Ur. 205. Rbonncmenfs-Bcdingungen: tkonncmcntS< Preis pränumerando! LiertcljShrl. 3£0 Mr., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 2b Pfg, frei inS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg, Sonntag«. nummer mit illustrierter Sonntag«« Vellage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post. vlbonncmenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband fiir Deutschland und Oeslerreich> Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland Z Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Dniiemarl Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz, 37. Iah»«. erscheint täglich außer Montag». Verlinev Volksblatt. vle snserNonß-eebllh? vetrlgt für die sechsgespaltene Kalonel- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschastliche Vereins- und BersammlixpgS-Anzeigen SO Pfg. „Kleine Hnzeigcn", daS erste(fett- gedruckte) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlaf- stellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis li Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcössnet, Telegramm- Adresse: «Soalallienioiirat sscriin". Zcntralorgan der rozialdemohratifchcn parte» Deutfcblande. Redaktion: 8M. 68, Lindenetrasee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1383. Freitag, den A. September 1010. Expedition: 8M. 68, Lindenstraese 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Rückwärts, rückwärts ? 1 Die große Netirade hat begonnen. Schluß der Debatte über die Königsberger Kaiserrede! hat die„Kölnische Ztg." angesagt, und mit wenigen Ausnahmen schließt sich die iwtionalliberale Presse an. In den freisinnigen Blättern wird es stiller und stiller... Das deutsche Bürgertum steckt den Säbel, den es halb aus der Scheide gezogen, wieder zu rück und entschließt sich endgültig, diesmal nicht nur nicht um die Fortbildung der Verfassung zu kämpfen, sondern sich auch jeglichen Anscheins solchen Kgmpfes, wie es die Novemberdebatten waren, konsequent zu enthalten. Als der Novenlbersturm losbrach, haben einige vom Feuilleton in die Politik verrutschte bürgerliche Journalisten von einer Revolution gesprochen. Wir haben diesen Unsinn natürlich niemals geglaubt. Aber wenn es damals auch keine Revolution war, die Restauration haben wir bekommen. Sie ist nur zu gründlich erfolgt und die Königsberger K«iser rede und das abermalige blamable Versagen des Liberalis mus bezeichnen ihren Höhepunkt. Die„große Aktion" von 1908 erschöpfte sich in Worten, knickte zusammen vor einem kaiserlichen Versprechen, das von einem auf tägliche Kündi gung angestellten Handlauger garantiert wurde, erlahmte sofort, als es zum wirklichen Kampf um die Verfassung gehen sollte, brachte es nicht einmal zur Reform der Reichs- ragsgeschäftsordnung. Aber so lahm, so negativ die Aktion, so kräftig, so positiv die Reaktion. Das kaiserliche Ver- sprechen ist in alle Winde zerstoben, unter dem Beifall liberaler Blätter' proklamiert der neue Handlanger das Recht des Kaisers auf freie Meinungsäußerung, der Kampf um die Demokratisierung der Verfassung ist vom Liberalismus end- gültig abgesagt, und das Charakteristische jeder Aeußerung der Reaktion in Deutschland fehlt nicht: die Zuspitzung auf den Kampf gegen die Sozialdemokratie! Der Schnapsblock jauchzt, in der Sonne der Marienburger Sammluugsrede, fo hofft er, wird sich sein arg Verhageiter Weizen wieder auf- richten. Und der Liberalismus steht wie gebannt unter dicscin Wort. Seine tiefsten Sehnsüchte hat es berührt. Die Angst vor dem Fortschritt der Sozialdemokratie hat ihm schon längst schlaflose Nächte bereitet, weit mehr, als sein Wunsch, die schwarzblauc Koalition zu sprengen und sich wieder in die Stellung der Regierungspartei zu schwingen. Und wie dürfte er noch mit dem Kaiser rechten, wenn Junker und Zentrum, die Konkurrenten, dem Monarchen huldigen. Nur niit ihm kann der deutsche Liibcralisnms vorwärts kommen. Die Nationalliberalen stehen des Winks gewärtig. Bethmann Hollweg braucht nur etwas Energie zu zeigen, und sie lassen den Gedanken eines Kampfes gegen rechts, den sie zu drei Vierteln schon aufgegeben liaben, auch zum letzten Viertel fahren. Der deutsche Fortschritt aber blickt auf die National- liberalen und wartet ab. Ohne sie riskiert er keine Bewegung. Wie sehr der Nationalliberalismus den Anschluß nach rechts ersehnt, wie angst ihm bei dem Gedanken ist, er könne etwa von der Rechten der Sozialdeniokratie preisgegeben werden, das zeigt sich in den loyalen Purzelbäumen, womit feine Presse die Marienburger Rede aufnimmt, und in dem dringlichen Bittruf an Bethmann Hollweg, die Kaiscrrede zu ergänzen, das Programm der Sammelpolitik zu ent- werfen, ein Programm, das den Nationalliberalcn den An- fchluß gestattet. So schreibt die„N a t i 0 n al l ib er a l e Korrespondenz" zur Marienburger Rede: ...... Hier, in der ehrwürdigen Ritterburg des Deutsch- ordens das Bekenntnis, daß nur die gemeinsame Arbeit aller Stände, das verständnisvolle Eingehen auf die Eigenart der anderen, gegenseitige Achtung und Hilfe, Verträglichkeit der Par- teien und Konfessionen die sich uns entgegentürmenden Schmie- rigkeiten überwinden kann. Das sind Worte, welche uns Königsberg gern vergessen lassen. Das ist ein Pro- gramm. das jeder rechte Deutsche unterschreiben wird, wenn er sich auch sagen mag, daß hier nur ein Rahmen gezeichnet wurde, dessen Ausfüllung durchdieendlicheJnaugurierungeiner tatkräftigen Politik Sache der verantwort- lichen Regierung ist.„Dann werden wir, um mit dem Kaiser zu sprechen, dem Vorbild der großen deutschen Männer, die hier einst gestanden und mitgearbeitet haben, nachkommen!" Noch brünstiger erhebt die„M agdeburgische Z e i t« n g" den Ruf noch dem rettenden Kanzler. Sie stöhnt: „Diesem Rufe, den der erlauchte Führer der Nation ertönen ließ, werden Millionen treuer Preußen und Deutscher Folge leisten wollen, und gern und freudig möchten sie sich um ihren König und Kaiser sammeln! Aber wo ist der Sammelplatz? Wohl besaßen wir bis vor etwas mehr denn Jahr und Tag einen solchen; Fürst Bülow hatte ihn ausgesucht und ihn uns gewiesen, als er die Deutschen aller Stämme, Konfessionen und Parteien zum Sammeln rief, und in hellen Scharen fanden sich solche ein, die dem Vaterlande in Hingabe dienen wollten, aus Ost und West, aus Süd und Nord; Konservative und Liberale, Pro- testanten und Katholiken, Landwirte und Kaufleutc, Industrielle und Männer der freien Berufe! Und sie leisteten Erstaunliches an Uebcrwindung alter Vorurteile und Gegensätze und der menschlichen Selbstsucht, so recht als Deutsche und Christen, ohne viel davon zu reden, bis gerade bei der Partei, die Christi Namen nur zu oft auf die Lippen nimmt— und gerade angesichts von der Krone feierlichst selbst verkündeter Reformen, die allen zugute kommen sollten, die für alle notwendig waren—, doch die Selbstsucht überwog, und nun Bülows Arbeit vernichtet und der Sammelplatz zerstört wurde. Die öffentliche Meinung aber bringt die Zertrümmerung von Bülows Werk und die Zerstörung jenes Sammelplatzes mit den Novcmbcrstürmen von 1903 in Zusammenhang, denn die, welche das Zerstörungswerk getan, haben davon so oft erzählt, daß man es wohl glauben mutz. Daher beschleicht viele unter denen, die sich um des Kaisers Fahne sammeln und ihm so freudig folgen möchten, auch hier wieder die bange Sorge, ob seine edlen Worttz als der Ausdruck edelsten und höchsten königlichen Strebens für Volk und Vaterland auch von jener Königsweishcit begleitet sein werden, die den rechten Weg findet, um die Worte zur Tat zu machen; die den Sammelplatz weist und uns Wege dahin zeigt, auf denen wir Patrioten, wenn auch vielleicht mit Mühe, dahin gelangen können. Diese große Sorge, das ist es, was Millionen patriotischer Herzen in diesen Tagen beunruhigt. Und diese Sorge zu bannen, reicht des Rcichskanzlers-Ministerpräsidenten amtliche Erläuterung der Kaiserrede nicht aus. Nur Taten können da helfen und an Herrn von Bethmann Hollweg ist es nun, uns vor Tatsachen zu stellen, die untrüglich beweisen, daß er im Einverständnis mit dem Kaiser und König den Sammelplatz und die gangbaren Wege für die Sammel- Politik gefunden hat." Mit nur zu sehr berechtigtem Spott und Hohn registriert die Zentrumspresse diese Wendung im nationalliberalen Lager. Die Klerikalen haben ja von> vornherein in skrupel- loser Weise die Volksrechte preisgegeben, um sich als zuver- lässige Regierungspartei und Kaiserpartei herauszustreichen. Ohne jede Scham haben sie die demokratischen Pauken, die sie 1998, da sie noch nicht wieder in Gnaden zur Regierungs- Partei zugelassen waren, so laut zu schlagen wußten, in der Ecke stehen lassen, wohin sie sie alsbald nach ihrer Rückkehr ins Regiment geschafft hatten. Sie haben jetzt nichts zurückzunehmen und nichts umzudeuten. Deshalb brauchten sie sich indes vor den Nationalliberalen nicht so hoch aufs Pferd zu setzen, denn in der Hauptsache sind sie ihnen ganz gleich: in der Sehnsucht nach der Sammlung aller bürger- lichen Parteien, in der Angst vor der roten Flnt. Das kommt zum deutlichen Ausdruck in einem Artikel der„Kölnischen Volkszcitung", der dem Liberalismus so inständig, wie einem alten Schimmel zuredet, doch ja in den Stichwahlen der großen Wahlschlacht von 1911 dem Schnapsblock den Rücken zu decken, ansonsten es ihm selber gar übel ergehen werde in der Umarmung der roten Uebermacht. Mit dem Gedanken einer Sammlung der bürgerlichen Parteien im ersten Wahl- gang hält sich die„Kölnische Volkszcitung" nicht auf. Die nüchtern rechnenden Zcntrumspolitiker wissen sehr wohl, daß dafür die Zeit noch nicht gekommen ist, daß nach dem Streit der letzten Zeit die Wähler eine solche Versöhnung nicht mit- machen. Das Zentrum ist vollauf zufrieden, wenn ein all- gemeines Stichwahlabkommen gegen die Sozialdemokratie zustande kommt. Das aber braucht es, braucht es höchst dringend. Aber die„Kölnische Volkszeitung" beweist natür- lich, daß dieses Abkommen den: Liberalismus viel nötiger ist, denn dem Zentrum und der Rechten. Dem Liberalismus wird zu diesem Zwecke vorge— rechnet, daß es ihm bei den Nachwahlen eigentlich noch viel schlechter ergangen sei als den Konservativen bezw. Antisemiten, bei welchem Kunststück dem Zentrumsblatt sehr zu paß kommt, daß in den Nach- Wahlen, in denen die Sozialdemokratie erobernd vordrang, sechs ehemalige liberale Mandate, aber nur zwei ehemalig konfervativ-antisemitische zu verteidigen waren. Unl den.ein- heitlichen Eindruck der Zahl der verlorenen Mandate nicht zu stören, sieht das schlaue Zcntrumsblatt vcyi einer Anführung der Stimmenbewegung bei den Wahlen gänzlich ab. Und dann macht es den Liberalismus darauf aufmerksam, daß es ja doch gar kemen Zweck hat, wenn er den Schnapsblock niederringt, wenn er die blauschwarze Mehrheit zerstört. Denn was sollte es ihm nützen, wenn er gegen die Rechte und das Zentrum mit der Sozialdemokratie- eine Mehrheit bilden könnte! Besorgt fragt die„Kölnische Volkszeitung": „Was nützt ihnen(den Liberalen) denn die Sprengung der „schwarz-blaucn" Mehrheit, wenn in dem Großblock dann der rote Bruder zwei Drittel aller Plätze belegt? Ein so geschwächter Liberalismus würde seine Selbständigkeit vollständig einbüßen und ganz auf das Wohlwollen anderer Faktoren angewiesen sein, da mit ihm keine Mehrheit zu erringen ist. Die Regierung aber würde dann erst recht auf Rechte und Zentrum sich stützen müssen, dem Liberalismus also nur soweit entgegenkommen können, daß diesen Parteien die Mitarbeit nicht unmöglich ge- macht wird. Erwiese sich der neue Reichstag axbcitsunfäbig wegen des starken Anwachsens der Sozialdemokratie und des Bcrsagcns der Nationalliberalen— der Freisinn wird wohl so tief in den Bann der äußersten Linken geraten, daß er für positive Arbeit nicht mehr in Frage kommt— so müßte das Volk eben zum zweiten Male entscheiden, und es ist gar nicht zweifelhaft, daß diese Entscheidung für den Liberalismus daS Ende bedeuten würde." � Aber noch sind nicht alle Dämme gegen die rote Flut ein- gerissen, verkündet das Zentrumsblatt, wenn auch der Liberalismus jetzt völlig vor dem sozialdemokratischen An- stürm versagt. Noch steht der Zentrunisturm fest, und auch die Konservativen werden den größten Teil ihrer Mandate retten. An diese Felsen muß sich der Liberalismus an- klammern, sonst wird er elendig versinken. Indes ist das Zentrumsblatt durchaus nicht so felsenfest von der Festigkeit des Zentruinsturmes überzeugt. Es macht hinterher eine Rechnung über den vermutlichen Ausfall der Hauptwahlen von 1911 auf und die lautet also: .... Das Zentrum würde mindestens 90 Mandate behauptet � oder in ungefährlicher Stichwahl zu verteidigen haben; die gesamte Rechte würde auf 00 solcher Mandate zählen dürfen, Polen und Elsaß-Lothringer ihre alte Stärke behaupten; der Liberalismus aber würde wohl kaum mehr als ein Dutzend Mandate in Sicher- jheit haben. Dagegen wäre die Sozialdemokratie reichen Sie» Winnes gewiß. Von ihren 43 alten Mandaten dürften ihr 36 im ersten Anlauf zufallen; dazu kommt die Aussicht auf Er- oberung von 14— 15 freisinnigen und etwa 17 nationalliberalen, 18 konservativen Mandaten und vielleicht ein Ausnahmebesitz des Zentrums(Reichenbach-Neurode). Ihren Stand von 1903 dürfte die Sozialdemokratie also gleich im ersten Wahlgange wieder erreichen und noch mit guter Aussicht auf Erfolg in zahlreiche Stichwahlen eintreten..." Das Zentrum ist im jetzigen Reichstag 196 Sitze stark: wenn das Zentrumsblatt auf 99 im ersten Wahlgang behauptete oder in ungefährlicher Stichwahl zu verteidigende Mandate rechnet, so nimmt es also an, daß seine Partei an 16 Sitze im ersten Wahlgang verlieren oder in zweifelhafter Stichwahl zu verteidigen haben werde! Die„Kölnische Volksztg." rechnet also mit nicht unerheblichen Verlusten des Zentrums, und darin liegt der Grund für die Sehnsucht nach dem Stichwahl- block aller bürgerlicher Parteien. Darin und in der anderen Erwägung, daß die Schwächung der Konservativen das Zen- trum um seine ausschlaggebende Stellung bringen kann. Und deshalb erhebt das Zentrumsblatt zum Schluß noch ein- mal die Stimme zu folgender inständiger Beschwörung: „Eine Verständigung vor den Stichwahlen liegt also im Interesse aller bürgerlichen Parteien, namentlich aber der libe- ralen; sie wird, wenn auch das nächstemal erst in einigen Teilen des Reiches, sicher erfolgen, sobald diese ldie Liberalen) sehen, daß sie ohne Gegenleistung keine Wahlhilfe gegen die Sozial- demokratie erhalten. Die rote Flut wird freilich dank der liberalen Verärgcrungspolitik auch so schon hoch genug st e i g e n, aber trotzdem noch in erträglicher Höhe gehalten werden können. Wenn dann die bürgerlichen Parteien in praktischer Arbeit sich wieder zusammenfinden, wird allmählich auch wieder Beruhigung und Ueberlegung der verhetzten Volksmassen zurück- kehren und die rote Springflut zurückebben." Die Angst vor der roten Flut sitzt ihnen im Genick, den Schwarzblauen wie den Liberalen! In diesem Zeichen werden sie sich finden.... Der Nationalliberalismus ist reif dazu. Die Situation ist klar. Tie Sozialdemokratie steht allein im Kampf gegen das persönliche Regiment, allein im Kampf für die Demokrati» sierung der Verfassung! Rings von Feinden umgeben, wird sie alle ihre Kraft, wird sie alle ihre Mannen aufzubieten haben, den Sieg zu erringen. Das ist die rechte Position für die Kampfpartci des Proletariats. Wir wissen, wir marschieren vorwärts, wenn der Liberalismus sich nach der Herausforderung der, Kaiserrede rückwärts konzentriert. Wir werden siegen, weil vor der einen reaktionären Masse der Bürgerlichen sich der Schlachthaufe der Sozialdeniokratie abhebt vor allem Volke als die einzige Truppe, die in Deutschland ficht gegen Ab- solutismus und Ausbeutung, für Demokratie und Sozia- lismus._• Die erfte Plenarsitzung. Kopcnhiigrn, 1. September. Heule hielt das internationale Kopenhagener Arbeiterparla- ment seine erste Sitzung ab. heute, am vierten Tage nach der Er- Öffnung. Seit die internationalen sozialistischen Kongresse zur praktischen Arbeitsleistung übergegangen sind, die früheren Kämpfe zwischen Sozialdemokraten, Anarchisten und Reformisten auf den internationalen Parteitagen aufgehört haben, und sich aus dem Streit der gärenden Meinungen ein gewisser, einheitlich gerichteter, wenn auch je nach der historischen EntWickelung der einzelnen sozialistischen LandcSpartcien national variierender Gesamtwille herausgebildet hat, fällt die eigentliche Arbeit in steigendem Maße den verschiedenen Fachkommissionen zu. Ganz naturgemäß be- herrscht auch der gleiche Wille die zielbewußte Arbeit der einzelnen sozialistischen Parteien. Sind sie sich auch über die einzuschlagende Richtung ihres Vormarsches einig, so sind doch die verschiedenen sozialen Verhältnisse in den einzelnen Staaten, die dortigsn Lebens- und Arbeitsbedingungen so verschieden, daß jeder wichtige Antrag, jede Resolution einer gründlichen Vorberatung unter Be« rücksichtigung der nationalen und staatlichen Verschiedenheiten bedarf. Diese Arbeit aber kann natürlicherweise nicht in einer vielsprachigen Massenversammlung— und zu einer solchen haben sich tatsächlich die internationalen Sozialistenkongrcsse aus- gewachsen, zählt doch der Kopenhagener Kongreß 887 Delegierte, die in drei verschiedenen Sprachen debattieren— gelöst werden. So fällt die eigentliche Arbeit mehr und mehr den Kommissionen zu, in die jede einzelne Nation ihre Fachleute entsendet. Erst wenn dort über die Beschlüsse zwischen den Vertretern der sozia» listischen Landcsparteien eine gewisse Verständigung erzielt worden ist, gelangt das Beschlossene an das Plenum, das nun auf Grund der von den Referenten der Kommissionen erstatteten Berichte die vorgelegten Resolutionen prüft, genehmigt oder verwirft. Die Folge ist, daß nicht die wichtigen auf die Tagesordnung des Kon- grosses gesetzten Fragen zuerst im Plenum zur Diskussion ge- langen, sondern jene Fragen, über die zwischen den sozialistischen Parteien am wenigsten Meinungsverschiedenheiten bestehen und über die daher in der Kommission am schnellsten eine Verständigung erzielt worden ist. Es wird ferner zu prüfen sein, ob die Arbeitsweise der nächsten internationalen Kongresse— der nächste wird voraussichtlich in Wien abgehalten werden— nicht wesentlich anders gestaltet werden muß, entweder, daß schon vor der Eröffnung des Kon- grosses Kommissionen oder Ausschüsse eingesetzt werden, die das Beratungsmaterial für den Kongreß vorbereiten, so daß dieser sogleich mit seinen Plenarsitzungen beginnen kann, oder aber, daß die Zahl der Delegierten aus allen Ländern ungefähr auf ein Drittel der jetzige» Zahl! herabgesetzt wird, eine Maß- reges, Lur'H die zugleich die Kosten d'er Tagurig stch' kvefenilich reduzieren würden. Diese Umstände haben bewirkt, däst erst heute um 11 Uhr mit der Beratung der Arbeitsloscnfrage begonnen werden konnte. Der Genosse Branting-Schweden eröffnete als Vor- sitzender die Versammlung, indem er eine kurze Ucberskcht über die EntWickelung der schwedischen sozialdemokratischen Partei gab, die zurzeit 85 Parlamentsmandate besitzt. Hatte der Massenstreik im vorigen Jahre auch nicht mit einem Sieg der sozialistischen Arbeiter- schaft geendet, so habe er doch die Kampfeskraft der schwedischen Partei nicht geschwächt und die Klarheit gefördert. Darauf folgte die Auszählung der zahlreichen eingelaufenen Begrüßungödepeschen. Besonderen Enthusiasmus erregte die Verlesung des Bcgrützungsschreibens von A u g u st Bebel. Auf Antrag Branting wird ein Antworttclegramm an Bebel beschlossen. Dann trat der Kongreß in die Beratung der von der ersten Kommission vorgelegten Resolution über dje Verminderung der Ar- beitslosigkeit. Der Referent, Genosse Adolf B r a u n- Oesterreich, entledigte sich seiner Aufgabe, die Resolution zu begründen, in einer knappen, präzisen Rede. Er schilderte die Verbreitung der Arbeits- losigkcit in Zusammenhang mit dem Kapitalismus. So lange dieser besteht, sei eine Abschaffung der Arbeitslosigkeit unmöglich. Wohl aber ließen sich die Wirkungen des Kapitalismus auf die Arbeiter- schaft mildern, indem dem kapitalistischen Staate die Pflicht auf- erlegt wird, die Opfer seines mit allen Mitteln aufrecht erhaltenen WirtschaftsstistemS zu unterstützen. Demnach fordere die lediglich als ein Kompromiß zu betrachtende Resolution regelmäßige statistische Feststellungen der Arbeitslosigkeit, Notstandsarbeiten, Unterstützung der Arbeitslosen während der Krisen ohne Einschrän- kung der politischen Rechte, Errichtung von Arbeitsnachweis- anstalten. Tie Resolution fand fast allgemeine Zustimmung. Genosse Macdonald(Englische L. P.) erklärte jedoch, die englische Delegation, der die Resolution nicht vorher zur Beratung vorgelegen habe, betrachte sie nicht als genügend. Er stelle die For- derung, in die Resolution die Erklärung des Rechtes auf Arbeit auf- zunehmen. Doch wolle er jetzt kein Amendement stellen, sondern mit gewissen Aenderungen für die Resolution stimmen. Braun machte geltend, daß die einfache Erklärung des Rechts auf Arbeit nichts besage. Es komme darauf an, was man unter diesen. Recht verstehe. Ein wirkliches Recht auf Arbeit könne die kapitalistische Gesellschaft niemals anerkennen. Recht auf Arbeit sei jenes, das im alten preußischen Landrecht gewährleistet würde oder, wie in England, daö Recht auf das Armen- und Werks- haus. Diese Argumentation verfehlte völlig ihre Wirkung auf die englischen Delegierten. Genosse Queich erklärte, daß seine Partei sich der Abstimmung zu enthalten gedenke. Als Genosse Branting die Resolution zur Abstimmung brachte und die Mehrheit des Kongresses ihr zustimmte, erhoben die englischen Delegierten und ein Teil der amerikanischen Dele- gierten dagegen Widerspruch und erklärten vor allen Dingen, Brantings Aufforderung zur Abstimmung nicht verstanden, sondern so aufgefaßt zu haben, als ob eS sich zunächst nur darum handelte, ob bei der vorgeschlagenen Resolution redaktionell? Aenderungen durch daS Präsidium vorgenommen werden sollen. Unter großer Unruhe schloß die erste Versammlung, und noch vor dem Kongreß- lokal debattierten die englischen Genossen lebhaft über die Art der Geschäftsführung. Die Nachmittagssitzung begann zunächst etwas langweilig. Genosse Ellenbogen-Oesterreich begründete als Referent der 5. Kommission(Resolutionskommission) in längerer Rede, in der er in ironischer Weise das Zarenregiment geißelte, die von dieser Kommission ausgearbeiteten Resolutionen: die gegen die reak- tionäre Haltung der jungtürkischen Regierung sowie gegen die Unterdrückung der sozialistischen Bewegung in Japan. Argentinien, Spanien und Rußland protestieren und den dortigen Genossen die Sympathie des internationalen Proletariats aussprechen. Genosse Ellenbogen spricht gewandt und findet treffende Worte, aber über diese Reso- lutionen sind doch im Grunde alle Kongreßteilnehmer sich einig. Enthalten sie doch, wenn man so sagen darf, vom sozialistischen Standpunkte otwas ganz Selbstverständliches. Sie werden deshalb auch von manchem als bloße Formalität empfunden. Zu dramatischer Höhe gestaltete sich erst die Sitzung, als River de Leon(S. L. P.) zu der Resolution spricht und unter Bezugnahme auf den Amsterdamer Einigungsbeschluß die sozia» listischen Parteien in den Vereinigten Staaten auffordert, sich zu v e rle i n i g e n. In temperamentvoller Rede antwortet Hillquit als einer der Führer der Sozialdemokraten der Ver. St. Bedingung fei, daß die sog. Leoniden ihre Sonderstellung aufgeben. Nur dann wäre eine Vereinigung möglich, wenn ihre Grundlage die Einheitlichkeit und Gleichartigkeit der politischen Anschauungen sei. Vor allem müsse verlangt werden, daß die Leoniden ihre Angriffe gegen die Föderation(den Gompersschen Verband) aufgeben. Sei de Leon dazu bereit, wolle er die so lange gegen die sozialistische Partei geführte Streikaxt begraben, dann sei er herzlich willkommen. ver Soho keine; Vater;. In der„Neuen Zeit" schreibt Franz Mehring n. a.? Eine besonders erfreuliche Seite des Sieges, der eben in Zschopau-Marienberg erfochten worden ist, bildet die gänzliche Zerschmetterung des Antisemitismus, eine besonders erfreuliche Seite auch deshalb, weil gleichzeitig der Kronprinz als Rektor der Königsberger Universität eine Kundgebung in antisemitischem Stile vom Stapel laufen zu lassen für gut befunden hat. Der junge Mann, der bisher noch keine Gelegenheit gehabt hat, seine gewiß hervorragenden Gaben öffentlich zu betätigen, hielt sich durch den höfisch leeren Ehrentitel eines Rektors für berufen, den Professoren der Universität Königsberg Weisungen über Ziel und Zweck des akademischen Unterrichts zu erteilen, vor„Verdrossenheit" und „unfruchtbarer Kritik" zu warnen, endlich auch die„intornationali- sierenden" Bestrebungen zu verurteilen, die die„gesunde völkische Eigenart" zu verwischen drohten. Der Vorgang ist in mehr als einer Hinsicht bemerkenswert. Wollte der Kronprinz sich gerade in Königsberg über öffentliche iUebelstände auslassen, so hätte es für ihn wohl am nächsten gelegen, «ine— natürlich„fruchtbare"— Kritik an dem Urteil zu üben, das gerade in Königsberg kürzlich wegen angeblicher Prinzen- Beleidigung gefällt worden ist. Da der Kroniprinz sich schon als rein zeremonieller Rektor der Königsberger Universität hoch geehrt fühlt, so kann er unmöglich eine Ehrenkränkung in dem Unsinnen erblicken, sich auf dem Wege wirklichen Unterrichts sein Brot zu erwerben. Unter diesen Umständen muß es für den Kronprinzen doch eine peinliche Empfindung sein, daß ein Staatsbürger, der ihm eben jenes Ansinnen gestellt hatte, deshalb wegen Beleidigung auf vier Monate ins Gefängnis spazieren soll; eiue Verwahrung gegen jede Solidarität mit einem so himmelschreienden Urteil hätte ihm sicherlich kein vernünftiger Man» als unerlaubten Eingriff in die Rechtsprechung der Gerichte ausgelegt. Auch war der Kronprinz doch nicht der nächste dazu, über »Verdrossenheit" und»unfruchtbare Kritik" zu klagen, Diese Er- Auch B crgFr, Set Führer d'er sozialistischen Parke! in Mik- tvaukee, spricht sich im Sinne Hillquits aus. Wolle de Leon die Einheitlichkeit der amerikanischen sozialistischen Bewegung, dann müsse er seine Sonderbündelei völlig aufgeben und sich mit seinem Anhang offen der großen sozialistischen Bewegung in der nord- amerikanischen Union anschließen. Nur so könne die Einigung hergestellt werden. Die Debatte wurde heute zu Ende geführt. Die Abstimmung über die Resolution wurde auf morgen vertagt. politische(leberlickt. Berlin, den 1. September 1910. Hansabtlnd und Sozialdemokratie. Das Präsidium des HansabundcL hält es für nötig, erneut zu betont», daß der Hansabund die Sozialdemokratie icmcswegs begünstige, sondern deren entschiedener Gegner sei. Wenn die„Konservative Korrespondenz" und ihre Gefolgschaft dem Hansabund in„unerhöriter Weise unterstelle", daß er es ablehne, zur Sozialdemokratie Stellung zu nehmen, so sei daö eine grüb- lichc Verdrehung der wirklichen Tatsachen. Der Freiherr von Pcch- niann habe nicht eine bloße Stellungnahme des Hansabundes zur Sozialdemokratie verlangt, sondern gewünscht, daß der Hansabund durch einen S a m m I u n g s a u f r u f an das gesamte Bürgertum die Führung des Kampfe« gegen die Sozialdemokratie über- nehme. Selbstverständlich sei der Hansabund genau so wie die bürgerlichen politischen Parteien Gegner der Sozialdemokratie, deren ausgesprochene Absicht die Vernichtung der Grundlage der heutigen Staats- und WirtsckzaftSordnung sei. Dagegen habe er das Verlangen ablehnen müssen, in einem Sammlungsaufruf den Kampf gegen die Sozialdemokratie zu proklamieren, da er seiner Natur nach als wirtschaftliche Vereinigung nicht dazu in der Lage sei. Unanfechtbar bleibe deshalb der von ihm vertretene Stand- Punkt, daß unter den heutigen, durch die agrar-dema- gogische Wühlarbeit besonders b|; r s ch ä r f!te n Verhältnissen jeder Sanunlung saufruf wirkungslos bleiben werde, wenn nicht zugleich den mit der heutigen WirtschaftS- und Finanzpolitik unzufriedenen nichtsozialdenwkratischen Schichten des Bürgertums die Gewißheit gegeben werde, daß mit dieser Politik gründlich und dauernd gebrochen werde. Ter Hansabund ist also noch nicht bereit, die von Bethmann Hollweg erstrebte Sammelpolitik aller bürgerlichen Parteien gegen die Sozialoemokratie mitzumachen. Hätte er schon>ur Zeit der Hottentotten Wahlen existiert, so würde er oamals schon höchstwahrscheinlich den Vlockrummcl voller Begeisterung mitgemacht haben._ Königliche Frende über eine sozialistenreine Fabrik. Bei dem Festessen auf der Marienburg soll sich der Kaiser bei dem Direktor der Danziger Waggonfabrik eingehend nach den Ver- Hältnissen in der Fabrik erkundigt haben. Die»Danziger Allgemeine Zeitung" erzählt nun: »Der Direktor S ch r e y berichtete unter anderem, daß i n seiner Fabrik kein Sozialdemokrat sich be- finde, was dem Kaiser sichtlich hohe Freude bereitete. Er beauftragte Herrn Schrey, den Angehörigen der Waggonfabrik seinen königlichen Dank für die bisher bewiesene königS- treue Gesinnung, insbesondere für die Beteiligung au der Spalier- bildung beim Einzüge zu übermitteln und sprach die Erwartung aus. baß diese treue Gesinnung fort und fort gepflegt werde." Eigentlich erscheint uns die große Freude Wilhelms II. über eine— angeblich— sozialistenreine Fabrik befremdlich. Hat er doch die Sozialdemokratie für eine»vorübergehende Er« s ch e i n u n g" erklärt und ein andermal gesagt:»Die Sozial- demokratie überlassen Sie mir." Und nun sollte es ihm schon»hohe Freude' bereiten, wenn es einmal— und wer weiß durch lvelche Mittel!