Ur. 216. HbonnemcntS'Bedingunsens Abonnements- Preis pränumerando: Licrtcljähri. 3,30 Mb, monail. 1,10 Mb. wöchenllich 23 Pfg, frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonnlaos- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- PretSIisle. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn 2 Marl, für dag übrige Ausland L Marl pro Monat. PostabonncnicntS nebnien an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Porwgal. Rumänien, Schweden und die Schweiz. 87. Jahrg. Crföttot»WS auCtr montags. Verlinev Volksblatt. Die Tnlcrtlons-GcbiHr beträgt für die sechsgespaltene Koloiiel- zeUc oder deren Raum BO Psg„ für politische und gcwerlschastliche Vereins- und VersammlungS-Anzcigcn 30 Pfg. „Ateine Snreigen". das erste ssett- gedruSte) Wort 20 Plg„ jedes weitere Wort 10 Pfg. Stcllcngciuchc und Schlaf- slellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Jnseralp für die nächste Nummer rnilssen bis ä Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozialdeiDomt Berlin'*. Zentralorgan der rozialdernokrati fchen parte» Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68. Lindenstrasse 69» Fernsprecheri Amt FV, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. KleriHale Panaraiitcn in Oesterreich. Aus Wien wird uns geschrieben: Die österreichischen Christlichsozialen, die Gesinnungs- genossen des Zentrums innerhalb der schwarzgelben Pfähle, erleben jetzt schlimme Zeiten. Nicht nur die Tatsache, daß der christlichsoziale Budgetrcferent des Wiener Gemeinderates, ein Mann, der das christlichsoziale Getriebe bis in sein Innerstes kennt, die Macher als Anbeter des Gottes Nimm bezeichnete, hat diese Partei ihres Nimbus be- raubt. Es sind Tatsachen enthüllt worden, die weit gravierender sind als die allgemeinen Beschuldigungen des Wiener Budgetreferenten. Die denkbar ärgste Korruption, der sich Führer einer politischen Partei schuldig machen können, ist bloßgelegt worden. Da hat vor allem in den letzten Tagen der Prozeß gegen einen Revolverjournalisten das finanzielle Treiben des gegen- wärtigen obersten christlichsozialen Führers, des gewesenen Arbeitsministers Dr. G e ß m a n n, erkennen lassen. Ein obskurer Mensch, der ein kleines Erpresserblättchen herstellt, hat geschrieben, daß die Vaukreditbank, die der Dr. Gcßmann gegründet hat und deren Präsident er bis gestern war, eine reine Wucherbank ist, an der neben dem„Antisemiten"führer Geßmann und seinem Wjährigem Sohne, der aus einem Philosophiestudenten plötzlich in den Direktor der Bank mit hohem Gehalt umgewandelt wurde, hauptsächlich jüdische Wucheragenten aus dem Osten interessiert sind. In deni Revolverblatt ist weiter bewiesen worden, daß die großen Privilegien, die die Regierung der Bank Geßmanns verlieh— sie darf für den fünffachen Betrag ihres Aktien- kapitals Schuldverschreibungen ausstellen, die die Regierung als mnndelsicher erklärt hat— eine eminente Gefährdung derer bedeuten, die so leichtsinnig sind, ihr Geld dem Geß- mann anzuvertrauen. Geßmann hat, was für ihn be- zeichnend ist, erwiesenermaßen diesem Revolver- journalisten und einem anderen Schweige- geld gezahlt. Der zweite hielt sich für befriedigt. Der erste wollte aber mehr. Da aber Geßmann Grund hatte, zu fürchten, daß, wenn selbst der Erpresser schweigt, die gegen ihn srondierenden Gesinnungsgenossen seine Bankgeschäfte ent- hüllen werden, zahlte er kein weiteres Schweigegeld und zeigte den Erpresser an. Dieser wurde zu acht Monaten verurteilt, aber noch erheblicher ramponiert ging auS dem Prozeß Geß- mann hervor. Die Vcrfilzung von Finanzgeschäften und Politik hat den Christlichsozialen, die einst ausgezogen waren, das„mobile Kapital", die Banken und die Spekulation zu bekämpfen, aber noch viel schwerere Wunden geschlagen. In dem kleinen Alpenlande Kärnten haben sich die christlichsozialen Führer. die zugleich G e i st l i ch e sind, als gewaltige Panamisten entpuppt. Kärnten ist nänilich das einzige Alpcnland, bei dessen Bauernbevölkernng der Klerikalismus bis beute noch nicht feste Wurzeln geschlagen hat. Um nun dieses Ziel doch zu erreichen, wurden besondere Kraftleistungen aufgeboten. Das viele Geld, das die klerikale Agitation ver- schlingt— es wurde in dem kleinen Ländchen mit kaum 300 000 deutschen Bewohnern ein christlichsoziales Tagblatt gegründet— sollte durch Spekulationsgeschäfte großen Stils hereingebracht werden, und dabei sollten natürlich auch enorme Summen für die Taschen der geistlichen Urheber dieser Spekulation abfallen. Den Anfang machte der Klagenfurter Priester Paul K a y s e r. Den Grundstock seines Betriebskapitals verschaffte er sich durch Sammlungen für Waisenhäuser. Er forderte die frommen Bauern auf, ihr Geld nicht in liberale Sparkassen zu tragen, sondern es ihm zu geben, er werde es mit Hilfe dek Waisenhäuser viel besser verzinsen, und zwar schon aus Erden. So kam er zu Geld. Wenn es auch nicht sehr viel war, er traute sich doch folgende Unternehmungen zu begliinden: ein Hotel, eine Brauerei, ein Braun- kohl>i-berg werk. Außerdem vereinigte sich der Pfaffe mit l-iistwi abgckrachten italienischen Spekulanten zur Firma PMcflnu. Kühser, die einen ausgedehnten Holzhandel betrug' �rgtrplätze bei Trieft und bei Venedig errichtete und sogar, Wälder im Kaukasus pachtete. Do es den Spekulanten an ausreichendem Betriebskapital fehlte und da sie überdies ihre eigene Bereicherung sehr hastig ins Werk fetzten, wurde nun auf alle mögliche Art geschwindelt. Die Geschäfte, die unternommen wurden, waren sehr faul, aber dafür ließen die Herren Palese und Kayser je zwei ihrer Brüder, die keinen Heller besaßen, für zusammen 100000 Kr. auf die Besitztümer der Firma hypothekarisch sicherstellen. Insoweit wären aber die ganzen Betrügereien bloß eine Sache der Gauner selbst und der ihnen Kredit gewährenden anderen Spekulanten, die natürlich die Geldnot der Palese und Kayser zu unerhörten Raubzügen ausnutzten. So hat sich ein Schweizer Wucherer für 252000 Kronen Wechsel aus- ftellen lassen, wogegen er selbst nur 38 000 Kronen bar und iick übrigen wertlose Aktien gab. Der hauptsächlichste Geld- aeber.der Palese und Kayser war aber eine zum Wohl der Bauern geschaffene Institution. In Oesterreich bilden die bäuerlichen Raiffeisenkassen in jedem Lande eine Zentral- taste. Die Kärtner Zentralkasse stand vollständig unter christlich- sozialer Leitung. Ihr Direktor, der die ganze Institution despotisch beherrschte, war der Mousignore Gabriel Weiß; dieser Pfaffe war der Führer der Partei in Kärnten und außerdem Direktor eines Vereins, dem das christlichsoziale Tageblatt des Landes, eine Druckerei in Kärnten und auch eine klerikale Druckerei in Wien gehört. Weiß benutzte nun die Barbestände der Zentralkasse, bei der die einzelnen Raiffeisenkassen ihr überschüssiges Geld anlegen, dazu, die schwindelhaften Unternehmungen der Palese und Kayser zu finanzieren. Vier Millionen Kronen aus den Er- spanussen der Bauern und ihres Gesindes steckte er seinem Freunde Kayser zu. Außerdem gab er ihm ein Ein- lagebuch über 715000 Kronen, trotzdem Kayser keinen ein- zigen Heller erlegt hatte. Die Bücher hat Kayser verklopft, und die sie belehnt haben, beklagen jetzt die Zentralkasse. Als die Eiterbeule aufgebrochen war, ist der Pfaffe Weiß geflohen. Er steckt jetzt in irgendeinem K l 0 st e r, und in Oesterreich versucht es der Staatsamvalt gar nicht, einen verbrecherischen Pfaffen aus einem Kloster hervor- zuholen. Das ist ein sicheres Asyl für den ärgsten Unhold. Kayser war nicht so vorsichtig, rechtzeitig zu verduften; offenbar meinte er, er sei im verpfafftcn Oesterreich als geist- licher Betrüger völlig immun. Er wurde verhaftet. Die Millionen der Bauern und der Landarbeiter, die in den Raiffeisenkassen gelegen sind, sind verloren und Tausende von Kärntner Familien fluchen den Christlichsozialen, denen sie, weil Geistliche die Führer waren, blind vertrauten. Die Betrogenen spähen nun nach Rettern ans. Man hat schon die Regierung angerufen, die aber trotz des besten Willens der Partei, die sie stützt, aus deni Unglück zu helfen, nichts tun kann, denn wohin käme der Staat, wenn er an- finge den Schaden zu ersetzen, den Schwindler ihren Opfern zufügen. Nun wendete sich aber auch der Blick der Betrogenen zu Geßmann, dem Präsidenten einer Bank. Er vermeint nun den Verlegenheiten, die das Panama seiner Partei bringt, dadurch zu entgehen, daß er gestern seine Bankpräsidentcnstelle niedergelegt hat. Es wird ihm aber nichts nützen. Die Christlichsozialen haben als„Bekämpfer der kapitalistischen Korruption" ausgespielt. vor«ler enticheMnng. Frankfurt a.£)., 14. September. Der Wahlkamps im Frankfurt-Lebuser Kreise hat seinen Höhepunkt erreicht. Morgen Donnerstag, wird eS sich entscheiden, ob der Kreis auch für den Nest der TagungSperiode deS Reichs- tages�urch einen bürgerlichen Abgeordneten vertreten werden soll. Wenn nicht alles täuscht, haben es freilich die Wähler auch in diesem der Mehrheit nach ländlichen Kreise satt, sich durch die ver- räterische Taktik der bürgerlichen Parteien irreführen z» lassen. Wo es möglich war, an die Wähler heranzukommen, wurde die Propa- gierung der sozialdemokratischen Ideen äutzerst beifällig aus- genommen. Mit vereinzelten Ausnahmen sind unsere Flugblatt- Verbreiter von der Bevölkerung sympathisch begrüßt worden; da, wo eS uns gelang, Versammlungen zu veranstalten, waren diese außerordentlich stark besucht, die Aus- führungen der Redner wurden allüberall von lebhaftem Beifall der Zuhörer begleitet. Freilich war eS manchmal schwer, geeignete Räume zu den Versammlungen zu erhalten, sorgten doch alle mög- lichen reaktionären Elemente durch ärgsten Terrorismus dafür, daß uns in vielen Orten Säle nicht zur Verfügung standen. Auch in Frankfurt selbst, der Miliiär- und Beamtenstadt, stand uns nur ein weit draußen an der Peripherie gelegenes Lokal zur Verfügung. Alle Versuche, auch im Innern der Stadt einmal zu den Wählern zu sprechen, scheiterten an dem Widerstand der Gastwirte, die vor dem auf sie ausgeübten Terra- riSmus zurückwichen. Und doch sollte die Stadt Frankfurt in ihrem Zentrum 48 Stunden vor der Wahl eine Wählerversammlung sehen. wie sie bisher dort nicht zu verzeichnen war. Der in der Wahlagitation tätige Ge- »offe Wels begab sich zu dem Wirt des städtischen Gesellschafts- Hauses, des größten SaalcS der Stadt, um für einen allgemeine» Diskussionsabend für Angehörige aller Parteien den Saal zu mieten. Natürlich wäre der Wirt nie zu bewegen gewesen, einer sozialdemokratischen Versammlung Obdach zu gewähren. Aber diese Absicht bestand ja auch gar nicht, und so gab er schließlich eine Quittung über den bezahlten Mietsbetrag für eine in seinem Lokal abzuhaltende Wählerversammlung aller Parteien- Durch Handzettel wurde zu dieser Versammlung wie folgt eingeladen: Dienstag, den 13. September, abends 8 Uhr: Große öffent- liche Wählerversammlung aller Parteien im„Gescllschafls-Haus". Tagesordnung: Die bevorstehende Reickstagseriatzwahl. Zu dieser Versammlung ersuchen wir die Angehörigen aller Parteien zu er- scheinen. Es findet völlig freie Diskussion statt. Die Kandidaten der im Kreise känipsenden Parteien Herr Einil Faber, Sozialdemokrat; Herr Dr. Winter, nationalliberal und Herr Dunkel, konservativ, sind brieflich eingeladen. Der Einbcrufer: Otto Wels. Kaum waren die Handzettel verbreitet, da schwante dem Wirte wohl Unheil, denn er glaubte offenbar, daß es sich um eine sozialdemokratische Versammlung handele. Schließlich nahm er, vielleicht auch bewegt durch sauften Nachdruck, am Dienstag früh durch Telegramm, das er an die Berliner Adresse deS Genossen e l s schickte, seine Zusage zurück. Natürlich hatte Wels durchaus keine Veranlassung, von der Versammlung zurückzutreten, ihm blieb nach einem vergeblichen Versuch, den Wirt zur Vernunft zurückzubringen, nichts weiter übrig, als durch einen Rechtsanwalt eine e i n st w e i l i g e gerichtliche Verfügung zu erwirken, die ihm die AuS- Übung seines Mietsrechts sicherte. Aber auch jetzt noch blieb der Gastwirt, dessen Verhalten bei der Unduldsamkeit der bürgerlichen Kreise Frankfurts allerdings erklärlich ist, hartnäckig. Er glaubte, den Gerichtsbeschluß nicht respektieren zu brauchen, so daß unser Genosse gezwungen war, diesem durch einen Ge- richtSvollzieher Geltung zu verschaffen. Der Vollstreckung stellten sich zuerst unangenehme Widerstände ent- gegen. Der eine der drei Frankfurter Gerichtsvollzieher ist zurzeit auf Urlaub, der andere war dienstlich außerhalb und der letzte zuerst nicht zu finden. Inzwischen ist eS Abend ge- worden, das Gesellschaftsbaus liegt völlig im Dunkeln da- Taufe u de von Menschen umwogen es, Hochrufe auf die Sozialdemokratie werden laut. Ein wohl» beleibter Polizeikommissar fordert die Wartenden auf, nach Hause zu gehen: Das Lokal ist geschlossen, die Versammlung findet nicht statt, gehen Sie nach Hanse I Da plötzlich erscheint, jubelnd begrüßt, der sonst nicht gern gesehene Vollzieher des gerichtlichen Willens. Zögernd wird ihm geöffnet. Endlich öffnen sich die Pforten sür die Besucher, im Nu stehen in den vorhandenen Räumlichkeiten Kopf a n K 0 p s d i e z u r B e r s a m ni I u n g Erschienenen. Doch die Räume erweisen sich zu klein, nur ein Teil der Massen findet in den Lokalitäten ein Plätzchen. Unter lebhafter Zustimmung verlegt Wels die Versammlung in den großen Garten des Lokals. Hier stehen dichtgedrängt die Massen, wohl ö- bis 6000 Personen. Arbeiter, Handwerker, Kauflcute, kleine Beamte in Zivil, kurz alle Schichten der Bevölkerung sind vertreten. Der bündlerische„Arbciterkandidat" Dunkel hatte die Einladung abgelehnt, weil er durch eine eigene Versammlung am Erscheinen verhindert sei. Der nationalliberale Kandidat, Herr Dr. Winter, schien es mit seinem StnndcSbewnßtsein nicht vereinbaren zu können, überhaupt zu antworten. So blieb es denn unseren Genossen überlassen, den Versammlungsbcsucheru die politische Lage und die Bedeutung der Wahl darzulegen. Als erster Redner ergriff Genosse G ö h r e das Wort. Er schien auch de» anwesenden Gegnern au? dem Herzen zn sprechen, wenigstens kam n i e in a n d von ihnen der ausdrücklichen Aufforderung, das Wort zu ergreifen, nach. Nach Göhre erläuterte der Kandidat, Genosse Faber, dann kurz in klaren, treffenden Sätzen unsere politischen Forderungen. Beide Redner wurden während ihrer Ausführungen oftmals durch den jubelnden Beifall der Tausende unterbrochen. Nach einem energischen Appell des Genossen Wels, am Wahltage die volle Schuldigkeit zu tun, erfolgte Schluß der imposanten Versanmi- lung, deren Zustandekommen zeigt, daß unsere Genossen auf einen Schelmen andcrthalbe zu setzen wissen. » Zu gleicher Zeit, als im Gesellschaftshause die Riesen- Versammlung stattfand, wurde iin Frankfurter evangelischen Vereins- Haufe über den konservativ-bündlerischen„Arbeiterkandidaten", den evangelischen Arbeitersekretär Dunkel, zu Ge- r i ch t gesessen. Im Auschluß an einen Vortrag wurde in einer Versammlung des evangelischen Arbeitervereins versucht, für die Kandidatur Dunkel Stimmung zu machen. Aber selbst bei seinen eigenen evangelischen Brüder» holte sich der Kandidat eine gründliche Absuhr. In der Dis- kussion erklärte der Gewcrbevereinssekretär B a l z e r, eine solche Kandidatur verdiene keine Unter st ützung, sondern ver- lange die schärfste Bekämpfung. Der evangelische Arbeiterverein könne nicht gegen die Antastung des Reichstagswahlrechtes und gegen die Fleischnot protestieren und zu gleicher Zeit eine konservativ-büudlerische Kandidatur unter« stützen. Zum Schluß nahm die Versammlung folgende Resolution an: Die im VcreinShause tagende Versammlung des evangelischen Arbeitervereins Frankfurt spricht sich entschieden gegen die konservativ-büudlerische Kandidatur deS evangelischen Arbeiter« sekretärS Dunkel auö. Die Versammlung erklärt diese Kandidatur in keiner Weise zu unterstützen. Line ehning Wilhelms II. Rußlands auswärtige Politik ist, wie man weiß, trotz aller entivürdigendeu Bemühungen uusercr offiziellen Kreise, nichts weniger als deutschfreundlich. Dagegen hat die innere Politik der preußischen Reaktion immer die Bewunderung ihrer russischen Gesinnungsverwandten erweckt. Es versteht sich daher von selbst, daß die russische Pogromistenprcsse auch an der letzten Rede Wilhelms II. in Königsberg nicht gleichgültig vorübergegangen ist. Etwas verspätet, aber dafür desto übcrschwänglicher schreibt das Organ Dr. Dubroivins,„Rußkoje Snamja" über die Königsberger Gottes- gnadcnrede: „Uuscre Reihen sind gewachsen. Ein neuer großer Schwarzhundertler ist auf den Plan getreten. mit dessen Politik die ganze Welt rechnet. Der Leser versteht natürlich, daß wir vom Deutschen Kaiser Wilhelm II. sprechen, der in seiner KömgSberger Rede erklärt hat, daß die Selbstherrschaft die sicherste Grundlage der Ordnung und der Entwickelung der Kräfte des Staates bildet. Diese Ansicht beabsichtigt der Kaiser auch in Zukunft beizubehalten. Nicht weniger tröstlich für die Schwarzhundertler ist: eS, daß der Kronprinz offenbar dieselbe Ansicht mit seinem erlauchten Vater teilt, wie man das aus seiner Rede bei der Erhebung des Kronprinzen zum Rektor der Königsberger Universität folgern kann." Es ist kaum anzunchmen, daß das Ministerium St ol HP in den Redakteur des genannten Blattes wegen„Beleidigung des Oberhauptes eines befteundeten Staates" zur Verantwortung ziehen, noch daß die deutsche Regierungspresse Einspruch erheben wird, daß Wilhelm Ii. mit einer Bezeichnung beehrt wird, die in der gesamten Kulturwelt als tiefste Beleidigung an- erkannt wird. Trägt doch selbst der Zar den Namen eines Schwarzhundertlers, eines Protektors des echt- russischen Volksverbandes, mit unverkennbarem Stolz zur Schau. Wenn Wilhelm II., wie nach einer Meldung aus Cronberg bereits feststeht, Ende dieses Monats mit dem Friedberger Gast auf Schloß Friedrichshof zusammentreffen wird, wird der Zar»hm die erfreuliche Mitteilung machen können, daß seine echtrussische Leibgarde ihm bereits dieselbe Würde zuerkannt hat, wie dem gekrönten Oberhaupte und geistigen Leiter des cchtrussischen Pogromistenverbandes. SchlußiitZimg des Deutfchen Milte»- tage«. Der Deutsche 30. Juristentag hielt gestern seine Plenar- Versammlung ab und wurde nach Erstattung der Berichte aus den Ausschüssen geschlossen. Der Juristentag zeichnet sich durch die gute Vorbereitung der einzelnen VerhandlnngSthemata aus: je zwei ausführliche, Wochen vorher gedruckt vorliegende Referate zu jedem Tagesordnungspunkt. Anders steht es mit der Wer« Handlung. Die Ausschüsse erstatten ihre Berichte: das Plenum nimmt diese lediglich zur Kenntnisnahme. Nur wenn der Vorsitzende eS anordnet oder die Mehrheit des Plenums es beichließt, gelangt ein Tagesordnungspunkt auch im Plenum zur Debatte. Das mag für rem juristische und auch für solche Dinge ausreichen, in denen der Juristentag geschlossen oder in seiner über- großen Mehrheit die Beschlüsse seiner Ausschüsse gutheißt. Anders bei Fragen, die von großer kultureller Tragweite sind oder über die die Ansichten geteilt sind. Wenn hier eine Beratung vom Plenum abgelehnt wird, so beweist dies, daß der Juristentag versteinert. Bei der Frage der T o d e s st r a f e wurde gestern eine Debatte abgelehnt. Formelle geschäftsordnungsmäßige Bedenken wurden von dem Vorsitzenden Professor Brunner gegen einen Antrag geltend gemacht, die Todesstrafe zur selbständtgen Erörterung und Eni- scheidung im Plenum zu bringen. Schließlich stellte er die Eni- fcheidung hierüber dem Plenum anHeim. Dies verneinte mit knapper Mehrheit die Frag«, ob eS zulässig sei, einzelne Teile der Abteilungsbeschlüsse zur Erörterung vor das Plenum zu bringen. Nunmehr beantragten die Gegner der Todes st rafe, den gesamten Beschluß der dritten Abteilung, der sich auf die Straf- mittel im Borentwurf zum Strafgesetzbuch bezieht, zur Erörterung im Plenum zu bringen. Professor Liepmann- Kiel begründete den Antrag: Trotz schwerer Bedenken haben wir uns entschlossen, die erneute Erörterung drescr Frage zu beantragen, die gegenwärtig im Mittelpunkt der juristischen, politischen und allgemeinen Erörterung steht. Wohl haben ausgezeichnete Sachkenner das ganze Problem der Strafmittel in ihren Referaten behandelt. Aber die Frage der Todes- st rafe ist nicht so vorbereitet worden, wie es wünschenswert wäre. Die Gutachten sind gar nicht prinzipiell auf sie eingegangen, sie ist als eine Frage bezeichnet worden, die einer weiteren Erörterung nicht mehr bedarsi Senatspräsident Dr. Ols- Hausen und Gcheimrat Kahl bezeichneten eS als aussichtslos, die Todesstrafe zu bekäinpfen, weil die deutsche Reichsregierung niemals in ihre Abschaffung willigen würde. Aber gerade wegen dieser Be- gründung haben wir unseren Antrag gestellt. Niemals hat der Deutsche Juristentag nach der Meinung der Macht- Haber gefragt. sLebhaster Beifall.) Niemals haben wir unsere Beschlüsse von der Aussicht auf Erfolg abhängig gemacht. Ich weiß nicht, ob die Regierung wirklich aus der Todesstrafe einen Kriegsfall machen will. Mir ist diese Frage ja auch ganz gleichgültig. Unser Ansehen steht auf dem Spiele, wenn wir eine Meinung deshalb ablehnen, weil die Regierung anderer Ansicht ist. Die Todesstrafe ist eine allgemein menschliche Frage und es wäre höchst bedauernswert, wenn der Juristen- tag gerade hier sich einer prinzipiellen Entscheidung entziehen wollte. Es kann sich nicht darum handeln, jetzt hier eine Entscheidung herbei« zuführen. Unser Antrag will nur'die Möglichkeit sichern, die Frage dem nächsten Juristentag jsii überweisen und unsere Gewissens- bedenken juristischer und menschlicher Natur zum Ausdruck zu bringen auf eine Weise und mit dem Ernst, die des Juristentages würdig find. lStürmischer Beifall bei einem Teil der Versammlung).— Früherer NeichSanwalt, jetziger Senatspräsident Dr. Olshausen- Leipzig bekäinpsl den Antrag. Wir hatten in der dritten Abteilung nur die Strastnittel zu diskutieren. Es muß ganz falsch erscheinen, die umfassende Diskussion hier noch einmal aufzurollen, bloß um einiges zur Frage der Todesstrafe sagen zu können. ES ist um so unagebrachter, die Todesstrafe heraus- zugreifen, als wir uns doch nicht mit einer rein theoretischen Frage beschäftigen wollen, sondern mit der eminent praktischen Frage des neuen Strafgesetzbuchs. Nicht aus Angst»vor oben" haben wir Gutachter nicht näher begründet, warum wir Anhänger der Todes- strafe sind, sondern darum, weil wir keine Beschlüsse für den Papierkorb herbeiführen wollen. Da die Abschaffung der Todes- strafe, über die sich natürlich sehr viel sagen läßt, in Deutschland gegenwärtig aussichtslos ist, bitte ich Sie, im Interesse der Strafreform die Sache nicht erst wieder aufzurollen.