die Arbeiterstimmen beeinträchtigende S e ß h a f- t i g k e i t s k l a u sei, die für das Kommunalwahlrecht vier Jahre festsetzt, aber die städtischen Arbeiter aufs un- geheuerlichste um ihr Wahlrecht prellt. Belgien wählt für die Kammer bekanntlich in Teil- Wahlen und zwar gelangt je eine Hälfte des Landes in einem Abstand von 2 Jahren zur Wahl. Rechnet man, um zu einem Gesamtergebnis der sozialistischen Stimmen zu kommen, die Ziffern von je zwei aufeinander folgenden Wahlen zusammen, so ergeben sich: 1962—1904; 463 967, 1964—1966: 469 694, 1906—1968: 483 241 sozialistische Stimmen. Auch die letzten Maiwahlen haben der Partei Stimmen- zuwachs gebracht, der indes zum Teil auch in der Vermehrung der Wählerzahl resultiert. Eine Vermehrung der Man- date haben die letzten Wahlen den Sozialdemokraten nicht gebracht. Aus der liberal-sozialistischen Kartellpolitik haben einzig die Liberalen Nutzen gezogen— welche Tatsache denn auch im Verein mit anderen Momenten einen Teil der Partei zu noch skeptischerer Auffassung der Kartellpolitik in Belgien geführt hat.— Die Partei zählt gegenwärtig 35 Ab- geordnete in der Kammer— gegen 36 Abgeordnete des Jahres 1966. Die Zahl der sozialistischen Senatoren beträgt 7. An sozialistischen Gemeinderäten zählt Belgien 856, von denen jedoch nur 760 ungefähr der nationalen Föderation angeschlossen sind. Sozialistische Vertreter gibt es ferner in den Provinzialvertretungen und auch als Stadträte sind mehrere Parteigenossen tätig. Brüssel zählt zwei, darunter Genossen Grimard, der das Finanzressort innehat. In Schaerbeek, dem größten Arbcitervorort Brüssel hat Bertrand dasselbe Amt. In der Domäne der provinzialen und Kommunalverwalwng haben unsere Genossen Haupt- sächlich dem Schulgebiet, dem Ausbau des gewerblichien Ilnterrichts, dem Schulkantinenwesen, der Frage der Mini- mallöhne bei städtischen Arbeiten und der städtischen Regie und anderem ihre Tätigkeit gewidmet. Die sozialistische Presse, ohne gerade starken Aufschwung zu verzeichnen, zeigt immerhin Fortschritte an. Die Gesamtauflage der sozialistischen Presse im ganzen Lande beläuft sich auf ungefähr 142 606 Exemplare. Das sozio- listische Genossenschaftswesen, das in Belgien be- kanntlich eine große Rolle spielt, gewinnt eine immer größere Einflußsphäre im Wirtschaftsleben und in der Arbeiterschaft. Die Föderation der Genossenschaften zählt 174 Gesellschaften mit 146 736 Mitgliedern. Der Umsatz betrug 1969 46 655 358 Frank bei einem Gewinn von 3 855 443 Frank. Ein Teil der Bcnefizien fließt in der einen oder anderen Form sozialistischen Propagandazweckerl und Streikunterstützungen zu. Die sozialistischen Genossenschaften Belgiens beschäf- tigen ein Personal von 2128 Personen. Erwähnenswert für die Vervollständigung des Gesamt- Ibildes der Partei wäre noch die Errichtung der Brüsseler Arbeiter schule, die der Generalrat der Partei ins Leben gerufen hat und die in kleinem Umfange dasselbe Ziel anstrebt wie die deutsche und österreichische. Es finden zweimal wöchentlich Kurse statt, die von bekannten Theore- tikern und Gewerkschaftern geleitet werden. Auch andere Städte Belgiens sind dem Brüsseler Beispiel gefolgt. Seit dem Stuttgarter Kongreß hat eine Reihe von Fragen die belgische Partei beschäftigt, deren Entscheidung mit den Fragen sozialistischer Taktik zusammen- hing und die daher auch die in der belgischen Partei vorhan- denen Gegensätze der„Radikalen" und„Gemäßigten" auslösten. So heftig diese Diskussionen auch waren, ins- besondere jene über die Kolon ialfrage und die Frage der Teilnahme an der Re g i er u n g s m a ch t, so ist aus ihr die Einheit der Partei immer unbeschädigt hervorgegangen, und auch der schärfste Gegensatz hat die Redner immer wieder zur Anerkennung der Notwendigkeit der Parteidisziplin geführt. Der Aprilkongreß, dem der ent- scheidende Beschluß über die Haltung der sozialistischen Fraktion in der Annexionsfrage zufiel, sprach sich nach heftigen Debatten in seiner Resolution gegen die Kongoannexion aus, gegen die die Fraktion entsprechend den von natio- nalen und internationalen Kongressen festgelegten Prinzipien stimmen müsse. Vandervelde hatte, als Verfechter der Idee einer„sozialdemokratischen Kolonialpolitik", für sich die Frei- heit reklamiert, sich bei der Kammerabstimmung der Stimme enthalten zu dürfen. Er und seine Anhänger motivierten ihre Haltung mit der Begründung, daß die Sozialdemokratie als Schützerin aller Unterdrückten auch das Los der schwarzen Bevölkerung günstiger zu gestalten trachten müsse, wozu die Kontrolle durch das Parlament und die Durchführung von Reformen die Möglichkeit biete. Diesen Argumenten haben die„prinzipiellen" Gegner der Kolonialpolitik entgegengtzhal- ten, baß bie Annexion mit der von Vandervelde befürworteten kostspieligen Refornipolitik das kleine Belgien finanziell er- drücken und nur auf Kosten der für die belgischen Arbeiter notwendigen Sozialpolitik geschehen würde. Eine nicht minder bewegte Debatte über sozialistische Taktik brachte der außerordentliche Februarkongreß von 1916, der sich mit der Frage des M i n i st e r i a l i s m u s befaßte— zu frühzeitig, wie die letzten Wahlen bewiesen haben, die die klerikale Majorität zwar geschwächt, aber doch noch nicht beseitigt haben. Die mit 262 gegen 166 Stimmen der Gegner des Ministerialismus angenommene Resolution über die„Allgemeine Politik" zeigt den„Einerseits" und ..Andererseits"-Standpunkt deutlich ausgedrückt, zu dem die Befürwortung der Teilnahme der Sozialisten an der Re- gierungsmacht nötigt. So spricht denn die Resolution „einerseits" davon, daß die Arbeiterpartei, ohne die Jnter- essen ber Arbeiter zu schädigen, einem Bourgeoisministerium eine systematische Unterstützung nicht leihen kann,„anderer- seits" aber nicht von vornherein die Existenz einer Regierung systematisch unmöglich machen kann, die zu den notwendigen demokratischen Reformen entschlossen ist. Nichtsdestoweniger haben auch die Anhänger des Ministerialismus in ihrer Neso- lution auf die Gefahren einer Politik hingewiesen, die unter dem Vorwand der Blockpolitik und der antiklerikalen Koa- lition die Unabhängigkeit der Arbeiterpartei antasten könnte. In einem weiteren Passus wird betont, daß unter allen Umständen nach einem Sieg der Opposition die Arbeiterpartei ihre volle Unabhängigkeit be- wahren und ihre Politik eine Klassenpolitik bleiben müsse.— In der Resolution über die Beteiligung an der Regierung wird die individuelle Teilnahme eines Sozialisten an einem Ministerium ohne Einwilligung der Partei als Disziplinbruch qualifiziert, der mit Ausschluß aus der Partei und der Internationale gleichbedeutend fei.— Schließlich wird die Frage selbst als eine Frage der Taktik und nicht des Prinzips gekenn- zeichnet, die durch einen nationalen Kongreß zu entscheiden sei.— Indes kommt in der Resolution auch die„prinzipielle" Meinung ihrer Verfasser insofern zum Ausdruck, als auf die zukünftige Rolle der Arbeiterpartei verwiesen wird, die im Gegensatze zur jetzigen, die mehr kritischer und oppositio- neller Natur war, eine„aufbauende" sein wird. An diesem Tage werde die Arbeiterpartei auch die Verantwortung der Teilnahme an der Macht zu übernehmen wissen. In unsere Berichtsperiode fällt auch die Erledigung der Militärvorlage im Parlament, die eine Herabsetzung der Dienstzeit und die Aufhebung des Stellver- tretungssystems gebracht hat. Die Abstimmung über das Gesetz hat eine eigenartige parlamentarische Konstellation hervorgerufen: ein Teil der Rechten stimmte gegen die Re- gierung; die Majorität bildeten Sozialdemokraten, Klerikale und Liberale. Die Erklärung des Ministerpräsidenten, der die Stimmen der Sozialdemokraten in Anspruch nahm, hat heftige politische Erregung hervorgerufen und die Altkleri- kalen außer Rand und Band gebracht. Der letzte Kongreß der Sozialdemokratie, kurz nach den Wahlen abgehalten, beschäftigte sich mit der Ausarbeitung des ArbeitsprogMmms der Partei für die nächste Zukunft. In den Vordergrund stellte der Parteitag den Kampf für ein allgemeines, unverfälschtes Wahlrecht und die Durchführung der sozialen Reformen._ Die iozialiitliche Parte) in Spanien. Madrid, im August. Die spanische sozialistische Partei hat während de? zu Ende gehenden Jahres infolge der politischen Entwicklung und Gescheh. nisse eine solche Bedeutung erlangt, daß sie der wichtigste Faktor in der iberischen Politik geworden ist. Bis zu den letzten Jahren war der Fortschritt der Partei sehr langsinn wegen der niedrigen Entwicklung der spanischen Industrie und der Begrenzung der Agitation durch die geringen Mittel der Partei. Aber die gegen das Ministerium Maura geführte Kampagne und daS Bündnis mit den Republikanern, um die Monarchie zu stürzen, und der heftige Kampf gegen die klerikale Unterdrückung haben die Reihen der Partei gefüllt und gegenwärtig zählt sie eine Armee von 10 000 regelmäßig zahlenden Mitgliedern. Ungefähr 200 Gruppen bestehen in den verschiedenen Orten. Diese Gruppen bilden die Federationen, die kräftigsten davon sind die in den baskischen Provinzen, in Asturien, Galicien und Kata- lonien. Alle diese Federationen bilden endlich die spanische sozialistische Partei. Die Delegierten dieser Ortsgruppen vnd Federationen ver- einigen sich alle drei Jahre zum Kongreß der Partei, der die Stadt wählt, in welcher das Nationalkomitee der Partei(Vorstand) seinen Sitz haben soll. Die Ortsgruppe dieser Stadt wählt neun Ge- nosien, welche de» Vorstand bilde», Gegenwärtig ist der Vorstand in Madrid. Dort erscheint auch das Zentralorgan der Partei„El Socialista", das in Kürze sein 2Sjähriges Jubiläum feiern wird und bald täglich erscheinen soll. Die Partei hat in Madrid außerdem ein Volkshaus, das 400 000 Pesetas gekostet hat, und 12 Wochenblätter. Bei den letzten Wahlen sind etwa 1S0 unserer Genossen in die Gemeinderäte ge- wählt worden. Und zum ersten Male erschien ein sozialistischer Deputierter in den Cortcs, unser Genosse Jglesias, der in Madrid gewählt worden ist. Seit den letzten Wahlen hat die Partei ein Bündnis mit den Republikanern schließen zu müssen geglaubt zu dem Zweck, einen Block gegen die reaktionären und klerikalen Mächte zu bilden und auch in der Absicht, die Monarchie zu stürzen und die Republik zu errichten. Das Bündnis soll sich auf diese Zwecke beschränken. Die sozialistische Partei will vor allem im Bunde mit den rcpubli- konischen und liberalen Strömungen sich ein für alle mal des Klerikalismus entledigen, der Spanien während so vieler Jahr- hunderte in Ketten geschlagen hat. Damit frei von der Korruption und der Sklaverei, die der Klerikalismus befördert, die Arbeiter endlich zur Errichtung der Republik schreiten können. Indessen wissen die spanischen Sozialisten sehr wohl, daß die Republik nicht ein Allheilmittej ist. Aber sie sind überzeugt, daß die Republik große moralische und materielle Vorteile bringen wird. Moralische, weil, wenn wir einmal die Republik haben, der spanische Arbeiter viel klarer erkennen würde, welches die Jnter- essen seiner Feinde und welches die seinigen sind. Und wenn er sie einmal erkannt haben wird, würde er sich zur Wehr setzen und sich mit Aussicht auf Erfolg verteidigen. Materielle, weil mit der Errichtung der Republik die indu- strielle Entwicklung erheblich zunehmen würde und die ökonomischen Verhältnisse sich so gestalten würden, daß der Arbeiter die Ge- legenheit haben würde, seinen Lohn zu erhöhen, die Arbeitszeit zu verkürzen, eine bessere Arbeitergesetzgebung zu erlangen und die Notwendigkeit der Arbeiterorganisation mehr zu verstehen. Zudem würde die wachsende Stärke der Partei der Negierung eine be- stimmte Richtung aufzwingen. Trotzdem die republikanische Partei mit ihrem zweideutigen Ideal uns nicht wenige Arbeiter entführt und trotz der geringen Entwicklung des Kapitalismus die Konzentration der Arbeiter er- schwert, hat sich die sozialistische Partei eine beneidenswerte Post- tion in der spanischen Politik geschaffen. Sie ist die einzige wahre Oppositionspartei und die Kraft, die sie in den letzten Kämpfen gegen die Unterdrückung entwickelt hat, -zeigen sie reif für die große Rolle, die sie übernehmen muß in dem endlichen Befreiungskampfe des unglücklichen Spaniens. ein(iotichrei aus Japan. Genosse Gustav E ck st e i n schreibt uns: Als ich im Frühjähr 1963 Japan besuchte, konnte ich dort die ersten hoffnungsvollen Keime einer sozialistischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung beobachten. Genosse Chagrin fand vor einem Jahr nur mehr die Trümmer der sozialistischen Beste, zu deren Bau und Erhebung kein anderer so viel beigetragen hat wie Genosse Katayama. Den jetzigen Stand der Bewegung schildert dieser i» einem Brief, den ich soeben erhielt. Ich glastbe, dem dort ausgesprochenen Wunsch nicht besser nachkommen zu können, als indem ich seinen Brief der Oessentlichkeit übergebe. Tokyo, 4. Juli 1010. Lieber Freund! ES ist jetzt lange her, seit Sie in Japan waren. Seither hat Japan nach jeder Richtung stetig Fortschritte gemacht, und seither hat es den so gewaltigen und blutigen Krieg mit Rußland siegreich durchgefochten; aber auf dem Gebiet der Arbeiterbewegung und des Sozialismus ist leider, seit Sie bei uns waren, von einem Vovlvärtskommen nichts zu merken. Da- mals konnten wir ganz andern Mutes von den Aussichten des Sozialismus sprechen als jetzt. Denn heute ist unsere sozialistische Bewegung vernichtet, viele von uns sind im Gefängnis, und es gibt keine Freiheit der Rede und der Aktion für die Sozialisten mehr wie zu der Zeit, als Sie hier waren. Die fortgesetzte Ver» folgung und Unterdrückung durch die Regierung hat einige von uns zum äußersten gebracht. Gerade jetzt haben wir Sozialisten die ärgsten Unterdrückungsmaßrcgeln infolge eines arnachistischen Anschlags zu erdulden, der angeblich jüngst entdeckt wurde. Aus einen Schlag wurden sieben Sozialisten, einige davon vielleicht auch Anarchisten, verhaftet, und seither folgen die Verhaftungen einander fortwährend. Ueber die Gefangenen können wir über» Haupt keinen Ueberblick erlangen. Tag für Tag werden Sozialisten verhaftet oder Haussuchungen bei ihnen gehalten. Jeder von uns wird auf Schritt und Tritt von einem oder zwei Detektivs, manch- mal bis zu acht, verfolgt und unter Aufticht gehalten. Auch ich selbst werde ständig von so einem Kerl überwacht und in meiner Arbeit gestört. Seit zwei Jahren bin ich Mitarbeiter einer dreimal mcmat- lich erscheinenden ökonomischen Zeitschrift, die sich seit meinem Eintritt in die Redaktion auch mit politischen und sozialen Fragen befaßt. Polizeidetektivs haben schon wiederholt dort im' Redak. tionsbureau nach mir gefragt und herumgeschnüffelt, nur um mir Ungelegenheiten zu bereiten. Unser Blatt(„Socialist News") steht unter strengster Zensur, und die Polizei läuft den Abonnenten nach und sucht sie uns ab» wendig zu machen. Doch trotz alledem ist es uns gelungen, uns während dieser letzten drei schweren Jahre mit knapper Mühe am Leben zu erhalten. Es ist aber sehr fraglich, ob es uns noch weiter gelingt; denn heute sind fast alle Sozialisten des ganzen Landes unter diesem oder jenem Vorwand verhaftet und harren der Aburteilung. Den Sozialisten gegenüber gibt es keine verfassungsmäßigen Garantien. Gericht und Polizei sind einträchtig gegen uns. Die Arbeiterklasse ist völlig unterdrückt, und eS besteht gar keine Mög» lichkeit der Organisation oder auch nur der Agitation. Noch immer haben wir kein Fabriksgcsetz, obgleich der Entwurf eines solchen in der letzten Parlamentssession eingebracht worden ist. Unsere Arbeiter wenden nicht durch Gesetze geschützt, sondern durch Polizei» Vorschriften unterdrückt. Unter solchen Verhältnissen ist tS völlig unmöglich, für unser« Sache offen zu kämpfen. Ein« geheime Tätigkeit aber ist in ständiger Gefahr krimmineller Verfolgung. Ich wäre sehr gern zum internationalen Kongreß von Kopen« Zag«.n gekommen� wie Sie aber sehen, ig dies gänglich ausge» schlössen; Venn eS gM sseük« lerne saMistische Orgaktsalion«esst in Japan. Mir selbst ist es in den letzten drei Jahren sehr schlecht ergangen. Ich habe alles zugescht, was ich besaß, und jetzt erhalte ich mich und meine Familie durch die Mitarbeit an der vorhin erwähnten Zeitschrift,.und dabei gebe ich noch weiter die„Lodalist News" heraus. Ich ersuche Sie, Ihren Landsleuten und dem Kopenhagener Kongreß unsere schreckliche Lage zu schildern, und ich bitte Sie, für die Sache der japanischen Arbeiter und für den internationalen Frieden einzutreten und zugleich den Arbeitet Amerikas und dem übrigen Proletariat mit Nachdruck vor Augen zu führen, daß die gegenwärtige Haltung der amerikanischen Arbeiter und einiger dortigen Sozialisten das japanerfeindliche Gefühl in Amerika nur noch stärkt und so den Ausbruch eines Krieges zwischen Japan und den Bereinigten Staaten wegen der Fragen der japanischen Ein- Wanderung und des chinesischen Marktes noch beschleunigt. In Hawai und in den Bereinigten Staaten leben heute fast 17» 000 Japaner, die hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig sind. Sie kamen dorthin, bevor eS noch eine japanerfeindliche Be- wegung gab. Sie werden ober nicht wie die Angehörigen anderer Nationen behandelt, sie werden in jeder Weise verfolgt, sie werden von den Gewerkschaften boykottiert, sie werden in ihrem Erwerb behindert und oft durch Pöbelexzesse an Leib und Habe geschädigt. Die japanische Regierung verbietet den Arbeitern nach den Vereinigten Staaten oder nach Hawai zu gehen. Kein Arbeiter darf das Land verlassen; denn die Regierung folgt keine Pässe aus, ohne Patz aber nimmt kein Dampfer einen japanischen Passa- gier auf. Nur diejenigen Japaner, die bereits in den Ver- einigten Staaten gelebt haben, dürfen dorthin zurückkehren, und selbst ihre Gattin darf ihnen dorthin nur dann folgen, wenn der Mann ein selbständiger Farmer oder Kaufmann ist. Ein Ar- beiter kann nicht einmal dann ein Weib mit sich nehmen, wenn er sich über genügenden Geldbesitz und gute Arbeitsgelegenheit auMeist. So geht die Zahl der Japaner in Amerika stetig zurück, sie müssen dies Land nach so vielen Jahren harter Arbeit und Mühe mit schweren Berlusten verlassen. Die Amerikaner wollen sich aber nicht damit begnügen, daß die japanische Regierung tatsächlich keine Japaner mehr nach Ame. rika gehen läßt, wie es die Vereinigten Staaten verlangen, sie wollen die völlige Ausschließung der Japaner auch gesetzlich ver- brieft haben. Dafür agitieren nicht nur Jingoisten, wie Johnson und der Expräsident Roosevelt,, sowie auch, die Gewerkschaften der pazifischen Küstenstaaten und einige andere; leider begünstigen auch viele Sozialisten diese Matzregel.) Glauben Sie, Japan und sein Volk werde sich eine derart ungerechte und barbarische BeHandlungsweise ewig gefallen lassen? Wird es nicht verlangen, daß seine Staatsbürger nicht anders behandelt werden als die irgendeiner anderen Nation? DaS muß sich doch jeder vernünftige Mensch und besonders jeder inte» nationale Sozialist sagen. Ich bin ein Feind jede? Krieges; denn dieser wird stets von den Kapitalisten und ihrer Regierung aus selbstischen Gründen unternommen, die Arbeiter aber haben stets die Leiden zu tragen, ohne irgendetwas zu gewinnen. Wir wissen das aus frischester und traurigster Erfahrung; Ich kann mich aber der Erkenntnis der Gefahren nicht ver- schließen, die von Tag zu Tag drohender über beide Staaten heraufziehen. Japan bereitet sich in aller Stille und Geduld auf große Ereignisse der nahen Zukunft vor, und dasselbe tun die Vereinigten Staaten unter Führung Roosevelts, der seinem tiof» gewurzelten Japanerhaß, seitdem er Präsident wurde, stets in Wort und Schrift Ausdruck gegeben hat. Wie Sie wissen, kann ein moderner Krieg nur durch den aus- gesprochenen übereinstimmenden energischen Willen der Arbeite» klaffe der beteiligten Staaten verhindert werden. So war es anläßlich der Marokko-Affäre zwischen Deutschland und Frank» reich, ebenso zwischen Oesterreich und Italien und zwischen Schweden und Norwegen; diese Willensübereinstimmung VeS Proletariats wird auch sicherlich auf die Beziehungen zwischen England und Deutschland großen Einfluß haben. Die Arbeiter dieser beiden Länder sind intelligent und klassenbewußt und find sich der Schrecken eines Krieges wohl bewußt. Sie werden deShalv jeden Krieg in Zukunft zu bekämpfen wissen, wip sie eS bisher getan haben. Die Arbeiter Japans sind nicht derartig organisiert; die A» beiter Amerikas aber hassen die Japaner und sind gerne bereit, sie aus dem Lande zu jagen. Sie haben kein Gefühl internatio- naler Solidarität. In dieser Tatsache liegt eine schwere Gefahr angesichts der herannahenden Krise in den Beziehungen der beiden Länder. Diese japanerfeindliche Bewegung bietet den amerika- nischen Kapitalisten und ihrer Regierung den schönsten VorwanÄ für ihre forcierten Rüstungen zu Wasser und zu Lande. Ihr« Interessen sind eS also, für die sich die amerikanischen Arbeiter einsetzen, während sie die Gefahr eines Krieges beschleunigen, der dem Proletariat beider Länder nur die furchtbarsten Leide« bringen kann. Auch die Sozialisten Amerika?, die doch für den internatio- nalen Frieden eintreten müßten, arbeiten mit ihrer Begünstigung der japanerfeindlichen Bewegung, wie sie in der MajoritätS- resolution von Chicago zutage trat, nur den Kapitalisten in die Hände. Alles, was in dieser Richtung von den Arbeitern Amerika» getan oder gesagt wird, verbreitert nur die Kluft zwischen der» beiden Ländern. Die Resolution von Stuttgart und das berühmte Wort vor» Karl Marx über die Jntcrnationalität der Arbeiterbewegung werden von den Arbeitern Amerikas verdreht und umgedeutev 'im Sinne der Ausschließung der Japaner. Ich bitte Sie. diese Frage zu studieren und alles aufzubieten. damit das Wohl der Arbeiter zweier Länder nicht geopfert werde auf dem Altar kapitalistischer Habgier. S. Katayama.? Große Einkaufsvorteile bietet Rmein Sommer- äumunosverkaul Teppich- Spezialhaus Lm-Enl efevre Berlins. Seit 1882 nur Oranienstr. 158. Riesen« Teppich-Lager aller Größen and Qualitäten Sofa-GrSBe a 5, 10, I&— 40 M Salon-GräBe a 15, 20, 30-150 M. Saal-GröBe a 45, 60, 76-800 M, Portieren, MSbelstoffe, Tischdecken, Gardinen, Stepp- u. TOIIbettdeoken. Spczlal-Katalofl A Alas0B O l(urliri,,z Q 01 ICJI V Kios No. 1 l Naxos ADO Sekklm O PTd. TUrk. Tabak- acigareHen-Fabril<„Kios" o E. Robert Böhme, Dresden. Xie/erant der französischen Zabak-l\egie. Rosenthaler Hof RosenthaferStr.lt/12. Stch. Otto Schilling:. Telephon Amt III 2438. Empfehle meine Säle u. Vereinszimmer zu Festlichkeiten u. Versammlungen. _ Einige Sonnabende und Sonntage noch frei. 5082» d«I Entnahme«na eleguinr tleii-Ukti Anzüge und Paletots Pelerinen, Samnimänt. Schuhwaren Teilzolilun? bei Entnehme reizender RiEiMöift Knaben-Anzüge und Paletots Jüiglingt-Beklsldmg Hachen- Kleider Wegen Aufgabe unserer Berkaussräume, Rotzstrahe 2 AiüfigWc, Mintcr- polctatfloff, Damentuche Zur Konflrmatloii enorm grosse Auswahl In RoutinDiitioiis-lliPitlero innl Mim ««rf KredSt de! B. FEDER Brunnensil, Frankfurt. Allee 89, Kottbueer Damm 103 dlenung spottbillig, unter Preis. Rostftraste!!. Abendkurse Berlin, Neanderftr. 3 Technikum. BaasoliulB. B Prospekte kostenfrei.| Auf Kredit w siK 20- 60 M. Anzahl img Einzelne■Obeletdoke .m""d Poleterwaren �SMirtlnzibiBüfl Auf Kredit AiMiM Grösste Auswahl Kinder- und Sportwagen] bei. IMMgirati Warnung vor Ankauf von Falsifikaten der Marke „Problem". Fabrikanten und Verkäufer werden strafrechtlich verfolgt. Gigareltentabrik„Problem" Berlin 0., Alexanderhof. Ginfegnmgs- knjäge Ulodem* Gns«bgn}ff9 «e mg*MnB4 wfaifeAfrw«Ww«* QenägßAStoahMung Sfgen» JTerß•Ifang M. la— 14.— J3L— H 2»— 24.— 29.— ÄW n Jfc— 34.— 39.— 39.— 42." e 1 3e(krT'&tS€- Reinwollene Blusenstoffe 70cm � 'Besonders Reinwollene Blusenstoffe 1.60 preiswerte Schott, karierte Stoffe 1.25, �'�1.65 Posten: Reinwollene Phantasiestoffe 1.85 Kostüm Stoff e einfarbig und gemustert, ca. 130 cm breit...... Mtr. 21.40 Blusen/— v. Herrenartikel Rluccsn"» TüiistofF,■— X X Obsplismcjsn.2.-S DIU Söll mjt pa8Se| R QC X weiw, mit Falten-Pikee-Elnsatz japonfutter........ vJ.ZO X gfa gfossef Posten\ Oberhemden...... 3.73 RluQPn aUsSpaChtel" B\ welaa, mz-Falten-PIkee-Elnaatz u. Manschett, ten mit pa.se"Sd'EinsaTz; 7 7c/ HerjbstaKoStÜnie\ Oberhemden 3.73 Japonfutter........ /»/O/\ O l Df.. D»,« � �\• Ubernemaen...... 0.25 Djjjg0p| aus schwarz. ✓'X B Roch und raletot, neueste£ assons j farbig Parkal, mit loaan Manschetten mit Passe, japonfutter..u 1�.75 j zu besonders billigen Preisen 1 Krawatten rnod�Farden 80 pt. I 20 I Krawatten ÄniSSen 1.63 Weisswaren l Serie I..... öy Mk. I Stehkragen oRn 1 ff Leinen, versch. Formen u.Höhen Dtz. O.OU Batist-Pierrotkragen 45».\ reeuU Wert: 50~ 5 M- 1 Stehumlegekragen=, Batist- BäfFchen\ �.v. Formen u. Höhen, ot-. V.23 m. Spachte.motiv........ DD Pf.\ �• TT/ ManSChetten Leinen Dtr. 4.65 Waschgürtel 60 Pf.\�erie 11..... pik./ Leinengürtel"•Ä"! 75 pt.\ regaL Wert: 8S-125 M/ cm Posten \. y Engl. Haarfilzhüte Beduinen-Schal p � VR schwarz-weise.... O. /0> 1 O.OÜ Steife Form.». fcaaa 1/\J Restbestände in Mull" u. Bd.ÜSt'BiUSOn hGrnd8n mit Stickerei und Spitzen reich garniert zu bedeutend Herabgesetzten Preisen Serie ri.45 Serie II i.95 Serie Iii 2-35 Serie IV 2.75 Serie V 3 35 Ein Posten Ein Posten Damenstrümpfe Herrensocken englische Länge, Fuss ohne Naht, A reine Wolle, A. Fil d'Ecosse, farbig reine Wolle, gute fT farbig oder schwarz....... �T" Bim Pf. schwarz.. I. IvJ und schwarz.... V-/ V-/ Pf. Qualität, schwarz./ Kj Pt Ein Posten besonders preiswerter Ständiger Verkauf: Tisch- und Diwandecken Einsegnungs-Kleider „Khorassan", Plüschgewebe, persisch gemustert Cheviot reloh sarn,art' mlt Seldanpaaao und-J g 50 bis 21 50 Tischdecken Srosa« oa. I°0xiö0 cm........... 9.oo Lasting#gcahrSngm,t. Ta,lpa—.u.nd. yaffet: 36.oob.. 37.50 Tischdecken°rö... c......... 1 1.00 Lasting•qÄ. �.ÄPÄfo�.Vo!k.**: 42.50 b.. 43.50 Diwandecken Grs... ca. i°ox,oo cm........ 1 8.00 Einsegnungs-Anzüge..... 1 5.oo bis45.oo LeranUvozllichcr Slebalteur; fremd Weber, Berlin. Für dengnleratenteil verantw.e T>. Black«. Berlin. Druck u. verleg. BorwSrt« Duchdruckerej u. LerlagtantlnU Paul Sing« k to» Berl« SM, Nr. M. 27. Jahrgang. X Icilngc des Jonnitts" Knlisn DsIksdlM Zomlliz, Z8. AsM IM. ?eveite Unternstionsle LoÄZliitiiche krsiieiiliokfere»?. Kopenhagen, 26. August. Tie von der Internationalen Sekretärin der Genossinnen, Frau Klara Zetkin, mit Zustimmung der Vertreterinnen der organi- siertcn Genossinnen aller Länder einberufene 2. Internationale Sozialistische Fraucnkonfcrenz trat heute vormittag zusammen. Die Konferenz, die in dem schönen, mit den Fahnen der sozia- listischcn Fraucnorganisation Kopenhagens geschmückten Saale des Volkshaus'- tagt, ist von mehr denn 1 Delegierten besucht. Ilm 9>> Uhr eröffnet Frau Mac im Namen der organisierten Frauen Dänemarks die Konferenz mit herzlichen Begrüstungs- Worten. Dann nahm im Namen des Organisationskomilecs Frau Klara Zetkin das Wort und dankte den dänischen Ge- nossinnen, die mit der sozialdemokratischen Partei und den Gewcrk- schaften die äustcrc Organisation der Konferenz in die Hand gc- Kommen haben. Auch den Delegierten rief sie ein Wort herzlicher Willkommensfrcudc zu: Das; Sic so zahlreich gekommen sind, ist ein Beweis für den Erfolg unserer ersten Stuttgarter Konferenz. Wer damals an den Vorarbeiten beteiligt war, weist, mit welchem gc- Heimen Herzllopsen wir sie in die Wege zu leiten suchten. EL war nur der erste tastende Versuch, die sozialistischen Frauen aller Länder, ganz gleich in lvelcher Organisationsform sie vereint waren, in eine Kampfesfront innerhalb der roten Internationale zu stellen. Wir alle können mit Stuttgart zufrieden sein. Die Fühlung ist überall besser geworden; es ist gelungen, die Gemeinsamkeit prak- tischer Arbeit auf der Grundlage des gemeinsamen Zieles anzu- bahnen. In Stuttgart waren 1ö Nationalitäten mit 59 Delegierten vertreten. Heute sind wir 199, wenn nicht mehr. Aus dem AuS- lande sind 69 Delegierte gekommen, die 16 Nationalitäten vertreten. Das Bikd der Konferenz hat sich gegen Stuttgart etwas verschoben. Dort waren verschiedene Delegierte aus den romanischen Ländern gekommen. Auf dieser Konferenz sind die romanischen Länder mit einer Ausnahme nicht vertreten. Der Verein der Schäftesteppe- rinnen in Lissabon, der 79 Mitglieder zählt, hat mir seine Vertre- tung ul>crtragcn. Vielleicht wird man diese Angabe belächeln. Was bedeuten die 79 organisierten Frauen Portugals gegen die deutsche Vertretung von 82 999 politisch und 119 999 gewerkschaftlich organi- sierten Frauen, gegen die österreichische mit 19 999 politisch und 59 999 gewerkschaftlich organisierten Arbeiterinnen, gegen England m>t seiner Womens Labour Lcague, die 82 Sektionen zählt und viele taufende Mitglieder hat? Aber die Anfänge einer Bewegung sind immer so klein und winzig, dast sie Spott und Hohn heraus- fordern. Wie war cS mit dem Christentum? Erst war eö einer, dann 12, dann hundert, dann Taufende, dann Millionen. So geht es in jedem Lande, wo der sozialistische Ge- danke ansängt, seine üände auf Herz und Hirn der arbeitenden Frau zu legen. Tic romanischen Länder stehen ljcute am Anfang. Für Italien ist es ein hoffnungsvolles Anzeichen, daß der italienisch« Parteitag in diesem Herbst zum ersten Mole die Frauenfrage aus seiner Tagesordnung hat. Die Verhandlungen dort werden der Ausgangspunkt für prinzipielle Klärung und praktische Arbeit auch unter dem weiblichen Proletariat Italiens sein. Besonders zahl- reich ist die Beteiligung der Genossinnen aus den skandinavischen Ländern. In Stuttgart war nur eine Vertreterin aus Norwegen, Schweden und Dänemark waren fern geblieben. Inzwischen haben wir hoffnungsreiche Fühlung mit Dänemark genommen und auch die Genossinnen Schwedens und Norwegens haben den Weg regel- mästiger Verbindung mit uns beschritten. Mit Finnland und seiner prächtigen Bewegung waren>vir schon vor Stuttgart vertraut. Unsere Bestrebungen auf die internationale Zusammenfassung der sozialistischen Fraucnkräfte waren erfolgreich, obgleich die Ver- schiedenheiten in Grundsätzen und Taktik der sozialistischen Frauen- bewegung in den einzelnen Ländern noch gröster sind als bei den Männern, wo die praktische Arbeit immer einen Ausgleich schafft. Die politisckve Rechtlosigkeit des weiblichen Geschlechts verwehrt ihm die gleiche praktische>Vetätignngsmöglichkeit, es fehlt hier der Dvuck, der zu einer schnelleren Verständigung und Vereinheitlichung sichren könnte. Aber die Gegensätze sind doch nicht so tiefgehend, dast sie eine einheitliche Zusammenfassung unmöglich machen können. Auch diese Konferenz hat die Aufgabe, unsere Bewegung zu vereinheit- lichcn und zu stärken, die sozialistische techuluug und dw praktische Aktionsfähigkeit der Sozialistinncu aller Länder zu steigern. Inner- halb der Sicihen der allgemeinen Arbeiterbewegung»vollen wir m»t möglick'ster Ockonomie das Maximum der Leistung im Dienste der sozialistischen Bewegung zu erreichen suchen. Wenn wir andere Methoden als die Männer und andere Wege einschlagen müssen, als sich bei diese» in der Praxis als zweckdienlich gezeigt haben, so ist die Notwendigkeit dazu gegeben angesichts der Tatsache, dast die Frau historisch genommen andercn Bedingungen unterworfen ist als der Mann, dast sie wirtschaftlich und sozial anders gestellt ist, dast ihre psychische Eigenart einen andern Wesenszug trägt, dem in der praktischen Arbeit Rechnung getragen werden muh. Die Arbeit im Sinne des internationalcn Inhalts der sozialistischen Bewegung zu stärken, ist unsere Aufgabe. Wir haben Länder durchschrittei,. wir sind übers Meer gekommen, aber wenn wir die eilenden Wellen fragten: wo ist die Grenze, daim blieben sie uns die Antwort schuldig. Die Natur kennt keine Grenze zwischen den Völkern, sie schweigt, wo die Staaten ihre Grenzpfähle errichtet haben. Gerade die sozialistischen Frauen haben zwingende Gründe. keine nationalen Schranken zwischen sich zu dulden. Mehr noch als der Mann hat die Frau ein Interesse am Aufbau der sozialistischen Gesellschaft, sie mutz diese Gesellschaft wollen als Proletarierin nicht nur. sondern auch in ihrer Eigenschaft als Weib, dem volles Menschentum nur vom Sozialismus gegeben werden kann. Die rechtliche Gleichstellung zwischen Mann und Frau genügt nicht. Mägen die bürgerlichen Fraucnrcchllerinncn ihre Forderung auf Rechtsgleichheit durch- setzen, es bleiben dann für die Frauenwelt neue Probleme zu lösen und neue Konflikte stellen sich ein. Erst da, wo alle bürger- lichc und fraucnrcchtlerische Wirksamkeit ein Ende hat, jenseits der Mauer der kapitalistischen Gesellschaft, liegt das volle Menschentum für alle Frauen. Erst die sozialistische Gesellschaft gibt die ma« tericllen und moralischen Vorbedingungen dafür, dast jede Frau ohne aufzuhören, ganz Weib zu sein, ganz Mensch sein kann. .Hart ist der Weg, den wir zu gehen haben. Millionen unserer Schwestern leiden in der kapitalistischen Wüste ein Hungerlos. Zehntauscndc sind im Sumpf der Prostitution. Wir suchen die Mittel und Wege, ihren LeidenSgang schmerzloser zu machen. Aber wir müssen trotz Blut und Tränen mit unerbittlicher Notwendig- kcit den Weg durch die kapitalistische Gesellschaft gehen. Wir müssen es, damit das weibliche Proletariat dazu koiiimt, einen Teil der Kraft und des Willens der Tat der Umgestaltung zu verkörpern, die GesellschaftSzustände zu verstehen und sie umzuwälzen. Ein festes Ziel haben wir vor Augen: nicht nur das befreite Weib, son- »ern ein höheres»och, die gesamte befreite Menschheit!