— gelingt, einen einzigen Be- trieb sozinlistenrein zu erhalten? I Zur Wahl Martin Spahns macht die»Germania" einige Bemerkungen, die beweisen, daß der Protest einiger Zentrmnsabgeordneter und Zentrumsblätter gegen die Ausstellung des offen Wahlrechtsfeind- lichen jungen Spahn von den leitenden ZentrumSkretsen nicht allzu ernst genommen worden ist. Ist doch in- zwischen auch bekannt geworden, daß sich 22 angesehene ZentrumSmitgliedcr direkt geweigert haben, das Schreiben an Spahn, das ihn zur Zurückziehung seiner Kandidatur aufforderte, zu unterschreiben! Die ganze Protestaktion gegen die Kandidatur des ultramontanen Reaktionärs dürfte also wohl in der Hauptsache, von lokalen Eifersüchteleien im Wahlkreise selbst abgesehen, nur das bekannte Spiel mit verteilten Rollen ge- wesen sein. Man hielt ein wenig Opposition und Presselärm für nötig, um den so arg WS Wanken gekommenen Aberglauben an den demokratischen Charakter des Zentrum« wieder neu zu beleben! Aber diese Opposition durfte nicht so stark sein, um Herrn Spahn wirklich zum Rücktritt zu bewegen. Durch die Wahl deS seine reaktionären Anschauungen so un- verblümt aussprechenden Herrn Spahn hat das Zentrum jedenfalls das V e r t r a u e n d e r Junker zu ihm befestigt, das es freilich ohnehin in reichsten Maße verdiente. • Nach dem amtlichen Wahlergebnis erhielt bei der Reichstags- Nachwahl Professor Martin S p a h n(Zentr.) 11 801, Schäfer- Meyer(Soz.) S7g. Pfarrer Dr. H i l l e(Zentr.) 101 Stimmen. Zersplittert waren 42 Stimmen. Von den 12 245 Wahlberechtigten übten 12 028 ihr Wahlrecht aus. scheinungen ergeben sich aus der allgemeinen Not, in der sich die große Mehrheit der Nation befindet, und der Kronprinz, dem die Not des Lebens aus eigener Erfahrung bisher gänzlich unbekannt geblieben ist, kann kein zutreffendes Urteil in solchen Dingen haben. Am wenigsten im gegenwärtigen Augenblick und am aller- wenigsten als der älteste Söhn eines Hauses, dessen an sich ja schon ganz stattliches Jahreseinkommen von etwa fünfzehn Millionen Mark eben jetzt um jährlich drei bis vier Millionen erhöht worden ist. aus den Taschen derselben Steuerzahler, deren Mehrheit aufs schwerste mit der allgemeinen Verteuerung der Lebensmittel zu ringen hat. Da der Kronprinz gewiß ein Verehrer unseres natio- nalen Dichters ist. so kennt er wohl auch dessen Wort: Vom sichern Port läßt sich gemächlich raten, womit Schiller unseres unmaßgeblichen Erachtens kein Lob aussprechen wollte. Die Königin Marie Antoineite sagte einmal, als man mit ihr von der Unerschwinglich- keit der Brotpreise für die Volksmassen sprach: Nun, so gebe man ihnen Kuchen. Natürlich ist der Kronprinz hoch erhaben über solche Frivolität, aber da er so reichlich mit Kuchen versehen ist, so kann er sich doch nicht in die Lage der Unzäihlijzen versetzen, denen es schwer wird, selbst mit der sauersten Arbeit ein armseliges Stück Brot zu erwerben, und so kann sein Verdikt über die„Verdrossen. heit" und die»unfruchtbare Kritik" nicht als«in erschöpfendes Urteil gelten. An seinen Aeußerungen über die„internationalisierenden Be- strebungen", die unsere„gesunde völkische Eigenart zu verwischen drohen", fällt zunächst die Sprache auf. Es ist eine geheiligte Ucberlicfcrung deutscher Fürsten, zwar nach allen Lorbeeren zu trachten, die Herrschaft verleihen kann, nur nicht nach dem Lorbeer, den die Herrschaft über die Sprache verleiht; das war immer so, seitdem Kaiser Sigismund, der Hußvcrbrenner, den Kaiser als höhere Instanz über der Grammatik etablierte, und Kaiser Karl V., der Lutherverfolger, die deutsche Sprache nur für brauchbar in der Unterhaltung mit Pferden erklärte: mit einzelnen Ausnahmen, die die Regel bestätigen, wie Friedrich Wilhelm IV., den Heine ja schon als solche Ausnahme besungen hat. Wir wollen deshalb Auf Lügeupfaden. Auf der in Augsburg anläßlich des Katholikenkages abge- haltcnen Versammlung des katholischen Pressevereins für Bayern lamentierte u. a. Erzbischof B et tinger- München über die böse gegnerische Presse, die vor keinem Mittel zurückschrecke, um die arme Zcntrumspartei zu diskreditieren. Wörtlich sagte der Erzbischof nach der„Köln. Volksztg.": „Wir unsererseits sind auf dem Gebiete der Presse die Schwächeren und werden es bleiben, und zwar aus den nahe- liegenden Gründen: wir können nicht diejenigen Mittel gebrauchen, zu denen die anderen ohne Bedenken greifen. Wir sind immer in der Defensive, während die anderen unter Zuhilfenahme bedenklicher Mittel uns angreifen, müssen wir uns auf die Verteidigung beschränken. So stürmt das Unglück von allen Seiten auf uns ein, ohne daß wir zum Angriff übergehen könne», obwohl wir bei der größeren Verwundbarkeit des Feindes sicher ein leichteres Arbeiten hätten. Unser katholisches Gewissen verbietet uns jene Waffen. Und dann noch eins: Wir dürfen nicht lügen!(Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) Der Feind aber schreckt vor der Lüge nicht zurück; er macht aus der Mücke einen Elefanten, und wo er nichts findet, da erdichtet er etwas, um uns verächtlich zu machen...." Daß die fromme Zentrumspresse durchaus nicht so tugendsame Pfade wandelt, wie Erzbischof Bettinger glauben machen will, zeigt eine Notiz des katholischen„Arbeiter", in der eine Petition der Zündholzarbeiter in Ha bei schwer dt um Unterstützung in ihrer durch die Zollgesetzgebung geschaffenen Notlage im Wortlaut wiedergegeben wird. Das Blatt schreibt zu dieser Petition: „Welche Antwort dem katholischen Arbeiterverein Habel- schwerdt auf obige Eingabe geworden ist, ist uns zur Stunde noch nicht bekannt; doch dürfte dieselbe in einem für die Vitt- steller günstigen Sinne ausfallen, da ja im Reichstage seiner- zeit unseres Miss ens nicht bloß die Tabak- arbeiter, sondern auch die Zündwarenarbeiter in die oben genannten Unterstützungen mit ein- bezogen worden sind." Um die ganze elende Heuchelei des christlichen Blattes zu verstehen, muß man wissen, daß der Redakteur des Blattes, Herr Dr. Fleischer, selbst im Reichstage sitzt und samt den andern christlichen Arbeiterführern gegen die sozial- demokratischen Anträge auf Unterstützung der geschädigten Zündholzarbeiter gestimmt hat. Wie sagte doch Dr. Sigl, der seine Leute genau kannte, über das Zentrum:„Sie lügen wie die Teufel und schwindeln aus Prinzip!" , BestechnngSgelder für die Presse. In einem Prozeß, der vom Vormund der Frau v. Schönebeck- Weber gegen deren Gatten wegen Sicherstellung des angeblich bedrohten Vermögens der ehemaligen Frau v. Schönebeck angestrengt worden war, stellte sich auch heraus, daß von Herrn Weber 3000 Mark»für die Presse" ausgegeben worden waren. Der Rechtsanwalt Beyer, der Anwalt Webers, soll diese Ausgaben als»äußer st notwendig" bezeichnet haben. Man habe den Zeitungen Anzeigen überweisen müssen,»m Schmähartikel gegen Herrn Weber zu unter« drücken!— In einer Zuschrift an daS»Berliner Tageblatt' bestätigt Herr Weber nochmals selbst die Tatsache dieser Auf- Wendung zu dem genannten Zweck. Nur bestreitet er, daß diese Bestechungsgelder für die»anständige" Presse aufgewendet worden seien. DaS Mosseblatt verlangt nun dringlich die Nennung der nicht anständigen Blätter. Ob Herr Weber diesem Wunsche nach- kommen wird?!_ Im Dienste deS Zaren. Die um daS armselige Leben Nikolaus II. sehr besorgten hessi- scheu Polizeibehörden hatten, wie bereits gemeldet, am Dienstag in Bad Nauheim einen»verdächtigen Russen, den man für einen Anarchisten hielt", verhaftet. In ihrem Eifer für daS leibliche Wohl deS Blutzaren hat die Polizei, wahrscheinlich angeregt durch russische Spitzel, gründlich daneben gegriffen. Der Verhaftete ist der seit drei Jahren regelmäßig nach Nauheim zur Kur kommende Arzt Dr. Mandelberg, Mitglied der zweiten Duma, in der er zur sozialdemokratischen Fraktion gehörte. Mandelbcrg hat, nachdem Nikolaus II. seinen feierlich beschworenen Eid elend brach und die Duma auf- löste, Rußland verlassen und sich in Mervie an der Riviera als Arzt niedergelassen. Natürlich hat Mandelberg mit dem Anarchismus durchaus nichts gemein, im Gegenteil bekämpfte er als Marxist die verfehlte Propaganda der Tat. Die„Mainzer VolkSzeitung" regt an. daß die Landtagsfraktion der Zweiten Kammer die Belästigung der ausländischen Kurgäste in Bad Nauheim aus Anlaß des Zarenbesuches zur Sprache bringt- Eine polnifch-nationalistifche Sonderkandidatnr in Franksnrt-Lebus. Kürzlich beschäftigten sich die Nationalpolen in Frankfurt a. O. mit der Neichstagsersatzwahl. Der Vertreter des polnischen Wahl- komiteeS für die Provinz Brandenburg, Casimir Zientowski aus Berlin, mißbilligte das Verhalten der polnischen LandtagSfraktiou bei der Erhöhung der Ziviüiste, sowie die ganze Politik der polni- scheu Abgeordneten, welche den Interessen deS polnischen Volkes ganz dahingestellt sein lassen, ob der Kronprinz sich mit dem neuen Berdum: internationalisieren als glücklicher Sprachschöpfer bewährt hat, aber wir glauben allerdings, daß er sich mit der„gesunden völkischen Eigenart" nicht gerade an die richtige Schmiede gewandt hat. Die Worte: Völkisch und Volkheit sind, wie schon in der frei- sinnigen Presse ganz richtig hervorgehoben worden ist, öfter- reichisches Antisemitengewächs und versündigen sich an dem Geiste der deutschen Sprache ebenso wie das Wort: diesbezüglich und ahn- lichcs Unkraut aus der gleichen Gegend. In der bürgerlichen Presse hat gerade dieser Satz de» Krön- Prinzen— von den internationalisierenden Bestrebungen, die die gesunde völkische Eigenart zu verwischen drohen— ein ziemliches Halloh hervorgerufen: die Alldeutschen und die Antisemiten tun so. als hätten sich die Pforten des tausendjährigen Reiches auf- getan, während die liberalen Monarchisten mit aufrichtigem Kummer die Miiglichleit erwägen, daß der Thronfolger seine Bildung auS den unsterblichen Werken der Harden und Lima» schöpfe, denn diese beiden hervorragenden Denker haben das Erb- stück der österreichischen Antisemiten, die völkische Volkheit, in Erb- Pacht genommen. Uns scheint bei diesem Streite ganz zweckloser- weise eine Unmasse von Druckerschwärze und Zeitungspapier ver- schwendet zu werden, denn einstiveilen hat der Kronprinz„nix to seggen", und wir würden es auch mit großer Fassung zu tragen wissen, wenn er in den Harden und Liman seine idealen Vorbilder erblicken sollte. Um so besser für unsere Zukunft! In diesem Sinne ist es denn freilich bemerkenswert, baß im selben Augenblick, wo sich der Kronprinz in Scl'Iagworten anti- semitischen Ursprungs gefällt, die sozialdemokratischen Wähler in Zschopau-Marienberg dein antisemitischen Treiben einen � vernichtenden Stoß versetzen. Und so soll es bleiben. Mag es mit der diesbezüglichen völkischen Eigenart stehen wie cS will, nationale Eigenart d-S deutschen Volkes ist, für die Gegenwart wie für die Zukunft, die stärkste Arbeiterpartei der Welt zu besitzen, die im schroffsten Gegensatz zur Monarchie und alle» monarchischen Ein- richtungen steht. •■■■'-'■■■■ entspricht; er verlangte schließlich, daß man nur Abgeordnete aus dem Nrbeiterstande wähle. Nach langein Hin» und Hetreden einigte man sich endlich auf die Kandidatur des Rechtsanwalts Dr. Chrzanowski aus Posen. In der Versammlung waren nur 70 Nationalpolen anwesend. Die polnisch-nationalistische Sondcrlandidatur wird dem sozial» demokratischen Kandidaten nicht viel Abbruch tun. Die Masse der polnischen Arbeiter, welche inr Wahlkreise ihrer Beschäftigung nach- gehen, haben wohl soviel Klasscnempfinden, daß sie nur sozial- demokratische Stimmzettel abgeben. Schleswiger Methoden. Ein fast unglaubliches Vorkommnis, das grell die vollkom- mene Rechtlosigkeit ausländischer Arbeiter in Deutschland be- leuchtet, wird der„Franks. Ztg." von der zur Provinz Schleswig gehörenden Insel Fehmarn gemeldet. Ein dortiger Landwirt hatte am 12. November 1äl>7 ein galizisches Mädchen in Dienst genommen; der Vertrag wurde aus ein Jahr vereinbart. Da der Gutsbesitzer mit der Tätigkeit des Mädchens durchaus zufrieden war, wurde der Vertrag nach Ablauf des Jahres auf ein weiteres Jahr verlängert. Plötzlich aber wurde das Mädchen am S. Januar löll) auf Anordnung des Land- rats in Cismar verhaftet, weil es als Ausländerin das deutsche Staatsgebiet am 20. Dezember 1903 nicht verlassen hatte. Ter Dienstherr wandte sich an den ihm befreundeten Amtsvor- sicher— vergebens; an den Landrat— vergebens. Schließlich, nachdem sich das Mädchen über fünf Monate in Haft be- funden hatte, versuchte er als letztes Mittel ein Gesuch an den Regierungspräsidenten in Schleswig, forderte dringend die sofortige Haftentlassung des Mädchens und— falls solches aus gesetzlichen Gründen geschehen müsse— ihre Expedition über die Grenze. Nach zirka vierzehn Tagen kam von der Regierung die Antwort, daß die Sache zur weiteren Veranlassung dem Herrn Landrat zu Cismar übergeben seil Das Landratsamt teilte dem Gutsbesitzer dann am 9. Juni mit, ieien, nämlich die nationalliberake Partei, die fort- schrittliche Volkspartci. der Hansabund, der Bund der Landwirte, die M i t t e l st a n d s v e r e i n i g u n g usw. auf einen gemein- samen Mischmaschkandidate» geeinigt haben, und zwar auf den jetzigen bürgerlichen Vertreter des Kreises, den Land rat Max Horn in Schleiz. Herr nHorn wird„Verständnis für nationale Notwendigkeiten" Ooll heißen: neue Ausgaben für M'ili- tär, Marine und Kolonien und neue indirekte Steuern), für die „Bedürfnisse der einzelnen Stände"(soll heißen: Schutzzölle, Liebes- gaben, Grenzsperren) und für den„Ausgleich der widerstrebenden wirtsckzaftlichcn Interessen"(soll heißen: auf Kosten des arbeiten- den Volkes) nachgerühmt. Wie es mit alledem bestellt ist, beweist u. a. die Stellungnahme des Herrn Horn zur Reicl�Sversicherungs- Ordnung, zu der er als nationalliberaler Frnktionsredner ge- sprachen hat. In seiner Rede ist er für alle reaktionären Vestim- inungeu des Entwurfes, insbesondere für die Beseitigung des Selbstverwaltungsrechts der Versicherten in den Krankenkassen ein- getreten. Die„Gcraer Zeitung" ist außerordentlich stolz auf das Werk, und stolz ruft sie den bürgerlichen Parteien der anderen Wahlkreise zu: Gehet hin und tut desgleichen! Wir können nur wünschen, daß sie mit dieser Aufforderung Erfolg habe, damit auch der letzte frei- gesinnte Mann aus den bürgerlichen Parteien verjagt und in die Reihen der Sozialdemokratie getrieben werde. Denn die Sammel- Politik, die die bürgerlichen Parteien in unserm Fürstentum im kleinen getrieben haben, wird kein anderes Ergebnis zeitigen wie die Sammelpolitik, die der philosophische yerr v. Bethmann Holllveg nach den Mitteilungen der„Nationalzeitung" im ganzen Deutschen Reiche im großen einleiten will: eine Dezimierung der bürgerlichen Parteien, wie sie noch nicht dagewesen ist. Die gut organisierte Arbeiterschaft in dem industriereichen Fürstentume Reuß j. L. steht gerüstet da; sie wird zeigen, daß die bürgerlichen Parteien bei uns ausgespielt haben; sie wird der heiligen Allianz vom Bunde der Landwirte bis zur Fortschrittlichen Volkspartci eine vernichtende Niederlage bereiten und ihr die Kau- didatensorge für die Zukunft ein für allemal abnehmen, Englancl. Die Steuerscheu der englischen Junker» London, 30. August.(Eig. Ber.) Eine eigenartige und amüsante Agitation entfalten augenblicklich die englischen konser- vativen Blätter. Sie bringen spaltenlange Proteste gegen daS „inquisitorische" Verfahren der Beamte», die mit der Aufstellung des in dem viel umstrittenen Finanzgesetz Lloyd Georges be- schlossenen Wertkatasters beschäftigt sind. Bekanntlich war eS das Wertkataster, das zum ersten Male seit den Zeiten Wilhelms des Eroberers Licht in die VermögcnSverhältnisse der großen Land- besitzer bringen soll, das in den konservativen Reihen den hart- näckigsten Widerstand hervorrief. Trotzdem nun daS Budget schon längst angenommen ist, laufen die Landbesitzer dennoch immer Sturm gegen das verhaßte Kataster. Zuerst versuchten sie, die Be- mühungen der Steuerbehörde als lächerlich und unnütz hinzustellen; sie verwiesen auf die Kompliziertheit der auSgesandten Formulare, deren Fragen nur der Schatzkanzler selbst verstehen könne. Dann griffen sie zu dem alten bewährten Mittel, den kleinen Mann mit seinem sauer erworbenen Häuschen vorzuschieben, der auf irgend eine Weise durch die behördliche Auslegung der Landsteuergesetze benachteiligt werde. Kurzum, die englischen Junker sind in großen Nöten. Geben sie, um den künftigen Wertzuwachs zu verkleinern, den Wert ihres Besitzes zu hoch an, so müssen sie eine verhältnismäßig hohe Land- steuer entrichten, die ja auch nicht nach dem Ertrage, sondern nach dem Werte des Landes bemessen wird. Setzen sie aber umgekehrt den Wert des Landes zu niedrig an, so steht ihnen die Zahlung einer höheren Wertzuwachssteuer bevor. Man sieht, Herr Lloyd George hat den Leuten, die die Bemogelung der Steuerbehörde als eine Art Naturrecht beanspruchen, das Handwerk ziemlich schwierig gemacht. Der Privatsekretär des Schatzkanzlcrs versichert ihnen, daß sie am besten dabei fahren würden, wenn sie ihre Angaben der Wahrheit gemäß machten. Aber solchen Spaß verstehen die Land» junker nicht. Daher diese Tränen. Als weiterer beunruhigender Faktor kommt hinzu, daß viele der Edlen der Nation die nicht un- begründete Angst haben, daß die ermittelten Resultate von der Steuerbehörde auch bei der sonstigen Steuerveranlagung als Unter- läge benützt werden können. Es schwebt ihnen das Bild so manches Patrioten vor, der nur für einige Tausend Mark Einkommensteuer zahlte und dessen Vermögen sich bei seinem Tode auf mehrere Millionen stellte oder der sein Geld in ausländischen Unterneh- mungen angelegt hatte. Sie kennen die Klagen der Leute, die das vorher als ganz wertlos angegebene Land an Eifenbahnacsellschaften und ähnliche Unternehmen zu enormen Preisen verkauften. In all diesen Fällen griff nachher die Steuerbehörde ein und rechnete sich die Steuerhinterziehungen aus. Andere Länder, andere Sitten; die Junkersippe scheint jedoch in allen Ländern nach dem selben Rezept zu arbeiten. Amerika. RooscveltS Demagogie. New Aork, 1. September. In seiner Rede, welche Noosebekt gestern in Osawatomie gehalten hatte, erklärte er den Krieg bis aufs Messer gegen alle diejenigen, die persönliche Spezialinteressen vertreten, welche gegen das allgemeine Wohl gerichtet find. Diese Attacke RooseveltS ist vor allem gegen das von Jahr z» Jahr immer mehr zunehmende Heer der Milliardäre gerichtet.„Die völlige Abwesenheit von irgendwelchen Einschränkungen seitens des Staates oder der Nation gestatten es einer unehrenhaften Clique von fabelhaft reichen Menschen, die in ihrem Leben keinen anderen Zweck sehen, als ihre Macht zu bewahren oder gar»och zu erhöhen, sich immer reicher zu machen mit dem Gclde der armen Steuer- zahler. Unsere erste Pflicht mutz sein, die sozialen Lebensbedingungen völlig zu ändern, welche es diesen Menschen gestatten, sich der Macht und doS Einflusses zu bemächtigen auf Kosten vieler Millionen Entrechteter. Später sagte Rooscvelt: ES genügt nicht, daß ein Vermögen ohne Verbrechen an der Allgemeinheit ge- Wonnen ist; wir dürfen auch nicht gestatten, daß ein solches Vermögen wächst, wenn cS nicht dabei zugleich der großen Allgemeinheit dient. Damit die» aber der Fall wird. muß eine sehr aktive einflußreiche Politik der Regierung gefordert werden. ES ist notwendig, daß die Regierung die sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen kontrolliert, sich der sog. zlveitenKlassederMenschheit. die nur durch den Dollar deklassiert ist, mehr annimmt, ihr LoS bessert I" Ein unbeschreiblicher, bis an Wahnsinn grenzender Enthusiasmus erhob sich nach dieser Rede RooseveltS. Der Gouverneur des Staates Mr. StrubbS begrüßte osfiziell Roosevelt nicht nur als de» größten Mann der Vereinigten Staaten, sondern als den größten Mann der Welt!_ Soziales. Zum Kapitel Steiierhinterziehnng. Der„Patriotismus" der Besitzcnden geht in keiitcni'Laudo so weit, daß sie auch dein Gesetze"entsprechend zu den Steuern beitragen»vollten. In der demokratischen Schweiz betrügen sie den Staat nicht minder, wie im halbabsolntistischen Deutschland. Wie Professor Joseph Eßlen(Zürich) in einem soeben erschienenen Buche über„Die direkten Steuern im Kanton Zürich und ihre Reform"(Zürich 1910. Verlag von Rascher u. Co.) mitteilt, haben die 15000 Jnbentarisationen, die von 1370—1907 im Kanton Zürich stattfanden, folgendes Resultat ergeben: Inventar!- Steuerpflichtiges Versteuertes sationen Vermögen Vermögen �° 1870—1879 3 593 97 417 000 62 567 000 64,0 1880-1889 2 833 127 691000 83120 000 65,0 1800-1809 4 369 232 272 000 131 413 000 56,5 1000-1007 4 653 219 017 1QQ 148 522 000 67,5 1870—1007 15 453 677 297 100 425 623 200 62�* Im Durchschnitt der 37 Jahre 1879— 1997 sind also noch nicht einmal zivei Drittel des steuerpflichtigen Vermögens tat- sächlich versteuert worden. Die Jnventarisattonen des Vermögens von Steuer- Pflichtigen finden bei gewissen Anlässen statt, z. B. beim An- tritt von Vormundschaften, aus Anlaß der Veranlagung zur Erbschaftssteuer, zum Teil auch infolge von Steuerrekursen. Ucber die Hinterziehungen bei der Einkommensteuer fehlen genaue Anhaltspunkte, aber Professor Eßlen behauptet, die Angehörigen der freien Berufe(Aerzte, Rechtsanwälte) seien mit ihrem zum Teil sehr hohen Einkommen notorisch um die Hälfte und oft weit mehr zu niedrig ein- geschätzt. Am u n v o l l st ä n d i g st e n dürfte aber das nnfundierte Einkommen der selbständigen Unternehmer in Landlvirtschaft, Gewerbe und Handel erfaßt iverden. Im allgemeinen werde hier nicht mehr versteuert, als was nach Abzug des Lebens- Unterhaltes bleibe, das, was man auf die Seite legen könne._ Prinzipielles vom Labenschluß an Sonntagen. Z 41a der Gewerbeordnung bestimmt:„Soweit nach den Be- stimmungen der§Z 105b bis 105h Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter im Handelsgewerbe an Sonn- und Festtagen nicht beschäftigt werden dürfen, darf in offenen Verkaufsstellen ein Gewerbebetrieb an diesen Tagen nicht stattfinden. Diese Bestimmung findet auf den Geschäftsbetrieb von Konsum- und anderen Vereinen entsprechende Anwendung." In Berlin endet nun nach der dazu ergangenen Polizciverordnung vom 20. Juni 1892 diese Zeit, zu der an Sonn- tagen ein Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen zulässig ist. nachmittags um 2 Uhr. Nach 2 Uhr verabreichte eine» Sonntags die Ehefrau des Fleischermeisters Klopsch, der ein Ladengeschäft hat, an einen Kunden Schinken, der von ihm vor 2 Uhr bestellt und auch bezahlt worden war. Der Mann hatte' noch einen Gang be- sorgt und sich den Schinken auf dem Rückweg abgeholt. Das Land- geeicht sah darin einen Verstoß gegen den§ 4la der. Gewerbeordnung in Verbindung mit Z 105b und mit der erwähnten Polizei- Verordnung. Es läge hier ein Gcwerbebetriöb in nicht zugelassener Zeit vor, denn die Aushändigung des allerdings rechtzeitig bestellten und bezahlten Schinkens gehöre noch zur Ausübung des Gewerbe- betricbö im Sinne des K 41a der Gewerbeordnung. Der Inhaber des Geschäfts hätte verurteilt werden müssen.- Der Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, der Verkauf sei schon durch die rechtzeitig erfolgte Bezahlung erledigt gewesen und die bloße Aushändigung der Ware nach 2 Uhr könne nicht mehr als Ausübung de» Gewerbebetriebes gelten. Das Kammergericht verwies zwar die Sache zu nochmaliger Verhandlung an das Landgericht zurück, gab aber in der Haupt- fache dem Angeklagten Unrecht. Begründend wurde ausgeführt: Der 8 41a der Gewerbeordnung sei strenger als der 8 IWe, der beim werktäglichen Geschäftsschlnß ein AuSbedienen der bereits im Lade» anwesenden Kunden noch gestatte. Nach 8 41a müsse an Sonntagen zu der festgesetzten Zeit der Gewerbebetrieb überhaupt beendet sein.