(Beifall.) In der Abstimmung wird mit der knappen Mehrheit von einigen 80 gegen einige 70 Stimmen beschlossen, die Frage nicht erneut zur Erörterung zu stellen.(Lebhafter Beifall bei der Mehrheit.) Mit diesem Beschluß hat der Juristentag den Tiefstandpunkt reaktionärer und possibilistischer, von wissenschaftlicher Erkenntnis und fortschrittlichem Streben freier Reaktion erreicht. In den 60er Jahren sprach sich der Juristentag einstimmig oder nahezu einstimmig für Beseitigung der Todesstrafe aus. Am 1. Mai 1370 verwarf d e r R e i ch s t a g mit 118 gegen 81 Stimmen die Todes- strafe, die damals bereits in Sachsen, Oldenburg, Anhalt und Bremen abgeschafft war. Leider führte die Erklärung Bismarcks, ohne Todesstrafe werde der Bundesrat das Strafgesetzbuch nicht annehmen, zu einem Unischwung der Stimmung in dritter Lesung. Mit 127 gegen 119 Stimmen stimmte der Reichstag der Einführung der Todesstrafe zu. Der Juristentag hat sich in seiner Zusammensetzung, die Juristen in ihrem Streben gewandelt. Etwa b Proz. der Juristen sind heute Mitglieder des JunstentageS. In den 60er und 70er Jahren waren es etwa 20 Proz. In den Debatten auf den Juristentagen war früher etwas von dein Vorwärtsstreben deS oppositionellen»liberalen ktreisrichters" und der Zierden deutsch-österreichischerJuriSpmdenz zu spüren. Sie beherrschten das Feld. Das ist heute anders ge- worden. Wie das Bürgertum im allgemeinen, so sind auch die Juristen zu Kreuze gekrochen und beschlossen, wie Olshausen so offen erklärte, vor allem unter der Furcht, ob ihre Beschlüsse Gnade auf Annahme bei der Regierung finden können. Nicht also die Frage: was ist Recht und muß Recht sein? sondern die Frage: waS darf nach Ansicht der Regierrmg Recht werben? ist für das Gros deS Juristentages ausschlaggebend. Damit hat der Juristentag seinen außerhalb parteipolitischer Erwägungen stehenden Einfluß selbst zu Grabe geläutet. Das Votum für Aufrechterhaltung der Todesstrafe und das Ausweichen vor einer Debatte über diese kulturell so wichtige Frage ist ein Todesurteil für das Ansehen deö Juristentages selbst. poUtifebe CUberficbt. Berlin, den 14. September 1910. Der Protest gegen Absolutismus und Fleischwucher. Bis an die nordöstliche Spitze des Deutschen Reichs, hart an der russischen Grenze, reicht die Empörung über die jüngsten Kaiser- reden. DaS bewiesen die beiden Volksversammlungen, die am 11. und 12. d. M. in M e m e l und Tilsit aus dringenden Wunsch der dortigen Arbeiterschaft abgehalten wurden. Genosse Linde referierte. Beide Versammlungen waren trotz des verlockenden Hoch- sommerwetters überfüllt. Durch fortgesetzte begeisterte Zustimmungsrufe und durch eine am Schluffe de§ Referats einstimmig angenommene Resolution verurteilten die Zuhörer einmütig mit dem Referenten GotteSgnadentum und persönliches Regiment. Auch hier am Ende des Reiches haben die Kaiserreden bei dem größten Teile deS Volkes— denn auch in bürgerlichen Kreisen murrt man recht laut— eine nicht gewollte Wirkung ausgeübt. Im Wahlkreise Mainz-Oppenheim fanden am Sonntag und Montag acht Versammlungen mit dem Thema»Lebensmittel- wucher und Kaiserreden" statt. Ueberall war starker Besuch und prächtige Kampsstimmung. In Ludwigs Hafen tagte am Montag eine Volks- Versammlung, die von 800 Personen besucht war. Genoffe Oskar Geck- Mannheim referierte unter stürmischem Beifall über»Fleisch- not, Kriegshetze, Absolutismus". Die Fleischnot. Die Abordnung des Deutschen Fleischerverbandes hat in ihrer Audienz beim preußischen Landwirtschaftsminister eine Reihe Maß- nahmen empfohlen, dem Mangel an Vieh zu begegnen. Die»Allgem. Fleischer- Zeitung" berichtet darüber u. a. das Folgende: Zur För- derung der heimischen Viehzucht, auf die das Hauptgewicht gelegt wurde, ist die gänzliche oder wenigstens für die Zeit des Vieh- mangels währende Aufhebung der Zölle aus Futtermittel, deren große Einfuhr unentbehrlich ist, erbeten worden. Als ebenso wichtig für die Milderung des Notstandes wurde dann die Erweiterung der Einfuhr ausländischen Viehes bezeichnet, namentlich die Einfuhr von Mager- und Schlachtvieh. Da- durch würde am schnellsten der Viehmangel gemäßigt und der Biehpreis, der durch die periodisch wiederkehrende Viehknappheit hinaufgeschraubt sei, auf eine angemessene Höhe herabgesetzt werden, während eine jetzt eintretende Steigerung der Rindvichhaltung langsamer wirkt und, weil das Zuchtvieh zu teuer ist, auch später- hin kein billiges Schlachtvieh liefert. Als Einfuhrländer wurden in erster Linie Dänemark und Holland genannt. Für die Einfuhr dänischen Rindviehs wurde die Beseitigung der zwecklosen Tuberkulinimpfung und der kostspieligen und, weil Dänemark notorisch frei von Maul« und Klauenseuche ist, entbehrlichen lOtägigen Quarantäne gefordert; die Schutz- Vorkehrungen, die für den Verkehr mit Oesterreich-Ungarn gelten, wurden als ausreichend bezeichnet. Während die dänische Rindvieh- einfuhr heute nur auf beschränkte Gebiete einwirkt, würde sie unter solchen Bedingungen künftig allgemeiner der Fleischversorgung zugute kommen. Das fast seuchenfteie Holland, das heute schon einen Teil seines Viehüberschusses in Gestall von frischem Fleisch nach Deutsch- land liefert, aber jetzt durch die mit dem Fleischexport namentlich in den Sommermonaten verbundenen großen Schwierigkeiten, Kosten und Risiken behindert ist, würde nicht nur gutes Schlachtvieh schicken, sondern auch durch Nutzvieh die deutsche Zucht aufbessern können. Weiter kommen Schweden und Frankreich in Betracht, welche Länder bei einer maßvollen Hand- habung der Veterinärpolizei ihre Viehzucht wieder mehr auf den Export einrichten würden. Endlich wurde die Beseittgung der dreitzigtägigen Ueberwachung für Schweine österreichischer Herkunft, die nutzlos ist und die Einfuhr bis zur Verhinderung erschwert, verlangt. In dritter Reihe wurde die Erleichterung de? Viehversandes durch dauernde Ermäßigung der Frachtsätze oder wenigsten« durch einen NotstandStarif mit niedrigen Frachtsätzen empfohlen, und dabei auf das Vorbild Oesterreichs hingewiesen, daS die Viehfrachten auf die Hälfte herabgesetzt habe. Zur Fleischnot nahm die Stadtverordnetenversammlung von Halle a. S. folgenden dringlichen Antrag an: „Anläßlich der immer weiter steigenden Fleischpreise wird der Magistrat ersucht, gemeinsam mit der Stadtverordnetenversammlung bei der StaatSregierung dahin vorstellig zu werden, daß die Grenzsperre für die Einfuhr von Jungvieh, Schlachtvieh und Fleisch unter Beobachtung von Sicherheitsmaßregeln gegen«ine etwaige Seuchengefahr aufgehoben wird oder sonsttge Er- leichterungen geschaffen werden, die eine Verbilligung des Fleisches ermöglichen." In der Erörterung erflärte der Oberbürgermeister Dr. Rive, daß das Steigen der Viehpreise mit auf das Steigen der Land« arbeiterlöhne zurückzuführen sei. Man solle nicht glauben, daß die Regierung zugunsten etlicher Agrarier daS ganze Volk hungern lasse I Der Antrag wurde aber nichtsdestoweniger einstimmig an- genommen. Die Stadtverordnetenversammlung in Barmen beschloß, bei der Reichsregierung um Erleichterung der Einführung von Jungvieh, Ermäßigung der Transportkosten auch für Mastviehfutter und Er« leichterung sonstiger veterinärpolizeilickicr Borschriften zu petitionieren. In der Petition soll darauf hingewiesen werden, daß der Zwischen- Handel durch Kommissionäre das Fleisch sehr verteuere. Der JnnungSauSschutz der Kasseler Handwerksmeister hat eine Stoße Protestversammlung einberufen, um Stellung zu nehmen zur lleischnot und LebenSmittelteuerung. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung' bringt an der Spitze deS Blattes einen Bericht über die Unterredung der Deputation des Deutschen Fleischerverbandes mit dem LandwirtschaftSminifter. Nach- dem die Forderungen der Fleischer aufgezählt sind, wird in dem Bericht betont, daß der Minister eine Erleichterung der Einfuhr von Vieh deshalb ablehnen muffe, weil von dem inländischen Viehbestand die drohende Seuchengefahr abzuhalten sei. Auch von der zollfreien Einfuhr von Futtermitteln, die zudem mit Rücksicht auf die NeichSfinanzen kaum ausführbar erscheine, sei eine Besserung der Lage umso weniger zu erhoffen, weil ein Futtermangel gegenwärtig nicht vorhanden fei. Die Herabsetzung der Frachtsätze für ViehtranSporte würde den Preis für ein Kilogramm Fleisch nur um etwa einen Pfennig verbilligen, dagegen für die Eisenbahn eine erhebliche Einbuße herbeiführen. Der Minister will zwar der Frage näher treten, ob die Schlachthof- gebühren herabzusetzen und die Fleischbeschau verbilligt werden könne, Einwirkung aus die Fleischpreise verspricht sich der Minister aber auch davon nicht. Der einzige Trost, den der Minister geben kann, ist der, daß wahrscheinlich schon in der nächsten Zeit die Viehpreise eine rückläufige Bewegung aufzuweisen haben. Die amtliche Darstellung stellt dann die geradezu tolle De« hauptung auf: „Es ist deshalb auch nicht gerechtfertigt, von einer FIcischnot und davon zu reden, daß die Fleischversorgung der arbeitenden Bevölkerung zurzeit in Frage gestellt sei." Die Agrarier werden nicht verfehlen, ihrem zentrümlichen Ver- trauenSmann, dem Herrn v. Schorlemer, ihre Anerkennung aus- zudrücken. In ganz Deutsckiland setzt eine lebhafte Protestbewegung gegen die bestehende Fleischnot ein, und der Minister behauptet kalten BluteS, daß von einer Fleischnot nicht die Rede sein könne. Eine schlimmere Verhöhnung des in seiner Lebenshaltung schwer be- drohten Volkes ist in der Tat nicht gut denkbar. Abwehraktion gegen die Milchteuerung. Die Agrarier in West- und Süddeutschland beabsichtigen, die Milchpreise gleichmäßig in die Höhe zu treiben. Die Verbände der Milchhändler für die von den Agrariern be- drohten Gebiete haben für den 18. und 19. September einen Kongreß nach Koblenz einberufen, um dort über Mittel und Wege zu beraten, wie der agrarischen Preistreiberei entgegen- getreten werden könnte._ Vom„demokratischen" Zentrum. Daß das Zentrum, das seit den Hottentottenwahlen immer skrupelloser die Rechte und Interessen mit Füßen ge- treken hat. sich heute bedingungslos der Reaktion derschrieben hat, verrät auch folgende Rede des Zentrumsabgeord- n e t e n Graf P r a s ch m a, der nach der»Mark. Volks- zeitung" u. a. sagte: „Unser Weg ist vorgczeiöhnet. Man spricht von der Wahl- r e ch t s v o r l a g e. Es ist klar und deutlich, daß sie Sache der maßgebenden Faktoren ist und nicht Sache von Demonstrationen und Stratzenkämpsen. Die Vorlage der Regierung war unannehmbar; wir haben sie verbessert, nicht aber verschlechtert. Wir haben die geheime Wahl einführen wollen, nach- dem die Regierung der öffentlichen in Kallowitz das Todesurteil gesprochen. Die direkte Wahl haben wir demgegenüber schon preisgeben können, da sie mehr eine technische Frage ist. Als die Vorlage aber ver- schlechtert wurde, konnten wir sie nur ablehnen. Es ist erfreulich, daß die stärkste Partei im Landiag, die konservative Partei, aus unserer Seite war. Ein S a m m e l r u f ist vor kurzem von einer Seite an uns ergangen. Der Kaiser hat bei zwei Gelegen- heiten das Wort ergriffen, zunächst in Königsberg. Ein Sturm der Entrüstung ist durch die liberale Presse gegangen. Dabei ist viel von den bekannten Novembertragen die Rede gewesen. Die Liberalen aller Schattierungen sollten jedoch nicht so viel an die Novembertage erinnern, denn es könnte sonst an den Tag kommen, wie die Liberalen und ihre Drahtzieher durch Unwahrheit die Leute hinters Licht geführt haben. Was hat der Kaiser denn gesagt? Er hat sich als Instrument des Herrn bezeichnet und seine Verantwortlichkeit Gott gegenüber betont. Wo ist denn eine Mißachtung der Rechte des Parlaments und des Volkes? Der König hat doch auch ein Recht auf die Verfassung. Je mehr man die Rechte des Königs wahrt, um so mehr wahrt man auch die Rechte der Verfassung. Je mehr sich der König verantwortlich fühlt Gott gegenüber, desto mehr muß er sich erheben über die Tagesmeimmgen und muß sich um so mehr richten nach dem Stern da oben. Das Verhältnis zum Volke wird dadurch nur inniger.(Sehr richtig I) Wir sind stolz auf das Gottesgnadentum des Königs und wir lassen unS ihn nicht nehmen durch die Hetze unserer Gegner." (Lebhaftes Bravo I) In den November-Debatten vor zwei Jahren glaubte der Fraktionsredner des Zentrums noch erklären zu müssen, daß die Tage deS Sonnenkönigtums unwiderbringlich dahin seien— und heute ist das Zentrum st o l z auf das GotteSgnadentum! Und die direkte Wahl, ohne die die geheime Wahl nur ein frecher Schwindel und ein lächerliches Unding ist, erklärt das Zentrum für eine„technische Frage"! Graf P r a s ch m a erklärte schließlich die Sozial- d e m o k r a t i e für den s ch l i m m st e n Feind des Zen« trums. Die Sozialdemokratie wird in der Tat alles auf� bieten, um sich das Anrecht auf diese Bezeichnung zu ver- dienen I Die 3'/, Millionen Zulage lange» nicht! Für dteUnterhaltung desPosenerKaiser- s ch l o s s e s hat sich der Staat verpflichtet, der Krön- fideikommißverwaltung für jedes Rechnungsjahr die Summe von 88000 Mark für die Unter« Haltung des Schlosses zu erstatten. Die Kosten einer etlvaigen Hofhaltung trägt die Krone aNein. Diese Kostenerstattung ist ungewöhnlich, denn die Unterhaltungskosten für königliche Schlösser werden aus derZ i v il- liste bestritten. Trotzdem also Wilhelm U. zu den 15 Millionen Zivilliste noch 3'/, Millionen zugelegt worden sind, soll jetzt noch der Staat jährlich 88 OCX) M. für die Unterhaltung eines königlichen Schlosses zahlen I Das ist doch eine starke Zumutung! Keine Entcignnngsaktion in der Ostmark. Die„Korrespondenz Woth" weiß zu berichten: „Wie wir hören, besteht innerhalb des preußischen Staats- ministcriiims keine Neigung, vorläufig von den Befugnissen deS EnteignungsgcsetzeS Gebrauch zu machen, eS soll versucht werden, ohne das Mittel der Zwangsenteignung von Polen Land zu erlverben. Die Pose»er Ansiedelungskoni Mission wünscht eine Enteignungsaktion, die Berliner Zentralbehörden wollen es ohne sie weiter ver» s u ch en. Der P o l e n k u r« scheint doch nicht mehr der alte zu sein, und man wünscht ängstlich alles zu vermeiden, was daS Polentum vor den Kopf stoßen könnte. Vielleicht sprechen bei diesen Erwägungen die AuS- sichten für die nächstjährigen Rdchstagswahlen mit. Wir nähern uns bereits wieder der Caprivischen Polenpoljtik, erst Sprachen- krieg, Erzbischofsvakanz, Zwingburgbau jetzt Friedensschalmeien. Eine EnleignungSaktion verbietet sich jetzt auch mit Rücksicht auf die konservativ-kleritale Waffenbrüderschaft, die im Hinblick auf die Wahlen ausgebaut werden soll. D i e Polen sollen die nächsten im Bunde sein." Daß eS so kommen würde, war ja unschwer vorauszusehen. Die Polen haben sich ja sowohl im Reichstag als im Landtag eifrigst bemüht, daS Wohlwollen der Junker zu erwerben. Bei der Reichsfinanzresorm gingen sie mit dem Schnapsblock, im Abgeordnetenhaus stimmten sie sogar für die Erhöhung der Zivil- liste. Da ist eS kein Wunder, daß die Junker den Halätisten gegen« über ihre schützende Hand über die Polen halten. Ohnehin ist ja den Junkern die SiedelungSpolitik seit den Regungen politischer Selbständigkeit der Ansiedler höchst un« sympathisch geworden. Sie wollen deshalb von einem lebhafteren Tempo der Ansiedelungspolitik nichts wissen. Dazu kommt, daß eine ZwangSenieignung ja auch die Landpreise herabdrsicken und damit unseren Junkern das Geschäftemachen auf Kosten oos Staates vereiteln würde!_.vj si,D, Weitere Stärkung der Bischofsgetualt. Eine aufsehenerregende Meldung bringt die katholische» Aug S- burger Po st zeitung" aus Rom. Danach wird«S,!bci dem Dekret der K o n sist o r i a l k o n g r e g a t i o n, das den Bisch öfen das Recht zur Absetzung der Pfarrer gibt, auch nicht sein Bewenden haben. Auf Grund von Angaben mcr gut unterrichteten kirchlichen Stelle schreibt der römische Mftgrbeiter deS genannten Blattes, es stehe außer Zweifel, daß Papst Pius X. durch das neue Dokument seine feste Absicht künden», die katholische Hierarchie immer mehr zu kräftigen durch die Be- stäiigung der Autorität der Bischöfe über den ihnen unter- stellten Klerus. Dann heißt es weiter: „Der Papst hat sein Programm auf diesem Gebiete noch nicht erschöpft. DaS Dekret kann natürlich in allen jenen Ländern sofort in die Tat umgesetzt werden, wo kein Konkordat besteht. Wo aber ein Konkordat besteht, wo der Pfarrer durch die Regierung in die Pfarrei eingesetzt ist oder ein Plazet erholen mußte, kann es theoretisch vorkommen, daß der Geistliche sich weigert, die Verfügung deS Bischofs an- zuerkennen. Wo ein Konkordat besteht und damit auch gute P»- Ziehungen zwischen dem Heiligen Stuhle und der belreffuMn Regierung, wird der Staat freilich keine Schwierigkeiten mach«?, es müßte denn höchstens eine Verstimmung bestehen, in der die Regierungen durch Widerstand oft einen Druck auj- zuüben hoffen. In Italien, wo ganz spezielle Verhältnisse bestehen, ein Plazet ohne Koukordat. find kuriose Verhältuige immerhin möglich. ttm nun zu verhindern, daß sich so etwaS zutrage, soll Papfl Pius X. die Absicht babcn, in der Ernennung der Pfarrer eine wichiige Modifikation einzuführen. Diese würden nach der Modifikation nicht mehr auf Lebenszeit, sondern zur Verfügung der Bischöfe ernannt; mit ihrer Ernennung wäre also kein Privilegium mehr verknüpft." Zur Durchführung dieses Planes, heißt es am Schlüsse der Mitteilung, sind allerdings delikate Verhandlungen nötig." Die neuesten päpstlichen Erlaste erregen auch in weiten Kreisen des katholischen Klerus die ernstesten Bedenken, und so mancher unter ihnen fühlt sich von seinem Gewissen gedrängt, öffentlich gegen diese Maßnahmen, von denen er nur Schaden für die Kirche erwartet, seine warnende Stimme zu erheben. Aber den katholischen Priestern ist der Mund geschlossen. Treffend schreibt der dem bekannten bayerischen Landtagsabgeord» neten Pfarrer Grandinger nahestehende„Nordhalbener Grenzbote": „Die Erlasse des Papstes in diesem Falle zu kritisieren, ist eigentlich nicht Aufgabe der Tagespresie. Aber wo ist der Platz, auf welchem die vom Erlaß Betroffenen Widerspruch und Ein- spruch erheben könnten? ES ist den Priestern verboten, priesterliche Vereine zur Standesverwahrung und Hebung des Standes zu gründen. Die Mitarbeiterschaft an der reformkatholischen Zeit- schrift„Das 20. Jahrhundert" ist ebenfalls untersagt. Die Z e n t r u m S p r e s s e ist v i e l z u f e i g e, um Proteste gegen päpstliche Ukase aufzunehmen. Die Synoden sind ab- geschafft, weil sie den Bischöfen Arbeit verursachen würden. Die Synode wäre noch der einzige Platz, an welchem der be- drängte Kleriker einem Bischof klagen könnte. Und so braucht sich niemand zu wundern, wenn die Zahl derjenigen katholischen Geist- lichcn, die Zuflucht zur liberalen Presse nehmen, ständig vermehrt wird. Viäsaut oonsules." Diese Klage würde wohl so mancher Kleriker von Herzen gern unterschreiben, wenn er— dürfte. Nationalliberale Neidhammel. Die„Kölnische Zeitung", das Organ derer von Bildung und Besitz, ereifert sich über das Vorhaben der Berliner Genoffen, die Parteibeiträge zu erhöhen. DaS Blatt tut das im Geschmack derjenigen Leute, die aus ihrem Unverstände gegenüber der Sozial- demokratie nun einmal nicht herauszukommen vermögen.„Die So- zialdemokratie— so meint das Organ der rheinischen Scharfmacher — dreht wieder einmal die Steuerschraube, und zwar sind es diesmal die Berliner Genossen, aus denen man neue Geldmittel herausdrücken will. Wenn das Geld der Arbeiter in der Parteikasse klingen soll, spricht auf einmal der„Vorwärts" nicht inchr von verelendeten, ausgepowerten Proletariern, sondern hält im Gegenteil den Arbeitern von Berlin vor, daß sie besser gestellt sind als die Genossen in anderen Kreisen. Ist aber erst die Erhöhung der Beiträge für Berlin beschlossen, dann fängt das alte Lied wieder an: die Massen werden von der Regierung und der Bourgeoisie in jämmerlichster Weise ausgesogen und können keinen Pfennig mehr zu den Staatskosten beitragen. Man sollte es kaum für möglich halten, daß in Arbeiterkreisen mit solchen bohlen Phrasen dieselbe Partei Glauben findet, die sogar bei dem von öffentlichen Steuern befreiten Genossen für ihre und gewerk- schastliche Zwecke verhältnismäßig hohe Beiträge erpreßt." Die Berliner Genossen üben also Erpressung, wenn sie sich selber höhere Beiträge auferlegen I Man sollte nun meinen, daß die„Kölnische Zeitung" die eigenen GesinmingSgenoffen mit allen Kräften abhalten würde von der Begehung ähnlicher„Erpressungen" an sich selber, daß sie ihre nationalliberalen Parteifreunde anflehen würde, ja keinen Groschen mehr in die Parteikasse zu zahlen. Aber weit gefehlt. Zum Schluß kommt diese Nutzanwendung: „Die bürgerlichen Parteien sollten aus den finanziellen Rüstungen der Sozialdemokratie die Lehre ziehen, daß auch fie rechtzeitig ihre Wahlfonds aufzufüllen haben und sich an Opferwilligkeit nicht von den Anhängern des „Vorwärts" beschämen lassen dürfen." Also wollen sich doch auch die Nationalliberalen auf die„Er- Pressung" verlegen! Oder ist eS jetzt auf einmal Opferwilligkett? Bürger«nd Polizist. Zu SSV M. Geldstrafe verurteilt wurde Genosse Sch och von der„Riederrh. Arbeiter-Z tg." in Dui s- bürg, weil er einen Schutzmann„beleidigt" haben soll. Die „Riederrh. Arbeiter-Ztg." brachte eine Notiz, worin mitgeteilt war, daß der Bergmann L ey n e n von dem städtischen Desinfektor Schürmanii in D.