Ar.«17. flbonnementS'Bcdlngungen: BBonnemmtS■ PrciZ pränumerando 1 LiertcljShrl. SM Mk., monatl. 1,10 Ml� wöchentlich 28 PIg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Psg. Sonntags. Nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS. Aieislislc.. Unter Kreuzband für Deutschland und Oeslerreich, Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland L Mark pro Monat. Postabonncmenls nehmen an: Belgien. Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Jahrg. frlcheinl tZgllch äuStr Msvtigz. Vevlinev Volksblatt. DI« Insertion!-eebllhi' BcltSgt für die sechSgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum M Pfg,, für politische und gewerkschaftliche Bercins- und Bersammlungs-Anzeigen HO Psg. „Kleine Hneeicicn", das erste ssett- gedrucktes Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort lll Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg. jedes weitere Wort ö Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niüsscn bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „SozUstKmokrat Rtrlla1*. Zciitralorgan der fozialdcmohratirchcn parte» Deutfchlands. Rcdahttont SSI. 68, Ltndcnstrasae 69* Ferusprecher: Amt FV, Nr. 1983. franhfurt'Ccbus. Frankfurt a.£>., den 15. September. (Privattelegramm des»Vorwärts'.) Bei der heutigen ReichötagSerfahwahl wurde» für Faber(Sozialdemokrat) 14 318 Stimmen, für Dr. Winter(nationalliberal) 7745 und für Dunkel(konservativ) 6583 Stimmen abgegeben. 128 Stimmen sind zersplittert. Demnach hätte Stichwahl zwischen Faber und Winter stattzusindcn. »» » Das Wahlergebnis des Jahres 1907 lautete Dr. Braun(Sozialdemokrat) lLLSS. Rohdc (Antisemit) 7722, Dr. Detto(nationalliberal) 10 070, Erzbcrger iZcntrnm) 22S. In der Stichwahl siegte der Nalionalliberale mit 17 805 Stimmen gegen 12 196 sozialdemokratische. Die Wahl von Frankfurt-Lebus zeigt dasselbe Bild, wie die letzten Wahlen überhaupt, ein starkes Anschwellen der sozialdemokratischen Stimmen, ein starker Rückgang der bürger- liehen Stimmen. Liberale wie Konservative haben eine ge- waltige Wählerflucht zu beklagen— die Hauptkostcn tragen auch hier die Konservativen. Den Konservativen schwante, was ihnen bevorstand. Ueberall bei den letzten Wahlen, in Jauer- Bolkcnhain, in Usedom-Wollin, in LandSberg-Soldin, in Eisenach-Dernibach, in Oletzko-Lyck und nicht zuletzt in Zschopau-Btaricnberg hatte die Rechte kolossale Stimmverluste, zerschmetternde Nieder- lagen erlitten. Ihre Stimmen waren gegenüber den Wahlen von 1907 um 23 bis 5u Proz. zurückgegangen. Kein Wunder, daß ihr vor dem VolkSurteil in Frailkfnrt-LebnS bangte und sie nach einem verzweifelten Mittel suchte, das drohende Vcr- hängnis aufzuhalten. So griffen denn die Junker in ihrer Angst nach dem Strohhalm eines sogenannten„Arbeiter- landidaten", indem sie den konservativen Arbeitersekrctär Dunkel- Berlin aufstellten. Dieser konservative„Arbeiter- Vertreter" sollte deni sozialdemokratischen Kandidaten einen Teil der proletarischen Stimmen abjagen. Welchen Hoffnungen sich die Konservativen noch bis zur letzten Stunde hingaben, beweist am besten eine lange Wahlbetrachtung in der am 13. Septeniber herausgegebenen Nr. 140 der„Konservativen Korrespondenz", in der behauptet wird, die konservative Kan- didatur eines„leibhaftigen Arbeitersekretärs" sei den Sozial- deniokraten„sichtlich unbequem" gekommen, zumal dieser Kandidat in 40 Versammlungen verstanden habe,„durch seine ruhige, sachliche Redeweise... sich selbst die Sympathien positiver Gegner zu gewinnen." f l«ikl)wu(i)cr und ftcltprodulstion von sieisch. Bei den Debatten über die bestehende Fkeischteuening muff ein wichtiges Moment in Betracht gezogen werden: es scheint in der Tat ein steigendes Mistverhältnis zwischen Pro- duktion und Bedarf an Fleisch ganz allgemein sich geltend zu »nacheii. Der Hauptgrund ist die Zusammendrängung der Menschen in den Städten. Die Städter haben von jeher mehr Fleisch konsumiert als die Landleute. Das erklärt sich aus den Bedingungen des Lebens in der Stadt: intensive, nervenzerrüttende Arbeit und der Natur zulvider- laufende Lebensbedingungen führen dazu, dast die Menschen ganz instinktiv zu dem einzigen Mittel greifen, ihre Lebens- kraft zu steigern durch entsprechende Ernährung. Die Wissenschaft hat dann nur bestätigen können, dast der gesteigerte Fleischkonsum tatsächlich das rationelle Mittel ist, um die Schäden des Stadtlebens wenigstens zum Teil zu paralysieren. Nun ist bekannt. dast in den letzten Jahrzehnten die Bevölkerung der Groststädte und Judustriezentren in rapider Weise zunimmt. Daher muß der Flcischbedarf nicht im Verhältnis zu der Bevölkerungszunahme eines Landes steigen, sondern in ungleich schnellerem Tempo. Die Produktion steigt indessen nicht im gleichen Tempo. Die � Viehhaltung paßt sich der gegebenen Wirtschaftsform der land- wirtschaftlichen Betriebe an und die Aenderungen vollziehen sich hier nur allmählich. Zwar haben sich in der europäischen Landwirtschaft einige Aenderungen vollzogen, die die Viehhaltung begünstigen. So die bessere Ausnützung der Futtermittel infolge der Stallfütterung. die Ausdehnung des Anbaues von Hack- früchten(Futterrüben), die Gewinnung von Futterstoffen ans den Abfällen bei der industriellen Verarbeitung von Agrar- Produkten(Melasse. Schlempe. Treber). Aber auf der anderen Seite haben sich auch Momente eingestellt, die auf Vermiude- rung der Viehhaltung einwirken. So vor allein die Ans- Hebung der Brache, die Methode des Umflügens der Accker sofort nach der Ernte. Dadurch fällt das Weiden auf den Brachfeldern und den Stoppeln fort und das führte vor allem zur Rednzicrung der Schafherden. In Deutschland ist z. W. die Zahl der Schafe von 10867000 im Jahre 1897 auf 7704009 im Jahre 1907 zurückgegangen. Die Zahl der Rinder ist in der gleichen Zeit allerdings um 11,5 Proz. gestiegen, aber sie bleibt hinter der Zunahme der Bevölkerung zurück, die in der gleichen Zeit 16 Proz, betragen hat. Nur die Schiveinehaltung hat in stärkerem Mäste zu- genommen. Um aber dem Bedarf zu genügen, mußte die Viehhaltung in stärkerem Maße zunehmen als die Volkszahl, sie müßte dem Anwachsen der Stadtbevölkerung angepaßt sein. Dabei bedeutet aber die Steigerung der Viehbestände um 11.5 Proz. noch keineswegs, dast auch die Fleischprvduktion im gleichen Maße gestiegen, denn aus den Viehbeständen ist das Milchvieh auszuscheiden. So entsteht das Mistverhältnis, das in fast allen Ländern der kapitalistischen Kultur sich zivischen Produktion und Bedarf an Fleisch ergiebt. Die Frage ist nun: haben Ivir hier mit eincin„Naturgesetz" etwa im Sinne der Malthusschen These vom„Abnehmen des Nahruugsspielraumes" zu tun? Ist die Deckung des Bedarfes aus„natürlichen" Gründen nicht mög> lich? Bei näherer Prüfung gelangt man unbedingt zur Bev neinung der Frage. Es kann gar keinem Zweifel unterliegen, dast die Fleisch Produktion unermeßlich gesteigert werden kann. Es sind dafür zwei Wege gangbar. Erstens durch stärkere Ausnützung der natürlichen Weide in den Steppenländern wie Rußland, Süd und Zentral-Amerika, Südafrika, Australien, zweitens durch Steigerung der Viehhaltung im Jnlande. Der erste Weg wurde in oen letzten Jahrzehnten erschlossen, Noch vor 50 Jahren wurde auf den Panipas und Prärien Amerikas die tollste Wirtschaft getrieben, indem man die Rinder aus den frei weidenden Herden schlachtete, einzig um Häute und Horner zu gewinnen, die Kadaver blieben liegen und verwesten. Erst durch die Erfindungen Liebigs wurde es möglich, in wirtschaftlicher, lohnender Weise Fleischkonserven herzustellen und man begann, das Fleisch dieser Tiere zu verwerten. In den achtziger Jahren setzt die sogenannte Kälteindustrie ein, es gelang Einrichtungen zu treffen, um Fleisch längere Zeit in frischem Zustande zu erhalten; so begann der Massen- transport von Fleisch aus Südamerika und Australien nach England. Daß noch iinermestlich viel mehr Fleisch auf diese Weise produziert werden kann, unterliegt keinem Zweifel. Die Steppen bieten Raunt für unermeßlich mehr Tiere, als heute darauf weiden. Warum setzt also nicht sofort die erhöhte Produktion ein? Der Gründe dafür sind zweierlei: Erstens sperren die europäischen Staaten die Grenze gegen die Zufuhr ab. Es ist bekannt, in welch dumm-pfiffiger Weise Deutsch land hier vorgegangen ist. Man schuf das Fleischbeschaugesetz, welches vorschreibt: die Tierkadaver müssen in solchem Zu stände zur Untersuchung vorgelegt werden, daß Herz. Lunge und Nieren im natürlichen Ziisamnienhange verbleiben. Da es aber bisher nicht möglich ist, die geschlachteten Tiere in diesem Zu- stände in den Kühlräumen der Schiffe frisch zu erhalten, sondern jene Organe abgetrennt werden müssen, wenn das Fleisch nicht verderben soll, so kommt diese Bestimmung einem absoluten Einfuhrverbote gleich. Aber auch in anderen Staaten bestehen derartige erschwerende Bestimmungen. Deshalb bleibt der Markt beschränkt, das Entstehen großer Unternehmungen in der Steppeuwirtschaft bietet also wenig Aussicht. Zweitens sind derartige Unternehmen sehr kompliziert. Es genügt nicht, dast jemand daran geht so und so viel Herden anzuschaffen, um sie in der Steppe lvciden zu lassen, er muß auch über die ent- sprechenden Schlachthäuser verfügen, über Eisenbahnwagen und Schiffe mit Kühlvorrichtungen, Anlagen also, die Millionen kosten. Es sind daher die bestehenden Schlachthäuser und Transportmittel heute im Besitz von monopolistischen Trusts und diese haben ein Interesse daran, die Preise zu halten und zu steigern. Der nordamerikanische Trust hat bekanntlich seine Monopolstellung ausgenutzt, um die Preise horrend zu steigern, was schließlich zu dem Flcischboykott in verschiedenen Städten führte. Aehnlich, wenn auch nicht in diesem Maße, ist der Preis für überseeisches Fleisch in England gesteigert ivorden. Für die Monopolisten ist es natürlich profitabler, statt die Anlagen zu erweitern und mehr Fleisch zu liefern, die Preise in die Höhe zu treiben und so höhere Profite herauszuschlagen. Der zweite Weg— die Vermehrung der Viehhaltung in den dicht bevölkerten Staaten— wird erst in allerneuester Zeit betreten. ES handelt sich dabei in gewissem Sinne darum, sich bei der Viehhaltung von dem verfügbaren Boden zu emanzipieren. In der Regel hält der Landwirt so viel Vieh, als er mit den Futterstoffen aus dem eigenen Boden ernähren kann. Aber eS ist durchaus nicht gesagt, dast das so sein inust. In Dänemark z. B. kann man die Beobachtung machen, daß ein Bauer auf 5 Hektar Land zehn, ja fünfzehn Kühe hält, ivaS dem deutschen Bauer ganz ungeheuerlich erscheine» wird. Die Lösung des Rätsels ist aber sehr einfach: der dänische Bauer kaust halt Futterstoffe aus dem Auslände: auf eigenem Laude produziert er nur einen geringen Teil des Viehfuttcrs, er dient ihm vorwiegend als Weide.— Dieses System der auf Einfuhr von Futterstoffen gegründeten forcierten Fleisch- Produktion hat bisher am meisten Fortschritte in Dänemark, Holland und England gemacht. Zahl und Menge dieser fremden Futterstoffe hat im Laufe der letzten Jahrzehnte beständig zugenommen. Da ist vor allem die gewaltige Steigerung der Einfuhr von amerikanischem Mais. Ferner ist Kleie in den letzten Jahren zu einem Handelsartikel von enormer Bcdcutng geworden. Beständig ausgedehnt wird auch die Berweiidung Expedition: SM. 68, t-indenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. von Oelknchen. In den letzten Jahren tauchte als Handels- artikel eine ostasiatische Hirseart, Gaolian genannt, auf, die bei ihrem niedrigen Preise und hohem Nährwert berufen scheint, dem Mais starke Konkurrenz zu machen. Auch mit der Einfuhr tropischer Pflanzen als Futterstoffe werden Vcr- suche angestellt, die Erfolg versprechen. Schließlich spricht die Technik mit, deren neuester Triumph auf diesem Gebiete die Herstellung der sogenannten Kartoffelstöcken ist: man cnt- fernt aus den Kartoffeln das Wasser, das durchschnittlich 75 Proz. des Gewichtes der Knollen bildet und erhält so du Produkt, das beliebig lange lagern kann und spart außerdem an den Frachtkosten. Auf diese Weise wird die Versorgung mit Futterstoffen gesichert und das Beispiel Dänemarks be- weist schlagend, dast bei den in Dänemark bestehenden Fleisch- preisen, die um mehr als 50 Proz. niedriger sind, als die deutschen, eine derartige Wirtschaft sich rentiert. Freilich hat diese Wirtschaftsform zur Voraussehung intelligente Landwirte, die nicht am althergebrachten Schien- drian hängen. Ferner ist eine gewisse Ausbildung des Gc- nossenschaftsivesens notwendig, damit die importierten Futter- stoffe nicht übermäßig durch den Zwischenhandel verteuert werden. Drittens ist eine Umgestaltung des landwirtschaftlichen Betriebes in kapitalistischer Richtung notiveudig: es gilt den Rohstoff(Futter) zu kaufen. � um Fleisch zu produzieren. Das Bestehen von künstlich durch Grenz- sperren und Zölle gesteigerten Viehpreisen ist aller- dings kein Mittel, die Landwirte zu solchen neuen Formen der Wirtschaft zu zwingen. Vor allem aber besteht in Deutschland ein Hindernis in den Zöllen auf Futterstoffe. Besteht doch ein Zoll auf den bisher wichtigsten ausländischen Futterstoff, den Mais, in Höhe von drei Mark pro Doppelzentner, während die Ware im Durchschnitt der letzten zehn Jahre unverzollt in Bremen 10,57 M. kostete. Nahezu ein Drittel des Preises beträgt also der Zoll I So lange derartige Zustünde bestehen, ist freilich die Hebung der Viehhaltung auf dem Wege der Einfuhr von Futterstoffen unmöglich. Älso nicht die„natürlichen Bedingungen" verschulden eS, wenn die Produktion von Fleisch nicht mit dem Bedarf in Einklang gebracht werden kann, sondern die Monopollvirt- schaft, die Wucherpolitik. Es kann nicht die Produktion von Fleisch aus der Steppenwirtschaft steigen, so lange eine Bande von Monopolisten die hierzu nöttgen Anlagen beherrscht, es kann auch die Eigenproduktion Deutschlands nicht steigen, so lange die wahnwitzige Politik des Warenwuchers ausrecht er- halten wird. Indem jedoch die Agrarier sich darauf berufen, dast die Fleischpreise allgemein und nicht nur in Deutschland steigen, schlagen sie sich selbst ins Gesicht. Denn wenn eS richtig ist, dast ein solches Steige» stattfindet, so wird der Zolllvücher doppelt und dreifach zum Verbrechen. Man mag mit Scheingründen eine Zollpolitik verteidigen, die darauf ab- zielt, die inländischen Produzenten vor einem Sinken der Preise unter die Produktionskosten zu schützen. Wenn aber von einer„Schlenderkonkurrenz" des Auslandes nicht die Rede ist, wenn der Weltmarktspreis steigt, dann ist der Zoll offen- bar ein Mittel, nicht die Produktionskosten und normalen Profit zu sichern, sondern ein Mittel den Profit zu steigern. zu steigern auf Kosten der Ernährung der Massen, also auf Kosten der Lebenskraft des Volkes. Berlin, 15. September. Die A e l t e st e n d e r K a n f in a n n» schaft von Berlin haben beschlossen, den Berliner B! a g i st r a t zu e r s u ch e n, bei dem Deutschen Städte» tage zu beantragen, dah dieser in Gemeinschaft mit dem Deutschen Handelstage schleunigst eine auS deir verschiedenen Sachverständigengrnppcn, an welchen sich die Aeltcsten gleichfalls wenden, bestehende Kommission zum Zwecke des Studiums der englischen KühlhanSnnlagen für die Einfuhr nordamerikanischen und argentinischen Fleisches nach England zu enisenden. Die Protestbewegung. Eine Versamutlung unter freiem Himmel fand am letzten Sonntag in Opladen(nntcrer Kreiö Solingens statt, in der NeichStagSnbgeordneter S ch e i d e in a n n über das Thema: »Des Volles Not und des Kaisers Reden' sprach. Bisher war es in der Z e n t r n m S d 0 in ä n e O p l a d e n nicht möglich, ein Lokal zur Abhaltung einer sozialdemokratischen Versammlung zu bckoinmcn und noch in einer der letzten Siadlverordnctensitznngcn in Opladen ctklärte der darlige Bürgermeister, als es sich um die Hergabe eines städtischen Grundstücks zur Abhaltung einer politischen Versammlung unter freiem Himmel handelte, wie der„Vorwärts' schon in seiner Nummer 166 berichtete:„Ich kann es nicht bedauern, daß die Oplader Wirte dieser Partei ihre Lokale nicht geben." Die Hergabe eines städtischen Platzes zur Ab- Haltung einer Versammlung wurde auch abgelehnt, damit war sie aber noch nicht verhindert, denn der linksliberale Fabrikant Römer stellte ein Grundstück zur Verfügung und so komiie die geplante Versammlung stattfinden. Wohl an die 2500 Personen hatten sich zu der Versammlung eingefunden und lauschten den Worten des Genossen Scheidemann, der mit der Zoll- und Steuerpolitik deS Deutschen Reiches und den letzten Kaiscrreden scharf ins Gericht ging. Der Redner erntete stürmischen Beifall und so ist es endlich mal gelungen, in die schwarze Ecke Bresche zu legen. ErivähnenSwert ist noch, dast auf der Eisenbahnwerk- st ä t t e in O p l a d e n, als der Verwaltung Kenntnis von der ge- planten Versammlung wurde, eine Bekanntmachung an- geschlagen wurde. in der bor dem Beitritt zu dem„sozialdemo- fratifchm* Transportarbeiterverband und vor dem Besuch der Scheidemann-Bersammlung mit dem Hinweis auf die Arbeits- ordnung, die ein sofortiges Hinausfliegen aus den, Betriebe beim Besuch einer sozialdemolratischen Versammlung vorsieht, gewarnt wurde. Dieser behördliche Terrorismus wurde vom Genossen Scheidemann unter dem lebhaftesten Beifall der Versammlung ent- sprechend gewürdigt. h Star! besuchte Protestversammlungen fanden weiter statt in Reumiinster, wo der Saal des„Elysium" überflillt war, in Neu m ii hle n- Dietrichsdorf(600 Teilnehmer), in E l l e r- b e l(460 Teilnehmer), in Plön(120 Teilnehmer). Ueberall wurden die Ausführungen der Redner mit stürmischem Beifall aufge- nommen; und überall gelangte die Protestresolution zu einstimmiger Annahme. Die sozialdemokratischen Gemeinderatsmitglieder in Gera(Reutz) haben im Gemeinderat folgenden Antrag ein- gebracht: „Der Gemeinderat wolle beschließen, in Hinsicht auf die all- gemeine Fleischteuerung bei der Reichsregierung dahin vorstellig zu werden, daß 1. die Grenzsperre für die Einfuhr von Jungvieh, Schlacht- bieh und Fleisch auf das für den Seuchenschutz unumgänglich nötige Maß herabgesetzt werde? 2. die Vieh- und Futtermittelzölle aufgehoben werden? 8. bei der fürstlichen Staatsregierung dahin vorstellig zu werden, daß sie sich im Sinne der vorstehenden Forderungen im Bundesrat verwende. Der Stadtrat wird gebeten, sich im Interesse der Stadt wie deren Einwohner dem Vorgehen des GemeinderateS anzuschließend linker dem ISeichsvmtosgefetz. Zm Kampfe gegen die Sozialdemokratie hat seit jeher die preußische Burcaukratie Waffen und Mittel augewandt, die an Auslegung der in Frage kommenden Gesetze beim besten Willen nicht mehr zu übertreffen sind. Eine besondere Technik in der Konstruktion von Gründen haben sich die Verwaltungsorgane angeeignet, um Gesuche zur Genehmigung sozialdemokratischer Versammlungen ablehnen zu müssen. Unsere Parteigeschichte ist reich an solchen Beispielen. Unter dem Neichsvereinsgesetz sollte Recht und Gercchtig- keit zu neuem Leben erblühen. Kleinliche Schikanen sollten nicht mehr vorkommen. Der Minister versprach eine loyale Handhabung des neuen Gesetzes— und die Amtsvorsteher und Landräte arbeiten in der alten Weise krästig weiter. Vor den Toren Berlins ist eS kaum möglich, eine Versamm- lung unter freiem Himmel genehmigt zu bekommen. Ein besonders charakteristisches Beispiel führten wir vor kurzem aus dem Wahlkreise Teltow-Beeskow an; wo der Amtsvorstehcr von Motzen eine Versammlung unter freiem Himmel deshalb nicht genehmigte, weil darin an einem Sonntagnachmittag Anhänger für die Sozialdemokratie ge- worden werden sollten, deren Bestrebungen die ländliche Be- völkerung abgeneigt sei. Die Teilnehmer, die bei der Ver- sammlung in Frage kommen, seien Ziegeleiarbeiter, bei denen notorisch der übermäßige Genuß geistiger Getränke die Regel bilde. Deshalb seien gereizte Stimmung und Ausschreitungen zu befürchten, aus welchem Grunde die Versammlung nicht genehmigt werde. Ein nicht minder typischer Fall ist der folgende: Zum 26. Juni d. I. wurde von einem Parteigenossen dem Amts- Vorsteher zu Rangsdorf, Kreis Teltow, das Gesuch zur Genehmigung einer Versammlung unter freiem Himmel unter- breitet. Unter den» 30. Juni ging ihm das nachstehende Schreiben zu: Die nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung einer ver« sammlung unler freiem Himmel auf dem Grundstuck des Herrn F e n z in Dahlewitz am 10. Juli d. I. wird hiermit versagt. Gründe: t. das Grundstück(Hofraum) des Herrn Herm. Fenz, auf welchem die Versammlung abgehalten werden soll, ist für den Besuch zu klein, so daß Gefahren durch das Gedränge entstehen können, 2. liegt daS Grundstück an der besonders an Sonntagen durch Fußgänger-, Radfahrer-, Wagen- und besonders Automobil- verkehr stark frequentierten Chaussee;— der Hof, in welchem die Versammlung stattfinden soll, ist von der Chaussee aus zu übersehen und es ist anzunehmen, daß eine direkte Gefährdung des Verkehrs, besonders in Ansehung deS Automobil- Verkehrs stattfinden würde, 8. wird die Gefahr zu 1 und 2 erhöht und wahrscheinlicher wegen Mangels an ausreichenden Polizeikräften. Der AmtSvorsteher. ' Spiekermann. Im Jahrs 1907 betrug die Zahl der eingeschriebenen Reichstagswähler von Dahlewitz ganze 77(Siebenundsiebzig). Die um Dahlewitz liegenden Orte und Dörfer hatten in dem gleichen Jahre einige 40 und 50 eingeschriebener Wähler. Es ist aus dieser Tatsache die UnHaltbarkeit der Redensarten, die als„Gründe" für die Nichtgenehmigung der Versammlung herhalten mußten, zu ermessen. Es wurde denn auch sofort Beschwerde beim Landrat eingelegt, in der alle Einwände, die zur Nichtgenehmigung der Versannnlung führten, eingehend gewürdigt wurden. Die wichtigsten Ausführungen wollen wir hier wiedergeben: Das gesamte Grundstück des Herrn Fenz hat eine Größe von 2663 Quadratmeter und ist mit einem Wohnhaus sowie einem Stall und Schuppen bebaut, so daß bei der geringen Einwohner- zahl des Ortes der Platz vollkommen ausreichen dürfte.