§ 41a stehe in inniger Verbindung mit 88 105b bis d. Nach ihm darf in allen Fällen, wo an Sonn- und Festtagen An- gestellte nicht beschäftigt werden dürfen, ein Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen nicht stattfinden. Zweifellos dürfte ein Gehilfe eine solche Tätigkeit(die WarcnauShändigung) cm Sonntag»ach 2 Uhr nicht ausüben, da er sonst noch nach 2 Uhr hätte im Geschäft verweilen müssen, was eben ausgeschlossen sein sollte. Zweifellos würde sich der Geschäftsiichaber strafbar machen, wenn er den Gehilfen, nnp sei eS auch nur mit der Aushändigung einer schon früher bezahlten Ware, nach 2 Uhr noch beschäftigte. Da nun 8 41a aus Konkurrenzrücksichten erlassen sei, so wäre weiter zu folgern, daß der kleine Mann, der keine Gehilfen beschäftigt, nicht besser gestellt werden sollte, als der, der Gehilfen hat. So müsse man davon ausgehen, daß auch der kleine Geschäftsmann, der selbst die Ware aushändigt, nicht berechtigt sei, am Sonntag noch nach Schluß der zulässigen Zeit schon vorher verknuste Ware auSzn- händigen. Der Angeklagte wäre deshalb zu bestrafen, wenn sein Verschulde» feststände. Das stehe noch nicht fest. Es müsse vom Landgericht nachgeprüft werden, ob seine Frau in seinem Auf- trage oder mit seinem Vorwissen gehandelt habe. Darum die Zurückverwcisung an das Landgericht. Falsche Angaben über frühere Stellungen. Eine bemerkenswerte Entscheidung fällte gestern die 5. Kammer de» Berliner Kaufmannsgericksis. Ein Buchhalter F. hatte sich bei dem Beklagten um eine Anstellung bemüht und zu diesem Zwecks ein Zeugnis über die Art und Tätigkeit in seiner letzten Stellung eingereicht. Bei der persönlichen Vorstellung nannte der Kläger aus Befragen des Beklagten, wie hoch sein letztbezogenes Monatsgehalt gewesen sei. die Summe von 100 M. F. wurde daraufhin unter denselben Gehaltöbedingungen engagiert; der Beklagte löste indessen nach kurzer Zeit das Vertragsvcrhältnis mit der Begrün« dung, er sei vom Kläger bei Vertragsschluß schwer getäuscht worden. Sch. hatte nämlich in der Zwischenzeit erfahren, daß der Büchhalter von seiner früheren Firma auf sein Bitten vor Ver» lassen der Stellung ein Interimszeugnis erhalten hatte. Außerdem bezog er in seiner alten Stellung nicht 100 M., wie er angab, sondern nur 90 M. Der Beklagte steht auf dem Standpunkt, daß er zur fristlosen Entlassung berechtigt war. F. hätte pflichtgemäß bei Einreichung der Zeugnisabschriften das letzte Zeugnis als „Interimszeugnis" bezeichnen müssen. Ebenso enthalte die falsch« GehaltSangabe eine schwere Täuschung des Prinzipals. Auf Be, fragen vermochte aber der Beklagte nicht die Behauptung aufzu- stellen, daß daS MschlutzzeugniS von dem Interimszeugnis inhalt- lich wesentlich abwich. Das Kaufmannsgericht fällte folgende Entscheidung: Die so- fortige Entlassung des Klägers sei unberechtigt. Nur eine Täuschung über wesentliche Punkte rechtfertige die Auflösung des Vertrages. Die Kennzeichnung des Interimszeugnisses als„Zeugnis" sei abev hier nicht als ivesentlich anzusehen. Zur Zahlung deS Gehalt» bis zum Ablauf der Kündigungsfrist sei mithin Beklagter zu verurteilen, aber nur unter Berechnung eines Monatsgehalts vow 90 M. Denn das Gericht habe angenommen, daß Beklagter nur- dies Monatsgehal! botvilligt hätte, wenn er die Wahrheit über den früheren Gehaltsbezug des Klägers gewußt hätte. Die Gehaltsangabe im Zeugnis. Mit der Frage, ob die Angabe des GehaltSbezuges im Rahmen eines Zeugnisses statthaft sei, hatte sich gestern die I. Kammer des Berliner Kansinannsgerichts zu befassen. Ein Kaufmann D. hatte seinem Gehilfen beim Abgange ein im allgemeinen günstige» Zeugnis gegeben, nur in einer Nachschrift fügte er die Angabe hinzu: „A bezog zuletzt 70 M. Gehalt bei mir." Ter aus Streichung dieses Zusatzes klagende Gehilfe machte geltend, der Zusatz könne ihm in späterer Zeit vielleicht einmal hinderlich sein. Tag Kaufmanns- gericht erachlete de» Antrag des Klägers auf Streichung deS Nachsatzes für begründet. Gleichviel ob die Befürchtungen des Kläger» berechtigt sind oder nicht, so habe A. einen Anspruch darauf, daß der Zusatz gestrichen wird. Die Angabx über Gehaltsbezüge gehör« nicht in ein Zeugnis. daß die Entlassung des Mädchens aus der Polizeihaft nach Lage der bestehenden Vorschriften nicht angängig sei! Noch am 23. Juli— und vielleicht noch heute— saß das unglückliche Mädchen in Haft. Und der Grund: es hat nicht die Ehre, Unter- lanin deS vorderrussischen Borussenlandes zu sein. Damit im Drama der Hunwr nicht fehle, soll der betreffende Gutsbesitzer für das Mädchen während der Dauer der Haft pro Tag 80 Pfennig Verpflegungsgelder an den Staat zahlen, der ihn seiner Arbeitskräfte beraubt. Wahrscheinlich stützen sich die Behörden in ihrem absonder- lichen Vorgehen auf die Bestimmungen über die Beschäftigung aus- ländischer Sachsengänger. Wenn die Heranziehung dieser Vor- schriften im vorliegenden Falle schon sehr bedenklich erscheint, so stellt sich die achtmonatliche Inhaftierung als eine mit den Ge- setzen nicht zu vereinbarende Maßnahmen dar. Man konnte die Aus- länderin vielleicht ausweisen, aber durfte sie nicht ein« so lange Zeit ihrer Freiheit berauben. Die Oeffentlichkeit hat ein Recht, «ine sofortige Klarstellung des beschämenden Vorkommnisses zu fordern._ Ein schwarzes Geständnis. Ein schwarzes Schuldbekenntnis legt daS mit Sigls Tod ganz inS Zentrumsfahrwasser geratene„Bayerische Vaterland' �Eigentum des Geistl. Rates Sturm und des Zentrumsabgeordneten Dr. Heim) ab, indem es schreibt: „DaS Zentrum muß das Bad austrinken, das eS sich durch Zustimmung zur Reichs st euerreform enge- richtet hat. Es habe den Junkern geholfen, den ihnen verhaßten Reichskanzler Bülow zu stürzen, das sei ebenso berechtigt ge» Wesen, wie die Ablehnung der Erbanfall st euer ver- fehlt. Es habe dafür unpopuläre Steuern genehmigt und nicht einmal sich versichert, daß im Reich mit größerer Spar- s a m k e i t gewirtschaftct werde. Das Zentrum habe v o r e i l i g gehandelt und jetzt soll es weitere Steuern und Volkslasten genehmigen?! Dadurch verderbe sich die Partei die Sympathien in den weitesten Volkskreisen und helfe nur dazu, die Zahl der sozialdemokratischen Abgeordneten zu vermehren, die National- liberalen und Konservativen durch die linksstehenden Parteien an die Wand zu drücken. DaS Zentrum müsse also die e n t» schiedene Ablehnung weiterer Forderungen für Armee und Marine zum Programm machen, sonst gehe es bei den nächsten Wahlen schief. DaS'„Vaterland" schließt seinen Artikel mit dem Klageruf:„Nur mit trüben Blickem kann ein gut gesinnter Anbänger des Zentrums bei diesen Verhältnissen in die Zukunft schauen; mögen die Führer des Zentrums die Situation richtig erfassen und danach handeln." Die Neue des von hervorragenden Zentrumsherren bedienten Blattes kommt zu spät. Zwar hoffen seine Führer, daß sie mit Hilfe der Geistlichkeit wiederum, wie schon öfter, die Wählermassen beschwichtigen, einlullen und einseifen' können, allein auch den Zentrumswählern wird das Mehrsteuern und Mehrzahlen allmählich zu dumm._ Zur Affäre des Generals v. Gagern meldet die„Deutsche Journalpost": In der Angelegenheit der Frau Oberleutnant MeerS- mann gegen de» Vater ihrer beiden außerhalb der Ehe geborenen Kinder, den General a. D. Freiherrn v. Gagern, ist bekanntlich ein Urteil der ersten Zivilkammer des hiesigen Landgerichts I dahin ergangen, daß Frau Meersmann mit ihrem Verlangen nach Erlaß einer einstweilige» Verfügung gegen Herrn v. Gagern auf Alimentierung abgewiesen wurde. DaS Urteil stützt sich darauf, daß Frau Meersmann sachfällig sei, weil sie eine Er- ilärung unterschrieben habe, wonach sie gegen Zahlung von 9000 Mark auf alle Ansprü che gegen Hetrn v. Gagern verzichtete. Diese Verzichtserklärung wurde von ihr in der Verhandlung angefochten, jedenfalls ist sie heute angesichts der Entmündigung der Frau ohne Be- dcutung und damit der Entscheidung deS Landgerichts der Boden entzogen, �jn dieser Richtung wird sich der BerufungSantrag be- wegen. Wie wir hören, war Herrn v. Gagern die Tatsache der Entmündigung seiner Gelieb!«» von Anfang an bekannt. Er ließ sich aber hierdurch in seinem Verkehr mit einer an- geblichen Geisteskranken nicht stören und fand auch nichts darin, sich von einer entmündigten Frau eine Verzichts- erklär» ng auf alle Ansprü chegegen seine Person ausstellen zu lassen. Allerdings muß gesagt werden, daß Herr v. Gagern erst in der zweiten Verhandlung und auch nur zögernd von diesem Schriftstück Gebrauch gemacht hat. Die reaktionäre Phalanx in Renst j. L. Die bürgerlichen Parteien im Fürstentum Reuß j. L. waren sich, wie die wechselseitigen Preßpolemiken in der rechtsnational- liberalen„Gcraer Zeitung" und dem..links"-freisinniaen„Gera- ischcn Tageblatt" erkenne» ließen, darüber, wer bei der bevorstehen- den RcichStagswahl bürgerlicher Durchsallskandidat werden syll, arg in die Haare geraten, und hinter den Parteikulissen muß es bpse hergegangen sein, ehe man sich schließlich auf einen Kandidaten geeinigt hat. Die„Geraer Zeitung" verkündet nun in einem an- scheinend von offizieller nationalliberaler �>eite inspirierten Artikel an leitender Stelle, daß sich alle bürgerlichen Per« GewerkfcbaftUcbc� Cin �affenprotert gegen einen fabrikin spektoren-öerickt. Im„Vorwärts" ist der Gewerbeinspektionsbericht bereits tiefer gehängt worden, den der Inspektor für Ober- e l s a ß, Regierungs- und Gewerberat C r 6 p i n. in diesem Jahre erstattet hat und der vor kurzem veröffentlicht wurde. Darin notiert der offenbar gut klerikal gesinnte Herr Re- gierungsrat unter anderem mit feierlichem Ernste, daß von den Herren Industriellen in Mülhausen i. E. vielfach Klage darüber geführt wurde,„daß die älteren Arbeiter, n a m e n t- lich solche sozialistischer Richtung, die jungen Leute im Betriebe zur Interesselosigkeit und Rachläfsigkeit bei Verrichtung der Arbeit und häufig sogar(!) zur U n b o t m ä ß i g kei t gegenüber ihrem Arbeitgeber aufstacheln, um auf alle Weise den Arbeit- geber zu schädigen(I) und der Jugend beizeiten den Keim der Unzufriedenheit einzupflanzen." Diese An- schuldigung der Sabotage en gros mochte das Gewerkschafts- kartcll in Mülhausen doch nicht stillschweigend auf der Arbeiterschaft sitzen lassen, und da über die Gewerbeinspektion in Elsaß-Lothringen, die im richtigen Verhältnis zur Rück- ständigkeit des Landesparlamentes in Elsaß-Lothringen steht, auch sonst noch einiges zu sagen ist, so berief das Kartell auf letzten Dienstag eine öffentlicheVersammlung ein, die sich ausschließlich mit den Gewerbeinsektionsberichten für Elsaß-Lothringen befaßte. Die Versammlung war über- füllt und nahm nach einem Referate des Arbeitersekretärs Genossen Wicky und nach Reden der Gewerkschaftsbsamten Gsell und Groß einstimmig die folgende Resolution an: „Die heute, am 30. August 1910. tagende öffentliche Ver- sammlung der in den freien Gewerkschaften organisierten Ar- beiter und Arbeiterinnen nimmt Kenntnis von deni Bericht der Gewerbeinspektoren von Elsaß-Lothringen. Die Versammlung weist die im Berichte fürs Ober-Elsaß festgelegten Beleid i- gungen der gewerkschaftlich und politisch orga- nisierten Arbeiterschaft mit Entrüstung zurück. Die Versammlung bedauert, daß der jeweilige Bericht der elsaß- lothringischen Gewerbeinspektion immer nur die trockenen Tat- fachen konstatierte und niemals Kritik an den bestehenden Ver- Hältnissen in den der Gewerbeinspektion unterstellten Betrieben geübt wird. Des weiteren bedauert die Versammlung, daß auch niemals Vorschläge von feiten der Gewerbeinspektoren erfolgen, die durchzuführen im Interesse der Gesundheit und des Lebens der Arbeiter notwendig wären. Die Versammlung verurteilt es auf das entschiedenste, daß. soweit in den Berichten von einer Kritik die Rede fein kann, diese nur in ganz einseitiger. arbeiterfeindlicher Weise erfolgt ist. Die Versam- melten glauben verlangen zu dürfen, daß die Gewerbeinspektoren bei Beurteilung der Arbeiterverhältnisse auch die Arbeiter- organifationen um Auskunft angehen. Auch eine engere Fühlung mit der Arbeiterschaft, wie dies bei anderen Ge- werbe- und Fabrikinspektionen schon längst der Fall ist, wäre sehr wünschenswert. Die vorgenommenen Revisionen zeigen zur Ge- nüge, daß ein Ausbau der Fabrikinspcktion unbedingt notwendig ist, und die Versammelten verlangen, daß die Regierung hier die notwendigen Maßnahmen trifft, um eine Gewerbeinspektion zu schaffen, die den Verhältnissen der Industrie des Ober-Elsaß Rechnung trägt." Der mittels Einschreibebriefs zur Teilnahme an der Versammlung eingeladene Herr Regierungsrat und Gewerbe- inspektor zog es vor, nicht zu erscheinen. Berlin unck Umgegenck. Achtung! Bauanschläger, Bau-, Geldschrankschlosser und Kunstschmiede! Der Arbeitgeberverband und die Innung für daS Schloff erei- gewerbe haben beschlossen, den Arbeitsnachweis, welcher bisher in der Gormanustraße war. und unter Mitwirkung der Arbeitnehmer Vertreter geleitet wurde, an den Arbeitsnachweis der Berliner Metallindustriellen sGartenstraße) anzugliedern. Da dieses eine Verschlechterung für die Kollegen gegenüber dem bisherigen Ver- hältnis bedeutet, fo machen wir darauf aufmerksam, daß der Arbeits- Nachweis für das Schlossereigewerbe sich nach wie vor in der Rückev straße 9 befindet. Dieser Arbeitsnachweis ist mit unserem Verband auf paritätischer Grundlage vereinbart und demnach nur einzig und allein für die Bananschläger, Schlosser und Kunstschmiede, welche in den Bau-, Kunstschlossereien und Geldschrankfabriken Arbeit annehmen Wollen, maßgebend. Deshalb ersuchen wir die Kollegen, diese Mitteilung zu be achten, auch weiter zu verbreiten, und den Arbeitsnachweis des Arbeitgeberverbandes für das Schlossereigewerbe zu meiden. In der nächsten Woche findet wegen dieser Angelegenheit eine Versammlung statt, in der die Kollegen weitere Mitteilung erhalten. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Die Berliner Rollkutscher, Begleiter und Bodenarbeiter in den Speditionsgeschäften befinden sich in einer Lohnbewegung. Die-be- troffenen Betriebe haben infolgedessen an ihre Kundschaft ein Zir- kular mit der Bitte um Nachsicht versandt, falls die Speditionsauf- träge nicht mit der gewohnten Promptheit erledigt werden. Unter- zeichnet ist das Zirkular von folgenden Firmen: Bcrgemann u. Co. Berliner Abroll-Speditions-Verein, Otto u. Co. Berliner Spedi- teur- Verein Aktien-Gesellschaft. Berliner Speditions-Haus und Produkten-Speicherei Georg Reiwald. Berliner Speditions- und Lagerhaus-Aktien-Gesellschaft(vorm. Bartz u. Co.). Berliner TranSport-Verein, Knopf u. Gochrke. B. Bernhardt u. Co. Bor- chardt u. Frühfahrt. Max Brasch u. Co. Brasch u. Rothenstein. Teutsch-Jnternationale Transport-Gesellschaft Heinrich Beck u. Co. I. A. Fischer. Förster, Ruttmann u. Co. Nachfl. R. Freudenseldt. I. G. Henze. Adolf Hesse u. van Teuren. Jacob u. Valentin. Internationales Speditions-Vureau Georg Silberstein u. Co. Georg Kempermann. Gustav Knauer. I. Luther u. Co. W. Mar» zillier u. Co. Montag u. Schaeffer. A. Schäfer, Wilmersdorf. A. Schlichting u. Co. Nachfl. Julius Schumacher, Berlin W. 35. Paul Schur. Speditions-Gesellschaft Jacobshof m. b. H. Joseph Spiero. Transport-Comptoir der vereinigten Spediteure auf dem Berlin-Anhaltischen Bahnhofe, G. m. b. H. Transort-Comptoir der bereinigten Spediteure auf dem Hamburg-Lehrter Güter-Bahnhofe, G. m. b. H. A. Warmuth. Der Streik der Arbeiter für gelochte Bleche wurde am Mitt- wochabend. wie schon kurz berichtet, mit.großer Majorität be- schlössen. Otto Handle vom Deutschen Metallarbeiterverband erstattete in der Versammlung im„Englischen Garten" einen aus- führlichen Bericht über die letzte Verhandlung mit den Unter- nehmern. Es gelang der Kommission nicht, die Unternehmer zu bewegen, die Forderungen der Arbeiter in bezug auf eine Erhöhung der Mindestlöhne anzuerkennen. Die Unternehmer wollten hoch- stens das bewilligen, was in dem Tarif für die Bauschlosspr an- erkannt worden ist. Die Kommission machte der Versammlung den Vorschlag, daß der Tarif, der mit der Firma Schmidt u. Heckenrath abgeschlossen wurde, als Grundlage für weitere Verhandlungen diene, aber mit der Maßgabe, daß eine Lohnzulage von 5 Pf. wäh- rend der Tarifdauer stattfinde, und zwar sollten 2% Pf. sofort und 2'A Pf. vom 1. September 1911 ab zugelegt werden. Dieser Vor- schlag wurde gründlich diskutiert und schließlich abgelehnt. Die Arbeiter waren damit wohl einverstanden, daß der Tarif bei Lerantw. Redatt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.z� Arveiter der deutschen Metallvetrieve. Der Ausschuß des Gesamt- Verbandes Deutscher Metallindustrieller wird nunmehr in einer neuen�Sitzung Ende nächster Woche endgültig Beschluß fassen." Bon den beteiligten Arbeiterorganisationen ging uns folgende Mitteilung zu: „Durch das Wolsssche Telegraphenbureau wird in der Presse die Nachricht verbreitet, daß von den streikenden Werftarbeitern auf der Gruppe Deutsche Seeschiffswerften Verhandlungen über die von ihnen eingereichten Forderungen nachgesucht worden seien. Dieser Nachricht stehen die beteiligten Organisationen der Arbeiter fern. Sie ist auch insofern unzutreffend, als sie die streikenden Arbeiter Verhandlungen nachsuchen läßt. Die Anregung zu einer Aussprache ging voir einer dritten, unbeteiligten Seite aus, und beide Parteien verhielten sich nicht ablehnend." In den letzten Tagen ist auf acht weiteren Betrieben die Arbeit eingestellt worden, 150 Personen sind ausgesperrt. Der Klempnerstreik in Wilhelmshaven beendet. Nach zehn- wöchentlichem Kampfe kam ein Tarif zustande, nach dem Gesellen bis zum 20. Lebensjahre pro Stunde sofort 50 Pf. erhalten, vom 1. April 1911 ab erhöht sich der Stundenlohn um 2 Pf., vom 1. April 1912 ab um weitere 2 Pf.; Gesellen über 20 Jahre erhalten sofort 68 Pf. und vom 1. April 1911 und 1. April 1912 ab je 2 Pf. mehr. Bisher betrug der Lohn im ersten Jahre nach beendeter Lehrzeit 40 Pf., in den nächsten vier Jahren 4754 Pf. und später 50 Pf, Militärbehörde und Bauarbeiteranssperrung. Nach Beendigung der allgemeinn Bauarbeiteraussperrung stellten die Maurer in Rotenburg a. d. Fulda Forderungen an die Unternehmer, was die letzteren mit einer erneuten Aussperrung beantworteten. Der Bauunternehmer P. Gorst'i versandte nun an einige jüngere Bauarbeiter folgendes Schreiben: „Mitteilung an Herrn..-, Von der Militärbehörde liegt bei mir eine Anfrage bom 16. d. M. vor, ob der beurlaubte Musketier N. N. bei mir beschäftigt sei oder sich an dem Streik beteilige. Da ich hierüber sofort berichten muß, so ersuche ich um Mitteilung, was Sie zu tun beabsichtigen; denn es unterliegt keinem Zweifel, daß Sie innerhalb weniger Tage wieder einberufen werden, wenn ich Un- günstiges über Sie berichten muß. Hochachtend P. Gorski." Wenn diese„Mitteilung" des Herrn Gorski auf Wahr- heit beruht und er etwa nicht selbst den Schwindel nur in- szcniert hat, so liegt hier ein ganz ungehöriger Eingriff der Militärbehörde in die privaten Verhältnisse ehemaliger Soldaten. Daß sie auch nicht das mindeste Recht dazu hat, ist selbstverständlich. Letzte JVacbnchlm Im Eisenbahncoupe überfallen. Eine amtliche Meldung besagt: Donnerstag nachmittag wurde die 22jährige Verkäuferin Elisabeth Jakob aus Deutsch-Wilmers- darf, Bruchsalstr. 12, im Zuge 2036 auf der Fahrt von Ebers- straße nach Schöncberg bei der Einfahrt in die Station von dem 22 Jahre alten Hausdiener August Köhler aus Berlin, Gleimstr. 2, mit dem sie sich in einem Einzelabteil 3. Klasse allein befand, überfallen, am Halse gewürgt und im Gesicht verletzt. Auf das Geschrei der Ueberfallcnen brachten Reisende im benach- barten Abteil den Zug durch Ziehen der Notbremse zum Stehen. Der Täter wurde durch Mitreisende und den Zugführer fest- genommen und der Schöneberger Polizei übergeben. Die Ver- letzte begab sich in Begleitung von Mitreisenden nach ihrer Wohnung. Solidaritätsbezeugung. Kiel, 1. September.(Privattelegramm des„Vorw.".) Die Arbeiter der Neichswcrften in Kiel hielten heute abeuö eine von zirka 2000 Personen besuchte Versammlung ab, die sich mit der Aussperrung auf den Werften beschäftigte. Die Versammlung beschloß einstimmig eine Resolution, in der den streikenden und ausgesperrten Werftarbeitern die Sympathie der kaiserlichen Werftarbeiter ausgesprochen und erklärt wird, daß die Werftarbeiter der Marinebetriebs jederzeit bereit sein werden, notwendig werdende erhöhteVei- träge zu zahlen. Die Mitteilung der bürgerlichen Presse, die Arbeiterorganisationen hätten das ReichSamt des Innern um Vermittelung im Streik ersucht, wurde vom Vorsitzenden als falsch bezeichnet. Die Organisationen haben einen solchen Schritt nicht unternommen. Der Vorsitzende erklärte weiter, daß Extrabeiträge bei dein jetzigen Stande der Kasse noch nicht nötig seien._ Mord und Selbstmordversuch. Leipzig, 1. September.(B. H.) Der Agent Ernst Becher, der vor etwa 14 Tagen aus Zwickau hierher verzogen war und auf dem Schönauer Weg wohnte, schrieb seinem in Lindenau wohnenden Stiefbruder, daß er seine beiden Kinder im Alter von 5 und 10 Jahren ermordet habe und man dieselben auf einem Felde in der Nähe von Haferpuppen auffinden wird. Er habe sie dort be- graben. In dem Schreiben bezeichnete er die genaue Stelle, an der die beiden Kinder liegen. Auch er werde sich das Leben nehmen, wo wiffe er noch nicht. Es wurde sofort nach den beiden Leichen gesucht. Dieselben wurden auch tatsächlich an der von Becher in seinem Schreiben bezeichneten Stelle aufgefunden. Neues von der Cholera Rom, 1. September.(W. T. B.) In den letzten 24 Stunden sind in Barletta acht Erkrankungen und drei Todesfälle an Cholera festgestellt worden, in Andria zwei Erkrankungen»nd ein Todesfall, in Spinazzola zwei Erkrankungen und zwei Todesfälle, in Molfetta zwei Erkrankungen und ein Todesfall, in Marghcrita di Savoin zwei Erkrankungen, in Trinitapoli zwei Erkrankungen und zwei Todesfälle, in Sa» Fcrdinando drei Erkrankungen und zwei Todes- fälle, in Cerignola eine Erkrankung und zwei Todesfälle. London, 1. September. Wie die„Daily Chronicle" berichtet, gelangte an das englische Marincamt zu Hull aus Alexandrien die Nachricht, daß an Bord eines dort eingelaufenen Dampfers ein Eholcrafnll konstatiert worden ist. Ter Kranke ist sofort in das dortige Hospital transportiert worden. Wien, 1. September.(Preß-Telcgraph.) In Oesterreich sind im Laufe des heutigen Tages keinerlei Cholcrafälle zu ver- zeichnen gewesen. Das Stadtphysikat gibt bekannt, daß nach Be- seitigung der Cholera""'"''� die besonderen Vorsichtsmaßregeln auf- gehoben worden sind Schwere Unwetter. Mur, eilte, 1. September.(Preß-Telcgraph.) Der seit gestern über Marseille wütende Sturm hat heute nachmittag seinen Höhe» Punkt erreicht. Selbst die großen Postdampfer konnten nicht m den Hafen einlaufen und mußten in Estaque vor Anker gehen. Zahl- reiche Fischerboote werden noch vermißt. Ueber ihr Schicksal ist man im Ungewissen. Im Hafen und der Umgebung der Stadt hat das Unwetter großen Sckiadcn angerichtet. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VeriagSanstalt KaulSingerLcCo.,BcrlinL>V, HierzuLBeilagen u.Untcrhaltungsbt. Schmidt u. Hsckenralh als Grundlage diene, aber sie verlanglen eine sofortige Erhöhung der Löhne um 5 Pf. pro Stunde, da die be- stehenden Verhältnisse eine solche Lohnerhöhung notwendig machen. Sie entschieden sich in einer geheimen Abstimmung dafür, sofort den Streik zu beginnen. Am Donnerstagmorgen kamen die Streikenden im..Englischen Garten" zusammen, und Handle konnte feststellen, daß die Arbeit in allen Betrieben einmütig niedergelegt worden ist. Ueberall legten die Arbeiter ihre Forderungen vor, und da sie nicht bewilligt wur- den, traten sie sofort in den Streik. Die Unternehmer verhielten sich fast durchgängig nicht prinzipiell ablehnend; sie wiesen auf die Konkurrenz hin und wollten abwarten, was„die andern" tun werden. Einzelne erklärten sich auch bereit zu verhandeln und einige Zugeständnisse zu machen. Die Streikenden betrachten die Situation als sehr günstig und gaben ihrer Kommission Vollmacht, Verhandlungen zu pflegen, wenn unter den Unternehmern der Wunsch dazu geäußert wird. Zur Lohnbewegung der Mineralwasser- und Kellcrarbcitcr Groß-Berlins. Im Laufe der letzten Wochen haben weitere fünf Firmen die Forderungen der Arbeiter anerkannt und bestehen zur Zeit Tarifverträge mit folgenden Firmen: Bcrolina, Rob. Martens, Hermann Thiel, Joh. Schömann, Kloninger Nächst, W. Günther u. Co., Apotheker Sichting Nächst, Busse, Fritsch, Behl, Kahlenberg, E. Schütze Nächst, Reusch u. Pluge, O. Franke, Herm. Pohl, H. Fan- selow, Rausch, Schubert, Radau u. Röseler. Zurzeit bestehen noch Lohnbewegungen bei den Firmen Starick, Simon u. Ernst Krüger. Die Arbeiter der Firma Ernst Rauch haben sich durch Streik eine kleine Aufbesserung ihrer elenden Löhne erkämpft, doch stehen diese immer noch weit unter dem Tarif. Die Firma Dr. d'Heureuse hält den abgeschlossenen Tarif nicht ein. In der Mineralwasserbranche bestehen noch Hunderte von Zwergbetrieben, zum Teil mit Bierverlag verbunden, in denen neben Familienangehörign des Inhabers einzelne Arbeiter zu den erbärmlichsten Löhnen und an den denkbar schlechtesten Maschinen und Apparaten arbeiten. Diese Zwergbetriebe sind einer durch- dreifenden Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse im höchsten Grade hinderlich. Aus diesen Kreisen rekrutieren sich bei eben- tuellen Lohnkämpfen oftmals die Streikbrecher. Aber auch den Fabrikanten, welche ihren Arbeitern gern menschenwürdige Löhne zahlen möchten, stehen diese Kleinfirmen dabei hindernd entgegen. Ein weiteres Hindernis für die gesunde EntWickelung des Ge- werbes findet sich leider in den Detailpreisen. Wohl begnügen sich die kleinen Gastwirte mit einem angemessenen Gewinn, hingegen fordern die Inhaber der Saal- und Gartenlokale geradezu unver- schämte Preise, z. B. für eine Selter, die ihnen 354 Pf. kostet, 15 bis 20 Pst, für eine Brause(7 bis 8 Pst Einkaufspreis) 25 bis 30 Pst Hierdurch wird der durchaus wünschenswerte Konsum alkoholfreier Getränke künstlich zurückgedrängt und dadurch die Lage der in dieser Branche beschäfigten Arbeiterschaft nicht gerade gebessert. Achtung, Geschäftskutschcr! Die in dem Betriebe Freiherr!. v. Wittgensteinsche Molkerei, Pankow, Schmidtstraße 10, aus- gebrochenen Differenzen sind durch Verhandlungen mit der Orga- nisation beigelegt. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind zur Zufriedenheit der dort beschäftigten Kutscher geregelt. Wir bitten die organisierte Arbeiterschaft, sich von den betreffenden Kutschern die braune Legitimationskarte der Organisation vorzeigen zu lassen. Deutscher Transportarbeiter-Verband Bezirk Groß-Berlin. Transportarbeiter, Achtung! Bei der Firma R e g e l e r u. C o., Emaillewaren en gros, Ritterstratze 71/75, sind gestern abend Plötz- lich 8 Packer und Hausdiener entlassen worden. Als Grund der Entlassung wurde seitens des vom Erholungsurlaub zurückgekehrten Chefs in einem Ukas, der im Lagerkeller des Geschäfts angeschlagen wurde, angegeben, daß die Arbeiter während seiner Abwesenheit be- schlössen hätten,„gemeinsam gegen die Firma vorzugehen und even- tuell auch einen Streik durchzuführen". Daran dachte vor der Hand kein Mensch. Wahr ist vielmehr, daß eine Besprechung statt- gefunden, in der die äußerst niedrigen Löhne besprochen wurden, die für Familienväter 22 bis 24 M. betragen. Den 8 Entlassenen schlössen sich sofort 9 weitere Kollegen, die im Laufe des Tages noch eine Verstärkung erfahren dürften, an. In Betracht kommen ins- gesamt 27 Mann, davon 5 Kutscher. Wir ersuchen, den Betrieb bis auf weiteres zu meiden und vollste Solidarität zu üben. Deutscher Transportarbeiter-Verband, Bezirk Groß-Berlin. veurkcbes Kcicb. Die Anssperrnng in der optischen Industrie Rathenows, die vom dortigen Arbcitgebcrverband für den 31. August angekündigt war, ist durch Eingreifen des Bürger- meisters Lindner verhindert worden. Nach viertägigen Verhand- lungen, die unter der Leitung des Bürgermeisters stattfanden, kam es zu Vergleichsvorschlägen, deren wesentlichste Punkte folgende sind: Die Arbeitszeit wird von 56 auf 54 Stunden verkürzt. Die Ueberstundcnarbeit wird auf 8 Stunden in der Woche und auf die Gesamtdauer von höchstens 6 Wochen im Jahr beschränkt. Der Aufschlag beträgt wie bisher 10 Pf. Die von den Arbeitern gefor- derte Einführung der allgemeinen Lohnarbeit wird abgelehnt. Der Mindestlohn, unter dem männliche Lohnarbeiter nicht ein- gestellt werden dürfen, wird von 15 auf 13 M. erhöht. Der Mindestlohn für Arbeiterinnen unter 16 Jahren beträgt 7,50 M., über 16 Jahren 10 M.