(Stür- Mischer BcifSll.) Es wird nun in die eigentlichen Verhandlungen eingetreten, bic deutsch, dänisch und englisch geführt werden. Vor Eintritt in die Tagesordnung nimmt Genossin Zetkin das Wort, um eine Protestresolution gegen die Unterdrückung Finnlands vorzulegen: Wir baben eine Pflicht der internationalen Solidarität zu erfüllen, die uns sozialistischen Frauen besonders am Herzen liegt. Sic wissen alle, dast das finnische Volk cineu heroischen Kampf für seine politische Freiheit gegen die graste reaktionäre Macht, den russischen Zarismus führt. Wir Frauen haben einen besonderen Grund, unseren sinnischen Brüdern die vollste Solidarität auszusprechen. Denn die politische Unabhängig- keit Finnlands hat Ijie Grundlage dafür gegeben, dast dort das demokratischste Wahlrecht der ganzen Welt geschaffen worden ist. Ein Wahlrecht auf der Grundlage des Einkammersystems, das allen grostjährigcn Menschen ohne Unterschied des Geschlechts die gleichen politischen Rechte zuerkennt. Und noch ein Grund mehr liegt als Sozialisten für uns vor, für die Unabhängigkeit des finnischen Voltes einzutreten. Dieses demokratische Wahlrecht ist dem finnischen Volke nicht als Geschenk in den Schatz gefallen, sondern von ihm erobert worden im harten glorreichen Kampf nach zwei Fronten, im Kamps mit dem äuhcren Feind, dem russi- scheu Zarismus, und dem inneren Feind, den besitzenden Klassen. ?tur durch das revolutionäre Mittel des Generalstreiks ist der Er- folg durchgesetzt worden. Gelingt es dem Zarismus, das Ver- brechen zu vollenden, das er plant, so wird neben dem Verlust der Selbständigkeit Finnlands eine Versklavung der arbeitenden Massen, eine Entrechtung des Volkes die Folge sein. Darum folgen wir mit vollster Sympathie dem Freiheitskampfe, den das finnische Volk unter Führung der Sozialdemokratie ausficht. Wir sind be- reit, den Kampf moralisch zu unterstützen und ihn materiell zu fördern, soweit unsere Kräfte reichen. Wir müssen den Freiheits- kämpf der Finnländer in grostem Zusammenhang der russischen Revolution erfassen. Der Kampf des finnischen Volkes um seine Unabhängigkeit ist nur ein Kapitel der Geschichte der russischen Revolution lind nur ihr endlicher Sieg wird dem finnischen Volke wie allen Völkern und Nationalitäten, die der Zarismils geknechtet hat, das Sclbstbestimmungsrecht wiedergeben. Wir haben heilte unter uns fünf von den finnischen Sozialdemokraten gewählte weibliche Landtagsabgeordnete. Sie haben gezeigt, wie Sozial- dcmokratci, selbst unter den schwierigsten Verhältnissen parla- mentarisch zu arbeiten verstchen, wenn drausten der Zarismus droht und drinnen die besitzenden Klassen jedem Fortschritt schärfsten Widerstand entgegensetzen. Sie sind Bundesgenossen in ihrer charakteristischen Vereinigung, der Kampf um das sozia- listische Endziel und die praktische Reformarbcit. Wir vereinigen mit unserem sozialistischeii Bewutztscin zugleich das eifrige Reform- Werk, weil die sozialistische Revolution nur durch Reformarbcit vorbereitet werden kann. Ich bitte�Sie, im Sinne dieser Aus- führungen die vorliegende Resolution durch Zuruf anzunchmeii. (Stürmischer Beifall.) Die Resolution hat folgenden Wortlaut: „Die in Kopenhagen am 26. August 1919 zur zweiten Inter- nationalen Konferenz versammelten Vertreterinnen der sozia- listischen Frauen von 16 Nationalitäten bekunden ihre tiefste Empörung über das tückische Verbrechen, das der russische Zaris- mus gegen die politische Freiheit Finnlands zu verüben im Be- griff steht. Sie würdigen diese Freiheit ganz besonders, weil mit ihr das demokratische Wahlrecht der ganzen Welt steht und fällt, ein Wahlrecht, das auf der Grundlage des Einkammersystems das gleiche politische Recht für alle Großjährigen ohne Unter- schied des Geschlechts gewährt. Im Interesse des politischen Befreiungskampfes ist cS um so wichtiger, dieses Wahlrecht zu sichern, als es von der werk- tätigen Bevölkerung Finnlands unter Führung der Sozial- demokratie im harten Kampfe gegen zwei Fronten— gegen den äußeren Feind: den russischen Zarismus, und den inneren Feind: die besitzenden Klassen— mittels des revolutionären Massenstreiks ertrotzt werden mustte, so daß die Unterdrückung der nationalen Freiheit des Landes eine besonders politische Knebelung der werktätigen Massen mit sich bringen würde. Die Zweite Internationale Konferenz Sozialistischer Frauen sendet daher ihre herzlichsten Grütze und Wünsche der finnischen Arbeiterpartei, die im Vordertrcffcn des Kampfes für das poli- tische Recht ihres Landes steht, eines Kampfes, der eine Episode in der Geschichte der russischen Revolution ist. aus deren sieg- reichen Händen eines Tages alle vom Zarismus geknechteten Völker � ihr nationales Sclbstbestimmungsrecht empfangen werden." Die Resolution wird einstimmig angenommen. Hierauf begrüßt im Namen der dänischen Frauen Genossin Mac den Kongrest: Wir können Ihnen nicht sagen. welcher Sehnsucht wir diesem Kongreß entgegen gesehen haben. Aber vollständig unmöglich ist es. einen Ausdruck für die Freude zu finden, die wir jetzt über Ihre Aiuvesenheit empfinden. Wir pnd nur ein ganz kleines Volk an der Ecke der Weltkarte, aber die Ideen des Sozialismus haben auch bei uns Wurzel geschlagen. trotz allen Widcrstrebens. trotz Kaste und Gewalt. Wir haben eine kraftige und solide Arbeiterbewegung geschaffen, aber für die großen Ideale des Sozialismus, den Weltfrieden und die Brüder- scherst der Völker können wir nur ganz wenig leisten. Deswegen ruht unser Blick auf den großen Ländern, die Sie darstellen. Wir sind gern bereit, Ihrer Führung zu folgen. Wir wollen Ihnen lauschen und von Ihnen lernen und sind stolz darouf. Am frohesten aber sind wir doch jetzt darüber, daß wir Sie jetzt alle leibhaftig vor uns sehen, deren Namen uns schon lange wohlbekannt sind Mögen Sie frisch den Kampf fortführen für all das, wofür auch wir streben und kämpfen. Möge die Kongrestarbctt. die jetzt an- fangt, die besten Resultate für unsere armen Mitschwestern zeitigen. Unter glücklichen Auspizien tritt er zusammen. Seit un, crem ersten Kongrest in Stuttgart hat unsere Bewegung Fort- schritte gemacht, die nur eine Bewegung machen kann, die mit der Zukunft im Bunde ist. Die deutschen Genossinnen haben das {IL6 �reinsrecht neu gewonnen nicht durch die Gnade der bürger- lichcn Parteien, sondern weil sie es sich erkämpft haben. In Eng- land wachst die Sympathie für das Fraucnwahlrccht. Aus Amerika und Oesterreich wird ein großer Zuwachs der sozialdemokratischen Frauenarmee gemeldet. In allen Parteivcrcincn sitzen Frauen, und in nicht wenigen sind sie sogar an der Leitung beteiligt. Die große Vertretung uns-res Nachbarlandes Schweden heißen wir mit beiondercr Herzlichkeit willkommen. Möge das heilige Feuer der Begeisterung uns immer durchglühen, wenn wir für die Freiheit des Proletariats kämpfen. Möge Beacisterung auch von diesen zwei Tagen ausstrahlen und unsere ganzen Verhandlungen er- füllen.(Lebhafter Beifall.) Hierauf konstituiert sich die Konserenz. Auf Vorschlag der Genossin Montefiore werden� die Geiiossiniien Z c t k i n- Stutv- g�rt zur ersten und Mac. Danemark zur zweiten Vorsitzenden ge- wählt Schriftführerinnen stellen für die erste Sitzung Oesterreich und England, nämlich die Genossinnen Montefiore und Adel- ordnung P P' � fOl0t �Tifetzung der Geschäfts- und Tages- Genossin K o ll o n t a i schlägt bor, für die vier Hauptthemata der ttwauenkonferenz: Fraucnstimmrecht. Schutz von Mutter und Kind, Fricdensarbeit und bessere internationale Organisation Kowmisswnen-inzusetzen. Der Antrag wird nach kcbbaftcr längerer Debatte abgelehnt, weil durch ihn der Fraucnkoilfcrenz ihre Hauptaufgabe, möglichst weiten Kreisen Anregung au aeben erichwert würde.» o v . Der Kongrest wendet sich dann seiner Tagesordnung zu Zu- nächst wird über den Ausbau der Berbiubungen zwischen de» organisierten Genossinnen der einzelnen Länder verhandelt. Ter Allgemeine Frauenklub in Stockholm beantragt zwei Rc- solutioncn: Die leitenden Körperschaften der sozialdemokratischen Frauenbewegung in den verschiedenen Ländern haben dem Jnter- nationalen sozialistischen Fraucnsckretariat regelmäßig Mitteilung zu machen über den Stand der Organisationen und ihre Mitglieder- zahl, über die AgitalionS- und Lrganisationsarbeiten, über das in Auftreten großer aktueller Fragen sowie auch darüber, welche Tätigkeit die Frauen und die Partei dazu entfalten und welche Stellung die erwerbstätigen Frauen zu ihnen einnehmen. Das Internationale Frauensckretariat ist aufzufordern, den Hauptvorständen der Frauenorganisation und den Fraucnzeitungen in den einzelnen Ländern Mitteilungen zu machen über die Be- tciligung der erwerbstätigen Frauen in der Arbeiterbewegung auf Grund der dem Sekretariat aus ollen Ländern einzusendenden' Berichte. Genossin G u st a f s o n- Stockholm begündet diese Resolutionen, die den Sinn haben, die internationale Verbindung zu sördern. In der Frage des Frauenwahlrechtö gingen die schivedi scheu Arbeiterinnen mit allen andercn Frauen zusammen; in allen sozialen Fragen kämpften sie'in der Hauptsache allein. Ter Verband sozialdemokratischer FraucnklubS Hollands bu antragt folgende Resolution: Die Konferenz beschließt die Gründung eines intern atio- n a l e ii sozialistischen Frauenorgan L, welches nicht nur die Berichte über die internationale sozialistische Fraucnbewe- gu»g zu veröffentlichen hat, sondern auch besonders dazu dienen, soll, im Anschluß an die in den verschiedenen Ländern austretenden Tagessragen, die die Frauenarbeit betreffen, die Frauenfrage in ihrem ganzen Umfange und Zusammenhang prinzipiell zu erörtern und ihre Bedeutung für die sozialistische Bewegung darzulegen. Frau Potter smith, die Redakteurin des holländische» FvauenorganS. weist darauf hin, daß die„Gleichheit" in den drei jähren seit Stuttgart unter dem Titel„I. K." regelmäßige inter- nationale Mitteilungen gebracht habe. Die Einsciidungen erfolgten freilich nicht regelmäßig, von einzelnen Ländern erschien viel, von anderen wenig oder gar nichts, aber diese internationale Korre- spondenz war für die internationale Verbindung von grostem Nutzen. Nur muß sie noch weiter ausgebildet werden und dazu zeigt die holländische Resolution den Weg. Daß ein weiterer Aus- bau notwendig ist, zeigen auch die Anträge aus den anderen Ländern. Der holländische Antrag aber geht am weitesten. Es ist cinc Tatsache, daß die proletarische Frauenbewegung in der tntcr- nationalen sozialistischen Bewegung nicht zu ihrem Rechte kommt. Die Frauenfrage wird von der Partcipresse selten angerührt. Klagen darüber kommen ans allen Ländern. Besonders schenkt das sozialistische Tageblatt Hollands der Frauenbewegung ga-r keine Aufmerksamkeit. Die Redakteure scheinen der Ansicht zu sein, dast sie das Steckenpferd einzelner Parteigenossinnen und nichts weiter wäre. � Seit einigen Jahren ist die Frauenfrage aus der Presse ausgeschaltet. Die Redaktion hat lieber die Rubrik„Vermischtes" ciilgefiihrt. weil sie damit mehr Leser zu gewinnen denkt. Jetzt liegt in Holland ein Gesetzentwurf vor, der die Entlassung der Neichsbeamtinnen und Lehrerinnen vorsieht, die sich verheiraten. Damit wird die Mutterschaft zu einer Strafe gemacht, und die Be- amtinnen und Lehrerinnen zum Zölibat oder zum Konkubinat gezwungen. Die holländische Parteiprcsse hat über diese wichtige Vorlage keinen Artikel veröffentlicht. Auch die Partei der Marxisten in Holland sagt uns feministische Tendenzen?:ach und diskreditiert unsere Arbeiten, obgleich wir auf dem reinen Klassen- standpunkt stehen. Das Resultat ist, nicht nur die Genossen und Genossinnen, auch die Leser unseres Tageblatts, die dem sozia- listischen Gedanken nur nahe stehen, werden nicht aufgeklärt, son- der» behalten ihre sptestbürgerliche Anschauung über den Platz bei. der der Frau in der jetzigen und in der kommenden Gesellschaft zusteht. Ist es in Deutschland und Oesterreich besser? Der Ein» slust der Frauenbewegung mag gröster sein, weil sie stärker ist. Aber im großen und ganzen herrscht doch der Zustand der Gleich- gültigkeit. Eine präzise Erörterung der Probleme der Frauen. frage ist in allen sozialistischen Parteien notwendig, und deshalb haben wir unseren Antrag gestellt, der auch dem Internationalen Sozialistenkongrest vorgelegt werden wird. Frau Zietz- Berlin: Was die Anträge aus Stockholm wollen. besteht bereits. Sie sind eine sehr gutct Erinnerung an die Ge- nossin, ihre Berichte der internationalen Sekretärin für die „Gleichheit" einzusenden und können deshalb angenommen werden. Anders steht es mit dem holländischen Antrag. Der Wunsch, den er ausdrückt, ist berechtigt. Wenn er zu erfüllen wäre, wenn ein solches Blatt geschaffen würde, dann würde es gewist eminent zur theoretischen Vertiefung und Erkenntnis beitragen. Wer zur Er. füllung dieses Wunsches sind so viel materielle Mittel erforderlich. und so viel geistige Kräfte, dast wir sie bei dem Stande der Frauenbewegung in einer gangen Reihe von Ländern für diesen speziellen Zweck nicht freistellen können. Wieviel Geldmittel wären erforderlich, um dieses Blatt in drei sprachen herauszugeben. Heute sind sie nicht vorhanden, heute läßt sich der Wunsch unmög- lich erfüllen. Die„Gleichheit" ist ja bereits eo ipso das internationale Organ der Frauenbewegung. Bei den verschiedensten Anlässen hat sie auch die Frage der Frauenarbeit grundsätzlich erörtert und praktisch illustriert. Gewiß haben eine große Anzahl unserer Anhänger noch ganz komische Ansichten über die Frauen. arbeit und Ausklärung ist am Platze. Vielleicht ersuchen wir deS- halb die internationale Sekretärin, zwei- oder dreimal im Jahre in der„Gleichheit" zur Frauenarbeit grundsätzlich Stellung zu nehmen. Will man, um noch mehr Autorität dahinter zu stellen, die Verbreitung dieser Artikel durch das Internationale Sozia- listische Bureau beschließen, so stünde dem ja nichts im Wege. wenn ich es auch für besser halte, dast unsere internationale Zen- tralstelle, die doch genug Beachtung genießt, diese Artikel selbst vc» schickt. Alexandra K o l l o n t e i(Rußland) erklärt sich gegen den Antrag Holland und hält auch die Stockholmer Resolution für überflüssig. Was die„Gleichheit" leistet, ist außerordentlich und genügt durchaus. Frau Dr. Perlmutter(Lemberg): Wünschenswert wäre es, daß die Zentralstelle der arbeitenden Frauen dem internatio- nalen Bureau angeschlossen würde. Aber die praktischen Schüvic- rigkeiten sind noch zu groß. Wir schliesten uns daher der Reso- lution Zietz an. Die Parteiprcsse widmet der sozialistischen Frauenbewegung, seitdem diese eigene Organe hat. nicht die nötige Beachtung; aber wir müssen betonen, dast das ganz verkehrt ist. Die Partcipresse hätte die Pflicht, über die Bedeutung der Frauenaufllärung und das Verhältnis der Frauenbewegung zur allgemeinen Bewegung des Proletariats prinzipielle Artikel er- scheinen zu lassen. Denn die Einheit der Bewegung muß erhalten bleiben. Wir dürfen sie nicht zersplittern lassen in einer Haupt- bewegung der Männer und eine Nebenbcwegung der Frauen. (Beifall.) Ein Schlustantrag der deutschen Delegation wird angc- nommen. Potte rsmit(Holland) zieht ihren Antrag zurück und tu klärt sich mit der Resolution Zietz einstweilen einverstanden. Damit ist dieser Punkt erledigt, da Anträge, die über daS bisher schon bestehende hinausgehen, nicht vorliegen. Außerhalb der Tagesordnung erhält die finnische Landtags« aligeordnete Genossin P e r s s i m c n das Wort. Tie dankt in deutscher Sprache im Namen der finnischen Delegation der Jntcr- nationalen Frauenkonferenz für den Ausdruck der Sympathie an die finnische» Kämpfer: Genossin Zetkin hat bereits darauf hin. gewiesen, dast die Erdrosselung der finnischen Freiheit auch für die Internationale von Bedeutung sein würde. Dessen sind auch wir uns bewußt und stets eingedenk geblieben, dast wir den Kampf incht allein für uns, sondern für die ganze Internationale kämpfen. Es gereicht uns zu großer Genugtuung, daß das auch hier anerkannt wird. Wir hoffen auch in Zukunft mit der Jntcr- nationale Hand in Hand gehen zu können, denil sich zu vereinigen ist für die Proletarier aller Länder die erste Pflicht.(Lebhafter Beifall.) ES folg! als btHIet Punkt Set Tagesordnung? Praktische Wege und Mittel zur Arbeit für die Einführung des Frauenstimmrechts. Die Debatte wird auf morgen vertagt. •** Kopenhagen, 27, August 1910. Genossin Z etkiü eröffnet die Sitzung. Vom Genossen Bebel ist ein aus Zürich datiertes Schreiben eingelaufen, in dem er bedauert, daß unüberwindliche Hindernisse es ihm unmög- lich machen, am Internationalen Sozialistenkongretz und damit auch an der Internationalen Frauenkonferenz teilzunehmen. Gleichzeitig spricht er feinen Dank aus für die überreichen Ehrungen, die ihm seitens der leitenden Genossinnen in der internatio- nalen Arbeiterinnenbewegung im Februar anläßlich seines 70. Ge- burtstages zuteil geworden sind. Mit besonderer Genugtuung be- grüßt Bebel die enormen Fortschritte der Frauenbewegung, die alle Kulturländer ergriffen hat.— Genossin Zetkin sprach im An- schlutz hieran die Hoffnung aus, daß Bebel noch lange das Banner für die Befreiung des Menschengeschlechts und damit auch für die Befreiung oer Frau hochhalten möge. In der fortgesetzten Debatte über das Frauenwahl- recht bedauerte W i n i g- Nordamerika, daß die englischen Sozia- listinnen teilweise für das beschränkte Frauenwahlrecht eingetreten sind. Nach der Versöhnungsbill der englischen Arbeiterpartei wür- den neun Zehntel der Frauen rechtlos bleiben und nur die poli- tische Macht der besitzenden Klassen würde gestärkt werden. Beim letzten großen Bcrgarbeiterstreik in Nordamerika hätten die bürger- lichen Frauen im Bunde mit den Männern die Polizei und das Militär gegen das Volk losgelassen. Die amerikanischen Frauen können daher nur für das allgemeine Frauenwahlrecht eintreten. G u st a v s oh n- Schweden: Wir können nur für das allge- meine unbeschränkte Frauenwahlrecht kämpfen. In Schweden be- steht jetzb die Gefahr, daß wir ein beschränktes Frauenwahlrecht be- kommen. Die Zweite Kammer hat es schon 1908 beschlossen und die Erste Kammer wird es jetzt, nach der Wahlreform, wahrschein- lich auch annehmen. Aber die Arbeiterpartei muß ein solches Ge- setz entschieden bekämpfen. Wir wollen lieber warten, als ein schlechtes, gegen die proletarischen Interessen gerichtetes Frauen- Wahlrecht annehmen. Entweder das allgemeine, gleiche und un- beschränkte Frauenwahlrecht oder gar keins. Martha D ah Ist r o e m- Schweden spricht sich in derselben Weise aus. Wir in Schweden haben das kommunale Frauenwahl- recht und daher Einfluß auf die Zusammensetzung der Ersten Kammer. Wir haben aber keinen Einfluß auf die Zusammen- setzung der Zweiten Kammer. Auch bei der Frage des Frauen- Wahlrechts darf nur das proletarische Gesamtinteresse entscheidend sein. Gustavsohn- Schweden regt an, offiziell beim bürgerlichen Frauenstimmrechtskongreß 1911 anzufragen, ob er für das all- gemeine Frauenwahlrecht oder nur für die Uebertragung des Männerwahlrechts auf die Frauen eintreten will. Zetkin- Stuttgart erwidert, daß der Weltbund für Frauen- stimmrecht schon auf dem letzten Kongreß in London sich nur für die Uebertragung des Männerwahlrechts auf die Frauen ausge- sprachen habe. Wir müssen aber das allgemeine und gleiche Wahlrecht für alle Frauen fordern. Die sozialistische Frauenkonferenz würde sich daher etwas vergeben, wenn sie sich noch einmal an die bürger- lichen Frauen wenden wollte. A l a p i n- Ungarn beschwert sich über die ungenügende Unterstützung und sogar Bekämpfung der Frauenrechtsbewegung seitens der ungarischen Parteileitung und des Zentralorgans.— Die holländische Dissidentengruppe legt Verwahrung ein, daß ihre Mitglieder in die offizielle sozialdemokratische Frauenorgani- sation nicht aufgenommen würden. A n t e s m i t- Holland gibt die Erklärung ab, daß sie nur das Recht hätten, Mitglieder der sozialdemokratischen Arbeiterpartei aufzunehmen, sonst würden sie aus der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen werden. Zetkin- Stuttgart erklärt, daß die Verwahrung der Hol- länder nur zu Protokoll genommen werden könne. Es sei eine innere Angelegenheit, die die holländischen Genossen in ihrer eigenen Gruppe austragen müssen.(Zustimmung.) Louise Z i e tz- Berlin begründet sodann eine Resolution, die sich für das allgemeine Frauenwahlrecht ausspricht. Die beut- schen Genossinnen seien nicht in der Lage, den Anregungen der englischen Genossinnen Rechnung zu tragen. Das beschränkte Frauenwahlrecht sei nicht eine Etappe auf dem Wege zum all- gemeinen Wahlrecht, sondern das größte Hindernis dafür. Der Kampf für oas Frauenwahlrecht müsse geführt werden. Die Klassengegensätze zerklüften heute die ganze Welt, deshalb mutz auch das weibliche Proletariat seine Forderungen als Klassenforderungen vertreten und alle Kräfte für ihre Durchführung einsetzen.(Leb- hafter Beifall.) ' D u t ch e r- London wendet sich gegen die Methode, absprechend über die bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zu urteilen. Bei dem großen amerikanischen Blusenarbeiterinnenstreik, einem der größten sozialen Kämpfe der Gegenwart, hätten die bürgerlichen Damen mit Leib und Seele für die ausgebeuteten Schwestern Partei er- griffen und auch selbst Opfer gebracht. Ueberhaupt stehe in Amerika ein Teil der bürgerlichen Frauen dem Sozialismus sehr sympathisch gegenüber. Warum sollte man nicht mit ihnen ge- meinsame Sache machen? Die Konferenz sollte jeden Antrag ab- lehnen, der absprechend über die Tätigkeit der bürgerlichen Frauen urteile.(Beifall und Widerspruch.) G run d y-London ist der Meinung, daß, wer nicht für das geheime Wahlrecht ist, kein Sozialdemokrat sei. Die Lohnarbeite« rinnen hätten kein Interesse an der Bewegung der bürgerlichen Frauen.(Zustimmung.) I o st e i- Norwegen: Die norwegischen Frauen haben 1901 ein teilweiseS und 1910 das vollständige Frauenwahlrecht für die Gemeinden errungen. Trotzdem betrachteten sie theoretisch es nur als ein eingeschränktes Wahlrecht und mcht als ein allgemeines Wahlrecht. Sie seien vorbehaltlich der besonderen Verhältnisse in Norwegen mit der deutschen Resolution einverstanden. W e st p h a l- London: Das Beispiel von Norwegen zeigt, daß in den verschiedenen Ländern verschiedene Methoden vorliegen. Es kann in einem einzelnen Fall sehr wohl ein beschränktes Wahlrecht ein allgemeines Wahlrecht sein. Wir sind hier nicht versammelt zum Kampf für das allgemeine Wahlrecht, sondern für die volle Frauen- emanzipation. Wir müssen mit der Betonung des Klassenstandpunktes aushören und nicht immer von Bourgeoisfrauen sprechen. Auch die Frauen der Bourgeoisie sind nur Sklaven der Männer. In England hat die Bewegung für das beschränkte Frauenwahlrecht schlechte Aus- sichten. Wir widersprechen auf das lebhafteste der deutschen Resolution. Bedenken Sie die Tragweite Ihres Beschlusses. Sie verletzen und beleidigen die Frauenrechtlerinnen anderer Länder, die mit den bürgerlichen Frauenrechtlerinnen zusammen das Frauen- Wahlrecht erkämpfen werden. Herbert B u r r o w« London: Diejenigen, die das beschränkte Frauenwahlrecht vertreten, haben kein Recht, sich als Vertreterinnen der sozialistischen Frauen oder der Gewerkschaften mehr auszuspielen. Die Gewerkschaftskongresse haben seit Jahren jedes beschränkte Frauenwahlrecht unbedingt abgelehnt und das allgemeine Wahlrecht ohne linterschied des Geschlechtes gefordert. Wollen wir angesichts des Proletariats der ganzen Welt die Fahne des allgemeinen Wahl- rechts für beide Geschlechter erheben I(Lebhafter Beifall.) Eine russische Vertreterin spricht sich ebenfalls für die Ablehnung des beschränkten Wahlrechts aus. DieS soll aber kein persönlicher Angriff gegen die Andersdenkenden fein. Wood Simons- Amerika: Wie kann man bei den herrschenden Gegensätzen von Schivesterdiensten sprechen? Zwischen Ausbeuter und Ausgebeuteten gibt eS keine Brüderlichkeit! Die sozialistischen grauen müssen sich frei machen von der Bevormundung seitens der bürgerlichen Damen.(Beifall.) Adelheid Popp- Wien: Wir kümmern uns gar nicht um die bürgerliche Frauenbewegung, greifen sie aber auch nicht an. Wir kämpfen selbstverständlich nur im Rahmen der sozialistischen Partei. Etwas anderes ist es mit der Frage, ob wir uns festlegen sollen, niemals für ein beschränktes Frauen- Wahlrecht zu stimmen. Das hinge davon ab, ob eö wirklich so schlecht ist, daß es die Arbeiterfrauen in keiner Weise befriedigen kann, oder ob es für sie eine Waffe ist zur Erringung des gleichen Wahlrechts. Sicher ist, daß alle bürgerlichen Frauenrechtlerinnen sich in dem Augenblick von uns wenden würden, in dem wir unser End- ziel zu erreichen suchen. Das Endziel und die Einigkeit der prole- tarischen Bewegung muffen wir aber vor allem anderen stets im Auge behalten.(Lebhafter Beifall.) Zetkin- Stuttgart regt die Abhaltung eines Frauentages in jedem Jahre und in jedem Lande an. Gegen 10 Stimmen wird darauf die deutsche Resolution unter stürmischem Boisirll angenommen mit einem Zusatzantrag Popp, auch das passive Wahlrecht und das Wahlrecht zu den einzelnen Land- tagen in der Resolution zu erwähnen.— Einstimmig angenommen wird ferner eine Resolution von Zetkin-Stuttgart, die die Abhaltung eines allgemeinen Frauentages fordert. Es folgte dann der nächste Punkt der Tagesordnung, betreffend „Mutter- und Kinderschutz". Hierzu lag eine Reihe Resolutionen der sozialistischen Frauen Deutschlands vor. Frau D u n ck e r- Stuttgart begründete diese Resolutionen und wandte sich insbesondere gegen das Verbot der Frauenarbeit. Ein dänischer Antrag richtet sich gegen die Nachtarbeit und gegen die Heimarbeit. Kopenhagen, 27. August. Privattelegramm des„Vorwärts". Nach einer längeren Debatte wurden die deutschen Leit- s ä tz e über den Schutz von Mutter und Kind an- genommen. Die Konferenz beschloß dann eine große Anzahl von Re- solutionen: Zunächst eine Resolution für die Versicherung oer Witwen und Waisen, dann eine Resolution auf Fürsorge für die arbeitslosen Arbeiterinnen, dann eine Resolution auf Stärkung der Frauenorgani- s a t i o n e n, dann eine Resolution gegen den Krieg und schließlich eine Resolution gegen die internationale Teuerung der wichtig st en Lebensmittel. Frau Zetkin wurde zur internationalen Sekretärin wiedergewählt. Vor der nächsten Internationalen Frauen- konferenz soll eine Zusammenkunft der Korrcspondentinnen der einzelnen Länder stattfinden. Mit einem begeisternden Schlußwort der Frau Zetkin schloß die zweite Internationale Frauen- konferenz._ flesschnot, Oolksnot. Für Leute mit ungemessenem Einkommen spielt die Preiserhöhung der Lebensmittel natürlich eine wenig bedeu- tungsvolle Rolle. Bei ihnen macht die Ausgabe für Fleisch, Brot, Gemüse usw. oft nur einen kleinen Teil von den Gesamt- aufwendnngen für die Lebensführung aus. Toiletten, Reisen, Schmucksachen, Repräsentationen, Vergnügungen aller Art und so weiter verschlingen eine unverhänltnismäßig größere Summe als der Kllchenetat. Anders bei der Masse des Volkes I Bei besser entlohnten Arbeitern entfallen von dem Gesamt- einkommen ungefähr 50 bis 60 Proz. auf die Ernährung; die nicht zu den besser entlohnten Kategorien gehörenden Arbeiter müssen oft 70 bis 80 Proz. ihres Einkommens für Lebens- mittel aufwenden. Steigen diese um 20 Proz. im Preise, dann macht das für die Arbeiterfamilien 10 bis 15 Proz. ihres Einkommens aus. Und unter den Nahrungsmitteln er- fordert Fleisch die größte Ausgabe. Nehmen wir an. ein Arbeiter mit Frau und drei Kindern hat ein Einkommen von 1200 Mark. Es kann wohl nicht von Schlemmerei gesprochen werden, wenn man pro Kopf mit einem Tagesverbrauch von ein Fünftel Pfund Fleisch— Fett und Wurst eingeschlossen— rechnet. Auf die ganze Familie dann pro Tag ein Pfund animalischer Nahrung. Mäßig gerechnet, bedingt das eine Tagesausgabe von 1 Mark, somit eine Jahresaufwendung von 365 Mark, gleich 30 Prozent des Gesamteinkommens. In den letzten Monaten ist der Preis für Fleisch im Durchschnitt um 20 bis 25 Pfennig pro Pfund gestiegen. Rechnen wir mit nur 20 Pfennig. Die Verteuerung macht dann für den Ar- beiter mit einem Einkommen von 1200 Mark pro Jahr 73 Mark ans! Sechs Prozent des Gesamteinkommens muß der Arbeiter dem Fleischwucher opfern! Weil das aber in lausenden und abertausenden von Fällen nicht möglich ist, müssen die ohnehin oft nur mit dem Vergrößerungsglas wahr- nehmbaren Fleischrationen noch weiter verkleinert werden. Unterernährung, Degeneration sind die Folgen! Darum vrotestiert das Volk gegen die Fortführung des Volksverderb- lichen, den Junkern die Säckel füllenden Lebensmittelwuchers. Die Grenzen auf! Die agrarische Gefahr. Die Unersättlichkeit der in ihren Ansprüchen an die Geduld des Volkes maßlosen Agrarier läßt nun auch das österreichische Volk in Empörung über den zügellosen Lebensmittelwucher auf- schreien. In der Paradeversammlung des Bundes der Landwirte im Zirkus Busch in Berlin im Februar 1906 erschien aus Oester- reich als Gast der Reichsritter Simitsch von Hohenblum. Den feisten Bündlern rief dieser österreichische Agrarierhäuptling be- geistert zu: Die deutschen Agrarier sind die Lehrer der öfter- reichischen. Eurer Politik des— Schutzes der nationalen Arbeit werden wir folgen!— Frenetischer Beifall folgte dem Bekenntnis zur Religion der Volksplünderung. Die Nationalen fanden sich als gleichgesinnte Seelen zusammen— auf dem Boden des Lebens- mittelwuchers! Daß die Oesterreicher das Plünderhandwerk gut erlernt haben, da? zeigt sich nun. Dort wie hier weicht die Re- gierung vor den unverschämten Agrariern zurück. Oesterreichs Fleischmarkt könnte reichlich versorgt sein, wenn man nur die Einfuhr aus den Balkanstaaten erlaubte. Aber das leiden die österrreichischen Borstenmeh- und Ochsenzüchter nicht. Auf ihren Befehl hat die Regierung die Einfuhr aus Serbien erheblich ein- geschränkt durch Abschluß eines Handelsvertrages, der das Volk doppelt schädigt. Das serbische Fleischkontingent, dem die Einfuhr nach Oesterreich gestattet wird, ist um 20 000 Rinder und 20000 Schweine gekürzt und serbische Zollerhöhungcn für sehr wichtige Exportartikel der österreichischen Industrie sind akzeptiert worden. Den Arbeitern wird die Erwerbsmöglichkeit vermindert, gleich- zeitig verteuert ihnen das Agrariertum die Lebenshaltung. Und gerade jetzt, wo das Volk unter einer beispiellosen Teuerung leidet, bekommt es die agrarische Geißel noch mehr zu kosten. Der Unmut über die rücksichtslose Raubritterwirtschaft veranlaßt das Scharfmacherblatt»Die Arbeit" folgenden Zornesausruf aus- zustoßen: ..Es ist eine bittere Ironie, daß gerade in dem Augenblick, da die Flcischteuerung in Oesterreich, die sonst so geduldige Be- völkerung zu einer wirtschaftlichen Revolution zu treiben scheint, da die Regierung von allen Seiten bestürmt wird, Abhilfe gegen diese verhängnisvolle Wirkung einer verkehrten Handelspolitik zu schaffen, daß gerade in diesem Augenblick der Inhalt deS neuen Handelsvertrages mit Serbien publiziert wird. Man könnte unmöglich die Ursachen der Fleischteuerung drastischer !>p.monstrieren als durch diese Verlautbarung, denn der neue serbische Vertrag ist so ziemlich das schlechteste, waS auf diesem Gebiet bisher produziert worden ist." „Geduldige Bevölkerung"! Das sollte man sich merken? Mß« sonders auch bei uns in Preußen-Deutschland. Wahrlich, ohne die unverzeihliche Langmut des Volkes hätte sich die agrarische Raub- und Plünderwirtschaft nicht so breit machen können. Die Vorgänge in Oesterreich sind nicht ohne direkte Bedeutung auch für uns. Indem Oesterreich seine Grenzen gegen die Einfuhr ausländischen Viehes ebenfalls immer mehr verrammelt, kommt es ganz selbstverständlich als Floischliefcrant für Teutschland weniger in Betracht. Es sei nur daran erinnert, daß kürzlich die Nachricht, Oesterreich wolle die Viehausfuhr nach Teutschland wenigstens vorübergehend verbieten, um die Preistreiberei im Lande entgegenzuwirken, besonders in Süddeutschland eine Panik hervor- rief. Deutschland importierte im Jahre 1908 aus Oesterreich- Ungarn 25 450 Stück Jungvieh, 15 206 Kühe und 46 845 Ochsen; ,in Jahre 1909: 20 911 Stück Jungvieh, 15 569 Kühe und 40 145 Ochsen. Diese Einfuhr ist für Süddeutschland eine Lcbensnotwendigkeit. Und die agrarische Wirtschaftspolitik sägt an diesem Lebenssaden. Die Agrarier hüben und drüben ziehen an einem Strange, an dem des Lebensm-ttelwuchers. Sie arbeiten sich in die Hände und höhnisch verweisen sie gegenüber den Klagen im eigenen Lande auf den Nachbarstaat, der ja auch— Wucherpreise habe. Wie lange wird das Volk sich die zum Himmel schreiende agrarische Auspowerungspolitik noch gefallen lassen? Jammern allein tut's nicht!» Auf die Schanzen, bewuchertes, hungerndes Volk! Rückgang des Fleischkonsums. Wie sich der Fleischkonsum entwickelt, kann man schwer fest- stellen. Es ist klar, daß die städtische und Jndustriebevölkerung mehr Fleisch verbrauchen muß als die Bevölkerung des platten Landes. Solange deshalb die Jiiduftriealisierung raschen Schrittes vor sich geht, muß auch der Fleischverbranch steigen. In den letzten Jahren macht sich aber ein teilweiser Rückgang des Fleischkonsums bemerkbar. Nach der sächsischen Statistik ergibt sich folgender jährlicher Fleisch- berbrauch pro Kopf der Bevölkerung(in Kilogramm): 1904 1905 1906 1907 1903 1909 47,83 44,89 43,59 47,13 47,40 46.96 Nicht ganz so ungünstig war die Entwickelung für Preußen nach einer Berechnung im.Reichsanzeiger". Danach ergeben sich für die zweiten Quartale in den letzten sechs Jahren folgende Verbrauchs- mengen pro Kopf der Bevölkerung(in Kilogramm): 1905 1906 1907 1908 1909 1910 8.905 8,524 9,126 9,323 9,523 9,337 Es muß bei Würdigung dieser Zahlen aber darauf aufmerksam gemacht werden, daß sie das Resultat von Gewichtsschätznngen sind, denen die Stückzahl der der Schlachtvieh- und Fleischbeschau sowie der Trichinenschau unterworfenen Tiere zugrunde liegen. Be- merkenswert ist jedenfalls, daß auch diese amtliche Statistik einen Rückgang des Fleischverbrauchs konstatieren mutz. Eua Induftm und ftandel. Der Schlächter ist schuld! Zu welch absonderlichen Bocksprüngen die Anbetung des agra» rifchen Kalbes unsere Regierungskreise bei der Verteidigung der fleischverteuernden Viehzollpolitik treibt, dafür liefern die AuS- lassungen eines„höheren Verwaltungsbeamten", wie er sich nennt. in einem eben bei Erich Weber in Berlin erschienenen Buche„Die Not des höheren Mittelstandes" einen ergötzlichen Beleg..Uniter den Ausgaben der verheirateten Angehörigen der Arbeitetcklassen und des Mittelstandes", erklärt der Herr„höhere VerwalwngS. beamte" zunächst ganz vernünftig,„spielen die Ausgaben für Bo- köstigung und unter diesen wiederum die für Fleisch die Haupt, rolle". Das ist aber der einzige Satz, in dem man dem Verfasser unbedingt recht geben kann. Schon im zweiten kommt er auf die schiefe Ebene:„Auch der höhere Mittelstand leidet deshalb emp- findlich(!!) unter der in den letzten Jahrzehnten eingetretenen Erhöhung der Fleischpreise". Merkt er's, wohin ihn die nationale Politik der agrarkonservativen Clique geführt, so bezahlt er jetzt das Lehrgeld für seine politische Dummheit und Verblendung, die ihn diese Politik der Verteuerung durch dick und dünn mit- machen ließ. Im dritten Satz schießt der„höhere VerwaltungS- beamte" schon den ersten Purzelbaum:„Wenn nun auch die von den politischen Gegnern vorgebrachten Klagen über eine Fleischnot unzutreffend sind und nur vorübergehend Knappheit im Angebor von Schlachttieren geherrscht hat, so sind die Fleischpreise doch für weniger Bemittelte fast unerschwinglich geworden.... Unseres Erachtens", fährt er dann fort,„müssen die dem Viehzüchter zu- fließenden Preise für lebendes Vieh so hoch bemessen sein, daß sie das in der Viehzucht steckende Kapital zu dem landesüblichen ZinS- fuße verzinsen und darüber hinaus noch einen dem Wert der geistigen(I!) und körperlichen Arbeitsleistung des Züchters ent» sprechenden Mehrbetrag gewähren. Hiernach erscheint eS im all- gemeinen nicht angängig, die jetzt von den Landwirten geforderten Viehpreise herabzudrücken". Nach einigen Worten über den Zwischenhandel, der sich„sehr wohl unterdrücken oder wesentlich einschränken ließe", natürlich damit die Herren Agrarier desto mehr in die eigene Tasche stecken können, geht er den Schlächtern zu Leibe, auf die— echt burcau- kratisch—„hinzuwirken ist, daß sie sich mit einem mäßigen Ge- winn begnügen". Für die feisten Junker alles, für den Schlächter einen mäßigen Gewinn, wie sich» in der Bethmannschen Ordnung der Abhängigkeiten geziemt!