Kr. 806. HtenncmcntS'Bcdingungen: ItSornifment«■ Preis pränumerando; LiertcljShrl. 8�0 ÜJif., monall. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Pfg. frei inS Haus. Einzelne Nummer S Pfz. Sonntags» nunimer mit illusnierler Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemart, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien. Schweden und die Schweiz. 87. Jahrg. Crfchelnt täglich außer montags. ___ � Vevlinev Volksblntt. Die Tnlcrlions'GeMfjf Beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins» und VersammIungS, Anzeigen 80 Pfg. „meine Hnrcigen", daS erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Pfg.» jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sozialdcmoltrat ßcriin**, Zentralorgan der fozialdcmokrati leben partes Deutschlands. Redahtion: SM. 68. Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonnabend, den B. September 1910. Expedition: SM. 68» Lindcnstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV» Nr. 1981. Der Großblock gegen das Volk. Die Sammlung gegen das Volk hat begonnen. Die Köiligsberger Kaiserrede war das schmetternde Trompeten signal zu dieser Sammlung, die von der reaktionären Presse, der des schwarz blauen Blocks sowohl als auch der Rech ts liberalen, bereits seit Wochen und Monaten verkündet wurde. Die Vorübung zu dieser Politik der Samm lung gegen das Volk war ja schon unter der Protektion des Oberscharfmachers v. Zedlitz und des Künders der gott- gewollten Abhängigkeiten, des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten v. Bcthmann Hollweg, beim Wahl rechtskampfe gemacht worden. Mißglückte damals auch die Sammlung, so zeigte sich doch deutlich genug, auf welchem Wege sie zu marschieren gedenkt. Ihr Ziel war der Zusammenschluß aller bürgerlichen reaktionären Parteien zur Verhinderung auch nur der bescherdensten Wahlreform in Preußen. Ein starker Teil der Nationalliberalen war damals für eine Wahlreform zu haben, die nicht einmal das direkte Wahlrecht gewährte, und das schmachvolle Dreiklassensystem nicht nur unangetastet lassen, sondern sogar noch durch Be seitigung der jetzigen Drittelung nach UrWahlbezirken der schärfen wollte. Die Beschlüsse des Herrenhauses sollten nach dem innigen Wunsche dieser nationallibcralen Kreise die Erfüllung der Thronrede darstellen! Und ist auch das reaktionäre Kompromiß damals gescheitert, so ist es doch zweifellos, daß ein Kompromiß auf gleich reak- tionärer Grundlage, aus dem nur die Interessen- gegensätze zwischen Zentrum und Nationalliberalismus im Punkte der Bezirksdrittelung ausgemerzt sind, das Ziel jener Sammlungspolitik ist, die Konservative, Zentrum und Rechtsliberale gegen die Volksrechte zusammenschweißen»villi Während aus dem Gebiete der preußischen Politik die Hintertrcibung jeder halbwegs ernsthaften Wahlreform das Ziel dieser Politik der Sammlung ist, sind sich Kon- fervative, Zentrum und der gesamte Nationalliberalismus vollends einig über die wichtigsten Fragen der Reichs- Politik. Die Königsberger Kaiserrede hat ja wiederum das Evangelium der gepanzerten Faust, des uferlosen Wettrüstens verkündigt. Bei der Er- höhung der Friedenspräsenzstärke unserer Landarmee wird die gesamte Reaktion geeint gegen das Volk marschieren. Und dieselbe einheitliche Phalanx gegen das Volk, das end- lich eine Erleichterung oder mindestens einen Stillstand der unerträglichen Rüstungen verlangt, wird auch vorhanden sein, wenn es sich gleich nach den Reichstagswahlen um die Ein- bringung einer neuen Flottenvorlage handelt! Was noch an Differenzpunkten ztvischen Rechtsliberalis- mus und blauschwarzem Block aus den Tagen der November- dcbatten über das persönliche Regiment oder den Zusammen- stoßen bei der Reichsfinanzreform vorhanden ist. wird zu- r ii ck g e st c l l t werden gegenüber dem gemeinsamen Ziele, das V 0 l k um seine R e ch t e z u b e t r ü g e n und ihm neue ungeheuerliche militärische Lasten aufzubürden! Gegenüber dieser Politik der Sammlung der Reaktion wäre es s e l b st v e r st ä n d l i ch e P f l i ch t j e d e n wirk- lichen Liberalismus, den Kampf gegen die Reaktion und gegen die Sammlungspolitik sofort mit der größten Eni- schiedcnheit aufzunehmen! � Reichspolitik und preußische Politik stehen miteinander in innigster Beziehung. Ohne Ueberwindung der Reaktion in Preußen keine fortschrittliche Politik im Reiche, und ohne zerschmetternde Niederlage der Reaktion bei den im nächsten Jahre bevorstehenden Reichs- tagswahlen keine Hoffnung auf eine auch nur einigermaßen durchgreifende preußische Wahlreform! Ein Liberalismus also, der nicht geiraltsam beide Augen den Zeichen der Zeit verschließt, hätte deshalb die programmatische Kriegserklärung an das Volk, die aus der Königsberger 5iaiserrcdo so vernehmlich heraustönte, sofort mit dem wuchtig st cnAppellandasVolk, mit dem f l a ni m e n d st e n Aufruf zur S a ni in l u n g gegen die reaktionäre Großblock politik beant- Worten müssen! Ter Proklamation des Absolutismus hätte die Erklärung der Volksrechte entgegengesetzt tserden müssen. Die rücksichtslose Verletzung des im„Rcichsanzeigcr" gegebenen Versprechens strengster Wahrung der kon- stitutionellen. Pflichten wenigstens hätte den Freisinn zur kraftvollsten Gegenaktion auf den Plan rufen müssen. Als die Sozialdemokratie die Parole ausgab, daß sofort der Reichstag einzuberufen sei, um endlich jene konstitu- tionellen Garantien zu schaffen, die auch der Frei- sinn im Jahre 1908 gefordert hatte, glaubte sie kaum, mit dieser Forderung allein zu bleiben. Sie erwartete viel- mehr, daß der Freisinn sich dieser Parole sofort anschließen und dem von der Krone unter dem Beifallsgeheul der ganzn blauschwarzen Reaktion dem Volke und den Vertretern der Volksrechte hingeworfenen Fehdehandschuh aufnehmen werde. Aber wieder einmal hatte die Sozialdemokratie dech Liberalismus nicht tief genug eingeschätzt, wieder einmal. versagte der Freisinn in so unglaublicher Weise, daß wirklich' die publizistischen Mittel fehlen, eine solche Jämmerlichkeit des Freisinns angemessen zu charakterisieren! Ja, nicht! genug damit, daß der Freisinn die Proklamation des Ab-! stlutismus, die Ankündigung einer Aera der rücksichtslosesten> I Reaktion ohne Wimperzucken hinnimmt— die führende I liberale Presse fällt sogar mit widerwärtigem Gebelfer die sozialdemokratische Presse an, weil diese das gefordert hat, was jeder aufrechte Liberale für etwas ganz Selbstverständliches hätte ansehen und fordern müssen! So lesen wir in der„Freisinnigen Zeitung": „Die sofortigeEin beruf» ng desReichstages" — so schreibt die„Hilfe" des Abg. v. Naumann—„wird aus Anlaß der Kaiserrede vom„Vorwärts" verlangt. Das sozialdemokratische Zentralorgan ist erstaunt, daß der Liberalismus sich dieser Forderung nicht anschließt und er- wartet, daß dies noch geschehe. Wenn er diese Forderung sechsmal wiederholt hat, wird er aus agitatorischen Gründen über den Liberalismus herfallen und seinen gläubigen Lesern erzählen, die ganze Altion sei von vornherein nicht ernsthaft gewesen, denn der waschlappige Liberalismus habe die einzig richtige demokratische Forderung nicht unterstützt, und darum sei daS Parlament nicht eiubernfcn worden. In diesem Sinne wird der„Vorwärts" versuchen, die Angelegenheit der Kaiser- rede parteipolitisch weiterzutreiben. Demgegenüber muß man sich bloß klar sein, daß diese Forderung sich zwar ganz schön anhört, aber ein staatsrechtlicher Unsinn ist. Denn nach der Verfassung, um deren Jnnehaltung jetzt gekämpft wird/ hat ausschließlich der Kaiser das Recht, den Reichstag zu berufen. Man kann das bedauern, aber man müßte es eigen!- lich wissen. Wir stellen diese Sache hier fest, nicht um gegen den Inhalt der sozialdeinokratischen Forderung zu polemisieren, sondern um zu zeigen, daß die„Vorwärts"polemik gegen den Libera- lismuS auf der brüchigen Grundlage mangelnder Verfassungskenntnis beruht und nur agitatorisches Geschwätz ist." Dieser lakaienhafte Erguß der„Hilfe" wird von der „Freisinnigen Zeitung" ohne ein Wort der Kritik übernommen! Das Blatt identifiziert sich also mit der er- barmungswürdigen Ausrede des Naumanit-Qrgans. Nach der Auffassung des führenden Organs der stärksten Gruppe der Fortschrittlichen Volkspartei ist es also„unsinnig", die so- fortige Einberufung des Reichstages zu fordern, um gegen die unerhörte Proklamation des Absolutismus Protest zu er- heben, weil—. der Reichstag nach Artikel 12 der Reichsver- sasiung vom Kaiser einberufen wird! Ja, fordert denn der Freisinn nicht seit jeher eine„S i ch e r st e l l u n g und Kräftigung der Rechte der Volksvertretun g". eine„V e r>v i r k l i ch u n g der Ministerverant- wortlichkei t", um aus dem Eisenach erProgramm der Freisinnigen Volkspartei zu zitieren?! Wie soll denn jeinals diese freisinnige Forderung realisiert werden, wenn jede Möglichkeit, eine brillante Situation tzu- gunsten der Volksrechte gegenüber dem Absolutismus aus» zunutzen, deshalb schmählich verpaßt werden soll, weil— — in der gegenwärtigen, durch das freisinnige Pro- gramm doch gerade als so dringend reform bedürf- t i g bezeichneten Verfassung- die E r f ü l l u n g der frei- sinnigen Forderung noch nicht vorhanden ist?! Wenn der Freisinn sich lediglich ans die Respektierung der j e tz t geltenden verfassungsrechtlichen Bestimmungen beschränken will, sollte er lieber gleich ehrlich und offen auf alle liberalen und demo- kratischen Versprechungen verzichten, dann sollte er auch nicht von der Uebertragung desReichstagswahlrechts auf Preußen sprechen, dann sollte er von der Schaffung einer wirklichen Ministerveranttvortlichkeit schweigen, kurz- um, er sollte sich auch für das ausgeben, was er nach seinem Bekenntnis zu dem jammervollen Standpunkt der „Hilfe" i st— als eine fast- und kraftlose Partei der liberalen Phrase, die in Wirklichkeit so reaktionär ist, wie es der Nationalliberalismus oder das Zentrum sein kann! Schon einmal hat sich gerade die„Freisinnige Zeitung" bei einer verfassungsrechtlichen Frage den Hohn eines rcaktio- nären Staatsmannes zugezogen. Als im November 1900 über die Frage der Indemnität wegen der v e r f a s s u n g s- widrig geschehenen Ausgaben für die China- e x pe d i t i 0 n verhandelt wurde, und auch der Freisinn potK kestuin tapfer darüber schmälte, daß nicht bereits im Sommer 1900 der Reichstag zur Bewilligung der Chinakredite ein- berufen worden sei, da erlaubte sich mit Recht der neue Reichs- kanzler Fürst Bülow die beißend spöttische Bemerkung, daß e r allerdings im Sommer der Auffassung gewesen sei, daß der Reichstag sofort einberufen werden müsse, daß s e i ne ve r- fassungsrechtlichen Bedenken jedoch durch einen Artikel der„Freisinnigen Zeitung" beschwichtigt worden seien! Auch jetzt wiederum besitzt die„Freisinnige Zeitung" den perversen Ehrgeiz, die Rechenschaftsforderung des Volkes gegenüber dem absolu- tistischen Regiment damit abzulehnen, daß doch nach der Ver- fassung des Deutschen Reiches nur der Kaiser das Recht besitze, den Reichstag einzuberufen. Und solche politischen Eunuchen wagen dann, sich als Vorkämpfer der Volksrechte aufzuspielen! Während der Freisinn so in jämmerlicher Untätigkeit verharrt, ja sogar der Sozialdemokratie in einem Kampf, in' den: der wirkliche Liberalismus mit ihr Schulter an S ch u l t c r kämpfen müßte, in den Rücken fällt, macht die Sammelpolitik täglich Fortschritte. Bereits gestern wiesen wir auf die Kundgebung des H a n s a b u n d e s hin, die als ein entschiedenes Abrücken nach rechts aufzufassen war. Heute liegt eine weitere Kundgebung des Hansabundes vor, die das Bekenntnis zur reaktionären Großblockpolitik noch viel entschiedener ausspricht. Die„Rhein.-Wcstfäl. Ztg." nämlich, die behauptet, ihre Mitteilung von„zuständiger Stelle" er- halten zu haben, spricht unverhohlen von einer„Umkehr" des Hansabundes. Der Hansabund werde keine eigenen Kandidaten aufstellen, sondern ebensogut K a n d i- baten der äußer st en Rechten wie der liberalen Partei zu unterstützen. Nicht einmal von einer Parole gegen den Bund der Landwirte könne bei den bevorstehenden Wahlen beim Hansabund die Rede sein. Dagegen sei es ganz selbstverständlich, daß der Hansabiund niemals einen sozialdemokratischen Abgeordneten unter st ützen oder eine Zunahme der Sozial- demokratie fördern werde! So formiert die Reaktion ihre Reihen. Ihre Einigungsparole gewinnt täglich neue Jljthänger. Sogar der Hansabund hat sich bereits nach der„Rhcin.-Westf. Ztg." dem Block der Reaktion verschrieben! Der Absolutismus darf wieder ungescheut sein Kampfpanier aufpflanzen! Die Sammlung gegen die Volksrechte in Preußen, gegen die V 0 l k s r e ch t e im Reiche, die Sammlung für neue Heeres- und Marinelasten, für die Politik der gepanzerten Faust darf sich in dreister Drohung vollziehen— der Freisinn rührt sich nicht! Die absolutistischen Gefahren, die drohenden Attentate auf den Geldbeutel der Massen, die Verschwörung gegen die preußische Wahlreform, all das kümmert ihn nicht! Das einzige, wozu er sich aufzuraffen vermag, ist die Herabschnng und Verlästcrung des Kampfes um die Volksrcchte» den in Preußen wie im Reiche einzig die Sozialdemokratie führt! Friedensrefolution und GewerMchaftsfrage. Kopenhagen, 2. September. Die heutige Sitzung des Kongresses gestaltete sich weit inter- essanter als die gestrige. Nach den mehrfach von stürmischem Bei- fall begleiteten Abstimmungen über die gestern beratenen Sym- pathie- und Protestresolutionen hielt Genosse Ledebour in der VormittagSsitzung eine scharf pointierte Rede zur Begründung der von der dritten(Abrüstungs-) Kommission vorgelegten Resolution. Er schilderte in längeren Ausführungen die Umstände, die zu einer Ergänzung und Verschärfung der Antikriegsresolution drängen: das Flottenwettrüsten des Imperialismus, das Interesse gewisser großkapitalistischer und Jndustrickreise an dem Wettrüsten und der Fabrikation von Kriegsmaterialien. Sei doch selbst der Ex- Präsident Roosevelt der wegen ihrer angeblich freiheitlichen In- stitutioncn gepriesenen nordamerikanischen Union nichts anderes als der Agent gewisser großkapitalistischer Interessen. Dann wandte sich Ledebour gegen das von dem alten Kommunekämpfer Eduard Baillant und von Keir Hardie eingebrachte Amendement, das die Forde- rnng stellt, der Kopenhagener Kongreß solle als eines der wich- tigsten Mittel der Kriegsverhinderung den Ge n e r a l st r e i k in den Industrien in Betracht ziehen, die Kriegsmaterialien her« stellen und befördern. Ledebour erklärt, die Worte:„Der Kongreß zieht in Betracht"(Im englischen Text der Resolution heißt es: Ibe congreos consiclers es psrticuiarl� eklicscious) ist zu unbc» stimmt und nichtssagend. Der Kongreß solle nicht bloß Betrach- tungen anstellen, er solle bestimmte Forderungen aufstellen. Di« Forderung aber, daß nach erfolgter Kriegserklärung die Arbeiter- schaft sofort in den Massenstreik trete, könne nicht erhoben werden, teils aus Rücksicht auf die Politik einzelner Länder, besonders aber deshalb nicht, weil man nicht Fordcrnngen stelle, von denen man nicht überzeugt sei, daß ihre Durchführung praktisch möglich sei. Sodann müsse er aber gerade der englischen sozialistischen Partei das Recht bestreiten, derartige Amendements zu stellen, denn die erste Vorbedingung für ein solches Recht sei, daß die englischen Genossen zunächst ihrer Ro- gierung die Mittel zur Kriiegsführung verweigern. Ledebour übersetzt darauf, zu jener Seite des Saales gewendet, wo die eng- lische Delegation sitzt, seine Rede auch ins Englische, hält sich dabei aber keineswegs genau an den Text seiner ersten Rede, sondern flicht nähere Ausführungen über die englische Politik ein. DaS veranlaßt den Genossen Innres zu erklären, daß die zweite Rede nicht als bloße Ucbersetzung der ersten angesehen werden könne. Er beantragt deshalb, daß, soweit Abweichungen vorhanden seien, beide Reden ins Französische übersetzt würden, ein Wunsch, dem Ledebour zustimmt und dessen Erfüllung vom Vorsitzenden zuge- sagt wird. Ledebours Rede scheint in der englischen Delegation verschnupft zu haben, denn Keir Hardie antwortet zu Beginn der Nach- mittagssitzung mit einer heftigen Rede, die für seine Eigenschaft als leidenschaftlicher Volksredncr einen glänzenden Beweis liefert. Er weist energisch den Vorwurf Ledebours zurück. Die englische Arbeiterpartei sei nicht nur gegen den Krieg, sondern auch gegen den Militarismus. Militarismus und die Freiheit schlössen sich gegenseitig aus. Ledebour verwechsele die Haltung der I. L. P. mit der Haltung von Hyndman und Queich. Aber seine(Keir Hardies) Partei habe mit einem Hyndman und' Blatchford nichts zu schaffen. Ledebours Vorwurf beruhe zum Teil auf Mißverständnisse, zum anderen Teil auf falscher Auffassung. Die Bewilligung oder Nichtbewilligung des Budgets sei keine Frage des Prinzips, sondern der Taktik, eine Aeußerung, die als sie ins Deutsche übersetzt wird, bei einem Teil der Süddeutschen lautes Händeklatschen hervorruft. Zum Schluß fordert Keir Hardie mit erhobener Stimme auf, für sein Amendement zu stimmen. Nach der Rede Ledebours könne.er feinen Autrag noch weniger zurück» ziehen als vorher» R e tt n e r- Oesterreich seh? auseinander, die AbrüstungSkom- Mission hätte sich mit der Frage der Abrüstung und der Einführung von Schiedsgerichten zu beschäftigen gehabt, nicht mit den Misteln, die nach einer Kriegserklärung zu ergreifen seien. Zudem hätte sie auch keinen Anlaß gehabt, an der nach langer Debatte zustande gekommenen Stuttgarter Resolution etwas zu ändern. Wenn die deutsche Delegation erklärt, nicht für die Amendements Keir Hardie- Vaillant stimmen zu können, mühten ihre Gründe respektiert wer- den. Auch Oesterreich hätte kürzlich vor einem blutigen Krieg ge- standen, und er müsse gestehen, sie, die Oesterreichcr, würden da- mals in Anbetracht der ganzen Physiognomie der Bevölkerung kaum den Mut gefunden haben, in einen Btassenstreik zu treten. Jones(I. S. P.) wendet sich gegen Ledebour. Seine leiden- schaftliche Rede findet aber nur bei seinen politischen Freunden Zustimmung. Dagegen macht Vandervelde in formvollendeter, wenn auch etwas pathetischer Rede entschiedenen Eindruck. Vandervelde erklärt, daß er es für das beste halte, wenn das Amendement Vaillant-Keir Hardie dem Internationalen Sozialistischen Bureau zum Studium überwiesen und auf dem nächsten oder einem späte- ren Köngreh der Internationale wieder zur Diskussion gestellt werde. Werde aber auf der Abstimmung über dieses Amendement bestanden, dann werde die belgische Partei sich der Abstimmung enthalten. Vaillant, der alte Kommunekämpfer, schließt sich in tem- peramentvoller Rode im wesentlichen Vanderveldes Vorschlag an. Die in der Resolution geforderte parlamentarische Aktion benötige zwar zu ihrer Ergänzung der außerparlamentarischen, d. h. des Generalstreiks. Damit aber nicht nach außen der Eindruck hervor. gerufen werde, als sei die Meinung der Internationale geteilt, ziehe er im Einverständnis mit Keir Hardie das Amendement zu- rück unter der Bedingung, daß es dem Bureau und den Organi- sationen der einzelnen Parteien überwiesen und in neuer Fassung auf die Tagesordnung des nächsten Internationalen Sozialistischen Kongresses gesetzt werde. Der Kongreß beschließt demgemäß und nimmt darauf die Rc- solution einstimmig an. Es ist inzwischen/z Jahre» bereits nach 2 Jahren zahlen. Diese Wünsche, sowie jede weitere Verhandlung wurden von den Unternehmern glatt abgelehnt. Das empörte die Arbeiter derart, daß sie mit 955 gegen 30 Stimmen den Streik beschlossen. Nun wurde» die Unternehmer anderer Mei- nung. Bewilligung aus Bewilligung lief ein und nach kaum halb- tägigem Streik konnte derselbe als siegreich beendet erklärt werden, da sämtliche Firmen Groß-Berlins ihre Zustimmung zu den Forde- rungen der Streikenden erklärt hatten. Lohnbewegung der Dachdecker-Hilfsarbeiter. Görnitz berichtete in einer am Donnerstag albgehaltenen Versammlung über den derzeitigen Stand der Lohnbewegung. Ehe der Streik eintrat, habe die Gewerkschaflskommission der Organisation anheimgestellt, das EinigungScnnt anzurufen. Das sei auch geschehen. Jedoch habe die Unternehmerschaft es ab- gelehnt, vor dem Einigungsamt zu erscheinen. Zurzeit ständen die Arbeiter von 5 Firmen, insgesamt 73. im Streik. Die Situation sei sehr günstig für die Ausständigen. Ein Antrag aus der Mitte der Versammlung, der besagt, daß die Forderung von 60 Pf. Stundenlohn auf 55 Pf. herabgesetzt werden solle, mit der Maß- gäbe, daß im kommenden Jahre eine Erhöhung auf 60 Pf. zu er- folgen habe, wurde mit 81 gegen 44 Stimmen angenommen. Bezüglich der übrigen Bestimmungen tritt keine Abänderung ein. Ter Streik in der Norddeutschen Gummifabrik, Tempelhofer Ufer, dauert unverändert fort. Wiederholt haben in den letzten Tagen Verhandlungen stattgefunden und wurde auch eine Ver- stäildifjung mit der Direktion erzielt, die jedoch durch das Gebaren einzelner Angestellter der Firma wieder hintertrieben wurde.