Kr. 208. klbonnements-veckinglinzen: RB onncmentS■ Preis pränumerando: Kicrtcljährl. 3,30 MB, monoü. 1,10 MB, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sanntags- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- tlbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zcitunas- Preisliste. Unter ftreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Numänicn, Schweden und die Schweiz, 37. Jahrg. CrldKint tSglldi anOcr lilontaa«. Berliner VolKsblnkk. Die Tnlerflons»Gebühr vekrägt für die sechsgespaltcne kkolonek- zeile oder deren Raunt KO Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- wid Versanimlungs-Anzcigcn 20 Psg. „Uleine?n-«>gcn", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „Sczialdtmohrat Btiiin", Zentralorgan der fozialdemohratt fchen Partei Deiitfcblands. Redaktton: 831. 68, Lindenstraosc 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 6. September 1910. Expedition: 831. 68, Lindcnetraosc 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. llach der Ropechagener Tagung. Kopenhagen, 4. September. Das internationale Kopenhagener Arbeiterparlament hat seine Pforten geschlossen. Unter den mächtigen Klängen der Internationale haben die Delegierten des Proletariats aller Länder den mit roten Bannern und Flaggen geschmückten Festsaal verlassen, um ihre alte Tätigkeit wieder aufzunehmen. Die Tagungswoche, die gar manchem eine Ueberlast an Arbeit gebracht hat, ist beendet. Da ergibt sich die Frage: Hat der Kopenhagener Kongreß die frohen Hoffnungen erfüllt, mit denen ihm das Proletariat der Welt entgegensah? Hat die Tagung gehalten, was sie in ihrem Beginn versprochen? In unserem Bcgrüßungsartikel zum Kopenhagener Arbciter-Wcltkongreß haben wir an dieser Stelle hervor- gehoben, daß in der Bekundung internationaler Solidarität, in dem demonstrativen Nachweis, daß trotz aller Rassen-, Sprachen- und Nationaluntcrschiede das Band gleichen Denkens und Strebcns das internationale sozialistische Proletariat um- schlingt, die wichtigste Aufgabe des Kopenhagener Arbeiter- Parlaments liegt. An diesem Maß gemessen, hat die Ziopen- Hagener Tagung ihre Aufgabe glänzend erfüllt. Noch mehr als die Stuttgarter Anti-Kriegsresolution bekundet die Kopenhagener, daß die Arbeiterschaft aller Länder, in die der sozialistische Gedanke seinen Einzug gehalten hat, von den chauvinistischen Kriegstreibereien, der imperialistischen Erobcrungs- und Ex- pansionspolitik der kapitalistischen BcvölkerungSschichten nichts wissen will. Wenn die kapitalistische EntWickelung einerseits zur Welt- Wirtschaft, zu immer engerer Verknüpfung der Wirtscha�ts- gebiete, zur Entstehung eines interstaatlichen Völkerrechts, eines schnell wachsenden Systems internationaler Verträge und Verkehrsnormen führt, so verschärft sie andererseits in immer stärkerem Maße den Kampf um neue Absatzmärkte und neue Anlagesphären für das profitable Verwertung suchende Finanzkapital. Das Ergebnis ist in allen kapitalisti- scheu Staaten der Drang nach weiterer Vergrößerung der Kolonialbesitznngen. nach Ausdehnung des politisch und finanziell beherrschten Gebietes, und als Mittel zur Durch- sührung dieser Bestrebungen die stetige Vergrößerung der Flotten- und Militärmacht. Die in Kopenhagen mit stürmischem Beifall angenommene Resolution legt gegen dieses zu einer immer drückenderen Last werdende Wettrüsten und die Aus- Nutzung der Staatsgewalt im Dienst der kapitalistischen Koukurrenzkänipfe energischen Protest ein. Sie stellt fest, daß die Arbeiterklasse nicht nur die Hauptlast der wahnsinnigen Rüstungen und der Kriege trägt, sondern auch von deren Folgen am schwersten betroffen wird und demnach das größte Interesse an der Beseitigung der Kriege hat. Aber der Kopenhagener internationale sozialistische Kongreß hat sich nicht mit einer bloßen Verwahrung gegen die kapita- listischen Kriegstreibereien begnügt. Die Resolution fordert zugleich die Vertreter des sozialistischen Proletariats in den verschiedenen Parlamenten auf, die Kriegsrüstungcn energisch zu bekämpfen und alle dafür nötigen Geldmittel zu verweigern, die Forderung der Einführung inter- nationaler Schiedsgerichte zu stellen und immer wieder erneuerte Abrüstungsanträge einzubringen. Droht aber der Ausbruch eines Krieges, dann soll das Internationale sozialistische Bureau in Brüssel sofort die nötigen Mittel ergreifen, um zwischen den Arbeiterparteien der bedrohten Länder ein Einvernehmen über ein einheit- liches Vorgehen zur Verhütung des Krieges herbeizuführen. Demselben Geiste der internationalen Solidarität, der durch die großen gewerkschaftlichen Kämpfe der letzten Jahre ge- förderten ernsten Erkenntnis, daß die Arbeiterschaft eines Staates von den Unternehmern gleicher Nationalität weit größere soziale Gegensätze trennen, als von den um gleiche Lebensziele kämpfenden Arbeitsgenossen jenseits der Grenzen, cutspringt der die gegenseitige Ünt'erstützungspflicht aussprechende Beschluß bezüglich der internationalen Solidarität. Der Kapitalismus zwingt die Arbeiterklasse zu immer gewaltigeren Massen- kämpfen. Die Macht des Kapitals konzentriert sich in steigendem Maße in großen Riesentrusts und-Kartellen: selbst über die Landesgrcnzcn hinweg schließen sich die Unternehmerverbände zu großen Jnteressenkoalitioncn zusammen, während anderer- seits die Arbeiter sich in großen gewerkschaftlichen Landes- zcntralverbänden organisieren. Die Zeit der kleinen, isolierten Einzelkämpfe in der einzelnen Werkstatt oder Ortschaft ist vor- über. An ihre Stelle treten gewerkschaftliche Masscngcfcchtß, meist durch Riesenaussperrungen koaliertcr mächtiger Unter- nchmerverbände hervorgerufen, wie z. B. 1899 in Dänemark, 1909 in Schweden und erst in diesem Jahre wieder in Deutschland. Der schwedische Ricsenstreik hat aber zugleich bewiesen, wie traurig es noch in manchen Ländern um die Anerkennung der Verpflichtung internationaler Solidarität bestellt ist. Obgleich die Arbeiterschaft Deutschlands zur Zeit des schwedischen Massenstreiks unter den Folgen einer schweren Wirtschaftskrise litt und einzelne größere Ge- wcrkschaften 10 und 12 Proz. Arbeitslose zu unterstützen hatten, haben sie ihre schwedischen Arbeitsbrüder nach Kräften unterstützt. Und auch die Arbeiter der nordischen Länder, die Dänen, Norweger, Finnländer, haben ihr Solidaritätsgefühl durch ansehnliche Unterstützungen bekundet. Aber diese Bei- spiele fanden nicht überall Nachahmung; die romanischen Länder, besonders aber die reichen englischen Trades Unions haben versagt. Deshalb muß notwendig die allgemeine Unter- stützungspflicht festgestellt und ihre Regelung versucht werden. Der Kopenhagener Kongreß empfiehlt darum in seiner Resolution der gewerkschaftlichen Internationale, zu untersuchen, wie sich solche Unterstützungen ani zweckmäßigsten regeln lassen und weist ferner die sozialistische Presse an, in solchen Riesenkämpfcn, ent- schieden für die Streikenden oder Ausgesperrten einzutreten und in ihrem Verbreitungsgebiet die Sympathie der Arbeiterschaft wachzurufen. Zugleich sprach der Kongreß den in verschiedenen Wirt- schaftlich rückständigen Ländern schwer gegen ein über- mächtiges, reaktionäres Regiment kämpfenden Sozialisten, vornehmlich den Genossen in Finnland, Spanien, der Türkei, Persien, Japan und Argentinien seine Sympathie aus und erhob gegen die niederträchtigen Verfolgungen der dortigen proletarischen Bestrebungen cinstinimigen Protest. Eine De- monstration des internationalen Gemeinschafts- und Zu- sammengehörigkeitsgcfühls, deren Wirkung vielfach unterschätzt wird. Ist auch nicht anzunehmen, daß derartige blutige Ge- Waltherrschaften, wie die russische Zarenregierung, das Re- giment der kreolischen Latifundien-Oligarchie in Argentinien oder die russisch-persische konterrevolutionäre Clique in Teheran, sich durch die Proteste der internationalen Arbeiterschaft in ihrem blutigen Wüten stören lassen, so stellen doch diese Kundgebungen die betreffenden Regierungen öffent- lich an den Pranger, geben den Kämpfenden neuen Mut, in ihrem Kampfe auszuharren, und bieten ferner den im Vordertreffen stehenden Führern der Bewegung die Gewähr, daß sie nötigenfalls, wenn sie vom heimischen Boden vertrieben werden sollten, auf die Hilfe der Internationale rechnen können. Neben diesen Problemen der Organisation und der Rege- lung des gegenseitigen Eintretens des sozialistischen Proletariats der verschiedenen Länder für einander in seinem gemeinsamen Befreiungskampfe, beschäftigte sich das Kopenhagener Arbeiter- Parlament mit der Frage der Ausgestaltung der Arbeiter- gesctzgebung und des Verhältnisses der Genossenschaften zu den sozialistischen Parteien: Fragen, die bisher von den Arbeiter- Parteien in den einzelnen Ländern oft in recht verschiedenem Sinne beantwortet»vorden sind und deshalb eine einheitliche Regelung erforderten. Der Kopenhagener Kongreß hat des- halb in Anlehnung an die Beschlüsse des Pariser Kongresses von 1889 eine Reihe Mindestforderungen aufgestellt, deren Durchführung zunächst in allen Ländern zu erstreben ist, und damit der Agitation für die weitere Ausgestaltung der Ar- beitcrschutzgcsetzgebung eine Richtschnur geschaffen. Ferner hat er die Mittel einer Prüfung unterzogen, die schon in der jetzigen kapitalistischen Wirtschaftsära antvendbar sind, um die sich regelmäßig im Gefolge der periodischen Wirtschaftskrisen einstellende Arbeitslosigkeit wenigstens etwas zu lindern; denn aufheben läßt sich unter dem heutigen kapitalistischen Produktionssystem die Arbeitslosigkeit nicht. Ihre Aufhebung kann erst erfolgen, wenn die Produktions- mittel in Gemeinbesitz übergehen und damit zugleich das heutige Lohnarbeitssystem verschwindet. Auch der Streit, wie das Verhältnis der Genossen- schaftcn zu den sozialistischen Parteien aufzufassen sei; ob die Genossenschaften sich den politischen Parteien anzugliedern hätten, ob sie ihre politische Neutralität wahren müßten und ob die sozialistischen Arbeiter verpflichtet wären, den Genossenschaften als Mitglieder beizutreten, bildete ein Gegenstand langausgcdchnter Kommissionsberatungen in Kopenhagen. Bekanntlich entsprang der Streit aus der Ver- schiedenartigkcit der Entwickelung des Genossenschaftswesens in den einzelnen Ländern. In England ist die Genossen- schastsbewcgnng viel älter als die Arbeiterpartei und nur ein ganz loses Bandsverknüpft beide. JnBelgien ist das Genossen- schaftswesen eng mit der politischen Partei verbunden, man kann in gewisser Beziehung sogar sagen, daß es deren Rückgrat bildet und den wesentlichsten Teil der Mittel für die sozia- listische Agitation und den Prcßfonds liefert. In Deutschland wieder sind die Leiter der Gcnosscnschaftsbcwegung meist Be- fürworter einer strengen politischen Neutralität der Genossen- schaftcn. Gerade diese verschiedenen in der Besonderheit der historischen EntWickelung begründeten Verhältnisse verhindern aber eine gleichmäßige schablonenhafte Behandlung des Ge- nosscnschaftswesens in den einzelnen Ländern. Der Kongreß hat sich denn auch gehütet, die Angliederung der Genossen- schaften an die Partei nach belgischem Muster auszusprechen. Die angenommene Resolution erkennt an, daß, wenn auch die Genossenschaftsbewegung niemals die Emanzipation der Arbeiterklasse herbeiführen kann, sie doch eine wirksame Waffe im Klassenkampf zu sein vermag und empfiehlt deshalb allen Genossen— ein Beitrittszlvang soll, wie erklärt lvurde, völlig ausgeschlossen sein— tätige Mitglieder der Konsum- vereine zu werden. Ob und inwieweit die Genossenschaften d i e politische und gewerkschaftliche Bewegung direkt aus ihren Mitteln unterstützen wollen, bleibt dabei völlig der Ent- scheidung der Genossenschaften jedes Landes überlassen. Nimmt man hinzu, daß auf Anrufung der österreichischen Genossen das Kopenhagener Arbciterparlament sich überdies mit den bereits mehrfach ini„Vorwärts" erörterten scpara- tistischen Bestrebungen der tschechischen Sozialdemokratie zu beschäftigen hatte und diese Streitfrage in dem Sinne entschied, daß es sich für die Einheitlichkeit der Gcwerkschastsorganisation in jedem Staate aussprach, dann wird allseitig anerkannt werden müssen, daß in Kopenhagen ein sehr beträchtliches Arbeitspensum bewältigt ist, um so mehr als in manchen Fragen die Ansichten scharf aufeinanderprallten. Wie auf den früheren Tagungen der roten Internationale fehlte es auch in Kopenhagen keineswegs an Meinungs- Verschiedenheiten; aber allen Teilnehmern des Kongresses blieb der große Zweck, zu dem sie sich zusammengefunden hatten, gewärtig und hob sie über den Augenblick hinaus. Ueber den Streit der Meinungen siegte imnier wieder der Gedanke der Einheit, deS Verbundcnscins im gleichen Streben. So reiht sich der Kopenhagener Kongreß würdig seinen Vorgängern an. Immer mehr vereinheitlicht sich die inter- nationale Arbeiterbewegung, imnier mehr fühlen sich die Arbeiter aller Nationen als Glieder einer und derselben, dem gleichen Ziele entgegenmarschierenden, großen revolutio- nären Armee._ flugmslchine und Cenkballon. Man schreibt uns: Als Zeppelin seine ersten großen Erfolge errang, waren die Deutschen nach der Meinung unserer Hurra- schreier wieder einmal das Salz der Erde, die allein die Lüfte be- herrschten. Besonders vergnügt sahen die unentwegten Patrioten auf die Franzosen herab, die nichts Rechtes fertigbrachten, Jetzt aber liegen die Dinge so, daß die Franzosen den Deutschen in der Konstruktion von Flugmaschinen überlegen sind. Selbstverständlich waren die deutschen Chauvinisten seinerzeit nicht deswegen so erfreut, weil just das Deutsche Reich die ersten großen Fernflüge eines Lenkballons zu verzeichnen hatte, vielmehr erfüllte sie die Hoffnung, daß man eines Tages Paris von oben herab ungeniert werde bombardieren können, mit Freude. Aber es zeigt sich immer mehr, daß die Flugmaschine gerade in militärischer Beziehung den Lcnkballon voraussichtlich weit über- treffen wird. Die lenkbaren Luftschiffe sind, sofern sie etwas mehr Widerstandskraft gegen den Wind besitzen, so große Ungetüme, daß sie der feindlichen Artillerie selbst auf weite Entfernungen eine große Treffläche bieten. Ist einmal die Entfernung des Ballons festgelegt— und heutzutage gibt es Entfernungsmesser— so ist es kein Kunststück, ein solches Luftschiff auf mehrere tausend Meter zu treffen. Die Firma Krupp hat jetzt schon neue Geschütze kon- struicrt, die für das Herunterholen von Lenkballons bestimmt sind und sehr gut funktionieren sollen. Ferner kommt im Kriegsfalle auch die umständliche Wirtschaft in Betracht, die beim Landen eines Lenkballons unvermeidlich ist. Da mutz Militär bereitgestellt werden, große Verankerungsmaß- regeln sind nötig und womöglich muß noch Gas bereitgestellt werden. Derartige Freundlichkeiten kann man aber vom Feinde nicht ver- langen. Und fällt ein gutes lenkbares Luftschiff in die Hände des Gegners, so bedeutet es für ihn einen erheblichen Gewinn. Die Flugmaschinen bieten hingegen auf große Entfernungen ein zu kleines Ziel, als daß sie leicht getroffen werden könnten. Und wenn ein solcher Apparat landen will, braucht er nicht eine Kam- pagnie Soldaten, die ihn halten. Dazu wird die Flugmaschine der gefährlichste Feind des lenk- baren Luftschiffes werden, sobald sie auch nur eine relativ kleine Waffe, die Sprenggeschosse verschießen kann, zu tragen im- stände sein wird. Dann wird sie den Lenkballons viel gefährlicher werden als die Torpedoboote den Panzerschiffen. Man muß dabei auch bedenken, daß die Flugapparate verhältnismäßig sehr billig sind. Für eine einzige Million erhält man etwa öl). Sie werden also sozusagen einen kriegerischen Massenartikel vorstellen. Es kann dann sein, daß ein einziges lenkbares Lustschiff zugleich von 60 und mehr Flugapparaten angefallen wird. Ob hier noch eine Rettung möglich ist, erscheint sehr fraglich. Daß dem lenkbaren Luftschiff in der Flugmaschine ein gcfähr- licher Feind erstanden, ist geradezu ein Segen für die Menschheit, denn wenn die lenkbaren Luftschiffe allein die Be- Herrscher der Lüfte geblieben wären, dann würden die Kriege der Zukunft Schrecken zeitigen, die man gar nicht ausdenken kann. Das lenkbare Luftschiff kann verhältnismäßig große Lasten tragen, also auch Bomben von furchtbarer Zerstörungskraft mitführen. Aller- dings bietet das Herabwerfen von Bomben jetzt noch Schwierig- keifen. Die Ballons schnellen nämlich dabei infolge des plötzlichen Eewichtsverlusics in die Höhe und" dadurch leiden die Motorc. Aber die Technik hat schon größere Hindernisse überwunden- als diese. Und daher kann man als gewiß annehmen, daß die lenkbaren Luft- schiffe in einigen Jahren derart„verbessert" sein werden, daß sie Bomben herabwerfen können. Man male sich in der Phantasie ein Bild davon aus, wie es im Kriege würde, wenn solche Luftschiffe, nur durch ihresgleichen bedroht, herumfliegen könnten. Wäre man auch imstande, sie bei Tage durch Geschütze unschädlich zu machen, so würden sie dennoch bei guter Witterung in der Nacht eine schreckliche Geißel vorstellen. Jede in der Nacht marschierende Truppe, jede im Biwak während der Dunkelheit ruhende Abteilung hätte ständig das lähmende Bewußtsein, daß sie trotz sorgfältig aus- gestellter Vorposten plötzlich heftig bombardiert werden kann. Ein gräßliches Schicksal hätten die b c f e st i g t e n Städte, die man nach Kriegsrccht ohne weiteres bombardieren darf. Sind aber die F'i�maschinen so weit entwickelt, daß sie Waffen zum Herunter- schießen des Lenkballons tragen können, so werden die lenkbaren Luftschiffe sich in ihrer„Nachtarbeit" empfindlich gestört sehen, denn während der Dunkelheit ist die Flugmaschinc gegen den Lenkballon kolossal im Vorteil, weil sie ein kleines, er aber ein sehr großes Ziel bietet. Der Lenkballon wird dann, von Geschossen aus einer Flugmaschine oder mehreren getroffen, herabsauscn, noch ehe seine Insassen ihre Feinde gesehen haben. Dabei weist die Flugmaschine den vom menschlichen Standpunkt aus großen Vorzug auf, daß sie für das Bombardement kaum ernstlich in Betracht kommen wird. Muß sie eine Schußwaffe nebst Munition, dazu mindestens 2 Mann (einen zur Bedienung der Waffe, einen zur Steuerung) tragen, so wird sie nicht auch noch einige Dutzend große Wurfgeschosse mit- führen können. Die Aufgabe des Flugapparates wird in der Haupt- fache wohl auf die Rekognoszierung und das Herabholen von Lenk- ballons beschränkt bleiben. Und das ist eine verhältnismäßig er- trägliche Rolle. Wir fürchten auch, daß der Lenkballon die Kriegführung noch viel barbarischer machen würde, als sie es schon ist, wenn ihm die Flugmaschine nicht das Handwerk crschweicn könnte. Man nehme einmal eine siegreich ins gegnerische Land vormarschierende Armee an, die fortwährend durch Bomben aus Lenkballons ge- schädigt wird. Durch Schlachten und Gefechte gewinnt sie ständig Terrain, aber wenn die abgerackerten Truppen ausruhen und schlafen wollen, werden sie von oben mit Bomben regaliert. Der- artiges würde eine furchtbare Erbitterung und Repressalien er- zeugen._ Live private Kundgebung. Bei der Grundsteinlegungsfeier einer Kirche hielt Prinz Ludwig, der bayerische Thronfolger, eine Rede, über die das klerikale„Neue Münchener Tageblatt" folgenden Bericht veröffentlicht: „Ich danke dem lieben Gott, daß ich von katholischen Eltern abstamme und in der katholischen Religion erzogen worden bin. Ich bin stets für unsere katholiiche Religion eingetreten, weil ich überzeugt bin, daß sie die einzig wahre und echte Religion ist. Diese meine innerste Uebcrzeugung habe ich jederzeit kundgetan, nicht um äußere Ehren und Anerkennung zu finden, sondern weil es meine tiefste religiöse Uebcrzeugung ist. Die katholische Religion gestattet jedem Katholiken, Toleranz gegen Andersgläubige zu üben. Es ist falsch, anzunehmen, daß die Ueberzeugung Anders- gläubiger von uns Katholiken nicht hochgehalten werden dürfe. Desgleichen verlangen auch wir, daß gegen unsere Ueberzeugung Toleranz geübt werde. Wir wissen wohl, daß nicht die Mutter Gottes, sondern Gott im Himmel allein unsere Bitten erfüllt oder abschlägt, weil er am besten weiß, ob die Erfüllung unserer Wünsche zum Vorteil ist oder nicht. Trotzdem eilen wir zur seligen Jungfrau Maria hin und wenden uns an sie im Ver- trauen auf ihre Macht bei Gott. Auch ich habe Sorgen und Kummer und habe sie niedergelegt am Altar der heiligen Kapelle. Wir alle sind ja Zeugen, was im Lause der Jahrhunderte durch die F ü r b i t t e der allerhöchsten Jungfrau erreicht worden ist." Die Rede ist bei einem kirchlichen Anlaß gehalten und beweist, wenn sie, woran zu zweifeln kein Anlaß ist, auf- richtig gemeint ist,� daß der bayerische Thronfolger ein frommer Katholik ist. Daß die katholische Religion von ihm für die einzig wahre gehalten wird. ist dabei nicht auffallend. Denn jeder Anhänger einer Religion ist überzeugt, daß die seine die wahre ist, sonst würde er eben nicht gläubig sein. Die Ausstellungen der liberalen Presse, die gegen dieses Be- kenntnis zu Felde zieht, scheinen uns nicht stichhaltig. Etwas anderes wäre es, wenn der Thronfolger besondere politische Konsequenzen unmittelbar aus seiner religiösen Ueberzeugung zöge und sie Andersdenkenden aufdrängte, also etwa sich einbilden würde, er stehe in einem besonderen Verhältnis zu Gott und seine Meinungen müßten auch gegen die ver- fassungsmäßigen Meinungen eines Parlaments durchgesetzt tverdcn. Das fällt aber dem bayerischen Prinzen nicht ein. Er tritt vielmehr gleichzeitig für„Toleranz" ein. was vielleicht vom rein religiösen Standpunkt nicht ganz konsequent, vom staatsbürgerlichen aber durchaus korrekt ist. Deshalb braucht den Politiker diese Rede nicht zu kümmern und am wenigsten Sozialdemokraten, denen Religion Privatsache ist._ poUtifchc GcbcrHcbt* Berlin, den 5. Septeniber 1910. Orden für die Helden der Waylrechtsschlachten! Wiesbaden, 6. September. Die Blätter melden: Bei einem Appell der hiesigen Schutzmannschaft verteilte heute vor- mittag der Polizeipräsident Schenk an eine Anzahl Beamte Ordensauszeichnungen für ihr vorzüglicheS und musterhaftes Verhalten während der Ausschreitungen bei diesjährigen WahlrcchtSdcmonstrationen und sprach gleichzeitig der Schutzmannschaft für ihr ruhiges Vorgehen ganz besondere Anerkennung aus. Halle a. S., 5. September. Sieben Beamten der hiesigen Polizei find durch den Regierungspräsidenten v. GerSdorf in Merseburg Orden Sauszeichnungen überreicht worden. Der Regierungs- Präsident teilte dabei mit, der Minister des Innern habe ihn zu der ausdrücklichen Erklärung ermächtigt, daß er mit dem Verhalten der Halleschen Polizeiexekutive außerordentlich zufrieden sei. Dem sein Recht fordernden Volke Säbelhiebe, den dreüchauenden Polizeibeamten Orden— daS ist preußisches System! Die Polizei von Halle a. S. hatte bekanntlich bei der ersten Demonstration des diesjährigen WahlrechtsfeldzugS unter den Wahl- rechtsdemonstranten ein förmliches Blutbad angerichtet! Der Staatsanwalt im Kampf gegen die politische Satire. Sluitgart, V. September.(Privattelegramm des„Vorwärts".)