Ur. 209. flbonnementS'Redlngungen: Monnemcnls. Prcis pränumerando: Lierteljährl. ALS Mk>, monatl. I.la Md. WölhcnWch W Psg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags. nunimcr mit illustrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt" 10 Psg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. «7. Jahr«. vlchelnt Isgiich Mir filontaat. Devllnev Volllsblatt. Zentralorgan der fozialdemokrati leben Partei Deutfchlandd. Die Tnlerflons-Gcbüfir beträgt für die scchsgespaltcne Kolon es» geile oder deren Raum 00 Psg., für polilische und gewcrlschaftlichc Vereins- Und VersammIungS-Anzeigen 20 Psg. „Uleine Snreigen", das erste tsclt- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas» stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüffeir bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gevssnet, Telegramm-Adresse: „SozialdtrnoKrat Rtrlin". Redaktion: SRI. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 7. September 1919. Der CnUvicHelungsgang des deutlchen Liberalismus. In dcn Auseinandersctzungcn, die durch die Budget belvilligiiug der sozialdciuokratischcn Landtagsfraktion in Baden entfesselt wurden, spielen die Beziehungen der Sozial demokratie zu den liberalen Parteien eine Hauptrolle. Der leitende Gedanke jener gegen die Parteibeschlüsse frondicrcndcn badischen Genossen ist der, daß wir unser Verhältnis zu den liberalen Parteien einer Revision unterziehen müssen, um zu einem direkten Bündnis mit ihnen— Großblock ist der Name dafür— zu gelangen. Nur auf diese Weise lasse sich für die Sozialdemokratie in Deutschland etwas erreichen, das sei die wahrhaft positive und praktische Politik. Zur Unterstützung dieser revisionistischen Argumente wird geltend gemacht,-baß die liberalen Parteien selbst zu einer kräftigeren Betätigung ihrer liberalen Grundsätze zurückgekehrt sind. Zur Wertung der Großblockforderung ist es ratsam, das Wesen der liberalen Parteien einer Prüfung zu unterziehen. In der liberalen Presse wird geflissentlich die landläufige Vor- stellung kultiviert, als ob die liberalen Parteien ihren Ur» sprung einer allgemeinen Freiheitsideologie verdanken. Daß sie diesen Idealen keineswegs treu geblieben sind, wird als eine Verirrung betrachtet, die durch Selbstbesinnung jederzeit repariert werden kann. Dabei wird die Wirkung mit der Ur- fache verwechselt. Es wurde bei anderen Gelegenheiten bereits darauf hingewiesen, daß wirtschaftliche Ursachen und soziale Konflikte die liberale Partei in Deutschland wieinanderen Ländern als die Klassenpartei des Bürgertums zur Durchkämpfung kapitalistischer gegenüber feudalen Staats- und Gesellschafts- einrichtungen ins Leben riefen. Da es sich dabei zunächst um die Sprengung überlebter und verknöcherter Formen, um die Entfcsselimg individueller Kräfte zur ungehemmten wirtschaftlichen Betätigung handelte, mußten in der Ideologie dieser Bewegung freiheitliche Forderungen in den Vorder- gruud treten. Da ferner zu der Zeit, als sich in Deutschland die 5ilassenpartci des Bürgertums bildete, also in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts, ein Jndustrieproletariat erst in der Entstehung begriffen war und es in seinen Anfängen obendrein noch vielfach gemeinsame Interessen mit deni kapitalistischen Bürgertum wie mit dem Kleinbürgertum gegenüber den feudalen Klassen und der Bureaukratie zu verfechten hatte, konnte die entstehende liberale Partei sich der Illusion hingeben, daß sie die Interessen des„Volkes", das heißt der großen Masse der erwerbstätigen Bevölkerung gegenüber den fcudal-büreaukra- tischen Herrschaftsorganisatiouen vertrete. In der Ausdrucks- weise, die sich aus dieser Auffassung ergab, bewegen sich auch jetzt noch mit Vorliebe die Wortführer der liberalen bürger- lichen Parteien in den Parlamenten und der Presse. Auch der Schein einer Berechtigung dafür ist jedoch längst geschwunden. Die Kämpfe des Jahres 1848 waren zunächst noch gemeinsam geführt worden vom Bürgertum und Pro- letariat. Sie führten aber bald zur Differenzierung der sozialen Klassenforderungen und zur EntWickelung einer selbst- ständigen proletarischen Bewegung. Gemeinsam blieben dcn Klasscnparteien des Bürgertums und des Proletariats jedoch noch das Streben nach Befreiung des Individuums vom junkerlichen und bureaukratischen Druck und der kümmerlichen Kleinstaaterei. Doch schon an die Demokratisierung des Staatswesens traute sich das Bürgertum in den fünfziger und sechziger Jahren nicht mehr rüekhaltlos heran. Immerhin war das liberale Bürgertum bis in die Mitte der sechziger Jahre in Deutschland durchweg oppositionell gc- stimmt. In der Konfliktszeit suchte der preußische Libcra- lismus sogar ernstlich dem Militarismus Abbruch zu tun, ob- gleich er vor allen revolutionären oder auch nur revolutionär scheinenden Schritten zurückschreckte und so mit leichter Mühe von der reaktionären preußischen Regierung beiseite geschoben wurde. Dann kam der Umschwung in der Haltung des liberalen Bürgertums infolge der Siege auf den böhmischen Schlacht- fcldern. Bismarck war klug genug, die wichtigsten Klassen- forderungcn des kapitalistischen Bürgertums sich zu eigen zu machen: die wirtschaftliche Einigung Deutschlands zunächst, aber auch die politische, soweit sie verträglich ist mit der Selbstherrlichkeit der Bureaukratie in den Einzelstaaten. Ge- sichert wurde auch die Bewegungsfreiheit der Unternehmer sowohl Ivie der Arbeiter, beiden notwendig für die Förderung der kapi- talistischen EntWickelung. Ja, sogar das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht, die Errungenschaft des Jahres 1848, mußte, um die breiten Volksmassen, die Arbeiter und Klein- bürger, für die neuen staatsrechtlichen Verhältnisse zu gewinnen, wieder ins Leben gerufen werden, zunächst für den Nord- deutschen Bund, später für das Deutsche Reich. Bei diesem ersten Anlauf zur Demokratisierung Deutschlands ist es aber auch geblieben. Wohl in verschiedenen Kleinstaaten, nicht aber in Preußen ist man darüber hinausgekommen. Dcn vollen bureaukratischen Charakter hat aber auch in den„Klein- stauten" die Staatsverwaltung bewahrt. Hätte das liberale Bürgertmn in jener kritischen Periode Haare auf den Zähnen gehabt und wirklich Ernst gemacht mit seinen ideologischen Forderungen, so hätte weit mehr errungen werden können für die freiheitliche Ausgestaltung des staatlichen Lebens in Deutschland. Aber gerade darin, daß die neugegründete und im Reichstag ausschlaggebende nationalliberale Partei sich im wesentlichen mit der Durchsetzung der wirtschaftspolitischen Forderungen des Bürgertums begnügte, prägte sich der bürgerliche Klassencharakter dieser Partei sinnfällig aus. Man kann dcn politischen Prozeß, der sich damals in Deutschland vollzog, als ein Kompromiß zwischen dem kapi- talistischen Bürgertum und der junkerlich- bureaukratischen Herrschaftsorganisation bezeichnen. Dem Bürgertum wurden seine wirtschaftlichen Forderungen zur Durchsetzung der kapitalistischen Entlvickelung vollauf bewilligt; dagegen verzichtete es auf den Versuch, deni parlamentarischen Regierungssystem und der bürgerlichen Selbstverwaltung zum Durchbruch zu verhelfen. Der junkerlich-bureaukratische Herr- schaftsorganismus blieb unangetastet. Er wurde in seinem Bestände und in seiner Wirksamkeit vielmehr noch unterstützt und gekräftigt durch das militärfromm gewordene Bürgertum, dem die Angst vor der Sozialdemokratie bereits in die Glieder gefahren war und das deshalb in einem starken Heer und einer rücksichtslosen Bureaukratie einen Schutzwall gegen den Sozialismus erblickte. Es braucht hier nicht erneut dargestellt zu werden, wie Schritt für Schritt die Politik dieser antisozialistischen, prokapitalistischen Herrschafts- und Ausbeutungskoalition immer freiheitsfeindlicher wurde, und wie gleichzeitig das Sozialisten- gcsctz und die Schutzzollpolitik die große Masse des liberalen Bürgertums auch mit den Interessenten des Agrarkapitals, dcn Konservativen, zu einer Interessengemeinschaft verflocht. Auch der letzte Rest des liberalen Bürgertums, der sich anfangs noch der Regierungskoalition wegen der illiberalen und schutzzöllncrischen Politik oppositionell gegenübergestellt hatte, machte in der Aera Vülow seinen Frieden mit dein Militarismus und der juukcrlich-bureaukratischen Herrschafts- Organisation. Den Anstoß dazu gab der im Bürgertum ent- fachte imperialistische Drang, fremde Länder und Völker mit staatlichen Gewaltmitteln durch eine sogenannte Kolonialpolitik auszubeuten. Bei dieser Gelegenheit wurde vorübergehend die an sich konservativ gerichtete Zentrumspartei in eine Oppo- sitionsstellung gegen die neue konservativ-liberale Repicrungs- koalition gedrängt. Denn das Charakteristischste für den „entschiedenen" Liberalismus bei diesen Vorgängen war, daß er an BelvilligungSfreudigkcit für inipcrial'istische Zwecke sowohl wie an Preisgebung parlamentarischer Rechte die Zentrumspartei noch übertrumpfte, um sich durch die Gunst der maßgebenden Junkerpartei und der anstierenden Bureau- kratie wieder auf die Strümpfe bringen zu lassen. Mit diesen Vorgängen der Bülow-Aera war der Umbildungsprozcß des deutschen bürgerlichen Libcralis- mus aus einer Partei der staatsrechtlichen Opposition gegen das burcaukratisch- junkerlich- militaristische Regie- rungssystem zu einer Schutztruppe dieses Systems zum Abschluß gekomnien. Die Schwenkung, die 1866 das Gros des liberalen Bürgertums als nationalliberale Partei vollzog, ist vierzig Jahre später nachgeahmt worden von den- jenigen liberalen Gruppen, deren wirtschaftliche Grundlage zum Teil in den noch nicht ins reaktionäre Lager abgeschwenkten Resten des Kleinbürgertums, zum Teil in den Interessenten des Handelskapitals zu suchen ist. Ein prinzipieller Unter» schied zwischen den Nationallibcralcn und der neugeformten Fortschrittlichen Volkspartei besteht heute nicht mehr. Nur taktische Fragen bilden noch eine wesentliche Trennungslinie zwischen dcn beiden Parteien des deutschen Liberalismus. Hauptsächlich die Stellungnahme zu den Zollfragen hält sie noch auseinander. Die Nationalliberalen als Vertreter des Industriekapitals, zum Teil auch sich stützend auf klein- und mittelbäuerliche Elemente, sind Anhänger, wie sie Mitbegründer des Schutzzollsystems waren. Die Fort- schrittliche Volkspartei ist freihändlerisch gerichtet, obgleich auch in ihren Reihen schon Elemente wirksam sind, die schütz- zöllncrische Ansichten vertreten, oder doch auf die Anerkennung des Status quo hinarbeiten. Staatsrechtlich oppositionell ist, wenn man von dcn nationalen und partikularistischen Sondergruppen absieht, in Deutschland heute keine einzige bürgerliche Partei. Nur die Sozialdemokratie vertritt in engeni Zusammenhange mit ihren sozialistischen Forderungen unbedingt die angeblich gleichfalls der liberalen Ideologie angehörigen Forderungen der Demo- kratisierung unseres Staatswesens in Reich, Staat, Provinz und Gemeinde. Gibt es nun trotzdem in der gegenwärtigen Situation Möglichkeiten des Zusamniengehcns der Sozialdemokratie mit den Parteien des bürgerlichen Liberalismus? Wirken Wirt- schaftliche und politische Ursachen auf ein solches Zusammen- gehen hin? Dies soll in einem folgenden Artikel beantwortet werden. Li« christliche! föerichtiguDgsmanöver. Zu der wunderbaren Berichtigung der„Zentralstelle des Eewerkvereins christlicher Bergleute", die wir in der Nr. 206 veröffentlichten, wird uns aus dem Nuhrrevicr geschrieben: Also eS soll unwahr sein, daß der Gewerkverein Wahlhilfe bei den natürlichen Gegnern der Bergarbeiter, dcn Gruben- b e s i tz e r n nachgesucht und gefunden und daß der Gewcrkverein mit dcn Zechen ein widerliches und unehrliches Kompromiß ab- geschlossen hat. Was im Ruhrbecken jedermann weiß, wird ein- fach abgestritten, Expedition: SRI. 68» lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Wir wollen die Stelle aus dein„Vorwärts", die für den obigen Abstreitungsversuch Vogelsangs bezw. des Gewerkvereins in Frage kommt, hier nochmals abdrucken. Wir stellten zunächst fest, wie nach vorausgegangenen Wahlniederlagen beim Gcwcrl- verein angeregt wurde, doch mit dcn konfessionellen Ar« beitervereinen näher in Verbindung zu treten, um mit Hilfe dieser Vereine die Niederlagen des Gewerkvercins später zu vcr- hindern. Dann schrieben wir: „Wer nun aber mit dcn konfessionellen Vereinen arbeiten will, der kann die hinter diesen Vereinen stehenden Parteien nicht umgehen. Für die katholischen Arbeitervereine steht das Zentrum und hinter dcn evangelischen die national- liberale Partei, die im Nuhrbcckcn bekanntlich von den Geldern der reichen rhcinisch-westsälischen Gruben- und Hütten- baronc ausschalte» wird; ebenso werden die politische» Wahlen im Nuhrbeckcn von der Grossindustriccllcn bezahlt! Wer also die Hilfe der evangelischen Arbeitervereine sucht, der trifft unbedingt auf dem Wege dahin die Zechen und das Rudel angestellter national- liberaler Parteisekretäre! Da» weiß auch der Gc- werkvercin, aber die Angst bor der Niederlage dämpfte den alten Haß gegen die Nationalliberalcn. Nicht lange dauerte es, und der Gewcrkverein hatte Fühlung mit ihnen gesucht und gefunden. Das Kompromiß kam gegen den Verband zustande." Auf diese, wie auf die weiteren von uns im„Vorwärts" ge- machten Feststellungen, so u. a., daß das Kompromiß aller Nicht- verbändler und Nichtsozialdemokraten nicht nur für die kommen- den Aeltestcnwahlen, sondern auch für die n ä ch st e n Reichs- t a g s w a h l c n bleiben soll, geht Herr Vogelsang mit keinem Worte ein. Ebensowenig darauf, daß das Organ des Gcwcrk- Vereins, der„Bergknappe", offen dieses Kompromiß gutheißt und vertritt. Herr Vogelsang st reitet also ab, was die gesamte bürgerliche Presse im Ruhrbccken und selb st das Gewerkvereinsorgan offen zugibt und verficht. Die christlichen Herrschaften zeigen mit ihrer Berichtigung wirklich eine sehr dreiste Stirn! Das Organ der evangelischen Arbeitervereine, der«Evange» tische Arbeit erböte", wußte am 18. August zu schreiben: „daß, nachdem seitens des christlichen Gewerkvercins die An-, rcsung zum gemeinsamen Vorgehen gegeben war, die Verbands-' leitung(der evangelischen Arbeitervereine. Die Red.) es für an- gezeigt gehalten hat— ehe die Angelegenheit dem Ausschuß unterbreitet wurde— bei dem Hirsch-Dunckerschcn Gewerkverein anzufragen, ob er sich an einem solchen Zusammengehen mit anderen nationalen Arbeitervereinigungen beteiligen wolle. Der Hirsch-Dunckcrsche Gewcrkverein hat aber ablehnend gcant- wortet. Eine Zuschrift ist allen Vercinsvorständen zugegangen." Diese Sätze erzählen uns, daß seitens des Gewerkvercins selbst die Anregung zum gemeinsamen Vorgehen gegeben wurde. Sie stützen also unsere Behauptung, daß der Gewerkverein um das Kompromiß nachgesucht hat und ans Entgegenkommen stieß. Denn jetzt beriefen nationalliberale, von den Zechen- und Hüttenherren bezahlte Parteisckre- täre evangelische Arbeitervereinsversamm- lungen wie auch Versammlungen der national- liberalen Kriegervereine ein, in denen dann die Vorschläge für ein Kompromiß beraten und gut- geheißen wurden. Die nationalliberalen Parteisekretäre, dieselben, die jederzeit die Zechen gegen die Berg- ar beiter stützen, wurden christlicherseits in die Gcwerkvcr- cinsvcrsammlungen geladen und hielten hier Referate für die Sammlung. Umgekehrt gingen Gewerkvcreinsführcr in die kon- fcssionellcn Gcwerkvercine bezw. nationalliberalcn Parteivcrcine hinein und munterten daselbst die Vereinsmitglicder für das Kompromiß auf! In der„Bcrgarbeiterzeitung" vom 3. Scp- kenibcr sind allein 18 Fälle aus dem gegenseitigen Kuhhandel an- geführt und jeder einzelne Fall unter Angabe von Datum, Zeit und Ort wie unter Namensnennung der beteiligten Personen ge- schildert. Da lesen wir, wie der zweite Vorsitzende dcS Gewerkvercins, Herr K ü h m e, sich um ein Zusammengehen mit einer Zeche be- müht hat, ferner, wie selbst die Z e ch e n b e a m t e n für das Kom- promiß sich bemühen. Auf der Zeche Rheinpreußen er- hielten Grubcnbeamte Stimmzettel für die Gcwerkvcreinskandi- daten bei der Bcrggcwerbcgcrichtswahl; sie agitierten auch bei den Sichcrheitsmännerwahlen gegen den Verband, für den G c- werkverein. Bei dcn crstercn Wahlen hat sich in hervorragen- der Weise der B e t r i e b S f ü h r e r Christian für den Gewcrkverein ins Zeug gelegt! Am 31. Juli 1910 forderte in einer Versammlung des evangelischen Arbeitervereins in Kray der frühere Vorsitzende dieses Vereins, Tagesaufseher Wandle von Zeche Bonifazius, auf, gemeinsam für die Gcwerkver- einskandidatcn einzutreten. Dann fand vor einiger Zeit in Werden-Land eine Versammlung des evangelischen Arbeitervereins statt, worin der Vorsitzende» ein Lehrer, meinte: wenn die Knappschaftsältestenwahlen so wichtig seien, dann wäre es wohl angebracht, das; die Zechenverwaltung für die Kandidaten dcS Gewerkvercins im stillen agitierte! Hierauf meldete sich Fahrsteiger Zimmermann von Zeche Portingssiepen und erklärte, daß er das schon besorgen wolle!! In einer Versammlung in Röhlinghausen trat der Vorsitzende des nationalliberalen Vereins, ein gewisser W u n k, für daS Kompromiß mit dem Gewcrkverein ein. Hinter Wunk stand und steht der Grubendirektor Bonacker von der Zeche Königsgrube. Das Kompromiß, für das die Beamten der Zeche und der Direktor eintraten, hat schon bei den Sichcrhcits- männerwahlen gespielt. In einer am 17. Juli in Altenessen tagenden Versammlung des evangelischen Arbeitervereins forderte ein christlicher Zahrstellenvorjitzender die Versammelten auf, für das KMProknZ ctttgüTreTen". Als die VcrsalttMelten Nicht mit- machen wollten, stand der Zcchcnbetriebsführer AUddel- mann auf und sagte: Kameraden!(Der BctriebSführer ist auch Mitglied des evangelischen Knappenvcreins.) Ich kann dem Kameraden Pleincs nur recht geben. Wenn Ihr jetzt bei den Aeltesteuwahlen nicht mit dem christlichen Gewcrkvcrcin zusammengeht, dann werdet Ihr die Noten nie wieder wegkriegen.(Zurufe: Warum denn auch! Diese sind uns gut genug!) Ich möchte Euch nun bitten, daß Ihr Euch baldigst dem Gcwcrkvcrein anschließt, denn dieser will bei der Kandidatur nur Mitglieder berücksichtigen." In einer gemeinsamen Versammlung der Kompromißler am 24. August in Gerthe sprach der nationalliberalc Reichstagskandidat für den Wahlkreis Borken-Reckling- Hausen, Steiger Ziebach, und der Sekretär der nationalliberalcn Zechcnpartei K ä m p e r warm für das Zusammengehen mit dem Gewerkverein. Kämper zitierte folgende Ausführungen des „Bergknappen" vom 20. August 1310: „Soviel ist aber Tatsache, wen» bei den kommenden Reichs- tagswahlen die Anhänger der bürgerlichen Parteien zusammen- halten, dann ist ihnen ein glänzender Sieg sicher... Wir würden es für sehr wünschenswert halten, wenn dieser Mann lHue) aus dem NeichStag verschwindet und zwar im Wohlverl-' standenen Interesse der Bergarbeiter... Und wenn dieses Zusammenwirken im Knappschaftswahlkampf zur Folge hat, das- bei der nächsten Reichstagswahl die bürgerlichen Parteien sich näher tominen gegen die Sozialdemokratie, dann sagen wir dazu: Glück auf!" Dazu bemerkte Kämper: „Es sind schon Bestrebungen»ach der hier angegebenen Rich- tung im Gange und hoffentlich gelingt es bei der nächsten Reichs- tagSwahl 1011, den Sozialdemokraten Hue zu beseitigen." In Bochum-Wiemelhausen ist der O b e r st e i g e r Unter- bcrg in das vorbereitende Wahlkomitee für die Knappschaftsältestenwahlcn gewählt worden!! So reiht sich ein Fall an den anderen. Ueberall haben höhere und niedere Zechcnbeamte bei dem Bündnis für die kommenden Acltestenwahlen ihre Hand im Spiel. Die christliche Zentrallcitung des Gewerkvcreins aber beauftragt Herrn Vogelsang, eine„Be- richtigung" an den„Vorwärts" zu schreiben! Höher hinauf geht es nicht. Es ist unwahr, es ist unwahr! So schreibt Herr Vogelsang. Was aber wahr ist, haben wir oben gezeigt. Nach Belieben können unsere Feststellungen fortgesetzt werden. So wie der Gewerkvcrein christlicher Bergarbeiter handelt, handelt keine Arbeiterorganisation, die es ehrlich mit den Berg- arbeitern meint, so kann nur eine Schutztruppe desUnter- n c h m c r t u m s handeln. Wir haben ja schon im„Vorwärts" mitgeteilt, wie die„Kölnische VolkSzeitung" flehentlich bei den Zechen Abbitte leistete, weil der christliche Gcwerkverein früher „Fehler" gemacht oder eine falsche Taktik eingeschlagen habe, als er mit dem Verbände in gewissen Fragen zusammenging! Das soll nicht wieder vorkommen! Und Herr Effert, der General- sckretär des Gcwerkvercins, kam her, als ihm der„Vorwärts" kürz- lich die Leviten las, und predigte offen den Streikbruch! So etwas wird doch bei den Zechen verstanden. Mit Recht haben wir geschrieben, daß der Gewerkverein auf dem besten Wege ist, eine gelbe Gewerkschaft zu werden— es ist schon jetzt soweit gekommen. Zum Schluß heißt es in der Berichtigung, daß die Zechen und der Gewerkverein nicht gemeinschaftlich die Kandidaten für die kommenden Wahlen sortiert haben, daß der Gewerkverein nicht mit seinen Kandidaten zurücktrete, wenn es die Zechen wünschten. Dagegen höre man die Tatsachen. Auf Rheinpreußen wurden auf der Gewerkvcreinsliste nicht nur Unorganisierte bei den Sicherheitsmänncrwahlen ausgenommen, nein, auch ein Fahr,- Hauer(eine Art Hilfssteiger) und ein Schachtaufseherl In einer Mitgliederversammlung des Gewerkvereins am 21. August in C a r n c p war auch der Obersteiger P a p st erschienen. Dieser plädierte hier für Aufstellung eines unorgani- sierten Bergarbeiters. Er sagte:„Warum soll der Kandi- bat organisiert sein. Wir können auch sehr gut einen Unorgani sierten aufstellen. Unter den Un- organisierten gibt es auch Leute, die das Amt eines Aeltesten sehr gut führen könne n." Die Betriebsleitung der Zeche Graf Schwerin hat auch Kandidaten zur Knappschaftswahl aufgestellt, dem Aufgestellten es aber zur Bedingung gemacht, sich in den Zechen gewerk- verein, genannt Gcwerkverein„ch r i st l i ch c r" Berg- arbciter, aufnehmen zu lassen. Der Kandidat Schüpp- Haus hat sich daher im vorigen Monat in dem Zechcngewcrkvcrein als Mitglied angemeldet. Zum Schluß noch einen Fall, der im Ruhrbeckcn großes Auf- Hebens machte. Am 21. August nahm in einer Belcgschaftsver- sammlung der Zeche Zentrum ein christliches Gewerkvcreins- Mitglied(Faust) das Wort und erklärte: „Ich kau» beweisen, das, der christliche Gcwcrkvcrein nicht mit den evangelischen Arbeitervereinen, sondern direkt mit den Zechen Kompromisse abschließt. Ich war 14 Jahre lang Mitglied des Gewerkvcreins und für die Aeltestcnwahl als Kandidat für meine» Sprengel aufgestellt. Bor einigen Tagen kam der Bor» sitzende unserer Zahlstelle und erklärte:„Du inußt von der Kandidatur zurücktreten. Wir haben ein Kompromiß mit der Zeche abgeschlossen. In diesem Sprengel stellt die Zeche Kandi- datc» auf, für die auch die Beamten eintreten." Darauf er-t klärte ich:„Ja, wenn eS so ist, trete ich zurück, denn mit einem Zechengewcrkvcrcin will ich nichts mehr zu tun haben!!!" Der GewerkvereinSlcitung und der Zentrumsprcsse kam dieser Vorfall sehr ungelegen. Die erstcre veröffentlichte eine„Berichti- gung", die denselben inneren Wert hatte als die obige von Vogel- sang verfaßte. Es gab eben nichts zu berichtigen. Wir haben die Angelegenheit Faust genau nachgeprüft und gefunden, daß Faust Wort für Wort die Wahrheit gesagt hat! So, nun mag jeder prüfen, ob wir zu viel gesagt haben, als wir das Kompromiß und seine Begleiterscheinungen festnagelten. Wir sind bereit, eine ganze Anzahl ähnlicher Vorkommnisse noch anzu- führen, wenn die oben angeführten Fälle nicht genügen sollten. Im übrigen werden ja die Bergarbeiter im Ruhrbecken dem Ge- werkverein für sein verräterisches Spiel die Antwort am 17. Sep- t e m b e r noch einmal erteilen. Was diese Organisation jetzt auch noch beginnt— und sie greift zu den verlogensten und verzweifelt- sten Mitteln—, die Aeltestenwahlen werden ihr eine Niederlage bringen, von der der Gewcrkverein sich nicht mehr erholen wird. Dafür bürgt die g r o ß e B e g e i st e r u n g, mit der die hinter dem Verbände stehenden Bergarbeiter den Wahlkampf führen. Sie ysilllsbhsclier-MSre wirb immer mystischer und— Breslauischer. Aus Zorn über die Schlußfolgerungen, die Genosse Albert aus der Tatsache zog, daß man dem Polizeivizechef gewaltsam den Mund verschloß, hat man ihn jetzt mit einem neuen Strafverfahren beglückt I Jetzt steht die Sache also so: Der Polizist hackt einem Wehrlosen hinterrücks die Hand ab, die Verteidigung ersucht die Staats- anwaltschaft, sämtliche beteiligte Schutzleute— es konnten im höchsten Falle 0—10 in Frage kommen!— eidlich zu vernehmen.— Die Staatsanwaltschaft lehnt das aber a b I Dafür spricht der Polizeipräsident Dr. Bienko im Polizeiblatt in Fettdruck sämtlichen au der Straßenschlacht vom 19. April 1906 tätig gewesenen Polizisten seinen Dank für ihr tapferes Ver- halten usw. öffentlich ans, und ein gegen die Schutzleute ein- geleitetes„Aerfahren" wird alsbald wieder eingestellt. Im Laufe der Jahre wird's stiller und stiller. Im April 1909 nimmt Genosse Albert in der Stadtverordnetenversammlung Veranlassung, bei der Beratung des Polizeietats dem Handabhacker und seinem Beschützer ein kräftiges Wörtlein zu sagen; beide werden aber von einem nationalliberalen Professor pathetisch in Schutz genommen. Im Herrenhause erklären Graf Hütte n-Czapski und Oberbürgermeister Dr. Bender- Breslau, daß es doch auffallend sei, daß der Handabhacker immer noch nicht gefunden ist, und der Oberbürgermeister fügt hinzu, daß e r, wenn e r Polizeichef wäre, den Halunken l ä n g st g e- f u n d e n haben würde— ein famoseS Kompliment für die i ö n i g- l i ch e, gegen Straßendemonstranten so tapfere und findige Polizei! Jetzt zweifelt in anderem Zusammenhange, weil ein bei der Straßen- demonstration vom Polizeisäbel Zerhauener sein Recht nicht bc- kommt, die„Volkswacht" die O b j e k t i v i t ä t der Staatsanwalt- schaft an. Folge: eine Anklage wegen— Beleidigung dieser objek- tiven Behörde, der»objektivsten der Welt", gegen Ge- nossen Albert. A. tritt Beweise an. Er selbst ist 190g in einem geheimen Schreiben des Bienko an die Staatsanwalt- schaft beschimpft und beleidigt worden. Als er aber den Polizeichef verklagen will, verweist ihn die Staats- anwaltschaft auf den Weg der Privatklage! Das tat die- selbe Staatsanwaltschaft, die, als ein gelber Ardcitcrverrntcr(ein alter Zuchthäusler!) sich durch ein Flugblatt beleidigt fühlte, im öffentlichen Interesse gegen den Verfasser des Flugblatts Anklage erhob! I Und diese Anklage auch dann nicht zurückzog, als durch den.Vorwärts' und die„Volkswacht" der Staatsanwaltschaft bekannt wurde, daß dieser saubere Gelbe wegen Kuppelei, Betruges, Körperverletzung, SittlichkcitSverbrechen usw. usw. xmal bestraft ist! Das nennt die Staatsanwaltschaft Objektivität I Und schließlich führt Albert als weiteren Beweis zu diesem Thema an, daß die Staatsanwaltschaft nicht energisch genug gegen die Polizei vorgehe, um den Handabhacker zu ermitteln, der von ihr geschützt werde. Und er beruft sich auf den, der 1900 die Handabhacker-Affäre zu bearbeiten hatte. Dem aber wird am 26. August 1910 vom Regierungspräsidenten der Mnnd gewaltsam verschlossen, worauf Albert am 27. August im Gerichtssaale erklärte, daß er daraus die nötigen Schlußfolgerungen ziehe. Die Richter aber erklären, das gehöre»nicht zur Sache". „Volkswacht" und 100 andere Blätter berichten über den in ganz Deutschland einzig dastehenden Fall und— eine neue Anklage gegen Albert, der die peinliche Affäre in so unangenehmer Weise wieder aufgerollt, ist die Folge! Am 2. September, als derselbe Albert wegen der Waldcnburger Polizeitaten sechs Monate Gefängnis bekam, hielt es der Vorsitzende der Strafkammer, L.-G.-R. Flenk, für angebracht, bei der Belehrung der Zeugen in Uniform die gar nicht zur Sache gehörige Hand- abhackeraffäre mit folgenden Worten zu erwähnen, die zugleich die Unbefangenheit dieses Richters blitzartig beleuchtet: »Also Sie(die Gendarmen und Polizisten von Waldenburg) müssen die Wahrheit sagen. Sie haben damals bei der Slraßen- demonstration nur Ihre Psticht getan(!), und selbst wenn Sie mal über die Stränge geschlagen haben sollten, können Sie das ruhig sagen: Es wird Ihnen deshalb nichts geschehen! Es wäre auch dem Handabhacker wohl nichts geschehen, wenn er sich gleich gemeldet hätte, er wäre vielleicht gar nicht angeklagt, und, wenn schon angeklagt, sicher freigesprochen worden, eben weil er bei der Tat sich in Ausübung seines Dienstes befand."