(Bisher 6 M. bczw. 7,50 M.) Für Gold- arbeiter, die einigermaßen befriedigende Verdienste erzielen, bleiben die bisherigen Akkordlöhne bestehen; für Stahl- und Nickelarbeitcr wird ein Aufschlag von 5 Proz. gewährt, ausgenommen davon bleiben einige Warcngattungen, die infolge der Marktverhältnisse einen Preisaufschlag nicht vertragen. Die geplanten Abzüge beim Spezialtarif der Einschleifer wurden größtenteils zurückgewiesen und bei einigen schlecht bezahlten Positionen annehmbare Verbesse- rungen erreicht. Wertvolle Verbesserungen zeitigte auch die Neu- regelung des Spezialtarifs der optischen Hornverarbeiter. Für die Ausschleifer und Lorguettenarbeitcr, die bisher ohne tarifliche Be- stiminungcn arbeiteten, müssen bis spätestens Jahresschluß Ein- heitstarife geschaffen werden. Die Arbeiter nahmen die Vorschläge in einer Versammlung, die am 31. August unmittelbar nach Ab- schluß der Kommissionsvcrhandlungen tagte, mit großer Majo- rität an._ Die Werftarbciter-Bewcgimg. In Hamburg mußten auch Mittwoch in mehreren Betrieben die Arbeiter die Anfertigung von Strcikorbeit verweigern und in der Folge die Arbeit einstellen. Es betrifft diese Arbeitseinstellung die Reparaturbetriebe der Bremer Hansa-Linie und der Anstrnl- Linie.— Ferner verweigerten die Arbeiter der Sckiiffsschmieden von Streblow, Dittmann u. Wngner und Böhlig die Lieferung von Streikarbeit. In diesen fünf Betrieben kommen zirka 85 Mann in Betracht.— Damit dürften so ziemlich alle Reparatnriverkstälten am Hamburger Hafen in den Streik der Werftarbeiter bineiiigezogen sein. Im ganzen sind nach Proklainiernng dcs-Streiks am 4. August zirka 1000 Arlleiter wegen des Verlangens, Streikarbert zii liefern, in den Ausstand getreten. » In Bremen demonstrierten Donnerstag mittag 3000 Werft- arbeiter durch einen Umzug durch die Stadt. Die Demonstration verlief ruhig. O Eine Scharfmacherdrohung. Die Stettiner„Ostieezeitung" bringt folgende Notiz: „Die vom Ausschuß deS GefamtverbandeS Deutscher M e t a l l i n d u st r i e l l e r in der am 20. August in Berlin abgebalteuen Sitzung zur llntcrstiitzung der Seeichiffsiverften in dem Kampf gegen die Forderungen der Werftarbeiter eingesetzte Kommission hat ihre Beratungen beendet. Das Ergebnis derselben ist der dem Gesamtverband Deiuicher Mctalliiidustricller zu unterbreitende Vorschlag einer sukzessiven Aussperrung der |f. 205. 27. Jahrgang. 1. Keilllge des„ fttüitg, 2. Stpfttni« 1910. Sitzung des Internationalen ßureaus. Kopenhagen, 1. September. HuySmanS teilt mit, daß er die eingelaufenen Telegramme MIV Begrüßungsschreiben in der Plenarsitzung nicht alle verlesen wird. Die ungarische Frage. HuySmanS teilt mit, daß die ungarische Sektion die Mandate der Genossen A l p a r i und S t r a s s e r nicht anerkennt. Das Wort dazu erhält der Sekretär der ungarischen Partei Buchinger: Es handelt sich hier um zwei Personen, die nicht der ungarischen Partei angehören. A l p a r i ist aus der ungarischen Partei ausgeschlossen worden und Strasser hält sich ständig im Aus- lande auf. Bei Strasser handelt es sich auch um das Mandat von einer Organisation, die kein Recht hat, an dem Kongreß teilzu- nehmen. Nach bereits vorgekommenen Analogien bitte ich, die Mandate nicht anzuerkennen. Strasser erklärt, daß sein Mandat Gültigkeit habe auf Grund der Pariser Resolution. Buchinger habe vergessen, zu sagen, warum die eine Organisation nicht das Recht habe, am Parteitage teil- zunehmen, trotzdem sie eine korrekte Organisation sei nach den in Ungarn geltenden Statuten. Nach diesen Statuten werden bei sämtlichen Organisationen der Provinz aus den Gewerkschaften die Delegierten gewählt. Von einem solchen Komitee habe er sein Mandat erhalten. Das zweite Mandat habe er von dem Verein Budapester Zeitungsausträger, die sowohl der Partei, als auch der Gewerkschaft angeschlossen sind. Ich möchte, daß Buchinger erklärt, warum die Mandate keine Gültigkeit haben sollen. Es ist falsch, wenn man sagt, daß ich nicht der ungarischen Partei an- gehöre. Aber selbst, wenn das der Fall wäre, könnte man»sich trotz alledem noch lange nicht aus der Sektion ausschließen, da ich auch gewerkschaftlicher Delgierter bin. Dann wirft man mir vor, daß ich im Auslande lebe. Dies ist tatsächlich der Fall seit zwei Jahren. Aber es gibt Genossen genug, die im Auslande leben und trotzdem von ihrer Partei delegiert wurden. Ich stehe übrigens im Begriff, endgültig nach Ungarn zurückzukehren. Baillant schlägt vor. beide Fälle getrennt zu behandeln. Barany> Ungarn: Die ungarische Sektion steht auf dem prin- zipiellen Standpunkt, daß sie kein Mandat anerkennt, deffen Inhaber nicht der ungarischen Partei angehört und nicht in Ungarn lebt, wo wir genug mitarbeitende Genoffen haben, die delegiert werden können. Ich bitte das Bureau die Entscheidung der Sektion zu bestätigen. Rosa Luxemburg will beide Fälle zusammen behandelt wissen.— Baillant-Frankreich schlägt vor, über den ersten Teil sofort abzu- stimmen. Berger-Amerika: Hat der Genosse seine Mitgliedschaft der ungarischen Partei im Auslande aufrechterhalten? Buchinger: Nein. Strasser behauptet erneut, Mtglied zu sein. Barany-Ungarn: In unserer Scktionssitzung hat Strasser selbst zugegeben, daß er nicht Mitglied der ungarischen Partei ist. Strasser bestreitet das.— Mit 8 gegen ö Stimmen wird bei zahlreichen Stimmenthaltungen das Mandat Straff erS sür ungültig erklärt. Alpari-Ungarn: Ich bin hier als Vertreter von Gewerkschaft« organisationen, die international organisiert sind. Die Tatsache, daß ich auS der ungarischen Partei ausgeschlossen worden bin, hat keine Bedeutung. Hätte ich nach meinem Ausschluß eine neue Partei ge- gründet, wie dies schon andererseits geschehen ist, so wäre mein Mandat sicher anerkannt worden. Ich habe aber vorgezogen, die Affäre vor das Bureau zu bringen, da ich unter ganz besonderen Um- ständen ausgeschlossen worden bin. Auch die Organisationen, denen ich angehöre, haben in dieser Sache sich an das Bureau gewendet. Um eine Spaltung in der ungarischeil Partei zu verhindern, bitte ich um die Anerkennung des Mandats. Rosa Luxemburg: Ich glaube, daß wir mit der soeben erfolgten Abstimmung gegen die allgemeinen Regeln, die wir befolgen sollen, verstoßen haben. Wir müssen bei den Internationalen, Sozialisten- und Gewerkschaftskongressen einen anderen Maßstab anlegen, als dies innerhalb der einzelnen nationalen Parteien geschieht. Wir haben in Stuttgart Mandate anerkannt von kleines feuilleton. Der Ursprung des Wortes Syphilis. Eine..zeitgemäße" Unter- suchung über den Ursprung des Wortes Syphilis hat vor kurzem der Würzburger Professor für klassische Philologie Franz Boll in den„Neuen Jahrbüchern für das klassische Altertum" unter- nommen. Zum ersten Male taucht das Wort bei dem berühmten Veroncser Arzt, Humanisten und Dichter Girolamo Fracastoro auf. Fracastoro veröffentlichte im Jahre 1530 ein dem Kardinal Bcmbo. gewidmetes Epos, in dem er die Entstehung und Verhütung der in jenen Zeiten epidemisch um sich greifenden Seuche in allegorisch- mythologisierender Form schildert. Wie alle Rcnaissancedichter sucht er ein Vorbild in der antiken Literatur. Im dritten Gesang lesen wir von einem Seefahrer, der in eine neue, uncntdeckte Welt vorgedrungen ist. Dort hat er den Zorn der Götter durch Tötung von heiligen Vögeln— wer denkt nicht an Odysseus und die Rinder des Helios?— auf sich geladen. Ihm wird Verderben und schreck- liche Krankhejt vorausgesagt. Bald nach diesem Ereignis gelangt er auf eine fremde Insel, mit deren König er Freundschaft schließt. Bei einem Opferfest sieht er zahlreiche von der ihm prophezeiten Krankheit befallene Menschen, und er erfährt von dem greisen Herrscher die Entstehung jenes Leidens. Es ist Götterstrafe des Sonnengottes Apoll. Vor grauen Zeiten lebte nämlich auf jener Insel Ophire ein König Aloitheus. Sein Hirt Syphilus ergrimmt eines Tages über die sengende Glut der Sonne, fällt deswegen vom Sonnengotts ab und verkündet die göttliche Verehrung de� Königs Aloitheus. der ungeheure Herden besitzt. Die Strafe trifft die Ab- trünnigen nur zu bald; Apollo sendet eine Krankheit, von der zuerst Syphilus und dann das ganze �Volk vernichtet werden; nach jenem Hirten erhält die Krankheit ihren Namen. Professor Boll macht nun daraus aufmerksam, daß der Mythus von Syphilus eine Hand- «reifliche Nachbildung der Niobesage des Ovid ist. Niobe schmäht Sie Göttin Leto wegen deren Kindcrarmut— diese besitzt nur einen Sohn und eine Tochter und brüstet sich mit ihrer zahlreichen Nach- kommenschaft. Hier wie dort folgt der Zorn des Gottes und als Strafe großes Sterben. Auch der Name von Fracastoros Hirten Syphilus ist keine Zufälligkeit, heißt doch Niobens zweiter Sohn Sipylus. und vom Berge Sipylus in der Nähe des kleinasiatischen Magnesia stammt die stolze Königin, und dort sitzt sie auch ver- steinert. Schon im Altertum ist das Hinsterben der Niobiden als Pest gedeutet worden. Um so näher lag dem Renaissancedichter dieses Vorbild für die poetische Darstellung der als Pest angesehenen neuen Krankheit zu benutzen. Theater. riedrich-WilhelmstädtischeS-SchauspielhauS. Vestibül, Gänge und alles, zumal der Zuschauerraum, erscheinen im Leuten, die kurz vorher aus der deutschen Partei ausgeschlossen worden waren. Die deutsche Sektion selbst hatte nichts dagegen einzuwenden. In England haben wir dasselbe getan und die Labour Party ist in keiner Weise durchweg sozialistisch. Ich glaube: Wir müssen das Unrecht von vorher zum Teil wieder gutmachen, indem wir das Mandat Alparis anerkennen. Adlcr-Wicn: Ich gestehe ohne weiteres zu, daß mir der erste Fall zwcisclhaft war und deshalb enthielt ich mich der Abstimmung. Diesmal besteht aber gar kein Zweifel. Es handelt sich um einen Mann, der nicht von einer lokalen Organisation, sondern von einem Parteitag ausgeschlossen worden ist. Aus der Tatsache, daß die deutsche Partei in Stuttgart ausgeschlossenen Delegierten ihr Mandat anerkannt hat. dürfen wir noch lange nicht folgen, daß wir diesmal dasselbe tun müssen. Mit großer Mehrheit wird das Mandat Alpari ab- erkannt. Auf Vorschlag Hnysmans werden mehrere Resolutionen der zweiten Konnnission und eine Resolution De Leon über die Aus- liefcrung russischer Genossen auS Amerika der fünften Kommission überwiesen. Hierauf wird folgende Mitteilung der polnisch-sozialistischen Partei Russisch-Polens verlesen: „Die unterzeichneten Parteien haben in der heute statt- gefundenen Sitzung ihrer Fraktionen beschlossen, die ursprünglich den unparteiischen Geweikschaftcn Russisch- Polens zugewiesene Stimme der polnisch-sozialistischen Partei Oesterrcicks den österreichischen Polen zuzuertcilen. Bestimmend für diesen Be- stbluß war die Auflösung der unparteiischen Gewerkschaften in Russisch-Polen und andererseits der P. S.P., der eine unVerhältnis- mäßig geringe Stimmenzahl zugewiesen war." 8. Internationaler Soziaiiftikijer Kongreß. Kopenhagen, 1. September. Zweite Plenarsitzung. Den Vorsitz führt Branting-Schtveden, der die Sitzung um 10'/« Uhr mit folgender Ansprache eröffnet: Wenn ich die große Ehre, einer Ihrer Präsidenten zu sein, geglaubt habe annehmen zu dürfen, so hat das zwei Gründe, einmal daß ich darin eine An- erkennung der Internationale sehe, daß die schwedische Arbeiterschaft nach ihren Kräften redlich ihre Pflicht sür die gemeinsamen Ziele getan hat. Wir, die wir von Anfang an in der schwedische» Be« wegung gestanden hoben, wir, die wir vor 25 Jahren gesehen haben, wie klein damals da« Häuflein der Genossen war, als man uns alle Tage versicherte, daß die ruhigen, besonnenen, auf- geklärten schwedischen Arbeiter niemals der roten Fahne folgen würden, die damals zuerst von unserem alten Veteran, Genossen Halm getragen wurde, der auch hier im Saale ist sBeifall), können, wenn wir dann die spätere EntWickelung über- denken, konstatieren, wie enorm die Evolution auch in unserem Lande ist. Seit dem Stuttgarter Kongreß haben wir Wahlen ge- habt, die die Zahl unserer Vertreter in der Zweiten Kammer ver- doppelt haben. Wir haben jetzt 35 sozialdemokratische Abgeordnete in Schweden.«Lebhafter Beifall.) Wir haben weiter im vorigen Jahre, wie Sie alle wissen, den großen Massenstreik auZgefochien. Nicht nur mit dem Unternehmertum, sondern auch mit der ganzen bürgerlichen Gesellschaft unseres Landes hatten wir Kämpfe zu be- stehen, und wenn wir auch nicbt als Sieger daraus hervorgegangen sind, so noch weniger als Besiegte, als Niedergeschlagene. Noch aus einem zweiten Grunde haben wir geglaubt, diesen Ehrenposten annehmen zu können. Wir haben hier auf diesem Kongreß sehr wichtige Fragen zu beraten und gewiß bestehen im einzelnen be- deutende Meinungsverschiedenheiten zwischen unS, je nachdem die Dinge sich in den verschiedenen Ländern verschieden entwickelt haben. Aber in den Hauptfragen sind wir alle einig. Wir haben daher die Hoffnung, daß der Kongreß sozusagen sich selbst zu präsidieren wissen wird. Wir hoffen, daß durch die Behandlung der Tages- ordnungsftagen vermehrte Klarheit über die Ziele der Bewegung und alle die Fragen geschaffen werden wird, die der Arbeiter- bewegung in den verschiedenen Ländern so nahe am Herzen liegt. Und es ist ja unsere Aufgabe, selbst auf dem Boden der Wirklichkeit stehend und bleibend den höchsten Idealen zuzustreben.(Lebhafter Beifall.) Der Internationale Sekretär HuySmanS macht eine Reihe Mitteilungen über den Kongreß. An da« Bureau des Kongresses neuen Gewände, um freundlich zum Besuch einzuladen. Mit Goethes ,.F a u st", der Tragödie erstem Teil, wurde das neue Spiel- jähr eingeleitet. � AuS der„Generalprobe", die am Mittwoch bor geladenen Gästen abgehalten wurde, ging nach fast s�stündiger Dauer ein stilisiertes Drama hervor. Großflächige Dekorationen, die Landschaft nur impressionistisch angedeutet, dementsprechend be- leuchtet und in Dämmerschein getaucht; graue, kahle Wände, völliger Verzicht auf jedwedes dekorative Beiwerk bezwecken eine auf die Darstellung hinlenkende Stimmung, die durch eine von Otto U r a ck herrührende Begleitmusik noch vertieft werden soll. Zweifellos wird mit verschiedenen Szenerien diese Absicht erreicht. Der Prolog war gleich solch ein Glanzstück mit seinen hoch in die Luft ragenden Erzengelgestalten und dem kostümierten Mephisto im Vordergrunde, und so auch Wald und Höhle(Faustmonolog). Das Ganze spielt sich— mit nur einer Pause— in einfach umrissenen Bildern ab. Keine Stadt, kein Mauerwerk, kein Haus, das eine Gasse oder Straße markiert. Gretchcns Zimmer ist kahl; Auerbachs Keller, die Hexenküche sind gleichfalls alles Zierats bar. Die Walpurgis- nacht mit ihren Hexen fehlt. Es fehlt noch manches andere. Die Vereinfachung des szenischen Apparats konnte nicht weiter gehen. Ihr wurde der Text geopfert. Was übrig blieb, sind Bilder aus der. Gretchentragödie, nunmehr zuweilen ohne jedweden Ver- bindungsfaden. Es ist, als sehen wir Holzschnitte des Mittelalters. Die Darstellung bewegte sich gleichfalls in diesem primitiven Rahmen. L e t t i n g e r s Mephisto— obgleich allzu viel Fratzen schneidend— erschien doch als eine interessante Darbietung; famos gab er die Schülerszene. Den Faust spielte Karl Z i st i g— hier ein neuer Name. Als al�.r Faust war e- besser als herm-ch. Die Sprechkunst steht bei diesem Darsteller noch auf sehr schwachen Füßen; das Spiel, namentlich in der Kerkerszene, ist unbeholfen — unfrei. Martha Axel bringt ja als Gretchcn manches Gute mit, aber das Gebet versagte. Der Wahnsinn im Kerker kam schon besser. Maria W e i ß l e d e r(Marthe), Ernst N e ß l e r(Famulus), Alfred Schmasow(Siebel) gingen an. Georg Ottmay genügte als Valentin nur bedingungsweise.. e. k. Humor und Satire. Friedberger M— arsch. Heimlich ward er aufgenommen, - ohne Hoch und auch Hurra, alles tuschelte beklommen: »Gott behüt' uns, er ist dal Mög' er bald sich wieder drücken und ein andermal hierher lieber noch die Chobra schicken: als das kleinere Malheur 1" Selbst Soldaten, Veteranen und die ganze Feuerwehr— sind mehrere Hundert Zuschriften gelangt, darunter solche ans Armenien, von den Gewerkschaften Salonikis, von der sozialistischen Föderation Westaustraliens. von der türkischen sozialdemokratischen Partei, vom Genossen Katahama- Japan.(Lebhafter Beifall.) Zum Schluß teilt Huhsmans unter lebhaftem Beifall der Ver- sammlung das bereits bekannte Schreiben Bebels an den Jnter« nationalen Sozialistischen Kongreß mit. Brnnting: Ich bin sicher, daß ich Ihrer aller Gefühl ausdrücke, wenn ich den Absendern dieser Briefe den besten Dank ausspreche und die Versicherung gebe, daß der Kongreß sich mit ihnen einig siihlt, im Kampfe sür unser großes, gemeinsames Ziel. Ich bin auch Ihrer aller Zustimmung ganz sicher, wenn ich vorschlage, unserem Veteranen und Vorkämpfer der Internationale August Bebel ein BegrüßungZtelcgramm als Antwort auf seinen Brief zu senden. (Lebhafter Beifall.) Es wird beschlossen, das Bureau zu beauftragen, diesen Auftrag anszusühren. Huysmans- Belgien: Auf dem Kongreß sind 887 vollberechtigte Delegierte anwesend, davon au§ Deutschland 189, auS Frankreich 78, auS Oesterreich 72, aus Böhmen 30, aus Britannien 84, aus Ruß« land 38. aus Italien 9, auS den Vereinigten Staaten von Nord- amecika 24, aus Belgien 26, aus Schweden 30, aus Dänemark 146, aus Polen 17, aus der Schweiz 13, aus Ungarn 14, aus Finn- land 19, aus Holland 14. aus Norwegen 31, aus Spanien 3, auS Armenien 4, aus Serbien 3, aus Argentinien 1, aus Bulgarien 7 und aus Rumänien 2. Die Frage der Arbeitslosenverfichcrung. AIS erster Gegenstand steht aus der Tagesordnung der heutigen Plenarsitzung die Frage der Arbeitslosenversicherung. Die Kommission legt hierzu folgende Resolution vor: „Der Kongreß stellt fest, daß die Arbeitslosigkeit von der kapitalistischen Produktionsweise untrennbar ist. Innerhalb des Systems der kapitalistischen Produktionsweise kann es sich daher nicht um Beseitigung der Arbeitslosigkeit, sondern nur um deren Verininderung und um die Milderung ihrer Folgen handeln. Der Kongreß verlangt Ausgestaltung der von den Arbeiterorganisationen verwalteten allgemeinen öffentlich rechtlichen Arbeitslosenfürsorge. Die Vertreter der Arbeiterklasse sollen fordern: 1. Statistische Mit« teilungen über den Umfang der Arbeitslosigkeit. 2. Zahlung der von den Genossenschaften anerkannten Löhne. 3. Außerordentliche Unterstützung der Arbeitslosen in Zeiten einer industriellen Krise. 4. Arbeitslosigkeit darf keine Minderung der politischen Rechte zur Folge haben. 5. Errichtung und Unterstützung aller Arbeits- Nachweiseinrichtungen. 6. Behebung der Arbeitslosigkeit durch gesetzgeberische Maßnahmen. 7. Obligatorische Arbeitslosen» Unterstützung. Als Berichterstatter über diesen Gegenstand referiert Dr. Adolf Braun-Wien: Wir alle haben die Arbeitslosigkeit als eine in baS Leben der Arbeiterklasse tief einschneidende Krankheit kennen gelernt. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika, in England, Deutschland, Oesterreich, Nußland und in Japan haben wir ungeheure Krisen erlebt. Ueberall wird die Frage, wie innerhalb der kapitalistischen Produktions« weise ein Heilmittel gegen die Arbeitslosigkeit zu finden ist, er« örtert. Wir müssen unbedingt die Gesellschaft selbst verantwortlich machen für diese schweren Leiden der Arbeiterklasse. Die Gesellschaft fühlt ja auch selbst, daß sie in ihren Grundfesten erschüttert wird, wenn Hunderttausende von Arbeitern kein Brot haben, wenn Hundert« tausende von Familien hungern müssen. Aber wie in der Wohnungsfrage immer mehr Material gesammelt wird und alle möglichen Vorschläge gemacht werden, wie aber das, was die herrschenden Klassen tun, gar nicht in Betracht kommt im Vergleich zu dem ungeheuer großen Problem, so ist es auch mit der Arbeitslosigkeit. Der Standpunkt der sozialdemokratischen Partei der Arbeitslosigkeit gegenüber ist vollkommen klar. Wir wissen, daß die Arbeitslosigkeit aufs engste unzertrennlich zusammenhängt mit der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, daß wir sie nicht abschaffen können, so lange die kapitalistische ProduktionS» weise herrscht. Wir wissen auch, daß wir innerhalb dieser Produktions- weise doch alles tun müssen, um das Elend der Arbeiterklasse zu mildern. Auch die Arbeitslosigkeit müssen wir zu mildern versuchen so weit cS möglich rst, und das muß bewirkt werden durch den Druck, den wir auf die herrschenden Klassen ausüben. Heute steht e-° ja so, daß die Arbeiterklasse allein die Kosten der Arbeitslosigkeit tragen mutz. Es hat Zeiten gegeben, wo w* eifersüchtig darüber gewacht haben, daß nur die Gewerkschaften den Kamps gegen ditz Arbeitslosigkeit führen dürfen. Aber die Lasten, die die Gewerkschaften freiwillig auf sich genommen haben, sind nn« geheuer groß geworden. Unsere verrufenen Streikvereine geben für die Arbeitslosenversicherung 23 Prozent mehr aus als für den direkten Kampf gegen das Kapital. Wir haben ferner bemerkt, daß die Gewerkschaften nicht geschwächt, sondern was er, ließen sie ihn ahnen, für ein Ungeheuer wär'. Denn von rückwärts her Spaliere bildend an dem Weg des WichtS, wiesen sie ihm krampst ihre Hintem statt deS Angesichts. Grausig, lausig, nikoläustg wirkt ein solches Kompliment, und im stillen Herzen weiß ich, wie'S der Berlichingen nennt. Franz. Notizen. — Die reizlose Flora. Herr Bode und seine Komparserie hatten als stärkstes(und beinahe einziges) Argument für die Echt- heit der Florabllste ihre wunderbare Schönheit und ihre leonardische Holdseligkeit angeführt. Hören wir, wie ein großer Künstler über diese Qualitäten denkt. Der Münchener Bildhauer Adolf Hilde- b r a n d schreibt im Septemberheft der.Süddeutschen Monats- hefte": „Daß der Florabüste das Lconardomotiv zugrunde liegt, ist un« zweifelhaft— ebenso unzweifelhaft ist es aber, daß sie von einem minderen Künstler herstammt. Ihr fehlt alle Naturnähe, alle Reife und Feinheit des Formverständnisses. Alles ist konventionell und von einer großen Empfindungsleere— in der Art der Napoleons- zeit.... Ich habe nach irgend einer Stelle gesucht, wo von früherer guter Zeit die Rede sein könnte. Ich habe aber nirgend eine solche Stelle entdecken können, die Büste ist durchweg von der Hand dieses späteren Bildhauers und der Wachsabgutz ist nur des reizvolleren Aussehens und der Bemalbarkeit wegen dem Gipsabguß vorgezogen worden. Da die Erfindung von Leonardo dieser Büste zugrunde liegt, so ist auch ihr Charme noch kenntlich und wirksam.... Sehen wir aber bei der Florabüste ab pon diesem Zauber des Motivs, dann bleibt nichts— gar nichts, was irgendwie die Meisterhand von Leonardo verraten könnte. Im Gegenteil, es bleibt dann nur ein naturarmes, lebloses Machwerk." — Die Neue freie Volksbühne bringt am Sonnabend- abend im Neuen Volkstheater Hartlcbens„Erziehung zur Ehe" und an, Sonntagnachmittag im Neuen Theater Moliörs „Tartüff" in Ludwig Fuldas Bearbeitung erstmals für ihre Mitglieder zur Aufführung. — Ein Attentat auf Heinrich Klei st unternahm am Mittwoch die„Literarische Gesellschaft" im Lessing. Theater, indem sie eine fürchterliche Verballhormmg der„Penthesilea" aufführte. Da die Gesellschaft unverbesserlich ist, kann nur noch un« verbrüchlicheS Schweigen Rettung bringen. Wenn alle Zeitungen dieses notgedrungene Rezept befolgten, würden die Herren die Theater« splelerei zweifellos bald einstellen. gestärkt werden, wenn auch die unorganisierten Arbeitslosen Unter- siützung erhalten. Wir sind heute nicht mehr der Meinung, dasi wir die Arbeilslosenunterstützung brauchen, um Mitglieder für die Gewerkschaften heranzuziehen. Zum mindesten in den fort- geschrittenen Ländern genügt heute schon die Gewerkschaftsagitation, die blosie Aufklärung über das Wesen der Gewerkschaften. Mit den gewerkschaftlichen KmnpfeSzielen hängt die Arbeitslosenunterstiltznug nicht direkt zusammen. Wir fordern daher eine öffentlich-rechtliche, allgemeine und obligatorische Arbeitslosenunterstützung durch den Staat, die den Gewerkschaften abnimmt, was nicht zu den gewerk- schaftlichen Aufgaben im engeren Sinne gehört. Wir müssen für die nächsten Jahre mit großen, technischen, ökonomischen Revolutionen rechnen, die die industrielle Reservearmee gewaltig anschwellen lassen und unsere glänzend geführten Gewerkschaften mit dem Hauptgewicht ihrer finanziellen Leistungen und ihrer Organisationsfähigkeiten ans die Milderung der Arbeitslosigkeit festlegen. Das ist aber nicht der Hauptzweck der Gewerkschaften, nicht ihre Hauptbedeutung. Deshalb sollen wir nicht alle Lasten der Arbeitslosigkeit auf unseren breiten Rücken nehmen, sondern die Gesellschaft zwingen, zu leisten, was ihre Pflicht ist. zumal allein der Kapitalismus aus der Arbeits- losigkeit Vorteile gezogen hat. Wir wollen aber auch nicht darauf warten, bis die allgemeine obligatorische, öffentlich-rechtliche Arbeitslosenunterstützung tatsächlich durchgeführt ist, sondern wollen dafür sorgen, daß Staat und Gesellschaft, alle öffentlich- rechtlichen Organe und vor allen Dingen die Gemeinden bessere Maßnahmen gegen die Arbeits- losigkeit ergreifen. Die vierte Kommission war da der Meinung, daß sowohl im Interesse des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit als auch in der Erkenntnis der Zustände, unter denen das Proletariat leidet, zunächst eine regelmäßige neue Feststellung des UmfangS der Arbeitslosigkeit notwendig ist. Wir verlangen weiter, daß durch außer- ordentliche Notstands arbeiten für die Arbeitslosen gesorgt wird. Wir haben uns aber auch durchweg den Wunsch zueigen ge- macht, der vor allem von der englischen Delegation mit aller Entschiedenheit vertreten wurde, daß diese NotstandSarbeiten von dem Charakter der Wohltätigkeit und der Fürsorge weit entfernt sein müssen. Wir haben es als Pflicht der Gesellschaft aufgestellt. Arbeit für die Arbeitslosen ohne jede moralische, politische und gesellschaftliche Schädigung dessen, der die Arbeitslosenfürsorge benutzt, zu schaffen. Nicht nur müssen ihm seine politischen Rechte ungeschmälert erhalten bleiben, die NotstandSarbeiten müssen auch davor bewahrt bleiben, eine Schmutzkonkurrenz zu werden und Anlaß zu geben für ein Sinken der Löhne. Wir verlangen auch für solche Arbeiten die gewerkschaftlich als richtig anerkannten Löhne(kaft- waZss). Wir verlangen ferner als weitere Uebergangsmaßregel in den Zeiten großer Krisen Unterstützungen an alle arbeitslosen Klassen. Zur Regelung der Arbeitslosenfürsorge fordern wir öffentliche Nachweiseinrichtungen, die wir aber nur dann anerkennen können, wenn in ihnen die Interessen der Arbeiter dadurch gewahrt werden, daß die Gewerkschaften die Möglichkeit haben, die Verwaltung der Arbeitsnachweisstellen zu kontrollieren und zu be« einflussen. Wir verlangen ferner, daß die Arbeitsnachweis- einrichtungen der Gewerkschaften durch öffentliche Mittel unterstützt werden. Aber diese Unterstützungen dürfen die Freiheit der Gewerkschaften in keiner Weise beschränken. Das sind die wesentlichen Gesichtspunkte der Resolution, die vielleicht keinen von Ihnen befriedigen wird und mit der auch der zur Bericht- «rstattung verurteilte Parteigenosse nicht voll einverstanden ist. Aber wir mußten ein Kompromiß abschließen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der verschiedenen Länder und unter Berücksichtigung der ökonomischen Verhältnisse und der Stärke der Gewerkschaften in den einzelnen Ländern. Wir haben unS in langen Stunden um eine Resolution bemüht, die einigermaßen den Wünschen aller Mitglieder entspricht. Wir haben im Interesse des Zustandekommens einer einheitlichen Resolution alle Zugeständnisse gemacht und nicht rück- sichtslos unsere eigene Anschauung durchgesetzt. Wir wollen von dießem Kongreß heimkehren, indem wir der Arbeiterklaffe die Ueber- zeugrmg geben, daß alles, was in ihrem Interesse tgeschehen kann. von diesem Kongreß gewünscht wird und nach diesem Kongreß von uns allen in allen Ländern mit aller Energie verfochten werden wird. �Lebhafter Beifall.) sDie Uebersetzung wird von Eman in französischer und von Smith in englischer Sprache gegeben.) Macdo«ald(2. P. und I. L. P.): Der englischen Sektion ist die vorliegende Resolution z u s ch w a ch. Sie hätte gewünscht, daß in erster Linie das Recht auf Arbeit bei Gewerkschafts- löhnen(karr rragss) gefordert worden wäre. Auch ist die Resolution zu lückenhaft, sie hat in ihrem letzten Wortlaut der englischen Sektion überhaupt nicht vorgelegen. Jetzt aber noch Aen- derungen zu beantragen, ist nicht mehr am Platze. Die britische Sektion kann daher nicht für die Resolution stimmen, aber nicht etwa, toeil sie mit den Ansichten und Wünschen der Resolution nicht einverstanden wäre. Insbesondere ist auch die-britische Sektion der Meinung, daß die kapitalistische Produktionsweise die Schuld an der Arbeitslosigkeit trägt und daß ihr die Pflicht auferlegt werden muß, für dw Folgen der Arbeitslosigkeit aufzu- kommen. Auf Einzelheiten aber kann sich die britische Sektion nicht festlegen. Berichterstatter Braun: Ich bin Macdonald sehr dankbar dafür, daß er sein Einverständnis mit den Grundprinzipien der Resolution ausgesprochen hat, wenn er auch nicht mit allen ihren Einzelheiten einverstanden war. Die Resolution ist eben ein Kompromiß und mir ist noch viel mehr abgelehnt worden als Macdonald. Ich kann ver- sichern, daß die englischen Delegierten in der Kommission mit der Zähigkeit, die den Engländern eigentümlich ist, für ihre besonderen Forderungen gekämpft haben. Wenn Macdonald einen besonderen Radikalismus darin sieht, daß in der Resolution an erster Stelle das Recht auf Arbeit hätte gefordert werden müssen, dann kann ich ihm erklären, daß über das Recht aus Arbeit, z. B. bei den Deutschen. sehr verschiedene Auffassungen herrschen. Das Recht auf Arbeit steht bekanntlich schon im preußischen Landrecht. Es rief 1848 die Nationalwerkstätten hervor. Nun verbindet Macdonald das Recht auf Arbeit noch mit den kair wagea. Aber diese Forderung kann die kapitalistische Gesellschaft nicht erfüllen. Wir müssen deshalb mit Palliativmitteln die Arbeitslosigkeit in ihren Wirkungen zu nlildern suchen. Nicht durch das Recht auf Arbeit, sondern nur durch Abschaffung deS Kapitalismus kann die Arbeitslosigkeit allein beseitigt werden.