„Die überwiegende Mehrheit(der Schlächter) macht so glänzende Geschäfte und gelangt so schnell zu großem Wohlstand oder Reichtum, daß das Verlangen nach Herabsetzung ihrer Preise durchaus gerechtfertigt ist". Und schließlich droht er mit etwas Schrecklichem:„Sollten aber die Schlächter auf ihren übermäßigen Preisen bestehen, so müßten sich die Abnehmer mit den Landwirten verbinden, um eine angenrcssene Herabminderung der Fleischpreise im Kleinvcrkauf zu er» zwingen". Eine kindliche Naivität, wie sie in dem letzteren Vor» schlage zum Ausdruck gelangt, findet allerdings nur in dem Hirne eines höheren Verwaltungsbeamten Raum. Die Abnehmer, die das Experiment machten, den Fleischer durch den Agrarier zu er- setzen, würden nur zu schnell einsehen, daß sie den Teufel durch Beelzebub auszutreiben versucht hätten. An sich haben wir nichts gegen Ausschaltung des Zwischenhandels, aber unter agrarischer Herrschaft würde das sicherlich keine Verbilligung des Schlacht- Viehes bedeuten. Alles, was der»höhere Verwaltungsbeamte" zur Verteidigung der agrarischen Viehzollpolitik vorbringt, ist daS alte abgestandene Einmaleins der Bündler, das sie, wie 1902, so auch heute wieder vorbringen. Anziehen der Getreidepreise. , Nun schnellen auch die Getreidepreise wieder hinauf. Die Schätzungen der Welternte lassen reichliche Mengen Getreide er- warten. Die Wcltcrnte beträgt nach der Schätzung von„Dorn- busch" ftn letzten Jahre 433 Mill. OuarterS gegen 452 Millionen im Vorjahre und 398 Millionen im Jahre 1903. Zwar bleibt die diesjährige Welternte gegen das Vorjahr um 19 Mill. OuarterS zurück, doch ist daS vorjährige Ergebnis abnorm hoch gewesen. Ausfällig ist das Zurückbleiben der russischen Erste, vs bisher fiftmet fltli einem Erktage fn gleicher Höhe des Vorjahres gerechnet tvorden war. Jetzt werden nur 78 Mll. Qrts. ausgewiesen gegen 98 Mill. Orts, im Jahre 1999. Vielleicht wird die Schätzung noch korrigiert. Man darf nicht vergessen, daß die russische Regierung sich für das Hochhalten der Preise engagiert hat. Das mag die amtlichen Angaben wohl beeinflußt haben. Besonders infolge stärkerer Nachfragen von Frankreich ging in der letzten Woche der .Preis füx September-Weizen um 3—4 M. hinauf. Die Not steigt. Die Fleischer in Bayern haben sich dahin verständigt, ab 1. September in den größeren Städten eine abermalige erhebliche Erhöhung der Fleischpreise eintreten zu lassen. Höhere Baumwollpreise. In der vergangenen Woche wurden die Preise an den amerikanischen Vauinwollmörkten erneut hinauf» getrieben. Es wurden wieder niedrigere Schätzungen des Ernte- ergebnisses verbreitet. In New Dork schließt Loko-Baumwolle die Woche mit einer Notiz von 16,47 Cts. gegen 13,96 Cts. am Ende der vorhergehenden und 13,33 Cts. am Anfang des laufenden Jahres. Die Situation der Rohbaumwolle verbrauchenden Industrie wird durch diese neuerliche Preiserhöhung wiederum verschlechtert. Weltverbrauch an Kaffee. In der unter dem Namen„Bulletin du Syndikat Gönöral de Döfense du Cafä et des Produits Coloniaux" in Paris erscheinende neue Monatsschrift werden über den totalen Kaffeekonsum der Erde in den Jahren 1966—1969 folgende Angaben gemacht: Sack a 66 Kg. Sack a 66 Kg. 1960...... 14 442 757 1963...... 16 998 994 1961...... 15 946 636 1966...... 18 397 934 1962...... 16 671 259 1967...... 18 486 176 1903...... 17 615 139 1968...... 18 821 963 1904...... 17 217 220 1909...... 19 987 761 Auf den Kopf der Bevölkerung berechnet wurden nach dieser Tabelle im Jahre 1969 in den folgenden Ländern die nachstehenden in Grammen ausgedrückten Kaffeeguanten verbraucht: Vereinigte Staaten 3380; Deutschland 3389; Frankreich 2728; Korsika 1760; Algier 1512; Tunis 0483: Oesterreich-Ungarn 1165; Holland 6932; Belgien 5396; Schweden 3937; Italien 0710; Türkei 6633; Kreta 0688; England 0369; Südafrikanische Zollunion 2633; Kanada 6497; Australien 6246; Mauricius 1166; Cypern 1,606; Rußland 6168; Finnland 3626; Norwegen 3699; Spanien 0653; Kanarische Inseln 6640; Schweiz 3392; Argentinien 2696; Däne- mark 4214; Ferro, Island und Grönland 4110; Kuba 6266; Egypten 0763; Portugal 0663; Chile 6702; Liunränien 6336; Griechenland 6703; Uruguay 6311; Bulgarien 6379; Serbien 0363; Marokko 0663; Montenegro 6734; Japan 0601,5.— Diese Ziffern dürften die beste Abfertigung für jene Bolkswirtschaftler sein, welche die Hemmung leugnen, die hohe Einfuhrzölle auf den Konsum üben. Die Konzentration im englischen Bankwesen. Die Klagen über daS Verschwinden der selbständigen Provinzbanken kommen auch in England nicht zur Ruhe. Sie finden auch in den Tatsachen ihre Begründung. Die EntWickelung der letzten 20 Jahre ergibt folgende Zahlen: Zahl der Banken Kapital Kapital pr. Bank *5a9r auf Aktien in Millionen Mark 1890... 104 1096,5 10,3 Anfang 1910 47 1263,1 26,9 Der Betrag der hinterlegten Gelder stieg von 7888,13 auf 13 219,1, d. h. auf die einzelne Bank von 73,84 auf 323,81 Mill. Mark, also vom 7,3 fachen auf daS 12 fache des Aktienkapitals: ein Zeichen der wachsenden Beherrschung des Wirtschaftslebens durch die unpersönlichen Aktiengroßbanken. Soziales. Bergarbeiterelend. Der amtliche Bericht über die Verhältnisse im Braunkohlen- bergbau des Bergreviers Zeitz bringt anschauliche Ziffern dar- über, wie sich die Lage der Bergarbeiter fortgesetzt verschlechtert. Bei steigender Intensität der Arbeit— man denke nur an das stets sich vergrößernde Heer der berufsmäßigen Antreiber— sinken die Löhne, häufen sich die Gefahren für Leib und Leben. Im Jahre 1909 sank in genanntem Bergrevier die Belegschaft von 6783 auf 6371 Mann, sie nahm also um über 3 Proz. ab. Die Zahl der gemeldeten Unfälle stieg hingegen von 960 in 1903 auf 1634 in 1999! Das ist eine Vermehrung der Unfälle, absolut ge° nommen, um 10 Proz. Im Vergleich mit der Belegschaftszahl kam im Jahre 1908 auf jeden siebenten Mann ein Unfall, im Jahre 1909 aber schon auf jeden sechsten. Das ergibt in Wirklichkeit eine Steigerung der Unfälle um 15 Proz. An Toten verzeichnet der amtliche Bericht 10 gegen 9 im Jahre 1903. Zugleich mit der unheimlichen Vermehrung der Betriebs- Unfälle trat aber auch eine sehr fühlbare Verringerung der JahreS- lohnsätze für die meisten Arbeiter ein. JahreSlöhne haben nach dem Bericht erhalten: Arbeiter bei Gewinnungsarbeiten im Braunkohlenbergbau unter Tage 1336 M.(1358 M. im Jahris 1908), in Tagebauen 1174 M.(1133 M.), bei Nebenarbeiten unter Tage 1164 M.(1112 M.), in Tagebauen 1632 M.(1133 M.). Männliche Tagcarbeitcr 1939 M.(1647 M.). Jugendliche 598 M.(676 M.). Arbeiterinnen 617M.(616 M.). Mit zwei unwesentlichen Ausnahmen sind also alle JahreSlöhne zum Teil ganz bedeutend gefallen. Alle sieben Kategorien bezogen 1908 mit je einem Vertreter zusammen 7099 M.» 1969 nur noch 6894 M.l Und daS, trotzdem gerade dieses Jahr durch eine Teuerung aller Lebensbedürfnisse hervortritt, trotz- dem auch 1908 bereits die Löhne gegen das vorhergehende Jahr bedeutend gefallen waren» Aufreizendere Zahlen lassen sich nicht wohl denken. Die Grubenkapitalisten haben nicht einmal in der Krisenzeit mit ge- ringeren Dividenden vorlieb nehmen brauchen. Im vorigen Jahre zogen teilweise die Gewinne recht beträchtlich an. Die Berg- sklavcn müssen aber den Hungerricmen noch stärker anziehen, wenn sich bereits wieder ein Aufschwung zeigt, wie in den Gesellschafts- berichten nachzulesen ist. Trotz der amtlichen Ziffern, die eine so überaus deutliche Sprache reden, wird das Bestreben der Berg- arbeiter, mittels der Organisation ein menschenwürdiges Dasein zu erringen, von den kapitalistischen PreßkuliZ nach wie por als sträfliche Begehrlichkeit bezeichnet.' � Hus aller Welt. Königsberg. Aus der Hand fällt mir die Feder, Und zu Salz erstarrt ich gleich. Warum zieht man so vom Leder, Während Friede ist im Reich? Bülow reibt sich seinen Buckel Noch bei uns in Norderney. Spricht zu seiner Frau: o Schnuckel, Gott sei Dank, ich bin nicht bei. Hätten wir nicht dieses alles Aus des Reiches Monitenr, Wüßt' ich nicht, ob solch' ein Ausspruch Wirklich ganz authentisch wär'. Freu Dich. Weib, daß Du geborgen AuS der Wilhelmstraße bist,— Hurra, wir sind ohne Sorgen, Weder Kanzler, noch Kanzlist. _ Paulchen. Oberleutnant Hofrichter macht Schule. In ähnlicher Weise wie der österreichische Leutnant Hof- richtet, der durch Giftbriefe Offiziere des österreichischen Generalstabes beseitigte, hat eine in Wien lebende Frau C a st e l l e z versucht, durch Uebersendung vergifteter Scho- koladebonbons eine unbequeme Gläubigerin aus dein Wege zu räumen. Vor einigen Tagen erhielt ein in Graz ivoh- nendes Fräulein Mar awek eine Sendung SchokoladebonbonS; nach dem Genüsse einiger Bonbons erkrankte das Fräulein unter Vergiftungserscheinungen. Die durch die Behörden angestellten Ermittelungen über den Absender des unheimlichen Geschenks führten gestern zur Verhaftung des Ehepaares C a st e l l e z. Nach längerem Leugnen hat die Frau ge- standen, daß sie der Morawek die mit Sublimat g e- füllten Bonbons geschickt hat. Sie wurde geleitet von der Absicht, sich der Rückzahlung eines Geldbetrages, den sie dem Fräulein Morawek schuldete, zu entziehen. Die Frau behauptet, ihr Mann habe von dem Anschlag keine Kenntnis gehabt, sie habe ihn allein ausgeführt. Die Cholera in Hputien. Rom, 25. August.(Eig. Ber.) Die sanitären Maßnahmen zur Isolierung der Seuche haben voll den Erwartungen entsprochen. Eine Verschleppung aus den infizierten Provinzen von Bari und Faggia hat nicht statt- gefunden und man kann mit ziemlicher Bestimmtheit voraus- sagen, daß selbst vereinzelte Fälle, die auftreten könnten, eine ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit nicht darstellen würden. In Florenz, Todi und Aveggaruo haben sich verdächtige Erkrankungs- oder Todesfälle Zugereister ereignet, deren sofortige Isolierung jede Gefahr ausschließt. In den von der Cholera erfaßten Provinzen stößt dagegen das Ausrotten der Seuche auf große Schwierigkeiten. Einmal ist die Not so groß, daß die Leute allen sanitären Verordnungen zum Trotz weiter Gemüse essen und zwar vielfach des Wassermangels wegen schlecht gewaschenes Gemüse. Die Behörden haben diesen Mißstand eingesehen und in Trani, Andria und B a r l e t t a Volksküchen eingerichtet, zu deren Wirksamkeit aber ganz andere Mittel gehören, als heute vom Ministerium zur Verfügung gestellt sind. Bon den Kommunen selbst kann man keine finanzielle Leistung erwarten. Die traurige Lage der kommunalen Finanzen wurde kurz vor der jetzigen Epidemie in grelles Licht gesetzt durch einen tragikomischen Fall. DaS Ministerium des Innern sandte einer kleinen Gemeinde 2000 Lire zur M a l a r i a b e k ä m p f u n g, und die Steuerintendanz beschlagnahmte diese Summe, weil die Gemeinde mit ihren Abgaben an die Zentralbehörde im Rückstände ivarl Natürlich mußte das Geld seinen Zwecken wieder zugeführt werden. Auch die Unwissenheit erweist sich als mächtige Ver« bündete der Seuche. So hat sich die Auffassung verbreitet, daß die Aerzte die ins Lazarett Ueberführten mit Gift aus der Welt schaffen. In Margherita di Savoia hat eine Demonstration stattgefunden, lvährend der die Leute riefen:„Wir wollen sterben, wenn Gott will, aber nicht von den Aerzten durch Infektionen getötet werden." Unter diesen Umständen ist eS nicht zu verwundern, daß die Cholera- fälle verheimlicht werden. In Andria hat man ein verdächtiges Haus erbrochen und nichts darin gefunden als— eine Choleraleiche. Die Angehörigen hatten den Kranken heimlich gepflegt und waren nach dem Tode mit ihrem Hab und Gut in einen anderen Ort ge- flohen. In dem Wahn, ein gutes Werk zu tun, hatten die Nachbarn bei dem nächtlichen Möbeltransport geholfen. Hand in Hand mit der Unwissenheit geht der Mangel an sozialem Empfinden. Tie tolle Flucht der Besitzenden aus den infizierten Orten kennzeichnet sich als Mangel an Mut und Pflichtgefühl. Eine Ursache des Aufrechtcrhaltens der Seuche ist auch das Zusammenströnlen der Völker in den Kirchen, deren Sauberkeit sehr zu wünschen übrig läßt. Der Gcnueser„Lavoro" fordert die Schließung aller Kirchen und deren Desinfektion. Die Verheimlichung der Krankheitsfälle geht übrigen? nicht nur auf die Scheu vor dem Lazarett zurück, sondern auch auf den Wunsch der Familien, ihr Hab und Gut zu sichern. Bei Feststellung eines Cholerafalles wird nämlich nicht nur aller Hausrat der betreffenden Familie verbrannt, sonder» auch all ihre Vorräte, so vor allem die Getreide- und Mandclernte, die das ganze Hab und Gut, die einzige Lebcnsmöglichkeit für den kommenden Winter für viele Familien dar« stellen. Aus öffentlichen Mitteln oder durch öffentliche Sammlungen müßte ein Fonds gebildet werden, der diese Unglücklichen teilweise entschädigt. WaS die Nachrichten betrifft, daß es an Aerzten und Pflege» personal mangele, so sind sie aus der Luft gegriffen. Viele Hunderte von Aerzten und Pflegerinnen haben sich direkt oder durch Ver» mittclnng deS Noten Kreuzes den betreffenden Orten zur Verfügung gestellt. » Rom» 27. August. In den letzten 24 Stunden sind in Bar» l e t t a elf Erkrankungen und neun Todesfälle an Cholera vorge- kommen, in Andria ein choleraberdächtigcr Fall, in S p i n a z- z o l a zwei choleraverdächtige Fälle, in R u v o d i P u g l i a ein choleravcrdächtiger Fall, bei dem der Erkrankte gestorben ist. I» den übrigen Gemeinden der Provinz Bari hat sich kein neuer Fall ereignet. In C e r i g n o l a ist außer zwei choleraverdächti- gen Fällen ein Todesfall an Cholera festgestellt worden, in T r i n i» tapoli drei Erkrankungen und zwei Todesfälle, in Marghe- rita di Savoia 3 Erkrankungen und 3 Todesfälle, in Sa n Ferdinando di Puglia eine Erkrankung und 2 Todesfälle. Amerikanische Eiseubahnräilber. In der Nähe der Eisenbahnstation Northwood(V. St. v. N. A.) wurde am Freitag ein von MinncapoliS kommender Passagier« zug durch acht vermummte Männer, die Flaggensignale gaben, aufgehalten. Der Lokomotivführer glaubte, daß auf der Strecke ein Unglück bevorstehe, und hielt den Zug an. Sosort richteten die Banditen ihre Revolver auf den Maschinisten und den Heizer und begannen dann die Passagiere ihrer Wertsachen zu berauben. Während die Räuber eifrig beschäftigt waren, die einzelnen Wagen zu durchsuchen, gelang es einem Teil des Zugpersonals, sich ans einem Wagen Revolver zu verschaffen, mit denen sie den Räubern gegenübcrtraten. Fünf Räuber wurden f e st g e n o m m e n und den Behörden von Northwood übergeben. Der Passagiere deS Überfallenen Zuges hatte sich eine große Aufregung bemächtigt, durch das mutige Eingreifen deS Zug« Personals wurden sie vor empfindlichen Verlusten bewahrt. Wieder ein Diebstahl auf der Weltausstellung. I» der letzten Stacht sind in der französischen Ab« teilung der Brüsseler Ausstellung aus dem Stand des Hauses O g e aus Paris mehrere silberne Schüsseln und Medaillen i m W er te v o n 10 000 Fr ank gestohlen worden.— Zwei Nachtwächter der deutschen Abteilung sind unter dem Verdacht, an dem gestern von uns gemeldeten Diebstahl von Uhren beteiligt zusein, verhaftet worden._ Kleine Notizen. Durch Blitzschlag getötet. Während eines Gewitter?, das über Gernsheim a. Rh. niederging, hatten drei junge Mädchen im Alter von 13 Jahren vor dem Unwetter Schutz in einem Kornhaufen gesucht. Ein Blitzschlag ging an der Stelle nieder, die drei Mädchen wurden getötet. Selbstmord eines Soldaten. Fn Dar m st a d t hat sich gestern der Dragoner H e I l w i g aus Potsdam in der MannschaftSstube erhängt. Die Ursachen des Selbstmordes find bisher nicht bekannt. Durch niederstürzende Gcslcinsmasscn wurden beim Bahnbau zu Serkenrode i» Westfalen zwei Arbeiter verschüttet. Der eine war s o fort tot, der andere hatte noch so viel Kraft, sich selbst unter deit GesteinSmassen hervorzuarbeitcn, verstarb aber kurz darauf. Bei der Reparatur eines Kabels des städtischen ElektrizitätS- Werkes in Frankfurt a. M. kam der Mechaniker Kuba ch mit einem Kabel in Berührung, bei dem der Strom von 8000 B olt Spannung nicht abgestellt war. Cr stürzte sofort t o t zusammen, der Körper lvar wie geröstet und spiralförmig zusammengebogen. Einen schreckliche» Tod fand in Lille in Frankreich ein Loh» gerber, der in einen Kessel kochenden Wassers fiel. Als es gelang, ihn herauszuziehen, war der Unglückliche vollständig gekocht. Der Kommaildant der Budapcster Kronwache, Major Anders, steht unter dem Verdachte, daß er den Einbruch in die Kronwache, über den wir vor einigen Tagen berichteten, nur fingiert und die abhanden gekommenen 23 000 Kronen selbst entwendet habe. Wiedereröffnung der Brüsseler KirmeS. Der bei dem Brande der Weltausstellung vernichtete VcrgnügnngSplatz ist vollständig wieder hergestellt und wird heute, Sonntag, mit großen Festlichkeiten wieder eröffnet werden. OOOOOOOOOOOOOq qOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOo 's Sinsegmngs-Sliefel für Knaben u, Mädchen 5®® bis tO� haben hochelegante neue Formen, sitzen bequem und ver-. binden beste Haltbarkeit mit einem sehr billigen Preise, * Unübertroffene Leistungsfähigkeit für modernste Herren* • und Damen-Stiefel in den Preislagen. 890 I050 I250 15 50 >0600900 Leipziger Straße 65• Königstraße 34• Oranienslraße 34» Oranienstraße 47a• Mullerstraße 3a» RIXDORF, Bergstraße 7-8. ocooooococKX)cDooooocx>ooooooooooooooooooooooooöoooooOoooooc>ooooooooooooooooooo' H, Strahlendorff8 WeMhoiMe Muster- Kontor. Berlin SW., EatMasss 10 und II. I, Z, 3. Etago un Splttelmarhl, Untergrundbahn, Straaaenbahn, Grösstes«.vornehmstes Institut Berlins. Gegr.1830 23 Lehrer, 8 Lehierinnen, 25 Klassen, 130 Schreibmaschinen.— Dia neuen SMlttMWSAMWtWdUMz lür den kaulmännisohcn Beruf beginnen am 6. Oktober. 1. Handeiskurse für Herren Jahres-, Halbjahrs-, Dreimonats- und höhere Handelskarse. Halbfabrskarse: A. UntcretuTe(Elementaikursus). Die Unterstufe ist für junge Leute eingerichtet, die aus der Volksschule oder einer unteren Klasse einer höheren Schule abgegangen sind und in der Zeit zwischen ihrer Konfirmation und dem Einlrittt In ein Gcrchäft das in der Schule Erlernte ergänzen und als Lehrling In ein kaufmännisches Kontor eintreten wollen. Wer mit Erfolg die Unterstufe durchgemacht hat, kann in die Oberstufe eintreten. B. Oberstufe. Die Oberstufe bietet Vorgeschrittenen und Kaufieuten, die schon praktisch talig waren, Gelegenheit tur Erweiterung und Vertiefung Ihrer kaufmännischen Kenntnisse. C. Höhere Handelskurao für Herren, die entweder aus einer oberen Klasse einer höheren Schule abgegangen sind oder bereits praktisch tätig waren und über eine gute Vorbildung verfügen. Die Teilnehmer werden zu tüchtigen Buchhaltern. Kontoristen und Korrespondenten ausgebildet. Der Besuch ist besonders solchen Herren zu empfehlen, die im Besitze des Elnjahrlgen-Zeugnletos sind und sich dem kaufmännischen Beruf widmen wollen. Wihlfleheri Eng!., Französ. Grammatik oder Korrespondenz und Konversation. Dozenten: Dr. Wulscli, Dr. Mühhr, Rechtsanwalt Syndikus Eickhoff, diplomierter Handeislehror Busack, Bankbuchhalter Foitzick. Nationale Sprachlehrer. D. Akademischer Kursus(kleine Zirkel) für Offiziere, Juristen, Ingenieure. Techniker, Beamte, Lehrer usw. Diese Kurse bieten bewährte Gelegenheit, sich diejenigen Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen, welche es ermöglichen, später selbst- ständig kaufmännisch zu disponieren oder leitende Stellungen in industriellen Betrieben anzunehmen. 2.HandeIskurse für Damen eur Ausbildung alt Bnchhalterin, CeschäftsstenographlD, Bareanbaamtio, Handelslchrerlu, Korr.spondentin, Kassiererin. Mit den Halbjahrs- und Jahreskurscu ist ein praktisches Uebungskontor (Mustcrkontor) verbunden. Von der Volksschule entlassenen jungen M.'idchen wird Gelegenheit geboten, sich in den kaufmännischen Fächern wie Buchtübrung, Ilochncn, Korrespondent!, Handelskunde, Stenographie, kaufm. Schreiben und llaschinonschrcibon»usiu- hilden. Junge Damen, die von der höheren Töchtordchule entlassen sind, werden besonderen, ihren Kenntnissen entsprechenden Klassen zugewiesen. Jährliche Kurse für Töchter gebildeter Stände zur Ausbildung als Gescliäflsstcnographinnen und Korrespondentinnen in fremden Sprachen. Für Damen, die das Abgangszeugnis der ersten Klasse einer höheren Töchterschule und gute Kenntnisse in der englischen und französischen Grammatik bcsilzen. Korrespondsntlnnen mit Sprachkenntnissen, die 203 Silben In der Minuts stenographieren, die englische und franzötlschs Stenographie beherrschen, werden stets gesucht und erhalten von vornherein bessere Stellungen und höheres Gehalt. I,ebTfäebsT Deutsche Handelskorrespondenz.......... Englische Handelskorrespondenz u. Konversation Fransös. Handelskorrespondenz und Konversation Deutsche Stenographie................ Deutsche Stenographie; Dehattenschrif»..... Diktat bis 200 Silben und mehr Englisehe Stcnogrsphle nebst Diktat........ Französlscho Stenographie nebst Diktat...... Maschinenschreiben.................. 3! aschinon schreiben nach fremdsprachlichem Dlkti» Handelsbetr leb sichre nebst Wechsclkunde.... Schönschreiben....■................. Bnrean- und Hochtskunde............... Einfache, doppelte u. atnonkanisc&e Buchführung Kaufmännisches Rechnen..»»»,».» Sa. Stundenzahl pro Jahr «O 70 70 SO 140 40 40 IVO SO so SO 40 80 SO XUÖO m Ausführliche Lehrpläne umsonst und portofrei.« Fernsprecher 1,1750. Hoffnung tt PP-———-o» Berliner Schneiderei- Genossenschaft E. Q. m. b. H. Zwischen Rasenthaler 4 OC Zwischen Rosenthalcr 1 Tor u. Invalidenstr. ö»U»lli6l»j»r. 109 Tor u. Invalidenstr, Gegr-i-Februar 1906 v. organisiert. Scimeidergehilfen Borlins. EmpEehlt sich allen und Meitern, Parteigenossen Mdiirgern tur Anfertigung eleganter HOTN-iKiiatoitganMe Großes Lager fertiger Herren-, Knaben-u. Kinder-Anzüge, GroOo Auswahl in Sommer-faletots, ölsler, Ratllalipaaziigen o. Fant-Westen in allen Größen and Preislagen sowie ArbeSter- Berufs- Kieidung. DieAfcrstclInng nnscrer Fabrikate erfolgt in eigenen Betriebswerkstätten unter den von unserer Organisation festgelegten Bedingungen. Lieferanten 103/1* der Konsnni-Gcnosscnsc haft Berlin n.PingcgciKl, des Cliarlottcnburgcp ISonsuni-Vereins sowie des Arbeiter- II adfahrerbun des. KB. Wir weisen besonders darauf hin, daß wir nur für eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem 1 anderen Geschäft zu haben sind. Im August bleibt unser Gescbäft Sonntags nach 10 Uhr ===== geschlossen.===== ÄAAAÄAÄiÄAÄeÄAAÄAAAÄÄÄ Katalog gratis. Grössles Special-Haas Kinderwagen Metallielfstellen Gartenmöbel etc. Berlin.O.Andreasstr.23. Bmnnenstr.SS.Leipzigerstr.S�. ße(JSseIsir.67.Rixdorf.Bergstr.133 Wegen Neubau meines Geschäftshauses Total-Ausverkauf! Da die bedeutenden Vorräte bis zum Oktober geräumt weiden sollen, findet der Verkauf zu Jedem annehmbaren Preise statt. T Iiii-Iii!« s. Agiisstes und vertrauenswürdigstes Spezialhaus für Teppiche» Gardinen» Portieren Mööel- md Dekoratioosstolfe» LHuler Tisch-, Diwan-, Stepp-, Reise- und Schlafdecken Berlin SW. 68, Oranienstraße No. 126. Ufoebel-Boebel Berlin S., Moritzplatz 58. Kein Laden t Verkauf nnr Im Fnbrlbgebandc! Spezialität: Ein- u. Zwei-Zimmer-Einricliiiingen!. Moderne Wohnzimmcr-£iurlehtang M. 295'.— M. 67,- M. 75,— H. 62.-" 11,30,- Id. 6.- M. 39,— Partei- SP editionen: Zentrum: StTBed Höhnisch. Llugnstsir. 50, Eingang Joachimstraße. S. Wahlkreis, 33 e ft e n: Eustao Schmidt, Kirchbachstr. 14, Hoch- Parterre. , Süden imd Südwesten: Hermann Werner, Gneisenaustr. 72. Laden. S. Wahlkreis: St. Fritz, Brinzenstr. 3t, Hof recht? Part. 4. W ahlkreis: Osten: Rodert W e n g e l s, Gr. Franfsurterstr. 120. — Wildelm Mann, Petersburgerplatz 4(Laden). 4. Wahlkreis, Südosten! Paul Böhm, Lausttzerplatz 14/15 (Laden). 5. Wahlkreis: Leo Zucht, Jmmanuelfirchstr. IL(Hos). G. Wahlkreis(Moabit und Ilansavlertel): Karl Anders, Ealzwedelerstr. 8, int Laden. W'eddlng: Karl Weiße, Razarethfirchstraße 43. lloscnthnlcr und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a:::n a n n, Bernauerstr. 9, vorn Part. fZesriiidhrnnnen: F. Trapp. Stettinerslr. 10. Schonhanser Vorstadt: Karl Mars. Lychenerstr. 123, A dlershof: Karl Schwarzlose, Hossmannstr. 9. ait-t»Iienleke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. ItanrnseliiilenHveg: H. Hornig, Marienthalerstr. 13, T. Uernan, Nöntgeiital, �epernlek, tziekönow und Lektin« hriiek: Heinrich Brase, Hohesteinstr. 74. Part. nohnsdorf und Falkenherg: Alois Lauf, BoHnsdors, Ge» charnberg, Sesenheimerstraße 1, Ecke uosscuschastshauZ.Paradies". ttr~" M Chnrlottcnbnrg: Gustav Goethestraße! Laden. Flelrn aide. Xeitthen. Allersdorf und llankels Ablage: Oskar Mahle, Eichivaldc, Stubcnrauchstr. 99. I Erkner; Ernst§ o f f:n a n::, Friedrichshagener Chaussee. Fredcrsdorf-Pctcrshagcn: E. Höselbarth, Petershagen. Friedemut- Steglitz- Siidcnde: H. Berns ee, Schloßstr. 119, Hos I, in Sieglitz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: y. M o h r, Düppclstr. 32. und Fr. S ch e l I h a s e, Ahornstr. 15». Frledrlehshagen: Ernst W c r k m a::::, Köpenicker Straße 18. Griinan: Franz Klein. BaHnHosstr. 6 III. doliannisthal: Pie ticke, Kaiser-WilHclm-Platz 4. kiarlshorst: Richard Küter. Rödelstr. 9, II. IÄönigs-W itsteritansen: Friedrich B a u m a N N, LckHnHosstr. 13. Ii öpeniek: Emil W i ß l e r. Kietzcrstr. S, Laden. Liemenherg, Frlcdriclisfclde, WUhclmsbcrg: Otto Seifet. Kronprinzcnstraße 4, 1. Mahlsdorf und liaalsdorf: Hugo Scheibe, MahlZdors, Walderscestr. 14. Mariendorf: August 2c: b, Chausseeslr. 296, Hos. Maricnfcldc: Emil W e i n e r t, Dorssir. 14. � 1c«lcr-S ch« ne wcldc: Max P r i e h t e, Britz erstr. 14 IL Kowuwcs: Wilhelm F a p p e, Friedrichstr. 7. tther-Seltüiienelde: August H e:: j e s, Lausenerstr. 2, l. I'ankow-Xicdcrscliünkauscn: Otto Riß mann, Mühlen» slraßc 30. Rciniekcndorf- Ost, Wllhclmsrnh und SchOnbola: P. G u r s ch, Kamefestr. 12, 1. Itizdorf: M. Heinrich, Neckarstraße 2, im Laden. Itummetsharg, Rönhagen:A. Nosentranz, Ali-Boxhageo 56. Schmargendorf: Gustav K a m i n S f tz, Tunostraße 2. Seilt» nederg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Lade» Spandan: Koppen, Jagoiostr. 9. Tegel, Uorsigwaldc, Wittenaa, Waidmannslast, Hcrmsdorf und Reinickendorf- West: Paul Kitnaft» Borsigwalde, Näuschslraße 10. Teltow: Wilhelm Bonow, Teltow, Zehtendorser Str. 4. Tempolkof: Albert Thiel, Friedrich Wilhelmstr. 20. Treptow: Rod. Gramenz, Kiesholzstraße 412, Laden. Weiliensee: K. Fuhrmann, Eedanstr. 105, parterre. Wilmersdorf- Ilalensee: Paul Schubert, WihcImSattc M Hos parterre. Sämtliche ParteNteratur sowie alle wlssenschastlichen Werfe werden gelicfett Annahme von Inseraten für den„Korwärts�. VW- Ritte anssekneiden.-M> 245/1 U: Schmerzlos gezogen] Fast gänzlich schmerzloses Zahnziehen 1.— M. Von uns endlich erreicht und zur größten Berühmtheit der Keforra-Zahn-Praxis geworden. Beweis Kundert» von Dankschreiben. Keine hohl Looh- zähne oder Zähne mit Eisenstiften, sondern echte mit Platinstiften, die bei der Konkurrenz 4 und 5 M. kosten. Man lasse sich nicht durch scheinbar billige Angebote irreführen. Z. B. worden in letzter Zeit von der Konkurrenz Zahne offeriert von 1.50 und 2 M. an. Dieses Verfahren wird bei uns nicht geübt. Unser teuerster Zahnersatz mit nur echten Zähnen, mit Kautschuk- platte einberechnet, kostet bei uns nur 2.80 M. Wenden Sie sich vertrauensvoll nach unserem Atelier. Ucborzeugung macht wahr! Zahn-Praxis Carl Rudolph. Präzis: Charlottenburg, Wilmersdorf� Str.ll7.| Praxis: Lichtenberg, Frankfurter Allee 169. j Praxis: Spandau, Neuen- 1 dorfer Straßo 106. 1. Praxis: Elsasser Str. 14. 2. Praxis: Friedrichstr. 35. 3. Praxis: Oranicnstr. 61. 4. Praxis: Palisadonstr. 100. 5. Praxis: Moabit, Hutten- straßo 65. Leser dieses Blattes wissen, aus welchen Gründen Slf 6* Cigaretten verantwortlicher Redakteur.: HonS Weber, Berlin. Lür den Lnieratenteilverantw�: Th.Glockr. Berlin. Druck». Verlag: voiwürt» «n bevorzugen sind. 823L' ivuchdruckerci u, BttlagZanjtalt Paul Singer& Co., Berlin SW, Ar. 20L 27. Jahrgang. 4. Jtfilmif iifs Lmjirls" KMn WsM Sonntag, 28. Angust 1910. Generalversammlung des Verbandes der Lithographen, Steindrulker und oewaudten Gewerbe. Hamburg, 26. August. Der VerbandSvorfitzende Sillier kommt vor Eintritt in die Tagesordnung auf einige in der Dienstagssitzung erhobenen Vor- würfe gegen die Chemigraphen und Gauleitung zurück. Wenn ein Delegierter die Behauptung aufstelle, die Chemigraphen seien wenig opferfreudig und hätten dem Verbände gegenüber nickt ihre Schuldigkeit getan, so müsie er dies entschieden zurückweisen. Das genaue Gegenteil sei der Fall. Der Punkt:„Taktik bei Lohnbewegungen' wird in geschlossener Sitzung verhandelt, die den Vormittag ausfüllt. Angenommen wurde folgende Resolution: Die Generalversammlung steht nach wie vor auf dem Stand- Punkt der TarifgemeinschaftenT'lvobei in erster Linie die Arbeits- zeit und Mindestlöhne für Ausgelernte festzusetzen sind, ebenso Feiertagszahlung, Lehrlings- und Ueberstundenregelung. Der Hauptvorstand wird jedoch verpflichtet, allen neuen Er- scheinungen auf tariflichem Gebiete, besonders solchen, die aus oem Lager der Unternehmer kommen, die gröstte Aufmerksamkeit zu schenken und klärend zu wirken. Wo der Abschluß von Tarifen zurzeit nicht möglich ist, muh die größte Aufmerksamkeit auf weitere Verkürzung der Arbeits- zeit und Lckhrlingsregelung gelegt werden. Gegenüber solchen Firmen, wo noch eine längere als die achtstündige Arbeitszeit für Lithographen und neunstündige für Steindrucker besteht, ist der Kamps mit allem Nachdruck aufzunehmen. Für Chemi- graphen, Licht- und Kupferdrucker, wie für Formstecher ist auf Grund der tariflichen Bestimmungen gegen alle Firmen mit schlechteren Verhältnissen vorzugehen. Stellen sich beim Chemigraphentarif durch die Frage der Preiskonvention Widerwärtigkeiten heraus, die mit dem Stand- Punkt der modernen Gewerkschaftsbewegung unvereinbar sind oder die Tariffrage gefährden, so hat der Hauptvorstand gemein- sam mit den Chemigraphen diese Frage zu prüfen und, wenn nötig, Abhilfe zu schaffen. Ueber den folgenden Punkt: „Unser Verhältnis zu den graphischen Gewerben" referiert Sillier, dessen Ausführungen in der Hauptsache in folgender Resolution niedergelegt sind: „Die Generalversammlung erkennt grundsätzlich an, daß ein graphischer Jndustrieverband, mit Einschluß aller graphischen Verbände, die beste zu erstrebende Organisationsform ist; sie erklärt sich aber nur dann für einen solchen Jndustrieverband, wenn diesem alle graphischen Verbände beitreten. Da aber aller Wahrscheinlichkeit ein solcher Jndustriever- band vorerst noch nicht zu erreichen ist, so sind mit allen graphi- schen Verbänden Beratungen zu pflegen, um bestimmte Normen für Lohnbewegungen aufzustellen. Bei dieisen Normen ist jedoch daran festzuhalten, daß eine Solidaritätserklärung bei Streiks nur dann verlangt werden kann, wenn der in Mitleidenschaft ge- zogene Verband vor Eintritt in eine Bewegung verständigt und über seine spätere Mithilfe gehört wurde." D ö b l i n, Vorsitzender des Deutschen Buchdruckerverbandes, verweist auf die Kämpfe, die seine Organisation um die Festlegung des Taristvesens usw. gekämpft hat. Diese Kämpfe müßten andere Berufe zum Teil noch durchmachen. Das Tarifwesen der Buch- drucker sei für ganz Deutschland festgelegt, während die Litho- graphen, Steindrucker usw. noch mit örtlichen Tarifen zu rechnen hätten. Wie schon in der geschlossenen Sitzung betont, sei die Zeit zum Zusammenschluß zum Jndustrieverband noch nicht gekommen, weil die vorhandenen Divergenzen erst ausgeglichen, die Voraus- setzungen zur Fusion erst geschaffen werden müßten. Man lasse daher die Entwickelung ihren Gang gehen, dann werde man sehen, ob die bekundete Liebe sich zur Ehe ausreifen werde. K l o t h- Berlin, Vertreter des Buchbinderverbandes, vermag den Ausführungen des Vorredners nicht zu folgen. Es sei durch- aus nicht ausgeschlossen, daß die Buchdrucker in Zukunft größeren Kämpfen entgegengehen könnten. Redner erinnert an den großen Kampf der Buchdrucker, bei dem sie ihr ganzes Vermögen einbüßten. Durch die Verbindung mit anderen graphischen Gewerben würden auch die Buchdrucker gewinnen, da viele Beziehungen zwischen allen graphischen Gewerben usw. beständen. Die Arbeitszeit der Litho- graphen, Steindrucker usw. sei doch schon zum Teil erheblich kürzer als die der Buchdrucker. Allerdings spiele ein beträchtliches Moment mit: die Verschieidenartigkeit der Unterstützungseinrichtungen, wo ein Ausgleich stattzufinden hätte. Die Unternehmer hätten sich schon längst kartelliert, deshalb müßten auch die Arbeiter sich fester zu- sammenschließen. Frau Thiede- Berlin, Vorsitzende des Buchdruckereihilfs- arbeiterverbandes, tritt ebenfalls für die Annahme der Resolution ein, da sie inhaltlich dasselbe enthält, was sie. Rednerin, schon auf dem Verbandstage der Buchbinder in Erfurt vertreten habe. In der Debatte wird das Verhalten der Buchdrucker gerügt, die durch die engere Verbindung mit den Lithographen, Stein- druckern usw. nur gewinnen könnten. Die Buchdruckereihilfs- arbeiter hätten oft mehr zu erzielen vermocht als die gelernten Arbeiter. Es liege durchaus keine Ursache vor, die sogenannten „Ungelernten" zurückzuweisen. Die Buchdrucker sollten sich nicht so hermetisch abschließen, sondern müßten mit den übrigen graphischen Arbeitern Hand in Hand arbeiten. D ö b I i n: Die Debatte habe ihm gezeigt, daß noch gewisse Zeit erforderlich sei, bis wir uns gegenseitig so schätzen gelernt haben, daß der engere Zusammenschluß erfolgen könne. Sie werden dann finden, wie es mit der auch hier betonten„Rückständigkeit" der Buchdrucker bestellt ist. In seinem Schlußwort hebt Sillier hervor, daß ohne die Buchdrucker ein Jndustrieverband undenkbar sei. Verständigen wir uns daher erst aus dem Boden der Resolution, die mehr besage, als es auf den ersten Blick den Anschein habe. Die Resolution fand ein st immige Annahme. Hamburg, 27. August. Fünfter Vcrhandlungstag. Aus der Statutenberatung heben wir folgendes hervor: Den Namen des Verbandes abzuändern wird abgelehnt. Der Ausschluß eines Mtgliedes kann erfolgen, wenn es vier Wochenbeiträge schuldet und einen begründeten Antrag auf Stundung bei den Ortsvorständen nicht stellte. Ter Ausschluß erfolgt, wenn das Mitglied acht Wochen mit seinen Beiträgen im Rückstände ist. Befreit vom Eintrittsgeld ist, wer zwei Wochen nach beendeter Lehrzeit dem Verbände beitritt. Der wöchentliche Beitrag für männliche Mitglieder beträgt 1,3l> M., für weibliche Mitglieder 60 Pf. Für lokale Zwecke können mit Zustimmung des Hauptvorstandes durch einen mit Zweidrittel-Mehrheit herbeigeführten Beschluß einer Mitgliederversammlung, der für alle Mitglieder bindend ist, besondere Beiträge erhoben werden. Ein dahingehender Antrag muß den Mitgliedern durch die Tagesordnung für die Versamm- lung vorher bekannt gemacht werden. In besonderen Fällen steht dem Hauptvorstand in Gemein- schaft mit dem Ausschuß das Recht zu, Extrasteuern auszuschreiben, die jedes Mitglied zu zahlen hat. Die auf Erweiterung der Unterstützungssätze abzielenden Anträge hat die Kommission abgelehnt, entsprechend dem ihr zuteil gewordenen Auftrage des Plenums. Die Unterstützung bei militärischen Uebungen wird auf 1 M. pro Tag herabgesetzt, während bislang die Sätze für Arbeitslosen» Unterstützung zur Auszahlung gelangten. Die Reiseunterstützung wirb von 4 auf 3 Pf. pro Kilometer Luftlinie herabgesetzt. Beschlossen wird, eine schärfere Krankenkontrolle einzuführen. Bezüglich der Krankenunterstützung, die seit 1965 ein D e f i z i t von 143 463,59 M. verursacht hat, wird die Herabsetzung des Unter- stützungssatzes von 11,46 M. auf 16,86 M. beantragt. Bei Ve- gründung dieses Antrages wird ausgeführt, daß keine deutsche Ge- werkschaft sp hohe Sätze zähle wie der Verband. Hinsichtlich der Invaliden- und Witwenunterstützung beantragt die Kommission diese Resolution: Die Generalversammlung erteilt dem Hauptvorstande die Vollmacht, Invaliden und Witwen auf ihren Antrag hin abzu- finden. Dabei sollen folgende Grundsätze beachtet werden: 1. Es mutz über die Abfindung Uebereinstimmung zwischen Hauptvorstand und der betreffenden Mitgliedschaft erzielt worden sein. 2. Die Höhe der Abfindung darf die dreifache Jahrcsrente nicht übersteigen und muß mit den gezahlten Beiträgen, dem Alter und Einkommen des Invaliden resp. der Witwe in Einklang gebracht werden. 