— Außer- dem könnte der Platz ja auch rechtzeitig abgesperrt werden. Der Hauptverkehr vollzieht sich nichr auf der Straße, an der daS Grundstück liegt, sondern auf der Dorfstraße— der Berlin- Zossener Chaussee— und ist auch hier wegen der geringen Ein- wohnerzahl keine Gefährdung, besonders nicht des Automobil- Verkehrs zu befürchten. Daß nach der Angabe des Herrn AmtSvorsteherS nicht ge- nllgend Polizei vorhanden sein soll, dürfte als gesetzlich zulässiger Grund zum Verbot der Versammlung überhaupt nicht anzusehen sein. Die Antwort deS Landrats auf die Beschwerde atmet den Geist des Amtsvorstehers. Oder umgekehrt?! Sie zeigt auch, daß in der Nichtgenehmigung dieser wie auch anderer Versammlungen unter freien: Himmel eine bestimmte Methode, ein bestimmtes System liegt. Der Landrat teilt nnt, daß er die Beschwerde als unbegründet zurückweist und fährt fort: Der Herr Amtsvorsteher hat niit Recht angenommen, daß die Versammlung nicht nur von Einwohnern au« Dahlewitz, sondern auch aus den umliegenden Ortschaften aufgesucht werden würde. Bei dem dann zu erwartenden starken Besuche würde der vorhandene kleine Hofraum nicht genügt haben. Denn der übrige Teil Ihres Grundstückes kam wegen seiner Bebauung und landwirtschaftlichen Nutzung nicht in Betracht. Da aber Ihr Grund« stück nur durch einen schwachen und durchsichtigen Drahtzaun von der Kreischaussee getrennt ist, so hätte zweifellos noch ein zahl- reiches Publikum aus der dem öffentlichen Verkehr dienenden Straße Aufstellung genommen. Hierin lag eine Gefahr sowohl für den Berkehr wie für das Publikum. Es kommt noch hinzu, daß bei der Zusammensetzung der lanb- lichen Bevölkerung in politischer Beziehung bei der geplanten Ver- sanmilung mit Zusammenstößen zwischen den Anhängern der ver- schiedenen politischen Richtung zu rechnen war. Aus den angeführten Gründen mutzte der Herr AmtSvorsteher aus der Abhallung der Versammlung eine Gesahr für die öffent- liche Sicherheit befürchten. Die Nichtgenehmigung der Versamm- lung war daher gerechtfertigt. So der Landrat I Gegen seinen Entscheid ist am 19. August cr. bei der Regierung in Potsdam Beschwerde erhoben worden. Bis heute ist eine Antwort noch nicht erfolgt I Unt aber die Zeit, bis die Antwort des Regierungs- Präsidenten eintrifft, nicht nutzlos verstreichen zu lassen, wurde zum 28. August eine neue Versannnlung angemeldet, mit dem besonderen Hinweis, daß für diese das gesamte Grundstück, also auch der Teil, der zur landwirtschaftlichen Nutzung dienen soll, zur Benutzung genommen werden soll. Unter diesen Umständen wäre sicher hinreichend genügend Raum für die zu erwartenden Teil- nehmer vorhanden. Der Einberufer konnte sich um so mehr der Hoffnung hingeben, jetzt die Genehmigung zu erhalten, weil ja nunniehr auch die erheblichen Bedenken, die gegen die Abhaltung der Versammlung sprechen(nach der Auf- fassung des Landrates) beseitigt waren. Die Hoff- nung wurde nicht erfüllt. Auch diese Versammlung wurde nicht genehmigt. Mit lakonischer Kürze begründet der Amtsvorsteher die Nichtgenehmigung mit Bezugnahme auf seinen früheren(vorstehend mitgeteilten) Bescheid. Auch hiergegen ist bei dem Landrat Beschwerde erhoben worden. Ob sie Erfolg haben wird? So zeigt sich vor den Toren Berlins, im Reiche des Herrn Landrats des Kreises Teltow, das„liberale" Reichs- vercinLgesetz und die vom Minister proklamierte loyale Hand- habung. lieber die Frage„Was ist eine politische Versammlung?" hat das Oberverwaltungsgericht dieser Tage eine Entscheidung von grundsätzlicher Bedeutung gefällt. Es handelt sich um die polizeiliche U e b e r w a ch u n g einer geselligen Zusammenkunft, bei der gesungen, getanzt und musiziert wurde. Nach fruchtloser Beschwerde wurde Klage erhoben und betont, daß es sich nicht um eine politische Versammlung gehandelt und daher die Polizeibehörde lein Recht gehabt habe, die gesellige Zusammenkunft zu überwachen. DaS Oberverwaltungsgericht erachtete die Klage für begründet und führte u. a. aus: Zu politischen Ver- sammlungen könnten nur solche Veranstaltungen gerechnet werden, bei welchem die Absicht bestehe, eine unmittelbare politische Einwirkung auszuüben; die Versammlung müsse zu dem Zwecke einberufen sein, politische Angelegen- Helten zu erörtern. DaS sei in der Regel nicht der Fall, wenn es fich um Zusammenkünfte zu geselligen Zwecken handele. DaS Vereinsgesetz finde aber in solchen Füllen Anwendung, wenn Tat- fachen angeführt werden können, auS welchen sich ergebe, daß zur Täuschung der Behörde gesellige Zusammenkünfte in der Absicht veranstaltet werden, um politische Angelegenheiten zu erörtern. Die Polizei hat also nach dieser Entscheidung noch einen Haken, den sie einschlagen kann. Wenn sie Tatsachen zu bemerken glaubt, die auf die Absicht schließen lassen, unter dem Deckmantel einer geselligen Zusammenkunft eine politische Versammlung zu ver- anstalten, so wird sie die Veranstaltung überwachen lasten. Wenn ihr nachher nachgewiesen wird, daß ihre Anordnung falsch war— die Ueberwachuilg hat doch einmal stattgefunden. politische(leberlickt. Berlin, den 15. September 1910. Die S tenerhinterziehungen der Besitzenden. Das Ergebnis der Einkommensteuer- Ein- schätzung in Preußen für das Jahr 1909 wirft wieder wie im Jahre 1908 recht interessante Streiflichter aus die Steuerfreudigkeit der besitzenden Klasse. Zu Steuerdeklarationen sind nur diejenigen verpflichtet, die mehr als 3000 M. Einkommen haben. Es sind im genannten Jahre 772 943 Steuer- erklärungen eingegangen. Davon wurden mehr als ein Drittel beanstandet und in 190 000 Fällen wurden die E n d e r g e b n i s s e der Erklärungen als falsch f e st- g e st e l l t und berichtigt. Mithin hat e t n Viertel aller Steuerpflichtigen falsche Erklärungen über ihr steuerpflichtiges Einkommen abgegeben, um dem Staate die schuldigen Steuern vorzuenthalten. Durch die Beanstandungen sind in dem einen Jahr 347 Millionen Mark an stener- Pflichtigen Einkommen mehr als angegeben ermittelt worden. Das hieraus resultierende Mehr an Einkommen- st euer bezifferte sich auf zirka 12 Millionen Mark. Im Jahre 1908 wurde durch die Nachprüfungen der Steuer- deklarationen 330 Millionen Mark steuerpflichtiges Ein- kommen mehr festgestellt und rund 11 Millionen Steuern mehr herausgeholt. In den letzten 12 Jahren aber holte man durch diese Kontrolle 100 Millionen Mark Steuern mehr von den Drückebergern.— Wieviel mögen aber mit ihrem Schwindel noch durchgekommen sein und den Staat um die Steuern betrogen haben? Die Angst vor der Internationale! Wie nachträglich bekannt wird, haben am Sonntag in der Nähe von Frankfurt a. Main feldmarschmäßig ausgerückte Trupppcn mit scharfen Patronen in Bereitschaft gestanden. Die„Frankfurter Volksstimme" teilt mit: „Die internationale Kundgebung der Frankfurter Sozialdemo- kratie am letzten Sonntag hat die Machthaber in zähncklappernde Furcht geworfen. DaS gewaltige Polizeiaufgebot schien nicht ge- nügend, den preußischen Staat vor dem internationalen Umsturz zu stützen. Wie wir schon am Montag zu berichten wußten, war daS 6. Ulanenregiment in Hanau— die Frankfurter Garnison ist bekanntlich im Manöver abwesend— f e l d m a r s ch- mäßig zum Ausrücken bereit. Am Bahnhof stand ein Extrazug unter Dampf, um die Vaterlandsverteidiger auf da« Sachsenhäuser Schlachtfeld zu befördern—»wir haben sie niedergeritten. Kürassiere wir und Ulanen!" Aber damit nicht genug l Auch daS 3. brandenburgische Fußartillerie-Regiment in Mainz stand marsch- bereit, jeder Mann scharfe Patronen in der Tasche und zwei Nationen Fleisch im Tornister. Auch hier wartete ein E x t r a z u g auf das Signal zur Abfahrt, in den die Offizierspfcrde schon verladen warenl Jetzt fehlte noch, daß, wenn die Sozialdemokratie eine Kund- gebung für den Völkerftieden veranstaltet, auf dem Main Kanonen- boote erschienen, um das»Demokratennest" von einst in Grund und Boden zu schießen." Ein Stallwitz. In der Zeit der Lebensmittelteuerung und des Kampfes gegen das persönliche Regiment bringen es die Junker noch fertig, das Volk durch„Witze" zu verhöhnen. Einer aus der Sippe derer von Dohna reißt in der„Kreuz-Zeitung" diesen feudalen Witz: „Nach den neueren Vorgängen kann man erwarten, daß dem- nächst am Reichslage in der in Aussicht gestellten Besprechung der Königsbcrger kaiserlichen Rede von linker Seite ein Gesetzantrag eingebracht werde, also lautend: § 1. Alle Strafen, die gesetzlich auf Beleidigung der Majestät des Kaisers stehen, werden aufgehoben. ß 2. Alle Aeußerungen, welche die Deutung zulassen, daß in ihnen eine Mißachtung der Majestät der Masse, eine Beleidigung ihrer Vertreter, eine Rücksichtslosigkeit gegen die in der Presse und in Vollsversammlungen wahrnehmbare Tagesmeinung liegt, werden gesetzlich bestraft und zwar mit G. nicht unter... Die Umwertung des Majestätsbegriffs wäre damit erreicht. Der Massenwahnsinn marschiert." Das deutsche Volk wird dem Junker von Dohna bei den Reichstagswahlen schon zeigen, daß es sehr gesunden Geistes ist. So gesunden Geistes, daß den ostelbischen Granden darob grausen soll._ DaS Posener Schloß. Man schreibt unS: Wie berichtet, bat sich der Staat verpflichtet, der Kronfideikommiß- Verwaltung für jedes Rechnungsjahr 88 000 M.jfür die Unter- Haltung des Posener Schlosses zu erstatten. Diese VerpflichtmigSlast verdanken wir doch wohl in erster Linie Herrn v. R h e i n b a b e n. Sie ist aber nicht bloß eine„starke Zu- mutung", sondern eine sachlich ganz ungerechtfertigte Summe. Selbst für jemand, der nicht sachverständig ist, liegt hier klar, daß für ein ganz neues, mit allen Mitteln größter Solidität erbautes Schloß nicht schon in den ersten Jahren 88 000 M. Unterhaltskosten er- forderlich sind. Diese setzen sich doch zunächst nur aus den Aus- gaben für die gärtnerischen Anlagen, für Wasser, Gas, Elektrizität und Heizung zusammen, soweit dies alles sür das im Schlosse untergebrachte Hofdienstpersonal nötig ist. Wer sich aber den im„Zentralblatt der Bauverwaltung' in Nr. 69 d. I. dargestellten Schloßcntwurf ansieht, der wird sofort erkennen, daß diese ungeheuere Summe zum größten Teil nicht für sachliche, sondern für persönliche Ausgaben gebraucht wird. Denn im Erdgeschoß deS Schlosses sind Wohnräume: 1. für eine Oberhofmeisterin, 2. für einen Hofmarschall. 8. für Gefolgewohnungen. 4. sür eine sürstliche Wohnung. 6. für zahlreiche Diener, ferner die Kastellunwohnung, endlich Räume für Küchen- und Stallpersonal, der Pferdestall kann 33 Pferde aufnehmen. Von dem zahlreichen Dienstpersonal wohnt natürlich ein Teil dauernd im Schlosse, das sonst wie alle übrigen großen Schlösser Jahre, vielleicht Jahrzehnte leer steht. Die 88 000 M. werden also gebraucht, um vor allen Dingen, daS durch solchen Schloßneubau nötig gewordene neue Hofdienstpersonal zu unterhalten, das schon lange auf diesen behaglichen Wohnsitz wartete, und jetzt nur dazu dient, das Schloß zu bevölkern. Man muß gestehen, mit 38 000 M. lassen sich die höfischen Diensträume in einem nagel- neuen Schlosse auS der Kasse der Steuerzahler recht behaglich in Stand halten. Was aus diesen 88000M. alles bezahlt wird, davon kann sich nur der Beamte ein Bild machen, der weiß, wie hoch sich die jährlichen Unter- Haltungskosten der wirklich bewohnten Minister- und Staats« sektetär-Paläste stellen. Bei den meisten Ministerwohnungen genügt etwa die Hälft« der hier genannten Summe, um große, täglich von Beamten besetzte Häusertomplexe in Stand zu halten. Hier handelt es sich dagegen um ein leerstehendes„Wahrzeichen", ein Zeichen königlicher Macht l— Zuviel Arbeiterschutz! Die Lübecker Gewerbekammer beklagt sich in ihrem Jahres« bcricht bitter über das Wettrennen um die Gunst der Arbeiter. Ihrer Meinung nach ist eS notwendige daß die Frage der jetzt beliebten Gesetzgebung, worunter hauptsächlich die Arbeiterschutz- gesetze zu verstehen sind, einer eingehenden Erörterung unter- zogen wird. „Wir sind— so heißt eS in dem Lübecker Jahresberichte— selbst Anhänger einer gesunden Sozialpolitik, die nicht allein für die Arbeiter, sondern auch für andere Schichten der erwerbstätigen Bevölkerung eintreten sollte. Der 5kurs imReichstage geht aber dahin, dieArbeiter ganz einseitig zumNachteilderArbeitgeberzu unterstützen. Niemand will den Arbeitern das Recht zur Erlangung der Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage einschränken, andererseits soll aber auch der Arbeitgeber, der die Arbeitnehmer ernährt, nicht in jedem Jahre neue Lasten, die er einer überhasteten Sozialpolitik zu danken hat, tragen müssen. Man sollte endlich einmal auf- hören, aus parteipolitischen Gründen ein Wettrennen um die Gunst der Arbeiterbcvölkerung zu veranstalten, ein Wettrennen, bei dem die allein am Start nicht Erscheinenden, Handel, Industrie und Handwerk, den HalS brechen und schließlich mit dem Ausland nicht mehr konkurrieren können." Die Gewerbekammer fordert den Lübecker Senat auf, beim Bundesrat entsprechende Anregungen zu geben. Tie Scharfmacherei eines Oberbürgermeisters. In H a l l e a. S. war vor einiger Zeit ein städtischer Arbeiter. der bereits mehrere Jahre in Diensten der Stadt stand und allerseits gute Zeugnisse erhielt, Knall und Fall entlassen worden. Das geschah, wie sich herausstellte, auf Beschluß deS Magistrats und in Abwesenheit deS zuständigen Dezernenten. Der gcmaßregelte Arbeiter ist Borsitzender der Filiale deS Gemeindearbeiterverbandes und hat in dieser Eigenschaft viel zum Emporblühen seiner Gcwerksckast getan. ES blieb keine andere Wahl alS anzunehmen, daß seine B e» tätigung des gesetzlich g ewährleisteten KoalitionS- rechtes den Grund der Entlassung bildete. So war es denn auch, wie in der letzten Sitzung der Stadtverordneten bestätigt wurde. Unsere Genossen in der Stadtverordnetenversammlung brachten eine Interpellation an den Magistrat ein, worin gefragt wurde, ob der Magistrat das Koalitionsrecht der städtischen Arbeiter an« erkenne und welche Maßnahmen er zu dessen Schutze ergreifen wolle. Zur Bcantwortlmg der Interpellation nahm der Oberbllrgcr- meister Dr. Rive selbst das Wort. Er führte auS: Der Gemeinde- arbeitervcrband ist eine sozialdemokratische Organisation, die dem „Arbeitgeber"— in diesem Falle der Stadt— genau so feindlich gegenübersteht wie die Sozialdemokratie der heutigen Gesellschaft. Der Verband vertritt somit eine Richtung, die unvereinbar ijt mit den Interessen der Kommune und der Staatsordnung. Di« Sozialdemo- kratie hat kein Recht, sich als Hüterin des KoalitionSrechteS aufzuspielen. E S gibt keine größere Feindin des Koalitionsrechtes als die Sozialdemokratie! Für sie ist das KoalitionSrecht der Arbeiter gleichbedeutend mit der Koalitionspflicht. Ihre Anhänger schikanieren Andersdenkende aufs grausamste. Ein freisinniger Arbeiter wird von ihnen gehetzt und geplagt und schließlich zur Verzweiflung getrieben. Eine Partei, die in gedachter Weise daS Koalitionsrecht ge- «vohnheitSmäßig mit Füßen tritt, hat kein Recht anderen Vorhaltungen zu machen oder mit Fragen lästig zu fallen... Diese Worte gebrauchte der freisinnige Oberbürgermeister von Halle im nämlichen Augenblick, als er sein Einverständnis da- mit erllärte, daß ein Faniilienvater seiner politischen Heber- zeugung wegen aus städtischen Diensten gejagt und brotlos gemacht wurde. Außerdem war die Scharfmacherrede an eine Ver- sammlung gerichtet, die auf Grund des schmählichen Terrors der öffentlichen Wahl zusammengesetzt ist. Der Arbeiter ist nicht nur von jeder Beschäftigung in städtischen Betrieben ausgeschlossen, sondern ihm wurde von städtischen Oberbeamten erklärt, daß ihm das in manchen privaten Be- trieben auch so ergehen werde! Also Äechtung deS Arbeiters, der eS gewagt hat. sein Koalitionsrecht auszuüben, in einer Kommune, wo das liberale Pfahlbürgertum das Regiment führt! Da Oberbürgermeister Rive gleichzeitig Polizeichef ist, braucht man sich über den PolizcikurS in Halle wahrhaftig nicht zu wundern. Des„freisinnigen" Stadtoberhauptes Philippika dürfte nicht ver- fehlen, die Aufmerksamkeit höherer Instanzen auf ihren Urheber zu lenken. Im schwarz-blauen Preußen läßt man sich solche Leute nicht entgehen I_ Durch die Tabaksteuer ruiniert. In I o h a n n g e o r g e n st a d t ist die seit Jahrzehnten be- stehende Zigarettenfabrik von Heymann u. Co. g e s ch l o s s e n worden, nachdem den ganzen Sommer hindurch nur vier Tage in der Woche gearbeitet worden ist. In den letzten Wochen machte sich der Mangel an Aufträgen noch schlimmer bemerkbar. ES mußten mehrfach Arbeiter entlassen werden, dabei wurde die Arbeitszeit weiter eingeschränkt. Da die Arbeiter unter solchen Umständen nicht existieren konnten, kündigte eine Anzahl selbst. Daraufhin wurde die Fabrik geschlossen. 80 Arbeiter sind dadurch brotlos ge- worden. So»vird's gemacht. Wie es anzufangen ist, um für die Z e n t r u m S p r e s s e neue Abonnenten einzufange», das zeigt das von Herrn Liborius Ger st en berger redigierte klerikale Würzburger „BolkSblatt" seinen Lesern, indem eS aus dem„Tiroler An- zeiger" einen Bericht über die„ungemein rührige" Tätigkeit des Oesterreichischen Pressevereins, auch Piusverein ge- uanut, zum Abdruck bringt. In den Dörfern, wo der Piusverein eingeführt ist, sei— so heißt eS da— kaum niehr eine einzige „schlechte" Zeitung zu finden; im Untcrinntale gebe es viele Ge- meinden, Ivo schon fast alle Erwachsenen.«Männer lind Frauen, Bauern und Knechte, Bätieriinien und Mägde" beim österreichischen Prcsseverein sind, und in den Dörfern würde eS äußer st selten noch einen Wirt geben, der nicht„sein christliches Tagblatt hat". Wie dies erreicht wird, das läßt der höchst naive Bericht des Tiroler Blattes erkennen: „An Markttagen organisierten die Vertrauensmänner des PiuSvercinS Gruppen, denen ein bestimmtes Gasthaus zur Bearbeitung zugewiesen wurde, und wenn schließ- lieh zehn und zwanzig wiederholt daS christliche Tageblatt ver- langten, ließ sich der Wirt sicher herbei, dasselbe zu bestellen." Und dies Verfahren preist das fromme Würzburger Blatt— be- kanntlich eine„Diözcsaneinrichtung"— seinen Leuten zur Nach- a h m« n g an: „Man sieht, die Leute in Oesterreich können mehr als bloß papicrne Resolutionen oder Vorsätze fassen; sie handeln praktisch. Macht'S nach!"_ Zentrumsmoral. Die ultramontane„N eue AugsburgerZeitung" hatte vor einigen Tagen in einem Artikel die Rede kritisiert, welche die Sozialdemokratin Rosa Luxemburg kürzlich in Offenburg gehalten hat und in der sie mit dem Rufe:„Fort mit den 36 Landcsvätern" gegen die deutsche Kleinstaaterei zu Felde ge- zogen war. Mit flammenden Worten protestierte das Augsburger Biatt gegen diese Rede und knüpfte daran abfällige Bemerkungen über das Judentum in der Sozialdemokratie im besonderen und über das Judentum überhaupt.„Gleichwohl", schrieb es, „stehen ihre Glaubensgenossen bei den verschiedenen deutschen Häfen in hoher Gunst, wo ihr Geld ihnen einen großen Einfluß, adelige Name» und ein getvaltiges Uebergewicht verschafft." Und weiter: „.... Wir aber nähren Tag für Tag das zersetzende Judentum an unserem Busen und nehmen täglich neue Schmarotzer auf, die sich in G a l i z i e n, Polen und R u ß- land nach den Fleischtöpfen und Geldsäcken unseres heimatlichen Bodens und unseres nationalen Schweißes sehnen." Die Augsburger Juden haben diese Angriffe auf das Juden- tum damit beantwortet, daß sie beschlossen, in Zukunft in dem Zentrumsblatt nicht mehr zu inserieren. Darob nun großer Schrecken im Verlagskontor des Zentrumsblattes, denn die jüdischen Geschäftsleute trugen dem frommen Blatte Woche für Woche Tausende von Mark für Inserate ins Haus. Und siehe da, der Geschäftssinn siegte über den Judenhaß und es erschien in der „N. A. Z." eine de- und wehmütige Erklärung, in der die den Israeliten zugefügten Kränkungen zurückgenommen wurden. Die Moral der Zentrumspresse aber zeigte sich bei diesem Wider- ruf noch in einem ganz besonderen Lichte in folgendem Satze: „Der Artikel war auch gar nicht für die„Neue AugSburger Zeitung" bestimmt und wäre in derselben auch nicht veröffentlicht worden, wenn der verantwortliche Leiter nicht wegen Krankheit abwesend gewesen wäre." Also, weil der Leiter des BlatteS abwesend war, ist der Ar- tilel nicht nur iu der vom gleichen Verlage herauSgcge- benen„AugSburger Postzcitung", für die er be- stimmt war, sondern aus Versehen auch in der„Neuen AugSb. Ztg.", dem lokalen Ableger der„Postzeitung", aufgenommen wvv- den. Die Postzeitung, die meist nur von den Pfarrern gelesen wird, kann sich den Antisemitismus leisten. daS Lokalblatt aber schimpft nur auS Versehen auf die Juden und befleißigt sich sonst einer judenfreundlichen Haltung, weil eS hauptsächlich auf die jüdische Jnseratenkundschaft angewiesen ist. Die Moralität der ZentrumLpresse steht nach der Behauptung deS Erzbischofs von München auf dem Katholikentage bekanntlich himmelhoch über derjenigen der nichtkatholischen Presse. Hier ein Beispiel davon.'