(!!!) Wir hätten dann das ganze Geschrei über den„Handabhacker" nicht gehabt! DnS gab dem Regierungspräsidenten eine famose Idee ein: Jetzt wird also der sozialdemokratische Redakteur an- geklagt, und da darf dann der Polizeichef aussagen. Er hob noch am selben Tage das Verbot der Aussage für den Rc- gierinigSrat Frost auf. Freilich mit der Beschränkung, d a ß e r nach dem Namen des Handavhackcrs auch im neuen Termine nicht gefragt werden darf!! Inzwischen aber glaubt der Genosse Albert den Namen des HandabhackerS endlich ermittelt zu haben und hofft, ihn zum neuen Termin am 24. September dem Gericht, der Staatsanwaltschaft und dem Polizeipräsidenten lebendig präsentieren zu können. polUifche üeberfkbt. Berlin, den 6. September 1910. Der Frankfurter Polizeistreich und die Frankfurter Bnrgerschandc. Zum Verbot des Gebrauchs der französischen und der englischen Sprache auf der internationalen Kundgebung, die die Frankfurter Genossen veranstalten, ist jetzt eine gleich- wertige Tat der Frankfurter Freisinnsdemokratie gekoinmen. Die Frankfurter Festhallengesellschaft, in deren Anfsichtsrat die Spitzen der Frankfurter Freisinnsdemokratie sitzen, hat unseren Genossen für die Hergabe der Festhalle zu der Ver- sammlung derartige Bedingungen gestellt, daß unsere Genossen schließlich auf die Benutzung der Halle verzichtet haben und die Veranstaltung in einem anderen Lokal abhalten werden. Die„Frankfurter Volksstimme" schreibt zu diesem Skandal: „Noch schmählicher aber erscheint das Verhalten der Frank- furter Feslhallengesellschaft und ihrer Organe. Seit Monaten sind sie einer Stellungnahme zur Ueberlassung des Riesenraumes an eine politische Veranstaltung der Mehrzahl Frankfurter Steuerzahler aus« gewichen. Sie waren einfach lange nicht zu treffen. Schließlich konnten sie uns nicht mehr ausweichen. Nach einer ernsten Ve- sprechung beim Frankfurter Oberbürgermeister schien grundsätzliche Geneigtheit zur Hergabe der Halle zu bestehen. Dann aber kamen. eine immer dreister und blamabler als die andere, die»besonderen Bedingungen" heraus. Es sollten keine„revolutio- nären Abzeichen" in der Halle angebracht werden. Es sollten seitens der Redner und Diskussionsteilnehmer keine Aeußernngen gegen den Kaiser, die Bundesfür st en und sogar— die Mitglieder des königlichen Hauses und der übrigen deutschen Fürstenhäuser, endlich auch gegen den— Zaren als„Gast Deutschlands" gemacht werden! Schließlich wurde auch noch„die monarchische Organisation des Deutschen Reiches und seiner Bundesstaaten" als Tabu erklärt; es dürfe in der Fe st halle kein Wort gegen sie gesagt lv erden. Und damit sich die Gnirlande der„Bedingungen" würdig schließe, wollte die Festhallengesellschaft förmlich an die Stelle der Frankfurter Polizei treten und nnS dazu verpflichten, für den ruhigen Abzug der Besucher durch unsere Ordner zu sorgen und keinesfalls einen geschlossenen Abzug oder„Zusammenrottungen" zu dulden! lieber die vollendete vedicntenhaftlgkcit und die gänzliche politische Verwahrlosung der maßgebenden Frankfurter Bourgeoisie- kreise, die aus ihrem Angstprodutt spricht, ist wahrhaftig kein Wort zu verliere». Wie der Sprachenparagraph des ReichövercinSgesetzeS ein würdiges Kind der liberal-konservativen Paarung, so sind die Be- dingungen der Festhallengesellschast eine kompromittierende Folge der volksfeindlichen Herrschaft, die Frankfurier FreistnnSdemokratie km trauten Bunde mir ihrem reaktionären Oberbürgermeister auf dem Frankfurter Rathause angerichtet haben. Dort sitzen nämlich die glorreichen Väter der„Bedingungen": sie beherrschen den Aufsichts« rat der mit städtischer Subvention gebauten Festhalle, ans dem man jeden Vertreter der'Massen sorgfällig ferngehalten hat." Das Verbot des Gebrauchs der fremden Sprache geißelt unser Frairtfurter Bruderblatt also: „Wie ein Peitschenschlag muß dieser Polizeibeschcid auf jeden Kulturmenschen wirken. Männer von solchen geistigen Qualitäten, Politiker von geschichtlicher Bedeutung wie Jaures, Vcmdervelde und Keir Hardie es sind, sollen sich auf deutschem Boden nicht in ihrer Muttersprache ausdrücken dürfen! Was das dem Za?en nahe- stehende Dänemark ruhig in hundertfacher Auslage gewährte, das kann der geadelte Sprößling der millionenschweren chemischen Jndustriellenfamilie, der an der Spitze des Wiesbadener Regie- rungspräsidiums steht,„nicht zulassen". Er spricht von„eingehender Prüfung und Erwägung aller in Betracht kommenden Verhält- nisse", verrät aber nicht, weshalb sich aus dieser ungewohnten amt- lichcn Mühewaltung für ihn die Notwendigkeit ergab, das elegante Französisch, das Jaures und Vanderveldc sprechen, und das ehr- liche Englisch, das Freund Keir Hardie handhabt, für staatsgefähr- lich und bedenklich jzu erklären. Ausgeschlossen ist, daß er seine Polizeibeamten für so ungebildet und dumm bezeichnen will, daß sie den fremdsprachigen Rednern nicht folgen könnten. Natürlich kann sich selbst die preußische Polizei noch so viel beamtete Sprach- kenntnis kaufen, daß sie jedem Worte der fremden Redner zu folgen vermag. Was bleibt dann aber als polizeilicher Beweggrund übrig? Nichts als das biittclhafte Bestreben, unserer Veranstaltung und der Mitwirkung hervorragender ausländischer Sozialisten Schwierigkeiten zu bereiten. Beim Kampf um den Sprachenpara- graphen des famosen Reichsvereinsgesetzes, dieser herrlichen Früh- lingsfrucht des Bülowblocks, haben wir eben die preußische Polizei- regierung offenbar immer noch viel zu hoch eingeschätzt. Wir nahmen an, daß sie mit der polizeilichen Befugnis, fremdsprachige Redner„nicht zuzulassen", die gewerkschaftliche Organisation der Polackcn und Italiener treffen wolle, die ein profitsüchtiges Unter- nehmertum allen seinen„nationalen" Phrasen zum Trotz in hellen Haufe» als Lohndrücker ins Land zieht, und begriffen das Klassen- interesse der Herrschenden an der Niedcrhaltung dieser armen Teufel durchaus. Aber daß es noch möglich wäre, in einer Groß- stadt des deutschen Westens mit dem neuen Sprachenparagraphen hochgebildete und augeschene Ausländer am öffentlichen Gebrauch ihrer Muttersprache polizeilich zu hindern, das hielten wir doch wohl selbst nach der Blockmißgeburt des Rcichsvereinsgcsetzes für ausgeschlossen. Jetzt ist das Unzulängliche Ereignis geworden! Und der Witz an der Sache bleibt nur, daß Jaurcs, Vanderveldc und Keir Hardie nunmehr— deutsch, urteutsch und auch dem letzten Frankfurter Achtgroschenjungen verständlich reden werden, wenn sie nächsten Sonntag zu uns kommen." Der Protest gegen Absolutismus und Fleischwucher. Die Arbeiterschaft des Kreises Duisburg protestierte am Sonnabend in vier stark besuchten Volksversammlungen. Zwei fanden in Duisburg selbst, die beiden anderen in Mülheim a. d. Ruhr und Bruckhausen statt. Lebhafte Zustimmung fanden die Redner in allen Versammlungen mit der Auffassung, daß das Volk nicht nur gegen den Absolusto- mus Front zu machen habe, wenn er versuche, die ver- fassungsmäßigen Rechte des Volkes ganz oder bruchstückweise zu beseitigen, auch schon die theoretische Proklamierung des persönlichen Regiments sei eine Gefahr und schädige das Ansehen der deutschen Nation im Auslände. Die Redner forderten in ihren weiteren Aus- führungen, daß gegen den nur noch schwach verhüllten Absolutismus vom Deutschen Reichstage endlich gesetzliche Garantien geschaffen werden, welche es unmöglich machen. daß durch zäsaristische Aeußernngen Wilhelms II. die Ver- fassung gebrochen und so der Umsturz von oben hcrbcigefiihrt wird. Des weiteren übten die Redner scharfe Kritik an der Wucherpolitik der Junker, insbesondere in bezug auf die Fleischverteuerung, und forderten die Ocffnung der Grenzen für ausländisches Vieh, Minderung der Einfuhrerschwerungen, Aushebung der Viehzölle und der Zölle auf Futtermittel. Zwei Resolutionen, in denen diese Forderungen zusammen- gefaßt waren, gelangten in allen Versammlungen einstimmig zur Annahme. Im Städtekoniplex Hamburg-Altona-Wandsbck fanden am Montagabend zwölf große Protestversammlungen statt. Mehrere Versammlungen waren lange vor Beginn überfüllt, so daß viele keinen Einlaß fanden. ZurWilh e l m- rede wurde überall eine Resolutton angenommen, in der die Einberufung des Reichstages verlangt wird zur Abwehr gegen das persönliche imperialistische Regiment. Zum Schluß wird darin ausgeführt: „Die Arbeiter Hamburgs erheben diese Forderungen um so nachdrücklicher, als sie gerade jetzt in den: Beispiel des zur Schande des deutschen Volkes auf deutschem Boden geduldeten Blutzaren von Rußland erkennen, zu welcher Unkultur von Volk und Land der Absoluttsmus führen kann." Zur Lebensmittelverteuerung wurde eine Resolutton an» genommen, welche die sofortige Oeffnung der Grenzen für eine ausreichende Vieheinfuhr und die Aufhebung der Lebens- mittclzölle fordert. In allen Versammlungen herrschte eine begeisterte Kampfesstimmung. Um den Forderungen mehr Nachdruck zu verleihen, wurde zum Beitritt zu den sozialdemokratischen Parteiorganisationen aufgefordert, welche Aufforderung nicht ungehört verhallte. Weitere Protestversammlungen fanden in Karlsruhe (1000 Personen), in Mannheim(2500 Personen) in Bremerhaven(1200 Personen), in Heppens bei Bant- Wilhclmshasen» in Görlitz, Laub an und Reichen» dach statt._ Zur Fleischteuerung. In einer Eingabe an den Frankfurter Magistrat macht die Handelskammer in Frankturt a. M. darauf aufmerksam, daß die Fleischtcuerung«ine sehr große sei und die Fleischpreise sich auf einer so unverhältnismäßigen Höhe hielten, daß die Frage entstehe, ob nicht die Volkscrnährung und die Volksgesundheit unter diesen Umständen Schaden erleide. Von der Regierung sei allerdings eine vorübergehende Ermäßigung der Eiscnbahntarife zugestanden worden. Diese Maßnahme habe sich auch im Jnlande zugunsten der Viehzüchter bewährt, genüge aber nicht, die Einfuhr ausländischen Viehes zu fördern, weil die Aufhebung des Einfuhr- Verbots und die Ermäßigung der Vieh- und Fleischzölle nicht mög- lich sei. Es bleibe nur möglich, die Einfuhr ausländischen Schlacht- Viehs, dessen direkter Versand nach den Schlachthöfen bestimmt ist, möglichst zu erleichtern. Die Handelskammer richtet daher an den Magistrat das Ersuchen, einen dahingehenden Antrag bei der Rc- gierung zu stelle».— Der H n n s a b u n d hat sich ebenfalls mit der Frage der Fleischtcuerung beschäftigt. Er hatte die Obermeister der Fleischerinnungen und-verbände Groß-Berlins zu einer infor- matorischen Konferenz über die Ursachen der Fleischteuerung ein- geladen. Man war im allgemeinen der Ansicht, daß nur eine Oeffnung der Grenzen und.Herabsetzung der Zölle stetige mäßige .Preise gewahrsetstet. Verurteilung der preußischen Regierungen und j des Provinzialschulkollegiums. Bekanntlich hat am 28. Juni daS Reichsgericht die Frei- sprechung unseres verantwortlichen Redakteurs, deS Genossen Weber, solvie des Redakteurs der„Arbeiter-Turnerzeitung", Ge- nassen Wildung von der Anklage bestätigt, zum Ungehorsam gegen die Erlasse der Regierungen und des Provinzialschulkollegiums aufgefordert zu haben. Das Urteil liegt uns jetzt im Wortlaut vor. Es bestätigt im wesentlichen die RechtSauffassung, wie sie von unS in dem inkriminierten Artikel des„Vorwärts" vom 27. März 1909 niedergelegt war. Das Reichsgerichtsurteil legt ausführlich das Verhältnis der Gewerbeordnung zur Landesgesetzgebung dar, läßt sich über die Tragweite der Kabinettsorder von 1834 und der Ministcrialinstruktion von 1839 eingehend aus und sagt dann zum Schluß: „Die spätere preußische Gesetzgebung hat die Befugnisse des Staate? zur Beaufsichtigung des Privatunterrichts nicht aus- gedehnt. Insbesondere hat durch Art. 22 der Verfassungsurkunde die Freiheit der Unterrichtserteilung gegenüber dem besiehenden RcchtSzustande nicht eingeschränkt, sondern erweitert werden sollen. Die Erteilung von Turnunterricht an Personen, welche nicht der Schuljugend in dem dargelegten weiteren Sinne angehören, ist in Preußen nicht durch die Unterrichtsgesetzgebung geordnet und gehört daher nicht dem Unterrichtswesen im Sinne des§ 6 der Gewerbeordnung an. Auf einen bezüglichen G e- Werbebetrieb findet ausschließlich Z 35 der Gewerbeordnung Anwendung. Die staatliche Aufsicht über den Privatunterricht ist durch die preußische Gesetzgebung nur im engsten Zusammenhange mit der Schnlaufsicht geregelt. Somit gehört in Preußen der jugendlichen Arbeitern erteilte Turnunterricht nicht zum Unterrichtswesen. Es fehlt an einer ge- setzlichen Vorschrift, Iv eiche dieSchulver waltung ermächtigt, die Erteilung vom Turnunterricht in den Arbeiterturnvereinen an nicht mehr schulpflichtige Personen von einem Erlaubnis- schein abhängig zu ntachen. Die dahin gehenden Anordnungen sind von den Schulbehörden nicht innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffen. Die Ansforderung zum Ungehorsam gegen sie ist mithin nicht nach§ 110 des Strafgesetzbuchs strafbar." Es hat also das höchste deutsche Gericht rechtskräftig festgestellt, daß der Kultusminister v. Holle und die Regierungen sowie da-Z Provinzialschulkollegium rechtswidrig vorgegangen waren, als sie die Erteilung von Turnunterricht in den Arbeiterturnvereinen an nicht mehr schulpflichtige Personen hinderten, ja„Ordnungsstrafen" von 100 M. und mehr androhten und ausführen ließen. Werden nun endlich die rechtswidrig beigetriebencn Strafen zurückgezahlt und das Strafverfahren gegen diejenigen Beamte»«'Fzeleitet werden, die nach dieser Feststellung ihre Befugnisse übcrlchritten und einen objektiven Amtsmißbrauch begangen haben? Oder nimmt die Staatsanwaltschaft an, es sei ausgeschlossen, daß der Kultus- minister a. D. und die für die Maßnahmen der Regierungen und des Provinzialschulkollegiums verantwortlichen Beamten den zur Strasbarkeit erforderlichen Dolus hatten, d. h. die Einsicht in die Tragweite ihrer Handlungen?_ Die Vcrmulkcrung der Schule. Das preußische Kultusministerium bleibt der Reaktion treu� Es hat wieder einmal eine Verfügung erlassen, die die Herrschaft der Kirche über die Schule aufs neue befestigt. Nach dieser Verfügung sind die Regierungen angewiesen worden, in Orten, in denen der Geistliche nicht ohnehin die Schulanfsicht im Hauptamt ausübt, Pastoren zu bestimmen, die nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht haben, den Religions- Unterricht in den Schulen zu überwachen. In Frankfurt a. O. sind zum Beispiel einem Geistlichen immer je zwei Schulen zu diesein Zwecke unterstellt worden! Der geistliche Revisor hat daS Recht, in den Unterricht des Lehrers einzugreifen,„Irrtümer" zu be- richtigen, die amtlichen Listen einzusehen und bei der Ent- lassung der Schüler die Zensur in der Religion mit- zub est im inen. Ueber das Ergebnis seiner Revision berichtet er der Regierung. Durch diese neue Verfügung ist die Lehrerschaft Frankfurts be- sonders mit geistlichen Herren gesegnet worden; der zuständige Schulrat ist Geistlicher, der Kreisschulinspektor im Hauptamt ist Geistlicher und nun kommt noch der dritte Geistliche als Re- visor hinzu._ Weitere Ordensauszeichnnngen für die Polizei. 25 Beamte der königlichen Polizei in Kiel haben am Sedangedcnktage preußische O r d e n S a u S z c i ch n u n g e n er- halten. Wie die„Kieler Neuesten Nachrichten" erfahren, wies der Polizeipräsident v. Schröder bei der Ueberreichung der Orden darauf hin, daß der Kaiser Anlaß genommen habe, durch die Ordens- auszeichmingen den Beamten für ihre Tätigkeit und ihr Verhalten während der schwierigen Zeit des A u s st a n d e s der städtischen Arbeiter und der W a h l r e ch t S d e m o n st r a t i o n seine A n- er kennung zum Ausdruck zu bringen. Also wie in Halle sind jetzt auch in Kiel die Polizeibeamten durch Orden ausgezeichnet worden, die sich bei d e n A k t i o n e n gegen die Arbeiterklasse hervorgetan haben! Ja, eS ist ihnen obendrein ausdrücklich das kaiserliche Wohlgefallen ausgesprochen worden I Ob nian sich einbildet, dadurch in den Kreisen der Arbeiter Sympathien für die Monarchie gewinnen zu können?_ Die nationalliberale Schaukel. Miilichcn. 6. September. Der geschäftsführende Aus- schuß der nationalliberalen Landespartei in Bayern hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, auf dem bevorstehenden Parteitag mit Bezug auf die R e i ch S t a g S iv a h l en folgenden Standpunkt zu vertreten. In erster Linie möchte ein Wahlbündnis mit der fortschrittlichen Volks- Partei angestrebt werden, aber daneben auch mit den rechtsstehenden Parteien. Nach rechts wie nach links soll jedoch Wahluitterstiitzmig nur gewährt werden, wenn der betreffende Kandidat die Gewähr dafür bietet, daß er weder eine einseitige Agrarpolitik noch eine Politik des Frei- Handels vertritt, sondern sich verpflichtet, für die Interessen aller Stände, insbesondere auch für die des Handels und Gewerbes einzutreten._ Russisches aus Hessen. Der„Berliner Morgenpost" wird telegraphiert, daß die Polizei mit den Ausweisungen und Verhaftungen aus Anlaß des Zarenbesuches lustig fortfährt. Ein besonders krasser Fall ist der folgende: „Das Mitglied eines Theaters, das in Frankfurt gastiert, namens Eisenberg, wnrde am Mittwochnachmittag in einem Restaurant von Kriininalbeamten verhaftet und ins Polizei- gefängniS gebracht, wo man ihm mitteilte, daß seine Verhaftung erfolgt sei, weil er im Verdacht stehe. A n a r ch i st zu sein. Er habe auch ein Gedicht versaßt, das sich auf den russisch- japanischen Krieg beziehe und in London im Druck er- schienen sei. Nach 24 Stunden wnrde Eisenberg zwar wieder ent- lassen, er mußte sich jedoch schriftlich verpflichten, Frankfurt sofort zu verlassen." Leider wird nicht mitgeteilt, ob die Polizei sich die Mühe ge- nomine» hat, ihr Verfahren zu begründen oder fühlt sie sich schon ganz russisch._ Keine Neutralität. Hamburg, 6. September. Die Militärbehörde verbot ihren Kap ellen, das angesagte K o n z e r t am Dienstagabend beim Festessen des I n t e r n ä t i o i? a l e n G e n o s s e n s ch a f t s- kongresseS im Zoologischen Garten abzuhalten. „Bremen macht Schule". Mit steigendem Entsetzen werden die bayerischen Römlinge ge- wahr, wie der ketzerische Geist des Modernismus auch die Kreise der Lehrerschaft, namentlich die jüngeren Elemente in ihr erfaßt. Vor kurzein hat sich unter dem Namen„P ä d a g o g i a1' ein sich über ganz Bayern erstreckender Verband junger Lehrer und Lehrerinnen gebildet, der heute schon 70 Ortsgruppen mit 1000 Mitgliedern umsaßt. Dieser junge Verband hat in dieser Woche in Regensburg seine erste Versammlung abgehalten, mit der er aus dem engen. Rahmen lokaler und provinzialer Ge- schlossenheit heraustrat, und auf diesem Verbandstage hat der Lehrer G u t m a n n aus München einen Vortrag über..Kon-. fessionalismus und Schule" gehalten, über den die klerikale Presse ganz außer Rand und Band gerät. Sticht nur daß Gutmann von kirchlicher Unduldsamkeit gesprochen und rieben Beispielen aus dem protestantischen Lager auch zahlreiche Fälle der Unduld- samkeit von feiten der Päpste, des katholischen Klerus und katho- iischer Laien anführte, wird ihm als Todsünde angerechnet, nein, man denke,„alles was den gläubigen Katholiken wie Protestanten teuer und heilig ist", alles das hat dieser abscheuliche Ketzer der- warfen, als da sind—„die Echtheit des P e n t a t e u ch, der S ü u d e n f a l l, der paradiesische Urzustand, die Inspiration der hl. Schrift". Er hat ferner Jesus hin- gestellt als„im Weltbild seiner Zeit befangen",„er habe das kopernikanische Weltsystem nicht gekannt", kurzum„lauter Zitate von protestantischen, ungläubigen Theologen, besonders Weinel und Harnack". Und dann hat er, man sollfls kaum glauben,„die Herren Lehrer eingeladen, sich in diese Probleme zu vertiefen und sich mit wahrer G e i st e s s r e i h e i t zu erfüllen"! So be- richtet tiesbetrübt das ultramontane„Regensb. Morgenbl.". In der Tat eine unerhörte Zumutung: sich in religiöse ijnd wissen- schaftliche Probleme zu vertiefen und sich mit wahrer Gerswsfreiheit zu erfüllen. „Es hat die breiteste Oeffentlichkeit ein höch- st es Interesse daran, zu erfahren, wie weit der Unglaube bereits unter den jüngeren bayerischen Lehrern seine 5treise gezogen hat, wie stark Bremen in Bayern Schule macht.(Zuousczue tancke'm! Wie soll das noch enden!... Die Kindcrwclt ist kein Material mehr für solche Leute." Mit diesem nicht mißverständlichen Appell an ein hohes In- qu i s i t i o n s t r i bu na l schließt der flammende Protestartikcl des Regensburger Blattes. Nun, bayerische Regierung, gehe hin und tue deine Pflicht I Oesterreich. Mandatsverzicht eines sozialdemokratischen ReichsratS- abgeordneten. Der Klub der italienischen Sozialdemokraten im Wiener Reichs- rat hat nun die zweite Mandatsniederlegung seit den lÜ07er Wahlen zu verzeichnen. Die erste war die deS Triester Abgeordneten Pagnini, der zum Nationalismus übergegangen ist und seither in der Oeffentlichkeit, trotz Gründung einer„unabhängigen" Organisation, gar keine Rolle mehr spielt. Das Mandat, das übrigens nur durch die eigenartige Konstellation erobert worden war, daß sich das italienische Bürgertum an der Stichwahl zwischen Pagnini und dem Bürgerlichen nicht beteiligte, um nicht die Slowenen den Ausschlag geben zu lassen, ging bei der Nachwahl an die italienischen Bürger- lichen fNationalliberalen) verloren. Nun hat der ebenfalls in der Stichivahl gegen den Klerikalen zum Abgeordneten der Stadt Trient, der„Hauptstadt" Südtirols, gewählte Genosse Augusto A v a n c i n i sein ReichSratSmandat nieder- gelegt. Dieser aber— um sich und den grundlegenden Ueber- zeugungen der Partei treu zu bleiben. Der Rücktritt ist die Folge von Zerwürfnissen— die durch separatistische Be- streb ungen in der Partei getragen wurden! In Trient war früher der reichsitalienische Genoffe Mussolini als Gewerkschaftssekretär und Redakteur deS Partei- und Gcwerk- schaftSorgans„I/avvomrs del lavoratore"(„Die Zukunft des Ar- beiterS") tätig. Er wurde ausgewiesen. Der an seine Stelle gewählte, ebenfalls reichsitalienische Genosse Barni begann im Sinne des in Italien leider bestehenden Wirrwarrs zu arbeiten. Er schrieb gegen die Zentralverbände, verstand es, sich die Mehrheit der Arbeus- kammer(Gewerkschaftskommission) zu sichern und arbeitete dann offen im Sinne der Separatisten, wie man das aus Böhmen, Mähren— und Kopenhagen kennt. Zugleich trieb er auch s y n d i- kalistische Propaganda. Bei dem tiefen JrredentiSmus des südtirolischen Volkes ist eS begreiflich, daß die Agitation, die gegen die Zcntralorganisationen dieselben Worte gebrauchte wie der Jrrebeutist gegen die Zentralregiernng— Boden fand. Die italienische Parteiexekutive trat energisch gegen Barni auf, dieser aber entfesselte eine Gegenagitation. Er kam immer mehr inS syndilalistisch-nationalistische Fahrwasser. Avancini wurde in gemeiner Weise verdächtigt, alS sei er nur wegen deS Mandates Zentralist. Barni beschuldigle Avancini der Urheberschaft deS EntschlusieS mehrerer Zentralverbände, den„Avvenire" nicht mehr anzuerkennen (der Maurerverband gibt sogar ein eigene« Blatt in Trient heraus) usw. Es kam zu schweren Konflikten; Avancini fand nicht mehr die Mehrheit der Arbeiter TrientS hinter sich. Er legte das Mandat nieder und in seiner Erklärung sagt er zur Begründung dieses Schrittes, daß seit Monaten die Richtung der meisten Orga- nisationen der Arbeiterkammer, des BlatteS von seinen Grundsätzen zu weit abweichen, als daß er sich noch als Vertreter der Masse be- trachten könne. Der Streit sei trotz aller Bemühungen bis uumittel- bar vor der Spaltung gediehen. Um die persönliche Seite auSzu- schließen und sich nicht deS Opportunismus verdächtig zu machen, lege er sein Mandat und die Leitung der Arbeitskammer zurück. Als einfacher Streiter werde er, mit befriedigtem Gewissen, weiter« arbeiten. So wirkt der nationale Revisionismus in der Partei. england. Eine Spionagcaffaire. Loudou, 6. September. Von amtlicher Seite wird die Blätter- meidung von der gestrigen Verhaftung eines jüngeren beut- fchen Offiziers in Portsmouth wegen Spionagever- dachte nunmehr bestätigt. Ueber die Einzelheiten wird Still- schweigen beobachtet.— Em der parteü Bezirks-Partciiag für Obcrschlesicn. Am Sonntag tagte in K ö n i g s h ü t t e(Oberschlesien) eine Bezirkskonfercnz der oberschlesischen Reichstagswahlkreise BeutKeu-Ngruswitz. Kattowitz-Zaibrze, iL! ei, witz-Lubliniß« Ratibor," Pleß-Rhbnik. Gosel« Gr.- Strehlitz, Leobschütz. Oppeln. Kreuzburg. Roscnberg. Anwesend waren 50 Delegierte aus allen Wahl- kreisen, die Bezirksleitung, Genosse Müll e r vom Parteivorstand und die Genossen Hey m a n n und Wolfs- Breslau als Ver- treter der Expedition resp. Redaktion der„Volkswacht". Der vom Bezirkssckretär, Genossen H ö r s i n g- Bcuthen vorgetragene Ge- schäftsbcricht läßt trotz der von behördlicher, wie auch von privater Seite und nicht zuletzt vom Zentrum betriebenen Verfolgung zwar langsames, aber stetes Vorwärtsschreiten erkennen. Der Mitglieder- stand vermehrte sich um rund 50 Proz., die Zahl der Ortsvercine stieg von 13 auf 21. Oeffentliche Versammlungen fanden 81 statt, darunter 3 unter freiem Himmel. Mitgliederversammlungen wurden 107 abgehalten. Flugblätter wurden insgesamt 161 000 verbreitet, darunter 78 000 gegen die Reichssinanzreform. Der oberschle fische Volkskalcnder gelangte zum erstenmal in 50000 Exemplaren zur Verbreitung und fand durchweg eine beifällige Aufnahme. Tie Einnahmen und Ausgaben balancieren mit 16 887,55 M., wozu der Partei- vorstand 13 000 M. zuschoß. Die Zahl der„Volkswacht"-Abon- nenten weist ebenfalls eine erhebliche Zunahme auf, ebenso die der „Gazeta Robotnicza". Die Entwickclung der polnischen Bewegung hat mit der der deutschen Partei gleichen Schritt gehalten. Im Bezirk sitzen fünf Genossen in den Gemeindevertretungen. Zu Versammlungszwecken stehen der Partei außer einigen wenigen Lokalen nur die von der Partei unterhaltenen 14 Mietsräumc zur Verfügung. In der Diskussion wurde der allgemeine Fortschritt, der trotz der drückendsten Polizeimaßccgcln und der infamsten Verleum- düngen durch das Zentrum unter schweren Kämpfen erreicht wurde, anerkannt und viele Winke und Anregungen für die weitere Aus- gestaltung der Organisation und Agitation gegeben. Ein Antrag, ein eigenes P r e ß o r g a n für O b e r s ch l e s i e n auf ge- nossenschaftlichcr Grundlage zu gründen, wurde dem Vorstand zur Verücksichtiguiig überwiesen. Personalien. Am I. Oktober tritt Genosse Schlegel aus der Redaktion der„Fränkischen T a g e s p o st" zu Nürnberg aus, um nach Berlin überzusiedeln. polizeilicbcs, Ocnchtlicbco ulw. Strafkonto der Presse. Wegen Beleidigung de» Amtsgerichtsrals Seibert zu O f f e n b a ch Ivurde Genosse B a h r d t von der„Leipziger Volkszeitung" zu 600 M. Geldstrafe verurteilt. Dem Urteil liegt folgender Sachverhalt zugrunde: Die„Leipziger Volkszeitung" brachte vor längerer Zeit eine Notiz aus Offcnbach am Main, worin ausgeführt wurde, daß die Staatsaktion schmäh- lich verpufft sei, die die Nationalliberalen bei den Landtagswahlen gegen die sozialdemokratische Partei ins Werk gesetzt hatten. Weiter war gesagt worden: Die Drahtzieher, bürgerliche Agita- toren und Stadträte, ständen nun als gebrandmarkte Verleumder da.— Durch diese Notiz will auch der nationalliberale ehemalige Stadtverordnete Amtsgerichtsrat Seibert beleidigt worden sein, und die Leipziger Staatsanwaltschaft erhob gegen den Verantwort- lichen der„Leipziger Volkszeitung", Genossen Bahrdt, Anklage. Es wurde festgestellt, daß Amtsgerichtsrat Seibert schärfer, als sein Richterberuf erforderte, in der Liquidationsangelegcnheit tätig war, und daß dies auch in einem Disziplinarverfahren zum Aus- druck gekommen war; aber es war ihm zugute gerechnet worhcn, daß er sich angeblich in der Notwehr befand.— Das Gericht war der Ansicht, daß Seibert schwer beleidigt worden sei und verurteilte Bahrdt zu der vbcngenamiten Strafe, Em Industrie und üandcU (Siehe auch 1. Beilage.) Bklebnna im Tabakflcwerbe. Nach den schweren Zeiten, die die Tabakindustrie seit der Tin- führung der Steuer durchgemacht hat, scheint sich nun langsam wieder eine Besserung anbahnen zu wollen. Seit dem ersten Monat nach Eintritt der Steuer, dem August 1909, hat noch kein Monat einen geringeren Andrang gebracht als der Juli dieses Jahres. Auf je 100 offene Stellen kamen im Reichsdurchschnitt Arbeit- suchende: Januar Februar März April Mai Juni Juli 1909 205 193 134 123 154 114 100 1910 860 1365 891 572 524 466 271 Gegen 1909+ 635+1172+ 757+ 449+ 870+ 352+171 Vom Februar ab geht die Verschlechterung Monat für Monat zurück. Dabei ist im Auge zu behalten, daß im vergangenen Jahre in der Zeit vor Eintritt der Steuercrhöhung unter Aufbietung aller Kräfte gearbeitet wurde; galt es doch, noch möglichst viel im- versteuerten Rohstoff zu verarbeiten. Denn sckon das ganze Jahr hindurch waren damals die Bezüge von Rohtabak außer- ordentlich gesteigert worden. Die Einfuhr von Rohtabak erreichte in den ersten sieben Monaten 1909 eine Menge von 499 981 Doppelzentner gegen 415 675 Doppelzentner in der Parallelzeit 1908 und 382 472 Doppelzentner 1007. Im laufenden Jahre bleibt nun freilich die ausländische Rohstoffzufuhr äußerst stark hinter der vorjährigen zurück: sie beträgt nur 349 672 Doppelzentner. Im Monat Juli betrug sie sogar nur 45 716 Doppclzentner gegen 72 267 Doppelzentner im Juli 1909. Die Zurückhaltung der Roh- stoffhändler resp. Verarbciter ist um so mehr zu verstehen, als die Tabakpreise allmählich wieder auf einem teilweise ungewöhn- lichen Stande angelangt sind. Deutscher Tabak steht überhaupt so hoch im Preise wie kaum zuvor. Pfälzer Zigarrentabak kostete im Juli am Mannheimer Markt pro Doppelzentner durch- schnittlich 145 M. gegen 135 M. im Vorjahre. Der Preis für Um- blatt mit Einlage stellt sich auf 132,50 M: gegen 112,50 M.. für Pfälzer Schncidgut auf III gegen 87,50 M. Bei ausländi- schein Rohtabak war die Prcistendenz nicht ganz so cinhcit- lich steigend, doch steht Kentucky ordinär nach Bremer Notierung mit 90 M. pro Doppelzentner ganz erheblich höher als im Vor- jähre, wo er 72 M. kostete. In Hamburg stellt sich der Preis für Tomingo Deckblatt und Einlage auf 76 M. gegen 46 M. im Vor- jähre. Brasiltabak ist sowohl in Bremen als in Hamburg niedriger im Preise als vor einem Jachre. Recht erfreulich ist, daß der Geschäftsgang im Tabakgcwerbc sich wieder zu beleben beginnt. ohne daß bis jetzt das Ausland einen regeren Bedarf äußerte; die Belebung beruht vielmehr hauptsächlich auf der wiedererwachen- den Inlandsnachfrage. Die Ausfuhr von Zigarren ist sogar im laufenden Jahre geringer als in den vorangegangenen Jahren, während die weniger bedeutende Zigarettenausfuhr etwas zugenommen hat. Die Ausfuhr von Zigarren belief sich in den ersten sieben Monaten dieses Jahres auf 183 000 Kilogramm gegen 211 000 Kilogramm im Vorjahre, 220 100 Kilogramm 1908 und 233 000 Kilogramm in der Vergleichszeit 1907. Der Wert der Ausfuhr ist nur wenig zurückgegangen; er betrug voriges Jahr 2,67, dieses Jahr 2,51 Millionen Mark., Hauptsächlich Schweden. die Schweiz und Deutsch-Südwcstafrika erhielten weniger Zigarren als voriges Jahr. Auch die Einfuhr nach Deutschland ist zurück- gegangen; sie betrug während der ersten sieben Monate in Doppel» zentnern:..-i- 1907 1908 1909 1910 Zigarren.. 2230 2264 3693 1356 Zigaretten.. 