(Lebhafter Beifall.) Die dänischen Genossen bitten mich, für sie darauf hinzuweisen, daß wir in Dänemark uns aus de», klassischen Erperimentierboden in der Bekämpfung der Arbeits- losigkeit durch den Staat befinden. Die unermüdliche Arbeit der dänischen Abgeordneten und ihre Agitation in den Massen haben den Staat gezwungen, etwas gegen die Arbeitslosigkeit zu tun. Bor allen Dingen hat der dänische Staat die Gewerkschaften als die besten Organisationen zur Milderung der Arbeitslosigkeit unter- st ü tz t. Eine Reihe deutscher Gewerkschaften wünschen in der Reso« lution noch einige formale redaktionelle Aenderungen vorgenommen zu sehen. Ich glaube, Sie werden damit einverstanden sein, wenn ich mit dem Bureau diese rein redaktionelle Arbeit erledige. Bor mehr als hundert Jahren hat der Nationalökonom Tis- mondi, nach Ricardo der bedeutendste bürgerliche Nationalökonom erklärt, daß die Unternehmer für den Schaden haftbar seien, den sie der Arbeiterklasse durch die Arbeitslosigkeit zufügen. Dasselbe sagen auch wir. wenn wir fordern, daß die Träger und Nutznießer des kapitalistischen Systems aufzukommen haben für die Folgen der Arbeitslosigkeit. Ouelch(S. D. P.): Auch wir sind mit Macdonald einer Meinung. So wie die deutsche Resolution gefaßt ist, kann sie die britische Sektion nicht annehmen. Sie hat aber, und darin irrt sich Macdonald, doch eine bestimmte Stellung zur Resolution eingenommen. Sie mutz entweder gegen die Resolution stimmen oder sich der Ab- stimmung enthalten. Kämen wir mit dieser Resolution nach Hause, dann würden wir unserer eigenen Bewegung zur Milderung der Arbeitslosigkeit schweren Schaden zufügen, vor allem, weil die Resolution zu schwächlich ist. Der Kongreß erteilt dem Bureau das Recht, redaktionelle Aende- «mgen an der Resolution vorzunehme«. Vorsitzender Branting: Vielleicht genügt es den englischen Delegierten, die nur mit einer gewissen Reserve für die Resolution stimmen können, daß ihre Erklärung hier öffentlich in der Plenar- fitzung von Jkinen abgegeben worden ist. Wir können sodann einen möglichst einstimmigen Beschluß zustande bringen. Macdoiiald und Quelch rufen: Die englische Sektion enthält sich der Abstimmung. Die Resolution Braun wird hierauf mit großer Mehrheit angenomnien. Nach der Abstimmung erklärt Broucksrc- Frankreich, daß eine Anzahl französischer Delegierter sich gleichfalls der Abstimmung ent- halten habe.(Lebhafter Beifall bei den Engländern). Schluß 123/i Uhr. Kopenhagen, 1. September 1910, Nachmittagssitzung. Den Vorsitz führt Jeppcscn-Norwegen. Resolutionen. Zur Debatte gestellt werden die Resolutionen der fünften Kom- Mission betreffend die Einigkeit, die Todesstrafe, Argentinien, Japan. Türkei, Spanien, Persien, Finnland. Die Resolutionen sind zumeist ans den Verhandlungen der Kom- Missionen unseren Lesern bekannt. Die Resolution Frankreichs über die Einigkeit lautet: „In Anbetracht der durch ihre Einigung, welche sie unmittel- bar nach dem Kongreß von Amsterdam unter den, Beistand der Interna, ionale durchgeführt hat, erzielten Ergebnisse ersucht die ftanzösische Sektion den Kongreß, die im Jahre 1904 erteilten Anweisungen zu erneuern und die nationalen Parteien, die noch gespalten sind, einzuladen, ihre Einigung zun, Borteile und zum Wohle des internationalen Proletariats herbeizuführen." Die Resolution für Spanien lautet: „Angesichts der tragischen Ereignisse, die sich in Spanien, ins- besondere in Katalonien im vergangenen Jahre abgespielt haben, spricht der Internationale Sozialistische Kongreß in Kopenhagen den Genossen der Sozialistischen Partei in Spanien seine Sym- pathie aus sowie den Genossen Kataloniens und allen organisierten Arbeitern in Spanien. Sie entsprechen den Beschlüssen der Jnter- nationalen Kongresse. Der Internationale Sozialistenkongreß brandmarkt die barbarische Unlerdrllckung, deren Opfer unsere Genossen in Barcelona und in anderen Städten geworden sind. Insbesondere brandmarkt er den Justizmord an Ferrer und feiert das Vorgehen des ersten parlamentarischen Vertreters der Arbeiterklasse als da? erste Anzeichen des Erwachens des spanischen Proletariats." Schließlich liegen Resolutionen bor, die sich richten gegen die AuLuahmegesetzgebungen in Argentinien und Japan. Heute soll nur diskutiert und erst morgen soll über die Re- solutionen abgestimmt werden. Berichterstatter Ellcnvogen-Oesterreich: Mir ist die außerordentlich schwere Aufgabe geworden, ich soll nicht weniger als acht Resolutionen in 20 Minuten begründen. Ich werde mich daher so kurz als möglich fassen. An die Spitze meiner Darlegungen möchte ich die Resolution über die Einigkeit stellen, eine Resolution, die der Initiative der fran- zösischen Genossen zu verdanken ist. Bekanntlich ist schon auf dem Kongreß in Amsterdam eine solche Resolution be- schloffen worden. Es ist ein Zeichen für den Geist der Partei, für die große Kraft des Sozialismus und für die Kraft der Selbst- Überwindung, der es einzig zu danken ist, daß diese Resolution trotz der schwierigen Verhältnisse in Frankreich von den beiden streitenden Gruppen angenommen worden ist. Ihre Versöhnung ist gelungen und mit Dank und Anerkennung müssen wir der opferwilligen Unter- werfung gedenkin, die die eine Gruppe der Jaur ssisten dabei aus- gezeichnet hat. Das Werk der Einigkeit ist noch nicht überall gelungen. Wir hoffen aber, daß es im nächsten Jahre vollständig gelingen wird, in allen Ländern, in denen heute noch Meinungsverschiedenheiten vor- handen sind, eine Einigung herbeizuführen. Wir hoffen, daß der nächste Kongreß eine vollständige Einigkeit aller Gruppen in den einzelnen Ländern wird konstatieren können. Ich komme zur zweiten Resolution über die Todesstrafe. ES fällt mir nicht ein, mich über die juristische Seite der Frage zu äußern. Was mich interessiert, ist ihre menschliche und vor allem ihre politische Seite. ES ist bezeichnend, daß auch das Bürgertum in feiner revolutionären Periode, als es von den großen Ideen seiner eigenen EmanzipationS- zeit erfüllt war, die Abschaffung der Todesstrafe auf feine Fahne geschrieben hatte. Es ist auch bezeichnend, daß die Bourgeoisie nach der Erringung der politischen Mach, langsam von ihren eigenen Idealen, auch in der Frage der Todesstrafe, zurückgekommen ist, bezeichnend, daß sich eine Reihe bürgerlicher Gelehrter, trotz der Er- fahrungen in manchen Ländern mit der Abschaffung der Todesstrafe, sich mit einer Reihe wissenschaftlicher Gründe für diese Form der Strafe ins Zeug legen. Weiter ist charakteristisch, daß die Bewegung auf Beibehallung oder Wiedereinführung der Todesstrafe überall von den reakiioiiärstcn Parteien geführt wird, so z. B. in Holland von den Antirevolutionären, einer orthodoxen pro- testantischen Gruppe. Gegenüber den juristischen Scheiugründen halten wir an der Auffassung fest, daß durch die Todesstrafe Mord- taten und andere Verbrechen nicht verhindert werden, daß sie vielmehr dazu benutzt werden, jede freiheitliche Bewegung mit brutaler Gewalt zu unterdrücken.(Sehr wahr!) Das in dieser Hinsicht klassische Land der Todesstrafe ist Rußland, wo der gerichtliche und außergerichtliche Mord wütet. In den letzten fünf Jahren sollen nicht weniger als 3000 Todesurteile in Ruß- laut» vollstreckt worden sein. Zu welch furchtbarer Verivilderimg, zu welch grausamer Barbarei die Todesstrafe dort geführt hat, zeigt die Tatsache, daß die Henker sich nicht gescheut habe», in der Weihnachtsnacht, die für die ganze Welt ein Fest der Liebe und Versöhnung ist, um 1 Uhr nachts politische Verbrecher hinzurichten (Bewegung), eine Tatsache, die selbst bei den Anhängern dieser Strafe Entsetzen erregt hat. Zahllose in den letzten Jahren hin- gerichtete Unschuldige sind die Konsequenzen der furchbaren Ver- rohung, zu denen die Todesstrafe geführt hat. Dabei fei herbor- gehoben, daß für gemeine Verbrechen in Rußland die Todesstrafe abgeschafft ist und daß sie nur auf dem Umlvege über Ausnahme- gerichte und Militärgerichte für die politischen Verbrecher wieder ein- geführt worden ist. Wir wissen, daß es noch ungeheure Mühe kosten wird, den russischen Koloß der Reaktion niederzureißen. Aber die dortige Hinrichlungswut bedroht ganz Europa, bedeutet eine Unterwerfung der Zivilisation unter die brutalen und unmensch- lichen Anschauungen Rußlands. AuS diesem Grunde muß der Koilgreß seine Stimme für die Abschaffung dieser brutalen Einrichtung ein- stimmig erheben. Darum haben wir möglichst eiuheltliche gleichzeitige Kundgebungen aller zivilisierten Völker und aller der Internationale angeschlossenen Organisationen gegen die Todesstrafe zu beschließen vorgeschlagen. Eine weitere Resolution betriff! die Lage in Argentinien. Argentinien ist zwar eine Republik, steht aber ganz unter der Herr- schaft einer korrumpierten Oligarchie, die nicht nur für das eigene Kapital, sondern auch für das fremde Kapital arbeitet. Die Plötz- lich reich gewordene, überwiegend agrarische Bourgeoisie Argentiniens behandelt die junge proletarische Bewegung»lach der Methode gewalttätigster Unterdrückung. Mit geradezu hinter- Wäldlerischen Manieren werden dort die sozialdemokratischen Orga- nisationen und Versammlungslokale zerstört, mit den unglaublichsten Gewaltmaßregeln werden die Arbeiter verfolgt. Trotzdem setzen wir die größten Hoffnungen auf die Weiterentwickelung der argen- tinischen Sozialdemokratie, die schon bei den letzte» Wahlen 75 000 Stimmen erhalten hat und gut vorwärts schreitet. Wir sprechen der argentinischen Sozialdemokratie die Aufforderung zum Ausharren aus. Der ärgentinifcheu Bourgeoisie unsere Verachtung und unseren Protest gegen die Gewaltmaßregeln gegen daS Prole- tariat auszusprechen, ist ver Sinn unserer Resolution. Die nächste Resolution betrifft die Zustande in Japan. Japan hat von Europa sehr viel gelernt, nicht nur den Militarismus, sondern auch den industriellen Kapitalismus hat es Europa abgeguckt und sich damit als Totengräber des industriellen Proletariats Japans gezeigt. Mit den niedrigsten, infamsten Gewaltmaßregeln ivird das Proletariat vom Kapital bedrückt, llnser Genosse K a t a y a m a hat auf diesem Kongreß nicht erscheinen können, weil die japanische Regierung von dieser Reise für den Bestand des Reiches fürchtete.(Heiterkeit.) Gegen- über der Unzahl von NnterdrückangSmaßregeln steht auch nicht ein Buchstabe eines einzigen Arbeitcrschutzgesetzes. Dies sind die sozialen Zustände in Japan, das ist das Verhalten dieses angeblich moseriien Staates gegenüber der Arbeirerklasse. Auch diesen japanischen Brüdern wollen wir unsere Bewunderung aussprechen und ihnen das Versprechen geben, daß wir mit ihnen gegen die Bourgeoisie der ganze» Welt kämpfen wollen. Wenn in Japan und neuerdings auch in China eine Arbeiterbewegung entsteht, so kann es nicht wunder nehmen, daß auch in den zurückgebliebenen Ländern Asiens, die sonst nur als Räubernester bekannt sind, sich die Anfänge einer Arbeiter« bewegung geltend machen. Die persische Revolution hat vor zwei Jahren den Schah gestürzt und eine angeblich konstitutionelle Regierung ein- gesetzt. Aber gegen die Arbeiter ist dieser neue konstitutionelle Staat ebenso brutal wie der Absolutismus und Föderalismus, der früher herrschte. Die Geistlichen sind hier wie überall die reaktionäre Macht und helfen R u h l a n d, die junge persische Freiheit zu vernichten. Rußland unterhält Räuberbanden in Persien und hetzt die Armenier immer mehr zu Ueberfällen. Rußland erhält künstlich fortwährend Unruhen in Persien und überall fühlt man seine brutale Hand. Es fördert mit aller Macht die Konterrevolution in Persien, um im Trüben fischen zu können. Gegen die Umtriebe des Zarismus und für die Freiheit der persischen Arbeiterschaft kann auch dieser Internationale Kongreß nicht umhin, sein Votum abzugeben; ebenso gegen die Zustände in der Türkei. Auch hier ist vor zwei Jahren bekanntlich die jungtürkische Revolution Sieger geblieben im Kampfe gegen den Despotismus des Sultans Abdul Hamid. Aber die Freiheit kann sich doch nicht weiter entwickeln. Europäische Kapitalisten haben sich dort festgesetzt und rufen durch ihre Aus- beutungSpolitik eine Gefahr für den ganzen europäischen Frieden hervor. Wir Oesterreicher bekommen ja aus erster Hand die Folgen dieser kapitalistischen Kolonialpolitik, dieses verbrecherischen Treibens zu fühlen und werden sie noch in einer ganzen Reihe von Steuererhebuiilzen zu spüren bekommen. Das Beamtentum der jungtürklschen Bewegung ist noch immer reattionär. Mit furchtbaren Repressalien hält das Jungtürkentum das Proletariat nieder. Trotzdem existieren in der Türkei schon gegen 125 000, wenn nicht gegen ILO 000 organisierte Gewerkschaftler. Die Bevormundung der europäischen Mächte ruft ewige Konflikte hervor, bald ,n Mazedonien, bald auf Kreta. Gegenüber dieser Bevormundungssucht, gegenüber dieser kapitalistischen Raubgier, die sich als Fürsorge ausgibt, die angeblich den Frieden erhalten will, in Wahrheit aber jede ruhige und freiheitliche Entwickelung unmöglich macht, erstreben wir eine Sicherung des Friedens durch Verbrüderung aller demo- kratischen Völker des Balkans.(Lebhafter Beifall.) Wir protestieren gegen die kindischen und künstlichen Bevormundungs- versuche an den Völkern, die die Revolution gegen den Sultan gemacht haben. Noch mehr aber ist die innere Freiheit in der Türkei die unbedingte Voraussetzung für eine ruhige Weiterentwickelung deS Reiches. Wenn auch hier jede Arbeiterschutzgesetzgung noch fehlt, wenn auch noch jede Selbsthilfe der Arbeiter unterdrückt wird, so müssen wir vor allem die politische und soziale Hebung im Sinne der Demokratie tragen helfen. Diesem Zwecke dient die Resolution der Konlniissioir. Dem Gefühl der Genugtuung über die Fortschritte in einem bestimmten Lande gibt die nächste Resolution Ausdruck, die Resolution über Spanien. Wir haben in Spanien jetzt ein liberales Regime und wir wünschen nur, baß es den Kampf gegen den Kleri- k a l i S m u s auch ehrlich fortführt. Das gegenwärtige Regime aber, so liberal und freiheitlich eS sich auch gibt, kann feinen Bourgeoischarakter nicht verleugnen, und auch jetzt noch unterliegt daS spanische Proletariat der Unterdrückung. Anarchistische Attentate werden wie überall zum Vorwand genommen, um das sozialistische Proletariat zu unterdrücken. Trotzdem hat bei den letzten Wahlen Pablo I g l e s i a S 41 000 Stimmen auf sich vereinigt und ist als erster Sozialdemokrat in das spanische Parlament eingezogen. Ihn zu begrüßen und zu beglückwünschen ist unsere Pflicdt, denn sein Sieg ist auch ein Sieg des Mannes, der nunmehr seit 25 Jahren an der Spitze der spanische» Sozialdemokratie steht. Wir begrüßen aber auch da? spanische Proletariat, daS trotz der Jahrhunderte langen Inquisition von dem völkerfresienden Klerikalismus sich noch immer nicht hat knechten lassen, sondern noch den alten Freiheits- geist atmet. Diesen Gefühlen gibt die Resolution für Spanien Ausdruck. An letzter Stelle für heute steht die Resolution gegen das Attentat Rußlands au F i n n l a n d. Es macht den Eindruck, als ob Zar Nikolaus sich auf alle Fälle den Titel eines MehrerS feines Reiches erwerben will. Nachdem er in Japan so gründlich abgeblitzt ist, nachdem in Ostasien seine mit einer heiligen Scheu betrachtete Armee zu Brei zerschlagen worden ish richtet er seinen Länderheißhunger jetzt»ach dem armen, wehrlosen F!nn- land. Es ist eigentlich merkwürdig, daß er keine anderen Sorgen hat. Ein Mann wie der Zar, der sich vor der Liebe des eigenen Volkes wie ein Dachs in seinem tiefen Bau verstecken muß, ein Mann, der. wenn er Menschen sehen will, zu den Hai- fischen aufs Meer gehen muß,' ein Mann, der, wenn er reist, auch im zivilisierten Europa ähnliche Schutzmaßregeln ergreifen muß, wie die saubere Gilde Liabcuf; der Mann, der sich' m>t Spitzeln spickt und die ganze Eisenbahnstrecke von Petersburg bis Racconigi mit Bajonetten umsäumt—, der Mann geht noch aus Eroberungen aus und streckt seine blutbefleckte Hand gegen das friedlich arbeitende Volk Finnlands. Gegen dieses Verbrechen müssen wir entschieden protestieren nicht nur hier auf dem intcr- nationalen Kongreß, sondern wir wollen uns auch in den einzelnen Ländern gegen dieses furchtbare Verbrechen wenden. Wir vertrauen dabei auf die Widerstandskraft der alten Bauerudemokratie Finn« lands. Wenn auch in der finnischen Bourgeoisie viele zweifel» hafte Elemente sind, die bereit wären, ihren Frieden mit dem Mörder der finnischen Freiheit zu schließen, so steht gegen diesen schamlosen Verräter einig und festgeschlossen die Kraft des Proletarials der ganzen Welt. Noch ver« trauen wir auf die historische Entwickelung der russischen Revolution selbst, die dem Zarismus feine Erobcrniigs- gelüste wohl ein für allemal austreiben wird.(Lebhafter Beifall.) Von unseren acht Resolutionen richten sich fünf gegen die Tätigkeit NußlandS, ein Zeiche» dafür, welche unheilvolle Rolle es un Leben der Völker spielt. Von diesem Kongreß aus, der die Befreiung und Erhebung der ganzen Menichhe« erstrebt, muß der Atem eines tiefen inbrünstigen religiösen HasseS gegen den russischen Zarismus ausgehen.(Stürmischer Beifall.) Von hier aus muß der Kampfruf erschallen nicht nur an das Proletariat aller Länder, sondern an alle ehrlichen und anständigen Menschen, mitzukämpfen gegen dieses fluchwürdige Regime, bei dem heute nur noch das...(Redner gebraucht hier einen scharfen Ausdruck, der sich aus die bekannte biede der letzten Tage bezieht und stürmischen, minutenlangen Beifall auslöst) feinen letzten Trost und Hinterhalt sucht. Wie unsere Ablehnungsresolution in Amsterdam als Tat gewirkt hat, beweist die Zunahme der franzö» fischen Kammerfraktion. So sollen auch unsere heutigen Resolu- tionen nicht bloß geschrieben und gesprochen sein, sondern leben» dige Taten werden. Wir wollen durch unsere Resolutionen den Arbeitern in den wilden Ländern zu Hilfe kommen und dazu bei- tragen, daß ihre Bewegung zugunsten der gesamten Arbeiterschaft der Welt in die Höhe wächst und gedeiht.(Lebhafter Beifall.) Wik-Finnland: Im Namen der sozialistischen Partei Finn- lands bitte ich die französischen Genossen unseren wärmsten Dank für die Resolution zugunsten Finnlands entgegenzunehmen, ltzie den Kongreß beschäftigte. Die Resolution macht auf uns kineo UM so Heferen Eind'ruZ, üTS sie aül dein alten Vaterlande der sile. volunon stammt. Wir wissen, dah zwischen Nutzland und Frank' reich ein engeS Bündnis besteht. Aber ein anderes fram zösisch-russisches Bündnis besteht zwischen den Prole- tariern beider Länder. An diesem Bündnis möchten wir Finnländer gern teilnehmen. Kameraden, der Kampf des finnischen Proletariats, der in nächster Zeit bevor- steht, wird zweifellos ausserordentlich schwer sein. Tas um so mehr, als wir gleichzeitig gegen eine der reaktionärsten Bour geoisien zu kämpfen haben. Uno doch glaube ich Euch versichern zu können, vatz das finnische Proletariat seine Schuldigkeit tun wird. Mag man unsere Vereine unterdrücken, unsere Gewerkschaften auf. lösen, unsere Zeitungen vernichten, wir werden den Kampf dennoch fortführen. Machen wir uns doch keine Illusionen darüber, da� der Kampf bald zu Ende wäre, wenn wir allein stünden. Um al den Leiden Trok zu bieten, die über uns kommen werden, brauchen wir den Beistand aller unserer Genossen in der ganzen Welt. Wir sind der Ueberzeugung, datz allein das klassenbewutzt organisierte Proletariat uns wahrhaft wirksam unterstützen kann. Darum waren wir in unserem Herzen so dankbar, als wir hörten, datz das Internationale Sozialistische Bureau alle angeschlossenen Parteien aufgefordert hätte, vor aller Welt zu bekunden, was die finnlän. dische Frage eigentlich ist und datz unsere Genossen in den Paria menten aller Länder und auch bei anderen Gelegenheiten das Wort ergriffen haben im Namen des Proletariats und der Zivilisation und gegen das neue Verbrechen des Zarismus. Der Zarismus hört ja nicht gern, wenn man von ihm spricht. Europa soll ihm nur sein Geld leihen und sich nicht darum kümmern, wie er es verwendet. Wir aber, Genoffen, wollen vom Zarismus sprechen, wir wollen der ganzen Welt sagen, was der Zarismus ist. Der Zarismus ist die Unter- drückung aller arbeitenden, kämpfenden und wollenden Menschen. Der Zarismus ist das Gefäng- nis, der russische Kerker ist Sibirien. Der Zarismus i st d e r T o d und deshalb müssen wir, die wir Kämpfer des Lebens sind, ihn bekämpfen. Jeder Erfolg des Zarismus ist eine Nieder. löge der Zivilisation, denn der Zarismus ist ein Gegner jeder Zivi. lisation und der Feind der wichtigsten Kulturträger, der Arbeiter. (Stürmischer Beifall.) De Leonj- Amerika: Auch in Amsterdam ist eine Resolution für die Einigkeit einstimmig angenommen worden. Aber nur eine Nation hat dieses Mandat erfüllt: Frankreich. In den anderen Ländern ist die alte Uneinigkeit bestehen geblieben, so auch in Amevika mit seinen zwei Parteien, der S. L. P.. die ich ver- trete, und der S. P. Nach Amsterdam haben wir, die Minorität, uns zu Verhandlungen bereit erklärt. Unser Angebot ist aber von der anderen Partei abgelehnt worden. Deshalb mutz sich dieser Kongreß dahin aussprechen, datz die andere Partei die Pflicht hat, mit uns zu verhandeln. Im Namen der S. L. P. kann ich erklären, datz wir zu Verhandlungen mit der anderen Partei auf einer Konferenz bereit sind, Amerika ist ein Hauptland de« Kapitalismus. Alle Bedingungen für eine grosse sozialistische Bewegung sind gegeben. Aber die Bewegung gedeiht nicht, weil wir uns untereinander anfeinden. Hillquit-Amerika: Genossenl Ich würde zur EinigungS resolution nicht da? Wort genommen haben, hätte mich nicht De Leon jetzt dazu aufgefordert. So will ich denn antworten, damit kein falscher Eindruck entsteht. Die sozialdemokratische Partei Amerika» ist für die Einigung aller sozialistischen Kräfte in den Vereinigten Staaten. Sie ist nicht nur pla- tonisch dafür eingetreten, sondern hat«S durch di« Tat bewiesen. Ist unsere Partei doch Jahre 1900 lvar die elbst das Produkt einer Bereinigung. Im ozialistische Bewegung Amerikas in der schiedene Parteien und Gruppen gespalten. Jetzt ist die sozialistische Partei ein Einigungsobjekt und forderte alle sozialistischew Kräfte zur Vereinigung aus. Alle nahmen unsere Einladung an, nutzer der Partei sagen wir De Leon.(Heiterkeit.) Nach der Ver- einigung machten wir grohartige Fortschritte und seitdem sind fast alle früheren Mitglieder der S. L» P. zu uns gekommen. So ant- Worten wir denn auf die Frage. Lieber Genosse De Leon, wenn es Ihnen ernst ist mit dem. was Sie sagen, wenn Sie eine Einigung im wahren Geist des Sozialismus zum gemeinsamen Kampf gegen den gemeinsamen Feind wirklich wollen, dann sind Sie uns jetzt, wie Sie«s immer gewesen sind, willkommen in unseren Reihen,(Heiterkert und Beifall.) Wenn man von der sozio- listischen Einigkeit spricht, darf man nicht nur die formelle Ein- heit im Auge haben, dann mutz man wissen, waS man will. Die sozialistische Partei Amerikas steht auf der Basis des Jnternatio, nalismus in Theorie und Praxis. Auch der organisierten Arbeiter- schaft in den Gewerkschaften stehen wir freundlich gegenüber. Wir können uns keine sozialistische Bewegung denken, wenn sie nicht die Arbeitermassen hinter sich hat.