_ Soeben sind hier in der Verlagsanstalt von Paul Singer die Nummern S24 und 628 des„Wahren Jakob" von der«taats- anwaltschaft beschlagnahmt worden. Gegen den Redakteur Ge- Nossen H e y m a n n ist eine Untersuchung wegen Vergehens gegen die Z§ 166 und 184 des Strafgesetzbuches(Gotteslästerung, bezw. Be- fchimpfung einer christlichen Kirche, sowie Verbreitung unzüchtiger Schriften) emgeleitet worden. Von der Nummer 624 wurden noch 100 Exemplare vorgefunden, von der Nummer 628 nichts, da sie längst ausverkauft jst. Die Nr. 628 war„den Schwarzen gewidmet" und in die Zorm einer ironischen Begrüßung des Katholikentages gekleidet. In Wort und Schrift führte sie in launiger Weise den hochmütigen Anspruch der Frommen, mit ihrer religiösen Gesinnung zugleich den alleinigen Boden der Moral gepachtet zu haben, durch eine Revue der vielen Skandalaffären ab, die in neuerer Zeit durch katholische Geistliche und andere Frommen verursacht wurden. Das hat den Zentrums- leuten wohl nicht gefallen und auf ihr Betreiben ist denn etwas sehr nachträglich die Staatsanwaltschaft in Bewegung geraten— und hat offenbar erst dringlicher Belehrung bedurft, bis ihr das angeblich Strafbare des Inhalts offenbar geworden ist. In Wirklichkeit ist natürlich weder von einer Beschinipfung der katholischen Kirche, noch davon die Rede, daß die betreffende Nummer des„Wahren Jakob" eine unzüchtige Schrift darstellte. Selbstverständlich sind die Dinge beim rechten Namen genannt und mit Rosenwasier läßt sich der Schmutz nicht darstellen, der in so manchen Pfarrhäusern gedieh. Die Nr. 64, die schon im Juni erschien(I), enthält eine Bilder- folge, die die Verbindung von Christentum und Militarismus ver- spottet, überschrieben„Der Christus von Kallehne". da sie an die Tatsache anknüpft, daß in Kallehne in der Altmark aus Anlaß des Festes der Kirchenvisitation unter den Augen der Geistlichkeit ein Kricgsspiel stattfand, an dem sich außer dem Kriegervercin vier Schulen beteiligten. Es ist recht bezeichnend für den falschen Gesichtswinkel, unter dem die Frommen und die Staatsanwaltschaft das sozialdemokratische Witzblatt betrachten, wenn sie aus dieser derben Verspottung einer Verzerrung des Christentums in sein Gegenteil eine Beschimpfung einer christlichen Kirche oder gar eine Gottes- lästerung machen wollen. Vor Gericht wird Genosse Heymann mit diesen falschen Deduktionen kräftig aufräumen können. Gegen Absolutismus und Aleischwucher. Zwei Massenversammlungen fanden ani Sonnabend in Köln statt. Die von sozialdemokratischer Seite einberufene war derart stark besucht, daß der Saal des Volkshauses polizeilich abgesperrt wurde. Genosse Meerfeld brandmarkte die agrarische Lebensmittelwucherpolitik und die dafür verantworte lichen Parteien an der Hand eines erdrückenden Beweis- Materials. Besonders kennzeichnete er die infame Politik des Zentrums, das sich den Wählern gegenüber als volksfreundlich aufspiele, in Wirklichkeit aber die reaktionäre Zollwucher- und Steuerpolitik der Konservativen unterstütze. Er forderte sofortige Oeffnung der Grenzen und Errichtung kommunaler Schlachthäuser. Gegenüber der Proklamierung der absoluten Militärmonarchie durch die Königsberger Kaiserrede forderte er unter dem brausenden Beifall der Versammelten, daß der Reichstag die maßgebende Instanz im Reiche und der Wille des Volkes oberstes Gesetz werde. Die vorgeschlagenen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Die zur selben Stunde in den Koloniasälen abgehaltene, von der Demokratischen Vereinigung einberufene Volksversammlung war ebenfalls überfüllt. Nach Reden der Herren Dr. N e st r i e p k e und Dr. Pohlschröder wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der als Mindest- fordcrung des Volkes ein Verantwortlichkeitsgesetz für den Reichskanzler verlangt wird, damit das Parlament den Kanzler im gegebenen Falle zur Verantwortung ziehen kann. Die Resolution protestiert entschieden gegen die in den oftelbischen Reden zum Ausdruck kommenden absolutistischen Gedanken. In einer in Hagen von der Sozialdemokratischen Partei einberufenen gutbesuchten öffentlichen Volksversammlung wurden nach einem Referat des Parteisekretärs Genossen Ludwig zwei Resolutionen gegen das persönliche Regiment und den Fleischwucher einstimmig angenommen. In Hannover tagten am Sonntag sieben sozialdemo- kratische Protestversammlungen mit der Tagesordnung: „Persönliches Regiment, Junkerherrschaft und Fleischnot." Nach Schluß der Versammlungen zogen die Massen über die Hauptstraße und demonstrierten vor der Wohnung des Regierungspräsidenten. In einer von mehr als 3900 Personen besuchten, vom Sozialdemokratischen Verein einberufenen V o l k s v e r- sammln ng zu Kassel referierte Abg. Scheide mann unter stürmischer Zustimmung. Einstimmig wurde von der Versammlung, in der auch das Bürgertum stark vertreten war, eine scharfe Protestresolution gegen Absolu- tismus und Fleischwucher angenommen. Die Kundgebung fand im Stadtpark, dem größten Saale, statt. Einflußreiche Personen, wahrscheinlich aus dem Verein der Reichsver- bändler, hatten alles aufgeboten, die Versammlung im Lokale des Bürgertums unmöglich zu machen. Auf den Pächter wurde mit Androhung des Bo.yrotts durch die „Patrioten" eingewirkt. Die den Behörden nahestehen- den Zeitungen, die sonst das Geld 5er Sozialdemokraten gern nehnien, lehnten diesmal auffallenderweise die Aufnahme der Versammlungsanzeigcn rundweg ob. Trotz alledem der starke Besuch und für die Sozialdemokratie ein schöner Erfolg: 150 neue Parteimitglieder und hundert Abonnenten auf das„Volksblatt". Eine Protcstversammlung in W ü r z b u r g, in der der Genosse Landtagsabgeordneter Schmitt- München referierte, nahm eine Resolution an, in der das Sclbstbestimmungsrecht des Volkes und die völlige Aufhebung deS Majestäts- beleidigungSparagraphen gefordert wird. I» Königsberg fand am Sonntag eine öffentliche Volksversammlung statt, in der Genosse Dr. G o t t s ch a l k das Thema:„Kaiserlvorte und Volksrechte" behandelte, während Genosse Redakteur M a r ch i o n i n i über:„Lebens- mittclwucher" sprach. Die Versammlung, die unter freiem Himmel stattfand, litt unter mehreren Regengüssen. Trotzdem füllten mehrere tausend Personen den Garten des Partei- ctablissements. Zwei Protestresolutionen fanden einstimmige Annahme. Eine von der Fortschrittlichen Volkspartei einberufene. von rund 3000 Personen besuchte Versammlung in Sinti- gart nahm nach einem Referat des Abgeordneten N a u- mann eine Resolution an, in der es heißt: „Da Kaiser Wilhelm ll. in Königsberg erklärt hat, daß er ohne Rücksicht auf Tagesansichten und Tagesmeinungen seinen Weg gehe, so bleibt auch dem deutschen Volke nichts anderes übrig, als ohne Rücksicht auf kaiserliche Aussprüche seinen Weg zu gehen und die Durchführung des parlamentarischen Regt- ments und der staatsbürgerlichen Gleichberechtigung mit allen gesetzlichen Mitteln zu betreiben." Die Krefelder Fleischerinnung beschloß in ihrer letzten Hauptversammlung, an den Oberbürgermeister das Ersuchen zu richten um eine Eingabe an die zuständige Staatsbehörde, die zur Einschränkung der bestehenden Vieh- und Fleischteuerung erforderlichen Maßregeln zu ergreifen, namentlich die Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh, be- I sonders nach Holland hin, unter Wahrung der notwendigen 'sanitären Maßnahmen veranlassen zu wollen, ferner billigere Frachtsätze für Vieh beim Eisenbahntransport und Zoll- erleichterungen anzuordnen._ Eine Demonstration gegen Chauvinismus und persönliches Regiment. Kaiserslautern, 4. September.(Eig. Ber.) Die hiesige sozialdemokratische Stadtratsfrottion hatte auf eine Eingabe der Kriegerkameradschaft die Mittel für eine Sedanfeier verweigert. Darauf ging eine große Hetze gegen die Partei los, so daß sich diese zu einer Protcstversammlung veranlaßt sah. Zu derselben Zeit, als die Krieger- und Militärvereine ihren Fest- zug durch die Stadt machten, tagte eine großartig besuchte Per- sammlung in Kaiserslauterns größtem Saale. Genosse Hofs- m a n n sprach über das Thema„Sedan und Sozialdemo- k r a t i e". Zum Schlüsse legte er den inneren Zusanmienhang zwischen der Sedanfeier und der Köuigsberger Kaiserrede dar. Die Versammlung war eine großartige Demonstration des arbeitenden Volkes gegen den Chauvinismus der bürgerlichen Parteien und für den Frieden, gegen das persönliche Regiment und sür die Volks- rechte._ Innere Seuchengefahr. Im„Rcgensburger Anzeiger" polemisiert ein praktischer Land- Wirt gegen den Zentrumsabgeordneten Dr. Heim, der vor kurzem im„Bayerischen Kurier" sich gegen die Oeffnung der Grenzen aus- gesprochen hatte. Der Landwirt führt den Mangel an Schlacht- Vieh einfach darauf zurück, „daß der Bauer aus dem Lande die unsinnige Theorie der Stall- fütterung zur Ausführung bringt, das verderbliche Beispiel der großen Güter nachahmend, die seit einem halben Jahrhundert Kuh, Kalb und Jungrind an der Kette zu halten und aufzuziehen liebt. Die Tuberkulose greift immer mehr um s i ch unter den Viehbeständen, schwächliches, krankes, unzügiges Vieh füllt die Ställe. Ganze Dörfer haben keine oder wenige Kälber. Unfruchtbarkeit der Kühe ist die Ursache. Kein Kalb, keine Milch, kein Fleisch ist die Folge. Es ist unberechenbar, bis wieder ein gesunder Viehbestand unsere Ställe füllen wird." Um diesem Fleischmangel abzuhelfen, empfiehlt auch er die Oeffnung der Grenzen zum Zwecke der Einfuhr von Zuchtvieh. Ein neuer polizeilicher Vorftost gegen das Reichsvereinsgesetz. Die Versuche der Polizei, die wenigen und geringfügigen Er- lcichterungen, welche das Reichövereinsgesetz für politische Bereine gebracht hat, auf dem Verwaltungswege wieder aus der Welt zu schaffen, werden zäh und unermüdlich fortgesetzt. Schon in Breslau und Magdeburg ist der Versuch unternommen worden, die Mit- gliederversammlungen der sozialdemotratischen Vereine Polizei« lich zu überwachen, obwohl das Reichövereinsgesetz in seinen ßz 13 und 14 ausdrücklich das Gegenteil bestimmt. Die hierzu beliebte Beweisführung der polizeilichen Gesetzesanwender ist bekannt. Man behauptet, ein sozialdemokratischer Verein sei seiner Mitgliederzahl und seiner Konstttution wegen kein Verein im Sinne höchstgerichtlicher Entscheidungen und deshalb könne er keine Mitgliederversammlungen veranstalten, sondern nur öffentliche. Mit dieser Argumentation sind nun allerdings die genannten Polizei- Verwaltungen gründlich abgefallen, so daß man meinen sollte, daß man sich an diesen Niederlagen der polizeilichen BevormundungSrute genügen lasse...„ Dem ist indessen nicht so. Der sozialdemorattsche Verein für Halle und den Saalkreis hielt am Sonntag seine ordent- liche Jahresversammlung ab, zu der lediglich Mitglieder Zu- tritt hatten. Um die Anwesenheit von Nichimitglicdern zu verhindern, wurde an den Saaleingängen genaue Kontrolle ausgeübt. Trotzdem stellten sich mit Versammlungsbeginn zwei Polizei- be�mte— ein Kommissar und ein Schutzmann— ein, um die Versammlung zu überwachen. Auf die Aufforderung, den Saal zu verlassen, erwiderten sie, von höherer Stelle zur Ueberwachuiig beauftragt worden zu sein. Nun wurde die Versammlung vertagt und der Versuch gemacht, auf telephonischem Wege Zurückziehung der ungesetzlichen Anordnung zu erzielen. Der Polizeichef, Oberinspektor Weydemann, war jedoch nicht zu erreichen, da er die sogenannte Sedanfeier mit seiner Gegenwart beehrte. Der Oberbürgermeister Dr. Riv e erklärte dem Vorsitzenden, ReichStagsabg. A l b r e ck> t, Beschwerden nur auf schriftlichem Wege entgegenehmen zu wollen. Somit blieb es bei ber ungesetzlichen Maßregel. Unsere Genossen griffen nun zu einem anderen Auskunflsmittel, sie schloffen die General- Versammlung mit den Bemerke», daß in einer halben Stunde eine Mitgliederversammlung mit der gleichen Tagesordnung einberufeir werde. Für diesen unvorhergesehene» Fall waren die Polizei- beainten wohl nicht mit Instruktionen versehen und sie entfernten sich zögernd. Die ziveite Versammlung konnte dann ungehindert vor sich gehen. Die Ungesetzlichkeit des Verhaltens der Polizei von Halle zu der Generalversammlung braucht nicht erst nachgewiesen zu werden. Wenn diese Behörde trotz geschehener Rektifikation anderer Polizeiverwalungen gesetzwidrige Schritte zur Enschränkung deS Vereins- und Versammlungsrechtes unter- nimmt, so handelt sie natürlich nach vorgefaßtem Plan. Welchen, das dürste eine Parallele mit der polizeilichen Verhinderung des gesetzlich erlaubten Streikpostenstehens klarmachen. Jahrelang hat das höchste preußische Gericht den Versuchen der-Polizei, die Ausübung des KoalitionSrechteS zu beschränken, widerstanden. Aber die Polizei ist dabei doch Siegerin gebliebenl Heute darf sie, ohne Zurückweisung befürchten zu müssen, Streik- Posten sistieren, soviel sie will. Aehnlich denken sich die Polizei- oberen Preußens wohl auch die Sache beim Bereinsrecht. Durch immer erneute Versuche hoffen sie. die letzte Instanz ihren Wünschen gefugig zu macheu. Da Preuhen Polizeistaat in des Wortes oer- wcgcnster Bedeutung ist, bedeutet diese Hoffnung der Behörde für öffentliche Ordnung und Sicherheit durchaus keinen leeren Wahn. Und dam, t wäre dann die einzige„liberale Tat" der glorreiche» Blockara ihrem wahren volksfeindlichen Charalter nach der Oeff-nt- Ilchkett enthüllt. Kricgervereine gegen die Konsnmvereine. Nicht nur, daß Partei und Gewerkschaften von den Krieger» vereinen beschimpft werden, sollen von jetzt ab auch die von Arbeitern geleiteten Konsumvereine in die zu bekämpfenden Organisationen einbezogen werden. Auf dem Krcis-Kriegervcrbandstage in Neu- markt i. Schl. wurde auf die Anfrage, wie sich die Kriegervcrciue denjenigen Mitgliedern, die in einen, von Arbeitern geleiteten„ge- werkschaftlichen" Konsulnverein organisiert sind, gegenüber zu ver- Halte» haben, folgender Beschluß gefaßt: »Die gleichzeitige Mitgliedschaft eines unter sozialdemokratische- gewerkschaftlicher Leitung stehenden Konsum- ähnlichen Vereins und eines Kriegervereln-- vertragen sich absolut nicht. Den einzelnen Bercinen des Krersvervandes wird empfohlen, den in Frage kommenden Mitgliedern dicie Entscheidung mitzuteilen und ihnen eine aiigemessenc Frist zu gewähren, sich zu erklären, ob sie sich derselben fügen wollen oder nicht." Das heißt auf Kriegervereinsdeutsch: Wer nicht in der gestellten Frist aus einem von Arbeitern geleiteten Konsumverein aus« tritt, wird aus dem Kriegervercin ausgeschlossen. Uns kann diese Stellungnahme nur recht sein, zeigt sie doch, daß die Kriegervcrcine ihre Mitglieder nicht nur in politischen und gewerk- schaftlichcn, sondern auch in wirtschaftlichen Dingen bevormunde» wollen. Und dabei haben diese Vereine noch nie einen Finger krumm gemacht für die wirtschaftliche Hebung ihrer Mitglieder. Areisinn und Kaiserrede. Der Vorstand des Wahlvereins der Fortschrittlichen Volks- parte! für Teltow-Beeskow hat in seiner letzten Sitzung zur Königsberger Kaiserrede Stellung genommen uv.d folgende Besvlsttion beschlossen: «Der Vorstand stellt fest, Laß die KönigsSerger Rede in Mderspruch zu den Empfindungen und Anschauungen der fort- schrittlichen Wählerschaft steht." Glücklicherweise hat es der Vorstand des Wahlkreises nicht bei dieser etwas kuriosen Feststellung bewenden lassen, sondern zugleich beschlossen, demnächst eine grofie Protesiversammlung abzuhalten. Hoffentlich wird diese Versammlung dann ihrerseits eine Resolution fassen, die nicht nur die Selbstverständlichkeit verkündet, daß Wilhelm II. kein Freisinniger ist, sondern auch mit dem gebührenden Nachdruck P r o t e st gegen die Velundung des kaiserlichen Absolutismus einlegt I_ Der Herr Ritter vom Eisernen Kreuz. Am 1. September brachten die„ M ü n ch e n e r Neuesten Nachrichten" einen gnmdgclehrtcn Artikel über die Schlacht von Sedan. und zwar„von einem Veteranen"' Am 2. Septeniber schrieb das„Bayerische Vaterland", das die„Münchencr Neuesten Nachrichten" nebenbei bemerkt nur die Kuhhaut nennt, darüber: „Eine k ö st l i ch e Leistung der Kuhhaut ist der in Nr. 407 enthaltene Artikel„Schlacht bei Sedan" von einem alten Veteranen. Dieser„Veteran" ist nämlich kein anderer als — Meyers Konversationslexikon, aus dein sowohl der Artikel selbst, fast wortwörtlich als auch die Kartenskizze— leb- hast nachempfunden sind." Darüber quittierte das angegriffene Blatt mitfolgcnderNotiz: „Die Schlacht bei Sedan. Unter dieser Ueberschrift brachten wir in Nr. 407 einen Aufsatz eines alten Veteranen. Aus u n s e r e m L e s e r k r e i s e s! D. R.) werden wir jetzt daranf aufmerksam gemacht, dag dieser Artikel dem Meycrschcn Kouver- sationSlexikou zum Teil wörtlich entnommen ist. Dies veranlaßt uns, festzustellen, dag der Aufsatz uns von einem alten Offizier außer Dienst in RegeuSburg als eigene Arbeit eingesandt worden ist. Die Redaktion konnte um so weniger ahnen, daß der Einsender ein Plagiat begangen hat, als er Ritter des Eisernen Kreuzes ist." Atan weiß nicht, was amüsanter ist: der Offizier mit dem Eisernen Kreuz, der einen Artikel eines Lexikons ab- schreibt und ihn als eigene Leistung an eine Zeitung schickt oder die Miinchener„Neuesten Nachrichten" selbst, die so tun, als ob sie von der Glosse ini„Bayerischen Vaterland", das in München sehr viel gelesen wird, nichts wüßten. Terrorismusfreiheit verlangt die bayerische Zentrumspresse für die christlichen Eisen- bahner, während die freiorganisiertcu Bähuangestellteu fortgesetzt wegen angeblicher terroristischer Akte denunziert werden. Das Signal zu diesem Hetzfeldzug haben die bekannten scharfmache- ri schen Reden des Abg. Dr. Pichler im bayerischen Landtage ge- geben, der die Regierung geradezu aufforderte, die freiorgynisierteu Eisenbahner auf das Pflaster zu werfen. Die Christlichen fühlen sich als die Herren und Meister der staatlichen Verkehrsbetriebe. Vor kurzem wurde ein freiorganisierter Eisenbahner, der schon über ein Jahrzehnt in der Hauptwerkstätte München beschäftigt ist, von dem christlichen Obmann, der sich von jenem„terrorisiert fühlte, ohne weiteres entlassen. Bei der Untersuchung des Falles kamen aber auch über den Denunzianten allerlei Dinge ans Licht, die die Eisenbahnverwaltung zwangen, eine Untersuchung einzw leiten und mit Strafcinschreitung vorzugehen. Zimmermann wurde jedoch gnädiger behandelt und lediglich nach Ingolstadt straf versetzt, was allerdings einen bedeutenden Einnahincausfall für ihn zur Folge hat. Darüber ist man nun im Zentrnmslager furchtbar aufgebracht; man nennt die Maßregel eine Verbeugung de»„roten Heinrich"(des Berkehrsministers) vor den Roten und spricht allerlei Drohungen gegen ihn aus; die christlichen Eisen bahner prohestiorcu und beruseu sich auf. ihre/.fftsatscrhaltenden Grundsätze"; sie'meinen, durch solche Behandlung müffe der noch „staatlich und königStreu gesinnte" Teil' des StaatSdicnerpersoualS an seiner Gesinnung irre werden. Es zeugt von der grenzenlosen Ueberhebung und Anmaßung der Zentrumschristen, daß sie so unverhüllt zweierlei Maß beanspruchen. Opfer des Militarismus. Das Brigade-Manöver in Ost- und Westpreußen hat eine Reihe Opfer gefordert. Blühende Menschenleben sind vernichtet worden. So erlag in R o s si t t e N(Pr. Eylau) ein Reservist einem H i tz- schlag. Ter Mann hinterläßt eine Witwe und zwei Kinder. Aus Marienburg werden schwere Manöverunsälle gemeldet. Die Truppen hatten an einem Tage 54 Kilometer zurückzulegen; dazu kamen noch kleine Gefechtsübungen. Eine Anzahl Jäger wurde schlapp; zwei Reservisten des 6. Grenadierregiments stürzten hin und v e r st a r b e n. Ein Soldat mußte ins Lazarett geschafft werden; er hatte eine schwere Augenverletzung von einer Platz- Patrone davongetragen. An einer anderen Stelle hatten die Truppen einen äußerst anstrengenden Marsch. Alle Augenblicke stürzten Leute, besonders aus Reservistenkreisen, erschöpft nieder und mußten in Wagen weitcrbefördert werden. Ein Soldat mußte ins Elbinger Krankenhaus gebracht werden, wo die Aerzte lieber- anstrengung feststellten. Zwei weitere Soldaten mußten ins Krankenhaus geschafft werden, weil sie sich Lungenentzün- d u n g zugezogen hatten. Dieses schreckliche Resultat ist in wenigen Tagen erzielt worden. Was werden nun erst die Kaisermanöver bringen, die jetzt beginnen sollen? Ein„übereifriger" Vorgesetzter. Wegen vorschriftswidriger Behandlung und Mißhandlung Untergebener in 10 Fällen stand der Unteroffizier Bauer vom.19. Husarcnregiment vor dem Dresdener Kriegs- g e r i ch t. Dem Angeklagte» war im Herbst vorigen JahreS kaum die Relrutenkorporatschaft übertragen worden, als auch schon die Schindereien begannen. Bei jeder paffenden und unpassenden Gelegenheit schlug er auf die Soldaten ein. Mehrfach wurden die Untergebenen g e st o ß e n. abgeschüttelt, beschimpft usw. Seine Lieblingsbeschäftigung war, daß er mit Fäusten und Hand- knöcheln die Soldaten unter daS Kinn, gegen die Nase und ins Gesicht schlug. Die Mißhandlungen waren mehrfach so schmerzhaft, daß den Soldaten das Wasser aus den Augen lief. In der Regel bluteten aber die mißhandelten Soldaten und trugen ge,ch wollene Nasen und Lippen davon. Ein Soldat, de» der Angeklagte nicht leiden konnte, wurde sehr oft geichlagen. Ein anderer Soldat erhielt einen derartigen Schlag in den Rucken, daß er vornüber stürzte und mit dem Kopf gegen die W a n d flog. So ging es ein halbes Jahr lang! EmeS Tages erhielt ein Soldat abermals einen kräftigen Schlag gegen das Kinn, so daß er sich in die Zunge biß. Er brachte die Sache zur Meldung und damit den Stein ins Rollen. Die M i ß- Handlungen sind sehr oft vorgekommen, aber die Einzelfälle konnten nicht alle festgestellt werden. Bor Gericht er- klärte der Angeklagte, er habe die Soldaten nur„aufgemuntert" und„korrigiert". Bauer wird als ein— übereifriger Vorgesetzter geschildert. Das Gericht erkannte auf die unglaublich ge- linde Strafe von-- 6 Woche» mittleren Arrest!! Zugunsten des Angeklagten wurde dte Beurteilung und der Umstand berücksichtigt daß B. die Leute nicht s y st e m a t isch geschunden habe! I J frankmeb. Der LnftmilitariSmuS. Paris, v. �September. Wie die Blätter melden, hat der Kriegs- minister 30 Aero plane bestellt, darunter 10 Ein- und 20 Zweidecker, die vor Ablauf des Jahres zu liefern sind. Die Flugmaschinen müssen ein Mindestgewicht von 300 Kilogramm tragen, eine Minimalgeschwindigkeit von SV Kilometer in der Stunde» besitzen und in einein Fluge mindestens 300 Kilometer zurücklegen. Für solche Aeroplane, deren Geschwindigkeit 60 Kilometer übersteigt, werden die Erbauer eine besondere, mit der Kilomcterzahl wachsende Prämie erhalten. Sieben von den Zweideckern sollen so gebaut werden, daß sie außer dein Lenker noch zwei Passagiere aufnehmen können. Bis zum Ende des Jahres wird die fralizösische Armee 60 Aeroplane besitzen. Paris, 4. September. In S ü d a l g e r i e n soll eine Aeroplan- station geschaffen werden. Sechs bis acht Flugzeuge sollen dorthin gebracht werden und in Bälde die verschiedenen Gebietsteile Süd- algeriens überfliegen. Die Station soll im Januar nächsten JahreS errichtet werden. Das würde der erste Schritt zu einem t r a n s- sah arischen Verkehr zur Verbindung der fran- zösischen Besitzungen sein. Orkei. Neue Baudcnuntaten. Frankfurt n. M., 5. September. Wie die„Frankfurter Ztg." aus Saloniki meldet, begaben sich siebzig Bulgaren aus Nobidscha (Bezirk Kotschema) in ein nahes Dorf, drangen in ein türkisches HauS ein und machten zwei Türkinnen und zwei Kinder nieder, woraus sie das Haus anzündeten und sich ent- fcrnten. Es sind Truppen an den Ort der Tat gesandt»vorden. pertten. Nene Wirren. Teheran, 5. September. Der Führer des Stammes der K a s ch k a i n e n im Süden Persiens, Saulet ud Danleh droht der Regierung, er werde gegen Teheran marschieren, Serdar Assad stürzen und eine selbstherrliche Monarchie gründen. Der Gouverneur von Jspahau ist geneigt, sich ihm an- zuschließen, da er mit Serdar Assad gleichfalls unzufrieden ist. Serdar Affad dringt auf die Absetzung Saulets. Die Regierung zögert jedoch, da sie einen offenen Bruch fürchtet. Ens der Partei. Zur Budgctfrage und Hofgöngerci. Eine Parteiveriammlung für den Wahlkreis Metz, die zu- nächst den Bericht über die Landeskonferenz vom 16. und 17. Juli in Colmar entgegennahm, befaßte sich dann mit der Budget- bewilligung in Baden. Nach lebhafter Debatte wurde, wie das Straßbnrger Parteiblatt berichtet, eine Resolution angenommen, die zunächst die H o f g ä n g e r e i der Badenser„unter allen Ilm- ständen verwirft, da sie den demokratischen Anschauungen zuwiderlaufe," die dann aber„die Haltung zum Budget als eine Frage der Taktik den einzelnen Landtagsfraktionen und Organisationen überläßt, mit der Einschränkung, daß der Parteivorstand von dem jeweiligen Entschluß zu verständigen sei". Die Resolution F r o h m e sei„das geeignetste Mittel, solche Zwischenfälle wie den badischen zu vermeiden." Die Verurteilung der Hofgängerei wurde einstimmig beschlossen, die Entschließung zu- gunste» der Resolution Frohme wurde mit Zweidrittelmehrheit an- genommen. Zum Delegierten für Magdeburg wurde der ReichstagSkanoidat Genosse Dr. Georges Weill gewählt. Landkslioiiftttll; der sopidenloklatischeu Partei Schsens. Leipzig, 4. August. Im festlich geschmückten Volkshaussaale traten heute die Vcr- treter des klassenbewußten Proletariats Sachsens zur jährlichen Beratung zusammen. Genosse L i p i n s k i begrüßte die Dcle- gierten im Namen der Leipziger Parteigenossenschast und wies dabei auf die günstige politische Situation hin, in der sich die Partei zurzeit befindet. Zu Borsitzenden wurden die Genossen Lipinski und Müller- Chemnitz gewählt. Genosse S i n d e r m a n n als Vorsitzender des Zentralkomitees gab hierauf den Geschäftsbericht. Danach hat sich die Zahl der politisch Organisierten in Sachsen seit 1900 vervierfacht, sie beträgt 100000, die Einnahmen haben sich versiebenfacht, die Ge- samteinnahme betrug im Geschäftsjahr SS0 000 M. Die Organisa- tionseinrichtnngen, besonders das Bildungswescn, sind ausgebaut worden. Die Parteigenossenschaft Sachsens, die früher bei allen größeren Aktionen: Landtags- und Reichstagswahlcn, die Haupt- lasse in Verlin in Anspruch nehmen mußte, kann jetzt die Kosten nicht nur selbst decken, sondern auch noch erhebliche Summen an den Parteivorstand senden. Ganz hat die alte sächsische Nadelstich- Politik der Behörden nicht aufgehört. Der Redner führte einige be- sonders drastische Fälle aus dem 20. Reiehstagswahlkreise an, die die Fraktion dem Ministerium im Lande vorhalten werde. Die Genossen müßten daraufhin wirken, daß die Beteiligung an Sport- vereinen, Gesangvereinen, Turn-, Radfahr-, Schrebervereinen usw. nicht zum Schaden der Partei ausschlage. In erster Linie komme die Partei, müßten deren Arbeiten erledigt werden. Die Landtags- Wahlen im verflossenen Spätjahr, wie die Reichstagsnachwahlen im 19. und 20. Kreise hätten den Ruck nach links gezeigte Der Redner zeigt auch, in welch infamer Meise die Gegner, besonders im 20. Kreise, gegen uns gekämpft haben. Nicht nur haben sie die Partei in der unglaublichsten Weise verunglimpft, sondern auch den Kandidaten, Genossen G ö h r e, persönlich. Der Wahlausfall sei des Volkes deutliche Antwort. In 21 von den 23 sächsischen Reichs- tagswahlkreisen seien die Kandidaten aufgestellt, nur im 7. und 12. noch nicht. Der vom Kassierer des Zentralkomitees. Genossen Braune. gegebene Kassenbericht wurde nach kurzer Diskussion gutgeheißen. Die drei Kreise, die im letzten Jahre einen Mitgliederverlust zu beklagen haben, ließen durch ihre Delegierten die Ursachen an- führen. Auch wurde von den Diskussionsrednern darauf hingcwie- sen, daß vom 1. I u l i 1911 an der Zehnpfennigwochen- heitrag durchgeführt sein werde. Ein von der Gcithaincr Ortsgruppe eingereichter Antrag: Die sozialdemokratische Presse sollte die Abonncntenversicherung einführen, wurde abgelehnt, nach- dem der Genosse Sindermann dagegen gesprochen hatte. Ein- stimmig abgelehnt wurde der Antrag des Genossen Vogel aus Chemnitz, von Zeit zu Zeit Flugblätter herauszugeben, in denen die Anwürfe gegen unsere Partei zurückgewiesen werden sollen, da dies ja schon geschieht. Angenommen wurde dagegen ein An- trag des Komitees, wonach es der nächstjährigen Landeskonferenz eine Vorlage unterbreiten solle, die die Bestimmungen dcS Landes- organisationsstatutcs mit denen des Statuts der Gcsamtpartei in Einklang bringt. Dies geschieht besonders wegen Ueberlviegen der parlamentarischen Vertreter auf dem Landesparteitag. Vom Ge- »offen Schöpflin wurde besonders darauf hingewiesen, daß der Ge- winnung von Versammlungslokalen die größte Aufmerksamkeit zu schenken sei, schon mit Rücksicht auf die Reichstagswahl im kommenden Jahre. Anwesend auf der Konferenz sind am ersten Tage 58 Dcle- gierte, drei Reichstagsabgeordnete, 12 Lanitagsabgeordnete und 16 Agitationskomiteemitglieder, die zusammen 92 Mandate vertreten. Zur Montagssitzung werden außer dem Parteivorstandsvertreter, Genossen Molkenbuhr, noch eine Anzahl anderer Abgeordneter erwartet. Leipzig, 5. September. In der heutigen Vormittagssitzung wurden einige geschäftliche Angelegenheiten erledigt. Als Sitz des Zentralkomitees wurde wiederum Dresden bestimmt; die nächste Landesionferenz wird in Meißen abgehalten werden. Nach dem Berichte, de,» Mandats- prüfnngskommission sind 59 Delegierte, 17 Landtagsabgeordnete und' 5 Reichstagsabgeordnete sowie 16 AgitatioNskomiteemiigsteder anwesend. Genosse Landtagsabgeordneter E. N i tz s ch e(Dresden)' be- richtet hierguf übex die Tätigkeit der sächsisches Land. 