-Meiderich ohne jeden Grund tätlich an« gegriffen, mißhandelt und beleidigt worden sei, und daß der herbei- gerufene Schutzmann Krüger, anstatt den Lehnen zu schützen, ihn gleichfalls„mißhandelt" und ihm die„Kleider zerrissen" habe. Der Notiz folgte die übliche Polizeibeleidigungsklage. Dabei wurde nun festgestellt, daß der Angriff des Schürmann sich in vollem Umfange so abgespielt hat, wie er mitgeteilt war. Werkwürdigerweise will der städtische Desinfektor sich an nichts mehr erinnern. Im Alkoholrausch will er aber auch nicht gehandelt haben, Also wohl„Dämmerzustand" I-- Der Schutzmann Krüger bestritt jede Mißhandlung des Lehnen, gab aber in demselben Atemzuge zu, daß er den Bergmann Lehnen energisch angefaßt und ,hn„vor sich her geschoben" habe und daß dabei allerdings das Jackett des Lehnen zum Teil zerrissen worden sei. Lehnen habe ihn fortwährend in erregtem Tone aufgefordert, den Schürmann(der Lehnen überfallen hatte) zu verhaften, waö er (Schutzmann Krüger) unterlassen habe, da ihm Schürmann persönlich bekannt gewesen. Es steht also durch daS eigene Zeugnis de? Schutzmanns fest, daß dieser den Lehnen, der bei ihm Schutz suchte und die Festnahme des Schürmann forderte,„energisch angefaßt" und ihn ,,vor sich her geschoben" hat, und daß dabei dessen Jackett zerrissen ist. Weil aber dies nach Ansicht des Gerichts„noch keine Mißhandlung" sei — da Krüger doch nicht geschlagen habe—, so hat sich Genosse Schoch mit seiner Notiz einer„schweren Beleidigung" im Sinne deS § 186 des Strafgesetzbuches schuldig gemacht, ergo müßte eine dem- entsprechende Bestrafung erfolgen I Der Herr Bmtsanwalt meinte sogar, der Angeklagte müsse wegen„verleumderischer" Beleidigung bestraft werden, da er„bewußt falsch" berichtet Habel Ferner betonte der Vertreter der öffentlichen Anklage, daß die Presse wohl solche auf der Straße sich abspielende Vorkommnisse berichten müsse, daß die„anständige Presse" es aber ablehne, sie tendenziös„auszuschlachten". Leider hat der Angeklagte kein Mittel in der Hand, einem der- artigen Angriff des Anklägers in gebührender Weise zu begegnen. Genosse Schoch half sich damit auS, daß er erklärte, er halte eS für überflüssig, auf eine solche Anklage sachlich zu erwidern und müsse sich Belehrungen über„An- st and" vom Amtsanwalt verbitten! Der Ämtsnnwalt hatte 260 M. Geldstrafe beantragt. DaS Ge- richt ging somit noch erheblich über den Antrag hinaus. Ob das Berufungsgericht in dem Austreten des Schutzmanns auch keine„Miß- Handlung" sieht?_ Oesterreick. Für die Einfuhr a«S Argentinien. Wien, 13. September. Der Gemeinderat hat ein- stimmig einen Antrag des Stadtrats angenommen, wo- nach die Regierung aufgefordert werden soll, der Fleischnot durch Gestattung der Einsuhr argentinischen Fleisches abzuhelfen. Handelsminister Weiskirchner sprach sich in einer Zuschrift für den Antrag aus. Eine sehr überflüssige Ausgabe. Wien, 14. September. Der Stadtrat hat beschlossen, für die Ausschmückung der Straßen und des Rathauses aus Anlaß der An- kunft des deutschen Kaisers 20000 Kronen zu bewilligen. Grkeckenlanck. Eröffnung der Nationalversammlung. Athen, 14. September. Um 11 Uhr vormittags wurde durch den König die Nationalversammlung eröffnet. In der Thronrede wird betont, daß die Nationalversammlung die Grundlagen der gegenwärtigen Verfassung unangetastet lassen möge. Die VerfassungLrevision, zu der die Versammlung berufen fei, dürfe nur die nicht grundlegenden Bestimmungen abändern. Ob die Nationalversammlung sich an idiefe Beschränkung halten wird, ist allerdings sehr ziveifelyast. Kiilgamu. Ministerkrise. Sofia, 14. September. Der Ministerpräsident hat dem König die Demission des Kabinetts überreicht. 8lidafnka. Der Besieger BothaS als Organisator des südafrikanischen Heeres. Johannesburg, 14. September. Premierminister General B o t h a erklärte hier in seiner Rede, aus den in Südafrika zu Gebote stehenden Mannschaften könne das beste Verteidi- gungsheer der Welt gebildet werden. Er ersuche Groß- britannien um seine Mitwirkung bei der Schaffung einer solchen aus Angehörigen beider Rassen zusammen- gesetzten Streitmacht. Seiner Ansicht nach könnte Lord Methucn mit der Organisation dieser Truppe betraut werden, oder, falls ein anderer britischer Offizier dazu notwendig sei, möge sein alter Kriegskamerad Lord Kitchener diese Aufgabe übernehmen. Amerika. Die Wahlen. New Dork, 14. September. Die fortschrittlichen Re- publikaner errangen neues Terrain in New Jersey sowie im Staate Washingwn. In letzterem Staate wurde das Kongreß- Mitglied Humphreys, bekannt durch seine eifrige Befehdung der auslandischen Dampfergesellschaften und Hauptbefürworter der Schiffssubven turnen, geschlagen. Eine Abberufung. Washington, 13. September. Der ämevikanische Ge- schäftsträger bei der Republik Panama ist zurück be- rufen worden. Diese Maßregel ist offenbar wegen des jüngsten Interviews erfolgt, bei dem der Geschäftsträger erklärte, wenn Vizepräsident Mendoza zum Präsidenten von Panama gewählt würde, so wären die Vereinigten Staaten gezwungen, die R e p u- blick zu besetzen oder zu annektieren. Eue der Partei. Zum Parteitag. Stuttgart» 14. September.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Die württembergische LandtagSfraktion hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, an den Parteitag daS Ersuchen zu richten, die Nürnberger Resolution in dem- reichen sein sollte, dann werden die sich weigernden Fabrikanten durch Streik zur Anerkennung gezwungen werden. Zur Lohnbcwcgiiiig der DiichdeclcrhilföarSciter. Am 13. Sep- tember ist bei der Firma O. Halbsguth, AndreaSstr. 56 und am 14. September bei der Firma E. Riegner, Bergmannstr. 14o. die Arbeil eingestellt worden. Diese Firmen sind von Dachdecker- Hilfsarbeitern strengstens zu meiden. Die Forderlliigen unterfchristlich anerkannt. hat die Firma Wachholz, Kastanien-Allce 33. Hier waren die Kollegen nur einen Tag aiissländig. Die nächste Versammlung findet heute Donnerstag Wein- straße 11 statt. Zeiilralverband der Dachdecker Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Lohnbewegung der Staker. Seit dem 5. September er. befinden sich die Siaker, die im»Verbände der Staker Groß- Berlins" or- ganisiert sind, in einer Bewegung zwecks Erringung besserer Lohn- und ArbeilSbediiigungen. Mit dein„Verein der Unternehmer für Stakerarbeiten" waren seit dem 5. Juli d. I. resultailos verkaufene Verhaiidlimgen gepflogen worden. Auf Veraillassling der Unternehmer fand am 12. d. M. vor den, Slrbeitgebcrkartell für das Berliner Bau« gcwerbe unter Vorsitz des Herrn Baumeisters Heuer eine weitere Ver- Handlung statt. Die Unternehnier erklärten sich bereit, vom 1. Oktober er. einen Sliindcnlohn von 63 Pf. und vom 1. Juli 1911 einen solchen von 70 Pf. zu zahlen, alle übrigen Bestiniinungen, die im Vertrag vorgesehen waren, sollten ebenfalls erfüllt iverden, aber der Vertrag sollte bis zum 1. April 1913 Gültigkeit haben. Die am 12. Septbr. abgehaliene MitgliederversammllUig der Staker lehnte nach lebhafter Diskussion diese Vorschläge in geheimer Abstimmung ab und bcharrte auf der Forderung einer sofortigen Erhöhung deS Stundeiilohnes auf 70 Pf. und Anerkennung des Arbeitsnachweises. Diese Forde«. rung haben bis jetzt 45 Firmen unterschrifllich anerkannt, so daß die meisten Kollegen zu den neuen Bedingnngen arbeiten. Bei der Solidarität, die alle Kollegen bis jetzr bewahrt haben, wird in nächster Zeil auch der letzte Unternehmer unsere gerechten Forde» rungen bewilligen. Verband der Siaker. oeutkebes Reich. Gesamtmissperrilng? Durch ein Dcpcschenbureau wird folgende Nachricht ver- breitet: Der Vorstand des Gesamtverbandes Deutscher Metall» industrieller hat beschloffen, aus Donnerstag, den 22. September, eine Ausschußsitzung nach Berlin einzuberufen, welche über die Gesamtaussperrung zugunsten der angegriffenen SeeschiffSwerftea Beschluß fassen soll. Daß die Metallindustriellen die Gesamtaussperrung be- schließen werden, erscheint uns nicht wahrscheinlich. Die Arbeit niedergelegt haben am letzten Sonnabend die Stullateure der Städte Solingen, Ohligs und Wald, weil sich die Unterhandlungen mit den Unternehmern behufs Aufstellung eines neuen Tarifs resultatlos zerschlagen haben. Die Arbeiter fordern 70 Pf. und vom 1. April 1911 ab 72 Pf. pro Stunde. Weiter werden für Uebcrstunden und auswärtige Arbeiten ent- sprechende Zuschläge verlangt. Sonnabends soll eine Stunde früher bei Vollzahlung des Lohnes Feierabend gemacht werden können. Zwei Uiuervehmer haben die aufgestellten Forderungen bereits an- erkannt, so daß bei diesen die Arbeit fortgesetzt wird. Letzte JMaebnebten. Im Zeichen der Fleischnot. Offenburg, 14. September. Den Mangel an Schlachtvieh illustriert folgend« Mitteilung des„Ortenauer Boten" aus Zell vom 13.:„Heute fand hier ein Bichmarkt statt, zu dem sich viele Händler, aber keine Verkäufer eingefunden hatten. Gegen 9 Uhr kam schließlich ein Bauer mit einer Kuh, welche sehr rasch ver- kauft war." Eine Verfassung für Aegypten. Genf. 14. September.(W. T. B.) Der ständige Ausschuß der Jungäghpter hielt heute am Jahrestag des Einzugs der englischen Truppen in Kairo hier eine Versammlung ab. der auch Keir Hardie, der Führer der englischen Arbeiter- Partei, bcilvohnte. Dieser erklärte in seiner Rede, die Verweigerung der Räumung Aegyptens gereiche England nicht zur Ehre. Der Ausschuß hat an den Khedive«ine Depesche gesandt, in der die Herstellung einer Verfafiung für Argppten verlangt wird, und ebenso eine Erklärung an die englische Regierung, in der die Zu- rückzichnng der englischen Truppen und die Anerkennung der Autonomie Aegyptens gefordert wird. S«v Bergleute verschüttet. New Dork, 14. September.(B. H.) In Duggero in Sullivan County im Staate Indiana wurden 20 Bergleute verschüttet und sind wahrschciuUch umgekommen. Bis jetzt wurde nur eine Leiche gefunden. Ärrurteiltcr Betrüger. New Aork, 14. September.(W. T. B.) Der frühere Geschäfts. führer des ZnckcrtriistS, Gerbracht, wurde zu zwei Jahren Ge- fängniS und 5090 Dollars Geldstrafe verurteilt, weil er die Re- gierung durch falsche Angaben über das Zuckergewicht betrogen hat. Der Richter gestattete ihm die B e r u f u n g an das h ö h e r e Gericht und fetzte eine Kaution auf 25 000 Dollars fest. Das„höhere Gericht" wird wohl, wie die gemachten Ersah- rungen lehren, dafür sorgen, daß der Betrüger nicht hinter den Gefängnismauern zu schmachten braucht._ jaul Singet& Co„ Berlin SW, Hierzu 2 Beilagen u.UoterhaltungSbt. Nr. 216. 27. Ichrgavg. 1. Ktilllge lies, Anvarls"§n\m UolksblM. lzZ.,>.«»»« Der englische Gewerftfchaftsltongreß. Sheffield, 12. September,(©ig. Ber.) Der 46. Jahreskongreh der englischen Trades-Unions ist heute hier zusammengetreten. Es sind vertreten rund 1 600 000 organi- sierte Arbeiter durch 406 Delegierte. Es sind jetzt 36 Jahre, seitdem der Gewer?schaftSkongretz in Sheffield abgehalten tourde, und ein Vergleich mit der Stärke der damals vertretenen Gewerkschaften ermöglicht einen Ueberblick über die EntWickelung der englischen Gewerkschaftsbewegung in diesen 3% Jahrzehnten. Damals waren am Kongreß vertreten rund 1 200 000 Mitglieder durch 160 Dele- gierte. Der Zuwachs an Mitgliedern ist also verhältnismäßig gering gewesen, aber die Gewerkschaften sind organisatorisch und finan- ziell erstarkt und können sich die Absendung von bedeutend mehr Delegierten leisten. Erwähnenswert ist, daß von den jetzt an. wesenden 406 Delegierten nicht weniger als 120 von B e r gc arb e i t e ro rga n i sa t i vir e n abgesandt sind; sie vertreten allerdings auch über ein Drittel der gesamten am Kongreß der- tretenen Arbeiterschaft, nämlich 650000 Mitglieder. Gleich die Eröffnung des Kongresses brachte einen einigem maßen aufregenden Zwischenfall. In der Regel werden die englischen Gewerkschaftskongresse durch ein paar Willkommenworte des Bürgermeisters der Stadt, wo der Kongreß stattfindet, eröffnet. Der Lord-Mayor von Sheffield, ein Lord F i tz w i l l i a m, ist Be- sitzer vieler Kohlengruben in der Nähe von Sheffield und in der ganzen Grafschaft Dorkshire, und ein berüchtigter Scharfmacher, der den.,Herr.im-eigenen°Hause"-Standpunkt vertritt. Eben jetzt stehen die Bergarbeiter in einer seiner Gruben im Streik und der Lord-Mahor weigerte sich hartnäckig, mit den Vertretern der Or- ganisation zu verhandeln. Infolge dieses Vorfalles herrschte eine starke Stimmung unter den Delegierten dagegen, daß die übliche Einladung an den Lord-Mvhor, der Kongreßeröffnung beizuwohnen, auch diesmal abgeschickt werde. Als heute dennoch der Lord-Mayor im Kongreßsaale erschien, erhob ein Delegierter sofort einen scharfen Protest gegen seine Anwesenheit, und verließ mit mehreren anderen Delegierten demonstrativ den Saal. Der Präsident des Kongresses, der Bergarbeitervertreter Ha Slam, gab darauf die Erklärung ab, daß der Lord-Mayor heute zu einer Verständigung mit den Arbeitern gekommen sei, die die betreffende Organisation befriedige. Die formellen Eröffnungsreden, die die ganze Vormittags fitzung ausfüllten, boten keine sehr erhebende Szene dar. Es sprachen außer dem Lord-Mayor noch der Vorsitzende der etwa 400 Jahre atten Gilde der Sheffielder Messerschmiede, natürlich ein Arbeitgeber, ferner ein Vertreter des Sheffielder Stadtrates, eben- falls ein Arbeitgeber und ein Konservativer, und ein liberaler Paw lamentsvertreter von Sheffield. Dann erst folgten die Vertreter der Sheffielder Arbeiterschaft, Genosse Pointer, Vertreter eines Sheffielder Wahlkreises im Unterhause, und der Vorsitzende des Sheffielder Gewerkschaftskartells. Der Lord-Mayor, ein noch ganz junger Mensch, klopfte den Delegierten und der Arbeiterschaft im allgemeinen in herablassendem Tone auf die Schulter, der Gilden meister gab der Hoffnung Ausdruck, daß die„barbarischen" Kampf mittel de? Streiks und der Aussperrung baldigst abgeschafft werden, und daß idyllischer Frieden zwischen Kapital und Arbeit herrschen werde— Bemerkungen, die leider von einem Teil des Kongresses mit Beifall aufgenommen wurden—, und der konservative Stadt- rat und Stahlsabrikant lobte die Sheffielder als prächtige loyale Nordengländer, während der liberale Abgeordnete den Arbeiter- Vertretern im Unterhause das zweifelhafte Lob ihrer erstaunlichen Anpassungsfähigkeit an die oft lächerlichen Prozedurformen des Unterhauses und ihrer Meisterschaft de»„parlamentarischen ToneS" spendete. Diese ganze Eröffnungsrede schien eines Ar- beiterkongresseS wenig würdig, eine Empfindung, sie indes äugen scheinlich nicht von allen Delegierten geteilt wurde. Ein anderer Ton käm in die Versammlung, als die Vertreter der Sheffielder Arbeiterschaft das Wort ergriffen. P o i n t e r kam kurz vor den allgemeinen Wahlen anläßlich einer Nachwahl ins Parlament, und obschon er eines der jüngsten Mitglieder des Unter. Hauses ist, hat er sich doch schon bei wiederholten Anlässen dort her- vorgetan. Er ist ein Vertreter der I. L. P, und als solcher denutzte er seine Willkommensrede dazu, auf die Einigkeit der so- zialistischen Bewegung in Sheffield hinzuwirken und bot der Sheffielder Organisation der S. D. P. die Friedenshand an. Diese Bemerkungen wurden namentlich auf der Galerie mtt großem Beifall aufgenommen, und daß sie nur zu sehr am Platze waren, davon konnten wir un» in den letzten Tagen persönlich über- zeugen. Der Vorsitzende de» Sheffielder Gewerkschaftskartells, Kleines Feuilleton. Der Streit um einen Menschenschädel. Es sind jetzt mehr als 20 Jahre vergangen, seitdem an einem Orte der englischen Graf- schaft K e n t ein Menschenschädel ausgegraben wurde, der eine eigen- artige Berühmtheit in der Wissenschaft erlangt hat. Ströme von Tinte und Druckerschwärze sind(bildlich genommen) über diesen Schädel ausgegossen worden, iund der Streit um feine Deutung will immer noch nicht zur Ruhe kommen, wie die Tatsache beweist, daß die Anthropologische Gesellschaft in Pari» dieser Frage fast ihre ganze jletzte Sitzung gewidmet hat. Ein Teil der Sachverständigen hat den Schädel für den Rest einer vorgeschichtlichen Menschenrasse erklärt, die von dem noch berühmteren Schädel des Neandettals vertreten wird. Andere Sach- verständige ersten Ranges aber haben dieser Ansicht widersprochen und das hohe Alter des Fundes überhaupt angezweifelt. Diese Be- denken stützen sich namentlich auf den Unistand, daß bisher noch niemals ein so gut und vollständig erhaltener Schädel aus so alter Zeit entdeckt worden ist. Auch die neueste Erörterung der Frage hat nicht vermocht, volle Klarheit zu schaffen, und so wird der Schädel deS„Urmenschen von Kcnt" wohl noch lange in den wissen- schastlichen Veröffentlichungen mit einem Fragezeichen behastet bleiben. Theater. Neues Schauspielhaus:„Wann komm st Du wieder?", Lustspiel in 3 Akten von William Somerset M a u g h a m. Das englische Stückchen ist eine neue Rezept- komödie. Wenn ungetteue Ehehälften auf der Bühne ftüher mit Vorliebe in der Art kuriert wurden, daß die Eifersüchtigen durch einen Scheinflirt als Revanche ihrerseits die Eifersucht der Flüchtigen er- weckten, hat der Mathemalikprofessor deS Maughamschen Lustspiels ein noch viel einfacheres Verfahren entdeckt. Die Streiche seines Schwiegersohnes sind nach der von ihm aufgestellten Theorie nur eine Reaktion gegen die allzu zärtliche, allzu aufdringlich besorgte Liebe, mit der Penelope, sein Töchterchen, den jungen Mann nervös gemacht hat. Man lasse ihm die größte Freiheit, man frage nie, wo er gewesen und stelle sich, als ob man alle seine Lügen glaubt. dann wird die Leidenschaft der illegitimen anderen, je öfter er mit ihr zusammenkommt, fortwachsend immer anspruchsvoller werden. bis rhn die Tyrannei der Zärtlichkeit, die ihn von Hause vertrieb, von dort ihn wiederum nach Hause zurücktreibt. Eine etwas wunderliche Gelehrtenlogik, die sich aber in der Komödien- Welt. wo der Autor die Schicksale regiett, natürlich aufs pünktlichste bewähtt. Maugham ist ein geschickter Praktiker ohne literarischen Ehrgeiz. Die Unwahrhastigkeit der Situationen macht ihm nicht die geringsten Skrupel, wofern sich ihnen nur etwelche Unterhaltsamkeit und irgend eine gute Schau- fpielerrolle abgewinnen läßt. Die Direktion des Neuen Schauspiel- Hauses war in der Lage, diese Rolle, mit der das Ganze steht und fällt, in glänzender Besetzung herauszubringen, was den Erfolg ent- H o b s o n, gab einige interessante Aufschlüsse über den Stand der gewerkschaftlick?en Organisation in Sheffield. Es gibt in Sheffield insgesamt 100 000 Arbeiter, darunter 25 000 weiblichen Geschlechts. Organisiert sind davon 2b 000, aber darunter weniger als 300 Frauen. Eben jetzt befinden sich etwa 100 Mädchen einer Leder- Warenfabrik in Sheffield im Streik, und weckt große Begeisterung. Hobson beklagte ferner die Zersplitterung des Gewcrkschaftswesens, die in Sheffield zumindest so schlimm ist, wie in anderen Teilen Englands. Es gibt in Sheffield nicht weniger als 105 selbständige Gewerkschaften und 165 Ortsgruppen nationaler Verbände; die meisten davon gehören zur Stahlindustrie. Ein solchr Zustand ist offenbar unhaltbar, und der Kongreß wird sich noch mit dem Thema der gewerkschaftlichen Anarchie zu beschäftigen haben. Die' Nachmittagssitzung wurde im wesentlichen von der E r- öffnungsrede des Präsidenten ausgefüllt. Diese wird in England in der Regel als ein sehr wichtiges Dokument be- trachtet und von der Tagespresse fast wörtlich wicdcrgegeben. Aber in Wirklichkeit wechselt ihre Bedeutung sehr stark, je nach der zu- fälligen Persönlichkeit des Präsidenten des Parlamentarischen Ko° mitecs für das betreffende Jahr, dessen persönliche Ansichten und» Neigungen sich in Form und Wortlaut der Rede widerspiegeln. Der diesjährige Präsident ist I. H a l l a m, ein Bergarbeitervertreter aus der alten Schule deS Trade-Unionismus, der sich nicht zum Sozialismus emporschwingen konnte, und sich deshalb immer mehr der Gefühls- und der Gedankenwelt der heutigen Bergarbeitermassen selber entftemdet hat. In einem sehr kritischen Augenblick für die gesamte englische gewerkschaftliche und politische Arbeiterbewegung klang seine Rede lau und unbedeutend. Abgesehen von dieser mehr formalen Beschränkung kann gegen den Inhalt der Rede selbst nichts eingewendet werden. Bezugnehmend auf die Aussperrung im Schiffbau und den drohenden Konflikt im südwalisischen Bergbau, legte er den Delegierten ans Herz, wie unerläßlich die loyale Disziplin der Massen gegen ihre Führer sei, um dauernde Verein- barungen mit den Unternehmern erzielen zu können. Mit Bezug auf die Oiberhausfrage wandte er sich mit einem sehr schwachen Protest gegen die Vetokonferenz, und erklärte, daß keine Lösung die Arbeiter zufriedenstellen werde, die nicht der Volksver- tretung für alle Zukunft die Macht gibt, dem Willen des Volkes uneingeschränkte Geltung zu verschaffen. Ebenso schwach und „versöhnlich" behandelte der Präsident die wohlbegründeten Klagen der Arbeiter gegen die neuen staatlichen Arbeitsbörsen und die Frage der Arbeitslosenversicherung, wobei er auf die Reise der Gewerkschaftsdeputation nach Deutschland hinwies. Ein wesent- licher Teil der Rede befaßte sich mit der alles überschattenden Frage des Osborne-Urteils und der durch sie geschaffenen uner- träglichen Lage für die Arbeiterpartei. Er führte aus, daß die direkte parlamentarische Arbeitervertretung seit 40 Jahren als eine anerkannte und selbstverständliche Aufgabe der Gewerffchaften be- trachtet worden ist, und es fiel niemandem ein, irgendetwas dagegen einzuwenden. Erst als sich die Gewerkschaften mit den Sozialisten verbündeten und eine unabhängige Arbeiterpartei schufen, wurde eine Hetze gegen sie eingeleitet. Man spricht von gewerkschaftlicher Tyrannei, obschon jede einzelne Gewerkschaft selber mit über- wältigenden Mehrheiten die Erhebung polittscher Beiträge be- schlössen hat. Nur die Widerrufung des Osborne-Urteils durch ein neues Gesetz könne eine zufriedenstellende Lösung der Frage bringen._ Kovfttenj der GtmrbkgtNlhtsbklsltzer(Arbeitnehmtr) Aeutschlliuds. Köln, 13. September. Nachdem bereits am gestrigen Abend eine Begrüßungsfeier der bis dahin erschienenen Delegierten stattgefunden, trat heute früh die Konferenz in Anwesenheit von etwa 140 Delegierten zu ihren Be- ratungen zusammen. Holz- Dresden, der im Namen der Zentral- kommisston die Konferenz eröffnet, weist auf das steigende Interesse hin, welche? sich durch die erheblich stärkere Beteiliguug kundgibt, begrüßt die Delegierten und erörtert kurz die zu erledigende Tages- ordnung, die nach Vorlage angenominen wird. Zur Leitung der Konferenz werden Holz- Dresden und K ö r st e n- Berlin bestimmt. Seitens der Generalkommission nimmt Rod. Schmidt- Berlin an den Verhandlungen teil. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: „Bericht der Zentralkommission", erhält sodann der Borsitzende Holz das Wort. Er führt unter Hinweis auf den ge- druckt vorliegenden Bericht aus: Die Zentrallonimission hat sich bemüht, so gut eS ging, die in Jena aufgestellten Leitsätze zur Durchführung zu bringen. Wenn das schied. Das sprudelnde Temperament von Ida Wüst, deS früheren Mitgliedes deS Brahmschen Ensembles, verlieh dem klügelnd konstruierten Spiel, durch welches Frau Penelope nach väterlicher Anweisung den Gemahl wieder einfängt, so viel ausgelassene Drolerie und anmuttgen Reiz, daß man um dieser Leistung willen die Unmöglichkeiten gern mit in Kauf nahm. Die kindlich polternde Empörung und das spitzbübische Vergnügen, mit dem sie ihre Kriegs- listen in Szene setzt,— psychologisch unvereinbare Gegensätze der Rolle— standen ihr sgleich natürlich zn Gesicht, und durch den Uebermut klang immer noch ein Ton warmherzigen Gefühls. Herr Eugen Burg als rasch bekehrter Gatte sekundierte mit gutem Humor. 4 dt. Schiller-Theater(Charlottenburg). Die 100. Wieder- kehr von Gustav Raeders Geburtstag(22. April 1310) hat auch wieder eineseiner besten Possen:„Robert und Bertram" zu neuem Leben erweckt. Tot war sie während ihres nunmehr 54jährigen Alters eigentlich nie; denn sie zählt mit Nestroys „Lumpazivagabundus" zum eisernen Repertoire der meisten Bühnen. Eine Auffrischung konnte sie indes vertragen; und die hat ihr jetzt das Schiller-Theater angedeihen lassen. Paßt doch das ganze gegen- wärtige Regime in Preußen so recht zu der traurigen Reaklionöperiode, welche bis zum Ausgang der ftinfziaer Jahre allenthalben Ober- Wasser hatte. Robert und Bertram ist, obgleich erst nach 1848 ent- standen, das echte Kind jener Zeit. Das Bürgertum ließ sich gängeln und bevormunden, wie vordem. Was konnten da witzige, satirische Köpfe besseres tun, als— jede Satire aus die Misere der politischen Zustände unter der Weste zu verbergen, um dafür desto häufigere Phantasieritte in die Romantik zu machen. Mit harinlosem Humor aufzuwarten, war auch weit weniger gefährlich. Im übrigen sind weder Nestroys noch Raeders Vagabundenpossen ureigene Schöpfungen. Vom frühesten bis ins spätere Mittelalter hinein blühte ja in germanischen wie in romanischen Ländern das Vagantentum und demzufolge die Vagantenpoesie. Nicht ein jeder war aus wirtschaftlichen Ursachen Proletarier der Landstraße. Manch einer wanderte, weil er unruhiges Blut hatte; und machte auch den Dieb und Straßen- räuber nach Zeit und Gelegenheit. AuS dem allen ließ sich schon was Lustiges für die Bühne herstellen. Die romantische Einkleidung ergab fich von selbst, da die Volkspoesie da« Vagantentum seit jeher mit Romantik umkleidete. Gustav Raeder war der Mann hierfür; dies um so eher, als er selber eine Künstler- natur war. Nun steht in der Aufmachung seiner Posse durch das Schiller-Theater die selige Biedermeierzeit wiedervoruns. Und der beste Vorzug ist wohl der, daß dank der fleißigen Regie kaum eine Ge- stakt nur den Eindruck_ eines in zeilechte Kostüme gesteckten wandernden Garderobenständers hervorruft. Wo zwei Titelhelden wie Reinhold K ö st l i n(Robert) und Max P a t e g g(Bcrlram) ihrem angeborenen süddeutschen Humor die Zügel schießen lassen können, muß sich wohl'was besonders Feines ergeben. Man lacht Tränen. Und dann der Maskenball bei dem jüdischen Bankier Jpelmeyer(Richard W i r t h), wo sich Waldemar Alfreds als jüdischer Diener Hervortnt; endlich das hübsch und lebendig ..........................■Hill U— HIMIIIW ll—llllllll................ nicht voll gelungen ist, haben die vorhandenen Schwierigleiten es ver- schulder. DaS Bestreben, eine sozialpolitische Tätigkeit in größerem Umfange mit Hilfe der Beisitzer zu entfalten, konnte nicht durchgeführt werden, weil einerseits die Obmänner der Beisitzer versagten und andererseits auch eine Einigung über die einzuschlagenden Wege mit der Generalkommission nicht erzielt werden konnte. Daß die Bei- sitzcr in ihrer Gesamtheit der geistigen Verbindung unter einander noch nicht das erforderliche Verständnis entgegenbringen, zeigt sich iiaiiieutlich in der gleichgültigen Behandlung der angestrebten Statistik. Auch der Herausgabe eines dringend notwendigen Muster- statuts konnte nicht im vollen Maße Rechnung getragen werden. Zu den Schwierigkeilen gehört auch der noch nicht verabschiedete Gesetz- entwurf über Arbeitskammern, der den sozialpolitischen Ausgaben der Gewerbegerichte eine wesentliche Aendermig gibt. Redner kritisiert dann die Mißstäiide beim Wahlversahren, die große Man gel hastigkeit der Ortsstatute, die Ber- schiedenartigkeit derselben und tadelt es, daß von 482 Gewerbegerichten nur 00 ihre Ortsstatute eingesandt haben. Auch die Anregung bezüglich Abhaltung von Laudeskonferenzen sind nicht genügend beachtet. Die Rechtsprechung sei derart ver- schieden, daß die Aufstellung bestimmter Richtlinien dringend nötig erscheine. Mit den Geschäftsberichten sei ebenfalls nicht viel anzufangen, weil sie in zu geringer Anzahl eingegangen und auch noch vielfach sehr mangelhaft seien. Eingehend betont Redner dann, daß der Z 75 des G.- G.- G., der den Gerichten die Berechtigung der Abgabe von Gutachten gibt, nicht in genügender"leise gewürdigt werde. Man solle davon den ausgiebigsten Gebrauch machen. Die Anregung hierzu sei von feiten der Beisitzer zu geben. Leider befinde sich auch in dieser wichtigen Frage die Zentral« kommisston im Gegensatz zu den Anschammge» der General« kommisston, so daß auch hier die Tätigkeit der Zentralkommission gehemmt sei. Im Mai vorigen Jahres sei die Zentralkommission davon in Kenntnis gesetzt, daß die Generalkommission auf Beschluß der VerbandSvorstände eine besondere sozialpolitische Ab teiluug einrichten Ivolle. Diese Abteilung soll die Tätigkeit der bereits bestehenden sozialen Sonderkommissionen mit über- nehmen. Demnach würde mit Abschluß der jetzigen Konserenz die Tätigkeit der Zentralkoinmission der Gewerbegerichtsbeisitzer auch beendet sein. Die Zentralkommission halte die Auflösung zwar nicht für notwendig, werde sich aber den getrosseneu Matznahmen der Generalkommission fügen, da es ihr lediglich� ans die Förderung der Sache ankomme. Starke- Dresden berichtet alsdann über seine Tätigkeit als Ausschußmitglied des Verbandes. Der Bericht dreht sich vorwiegend um die Funktionen des Ausschusses und um seine Kompetenzen. Als behördliche Organisation kann der Verband keine Beschlüsse fassen, sondern nur einen Meinungsaustausch Pflegen. Seit 1003 ist die Zulassung eines Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeisitzers erfolgt. Seitens der Zentralkommission wird gewünscht, daß je zwei Per- sonen zugelassen werden. Es wird deshalb mn Zustimmung ersucht, einen dementsprechenden Antrag beim Verbände der Gewerbegerichte einzubringen. Im übrigen war die Tätigkeit im Ausschuß nur sehr minimal, da nur eine Sitzung im Laufe von zwei Jahren statt- gefunden hat. Robert Schmidt- Berlin(Vertreter der Generalkommission) berichtet darauf über den Beschlutz, betreffend Uebernahme der Tätigkeit der Zentralkommision auf die Sozial- politische Abteilung der Gcneralko in Mission der Gewerkschaften. Er führt aus, daß diese Abteilung eine Sanimelstätte sozialpolitischen Materials werden solle und setzt aus- einander, daß so ein viel vorteilhafteres und gründlicheres Bearbeiten der verschiedensten Aufgaben ermöglicht werde, wodurch sich die Er- gebnisse auch loieder viel nutzbringender gestalteten. Daraus ergebe sich nun auch von selbst, daß der Sitz des Ausschusses von Dresden nach Berlin verlegt werden müsse. Auch die Organisation selbst werde dann wohl eine Aenderung erfahren müsse». Die Anschauungen der Zentralkvmniission über den Wert der Gutachlen teilt Redner nicht, weil viele Gewerbe- gerichte noch sehr rückständig in ihren sozialpolitischen Anschauungen sind. Gutachten von solchen Stellen schaden dann mehr als sie nützen. Es sei dahin zu streben, daß die paritätische Grundlage für die Arbeitslosensürsorge usw. aufgehoben werde. Die Handhabung dieser sozialpolitischen Maßnahmen komme den Gewerkschaften zu unter Zuwendung kommunaler Zuschüsse. Auch mit dem ArbeitSkammergesetzentwurf verhalte eS sich so. Die paritätische Grundlage biete nicht die Gewähr, daß die Auffassung der Arbeiterschaft in sozialpolitischen Fragen zum Ausdruck komme, daher seien reine Arbeiterkainmern zu arrangierte Volksfest: das alles sind Bilder und Vorgänge, die einem, wenn er kein Misepeter ist, das Herz im Leibe vor Ver- gnügen hüpfen machen— mag er sich auch zehnmal sagen: eS sei das ja nur ein„alter Schnee", der noch vom Vormärz her dem deutschen Spießbürgertum auf der reglosen verdumpsten Seele liegen geblieben ist. Humor und Satire. I u st i t i a. Frau Overstaatsanwalt Henke» Die annektierte, o weh, Von fremder Habe— man denke— Diverses im Damenkupee. Zwei fremde Schirme, zwei Stöcke Stiebitzte sie, ein§-zwei-drei, Und hielt sie zu Haus im Verstecke Und dachte sich nichts dabei. Ihr Diebstahl, der kam jetzunder VorS Forum drs Schöffengericht», Und, kaum zu glaubendes Wunder i Ihr Titel, der half ihr nichts I Man machte nicht viel Menkenke, So sehr sie sich krümmte und krocht Frau Oberstaatsanwalt Henke Muß volle zwei Wochen ins Loch. Da rede noch einer mir künftig Von Kasten- und Klassenjustiz! Es urteilt gerecht und vernünftig. Der preußische Richter, man sieht'S Zwar, wirkte noch Henke im Amte Und wär' er nicht tot wie'ne Mau»: Der Spruch, der die Witwe verdammte, Der fiele ganz anders wohl au»! e. k. Mich«!. Notizen. — Eine DrehsuS(s)-Affäre. In seiner Frankfurter Rede hat Genosse I a u r ö s das Proletariat mit dem Lichtgott Apollo verglichen, der auf einem im Dresdener Museum aufbewahrten antiken Dreifuß den Herakles überloältigt. Dem Korrespondenten des nationalistischen„Echo de Paris" ist nun das Malheur passiert, das Wcihgefäß auS dem heidnischen Tempel mit dem jüdischen Hauptmann von der Teufelsinscl zu verwechseln, und er berichtete seinem Blatte allen Ernstes, daß JaureS Apollo als„de n antiken D r e h f u S" htugestellr habe! Der vorwitzige Reporter glaubt sich dabei noch über unsere» Genossen lustig machen zn dürfen. Sei» komisches Mißverständnis erimiert an die Anekdote von dem polnischen Juden, der auf der Eisenbahn seine aus Venedig heimkehrenden Coupogenosjen vom Markusplatz sprechen hört und fragt:»Markus Platz— hat er nix ä Filiale in Lemberg?" fortern. EvenMs teilt Redner nicht die Auffassung des Referenten über die fruchtbringende Tätigkeit der Konserenzen der einzelnen LandeSteile. Wer als GewerbegerichtSbeisitzer eine fruchtbringende Tätigkeit ausüben wolle, müsse vor allen Dingen die Literatur studieren. Bei dem fortwährenden Personenwechsel in den Gewerbe- geeichten hätten die Konferenzen wenig Wert für die Allgemeinheit und seien noch verhältnismässig teuer. Wohl aber könne empfohlen werden, dass die Gewerkschaftskartelle sich der Sache mehr annehmen möchten. Auch bezüglich des Musterstatuts solle man die Er- Wartungen nicht zu hoch stellen und namentlich sei die mühevolle statistische Arbeit von nur geringem Wert. Statistiken hätten nur Wert bei Erreichung eines bestimmten Zweckes. Die nun einsetzende Diskussion war nicht sehr lebhaft. Teilweise wurden die Ausführungen des Genossen Schmidt unter- stützt, wogegen Starke und Holz die im Berichte des Vor« fitzenden Holz niedergelegten Anschauungen vertreten. Der Wunsch auf Verstärkung des Ausschusses wird von allen Rednern geteilt, während die Art der Besetzung bezw. die Verlegung nach Berlin einigen Widerspruch findet. Gewünscht wird die Herausgabe von kurzen und klaren Kommentaren zum G.-G.-G- Der Ue b e r n a h m e der Tätigkeit der Zentralkommission durch die so» zi a lp o li ti s ch e Abteilung der Generalkommission der Gewerkschaften wird allseitig zugestimmt. Nur etwa 10 Stimmen sind dagegen. Die Annahme des Antrages auf Verstärkung des Ausschusses erfolgt einstimmig. Der Antrag, die AuSschussmitglieder aus den Berliner Gewerkschaftskreisen zu entnehmen, wird mit 5S gegen b2 Stimmen abgelehnt. In der Nachmittagssitzung begründet Meyer» Fürth einen Antrag betreffend .Rechtssprechung über das ArbeitSzeugniS.� Redner zeigt an Beispielen, dass die Holzindustriellen-Organisation doduräh gesetzlich einwandfreie Abkehrscheine kennzeichnet, dass ihre Mitglieder nur solche Arbeiter einstellen, die Papiere mit der Ver- bandSfinna haben, während die ordnungsmässigen Entlassungs- Papiere von Einzelunternehmern eine sechswöchentliche Aussperrung bedeuten. Durch landgerichtliches Urteil find den Gekennzeichneten Entschädigungen zugesprochen. Eine lebhafte Diskussion entfesselt ein anderer Antrag Stettin« iv r a u n s ch w e i g, der sich mit der Aufrechnung bezw. mit dem angeblichen Zurückbehaltungsrecht befasst. Aus den Darlegungen geht hervor, dass noch vielerorts das ZurückbehaltungS- recht anerkannt wird, obwohl dem klare gesetzliche Be- stimmungen entgegen stehen. Da selbst hohe Gerichte, wie das OberlandeSgericht in Köln und der 8. Zivilsenat des Kammergerichts daS Zurückbehaltungsrecht zugebilligt haben, so stehen viele Juristen unter dem Einfluss dieser Erkenntnisse zum Schaden der Arbeiter. ES wurde allseitig dringend empfohlen, streng auf die Wahrung der Rechte der Arbeiter zu achten. Dann wurde noch das Wahlresultat für den AuSschuh bekannt gegeben. Der bisherige Vertreter Starke wurde mit grosser Mehr« heit<109 Stimmen) wiedergewählt. Als eventl. zweiter Vertreter wurd Holz» Dresden und als Ersatzmann K ö r st e n« Berlin ge« wählt. Stimmt der Verband der Verstärkung des Ausschusses nicht zu, dann gilt Holz als Vertreter von Starke. Morgen wird die Tagung fortgesetzt. 5. Kerblttldstag des Nerbmidrs der Knch- und Stein- drnckerei-Hjlfsnrbtiter n. Arbeiterinnen Dentschlands. Bremen, IS. Septembep. 2. Berhanblungstag. Das Resultat der Beratung der Tarifbewegung bildet die Annahme einer von der Referentin, Frau Thiede, empfohlenen Resolution, in der gesagt wird: „Der VerbandStag hält den weiteren Ausbau unserer Tarif. gemeinschaft für eine Notwendigkeit. Die gesammelten Ersah» runaen während der ersten Tarisperwd« sollen dazu dienen, teil. weise neue, den Verhältnissen entsprechende Vorschläge auszu« arbeiten und diese der Prinzipalsvereinigung zur geeigneten Zeit zu übersenden. Als wichtigste Aufgaben dafür gelten: 1. Die Verbesserung der Lohnverhaltnisse. 2. Die eingehende Revision der„All- gemeinen Bestimmungen". 3. Die Verpflichtung der Prinzipals- Vereinigungen aller Städte(des Deutschen BuchdruckervereinS), mit uns in Tarifverhandlungen einzutreten, wenn die Vorbe« dingungen, die das Tarisamt am 19. Januar 1910 aufstellte, er- füllt sind. Eine allgemeine Statistik über Löhne, Arbeitszeit usw. tmrd Anfang 1911 aufgenommen; die da gewonnenen Zcchlen sollen als Grundlage zur Tarifrevision gelten. Die Tarifstädte werden be. auftragt ihre Abänderungsanträge zu den„Allgemeinen Bestim» mungen beim Verbandsvorstand einzureichen, der dies« mit seinen Anträgen zusammenstellt und die daraus geschaffene Vor- tage einer Gauletterkonferenz zur Beratung und B-schlutzfassung unterbreitet. Die Gauleiterlonferenz wählt aus ihrer Mitte die zur Tarifverhandlung beauftragten Kollogen und Kolleginnen. Von den Buchdruckergehilfen erwarten wir, dass sie aus ihrer Generalversammlung 1911 und bei der späteren Tarifrevifton die Solidaritätsklausel dahin erweitern, dass bei Tarifbcwegungen des Hilfspersonals, die unter Beachtung der Satzungen und Kün- digungß fristen erfolgen, den tariftreuen Gehilfen nicht zugemutet werden ims. weder mit geübten noch ungeübten Hilfsarbeitern und»Arbeiterinnen zu arbeiten." Ueber die Punkte„Unsere Taktik bei Lohnbewegungen in Stein. brnckereien" und„Unsere Stellung zu den anderen graphischen Be- rufen"— die ebenfalls in geschlossener Sitzung behandelt werden— referierte auch Frau T h ,e d e- Berlin. Zum ersten Punkt legte sie folgende Resolution vor:..... „Der VerbandStag erachtet es als eine Notwendigkeit, wo irgend möglich, die Lohn, und Arbeitsbedingungen unserer Kol- legen und Kolleginnen des Steiudruckgewerbes durch Tarife zu rcgelu. Wo den gemeinsamen Tarifabschlüssen mit dem Buch- druckerpersonal, den Orts- oder Druckereitarisen, durch die Prm. zipale Hindernässe bereitet werden oder solche Abschlüsse unmöglich sind, soll mit aller Entschiedenheit durch geeignete Matznahmen eine Verbesserung der Lohn, und Arbeitsbedingungen angestrebt werden. Bei der vom Schutzvecband geübten Taktik wird da besonders wirksam ein gemeinsames Vorgehen mit den Stein- druckgehilfen und Buchbindern empfohlen." Die zum zweiten Punkt unterbreitete Resolution hat diesen Wortlaut:.., „Der graphische Jnd u strreverband wird als die beste und vollkommenste Organisationsform anerkannt. Bis zur Erreichung dieses Zieles empfiehlt der Verbandstag, an möglichst allen Orten Deutschlands graphische Kartelle zu errichten, die stch aus Delegierten aller graphischen Berufe zusammensetzen. Es wird als praktisch anerkannt, daß die graphischen Zentral- vorstände in Berlin in gemeinsamer Sitzung Satzungen aufstellen, die bei Soltdaritätsbekundungen als Grundlage dienen, wobei der Grundsatz aufgestellt werden mutz, wo irgend möglich, gemein» same Lohnbewegungen einzuleiten. Wo gemeinsames Vorgehen aus irgend welchen Gründen nicht möglich ist, kann nur dann Solidarität geübt werden, wenn vor der Bewegung eine gemein- kam« Beratung stattgefunden hat." Beide Punkte, die zusammen erörtert wurden, riefen eine vinger« Debatte hervor. Der Vertreter des Buchdruckerverbandes, Grassmann- Berlin, erklärte, dass sein Verband keinen Vorteil in der Schaffung eines Jndustrieverbandes erblickt. Die übrigen in Betracht kommenden Verbände— Lithographen und Stelndrucker and Buchbinder— stehen der Verschmelzung sehr sympathisch gegenüber und ihre Vertreter geben diesbezügliche Erklärungen ab. Die vorgelegten Resolutionen finden einstimmige Annahme. Der zweiten wurde anzesuzt, daß zur Förderung und Erteilung von Direktiven zwecks Gründung graphischer Kartell« versucht werten soll, ein graphisches Zentralkartell zu errichten. Dann wurde in die Statutenberatung eingetreten, die morgen sortgesetzt wird._ Jim Induftne und ftandel Schmieröl. Personen, die durch Geburt oder Staatsstellungen, die sie bisher inne hatten, Einfluss nach„oben" haben, denen die Geheimtüren in den Ministerien offen stehen, wurden schon immer gern als Re- Präsentanten von industriellen und anderen ErwerbSunternehmen engagiert. In Erinnerung ist noch, wie die Kartellenquete Personen ins Jndustrielager abjchweuken liess, die vorher gute RegierungS- kräfte gewesen waren. Unternehmungen wie Krupp, Allgemeine Elektrizitälsgesellschaft, Deutsche Bank, Grosse Berliner Strassenbahn- gesellschaft und viele andere versorgen sich schon oft mit„unbrauch- bar" gewordenen Regierungskrästen. An eine kleine niedliche Episode dieser Art, die Zeuge ist von einer guten Verbindung der Regierung mit dem amerikanischen Oeltrust, er- innert jetzt die Fachzeitschrift„Petroleum". Zu der Zeit, als Herr Budde für das Eisenbahngeschäst der Deutschen Vakuum Oil Compagnie— einer Tochtergründung deS OiltnisteS— noch von ausschlaggebender Bedeutung war, wurde eines TageS sein Neffe bei der Deutschen Vakuum Oil Gesellschaft untergebracht. Wie der Trust im einzelnen arbeitet und sicher nicht nur„in anderen Ländern". daS zeigt der Abschluss der amt- lichen Untersuchungen gegen die dänische Tochter» gesellschaft der Amerikaner wegen grandioser „Schmieröl"affSren, die sich innerhalb der dänischen Marine abgespielt haben. Da sind durch diese Gesellschaft monatelang die Maschinisten einzelner Torpedoboote und anderer Marineschiffe ständig freigehalten worden, damit sie daS Standardschmieröl nicht unangenehm finden, und für seine Ein» führung sprechen, trotzdem eS teurer verkauft wurde als daS Pro» bukt anderer Firmen. Auch wurde ermittelt, dass bestimmte Oel» sorten unter verschiedenen Namen zu den verschiedensten Preisen ver- kaust worden waren. Für die„Rückgabe" der leeren Schmieröl» fässer wurden schon bei der Lieferung deS OeleS so anständige Preise gezahlt, dass einzelne Personen damit ansehnliche Neben- einkommen erzielten. Einmal hatte eine Konkurrenzgesellschaft in einem dänischen Hafen alle Marinemaschinisten zu einem Festmahle eingeladen, die Tochtergesellschaft der Amerikaner veranstaltete schnell am gleichen Tage im gleichen Hotel ebenfalls«w noch opulenteres Festmahl. Die amtlichen Schilderungen darüber, wie die Meinungen über die Güte der zwei Oelsorten bei) jenen Festmählern „geschwankt" haben, liest stch wie ein Roman. Ein höherer Beamter, der die„bessere Qualität' der amerikanischen Oele nicht anerkennen wollte, erhielt er in einem Firmenbrief» Umschlag eine ö00 Kronennote. Dazu kommt noch, dass die ameri- konische Tochtergesellschaft stch Jahre hindurch trotz der guten Einnahmen aus den Marinelieferungen von der Besteuerung dadurch zu drücken wusste, dass fie stch einfach vom Muttergeschäst über das ge- lieferte Oel so hohe Fakturen schicken liess, daß kein Neingewinn verblieb. Am interessantesten ist mm, was die Zeitschrift.Petroleum' über die deutschen Verhältnisse sagt. Es wird an euer Stelle gefragt; warum es die Hamburg-Amerika-Linie nicht wagt, ihre Maschinisten genauer nach.Instruktionen" zu fragen, die sie zur Verwendung deS OeleS der Deutschen Vakuum Oil Compagnie erhatten haben und noch ständig erhalten._ Zuckerdividende. Die Zuckerfabrik Kujavien in Amsee beglückt in diesem Jahre die Aktionäre mit einer Dividende von 39 Proz., im Vorjahre erhielten die„Papierarbeiter" 30 Proz. Da« Attien- kapital beträgt 1 Million, der diesjährige Ueberschuss nicht weniger als 508 782 M., im Vorjahre 403 889 M. Ein KonknrSantrag, der wegen der Person deS Schuldners einiges Aufsehen erregt, beschäftig: die Oeffenllichkeit. Ein Sohn de« bekannten rheinischen Grossinduslriellen Thyssen, der mit der Nieder- deutschen Bank in Verbindung stand, ist durch deren Fallissement in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Die Vereinigte Stein-, Zement- und Mörtelwerke-Aktien-Gesellschaft beruft nun eine General- Versammlung, deren Tagesordnung auch folgenden Punkt enthält: Beschlussfossung über den sofortigen Weitergang der Wechselklage gegen Herrn August Thyssen jun. und Dr. Borchardt bezw. darüber, über das Vermögen dieser Schuldner der Gesellschaft den Konkurs zu beantragen.