3. Mit der Auszahlung der Abfindungssumme ist jeder An- spruch des Invaliden resp. der Witwe für spätere Rente ausgeschlossen. Ein diesbezügliches Formular ist von dem Abzufindenden zu unterschreiben. Ueber die Wirkung dieses Antrages hat der Hauptvorstand der nächsten Generalversammlung eingehenden Bericht zu er- statten. Die Jnvalidenunterstützung, bislang 7 M, soll, je nach Dauer der Mitgliedschaft, 6, 6 und 7 M. betragen. Die Anträge finden Annahme. 1867 Saison-Räumungs-V erKauf zu ganz aussergewöhnlich billigen Preisen VerKauf nur Jerusalemer Strasse 38-39 nur noch bis Sonnabend, 3. September Des grossen Andranges wegen empfiehlt es sich, den EinKauf auch vormittags zu besorgen Rationelle Kinder- Stiefel in den bekannten guten Qualitäten besonders preiswert Serie I 1-------- Mädchen-Schnür-n.Knopf-Stiefel versch, OberledenorUo, auch braun, besond. dauerhaft 25-27 28-30 81—35 36—39 3.80 4.80 5.80 6.80 Serie II................ Mädchen-Schnur- nKnopf-Stief el braun Chevreau und Boxcalf 28— g 28- 30 31-35 36- 39 4.80 5.80 6.80 7.80 Knaben-Schnür-Stiefel 31-33 36-39 b«at*« s- Wiahalad*« D.80 O.80 Knaben- Schnür- Stiefel 31-35 36—39 echt Bozcalf sehr dauerhaft 7.25 8.50 »m Grosse Posten M. Herren- und Damen-Stiefel Serie Ch'Vtreau, Boxcalf, braun Chevreau in vielen Fassons und Ausführungen Q75 1175 14 I.>/ Serie n IX Serie DI 75 früher 12so früher IS50 früher 18°° Die früheren Preise sind an Jedem Paar Stiefel deutlich erkennbar Grosse Posten Herren- und Damen-Stiefel sowie Halbschuhe A80 ,, exlrabillig,| 1 Chevreau u. Boxcalf,»ehwan u. farbig durchweg Grosse Posten--- feinster Damen-Halbschuhe 98Ö in den elegantesten Phantasie-Ausführungen schwarz— braun— beige— grau— weiß besonders preiswert durchweg Ein grosser Posten Damen-Stiefel schwarz, braun, beige, zum Schnüren und O"JC Knöpfen..... besonders preiswert O./D Grosse Posten Damen-Halb-Schuhe zum Schnüren und mit Spangen, schwarz und farbig, nur grosse und kleine Nummern Ä or» extra billig, durchweg TC.ÖU Grosse Posten Damen-Leinen-Stiefel lind ScHuHe sowie grosse Posten Sport-Schuhe und Sandalen für Herren und Damen extra billig, durchweg j.75 Grosse Posten Herren- u. Damen-Hausschuhe Leder, schwarz, braun, bordeauz mit u ohne Absatz,»ehr vorteil- O o/z O Qr\ hafte» Angebot.. durchweg«J.ÖU u. Z,.OU Ausserdem Restbestände jeder Jlrt weit unter dem Einkaufswert! Waren aus dem Rammings-Verhauf sind vom Versand nach auswärts ausgeschlossen•• Theater und Vergnügungen l�essinx-IKeater. 8 Uhr: Xantris der Narr. Montag 8 Uhr: Die Weber. Dienstag 8 Uhr: Daö Konzert. Sommcrpreise: Park. 5, 4u. 3 M. jc. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: TalfUll. Morgen: Taifun._ Neues Theater. Sonntag bis Mittwoch 8 Uhr: Kasernenlnft. Donnerstag zum erstenmal: Das gewisse Etwas. Aienes Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Att. von St. 28. Willner u. R.BodanSkh. 28usik v. Franz Lehirr. kesiclenx--Theater. Direktion: Richard Alexander. Anfang 8 Uhr. Im Taubenschlag. Schwant in 3 Akten von Hennequw und Veber. Morgen und folgende Tage dieselbe Vorstellung. Sommer-Preise._ Berliner Volksoper. Heute'1,9 Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: _ Alt-Heidelberg. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: In den Dolomiten. Montag abend 8 Ubxs In den Dolomiten. Gr. Berliner Kimstaussteiluiig 1910 30. April bis S. Ottober. Im Pari täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Pf. Dauert. 6 28. Reiclishallen-TlieateF. sei, Britton, Schräder nsw.) Anfang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. Die jreschiedene Fran. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum Trianon-Theater. Heute u. folgende Tage(Auf. 8 Uhr) Pariser Witwe«. Abends 8 Uhr; Das Leutnantsmündel Luisen-Theater. Nachm. 3 Uhr zum letzte» Male: Der Graf von Moute Christo Schauspiel in 7 Abtcll. nach A. DumaS. Abends 8 Uhr zum letzten Male: Der stille See. ausp. i. 6 Akt. v. H. Eourths-Mahker. chlus, der Sommertpielzeit. Hetropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Lincke. In Szene gesetzt vom Dir. Hieb. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. die unvergleichliche figyptisene Tänzerin. Friedrich-Wilhelmstddtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 1. Sept., abends 7>/,N.: Eröffnunzs-Vorstellung. Tragödie v. Goethe. Freitag: Faust. sonnab. z. l. Male: Btederleute. Ii Alt-Hoablt 47/40. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. Iheatop Die größten Schlager der letzten Saison: Die Welt geht unter!«nd Wenn zwei dasselbe tun mit Anton und Donat Herrnfeld. Billettvorvert. 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. V oigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Sonntag, den 28. August,'IJB Uhr: Nur noch k»»rze Zelt! Lebenswellen. Gr. Lebensbild mit Gesang und Tanz in 4 Bildern von H. Willen. Das große Augustprogramm. Kasteneröffnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Graterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel 3, 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Sonnabend. Sonntag u. Montag. Eintritt 30 u. 40 Pst. Kinder di-Hälste. Slns.7U., Sonnt. 4U. Vorzugskarten, nur wochcnt. gültig, 25 Pf. aus allen Plätzen. Stets wechs. Progr. Jed. Sonnt, t. Obersaal: Kiinstlerkonzert. Entree 15 Pf. Garderobe Iv Ps. N. d. Konzert: ssamlllen-Krilnzclien. Täglich: Freikonzert. Kiimgatndt-Knaino. Holzmarktfth 72, Elke Alexanderstraße. Inhaber: Maz Sehindelhauer. Im herrlichen Naturaarten(bei nn- ünstiger Witterung un Theatersaal). es Fieurs, Hand» u. Kopjequilibrist. Kio? des Teufels Würfel. The Willuhus, Champion-Mal-Akt. Mittwochs: Freitanz. Ansang wochentags 7'/, Uhr. ._ Sonntags 5, Schweizer Garten Am KSnigstor— Am Friedrichshain. Täglich abends /,I0 Uhr.: Elternlos oder; Berlin arm nnd reich. Volksstück mit Ges. in 8 Akt. Vorher: Spezialitäten. Volksbelustigungen. Tanz. Anfang 5 Uhr. Bntree 80 Pf. Karl Haverland- Anfang Theater 77/79 Kommandantenstraße Das wunderschöne pröz. 7!,. U. 77/79. uuühertroffetien komischen Angnst- Programms. Mssletaplialle am Zoo. Riesen-Kinematograph. 4—6 Schüler-Vorstellung ermäßigter Eintritt. 7—11 Abend-Vorstellung 25 Bilder. Baachcu ttborall gestattet I0SE=THEATE Große Frankfurter Str. 132. Ein skitsamer Fall. Phant. Schausp. in 4 Akten von Morton und Gunniver. Ansang 3 Uhr. Ende lO'l, Uhr. Ans der Gartenbühne: Theater» Vorstellung, Spezialitäten. Großes Konzert. Ansang 4 Uhr. und Festsäle. Inh.; Bndoll Krüger. Hasenheide 13/18, vis-ä- vis v.Xumpl. Täglich: Große Theater- Artist. Leitung: Walter Gr&venltz, Kapellmeister: Max Wolffheim. Je den, Donnerstag: Elite-Tag! Aotang: WochentS Obr, Sonnt'/jß Unr. Schiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Gottscheld-Oper. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Zar nnd Kimmermann. Komische Oper in 3 Alten von Albert Lortzing. Ende 6 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: der Trompeter von Säckingen. Romantische Oper in 3 Akten Von Viktor E. Neßier. End- 10'/. Uhr. Montag, abends 8 Uhr: IJndlne. Dienstag, abends 8 U hr: Die FOrster-Chrlstl. Schiller-Theater Charlotfenburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr Wilhelm Teil. Schauspiel in 5 Auszügen von Friedrich Schiller. Ende 6 Uhr. Sonntag. abends8Uhr: Egmont. Ein Trauerspiel in fünf Aufzügen von Goethe. Ende 11 Uhr. Montag. abends8Ubr: Die zürtlleh. Verwandten. Hieraus: In Zivil. Dienstag, abend» 8 Uhr: Die zärtlich. Verwandten. _ Hierauf: In Zivil._ r Gastans Panoptikum Friedrichstraße 165 (Pzchorrpalast). Habu et Uta der Mann mit der eiserin Zunge. . Im neuen roten Saale: GrOßeS KODZCrt. Ä'wollf. irwww* wwwwwwwwwwwwwmwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwwww* das achte Weltwunder. TERRASSEN HALENSEE GrSBter Vergnügungspark des Kontinents. Sensationelle Attraktionen, Translateur- und Militär- Kapellen, Oberbayerische Sänger und Schuhplattler. Neu! Tanagra, Heute Sonntag, den S8. August: Eintrittspreis 50 Pf. Sensationelle Attraktionen Translateur- und Franzer-Konzert. Oberbayerische Sänger u. Schuhplattler. Freitag, den». September: MG 8edan-Feier. «rolle« mllltärlHcbes Doppelkonzert, Abfahrts teile am Schlestsche» Bahnhof. fzglied mit Ifoltersilorler Schleuse. Hin n. zurück 30 Pf., vorm. 50 Pf. Täglich von mittag» 2 Uhr ab ftünd- lich nach Restaurant Kyffhänser, wochentags 20, Sonntags 39 Pf. 53öb Fahrgäste zahlen kein Sntrce. Neumanns Volksgarten (früher Bente) lilchteiiherg, Röüerslr., uSdsbÄ Sonntag, den 28. August t Gr.Eriltestst�Eriltk-UWg BV mit zirka 15 Erntewagen,'TtzllQ woran ein jedes Kind teilnehmen lann. Konzert» Spezialitäten s Ball «ratis-NerlMg U SS l\" fÄ ISÄ und noch 20 andere Gegenstände. Entree SO Pf., Kinder 10 Pf., wofür Mütze od. Schärpe grat. Gleichzeitig berechtigt jedes Kinderbillett zur Teilnahme an der Graiis-Verlosung. Anfang de» Emznge» 8 Uhr. f ♦ ♦ ♦ ; ♦ Schloß Weißensee. Heute Sonntag, den 28. August: O Oroßes Militär-Konzert O mit Schlachtmnslk. Feuerwerwerk- Ueberraschungen. Aus der Sommerbühne: Internationale Ringkampf-Konkurrenz. Es ringen: Mttzbach. Sachsen, geg. Manfred», Jialien. Reckling, Hamburg, gegen Michailoff, Rußland. Bellingroth, Hamburg, gegen Saurer, Bavern. Moldt, Berlin, gegen Madrailli, Armenien. Vor den Ringkämpsen: Theater- nnd Speztalitäten-Borftellung. Ansang de» Konzert 3'/, Ubr, der Vorst. Vj, Uhr, der Ringkämpfe 9>/, Ubr. Ä Gr. Künstler-Konzert rs, sowie das erstklassige Spezialitaten-Programm mit Franz Sobanski. Volksbelustigungen aller Art 3 verdeckte Kegelbahnen t Saale G To Ball. Im prachtvollen Lindengarten Täglich Künstler» Frei- Konzert— Kapelle Hollfelder, i S iocischer CARfCN Heute Sonntag: — Eintritt 50 Pf,— Kinder unter 10 Jahren die Halste. '' Ab nachmittags 4 Uhr: Gr. Konzert .(3 Kapellen). Morgen sowie täglich: Militär» Doppel-Lionzert._ Berliner üqttariutn Unter den Linden 68a Eingang Sohadow-StraßeNo.14. Heute Sonnlag Eintrittspreis: i®-25Pf.-f2i Keiohhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetioren, Reptilien etc._ Passage-Panoptikom. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund I Yuh�7 Vilascop- Theater Ayusnoptieum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Passage-Theater. Heute Sonntag: 2 Vorstellungen, nachm. 3—7 Uhr kleine Preise, abends 8 Ubr; Ein einziger Erfolg! i IIS -MH. Ea mime espagnole ZoraTta und das großartige August- 1 Programm.| CIRCUS Cyrill Hatte Pankow, BÄer Ecke Binzstraße (n. d. Schönhauser Allee) Sonntag, 28. August, nehm. 4 u. abds. 8'/, Uhr: 2pßeVoFSte!luip2 mit allen Sensationen. Nachm. 1 Kind in Be- fleit. Erwachsener frei. ußerd. zahl, nachm. unt. 12 Jahre alte Kinder u. Militär v. Feldwebel abwärts halbe Preise. Abends volle Preise. Die Straßenbahnlinien 47, 49, 51, 67 führen zum Circus HatlA Fernruf: A. Pankow 421 1 W alba IIa- f anete-Theater I Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang 8'/, Uhr. Die amüsanten Spezialitäten. Kttlmer Drater-Thtiltkr Kastanienallee 7—8. Heute: Ger Betteistudent m Gerliß. Spezinlitäten, Konzert nnd Bali. Anfang 4-i, Uhr. Enttee 30 Ps. 3. Sept.: Gr. Kindertreudentest. am Kottbuser Tor. Ab September allabendlich im prächtig renovierten Theater; Berliner Possen. Y Konzeftpark des Friedrieh-. AWiitieliQstäiit.SeIiaDsp!eII]aQses.A T N., Chausseestr.30. Carl Richter, a ▼ Täglich- f Gr.mieit I H Ansang: Sonntags 5 Uhr. ch r•»nianö- Wochentags 7 Uhr. Lssino-Tkssion Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Taglich., die urkomische Posse Der schneidige Dudrif. Rudolf Pimpelmann: Dir. H. Äerg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Vollcsgsrten- Ibestef -�.früher Weimsnn. Badstr. 8, Behm» u. Bellermanststraße. Täglich: l�osen ausllemLüäen. Paste mit Gesang»nd Tanz von W. Gehricke. Spezialitäten ersten Range? us«. l.kuide8äi.'88tellliiigzp5Pll tun Lehrter Bahnhof Neu erbaut: Festeste Gartenrestaurant Konditorei und Cafd Tlglioh Konzerl 4 von 4 Uhr üb t Dejeuners von 2.S0 an bis 2 Uhr nachm. Diners und Soupers v. 4-00 an ! hihlmanns Theater SchSnh. A. 148— Kastanlen-A. 97/99, Im. Garten oder Saal: Erstklassige SpenaliMev. Ansang des Konzerts'1,5 Uhr. , der Vorstellung'/.b Uhr. ■'Iß Uhr: Genießet das Leben. Entree 20-60 Ps. In den Pausen u. nach d. Vorst.: Sali. Mittwoch, 31. August: Der Mtl« ltonär«nd sein Schwiegersohn. ,, Uhr, in den Andreas- Festsölcu, Andreasstr. 81: VeffenMebe Versammlung. Tagesordnung: 1. Bekanntgabe des Resultats aus der Verhandlung mit den Fabrikanten. 2. Was gedenlen die Kisteiunacher zu tun? Die Kommission, Tischler, Bezirk Norden. (Rosenthaler«nd Schönhauser Borstadt.) Montag, den 80. August, abends 3'/, Uhr(gleich nach Feierabend), bei Obiglo, Schwedter Strafte 83: V e r s a in m 1 u 11 g."HW Tages-Ordnung:■ 1. Vortrag deS Kollegen Heinrich Schacht.Der moderne Gewerk. schastsfamps". 2, Bericht von der Generalversammlung. 3. Verbands- angelegenheiten. Tischler, Bez. östliche Bororte. Montag, den 80. August, abends 3'/, Uhr: Bezirks-Bersammlung bei Arnold, Frankfurter Chaussee 6. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Ver- bandSangelegenheiten._ Tischler, Bez. Nordwesten. (Wedding, Gesundbrunnen, Moabit) Montag, de» 80. August, abends 3'/, Uhr, bei Kaczarowskl. Raveusstr. 6: Bezirks- Versammlung. TageS-Ordnung! 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbandsangelegenheiten. Bautischler, Bez. H- (Osten, Nordosten» Oestliche Vororte.) Montag, den 80. August 1010, abends sechs Uhr, bei Zletz, Warschauer Strafte 61: Branchen-Versammlung. Tages. Ordnung: Bericht von der Generalversammlung. VerhandZangelegenhesten. Bantischler, Bez. iv. Montag, de« 80. August, abends 6 Uhr: Branchen-Versammlung < bei Baabe, Kolberger Strafte 83. Tage»»0rdnuttg: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbanhsaligelegenhciten. Sämtliche Delegierte müsse» in dieser Bersammlung an. wesend sein.__ Küchenmöbel-Branche. Montag, de« 80. August, abends Punkt 8 Uhr, im Englischeu Garten, Alrxanderstr. 87c: ■JW Vensummlnng"W' für die in der Branche beschäftigten Tischler und Maschinenarbeiter. . Tagesordnung: t. Bericht von der Generalversammlung und der Kommisfion. 2. Unsere gegenwärtige Lage in der Branche. 3.. Verschiedenes. Die Vororte find hierzu besonders«ingeladen.— Mitgliedsbuch legitimiert. Die Kommlsslnn. Möbelpolierer. Hontag, den SO. August, gleich nach Feierabend: Branchen-Versammlungen CDstCN. Ost-Kasino, Frankfurter Allee 100. Tagesordnung: 1. Vortrag über Arbeitgebcrverbände. 2. Diskusfion. 8. Bericht von der Generalversammlung..( Südost, Süden. Südwest. Im Btirlilscbeu Hot, Admlralstraßc Ao. 18c. Tagesordnung: I. Bericht von der Generalversammlung. 2. Diskusfion. 3. Verschiedenes. 9k0rbCll. Swinemünder Str. 48. Tagesordnung: 1. Vortrag: Auf was beruht die Unzufriedenheit vieler Arbeiter mit unserer Gewerlschast. Referent: Kollege Nttschke. 2. Dislussion.' 8. Be» richt von der Generalversammlung. Die Branchenkommlsslon, Rahmemnacher. Montag, den 80. Augnst, abends 6 Uhr, im GewerkschaftShanS, Engelnfcr 13, Saal 3: Branchen- Verkammlung TageS-Ordnung: 1. Wie nutzen wir am besten die jetzige Konjunktur auS? 2. Bericht von der Generalversammlung. 3. Diskussion, s. Branchen« und Verbands» angelegenheiten. IW Mitgliedsbuch legitimiert!. Geschästsaiitest-Konto... GrundstülkShypothefen-Konto. Grimdstüdshypothelen-Zinsen- Konto........ Grundstückshypotheken- Konto II....... HilsSreservesondS-Konto.. Hypothelen-Konto..... Davon getilgt..... Konto für verwahrte Sicherheiten........ Pfltchtsparetnlage-Konlo.. ReservesondS-Konto.... SchiildverschreibungS-Konto. SchuldverschreibungS-Zinsen- Konto........ SparsondS-Konto..... AgirationSsonds-Konio... Kreditoreu-Konto..... M. 154 000,— 1588,49 I M. 30 425,98 16 869,50 146 000,- 1 338,30 38 755,— 510,97 152 411,51 400,— 77 974,92 838,12 12 250,- 511,60 63 184,33 43,80 81,47 531 095,48 Mitgliederbewegnng. Am 31. März 1909......... 795 Gen. Eingetreten bis 31. März 1910..... 51, 846 Gen. Ausgeschieden am 31. März 1910 dirrch Kündigung..... durch Uebertragung.... durch Tod........ . durch Ausschluh nach z 10a ?>veixvere!n öerün. Sektion der Putzer Mitwoch, 81. August, abends 6 Zlhr, in den Arminhallen, Kommandantenste. 38/39: Mitglieder- Uersammlnng. Tages-Ordnung: Vvrhsncks»�ngvlegsnhvü�on. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht Tie örtliche Verwaltung. «« •• •• •• Königsbank 117, Große Frankfurter Straße 117» = Aebtung! Zar Ricbligstellung.= Auf die irrtümlich verbreiteten Gerüchte, daß ich mein Geschäft verlaust habe, erfläre ich, bah ich nach wie vor meine elegant renovierten Säle den geehrten Gewerfschasten und Vereinen unter befaimter Coulanz zur Verfügung stelle. = Sonnabende im Herbst nnd Winter frei.= Hochachtungsvoll Curt Breuer» 82 Gen. 1: i 90 Mithin am 31. März 1910....... 75Ü Gen. Beträgt mithin am 31. Mär, 1910... 16 869,— K Arbeiter-Baugenossenschaft„Paradies" zu Berlin. (Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Hasipflicht.) Der AufsichtSrat: Der Vorstand: v. Echislke, Vorsitzender.„ G. Dorner, Vorsitzender. Fr. Wernicke. P. Müller. Die RevistonSkommisfio»: Fr. Zimmermann. S. Langer. Eh. Schulze. we/s iebtuag, Vereine! Gewerkscliaflen! niuiil{cr»aercin$bau$ 18m Kaiser-Wilhelm. 8tr. 18m. C.*25. T.-Amt III 110 empfiehlt seine neu renovierten Siilc von 80— 1000 Pers. lassend, sowie den neu erbauten llocbzelts-Saal. zu Versammlungen u. Festlichkeiten unter kulantesten Bedingungen. Max Pawelly Gastwirt. FW NiSle's Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jeden' Donnerstag, Sonnabend und Sonntag:, 443Lfi yroAsr Ball. €. MUIe. Zirkns Mcimmann- Timnel Karlstraßa ist eröffnet. 91/2 Hestaurant u. FestslUe —— Frncht-8ttz"aOe 30a.—- Empfehle den verehrlichen Vereinen und Gewerfschasten meine Räumt. Sannabend und Sonntag noch frei.* Armin- Hallen! JQ Kommandanten-Str. 58/59. J A. IV. 10155. Sonnabende a. Sonntage und nächsten JahreS noch s i Oienstag, den 80. Auzivi. abends 8 Uhr. I. Kreis. dräsets Testsäle, Neue Friedrichstraße 35. II. Kreis. KUems Testsäle, H-s-nh-id- 13-15. Kabels Srauerei, Bcrgmannstr.5/7. Kißles Testsäle, D-nn-witzstr. 13. III. Kreis. Gewerksebaftshaus, Eng-wf-r is. Brmin-Kallen, Kommandantenstraße 58/59. IV. Kreis. Kellers Testsäle, Koppmstr. 29. Slysium, L-indsberg-r Allee 40/41. Sitfins Säle, Memeler Str. 67. Grattmann,»aunynstr. 27. Urania, Mmg-istr. s/10. V. Kreis. Lipps Srauerei, Am Fmdrichshmn. VI. Kreis. JGoabiter Gcsellsehaftstians Wiclefstraße 24. PharnS'Säle, Miwerstr. 142. Germania-Säle, Chausie-str. 110. Krater-Theater, Kastanienallee 7/9. Trankes Testsäle, Badstr. 19. Teltow- B eesko w. Charlottenburg;: Volkshans, R°sinenstraße 3. Köpenick: Kaiserhof, Grünstraß-. Rixdorf: Koppes Testsäle, H-rm°n»str°ßc 43/49. Schöneberg;: Keue Kathaussäle, Meinwger©trage a Steg;litz: Sirkenwäldchen. Treptow� Baumschulen weg: Kadrennbahn. Wilmersdorf: Gesellschaftshaus, Wilh-lmsau- 112. Niederbarnim. Lichtenberg;: Schwarzer Udler(Gebr. jlrnhold). Rummelsburg;: Cafe Seltevue(Tempel). Weißensee: Sehlofi Weijlensee. Pankow: Zum Kurfürsten, B-rlmer©traß- 102. Tegel= Borsigwalde: Trapps Testsäle. Stralau: Markgrafensäle, Markgrafendamm. ObersSchöneweide: Moerners Blumengarten. Spandau: Söhle,?. Tages-Ordnung: fleilchnot. Lebenzmittelteuei'uvg untl M ist stbhilfe m lchsste»? 2. Diskussion. Referenten: Barth« Brückner, Büchner, Dfiwell, Elchhorn, Faaß, Pendel, Theodor Fischer, Regina Priedländer, Grauer, Grunwald, Horlitz, Kubig, Lehmann, Lltfln, Mücke, Nathow, Peterhansel, Pfannkuch, Piek, Schenk, Robert Schmidt, Franz Schneider, Helnr. Schulz, Schumann, Spiekermann, Ströbel, Stücklen, Ucko, Unger, Woldt, Frida Wulff. 1. Wir rechnen auf Massenbesuch dieser Versammlungen. Für die Einberufer: Leopold Llepmann, Heinersdorfer Str. 10. Verband der Sattler n.Port8feuiller Odsvenvalfung Ssrliti. Donnerstag, den 1. September, abends S1/, Uhr, im„Englischen Hof", Neue Noßstr. 3: Donnerstag, den 1. September, abends 8'/z Uhr»� bei Walter, Adalbertstr. 62: Sranchenversammltmg d. SlsenmSbcl' und Sederstuhlpolsterer. Zahlreichen Besuch dieser Versammlungen erwarten 157/5 Die Brancheilleitnngen. med. Karl Reinhardts spezial-ärztliche Institute tllr Geschlechtskrankheiten Dr Haut-, Harnleiden, Schn-äehc "' 1 Merstralle II""1" PoWamir StraBe 117 Vollkommenstes komüinlertcs Heilverfahren bei frischen und veralteten fallen. Xachtvels- lieb unerreichte llancrerfolge In Verhältnis mäBig kurzer Zelt. Um sich vor zwecklosen evt. schädlichen Kuren zu schützen, verlange man ausführliche Broschüre in meinen Instituten oder durch die Post(verschloss. Kuvert) gratis und franko. W Blntantersnchnns 282/15 �Adttuttg� Achtung! Vereine und Gewerkschaften! EmvseHie VercinSzimmcr, 20. 30, 50 und 100 Personen fassend, zu Sitzungen, sowie Säle mit Bühne» 200 und 300 Perwnen lassend, zu geftlidjtdien, besonders Theatervereinen, zu den lulantcsten Bedingungen KB. Habe zwei besleingerichtete Kegelbahnen noch einige Tage in der Wache frei. Auch ist mein VereinSzimmer mit Piano, zirka 100 Per» sonen safsend, Sonnlags srei. 4772 Krüeli' feslsäte snhab-r fr, Siegel Große Frankfurter Str. 30. KönlgStl*. 29, Hof part., nahe Alezanderplatz. Morgen, Montag, und folg. Tage, nur so lange Vorrat Sensationelle billige Gelegenheit!! i Pasten imilitkl i4t ChiTruu- Sitiinstiiid b ,» jede Oröße,#erl das Oeppelta..... nur 74. 3*<9 t Posten nruticrt edit duirnn-lirngstitfil a« jede Größe, enorm Olllig... nur M. U.I9 An die verehrlichen Salem Aleikum-eanciiiir! . Tragung Verteuerung, ist es möglich geworden, die alte feine Qualität der Salem Äleikum-Cigaretten dem Raucher zum Preise von 3'/, Pf. zu erhalten. Wir bitten die verehrlichen Konsumenten, den Fabrikanten uhd Händlern in dem ehrlichen Bestreben, unter den gegenwärtig ungünstigen Produktionsverhältnissen aas qualitativ Beste für einen verhältnismäßig billigen Preis zu liefern, zu unterstützen, da die Aufrechterhaltung der Preise zu S1/* 4 und 6 Pf. das Stück unter Beibehaltung der alten Qualität nur durch Scbmälerung des Nutzens für Fabrikant und Händler zu erzielen war. Salem Aleikum-Cigaretten Keine Ausstattung! Nur Qualität! No.»-/, 4 5« 8 10 au S'/i 4 ö« 8 lO PI. das Stack. Wegen täuschender Nachahmung dea Stempels beachten Sie gefälligst aufmerksam die Firma auf jeder Cigarotte: Orient Tabak- u. Vaiil(l70<(lab. Hugo Zletz Cigaretteufabrik„ I vlllu L C Dresden. Ich suche ocbttiinkff Formell, modem Fassons zu kaufen. Heinrlcli Franck, Kruvuenstraße 185. Willst Du Kleidung gut und billig haben, Kaufe in dem Koten Saden. Spexial-Hana für Arbeiter- und Berufs- Kleidung. Streng reelle Dedieoang. Schöneberg, HgUpkskPSlW 108« Berantworilicher Nebaltcur: HanS Weber. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Trud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckeret u. VerlagSanftalt Vaul Singer&■ üo..«etlm SW, fr. 201. 27. IahlMg. 5. KnlM i>cs JotiStlä" Snliiitt SolliöM Sditntdg, 28. August 1910. partei-Hngelegenbeftm Am Lokalliste. Im ZllbrechtShof w Steglitz feiert am 10. Sep- tember der Futzballllub Hellas und am 24. September der Fußball- Nub Stern Rekrutenabschiedsball. Da dieses Lokal der Arbeiterschaft nicht zur Verfügung steht und versucht wird, zu obigen Vergnügen Billetts in Arbeiterkreisen umzusetzen, so bitten wir, die Billetts zurückzuweisen. In Südende sind die Lokale von Dahl und Schultheß und in Mariendorf GraßlS�GesellschaftshauS nach wie vor ge- sperrt und daher sireng zu meiden. •.* Die Neukonstituierung der Lokalkommission ist nunmehr erfolgt und an Stelle des aus der Kommission ausgeschiedenen Genosse» Richard Henschel der Genosse Albert Hahnisch, C. 54, Augnststrasse 51, Quergcb. IV, zum Obmann der Lokalkommission gewählt worden. Wir ersuchen, hiervon Notiz zu nehmen. Die Lokalkommisfion. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonntag, den 28. August. findet von nachmittags 2 Uhr ab bei Rabe, Fichtestr. 29, großes Kinderfest statt. Jede» Kind erhält Mütze und Stocklaterue gratis. Verlosung nur für Kinder. Kaffeekochen: 1 Liter 79 Ps., i/o Liter 35 Sßf. Tanz usw. Eintritt freil Recht zahlreiche Beteiligung erwartet Das Komitee. Vierter Wahlkreis. Heute Sonntag, den 28. August, veranstaltet der Wahlverein ein großes Volksfest in der Seeterrasse in Lichten- berg. Die in diesem Lokal vorhandenen Räumlichkeiten begünstigen besonders die in Aussicht genommenen Veranstaltungen und kllnst- lerischen Aufführungen. Bei dem mäßigen Eintrittspreise wird natür- lich auf Massenbesuch gerechnet. Der Vorstand. Wilmersdorf- Halens«. Dienstagabend tz'/g Uhr findet im Ge- sellschastshause, Wilhelmsaue 112, eine Volksversammlung statt, in der die F l e i s ch t e u e r u n g auf der Tagesordnung steht. Die für diesen Tag sällige Versauunlung des Wahlvereins fällt ausl Groß-Lichterfelde. Am Dienstag, den 39. August, abends 8>/z Uhr. findet im»Kaiserhof", Kranoldplatz, die Mitgliederversammlung des Sozialdemokratischen AahlvereinS statt. Tagesordnung: Vortrag deS Genossen Redakteur Wermuth. Berichte: KreiSgeneral- Versammlung, Generalversammlung Groß-Berlin und Kinderschutz- kommission. DeS weiteren findet heute bei Wahrendorf, Bäkestr. 22, ein Kindersest, veranstaltet vom Sozialdemokratischen Wahlverein, statt. Das Komitee hat weder Kosten noch Mühe gescheut, um das Fest für unsere Kleinen zu einem genußreichen zu gestalten. Wir erslichen daher die Parteigenossen mit ihren Kindern recht zahlreich zu er- scheinen. Eintritt 10 Pf. Der Vorstand. Lankwitz. Mittwoch, den 31. August, abends 8>/z Uhr: Sitzung des Wahlvereins im Restaurant Ebel, Mühlenstraße. Vortrag des Genossen Kaliski:»Wilhelm II. und das Instrument des Himmels". Lichtenberg. Am Dienstag, den 30. d. M., abends 8'/z Uhr. findet im.Schwarzen Adler", Frankfurter Chaussee 5/6 eine große Bollsversammlung statt. Die Parteigenossen wollen eine rege Propaganda für diese Versammlung betreiben. Ob«- Schön eweibe. Eine Flugblattverbreitung findet morgen Montag, abends 7 Uhr. zu der am Dienstag, den 30. d. Mts., abends 81/. Uhr. nach MoerneS Blumengarten einberufenen Protest- Versammlung von den Bezirkslokalen aus statt. Die Bezirksleitung. FriedrichShageu. Am Mittwoch, den 31. August, abends 3'/z Uhr, findet bei Witwe Lerche. Friedrichstraße 112, die Mitglicdervcrsamm- lung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Dr. Alfred Bern st ein über:„Die öffentliche GesundheitS- pflege". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und VerciuSangelegen- heiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Die Bezirksleitung. Eichwalde und Umgegend. Am Dienstag, den 30. d. Mts., abends S'/z Uhr, bei Witte in Eichwalde: Mitgliederversauunlung. TagcS- ordnnng wird in der Versammlung bekannt gegeben. Der Vorstand. Pankow. Am Montag, den 29. August, abends 8 Uhr. findet von den bekannten Stellen aus eine Handzettelvcrbreitung statt. Die Bezirksleitung. Nieder-Schönhaufeu-Nordend. Am Dienstag, den 30. August, abends 8'/, Uhr. findet iin„Lindengarten", Lindenstr. 43. die Mit« gliederversammlung deS Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vor- trag deS ArbeilersekretärS Genossen Fretter über„Das ' amilienrecht". 2. Bericht von der Generalversammlung von roß-Bcrlin. 3. VereinSangelegcnheiten. 4. Verschiedenes. Die Bezirksleitung.- Reiuickcndorf-Ost. Am Dienstag, den 30. August, abends 8 Uhr. findet im Restaurant Sadau, R-sidenzstr. 124(Ecke Amcndestraße) die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Genossen Redakteur Hans Block über:„Der deutsche Bauernkrieg." 2. Bericht von der Generalversammlung deS Ver- bandeS der Wahlvcreine Groß-Berlins. 3. Aufstellung eines Ge- meindvertrcterkaudidaten. 4. VcreiuSangelegenheiten. 6. Verschiedenes. Die Bezirksleitung. Tcgel-Borsigwalde. Morgen. Montag, den 29. August. abeudS von 7 Uhr ab findet von de» bekannten Bezirkslokalcn aus eine Handzettelverteilung statt._ Die Bezirksleiter. RowaweS.' Mittwoch, den 31. August, abends 8'/z Uhr. finden i» den bekannten Lokalen BezirkSsitzungen statt. Der Vorstand. Spandau. Am DicnZtog. den 30. August er., abends 8'/ß Uhr. findet bei Bohle, Havclstraße 20, eine öffentliche Protcstver>a>mn- lung statt. Tagesordnung: Die gegenwärtige Flcischteueruug und wie ist Abhils-'zu schaffen?" Referent: Genosse Wilhelm Schenk. verlin. Parleigeuossen.' Agitiert und sorgt für einen Massenbesuch dieser Versammlung. Der Borsiand. berliner JVacbncbten» Ueberfall am Bahnhof Grohgörschenstrahe. In der gestrigen Nacht wurde von einem unbekannten Täter auf dem Bahnhof Großgörschenstraße auf die 28 Jahre alte Fahr- kartenverkäuferin Fräulein Marie Möller aus der Waldemar- ftraße 43 ein schwerer Raubanfall verübt. Der verwegene Räuber, ein junger Mensch, hat die vom Schrecken gelähmte M. niederge- schlagen, dann durch Würgen ohnmächtig gemacht und darauf un- gehindert die Bahnhofskasse beraubt. Etwa 8 9 0 Mark sind dem Jäter in die Hände gefallen. Es wird hierüber berichtet: Der kleine Bahnhof Großgörschcnstraße'der Wannseebahn be- fitzt an seiner Südseite einen kleinen engen, ummauerten Wirt- schaftshof, von dem aus ein geschickter Kletterer nach dem hoch- gelegene» Bahnsteig gelangen kann. Diesen Weg hat.der mit der Lokalität augenscheinlich durchaus vertraute Räuber genommen. Die Fenster der Bahnhofskasse sind durch Eisengitter gesichert, der Verbrecher wählte daher den zur Nachtzeit vollkommen unge- hinderten Weg durch die Bahnsteigsperre treppabwärts und zwängte sich, als er die Stationsräume fest verriegelt fand, durch das von ihm emporgeschobene Schalterfenstcr in den Billcttvcrkaufsraum hinein. Hier pflegt mit Erlaubnis der Bahnvcrwaltung die dienst- habende Fahrkartenverkäuferin während der etwa zwei Stunden betragenden Zeit zwischen dem um 1 Uhr 59 Minuten einlaufenden Nachtzug und dem ersten Frühzuge auf einem am Fenster aufge- stellten Sofa zu übernachten. Dies tat nach Beendigung ihres Dienstes auch Fräulein Möller. Das Schalterfenster war herab- gelassen, auf dem Tische stand eine hölzerne Kasse mit den in Ver- tiefungen liegenden verschiedenen Münzsorten. Kurz vor 3 Uhr nachts erwachte Fräulein Möller, von deren Anwesenheit der Räuber wegen eines zwischen Sofa und Schalter stehenden Spindes nichts gewußt haben mochte, durch ein Geräusch. Kaum aber hatte sie sich erhoben, als ein Mann auf sie zustürzte uud mit geballten Fäusten auf die aus Leibeskräften, aber leider vergeblich um Hilfe Schreiende einschlug. Der Räuber warf die Acrmste hierauf zu Boden und würgte sie am Halse, bis sie bewußtlos geworden war. Als die Ueberfallene gegen SM Uhr wieder zu sich kam, setzte sie die elektrische Alarmglocke, die nach dem Bahnsteig führt, so- fort in Tätigkeit und bald eilten ihr nun ein Weichensteller und der Bahnhofsnachtwächter zu Hilfe. Der eine weckte den Bahnhofs- Vorsteher Schreiber, und der zweite setzte das 2. Schöneberger Polizeirevier von dem Vorfall in Kenntnis. Fräulein Möller war so schwer mißhandelt worden, daß ihr die Augen aus den Höhlen quollen und Blut aus dem rechten Ohr floß. Beide Augen waren blutunterlaufen. Vorn am Halse zeigten sich tiefe Eindrücke der beiden Daumen des Räubers und rings um den Hals herum Würgemale. Es ergab sich, daß der Räuber aus der hölzernen Kasse alles Geld an sich gerissen und mitgenommen hatte. Der Schalterraum war in der Nacht nicht beleuchtet, nur in dem Nebenraum brannte eine Gasflamme. Die Ueberfallene kann deshalb keine genaue Be- schreibung des Räubers geben. Nach dem, was sie von ihm gesehen hat, ist er ein junger, schlanker, etwa bis zu 1,79 Nieter großer Mensch, der einen grauen oder braunen Jackcttanzug und ein weißes Hemd, aber weder ein Vorhemd noch einen Kragen trug. Geraubt sind: 29 Rollen Zehnpfcnnigstücke zu je 5 Mark (zusammen 199 Mark), eine Rolle Zweimarkstücke(59 Stück gleich 199 Mark), 2 Rollen zu je 59 Mark in Einmarkstücken, ein Hundert- markschein, 199 Mark in Zwanzigmarkstücken, 69 Mark in Zehn- Markstücken, 199 Mark in Fünfmarkstücken und etwa 149 Mark in kleinen Silber- und Nickelmünzcn. Die Zehnpfennigstücke waren eingerollt in blaues Papier mit der Aufschrift:„5 Mark Zehn- pfennigstcke, Aktiengesellschaft für automatischen Verkauf". Einige Rollen haben ebenfalls blaues Papier, aber die Aufschrift:„Fünf Mark in Stücken zu Zehnpfennig, Eisenbahnkasse", dahinter der Name, Nr. 2289, Auflage 1919. Die Zwei- und Einmarkstücke waren in weißes Papier gerollt mit dem Aufdruck:„Hundert Mark in Stücken zu zwei Mark" und Fünfzig Mark in Stücken zu einer Mark. Hinter dem Wort Eisenbahn steht hier Fak. Aug. Gör. 26. 8. 