'tagssraktion in der verflossenen' Session. Zu dem gedruckt vorliegenden Bericht führte er aus, daß man mit der Tätigkeit der Fraktion im allgemeinen einverstanden sei, es sei nur in einigen uMvesentlichen Punkten Kritik geübt worden.�Die 25 Mann. starke Fraktion habe vor neuen, völlig veränderten Situationen und Aus- gaben gestanden im Vergleich zu der früheren 1901 aus dem Land- tag verdrängten Fraktion. Entgegen den damoUgen Gepflogenheiten der reaktionären Kammermehrheit seien die sozialdemokra- tischen Vertreter in alle Deputationen gewählt worden. Nur bei der Präsidentenwahl sei gefordert worden, daß der zu wählende sozialdemokratische Vizepräsident höfische Verpflichtungen übernehme, was die Fraktion abgelehnt chabe. Die Fraktion habe dann auch den Schriftführerposten zu besetzen abgelehnt, weil man dem zu wählenden sozialdemokratischen Vizepräsidenten andere als in der Verfassung vorgesehene Verpflichtungen habe auferlegen wollen. Die sozialdemokratische Fraktion habe vielfach bei den Eni- schcidnngen den Ausschlag gegeben. Sie habe die Situation für die Arbeiterschaft durch Stellung von sozialpolitischen Anträgen tüchtig auszunützen gesucht, leider seien die Anträge von der bürger- lichen Mehrheit, besonders von den Nationallibcralen und Kon- scrvativen, niedcrgestimmt. Der Redner bespricht nun die Antrage und Interpellationen im einzelnen und deren Schicksal. Daß der Wahlrechtsantrag nicht zur Verhandlung gekommen sei, rühre da- lier, daß ihn das Präsidium so weit wie möglich hinausgeschoben habe, gegen Schluß der Session sei dann keine Zeit mehr zur Ver- Handlung gewesen. In der Hauptsache habe sich die Tätigkeit auf die Kritik beschränken müssen, so bei. der Maßregelung der Eisen- bahner. bei der Arbeitslosensürsorge usw. Nun entwickelte der Redner seine persönliche Ansicht aur Vizepräsidenten frage und der Frage der Reform der Ersten Kammer. Der A ll es- o d e r- Nicht s- S tan d- punkt müsse aufgegeben werden, die höfischen Ver- p f l i ch t u n g e n müsse der Vizepräsident erfüllen. An Stelle der Beseitigung der Ersten Kammer mussed l e Reform angestrebt werden. Für die erste Auffassung berief sich der Redner auf die Resolution des Dresdener Partei- tages(?). für die zweite Sache gar auf die sozialdemokratischen Grundsätze. Er schloß aber seinen Bericht dann mit den Worten: Große Hoffnungen auf positive Erfolge, große Fortschritte seien nicht zu erwarten.,,,.,, Die Debatte über den Bericht war sehr umfangreich, aber obwohl si- auch Befürworter der Nitzscheschen revlnonistischen An- sichten auf den Plan rief, kam die ablehnende Stimmung der Kon- fcrcnz immer sehr stark zum Ausdruck.. Genosse Seger weist darauf hin, daß dm Gegner sogar die große Tätigkeit unserer Fraktion öffentlich anerkennen mutzten. Die Nationalliberalen und Freisinnigen hätten Gelegenheit ge- habt, ihr fortwährendes Geschrei von der positiven Arbeit ,il die Praxis umzusehen, denn mit der sozialdemokratischen �»rainon hatten sie die Mehrheit und konnten etwas leisten. Sie haben aber die sozialdemokratischen Anträge niedergcstimmt. Der Redner weist nun darauf hin. daß cs bedauerlich sei. daß die Fraktion nicht dafür gesorgt habe, daß der Wahlrechtsantrag verhandelt worden sei. Ueberhaupt habe man den Eindruck, als ob das Haupt. gewicht auf Stellung und Verhandlung soAlalpolltischer Antrage gelegt worden sei. Die erste Aufgabe müsse aber die BchandlunS der großen politischen Fragen, Wahlrechtsfrage usw. fern. Die Nitzscheschen Anschauungen in der Vizeprästdentenfrage seien zurückzuweisen, der Beschluß der Fraktion gutzuheißen, auch die Programmforderung: Beseitigung der Ersten Kammer, musse-tm- gehalten werden. Unter ebenfalls lebhafter Zustimmung der Kon- ferenz wendet sich Genosse Geyer gegen die Auffassung Nltzichc» von der Vizepräsidentenfrage, Reform der Ersten Kammer usw. Genosse Riem vertritt die Auffassung der Hofgangere,, Reform statt Abschaffung der Ersten Kammer; die Sozialpolitik müsse im Vordergrund aller Tätigkeit stehen usw.... Genosse Keimling weist darauf hm. daß für den fre, sinnigen Antrag auf Reform der Ersten Kammer in der Fraktion eine ziemlich starke' Minderheit vorhanden gewesen sei. Wenn man hier so tue, als ob dies nicht wahr sei, so sei dies aus den Um- ständen erklärlich. Genosse Lipinski wendet sich dann gegen die Nitzschesche Darstellung, diese als unsozialdemokratisch zurückweisend. Genosse N i tz s ch e verteidigt seine Auffassung aufs neue. Mit einer„ver- nünftigen bürgerlichen Mehrheit" glaubt er die Reform der Ersten Kammer durchführen zu können. Er erweckt damit mdes nur Heiterkeit. Genosse Sindermann führt aus, daß die Fraktion in der Vizcpräsidentenfrage ihre Stellung nicht andern werde, ebensowenig wie die zur Ersten Kammer. Ferner wendet er sich gegen die Ausführungen von Riem, der die Liberalen zu Unrecht als bildungSsreundlich bezeichnet habe. Nachdem Genosse Held noch seine Meinung, die mit der der Genossen Riem und Nitzsche harmoniert, vorgetragen, wurde die Vormittagsitzung geschlossen. Leipzig, 5. September. ,(Telegraphischer Bericht.) In der Nachmittagssitzung wurde die Debatte über den Tätigkeitsbericht oder vielmehr über die revisionistischen An- schauungen weiter und zu Ende geführt. Lipinski weist darauf hin, daß die Freisinnigen bei der letzten Landtagswahl mit der Forderung auf Beseitigung der Ersten Kammer hausieren gegangen seien, dann aber im Landtage den Antrag eingebracht hätten, die Erste Kammer zu reformieren. Und für diesen Antrag sollten wir entgegen unserem Programm stimmen. Genosse Müller» Zwickau weist die revisionistischen Anschauungen ebenfalls scharf zurück. In außerordentlich lebhafter Weise tritt dann der Genosse N o s k e- Chemnitz für die Beteiligung des Vizepräsidenten bei der Landtagseröffnung ein, die höfischen Verpflichtungen seien zu über- nehmen. Ebenso tritt er dafür ein. daß die Erste Kammer refor- miert werden solle, wenn auch nur mit dem Erfolge, daß an Stelle von Agrariern Großindustrielle hineinkämen. Denn diese müßten eine fortschrittlichere Politik machen. Er warnt ferner, die Reso- lution anzunehmen, denn was heute beschlossen würde, würde man vielleicht in zehn Jahren verlachen. Genosse Riem- Dresden wen- dct sich scharf gegen Sindermann, der ihn zu Unrecht beschuldigt habe, daß er die Nationalliberalcn gelobt habe. Nunmehr spricht Genosse Geyer in scharf pointierter Weise und unter fort- währender Zustimmung der Konferenz gegen die Ausführungen NoSkes, die nichts weiter seien, als die ganz hinfällige Argnmen- tation des Revisionismus. Nicht einmal die Gegner hätten unsere Partei wegen der Leistung des Verfassungseidcs so bekämpft und lächerlich zu machen versucht, wie cs der Genosse Noske getan habe. Noskcs ganzer Vorstoß gelte nur dem Zweck, die Bahn für den Revisionismus auch in Sachsen freizumachen. Als sich der Ge- nasse Noske nun verteidigte, rief er durch seine Bemerkungen über die„geistig schwerfälligen Radikalen" den Unwillen der Ver- sammlung hervor. Er bezeichnete die Revisionisten als die ent- wickclungstüchtigen Elemente, während die Radikalen die ver- steinerten seien und mit der Zeit nicht vorwärts könnten. Wenn das Programm auch das Einkammerstsstem fordert, so könne uns dies nicht an der Mitarbeit für die Reform der Ersten Kammer hindern. Nachdem auch Genosse Nitzsche noch gegen den Genossen Geyer polemisiert und ausgeführt hatte, daß man die Budget- bewilligungsfrage nicht in die Debatte ziehen dürfe, da sie in Sachsen erledigt sei. wurde folgende Resolution gegen eine Stimme angenommen: Die Landesversammlung spricht der sozialdemokratischen Fraktion des Landtages für ihre Tätigkeit im Landtage ungc- teilte Anerkennung aus und erwartet, daß die Fraktion bei der Präsidentenwahl für den Landtag ihre bis- he rigeStellung beibehält, ferner, daß sie auf die B e» seitigung der Ersten Kammer hinwirkt. Ein Antrag des 15. Reichstagswahlkreises, daß die Fraktion Mittel ergreifen solle, damit den Reichsangehörigen die Staats- bürgerrechtserwerbung erleichtert werde, wurde der Fraktion als Material überwiesen. „ Morgen Wird, die Schulreformfrage beraten. GewerfefcbaftUdjee. Die BuTch-DunduiTchcn durd> öchiccisrpi'llcb als Streikbrecher anerkannt. Pech, böses Pech haben die Hirsche. Seit Wochen gehen sie damit krebsen, chatz der Holzarbetterverband in Hamburg bei der Firma Steinway u. Sons Vertragsbruch begangen habe, und nur sie— die„ollen ehrlichen Hirsche"— Vertrags- treu sind und für Freiheit und Menschenrechte kämpfen. Dabei wurde vom Holzarbciterverband sofort nach erfolgter Aus- sperrung der Verbandsmitglieder bei genannter Firma fest- gestellt, daß die dort weiter arbeitenden„Hirsche" ganz gewöhnliche Arbeitswilligendienste verrichten. Der Holz- arbeiterverband hatte selbstverständlich das größte Interesse daran, dieses auch von einer unparteiischen Stelle festgestellt zu sehen, er verlangte darum, daß die S ch l i ch t u n g s- kommission für das Hamburger Holz- g e w e r b e, der auch der Betrieb der Finna Steinway untersteht, ihre Entscheidung fällen sollte. Gleichzeitig wurde verlangt, daß, falls die Schlichtungsrommission, die aus sechs Arbeitgebern und sechs Arbeitern besteht, zu einer Entscheidung nicht kommen würde, ein Unparteiischer zugezogen werden sollte. Von der Schlichtungskommission wurde für diesen Fall Herr Amtsgerichtsrat Dr. B o y s e n in Aussicht ge- nommen, der sich auch zur Uebernahme des Schiedsrichter- Postens bereit erklärte. Nun erläßt in der Sonnabendnummer des„Hamburger Echo" die Verwaltung des Holzarbciterverbandes in Hamburg eine Bekanntmachung, aus der hervorgeht, daß die Firma mitteilte, sie würde vor dem Schiedsgericht nicht erscheinen, und sich auch weder dem Spruch der Schlichtungskommission noch dem eines Unparteiischen fügen. Ferner heißt es in der Publikation: „Die Schlichtungskommission entschied darauf bei Aiilvesenheit von sechs Slrbeitgebern und fünf Arbeitern ciiistinimig:„Die Firma Steinway u. Sons hat sich durch ihr Nichterscheinen ins Unrecht gesetzt und sich dadurch außerhalb des Vertrages gestellt. Sie hat alle Folgen, die sich hieraus ergeben, selbst zu tragen." Ebenso einmütig wurde von alle» Anwesenden konstatiert, daß die Firma die seinerzeit i»it dem Holzarbeitenierbaiid»ctrosfenc» Brrcinharuiigen nicht gehalten hat. Nach denselben verpflichtete sich die Firma, den alten Zustand in ihrem Betriebe wiederherzustellen, und als die Arbeiter dieses verlangten, wurden rund 300 derselben entlasse»— Auf Grund der Entscheidung der SchlichtungS- kominission sind alle gegenwärtig im Betriebe beschäftigten Holz- arbcitcr als Arbeitswillige zu betrachten. Die Firnia hat sich also gefürchtet, vor der Schlich- tungskonimissioii zu erscheinen, weil sie ihrer Verurteilung sicher war. � Das Nichterscheinen der Firma hat noch einen delikaten Beigeschmack. Sic ersuchte nämlich ihren NechtSbeistand,„bei Herrn Dr. B o y s e n zu sondieren, ob dessen Schiedsspruch zu ihren Gunsten ausfallen würde". Der Herr Rechtsanwalt teilte der Firma dann mit,„daß mit Herrn Dr. Boysen nichts zu machen" sei. Wollte man Herrn Dr. Boysen etwa beeinflussen? Das„nichts zu machen" läßt ja fast darauf schließen.— Nach der Mitteilung des Rechtsanwalts an die Firma scheint Herr Dr. Boysen den Herren auf ihr unfaires Verhalten die richtige Antwort gegeben zu haben. Da nun keine Aussicht bestand, den Holzarbeiterverband ins Unrecht zu setzen, wählte sie den besseren Teil der Tapferkeit und„kniff". — Die einstimmige Verurteilung durch die Schlichtungs- kommission wirkt aber eben so wuchtig, weil die Firma durch die eigenen Klassengenossen, durch die Unternehmer, einmütig ver- urteilt wurde, und ihr ausdrücklich alle Folgen ihres Ver- Haltens aufgebürdet wurden. Viel schlimmer werden aber die Hirsche an den Folgen ihres Verrats zu tragen haben. Immer und überall behaupten sie,„der Holzarbeiterverband hat durch die Arbeits- einstellung bei der Firma Steinway Vertragsbruch be- gangen". Jetzt entscheiden die Arbeitgeber gegen die Firma. Daraus folgt, daß die Hirsche als Arbeitswillige angesehen werden müssen. Mit diesem Brandmal werden die Hyänen des Schlacht- feldes. die Hirsche, für alle Zukunft behaftet bleiben. Arme Hirsche! ».' Zuzug von Pianofortcarbeitern, Tischlern, Polierern und Maschinennrbcitern ist»ach der Firma Steinway tu Sons in Hamburg auch ferner mit allen Mitieln fernzuhalten. Berlin und CXrngegcnd. Die Klempner versammelten sich am Sonntagmorgen in Freyers Fostsälen, Koppenstraße, um weitere Beratung darüber zu pflegen, ob eine allgemeine Lohnbewegung zur gegenwärtigen Zeit einge- leitet werden könnte. Daß das Verlangen danach sehr stark ist, zeigte schon die Versammlung vom letzten Donnerstag. Die Agitationskommission hatte, dem Beschluß dieser Versammlung gemäß, bei der Ortsverwaltung des Deutschen Metallarbeiterver- bandes auf die Zustimmung zu der verlangten Lohnbewegung an. getragen. Die Verwaltung hat die Zustimmung versagt. Die Gründe, die die Venvaltung bei dieser Entscheidung leiteten, legte Otto Handle den Versammelten vor. Er wies dabei besonders auf den großen Werftarbciterstreik hin und erklärte, daß man den Unternehmern nicht einen billigen Vorwand liefern dürfte, den Kampf auf den Werften auszudehnen und weitreichende Aus. sperrungen vorzunehmen. Der Redner ersuchte die Versammelten, ihre berechtigten Forderungen zurückzustellen im Interesse einer größeren Beivegung, die gegenwärtig die schärfste Aufmerksamkeit erheischt und eventuell alle Kräfte in Anspruch nimmt. In der Diskussion platzten die Meinungen heftig aufeinander. Von vielen Seiten wurde behauptet, daß die Klempner nicht warten könnten, wenn sie ihre Arbeitsbedingungen überhaupt noch ver- bessern wollen; eine schnelle Aktion sei notwendig. Mit der Ent- scheidung der Verwaltung war man allgemein unzufrieden; die Begründung erkannte man nicht als ausreichend an. Man gestand zn, daß der Werftarbeiterstreik die vollste Berücksichtigung verdiene; aber man bezweifelte, daß er so weite Wellen schlagen könnte wie die Verwaltung befürchtet. Ein Antrag aus der Mitte der Ver- sammlung. am Mittwoch in einen Streik zu treten, wurde mir lautem Beifall begrüßt. Der Antrag gelangte aber nicht zur Abstimmung, sondern es wurde auf eine Empfehlung der Kam- Mission und der anwesenden Mitglieder der Verwaltung, die mittlerweile zu einer Beratung zusammengetreten waren, be- schloffen, daß zum nächsten Mittwoch noch eine weitere Versamm- jung zur Erledigung dieser Angelegenheit einberufen tvertden soll. Die streikenden Arbeiter für gelochte Bleche kamen am Montag- mittag zu einer Besprechung im„Englischen Garten" zusammen. Die Situation wurde als günstig bezeichnet. Bon den Streikenden ist keiner abtrünnig geworden. Es gelang den Unternehmern nur tn einzelnen Fällen Streikbrecher zu gewinnen, deren Unfähigkeit, die alten Arbeiter zu ersetzen, aber bald erkannt wurde. Ver. schiedene Unternehmer bemühen sich gar nicht erst um Streik- drccher; bei der Lohnzahlung am Sonnabend erhielten die Arbeiter nur in einem Falle die Papiere ausgehändigt; man erwartet offen- bar, daß bald wieder die alten Verhältnisse hergestellt werden. Ge- streikt wird bei den folgenden Firmen: Carl Otto Nachfolger; Verantw. Redalt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.! SHmifc! tu Herkenrath; Haus en; Rohmer u. Kerß- scherz Zeiger._ Wie man Missständen„abhilft". Vor nicht allzulanger Zeit mußten sich die Arbeiter und Arbei- terinnen der Auergesellschaft in einer Betriebsversammlung mit allgemeinen Mißständen beschäftigen. Die Mehrzahl der Beschäf- tigten glaubte, daß danach eine Besserung eintreten würde. Aber weit gefehlt. Besondere Klagen bestehen in der Abteilung Gipserei. Die Leitung dieser Abteilung liegt in den Händen des Betriebs- leiters Erb. Kommissionen, die von den Beschäftigten der Abtei- lung gewählt sind, Beschwerden und Wünsche vorzubringen, werden nicht anerkannt, der Herr bringt es sogar fertig, den Arbeiterinnen das Koalitionsrecht und den Besuch der Werkstattversammlung zu verbieten. Als eine vom Deutschen Metallarbeiterverband einberu- fene Versammlung stattfinden sollte, schickte er die Arbeiterinnen um 4 und 5 Uhr nachmittags nach Hause. Sonst wird bis um 6 Uhr gearbeitet. Außerdem glaubte er die Beschäftigten durch folgenden Anschlag von der Versammlung fernhalten zu können: „Achtung I Um den in Gipserei beschäftigten Personen Ge- legenheit zu geben, berechtigte Wünsche vorzubringen, sind ab heute die Vorarbeiterinncn angewiesen, die Wünsche zwecks weitere Bekanntgabe entgegen zu nehmen. Es sind also ab heute die Vorarbeiterinnen die legitimierten Personen, bei welchen etwaige Wünsche zuerst anzugeben sind. Wer ent- gegen dieser im Interesse des Personals getroffenen Anordnung außerhalb des Hauses in Versammlungen, welche nur zu ge- wissen Agitationszwecken dienen, Einrichtungen öffentlich be- kannt gibt, verstößt gegen die geltenden Vorschriften und hat die Folgen selbst zu tragen. Im übrigen verweise ich auf die be- kannte Warnung der Direktion an unsere Arbeiterschaft vom S. Juli 1909. gez. Erb." In der Versammlung sind gerade Beschwerden über Vorarbei- terinnen vorgebracht, die in keiner Weise das Vertrauen der Ar- beiterinnen genießen. Ten Arbeiterinnen der Auergescllschaft werden aber durch solche Maßnahmen die Augen geöffnet, so daß sie sich desto inniger der Organisation anschließen, da nur durch diese derartige Mißstände beseitigt werden können. Ein Tarifabschluss in der Berliner Holzindustrie. Die Kisten- und Koffermachcr versammelten sich am letzten Sonntag wieder in den Andreasfestsälen, nm zu dem Ergebnis der am Mittwoch und Freitag voriger Woche gepflogenen Verhand- lungen ihrer Vertreter mit denen der Arbeitgeber Stellung zu nehmen. Wie Grabsch berichtete, haben die Arbeitgeber eine Ver- kürzung der Arbeitszeit auf 59 Stunden zugestanden. Bisher war die 51stündige Arbeitszeit üblich; einige Betriebe ließen auch 52 Stunden und noch länger arbeiten. Die Akkordlöhne der Hand- arbciter sollen durchschnittlich um 5 Proz. erhöht werden. Die Erhöhung der Akkordpositionen für die Arbciter in maschinellen Betrieben beträgt sogar etwas mehr. Die Zeitlöhne bei vorkam- mcndcr Lohnarbeit sind dementsprechend gleichfalls erhöht worden. In der Arbeitsnachweisfrage ist eS zunächst beim alten geblieben; die Arbeitgeber werden wie bisher hauptsächlich den Avbeitsnach- tveis des Holzarbeiterverbaudes in Anspruch nehmen. Später soll jedoch einer paritätischen Regelung der Arbeitsvermittelung näher- getreten werden. Die Vcrhandlungskommission hielt die gemachten Zugestand- nisse der Arbeitgeber für akzeptabel, und trat warm für Annahme derselben ein. In der Diskussion sprachen sich jedoch mehrere Redner in sehr heftiger Weise gegen die Annahme aus. Sie hielten die gemachten Zugeständnisse für zu gering uiid empfahlen, in den Streik einzutreten. Schließlich wurden aber doch die gemachten Zugeständnisse angenommen. Von den etwa 70 Unternehmern mit rund 500 Arbeitern gehört der weitaus größte Teil der Arbeitgeber- organisation an, die inzwischen ebenfalls dem Ergebnis der Kam- missionsverhandlungcn zugestimmt hat. Somit ist das Vertrags- Verhältnis zwischen den beiden Organisationen perfekt geworden. Den Unternehmern, die der Vereinigung nicht angehören, soll der vereinbarte Vertrag nun ebenfalls zur Annahme vorgelegt werden. Unzufriedenheit bei Garbaty. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der bekannten Zigarettenfabrik Garbaty beschäftigten sich hintereinander in drei Fabrikbesprechun- gen mit den bei dieser Fabrik herrschenden Zuständen. Am hef- tigsten wurde darüber Klage geführt, baß man den Arbeitern, die flache Zigaretten mit Goldmundstück machen, für das Tausend gelieferter Maschinenhülsen 70 Pfennige abzieht. Dieser Betrag ist beinahe so hoch, daß der Arbeiter außer den Herstellungskosten noch das Material mitbezahlen muß. Andere Fabrikanten ziehen im Höchstfalle 45 Pf. für dieselben Hülsen ab. Schon dieser Satz von 45 Pf. bedeutet für den Durchschnittsarbeiter einen Weniger- verdienst von 3,00 Mk. pro Woche, wird aber in Kauf genommen, wenn man bedenkt, daß der Zigarettenarbeiter, um leben zu können, sonst gezwungen war, seine Hülsen nachts zuhause zu kleben. Bei Garbaty erhöht sich dieser Lohnausfall auf 5,00 Mk. pro Woche. Als die Arbeiter deshalb seinerzeit bei der Fabrikleitung von Garbaty vorstellig wurden, bedeutete man ihnen, daß man ja nie- mand zwingen würde. Maschinenhülsen zu nehmen. In vielen Fällen sind aber Arbeiter nachher trotzdem gezwungen worden, Maschinenhülsen zu verarbeiten. Abgesehen davon kommt es zum Beispiel häufig vor. daß sich bei den mit der Hand geklebten Hülsen nach deren Verarbeitung an der Goldnaht Grünspan an- setzt, oder das Gold oxydiert durch die Einwirkung des Kleisters und wird an der Naht schwarz. In diesen Fällen werden die sonst tadellos hergestellten Zigaretten dem Arbeiter, der an diesem chemischen Prozeß gewiß unschuldig ist, ganz einfach als Ausschuß angerechnet und nicht bezahlt. So sind Arbeitern für solche Ziga- reiten Beträge bis zu 20 M. und darüber in einer Woche ein- behalten worden. � Derart mürbe gemachte Arbeiter greifen sicher in den meisten Fällen zu den teueren lvkaschinenhülseu.— Weiter wurde über die harte Strafe von zwei Tage Aussetzen für gering- fügige Vergehen geklagt. So wurde beispielsweise ein Arbcitcr, der lediglich über einen harmlosen Vorgang, an dem er gar nicht beteiligt war, lachte, ebenfalls von dieser Strafe betroffen. Auch über das Tenunziantenwesen bei Garbaty wurde heftig geklagt. Wenn jedem, der etwas hinterbringt, geglaubt wird, und wenn man obendrein noch auf dem Standpunkt steht, daß man solche Leute haben müsse und ohne diese nicht auskommen könne, so wird natürlich das Denunziantengcsindel noch mehr ermutigt. Ein Arbeiter, der in der ersten Fabrikbesprechung den Mund aufzu- machen wagte, wurde, als er wegen Krankheit fehlte, kurzerhand entlassen. Rur sein Platz wurde besetzt, obwohl an dem fraglichen Tage vielleicht 30 Arbeiter, wovon einer schon den dritten Tag, in diesem Saale fehlten. Als zwei Vertreter des Deutschen Tabak- arbeiterverbandeS bei dem Geschäftsführer von Garbaty vorstellig wurden, gab der Herr eine ausweichende Erklärung betreffs der Wiedereinstellung ab, wobei er den Fall in einem ganz anderen Lichte darzustellen versuchte. Weitere Verhandlungen mit den Ver- bandsvertretern in Gemeinschaft mit der mittlerweile neugcwählten Fabrikkommission lehnte der Geschäftsführer, ein Herr Junge, ab. Er erklärte, mit der Kommission allein verhandeln zn wollen. Als diese sich ihm daraufhin vorstellte, donnerte er die Kommissions- Mitglieder an und erklärte ihnen, daß er sie nicht als Kommission anerkenne. Vielleicht wollte er nur sehen. Wer der Kommission angehört. Gut möglich; denn der Kollege, der dem Gcmaßregclten prophezeite, daß er innerhalb 14 Tagen herausfliege, hatte auch recht. DeuttcKes Reich. Der Krieg auf den Secschiffswerften. Die bürgerliche Presse brachte dieser Tage eine jedenfalls von den Werftbesitzern inspirierte Mitteilung, daß die Arbeiterorgani- sationen eingeleitete Verhandlungen abgebrochen hätten. Diese Itz. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstalt Mitteilung ist unrichtig, Sie Lurch Einsichtnahme in ken Schrifk« Wechsel, der zwischen Unternehmerverband und den Arbeiter- organisationen gepflogen wurde, offenkundig wird. Richtig ist, daß von dritter, unparteiischer Seite bei den Arbeitern wegen Verhandlungen sondiert und mitgeteilt wurde, daß die Werftbesitzer zu Verhandlungen bereit seien. Die Arbeiter möchten ihre Bereitwilligkeit zu Verhandlungen den Werftbesitzern auch zu erkennen geben. Das geschah denn auch von den be- teiligten Organisationen schriftlich, worauf die Werftbesitzer ant- warteten: „Die Gruppe Deutscher Seeschiffswerften ist bereit, auf den Vorschlag einzugehen, mit Vertretern der genannten acht Ar- beitcrorganisationen zusammenzukommen unter Hinzuziehung von je einem Vertreter der Hirsch-Dunckerschcn, der christlich- sozialen Gewerkschaften und drei Vertretern der nationalen Arbeitervereine der Werften. Am Mittwoch, den 7. September, morgens 10 Uhr, sind wir für eine Zusammenkunft im Lokale des Arbeitgebcrverbandcs, Hamburg-Altona, bereit." Die beteiligten Arbeiterorganisationen antworteten darauf: „Die an der Einrcichung der Vorschläge vom 11. Juli 1910 beteiligten acht gewerkschaftlichen Zentralvcrbände halten nach wie vor daran fest, daß eine Aussprache über die genannten Vorschläge im gegebenen Moment nur zwischen den direkt Be- teiligtcn selbst, also der Gruppe Deutscher Secschiffswerften als der Empfängerin und den Vertretern der acht gewerkschaft- liehen Zentralverbände als den Veranlassern der genannten Vorschläge stattfinden können. Mit dem von der Gruppe Deutscher Seeschiffswerften für eine Zusammenkunft in Aussicht genommenen Zeitpunkt sind die in Betracht kommenden Gewerkschaften einverstanden." Dabei sei ausdrücklich bemerkt, daß die Verbände der Arbeiter gar nichts dagegen einzuwenden haben, wenn an den einzelnen Orten, wo andere Organisationen mit einer nennenswerten Mit- gliederzahl in Frage kommen, die sich der Bewegung angeschlossen haben, diese an den Verhandlungen teilnehmen. Was aber die Arbeits- willigenvereine, die Gelben, mit der Beratung der Vorlage, die von den Zentralverbänden eingereicht wurde, zu tun haben sollen, ist für jeden vernünftigen Menschen unerfindlich. Die Werften haben auch bis heute auf den Brief der Ver- bände nicht geantwortet. Ob ihnen durch den Brief das Konzept verdorben ist? * Stettin, 6. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die Arbeitsniederlegung der bis jetzt noch im Stettiner Vulkan beschäftigt gewesenen Werftarbeiter ist als vollständig zu betrachten. Es sind im Betriebe im wesentlichen noch solche Leute tätig, die im Beamtenverhältnis stehen, ferner Lehrlinge, Hilfsarbeiter usw.. die auf die Fortführung der Produktion keinen nennenswerten Einfluß ausüben. Eine zahlenmäßige Feststellung ist jetzt noch nicht möglich, weil heute vormittag erst das Werkzeug abgegeben werden mußte und die Kontrolle erst nachmittags beginnen kann. Die Nachricht der Stettiner„Ostsee-Zeitung", daß die Direktion des Vulkan den Betrieb selbst schließen wollte, soll auf Irrtum be- ruhen. Nunmehr bleibt wohl weiter nichts übrig, weil die vor- handenen Kräfte eben nicht zur Fortsetzung der Produktion auS- reichen._ Landarbeiterstreik. In Bettenweiler bei Ravensburg haben die Bauernknechte zwecks Erreichung besserer Löhne die Arbeit niedergelegt. Tilistand. Generalstreik in Barcelona. Während nach den Meldungen bürgerlicher Depeschenbureaü» die Bewegung in Bilbao und Saragossa abflaut, ist es in Barcelona zum Generalstreik gekommen. Eine Anzahl von Zeitungen können nicht erscheinen. Es handelt sich nur um einen Sympathiestreik von kurzer Dauer. Letzte JVachnchten. Vom eigenen Man« erwürgt. MeL, S. September.(B. H.) In F l ö r ch i n g e n bei Mellen- Hofen fand man in der vergangenen Nacht die 25 jährige Frau deS Gerbereibesitzers Nippel tot auf der Straße. In der Hand hatte die Frau ein Fläschchen Zyankali, so daß anscheinend Selbstmord vorlag. Nach der heute morgen erfolgten Leichen- schau wurde jedoch der Ehemann der Verstorbenen verhaftet. Nippel hat auch bereits eingestanden, feine Frau nach einem ehe- lichen Streite erwürgt zu haben. Eine schwere Bluttat. Rom. 5. September. Wie„Tribuna" aus Reggio in Calabrien meldet, ist in der vergangenen Nacht in dem Dorf Pellaro eine Familie Rovolino, welche aus Mann, Frau und sechs Kindern bestand, durch Veilhiebe in ihrer Hütte ermordet worden. Rovolino war Feldhüter. Man ver- mutet einen Racheakt der New-Aorker schwarzen Hand.__ Die Cholera. Wien, 5. September. Die„Neue Fr. Pr." meldet auS Lemberg: Im Ka m io n k a Strumilowa sind gestern Nacht eine KaufmannSfrau und eine Taglölincrin unter choleravcrdächtigcn Erscheinungen gestorben. Der Kaufmann sowie der Mann der Taglöhnerin sind gleichfalls erkrankt und befinden sich in hoff- nungSlosem Zustand. Fleischboykott in Budapest. Kuvapcst, 5. September.(Preß-Tel.) Die Schlächter haben die Fleischpreise abermals um 10 bis 15 Heller pro Kilo erhöht. Infolgedessen haben zahlreiche Kreise, bor allem aber die Arbeiter- bevölkerung Budapests den Bohkott gegen die Schlächter und Fleisch- Händler erklärt. In den letzten zwei Tagen ist der Fleischkonsum bereits beträchtlich zurückgeganlien. Vielfach versucht man die hohen Preise dadurch zu umgehen, daß man die Fleischwaren von aus» wärts bezieht._ Ein neues Grenzgesecht. Saloniki, 5. September.(2B. T. B.) Von F e r i s o w i tz ist eine weitere Schnellseuerbatterie an die griechische Grenze abge- gangen. Bei Narta erfolgte ein Zusammenstoß mit bewaffneten Griechen, von denen drei erschossen wurden, während die übrigen flüchteten. Auf türkischer Seite wurde ein Soldat getötet und zwei verwundet. Die Befestigung des Panamakanals. New Kork, B. September. Wie„New Dork Herald" aus Washington meldet, hat das Kriegsdepartement Pläne zur Be- festigung deS Panamakanals ausgearbeit, die über 14 Millionen Dollars beanspruchen wird und eine möglichst baldige Jnangriff- nähme der Befestigungen anregt. Zaul Singers Co., Berlin L>V. Hierzu 3 Beilagen».Nnterhaltungsbl. St. 208. 27. Jahrgang. 1. KtlllP ks Jociiiitts" fifiliiitt Poiblilolt. SitMl«!!, 6.St))ttllltttl910. S. Internationaler Sozialütilcbcr Kongreß. Zitzmz der bnitfiljrn ptlfjdii)«."1 Kopenhagen, 2. September. Die deutsche Delegation trat heute morgen zusammen und nahm die Berichte ihrer Kommissionsmitgliedcr entgegen, lieber die Beschlüsse der Kommission für Arbeitcrschutz und Arbeiterver- sicherung berichtet Stadthagcn. In der Resolution sind nur die elementarsten Forderungen des Arbeiterschutzes festgelegt, Mic sie bereits auf den Kongressen in Amsterdam und Paris aufgestellt wurden. Die ins einzelne gehenden spezielleren Forderungen hat die Kommission nicht empfohlen.— Hne hätte es für notwendig gehalten, dag in der Resolution auf das Verhältnis zwischen Ar- bcitsvcrtrag und Wohnungsmietsvertrag hingewiesen worden wäre. Im Westen Deutschlands bestünden schon heute in dieser Hinsicht Verhältnisse, die zu Befürchtungen Anlag geben.— Stadthagcn erklärt, dag im Referat darauf Bezug genommen werden solle.— Weitere Einwände werden nicht erhoben, die Resolution wird gebilligt. von Elm berichtet über die Beschlüsse der Genossenschaftskom- Mission. Die Resolution ist unter heftigen Auseinandersetzungen zustande gekommen. Die deutsche Delegation hat sich auf den Boden der französischen Delegation gestellt, welche die volle Auto- nomie der Genossenschaften fordert. Nachdem die Kommission vier Tage gebraucht hat, um zu einem Resultat zu gelangen, möge man hier an der Resolution nichts ändern, auch wenn in einigen Neben- punkten nicht volle Zufriedenheit vorhanden sein sollte. Vertcns-Düsseldorf weist darauf hin, dag in Deutschland wahr- scheinlich die christlichen Konsumvereine sich von der übrigen Be- wegung trennen würden, eine Tatsache, die man nicht zu bedauern brauche. von Elm erklärt, dag die deutsche Delegation ursprünglich beantragt hatte, dag jeder Zersplitterung aus religiösen oder son- stigen Gründen entgegengearbeitet werden solle. Das hat aber Bedenken der Belgier erregt. Auf jeden Fall ist in der Resolution die Selbständigkeit der Genossen gewahrt, so dag auch die christ- lichen keine Ursache haben, sich abzusplittern. Es werden jedoch trotzdem Versuche gemacht werden, aber solchen Versuchen sollte man entgegentreten. Simon-Nürnberg: Wir werden selbstverständlich allen Zer- splitterungsvcrsuchen entgegentreten. Aber nützen wird es wohl nichts. Die christlichen Arbeiter wollen gar keine Zersplitterung, ober sie werden gezwungen, sie mitzumachen. Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Bedenken gegen die Resolution werden nicht vorgebracht. Richard Fischer berichtet über die Arbeiten der Gewerkschafts- kommission. Ueber die Regelung der internationalen Soli- barität berichtet Eohen: Die Beschlüsse sind im allgemeinen so ausgefallen, wie die deutschen Delegierten es gewünscht haben. Insbesondere sind die beiden belgischen Amendements abgelehnt worden, ebenso der belgische Antrag auf Einführung einer inter- nationalen Reiselegitimation. Der schwedischen Resolution können wir zustimmen. Es ist auch nicht versäumt worden, bei dieser Gelegenheit den Engländern und auch den Franzosen die allseitig gewünschten Vorhaltungen über die mangelhafte Betätigung der internationalen Solidarität zu machen. Von englischer Seite ist daraufhin die Notwendigkeit der angenommenen Resolution an- erkannt worden. Von Berger-Amcrika wurde ganz plötzlich eine Resolution auf Unterstützung der Seeleute im Falle eines bevor- stehenden internationalen Kampfes eingebracht. Diese Resolution hat den zuständigen gewerkschaftlichen Instanzen nicht vorgelegen und mutzte deshalb zurückgewiesen werden. Stengelc-Hamburg berichtet noch besonders über das Verfahren gegen die Engländer. Leider waren diejenigen nicht da, denen die Schläge zugedacht waren. Hoffentlich lätzt sich das im Plenum nachholen. Der Amerikaner Haywood hat konstatiert, datz die Die beiden Berichte über die Verhandlungen der deutschen Delegation am Freitag und Sonnabend mutzten wir Raummangels wegen bis heute zurückstellen. Red. Das fett im Ratbaus. Kopenhagen, 4. September. Unmittelbar nach dem feierlich ergreifenden Schluh des Kon- gresscS versammelten sich die Mitglieder in dem farbigen Lichthof des neuen Rathauses. Nirgends in der Welt hat sich eine städtische Verwaltung ein so fröhliches Gehäuse geschaffen, wie es dieses Rathaus ist, das in einfachen Formen den schlichten Ziegelstein zu Heller Heiterkeit fügt. In den grossen und kleinen Sälen des mächtigen Gebäudes hat der Schöpfer einen unerschöpflichen Reich- tum künstlerischer Einfälle entfaltet. Unaufdringlich gesellen sich die verschiedensten Stilmotive zu einer sonnigen und leichten Har- monie. In diesen Räumen mutz auch die Verwaltung eines grossen Gemeinwesens zur freudig schaffenden Arbeit werden. Und diese Arbeit leisten Proletarier, ehemalige Anstreicher und Zimmerlcute: fast die Hälfte der Gemcindevertreter sind Sozialdemokraten. Im Bunde mit den Radikalen bilden sie die Mehrheit. Der Vorsteher der Stadtverordneten ist ein Gcnosse. und unter den vier Bürger- meistern, die gleichgeordnet sind, sind zwei, darunter der einflutz- reichste, der Finanzbürgermeister, Mitglieder der Sozialdemokratie. EL ist ein hübsches Zusammentreffen, datz derselbe architektonisch- historische Scherz zweimal wiederkehrt, zuerst in dem Zimmer des vom König ernannten Obcrpräsidenten, der dem Magistrat an- gehört, und dann in dem Bureau des sozialdemokratischen Vor- fteherö: In der Täfelung der Wand findet sich eine geheimnisvolle Feder, die bei leisem Druck eine Tür öffnet und einen Flucht- auSgang in gefährlichen Zeiten erschlietztl Es ist keine AuS- ficht, datz für den Sozialdemokraten jemals dieser Scherz zum Ernst werden könnte. Tie Äopcuhagencr Stadtväter haben Humor, wie denn der durstige Brunnenbär im Garten, der die Strahlen der Wasserkunst unendlich drollig in seinem weitgcöfsneten Rachen auffängt, sofort den Geist einer lachenden Lebensbejahung de- monsiricrt. Zwar nicht die Stadt, sondern daS Lokalkomitec des Kongresses hat die Internationale zu Gast geladen. Dennoch ist es die Stadt und ihre Vertretung, die der Wirt ist. Der Bürgermeister Jens Jensen begrükt die Völkerschaften, und sein Lrolloge Knudsen beteiligt sich am Empfang. Kopenhagen heitzt die Vertreter des inter- nationalen Proletariats willkommen. Fast scheint der Reichtum Zynischer Lccke--bissen, die im Fcstsaale bereit standen, allzu üppig, und es war eine sinnreiche Einrichtung, datz zwar überall Tafeln, ober nirgends Stühle standen, sonst wäre die Ansiedelung im Schlaraffenland gar zu dauerhaft geworden. Man schmaust eifrig die zollfreien Erzeugnisse dänischer Landwirte, auch an Wein und Bier, an Wässer und Schnäpsen, an Zigarren und Kaffee fehlt es nicht. DaS rote Wahrzeichen dieses Abends ist der leuchtende Hummer geworden. Ein unablässiges Summen und Surren fließt durch die Säle, durch die behaglichen Nebenräume, die Gänge, die Galerien und Ballone I Schnell patzt sich der Stil des Lebens dem südlichen Stil des Gebäudes an. Uebcrmütige Gruppen bilden sich, aller Zwang und alle Förmlichkeit ist verschwunden, der Wiitz herrscht und die fidele Satire. Immer wieder stimmt die Kapelle die amerikanischen Gewerkschaften sich genau so verhielten wie die Engländer. Auch sonst habe er die bekannten Praktiken der amcri- kanischen Gewerkschaften lebhaft kritisiert. Sachse berichtigt, datz die amerikanischen Bergarbeiter sich an den Absperrmatzrcgeln der dortigen Gewerkschaften nicht beteiligen. Hue warnt davor, alles ohne weiteres für bare Münze hin- zunehmen, was Haywood gegen die American Fcderation of Labor vorgebracht habe. Die von Haywood geschilderten Gold- und Silber- bergarbeiter in den Roäcy Mountains, ebenso wie die übrigen Gewerkschaften sind auch nicht der amerikanischen Zentrale angc- schlössen. Cohen glaubt gleichfalls, daß Hahwoods Ausführungen wenig am Platze waren. Am besten wäre es, wenn die Sache im Plenum gar nicht mehr zur Sprache käme. Es folgt die Berichterstattung der Kommission für Schieds- gerichte und Abrüstungen durch Sachse. Die französischen und holländischen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Auch diesem Beschluß stimmt die Delegation zu.— lieber die Arbeiten der fünften Kommission berichtet Frau Ihrer. Eine Debatte knüpft sich nicht daran.— Haasc-Königsbcrg berichtet aus der Kommission für A b r ü st u n g. In längerer Debatte treten fast alle Redner dafür ein, es bei der Ablehnung der Resolution Keir Hardie zu belassen.— Schliesslich wird über die Ungültigkeitserklärung der Mandate von Strasser und Alpari im Internationalen Bureau berichtet. Von mehreren Rednern wird sie bedauert, von anderen verteidigt. Ein Antrag wird nicht gestellt.— Die Delegation vertagt sich dann auf Sonn- abend. Kopenhagen, 3. September. � Ten Vorsitz führt, da Ebert und Lcgien verhindert sind, der Schriftführer Dittmann. v. Elm macht darauf aufmerksam, datz der Berichterstatter über die Genosscnschaftsfrage den Text der deutschen Resolution insofern geändert habe, als er die Worte„Der Kongreß empfiehlt den Partei- genossen deshalb dringend, Mitglieder der Genossenschaften zu werden" ersetzt hat durch die Worte:„Der Kongreß fordert die Parteigenossen auf, Mitglieder der Genossenschaften zu werden." Havcrkanip-Bremerhavcn: Weiter, als die erstere Fassung be- sagt, dürfen wir nicht gehen. Die Subkommission hat ursprünglich die Worte gewählt:„Der Kongreß verpflichtet die Genossen" usw. Auf meinen Antrag wurde diese Fassung geändert. Es ist mir un- begreiflich, weshalb der Referent jetzt die Fassung wieder geändert hat. Aus den Worten„fordert auf" kann ein Zwang herausgelesen werden. Hiergegen müssen wir uns verwahren. Hildcnbrand-Stuttgart meint, die Acnderung sei zweifellos nur deshalb vorgenommen, um den deutschen mit dem französischen und englischen Text in Ucbereinstimmung zu bringen. Wenn in einer Resolution„aufgefordert" oder„dringend empfohlen wird", ist es ziemlich dasselbe. Wir sollten die Sache einfach laufen lassen. Frau Zctkin-Stuttgart: Vielleicht genügt es, wenn der Rcfe- rent erklärt, datz ein Zwang nicht ausgeübt werden soll. DaL Internationale Bureau sollte dafür Sorge tragen, datz alle Rcso- lutionen in dem Wortlaut, in dem sie von der Kommission ange- nommen werden, auch dem Plenum vorgelegt werden. v. Elm: Wir werden dem Berichterstatter KarpeleS diesen Wunsch der Delegation mitteilen. Riissel-Berlin: Die Fassung Karpclcs ist nicht zu scharf, sondern korrekt, denn es ist leider Tatsache, daß die Partei und die Gewerk- schaftsführer sich um die Konsumvereine nicht kümmern. Bauer-Berlin: Ich finde in beiden Ausdrücken überhaupt keine Verschiedenheit.— Damit schließt die Besprechung. Cchrchcr-Paris macht Mitteilung, daß auf Anregung des Deutschen Lcsellubs in Paris die Vertreter sozialistischer Vereins- gungen von den im Ausland lebenden Deutschen hier zusammen- getreten sind und auf die Anregung des deutschen Parteivorstandes die Gründung einer Auskunftsstelle beschlossen hätten. An den Deutschen sozialistischen Leseklub in Paris ist folgender Brief gerichtet worden: „Die Vertreter der unterzeichneten organisierten Vereine haben sich heute am 1. September lölll in einem Lokal des Internationalen Sozialistenkongresscs in Kopenhagen zu einer Kon- fercnz zusammengefunden und beschlossen, datz der Deutsche sozialistische Leseklub in Paris beauftragt wird, eine Auskunfts- stelle für alle im Ausland lebenden Deutschen zu schaffen. Es müssen drei Vertrauensmänner von ihnen bestimmt werden, die Freiheitsliedcr an, die von der Menge mitgesungen werden. Der dänische Sozialistenmarsch, dessen frische und kecke Melodie uns in all den Tagen nicht losläßt und bis in den Traum verfolgt, die keine Ruhe gibt, wenn sie uns entfallen ist, bis wir sie wiederhaben, hallt durch die Räume, und wir glauben, datz die volkstümliche Weise des dänischen Proletariats von dem Rathaussaale Kopen- Hagens aus in Bälde den Sicgeszug in die Arbeiterschaft aller Län- der antreten wird. Vielleicht adoptieren auch die Engländer diesen Rhythmus und diese Melodie, damit künftig bei Schlußfeiern der Kongresse bei den Uneingeweihten nicht wieder jene Verblüffung entsteht, wie sie diesmal den Kongreß befiel, als aus den kräftigen Kehlen der Englishman auf einmal ein gewiß höchst revolutionäres Lied nach der guten, alten, aber nicht gerade aufreizenden Melodie „O Tannebaum, o Tanncbaum" angestimmt wurde.... Die gesättigte Menge strömt in den Lichthof. Von der Redner- tribüne, die dort aufgestellt ist, halten in die brausende Unruhe der fröhlichen Menge hinein die Vertreter der Internationale kurze Ansprachen mit einer ganz eigentümlichen Mischung von scherzen- dem Humor und eindringlichem Ernst, der auch in der Stunde ungebundener Laune niemals vergißt, daß diese Gcsellschast Trä- gerin der erhabensten Bewegung ist, die die Geschichte gesehen hat. Alle großen Revolutionen lieben den Tanz und das Lachen; denn sie alle wollen Steigerung des Daseins, Schmückung des Lebens und farbiges Glück. Ein ungeheurer Jubel bricht los, I a u r c s wird mehr auf die Tribüne getragen, als daß er auf sie geht. Er spricht,. Nach wenigen französischen Worten redet er d eu t s ch. Der aus der Tiefe dringende Humor des seltenen Mannes be- zaubert förmlich die Menge. Wie die Versammelten, zu denen im weiten Raum das Wort nicht mehr dringt, mit ihren Unter- Haltungen die Stimme des gewaltigen Redners zu übertönen drohen und der Bürgermeister Jensen vergeblich mit einem wehr- losen Glöckchen zur Ruhe mahnt, rechtfertigt Jaures mit licbens- würdigstem Lachen und dichterischer Empfindung die Störnng: „Das Meer schweigt nie." JaureS preist daS prächtige Gebäude, das dieses Fest beherbergt. Groß die Künstler, die dieses Werk schufen, größer aber noch die Arbeiter, die dieses Haus eroberten. Tief ergriffen, in quellenden Gesichten kündet Jaures den Geist der neuen Menschheit, die im Schaffen des Mannigfaltigen, im Zusammenwirken von Geist und Arbeit endlich die Einheit finden wird. Erschöpft hält er einen Augenblick inne. Die deutschen Laute wollen nicht mehr von seinen Lippen gleiten. Da breitet er die Arme beteuernd:„Es ist nicht das sozialistische Herz, das erschöpft ist, es ist mein deutsches Wörterbuch, daS zu Ende geht." So groß ist der Jubel, daß die Freunde in jäher Aufwallung den Redner umarmen, als er die Tribüne verläßt. Die Tribüne wird nicht mehr leer, Ansprache folgt auf An- spräche, und geduldig wartet Jens Jensen seines Amtes als einer Art Vorsitzender dieser Versammlung. Aber die Musik lvird allmählich zu lockend, man lätzt das Reden, die Paare finden sich und tanzen. Die alten Könige, die in den Nebenzimmern aufgehängt sind, haben sich in ihrem Rahmen nicht gewendet, und fast schien es, als ob die alte, müde, in hundert Fetzen zerschlissene Stadtfahne auf einmal wieder neu ward und jung flatterte. die erforderlichen Arbeiten besorgen und aus denen der amtic- rcnde Sekretär gewählt werden soll. Als Mittel sollen dem Lese» klub durch freiwillige Beiträge mindestens 500 Frank jährlich von den Organisationen deutscher Sozialisten im Ausland zur Verfügung gestellt werden. Die Auskunftsstclle soll in erster Linie jährlich ein Adrcssenverzcichnis aller in Betracht kommenden Vereine veröffentlichen und mit Rat dem Fragenden an die Hand gehen, sowie den deutschen Genossen Auskunft über die Verhält- nissc in dem Lande, wohin sie sich begeben wollen, erteilen.� Nach einem Jahre sollen an die beteiligten Organisationen Berichte. über die Leistungen deS Instituts abgegeben werde"." Der Aufruf"ist unterzeichnet vom Tcutsch-aywrikanischcn Sozialistenklub in New Dort, vom Deutschen sozialdemokratischen Lescklub in Paris, vom Arbcitcrbildungsverein„Vorwärts" in Budapest, von der Landcsorganisation deS Internationalen Arbeitervereins in der Schweiz. Eine große Anzahl anderer Vereine ist bereits beigetreten, so der Arbciterbildungsvcrcin in London. Knoll-Berlin: Es handelt sich hier um die Schaffung einer neuen Organisation. So leichter Hand können wir nicht darüber hinweggehen. Richard Fischer-Bcrlin: Dem Partcivorstand ist von der Grün- dung einer Auskunftsstclle Mitteilung gemacht. Er hat seine Zu- stimmung gegeben. Damit ist für uns die Sache erledigt. Der Parteivorstand hat der deutschen Partei davon Mitteilung gemacht, die deutsche Delegation geht die Sache weiter nichts an. Lcgicn-Hamburg: Diese Organisation der Deutschen im AuS- lande ist seit langem vorbereitet. Ich glaube, wir müssen sie aus denselben Gründen ablehnen, aus denen wir die tschechische Sonder- bündclei abgelehnt haben. Aus unserer Kenntnisnahme ist nicht aus eine Zustimmung zu schließen. Adolf Müller-München: Es handelt sich hier um die Errichtung einer Auskunftsstelle für die deutschen Arbeiter, die auswandern wollen. Das ist in jeder Hinsicht zu begrüßen. Was weiter sich daraus entwickelt, geht unL zunächst nichts an. Bis jetzt sind die auswandernden Arbeiter so gut wie verlassen und gehen der Partei verloren. Schrcyer-Paris: In unserem Programm steht an erster Stelle, die ins Ausland wandernden Deutschen aufzufordern, die Mit- glicdschaft für die Organisation des Auslandes zu erwerben. Frau Klara Zctkin-Stuttgart: Ich sehe in der Auslunstsstelle keine Gefahr, sondern ein Mittel, die deutschen Genossen im Aus- lande in Bewegung zu erhalten. Lcipart-Stuttgart: Es scheint, als ob die Genossen in Paris von dem französischen Geist der Organisationsspielerei angesteckt sind. Ich glaube, daß die Auskunftsstelle in Paris gar.nichts leisten kann.- Hildenbrand-Stuttgart: Ich bin anderer Meinung. Seitdem Genosse Trapp in Paris tot ist, wird sehr darüber geklagt, datz man keine Auskunst bekonimcn kann. Ich denke, datz die Auskunfts- stelle die Funktion haben wird, den Genossen Trapp zu ersetzen. Damit schließt die Erörterung und die Sitzung. Internationale Konferenz » bemühen. Gegen Mitternacht wurde die wenn auch bescheidene, o doch sehr anregende und hoffentlich recht erfolgreiche Sitzung ge- chlosicn. Außer den oben genannten Ländern sind bereits auch Frank- reich, Italien, Polen und Finnland mit dem Sekretär in Verbindung getreten. An alle Gesinnungsgenossen der übrigen Länder ergeht die Auf- forderung, dem Sekretär eine Adresse mitzuteilen, an die er sich um Auskünfte wenden kann._ Itlwnatjoltaltt Gtuossevschaststag in Hamburg. Hamburg, 5. September. Am Montag wurde im großen Saale des Zoologischen Gartens in Hamburg der Internationale Gcnossenschaftskongreß eröffnet, der achte seit Bestehen des 1895 zu London ins Leben gerufenen Internationalen Genossenschaftsbundes. Diesem ge- hörten am 1. April 1910 insgesamt 800 Genossenschaften an, die sich auf 27 Länder und Staaten beider Hemisphären verteilen. Als der Bund gegründet wurde, gingen die Anschauungen über die Art und Methoden der Genossenschaften weit auseinander, zumal sich auch allerhand Sozialreformcr zusammengefunden hatten, welche die Genossenschaftsbcwegung zur Ueberwindung des Klassenkampfes fruktifizieren zu können vermeintem In der Gewinnbeteiligung, Stück Beschäftigten arbeiten, scheint die Gewähr dafür zu bieten. daß wir hier bald ein Ensemble haben werden, das sich hören und sehen lassen darf. An der Aufführung machen sich unliebsam bemerkbar ein paar„redaktionelle Aenderungcn", vor allem aber einige Streichungen, die durchaus unterbleiben sollten, und wenn Otto Erich selber sie gewünscht hätte. Ich denke da einmal an den Schluß den zweiten Aufzuges, wo dem sauberen Hugo Buschmann auf keinen Fall die Gelegenheit genommen werden darf, auseinander- zusetzen: wie er sich„die Erziehung zur Ehe" denkt. UebrigenS erscheint ja durch die Entfernung dieses Monodialogs der Charakter des„Bösewichts" in noch viel schwärzcrem Lichte—: eine Nuancie- rung. die aus mehr als einem Grunde falsch ist. Femer sollte man die Erklärung der„Entsckürzung" dem Herrn Schürzenjäger nicht streichen, weil sonst die scherzhaft-syinbolische Handlung zu einer läppischen Kinderei wird. Zum Schluß noch eine„Kleinigkeit": Den Mitgliedern der Neuen freien BolkSbühne wird eine von Dr. Bruno Wille verfaßte Würdigung der Satire Hartlebens in die Hand gegeben. Dr. Wille sollte da ein wenig sorgfältiger arbeite». Daß er Otto Günther einmal(richtig) als Schwager, dann aber als Bruder der Frau Auguste einführt, das mag noch hingehen. Wenn er jedoch dem Bank- direktorsöhnchen Worte in den Mund legt, die(in Wirklichkeit von Moritz Lange gesprochen) zum Charakter und zur Familien- geschichte jenes Jünglings nicht im mindesten passen, so entsteht natürlich ein Kuddelmuddel, aus dem schließlich schwer hermiszu- finden ist... � v � �®- D. Humor und Satire. Das Abenteuer im Dresdener Walde. Neulich traf in einem Dackicht Sachsens König, ahnungslos, Einen Menschen, der ivar nackicht, Ohne Hemd und ohne Hosl l Welches Glück für einen König, Wenn man die Erwägung spinnt: Ach so selten und so wenig. Sieht er Menschen, wie sie sind! Variiertes Kaiserwort.