___ Ter Hanptzeuge der Zeche„Radböd" in ihrem g oßen Prozeß gegen die Dortmunder„Arbeiterzeitung", der Kolonievogt Teichmüller, ist plötzlich verschwunden und mit ihm eine Summe ihm anvertrauterGelder. Teichmüller war auch Vcrioalter einer Postagentur. Wie es hier bestellt ist, weiß man noch nicht. Die Zeche„Radbod" wird sehr betrübt sein, daß ihr ein solch zuverlässiger und glaubhafter Zeuge abhanden gekommen ist. Der brave Teichmüller war ursprünglich Fabrikarbeiter, wurde dann Schutzmann in Hanau, um diesen Posten sehr bald mit dem eines Koloniedogtes auf„Radbod" zu vertauschen._ . Die Militärjustiz. Frankfurt a. M., 1ö. September. DaS OberkriegSgericht des 18. Armerkorps au» Frankturt a. M. verhandelte heute in Darm- stadt gegen de» 2-1jährigen Dragoner Johann Joseph Haas vom Dragonerregiment Nr. 24, der am 30. August d. I. vom Kriegsgericht in Darmstadt wegen Achtungsverletzung. Ungehorsam und tätlichen Angriff gegen einen Vorgesetzten zu LJahren 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. DaS OberkriegSgericht setzte die Strafe für den Angeklagten, der seinerzeit eine Kartätsche nach einem Unteroffizier geworfen hatte, auf löMooate Ge- sängnis herab. Oektemick. Passive Resistenz. Wien, 15. September. Die Direktion der S ü d b a h n teilt mit: Infolge Scheiterns der gestrigen Vcrhand- lungen hat heute nacht in der Zeit zwischen 12 und 1 Uhr die passive Resistenz auf allen österreichischen Linien be- gönnen. Die Züge erleiden bedeutende Verspätungen. Der Personen- und Schnellzugsverkehr ist bereits in Mit- leidenschast gezogeuäLDie Stationen Matzleinsdorf, Marburg, Innsbruck, Kufstein, Trieft und Laibach leiden an großem Platzmangel._ „Gott Nimm". Wien, 15. September. Vor dem Strafbezirksgericht be- gann heute die Verhandlung der in Verbindung mit der Affäre des Stadtrats Hraba stehenden Ehren beleidig ungs- klagen des christlichsozialen Reichsratsabgeordneten Vieloh- lavek gegen den Hausbesitzer Zipperer, welcher Bielohlavek in einer öffentlichen Versammlung beschuldigt hatte, er miß- brauche seine Aemter, um sich zu bereichern, sowie gegen das Wochenblatt„Der Montag" in der gleichen Sache. Beide Angeklagte treten den Wahrheitsbeweis an. Der Andrang des Publikums ist groß._ Die Fleischuot. Innsbruck, 16. September. Die sozialdemokratische Landesparteileitung beschloß, in ganz Tirol große Ver- sammlungen wegen der Fleischnot zu veranstalten, um dazu beizu- tragen, daß die Regierung die Grenzen öffne. Dentsch-tschechische VerständigungSverhandlungen. Prag, 15. September. Oberstlandmarschall Prinz v. Lobkowitz hat heute an den Statthalter von Böhmen und an die Vertreter der deutschen und tschechischen Parteien Einladungen zu den neuen nationalen VerständigungSverhandlungen gerichtet, die an, 20. September in Prag beginnen. frsnkreick. Eine Anklage wegen Antimilitarismus. Paris, 15. September. Infolge einer Anzeige des Kriegs- Ministers hat die Staatsanwaltschaft gegen den Mitarbeiter eines anarchistischen Blattes, namens Perronet, die straf- rechtliche Untersuchung eingeleitet, weil er iu einem gegen die DiS- ziplinarkompagnien gerichteten Artikel die Soldaten zu Un- gehorsam und Mord aufgefordert habe. Portugal. Protestierte Wahle». Lissabon, 15. September. Wegen der W a h l e n zur Deputierten- kammer in den Bezirken Faro, Vianna, Arganil, Guarda ist eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden. AuS diesem Grunde werden etiva vierzig Deputierte der Eröffnung der Kammer fernbleiben. fNnnlancl. Eröffnung deS Landtags. HelfingforS, 15. September. Zum Talman(Vorsitzenden) des Landtages ist der Jungfiiine Swinhuwad, zu Bizetalinans sind ein Schwede und ein Altfinne gewählt worden. Oirkei. Verschärfung des Boykotts. Saloniki, 15. September. Das hiesige Boykottkomitee hat die äußerste B e r f ch ä r f u n g des gegen Griechenland ge- richteten Boykotts beschlossen. Auch in den Fällen, in welchen eine diplomatische Intervention stattfindet, wird den Lastträgern nicht mehr gestattet sein, Waren, welche mit griechischen Schiffen an- kommen, auszuladen oder zu transportieren. Sämtliche Häfen der Türkei sind verständigt worden. Em der Partei. Zum Parteitage. Wie unser Magdeburger Parteiblatt meldet, wird der kommende Parteitag zweifellos einer der stärkst besuchten Kongresse sein, die die deutsche Sozialdemokratie bisher abgehalten hat. Bisher sind als Teilnehmer des Parteitages bereits 370 Delegierte, Reichs« tagSabgeordnete usw. angemeldet. Täglich laufen noch weitere An- Meldungen ein, so daß wahrscheinlich die Zahl der Teilnehmer daS vierte Hundert erreichen, wenn nicht überschreiten wird. DaS wäre nach dem Demonstrationsparteitag in Halle 1300, der über 420 Teil- nehmer aufwies, der stärkste Parteikongreß, den wir überhaupt ge- habt haben. Der Nürnberger Parteitag wies 3(30, der Leipziger 839 Teilnehmer einschließlich der ausländischen Gäste auf. Die Finanzreform 1S0S. So lautet der Titel eines Handbuches, das im Auf» trage des Parteivorstandes verfaßt und soeben im Ver- läge der Buchhandlung vorwärts erschienen ist. DaS Buch gibt auf mehr als 400 Seiten alles Wissenswerte über die Reichs- finanzreform. über die Finanzlage des Reichs, der Reichsschulden, über die Entwickelung deS heutigen ZustandeS, die Wirkung der Steuern usw. VieleS und IvertvolleS Material ist zusammengetragen und übersichtlich gruppiert und beleuchtet. Für die in der Agitation tätigen Genossen wird daS Buch ein sehr brauchbares Hilfsmittel fein— bei den kommenden ReichStagSwahlen 1911 wird es gute Dienste leisten. Der Preis des geschmackvoll gebundenen Werkes beträgt 5 M._ Schillers Werke im Parteiverlage. Anfang November erscheinen im Verlage der Buchhandlung Vorwärts Schillers Werke, 10 Bände in 3 Leinenbänden gebunden, mit einer biographischen Einleitung von Franz Mehring. Der Berkaufspreis ist auf 3,50 M. festgesetzt. Da die Nachfrage nach dieser von dem Genossen Mehring eingeleiteten AuS- gäbe voraussichtlich sehr groß werden wird, bittet die Buchhandlung Vorwärts, die Bestellungen rechtzeitig aufzugeben, spätestens aber bis zum 15. Oktober. Die Höhe der Auf- läge richtet sich nach den eingehenden Auftragen. Für Aufträge, die nach dem 15. Oktober eingehen, kann die Garantie für rechtzeitige Lieferung nicht übernommen werden. Nochmals der Bericht über die sächsische Landeskonferenz. Zu der Erioiderung unseres Leipziger Mitarbeiters sendet uns Genosse Riem nochmals eine Erklärung, der wir entnehmen: „Der Berichterstatter kann in seiner Antwort auf meine Be- richtigung nicht mit einer einzigen Tatsache aufwarten. die seine im Bericht wiedergegebenen unrichtigen Behauptungen stützt. Er greift deshalb zu neuen Ver- dächtigungen, indem er lühn bchauplct: ich st ä n d e nicht u n- eingeschränkt zu meinen Worten. Zwischen meinen Reden auf der Landeskonferenz und denen in der sächsischen Kammer gähne eine Kluft, die mit bloßen Behauptungen nicht zu überbrücken sei und die auch nicht durch eine noch so geschickte Korrektur beseitigt werde. Un, schließlich die in Hin- ficht auf meine in der LandeSversammlnng vertretenen Anschauungen in der Vizeprasidentenfrage und der Frage der Ersten Kammer ganz unlogische und unrichtige Behauptung aufzustellen, meine An- schauungen seien einmütig von der Landcsversammlung zurückgewiesen worden. Keine dieser Behauptungen entspricht den Tatsachen. Ich stehe jederzeit zu den Worten, die ich gesagt, aber nicht zu denen, die mir irgend jemand unterschieben will. Zwischen meiner Stellung» »ahme und»neinen Reden im Landtag und auf der LandeSversamm» luug eineit Unterschied zu entdecken, war lediglich dem Scharfsinn deS Berichterstalters vorbehalten. Der Bericht, den ich als Unterlage meiner Richtigstellung deS unwahren Berichts benutzte, war der der „Leipziger V o l kS z e i tu n g", der ja dem Berichterstatter sehr nahe steht und an dem zu korrigieren ich keine Gelegen« heit und auch keine Veranlassung hatte; den» der Bericht, der der gleiche ist, wie ihn die übrigen sächsischen Partei« blätter brachten, war durchaus objeltiv und richtig, waS man von dem des Berichterstatters an den„Vorwärts" leider nicht be« haupten kann. Die Landesversammlung hat die ja wiedergegebene Resolution gegen eine Stimme angenommeil, die sich mit der Haltung der Fraktion in der Frage des Vizepräsidenten und der Reform der Ersten Kammer einverstanden erklärt. Da ich diese Stellung der Fraklion auf der LandeSversammlnng vertreten, wüßte ich nicht, wieso meine Anschauungen von der Landeskonferenz zurückgewiesen sein sollen. Genosse Riem beruft sich auf den offiziellen Bericht. Wie er schon auS der Erwiderung unseres Mitarbeiters ersehen konnte. wird von diesem die Richtigkeit dieses Berichts angefochten. Die Talsache, daß er auch in der„Leipziger BolkSzeitung" erschien, be- weist nichts dagegen. Der Bericht lvird auf Bestclllmg deS Zentral» komiteeS für Sachsen hergestellt und geht allen fächsischen Partei« blättern zu. Genosse Riem weiß daher sehr wohl, daß er die „Leipziger VoilSzeitung" nicht als Zeugin für sich anführen darf. Aus der italienischen Partei. Rom, 13. September.(Eig. Ber.) Der Parteivorstand, den der Abgeordnete De F e l i c e ersucht hatte, eine Enquete über die koinmüualen Verhältnisse in Catania vorzunehmen und zu prüfen, ob die gegen De Felice gerichteten An« griffe berechtigt wären oder nicht, hat beschlossen, den Genossen Pignatari zu beauftragen, sich über die Möglichkeit eines Eingriffs des Parteivorstandes in Catania Rechenschaft abzulegen. Gleich« zeitig hat der Parteivorstand konstatiert, daß De Felice nicht organisierter Parteigenosse ist und daß in der von ihm geleiteten Stadtverwaltung sich kein einziger organisierter Sozialist befindet. Da aber De Felice in der Kammer der sozia- listischcn Parteifraktion angehört, und da auch die eben gegründete Parteisektion von Catania die Dazwischenkunft des Parteivorstandes an- ruft, glaubt dieser, die Angelegenheit nicht ignorieren zu können. ES handelt sich um Verdächtigungen von gegnerischer Seite gegen die administrative Korrektheit der Stadtverwaltung von Catania. Der„Abanti" bleibt in Rom. Der Parteivorstand hat in seiner, dieser Tage in Florenz abgehaltenen Sitzung sich gegen die Ueberfiihrung des„Avanti" nach Mailand ausgesprochen. Genosse B i s s o l a t i, der Chefredakteur des Zcntralorgans, hat sehr energisch die Notwendigkeit verteidigt, den„Avanti" in Rom zu lassen. Der Parteitag vertagt. Der Partelvorstand hat auf das Ersuchen mehrerer Sektionen beschlossen, den für den 6. Oktober nach Mailand einberufenen Parteitag auf die Tage vom 21. bis 26. desselben Monats zu verlegen. BildungSarbeit der deutsch-ästerreichlfchen Sozialdemokratie. Dem Bericht der Zentralstelle für das BildungSwesen der deutschen Sozialdemokratie in Oesterreich für das letzte Berichtsjahr Ist manche interessante Mitteilung zu enlnehmen. In Wien arbeitet der UnterrichtSausschuß seit 1. Januar 1003; vorher batte der auS Parteifunktionären, Akademikern usw. bestehende Verein„Zukunft" eine VoNragSvermittelung unterhalten. In allen Bezirken fassen UnterrichtSorganisationen alle Gewerkschaftsgruppen und sämtliche zur Partei gehörigen Vereine zusammen. Tritt ein Berein der Be- zirks-UnterrichtSorganisation bei, so haben seine sämtlichen Mitglieder das Recht, alle von der UnterrichtSorgnnisation ausgehenden Ver« anstaltungen in ganz Wien zu besuchen. Die Geschäftsführung besorgt ein angestellter Sekretär, Genosse Dr. Rod. Danneberg(der inter« nationale Jugendsekretär). Die Beiträge der Organisationen schwanken zwischen einem Heller pro Mitglied und Monat und zwei Heller pro Mitglied und Woche. Der einzelne Teilnehmer soll keine Kosten haben; in 11 von 15 Bezirken werden wirtschaftfreie Privatlokale erhalten. Die tschechischen Gewerkschaftsgruppen und verein« haben ihren eigenen Unterrichtsverband, einzelne gehören aber auch der deutschen Bildungszentrale an, deren Mitgliedschaft 344 Vereine mit 87 743 Mitgliedern darstellen. Die Einnahmen betrugen 52064 Kronen 34 Heller, davon 16 400 Kronen aus Tanzunterricht. Die Ausgaben 47 000 Kronen, wovon 15 000 Kronen für Lokalmiete und Erhaltung. Für jeden Bortrag werden an die Zentrale 4 Kronen gezahlt(von Frauenorganisationen 2 Kronen, die Jugendorganisationen bekommen zwei Vorträge monatlich un» entgeltlich I), 143 Vortragskräfte stehen zur Verfügung. Der Besuch der Borträge wird als weitaus nicht zufriedenstellend bezeichnet! 77 Zyklen wurden veranstaltet mit etwa 6000 Besuchern, 82 Unter- richtSkurse mit 5000 Mitgliedern und 1237 Einzelvorträge. Die Arbeiterschule(zweijähriger Unterricht. 80 Wochen zu 4 Stunden) hatte 137 Schüler des ersten und 84 deS zweiten Kursus. Vier Be» zirke haben schon Zentralbibliotheken. In fünf Bezirken wurden WandschmuckauSstcllungen veranstaltet.— Die Freie Volks« bühne veranstaltete in vier Theatern 132 Vorstellungen mit 110 000 Besuchern und 7 Konzerte mit 12 000 Besuchern. Die Mit« gliederzahl hat 10 000 überschritten; die zugehörigen 160 Gewerk« schastsgruppcn haben 1500 Sitze abonniert. Ein Komitee veranstaltete 3 Arbeiter-Sinfoniekonzerte. polireilicdes, Verictmicbes ukw. Gtrafkonto der Parteipresse. Vom Schöffengericht in Mül« Hausen i. E. wurde der verantwortliche Redakteur der Mülhauser „VolkSzeitung". Genosse Jean Metz, wegen angeblicher Beleidigung des Beigeordneten Louvat aus Mülhausen zu 10 M. Geld- strafe verurteilt. Die„VolkSzeitung" hatte in einem Artikel den Privatkläger Louvat zweier Fälle der Begünstigung beschuldigt, be« gangen in seiner Eigenschaft als Beigeordneter. Polizistcncide und Zlvilzengencidr. In Dortmund steht bekanntlich die Anklagebebörde auf dem Standpunkt, daß Polizisten immer zu glauben ist. DaS zeigte sich auch wieder am Dienstag. Ivo vor der Strafkammer gegen Redakteur Genossen Mehlich von der, Arbeiterzeitung' verhandelt wurde. Vor einiger Zeit erschien in der„Arbeiterzeitung" eine Notiz, durch dir drei Schutzleute, ein Wirt und ein Schenkmädchen beleidigt sein sollen. In der Notiz wurde gesagt, einer der Schutz« leute habe in der Wiriichaft dem Mädchen gesagt, sein Hund könne riechen, wo der Mittelpunkt deS Menschen sitze. Darauf habe er seinen Hund losgelassen, der dem Mädchen zwischen die Beine ge« laufen sei. Es war der Notiz die Mahnung angelnüpft, der Wirt möge sorgen, daß solche Sachen unterbliebe«. Zwei Zivil« zeugen, die als Zeugen zugegen gewesen sein wollen, be« stätlgten diesen Sachverhalt. Dagegen wurde er von den Polizisten bestritten, auch der Wirt und daS Mädchen wollen von dem Vorkommnis nichts missen. Einer der Zivilzeugen wurde nicht vereidigt, weil er der Mittäterschaft an der Veröffentlichung schuldig sei. Den anderen Zeugen suchte der Vorsitzende zu bewegen, seine Aussagen zurückzunehmen. Der Zeuge befürchtete zwar, von den Polizisten meineidig gemacht zu werden, erklärte jedoch. nicht anders zu können, er wolle bei der Wahr- heit bleiben. Er leistete den Eid. Es stehen also wieder Eid gegen Eid. Das Gericht glaubte jedoch, wie immer, den Aussagen der Polizisten und verurteilte Mehlich zu 100 M. Geldstrafe. Der Staatsanwalt wollte ihn mit 200 M. bestrast wissen. GewerkrcbaftUcbce. Qntcmebmerterroriomuo. Die Unternehmer und ihre Soldschrciber können nicht f nug über den Tcrrorismus zetern, der angeblich von der ozialdemokratie und den Gewerkschaften ausgeübt wird. Sie schreien nach Polizei und Staatsanwalt, um die Hetzer und Wühler hinter Schlojj und Riegel zu bringen oder sie nach der neuesten Entdeckung nach den Südsecinseln zu deportieren. Täglich aber kleignen sich Fälle der skrupellosesten Lerruss- erklärung unliebsanier Arbeiter durch die Unteruehnicr. In NcinSdors streiken in den Sprengstoffwerken die Metallarbeiter. Einigen der Streikenden ist es gelungen, trotz Versendung der schwarzen Listen anderweitig Arbeit zu bekommen. So hat auch ein Schlosser in der Wittenberger Aktien brauerei Arbeit gefunden. Der Direktor der Brauerei wußte, daß es sich um einen Streikenden de. Sprengstoff? werke handelte. Nicht der Streikende hat um Arbeit an- gefragt, sondern der Direktor hat dem Streikenden die Stellung angeboten und ihn dann eingestellt. Freitag, den 16. d. M. wurde der Schlosser plötzlich entlassen, obgleich vicrzehntägige Kündigung abgemacht war. Die Entlassung ist, das steht zweifelsfrei fest, auf Betreiben des Arbeitgeber- Verbandes oder der Direktion der Sprengstofffverke erfolgt. Auf Vorstelligwerden ist dann die plötzliche Entlassung zurückgenommen worden und der Schlosser soll seine 14 Tage abarbeiten. Damit soll wohl nach außen hin der Schein ge- wahrt werden, als handle es sich in diesem Fall um eine regelrechte Lösung des Arbeitsverhältnisses. Es pfeifen aber die Spatzen von den Dächern, daß der Brauerei mit dem Boykott seitens des Arbeitgebervcrbandes gedroht worden sein soll. wenn der Streikende beschäftigt wird; der Direktor der Witten- bcrger Aktienbrauerei soll gezwungen worden sein, den Schlosser zu entlassen. Zun: Schutze der Arbeitswilligen wird die Polizei mobil gemacht und diese stellt sich auch bereitwilligst den Unter- nehmern zur Verfügung. Aber Streikende, denen es gelungen ist, Arbeit zu erhalten, werden skrupellos verfolgt und rücksichtslos wieder ans der Arbeit gedrängt. Das ist Unter- nehmermoral. Ob sich hier ein Staatsanwalt finden wird, der gegen die Missetäter genau so wie gegen Streikposten vorgeht?_ Berlin und Qnigegenrt. Tchtung, Schuhmacher! Bei der Firma Isleib u. Baumer, Schuh- montage-Febril. Elisabethstr. 24, sind Differenzen ausgebrochen. Die Kollegen befinden sich im Streik. Wir ersuchen, dieses zu beachten. Verband der Schuhmacher, Zahlstelle Berlin. DeutleKe?» Reich. Die Stettlncr Matrosen und Heizer haben durch den Transport» arbeiterverband fSeltion Seelenle) die Forderung an die Reedereien gestellt, ihren Monatslohn von 60 auf 65 M. zu erhöhen und für Uebcrsmnden 46 Ps. zu zahlen. Von der Organisation ist alles versucht worden, um mit den Reedereien eine gütliche Beilegung herbeizuführen, die Reeder lehnten aber jede Verhandlung strikte ab. Jetzt haben die Seeleute beschlossen, bei der Anmusterung keine Verträge unter 65 M. Monatsheuer zu unterschreiben. In der bürgerlichen Presse wird schon ein Ausstand der Seeleute als Weiterung de» WerstarbeiierauSstandeS an die Wand gemalt: vor- läufig kann davon nicht die Rede sein. Dir Dachdecker in Magdeburg sind ausständig, weil der Ab schluß eineS TarifeS durch das Verhalten der Unternehmer hinaus� geschoben wurde, sicher in der Absicht, die notwendigen Arbeilen fertig zu stellen, um dann einen Tarit nach ihren Wünschen durchs zudrücken. Dem Vorgehen der Dachdecker haben sich die im Dach decke, gewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter und Leitergerüstbauer an« geschlossen: mit Ausnahme von ein paar älteren Leuten ist die Arbeit einmütig niedergelegt worden. Zuzug ist fernzuhalten. Christliche Tarifignoranten. Auf Anfrage des Maurerverbandes in BreSlan, weshalb bei einem Unternehmer, der vorzugsweise christliche Bauarbeiter be schäsrigt, 10 Stunden anstatt der im Tarif festgelegten ö'/z Stunden gearbeitet werde. teilte der Arbeitgeberverband mit. daß die christlich-organisierten Bauarbeiter selbst eine Verlängerung der Arbe itSzeit erzwungen haben und, wenn dies nicht bewilligt worden wäre, mit der Nieder legung der Arbeit gedroht hatten. Jetzt müssen die christlichen Tarifignoranten auf Drängen deS ArbeirgeberverbandcS die tarifliche Arbeitszeit innehalten. Lohnbewegung in einer Glendsindustrie. Die Perlmutterindustris. insbesondere die Perlmuttcrknopf- dreherei, ist in Deutschland nur in wenigen Bezirken verbreitet. Sic hat ihren Huptfitz am Kyffhäusergebirge in den Orten Frankenhausen, Äelbra, Berga und einigen kleinen Dörfern. Wohl an 806 Personen werden hier beschäftigt. Die Heimarbeit ist trotz aller Bemühungen der Organisation noch weit verbreitet. Ganze Familien, Mann, Frau und Kinder, müssen bei dieser ungesunden Arbeit von früh bis spät in die Nacht tätig sein, um ein notdürftiges Auskommen fristen zu können. Die Perlmutterschalen werden den Arbeitern zugewogen; tag- lich sieht man die Familienangehörigen mit den fertigen Knöpfen und den Abfallen nach der Fabrik wandern und dort in langen Reihen ihre Ware abliefern. Erst in den letzten Jahren hat sich in den Hauptorten der Industrie, in Frankenhausen. Kelbra und Berga, die Produktion mehr in fabrikmäßiger Weise herausgebildet. Aber auch hier werden Frauen und jugendliche Arbeiter in großer Anzahl befestigt. In Frankenhcrusen z. B. kommen rund 4M Erwachsene und 206 jugendliche und weibliche Arbeiter in dieser Produktion in Frage. Mit Unterstützung deS Hokzarbeiterverdandes haben diese gut organisierten Arbeiter im letzten Jahrzehnt recht schwere Kämpfe zur Verbesserung iho-r Lage geführt, ohne daß die Löhn« jetzt schon als auskömmlick»« bezeichnet werden können. Es ist keine Selten» hcit, daß jugendliche Arbeiter auch heute noch mit einem Wochen- verdienst von 2 bis 4 M. nach Hause gehen muffen, und für eine ganze Anzahl weiblicher Arbeitskräfte ist der Lohn nicht höher, während der DurchschnittSvcrdienst für die männlichen Erwach. jenen kaum 18 M. pro Woche beträgt. Bei einem 20wöchigen Kampf, der vor einigen Jahren in den genannten Orten geführt wurde, gelang es, die Lohnsätze erheblich aufzubeffern. woraus sich jeder oin Bild machen kann, wie diese vorher beschaffen gewesen Daß eß so schwer ist. die Löhne auf eine angemessene Höhe zu bringen und die Arbeitszeit auf ein annehmbares Maß zu bo- schränken, ist vornehmlich auf die außerordentlich große Konkurrenz. die den Knopfarbeitern durch die böhmische Industrie bereitet wird, zurückzuführen. Hart an der deutschen Grenze stnd Hunderte von Arbeitern mit der Herstellung von Knöpfen in der Heimindustrie beschäftigt und werden dort Löhne bezahlt, die aller Menschlichkeit Hohn sprechen. Und, waS das schlimmste ist, dre Organisation kann in diesen Kreisen durch die unglücklichen Verhältnisse nur sehr schwer Eingang finden., � Gegenwärtig herrscht in dieser Industrie ein außerordentlich flotter Geschäftsgang. Dieser sowohl, wie das vorhandene gute Organisationsverhältnis hat nun die Knopfarbeiter am Kyffhauser aufs neue veranlaßt, mit Forderungen an die Unternehmer heran- zutreten, die aber von diesen glatt abgelehnt wurden. In der letzten Woche ist es daher zur Arbeitseinstellung der gesamten Knopfarbeitcr gekommen, an welcher rund 600 Arbeiter und Arbeiterinnen beteiligt sind. Die so bedrückten Arbeiter bitten dringend, den Zuzug nach dem Industriegebiet am Kyffhäuser fernzuhalten._ „Brave" Arbeiter stnd die Mitglieder des KonditorgehilfenvereinS in Dortmund. Sic ließen sich jüngst von einem Meister einen Vortrag hallen und faßten dann im Sinne dieses Vonrage-Z aller» Hand famose Beschlüsse. So sprachen sich diese gelben Arbeiler gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit aus. Sie �protestierten energisch' gegen jede weitere Einschränkung der Sonntagsverkaufs st unden im Konditor- gewerbe, weil durch jede weitere Einschränkung.der ganze Kondilorstaud aufs empfindlicvste gesckiödigt" werde. Weiter wendeten sie sich gegen jede Ausdehnung der Arbeiterschutzbestimmungen. Die beabsichtigte AuS- dehnung der Arbeileischutzbestimmimgen der Gewerbeordnung auf Motorbetricbe des KouditorgelverbcS, die mehr als vier Personen besck'äftigen, sei durchaus ungerechtfertigt und unzweckmäßig. Auch würde die Ausbildung der Lehrlinge durch die unzweckmäßige Beschränkung der ArbcilSzeit ungünstig beeinflußt. Schließlich brachen die Leutchen noch eine Lanze für die N a b r u» g s m i t t e l f ö l f ch e r. Sie richten an die Handelskammer die Bitte, bei den Behörden vorstellig zu werden, in allen Fällen erst einen S a ch v c r st ä n d i g e n zu hören, ehe ein Strafverfahren wegen Nahrungs- mittelfölschung eingeleitet werden darf. In Dortmund beschließen also die Gehilfen prompt, wie die Meister eS wünschen. Da sage noch einer, es bestände keine Harmonie zwischen Kapital und Arbeit. tluslnnd. Die finanziellen Leistungen der schweizerischen Gewerkschaften. Die dem Schweizerischen GclvellschaftSbund angehorigen IS Gewerkichans- verbände verausgabten im Jahre 1009 1 163 503 Fr., so daß von de» Einnahmen von 1459 810 Fr. ein Ueberschuß von 296 312 Fr. verblieb. Die hauptsächlichsten AuZgabeposten sind: 1909 1903 Franken Streiks und Maßregelungen.... 