(Lebhafter Beifall.) Und so frage ich denn den Genossen De Leon, sind Sie bereit, das Kind Ihrer jüngsten Taktik, den Jndustriol Wörter Bund, auf- zugeben und all Ihre unsozialistifchen Marotten beiseite zu werfen tBeifall), dann brauchen wir kerne Konserenzen und keine Kon- ventionon mehr. Berger- Milwaukee: Wir amerikanischen Sozialisten sind durchaus für die Einigkeit. Der beste Beweis dafür ist, datz wir vor 19 Jahren zwei Parteien mit je SOOo Mitgliedern hatten, also gespalten waren, während wir heute eine Partei mit ungefähr SSl)00 zahlenden Mitgliedern haben und eine zweite mit nicht ganz 1900. Ist das nicht schon so gut wie Einigkeit? Auch die 1999 sind unS willkommen heute, morgen, wenn sie unser Programm annehmen und aufhören, die Gewerkschaften zu be- kämpfen. Wir werden für die Einigungsresolution stimmen und versprechen Ihnen, datz wir innerhalb der nächsten 3 Jahre die Einigungsfrage total lösen werden. Denn dann wird nur noch de Leon selbst autzerhalb der Partei stehen. Wir arbeiten also in Amerika für die Einigkeit überall und zu jeder Zeit.(Beifall.) Kolaroff-Bulgarien verliest eine Erklärung der sozialistischen Partei Bulgariens, der sogen. Engherzigen, und der sozialistischen Port« Serbiens. Wir haben ein Memorandum über die Lage in der Türkei an den Kongreß gerichtet, das leider nicht zu rechter Zeit angekommen ist. Wir legen deshalb Wert darauf, durch diese Erklärung die Gründe deutlich dar- zulegen, die unsere Abstimmung über die Resolution der Arbeiter von Saloniki verständlich macht: Angesichts der Tatsache, datz die Bestrebungen des europäischen Kapitals und des zarischen Absolu- tismuS die Völker der Balkanhalbinsel an ihrer politischen und sozialen EntWickelung hindern und die Aufrecht- erhaltung des blutigen Regiments von Abdul Hamid erleichtert haben, in Anbetracht, daß der Kampf, den hie Völkerschaften im ottomanischen Reich für ihre Freiheit und Unabhängigkeit unter dem brutalen Feudalregiment geführt haben, daß es gezwungen war. um seine Herrschaft aufrecht- zuerhalten, selbst Abdul Hamid zu beseitigen, den Absolutismus durch die Konstitution zu ersetzen, ein Ereignis, das man unrich- jtigerweise als türkische Revolution bezeichnet, während eS nur ein militärisches Pronunziamento war, in Anbetracht, datz das jung- türkische Regiment, weit davon entfernt, ein Vertreter der politi- schen und ökonomischen Bedürfnisse des ottomamschen Reiches zu fein, seine reaktionäre Herrschaft damit begonnen hat, datz es den Arbeitern kein Wahlrecht gab, das Vereinsrecht verschlechterte und das Streikrecht einschränkte, sowie gegen die Gleichheit der verschiedenen Nationalitäten dieselben brutalen Unterdrückungsmittel wie Abdul Hamid anwandte, in An- betracht schließlich, daß die AuSbeutungSpolitik der kapitalistischen Grotzmächte und die reaktionäre Politik im Inneren eine st ä n- dige Bedrohung des europäischen Friedens dar- stellen, erklären wir, datz die einzige Lösung der Balkanfrage nicht in der nationalistisch-reaktionären Politik des Jungtürkenregiments. auch nicht in der Unterstützung der nationalistischen Politik der Kalkanstaaten, sondern nur in der(reiea göderatio» allerBalkanre publiken liegen kann. Nur die Vereinigung aller Balkanvölker zu einer föderativen Republik kann die Krieg» gefahr beseitigen und die moralische und politische EntWickelung des Orients sichern. Unbeschadet des notwendigen Zusammen schlusses aller Balkanstaaten ist der ununterbrochene Klassenkamp der Balkanvölker gegen die Eroberungspolitik des Kapitalismus und Absolutismus der einzige Weg zu diesem Ideal. Sakasoff-Bulgarien: Die soeben verlesene Erklärung ist von R u in ä n i e n, S e r b i e n und den B u l g a r e n beider Fraktionen verfatzt. Erst im letzten Moment hat der Vorredner es für richtig gehalten, die von Rakowski verfaßte Deklaration als die nur einer bulgarischen Partei zu bezeichnen. Wir aber hoffen, datz der erste Fall des Zusammenwirkens aller Sozialisten und aller Fraktionen der Balkanvölker nur der erste Schritt zu ihrer endgültigen Einl gung sein wird. Kolaroff-Bulgarien: Weder die serbische, noch die rumänische Sozialdemokratie, noch wir stehen in irgendeiner Beziehung zur Partei des Vorredners. Ich kenne den Genossen Sakasoff nicht, denn er gehört einer Partei an, die wir bekämpfen, und die wir stets bekämpfen werden bis sie nicht mehr existiert.(Große Um ruhe.) Damit schließt die Debatte, Auf Vorschlag des Präsidenten wird zu Beginn der morgigen Plenarsitzung Ellenbogen das Schlußwort erhalten. Huysmans fordert die Kommission noch einmal auf, ihre Ar betten heute abend zu beenden. _ Schluß 6'A Uhr. Slhikdsgerilhts- vnd Abriißnngskommjsflon. Kopenhagen, 1. September. Der Vorsitzende van Kol erklärt, datz die Verhandlungen heute zu Ende geführt werden müssen. Er werde nur noch 19 Minuten Redezeit gewähren. Erster Redner ist Keir Hardie(England): Ich kann die Vor' schlüge der Subkommisston nicht annehmen. Wenn die parlamen- tarischen Vertreter des Proletariats nicht stark genug sind, den Krieg zu verhindern, müßten es die Arbeiter selbst tun. indem sie sich weigern, selbst Waffen und Munition herzu- st e l l e n und Kohlen für die Schiffe zu fördern. Natürlich müssen die Arbeiter der beteiligten Länder miteinander übereinstimmen. Nicht in einem Lande allein kann die Arbeit eingestellt werden, Wird daö Amendement betreffend die Arbeitseinstellung nicht am genommen, dann wird es in einem besonderen Rapport der Minder. heit erwähnt werden müssen. Wolkowski(Nutzland): Ich bin von Ledebour falsch verstanden worden. Für Rutzland habe ich nicht besondere Bestimmungen ge. fordert. Ich wünsche, datz die Soldaten unter das bürgerliche Recht gestellt werden. Ich würde empfehlen, datz mehr als bisher unter oen Soldaten des Heeres und der Marine Agitation betrieben wird, wie es in Frankreich in der letzten Zeit gewünscht und auch per' sucht worden ist. Der Vorsitzende van Kol erklärt, der Vorschlag WolkowskiS hat mit der Tagesordnung nichts zu tun. er sei daher auch nicht zu diskutieren. Eine längere Debatte dreht sich darum, wie die Debatte zum Abschluß gebracht werden könne. Das Plenum habe noch immer Mangel an BeratungSstoff. Die nächsten Redner verzichten aufS Wort. Nur vier Redner wollen noch das Wort ergreifen. Tutzovich(Serbien): Im letzten Konflikt zwischen Oester- reich und Serbien waren die serbischen Sozialdemokraten keinen Augenblick in Verlegenheit wegen des einzuschlagenden Vor gehens. Sie haben von der österreichischen Sozialdemokratie Unter stützung erfahren zur Bekämpfung der Dynastie. Die Oesterreicher hätten aber die Serben viel besser unterstützen müssen durch energischere Bekämpfung der Eroberungspolitik ihrer Regierung. Der Annexion von Bosnien und der Herzegowina ist in der österreichischen sozialdemokratischen Partei nicht nach- drücklich genug entgegengetreten worden. Auf dem Balkan ist die Kriegsgefahr eine dauernde. Die Sozialdemokraten haben sich nicht mit Gründen der Diplomatie, sondern mit aller Kraft gegen die Eroberungslust der Grotzmächte zu wenden und auch für die Freiheit und das Selbstbesttmmungsrecht der kleinen Nationen einzutreten. Das sei eine Lebensfrage für die sozialistische Be- wegung in den kleineren Staaten, die weniger durch die eigene Kraft, als durch den Beistand der Genossen der großen Länder der sozialistischen Idee dienen können. Die serbische Sozialdemokratie se, tzanz nach deutschem Muster eingerichtet. Die deutsche Sozialdemokratie sei aber in den Augen der serbischen Arbeiter- schaft diskreditiert, weil sie der Eroberungslust der großen Staaten nicht mit dem gebotenen Nachdruck entgegentritt und sich der kleinen Balkanvölker, die unter dem Stachel der Grotzmächte sich befinden, nicht genügend annehme. Das mutz in Zukunft anders werden. Karlson(Schweden) gab die Erklärung ab, datz die Delegierten seines Landes der vorgelegten Resolution zustimmen als einer prinzipiellen Erklärung über den Nahmen, in dem sich die Be- strebungen zur Bekämpfung der Rüstungen zu bewegen haben. In verschiedenen Wendungen der Resolution sei ein Fortschritt zu erblicken. Dcbunne(Belgien) gibt für die belgische Delegation die Er- klärung ab. datz sie der Resolutton zustimmen werde. Im Prinzip sei sie für das Amendement Vaillant-Keir Hardie; sie würde aber dagegen stimmen, weil der Vertreter Deutschlands es als un- annehmbar bezeichnet. Skatula(Böhmen)) Die tschechischen Genossen hätten im Gegen- satz zu ihren deutschen Kollegen in der österreichischen Partei mit größter Verve die Annexionspolitik der Regierung bekämpft. Mit )er Balkanpolitit mühten sich die Landsmannschaften Oesterreichs in Zukunft viel mehr beschäftigen als bisher. Radek(Polen) läßt eine Erklärung verlesen, in der er ver- ichert, eS sei ihm nicht eingefallen, wie in der bürgerlichen Presse behauptet werde, die sozialdemokratische Agitation zur Sicherung des Friedens auch nur im geringsten zu verkleinern. Was er im Auge hatte, war«in Gegenteil, der Agitation die größte Wirksam- keit und Schärfe zu geben. Renner(Oesterreich) betont gegenüber Skatula, datz bei den sozialdemokratischen österreichischen Abgeordneten aller Nationen m den Fragen der Balkanpolitik keine Verschiedenheit in der Taktik bestanden hat. Aber das Balkanproblem sei so kompliziert, datz es keine zwei Politiker gebe, die darin vollständig gleicher Meinung ind. Im Parlament seien die Abgeordneten mit größtem Nachdruck ür den Frieden und auch erfolgreich eingetreten. Entgegengetreten worden sei jeder Art Eroberungslust sowohl Oesterreichs als auch Serbiens und Montenegros. Befürwortet wurde stets das Selbst- b e st i m m u n g S r e ch r der Völker. In der Presse wurde betont, datz eine Kriegserklärung Serbiens nur eine Niederlage Serbiens zur Folge haben werde. Gegen kein Gebot der inter- nationalen Solidarität fei von den Sozialdemokraten Oesterreichs verstoßen worden. Eine Resolution, die vom internationalen Kon- gretz angenommen werde, könne nicht nach jeder Richtung hin er- schöpfend sein. Sie können nur zusammenfassen, was im Augen- blick der Beschlußfassung als spruchreif für alle Länder anzusehen sei. Neben den Beschlüssen der internationalen Kongresse sieben sie Programme der Parteien der einzelnen Länder. Renner be- merkt noch, zu der Forderung der Abrüstung interpretierend, datz selbstverständlich daraus nicht eine WehrloSmachung des Landes gefolgert werden könne, sondern datz ein Ueberganfl vom stehenden Heer zum Volksheer vorgesehen sei. Einem spateren Kongresse werde eS vorbehalten bleiben, das antimilitaristische Programm des Proletariats auszuarbeiten und dafür zu sorgen, datz oem Kriege auf dieser Erde ein Ende gemacht werde.(Beifall.) Pittoni(Oesterreich) konstatiert, datz die Behauptung SkatulaS salsch sei. Die österreichischen Abgeordneten hätten ciniiiütig gegen vie Annexionspolitik Stellung genommen. Er als italienischer Ab« geordneter erkläre, datz von den Abgeordneten keiner Landsmann- schaft etwas versäumt worden sesi was getan werden mutzte. Hiermit schloß die Debatte. Das Auiend'emenk Wolkoiüski betr. die Unterstellung der Soldaten unter das bürgerliche Recht wurde durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt, nachdem eine Erklärung beschlossen worden war. es geschehe das nur, weil die Materie nicht zur Tagesordnung gehöre. Abgelehnt wurde mit großer Mehrheit daö Amendement Vaillant-Keir Hardie betr. den allgemeinen Streik zur Verhütung des Krieges. Die Abstimmung erfolgte nach Nationen. ES wurden 119 Stimmen dagegen, S8 Stimmen dafür abgegeben. Die un- veränderte Resolution der Subkommisston wurde darauf gegen die Stimme des Italieners M o r g a r i angenommen. Zum Bericht- erstatter im Plenum wurde Ledebour bestimmt, als Vertreter der Minderheit der Kommission soll Keir Hardie nach dem Referenten sprechen. Der zweite Beratungsgegenstand der Kommission war das für die rasche Alisführung der Beschlüsse der internationalen Kongresse einzuschlagende Verfahren. Batkant(Frankreich) begründet kurz folgende Resolution der S. P.(Frankreich): „In allen Fällen, wo ein Konflikt zwischen zwei oder mehr Ländern droht, und wenn dabei ein Zögern oder eine Ver- spätung in der Entscheidung der um Rat gefragten nationalen Parteien(der betreffenden Länder) eintritt, hat der Sekretär des Internationalen Sozialistischen Bureaus, auf das Ersuchen von mindestens einem der beteiligten Proletariate, das Internationale Sozialistische Bureau soivie die Interparlamentarische Sozia- listische Kommission dringend einzuberufen, die sofort zusammen- treten müssen, sei es in Brüssel, sei es an irgend einem anderen Orte, der je nach den Umstünden dazu geeigneter erscheint." Die Resolution wurde ohne Debatte einstimmig angenommen. Bliegen(Holland) führt aus: Die Kommission solle sich damit beschäftigen, datz die Resolutionen, die vom Kongreß beschlossen werden, auch durchzuführen seien. Jetzt würden Beschlüsse gefaßt, die nur auf dem Papier stehen, ohne datz ihnen Geltung verschafft werden könne. Deshalb beantragt Holland, datz dem nächsten Kongreß ein Bericht vorgelegt werde, wie weit den gefaßten Be- schlüssen Rechnung getragen worden ist. Er schlägt folgende Re- solution vor: „Der Internationale Kongreß erkennt an, datz e3 schwer sein würde, Normalanweisungen zu geben für die Ausführung ver Resolutionen der internationalen Kongresse, datz also die Art und Weise und die Wahl des richtigen Augenblicks der Aus- führung oen nationalen Parteien überlassen bleiben mutz, kon- statiert aber ausdrücklich die Pflicht dieser Parteien, ihr mög- lichstes zu tun, um die Resolutionen der internationalen 5koii- gresse durchzuführen. Das Internationale Bureau soll jedesmal, bevor ein internationaler Kongreß zusammentritt, seinen Bericht vorlegen, in dem sich eine Uebersicht findet über die Durch- führung der internationalen Kongretzbeschlüsse durch die natio- nalen Parteien." Die Resolution wird einstimmig angenommen und die Sitzung dann um 12 Uhr geschlossen. Kurte üoiimifjion(Arbritslosigluit, SoMlpoliM). (Fortsetzung,) Kopenhagen, 31. August. Nach einstimmiger Annahme der von der Subkommisston vorgelegten Resolutionen über die Arbeitslosigkeit folgt die Diskussion über die Slrbeitergeseygebmig. Schapcr-Hollaild legt dazu folgende Resolution vor: „Der Kongreß bestätigt die Resolutionen über die Arbeiter- gesetzgebung, die die Internationalen Kongresse zu Paris von 1889 uud von Amsterdam von 1994 gefaßt haben. Er stellt fest, daß die herrschenden Klassen der verschiedenen Länder seit diesen Beschlüssen im allgemeinen wenig auf diesem Gebiete geleistet haben und daß das Znstandegekommene sich im allgemeinen als»nzulänglich erwiesen hat. Alle möglichen Ausstllchte hat die Bourgeoisie gemacht, um ihren Mangel an guiem Willen und ihre Unfähigkeit, etwas Große» für die Arbeiterklasse zu leisten, zu verhüllen. So hat sie znm Bei- spiel die Behauptung aufgestellt, datz die industriellen Konkurrenz- Verhältnisse der einzelnen Länder die Einführung einer guten Arbeitergesetzgebung verhinderten, falls nicht internationale Vereinbarungen getroffen würden. Sie stellten weiter die Behauptung auf, datz die Mittel fehlte», die Lasten der sozialen Gesetzgebung zu tragen. Die verschiedenen Regierungen, vor allem der europäischen Staaten, haben aber schon seit langem Mittel und Wege gefunden, um sich international zu verständigen, so z. B. bei der Berner Konvention über die Nachtarbeit der Frauen. Aber von dieser Möglichkeit ist nur ein sehr unerheblicher Gebrauch ge- macht worden, obgleich die Kapitalisten gewaltigen Mehrwert aus der Arbeit der Proletarier gezogen und Milliarden für militärische Zwecke vergeudet haben. AuS alledem geht klar her« vor, datz die Berufung auf die Notwendigkeit internalionaler Vereinbarungen und die Behauptung von dem Fehlen von Mitteln für die Zwecke der Arbettergesetzgebung nur Vorwände sind, um sich de» Verpflichtungen aegeiiltber der Arbeiterklasse zu eut- ziehen und um diese fast unbefchränkt ausbeuten zu können. Das alles veranlatzt uns, mit aller Kraft gegen diese unverantwortliche Nachlässigkeit der herrschenden Klassen zu protestieren, und die Arbeiterklasse aller Länder aufzurufen, diese Taktik des Unter« nehmertums unermüdlich zu bekämpfen. Der Kongreß ruft den Arbeitern ins Gedächtnis, datz nur durch kräftig organisierte Gewerkschaften, die auf persönlicher ernster und ausdauernder Ovferwilligkeit beruhen, aus die Herrschenden ein genügend starker Druck ausgeübt wird, um sie aus ihrer unverantwortlichen Lässigkeit aufzuscheuchen." Zur Begrüiidling führte Schaper- Holland aus: Ueber die Arbeilslosensrage haben wir soeben eine positive Resolution ein- timmig angenommen. Für die allgemeine Arbeitergesetzgebung haben ivir bereits zwei sehr gute Resolutionen von 1889 und 1994. Wir werden deshalb mit einer besonderen Bekräftigung der beiden Resolutionen auskommen. Die Bourgeoisie wendet bei allen Forde» rungen der Arbeiter auf dem Gebiete der Arbeitergesetzgebung ein, ' sie aus Konlurrenzriickstchten den alten Zustand lassen müsse. Auch redet sie sich immer damit um die Sache herum, datz keine Mittel für diese Forderungen da seien. Verweisung aus die Rege- lung der Arbeitergesetzgebung durch internationale Verständigung über die Arbeitergesetzgebung ist blohe Verschleppungstaktik. Diese wollen wir durch meine Resolution bekämpfen. Wenn die Unternehmer chgen, datz sie keine Mittel hätten, dann mutz daraus hingewiesen werden, datz gerade sie sortgesetzt für verschwenderische Ausgaben zu RüftungSzivecken wirken. Aber auch der im letzten Absatz der Rcso- lution emhaltene Appell an die Arbeiter ist wichtig und nötig. Nehmen Sie deshalb die Resolution on. Molkenbuhr- Deutschland: Inhaltlich wird wohl jeder mit der Resolution Schaper einverstanden sein, eS handelt sich deshalb wohl nur um eine Diskussion über die Form der Resolution. Der Hin- weis auf die VerschleppunaStaltik der Bourgeoisie ist nicht daS wichtigste. Die Arbeitergesetzgebung ist nur dort vorwärts ge- kommen, wo sie von den Arbeitern erzwungen wurde, darum hat ein kräftiger Appell an die Arbeiter der Kern der Resolution zu sein. Die Zitierung der Pariser und Amsterdamer Resolulioncn genügt nicht, weil die Arbeiter den Text davon nicht im Kopse haben. Die Forderungen jener Kongresse müssen dem Sinne nach wiedergegeben werden. Rothcustetn-Ungarn wünscht die Spitze der Resolution nicht nur gegen die industrielle Bourgeoisie, sondern gegen die ganze herrschende Klasse gerichtet zu sehen. Auch die blotze Betonung der Notwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation der Arbeiter ge- nügt nicht. Uhry-Frankreich stellt fest, datz die Resollition Schaper dem Sinne nach bereits in der vom französische» Kongreß bcschloffencn Resolution enthalten ist. Bubcr-Polen wünscht, datz in der Resolution hingewiesen werde aus die Bedeutung der politischen und wirtschaftlichen Organisierung des Proletariats, während Genosse Schaper bloß auf die Wirtschaft- liehe Organisation Nachdruck legt. Er fordert, dak die Arbeiterschutz- gesetzgebung der einzelnen Länder keinen Unterschied mache zwischen nationalen'und fremden Arbeitern, serner daß das internationale Bureau periodische Uebersichten der Arbeitergesetzgebung der einzelnen Länder herausgebe. Lindhngcn-Schweden, der Bürgermeister von Stockholm: Die Resolution muß kompakter sein. Man vermisjt in der Resolution neue Gedanken. Der Redner beantragt, in die Resolution aus zunehmen:„Der Kongreß erklärt, das; eine Gesetzgebung gegen die Nachtarbeit in allen Gewerbezweigen schleunigst zustande kommen muß, wenn sie nicht durch die Verhältnisse unver- meidlich ist. und dasi folglich in denjenigen Ländern, wo eine solche Regelung nicht gleichzeitig für Männer und Frauen durchgeführt wird, einer Ausführung dieses Verbots der Nachtarbeit der Frauen gemäß der Berner Konvention unmittelbar eine ähnliche Gesetzgebung für Männer unter dem oben angegebenen Vorbehalt nachfolgen wird. Banck-Böhmen: Wir können uns nicht beklagen, daß die Herr schende Klasse so wenig für die Arbeiter tut. wenn sie die Macht in Händen hat. Wir müssen die Arbeiter auffordern, durch die Macht ihrer Organisation sich das zu erzwingen, waS man ihnen freiwillig nicht gibt. Er möchte daher derResolution folgenden Schluß geben: »Der Kongreß ruft den Arbeitern ins Gedächtnis, daß sie nur durch kräftige politische und wirtschaftliche Organisation, die auf aus- dauernder Opferlvilligkeit beruht, zur wirtschaftlichen und politischen Macht gelangen können, um ihre Forderungen bezüglich der Arbeiter- gesetzgebung'durchsetzen zu können." Genossin Despart-England, die bekannte Frauenrechtlerin, wünscht eine Reihe Einzelsorderungen in die Resolution aufgenommen zu haben. Schaper-Holland spricht in seinem Schlußwort sein Einverständnis mit den Molkenbuhrschen Ausführungen aus und hofft im übrigen, daß die Resolution, nachdem sie in einer einzusetzenden Unter- kommission mit Rücksicht auf die verschiedenen Vorschläge geprüft worden ist. eine Form erhält, die alle befriedigt. Die Resolution wird einer Subkommission überwiesen, in die von Deutschland Molkenbuhr delegiert wird. Sitzung der deutschen Deltgatiou. Kopenhagen, 1. September. Lcipart-Stuttgart protestiert gegen die am Vormittag vom Kongreß angenommene Resolution zur ArbeitMosenfrage. Nach dem deutschen Text würden darin staatliche Zwungsarbeitslosen- Versicherungskassen gefordert, deren Kosten allein die Unternehmer tragen sollten, die aber allein der Verwaltung der Arbeiter unter- stehen sollten. Das sei eine unmögliche Forderung. Dazu komme die sehr unglückliche Fassung des Wortlautes der Resolution. Er bitte namens der deutschen Minderheit, die Erklärung der Eng- länder und Franzosen wiederholen zu dürfen, daß sie für diese Resolution nicht stimmen könnten. Es sei bedauerlich, daß die deutschen Kommissionsmitglieder nicht rechtzeitig die Delegation unterrichtet hätten. Molkenbuhr legt die Gründe dar, aus denen das nicht möglich gewesen sei. Mit der Resolution zu dieser Frage sei er allerdings nicht einverstanden. Aber die dänischen und holländischen Genossen hätten unbedingt darauf bestanden, daß die Arbeiter nicht selbst mit zu den Kosten der Versicherung beitragen sollten. Die deutsche Resolution über die Arbeitslosenversicherung würde indessen durch den internationalen Beschluß nicht berührt. Kloth-Berlin beantragt zu fordern, daß die Frage der Arbeits- losenversicherung noch einmal an die Kommission zurückverwiesen werde. Brey-Hannover legt noch einmal dar. weshalb die Resolution nicht einheitlicher ausgefallen sei und nicht rechtzeitig habe vor- gelegt werden können. Der Antrag Kloth wird gegen wenige Stimmen; der An- trag Leipart, eine Erklärung gegen die Resolution in der Frage der Arbeitslosenversicherung abzugeben, gegen eine geringe Minoerheit abgelehnt. Leipart: Das wird unS nicht hindern können, namens der deutschen Minderheit diese Erklärung im Plenum abzugeben. Wels-Berlin: Wir haben bisher nur die Beschlüsse der deutschen Mehrheit dem Plenum mitgeteilt. Welche Bedenken die Minder- heit hat, ersehen die deutschen Genossen ja aus dem Bericht über diese Delegationssitzungen. Richard Fischcr-Berlin: Wir müssen jedenfalls der Redaktions- kommission des internationalen Kongresses mitteilen, daß der Text der Resolution in den drei Sprachen grundverschieden ist. Leipart möge sich mit den Mitgliedern der Kommission in Verbindung setzen und in dieser Richtung arbeiten. Ueber die Beschlüsse der fünften Kommission erstattet hierauf Klara Zetkin Bericht. Der Bericht wird ohne Debatte an- genommen. Ueber die Militärkommission berichtet Haase-Königsberg. Er hebt hervor, daß die deutschen Delegierten den Antrag V a i l l a n t- Keir Hardie, der für den Fall drohender Kriegsnähe die Pro- klamierung des Streiks fordert, ablehnen, nicht so sehr aus juristi- schen Bedenken, als weil die Frage in keiner Beziehung spruchreif sei.— Die deutsche Delegation stimmt ohne Debatte dem zu. Auf Vorschlag von Sachse wird beschlossen, auch im Plenum über den Antrag Vaillant Abstimmung nach Nationen zu fordern. Hierauf schließt Ebert die Sitzung mit dem Wunsche, daß die Kommissionsmitglieder möglichst frühzeitig berichten mögen. Ein Uik. Kopenhagen, 31. August 1910. An da? Präsidium des Internationalen Sozialististben Kongresses ist aus Paris ein Bericht gelangt, der auf amtlichem Briefbogen und Kuvert im französischen Ministerium des Inner» geschrieben ist und folgenden Wortlaut hat: iströsicksnt du conseil Ministre de I'intörisur Cabinet du ministre. Paris, 26. August 1910. Herr Präsident! Als ich vor einigen Monaten die Ehre hatte, in der Deputierlenkammer zu erklären, daß ich keine meiner Ideen, keine meiner sozialistischen Ueberzeugungen aufgegeben hätle, hat mir dieses ehrliche Glaubensbekenntnis bei meinen Gegnern wütende Angriffe eingetragen. Nun, wo der internationale Kongreß versammelt ist, glaube ich, daß die Stunde gekommen ist. um laut vor den Kämpfern der Arbeiterklosse der ganzen Welt zu versichern, daß, wenn ich in eine neue Situation versetzt worden bin, der ich mich angepaßt habe, ich poch alles, was mir in meiner Machtstellung als Chef der französischen Regie- rung zur Verfügung steht, tun werde, um die Mitivickelung des Sozialismus zu fördern. Um aber die große politische Aufgabe erfüllen zu löiinen, würde ich es gerade in der jetzigen Zeit sehr begrüßen, wenn ich durch eine Kundgebung der Arbeiter der ganzen Welt unterstützt würde. Mein ganzes Leben und meinen ganzen Namen habe ich der Vertretung eines festen Programms gewidmet, Es ist leichlfertig, wenn meine Gegner mir vorwerfen, daß ich meine früheren Grundsätze preisgegeben habe. Als Ehrenmann habe ich stets die gleichen Grundsätze vertreten. Ich würde vor dem Parlament meines Landes ganz anders dastehen, wenn ich sicher wäre der Unterstützung der Kongreßmitglieder, um die ich hiermit bitte. Genehmigen Sie, Herr Präsident, die Versicherung meiner ausgezeichneten Hochachtung. Ariftide Briand, Miuister- präsident, Minister des Inneren und des Kultus". Briefbogen und Kuvert dieses Briefes stammen unzweifelhaft auZ dem sranzöstschen Ministerium des Innern. Die Unterschrift ähnelt außerordentlich der Handschrist Briauds und ist sehr geschickt wiedergegeben. Trotzdenr ist die französische Delegation keinen Augenblick darüber im Zweifel gewesen, daß es sich um eine Mystifikation handelt. Vielleicht hat irgend ein Beamier sich diesen Scherz mit dem Ministerpräsidenten gemacht. Die Mitteilung des„Preßtelegraph", Guesde hätte erklärt, Briand könnte seiner Tharalteranlage nach diesen Brief geschrieben haben, ist eine Er- f i u d n n g. Ulk gesehen. Auch Genosse Guesde hat in dem Briefe sofort einen Gerichts-Zeitung* Eine auf der Landstraße verübte schwere Bluttat beschäftigte gestern unter Vorsitz des Landgerichtsrats L a m p° recht die 3. Ferienstrafkammer des Landgerichts III. Wegen gefährlicher Körperverletzung war der Arbeiter Willy Schulz angeklagt.