— Thyssen jun. ist ein bekannter Berliner Lebemann; mit seinem Vater hat er stch entzweit. Er scheint einer von den kleinen Söhnen grosser Väter zu sein. BaumwollernteauSsichten in Rußland. Nach zwei ungünstigen Ernten war die letzte vom Jahre 1909 recht günstig. Wie die Ernte deS Jahres 1909, so war auch da« Preisniveau in der Kampagne 1909/10 genügend hoch, um der arbeitsamen Bevölkerung von Turkestan die in den vorhergegangenen beiden weniger guten Ernte- jähren erlittenen Ausfäll« in der Produktion zum Teil zu ersetzen. Im Frühling 1909 hatte die Bevölkerung ZentralastenS ihre letzten Kräfte ausgeboten, um die recht günstigen klimatischen Beding»ngen aus- zunutzen. Diese Anstrengung ist von einem so bedeuleuden Erfolg gekrönt worden, dass es den turtestanischen Baumwollpflanzern gelungen ist, ihre Verschuldung bei den Handelsfirmen stark zu reduzieren. Das Interesse für die Baumwollkultur des JahreS 1910 ist gesteigert worden, weil die vorjährige Ernte bis 90 Proz. Baumwolle erster Sorte aufzuweisen� hatte, was bei den hohen Baumwollpreisen auch eine Vergrösserung der Saatfläche zur Folge hatte. Was nun die klimatischen Bedingungen der neuen Ernte anlangt, so lässt sich gegen das Jahr 1909 ein Unterschied konstatieren. Ab- gesehen davon, dass der Eintritt des FrühlingSwetterS in Zentralasien sich in diesem Jahre verspätet hat, war eS im März ziemlich kalt. Damm haben heuer die Feldarbeiten später begonnen als im vorigen Jahre, wobei die Arbeiten dann auch noch durch Regen auf- gehalten wurden. Glücklicherweise ist aber die Verzögerung in der EntWickelung deS BaumwollstandeS in Zentralasien nicht gross; sie kann durch güilstige Witterungsbedingungen wieder gut gemacht werden._ Sozialem Der 2, Deutsche Jugendgerichtstag, eine Veranstaltung der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, wird auf Einladung deS Magistrats zu München in der Zeit vom 29. September bis 1. Oktober 1910 tu der bayerischen Hauptstadt abgehalten werden. Ausser beteiligten und interessierten Behörden, Vereinen und Privatpersonen Deutschlands werden auch Oesterreich» die Schweiz und England vertreten sein. Eine Uebcrficht über den Stand der Jugendgerichtsbewegung in Deutschland, Oesterreich, England und der Schweiz durch Amtsgerichtsrat Dr. Köhne-Berlin, Oberlandesgerichtsrat Dr. Karl Warhanek-Wien, OberamtSgerichtS» rat Dr. Friedeberg-Weihensee, Professor Dr. Hafter-Zürich bildet den ersten Programmpunkt. Die BorschlSge der Entwürfe der Straf- Prozeßordnung und deö Strafgesetzbuches betr. die Jugendlichen werden unter dem zweiten Programmpunkt durch Amtsgerichts» Präsident Dr. Becker-Dresden und Professor Dr. Kitzinger-München erörtert werden.— Die Mitwirkung der Staatsanwaltschaft(Re- gierungsrat Dr. Lindenau-Berlin und Staatsanwalt Rupprecht- München)— die Fragen der Abgrenzung zwischen Strafe und Er- zichungsmaßnahmen(OberamtSrichter Perl-München und Staatsanwalt Dr. Wulffen-DreSden)— und das Zusammenwirken sozialer Organisationen(JugendgerichtShilfe) mit den Organen de? Staates (Staatsanwaltschaft und Richter) gegen die Verwahrlosung der Jugend(Staatsanwalt Dr. Stahlknecht- Bremen und Rechtsrat Grieser-München) sind die weiteren Verhandlungsgegenstände.— Meldungen zur Teilnahme werden an die Geschäftsstelle der Deutschen Zentrale für Jugendfürsorge, Berlin C. 19, Wallstr. 89, baldmöglichst erbeten. Wohnungsanmeldungen(mit Preisangabc) nimmt das Mitglied des Münchener Ortsausschusses, Frau Dr. Christine List, München, Türkenstr. 98, entgegen. Aerzte und Reichsversicherungsordnung. Im„Versicherungsboten" wendet sich Geheimrat Düttmann gegen die Art und Weife,>n der von den Aerzteorganisationen gegen die ReichSversicherungsovdnung vorgegangen wird. Die führenden El-mente im Aerzteverband hätten einen geradezu un- begreiflichen Mangel an Verständnis für Staat und Recht an den Tag gelegt. Demgegenüber mühten sich die ruhigen Elemente im Aerztcstand überzeugen, dass sie sich nicht noch länger durch untätiges Zuschauen als die mit allen Handlungen ihrer Vertreter übereinstimmende Gefolgschaft hinstellen lassen dürfen. Es müsse den Aerzten doch endlich klar werden, dass sie durch ihr Vorgehen längst alle Sympathien verscherzt haben, dass ausserhalb ihrar eigenen Kreise niemand, der die Sachlage überschaut und sich nicht von den einseitigen Darstellungen aus Aerztekreiscn irreführen lässt, geneigt ist, ihre überspannten Forderungen als berechtigt an- zuerkennen, vielmehr die gesamte Bevölkerung ihnen ablehnend gegenübersteht. Gelange diese Einsicht zum Durchbruch, und dürfe man mit dem ehrlichen Willen des überwiegenden Teiles der Aerzte» schast rechnen, die gesetzlichen Vorschriften zu achten, so sei es wesentlich leichter, im Gesetz eine Fassung zu finden, welche für die Aerzte selbst annehmbar ist, ohne die berechtigten Interessen der Versicherten und der übrigen Beteiligten zu gefährden, als gegen» wärttg, wo jedes den Aerzten zugesprochene Recht zu einer Waffe zu werden droht, die inissbräuchlich angewendet die Krankender- sicherung bis zur Vernichtung schädigen kann. Andernfalls würden sich die Aerzte nicht beklagen dürfen, wenn ihnen Misstrauen ent- gegengebracht wird, das Bestimmungen diktiert, die sie später schwer empfinden. Möchten die Aerzte rechtzeitig einsehen, dass, soweit auch die Mackft des Aerzteverbandes reicht, diese doch nicht gcvügt, um dem gesamten deutschen Volke, das durch Regierung und Reichs» tag vertreten wird, seinen Willen aufzuzwingen. In einem solchen Streite müsse der Aerzteverband notwendig den kürzeren ziehen, und der Kampf würde leicht bis zu seiner völligen Vernichtung führen, nicht aber, wie das Organ foeS Aerzteverbandes glauben machen will, zu einem Zusammenbruch der Arbeitervcrsicherung. Kruppsche Arbeiterfürsorge. Die Firma Krupp, deren Arbeiterfürsorge immer wieder von der bürgerlichen Presse über den Schellenkönig gelobt wird, versteht es nicht nur ausgezeichnet, aus den Knochen ihrer Arbeiter un» geheure Summen Mehrwert herauszuschlagen und dem Staat durch ihre Monopolstellung bei der Lieferung von Mordwaffen und Panzerplattenmaterial zur Ader zu lassen, sondern sie versteht eS auch noch, die Unfallrente der in ihren Betrieben verunglückten Arbeiter indirekt in ihre Taschen zu stecken. Arbeiter, die einen kleinen Unfall erlitten, bei dem sie aber nach ihrer Heilung ihre alte Arbeit wieder aufnehmen können, und denen von den Berufs- genossenschaften eine Rente zugesprochen wird, werden in ihrem Lohne um den Betrag der Rente und noch mehr gekürzt. Zugleich mit der Mitteilung, dass die Rente festgesetzt ist, bekommen die armen Arbeiter ohne weiteres auch den Lohnabzug. Der Arbeiter hat die Gefahr, die Schmerzen, die Lohneinbusse gehabt und mutz dann zusehen, dass die Firma Krupp die eigentliche Renten- empfängerin ist. Trotzdem der Arbeiter unter oft übermenschlicher Anstrengung dieselbe Arbeit leistet wie sonst, kommt es aber auch der Firma gar.nicht darauf an, noch mehr vom Lohne abzuziehen, als die Rente beträgt. So mutete man vor kurzem einem Arbeiter wieder zu, für 3,80 M. pro Tag zu arbeiten, während er vor dem Unfall, der nur durch die Fahrlässigkeit der Firma entstanden ist, 5,80 M. verdient hatte. Einem anderen Arbeiter, dessen Rente 30 Pf. pro Tag beträgt, wurde der Lohn um 05 Pf. pro Tag ge- kürzt. So könnte man diese Liste bis ins Unendliche weiterführen. Sogar an dem Schmerzensgeld armer, durch die Schuld der Firma verunglückter Arbeiter bereichert sich die Wohltätigkeitsfirma Krupp versuchte Tarifumgehung. Einer jener Unternehmer, die da glauben, sich an tarifliche Ab» machungen nicht halten zu brauchen, ist der Töpfermeister Paul Damm. Zwei Töpfergesellen klagten am Dienstag gegen ihn beim JnnungSschiedsgericht auf Zahlung von 12, M M. bezw. 5,10 M. Akkordlohn. Der Beklagte begehrte Abweisung der Klagen, da er über die Bezahlung der in Rede stehenden Arbetten mit den Klägern besondere Vereinbarungen getroffen hätte und der darnach derein- harte Lohn den Klägern gezahlt ist. Das Schiedsgericht verwarf diese Einrede und verurteilte den Beklagten, weil der Tarif den Ar- bcitgebern die Verpflichtung auferlege, nur zu Tarifsätzen au entlohnen und andere Abmachungen ausdrücklich für nichtig erklärt HU9 der frauenbewegung. Sachverständige, aber nicht Richter. Angst, Dummheit, Brotneid. daS sind die Triebkräfte bei dem Widerstande gegen das Frauenwahlrecht. Grotesk komische, für unsere Machtprotzen aber blamable Situationen und Tatsachen sind erklärlicherweise daS Resultat. Wir hatten in Deutschland nach der letzten Berufszählung, einschliesslich der weiblichen Dienstboten, schon 9% Millionen erwerbender Frauen. Ohne die weiblichen Arbeiter könnte unser WirtschaftS» und ProduktionSapparat nicht mehr funktionieren. Aber die hochweise, um ihr Prestige besorgte Männerherrschast verweigert den Frauen sogar noch daS passive Wahlrecht zu den Gcwerbegerichten. sowie daS aktive und passive Wahlrecht zu den Kaufmannsgerichten. Mit diesen beiden Tat- fachen beschäftigt sich u. a. auch Frau Dr. E. Altmcmn-Gottheiner in einer kleinen Broschüre über„das Wahlrecht der Frau zu den beruflichen Interessenvertretungen". Zu welchen unsinnigen Situationen der Ausschluss der Frauen bei den Gewerbegerichten führt, schildert die Verfasserin folgendermassen: „Wie stark die Gewerbegerichte von Frauen benutzt werden, geht daraus hervor, dass in einem einzigen Jahr«— dem Jahr 1900— beim Berliner Gewerbegericht mehr als 2000 Klagen von Arbeiterinnen auS der Wäsche- und Konfekttonsbranche allein cm- hängig gemacht wurden. Und bei Klagen über die mangelhafte Ausführung einer eleganten Tomentoilette, über die schlechte Nach- ahmung eines Pariser HutmodelleS sitzen heute vielleicht ein Schreinermeister und ein GaSarbeiter zu Gericht. Frauen, deren Urteil in diesen Dingen doch in erster Linie massgebend ist, können nur als Sachverständige zugezogen werden. Das Urteil wird sich, wenn es sachverständig sein soll, ihrem Entscheid anschliessen müssen. Warum lässt man da den Sachverständigenapparat erst spielen und ruft die Frauen nicht lieber gleich an den Richtertisch? Diese Frage wird wohl manchem auf den Lippen schweben. DaS wäre ja aber ein Bruch mit dem hergebrachten Prinzip und eh« man sich dazu entschlietzt, macht man lieber die unbequemsten Um, Wege." Zu den rückständigsten Elementen gehören die Stehkragen» Proletarier im Handelsgewerbe. Unter dem äusseren Schein des repräsentablen Auftretens verbirgt sich oft grauenvolles soziales Elend. Um dem blöden Kastengeist und lächerlichem Standesdünkel frönen zu können, verzichten die„Kaufleute" häufig genug auf zureichende Ernährung. Aber der Brotneid lässt bei den tapferen deutschen Jünglingen alles StandeSbcwutztsein Und allen Kasten» stolz zum Teufel gehe»», sobald sie an die Konkurrenz der weiblichen SrbeitStrast denken. Dann i?« vorbei mit dem erhabenen fühl, mehr zu sein als der Proletarier. Was diese aus Gerechtig- keit und politischer Klugheit fordern— die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts—, das bekämpfen die männlichen Hand- lungsgehilfen hurrapatriotischer Richtung als die größte Gefahr. Obwohl die Zahl der weiblichen Handelsangestellten nach der letzten Berufszählung 174 000 betrug, bei 308 000 männlichen Angestellten, entblödete der Hamburger bSer Verein der Kaufleute sich nicht, dem Reichstage eine Resolution zugehen zu lasten, in der er folgendes Angstgestöhne vernehmen ließ:„Da infolge der Beteiligung der Frauen an den Beisitzerwahlen das für die Handlungsgehilfen schädliche Eindringen weiblicher Angestellter in die kaufmännischen Betriebs noch eine weitere Förderung erfahren und die Gegensätze zwischen männlichen und weiblichen Angestellten verschärfen würde, so beantragen wir....."— Ganz richtig bemerkt dazu Frau Dr. Altmann-Gottheiner:„Ein Kommentar zu diesen Worten ist eigentlich überflüssig. AuS ihnen spricht nicht einmal der Wunsch, den alten Besitzstand des männlichen Geschlechts festzuhalten, sondern der reine offenkundige Brotneid." Den weiblichen Ange- stellten im Handelsgewerbe kann nur dringend empfohlen werden, sich dem Zentralverbande der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen anzuschließen. Hier finden sie die grundsätzliche Anerkennung uNd praktische Vertretung ihrer den männlichen Angestellten gleichen Interessen._ Kaiserreden und Frauenbewegung. In Rixdorf beschäftigten sich am 13. September 4 öffentliche Frauenversammlungen mit dem Thema:„Kaiserreden— Frauenbewegung". Die Versammlungen waren ungewöhnlich stark von Frauen besucht. Die Tische waren aus den Lokalen entfernt worden, viele Zuhörer mußten sich mit Stehplätzen begnügen. Im großen Saal bei Hoppe referierte in zündender Weise die Genossin Friedländer. Ihr sekundierte in der Diskussion die Genossin Baader. Bei Felsch sprach die Ge- nossin Zietz. Bei Wolf sprach Genossin Böhm» Schuch, im Feld- schlößchen Genossin Lungwitz. Die Aeußerungen der Frauen nach der Versammlung ließen erkennen, welchen gewaltigen Eindruck die Ausführungen der Rednerinnen auf die Versammelten gemacht hatten, wie sehr es die Rednerinnen verstanden, das auszusprechen, Inas die Herzen der Zuhörer bedrückt und belastet. So gestalteten sich die Versammlungen zu einer trefflichen Antwort auf die Rede des Kaisers in Königsberg. 123 Frauen ließen sich in den Wahl- verein aufnehmen. Ein schöner Erfolg— der Kaiserrode. Gerichte- Zeitung. Di« Straßenordnung gegen Streikposten. Weil er in der Ackerstraße auf der Granitbahn gestanden und der Aufforderung eines Schutzmannes, sich zu entfernen, nicht Folge geleistet haben soll, deshalb hatte die Polizei den Schmied Thiede mit einem auf sechs Mark lautenden Strafbefehl bedacht. Ueber diesen hatte gestern da« Schöffengericht zu entscheiden. E» ist die alte Geschichte: Streikpostenstehen ist erlaubt. wenn aber ein Schutzmann den Streikposten als Verkehrshindernis ansieht und seine Entfernung verlangt, dann ist eS mit dem Recht des StreikpostenstehenS vorbei. Der hier in Rede stehende Vorgang hat sich nach den vor Gericht gepflogenen Erörterungen so abgespielt. Vor einem Hause in der Ackerstraße, wo sich die Werkstatt des Schmiedemeister« Bielefeld befindet, hielten sich ganz kurze Zeit vier streikende Schmiede auf. Als sie der Meister erblickte, schickte er zur Polizei, ein Schutzmann erschien. der, wie er vor Gericht sagte, zum Schutz der Arbeitswilligen kom- mandiert war. Daß sich in der Ackerstraße eine Gruppe von vier Personen aus dem Bürgersteige bewegt, vielleicht auch gelegentlich stehen bleibt, wird keine Seltenheit sein und niemand wird daran denken, eine solche Gruppe als ein Verkehrshindernis anzusehen. Aber diese Personen waren eben Streikende, welche die Werkstatt eines bestreikten Meisters beobachten wollten. Natürlich erschienen fie dem Schutzmann als ein Hindernis des Verkehrs und wurden fortgewiesen. Die Streikenden machten Bemerkungen darüber, daß man fie anscheinend unter polizeiliche Aufsicht gestellt habe und gingen langsam weiter, blieben aber ab und zu einen Augenblick stehen und wurden dann erneut zum Weitergehen aufgefordert. Schließlich holte der Schutzmann sich noch einen Kollegen zu Hilfe. Jeder nahm zwei der Streikenden fest und brachte sie zur Wache. Einer der Sistierten ist der Angeklagte Thiede. Er behauptet, daß er gar nicht zu der Gruppe gehörte, die sich aus dem Bürgersteige bewegte beziehungsweise dort gestanden haben soll. Er sei eben, als sich der Vorgang auf der Straße abspielte, auS einem Schanklokal herausgetreten, und noch auf den Stufen im Eingange stehend, von den Schutzleuten, die bereits drei Mann fest- genommen hatten, als vierter mitgenommen worden, er habe also die ihm zur Last gelegte Handlung gar nicht begangen. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Lesser, beantragte, zum Beweise für die Angaben des Angeklagten die anderen drei Schmiede, welche bei jener Gelegenheit sistiert und ebenfalls mit Strafmandaten bedacht worden sind, als Zeugen zu laden. — Vorher hatten zwei Schutzleute mit der verblüffenden Bestimmt- heit, welche fast alle Aussagen von Polizeibeamten auszeichnet, an- gegeben, daß sie den AngeNagten ohne Zweifel als einen derjenigen wiedererkennen, die auf der Granitbahn gestanden haben usw. Das Gericht erklärte die Aussagen der Schutzleute für durch- auS glaubwürdig und lehnte den Antrag des Ver- t e i d i g e r S ab mit der Begründung: die benannten Zeugen feien als Mittäter anzusehen. Sie könnten deshalb nicht vereidet werden. Uneidliche Aussagen aber könnten daS eidliche Zeugnis der Schutz- leute nicht erschüttern.— Der Angeklagte wurde zu einer Geldstrafe von sechs Mark verurteilt. Das Verfahren widerspricht von Anfang bis zu Ende dem klaren Recht. Die Sistierung der Streikenden verletzte trotz der be- kannten Kammergerichtsentscheidung, nach der des Schutzmanns Majestät über dem Prüfungsrecht des Richters stehe. Recht und Gesetz. Offensichtlich sind— die Angaben der Schutzleute als der Wahrheit entsprechend unterstellt— die Streikenden nicht sistiert, weil ihre Anwesenheit den Verkehr hinderte, sondern weil sie streikten. Da« Borgehen steht in klarem Widerspruch zum gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrecht. Auch da? richterliche Verfahren, die Ab- lehnung des BewciSantrageS, steht mit den Forderungen deö Rechts und des Gesetzes in flagrantem Widerspruch. Die Annahme, noch nicht gehörte Zeugen, seien Mittäter und müßten uneidlich ver- nommen werden, zeigt den hohen Grad der Befangenheit der Richter. Nicht minder falsch ist die Annahme, eidliche Aussagen könnten durch uneidliche nicht erschüttert werden. Nicht das Ver- halten des Angeklagten sondern das der Schutzleute und der Richter steht also mit dem Gesetz in Widerspruch. Dennoch ist der An- geklagte verurteilt. Er ist für schuldig befunden nicht weil er eine strafbare Handlung begangen hat, sondern auS seiner gesetz- mäßigen Handlung ist eine strafbare gemacht, weil er Streikender war. Unter der Anklage de» fahrläffigen Meineides mußten sich gestern der KreisauSschußsekretär Hiera- nymus Nowald und der Bureauassi st ent Otto Krause vor der zweiten Ferienstrafkammer des Landgerichts II verantworten. Dieser Anklage liegt folgende Vorgeschichte zugrunde: Beide Angeklagte sind in dem Kreiskrankenhaus Britz angestellt und haben hier die BerwalwngSgeschäfte zu erledigen. Im Oktober v. I. traten bekde als Kläger tn einem DeleidigungSprozeß gegen den Sargfabrikanten Kühl vor dem Schöffengericht in Rixdorf auf. Kühl hatte behauptet, daß die beiden jetzigen Angeklagten ihre amtliche Stellung dazu benutzten, um mit dem Sarg« Händler Schadow Durchstechereien und ProvisionS- g e f ch ä f t e zu betreiben, indem sie den Angehörigen der im Kranken- Hause verstorbenen Patienten den Sarghändler Schadow empfahlen und dann von diesem dafür Provisionen erhielten. Dieser Prozeß endete mit der Freisprechung des Beklagten Kühl. Die beiden Angeklagten, die als Zeugen eidlich vernommen worden waren, sagten u. a. aus, daß sie nur dann den Sargdändler Schadow empfohlen hätten, wenn die Leidtragenden mit einem diesbezüglichen Ansuchen an sie herangetreten wären. Eine Provision hätten sie auch nie von Schadow erhalten.