174 801 370 697 Rechtsschutz.......... 12 468 18 711 Reite- und Arbeitslofenunterstützung. 96 945 77 673 Krankenunterstützung....... 319 038 342 662 Invaliden- und Sterbegeld..... 79 824 63 384 Notkall- und Umzugs Unterstützung.. 15 673 10 604 Unterstützung anderer Organisationen: im Inland......... 21 862 25 885 im Ausland........ 17 203 3 440 Total. 787 819 882 465. Die Ausgaben für Reise- und Arbeitslosenunterstützung sind im Jahre 1909 großer gewesen als 1908, dagegen jene für Streiks und Maßregelungen erheblich geringer und in den Verschiebungen der beiden Posten bekunden sich die Wirkungen der Krise. Im übrigen veranschaulichen die Angaben die sehr schätzenswerte LeistmigS- fähigkcit und vielseitige Tätigkeit der schweizerischen Gewerkschaften im Interesse der Arbeiter.-_ Eine Gewerkschaft gegen das Snbventionsunwesen. Bekanntlich war das französische GewerkschaftSwescn bis vor kurzem zum guten Teil auf die Zuschüsse angewiesen, die von den Stadtverwaltungen den Arbcitsbörsen geleistet werden: ein Grund mit für die finanzielle Schwäche und Unselbständigkeit vieler Organisationen. Da nun die Gewerkichaftsbewegung einen Charakter angenommen hat, der den Behöroen mißfällt, beschloß im vorigen Jahre der Pariser Gemeinde rat, als Bedingung der weiteren Zahlung die Kontrolle der Bücher der Gewerk- schaften durch einen städtischen Beamten zu fordern. Am 14. Januar beschlossen die Vertreter von 131 Organisationen, diese Kontrolle zu verweigern und lieber auf den Zuschuß zu verzichten. Und nun haben die Zimmerer beschlossen, unter keinen Um- ständen, selbst ohne Kontrolle, künftig noch eine städtische Unter- stützung anzunehmen. Zutreffend bemerkt dazu Bricheteau im Organ des Go- werkschaftsvcrbandcs:„Ein Beispiel, das allgemeine Nachahmung verdient. ES ist die schönste Antwort, die Organisationen mit Selbstachtung dem Präfekten und seinen Lakaien vom Gcmeinderat geben können... Man muß mit diesen Zuschüssen ganz ein Ende machen! Die Gewerkschaften müssen begreifen, daß die Stadt Paris ihnen mehr als 100 000 Francs nicht zuweist, damit sie ihre Aktion betreiben und der Verwaltung Schwierigkeiten machen. Der Zuschuß ist für die Bourgeoisie eine gute Anlage, ein Sicherheitsventil des Syndikalismus. Eine Zeitlang bewilligt und am Vorabend einer großen Bewegung geschickt zurückgezogen, bedeutet er den Mißerfolg dieser Betncgung... Andererseits müssen sich alle Gewerkschaften gewöhnen, zur Durchführung ihrer Untcrnehnrungen nurauf sichselb st zurechnen. Nur unter dieser Bedingung werden sie sich entwickeln. Aber das wird viel- leicht das Schwerste sein, da man da mit den Genossen selbst zu tun hat.' Br. weist darauf hin. daß mit Hilfe des Zuschusses zahlreiche Beamte erhalten werden. Richtig bemerkt er: Entweder ist der Verband stark genug, sie zu beschäftigen, dann kann er sie auch mit den Beiträgen der Mitglieder erhalten. Oder er ist eS nicht. Dann ist auch nickst genug Arbeit für einen Be. amtcn vorhanden. Man sieht, wie da» Zuschußwesen die Zersplib- terung und Leistungsunfähigkeit der Gewerkschaften fördert. ES wäre daher?u wünschen, daß BricheteauS Rat allgemein befolgt wird, wenn er schließt:„Die Subvention, selbst bedingungslos ge- geben, ist der Faden am Bein. Mögen alle Gewerkschaften sich davon befreien! Mögen sie nach dem Beispiel der Pariser Jim» merer sie für immer beseitigen, und die Gewerkschaftsbewegung wird einen neuen Aufschwung nehmen."— Ein Riese»streik gewonnen. Mit dem Generalstreik der Arbeiter und Arbeiterinnen in der New Dorker Frauenbekleidungsindustrie wurde am 2. September einer der gewaltigsten und erbittertsten sozialen Kämpfe beendigt, die Amerika bisher gesehen hat. lieber 70 000 Männer und Frauen sind nach achtwöchigem opfervollen Ringen, in dessen Verlauf nur eine ganz verschwindende Anzahl von ihnen das Kampfgelübde brach, als Sieger in die Fabriken und Werkstätten zurückgekehrt. In den letzten Wochen des Kampfes handelte es sich nur noch um die Forderung des„Union-Shops", dieses charakteristische Gene- ralprinzip der amerikanischen Gewerkschaftsbewegung. Der Union- Shop ist die Werkstätte, die in bezng auf Löhne, Arbeitszeit und alle sonstigen Arbeitsbedingungen genau dem„Standard" der Ge- werkschaft entspricht und deren„Judikatur", das heißt, der aner- kannten und organisierten gewerkschaftlichen Kontrolle unterworfen ist. Der Umon-Shop im striktesten Sinne wird vielfach der„ge- schlossenen Wersitätte" gleichgesetzt, für die das absolute Verbot der Beschäftigung von Nichtnnionarbeitern besteht. Di« Ausständigen haben den Union-Shop und damit die formelle und tatsächliche Anerkennung der Gewerkschaft durchgesetzt; das Verlangen nach der geschlossenen Werkstätte dagegen haben sie fallen gelassen, aber nicht, ohne daß die Fabrikanten sich auch in diesem Punkte xu einem Zu- geständnis bequemen mußten, das der Gewerkschaft praktisch fast alleS gibt, was sie wünschte. In allen übrigen Bestimmungen deckt sich der Friedensvertrag, der von den Rechtsberatern der streitenden Parteien unter Hinzuziehung eines unparteiischen Anwalts for- muliert wurde, ohne Einschränkung mit den Forderungen, um deretlvillen diese Massen am 7. Juli die Arbeit niederlegten. Kein Wunder denn auch, daß die proletarische Ostseite die ganze Nacht zum 3. September von dem SicgcLjubel der Streiker widerhallte. die in immer neue» Scharen triumphierend durch die Straßen zogen. Ein südländischer Freudentaumel ergriff die vielen Tau- sende, fast durchweg Italiener und Juden, als in den verschiedenen Quartieren der Ausständigen die Unterzeichnung des„Unionkontrakts" bekannt gemacht wurde. Die Sicegr begannen einander zu gratulieren, Umarmungen und Küsse wurden getauscht, und man sah Männer und Frauen vor Freude weinen. Der entscheidende Paragraph des Vertrages besagt: „Jedes Mitglied der Fabrikantcnvcreinigung hat eine Union- Werkstatt zu unterhalten. Unter Union-Werkstott wird eine solche verstanden, in der hinsichtlich der Löhne, Arbeitsstunden und sonstigen Arbeitsverhältnisse die GcwerlschaftSbcdingungen, wie hiermit bestimmt, gelten, und in der bei der Annahme von Arbeitskrästen Gewerkschaslsmitglicdcr bevorzugt werden. Da die in dem Gewerbe Beschäftigten nicht gleichmäßig leistungs- fähig sind, wird anerkannt, daß die Fabrikanten befugt sein sollen, zwischen einem Gewrrkschaftsmitgliede und dem anderen zu wählen, und daß sie nicht verpflichtet sind, sich an eine vorge- schriebe»? Reihenfolge zu halten." Schon eine Woche vor dem Friedensschlüsse hatten die Anwälte der Fabrikanten und der Streikenden einen Bertrag gezimmert, der aber von den Arbeitern in Dutzenden von Versammlungen bei- nahe einstimmig als ungenügend zurückgewiesen wurde. Nach diesem Vertragsentwurf bewilligten die Unternehmer„den Union- Shop, zum Unterschied vom geschlossenen Shop". In dem nunmehr vollzogenen Vertrage ist der Passus„zum Unterschied vom g» schlossenen Shop" gestrichen, und den Fabrikanten wird die Per- pflichtung auferlegt, nicht nur Unionleute zu bevorzugen, sondern auch die etwa beschäftigten Nichtgewerkschaftler zum Anschluß an den Verband zu veranlassen. Weiter geht der jetzige Kontrakt über die Bedingungen, die den Streikern ursprünglich aufgezwungen werden sollten, insofern hinaus, als die Arbeit.,gebcr" nunmehr die gewerkschaftliche Einrichtung der„Shop- Delegierten" aner- kennen, die gegebenenfalls al» Vorsitzende eines innerhalb jeder Werkstätte zu bildenden LohnkomitceS mit den Unternehmern zu verhandeln haben. Vor allem bringt der Friedensvertrag aber die glatte Bewilligung der gestellten Forderungen betreffs Lohn- und Arbeitszeit, die nach dem ersten Entwurf noch der schiodsgericht- lichen Entscheidung unterbreitet werden sollten. Die Masse, die sich auf keinen faulen Frieden einlassen wollte, hat recht behalten. Ein kulturvoller Segen dieses Sieges der Gewerkschaften ist eS, daß mit der grcuelvollcn Heimarbeit und dem Schwitzbudensystem radikal aufgeräumt wird. Eine ständige Kommission wird mit der Uebcr- wachung der gesundheitlichen Zustände in den Fabriken und Werk- stättcn betraut. Schließlich enthält der Vertrag noch genaue Be- stimmungcn über schiedsgerichtliche Regelung künftiger Streitig. leiten im Gewerbe. Dürfen sich so siebzigtausend, mit ihren Lieben hunderttausende lange genug bedrückter und mißhandelter armer Menschen nun eines besseren Loses freuen, so ging doch auch dieser Streik nicht vorüber, ohne daß den amerikanischen Gewerkschaften eine politische Lektion erteilt wurde, deren Lösung noch aussteht: Noch wenige Tage vor dem Friedensschluß erließ Oberrichter Goff in New Dork einen Einhaltsbefehl, der den Ausständigen daS Streikpostcnstehcn in jeder Form verbot und den Streik, da er um die„geschlossene Werkstätte" geführt würde, für eine straf. bare Verschwörung im Sinne des Antitrustgesetzes erklärte k Der Kampf in den Gerichten wird natürlich, unbeschadet der Be» endigung des Streiks, weitergeführt, und CS ist zweifellos wahr, daß, wie ein bürgerliches Matt der Metropole triumphierend ausruft,„die gesamte Arbeiterbewegung", das heißt in diesem Falle die amerikanische Nurgewerkschaftlerei,„in ihrem Mark getroffen ist, wenn die Entscheidung des Richters Goff eine endgültige bleiben sollte"._ Letzte jVachnchtcn. Neichsrats-Ersatzwahl. Gablonz a. N.(Böhmen), 15. September.(Privat- tclegramm des„Vorwärts".) Heute wurde im 164. Böhmi- schen Wahlbezirke G a b l o n z- L a u d die durch den Tod deS Abgeordneten Genossen Barth notwendig gewordene Er- satzwahl in den Neichsrat vorgenommen. Der sozialdemo- kratische Kandidat Genosse Rai ni und Trübenecker erhielt 4775 Stimmen, der deutschradikale Kandidat Adolf Glöckner 3744 und der Kandidat der„Deutschen Arbeiter» Partei", Wilhelm Prediger 1725 Stimmen. Es hat demnach Stichwahl zwischen dem sozialdemo» kratischen und deutschradikalcn Kandidaten stattzufinden. Die Cholera. Köln, 15. September.(W. T. B.) Bei dem unter cholera» verdächtigen Erscheinungen erkrankten Schiffer, der mit einem Bremer Schiff von Danzig hierher gekommen war. hat sich nach amtlicher Feststellung der Verdacht nicht bestätigt. Deshalb hat die Gesundheitspolizei die angeordneten Vo-rsichtSmaßrcgeln wieder aufgehoben. Rom, 15. September.(W. T. B.) Während der letzten 24 Stunden sind in Apulicn fünf Ncuerkrankungen an Cholera und zwei Todesfälle vorgekommen. Bukarest, 15. September.(W. T. B.) Die bakteriologische Untersuchung eines am Dienstag in Galatz gestorbenen Be» amten einer italienischen Schiffahrtsagentur hat Cholera ergeben. Der Beamte hat sich die Krankheit wahrscheinlich auf einem kürz- lich hier eingetroffenen italienischen Dampfer zugezogen. Budapest. 15. September.(Preß.-Tel.) Im Laufe deS heutigen TageS waren vier neue Cholerafüllc zu verzeichnen. Die Zahl der an ebolera asiatica erkrankten Personen der ungarischen Hauptstadt belauft sich nunmehr auf vierzehn. Beim Bootfahren ertrunken. Hamburg, 15. September.(W. T. B.) Auf der Elbe bei Oevcl- gcenne ist ein.Boot mit zwei jungen Leuten, die eine Kahnfahrt machten, von einem Dampfer überfahren worden. Das Boot sank, die Insassen ertranken. Automobilunglück bei Reims. Reims, 15. September.(Preß-Tel.) Auf der Straße von Reims nach Charlesville ereignete sich ein schwerer Automobilunfall. Ein mit fünf Personen besetztes Automobil wurde von einem ihm folgenden überholt, angefahren und umgeworfen. Der Besitzer des Wagens war auf der Stelle tot. Der Gutsbesitzer B. Dubiet wurde schwer verletzt» während die drei übrigen Insassen mit leichten Verwundungen davonkamen. Zur Fleischnot. Wien, 15. September.(W. T. B.) Der Ministerrat hat be. schloffen, sofort mit der ungarischen Regierung wegen provisorischer Bewilligung der Einfuhr Argentinischen Fleisches in Verhandlung zu treten. Hierbei wurde vorläufig für eine probeweise Einfuhr ein Kontingent von zehntausend Tonnen in Aussicht genommen. Der Verkauf würde nur unter ausdrücklicher HerkunftSbezcichnung gestattet sein. derantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.'.Uh. Glocke. Berlin. Druck u. V erlag: vorwärts Buchdr.».verlagSanstall Paul Singer& Co» Berlin S W. Hierzu 3 Beilagen u.NnterhaltunllShl, Kr. 217. 27. Jahrgang. 1. fldlnjf Ks Jotmiitls" Arlim öollislilalt. nochmals die badiiche Cahtih. Eine Entgegnung und Ergänzung von G. A. L e h m a n n(Mannfy). (Ju Nr. 50 der„Neuen Zeit".) I. Der Artikel des Genossen Frank in der letzten Nummer der „Neuen Zeit":„Die Wahrheit über den badischen .Aufstand'" beranlatzt mich, soweit er sich mit meinem Artikel über„Die B u d get b e w i l l i g u n g" in Nr. 45 der„Neuen Zeit" beschäftigt und soweit er spezifisch badische Verhältnisse er. örtert, zu einer Erwiderung und knappen Ergänzung einiger Tat- fachen. Es ist nur natürlich, dag die Dudgetbcwilliger von ihrer Vet> teidigungsstellung aus versuchen müssen, ihre Erfolge möglichst glänzend hinzustellen, um ihren Verstoß gegen den Nürnberger Parteitagsbcscblutz wenigstens einigermaßen zu rechtfertigen, wäh- rend ihre Gegner in der Partei sich bei der Vertretung ihres Stand- Punktes eine viel größere Reserve auferlegen müssen. Denn es muß uns allen daran liegen, unsere parlamentarischen Erfolge, die doch auch eine sehr wesentliche agitatorische Bedeutung haben, nicht zu verkleinern oder gar zu behaupten, unsere Parlamentarier würixn, wenn sie«ine Sache geschickter angefangen und mit größerem Nachdruck vertreten hätten, mehr haben erreichen können. Unsere Genoflen im badischen Landtag stellen ihren Disziplin- bruch als notwendige Folge des Zusammenarbeitens mit den Nationalliberalen und der dadurch für die Arbeiterklasse erzielten Erfolge hin und suchen nachzuweisen, daß die Vorteile dieser Poli- tik den Disziplinbruch doppelt und dreifach aufheben.„War", sagt Genosie Frank,„dieses Zusammenarbeiten erlaubt, so mußte die notwendige Konsequenz die Zustimmung zum Budget sein." Vor Tisch— das heißt vor der Rede des Ministers�. Bodman, wo er der sozialdemokratischen Bewegung unter allerlei Einschränkungen einige anerkennende Worte widmete— las man» bekanntlich anders. Da hatte die sozialdemokratische Landtagsfraktion be- schlössen, gegen das Budget zu stimmen, unbekümmert um die Ar- beitSgemcittschaft mit den Nationallilicralien. Genosse Frank verläßt hier den bisher von der Mehrheit bei der Verteidigung ihrer Stellungnahme zum Budget eingenommenen Standpunkt und bringt einen neuen Grund für die Zustimmung.„Unser Wahl- bündniS wäre sinnlos gewesen", sagt er,„wenn wir die Liberalen gezwungen hätten, mit dem Zentrum wieder zusammenzuarbeiten." Nach dieser Theorie wäre unser erstes Wahlbündnis mit den Liberalen vom Jahre 1905 auch sinnlos gewesen, denn es ist uns damals nicht eingefallen, eine Arbeitsgemeinschaft mit unseren Stichwahlverbündeten einzugehen. Das hat natürlich nicht ge- hindert, daß wir in manchen Fällen, wie bei den Gesetzen über Landwirtschaftskammern und konfessionelle Lehrerseminare, mit den Liberalen zusammen gegen das Zentrum und umgekehrt(so bei der Aufhebung deS Zkanzelporagraphen) mit dem Zentrum gegen die Nationallibcralen gestimmt haben. Allerdings sind wir nicht oft in die Lage gekommen, das berühmte Zünglein an i>er Wage zu bilden, weil Zentrum und Nationalliberale sich fast immer auf der bekannten Mittellinie zusammenfanden. Aber ebensowenig hat man jetzt die Arbeitsgemeinschaft mit den Nationalliberalen immer auf- rechterhalten können, weil die politischen und wirtschaftlichen Gegensätze zwischen den bürgerlichen Parteien nicht so stark sind als die. welche unS von der uns politisch am nächsten stehenden bürgerlichen Partei trennen, wobei nicht unberücksichtigt bleiben darf, daß jene bürgerlichen Parteien, die unS in rein politischen Fragen.näher stehen als andere, in den Fragen, deS Arbeiter- schutzeS meist versagen. Den besten Beweis, wie eS unmöglich ist, eine dauernde Arbeits- gemeinlchaft mit einer bürgerlichen Partei aufrechtzuerhalten, hat gerade oie letzte Session des badischen Landtags erbracht. In Konke- quenz der Reichsbiersteuererhöhung verlangte auch die badische Re- gierung eine Erhöhung der badischen Biersteuer, weil sonst, um den erhöhten Ausgleich an das Reich zu decken, eine Erhöhung der direkten Steuern notwendig geworden wäre. Dasselbe Zentrum, das im Reichstag der Biersteuererhöhung begeistert zugestimmt hatte, mochte in Baden Schwierigkeiten und verzögerte die Erledigung der Vorlage. Das badische Zentrum gab sich damals den Anschein, als wollte es die Biersteuervorlage überhaupt ablehnen, weil es Sache der Regierungsparteien sei, der Regierung neue Steuern zu bewilligen und die Verantwortung hierfür zu übernehmen. Der neue sozialdcmokratisch-national- liberale Wahlblock solle zeigen, so wurde in der Zentrumspresse dar- gelegt, ob er die ihm gestellten Aufgaben zu lösen imstande sei. Das ausgeschaltete Zentrum halte eS mit seiner politischen Ehre und Würde für unvereinbar, den Nothelfer zu machen und dann der Regierung in ihren Nöten beizuspringen, wenn der rot« Blockbruder versage. Offenbar ist dieser ganze Lärm damals nur gemacht wor- kleines feuilleton. Industrie und Geistesstörungen. Unter den vielen Berufskrank- heiten, die durch die verschiedenen Formen des Gewerbebetriebes hervorgerufen werden, nehmen- geistige Störungen glücklicherweise einen nicht allzu großen Umfang ein. Aber sie verdienen dasür eine besondere Beachtung. Abgesehen davon, daß durch die Berufstätig- keit eine Anlage zur Geistesstörung entwickelt oder früher aus« gelöst werden kann, gibt es auch Einflüsse, die eine solche eigent- lich erst verursachen. Auch die berüchtigte Bleivergiftung kann derartige Folgen haben. Diese bestehen im sogenannten Bleidelirium, da« mit Sinnestäuschungen verbunden ist, aber auch in schlimmen Merkmalen der GeisteSkroniheil, die namentlich zu befürchten sind, wenn sich mit der Bleivergistung Alkoholmißbrauch verbindet. Im allgemeinen haben biete Er« krankungen Aehnlickkeit mit der Epilepsie. Ein anderes Metall, das (nach den gründlichen Untersuchungen von Dr. Joseph Koch in der VierteljahrSschrist sür gerichtliche Medizin) bedenkliche Einflüsse solcher Art ausüben kann, ist das M a n g a n. Die häufige Berührung mit diesem Stoss kann zu Sprachstörungen, Lach- und Weiiiträmpfe», Beeinträchtigung deS Gehvermögens, zu Angstzuständen und überhaupt zur Schwächung der Geisteskräfte führen. Gc- fährlich ist ferner der S ck> w e fei k o h l e n st o f f, der außer mehr geringfügigen Erregungszuständen auch starke Ausbrüche von Irrsinn sowie eine schwere Schwächung des Gedächtnisses herbeiführen kann. Das ähnlicher Einwirkungen häufig angeklagte Anilin ist insofern in Schuß zu nehmen, als Schädigungen(außer bei Betriebsstörungen) in geordnetem Betriebe nicht leicht vor- kommen. Go"z besonder» muß übrigen« aus die Entwickelung de« gefährlichen Kohleno�yds Obacht gegeben werden. Auch hier ober kommen Vergiftungen gewöhnlich nur ausnahmsweise, als