19, dann der Name Kauschat oder Möller. Kriminalkommissar Steinmetz begab sich sofort mit mehreren Beamten nach dem Tat- ort, um die Nachforschungen einzuleiten. Er stellte fest, daß der Räuber versucht hat, über ein Glasdach des Blumenladens, den der Gärtner Otto Ramm aus Steglitz, Lichterfelder Chaussee 8, an den Bahnhof angebaut hat, ins Freie zu gelangen. Er trat aber hierbei eine Scheibe ein und ist dann wohl aus Furcht, daß er durchbrechen könnte, umgekehrt. Ein Kaufmann Max Eichfeld, der ein Zigarren- geschäft am Bahnhof leitet, und in einem Ncbenraum dort schläft, hörte die Scheiben klirren, stand auf, um nachzusehen, ob vielleicht bei ihm eingebrochen würde, nahm aber weiter nichts wahr. Die Fahrkartenvcrkäuferin Fräulein Kauschat. die Fräulein Möller ab- löste, hat zwei ju n g e Männer in Verdacht, die im Winter einmal dort im Bahnhofsraum herumlungerten und sich nach allen Seiten umsahen, als wenn sie sich die Ocrtlichkeit genau merken wollten. Ob wirklich ein Zusammenhang zwischen dem Raub und dieser Beobachtung besteht, läßt sich jedoch nicht sagen. Aufgefallen ist bereits env junger Mensch, der gestern morgen in das Geschäft von Prcuß in der Ebcrsstraße 56 kam, dem Lehrling sehr hastig sagte, er habe mehrere Rollen Zchnpfennigstückc, und ihn fragte, ob er ihm diese nicht umwechseln könne. Als der Lehrling er- widerte, der Chef sei nicht da und er könne die Rollen nicht ein- wechseln, sagte der Fremde:„Na, wenn Sie eS nicht können, dann nicht," steckte die Rollen wieder in die Hosentasche und entfernte sich schnell. Nachträglich wurde noch festgestellt, daß bei dem Raub der Ueberfallencn ein Armband abhanden gekommen ist. daS der Täter möglicherweise mitgenommen hat. Das Armband besteht aus einer dünnen silbernen Kette und hat am Anhänger ein amerikanisches Zchncentstück in Silber. Die Eisenbahndircktion setzt auf die Ergreifung des Räubers eine Belohnung von 599 Mark aus. Die Überfallene Verkäuferin hatte sich gestern vormittag soweit wieder erholt, daß sie auf dem Polizeipräsidium in Schöneberg eingehend vernommen werden konnte, sie ist aber so stark mitgenommen, daß sie sich gleich wieder nach Hause begeben mußte. Man rechnet mit der Möglichkeit, daß der Täter irgendeine Schlafstelle innegehabt habe und bittet die Vermieter, falls einer ihrer Schlafburschen in der Nacht seinem Lager ferngeblieben sein sollte, um schleunige Meldung bei der Schönebcrgcr Kriminal- Polizei. Endlich rechnet man noch mit der Möglichkeit, daß sich der Räuber auf dem Rückwege bei dem Versuch, über das Glasdach zu entkommen, eine Verletzung zugezogen habe. Der Berliner Lehrcrverein wandte sich am letzten Freitag gegen das Befirrben der städtischen Vchördcn. den Lehrern das Wohnen in den Vororten zu verbieten. Der Referent Herr Lehrer Menzel führte dies Bestreben auf den Einfluß der Grundbesitzervereine uud ihrer Vertretung in den Körperschaften Berlins zurück. Dabei nehme kein Beamter ohne Not die Beschloerden der täglichen Reife zum und vom Arbeitsorte auf sich. Hohe Mieten und gesundheitliche Rücksichten zwängen vielfach dazu. Die Stadt ziehe nun auch die bereits gewährte Erlaubnis in vielen Fällen zurück, wodurch vielfach grobe Härten eutstündcn. So würden junge Lehrer gezwungen, in Vororten liegende elterliche Wohnungen mit möblierten Zimmern in Berlin zu vertauschen. In der Zeit der Gartenstadtbcwegutig und der auf Schaffung eines Groß-Vcrlin ge- richteten Bestrebungen sicherlich eine Leistung, mit der sich die frei- sinnig regierte Reichshauptstadt sehen lassen könne. Die Beamten der Ministerien und Rcichsämtcr sowie die städtischen Burcaubeamten seien bezüglich des AuSwärtswohuenS besser daran. Bedauert wurde. daß der Herr Stadtschulrat in dieser Frage das Wohl der ihm unter- stellten Lehrer sich so wenig augelegen sein läßt. ES wurde die Absendnng einer Petition an das Kultusmiiiisteriuin beschlossen. Herr Schöufeld begründete dann eine vom Vorstand des Vereins vorgelegte Thcscnreihe, die sich entschieden gegen die Versetzungs- Prüfungen an den Gemeiudeschulen ausspricht. Interessieren dürfte, daß an vielen Gemeindeschulen von den Rektoren sogar die Au- fertiguug schriftlicher Prüfungsarbeiten eigenmächtig augeordnet wird, trotzdem der Grundlchrplan das ausdrücklich verbietet und überdies die Versetzungspriifungen zur Vermeidung von Störungen des Unterrichts eingeschränkt wissen will. In der Debatte sprach man sich ausnahmslos im Sinne der von uns bereiis mitgeteilten Leitsätze aus, die mit einem unwesent- lichen Zusätze einstimmig angenommen wurden. Von mehreren Rednern wurde beklagt, daß die vom Standpunkt des GrundlehrplanS durchaus ungesetzlichen Eigenmächtigkeiten der in Frage kommenden Rektoren zum Schaden der Schule von den Schulinspektoren geduldet würden. In einer Resolution wurden schließlich die Mitglieder des Vereins aufgefordert, durch geeignete Maßnahmen dafür zu sorgen, daß die Versetznngsprüfungen sich weitigstenS in den durch den Lehrplan ge- zogencn Grenzen halten. NachtragSgcnchmigiuig für die westlichen Utttergrundbahnen. Der Polizeipräsident hat jetzt der Hochbahikgesellschaft eine Nachtrags- genehmigung für den Bau der westlichen Schuellbahulinien zugehen lassen, in der eine Reihe besonderer Bestimmungen erwähnt wird. Die Genehmigung erstreckt sich rnis die Zweiglinie vom Wittenberg« platz durch die Tauentzicn-, Nürnberger, Spichernstraße bis zur Kaiserallce, ferner durch die Tauentzieustraße, Kursürstcndautm bis zur Uhlandstraße sowie den Umbau des Bahnhofes Witteubergplatz behufs Einsühruiig der beiden Zweigliuien. Im besonderen wird angeordnet, daß bei Umgestaltung des Bahnhofes Witteubergplatz bauliche Vorkehrungen zu treffen sind, um eine selbständige Wciterfllhruug der Uhlaitd- straßenliuie nach dem Sladtinner» von Berlin ohne unnötige Kosten zu ermöglichen. Die förmliche Geuehmiguug zu dem übrigen die Auflösimg des Gleisdreiecks betreffenden Teil deS Entwtirfs, deren AtiSführuug sachliche Bedenken nicht mehr entgegenstehen, kann erst erteilt werden, nachdem die Zustimmung der Gemeinden Berlin und Schöneberg beigebracht ist. Da unterdessen die Auflösung des Gleisdreiecks, d. h. die selbständige Fortführung der Ostliuie vom Gleis« drcieck bis zum Witteubergplatz, die Voraussetzung für die beiden neuen Zweiglinie» bildet, so vetpflicvtet die Genehmigung zur Ausführung dieser Abzweigung die Unternehmerin sogleich zur Attf« lösung deS Gletsdreiecks. Um eiuen Uebergaug ztvischen den Ost« gleisen uud der geplanten Fortsetzung der Schöneberger Bahn am Nollendorfplatz sicher zu stellen, muß der dort geplante zweistöckige Bahnhof so eingerichtet iverdcn, daß er auf Erfordern der Behörde in Gemeiuschaft mit der Stadt Schöneberg zu einem auch von der Schöuebcrger Untergrundbahn zu benutzenden Gemeiuschaftsbahnhof ausgestaltet werden kann. Für die BaiiauSsührtmg der Zweig« linicn vom Witteubergplatz und des Bahuhofumbaues wird eine Frist bis zum 1. April 1913 gesetzt, für die Ausführung des ganzen Projekts eine Frist bis zum 1. April 1916. Neue Straßeitbahnverbiudungcn. Nach längeren Verhandlungen mit den Vorortgcmeinden gelangen am 1. September verschiedene neue Linien— im ganzen etwa 12— zur Einführung. So wird die bisherige Halbriuglinie 8(Pragcrplatz— Spittelmarkt— Gesund- t bruuneu— Chorlottenburg, Amtsgericht) über Wilmersdorf— Schmargcn-* dorf— St. Hubertus— Halensee— Kurfürstendamm zu einem Vollriug mit der Bezeichnung„Grunewaldring" geschlossen. Eine ganze Reihe von Straßen der City erhält dadurch unmittelbare Verbindung mit dem Grunewald. Durch daS Ineinandergreifen der Linie 8 mit der Linie B wird ein regelmäßiger 7>/z-Miituteit-Vcrkehr mit Berlin und Schmargendorf erzielt. Zur weiteren Vervollkommnung des Verkehrs zwischen Wilmersdorf uud Charlottenburg, Friedenau und Steglitz werden andere Linien erweitert. Die Linie G wird über die Horden- bergstraßc— Kurfürsteudamm— Fasanerie- Allee— Großer Stern bis zum Kupfergraben ausgedehnt, wodurch zwischen der Kaiser-Wilhclm- GedächtuiSkirche und dem Kupfergraben ein 5 Minutenverkehr ge- stattet ist. Die Linie O findet künftig ihren Endpunkt auf dem Kaiserplatz. Auf der Linie 62 wird jeder zweite Wagen, also im 15 Minutenverkehr, über Prager Platz, den jetzigen Endpunkt durch die Kaiser-Allce. Pariser-, Uhland-, Grolman- uud Bismarckstraße bis zum Sophie-Charlotte-Platz in Charlottenburg durchgeführt. Die Eiusetzlinie 91 E wird zu einer fahrplanmäßigen Linie 92 aus- gestaltet. die vom Spittelmarkt ab auf dem Wege der Linien 76—79 bis Rummelsburg(RathhauS) führt. Auf der Linie 91 wird gleichzeitig ein 7>/z-Miuuteit-Verkchr während des ganzen TagcS ein- gerichtet. Der Verkehr nach Weißens« im Zuge der Prenzlauer Allee erfährt eine ivcscntliche Verbesserung dadurch, daß die Linie 01 bis zur Nemtbahiistraße, Ecke Große Scestraße, durchgeführt wird. Eine direkte Verbiuduug von Lichterfelde. Steglitz. Friedenau. Wilmersdorf. Charlottenburg, dem Stettiner Bahnhof und weiter mit der Schönhauser Allee wird dadurch geschaffen, daß die Linie V unter der Bezeichnung\V von der Hildcgardftraße durch die Kaiser- allee, Schloßstraße in Steglitz und Chausseestraße bis zum Händel« platz in Groß-Lichterfelde verlängert wird. Voraussichllich am gleichen Tage Ivird der Endpunkt der Linien 59, v, E und V von Steglitz (Schloßstraße) ebenfalls nach der neuen Endhaltestelle Händclplatz. verlegt. Eine Schuhaffäre in der Jungfernheide. Am Freitagabend wurde in der Nähe des Schießstandes des 2. Garde-RegimentS der Arbeiter Otto Schmidicke, Kameruner Straße 55 wohnhaft, von dem Fahnenjunker, Unteroffizier v. Vieban vom 2. Gavdc- Regiment angeschossen und schwer verwundet. Ucber den Vorgang wird folgendes gemeldet: Gegen?L11 Uhr abends bemerkte der Fahnenjunker v. Vieban, der von 9 bis 11 Uhr auf dem Schieß- platz Wache stand, einen Mann, der sich von den Laubenkolonien an der Müllerstraße her näherte/ Als der Unbekannte, der in der Dunkelheit nur schwer den Weg fand, sich dem Posten auf etwa 29 Meter genähert hatte, blieb er plötzlich stehen und ließ sich auf dem Grabcnrand, der vor dem da» Gelände umgebenden Drahtzaun belegen ist, nieder. Daraufhin rief der Posten den Sch. an, er- hielt jedoch keine Antwort, v. Vieban rief hierauf noch ztveimal „Halt, wer da?" und gab dann, als darauf noch immer keine Meldung erfolgte, in der Richtung, in der er den Verdächtigen vermutete, einen Schuß ab. Ter Fahnenjunker durfte seinen Posten nicht verlassen und mußte auf demselben bleiben, bis die Ablösung um 11 Uhr erfolgte. Es vergingen demgemäß 15 Minuten, che die Patrouille, nachdem v. Vieban Meldung gemacht, das Terrain absuchte. Hier fand man etwa 29 Meter von dem Posten entfernt auf dein Grabcnrande einen Mann liegen, der kaum noch Lebenszeichen von sich gab. Die Kugel war dem Ver- letzten in den Unterleib gedrungen. Inzwischen waren auch mehrere Passanten hinzugekommen und man bettete den Bewußt- losen auf dem Rasen uud versuchte vergeblich, die Blutung zi» stillen. Gegen �12 Uhr traf ein lelcphonisch herbeigerufener Krankenwagen ein und der Unbekannte wurde nach dem Rudolf- Virchoiv-Krankcnhause geschafft. Hier wurde in ihm der 49jährige Arbeiter Otto Schmidicke, Kameruner Straße 55 wohnhaft, re». kognoszicrt. Sch., der seit etwa drei Jahren in den Bergmann- schen Elektrizitätswerken in der Hennigsdorfcr Straße beschäftigt ist, wird allgemein als ein ruhiger, friedfertiger Mann geschildert. Im Rudolf-Virchow-Krankenhaus stellte sich heraus, daß die Kugel in den Unterleib gedrungen war, den Mastdarm zerrissen und am Rückgrat wieder herausgetreten war. Da der Zustand des Patienten höchst bedenklich war. wurde sofort eine Operation vor- Umommen, ble nach Aussage der Aerzte günstig verlaufen ist. Sch. befindet sich trotz der schweren Verwundung verhältnismäßig wohl und es ist Hoffnung vorhanden, daß der Arbeiter, falls keine Komplikationen eintreten, am Leben bleiben wird. Der Fahnenjunker v. Vieban ist gestern zu Protokoll vernommen Worden. Er behauptet, nur genau nach der Instruktion ge- handelt zu haben und auf den Fremden geschossen zu haben, als dieser auf den dreimaligen Anruf nicht reagierte. Soweit die Meldung. Passanten, die sich in unmittelbarer Nähe befanden, als sich dieser Vorgang abspielte, teilen uns mit, daß Schmidicke auf dem den Schießstand umgebenden Drahtzaun gesessen habe. Dieser Drahtzaun würde des öfteren von Passanten benützt und es sei bisher auch nicht das geringste vorgekommen. Auch geben sie an, daß sie den Pesten nur einmal„Halt" haben rufen hören. Schmidicke, der nicht wissen konnte, wem dieser Ruf gelte, habe daher auch nicht geantwortet; kurz nach dem Ruf sei auch schon der Schutz gefallen. Der Angeschossene habe alsdann unter furcht- baren Schmerzen eine halbe Stunde, nicht, wie angegeben, ZS Minuten liegen müssen, ehe der abgelöste Posten mit zwei Soldaten erschienen sei. v. Vieban habe alsdann die Soldaten be- auftragt, den Schwerverletzten nach der Scheibenstandwache zu bringen; hiergegen hätten jedoch die umstehenden Passanten Ein- spruch erhoben und verlangt, daß Sch. nach dem nahegelegenen Paul-Gerhardt-Stift übergeführt werde. Hierauf habe v. V. von seinem Vorhaben Abstand genommen. Kurz darauf ist die lieber- führung in das Virchow-Krankenhaus bewerkstelligt worden. Uns wird auf das bestimmteste versichert, daß es eine lange Gewohnheit der Passanten ist, an der Seite des Zaunes entlang zu gehen und sich eventuell auf demselben niederzulassen; noch nie aber sei etwas passiert. Dieser Vorfall zeigt, daß in Zukunft von dem bisherigen Brauche abgesehen werden muß, wenn nicht andere Personen Gefahr laufen wollen, niedergeschossen zu werden. Aus dem Nikolans-Biirgerhospital, das der Stadt Berlin gehört und sich auf dem Grundstück Große Frankfurter Straße 21 befindet, ist ein Notschrei an uns gelangt. Unter den alten Männern, die dort ihren Lebensabend zubringen, herrscht Unzufriedenheit mit der ihnen gewährten Be- >k ö st i g u n g. Die Anstalt liefert ihren etwa 80 Insassen hauptsächlich das Mittagessen, im übrigen aber bleibt es ihnen überlassen, sich das erste und das zweite Frühstück sowie das Vesper- und das Abend- brot selber zu halten und höchstens noch den Frühstücks- und den Nachmittagskaffee samt Weißgebäck aus der Anstaltswirtschaft zu entnehmen. Was die Anstalt an Essen und Trinken liefert, muß von den Insassen bezahlt werden. Sie gibt ihnen freies Quartier nebst Heizung und dazu ein monatliches Vcrpflegungs- gelb, aus dem jeder die Ausgaben für seine persönlichen Bedürf- Iiisse, vor allem für seine Beköstigung, zu decken hat. In den letzten Jahren hat sich nun bei manchen der Insassen immer mehr die Meinung befestigt, daß das Mittagessen schlechter und «immer schlechter geworden sei. Sie glauben das beson- derS auf die Wirtschaftsweise des„neuen" Verwalters zurückführen zu sollen, der allerdings jetzt auch schon wieder seit acht Jahren sich dieser Stellung erfreut. Bei einem Besuch, den wir in der Anstalt machten, um uns an Ort und Stelle zu informieren, jfanden wir Gelegenheit, eine ganze Reihe von Insassen zu be- jfragen. Uebercinstimmend klagten sie, daß das Mittagessen keines- • tregs so sei, wie man es für den gezahlten Preis erwarten dürfe. Die Insassen haben für das Mittagessen täglich K0 Pfennig zu zahlen, das macht pro Monat rund 9 Mark, die sie sogleich am Monatsersten bei Empfang ihres Verpflegungs- gelbes sich abziehen lassen müssen. Da das Essen nicht in einem gemeinsamen Speisesaal aufgetischt, sondern jedem auf seine Stube gebracht wird und auch nicht durch ihn selber aus der Küche geholt werden darf, so werden pro Monat noch— man möchte es kaum glauben— 50 Pf. Bringegeld gefordert. Die tägliche Ausgabe von 80 Pf. für das Mittagessen nebst etwa 2 Pf. Bringegeld wird von den alten Leuten als erheblich empfunden, da sie einen beträcht- lichen Teil ihres Vcrpflegungsgeldes darstellt. Im allgemeinen er- shalten sie pro Monat aus Anstaltsmitteln 16 Mark, dazu aus einer anderen Stiftung 8 Mark, sind zusammen 24 Mark pro Monat «oder rund 80 Pfennig pro Tag. Eine kleine Gruppe ältester In- fassen bezieht noch aus Stiftungsmitteln einen monatlichen Zu- ffchuß von annähernd 6 Mark pro Kopf, so daß hier das Ver- pflegungsgeld sich auf etwa 30 Mark pro Monat oder rund 1 Mark pro Tag stellt. Davon müssen, wie gesagt, alle Ausgaben für per- jfönliche Bedürfnisse gedeckt werden, für Beköstigung, für Reinigung der Leibwäsche, für Ausbesserung oder etwa nötige Neubeschaffung von Kleidung und anderes mehr. 30 Pf. für ein Mittagessen sind viel, wenn sie aus einer Einnahme von 1 Mark oder gar nur von 80 Pfennig pro Tag hergegeben werden sollen. Aber für 30 Pfennig vermag kein Mensch ein Mittagsmahl aufzutragen, das opulent Sienannt werden könnte. Die Preise der Lebensmittel ind in den letzten Jahren andauernd gestiegen, da müssen auch die Insassen des Nikolaus-Bürgerhospitals aus ihrem mageren Geldbeutel den Lebensmittelwucherern ihren Tribut zahlen. Wenn in anderen Anstalten der Stadt die Ausgaben für Beköstigung er- lhöht werden muhten, so wird im Nikolaus-Bürgerhospital, wo der Preis für das Mittagessen unverändert geblieben ist und demnach zur Ausgabendeckung langen soll, die Qualität der Speisen sich verschlechtert haben. Darüber kann man sich eigentlich nicht weiter wundern. Doch wünschenswert erscheint es immerhin, daß das Kurato- rium sich nicht hierbei beruhigt, sondern mal genauer zusieht, wie der„neue" Verwalter wirtschaftet. Dabei sollte zugleich d i e Frage erwogen werden, ob nicht bei der Aufstellung des Küchenzettels auch ein bißchen mehr auf das hohe Alter der Insassen Rücksicht genommen werden kann. Die meisten sind bereits «über 70 Jahre alt, manche haben sogar schon das 80., ja das S0. Lebensjahr hinter sich, und der älteste Insasse des Hauses steht jim SS. Lebensjahr. Bei Leuten so hohen Alters ist in der Regel der Magen nicht mehr so widerstandsfähig, und man brauchte ihnen wirklich nicht z. B. Hülsenfrüchte so oft zu bieten, wie das im Nikolaus-Bürgerhospital geschieht. Die Möglichkeit einer Speisen- auswahl fehlt vollständig, es wird immer nur ein einziges Gericht zubereitet, mit dem alle 80 Mägen sich abfinden müssen. Bei 80 Kostgängern wäre es nicht schwer, zwei verschiedene Gerichte zu bieten, unter denen dann gewählt werden könnte. Aber hieran bapert es allerdings in asten solchen Anstalten, und selbst in Krankenhäusern wird meist nach dem Grundsatz verfahren, daß Seder„essen muß. was die Kelle gibt". Wir haben im Nikolaus-Bürgerhospital nicht den Eindruck empfangen, daß man hier wie im Paradiese lebt. Gewundert haben wir uns über manches, unter anderm auch darüber, daß d i e h o ch- betagten Insassen nahezu gänzlich sich selber «überlassen bleiben. In jeder Stube wohnen zwei Personen, die einander helfen müssen, soweit die Kräfte noch reichen. Sie müssen selber ihr Stübchen in Ordnung halten, selber sich die Betten machen, selber sich Frühstück und Abendbrot Herrichten. Man stelle Sich vor, daß ein hilfloser Greis mit zitternden Händen sich auf einem Spirtus- oder Petroleumkocher eine Abendsuppe bereitet, wenn er es nicht vorzieht, mit einem kalten und kahlen Butterbrot porlieb zu nehmen. Das Nikolaus-Bürgerhospital schmückt sich mit der über dem Hauptportal in Stein gehauenen Inschrift:„Dem würdigen Bürger im hilflosen Alter die Stadt Berli n." Diese Widmung ist eine der besten Proben deutschen Lavidarstils, aber mehr als das hat sie nicht zu bedeuten. Auf die Würdigkeit wird bei der Aufnahme strengstens geachtet, und siebenmal werden die seit vielen Jahren schon wartenden Bewerber gesiebt. Doch das hilf- lose Alter findet hier wenig' von der Behaglichkeit, die jedem Müden für feinen Lebensahend zu gönnen ist. Ein neuer Vlutsturz deS Rektors Bock. Gestern abend gegen 6is Uhr erlitt Rektor Bock in der Polizeistation der Charite einen neuen Blutsturzanfall. Von dem diensttuenden Arzte erhielt er sofort eine Morphiumein- spritzung. Das Befinden des Kranken ist ein sehr s S l e ck t e s. wie die Aerzte erklären, dürfte Bock einen Muen Anfall kaum überleben. Nnterstützungsvcrein im Dunkeln. Auf Berliner Boden ge- deihen recht und schlecht unendlich viele Vereine und Vereinchen, die in„höheren" Kreisen, meist am Kaffeetisch, das Licht dieser herrlichen Welt erblickten und auf die denkbar verschiedenste Weise die Großstadtnot lindern wollen. Gewöhnlich nehmen sie sich, selbst wenn den Mitgliedern die Sache ernst ist und es sich nicht bloß um wohltätigen Zeitvertreib handelt, weit mehr vor, als sie leisten können. In die bürgerliche Presse werden Aufrufe um Geld lanciert, es geht auch Geld ein, aber mit der gerechten Verteilung nach Maßgabe der eigentlichen Vereinsgwccke hapert es ganz ge- waltig. Da werden zunächst alle möglichen Vereinskostcn gedeckt. und was wirklich noch übrig bleibt für Bedürftige, trägt die Katze auf dem Schwanz fort. Klagen dieser Art gehen uns zu über den in weitesten Kreisen unbekannten„Hilfsbund gebildeter, bedürf- tiger Frauen und Mädchen". Es scheint, als ob dieser Verein den Schwerpunkt seiner Hilfe nicht auf das Vorhandensein wirklicher Not, sondern auf daS Wörtchen„gebildet" legt. Wenigstens haben Frauen und Mädchen, die durch allerlei SchicksalSschläge gezwungen sind, sich ihr Brot mit„ungebildeter" Arbeit zu verdienen, auf ihre Bitten um Hilfe nicht mal dann eine Antwort erhalten, wenn sie das Rückporto beifügten. Schlimmer als der Verlust der Brief- marke ist das Warten auf Hilfe. Es muß auch sonst eine eigen- tümliche Wirtschaft in diesem„Hilfsbund" herrschen, denn selbst Mitglieder, die den ziemlich hohen Jahresbeitrag zahlten, klagen darüber, daß man sie nach Absendung des Geldes einfach ignoriert. Eine andere Institution, die in Wohltätigkeit macht und im Berliner Norden residiert, nennt sich stolz„Verein der wahren Menschenfreunde zur schnellen, tatkräftigen Hilfe für jedermann". Auch von hier sind selbst mit beigefügtem Rückporto Auskünfte nicht zu erlangen. Solche Vereinchen dürfen sich dann nicht wun- dern, wenn man aus ihrer nichtachtenden Handlungsweise die naheliegenden Schlüsse zieht. AuS dem Fenster gestürzt hat sich in der letzten Nacht der 32 Jahre alte Bildhauer Stanislaus Vincenz aus der Weinstr. 22. V. litt seit sechs Wochen an der Einbildung, seine nächsten Bekannten wollten ihn umbringen. Während seine Wirtin im Nebenzimmer schlief, sprang er aus dem Fenster seiner im vierten Stock belegenen Stube auf das Pflaster hinunter, wo ihn Hausbewohner mit zer- schmetterten Gliedern fanden. Eine Viertelstunde später traf seine verwitwete Mutter aus Reichenberg in Böhmen hier ein, um ihren Sohn nach Haufe zu holen. Sie war telegraphisch von der Krankheit ihres Sohnes benachrichtigt worden. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend machte im Juli, dem ersten Monat ihres zwölften Geschäftsjahres, einen Umsatz von 329 894,90, im Juli 1909 einen solchen von 234 464,41, also ein Mehr von 95 430,49 M.— Die Spareinlagen sind auf über 500 000 M. gestiegen, die HauSanteile auf 385 000 M. Der Bau ist jetzt so weit fortgeschritten, daß die Rohbauabnahme der Wohnhäuser beantragt werden konnte. Die Bäckerei ist auch im Rohbau fersig- gestellt, Zentrallager und Kontorräume bis auf das letzte Stockwerk. In die Kraftzentrale sind die Dampfkessel bereits angeliefert und ist nur noch die Autogarage zu errichten. Die Nene Freie Volksbühne eröffnet ihre erste eigene Spielzeit in dem völlig renovierten und bühnentechnisch modernisierten Neuen Bolkstheater, Köpenicker Straße 68(ehemals Gastspieltheater) am Donnerstag, den 1. September, mit JbsenS.Die Stützen der Gesellschaft". Eine allgemeine PSchterversammlung der Laubenkolonisten deS Terrains der Gesellschaft„Nord-Ost" findet morgen Montag, den 29. August, abendS S'U Uhr. im„Elyflum", Landsberger Allee statt, in welcher Stadtverordneter Oswald Grauer über das Thema: Sind die Generalpächter für die Laubenkolonisten notwendig? sprechen wird. Zu dieser Versammlung ladet der Ausschuß der vereinigten Kolonisten sämtliche Kolonisten auf anderen Kolonien ein. In der Säuglingsfllrsorgestclle I, Blumenstraße 78, findet im September wöchentlich einmal Unterricht in Säuglingspflege mit praktischen Uebungen statt. Meldungen hierzu schriftlich oder mündlich: Bureau des Kinderhauses, Blumenstraßs 73, v. l. part., wochentäglich von 2—4 Uhr. Berliner Aquarium. Die Becken und Behälter des Berliner Aquariums treten dem Besucher in immer wieder lsieuem Gewände entgegen. Die marinen Becken haben ihre Besatzung in erster Linie dem Mittelmeergebiet zu danken. Als eines der reizvollsten derselben gibt sich daS dritte Basaltbecken durch die Mannigfaltig. keit der Formen und Farben seiner Stillebenbewohner, und namentlich erscheint das Rot in den anziehendsten Abstufungen. Von zartem Rot nur überhaupt ist ein als Netzkoralle bezeichneter großer, lappiger, netzartig durchbrochener kalkiger Stock, eine Kolonie sehr kleiner rötlicher MooStierchen. Bei einer zu den, den buntfarbigen Seerosen verwandten Korallpolypen gehörenden Nebkenkoralle dagegen zeigen die Polypen bräunliche Farbe. In prächtigem Orange, bis Scharlachrot leuchtet der Kranz langer Kiemenfäden bei den Serpeln und in intensivem Samtrot prangt der den Körper einiger in ihrem Bassin hochaufragender AScidien oder Seescheiden umhüllende„Mantel. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania finden heute Sonw- tag und Montag noch einmal Wiederholungen des Vertrags„In den Dolomiten", der die ganzen Wunder der gigantischen Märchen- Welt der Dolomiten erschließt und an der Hand stimmungsvoller, farbenprächtiger Wandelpanoramen und Bilder vom sonnigen Bozen über Toblach ins Pustertal führt, statt. Am Dienstag. Mittwoch und Donnerstag wird der Vortrag«Im Lande der Mitternachtssonne" wiederholt werden. Im Prater-Theater findet am Donnerstag, den 1. September ein vollständiger Programmwechsel statt. Am 3. September großes Kinderfest mit Gratisverlosung. Verschwunden ist seit Mittwoch, den 24. d. MtS., der Former Walter Baatge, Krefelder Str. 13. Derselbe trug einen grankarierten Anzug, dunkle seidene Weste mit kleinen roten Mustern, einen weißen Strohhut mit schwarzein Bande. Im Portemonnaie befand sich eine Legilimationslarte des Konsumvereins auf seinen Namen lautend. B. ist 52 Jahre alt, etwa 1,60 Meter groß,- hat weißes Haar und Schnurrbart, buschige Augenbrauen und spricht sächsische Mundart. Da derselbe geisteskrank ist, wird angenommen, daß er sich entweder ein Leid angetan hat, oder daß er in der Umgegend umher irrt. Personen, die über den Verschwundenen Auskunft geben können, werden gebeten, dies an die Frau desselben, Krefelder Str. 13, oder an die Polizei zu melden. Feuerwchrbericht. In der setzten Nacht wurde die Jeuerwehr nach der Bödikerstratze alarmiert. Grober Unfug war die Ur- fache. Der Täter ist entkommen. Wegen eines FabrikbrandcS rückte der 11. Zug nach der Gitfchiner Straße 65 aus. Dort brannten Immobilien. Durch kräftiges Wassergeben gelang cS, den Brand zu lokalisieren und auf seinen Herd zu beschränken. Durch die Explosion einer Petroleumlampe kam in einer Wohnung in der Pasteurstraße 22 Feuer aus. daS auf ein Zimmer beschränk: werden konnte. Preßkohlenbrände beschäftigten die Feuerwehr auf dem Nordbahnhof. Bernauer Straße, in der Linienstraße 1. Licgnitzee Straße 36, Flensburgs»; Straße IZ ugd«»»deren Stellen. �"' Vorort- JVachrichtem Lichtenberg. Stadtverordnetenversammlung. Eine umfangreiche TageS- ordnung hatte die am Donnerstag stattgefundene außerordcntlicka Stadtverordnetenversammlung zu erledigen, standen doch nicht weniger wie»3 Punkte zur Beratung. Unter geschäftlichen Mittei- lungen»nachte der Magistrat bekannt, daß der Bezirksausschuß einem Beschluß der Stadtverordneten, die Liste der für den hiesigen Wocheninarkt zugelassenen Gegenstände zu erweitern, nur teilweise entsprochen habe. Eine beim Handelsminister dagegen eingelegte Beschwerde hatte keinen Erfolg. Anstelle des aus der Verwaltung ausgeschiedenen Herrn Gerichtsassessors Ottendorf wurde der neu angestellte juristische Hilfsarbeiter, Herr Gerichtsassessor M. W i l l w e b e r zum stellvertretenden Vorsitzenden des hiesigen Gewerbe- und Kaufmannsgerichts gewählt. Anstelle des von hier verzogenen Hern Krämer wurde Herr Kaufinann Ribbe, Mttinzerstr. 5, als Armenkommissar für den Bezirk 30. umfassend die Frankfurter Allee 151/163 und Mainzerstraße, gewählt. Eine außerordentlich lebhafte Debatte entspann sich bei einer Vorlage des B Magistrats betreffend Errichtung neuer Lehrerstellen an den hiesigen Gemeindeschulen. Auf Grund einer Anweisung der Regierung, die Maximalzahl der Kinder einer Klasse auf 60 bezw. 50 und 40 Herabzusetzen, beantragte die Schuldeputation die Einstellung von zwei Lehrern und zwei Lehrerinnen für die cvan- gelischen Schulen, desgleichen zwei Lehrern für die katholische. Schon diese völlig unzureichende Forderung ging dem Magistrat zu Iveit, weshalb er in seiner Vorlage die geforderten Lehrerinnenstellcn gestrichen hatte. Schon seit Jahren nxlr von unseren Genossen ■darauf hingewiesen worden, daß es endlich an der Zeit sei, die geradezu skandalösen Zustände in unseren Volksschulen zu be- seitigen. Wenn schon bisher die Regierung die Höchstzahl der Kinder in den 7. Klassen, also den untersten, auf 70 festgesetzt hatte, so konnte nachgewiesen werden, daß selbst diese Zahl weit überschritten wurde. Außerordentlich unangenehm»var es bei der diesmaligen Beratung den Bürgerlichen, daß einer der ihren, Herr Lindner, unsere bisherigen Angaben bestätigen mußte; es machte dies um so größeren Eindruck, als Herr Liisirner selbst Vorschullehrer ist und lange Jahre an den hiesigen Gemeindeschulen unter- richtet hat. infolgedessen die Zustände genau kennt. Von vernichtender Wirkung war es, als Herr Lindner sogar feststellen konnte, daß, wenn man die auf dem Gebiete des Schulwesens wahr- lich nicht an der Spitze marschierende Stadt Berlin einholen wolle, die Einstellung von sage uno schreibe„f ü n fzi g n e u e n Lehr- k rüsten" erforderlich wäre. Unsere Genossen konnten zu dieser Kritik noch weitere für das Lichtenberger Schulwesen beschämende Mitteilungen machen, so u. a., daß bei Verhinderung von Lehr- kräften der höheren Schule man Volksschullehrer zur Aushilfe her- anzieht urrd in den Klassen dieser Lehrer� K i n d e r zur Auf» ficht und Ausbildung ihrer Mitschüler bestimmt werden. Wie bei der rückschrittlichen Gesinnung der Bürgerlichen nicht anders zu erwarten war, wurden alle weitergehenden Anträge abgelehnt und alsdann der Magistratsantrag angenommen. Erheiternd wirkte es, daß, als Herr Lindner am Schluß der Debatte sein Vorgehen bei seinen bürgerlichen Freunden entschuldigte, ihm dies von unserer Seite attestiert wurde, daß es in geeigneter und geziemen- der Weise geschehen sei.— Für das hiesige Realprvgymnasium wurden ebenfalls zwei neue Oberlehrerstellen bewilligt.— Für die Schule in der Kronprinzenstraße wurden 1400 M. bewilligt zwecks Uinwandlung eines Klassenraumes in ein Rektor- und Lehrmittel- zinuner, da das bisherige im Keller gelegene Rektorzimmer den hygienischen Anforderungen in keiner Weise entsprach. Ein An- trag des Getverbe- und Kaufmannsgericht die Mittel zur Be- schickung des in der Zeit vom 15. bis 17. September d. I. in Köln stattfindenden Verbandstages deutscher Gewerbe- und Kaufmanns- gerichte zu bewilligen, wurde mit der Maßgabe angenommen, daß nicht wie gefordert je ein Arbeitgeber rnrd Arbeitnehmer entsandt werden soll, sondern eS soll von zedem Gericht nur ein Vertreter in Frage kommen. Begründet wurde dies von den Bürgerlichen mit den angeblich so hohen Kosten. Vergeblich wurde von unseren Genossen dieser Einwand widerlegt und auf die Wichtigkeit dieser Verbandstage hingewiesen. Abgelehnt wurde auch ein von unseren Genoffen daraufhin gestellter Antrag, von den ztvei Delegierten den Arbeitgeber aus dem Kaufmannsgericht und den Arbeitnehmer voin Gewerbegericht zu entsenden. Die Entscheidung hierüber soll der Magistrat treffen. Der Ausbau des Gaswerkes sollte in der Weise geschehen, daß iin Jahre 1910 der Bau des Retortenhauses und einer Ofen- batterie zu 20 000 Kubikmeter Tagesleistung nebst der zugehörigen Kohlen- und Koksaufbereitungsanlagcn sowie Aufstellung eines Vorkühlers erfolgen sollte und wofür 450 000 M. bereits bewilligt sind. Der Ausbau deS neuen Ofenblockes auf 40 000 Kubikmeter Tagesleistung und Erweiterung der vorhandenen Kohlen- und Koks- transportanlagen sowie der Einbau der Apparatenanlage für 50 000 Kubikmeter sollte jedoch erst 1911 ausgeführt werden. Da die hierfür in Frage kommenden Firmen zurzeit ober»venig Auf- träge haben und infolgedessen gerade jetzt in der Lage sind für die Stadt außerordentlich günstige Angebote zu machen, wurde be- schlössen, die Arbeiten bereits jetzt zu vergeben und die hierfür iwt- wendige Summe von 735 000 M» zu bewilligen. Bemerkt fei noch, daß nach Fertigstellung der gesamten Erweiterungsbauten unsere Gasanstalt in der Lage ist, täglich 60 000 bis 70 000 Kubikmeter GaS zu erzeugen. Auch das Wasserwerk soll vergrößert werden. Eine dement- sprechende Vorlage wurde bereits»m April der Stadtverordneten- Versammlung unterbreitet. Nachdem sich durch die große Hitze im Juni d. I. auch in Lichtenberg der Wassermangel bemerkbar machte, so daß wir, um für alle Fälle gerüstet zu sein, gezwungen vxrren. noch Wasser von der Gemeinde Rummelsburg zu entnehmen, wurde nunmehr der Ausbau beschlossen. Die Erweiterungsbauten sollen in drei Abschnitten erfolgen und sich auf 3 Jahre verteilen. Die hierfür nisiwendigen Mittel im Gesamtbetrage von 770 050 M. wurden aus Anleihen bewilligt. Auch hier sei bewerft, daß. tväh. rcnd da? Werk bei der jetzigen Airlage nur 650 Kubikmeter Wasser stündlich liefern kann, dasfelb nach der Fertigstellung des Aus- bcmes in der Lage ist, stündlich 1500— 1700 Kubikmeter Wasser abzugeben.— Für die Desinfektionsanstalt wurde beantragt, einen neuen Zufahrswcg herzustellen. Die Vorlage sowohl wie die hier. für notwendigen Mittel in Höhe von 270 M. werden bewilligt.— Wiederholt haben sich bei stärkeren Regenfällen die KanalisationS- einrichtungen unserer Stadt als völlig unzulänglich erloiesen. Hauptsächlich in der Frankfurter Chaussee und de». Pfarrstraße traten die Ueberschwemmungen am meisten hervor. Nachdem bei dem letzten Wolkenbruch jedoch beim Passieren der Frankfurter Chaussee zwei Stadtverordnete in den sich bei der Pfarrstraße ge« bildeten See hineingefallen waren und in die Gefahr des E» trinkenS geraten sind, wurde der diesmaligen Stadtverordneten- sihung eine Vorlage unterbreitet, lvonach durch Herstellung eines Regcnwasserkanals von der Frankfurter Chaussee, Ecke Rathaus- straße im Zuge des Verbindungsweges und der Pfarrstraße nach dem sogenannten Kuhgraben, die obengenannten Zustälide be- seitigt weichen sollen. Da es jedoch notwendig ist. daß auch vom Kuhgraben au« für weiteres Abfliehen Sorge getragen wird, soll mit der Gemeinde Rummelsburg in Verhandlungen getreten werden. Die Vorlage felbst sowie die Baukosten hierfür in Höhe von 25 000 M. wurden bewilligt.— DaS Standesamt soll nach dem Erdgeschoß des Direktorwohnhauses der höheren Mädchenschule ver- legt werden. Die hierdurch entstehenden Kosten im Betrage von 4000 M. linirden bewilligt.— Eine Vorlage betreffend anbaufähige Herstellung der Straße 9 zwischen Norinannenstraße und Rathaus- straße Wirdum eine gemischte Kommission von 9 Mitgliedcm ver. wieesn.— Sodann wurde über folgende von unseren Genossen ge» stellte Dringlickkeitsresolution beraten:„Die Unterzeichneten bitten die Stadtverordnetenversammlung, den Magistrat zu ersuchen, im Interesse der Bevölkerung Lichtenbergs zur Frage der Fleisch- teuerung Stellung zu nehmen und die Regierung aufzufordern, durch Aufhebung der Grenzsperre beziehungsweise Erleichtern« der Ei »iE Einfuhr elfter Verschärfung deS Notstandes vorzudeugSN." Diese Resolution wurde, nachdem dieselbe von unserer Seite begründet worden war, ohne weitere Debatte mit großer Mehrheit ange- nommen.