„Exzellenz gedenken �olso stets so zu regieren, wie die Schwarzen und die Blauen es wünschen?" Der R e i ch s k a n z l e r:„Stets! Ich betrachte mich als In- strument der Herren!" Im Boudoir der Germania. Bethmaim:„Liebste, wie kannst Du nur so viel rot auflegen I Lege doch endlich einmal wieder schwarz oder blau»ufl* Wahres Geschichtchen. Der Sckulinspektor prüft eine Klasse der Volksschule im Religionsunterricht. Nachdem er Ver- schiedenes über Christus und dessen Leben erzählt hatte, suchte er zu ergründen, ob seine jugendliche Zuhörerschaft ihm auch mit Auf- merksamkeit zugehört hat. Er fragte daher eines der Mädchen. wann die Leidenszeit unseres Herrn und Heilands begonnen habe, erhielt aber keine Antwort. Ein zweites, drittes und viertes Mädchen werden mit demselben negativen Erfolg befragt. „Nun," meint der Inspektor,„weiß mir denn wirklich gar Keines zu sagen, wann Jesus begonnen hat zu leiden? Da meldet sich ein Mädchen mit der Antwort:.Bei der Be- Ichneidung.".Jugend.« die man in das Statut des Bundes hineingeschrieben halle, glaubte der den Klassenkamps verneinende englische Genossenschafter Reale daß Mittel zur allmählichen Durchsetzung der bürgerlichen Gesell- schaft mit sozialistischen Ideen gefunden zu haben. Im Bunde hatten sich aber sehr heterogene Elemente zusammengefunden: Sozialisten, Antisozialisteli, Nur-Genossenschafter, Philanthropen usw. Als die modernen Konsumvereine sich immer mehr dem Bunde anschlössen, machte sich bald der Umschwung in den Anschau- ungen bemerkbar, der kleinbürgerliche Krämerstandpunkt mit der Gewinnbeteiligung trat in den Hintergrund, der Konsumverein als sozialer Faktor führt dann auch in Deutschland(Kreuznach) die reinliche Scheidung zwischen diesem und den rein bürgerlichen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften herbei. Um dem im Bunde eingezogenen neuen Geiste Rechnung zu tra�ei., wird auf dieser Tagung eine gründliche Revision der Statuten stattfinden. Daß der sonst allezeit vertrctungslustige Hamburger Senat die Einladung zum Erscheinen auf dem Kongreß abgelehnt hat, dürfte dessen Bedeutung nicht Abbruch tun. Die Mitglieder- zahl der dem Bunde angeschlossenen Genossenschaften beträgt etwa i'A Millionen. Anwesend sind aus 27 Ländern annähernd 500 Delegierte. Von bekannten Genossenschaftern sind u. a. erschienen: Anseele- Vooruit-Bclgien, Jörgensen- Kopenhagen, Professor Gide- Paris, B u f so l i- Mailand, Dr. R u t g e r s- Niederlande, D e h l i- Norwegen, S. Kaff- Oesterreich, Constantinescu- Rumänien, T a n n e r- Finnland, P uh l m ann-Schweden, Al- b i s s e r- Schweiz, Maxwell- England usw. Ter Konsumverein „Kiodokwai" in Tokio hat Dr. N i s h i g a k i entsandt. Die englische Delegation zählt 83 Köpfe, die österreichische 67, die deutsche 193. Die Tagesordnung lautet: 1. Bericht des Zentralvorstandes über die Tätigkeit des Internationalen Genossenschaftsbundes seit dem Kongreß in Cremona(September 1907). 2. Revision der Sta- tuten des Internationalen Genossenschaftsbundes.(Diskussion und Beschlußfassung über den vom Zentralvorstand vorgelegten Eni- Wurf.) 3. Die EntWickelung des Genossenschaftswesens in Gegen- wart und Zukunft, a) Das Konsumgenosscnschaftswesen. Referent: Dr. Hans Müller, Zürich, b) Das landwirtschaftliche Genossen- schaftswesen. Referenten: R. A. Anderson, Sekretär der Irischen landwirtschaftlichen Gesellschaft, Dublin, und ein dänischer Ge- nossenschafter an Stelle des Herrn Högsbro, dessen Name später be- kanntgeaeben wird, c) Das Kredit- und gewerbliche Genossenschasts- Wesen. Referent: C. Korthaus, Direktor des Hauptverbandes beut- scher gewerblicher Genossenschaften, Berlin. 4. Was können die Baugenossenschaften zur Lösung der Wohnungsfrage beitragen? Referenten: Professor Dr. I. Albrecht, Berlin, und Henry Vivian, M. P., London. Die Begrüßungsrede hielt der Präsident des Genossenschasts- bundes, William M a x w e l l- Glasgow, der in seine Rede den eminenten Friedenscharakter des Genossenschaftswesens einflocht, bemerkend, daß die in den Zielen der Genossenschaften niedergelegte Idee die Völker einander näherbringe und so zur Anbahnung und Erhaltung des Friedens beitrage. Im Namen der deutschen Genossenschaften richtete Lorenz- Hamburg, Vertreter der Großcinkaufsgesellschaft deutscher Konsum- vereine, herzliche Begrüßungsworte an den Kongreß. Bürgerschaftsmitglied Schaum bürg- Hamburg versicherte den Kongreß der Sympathie der Hamburger Arbeiterschaft. Wenn der Senat der Stadtrepublik Hamburg hier nicht vertreten sei, so liege das an der Zusammensetzung der mit den weiten Bevölke- rungskreisen keine Berührungspunkte unterhaltenden Behörde. Die Arbeiter Hamburgs hätten schon lange den Wert der Ge- nossenschaften als eines Mittels im Emanzipationskampfe erkannt und eine auf moderner Grundlage beruhende Konsumenten- gcnossenschaft ins Leben gerufen. Aus dem ohne Debatte zur Kenntnis genommenen Bericht über die Tätigkeit des Internationalen Genossenschaftsbundes, der den Zeitraum von 1907 bis 1910 umfaßt, ist zu ersehen, daß die Zahl der dem Bunde beigetretenen Genossenschaften um 202 ge- stiegen ist. Es folgt die Revision der Statuten. Der Zweck des Bundes ist in diesem Paragraphen niedergelegt: a) Feststellung und Propaganda der genossenschaftlichen Grundsätze und Methoden; b) Ausbreitung des Genossenschasts- Wesens in allen Ländern; c) Pflege der freundschaftlichen Be- Ziehungen zwischen den Bundesglicdern; ck) Ausbildung und Vereinheitlichung der genossenschaftlichen Statistik; e) Erteilung von Auskünften und Förderung von Studien über alle das Ge- nossenschaftswesen betreffende Fragen; f) Förderung von Handelsbeziehungen zwischen den genossenschaftlichen Organisationen der verschiedenen Länder. Der Zweck soll erreicht werden: a) Durch Abhaltung periodischer Kongresse; d) durch Her- ausgäbe eines Bundesorgans und sonstige Publikationen; c) durch Sammlung aller auf das Genossenschaftswesen bezüglichen Druck- schriften, Dokumente, Zeichnungen, Photographien usw.; ck) durch Beranstaltung von Enqueten und internationalen statistischen Arbeiten; e) durch Erteilung von Auskünften über die Wirt- schaftlichen Bedürfnisse der verschiedenen Länder zum Zwecke der Bildung einer Organisation für internationalen Güterauätausch: k) durch andere geeignete Mittel.~ 1 Soziales* Born Schlachtfeld des deutschen Bergbaues. Der soeben erschienene Bericht der Knapp schaflSbernfSgenossen- schaft zeigt das gewohnte Bild: eine abermalige Steigerung der Unfallzifferl Im ganzen gelangten 109 489 Unfälle zur Anmeldmia. Jedoch gnig die Zahl der tödlichen Unfälle von 2051 im Jahre 1903 auf 1743 rm Berichtsjahre hinab. Jedoch muß hervorgehoben werden, daß>m Vorjahre das große Grubenunglück von Radbod t■ m.ereignete. Zieht man das m Betracht, dann ist auch im Berichtsjahre«ine Steigerung der tödlichen Unfälle zu verzeichnen. Auf die einzelnen Sektionen verteilen sich die Unfälle wie folgt: Bonn 20 540. Bochum 52 153, ClanSihal a. H. 1006. Halle a. S. 8723, Waldenburg i. Sckl. 5037, Tarnowitz(Oberickl.) 14 329, Zwickau(Sachsen) 4793, München 2234; zusammen 109 489 Unfälle. . Der Bericht gibt dankenswerterweise«ine Uebersicht der Unfälle seit dem Jahre 1880. In trockenen Ziffern werden uns die Opfer des Bergbaues seit 24 Jahren vor Augen geführt und wir erkennen. daß das Risiko des Bergmannes seit 1880 um daS Fünffache ge- stiegen ist. Es wurden Unfälle angenieldet: auf 1000 Im Jahre überhaupt v«s B-rgl. 1880 1887 1888 1889 1890 1891 1892 1893 1894 1895 1890 1897 22 497 24 030 26 530 27 038 28 879 33 523 34 463 37 837 38 241 40 616 44105 46 034 65,45 71.15 74,19 72,02 72,49 79,61 81,20 89,85 89,05 94,28 98,81 98,16 Im Jahre überhaupt 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 1905 1900 lau"/ 1908 1909 48 204 52357 58 471 68 898 67 780 74 433 80204 81871 87 892 92 453 103 977 109 489 auf 1000 bers. Bergl. 97.30 100,43 103,48 113,44 112,76 120,09 124,83 126,43 127.52 120,20 130,24 133.69 vn den angeführten 24 Jahren erlitten allein 27 85S Bergleute den Tod auf dem Schlachtfelde des deutschen Bergbaues. 2061 Berg- leute waren dauernd völlig erwerbsmifähig, bei 56 502 Berg- leutcn war dauernde teilweise Erwerbsunfähigkeit und bei 73 165 Bergleuten vorübergehende Erwerbsunfähigkeit zu verzeichnen. Die Zahl der versicherten Bergleute vermehrte sich in der Berichtszeit von 343 709 auf 818 989. Im Berichtsjahre 1909 mußte wiederum festgestellt werden, daß die meisten Unfälle sich des Sonnabends, die wenigsten am Montag ereignen. Früher, a» man der Statistik noch leine Sorgsalt zuwendete, war die übliche Redensart bei den Scharf- machern, daß am Montag die meisten Unfälle sich ereigneten infolge der am Sonntag verübten Alkoholexzesse. Dies Märchen ist zerstört. Aber an den Sonnabenden ist der Bergmann durch die angestrengte Wochen arbeit vielfach nicht wehr imstande, die drohenden Gefahren gebührend beachten zu k ö n n e n. Er läßt Gefahren anger acht, denen er in körperlich frischem Znstande sicher entgehen würde. Vernnglückt er aber unter solchen Umständen, dann wird der Fall in die Kategorie der selbstverschuldeten Unfälle verwiesen. In der Tat behauptet der Bericht, dost fast ein Drittel aller Unfälle durch S e l b st s ch n l d oder durch die Schuld der Mit- arbeiter entstanden seien. 66,60 Proz. der entschädigungspflichtigen Unfälle sollen durch die Gefährlichkeit des Betriebes und nur 1,07 Proz.— im Vorjahre 1,33 Proz.— durch bestehende Mängel des Betriebes entstanden sein. Die Schuld des Unternehmers wird also fast völlig geleugnet; dagegen sind die Arbeiter anscheinend bei- nahe verlegen darauf, einen Unfall zn erleiden. Ungefähr so hörte man es ja in den Parlamenten ausgesprochen; die Arbeiter wünschten sich einen Knax, hieß es, um zu einer „SchnapSrente" zu gelangen. Man musi obige Zahlen, aus denen Not und Tod, eine Unsumme von Elend spricht, durch- lesen und dann wird nmn erkennen, welche Unmenschlichkeit sich hinter solchen Worten verbirgt. Sprechen wir es offen aus, die steigenden Unfallziffern sind im letzten Grunde nichts anderes als ein Gradmesser deutscher Schmach. Die Schuld tragen sämtliche bürgerlichen Parteien, die den Bergleuten die freigestellten und vom Staate bezahlten, aus den Reihen der Bergleute gewählten Hilfskontrolleure verweigert haben. Statt wirklicher Kontrolleure verschrieb man den Bergleuten, deren Seelen man sangen wollte, weihe Salbe. Noch eine überraschende Tatsache konstatiert der Bericht, die auch wir registrieren wollen, daß nämlich g-egen 154 Betriebsunternehmer das Zwangsbeitreibungsverfahren eingeleitet und zum Teil durchgeführt werden muhte, um sie zur Leistung der Beiträge zu veranlassen. Auherdem wurde ein Unternehmer mit 100 M. bestraft, weil er tatsächlich unrichtige An- gaben in den Lohnnachwcisungen gemacht hatte. Ein anderer Unter- nehmer wurde wegen unvollständiger Führung der Lohnbücher zu der „hohen" Strafe von 100 M. verurteilt. Gerichte-Ztitunq* Die Tat der Dptce-Piraten,'' die in der Nacht zum 25. Juni ein auf dem Mühlengraben schwim- mendes Floß zu einem verwegenen Einbruch benutzt haben, beschäf- tigie die 3. Ferienftrafkammer des Landgerichts I in einer umfang- reichen Sitzung. Wegen schweren Diebstahls waren die Händler Wilhelm Freier, Otto Müller und Fritz Nadel angeklagt. Bei dem Hause An der Schleuse 10 befand sich eine auf dem Mühlengrabcn schwimmende Waschvorrichtung(Floh). In der Nacht zum 25. Juni hatten unternehmungslustige Geldschrankknacker diese Wvschvorrichtung losgelöst und waren damit zum Nebenhause An der Schleuse 11 gefahren, wo sich das Kontor der Manufaktur- Warenhandlung Heymann, Welter u. Co. befindet. Die Keller» fcnster dieses Hauses liegen nur wenige Zoll über dem Wasser- spiegel. Die Diebe durchsägten eine vor dem Kellerfenster befind- liche Eisenstange, drückten eine Scheibe mittels Schmierseife ein und stiegen durch die Oeffnung in die Lagerräume der Firma Heymann Wetter u. Co. ein. Nachdem sie eine Zwischentür mit Brecheisen und Dietrich geöffnet hatten, gelangten die Diebe in die Bureau- räume der Firma. Ten dort stehenden Geldschrank bohrten sie an drei Stellen an, es gelang ihnen, die Schlösser bloss zu legen und zu zertrümmern und zu der im Schranke bewahrten 5lAssctte zu gelangen. Der Inhalt derselben im Betrage von 5595 M. fiel ihnen zur Beute. Die Einbrecher müssen wohl durch irgend ein Geräusch gestört worden sein und haben sich eiligst unter Zurücklassung ihres Ticbeswerkzeugs auf dem Wasserwege wieder entfernt.— Der Verdacht der Täterschaft lenkte sich auf drei Männer, die am Donnerstag, den 23. Juni, vormittags in einem mit einem Fuchs bespannten grauen Kastenwagen vor dem Hause An der Schleuse 10 vorgefahren waren und vom dortigen Hofe aus Umschau nach dem Nachbarhause gehalten hatten. Ter Portier Schönrock, dem sie auf- gefallen waren, war auf sie zugegangen und hatte sie nach ihrem Begehr gefragt, worauf ihm die Verdächtigen antworteten:„Sie wollten sich bloss mal das Wasser ansehen." Schönrock hatte sie darauf vom Grundstück gewiesen und sie waren in ihrem Kasten- wagen davon gefahren. Einige Zeit später erschienen tviedcr zwei Männer auf dem Grundstück Nr. 10, fragten ein Mädchen nach gleichgültigen Dingen, sahen dabei aufmerksam nach dem Wasser und entfernten sich wieder. Derselbe Vorfall wiederholte sich am nächsten Tage, am 24. Juni, im Hause An der Schleuse 11. Tluch dort erschienen zwei Männer, die den Hof besichtigten, aufmerksam nach dem Fahrstuhl blickten und dann wieder weggingen. Meh- rere Personen, die diese verdächtigen Personen gesehen hatten, gaben der Polizei eine recht genaue Personalbeschreibung, und mit Hilfe des Verbrecheralbums-gelang es, die drei Angeklagten als die in Frage komcnden Personen festzustellen. Freier ist der Polizei als Geldschrankknacker bekannt. Tie Angeklagten wurden als die Täter in Hast genommen; bei einer Haussuchung wurde bei ihnen Diebeshandwerkzeug und bares Geld vorgefunden. Die Angeklagten leugneten mit grosser Entschiedenheit, von dem Einbruch irgend etwas zu wissen. Die Rechtsanwälte Dr. Schwcrdt, Wattersdorf, Bah» und Beyer führten dem Gericht zahlreiche Zeugen bor, um in unantastbarer Weife das Alibi der Angeklagten nachzuweisen. Die Sache„klappte" auch anscheinend sehr gut, von den Alibi- zeugen erschienen jedoch einzelne dem Staatsanwalt so wenig klassisch, dass auf seinen Antrag deren Aussagen protokollarisch fest- gelegt lvurden. Staatsanwalt Dr. Fricdcberg hielt die Angeklagten der Täterschaft für überführt und beantragte gegen Freier und Müller je drei Jahre Zuchthaus, gegen Rädel ein Jahr Gefängnis, eventuell aber wegen Beihilfe gegen die beiden ersten Angeklagten je ein Jahr Gefängnis, gegen Nadel sechs Monate Gefängnis. Die Verteidiger bekämpften die Ausführungen des Staatsanlvalts auf das nachdrücklichste und führten ihrerseits unter Hinweis auf die Unzuverlässigkeit solcher Rckognitionen aus, dass die Anklage auf äusserst schwachen Füssen stehe und statt greifbarer Tatsachen nur anfechtbare Annahmen gegen die Angeklagten ins Feld führe. — Der Gerichtshof hielt das beigebrachte Beweismaterial nicht für ausreichend, um eine Verurteilung der Angeklagten zu rechtfertigen. Letztere wurden daher sämtlich freigesprochen. Slmtlirlier Marktbericht der städtischen Mlirttballeii-Succnvii iwcr den öwotzbandel in den Zcntral-Mcirktballen. Alarkrlage: Fleisch: Zusuhr stark, Geschäft schleppend. Preise anziehend. Wild: Zufnbr ge- nügend, Geschäft rege, Preise befriedigend. Geslügel: Znsuhr nicht genügend, Geschäft ziemlich lebhast, Preise befriedigend. Fische: Zusichr mäsjig, Geschäft cudig, Preise lvcnig verändert. Butter und Käse: Geschäft rubig, Preise sest. Gemüse, O b si und Südfrüchte: Znsuhr durchschnittlich über Bedarf, Geschäft anfangs still, später lebhafter, Preise wenig verändert._ et>asferstaildö>S!nchrtck>te» Wasserstand M e m e l. Tilstt V r e g e l, Jmterbmg Weichsel. Thorn Oder, Natibor , Krassen Frankiurt Warthe, Zchrimm , LandSberg Netze, Verdamm Elbe, Leitincritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 4. 9. am 206 -5 94 373 123 144 -20 —4 146 23 79 •82 seit 3. 9. am —11 —3 0 +70 +12 +10 +3 +2 +20 +166 0 —3 Wasserstand Saal«, Grochlitz Havel, Svandau') , Rathenow st Spree, Svrcmbergst . Bccskow Weser, Wänden , Minden Rhein, Maximiliansan , Kanb , Köln Neckar, Heilbronn 2)1 a i n, Werthcim Mosel, Trier am 4. 9. om 78 74 82 126 178 —74 6 533 300 291 108 140 78 seit 3.9. om1) —8 _ 2 +2 0 0 +3 0 +9 +16 +9 —12 — 1 0 >1 Nach bedeute! Wuchs.— Fall, st Unlerveael. tclegraphischcr Meldung erreichte die O d e r bei Ratibor ihren höchsten Wasserstand am 4. zwischen 3'/, und 5 Uhr nachmittags mit 392 om und ist bis heute srüh aus 363 om gefallen. Ortitvcr'rvsltuuz: Berlin. Bureau: Berlin N. 54, Brunncnstr. 183, Restaurant Wille. Amt IH, 4835. — Achtung! 20/1« Wir empschlcn bei Veranstaltung von Vergnügen usw. den geehrten Vorständen, Komitees und«aaliiistnbcrn unseren kostenloseu Arbeitsnachweis, Brunneustraße 188. Geschäftszeit täglich von lOff,— 1 Uhr mittags. Kapellen vom größten bis kleinsten Orchester stehe« jederzeit zur Verfügung. Der Vorstand. KB. Unsere Mitglieder sind im Besitz einer Kontrollkarte. Dieselbe ist sür daS 3. Ouartal braun u. muh mit dem BerbandSstempel versehen sein. Alle andere Legitimation ist ungültig und ist sofort anzuhalten. Dauer vom 3. bis 10. 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Ktilllge des„Allllärts" Kerlilltt NölksdlM.« s.»w»».»A )Zus Inäultrie md Handel. Der Staat arbeitet für das Kapital. Der Bau elektrischer Vollbahuen wird jetzt von der EleklrizitätS« industrie mit aller Gewalt angestrebt. Zu den bereits borliegenden Bauprojekten im Jndnstricrevicr gesellt sich der jetzt bekannt ge- wordene Plan'tiner elektrischen Vollbahn von Cassel nach Köln, der von den Bergmann-Elektrizitütswerken in Angriff genommen worden ist. Die Verwaltung der Stadt Cassel hat sich bereit erklärt, einen Zuschiltz von 2000 M. zu den notwendigsten Vorarbeiten zu leisten. Die Balm soll der ganzen von ihr durchzogenen Gegend einen neuen Aufschwung bringen. Auf eine Initiative der Staatsbahn- bcrwallnng im Bau von elektrischen Vollbahuen ist nicht zu rechnen, sie überläßt I is Feld dem Kapital, das natürlich das Fett ab- schöpft, das heißt, die von vornherein lukrativen Strecken baut. Der Staat kann dann nachher Defizilbnhncu bauen und den Privat- Unternehmern oie rentierenden Strecken zu doppelten und dreifachen Aulagepreisen abkaufen. So arbeitet der Staat für das Kapital, so macht er Millionäre. Dabei plant er Attentate gegen die Arbeiter, damit diese unter den erbärmlichsten Arbeitsverhältnissen weiter sich abrackern._ Zur Geschäftslage in den Schaswoll-»nd Baumwollspinnereien und Webereien. Der bescheidene Anlauf zur Besserung, der in der ersten Jahreshälfte konstatiert werden konnte, hat eine dauernde Belebung nicht gebracht. Gegenwärtig ist in fast allen Hauptzweigen der viel- seitigcn Textilindustrie ein Rückschlag zu verzeichnen. Selbst die Sck> afwollfabrikation, welche, soweit Weberei und Spinnerei in Frage kommt, in den letzten Jahren außerordentlich prosperierte. läßi jetzt sebr viel zu wünschen übrig. In den Kammgaruwebcreien für Damcnstoffe des großen sächsiich-thnriugischen Jndustriegevictes sieht eS geradezu trostlos aus. In Gera, Greiz. Ronneburg, Glauchau, Mecrane. Reichenbach i. V., Netzschkau, Mylau stehen viele hunderte Webstühle seit Wochen still, hunderte Weber und Webe- rinnen sind arbeitslos. Andere— Vorarbeiter und Weber— müssen tage- und wochenlang aussetzen. Manche Betriebe arbeiten auch nur fünf Tage pro Woche. Allerdings hängt die Stockung mit dem Musterwechsel zusammen. Es beginnt jetzt die Sommer- saison, und muß erst der Eingang neuer Orders abgewartet werden, doch macht sich der Wechsel in diesem Jahre viel störender beiiterkbar als in den letzten beiden Jahren. Gleich ungünstig sind die Verhältnisse für die Tuch- oder H e r r e n st 0 f f b r a n ch e. A»S M.-Gladbach, Aachen, Crimmitschau, Kottbus wird über Ver- dienstrückgang, Arbeilerentlassungen und Feierschichten berichtet. Die Lage der B a u in w 0 l l i n d u st r i e läßt sich als schlecht bezeichnen. Die Unsicherheit auf dem Rohstoffinarkt wird mit jedem Tage größer. Der Preis für Rohbaumwolle hat eine schwindelnde Höhe erreicht. Dabei darf schon jetzt als sicher angenommen werden, daß der durchaus ungenügenden Ernte vom vorigen Jahre in den Vereinigten Staaten in diesem Jahre keine Rekordernte folgen wird. Nach den Monatsberichten der Landwirtschaftlichen Bureaus in Washington hat sich der Durchschnittsstand der Ernte wie im vorigen, so auch in diesem Jahre mit jedem Monat verschlechtert. Der Durch« schnittsstand der Baumwolle wurde angegeben im Mai Juni Juli Ivly... 82 Proz. 80,7 Proz. 75,5 Pxoz. 1909... 81,1, 74,6. 71,9. 1908... 79,7. 81,2. 83 1907... 70,5. 72,0„ 75,0. Die Anbaufläche ist gegen da« Vorjahr von 32 292 000 Acres auf 33 196 000 Acres vergrößert worden. Trotz alledem berechnet die Firma Knoop u. FabariuS, Bremen, nach dem gegenwärtigen Stand der Bauwollpflanzungcn und den Stand derselbe» in den letzten 14 Jahren zur gleichen Zeit nur eine Ernte von 12 295 481 Ballen. Dabei laufen fortgesetzt sich widersprechende Berichte über die Witterung im Baumwollgebiet ein. Uebereinstimmend wird auS Texas anhaltende Dürre gemeldet. In Texas befindet sich der gesamten Anbaufläche. Wie in der ganzen Welt, so arbeiten auch in Deutschland fast sämtliche Spinucreibetriebe mit stark verminderter Produktion. Die Arbeiter leiden Not. Ebenso in der Weberei. Hier macht sich die Ungunst der Konjunktur für die Arbeiter noch bemerkbar durch erhöhte Antreiberei. Die Preise der Wcbstoffe sind sehr niedrig. Sie stehen in keinem Verhältnis zum Preis des Garns. Der Verdienst der Unternehmer geht infolgedessen stark zurück. Die Unternehmer versuchen nun, das einigermaßen lvelt zu machen, indem sie den Arbeiter zur höchsten Leistung antreiben. Die Arbeitswoche wird auf 4 oder 5 Tage beschränkt, der Arbeitstag auf 6 oder 8 Stunden und Meister und Vorgesetzte müssen nun die verschiedensten Methoden anwenden, um in dieser kurzen Zeit mög- lichst mehr als eine normale Wochenleistung herauszubringen. Getreideernte Rußlands. Etwas früher als sonst sind die ersten zahlenmäßigen Schätzun- gen des zcntralstatistischcn Komitees, welche sowohl den Umfang der Anbaufläche für Getreide als auch die Menge der bevorstehenden Ernte veranschaulichen, veröffentlicht. Zusammengestellt sind die- selben auf Grund der Berichte, welche sich auf die Blütepcriode ungefähr zu Mitte Juni und in vielen Fällen auf eine frühere Zeit beziehen. Der Gesamtertrag der Hauptgetreidearten in den 73 Gouverne- mcnts und Distrikten wird im gegenwärtigen Jahre und im Ver- gleich zu dem vorigen Jahre und dem Durchschnittsertrage der v Jahre 1904 bis 1908 folgenderweise geschätzt in Millionen Pud: Ertrag dcS JahreS Ertrag Durchschnitts- 1910: ini ertrag nach Angaben korrigierte Fahre stlr fünf Jahre der Bevölkerung Angaben 1909(1904—1908) Wintergetrcide: Roggen.. 1362,0 1460.8 1370,6 1215,3 Weizen.. 416.0 496,2 353,8 336,3 Sommergetreide: Roggen.. 19.3 21,7 18,5 25,7 Weizen.. 865,8 1026,6 957,6 637,4 Hafer.., 887,9 992,3 1037,6 841,7 Gerste... 589,9 715,7 629,5 462,0 Buchweizen. 53,3 69,5 69,1 60,4 Hirse... 135,1 173,0 166,2 116,1 Mais... 94,2 95,2 61,7 75,1. Demnach erwies sich der Gctreideertrag nach den Angaben der Bevölkerung in der Blüteperiode überhaupt bedeutend bester als der Durchschniätsertrag für den Zeitraum der fünf Jahre 1904 bis 1908. obwohl er auch dem Ertrag im Jahre 1909 nachsteht. Die an den Angaben der Bevölkerung vorgenommenen Berbesse- rungen des zcntralstatistischcn Komitees geben eine höhere Schätzung der Ernte in allen Kornarten, außer Hafer, sogar die Schätzung des Jahres 1909 übertreffend. Nach Abzug der Ausisaat und des Verpflegungsbcdarfs(mit 15 Pud pro Kopf der Bevölkerung) dürfte ein Rest von 850 Mil- lionen Pud des VerpflegungsgetreidcS bleiben, wenn man die An- gaben der Bevölkerung zugrunde legt, und ll372,l Millionen Pud, wenn in den Angaben der Bevölkerung die Verbesterungen vor- genommen werden, welche aus den Beobachtungen der letzten fünf Jahre hervorgehen. Dieser Rest betrug im vorigen Jahre nach den Berichten des sentralstatistischen Komitees 1017 Millionen Pud. Elektrofusion. In Verfolg der bereits im Prinzip bekannten Angliederung des Frankfurter Werkes der Feltcn-Guilleaume- Lahmcycr A.-G. an die Allgem. Elektr.-Gcsellschaft werden den auf den 13. Oktober d. I. einzuberufenden Generalversammlungen beider Gesellschaften folgende Anträge vorgelegt werden: Die A. E.-G. er- höht ihr Grundkapital um 30 Mill. Mark auf 130 Mill. Mark. Von den neuen Aktien mit Dividcndcnbercchtignng vom 1. Januar 1911 sind bestimmt: Rund ein Drittel zum Erwerb des Dynamo- Werks der Feiten u. Guillcauinc-Lahmcyerwerke in Franlfurt a. M. Weitere etwa 10 Mill. Mark zum Erwerb von 16 Mill. Mark Aktien der Felten u. Guillcaume-Gesellilbaft. 