eigentliche Unglücksfälle vor. Die dadurch bedingte Geistesstörung kann eine sehr weitgehende sein. Ter Tod im Telephon. In der ärztlichen Welt Englands erregt ein Bericht großes Aussehen, den Dr. Francis I. Allan, der Medizinal- beamte von Westminster. in der ärztlichen Wochenschrift„Laucct" über das Vorkommen von Tuberknlosebazillcn in den Mikrophonen der Telephonopparate veröffentlicht. Dr. Allan bessutze. so schreibt „Der Elektrotechniker", zu einem Versuch ein öffentliches Telephon in der Londoner Zcntralbörse. Die Mundöffnung deS Apparats wurde mit einem Tuch abgewischt und der Inhalt deS Tuche» dann zu Versuchen an zwei Meerschweinchen benutzt. DaS erste Meer- tchweinchen starb in 23 Tagen, nachdem ihm von dein Inhalt deS Wischtuches etwas eingeimvft worden war, und die Sezierung ließ ausgesprochene Symptome der Tuberkulose erkennen. DaS zlveite Meerschweinchen starb 27 Tage nach der Injektion und zeigte ähn- �«n, um die sozialdemokratische Fraktion mit vor den Bierstcuer- wagen zu spannen; man hoffte, unsere Genossen würden mit der Begründung zustimmen, daß die Erhöhung der Biersteuer in Baden nur eine notwendige Konsequenz der Reichsgesetzgebung sei und die Verantwortung hierfür den Parteien zufalle, die die neuen Steuer- gesetze im Reichstag beschlossen hätten. Nun, diese Spekulation hat sich als verfehlt erwiesen; unsere Genossen haben es dem Zentrum und den Liberalen allein üben- lassen, die angebliche Konsequenz aus der Reichsgcsetzgebung zu ziehen. Auf diesen Vorgang spielt offenbar der Fraktionsvorsitzende der Nationalliberalen, Oberschulrat Rebmann, an, wenn er in einem in der„Nationalzeitung" veröffentlichten Artikel über das Zusammenarbeiten mit den Sozialdemokraten sagt, daß die Mit- arbeit der Sozialdemokraten„nicht ohne Zögern und Rückschläge" erfolgt sei. Leider kann er konstatieren,„daß das nachher anders geworden sei" und unsere Genossen für Gesetze stimmten.die keines- weg» den von uns aufgestellten Forderungen entsprochen hätten. Die Stellung unserer Fraktion zum Schulgesetz, wobei sie auf die Entfernung des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der- zichtete, die Zustimmung zum Einkommensteuergesetz, trotzdem ihre auf größere Entlastung der geringen Einkommen zielenden Anträge abgelehnt worden waren, und zum Gemeindegesetz, trotzdem das Klassenwahlrechit aufrecht erhalten worden sei, werden als Beweis angeführt. Da auf das Zustandekommen des letzteren Gesetzes von unserer Fraktion großes Gewicht gelegt und die Zustimmung zum Budget auch mit den hierbei erreichten Vorteilen begründet und mir in dem Artikel Franks der Vorwurf gemacht wird, das badische Gemeinderecht und die bei seiner Aenderung erzielten Fortschritte in meinem Artikel nicht gebührend gewürdigt zu haben, so soll im nachstehenden eine kurze Darstellung der teilweise ziemlich verzwickt liegenden Bestimmungen der badischen„Gemeinde- und Städte- ordnung" und der beschlossenen Acnderungcn gegeben werden. Da- mit soll der Beweis erbracht werden, daß die gebotenen Vorteile von den Budgetanhängern sehr überschätzt werden, II. Die badische Gcmeindegesetzgebung verlangt, daß in Stadt- und Landgemeinden ein Stadt, respektive Gemeinderat gewählt wird. Derselbe besteht außer dem Bürgermeister aus mindestens drei, in größeren Gemeinden bis achtzehn und in den Stadtgemeinden aus noch mehr Mitgliedern. Die Wahl erfolgt nach dem alten Rechtcc in den Gemeinden bis zu 2000 Einwohnern direkt. Diese Bestimmung wird jetzt nach dem neuen Gesetz auf die Gemeinden bis zu 4000 Einwohnern ausgedehnt. Es kommen hier nach dem Badischen Statistischen Jahrbuch 867 Gemeinden mit t 077 500 Einwohnern in Frage. In den über 4000 Einwohner zählenden 40 Gemeinden und Stävten wird der Gemeinde- respektive Stadtrat indirekt von den Mitgliedern des Bürgerausschusse» respektive den Stadtverordneten gewählt. Bürgerausschußmitglieder und Gcmeinderat, in den Städten Stadtverordnete und Stadträte wählen den oder die Bürgermeister, wenn die Einwohnerzahl nicht über 2000 beträgt; in den Gemeinden unter 2000 Einwohnern erfolgt auch die Wähl der Bürgermeister direkt. Hieran wird durch das neue Gesetz nicht» geändert. Bei der indirekten Wahl, also in den Gemeinden über 4000 Einwohnern, wird nach den neuen Bestimmungen das Propor- tionalwahlverfahren angewendet. Neben dem Gemeinderat und Stadtrat besteht noch ein Bürgerausschuß, wenn die Gemeinde mindestens 500 Einwohner zählt; solche Gemeinden bestehen in Baden 702 mit 203 324 Einwohnern. An den Verhältnissen in diesen Gemeinden wird — abgesehen von der unten zu besprechenden geringen Erweite- rung des� Kreises der Wahlberechtigten— durch das neue Gesetz nichts geändert. Es folgen 455 Gemeinden, die zwischen 500 und 1000 Einwohner haben, deren Gesamteinwohnerschaft 320770 Seelen beträgt, die gleichfalls keinen Vorteil von dem neuen Ge- setz haben; denn die Einteilung der Wählerklassen nach der Sechstelung, das heißt daß die Wähler der dritten Klasse eine, die der zweiten zwei und die der ersten Klasse drei Stimmen haben, eine Einteilung, die daS neue Gesetz für alle Orte vor- sieht, in denen ein Bürgerausschuß gewählt wird, besteht für diese Gemeinden bereits seit dem Jahre 1890. Also auch diese Ge- meinden haben von dem neuen Gesetz keinen Vorteil. Die 281 Ge- meinden von 1000 bis 2000 Einwohnern, deren Gesamteinwohner- schaft 390 000 Seelen beträgt, haben jetzt zu den Bürgerausschuß- wählen die Neuntelung, das heißt der Wähler erster Klasse hät fünf, der der xveiten Klasse drei und der der dritten Klasse eine Stimme. Die Einführung der Sechstelung statt der Neuntelung besteht darin,' daß die Wahlstimme des Wählers erster Klasse von fünf auf drei und die des Wählers zweiter Klasse von drei auf zwei Stimmen heruntergesetzt wird. Einen nennenswerten Vorteil haben die 131 Gemeinden von 2000 bis 4000 Einwohnern, deren Äcsamtbevölkerung 366 728 Seelen beträgt. Bei ihnen wird die Neuntelung durch die Sechstelung ersetzt, und sie er- lickie Zeichen der Ansteckung. Diese Experimente beweisen, daß töd- liche Tuberkelbazillen von öffentlichen Telepbonapparaten, wie sie jetzt allgemein im Gebrauch sind, leicht übertragen werden können. Sie legen ebenso die Notwendigkeit dar, alle Telephone, seien sie im öffentliche» oder im privalen Gebrauch, in bestimmten Zwischen- räumen zu desinfizieren. In der Londoner Warenbörse werden be- reits nach einem Uebereinkommen mit der englischen Postverwaltung 50 Telephone täglich mit einer desinfizierenden Flüssigkeit ab- gewaschen. Musik. m. Gustav Mahlers VIIL Sinfonie. DaS Werk in Riesendimcnfionen, mit dem der vielumstrittene Komponist Mah- ler sein bisheriges sinfonisches Schaffen zum Abschluß brachte, die Chor-Sinfonie Nr. VIII in ES°dur, wird man voraussichtlich als Mahlers Lebenswerk zu bezeichnen haben. Mit einem selbst für Mahlersche Verhältnisse ganz außerordentlichen Apparat(bei der Uraufführung in der Münchcner Ausstellung unter des Kom- ponisten Leitung wurde die Barnum-Zjffer: 1000 Mitwirkende noch übertroffen), bringt hier Mahler sein Tiefstes und Heiligstes zun, Ausdruck mit einer sehr oft überzeugenden Gefühlskraft der grad- linigen musikalischen Sprache, mit einer Melodik, die nicht gerade originell, aber oft fesselnd ist, und mit orchestralen Mitteln, die an Farbenreichtum alles Dagewesene in den Schatten stellen. Das Mahlersche„Heldenleben", das so den Lebensweg sich selbst er- sckiwert, ist als eine Chor-Sinfonie, eine Art mystisches Oratorium gedacht. Den ersten Teil bildet die altkirchliche Hymne:„Veni creator spiritus" in allergrößten Ausmaßen, doch noch nicht die dogmatische Form der Messe zertrümmernd. Ganz persönlich tritt Mahler dagegen im Zweiten Teil:„Schlußszene aus Faust" auf. Zwar philosophierte Musik, aber von einer zwingenden Ge- fühlsextase durchschauert, so daß der Hörer bis zum Chorus mhsti- cus:„Alles Vergängliche..�." mitgerissen wird. Die Aufführung des Riesenwerkes war sorgfältig vorbereitet. Der Künstler wurde enthusiastisch gefeiert. Die acht Soli wurden von den Damen Gertrud Foerstel, Maria Winternitz-Dorda, Emma Bellwidt, Ottilie Metzger, Anna Erlcr-Schnaudt und den Herren Felix Se- nius, Nicola Geiße-Winkel, Rick�ard Mayr vertreten, der Orgelpart von Adolf Hcmpel. Die beiden Chöre stellten der Wiener Sing- verein und der Leipziger Riedelverein, den Kinderchor die Mün- chcncc Zentralsingschule, das Orchester der Konzertverein München. Humor und Satire. Verrechnet. Beim Magistrat des Städtchens X. waren wir elf Beamte, den Nachtwächter eingerechnet. Hochgeehrte Lefer: sechs Beamte hätten das bißchen Arbeit auch erledigen lönncn l Ich versichere es eidesstattlich. halten die direkte Wahl zum Gemeinderat und zum BürgerauS- schütz. Bei der Wahl des letzteren kommt die Verhältniswahl zur Anwendung. Die 40 Gemeinden über 4000 Einwohner, die eine Gcsamteinwohnerzahl von 729 896 repräsentieren, erhalten an Stelle der Zwölftelung die Sechstelung; das indirekte Wahlver- fahren zum Gemeinde- respektive Stadtrat ist beibehalten; dafür aber gilt für diese Gemeinden der Proporz sowohl zu den Ge- meinde- als auch zu den Stadtrats- und Bürgerausschußlvahleu. Großen Wert legen die Verteidiger der beim Gemeindegesetz erzielten großen Erfolge auf die Erweiterung des Kreises der Wahlberechtigten durch die Herabsetzung deS Wahlalters. Mio ist vorgeworfen worden, daß ich bei Berechnung der jetzigen und zukünftigen Wählerzahl in der Stadt Mannheim die durch die Gesetzesänderungeu herbeigeführte Zunahme der Wählerzahl nicht in Rechnung gestellt hätte. DaS ist ein Irrtum, denn ich habe die Erweiterung des Wahlrechtes ausdrücklich hervorgehoben, aber ich habe, weil die badische Statistik hier versagt— das Alter der Bevölkerung wird nur nach Dezennien mitgeteilt— keine Zahlen beibringen können. Aber ich habe dafür auch die Zunahme der Bevölkerung, die in der Zeit zwischen- der Aufstellung der Reichs- tagswählerliste im Dezember 1906 und derjenigen zum Bürger- ausschuß im Sommer 1908 eingetreten ist, als Gegengewicht gleichfalls unberücksichtigt gelassen, was ich auch noch ausdrücklich hervorgehoben habe. Will man aber annähernd feststellen, wie diese Erweiterung des Wahlrechts durch die Herabsetzung des Wahlalters für die Arbeiter wirkt, so mutz man die Frage so stellen: Wieviel Arbeiter haben mit 25 Jahren schon einen eigenen Haushalt? Und da die Gründung des eigenen Haushaltes ge- wöhnlich mit der Verheiratung zusammenfällt, so geben die Ehe- schlietzungslistcn der Standesämter für die Beurteilung dieser Frage eine sichere Grundlage. Nach einer vom Statistischen Amte der Stadt Mannheim gemachten Feststellung standen im Jahre 1908 von 1700 Eheschließungen nur 264 männliche Ehegatten im Alter zwischen 25 und 26 Jahren. Um diese Zahl würden sich rund 1 Prozent— vorausgesetzt natürlich, daß die jungen Ehe- männer die sonstigen Bedingungen erfüllt gehabt, also zwei Jahre am Orte gewesen, ihre Steuer entrichtet hätten usw.— die 25 524 Gemcindewähler der Stadt Mannheim erhöht haben. Genosse Frank sagt in seinem Artikel:„Da die Ar- beiter früher heiraten als die Besitzenden, wirkt diese Bestimmung zu unseren Gunsten." Wie außerordentlich gering diese Wirkung ist, lehren die obigen Zahlen. Im Gegenteil wird die Herabfetzung des Wahlalters unter Beibehaltung aller bisherigen Kautelen zuungunsten der ArbeiterNasse wirken. Der Besitzende braucht keinen eigenen Hausstand zu haben, denn es ist wahlberechtigt, wer mindestens 17 Mark Staatssteuer entrichtet, was einer Einkommenversteue- rung von 1400 bis 1600 Mark entspricht. Die Annahme, die Ar- beitcrschaft würde von dieser Bestimmung einen Vorteil haben» erweist sich als durchaus trügerisch. Das wird nicht einmal in den Großstädten mit den höheren Löhnen, geschweige denn in den kleineren Orten der Fall sein. Nach einer im vorigen Jahre her- ausgegebenen Denkschrift des MaurerverbandcS betrug der Durch- schnittsjahresverdienst eines verheirateten ManneS in Mannheim 1242 Mark, und nach den Erhebungen des Verbandes der Fabrikarbeiter stellt sich der durchschnittliche Wochenvcr- dienst in Baden auf 22,63 Mark, also 1176,76 Mark im Jahre. In der großen Mehrzahl aller Fälle wird man den Wochenlohn aber auch nicht einmal mit 52 multiplizieren dürfen, weil Ar- beitslasigkeit, Krankheit und sonstige Störungen das Einkommen noch heruntersetzen. Die Erhebungen der übrigen Gewerkschaften bestätigen, daß nur ausnahmsweise Arbeiter über 1400 Mark vcr« steuern, und daS sind dann jedenfalls keine, die nicht schon eigenen Hausstand haben, die also ohnehin schon wahlberechtigt sind. Bei Schaffung dieser Bestimmung hat man, wie das auch ausdrücklich hervorgehoben worden ist, nur die unverheirate- ten Beamten im Auge gehabt. Die Erste Kammer, die verschiedene Verschlechterungen an den Beschlüssen der Zweiten Kammer vorgenommen hat, würde die Herabsetzung von 20 auf 17 Mark sicher nicht beschlossen haben, wenn sie auch nur im ent- ferntcsten daraus eine Stärkung des Einflusses der sogenannten unteren Schichten hätte befürchten müssen. Ak«r selbst wenn man die Wirkungen aller kleinen Vorteile, die das Gesetz bringt, siie die Arbeiterklasse noch so günstig einschätzt, so wird an der ungo. heuerlichen Tatsache, daß in der Stadt Mannheim 119 0 0 Reichstagswähler kein Gerne indewahlre cht haben, nichts Wesentliches geändert. Wir stehen vor der be- dauerlichen Erscheinung, daß Sozialdemokraten, die die Klassen- wähl nicht grundsätzlich ablehnten, nun bei der Verteidigung ihrer Stellungnahme auch eine gesetzgeberische Maßnahme mit vcr. teidigen müssen, die sich direkt gegen die Arbeiterklasse richtet. Die Behauptung Franks, daß in keinem Bundesstaat das Wir langweilten uns aber durchaus nicht. Der eine soff Bitterbier und fing Fliegen, der andere soff Bitter- bier und fraß Brägenwurst, der dritte soff Bitterbier und schrieb Liebesbriefe, und ich soff Bittcrbicr und löste die Welträtsel— bis auf eins. Diese» für mich unlösbare Welträtsel lautete: Müffen für elf Beamte alljährlich sechzig Federhalter beschafft werden? AlS ich meinen Kopf'geiuigsam angestrengt hatte. Wandteich mich mit meiner„diesbezüglichen" Frage au einen Kollegen: „Sie haben sich schlimm verrechnet, alter Freund!" antwortete der biedere Fliegenfänger;„es kann gar keine Rede davon sein, daß auf die Person fünf bis sechs Federhalter kommen I Wir elf Beamte haben insgesamt neunundvierzig schulpflichtige Kinder I Neunund- vierzig und elf macht s e ch z i g 1 1 In Wirklichkeit kommt also auf die Person ein einziger Federhalter 1 1 1" HanS Reiter. Notizen. — Gegen die Verfügung deS Polizei« Präsidenten v. I a g o w an die Berliner Theaterdircktoren, nach der in Zukniift auch die für die Mitglieder der BoltSbühnen veranstalteten Aiiffiihruugen als„öffentlich" und daher zensur« pflichtig angesehen werden sollen, hat die Neue Freie Volksbühne jetzt den Beschwerdeweg beschritten. — Horden und die Nibelungen. In der neuesten literarischen Beilage der„Times" finden wir einen Aussatz über Maximilian Hördens Essaisammlung„Köpfe", an dessen Schluß der englische Kritiker dem deutschen Publizisten eine derbe Lektion in der deutsche» Heldensage erteilt.„Harden liebt es", schreibt er, „Bismarck mit der wundervoll gezeichneten, männlichen Gestalt Hagen» aus dem Nibelungenlied zu vergleichen; aber wenn er Bismarcks Bemerkungen beim Tode der Kaiserin Friedrich zitiert und hinzusügt:„Sprach ungefähr so nicht Hagen an Kriem» hilds Bahre?" so müssen wir dagegen einwenden,-daß Hagen tatsächlich ungefähr so gesprochen haben könnte, daß ihm aber dazu leider die Möglichkeit fehlte, nachdem Kriem hild ihn hatte ermorden lassen." Wenn die Ohrfeige nicht sitzt... — Die Geschwindigkeit der Sonne. Daß die Sonne mit all ihren Planeten in rasender Geschwindigkeit durch den Welt- räum eilt, ist eine längst erwiesene Tatsache. Dagegen ist der Grad dieser Geschwindigkeit noch immer nicht mit einer Sicherheit bekannt, die den Ansprüchen der Astronomen genügen könnte. Die Professoren F r o st und K a p t e y n haben dafür eine neue Berech- iiuiig aufgestellt, die sich auf die Beobachtung der Bewegungen der Orionsterne gründet. Nach ihrer Angabe im„Astrophysikal Journal" würde die Geschwindigkeit der Sonne 23,3 Kilometer in der Sekunde betragen. Dieser Wert dürfte gegenwärtig als der genaueste zu betrachten sein, da zu seiner Ermittelung langwierige und mühsame Messungen an öl Sternen benutzt worden find. Wahlrecht im Verhältnis zur Einwohnerzahl so günstig ist wie in Baden, beweist nichts und kann daher hier ununtersucht bleiben. Denn es ist doch noch niemand von uns eingefallen, die Wahlrechts- zustände in anderen Bundesstaaten zu loben. Ich beschränlkte mich eben nur auf den Nachweis, daß selbst in preußischen Städten das Verhältnis nach der Richtung hin günstiger ist als in Baden. Seit wann ist es denn in der Partei Brauch, daß einem Vor- würfe gemacht werden, wenn er Kritik an einem Klassenwahlrecht übt, und seit wann ist es Brauch, daß man jemand, der, wie ich, in meinem Artikel ausdrücklich erwähnt habe, daß die von nrir mitgeteilten Zahlen über das Verhältnis der Wähler zur Ein- Wohnerzahl einer Aufstellung der Zentralstelle des Deutschen Städtetags entnommen sei, vorwirft, ,ch hätte meine Quelle der- schwiegen? Ich habe bei meinem Vergleich zwischen Mannheim und Spandau ztvci Städte von ungefähr gleicher Größe und annähernd gleichen wirtschaftlichen Verhältnissen ausgewählt. Hätte ich mich von dem Gedanken leiten lassen, dies Verhältnis für Baden möglichst ungünstig ihmzustellen, so hätte ich die Groß- stadt Berlin, wo das Verhältnis der Wahlberechtigten 18,2 gegen 13,7 Prozent in Mannheim veträgt, zum Vergleich herangezogen. Daß ich nicht Städte, wo das Wahlrecht— wie in Bayern und Sachsen—»ine ganz andere Grundlage hat. oder wo— wie in verschiedenen preußischen Städten— die liberalen Mehrheiten einen hohen Zensus eingeführt haben, oder wo— wie in der Bäderstadt Aachen— die weibliche Bevölkerung überwiegt, in Vergleich stellen konnte, liegt doch auf der Hand. Die Bayern berufen sich bekanntlich darauf, daß sie das Gemeindewahlrecht um deswillen nicht auf die Einwohnergemeinde ausdehnen können, weil Bayern nicht wie Preußen und Baden das Klassenwahlrecht hätte. Der grundsätzliche Fehler der von der Mehrheit unserer Ge- nassen im badischen Landtag beliebten Politik liegt darin, daß sie glaubten, sie dürften nicht gegen ein Gesetz stimmen, welches einigermaßen als ein Fortschritt angesprochen werden kann. Wer sich auf diesen Standpunkt stellt, wird höchst selten einmal in die Lage kommen, gegen ein Gesetz zu stimmen, weil die Entwicklung schließlich doch nicht rückwärts geht, und die Streitfrage, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen, je nach dem Standpunkt, den man einnimmt, sehr verschieden beurteilt werden kann. Hätte die Reichstagsfraktion beim Gesetz über die Einschränkung der MajestätSbeleidigungsprozcsse und beim Vereinsgesetz sich auf den Standpunkt gestellt, den die Mehrheit der badischen Landtags- fraktion beim Gemeindegesctz mit dem Dreiklassenwahlrecht einge- nommen hat, so hätte sie glatt für. diese Regierungsvorlagen stimmen müssen. Denn das erstere Gesetz brachte überhaupt keine Nachteile und das zweite brachte nur einigen kleineren Bundes- staaten Verschlechterungen, die aber nach Ansicht der Freisinnigen durch die Vorteile, welche namentlich Preußen und Bayern hatten, doppelt aufgewogen worden sind. So hätte man argumentteren können. In der Tat hat der Abgeordnete v. Payer damals sein dolksparteilicheS Gewissen mit solchen Scheinargumenten beruhigt. Vom Sprachenparagraphen käme nur ein verhältnismäßig kleiner Teil in Betracht und der Jugendparagraph habe praktisch fast aar keine Bedeutung. Man ficht, wohin man kommt, wenn man den grundsätzlichen sozialdemokratischen Standpunkt verläßt und nicht die Beseitigung aller Standes- und Klassenvorrechte fordert. ES ist offenkundig, und das ist ja auch verschiedentlich ausge- sprachen worden: Unsere Genossen im badischen Landtag fühlen sich mehr oder weniger verpflichtet, gemeinsame Politik mit den Nationalliberalen zu machen. Sie erhoffen dadurch zu einem größeren Einfluß zu gelangen und die Nationalliberalen zu— bessern. Frank führt hierfür einige Beispiele an und sagt, daß die nationalliberale Fraktion durch unseren Einfluß jetzt für die Aufhebung der konfessionellen Lehrerseminare geschlossen gestimmt habe, während sie im letzten Landtag sich in der Frage gespalten habe. Er vergißt dabei eines. Damals stimmten von 23 national. liberalen Abgeordneten 4 gegen und 19 für, während jetzt die ganze au? 17 Mann bestehende Fraktion dafür stimmte. Ob sie aber, wenn sie in ihrer alten Stärke noch im Landtag vertreten gewesen wäre, dafür gestimmt hätte, ist natürlich sehr zweifelhaft. Die Nationalliberalen können sich in unserem Sinne nicht bessern, ob wir ihnen auch noch soviel Entgegenkommen zeigen und alle möglichen vermeintlichen gesellschaftlichen und höfischen Verpflichtungen erfüllen, und für ein Klassenwahlrecht votieren. Der Klassenkampf trennt die Vertreter der Ausgebeuteten von den Vertretern der Ausbeuter. Das dürften unsere Genossen, die jetzt von dem falschen Gedanken beseelt sind, daß der Gegensatz zwischen Zentrum und Nationalliberalen nicht leicht zu überbrücken sei, beim Zusammenbruch auch des badischen Großblocks bald zu ihrem eigenen Heile erfahren. Der englische GewcrWchaMongrcB. S h e f f i e l d, 13. September. sEig.