— Alsdann folgte noch eine geheime Sitzung. Schöneberg. Die Laterneuwärter der Englischen Gasanstalten waren am Frei- tag vollzählig bei Obst versammelt, um über die zukünftige Ge- staltung ihres Arbeitsverhältnisses zu beraten. Zu der Versammlung waren die Scköneberger Stadtverordneten eingeladen und es war ein Teil der Einladmig auch gefolgt. Kollege Füllert schilderte in eingehender Weise die augenblickliche Situation. Die Einführung der Fernzündung in Schöneberg und besonders die Erweiterung der elektrischen Straßenbeleuchtung gefährden die Existenz der Laterneuwärter im höchsten Maße. Laternenwärter, die fahr zehntelaug ihre Tätigkeit ausübten, stehen vor der Entlassung. Auf eine Anfrage, die seinerzeit der ArbeiterauSschuß an die Direktion der I. C. G. A. in dieser Sache richtete, wurde ihm die Antwort, daß bei fortschreitender Elektrisierung der Beleuchtung keine Arbeit vorhanden sei und die Leute entlassen würden. Im übrigen trage ja nicht die I. C. G. A. die Schuld. Diese Antwort lernt man erst recht verstehen, wenn man sich das Dienstalter der vor der Entlassung stehenden Kollegen vor Augen führt. Danach sind beschäftigt 1 Laternenwärter 4 Jahre; vier 7 Jahre; drei 8 Jahre; drei 9 Jahre; drei 19 Jahre; einer 11 Jahre; einer 12 Jahre; einer 13 Jahre; zwei 14 Jahre; zwei 16 Jahre; einer 17 Jahre; einer 18 Jahre; einer 20 Jahre; und zwei 22 Jahre. Es handelt sich also durchweg um Männer, die in jahrelanger Tätigkeit ihre besten Kräfte der I. C. G. A. ge- opfert haben und nun vor ihrer Entlassung stehen. Gegen den Fortschritt könne und wolle man sich nicht stemmen, doch appellieren die Laternenwärter an das soziale Empfinden der städtischen Körperschaften. Die Stadtverwaltung möge den Laternenwärtern die Möglichkeit geben, in städtische Dienste überzutreten. Für die jüngeren, kräftigeren Leute bieten eine Reihe von städtischen Betrieben hierzu Gelegenheit; während die älteren als Park- Wächter und Boten wohl Beschäftigung finden können. Diese Aus- führungen wurden durch eine Anzahl Diskussionsredner noch ergänzt. Von den anwesenden Stadtverordneten nahmen die Genossen Obst und Hoffmann und Herr Aßmann das Wort. Sie gaben zun. Aus- druck, daß es eine Notwendigkeit sei, hier einzugreifen und erklärten, ihrerseits alles zu tun, was die Wünsche der Lateruenwärter fördern könne. Die Versammelten beauftragten schließlich das Bureau der Versammlung, eine im Sinne dieser Ausführungen gehaltene Petition den städtischen Körperschaften Schönebergs zu übermitteln. Wilmersdorf. Die Diphtherieerkrankungen in Wilmersdorf. Vorgestern abend hat die städtische Gesundheilskommission in Anwesenheit deS Kreis- und deS Schularztes eine Sitzung abgehalten. Beide Aerzte betonten, daß die Erkrankungen fast sämtlich nur leichter Natur sind und keinen Anlaß zu Befürchtungen bieten. Insbesondere haben sich die Gerüchte, daß die Zahl der erkrankten und gestorbenen Kinder sich erheblich vermehrt habe, als unrichtig erwieien. Trotz der bestehenden Anzeigepflicht sind keine neuen Fälle gemeldet worden. Nach einem Beschluß der Kommission sollen alle Räume der Mädchen« wie der Kitabenabteilung der 1. Gemeindeschule in der Branden- burgischen Straße und die Klassenzimmer, aus denen Schülerinnen erkrankten, wiederholt desinfiziert werden. An den Tagen, an denen in den Klassen die Desinfektion ausgeführt wird, werden die Schüler nach Hause geschickt werden. Schließlich wurde bestimmt, daß bis zur Genesung aller erkrankten Kinder der Schularzt täglich in der Schule anwesend sein soll, um die Kinder» die über Halsschmerzen klagen, sofort in Behandlung zu nehmen. Rixdorf. In der Protestversammlung am letzten Dienstag ist ein Spazier- stock mit runder Krücke verloren worden. Der Finder wird gebeten, denselben in der Spedition, Neckarstr. 2, abzugeben. Zehlendorf. Ueber„Umwälzungen im ZukunstSstaate" referierte in der letzten Mitgliederversammlung des Wrchlvereins Genosse Ed. S ch e l e r. Nach dem Referat entspann sich eine rege Diskussion, an der sich der Genosse K u t t a und die Genossin H a a s e be- teiligten. Ten Bericht von der Generalversammlung von Groß- Berlin gab Genosse H e ck i n g. Aufgenommen wurden 5 neue Mitglieder. Vom Vorsitzenden wurden die Mitglieder noch auf ein gemütliches Beisammensein der Jugendlichen am 4. September bei Mickeh hingewiesen und darum gebeten, diese Veranstaltung recht zahlreich zu besuchen. Trcptow-Baumschulcntveg. Eine Umfrage betreffend Sonntagsruhe findet jetzt bei den Inhabern der offenen Ladengeschäfte statt. Der Gemeindevorstand ist verschiedentlich ersucht worden, die Arbeitszeit in den Geschäften auf die Zeit von 7 bis 19 Uhr vormittags zu beschränken. Bevor jedoch die Gemeindebehörde darüber beschließt, ist gemäß§ 142 der Reichsgewerbeordnung die Anhörung beteiligter Gewerbetreibender erforderlich. Aus diesem Grunde sind Fragebogen an die Be- teiligten zur Ausfüllung und Unterschrift gelangt, welche Ende der Woche zur Abholung bereit zu halten sind. Wie in einem Schreiben noch mitgeteilt wird, wird für Geheimhaltung der Antworten Sorge getragen. Von den 8 Fragen sind außer der Angabe, wieviel Angestellte beschäftigt werden, nur 2 von Wichtig- keit, nämlich:„Wünschen Sie vollständigeSonntags- ruhe für Ihr Geschäft?" und:„Wünschen Sie eine Ver- kürzung der Arbeitszeit am Sonntag? a) Wie lange soll Ihr Geschäft am Sonntag geöffnet sein? b) In welchen Stunden?" Als seinerzeit in der Gemeindevertretung der Beschluß gefaßt wurde, die Geschäfte an den ersten fünf Wochentagen um 8 und Sonnabends um 9 Uhr zu schließen, beantragten unsere Genossen, den GeschöftSschluß auch an den Sonn- und Feiertagen früher ein-' treten zu lassen und zu diesem Zweck eine Rundfrage an die Ge° schäftSinhaber ergehen zu lassen. Nach einer späteren Mitteilung ,n der Gemeindevertretung hatte die Mehrheit der Geschäftsleute einen früheren Geschäftsschluß herbeizuführen„als noch für ver- früht" erachtet. Da die Frage des früheren Geschäftsschlusses nunmehr in einer Reihe von Gemeinden Gegenstand der Erwägung ist, steht zu er- warten, daß sich die Mehrzahl der Geschäftsleute sowohl wie der Gemeindevertreter für denselben erklären werden, Fichtenau. Als eine Rücksichtslosigkeit wird eS betrachtet, daß der hiesige Gesangverein, gebildet von Mitgliedern des Bürgervereins, bllrger- lichen Gemeindevertretern und Gemeindeschöffen, nach wie vor seine Uebungsstunden im Schulhause abhielt. Die Herren wissen sehr gut, daß fi-b unter den Sckmlräumen die Wohnung deS Gemeinde» dieners und Nachtwächters befindet, sie wissen aucki aus der betreffenden Gemeiudeveriretersitzung, in der unser Genosse Tobias diese Angelegen- heit zur Sprache brackite, daß der Nachtwächter die Abendstunden zum Schlafe benutzen muß, um seinen Dienst versehen zu können; das schert aber diese Herren weiter nicht— bis in die zwölfte stunde hinein hallte die Schule von ihrem Gesang wider. Neben ihrer Sangeskunst Pflegen aber die Herren»och das Tabakrauchen. Ob sich wohl schon erumal die DchulvorstandSmitglieder, die dem Gesangverein angehören, überlegt haben, ob eS der Gesundheit der Schulkinder dienlich ist, wenn die SangeSbrüder das Schulzimmer gleich einer Stehbierballe mit Rauch schwängern? Wir stellen an den Schulvorstand das ganz bestimmte Verlangen, diesem unerhörten Zustand ein Ende zu bereiten. Dieser Gesangverein macht sich aber noch in weiterer Beziehung unangenehm benierkbar. Seine Mitglieder scheinen enttveder an der 5 xen Idee zu leiden, daß sich die Einwohnerschaft darauf freue, urch ihren Gesang des Nacht» aus dem Schlafe gestört zu werden, oder sie nehmen an, ans Grund ihrer gemeindlichen Ehrenämter bezw. der ihrer Freunde das Recht zu diesem Sport zu haben. So zog auch wieder in der Donnerstag nacht ein größerer Trupp von diesen SangeSbrüder»(unter denen wir auch einige Gemeindeväter bemerkten) nebst Begleitung durch die Straßen und verübte einen derartigen Lärm, daß die Anwohner erschreckt auS dem Schlafe fuhren. Es dürfte auch hier hohe Zeit sein, daß sich die Polizei der Sache annimmt und diesem Unfug ein Ende be- reitet. UebrigenS, was sagen die„Fichtenauer Nachrichten", das»Organ zur Förderung der Ort-interessen", dazu? Zossen. In der Wahlvereinsversaminlnug am Donnerstag wurde der Bericht von der Kreisgeneralversamnrlung und der Bericht von der Verbandsgeneralversammlung Groß-BerlinS entgegengenommen. Der Bericht des Genossen W e n d o r f von der Kreis- generalversammlung wurde von den Versammelten zustimmend entgegengenommen, während der Bericht von der General- Versammlung Groß-Berlins, den Genosse Saupe erstattete, eine lebhafte Diskussion entfesselte. Ter Beschluß, daß die Arbeits- losen Beiträge zahlen sollen, wurde als wenig sozial bezeichnet. Zugestimmt wurde der Erhöhung des Beitrages aus 49 Pf. Einem Wochenbeitrage sind die hiesigen Genossen abgeneigt aus Gründen der Mehrbelastung der Funktionäre und der damit verbundenen Eintreibung der Beiträge.— Unter Verschiedenem wurden einige interne Sachen erledigt. Der Jugendausschuß, der auch bei uns endlich ins Leben tritt, hält am Sonntag, den 2. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, im P. Kurznerschen Lokal, Baruther Straße 19, eine konstituierende Versammlung ab. Die Genossen werden ge- beten, schon jetzt für den guten Besuch dieser Versammlung Sorge zu tragen. Köpenick. Bei dem vorgestern von der Polizei aufgefundenen etwa zehn- jährigen Knaben hat sich herausgestellt, daß er nicht taubstumm ist, sein auf nichts reagierendes Verhalten ist vielmehr auf einen krank- hasten Zustand zurückzuführen. Als die Mutter deS Knaben auf das hiesige Polizeirevier geholt wurde, teilte dieselbe mit, daß er von zu Hause weggelaufen sei, angeblich wegen einer Strafe, die er er- halten habe. Der Knabe soll nunmehr in einer Anstalt unter- gebracht werden. Motzen(Kreis Teltow). Der Arbeiter-Radfahrer-Vercin feiert am heutigen Sonntag sein Sommerfest. Da den Genossen hier kein Lokal mit Saal zur Per- fügung steht, der Amtsvorsteher bisher die Abhaltung von Versamm- lungen strikte verweigert hat, so ist es unbedingt nötig, daß alle Radfahrer der Umgegend heute nach Motzen kommen, um so gegen die Verfügung des Aintsvorstehers zu protestieren. Spandau. Die Brückenstraße ist jetzt nach langer Zeit endlich so weit reguliert worden, daß eine Bebauung vorgenommen werden könnte, ivenn nämlich die Hauptsache, die Käufer von Grundstücken vor- bänden wären. Damit scheint es aber ganz gewaltig zu hapern, bis jetzt hat sich noch kein Käufer gefunden, trotzdem es der Magistrat mit dem Verkauf sehr eilig hat, um der Stadt die nicht aeriiigen Zinsen zu ersparen. Den einzigen Vorteil von der Regulierung der Brückenstraße haben die Sternbergschen Erben gehabt, deren Terrain dadurch ungeheuer wert- voll geworden ist und die auch schon wacker IoS bauen. Am zweckmäßigsten wäre man jedenfalls verfahren, wenn man die alten Häuser der Brückenstraße ruhig so lange hätte stehen lassen, bis die neue Charlottenbrücke gebaut war. dann erst könnte eine zweckmäßige Regulierung vorgenommen werden, und die Stadt hätte Taufende von Zinsen gespart. Jetzt wird man mit der Be- bauung der Brückenstraße auch so lange warten müssen, bis die Brücke gebaut wird, eher wird sich kein Käufer finden. Jugendveranstaltungen. Treptow. Baumschulenwea. Für die arbeitende Jugend in Treptow ist Grätzstr. 68, Eingang zum Lokal von Lenzian, ein Zimmer als Jugendheim gemietet worden, welche« vom Montag, den 29. August ab jür die lim regen Besuch bittet UnterhältungSabende»ur Perfügung steht. Der JugendauSschuß. Gericbts- Leitung. Schutzmannsempfindlichkeit gibt leider oft den Gerichten zu tun. Nur zu rasch ist die Staats- anwaltschaft geneigt, für einen sich gekränkt fühlenden Schutzmann die Beleidigungsklage zu erheben. Und die Gerichte fördern zu- meist noch diese Empfindlichkeit, indem sie die vermeintliche Beleidi- gung als so schwer auffassen, daß die Strafe dafür möglichst hart sein müsse. Am Donnerstag aber erlebten wir's mal vor einem Gericht, daß der Vorsitzende einem Schutzmann, der beleidigt worden zu sein meinte, in erregten Worten seine Empfindlichkeit als ganz unnötig verwies. Diesmal handelte es sich allerdings nicht darum, daß etwa bei einer Wahlrechtsdemonstration die allzu forsch ausgeführte Sistierung eines Demonstranten einen Zuschauer ver- anlaßt hätte, seine Entrüstung in deutlicheren Worten zu äußern, als ein Schutzmannsohr es verträgt. Nein, diesmal hatten wir eS mit einem Ztvist zu tun. der sozusagen„in der Familie geblieben" war, mit einem Streit zwischen zwei SchutzmannSfrauen, der dem Gatten der einen zum Anlaß geworden war, in seiner Gattin sich selber mitbeleidigt zu fühlen. Anklage war hier nicht von der Staatsanwaltschaft erhoben worden, sondern der gekränkte Gatte hatte das selber besorgt. Als Angeklagte stand vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte eine SchutzmannSfrau Bräuning, die über eine SchutzmannSfran Manke einen blodey Klatsch verbreitet haben sollte. Der Frau Bräuning wurde zur Last gelegt, über Frau Mauke gesagt zu haben, daß diese— man hörel— ihre Kinder ins Waisenhaus gegeben habe. Frau Manke und ihr Gatte empfanden das als schwer beleidigend, weil ein Schutzmann seine Kinder doch nicht in ein Waisenhaus geben werde. Die fraglichen Kinder sind dem Ehepaar Manke, wie vor Gericht zur Sprache kam, durch den Tod entrissen worden. Der Vorsitzende begriff nicht, daß wegen einer solchen„Läpperei", einer so„alberne» Behauptung" ein Mensch zum Gericht laufen müsse. Ten Kläger Manke, der auf seine Beamtenqualität hinwies, be- lehrte er in ärgerlichem Tone: Ach. da sollten Sie mal sehen, wie unsereiner als Richter in Schriftsätzen angegriffen wird." Der Herr Vorsitzende vergaß, daß die Ehre eines Schutzmanns leichter zu lädieren ist als die eines Richters. Schutzmann Manke erklärte, er nehme die Klage nicht zurück, zumal da Frau Bräuning. um eine Zurücknahme zu erreichen, sich sogar an seine Dienstbehörde gewendet und ihm viel Schererei dadurch bereitet habe. So mußte denn in die Verhandlung eingetreten werden, die die Vernehmung von nicht weniger als fünf Zeugen erforderte. Unter Eid wurde bekundet, daß Frau Bräuning jene ganz erschreckliche Aeußeruna, die ihr zur Last gelegt, aber von ihr selber bestritten wurde, wirk- lich getan habe. Vernommen wurde schließlich auch der Polizeimajor Feist» der die beiden Schutzmannsfrauen hatte zu sich kommen lassen, um eine Aussöhnung zustande Zu bringe». Beide hatten ihm versprochen, die Sache ruhen zu lassen. Als es hinterher doch noch zur Klage kam, sei er empört gewesen. Auch er begriff nickst, wie einer so empfindlich sein könne. Es sei doch nicht hübsch, wenn Beamte oder deren Frauen einander verklagen. Schutzmann Manke hörte in respektvoller Halbung den Herzcnserguß seines Vorgesetzten mit an. Als dann der Vorsitzende erneut eine Einigung anregte, widersprach er nicht mehr. Er willigte in einen Vergleich, durch den Frau Bräuning unter Uebernahme der Kosten um Eni- schuldigung bat. Der Gerichtsvorsitzende und der Polizeimajor könnten auS dieser Affäre, die dem Herrn Manke so hochwichtig war. einiges lernen. Jeder Privatmann hätte als Ehegatte über bei» Unsinn gelacht, den Frau Bräuning da behauptet haben soll. Aber Herr Manke ist Schutzmann, darum hat er eine feinere Haut als ge- wöhnliche Sterbliche. Ein Schutzmann wird durch seine Vorgesetzten reitag: Das Konzert. a Gabler. Montag: geradezu daran gewöhnt, im Dienst sich durch jeden Zivilisten ge- kränkt zu fühlen, der ihn schief ansieht. Es tut dringend not, daß endlich einmal auch da der übertriebenen Schutzmannsempfindlich- keit entgegengetreten wird, nicht nur von den Gerichten, sondern auch von der„maßgebenden Stelle" im Polizeipräsidium. Vielleicht schreibt der Herr Polizeimajor sich die Erfahrungen dieses Prozesses in sein Notizbuch._ (Uoeben- Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Geschlossen. Königl. Tchauspielhäus. Jvbigmie auf TauriS. Montag: Die Journalisten. Dienstag: Die Rabeln'tcinerin. Mittwoch: Bürgerlich lind romantisch. Donnerstag: Doktor Klaus. Freitag: Colberg. Sonnabend: Der eingebildete Kranke. Sonntag: Maria Stuart. Ans. 7 Uhr. Mon- tag: Der Familientag.(Ansang 7'/, Uhr.) Neues königl. Opern-Theater. Sonntag Samson m»d Dalila. Moni ig: FigaroS Hochzeit. Dienstag: vavallöria. rusticana. Bajazzi. Mittwoch: Die lustigen Weiber von Windsor. Donnerstag: Manfred. Freitag: Lohengrin. Ansang 7 Uhr. Sonnabend: Manfred. Sonntag: Die iiiegimenistochler. Die Puppeusee. Ansang 7'/, Uhr. Montag: Die Walküre. Ansang 7Uhr. Deutsches Ttieater. Sonntag bis Mittwoch: Simsen und Dekika. (Ansang 8 Uhr.) Donnerstag: Faust.(Anfang 7'/, Uhr.) Freitag und Sonnabend: Simson und Delila. Sonntag: Faust.(Anfang 7'/, Uhr.) Montag: AmPhtstrion.(Anfang 8 Uhr.) Deutsches Theater(K a m m e r I p! e I e). Sonntag Bis Mittwoch: Liebeswalzer. Donnerstag: Der gute König. Dagobert. Freitag: Gyges und(ein Ring. Sonnabend; Der Gras von Gleichen. Sonntag: Der gute König Dagobert. Montag: Der Arzt am«cheidswege(Ansang 8 Uhr.) Lesfiug-Theater. Sonntag: TaiitriS der Narr. Montag: Die Weber. Dienstag: Das Konzert. Mittwoch: Penthesilea._ Ansang 7»/, Ubr. Donnerstag: Nosmersholm.(Anfang 71/a Uhr.) F~" Sonnabend: Tantris der Narr. Sonnlag: Hed Das Konzert.(Ansang 3 Uhr.) Kleines Theater. Sonntag: LnxuSzug. Montag: Nur ein Traum. Dienstag: LnxuSzug. Mittwoch: Nur ein Traum. Donnerstag: Luxuszug. Freitag: Nur ein Traum. Sonnabend: LuxuSzug.. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Abends: Luxuszug. Montag: Nur ein Traum. (Ansang 8 Uhr.) ReucS Schauspielhaus. Sonntag: Raffles. Montag: Ihr letzter Brief. Dienstag und Mittwoch: NastleS. Donnerstag und Freitag: Ihr letzter Brief. Sonnabend: Nassles. Sonntag: Ihr letzter Brief. Montag: Rassles.(Anfang 8 Uhr.) Berliner Theater. Sonntag Bis Mittwoch: Taifun.(Anfang 8 Uhr.) Donnerstag Bis Montag; DaS Musikantenmädel.(Anfang 71i2 Uhr.) NeneS Theater. Sonntag Bis Mittwoch: Kafernenlust. Donnerstag Bis Montag: DaS gewisse Etwas.(Anfang 8 Uhr.) Hebbel-Theater. Sonntag Bis Mittwoch: Wem gehört Helene? Donnerstag Bis Sonnabend: Die Wespe. Sonntag und Montag: Uu« Bestimmt.(Ansang 8'/, Uhr.) Komische Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiefland. Abends: ZlgeunerlieBe. Montag: Tiefland. Dienstag Bis Donnerstag: Zigeuner- liebe. Freitag: Tiefland. Sonnabend: Der Arzt wider Willen. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Zigeunerliebe. Abends: Der Arzt wider Willen. Mon- tag: Hoffmanns Erzählungen.(Llnsang 8 Uhr.) Thalia> Theater. Heute nachmittag 3 Uhr: Glück bei Frauen. Allabendlich: Polnische Wirtschaft.(Ansang 3 Uhr.) Schiller> Thcarer<». Sonntagnachmitiag 3 Ubr: Zar und Zimmer- mann. Abends: Der Trompeter von Säckingen. Monlag: Undine. Dienstag: Die Förfter-Christl. Mittwoch: Der Freischütz. Donnerstag: WallensteinS Lager. Die Piccolornim. Freitag: Die zärtlichen Per- wandten. In Zivil. Sonnabend; WallensteinS Lager. Die Pieeolomini Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Neue Jugend. ABendS: WallensteinS Tod. Montag: Die Liebe wacht.(Ansang 8 Uhr.) Schiller- Theater Charlotteuburg. Sonntagnachmitiag 8 Ubr: Wilhelm Tell. Abends: Egmont. Montag Bis Mittwoch: Die zärtlichen Verwandten. Donnerstag und Freitag: Der Bibliothekar. Soiinabend: Kabale und Liebe. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Egmont. Abends: Der Bibliothekar. Montag: Bresters Millionen.(Ansang 8 Uhr.) Friedrieü-WUHelmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag vis Miit- woch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: Faust. Anfang 71/, Uhr. Sonnabend und Sonntag: Biederleute. Montag: Faust.(Ansang 8 Uhr.) Neues Operetten- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Eorneville. Täglich: Der Gras von Luxemburg.(Ansang 8 Uhrtz Nächsten Sonntagnachmitiag 3 Uhr: Die Glocken von Eorneville. Nesidenz-Theater. Sonntag und folgende Tage: Im Taubenschlag. (Ansang 8 Uhr.) Theater deS WestcuS. Sonntag und folgende Tage: Die geschiedene Frau.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Em Walzer- waum. Trtanoii'Theater. Sonntag und folgende Tage: Pariser Witwen. (Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Pariser Witwen. Berliner Bolks- Oper. Sonntag, Montag und Dienstag: Alt- Heidelberg. Mittwoch: Der Flieger. Donnerstag und Freitag: Alt-Heidel- berg. Sonnabend: Der Flieger. Sonntag und Montag: Alt-Heidelberg. (Ansang 81/, Uhr.) Luisen-Theater. Sonntagnachm. 3 Uhr: Der Gras von Monte Christo. Abends: Der stille See. Montag bis Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Egmont. Freitag: Im Spätsommer. Sonnabend: Egmont. Sonntag: Die schöne Ungarin. Montag: Egmont.(Ansang 3 Uhr.) Lustspielliauo. Allabendlich: Das Lentnantsmündel.(Anjang 8 Uhr) Nächsten Sonntagnachmiltag 3 Uhr: DaS Leutnantsmündel. Herrnfeld-Theater. Täglich: Die Welt geht unter. Wenn zwei das- selbe tun.(Ansang 8 Uhr.) Casino-Theater. Täglich: Der schneidige Rudolf.(Ansang 8 Uhr.) Rose-Theater. Täglich: Ein seltsamer Fall.(Ansang 8 Uhr.) Slpollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Folieö Caprlee. Allabendlich bis aus weiteres: Die böse 13. Die lensche Toinette.(Ansang 81/, Uhr.) Metropol< Theater. Allabendlich: Hallo l Die große Revue l (Anfang 8 Uhr.) Passage. Theater. Sonntag, nachmittags S Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten.(Anfang 8 Uhr.) Reichshallen- Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Ansang 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.) Walhalla> Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8'/, Uhr.) Prater-Theater. Täglich: SchützenliSl.(Ansang 8 Uhr.) Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialttälen.(Ansang 8 Uhr.) Urania< Theater. Taubenstr. 48/49. Sonntag und Montag: In den Dolomiten. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Im Lande der Mitternachtssonne. Freitag. Sonnabend und Sonntag: Die Brüsseler Weltausstellung. Montag: Unbestimmt.(Ansang 8 Uhr.) Sternwarte, Jnvalidenstr. 67—62. Sozialdemokratischer Zentralwahlvcrcin für de» Reichstags- Wahlkreis Nrnswaldc- Friedeberg, OrlSverem Berlin. Heute nachmittag 3 Uhr, bei Paul T h i u: m, Tilsiter Str. 89: Mitglieder- Versammlung. Gäste willkommen. Nllgeineiue Familien-Sterdekasse. Heute Sonntag von 3—6 Uhr: Zahltag Ackerstr. 123 bei Wernicke und Martanncilslr. 49 bei Neumann. ilmtitchcr Marktbericht der städtlschen Marltdallen-Direklion über den Grotzbandel in den Zentral-MarktbaLeii. Marktlage: Fleiich: Zufuhr schwach, Geschält flau, Preise unverändert. Wild: Znsuhr in Wild nicht genügend, Rebhühner reichlich, Geschäft Besriedigend, Preise in Neb- Hühnern nachgebend, tonst wenig verändert. Geflügel: Zujuhr reich. lich, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert. Fische: Zujuhr reichlich, Geichäit ziemlich lebhast, Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. Gemüse. Obst und Süd» s rächte: Zuslchr genügend, Geschäft etwaS lebhaster, Presse sast unverändert._ WittcrungSüberiieht vom 37. Slugust XiilQ. morgrolS 8 Nbr. Stationen Sf Swtnemd»'758020 Vetter 4halbbd. Hamburg 1757 WNW 2 Regen Berlin 757 20 Franks. a®i,"£0 253 München 761223 Wien 1 760 23 1 bedeckt 4 heiter 4 wolkig 4 bedeckt -u> §» mS> «tattonen -i Ii Havaranda j 760 S2B Petersburg 763 NO Seilitz Aberdeeu Parts 61 WNW 743 WNW 763023 s veUer tt «3 4 bcitcr 3 Regen 4 bedeckt 1 wolkig Twollenl 11 12 13 12 13 Wetterprognose für Sonntag, de« 28. August 191». Messt Bedeckt, noch Regensälle, kühler, Westwinde. Berliner 23 etterb ureaa. in �ill-j�pera-Qonceri- �ppamtsn. Außerordentlich günstige Kaufgelegenheit die sich in dem bedeutenden Umfange bei uns alljährlich nur einmal bietet. Otto Jacob, Jen., Berlin Frieden-Strafe 9. Cro(} herobgeletjtcr Prelis bequemtte Ratenzahlung. Für alle Apparate 2 Jahre schriftliche Garantie.' Mod.20 früherer Preis M. 84.— Jcty.t W.Otf,—■ Eleganter Salon-Apparat, mahagonifarbig polierter Kasten m.Gold-Ara- besken, Gröflc 35*35x17 cm. Alle Metallteile ff. vernickelt, farbig lackierter'Tonarm u. Blumenschalltrichtcr, 52 cm Schall. Öffnung Mill-Opera-Konzert-Schalldosc. Monatsrate M.5,—. 8 Doppelplatten ä 3M.--- löneueste Stücke u. 200 Nadeln bei Lieferung gratis. Bei der 6. Rate noch einmal 8 Doppelpl. gratis. Mod. 17 früherer Preis M. 59,— jetzt W. 49,—. Aparte Luxus-Ausstattung, mahagonifarbig puliener Kasten mit Gold-Arabesken. Größe 33x33* 15 cm. Alle Metallteile ff. vernickelt. Farbig lackierter Blumenschalltiichler, 41 cm Schallöffnung, la Konzert-Schalldosc. Mit Mill-Opera- Konzert-Schalldose M. 8,— mehr. Monatsrate M. 4,—. Zum Apparat werden CDoppcIpIaitcn ä 3M.= 12 neueste Stücke und 200NadeIn gratis geliefert. Weitere 6 Doppelplatten bei der 6. Rate. Vertreter' an allen Orten gesucht; gegen hohe Provision auch für unsere Abteilung: t Uhren« und �QoIdwarenJ Interessante Kataloge Ober Konzert-Apparate und Schallplatten überallhin gratis und franko. Mod. 15a früherer Preis M. 38,50 Jetzt 31.34,—. Braun oder grün poliertes Oe- häuse, Größe 28*23X13 cm, alle Teile ff. vernickelt, farbig lackiert. Blumentrichter. 38 cm Schallöffnung, la Konzert-Schalldose, mit Mill-Opera-Schalldose M. 8,— mehr. Monatsrate M. 3,—. 5 Doppelplatten ä 3 M.=10 neueste Stücke u. 200 Nadeln bei Lieferung gratis. Bei der 6. Rate noch einmal 5 Doppelplatten gratis. Mod. 1 1 früherer Preis M. 48,50 jetzt 31. 39.50. Mahagonifarbig poiiertesGehäuse, Größe28*28xi3cm.aIleTcile ff. vernickelt. Farbig lack. Blumentrichter, 40cm Schall- Öffnung. laKonzen-Schalldose. Mit Mill-Opera-Schalldose M.8,— mehr. Monatsrate M. 3,—. Zum Apparat werden 5 Doppelplatten ä 3 M.= 10 neueste Stücke und 200 Nadeln gratis geliefert. Bei der 6. Rate noch einmal 5 Doppelplatten gratis. :: Settel r Rpcfpll-7pffpl ,m Couvert ausschneiden� DCDlvIl£,vllvl.einsenden! Hiermit bestelle" ich" bei der.. Firma Otto JacobTsenior,' Berlin 505 I Mill- Opera Mod____ 1____ � 1 1 � inkl. den dazu gehörigen Schallplatten und 20Ö Nadeln�)■|' Die Begleichung erfolgt.durch Zahlung von M.___ am t.]d.'Mts, Beim Empfang zahle ich durch Nachnahme an. Die Ware bleibt Eigentum der Firma bis alles bezahlt ist Nichtzahlung von zwei Monatsraten hebt die Vergünstigung der Teilzahlung auf. Erfüllungsort Berlin-Mitte. Als�Anzahiung sind JO— 20 pCtjjter, Gesamtsumme, erwünscht Ort:- i a| Vor?' u." Zunamen:' Straße u. Hausnummer:. Stände. wmmm Berlin, Altefakobstr. 124.' Elektro'Teebnikaml gegr. 1874. Mg. Fabrik, ffilcttro«, Maschinen-, Bau-, Ingenieur-, Techniker-, Werkmeister-, Man- teur-AuZbild., Maschinenlabora- forium. NgumMgnltotK.I I Proipekt kostenfrei.| Gardwettsabrik: EarbinenHaul BernHarb Schwartz Wallstr. 13. Die Borteile direkt in ber Fabrik »u kaufen, find bedeutend. Kaulsdorf und Matilsdorf. Nur 20 Pf.-Fahrlv. Zentrum Borlins, trotzdem billig, als weiter v.Borlin gelegene Orte, wie Hoppegarten, Neuenhagen usw. Miiß. Anzahlung, langj- Hypotheken. Pläne gratis. Verkäufer ständig am Bhf. Mahlsdorf im Pavillon. 435L- J. Rioger, Berlin, Gontardstr. 5. �"oreMtee'Spezialgesdiäft� BeMern Erste Settfedernfab. m. elekl. Betriebe Gustav Lustig BERLIN S. 390 Prinzenetr. 46 versendet geg. Nachnahme garantiert neue und gut entstäubte, gut füllende Bettsedern p. Pfd. M. o.ss-t.oo-l.ss! prima Ha f bdannen M. 1.75; Gäns«- rnoffedern M. 2.00; prima weihe Gänsehalbdaunen M. 2.S0-8.00-Z.50 echt chlnef. Monopoldaitne»\ M. 2.85, echt lulft(tf). Mata- dar-Gänsedaunen M. 3.50 J ä® von den Daunen genügen 3—4 Pfd. »um groß. Oberbett.— Gänsefederil <.,.Siciben>M.O.cO per vfund; Gänse- fchlachtfcdcrn, wie sie von der Sans fallen, mit allen Daunen M. 1.50. Proben und Preististe gratis. Um> taufch oder Rück sind,, na gestattet. Verpackung kostensrei. Zetztsähriaer Umsay über 2000 Zentner Bettfedern, von keinem zweiten Betten- u. Bett- federngcschäft erreicht. lantiftf— Pin:! Großes Lager von prima eichen Furnieren und Dickten. Nichb. Seifen, Mahagoni, Whitcwood, Vogelahoni usw. zu allerbilligsten Preisen.• Auf Wunsch nehme Möbel in Zahlung. sf. David, Franks. Allee 160. Die reellsten nnd billigsten Möbel and Polcttcrwaren auf Teilzahlung zu Kassenpreisen und Zinsvergütung erhält man in der seit 32 Jahren bestehenden Möbelfabrik unter lOj ähriger Garantie 64L* A. Schulz, Reichenberger Straße 5. Baer Eck« 'Prinz.-Allee Herren- und Knaben- |Meden, Berufskleidung. Elegante Einsegnungsanzßge. ; Großes Stoffiager:: zur Anfertigung n.Maß Allerbilligste, streng feste Preise. das selbsttötlg« Vv, J?:- --——---— ' A.-■ 4 1---.. . I)■■-■■ ■■■'■.yv-:..rt.: a'- v- Wascbmlttel Sgibt blendend weiesa Wäsche, Ist 1 ■garantiert unschädlich und< billigst im Gebrauch. iHenkel& Co., Düsseldorf, J auch der weltbekannten Henkel s eich-Soda Gneisenaoslraße 10, S. Gran, billigste u. beste| Bezugsquelle für iSKöbeliederJIril Kassa und Teilzahlung. Fabrik-Niederlage küf Berlin u.Vororte: Joh. Schmalor, Berlin N. 4, Tieckstr. II, ädi f nicht nwhr sondern Los nur1/. Mark! Ziehung am 7. Sept. 1910 LSchneidemOliler Automobil- a.Pferde- otterie 3103 Gewinne I. W. v. zus. M. 100900 Hauptgew. 1 Automobil i.W.v.M: ü'aS n* B m 15000 Rioooo S B in" 0 a V B• a 1*1 5000 3000 -n 2000 LoüäSOPfJSES«. Porto u. Liste 25 Pf. extra durch dos Gcneral-Deblt H.G.Kröser Berlin W 8, Friedrichstr 193a PST sowie alle durch Plakate Wik kenntlich. Vcrkaufsstoll. verantwortlicher Redakteur: Hans Wöber. Berlin. Für den Lnseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdruckerei u. verlagsanstalt Paul Emger de Co� Berlin SW, Ar. 201. 27. Zahrganz. 6. KeilM Ks Jmätts" ßtrünrt öollislilstt SamiaS, 28. JnpJ 1910. 7. loternationaler transportarbcitcr- Kongreß. Kopenhagen, 25. August 1910. Einleitend wies Döring in seinem Referat über die Form der Landesorganisation darauf hin, dah er sich infolge der vor- aufgegangenen Auseinandersetzungen in eigenartiger Lage befände. Wilson lehnte es ab, von uns Vorschläge anzunehmen, und Ben Tillet sprach von Schulmeistere!. Wenn aber irgendeine Frage auf dem Kongreß durch ein Referat behandelt werden sollte, so müsse der Referent Vorschläge machen und Grundsätze aufstellen. Das sei leine Schulme isterei. Es gilt Stellung zu nehmen. Zunächst ist es die Organisation der Unternehmer, die uns dazu zwingt, zweitens die in der letzten Zeit aufgetauchten Bestrebungen, die darauf hinauslaufen, die Kräfte zu zersplittern. Schließlich zwingen uns hierzu noch verschiedene andere Vorgänge in unseren Organisationen. Die Organisationen der Transportarbeiter sind in den ein- zelnen Ländern nicht nur sehr verschieden, sondern meistens noch unzureichend. Vielfach glauben unsere'Kollegen noch, daß im Transportgewerbe die kleinen Berufsorganisationen zur Führung des wirtschaftlichen Kampfes vorteilhafter seien, als die Zentral- und Jndustrieverbände. Redner weist an einer Reihe von Beispielen nach, daß da, wo man der kleinen Berufsorganisation den Vorzug gibt, auch niedrige Beiträge üblich sind. Da, wo in einem Orte sogar noch mehrere Organisationen eines Berufes bestehen, findet unter den Brudervereinen ein gegenseitiger Kampf um die Mit- glieder statt. Durch solche Vruderkänrpfe dauernd in Anspruch ge- nommen, und mangels ausreichender Kampffonds, sind diese Or- ganisationen niemals in der Lage, den Kampf mit den Unter- nehmern erfolgreich zu führen. Solche Organisationen bestehen in verschiedenen Ländern bei den Eisenbahnern. In Frankreich haben die Hafenarbeiter zwar eine Zentralorganisation, aber sie ist eigener Art. Die Organisa- tionen in den verschiedenen Hafenorten sind autonom und stehen mit der Zentralleitung! nur in loser Verbindung. Die Beiträge sind außerordentlich niedrig, und dementsprechend sind auch die an die Zentralkasse abzuführenden Beiträge nur gering und zur Ansamm- lung eines Fonds zur Führung des Kampfes ungenügend. In allen Ländern sind die Hafenarbeiter der direkten Aktion mehr oder weniger zugeneigt. Die Meinung, daß durch plötzliche Arbeitseinstellung die"Unternehmer leicht zur Nachgiebigkeit ge- zwangen werden könnten, ist bei den Hafenarbeitern noch sehr ver- breitet, und die Folge ist, daß auch dort nicht Wert auf hohe Bei- träge gelegt wird, weil zu einer solcken Kampfesform große Mittel nicht nötig sind. Die Kollegen übersehen, daß die Unternehmer den Arbeitern die etwa so errungenen Vorteile stets bald wieder ab- nehmen. So haben die französischen Hafenarbeiter schon 4 bis Smal einen Tagelohn von 6 Frank erkämpft. Das ist dock kein Fortschritt, wenn man immer wieder um dieselben Forderungen kämpfen muß. Auch in Holland, wo man teilweise noch der direkten Aktion zugeneigt ist, hat man diese Erfahrung machen müssen. Die kürzlich in Stockholm abgehaltene Konferenz der skandinw vischen Seeleute hat sich auf den Standpunkt gestellt, daß ein Ver� band der Seeleute für die drei skandinavischen Länder gegründet werden müsse, unter Ausschaltung der Transportarbeiter. Der Großstreik in Schweden hat den Organisationen bedeutende Verluste gebracht, und nun glauben die Seeleute, die Verluste wieder besser ersetzen zu können, wenn sie eine Organisation haben, die sich auf ganz Skandinavien erstreckt, aber vollkommen unabhängig ist. Diese Ansicht ist falsch, denn mit solcher Organisation werden die Reeder leichter fertig, als mit der internationalen Organisation im Trans- Portgewerbe. Ich will nicht sagen, daß in allen Ländern die Organisationen nach deutschem Muster eingerichtet werden sollen, denn ich möchte den Eindruck vermeiden, als wollten wir schulmeistern. Sicher sind die Organisationsverhältnisse in Deutschland gut, doch lassen sie sich vielleicht nicht in allen Ländern einführen. Bei allen Nationen muß aber als Grundsatz gelten, daß eine starke zentralistische Or ganisation notwendig ist. Die gewerkschaftlichen Organisationen bleiben auch am besten politisch neutral. Ihre Neutralität hindert sie nicht, zu bestimmten GesetzeSvorlagen Stellung zu nehmen. Die Zugehörigkeit zur ge werkfchaftlichen Organisation darf nicht von der Zugehörigkeit zu bestimmten politischen Organisationen abhängig sein. Dennoch nüssen die Gewerkschaften sich Einfluß auf die Gesetzgebung sichern. Gerade die Transportarbeiter haben daran ein hohes Interesse. Die Beiträge dürfen nicht zu niedrig sein. Keine Gewerkschaft schädigt sich durch Einführung, hoher Beiträge. Ohne große und kapitalkräftige Zentralorganisationen können wir keine Erfolge er- ringen. Die Idee, die von den Seeleuten Englands propagiert wird, will ich hier nicht erörtern, da am Nachmittag die Konferenz tagt, die sich speziell mit dieser Frage zu befassen hat. Nur auf eines sei hingewiesen: Wilson siprack davon, daß bei einem Streik der Seeleute eines Landes die Schiffe der International Shipping Federation in fremden Häfen nicht beladen oder gelöscht werden sollen. Wer soll aber für strikte Durchführung sorgen, wenn in den Ländern nickt starke Organisationen vorhanden sind? Ohne also schulmeistern zu wollen, möchte ich wünschen, daß die Transportarbeiter aller Länder sich starke zentralistische Or- ganisationen schaffen. Mit diesem Referat schloß die DonnerStagSsitzung. •» Kopenhagen, 26. August 1910. Den Vorsitz führt L i n d l e y- Schweden. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt W i l s o n- England, daß gegen einen der anwesenden Gäste, den Vertreter des norwegischen Seemannsver- bandcs Olaf B a r sta d- Norwegen, Beschuldigungen erhoben worden seien, die eine Untersuchung und Klarstellung erforderten. Bewahrheite sich, was üb« Barftad gesagt worden sei, dann dürfe er fortan an den Verhandlungen des Kongresses nicht mehr teil- nehmen. ES wird auf Vorschlag Wilsons eine aus drei Delegierten bestehende Kommission gewählt, die sofort die Angelegenheit prüfen soll. In der Diskussion über das Referat Dörings spricht zunächst Ja« p e l t- Kopenhagen. Er betont, daß die Seeleute in Däne- mark zu 90 lproz. organisiert sind. Er ist dafür, daß für die See- leute innerhalb der I. T. F. eine spezielle Kommission geschaffen werde, und daß in Zukunft an den internationalen Transport- arbeiterkongressen nur Vertreter der an die I. T. F. angeschlossenen Organisationen, die ihre Beitragspflicht erfüllt haben, teilnehmen dürfen. Der Vertreter des Nederlandsche ScheepS- an BootwerkerSbond ban der Bergh sagt, daß das Referat des Kollegen Döring sehr ioberflächlich gewesen sei. Er habe die Idee der Zentralisation theoretisch behandelt, aber keine Argumente dafür angeführt, daß die Zentralisation die richtige Organisationsform sei. Es wäre nötig gewesen, die Frage auch von anderen Seiten zu behandeln, und zwar in Zusammenhang mit der EntWickelung der Völker. Es sei bezeichnend, daß in den Ländern, wo die politische Gestaltung mehr dezentralistisch sei, auch die gewerkschaftlichen Organisationen den Zentralorganisationen nicht folgen. Bezeichnend sei, daß auch tn Ländern mit größerer politischer Freiheit der Gedanke der Zen- tralisation wenig Platz finde. Auch dieser Kongreß habe der De- ßeutralisation Koazgj&oaen gemacht. Müller- Wien, Vertreter der Eisenbahner Oesterreichs, wendet sich entschieden gegen die Ausführungen van der Berghs. Er meint, daß auf diesem Kongreß syndikalistische Ideen keinen Platz sinden werden. Wenn in einem Lande 11 Organisationen von einem Berufe bestehen, so könne doch von keiner Aktionsfähig- keit dieser Organisationen die Rede sein. Markmann- Holland spricht sich in ähnlicher Weise wie b. d. Bergh aus. In Holland sei die Durchführung der Zentralisa- tion überhaupt nicht möglich. Es komme auch nicht auf die Form an, sondern auf den Geist, der der Organisation innewohne. Oedege st- Holland sagt, daß Döring in seinem Referat die Verhältnisse so geschildert habe, wie sie vor etwa zwei Jahren lagen. In den letzten beiden Jahren hätten sich aber wichtige Aenderungen dort vollzogen. Es gäbe jetzt eine äußerste Rechte und eine äußerste Linke in der Gewerkschaftsbewegung in Holland, und während die Rechte zurückgehe, habe die äußerste Linke bedeutend an Einfluß gewannen. In Holland habe der Einfluß der Sozial- demokratie die Gewerkschaften günstig beeinflußt. Le Guinnec- Frankreich vertritt den Standpunkt der shn- dikalistischen Organisationen. Döring habe die Verhältnisse in Frankreich nicht richtig wiedergegeben. Dort woll« man die Aktion zentralisieren, aber die Agitation soll dezentralisiert werden. Anderfen- Dänemark hofft und wünscht, daß die auf dem Kongreß zutage getretenen Dezentralisationsbestrebungen erfolge los bleiben werden. Forst ner- Wien wendet sich gegen die Vertreter des Syn- dikalismus. In Oesterreich habe man die Erfahrung gemacht, daß nur strenge Zentralisation und Disziplin die Gewerkschaften zum Ziele führe. Müller- Oesterreich wünscht, daß die gewerkschaftlichen Organisationen in allen Ländern mehr mit sozialem Geist erfüllt werden. Er kann Döring in seiner Ansicht über die Neutralität der Gewerkschaften nicht folgen. Aber auch die von den Syndikalisten geforderte Individualität dürfe nicht Platz greifen. Der Staat ist zentralisiert, und der Staat ist die Vertretung der kapitalistischen Klasseninteressen. Wollen wir den Klassenstaat bekämpfen, dann dürfen wir uns nicht nur auf den wirtschaftlichen Kampf verlegen, sondern wir müssen Einfluß auf die Gesetzgebung gewinnen. In seinem Schlußwort gibt D ör i n g zunächst seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß es ihm nicht möglich war, die Organisationsfrage eingehender zu behandeln. Hätte er anstatt einer halben drei Stunden zur Verfügung gehabt, dann hätte er auf alles eingehen können, was verschiedene Redner an seinem Referat bemängelten. Es konnte sich also für ihn nur darum handeln, Anregungen zu geben und auf die in einigen Ländern vorhandenen Zersplitte- rungen der Organisationen hinzuweisen. Die deutschen Transport- arbeiter haben ein großes Interesse daran, daß die Organisations- Verhältnisse in den Nachbarländern gebessert werden, denn die zu. rückgebliebenen Verhältnisse in anderen Ländern hindern die beul schen Transportarbeiter, ihre Aktionen gegen die Unternehmer mit Erfolg zu unternehmen. Sich gegen van der Bergh wendend, er- klärt Döring, daß dessen Einwürfe unberechtigt und falsch seien. In Amerika gibt es nur eine Organisation der Hafenarbeiter und auch in England ist das der Fall. In diesem Lande beschäftigte man sich auch schon mit der Frage des Zusammenschlusses der Hafen- und Transportarbeiterorganisationen nach Art der deutschen Organisation. Es ist auch nicht richtig, daß die zentralisierten Ver- bände oer Unternehmer Folgeerscheinungen unserer Zentralver- bände seien. In England bestanden früher Unternehmerverbände als Verbände der Arbeiter. In seinen weiteren Ausführungen wendet sich Döring gegen die französischen Syndikalisten und be- tonte nochmals seinen Standpunkt hinsichtlich der politischen Neu- tralität der Gewerkschaften, unter dem Hinweis darauf, daß in Deutschland alle Führer der gewerkschaftlichen Zentralverbände diesen Standpunkt einnehmen. Schließlich erklärte sich der Kongreß mit den Ausführungen Dörings einverstanden. M ü l l e r- Berlin erstattet hierauf den Bericht von der Kon- ferenz der Vertreter der Seeleute. Der Bericht wird mit großem Beifall entgegengenommen und die Vorschläge finden die ein- stimmige Zustimmung des Kongresses. Döring erstattet Bericht über die gestern nachmittag abge- haltene Konferenz der Vertreter der Hafenarbeiter und ersucht um Annahme der folgenden in der Konferenz beratenen Anträge und Resolutionen: Die Uniao dos Operarios Estivadores in Rio de Janeiro beantragt: Der Kongreß möge Schritte unternehmen, den Mannschaften der ausländischen Dampfer, die in Rio de Janeiro anlaufen, zu untersagen, daß sie Sonntags die Dampfer laden oder löschen.— Der Svenska Transportarbetarebund beantragt:„Der Kongreß möge internationale Maßnahmen ergreifen, um die Ver- Wendung der Seeleute an den Dampfwinden beim Laden und Löschen abzuschaffen."— Ein weiterer Antrag verlangt, daß auch für die Hafenarbeiter eine Legitimationskarte eingeführt werde.— Ferner fordert ein Antrag, daß dahin gewirkt werde, daß die See- leute in den Häfen, in denen die Hafenarbeiter sich im Streik befinden, nicht verpflichtet werden können. Streikbrecherdienste zu verrichten. Schließlich sollen Sekretäre in allen Ländern bestellt werden, die über alle Maßnahmen der Reeder und über alle wich- tigen Vorgänge in Reederkreiscn berichten sollen. Die Anträge wurden ohne Diskussion einstimmig angenommen. Es folgt die Beratung und Beschlußfassung über die weiteren Anträge. Nach kurzer Debatte werden folgende Anträge dem Zen« tralrat überwiesen: Ein Antrag des„Algemeene Nederlandsche Zee- mansbond": 1. Es wird als die erste Pflicht eines jeden organisierten See- manns betrachtet, mit allen Kräften gegen den Gebrauch von alko- holischen Getränken zu kämpfen. Begründung: Es ist wohl allge- mein bekannt, daß der Gebrauch von Alkohol eines der größten, wenn nicht das allergrößte Hindernis ist, das einem guten Zu- sammenarbeiten der Seeleute zur Förderung ihrer gemeinsamen Forderungen hinderlich im Wege steht. 2. Die organisierten Seeleute aller Länder haben die Pflicht, sich bei Anmusterungen gegenseitig zu unterstützen und mttzu- arheiten an der Placierung. Begründung: Obwohl wir keine Für- sprecher der verpflichteten Mitgliedschaft sind, haben wir nichts- deftoweniger die Meinung, daß das praktische Zusammenarbeiten der organisierten Seeleute auf internationalem Gebiet jeden zwingt, die beantragte Maßregel auszuführen. 3. Der Kongreß möge erwägen, ob nicht auf allen Schiffen nachfolgende Verbesserungen angebracht werden können, die sich auf die Placierung und Einrichtung der Logis für die Bemannung unter dem Range eines Steuermannes und Maschinisten beziehen: a) Die Logis sind iniäsbip anzubringen, b) Die Kvjen der Schlafplätze sind so anzubringen, dah sie nicht längs Bord des Schiffes sind, auch nicht übereinander stehen, c) Aufcnthaltsraum und Schlafplätze müssen voneinander getrennt sein. 6) Es mutz für eine gute Ventilation Sorge getragen werden und sowohl des Nachts als während des Tages für eine ausreichende Beleuchtung. es Ebenfalls muß für einen ausreichenden Raum gesorgt werden, damit die Effekten und sonstigen Sachen der Besatzung unterge- bracht werden können. Auch muß eine Badekammer für die Rkann- schaft vorhanden sein. Begründung: Die Nachteile der gegen- wärtigen Einrichtung der Logis als auch der Umstand, daß sie auf dem meist ungünstigsten Platz und auf dem gefährlichsten Teil des Schiffes angebracht sind, macht die Notwendigkeit allgemeiner Ver- besserungen besonders plausibel. Ferner liegt es auch im Jnter- esse der Sittlichkeit an Bord. Ferner ein Antrag der„Nederlandsche Vereeniging van Spoor- en Tramweg-Personeel": Der international« Sekretär wird be» auftragt, eine Uebersicht zusammenzustellen») aus den bekommenen Informationen über die Arbeitsbedingungen der Eisenbahner, in welcher die Angestellten, welche dicselhe Arbeit leisten, möglichst mit demselben Namen angedeutet werden; d) über die Einrichtung und Arbeitsnachweise von Personalausschüssen der Eisenbahner und über die gesetzlichen Bestimmungen gegen das Skreikrecht; c) über die finanziellen Ergebnisse der Staats- und privaten Eisen« bahnbetriebe, und die Resultate vor dem nächsten Kongreß den an- geschlossenen Verbänden zuzustellen. Ferner empfiehlt der 7. inter« nationale Kongreß den angeschlossenen Organisationen der Eisen» und Straßenbahner, in den verschiedenen Ländern' dahin zu streben. daß die Staatsbehörden Vorschriften über die Arbeitsbedingungen erlassen, die denen bei den Privatgesellschaften mindestens ent- sprechen müssen. Die Organisation der Hafenarbeiter in Frankreich beantragt: 1. Die gleichen Beiträge für alle angeschlossenen Organisationen. 2. Es bleibt jeder Landesorganisation überlassen, ihre inter- nationale Propaganda nach Kategorien und Bedarf zu unter- nehmen. 3. Es bleibt jeder angeschlossenen Organisation frei, auf Konferenzen oder internationalen Kongressen nach gleichen Ka- tegorien zusammenzutreten, um den Bedürfnissen ihres Kreises gerecht zu werden. Ueber den ersten Teil des Antrages wird nach Mitgliedern abgestimmt. Die Gleichstellung der Beitragsleistung der Eisen- bahner an die I. T.-F. wird mit 233 000 gegen 9100 Stimmen an- genommen. Die Verlreter von 85 000 Stimmen haben sich der Stimme enthalten. Der zweite Teil des Antrages wird unvcr- ändert angenommen, der dritte Teil mit der Aenderung, daß solche Konferenzen nur mit Zustimmung des Zentralrates abgehalten werden können. Der Verband der Handels-, Transport- und Ver- kchrsarbeiter Oesterreichs beantragt: Der I. T.°F. können nur zentrale Reichsorganisationen angegliedert werden, die auf dem Grundsatz der Jntcrnationalität aufgebaut und von der gewcrk- schaftlichen Reichszentrale der Arbeiterorganisationen des be- treffenden Staates anerkannt sind. Hierzu liegt folgender Zu- satzantrag vor: Ausnahmen hiervon sind nur für die Organi- fationen derjenigen Länder zulässig, in denen gesetzliche Bestim- mungen oder behördliche Maßnahmen den Zusammenschluß der Or- ganisationen verhindern. Die Sitzung dauert fort._ Die Konferenz der Seeleute. In der Konferenz der Vertreter der Seeleute, die vom Zen- tralrat der I. T. F. geleitet wurde, erklärte Wilson, daß es sich offenbar bei den Auseinandersetzungen zwischen ihm und Müller um Mißverständnisse handele. Ob die Schuld daran an Müller oder an ihm liege, sei schwer zu sagen. Jedenfalls aber hätten sie beide das Bestreben, dem Wohle der Seeleute zu dienen. Wilson erläuterte sodann feine Vorschläge zur internationalen Organi. ssation der Seeleute. Er wiederholte, daß es sich nicht um Grün« dung einer Federation, sondern darum handle, die Organisationen der einzelnen Länder in engere Verbindung zu bringen. Eine Regelung der Beiträge und Eintrittsgelder sei notwendig und könne so herbeigeführt werden." Die folgenden Redner erkannten alle die Schwierigkeiten an. die in der Agitation unter den Seeleuten bestehen, und wünschten, daß eine Verständigung unter den Organisationen herbeigeführt werde. Müller glaubt, daß diese Verständigung wohl möglich sei. wenn es sich um nichts anderes handle, was Wilson jetzt genau umschrieben habe. In dieser Frage seien auf der Konferenz der Seeleute in Wien 1908 bestimmte Beschlüsse gefaßt worden, leider habe Wilson an der Konferenz nicht teilgenommen. Die Durch« führung der Beschlüsse unterblieb aus Gründen, die hier nicht er- örtert werden sollen. Müller machte dann folgende Vorschläge: Der Zentralrat soll unter Hinzuziehung von vier Vertretern der Seeleute der ange» schlossenen Organisationen beraten, wie die in der Agitation be- stehenden Schwierigkeiten beseitigt werden und die Beschlüsse der Wiener Konferenz durchgeführt werden können. Die Vorberei- tungcn sollen bis 1. April 1911 getroffen werden. Zu regeln sei zunächst: die Uebertrittsfrage, die Einführung einer Legitimationskarte für die Mitglieder der der I. T. F. angeschlossenen seemännischen Organisationen und schließlich die Beitragsfrage. Sobald eine Verständigung innerhalb dieser Kommission er- zielt sei, soll ein Manifest herausgegeben werden. Wilson schlägt vor, zur Beratung der von Müller ge» machten Vorschläge und zur Beratung der weiteren Frage betr. den bevorstehenden Streik der Seeleute in England eine Kom- Mission von 5 Mann zu wählen. Bis zur Beendigung der Arbeiten dieser Kommission soll sich die Konferenz vertagen.— Dem Vorschlage wurde zugestimmt. Nach Wiedereröffnung der Konferenz erstattete Paul Müller den Bericht über die Beratungen der Kommission. Es soll«in« Lcgitimationskarte für die Mitglieder der der I. T. F. angeschlossenen seemännischen Organisationen eingeführt werden. Der Zentralrat der I. T. F. soll um vier Personen ver» stärkt werden, die nur zu dem die Seeleute besonders berührenden wichtigsten Angelegenheiten zur Beratung herangezogen werden. Die vier Vertreter sollen Mitglieder der angeschlossenen Organi» sationen in England, Belgien, Skandinavien und Amerika sein. In Gemeinschaft mit diesen Vertretern soll der Zentralrat einen Gegenseitigkeitsvertrag ausarbeiten und baldmöglichst den Organi. sationen vorlegen. Bezüglich der Aktionen gegen die Unternehmer wegen Verbesserung der Lage der Soeleute erklärt die Kommission. daß es Pflicht der Organisationen sei, Forderungen zu stellen, eventuell den Kampf aufzunehmen. Ueber Zeitpunkt und Art de? Kampfes sollen heute keine Beschlüsse gefaßt werden. Die Organi. g sation der englischen Seeleute soll in dieser Frage nichts unter- nehmen ohne Zustimmung der I. T. F. Die Seeleute sollen nicht im Unklaren darüber gelassen werden, daß der Kampf nötig, jedenfalls unvermeidlich sein wird. Diesen Vorschlägen stimmte die Konferenz zu und wird sie dem Kongreß unterbreiten. fltos der Frauenbewegung. Die weibliche Arbeitskraft in der Eisen- und Metallindustrie. Unter obiger Ueberschrift bringt der„Vorwärts" vom 24. d. M.. zweite Beilage, eine Notiz, die äußerst wichtige Zablen über die Ausdehnung der weiblichen Arbeitskraft in der Metallindustrie ent- hält. Am Schluß heißt es, daß die männlichen Berufskollegen die Pflicht hätten, die große Zahl der in der Metallindustrie beschäf- tigten Arbeiterinnen für die Organisation zu gewinnen. Dieser Satz könnte den Anschein erwecken, als wenn die hier in Frage kommende Organisation, der Deutsche Metallarbeiter- verband, auf diesem Gebiete etwas versäumt hätte. Wir halten eS deshalb für notwendig, einige Bemerkungen zu dieser Angelegen- heit zu machen. Sofort nach dem Bekanntwerden der Ergebnisse der letzten Berufszählung im Sommer 1909 haben wir durch ein Flugblatt eine allgemeine Agitation für die Gewinnung der Ar- beitcrinnen eingeleitet. Wir haben weiter eine Kommission ein- gesetzt, deren ausschließlicher Zweck die Betreibung der Agitation unter den Arbeiterinnen ist. Weiter sind sämtliche Funktionäre wiederholt aufgefordert worden, diese Kommission in ihrer Tätig. keit zu unterstützen. Daß wir mit diesen Matznahmen auf dem richtigen Wege sind, beweisen folgende Zahlen. Anfang 1909 hatten wir in Berlin 3664 weibliche Mitglieder. Infolge der Wirksamkeit der Agitationskommission für die Arbeite- rinnen stieg die Zahl bis Ende 1909 auf 4222. Nach der vor einigen Wochen erfolgten Zusammenstellung für das zweite Quartal 1910 hatten wir am 1. Juli 1910: 5503 weibliche Mitglieder. Diese Zahlen sind ermunlernd für die Weiterardeit und hoffen ivir, aller- din�s nur bei allseitiger tatkräftiger Mitarbeit, bald dasselbe Or- ganisationsverhältnis bei den Arbeiterinnen erreicht zu haben wie bei unseren männlichen Kollegen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Es ist uns natürlich nicht eingefallen, zu behaupten, die Organi- sationsleitung tue nicht ihre Pflicht; ein solcher Vorwurf ist aus unserer Notiz auch nicht herauszulesen. Wir sind nur der Ansicht, die Anregung der Organisation findet bei den Metallarbeitern noch nicht die genügende Beachtung. Das gilt besonders für viele Orte außerhalb Berlins. Der von der Verwaltung des Metallarbeiter Verbandes vorstehend ausgesprochene Wunsch, daß seine Bemühun gen allseitige Unterstützung finden möchten, entspricht der von uns erhobenen Forderung._ Eine Frau als Museumsinspektor. In dem öffentlichen Weit beweib für die Besetzung der Staatsstelle als Inspektor des National- museums der Villa Giulia in Rom hat eine Dame, Fräulein Morpurgo die meisten Stimmen erhalten. Einige Mitglieder der Kommission stellten die Wählbarkeit einer Frau in Abrede. Wenn sie auch eine tüchtige Archäologin wäre, so könnte sie den Strapazen, die die Ueberwachung zur Verhütung mißbräuchlicher Nachgrabungen mit sich bringe, nicht gewachsen sein. Mit 42 gegen 8 Stimmen wurde die Ernennung der Dame zu der wichtigen Stellung dem Unterrichtsminister vorgeschlagen. »versamuilungen— Veranstaltungen. Sechster Wahlkreis. Montag, den 29. August, 6., 9., 11. und 12. Abteilung: Ausflug nach Zehlendorf zur Besichtigung der Erziehungsanstalt. Treffpunkt fi/4 Uhr, Wannsee-Bakmhof. Britz-Buckow. Montag i/i9 Uhr bei R. Benisch, Rudower-Ecke Hanne- mannstraße: Vortrag. Genosse Wilh. Konrad.„Die Ziele der modernen Frauenbewegung". Die Mitglieder des Wahlvereins werden ersucht, ihre Frauen und Töchter auf die Frauen- Versammlung hinzuweisen._ Leseabende. Nieder-Schvneweide. Montag, den 29. März, 8'/, Uhr, beim Ge- nossen Rengsch, Britzer Str. 17: Wahl der Leseabend-Leiterin, Vorlesung der Genossin Wrede.' Rummelsburg. Montag, 29. August, bei Blume, Alt-Boxhagen öS: Vortrag. Genosse John. Friedenau. Montag, den 29. August, 8'/z Uhr, bei Me ch elke, Handjerhstr. 60/61: Vortrag. Genossin Schulte-Rix- dorf:„Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Vriefkakten der Redaktion. Sie jiitlftifdie Svrechstnnde findet Liudenftra�e Nr.«S, vorn dter Treppen— Fadeftniil—, wochentSglich von 4'/, vis?'/- Udr abend», Coiinabend» von 4'/- bis 6 Uhr nachmittags iiatt. Jeder für den Brief- kästen bestimmten-Iii, frage ist ein Buchstabe und eine Zahl als SUert- »eichen beizufügen. Briefliche Avtivorr wird nicht erteilt. Eilige siragrn trage ma» in der Sprechstunde vor. Kunstfrage. Besprechen Sie die Sache mit G. Winkler, Rixdors, Kirchhosstrahe 46 ll oder nehmen Sie Einsicht in die Statuten und Flug- blätter. Alsdann entscheiden Sie bitte selber.— P. 100. Anspruch aus Kündigung haben Sie nach Ihrer Darstellung nicht.— Z. 1. Die Fragen lassen sich nicht im Brieskasten behandeln.— H. 125. Sie müssen uns angeben, um welche Papiere es sich handelt.— Hollundcrbaum Nr. 12. Leider wissen wir keinen Abnehmer von Hollunderbeeren.— G. K. 20. Wenn Sie dasür den Beweis erbringen können: ja.— H. H. 1. Polizei- Präsidium Charlottenburg. 2. Heimatjchein. 3. Die Frau erwirbt mit Jlmen gleichzeitig die preußische Staatszugchörigkeit krast Gesetzes ohne besonderen Antrag.— F. H. 100. Wenn der Korridor an die Bewohner der Nachbarwohnung vermietet ist, ja. Es mutz aber der Durchgang bleiben. — H. I. 102. Ohne Prüfung der Akten können wir eine bestimmte Aus- kunst nicht erteilen. Anscheinend liegt ein Verschulden des Anwalts vor. Gegen das Bersämnnisurteil— um ein solches handelt es sich wohl— kann binnen 14 Tagen nach Zustellung Einspruch eingelegt werden.— A. F. 100. Dft Mann hastet, die Frau soll im Prozetz ihre Verpflichtung mangels Vertragsschlutz bestreiten.— B. 500. Nicht bekannt.— ft. Z. 60. Nein, erst dann, wenn er ausgefordert ist, das zu unterlassen. — G. 3>. 114. Sprechen Sie mit dem Vorsitzenden des dortigen Wahl- Vereins.— P. St. N. 1. 1. Sie können Zahlung des ganzen Betrages verlangen. In der Regel empfiehlt es sich jedoch, auf Abzahlungen einzulassen. 2. Beim Schöffengericht. 3. Nein. W. E. 47. Nur aus Antrag des Gläubigers und, wenn es sich nicht um eine Armcnsache handelt, nachdem dem Gerichtsvollzieher die Ein- zahlung eines Vorschusses von 45 M. nachgewiesen ist.— E. G.. Flora- strafte 11. 1. Nein. 2. Ihre Frau ist zahlungspflichtig.— G. St. 100. Nur dann, wenn der Mann für den allein schuldigen Teil erklärt ist.— M. H. 50. Ja, sosern und soweit der gesetzliche Pflichttell verletzt ist.— H. M., Kopenhagener Strafte. Bei dem Annenkommissionsvorsteher Ihres Bezirks ist ein Armutszeugnis zu beantragen. Nach Enipsang ist dasselbe dem zuständigen Gericht mit einem Gesuch um Be- willigung deS Armcnrechts und Beiordnung eines RechlsanwahS ew« zureichen.— 1000. P. P. 1. Nichts. 2. Ja. 3. Nein. Bei einer künstigen Veranlagung müsten Sie rechtzeitig reklamieren. — Sw. 81. Ohne einficht w den Mletsverkag, dessen Befiimmungm matzgebend sind, lassen sich die Fragen nicht beantworten. Das Gesetz gibt den Vermietern ein solches Recht nicht.— C. B. 2000. 1 Notar oder Gericht. 2. Etwa 20 M. 3. Ja.— S. H..»tixdorf. Rudols-Virchow- Krankenhaus. 3,59 M. pro Tag.— B. 501. Nicht dem Mädchen, wohl aber dem Kinde gegenüber.— A. 32. Ja.— A. B. 20 Gewerbesaal, Direktor Ingenieur Hrabowski, Grotzbeerenftr. 26.— B. R. 18. 1. Unsall- rente unterliegt an sich der Pfändung wegen.Alimentensordcrungen. Bei Ihrem Einkommen hallen wir Sie jedoch nicht für unterhaltsverpflichtet. 2. Ja. Sie müssen sofort bei dem ArmenkommtsfionSvorsteher Ihres Be« zirkes die Erteilung eines Armutszeugnisses und nach Erhalt desselben beim Prozetzgericht die Bewilligung des Armcnrechts und Beiordnung eines Rechtsanwalls beantragen.— A. B. 1000. Dezember 1295 bei Kl. Glienicke. Kriefkasten der Expedition. Patienten in Beelift, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen uächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberwcisuwg von Frei- exemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern deS neuen Monats von der Post nicht geliefert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neueingejandt werden. ESasserftandS-Nachrichte» der LansteSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m e l. Tllstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Thorn Oder, Rotibor , Krassen , Frankmri Warthe. Schrimm , LandSberg Netze, Bordamm Elb», Leitnieritz , Dresden , Bardo , Magdeburg -1-I- bedeutet Wuchs,— Fall.») llnterpeael. -EtzßOEHS»«SSSSSZ Unserem Genossen | Fritz KlauenlerifflemSti«| die herzlichsten Glückwünsche K W MSMSMSEOSßStzHl SüzialdeiMiitlsclierWaWyereiii für den 4. Stralauer Viertel. (Bezirk 331 II.) Den Mitgliedern zur Nachricht, datz unsere Genossin grau Villielmine Hitoieke (FriedrichSselder Str. 11) gestorben ist. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet am Dienstag, den 39. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Andreas- Kirchhofes in Wil- Helmsberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht _ Der Vorstand des 6. ßerl. Relefislags-WalilkrElses. Todes- Anzeige. Am Donnerstag, den 25. August, verstarb unser Mitglied Frau Luise Seidel Kolb erger Straße 12/13. Ehre ihrem Audenkent Die Beerdigung findet morgen Montag, den 29. August, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle des städtischen Friedhofes, Müllerstratze, Ecke Seestratze, aus statt. 229/3 Um rege Beteiligung ersucht Her'Vorstand. Verband der freien Gast- und Sebankwirte Deutseblands. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Kenntnis, datz die Frau des Kollegen Luise Seidel g-b. vartei Kolberger Str. 12(Bezirk II) am 25. b. M. verstorben ist. Ehre ihrem Andenken i Die Beerdigung findet am Montag, den 29. August er., nach. mittags 3llt Uhr, aus dem Städtl- schen Friedhos in der Mfiller-, Ecke seestratze, von der, Halle uuS statt. Um reg« Beteiligung ersucht 75/14 vi» Ortsrorsoltung. Allen Vcrwandlen, Fteunden als auch Bekannten die traurige Nachricht, datz am 25. d. M., nach- mittags!>/„ Uhr, nieine liebe Frau, unsere gute Mutter, nach langen Leiden sanft entschlafen ist. DIeS zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme schmcrzerfüllt an Albert Seidel ftÄ. Kolberger Str. 12/13. Die Beerdigung findet Montag. nachmittags 3st,Uhr, von der Halle des städtischen Friedhofes in der Müllerslratze aus statt. 583b Arbeitsräume �ranKf. Altec 107 II Tr. 6 helle Borderzimmer mit Küche U.Korrid. per t.Okt. preisw.zu verm. Näh. dort bei Hausw. tstntro.* SoziaMemGkratisciierWiilifrerelD Ält-Glienicke. Am Freitag, den 26. d. M., vormittags 11'/, Uhr verschied nach langen, schweren Leiden unser Mitglied, Frau 293/14 Hedwig Dürre an der Proletarierkran khett. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. d. M., nach- mittags 4'/« Uhr vom Trauer- Hause aus statt. Mctigs Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Revolver- dreher Hermann Winkel gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 28. August, nach. mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des neuen St. Pauls-Kirch- Hofes in der Seestratze aus statt. Rege Beteiligung erwartet vlo Ortsvsntfaltung fleutseber Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Kollege, der Hausdiener Louis Gericke am 26. d. M. im Alter von 64 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. d. M., nach- mittag? 4 Uhr, von der Leichen- balle deS EmmauS-KirchhoseS in Rixdors, Hermannstratze, aus statt. Um rege Beteiligung wird ge- beten. 71/11 Die Bezirksverwaltung. Verband deutacber Textilarbeiter. Filiale Berlin. Noch langem, schwerem Krankenlager verstarb am 26, August unser treuer Mitkämpser, der Teppichweber Geor? Rödel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 29. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des Andreasgemeinde-Fried- hoseS in Wilhelmsberg aus statt. 197/19 Die Gescklftsleitung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, datz am 26. August, morgens 6'/, Uhr, mein geliebter Mann und herzensguter Vater Georx Rödel nach langem, qualvollem Leiden sanft entschlafen ist. Dies zeigen unter großer Be- trübniS an Die Hinterbliebenen. Barle ROdel. Arthur KOdel. Die Beerdigung findet am Moniag nachmittags 5 Uhr von der Leichcuballe der St. Andreas- Gemeinde, Wilhelmsberg, aus statt. Zurückgekehrt: Zahnarzt 1232/17 Dr. SS Seligmann. Am Donnerstag, den 25. d. M., vormittags, verstarb nach kurzer Krankheit meine liebe Frau VVilkelinine Hube geb. Jtthnchen. DieS zeigt tiesbetrübt an Barl Buhe, Maurer. Die Beerdigung findet heute Sonntag, nachmittags. 2'/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Rixdorser Friedhofs, Mariendorser Weg, aus statt. Verband der Fabrikarbeiter. Verwaltung Berlin. Am 25. August 1319 verstarb unser Mitglied lernst Simon. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 28. August, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle des Tegeler Friedhofes aus statt. 63/19 Die Ortsverwaltung. «Winnen sicDer Danksagung. üt die Leweise herzlicher Teil- nähme und die zahlreichen Kranz. spenden bei der Beerdigung meines geliebten Mannes, unseres guten Vaters Vinstav Hebel sagen wir aus diesem Wege allen Be- teiligten unseren herzlichsten Dank. Witwe Anginvte Hebel 587b und Kinder. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines Schwagers Frnst Schnitt sowie für die Blumen und Kränze sage ich allen Verwandten und Be- kannten, mich dem Gesangverein von Baumschulenweg, seinen Kollegen und Parteigenossen meinen innigsten Dank. Alb. Boffhiann, Hamburg 23, Wielandstratze 83. /. die Uebsrzeugung, meine Damen, dassSte bei Westmann Mohrenstrasse 87a(nahe Jerusalener Struae) Gr. Frankfurter Strasse IIS(nahe Aidrenatr.) ZU ganz hervorragend billigen Preisen kautea können. BSV BcidekUgaag der Lllger| Teppiche!(sehierbalte) w allen Größen, fast für die Hälste des Wertes Tepvichlager Brünn. Hackescher Marti 4, Bahnhoi Börse.(Leser des „Vorwüris' erhalten 5 Prozent Rabati.) Sonntags geöffnet! PfaudlethhouSkrebber, Küstriner- platz 7, spoltbilliger Belienvertauf, Gardinenvertaus, Wäichkocrlaus, Uhrenvertaus, Teckenverckaus, Schmuck- fachen, Goldsachen, Silbersachen, ver- fallcne Pfänder. L492K Siäftiiiaschiuenhaus Bcllmann, Gollnowstraße 26, empfiehlt Asrano. Adler, Zentratbobbin, Ringschiff, Lang günstig, Garantie. nehme in Zahlung. AUe Maschinen 3245t* Leihhaus.Rosenlbaler Tor*, Linien- ftraße. 208/4. Ecke Roscnthalerstraße: Großer Verlaus verfallener Anzüge 9,50 an; Paletots, Monals-Abonne- ments-Garderoben, Uhren, Gold-, Silberwaren. Bellen,� Wäsche, Gar« dinen. Souiiiags geöffnet 7 bis 10. 12 bis 2.____ 9205t Herren< Garderobe nach Maß, saubere Arbeit, großes Stofflager, Palelot. Anzug 36 Mark an. Kaust beim Handwerker, lasset den Hand- werter verdienen. Teilzahlung gestattet. F. Dörge. Dresdenerstraße 109.* �Safastosfreste. Wolle, Plüsch, Mocqueit, spottbillig. TcppichhauS Emil Lesövre. Oranieiistraße 158.* Retchgestickte Portieren, Mlztuch S,8S, Naturlcinen 5.35. Velvetplüsch 7.85, Kochelleinen 16,50 pro Fenster. Epezialkatalog 600 Abbildungen gratis. Teppichhaus Emil Lesöore, Oranicn- ftraße 158.___ 101351* HaOen Sic vielleicht einen Jungen von 3—5 Jahren? Ich habe 100 An. züge in den Größen 1, 2 und 3, gute reinwollene Kammgarne, offene Bluse Mit Ucbcrtrazen, auch Kittel-, Sport. und Schilleranzüge. die ich bedeutend unter Preis jetzt abstoße. Herrmann Schlesinger. Turmstraße 58, wegen Umzug narh 38.__ ' Teppiche, Portieren, Gardinen, Steppdecken, Diwandecken. Läuser- sloffe, Brautlväsche, spottbillige Kehr- ausprciie wegen Auslösung. Pols» damerilraße 100. Fischer..Vorwärts*» 'cser Exlrarabatl. 107HK* Turch Rauch und Staub beschä- dtgte Gardinen, Stores, Tü llbettdecken, Fabrikreste. 1.75, 2.25, 2.85, 3.75, 4.85. 5.50, 6.75 usw. ErbStüllftores und Bettdecken, 3.45, 3.85, 4.75. 5.75, 6.50 usw. E. WeißenbergS Gardinenhaus, Große Franksurlcrstraße 125, im Hause der Möbelfabrik. Tuch- und Plüschdecken 1.25, 1.75, 2.50, 3.85, 4.75, 6.50, 8.75 bis 30 Mark. Plüsch- und Tuchportieren 3.25, 3.85. 4.85, 6 35, 7.85 usw. Große Franksurterstraße 125. Abfallteppiche 3.85, 4.75, 5.50 usw.___ Pliischteppichemit kleinen Fehlern, In allen Größen, 6.75, 8.25, 9.85, 11.50, 13.50 bis 60 Mark. Große Franlsurterftraße 125, im Hause der Möbelsabrik. Sport- und Lammwolldccken l.65, 2.50, 3.25, 4.50, 5.25. 6.75 bis 20 Mark. Möbelstoff-, Läuscr» und Lino- leumreste spottbillig. E. WeißenbergS Teppick bauS, Große Fvanlsurter- straße 125._ 1106K* Zinkwaschfiifser, Zober. Sitz- wannen, Badewannen. Spezialfabrik Wienerstraße 12. Lesern 5 Proz.| StugerA 75.00, Naumann-Bobbin, Schnellnäher, Adler, auch ohne An- znhlung, l.00 wöchentlich an. Anstatt Agenten erhält Käufer Provision. Postkarte erwünscht. Kaliski, Brunnen- straße 173. Bellealliancestraße 4, Cbausseestraße 80, Beusselstraße 18, Frantsurterstraße t 15, Oranienstr. 2a, Tauenzienstratze 5, Frankfurter Allee 72, Chariollenburg, Scharrenslraße 2, Rixdorf. Reulerstraße 56. 773K Taschenbuch für Gartensreunde Ein Ratgeber für die Pflege und sachgemäße Bewirtschaslnng des höuS. lichcn Zier-, Gemüse, und Öbst« garten« von Max HeSdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abbildungen. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts, Lindcnstr. 69. Gac-bronzekronen! GaSzug- lampen! 9,00. Spelfesaalkrone I Gas- hängelichtl GaSlyren VI,. Kasperl- ampcl 1 Geschästsorrkaul spottbillig 1 Woblauer, Wallnertbeaterftraße 32. Hermnnnplnq 6. Allerbilligste Psänderverkäuse. Sommerpalelots. Jackettanzüge. Gebrockanzüge. Herren- boien. Ertrabilliger Bettenverckaus. Bertnietungsbelt.«rautbelten. Aus- sleuersachen. WäscheauSwahl. Gar- dinenauswabl I Teppichauswahl l Plüschttschdecken. Steppdecken. Wand- uhren. Taschenuhren. Goldsachen. Großberlins allerbilligster Waren- verlaus im Psaudleihhaus Hermann- platz 6. Auch Sonntags geöffnet. Monatsanzüge und Sommer- Paletots von 5 Mark sowie Hosen von 1,60, Gebrockanzüge von 12,00, Fracks von 2,50, sowie jiit korpulente Figuren. Neue Gardcrohe zu staunend billigen Preisen, aus Psandleihen ver- sallcne Sachen laust man am billigsten bei lllatz, Mulachiraße 14.* Vorwärtsleser erbalten 5 Prozent Exirarabatt selbst bei Gelegenheit«- käusen. TePpich-TbomaS, Oranien- ftrage 160. Oranienplatz._ 89451 Bekanntmachung!. Pfänderauktion Humboldtleihhaus beendet l Spott- billigster Brticnverkausl Brautbetten! AuSsteucriväsche I Gardinenauswahl! Plüschportierenl Steppdecken! Pracht- teppiche! Plüschttschdecken! Extrabillige Jackettanzüge l Gehrockanzüge l Massenauswahl Damenuhrcn I Herren- uhren I Ketlcnauswahl I Wanduhren extrabillig I Nicht irren I Humboldt- leihhauS Bruiiuenstraße 58, Eckhaus Stralsunderstraße. 115551* Installateure kaufen Gas krönen, Zugampcln allerbilligst bei Baumann, Alte Jakobstraße 125(Engrosrabatt). Drehrollen, Wiegeschalen, Butter- Maschinen und sämtliche Milchgeschäfts- artikel. Krigar u. Jhssen, Waßmanu« slrag- 29. 1l23K* Leihhaus.Schöneberg*, gegenüber Bahnhos, Sedanstroße 1, Telephon Ami 6, 15687, bietet stets Gelegen- heitSkäuse in verpfändet gewesenen und neuen Anzügen, Pommer- und WinterpaletotS, einzelnen Hosen, goldenen, silbernen Herren- und Damen- Remontaire> Uhren. Kelten 3,50 an, serner goldene Ringe. Broschen, Ohrringe, PianinoS, Fahrräder, Frei- schwinger 10 Mark an. Richard Eichelmann._ 20051* �Getragene Jackettanzüge, Sommer- paletotS, Rockanzüge(besonder» für korpulente Herren), spottbillig bei Weiß. Blücherstratze 67 I(Haltestelle Miitenwalderstraße)._ 12235t* Tie Grundbegriffe der Wirt- schasiSlehre. Eine populäre Sinsüh- rung von Julian Lorchardt. Preis 40 Ps. Expedition Vorwärts, Linden- ratze 69. Billig einkaufen, heißt Geld sparen. Leihhaus Ernst Schmidt, Romintener- straße 43, nahe Stadt- und Hochbahn, Verlaus von Anzügen, Sommer- palctots, Hosen, Uhren, Gold:. Silber- waren, Leib-, Bettwäsche, Gardinen, Betten usw. Neue Sachen und ver- fallen« Pfänder billigst. Tel. VII. 13 925. Sonntags geöffnet. 