— Viel zu klagen haben die Arbeiter über die Maßnahmen der Polizei. Ten Streikenden sowie den Organisationsvertretern ist das Betreten der Straße am Tempelhofer Ufer und das Sitzen auf den Bänken am Wasser verboten. Eine Ausnahnre machte man am Paradetag. An diesem Tage war keine Zeit, streikende Arbciter ohne ersichtlichen Grund zu arretieren. Auf eine Beschwerde beim Revicrvorstand wurde dem Organisationsvertretcr geantwortet: „Ueber die Maßnahmen der Beamten nehme ich keine Be- schwerde entgegen. Diese führen nur meine Anordnungen aus. Wenn Sie sich beschweren wollen, so beschweren Sie sich über mich!"— Die Streikenden haben sich nun an den Polizeipräsidenten gewandt, damit cr Veranlckssung nimmt, den Beamten klarzu- machen, daß das Tempelhofer Ufer für jedermann zum Verkehr frei ist, daß die Bänke auf der Wasserseite von jedem Bürger be- nutzt werden dürfen, und daß das gesetzliche Recht, Streikposten zu stehen, nicht durch Schutzleute und auch nicht durch den Revier- vorstand illusorisch gemacht werden darf. Zuzug von Gummi- arbeitern ist nach wie vor fernzuhalten. Achtung! Fleischcrgcsellen! Bei der Firma A. Müller, Neue Königstr. 65— 66, sind sämtliche organisierte Gesellen ge- maßregelt worden. Die Firma, die hauptsächlich städtische Liefe- rungen hat, will nur noch unorganisierte Gesellen beschäftigen. Zentral-Verband der Fleischer. Ortsvcrwaltung Berlin. veurkcbes lteieb. Achtung, Stockarbciter! Die Stockfabrik Rocholl in Betten- Hauscn-Kassel hat am 27. August 80 Polierer entlassen, weil dieselben die Stellung des Materials— Schellack, Spiritus usw.— durch den Unternehmer forderten. Weitere 26 Kollegen, welche sich weigerten, an Stelle der Ausgespe.rten zu treten, wurden ebenfalls entlassen. Die Arbeiter der anderen Kategorien, Bieger, Kccisraspler, Fräser, Feiler sw., erhielten ihre Kündigung zum 17. September. Da an- zunehmen ist, daß die Firma versucht, die angefangenen Arbeiten anderweitig fertigstellen zu lassen, so bitten wir, bei Auftauchen fremder angefangener Arbeit Mitteilung zu geben an die Zentral- kommission der Stockarbeiter(Deutscher Holzarbeiterverband). Adr.: Jul. Hildebrandt, Nixdorf, Selchower Straße 6. Hustand.' Warnung bor Zuzug von Fleischern nach Paris. Dem Zentralverband der Fleischer ging von dem Pariser Brudcrverbande die Nachricht zu, daß sich die Fleischer- und Selchcr- gehilfen in Paris und Umgebung in einer umfangreiclicn Lohn- bcwcgung befinden, um sich bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erringen. In einer Reihe größerer Betriebe ruht die Arbeit voll- ständig, doch hoffen die Unternehmer, aus Deutschland, Oesterreich und der Schweiz bald Ersatz zu beschaffen. Es wird daher dringend vor Zuzug solcher Arbeiter nach Paris gewarnt und gebeten, dies unter den Nichtorganisierten Gehilfen ganz besonders bekanntzu« machen_ Der Streikbewegung in Bilbao will die Regierung nun begegnen, indem sie den Belagerungszustand verhängte. Der Minister des Innern äußerte sich in einem Jnter- View wie folgt: Seit 45 Tagen hat sich die Regierung bemüht, eine Berstäü i- gung zwischen den Arbeitgebern und Arbeitnehmern hcrbeizu- führen, aber iinmcr ohne Erfolg. Diese Lage konnte sich nicht noch verlängern. Kanfleutc und Industrielle gaben Zeichen lebhafter Beunruhigung, und die Stadt, welche ihren normalen Charakter beibehalten, lief in Gefahr, angcsicksts der Haltung der Ausständi» gen zum Schauplatz ernster Zwischenfälle zu werden. Infolgedessen war ein energisches Einschreiten der Behörden dringend not» wendig. Vielleicht bedeutet aber die Verhängung des BclagerungSzu- standes nicht eine Niederwerfung der Streikbewegung, sondern ver- anlaßt ihr�tlebergreifen auf noch andere Orte. Der Generalstreik in Savagnssa nimmt«inen ziemlichen Umfang an. Am 1. Sep- tcmbcr erschienen daselbst keine Zeitungen. Auch für Barcelona ist die Proklamierung eines Generalstreiks geplant. Zwischenfälle sind bisher nicht zu verzeichnen._ Die Arbeiterinnen gegen den obersten Gerichtshof. New Dork, 2. September. Die Vereinigung der Arbeiterinnen, welche durch das Urteil, das kürzlich durch den obersten Gerichtshof bezüglich des Strcikpostenstehens und Berechtigung zum Streik ge- fällt wurde, arg getroffen wurden ist, ist jetzt fest entschlossen, weiter zu manifestieren. Gestern morgen haben sich 306 Arbeiterinnen und Arbeiter, neistens aus der Mäntel- und Rockbranche, in der 5. Avenue und in der 32. Straß«, d. h. also in dem reichsten und elegantesten Gebiete von ganz New Aork, angesammelt und haben laut gegen diese Behandlung, die ihnen infolge des Urteils des ober» sten Gerichtshofes zu teil wird, protestiert. 74 Männer und 11 Frauen sind von der Polizei verhastet worden. Die Zahl der Strci- kcnden in dieser Branche beträgt im ganzen 76 000 und man kann bei ihrer äußerst gereizten Stimmung es wohl verstehen, daß es täg. lich und stündlich zu Zusammenstößen zwischen ihnen und der Polizei kommen muß. Mehrere Personen, welche in den fashionablen Hotels der reichen 5. Avenue wohnen haben sich bei der Polizei beschwert und verlangen energisch, daß die Polizei die Streikenden aus diesem Viertel von New Uork entfernt. Aus der frauenbewegung. Die kaiserliche Lösung der Frauenfrage. In einer satirischen Glosse erledigt die Zeitschrift„Frauen. Zukunft"— Frauenverlag München und Leipzig, vierteljährlich 4 Mark— die rednerische Leistung Wilhelms II. in Königsberg in bezug auf die Frauenbewegung also: Die Königsberger Kaiserrede Wilhelms II. ist für die deutschen Frauen ungemeul belehrend. Der Kaiser hat den Frauen ihre Lebensaufgabe formuliert:«Stille Arbeit im Hause und in der Familie." Die deutschen Frauen erfahren viel Neues aus dieser Rede. Sie vernehmen.mit staunender Bewunderung, wie leicht im Grunde doch die Fraucnfrage zu lösen ist. Dutzende minder begabter Köpfe mühen sich seit langen Jahren, aus dem Wirrsaal dieser sozialen Probleme einen guten Ausweg zu finden. Da zeigt, mit blitzesähnlichcr Gcschwindig- keit, das geniale Ahnungsvermögen eines weitschauenden Monarchen in der gehobenen Stunde des Festmahls die Lösung. Und von welcher einfachen Größe ist diese Lösung! Die paar Millionen Frauen, die seit den Tagen der hochseligen Königin Luise sich von der stillen Arbeit im Hause abgekehrt und ins Er» werbslcben verirrt haben,. sind nur verführt durch die abscheulichen Lehren der Frauenbewegung. Sie müssen väterlich aufgeklärt werden. Das mahnende Kaiserwort wird sie den rechten Weg finden lassen,— und das Vaterland wird gerettet sein. Nur die Verworfenheit vaterlandsloser Sozialisten könnte in dieser schlicht-genialen Lösung den nawen Ausdruck weltfremder Ideologie sehen. Jede königstreue Bürgerin aber staunt— wie ihr männlicher Gesinnungsgenosse— über diese Welt, und Lebenskcnntnis: Der Schwerpunkt der Frauenfrage liegt für unseren Kaiser„auf dem Gebiete des Vereins- und Versamm« lungSwesens"; liegt in dem Streben der Frauen„nach vermeint- lichen Rechten, in denen sie es den Männern gleichtun können". Kann die Frauenfrage in-der öffentlichen Diskussion treffen» der charakterisiert— kann sie tiefer ersaßt werden? Und wie neu und original ist diese Auffassung! In Gold» schrist sollte sie sich jeder Männergesangverein, jeder Kegelklub über die Türe hängen!--- Doch die Sache ist leider zu ernst für einen Scherz. Nur wer über die Tatsachen völlig unvrientiert ist, nur wer nie ernsthaft über die Frage nachgedacht hat, nur wer mit dieser Unkenntnis den unbesiegbaren Glauben an die Bedeutung des eigenen Urteils verbindet,— der nur ist imstande zu einem öffentlichen Urteil von ähnlicher Oberflächlichkeit. Nur wer mit kaiserlichem Rang bekleidet ist, darf erwartete, daß er mit einem solchen Urteil öffentliche Beachtung findet. lUt2te]Stacbncbtcn. Neue Schiffe für die Türkei. Konstantinopck, 2. September.(W. T.$.) Das Ma- rinemiilisterium beabsichtigt, wie„Tanin" meldet, zwei Unterseeboote anzukaufen.— Zwölf Militärärzte werden nach Deutschland entsandt werden, um ihre Studien zu vervoll-koinmucn. An der bnlgarisch-tnrkischen Grenze. Saloniki, 2. September.(W. T. 33.) Das Kommando des dritten Korps erhielt aus Dschumai Bala die Meldung, eine bul- garische Militärabteilung habe die türkische Grenze überschritten. Darauf gingen sofort von Dschumai Bala Truppen ab, um den Bulgaren den Weg zu verlegen. Neue Unwettermcldnngen. Innsbruck, 2. September.(W. T. 33.) Aus einzelnen Gebieten Vorarlbergs treffen Nachrichten über Unwetterschäden und Hochwassergefahr ein. Infolge der andauernden Regengüsse sind überall die Flüsse und Bäche im Steigen; teilweise sind bereits Straßen und Felder überflutet. Der angerichtete Schaden ist sehr beträchtlich. Paris, 2. September. Im Norden des Lozere-Gebirgcs hat wolkcnbruchartigcr Regen großen Schaden verursacht. Die Bäche und Flüsse sind plötzlich gestiegen, so daß sich die 33ewohner zahl- reicher Häuser kaum vor den andrängenden Wassermassen retten konnten. Drei Bauern und eine Frau werden vermißt. Die Leiche eines Seminaristen konnte bereits geborgen werden. Lecantw. Redakt.: Richard Barth» Berlin. Inseratenteil verantw.ilh. Glocke, Berlin. Druck».Verlag-Vorwärts Buchdr.u.BerlagSanftaU Paul Singer Lc Co.. Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen».UnterhaltungSbl, Hr. 206. 27. Jahrgang. 1. Ktilsze des Jotwiris Zsmakck, 3. Zeplmbn 1919. Sitzung des Internationalen Bureaus. Kopenhagen» 2. September 1910. •£>1. Adler-Wien fragt an, ob die tschechische Sektion den sieben Abgewiesenen zwei Stimmen gegeben hat und bittet um eine Ent- scheidung durch das Bureau, wenn das nicht geschehen sein sollte. Ncmec-Prag: Nachdem uns nichts anderes übrig bleibt, müssen wir uns der Entscheidung des Bureaus fügen. Auf Vorschlag Banderveldes beschließt hierauf das Bureau, den sieben Abgewiesenen zwei Stimmen zu geben. HuysmanS schlägt vor, die Interparlamentarische Konferenz heute nacht zusammentreten zu lassen. Vandervelde hält die Vertagung dieser Konferenz für richtiger, da die Tagesordnung der Konferenz sehr wichtig sei und währeno der Kongretztage nicht gründlich erledigt werden könne. Er schlägt vor, an einem bestimmten Ort, der für alle gut erreichbar ist, zwischen den Kongresien eine Interparlamentarische Konferenz einzuberufen, auf der man die Frage der Arbeiterpensionen und die der Kolonialpolitik behandeln könne. Adler: Man müßte der Interparlamentarischen Konferenz ge- statten, darüber zu entscheiden. Ich wäre sehr dagegen, zwischen zwei Kongressen die Interparlamentarische Konserenz einzuberufen, die dann nichts anderes sein würde, als ein zweiter Internationaler Kongreß. Dagegen könnte sie ruhig nach den Kongressen ein oder zwei Tage zusammenkommen. Bau Kol ist mit Adler einverstanden. Pernerstorfer betont, daß in außergewöhnlichen Fällen die Interparlamentarische Konferenz auch stattfinden könne, wenn keine Kongresse tagen. Außerdem müßten die Sitzungen der Kon- ferenz im Anschluß an die Tagungen des Internationalen Sozia- listischen Bureaus beibehalten werden. Die Interparlamentarische Konferenz wird darauf auf ein Jahr vertagt. Branting wünscht im Namen der skandinavischen Delegierten, daß ihnen, dr die große Mehrheit nur ihre Muttersprache versteht, eine kurze Uebersetzung der Hauptreden und der Resolutionen ge- geben werde. Nachdem sich verschiedene Redner gegen die Zu- lassung einer vierten Kongreßsprache ausgesprochen, was die Ver- Handlungen noch schwerfälliger machen würde, beschließt das Bureau auf Vorschlag Molkenbuhrs. die Resolutionen in den skandinavischen Sprachen drucken zu lassen. Nach Erledigung verschiedener kleinerer Angelegenheiten wird auf Antrag Vanderveldes beschlossen, alles, was nicht aktuell ist. auf eine spätere Sitzung zu verschieben, so unter anderem auch den Antrag Hillquit auf Abänderung des Abstimmungsmodus im Bureau. Verhandelt wird noch die Frage, ob den unabhängigen Gewerkschaften Russisch-Polens, die infolge der Verfolgungen von 40 000 auf 3000 Mitglieder gesunken sind, eine Stimme in der polnischen Sektion verbleiben soll. Die endgültige Regelung wird auf eine Sitzung des Internationalen Bureaus im nächsten Jahre vertagt._ 8. Internationaler Sozlaliftllcher Kongreß. Kopenhagen, 2. September. Dritte Plenarsitzung. Den Vorsitz führt Klausen-Dänemark. Er eröffnet die Sitzung um 10'/, Ubr mit einem Dank für die Ehrung, die der Kongreß den skandinavischen Ländern durch die Wahl der Kongreßvorsitzenden erwiesen habe. Hierauf erhält daSSchlußwort zumBericht der ö.Kom- Mission(Resolutionen) Ellenbogen-Wien: Ich habe dem gestrigen Kommissionsbericht nur wenig hinzu« zufügen. Die Frage der Einigung der sozialistischen Parteien kann nicht hier auf dieser Tribüne erledigt werden. Der Kongreß kann nur die Mahnung an die Genossen richten, im eigenen Lande die Einigung innerhalb des Sozialismus in kürzester Zeit durchzuführen. (Lebhafter Beifall.) Vom Bureau sind uns drei Resolutionen über- wiesen worden. Zwei davon sind als nicht zu unserer Kompetenz gehörig wieder an das Bureau zurückgegangen. Die dritte beschäftigt sich mit zwei Fällen, in denen in Frankreich und den Vereinigten Staaten das A s y l r e ch t unter russischem Einfluß verletzt worden ist. Wir haben uns entschlossen, an Stelle dieser einzelnen Fälle eine allgemeine Resolution zugunsten der u n- verkürzten Aufrechterhaltung des Ashlrechts Ihnen vorzulegen. Endlich ist uns eine Resolution zugegangen, die von der sozialistischen Frauenkonferenz zugunsten Finnlands gefaßt worden ist. Wir empfehlen Ihnen, diese Resolutionen zu bestätigen und die anderen Resolutionen, die die fünfte Kommission Ihnen vorgelegt hat, anzunehmen.(Lebhafter Beifall.) In der Abstimmung werden die französische Resolution f ü r d i e s o z i a l i st i s ch e E i n i g k e i t in den einzelnen Ländern ein- stimmig angenommen, ebenso die bereits mitgeteilten Resolutionen für A b s ch a s f u n g der T o d e S st r a f e. für die sozio- listische Portei Spaniens und über die Lage in der Türkei und inPersien. Die jetzt nunmehr vorliegende Nesolution für Finn- land bat folgenden Wortlaut: „Der Internationale Sozialistische Kongreß zu Kopenhagen brandmarkt die barbarische und schmähliche Politik der russischen Regierung und der reaktionären Vertreter der besitzenden Klassen in der Duma und im RcichSrat,— eine Politik, die sich anschickt, die Autonomie und die demokratischen Freiheiten Finnlands zu vernichten und Finnlannd in eine unterjochte Provinz Rußlands zu verwandeln. Der Kongreß stellt fest, daß die zarische Re- öifhmg durch ihre Finnland gegenüber eingeschlagene Politik die im Jahre 1906 gegebenen Garantien ebenso wie die schon 100 Jahre bestehende Verfassung in zynischer Weise verletzt hat und den ausgesprochenen Willen des ganzen russischen Volkes, den Protest der öffentlichen Meinung Europas, sowie die Schiedssprüche der bedeutendsten Rechtsgelehrten mit Füßen tritt. Der Kongreß stellt weiter fest, daß die brutale Unterdrückung des autonomen Finnlands nur die Folge eines ganzen RegiernngssystemS der freiheitlichen Unterdrückung aller nichtrussischen Nationalitäten und des russischen Volkes selbst ist, eine Unterdrückung, welwe durch die von Blut und Wut triefenden russislben reaktionären Machthaber ausgeübt wird, die sich mit dem Schein eine« Konstitutionalismus umgeben. In Anbetracht besten, daß die herrschenden Klassen Europas und ihre Presse ab und zu platonische Wünsche zugunsten Finnlands zum Ausdruck bringen, sonst aber tatsächlich den barbarischen Zarismus unterstützen, daß die finnländische Sozialdemokratie, um die demokratischen Freiheiten und daS freie SelbstbestimmungS- recht des finnischen Volkes zu wahren, in einen ernsten und schweren Kampf eingetreten ist. spricht der Kongreß sein Ver- trauen aus zu der Energie, dem Mut und der Ausdauer des finnischen klassenbewußten Proletariats. Der Kongreß ist der Ucberzeugung, daß das finnische Proletariat stets im Einverständnis mit der Arbeiterklasse Rußlands vorgehen und solidarisch gegen dasselbe Unterdrücknugssystem kämpfen wird. Der Kongreß fordert die sozialistischen Parteien aller Länder und alle wahrhaft demokratischen Elemente auf, mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln(Parlament. Presto, Meeting? usw.) gegen den gegen Finn- land geführten Gcwaltstreich zu protestieren und den Kampf gegen den Zarismus zu unterstützen. Der Kongreß beauftragt daS Internationale Sozialistische Bureau Maßnahme» zu ergreifen, ltin zugunsten Finnlands in allen Ländern eine möglichst einheit- liche und imposante Kundgebung des sozialistischen Proletariats in die Wege zu leiten." Die Resolution über Japan lautet: „Der Internationale Sozialistische Kongreß in Kopenhagen der- urteilt aufö schärfste die Maßnahmen, mit denen die Regierung Japans die sozialistische Bewegung dieses Landes zu unterdrücken sucht, Maßnahmen, die den Ivahren Charakter dieser Regierung als einer Mischung absolutistischer Willkür mit kapitalistischer Brutalität enthüllen und die darauf gerichtet sind, dem japanischen Proletariat jedes Streben nach Befreiung und Kultur unmöglich zu machen und eS auf das Niveau willen- loser Sklaven herabzusetzen. Indem der Kongreß die ungeheure Bedeutung der Emanzipation de? industriellen Proletariats Asiens für die Befreiung des Proletariats der ganzen Welt anerkennt, versichert er in der Gewißheit, daß das Umsichgreifen des Kapitalismus den Boden auch in Asien immer mehr für den Sozialismus vorbereiten wird, da? japanische Proletariat der werktätigen Sympathie der sozialistischen Arbeiterparteien der ganzen Welt. Insbesondere aber spricht er den ausdauernden Vorkämpfern des Sozialismus in Japan, die unter den schwierigsten Verhältnissen allein den opferreichen Kampf gegen die Politik nach außen und die Unterdrückung nach innen führen und dabei in intensivster Weise der Sache des internationalen Proletariats dienen, vollste Anerkennung nud Bewunderung aus." Die Resolution für Argentinien lautet: „Der Internationale Kongreß brandmarkt daS Verhalten der Oligarchie in Argentinien, die daS allgemeine Wahlrecht in der Praxis systematisch fälscht, die sowohl die Gesetze als auch die gesunde politische Aktion der Arbeiterklassen unterdrückt, die künstlich Putsche inszeniert und freundliche Diensteifrigkeit gegen das einheiniische und fremde Kapital betätigt und mit ihm das Volk im Zustand barbarischer Unterdrückung hält sowie ein ver- derblichcs Beispiel der Anarchie bietet. Der Internationale Kongreß verurteilt diese schmachvollen politischen Zustände in Argentinien aufs schärfste, begrüßt freudig das Verhalten der Sozialistischen Partei unter so schwierigen Verhältnissen und hofft, daß es ihren Bemühungen gelingen wird, dem arbeitenden Volk von Argentinien Aufklärung und Klassenbewußtsein zu bringen und damit den Fortschritt deS Landes zu sichern." Diese Resolutionen werden gleichfalls einmütig und unter leb- haften Beifallskundgebungen angenommen. Eine besonders starke Kundgebung ruft die Annahme der Einigungsresolution und der Resolution für Finnland hervor. Die Sicherung des Weltfriedens. Der nächste Punkt der Tagesordnung bildete die Resolution der dritte n Ko mmi s s i on g e g en d en Krie g und für den Weltfrieden. Die Resolution lautet: .Der Kongreß stellt fest, daß innerhalb der letzten Jahre die militärischen Rüstungen trotz der Friedenskongresse und der Friedens- beteuerungen der Regierungen eine ungeheuerliche