„Bei.) Die eigentlichen Verhandlungen des Kongresses begannen heute mit der Verabschiedung des Berichtes des Parlamentarischen Komitees. Der Bericht behandelt eine große Anzahl verschiedenster und zum Teil verhältnismäßig unbeoeutender Angelegenheiten. ferner solche, die bei der Besprechung der Resolutionen wieder zur Erörterung gelangen werden. Besonders erwähnenswert ist in diesem Zusammenhange eine kurze, aber lebhafte Debatte, die über die Frage stattfand, ob Truppen oder Mitglieder der freiwilligen Territorial-Armee von den Behörden zur Nie- Verwerfung von Streiks usw. verwendet werden können. Im Berichte ist ein Brief des Kriegsministers Hal» d a n e abgedruckt, worin er dies bestreitet und einige Gesetzeöpara- araphen in diesem Sinne anführt. Mehrere Delegierte, darunter S t o k e S(Glasbläser) und Ben T i l l e t t(Docker) behaupteten auf Grund anderer Paragraphen das Gegenteil. Ferner entspann sich eine erregte Diskussion über die Schwivpraktiken in den Werkstätten der Heilsarmee, die unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit ungeheure Profite aus ihren Unternehmungen einheimst. Die Besprechung des O s- borne-Urteils wurde bei der Beratung über den Bericht über- nen, weil diese Angelegenheit später besonders verhandelt en wird. Aber der Abgeordnete Shackleton machte einige interessante Angaben über die Kosten, die die Osborne-Gerichts- sache den Gewerkschaften verursacht hat. Die Verhandlung in erster Instanz, deren Kosten von der ursprünglich betroffenen Eisenbahner-Gewerkschaft allein getragen wurden, kostete 1155 Pfd. Sterling, die Verhandlung in zweiter Instanz 1124 Pfd. Sterling und die Verhandlung in dritter Instanz,, nämlich vor dem Hause der Lords, nicht weniger als 4475 Pfd. Sterling, oder die ganze Angelegenheit in allen drei Instanzen mehr als 7099 Pfd. Sterling, ld. h. 149 999 Mk. Man kann daraus ermessen, wie ungeheuer schwer es bei dem englischen System ist. daß Arbeiter zu ihrem Recht gelangen.— Es sei noch bemerkt, daß der Bericht eme wärt- liche Uebersetzung des ganzen LehrkursuS der Gewerkschaftsschule in Berlin «nthält. Eine Diskussion darüber fand nicht statt, auch eine Resolu- tion liegt nicht vor. Es folgt die Verhandlung der Resolutionen. Die erste prinzi- pielle und prarrisch hochwichtige Debatte fand über die Resolution per Schiffslader statt, die die Bereinigung der jetzt bestehenden drei Zentralorganisationen der englischen Arbeiterbewegung, nämlich des T r a d e- U n i o n- Kongresses, des Gewerkschaftsverbandes und der Arbeiterpartei verlangt. Hier konnte man ganz deutlich das Aufeinanderplatzen der alten trade-unionistischen Auffassungen mit dem neuen Geiste wahrnehmen, der heute die Massen der englischen Arbeiterschaft beseelt. Der Abgeordnete Genosse Cl y z e s(GaSarbeitcr), einer der tüchtigsten Führer der-o- L. P., unterstützte die Resolution, weil sie die Einheit der Arbeiter- bewegung herstellen würde« und diese sei gerade jetzt Mehr denn je notwendig, um die politischen und Wirtschaftlichen Anschläge des Kapitals zurückweisen zu können. Der Abgeordnete Ward(Erd- arbeiter). der erst kürzlich unter dem Drucke der Massen aus der liberalen Partei austrat und sich der Arbeiterfraktion anschloß, wandte sich sehr heftig gegen die Resolution. Sie würde, rief er entrüstet aus, Leuten, die nichts mit der Gewerkschaftsbewegung zu tun haben. Einfluß und Stimme in rein gewerkschaftlichen An- gelegenheiten verschaffen. Gemeint sind natürlich die an Zahl verhältnismäßig verschwindenden Mitglieder der an die Arbeiter- Partei angeschlossenen sozialistischen Organisation, der I. L. P.. ferner ihre Vertreter im Parlamente. Leute wie Keir Hardie, Mac- donald und Snowden.— Der Abgeordnete Shackleton(Weher) unterstützte die Auffassung Wards und fügte noch hinzu, daß der selbständige Bestand des Trade-Union-Kongresses und seines Par- lamentarischcn Komitees nötig sei, um im Namen der GeWerk- schaften als solchen von Regierungen aller Parteischattierungen auf freundschaftlichem Wege Reformen zu verlangen, während eine politische Partei, wie die Arbeiterpartei, dies nur auf dem Wege des Kampfes tun könnte.— Andere Delegierte unterstützten die Resolution aufs wärmste. Sie wurde schließlich mit einer über- raschend geringen Mehrheit, nämlich mit 779 999 gegen 759 999 Stimmen, abgelehnt. Zeigte schon diese Debatte, daß eine neue, kampfcsfrohe Stimmung die Delegierten beherrscht, so kam dies bei der unmittelbar folgenden Resolution noch viel deutlicher zutage. Genosse Ben Tillett begründete namens der Docker- gewerkschaft, die die Federation der Gewerkschaften aller Industrien verlangt— nicht zum Zwecke der Regelung von UnterstützungS- fragen, sondern zur Unternehmung gemeinsamer wirtschaftlicher Kämpfe. Tillett wies auf die schweren Arbeiterkämpfe hin, die gerade jetzt ganz England in Unruhe versetzen. Er führte aus, daß angesichts der immer strafferen Organisation der Unternehmer- verbände die gewerkschaftliche Zersplitterung der Arbeiterschaft ein Ende nehmen müsse, wenn sie nicht unterliegen wolle. Ein anderer Vertreter der Dockarbeiter zeigte auf die Unsinnigkeit des gegen- wältigen Zustandes hin, wo Eisenbahner und Dockarbeiter streikende Bergleute unterstützen, aber die von Streikbrechern geförderte Kohle auf Eisenbahnen und Schiffen transportieren. Mehrere Delegierte, die gegen die Resolution sprachen, witterten in ihr— und zwar mit Recht— einen Borstoß des Tom Mann'schen „ i n d u st r i e l l e n U n i o n i s m u s", der, ohne antiparlamen- tarisch zu sein, das Hauptgewicht der Arbeiterbestrebungen auf die industrielle, wirtschaftliche Aktion legen will. Tom Mann's Agita- tion entspricht ohne Zweifel einem wirklichen Bedürfnis in Eng- land, und er ist auch der Mann dazu, die englischen Arbeitermassen zu Taten aufzurütteln. Es ist denn auch erstaunlich, welch gewal- tigen Erfolg Tom Mann schon in der sehr kurzen Zeit seit seiner Rückkehr aus Australien zu verzeichnen hat; wohin man kommt in den nordenglischen Industriezentren, merkt man den Einfluß seiner Agitation. Es ist ein großer Triumph für ihn, daß die Resolution Ben Tilletts vom Kongreß mit der überwältigenden Mehrheit von 1955 999 gegen 445 999 Stimmen angenommen wurde. Als dann nachher eine Resolution die Verwirklichung des ersten Pro- grammpunkts der Tom Mann'schen Agitation, nämlich die Organi- sation nach ganzen Industrien anstatt nach Arbcitszweigen oder gar nach einzelnen Handverrichtungen verlangte, wurde dies nach kurzer Debatte mit einer noch entscheidenderen Mehrheit, nämlich mit 1 175 999 Stimmen gegen 256 999 angenommen. Edwards(Landarbeiter) brachte die Resolutton ein, die die Einbeziehung der Landarbeiter in das Minimallohn. g e s e tz verlangt. Er schilderte die erbärmliche Lage der süd- englischen Landarbeiter, die 69 Stunden und mehr die Woche für einen Lohn von 12 bis 13 Mk. arbeiten müssen. Als sie im vorigen Jahre durch einen Streik eine Lohnerhöhung von 1 Mk. die Woche erkämpfen wollten, wurden sie von der Polizei terrorisiert und 12 von ihnen wegen Singen eines Liedes zu sehr hohen Geldstrafen verurteilt. Eine Szene, die Steine erweichen müßte, spielte sich in der Nachmittagssitzung des Kongresses ab. Drei der streikenden Kettenmacherinnen von Cradley Heath erschienen im Kongreßsaale und erbaten den Beistand des Kongresses in ihrem Kampfe. ES waren abgehärmte, bis zum Skelett abgemagerte Ge- stalten, denen ein Leben voll Kummer und Not vom Gesicht abzu- lesen war. Sie trugen die Ketten, die ihre mageren Hände ge- schmiedet, schwere, schwarze, eiserne Ketten. Sie fordern einen Lohn von 29 Pfennig pro Stunde und sind bereits seit Wochen im Streik um diese Forderung. Ihre Ausbeuter halten einen Stundenlohn von 8 Pfennig für gut genug für sie. Noch ein anderer Zwischenfall trug sich in der heutigen Sitzung zu. Der Vorsitzende kündigte an. daß die Sheffielder Panzer- Plattenfabrik Cammell die Delegierten eingeladen habe, die Fabrik zu besichtigen. Die Firma gehört aber zum Schiffbauverband und hat die bei ihr beschäftigten Kesselschmiede ebenfalls a u S- e s p e r r t. AuS diesem Grunde wurde von mehreren Delegierten rötest dagegen erhohen, daß die Einladung angekündigt worden war. Die Delegierten leisteten ihr natürlich keine Folge. KlNlftttvz der Gelverbegerichtsbrifitzer(Arbeitnehmer) Deutschlands. Köln, den 14. September. Zweiter BerhandlungStag. Die Sitzung beginnt mit der Bekanntgabe der Präsenzliste. Es sind 145 Vertreter anwesend, nämlich 134 Arbeitnehmerbeisitzer, 1 Arbeitgeber, 4 Vertreter von KaufmannSgerichten. 1 Vertreter des Bundes der technisch-industtiellen Beamten. 4 Mitglieder der Generalkommission der Gewerkschaften und 1 Vertreter deS Ausschusses des Verbands« der Gewerbe- und KaufmannSgerichte. Ueber «AuSdehnungderZuständigkeitderGewerbe» g e r i ch t e" referiert Starke- Dresden. Einleitend verweist er darauf, daß, wenn ein Gesetz in Wirksamkeit trete, dann der Streit um das Ge- setz beginne. Dies treffe insbesondere zu, wenn Arbeiterrechte in Frage kämen. Weil der Reichstag seinerzeit die vernünftigen Vor- schlüge der sozialdemokrattschen ReichStagSfraktion in bezug auf Ausdehnung der gewerblichen Rechtsprechung abgelehnt, deshalb heute die Schwierigkeiten. Die in§ 1 des Gewerbegerichtsgesetzes festgelegte Bestimmung, daß für gewerbliche Streitigkeiten die Zuständigkeit gegeben sein soll, habe zu fortgesetzten Streitigkeiten geführt, iveil der Begriff ganz verschieden angewandt wird. Redner erörtert das näher und krittsiert weiter den 8 2, wonach nur Ge- meinden mit über 29 999 Einwohnarn die Verpflichtung zur Er- richtung von Gewerbegerichten haben. Im 8 3 wird die Zuständig. keit den Betriebsbeamten usw. nur bis 2999 M. Einkommen zuge- standen, dadurch sind große Gruppen von der Inanspruchnahme des Gesetzes ausgeschlossen. Weiter bemängelt Redner die 88 4, 6 und besonders 7, der es zuläßt, daß bestimmte Berufe oder bestimmte Gemeindebezirke der Zuständigkeit des Gewerbegerichts nicht unter. stehen. Arbeiter fast aller Berufe leiden unter den örtlichen, fach- lichen und beruflichen Zuftändigkeitsbcschränkungen, insbesondere als ganze Gruppen weist Redner auf die Gemeinde- und Staatsarbeiter, die Arbeiter in Kunstinstituten, sogenannten WohlfahrtSanstalten usw. hin. Die gesamten Arbeiter im Elbschiffahrtsbetriebe sind aus. geschlossen, weil ein alter Stattenvertrag vom Jahre 1843 noch Gel- tung hat. welcher die in der Elbschiffahrt Beschäftigten den Elbzoll. gerichten unterstellt. Redner erwähnt eine größere Anzahl von Nebenbeschäftigungen, die aus dem Grunde der Gewerbegerichtsbar- keit nicht unterstellt sind, weil der Hauptbetrieb in Wirklichkeit oder dem Schein nach nicht als Erwerb der Unternehmer gilt. In allen solchen Fällen seien die betreffenden Arbeiter die Benach- teiligten. Von Petitionen, die auf Abhilfe dieser Mißstände gerichtet lind, verspricht der Referent sich nicht viel, weil das meist Arbeit für den Papierkorb fei. Nur wenn bestimmte Gesetzesvorlagen zur Beratung ständen, wie zurzeit die ReichsbersicherungSabänderungS- Anträge, könnten Petitionen Anspruch auf Beachtung finden. Red. ner empfiehlt dagegen die Sammlung von Material, insbesondere einschlägige Urteile, eine Besprechung derselben in engeren Kreisen und gutachtlich« Aeußerung der Gewerbcgerichte, sowie die Publi- katton solcher Gutachten. Ein solcher Appell an die Oeffentlichkeit finde immer eine gewisse Beachtung. Dann begründet der Vertreter des Bundes der technisch- industriellen Beamten, Schweitzer, eine Petition an den Reichstag und erbittet die Unterstützung der Gewerbegerichte. In der Peti- tton wird gefordert, daß Betriebsbeamte usw. bis zu einem Ein- kommen von 5999 M. den Gewerbegerichten unterstellt werden sollen und daß der 8 4 des Gewerbegerichtsgesetzes dahin geändert wird, daß auch die Streittgkeiten aus der sogenannten Konkurrenzklausel zur Zuständigkeit der Gewerbegerichte gehören sollen. Die Be- stimmung. daß nur Orte mit 29 999 Einwohnern die Verpflichtung zur Errichtung von Gewerhegerichten haben, soll aufgehoben und festgelegt werden» daß mindestens in jedem Amtsgerichtsbezirk«in Gewerbegericht errichtet wird. Ferner wünscht die vom Redner ver- treten« Bcamtengruppe die obligatorische Einführung der Verhält- niswahl und für die technisch-industriellen Beamten besondere Bei- sitzer aus eigenen Wahlgruppen, die Herabsetzung Her Wählbarkeit von 39 auf 25 Jahre und das Wahlrecht vom 21. Jahre an sowie Ausdehnung des Wahlrechts auf weibliche Arbeiter und schließlich die Hinaufsetzung der Berufungsgrenze von 199 auf 399 M. Unter demselben Punkt der Tagesordnung erörtert dann Lorenz» Chemnitz noch die Frage: „Sind Prozeßkosten zulässig bei Unzuständig- keitSerklärung des G ewerbegerichtS?" Redner weist an einem speziellen Falle nach, daß einem Arbeiter 6 M. Gerichtskosten auferlegt worden sind in einer Sache, die gar nicht zur Verhandlung gekommen ist, und vertritt nun die Meinung, daß das nicht zulässig sei, obwohl bei Prüfung deS Falles Juristen die Kostenberechnung für cinwandsfrei erachtet haben. In der nun folgenden Diskussion vertritt zunächst Holz in bezug auf die Zuständigkeitsfrage den Standpunkt, daß auf Schaffung allgemeiner Arbeitergerichte hingear. beitet werden müsse, denen alle Arbeiter in gewerblichen Streit- fällen unterstellt seien. Vor allem auch müsse die Zuständigkeit der Gewerbegerichte für Dienstboten angestrebt werden. Redner unter- stützt die Forderungen des Referenten Starke, ist auch mit den An- trägen der technisch-industriellen Beamte« einverstanden, nur hat er Bedenken gegen die eigene Gruppenbildung dieser Kategorie.— Hupperts- Hamburg will die Konkurrenzklausel aus den Forderungen der technisch-industriellen Beamten ausgeschaltet wissen. Das Hamburger Gewerbegericht habe sich auf den Standpunkt ge- stellt, daß diese Frage zu wenig Sachkenntnis bei den Gewerbe- richtern begegne. Ferner habe das Hamburger Gewerbeyericht die Forderung der eigenen Gruppenbildung abgelehnt wegen der sich daraus ergebenden Konsequenzen.— SawinSki- Magdeburg bringt eine Petition des Werkmeisterverbandes an den Reichstag zur Kenntnis der Versammlung. In dieser Petttion wird gleichfalls die Ausdehnung der Zuständigkett nach 8 133a der Gewerbeordnung auf alle Privatbeamten bis zu einem Einkommen von 5999 M. ge- fordert. Dann nimmt die Petition zur Konkurrenzklausel und zur Bildung besonderer Gruppen für die Privatbeamten dieselbe Stel- lung ein wie die der technisch-industriellen Beamten und fordert außerdem zu 8 1� des GewerbcgerichiSgesetzcö eine Aendcrung dahin. daß der Vorsitzende des Gerichts unter allen Umständen ein Jurist sein muß. der die Staatsprüfung für den höheren Justiz- oder Ver- waltungsdienst abgelegt hat.— Wissel! vertritt den Standpunkt, daß die Schwierigkeiten in bezug auf Zuständigkeit und Recht- sprechung weniger auf den unsozialen Geist an den Gewerbcgench- ten, sondern vorwiegend auf die Mängel des Gesetzes selbst zurück- zufuhren seien. Fast allgemeinen Widerspruch findet Redner �mit der Behauptung, daß städttscke Kunstanstalten, sowie ElektrizitätS-, Gas- und Wasserwerke keine gewerblichen Betriebe seien.— H e i d en- Frankfurt wendet sich gegen jede Beschränkung der Zu» ständigkeit für gewerbliche Streitigkeiten und fordert all. gemeine Arbeitergericht«, ist in bezug auf Bildung von Sondergruppen gegen die Petition der technisch- industriellen Be- amten, was er damit zu begründen sucht, daß man in Frankfurt dieser Angestelltengruppe einen Sitz auf der Kandidatenliste der freien Gewerkschaften angeboten habe, der aber von den Angestellten abgelehnt sei. Redner schließt daraus, daß die technisch-industtiellen Beamten auch nur die Zersplitterung betreiben.— Lange- Hamburg(Vertreter der Handlungsgehilfen) suckt nachzuweisen, daß die Forderung auf besondere Gruppenbildung für die technisch-industri- ellen Beamten berechtigt ist. Auch der sozialdemokratische Parteitag habe 1894 auf Antrag von Dr. Ouarck für die Handlungsgehilfen die besondere Gruppenbildung zugestanden und auch im Arbeitskammer- gesetzentwurf sei eine ähnliche Forderung enthalten, welcher die so- zialdemokratische ReichstagSfraktion zugestimmt habe. Werde dieser Wunsch nicht berücksichtigt, dann treibe man die technisch-industri, «llen Beamten dazu, Anträge auf eigene Gerichtsbarkeit zu fordern. — RobertSchmidt(Generalkommission) weist darauf hin. daß die bürgerliche Agitation in dieser Frage auf möglichste Zersplitte- rung aoziele. Es sei deshalb takttsch falsch, durch Versagung des Wunsches der technisch-industtiellen Beamten diese ahzustoßen. Redner bestätigt die Ausführungen von Lange und begründet ein- gehend die Forderung auf Schaffung von allgemeinen Ar- eitergerichten. Er spricht weiter seine Verwunderung dar. über aus, daß auch noch Arbeiterbeisiher die Auffassung vertreten können, daß die Ausschaltung der Kdnkurrenzklaufel aus der Recht- sprechung der Gewerbegerichte gerechtferttgt sei.— Schweitzer. der Vertreter der technisch-industriellen Beamten, führt auS, daß gerade seine Organisation den Standesdünkel bekämpfe. Der Grund, weshalb man in Frankfurt das Angebot der freien Gewerkschaften abgelehnt habe, sei lediglich der, daß der Bund die wirtschaftliche Vertretung seiner Interessen nicht an eine besondere politische Richtung knüpfen könne. Die kleine Gruppe der technisch-industri- ellen Beamten könne sich den Luxus der gegenseitigen Bekämpfung nicht gestatten, wie das bei den freien, christlichen, Hirsch-Duncker- scben und sonstigen Gewerkschaften der Fall sei. Gerade durch Ab- lehnung des Anschlusses an eine bestimmte Gruppe habe der Bund der Zersplitterung entgegengearbeitet. Redner sucht dann nochmals die Berechtigung der eigenen Gruppenbildung nackzuweisen und bittet um Zustimmung zu der Petition.— Nach einem Resümee deS Vorsitzenden K ö r st e n wird i m SinnederAusfuhrun» gendesReferentenent schieden Nunmehr wird die Tagesordnung deS am folgenden Tage beginnenden Verbands-tages des Verbandes der Gewerbe- und Kaufmannsgerichte einer Be,prechung unterzogen und die Frage der Beteiligung an den Beratungen erörtert. In der N a ch m i t t a g S s i tz u n g ist nur noch der Punkt:- «Die Rechtsprechung an den Gewerbegerichte n� zu erledigen. In der Erörterung dieser Angelegenheit wird Haupt. sächlich Klage geführt über die Art des Verfahrens in den Sühne. terminen. Die Arbeiter haben vielfach das Gefühl, daß die Ver- gleiche unter erheblicher Beeinflussung des Richters zugunsten der Unternehmer stehen. Einige Redner waren der Ansicht daß manche Richter auf diesem Gebiete direkt Mißbrauch mit den ihnen zu- stehenden Rechten treiben. Die klagenden Arbeiter hätten.häufig die Auffassung, daß sie unter Benutzung ihrer Unkenntnis„aufs Glatt. eis" gelockt würden. ES wurde empfohlen, in allen Fallen, wenn die Arbeiter nicht klar seien, ihnen anzuraten, einen Termin mit Beisitzern zu verlangen. Daß ein Einzelrichter nur Urteile im Einverständnis mit den Parteien erlassen kann, fei den meisten Ar. beitern nicht bekannt, weshalb eS Pflicht eines wirklich unpartei- ischen Richter? sei, sie darauf aufmerksam zu machen. Ein« weitere Frage, ob Sonderverträge zulässig seien, wenn das Arbeit?- Verhältnis an einem bestimmten Orte durch Tarifverträge geregelt sei, wurde an der Hand von Urteilen allseitig verneint. Mi- Erledigung dieses Punktes war die Tagesordnung er- schöpft, worauf dann der Vorsitzende Holz die Konferenz schloß. 5. Derlmdstag des Derbündes dkl Such- und Stein- druckkttl-MMbeittt n. Iiiieitr rinnen penffchinnk Bremen, 14. Septeinber 1910. Dritter Berhandlungstag. DaS einleitende Referat zur Statutenberatung' hielt der Kassierer L o d a h l- Berlin, der die Stellung des Ver- bandes zu den vorliegenden Anträgen präzisierte und die Verbands- anträge begründete. Bei seinem Vorschlage auf Beitragserhöhung um ö und 10 Vf- Hab« sich der Vorstand von dem Motiv leiten lassen, die Kriegstasse zu stärken, um den kommenden Tarifkämpfcn gewappnet gegenüber stehen zu können. Das Unter- stützungstoesen dürfte nicht weiter ausgedehnt werden, so dah die durch eine dem Vorstandsantrag entsprechende Beitragserhöhung mehr eingehenden 40 000 M. lediglich für Kämpfe reserviert toerden könnten. Die auf dem letzten Vcrbandstage eingeführte Wöchne- rinnenunterstützung soll nach einem Antrag des Vorstandes ab- geschafft, die Wöchnerinnen sollen nur als Kranke betrachtet werden und dementsprechend Unterstützung erhalten, sofern sie unter- stützungsberechtigt sind. L o d a h I betonte, die Aufhebung dieser Unterstützung sei notwendig, da die Wöchnerinnen nach Erhebung der Unterstützung dein Verbände meist den Rücken kehrten. Es sei auch ungesund, einem Teil der Mitglieder ohne besondere Leistung eine besondere Unterstützung zu gewähren. In der Generaldebatte wurde dieser Vorschlag des Vor- standeS stark bekämpft. In der Aufhebung der Wöcksnerinnenunter- stützung wurde eine Reduzierung des Unterstützungswesens erblickt. Es gehe nicht an, dag man die Beiträge erhöhe und dabei noch die Unterstützungen beschränke. Die Wöchnerinnenunterstützung sei ein gutes Agitationsmittel. Mit einer Beitragserhöhung waren fast alle Redner einverstanden, von einzelnen Rednern wurde die Ein» führung einer sechsten Beitragsklasse verlangt. Gegen einen An- trag des Vorstandes, daß künftig Arbeitslose und Kranke, die be- zugsberechtigt sind. Pflichtbeiträge bezahlen sollen, wurden scharfe Einwendungen erhoben. Sämtliche Anträge wurden einer eingesetzten Kommission über- wiesen. Dann hielt die Genosiin Arbeitersekretärin Gertrud Hanna- Berlin ein sehr instruktives Referat über die Reichsversicherungsordnnng. Sie kennzeichnete die großen Nachteile, die der Entwurf für die Arbeiterschaft bringt und stellte demgegenüber die Forderungen der Arbeiter auf. Gegen den Entwurf würde allseitig Protest erhoben werden. Die Refcrentin empfahl, sich den Beschlüssen des außer- ordentlichen Gewerkschaftskongresses zu Berlin anzuschließen.