2347 3376 4236 2661 Nicht allein hinter den Nekordziffern des Vorjahres, sondern auch hinter den Einfuhrziffern von 1907 und 1908 bleibt die dieS- jährige Menge erheblich zurück. Gewerhrcbaftlichcg« Verdächtigungen. Die vom Schwindel und der Dummheit anderer lebende bürgerliche Presse behauptet fortgesetzt, die Leitung des Metallarbeiterverbandes hätte zum zweiten Male die Ver- Handlungen zum Scheitern gebracht. Demgegenüber sei noch- mals kurz konstatiert, daß die Uisternchmer bislang noch keine Basis zu Verhandlungen geschaffen haben. Vielmehr hat man den Arbeitern die entwürdigende Zumutung gemacht,„Ar- beiter' zu Verhandlungen heranzuziehen, die an der Einreich- ung der Forderungen nicht beteiligt waren. Als die Vertreter des Verbandes betonten, daß sie sich nie herausnehmen würden, den Unternehmern ein gleiches Ansinnen zw stellen, galten die„Verhandlungen"(man hat nur mit dem Sekretär Thiel- kow unverbindliche Worte getauscht) als„gescheitert". Die Verbandsleitung hat bis heute noch keine Antwort von Blohm und Genossen erhalten. Nichtsdestoweniger wird weitergeschwindclt, daß sich die Balken biegen. Die Aufregung in der bürgerlichen Presse darüber, daß die Arbeiterorganisationen in„frivoler Weise die Friedens bezeugungen der Werftbesitzer mit hochmütiger Ablehnung beantwortet haben", ist auch noch von einem anderen Gc sichtspunkte aus durchaus deplaciert. Der Gesamtverband Deutscher Industrieller hat nämlich vor einigen Jahren Grundsätze über die Form der VerHand- lungen zwischen Arbeiter- und Unternehmerorganisation auf- gestellt, in welchen strenge Parität gefordert wird, das heißt, es soll der einen Partei nicht das Recht zustehen, über die Zu- sammensetzung der Verhandlungsvertretung der anderen Partei irgend etwas bestimmen zu können. Das war wohl damals besonders für die Unternehmer bestimmt, darf nun aber doch auch für die Arbeiter gelten. Wenn jetzt die Ar- beiterorganisationen bei Verhandlungen über die Forde- rungen der Werftarbeiter sich nicht dreinreden lassen wollen, wer oder welche Arbeiterkorporation an diesen Verhandlun- gen teilnehmen darf, so handeln die Arbeiterorganisationen lediglich im Sinne der angeführten Satzungen des Gesamt- Verbandes Deutscher Industrieller. Das mögen sich auch die Hirsch-Dunckerschen hinter die Dhren schreiben. Der„Gewerkverein", das Organ der Hirsch-Dunckerschen Gcwerkvereine, erhebt nämlich gegen den „Fanatismus" der freien Gewerkschaften die Anklage, daß er verhütet habe, die Bewegung in das„einzig vernünftige Stadium der Verhandlungen" zwischen Unternehmer- und Arbeiterorganisationen treten zu lassen. Ganz abgesehen davon, daß es eine Reihe schwerwiegender Gründe gibt, die es den Zentralverbänden gebieten, einer genieinsamen Verhand- hing mit Hirsch-Dunckerschen und christlichen Gewerkvereinen, besonders aber mit den Gelben mit einem gründlichen, durch bittere Erfahrungen, diktiertem Mißtrauen zu begegnen, mußte die einfache Erwägung der oben bezeichneten Unter nehinerbeschlüsse die Gewerkschaften zu ihrem Standpunkte führen._ ßcrlin und Umgegend. Die Asphalteure sind in eine Lohnbewegung eingetreten. Sie hielten am Sonnlag in, großen Saale des Gewcrkschastshauses eine äiißersl storl besuchte Bersammlung ab. Link erläuterte in der- selben den Tarif, der den Unternehmern zugestellt worden ist. Die Arbeitszeit beginnt nach diesem Entwurf um 7 Uhr morgens und endet v Uhr abends bei einer halbstündigen Frühstücks- und Vesper- pause und einer einstündigen Mittagspause. Bei Ueberstundcn ist ein Zuschlag von 25 Proz., bei Nachtarbeit ein solcher von 50 Proz. zu zahlen. Bei Sountagsarbeiten ist der doppelte Tagelohn zu zahlen. An Lohn wird' gezahlt pro Stunde: Für Vorarbeiter und Spachtler 0,75 M.; für Stampfer. Fuger und Darrleute 0,65 M.; für Hilfs- arbeiter bei Grundwasserdichtungen, bei Beton-, Asphalt- und Dach- arbeiten 0.55 M. Bei Arbeiten außerhalb des Stadtkreises wird ein Zuschlag von 1,50 M. pro Tag und täglich eine Hin- und Rück- fahrt bezahlt. Bei Arbeiten über 10 Kilometer Entfernung von dem Stadtbezirk Groß-Berlin wird ein Zuschlag von 3 M. pro Tag und wöchentlich eine Hin- und Rückfahrt bezahlt. Die Fahrzeit wird als Arbeitszeit gerechnet. Sind bei Aspaltarbeiten mehr als 2 Kessel erforderlich, so muß der zweite Mann zum Anstecken bestellt werden. Streitigkeiten, die aus dem Lohn- und Arbeitsverhältnis entstehen, find unter Hinzuziehung der Verbandsleitung zu regeln. Maß- regelungen wegen der Zugehörigkeit zur Organisation dürfen nicht stattfinden. Der Tarif tritt mit dem Tage der Unterzeichnung in Kraft und gilt vorläufig auf 1 Jahr.— Eine Antwort der Unter- nehmer auf diese Forderungen ist nicht eingegangen. Die Arbeiter sind bereit zu verhandeln und hoffen, daß' die Bewegung einen friedlichen Verlauf nehmen kann. Indessen wollen sie ihre Forde- rungen mit Nachdruck vertreten und werden gegebenenfalls auch den Streik nicht scheuen. Der Ausgang der Bewegung wird füglich von dem Verhalten der Unternehmer abhängig fein. Die Verwaltung und die Vertrauensleute empfehlen, daß am Montag, den 6. Sep- tember, die Vertrauensleute der einzelnen Firmen bei diesen wegen des Tarifs vorstellig werden. Das Resultat sollte dann der Orts- Verwaltung mitgeteilt werden. Brauereiarbeiter! Die in der Weißbierbrauerei Fiedler u. Billepp. Schöneberg, Sedanstraße. beschäftigten Arbeitnehmer schlössen sich vor längerer Zeit dem Brauereiarbeiterverbande an. Inzwischen war mit dem Verein der Berliner Weißbierbrauereien ein 3 Jahre lausender Tarifvertrag geschlossen worden und wurde nunmehr bei den Kollegen der Brauerei Fiedler u. Billepp der Wunsch rege, ebenfalls für ihre Arbeitsverhältnisse eine tarifliche Regelung zu haben. Am 25. August er. wurde der Firma der für die Berliner Weiß- bierbrauereien gültige Tarifvertrag zur Unterschrift unterbreitet; je- doch verhielt dieselbe sich ablehnend mit der Motivierung, daß in- folge der schlechten Geschäftslage die Brauerei weitere Belastungen nicht tragen könne. In einer Verhandlung wurde zugestanden, daß die MonatSlöhne der Fahrer in Wochenlöhne umgewandelt würden. Mit diesem geringen Zugeständnis konnten und wollten die Kollegen nicht zufrieden sein und legten deshalb am 0. September er. ge- schlössen die Arbeit nieder. Nach sechsstündigem Streik wurde seitens der Betriebsleitung der Berliner Weißbierbrauerei-Tarif anerkannt und um 11 Uhr die Arbeit in vollem Umfange wieder aufgenommen. Bei dieser Gelegenheit gestatten wir uns darauf aufmerksam zu machen, daß die organisierten Bierfahrer mit einer Legitimationskarte versehen sind, welche nur güllig, wenn sie ord- nungSgemäß abgestempelt ist. Die Kollegen sind augewiesen, diese Karte auf Wunsch vorzuzeigen und ersuchen wir die Restaurateure und sonstigen Bierabnehmer, hiervon des öfteren Gebrauch zu machen. Zeutralverband deutscher Brauereiarbeiter. Zahlstelle Berlin. Achtung i Schuhmacher. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Schweiger, Jnh. C a r s ch, Rungestr. 20, haben die Arbeit niedergelegt.„_ Die Differenzen bei der Firma Schwarz. Krautstr. 14, sind beigelegt. Zentralverband der Schuhmacher Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Vom Streik der Hausdiener und Packer bei der Firma Regeler u. Co.. Ritterstr. 71/75, wird berichtet, daß für die Streik- brecher, die in den ersten Tagen unter Bewachung der Polizei zur Arbeitsstelle geleitet und des Abends per Autodroschke m Begleitung eines Schutzmannes nach Hause befördert wurden, eiserne Bettitellen im Musierzimmer der Firma aufgestellt sind, damit sie, wie der Prokurist in einer Ansprache an die Streikbrecher erklärte, nicht mit den Streikenden in Berührung kommen. Sie erhalten außerdem von der Firma vollständige Verpflegung; ebenso werden Bier und Zigarren geliefert. Für„geistige" Kost ist dadurch gesorgt, daß drei Nummern der„Morgenpost" geliefert werden. Für Unterhaltung sorgt ein Grammophon. Ferner ist den Streikbrechern versprochen, eine Unterstützungskasse zu gründen, aus der die Frauen derselben bei Entbindungen usw., und die Männer während der ersten drei Tage bei Krankheitsfällen, wo die Krankenkasse noch nichts zahlt, unter- stützt werden sollen. Den aufs Pflaster Geworfenen konnte die Firma keine 50 Pf. Zulage geben! Daß die Inhaber der Firma die Angelegenheit in einem für sie günstigen Lichte darstellen, ist erklärlich. Sie sollten jedoch dabei in ihren Behauptungen etlvas vorsichtiger sein. So wurde z. B. vom Prokuristen Patschke erzählt, die Leute wären wegen ihrer häufigen Trunkenheil entlassen worden. Das ist die Unwahrheit. Tatsache ist, daß er wohl einige Leute wegen Trunkenheit entlassen hat, diese befinden sich aber nicht unter den Streikenden, sondern gehören zu denen, die der Firma jetzt Rausreißerdienste leisten und auf Kosten der Firma jetzt mit Speise und Trank betvirlet werden. Die Firmcniuhaber haben sich das Hausrecht übertragen lassen und nicht nur den Streikposten, sondern sogar Gästen des bekannten Berchtschen Lokals, welches sich auf demselben Hofe befindet, das Betreten des Hofes bei An- drohung einer Anklage wegen Hausfriedensbruches verboten, wozu sie natürlich kein Recht haben. Wir bitten nach wie vor, Zuzug strengstens fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Herr Gastwirt August Kueßner, Lindenstr. 20, schreibt uns, daß ihm von dem bevorstehenden Streik bei Regeler nichts bekannt ge- wesen wäre. Herr Regeler hätte ihn gebeten, sein VereinSzimmer für kurze Zeit zum Engagement einiger Hausdiener benutzen zu dürfen. Daß es sich um SireikbrechcrengagementS handelte, war Herrn Kncßncr nicht bekannt; derartiges ivürde er in seinem Lokale nicht dulden. Herr Kueßner hat ja denn auch— wie tvir schon mitteilten— nach erfolgter Kenntnisnahme der Sachlage die Fortsetzung dieser Tätigkeit des Herrn Regeler inhibiert. Dentlcbes Reich, Das Zentralschiedsgericht für das Baugewerbe konstituiert sich. Geheimrat Dr. W i e d f e l d t wurde von beiden Parteien in das Zentralschiedsgericht gewählt. Das Reichsamt des Innern soll ersucht werden, zwei Unparteiische zu ernennen und Dr. W i e f e l d t die Uebernahme des Amtes als Unparteiischen zu gestatten. Im zweiten Drittel dieses Monats soll dann eine Sitzung des ZentralschiedsgerichtS einberufen werden. Wieder ein Landarbeiterstreik. Jn Groß-Ottersleben bei Magdeburg traten bei dem Gutsbesitzer G r a s e m a n n am Montag früh sämtliche polnischen Landarbeiter und-Arbeiterinnen in den Ausstand. Die Ursache des Streiks ist Unzufriedenheit mit dem Lohn und der Beköstigung. Von den Streikenden, deren Zahl ungefähr� 30 beträgt, wurden vier, zwei Männer und zwei Frauen, als Rädelsführer verhaftet. Achtung, Steinmetzen.' Bei der Firma LHoest in Kupferdreh (Westfalen) legten 26 Steinmetzen die Arbeit wegen Lohndifferenzen und schlechter Behandlung durch den Geschäftsführer nieder. � Zuzug ist fernzuhalten. Die Firma hat dringende Austräge für den Brückenbau zu Mülheim a. Ruhr. Um die Niederlage bei den SicherheitSmännerwahlen zu ver- decken, sucht jetzt der christliche Gewerkversin in seiner Verlegenheit die Oeffentlichkeit mit einer Wahlschwindelgeschichte zu düpieren. Unter der aufsehenerregenden Ueberschrift„Ein neuer Schurken- streich geplant" veröffentlicht der„Bergknappe" einen plakatartigen Artikel, worin dem Verbände ein Schurkenstreich nachgesagt wird. der durch einen Brief verübt worden soin soll, der angeblich von einem führenden VerbandSmitgliede an einen anderen Verbands- führer gerichtet sein soll. In dem Briefe, der von einem Dort- munder Verbandsbeamten angeblich herrührt, wird es so dar- gestellt, als wenn vom Verbände aus in letzter Stunde ein un- sauberer Wahlstreich verübt werden sollte. Aus dem Briefe wird folgendes mitgeteilt: „Die Geschichte mit B e H r e n d halte ich für verfehlt. Du weißt, ich hasse d-as Persönliche, laß es lieber. Die Sache mit Effert ist besser, sie klingt viel glaubhafter. Aber erst 1 bis 2 Tage vor der Wahl, eher dürft Ihr das Flugblatt nicht herausgeben und vertreiben. Allzuviel Wirkung verspreche ich mir auch nicht davon, das hat das Brust-Flugblatt verdorben. Da habt Ihr eine Dummheit gemacht. Junge, Junge, wenn das alles mal heraus- kommt. Wiegt Euch nur nicht in Sicherheit. Auf das Ehrenwort dieser Kerle gebe ich nichts. Und dann diese furchtbare Blamage. Ich wage gar nicht, daran zu denken. Mit dem Belauschen des Telephongespräches ist es wohl nicht so ernst, wenn die beiden mal ausplappern sollten, dann leugnet einfach ab. Was wollen 2 gegen 5." Unterzeichnet ist der Brief„Dein Freund Heinrich." Daraufhin sind drei Verbandsbeamte auf dem Bureau des Gewerkvereins in Essen vorstellig geworden, um diesen Brief einzusehen. Die Einsicht wurde verweigert. Es wurden ihnen dann von den Verbandsbeamten drei Handschriften der im Dort- munder Revier angestellten Verbandsbeamten vorgelegt. Die. Christen mußten erklären, daß es keine dieser Handschriften war. Auch weigerten sie sich, eine Photographie des Briefes zur Ver- fügung zu stellen. Achtung, Maschinisten und Heizer! lieber das Walzwerk M a n ii st ä d t u. C i e. in Kalk bei Köln a. Rh. wurde wegen Maßregelung der Vertrauensleute die Sperre verhängt. Zuzug von Maschinisten und Heizern ist streng fernzuhalten. Eine schlecht informierte Stadtbehörde. In der letzten Stadtverordnetenversammlung in Mainz wurde gegen die Baupolizei der Vorwurf erhoben, sie sei in dem Dach- deckerstreik parteiisch verfahren, weil sie, im Gegensatz zu den gesetz- lichen Bestimmungen, Rohbauten abgenommen habe, bevor die Häuser vollständig eingedeckt gewesen seien. Hätte die Baupolizei auf die Eindeckitng bestanden, dann wären die Dachdeckermeister genötigt gewesen, die berechtigten Forderungen der Gehilfen zu bewilligen. Bürgermeister Vanrat Kuhn erklärte hierauf: Es hat sich nur um wenige Quadratmeter gehandelt, die noch einzudecken waren und es wäre doch kleinlich bttrernt- kratisch gewesen, wenn man deshalb sich streng an die Verordnung gehalten und den anderen Handwerkern die Möglichkeit ent- zogen hätte, ihre Tätigkeit ausüben zu können. Das klang ganz plausibel und unsere Genoffen im Stadtverordnetenkollegium be- ruhigten sich mit der Auskunft. Aber mangelhafte Informationen haben kurze Beine. Schon drei Tage nach der offiziellen Rein- Waschung erklärten mehrere Personen, sie seien bereit, vor Gericht festzustellen, daß von drei Bauten nur der geringste Teil gedeckt ivar, von den größeren Häusern ist die Vorderseite, also jener Teil, der auch für den oberflächlichsten Beobachter täglich sichtbar war. gar nicht gedeckt gewesen. Der Vorwurf, daß diese zu frühe Ab- nähme der Rohbauten mit Schuld trägt, daß der Dachdeckerstreik heute noch nicht beendet ist. kann der Stadtbehörde nicht erspart bleiben.__ I» der Schuhfabrik von I. M ü I l e r Söhne in Speyer haben sämtliche Arbeiter ihre Kündigung eingereicht. Zuzug ist fernzuhalten. Gelbe Verleumder. In den Schuckertwerken zu Nürnberg besteht seit einigen Jahren eine von der Direktion gehätschelte gelbe Truppe, die ihre organisierten Kollegen mit ganz schäbigen Mitteln bekämpft. So verbreiteten sie über den Betriebsdertrauensmann des Deutschen Metallarbeiterverbandes und Mitglied des Arbeiterausschusses, Ge- nossen Zwosta, das Gerücht, er unterhalte mit einer Arbeiterin, die ebenfalls dem Arbeiterausschutz angehört, ein ehebrecherisches Verhältnis. Diese Verleumdung wurde auch in dem Lebiusschen „Bund" wiederholt in der üblichen Weise behandelt. Zwosta sah sich schließlich genötigt, einen der Verleumder, den Packer Pauli, zur Verantwortung zu ziehen, um dem immer frecher werdenden Gerede ein Ende zu machen. Vor Gericht konnte der Mann nicht den Schatten eines Beweises für die Behauptung erbringen, und er wurde zu zehn Tagen Gefängnis verurteilt. Hiergegen legte er Berufung ein; zur Strafkammerverhandlung schleppte er eine ganze Anzahl Zeugen herbei, allein das Ergebnis war für ihn noch kläglicher als vor dem Schöffengericht. Auf Andrängen des Rich- ters nahm Zwosta Rücksicht auf die Familie des Verleumders und ging auf einen Vergleich ein, worin Pauli unter Uebernahme samt- lecher Kosten erklären mußte, daß alle ehrenrührigen Nachreden aus der Luft gegriffen sind; ferner muß er den Widerruf im „Bund" und im Nürnberger Parteiblatt veröffentlichen. Ein Tarifvertrag im Kiirschnergewerbe. Zwischen der freien Vereinigung der Kürschnermeister Münchens und dem Deutschen Kürschnerverband, Zahlstelle München, haben dieser Tage vor dem Gewerbegericht Tarifverhandlungen stattgefunden. Bisher bestand in diesem Gewerbe keinerlei Tarif, die Lohn- und Arbeitsverhält- nisse waren in keiner Weise einheitlich geregelt. Eine Einigung ist bis jetzt vor dem Gewerbegericht hinsichtlich der Arbeitszeit und dem Minimallohn bei den männlichen Arbeitern erzielt. Die Arbeitszeit soll täglich 0 Stunden betragen. Der Mindestlohn für Kürschnergehilfen soll auf 50 Pf. pro Stunde, der für Ausgelernte, die beim Lehrmeister bleiben, auf 40 Pf. festgefetzt werden.— In Bezug auf die Arbeitszeit- und Lohnverhältnisse der Arbeite- rinnen konnte bis jetzt eine Einigung noch nicht erzielt werden, ebensowenig über einen den Arbeiterinnen jährlich zu gewährenden Urlaub. Es sollen demnächst nach dieser Richtung hin vor dem Münchener Gelverbegericht weitere Verhandlungen stattfinden, die dann hoffentlich zu einer völligen Einigung führen. JJusland. Former tverden vor Arbeitsangeboten nach Australien gewarnt! DaS internationale gewerkschaftliche Sekretariat erhielt ein Tele- gramm von den australischen Gewerkschaften mit der Bitte, Former in den europäischen Ländern vor Zuzug zu warnen, da ein schwerer Konflikt mit den Unternehmern ausgebrochen ist und diese sich auf baldigen Ersatz durch Einwanderer verlassen. Es ist selbst» verständlich, daß organisierte deutsche Arbeiter von anstralischen Magnaten sich nicht zu Streikbrechern werden machen lassen. Tom Mann über Gcwerkschaftsaufgaben. Der Organisator des australischen Sozialismus legte den Hafenarbeitern in C a r d i f f die Unzulänglicksteit der gegen- würdigen englischen Gewerkschaftsorganisation dar. Trotz mancher Fortschritte seien die Arbeiter von Cardiff noch in einem Anstand schmählicher Desorganisation und zu koinem ernsten Kampfe fichig. wie der jüngste Streit über Freigabe des Sonnabendnachmittag» gezeigt habe. Er sprach sich ferner auf Grund der australischen Erfahrungen gegen ständige Schiedsgerichte aus, die sich in Neuseeland als Hindernis des Fortschritts erlviesen hätten und dazu führten, die Forderungen der Arbeiter zu ersticken. Vor allem forderte er eine andere Form der Organisation. Jetzt ständen sich die einzelnen Verbände fremd gegenüber. An Stelle der alten Trade Unions(Fachvereine) täten Jndustrieverbände (Jndustrial Uniomsm) not. Letzte JVachrlchten. Verurteilter Wunderdoktor. Marburg, S. September.(B. H.) Das Schwurgericht ver- urteilte heute nach sechstägiger Verhandlung den Wunderdoktor Dikomrit aus Hartenrod zu einem Jahre und zwei Monaten Gefängnis, sowie zu 500 M. Geldstrafe und dessen Gehilfen Zindermann zu 10 Monaten Gefängnis und 300 M. Geldstrafe. 5 Monate der verbüßten Untersuchungshaft wurden beiden in Anrechnung gebracht. Winter auf den bayrischen Bergen. München, 6. September.(B. H.) Aus den Bergen kommen Nachrichten über ungeheure Schneemassen, die in der letzten Nacht niedergegangen sind. Auch neues Anschwellen der südbayerischen Flüsse wird gemeldet, so daß Hochwassergefahr wieder in Aus- ficht steht. Ein blutiger Zusammenstoß. Budapest, 0. September.(W. T. B.) Ueber einen Zusammen- stos), der zwischen Bauern und Gendarmen in Czelna stattfand. wird amtlich gemeldet: Der Zusammenstoß erfolgte wegen Tragens von Kokarden in den Landesfarben des Königreichs Rumä- nien, wozu der im Wahlkampf unterlegene und seither unab- lässig agitatorisch tätige Abgeordnete V a j d a die rumänische Land- bevölkerung angestiftet hatte. Die Aufforderung der Gendarmen. die gesetzlich verbotenen Kokarden abzulegen, beantworteten die Landleute, indem sie eine drohende Haltung einnahmen und die Gendarmen angriffen, die auf die Menge feuerten und zwei Personen töteten.— In der Gemeinde S t r a c s a kam es aus derselben Veranlassung ebenfalls zu einem Zusammenstoß, bei dem ein Gendarm getötet wurde. Die Gendarmerie ist in W a j d a verstärkt worden._ Die Cholera in Apulien. Rom, 6. September. kW. T. B.) In dem apulischen Choleragebirt sind während der letzten 24 Stunden 14 Erkran. kungcn und 12 Todesfälle an Cholera zu verzeichnen. Neapel, 6. September.(W. T. B.) Mehrere hier vor- gekommene Fälle von Dysenterie sind genau untersucht worden. Nach dem Ergebnis war kein Cholcrafall darunter.__ Tie Pest in Odessa. Odessa, 6. September.(Preß-Tel.) Nach einer offiziellen Bekanntmachung sind im Stadtbezirk Odessa bisher 84 Pcstfälle zu verzeichnen gewesen. Beim Baden ertrunken. Saloniki, 6. September.(B. H.) Drei Touristen aus Lissabon, welche von Cattari in Albanien nach E l b a s s a n unterwegs waren, badeten in einem Flusse. Zwei wurden von der Strömung sofort fortgerissen und ertranken, der dritte wurde gerettet. ilerantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw.iTh.Glockr, Berlin. Druck u.Verlag:BorwärtSBuchdr.u.verlag»anftaU KaulSingerLtCo.,BerlinLVk, Hierzu Z Beilagen u-UnterhaltungSbl, Kr. 209. 27. IahrMg. I SkilM ilkS, Amiirls" Knlim NckslilM Uittivoch, 7. September l9l0. ?we!tc Vnternatlonsle Konferenz cker lozIaliiMchev ZugenSorgnniistionen. Kopenhagen, 8. September. Zum Punkt Jugendschutz begründet Martin Olsen-Däne- Mark die vom I. Internationalen Jugendkongretz in Stuttgart an- genommene Resolution, die ohne Debatte einstimmig be- st ä t i g t wird. Sie schildert die besondere Ausbeutung der jugendlichen Arbeiter infolge des kapitalistischen Systems, der breiten Verwendungsmöglichkeit jugendlicher Arbeitskräfte durch die Einführung der Maschinen, der Lehrlingszüchterei und der Lehrlingsausbeutung durch den Verzweiflungskampf des Klein- gewerbes. Sie fordert vom Gegcnwartsstaat als Schutzmaßregeln für die arbeitende Jugend 1. Verbot der Beschäftigung jugendlicher Arbeitskräfte vor vollendetem 16. Lebensjahr, unter gleichzeitiger Ausdehnung der Schulpflicht bis zu diesem Alter, 2. sechsstündiger Maximalarbeitstag für alle Arbeiter und Arbeiterinnen unter 18 Jahre; für dieselben 3. Verbot der Nachtarbeit, 4. 3Sftündige ununterbrochene Sonntagsruhe, Verbot des Kost- und Logis- Zwanges, 6. Einführung des obligatorischen Fortbildungsschul- Unterrichts mit Tagesunterricht, 7. Abschaffung des Züchtigungs- rechts, 8. Anstellung besonderer Inspektoren, S. Ausdehnung der Gewerbeinspektion auf die Handwerksbetriebe und die Haus- industrie, 10. Beschränkung der Lehrzeit auf zwei Jahre, 11. Ver- bot der Lehrlingsverwendung zu häuslichen und überhaupt außer- gewerklichen Zwecken, 12. leichtere Löslichkeit des Lehrverhältnisses und 13. Erhöhung der Strafen für die Arbeitgeber, die die Be- stimmungen zum Schutz der Jugendlichen überschreiten. Die Ge- werkschaften sollen beim Abschluß von Tarifverträgen nach Mög- lichkcit auf die Erfüllung dieser Forderungen drängen und die Jugendorganisationen selbst Schutzkommissionen für die jugendlichen Arbeiter schaffen, welche die Aufgabe haben sollen, darauf zu achten, daß die Schutzvorschristen erfüllt werden und auch den Arbeits Nachweis in die Hand nehmen können. Es erhält sodann Dr. Karl Liebknecht das Wort zu seinem Referat über Militarismus. Er stellt die Entwickelungs- geschichte und Psychologie des Militarisnius dar und gelangt zu dem Schluß, daß der heutige Militarismus nicht als Einzel� erscheinung in der Gesellschaft, sondern als ein Glied des Kapita lismus betrachtet und bekämpft werden müsse. Der kapitalistische Militarismus ist, soweit er sich nach außen richtet, in erster Linie eine Waffe im internationalen Konkurrenzkampfe. Die inter- nationale militärische Konkurrenz verbessert die Technik und ver- mehrt die Größe der bewaffneten Macht. Durch die neuerdings in Riesenschritten vorwärts eilende Eroberung der Luft ist ein neues Element in die militärische Organisation eingetreten, das in ab- sehbarer Zeit eine vollkommene Umgestaltung des Heer- und Kriegswesens zur Folge haben kann. Der durch den äußeren Mili- tarismus bedingte Umfang der Heeresorganisation ist bestimmt durch den Grad der Spannung, in dem sich der einzelne Staat in- folge der internationalen kapitalistischen Konkurrenz befindet. Die Form der Heeresorganisation ist in allen Ländern des Hochkapita- lismus schon wegen der größeren Schlagfertigkeit im Angriff das stehende Heer. Auch in den Ländern mit einer lockeren Heeres- Organisation(Miliz u. dergl.) werden die stehenden Kadres allent- halben vergrößert. Die idealen Kulturaufgaben verkümmern unter dem Druck der materiellen Lasten des Militarismus. Mit der Zunahme der kapitalistischen Konkurrenz steigert sich die inter- nationale Spannung. Der heuchlerisch als Friedenshort gepriesene äußere Militarismus wird trotz aller Monarchenbesuche und Bünd- misse zur Erhaltung des Friedens zu einer immer ernsteren, ständigen Kriegsgefahr. Auch die Bedeutung des inneren Militarismus nimmt mit der Fortentwickelung deS Kapitalismus schnell zu. Die wachsenden Klassengegensätze nötigen die herrschenden Klassen immer mehr, ihre oligarchische Herrschaft auf das Gewaltmittel des Militaris- mus zu stützen. Das letzte und stärkste Gewaltmittel ist die Armee; sowohl in den wirtschaftlichen wie in den politischen Kämpfen gegen das Proletariat wird sie als ultima ratio in täglich sich steigerndem Maße verwandt. Das System des stehenden Heeres ist dem inne- ren Militarismus am meisten angepaßt, und zwar noch ange- paßter als dem äußeren Militarismus, weil dieses System am kleines feuilleton. Theater. Deutsches Theater:„Amphitrhon�, Lustspiel in drei Akten von Heinrich v. K l e i st. Der naive Mythus vom Götter» Vater Zeus, der. um die Liebe der schönen Alkmene zu genießen, die Züge ihres Gatten, deS Thebaner Feldherrn Amphitryon, an- nimmt und mit ihr den Knaben Herkules, den stärksten aller Menschen, erzeugt, hat in der späteren Griechenzeit, als kritischer Verstand die Ehrfurcht vor den überlieferten Göttermärchen unter- wühlt hatte, den Stoff zu einer lustigen Komödie gegeben. In der lateinischen Bearbeitung des Plautus haben sich die Spuren des Originals erhalten. Und aus dem Plautus wiederum schöpfte Moliöre die Anregung zu seinem graziösen Versspiel„Amphitryon". Fuldas deutsche Uebersetzung. in der das Stück auch vor den Mit- gliedern der Freien Volksbühne mit großem Heiterkeitserfolg zur Aufführung gelangte, bringt in ihren leichten Reimen die Anmut und den Uebermut der Dichtung kongenial zum Ausdruck. Der Geist erheiternder Respektlosigkeit, feiner, doch in seiner Art demjenigen der Offenbachschen parodistischcn Operetten verwandt, weht darin. Moliöre persifliert in dem Histörchen zugleich die Art und Weise, wie die großen Herren der Erde für ihr Gelüsten immer willige Diener finden und wie sie sich selbst in den heikelsten Situationen noch ein Air der Gnade und der Großmut zu geben wissen. Die Göttin der Nacht, durch Merkur, den Boten des ZeuS, aufgefordert, die Stunden der Dunkelheit für das galante Abenteuer länger auszudehnen, ergeht sich in recht spitzigen Betrachtungen. Es ändere jede Handlung, je nach dem Ansehen dessen, der sie tut, den Namen. Indes will sie die Hilfe nicht verweigen,. denn alle himmlisch Hochgeborenen müssen einander solidarisch beistehen, da- mit das Menschenvolk nicht Anlaß zu unehrerbietigen Späßen finde! Und Sofias, des hochfahrenden Amphitryon prosaisch verständiger Diener, bemerkt achselzuckend am Schluß, da sich ZeuS dem be- trogenen Gemahl in seiner Herrlichkeit offenbart und als Gegengabe für die unehelichen Freiheiten pathetisch die künftige Geburt des Helden Herkules voraussagt: Herr Jupiter vergoldet seine Pillen. Ihm kommt die Sache trotz aller großen Worte gar nicht»rühmlich" vor.— Kleists Umformung des Moliörschen„Amphitryon" zerstört die leichte, spielerische Stimmung sowie den Einschlag des Satirischen, die dem französischen Stück so pikanten Reiz und frische Bühnen- Wirksamkeit verleihen. DaS Gespräch der Götter im Prolog, dieses spöttische Präludium, daS allem anderen Licht und Farbe gibt, hat er gestrichen, die Hauptpointe ausgelöscht. WaS er binzugetan, bringt es zu keiner einheitlichen Wirkung, kann es im Rahmen einer Fabel, die heute nur im Spiel der Laune und deS Witzes flüchtig zu inter- essieren vermag, zu keiner Wirkung bringen. In dem karnevalistischen Getriebe der Verwechselungen, die Jupiters Verwandlung in «mphitryons Gestalt, Merkurs Maskierung als SosiaS erzeugt, bleibt für die Symbolistik, die Kleist am Herzen lag, nicht Raum. Der tiefe, vieldeutige Gedanke, daß Jupiter als Golt geliebt sein will und daß er doch die Liebe, nach der seine Einsamkeit dürstet, »ie als er selbst, uur in menschlicher Verkleidung gewinnen ehesten die Möglichkeit gewährt, den Mannschaften die erforderliche Psychologie einzuflößen. Die Herausbildung eines hündischen Kadavergehorsams und eines Landsknechtsübermuts gegen die Masse der Zivilbevölkerung soll die Soldaten geeignet machen, bei Wirt- schaftlichen und politischen Konflikten auf die eigenen Klassen- genossen, auf Vater, Mutter und Geschwister zu schießen. Das Proletariat, der Träger der internationalen proletarischen Solidarität und des Völkerfriedens, ist der geborene Feind des Militarismus. Die im Kampf gegen dar. Militarismus grund- legenden Methoden sind: unermüdliche Aufklärung über das wahre Wesen des Militarismus und seine Helfershelfer, unablässige Brandmarkung der militaristischen Schädlichkeiten und Aus- schreitungen, Propaganda für alle zur Abschwächung des Militaris- mus geeignete Maßnahmen(Schiedsgerichte, Abrüstung, Volksheer) und Erziehung des Proletariats im Geiste des Sozialismus zur internationalen proletarischen Solidarität. Die Erziehung der Jugend in diesem Geiste ist eine der wichtigsten Aufgaben des kämpfenden Proletariats, und die selbständige proletarische Jugend- bewegung ist das wirksamste Mittel zu dieser Erziehung. Ueber die Art der Erziehung hat unter Jnnehaltung der im Beschluß des Stuttgarter Kongresses niedergelegten Grundsätze die Arbeiter- bewegung eines jeden Landes je nach ihren Verhältnissen zu ent- scheiden. In diesem Sinne wird in Uebereinstimmung mit dem Stuttgarter Beschluß, den sich die Jugendintcrnationale in allen Punkten zu eigen macht, die proletarische Jugend zum Kampf gegen den Militarismus in allen seinen Formen aufgerufen. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Liebknecht legt im Sinne dieses Referates Thesen vor. In der Diskussion führt Skala(Böhmen) Beschwerde, daß das internationale Sekretariat bei der serbisch-österreichischen Krise kein Manifest gegen den Krieg erlassen habe. Skatula(Böhmen) wünscht ebenfalls, daß vom internationalen Sekretariat eine stärkere antimilitaristische Propaganda unter den Deutschen in Oesterreich entfaltet werde. Danneberg verteidigt die Haltung des internationalen Bureaus in der serbisch-österreichischen Frage und glaubt Skatula versichern zu können, daß sein Wunsch bald in Erfüllung gehen wird. Krogh(Norwegen) wünscht, daß in den von Liebknecht vor- geschlagenen Thesen bestimmte Mittel zur Bekämpfung des Mili- tarismus und zur Abschwächung der Kriegsgefahr, besonders die Forderung der Abrüstung durchgeführt werden, die von der schwe- dischen Bewegung erfolgreich angewendet worden sind. Nach Ansicht Cliristensens(Dänemark) entsprechen die Erfolge der antimilitaristischen Propaganda in Schweden allerdings den gebrachten Opfern nicht. Nach längerer Diskussion werden die Thesen Lieb kn echt? unter Streichung der Forderung nach Schiedsgerichten, Abrüstung und Volksheer und Hiuzufügung der allgemeinen Forderung: Pro- paganda für die Abschaffung des Militarismus e i n st i m m i g an- genommen. Beim letzten Punkt der Tagesordnung:„Die inter- nationale Organisation der sozial! st ischen Jugend" teilt Danncberg einen Beschluß des internationalen Bureaus in Brüssel mit, wonach sich das internationale Jugend- sekretariat dem internationalen Bureau in Brüssel"als Unter- abtcilung angliedern soll. Die Konferenz erklärt sich hiermit ein- verstanden. Bis zur endgültigen Regelung der Angelegenheit wird ein aus Danneberg(Oesterreich) als Sekretär und de Man (Belgien), H ö g l u n g(Schweden). Skatula(Böhmen) und Krogh(Norwegen) als Beisitzer bestehendes provisorisches Sekretariat eingesetzt. Dem aus dem Sekretariat aus- scheidenden Genossen Karl Liebknecht wird eine Ovation bereitet. Dann schlössen die Verhandlungen unter stürmischen Hoch- rufen auf die internationale Jugendbewegung und dem begeisterten Gesang der Internationale. tandeskonftren; der sozialdemokratischen Partei Sachsens. (Telegraphischer Bericht.) Leipzig, 6. September. In der heutigen Sitzung hielt Genosse Heinrich Schulz- Berlin einen ausgezeichneten zweistündigen Vortrag über die Reform d e S V o n s f ch u l w e s e n S. Er gab zunächst einen Rückblick auf die geschichtliche EntWickelung der Schule. Daun ging er zur Schilderung deS heutigen ZustandeS über, um anschließend die kann, löst im Gedränge der bunten Abenteuer keinen lebendigen Nachhalt der Empfindung aus— so wenig wie AlkmeneS Klage, die ihren unbewußten Treubruch mit dem Tode sühnen will. Der satirische Hautgoüt geht so verloren, und die burlesken Prügel- szenen zwischen Sofias und seinem zweiten Ich fallen dann aus dem Stil heraus. Die Aufführung war eben mäßig abgerundet, ohne, wie es ja auch in der Natur der Rollen lag, eine hervorragend persönliche Leistung zu bieten. Kayßler hatte als Jupiter einige sehr gute Momente. Frau F e h d m e r war eine zärtliche Alkmene, Ludwig Hartau ein zornig stürmischer Amphitryon. Für Sofias und seinen göttlichen Doppelgänger setzten Guido Herzfeld und Alexander Eckert mit guter Laune ihre Kräfte ein. ckt. Wir erhalten folgende Zuschrift: „Unter dem 6. September kritisiert der„Vorwärts" die Auf- führung der„Erziehung zur Ehe" im Neuen Volkstheater und rügt dabei zwei Versehen, die meine Besprechung dieses Stückes enthält. Mein Manuskript war von den Versehen frei, erst später haben sie sich eingeschlichen und zwar auf folgende Weise: Beim Korrektur- lesen stellte sich heraus, der Text müsse gekürzt werden, um Raum für einen angehängten Aufruf zu erübrigen. Ich strich also Sätze und Satzteile, machte Zusammenziehungen und Aenderungen. Die Striche und Randvermerke nun mögen dem Setzer nicht überall deutlich geworden sein;� vielleicht hat sich auch mein Stift beim Streichen verirrt. Wer je mit Druckkorrekturen zu tun hatte, wird diese Entschuldigung gelten lassen. Dr. Bruno Wille." Wer je für ein Publikum zu schreiben hatte, meinen wir, dessen Bildungsbedürfnis solchen Respekt verdient, wie das der Mitglieder unserer Volksbühnen, der sollte das„Korrektur-Revision" ge- nannte Verfahren anwenden oder anwenden lassen. G. D. Humor und Satire. Waldeszauber.»Hören Sie daS wunderbare Rauschen, Fräulein Aurelie?" „O ja, Herr Assessor, ich lasse ja auch alles auf Seide arbeiten I" Beim nächsten Fürstenempfang.»Und gar keine Ehrenjungfrauen, lieber Bürgermeister?" „Ach, entschuldigen Sie. Majestät, wir hatten 20 ausgewählt, die sind aber heut gerade Zeuge n-im Pozeß Bockl" * Reue Preisaufgaben der Universität (aus Anlaß der Hundertjahrfeier). Statistischer Vergleich der deutschen Viehzählung mit dem Be- stand des Rindviehs in Berlin, einschließlich der Heuochsen in der deutschen Tageszeitung. Wird das neue Heilmittel Ehrlich-Hata 606 die Zahl der Ehe- schließuugen vermindern? Wie' wird das Telegramm lauten, das der König von Italien empfangen wird, wenn der schiefe Turm von Pisa umfällt? Hätte Gutcnberg die Buchdruckerkunst auch erfunden, wenn er die»Tägliche Rundschau" vorausgeahnt hätte z/ Forderungen der Sozialdemokratie zu entwickeln. Die Sozial- demokratie gehe von einer anderen Anschauung aus an die Schulreform als das Bürgertum. Dieses wolle nur an dem Schulwesen herumflicken, die Sozialdemokratie es aber von Grund aus reformieren. Der reiche Inhalt des Referats kann hier auch nicht andeutungsweise wiedergegeben werden. Die Forde- rungen der Partei zur Reform des Schulwesens sind vom Referenten in einer Res olution niedergelegt worden, die mit den L e i t» s ä tz e n übereinstimmt, die dem Mannheimer Parteitag 1306 zu dem Thema„Volksschule und Volksbildung" vorgelegt wurden. Genosse Schulz begründete nun im einzelnen diese Forderungen. In der DiS- kussion regte Genosse G ö h r e an, daß zur Belebung der Schulreform in Sachsen im kommenden Winter eine Bewegung entfacht werden müsse durch Versammlungen, durch Herausgabe eines Flugblattes und Auslegung einer Petition. Die Resolution des Genossen Schulz wurde nun ein st immig angenommen. Damit waren die Verhandlungen der Landeskonferenz um Mittag Va2 Uhr zu Ende. Der Vorsitzende, Genosse Lipinski, hielt eine" kurze An- spräche, wobei er die Arbeiten der Landeskonferenz betrachtete; dann schloß er sie mit einem dreifachen Hoch auf die revolutionäre Sozial- demokratie, in das die Delegierten begeistert einstimmten. Achter Ittteniationnler Genosseuschaftstag in Hamburg. Hamburg, 5. September. Von der gestrigen Beratung des Statuts— die Zweck- bestimmnngen des Internationalen GenossenschaftSbundeS haben wir bereits mitgeteilt— ist noch folgendes nachzutragen: Der Ent- Wickelung des Genossenschaftswesens Rechnung tragend, wird vor« geschlagen, die Gewinnbeteiligung unter die Zwecke des Bundes nicht mehr aufzunehmen, ein nicht zu verkennender Fort- schritt. Was den Aufbau des Bundes anlangt, wird ausgeführt, daß zweifellos einmal die Zeit kommen werde, wo der Internationale Bund sich allein auf nationalen Verbänden aufbauen kann, in der Gegenwart ist es aber noch nicht möglich. Außer einzelnen Ge- nossenschaften und Genossenschaftsverbänden find auch Gesellschaften zugelassen, die, ohne selbst Genossenschaften zu sein, die Förderung deS Genossenschaftswesens bezwecken. Die Mitarbeit solcher Pro« paganda-Gescllschaften, wie zum Beispiel daS„Pellevero" in Finn» land, könne dem Bunde nur erwünscht sein, liege deren Tätigkeit doch in der gleichen Richtung wie die deS Bundes. Auch die individuelle Mitgliedschaft ist zulässig, da eS Leute mit großen Verdiensten um das Genossenschaftswesen gebe, deren Mitarbeit man nicht entratcn wolle.— Der§ 7 proklamiert die politische und religiöse Neutralität deS Bundes. Diesem gehören aber mehrere Genossenschaften an, die sich in den Dienst einer politischen Partei stellen, und der Ansicht sind, daß die Genossen- schaften mit anderen politischen und sozialen Organisationen zusammenarbeiten müssen, wenn sie ihre Ziele erreichen wollen. Der Zentralvorstand glaubt, auch diese in Belgien, Frankreich und Oester- reich befindlichen Genossenschaften nicht von der Mitarbeit im Bund ausschließen zu sollen und beschränkte sich deshalb auf die Forde- rung. daß„alle Mitglieder die politische und religiöse Neutralität des Bundes selbst respektieren sollen".— Der Beitrag an den Bund wird, je nach dem lokalen, regionalen oder nationalen Wirkungskreise und je nach dem Umfange dieser Organisationen, im Minimum auf 12—200 M. pro Jahr bemessen. DaS Gesamtstatut wurde en bloc gegen eine Stimme an» genommen. Hamburg, 6. September. In der heutigen Sitzung gelangte der dritte Punkt zur Ver» Handlung: Die Entwickclunz deS Genossenschaftswesens in Gegenwart und Zukunft. Dieser Gegenstand ist in vier Abschnitte zerlegt: s) das Konsumgenossenschaftslvesen; b) das landwirtschaftliche Genossenschaftswesen; c) daS Kredit- und gewerbliche Genossenschaftswesen; ck) was können die Baugenossenschaften zur Lösung der Wohnung?« frage beitragen? Ueber den ersten Abschnitt referiert Dr. HanS Müller« Zürich. Nach einem Ucberblick über den Stand und das Wesen der Genossenschaften entwickelt Redner die Anficht, daß es eine grund» sätzliche politische Abstinenz für die Genossenschaften nicht geben könne. Daraus folge aber keineswegs, daß die Konsumvereins- Wieviel Schutzmächte gehören dazu, um eine Insel von der Größe Kretas schutzlos zu machen? Wieviel Semester muß ein preußischer Prinz die Sportplätze besuchen, um an einer Hochschule sein Doktorexamen zu machen? („Lustige Blätter.") Vornehme Passionen.„DaS Wetten ist doch ein schreck« licheS Lasterl Jetzt habe ich schon wieder meine ganzen sauer ver- dienten Erpressungsgelder beim Totalisator verloren." Ein nobler Papa.„Fünfhundert Mark Abfindung hat mei Rest für den Buam kriagt, und wia s' damit zum Wechseln 'gangen iS, war'n'S lauter g'fälschte Banknoten." Aerzte unter sich.„Verlassen Sie sich auf meine längere Erfahrung. Herr Kollege: die Leute, die noch an Gott glauben, machen einen, das Leben lange nicht so sauer, wenn eins aus der Familie draufgeht."_(„SimpltcissimuS".) Notizen. — Reines Radium herzustellen, ist der Frau Curie, wie sie der Pariser Akademie der Wissenschaften gestern mitteilte, in gemeinsamer Arbeit mit dem Chemiker Debierne gelungen. Das „reine Radium" hat das Aussehen eines silberweißen Metalls, es wird vom Eisen kräftig angezogen(ist also stark magnetisch), zersetzt sich schnell in der Luft, wobei es unter der Einwirkung des Sauer- stoffs der Luft eine schwarze Färbung annimmt, eS verbrennt Papier, das mit ihm in Berührung gebracht wird, und oxydiert sehr stark im Wasser.— Bisher kannte man das Radium nur in Ver« Bindungen, namentlich mit Chlor und Brom. Die Versuche mit dem kleinen Stückchen reinen Metalls werden jetzt erst beginnen, und es wird sich erst noch herauszustellen haben, ob die Darstellung des reinen Elements für Chemie, Technik oder Heilkunde von be- sonderer Bedeutung ist. — DaS„Berliner Tageblatt" windet sich vor Staunen über die Verderbtheit der bürgerlichen Presse, für deren Käuflichkeit Herr A. O. Weber wieder einmal Beiträge(im Werte von 3000 M.) erbracht hat. Dem Mosseblatt sollten bestimmte Eigenheiten der bürgerlichen Presse doch nicht unbekannt sein. Im„B. T." vom 21. August 1010 z. B. stand ein von einem gewissen Dr. Wilhelm Sternberg verfaßter Artikel:„Die Uebertteibungen der Abstinenz." Der Verfasser jenes Artikels, Dr. Sternberg, ist ein Mann, dessen metallische Beziehungen zu den deutschen Groß« braucreren sehr häufig diskutiert und erwicftn worden sind. Unter anderem im Organ des Deutschen Arbeiter- Abstinenten-Bundes(„Der abstinente Arbeiter") und letztens erst wieder in einer im Verlage dieses Bundes herausgegebenen Broschüre: „Das Vraukapital und seine Knappen". Also dieser Dr. Sternbcrg genießt die Gastfreundschaft des„Berliner Tageblatt". Als aber ein angesehener Arzt, der Besitzer eine» Sanatoriums im Riesen- gebirge, eine Erwiderung kontra Sternberg einsandte, erhielt er den Artikel ohne eine Silbe der Begründung zurück. Was sagt das „Berliner Tageblatt" zu solchem Verhalten, das Elemente schützt, die nicht minder genau unter die Lupe zu nehme» wären als jene, die Herren A. O. Weber gehorsam zu Diensten standen? Vewcgung nun den Charakter etner Art bon politischer Partei an- nehmen und sich ein eigenes politisches Programm geben müsse. Sie bedürfe iin Grunde zu ihrem Gedeihen nur, daß man sie in Ruhe lasse und die staatsbürgerlichen Rechte der Konsumenten nicht autaste. Sie verlange vom Staate gar nichts anderes, als die Aufrechterhaltung der liberalen Grundsätze der Rechtsgleichheit und wirtschaftlichen Freiheit, die Respektierung der Rechte der Ge- nosfeiifchaften, alles das zu tun, was anderen Bürgern ebenfalls erlaubt sei. Die Genossenschaften seien an der Erhaltung und loyalen Auwendung derjenigen Grundsätze durch die staatlichen Behörden interessiert, welche in der Verfassung eines jeden modernen Rechtsstaates niedergelegt seien. Zur Bildung einer be- sonderen politischen Partei liege deshalb kein Grund vor. Wir haben nur dann die Pflicht, in die politische Arena herabzusteigen, wenn an den anerkannten Grundlagen des Rechtsstaates gerüttelt und versucht wird, diese nach rückwärts zu revidieren. In diesem Sinne können wir von unserer Bewegung behaupten, daß sie eine eminent staatserhaltende Bewegung seil— Der Grundsatz der Neutralität besage, daß innerhalb der Genossenschaften allein die Genossenschrister nach genossenschaftlichen Grundsätzen und Rücksichten ihre Entscheidungen treffen und keinem von misten kommenden Diktat irgend einer Parteiinstanz unterstellt sein sollen. Aber er besage nicht, dast die Genossenschaften in einer ihre Interessen betreffenden Angelegenheit nicht mit einer Partei einmal gemeinsame Sache machen können. Das Neutralitätsprinzip soll die Genossenschaften nicht in der Vertretung der Interessen ihrer Mitglieder beschränken, sondern gerade umgekehrt eine möglichst wirksame Bekämpfung aller genossenschaftsgegncrischen Bestrebungen möglich machen.— Das ökonomische Interesse, das die Konsumgenossenschaften und ihre Verbände vertreten und in der Volkswirtschaft durchzusetzen bemüht sind, ist Unbestrittenermasten daS Interesse der Konsumenten. Da aber nicht nur eine Klasse der Gesellschaft, sondern alle Klassen aus Konsumenten bestehen, so ist das Konsumenteninteresse tatsächlich das allgemeine gemeinsame Interesse aller Glieder der Gesellschaft. Mit anderen Worten: als Konsumenten sind alle Klassen, ja alle Völker solidarisch: als Konsumenten haben die Menschen keine sich streitenden Interessen, und deshalb haben sie auch keine Veranlassung, gegen einander Konkurrenz- und Klassenkämpfe und Völkerkriege zu führen. Das Konsumenteninteresse bildet die höhere Einheit, in der sich alle gegensätzlichen, sozialen und nationalen Interessen auflösen. Die KonsumgenossenschaftSbcwegung nun, deren ureigenster Zweck die Durchsetzung des KonsumentcnintereffeS in der Volks- und Welt- Wirtschaft ist, ist deshalb auch eine soziale und internationale Friedensbewegung: sie birgt nichts in sich. waS zu Klaffen- kämpfen und Völkerkriegen Veranlassung geben könnte. In dem Mäste, als sie sich entwickelt, realisiert sie vielmehr daS Ideal der Solidarität innerhalb der einzelnen Volksgemeinschaften und Staaten, wie auch in ihrem internationalen Verkehr mit- einander. Die KonsumgenossenschaftSbcwegung hilft die ökonomischen Voraussetzungen für eine soziale Kultur des Menschengeschlechts schaffen, die frei ist von dem menschenunwürdigen Kampfe des Menschen gegen den Menschen. Aber gerade deshalb können und dürfen wir sie nicht zu einer Waffe in den Partei-, Klassen« und Völkerkämpfen, die die gegenwärtige Gesellschaft erschüttern, um- schmieden. Tun wir daS, so nehmen wir ihr nicht nur daS, waS ihre groste kulturgeschichtliche Bedeutung ausmacht, sondern tragen auch den Keim der Zersetzung und inneren Zwistigkeiten in sie hinein. Redner warnt nochmals die Genossenschaften, sich nicht in Fragen und Angelegenheiten hineinzumischen, die ihre Lebens- intereffen nicht berühren. Dagegen werde die Genoffenschafts- bewegung um so weniger darauf verzichten können, sich in den Fragen der nationalen Wirtschafts- und Sozialgesetzgebung Gehör zu verschaffen, je weiter sie fortschreite und je mehr speziell die Konsumgenossenschaftsverbände sich zu nationalen Organi- sationen der allgemeinen Konsumenteninteressen auswachsen.— Die genossenschaftliche Erziehungsarbeit müsse mit der Organisation des Konsums und der Produktion Hand in Hand gehen. Nur wenn die Genossenschaften in diesem Sinne sich entwickeln, wenn sie zu Pflege- statten sozialer Gesinnung und zu Anstalten sittlicher Charakter- bildung werden, könne man mit Zuversicht darauf rechnen, dast wir nicht an einem babylonischen Turm, sondern an den Fundamenten einer neuen Zeit, einer veredelten Kultur bauen helfen. ÜHternstionZle Konferenz für Sozial- Versicherung. Haag» den 6. September 1910. (Telegraphischer Bericht.) Die I. Internationale Konferenz für Sozialversicherung trat heute im Scheveninger Kurhaus zusammen. Die Konferenz steht mnter dem Protektorat der niederländischen Regierung. Sie bildet eine Fortsetzung der internationalen Kongreffe für Sozialversiche- rung, die seit dem Jahre 1889 in wechselnden Zwischenräumen in MariS, Bern, Mailand. Brüssel, Paris, Düsseldorf und Rom statt- gefunden haben. An der Konferenz beteiligen sich Politiker aller Parteien, Reichs- und Kommunalbeamte, Soziologen, National- vkonomen und Statistiker, Versicherungsmathematiker und andere Werufsbeamte der öffentlichen und privaten Versicherung, Aerzte und Hygieniker, Richter und Advokaten, Unternehmer und Arbeiter, Genossenschaftler. Fast alle europäischen Staaten, ferner die Ver- einigten Staaten von Nordamerika, Japan usw. sind vertreten. Die Konferenz wurde durch den Vorsitzenden Professor Dr. Nolens- Haag und den holländischen Minister für Landwirtschast Talma eröffnet. Deutschland ist von allen Ländern am stärksten vertreten, es sind aus Deutschland amtliche Behörden, Landesversicherungs- anstaltcn, Aerztevereinigungen usw. vertreten. Als Vertreter der Reichsregierung ist OberregicrungSrat Wuermeling, für das Kaiser. kiche Statistische Amt in Berlin Geheimrat Dr. Zacher, für das Bayerische Statistische Landesamt Ministerialrat Dr. Zahn- München anwesend. Weiter bemerkt man unter den Teilnehmern Staatsminister a. D. v. Berlepsch, Geheimrat Dr. Bielefeld-Lübeck, den Reichstagsabg. v. Dziembowski, den Unterstaatssekretär a. D. Prof. Dr. v. Mayr, den Vorsitzenden des Zentralverbandes der Ortskrankenkaffen Frästdorf-Dresden, Geh. RegierungSrat Dr. Ott. Strastburg, Reichstagsabg. Sanitätsrat Dr. Mugdan-Berlin, Prof. Lcnnhoff-Berlin, Geheimrat Dr. Möller, Prof. Dr. ManeS-Berlin u. a. Im Namen des internationalen Komitees für Sozialver- ficherung begrüßte der Präsident Minister a. D. Poincare-Paris die Konferenz, im Namen der ausländischen Regierungsvertreter dankte Professor Moser-Berlin für den Empfang. Vom Grafen Posadowsky ist ein Telegramm eingelaufen, in dem dieser bedauert, nicht anwescivd sein zu können und versichert, mit ganzem Herzen bei den Verhandlungen zu sein. Auch der österreichische Minister a. D. Baernreither hat sein Ausbleiben entschuldigt. Ter erste Punkt der Tagesordnung betraf den ärztlichen Dienst in der Arbciterversichernng. Hierzu liegen eine Reihe von Referaten vor. Ein Bericht ist vom Präsidenten des ReichsversicherungSamteS in Berlin Dr. Kauf- mann erstattet. Er bezeichnet die behandelnden Aerzte als unent- behrliche Berater der Versicherungsträger, die als Sachverständige und Gutachter bei der Festsetzung der Renten ein maßgebendes Wort zu sprechen haben. Im Gegensatze zur Krankenversicherung, dei der leider zwischen den Aerzten sowie ihren Organisationen und den Verjtcherungsträgern scharfe Gegensätze zutage getreten sind, entwickelten sich nach der der Wirklichkeit recht fern stehenden Ansicht des Referenten bei der Unfall- und Invalidenversicherung die Dinge bisher im allgemeinen harmonisch. Hier hat sich, nicht ohne Einflust der vermittelnden Tätigkeit des Reichsversicherungs- amtes, das Verhältnis der Aerzte zu den Versicherungsträgern im großen und ganzen befriedigend gestaltet. Reibungen in Einzel- fällen waren naturgemäß auch hier nicht ganz zu vermeiden. Be- sonders in früheren Jahren hat die Beschaffung und Bezahlung der von den behandelnden Aerzten erforderten Gutachten nicht selten zu Streitigkeiten geführt. In einzelnen Fällen fühlten sich Aerzte auch über den Wechsel des Arztes in der Heilbehandlung beschwert. Hier und da lehnten dix Aerzte die Begutachtung ab, so lange nicht der behandelnde Arzt gehört Kar. Kassenärzte haben über die bon der Berufsgenoffenschaft veranlaßt« frühzeitige Uebernahme des Heilverfahrens Klage geführt, weil sie hierdurch eine Schädigung ihres Ansehens befürchteten oder sich finanziell geschädigt glaubten. Vereinzelt haben Aerzte auch dagegen Einspruch erhoben, daß ein Vertrauensarzt in Orten außerhalb seines Wohnsitze? Kontroll- Untersuchungen vornahm, oder daß ein nicht dem Aerzteverein des Bezirks angehörender Arzt mit der Vornahme von Rentenrevisioncn betraut wurde. Der betreffende Aerzteverein hatte seinen Mit- gliedern jede weitere Tätigkeit für die Berufsgenossenschaften bei Strafe verboten. Ein anderer Aerzteverein hatte wegen der Er- nennung des Kreisarztes zum Vertrauensarzt der Berufsgenossen- schaft seine weitere Mitwirkung in Unfallsachen verweigert. Die Berufsgenossenschaft war deshalb gezwungen, bei dem zuständigen Gericht vie eidliche Vernehmung der vetreffenden Aerzte als Zeugen zu beantragen. Abgesehen von diesen mehr örtlichen Schwierigkeiten, die verhältnismäßig schnell erledigt werden konnten und in deren Verlauf die ärztliche Versorgung der Ver- sicherten und der ordnungsmäßige Geschäftsgang der Bersichcrungs- träger erfreulicherweise nicht in Frage gestellt wurde, sind ernstere Zusammenstöße nicht zu beklagen gewesen. Präsident Kaufmann erörtert zunächst im speziellen die Stellung des Arztes beim Ver- fahren in der Unfallversicherung. Die Unfallversicherung bezweckt nicht in erster Linie die Zahlung einer Rente, sondern die schnellste und vollkommenste Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit. Je mehr der Verletzte seine Arbeitsfähigkeit wieder erlangt, um so größer ist der Gewinn für ihn, seine Familie und für die Gesamt- heit. Aber auch die Berufsgenossenschaften ziehen durch Verminde- rung ihrer Rentenlast hieraus Vorteil. Ein durchgreifendes Heil- verfahren der Versicherungsträger ist deshalb aus humanen wie finanziellen Gründen veranlaßt. Für seinen Erfolg ist in erster Linie geboten, den Verletzten frühzeitig in geeignete Behandlung zu nehmen. Hier erwachsen dem Arzte wichtige, dankbare Auf- gaben. Der Arzt, der alsbald nach dem Unfall zugezogen wird, um die erste Hilfe zu leisten, beeinflußt durch seine ersten Anord- nungen oft den Gang des ganzen Heilungsprozesses. Die zweck- mäßigste ärztliche Wundbehandlung tritt hierbei in den Vorder- grund. Eine Desinfektion unter ungünstigen äußeren Bedingungen wird leicht zur Infektion. Darum muß alles vermieden werden, was eine Infektion hervorrufen kann.„Der erste Verband ent- scheidet das Schicksal der Wunde" hat ein bekannter Chirurg zu- treffend bemerkt. Nimmt der zuerst zugezogene Arzt auch den ersten chirurgischen Eingriff vor, so ist damit gewöhnlich auch die Entscheidung über den späteren Arbcitsgebrauch der Glieder in seine Hand gegeben. Für den Verletzten kommt es nicht auf dt« Erhaltung anatomisch geheilter, sondern funktionell brauchbarer Glieder an. Von diesem Gesichtspunkt aus muß das Heilverfahren geleitet werden. Da die Bcrufsgenoffenschaften unter Umständen auch für die Folgen innerer Leiden haften, sofern diese durch den Unfall wesentlich ungünstig beeinflußt werden, so erstreckt sich die Hcilbehanolung oft auch auf innere und chronische Leiden. Der Arzt für innere Leiden findet also in der Unfallversicherung gleich- falls ein Feld der Betätigung. Den Wert eines zielbewußten Heil- Verfahrens haben die Versicherungsträger schon bald erkannt. Sie haben daher eigene Unfallkrankenhäuser errichtet, in denen die Be- Handlung Verletzter unter Anwendung aller erforderlichen spezia- listischen Methoden gehandhabt wird. Die Behandlung Unfallver- letzter erfordere eine genaue Kenntnis der Unfallheilkunde und ausreichende Vertrautheit mit zahlreichen schwierigen neuen Be- handlungs- und Beobachtungsmethoden. Nicht jeder praktische Arzt beherrscht heute dies alles schon genügend. Der Wunsch, daß be- sondere Lehrstühle für soziale Medizin geschaffen und daß dieses Fach als obligatorischer Gegenstand des Universitätsunterrichts eingeführt und daß fakultative Fortbildungskurse für Aerzte er- richtet werden, erscheint hiernach vollkommen berechtigt. Nicht weniger bedeutungsvoll gestaltet sich die Tätigkeit der Aerzte bei der Invalidenversicherung. Im Einvernehmen mit dem Reichsversicherungsamt schritten die Landesversicherungsämter zur Erbauung eigener Heilstätten. Die stärkste äußere Anregung hierzu gab der in Deutschland besonders machtvoll aufgenommene Kampf gegen die Tuberkulose. Dieser Entwickelung trug daS 1900 in Kraft getretene Jnvalidenverfiche- rungsgesetz weitgehende Rechnung, indem es den Versicherungs- trägern allgemein die Befugnis gab, ein Heilverfahren in dem ihnen geeignet erscheinenden Umfang eintreten zu lassen. Das neue Gesetz bestimmte ausdrücklich, daß das Heilverfahren auch durch Unterbringung in einem Krankenhause oder in einer Anstalt für Genesende gewährt werden könnte. Voraussetzung hierfür ist nur, daß durch die Heilbehandlung die Verhütung oder Beseitigung der Erwerbsunfähigkeit bezweckt wird. Unter dem Einfluß dieser fort- geschrittenen Gesetzgebung haben sich die eigenen Heilstätten der Versicherungsträger erheblich vermehrt. Die Zähl der Lungenheil- statten belief sich am Schlüsse des Jahres 1909 auf 36 und die der anderweitigen Heilstätten auf 32. In diesen Heilstätten standen insgesamt 7294 Betten zur Aufnahme von Kranken zur Verfügung. Auch die Behandlung von Alkoholkranken durch die Landesver- sicherungsanstalten nimmt bon Jahr zu Jahr zu. So wurden im Jahre 1909 535 Personen in Trinkerheilanstalten untergebracht. Allein bei der Landesversicherungsanstalt Westfalen sind im Jahre 1909 104 Personen mit einer durchschnittlichen Kurdauer von 148 Verpflegungstagen behandelt worden, von denen 90 als geheilt aus der Behandlung entlassen wurden. Auch auf vielen anderen Ge- bieten haben die Versicherungsträger großartiges für die Volks- gcsundung geleistet, was zum wesentlichen Teil der hingebenden Arbeit der beteiligten Aerzte zu danken ist. Was die Stellung des Arztes als Gutachter anlangt, so hob Präsident Kaufmann hervor, daß brauchbare ärztliche Gutachten eine wertvolle Unterlage für die Entscheidung von Rentenansprüchen bilden. Natürlich darf sich die Rentenfestsetzungsinstanz eines selbständigen Urteils über die einschlägigen ärztlichen Fragen nicht enthalten. Daher ist eS wichtig, daß sich die mit der Bearbeitung der Rentensachen be- trauten Organe und Beamten mit den Grundsätzen und Erfahrun- gen der ärztlichen Wissenschaft vertraut machen, und den mit der Rechtsprechung des ReichsversichevungSamtS Beteiligten wird daher durch Vorträge namhafter Aerzte Gelegenheit gegeben, sich über alle für die Beurteilung der Rentenansprüche erheblichen ärztlichen Fragen zu unterrichten. Parallel hiermit gehen die Bestrebungen in ärztlichen Kreisen, auch die Aerzte mit den Begriffen der Rechtsgrundsätze vertraut zu machen, deren Kenntnis für die Er- stattung brauchbarer Gutachten unentbehrlich ist. Die Organisa- ticmen der Unfall- und Invalidenversicherung werden auch in Zu- kunft mit den Aerzten vertrauensvoll und hingebend gemeinsam arbeiten, um die hohen Aufgaben der Arbeiterversichcrung wie bis- her im Interesse der Versicherten und der Gesamtheit gerecht und human zu erfüllen. Ueber den ärztlichen Dienst bei den Krankenkaflen berichtete Amtsgerichtsrat Hahn-Zehlendorf. Er behandelte auS- führlich die zwischen den Aerzten und den Krankenkassen ausgebrochenen Streitigkeiten und nahm für die Aerzte das Recht in Anspruch, sich gegen ungerechtfertigte Zumutungen zu wehren, sich zu vereinigen und einander zu verpflichten, gleichzeitig bei den Krankenkassen ihre Tätigkeit einzustellen oder für gewisse Kassen eine Tätigkeit nicht zu übernehmen. Er besprach dann auch den Entwurf der Rcichsversicherungsordnung, der sich jetzt in der Reichstagskommission befindet und der sogenannte Veriragsaus- schüsse einsetzen will zur Austragung von Meinungsverschieden- Helten zwischen Aerzten und Kassen. Die Aufgaben der ftaffen sind in neuerer Zeit wesentlich erweitert worden. EZ ist für zulässig er- klärt worden, daß die Kassen Untersuchungen über die WohnungS- Verhältnisse ihrer Mitglieder veranstalten und die Feststellungen in einer Denkschrift zusammenfassen. In ähnlicher Weise ließen sich auch andere Vorbeugungsmaßnahmen rechtfertigen, so z. B. die Veranstaltung von belehrenden Vorträgen oder die Verteilung von Druckschriften an Kassenmitglieder zur Aufklärung über die Natur verschiedener Krankheiten und über die Mittel zu ihrex Verhütung. Mittelbar können die Kassen auf die Derhuftmg bon Arankheiken dadurch hinwirken, daß sie die ärztliche Behandlung und überhaupt das Heilverfahren in jedem einzelnen Falle möglichst gründlich ge- stalten und durchführen und zu diesem Zweck von der