Steigerung er- fahren haben. Insbesondere das Wettrüsten zur See, dessen jüngste Phase der Bau der DreadnongthS ist, bedeutet nicht nur eine wahn- sinnige Vergeudung der öffentlichen Mittel für unproduktive Zwecke und infolgedessen den Mangel und den Aussall von Mitteln für die Aufgaben der Sozialpolitik und der Arbeiterfürsorge, es bedroht auch alle Nationen mit materieller Erschöpfung durch unerträgliche indirekte Steuerlasten und alle Staaten mit dem finanziellen Ruin. Zugleich wurde gerade durch diese Rüstungen der Frieden der Welt erst jüngst gefährdet, wie er dadurch immer von neuem gefährdet werden muß. Angesichts dieser, die Kultur der Menschheit, den Wohlstand der Völker nnd das Leben der Masten bedrohenden Entwickelnng, bestätigt der Kongreß die Beschlüsse der früheren insbesondere de? Stuttgarter Kongresses und wiederholt: Die Arbeiter aller Länder haben keine Zwistigkeiten oder MißHelligkeiten untereinander, die zu einem Kriege führen könnten. Kriege sind heute die Folge des Kapitalismus, besonders des äußeren Konkurrenzkampfes der kapitalistischen Staaten auf dem Weltmarkte, und des Militarismus, der ein Hauptwerkzeug der bürgerlichen Klassenherrschaft im Innern und der wirtschaftlichen und politischen Unterjochung der Arbeiterklasse ist. Sie werden erst vollständig aufhören, wenn die kapitalistische Wirtschaftsordnung be- scitigt ist. Die Arbeiterklasse, welche die Hauptlast der Kriege trägt und von deren Folgen am schwersten betroffen wird, hat das größte Jnter- esse an der Beseitigung des Krieges. Das organisierte sozialistische Proletariat aller Länder ist darum der einzige zuverlässige Bürge fiir den Frieden der Welt. Deshalb wiederholt der Kongreß die Mah- nung an die Arbeiterparteien aller Länder, die Aufklärungsarbeit über die Ursachen der Kriege im gesamten Proletariat, vor allem unter der heranwachsenden Jugend mit Eifer zu betreiben und diese im Geiste der Völkerverbrüderung zu erziehen. Indem der Kongreß festhält an der wiederholt ausgesprochenen Verpflichtung der sozialistischen Vertreter in den Parlamenten, die Rüstungen mit allen Kräften zu bekämpfen und die Mittel hierfür zu verweigern, erwartet er von diesen Vertretungen: a) die beständige Wiederholung der Forderung, daß intcrnatio- nale Schiedsgerichte obligatorisch in allen zwischenstaatlichen Streitfällen entscheiden, b) immer erneuerte Anträge, die auf die allgemeine Abrüstung hinzielen, zunächst und vor allem auf den Abschluß einer Uebereinkunft, durch welche die Seerüstungen beschränkt und das Seebeuterecht beseitigt werden. c) da? Verlangen auf Abschaffung der geheimen Diplomatie und die Veröffentlichung aller bestehenden und künftigen Verträge und Abmachungen zwischen den Regierungen. ä) das Eintreten für das Selbstbestimmungsrecht aller Völler und deren Verteidigung gegen kriegerischen Angriff und gcwalt- same Unterdrückung. DaS Internationale Sozialistische Bureau wird alle sozialistischen Vertretungen im Kampf gegen den Militarismus mit Materialien unterstützen und gegebenenfalls auf ein gemein« fames Vorgehen derselben hinwirken. Für den Fall kriegerischer Verwicklungen bestätigt der Kongreß den Stuttgarter Beschluß, der lautet: „Droht der Ausbruch eines Kriege?, so sind die arbeitenden Klassen und deren parlamentarische Vertretungen in den be- teiligtcn Ländern verpflichtet. unterstützt durch die zu- sammeufasseude Tätigkeit des Internationalen Bureaus, alles aufzubieten, um durch die Auwendung der ihnen am wirk- samsten erscheinenden Mittel den Ausbruch deS Krieges zu verhindern, die sich je nach der Verschärfung des Klassen- kampfeS und der Verschärfung der allgemeinen politischen Situation naturgemäß ändern. „Falls der Krieg dennoch ausbrechen sollte, ist eS die Pflicht für dessen rasche Beendigung einzutreten und mit allen Kräften dahin zustreben, die durch den Krieg herbeigeführte Wirtschaft- liche und politische Krise zur Aufrüttelung des Volkes aus- zunutzcn und dadurch die Beseitigung der kapitalistischen Klaffen- Herrschaft zu beschleunigen." Zur Durchführung dieser Maßnahmen weist der Kongreß daS Bureau an, bei drohender Kriegsgefahr sofort die nötigen Schritte einzuleiten, um zwischen den Arbeiterparteien der betroffenen Länder das Einvernehmen über ein einheitliches Vorgehen zur Verhütung des Krieges herbeizuführen." Von V a i l l a n t- Frankreich und Keir Hardts- England' ist folgendes Amendement zu dieser Resolution eingegangen: „Der Kongreß betrachtet als ein Mittel zur Verhinderung des Krieges den Generalstreik, insbesondere die Arbeitsverwcige- rung in den beteiligten Branchen bei der Herstellung und dem Transport von Waffen und Munition." Ueber die Beratungen der Kommission referiert Ledcbour: Auf dem Internationalen Kongreß in Stuttgart ist die Frage des Verhaltens der sozialistischen Parteien zum Militaicismus Gegenstand ausgiebiger Debatten in einer Kommission gewesen. Im Plenum ist alsdann einstimmig eine Resolution angewommen worden, die das Resultat der Verhandlungen zusammenfaßte und welche die Frage der Stellung der Sozialisten zum MiliimismnS im allgemeinen in einer durchaus wünschenswerten Form gelöst hat. Aber im fortlaufenden Gang der Entwickelnng sind hierbei wie bei allen Fragen von großer Bedeutung neue Tatsachen in Erscheinung getreten, die notwendig machten, in bezug auf prakt/.sche Maß- nahmen schon auf diesem Kongreß neue Anregungen zr-c geben. Es sind im wesentlichen zwei Gesichtspunkte, die wenigsteris den Ver« such einer Erweiterung der Stuttgarter Resolution geboten er- scheinen lassen. Der eine ist der, daß in der Schiedk-gerichtsfrage es eines noch energischeren Vorstoßes der Sozialdemokratie bedarf. Der Einsetzung von Schiedsgerichten stimmen bekanntlich alle bürgerlichen, sogar alle monarchischen rmd aristokratischen Par« teien zu. Aber trotzdem ist die Schiedsgerichtsbcvxgung fast voll- ständig ins Stocken geraten. Der zweite'oirekte Anstoß zur neuen Stellungnahme ist der Drcadnoughtschwin'dcl, der uns Sozialdemokraten aufrütteln muß. Das Wettrüsten und Bauen der großen neuen Schlachtschiffe, das von England ausgegangen ist, verwüstet jetzt alle Länder und hat vor allem in England und Deutschland aufs stärkste eingesetzt und den Weltfrieden aufs schwerste bedroht, Die durch das Wettrüsten heraufbeschi.rorene Gefahr eines See- krieges steht als neue Kriegsgefahr im Vordergrund. Sie hat be- reits in den Parlamenten der nächstbeheiligten Länder seitens der Sozialisten zu Anträgen geführt. Aber es ist zweifellos Wünschens« wert, daß der gesamte internationale Sozialismus ein einheitliches Vorgehen in allen Ländern und Staate', r in dieser Frage möglichst zu gleicher Zeit vorschlägt. Ich könnte: mich mit diesem Hinweis aus das taktische Vorgehen beschränket» und prinzipielle AuSein- andersetzungen vermeiden, wenn nicht nin so bedeutender Sozialist wie Bruce Glasier, der journalistische?lind geistige Vorkämpfer der I. L. P.. in der Kommission gesagt hätte, eS sei nicht allein die kapitalistische Wirtschaftsordnung, die in der Gegenwart Kriege hervorruft, sondern es spielen dabei auch der tierische Instinkt und die Kampfeslust der Völker eine grojze Rolle. Damit hat Bruce arg daneben gehauen. Zweifellos sterbt in einzelnen Menschen noch tierischer Instinkt und diese Kampfeslust. Aber ich mutz eS aufs allcrentschiedenste bestreiten, daß diese Kampfeslust in der kapita- listischen Gesellschaftsordnung den wesentlichen Antrieb zum Krieg oder eine hervorragende Begleiterscheinung des Krieges bildet. Interesse am Kriege hat nur eine herrschende Klasse, die Kapita- listen, die ein Interesse an den Lieferungen haben, die Tippelskirch, Armstrong und wie sie sonst alle heißen. Diese Kapitalisten denken gar nicht daran, in den Kriegen ihre Kampfeslust und ihre tierischen Instinkte zu betätigen, sondern bleiben hübsch zu Hause und heimsen den Profit ein, der dadurch entsteht, daß die Völker sich gegenseitig abschlachten. Der berühmte russische Maler Wereschtschagin hat in seinem Bild zur Schlacht bei Plewna diese Tat- fache ausgezeichnet skizziert: man sieht im Hintergrund die russischen und türkischen Völker sich mit den Waffen in der Hand hinmorden, im Vordergrund aber befindet sich der russische Zar mit seinen Generälen und seiner Hofgesellschaft, die ihre„Kampfeslust' und ihre„tierischen Instinkte" beim Champagnergelage befriedigen. (Heiterkeit.). Nicht also die„Kampfeslust", die aus weiter Ferne dem Feucrgefecht zusieht, ist die Ursache der Kriege, sondern die Profitgier, die Sucht, fremde Völker zu unterjochen und auSzu« beuten; das sind die Ursachen, weshalb die modernen Kriege ent« stehen. Das Bürgertum hat alle Ideologien früherer Zeiten ver« gcssen, der Ausbcutungstrieb ist geblieben. Wir haben dafür ein äußerst interessantes Beispiel in dem'früheren Präsidenten der Vereinigten Staaten, Roosevelt, dem feinsten Typus des modernen kapitalistischen Politikers, des Präsidenten der Vereinigten Staaten, dem angeblich freiesten Lande der Welt, wo jeder Bürger unter dem Sternenbanner sich bei festlichen Gelegenheiten an den Phrasen von Freiheit berauscht. Dieser Roosevelt hat auf seiner Jagdexpedition nach Afrika, die er nicht aus Kampfesinstinkt, sondern aus Schlächtcr-Jnstinkt angetreten hat, die Aegypter angeschnauzt, weil sie sich gegen die englische Unterjochung und Ausbeutung auflehnen. Das ist eines der ärgsten Beispiele dafür, wie der Raubtierinstinkt der modernen kapitalistischen Politik alle anderen Regungen nieder- schlägt. Die amerikanischen Freiheitskämpfer Franklin und Washington hätten sich gewiß im Grabe umgedreht, wenn sie die Worte ihres entarteten Nachkömmlings gehört hätten.(Beifall.) In der Kommission sind wir über die Prinzipien der Erklärung sehr rasch einig gewesen. In den einzelnen Forderungen der Sozia- listen gegenüber der heutigen kapitalistischen Gesellschaft sind nach Möglichkeit alle gegebenen Anregungen berücksichligt. Nur die An-" regung des Genossen Morgari, in allen Parlamenten an die Regie- rungen die Forderung zu stellen, das KrieaSbudget um öO Proz. herabzusetzen, fand keine Anhänger. Genosse Morgari hat gesagt, daß er sich nicht auf 60 Proz. versteife, er würde vielleicht auch mit 2b Proz. zufrieden sein und am Ende bereit sein, die übrigen 75 Proz. militaristischer Ausgaben zu bewilligen. Aber dieser Prozentsozialismus(Heiterkeit I) konnte die Zustimmung der übrigen Konimissionsmitglieder nicht finden. Wir haben an Einzel- forderungen in der Resolution vier Punkte aufgestellt; zunächst, daß in allen Parlamenten ständig obligatorische Schieds- gerichte zur Schlichtung internationaler Streitigkeiten ge» fordert werden sollen. Wir haben ja auch auf Grund der Haager Kongreste bereits Schiedsgerichte, aber nur für Fälle, die auch sonst nach historischer Erfahrung nicht zu Kriegen geführt hätten. Mit den Schiedsgerichten werden diese Fälle vielleicht rascher erledigt und die Schiedsgerichte geben einer Reihe Diplo- malen nahrhafte Anstellung. Aber zur Beseitigung von wirklich kriegsdrohenden Streitfällen tragen diese komplizierten Institutionen in keiner Weise bei. Wenn die„Ehre" oder„das Landesinteresie" einer Nation auf dem Spiele stehen, dann soll nicht daS Schiedsgericht entscheiden, sondern an die ultima ratio regum appelliert werden, an den letzten Vernunftgrund der Könige, an die Kanonen. Der Mann, der dieses Wort geprägt hat, hat den Königen offenbar verflucht wenig Vernunft zugetraut.(Heiterkeit.) Wir fordern Schiedsgerichte kür alle internationale Streitfragen und wir fordern weiter vollständige Abrüstung. Wir legen besonderen Wert darauf zu erklären, daß wir selbstverständlich für eine allgemeine Abrüstung eintreten, und ich bin namens der Kommission beauftragt, den Parteigenossen der skandinavischen Länder rückhaltlose Anerkennung dafür auszusprechen, daß sie in dieser Beziehung im Vordergrund des Sozialismus marschieren.(Beifall.) Im übrigen sollen die sozia« listischen Parteien immer neue Anträge stellen, zunächst zum Ab« schluß von Uebereinkommen über die Einschränkung von Seerüstungen und zur Beseitigung des SeebeuterechtS. Diese doppelte Forderung hat ihren bestinimten historische» Anlaß. Vor l'/z Jahren wurde ruchbar, daß die englische Regierung an die deutsche mit dem Vor» schlag der Einschränkung der Seerüstungen herangetreten sei und die deutsche Regierung die Vorschläge abgelehnt habe. Der englische Ministerpräsident Asquith hat selbst diese Tatsache mitgeteilt, um die englischen Flottenriistungen zu verteidigen. Wir haben sofort im Reichstag den Fürsten Bülow borgenonimen und so lange an ihm herumgearbeitet, bis wir klargestellt hatten, daß wieder einmal aus sogenanutem bivlomatischen Interesse die deutsche Regierung mit der Wahrheit Schindluder getrieben hatte. Wenn nichts weiter herausgekommen wäre, wäre das schon ein groher praktischer Erfolg unserer Arbeit. Denn unsere bielgeschmähte parlamentarische Arbeit hat gerade die bürgerlichen Parteien und die Staatsmänner der Vertretung kapitalistischer Interessen, der Lügenhaftigkeit und Betrügereien überführt. Wir können mit Genugtuung konstatieren, das; unser Antrag auch über unsere Reihen hinaus gewirkt hat. Unsere englischen Genossen haben erfreulicherweise einen gleichlautenden Antrag eingebracht, wenn ihn auch nicht die L. P. unterzeichnete. Dafür hat im Deutschen Reichstag nur ein einziger Bürgerlicher kür unseren Antrag gestimmt, während im englilchen Parlament Liberale und Rridilale dafür eingetreten sind. Aber jetzt macht seit einiger Zeit auch ein Teil der deutschen bürgerlichen Presse lebhafte Propaganda für diesen deutsch-englischen Abrüstungsvertrag, wobei sie natürlich shstematisch verschweigt, dah wir damit vorangegangen sind. Jedenfalls werden wir immer die bürgerlichen Parteien vor die(Entscheidung stellen, ob sie alle freiheitlichen, friedlichen Be- strebm'ge» verleugnen oder sie durch Annahme unserer Anträge wahrmachen wollen. Die Zusammenkoppelung, der beiden Forderungen. Besch. vi» tu ng der Sccrüstimgen und Abschaffung des Seebeuterechts ist von.der gröstten Wichtigkeit: denn die Reduktion der Rüstungen wird vov der englischen Regierung, die Beseitigung des Seebeuterechts, dieser legalisierten Seeräuberei, des Rechts, Handelsschiffe der gegne- rischen Ncation aus offener See festzunehmen, zu überwältigen und zu verkaufen, von der deutschen Regierung vertreten. England will natürlich keinen Konkurrenten gegen seine weitaus stärkste Flotte, die es auf der Höhe des Zweimächte- Standard hält: Die deutsche Regierung rtgöchte aber gern einen Seekrieg versuchen, bei dem eS die Flotte varstärkt. Aber eS möchte dabei die Abschaffung des See- bcuterechts, damit nicht die deutsche Handelsflotte dem schwersten Schaden ausgesetzt werde. Deutschland hat eine relativ große Handelsflotte von 4000 Schiffen. Aber auch diese Handelsflotte kann natürlich durch keine Marine geschützt werden. Der Schutz der Handelsflotte im Kriegsfall ist überhaupt ganz unmöglich, wie sich im amerikanischen Sezessionstriege ganz deutlich gezeigt hat, wo trotz der kolossalen Ueberlegenheit der Nordstaaten der kleine Kreuzer „Alabama" alle Meere dar Wel: durchfuhr und an seinem Seeraub nicht gehindert werden konnte. Aber die Abschaffung des Seebeute- rechts wird gerade in Verbindung mit der Verminderung der See- rüstungen die deutsche unsi> englische Regierung allmählich zur Er- süllung der beiden miteinander verkoppelten Forderungen treiben. Dann wäre die ungeheure Bedrohung des Weltfriedens durch die Seerüstungen eingeschränkt. Wir haben noch einen'vierten Punkt in die Resolution hinein- gebracht, der nicht direkt mit der Kriegsgefahr zusammenhängt. aber in der Zeit der natiomalen Gegensätze eine der bedeutendsten sekundären Kriegsursacheip ist. Wir haben das Selbst- Bestimmungsrecht aller Völker gefordert, die Ver- teidigung aller Länder gcgcm kriegerische Angriffe und gewaltsame llnterdrüdung nationaler Minderheiten. Es handelt sich in erster Linie um die kleinen Staaten. Aber auch die größeren Nationen haben überall Bruchstücke, Sie Unterdrückungen ausgesetzt sind. Deutschland unterdrückt nicha nur die Polen und Dänen, sondern auch S Millionen französisch sprechende Elsaß-Lothringer. Ebenso werden Bruchstücke des deutzchen Volkes, 2 Millionen, in Ungarn, eine Million in Rußland iu ihrer Muttersprache unterdrückt. Deshalb fordern wir freie A-lbstregierung für alle Völker, nicht nur in Europa, sondern auch in Asien und Afrika. Ter Sozia- lismuS ist nicht antinattenal, sondern international. Antinational sind die Politiker, die andere Nationen unterdrücken und nur das Recht der eigenen Nation anerkennen, deren heißester Wunsch es ist, fremde Nationen zu entnationalisieren. Wir sind inter- nationale Sozialdemokraten und treten ein für das Recht auf eine Muttersprache und für die Autonomie der Völker. Am Schluß sagt die Resolution, daß bei drohenden Konflikten das Internationale Bureau sofort die nötigen Schritte ergreifen soll, um die sozialdemokratischen Parteien der betreffenden Länder zu einem einheitlichen Vorgahen zu veranlassen. Der Antrag ent- springt einer Anregung der österreichischen Genossen weil bei dem letzten serbisch-österrcichischen Konflikt(Widerspruch Viktor Adlers) Mißverständnisse zwischen den Parteien der beiden Länder vor- Händen waren. Derartigen Mißverständnissen möglichst vor- zubeugen, soll das Internationale Bureau beauftragt werden. Gesondert von der allgemeinen Resolution legen wir Ihnen noch zwei Resolutionen vor. Auf Antrag der französischen Sozial- demokrat'e soll beschlossen werden, daß im Falle einer drohenden Kriegsgefahr das Internationale Bureau schon einberufen werden muß, wenn eine Nation das fordert. Auf Antrag von van Kol und Vliegen soll ferner das Internationale Bureau vor jedem Kongreß zusammentreten und einen Bericht über die Durchführung der internationalen Kongreßbeschlüssc durch die einzelnen Parteien ausarbeiten. Auch diese Anträge empfehlen wir Ihnen zur ein- stimmigen Annahme. Zu lebhaftesten Auseinandersetzungen hat dann das Amendement Vaillant-Keir Hardie geführt, das Ihnen auch jetzt wieder vorliegt: „Unter allen Mitteln, welche angewendet werden sollen, Kriegen vorzubeugen und sie zu verhindern, hält der Kongreß als besonders zweckmäßig einen allgemeinen Streik der Arbeiter hauptsächlich in den Industrien, welche das Kriegsmaterial liefern(Waffen, Munition, Transportmittel usw.). ebenso die Agitation und Aktion im Volke, und zwar mit den kräftigsten Mitteln." Die Stuttgarter Resolution sagt über die Mittel, die wir an- Senden müssen, um den Krieg ßu verhindern: „Sobald der Ausbruch eines Krieges droht, sind die parla- mentarischen Vertreter der Arbeiterklasse in allen Ländern ver- pflichtet, unterstützt durch die zusammenfassende Tätigkeit des Internationalen Bureaus, alles aufzuwenden, um durch An- wendung der ihnen am ratsamsten erscheinenden Mittel den Ausbruch des Krieges zu verhindern." Diese Fassung war eine äußerst glückliche Lösung der Frage und wurde in Stuttgart einstimmig angenommen. Sie anerkennt -nicht nur die Möglichkeit, sondern die gebieterische Notwendigkeit der Abwehr der Kriegsgefahr mit den äußersten Mitteln. Aber den General st reilin irgend einer Weise den Län- dern zu oktroyieren, sei eS ein Generalstreik vor dem Kriege oder bei Ausbruch eines Krieges, dazu können wir uns nicht verstehen. Die wirtschaftliche Entwickeluna in den einzelnen Län- dern, die Kraft der Sozialdemokratie uns insbesondere die ver- ischiedene organisatorische Stärke der Arbeiterbewegung macht all- gemein bindende Vorschriften für den Generalstreik unmöglich. Das ist gar nicht strittig, daß der Generalstreik prinzipiell möglich ist, daß man unter Umständen zu ihm kommen kann, ja vielleicht, wenn die Umstände es bedingen, dazu kommen muß. Aber etwas anderes ist eS, den Generalstreik unter allen Umständen und für alle Länder wenigstens als moralische Pflicht zu proklamieren. Sie mögen Worte austüfteln, Sie mögen so vorsichtig sein, wie Sie wollen, so- halb Sie das Wort Generalstreik in die Resolution aufnehmen, ver- Pflichten Sie das Proletariat, ihn durchzuführen. Lose Betrach- iungen über historische Möglichkeiten wollen wir hier doch nicht an- stellen, sondern dem Proletariat sagen, was eS zu tun hat. Und da überlegen Sie einmal die Folgen, die eS haben muß, wenn Sie über die Stuttgarter Resolution hinausgehen. Wenn Sie wollen, daß die Beschlüsse der Internationale überall befolgt werden, dürfen Sie auch nur Beschlüsse fassen, die überall durchgeführt werden können. Noch sind aber die Organisationen nicht in allen Ländern so ausgereist, daß ein solcher Versuch nicht Verhängnis- volle Folgen haben konnte. Den Generalstreit müssen die Gewerk- schaften machen, wie Sie selbst durch die Einfügung einzelner Be- -rufe in den Antrag anerkennen. Und um einen Generalstreik han- delt eS sich bei diesem Streik der Bergarbeiter, Metallarbeiter, Transportarbeiter, Militärfchneidcr usw. Sie haben aber weder in England noch in Frankreich die Sicherheit, daß die Gewer!