— Ohne Debatte stimmte der Berbandstag diesem Vorschlage zu. Hierauf kamen die allgemeinen Anträge zur Beratung, und zwar zunächst der Antrag des Vorstandes auf Gehaltsregu- l i e r n n g der Angestellten. Der Vorstand beantragte, das zu er- reichende Höchstgehalt der Beamten um 300 M�, und die Gehalts- steigerungen, die bisher 80 M. pro Jahr betrugen, auf 100 M. zu erhöhen. Diese Vorschläge riefen eine starke Opposition hervor. Sie wurden aber schlichlich mit 21 gegen 10 Stimmen angenommen. Annahme finden aiM Aiiträge von Berlin, daß VcrbandStags- bcschlüsse nur auf Verbandstagen abgeändert werden dürfen und der Verbandsvorstand verpflichtet wird, für die Durchführung aller in ideeller wie materieller Hinsicht gefaßten Verbandstagsbeschlüsse Sorge zu tragen. Ein Versuch, den Titel des Verbandes zu ändern, scheitert, weil kein besserer Titel gefunden wird. Ein Antrag Dresden, die Wahl der Delegierten zu den Gewerkschastskon- gressen auf dem Verbandstage vorzunehmen, wird abgelehnt. Es bleibt bei dem alten Modus. Der Gau 4, Bayern, wurde in Nord. und Südbayern getrennt. Es wurde noch eine weitere Reihe An- träge angenommen bezw. abgelehnt, die aber sämtlich ohne Belang find. Der alte Verbandsvorstand und der Redakteur wurden wieder- gewählt. Der nächste Verbandstag soll in Berlin stattfinden. Huq Induftne und Handel Lage des deutschen ArbeitSmarktes. Der Monat August leitet alljährlich die Herbstbelebung in der Warenherstellung ein. Die Folge dieser Erscheinung ist, daß der Arbeitsmarkt in diesem Monat in guten wie in schlechten Jahren eine mehr oder weniger kräftige Besserung gegenüber dem Monat Juli aufweist. Seit wir in Deutichland den monatlichen Rhythmus de» ArbeilSmarktes beobachten können, das ist also seit dem Jahre 18SS, hat der August immer eine Bernrinderung des Andranges am Arbeitsmarkt gebracht. So war es denn zu erwarten, daß auch im laufenden Jahre der August ein freundlichere» Gepräge al» der Juli bringen würde, und man konnte nur darüber noch im Ungewisien fein, wie groß der Grad der Besserung nicht nur gegen- über dem Monat Juli, sondem auch gegenüber dem August des vorigen JahreS sein würde. Da ergibt sich denn nun die er- frculiche Tatsache, daß nach den Berichten der öffentlichen Arbeitsnachweise an den«Arbeits- markt' die Abnahme deS Andranges im diesjährigen August nicht nur sehr viel stärker war als in den Jahren des Wirtschaft- lichen Niederganges, sondern auch stärker als die Abnahme in dem korrespondierenden ErholungSjahr 1903. An den nämlichen Arbeits- nachweisen stieg die Zahl der offenen Stellen, die die Nachfrage widerspiegeln, von 113 930 im August 1909 auf 143 780 im August dieses JahreS oder um gut 2S Proz. Nicht so stark hat daS An- gebot zugenommen: eS ging von 148 193 im Borjahre auf 167 8b3 im laufenden Jahre oder nur mir etwas mehr als 13 Proz. in die Höhe. Infolge dieser stärkeren Zunahme der Nachfrage ging der Andrang im August dieses JahreS bis auf 110,75 für je hundert offene Stellen zurück, was eine bedeutende Erleichterung sowohl gegenüber dem Vormonat als auch gegenüber dem Vorjahre bedeutet. Im Juli d. I. stellte sich der Andrang auf 125,00, im August 1909 aber hatte er bei den gleichen Nachweisen 130,07 betragen. An der erheblichen Er- leichlerung, die der Monat August gebracht hat, partizipieren alle LandeSteile mehr oder weniger. Eine Verschlechterung gegenüber dem Vorjahre fft nirgends eingetreten? der Andrang steht jetzt durchweg unter dem Niveau des Vorjahre?. Am niedrigsten steht er zurzeit an den berichtenden Plätzen Schlesiens, für die insgesamt der Andrang unter 100, nämlich auf 93,24 steht. Am höchsten ist er dagegen in dem Industriegebiet der Rhein- Provinz, dessen berichtende Arbeitsnachweise einen Andrang von 147,06 ergeben. Hier ist daS Ueberangebot von Arbeitsuchenden also noch recht empfindlich. Auch die Besserung gegenüber dem Vor« jähre ist in der Rheinprovinz nicht erheblich. Im August 1909 betrug der Andrang an den gleichen Plätzen 150,51. Bemerkenswert an der Lage des Arbeitsmarktes in der Rheinprovinz ist ganz besonders. daß auch am Arbeitsmarkt für Weibliche ein Ueberangebot besteht, indem auf 100 offene Stellen für Weibliche 113,33 Arbeitsuchende kamen. Nur in Hannover-Braunschwelg und Schleswig-Holstein geht der Andrang am Arbeitsmarkt für Weibliche mitl01,02 noch überlOO hinaus. Sonst bleibt der Andrang stark hinter 100 zurück. Der Arbeitsmarkt in der R ei ch s h a up ist a d t hat sich ebenfalls gebessert. Im August dieses JahreS ist der Andrang bis auf 102,55 zurückgegangen, wobei allerdings zu berücksichtigen bleibt, daß der Andrang am Arbeitsmarkt für Männliche mit 113,21 noch ein Ueberangebot auf- weist, während für Weibliche ein scharfes Minderangebot festzustellen ist; auf 100 offene Stellen meldeten sich nur 04,80 Arbeit- suchende. Trotzdem im allgemeinen der Arbeitsmarkt für Weibliche bom Standpunkt des Angebotes aus absolut sehr viel günstiger liegt als für Männliche, so ist doch die Erleichterung, die der August gebracht hat, mehr den männlichen Arbeitskräften zugute gekommen. Auf 100 offene Stellen für Männliche kamen im August de» Vorjahres noch 153.30 Arbeilsuckende, im August 1910 nur 134,20. Die Erleichterung beträgt 19,10 Arbeitsuchende auf je 100 offene Stellen. Die Zahl der offenen Stellen betrug im letzten Monat an den gleichen Arbeitsnachweisen 95 525 gegen 73 931 im gleichen Monat des Vorjahres. Die Steigerung macht 29 Proz. aus, während die Steigerung der Nachfrage am gesamten Arbeitsmarkt nur 20 Proz. beträgt. Die Arbeitsuchenden ergeben für den August 1910 eine Ziffer von 128 197 gegen 113 340 im Vorjahre. Hier beträgt die Zunahme nur 13 Proz. Die besonders kräftige Erleichterung am Arbeitsmarkte für Männliche ist besonders zu begrüßen, nachdem in dieser Beziehung einige der letzten Monate viel zu wünschen übrig gelassen hatten. Wenn auch die Zunahme der Arbeitsgelegenheit im August in erster Linie den gelernten Arbeitskräften zu gute gekommen ist, so hat sich doch auch in einer Reihe von Gegenden das U e b e r- an gebot von Ungelernten sehr stark vermindern können. Vereinzelt ist die Nachfrage nicht einmal völlig zu befriedigen ge- wesen. Von Kiel wird zum Beispiel Mangel an ungelernten Arbeitern berichtet, was damit zusammenhängt, daß die Nachfrage nach Arbeitern für den Erweiterungsbau des Kaiser-Wilhelms-Kanals zunimmt._ Gewinnsteigerimg. Fast alle Abschlüsse der Unternehmer in der Montanindustrie weisen ziemlich erheblich gesteigerte Getvinnziffern nach. Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft erzielte nach Abzug von Unkosten Steuern, Obligationszinsen und Abschreibungen 18 425 225,78 M. Ueberschuß(i. SB. 16 384 571,85 M.) und zwar wieder ausschließlich aus dem Fabrikations- und Warenverkaufsgeschäft. Der General- Versammlung tvird die Verteilung einer Dividende von 14 Proz. sim Vorjahr 13 Proz.) auf daS Grundkapital von 100 Mill. Mark vorgeschlagen werden. Die Aktiengesellschaft Faflon-Eisen-Walzwcrk L. Mannstaedt u. Co. in Köln-Kalk hat im Geschäftsjahre 1909/10 einen Ueberschuß von 782 071 M.(im Vorjahre 585 184 M.) erzielt. Der Aufsichlsrat wird die Verteilung einer Dividende von 12 Proz.(im Vorjahre 3 Proz.) vorschlagen. Eschweiler Bergwerksvcrcin. Die Gesellschaft erzielte im letzten Jahre einen Gesamtüberschutz von 7,7 Millionen Mark(im Vor- jähre 5,9). Zu Abschreibungen werden 3,5 Millionen Mark(2,0) verwandt. Die Dividende soll wieder 8 Prozent betragen. Nur nimmt diesmal ein Kapital von 38 Millionen Mark gegen 32 Millionen Mark an ihr teil._ Kohlenproduktion und Kohlenverbranch der Welt in 1909. Die gesamte Kohlenproduktion der Welt im Jahre 1909 übersteigt zwar um ein Geringes die de» Vorjahres, bleibt aber hinter deni Rekord- jähr 1907 zurück. In den fünf für die Kohlenproduktion hauplsäch- lich in Betracht kommenden Ländern wurden in den letzten vier Jahren gefördert(in englischen Tonnen): 1900 1907 1908 1909 England 251 068 000 207 83 1000 201 529 000 203 774 000 Deutschland 134 914 000 140 885 000 145 298 000 140 507 000 Frankreich 32 920 000 35 411 000 30 044 000 30 054 000 Belgien 23191 000 23 324 000 23 179 000 23 182 000 Ver. Staaten V.Amerika 309 783 000 428 890 000 371 283 000 890 330 000 Insgesamt betrug die Kohlenförderung dieser fünf Länder im vergangenen Jahre 800 Millionen Tonnen oder 23 Millionen Tonnen inehr als im Jahre 1903, sie bleibt aber um 30 Millionen Tonnen hinter dem Jahre. 1907 zurück. England, Belgien und die Ver- einigten Staaten haben 1909 zwar mehr Kehlen gefördert als 1908, die Rekordziffern des Jahres 1907 konnten sie aber nicht erreichen; dagegen ist in Deutschland und Frankreich in 1909 die Förderung größer gewesen, als je in einem früheren Jahre. Soziales. Gewerbsmäßige Stellenvermittelung durch einen Bereit». Der Fröbelverein in Berlin unterhält unter anderm auch eine Hausmädchenschule, die vierteljährlich etwa 100 Mädchen, jährlich also 400 Madchen besuchen. Den jungen Mädchen versucht der Verein dann passende Stellen zu vermitteln. Von ihnen wird nichts dafür erhoben. Dagegen zahlen die Herrschaften, die die Vermittelung benutzen, einen Betrag von gewöhnlich 5 M. pro Ver- mittelung. Auf der Quittung wird das als Zahlung für eine ein- malige Vermittelung und zugleich als Beitrag für den Fröbelverein bezeichnet. Das Landgericht Berlin verurteilte nun Herrn Pollac als verantwortlichen Leiter des Fröbelvercins, der ein ein- getragener Verein ist, wegen Uebertretung der Gewerbeordnung zu einer Geldstrafe, weil hier ohne polizeiliche Erlaubnis die gewerbs- mäßige Stellenvermittelung betrieben worden sei. Das Gericht führte aus: Der Mitgliedsbeitrag, den die betreffenden Herrschaften entrichteten, sei nur eine verschleierte Vermittelungsgebühr. Der Gesamtbetrag für die Vermittelung habe jährlich eine bedeutende Höhe erreicht. Als Vermittelungsgebühr mühten jene Beiträge angesehen werden, da der Verein den Herrschaften gegenüber nichts weiter leiste als die Vermittelung. Die Damen, denen Stellen ver- mittelt wurden, hätten zum Teil, wie Zeugenaussagen ergäben, erst aus der Quittung erfahren, daß sie Mitglied eines Vereins ge- worden seien. Da aus der Vermittelung dauernd größere Ge- Winne gezogen wurden, so liege ganz klar Gewerbsmaßigkcit vor. Daran werde nichts geändert durch die Tatsache, daß die Ueber- schüsse in gemeinnütziger Weise zur Einrichtung von Freistellen für unbemittelte Mädchen und für ähnliche Vergünstigungen be- stimmt waren. Der Verein hätte eine Erlaubnis haben müssen für die gewerbsmäßige Stellenvermittelung. Da er sie damals nicht gehabt habe, so sei der gesetzliche Sgertreter des Vereins, der juristischen Person, als Täter zu bestrasen. Das Kammergericht verwarf dieser Tage die von Herrn P. gegen das Urteil eingelegte Revision mit der Begründung, daß ohne Rechtsirrtum festgestellt fei, daß der Verein die Stellenvermitte- lung gewerbsmäßig betrieben habe. Mit Recht fei der Angeklagte verurteilt worden. Kasscnbctriigcr. Der Baumeister Korbinian Burger in München» der wegen Vergehens gegen das Krankcnvcrsicherungsgesetz schon einmal vor- bestraft ist und dessen Zahlungsunfähigkeit durch Zwangsbeitrei- bung gerichtlich festgestellt ist, hat den Arbeitern die gesetzlichen Zweidrittel-Beiträge zur Ortskrankenkasse wohl vom Lohne ab- gezogen, das Geld aber nicht, wie der Z 52 Abs. 3 des Krankender- sicherungsgesetzeS verlangt, sofort an die Ortskrankenkaffe ab- geliefert. Der Staatsanwalt beantragte 250 M. Geldstrafe oder 14 Tage Gefängnis. DaS Gericht ging über diesen Antrag noch hinaus und verurteilte Burger zu 300 M. Geldstrafe oder 20 Tagen Gefängnis._ Tollwut-Impfung und Krankenversichcrungsgefetz. Ein Fleischergeselle in Zittau hatte zwei junge Schweine ge- schlachtet, die von einem tollen Hund gebissen worden und der Wut- krankheit dringend verdächtig waren. Da er eine Wunde an der Hand gehabt und der BezirkSarzt deshalb es für unbedingt nötig erklärt hatte, daß er sich sofort in das Institut für Infektion?- krankheiten begebe und sich dort der Schutzimpfung unterwerfe, ließ er sich in diesem Institute behandeln. Die Verpflegungskosten, das Fahrgeld und die Unterstützung an seine Familie während seines Berliner Aufenthaltes bestritt der Ortsvervaird. Letzterer forderte Ersatz von der Ortskrankenkasse, deren Mitglied der Fleischer war. Da die Kasse Zahlung ablehnte, erhob der Armrnverbantz Klage und' erlangke ein obsiegendes Urteil des VerwaTkurtgZgerichteS. Das sächsische OberverwaltungSgericht hat dieses Urteil bestätigt und in seinen Entscheidungsgründen mit Recht folgendes aus- geführt: Als„krank" im Sinne des KrankenversicherungSgefctzes ist jeder anzusehen, der erwerbsunfähig ist oder der ärztlichen Hilfe bedarf. Letzteres war bei dem Fleischergesellen der Fall; denn es haben der von ihm angerufene Arzt und der Bezirksarzt die so- fortige ärztliche Behandlung für geboten und unbedingt notwendig erklärt. Da nun diese lediglich im genannten Berliner Institute erfolgen konnte und der Fall zu den dringlichen gehörte, war der Geselle berechtigt, auch ohne vorherige Genehmigung der Kasse sich zu dem angegebenen Zwecke nach Berlin zu begeben. Er erlangte auch einen Anspruch auf Erstattung der durch die Anstaltsbehand- lung ihm erwachsenden Kosten und auf Familienunterstützung, der im Wege der Armenfürsorge nach§ 57 Abs. 2 des Krankenvcrsiche- rungsgesetzes auf den Armenverband überging. Wenn die Kasse hiergegen in erster Linie geltend gemacht hat, daß er nicht wegen einer Krankheit, sondern aus vorsorglichen Gründen der Schutz- impfung unterzogen worden sei, daß es sich also nur um eine pro- phylaktische Maßregel gehandelt habe, so übersieht sie hierbei, daß die nach den ärztlichen Aussprüchen im vorliegenden Falle erfordcr- liche Heilbehandlung eben lediglich in einer Schutzimpfung bestehen konnte und daß an ihrer die ärztliche Hilfe bringenden Eigenschaft dadurch nichts geändert wurde, daß sie vorbeugender Art war. Ob die Gefahr der Erkrankung bei demjenigen, der von einem tollen Hunde gebissen worden ist, größer und drohender ist als bei dem- jenigen, der mit einer offenen Wunde an der Hand ein von einem tollen Hunde gebissenes Tier schlachtet, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls besteht auch im letzteren Falle die dringende Gefahr, daß das Gift des wutkranken Hundes durch Vermittelung des von ihm gebissenen Tieres in den menschlichen Körper gelangt. Auch der Einwand der Beklagten, die Folge des angefochtenen Urteils werde sein, daß bei allgemeiner Seuchengefahr iede Schutzimpfung als Krankheitsbehandlung betrachtet werde, erscheint nicht beacht- lich. Denn die Voraussetzung der Annahme einer„Krankheit" in Fällen der vorliegenden Art wird immer die Tatsache bilden, daß ein wutkrankes oder wenigstens der Wutkrankheit dringend ver- dächtiges Tier von jemandem geschlachtet worden ist, der eine offene Wunde an der Hand hatte._ Gerichts-Zeitung. Ein durch Gendarmen gestörter JugendauZflug ist schon mehrmals Gegenstand gerichtlicher Verhandlungen gewesen. ES handelt sich um einen Ausflug, den die Freie Jugend» o r g a n i s a t i o n am 20. Juni 1909 unternahm. Ein 150—200 Personen zählender Trilpp der jugendlichen Ausflügler kam von Treptow, ging durch Nicder-Schöneweide und lagerte am Ende des Ortes im Walde, wo das Frühstück eingenommen wurde. Als die Ausflügler eben im Begriff waren, ihre Tour fortzusetzen, sich teils schon erhoben hatten, teils noch auf dem Waldboden saßen, stürmten drei Gendarmen auf die jungen Leute zu. Von einer Seite kamen die Gendarmen Dahlke und Karnoth, von der anderen Seite der Gendarm Donath. Mit Schimpfworten, wie„Bande, macht, daß Ihr aus dem Walde kommt",„Lause» b e n g e l s. wollt Ihr Euch gleich aus dem Staube machen", wurde die Gesellschaft aufgescheucht. Erschreckt stob alles auseinander, namentlich die am Ausfluge beteiligten Mädchen waren aufS höchste beängstigt. Als stch die Ausflügler auf der Chauffee zusammen- fanden und ihren Weg fortsetzen wollten, wurden sie von den Gendarmen wiederholt aufgefordert, auseinanderzugehen. Eine in ein Tuch gewickelte rote Fahne wurde von den Gendarmen in Beschlag genommen und ein junger Mann, der die Fahne gerade in der Hand hatte, sistiert, mit ihm noch ein anderer. Kurz nachher wurden noch zwei weitere Teilnehmer der Partie sistiert. Diese beiden sind später wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und wegen Aufruhr angeklagt, von der dritten Strafkammer deS Landgerichts II aber am 18. Januar 1910 freigesprochen worden. Bei dieser Ver- Handlung wurde im wesentlichen der vorstehend angegebene Sach« verhalt festgestellt. Die beiden anderen jungen Leute, welche von den Gendarmen sistiert worden find, erhielten eine Anklage wegen Auflaufs. Das Schöffengericht Köpenick sprach den einen Angeklagten frei und erkannte gegen den anderen, Lehrling Kampfert. auf einen Verweis. Kampfert hat gegen das Urteil Berufung eingelegt. Diese wurde gestern vor der vierten Strafkammer des Landgerichts II verhandelt. Gleich zu Beginn der Verhandlung lieferte der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Selig- mann eine eigenartige Illustration richterlicher Unbefangenheit. Den beiden als Belastungszeugen erschienenen Gendarmen Donath und Karnoth gegenüber begnügte er sich mit einem kurzen formalen Hinweis auf die Bedeutung des Eides. Den beiden EntlastungS» zeugen dagegen glaubte er eine besondere Vcrmahnung erteilen zu müssen, die dahin ging: Er sage ihnen besonder», daß sie sich nicht elwa durch Sympathie für den Angeklagten verleiten lassen sollten, die Unwahrheit zu sagen. Diese beiden Zeugen, Sevikow und Hubert, schilderten den Hergang im allgemeinen so, wie wir ihn bereits dargestellt haben. Sevikow bemerkte noch, er habe den Gendarm Donath, als dieser auf die jungen Leute schimpfte, ersucht, die Leute, die doch keinen Verstoß begangen hätten, in Ruhe zu lassen. Außer Kraftworten, wie:„Bande, macht, daß ihr hier rauskommt. sonst bringe ich euch mit einem Donner- Wetter fort," hat der Zeuge keine Aufforderung zum Auseinander- gehen gehört.— Die Gendarmen stellen in Abrede. Schimpf- Worte gebraucht zu haben. Sie sagen, es sei ihnen mitgeteilt worden, daß die jungen Leute in geschlossenem Zuge, eine rote Fahne tragend und sozialdemokratische Lieder singend, den Ort passiert hätten. Sie hätten von den AuSfliiglern, die sie im Walde lagernd antrafen, den Führer des ZugeS erkunden wollen, hätten aber die Antwort er» halten, ein Führer fei nicht vorhanden. Dann habe sich die Gesell» schaft wieder zu einem Zuge formieren wollen und dann hätten fie wiederholt die Aufforderung zum Auseinandergehen an die Menge gerichtet, die aber keine Folge geleistet, sondern gejohlt und die Gendarmen bedroht habe. Daß die Gendarmen sich so korrekt verhielten, bestreitet der Zeuge Sevikow ganz entschieden, denn sonst, sagte er, hätte er doch keinen Anlaß gehabt, den Gendarmen Vorhaltungen über ihr Verhalten zu machen. Die Zeugen Sevikow und Hubert wurden nicht vereidigt. Der Verteidiger Rechtsanwalt KurtRofenfeld beantragte Freisprechung, da dem Angeklagten nicht nachgewiesen sei, daß er die Aufforderung zum Auseinandergehen gehört habe. Mindestens aber habe der Angeklagte nicht das Bewußtsein gehabt, eine strafbare Handlung zu begehen. Der Staatsanwalt wollte dagegen, lediglich auf daS Zeugnis der Gendarmen gestützt, das Urteil der ersten Instanz auf- rechterhalten wissen. Nach sehr langer Beratung des Gerichts verkündete der Vorsitzende: Das Gericht habe den Antrag des Verteidigers, die Zeugen Scrvikow und Hubert zu vereiden, abgelehnt, weil sie der Teilnahme verdächtig seien. Wenn sie auch nicht zu den AuS« flüglcr» gehört hätten, so doch zu der Menge, welche die Gendarmen zun: AllSciuandergchen aufforderten. Also halten auch die beiden Zeugen die Aufforderung nicht befolgt und der Verdacht, daß sie am Auflauf beteiligt waren, sei somit begründet. Die Aussagen der ©eutarmen seien durchaus glaubwürdig und könnten durch die Aus sagen der beiden anderen Zeugen nicht erschüttert werden. Trotzdem habe das Gericht auf Freisprechung erkannt, weil die Mög� lichkeit vorliege, daß der Angeklagte die Aufforderung der Gen darmen nicht gehört habe oder behindert gewesen sei. ihr Folge zu leisten._ Die Polizei gegen Streikposten. Wieder stand gestern einer der streikenden Schmiede unter der Anklage, die Straßenordnung übertreten zu haben, vor dem Schöffengericht. Der Vorgang, der dem Schmied Schirm diese Anklage brachte, spielte sich vor dem Hause Große Frankfurter Straße 6t ab, wo die Werkstatt des Schmiedemeisters Pcrner ist, dessen Gesellen nicht streikten. Schirm wurde nebst einigen Kollegen durch den Schutzmann Manske zum Weitergehen aufgefordert, er ging dann auf die andere Seite der Straße, blieb hier kurze Zeit stehen, um mit einem Lehrling zu sprechen, der eben au« PernerS Werkstatt kam. Währenddem kamen noch einige Kollegen Schirms hinzu und dann wurde er und noch einer seiner Kollegen ohne vorhergegangene Aufforderung vom Schutzmann Manske sisticrt. Der angebliche Grund ist: die Schmiede haben ans den Granitplatten des Bürgersteiges gestanden und dadurch den Verkehr behindert.