gesetzlichen Ermächtigung, durch ihr Statut das Maß und die Dauer dieser Leistungen zu erweitern, ausgiebigen Gebrauch machen. Die Kassen können auch die Versicherung auf die Familienangehörigen der Ver- sicherten erstrecken. Im Hinblick auf die Gefahr, die das Zu- sammenleben mit Kranken auf engem Raum mit sich bringt, ist der vorbeugende Wert dieser Familienversicherung klar. Diez alles ist für die Verhütung von Krankheiten sehr wichtig und wertvoll, und es ist anzuerkennen, daß die großen und mittleren Kassen, von den gesetzlichen Ermächtigungen, ihre Leistungen über das ge- botene Mindestmaß»u erstrecken, im ollgemeinen e-nen sehr ein- sichtigen Gebrauch gemacht haben, zum Teil sogar in recht beträcht- lichem Umfange. Aber eben nur die großen und mittleren Kassen, die über große Mittel und über eine entsprechende weitblickende Leitung verfügen. Die kleineren Kassen haben sich meist begnügen müssen, das gesetzliche Mindestmaß zu gewähren oder nur wenig darüber hinauszugehen. Die Organisation der deutschen Kranken- lassen leidet an einer allzu großen Zersplitterung. Da? haben viele Kassenverwaltungen selbst erkannt, und sie haben an manchen Orten mit ausgezeichnetem Erfolge die Zusammenfassung der zer- splitterten Einzelkräfte erstrebt. Entweder haben sie sich zur wirk- sameren Verfolgung einzelner Zwecke(Abschließung gemeinsamer Verträge mit Aerzten, Apotheken, Krankenhäusern; Anlage und Betrieb gemeinsamer Heilanstalten oder Erholungsstätten usw.) in „Verbänden" zusammengeschlossen(§ 46), oder sie haben sich als Einzelkassen überhaupt aufgelöst und eine gemeinsame große Krankenkasse gebildet. So sind mehrfach Kassen entstanden, die 100 000, ja sogar 150 000 Mitglieder umfassen und mustergültige Einrichtungen geschaffen haben. Aber nicht überall haben die be- stehenden kleineren Staffen die Neigung, ihre Selbständigkeit und ihr angesammeltes Vermögen in einer größeren Organisation auf- gehen zu sehen; nicht selten scheinen auch die besonderen Verhält- nisse, namentlich die Verschiedenheit deS Risikos, den Widerstand gegen eine Vereinigung zu rechtfertigen. Deshalb ist eS von hohem Werte, daß der Entwurf Bestimmungen aufgenommen hat. durch die zahlreiche kleine Kassen aufgehoben werden, der Entstehung neuer kleiner Kassen entgegengetreten und die Vereinigung mehrerer Kassen erleichtert wird. Obgleich diese Bestimmungen wesentlich hinter den Wünschen vieler Sozialpolitiker, die eine viel durchgreifendere Zusammenfassung befürworten, zurückbleiben, so. kann man doch, meint der Referent, jedenfalls eine erhebliche Stärkung der einzelnen Krankenkassen erhoffen. Den ärztlichen Dienst in der österreichischen Sozialversicherung schilderte Regierungsrat Schnibler-Brünn. Er besprach ausführlich die Absichten der österreichischen Regierung, die obligatorische Ver- sicherung gegen Invalidität, die bisher nur für die Bergarbeiter bestand, auch auf die übrigen Arbeiter auszudehnen. Bei der Or- ganisation des ärztlichen Dienstes in dieser zu schaffenden öfter- reichischen Jnvaliditätsversicherung sollen hauptsächlich die in dem- selben Versicherungszweig in Deutschland gewonnenen Erfahrungen berücksichtigt werden. Dasselbe Thema behandelte Dr. Pick-Aussig. Nach ihm kann sich auf die Dauer nur dasjenige Arztsystem bewähren, welches von dem guten Willen und dem gegenseitigen Vertrauen beider vertrag- schließender Teile getragen wird. Dem Arz� muß in seinem Ver- hältnis zum Kassenvorstand eine standesgemäße, gegen Willkür ge- schützte Stellung gesichert werden. Von dem bisherigen Zustand kann man auch in Oesterreich nicht behaupten, daß er die Aerzte befriedigt. Es besteht an vielen Orten eine Entfremdung zwischen Arzt und Kranken einerseits und Arzt und Kassenverwaltung an» dcrerseits, die jeder auf das tiefste bedauern muß, der es mit der Entwickelung der Sozialversicherung ernst nimmt. Die Aerzte sind sich der Pflichten gegenüber der Allgemeinheit und der Sozialver- sicherung vollständig bewußt und zu Entgegenkommen bereit. Ihre Kritik hat sich nie gegen die Sozialversicherung als solche gerichtet, sondern nur gegen die Art der Durchführung. Die Aerzte sind aber auf die Dauer nicht im stände, die Opfer zu tragen, welche man bisher bon ihnen verlangt hat. Es muß daher ein Ausgleich gefunden werden, bei dem nicht nur die Rechte der Versicherten, sondern auch die berechtigten Forderungen der Aerzte gebührend berücksichtigt werden. Die Rechte und Pflichten müssen sich daS Gleichgewicht halten. Das ist bisher nicht der Fall gewesen. Die Erfahrungen, welche die Aerzte in den letzten zwanzig Jahren gesammelt haben, haben das Ergebnis gezeitigt, daß der aufstei- genden Entwickelung der Sozialversicherung ein Abstieg des Aerzte- standes sowohl wirtschaftlich als ethisch entspricht. Mit einem herabgekommenen Aerztestand lassen sich aber die Aufgaben der Sozialversicherung nicht befriedigend lösen. DaS Wohl der Ver- sicherten hängt davon ab, wie die Aerzte ihren Aufgaben gerecht werden. Von der befriedigenden Lösung der Aerztefrage hängt daher wesentlich die Weiterentwickelung der Sozialversicherung ab. Weitere Referate erstatteten der Konferenz Reichstagsabg. Sanitätsrat Dr. Mugdan-Berlin und Prof. Dr. Lennhoff-Berliif. die sich auch mit der Aerztefrage beschästigen und den Standpunkt des Leipziger Verbandes vertreten. Ueber die Bericht« entspann sich eine lebhaste, teilweise recht stürmische Diskussion, die sich hauptsächlich um die Frage der freien Arztwahl drehte. Fräßdorf- Dresden, Vorsitzender deS Zentralverbandes der Ortskrankenkassen: In dem Bericht der Herren Dr. Mugdan und Lennhofs sind so viele Irrtümer, wenn nicht schlechteres enthalten, daß ich mich darauf beschränken muß, an anderer Stelle eine Rich- tigstellung vorzunehmen. Der von mir vertretene Zentralverbanö der Ortmrankenkassen, der 5 Millionen Mitglieder umfaßt, steht auf dem Standpunkt, daß Arbeitnehmer und ilrbeitgeber in gleicher Weise berücksichtigt werden sollen. Wir erkennen voll an, daß den Aerzten ein der gesellschaftlichen Stellung entsprechendes Honorar zukommen muß. saß die Würde des ärztlichen Standes gewahrt werden muß. Aber auf dem Wege, den der Leipziger Verband ein» schlägt, ist dieses Ziel nicht zu erreichen.(Sehr wahr! und Wider- spruch.) Es führt dazu, daß den Krankenkassen es unmöglich ge- macht wird, ihre Pflichten zu erfüllen, und daß die Versicherung der wirtschaftlich Schwächeren eine Versicherung der Aerzte wird. (Lebhafter Beifall und große Unruhe.) Wir haben in Deutschlans vielfach die freie Arztwahl. Und wir sehen, daß sich trotzdem die soziale Lage der Aerzte nicht bessert. Es bilden sich die sogenannten Kassenlöwen heraus, die die ganze Praxis haben. Wenn die freie Arztwahl eingeführt ist, müssen auch olle Aerzte die Praxis aus- üben, nicht nur diejenigen die wollen, also auch die Herren Geheim- rate müssen sich den Arbeitern zur Verfügung stellen.(Stürmischer Beifall.) Es handelt sich dabei nicht bloß um daS ärztliche Honorar, sondern auch um die Frage der Arbeitsfähigkeit. Eine Statistik, die wir jetzt ausgearbeitet haben, hat erwiesen, daß in Leipzig und München, wo die freie Arztwahl eingeführt ist. die Zahl der Er- werbsunfähigen bedeutend größer ist als dort, wo in den Kassen beamtete Aerzte wirken. Wir sind für freie Vereinbarung. Wenn die Versicherten freies Selbstbestimmungsrecht haben werden, so werden sie wissen, was für ihre Interessen daS beste ist.(Leb- haste Zustimmung.) Die Herren Mugdan und Lennhofs müssen erst beweisen, daß die Arbeiter in den Kassen vergewaltigt werden.(Zurufe.) Wir kommen in Dresden mit dem bisherigen System sehr gut aus, und es werden'dort auch die materiellen und ethischen Interessen der Aerzte sehr wohl gewahrt.(Beifall und Widerspruch.) � Wir bestreiten, daß die freie Arztwahl am besten die Standeswürde der Aerzte wahrt. Der Arzt wird dadurch nur abhängig von dem Wohlwollen des Patienten. Wenn aber die Aerzte so viel von der Standeswürde sprechen, sollten sie auch im Kampf gegen uns die Standeswürde nicht außer acht lassen. (Sehr tuahr und Lärm.) Ich erkläre hier öffentlich vor der»nter- nationalen Konferenz: Die deutschen Arbeitnehmer und Arbeit- gcber sind gewillt, im Frieden mit den Aerzten zusammenzuarbeiten, aber sie sind nicht gewillt, sich von dem Leipziger Verband majori- sicren zu lassen und ihr SelbstverwaltungSrccht herabwürdigen zu lassen.(Stürmischer Beisgll ynii heftiger Widerspruch.). üuch ein Urbciterltongreß. AuS Braunschweig wird unS geschrieben: Die kleinlich ge- hässige Arbeiterfeindlichkeit der braunschweigischen Regierung ist durch das den Wahlrechtsdemonstranten am 26. Januar bereitete Blutbad und die daraus folgenden Prozesse sowie durch eine Menge anderer Vorkommnisse weltbekannt geworden. Da ist eS denn recht interessant zu sehen, daß dieselbe Regierung Arbeiter auch in überschwenglicher Weise ehren kann. Vom 3. bis 5. September hielten nämlich die„deutschnatio- nalen" Arbeiter, die vom Reichsverbandsgeneralissimus organi- sierte Streikbrechergarde, im„Wilhelmsgarten" in Vraunschweig ihren Bundestag ab. Zu Ehren dieser Arbeiter hatte die Strassen- bahn, deren Direktor Major a. D. Ribbentropp als blindwütiger Arbeiterfeind allgemein bekannt ist, den sonst nur bei Fürsten- empfängen üblichen Galaflaggenschmuck aufgezogen. Zur Eröff- nungSfeier hatte das Infanterieregiment Nr. S2 seine ganze Kapelle gestellt. Den Vorsitz führte ein reichsverbändlenscher Regierungsbaumeister. Als Ehrengäste waren der Stadtrat Frei- Herr von Frankenberg und Ludwigsdorff, der Generalmajor von Loebell, Offiziere in Menge, Rittergutsbesitzer, die Regierungs- spitzen und als Vertreter des Staatsministeriums der Minister des Innern Hartwing erschienen. Dieser Hartwing, derselbe, der am 26. Januar dem Blutbade vom Fenster deS Ministerialgebäudes gemütlich zusah und dann später den Ukas unterschrieb, der den Säbelhelden die höchste Be- lobigung des Ministeriums aussprach, stellte sich den„deutsch- nationalen" Arbeitern als Arbeiterfreund vor. Er sei auch ein Arbeiter, alle seien Arbeiter, ohne Unterschied des Standes. Die hohe Begeisterung, die ihn empfangen habe, sei ihm eine besondere Genugtuung gewesen. Und die„deutsch-nationalen" vulgo gelben Arbeiter klatschten diesem Manne, der ein Todfeind der klassen- bewuhten Arbeiterschaft ist und die Braunschweiger Arbeiter un- unterbrochen verfolgt, tosenden Beifall. Die Gelben Liebertscher Färbung rühmten sich an diesem Eröffnungstage, an dem ein hoher Regierungsbeamter den anderen mit sedanfeierlichen und sozialistenfresserischen Anreden ablöste, 125 Bundesvereine mit 26 066 Mitgliedern zu besitzen. Auch der von seiner siebenmonatigen Weltreise zurückgekehrte Regent Johann Albrecht von Mecklenburg, der schon als er zum ersten Male in Braunschweig seinen Geburtstag feierte, dem in- zwischen von der Bühne verschwundenen Gelbenführer Gittelbauer die Hand gedrückt und sich gewissermassen zum Protektor der Gelben im Herzogtum Braunschtveig proklamiert hatte, sandte ein BegrüssungStelegramm. Ja selbst Wilhelm II. ehrte seine Gelben durch einen telegraphischen Gruss, in dem er seine Freude über ihre unwandelbare Treue aussprach. Wenn sich die hohen Herren an diese Arbeiter wenden müssen, um auch einmal von Arbeitern ein Huldigungstelegramm zu erhalten, dann müssen sie wahr- hastig schon jeden Glauben daran verloren haben, sich jemals die Sympathie der klassenbewussten, ehrlichen und verständigen Ar Heiterschaft erwerben zu können. Bei einem splendiden Festessen, daS die Gelben ihren hohen Gästen gaben— wo wohl das Geld dazu hergekommen ist?— hatten die Arbeiter mit den Ministern, Generalen und hohen Be- amten bunte Reihe gemacht. Sie gaben sich gewissermassen den Bruderkuß, wenn sie wohl auch nicht gleich Schmollis getrunken haben werden. Daß dieser„Bund deutsch-chaterländischer Arbeitervereine' Nichts anderes ist und nichts anderes sein will als eine Streik brechergarde, zeigte sich am zweiten Verhandlungstage, an dem ein Syndikus Scheda ein Referat hielt, das darin gipfelte, die Paragraphen 152 und 153 der Gewerbeordnung umzugestalten, um die Koalitionsfreiheit wieder aufzuheben. Die Gelben klatsch ten diesem Manne Beifall und nahmen einstimmig folgende Re solution an: „Die Hauptversammlung des Bundes vaterländischer Ar heitervereine begrüßt eS mit Genugtuung, daß die Frage deS Schutzes der Arbeitswilligen wieder aufgerollt ist, sowohl seitens der Industriellen in Köln, als auch durch den Allgemeinen Deutschen Jnnungs- und Handlverkertag zu Berlin. Auch die vaterländischen Arbeitervereine verlangen Schutz gegen den Missbrauch des Koalitionsrechtes, durch den die Willens- freiheit des Arbeiters in unerträglicher Weise beeinträchtigt und gegen den Willen des Gesetzgebers ein Koalitionszwang geschaffen wird. Der Vorstand des Bundes wird ersucht, ge- eignete GesetzeSmassregeln, insbesondere auch das Verbot des Streikpostenstehens zu beantragen. Ferner ersucht die Bertreterversammlung den Vorstand, bei den Arbeitgebern zu beantragen, daß in den Arbeitsordnungen der Absatz eingefügt werde: Arbeiter, welche es unternehmen, Arbeitswillige an der Arbeit zu hindern oder sie während derselben zu belästigen, sind sofort zu entlassen, bezw. nicht wieder einzustellen." Hiernach erübrigt sich jedes Wort zur Charakterisierung der »deutsch-nationalen" Arbeiter. Im Kriege benutzen die Parteien auch Spione und Verräter; sie ehren sie aber nicht. Auf der Braunschweiger Tagung dagegen wurde die Streikbrechergarde, die sich das Brandmal des Verräters selbst auf die Stirne drückte, von den Behörden mit Ehren- und Gunstbezeugungen förmlich überhäuft. Auch ein grosses Abendessen mit Gartenkonzert, an dem sich alle Spitzen beteiligten, wurde den organisierten Streikbrechern gegeben. Auch ein Theaterabend wurde den Gelben in demselben Braunschweig veranstaltet, in dem erst kürzlich dem BildungSauSschuss der klassenbewussten Arbeiterschaft die mit einer Privatbühne bereits fest vereinbarten Vor- ftellungen von der Polizei auf Anordnung der Regierung hinter. trieben worden waren. Wer schliesslich noch irgendwie über das Wesen der„deutsch- nationalen" Arbeiter im unklaren sein sollte, den müßte folgende Resolution belehren, die am dritten Verhandlungstage der Gelben ebenfalls einstimmig gefaßt wurde: „Der Bund vaterliinbislber Arbeitervereine verurteilt ein- stimmig und mit aller Schärfe den Gedanken, zwischen biirger- lichrn Parteien und der Sozialdemokratie Wahlbündnisse herbei- zuführen. Er erblickt in solchen Bündnissen eine Verwischung drS tiefen GegensaheS zwischen der vaterländisch-bürgerlichcn und intcrnational-sozialdemokratischen Weltanschauung, eine schwere Schädigung der Interessen de? Baterlandes und eine politische Kurzsichtigkeit, die sich an denjenigen Parteien rächen auf?, die auf diese Weise die Sozialdemokratie fördern helfen. Der Bund nimmt mit Bedauern Kenntnis davon, daß ein badifcher StaatSminister in Berkcnnnng deS innersten Wesens der Sozialdemokratie dieser rin Verdienst um die Befreiung beb vierten Standes zugeschrieben hat. Einen vierten Stand gibt eS im Deutschen Reiche nicht. Wenn man aber von der früheren Befreiung der handarbeitenden Stände sprechen will, so ist diese vollzogen worden durch Staatsakte, an denen die Sozialdemokratie keinen Anteil hatte: wie die allgemeine Schul- pslicht, die Stein-Hardenbergische Gesetzgebung und die Per- sassung des Deutschen Reiches. Die Früchte dieser Errungen- schaften aber werden in Frage gestellt ourch den Mißbrauch, den die Sozialdemokratie mit den Freiheiten des deutschen Volkes treibt, durch die terroristische Fesselung der Arbeiterschaft, die einem grossen Teile der Arbeiter nicht nur die Freiheit der Erwerbsbetätigung raubt, sondern auch die Gedankenfreiheit, die Freiheit, vaterländisch zu fühlen und zu handeln. Wir lassen uns in der Hoffnung nicht beirren, daß ein immer grösserer Teil der deutschen Arbeiterschaft sich zu der Erkenntnis durch- ringen wird, daß gerade ihr eigenes Wohl direkt abhängt von der politischen Machtstellung des Reiches und dem gileichmässigen Gedeihen aller Teile unserer Volkswirtschaft." Natürlich war auch der berüchtigte E r m e r t» Mildenburg vuf der Tagung anwesend. Er saß neben Generalmajor von Loebell, T»ie beiden toasteten sich gegenseitig an, In Bpaunschweig hat der gelbe Bund allerdings schon wieder- holt Pech gehabt, indem sich seine Vorsitzenden als ausgesprochene Nichtgentlemen entpuppten, was aber die sonst so empfindlichen hohen Herren nicht hinderte, ihnen die Hand zu drücken. Dem ausgesprochensten Nichtgentlcman unter den Gelben wurde diese Ehrung auch auf der heurigen Tagung zuteil. Der mit allen er- dcnklichen Huldbeweisen Uebcrschüttete hat nämlich als Kommoden- knacker— er brach einer Witwe die Kommode auf und stahl ihr das Sparkassenbuch— das Unglück gehabt, mit Zuchthaus bestraft zu werden. Ter alte Zuchthäusler als gefeierter Jubelgreis in- mitten der Minister und Generals I Daß es auch Gelbe wider Willen gibt, zeigt folgender Vorfall: Bei der Werbung von Abonnenten erklärte ein Arbeiter einem unserer Leute, daß er den„Volksfreund" gern abonnieren möchte, es aber nicht könne, weil er ein Gelber sei. Er sei völlig kaput, stark schwindsüchtig und Vater einer großen Familie, da werde er in der Jüdelschen Fabrik— Jüdel ist Geheime? Kommcrzienrat. Stadtverordneter, LandtagSabgeordncter. Doktoringcnieur bonoris causa und der reichste Mann in Braunschweig, der seine Laufbahn als Hausierer mit Ellentvarc» begann— nur geduldet, wenn er dem„deutsch-nationalen" Arbciterbunde angehöre. DvS nennen die Reichsverbändler natürlich nicht TerroriSmuS, sondern Wohl- tatigkeft. Soziales. Die Konventionalstrafe im Arbeitsvertrage. Der Wächter M. klagte beim Gewerbegericht gegen die Berliner Nachtwach- und Schließgesellschaft Julius Arndtstein u. Co. auf Rückzahlung der gestellten Kaution von 36 M. Die Beklagte will die Kaution nicht zahlen, weil der Kläger eine vertraglich ausbe- dungene Konventionalstrafe von 36 M. verwirkt habe. Der Ver- trag bestimmt nämlich, daß der Kläger innerhalb zweier Monate nach Austritt aus der Beschäftigung bei der Beklagten keinen Dienst auf Stellen annehmen darf, wo er zuvor im Auftrage der Gesell- schaft tätig war, anderenfalls die Kaution von 30 M.. die immer erst zwei Monate nach Lösung des Arbeitsverhältnisses zurückzu- zahlen ist. als Konventionalstrafe verfällt. Der Kläger hatte die Separatbewachung einer Fabrik im Auftrage der Beklagten aus- geführt, hat aber den Dienst bei der Beklagten aufgegeben, um bei der Fabrik als Wächter Stellung zu nehmen. Die Beklagte hat dadurch die Fabrik als Kundin verloren. DaS Gericht verurteilte die Beklagte zur Rückzahlung der Kaution. Die Gegenforderung der Beklagten auf Zahlung der Konventionalstrafe konnte schon deshalb nicht aufgerechnet werden, weil nach§ 4 Absatz 2 des Gewerbegerichtsgefetzcs Forderungen dieser Art nicht zur Zuständigkeit des Gewerbcgerichts gehören. Ein erbitterter Konkurrenzkampf, der zwischen dem Krawattenakademicdirektor Stcinberg und dem Krawattcnfabrikanten Sklarz entbrannt ist, wird gegenwärtig vor dem Gewerbegericht ausgetragen. Ebenso wie Stcinberg betreibt Sklarz gemeinsam mit seiner Ehefrau unter der Firma Offene Handelsgesellschaft Heinrich Sklarz u. Co. in mehreren sogenannten Krawattenfabriken Legen Entgelt in kurzer Frist die Ausbildung von Frauen und Mädchen im Krawattennähen. Prospekte und sonstige Reklamen genügten beiden nicht mehr, um die eigenen Lehrinstitute als die vorteilhafteren und die des Gegners als nach- teilig und minder leistungsfähig hinzustellen. So sollte denn ge- richtlich festgestellt werden, daß die Ausbildung der Frauen und Mädchen beim Konkurrenten nichts wert ist und deshalb die Schüle- rinnen um Geld und Zeit benachteiligt werden. Einige Schüle- rinnen vom Gegner, die die ihnen zuvor von ihrem Lehrinstitut versprochene lohnende und dauernde Heimarbeit im erwarteten Umfange nicht erhalten hatten und obendrein gewahr wurden, daß ihre Künste auch in anderen Krawattenfabriken keineswegs be- gehrt wurden und sich somit benachteiligt fühlten, waren bald aus- findig gemacht. Nun standen sich in letzter Zeit die beiden Kon- kurrenten wiederholt vor dem Gewerbegericht als Prozessvertreter der klagenden Schülerinnen gegenüber. Dieser Konkurrenzkampf an sich könnte unS sehr gleichgültig sein, wenn es nicht im öffentlichen Interesse, zumal in dem der auf Erwerb ausschauenden Frauen und Mädchen— die den beiden Herren leider immer noch in grosser Zahl als Objekte zulaufen— geboten erschiene, von den Prozessen Notiz zu nehmen. Von den Verhandlungen, dem Ausgang des Prozesses, den Sklarz in Vertretung dreier ehemaliger Schülerinnen des Stein- berg gegen diesen führte, haben wir bereits in Nr. 129 des„Vor- wärts" vom 26. August berichtet. Bekanntlich wurden die Kläge- rinnen mit ihrer Forderung auf Rückzahlung des Lehrgeldes ab- gewiesen, weil sich Steinberg von ihnen nach Beendigung des Lehr- kursus attestieren ließ, daß sie mit dem genossenen Unterricht zu- frieden waren. Dadurch war es für daS Gcwerbcgericht leider nicht mehr erforderlich, sich des näheren mit dessen Lehrmethode und Geschäftspraktiken zu befassen. Nicht ganz so gewitzigt war sein Konkurrent. Dieser wurde am Sonnabend zur Zurückzahlung des Lehrgeldes verurteilt. Die drei Klägerinnen hatten sich auf die Inserate in den Tageszeitungen hin um die ausgebotene Heimarbeit bemüht und uni diese zu er- halten, auch einen Lehrkursus bei der beklagten Firma Heinrich Sklarz u. Co. absolviert, für den sie 15 M. bezahlt hatten. Sie kamen täglich einige Stunden in die Fabrik, wo sie von der Direk- trice in den einzelnen Arbeiten unterwiesen wurden und erhielten dann zugeschnittene Stoffe zu einem halben bis ganzen Dutzend Krawatten zu Uebungszwccken mit nach Hause. Nach etwa drei Wochen war der Lehrkursus beendet und die Klägerinnen traten nunmehr als Heimarbeiterinnen bei der Beklagten ein. Sie mußten sich aber täglich Arbeit holen und erhielten diese immer erst nach stundenlangem Warten in ganz geringen Quantitäten zu- geteilt, so daß sie nicht einmal 3 M. pro Woche verdienen konnten. So zogen sie es schliesslich vor. auf die weitere Beschäftigung gänz- lich zu verzichten. Da sie von anderen Fabriken wegen ihrer ge- ringen Leistungen zurückgewiesen wurden. Arbeit also nicht er- halten konnten, verlangten sie Rückzahlung des Lehrgelde« von je 15 M. und Bezahlung der als Uebungsarbeiten angefertigten Krawatten mit 16 M. Der zum Termin erschienene Mitgesellschafter des Beklagten Heinrich Sklarz und dessen Prozeßbeistand Redakteur Dr. Haase bestritten sowohl die mangelhafte Ausbildung der Kläge- rinnen als auch die Verpflichtung der Beklagten, die Klägerinnen voll beschäftigen zu müssen. Die Heimarbeit sei den Klägerinnen allerdings garantiert, aber nur als Nebenbeschäftigung. Die Klägerinnen seien von vornherein darauf hingewiesen worden, daß sie nur 4 bis 6 M. pro Woche in der ersten Zeit verdienen könnten. Mit der zunehmenden Uebung würde der Verdienst allerdings steigen. Die Klägerinnen bleiben jedoch bei ihrer Behauptung, daß nicht von Nebenverdienst gesprochen worden sei. sondern nur von dauernder und lohnender Heimarbeit. Von der umfangreichen Beweisaufnahme interessieren die Be- kundungen zweier Zenaiuncn, die auch dem Gewerbegericht für die Beurteilung der Streitsachen massgebend waren. Die Direktrice Frau W., die in der Fabrik am Planufer 23 unterrichtet, gab zu- nächst über die Lehrmethode Auskunft. Sie selbst hat erst im Januar das Krawattcnnähen von ihrer Vorgängerin erlernt. Ein Fräulein D., die später in der Fabrik in der Landsberger Strasse 66 als Direktrice wirkte, ist von ihr allerdings nur kurze Zeit, etwa acht Tage lang, unterrichtet worden. Auf Anordnung des Mit- gesellschafterS Sklarz erklärt sie jeder neu eintretenden Schülerin auf Befragen, datz das Krawattcnnähen nur als Nebenerwerb zu betrachten sei, davon zu leben sei nicht möglich, da nur 4 bis 5 M. wöchentlich dabei zu verdienen seien, jedoch garantiere sie jeder Schülerin für dauernde Beschäftigung nach dem Auslernen. Die Zeugin Frau R. ist auf Veranlassung einer Annonce zur Beklagten gegangen und hat einen Lehrkursus für 16 M. genommen. Sie ist erst am Planufer von der Direktrice Frau W. unterrichtet worden, da ihr aber der Betrieb in der Landsberger Strasse näher war, hat 'ie dort weiter gelernt. Dort wurde ihr ihre Mitschülerin, die mit ihr gleichzeitig zu lernen angefangen hatte, als Direktrice vorge- stellt. Diese hatte sich selbst gewundert, daß sie trotz ihres Mangels an Kenntnissen Direktrice spielen sollte. Zur Zeugin und der einen Klägerin, die zur gleichen Zeit lernte, habe. Fräulein D. mehrmals geäussert:„Ich soll Ihnen alles zeigen und verstehe es selber noch nicht." Die Beklagte bestreitet nicht, datz die Klägerinnen von der in Rede stehenden Direktrice unterwiesen worden sind, behauptet aber, daß diese von der Mitgesellschafterin Lola Sklarz unterstützt worden sei. Doch auch der Gesellschafterin wird von klägerischer Seite die genügende Kenntnis bestritten. Das Gericht unter Vorsitz des Magistratsassessors Dr. Maguhn verurteilte daraufhin die Beklagte, den Klägerinnen das Lehrgeld mit je 15 M. zurückzuzahlen. ES war zu der Ncberzeugung ge- kommen, daß der Unterricht, den die Klägerinnen genossen haben, ein wertloser war. ES kann keine Rede davon sein, hieß es in der Begründung, daß etwa von der Beklagten bei der kurzen Lehrzeit etwas ganz besonderes verlangt werden könne, aber es müssen wenigstens Vorkehrungen getroffen sein, die eine sachgemäße Aus- bildung garantieren. Da aber die Klägerinnen doch in der Haupt- fache von der selbst unkundigen Direktrice D. unterwiesen wurden, habe eine sachgemäße Ausbildung nicht stattgefunden. Die Mehr- forderungen sind abgewiesen worden, da die Klägerinnen eine Be- zahlung für Arbeiten, die sie selbst als wertlos bezeichnen, nicht verlangen können._ Huö Induftric und Fjandel. 2181 Millionen Mark Aktienkapital. Wir haben in Deutschland jetzt 15 Aktiengesellschaften mit einem nominellen Aktienkapital von je 100 und mehr Millionen Mark. Setzt man für die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft die projektierte Kapitalserhöhung mit ein, dann ergibt sich folgendes Bild: Millionen Mark Deutsche Bank........... 200 Dresdner Bank........... 200 Reichsbank............ 180 Friedr. Krupp........... 180 Diskontogesellschaft......... 170 Darmstädter Bank......... 160 Gclsenkirchener Bergwerksgesellschaft... 156 H. Schaasshausenscher Bankverein.... 145 Allgeineine Elektrizitätsgesellschaft.... 130 Hamburg-Amerika-Linie....... 125 Norddeutscher Lloyd......... 125 Berliner Handelsgesellschaft...... 110 Große Berliner Straßenbahn..... 100 Phönix.......-..... 100 Deutsch-Luxemburgische Bergwerksgesellschaft 100 Die 15 Gesellschaften verfügen demnach zusammen über 2181 Millionen Mark Aktienkapital. Pro Kopf der Eriverbs- tätigen in Deutschland sind allein in diesen Gesellschaften 115 Mark nominelles Aktienkapital investiert. Diese Unter- nehmer erhalten für das Kapital so viel Gewinn, als zirka 200000 Arbeiter als Lohn erhalten und wovon sie mit ihren Familien existieren müssen._ Süße Dividenden. Die grosse Berliner Schokoladenfabrik Saroiti veröffentlicht jetzt ihren Abschluß für das verflossene Geschäftsjahr. Sie hat in diesem aus dem Verkaufe ihres Hausgrundstücks in der Leipziger Strasse an die Firma A. Wertheim einen ausserordentlichen Gewinn von 703 000 M. erzielt. Daraus nimmt sie aber erhöhte Abschreibungen auf ihren übrigen HauSbesitz ab. Sie verwendet für diesen Zweck 650000 M. gegen 156000 M. im vergangenen Jahre. Die Dividende beträgt 12 Proz. auf das erhöhte Kapital von 3Va Millionen Mark gegen 8 Proz. auf 3 Millionen Mark im ver» gangenen Jahre. Der Vortrag auf die neue Rechnung erhöht sich von 37000 M. auf 132 000 M. Stinnes als Händler mit englischer Kohle. In Rotterdam ist der grosse deutsche Kohlendampfer„Hugo Stinnes" mit einer Ladung englischer Steinkohle für Süddeutschland eingetroffen und wird dem- nächst seinen Weg nach dem Oberrhein weiter nehmen. Der Vor- gang zeigt wieder einmal deutlich, dah jede Ueberspannung seiner Machtstellung dem Kohlcnsyndikat selbst den größten Schaden bringt. Das westdeutsche und süddeutsche Industriegebiet ist erfreulicherweise nicht von der Diktatur des Syndikats abhängig. Die Teuerung in Oesterreich. Die Wiener Handelskammer fder Sprengel der Handelskammern in Oesterreich umfaßt meistens eine ganze Provinz!) versendet soeben einen Bericht über die Vieh- und Fleischteuerung und ihre Abwehr. Die Ursachen der Teuerung sind die gleichen wie in Deutschland: das Wachstum des ViehstandeS hält nicht Schritt mit dem der Bevölkerung, Wucherzölle und„sanitäre" Grenzsperre schließen die Vieheinfuhr aus den Balkanstaaten und Uebcrsee aus. Der Mindestpreis für 100 Kilogramm Rind(Lebendgewicht) stieg seit 1907 von 69 Kronen 5 Heller aus 81 Kronen 83 Heller. Der Wiener Pferdefleischkonsum stieg in dieser Zeit von 19 256 Stück auf 31 456 Stück. Die Rindereinfuhr aus Serbien(vor der Grenz» sperrung) betrug 4 bis 6 Proz. des Konsums, die jetzt vertragsmäßig gestattete Fleischeinfuhr nur mehr höchstens 1 Proz. I Die(im Deutschen Reich kolossal überschätzten) Maßregeln der Regierung, die Frachttarife zu ermäßigen u. dergl., werden als wirkungslose Verlegen» heitSmaßregeln enthüllt. Oeffnung der Grenzen, auch für gefrorenes Argentimenfleisch, wird gefordert— so wäre auch Ersatz für die ans dem Balkan verlorenen Absatzmärkte der Industrie zu ge- Winnen._ Hue der frauenbewecfung* Ein Schandfleck. Die Frauen sollen im Hause bleiben. Solchen billigen Rat gab ihnen Wilhelm II. Und die reaktionären Blätter der Orthodoxie, der Kraut- und Schlotjunker klatschen Beifall. Das hat seine Ur- fache! Die ausbeutenden und unterdrückenden Sippen haben einen feinen Instinkt für die Qualitäten sozialer Bewegungen. Sic hassen die Frauenbewegung, weil sie darin eine der stärksten fort- schnttlicheiv und revolutionären Triebkräfte erkennen. Daher ihr sehnlichster Wunsch, der Frau möge es verwehrt bleiben, als mit- besttmmungSberechtigter Faktor auf das gesellschaftliche Leben Ein» fluß zu gewinnen. Die ausgcfcimtesten Ausbeuter weiblicher Ar» beilSkraft verbinden mit dem politischen noch ein direkt Wirtschaft- licheS Interesse bei der Sucht, die Frauen nicht mündig werden zu lassen. Die wehrlose entrechtete Frau ist ein zu bequemes Aus- beutungSobjekt. Dieser Tatsache gegenüber können moralische Er- wägungen überhaupt nicht aufkommen. Was uns förderlich ist, ist gut! Dieses kapitalistische Glaubensbekenntnis ist bestimmend. Und es erlaubt, die weibliche Arbeitskraft noch schamloser, noch inten- siver auszubeuten als die Arbeitskraft des starken Geschlechts. Allerdings versucht man, die schlechtere Entlohnung der tvciblichcn Arbeitskrast als in deren Mindertvcrligkeit begründet zu recht» fertige». Solcher Einwand kann vor der strengen und unparteiischen Kritik nicht bestehen. Wird doch dort, wo die Frau dieselbe Arbeit leisict wie der Mann, dieser im allgemeinen höher entlohnt als jene. Und was als Argument gegen den erwähnten Einlvand noch stärker spricht, ist die Tatsache, daß auch� für Arbeiten, die von Männern garnicht oder doch nur unvollkommen geleistet werden können, die tief leistungsfähigeren Frauen nicht den Lohn von OualititSarbeiteett, foftSet'ft«Äst kassm böt uffgelernier Arbeiter erzielen. Einen weiteren, einen ziffernmäßigen Nachweis dafür, daß bei der Entlohnung der Frau nicht ihre Leistung, sondern ihre Wehr- und Rechtlosigkeit, ihre soziale Stellung innerhalb der Ge- sellschaft und der Familie bestimmend wirkt, finden wir im letzten .RcichSarbeitsblatt". Es enthält eine Zusammenstellung über die Bewegung der Löhne in der oberschlesischen Montanindustrie. Wir machen daraus folgenden Auszug: EL betrug der Jahresdurchschnittslohn: für erwachsene für Jahr männliche Arbeiter Arbeiterinnnen M. M. 1887,..... 