- i chaften zur Durchführung des Generalstreiks stark genug sind. VeShalb dürfen Sie apch uns einen solchen Beschluß nicht aus- zivmgstt lvollen. Als durchschlagendskei Trllnd erscheint mir ö!»c£, von allem anderen abgesehen, daß niemand solche Forderungen auf- stellen darf, der nicht im eigenen Lande alle Kriegsrüstungen ab- lehnt. Sie dürfen solche Beschlüsse nicht auf Grund Ihres bloß formalen Mandats zum Kongreß fassen, sondern hätten dazu das moralische Recht nur, wenn Sie in Ihrem eigenen Lande stets alle Forderungen für den Militarismus abgelehnt hätten. Ich bestreite das moralische Recht zur Stellung eines solchen Antrages jedem, der im eigenen Lande das Budget bewilligt.(Beifall und Unruhe bei der englischen I. L. P.t Ich bestreite es daher vor allem den englischen Parteigenossen, die durch die Bewilligung des Budgets ihren eigenen Machthabern die Waffen in die Hand geben, mit denen sie später Kriege führen können. Woher nehmen Sie das moralische Recht, anderen Völkern den Generalstreik zu gebieten, wenn Sie im eigenen Lande nicht so konsequent antimilitaristisch sind, wie alle anderen sozialistischen Parteien? Solange Sie das Budget und damit die Waffen bewilligen zur Ausrüstung der eng- lischen Söldnertruppen, mögen Sie uns mit weitergehenden An- trägen nicht kommen.(Beifall und Schlußrufe.) Ich komme zum Schluß, Parteigenossen. Was uns einen be- sonderen Anreiz in dieser Zeit geben muß, eine mächtige einheit- liche Kundgebung gegen den Krieg und für den Völkcrfrieden zu veranstalten, ist die Rede, die der deutsche Kaiser, Wilhelm II., jüngst in Königsberg gehalten hat. Er hat sich dabei wiederholt ausgesprochen für das absolutistische Regiment. Doch das ist eine interne Angelegenheit Deutschlands und darüber werden wir uns an anderer Stelle aussprechen. Aber er hat auch gesagt, und das ist geradezu eine Antwort auf alle Bestrebungen der Jnternatio- nalen Sozialistischen Kongresse gegen den Militarismus, daß der Weltfriede nur durch Rüstungen gewahrt werden kann. Diese Reden haben ja auch eine gute Wirkung, die seitens der Genossen anderer Länder gar nicht genug gewürdigt werden kann. Erst gestern sagte mir ein österreichischer Genosse:„Ihr habt wieder einmal Glück gehabt, daS bringt Euch 200 000 Stimmen mehr bei den nächsten Wahlen." Ich glaube, daß dieser österreichische Ge- nosse die propagandistische Wirkung noch unterschätzt. Ich glaube, daß wir dabei noch etwas mehr profitieren.(Heiterkeit.) Wil- Helm II. hat in der Geschichte eine unbewußte Mission zu erfüllen, unbewußt, wie alle Leute, die auf dem Pythiastuhl sitzen. Er ist der Wortführer des Militarismus in einer besonders pronon- eierten Form des Kapitalismus. Er übersieht die ungeheuerlichen Folgen, die Militarismus und Kapitalismus für die ganze Welt haben müssen. Es geht allen Monarchen Europas wie im Märchen des seligen Dichters Andersen vom Spiegel, in dem man alles ver- schoben und verzerrt erblickt. In diesem Spiegel sehen sie den Sozialismus als Drachengestalt und den Militarismus als hehren Friedensengel und Lichtgestalt. Aber wir müssen die Völker auf- klären über die wahre Natur des Militarismus, müssen sie auf- rufen gegen die Provokationen und da? Wettrüsten. Nicht durch die Rüstungen zu Wasser und Lande, nicht durch die Monarchen und Heercsjührer wird der Friede gesichert, sondern einzig und allein in der Hand des klassenbewußten Proletariats aller Länder, in seiner wachsenden Zuversicht und seinem wachsenden Stolz und in seiner unermüdlichen Tätigkeit liegt die Sicherung des Weltfriedens und das Heil der ganzen Menschheit.(Lebhafter Beifall.) Ledebour übersetzte hierauf selbst seine Rede ins Englisch-, wobei ihm Vaillant mit dem Zwischenruf unterbrach: Das ist ja eine ganz andere Rede! Zur Geschäftsordnung verlangte I a u r e S, daß sowohl die englische wie die deutsche Rede Ledcbours ins Französische übersetzt werde. Ledebour er- widerte, daß er die deutsche und englische Rede ohne Manuskript gehalten und jedes Mal die Punkte hervorgehoben habe, die für daS betreffende Land von besonderer Wichtigkeit seien, so für Eng- land die Frage der Budgetbewilligung. Er habe übrigens den französischen Uebersetzer Cm an gebeten, aus beiden Reden das lür Frankreich Wichtige zu entnehmen und zu übersetzen. Hu YS» manS: Das wäre dann also die dritte Redet Nach der französischen Uebersetzung wurde die Vormittags- sitzung nach 1 Uhr geschlossen, nachdem HuhSmans noch einige geschäftliche Mitteilungen gemacht hatte.— Keir Hardie soll als Korreferent 20 Minuten Redezeit haben, die übrigen Redner 10 Minuten. Von der holländischen Delegation ist eine Resolution über die N o r d s e e e n t e n t e an die fünfte Kommission ge- kommen, die sie dem Plenum überwiesen hat. Sie steht mit zur Beratung. NächmittagSsitzung. Kopenhagen, 2. September. Die Debatte über die Abrllstungsfrage wird fortgesetzt. Als Korreferent erhält das Wort Keir Hardie- England: Genosse Ledebour hat in der Einleitung seiner Rede gemeint, daß Bruce Glasier die modernen Kriege nicht bloß auf den Kapitalismus zurückgeführt, sondern sie als einen Ausfluß des allgemein tierischen Instinktes und der Kampfeslust behandelt habe. Da hat er Freund Glasier nicht verstanden. Dieser meinte, daß die Ursachen der modernen Kriege zwar den Geist der kapitalistischen Konkurrenz atmen, daß es aber schon vor dem Kapitalismus Kriege gegeben hat. die auf dieser tierischen Lust am animalischen Kampf be- ruhten. �Wenn nach Ueberwindung des Kapitalismus noch Kriege notwendig sein sollten, würde das ebenfalls lediglich auf diese innere Roheit der menschlichen Bestie zurückzuführen sein. Die Hauptfrage, der wir gegenüberstehen, ist die der Kriegs- Verhinderung und die der Abrüstung. In diesen Fragen nimmt die englische Arbeiterpartei eine ganz klare, bestimmte Haltung ein.(Lebhafter Beifall.) Wir sind nicht nur gegen den Krieg, sondern9a999999—9999—#999999——99——< ?aui Köfer, Berlin 86.. Cottbus er flamm 81/82, oneriert dcn feit JahrzehiUeii riilimlichst bekannten Ungewittvr's ZtsutsbsK an Wicdervcrläuscr zu EngroS-Preisen. 4452 Ardeitsr ond-n m Beruf 3892' gute und billige Kl�ldUUg in grosser ZluSwahl Zrunnensir. ISS, s��b Von der Reise zuriill(257/11» Rarmanu Katzy Landsberger Strafte 71. ____________________ FürZahnIeidmde 8-8. Amt Vll ISA. Verantwortlicher tttedakteur Richard Barth, Berlin, gür den Lnferatenteilderasw» Th. Glocke, Perlin, Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Berlagsanjlait Paul Singer& Co.. Berlin SW. X aw-Pr®. 5C Wollen Sie vorteiiliaft kaufen? So kaufen Sie la. Briketts nach Gewicht! i. B. KOCH Rohico-QDdBMs-GroShaiiilliiD!) —— gegründet 1893. Uauptkontor: Berlin OJUetersImrger Straße 1. Telephon Amt 7, 3040 u. 3096. liagcrpltitzc: L Rüdersdorf er Str. 71— Ostbahn, Küstriner Platz. II. Frnchtstr. 18— Ostbahn, Güterbahnhof. m. 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Demoliratle oder Anarchie 7 Dem badischen Disziplinbruch ist endlich ein Vertcidiizer er- standen. In drei längeren Artikeln, die gleichzeitig in der ljcssischcn Parteipresse erscheinen, sucht Dr. David das Verhalte«, sexner badischen Freunde zu verteidigen. Mit feinem politischen Ver- ständnis wählt er gerade die Zeit, in der Wilhelm II. im bürgerlichen Parteien zum gemeinsamen Kampf gegen die S«zialdemo- kratie aufruft, um der Partei anzuraten, ihre Geschlc»ssenheit zu lockern und die Einheitlichkeit ihres Handelns erschüttesu zu lassen. Die Leidenschaftlichkeit, die aus den Darlegui,gen Davids spricht, erklärt sich, ohne dadurch entschuldigt zu wex/oen, aus der prekären Situation, in der die Disziplinbrecher-sich befinden. Ausser Dr. David hat fast kein seiner Verantwortung bewusster sozialdemokratischer Politiker geglaubt, für die lltissachtung von Parteitagsbeschlüssen sich einsetzen zu können. Aber mit noch grösserer Schärfe haben sich unsere bedeutend /len Gewerkschaftsführer, mit Legten an der Spitze, ge gen ein Verhalten gewandt, das die organisatorischen Grundlagen der gesamten Arbeiterbewegung— sowohl der Partei als der Gewerkschaft— untergräbt. Daher die verbissene Wut des Gcieossen David. Man hat den Eindruck, dass hier weniger der Genosse spricht, der daö G a n z e der Partei ins Auge fassk, als ein F c a k t i o n s f ü h r e r innerhalb der Partei, der die.Revisionisten" scharf zu machen sucht, um nicht den„Radikalen", die als Wortführer und Vorkämpfer der Parteieinheit erscheinen, einen Erfolg zu gönnen. Deswegen be- schuldigt er den„Vorwärts", bei seinem Eintreten für die Partei- disziplin einen Nebenzweck im Auge zu tyaben. ..Der Zweck dieser Verkündung ist klar. Auch die Partei- genossen, die in der allgemeinen Beurteilung der Budgetfrage nicht den Standpunkt der prinzipiellen Verweigerer teilen, die diese Frage vielmehr als taktisch e ansehen, sollen dadurch zu einem scharfen Vorgehen gegen-sie badischen Genossen auf. gepeitscht werden. Insbesondere hpfft man mit dem Stichwort Disziplinbruch die Gewerkschafter, die in Nürnberg zum grossen Teil für grössere Bewegui«gsfreiheit in der Budgetfrage eintraten, nunmehr zu einem Vcrdammungsurteil über die badischen Sünder zu gewinnen. Es wäre eine arge Kur,'/sichtigkeit, wollten sich Partei- genossen, die sonst von der Notix>endigkeit einer praktischen, auf Durchsetzung nächstnoXwendiger Forderungen sich kon- zentrierenden Politik überzeugt sind, durch das Disziplinbruch- geschrei irgendwie in ihrer Stellungnahme beeinflussen lassen. Disziplinbruchgeschr«i— ich wiederhole das harte Wort; denn gegen diesen Versuch der Wassertrüberei hilft nur eine klare Sprache�" Man sieht, das ist ein Appell an die„Revisionisten" und der Versuch, die Genossen, die in Her Gewerkschaftsbewegung an hervor- ragender Stelle stehen, von ihrer Stellungnahme abzubringen, die sich ihnen aus den Bedingi cngen der Gewerkschaftsbewegung selbst notwendig ergeben hat. FZassertrüberei in der Tat, aber tver trübt? Gegenüber diesem Ver/uch, die Frage auf den Gegensatz zwischen Revisionisten und Radikalen hinauszuspielen, muss mit aller Ent- schiedenheit gesagt werdco.i, dass die Frage der Aufrechterhaltung der Disziplin eine Lebemsfrage der Partei ist, die alle Partei und Gewerkschaftsgenoss en in gleicher Weise angeht. Das haben auch die Arbeiter o'/stte Unterschied begriffen, nicht nur in Nord- deutschland, sondern ebenso in dem grossten Teil von Süddeutsch land und nicht zuletzt in Hessen. Der Appell an die„Revisionisten", an ein fraktionelles l'jjruppeninteresse ist deshalb zwar nicht minder verwerflich, aber zur« Glück ungefährlich. Die Frage liegt so klar und einfach, dass sie, jeder Arbeiter— und der Arbeiter besser als irgend jemand anders— unmittelbar versteht und sein Verstand nis nicht getrübt v»erden kann. Auch nicht d-xwch die schillernden Argumentationen des Gen. David: „Die Art �Disziplin, deren Heiligsprechung man hier im Namen der Dkmokratie betreibt, ist in Wahrheit die gefähr Kleines Feuilleton. Theater. Nette ffreie Volksbühne. Auch dieser Verein besteht schon seit 13 fahren, etwas kürzer also als die Freie Volksbühne, mit der er po'/izei-zensorliche und allerlei sonstige Bevorinundungs- dinge von seilen unsere» lieben, um die„Kultur" besorgten Staats-Vc�kerS Preusscn gemeinsam hat. Bekanntlich streben beide ißejpsitie dahin, ihre gesamten Kunstinteressen, unabhängig von den Instituten eines nur kapitalistischen Unternehmertums, unter ebenem Dache zu Verivalten. Die Neue freie Volksbühne ist, indem sie den goldenen Mittelweg wählte, zenem„Endziel" bereits nahe. Sie gedenkt schon im nächsten Jahre sich ihr von allen geschäftlichen Interessen befreites Volkskunsthaus zu errichten. Am Baufonds fehlt's ihr nicht; denn bis jetzt sind LÖQC/JO Mark groschen- und markweise gesammelt worden. Jetzt gilt'L bloss noch den geeigneten Grund und Boden zu erwerben. Bor/.äufig hat der Verein das ehemalige Wolzogensche Ueberbrettl- Tl�ater in der Köpenickerstrasse als„Neues V o l k s t h e a t er" d'i seinem ständigen Schauspielhause erkoren. Und dort, wo einst 'xeutsche Lhriker, Kompositeure und Tcmzsänger im Biedermeier- kostüm groteske Harlekinaden vollführten, wird der Verein Neue -freie Volksbühne nunmehr das Problem zu lösen beflissen sein, welches Volkskunst heisst, von der allein alle freieren Geister Kulturarbeit erwarten. Die Jnnenräume sind lichtfrohcr und freundlicher als vordem gestaltet worden. Hiervon hat sich bei der Eröffnungsvorstellung am letzten Donnerstag auch die Polizeibehörde überzeugen können, die in Gestalt von einem Leutnant, einem Wachtmeister nebst mehreren Schutzleuten er- schienen war. Die erste Wochentag-Abendvorstellung brachte Ibsens Schauspiel: Die Stützen der Gesellschaft. Dass die Dar- siellung alle Bedingungen erfüllte, welche Jbsensche Stücke nun doch als unumgänglich fordern, lässt sich schlechterdings nicht be- raupten. Sie beanspruchen Stil und noch einmal Stil. Bei dem berühmten Wikinger pflegen alle Gestalten, ihre Geschicke, ihre mündlichen Unterhandlungen sich auf der messerscharfen Grenzscheide weihevoller Tragik zu bewegen, aus der wir den Hauch des Erlösendcu empfangen. Ein paar Töne zu tief gc- griffen können da sehr leicht eine an unfreiwillige Komik streifende Nachwirkung erzeugen. An Elisabeth H u ch konnte man sehen, wie eine Dina Dorf nicht gespielt werden soll. Josef Kleins Konsul Bernick, an sich eine sehr achtbare Leistung, war durch das Temperament eines Oesterreichers gesehen... Unter den weiblichen Rollenvertreterinnen ragte Helene Riechers als Lona durch eine natürliche, lebenswahre Wieder- gäbe hervor. Ihr stand am nächsten Maria Mayer(Martha Bernick). Dann mögen noch die Herren Emil Rameau(Rör- lund), Maximilian Sladek(Aune) und Hans Bohkow(Krap) genannt sein. e. k. Modernes Theater:.D i e Wesp e", Komödie von Andre Picard, deutsch von Lothar. Das frühere Hebbel- theater. in dem Hebbel selbst rnernals zu Wort gekommen ist, lichste Feindin der Demokratie. Sie hat auch nie- mals in der Sozialdemokratie gegolten. Und würde sie in ihr sich durchsetzen, dann könnte es nur geschehen mit Uniwandlung der Sozial demokratie in eine Sozial d e f p o t i e." Dass Parteitagsbeschlüsse eingehalten werden müssen, ist die selbstverständlichste Forderung jeder demokratischen Partei, einfach die Bedingung ihrer Existenz. Das ist die Forderung, die der Magdeburger Parteitag rückhaltlos zur Geltung bringen muh. Das hat bisher trotz David als selbstverständlich gegolten und wird auch wieder als s e l b st v e r st ä n d l i ch st a t u i e r t werden. Wenn Dr. David da? dann„Sozialdespotie" nennen will,, mag er es tun, die Gegner werden es ihm danken. Wir möchten nur raten, das Fremdwort zu verdeutschen. Wir empfehlen „M assenherrschaft", das Lieblingswort des Herrn v. B e t h- man Hollweg. wenn er die Forderung deS gleichen Wahl- rechts, das diese Gefahr der„Sozialdespotie" heraufbeschwöre, ab- weisen will. Um zu zeigen, daß die Demokratie, wie er sie meint, geradezu das Brechen von ParteitagSbeschlüssen erfordert, spricht Dr. David dem Gen. Frank die Behauptung nach, die ganze Parteigeschichte sei „geradezu besät mit Disziplinbrüchen". Man weiß, dass der Beweis für diese Behauptung sehr dürftig ist und auch Dr. David bringt von der ganzen Saat gerade nur drei Körnchen bei: „Bekannt ist auch der„grobe Disziplinbruch", den die Partei- leiter, Bebel und Liebknecht an der Spitze, dadurch be- gingen, dass sie sich über das St. Gallener Verbot, irgendwelche bürgerliche Kandidaten bei der Stichwahl zu unterstützen, bei den Februarwahlen 1890 kurzerhand hinwegsetzten. Noch frischer im Gedächtnis ist die Durchbrechung des Münchener Parteitagsbeschlusses(1992), der be- stimmte, dass nur solche gegnerische Kandidaten unsere Stichwahl- Hilfe erhalten dürften, die sich verpflichteten, gegen jede Er- höhung der Lebensmittelzölle, gegen jede neue indirekte Steuer auf Massenkonsumartikel und gegen jede neue, die Ausgaben er- höhende Militär- und Marinevorlage einzutreten. Das sollte das Minimum fein, die unerläßlichsten Bedingungen, die gegnerische Kandidaten erfüllen müssen, wie Bebel als Referent ausführte. Weder Zentrumsleute noch Nationalliberale hätten danach— und auch das hob Bebel nachdrücklichst hervor!— unsere Stich- ■ wahlhilfe erhalten dürfen. Und waS geschah in Wirklichkeit? In Dutzenden von Wahlkreisen wurde bei den Stichwahlen 1993 gegen diesen Bejchluss verstoßen. Und bei den Stichwahlen 1997 beging sogar dte Zentralleitung den Disziplinbruch, das Ein- treten für Zentrumsleute von oben herunter gutzuheißen. Einen dritten sehr lehrreichen Beitrag zum Kapitel„Dis- ziplinbrüche" bildet oie Nichtbeachtung der Breslauer Agrarresolution. Diese verwirft die Förderung der Landeskultur, da sie kein Interesse des Proletariats, son- dern einS der Ausbeuter des Proletariats sei. Seit Jahren stimmen unsere Vertreter in allen deutschen Landtagen, in grober Nichtachtung dieser Resolvtion, für die Landeskulturanforde- rungen in den einzelstaatlichen Budgets!— Und niemand nimmt sie um dieser Disziplinlosigkeit willen bei den Ohren! Diese Fälle genügen, um das Geschrei über da?