10 Millionen werden den Besitzern der alten Aktien zum Kurse von 210 Proz. ein- schließlich aller Kosten überlassen. Die Generalversammlung der Fellen u. Guilleaumc-Gcsellschaft beschließt die Umwandlung dcS Dyiiamowcrls in eine selbständige Aktiengesellschaft mit 10 Millionen Mark Grundkapital und 3 Millionen Mark Reserven, die Ueber- lassung dieser Aktien an die A. E.-G. und die Firm-nSndcrnng des Mülhcimer Unternehmens in Fellen u. Guilleaume CarlSwcrk Aktien-Gescllschasl.— Ilm die Annäherung der A. E.-G. an die Fellen u. Guilleaume-Gesellschasl noch inniger zu gestalten und auch äußerlich hervorzuheben, werden aus der Verwaltung der Felten u. Guilleaume-Gesellschast mehrere Herren als AufsichtSratSmitglieder in die A. E.-G. übernommen, während gleichzeitig Verwaltungs- Mitglieder der letzteren Gesellschaft zum Anffichtsrat der Lahmeycr- Gesellschaft delegiert werden. Hiiö der Frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbciterklaste! Am Mittwoch, den 7. September, nimmt der Verein seine reget- mäßigen Versammlungen wieder auf. Wir hoffen, daß die unten folgenden Vorträge das Interesse der Arbeiterinnen in den weite- sten Kreisen finden werden. Mitglieder und Freunde des Ver- eins, werbet für uns, führet und neue Mitglieder zu! Auch Gäste, Männer und Frauen sind uns stets willkommen. Der Verein, der jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat in den Corona-Fcstsälen, Kommandantenstr. 72, tagt, veranstaltet folgende Abende: Am 7. September:„WohnungSkrinst im Arbeiterheim" mit Lichtbildern. Referent: Dr. H. H. Josten. Am 21. September beginnt ein Zyklus von drei Vorträgen über Shakespeare, seine Bedeutung für unsere Kunst und unser Loben. Am 5. Oktober: Shakespeare. Am 19. Oktober: Shakespeare. Am 2. November: Aus dem öffentlichen Leben Amerikas. Referent Max Schippel. Dann folgt(Datum wird noch bekannt gegeben): Industrie und Landwirtschaft. Referent: Max Grun- wald. Ferner veranstaltet der Verein unter Leitung von Leo Kestenberg drei Beethoven-Konzerte im Blüthner-Saal, Lützow- straße 76, nachmittags%4 Uhr. Sonntag, den 13. November: 1. Sonate für Klavier und Violine, Opus 30, Nr. 3. 2. Lieder für Tenor. 3. Sonate für Klavier, Hpus 110. 4. Lieder für Sopran. 5. Sonate für Klavier und Violine, Kreuzer-Sonate. Sonntag, den 11. Dezember: 1. Quartett, Opus 18. 2. Schottische Lieder für Gesangstcrzett. 3. Septett für Streich- und Blasinstrumente. Sonntag, den 15. Januar: 1. l. Symphonie Pastorale. 2. Violin- konzert mit Orchester. 3. V. Symphonie C-inc>lI. Mitwirkende: Das Blüthner-Orchester(Dirigent Josef Stransky); Streich- quartctt: Profestor Dessau und Kammermusiker Gchwald, Könecke und Espenhahn; Klarinette: Professor Schubert; Baß: Kammer- musiker Poike; Fagokt: Kammermusiker Lange; Horn: Kammer- musiker Resed; Gesang: Frl. Elisabeth Ohlhofs, Kammersänger Kalweit und Otto Werth; Klavier: Leo Kestenberg. Den Einleitungsvortrag für die Konzerte hält Herr Dr. Leichtentritt über:„Das Leben und Schaffen Ludwig van Beethovens" Somitag, den 6. November, nachm. 4 Uhr(Saal wird noch bekannt gegeben, Eintritt frei). Eintrittskarten für jedes Konzert 50 Pf., Garderobe 10 Pf., Billetts sind im Verein zu haben, andere Zahlstellen werden noch bekannt gegeben. Lescabcnde. Spandan. Dienstag, den 6. Sept., 8'/z Uhr, bei Fritz Böhle, Havel- straße 20. Potsdam. Heute(Dienstagabend) im Wilhelmschcn Lokal: Lese- abend der weiblichen Mitglieder des Wahlvereins. JIiis aller Melt. Hue einer kleinen Garnison. Der in den Koblenzer MiliiSrlreiscn vielgelesene.Koblenzer Generalanzeiger" brachte in seiner Nummer vom 1. September auS Ehrenbreit st ein folgende Notiz: Uhrendiebstahl. Bei einem hiesigen Uhrenhändlcr wurde vor kurzem eine goldene Damcnuhr gestohlen. Nunmehr wurde die gestohlene Uhr einem anderen hiesigen Uhrmacher mit dem Auf- trage übermittelt, einen Namen in die Uhr zu gravieren. Auf diese Art wurde der Dieb bekannt, flüchtete jedoch, als er sich entdeckt sah. Bei der Gcschwätziglcit dcS Blattes in ähnlichen Fällen muß es wunder nehmen, daß eS den Namen des Svitzbuben in der Notitz verschweigt. Verständlicher wird die Art der Berichterstattung aber, wenn man weiß, daß es sich»m einen aktiven Offizier handelt, also einen Mann, in dessen Kreisen das.unparteiische Blatt" eine starke Verbreitung findet. Wie uns aus Ehrenbreit- stein geschrieben wird, ist der Sachverhalt der DiebstablSaffäre wie folgt: Ein Arbeiter Müller aus Jmmendorf bei Ehreiibreiistein kaufte bei einem Uhrmacher in Ehrenbreitstein ein Geschenk für seine Braut. Während der Uhrmacher eine kurze Zeit sein Lokal verließ, betrat Leutnant Langer von der 1. Konipagnie dcS Infanterie- Regiments Nr. 28 das Geschäst, bestellte etwas und entfernte sich dann wieder. Nachdem der Arbeiter ebenfalls das Lokal ver- lassen hatte, bemerkte der Uhrmacher, daß ihm eine goldene Damen nhr fehlte. Die Polizei wurde benachrichtigt: natür- sich konnte nur der Arbeiter die Uhr gestohlen haben. ES wurde Haussuchung bei Müller, bei dessen Braut und allen seinen und deren Angehörigen vorgenommen; freilich ohne Erfolg. Erklär- lichcrweise hatte der Arbeiter in dem kleinem Orte, in dem sich die Haussuchung sehr schnell herumsprach, unter dem Verdacht deS Diebstahls stark zu leiden. Nach einigen Tagen kam Leutnant Langer zu einem anderen Uhrmacher in Ehrenbreitstein und be- stellte bei ihm ein Etui sowie ein Monogramm auf eine goldene Uhr. Von dem zweiten Uhrmacher wurde der bestohlene Kollege benachrichtigt, eS wurde Haussuchung bei der Gesiebten des Leutnants, der fünfzehnjährigen Tochter eines Militärbeamten, gehalten, und man fand die Uhr bei der LeibeSvisitatton dcS Mädchens in deren Strumpf. Die Sache wurde an das Regiment gemeldet, Leutnant Langer bekam zunächst Stubenarrest, den beiden Uhrmachern aber wurde dringend angeraten, die Sache versch 10 iegen zuhalten. Der mit Unrecht des Diebstahls bezichene Arbeiter Müller nahm natür- lich keinen Anstand, den wahren Dieb der Oeffentlichkeit bekannt- zugeben. Daraufhin ist der spitzbübische Leutnant unter Hinter- lassung einer erheblichen Schuldenlast geflüchtet. Schiffsbrand auf hoher See. Nach einer in Boston eingetroffenen drahtlosen Meldung des Dampfers„Devonian" ist im Atlantischen Ozean der englische Dampfer„West Point" gesunken, nachdem die Besatzung infolge eines Brandes, der an Bord ans- gebrochen war und eine Woche angedauert hatte, das Schiff verlassen hatte. Ein Boot mit 16 Manu der Besatzung des gesunkenen Dampfers wurde von dem„Devonian" g e- rettet. Ein anderes Boot mit 18 Mann nahm der Dampfer „Mauretama" auf._ Spioncnriccherci. In der letzten Zeit wurden von Basel und Oes aus ver- schicdentlich Passagicrfabrten dcS Lcnlballons Z. VI nach Straß- bürg i. E. unternommen. Wie uns ein Telegramm meldet, sind nunmehr diese Fahrten von Berlin aus bis auf weiteres verboten, da in der letzten Zeit viele Ausländer, b e s 0 n d e r S F r a n z 0 s e n, mit dem Luftschiff Fahrten unternonimen haben und die Gefahr besteht, daß diese vom Luftschiff aus pbotographische Aufnahmen machen. Die„Dclag" hat die bereits bezahlten Passagierfahrten- geldcr den Teilnehmern wieder zur Verfügung gestellt. Auf Patrouille. In Lindcnhorst bei Dortmund war vorige Woche Einynartierung von Nlanen, wobei eS durch eine Patrouille zu unglaublichen Ausschreitungen gekommen ist. Die„Dorlmuuder Zeitung", Amtsblatt, berichtet über daS Vorkommnis wie folgt: .Gelegentlich der Einquartierung der 3. Eskadron Ulanenregiments Nr. 6 kam eS zwischen der Wirtschaftspatrouille— einem Sergeanten, einem Gefreiten und zwei Ulanen— und hiesigen angesehenen Bürgern zu einem bedauerlichen Vorfall. Nachdem sämtliche Wirt- schaftcn in Lindcnhorst bereits geschloffen waren, drang die Patrouille gegen 2 Uhr nachts unberechtigterweise in eine hiesige geschlossene Gesellschaft, tagend beim Wirt Heuer, ein. Den mehrmaligen Aufforderungen des Wirtes und deS Vereins- Vorsitzenden, das Lokal zu verlassen, wurde nicht Folge gegeben- Der Sergeant, Führer der Patrouille, zog vielmehr seine Hiebwaffe und drang damit auf die Gäste ein, er schlug mit ihr ans die Tische und zertrümmerte Biergläser und Aschbecher. Der Vorsitzende der Gesellschaft, Steiger F., wurde von der Patrouille zu Boden geworfen, geschlagen und getreten, so daß er besinnungslos liegen blieb und einen Nasenbeinbruch davontrug. Der Wirt und drei weitere Bürger kamen ebenfalls ohne Schläge nicht davon. Einem Gaste wurde von dem Sergeanten ein geladener Revolver vor die Nase gehalten, aus dem er auch auf der öffentlichen Straße mehrere Schüsse abgab. Dem Steiger F. wurde auch von der Patrouille da? Porte» m 0 n n a i e mit ü b e r 60 M a r k I n h a l t aus der Gesäßtasche gezogen. DaS leere Portemonnaie fand man später im Lokale ver- steckt vor. Der hinzugerufene Gcndarmeriewachtweister Thomas von hier hatte der Patrouille gegenüber einen schweren Stand, da sie auch dessen energischen Aufforderungen, daS Lokal zu ver- laffcn, anfänglich nicht nachkam. Die verletzten Personen haben An- zeige erstattet." Offenbar gehören die Täter zu jener Sorte Patrioten, denen der ewige Friede zu lange dauert und die daher dem Bürgerpack die Nützlichkeit dcS Militarismus mit schlagenden Argumenten be- weisen wbllten._ Wer nicht arbeitet.... Die in dem frommen Würzburg erscheinende„Neue Bayerische Landeszeitimg" schreibt in einem Artikel zu den Klagen desselben KleruS, der die Schulaussicht führt, über die Jugendverrohuiig, daß die Pfarrer in den kleinen unterfränkischen Pfarreien täglich eine halbe Stunde Arbeit und 23l/z Stunden Ruhezeit haben. Mit Ausnahme des Sonnabends und Sonntags vergeht kaum ein Tag, an dem man nicht an allen Bahnhöfen die Geistlichen Ausflüge antreten sieht. Täglich treffen sich die hochivürdigcn Herren gruppenweise bei Bier und Spiel in gcivisscn Dekancien und man nennt das, je nach dem Tag: Pädagogische Konferenz, Soziale Konferenz, Bcichitag, Versammlung der geistlichen Bezirks- vorstände. Pastorale Konferenz.... Vielleicht wird dann gelcgent- sich auch gepredigt von Fraß und Völlerei l Kleine Notizen. Familicndrama. Am Montaguachmittag wurde im Röttenbach- tciche bei K 0 b u r g der Leichnam einer Frau auS dem Wasser gezogen. In einem vorgefundenen Briefe hat die Frau angegeben, daß sie ihre drei Kinder, Mädchen im Alter von sieben, fünf und dreiviertel Jahren, mit in den Tod genommen und daß der Grund zu der Verzweiflungstat in Familienzerwürfnissen zu suchen sei. Bei näherem Suchen fand man auch die Leichen der Kinder vor. Bon der Kuppel eines Turmes der Frauenkirche in München hat sich der 20jälirige Buchhalter Reiz abgestürzt. Durch den Ans- prall wurde sein Körper vollständig zerschmettert. Nach hinter- lassciieu Briefen handelt es sich um die Tat eines Geisteskranken. AuS der Strafanstalt Oslebshausen bei Bremen sind am Sonnlagnachmittag drei wegen schweren Diebstahls zu längerer Strafe verurteilte Insassen ausgebrochen. Zwei von ihnen wurden am Montag früh wieder cingefangcu, des dritten konnte man bisher noch nickt habhast ivcrden. Bon einem Neubau in Deutz stürzten gestern vormittag zwei Dachdecker ab. Einer war sofort tot, der andere starb bald nach dem Absturz. Zwei Kinder erstickt. Während die Frau eines MarlthelfcrS in Plauen i. V. Einkäufe besorgte, gerieten in der Wohnimg Kleidungsstücke in Brand. Durch den sich cntivickelndcn Onalm sind zwei Kinder im Alter von 1 und 2>/z Jahren in der Wohnung er- sti ck t.� Die Cholera. Nach mnilichcn Mitteilungen auS Rom sind in den letzten 24 Stunden tri Margherita d i Savoia zwei neue Erkrankungen und zwei Todesfälle an Cholera festgestellt worden, in T r i n i t n p 0 I i drei Erkrankungen und drei Todesfälle, in S t. F e r.d i 11 a n d 0 ein Todesfall, in B a r l e t t a sieben Er- krmikungen und vier Todesfälle, in Trani zwei Erkrankungen und vier Todesfälle, in M 0 l s e t t a drei Erkrankungen, in C a n 0 s a d i P u g l i a und in A u d-r i a je eine Erkrankung. Einen räuberischen Ucbcrfall uiitmiohinen in der Umgegend von Hudson im Siante New Dork maskierte Banditen auf den Kassierer eines industriellen Werkes, der in einem Automobil Geld zur Ab- löhnung der Arbeiter geholt hatte. Die Räuber verlangten das Geld und als der Kassierer und der Chauffeur Widerstand leisteten, töteten sie beide. Etiva 80 000 M. sind den bisher im- entdeckten Banditen in die Hände gefallen. Die gestohlene RcgimcntSkaffe. In B l i d a h(Algier) ist dle Kasse zweier ans dem Durchmärsche befindlicher Schiitzcnbataillone gestohlen worden. Die Kasse enthielt 10 000 Frank»nd war in eine m P r 0 tz k a st e n ans dem Kaserucnhof untergebracht. Ein Soldai, der au. dem Protzkastcn Wache stand, wurde als der Mit- täterschaft verdächtig verhaftet. �jofastolfe Riesenautwahl aller Qualitäten. Wolle- Dnofa? Mocqnetts. PlUsch-HCölC. S.itfelt.ischcn Muster bei näherer Angabe franko. Emil Le{6?re,o"nSr.lS8. c HARLOTTENBÜRG Uhren und Goldwaron F. Stahenow, Berlinerstr. 146 1 EillsWWMM sehr große Auswahl sertlg 9,— an, nach Maß außergewöhnlich billig. Herren- Anzüge 8,25 an. Herren-Maßanzüge 32—85 M. Stoffe, engl. Tuche, Anzugs- refte billig. Gern schicken wir unsere Vertreter mit Muster ohne Kauf- verbflichlung.'riivlls«»«ll«vli»l't Kottbuserdamm 16—17(öochBJ Vor- zeigcr d. Inserats erhält 5°/0 Rabatt: Offeriere in nur frischer, schöner Ware. 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M-Heidel- berg.(Anfang 8'/, Uhr.) Luisen. Im Spätsommer. Modernes. Die Wespe. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Lustspiellians. DaZ Leutnants- mündel. Herrufeid. Wenn zwei dasselbe tun. DaZ starke Stück. Note. Dorf und Stadt. Trianon. Pariser Witwen. FolieS Caprice. Der schwarze Schimmel.— Das alte Ghetto. (Anfang 80, Uhr.) Friedrich. Wilhelmstädtisches. Biederlcute. Puhlniauu. Verbotene Wege.(An- sang der Spezialitäten'/,S Uhr.) Metrooot. Halloh II— Die große Revue. Kasino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. Bailage. Spezialitäten. ReichöbaNeu. Steltiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Prater. Der Bcttclstudent von Berlin. Voigt. Vater und Sohn. Schweizer-Garten. Spezialitäten. Max Kliem. Spezialitäten. Volksgartcn. Rosen aus dem Süden. Urania. Daupeuitrnste tts
  • . Abends 8 Uhr: Die Weitaus stellung in Brüssel. Sternwane. Jnvalidenstr. 57— S2. Urania., Wissenschaftliches Theater- Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung In Brüssel. Berliner Volksoper. Heule V Uhr: Gastspiel des Neuen Schauspielhauses: 3llt-Heidelberg. Schlller-Theatcr 0.(Wallner-Theat.) Dienstag, abends 8 Uhr: voi? liidiivtkekai'. Schwank in 4 Akten v. G. v. Moser. Ende 10-/, Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Biene Jugend. Donnerstag, abends 3 Uhr: Die Ueke wacht. Theater. Schiller-Theater Charlotlonburg. Dienstag, abends 8 U h r: Doidene Herzen. Vollssiück in 4 Akten von C. KarllveiS Ende 10--/, Uhr. Mittwoch, abends 8Uhr: Hrester« ZUIlionen. Donnc rstag, abends 3 Uhr: Rrester« Iffilllonen. Modernes Theater (früher Hebbeltheni-irj. Heule U. täglich: Rjg UgZpö. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Im Spätsommer. Lustspiel in 3 Alien von F. Lunzer. Mittwoch: Die schöne Ungarin. Donnerstag: Egmont. Freitag Premiere: Brüder von St. Bernhard. Große Frankjurter Sir, 132. Ansg. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Dorf uud Stodt. Schauspiel w 5 Allen von Charlotte Birch-Pseisicr. Morgen nachm. 3 Uhr: Ei» selt- sanier Fall. Abends 8 Uhr: Dorf und Stadt. XTI. Saison. Zirkus Sonnabend, lo. September abends 8 Uhr: Gala-Premiere. Die Zirkuskasscn sind täglich von 10 Uhr an geöffnet. Billetts sind serner zu haben beim Invalidendank, Unter den Linden 24 und in der Billett-Abteilung dcS Warenhauses A. Wertheim, Leipziger Straße 132/133.* 8 Uhr: Die neuen gr. Spezialitäten 9'/a Uhr: Verbotene Frucht. Komödie in 1 Alt v. Michel ProvinS. Annie Vara— Max ßira a.®. (In Hamburg feit 5 Monaten vor ausverkauften Häusern u. Stadtgespr.l Lisela Schneider-Nissen. Das Verrückte Hotel sowie 8 weitere für Berlin vollstäud. neue Attraktionen Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Hcntc und folgende Tage, an! knrze Zelt: IUI Clastspid der Med. GberWler'Kapellen. Schlitzen- u. Kirch weih-Feste. Anfang 7 Uhr. Entree 20 Pf. Saisonkarten»olle Gültigkeit— ohne Nachzahlung."90 Lessing-Theater. 8 Uhr: Rolenmontag. Mittwoch 8 Uhr: Nora. Donnerstag 8 Uhr:'DaS Konzert. berliner Theater. Heule 8 Uhr: Gastspiel«ans! Niese: Dos Milslkllllteliliiiidel. km Theater. AbeudS 8 Uhr: Das gewisse Etwas. Mittwoch u. DoimerSlag: DaS gewisse Etwas. Freitag: Die goldene Ritterzeit. Hetropoi-Tdeater Hallo!!! Die groBe Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul lincko. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. Die s/OBchiedenc Iran. Sonnt. 3-/« Uhr: Sin Walzertraum. Bleue» Operetten-Theater Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Att. von A. M. Willner u. R.BodanSfy. Musik v. Franz Lchär. Lusispäelhaus AbcndS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel l�esiden?-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Groteske in 3 Alien von Davis und Lipschütz. Morgen n. folg. Tage: Gretchen. Freitag, den 9. Sept., zum erstenmal: bioblesse ohlige. IFriedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Dlellstag, den 6. Sept., abcndS3 U.: Biedevlente. Mittwoch: Faust. Donnerstag: Biederleute. treitag: Bicderleute. wnnabend: Fanst. U, a.: IIIS esgle Süll Iiis gill ein mvstischer avst IIb usiensakt. Passase-Tlieafer. Das ErOfTmings» Progr.> der Winter-Saison! Abends 8 Uhr: Ciaire Waldoff mit ihren neuen Schlagern von Walter Kollo. Collins 10 engs Hsch. Backtische.\ Polmey u. May, George Barrington und 12 Starnummern. Voigt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58; Gastspiel in PnHlinauns Theater, Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 6, September 1910: Bater und Sohn. Lebensbild mit Gesang in S Bildern von H. Müller, Kaffeneröffnimg 7 Uhr. Auf. 8 Uhr. TERBiSSEN HALENSEE GröSter Tergnügungspark des Kontinents. Eintrittspreis 50 Pf. Hcnto und(olgende Tage: Passapr-Falirten im Fessel-Ballon unter Führung von Käthe("anlas. Ab 6 Uhr abends: Sensationelle Attraktionen Mililärkonzerl. Oberbayerische Sänger u. Schuhplattler, x x x Tauagra- Theater. Mon Plaisier. HCPN Die größten Schlager der letzten Saison: Wenn zwei dasselbe inn m.d Das starke Stiick mit Auto» und Donat Hcrrnfeld. Vorverlaus 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntag nachm. 4 Uhr: Wen» zwei dasselbe tun. Iteiclislmilen-Tliealer. Ilm Sinser (Mcysel, Britton, Schräder nsrv.) Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags » Uhr. und Festsäle. Inh.: Kudoll Krüger. Hasenheide 13/15, vis-a-vis v.Tumpl. Täglich: � Gro2e Theater- u. Spezialiläten- forstelliing. Artist. Leitung: Walter Grävenitz, Kapellmeister; Max Wolffheim. Jeden Donnersta":; Kllto-Tng! Anfang: Woehent.6t)hr, Sar.nt.1/� Uhr. Caprice. S'l, Uhr: Folies Täglich Der schwarze Schimmel. Banter Teil: Das alte Ghetto. Borverkauf 11—2, abends ab 6 Uhr. Trianon-Theater. Heute u. folgende Tage(Auf. 8 Uhr) Pariser Witwen. Zlrkns i. ÄA» Karlsir. vorm. Renz. Tel.: 3, 2491. SonnabenMO-Sepl. abends 7-/, Uhr: Gala-Premlere mit für Berlin gänzlich neuem Programm. «mW»!!« Vorverkauf täglich von vorm. 10 Uhr ab an der ZivkuSkasse un- unierbrochen, wie Jnvalidendank, Unter den Linden, und Baren- hauS A. Wertheim. All». Selmniann, Kgl. Qv. Kom»i.-Zlat. u. Fwk-Dir. RITTER Cyrill Halle Pankow, WZ' Ecke BinzstroOe. nächst Schönhauser Allee. Dienstag, 6. September, abends 81/« Uhr: Elite-Abend. Donnerstag, 8. September;! Letzte VorstelluDg.j Fernruf: A. Pankow 421 fl( RSoabiter liclelstr. 24. Emdener Str. 40. Grüntcs Rienlopp-Theater Moabits. Wöchentl. zweimal neues Programm. Täglich Vorstellung. Ansang 0 Uhr. t' Alt-Hoablt 47/49. Tägiicli; Konzert, Theater, Spezialitäten. Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! vuhr~7 Vilaskop- Theater AyMMptMum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! alhalla Variete Thtaler 1 Weinbergsweg 19-20, Rosenth.Tor. Anfang 8-/, Uhr. Die aihänanten Spezialitäten. Volksgarten-Theater früher Wcimann. Badstr. 8, Dehrn- u. Bcllermannstraße. Täglich: l�osen aus dem Luden. Poffe mit Gesang und Tanz von W. Gehricke. Spezialitäten erste» Range-Z usw. Kerlintr Prater-Thentkr Kastanienallee 7—9. Heute: Der Bettelstndent von Berlin. Spezialitäten, Konzert und Ball. Ansang 4-/, Uhr. Entree 30 Pf. Gr. Berliner tetauss ellung 1910 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr IM., v. S Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. SARTISN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark. von abends 0 Uhr ab SO Ps.. Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. AusstelhmgslisMstnZloo Bicscn-Kinematograph.' 6—11 Uhr, Ranchcn überall gestattet fuMmanns Theater Schfinh, A. 148— Kastanien- A. 97/99. AbendS 8 Uhr: Verbotene Wege. Familienbilder aus dem VoUslebe». proxramrn�vecblssl. Die»tlteste» Spestalitätell. Ansang des Konzerts-/z5 Uhr. , der Vorstellung-/,6 Uhr. Entree 20—60 Pf, Sanssousi am Kottbuser Tor. Beifallsstürme .' entfesselt allabendlich das grandiose nungs- Progrnmni. Käti GUItini, moderjie Jongleuse. Maxim and Mad, franz. Exzontriks. Schenk Marvdly• Truppe, Akrobat. Willy Schröder, Humorist. The Morisoff mit ihrem urkomisch. King- und Boxkampf. Hierauf die Bosse: Nu hat's geschnappt Musik von Paul Uncke. Rönigstadt-Kasiuo. Holzmarktilr. 72, Eck- Alcranderstratze. Wiederaustreten von Franz Sobanski. Dazu das auserlesene Sept.-Progr. Der Herr Bankier. Vollsstück in 1 Akt von Max Leuth«. vssina-TkssKss* Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der sliinkidige Kiidolf. Rudolf Pinipelniann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten NangeS. Sonnt. 3-/, Uhr: Per Hcchmirtsteufet. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographic». Während der Sommcrinonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 39 u. 40 Ps.. Kinder dieH.Uste. Anf.7 U., Sonnt. 4 U. Verzugskarten, nur wechent. gültig, LS Pf. aus allen Plätzen. Stets Werks. Progr. Jcd. Sonnt, i. Obersaal: Künstlcrkonzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. N. d. Konzert: Famillen-KrSnzehea. Täglich: Kreikonzerl. Vereins-Brauerei RIxdorf, Hcrmannstr. 2U/219. Ockonom: Max WendL 0V Täglich-"»» Gr. Militär-Konzert. Anfang wochentags 7 Uhr. . Sonntags 4 Uhr. Kurl Haverland- Anfang Theater präz. 7-/,U. 77/79 Kommandantenstraße 77/79. DaS wunderschöne Aür de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktton" Publikum gegenüber Verantwortung. _____ dem keinerlei �rÄcn Gustav Spitzer zu seinem tjcut. Geschöftsjubiläum die herzlichsten Glückwünsche von ll>A'SmS' Z Die Geburt eines krästigen, ge S sunden Miidchens zeigen hoch 4 erfreut an 4 Vdvrt u. Fran, < Baumschulenweq. 3. September. SozlalileinokratisElierWalilverelD des g. Berl. Reichstags-Wahlkreises. Todes» Anzeige. Am 2. September verstarb unser Mitglied, der Schuhmacher (justav Bauschke Rostocker Straße 43. Ehre seinem Andenke» l Die Beerdigung findet am Dienstag, den K. September, nach- mittags l'/j Uhr. vom Trauer- lause aus nach dem Städtischen Friedhof in FricdrichSselde statt. Trcfipunlt daselbst um 4 Uhr. Um rege Beteiligung ersucht 229J12 Der Vorstand. Zentralverband der Schuhmaciier Deutschlands. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schobarbeiter (justav Bauschke am 3. September plötzlich ver- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bcerdigmig findet am Dienstag, den 6. September, nach- mittags Ist,. Uhr. vom Trauer- Hause Rostocker Straße 43 miS nach Fricdrichsselde statt. 170/2 Die Ortsverwaltung. Sozialdemokrat Wahlverein Rixdorf. Am Sonnabend, den 3. Sep- tember. verstarb unser Mitglied, der Hausdiener »Josei Ständer (Weichselstrabe 56, 4. Bezirk). Ehre seinem Andenke« Z Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. MtS., nach- mittags 3 Uhr, von der Hall« deS Neuen Rixdorser Gememdesried- hosS, Mariendorscr Weg, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 235/12 Der Borstand. SSammmmmmmMmmmmm Deiitseher TraBsportarbeiter-ferhaiiil. Bezirksverwaltung GroB- Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener .Joseph Ständer am 2. September im Alter von 40 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 7. September, nach- mittags 3 Uhr, von der. Leichen- halle des Rixdorser Gemeinde- FriedhoscZ, Mariendorscr Weg, aus ftalt. 71/14 Um rege Beteiligung ersucht Die Bezirksverwaltung. Ilm Sonnabend, den 3. Sep- iember, früh 4st, Uhr. verschied nach langem schweren Leiden mein imiigslgeliebter Mann, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel ä!M Sedäärseluntdt im 38. Lebensjahr. 7582 Dies zeigt im Namen der tief- betrübten Hinterbliebenen mit der Bitte um stille Teilnahme an Berta Schaarschmidt geb. Ittcdrlcb. Die Beerdigung findet am 7. Sep- tember, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des EmmauS- Kirchho-S(Britz) aus statt. Deulscher jMetallarbßiter-Verband Berwaltiiiigsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler äiderl LelJWrzehimdt am 3. September an Nervenleiden gestorben ist. Ehre seinem Zlndenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch.' den 7. September, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de? Emmans-Kirchhoses in Bittz, au? statt. Rege Beteiligung erwartet l2l/s Die Ortsverwaltung. Or.Simmei Spezial-Arzt* fGr Haut- und Harnleiden. Primenslr. 