589,82 224,26 1891..... 790,54 272,15 1895..... 774,96 267,33 1902..... 950,24 312,87 1903..... 960,62 311,19 1904..... 981,38 321,86 1905..... 1009,16 322,86 1906..... 1006,99 343,62 1907..... 1131,02 356,43 1908..... 1160,17 370,31 1909..... 1146,22 369,18 Zwei charakteristische Merkmale fallen bei Betrachtung der Tabelle sofort auf: der große Unterschied in den Löhnen und, was jetzt hier besonders interessiert, das im Verglddj mit den Männer- löhnen langsamere Steigen der Löhn? für Arbeiterinnen. Die Arbeiterinnenlöhne machten in Prozent der Männerlöhne aus: "MW Verwaltung Berlin. Bautischler« Bez. I. (Südosten, Süden, Südwesten und südliche Vororte.) Tonnerstag, den 8. September, abends S'/z Uhr (gleich nach Feierabend): Kranchen-Uersa mmlung bei Raabe, Fichtestr. 29. Tagesordnung: Bericht von der Generalversammlung. Verbands- angelegenhciteii. Wahl der Kommission. Tischbranche. Sonntag» den 11. September, vormittags S'/a Uhr: Srnnchen-Uersantmlung in den Andreas-Festsälen, Andreasstr. 21. Tagesordnung: Bericht der Branchenkommission. Branchenangelegenheiten. 69/7 Bio Ort« Verwaltung. Ul-Us- imil Uta der Imm. E. H. Nr. 2 Hamburg. O ertliche Verwaltung Berlin. Tounerstag, den 8. September, abends 8'/- Uhr, im Gewerkschafts- hause, Engelufer IS, Saal 7: Mitglieder- Uersamminng. TageS» Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Quartal. 2. Wahl eines Kassierers sür den siebenten Bezirk. 25318* gM- Mitgliedsbuch legitimiert.»MW Der Borstand. I. A.: Richard Schröder, TUsiter Straße 7, vom IV. 1887 1895 1904 1909 38,6 34.5 32,8 32.2 Mit geringen Schwankungen hat sich der Lohn der Arbeite- rinnen im Verhältnis zu dem der Männer fortgesetzt verschlechtert. Bei solcher Benachteiligung in der Entlohnung müssen die Frauen es als Hohn empfinden, wenn ihre Ausbeuter ihnen auch noch den Rat erteilen, sie sollten sich nicht um wirtschaftliche und soziale Fragen kümmern. Die vorstehenden Ergebnisse bedeuten noch eine besondere Kritik frömmelnder Heuchelei. In der schlesischen Montanindsturie dominieren Repräsentanten des Ultramontanis- mus. Dieser denunziert den Liberalismus als Quelle des sozialen Elends. Mit Anerkennung christlicher Grundsätze im Wirtschafts- leben wird die soziale Not der Arbeiter ein Ende haben, behaupten die ultramontanen Demagogen, wenn sie für das Zentrum in liberal beherrschten Industriegebieten agitieren. Die frommen Zentrumschristen in Schlesien bezahlen die Arbeiter aber schlechter als die liberalen Ausbeuter in Nheinland-Westfalen. Hier ist die Frauenarbeit fast gänzlich unbekannt, in Schlesien dagegen werden die Frauen auf den Gruben und in den Fabriken ausgebeutet, wie kaum sonstwo in Deutschland. Christentum und ultramontane Arbeiterfreundlichkeit in Theorie und Praxis. Leseabende. Stralau. Montag, den 12. September, 3'/z Uhr bei Käser, Mark- grasen- Damm 11: Vortrag. Genossin Schulte- Slixdorf: »Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Versammlungen. Vergolder. In der am 29. August d. I. abgehaltenen, stark besuchten Vergolderversammlung referierte Schulze über „Arbeitsnachweis und Arbeitsvermittlung". Um die Arbeitslosig- keit auf breitere Schultern zu verteilen, sei es notwendig, den Nachweis auch für die Vergolderbranche obligatorisch einzuführen. Nach eingehender Diskussion nahm die von 400 Personen besuchte Versammlung folgende Resolution an: 1. Um die Arbeitsvermittlung zu regeln, wird«S den Kollegen zur Pflicht gemacht, das Umschauen nach Arbeit unter allen Umständen zu unterlassen. Ebenso ist das Vermitteln der Kollegen untereinander untersagt. Zeitungsinserate müssen unberücksichtigt bleiben. 2. Jeder Kollege hat sich bei eintretender Arbeitslosigkeit sofort im Arbeitsnachweis zu melden. 3. Sollen in den Werkstellen ledige Plätze besetzt werden oder werden solche unter Umgehung des Nachweises besetzt, so müssen die Vertrauensleute oder Werkstattausschüsse eventuell durch Vor- stelligwerden bei dem Unternehmer darauf dringen, daß diese Stellen durch den Nachweis besetzt werden. 4. Bei allen Werkstattdifferenzen ist auch die Anerkennung des Arbeitsnachweises zu fordern. Hierauf gab O e h l e r t den Bericht von der Generalversamm- lung. Nachdem noch Ergänzungswahlen zur Kommission vorge- nommcn waren, wurde die Versammlung geschlossen. Deutscher Arveiter- Zlbftlnentciibiind. Ortsgruppe Berlin. Freitag abend 9 Uhr spricht im'«ewerkschastshause. Engelufer 15, Saal S, Genosse Lenzner über Städtebau.— Gäste willkommen. iuzverltöun Da die bedeutenden Vorräte bis zum Oktober geräumt werden sollen, findet der Verkauf zu jedem annehmbaren Preise statt. sTeppieh Thomas! 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In der Zivilklage des vorläufig zum Vormund der Frau von Schönel.-eck-Weber ernannten Rechtsanwalts Braun gegen den Schrift,'toller A. O. Weber stand gestern vor dem Land- gericht III am Tegeler Weg Termin zur Vcrlündigung des Ur- teils an."-der Vormund hatte den Antrag gestellt: im Wege der einstweiligen Verfügung anzuordnen, das; dem Ehemann Weber die Verwaltung und Nutznießung an dem Gute seiner Ehefrau entzogen werde. Der Antrag wurde damit begründet, daß das Vermögen der Frau v. Schönebeck-Weber seit deren Verheiratung mit deren jetzigem Ehemann in erheblicher Weise zusammen- geschmolzen sei. Das Vermögen der Frau sei, wie der Vormund des längeren unter Anführung einzelner Daten nachzuweisen ver- sucht hat, gefährdet, und es liege im dringenden Interesse der Frau Weber und ihrer Kinder, daß Herrn A. O. Weber, dem nach Aufhebung der Pflegschaft am 15. April dieses Jahres die Verwaltung und Nutznießung zufiel, diese wieder entzogen werde. Rechtsanwalt Braun wies unter anderem aus die kolossalen Summen hin, die Herr Weber nach seiner Aufstellung für den Allensteincr Prozeß verausgabt habe, ferner auf die Tatsache, daß Anfang Mai mit 50(XW M. aus den Mitteln der Ehefrau der Verlag„Weber-Haus", G. m. b. H., begründet und von der Frau außerdem mit 20 000 M. Betriebskapital ausgestattet worden sei, daß die Ausgaben für persönliche Zwecke eine ungewöhnliche Höhe erreicht hätten usw. usw. Frau von Schönebeck-Weber habe in einem an ihren Bruder gerichteten Briefe, als sie erhebliche Wechselverbindlichkeiten eingehen sollte, schon selbst Mißtrauen gegenüber den wirtschaftlichen Maßnahmen ihres Ehemannes gc- äußert, und auch der Vormund halte den Antrag aus Erlaß der einstweiligen Verfügung für durchaus berechtigt. Die Vermögenslosigkeit des Ehemannes, die Unsicherheit seiner Einkünfte, gewisse Unklarheiten, die in seiner Auskunft über das Vermögen seiner Ehefrau enthalten seien, und die Unwirtschaftlichkeit, die sich in vielen großen Ausgaben ausdrücke, rechtfertigen nach Ansicht des Vormundes die Besorgnis, daß die Rechte der Frau in das ein- gebrachte Gut erheblich gefährdet werden. Demgegenüber beantragten die Rechtsanwälte Bahn und B e h e r als Vertreter des Herrn A. O. Weber die Ablehnung de* Antrages, da auch nicht der geringste Grund zu einem solchen ersichtlich sei. Herr Weber habe in keiner Weise verschwenderisch mit dem Gelde seiner Frau gewirtschastct oder diese zu eigenem Vorteil irgendwie benachteiligt. Am 15. April dieses Jahres, als die Pflegschaft aufgehoben wurde, habe das Vermögen der Frau von Schönebeck-Weber zirka 1S5 000 M., am 22. Ju'i dieses JahrcL 123 000 M. betragen. In der Zwischenzeit seien also im ganzen 02 000 M. aufgebraucht worden. Dies erkläre sich aus den kolossalen Kosten des Strafprozesses und aus den außergewöhnlichen Auf- Wendungen, die die schwere Erkrankung der Ehefrau nötig gemacht haben. Für die Neueinrichtung des Hausstandes seien 10 000 M. ausgegeben, in dieser Höhe Habe sich aber doch der Wert des Mobiliars der Ehefrau vergrößert. Ziehe man diese 10 000 M. ab, so bleiben als verausgabt 52 000 M. In dieser Summe be- fänden sich 30 000 M. Honorar fiir die drei Verteidiger, 10 000 M. Ausgaben für Detektivs. Vcrtrauensdienste. Kosten für die Zivil- Prozesse in Sachen Aufhebung der Pflegschaft, die in viele Hunderte von Mark gehenden Telegramm- und Telcphonspescn. Reisen usw. In diesen Ausgaben sei eine Verschwendung nicht zu erblicken. Herr W. habe geglaubt, im Interesse der Kinder der Frau zu handeln, wen» er in einer Zeit, wo es sich darum handelte, Ehre, Freiheit und vielleicht das Leben ihrer Mutter zu retten, eventuell auch noch größere Summen opferte. Der vierwöchige Aufenthalt in Allenstein habe 5000 M. verschlungen: in dieser Summe seien unter anderem auch enthalten tägliche Miete von 20 M. für den Wagen, täglich 25 M. für den Steno- graphcn, täglich 20 M. für die Pflegerin nebst freier Reise für die beiden letztgenannten, Kosten des Aufenthalts für den Bruder des Herrn Weber usw. Der Prozeß habe also allein 45 000 M. gekostet. Da Herr W-ber 52 000 M. verbraucht habe, bleiben noch 7000 M. offen. Davon entfallen 3000 M. auf Tilgung von Ver- bindlichkeitcn, die Frau v. Sch.-W. vor Schließung der Ehe ein- gegangen sei. Die restliche Summe sei für die Kur der Ehefrau noch der Haftentlassiing, für Aerztehonorare und anderes auf- gebrauckt worden. Die Beteiligung der Frau v. Sch.-W. an dem Unternehmen des Webcr-Hauses, dessen alleinige Eigentümerin sie geworden, sei in keiner Weise unwirtschaftlich oder gefahrdrohend. Herr Weber habe seine sämtlichen Schriften bei halben Tantieme- ansprüchen für 40 000 M. in die Weberhaus-Gesellschaft eingebracht und seiner Ehefrau ein glänzendes Wertobjekt für den angelegten Betrag m die Hand gegeben. In den Jahren 1905—1008 habe der Tantiemcnbezug des Ehemannes 60 000 M. betragen. Nach alledem könne hier von Anwendung des Z 1391 des Bürgerlichen Gesetzbuches keine Rede sein. Es sei nicht ersichtlich, welches Necksi der Frau überhaupt verletzt sein solle. Der Ehemann habe das eingebrachte Gut ordnungsmäßig verwaltet, insbesondere habe er seiner Ehefrau jederzeit über den Stand der Verwaltung Auskunft erteilt. Soweit das Geld nicht allein im Interesse der Ehefrau verbraucht worden, sei es ordnungsmäßig angelegt. Er habe kein obligatorisches oder dingliches Rechtsgeschäft ohne die erforderliche Zustimmung seiner Ehefrau vorgenommen, auf der anderen Seite habe eine„mündelsichere" Anlage des eingebrachten Gutes nur zu erfolgen, wenn die Frau es verlange. Schließlich wird noch geltend gemacht, daß Herr W. mit Mitteln seiner Frau eigene Schulden nicht bezahlt habe, obwohl die Ehefrau ihm dies an- geboten habe. Das Urteil lautete auf Zurlickweisnng des Antrages auf Er- laß einer einsttveiligen Verfügung: die Kosten wurden dem An- tragstcller auferlegt. Der� Gerichtshof läßt es, wie der Vorsitzende kurz verkündete, dahingestellt, inwieweit im einzelnen das Ver- fahren des Herrn Weber in den Vcrmögensangelegenhciten seiner Ehefrau unter allen Umständen unanfechtbar ist. Nach Ansicht des Gerichts ist die Entscheidung hierüber Sache des ordentlichen Prozesses: es liegt jedoch keine Veranlassung zu der beantragten schleunigen Maßregel vor._ Eine Tat der Eifersucht, die sehr schlimme Folgen gehabt hat, führte gestern den Schlosser- gesellen Adolf Urban, einen schon bejahrten Mann und Vater von vier Kindern, unter der Anklage der Bedrohung und schweren Körperverletzung vor die Ferienstrafkammer des Landgerichts I. Der Angeklagte, der schon mehrfach vorbestraft ist, lebte mit seiner Ehefrau in fortgesetztem Kriegszustände und behandelte sie recht schlecht, so daß die Frau es schließlich vorgezogen hat, von ihrem Ehemann getrennt eine Wohnung in der Vrückenstraßc zu beziehen. Der Angeklagte war von Eifersucht gegen den Kellner Bernhard Knochcnmus geplagt, der mehrere Monate hindurch als After- mieter bei Urbans wohnte. Knochenmus ist verheiratet, lebt aber von seiner Frau getrennt. Sein wiederholtes Eintreten für die Frau Urban zu deren Schutz gegen die Ausfälle des Ehemannes rief bei diesem die Ucberzeugung hervor, daß zwischen seiner Frau und Knochenmus ein intimeres Verhältnis obwalten müsse. Es kam über diesen Punkt wiederholt zu sehr unschönen Szenen zwischen den Eheleuten, und bei einer solchen drohte der Ange- klagte, daß er seinem vermeintlichen Nebenbuhler bei sich bietender Gelegenheit den Garaus machen würde. Um dem ewigen Aerger aus dem Wege zu gehen, zog Knochenmus aus, unterstützte die Frau Urban aber noch in der Weise, daß er ihr das Waschen seiner Leibwäsche übertrug. Am 12. März war er in der Wohnung der Frau Urban erschienen, um sich einen Kragen und Manschetten, die er notwendig gebrauchte, abzuholen. Als er noch in der Küche saß, erschien der Angeklagte in der Wohnung seiner Frau, und es kam bald wieder zu lebhaften Auseinandersetzungen, in deren Ver- lauf der Angeklagte durch schmähende Worte seiner Frau, die ihn aus der Wohnung wies, gereizt wurde. Die Situation wurde für die Frau so bedenklich, daß Knochcnmus glaubte, eingreifen zu müssen. Er erhob einen kleinen Kinderstuhl gegen den Ange- klagten, der Stuhl wurde ihm von den Kindern des letzteren ent- rissen, der Angeklagte selbst aber hatte plötzlich ein geöffnetes Messer in der Hand und versetzte seinem Gegner einen tiefen Stich in den Oberschenkel des rechten Beines und einen zweiten Stich in den Unterleib. Während der Gestochene blutend zusam- menvrach, gelang es Urban, zu entkommen. Knochenmus mußte schleunigst nach der Unfallstation und von da nach dem Kranken- hause gebracht werden. Er hat dort viereinhalb Monate gelegen und ist noch jetzt arbeitsunfähig. Nach dem Gutachten des Assistenz- arztes Dr. Hoesch war die Unterleibsverletznng eine sehr schwere, die leicht zum Tode hätte führen können. Es ist zweifelhaft, ob der Verletzte jemals wieder seine volle Arbeitsfähigkeit erlangen wird. Der Staatsanwalt hält die Roheit, die der Angeklagte be- wiesen, für so groß, daß er erklärte, er würde das Höchstmaß der Strafe für 5iörpervcrlctzung beantragen, wenn er dem Ange- klagten nicht seine Erregung und die Tatsache, daß er durch seine Frau gereizt worden und Knochcnmus den Stuhl gegen ihn er- hoben hatte, zugute halten würde. Der Staatsanwalt beantragte 1 Jahr 3 Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auf neun Monate und eine Woche Gefängnis. )Zus aUer Melt. Die Verickackerung eines Meibes. Nach der bürgerlichen Moralanschanung werden bekanntlich die Ehen im Himmel geschlossen und nur die gegenseitige Zuneigung der Liebenden entscheidet darüber, ob sie sich in ihrem Ehenestchen ein himmlisches Paradies schaffen Ivollen. Eine treffende Illustration zu dieser Auffassung liefert der Handel um ein Weib, der seil einigen Tagen in Paris vor sich geht und über dessen jeweiliges Stadium die bürgerliche Presse mit breitem Behagen berichtet. Wieder einmal hat eine amerikanische Millionencrbi», eine Miß Elkins, das dringende Bedürfnis, ihren Vatersnamen mit einem klangvoll tönenden Titel zu vertauschen. Sie will nämlich— ach, wie schön— Herzogin der Abrnzzen werden. Das wäre ja nun nicht so schwer infolge der väterlichen Millionen, wenn es sich um irgend einen abgchausten Herzog handelte, aber leider ist der Inhaber des so romanlisch klingenden Titels ein sehr naher Verwandter des Königs von Italien und da muß das Dekorum schon ein bißchen gewahrt werden. Wie schon gesagt, schachern seit etwa einer Woche die Beauftragten der Liebenden mit einem Eifer, als ob eS sich nicht um eine Ehe, sondern um Stiefel- wichse oder ähnliches handele. Und man war schon so nahe dem glücklichen Abschluß, da kriegt der Brautvater plötzlich ganz ab- sonderliche de in akratische Einfälle. Mister Elkins verlangt durchaus, daß seine Tochter nach ihrer Vermählung mit dem Prinzen als eine den anderen Prinzessinnen des italienischen Hofes g I e i ch g e st e l l t e Prinzessin anerkannt werde. Der Widerstand gegen dieses Begehren geht von der Herzogin voit Aosta ans, und es scheint, daß dieser Widerstand nicht ohne Einfluß auf die weitere Entwickclnng des Ver- lobungSdramaS bleiben wird. ElkinS stellte auch Forderungen be- züglich des Empfanges der Eltern des Miß Elkins am italienischen Hofe, und auch in dieser Frage scheinen sich am römischen Hofe große Wider st ände zu bilden. Sollten die amerikanischen Millionen sich doch noch als ein genügend starkes Argument für die Bewilligung der unverschämten plebejischen Forderungen ausweisen, Iverdcn wir bald in der Presse lesen können, wie innig das Familienglück des jungen PaarcS ist: daß hier einmal eine für die Proletarier vorbildliche Ehe geschloffen wurde. BiS vielleicht eines Tages die Herzogin der Abrnzzen eS vorzieht— das elterliche Heim wieder zu ihrem Wohnsitz zu wählen._ Das russische Panama. Immer neue haarstränbcnde Nntcrschleife werden durch die Untersuchungen des Senators M c d e m aufgedeckt, der mit der Revision der Jntcndanturverhältnisse bei der russischen Aj m e e beauftragt ist. Wie mitgeteilt tvird, wurden tu der Stadt Omsk sämtliche Beamte, darunter ein General Laug, dem Gerichte übergeben. Neben zahlreichen anderen großen Spitz- bübereie» hatten die dortigen Beamten ein großes Krondepot, das vier Millionen Mark repräsentierte, teils im Auktionswcgc zu Schleuderpreisen verkauft, teils verderben lassen. Wenn die Untersiichnngen nicht bald eingestellt werden, langen die zahlreichen zur Verfügung stehenden Kerker zur Unterbringung der Betrüger nicht ans. Beim Bau neuer Gefängnisse aber ist zu befürchten, daß durch die selbstverständlichen Untcrschlcifc neue Anwärter für die Gefangenen- zcllen entstehen._ Tiskrctivu Amtssache. Recht eigenartige Formen der Einladungen zu polizeilichen Ver- nehmungen beliebt der Amtsvorsteher des Amtsbezirks Bötzow im Kreise Osthavelland. Auf einer offenen Postkarte er- hielt ein Arbeiter aus WcißnerShof von dem Anitsvorstcher folgende Vorladung: Bötzow, den 2. August 1910. Ju Sachen gegen den Arbeiter K... lvegen Sittlichkeits- Vergehens werden Sie hierdurch auf Freitag, den 5. August 1910, vormittags 0 Uhr int hiesigen Amtsbureau vorgeladen bei Ver- mcidung einer OrdmingSstrafe für unentschuldigtes Ausbleiben. kStemvel 1 Der AmtSvorftcher. tStempet.) � A.: Ebel. ES muß dringend verlangt werden, daß gegen die Versendung von Vorladungen auf Postkarten amtlich eingeschritten wird. Abgesehen davon, daß die Verfehlung dcS Beschuldigten doch erst durch die spätere Gerichtsverhandlung erwiesen werden soll und der Beschuldigte daher ein Recht hat, daß die ihm vor- geworfene Verfehlung nickt schon vor der Aburteilung als ein feststehendes Faktum auf Postkarten bekanntgegeben wird, können auch dem als Zeugen dafür Geladenen große Unannehmlichkeiten aus derartigen Vorladungen entstehen. Sehr leicht kann bei dritten Personen der Anschein erweckt werden, als ob der Geladene selbst an den Verfehlungen beteiligt sei. Wir wünschen und hoffen, daß die vorgesetzte Behörde dem Amtsvorsteher Anweisung erteilt, in Zukunft solche Vorladungen gefälligst in geschlossenem Zustande zu versenden. Proletariernahrung. Rom, 3. September. Der„Corriere della Sera� erfährt aus Crocetta» einem Dörfchen der Provinz Treviso, daß dort zahlreiche Milzbrandfälle aufgetreten sind. Die Ursache dieser Erkrankungen wirft ein geradezu trostloses Licht auf die sozialen und sanitären Verhältnisse des OrteS. Es war dort nämlich e i n Pferd krepiert, und der Tierarzt hatte die Erlaubnis erteilt, das Fleisch zu verkaufen. Es fand denn auch richtig Käufer, und zwei von diesen sind bereit? gestorben, mehrere andere sind sckwer erkrankt. Hoffnungslos ist der Zustand des Scklächters, der das Tier zerstückelt hat, und der seines Ge» Hilfen. Man erzählt, daß ein Ochse in Ivenigen Augen« blicken gestorben iväre, der nur von dem Wasser gelrnnken hat, in dem das Messer, das zum Zerstückeln des Pferdes diente, ge- waschen worden war. Der Tierarzt sucht sich zu rechlfcrligen, in- dem er sagt, das Pferd sei von ihm genau untersucht worden, aber er hätte kein Zeichen von Milzbiand, sondern nur Spuren einer eiterigen Halsentzündung entdecken können. Ob nun gerade Aas von Tieren, die a» eiteriger Halsentzündung ge- ftorben sind, sehr gesundheitszuträglich ist, mag dahingestellt bleiben. Vielleicht hat der Magen der armen Leute besondere Befähigung, sich von solcker Kost zu nähren. Daß sie reichen Leuten als zuträg- sich erschienen wäre, haben wir freilich»och nie gehört. Kleine Notizen. Eine folgenschwere Schiffskollisivn fand gestern morgen an der Elbmündmig statt. Während eines starken� Nebels stieß der Hain- bnrger Dampfer„Celia" mit dem Dampfer„Naval" zusammen. Das zweite Schiff sank sofort, seine Maniischnft konnte von der „Cclia" gerettet werden. Im Gefängnis erhängt. In der Gefangenenanstalt Sieg- bürg hat sich in der letzten Nacht der 17 jährige Gefangene Kloster- halfen erhängt, der unter dem Einfluß der Lektüre von Schund- romnnen vor etwa zwei Jahren im Kölner Stndtivalde einen nenn« jährigen Knaben mit einer Schnur erdrosselt halte. Kloster- halfen war damals zu einer Gefängnisstrafe von 15 Jahren ver- urteilt worden. Hingerichteter Mörder. In Torgau wurde gestern morgen der 1883 geborene August Schulze ans Hilmersdorf hingerichtet. Der Enthauptete halte seine Geliebte ermordet und die Leiche dann a n e i n e m B a ii in a n f g e h ä n g t. Schwere Unwetter werden aus Oesterreichisch- Schlesien gemeldet. ES besteht die Gefahr, daß durch den anhaltenden wölken- briickartigen Regen H o ck w a s s e r entstellt. Verschiedene Flüsse steigen rapid. Auch an? Belgien liegen Nachrichten über Hock- waffer vor. Die heftigen Ncgengüffe der letzten Tage haben im Becken der Maas und ihrer Nebenflüsse großen Schaden an- gerichtet. In verschiedenen Ortschaften längs der Ufer der Maas steht das Wasser bereits in den Straßen. NationalitätenkäiiiPfe. Bei einem Zusammenstoß zwischen kroa- tischen und italienischen Arbeitern wurde, wie ein Telegramm aus T r i e st meldet, ein Jlalicner getötet, zwei wurden durch Re- votverfchüsse inid Dolchstiche tödlich verwundet. Neun Kroaten wurden iil Haft genommen. Bmfharteii der Rcdahtion. Sit(nrlftllrttt evrcrfifimtSt findtt SinSenftrafft Nr. CO, vorn Vitt Trtvvcn— Pf n Ii r ft n h I—, wochtntöglich vo» 4'ii bis?'/, Ubr obtuds, Toiinnbciids von 4'/z vi? 0 Nljt nachmitiogs statt. Jtdtr für dc» Britf» kasteit licstiminttn Ilusraa- ist«i!> Biiltistabt und eint siabl alS Merk» ztichtn btiuutiigtn. Äricslicht'Antwort wird nicht mcilt. Eiligt fragen tragt mau in der evrtch stunde vor. K. H. IVO. 1. u. 2. Die Mehrzahl verlangt bei oder nach der Nieder- lassung die Beibringung eines HeimaischeinS. Die Beschaffung eines solchen empfiehlt sich auch, um sich die Staatsangehörigkeit zu erhallen. 3. Fiir Amerika nicht erforderlich. Wir raten, sich— unter Bezeichnung des in Frage kommenden Staates— an die Zentral< Anskuiistsstelle für AiiS» Wanderer, Schcllingstr. 4, zu wenden.— K. Sch. Die Hausbesitzcrvercine sinden Sie im Adreßbuch. Band II, S. 230 verzeichnet.— 3. K. 37. Der Verletzte ist zur Zahlung verpstichict, hat aber unseres Erachtens einen Er- slattungsanspruch an die Bctiiebskrankcnkasse.—(?. B. 100. Ihre Braut ist hallbar. Sie nichi.— P. 83. 1. Nur in Ausnahmefällen. 2. u. 3. Die Gehälter sind nur für ciuzcliie Grohstädte gesetzlich festgelegt. Im übrigen unterliegt die Festsetzung den Gemeinden ob.— K. 100. 25.— M. 100. 32.— Donntli 1001. 1. Ja, unter Jimehaltung der gesetzlichen oder oer- einbartcn Kündigungsfrist. 2. Unseres Erachtens ja.— P. O. 30. Wieder» holen Sie die Ausrage und geben Sie noch an. wo der erste Wohnsitz Ihres Vaters nach Schließung der zweiten Ehe gewesen ist.— A. G. 100. Wir kcniicn den Zweck der Frage auch nicht. Wir raten, den Lehrer um Angabe dieses Zwecks zu ersuchen und uns die Aniwort initzuteilcn, uns auch zu crmächiigcn, die Angelegenheit der Schulvcrwaltung zu unterbreiten. — W. loO. An das AiiilSgerlcht, VormundschastSalstelliuig. in Kronach. Einen gesetzlichen Anspruch haben Sie nicht, doch kann das VormundschnstS- gericht eine dahingehende Anordnung treffen.— D. L. 00. Gehen Sie sofort zu einem Notar und entsagen Sie der Erbschaft.— Wränget 100. Soweit uns lickoinit: Nein.— M. 30. Den Standpunkt der Steuer- behörde halten wir sür unbegründet. Beschweren Sie sich beim Magistrat. — O. Gr. 30. 1. Für Bocckhstrnße das Amtsgericht Bcrlin-Tempelhos, Hallcsches User. 2. und 3.: Ja.— P. Z. 83. Prinzenitraße 66 IV bei •Vinz.—<£.(2. 31. Einen Schlüssel zur Wohnung müssen Sie dem Ver- Mieter schon jetzt übergeben.— I. P. 000. Die Kasse ist nicht zu cmpsehlen. An den Antrag sind Sie gebunden. Sie können, unter Be- achlung der statutarischen Bestimmiingen, kündigen.— P. St. 50. Jetzt läßt sich nichts mehr mit Aussicht ans Erfolg tun.— O. K. 80. 1. Ja. wenn kein»dringender Fall" im Sinne der Statuten vorliegt. 2. inid 3. Nur, wenn ein»dringender Fall" vorliegt.— Zwei Streitende. Sonntag. F. S. 70. Die' Beaniwortmig der Frage hängt davon ab, welche Tätigkeit Sic im Bureau verrichten und ob' die Fabrik eine Handelsgericht- lich eingetragene Firma ist. Wiederholen Sie die Anfrage unter ent- sprechender Ergänzung.— H. B. 70. 1. DaS müssen wir ablehnen. 2. Patente werden erteilt sür neue Ecsindiingcn, welche eine gewerbliche Verwertung gestatten. Gebrauchsmusterschutz erhalten Modelle von Arbeits- gernlschasteu oder Gebrauchsgegeinländen oder von Teilen derselben, soweit sie ihrem Zlvcck durch neue Gestaltung, Slnordimng oder Borrichtung dienen sollen.— O. H. 101. Ja, wenn sie Eintragung der Wahrheit entspricht. — S. M. 100. Sie löniicn die Arbeiten selber ausführen lassen und die Unkosten von der nächstsälligen MictSrafc abziehen, wenn das nicht etwa im MittSvcrirag milersngi ist.— Wtllicliti Z. 1910. Nein. — S. K. 8. 1. Nach Ihrer Darstellung, die Sie für den Fall eines Prozesses beweisen müssen, ist die Kündigung rechtzeitig erfolgt. 2. Die Kasse können wir nicht empfehlen.— F. G. 30. Es kann aus Wieder- hcrstcllimg der ehelichen Gcmcinschnst geklagt und die Klage öffentlich zu» gestellt werden. Nach Rechtskraft des daraushin ergehenden Urteils und nach Ablans cwcS weiteren JnhrcS kann, wenn der Mann bis dahin nicht zurückgekehrt ist, Klage ans Scheidung erhoben werden. Bei dem Armen- kommissionsvorstchcr deS Bezirks, in dem Ihre Schwester Ivohut, muß vorher die Erteilung eines Armutszeugnisses nachgesucht und unter lieber- rcichung desselben bei drin zuständigen Landgericht die Bewilligung dcS ArmenrechtS und die Beiordnung eines Rechtsanwalis bcanlragt werden.— F. 51. 100. Nur zum geringen Teil.— St. K. Rein. Frnchtsir. 80. 786(einschließlich etwaige Krankheitswochen).— Luise 8. 1. Ja, Eltern, Großeltern und Geschwister. 2. Ein Testament empsiehlt sich. Dasselbe ist vor einem Notar oder Gericht zu errichten, kann auch eigenhändig gc- und unterschrieben werden, muß auch mit der OrtS» bezeichnung und dem Datum versehen sein. 3. und 4. Ja. Der Mann könnte die Ehe anfechten.— 31. W. 10. Rentenantrag ist an den Magistralskommissar sür Jnvalidcnversichcruiig, Am Köllnischen Part 8, einzureichen.— H. Sch. 38. Aus Rixdors erstreckt sich die Tätigkeit des Vereins nicht. Versuchen Sie eS immerhin mit einer Ausrage bei der Bczirkslcileriii des Vereins Hauspflcgc, Fraw Keweyet, Lausitzer Straße 41 (Sprechstunden 8—10 vormiitags, 3—4 uachmittags).— N.(£•. 50. Das Schulhalbjahr, in das die Vollendung des siebzehnten Lebens- jahreS fällt.— F. S. 100. Ja.— Charlottenburg. Nein. Nur durch ganz hervorragend feine Qnalltttt hat der Kapitän- Kautabak seinen gntcn Ruf erhalten. :eschützt) " mnig- 802L* Der echte Kapltdn-Kantabak(gesetzlich wird nur noch in Etiketten verpackt Verkauf geliefert(in Bollen und Bündel). Unverpackte Ware ist, weil unecht, zurückzuweisen. Zu haben in Zigarrengeschäften usw., wo auch kleine Priemdosen gratis erhältlich sind. Vertrieb; Carl Böcker, Berlin, Grfiner Weg 112. — Amt 7, 3861.- mm Bekannlmaehung. BcHusS VcrgrOßernng Berkfle meine Fabrikat Ions-, Enger- and Engros-vcrkaufsrUnmc am 1. Oktober er. nach Swinemöndsr Str. 64,'■ cw- Röbel, Spiegel n. 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Urania. Tauoeiiiienhe 4M /All. Abends 8 Uhr: Die Wellausstellung in Brüssel. Sternwarte. Jnvalid-nstr. 57—62. l.essinx-Tkester. 