— Diese Angabe soll nach Behauptung der jetzigen Anklage falsch sein. Auf die Anzeige des Kühl hin wurden etwa 20 Zeugen in dem Vorverfahren vernommen, die aber sämtlich nicht recht mit der Sprache herauswollten. AIS Haupt- belastungSzeuge trat der Leichenträger Grunwald auf, der zehn Jahre in dem Krankenhause angestellt, dann aber von dem Angeklagten Nowald entlassen worden war. Von diesem Zeugen behauptete» wiederum die Angeklagten, daß er mit dem Sarghändler Kühl unter einer Decke gesteckt habe. Grunwald habe, sobald jemand im Krankenhause gestorben war, dies dem Kühl in der Weise mitgeteilt, daß er einen Zettel mit dem Namen der Angehörigen an bestimmter Stelle unter einen Stein gelegt habe, wo ihn Kühl in Empfang nahm und schleunigst den Leidtragenden Offerte machte. In der gestrigen Verhandlung bestritt Grunwald erst die Richtigkeit der Be- hauprung, mutzt« dann auf eindringlichen Vorhalt des Vorsitzenden die„Möglichkeit." zugeben. Dieser eigenartige Belastungszeuge be- kündete unter andcrem, daß Nowald den Sarghändler Schadow stet« von dem Ableben eines Krankeubousinsasien telephonisch verständigt habe. Ein anderer fast tauber Zeuge bekundete, daß ihn der Angeklagte Krause gefragt habe, weshalb er den Sarg nicht bei Schadow bestellt habe, der viel billiger wie Kühl sei. Der Vertreter der Anklagebehörde hielt die Angeklagten nach dem Ergebnis der übrigen Beweisausnahme des fahrlässigen Meineids für überführt und beantragte eine Gefängnis st raf-e von je sechs Monaten. Das Gericht hielt die vorhandenen Belastung«- momenle zu einer Verurteilung nicht für ausreichend und erkannte auf Freisprechung._ Die Polizei gegen Tanzlupbarkeit. Acht Wochen Gefängnis und 120 Mark Geldstrafe find vom Schöffengericht Brieg aus Anlaß eines Tanzes am 1. Mai verhängt worden. Je 30 Mark Geldstrafe haben die Genossen Rqchlieki. P o l l a k und der Gastwirt T s ch i r n e r erhalten, weil sie eine Tanzlustbarkeit ohne polizeiliche Genehmigung abhielten. T s ch i r n e r, weil er Gäste nach 12 Uhr in seinem Lokal duldete, hatte dafür extra 80 Mark zudikuert erhalten. Pollak, weil er einem Polizisten die Räumlichkeiten verbot und ihm die Hände vor« hielt, ohne ihn anzufassen, erhielt wegen— Beamten- beleidigung sechs Wochen Gefängnis und K o k o t t, weil er während einer Rede die Worte sagte:»Wenn die Polizei kommt, fliegt sie rausl" erhielt zwei Wochen Gefängnis wegen Beleidigung der Polizeiverwaltung. Selbstverständlich wird gegen da« schlesische Urteil Berufung ein- gelegt werden._ Hue aller Alelt. explofionehatartrophe cles LuftTchiffes„Z. 6". Die grandiose Erfindung des Grafen Zeppelin wird andauernd von schwerem Mißgeschick verfolgt. Verschiedene Male schon mußte der greise Erfinder den vollständigen Ver- lust kaum fertig montierter Lenkballons beklagen. Auch gestern wieder ist ein Lenkballon des vom Grafen Zeppelin vertretenen starren Systems, der in Oos in Baden stationierte „Z. 6", durch eine Explosion vollständig vernichtet worden. Bedauerlicherweise erlitten dabei auch fünf Arbeiter der Be- sotzung erhebliche Verletzungen. Im Gegensatz zu den son- stigen Verlusten der Zeppelin-Luftschifse fand diesmal die Zerstörung des Luftschisfes in der Ballonhalle statt. Ueber die Katastrophe selbst melden uns Telegramme folgende Einzelheiten: Oos(Baden), 14. September. Infolge einer Explosion in der hinteren Gondel deö L. Z. 0 fing die Umhüllung des Luftschiffes Feuer. Die Explosion entstand um Uhr nachmittags, als das Luftschiff in der Ballonhall« einer Reparatur unterzogen wurde. Das Luftschiff war innerhalb weniger Minuten völlig vernichtet. Das Dach der Halle hatte ebenfalls Feuer gefangen, das aber ge- löscht werden konnte. Fünf Mann der Besatzung erlitten zum Teil schwere Berietzungen. Einem Mann verbrannten die Kleider anf dem Leibe. Oos(Baden), 14. September. Von der Führung des Luft- fchiffes L. Z. 0 wird mitgeteilt: Das Feuer entstand in der hinteren Gondel, wo Leute damit beschäftigt waren, mit Benzin, daS sich naturgemäß in offenen Gefäßen befand, das Getriebe zu reinigen. Dies Benzin fing aus bisher noch unbekannter Uv- fache Feuer; die Flammen schlugen hoch empor und erfaßten trotz aller Löschversuche das Luftschiff selbst. DaS Gas begann zu brennen, und das Feuer breitete sich über daS ganz« Luftschiff auS, das in etwa 10 Minuten langsam niederbrannte. Hülle und Gaszellen sind völlig»erstört, ebenso daS Gerippe; ledig- lich die Motore sind unversehrt geblieben. Der Lenkballon hatte am Mittwoch nachmittag eine Fahrt nach Heikbronn unternommen, mußte aber unterwegs umkehren, da sich ein Defekt am Motor bemerkbar machte. Nach Unter- bringung in der Hall« sollte der Motor einer Reparatur unte» zogen werden. Der Motor der hinteren Gondel wurde angelassen und hierbei flog ein Funke in einen trockenen Benzinbehälter. Da. durch entstand die Explosion. Auf dem Platz vor der Halle hatte sich bald eine riesige Menschenmenge eingefunden und die Eisenbahnzüge bringen immer noch große Scharen Neugieriger, welche den Schauplatz der Katastrophe in Augew schein nehmen wollen. DaS zerstörte Luftschiff befand sich im Besitze der Deutschen Luftschiff-Aktiengesellschaft und wurde zu Passagier- fahrten in der Umgebung benutzt. Die durch den Motordefekt unterbrochene Fahrt ist die erste, die nicht programmäßig durch- geführt werden konnte, nachdem der„L. Z. 6" an 18 Fahrtagen 84 Passagierfahrten ausgeführt hat. Die gesamte Strecke, die bis- her zurückgelegt wurde, beträgt rund 3100 Kilometer trotz teilweise recht ungünstigen Wetters. Mehr als 300 Passagiere wurden be- fördert. Die durchschnittliche Fahrtgeschwindigkeit betrug 47 Kilometer. Einen finanziellen Verlust wird die Gesellschaft nicht er- leiden, da der„L. Z. 8" bei 12 Versicherungsgesellschaften mit in?» gesamt 480 000 M. versichert war. Die Cholera. Zu den Eholecafällen in Marienburg erflärt die Regierung tn Danzig, daß seit Anfang September fünf Personen unter Choleraverdacht ge starben sind. 80 choleraverdächtig« Personen sind in zwei Häusern in Marienburg zur Beobachtung untergebracht. Als besondere Borsicht ist sofort für den ganzen Kreis Marienburg die obligatorische Leichenschau an- geordnet worden.— In die Kölner Krankenanstalt Lindenburg wurde gestern ein Schiffer unter choleraverdächtigen Erscheinungen eingeliefert, der mit einem Bremer Schiff von Danzig nach Köln gekommen war. Ob Odolsr» uiatioa vorliegt, wted er? die batte- riologische Untersuchung ergeben. Wie ein Telegramm aus Fünfkirchen in Ungarn meldet, ist mit Rücksicht auf die in verschiedenen Ortschaften des KomilatS vorgekommenen Cholerafälle die Einfuhr von Lebens» mittein auS den von Cholera betroffenen Gemeinden untersagt worden. Die Bewohner dieser Ortschaften dürfen die Stadt nur mit einer Legitimation betreten. Der Kommandant des hiesigen Truppenhospitals meldete der städtischen SanitätS« behörde, daß ein Infanterist unter choleraverdäch« tigen Anzeichen erkrankt fei. Die ärztliche Untersuchung des Erkrankten, dessen Zustand sich übrigens gebessert hat, ist noch nicht beendet.— Nach Meldungen auS M o h a c S ist eine der am Dienstag erkrankten Perionen gestorben. Gestern kamen dort vier neue choleraverdächtige Erkrankungen vor. Zu den Erkrankten ge- hört auch der Gefängniswärter des Bezirksgerichts. Die Kronken wurden isoliert, die Arrestanten nach Fünfkirchen ge- bracht und ebenfalls isoliert. Im Konntat sind bisher insgesamt 13 choleraverdächtige Fälle vorgekommen, von denen 5 tödlich verlaufen sind. In Petersburg sind an der Cholera in den letzten 24 Stunden 40 Personen erkrankt und 9 Personen gestorben. Die Gesamtzahl der 5kranken beträgt 600._ Unwetter in Süditalien. In der Nacht zum Mittwoch wurden verschiedene Teile Süd- Italiens von einem schweren Unwetter heimgesucht, daS in den davon betroffenen Ortschaften gewaltigen Schaden verursachte. Wie ein Telegramm des„Preß-Tel." meldet, war in Bari die See so erregt, daß große Sturmwellen landeinwärts drangen und die Häuser meterhoch mit Wasser füllten. Die ganze Nacht hindurch fiel Hagel. Der Sturm riß die Dächer hinweg, Mauern stürzren ein und zwischen das Krachen der Gebäude und das Schreien der Menschen mischte sich daS dumpfe Grollen des Donners, während helle Blitze die Unglücksstelle hell erleuchteten. Vielkach zündete der B l i tz st r a h l. Menschenhände konnten da nicht retten, sondern nur der niedergehende Regen verhinderte größere Brände. Die Bahn- dämme vieler Slrecken sind unrerwühlt, sodaß der Berkehr eingestellt werde» mußte. In einzelnen Gegenden ist die Ernte fast vollkommen vernichtet. Friedhöfe stehen unter Waffer, ja, oft haben die Fluten so gehaust, daß die Gräber aufgewühlt und d i e Leichen weit forlgeschwemmt worden sind. Schön gesagt! Die liberalen Bamberger„Neuesten Nachrichten" bringen in ihrer Rummer vom 9. Sepreniber unter dem Titel: Der angebliche Abfall Deutsch-Südwestafrikas einen Artikel aus der Feder des Gouverneurs a. D. L e u t w e i n. Dieser schließt seine AuS- führungen mit folgendem Say: „Und ich hege die feste Zuversicht, daß auch unsere süd- afrikanischen Landsleute hierin keine Ausnahme machen werden, nachdem einmal der mildernde Zahn der Zeit Balsam über die derzeitigen Schmerzen auS- gegossen haben wird." Wenn Gouverneur Leutwein mit seinem Artikel sonst keine Er- folge erzielt haben sollte, hat er wenigstens die deutsche Sprache um eine schöne Redewendung bereichert. Freilich erinnert das ge- brauchte Bild stark an den bekannten»Zahn der Zeit, der alle Tränen trocknet"._ Der Pastor als Bauspekulant. AIS richtiger Bauspekulant ist der evangelische Pastor Stein» hoff in Dortmund durch Gerichtsurteil entlarvt worden. Der Pastor hatte sich unter der Borgabe, ein« l t e n h e i m bauen zu wollen, ein schöne« Grundstück zu billigem Preise gesichert, ließ cS aber dann parzellieren und verkaufen. Diese Berkäufe waren aber nur Scheinverkäufe. So hatte er zwei Parzellen zu sehr hohen Preisen an einen Maurerpolier Stach ews ki verkaust, obwohl er wußte, daß der Mann keinen Pfennig Vermögen besaß und einen OffenbarungS- e i d geleistet hatte. StachewSki war nicht» weiter als einer der berüchtigten Strohmänner, die vorgeschickt werden, damit Handwerker und Gewerbetreibende um ihre Forderungen kommen. Pastor Steinhoff hatte auch zu den Lieseranten und Handwerkern, denen die Sache bedenklich schien, gesagt, sie sollten nur liefern und bauen, nach vollendeter Fertig- stellung erhalte jeder sein Geld. Seine eigene Forderung auf daS Grundstück hatte er aber als erste und zweite Hypothek ein- tragen lassen. Der Krach wurde beschleunigt, al« der Stroh- mann StachewSki wegen Verdachts des Mein- eideS verhaftet wurde. Der Pastor ließ die Häuser subha st irren und zog sie an sich. Die Forderungen mehrerer Handwerker und auch die Hypothek eines Herrn Weltenkamp fielen au«. Die Betrogenen beriefen sich nun auf die Aufforderung und das Versprechen de« PastorS, sie sollten nur bauen, sie würden ihr Geld bekommen, und gingen zum Gericht. DaS Dortmunder Landgericht hat den Pastor auch zur Zahlung ver- urteilt- eS sprach in der Begründung au», die Handlung deS PastorS sei rechtlich und moralisch zu ver- urteilen. Auch das Oberlandesgericht in Hamm hat den Pastor verurteilt. Die Auffassung der Kläger entspreche den Grundsätzen von Treu und Glauben und der Ver- kehrSsttte bei Willenserklärungen Bleibt noch zu erwähnen, daß kurz nach dem erstinstanzlichen Urteil in Dortmund Pfarrer Steinhoff mit dem Roten Adler- orden 4. Klasse dekoriert wurde. Kleine Notizen. Ein schwerer Unfall ereignete sich gestern beim Bau der Egertak» sperre be» Kassel. Während drei Monteure auf einem Gerüst beschäftigt waren, um Arbeiten zur Errichtung einer Drahtseilbahn vorzunehmen, ließ eine Befestigungsklammer des Gerüstes nach und die drei stürzten etwa 80 Fuß ab. Zwei waren sofort tot, der dritte erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Panik im Theater. Während der Dienstagsvorstellung im Pariser Chatelet-Theater zündete ein Besucher der Galerie den» galischeS Feuer an. Infolgedessen entstand unter den Be- snchern eine Panik. Viele Personen verließen fluchtartig daS Theater, eine Anzahl Frauen wurde ohnniächtig. Da die Schauspieler aber fortfuhren zu spielen, trat bald wieder Ruhe ein, und die Borstellung konnte ihren Fortgang nehmen. Durch einen Erdrutsch wurde das spanische Dorf AbanUla zu einem Teil verschüttet. Eine Anzahl Personen, darunter eine Mutter mit einein zweijährigen Kinde wurden 80 Stunden nach der Katastrophe lebend gerettet. Zehn Tote sollen sich noch unter den Trümmerhaufen befinden. Ein Flicgerprcis der Stadt Paris. Der Vorstand des Pariser Gemcinderats hat beschlossen, einen Preis in Höhe von 2S 000 Fr. für denjenigen Flieger zu stiften, der lvährend des Aufenthalt des Pariser Gemeinderats in Brüssel vom 25.-21. September zuerst einen Flug von Paria nach Brüssel vollführt. Während einer Nachtübung stieß das französische Linienschiff .Bouvine»' mit dem Torpedobootszerstörer„Escopette" zusammen. Die„Escopette" erlitt schwere Beschädigungen, jedoch sind Menschen durch den Znsanlmcnstoß nicht verunglückt. Ein scheußlicher Naubmord ist in E s ch in Luxemburg an den Wirtsleuten Kaiser verübt worden. Man fand gestern früh den Mann mit durchschnittener Kehle im Ziminer liegen, die Frau lag h a l b v e r k o h l t auf dem glimmenden Bett: ihr Kops war mit einem Beil gespalten, von den Mördern fehlt jede Spur. Todes-Anzeige. inien freunden und Bekannten 1 die traurige Nachricht, datz meine liebe Frau •loksium Bethke am Montag, den 12. September, abends 10 Uhr, nach kurzem, schwerem Leiden gestorben ist. DteS zeigen tiesbctrübt an Der trauernde Gatte K»,»! Bethke nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Freitag, den lS. September, nach« mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Friedhoses zu Friedrichs- >etoe aus statt. 8KSL Sozialdemokratisclier Wahlverein ige den 4. Berliner Reiclistags-ffalilkrels. Stralauer«iertel. (Bezirk 338.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau �oksnns Betdkv Am Ostbahnhos S gestorben ist. Ehre ihrem Slndenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den lS. d. M., nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Zentral-FricdhoseS in Friedrichs- selbe auS statt. 220/18 Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. oelseotliede Tersammlung. Das Instrument des Herrn« Ruckkehr zur Kirche und der Internationale Freidenker-Kongreß in Brüssel. Vortrag des Landtags-Abgeordneten JldOl) KofftttaUII Diskussion. am Freitag, den 16. Sept., abends 8 Uhr, in der Brauerei Friedrichshain(früher Lipps), Am Friedrichnhaln 16—33. 67/8* Bntree 10 Pf. Entree 10 Pf, Der Einberufer: A. Harndt, Pappel-AUee 16— 17. OeutschBr Metallarbeitfir-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Tode«- Annelge. Den Kollegen zur Nachricht, datz unser Mitglied, der Metall- arbetter• Diener an Lungen- Panl am 13. September leiden gestorben ist. Ehre seinem Slndenfe«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 16. September, nachmittags 41/, Uhr, vom Trauerhause Liebenwalder Str. 10 aus aus dem neuen Nazareth-Kirchhos in Reinickendorf statt. Rege Beteiligung erwartet 121/15 Die OrtSverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise heimlicher Teilnahme sowie sllr die reichen Kranzspenden beim Hinscheiden meines lieben ManneS, des Schristsetzer» Hax Werner 8076 sage ich allen Verwandten und Be- kannten sowie den werten Kollegen der Firma Hahns Erben und der Firma Ehasth meinen herzlichen Dank. Wtne Selma Werner nebst Kindern. "Ng. die vielen Beweise herzllcher Teilnahme beim Begräbnis meines lieben Mannes sowie die zahlreichen Kranzspenden sage ich hiermit allen Verwandten und Bekannten, in«- besondere dem Zentralverband der Handels- und Transportarbeiter sowie den Sängern nebst Herrn Lamprecht meinen besten Dank. SK8L Witwe Klara W ünt. Danksagung. Allen denjenigen, die meinem lieben Mann, unserem guten Vater HeinricB Schmidt die letzte Ehre erwiesen haben, sagen «vir unseren herzlichen Dank. Frau Angnate Schmidt 890b nebst Kindern. Filiale Groß-Berlin. Freitag, den 16. Sept., abds. 6'/, Uhr, im GewerkschaftshanS, Engelufer 15(Saal?): SsMljliiiiöiiZiiiliiiiiöl-VmMiiiIiiiix. TageS-Ordnung: 193/12 1. Vortrag des Genossen Slrbeitersekretürs Hermann Müller; „Was muh der Arbeiter vo« der Unfallversicherung wissen?*' 2. Die Situation im Gewerbe. 3. Verschiedenes. Vertretung sämtlicher Bauten notwendig. Weiter ist nötig, daß sämtliche Kollegen, die bei der Firma 0110» arbeiten und gearbeitet haben, in der Versammlung erscheinen. Der Verstand. 20/9* Donnerstag, den 15. September 1915, abends 8'/z Uhr: Versammlung der Holzbildhauer Berlins im Lokale„Alhambra", Wallner-Theater-Straße 15. Tages-Ordnung: Aufstellung von Lohnforderungen. Jeder Kollege ist zum Erscheinen verpflichtet. nie Branchenkommlssion. Arbeiter-Wanderbund „Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 18. September: 1. Königs-Wusterhausen-RahnSdors. Abs.: Görlitz« Bahnhos 6.40 Uhr vorm. 2. Tegel« WaidmannSlust. Treff- Punkt: Endstatton der Straßenbahn 1 Uhr nachm. Gäste willkommen. 2/13 Ausführliche Programme bei Hcyse, Boyenstr. 19, zu haben. Von 6er Reise zurilolr* Dr. Max Blumenthal Ijandsberger Allee 157/158. Die Geschäftsräume der 277/12* Ortskrankenkasse der Gastwirte und verwandten Gewerbe zu Berlin befinde» sich ab 23. September d. I. Rotzstraße S9-3W gcgrünöet 1839. 0 Tatac russe a priser.goöt de Kown». Ii Verwaltnns Berlin. Sonnabend, den 17. September: 18. Stiftungsfest in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114. === Ansang 8'/. Uhr.- Btllelt» a 50 Pf. find im Bureau, bei den BeittagSsammlern und bei Zehrendt, Hasenheide 9 und Schivemle, Schönleinstraße, Ecke Boeckhstraße, zu haben,' 89/17 ~ Einkassierung der Beiträge am Sonnabend erfolgt w allen Zahl- >n 7 bis 9 Uhr nachmittags. Die Ortsverwaltung. stellen von Jnnenbaubranche. Montag, den 10. September 1010, abends 8>/, Uhr, in Kliems Festsäle», Hasenheide 15: Kranchen- Versammlung Tagesordnung: Bericht von den Verhandlungen mit den Arbeitgebern. Oeberreugung macht wahrl 1. Praxis: Elsasserstr.n/lS 2. Praxis: Friedrichstr. 35. 3. Praxis: Oranienstr. 61. 4. Praxis; Palisaden str. 106 5. Praxis: Itoabit, Huttenstrale 65. Zahn- Praxis Carl Rudolph. 6. Praxis: Charlottenburr, Wilmersdorfer Str. 117. 7. Praxis: Lichtenberg, Frankfurter AUee 169 3" An diesem Schild sind die Läden erkennbar, in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. naatergältli; in Konstroktlon and Aasftltaranc, gleich vorzüglich für Hausgebrauch u. Industrie. Singer Co. Nähmaschinen Act. Ges. — j RFHI.IV, I/elpzigcr Straße 98. i— 4 1 Läden in den verschiedenen Stadtioilen. I ♦ derfer lpandau,Neuen- StraBe 106. g-o-p-o-o-oci-n-n-n�n PrawdSiwa tabaka do !?| zazywania �Kownoer' ä*D*aOH3*a verantwortlicher Redakteur Richard Larth, Berlin. Sur de» Inseratenteil veraotw.: Th.Gloee, Berlin. Drink u. Verlag:«orvSrt» Kuchdruderei u. BerlagSgnftalt Bant Singer& So.. Berlin SW. Von der Reise zurück. Dr.Georx Friedländer Bf., Schlegelstr. 88._ 4?' (BiSLOTTENBORG Uhren und Qoldwaren 'F. Stabonow, Berllnerstr. 146� Cigarren-Hündler« ■v bequemsten Einkauf zu billigsten Preisen bietet daS größte und reichhaltigst ausgestattete Istak-, Cigarren- n. Cigaretten-Engroslager Carl Röcker, Keriiil 0. 27, Grüner Weg 112(Fernspr. 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Die ReichStagSuachwahl im Kreise Frankfurt-Lelms findet heute Donncrstaq, de» 15. September, statt. Es erqeht hiermit an die in Berlin arbeitenden Parteigenossen und Wähler des Kreises die dringende Aufforderung, am heutigen Donnerstag, dem Wahltage, ihr Wahlrecht in ihrem Heimatorte ans- znüben. Parteigenossen, die mit Wählern ans dem Kreise Frankfnrt-Lcbus zusammen arbeiten, werden gebeten, ihre Mit- arbeitet ans ihre Pflicht aufmerksam zu machen und sie zur Ausübung ihres Wahlrechtes z« veranlassen. Trebbin. Am Sonnabend, den 17. September, abends 8'/« Uhr im Schiitzenhaus sW. Fromm) WahlvereinSversammIung. Tages- ordnung: 1. Kasse und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Bericht von der Generalversammlung Grost-Berlin. 3. Parteiangelegenhciten. 4. Verschiedenes. Tcgel-Borsigwalbe. Morgen. Freitag, den 16. September, abends s'/z Uhr hält der Verein Jugendheim im Lokal von Jul. Klippenstein in Tegel, Spandauer Siraste 4, eine Mitgliederversamm- lung ab. Es ist eine äußerst wichtige Tagesordnung zu erledigen. Die Mitgliedskarte ist am Eingang zur Kontrolle vorzuzeigen. Berliner rfadmcbten. Das Reiten im Tiergarten. Gewisse Leute, die nicht wissen, wie sie ihre Zeit totschlagen sollen, haben einen schweren Mißstand entdeckt. Die Reitwege im Tiergarten müssen verbessert werden. Einige Blätter wissen über die Sache folgendes zu melden: »Seit längerer Zeit beschäftigen sich berufene Vertreter des Reitsports mit der Verbesserung der Reitgelegenheiten im Tiergarten und Hippodrom. Nachdem schon im letzten Jahre dank der Anregung des Generals z. D. v. Longchamps ein Anfang im Kleinen durch Anlage verbesserter Sprunggelegenheiten, rauher Chausscenber- gänge im Tiergarten, Erbauung von Aufsitzsteinen gemacht war, haben diese Bestrebungen neuerdings auf. Betreiben des genannten eifrigen Pflegers des edlen Reitsports eine erweiterte und der- besserte Gestalt gewonnen. Wie loir vernehmen, haben dieselben die Billigung und Förderung des Kaisers gefunden. Zunächst wird mehr Wert auf eine sorgfältige Pflege der vorhandenen Reitwege durch regesmäßiges Eggen, Entwässern usw. gelegt. Ferner werden die rauhen llebergänge vermehrt, was in dankens- wertem Entgegenkomnien die Stadt übernommen hat. Eine Anzahl solcher llebergänge sind bereits fertiggestellt und haben schon manchen Sturz verhindert. Für Anfänger und schwächere Reiter sollen einige kleine Hindernisse auf dem Hippodrom erbaut werden, mit deren Hilfe sie allmählich ihre Spriingleistnngen steigern und sich dadurch anregenden Sport verschaffen können. In einem der Stadtbahnbogen wird eine Garderobe Gelegenheit bieten, Mäntel und dergleichen abzugeben. Schließlich ist ein- oder zweimal wöchentlich Musikrciten in Aussicht genommen, und für die Kapelle soll ein kleiner Pavillon errichtet werden. Wenn dies alle? erst Wirklichkeit geworden ist, so kann Berlin auch auf dem Gebiete des Reitsportes anderen Großstädten gegenüber an der Spitze marschieren. Leider jedoch find ohne tatkräftige Mit- Hilfe deS interessierten PublikmnS diese notwendigen Verbesserungen nicht durchzuführen, da die der Tiergartenverioaltung zur Ver fügung stehenden Mittel zur Instandhaltung der Reitwege nur ge ring sind. Das sportliebeude Publikum wurde vor einiger Zeit gebeten, der guten Sache ein kleines Geldopfer zu bringen, und einige Mittel find auch bereits zur Ausführung der Neuerungen eingegangen. Der Kaiser hat gelegentlich eines Spazierrittes im Tiergarten sich von General v. Longchamps über alle Einzelheiten eingehend berichten lassen und dem Unternehmen seine Forderung durch Zusicherung eines Beitrages aus seiner Privatschatulle in Aussicht gestellt. Mit der Ausführung der Pläne soll noch Vor Beginn des Herbstes begonnen werden." Wir zweifeln keinen Augenblick daran, daß sich einige reiche Leute finden, die zur Verbesserung der Reitwege in die Tasche greifen und Mittel zur Verfügung stellen, wenn sie wissen, daß der Kaiser eS gern sieht. Darauf scheint auch die ganze Notiz nur bc- rechnet zu sein. Wir meinen, es sei viel angebrachter, wenn die Tiergartcnverwaltung erst einmal dafür Sorge tragen wollte, daß die im Sommer auftretende Raupenplage verschwinden würde. Das würde einer größeren Anzahl von Leuten zugute kommen als eine Verbesserung der Reitwege._ Aus der Spandauer Straffe. Durch den Abbruch der Häuser Spandauer- Ecke der Probststratze verschwinden auch in diesem Teile Alt-Berlins wieder eine Reihe von Gebäuden, die noch einer älteren Bauperiode angehören, und die Spandauer Straffe wächst immer mehr zur modernen Geschäftsstraffe aus. Sie ist eine der ältesten Straßen Berlins und hat bereits nach dem großen Brande von 1380 Straffeitpflaster erhalten, wobei die Straffe erheblich verbreitert wurde. Wie alle alten Straffen Berlins hatte auch die Spandauer Straffe nicht von Anfang an diesen Namen geführt. Beim Molkenmarkt hieß sie Middel- straffe, von der Probst- bis zur Königstraffe auf der einen Seite„Gegen dem Rathause", auf der anderen„Neben dem Nvthause", von der Königstraffe bis zur Kleinen Poststraffe „Am Kohlenmarkt", auf der anderen Seite„Am Kramhause", und nur der Teil zwischen Kleine Post- und Brauhausstraffe hieß Spandauer Straffe, der letzte Teil bis zur Neuen Friedrich- straffe„Am Spandauer Tore", welches zwischen den Häusern 1 und 81 stand und im Jahre 1718 bei der fortschreitenden Be- bauung der Neuen Friedrichstraffe beseitigt wurde. An der Stelle des Hauses 31 blieb noch nach dem Abbruch des Tores ein Turm stehen, der als Pulvertunn diente und 1720 in die Luft flog, worauf die Ueberreste beseitigt und der Platz be- baut wurde. Nr. 1 wurde erst im Jahre 1720 durch den Feld- webel Gabel bebaut. Von den älteren Häusern zwischen König- und Probststraffe sind einige bereits früher dem Bau des Gc- schäftshauses N. Israel zum Opfer gefallen. Dazu gehörte Nr. 26, welches im Jahre 1730 der Ratmann Schulze be- wohnte, 27, das der Dr. Ludolph neuerbaute, und 28, in welchem von 1747— 1753 der Landgerichtsrat und Kammer- Herr v. Goerne gewohnt hat. Vorher gehörte es dem Wein- schenken Falkenberg und danach dessen Sohn, dem Hofrat Falkenberg. Nr. 29 ließ der Staatsministcr Paul v. Füchs in damals sehr üppigem Maße erbauen. Nach seinem Tode er- warb das Haus der Weinhändler Reko, dann der Geheimrat Krüger. Nr. 30 lvar im 16. Jahrhundert ein vornehmer Gast- Hof, der„Hirsch", auch der„Goldene Hirsch" genannt. Hier war im Jahre 1620 an einem Sonnabend im Mai Gustav Adolph unter dem Namen eines schwedischen Hauptmanns Gars(ein Anagramm aus den Initialen der Worte Gustavus Adolphus Rex Sueviae) eingetroffen, um sich mit Maria Eleonore, der Schwester deS Kurfürsten Georg Wilhelm, heim- lich zu vermählen. Mit seinem kleinen Gefolge suchte er Auf- nähme in diesem Gasthof, wurde aber vpn dem Besitzer, Petex Kerschberg, abgewiesen. Das gleiche passierte ihm in der „Stadt Ruppin", damals Ruppiner Herberge, Nr. 79 der Spandauer Straffe, und war ihm schon vorher in Zehlendorf, wo er kurze Rast halten wollte, widerfahren. Man hielt den König. und sein Gefolge für Engländer, für die man nach den Erfahrungen, die man mit den nach Böhmen durch die Mark ziehenden Truppen gemacht hatte, nicht viel übrig hatte. Den „Guldin Hirschen", der Anfangs des 18. Jahrhunderts ein ging, besaß nachmals der bekannte Dr. Gerresheim und von ihm kam es an den Kaufmann Ephraim, dessen Sohn der be- kannte Veit, bekanntlich der Münzmeister Friedrichs des Großen, war. Jetzt verschwindet auch dieses Grundstück aus der Geschichte Berlins. Wege» Vergehen gegen daS Fürsorncerziehungsgeseh sind in Berlin in letzter Zeit auffallend viel Strafen verhängt wurden. Strafbar macht sich, wer der Fürsorgeerziehung einen Fürsorgezögling zu entziehen sucht. Dieses Ver gehen wird schon dann als vorliegend erachtet, wenn man einen, entflohenen Sträfling bei sich aufnimmt und der nach ihm for schenden Polizei ihn nicht ausliefert. Selbst gegen Eltern, die einen Sohn oder eine Tochter nach der Flucht aus der Fürsorge erziehung zu verbergen suchen, wird ohne Gnade daS Gericht mobil gemacht. Auch die Waisenverwaltung der Stadt Berlin ist rasch genug bereit, mit Strafanzeigen vorzugehen� Kommt es zu einer Verurteilung, so berichtet der Magistrat in seinem„Gcmeindeblatt" über den Erfolg und gibt die Höhe der Strafe an. In den letzten Monaten und Wochen haben wir in diesem Publikationsorgan des Magistrats recht oft solche Mit teilungen über Bestrafungen wegen Vergehen gegen das Für- sorgeerziehungSgesetz gefunden. Es ist bedauerlich, daß die Einzelheiten derart! er Prozesse nur sehr selten etwas in die Oeffentlichkeit dringt. Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir annehmen, daß unter den Angeklagten die Eltern von Fürsorgezöglingen sogar in der Mehrzahl sind. Da drängt sich uns ganz besonders lebhast der Wunsch auf, etwas mehr als nur die Höhe der Strafen zu erfahren. Gern möchte man wissen, aus welchen Gründen eigentlich die angeklagten Eltern sich geweigert haben, ihr aus der Fürsorgeerziehung entflohenes Kind auszuliefern. Nicht immer handelt eS sich da um — wie die Gerichte sich auszudrücken lieben— bloßen„Unverstand der Eltern, die die„Wohltaten" der Fürsorgeerziehung nicht zu „würdigen" wissen. Nur zu oft halten Eltern es geradezu für ihre Pflicht, ihr Kind zu schützen vor der schlechten Be Handlung, die cS in der Erziehungsanstalt, in der Familien- pflege, der Lehr- oder Dienststelle erduldet hat oder erduldet zu haben behauptet. Da wissen sie sich dann keinen anderen Ausweg als den, den heimkehrenden Flüchtling mit allen Mitteln davor zu bewahren, daß er der Polizei in die Hände fällt. Und hiermit bringen sie sich auf die Anklagebank. Allen Eltern, denen ein Sohn oder eine Tochter, aus der Füo sorgeerziehung entflohen, ins Haus kommt, wird man den Rat geben müssen, unverzüglich an zuständiger Stelle Meldung zu machen, eine Prüfung der etwa vorgebrachten Beschwerden zu beantragen und um anderweitige Unterbringung des Kindes zu bitten. Aber es läßt sich begreifen, daß nicht jeder Vater und nicht jede Mutter es über sich gewinnt, diesen Rat zu befolgen und das Schutz suchende Kind auszuliefern. So mancher schreckt hiervor zurück aus Furcht, daß durch die Prüfung der Be. schwerden nicht der volle Sachverhalt aufgedeckt werden und daS Kind dahin zurückgeführt werden könnte, von wo es sich in das Elternhaus gerettet hat. Mit Bezug auf Berlin ist unS gesagt worden, daß gelegentlich schon die Art, in der auf dem Bu- reau der Waifcnverwaltung ein von den Angehörigen zugeführter Flüchtling bewillkommnet wurde, leider nicht sehr geeignet sei, daS Vertrauen zu der Waisenverwaltung zu stärken. Wenn man übrigens zurückdenkt an die Greuel vonMieliczhn,die noch immer ihrer Sühne durch den Strafrichter harren, dann kann man sich leicht borstellen, wie hart es für eine Mutter sein muff, ihren aus einer solchen Anstalt entflohenen Sohn ausliefern zu sollen. Das GesetzverlangtdieseHärte— und mit gleicher Härte wird, wer sie nicht fertig bringt, vom Gericht zur Rechenschaft gezogen. Ob schon mal in einem Prozeff wegen Vergehen gegen das Fürsorgeerziehungsgesetz eine Mutter freigesprochen wurde, die sich darauf berief, daff sie ihren Sohn oder ihre Tochter vor Miß Handlung schützen zu sollen geglaubt hatte? Für die Beurteilung des Vergehens und für die Bemessung der Strafe ist cS allerdings von erheblicher Wichtigkeit, aus welchen Gründen die Eltern ihr Kind bei sich aufnahmen und ihm Schutz gewährten. Deshalb sollte kein Vater und keine Mutter, die wegen Vergehen gegen daS Fürsorgeerziehungsgesctz auf die Anklagebank kommen, es unter lassen, die ihnen von ihrem Kinde vorgetragenen Klagen dem Ge. richt zu unterbreiten und Prüfung zu fordern. Würde vor Gericht immer genügende Klarheit hierüber geschaffen, so könnten solche Prozesse die sehr erfreuliche Nebenwirkung haben, indas Elend der Fürsorgeerziehung erfolgreich hineinzu. leuchten. Die Gerichtsferien erreichen heute, Donnerstag ihr Ende. Am Freitag wird Frau Justitia wieder das vom Geschäftsplan bor- geschriebene Gewand anziehen und an allen Stätten, an denen im Namen des Königs Recht gesprochen wird, übernehmen wieder die ordentlichen Richter in der vorgeschriebenen Besetzung der Straf- kammern und AmtSgerichiSabteilungen die Geschäfte. Auch die Schwurgerichte tvcrden bald wieder in Täligkeit treten. Am nächsten Montag schon beginnt am Landgericht I eine auf 14 Tage berechnete Tagung des Schwurgerichts am Landgericht unter Vorsitz des Land- aerichtsdirektorS Dr. Röchling. Acht Tage darauf, am 26. d. M. folgt daS Schwurgericht am Landgericht II. in welchem Landgerichts- rar Kehre den Vorsitz führen wird. Bei beiden Schwurgerichten stehen Termine zu sogenannten Sensationsprozessen nicht an. Die Spielergcscllschast in der Wilhelmstraße, über die schon wiederholt berichtet wurde, ist Dienstag abend zum zweiten Male von der Kriminalpolizei aufgehoben worden. Der Direktor Joseph MatiSke. Generalagent der Viktoria-VersicherungSgesellschaft, hatte unter Berufung auf einen Artikel des Justizrates Meyer in der Wilhclmstr. 19 ein Roulettespiel eingerichtet. Der Be- trieb gestaltete sich aber so, daß er nach der Recht- sprechung des Reichsgerichts unter daS gewerbsmäßige Glücks- spiel fällt. Kriminalkommissar v. Manteuffel hob deshalb eines Abends die Gesellschaft auf, stellte die Spielteilnehmer fest und beschlag- nahmte die Bank und alle Spielgeräte. Gegen MatiSke und fünf andere Männer, die ihm in der Leitung deS Spiels zur Seite standen, wurde ein Strafverfahren wegen gewerbsmäßigen Glücksspiels ein- geleitet. Trotzdem besorgte er neue Spielgeräte und nahm den Betrieb wieder auf. DaS veranlaßte die Kriminalpolizei, ihre früheren Maßregeln gestern zu wiederholen. Als die Kommissare v. Manteuffel und Rath mit mehreren Beamten erschienen, trafen sie 40 Personen an. Herr MatiSke und ein junges Mädchen, an- geblich seine Tochter, spielten in einem Zimmer Puff. Die übrigen Herrschaste», Männer und einige ältere und jüngere Frauen und Mädchen, saßen in dem Nebenraume beim Roulette und hatten bereits die Einsätze zu dem Spiel bezahlt, zu dem sie soeben aufgefordert wurden. Die Beamten beschlagnahmten wiederum die Bank, die 612 M. in bar enthielt, während ebenso viel noch unbar vorhanden sein sollte und die neuen Spielgeräte, Roulette, Rechen usw. Herr Matiske erklärte jetzt im Gegensatz zu früher, daß er mit der Geschichte nichts zu tun habe. Die Räume und die Spiclgeräte gehörten nicht ihm, sondern dem Klub. Als die Beamten die Spieler hier überhörten, schüttelten alle den Kopf. Sie wußten auch nichts davon, daß, wie MatiSke behauptete, erst kurz vorher eine Abstimmung darüber stattgefunden habe, daß die Mitglieder von jetzt au über die Räume und die Einrichtung zu verfügen haben sollten. Herr Matiske hatte erklärt, daß gerade deshalb, weil die Ab« stimmung eben erst stattgefunden habe, ein Vertrag mit dem Haus- wirt noch nicht habe abgeschlossen werden können. Weiteren Fragen entzog sich Herr Matiske, indem er sich mit seiner Tochter cnlsernte. Die anderen Antvesenden mußten zur Feststellung ihrer Persönlich- ketten den Beamten nach der Revierivache folgen und zum Teil dort geraume Zeit warten, bis alles erledigt war. Nur eine Spielerin, ein junges Mädchen, brauchte den Weg nach der Wache nicht mitzu« machen. Sie wies sich mit einem Schriftstück der Sittenpolizei auS und erklärte außerdem, daß sie ja doch im ganzen Revier bekannt sei, was nicht bestritten werden konnte. Recht iiiteresiaut ist übrigens nach einer anderen Mitteilung, daß nach der Entlassung von der Polizeiwache die meisten „Jeuratten", nachdem sie sich ettvaS von ihrem Schreck erholt hatten, flott weiter rouleltiert haben sollen. Die Herrschaften begaben sich nämlich mittels Autos nach einem Spiclklub in der Martin- Luther-Slraßo und huldigten dort für ein Kopfgeld �von drei Mark pro Stunde Houjjs et Noir bis zum frühen Morgen. Man war jedoch diesmal so vorsichtig, auf dem Balkon als Wachtposten einen in den Spielerkreisen wohlbekannten Kaufmann I. als Wache zu postieren. Wäre die Polizei auch dort erschienen, so würde sie wahrscheinlich nur Harm« tose Puff- oder Dominospieler vorgesunden haben. Der Reingewinn der gestrigen Nacht brachte der Bank in der Martin-Luther» Straße bei einer Teiluahine von zirka 60 Personen, unter denen sich angesehene Aerzte, Juristen, bekannte Schriftsteller und Börsianer befanden, netto 270 Proz. Einen ähnlichen Rein« gewinn erzielte auch ein SpielNub am Belleallianceplntz, welcher von seinen Mitgliedern ein Kopsgeld von 10 M. pro Stunde verlangt und erhält. Interessant ist auch, daß sich die Croupiers fast aller Berliner Spiclnesler zum größten Teil ans ihren Mitgliedern re- krutieren. Die Herren erhalte» für ihre Tätigkeit von 9—12 Uhr abends 20 M. Firum und von 12 Uhr ab bis gegen Morgen eine Tantieme von ö Proz. vom Reingewi»». Damen selbst können in derartigen Klubs nicht die Mitgliedschaft erhalten! eS ist jedoch den männlichen Mitgliedern gestattet, ihre Frau oder„Braut" zu den Spielabenden mitzubringen. Keine Cholera. Die Russin Soncha Gaisen, die vor einigen Tagen auS Karlsbad auf dem Anhalter Bahnhof hier eingetroffen und unter choleravcrdächtigen Erscheinungen dem Birchow-Kranken« hanS zugeführt worden ist, ist tatsächlich— wie sich herausgestellt hat— nicht an Cholera erkrankt. Ihr Befinden ist derart günstig, daß sie bereits in diesen Tagen daS Krankenhaus wird verlassen können. Ein netter Musiklehrer. Wegen Vergehens an seinen Schülern und Schülerinnen ist der 43 Jahre alte Musiklehrer Emanucl Göhl ans der Petersburger Str. 62 von der Kriminalpolizei festgenommen worden. Gohle erteilte in seiner Wohnung im Vordcrhause Klavier« Unterricht an kleine Knaben und Mädchen. Leute, die ihm gegen» über wohnen, sahen nun, daß einige Jungen Dummheiten machten und teilten das den Eltern der Kinder mit. Die Eltern fragte» die Kinder und so kam es denn heraus, daß der Musiklchrer selbst die Dummheiten mit ihnen gemacht und sie dazu angeleitet hatte. Die weiteren Nachforschungen ergaben, daß Gohle sich auch an seinen Schülerinnen vergangen hatte. Die Kriminalpolizei zog ihn gestern in seiner Wohnmig zur Verant- wortung und nahm ihn fest, nachdem er im Laufe des BerbörS ein Geständnis abgelegt hatte. Der Verhaftete, der dem UntersuchungS« richter vorgeführt ivurde, sagt, er könne nun einmal nicht anders. Rektor Bock geisteskrank? DicnStagnachmittag wurde der in letzter Zeit viel genannte Rektor Bock vom CharitägesängniS nach der Jrrcnabteilung der Neuen Charitü übergeführt. Dte Ueberfllhrung geschah nicht, wie von anderer Seite gemeldet wurde, unter Tob- suchtsanfällen, sondern in ganz normalem Zustande. Bock wird auf Antrag der Staatsanwaltschaft vom Geheimrat Dr. Störmer und vom GerichtSphysikuS Dr. Strauch vierzehn Tage lang auf feinen Geisteszustand untersucht werden. Der Antrag seines Verteidigers auf Luftveränderung, der am 11. September gestellt worden ist, ist von der OberstaatSanwaltschaft abgelehnt worden. Wie unS von zu- verlässiger Seite mitgeteilt wird, stehen die Bock behandelnden Aerzte der Ueberfllhrung in die Jrrenabtcilung durchaus nicht sympathisch gegenüber, da besürchtei wird, daß Bock dort wieder von Blutstürzen befallen wird, die seinen Zustand nur noch verschlechtern. Ein schwerer Straßenunfall ereignete sich Dienstag in später Abendstunde in der Gcrichtstraße. Als der 21 jährige Kutscher Richard Jonaß auS der Pankstr. 65 mit einem zweispännigem Arbeitsfuhrwerk die genannte Straße passierte, mußte er in der Nähe der Pankstraße einem Straßenbahnwagen der Linie 22 ausweiche» und bog zu diesem Zwecke nach der reckten Seite des Fahrdammes hinüber. Hier kam ibm aber in scharfem Trabe ein Möbelwagen entgegen und geriet in da« Ge« spann de« I. hinein. Der Anprall erfolgte mit solcher Gewalt, daß die beiden Pferde deS angefahrenen Arbeitswagens zu Boden stürzten und Jonaß in weitem Bogen von seinem Sitz auf das Straßen« Pflaster geschleudert wurde, wo er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Ein von der Unfallstation in der Badstraße herbei» gerufener Arzt stellte bei dem Verunglückten eine schwere Gehirn» erschütterung fest und veranlaßte seine Ueberführung nach dem Rudolf-Birchow-Krankenhause, wo er in bedenklichem Zustande da« niederliegt. Im ZirkuS bcstohlen wurde der Rentier Strick au? Groß« Lichterfelde. Er hatte der Vorstellung im ZirkuS Schumann bei» ewohnt und als er beim Verlassen des Platzes in das Gewühle der Zuschauer geriet, wurde ihm von einem unermittelt gebliebenen dreisten Dieb die goldene Uhr im Werte von 500 M. geraubt. AuS Gram über den Tod feiner Wirtschafterin unternahm der 68 Jahre alte Rentier Maaß, Luisen-Ufer 28, einen Selbstmordversuch. Bor einem Vierteljahr starb die Wirtschafterin des M., mit der er viele Jahre zusammengelebt hatte, ganz plötzlich. Seit dieser Zeit trug der alte Mann ein sckwermiitigcs Wesen zur Schau. Gestern fanden ihn nun Hausbewohner in besinnungslosem Zustande in seinem Bett auf. Die Gashähne im Zimmer waren geöffnet. M. hatte sie selbst in der Absickt geöffnet, sich das Leben zu nehmen. Ein Arzt von der Rettungswache rief ihn wieder in» Leben zurück und veranlaßte seine Uebcrfübrung nach dem Krankenhause. Zeugen gesucht. Am Freitag, 24. Juni d. I., abends gegen 3 Uhr kam das GeschäftS-Automobil der Firma Peters Union- Pneumatik vom Gesundbrunnen her die Brunnenstraße entlang und eS wurde in der Brunnenstraße(kurz vor der Voltastraße) ein Rad- fahrer von diesem Automobil angefahren, so daß dieser vor dem Wagen zu Falle kam. Zeugen des Unfalles werden gebeten, ihre Sdresse an W- Fischer, Chauffeur, Soldiner Straße 37 zu senden. Gefunden worden ist ein Etui mit OuittungSmarke und ein WahlvereinSbuch des Kreises Usedom-Wollin, auf den Namen Hamann lautend. Abzuholen in der Spedition Zucht, Jmmanualkirch- straße 12. Die Thacrsttaße von der Schwarzen Brücke bis zur Weichbild- grenze ist vom Donnerstag ab gesperrt. Cuiiihine. ftür den 85ctfftt„Albelter.JuzendheiM' quittiere fffj dankend 18,— Mark von Familie Franz Koock-Guihaben auS einer Prozcjz- sachc. Berlin, den 13. September 1V10, Kurt Rolenleld, Berlin, An der Spandaucr Brücke la,_ Vorort- Nacbricbtem Lichtenberg. Seht die Withlcrlisten ein! Die Liste der stimmfähigen Bürger liegt vom 16. September bis einfchlietzlich 30. September an den Wochentagen von vor- mittags 8 bis nachmittags 3 Uhr, an den Sonntagen von9bis12Uhr vormittags im großen Sitzungssaale deSRat- Hauses aus. Während dieser Zeit müssen die Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste erhoben werden, weil später eingehende Einwen- düngen gegen die Richtigkeit nicht berücksichtigt werden. Wir fordern alle Arbeiter auf, unverzüglich von ihrem Rechte der Einsichtnahme Gebrauch zu machen, da nicht in der Liste Stehende sonst bei even- tuellen Nachwahlen um ihr Wahlrecht kommen können. Wer selbst nicht die erforderliche Zeit hat, wende sich an die durch Plakate kenntlich gemachten Stellen und lasse von dort aus die Wählerliste für sich einsehen. Lasse sich auch niemand durch den Beamten ab- weisen, sofern sei� Name nicht in der Wählerliste steht, sondern der« lange, daß der Protest zu Protokoll genommen wird. Rixdorf. Das Winterprogramm des BildungSauSschusseS ist fertiggestellt.— Gedruckte Programme sind bei den Zahlabendleitern, in der Partei- spedition und in der Bibliothek zu haben.— Die nächste Theater- Vorstellung findet am 18. September, nachmittags 2'/z Uhr, im Rix- dorser Theater, Bergstr. 117, statt. Gegeben wird„Maria Magda- lena* von Hebbel.— Weitere Veranstaltungen sind: Wissenschaftlicher Vortrag des Genossen Engelbert Graf:„Vom Urtier zum Menschen". 6 Abende: IL. und 27. September, 3., 10., 17. und 20. Oktober bei Hoppe, Hermannstr. 19/60, abends 8 Uhr. Eintrittskarten für sämt« Irche Abende 60 Pf.— Herbstfest: Sonnabend, den 1. Oktober, im Saal der Brauerei Happoldt, Konzert des Blüthner-OrchesterS. Nachher Tanz. Anfang 8 Uhr. Billetts 50 Pf.— Reutcr-Abend mit Lichtbildern: Sonntag, den 9. Oktober, abends 6 Uhr, bei Hoppe. Nachher Gemütliches Beisammensein. Eintrittskarte 16 Pf. Der Bildungsausschuß. TodcSsturz vom Bodenfenster. Gestern vormittag spielte sich im Hause Berliner Str. 76 ein aufregender Vorgang ab. Gegen 10 Uhr sahen plötzlich Hausbewohner, wie die im selben Hause wohnende Frau Neumann vom Bodenfenster in den Hof hinuntersprang. Die Aermste war auf der Stelle tot. Frau N., die Mutter von sieben Kindern ist, soll in letzter Zeit schwermütig geworden sein und des öfteren Selbstmordgedanken geäußert haben. Charlottenburg. Zum Kampfe um die völlige Sonntagsruhe. Am Dienstag, den 18. September, tagte im großen Saale de» Volkshauses, Rosinen- straße S, eine sehr gut besuchte Versammlung des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und-gehilfinnen Deutschlands sowie deS Deutschen Transportarbeiterverbandes, Bezirk Groß-Berlin, mit der Tagesordnung:„Her mit der vollständigen Sonntags- r u h e I" Zu der Versammlung waren der Magistrat sowie das Stadtverordnetenkollegium Charlottenburg» geladen. Neben den Stadtverordneten Genosten Zietsch und Scharrenberg waren auch die liberalen Vertreter Stadtverordnetenvorsteher Kausmann und Gutmann erschienen, während der Magistrat eS vorgezogen hatte, durch nachfolgendes Schreiben sein Nicht- erscheinen zu motivieren:„Auf die Einladung vom 29. August d. I. zu der am 13, September d. I. abends 9 Uhr im Volkshause hier- selbst stattfindenden Versammlung betreffend den weiteren Susbau der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe erwidern wir ergebenst, daß wir mit Rücksicht auf die für G r o ß- B e r l i n bestehende Interessen- gemeinschaft daran festhalten müssen, eine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe nicht eher eintreten zu lasten, als bis die Stadt Berlin eine weitere Ausdehnung der Sonntagsruhe in die Wege ge- leitet hat. Wir denken daher von der Entsendung eines Vertreters zu der Versammlung abzusehen." Nachdem der Referent Stadtv. Spieker mann- Lichtenberg mit überzeugenden Gründen die Notwendigkeit der völligen Sonntags- ruhe dargelegt hatte, beleuchtete der Versammlungsleiter Genosse Bernhardt des näheren die Verhältnisse der im Handelsgewerbe tätigen Perionen. Am Schlüsse nahm die Versammlung folgende Resolution mit dem Antrage, dieselbe der Stadtverordnetenversammlung zu unter- breiten, einstimmig an: Die am 13. Septeniber im Volkshause, Rosinenstr. 