„un- erhörte Vorkommnis" in Baden auf seinen wahren Wert zu be- leuchten." Die zwei ersten Beispiele sind bereits bekannt und was fach- lich dazu zu sagen, schon ausführlich gesagt worden. Interessanter ist das dritte Beispiel, daS den Originalbeitrag Davids zur „Disziplinbruchsaat" darstellt, interessant, weil«S zeigt, zu welchen Mitteln diese Disziplinbruchsammler in ihrer Not greifen müssen. Die Breslauer Resolution rührt von K a u t s k y her und auf Seite 149 des Breslauer Protokolls finden wir folgende „persönliche" Bemerkungen: Kautskh: Genosse David hat behauptet, ich hätte mich dahin ausgesprochen, als seien von jetzt ab alle Ausgaben im Interesse der Landeskultur zu verwerfen. Ich habe das nicht gesagt. Ich habe nur dagegen protestiert, dass das Agrar- Programm und der Referent das Interesse der Landeskultur für gleichbedeutend erklären mit dem Interesse des Proleta- riatS. In ein Parteiprogramm gehört das Interesse der Landet kultur nicht. hat seinen anspruchsvollen Namen, dem kein wirkliches Programm entsprach, mit der heutzutage recht anspruchslos nichtssagenden Bezeichnung„Modernes Theater" vertauscht. Das heisst, da die dramatische Produktion längst wieder jede nähere Beziehung zum großen Inhalt, zu den Kämpfen und Tendenzen unserer Zeit, jede? charakteristische Gepräge verloren hat, nichts anderes als— Novitätenbühne. Keine Versprechungen sind immerhin besser als noch so klangvolle Losungen, die einzulösen man nicht imstande ist. Am durchschnittlichen Premierenniveau gemessen. erwieS sich die französische Komödie, mit der Direktor G e t t k e die Saison eröffnete, als angenehme Ueberrctschung. � Statt eines der üb- lichcn Pariser Schwanke und Verrenkungsstücke, die man nach dem Theaterzettel erwarten mochte, gab cS eine sorgsam gefeilte, im Gebiete psychologischer Möglichkeiten sich bewegende Arbeit, die ohne Ehrgeiz, doch auch ohne Entgleisungen in das Banale unter- hielt. Das Ganze ist wie in den Dramen von Picards berühmtem Landsmann Henry Bernstein auf eine große Szene konstruiert, mit geringerem Aufwände an Spannungsraffinement, aber dafür bei weitem überzeugender. Klug versteht er, fiir die verschlossene, herbe, früh verwitwete Therese, deren kalter Ernst die flirtende, aus lauter reichen Nichts- tuern bestehende Umgebung so verletzt, Interesse zu erwecken. Man wird neugierig: WaS dieser schroffen Ablehnung, die sich gegen- über dem Courmacher der Schwägerin zu offener Feindseligkeit steigert, schliesslich zugrunde liegt? Ist'S angeborene Bosheit und Scheelsucht, wie die lieben Freundinnen und der eitel selbstgefällige Don Juan behaupten? Oder, wie der grundgutmütige Gounouillac, ihr heimlicher Verehrer, entschuldigend meint: die verbitternde Nachivirkung einer unglücklichen Ehe? Oder am Ende gar ein hochstrebend edlerer Sinn, der sich gegen die hohle Fadheit diese? Genusslebens auflehnt? Im Tone strengen SittenrichtertumS per- langt sie von der Schwägerin, die sie im zärtlichen Tete-a-Tete ertappte, dass sie den Liebhaber sofort entferne, und droht ihr, da? Geheimnis dem Gatten zu verraten. Sie spricht wie jemand, der nach langen Kämpfen sich selbst vor jedem Anfall blinder Begier gesichert weiss und gleiche Kraft auch von den anderen verlangt. In der Auseinandersetzung mit dem Liebhaber— der grossen Szene— schlägt dieses sell'stgewisse Moralisieren bei der heraus- fordernd unverschämten Haltung des jungen Mannes in Empörung und ins Frohlocken rachsüchtigen Hasses um. Sie triumphiert, dass sie att ihm, der sie so oft verletzte, dem verwöhnten Lieblina der Frauen, Vergeltung üben könne. Er aber, berauscht vom Anblick der wilden Schönheit, die i!hr der Zorn verleiht, und hinter ihrem Haß die Eifersucht verborgener elementarisch mächtiger Liebe witternd, zieht sie in seine Arme. Taktvoll geht der Schlussakt, reich an hübschen psychologischen Nuancen, jeder Theatralik aus dem Wege. Lachend über seine komische Verlegenheit nimmt Therese von ihrem heimlichen Verehrer, dem guten stillen Gounonillac, mit wehem Schmerz nimmt sie von ihrem brutalen Bezwinger, der ihr vergeblich von den unauslöschlichen Glutcn seiner Liebe redet, Abschied. Adele Hartwig führte dieRolle derTherese in fewer Abtönung durch. Sehr gut war auch Herr Schönfelder in der tragikomischen Episodenfigur des Gutmütigen. Da» Stück fand starfen Beifall. dt. David: Ich habe mich gegen die Kautskyfche Resolution, nicht gegen eine Aeußerung KatttskhS gewandt. In dieser Reso- lution wird das Prinzip ausgesprochen, daß die Ausgaben für Landeskultur nur den Besitzenden nützten. Durch die Annahme dieses Prinzips würde der Praxis, die unsere Genossen in den Landtagen bei Aufwendungen für die Zwecke der Landesiultur bisher immer befolgt haben, der Todesstoß versetzt werden. So sieht der David'sche Originalbeitrag aus! Weil die Parteigenossen- sich nicht an die missverständliche Aus» legung Davids, sondern an den richtigen Sinn der Resolution gehalten haben— wobei es für unsere Frage ganz gleichgültig ist, ob der Wortlaut der Resolution solche Missverständnisse über- Haupt möglich macht oder nicht—. beschuldigt sie David des Disziplinbruchs! Blinder Eifer schadet nur. Was aber die anderen Beispiele anbetrifft, so liegt der Unter» schied zwischen diesen Fällen und den badischen so klar zu Tage. dass man schon gewaltsam die Augen schließen muss. um ihn nicht sehen zu müssen. Kein Mensch hat je behauptet, dass Resolutioneu eines Parteitages über der lebendigen, handelnden Partei stehen, so daß die Buchstaben in Geltung bleiben, wenn sich auch die Meinung der Partei geändert hat. Als Vollzugsorgane der Gesamtpartei, als V o I l st r e ckc r i n ihres Willens haben die verantwortlichen Personen und Instanzen gehandelt. als sie den St. Gallener Bcschluh nicht befolgten, den aufzuheben — und er wäre sicher aufgehoben worden, wenn der Parteitag rechtzeitig hätte zusammentreten können— keine Zeit mehr war. Und ebenso lag es mit der Münchener Resolution. Dass aber die Führer der Partei den Willen der Gesamtpartei richtig interpretierten und ausführten und nur in diesem Be» wüßt sein den Beschluß nicht einhielten, beweist ja gerade der Umstand, dass sie in der Partei fast nur Zttstimmung fanden, daß der Parteitag in Halle die nachgesuchte Indemnität gegen ein paar unreife Oppositionelle, die bald die Partei ver- ließen, mit überwältigender Majorität bewilligte. Will Genosse David behaupten, dass die badischen Genossen in demselben Be- wutztsein, den Willen der Gesamtpartei auszuführen. das Budget bewilligten? Dieselben Leute, die nicht, wie es die Bebel und Liebknecht taten, den Parteitag um Indemnität ersuchen, sondern im Bewußtsein, gegen die ihnen sehr genau be- kannte WillenSmeinung der grossen Majorität der Partei gehandelt zu haben, auch jetzt noch sich nicht zu der Anerkennung der Souveränität des Parteitages aufschwingen können. Liebknecht aber hätte David wirklich nicht in Zusammen- hang mit einem Disziplinbrnch zitieren sollen. Hat doch Lieb- knecht gerade diese Worte gesprochen: „Denn wenn ich auch überzeugt bin, dass so mancher mit dein Resultat, welches die Debatte haben wird, nicht ganz zu- frieden fein wird, so steht das Eine doch von vornherein fest: wie auch immer die Entscheidung ausfallen möge, die Dis» ziplin in unserer Partei und das Vertrauen der Gc- nossen ineinander ist ein so grosses, daß von einer Trennung der Partei, von einer Nichtbefolgung dessett, was beschlossen wird, nicht die Rede fein kann. Wir haben an einem warnenden Beispiel— ich muß das leider ja erwähnen— in Sachsen gesehen, wie gefährlich es ist, ivcnn in einer solchen Frage auch von einer noch so kleinen Minorität eine abweichende Taktik befolgt wird. Dessen sind wir alle sicher, und unsere Gegner werden e» aus den Debatten ersehen, dass. wenn auch unsere Meinungen weit auseinandergehen, doch die Partei einig ist in dem Bestreben, von welchem jeder von uns in gleichem Masse erfüllt ist. das zu tun, was im Interesse der Partei liegt.... Bei uns hat es stets geheißen: ErstdieSache.d an n d t e P e r s o n. Diese Worte sind auch gesprochen in der Behandlung einer Landesangelegenheit: der Beteiligung an den preußischen Landtagswahlen. Und von Liebknecht wird vielleicht Gen. David zugeben, dass er gewußt hat, was Parteidisziplin, und ge» wüßt hat. was Demokratie ist. David freilich hat von Demokratie seine eigene Auffassung: Musik. Die Besorgnis vor der asiatischen Cholera ist übertrieben, die vor der m u s i k a l i s ch e n keineswegs. Nun bricht sie wieder aus. und die Musikfreunde, die während des Sommers Artikel über den Verfall der Operette gelesen oder gar geschrieben haben, lassen sich jetzt wieder mehr oder weniger geduldig Tanzductte vormachen. Sie hoffen auf einen guten Fortgang der neuen Regungen im Ope- rettenfelde: der dramatischen Vervollkommnung einerseits, der volkstümlich-lyrischen andererseits. Für die letztere haben wir seit dem„Zerbrochenen Krug" und bei der„FörsterlieSl" unsere Hoff- nttnaen auf den Komponisten Georg Jarno gesetzt. Die Erst- attfführung seines neuen„M u s i k a n t e n m« d e l s" im„Ver» l i n e r T y e a t e r" am Donnerstag hat sie angenehm bestärkt. Aber eins wünschen wir ihm und von ihm dringend: daß er die seiner nicht würdigen Texte aufgebe und vielmehr solche suche, die seiner musikalischen Höhe entsprechen und ihn insbesondere nicht zum Nachgeben gegenüber ganz gewöhnlicher PublikumSfütterung verleiten. Der vorliegende Text— von Bernhard Buchbinder— stellt mit ältester Mache, Sentimentalität und Breite die Geschichte einer Kuhmagd dar. die sich in Meister Joseph HaydnS Neffen verliebt, vom Onkel aber zu sich genommen und so freundlich behandelt, so sorgsam herangebildet wird, dass sie den guten Alten so lieb gewinnt, wie sie früher ihren— Esel lieb ge» habt hat. Dabei wird sie durch verschiedene ländliche und fürstliche und Rokokoepisoden hindurchgeschleppt und erfährt schliesslich unter melodramatischer Orchesterbeglcitung, dass sie Vater HahonS eigene Tochter ist. Der einen und für solche Rollen wohl einzigartigen Schau- spiclerin Hansi Niese auf den Leib geschrieben, kann das Stück seine? Erfolges sicher sein. Die im besten Sinn echte und ins Innere dringende Komik der Künstlerin, der wahrhafte Humor und nicht zuletzt die künstlerisch reife Beherrschung der Mimik, der Sprechftimme und der sonoren Grsanaöslimme(Alt) lassen fast ver- gessen, was es ringsum an Wert und Unwert gibt. Aus den übrigen Spiel- und Gesangsleistungen, die wir da bekamen, das bisschen Tüchtige herauszusuchen, lohnt in kurzer Rede nicht; um so mehr lohnt noch ein Verweilen bei der Musik. Jarno komponiert sorgfältig, mit einigem Reichtum der Satz- kunst und mit gut treffender Charakteristik der Tonbewegung und der Klangfarbe, allerdings ohne einen Zug nach dramatischer Ent- Wickelung. Seine Eigensprache ist nicht gross, doch sein Bestreben, Coupletart und VolkSliedart zu etwas Neuem zu vereinen, bewährt sich auch diesmal wieder. Dadurch vor allem ist er vielleicht noch am ehesten fähig, daS zu sein, was man volkstümlich nennt. Allerdings würde dazu der übliche Taktschritt, über den auch er bisher wenig hinauskommt, nicht nötig fein; am wenigsten das Weitermachen in der Art eines Tanzquartetts, das im zweiten Akt recht episodisch, einlagenhaft an die Reihe kommt. Besagter Akt, dem gleichen Akt in der„FörsterlieSl" entsprechend, bringt mancher- lei vornehm« Tanzkompositionen und unmittelbar vor dem er» wähnten Quartett ein zartes.,Marionetten"-Duett, daS zu einer langen Lebensdauer berufen ist. Eine gut wienerische Stimmung, die über de« ganzen liegt, wM auF manche Rührseligkeit erträglicher. sz., »Selbstverständlich must eine graste Bewegung wie die unserige versuchen, e i n h e i t I i ch e Richtlinien für ihren Vormarsch durch Beschlüsse festzulegen. Wer ebenso selbswer- ständlich ist es, dast solche Beschlüsse durch die nachfolgende Praxis korrigiert werden, sobald sich ergibt, daß ihre strikte Befolgung unsere Sache nicht fördern, sondern schädigen würde. Die Durch- setzung der politischen und wirtschaftlichen Emanzipation der Arbeiterschaft— das ist das hoch st e Prinzip, das h ö ch st e Ge- bot aller unserer parlamentarischen und sonstigen Praxis.� Stellt sich in einer gegebenen Situation heraus, dast irgendein Be- schlust irgendc.ner Parteiinstanz in Wjiderspruch mit diesem höchsten Prinzip steht, so m u st er durchbrochen werden. Aber wer soll entscheiden, ob dieser Fall gegeben ist?— wird da von den Verfechtern der Disziplin um jeden Preis eingeworfen. Das darf doch nur die höhere Parteiinstanz, nur der Parteitag für Parteitagsbeschlüsse. Dürfte es der einzelne oder eine kleine Gruppe, eine Gemeinde- oder Land- tagSvertrctung, so wäre ja der Verwirrung, der Disziplinlosig- keit Tor und Tür geöffnet. Die Betreffenden mögen— so belehrt man uns weiter—, wenn sie einen Beschluh für schädlich halten, seine Aufhebung auf ordnungsmästigem Wege betreiben. Aber solange er besteht, solange müssen sie ihn befolgen. So verlangt es die demokratische Disziplin! Diese Argumentation ist sinnlos, weil sie in der Praxis Undurchführbares verlangt. In den meisten Fällen liegen die Dinge so, daß rasch gehandelt werden mutz. Es ist gar keine Möglichkeit da, erst den Parteitag abzuwarten. Wer aber den zur betreffenden Aktion berufenen Parteigenossen zumutet, dem formalen Beschlust zu Ehren etwas zu tun, was nach ihrer innersten Ueberzeugung eine Schädigung der Sache, die sie zu vertreten haben, bedeutet, der beweist damit nur, dast er ein formalistischer Doktrinär ist, in dem von wahrem demokratischen Empfinden nichts lebt. Die Disziplin im Sinne blinder Befolgung einmal gegebener Befehle ist nicht das Prinzip der Demokratie, das ist vielmehr das Prinzip desAbsolutismus. Ter ver- langt einfach, datz der Mann gehorcht, ohne die Folge der Handlung selbst zu prüfen. Der Beschlutz der oberen Instanz nimmt der unteren Instanz die Pflicht der eigenen Beurteilung und die Last der Verantwortung ab. Der Untergeordnete hat nichts zu sein als ein exakt funktionierendes Werkzeug des Uebcr- geordneten. Das ist Kadavergehorsam, einerlei, ob diese höhere Instanz ein Monarch oder ein Parlament oder ein Partei- tag ist. Man sollte meinen, datz nur ein vreutztschcr Unteroffizier diese absolutistische Disziplin gleichsetzen könne mit der Disziplin der Demokratie. Die letztere nimmt dem zur Ausführung Be- rufenen nicht die eigene Beurteilung und Verantwortung ab. Das tut die Demokratie erstens nicht, weil sie weist, dast die Mannigfaltigkeit und der stete Flust der Verhältnisse sich niemals im voraus restlos übersehen und in Beschlüsse bannen lätzt. Und zum zweiten tut sie das nicht, weil sie weist, datz das selbständige Denken und das Gefühl eigenster Verantwortung jedes einzelnen die hoch st en Kräfte der Demokratie sind." Dringt man von diesem Phrasenschwall zum Inhalt bor, so heistt das: Parteitagsbeschlüsse können gefatzt werden, sie sind„all- gemeine Richtlinien". Ob sie a u s g c f ü h r t werden können oder nicht, darüber entscheiden die„zur Aktion berufenen Partei- genossen", also in der Praxis in den allermeisten Fällen die P a r- la m entarte r. Sie sind die Exekutive, der Parteitag sinkt herab zu einer nur der Form nach beschlictzcnden, in Wirk- lichkeit aber nur beratenden Körperschaft. Die Gesamtver- tretung der Partei hat sich zu bescheiden und abzudanken vor den Beschlüssen der„zur Aktion berufenen Genossen". Man ficht jetzt, wodurch Gen. David das Gespenst der„Sozial- despotie" zu bannen sucht: durch die„Despotie", der zur Aktion berufenen Genossen. Die Demokratie, wie sie Gen. David ver- steht, bedeutet auf der einen Seite den Absolutismus der Parlamentarier, die auf der anderen notwendigerweise nur eins bewirken würde, die Anarchie innerhalb der Partei. Es ist das alte Ideal der französischen„unabhängigen Sozialisten", die auch nur die Verantwortung vor ihrem Gewissen und vor ihrem Wahlkreis anerkennen wollen, zu dem Gen. David flüchten mutz, um den badischen Disziplinbruch zu rechtfertigen. Mus aller Melt. Der Scbmhcn von friedbcrgf. Schwere Mühe hat cS sich die grotzherzoglich hessische Polizei mit gütiger Untersiiitzimg der russischen Spitzelgarde kosten lassen, den Ferienaufenthalt NikolauZ H. von allen irgendwie„verdächtigen" Personen zu säubern. Im Schtveitze ihres Angesichts schnüffelte eine Armee russischer Spitzel schon wochenlang vor der Ankunft des un- gern gesehenen Gastes nmher, damit kein Haar auf dem Haupte des Erhabenen gekrümmt werde. Und der Erfolg blieb nicht aus. Nikolaus der Mutige brachte es fertig,— freilich umgeben von einer Wolke von Spitzeln— sich auf einer Pronienadenbank in Bad Nauheim niederzusetzen. Allzu wohl scheint ihm bei dieser kühnen Tat wohl nicht zumute gewesen zu sein, denn jetzt wird von amtlicher Seite die Presse um Veröffentlichung folgender Zeilen ersucht: Ms der Zar gestern auf der Promenadenbank in Bad Nan- heim satz und dort von einigen Kurgästen erkannt wurde, wurde er in einer Weise belästigt, die geradezu skandalös war. Einzelne Leute stellten sich direkt vor ihn hin, starrten ihm ins Gesicht, umringten ihn und deuteten mit den Fingern aus ihn. Mit Mühe konnte sich der Zar dieser Unannehmlichkeit entziehen. Wenn derartige Vorgänge wie gestern in Bad Nauheim sich wieder- holen sollten, würde es dem Zaren künftig unmöglich gemacht werden, sich öffentlich zu zeigen und weitere Spazier- gänge zu unternehmen. Weun für den Beteiligten auch unangenehm, so ist e» doch ver- ständlich, datz die den wohlhabenden Klassen angehörigen Kurgäste mit Fingern ans den Mann zeigen, unter dessen Bttt- Wirkung während seiner Rcgicrungszcit wegen freiheitlicher An- schaumigen 3000 Menschen hingerichtet, 6000 zum Tode verurteilt, 75 000 verbannt und 200 OOO ins Gefängnis geworfen wurden. Die Drohung, datz der mit so ungeheuerlicher Blutschuld Be- ladene sich öffentlich nicht mehr zeigen werde, wirkt nur er- h e i t e r n d, tzst doch die übcrgrotze Mehrheit des Volkes froh, wenn der ihnen aufgadrnngene Gast sich dauernd unsichtbar macht und nach Rutzland verschwindet. Die Cholera im Ausland. In B u d a p e st ist neuerdings wieder ein Cholerafall amtlich festgestellt worden. Vor einigen Tagen wurde ein Matrose von einem Donauschiff in das Budapester Kranken- Haus eingeliefert, wo er unter choleraverdächtigen Erschei- nungen verstorben ist. Die bakteriologische Untersuchung der Leiche hat als T o d 8 u r sa ch e cbolorn asiatien ergeben. — Der Choleraherd äm türkischen Vilajct Erzcrum fordert andauernd neue Opfer. Am 29. und LO. August sind, wie amtlich gemeldet wird, dort iL Cholcrafälle vorgekommen, von denen acht einen tödlich en Verlauf nahmen.— Auch in den ver- feuchten italienischen Provinzen hat die Cholera neue Opfer gefordert. In den letzten 24 Stunden sind in Trani drei Erkrankungen und drei Todesfälle, in Barletta zivei Erkrankungen und zi vei Todesfälle, in A n d r i a eine Erkrankung und ein Todesfall, in Molfetta drei Er- krankungen, in C a n o s a d i P u g l i a ein Todesfall, in Trinitapoli zwei Erkrankungen und zwei Todesfälle und in St. Ferdinand o zw.ci Erkrankungen und ein Todes- fall festgestellt worden. MelgWelräst lotfechalk* Co. Berlin W., Alvenslebens Straße 6 an der Potsdamer Straße. 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K Deutscher Metallarbeiter-Verband Zj-rwaltungSstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachncht, daß unser Mitglied, der Arbeiter VVilktzlm König am 30. August infolge Unfalls gestorben ist. Die Beerdigung findet heule Sonnabend, den 3. September, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenballe des Rirdorser Fried- HoseS, Mari endorser Weg, aus statt. Ferner starb am 31. August an Brechdurchsall unser Mitglied, der Arbeiter Paul priectrick. Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 3. September, nachmittags 4>/, Uhr, von der Leichenballe dcS Gethsemane- Kirchhofes in Nieder-Schönhausen- Nordend aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet 121/4 Die Ortsverwaltung. Deutseber Transportarbeiter-Ferband. Bezirksverwaltung Groll- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dah unser Kollege, der Keller- arbeiter Guslsv Werdermann am 31. d. M. im Alter von S1 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 6. d. M., nach- mittags S Uhr, von der Leichen- balle dcS Zentral-FriedhoseS in Friedrichsseide aus statt. 71/12 Die Bezirksverwaltung. GesangverelD iiebteoberger Mlooerchor. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, dah unser SangeSbruder Etemknrä Lange gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 3. September, nachmittags S'/, Uhr, von der Leichenhalle in der Bornitzstrahe aus statt. 681b Der Vorstand. Orts-Krankenkasse der Klichbllidkr und vmv. Gewerbe zu Kerlln. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die in der Kencralversainmlung vom 26. April d. I. beschlossene Statutenänderung genehmigt ist. Hierdurch erhohen sich die täg< - lichcn Unterstiitzungsfätze sür er- krankte Mitglieder sür die 277/3 Klasse A aus 2,60 M. I. 2,10. . II. 1,75, . III. 1.40. „ IV. 0,87. . V. 0,58. Die bisher bestehenden Beitrags- sähe bleiben dieselben. Vorstehende Statutenänderung tritt mit Montag, den 5. September 1910 in Krast. Der Vorstand. BcsmiIi. Jost, Vorsitzender. K. C-otterniann, Schristsührer. NB.: Die Nachträge zum Statut können im Kassenlokal in Empfang genommen werden. ["liRLOfTENBÜRG. Uhren und Goldwaron F. Stahenow, Berlinerstr. 146' 1 Mark wöchentliche Teilzahlungen liefere elegante (erlige Ersatz für Mall. Anfert. n. Mall. Tadelloso Ausf. Julius Fabian Schneidermstr. Große Frank- furlerstr. 3711 EingangStraus- bergar Platz. II. Gosohäft: Turmsir. 18 nurerste Etage, kein Laden. Mi Mrtilrtl Arbeitsnachweis: Hof l. Amt 3, 1239. Verwaltungöftelle Berlin. Hauptbureau: Charitbstralle 3. Hos III. Amt 3. 1987. Eiaheitsprels für Denen und Herren M. 12.50 Luxus- Ausführung M. 16.50 Fordern Sie Musterbuch V Sonntag, den 4. September 1910, vormittags 9'/, Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. S9: null fc Ifliiiif. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu dem in der lct/ten Versammlung ge- sasften Beschlust. 2. Diskussion. 