41, ÄÄ 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2-4 Am 3. b. MlS. verschied nach kurzem Leiden unser lieber Kol- lege, der Monteur Herr �uxust Mechler im 62. Lebensjahre. Wir werden demselben stets ein treues Andenken bewahren I Berlin, 5. September 1910. Das Fabrik-Personal der Firma Küstermann& Co. Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 7. d. Mts., nach- mittags 4 Uhr, von der Halle des neuen St. Pauls- Kirchhoses in Plötzensee ans statt. 757L Deutseher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Prägerin Ida WiukeJinaim nach langer Krankheit verstorben ist. Ehre ihrem Andenke»! Die Beerdigung findet am Mitt- woch, den 7. September, nach- mittags 5 Uhr, aus dem Auf. crstchungS-Kirchhos w Weißcnsee, Lichtend ergrr Weg, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 24/14 Die Ortsverwaltung. Am Freitag, den 2 September, abends 7 Uhr. enlschlies nach kurzen schweren Leiden bei der Entbin- dung meine liebe Frau und treu- sorgende Mutter 747b Berta Badlinz s*- oaug« im 32. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet im Namen der Hinterbliebenen «nstnv Kadünz und Kinder. Die Beerdigung findet heut«, den 6. September, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des HeilandS-KirchhoseS(Plötzenjee) aus statt. Allen Bekannten und Ver- wandten die traurige Nachricht, daß unsere Lebe, herzensgute Tochter, Schwester und Schwägerin Rlarissa Huppke Sonntagabend um 11 Uhr nach längerem Leiden sanst enlchlasen ist. Die? zeigen ttesbetrübt an Fr. Huppke, Fliesenleger, und Frau, Am Friedrichshain 26. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. d. MtS. um 5 Uhr von der Leichenhalle der Frei- religiösen Gemeinde, Pappel-Allee 15-17, statt._ Danksagung. Für die Beweis« herzlichster Test' nabme bei der Beerdigung meines lieben ManneS und Vaters, deS Gast» wirtS 740b ISfigsn XiCnk sagen wir allen Verwandten, Bekann ten, Kollegen, den Genossen deS 2. Berliner Wahlkreises, den Mt« gliedern des BnchbinderverbandeZ sowie dem Sparklub.Lustige Brüder' unfern ttestcn Dank. Frau Clise Lenk nebst Kindern. Danksagung. Allen Verwandten und Freunden, welche meinen liebe» Mann, unseren sorgsamen Vater zur letzten Ruhe §cleitet haben, besonders den Firmen lug. Scholz, Thomas, Hempel und Willig nebst Personalen sür die reich> lichen Spenden sowie dem Gesang verein.Vorwärts. Frohsinn' sür den Grabgesang sagen wir unseren aus« richtigsten Dank. 739b Wwe. Ida König ag«. Danksagung. Für die Beweise herzlichster Test nabme b-i der Aeerdiaung wein«� Frau sage ich allen Freunden, Bei kannten und besonders meinen Kollegen für Ihre Unterstützung und die Kranzspttide meinen herzlichsten Dank. Sermann Wollscbläger. Danksagung. Für die Beweise herzlichster Test- »ahme und sür die zahlreichen Kranz- spenden b-i der Beerdigung meiner geliebten Frau �uxuste Prüfer sage ich alle» meinen innigsten Dank. Bruno Prilfer. Von der Reise zurück 746b Dn. Levy9 Swlncmünder Straße ISO. Dr.Schünemann Spezlalarzt für Haut- und Harnleiden, Frauenkrankheiten, 6612* Friedrichstr. 203, Ecke Schützcustr. Wochentags 10—2, 5—7. iSS« -Bernau. > PiujclcBoii390M.an(ca flOpR.)< > Kleine Anzahlung u. langjährige > Hypotheken. Pläne gratis. Ver- 1 | kaufer ständig am Bhf. Zepernick. ! J- Rieger, Berlin, Gontardstr. 5.' »—••MMOOOMMM»« Isar inn Arbeitsnachweis: Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: Hos l. Amt 3, 1233. CharitistraBe 3. Hos III. Amt 3. 1987. Mittwoch, den 7. September 1910, abends SVs Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. SO: M»». TageS-Ordnung: 121/7 Fortsetzung der Diskussion von der letzten Versammlung. 4)41 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt.-WC BV In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen eines jeden Kollegen notwendig.__ Pie Ortsverwaltung. ZM-Mi- Iii UM» t Zlmn. E. H. Nr. 2 Hamburg. Ocrtliche Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 8. September, abends 8'/, Uhr. im GrwrrkschaftS- hause, Engeltifer 15, Saal 7: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal"2. Wahl eines Kassierers für den siebenten Bezirk. 253/8* ggf Mitgliedsbuch legitimiert.-W0| Der Vorstand. I. A.- Richard Schröder. Tilsiter Straße 7, vom IV. Hutarbeiter und-Arbeiterinnen. Mittwoch, de» 7. September, abends 8ll, Uhr, im Saal 1 des GewerkschaftShauscS, Engelufer 15: Gr. Sffenti. Versammlung für alle ill der Hut- und Nntzindustlie beschWgteu Arbeiter uud Arbeitertuuen. Vortrag deS Genossen Paul I-Ußu über: 76/8 Die Bedeutung der gewerkschaftlichen und politischen Organisation für die arbeitende Klasse. Wir ersuchen die Mitglieder recht rege Agitation sür den Besuch der Versammlung zu betreiben. Der Einberufer: Max Möchel. Die Delcgierlcnsitzung fällt an diesem Tage aus._ D. O. Verleih-Institut: Friedrichst.llB/l.a.Drabg. "Jor. Elcg. Frack, Gebrock l,50,Hose 1,00, Weste 50Pf. + Hygienische"Äf"' Drogerie Zareniba, Weinbergsweg 1, dir. a.Rosenthaler Tor. ♦ Billigste Bezugsquelle I Versuch j. zur dauernden Kündschaft |NcliNOtNföE£i In Dosen zu 10, 20 und 25 Fl. überall erhältlich. Fabrik: Urban& Lcmm, Cbarlottonburg. Deutseher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Mittwochf den 7. SeptembePf afeends 3% Uhr: Vertvanensmänner-Versammlungen der Bezirke und Sranehen. Tagesordnung: Tätigkeitsbericht deS Obmannes.— Bericht der Werkstattvertrauensmänner.— VerbandSangelegenheiten. Alle Werkstätten müssen vertreten sein.'Tü Mitgliedsbuch legitimiert« Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet, Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die VertrauenSmännerversammlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks* Vertrauensmännerversammlung. Für die Arbeitslosen geben die Arbeitsvermittler Vertrauensmännerkarten am Mittwoch aus. Versammlungslokale sind folgende: Oschler. Sddirestei» in Habels Brauerei. Bergmannstr. 5—7. igNdeu bei Gliestug, Wasiertorftr. 68. ««dosten 1 u. II in den Naunyn-NeftsSle«, Naunhnstr. 6. Osten I bei Borgman», AndreaSslr. 21. Osten II bei Pirna». Frankfurter Allee 106. Osten III bei Bergmann, Boxhagener Straße 26. Oostllebe Vororte bei Wildner in Friedrichsberg, Friedrich-Karl- Straße 11. STordosten bei Bocker. Weberstr. 17. Jede Sargfischlerei muß einen BerttauenSmann nach dieser Bersamm- lung senden. «osentbaker und SchOnbanscr Vorstadt bei Obiglo, Schwedter Straße 23. Wedding and ffloablt bei KaczorawSki, Ravenöstr. 6. ßaiitilchter. Bezirk 1: Südwesten, Süden, Südosten bei Grasthoff Admiralstraße 13c. Bezirk 2: Osten bei Ziest, Warschauer Straße 61. Bezirk S: Sdrdcn nnd nUrdllche Vororte bei Glische, Kopenhagener Straße 74. Bezirk 4:«esundbrnnnen, Wedding nnd Aeablt bei Sachse, Lindower Sttaße 26. Mbel- u. Stuhlpoüerer lowie j�agaslngrbeiter. Osten bei Boeker. Weberstr. 17. Südosten im„Märkischen Hof«, Admlralstr. 18o. Kordon bei Günther, vrunnenstr. 96. SV/6 MNhwrtrumentenai� Vrechtter, Treppengeländer- und I�uxusmSbel- Sranche. IVorden bei Döhling, Brunnenstr. 73. Osten bei Schneider, Friedrnstr. 67. Südosten und Südwesten bei Stramm, Rttterstr. 123. jVIalchinenarbeiter>m���cwerrschaftsha«se. Engelus« n/is, Jede Werkstatt, auch jede Tischlerei muß einen Vertrauensmann senbut st?odeU- und fabriktifchler|pug®afe"5g 6d 6 U1 fetz Cl* im GewerkschaftShanse, Engeluser 14/16, Saal 11. Bsdenleger im GewerkschaftShanse, Engeluser 14/15. 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Lerantwortli.cher Redakteur Nichard Aarth, Kerlin. Lür heu Inseratenteil verantw.: Th.Gl-lke, Berlin. Knick u. Verlag: Bortvärt» Kuchdruckerei u. Berlagsgnstalt Paul Singer L-cs„ Ditlistüg, 6. Septeittber l!M. parte!- Hngelegenbeiten» Charlotteninxg. Heute DienStcig, den 6. September, pünktlich M/g Uhr abends, findet im großen Sale des„Äolkshanses", Rosinen- strcisze 3, die Mitgliederversammlung des WahlvcrcinS statt. TageS- ordnung: 1. Vortrag:„Die Aufgaben der Sozialdemokratie in der Kommune"'. 2. Diskussion. 3. Aufstellung des L'tandidaten sür den K. Kommunaltvahlbezirk. 4. Parteiaugelcgcnhciten. Der Vorstand. Steglitz. Mittwoch, den 7. September, abends S1/* Uhr, außerordentliche Mitgliederversammlung im„B i r k c n io ä l d ch e n". 1. Vortrag des ReichZtagSabgeordneten Genossen Fritz Zirbeil: «Der Magdeburger Parleitag". 2. Diskussion. 3. Bericht von der Kreis- und Verbandsgeneralversammlung. Der Vorstand. Rci»ickeiidorf-Ost. Eine öffentliche Versammlung mit dem Thema: .Der König von Gottes Gnaden! Das Volk von Gottes Zorn 1" sReferent Genosse Georg Udo) findet heute, abends 8 Uhr, im Restanrant„S ch ü tz en h a uS", Residcnzstr. 12 statt. Nicdcr-Schönhauseil-Nordcnd. Heute DicnStag, den 6. Sep- tember, abends 8'/z Uhr, findet im Lokal von Liedemit(an der Kirche) eine BollSversammlimg statt. Tagesordnung:«Die Königsberger Kaiserrede— der Dank für die 3'/z Millionen Mark Zulage". Referent: Genosse Max G r u n w a l d. Parteigenossen, sorgt für Massenbesuch. Die Bezirksleitung. Potsdam. Mittwoch, abends Z'/z Uhr, bei Wilhelm, Kaiser Wilhclmftr. 38: Wahlvereinsversammlung. Tagesordnung: Bericht von der KrciSgeneralversammlung in Spandan. Bericht des Bor- standcS über daS erste Halbjahr 1910. Verschiedenes. Berliner Nachrichtens Das Rettnugswcsen BerliuS tvnrde im Jahre 1909 neu geordnet. Eine Vcrstadtlichnng kam leider nicht zustande, erreicht wurde nur, daß die schon vorhandenen Einrichtungen. die Rettungswachen, Unfallstationen, Sanitätswachen, die teils nebeneinander tätig ge- Wesen waren, teils sozusagen gegeneinander gearbeitet hatten, sich zusammenfassen ließen und sich unter die Aufsicht der Stadt stellten. Aus dem Etatsjahr 1909 (1. April 1909 bis 31. März 1910), das das erste seit dieser Neuordnung war, liegt jetzt der Jahresbericht des Magistrats- konnnissars siir das Rcttnngsivcsen vor. Der Bericht weist darauf hin, daß nunmehr für Hilfe- suchende ein Unterschied zwischen den ehemaligen Rettnngs- tvacficn, Unfallstationen, Sanitätslvachen nicht bestehe und daß der Bevölkerung e r st e H i I s e durch sämtliche Haupt- und H i I f s iv a ch e n gleichmäßig gewährleistet sei, so daß es im Interesse schneller Hilfeleistung fortan sich empfehle, in allen Fällen die nächste Wache in Anspruch zu nehmen. Im Berichtsjahre standen zur Bcrfügllng 13 Hanptlvachen, die den großen Krankenhäusern angegliedert sind, und 17 Hilfs- wachen, die über die Stadt verstreut in besonderen Lokalen untergebracht sind. Die Hilfswachen bestellen nötigenfalls auch Kr a n k e n w a g e n, in erster Linie beim Verband für erste Hilfe, auf Wunsch auch bei Privatunternehmern. Die Zentral Meldestelle für den Nachweis freier B e t t e n in den Krankenanstalten Groß-Berlins befindet sich in Berlin im Rathaus; per Telephon ist sie anzurufen:„Magistrat Berlin" In welchem Umfang diese Einrichtungen benutzt wurden, darüber macht der Bericht nur sehr dürftige Mit- teilungen. Ueber die Leistungen der Zentralineldestelle fehlt jede Zahlenangabe. Auch über die Tätigkeit der 13 Haupt wachen Werden noch keine Zahlen mitgeteilt, erst für das nächste Jahr wird die Beifügung von Zahlenmaterial versprochen Genaueres erfahren wir diesmal nur erst über die 17 H i l f s wache n. Sie wurden in den elf Monaten von Mai 1909 bis März 1910(die Neuordnung trat erst Anfang Mai 1909 in Kraft) rund 54 000 mal in Anspruch genommen, das macht im Durchschnitt pro Monat annähernd 5000 F ä ll e, pro Tag rund 166 Fälle. Der Bericht zieht aus diesem Er gebnis den Schluß, daß— fast klingt es naiv—„es sich so mit nicht nur um eine nützliche, sondern auch um eine für eine Weltstadt notwendige Einrichtung handelt." Wie wenn das nicht längst festgestanden hätte! Die Inanspruchnahme der einzelnen Hilfswachen War sehr ungleich, sie lag zwischen dcnr Minimum von 1543 Fällen für Hilfs wache 2(Köthener Straße) und dem Maximum von 5947 Fällen sür Wache 16(Lindower Straße). Mit Recht bemerkt hierzu der Bericht, daß bei der früheren Zersplitterung im Rcttnugswcscn Berlins es an einem planmäßigen Vorgehen auch hinsichtlich der Verteilung über das Stadtgebiet fehlte. Jawohl, so planlos Pflegt die Privattätigkeit vorzugchen, wenn sie Gemeindcaufgaben, die ihr überlassen werden, zu lösen versucht. Angekündigt wird, daß allmählich durch bessere Verteilung der Hilfs wachen eine Ans glcickung bewirkt werden soll. Der Magistrat von Berlin wünscht, eine gewisse Vereinheitlichung des Rettungswesens auch für Groß-Bcrlin herbeizuführen. Er hält es für nötig, daß in Berlin und den angrenzenden Nachbargemernden die Einrichtungen des Rcttung'öwescns möglichst gleichmäßig gestellt werden. Eine«mfangreiche Tagesordnung liegt der ersten nach den Ferien stattfindenden Sitzung der Stadtverordneten vor. Nicht weniger denn 73 Punkte stehen auf der Tagesordnung der Sitzung am kommenden Donnerstag Darunter befinden sich sehr wichtige Angelegenheiten. So unterbreitet der Magistrat eine von der. sozialdemokratischen Fraktion vcrlaiiate Vorlage, die sich auf die vom Magistrat vorgenommene Revision der Lohnsätze der städtischen Arbeiter bezieht und die erkennen läßt, in welcher stiefmütterlichen Weise die städtischen Arbeiter bedacht werden. Weiter steht ein Antrag unserer Genossen auf der Tagesordnung, dem Turnverein„Fichte" die städtischen Turnhallen wieder zur Versiigung zu stellen. Ein anderer Antrag unserer Ge- nassen fordert Maßnahmen zur Bekämpfung der Flcischnot. Gaslieferungsverträge sollen mit den Landgemeinden Basdorf, Wandlitz, Klosterfelde und der Stadtgenieinde Liebcnwalde abgeschl'offen werden. Eine Fünfmillionenvorlage bezieht sich auf die Ausführung von Erneuerungs- und Erweiterungsbauten für die Wasserwerke. Natürlich befinden sich auch zahlreiche kleine Sachen unter den Vorlagen, die ohne jede Debatte verabschiedet Werden können. Eine große OrdenSfiste ist wieder mal auf dem Alexauderplatz eingetroffen. Diesmal gab eS belgische und sächsische Orden zum Aussuchen. Auch Herr v. Jagow hat� vom König der Belgier daS übliche billige Trinkgeld erhalten. Die Berliner Polizei hält nun- Imehr in Ordensdekorationen sicher den Weltrekord. Es gibt nur noch wenige Berliner Polizeibeainte, die leinen Orden haben. Der ' Aufmarsch der dekorierten Polizeier bei der letzten Parade machte den in Berlin weilenden Fremden wieder mal riesigen Spaß. Nächstens ist eine neue Kiste mit bunten Bommeln aus Rußland fällig. NikoläuSchen revanchiert sich für die deutsche polizeiliche Lebensversicherung. Um die russischen Trinkgelder des„Blutigen" knobelt man a:n Alexanderplatz schon heute. Die llrwählerliste» für die im 4. Berliner Landtags- Wahlbezirk notiveudig gewordene Abgordnetcucrsatzwahl liegen bis Dienstag, den 6. d, M., abends 8 Uhr zur Einsicht öffentlich in den Turnhallen Gneisenaustr. 17, WilmLstr. 10 und Diesfenbachstr. 60/61 aus. Eiusprüchc müssen sofort au- gebracht werden. An die Rollschuhläufer hatte der Polizeipräsident kürzlich eine Mahniliig gerichtet, die großen VerlehrSstraßen in» Interesse des Verkehrs zu meiden. Diese Mahnung ist nicht in dem Maße be- folgt worden, wie erwartet und so hat er folgende Bekanntinachung erlassen: „Die Exekutivbeamte» sind angewiesen, einen Verkehr von Rollschnhlänsern auf folgeuden Straßen und Platzen nicht mehr zu dulden: auf dem Leipziger Platz, der Leipziger Straße, der Friedrich st raße, von der Behreustraße bis zur Weideiidmniner Brücke, dem Pariser Platz, der Slraße „Unter den Linden", ans den Plätzen an» Opern- Hause, am Zeughause»md anr Lu st garten. Ferner ist das Befahren der Bürger st eige öffentlicher Straßen und Plätze durch Rollschuhläufer im verkehrSpolizeilicheu Juteresse nicht mehr gestattet. Zuwiderhandlungen gogeir die Anordnungen der Exekulivbeamteir werden gemäß§ 132 der Straßeiiordunng vom LI. Dezember 1899 bestraft werden." Die Behandlung von Fcncrwehrlcuteu durch Borgesetzte wird diuch die Maßnahme eines OberbrandiuspektorS grell beleuchtet, die in der Zeitschrift des Verbandes deutscher Berussfeuerwehrmänner: „Der Berufsfenerwehrinann" vom 1. September mitgeteilt wird. In Dresden war ein Feuerwehrmann Schneider unter ganz be- sonderen Uinständen seinem Berufe zum Opfer gefallen. „Nachdem iir Berlin das Unglück bekannt geworden war— so lesen wir in genannter Zeitschrift—, beschaffte der„Verein Berliner Feuerwehrmänirer" einen Kranz, um ihn nack, Dresden zu schicken. Es erboten sich nun zwei Kameraden, auf eigene Kosten nach Dresden zu fahren, um an der Beerdigung teilzunehmen und den Kranz am Grabe niederzulegen, nachdem sie sich tele phänisch nach Tag und Stunde der Beerdigung erkundigt hatten. Sie baten dazu um zwei Tage Urlaub unter Mitbenutzung des dienstfreien TageS, sodaß also tatsächlich nur 24 Stunden Urlaub in Betracht kamen. Der Wachvorsteher der beiden Leute freute sich, wie das ja auch rein menschlich ist, über diesen Enlschlnß und gab das Gesuch sofort weiter. Aber wie erstaunten die Kameraden, als die Antwort eintraf. Herr Oberbrand- inspektor Reinhardt, als Vertreter des zurzei beurlaubte n Her rn Bra n ddirektor S, verweigerte ohne Angaben von Gründen den Urlaub. Auch ein zweites Gesuch deS einen Kameraden um l'/s Stunden Dispens vom Wachdienst, die mit Zuhilfenahnie des dienstfreien Tages nötig gewesen wären, um reckitzeitig wieder zum Dienst erscheinen zu können, muhte vom Wachvorsteher abgeschlagen werden, da ja ein prinzipielles Verbot der Abteilung vorlag. So wurde es also den Berliner Feuerwehrmännern unmöglich gemacht, bei einem so erschütternden Unglücksfall ihre Kamerad- ichaft in entsprechender Weise zu betätigen. Das Urteil über diese Handlungsweise eines vorgesetzten Offiziers kann man getrost jedem gerecht denkenden Menschen überlassen. Großer Schinerz herrscht in den Reihen der Berliner Feuermämier, als der Fall bekannt wurde alles andere hüllen sie erioartct, nur daS nicht. Glaubt der Herr Oberbrandinspektor denn, sich mit solchen Handlungen das Ver trauen und die Liebe seiner Untergebenen zu erwerben? Das Eine aber dürfte feststehen und auch im ganzen Korps herrscht eininütig der Glaube, daß ein solch sonderbarer Bescheid nicht er- gangen iväre, wenn Herr Branddireltor Reichel zugegen gewesen wäre. Der Fall ist um so trauriger, als in analogen Fällen in Berlin, von anSivärtigen Wehren stets Deputationen dorthin ent- saiidl worden sind. Wie eigentümlich daher gerade diese Urlaubs- Verweigerung jeden berühren muß, scheint»nan an der maß- gebenden Stelle gar nicht geahnt Zu haben. Der Herr Branddirektor wird sich aber bei seinem Vertreter sür diese Maßnahme wohl nicht bedankt haben." Soweit daS genannte Blatt. Auch wir müssen unserer Ver- wunderung über die Maßnahme des Herrn Oberbrandinspeltors Ausdruck geben. Wir finden den abschlägigen Bescheid deS Herrn in keiner Weise begründet; er läßt sich auch nicht begründen und beweist nur, welche Behandlung unseren Feuerwehrleuten zuteil wird. Die Erkraukungc» an Darmkatarrh, TyPhuZ, Brechdurchfall und ähnlichen Krankheiten haben in den letzten Wochen gegenüber den in» gleichen Zeitraun» des Vorjahres auffallend zugenoinmel». Die Zahl der Kinder, die an Darmkatarrh in den letzten 9 bis 10 Wochen in Berlin gestorben sind, hat sich fast verdoppelt. Wenn auch kein Grund zur Beunruhigung vorliegt, so ist eS doch angezeigt, vor dem Genuß von Brunnen- oder anderen» ungereiiiigtei» Wasser, unreife»» oder verdorbenen» Obst zu warnen. Eholcranachrichten aus Spandau. In dein Spandauer Krankenhause ist a>ii Soimtagnachinittag der HilfSrevisor Sarnow, dessen Frau am 28. vorigen Monats der lückischei» Seuche erlag, verstorben. Am Sonntag vor acht Tagen wurde S. aus semer Wohnung in der Wcißenbnraerstraße zu Spandau nach dein dortigen Hospital übergeführr, da sich bei ihn, in» Laufe des TageS choleraverdächlige Syinptome gezeigt hatten. Dank der sorgfältigen und»lnablässigen Pflege der.Aerzte besserte sich daS Befinden deS Erkrankten im Laufe der Woche, so daß man die völlige Genesung des Patienten erhoffte. An» Sonntaginorgen verschlimmerte sich der Zustaiid SarnolvS, bei dem sich bereits in der Nacht vorher be unruhigendc Symptome gezeigt hatten, ganz erheblich. Bald nach Uhr trat Herzschwäche ein und kurz darauf starb Sarnow. Die Leiche des S. wurde am Moutagnachmittag beigesetzt. Dagegen hat sich herausgestellt, daß der erkrankte Arbeiter Feik nicht an der Cholera, sondern vielmehr an einen» schweren Magen- und Darmkatarrh leidet. Sein Befinden gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Auch bei dem unter Choleraverdacht eingelieferten Bagger- meister Kreuzinger hat die bakteriologische Untersuchung einwand- frei � ergeben, daß der Mann mir au einer akuten Darm- entzündnng erkrankt ist. Erfreulicherweise hat sich das Befinden des Desinfektors Nenniann, der, wie das Bakteriologische Institut mitteilt,»»icht von der Cholera, sondern von einem Brech- durchfall befallen ist, so erheblich gebessert, daß Lebensgefahr für den Patienten nicht inehr vorliegt. Neumanu wurde deshalb, ebenso wie Kreuzinger, auS der Isolierbaracke in die medizinische Abteilung des Spandauer Krankenhauses übergeführt. Das Befinden der unter Ouarantäne ftehcndcn sieben Kanoniere, sowie der Bazillenträgerinnen Fräulein Sarnow, Schwester Louise und der Waschfrau Heudeck und deren fünf Kinder ist ei» durchaus günstiges. Ain Sonntag ivurden noch die 33jährige Frau Frauiak aus der Strcsowstr. 20 und eine Frau Anna Lorecke auS der Lynarsir. 6, die in der Spandaner Munirioi'.Sfabrik beschäftigt smd und an Brechdurchfall erkrankt waren, unter Ouarantäne genommen. Es geht ihnen durchaus gut und eS haben sich keinerlei Symptome eingestellt, die daraus schließen lassei», daß die beiden Frauen an bu verheerenden Seuche erkrankt sind. Nebcrlandflug Kapitän EngclhardS. Der gestrige Abend brachte den wenigen Besuchern des Flug- Platzes Johannisthal, die sich eingefunden hatten, um den tägliche»» Tralningsflügen beizuwohnen, eine große lieberraschung. Gegen A6 Uhr unternah!»» Korvettenkapitän Engelhard, einer der ältesten Piloten der Wright-Gesellschast mit seinem Doppeldecker einen Ueberlandslug, der den Flieger bis nach Alt-Glienicke führte. Gegen 6 Uhr 30 Minuten war Engelhard, nachdem er seinen N. A. G.-Motor noch einmal einer eingehende»» Prüfung»mter- zogen hatte, aufgestiegen und legte zunächst mehrere Runden inner. halb der Flugbahn zurück. Uu» 6 Uhr 42 Minuten verließ dann der Pilot, der sich bis auf etlna 300 Meter Höhe emporgeschraubt hatte, den Flugplatz und zog in stetem Fluge in der piichtung auf Rudow davon. Ueber Rudolv selbst beschrieb der Flieger mehrere Kreise und stieg dabei auf etwa 400 Meter. Darauf nahm Engel» hard den Kurs auf Schönefeld und rundete die Ortschaft in be- deutender Höhe. Dann ging es in direktein Fluge nach dem Flug- platze Johannisthal zurück, wo der Flieger um 7 Uhr 2 Minuten landete._ Eil» falscher Arzt, der seit einiger Zeit hier sein Wesen trieb. ist in der Person deS HandlmigSgehilsei» Walter Gottschalk fest- genominen worden. Gottschalk»var längere Zeit in einer Irren- cmstalt interniert. Nach seiner Entlassimg hat er sich in verschiedenen Orten lvie München, Fraulfurt u. a. m. alifgehalte»» und sich für einen ObeistabSarzt oder AnsialtSarzt ausgegeben. Er verstand es, Leuten, die er am Biertisch oder in Fauiilien kennen lernte, ein- zurede»», daß sie krank seien. In der Regel verschrieb er den Leute»», die sich auch von ihm uiitersiichel» ließen, eiilen Massage-Apparat, der 100 M. kosten sollte. Er erbot sich dam», den Apparat als Arzt billig, eilva für 00 oder 03 M., zu beschaffen, steckte das Geld, daS man ihir» im Boraus gab, ein und ließ sich nicht wieder sehen. Geradezu gemeingefährlich aber wurde der Schlvindler dadurch, daß er auch stark ioirkende Mittel in großen Dosen verordnete. Zu den Familie»», die er ii» der letzten Zeit behandelte, gehörte auch die eii»eS Händlers in der Paste»irstraße. Diesen Mann hatte der Schwindler in» Citypark kenne» gelernt. Er batte nicht bloß ihn, sondern auch seine ganze Familie krank geredet und veranlaßt, sich seiner Behandsimg an- zilvertranen. Gestern nachinittag erschiei» der vermeintliche Arzt »vicder in der Wohnung. AIS er nun auch hier von einem Massage- apparat zu sprechen bega»»»», erinnerte sich der Händler jener Nach- richt, die vor acht Tagen durch die Zeitiingen ging. Zum Schein ging er a»lf die Vorschläge eil», heimlich aber holte er die Polizei »md ließ de»» Schlvindler festnehmen. Vor der Kriininalpolizei gab Gottsckalk, der geistig nicht gesund zu sein scheint, heute alle seine Schivindcleien zu, nur daß er starklvirkende, gefährliche Arzeneien verschrieben habe, bestritt er. Eine Beraubung eines Kranken im Siidringzuge hat sich am Sonilabeildabeiid zugetragen»md zunächst zu der Ailnahme ge- führt, eS sei ein Raubanfall passiert, lieber den Vorfall wird be- richtet: Der Fabrikairt Eduard v. Schnehen, der Mitinhaber einer Holz- steinfabrik in Tempelhof ist. außerhalb eine Villa besitzt und augeii- blicklich alleii» in der Wilhelmstr. 