3 tagende, vom Zentralverband der Handlungsgehilfen und Gehilfinnen Deutschlands sowie dem Deutschen TranSportarbciterverband, Bezirksleitung Groß-Berlin, einberufene öffentliche Versammlung bedauert, daß die gesetzgebenden Körperschaften dem so dringenden Wunsche aller im Handelsgewerbe Beschäftigten, die vollständige Sonntagsruhe einzuführen, bisher noch nicht nachgekommen sind. Die gesetzliche Einführung der vollständigen ununterbrochenen FSstündigen Sonntagsruhe ist eine kulturelle Notwendigkeit, die durchzuführen um so erforderlicher ist, als gerade die Handels- angestellten durch die überaus lange Arbeitszeit an den Wochentagen nicht nur in ihrer Gesundheit schwer bedroht, sondern auch in ihrer geistigen und beruslichen Weiterbildung gehindert werden. Die voll- ständige Sonntagsruhe zu verweigern liegt gar keine Veranlassung vor, da selbst die große Mäste der Arbeiterschaft, auf die angeblich als Kon- sumenten Rücksicht genommen wird, stets die Handelöangestellten in ihren Forderungen unterstützt und mit der vollständigen Sonntags- ruhe einverstanden ist, um so mehr, da die Einführung der Sonntags- ruhe nicht eine Verminderung des Konsums, sondern nur eine Ver- legung der Verkaufszeit bedeutet. Die Versammlung erwartet daher, daß das Stadtverordneten- kollegium sowie der Magistrat der Stadt Charlottenburg den Antrag auf Einführung der vollständigen Sonntagsruhe umgehend nach- kommt, um somit dem gesamten Handelsstand. Prinzipalen und An- gestellten, das allen anderen Berussständeu gewährte Recht auf den arbeitsfreien Ruhetag zu geben. Selbstmord einer Krankenschwestrr. In dem Säuglingsheim in der Rüsternallee hat sich gestern die 26 Jahre alte Krankenschwester Marie Schlegel aus unbekannten Gründen mit Morphium vergiftet. In hoffnungslosem Zustande wurde die Lebensmüde in die Dr. Edelsche Heilanstalt in der Berliner Straße eingeliefert, wo sie nach mehreren Stunden starb. Die Leiche ist auf Anordnung der Staats- anwaltschaft beschlagnahmt worden. Steglitz. Bei einem verhängnisvollen Unfall hat vorgestern der Maschinen- arbeiter Paul Quast, Schöneberger Straße 11, den Tod gefunden. Qu. war von der Arbeit heimgekehrt und als er im Begriff war, nach seiner im dritten Stockwerk belegenen Wohnung hinauszugehen, glitt er auf der ersten Treppe aus, stürzte rücklings ab und brach sich da? Genick. Ein sofort hinzugerufener Arzt konnte bei dem Verunglückten nur noch den Tod feststellen. Nikolassee. Unter den Rädern der Lokomotive. Gestern früh wurde auf der Strecke zwischen Nikolassee und Grunewald eine grausige Entdeckung gemacht. Neben den Gleisen fand man die Leiche eines Mannes, der später als der Registrator Siegfried B. aus der Burastraße in Berlin festgestellt wurde. B. hat wahrscheinlich in der Dunkelheit die Gleise betreten und sich in selbstmörderischer Absicht vor einen heranbrausenden Zug geworfen. Nach dem Befund ist B."auf der Stelle getötet worden. Die Leiche wurde von Beamten der Polizei statt on Hundekehle geborgen. Weistensee. Aufsehen erregt die plötzliche Unterbringung des Eigentümers Augustin auS der Falkenberger Straße in die Landesirrenanstalt EberSwalde. Augustm ist Inhaber eines Kohlengeschäfts. Wie be richtet wird, war er dem Alkohol etwas ergeben, was seine Frau veranlaßte, sich an einen Geistlichen zu wenden und von diesem Rat zu verlangen. Der Geistliche veranlaßte eine ärztliche Unter- suchung des Augustin. Das Gutachten lautete auf Geisteskrankheit. Der Gemeindevorstand, in Vertretung Herr Dr. Pape, ordnete die Unterbringung in einerNervenheilanstalt an und Augustin wurde von der Straße weg nach EberSwalde geschafft. Gewöhnlich geht eS in solchen Fällen nicht so schnell, aber durch das Mitwirken des Herrn Pfarrer» ist der Dezernent der Armenverwaltung wohl zum eiligen Handeln veranlaßt worden. Die Nachbarschaft deS Augustin wie auch der Grundbesitzerverein deS alten Ortsteils haben sich indessen des Jnter nierten angenommen. Inzwischen ist der Gemeindevorstand zu der Ueberzeugung ge- kommen, daß eine Unterbringung des A. in einer Irrenanstalt nichl notwendig sei. Man habe daher, so teilte Dr. Pape dem Bevoll mächtigten des Grundbesitzervereins mit, der Direktron der Landes irrenanstalt zu EberSwalde mitgeteilt, daß die Uebcrnahme der Kosten durch die Gemeinde zurückgezogen wird. Der Fall zeigt, daß der Gemeindevorstand nur zu schnell die Ueberführung des A. in die Irrenanstalt angeordnet hat. Und hätten sich nicht Personen gefunden, die sich des Internierten mit Nachdruck annahmen, so bestände sicher für denselben keine Aussicht, sobald wieder auS der Anstalt zu kommen. Köpenick. DaS Opfer eines RaubanfalleS wurde vorgestern nachmittag eine Berlinerin rm Forst bei Köpenick. In der Nähe der Kolonie Köpenick— Nord wurde sie von einem Radfahrer, der die Chaustee entlang gefahren war, angehalten und aufgefordert, daS Geld und alle Werlsachen herauszugeben. Als die Ueberfallene um Hilfe schrie. riß ihr der Räuber die Handtasche, in der sich ein Portemonnaie mit 76 Mark befand, auS der Hand, schwang sich auf sein Rad und fuhr davon. Er entkam in der Richtung nach Berlin zu. Wandlitz. Am Sonntag tagte hier im Gesellschaftshause eine gut besuchte Volksversammlung, in der Genosse Redakteur HanS Block« Berlin über das Thema:„Wilhelm II., das Instrument des Himmels" sprach. Unter öfteren Zustimmungskundgebunaen geißelte er die Gottes- gnadenidee und kennzeichnete die politische Situation. Nachdem noch ein Genosse auS dem Orte in kräftigen Worten dem Referenten bei- gestimmt hatte, legte Genosse Kaiser eine Resolution vor. die gegen den Aufenthalt deS Zaren protestiert und begründete sie mit scharfen Ausführungen unter lebhaftem Beifall der Versammelten. Nach anfeuernden Schlußworten des Referenten und deS Vorfitzenden Genossen Neumann« Pankow wurde die Resolution einstimmig angenommen und darauf die Versammlung mit einem begeistert aufgenommeneu Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. NowatveS. Aus der Gemeindevertretung. Zu einer längeren Debatte kam es anläßlich eines Antrages deS Gemeindevorstandes, das Real- progymnasium im Entstehen zu einer Vollanstalt auszubauen. Am 1. April nächsten Jahres, so führte der Bürgermeister auS, wird eine Sekunda eingerichtet und die Entwickelung der Schule habe bewiesen, daß eS eine Notwendigkeit sei, im Interesse des Ortes sie voll auszubauen. Genosse Gruhl sprach im Namen der dritten Ab- teilung sich im Prinzip für die Vorlage aus. Da wir einmal daS Gymnasium durch die Verschmelzung mit Neuendorf haben über- nehmen müssen, liege für uns kein Grund vor, die Schule in ihrer Entwickelung aufzuhalten, da ja auch durch die Vorberatungen nach- gewiesen sei. daß für die Oberstufen die nötigen Schüler vorhanden sein werden. Wundern müsse er sich jedoch darüber, daß von bür- gerlicher Seite gegen die Vorlage keine Opposition gemacht werde, da sie doch auch eine Belastung für den Ort mit sich bringe und man bei Gelegenheit der Vorlage zwecks Ausbaues der FortbildungS- schule den ganzen Ort in Bewegung gebracht habe, um die Vorlage wegen der schlechten finanziellen Lage der Gemeinde zu Fall zu bringen. Genosse Gruhl geißelte mit scharfen Worten die unschöne Agitation der hiesigen bürgerlichen Vereine gegen die FortbildungS- schule, ganz besonders des liberalen Vereins, der es sich zur Aufgabe gemacht habe, Opposition gegen die Bewilligung von Mitteln zu machen, um auch die ungelernten jugendlichen Arbeiter in die Fort- bildungsschule aufzunehmen. Wenn man ohne Bedenken die Mittel für das Gymnasium aufbringen wolle, so dürfe man dem Ausbau der Fortbildungsschule und vor allem der Schaffung einer geeig- neten Leitung für dieselbe kein Hindernis in den Weg legen. Der Bürgermeister erklärte, er werde im Oktober eine neue Vorlage im Sinne des Herrn Gruhl einbringen und er hoffe, die Vertretung von der Notwendigkeit derselben zu überzeugen. Die Debatte schien dem Gemeindevertreter Schneider an die Nieren gegangen zu sein, denn er versuchte auf dem Geschäftsordnungswege die Ausrollung der Fortbildungsschulfrage zu verhindern, was ihm aber nicht ge- lang. Gemeindevertreter Nathan erklärte, waS außerhalb der Ge- meindevertretung gesagt und geschrieben werde, kümmere ihn nicht, die bürgerlichen Gemeindevertreter seien nicht gegen den Ausbau der Fortbildungsschule. Sie möchten nur nicht inmitten des Etat?- jahres eine solche Vorlage erledigen, sondern die Mittel dazu im neuen Etat eingestellt wissen. Nach einem Vortrage des Gymnasial. direktorS Scheel über die Entwickelung der Schule seit ihrer Grün- duna wurde der Ausbau in eine Vollanstalt beschlossen. Damit das Kind nun auch einen Namen habe, wurde beantragt, sie..Althoff. Schule" zu taufen. Die Vertretung beschloß,� der Anstalt den Namen„Althoff-Realgymnasium" zu geben,„in Anbetracht der großen Verdienste des verstorbenen Ministerialdirektors Althoff um das höhere Schulwesen in Preußen", wie Herr Direktor Scheel so schön ausführte.— Der am 20. April beschlossene Tarif für die Freibank wurde von der Aufsichtsbehörde nicht genehmigt, weil fiir die Stellung des amtlichen Verkäufers besondere Gebühren fest- gesetzt waren. Der Beschluß wurde dahin abgeändert, daß in Zu- kunft die mit der hiesigen Fleischerinnung vereinbarten und als aus- reichend erachteten neuen Tarifsätze zur Erhebung gelangen. Die Vorlage über die Abtretung von Etraßengelände der Firma Adolf Pietsch zur Verbreiterung der Bergstraße zog der Bürgermeister als noch nicht spruchreif zurück.— Außerdem wurden noch einige kleine, weniger wichtige Vorlagen erledigt._ PotSdam. Um die Steuer« für den Stadtsäckel z» rette», wird die Ge- bührenordnung der Müllabfuhr- und Kanalisationsgebühr geändert, noch ehe sie zum erstenmal erhoben ist. Es waren gegen die Ver- anlagung zahlreiche Reklamationen eingegangen, die überhaupt die Gültigkeit der ganzen Sleuer bezweifelten. Inzwischen hat das Oberverwaltungsgericht dieselbe Gebührenordnung der Stadt Kassel, die übrigens der Potsdamer als Borlage diente, für ungültig er- klärt. Man will nun die Bestimmung, die zur Ungültigkeitserklärung geführt hat, streichen und hofft so die Gebühren weiter erheben zu können, da eine event. Klage beim Oberverwaltungsgericht nicht so schnell entschieden sein wird. Schon die erste Stadtverordneten- sttzung nach den Ferien wird hierüber Beschluß fassen und wohl ohne weiteres zustimmen, da ja die neuen Steuern eine Eni- lastung der Hausbesitzer darstellen. Jugendveranstaltunge«. Köpenick. Am Sonntag, den 18. September, Spielpartte nach Pferde« bucht bei Köpenick. Treffpunkt am Heuplatz(Gymnasium), mittags 1 Uhr. Alle Eltern der arbeitenden Jugend werden gebeten, ihre Söhne und Töchter aus diese Partie hinzuweisen. Der Jugendausschutz. Freie Jugendorganisation Weifienfee. Heute Donnerstag, den IS. September, findet im„Prälaten". Lehderftr. 122, die Mitgliederversamm- kung statt. Vortrag des Genossen Zimmermann-Karlshorst. Eine öffentliche Volksversammlung findet am Freitagabend bei Lipps, Am Friedrichshain 16—23, mit dem Thema:„Das In- strument des Herrn, die Rückkehr zur Kirche und der internationale Freidenkerkongrch in Brüssel" statt. Referent: Landtagsabgeordneter Adolf Hoffmann. Bnefkaftcn der Redaktion. Linveuftra he Nr.«v, vor« >/> bis Utir ab»»»?, Jeder fiir den Brief- Tie jnrlftttche Svreitiftunde linde« vier Trcvvcn— Fadettubt—. wochentäglich von 4'/, d Sonnabend? von 4>/, bis 6»he nachmittags flott. 1 lasten bestimmten Ilnlrag» ist im Bnchnade und eine isabl als St'tert- »eichen dei»nlngen. Brieflich« Zlotwort wird nicht erteilt. Eilige Fragen»rage man t» der Svrechkinnde vor. N. 7. 1. Da? Ist zulässig. Eine Verpflichtung zur Bekanntgabe de? AusenthaltS bektebl nicht. 2.'Nein.— I. R. 7S. Spatestens am 15. zum ersten kommenden Monats.— Streitende Paris. Ihre Frage ist un- verständlich.— 21. B. 30. 1. Ja. 2. An den Magistrat mit dem Er» suchen um Zahlung.— 2l. G. 100. Die Kasse ist nicht zu empsehlen.— — O. S. 97. 1. Eine Meldung der Mitglieder bei der Bebörde erfolgt nicht. Wirtschastlich« Schädigungen könnten infolge einer Denunziation entstehen. 2. Sie haben leider keinen Anspruch.— M. B. 100. Nein. — C. L. 38. Wir raten, beim Direktor deS Gewerb-saal«, Ingenieur HrabowSki. Grotzbeerenstt. 2S, anzufragen— E. W. 86. 1. Bei dem zuständige» Landrat ist ein Antrag aus Rentengewährung anzubringen. Gegen einen etwa ablehnenden Bescheid der Veisicheiungsanstalt ist die Berusung an das zuständige Schiedsgericht für Ardeiterverficherung zu- lässig. 2. Eine solche Verpflichtung besteht nicht. 3. Zu derarttgen Fest- stellungen mangelt uns die Zeit. Das Statistische Amt der Stadt Rixdors dürste aus Anfrage Auskunft ertellen.— H. P. 100. 1. Nein. 2. Verein für Feuerbestattung, Breltestraße 5.— Eberswalde. Beschweren Sie sich bei dem Regierungspräsidenten, für den Fall der Erfolglofiakeit bei dem BezirtSauslchutz.— Abonnent 2l. Derartige, GeschäslSvermittelungen darstellende Auskünfte erteilen wir nicht.— P. H. 1. DaS Geld unterliegt nicht der Beflblag» nähme. Sollt« dennoch eine solche erfolgen, so muh Ihre Frau Freigabe fordern. 2. Nur nach Zustellung eines gerichtlichen Pfändung», und Heber» weifiingSbcfchluff-S.— Radotage 100. 1. DaS ist zulässig, wird aber in der Regel nichl bewilligt. 2. Etwa 15 M., falls verhandelt und entschieden wird. 3. Rein. Wenden Sie fich an die Aufsichtsbehörde, daneben aber auch an die BerusSgenoffenfchast.— R.®. 66. Ja.— A. Sch. 10, Rixdorf. 1. Eine Klage gegen den Karusselbesitzer hat Aussicht auf Erfolg. 2. Sie können Berichtigung fordern, müssen aber den Wortlaut der Be- richtigung einsenden.______ Eingegangene Druckrcbrtften, März. Halbmonatsschrift für deutsche Kultur. Herausgeber: Ludwig Thoma und Hermann Hesse. Erstes Septemberheft 1919. Preis 1,20 M., im Abonnement das Quartal(6 Hefte) ö M. Verlag von Albert Longen in München. Amtlicher Marktbericht der städttfchen Marktballen-DtteNioa über den Grohbandel in den Zenwal-Marttballen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr schwach, Gelchäft still, Preife unverändert. Wild: Zufuhr un» icnügend, Geichäst nicht lebhast genug, Prelle teilweise nachgebend. Ge» slügel: Zufuhr genügend, Gelchäft still, Preise schwankend. Fische: Zufuhr reichlicher, Gesibäil ziemlich lebhaft, Presse im allgemeinen besriedi- gend, für Aale und Krebse gedrückt. Butter und Käs«: Geschäft ruhig, Press« unverändert. Gemüse, Ob« und Südsrüibte: Zufuhr genügend, Gefchäft schleppend, Preise wenig verändert. Neue Wal- nüsse am Markt._ «SttternngSüberlicktt vom 14. September 1910. morgens 9 llbr. Swinemd« Hamburg verlw Frantt.a M München Wien EÄ £= 5 a «ist ll St 765 SO 763 D 763 D 762 SW 762 SW 761 Still Qtttn i 5halbbd. 2 Nebel Ibalbbd. 1 Nebel 1 Regen dedeckt w» d* Etattonea Ii «R— *§ Havaranda 764® Petersburg 763 SSW Scilly 1 763 NNO tlberdeeo! 772 NNW Pari«>761 S Vetter ** £* 2halbbd. 1 wolkenl 8 wolkig 1 bedeckt 1 1 wolkenl. 10 10 13 10 s Wetterprognose für Donnerstag, den IS. September 1910. Vielfach heiter, nachts etwas kühler, am Tage ziemlich wann bei mäßigen südöstlichen Winden; keine oder unwesentliche Niederschläge. Berliner W etteroureav. Waffcrstanvs-Naitirttbte» der LaubeSanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Wasserstand M e m« l. TIlN« P r« g« l. Jnsterbmg W e i ch f e l, Tboru Oder, Ratibor » Krassen , Frankfurt Warthe, Schrimm » LandSberg Netz«, Vordamm Elbe, L-itmeritz , Dresden , Barby , Magdeburg K+ bedeutet Wuib»,— stall.*) Unterpegel. Der Scheitel des OderhochwajferS hat heute nacht mit 522 om GIogau erreicht, wo er nur 35 cm niedriger geblieben ist, als bei dem Hochwasser von 1303. Für die Sttomstrccke Fürstenverg— Küstrin erwartet die Oderstrombauverwalliing annähernd gleiche Wasserstände wie 1303. Die hohen Wasserstände sind dabei von ziemlich langer Dauer, so daß die Deiche stark beansprucht werden. Die obere. Oder und die Glatzer Reitze sind weiter gefallen. Heuliger Wasserstand der Oder bei Ratibor: 311 cm. während der Arbeit bekämpft man vorteilhaft durch Trinken kräftiger Fleischbrühe, hergestellt durch einfachen Aufguß kochenden Wassers auf einen 0X0 Bouillon-Würfel der Compll Liebig.— Preis 5 Pf. Theater und Vergnügungen Donnerstag, 15. September. Ansang VI, Uhr. KtneS königl. Opern-Theater. Don Juan. Aönigl. Schauspielhaus. Bürger« lich und romantisch. Ansang« Uhr. Lessing. Einsame Menschen. Deutsches. Faust.(Ansang VI, Uhr.) Kammersxiele. Der gute König Dagobert. tlo»»sche Oper. Der Arzt wider Willen. Berliner. Musikant enmädel. Neues. Die goldene Ritterzett. Residenz, blobissss oblige. Kleines. Die verflixten Frauen» zimmer. 1. Klasse. Westen. Die geschiedene Frau. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller O. iWnllnei- idealer.) Zärtliche Verwandten.— In Zivil. Sich il er Tharlotteuburg. Die Liebe wacht. Berliner Volksoper. Di« luftigen Weiber von Winbsor.(Ansang 8'l, Uhr.) Luisen. Die schöne Ungarin. Modernes. Der Wert de? LebenZ. Trianon. Psade der Tugend. Sieurs Overetten. Der Gras von Luxemburg. spielbans. DaS Leutnants. Luftsp mündel. Herrnfcld. Wenn zwei dasselbe dm. Das starke Stück. Role. Dors und Stadt. Folies ikaprice. Der schwarze Schimmel.— DaS alle Ghetto. (Ansang S'U Uhr.) Friedrich« WilhctmstädtischeS. Biederleute. Metrot'vi. Geschlossen. Kasino. Der schneidige Rudols. Neues Tchauivielbaus. Wann kommst du wieder. Apollo. Spezialitäten. Vaiinge. Spezmlitäten. Nrichsbnllen. Steltiner Sänger. Walhalla. Svezialitäien. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Havcrland. Spezialitäten. Prater. Der Bettelstudent von Berlin. Boigt. Geschlossen. Schweizer-Garten. Speziallläten. Urania. T.>»vr>iilr»ste iXiSU. Abends 8 Uhr: Weltausstellung w Brüssel. Sternu aree. Invalide» str. 57—62. Lessing-Theater. 8 Uhr: Einsame Menschen. teitag 8 Uhr: Tantriv der Rarr. onnabend 8 Uhr: Gespenster. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese: Das MllMlltrnmiidtl. Neues Theater. Täglich: Die goldene Rillerzeit. Ansang 8 Uhr. (Sommerpreise Parkett M. 3,10 usw.) Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die geschiedene Fran. Freitag zum erstenmal: Die schönste Krau. Ansang 7'/, Uhr. Weue» Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Ter Graf von Luxemburg. Operette in 3 All. von A. M. Willner u. R.BodanSky. Musik v. Franz Lehär. Wtodernes Theater (früher Hebbeltheater). Heute tt täglich: fllß V BSßB. Residenz-Theater. Direltton: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: ffohlesse oblige. Schwank in 3 Akten von Hennequtn und Beber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: ZV«hIe»«e oblige._ Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Das Leutnantsmündel SMl-Mtr Uli Alt-noabit 47/48. Hans Reil,> Ensemble. Donnerstag, 15. September 1318: Eröffnung der Winter-Saiso». Der Veilchenfresser Lustspiel in 4 Ausz von G. v. Moser. Bittor v. Berndt: Dir. HanS R-itz. Nach der Borstellung: Tann. Kassencrössnung 7 Uhr, Ans. 8'/, Uhr. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 15. Sept., abends 8 Uhr: Biederleute. Freitag: Biederleute. Sonnabend z. erstenmal: Klette«. Hieraus: Niobe. Sonntag: Kletten. Hierauf: Ntobe Berliner Volksoper Eröffnung der Opernsaison. Abends'1,9 Uhr: Die Instlgen Weiber von _ Windgor._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Die schölle Ungarin. Posse mit Gesang und Tanz von Mannstädt und Wcller. Freitag Premiere: Kea« oder: Genie und Leidenschaft. Sonnabend: Im Spätsommer. Sonntag nachm.: Tie schöne Un> gari«. 8 Uhr: Kernt. Montag: Tie Brüder von Gt. Bernhard. osc-in�in Groge Frankfurter Str. 132. Ansg. 8 Uhr. Ende 11 Uhr.' Dorf und Stadt. 1 Schauspiel in 6 Akten von Charlotte Birch.Pseiffer. Freitag: Othello. Auf der Gartenbühne: Theater. Vorstellung, Spezialitäten, gr, Konzert. Ans. 4>/, Uhr._ METROPOL.- THEATER. Wegen Vorbereitung zur neuen Jahres- Revue geschlossen. 8 Uhr: Das sensationell« Programm. 9»/, Uhr: DaS Tagesgespräch Berlins. Verbotene Frucht. Ann)« Vara, Ludwig Mertens a. G. Ferner: 4 Schwestern Ormatls. Gisela Schneider■ XlH«cn. Das verrückte Hotel usw. des von Publikum und Presse glänzend beurteilten »W-WU«! Her Gipfel der illustren VarieMunst! Casino-Theater Lothringer Straff« 87. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schllkidige Rudolf. Rudols Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. 3'/, Uhr: Der Hoohmulsteutel. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee ISS. Tel. 3, 3853. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Sonilabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 30 u. 40 Ps., tktnder dieHälste. Ans.? U., Sonnt. 4 U. Vorzugsharten, nur wochent. gültig, LS Ps. aus allen Plätzen. Stets weivs. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Küustlerkonzert. Entree IS Ps. Garderobe 10 Ps. R. d. Konzert: Familien-Kränzohen. Täglich: Freikonzert. Schiller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Die nhi'tlleh. Verwandten. Lustspiel in 8 Ausz. von R. Benedix. Hieraus: In Zivil. Schwank in 1 Akt v. Gustav Kadelbmg. Ende 10',, Uhr. Freitag. abendS8Uhr: Der Dlhllothehar. Sonnabend, abends 8 Uhr: Der Bibliothekar. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg, Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Idehe wacht. Lustspiel ln 4 Akten von ffi. A. de Callavet und Robert de FlerS. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends SUHr: Robert und Bertram. Sonnabend, abends 8 Uhr: Rodert nnd Bertram. Brauerei Friedrichshain Heft 1—5 der Ronatgschrift Freie Volksbühne 1 ahrgang 1910/1)) kann von allen Mitgliedern aus ihrer Zahlstelle abgeholt werden. 211/16 Sonntag, den 18. September, 3 Uhr Am Eönigstor. Rente nnd folgende Tage: ■I Ii« unffile Ji Oberlandler Kapellen i Kirchweih- und Schützenfest. Bei ungünstiger Witterung Im Saal. Abonnenten des„Vorw&rts" haben wochentags freien Eintritt. Diese Annonce ist am Eingang vorzuzeigen. Thalia-Theater Kampf. Keues Schauspielhans ilehef unsere Kfad. Herrnfelü-Theater Der Herr Senator. Extravorstellung im Lessing-Theater Sonntag, 20. November: Hartleben: Rosenmontag. Lessing-Theater Das Konzert. Residenz-Theater Die 300 Tage. Abendabteiluugeii Raffles. 3., 10., 17., 24. Oktober Neues Schauspielhaus| Tartüff. 31. Oktob., 7., 14., 21. Novembers Ueber unsere Kraft.! TERRASSEN HALENSEE GrISter TergnDgungsparK des Kontinents. Eintrittspreis 50 Pf. 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Vorverkauf 11—2 Uhr, Ans, 8 Uhr. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pfade der Tugend. Folies Caprice. Täglich 8', 4 Uhr: Der schwarze Schimmel. Bnnter Teil: Das alte Ghetto. Vorverkauf 11—2, abends ab 6 Uhr, Derliuer prater-Theater Kastanlenallee 7—9. Heute: Der Bettelstudent von Berlin. Konzert und Ball. Uhr. Entree 39 Ps. Spezialitäten, Ansang 4'/, BS ■ alhalla- tfafitlt Theafer Weinbergsweg 19-20, Rosanth.Tor. Anfang 8'/, Uhr. Die neuen"W September- Spezialitäten. Sanssouci am Kottbuner Tor. Beifallsstürme entfesselt allabendlich das grandione ErOflnnnga- Programm. Kätl GQItini, moderne Jongleuse. Maxim and Mad, franz. Eszentriks. Schenk Marvelly■ Truppe, Akrobat Willy Schräder, Humorist. The Morisoff mit ihrem urkomisch. Bing- und Boxkampf. Hierauf die Posse; Nu hal's geschnappt. Musik v. P. Llncke. Ant. 8'/, Uhr. Nißle s Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Irden Donnerstag. Sonnabend und Sonntag: 8666* Großer Sali. O. Aldo. Dr. Berliner Kunstausstellung IDID 30. April bis S. Oftober. 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