96051' Leihhans»Brunnen*. Herrenanzüge 8.50. Burfchenanzüge 6.75. PaletotS, Hosen, Monteuranzüge, prima 4.—. Herren» und Damen- stiesel 6.—. Betten, Stand mit zwei Kissen 10.—. Kostüme, Blusen, Röcke, Portieren, Gardinen, Tcppiche, Wäsche, Taschenuhren, Freischlvinger, Gold- waren, alles spottbillig. Brunnen- straße ll8, Ecke Us-domstraße_• .Kinderwagen, Klappsahrstühle, Kinderbettstellen, Ricsenauswahl, größere Raten KaffapreiS. Andreas. straße 53 und Kleiftsttatze 15. 95451* PfandleihhauS 1 Rixdors, Berg. straße 58. Großer Psänderverkauj I Uhrenverkausl Schmucksachen! Ein- segnungsgeschenkc! Frcischwinger I Bcttenverkaus I Wäschevcrkaus I Gar- dinenauswabl I Portieren! Stepp. decken! Plüschdeckenl Prachtteppiche I Hochmoderne Herrengarderobe! Spott- billige LeihhauSpreise I MSK Gardinen, englisch Tüll, Meter von 0,20 an, Stores von 0,90 an, Tüllbittdecken von 1,75 an, Gardinen abgepaßt, ganzes Fenster von 1,50 an. KaushauS Levtz, Brunnen- straße 59.» Partieren, Tischdecken, Vorleger, Eclle, zu sabelhast billigen Preisen. jüi y, Brunnenstraße 59._* Bette«, Bettsedern, Verkauf zu staunend billigen Preisen. Levy, Brunnenstraße 59. 1163K* Neue Betten! Staunenerregend billig! Leihhaus, Große Frantsurter- straße 17. Teppichverkauf! Gardinen- verkauf I Plüschportieren I Herren- garderobe I Aussteuersachen l Uhren- verkauf! Partiewaren I+43* Lauben- Baumaterialien, ge- braucht« und neue, wie: Kantholz, Bretter, Latten, Leisten, Türen, Fenster, Dachpappe in größter rntSwahI billigst. Hasenheide 2(am Hermamiplatz)._ � 28016* Abessinierpnmpe 7,50, Sauger 2,50, Rohre, Fitigelpumpen. Gartenspritzen, Pumpensabrik Schroeder, Hochstraße 43. 27lb* Mustcrsachen elegantester Leib- Wäsche, Tischwäsche. Bettwäsche, für Ausstattungen, teilweise angestaubt, bis zur Hälste deS Wertes. Ferner Damenhemden mit handge- stickter Passe 1,15, Herrenhemden 1,15, Bettbezug nebst zwei Kopskissen 3,95, große Bettlaken 1,25, drei Handtücher 0,70, Hemdentuch zehn Meter 3,00. Wäsche>abrtk SalomonSky, Dircklen- straße 21, Alexanderplatz. 231b* 4,kiy Teppiche, Portieren 3,75, Plüfchdecken 5,—, Gardinen, Laken, Bezüge nur in der Oranien-Pfand- leihe Oranienstraße 23a._ 94/13' 4,25 prachtvolle Betten, 7,00 daunige Betten, 10,00 ganzer Stand, rosarot Inlett, nur in der Oranien- Psandleihe Oranienstraße 23a. Fahr» geid wird vergütet.__ 94/14* Billige Hosenwocke. Hochelegante Herrenhosen au« fenisten Maßstoffen 7— 15 Marl, Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 555b* Borjährige elcgantcHerrenanzüge und Palctots au« seinstcn Maßstoffen 20— 40 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 556b* 4-25 prachtvolle Betten, 7,00 daunige Bauernbetten, 10,00 ganzer Stand, rotrösa gestreift Inlett, einzig nur in der billigen Betten-Psandleihe Prtnzenstraß« 86._ 94/15* Landbett, zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläfrig, 15.00, groß- Laken 90 Pfennig, Damastbezüge 3,60, Steppdecken. Prinzenstraße 86. Bauerndeel ltissen 24,00. Prinz Bauerndcckbett, Unterbett, zwei s"'tt 24,00. Betten- Pfandleihe izenstraße 36. Annoncenvorzeigern vergüte Fahrgeld. 94/17* Littauers Nähmaschinen obn« Anzahlung, gebrauchte spotlbilligl Sla- litzerstraße 9V, Warschauerftraße 67. MonatSanznge, Sommerpaletots, Gehrockanzüge, Einsegnungsanzüge, Hosen, spottbtflig, Rolenlhalerstraße 48. Kein Labw- blöb* Monatsnnzüge, PaletotS, wenig getragene, von 5 Mark an, große Auswahl für jede Figur, auch neu« elegante Garderobe aus erster Le- »ugsguelle, 20 Prozent billiger wie Im Laden, direkt vom Schneider- meister Paul Fürstenzelt, nur Roien- tbaicritraße 282/12* Kinderwage«. Klappsahrstühle, Eisenbetistellcn, Leiterwagen, alle Sorten Räder. Fritz Metzners 3. Gc- schäst, Beusselstraße 67.+147 Singerbobbin, Adlcrphönix, Schncidermaschinen, auffallend billig, PfandleihhauS, Roscnthalerstraße 32 neben Wertheim._ Tamenroben aus füvstlichtn verkauft spottbillig Kokae, runnenstraße 3._' 2916 MonatSanzüge-Sommerpaletots, Ulster, Beinkleider, für jede Figur paffend, billig abzugeben. Schneider- meister, WilmerSdorserstraße 112. Hochparterre links. Portal II.+43 Lieferwagen und alle Sorten Räder. Palifadenstraße 101. Haarfärbemittel, unübertroffen, Probeflaschen 0,50. Winterseldt, Steg- litzerstraße 25.__ �__ 191/20 Waren, sämtliche 0,50 wöchentlich. Warenkredithaus Lewtn, Schön- flietzerstr. 8. Postkarte erbeten. 93/3 Schuhwaren zur Einsegnung empfiehlt spottbillig Porth, Prenzlauer Allee 187.+140 Sportwagen billig zu verknusen Weichselpiatz 6, Ouergebaude IV links. Patentrolle verlaust preiswert Wünsch, Bortihokmerstraße 9.+140 MUchgeschMöeinrichtnngen! MikchverkausSgesäße, MUchkannei», Miichmaße, Miichsiebe, Butter- Maschinen, Wiegeschalen, billigst. Spezialfabrik Hermann Jordan, Michaelkirchstraße LI.__ 96/5' Lichtenrade-West. Verkause mein Grundstück mit Sommerhaus und Garten billig. 10 Psennig-Tour. Un- müßig, Mittenwalderslraße 1. 557b Haarfärbemittel- unübertroffen, nnschädlich, waschecht. Probeflasche 0,50. Grießler, Charlotlenslraße 5. Kinderwagen- Klappsportwagen, herrschastlich, nagelneu, spottbillig Exerzierstraße 19 A, Vorderhaus II, Ingenieur.__+98 Bücherschrank, Zeichentisch, Stalin kamera, 13X18, billig zu v erkaufen Schenk, Koibergersttaße 20._ PfandleihhauS! Chausseeftraß« 60 1 Vollständiger AuSververkaus l Aus- lösungspreise| Bettenverlaus l Aus- stenertväsche I Gardinenauswahl l Prachtteppiche! Plüschdeckenl Plüsch- Portieren l Steppdecken I Herren- garderobe I Taschenuhren! Wand- uhren l Einsegnungsgeschenkel extra- billig l Verlaus täglich, auch Sonn- tags. 122 ist* Bettenverkanf, Gardinennus- wähl, prachtvolle Steppdecken, Tisch- decken, Plüschportieren, Teppichver- kauf, Wäscheverkaus, Taschenuhren. Freischwinger spoltbillia im Leihhaus Andreasstrabc 57. 26/12 Blauen Kinderwagen verkauft billig Schütz, Elsenstraße 53. 53tb Täglicher Verkauf aller Art ver- sallener Pfänder im Leihhaus Andreas- straße 57._ 96/13 Umzugshalber Singermaschine, 15,00, Baudeck, Rixdors, Berliner» straße 89, iinke» Vorderhaus III. Kanartenroller-Vorschläger. Titz«, Graunstraße 34._+68 Sei irrt kanarien. Vorsänger, Jungvögel spottbillig. Könitz, Tres- lowstraße 45._+140 «anarienhähue 6,—, Oranienstraße 203. Neinhardt, +2 Xlphophoras hellen, Girar- dinus reticulata, Poecilia guppyi Wasserpflanzen für Anfänger spott- billig, Görlitzerftraße 32._+2 Kinderwagen, fast neu, blau, ver- kaust Ran, Waldemarstraße 23, Ouer- a gebäude g._+2 Schwarzen Nockanzua verkaust Giesel, Sorauerstraße 3 II.+3 Geschäftsverkäufe* Schankgeschäst, gutgehend, ist zu verlausen. Umsatz 38 halbe Tonnen, 8 Halbe Weißbier. Miete 2000. Preis 3800. Erfragen bei Otterstein, Britzer. straße 43._ 513b« Groher Restaiirationsbetrieb tu einer Vorstadt Berlins ist krankheits» halber zu verkaufen, bestehend auS einem großen Saal(1000), kleinen Saal(200) und einem Vereinszimmer (100 Per+onen fassend), außerdem vordere Restaurationsräume, im Zentrum der Stadt gelegen. Die Lokalitäten sind aus das modernste eingerichtet. VerkehrSIokal für Partei und Gewerkschaften. Offerten iE. 1 Expedition diese» Blattes. 1166K« Sargmagazin verlaust Stephan- straße 55.+52« Materialwaren> Geschäft wegen Todessalls des Ehemannes sofort billig zu verkausen. Zu erfragen bei Hoffmann, Wildau. 1205K« Obst- und Gemüsegeschäst, beste Lage, gute Kundschaft zu verkauien Rixdors. Boddinstraße 32..+17 AlieS Parteilokal, Zahlstellen und Vereine, zu verkausen. Erfiagen tzeimroth, Admiralstraße 30. 553b �Milchgeschäft, billig, Lichtenberg, Wilhelmstraße 66.+119 Tüchtigem Bautischler bietet sich Gelegenheit, sewständig zu werden. Billige Werlstatt und Arbeit vor« Händen. Näheres Thunerstraße 47, Reinickendorf. Eddestillatlon mit Borgarten und dnschließender Wohnung zu verkaufen. Erfragen Kolonialwarengeschäst Lieg» nitzerstraße 31._ Schankgeschäst. Nähe Gewerl- schaslshaus, Adalberistraße 37._ Schmiede veräuderungshalber zn verkaufen, Preis 1800 Mark. Offerten \V. 1 Expedltion des„Vorwärts*. Koitfitüren-Geschäst, 6 Jahre de- stehend, neben zwei Schute», Wort biftig Weidenweg 77.+18 Strebsame Leute finden gute, ge» sicherte Existenz in Kolonial-, Obst-, Gemüse-, Holz-, Kohlenhandlung ohne Konturrenz. Grosicr Umsatz. Wegen anderer Unternehmung. Baumschulen- weg, Ernsistrahe 8. S83b Zigarrengcschäst sofort wegen Krankheit billig zu verlausen. Miete 33,00 mit Wohnung. Teste, Reinicten- dors, Eichbornstratze 94. tl41 Schankgeschäft, 18 Jahre bestehend, 22/j bell, Weitzbicr, zwei Vereine, elektrisches Pianino, zu ver- lausen. F. 100 Postamt 20. �94 Scifengcschäft, 1100 Mark, Rix- «vts, Kncsebeckstratze 53._ Ecklokal sofort preiswert zu ver- lausen. Auskunst Nicolay, Brunnen- ftratze 143.-s58 Kolonialwaren-, Obstgcschäst mit Milch, Fcuerling, Rolle, umstände- halber billig, schöne Wohnung. Er- fragen: Nazarcthkirchstratze 41, Laden, Ricik.____ t48 Setfengcschäft zu verknusen, weil sür die Frau allein zu tqwer. Zu ersragen Richardstralie 61. fil Gemüseaeschäft, spottbillig, mit auch ohne Verwaltung, Rixdors, Kops- strage 15._+47 ZigarrcngeschSft, gangbares, billige schöne Wohnung, Rixdors, Faltstraste 23.+47 Grünkr. mgcschaft, gute Existenz, wegen Verzug nach austeraalb, sosort billig vertäuflich. Miete 50 Mark. Tageskasse 00 Mark. Sluskunst: Rix. dors, Hcrmannslraste 110, Walter. Ztgarrcngeschäft, Nähe Bahnhof, Existenz sicher, zu verlausen, Rixdors. Heimann st raste 148.+47 Ztgarrcngeschäft verkäuflich wegen Verzug nach außerhalb GotzkowSky- straste 29._+147 Zigarre»geschäft, 5'/, Jahre bestehend, mit Wohnung, anderer Unter. nehmen halber verkäuflich. Malplaquet- straste 12.+20 Kolonialwaren-, Obst- und Süd fruchthandlung in einer Verkehrs- reichen Gegend Wilmersdorfs, wegen Uebernahme einer Restauration billig zu verlausen. Näheres Bäumlcr, Schöncberg, Martin-Luther-SIr. 51, Spedition.+15 Barbiergeschäft, langjährig, verkaust Weddingstr. la.+20 Nestau, ant mit Taubenbörse, 15 Jahre bestehend, sosort billig zu verlausen Schöneberg, Goltzstr. 40. Möbel. Wichtig! Möbel, gebrauchte und verliehen gewesene, Kleiderspind 18,90, �Bettstelle mit Federmawatze 17,00, Ausziehtisch 14,00, Stühle 2,00, Kommode 12,00, Ruhebett mit Decke 18.00, Walchloilctte 8,00, Garderobenspind 33,00, Plüschgarnitur 48,00, geschnitzte Säulenschränke, Bücherschränke, An- kleidcschrauk 05,00, AuSziehsosa 10,00, Satin- Schlaszimmer. pitjein, 220,00, Herrnschreibtisch 28,00, Ledcrstühle , 8,00, Herrenzimmer, Speisezimmer, Standuhr, Federbetten, Stand 10,00, Saalteppich 20,00, bunte Küchen 55,00, Säulentrunicau 30,00. Gebe auch Möbel aus Teilzahlung. Sonntags geössnet. Stargardt, Lothringer- straste«9._ 256/1* Movetangcbol, gebrauchte und neue Einzelmöbel und ganze Ein- richtungen, einfachste. eleganteste Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlaf- zimmer, belieben gewesen, verfallen, spottbillig. Riesenlager, 5 Etagen. Möbelspeicheret. Neue Königstr. 5t6. Fabrikgebäude. Teilzahlung gestattet. sonntags geöffnet. 282/13* Gebrauchte Möbel, Wohn- and Schlaszimmer, sowie Gaskrone billig wegen Umzugs. Tempelhoser User la, III links. 11—1, 4—6,_ 6186 fviobrltiiclilere». Harnatt.Titchler- meifter, gegründet 1901, Stallschreiber- straste 57(Moritzplatz), liefen komplette Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen. Unüber- trosiene Leistungssäbigkeit. Enorme Auswahl. Zahlungserlcichterung. VorwärtSlcser 3 Brozenl. Kein Laden, Verkauf Fabrikgebäude._ Gelegenheitskauf. Zurückgesetzte BüsettS 85,—, Vertiko, Nußbaum 39,—, Kleiderspind, nustbaum 3g,—, Wachstuch-Ausziehtisch 16,50, billige SosaS, Schreibtische, Trumeaus, moderne Küchen. Möbelfabrik Kraese- straste 34, Fabrikgebäude. Speziali- tät: Kleine bürgerliche Wohnungs- einrichtungen. Teilzahlung gestattet. Kleiderschrank 28,—, Vertiko 32,—, englische Bettstellen 24,—, Plüschsosa 55—, hübsche Küchen 65,—, komplette Schlafzimmer, Birke, Eiche, enorme Auswa hl. Dwinatzki. Andreas- graste 30, geradeüber Markthalle.* Möbel-Kelcgenheilskäufe in allergrößter Auswahl; einlache sowie bessere Wohnungseinrichtungen be- deutend billiger wie regulär. Er- gänzungSmöbel. Büsette 120, schreib- tische 45, SosaS 45, Garnituren 65, Trumeaus 30, Schränke, VerlikoS 26. Kronen, Tcppiche. Bilder. Küchen- möbelj Klubsessel, LedersosaS, Um- baue, Lederstühle usw. spottbillig. Lennerts Möbelspeichcr, Lothringer- straste 55, Rosenthaler- Tor. Die Möbel find in vier Etagen aus- gestellt. 1142K* ' Möbel Für Brautleute günsttgste Gelegenheit, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleinster Anzahlung gebe schon Slube und Küche. An jedem Stück deutlilber Preis. Uebervorteiluug daher ausgeschlossen. Bei KrankheitS- fällen und Arbeitslosigkeit anerkannt gröstte Rücksich:. Mobelgeschäjt M. Goldstaub, Zossenerstraste 38, Ecke Gneisenaustraste. Kein Abzahlungs- geschästt 2S0lK* Gebrauchte und neu« Möbel am billigsten bei Rehseid, Buttmann- straste 20(Gesundbrunnen). 118981* Bettstellen mit Matratze 12,00, 15,00, 18,00, 21,00.— Englische, echte, nagelneu 28,00. Rehseld, Butt- «ann straste 20. KletderschrSnke. Muschelaussatz. nustbaumartig 27,00, 12,00, 15,00, Rehseld, Buttmannstraße 20. (Einrichtung, vollständige, sür Stube, nagelneu 120,00. Rehseld, Buttmannstraße 20. Kücheneinrichtung komplett 45,00. Rehseld, Buttmannstraße 20. Plüschsofas, nagelneu, modern 39,00. Rehseld, Buttmannstraße 20. Wietallbetten. zwei, modern, spottbillig verkäuslich Zossenerstr. 10, tzutgeschäst._ 96)7* Kinderbettstclle, weist, neu, spott- billig. Mitzschke, Exerzierstraste 19 a. Kaufen Sie jetzt l l vor der Möbelteuerung, dann sparen Sie Geld. Ich verlause meine enormen Vorräte in gediegenen Wohnungs- einrichtungen wie auch Ergänzungs- möbel und Polslerwaren zu nie ge- kanat billigen Preisen. Besichtigung lohnend I Möbelfabrik M. Hirschowitz, Skalitzerstraste 25, an der Hochbab»! llinzugshalber kaufen Brautleute am billigsten in Möbel-Polslerwaren- sabrik Chausseestraste 50 1 1 komplette Wohnungseinrichtungen, Küchen 35,—, geschliffene Trumeaus 28,—, Säulcn- büselts, Schreibtische 32,—, Plüsch- sosaS, Ruhebetten 24,—, Schlaszimmer in großer Auswahl. 12I8K llmbaufofa.Säulentrumeau, ganze Wirtschaft, billig Waldemarstraste 03a, vorn I. 96/11 Bettstellen, Mattatzen verkauft. Händler verbeten. Bocckhstraste 40, uuergcbäude 4 Treppen links.+121 Brautleute sparen viel Geld durch günstigen Einkauf in der Möbel-, Polsterwarensabrik Max Neumann, Oranienstraste 202. Bürgerliche Ein- richtungen schon sür 200 Mark. Große ikluswahl in besseren Möbeln.+3 Parteigenosse verkaust Vertiko, Dezimalwaae aus Zwang. Böhmer. Prinzen strage 106 IV.__+143 Sofa. Posten gestickter, gepreßter Plüschsofas verkaufe von 45 Mark an. Pflügerstraste 65, parteire links, Rixdors._+47 Nustbaiimmöbcl, Spezialität kleine bürgerliche WohnungS-Einrtchtuugen, Kleiderschrank, Verttko, nustbaum38.00, elegante Plüschsosas, Schreibtische, bunte Küchen. Säulentrumeaus 32,00? Gelegenheitskäufe. Möbelspeicher Kott- buser Damm 72. Graste Posten Möbel gelangen zum spottbilligen Verkauf. Kamer- lings Rtöbelsp eicher, Kastanien-Allee 56, Ecke Weinbergsweg. Hausnummer 56 b rächten._._ 590B Sofa, gut erhalten, billig. Schweda, Prinzenstraste 47. 37/4 llmzug. Möbel, Kleiderspind 25,00, Spiegel 7,00, Stühle 2,50, Plüschsosa, Chaiselongue, ganze Wirlschast. von 3—8 verläuflich Stallschreiderstr. 52, Nehrkorn._ 257/3* Möbelfabrik, Georg Tennigkeit, Oranienstraste 172/173. Brautieute, die gediegene Möbel kaufen wollen, sollen nicht versäumen, mein be- deutendes Lager zu besichtigen. Einrichtungen 285,00, 438,00, elegante 650,00 bis 3000,00. Englisches Schlaf- ziinincr 272,00, Kleiderschrank, Ver- tiko 45,00, Trumeau 35,00, Taschen- sofa 58,00, eichene Speisezimmer. Herrenzimmer, Salons, sehr preis- wert. Küchen, farbigen Anstrich 55,00, verliehene und zurückgesetzte billigst. Auch Teilzahlung._ 12273* Schleunigst verkaufe Sosatisch 5,00, Bettstelle», komplett, 20,00, Plüsch- sosa, Spiegelverliko, Muschelschrani, Säulentrumeau, Zweizngtisch, Bronze- kröne 10,00, Robrlehiistühle, Plüsch- Portieren 1,00, Bettvorleger 50 Pfennig Brautleuten Gelegenheit. Auch Sonn- tag. Neue Königstraste 79, II links. GelcgeiihoitS-Käuse sür Braut- paare. Pensionate und Hotels. Muschel- schrank: Muschelverliko 28,—, apartes Taschensosa 45,—, eleganter Sofa- umbau 50,—, Bücherspind 55.—, Aus- ziehtisch 15,—, Muschelbettstelle mit Patentmalratze 35.—, Säulentrumeau 28,—, moderne, farbige Küche 55,—. Möbelkaushaus Dresdenerstr. 107/108. Lagerung, Freitransport. 257/2 Berkanfe: Elegantes Plüschlosa, englische Bettstellen, Spiegelwasch- toilette, Ankleideschrank, Waschmaschine, Chaiselongue, Kleiderschrank, Spiegel- vertiko, Ausziehtisch, Trumeau. Kö- nigsbergerstraste 11, vorn I rechts, bei Fischer.+43 psdnrStlei'. Herrenfatirrad, Damensahrrad, einmal benutzt, 35,—, Holz, Blumen- straste 36b. 1683K Herrenrad, Stöwer-Greis. Frei- laui, verkaust Hoffmann. Mühlen- straste 42, Osten, Ausgang D. IV. Herrenfahrrad, wenig benutzt, Kleinschmidt. Oderbergcrstraste 22. Herrenfahrrad, modern, dringend, 35,00, Gubenerstraste 15, zweiler Hos I.»5/19 Damenfahrrad und Halbrenner, schöner moderner, 25,00. Große Frank- surterstraste 14, Hos Keller. 96/15* Herrenfahrrad, Brennabor, Frei- laus, fast neu, 55,—, Kolbergerstraße 14. III links. 96/17 Strastenrenner. Rotgummi, Ge- legenheitskaus, spottbillig, Witwe Gericke, Frankfurter Allee 104. 96/14 Herrenfahrrad, billig, Tauschke, Boeckhstraste 46. L&.OO Holbrenner und Damenrad, günstigster Gelegenheitskauf. Horn, Koppenstraste 33.+43 �usik. Pianino, 150,—, fofort verkäuflich Potsdamerstraße 27d, Hochparterre.* Pianino, vorzügliches, tadellos er- halten, ist sofort ganz billig zu ver- kaufen Französischesttaste 15, I ge- radezu.«6/1* Pianino, wie neu, hoch, elegant, verkaust todeshalber billigst Lucht, Finowskaste 39, Privat._ 97/6 Lesterreicher! Gutes Grammophon, 48 Original Wiener Musik-, Gesangsstücke, verkaust billig Knopp, Rixdors, Pannierstraste 18, Quer- gebäude U.__+3 Prachtgrammophon verkauft preiswert Drews, Schliemann- sttaste 19. 96/4 Klavicrlchreri»(ausgezeichnete Empfehlungen) unterrichtet indivi- duell, gewissenhast Forstersttatze 41 IV. Gratis einen Monat, Mandolinen-, Gitarre-, Zither-, Vtolinunterricht 4,00, Tagesschüler 3,00. Lange, Lychenerstraste 19.+140 Klavierschule, Violinschule, Man- doline, Zitber, Gitarre, Harse. Trom- Pete, sämtliche Instrumente. Monatlich 3,00. Kiavierüben frei. Kindern. Erwachsenen erjolgi eichst. Prospekt gratis. Waldemarstraste 66. Koppen- sttaste 56. Grünbergerstrastc 18. Allensteinerstraste 5. Solmsstraste 41. Grenadierstraste 18. Potsdamer- sttaste 112. 1100K* Verschiedenes. Die gegen Eheleute Baecker, Kiaulschouftraste 2, getanen Beleidi- gungen nehme ich hiermit gern zurnck und erkläre dieselben für achtbare Leute. Minna Jaffke, Kiautschou- straste 2.+20 Paieninnwal» Weiset. Gitichuier- ltraße 94a. «»iiüuovferei von Frau Kotostp Icklachtemee. Kurittaste 8. III. Hnushaltungsschule, Fröbel- Oberlin-Jnslitut. Berlin, Wilhelm- straste 10. Ausbildung von Kinder- fräulein, Stützen, Jungfern, HauS- mädchen, sowie sür den eigenen HauS- halt in drei- bis sechsmonatigen Kursen. Prospekte gratis, Vfandlcibe MarkuSstraße 27.* Ehauffrur-Ausbildung, theoretisch und praktisch. Auto-, Flugtechniker. Tages-, Abendkurse. Prospekt l Auto- technikum, Charlottenburg, Fritichc- sttaste 27 n._ 10523 Technikum, Berlin, Neanderstraste 3 (Schinkel- Akademie), Maschinenbau, Elektrotechnik, Werkmeister-, Techniker. kurse, Jngenieurkurse, Abendkurse, Tageskurse. 1074K* Bauschule, Berlin, Neanderstraste 3 (Schinlel- Akademie), Polierkurse, Meislerkurse, Technikerkurse, Archiiek- tur, Hochbau, Tiesbau, Abendkurse, Tageskurse._ 10743* Abendkurse, Technikum, Bauschule, Berlin, Neanderstraste 3, 1074K Wer Stoff bat? Fertige Anzüge nach Mast, 20 Mark an. Tadelloser Sitz, haltbar. Futtersachen, Franke, Ackcrstraste 143, Ecke Jnvalidenstraste.* Platinabfälle, Silberallsälle, Rück- stände, Zahngebisse, Ouccksilber. Me- lalle höchstzahlend, Goldschmelze Nieper, Köpenickerstraste 20a(gegen- über Manteuffelstraste). 2995K Abendkurse. Ausbildung von Technikern und Meistern in Elektro- lechnik und Maschinenbau. Technische Akademie, Berlin 45, Markgrafen- st, atze 100. Prospekte srei. 11653' Bilder- Einrahmungen staunend billigst direkt in der Fabrik. Bilder- Bogdan, Weinmeisterstraste 2. 5 Pro- zent Rabatt._ 11883 Bolkssänger> Gesellschaft Swinemünderstraste 17. .Anke* +17* Tchmelherö Volkssänger- schasl, Stettinerstraste 57._ Gesell +94* Bcrolinasäle! Sonnabend Säle mit und ohne Bühne, VereinSsesUich- leiten, Hochzeiten zu oergeben, Schön- hauserallee 28.__+140. Waschanstalt Rudolf Edling, Köpenick, Bismarckplatz 2, wäscht chlorsrei, ttocknet im Freien. Billigste Preise. Abholung Dienstags. 580b Maschinciibn»- Ünterrichlsanstalt H. Goetze, Auguststraste 30, gegründet lstol.JnhaberB. Schoeler. Ingenieur-, Techniker-, Werlmeister-, Maschinisten-, Monteurkurse. Maschinenbau. Eisen- Hochbau, Elekttotechnik. Tageskurse, Abendkurse. Semesteransang Oktober. Prospekte.__ 96/18* Piatina Gramm 3,65, Silber-. Goldsachcn kaust Blümcl, August- straste 19, IU._+49 Bluse» jeder Art fertigt billigst Frau Zaduk, Rhestisbergerstratze 65. Polytechnisches Gewerbc-Jnstitut, früher Reform- Technikum, Berlin Chausseeslraije l, Direktor L. Barth. Maschinenbau, Elektrotechnik, Eisen- lonslniktion, Flugtechnii, Hoch- und Tiesbau. Ausbitdung von Ingenieuren, Architekten, Technikern, Werkmeistern. Polieren. Tages- und Abendkurse. Kürzeste Studienzeit. Beste Referenzen. Prospekt srei._ 12263 Auspolfternng. Bettmatratze 4,00, Sosa 5,00. Auch austerm Hause. Hos. mann, Neue Königstraste 39. 256/18 Wer Stoff hat, fertige Anzug sür 16,00. KaczynSki, Lichtenberger. straste 9. II._+43 Den geehrten Kollegen zur Nach richt, daß ich Reinickendorf erstraste 63, Ecke Oudenarderstraste, eine Groß. destillalion eröffnet habe, und bitte um gütigen Zuspruch. Wilhelm Zschau.__+20 Kuchenmöbel streicht billig MatdeS, Lychenerstraste 9.+140 Technische Gewerbeschule(In- haber Diplomingenieur Heinrich Stellmacher). Maschinenbau, Elektro- technik, Eisenkonstruklion. Ausbildung zum Werkmeister, Maschinenmeister, Techniker, Ingenieur. Prospekte. Friedrichsttaste 118._ 97/1 Tanzunterrlchtk Grupe. Alte Jakobskaste 75, SonntagZkurse, DienStagSkurse, Donnerstagskurse, 4,00 monatlich. Walzeruntcrricht tag- lich. 282,16 Aufpolsterung. Bettmalratze 4,00, Sosa 5,00, auch austerm Hause, Grünerweg 3, Rosenstreich. 256/19 Möbelsuhren werden billig aus- geführt. Schenk, Canttanstraste 18 Ecke Glelmstrastc._+140 Damen chor.Harmonie' sucht Mit- glieder. Hebung Montag abends Lychenerstraste 8, Restaurant.+140 Charlottenbnrg. Liedtle, Suarez- sttaste 8, Vereinszlmmer zu vergeben. Bcrcinszinimer. 40—100 Per- sonen, mehrere Tage srei, Britzer- straste 19.+143 Achtung: Vereine. Empfehle meinen Saal Privatsestlichkeiten. Versammlungen. Habe noch zwei Sonnabende im November srei. Fey, Brunnenstraste 184. 601b Vermietungen. Restanration in flotiem Betriebe im Zentrum Berlins. Vcreinslolal und Zahlstelle, vermietet Hausbesitzer Neinumn, Halensee, Bornimer straste 13. Laden nebst Wohnung, bisher gutgehendes Restaurant, Urban- sttaste 7, nahe Bärwaldstraste. 5596 Geschäftsleller mit Ladeneinrichtung, großer Wobnung, Plerdestall und Ncbenräumen, für Gemüse- Händler sichere Brotslelle, zu ver- mieten. Preis 525,00. AdlerShos, Bismarckstratze 30. 565b Zwei Läden bei Kasernen. balo-AIexisstraste 5. Willi- >VoIinunxeii, Prachtwohnunge» Soldtnerftr.32. Charlottenburg, Rosinenstrastc 2 (neben dem Geweikschastshause), im neu erbauten Garlenbause sind freundliche 2 Zimmerwohnungen mit und ohne Bad billig zu vermieten.* Wegzugöhalber zwei Stuben. Küche, Speisekammer, sauber, per t. Oktober. Schumann, Werneuchener. sttaste 13, Hos III. 540b' Panksiras/e 57, Brunnenpark, Stube, Küche billigst.+94* Zwei Ztmmer mit Bad billig zu vermieten Moriendors, Königstraste 9. Stube und Küche billig. Willibald« Alexissttaste 5._ Prachtwohuungen. I, 2 Ztmmer, Bad, Mädchenzimmer, Loggia, 18,00, 22,00, 30,00, Koloniesttaste 68, am Bürgerpark Pankow.+47 Rixdors, billige, renovierte Pracht- Wohnungen, sosort, später oermielbar: Siegsriedslraste 22(dirett Bahnhof Hermannllraste) 2 und 3 Zimmer. Bad Zubehör. Bodesttaste 32, Julius- straste 22/23, JuliuSstraste 38/39. Knescbecksttaße72(Bahnhos Hermann- straste) ein, zwei und drei Zimm er. Borderhaus: 2 große Zimmer, Baikon, Bad, Zubehör 40 Mark. Gartenhaus: 2 Zimmer, Küche, Zu- behör. Turinersttaste 3.+48 Billige Wohnungen: RummelS- burgerstraste 38, nahe Bahnhöfen Slralau- RummelSburg, Franlsurter Allee, sosort. Okiober, ein großes Zimmer, Küche 15,00, mit Kammer 18,00, zwei Zimmer, Küche 25,00. Umständehalber Stube, Küche billig, sauberes HauS, sosort oder Ollober. Große Stube mit Balkon, Küche, reichliches Zubehör. Rixdors, Zicieuslraste 57, vorn II.+47 Frirdrichsfelderstrafte 3/4 eine große Slube und Küche III 24,00, zwei große Stuben und Küche I 32,50. Zimmer, Möbliertes Loggiazimmer, 1 oder 2 Herren, Kaffee, Bad, 15,00, Lhchener- sttaste 33 II links._+140* Leere Stube(billig). Klost, Weißen- burgci straste 59._ 96/20 Kleines möbiierles Zimmer Se> bastianftratze 6. Hos parterre links. Kleines möbliertes Zimmer zu vermieten. Sebastiansttaste 1, Litschke. Möbliertes Zimmer, 22,— mit Kaffee. Slallschrewerstraste 52, I rechts. Möbliertes Zimmer, ein auch zwei Herren, Klavier vorhanden. «schmidstraste 10, Ouergebäude I rechts____ 5616 CiufenstrigeS Zimmer, Schlaf- stelle sür einen Herrn. Reichenberger- straste 179. Hos IV. Grunow. 5626 Möblierte» Zimmer und Schlaf. stelle. Markgrasenstraste 69, vorn I V link«. 558b Möbliert oder Schlasslelle. Frau Michaelis, Libauerstraste l7.+16 Sauber möbliertes Zimmer Müller. Hussitenftraste 6, vorn III. Schön möbliertes Zimmer zum 1. September, alles neu. Fredrtch, RheinSbergerstraste 23, vorn IV. �Möbliertes Zimmer, 2 Herren. Fehrdellinersttaste 29. vorn II, Roschke. Zwei Herren möbiierles Zimmer (Bad), Prinzensttaste 91 III, 568b Möbliertes Zimmer(Herrn). 12,00, Fürstenstrage 19, vorn II, Schmidt._+143 Möbliertes vordcrzlminer, ein bis zwei Herren. Krüger, Stallschreiber- sttaste 52 II. 5g3b Möbliertes Vorderzimmer billig. Mchnert, Forsterslratze 7._+7 Möbliertes Vorderzimmer, zwei Herren, Rttterslraste 116, IV links. Möbliertes Zimmer Kottbuser- straste 2, vorn 4 Treppen, Benicke. Möbliertes Zimmer, 17,00. Witwe Wölkt, Köpenickerstraste 24, Hos III. Möbliertes Zimmer Reichen- bcrgerslraste 168, vorn IV. links,+2 Kleines möbliertes Zimmer. Werner, Prinzenstraste 107, vorn IV. Zimmer» möbliert, MuSkauen straste 52, vorn III geradezu.+2 MSblierteS Zimmer tn Herrn, Gildemeister, Planufer 92._+123 Möbliertes Zimmer, separat, Herr, Rilterstraste 2 vorn, Fräulein Muller. Möbliertes Zimmer vermietet Witwe Wannicke, Manteuffelstraste 84, vorn II._+2 Möbliertes Vorderzimmer, Badegelegenheit, vermietet Rottmann, Rixdors, Weisefttaste 45 I.+148 Möbliertes Zimmer vermietet Dietrich, Lübbenersttaste 8, 2 Treppen. Möblierte Stube sür 20 Mark, Adaiberistraste 57 III rechts.+121 Kleines möbliertes Zimmer Willibald-AlexiS-Sttaste 35. vorn IV. Maiwald.+54 LclilatsteNen. Ruhige Schlafstelle für Herrn bei Witwe Tauchmann, Wollmerslraste 67. IV.+44 Schlafstelle sür Herrn, separat, Krebs, Jasinunderstrage 19.+44 Genosse kann mit einwohnen, Kiopsch, Kolbergersttaste 5, vorn II. Möblierte Schlafstelle bei Ge Nossen, Wilhelm-Stolze straste 41, vorn FV rechts._+16 Möblierte Schlassttlle vermietet Tilsiterslragc 36, Hos I link».+16 Möblierte Schlasslelle, Suler. Weidenwcg 5 III. Witwe +l6 Möblierte Schlasslelle an Herrn, bei Frau Hensly, Löwcsttaste 27, Hos!■_+16 Möblierte Scklasslelle. 9 Marl. Rigaersttaste 106, Noack.+16 Möblierte Schlafstelle vermietet Rixdors, Pannierstraste 61, vorn IV rechts. b8Ib Möblierte Schlasstclle.Frau Maier, Britzerstraste 33. Mö blterte Schlosstelle. separat, Garlenaussicht, Köhler, Manteuffel straste 11, Ouergebäude IV. 5v0b Gemütliche Schlasslelle. wanzem frei, 11 Mark, Witwe Schultz, Admirab straße 33, vorn IV. Romatzki, +143 Schlafstelle. Herrn, Prinzenstrastc 24, vorn II. �Möblierte Schlasstelle(Flur emgang), Wassertorstraste 8 I, Schneider._ 5546 Schlafstelle, Flurcingagng rechts. Markgrasenstraste 102, Gra Schlafstelle sür zwei Herren bei Wilwe Pischek, Skalitzeistraste 28.+2 Schlafstelle(Herrn) allein, Kraul sttaste 26a, Matz. 603b Saubere Schlasstelle nach vorn vermietet Manteuffelstraste 119, III rechts.'+2 Freundliche Schlasstelle(Herrni, 10,00, Re!chcubergerstrabe64, vorn III. Lauersdors.__+2 Freundliche Schlasstelle(Herrn) sosort. Grostnianu, Prinzenstraste 33. Freundliche Schlasstelle(Herrn) Wassertorstraste 22, rechter Sestenflüget I links, Frau Schubert._+143 Möblierte schlasstelle(Herrn) DreSdenerstraste 14, vorn III links Möblierte Schlafstelle sür Herrn Adalbcrtstraste 1, rechter Ausgang II links, Flurzimmer. 596b Möblierte Schlasstelle(Herrn) verinietel Buxmann, Dresdenerstrastel, vorn III(Koltbuser Tor), 597b Möblierte Schlafstelle(allein), Hossledt, Kottbuser User 57, Ouer- gebäude IV linls._+143 Möblierte Schlafstelle(separat) Fürslenstraste 17, Hos II rechts, Ristau. Möblierte Schlafstelle, einen oder zwei Herren, vermielet Uute, Slar- garderstraste 28, vorn III.+140 Möblierte, sreundliche Schlafstelle. Schnrse, Kastanienallee 21, Ouergebäude III.+140 Möblierte Schlafstelle, separat, Prinzenstraste 12, IV, Bocker. 257/1 Schliisstelle, Herrn, separat. Na uuynstraste 4, vorn II, Bert.+3 Schlasstelle, möbliert, Herrn, Frau Tiedt, Petersburgerftraste 88. Schlasstelle(Mann), Kurfürsten- sttaste 149, Füffel. 96/15 Geuosie sindel gute saubere Schlaf- stelle. Schütt, Marieuburgerstratze 8, vorn IV.+30 Sauber möblierte Schlasstelle sür dcrrn. Wemstraste 8, vorn II(am +nedrichshaiii).+30 Gut möblierte Schlasstelle. Wols, Kreuzbergftratze 5. Gartenhaus I. Möblierte Schlasstelle vermietet Klilsch, Brückeuallee 13, direkt am Bahnhof Bellevue._+147 Saubere Schlasstelle vermielet Witwe Karch, FrtedrichSseldersttaste 9. Saubere möblierte Schlasslelle bei schufft, Holzmarkisttaste 13.+43 Möblierte Schlafstelle. Schröder, Krautsttage 24, vorn H+43 Möblierte Schlasstelle sür zwei Herren zu vermieten. Giesel, Sorauer- »raste 3 II._+3 Gut möblierte Schlasstelle sür Herrn. Lelnberg, Adalbertstraste 89, vorn II.+2 Zwei möblierte Schlafstellen Adal- bertstraste 89, III IlnkS. Wollen.+2 Möblierte Schlasstelle vermietet Krüger, Prinz-Eugenstr. 17, von, IV. Möbliert« Schlafstelle vermielet Zahn, Madaistrastc t, vorn III rechts. Möblierte Schlafstelle, separat, verinietel Witwe, Naunynstraste 86, vorn I link»._■+3 Möblierte Schlafstelle vermietet Bleut, Adalbcrtstraste 19, IV.+2 Möblierie Schlafstelle Wert«■„ vermieten. Anthaucr, Skalltzerstr. 20, vorn Hochparterre(Kottbusertor).+2 Freundliche Schlasstelle vermietet Scherreik, Nazarelhkirchstraße 49.+20 Freundliche schlasslelle oermietet Lück, Sor auerslraste 29, vorn III.+2 Freundliche Schlasstelle, allein, Friedrich, Skalitzerstraste 5, IV.+2 Schlafstelle, Mädchen, auch mit Kind. Stolze, Türkensttaste 22.+?0 Schlafstelle(Herrn) vermietet Fräulein Woydt, Fisch erdrücke 11. Alietsxesiicve. Netterer Herr sucht im Norden solides, ruhiges Zimmer. Offerten unter H. B. Spedition, Nazareth- lirchstraste 49._+20 �Handwerker such! billiges, sauberes Zimmer, Nähe Charlottenburger oder Westend-Bahnhos. Ii. B. 27 Spedition. Nazarethkirchsttaste 49.+20 Anstäudtger junger Mann(Hand- weiter) sucht möbliertes Zimmer (allein), Nähe Moritzplatz. Offerten mit Preisangabe unter Ick. L. 126 Postamt 43 erbeten. �.rdeitsmarkt. SteUenxesucds. Parteigenosse sucht 1. Oktober Portierftelle, Fahr+tuhl, Heizung, clcNnjches Lichl vertraut. Prima Rcserenz. Spedition Schönebcrg, Marlin-Luthersiraste 51._+15* Suche Stellung als Fabritarbeiter. Jodn, Grünthalcr+Iraste 31._+94 Mann, 49. sucht Vertrauensslelle, kautionssähig, Pelersburgerplatz 4, Expeditton. b92b LteHenanxedote. Tchlosserlehrling verlangt Tegelcr- straste 5._ 4476 Kreissägenschncider sür Kisten, nur tüchtige Kraft, stellen ein Puhl« mann u. Schulz, Kommandanten- sttaste 18. 578b Formerlehrling verlangt Metall- giesterci, Neueuburgersttaste 13. 57gb Waschmeister, lüchliger, nüchterner, findet dauernde Stellung. Alexander Fröhlich, Marienburger+traste 10. �Tüchtigen Versilberer w Lohn verlangt Goldleistensabril, BÜIow» straste 66.__ Frisenrkehrllug verlangt gort- sttaste 76.__ 1 Formerlehrling, 1 Gürtler- und Dreherlehrling bei steigender Ver» gütung stellt ein; Karl Millarg, Bronzewarensabrik, Gostlerfttaste 20. Schleiferlehrling aus Bau ver- langt bei gutem Kostgeld Baubeschlag- sabrik DreSdenerstraste 80. 256/20 Tüchtige Bauschlosser Tuiinersiruße 3. verlangt +20 Schlosser aus Schlosteinpassen und Basküle oerlangt Schlosserei Blume, Charlottenburg, Schillerstraste 97. Gitlerba«, Treppen» Kolonnenführer aus Fahislublumwehrung und geländcr verlangt Schlofferei Blum«, Charlottenburg, Schillerstratze 97. Öderhemdeu> Stärkerw verlangt I. Gottheim, Wäschejabrtk, Elisabeth- sttaste 22._ 256/16 Zeitungsfrane« sosort verlangt Schiffbauerdamm 1._ 96/6* Flügelkleberinnen, geübt, auch Lehrmädchen, verlangt Frau Stahn, Niederbarninistraste 12.+l§ Mamsells auf Jackelt» verlangt im, austerm Hause Kube, Peters- burgerstraste 43, III._+16 Lrhrfräulcin gegen monatliche Vergütung. Klann, Mehlhandlung, Lortzingstraße 34._+U Rollwäsche-Plätterinnen sür dauernd gegen hohen Lohn verlangt Dampf. Wäscherei, Müllerstraste 179. 96/10 Schulentlassene Mädchen erhalten kostenlos jede gewünschte Lehr- oder AnsangSslclle durch den Zenttal- arbcitsnachwcis, Rückerstraste S, täglich von S— 1.___ 93/13« 50 Mamsells auf Kinderjacketts. Busch, Bredowstraste 34. 53vb* Im Arbeitsmarkt durch oesonderen Druck Hervorgehobeue Anzeigen kosten 50 Pf. di« Zeile. Zeitungsverkäufer gegen Fixum und Provision für Abendblatt gesucht, auch sür Vororte. Lindenstr. 8, vierter Hos, Druckerei- gebäude 2 Tr. 538b Stukkateure! Bei Grandtko, Nieder-Schön- hause», liegen Differenzen vor.* .! Wege» Nichtanerkennung deS Ta- rises dcsinden sich die Kollegen sol» gender Firmen im Stteik: liai-l VlaoUvi?, Marianneu- strafte 53. B. Wedle:, Mariannenstr. 81. Bcnnt Kinze, Steglitz, Berg- straffe. 172/3 Geiniißregelt wegen Verweigerung der Ueberstunden find die Kollegen der Firma Bei-,«. Stanke, Manteuffelstr. 00. Zuzug ist streng fernzuhalten I Die Ortsverwattung. Zum 1. Oktober suchen wir eine» tüchtigen, jüngere» Kiuvkksiiiüungsgohil�vn der mit allen in das Sortiment einschlagenden Arbeiten durchaut vertraut ist und hinreichende Musikalien-Kennlnisse besitzt. AnfangSgehalt 140 M. Offerten sofort erbeten. SOddeutseke VolkMbuchliandlnne:, G.m.b.H. Mttnchcn, Sendlinger Straße 20. ßeuintmiiU&t iKe'ü'lteut: HanS Weber. Berlin. Sür de« Ünleratenteilpersvl»� Zt-Glicke, Berlin. Druck«.Veriag: BslwärtSVuchdruckerei u. verlagsanjtalt Kaut ein«»& So. Berlin SW»