— Am 26. Juli d. I. schritt der SckMeizer Robert Richter fröhlich singend die Frankfurter Chaussee entlang. Er hatte einige Tage vorher seinen Dienst auf einem Gute in der Nähe von Rüdersdorf aufgegeben, da ihm eine bessere Stellung in Berlin angeboten war. Er war deshalb lustig und guter Dinge und ahnte nicht, daß er einige Stunden später einen: feigen Meuchelmörder in die Hände fallen würde. Auf der Chaussee zwischen Mahlsdorf und Dahlewitz gesellte sich der jetzige Ange- klagte zu ihm, der. angeblich ebenfalls auf dem Marsche nach Berlin war. In der Nähe von Mahlsdorf wurde Richter müde, er legte sich deshalb nach der Art„fahrender Gesellen" in ein an der Chaussee befindliches Haferfeld und schlief auch bald ein. Schon nach kurzer Zeit wurde er durch stechende Schmerzen im Halse wach. Zugleich fühlte er, wie ihm die Kehle zugedrückt wurde. Erst jetzt sah er, in welch furchtbarer Gefahr er schwebte. Sein Wandergenosse lag auf ihm und stach wie ein Unsinniger mit dem Messer auf ihn ein. Trotz des großen Blutverlustes gelang es ihm, sich des Angreifers zu erwehren, der die Flucht ergriff. Aus sechs tiefen Kopfwunden blutend, schleppte sich R. nach dem nächsten Dorfe, wo er»bewußtlos zusammenbrach. Er mußte sofort in ein Krankenhaus geschafft werden, wo er mehrere Wochen zw bringen mußte. Seit dieser Zeit ist er trotz aller Bemühungen der Staatsanwaltschaft unauffindbar.— Vor Gericht räumte der Angeklagte die Tat, ohne eine Spur von Reue zu zeigen, ein. Der Staatsanwalt beantragte die höchst zulässige Strafe von 5 Jahren Gefängnis. Das Gericht erblickte in der Tat des Angeklagten das Verbrechen des versuchten Mordes und verwies die Sache an das Schwurgericht.— Im Interesse der Aufklärung der Sache wäre es erwünscht, wenn sich der Schweizer Robert Nichter oder Per- fönen, die über seinen Aufenthaltsort näheres wissen» bei der Staatsanwaltschaft II melden würden. Eifenbahnbeamtcr und Einbrecher. Eine Doppelrolle a la Raffles hat der Lokomotibheizer Oskar Ncugebauer gespielt, der gestern von der 2. Ferienstrafkammer des Landgerichts III zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.— Der Angeklagte ist seit mehreren Jahren Eisenbahn beamter und zwar ist er dem Lehrter Bahnhof zugeteilt. Er war stets ein ruhiger und bei seinen Kollegen gern gesehener Mensch, dem man keinesfalls zutraute, daß er des Nachts mit Dietrichen, Stemmeisen und anderem Einvrecherwerkzeug bewaffnet auf Wohuungseinbrüche ausging, nachdem er des Tags über schweren Dienst geleistet hatte. Der Angeklagte wohnte s. Z. in der Fehmarnstratze 6, wo es allerdings auffiel, daß er häufig des Nachts nicht zu Hause war. Zu der gleichen Zeit liefen aus diesem Viertel mehrere Anzeigen von Einbrüchen ein. So wurde u. a. in der Nacht zum 1. Mai d. I. bei der in der Torfstraße 22 wohn- haften Frau Franzke ein Einbruch verübt, ohne daß es gelang, den Dieb zu ermitteln. Als der Zahntechniker Schütte� der in demselben Hause wohnt, in der Nacht zum 1. Juli mit seiner Wirtschafterin nach Hause kam, wurde er durch ein Geräusch auf- merksam. Er suchte die ganze Wohnung ab und entdeckte schließ- lich zu seinem Entsetzen unter seinem Bett einen Menschen liegend. Er schlug sofort Alarm und hielt den Einbrecher so lange fest, bis ein Schutzmann erschien. Auf der Polizeiwache entpuppte sich der Einbrecher als der jetzige Angeklagte.— Der Staatsanwalt beantragte 6 Monate Gefängnis. Das Gericht ging jedoch weit über diesen Antrag hinaus, da es besonders strafwidrig sei, wenn ein Beamter bis zum gemeinen Einbrecher herabsinke. Das Urteil lautete deshalb auf 1 Jahr Gefängnis und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren Em der frauenbewegung* Unverdiente Reklame. Kürzlich wurde im„B. T." für eine Druckerei in Breslau Reklame gemacht, mit dem Hinweis darauf, daß in dieser Druckerei nur Setzerinnen beschäftigt würden. Die Reklame sollte der Firma nicht nur Aufträge, sondern auch ein starkes Angebot billiger Arbeitskräfte verschaffen. Es wurde da nämlich mitgeteilt, daß die Druckerei junge Mädchen als Lehrlinge für die Setzerei annehme und hier die lveibliche Arbeitskraft ein dankbares Feld der Betätigung finde. Wie es in Wirklichkeit damit bestellt ist, das enthüllt der„Korre- spondent für Deutschlands Buckdrucker und Schriftgießer". Er teilt mit, daß die in Betracht kommende Druckerei sich durch Tariffeind- lichkeit und wenig rühmliche Arbeitsverhältnisse auszeichne. Weiter schreibt er: „... Wir wollen aber mit näheren Einzelheiten noch zurück- halten, weil wir annehmen, daß die Frau Marie Wegner in Breslau. die sich berufen fühlt, die Frauenarbeit in einem äußerst ungesunden Berufe zu empfehlen, vielleicht schon auf diese Andeutung hin dafür sorgt, daß Frauenarbeit etwas besser eingeschätzt und bezahlt wird, als dies bei Frau Faworke in Breslau der Fall ist. Die An- erkennung �des deutschen Buchdruckertarifs in diesem Falle zu er- reichen, wäre für die Setzerinnen der Frauenzeitschrift„Die Frau im Osten" eine größere Wohltat als das Bestreben, ihnen noch weitere schlecht entlohnte Gesährtinnen zuzugesellen. Will also Frau Wegner in der Frauenbewegung beachtenswerte Dienste leisten, dann mag sie zunächst in ihrem engeren Wirkungskreis Ordnung schaffen, ehe sie in die Ferne schweift." Wohltäterei hat immer einen Haken: meist dient sie als Fessel für den Arbeiter, oft versteckt sich hinter dem Begriff sogar eine über den normalen Rahmen hinausgehende Ausbeutung der Arbeitskraft und manchmal dienen soziale Programme und Bestrebungen als WohlfahrtSaushängeschild für besonders gerissene Gewinnmacherei. Im vorliegende» Falle scheint die Beschäftigung der weibsichen Arbeitskraft wirklich sehr dankbar zu sein— für den Unternehmer. Em aller Melt. Sin Sckirter und Beftcr. Großes Aufsehen erregt in Frankfurt a. M. die Verhaftung deS österreichischen Reichsgrafcn von Dunin-Borkowski. Vor einiger Zeit ist der Herr Graf aus seiner Heimat nach Frank- ftirt übersiedelt und hat durch sein elegantes Auftreten viel von sich reden gemacht. Im eleganten Laildailer, auf dessen Bock zwei vor- nehin gekleidete Bediente saßen, ließ sich der hochedle Herr von den Frankfurter Bürgern bewundern. Seine Wohnung, im elegantesten Viertel gelegen, war mit dem modernsten Komfort ausgestattet, abends wurden in den strahlend hell erleuchteten Zimmern große Gesellschaften gegeben, bei denen mancher Flasche Sekt der Hals gebrochen wurde. Jetzt ist die ganze Herrlichkeit zusammengebrockien. Der Graf, der seine Hoffnung auf eine reiche Heirat gesetzt hatte, und daraufhin die Frankfurter Geschäftswelt um große Summen anpumpte, wurde wegen Betrugs verhaftet. Die ge- prellten Frankfurter gelobten. daß sie in Zukunft sich nicht mehr durch Grafentitel und elegantes Auftreten düpieren lassen wollen. stimnmngsort bisher nicht erreicht. Da unter regu- lären Verhältnissen die Fahrt in etwa 14 Tagen zurückgelegt wird, ist zu befürchten, daß der Dampfer, der eine Besatzung von 20 Personen hatte, in einem Sturm mit Mann und Maus untergegangen ist. Der Dampfer gehört der Hamburger Firma Ernst Ruß und war ein erst vor kurzer Zeit von Stapel gelassenes Schiff._ Ueberseeflnge in Havre. Auf dem zurzeit in Havre stattfindenden Flugmeeting unter« nahmen am Mittwoch vierzehn Aviatiker Flüge über daS Meer von Havre nach Deauville. Fünf von ihnen kehrten auf dem- selben Wege zurück. Dem Aviatiker L a t h a m gelang es, den Flug hin und zurück dreimal zurückzulegen. Wiederholt schwebten gleichzeitig zehn Flugzeuge über dem Meere. Moräne legte die Strecke Havre- Trouville in 9 Minuten 52 Sekunden zurück, also mit einer Geschwindigkeit von 102 Kilometer in der Stunde.— Der vor einigen Tagen von dem Flieger Moräne unternommene Höhenflug wurde von der Sporlkommission offiziell ans 21 SO Meter festgesetzt. Im Sterben abtrünnig geworden. Aus Rom wird uns geschrieben: In dem nur klerikalen Nestchen Sanmartino di Struppa in der Provinz Genua ist dieser Tage der Priester D e l l a c a s a in dem schönen Alter von 94 Jahren gestorben. Als er sich zur letzten Krankheit nieder- legte, beeilte sich der Klerus, ihm einen Geistlichen zu schicken. Obwohl sich aber der Greis leinen Illusionen über den Ausgang seiner Krankheit hingeben konnte, lehnte er sehr entschieden jeden kirchlichen Bei st and ab und erklärte. er könne alles übrige allein besorgen. So ist der Priester friedlich ohne Beichte und Abendmahl eingeschlafen, in eineni Ort, wo dies freiwillig sicher noch keinem Menschen, geschweige denn einem Priester, passiert ist._ König!, bayerische Zentrums-Eisenbahn. In dem königlich bayerischen Verkehrswesen, das unter dem unsichtbaren Protektorat Dr. P i ch l e r s steht, spielen sich manch- mal sonderbare Vorgänge ab. Einzelne Beamte scheinen sich da als Zentrumsangestellte zu fühlen, die das reisende Publikum ganz nach den in dieser Partei gebräuchlichen Begriffen zu taxieren belieben. So erhält die„Münchener Post" Mitteilung über einen Vorgang, der sich dieser Tage in einem von Rosenheim kommenden Schnellzuge abspielte. Die dritte Wagenklasse war so überfüllt, daß die Reisenden— darunter auch Damen— in den Seitengängen stehen mußten. Es wäre unter diesen Umständen Sache des Schaffners gewesen, den Reisenden die leeren Abteile der höheren Wagenklassen anzubieten. Statt dessen beeilte sich der Schaffner diensteifrig, allein einen Geistlichen, der noch dazu schon einen Sitzplatz in der dritten Klasse innehatte, zum Platznehmen in der ersten Klasse zu bewegen. Daß sich dadurch die übrigen Passagiere, deren Geld ebenso rund ist, zurückgesetzt fühlten, ist ganz begreiflich. Auf einen Vorhalt hin soll der Beamte dann geäußert haben, daß die Herren Geistlichen ein Vorrecht vor den übrigen Fahrgästen besäßen! Erst auf wiederholten Protest gegenüber einer solch eigentümlichen Auffassung soll der Beamte huldvollst genehmigt haben, daß auch die übrigen Passagiere, die Feinen Platz mehr in der dritten Klasse fanden, die höheren Klassen benutzen durften. Kleine Notizen. Durch Brandstiftung wurde die zum Dominium Jahnsfelde in der Marl gehörige Wassermühle eingeäschert.� In der Nähe der ersten Brandstelle zündeten die unbekannten Täter da? Wohnhaus einer Ziegelei an. Die Bewohner konnten nur daS nackte Leben retten. Bei dem zweiten Brande sind 280 Stück Geflügel ver« bräunt. Ein Familiendrawa spielte sich am Donnerstag vormittag in Hamburg ab. Der Oberpostassistent Löser durchschnitt seinem fünfjährigen Sohne den Hals, brachte seiner Ehefrau Schnitt» w u n d e n a m H a l s e bei und versuchte dann, sich selbst durch Oeffnen der Pulsadern das Leben zu nehmen. Das Kind ist tot. das Ehepaar wurde schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Mit einem Balkon abgestürzt. In der Georgstraße in K ö n i g S» b er g ist der Bahnbeamte Fallack, der sich mit seinem vierjährigen Sohne gerade auf dem Balkon seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung befand, mit dem Balkon auf die Straße gestürzt. Der Knabe wurde durch den Sturz getötet, der Mann erlitt schwere Verletzungen. Bei dem Brande eines in Seifhennersdorf an der böh- mischen Grenze gelegenen Bauerngutes kam der Besitzer des Gutes bei den Rettungsversuchen in den Flammen um. Die voll- ständig verkohlte Leiche wurde nach Wegräumung der Trümmer ge« borgen. Bei den Rettungsarbeiten wurden auch zwei Feuer» wehrleute schwer verletzt. BergmannSlos. Auf dem Kohlenbergwerk Trifail in Böhmen wurden beim Abräumen zehn Arbeiter von Gesteins» Massen verschüttet. Eiyer von ihnen ist als Leiche geborgen worden. Man befürchtet, daß auch die anderen Verschütteten dem Unglück zum Opfer gefallen sind.— Im Braunsteinbergwerk bei Waldalgesheim ist eine Schachtabsperrung ein» g e st ü r z t. Ein Arbeiter erlitt dabei lebensgefährliche Verletzungen, mehrere andere wurden weniger schwer verletzt. Bntftupten der Redahtton. »U InrNItldlf Evrrchftunde finde» Ltndenftrah« fftr. YS, vorn vier?revveu— Nabrfiuhi—, wo-dentäglich von 4'/t btS?>/, Übt abends, Eonnadcnds von 4'/, bis 0 ilh, nachmitiags flau. Neder für den Briefkasten b rstim inten jlufra». ist«»> Buchstabe und ein- Zabi alS wierk» reichen beuufügeu. Briefliche itliinuuri wird nidil erteilt. Eilige fragen»rage man in der evrechftuiid- bot. M. 33. 1. und 2. Nein.— P. A. 9g. 1. Fragen Sie einen Arzt. 2. Ja, Verkälts in Deutschland unzulässig.— C. P. 52. 1. Anmeldung beim Amtsgeiicht Berlin. Mitte. Außerdem Tausschein. Bei Mischehen wird sür die Frau die Hälfte der Steuer, die der Mann zu zahlen verpflichtet wäre, jelt. erhoben.— K. W. 55. 1. Ja. 2. Die richten sich nach dem Ob- Verkanl nur Im Fabrlkgcbiladc! Sie sparen Qeld! öbel Engrospreisen « der Möbelfabrik iH. Walter iA:Willi Maaß, i •35 kein laden Tel.: A.III, 5157"st. kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebiindo— nur eigenes Fabrikat.— Aul Wunsch Teilzahlung. 35 em Permanente Musterzimmer-Ausstellung, ggg 35 i Vcrmifztcr Tampfer. Der deutsche Dampfer„Margarete Ruß", der am 21. Juni dieses Jahres mit einer Holzladung von Norfolk im Staate .....- Virginia nach Amsterdam abgegangen war, hat seinen Be- «erantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke. Berlin. Drück».«erlag-vorwärt« Buchdruckerri u.Ärrtag»anftalt Bau! Sing»»«o. Berlu» SÜk Teilzahlung liefert auf bequeme bei kleinster Anzahlung in bö- kanntcr Glite* (mit grsüter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E.CobD,Gr.FraiikIiirterstr.58 8f.205. 27. ZahkMg. 2. Idlap des Jotinöiio" Knlm pIMnlt Freitag. 2 September l91y. Die Wahlen ergaben folgende Nefultate: Es wurden gewählt Die internationale BauarbeiteiHonferei« beendete am Montag nachmittag ihre Arbeiten. Es wurden folgende Beschlüsse von allgemeinem Interesse gefaßt: Der internationale Sekretär hat alljährlich einen Bericht über den Stand der EntWickelung der Organisation der Bauarbeiter aller Länder zu erstatten. Nach Bedarf soll er für besonders große Kämpfe der Bauarbeiter und über die innere Verfassung der Ver- bände berichten. Eine Resolution auf Verkürzung der Arbeitszeit in allen Ländern wurde einstimmig angenonimen. Der Kampf um dieses Ziel soll nach Maßgabe der Verhältnisse und Kräfte jedes einzelnen Landes geführt werden. Zum Sitz des Jnternaiionalen Sekretariats wurde wiederum Deutschland gewählt und Bömclburg einstimmig wieder zum internationalen Sekretär ernannt. Zur Deckung der Unkosten des internationalen Bureaus soll ein Beitrag von 2 Pf. pro Jahr und Mitglied von den angeschlossenen Organi- ganisationen an das Internationale Bureau abgeführt iverden. Die Berichte des internationalen Sekrekärs sollen in vier Sprachen und zwar in deutsch, französisch, italienisch und schwedisch veröffentlicht werden. Auch wenn der Internationale Sozialisten- und Gewerkschafls- kongreß beschließen sollte, nur alle fünf Jahre zu tagen, soll die nächste Internationale Bauarbeiterkonferenz schon im Jahre 1913 abgehalten werden._ Hus der Partei. l Ein neues Parteiblatt in Württemberg. In Hohen st aufen tagte am letzten Sonntag eine außer- ordentliche Generalversammlung dcS Wahlkreises Göppingen, die von 67 Delegierten auS 22 Orten beschickt war. Den wichtigsten Punkt der Beratung bildete der Antrag des Kreisvorstandes auf Schaffung einer eigenen Zeitung für den Wahlkreis.� Nach einem ausführlichen Referat über die mit dem LandcSvorstand und der Gesellschaft„Schwäbische Tagwacht" gepflogenen Verhandlungen be- schloß die Versammlung einstimmig die Herausgabe einer eigenen Zeitung ab 1. Oktober ISlO. Sie führt den Namen„Freie Volkszeitung", Tagblatt für die Oberämter Göppingen, Gmünd, Schorndorf und Welzheim und wird vorläufig in Stuttgart gedruckt. Zum Redakteur wurde Her pich-Göppingen gewählt._ Kreiskonfercnzrn. In Mülheim am Rhein tagte die Kreiskonferenz für den Wahlkreis Mülheim- Wipperfürth- Gummersbach. Nach dem Bericht des Vorstandes umfaßt der Kreis 17 Ortsgruppen mit zusammen 2l65 männliche» und 195 weiblichen Mitgliedern. Die Mitgliederzahl ist gestiegen. Die„Arbeiterjugend" hat 225 Abonnenten. Im Berichtsjahre fanden 5 Kreiskonferenzen. 243 Mitgliederversammlungen, 217 Volksversammlungen und fünf Frauenvcrsammlungen statt. Bei der ReichstagSersatzwahl, die durch den Tod des Zentrumsabgeordneten de Witt notwendig wurde, sowie bei einer GemeindcratSwahl wurden 335 909 Flugblätter ver- breitet. Ferner wurden 17 599 AgitationSkalcnder verteilt.— Einschließlich eines Zuschusses vom Parteivorstand in Höhe von 8599 Mark zu der ReichstagSersatzwahl betrug die Gcsamteinnahme 21 974 M., denen Gesamtausgaben in Höhe von 19 942 M. gegenüberstanden. Die KreiSkonfcrcnz nahm zum deutschen Parteitag Stellung. Nach kurzer Debatte wurde folgende R e s o In t i o n mit allen gegen drei Stimmen angenommen: Das Vorgehen der badischen Landtagsfraktion in Sachen der Budgctabstimmung sowie das Verhallen gegenüber dem badischen Staatsoberhaupt wird mit Recht als Disziplinbruch betrachtet und fordert die schärfste Verurteilung heraus. Die KreiSkoufcrenA be- trachtet diesen Disziplinbruch als einen sich gegen die Einhert der Partei richtenden Borstoß, der durch nichts gerechtfertigt werden kann. Die Parteigenossen hoffen, daß der nächste Parteitag Mittel und Wege findet, die Wiederkehr derartiger Vorkommnisse zu unterbinden. Als Delegierter zum Parteitag wurde Genoffe M e i tz gewählt._ Brandenburger KreiSkonferenz. Die KreiS-Generalversammlung für den ReichStagswählkreiS Zauch-Belzig'Jüterbog»Luck.enwalde, die am letzten Sonntag in Beelitz abgehalten wurde, war von 39 Delegierten aus 17 Orten besucht. Ferner nahmen an den Verhandlungen außer den Vor standsmitglicdern teil die Genossen Zinke(Agitationskommission), S ch w e m k e als Vertreter des 2. Berliner Wahlkreises und Redalteur Prien als Vertreter der„Brandenburger Zeitung". Den Jahresbericht, der sämtlichen Delegierten gedruckt vorlag, erläuterte der Vorsitzende Gen. Jahn- Luckenwalde. Aus dem Bericht ging hervor, daß die Auf- fordernng an die Genossen im letzten Jahresbericht, eine rege Agitation für Gewinnung neuer Parteimitglieder sowie zur Gewinnung neuer Abonnenten für die„Brandenburger Zeitung" zu entfalten, von Er- folg begleitet war. Außer der„Brandenburger Zeitung", die in 1972 Exemplaren verbreitet ist. werden im Kreise gelesen: der„Vov wärtö" in 126,„Wahrer Jakob" in 749, die„Gleichheit" in 39, „Neue Zeit" in 13 und„Arbeiter-Jugcnd" in 87 Exemplaren. Die „Fackel" wurde allmonatlich in 2476 Exemplaren, der„Märkische Landbote" in 18 159 und die Broschüre„Sozialistentöter Bülow im Deutschen Reichstage" in 2590 Exemplaren verbreitet. Der Kreis Wahlverein zählt zurzeit 17 OrtSvereine gegen 16 im Vorjahre. Ins gesamt gehörten den 17 OrlSvercinen am 39. Juni d. I. 2623 Mit g lieber an. In der sich an den Bericht anschließenden Diskussion wurde beschlossen, in Zukunft zw ei Drittel der Einnahme an die Kreiskasse abzuführen. An Stelle des ReichSlagSkandidaten Genossen Ewald- Berlin, der leider schon seit längerer Zeit krank ist. sprach Genosse S a i l e r> Luckenwalde über die nächsten NeichstagSwahlen. lieber den Magde> burger Parteitag referierte Genosse Gärtner« Luckenwalde, der dabei besonders auf die Wichtigkeit der Wahlrechts- und Genossen� schaflSfrage hinwies. Die wichtigste Aufgabe des Parteitages aber fei cS, führte Gärtner aus, unzweideutig gegen das Verhalten der badischen Landtagsfraklion Stellung zu nehmen, das als ein Disziplinbruch schwerster Art bezeichnet werden müsse. Genosse Gärtner plädierte sodann für die Annahme einer Resolution, in der verlangt wurde, der Parteitag solle die Diszipliubrecher ohne weiteres ans' der Partei ausschließen. Nach lebhafter Debatte, in der allgemein die Budgetbewilligung und Hof gängerei i» Baden auf das schärfste verurteilt wurde, fand schließlich folgende Resolution Annahme: Die Generalversammlung für den ReichstagSwahlkreiS Zauch- Bclzig-Jüterbog-Luckenwalde verurteilt den durch die Zustimmung zum Budget von der badischen LandtagSfraktion begangenen Disziplinbruch aufs entschiedenste, da dadurch die Einheit der Partei aufs schwerste geschädigt wird. Durch ihre Zustimmung hat die Fraktion nicht nur dem Klassenstaat ein Vertrauensvotum aus- gestellt und dadurch das sozialistische Endziel preisgegeben, sondern sie hat auck dunb ihre Teilnahme an höfischen Kundgebungen den republikanischen Charakter der Partei verhüllt und das demokratische Gefühl der Genossen verletzt. Die Versammlung verlangt vom Parteitag, daß er klipp und klar erklärt, daß die Nürnberger Resolution aufrecht erhalten bleibt und daß diejenigen, die dieselbe nicht anerkennen und dagegen handeln, sich ohne weiteres außelyalb der Partei stellen. Auf Antrag der Delegierten von Seddin nahm die Verfamm- lung darauf einstimmig eine Protestresolution gegen die Kaiser- «de an. Partcitagsdelegiertcn ernannte die Versammlung die Genossen S a iler-Luckenwalde und P a w e r a- Jüterbog, sowie ferner zum Ersatzmann Fiedler- Beelitz. Auf der Provinzialkonferenz wird der Wahlkreis durch die Genossen F i e d l e r- Beelitz, Kaiser- Dahme und H o e n i ck e- Jüterbog vertreten werden. Zum Vertreter des Lkreiscs im Provinzialvorstand wählten die Delegierten den Genossen Jahn- Luckenwalde. Nach Wiederwahl des bisherigen Vorstandes wurden mit den Acmtern der Revisoren die Genoffen Hoenicke- Jüterbog, Hillebrand- Treueubrietzen und L e h- mann- Dahme betraut._ Zur Budgetfrage. Der Genoffe B. H a m a n n- P f o r z h e i m von der Geschäfts- stelle des Mctallarbciterverbandes zu Pforzheim schreibt zu unserer aus Baden eingesandten Notiz in Nr. 292, worin behauptet wird, daß die Leitung der Pforzheimer Zahlstelle des Metallarbeiter- Verbandes auf die Tagesordnung ihrer Bezirksversainmlungcn das Thema„Die badische Budgetsrage" gesetzt und daß in diesen Ver- sammlungen der Referent die Sache des DiszipliubruchS vertreten habe, folgendes: „Wir stellen hier fest, daß in keiner einzigen BezirkSversainmlnng des Deutschen Metall- arbeiterverbandeS in Pforzheim über das Thema: „Die badische Budgetfroge" gesprochen wurde, auch keine einzige Mitgliederversammlung mit diesem The m'a stattgefunden hat; infolgedessen konnte auch der „jeweilige Referent" nicht die Sache des DiszivlinbrucheS ver- treten. ES ist deshalb auch die Bemerkung hinfällig, daß kein Gegenreferent„störend" wirken konnte. Unwahr ist ferner, daß der Unterzeichnete überhaupt Reseralc über dieses Thema gehalten hat, derselbe hat ieiner Meinung über die Budgetfroge lediglich in der zu diesem Zweck einberufenen Partciversammlnng Ausdruck gegeben. Es ist deshalb auch weiter hinfällig, daß von Pforzheim aus auf die Wahlkreiskonfercnz in Jspringen eingewirkt worden sei, da sich ja die Mehrheit der Delegierten ans den Landorten zusammensetzt. Sollte dem„VorwäctS"-Berichterstaltcr sticht unbekannt sein, daß in Gcwerkschastöversammlungen über„Politik" nicht gesprochen werden darf? Oder verfolgt derselbe durch diese Unwahrheiten einen bestimmten Zweck?" Wir haben den Verfasser der Notiz in Nr. 292 sofort auf- gefordert, sich zu dieser Zuschrift dcS Genossen Hamann zu äußern. Barteiliteratur. Der Weg zur Macht. Von Karl KautSkh. Von dieser Broschüre ist soeben im Verlag der Buchhandlung Vor- w ä r t S. Berlin LüiV. 63, die zweite durchgesehene Auf- läge erschienen. Im Vorwort der neuen Auflage unter- nimmt cS KautSkh, sich mit den Kritikern seiner Arbeit c�u seinander zu setzen. Der Preis beträgt broschiert 1,59 M., gebunden 2,— M. Die Volksausgabe kostet 59 Pf. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen und Kolporteure. pollzelllebes, Gmcbttlchca uftv. Verurteilung nach bewährtem System. Bor der Strafkammer des Landgerichts Halle a. S. wurde gegen den Genossen W. Leopold t vom„BolkSblatt für Halle" wegen Beleidigung des Bürgermeisters Regel von Mühl- bcrg a. E. verhandelt. Die Beleidigung soll in einem Artikel deS „VolkSblatteS" enthalten sein, in dem behauptet wird, daß bei der Ausstellung der Wählerlisten zur Stadtvecordnctenwahl in Mühlberg viele Arbeiter um ihr Wahlrecht gebracht worden sxien. In dieser Darlegung erblickte das Gericht den Vorwurf der Parteilichkeit wider den BiwGer- meister, obwohl sie die Tatsache der Wahlentrechtung ganz allgemein behauptete. Genosse Lcopoldt bot dem Gericht den Beweis für die angeführten Tatsachen durch acht Zeugen an. Die Ladung dieser Zeugen wurde abgelehnt, weil der Beweis unerheblich fei. Zur Bestrafung genüge der aus dem Artikel hervorgehende Vorwurf. Mit 5 09 Mark Geld- strafe glaubte das Gericht den Fleck auf der bürgerlichen Ehre ausgewischt. Revision wird eingelegt. Die Nichtannahme oder WertloSmachung von Zeugen spielt in Halle bei Verhandlungen gegen Parteigenossen, wie der jüngst mitgeteilte Fall deS Genoffen Dr. Liebknecht lehrt, eine große Rolle. Jugendbewegung. „Arbeiter-Jugend". Die soeben erschienene Nr. 13 bat unter anderem folgenden Inhalt: Das Wellparlament der Arbeit.— Ein Jahr Jugend bewegung. � Mein Zimmer aquarinm(Illustriert).— Nach dem Sozialistengesetz(Schluß). Von Wilhelm Schröder.— Für Mädchen schickt sich das nicht I Von Luise Zictz.— Aus der Jugend bewegung usw. Beilage: Vagabunden. Von A. Moosegard.— Unter den Naturvölkern Zentral-Brasilicns(Schluß). Wilhelm DittmerS Hamburger Hafeubilder(Illustriert).— WaS soll ich lesen? (Schluß). Von I. Borchardt.— Aus meiner Lehrzeit. Von A. Whsocki. � Gcißenhandel._ Hus Industrie und fjandel. Agrarische Wucherpolitik. Mit Liebesgaben aller Art— Schutzzöllen, Ausfuhr- Prämien, Steuerdifferenzieriuigen usw.— sind die Agrarier nicht zufrieden. Je mehr Wucherbeute sie einheimsen, um so größer ihre Habsucht. Eine recht charakteristische Beleuchtung erfährt die agrarische Bcutepolitik durch eine Zuschrift in der „Deutschen Warte"(31. August), die tvir im Juteresse der Konsumenten einer größeren Oeffentlichkcit zugänglich inachen wollen. Die Zuschrift lautet: „Vom Deutschen Teichwirteverein ist eine Sonderkommission für Fischverwcrtung gewählt ivorden. die Mittel und Wege ausfindig machen sollte, um die Lage der Produzenten zu besser». Diese Komniission, an deren Spitze der Vorsitzende de« Vereins, Herr Rittergutsbesitzer Conze und Herr Freiherr v. Eckardstein standen, hatte eS sich zum Ziel gesetzt, die gesamte Karpfenproduktion Deutschlands in eine Hand zu bekommen. Zu diesem Zwecke hat die Kommission an die Produzenten Kontrakte versandt, laut welchen sich jeder Produzent verpflichten sollte, seine gesamte Produktion an Karpfen und Schleien auf zehn Jahre nur an den Herrn Frciherrn v. Eckardstein zu liefern und zwar zu den Preisen von 58 bis 69 M. pro Zentner Karpfen und 95 M. pro Zentner Schleie. Für den 23. Februar wurde nun eine Versammlung der Produzenten nach Berlin einberufen, in welcher eine Vereinigung zustande gebracht werden sollte. Aber an diesem 23. Februar standen die Produzenten in Wirklichkeit bereits vor einer vollzogenen Tatsache und erfuhren, daß drei Mitglieder der Sonder- kommisston ihr Amt niedergelegt hatten und aus der Kommission ausgeschieden waren. Weiter wurde de» Produzenten bekannt, daß Herr Freiherr von Eckardstcin und Herr Conze bereits am 18. Februar eigenmächtig und in aller Eile die Großfisch- Handlung Kaumann Nächst.