3 in Berlin wohnt,»veil er sich mit seiner Familie in» Uinzug befindet, hatte von einen» Sozius und von einen» Rechtsanwalt 230 M. erhalten und in sein Portemonnaie gesteckt. Nachmittags un» 4 tlhr 42 Minuten bestieg er in Treptow ein Abteil zlveiter Klasse, in dem er sich ganz allein befand. Beim Ein- treffen des Zuges aus der Station Papestraße lag er auf dem Fuß- boden, das offene und uu, gekrempelte Portemonnaie leer aus dem Polster. Die Uhr hing ihm an der Halskette vor der Brust. Auf dem Fußboden befanden sich größere Blutflecke, und als b. Schnehen aufgerichtet wurde, brach er von neuem Blut. Ii» dein Abteil lag auch ein Korkenpfropfei» von einer kleineren Flasche. Man glaubte erst, daß ein räuberischer Ueberfall unter Anwendung von Be- tällbungömitteli» stattgefuilde», habe. Die ärztliche Untersuchnng des Mannes»»nd auch des Pfropfens hat jedoch dafür oder auch für die Aitweitdung eines andere»» nachhaltig wirkenden Mittels keinen Anhalt gegeben. Der Pfropfen ist jedoch zu einer genaueren Untersuchung einem Cheinikcr übergeben lvorden. v. Schnehen leidet infolge eines Hnfschlages, den er früher einmal erhalten hat, öfter an Magenbsilten. Wahrscheinlich ist er auch an» Soi»nabeud schon kurz nach Besteigen deö Zuges von diese»» alten Uebel befallen* lvorden. Er kann sich nicht entsinnen, den nächsten Bahnhof, also Rixdorf, noch gesehen zu haben, glaubt vielmehr, daß er schon vor Rixdorf ohnmächtig geworden sei. Als cr einstieg, »var er in» Abteil alle»»». Im Nebenabteil saßen ein Herr und eine Danie, die einen lila Hut trug. Nach den Ermittel»mge>» der Kriminalpolizei rief ein anderer Herr auf dem Bahnhof Tempelhof de» Beamten aus dem Zuge heraus zu, daß in einen» Abteil ein Man», besinnungslos daliege. Dieser selbe Herr zeigte auf den, Bahnhof Papcstraße, der unterdessen von» Bahnhof Tempelhof aus durch den Fernsprecher benachrichtigt worden»var, den Beamte», die den Zug absuchten, das Abteil, in dem der Ma»»»» liege. Nachdem v. Schnehen aus dem Wagen herausgehoben worden war, fetzte sich der Zug wieder in Belvegnng und der Herr fuhr weiter mit. Er war vielleicht, wie das ja öfters geschieht, an der Seite entlang durch den Wagen gegangen und so auch in daS Abteil gelommen, in dem v. Schnehen bewußtlos lag. ES»väre gut, wem» er»md ebenso der andere Herr und die Dame mit dem lila Hut und mich alle anderen Leute, die den Zug benutzt haben, sich umgehend bei der Kriniinalpolizei meldete». Der Diebstahl»st nach dem Ergebnis aller Ermittelungen wahrscheinlich gleich zwischen Rixdorf und Tempelhof oder auch schon zwischen Rixdorf und Hermannstraße verübt lvorden. Ueberfahrcn und getötet wurde vorgestern mittag der 31 Jahre alte Hausdiener Hermann Slahn aus der Beusselstr. 8S, der bei eilten» Kaufmann in der Jnvalidenstr. 137 beschäftigt war. Als er hier mit einem Handwagen das Hans verließ, übersah er einen Straßenbahiiwagei», der vom Stettiner Bahnhof herkam. Dieser stieß ihn»nn und ging ihn» über den Leib. Der Unglückliche wurde so schiver verletzt, daß er iin LazaruSkrai»kenhause schon nach zwei Stunden starb. Ein schwerer Strasstnbghnimfall ereignete sich am Sonntag in der Chansscestraße. Gegen 8 Uhr morgens versuchte an der Ecke der Sckuvartzkopffslraße ein Eiswagen• der Finna Merten, Müller- iraße 0S, vor dein herannahenden Straßenbahnwagen Nr. 1926 der Linie 20 das Gleis zu kreuzen, wurde jedoch angefahren. Durch den heftigen Zusammenstoß wurde der Lenker des Geschäftswagens, der 73jährige Kutscher Julius Merten, vom Bock geschleildert. Der Verunglückte erlitt außer Brüchen an beiden Oberschenkeln eine Gehirnerschüttenlng und wurde nach dein Rudolf-Virchow-Kranken» Hause übergeführt. Für de» Arbeiter ist gesorgt bis ins höchste Alter, sagte einmal der Kaiser. Eine Illustration zu dieser kaiserlichen Aeußerung bietet olgende Meldung: Einen elenden Tod fand ein unbekannter, etwa 80 Jahre alter Main, in Reinickendorf. Der Aerinste war mehrere Tage in den Straßen»»mhergetrrt und er landete schließlich in einer Laubenkolonie auf Reinickendorfer Gebiet. Dort legte er sich er- chöpft in einer Laube nieder und nach einer Reihe von Tagen anden ihn spielende Kinder in bejan»»>»ernSwertem Zustande auf. Der Unbekannte war dem Hungertode nahe. Die benachrichtigte Polizei ließ ihn sofort nach dem Krankenhause in der Humboldt- traße bringen, wo er aber»lnter den Händen der Aerzte starb. Dem Unglücklichen, der infolge der übermäßigen Entbehrungen all« zu sehr gelitten hatte, vermochten die Aerzte nicht mehr zu helfen. Es soll sich um einen wohnungS- und beschäftigungslosen Arbeiter namens Kaufmann aus Berlin handeln. Spreepirate». Eine Bande von Räubern treibt seit einiger Zeit auf der Oberspree ihr Unwesen. Die Verbrechergesellschaft sucht 6e- sonders die Orte Nieder- und Ober-Schöneweide, Köpenick, Erkner usw. heim. Die Räuber haben sich allmählich zu Spreepiraten ausgebildet. Sie führen die Einbrüche zumeist von der Wasferseite aus und be- nutzten dabei Ruderboote, in denen sie auch die Beute fortschaffen. Mit Vorliebe dringen die Täter in die Bootshäuser der Ruderklubs ein. So statteten sie beispielsweise dem Bootshaus des Berliner Ruderklubs„Wiking" mehrere Male hintereinander nächtliche Visiten ab. In der gestrigen Nacht schleppte die Bande für mehr als 1(XX> Mark Beutestücke davon. Der Verein bat sich schließlich veranlaßt gesehen, für die Ermittelung der Einbrecher eine Belohnung von LOO M. auszusetzen. Auch die an der Obcrspree belegenen zahl- reichen Gartenlokale werden von den Piraten heimgesucht. In die Räume deS Sanssoucisaales hat die leichtgeschürzte Muse ihren Einzug gehalten. Unter der technischen Leitung des früheren Geschäftsführers des Deutschen Theaters Herrn Emil Hartmann hat sich in der Kottbuser Str. 6 ein Variete aufgetan, durch dessen Gründung man glaubt ein Bedürfnis der Bevölkerung des Süd- ostens zu befriedigen. Zu diesem Zweck ist der geräumige Saal geschmackvoll renoviert worden; er macht einen recht anheimelnden Eindruck. Auch die Bühne ist neu ausgestattet und mit schönen Dekorationen versehen worden. Die Eröffnungsvorstellung fand am Sonnabend statt, nachdem sich der am Freitag in Aussicht ge- nonimcnen Eröffnung einige Schwierigkeiten entgegengestellt hatten. Das Spezialitätenprogrnmm kann sich sehen lassen. Als eine äußerst geschickte Jongleuse führte sich Käti Gültini ein, während die Schenk-Truppe ihre Akrobatenkunst in exakter und formvollendeter Weise ausführte. Der zweite Teil des Programms bringt eine von Oskar Sabo nach älteren Stoffen neu herausgeputzte Poffe:„Nu hat'S geschnappt!", in der der Kientopp eine große Rolle spielt und einen vielgeplagten Rentier von seinen Peinigern befreit. Paul Lincke hat einige kleine Sachen dazu komponiert. Gelacht und geklascht wurde am ersten Abend nicht zu knapp. Straßensperrung. Die Dircksenstraße von der Königstraße bis zur Volta'irestraße einschließlich des Kreuzdamms der Dircksen- und Grunerstrahe ist wegen Kanalisationsarbeiten für de» durchgehenden Wagenverkehr gesperrt._ Vorort- Nacbricbtem Rixdorf. Aus der Sitzung der Deputation für das Feuerlöschwesen, Fuhr- wesen usw. Gemäß dem Beschlüsse vom 16. November 1969 hat eine Prüfung der Frage stattgefunden, ob in den Bedürfnisanstalten am Maybachufer und Kranoldplatz Fernsprechanschlüsse herzustellen find. Die Deputation erachtet dies nach dem Ergebnis der Prüfung nicht für erforderlich.— Die Projekte des Hochbauamts vom 1. und 20. August 1910 über den Neubau einer Vollbedürfnisanstalt auf dem Gelände der St. Thomas-Kirchengemeinde nach einem Kosten- anschlage von 92S0 M. und einer Vollbedürfnisanstalt auf dem Herrfurthplatz nach einem Kostenanschlage von 6000 M. werden ge- nehmigt.— Die Stellmacherarbeiten in der StraßenreinigungSanstalt und in dem Omnibusbetriebe iverden der Firma A. Luchterband auf das Angebot vom 30. August 1910 übertragen.— Mit der Versteigerung von 13 ausrangierten Omnibuspferden nach den auf- gestellten Bedingungen erklärt sich die Deputation einverstanden. Die Versteigerung soll am Dienstag, den 6. September 1910, durch die Pferdeankaufskominission vorgenommen werden. Ans der Mvgistratssitzung. Der Zentralkommission der Kranken- lassen Berlins und der Vororte soll für ihre Vorträge die Aula der 9. Gemeindeschule. Kaiser-Friedrichstr. 4. unter den bisherigen Be- dingungcn zur Verfügung gestellt werden.— Gegen die Errichtung einer Autodroschkenhaltestelle vor dem Hause Emserstr. t hat der Magistrat keine Einwendungen zu erheben. Charlottenburg. Aus der zweiten Etage gestürzt ist gestern mittag der Löjahrige Klempner Walter Gäbelhof. Blücherstr. 67 wohnhaft. G. war auf einem Neubau in der Hardenbergstraße damit beschäftigt, an der Außenseite des Gebäudes die Fenstersimse mit einem Blechbeschlag zu versehen. Der junge Mann hatte es jedoch unterlassen, sich an- zuseilen. Plötzlich verlor der Klempner das Gleichgewicht nnd stürzte in die Tiefe. G. brach bei seinem Sturze mehrere Hand- und Fuß- Wurzelknochen und mußte mittels Droschke nach dem Krankenhause am Urban übergeführt werden. Lankwitz. Die letzte Geuieindevertretersitzung bewilligte zunächst als Kranken« kosten zum Armenetat 500 M., desgleichen 2SOO M. für Einrichtungen in der Gemeindeschule II, welche hauptsächlich durch die neue Hilfs- Kasse entstanden sind. Mit der Verpachtung eines Gemeindegrundstücks an der Marienfelderstraßc, auf welchem von zwei Amerikanern Ver- suche mit einer neuen Art drahtloser Telegraphie vorgenommen werden sollen, erklärte sich die Vertretung einverstanden. Ein Miets- vertrag mit der Postdirektion wurde mit der Bedingung genehmigt, daß ein Vvllpostamt für Lankwitz errichtet wird, welches das ganze Gemeindcgebiet nmfaßt. Der Postbehörde werden im Rathaus- Neubau vom 1. April nächsten Jahres ab auf fünf Jahre Räume von insgesamt 100 Quadratmetern kostenlos zur Verfügung gestellt. Ferner wurde beschlossen, aus der Brandenbnrgischen Witwen- und Waisen- Versicherungsanstalt, in welcher die Gemeinde ihre Beamten ver- sichert hat, auszutreten, da die Beiträge sehr hoch sind; es soll für die neu anzustellenden Beamten ein Fonds für diese Unterstützunge» angesammelt werden. Eine längere Debatte entspann sich über die Einführung einer neuen Hundesteuerordnung; nach derselben soll vom 1. April n. I. für einen Hund 20 M. sbisher 10 M.), für jeden weiteren 30 M. entrichtet werden. Dieser Satz war jedoch den Bürgerlichen zu hoch. Es wurde beschlossen, für einen Hund IS M., für jeden weiteren LS M. Steuern zu erheben. Für die bedürftigen Veteranen wurden dem Kriegerverein 300 M. zur Verteilung überwiesen. Ein Antrag unserer Genosien. die Verteilung von einem Ausschuß der Gemeinde- Vertretung vorzunehmen, wurde abgelehnt. Ferner ivurde beschlossen, den Veteranen, welche mindestens fünf Jahre im Orte wohnen. einen eigenen Hausstand führen und nicht über 800 M. Einkommen haben oder ohne eigenen Hausstand nicht über SOO M. Einkommen haben, passende Beschäftigung von der Gemeinde zu geben und ihr Einkommen bis zu dieser Summe zu erhöhen; wenn sie arbeits- unfähig sind, sollen sie einen lebenslänglichen Ehrensold in derselben Höhe erhalten. Der Etat wird durch diese Unterstützung bis zu 3000 M. belastet werden.— Mit dem Ausbau der Frobenstraße von der Zieten- bis Seydlitzstraße, sowie dem Erwerb von Straßen- land an der Mühlenstraße erklärte sich die Vertretung ein- verstanden. Ober-Schöneweide. Die Frage der Wasserversorgung wird in kürzester Zeit für die Gemeinde recht ernst werden. Durch den Anschluß des Kranken- Hauses und der im neu erschlossenen Ortsteile sich schnell mehrenden Wohngebäude an das Gemeindewasserwerk wird diese seinerzeit mit einem Kostenaufwande von 90 000 M. für den Ortsteil Ostend er» richtete Anlage bald am Ende ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sein so daß iu kürze eine Kalamität eintreten konnte. Für den sogenannten alten Ortsteil besitzt die Geineuide Rummelsburg einen Monopollieferungsvertrag, nach welchem der horrende Wasserpreis von 30 Pf. für den Kubikmeter ZU zahlen tst. Ein Anschluß der übrigen OrtSteile an dieses Werk durfte unter keinen Umständen stattfinden. Effie Erweiterung. des G-me.ndewerkeS wird mit großen Schwierigkeiten verbunden fem. weil durch die von der Stadt Berlin nach Ankauf der Wuhlheide geplame.lnlage einer Tiefbruirnengaleris für ein Wasserwerk»n der Wuhlheide infolge ihrer gewaltigen Fördermengen dem Gemeinde werk d�ls Grundw asser entzogen wird. Auf Grund von Verhandlungen z&ts�en der Ge- meinde und der Stadl Berlin liegt nun der Entwurf eines Ver- träges vor, nach welchem der Stadt Berlin die Verlegung erneS Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den DruckrohreS durch den Ort und über die Treskowbrücke gestattet wird, wohingegen die Stadt Berlin für den Ortsteil Ostend und die neuen Straßenzüge Wasser zum Preise von 13 Pf. zu liefern hat. In der nächsten Zeit werden sich die maßgebenden Instanzen mit der Angelegenheit zu befassen haben. Grünau. Die Gcsuudheltspflege in den Gemeinden war das Thema, über daS Genosse Dr. Alfred B ernstein in einer gutbcsuchten Volks- Versammlung im Jägerhaus unter starkem Beifall referierte. Redner geißelte vor allem das gleichgültige Verhalten des Staates und der Gemeinden gegenüber den verheerenden Volkskrankheiten, namentlich der Lungentuberkulose. Gegenüber den vielen Millionen, die die Laiidesversichnngsansialten aufgehäuft haben, sei der Aufwand des Staates für Hygiene und VolkSgesnndheit geradezu beschämend. DaS Vorwärtsschreiten der Sozialdemokratie garantiere auch hier nur eine vernünftige Nesorm. Hierauf referierte Genosse Mitzner über die bauliche Eni- Wickelung Grünaus. Der Redner kritisierte, daß die Gemeinde- Vertretung die Bebauung der neu erschlossenen Terrains so hinaus- schiebe. Dies sei allerdings zu verstehe», wenn man bedenke, daß das Gemeindeparlament nur aus Hausagrariern bestehe. Die Arbeiter- schaft am Ort habe jedoch mit Rücksicht auf die gcsuudheilsschäd- lichen Wohuungsverhältuisse energisch die baldige Bebauung des er- schlossenen Terrains zu fordern. In der sich an diese Aussührungen schließenden lebhasten Diskussion wurde auch über die mangelhafte Straßenreinigung Klage geführt. Dieser Mißstand mache sich für die Bewohner, nanientlich des Sonntags, unangenehm bemerkbar. Der Vorsitzende, Genosse F e ch n e r, forderte die Versammelten aus, sich dem Wahlverein anzuschließen, um den bürgerlichen Parteien endlich einmal geschlossen entgegen treten zu können. Eine an die Gememdevertretung gerichtete Resolution, in welcher die Ver- sammelten gegen das Verhalten derselben Protest erheben und ihre Forderungen geltend machen, wurde zum Schluß einstimmig an- genommen. Die Gemeindevertretung beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung in sehr lebhafter ausgedehnter Debatte zunächst mit dem vom Forstfiskus vorgelegten Uingemeindungsvertrag. Es handelt sich um das Terrain, das von der Görlitzer Bahn und dem Kanal bis zur Köpenicker Kanalbrücke begrenzt wird. Dasselbe soll par- zelliert und der Bebauung erschlossen werden. Die Vertretung lehnte den Vertrag ab, da durch denselben die Jntereffen der Ge° meinde nicht genügend berücksichtigt werden.— Für den Bau eines Unterkunftsraumes auf dem Sandfang wurden 1270 M. ausge- warfen und für die notwendige Erweiterung des Gebäudes bis 15 Proz. Zuschlag bewilligt. Die Arbeiten wurden der Firma Kerger �übertragen. Herr Kerger nahm als Gemeiirdevertreter an dieser Sitzung teil. Die Skeupflasterung der Köpenicker Straße, die sich in ganz unhaltbarem Zustand befindet, wurde auf spätere Zeit vertagt, es wurden nur die Mittel zu den notwendigsten Reparaturarbeiten bewilligt. Die Pflasterung der Lahinertstraße, welche im Oktober begonnen werden soll, wurde der Firma Arndt-Adlershof mit 14 970 Mark übertragen. Herr Ohlrich wendete sich sehr energisch gegen die geplante Erschließung zur Bebauung der dem Forstfiskus gehörenden Park- anlagen zwischen dem westlichen Ortsteil und dem Bahnhof. Er bezeichnete es als eine Lebensfrage für Grünau, daß dieie Anlagen erhalten werden und beantragte, daß die Gemeinde das zirka 40 Morgen große Gelände nicht nur pachte, sondern unver- züglich Schritte unternehme zum Ankauf des Terrains. Die Ver- tretung stimmte nach erregter Debatte dem Antrag zu. Zuletzt wurden wieder weitere Mittel gefordert für die Privatschule. Zur Balanzierung des Schuletats für das laufende Rechnungsjahr sind von der Gemeinde 3648 M. Zuschuß erforderlich. Die»schule hat jetzt einen Bestand von annähernd 60 Kindern. Die Mittel wurden bewilligt, jedoch soll in Zukunft eine strenge Beaufsichtigung der Verhältnisse an der Privatschule platzgreifen. Erkner. Es gibt Freibier! Die Mitglieder der hiesigen beiden Militär- vereine haben, wie auch in anderen Orten, am Sonnabend, den 3. d. Mts., im„Alten Schützenhause" eine Sedanfeier abgehalten, zu der dieselben von einem vereinigten Festkomitee per Karte ein- geladen wurden. Allem Anschein nach war sich das Festkomitee nicht ganz sicher, ob die Herren Kameraden auch vollzählig dem«Herren- abend mit Essen ä la carte"— wie es in der Einladungskarte heißt— beiwohnen würden, denn am Schlüsse der Einladung steht der Satz: Es gibt Freibier. DaS Freibier hat das patriotische Herz höher schlagen lassen. Friedrichsfelde. Aus der Gemeindevertretung. Die ersten drei Punkte der Tagesordnung betrafen Verträge bezw. deren Abänderungen mit zwei Bodengesellschaften, durch die diesen einige zum Teil recht nennenswerte Vergünstigungen gemährt werden sollen. Die ge- ringen Vorteile, die der Gemeinde hierbei zufallen, durch Auf- nähme entsprechender Bedingungen zu erhöhen, war neben einem bürgerlichen Vertreter auch unser Genosse Pinseler— leider mit negativem Erfolg— bemüht. Es will unS scheinen, als ob sich erheblich mehr zugunsten der Gemeinde erreichen liehe, wenn der Bürgermeister Herr Ungewitter das Entgegenkommen der Ge- meinde gegenüber dem, was die Bodengesellschaften bieten, ihrem Werte nach etwas besser abzuschätzen vevstünde. Für die Umpflafterung von Straßen wurden in einer anderen Vorlage 32S 000 Mk. gefordert, wovon 276 000 Mk. durch eine Anleihe gedeckt werden sollen. Der himmelschreiende Zustand vieler Straßen, namentlich im Ortsteil Friedrichsfelde. ljatte eine derartige Vorlage schon längst dringend notwendig ge- macht und man hatte sich auch bereits bei Aufstellung des Haus- haltsvlaues mit dieser Materie eingehend beschäftigt. �Die Gemeindevertretung hielt es damals jedoch für zweckmäßig, daß zunächst einmal ein Plan ausgearbeitet würde, um einen ge- nauen Ueberblick über Umfang und Kosten der erforderlichen Um- Pflasterungen zu erhalten und nach welchem dann die Arbeiten systematisch in Angriff genommen werden sollten. Ein solcher Plan lag bisher noch nicht vor, dafür kam zunächst diese Vorlage. Nach ihr sollen im Ortsteil Friedrichsfelde die Schloßstraße und ein Teil der Rummclsburger Straße neu hergestellt werden und zwar wird die Schloßsiraße zwischen Wilhelm- und Jriedrichstraße Asphalt und von da bis Berliner Straße Neihensteinpflaster erhalten. In Karlshorst sind die Auguste-Viktoria- und die Gundeb- fingerstraße zur Umpflasterung bestimmt. So notwendig die schleunigste Umpflasterung einer weiteren Anzahl von Straßen— z. B. der Prmzen-Allee— ist, muß man doch anerkennen, daß die Vorlage im Rahmen der Leistungsfähigkeit der Gemeinde das Mögliche bringt. �.. � Auf Grund einer weiteren Vorlage wurde die V e r p a ch- tung des Nieselgutes Münchehofe beschlossen. Aus der Begründung sei hervorgehoben, daß das Rieselgut bisher nur Verlu-st gebracht hat, der sich buchmäßig mit 6028,53 M. als recht geringfügig präsentiert, der jedoch unter notwendiger Berücksich- tigung aller in Betracht kommenden Umstände von sachverständiger Seite und unwidersprochen auf insgesamt mindestens 20 000 M. geschätzt wurde. Hinzu kommt, daß in allernächster Zeit ganz be- trächtliche Austvendungen für Umbauten usw. nötig sein würden, so daß wohl nie daran gedacht werden könne, auch nur die Zinsen herauszuwirtschastcn. Deshalb hat man sich zur Verpachtung ent- schloffen. Ein in der Bewirtschaftung von Rieselfeldern erfahrener Landwirt hat sich erboten, das Ricselgut Münchehofe zum Preise von jährlich 9000 M. bis 1912, 12 000 M. bis 1920 und 14 000 M. bis 1923 zu pachten. Bei dieser Sachlage fand die Vorlage ein- stimmig Annahme. Ein anderer Punkt verdient wegen seiner prinzipiellen Be- deutung hervorgehoben zu werden. Erbeten wurde die Einwilligung der Gemeindevertretung zur Uebernahme einer Neben» beschästigung durch einen Gemeindebeamten. Genosse O e h l e r t widersprach dem Ansinnen ganz entschieden, indem er auf die erst kürzlich erfolgte Gehaltserhöhung und das große Angebot freier Arbeitskräfte hinwies. Leider fanden unsere Genossen trotz der emphatischen Beteuerungen des Herrn Schäfer nicht das mindeste soziale Verständnis bei den bürgerlichen Ver- trctern. Im Laufe der Diskussion kenn es dann durch den völlig unberechtigten Vorwurf der Wortentstellung, der unserm Vertreter Pinseler gemacht wurde, zu einer heftigen Kontroverse, in die der Bürgermeister Ungewitter in durchaus ungehöriger Weise eingriff. Sichtlich verärgert'darüber, daß ihm durch das Auftreten unserer Genossen eine Gelegenheit zu entschwinden drohte, sich seinen Unterstellten gegenüber als den Großmütigen aufzuspielen, weigerte er sich, alle Regeln parlamentarischen Anstandes vergessend, unserm Vertreter das Wort zu einer persönlichen Bemerkung zu erteilen und erst nach heftigstem Protest, dem sich auch bürgerliche Ver- treter anschlössen, kam er wieder zu sich. Zur Beruhigung wurde ihm dann die erbetene Einlvilligung von seinen Getreuen gegeben, Schließlich sei noch ein Beschluß erwähnt, dem auch unsere Genossen ihre Zustimmung gern gegeben haben. Es sollen nämlich allen im Ort wohnenden Feldzugsteilnehmern, so weit sie ein Einkommen von weniger als 1200 M. haben, 25 M. als Ehrengabe aus Gemeindemitteln überreicht werden, weil nun ein- mal das Reich seine Pflicht so schmählich vergessen hat. Zu diesem Zwecke ist es notwendig, daß sich die Betreffenden bis zum 10. d. M. mit entsprechender Legitimation schriftlich beim Gemeindcvorstand oder mündlich im Militärbureau, Schloßstraße 24, Zimmer 3, wochentäglich zwischen 8 und 3 Uhr melden. Wcihensce. Aus der Gemeindevertretung. Dem Antrage des Pfcrdemarkt- Pächters, bei der Regierung wegen Vermehrung der Pferdemärkte vorstellig zu werden, wurde zugestimmt. Die Satzungen über das freie Umherlaufen der Hunde wurden dahin geändert, daß die Plätze nnd Anlagen, wo Hunde an der Leine zu führen sind, namentlich aufgeführt werden. Mit der Deutschen Kiosk-Gesellschaft wurde ein Vertrag abgeschlossen, wonach diese am Antonplatz und am Schloßplatz je einen Kiosk zum Verkauf von Zeitungen usw. aufstellen. Auch soll mit diesen zugleich eine automatische Fcrnsprcchstelle verbunden werden. Die Gemeinde erhält als Entichädigung pro Jahr nnd Kiosk 100 M. für die ersten fünf Jahre, 120 M. für die zweiten fünf Jahre. Zur Durchführnng von Straßen nach dem Säuglings- lrankenhaus mußte von zwei Besitzern je ein Streifen Land zum Preise von 272 und 270 M. die Ouadratrute angekauft werden. Zur Grundwertsteuer waren diese Grundstücke niit je 120 M. versteuert. Unsere Genossen nagelten dies fest, um auf diese Unbescheidenheit der Herren Grundbesitzer gelegemlich wieder aufmerksam zu niachcn. Bei der zweiten Straße liegen die Verhältnisse ähnlich, hier ver- langte der Eigentümer beim"Eintausch von Gemeindeland die Hälfte mehr als er abgetreten hatte. Potsdam. Gegen Fleischtencning und Kaiserrede protestierten mehr als 700 Personen im Viktoriagarten. Nach einem mit großem Beifall aufgenommenen Referat des Genossen Eichhorn wurden beide Berliner Resolutionen(gegen Fleischwucher und Absolutismus) einstimmig angenommen. Nach einigen Ausführungen de» Borsitzenden Genossen Staab legte die Versammlung Protest ein gegen die Verwendung städtischer Gelder zum Sedanrnmmel. Fühle man durchaus das Bedürfnis, patriotische Feste zu feiern, so solle man in die Tasche greifen und selbst die Kosten bezahlen, nicht aber Steucrgroschen dazu verwenden. Bor einigen Tagen berichteten wir, wie der Magistrat in die Koalitionsfreiheit seiner Arbeiter eingreift, indem er in die Arbeitsordnung einen Passus einschiebt, wonach eS den Feuerwehr- leuten streng verboten ist, ohne Einwilligung des Magistrats einem Verbände beizutreten. Jetzt kommt ein neuer Fall hinzu, der sich nicht nur auf die Feuerwehrleute sondern auch auf die Müllkutscher und Straßenreiniger erstreckt. Diese drei Kategorien müssen von jetzt ab pro Mann 10 Mark Kaution stellen. Die Kaution soll dazu dienen, daß der Magistrat beim Fehlen von Kleidungsstücken, die er den Leuten liefert, beim eventuellen Abgange derselben gedeckt ist. Den Feuerwehrleuten hatte man, als man ihrem Verbände das Leben nahm, einen Arbeiterausschuß als Pflaster auf die Wunde ge- geben. Dieser Ausschuß trat jetzt in Aktion nnd verlangte Rückgängig- machung dieser neuen Bestimmung. Doch das half nichts.' ES wurde eben kommandiert„unterschreiben" und in einer kleinen An- spräche betont, daß man beim Verweigern der Unterschrift mit Folgen zu rechnen habe.„Wer nicht pariert, der fliegt" ist der Grundsatz vieler Unternehmer und wie der Fall lehrt, auch des hiesigen Magistrats. Daß letzterer durch solche kleinlichen Be« stimmungen nur Unfrieden und Erbitterung unter die Reihen seiner Arbeiter sät, scheint ihn wenig zu kümmern. «>i»ter»ni,S»dersiet-rSburg 765 SO Scilll) 1 770 NNO tibemcn Parts 771 NW 766 NW 4 bedeckt 2 wolkig 2 heiter Zbedeckl Sbedeckt ** C* Ii 12 12 13 10 13 Wcttrrvrognoie für Dienstag, den 6. September 1910. Nachts sehr kühl, am Tage etwas wärmer bei meist schwachen östlichen Winden und veränderlicher Bewölkung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Reste «chwarz nnd farbig, Costumea-Stoffe. neueste Muster. Tricot Stoüe, Seiden- PIQflcb. Sammele, Seide etc. Con secüon Paletots. JaeUettfl, Regenmäntel, Costamce und Comurn- 'fleke in grosser Aaswahl. C.Pelz. Kottbuseratr. 3- Vor jährige Winter-Paietoti Herbst-Anzüge j jetet 20—10 Mark. Täglicher Verkauf. Kavalier-Klub, Unter den Linden 61«. „Warm zu«mpfchlon ist der Ge- brauch v. 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