8 Uhr: Nora. Donnerstag 8 Uhr: Das Konzert. Freitag 8 Uhr: Tantriö der Narr. berliner I'kester. Heute 3 Uhr: Gastspiel KansiNlose: Das Pufiiinnteninäbrl. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Das gewisse Etwas. Freitag neu einstudiert: Die goldene Rittcrzcit. Sonnabend: Dir goldene Ritter- zeit._ Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschiedene Frau. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. LustspieShaus. Wends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel filcues Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Operette in 3 Alt. von LI. M. Willner u. R.Bodansty. Musik v. Franz Lehär. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Heute u. täglich: Dlö VßSDC. Friedrich-Wilheimstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, den 7. Sept., abends 8 U.: Faust. Donnerstag: Biederleute. Freitag: Btederlente. Sonnabend: Kaust. Sonntag: Biederleute._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die schöne Ungarin. Posse mit Gesang und Tanz von Mannslädt u. Weller. Musik».Stessen. Donnerstag: Egmont. Freitag Premiere: Brüder von St. Bernhard. Vonnadend: Die schöne Ungarin. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubonstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Berliner Volksoper Belle Alliancestraste 7/8. Heute'/jO Uhr: Gastspiel des Neueii Schauspielhauses: _ Ter Flieger._ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Ansang 8 Uhr. Groteske in 3 Akten von Davis und Lipschütz. Morgen u. folg. Tage: Gretchen. Freitag, den 9. Sept., zum erstenmal: Noblesse oblige. OSE=THEATE Grcche Frankfurter Str. 132. Ansg. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Darf und Stadt. Schauspiel in 5 Akten von Eharlotte Birch-Pseiffcr. Metropol-Theater Hallo!!! Die große Revue! In 8 Bildern von Jul. Freund. Musik v. Paul Linoke. In Szene gesetzt vom Dir. Rieh. Schultz. Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 9'/, Uhr: Verbotene Frucht. (In Hamburg seit 5 Monaten vor ausverkausien Häusern u. Stadtgespr.) Gisela Schneider- ATsacn. Das verrückte Hotel sowie 8 für Berlin vollstiinbig neue Attraktionen. U. a.: Dorothy Toye sing« wie und wie die Patti! 1- Alt-Moabit 47/40. Tägliclt: Konzert, Theater, Spezialitäten. C IRC US Cyrill Hatle Pankow, BSr Ecke Binzstraße. nächst Schönhauser Allee. Mittwoch, 7. Septemher, nachm. 4 u. abends S1/. Uhr: 2 gr. Galavorstellungen.| Nachm. ein Kind frei. Letzte Nachraitfags-Vorst. Fernruf: A. Pankow 421 Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theai.) Mittwoch, abends 8 Uhr: hkeue Jugend. Schauspiel in 3 Akten v. Tor Hedberg. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abend S 8 Uhr: Die Lilcbc wacht. Freitag, abendS8Uhr: Goldene Herzen. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Itrcatcrn Millionen. Lustspiel in 4 Akten von Wichell Smiih und Bhron Ougley. Ende KP/z Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Drester« Millionen. Freitag, abends 8 Uhr: Die f.lebe wacht. Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Heute und folgende Tage: r J Oberiandler Kapellen � KifGhweih- und Schützenfest. Bei ungünstiger Witterung Im Saal. Abonnenten dos„Vorwärts" haben wochentags freien Eintritt. Diese Annonce ist am Eingang vorzuzeigen. TERRASSEN HALENSEE GröBter Vergnügungspark des Kontinents. Eintrittspreis 50 PI. Honte und folgende Tage: Passagier-Fahrten im Fessel-Ballon unter Führung von Küthe Paulus. Ab 6 Uhr abends: Sensationelle Attraktionen Militärkonzert. Oberbayerische Sänger u. Schuhplattler, x x x Tanagra- Theater. Mon Plaisier. Volkstümlietier Runstabend im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Sonntag, den 11. September er., veranstaltet von Margarete Walkotte. Mitwirkende: Walkotte-Quartett Willy Schmidt, Tenor. Lucia Tamlich-Behm, Alt. Marg. Walkolle, Sopran. Rob Spörry, Bariton. Inka v. Linprun, Violinvirtuosin. Fritz v. Ferrari, Rezitator. Am Flügel: Bernhard Nitzsche, Entree im Vorverkauf 50 Pf., an der Abendkasse 60 Pf. Saalöfinung 61/,, Beginn T'/z Uhr. 707h* Vorverkauf ist bei Hopscli, Engelufer 15. iti-l (7. September 182%) 7636 erhält heute der Vorzeiger dieser Annonce im Tlieater-Cafe, Kommandantenstr. 57, 1 Tasse reinen, unverfälschten brasilianisch. Kaffee gratis na** Tie grühte» Schlager der lebten Saison: Da««tanke Stück und Menn pn dasstlhe tun mit Auto» und Douat Herrnfeld. Borvertaus 11—2 Uhr. Ans. 8 Uhr. Sonntag nachm. 4 Uhr: Wenn zwei dasselbe tun. IHihltnanns Theater SchSnh. A. 148— Kastanien- A. 97/99. Im Garten oder gr. Saal: 9 Uhr: sjefva, die rassische Waise. Kalo u. Karl Reich in den Hauptrollen. lIJö Uhr: Die Hochzeitöreiie. Dazu neue Spezialitäten. Sllis.>/A U. Mittwoch, 14. September:»Aibilde oder: Da» Frauenherz- Folies lapnce. Täglich 81/, Uhr: Der schwarze Schimmel. Bunter Teil: Das alte Ghetto. Vorverkaus 11—2, abends ab 6 Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhau, erAllee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 80 u. 40 Ps., Kinder die Hälfte. Ans. 7 IL, Sonnt. 4 11. Vorzugskarten. nur mochtnt. gültig, 23 Ps. ans allen Plätzen. Stets weck, f. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Slünstterkouzert. Entree 13 Pf. Garderobe 49 Ps. N. d. Konzert: Familien-Kränzchen. TKglich: Frrikonzert. �irliHS Karlstr. vorm. Renz. Tel.: 3,2491. Siiliiigböiill.ie.Söii!. adends 7'/, Uhr: Gala- Premiere mit für Berlin ganzlich neuem Programm. inj Borverknuf täglich von vorm. 10 Uhr ab an der Zirkuskasse un« unterbrochen, wie Jnvalidendank, Unter den Linden, und Waren- haus A. Wertheim. Alb. Schumann, K�Upr�omnr-RaL�n�trk� Passage-Theater.> ( Das Ertf ITnangs- Frogr. d der Winter-Saison! Abends 8 Uhr: Ciaire Waldoff mit ihren neuen Schlagern von Walter Kollo. Collins 10 eng» lisch. Backfische. Polmey u.May, unbelebten. George fiarrington und IS Starnummern.{ Passage-PaDoptlkum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! 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Hierauf die Posse: Nu hat's geschnappt, Musik V. p. Llncke. Ant.»'/, Uhr. Kerliner Prater-THenter Kastamenalleo 7—0. Heute: Der Betielstudeot von Berlin. Spezialitäten, Konzert und Kall. Sutfang 4l/s Uhr. Entree 30 Ps. GrJerliner MMellugg 1919 30. April bis 3. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. GARTEN Täglich: Großes Militär- Doppel-Konzert Eintritt 1 Mark, von abends 6 Uhr ab 50 Ps.. Kinder unter zehn Jahren die Hälfte. Ii JlnssteliungshallenamHoo Rleetcn-Kincmatograpta. 6-11 Uhr. Rauchen überall gestattet V olksgarten- Theater früher Weimann. Badstr. 8, Behm- u. Bellermann sttatze. Täglich: Rosen aus dem Süden. Posse mit Gesang und Tanz von W. Gehricke. Spezialitäten ersten Ranges usw. »MlireillEV E Variete-Thealer 1 Weinbergsweg 19-20, Rosentli.Tor. Anfang 8'/, Uhr. Die amüsanten ipezlalltütew. Trianon-Theater. Heute u. folgende Tage(Ans. S Uhr) Pariser Witwen. ii Sliems SniMer und Festsäle. Inh.; Kuilolf Krüger. Hasenheide 13/15, vis-ä-vis v.TurnpL Täglich: Große Theater- u. Spezialitätei- Artist. Leitung: Walter GrSvenltz, Kapellmeister; Max Wolftheim. Joden Donnerstag; EUte-Tag! Anfang: Wochent.6Uhr, Sonnt.'/jSUhr. Reiebstiailen-Tlieater. r sanger (Meysel, Britton, Schräder usw.) Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Karl Haveriand- Ansang Theater präz. 7>/,U. 77/79 Kommandantenstratze 77/79. Das wunderschöne f Moabitei* Sfielelstr. 24. Emdener Str. 40. Grüßte« Kientopp-Thealer Moabit«. Wöchentl. zweimal neues Programm. Täglich Vorstellung. Ansang 6 Uhr. Vereins-Krauere! Rixdorf, Hermannstr. 214/219. Oekonom: Max Wondt. DV Täglich:"Mg Gr. Militär-Konzert. Ansang wochentags 7 Uhr. , Sonntags 4 Uhr. Für den Inhalt der Inserat« übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Vera«tV»rt«»g. SomlöemoiffattWaWferaD flir den i.BerlinerReielistaiswalilkreis. Köpenicker Viertel. (Bezirk ISSl) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Gürtler Ulbert LeKssrZedmjllt Zeughosstrasze 8 gestorben ist. Ehre seinem Slndenke«! Die Beerdigung findet heute Mittwoch, den 7. September, [S 4 Uhr, von der Leichenhalle des Eminaus- Kirch hoseS in Rirdorf, Hermannftratze aus statt." 220/14 Der Voritand 8l>!iä!l!MliIli'Äi!ctil!!'VsIijvei'Liii des ß. geil. Reichstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 4. September verstarb unser Mitglied, der Jnstrumentcnmnchcr Paul Kesselring Korsörer Straße 10. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung sindet am Donnerstag, den 8. September, nachmittags 3 Uhr, in Glienicke an der Nordbnhn vom Trauer- Hause, Kursüritenstr. 27, aus nach dem Kirchhof in Glienicke statt. Um rege Beteiligung ersucht 229/13 vee Vorstand. Ob Sb Ca Freiheit. (M. d. A.-S.-B.) Todes- Anzeige. Am 5. d. Mts. verstarb unser Schtoimmgcnosse Rglll kLZZöliihg im 22. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Um rege Beteiligung ersucht 757b vor Vorstand. Zeit und Ort der Beerdigung siehe obenstehende Anzeige. veutsever Sol�rbetter-VerM Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Klavier- arbeiter Paul Kesselring am 5. September gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. September, nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- Hause in Glienicke bei Hermsdors, Kursüritenstr. 27, aus nach dem Gemeindesriedbof daselbst statt. Um rege Beteiligung ersucht 39/3 Die OrtSvcrwaltung. deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen und Kolleginnen zur Nachricht, �.daß unser Mitglied, der Schmied Man! Handsehuh am 4. September an HalSleiden gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. September, nach. mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des St. Sebastian-KirchhofeS in Ncinickendors(Humboldtstraße) aus statt. Ferner starb unser Mitglied, die Arbeiterin Martha Schnitzer am 5, September an Herzleiden. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. September, nachmittags 4 Uhr, von derLeichen- balle deS Thomas-Kirchhoses in Rirchors(Hcrmannstraße) aus statt. Ferner starb unser Mitglied, der Dreher Wiiheim Rustenbaeh am 5. September an Lungen- leiden. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. September, nachmittags 5 Uhr. von derLeichen- halle des Nazareth-Knchhoses in der Müllerstrage auS statt. Ehre ihrem Andenke»! Rege Beteiligung erwartet <21/10 Die OrtSverwaltung. Danksagung. Sage hiermit allen Beteiligten bei der Beerdigung meines lieben Mannes tttugusi König weinen herzlichsten Dank. Witwe Emma König nebst Kindern. Von der Reise zunick. 101/9 dr. A. Freudenberg, Potsdamer Str. 20a. Privatklinik; Aposlel-Paulus-Str. 12. Morgen, Donnerstag, den 8. September, SVa Uhr in Kellers Neuer Philharmonie, Köpenicker Straße: Tagesordnung: . Die freie yolhsbühne UNd die Zensur 2. Diskussion. Redner: EMuard Bernstein, Hellmuth von Gerlach, Albert Traeger, Heinrich Ströbel. I Ter Einberufcr! G. Winkler, Rixdorf, Kirchhofstr. 46 II. Zenlrai- Kranken- u. Sterhekasse der deutschen Wagenhauer. Filiale Borsigwalde. Am 3. September verstarb unser Kollege Msx Rockel im Alter von 50 Jahren an Lungenlciden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerslag, den 8. d. Mi»., aus dem Hermsdorser Kirchhos von der Leichenhalle aus statt. 7S0b Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herz- licher Teilnahme bei der Be- erdigung meines lieben Mannes Äibert Stahlfeld sag« ich allen Freunden, Ver- wandten und Bekannten, sowie dem Deutschen Holzarbeiter-Ver- band und den Genossen des 6. Berliner Sozialdemokratischen WahlvereinS meinen herzlichsten Dank. 7S4L Die trauernde Witwe Enlse Mtahlfcld geb. Sichring. Am Montag, den S. September, nachmittags 2'/, Uhr, verschied plötzlich am Herzschlag mein Innigst- geliebter Mann, unser lieberVater, Schwiegervater, Onlel».Schwager, der Dachdecker pratiTSekinidt im 56. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Harle Sehnildt, Körnerstr. 15. Die Beerdigung findet am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr. von der Halle des Lulher-Kirch- HoseS(Lanktvitz) auS statt. Beerdignngsverein Berliner Zimmerleute. Am 3. September starb an Nierenleiden im Aller von 72 Jahren unser Mitglied, der Zim- merer Friedrich Schulz Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. September, nach« mittags 3'/, Uhr, aus dem Georgen-Kirchhos, Landsberger Allee, statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. 7586 Heute früh cntschlies plötzlich und unerwartet mein innigst- geliebter Mann, unser guter Vater, Bruder, Onkel, Schivager und Großvater Paul Müller im 62. Lebensjahre. Dies zeigt tiesbetrübt an Clara Müller geb. M o s i ch nebst Kindern. Berlin, den 4. September 1910, 3., Prinzeiistr. 43. Die Traucrseier sindet am Donnerstag, den 8. Septbr. 1910, nachmittags'/,5 Uhr, von der Halle des neuen Luisenstädtlschcn Kirchhofes, Rixdors, Hermann- straßc 190, aus statt. 7Slb Dr. Simmei Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, Äp'S«, 10—2. 5—7. Sonntags 10—12. 2—4 Ohne Berussftörungen werden TatcwlerLirigen schmerzlos ohne Narben enlsernt. RobertWindfuhr, Dresden 135. z Extra- Abtellnng j I. Gesch.: Berlin W., Mohren-! StraBe37a(2. Haus von der| Jerusalemor StraSe). I II. Gesch.: Berlin NO., GröBe j Frankfurt. Str. IIS(2. Haus j von der AndreasstraBe). ! Sehr gr. Aus w. fort. Kleider, j Hüte, Handschuhe, Schleier E | cto. v. einfachsten bis zum I { hochelegant. Genre z. äußerst[ niedrigen Preisen. Sondor-Abteilung: Malianfcrtiguiig in 10 bis 12 Stunden. .Meine Frau war ihr Leben lang über 50 Jahre mit einer hüfilichen Ftodrie behaftet. Kein gesund. Fleckchen hatte sie ans dem Leibe. Nachdem sie Zucker's Patent- Medizinal- Seife angewendet hat, sühlt sie sich wie neugeboren. In 3 Wochen waren die Flechten beseitigt. Zniker'sPatent-OAedizinal-Teife ist Taufende wert.(!. W. in S." ä Stck. 50 Vf.(15°/o'9) U. 1.50 M. (35»/„ig, stärkste Forin). Dazngch. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranzspenden beim Begräbnis meines lieben Mannes, deS Gastwirts Bernhsrcl �nnge sage ich allen lieben Freunden lind Bckannicn, dem Wahlverein für den Bezirk Lichtenberg, dem Gesangverein LichteiibergerMännerchor. dcmZciitral- verband der Töpser(Lczirl Lichten- berg), dem Slatllub Karo-Aß sowie sür die trostreichen Worte am Grabe meinen herzlichsten Dank. 753b Wwe. Marie Dange. Nrbcitönnchwcis: Hos l. Amt 3. 1233. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptburcan: CharitestraBo 3. Hos III. Amt 3. 1987. Mittwoch, den 7, September 1910, abends S1/» Uhr. in Kellers Festsälen, Koppenstr. 39: ii»m r. TageZ-Ordnung: Fortsetzung der Diskussion von der letzten Versammlung. MV Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt."MZ MV In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen eines jeden Kollegen notwendig. EillscgllilllggWliigc lehr große Auswahl fcriig 9,— alt, nach Maß außergewöhnlich billig. Herren- Anzüge 8,25 an. Herren-MaßanZüge 32— 85 M. 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Mit Rücksicht darauf, dag cS notwendig ist, gegen- über den letzten Maßnahmen der Unternchiner in machivoller Weife zu protestieren, darf keiner von Ihnen in dieser Versammlung fehlen. Deshalb agitieren Sie für einen guten Versammlungsbesuch, damit die Unternehmer erkennen, daß unsere Stellungnahme betreffs des Arbeitsnachweises eitle einheitliche ist. 121/9 Die Ortsvcrwultuug. Achtung! Achtung! Hausdiener, f acher etc. ÜWF" aller Sranchen."Hfl Mittwoch, de» 7. September, abends L'/z Uhr, in Feuersteins Festfälr», Alte Jakobstr. 75 und Bcrchtö Festsälen, Ritterstr. 7ö: 8 öffentliche Yersammlungen. Tagesordnung: 1. Der durch Uuternehmerwillkiir hervorgerufene Streik der Hausdiener und Packer bei der Firma Regeler u. Co.» Ritterstr. 71/73. 2. Diskussion und Be- schlichfassung. 3. Verschiedenes. BernfSkollegen? Genossen: Erscheint zahlreich in dieser Ver» sammlung k ES gilt Matzuahme« zu treffen, den in diesem Muster, 1 betrieb beslehcuden Zuständen ei» Ende zu machen:— Erscheint Mann für Manu! 71/15 Mit kollegialem Gruß Dlo Verbandeleitaug. Brunnen- Str. 17-18 ; Machf. Veteranen- Strasse 1-2 Der Don vielen an mich ge« •teilten Wünschen rachkommend, habe Ich Horden Harken e'ngelQhrt. I. Inh aber: JuI.FraenKel Eitra-Verkauf zu herabEesetzten Preisen wegen Geschäfts- Uebernahme wird in allen Abteilungen fortgesetzt. Damen-, Mädchen- und Kindir-Kenfektion spottbillig a 1.25 Weisse Batist- Blusen wert ms s.so Kinder- Kleider— wen m. 3.50 4 3.50 Kostiimröcke.. wen ms s so a 1.75 Bunte Musseline. Blusen ws.5«" Kinder-Kleider.... weitMs+so 2.25 Knaben- Anzüge wenMss.so 4 2.75 Damen-Paletots wenbisaso 4.75 Kostümröcke. w-n bis 10.75 Paletots..... Wert bis 12 75 4 5.75 Paletots..... 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Eintrittskarten sind bei den Bezirksführern und abends an der Kaffe zu haben. Die Bezirksleitung. berliner Nachrichten. Aus der Quitzowzeit. Die Septembertage des Jahres 1410 waren für Berlin und die Mark Brandenburg höchst unerfreuliche. Dietrich v. Ouitzow trieb in dieser Zeit sein Unwesen, nachdem er be- rcits im Februar mit der Stadt Berlin Fehde begonnen und jhr viel Schaden zugefügt hatte. An diese Zeiten erinnert eine Urkunde des Deutschen Ordens vom 8. September 1410 an die Stände der Mittelmark. Sie lautet(in hochdeutscher Uebertragung):„Bruder Ulrich von Jungingen, Hochmeister des Deutschen Ordens, allen Herren, Rittern, Knechten und Mannen, gesessen jenseits der Oder in der alten Mark, unsern freundlichen Gruß mit gewünschtem Heil! Edle, liebe, be- fonders Herren und Freunde! Wir klagen Euch schwer über Dietrich von Quitzow, des erlauchten Fürsten, unseres Herrn Markgrafen von Brandenburg Lehnsmann, welcher Städte und Schlösser in der Mark hat, wie Plauen, die Neuemühle und Bötzow, datz derselbe, Wider Gleich und Recht, schindet, raubt und großen Schaden Miseren Landen und Untersassen in der Neuenmark zufügt. Er hat nämlich seine Leute zu Fuß ausgesandt nach der Oder, welche die Unseren mit ihren Schiffen und Anderer Kaufmannsgüter überfallen und ge- fangen genommen haben; allein wir haben bisher den Schaden und Verderb des Landes angesehen und erkannt, daß, was wir in solcher Sache angreifen, mit ganzer Macht und Folge ge- schehen muß. Daß aber einem solchen Heere nicht verwehrt werden kann, auf seinem Zuge Futter, Speise und andere Notdurft zu suchen und zu nehmen, wo sie solches finden mögen. Darum so bitten wir Euch Alle und Jeglichen'be- fonders, daß Ihr dem ehegenannten Dietrich solches unter- saget, wie wir Euch deshalb vertwuen. Insofern unsere Mannen und Städte wider Euch redliche Sachen hätten, so sollen sie zu einem bestimmten Tage zu Euch kommen und Recht pflegen und tun, was sie verpflichtet sind, nach Bestim- mung der Städte Frankfurt, Berlin und Brandenburg, oder unseres Vogtes der Neuenmark, wobei es sein Bewenden haben soll. Wir bitten um Eure Antwort. Geben auf unserem Hause Schlochau am Tage der Geburt Maria im 1410. Jahre." Eine ähnliche Klage hatten die Ratsherren von Berlin an den Markgraf Jobst gerichtet: er antwortete ihnen am 45. September 1410, datz ep die Klage an den Bischof von Lebus abgefertigt habe, der„mit dem Quitzow ernstlich reden selle". Weiter reichte die Macht dieses Landesherrn an- scheinend nicht und bekanntlich ist erst viele Jahre später der Mark Brandenburg der Herr erstanden, der mit den Räube- lreien eines Quitzow kürzeren Prozeß machte. Die Nachfolger dieses Ouitzow-Raubgestndels sind heute die„Edelsten und Besten der Nation". Die Beraubung des Volkes durch die heutigen Junker ist nur modernisiert. Man raubt nicht mehr direkt, sondern benutzt im Reiche die Klinke der Gesetzgebung, um durch indirekte Steuern den Volks massen die letzten Groschen aus den Taschen zu holen. Im Landtage spielen die Nachfahren der Ouitzows, der Jtzenblitze und K'ökeritze die erste Geige und betrügen das Volk um ihre politischen Rechte._ Messcnger-Boy. Ein Messenger-Boh zu werden, mag der Herzenswunsch so manches Jungen sein, der nach Ablauf des 14. Lebensjahres seiner Entlassung aus der Schule entgegengeht. Forsch steht er aus, der Messenger-Boh, und stolz paradiert er in seiner bunten Uniform. die er tragen mutz, um aufzufallen als lebende Rellame für das Unternehmen, dem er dient. Auch sein Name, die dem Englischen entnommene Bezeichnung„Messenger-Boy-, klingt apart und macht stch sehr viel nobler als etwa das gut deutsche Wort„Laufbursche", daS— unter uns gesagt— ungefähr dasselbe bedeutet. Was hat eigentlich so ein Messenger-Boy den Tag über zu tun? Die Jungen die ihm bewundernd nachblicken, haben natürlich nur eine sehr unklare Vorstellung von seinen Pflichten. Aber auch den meisten der Eltern, die ihre Söhne diesem„Berus" zuführen wollen, dürfte kaum recht bekannt sein, was alles von einem Messenger-Boy verlangt wird. Das Wort„Laufbursche" ist, wie schon bemerkt, un- gefähr die Uebersetzung von„Messenger-Boh". doch der Dienst des Messenger-Boy geht an Vielseitigkeit weit über den eines fimplen Laufburschen hinaus. � Die Botengänge, zu denen man stch einen Messenger-Boy nimmt, die durch ihn auszuführende Bestellung von mündlichen oder schriftlichen Mitteilungen, die Ablieferung von Paketen und anderen Gegenständen aller Art bilden nur einen kleinen Teil seiner Tätigkeit. Er wird auch zu allerlei persönlichen Diensten und Hilfeleistungen gemietet, die sonst einem Dienstmädchen zufallen, zu Arbeiten in der Hauswirtschaft, zu Handreichungen beim Grotz- reinemachen, zum Aufräumen von Stuben, Kammern, Böden, Kellern, zum Kleiderreinigen und Teppichklopfen. Er wird täglich zu bestimmter Zeit bestellt, um Kinder zur Schule zu führen oder aus der Schule zurückzubringen, um eine kranke Dame im Nollstuhl auszufahren, um für einen kranken Herrn den Speichel oder den Urin einem Arzt hinzutragen. Er wird abends per Telephon herbeigerufen, um ein alterndes Fräulein aus dem Theater abzuholen oder ein ängstliches Mägdlein von einer Geburtstagsfeier nach Hause zu begleiten. Sogar das kommt bor. datz ein Messenger-Boh den Auftrag erhält, einen .hochherrschaftlichen" Hund auszuführen, damit er, der Hund, seine tägliche Bewegung hat und bei dieser Gelegenheit auch seine „Geschäfte" erledigen kann. Der Messenger-Boh mutz bei allen diesen Gängen und Handreichungen immer in Uniform sein, auf datz alle Welt sehe, wie allseitig die Verwendungsmöglichkeit eines Messenger-Boy ist. In Uniform tritt er auch an, wenn«Herrschaften" bei Festlichkeiten ihn als Lohnlakai benutzen und an der Festtafel durch ihn die Ge- nüffe des Gaumens servieren lassen. In Uniform mutzten auch die Boys antreten, die von einem Weinrestaurant aus zuweilen herbeigerufen wurden, um einen Stanimgast sicher heim- zugeleiten. Dagegen mutz der Messenger-Boy vorsichtig die Uniform mit unauffälliger Zivilkleidung vertauschen, wenn er den Privat- detektive zu spielen hat, z. B. im Austrage einer Dame da oder dort Erkundigungen über einen Herrn einzieht, im Auftrage eines Herrn eine Dame verfolgt und sie auf allen Wegen beobachtet. Mancher wird es für nicht unbedenklich halten, datz zu solchem Dctektivdienst junge Leute verwendet werden, die halb noch Knaben sind. Auch über die erwähnte Abholung aus der Kneipe wird viel- leicht mancher sich seine Gedanken machen, wenn er hört, datz mit- unter die damit betrauten Boys zunächst„eins zu trinken" bekommen. Doch für den Messenger-Boy gibt eS in seiner Tätigkeit noch allerlei anderes, was ihm ebenfalls nicht gerade förderlich ist. In„Herr- schaftlichen" Häusern bei Festlichkeiten zu servieren, mag sehr harm- los und beinahe angenehm erscheinen. Ja, wenn nur nicht der Boy aushalten mühte, bis er nicht mehr gebraucht wird, d. h. manchmal weit über Mitternacht hinaus. Auch die Rolle eines Faxenmachers, die bei solchen Festlichkeiten zuweilen von einem Messenger-Boy über- nommen und bis in die Nacht hinein gespielt werden muh, ist für ihn selber gewitz nicht so amüsant, wie eS aussteht. Bon einem „Kinderball der bösen Buben", bei dem gleichfalls einige Boys mitwirkten, sollen diese erst gegen Morgen nach Hause gekommen sein. Ein Messenger-Boy mutz überhaupt jederzeit imstande sein, die Nacht zum Tage zu machen. Als der Sänger Caruso in Berlin gastierte und die zahlungsfähigen Kunstfreunde sich um die Billetts schlugen, mutzten Boys schon um 6 Uhr morgens stch vor der Theaterkasse aufftellen, an der sie dann erst vormittags um 11 Uhr abgeferttgt wurden. Ein Messcnger-Boy darf eben niemals müde sein. Der Lohn eines Messenger-Boh ist keineswegs so, wie man eS bei solchem Dienst erwarten sollte. Wer einen Messenger-Boy mietet, zahlt für die geleistete Arbeit nicht an den Boy selber, sondern an den Unternehmer, der den Boy bereit hält und ihn festen Wochenlohn gibt. Mit 7,60 M. pro Woche fängt der Messenger- Boy an, für später werden ihm Zulagen in Aussicht gestellt, als Höchstlohn winken 15 M. pro Woche. In der Regel mutz der Boy zwölf Stunden Dienst tun, zum Beispiel von früh 8 bis abends 8, von vormittags 10 bis abends 10, von Mittag bis Mitter- nacht, und so weiter. Davon gehen zwei Stunden für Mittagessen ab, doch kannS ihm passieren, datz er sein Mittageffen erst einnehmen darf, wenn andere Leute bald schon wieder an das Abendessen denken. Ueberstunden werden mit 10 Pf. bezahlt, nach 10 Uhr geleistete Ueberstunden mit 20 Pf., für Nadfahrdienst gibt es Zuschläge. Andererseits werden Abzüge vom Lohn gemacht in Form von Straf- geldern, die für Verspätungen usw. festgesetzt sind. Auf Disziplin wird in der Messenger-Boy-Kompagnie streng gehalten. In Anlehnung an militärische Verhältniffe gilt der neu eintretende Boy als„Rekrut", der seinem„Korporal" zu parieren hat. Ucber diesem steht der„Sergeant", und der wieder hat den „Stationsleiter" als seinen Vorgesetzten zu betrachten. Die höchste Spitze ist ein Herr Dr. Hoffmann. Aehnlich, wie beim Militär, liebt man auch bei der Messenger-Boy-Kompagnie nicht die Ztmper- lichkeit. Ein Messenger-Boy kann's erleben, datz ihm grobe Schimpfwörter an den Kopf geworfen werden. Auch das war schon da, datz bei der Mesienger-Boy-Kompagnie ein„Rekrut" seine Hiebe kriegte und einen Arzt aussuchen mutzte. Wir nehmen an, datz viele Eltern es uns danken werden, einmal zu erfahren, wie der Dienst bei der Meffenger-Boy-Kompagnie ist. ES ist für sie und ihre Söhne von Wichtigkeit, im voraus zu wissen, was sie dort zu erwarten haben. Zum Präsidenten der Berliner EisenÜaljndirektio» ist an Stelle des zum Ministerialdirektor ernannten bisherigen Prä sidenten Behrend der Oberregierungsrat Rüdlin ernannt »vorden. Ob unter dem neuen Herrn die Mißstände im Ber liner Eisenbahnverkehr abgestellt werden, muß abgewartet werden, viel Hoffnung haben wir nicht. Patriotcnzüchtcr. In der Kapernaumgemeinde an der See- stratze wurde für den dort unterhaltenen Knabenhort ein großer Sedanrummel veranstaltet, wobei der Kricgervercin des Bezirks den jungen Leuten in Kinderschuhen eine Fahne stiftete. Der Vor- sitzende des Kriegervereins hielt eine patriotische Ansprache, in der er die Jugend anfeuerte, in die Futzstapfen der Krieger zu treten, die durch ihre glorreichen Kämpfe und Siege die deutsche Einigkeit geschaffen hätten, die heute durch parteipolitisches Gezänke bedroht ist. Vielleicht ist diese„mit dem Blute echter deutscher Männer geschaffene" Einigkeit noch viel mehr durch etwas ganz anderes bedroht. Aller Segen kommt von oben. Der Redner vergaß auch, auf die unendlich vielen zu Krüppeln geschossenen alten Krieger hinzuweisen, die mit der Drehorgel und dem Streichholzkasten oder als Bettler durch die deutschen Lande ziehen und von dem zum Schlüsse der Festrede ausgegebenen Losungswort„Gottesfurcht, Königstreue und Vaterlandsliebe" nicht satt werden. Nach Ein- bruch der Dunkelheit gab eS mit Fahne und Musik unier Zulauf zahlreicher Neugieriger einen langen Fackelzug durch die Straßen des Kapernaumviertels. Wenn die Arbeiterjugend eine Landpartci nach den Vororten unternimmt, werden Gendarmen und Polizeihunde auf sie gehetzt. Die Söhne des Volkes schreien freilich nicht Hurra und singen etwas Besseres als„Heil dir im Siegerkranz". Zu der zweiten nationalen Flugwochi in Johannisthal, die be- kanntlich vom 9.— 16. Oktober stattfindet, sind bis jetzt Preise in der Gesamtsumme von über 70000 M. gestiftet worden. Das Kriegs- Ministerium hat seine bisherige Stiftung von 13 000 M. insofern erhöht, als es für einen Preis 25 000 M. unter der Bedingung aus- setzt, datz von anderer Seite zu derselben Konkurrenz noch 10—16000 M. gezeichnet werden. Ucber das Treiben von NowdyS in der Gegend der Manteuffel» und Naunhnstratze gehen uns lebhafte Klagen zu. Passanten, die am Sonnabendabend nach 11 Uhr die Manteuffelftraße passierten, mutzten Zeuge werden, wie ein anständig gekleideter junger Mann, der ruhig seines Weges ging, von einer Rotte junger Vengels ohne jeden Anlatz attackiert wurde. Er wurde von den Raufbolden nieder- geschlagen, mit Füßen getreten und mit Messern gestochen. Leute, die nach einem Schutzmann ausschauten, konnten keinen habhaft werden und als sie endlich in der Oranienstratze einen Beamten trafen, erklärte der, eS handele sich nicht um sein Revier. Dadurch erinutigt, griffen andere Rowdys von neuem den jungen Menschen an, der im Begriff>var, sich von dem Blute zu reinigen. Es war schrecklich anzusehen, wie der am Boden Liegende von den rohen Burschen mit den Stiefelabsätzen bearbeitet wurde. Nachdem sie dem Mitzbandelten noch Uhr und Portemonnaie ge- stöhlen hatten, verschwanden die Bengels. Umstehende trauten sich nicht, den Rowdys entgegenzutreten. Als endlich nach Meldung auf dem Revier polizeiliche Hilfe kam, waren die Strolche über alle Berge. Solche Vorfälle haben stch in der genannten Gegend wieder- holt ereignet, und viele Bewohner jener Straßen können sich des Abends kaum auf die Stratze wagen. Wenn anständige Arbeiter um ihr politisches Recht demonfttieren, ist die Polizei mit einem Massenaufgebot zur Stelle, die gänzlich überflüssig ist. Wenn aber wirtlich die Sicherheit gefährdet ist, kann man wer weiß wie lange suchen, ehe sich ein Schutzmann findet. Ein schwerer Strafzenbahnunfall ereignete sich gestern Vor- mittag am Kurfürstcndamm Ecke der Joachimsthaler Straße. Dort wollte der zwölfjährige Schüler Osiander, der in einem Pensionat in der Wichmannstr. 