121/3 MF- Die Vertrauensleute treffen sich eine Stunde früher in obigem Lokal. Md In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist da? Erscheinen eines jeder Kollegen notwendig._ Die Ortsvcrwaltung. Gemeinsame Orts»MranItenkasse für Ifowauies und llmgegend. Am Montag, den IS. September, abends«>/, Uhr, findet im Lokale deS Herrn lllnx Sinsvi', Priesterstraste»1, eme außerord. Generalversammlung statt, wozu wir die geivählten Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer crgebenst einladen. Tagesordnung: 1. Statutenänderung zum 13. Nachtrag. 2. Geschäftliche Mitteilungen. 3. Bericht vom Kongretz in Regensburg. 4. Verschiedenes. Antröge hierzu sind bis zum 9. September beim Vorsitzenden einzu- reichen. vor Torstnnd. 277/9 Karl Wilk, Schriftführer. Waldemar Karsten, Vorsitzender. Salamander Scbuhges, m. d. H., Berlin Zentral«: WS, Friedrich• Stresse 183 C. K5nJg- Strasse 47 SW. Friedrich-Strasse 321 C kosen thaler Tor W. Potsdamer Strasse 6 r Vcrrvaltuns Berlin. Sonntag» den 4. September, pünktlich mittags RS Uhr, in den AndreaS-FestsSlen. AndreaSstr. 2l: Unsliiiiiiiliillilist der Kistenmacher. W NW. 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Seilllßt!>tS„NWlitts" Stllilltl DWIlllt. 5«.«M°d.z s.M«M »II I-----"■mmmm— nmm�M—gaa——■BWB«— m Partei- �Zngelegendeiten. Zweiter Wahltreis. Am Sonntag, den 4. September, findet in den Gesamträumen der Bock-Vrauerei unser Volksfest statt, bestehend aus Konzert, Gesang, Ball, turnerischen Aufführungen, Kinderspielen, Kineinatograph. Billetts im Vorverkauf 2t) Pf., an der Kasse 30 Pf. Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Das Komitee. Zentral-Wahlvereiu für Teltow-Beeskow-Charlottenburg. Mitteilungen, soweit dieselben die Agitation und Organi- sation betreffen, bitten wir an den Schriftführer Genossen Max Groger, Charlottenburg, Nosinenstr.3 zu senden; alle Geld- und Wertsendungen an den Kassierer Genossen Alex Pagels, Charlottenburg. Rosinenstr. 3. Friedrichshagen. Am Mittwoch, den 7. September, abends 8'/z Uhr. findet bei Witwe Lerche. Friedrichstr. 112, eine Volks- Versammlung statt. Tagesordnung:„Die Königsberger Kaiserrede — der Dank für die 3'/.> Millionen Marl Zulage". Referent Ge- nofse Redakteur HanS Bloch. Hierzu am S onntag, den 4. S ept em b er, vormittags S'/a Uhr, von den Bezirkslokalen Handzettelverbreitung. " Des weiteren findet am Sonntag, den 4. September, ein Familienausflug nach Restaurant Ravenstein statt. Treffpunkt nach- mittags 2Va Uhr am Eingang zum Kurpark. Die Bezirksleitung. Britz-Buckow. Die Bibliothek ist wieder eröffnet. Der regel- mätzige Bücherwechsel findet jeden Sonnabend abend von 8—10 Uhr im Restaurant von Otto Zilz, Werderstr. 30 statt. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bibliothelkommission. Rcinickendorf-Ost. Eine Flugblattverbreitung zu der am Dienstagabend im„Schützenhaus" stattfindenden Wähler- Versammlung findet morgen, Sonntag früh 8 Uhr von den bekannten Stellen aus statt. Die Bezirksleitung. Borsigwaldc-Wittciiau. Heute Sonnabend, den 3. September. abends 7 Uhr: Handzettelverbreitung.— Am Sonntag nachmittags 2 Uhr: Treffpunkt der Genoffen bei Schulz und Kelm. Die Bezirksleitung. Nicdcr-Schönhausen— Nordend. Sonntag, den 4. September, früh 3 Uhr, findet eine Handzettelverbreitung von den bekannten Stellen aus statt._ Die Bezirksleitung. Berliner JVacbricbten» Der Küterhof. Unier den verschollenen Oertlichkeiten Berlins befindet sich auch der Küterhof, an dessen Existenz kaum noch ein Zeichen erinnert. Der Küterhof oder, wie er auch genannt wurde, Wursthof war das Schlachthaus. Ein solches befand sich für Berlin am Ende der Paddengaffe, für Kölln auf einem freien Raum am Ende der Fischerstraste, aus dem später eine Gasse, der Köllnische Wursthof, entstand. Man ficht daraus, daff die Berliner schon damals besttebt waren, die etwas an- rüchigen Betriebe an die Stadtgrenze zu verlegen: das erste berlinische Schlachthaus stand auch am Mauerende bei der Heiligengeistkapelle und das in der Paddengasse ist später errichtet worden. Auf dem Wursthofe fand auch die amtliche Besichtigung des Schlachtviehs statt und der Rat hatte nicht ollein darüber, sondern auch über den Schlachtvieh- und Fleischverkauf sowie über die Unterhaltung der Schlachthäuser zu wachen. Wann der Küterhof an der Fischerstraße ent- standen ist, wird schwer zu erweifen sein. Im 16. Jahrhundert toar er bereits vorhanden und zwar auf dem damals noch freien Platze, der sich längs der Friedrichsgracht.von der Fischerstraße bis zur jetzigen Jnselbrücke auf dem noch nicht eingeengten Spreeufer ausdehnte, ungefähr auf der Stelle, die jetzt das Haus Fischerbrücke 24, Ecke der Friedrichsgracht, einnimmt. Eine doppelte Pfahlreihe, der sogenannte Baum, zog sich von hier aus durch die Spree nach dem Paddenwrm am Ende der Paddengasse. Und diesem Turm gegenüber, hinter dem Hause Nr. 6, wurde im Jahre 1661 ein neues Schlachthaus für den Berliner Teil eröffnet. Im Jahre 1756 folgte ein drittes Schlachthaus in der Schlachtgasse, der jetzigen Bunsenstraste. Eine Laufbrücke führte von hier nach dem Schiffbauerdamm. Das Berliner Schlachthaus war be- reits 1725 so baufällig geworden, daß die Schlächter sich mit einer Eingabe an den Magistrat wandten und um Reparatur baten. Es drohte nämlich der Giebel herabzufallen, die Pfähle waren so verfault, daß beim Schlagen eines Ochsen das ganze Haus einzufallen drohte und die Gesellen schwebten in steter Lebensgefahr. Nachdem indes hier ein Neubau erfolgt war, brach im zweiten Schlachthaus ein Geselle mitsamt dem Ochsen durch den Fußboden und stürzte in die Spree. Durch Mi- msterialerlaß vom 5. Juni 1810 wurde darauf der Abbruch idcM Schlachthäuser in Berlin-Kölln befohlen. Das in der Schlachtgasse wurde 1818 abgebrochen, wieder aufgebaut, ging ober bald ein und diente 1831 zur Aufbewahrung der Cholera- Rettungsapparate. Im Jahre 1842 verfiel es ganz und damit entschwand die letzte Erinnerung an die einstigen Kütcrhöfc Berlins. Im 4. Landtagswahlkreis findet heute von 7 Uhr ab eine Flugblattverbreitnng statt. Es ist Pflicht aller Partei- genossen, sich an dieser Verbreitung zu beteiligen. Die Wahlleitung. Chambrcs scparös im Grunewald. Auf Pariser Boden existiert noch heute als Tummelplatz von Studenten und Grisettcn ein Gartenrestaurant, dessen wichtigsten Bestandteil eine enorm dicke, üppige Fliederhecke bildef, in die eine rund herumlaufende Reihe kleiner Lauben eingeschnitten ist. Etwas Aehnliches gab es noch bis in die sechziger Jahre hin- ein auf märkischem Sande, und zwar dicht vor den Toren Berlins, nicht weit von der Grenze des Grunewaldes. In der Mitte einer pocsievollen Waldlichtung lag das Etablissement, ein niedriges, hölzernes, nur im Sommer benutztes Haus mit Tanzsaal, Festzimmern und Wirtschaftsräumcn, und schräg daneben eine halbkreisförmige, von außen bunt be- malte Bretterbude. Diese Bude enthielt ein volles Dutzend über den Eingan�stüren mit Nummern versehener kleiner Zellen, deren Einrichtung durchweg die gleiche war: ein Sofa, ein runder, stets gedeckter Tisch, zwei Stühle, ein Spiegel und ein Kleiderständer. Auf der anderen Seite des Hauses, dem hölzernen Halbkreis gegenüber, stand ein etwas bau- fälliger Musikpavillon, und vor wie hinter dem Hause dehnte sich das Meer weißgcftrichener Tische und Stühle aus. Am Tage war es hier fast immer auffallend still. Die Berliner Landpartien nach dem Grunewald standen damals noch lange nicht so in Flor wie heute. Und denjemgen Besuchern, die wirklich Natur kneipen wollten, boten Wald und Wiese genug Raum. Nur hin und wieder verkroch sich bei schönster Sommerzeit schon am hellen Nachmittag ein mehr oder minder junges Pärchen in eine der engen Zellen. Der Haupt- besuch stellte sich am Abend ein. Mit den Fahrgelegenheiten sah es noch recht schlecht aus, deshalb kam man zu Fuß oder zu Wagen, auch hoch zu Roß. Bald war jeder Stuhl besetzt, in langer Reihe hielten am Waldwege Chaisen und Droschken zweiter Güte. Ilnd je schöner der Abend, je einschmeichelnder die Musik, je fröhlicher die Tanzlust wurde, desto mehr stieg die Nachfrage nach den Chambres scpar6s im Grunewald. Diese Zellen waren ja nun wahrhaftig nicht für Kloster- briider gebaut, sollen aber darum durchaus nicht in dem bösen Ruf ihrer Berliner Zwilliugsschwestern in der lustigen Weinkneipe gestanden haben. Ein Vergleich mit heute fällt sicher ungünstiger aus. Berlin WW weiß schon, wo es sich im verschwiegenen Kämmerlein amüsiiert. Für Meldungen von Todesfällen an das Standesamt gilt die Vorschrift, daß jeder Todesfall spätestens an dem nächstfolgenden Wochentag dem Standes- amt gemeldet sein muß. Wegen eines Verstoßes gegen diese Bestimmung des Gesetzes gegen die Beurkundung des Per- sonenstaudes war in Lichtenberg einem Schuhmachermeister Piel ein Strafmandat besorgt worden. Er sollte 3 M. Strafe zahlen, weil er den Tod seines Kindes nicht am nächstfolgenden Tage, sondern erst am zweitfolgenden dem Standesamt ge- meldet hatte. P. erhob. Widerspruch gegen das Strafmandat und stand nun vor den Schöffen des Amtsgerichts Lichten- berg. Er erklärte, es sei nicht seine Schuld, daß er die Meldung zu spät erstattet habe. Nachdem sein Kind am Abend um 9 Uhr gestorben sei, habe er am anderen Vor- mittag einen Arzt bitten lassen, die Todesursache festzustellen. Als aber der bis nachmittags um 2 Uhr nicht gekommen sei, habe er ein zweites Mal zu ihm geschickt. Schließlich sei der Arzt erst am Abend um 7 Uhr gekommen und habe die Todes- Ursache festgestellt. Jetzt aber sei es zu spät gewesen, noch nach dem Standesamt zu gehen, das ja auch schon geschlossen gewesen sei. Der Vorsitzende belehrte den Angeklagten, daß er dem Standesamt, ohne auf denArzt zu warten, eine vorläufige Meldung hätte machen müssen. Wenn der Angeklagte das nicht gewußt habe, so schütze Unkenntnis der Bestimmungen ihn doch nicht vor Strafe. Daraufhin entschloß sich P., seinen Widerspruch zurückzuziehen und ohne weiteres die Strafe zu zahlen. Trifft es zu, daß die Meldung, wie der Angeklagte es darstellt, durch die Schuld des Arztes verzögert worden ist, so muß man be- dauern, daß nicht die Zahlung der 3 M. dem Arzt auferlegt werden kann._ Die Cholera in Spandau. Als ansteckungsverdächtig wurden im Laufe des gestrigen Tages sieben Kanoniere in das Garnisonlazarett eingeliefert. Es sind dies Mannschaften von verschiedenen Artillerie- regimentern, die in Spandau zu Waffenmeistern ausgebildet wer- den. Wie sich herausgestellt hat, haben die sieben Soldaten ihre Wäsche bei der unter Choleraverdacht stehenden und in der Isolier- baracke-des Spandauer Krankenhauses internierten Waschfrau Heu deck waschen lassen. Da die H. zu gleicher Zeit die Wäsche der Kanoniere und diejenige der Frau Sarnow gereinigt hat, so ist eine Ansteckungsgefahr nicht ausgeschlossen, um so weniger, als die Soldaten die Wäsche schon getragen haben. Die Mannschaften, die sich übrigens durchaus wohl und gesund befinden, wurden in einer Abteilung des Spandauer Garnisonlazaretts isoliert. In dem Befinden von Sarnow und Neumann ist bisher noch keine Veränderung eingetreten. Aus der Lnngenheilstiitte Grabowsee, mit der wir in letzter Zeit uns öfter beschäftigen mußten, ist uns ein eigenartiger Gruß zugegangen. Ein Patient hat uns durch eine Ansichtspost- karte erfreut, auf der man sieht, wievondenJnsassender An st alt ein Baumstubben ausgerodet wird. Wir haben diese Spezialität der Lungenheilstätte Grabowsee bereits früher in unserem Blatte besprochen. Im Anschluß daran warfen wir die Frage auf, ob solche und ähnliche Arbeiten, die man dort den Patienten zumutet, von den Aerzten der genannten Anstalt noch zu den„leichten" gerechnet werden. Aber es muß wohl so sein; denn die Hausordnung spricht ausdrücklich nur von„leichten Ar- betten", an denen„die Kranken sich, soweit es zur Förderung ihrer Gesundheit nötig ist, auf ärztliche Anordnung zu be- teiligen haben". Die Idee, einmal ein paar Patienten bei einer dieser„leichten Arbeiten" im Bilde festzuhalten, ist gar nicht so übel. Auf der uns übersandten Photographie von fünf Patienten, die mit Spaten, Axt und Picke sich um den auszuhebenden Baum- stubben gruppiert haben, findet sich der von Galgenhumor diktierte handschriftliche Zusatz:„Arbeit macht hier die kranke Lunge ge- sund." Wir hatten damals mitgeteilt, daß in der Lungenheilstätte Grabowsee den Patienten— immer„zur Förderung ihrer Gesund- heit". wie die Hausordnung sagt— sogar die Abfuhr von Kehricht zugemutet wurde. GibtS nicht auch davon eine hübsche Momentaufnahme? Uebcr die Absperrungen am Paradctage gehen unS viele Klagen zu, die beweisen, daß doch oft recht rigoros Verfahren wird. Als Beweis für die letztere Behauptung müssen wir folgende Beschwerde veröffentlichen. Ein Arbeiter schreibt unS: „Ich bin in der Großbcerenstraße befchäktigt und wohne am Chamissoplatz. Um 12 Uhr wollte ich zum Essen gehen. Um nach meiner Wohnung zu gelangen, muß ich die Belle« Alliance- Straße durchschneiden. Das versuchte ich erst an der Teltower Straße, dann an der Gneisenau-, Hagclberger und schließlich an der Bergmann- straße, aber nirgends wurde ich durchgelassen. An der letztgenannten Straße hatte ich mick durch die Gruppe Neugieriger durchgearbeitet, da erklärte mir der Wachtmeister zu Pferde: Hier kommt»jemand durch I Man erwartete die Fahnenkompagnie, der bekanntlich der Kaiser voranreitet. Aber soweit man sehen konnte, war niemand zu erblicken. In dieser Zeit hätten die zahlreichen Arbeiter, die gleich mir zu Tische gehen wollten, ruhig Hindurchgelaffen werden können. Niemand wäre gestört worden." Herr v. Jagow, der so sehr der Meinung ist, daß die Straße dem Verkehr gehört, sollte sich auch an Paradctagen angelegen sein lasse», diesen Grundsatz in die Praxis umzusetzen. Die Falschmünzerei steht in Blüte. Außer falschen Eiitmark- stücken verschiedener Prägung kursieren jetzt eine Menge falscher Zweimarkstücke, darunter auch Stücke, deren Unechtheit nicht leicht zu erkennen ist. Diese Stücke tragen das Bildnis Kaiser Wilhelms I. mit der Jahreszahl 1370 und dem Miinzzeiche» l). Diese Zwei- markslücke sind sehr gut hergestellt, sie fühlen sich auch nicht, ivie so viele Einmarkstücke, fettig an. Nur durch den Klang unterscheiden sie sich etwas von den echte» Stücken. DaS neue Neichsmilitärgericht am Witzlebenplatz in Char- lottenburg ist gestern unter großem militärischen Gepränge seiner Bestimmung übergehen worden, Der Unfug der Verwendung von Polizeihunden bei der ge- ringsten Veranlassung wurde am Donnerstag wieder einmal recht offenkundig. Am Vormittag des genannten Tages fuhr eine Kraft- droschke an die Haltestelle Leipziger Platz an. Bald darauf erschien ein Schutzmann und fragte die sämtlichen hier haltenden Chans- feure, wer auf dem Damm herumgebogen wäre. Da sich niemand meldete, sagte der Schutzmann einem bestimmten Chauffeur auf den Kopf zu, die Uebertretung begangen zu haben. Weil aber der Beschuldigte stritt, entfernte sich der Schutzmann, um nach einigen Minuten mit einem Polizeihund zurückzukehren. Der Hund wurde auf eine von einer Droschke herrührende Wasserspur geführt. Er ging dieser Spur nach bis zu der fraglichen Droschke, umkreiste den Wagen, sprang auf den Führersitz und packte den Chauffeur am Arme.— Der Vorfall führte zu recht erregten Aeußerungen des Unwillens der Umstehenden; er zeigt aber, aus welch nichtigen Anlässen Polizeihunde Verwendung finden. Zu dem Ncberfall im Südringzuge, über den wir gestern unter den letzten Nachrichten berichteten, wird heute mitgeteilt, daß der L2jährige Täter Köhler aus der Gleimstraße 3 den Vorfall als eine betrunkene Geschichte hinstellt, von der er nichts mehr wisse. K. ist ein bisher noch unbescholtener Mensch, der noch bis Sonnabend seiner Arbeit nachgegangen ist. Die Schätzung des Schutzmanns. Nach den zahlreichen Chauf- feuren, die im Laufe des Jahres die Anklagebank des Potsdamer Schöffengerichts zu betreten haben, mußte gestern auch ein Herren- fahrer, das Mitglied des Repräsentantenausschusses des Kaiserlichen Automobilklubs Herr de la Croix vor dem Potsdamer Schössen- gericht erscheinen. Der Angeklagte hatte gegen einen Strafbefehl in Höhe von 10 M., den der Amtsvorsteher von Wannsee erlassen hatte, richterliche Entscheidung beantragt. Wie er selbst angab, kam er zur Verhandlung dieser Sache aus prinzipiellen Gründen von einer Schweizer Reise hierher, um den Fall persönlich zu vertreten. Der Wannseer Polizeisergeant Schröder hatte den Angeklagten am 10. Juni d. I. wegen Schnellfahrens aufgeschrieben. Herr de la Croix soll die Königstraße in Wannsee mit einer Geschwindigkeit von 38 Kilometern passiert haben. Gegenüber dieser Zeugen- behauptung fielen die Bekundungen des Angeklagten und seines Chauffeurs sehr schwer ins Gewicht, und es trat ein unaufgeklärter Widerspruch zutage. Der Angeklagte bekundete in Uebereinstim- mung mit seinem eidlich vernommenen Chauffeur, daß er an diesem Tage das Fahrzeug I. A. 5263 von Stuttgart kommend geführt habe, um den Wagen in Berlin zur Teilnahme an der Nikolaus- Tourenfahrt durch Rußland verladen zu lassen. Ein Kurbelwellen- lager war durchgelaufen und infolgedessen mußte der Wagen im langsamsten Tempo fahren. Der Wagen besitzt zwei Geschwindig- keitsmcsser der Deutschen Tachtzmeterwerke. Der vordere Messer zeigte beim Passieren von Wannsee ein Tempo von 10 bis 11 Kilo- mtcr an. Aus eigenstem Interesse durfte dieses Tempo nicht über» schritten werden, utn nicht die Gefahr des Zusammenbruches der ganzen Maschine heraufzubeschwören. Tatsächlich habe die „Schnellfahrt" von Potsdam nach Charlottenburg-Knie ungefähr zwei Stunden gedauert, um den Wagen zu schonen. Es sei ganz unmöglich, mit einem so havarierten Wagen 500 Meter in 47 Se- künden zu durchfahren. Gegenüber diesen Bekundungen nutzte die Behauptung des Polizisten:„Was ich anzeige, das ist gut!" gar nichts. Der Angeklagte wurde freigesprochen.