(A.-G) angekauft und die mit Herrn Freiherrn v. Eckardstein abgeschlossenen Verträge auf diese Firma übertrage» hatten. Am 19. Februar war bereits eine Generalver- sammlung der Aktionäre abgehalten und das Aktienkapital auf 1t/„ Millionen erhöht worden. Gleichzeitig wurden die Aktien, die aus 73 Proz. standen, auf 5 Proz. über Pari gesetzt. Hier ist also ein Riesengeschäft gemacht worden. Wer am 18. Februar im Besitze der Kaumannschen Aktien lvar, dessen Kapital ist über Nacht um ein Drittel bereichert worden. Hier finden wir also die Erklärung dafür, warum man die Mit« glicder der Sondcrkommission hat links liegen lassen. Die angekaufte Firma, die sich jetzt„Syndikat" nennt, schüttet nach dem Vertrage 39 Proz. deS Reingewinns bis zum höchsten Betrage von 4 M. pro Zentner an die Produzenten aus. Es bleibt also die Frage offen, in ivesscn Taschen denn die restlichen 79 Proz. deS Reingewinns fließen, die doch immerhin eine noch ganz bcträcht- liche Summe darstellen. Denn ergeben 39 Proz. den Höchstbctrag von 4 M. pro Zentner, so ergeben 89 Proz. den Höchstbetrag von 19 M. pro Zentner, und außerdem verbleiben noch immer 29 Proz. für AufsichtSrat usw. Dieses würde für die Produzenten ja einen Vorteil bringen, denn sie bekämen nickt mehr 58 bis 69 M. für den Zentner Kalpfen, sondern 68 bis 79 M. Man sieht aber, die ganze Transaktion ist nach der Form der Reichsfinanzreform zugeschnitten. Auch hier sollen nur die Taschen der breiten Masse erleichtert werden. Nach dem Vertrage ist nun jeder Produzent berechtigt, auf je 199 Morgen Teichfläche eine Aktie von 1999 M. von dem Syndikat zu beziehen. Alle Teichwirte, die unter 199 Morgen Teichfläche be- sitzen, sind vom Bezüge der Aktien ausgeschlossen. Wer aber keine Aktie besitzt, hat auch keinen Zutritt zur Generalversammlung der Aktionäre; das Syndikat ist also nur für etwa 3 Dutzend Groß- Produzenten geschaffen, denn etwa zwei Drittel der gesamten .Teichwirte Deutschlands besitzen weniger als 199 Morgen Teich- fläche. Auf die Frage, warum man die Majorität der deutschen Teich- wirte vom Bezüge der Aktien ausgeschlossen habe, gab der Vor- sitzende, Herr Conze, zur Antwort:„ES würde dicS zu weit führen." Das Geldgeschäft besorgen diese Herren allein. Der„Veredelungsvcrkchr" dient den Agrariern als Argu- mcnt bei der Verteidigmig der Getreideausfuhrprämte; an- geblich lassen sie sich bei der Politik, die die Fleischpreisc zu schwindelnder Höhe hinauftreibt, von sanitären Rücksichten leiten. Man darf nun gespannt darauf sein, welche edlen Motive die Junker für ihre Karpfenpolitik ins Feld führen werden._ Die Hausse am Banmwollmarkt. Die neue Preishausse, die am 29. August die Baumwollpreise von 16.99 auf 19,75 Cents am New Dorker Baumwollmarkte hinauf- schnellen ließ, hat das Preisniveau des wichtigen Textil« rohstoffeS auf einen feit der Zeit des Bürgerkrieges unerreich- baren Stand getrieben. Verfolgt man die EntWickelung der Baumwollpreise im letzten Jahrzehnt unter Fixierung der Tief- und Hochpunkte der Preiskurve, so zeigt sich deutlich, welch' starke Verteuerung der Rohstoff Baum- wolle im letzten Jahre erfahren hat. Im Jahres- bezw. im Monats- durchschnitt stellten sich nach den amtlichen Notierungen die Groß» Handelspreise für den Doppelzentner Baumwolle an den beiden wichtigsten deutschen Marktorten in Mark wie folgt: 1899 1904 1999 Juli 1919 Bremen. Middl. Upl... 67,39 124,30 119.75 150.75 „ Good Omraw. II 54,89 96,39 91,92>06.59 Hamburg. New Orl. Middl. 63,19 125,49 119,33>50.15 Die Preistreiberei und Teuerung am Baumwollmarkte wurde in den letzten Jahren ständig durch die großzügige amerikanische Spekulation und weniger durch die tatsächliche Marktlage geschaffen, die sie allerdings im letzten Jahre erheblich begünstigte. Die ge« ringen Vorräte und die wenig befriedigenden Ernteergebnisse er- leichterten den kapitalkräftigen Führern der Hauffepartei, Patten, Brown. Hahne und Scales wesentlich den Ueberblick und die Herr- schaft über den Markt. Die ägyptische Baumwollernte war quantitativ und qualitativ hauptsächlich infolge des Auftretens des Kapielwumts hinter dem durchschnittlichen Ergebnis der letzten Jahre zurückgeblieben. Die Baumwollverbraucher haben ihre Bezüge auf Grund der bestehenden Rohstofftcuerung wesentlich eingeschränkt, wie die nachstehende Gestaltung der deutschen Baumwolleinfuhr beweist: Indexziffer LaufeitdeS Jahr Dezember.. Januar... Februar.. März... April... Mai.... Juni»»»» Juli.... Dezemver-Juli Mit dem Vorjahr 199 190 190 199 100 199 199 190 109 Nähcrrückcn 86.4 92,7 72,1 84,5 89,7 83,2 96,9 92,7 83,3 des Absolut in Doppelzentnern Laufendes Abnahme gegen Vorjahl — 78 694 Jahr 498 663 486 384 411997 355 175 866 843 399 795 290 897 241 867 2 951 636 ErutebcginnS rm 39 269 159 472 65 929 68 596 69 813 9 924 19 995 494 758 August nimmt zwar immer die Versorgung Deutschlands mit Baumwolle ab, aber der Vergleich gegenüber dem Vorjahr ergibt deutlich die in den letzten acht Monaten infolge des VaumwollcoruerS gezeitigte Ein- schränkung der deutschen Vaumwollindustrie. „Gehorsamer Diener". Die Regierung hat für die Leiden und Schmerzen des Privat- kapitals Verständnis— sie fühlt sich selbst als Privatunternehmer und bekämpft daher mit den Kirdorf, SttnneZ, Thyssen usw. die Forderung eines Reichs bcrggcsetzes. In Aachen wird ein so- genannter Bcrgmannstag abgelzalten. Natürlich war Handels- minister Sydow da. Und er erwies den Kohlcnmagnatcn als Re- gierungsvcrtretcr und als gleichgestimmter Unternehmer feine Re- vercnz. Also sprach er: Sein Gruß gelte in erster Reihe den Vertretern staatlicher Bergwerksverwaltungen aus den außerpreußischen Bundesstaaten. Es sei nicht zu verkennen, daß sich die Erkenntnis von der Not» wcndigkeit des Zusammengehens in Bergwerisfragen immer mehr breit mache, und das bisher Erzielte zeige, daß wir gute Erfolge haben, ohne daß wir im Besitze eines Reichsberggesetzes wären. In zweiter Reihe gelte sein Gruß den Leitern und Besitzern der Privatbetriebe, mit denen die staatlichen das Gefühl der Soli- darität verbinde. Der Staat sei ja gewissermaßen auch ein pri- Vater Unternehmer und empfinde die Schmerzen mit, unier denen . die Privatinteressen leiden. Er beteilige sich daher auch gern an den Bestrebungen zur Befferung der Verhältnisse. Redner schloß mit dem Wunsche, daß der Tagung ein voller Erfolg bcschieden sei. Das wird man sich merken. Herr Shdow hätte auch sagen können: Meine Herren, Sie sind die Herren, befehlen Sie, wir gehorchen I_ Cln*■*• �VV»W|VV» Zu beziehen durch die BllC!l!Ujl(|. VOFWärtS,«T. Pappel-Allee 11, unmittelbare Nähe Schönh. Allee, Restaurant, de- stehend aus 3 Lädeir, grober Küche, Kammer, Speisekammer, Schlafzimmer per sofort zu vermieten. 95/18* l Armin- Hallen □ Kommamianten-Str. 58/59. □! A. IV. 10153.| Sonnabende u. Sonntage diesen I und nächsten Jahres noch f r e i 1 1 Leser dieses Blattes wissen, aus welchen Gründen Slfe' Cigaretten zu bevorzugen.sind, 393L* Theater und Vergnügungen Freitag, 2. September. Ansang?>/, Uhr. Neues königl. Operu-Xheater. Lohengrin.(Ans. 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Kolberg. Lessing. Das Konzert. Berliner. Musikantenmüdel. Ansang L Uhr. Deutsches. Simson und Delila. Kummerspiele. Gyges und sein Ring.(Ans. S Uhr.) Komische Oper. Tiesland. Kleines. Luxuszug. NeueS. Das gewisse Etwas. Nesiden». Gretchen. Stcnes Schauspielhaus. Ihr letzter Brief. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller U. lüttnaim- Tdealer.) Die zärtlichen Verwandten.— In Zivil. Schule,«harlottenbnrg. Der Bibliothekar. Berliner Bolksoper. Alt-Heidel- berg.(Anfang 8'/, Uhr.) Luisen. Im Spätsommer. Hebbel. Die Wespe. NeneS Operetten. Der Gras von Luxenlburg. Lustspielhans. DaS Leutnants- mündel. Herrufeld. Die Welt geht unter, Wenn zwei dasselbe tun. itloic. Ein seltsamer Fall. Triauon. Pariser Witwen. Jolics Eaprice. Der Schimmel.— Das alte («lnsang 8lU Uhr) Pulilman». Verbotene Wege.(An- sang der Spezialitäten'/«O Uhr.) Metrovol. Halloh II--- Die groge Revue Kaslno. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. Paiiaac. Spezialitäten. SirichSballe». Steitinec Sänger. Walhalla. Spezialitärcn. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverlnnd. Spezialitäten. Prater. SchützenliSll. Voigt. LebesiSwellen. Elternlos. Alax Klicui. Spezialitäten. Volto garten. Rosen aus dem Süden. Urania. Tanveuiirahe IXtsp. Abends 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Sterutvnrre. Jnvalidenstr. 57—62. Scliiller-Theater. Sehiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Der Bibliothekar. Schwant in 4 Alten v. Gustav Moser. Ende 10>/, Uhr. Schlller-Thoater 0.(Wallner-Thcat.) Gotfscheld-Opcr. Freitag, abends VUHr: Die»Urtiieh. VerrvanUten. Lustspiel in 3 Aujz. von R. Benedix. Hieraus: In iküvii. Schwank in l Akt v. Gustav Kadelburg. Ende IC'/. Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Waileneteins Lager. Die Picoolomini. Sonntag, nach m. 3 U h r Der Bihiiothekar. Sonntag, abends 0 Uhr; IVaiienstein« Lod. hetto. l.essin�-l'keatsr. 8 Uhr: DaS Konzert. Sonnabend 8 llhr zum 75. Male Tantris der Rarr. Sonntag 8 Uhr: Hedda Gabler. Beflinei* Theater. Heute 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese ° Das Mußkantenmädel. Him Theater. Täglich Das gewisse Etwas. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschiedene Frau. Sonnt. 31/, Uhr: Ein Walzertraum. Xones Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Alt. von A. M. Willner u. R. BodanSly. Musik v. Franz Lchär. Lustspielhaus. AbendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Frledrlch-Wiliielmstadtisches Schauspielhaus. Freitag, den 2. Sept., abends 8 u.! JF ailSte Tragödie v. Goethe. Sonnab. z. l. Make: Biederlente. Sonntag: Biederleute. Monmg: Flaust._ IOSE=THEATE Trianon-Theater. Heute u. folgende Tage(Ans. 3 Uhr) Pariser Witwen L.iiisen-Theater. Premlere Premlere Im Spätsommer. Lustspiel in 3 Akten von F. Lunzer. Sonnabend: Egmont. Sonntag nachm. 3 Uhr: Else vom Erlenhof. 0 Uhr: Die schöne Uawivi» Moni oiilag: Egmont« MW» Die grüstten Schlager der letzten Saison: Menn zwei dassklbe tun und Die Welt geht unter mit Anton und Donat Herrnfeld. Loroerlaus 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntag, 4. Sep.. nachm. 4 Uhr: Wenn zwei dasselbe tun. Groge Franlsürler Str. 13: Ein seltsamr|nll. LZJWnsn. 8 Uhr. Ende 10'/, 11 Ans der Gartenbühne: Tlnsang 4>/, Uhr. Theatervorsl., Spezialitälen. Neues Programm b. IS. September. 1 8 Uhr: Die nenea Spezialitäten. Ö'/a Uhr I Verbotene Frucht. Komödie in l Att v. Michael ProvinS. Anme Vara— Ludwig Mertens a. G. (In Hamburg feit S Monaten vor auSvertäusten Häusern u. Stadtgcspr.) Ferner K weitere für Berlin Voll ständig neue Zlttrnktiouen. MelropoI-TIiester Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Fround. Musik v. Paul lincka. In Szono gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. der bestbekannte Oporetten- Star. Volksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bcllermannstraße. Täglich; Rosen aus dem Süden. Posse mit Gesang und Tanz von W. Gehricke. Spezialitäten ersten Ranges usw. Kerlinkr Pruter-Thellter Kastanlenallee 7—8. Heute: Der Bettelstudent von Berlin. Konzert und Bali. Uhr. Entree 30 Ps. 8. Sept.: Cr. Kinderfreudenfest. Spezialitäten, Anfang i'i, 1 1- ▲lt-noabit 47/40. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. Casino-Theater Lothringer Strafet 37. Täglich 8 Uhr. Die urtomifche Posse Der slhukidige Rudolf. Rudolf Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten NangeS. Sonnt. 8'/, Uhr: Derjioohmutsteufe� Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 3 Uhr. iMtrctchcii. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipjchütz. Morgen u. folg. Tage: Gretchen. Mittwoch, den 7. Sept., z. erstenmal: Noblesse oblige. Sonnabend, abends 8 Uhr: Llubulv und I-lcbv. Sonntag, stiachm. SUhr: LStnont. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Bibliothekar. Urania. Wissensohaftüchea Theater. Taubenetraile 46/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. 40 d» dfe* A Mi«k d»«h« dB«h A Est** A«h A«h l Passage-Theater, i Früfl'anng der Winter-Saison!; Ciaire Waldoff> mit neuen Schlagern von Walter Kollo. v ULI WW«»VF.» Collins 10 eng» k « lisch. Backfische. z Georye BaiTinglon. ( Fiv Pawels Exp. Skolch. U 12 Varieih• Starnummern. J | Passage-Pauoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Vouhr-7 Vitascop- Theater Ayusnoptteum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Voigt-Theater Gesundbriiimen Badstr. 58 Frciiag, den 2. Sept., llß Uhr: Bortetztc Vorstellilng. — Lebenswellen. Gr. Lebensbild mit Gesang u. Tanz in 4 Alten von H. Willen. DaS gr. Skptombrr.Progrnmm. Kasscnerösfnung 2 Uhr. Ans. 4'/, Uhr. Folies Canrice. Heute Freitag 8'/4 Uhr: fremiere. Der schwarze Schimmel. Posse von Glinger und Taussig. Bmiter Teil. Das alte Ghetto. Posse von Malvine Müller. fnhltnanns Theater Schönh. A. 148— Kastanien A. 97/99. AbendS 8 Uhr: Verbotene Wege. Familienbilder aus dem Volksleben. Drogrumnmeelisel. Die ueuksttn Speplitüten. des Konzerts l/j5 Uhr. er Vorstellung>/.S Uhr. Enkree 29— 60 Ps. Burgtheater- Kinemategraph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 39 u. 49 Ps., Kinder dieHälste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Verzugskarten, nur wochcnt. gültig, 35 Ps. aus allen Plätzen. Stets wecks. Progr. Jcd. Sonnt, i. Obersaal: Künstlerkonzert. Entree IS Pf. Garderobe 19 Ps. N. d. Konzert: ramilien-Kriinzohen. Täglich: Fsreikonzert SM Kottbuser Tor. rrössDuvgs-Voi'slellvvg Frvltux, dvuL. September: Premioro der Berliner Posse: Nu hat's geschnappt von Oskar Sabo. Musik von Paul Lincke. Vorher: Das große Yurlctö- ErOlTnnDgh-Progrnnim. % 1- 1. Kreis Agitationsbezirk der Provinz Brandenburg Sonntag, den 4. September 1910: »»»» Oroßes Kreis-Fest€«€«« im Etablissement„NeusSeeland"(Wwe. Schonert) in Stralau (mit der Stadtbahn und der elektrischen Straßenbahn bequem zu erreichen). Kunst- und Reigenfahren, ausgeführt von Kundesvereinen. Großes Cartenkoiizert» Spezialitätenvorstellimg» Feuerwerk» Ball« Festrede. Nachmittags 3 Uhr: Großer Bllimetl s KOfSO» Nachmittags 3 Uhr! Jedes Kind erhält an der Kaste einen Bon für den Empfang einer Stocklalerna gratis. Die Kaffcekücho steht den geehrten Damen von LUbrab snr Verfügung, Anfang 2 Uhr. Billett 20 Pfennig. Anfang 2 Uhr. NB, Der Start für die Bundesvereine zur Korsofahrt ist nachmittags 2>/z Uhr im Restaurant Mielke, Lichtenberg, Möllendorfstraße 14. 12/5 Der Kreisvorstand. I. A.: Franz Preuß. Gr. Berliner tetaiisstelliing 1810 30. April bw 2. Oktober. Im Part täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-8 Uhr l M.. B. 6 llhr ab 50 Ps., Sonntags 50 Pf. Dauert. 6 M. TERRASSEN HALENSEE 6 riSter TergnOgungspark des Kontinents. Sensationella Attraktionen, Tranalateur- und Militär- Kapellen, Oberbayerische Sänger und Schuhplattler. Neu! das acht« Weltwunder. Tiiiiajgra. Eintrittspreis 50 Pf. Sensationeile Attraktionen Translateur- und Franzer-Konzert. Oberbayerische Sänger u. Schuhplattler. Freitag, den 8. September: Mfilltiir-Doppelkouzert. Großes musikalisches Seblachtengemhlde. Sonuabend, den 3. September: Elitetag Zweites Sommcrfcst dem SveUschen KSäimergesangvereins Stellv. Chorra. Lohrer Robert Riohter. Passagterfahrt des Ballons „Carola" unt. persönl. Führung der berühmt. Luits chillerin Küte Paulas. �KageBleni Msstellunushallen am Zoo Kicsen-KInematograpb. 6— U Uhr. Banchcn überall gestattet '�/»iOSSSCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- w Doppel-Konzert Eintritt I Mark, von abends 6 Uhr ab 50 Ps., Kinder unter zehn Jahren die Hülste. aiuius Cyrill Halle Pankow, BÄr Ecke Binzstraße. nächst Schönhauser Allee. Freitag, 2. abends 8'/«"Uhr: Clown- und Komiker- Abend. Sonnabend t Gala-Sportabend Fernrut: A. Pankow 421 ii Kliei Simerlttr und Festsäle. Inh.: Budolt Krüger. Hasenheide 13/15, vis-a-vis v.Turnpl. TUgllch: Große Theater- 11. Spezialitülen- Artist. Leitung: Walter Grävenib, Kapellmeister: Max Wolffhelm. Joden Donnerstag: EUte-Tag! Anfang; Wochen!. 6 Uhr, Sonnt.'yi Uhr. Berliner Volksoper. Heute>/,9 Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: Alt-Heidelberg. w aUraMa kariett Thealer 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor, Anfang S1/. Uhr. Die amüsanten Spcnt alttaten. Karl HaTeriand- Alchang Theater präz. 7l/,U. 77/79 Kommandantenstrafee 77/79. Das lonuderschöne Königstadt-Sasino. Holzmarktslr. 72, Ecke Sllexanderstraße. Wtederaustreten von Tran? Sobanski. Dazu das auserlesene Sept.-Pragr. Der Herr Bankier. VolkSstück m 1 Akt von Max Lenther. aioakltsn Äielelzlr. Ii Emileüer Str. 40. GrUBtcs Kientqnp-Theater Moabit». Wöchenkl. zweimal neues Programm. Täglich Vorstellung. Ansang ö Uhr. ItlcfisEilePriiHierT \\m Mk (Meysel, Britton, Schräder nstv.) Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Vereins-Zrauerei Rizdori. Hermanostr. 214/219, Oekonom: Max Wandt. Täglich: TM Gr. Militär-Konzert. Anfang wochentags 7 Uhr. , Sonntags 4 Uhr. Spree-Garten« Treptow. Heute Freitag: Große Sedanfeier. Monslar-Sciilaciilmtisik. Militärkapelle— Tambourkorps. Festbeleuchtung. »MMleii S Barprämien M. OO, 40, SO. (Vorlage von Logitimations- papieron erf ordörGch laut aus- Anfang 6 Uhr. Entree 20 FI.| Legitimierten Veteranen Eintritt frei. Im Riesoneaal: Oroßer Ball.! Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnblitnm gegenüber tetnerlei Verantwortung. ZMMMcd.MM für den Köpcuicker Viertel. (Lczirl 203, Teil I.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schmied Heinrick Wenzel Falckensteinstr. 35 gestorben ist. Ehre seinciit Andenken! Die Beerdigung findet am Solinabend, den 3, September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des EmmaitS- Kirch- hoses in Nixdorf, Hermannstraße aus statt, 220,13 Um rege Beteiligung ersucht Der Voritaud, Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Metallarbeiter �uxust König am 30. August an Lungenleldc» gestorben ist. Die Beerdigung findet am Zonnabend, den 3, September, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemanes i Kirchhoies in Nieder-Schönhaizsen- Nordend aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Hohrer Karl Lckmidt am 30. August an Rückenmark- leiden. Die Beerdigung findet heule, Freitag, den 2, September, nach- mittags 1'/, Uhr, von der Leichen- halle des Mvabiter Krankenhauses aus nach dem Hcilands-Kirchhos, Plöhenjee, statt. Ferner starb unser Mitglied, der Schmied Heinrich Wenzel an, 31. v. Mts. an Lungenenl- zündung. Die Beerdigung findet am Soniiabend. den 3. September, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des EmmauS- Kirchhofes in Ziixdorf, Hermannstraße aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 121/2 Die OrtSvcrwnltung. Allen ürcundcn und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater, der Nestaurateur Bernksrä Lange am Dienstag, den 30. August, im 57. Lebensjahre plötzlich ver- starben ist. Dies zeigt tiesbetrübt mit der Bitte uin stilles Beileid an im Namen der Hinterbliebenen Witwe Hlm-Ie I.ange. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. aoeptember. nachmittags 5lls Uhr, von der Leichenhalle in der Bornitzstraße aus statt. 6S4b Sozialileiiiokrätiseb.ffablvereiD Nieder-Barnim. Bezirk Lichtenberg. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Rc- staurateur Bernhard Lange plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. September, nachmittags S'l, Uhr, von der Leichenhalle in der Bornitzstraße ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 238/15 Die Bezirksleitung. Sozialdeniokratiselier Wahlvereiii Bezirk Weißensee. Am 29. August verstarb unser Mitglied, der Stukkateur WcHartt Heine. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute nachmittag 5 Uhr von der Leichen- balle dcS Gemeinde-FriedhoseS in der Nölckcstraßc aus statt. Um rege Beteiligung bittet 238,14 vis Bezirksleitung. Sparklub Lustige Brüder. Am 80. d. MtS., mittags 11 Uhr. verstarb nach langem Kranken- lager unser lieber Sparbruder und Vereinswirt Etagen Lenk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 3. September, nachmittags 8 Uhr, von der Leichenhalle des alten Thomas- Kirchhofes, Hermann- straße, aus statt. Mittwoch, den 3l. d. M. ver- starb nach langem Leiden unser guter Sohn und Bruder Mi im Atter von 15 Jahren. Dieses zeige» ticsbetrubt an Familie August Vogctsang. Die Beerdigung sindet Sonn- abend nachmittag 5'L Uhr aus dem Kreuzkirchhof, Manendors. statt. S60b Tanksaguna. Für die Beweise herilichster Teil- nähme bei der Beerdigung unserer lieben Mutter IVieu Henriette tiranis sagen wir allen Verwandten und Bekannten sowie dem„Sänger- chor Süd-Ost" unseren imiigslen Dank. 6525 Familie Grams. Mml-Gkuossenschaft Keriia. Eingetragene Gcnossenichaft mit be- schränkt«r Hajtpslicht. Sonntag, d. 11. September d. I.. nachmittags 2 Uhr, im Lolal v. Krone. Likgnitzer Str. 17: Ordentliche General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftsbericht und Bericht des AiisstchisrateS. 2. Dislulston. 3. Wahl für die ausscheidenden Bor- stands- u»d Aussichtsratsmitglieder. 4. Geschästliche Angelegenheiten. 5. Verschiedenes. Der Borstand. 289,14 Richard Linder. Ludwig Erll. JerUnep IrMler- Raölalirer-Fereiir Mitglied deS Arbeiter» Radsahrcr-Bundet .Solidarität". Touren zum Sonntag, 4. September. 1. Abt.: 7 Uhr: Wannsee(Frei- bad). 1 Uhr: Familicutour Schmar- gendors(Schützenhaus). Start: Bü- lowstraße 58. 2. Abt.: 7 und 12>,z Uhr: Zwiebusch sBerliner Schweiz). Start: Fontane- Promenade 18. 3. Abt.: 6 Uhr: Fürstenwalde (Henze). 1 Uhr: Richtershor». Start: Mariamienplatz. 4. Abt.: 7 Uhr: Wcrlsce(Damps- schiff). 1 Uhr: Hirschgarten(Wilhelms- hos). Start: Küstnner Platz. 5. Abt.: 7 Uhr: Finkcnkrug. 1 Uhr: Pichclswcrder. Start: Elhftmn. ö. Abt.: 1 Uhr: Familicutour nach Hirschgarie»�(Wilhelms hos). Start: Oderbergcr Sttaßc 28. 7. Abt.: 6 Uhr: Kremmen(Papproth). 2 Uhr: Hciligensee(Heiligen- leer Schweiz). Start: Kösliner Straße 8. 8. Abt.: 7 Uhr: Streifzüge durch den Grunewald. Endziel Steglitz. 12',, Uhr: Steglitz(Birkenwäldchen). Besichiigung des Botanischen Gartens. Start: Waldstr. 8. O.Abt.:1 Uhr: Lichtenrade(Deter). Start: Schillingilr. 15. 10. Abt.: 7 Uhr: Finkenkrug. 1 Ubr: Pichetsweider(Freund). Stars: Weberftr. 6. Lichtenberg: K Uhr: Streifzüge durch den Blumenthal. Treffpunkl: Tiefen- see. 1 Uhr: Petcrshagcn. Start: Psarrstr. 74. Ilrbritenachweis: BerwalnnigSstclle Berlin. Hniiptburcau: Hos l. Amt 3, 1289. CbantsstraBe 3. Hos III. Amt 3, 1987. Sonntag, den 4. September, vormittags lO'/, Uhr: ¥ erisaminlnug) aller in den 8maUlewe�ken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen im Gewerkschaftshause, Engelufcr IS, Saal 3, TageS-Ordnnng: 1 Bortrag des Kollegen Fiedler. 2. Dtskusston. 3. Branchen- angetegeuheiten und BerschiedcncS. Kollegen und Kolleginnen I Bei der Wichtialeit der Tagesordnung ist eS notwendig, daß alle Emaillearbeiter und Arbeiierinnen erscheinen. 121,1_• Hie Ortaverwaltnns. Heute Freitag, abdS. 8'/, Uhr, im Gcwerkschaftöhausc, Engelnfer 14/15, Saal 4(Arbeitsloscnsaal): Sitzung depJDptsverwaBtung. =„Si!esia=Bad" 552* SchlesUcho Str. 81 AM- Alle Arten medlrlnlaebo BUdc'r- | lilcf crant aller Kassen. I O 0 o o o ö o o o ö o o; o o: o o o 0 o o o 0 o ö o 0 o o o 0 o o o o o o 0 o o o 0 o o o ö o o o o: o o o ö o o o 0 o o 0 o o 5 o 8 o 0 o o o 0 o o Die Hose. CWit die Mgtmeinheit dürfte es von Jutereffe sein, über dl« Entslehmigs» ■O gelchlchte der Hose näheres ,» erfahren. Die Hosen bilden ei» Kleidlmgsffück, das sckw» de» Babyloniern zur Einhnlluiiq der Hütten»ud Schenkel diente. Die alten Germane» halten in Adelwald, König der Lougvbardeu, de» erffen Träger von Beiiikleidern. Im Mittti»lt>r wechselte die Mode der„Unaue- spreclilickeu" imosern ab, als sie bald laug, bald kurz, bald weit, bald eng getragen wurden. Die Gallier wurde» von de» Römer» als das„behoste Gallien' verspottet, bis diese Sttte auch von den Römern selbst eingeführt wurde. In der Milte des t«. Jahrhunderts dürfte wohl der P.eis der Hofen am tenerstc» gewesen sein. Damals sind oft für ein Paar Beinkleider mehrere hundert Ellen Zeug verwendet worden. Die Beinkleider bestanden ans einer Uebersüllc dllnnen Seidenstoffes, der durch übercinalitergelcate Streifen gröberen Stoffes(»ianimm- gefügt wnrde, und die meist von Laudskiiechtc» ganz tiiorm gesteigert worden sind. Nachher habe» die höheren Stände diese Mode den Landsknechten ab- geiehen. Unbemittelte Leute, denen die Auichaffnngskosten zu hoch kamen, stopften ihre Hosen aus, damit sie den gleichen Umfang annehmen sollten, wie jene teuere», bis Jvaclstm It., Kmffürst von Brandenburg(gest. 1571), das Trage» dcrielbe» mit der Androhniig verbot, dak er für jeden Fall der Zu- Widerhandlung jedem, den er mit solchem Kleidungsstück träfe, dasselbe auf- Ichiieiven lasse» würde. Eine lösche Bestrafung traf auch in mehrere» Fällen ein. Später kamen in Frankreich und England»eben den weilen Lang hosen die kurzen Rollhosen zur Geltung. Die jetzige Faffou wnrde unter den, Name» Pantalo»« in der fra» löst scheu Nevolntiviiszeit(1789.1799) ciiigcführr. Borher wurden Pluderhosen mit Puffen und Schlitzen»nd mit Bändern und Knöpfen geschmückte Beinkleider gelragen. Den jetzigen modernste» Aufordernugen genügen Misere Modckünstlcr durch unwesentliche Abweichungen hinsichtlich des Schnitts. Die Firma Baer Sohn läßt es sich besonders angelegen sein, der jeweiligen Mode zu entsprechen. Einem Wunsche ans ihrem nach Zehnlansendc» zählenden Abnehmerkreise entsprechend, kündiat die Firma eine eigenartige Veranstalinng an. Eine Hosenwochc ist es, in der aus den lmgeheuren Bestände» au Beinkwidern. die ausreichen würden, die männlichen Bewohner des neuen Königreichs Montenegro einzukleiden, 10 000 Paar vom». bis zum 11. September zum Verkauf gelangen. An Preiswnrdigkeit ist man bis an die Grenze tcS Möglichen gegangen Die Veranstaltung soll den Zweck haben, dem Pnbliium die Leistungsfähigkeit in der Fabrikation großer Quantitäten vor Augen z» führe». Bei dieier Gelegenheit mag darauf hingewesen werden, daß die Firma Bae» Sohn die größte Betriebswerkstatc dieier Art in Denischlaud in de» nächsten Tage» errichtet, in der die modernste» rech« nischtnHiifeniitktljlirAnwendlmg geigng-n.— Beachten Sie gest. das morgigeJnserat. '"«h u> ,4»., Ö o c* O! ö 3 Ol o :o o o o 0 o o g o o 0 o o o 0 o o o S o o 0 o o o 8 o o 8 o o 0 o o o ö o o o 0 o o o 0 o o o ,ö o o o :o o o o 0 o o 0 o o o 0 0O60 oOoooOo 0 0O0 b'oOo 0 o'Oo oöb 0O0 o oO o bbOo bb'Oo obö'ob 0O0 o o Arbeiter« Berufskleidung. > Größtes Spczlalgcscliurt. Rohnen& Jöriug, fe�'t Alexanderstr. 12. 1 Fiandsbcrgecr Allee 148. Rixdorf: Borgstr. 60. 1 r Felix Jacob vor tu. Robert Blumenreich nicht mehr Grosse ntANKFunreR STmse sondern Beachten Sie mein morgiges Inserat! Tischler»Verein (E. 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