20 untergebracht ist, den Motorwagen 2720 der Linie 76 während der Fahrt besteigen, kam jedoch zu Fall und geriet unter den Vorderperron des Anhängewagens. Mit Hilfe von Passanten wurde der Waggon aufgehoben und der blutüber- strömte Knabe hervorgezogen. Die Räder waren über den Un- glücklichen hinweggegangen und hatten den linken Oberschenkel deS Knaben vom Rumpfe getrennt. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation am Zoologischen Garten und von dort nach dem Elisabcth-Krankenhaus gebracht. Wege» Vermittelungsschwindels ist der 29 Jahre alte Reisende Ludwig Eckstein, der aus der Buckowina nach Berlin kam, fest- genommen worden. Eckstein war eine Zeit lang in einem Bureau beschäftigt, das sich mit der Vermittelung von Geschäftsverkäufen befaßte, aber so wenig einbrachte, datz eS nicht bestehen tonnte. Als es aufgelöst wurde, eignete er sich die Briefbogen und Briefumschläge mit der Geschäftsbezeichnung an und setzte nun die Verniiltlungen auf schwindelhafter Grundlage fort. Er stellte sich Grllnkramhändlern, Milchhändlern und anderen kleinen Geschäftsleuten, die in der Zeitung mitteilten, datz sie der- lausen wollten, als Vertreter der in diesen Kreisen bekannten aus- gelösten Firma vor, erkundigte sich nach den Verkaufsbedingungen und verpflichtete sich, binnen kurzer Zeit einen Käufer zu bringen. Dann steckte er im voraus die Bermittlergebühr ein und ließ sich nicht wieder sehen. Gestern traf ein betrogener Mann den Schwindler auf der Stratze und ließ ihn von einem Schutzmann festnehmen, als er ihm ausweichen und entfliehen wollte. Der Ver- haftete gibt die ihm zur Last gelegten Schwindeleien zu, hat aber noch mehr Leute, als sich bis jetzt gemeldet haben, betrogen. Er selbst weiß gar nicht mehr, wie viele eS sind. Eckstein wurde gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Eholcranachrichtcn auS Spandau. DaS Befinden der im Span- daucr Krankenhause unter Quarantäne stehenden Personen ist ein durchweg günstiges. Nutzer den drei Personen: Fräulein Sarnow, Schwester Luise und Frau Heudeck, befinden sich gegenwärtig noch fünf Personen unter Beobachtung. Im Laufe des gestrigen Tages wurden nochmals die Dejekte der.Bazillenträgerinnen" an das Bakteriologische Institut in Berlin zur Prüfung übcrsandt. Bon dem Ergebnis dieser Prüfung wird eS abhängen, ob die drei Frauen noch weiterhin beobachtet werden müssen. Ucber den Herd der Cholera in Spandau ist man sich in ärztlichen Kreisen trotz der umfangreichen Nachforschungen noch immer nicht im klaren. Wie die gestrige Untersuchung des Auswandererbahnhoss Ruh- leben gezeigt hat, scheint die Cholera von dort aus nicht ein- geschleppt worden zu sein. Dagegen ist die Annahme, datz die Seuche durch die aus Rußland eingeführten in den königlichen Munitionslägern aufgestapelten Patronenkisten um so wahrscheinlicher, als gerade die echte cllolsr� asiatica in der Familie desjenigen Beamten ausbrach, der mit der Sortierung dieser Kisten beschäftigt war. Außerdem aber war eine grotze Anzahl von Personen, die an Brechdurchfall erkrankten, in den Munitionsfabriken beschäftigt. Wie wir berichteten, fand am 1. September durch eine besondere Kom- inission eine Untersuchung der Arbeitsstätten in den Munitionswerken statt, wobei sich herausstellte, datz die meisten der dort liegenden Kisten mit einer dicken Schmutz- und Schimmelschicht bedeckt waren. Noch am selben Tage wurden-etwa 50 Proben an das Bakteriologische Institut in Berlin übersandt. Wie mitgeteilt wird, ist die Untersuchung allerdings negativ ausgefallen, doch wird in Spandau von matzgebender Stelle mit Recht darauf hingewiesen, datz diese Untersuchung unvollständig sei— es wurden etwa 50 von 2000 Stiften untersucht— sodatz man deshalb den Verdacht, die Cholera sei durch diese Kisten eingeschleppt worden, nicht von der Hand weisen könne. Inzwischen ist jedoch angeordnet worden, datz die Behälter und Kisten vor ihrer Absenkung in den verschiedenen russische» und österreichischen Grenzorten gründlich zu dcsinflzicrcn und mit einem festen Anstrich zu versehen sind. Auf diese Weise hofft man, jeder Ansteckungsgefahr vorbeugen zu können. Ueber eine Revvlverschietzerei in einer Zigeunerfamilie wir? aus der Schulstrahe berichtet. Dort wohnt seit einem Monat der 56 Jahre alte aus Bliebungen in Ungar» gebürtige Zigeuner August Weiß mit seiner 54 Jahre alten Frau,? Söhnen von 12 bis 20 Jahren und einer 17 Jahre alten Zigeunerin Frida Echter« mcyer, der Braut des ältesten Sohnes Eduard. Die Leute ziehen feit Jahren in Deutschland umher und kamen von Hamburg nach Berlin. Der alte Weiß verdient sich sein Brot als Geiger und handelt auch mit Geigen. Seine Frau und Frida Echtermeycr gehen mit Seide und anderen Sachen hausieren. Eduard Weiß hat mit dem Mädchen seit zwei Jahren ein Liebesverhältnis, aus dem vor acht Wochen ein Töchtcrchen Anna hervorging. Der alte Weiß konnte sich mit dem Mädchen seit einiger Zeit nicht mehr ver- tragen, weil eS nach'seiner Ansicht zu wenig verdiente. Seine Frau bestärkte ihn in dieser Meinung, während seine jüngeren Söhne die Partei ibres Bruders und dessen Braut hielten. Die Gegensätze spitzten sich nach und nach so zu, daß Weiß und Frau das Mädchen vor die Tür setzen wollten. Das duldeten aber die Söhne nicht, sie verlangten vielmehr, daß die Eltern die Wohnung verlassen sollten, und wollten- unter sich bleiben. Gestern begannen die alten Leute ihre Sachen wegzuschaffen, lieber die Trennung kam eS nun abends um 9?� Uhr zu einem heftigen Streit in der Wohnung. Hierbei zog der alte Weiß plötzlich einen Revolver, den er sich erst im Laufe des Tages gekauft hatte, und feuerte auf seinen ältesten Sohn und dessen Braut drei Schüsse ab. Zwei gingen fehl, der dritte verletzte das Mädchen leicht an der linken Brust. Weiß entfloh darauf und ist noch nicht ermittelt. Die Ver» wundete wurde nach der Hilsswache in der Lindower Stratze ge» bracht, konnte aber gleich wieder nach Hause gehen, nachdem sie einen Verband erhalte» hatte. Dex-flüchtige Zigeuner« auf de» d!ö KrimInälpoNze? fep Kegen ßersuchkeÄ Mordes fahndel, isk bis 1,6g Meter groß, untersetzt, kräftig und stark, hat ein volles Gesicht, schwarzes Haar und einen starken schwarzen Schnurrbart und trägt ein braunes Samtjackett, eine karierte graue Hose, die oben weit und unten eng ist, und einen hellen Strohhut mit gelbem Bande. Wegen Verbrechens an seiner eigenen Pflegetochter ist ein Töpfer Wilhelm Gnade aus der Weberstratze festgenommen worden. Der mehrfach vorbestrafte Mensch hatte 0 Jahre lang ein Mädchen in Pflege, das jetzt eingesegnet worden ist. DaS Kind begab sich dieser Tage zum Waisenrat und bat ihn. es anderswo unterzubringen. Dem Waiseurat fiel eZ auf, daß eS die Bitte nicht recht begründen wollte. Er schöpfte Verdacht und forschte weiter nach. Jetzt ergab sich, daß G. schon seit längerer Zeit daS Mädchen in der eigenen Wohnung mißbraucht hatte. Gnade wurde daraufhin verhaftet und nach dem Untersuchungsgefängnis gebracht. Walhalla-Barietö-Theatcr. Ein neues Programm. Ein Programm über dem Durchschnitt. Nicht welterschütternd, aber unterhaltsam, nett und solide. SisterS NoranaS dressierte Papageien find ein hübscher Dressurakt. George und Walter sind gute Gyni- nastiker an Ringen und parterre. Ein sehr guter Kraft'Jongleur ist S i d i. Er jongliert mit Geschützen, Granaten und Kugeln wie der Reichstag mit einer neuen Militärvorlage. Dabei trägt er die schweren Lasten selbst und balst sie nicht dem Publikum auf, das die Kosten des Schauspiels trägt. Ein gutes Ensembles sind auch die Kol« b e r g s. sechs kindliche Jnstrumental-Birtuosen. Die vier Mädchen spielen ihr Pensum„fromm und brav", wie sie auch singen. Die beiden männlichen Mitglieder der Truppe aber be- herrschen ihre Instrumente mir Künstlerschaft. Der Dreikäsehoch von„Kapellmeister" ist außerdem ein arger Schalk. Wie er das große HauSorchestcr dirigiert. wie er dabei, einen hyper- temperamentvollen erwachsenen Kollegen parodierend, umherspringt und die Paukenschläge taktiert, als wüte er selbst auf der Pauke, daS ist köstlich. Ein richtiges Varietö-Programm bietet natürlich auch einen Komiker und eine Soubrette, das der„Walhalla" außer- dem noch eine VerwaudlungStänzerin. Der Komiker verfügt über gute Stimmmittel, die Soubrette hat ein hübsches Gesicht und die BerwandlungStänzerin außerdem noch sehr schöne Kostüme.— Lobend erwähnt mutz auch der Rahmen werden, in dem alles ge- boten wird. Kostüme und Requisiten blitzen und jede Nummer hebt sich wirkungsvoll von einem anderen stimmungsvollen Hinter- grund ab._ Vorort- JVaebriebtem Vchöneberg. AuS der Stadtverordnetenversammlung. In der ersten Sitzung nach den Ferien teilte der stellvertretende Vorsitzende Genosse Molkenbuhr mit, daß der Genofie Wollermann wegen Verzuges sein Mandat als Stadtverordneter und Mitglied der Ver- anlagungSkommission niedergelegt hat. Vor Eintritt in die TageS. ordnung brachte Stadtv. Gottschalk(lib.) ein Schreiben des Magistrats zur Verlesung, in dem mitgeteilt wird, daß die vor den Ferien erhobenen Vorwürfe gegen Beamte der Tiefbauverwaltung anläßlich der Herstellung eines Vorgartens vor dem Gottschalkschen Hause zu Unrecht erfolgt sind. Zur Kenntnis wurde eine Ucber» ficht über die Frequenz der Volksschule nach dem Stande vom 1. Mai gegeben. Danach beträgt die Durchschnittsfrequenz aller Klassen einschließlich der HilsSklassen: 42,74, ohne Hilfsklassen 43,38. Zu verurteilen ist, daß immer noch zwei fliegende Klaffen zu ver» zeichnen sind. Die Abschrift einer an den Justizminister gerichteten Eingabe, worin ersucht wird, Schöneberg und Berlin als einen Ort im Sinne der deutschen Rechtsanwaltordnung anzusehen und die bei dem Amtsgericht Berlin-Schöneberg zugelassenen Rechtsanwälte auf ihren Antrag auch bei dem Landgericht II Berlin zuzulassen, wurde zur Kenntnis genommen. Der Magistrat teilte mit. daß von der Errichtung eines provisorischen Spielplatzes auf dem Ge- lände zwischen Jnnsbrucker und Martin-Lutherstrahe Abstand ge- nommen werden müßte, weil der Platz verhältnismäßig sehr klein sei und die Bautätigkeit auch bald einsetzte. Dagegen werde beab» fichtigt, auf dem städtischen Gelände am Tempelhofer Weg zwischen Ringbahn und Straße C hinter der 14. und 15. Gcmeindeschule einen Spielplatz zu errichten. Ein zweiter Spielplatz soll auf dem Parkgelände von der Wilmersdorfer Grenze bis zur Ringbahn sich erstrecken. Starke(liberal) betonte, man solle auch das Rollschuhlaufen mehr berücksichtigen, da dies ein ganz gesunder Sport sei. DeS weiteren führte Redner Kla�e über die Polizei, die durch ihr sonderbares Vorgehen gegen die Kinder diesen Sport zu unterbinden suche. Es wäre angebracht, eine Rollschuhbahn zu eröffnen. Eben. falls hätte sich die Freigabe der Schulhöfe gut bewährt. K ü t e r(Soz.) bedauerte, daß der provisorische Spielplatz nicht errichtet wird, da doch gerade Schöneberg an derartigen Plätzen außerordentlich arm sei. DaS den Kindern der Insel auch weiter Gelegenheit zum Spielen gegeben werden soll, sei nur gutzu» heißen, wenn man bedenke, daß die Laubenkolonisten durch die allenthalben einsetzende Bautätigkeit immer mehr hinauSgetriÄben werden. Die Deputation zur Bekämpfung der Mikrosporie soll aufgelöst werden, da die Epidemie erloschen ist; die Geschäfte sollen von der Wohlfahrts» und KrankenhauSdeputation mit erledigt werden. Für außerordentliche Mehrleistungen bei Veröffentlichungen von amtlichen Bekanntmachungen verlangt der Magistrat außer den für daS Schöneberger Tageblatt bereits bewilligten 866 M. weitere 766 M. Genosse D ä u m ig beantragte Ablehnung, da das Geld der Steuerzahler nicht dazu da fei, fortwährend Blätter auszu» halten. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozial« demokraten angenommen. Der Entwurf des Neubaues für das Alters- und Siechenheim� in Deutsch-Wusterhausen ist einer Aenderung unterzogen worden. Die Versammlung stimmt dem zu. Hierauf gelangte ein Antrag der Liberalen, der t>en Magistrat um eine Vorlage ersucht zwecks Unterstützung hilfsbedürftiger Veteranen, zur Debatte. Nachdem H a s e l b a ch(liberal) den Antrag befür» wartet hatte, gab Genosse Küter der Ansicht Ausdruck, daß nicht die Kommunen, sondern in erster Linie das Reich und die be- sitzende Klasse zur Unterstützung verpflichtet seien. Wenn man jedoch bedenke, daß eine Spende der Millionenbauern in Schöneberg für die Veteranen, Blättermeldungen zufolge, ganze 183 M. ergeben habe, so müsse das Mitgefühl eines jeden Menschen für diese Invaliden in den Vordergrund treten. Stadtv. fröhlich(wild) stellte in Abrede, daß die Meldung einiger eitungen von einer so geringen Summe richtig sei. Der Antrag wurde einer Deputation überwiesen, derselben gehört auch Genosse Däumig an. Die sozialdemokratische Fraktion hatte folgenden Dringlichkeits- antrag eingebracht: Die Versammlung möge beschließen, zu dem Kongreß der Gewerbe, und Kaufmannsgerichtsbeisitzer einige Delegierte zu entsenden. Genosse Obst wieS auf die Wichtigkeit derartiger Kongresse hin und sprach die Erwartung auS, daß auch diesmal wie bisher delegiert werden möge. Kämmerer M a ch o w i c z meinte, die Entsendung wäre nicht so wichtig, da stenographische Berichte abgefaßt und gedruckt her- ausgegeben würden, so daß die Information daraus entnommen werden könne. Der Magistrat habe es abgelehnt, Mittel in den Etat einzustellen. Zobel(liberal) erklärte, seine Fraktion habe von der Petition keine Kenntnis, weshalb die Sache wohl zurückzustellen sei. Genosse Däumig weist darauf hin, daß die Stadt Mitglied des Ver» bandes sei und stets delegiert habe, so daß diesmal keine Ausnahme gemacht werden dürfe. Auch sei es notwendig, daß ein Delegierter des KaufmannsgerichtS entsendet wird. Genosse Küter wies auf den Wert hin, den diese Kongresse, auf denen wichtige Fragen von Nichtjuristen, die im praktischen Leben stehen, erörtert werden. Wenn zu anderen Ereignissen die Mittel vorhanden seien, dann müßten fie hierfür in exstex Linie bewilligt werden,, j Von(ißcYüte Seile KIirLe ttdchmals das spake Eingehen der Petition bedauert; schließlich wurde der Antrag angenommen vier Beisitzer zu entsenden und zwar sollen je ein Arbeitgeber und Ar- beitnehmer auS dem Gowcrbegericht und dem KaufmannSgericht delegiert werden. Hierauf folgte eine geheime Sitzung. Rixdvrf. Die Schuldetzutation nahm in ihrer letzten Sitzung von dem vom Hochbauamt vorgelegten Projekt zum Bau einer Gemeinde- schule sowie eiuer Turnhalle auf dem Hintergelände Richardplatz und Richardstraße Kenntnis. Die Deputation beschloß, daS Hochbauamt um Abänderung des Projekts dahin zu er- suchen, für die Turnhalle eine Länge von 24 Meter und eine Breite von 12 Meier vorzusehen und außerdem zu ver« suchen, vier Schulsysteme in dem Projekt unterzubringen.— Einer Anzabl von Lehrpersonen wurde auf ihren Antrag mit Rücksicht auf ihren Gesundheitszustand Ermäßigung der Pflichtswndcnzahl ge- währt. Desgleichen werden mehrere UnterstützungSgesuche von Lehr- perionen nach erfolgter Prüfung genehmigt.— Von der Erweiterung des Schulhauses in der Kaiser-Friedrich-Straße 4 und von der Ein- richtung einer Zentralheizung daselbst durch Anbau von aödt Klassen soll vorläufig abgesehen werden.— Die Deputation nahm KennmiS von der bei Titel I Nr. 16 des Voranschlages der Schulverwaltung für 1969„Beitrag zur Nlterszulaaenkasse" entstandenen Etats- überschreitung von 12 175,92 Mark. Die Ueberschreitung wurde nach- iräglich genehmigt. Demnächst erhält die Deputation Kenntnis von dem Ministerialerlaß vom 13. Juni er., betreffend die Einführung einer dritten Stunde für Leibesübungen in den wöchentlichen Stunden- plan. Sie erklärt sich mit den getroffenen Maßnahmen einver- standen und beschloß, die hiermit gemachten Erfahrungen abzu- warten. Chart ottenburg. DaS Vermögen der Stadt Eharlottcnburg ist im Jahre 1969 um 16.9 Millionen gewachsen. Dabei entfielen auf die allgemeine Ver- waltung 3,4 Millionen, die Wafferwerke 1,16 Millionen, die Elektrizitätswerke 6,87 Millionen, die Kanalisationswerke 6,69 Millionen. Der Vermögenszuwachs entstand zu rund 56 Proz. durch Ankauf von Grundstücken. 2,37 Millionen Zuwachs betraf außenstehende Kapitalien; um 2,33 Millionen waren die Kassenbarbestände am 31. März 1916 höher als am gleichen Tage des Vorjahres; der Wert des Mobiliars, Inventars usw. ist trotz der vorgenommenen Abschreibungen um mehr als 536 666 Mark gestiegen, weil wesentliche Neuanschaffungen, insbesondere bei den städtischen Werken stattgefunden haben. Aber auch die S ch u l d e n l a st der Stadt ist im Jahre 1669 erheblich gestiegen, im ganzen um 7,29 Millionen. Davon wird die allgemeine Verwaltung mit 4,42 Millionen belastet, die Wasserwerke mit 1,65 Millionen, die Elektrizitätswerke mit rund 867 666 M.. die Gaswerke mit 561 666 M., die Kanalisationswerke mit 348 566 M. ES sind dabei die Obligationsschulden um 6,4 Millionen gestiegen, die Hypotheken- und Restkaufgeldlchulden, die auf den neuerworbenen Grundstücken lasten,>nn 2,9 Millionen. Während im Vorjahre die Zunahme der Passiva erheblich größer war als die der A k t r V a, übertraf im Jahre 1969 die letztere die erstere um 8.64 Millionen Mark. Im ganzen betrugen am 1. April 1916 die Aktiva der Stadt 179,5 Millionen, die Passiva 143.2 Millionen. Elternverein für freie Erziehung. Sonntag, den 11. d. MtS., findet ein großer FamilienauSflug nach dem Grunewald statt. Treffpunkt nachmittags 2 Uhr vor dem Bahnhof Eichkamp. Für Nachzügler bis SU Uhr Äaffeepaufe in der Försterei Eichkamp. Der Vorstand. Wilmersdorf. Einen großen Dachstuhlbrand hatten in der gestrigen Nacht die Wilmersdorfer und Charlottenburger Wehren in der Proger Straße 35 zu löschen. Als die beiden Wehren an der Brandstelle erschienen, stand der Dachstuhl de? Vorderhauses schon in großer Ausdehnung in Flammen. Diese hatten an dem Inhalt der Bodenverschläge reiche Nahrung gefunden und bedrohten die angrenzenden Gebäude. Erst nach mehrstündiger Tätigkeit war die Gefahr beseitigt. Der DaSstuhl ist total niedergebrannt. Die Entstehung konnte noch nicht aufgeklärt werden. Schmargendorf. Eine grelle Beleuchtung des elenden DreiklaffenwahlrechtS in den Gemeinden zeigt folgender Fall. In der ersten Abteilung ist soeben an Stelle des verstorbenen OekonomieratS Ramraths der Kaufmann Saling Fischer aus Neu-Schmargendorf in die Schmargen« dorfer Gemeindevertretung gewählt worden. Die erste Wählerklasse Schmargendorfs besteht nur aus zwei Stimmberechtigten, der Berliner Handelsgesellschaft für Grundbesitz und der auf Schmargen- dorfer Terrain gelegenen Berliner städtischen Gasanstalt. Die beiden Wähler haben alle drei Gemeindevertreter zu „wäblen", während Hunderte Wähler in der dritten Abteilung nötig sind, um einen Gemeindevertreter wählen zu können. Und da finden sich noch immer Verteidiger eines solchen, aller Logik und Gerechtigkeit hohnsprechenden Wahlsystems. Köpenick. Lohnbewegung der städtischen Arbeiter Köpenicks. Die Ar» heiter sämtlicher städtischen Betriebe waren am Montag im „Kaiserhof" versammelt, um ihre Anträge zum nächsten Etat auf- zustellen. Schon im Vorjahre hatten die Arbeiter Anträge ein- gereicht, die aber unter Hinweis auf die schlechte finanzielle Lage der Stadt abgelehnt wurden. Es wurde ferner damals auch von der städtischen Verwaltung sowie in bürgerlichen Versammlungen erklärt, daß die Arbeitsverhältnisse gute seien und daher eine Auf. bcsserung nicht notwendig wäre. Unter Berücksichtigung der Ver- Hältnisse und Zustände verzichteten die Arbeiter auf weitere Schritte im Augenblick, erklärten aber in einer Resolution, an den Anträgen festhalten zu wollen und sie zu geeigneter Zeit von neuem zu erheben. Der Zeitpunkt scheint jetzt gekommen. Trotz der so schlechten finanziellen Lage liegt den städtischen Körper- schaften eine Vorlage vor, die erhebliche Aufbesserungen der Be- amtengehälter vorsieht. Mit Recht erklären die Arbeiter, daß auch ihre wirtschaftliche Lage eine Neuregelung erfordere, sintemalen ihr Einkommen wesentlich unter dem der Beamten steht. Die Ar- beitcr gönnen den Beamten eine Aufbesserung, sie müssen aber ver- langen, daß auch ihrer Notlage Rechnung getragen wird. Daß die Lohnverhältnisse keine guten sind, kam in den Ausführungen der Versammlungsredner zum Ausdruck. Erhalten doch Straßen- reinigcr noch Löhne von 3,56 M. pro Tag. Kanalisationsarbeiter 3,66 M. Festgestellt wurde, daß da? Einkommen der Köpenicker städtischen Arbeiter um 156— 456 M. im Jahre niedriger ist alS das Einkommen der Arbeiter anderer Vororte. Besonders wurde auf die Vororte Adlershof, Treptow und Friedrichsfelde hinge- wiesen. Gleich rückständig ist Köpenick in bezug auf Arbeitszeit. So besteht z. B. für die FeuerhauSarbeiter der Gasanstalt noch die zwölsstündige Schicht, während sonst in fast allen Gasanstalten Deutschlands für die schwere Arbeit die Achtstundenschicht einge- führt ist. Ebenso verhält eS sich mit der Arbeitszeit der übrigen Arbeiter. Hier ist die zehnstündige Arbeitsschicht die übliche. Die Groß-Berliner städtischen Betriebe haben, teilweise schon seit längerer Zeit, den Neunstundentag eingeführt. Nach eingehender Debatte, in welcher auch ein Vertreter der sozialdemokratischen Fraktion die Forderungen für vollständig berechtigt erklärte. wurden nachstehende Forderungen aufgestellt; 1. Verkürzung der Arbeitszeit: a) in allen kontinuierlichen Betrieben auf 3 Stunden(Drei- schichtsystem); d) für sämtliche übrigen Beschäftigten auf 9 Stunden. 2. Regelung der Löhne auf der Basis des Wochenlohnes unter Zugrundelegung einer wöchentlichen Arbeitszeit von ö Tagen zu 9 Stunden, bezw. 6 Schichten zu 3 Stunden., I s. Festlegung fünfjähriger Lohnskalen mit alljährlichen Steigerungen. 4. Für Ueberstundenarbeit 25 Prozent, für Sonn-, Feier- tagS- und Nachtarbeit 56 Prozent Zuschlag. Im Dreischichtsystem der kontinuierlichen Betriebe zählt. wenn sieben Schichten in einer Woche, die siebente Schicht als SonntagSarbeit mit entsprechendem Zuschlag; für die Nacht- schichten kommt hingegen der Zuschlag nicht in Betracht. 5. Lieferung von Schutzkleidung und Seife bei besonders schmutzigen Arbeiten. Den Wochenlöhnen sind im allgemeinen die derzeitigen Tage- löhne zugrunde gelegt. Die Forderungen sind also sehr bescheiden zu nennen. Allein in den Lohnskalen kommt ein höherer Lohn zum Ausdruck, doch bewegen sich alle Sätze unter den zurzeit in den Berliner Vororten üblichen. Fü« das Personal der Straßen- bahn wird neben einer neunstündigen Arbeitszeit eine Erhöhung der Monatsgehälter um 5 M. gefordert. Für die Werkstattarbeiter dieses Betriebes ein Stundenlohn von 46 Pf. für TageSarbeit und 56 Pf. für Nachtarbeit. In der Versammlung kam wiederholt zum Ausdruck, daß die Arbeiter gewillt seien, diese Forderungen bis zum Acußcrsten zu vertreten. Friedrichehagen. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins hielt Genosse Dr. Alfted Bernstein einen lehrreichen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über„Die öffemliche GesundheitS- pflege". An den Vortrag schloß sich eine rege Diskussion, in der besonders kritisiert wurde, daß der Staat von den Mitteln der JnvalidenversicherungSbeiträge so wenig für soziale Zwecke ver- wende. Hierauf wurden sechs neue Mitglieder aufgenommen, darunter eine Genossin. Alsdann berichtete Genosse Miele über die Verbandsgeneralversammlung. In der Diskussion erklärten sich sämtliche Redner gegen eine Erhöhung der Beiträge, weil eS sonst noch schwerer sein würde, aus den ländlichen Kreisen neue Mitglieder für die Organisation zu bekommen. Genosse Miele machte alsdann auf den am 4. Oktober beginnenden VorwagSzykluS des Genossen Grunwald aufmerksam. DaS Stiftungsfest des WahivereinS findet am 26. November im Eiskeller statt. Britz. Vom Dienstag, den 36. August bis Mittwoch, den 81. August irrte am hiesigen Ort ein mittelloser geisteskranker Mann umher. Derselbe hat in einem Lokal seinen Trauring, gezeichnet H. M. 21. 6. 99., hinterlassen, weiß aber das Lokal nicht mehr anzugeben. Personen, welche darüher Auskunft geben können, werden gebeten, ihre Adresse an die Vorwärtsspedition A.Rosenkranz, Rummelsburg, Mt-Boxhagen 56, gelangen zu lassen. Wittenau. Dem König 3% Millionen, dem Volke neue Steuer» lauteka das Thema, das in einer Volksversammlung im Lokal« von Eber- Hardt Gen. Schubert-Spandau behandelte. Die trefflichen Aus» führungen des Redners über unsere sozialen Zustände, die in scharfem Kontrast zu der 3� Millionenforderung Wilhelms IL stehen, wurden von den Versammelten mft stürmischem Beifall entgegengenommen. Zum Schlüsse wurde folgende Resolution an» genommen: Die in Eberhardts Fostsälen in Wittenau tagende Volksversammlung erklärt sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden. Die Anwesenden protestieren auf das entschiedenste dagegen, daß dem König zu seinen schon enormen Einnahmen noch weitere SM Millionen bewilligt worden find, während das deutsche Volk durch die unsinnige Zollpolitik in seiner Ernährung ungeheuer geschädigt ist. Die Anwesenden protestieren ferner gegen die absolutistischen Aeußerungen des Monarchen und fordern die Einhaltung der Verfassung. Die Versammelten ver- pflichten sich, mitzuhelfen, daß endlich das freie, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für Personen beiderlei Geschlechts in Staat und Kommune eingeführt werde. Um dies zu erreichen, geloben die Versammelten, die politischen sowie gewerkschaftlichen Organi» sationcn durch ihren Eintritt stärken zu helfen und die Arbeiter, presse zu abonnieren;_ Berliner Arbeiter-SchachNub. Osten I: jeden Dienstag'/,9 Uhr bei Böhl, RüderSdorfer Str. 26. . II: jeden Montag'/,9 Uhr bei Voh, Weberstr. 6. Süden: jeden Dienstag'/,9 Uhr bei Uebelelsen, Waffertorstr. 8. Westen: jeden Freitag'/,9 Uhr bei Pätzler, Karlsbad 17, Ecke Flottwelstr. Norde« I: jeden Dienstag'/,9 Uhr bei Lachnich, Maxftr. 13b. , II: jeden Freitag'/a9 Uhr bei Fritsch, Dronthenner Str. 4, » HI: eben Freitag'/,9 Uhr bei Baganz, Gaudhstr. 8. , IV: eben Sonnabend'/,9 Uhr bei Wöhrenhos, Usedomstr. 28. Zentrum: eben Dienstag'/,9 Uhr bei Botz, Klosterftr. 161. Moabit: jeden Freitag>/,S Uhr bei Lamprecdt, Putlttzstr. 10. Lichtenberg: jeden Freitag>/,g Uhr bei Blume, Alt-Borhagen 56. Rixdorf I: jeden Dienstag'/,9 Uhr bei Stabmann, Reuterstr. 46. , II: jeden Donnerstag'/,9 Uhr bei Weihe, Hermannstr. 160, Ecke Cmjener Slratze. Lber-Schönewetde: jede» Freitag'/,9 Uhr bei Rodenbusch, Wilhelmweuhol« (trotze 64, Ecke Rathen austratze. Lese- und Diskutierklub„Süd-Ost«. Heute Mttwoch, abends SV, Uhr bei Neidhardt, Görlitzer Stratze öS: Mugltederveriammlung. TageS« ordnung: Vortrag über die Mehrwerttheorie vonKarl Marx.— Gäste willkommen. Lese- und DiSknticrklub„$«(ne4'. Heute abend 81/, Uhr bei Grünberg, Rodenbcrgstr. ö, Sitzung. Gast« willkommen. Amtlicher Marttdertch» der städtitihen Marktballen-DtreMon über den Grohbandel m den Zentral-Marktballen. Markttag«: Fleisch: Zusuhr reichlich, Geichäsl ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufuhr knapp, Geich ätl lebhajt, Preise gut. Getlllgel: Zusuhr in Gänsenge- nügend, sonst knapp, Geschält rege, Preise bcsriedigend. Fische: Zusuhr etwas reichlicher, Getchäst ruhig, Preise wenig oerändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preiie unverändert. Gemül«, Obst und S ü d s r ü ch t e: Zujuhr genügend, Geschäft schleppend. Preise wenig ver- ändert.__ WitterungSüberüch» vom«. September 1»i«. margeu«« Ulnr. ftottenfn 2' & Ii e? Setter rfK a» t* M« CtatUntn | iL s= Ii ■? Havaranda> 770 NO Petersburg 761 S Sbalbbd. 10 £ wmenldr; 761 gS 1 heiter Hamborg 761 WSW 2 wolkig verlw 760 N 1 heiter Frantj.a M.i 761 O 2 bedeckt München! 762 SB 2 wolkig Wie»!7bSWNW 3 Regen Wetterprognose fiir Mittwoch, den 7. September 1910. Ziemlich kühl und veränderlich, vieljach wolkig mit etwa» Regen und mätzigen nördlichen Winden. Berliner W etterburea». Sctlly tlberdern Pari» 768 NNW 770 NW 766 NW l Setter Ä t- Ü» **•» 1 bedeckt L bedeckt 1 bedeckt 2 bedeckt 16 14 14 13 WafferstandS.Nnchrtchteu der LandeSanstalt jür Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand M e m e l, Tllllt Bregel, Jnsterburg Weichsel, Thorn Oder, Ratibor 4 Krassen , Frantwrt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Bordamm Eibe, Leitmeritz , Dresden , Bardo , Magdeburg am 6. 9. om 198 7 88 358 134 169 -2 -18 —2 127 20 79 lest 4.9. nra') —8 +12 —8 —5 +5 +25 0 +2 +2 —19 -5 0 0 Wasserstand Saale, Grochlitz Havel, Svandau') , Rathenow ft Spree, Soremberg») , BeeSlow W e j e r, Münden , Mwden Rhein, MaximilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wenheim Rojel, Trier am 5. 9. om 86 78 82 126 176 —72 13 528 31? 308 115 142 76 seit 4.9. am') +S +4 0 0 -2 +2 —12 —5 +17 +17 +7 +2 +4 0-t- bedeutet Wuchs,— Fall.*) Unierpegel. 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Bad Ostend ÄilSi Ost-Bad, Pallisadenstr. 76. Passage- Bad Damm"' Bad Petersborgerstr. 64. Prinzen-Bad, Prinzenstr. 41. Reform-Bad, Wiener Str. 65. RcfonnbadWeißensce,Lehder8tr.l04. Mm-M Russ.-röm. Bad, Stephanstr. 40. Schönhauser Bad, Schöah. Allee 28. ■ B gx c>»»- Bad«• �SlltSSIS Schlesische Str. 31. Viktoria-Bad, Rn!ninel8b..Pr-Albcrt8tr.6. Wilhelmshad�e� c Bandagan, Gummlw. J LangerTCr�TTSrurmeiS Meyer, P., Ri., Berlin erstr. 49—50. Pelzmann, D., Neue Königstr. 30. PanschowÄÄ E. Saxe, Kastanien-Allee 39. Tscbache, M Pankow, Lreitest. ZSb. V/ende. R.. Zimmermann, Rieh., Or. Frkft. Str. 112. [ BeerdiB.-Anst., Sorgm. j lU�'ri i' 1 1, VSTTHITäTers ir. 7, E c k o M e ra e 1 st Fuchs, Paul, Frankftr.-Allee 143. Galster. M., Badstr. 62/63. Georg Heroldt,Odorberger8tr.33. Hiekel, Fr., Gr. Hamburgerst. 37 Jordan, E., Birkenst. 13, Moab. 3196. Koch, Emil, Weißensee, Könifl-Cb 76. Misch, O. 17,Müjichebergerstr. 1. Moldt, Fritz, Rixd., Reuterplatz. Gust. Nobert, Potsdaraerstr. 115a H. 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