— Ob ein Chauffeur, der nicht Herr de la Croix heißt, auch das Glück gehabt hätte, bei den Richtern mehr Glauben zu finden als der Schutzmann, möchten wir sehr in Frage stellen. Jedenfalls beweist aber der vorliegende Fall, was es mit den polizeilichen Schätzungen der Autogeschwin- digkeit auf.sich hat. Selbstmord in der Kirche. Eine grausige Entdeckung machte gestern morgen ein Beamter des Deutschen Domes auf dem Gen- darmenmarkt. Bei seinem Rundgang ourch die Kirche fand er die blutüberströmte Leiche eines jungen Mannes im Borflur liegen. Es handelte sich, wie vermutet wird, um den städtischen Gärtner- gehilfen Gärtig aus der Usedomstratze 12. Welche Motive den jungen Mann zu dem Selbstmord getrieben haben, ist noch nicht aufgeklärt. Schreckliche Brandwunden erlitt DonnerStagnachmittag die 14 Jahre alte Tochter Ella des Arbeiters Koch, Anklarner Straße 44 wohnhaft. Als sie einen glühenden Vlättbolzen aus der Doch- Maschine nahm, entglitt ihr derselbe uno setzte beim Zubodenfallen ihre Kleider in Flammen. Laut schreiend lief das Mädchen auf den Treppenflur, wo Nachbarn das Feuer erstickten. Man brachte die Schwerverletzte nach dem LazaruS-Krankenhause, wo der Arzt eine Verbrennung dritten Grades feststellte, die wahrscheinlich den Tod zur Folge haben wird. Eine traurige Aufklärung hat das Verschwinden des 4 Jahre alten Sohnes Ferdinand des Grünkramhändlers Feuerherd aus der Flottwellstraße 3 gefunden, der seit Montag vermißt wurde. Der Kleine hatte wahrscheinlich am Schöneberger Ufer auf Sand- Haufen, die dort liegen, gespielt und war seit Montagnachmittag verschwunden. Vergeblich wurde überall gesucht. Gestern fand man ihn am Schöneberger Ufer im Hafen als Leiche wieder. Er ist ohne Zweifel beim Spielen ins Wasser gefallen. Die Münze am Strick. In eine eigenartige Falle wurde gestern ein Taschendieb gelockt. Im„City-Park", der auf dem Grundstück der alten Pepiniere am Bahnhof Friedrichstraße eingerichtet wurde. war kürzlich einem Kellner ein Portemonnaie mit einem größeren Betrag gestohlen worden. Der Bestohlene erstattete Anzeige bei der Polizei, ging aber zugleich auf eigene Faust vor, weil er sich einiger verdächtiger Personen dunkel erinnerte und glaubte, daß er den Dieb wiedererkennen werde. Er befestigte eine Münze mit einer Oese an einem Strick, den er sich durch die Tasche hindurch- führt und um den Leib schlang. So ausgerüstet begab er sich mit einem Freund nach dein„Cith-Park". Als er dort einige Männer sah, unter denen er und sein Freund den Dieb zu erkennen glaubte, zog er sein Portemonnaie, nahm ein Zweimarkstück heraus und steckte es vor den Augen der Diebe in die Tasche. Es dauerte nicht lange, da fühlte er einen Ruck an der Strippe. Er griff zu und faßte eine fremde Hand in seiner Tasche. Der Ertappte wurde verhaftet und nach dem Polizeipräsidium gebracht. Hier erkannte man in ihm einen schon mehrfach bestraften Einbrecher und Taschendieb, den 24 Jahre alten Buchbinder Karl GoergS. In der I. C. Pfaffschen Möbelfabrik am Maybachufer 43/51 in Rixdorf wurden am Donnerstagabend ein Monteur Sch. und der Arbeiter Otto Brock, Langestr. S wohnhaft, durch Stichflammen aus einem Ventil der Maschine zum Verbrennen der Hobelspäne verletzt. B. wurde sofort nach dem Krankenhause Bethanien befördert. Der Monteur kam mit leichteren Verletzungen davon. Der Zustand des B. ist leider nicht ganz unbcdenllich. Auf dem Wege zu feiner Braut vom Tobe überrascht wurde gestern nachmittag der 42 Jahre alte Reisende Richard Echirmer aus der Lückstraße 0 zu Rummelsburg. Nachdem er in der Frucht- straße 42. wo die Braut wohnt, einige Stufen die Treppe hinauf» gegangen war, brach er plötzlich zusammen, fiel wieder herunter und verschied auf der Stelle. Wahrscheinlich hat ihn der Herzschlag erührt. Die Leiche wurde beschlagnahmt und nach dem Schau- ause gebracht. Im Liiisen-Thcater gelangte am Donnerstagabend vor voll be- setzten, Hause unter dem neuen Direltor Karl A l v i n g Goethes . E g m o n t' zur Aufführung. Die Rolle des niederländische» Helden wurde von Direktor Alving selbst mit Würde verkörpert. Ihm trat als Klärchen Fräulein Kahlenberg verständnisvoll zur Seite. Fräu- lein Strom berg als Margarete, Herr S ch e d I i ch als Oranien und Herr Kroneck als Alba berdollständigten bei angemessener Ausstattung daS Ensemble. Das Publikum spendete an, Schlüsse jeden Aktes wie auch am Ende der Tragödie den Mitwirkenden reichen Beifall. Diese Darstellung hat gezeigt, dah die Direktion bei verhältniSmähig niedrigen Eintrittspreisen den Minderbemittelten gutes zu biete» bestrebt ist._ An die Arbeiterjugend. Morgen Sonntag, den t. September, veranstaltet der Jugend- auöschug für Grob-Berlin Ausflüge für die einzelnen Gruppen. Gruppe Schönhauser Allee. Treffpunkt: Am Bahnhof Schönhauser Allee morgens'IJ Uhr. Abfahrt vom Bahnhof Gesund- brnnnen'/zll Uhr. Partie nach Birkenwerder— Briese. Basdorf. Schönwaldc, Buch.' Nachmittags im ForsihauS Buch: Kaffcelochen. Fahrgeld hin und zurück SO Pf. GruppeNorden. Treffpunkt: Nettelbeckplatz(an der Normaluhr). Schweden Stratzc. Ecke Excrzierftratze. Jugendheim. Brunnen- strnfje 115, morgens 7 Uhr. Die Partie geht nach Halcnsce. den Gruuewaldfee entlang bis nach Paulsborn, dann nach Saubucht am Teufclssce nach Station Grunewald. Fahrgeld hin und zurück 30 Pf. Gruppe Moabit. Treffpunkt: Turmstraße. Ecke Strom- straße. morgens-/-S Uhr. Fahrt vom Bahnhof Putlitzstraße im Anschluß an die Gruppe Norden...... � Gruppe N o r d o st- O st. Treffpunkt: Landsberger Tor lKricgerdeukmal), Baltenplatz(Rormciluhr). Schlestscher Bahnhof. Koppenstraße. morgens 7 Uhr. Fahrt bis Friedrichshagen. Freibad Müggelsee, Rahnsdorf. Neu-Helgoland, Müggelheim, Köpenick. Fahr- geld hin und zurück 45 Pf. Gruppe S ü d o ft. Treffpunkt: morgens 7 Uhr Kottbufer Tor iNormaluhr), Görlitzer Bahnhof lUnfallftation). Abmarsch nach dem Stettiner Bahnhof, von dort mit der Stettincr Bahn nach Buch. Hier Besichtigung der Heilstätte, weiter nach Röntgenta! tRöntgenhöhe), Zepernick. Bernau. Hier Bcsichtigiuig der historischen Sehenswürdigkeiten aus dem Hussitenkriege sStadlmauer, Pulvcrturm, Riistkannner. Museum usw.). Alsdann Rückmarsch nach Buch, von hier Fahrt nach Berlin. Fahrgeld hin und zurück 40 Pf. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen sind zu diesen Ausflügen freundlichst eingeladen. Vorort- JVacb richten. Wilmersdorf. Die Liste der stimmfähigen Bürger wird bis einschließlich 16. September dieses Jahres an den Wochentagen von vor- mittags 8 Uhr bis nachmittags 2 llhr und an den Sonntagen von vormittags 0— 12 llhr in der Melde- nnd Wahlabteilung, Gasteiner Str. 11. 2 Treppen, zur Einsicht öffentlich ausliegen. Ein- spräche gegen die Nichtigkeit der Wählerliste sind während der Dauer der Auslegung bei dem M a g i st r a t zu erheben. Die 3. Abteilung beginnt mit dem Steuerbetrage von 201.40 M.... Diejenigen Parteigenossen, denen es an Zeit mangelt, die Liste selbst nachzusehen, werden ersucht, mündlich oder schriftlich ihre Adresse an eine der folgenden Stellen abzugeben: Goddäus, Angusta- straße 23. Hth. I; Hauboldt. Pariser Straße 00; Frau Markcwitz. Weimarsche Straße 12; Pieper, Zigarrenhandlung. Berliner Str. 40. Schröder, Heidelberger Platz 2. 111; Schubert. WilhelmSaue 26; in H a l e n s e e bei Kempser, Joachim-Friedrichstraße 20, vorn IV. Nindorf. Ein Karnssellunsall ereignete sich nus dem Schützcnplatz an der Naumburger Straße. Dort vergnügte sich vorgestern abend der Arbeitsbursche August Kactz aus der Wanslickstraße. Wahrend der Rundfahrt schaukelte K. so heftig, daß sich an seinem Holzpferd eine Schraube löste und das Pferd umschlug. Der Junge flog unter das Publikum zu Boden und zog sich erhebliche innere Verletzungen zu. Er mußte von Leuten nach der elterlichen Wohnung gebracht werden. Tcmvclhof-Maricndorf. Ein patriotischer Rummel. An den Plakatsäulen und in ver- schicdcnen Geschäften sind große bunte Plakate angebracht, die zu einem großen„1. Mariendorfer Volksfest" am 9., 10., 11. und 12. September auf dem Schützcnplatz in Mariendors einladen. Mit großen Worten wird auf den Plakaten ein Programm bekannt gegeben, das zweifellos für die große Masse eine Anziehung aus- üben soll. Der Hauptprogrammpnnkt soll am Sonntag, den 11. September, nachmittags 4 Uhr, ein„außerordentlicher, histo- rischer Festzug" unter Vorantritt eines Musikkorps sein, der von Tempclhof, Dorfstraße, nach dem Mariendorfer Schiitzenplatz gehen soll. Das Interessante an der ganzen Bekanntmachung ist nun, daß mit keinem Wort irgendeine Korporation erwähnt ist, die die ganze Sache arrangiert hat. Die Plakate tragen nur die Unter- schrift:„DaS Vergnügungskomitee". Nicht einmal die Druckfirma der Plakate ist angegeben. Erst durch die„Mariendorfer Zeitung" ist bekannt geworden, daß es ein patriotischer Rumprel ist, der von „ersten Bürgern" in Szene gesetzt wird. Die ganze Art der Rc- klame läuft also darauf hinaus, die breite Masse der Arbeiter zu ködern, um so einen künstlichen Patriotismus zu erzeugen. Die Arbeiterschaft von Tempelhof-Mariendorf hat mit diesem„Volks- fest" nichts zu tun. Wenn die Arbeiterschaft ein Volksfest ver- anstaltct, so gibt sie sich auch auf den Plakaten als solche zu er- kennen. Die Veranstalter eines solchen Festes schämen sich nicht ihrer politischen Anschauung und zeichnen mit vollem Namen. Schöneberg. Bei der OmnibuSlinie 14 ist mit dem 1. September 1910 eine Tarifändcrung eingetreten, die für die Einwohnerschaft Schöne- bergS von besonderem Interesse ist. Zur Belebung des Verkehrs ist die erste 10 Pf.-Teilstrecke, die bisher von der Mühlenstraßc in Schöncberg bis zur Ecke Dorkstraße und Bellealliance Straße reichte, versuchsweise bis zum Hallcschen Tor verlängert worden. Die Ver- kehrödeputation des Magistrats zu Schöneberg will außerdem an- regen, die Linie nach der Motzstraße Ecke Neue Ansbacher Straße zu verlängern, möglicherweise unter teilweiscr Aenderung des bis- herigen WcgeS. Die Ausdehnung der 10 Pf.-Teilstrecke und die hoffentlich von der Allgemeinen OmnibuSgcsellschaft schleunigst verwirklichte Anregung der Weitcrführung der Linie 14 wird zweifellos eine wesentlich stärkere Benutzung zur Folge haben. Zu der Gasexplosion im Hause Hauptstraße 84 teilt uns der Rohrleger, der den Gasmesser aufgestellt hatte, folgendes mit: Als ich bemerkte, daß die Uhr des aufgestellten Gasmessers weiterging, wurde der Hahn geschlossen und die Zimmer abgesucht. Dabei fand ich, daß drei Pfropfen der Abteilung fehlten. Nachdem dieselben ersetzt worden waren und der Hahn wieder geöffnet wurde, ging die Uhr immer noch weiter. Nun wurde festgestellt, daß im Laden der Stutzen fehlte. Ein neuer Stutzen ließ sich nicht einschrauben, weil das Rohr etwas in Spannung lag. Nach längerer Zeit zündete ich ein Streichholz an, um zu sehen, in welcher Lage sich an der Decke die Gasleitung befindet. Dabei ahnte ich allerdings nicht, daß sich bereits soviel Gas angesammelt hatte, um eine Explosion herbei- zuführen. Verletzt wurde niemand hierbei, da sich der Schlächter- mcistcr sowie dessen Frau in dem Moment nicht im Laden befanden. Groft-Lichterfelde. Die lebte Mitgliederversammlung des Wahlvereins nahm nach einen, beifällig aufgenommenen Vortrag des Gen. Mermuth den Bericht des Gen. Ziege über die VerbandS-Generalversammlung entgegen. Unter Vereinsangelegenheiten erfolgte die Aufnahme von 8 Genossinnen und eines Genossen. Hierbei wies Genosse Schindler auf die rührige Agitation der Genossinnen hin und er ersuchte die Genossen zur Nacheifcrung. Ferner machte Redner auf die am Sonntag, den 4. September, stattfindende Hausagitatwn aufmerksam.— Den Bericht der Kinderschutzkommission gab die Genossin C o n t s. Zum Schluß wurde bekannt gegeben, daß am Sonntagnachmittag, 3 Uhr, bei Wahrendorff Spiele der Jugend- lichen über 13 Jahre stattfinden. Lankwitz. In der WahkverclnZversammlliug am 81. August sprach Genosse K a I i s k i über„Wilhelm II,, das Instrument des Himmels". Seine Vortrefflichen Ausführungen fanden lebhaften Beifall. Genosse Radike berichtete von der Kreis-Generalversammlung, Genosse Dehnst von der Generalversammlung Groß-BerlinS. Die Vorbereitungen zu einem Herbstvergnügen wurden einer Kommission von sechs Personen übertragen. Radike kam dann auf den Artikel der„Lankwitzer Nach- richten" zurück. Wegen vorgerückter Zeit wurde jedoch in der Sache nicht weiter verhandelt, sondern festgesetzt, daß die nächste Sitzung unter Hinzuziehung des ZentralvorstandeS als Generalversainmlnng tagen und daS Urteil fällen soll. Aufgenommen wurden zwei Mit- glicder. Nöntgental lbei Zepernick). Eine öffentliche, gut besuchte Versammlung beschäftigte sich am Sonntag mit Angriffen bürgerlicher Gemeindevertreter, welche diese gegen unsere drei in der Vertretung sitzende Genossen gerichtet hatten. Der Referent in dieser Frage, Gcmeindevertrcter Genosse Franz Schulz, führte hierzu etwa folgendes aus: In der am 5. August stattgehabten Gemcindevertretcrsitzung war von einigen Gcmeindemitglicdern ein Antrag um Gewährung eines Zuschusses von 1000 M. zu einem zweiten Bahnhofszugang aus Gemeinde- Mitteln eingelaufen. Unsere drei Vertreter bekämpften diesen Antrag, da sie mit Recht der Meinung waren, daß Gemeindemittcl nur im Allgemein- interesse verwendet werden dürfen. Dieser Zugang habe jedoch nur für eine kleine Anzahl Einwohner der Gemeinde Nutzen. In der Hauptsache hätten nur die Grundstückspekulanten ein Interesse daran, ebenso die Nachbarkolonie Buch. Der Antrag wurde dann auch abgelehnt. Dagegen fand der Antrag eines bürgerlichen Gc- meindevcrtreters, 500 M. Zuschuß zu bewilligen, gegen die Stim- inen unserer Genossen Annahme. Als die Herren Privatinter- essenten, welche in der Sitzung als Zuhörer anwesend waren, sahen, daß ihre Angelegenheit nicht mehr weiter zu verbessern war, verließen sie die Sitzung und veröffentlichten ein„Eingesandt" im Kreisblatt, in welchem u. a. von dem großen„Verkehrsfortschritt" die Rede war, dem sich unsere Genossen entgegengestellt hätten. Das Eingesandt klang aus, daß die Sozialdemokraten nicht sähig wären, die Gcmeindeintcrcssen zu wahren und die Quittung für ihr Verhalten bei den nächsten Wahlen erhalten würden. Da es hier nun noch Leute gibt, die genanntes Blatt lesen und den Verfassern des„Eingesandt" Glauben schenken, sahen sich unsere Genossen genötigt, die Angelegenheit in öffentlicher Ver- sammlung aufzuklären. Nachdem nun die Herren jedes weitere Interesse an der Weiterverhandlung verloren hatten, entspann sich die Debatte über den 500 M.-Antrag und das Projekt von neuem. Unsere Genoffen machten die bürgerlichen Gemeindevertreter darauf aufmerksam, daß es bei der bewilligten Summe nicht bleiben könne, sondern daß außerdem noch einige Tausend Mark für Pflasterung usw. aufgewandt werden müßten, auch sei die Erwer- bung von Straßenland nicht ausgeschlossen. Jetzt ging den übrigen Gemeindcvcrtrctern ein Licht auf und kurzerhand wollten sie den ganzen Beschluß annullieren. Auf' Veranlassung unserer Genossen geschah das jedoch nicht, sondern es wurde der Beschluß wie folgt ergänzt: 500 M. werden von der Gemeinde als Zuschuß zur Anlage eines zweiten Bahnhofszuganges bewilligt, wenn von den betei- ligtcn Interessenten eine gepflasterte Zugangsstraße lasten- und gebührenfrei an die Gemeinde aufgelassen wird. In der dem Referat folgenden Diskussion sprachen die An- wescnden unseren drei Gemeindcvertretern in einer einstimmig an- genommenen Resolution ihr Vertrauen aus, mit dem Wunsch, daß sie stets in derselben Weise die Allgemeininteressen, ohne Rücksicht auf einzelne Spekulanten, vertreten möchten. Potsdam. Gegen die Müllabfuhr- und KanalisationSgcbühr sind bei der ersten Veranlagung massenhaft Proteste eingegangen. Diese Steuern, die die Schlachtsteuer ablösen sollten, haben überhaupt eine trübe Vorgeschichte. Zuerst hat man sie nicht der Bürgerschaft mitgeteilt, da die Stadtvcrordnetenwahlen bevorstanden, nach diesen hat man sie durchgepeitscht, so daß sie vom Bezirksausschutz nicht die Genehmigung erhielten. Nach ihrer Berichtigung wicdereingereicht, erlangten sie erst nach dem 1. April Gültigkeit. Bei der ersten Veranlagung wird von einem großen Teil der Bürger, hauptsäch lich Beamte, die juristisch gut beraten sind, überhaupt die G ü l tigkeit dieser Steuerregula tivc bezweifelt, und zwar aus zweierlei Gründen. Erstens wird im§ 0 bestimmt, daß z. B. für Bahnhöfe, Kirchen, Schulen, Kasernen, Krankenanstalten usw. als Mietswert der 25. Teil des allgemeinen Werts angenom- men wird. Nach einer Entscheidung des Obcrvcrwaltungsgerichts wird aber nach dem Kommunalabgabengesetz verlangt, daß die für die Benutzung einer Gemeindeanstalt zu entrichtende Gebühr allen Benutzern gleichmäßig auferlegt werden soll. Zweitens tragen beide Gebühren den Charakter einer M i e t s st e u e r. die nach 8 23 des Kommunalabgabengesetzes nicht mehr neu eingeführt werden darf. Der Magistrat erkennt die angeführten Gründe nicht an und verweist die Protestler an das Oberverwaltungsgericht. Die Einnahmen aus diesen Steuern be- ziffern sich auf über eine halbe Million Mark. Jttgendveranstaltungen. Zehlendorf(Wannseebahn). Heute Sonnabend: Versammlung der freien Jugendorganisation bei Mickicy. Vortrag des Herrn Mar Schütte über Georg Herwegh. Ferner veranstaltet die Jugend am Sonntag, den 4, d. Mts., nachmittags 4 Uhr, bei Micklcy ein gemütliches Beisammensein «viele usw., und wird die hiesige Arbeiterschaft gebeten, sich mit ihren jlindern daran zu beteiligen, Boxhngrii.Rnmmclsburg.Strala«. Die Jugendlichen, deren Eltern sowie die Mitglieder des Jugendheims werden ersucht, sich vollzählig an der am Sonnlag. den 4, September, nachmittags 3 Uhr. stattsindenden Be- stchtigung der spathschen Baumschule zu beteiligen, Treffpunkt 1',, Uhr im Jugendheim. Att-Boxhagen 5ß, vorn I. Abmarsch 2 Uhr, Im Anschluß an die Besichtigung finden Waldspielc statt. Die Beteiligung ist mit keinerlei Unkosten verknüpft. Bei ungünstigem Wetter findet die Besichtigung acht Tage später statt. Der Jugendausschusi Erkner. Sonntag, den 4, September, nachmittags 2 Uhr. in Dege- brodtS Gesellschastshaiis: Jugendversammliing mit Referat des Genossen Schumann über„Zweck und Ziele der Jugendbewegung". Nach der Ver- sammlung Spielen im Walde. Der Jugendausschuß, Gerichts-Deining. Die LiebeStragödie,> die sich am 4. Mai in einem Hotel in der Jnvalidenstraße ab-' spielte, sollte gestern vor der 3. Strafkammer des Landgerichts I ein Nachspiel erhalten. Wegen gefährlicher Körperverletzung war der Agent Franz G ö t t e r t, der sich auch Chauffeur oder Privat- detektiv nennt, angeklagt. Er war früher Unteroffizicrschülcr, hat in Posen ein halbes Jahr gedient und ist aus dem Militär. dienst entlassen worden, nachdem er eines Tages einen Selbst» Mordversuch gemacht hatte. Er war in die Warthe gesprungen und wurde am Ufer derselben besinnungslos aufgefunden. Wie er dort hingekommen, ob er sich durch Schtoimmcn gerettet oder eine freundliche Welle ihn ans Land gespült hatte, ist nicht auf- geklärt worden. Als Grund zu dem Selbstmord hatte der Auge- klagte, der ein zur Melancholie neigender Träumer ist, unbe- befriedigten Ehrgeiz angegeben. Von anderer Seite wurde be» hauptet, daß eine Blondine und eine„schwarze Elli" dabei mit in Frage kamen. Nach seiner Entlassung vom Militär war er be- schäftigungsloS und ist zweimal wegen Betruges bestraft worden. Dann war er einige Zeit Schreiber bei einem Rechtsanwalt und unterhielt allerlei intime Beziehungen zu Mädchen und Frauen. Zu letzteren gehörte die 19jährigc Charlotte N., ein munteres, lebenslustiges Mädchen. Er hatte eine Heiratsannonce losge- lassen, auf diese hin hatte sich das Mädchen, die Tochter eines Amtsvorstehers, die in der Familie eines Generalleutnants al- Stütze tätig war, gemeldet und die Bekanntschaft zwischen ihr und dem Angeklagten wurde in der Philharmonie geschlossen. Daraus entwickelte sich eine ernste Liebschaft. Er hatte ihr angegeben, daß er Beamter im Kolonialamt sei und ein Gehalt von 150 M, monatlich beziehe. Sie glaubte ihm dieS aufs Work und faßte eine große Neigung zu dem Herrn„Beamten", dem sie auf Ver- langen hin und wieder auch mit kleineren Geldsummen aushalf. Sie hatte keine Ahnung davon, daß der Angeklagte gleichzeitig noch andere Liaisons unterhielt und namentlich auch von einer Krankenschwester arg bedrängt wurde, die ein Anrecht darauf zu haben glaubte, daß sie mit ihm gemeinschaftlich zum Standes- amte wandere. Der Angeklagte befand sich aber auch sonst noch in einer unangenehmen Lage. Er war stark verdächtig, an zwei Einbruchsdiebstählen beteiligt zu sein, die am 4. April in der Katholischen Kirche in Prenglau und am 28. April in dem Fern- sprechamt daselbst ausgeführt worden sind und die Polizei war ihm schon auf den Fersen. Am 3. Mai holte er Frl. N. ab. war sehr niedergeschlagen und erklärte ihr, daß er beschlossen habe, aus dem Leben zu scheiden. Er redete so viel von den Schäden dieser Welt und den Freuden eines besseren Daseins, daß die N. schließ- lich ganz windelweich wurde und aus sein Zureden zu dem Glauben kam, daß es auch für sie das beste fei, die Bürde des Lebens von sich zu werfen. Das Mädchen erzählte gestern vor Gericht ihre Erlebnisse mit einer so heiteren Unbefangenheit und mit so fröhlichem Lächeln, daß sie eigentlich als ein psychologisches Rätsel zu betrachten ist. Sie gab zu, daß sie stets levcnsluistig gewesen fei und für sie gar kein Anlaß vorgelegen habe, den Tod zu suchen und wußte keinen Erklärungsgrund dafür anzugöbeu, daß sie auf bloßes Zureden des Angeklagten bereit gewesen war, dem Leben Palet zu sagen. Nach Beendigung eines Ausflugs nach Dahlem ging das Pärchen am Abend des 3. Mai in ein Hotel in der Jnvalidenstraße, um dort gemeinsam in den Tod zu gehen. Ter Angeklagte trug zu diesem Zweck ein Fläschchen mit Coffein und einen geladenen Revolver bei sich. Auch einen Abschicdsbricf „an die Hölle Welt", der mit roter Tinte geschrieben war, hatte er schon abgefaßt und auf seine Veranlassung schrieb die N. auch ein paar AbschicdSwortc an ihre Schwester. Dann begann daS„große Werk". Die N. trank aus einem Glase, in welches der Angeklagle Coffein gemischt hatte, erhielt aber keine Wirkung, da sie das Gift nicht genügend umgerührt hatte. Da sie nun aber einmal beschlossen hatte, zu sterben, enthüllte sie ihren Oberkörper, zeigte auf die Herzgegend und ersuchte den Angeklagten, recht sicher dorthin zu schießen. Unmittelbar darauf krachten zwei Schüsse und das Mädchen sank mit lautem Aufschrei zu Boden. Nun trank der Angeklagte auch von dem Coffein-Gemisch und versuchte, sich zu erschießen. Der Revolver versagte aber. Die beiden Schüsse hatten aber das Hotelpersonal alarmiert, man drang in das Zimmer nnd schaffte die beiden Lebensmüden nach der Charite. Das Mädchen ist wie durch ein Wunder vom Tode er- rettet worden. Die beiden Kugeln„sitzen"— wie sie fröhlich lächelnd erzählte—„noch drin". Der Angeklagte selbst hat keinen körperlichen Schaden davongetragen, ist aber einige Zeit auf seineu Gefftcszustand untersucht worden. Nach dem Gutachten des Medizinatrats Dr. Hoffmann ist er ein minderwertiger, melancholisch veranlagter Mensch, auf den jedoch§ 55 des Straf- gesetzbuches nicht anwendbar ist.— Nach längerer Beweiserhebung beantragte der Staatsanwalt, daß sich das Gericht für unzuständig erklären solle, da nach seiner Meinung versuchter Mord vorläge. Rechtsanwalt Dr. Donig widersprach lÄHaft diesem Antrage und wies darauf hin, baß der Angeklagte zweifellos auf das Ver- langen der Zeugin die Tat begangen habe. Der Gerichtshof schloß sich der Ansicht deS Staatsanwalts an und verwies die Sache an das Schwurgericht._ Berichtigung. Unter Berufung auf das Preßgesetz erhalten wir folgende„Berichtigung", der wir— trotzdem sie den Anforde- rungen des Preßgesetzes nicht entspricht— die Aufnahme nicht versagen �wollen: In Lcm Berichte über die Verhandlungen vor der II. Ferien- strafkammer des Landgerichts II zu Berlin, betr. die Klage des Rechtsanwalts Dr. Ehrenfrieds gegen mich—„Vorwärts" Nr. 204 — finden sich Angaben, welche den Tatsachen nicht entsprechen. Der Kürze wegen und im Hinblick auf das ärztliche Schweigegebot be- schränke ich mich auf folgende Erwiderungen. 1. Nach dem Berichte Ihrer Zeitung soll die Jntcrnierung des Herrn Rechtsanwalts Dr. Ehrenfricds auf mein Gutachten erfolgt sein, worin ich den Kläger als gemeingefährlichen Geisteskranken bezeichnet habe. DaS ist unwahr. In der Gerichtsverhandlung hatte ich an der Hand der urkundlichen Schriftstücke dargctan, daß der Kreisarzt Herr Dr. Zimmer in einem ausführlichen amtsärztlichen Atteste vom 17. Oktober 1907 bescheinigt hat, daß Herr Rechtsanwalt Dr. Ehren- fried zurzeit geisteskrank und gemeingefährlich ist. Auf Grund dieses amtsärztlichen Attestes kam Herr Rechtsanwalt Dr. Ehren- fried nach der Irrenanstalt Dalldorf, von wo er wegen Geistes- krankheit nach der Privatanstalt Bcrolinum kam, weil die Anstalt Dalldorf nur Kranke auf Kosten der Stadt Berlin aufnimmt. 2. Ich habe in der Gerichtsverhandlung an Hand der Urkunde dar- getan, daß am 25. Oktober 1907 vom Polizeipräsidenten zu Berlin an die Direktion der Privatanstalt Berolinum die Verfügung kam: „Der Patient(nämlich Herr Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried) ist nicht ohne polizeiliche Genehmigung zu entlassen oder zu beurlauben." Zum Schluß bemerke ich, daß ich der Erledigung der Klage wegen Schadenersatzes mit Ruhe entgegensehe. Herr Rechtsanwalt Dr. Ehrenfried hat eine ganze Reihe namhafter Berliner Psychia- ter, darunter Geheimrat Sander, Prof. Oppenheim, Medizinalrat Lcppmann usw., in der gleichen Angelegenheit wegen Schadenersatzes verklagt. Endlich bestreite ich nach wie vor auf das allcrentschicdenste, die mir zur Last gelegte Acußerung getan zu haben. Dr. Otto Juliusburger. Oberarzt der Anstalt Berolinum. Areireltgiösr Gemeinde. Sonntag, den 4. September, vormtttanS g Uhr, Pappcl-Allce 15/17: Freireligiöse Vorlesung. Vormittags 11 Uhr, Klein« Franksurter Straffe 6: Vortrag von Herrn Dr. Bruno Wille: „DaS Gebet".— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen.* Dr.Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. PrinzenstF. 41, 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12. 2— 4 Cillstlillmisslllisslge sehr große Auswahl fertig 0.— an, nach Mab anffergewöhnlich billig. Herren- Anzüge 8,25 an. Hcircn-Maffanzügc 32—85 M. Stoffe, engl. Tuche, Anzugs- reffe billig. Gern schicken wir unsere Vertreter mit Muster ohne Kauf- Verpflichtung. 1'iieI,jx?«eII«al>»rt Kottbuscrdamm 10—17(Hochb5 Bor- zcigcr d. Inserats erhält 5°/» Rabatt: Offeriere in nur Irischer, schöner Ware. Nathan Manck 139 Skalit/er Str. 139. 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KeilW des.Amürts"- AilffW ftr Kllk� Söde«, Wellen 3. ZeptemKr 1910. Vorort- JVacbncbten. Rummelsburg. A�'s der Gemeindevertretung. In der ersten Sitzung nach den Ferien.widmete bor Eintritt in die Tagesordnung der Bürger- meister L>r. Hahn dem am 9. August dieses Jahres verstorbenen früheren.langjährigen Amts- und Gemeindevorsteher Schlicht ivarme Worte der Erinnerung. Punkt 1 der Tagesordnung be- traf die Umbenennung deS Ortsnamens, hier standen sich gewisser- mähen zwei Parteien gegenüber. Den Bestrebungen der anderen Vororte folgend, erklärte die Gemeindevertretung einstimmig ihr Einverständnis damit, daß dem Ortsnamen die Bezeichnung „Berlin" vorgesetzt werden soll; ebenso einmütig war man sich auch darüber klar, daß dann der lange Ortsname„Boxhagen-Rummels- bürg" nicht mehr beibehalten werden kann. Die Mehrheit, dar- unter auch untere Genossen, plädierten dafür, datz die Gemeinde an Stelle ihrer bisherigen Ortsbezeichnung den Namen„Berlin- Rummelsburg" erhält; die im Boxhagener Grundbesitzerverein organisierten Gemeindevertreter traten dagegen mit einer Hart- uäckigkeit, die einer wichtigeren Sache würdig gewesen wäre, für die Ortsbezeichnung„Berlin-Boxhagen" ein. Nach Ansicht dieser Herrn soll der Name„Rummelsburg" außerhalb der Gemeinde in bezug auf den früheren Schweinemarkt und das Arbeitshaus einen bitteren Beigeschmack haben. Da der ursprüngliche Ortsname Rummelsburg ist und der Ort auch heute allgemein nur als Rum- mclSburg bekannt ist, traten auch unsere Vertreter für die Orts- bezcichnung„Berlin-Rummelsburg" ein. Im übrigen bleibt auch der Name Boxhagen durch die Straße„Alt-Boxhagcn" der Nach- Welt sowieso erhalten. Die Abstimmung ergab 16 Stimmen für „Berlrn-RummclSburg", dagegen 7 Stimmen. Unter Vcr- schiedenem wurde ein Antrag des Gemeindevorstandcs, allen Ve- Kranen eine Spende von je 19 Mk. zu bewilligen, gutgeheißen. Die an diese Spende geknüpfte Bedingungen, daß nur würdigen und bclfcirftigen Veteranen die 10 Mk. gegeben werden sollen, wurde auf Einspruch unserer Vertreter fallen gelassen. Die in einer früheren Sitzung von unserem Genossen Buge auf Grund von Mitteilungen von Gemeindearbeitern gegen den Straßenmeister Miehlisch zum Vortrag gebrachten verschiedenen Beschwerden ver- anlaßten den Bürgermeister zu der Erklärung, daß die angeblich recht gewissenhaft geführten Ermittelungen(sämtliche Arbeiter sollen vernommen worden sein) ergeben haben, daß die Beschwer- den hiernach in einem erheblich anderen Lichte erscheinen, als sie unser Genosse Bcrger in der betreffenden Sitzung dargestellt habe, dieselben seien seiner Ansicht nach sämtlich als haltlos zu bczeich- nen. Berger hatte in der betreffenden Sitzung ausgeführt, daß nach den Beschwerden, die inan ihm unterbreitet habe, es üblich sein soll, daß die Straßenarbeiter vor dem Straßenmeister stramm zu stehen hätten, auch soll ein indirekter Druck auf die Gemeinde- arbeiter dahin ausgeübt werden, daß sie die Versammlungen deS Vaterländischen Arbeitervereins besuchen sollen, ferner hatte Ber- gcr die Umgangssprache deS Straßenmcisters seinen Untergebenen gegenüber bemängelt und eS auch gerügt, daß für den Krieger- vcvin eine von den Arbeitern allgemein als lästig empfundene Propaganda gemacht würde. Die Untersuchung nun, welche unter dem Kesichtspunktc, daß sie einen Vorgesetzten betrifft, und unter dem Drucke der Zlbhängigkeit zu betrachten ist und daher nur als wenig beweiskräftig gelten kann, ist nach den Angaben des Bürger- meisters festgestellt worden, daß das Strammstehen vor dem Straßenmeister allgemein üblich sei, es beträfe aber nur die- jenigen Arbeiter(etwa dreiviertel sämtlicher Straßcnarbeiter), welche gleichzeitig Mitglieder der Freiwilligen Gcmcindcfeuerwchr sind und die durch das Strammstehen den Straßenmeister als ihren gleichzeitigen Oberführer nur das selbstverständliche Honneur dar- bieten. Ferner ist festgestellt, daß bei Lohnzahlungen von den Vorgesetzten Einladungszettel zu den Versammlungen des Vater- ländischen Arbeitervereins verteilt worden sind; da aber sonst ein besonderer Druck auf die Arbeiter nicht ausgeübt worden sei, so kann der Bürgermeister hierbei nichts weiter finden. Auch in der Feststellung, daß ein Arbeiter mit dem Ausdruck„Schwein" titu- liert worden sei, könne nichts Besonderes gefunden werden, da der betreffende Arbeiter in schmutziger Kleidung erschienen sei, mithin der betreffende Ausdruck am Platze war. Betreffs der Propa- ganda für den Kriegerverein sei festgestellt, daß anläßlich einer Versammlung nur die Vorteile, welche der Kriegerverein durch seine Unterstützungseinrichtungen den Arbeitern bietet, dort zur Sprache gebracht worden sind, was doch erlaubt sei!! In der sich hieran anschließenden Diskussion bekundeten einige bürgerliche Vertreter eine recht lebhafte Freude darüber, daß ihrer Ansicht nach die Untersuchung ergeben habe, daß der Straßenmeister voll- ständig rehabilitiert dastehe und nur die Sozialdemokraten die- jenigen sind, welche mal wieder viel Lärm um nichts gemacht hätten. Unfere Vertreter traten dem entschieden entgegen und stellten fest, daß, trotzdem die betreffende Art der Untersuchung als Gegenbeweis kaum in Betracht gezogen werden kann, es doch auch schon durch diese Ermittelungen festgestellt ist, daß fast alle Angaben unseres Genossen der Wahrheit entsprechen, man muh nur hierbei auch die Auffassungen der betreffenden Arbeiter mit zugrunde legen und nicht nur die der Vorgesetzten. Interessant war es noch, daß in der Diskussion durch einen bürgerlichen Ver- rreter festgestellt werden konnte, daß die Propaganda für den Vaterländischen Arbeiterverein nicht vom Straßenmeister ausging, sondern direkt auf Anordnung des Gcmeindcvorstandes geschehen war. Als Entschuldigung hierzu erklärte der Bürgermeister ganz naiv, daß er dabei nichts finden könne. Weiftensee. Schlecht abgeschnitten haben die Mitglieder des Grundbesitzer- Vereins in der am Dienstag stattgefundenen Gemeindevertreter- fitzung. In einer Protestversammlung hatte genannter Verein Stellung genommen zur Grundwertcinschätzung, die den HauS- und Grundbesitzern im allgemeinen zu hoch erschien. Sie wünschten in einer Resolution Acnderung der willkürlichen, und phantastischen Einschätzungen. Insbesondere aber solle die Einschätzungskommission anders zusammcngcgesetzt werden; man verlangte unbedingte Aus- schaltung von Personen, deren Programm denselben eine sachliche Behandlung der Einschätzung verbietet. Verschiedene Sitzungen derstrichen, che man wagte, sich nach dem Schicksal der Resolution zu erkundigen. Am Dienstag endlich verlangten die Herren Ant- wort. Sie erhielten die Auskunft, daß die Resolution zu den Akten geschrieben sei, da sie nur dem Gemeindeborstand zur Kenntnisnahme überwiesen wurde. Aber so leicht wollte man sich nicht ergeben, und am Schluß der Sitzung kam die Besprechung der Resolution-n Gang. Als erster Redner unserer Fraktion kam Genosse Taubmann zum Wort, der in der Hauptsache die Aus- schließung unserer Vertreter aus der Einschätzungskommission geißelte. Daß man sich durch solchen Beschluß der Vetternwirtschaft verdächtige, daran habe man wohl nicht gedacht. Genosse Fuhrmann schloß sich dem an und kennzeichnete, wie verderblich in diesem Falle das Hausbesitzerprivilcg wirke. Anstatt der Allgemeinheit zu dienen, nehmen sie nur die Hausbesitzerinteressen wahr. Die wuchtigen Angriffe holten die Herren aus ihrer Reserve. Herr Teichert, der Referent des Protestabends, beteuerte, daß die Resolution fo scharf gar nicht gemeint fei; er wünsche gar nicht, die Resolution so in die Breite zu ziehen, aber wer kein Hausbesitzer, könne doch die Angelegenheiten der Hausbesitzer nicht regeln. Die Herren scheinen den Wortlaut der Resolution vergessen zu haben, denn sonst hätte der Vorsitzende der Portestvcrsammlung, Herr Könitz, nicht die Erklärung abgeben können, daß er mit den Sozialdemokraten in den Kommissionen ganz gut ausgekommen sei, und daß kein Mensch daran gedacht habe, die Sozialdemokraten von der Einschätzungs- � kommtssion auszuschließen. Erst pm PorstanpStische gus wurde l i der Passus nochmals verlesen und die Ausführungen der Genossen f Fuhrmann und Taubmann bestätigt. Der Vorsitzende der Ein- fchätzungskommission, Beigeordneter Dr. Klamroth, bewies an etwa 20 Hausverkäufen der letzten Zeit, daß die erzielten Verkaufspreise zum Teil ganz bedeutend höher waren als die Einschätzungen, was wiederum den Sprechern der Alten Fraktion nicht in den Kram paßte. Herr Könitz behauptete, daß die angeführten Grundstücke von der Gemeinde begehrt werden und da würden immer etwas höhere Preise gefordert. Ihm wurde erwidert, daß die Gemeinde nur an zwei Grundstücken interssiert sei. Schöffe Severin be- grüßte es, daß die Protestvcrsammlung es zustande gebracht hat, eine Trennung der Hausbesitzer herbeizuführen, denn ein fried- liebender Hausbesitzer könne dem alten Verein nicht mehr an- gehören. Er bedauere es weiter, daß ein besoldeter Gemeinde- schöffe denselben Strang ziehe und mit den Herren der Alten Fraktion gemeinsam den Gemeindevorstand bekämpfe. Hierauf er- widerte der besoldete Schöffe Dr. Pape, daß er sich keine Vorschriften machen lasse über sein Tun und Treiben, am allerwenigsten von Herrn Severin, der von allen Dingen nichts verstände, was er eventuell schriftlich von ihm erhalten könne. Der Zwischenfall fand feine Erledigung dadurch, daß Dr. Pape noch die Behauptung auf- stellte, die Neue Fraktion werde wiederum vom Gemeindevorstand begünstigt. Zum Schluß der zweistündigen Debatte sprach der Hauptschreier der Alten Fraktion, Herr Fechner, noch feine Vcr- wunderung darüber aus, daß man sich überhaupt so ereifere, er mahnte zum Frieden. Mit diesen Ermahnungen löste Herr Fechner jedoch nur Gelächter aus. denn in den Hausbesitzervcrfammlungen führte ja bekanntlich er das große Wort, und agitiert systematisch zum Unfrieden. Daher bekam er auch vom Vorsitzenden die Mah- nung, seine soeben gesprochenen Worte selbst zu beherzigen. Die ganze Debatte zeitigte nunmehr, daß die Einschätzungskommission in Zukunft nur Beschlüsse fassen darf, wenn sie bei Anwesenheit der Hälfte der Mitglieder beschlußfähig ist. Mithin war die gewaltige Aktion verpufft. Siieder-Schbnhansen-Nordend. Die MonatSversammlniig des Wahlvercius wurde durch einen Bericht über die Generalversammlung von Groß-Bcrlin, den Genosse Krumnow erstattete, eingeleitet. Nach Erledigung einiger Vereins- angeleaenheiten hielt sodann Genosse Fretter einen lehrreichen Vor- trag über daS Familienrccht. Alsdann wurde mitgeteilt, daß zwei Wirte ausgeschlossen werden mußten, weil dieselben bei der Gemeinde- wähl ihr Wahlrecht nickt ausgeübt haben. Von einigen Genossen wurde gerügt, daß die Mitgliederversammlung nicht vertagt worden ist, um den Genossen die Beteiligung an den Protestversammlnngen zu ermöglichen. Es wurde betont, daß dieses in der kurzen Zeit nicht mehr möglich gewesen sei. Dafür soll am nächsten Dienstag eine öffentliche Versammlung veranstaltet und dazu am Sonntag durch Handzettel eingeladen werden. Zum Schluß fand eine Protest- resolulion gegen die Fleischteuerung Annähme. Oranienburg. Aus ber Stadtverordnelenversammlung. Der Sanitätsrat Dr. Ossowidzki hat der Stadt vor seinem Tode seine prähistorische Sammlung vermacht, jedoch nichts darüber hinterlassen, woraus die Schenkung hergeleitet werden könnte. Der Testamentsvollstrecker klagte im Interesse der Stadt auf Herausgabe der Sammlung, und zwar mit Erfolg. Der Magistrat empfiehlt die Annahme, da keine Bedingungen daran geknüpft sind. Die Versammlung stimmt dem zu. Stadtv. Henschkc�wünscht, daß die Funde bei den Havel- bcgradigungsarbciten der Sammlung einverleibt werden, um später zu einem Ortsmuscunr zu ckommen. Die Festsetzung des Stunden- NTSKZWSEWB&WM' planes der gewerblichen Fortbildungsschule für das Winterhalbjahr wurde genehmigt. Gen. Schumann machte bei dieser Gelegenheit auf einen Fall aufmerksam, wonach der Lehrherr von dem Vater seines Lehrlings das jährliche Schulgeld von 4 M. zurückverlangte. Da sich der Vater weigerte, habe der Meister dem Lehrling das Geld vom Lohn abgezogen, ihm sogar gedroht, auch noch die Stunden in Abzug zu bringen, wenn die Unterrichtsstunden in die Arbeitszeit fällt. Die Versammlung verlangte den Namen zu wissen, der nur deshalb nicht gleich mitgeteilt wurde, um dem Be- treffenden die Möglichkeit zu geben, sich selbst zu nennen. Leider unterließ es der Herr. Als der Name des Stadtrats Zimmer- meister Uhr genannt wurde, war man allgemein erstaunt. Der Vorsteher stellte fest, daß nach dem Ortsstatut der Arbeitgeber vcr- pflichtet ist, das Schulgeld zu zahlen. Sollten noch mehrere solcher Fälle vorkommen, so möge man dies unverzüglich melden. Stadt- rat Uhr entschuldigte sich damit, daß in Berlin die Fortbildungs- schüler auch das Schulgeld zahlen müssen. Der Herr Stadtrat kennt also nicht einmal die gesetzlichen Bcfli-nmungen. Der Etat 1909 der Fortbildungsschule schließt in Einnahme und Ausgabe mit 4088,97 M. ab. Zu diesen Ausgaben hat der Fiskus 1850,43 M. beigesteuert. An Schulgeld sind 850 M. eingckommen. Sodann forderte der Magistrat die Einsetzung einer gemischten Kommission zur Beratung über Maßnahmen gegen die Verteue- rung der wichtigsten Nahrungsmittel. Veranlassung zu dieser Vor- läge gab eine Eingabe des Ortsverbandcs der Handelsgärtner an den Magistrat. Der Ortsverband beschwert sich über die Art, wie der Wochenmarkt jetzt abgehalten wird; er verlangt, daß sich die Marktleute nur bis 1 Uhr mittags aufhalten dürfen. Des weiteren betrachtet es derselbe als eine außerordentliche Konkurrenz, wenn sich die auswärtigen Geschäftsleute über diese Zeit hinaus auf- halten dürfen, und bittet, 30 Pf. Standgeld zu erheben. Stadtv. Held ist ohne weiteres dafür, daß Standgeld erhoben wird, schon deshalb, weil ja die Reinigung des Platzes auch Geld kostet. Unsere Genossen bemerkten, daß sie geglaubt hätten, der Magistrat würde mit der Versammlung darüber beraten, welche Schritte zu unter- nehmen sind, um auf die Regierung einzuwirken, der Not zu steuern. Gen. Schumann betonte, es sei kein Zufall, daß die Berliner Arbeiterschaft in 33 Volksversammlungen gegen den Fleisch- und Brotwucher Protest erhebt. Sei es nicht unerhört, wenn in Berlin allein im letzten Jahre beinahe 27 Millionen Mark mehr fürs Fleisch bezahlt werden mutzte? Er und seine Genossen be- grüßen aber trotzdem die Vorlage, weil zu erhoffen sei, durch ge- regelte Marktverhältnisse eine gesunde Konkurrenz, ganz besonders gegen die hiesigen Schlächtermeister zu schaffen. Der Bürgermeister betonte, daß, wenn der Ort Zuzug haben wolle, auch dafür gesorgt werden müsse, daß die Lebensmittelpreise nicht teurer sind wie in Berlin. Leider sei dies jetzt der Fall. Die Oranienburger Arbeiter mögen sich die Ausführungen des Bürgermeisters merken bei ihrem 30 bis 38 Pf. betragenden Stundenlohn, der hier gezahlt wird. Der gewählten Kommission gehört auch Gen. Garlipp an. Nachdem der Ankauf des gesamten Nohrmaterials für die Stadtkanalisation beschlossen und kleinere Vorlagen erledigt waren, folgte Schluß der öffentlichen Sitzung. Amtlicher Marktbericht der ftädlilchen Maektballei,.Direktion über den Mrotzbaudel in den Zenwal-Marlthallcii.'Marktlage: Fl ei leb: Zufuhr genügend, Geichätt rege, Preise unverändert. Wild: Zufuhr in Rebhühnern genügend, sonst knapp. Geschäft lcbhast, Preise fest. Ge s l ü g- l r Zufuhr genügend. Geichäst lebhaft, Preis- befriedigend. Fische: Zilfuhr genügend, Gclchäit ruhig, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäst ruhig, Preise unverändert. G c m ü i e, O b it und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise wenig verändert. (janlinen- Spiteen-W oclie! - Enorm billiges Exlra-Angebotl Engl. Tüll-Stores moderno Muster.. 4 � 275 l65 Eugl. 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