— Der wirkliche Grund ist: die Schmiede standen Streik Posten. Das ging aus der Zeugenaussage des Schutzmanns Manske deutlich hervor. Wie er angab, ist er auf Veranlassung des Schmiede meisters Perner zur Stelle gekommen. Als er dort einige Männer stehen sah. forderte er sie zum Weitergehen auf und zwar nicht mit der Begründung, daß sie den Verkehr hindern, sondern mit den Worten:„Sie wissen doch, daß hier gestreikt wird, a l s o g e h e n S ie f o rt und machen Sie sich keine Un- a n n e h m l i ch k e i t e n".» Der Angeklagte bestreitet, daß der Grund, den die Polizei in ihrem Strafbcfehl gegen ihn geltend macht: er habe auf der Granitbahn gestanden, überhaupt zutrifft. Sein Verteidiger. Rechtsanwalt Vesser, beantragte zum Beweise dieser Behauptung die Ladung des gleichzeitig mit dem Angeklagten Sistiertcn, der kii�lich von einer anderen Abteilung des Schöffen- gerichtö wegen angeblichen Stehens auf den Granitplatten verurteilt wurde, sowie des betreffenden Lehrlings. Das Gericht gab diesem Antrage statt und vertagte deshalb die Verhandlung.— Der Verteidiger hatte auch die Rechts- giiltigkcit des polizeilichen Strafbefehls bestritten, weil derselbe keine Unterschrift trägt, sondern nur das Bild eines Polizeistempels, welches gleichzeitig mit dem Druck des Formulars hergestellt worden ist. Ueber diesen Punkt soll in der erneuten Verhandlung der De- zernent der 6. Abteilung deS Polizeipräsidiums vernommen werden, Die Hölle von Milczyn, deren Grund vor l'/z Jahren der„Vorwärts" ausgedeckt hatte, wird endlich im Oktober im Strafverfahren gegen den früheren Leiter der Anstalt, Pastor Breithaupt, gerichtlich gewürdigt werden. Die Verhandlung findet vor der Strafkammer III Berlin statt. Schnapsfolgcn. Der Waldarbeiter Biermann wurde von der Strafkammer in Dortmund zu 3 Vz Jahren Gefängnis verurteilt. Die Ge- richtsverhandlung entrollte ein entsetzliches Bild von den durch den Alkohol verursachten Leiden einer Frau und deren Kindern. Als Biermann im Sommer von einem Ausgange heimgekehrt war, fragte ihn seine Frau etwas. Darüber geriet er in große Wut, Er schmiß den Tisch um, auf dem das Mittagsbrot stand und zertrümmerte das Eßgerät. Dann trank erSchnaps undmißhandelte feine' Frau in barbarischer Weise. Diese flüchtete und suchte Schutz in einer Bahnwärtcrbude. Biermann folgte und schlug den Bahnwärter zu Boden und demolierte die Fenster an der Bude. Wieder zu Hause angelangt, holte sich der Waldarbeiter einen Revolver und bedrohte damit die Kinder. Er wollte olle niederschießen, wenn sie die Mutter nicht zurückholen würden. Die größeren Kinder liefen heraus oder sprangen durchs Fenster. Darüber geriet Biermann noch mehr in Wut. Er miß- handelte das im Bette liegende 2 Jahre alte Kind und gab einen Revolverschuß ab, der das Kind am Auge verletzte, so daß dieses verloren ist. Als die Frau der Wohnung zuging, gab Bierinan» noch zwei Schüsse auf sie ab, die aber zum Glück fehl gingen. Schließlich wurde der Mensch von Nachbarn und Polizei verhaftet. Solche Folgen einer Schnaps. begeistcrung" sollten zur Beherzigung der Mahnung, den Schnaps zu boykottieren, führen. Der Schnaps ist des Junkers bester Freund, deS Arbeiters schlimmster Feind._ Ein Grenzaufsehcr o. D. Für lange Jahre haben sich die Pforten deS Zuchthauses hinter dem ehemaligen Greiizauffeher Wolfgang Hümer geschloffen, der sick vor dem Landgericht in Kempten wegen dreizehn schwerer Einbrüche zil verantworten halte. Seine erste Strafe erhielt er im Jahre l906. und zwar ein Jahr drei Monate Zuchthaus, weil er die Postagentur in Partenkirchen um 800 Mark be- stöhlen hatte. Dadurch war eS mit seiner Grenzaufseherlaufbahn vorbei und der Angeklagte geriet immer mehr auf die ab- schüssige Bahn. Nach Verbüßung seiner ersten Strafe bildete er sich zun, Spezialisten für, Einbrüche in Pfarrhöse auS, Auf dem Pfarrhofe in Weiler fielen ihm gegen 11000 M. in die Hände. Weiter hat er noch vierzig andere Einbrüche in der nächsten Zeit, ebenfalls wieder überwiegend in Pfarrhöfe, auf dem Gewissen. Er wurde schließlich festgenommen und in Ulm zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, die er gegenwärtig noch verbüßt. Im Laufe der Untersuchung schöpfte man Verdacht, daß der Angeklagte auch noch an anderen Einbrüchen beteiligt gewesen sei. ES konnten ihm noch 13 Einbrüche nachgewiesen werden, die ihn vor die hiesige Strafkammer führten. Er hatte dabei Beträge bis zu 600 M. erbeutet. Wenn er nichts Besseres fand, begnügte er sich auch mit einigen Zigarren. In verschiedenen Fällen ist es bei dem Versuch deS schweren Diebstahls geblieben, da der Angeklagte ertappt wurde. Der Angeklagte war vollständig geständig. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu noch sechs Jahren Zuchthaus, so das Hümer insgesamt zwölf Jahre Zuchthaus zu verbüßen hat. Nnterschlagungen eines Pfarrers. Wegen fortgesetzter Unterschlagung im Amte wurde der Pfarrer Anselm Nötzli auS Stadl bei Landsberg von der Strafkammer des Landgerichts Memmingen zu der gesetzlich zulässigen Mindest- strafe von drei Monaten Gefängnis verurteilt. Nötzli war infolge früher gemachter Schulden imnierfort in Geldverlegenheit und hatte, um sich herauszuhelfen, allerlei kirchliches Inventar, wie eine alte Ewigkeitsampel. Meßkännchen usw., a» einen Antiquitäten- Händler verkauft, auch mehrere durch Sammlungen für kirchliche Zwecke aufgebrachte Summen für sich verbraucht. Der wegen Hehlerei Mitangeklagte Händler wurde freigesprochen, weil ihm geglaubt wurde, daß er dem Pfarrer unbedingtes Vertrauen schenkte und nicht an unrechtmäßigen Verkauf der Sachen dachte. Eine haltlose Denunziation deS GastwirtSverbandeS. Die Villenbesitzer Möller, Fischer und Zöllner in Sellin auf Rügen, die während der Badesaison Logicrgäste aufnehmen und sie zum Teil auch beköstigen, halten an ihre Gäste hin und wieder auch Bier mit einem mäßigen Preisaufschlag über den Selbstkostenpreis hinaus verkauft. Die Folge war eine vom D e u t s ch e n G a st- wirtSvrrband angeregte Anklage wegen unbefugter Ausübung der Gastwirtschaft. Die Strafkammer in Greifs- wald sprach jedoch die Angeklagten frei, weil sie bei der Abgabe des Bieres nicht gewerbsmäßig verfahren seien. Der geringe Ausschlag sei zur Deckung von Bruchschäden bestimmt gewesen und die Angeklagten hätten auch nicht beabsichtigt, durch Abgabe deS BiereS ihren Logierhausbetrieb zu fördern und so dadurch indirekte Vorteile zu erzielen. Das Kammergert cht verwarf die hiergegen von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision, weil sie an den bedenken- freien tatsächlichen Feststellungen scheitere. Hub aller Alelt. Siner vom Kau. Ein wenig schmeichelhaftes Urteil über den Militarismus hat sich der englische Leutnant Sutor gebildet, der wegen Be- leidigung der Heeresverwaltung vor dem Militärgericht in Tyne- month stand. Die Anklage gegen ihn lautete auf schlechtes Betragen und Ver- letzung der Disziplin durch Veröffentlichung einer Kritik der mili- tärischen Verhältnisse. Der Angeklagte erklärte, tatsächlich sei e r d e r A n k l ä g e r. Auf der Anklagebank sitze das System, dessen Wirkungslosigkeit er in den schärfsten Worteir geißelte. Er sei vor zehn Jahren nach Beendigung seiner Studien Offizier geworden, um eine Existenz zu finden und im Glauben, nützliche Arbeit ver- richten zu können. Darin habe er sich getäuscht.»Jchfandbald, daß da für mich nichts zu tun war. Meine Arbeit nahm mich täglich 20 Minuten in Anspruch und war dazu noch völlig leer und sinnlos. Sie bestand in der Unterzeichnung von Papieren, die ich so wenig wie irgend sonst jemand verstand. Scharf sprach er sich über die Tätigkeit der hohen Offiziere aus. Sutor, der sich gegen die Annahme, daß er nicht geistcsgesund sei, verwahrte, wurde vom Arzte als völlig gesund befunden. Auch sein Oberst gab ihm ein vorzügliches Zeugnis. Bezeichnend ist es. daß sofort nach dem Irrenarzt geschrien wird, wenn jemand es wagt, über seine Erfahrungen in einer Weise zu urteilen, daß eS allen Zopfträgern recht unangenehm in den Ohren gellt. Wir finden übrigens die Suffaffung gar nicht so verrückt, im Gegenteil scheint der Herr sehr viel Wahres gesagt zu haben._ System Eulenburg. Wie in der„Rh.-Wests. Ztg." gemeldet wird, ist der Hauptmann To lenz vom Artillerieregiment 59 in Köln seiner Stellung enthoben worden. Der Grund dafür ist die Anschuldigung, daß Tolenz ein SittlichkeitSverbrechen im Sinne des§ 175 begangen haben sollte. Hauptmann Tolenz. der verheiratet und Vater mehrerer Kinder ist, hat es vorgezogen, zu verschwinden und die Entwiefclung der unsauberen Geschichte vom Auslande aus zu betrachten. Ein Mustcrpfaffe. Rom, den 12. September 1010. Wegen Mißhandlung seine? alten Vaters ist der Priester Don Carlo F u S c o, der in SerramonaceSca amtiert, zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt worden. Der geistliche Herr ist ein alter Bekannter der Gerichrssäle. Wurde er doch schon wegen Urkundenfälschung zu 30 Monaten Gefängnis verurteilt. weil er durch Manipulationen an öffentlichen Urkunden die Finanzen seiner Pfarrei zu verbessern versucht hatte. Der„Avanti" sagt dem biederen Mann weiter nach, daß er seinen Schwestern, ehe diese verheiratet waren, be- ständig nachgestellt hätte, in einer nicht gerade mit dem Zölibat in Einklang stehenden Weise, und daß er jetzt einer ver- witweten Schwägerin keine Ruhe ließe, die sich seinen priesterlichen Gelüsten nicht hingeben will. Trotzdem bleibt Don FuSco in Amt und Würden. Zehn Monate läßt er sich vertreten, und dann wird er wieder für das Seelenheil seiner Gemeinde wirken. Die hochverräterische Windrose. In einer Metzer Schule soll, wie der„Lothringer" berichlet, ein Lehrer nach eigenem Entwurf für den Anschauungsunterricht an der Decke eine sogenannte Windrose haben anbringen lassen. Dabei bat er die Strahlen mit blau, rot und weiß angegeben, was dem revidierenden Stadtbaumeister so anstößig war, daß er das Blau mit Schwarz übermalte. So war daö Deutsche Reich wieder einmal gerettet! Falsch adressiert. Eine amüsante Geschichte teilt ein Leser der„Bahr. LandeSztg." mit. Zwei Frauen reisten nach dem oberbayerischen Wallfahrtsort Altötting. Jede erzählte der anderen die Beweggründe. Die eine will Kerzen stiften, damit ihre Tochter, welche schon sechs Jahre verheiratet ist, endlich einmal Mutter wird. Ein Jahr später begegnen sich die beiden Frauen wieder. Die eine fragt die andere, ob denn jetzt der Storch gekommen sei. Da sagt die Ge- fragte:„Der Storch ist wohl gekommen; eS hat geholfen, weil ich nach Altötting bin, aber der Storch hat die richtige Adresse verfehlt, denn meine verheiratete Tochter hat immer noch kein Kind, sondern meine unverheiratete hat eins gekriegt." Kleine Notizen. Bei dem Einsturz eines Neubaues in der BartholomäuSstraße in Hamburg wurden sieben Arbeiter verschüttet. Drei von ihnen erlitten schwere, vier leichtere Verletzungen. Manövcrunfall. Während eines Manövers, das in der Gegend von Fulda abgehalten wurde, stürzte ein Soldat des 25. hessischen Leib-Garde-Dragonerregiments im Nebel mit seinem Pferde in einen Abgrund. Mann und Pferd waren auf der Stelle tot. Durch eine Explosion in der Duggermine im Staate Indiana wurde eine Person getötet und sechs Personen schwer verletzt. Umfangreiche Betrügereien hat sich der New D o r k e r Vertreter Adolf Rotbbart der Frankfurter Firma Nolhbart u. Co. zuschulden kommen lassen. Wie ein Telegramm meldet, hat er die Merkantile Nalionalbank in New Jork durch Kreditschwindeleien um etwa 500 000 M. betrogen. Roihbart, der in Haft genommen wurde, bat die Schwindeleien eingestanden. Einsturz einer Ausstellungshalle. In dem französischen Orte Cbarleroi ist eine im Bau befindliche Ausstelllingshalle zusammengebrochen. Ein Arbeiter wurde von den Trümmern erschlagen, drei erlitten schwere Verletzungen. Wegen betrügerischer Kasscnführuiig ist der frühere Kassierer beim Bundesschatzamt in Chicago. Fitzgerald, verhaftet worden. In der von ihm verivalteten Kasse ist ein Fehlbetrag von 173 000 Dollar festgestellt worden. Cingegangene Druckfcbriftcn. von der„Neuen Zeit- iStuttgart, Paul Singer) ist soeben da? 51. Hest des 28. JabrgangS erschienen. ES bat folgenden Anhalt: Wir den Teufel oder der Teufel UNS.— Der Parlcitag in Magdeburg. Von Rudolf Hilferding.— Kopenhagen. Von I. Karsli.— Die pmihüche Diskufsion und die russische Ersabruug. Von L. Martoff.— Ein Vorschlag zur Budgelsrage Von Otto Broun(Königsberg i. Pr.)— Nochmals: Die Konsumoercinc und die Einheit der Slrbeiterbewegung. Von Ernst Lenz.— Zur Frage der Landagitalion. Von Karl Marchionini fKönigs- berg).— Jugendausschüsse und Jugendabteilinigen der Gewerkichasten. Bon W. Sollmann.— Dc> cllössische Oltroi-Wcchsclbalg. Von Jean Martin (Mülbanlen i. E).— Historischer Materialismus und neueste Stalistik. Von Julian Borchardt.— Literarische Rundschau: Karl Bücher: Die Frauensrage im Mittelalter. Von Therese Schlesinger. Dr. Rudols Eisler, Geschichte des MoniSmuS. Bon Dd. Die»Reue Zeil- erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- bandluugcn. Postniistaltcn und Kolporteure zum Prelle von 3.25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummcrn stelicu jederzeit zur Verfügung. Hie Fleischwucher! Hie Gottcsgiiadciitum! Rede, gehalten am 1. September l9t0 in Frankfurt a. M. von HcrmMn Wendel Preis 10 Pf. Buchbandlung PolkSstimme, Frankfurt a. M. f Straubes Karte der Verkehrswege, 1200 O.uabratmeilen um Berlin für Rad- und Auto-Führer. 1,50 M. Selbstverlag. Berlin 8. 61. Interessante Kriniinalprozesse von kulturhistorischer Bcdcuiung. Von Hugo Friedländer. Eingeleitet von Justizrat Dr. Sello. Preis elegant broschiert 3 M. In Originalbaud 4 M. Verlag von Herm. Barsdorf, Berlin IV. 30._ «mtlicher Marktbericht der städillchen MarNballen-Direktion über den Mroßbandel in de» Zenwal-Marktballen. Marktlage: Fl ei ich: Zufuhr stark. Gelchäst ruhig. Preise sür Schweinesteisch anziehend, sonst im» verändert. Wild: Zusnbr nicht genügend. cSeichätt rege. Prelle seit. ß> ei läget: Zufuhr genügend, Gclckiäst nicht lebhast genug. Preise schwankend. Fische: Zusubr mäßig, uieichäit reg«. Preise wenig verändert. Bulter und Käse: Geschäft ruhig. Prelle unverändert. e t l erb ur e a«. BSafierftanbs.Nachrtchtei, der Laudesanstalt sür Gewässertunde, mitgetellt vom Berüner Weiterbureau. Wasserstand M e m e l, Tllstt P r e q e l. Jnsterbitrg Deichsel. Tboru Oder, Ratibor . Krosien , Frankfurt D a r t h e. Sckirimm , Landsberg Netze, Vordamm Slbe, Letlmerttz , Dresden , Barba . Magdeburg Wall erstand Saale, Grochlttz Havel, Sviindali*) . Rathenow') Spree, Svrcmberg') . Beestow Weser, Münden . Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub . Köln Neckvr. Heilbrom, Main, Dertheim M o j e l. Trier am 14. 9. CIN 126 85 90 153 172 -70 5« 634 347 373 85 164 05 ieit 13.9. orn1) —2 +1 0 —2 —1 —1 +32 —10 —20 —20 —6 —3 —9 fl+ bedeutet Wuchs,— ffall.•) llnierveael.•) heute morgen' 303 am, weiter fallend—«) höchster Wasserstand heute 3 Uhr nachts- 138 cm.—°) höchster Wasserftaud heute 7 Uhr früh: 3lr> cm. Sunlichr Seife ist* selbst' bis in die kleinen und kleinsten Ortschaften des Reiches gedrungen. Die sorgsame Hausfrau wird sich freuen, diese m ihren Eigenschaften immer gleich« Dleibende.zuverlässigcfTeundinauch überall in der Sommerfrische zu finden. Man festehe aber immer auf /\usfolgung des Originalfabrikates u.weise anderes zurück. LirantwortliKer Redakteur Richard Barth, LsrUa. Zur des Lnferatevteilttraotvu Tb.Glier.Lerliu. Druck u.«erlag: BorsStttzKuchdrucküri u. i6c{laa*anftaU Laut fiinau& ia, S&nliB 5V*» Ar. 217. 27. Zahrgang. 2. KcilM itts jDiiiiSrts'' Sfiliutt Polbiilatt. fttitnj. 10. Ztplkmdri lillO. Stadtverordneten■ Versammlung. LS. Sitzung vom Donnerstag, den 15. September, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Michclet eröffnet die Sitzung nach 5% U6r. Vor der Sitzung sind von den Abteilungen vier Ausschnsic ge- wäbll worden. In de» Ausschuß für die Vorlage betr. die Revision der Lolmfätze für die ftädtischcu Arbeiter hat oie sozialdemolratische tyrnttiun die Stadtverordneten G l o ck e, Hintze, Leid und Metzle dcvutiert. in dem Ausschuß für die Wasserwerlsvorlagc ist sie durch die Stadtverordneten Borg mann, Psannluch, Dr. W e N l. Dr. Zadel vertreten. Stadtrat Weigert hat der Versammlung angezeigt, daß er eine etwaige Wiederwahl nicht annehinen kann. Am 30. Juni ist von der sozialdemolratischen Fraktion der fol« gende Antrag eingebracht worden: In Erwägung, daß durch ReichsgcrichtSurteil vom 28. Juni 1010 der Erlaß de? KullustNlr.lslcrs als ungesetzlich erklärt worden ist, nach welchem die Erteilung von Turnunterrtch: in Turnvereinen an nicht mehr schulpflichttge Personen von einem Erlaubnisschein abhängig gemacht wurde, ersucht die Versammlung den Magistrat, dem Turnverein„Fichte" die städtischen Turnhallen wieder zur Bersügung zu stellen. Stadtrat Sclberg: Die Schnldeputation hat bereits an den Verein eine Zuschrift erg-hen lassen, wonach er ersucht wird, bc- züglich der ain besten passenden Stunden des NnterrichtS Mitteilung zu inachen und sich evcnt. mit den betreffenden Rekloren in Ber- bindung zu setzen, auck mitzuteilen, ob den betreffenden Turnvereinen nur Lehrlinge angehören. Diese Verfügung der Schuldeputation gründet sich auf einen'Beschluß des Magistrats vom 26. August, wonach dieser Verein entsprechend dcnr RcichsgerichtserkenntniS be- züglich der Benutzung von städtischen Turnhallen nicht anders als andere Vereine behandelt werden soll; dem UnterrichtSininistcrium soll jedoch von der veränderten Sachlage Kenntnis gegeben iverden. (Redner verliest auszugsweise die vom Magistrat an dos Minifterinm eingereichte Denkschrift.) DaS Erkenntnis des NeichSgerichts erfolgte am 28 /Ö. d. I.; der Magistrat hat bereits am 26./8. beschlossen. nach diesem zu verfahre», während der Antrag Borgmann erst am 8. September zum erstenmal zur Beraliing stand. Stadtv Stadthagea(Soz.): Unser Antrag mag ja dem Magistrat offiziell nicht zur Kennlnis geiomnien sein; gestellt ist er aber viel früher. W i r kötinen uns doch nur an die Stadlvcrordnetenversaiinnluug wenden. Im Jahre 1900 hat der Magistrat seinen Eingriff in das bisherige Recht des Turnvereins „Fichte' vorgenommen, ohne zu untersuchen, ob das Provinzial- schtillollegunn mit seinem Verlangen recht hatte; der Lberbürger- mcistcr meinte sogar, die städtische Verwaltung würde sich dadurch einer Rechtsverletzung schuldig gemacht haben. Diese Rechts- auffaffung ist durchaus irrtümlich. Eine Behörde hat niemals nach- zugeben, wenn sie zur Begehung einer strafbaren Handlung aus- gefordert wird; selbst beim Militär ist diese Auffassung grundiätzlich anerkannt. Strafbar waren nicht diejenigen, welche sich mit der ministeriellen Verfügung in Widerspruch setzten, sondern diejenigen Beamten, welche der Verfügung entsprechend verfuhren. Wir freuen uns, dah das oberste Gericht unserer Auffassung ist und unserem Standpunkt recht gegeben hat. Das Provinzialschiilkollegium hat damals, ebensalls widerrechtlich, hervorgehoben, daß eine Gerichtsentscheidung nach Lage der Gesetzgebung unzulässig ist. Es ist zu bedauern, daß dieser Behörde erst durch den„Bor- wärtS" und die Arbeiter Unterricht gegeben werden mußte, daß ein solches Verfahren sehr wohl zulässig sei. Bei der klaren Rechtslage ist eS wirklich verwunderlich, wie es komme» konnte, daß die Be- Hörden aus da« widerrechtliche Geheiß des Kultusministers hin widerrechtliche Handlungen Vornahmen. Mit der Androhung von Geldstrafen für die Ueberlretung der Ministerialverfügung ist auch gegen Z 345 des Strafgesetzbuchs verstoßen worden. Dieser ganz neue Feldzug gegen die Sozialdemokratie mit Hilse der Einschränkung der Befugnisse der SelbsiverwaltnngSkörper hat sich als eine einzige Rechtswidrigkeit erwiesen. Ich zweifle nicht, daß die Staatsanwallschaft sich der Sache näher an- nehmen und die Handlungsweise der in Frage kommenden Beamten unter die Lupe nehmen wird; sollte sie zu der Auffassung kommen. daß ihnen trotz alledem der Dolus gefehlt hat. so wird ja wenig zu machen sein, aber als Warnung wird der Fall immerhin dienen können. Auffällig ist, daß wegen der zu wählenden Stunden neue Ber Handlungen slatlfinden sollen, während es doch ein Gebot der Gc- rechtigkci» wäre, wieder die alten Stunden zu nehmen. Ein nicht un- erheblicher Teil der Rektoren soll erklärt haben, er verweigere die Turnhallen dem Berein, weil er sozial» demokratisch sei. (Hört I hört!) Da» wäre eine flagrante Rechtswidrigkeit und es ist dringend erforderlich, daß der Magistrat auch den Retloren die entsprechenden Eröffnungen macht. Inhaltlich ist mit der Vcr- fügung der Schuldepnlation unser Antrag erfüllt� durch Kenntnis- nähme der Ausführungen des Stadlrats können wir daher die An- gclcgenheit für erledigt erklären unter der Voraussetzung, daß nun auch die ciitsprechenden Taten folgen. Den Urhebern des rechts- widrigen Erlasses wird, wie ich hoffe, ihr Recht werden nach dem Satze:„Unkenntnis des Gesetzes schützt nicht vor Strafe." ' Stadtrat Selbcrg: Die Rektoren haben in der Sache �über- Haupt keine ausschiaggebende Stimme, sondern lediglich die Schul- depulation. Gegebenenfalls wird diese dem belr Rektor entsprechende Anweisung geben. UebrigenS hat schon am 30. Seplember 1908 der Magistrat an das Provinziolschulkollegium in einem Sinne sich ge- wendet, der durchaus dem Standpunkt des Vorredners entspricht. (Redner verliest den Eingang der betreffenden Eingabe.) Die Angelegenheit wird damit von der Versammlung alS er- C Tw MictSenIschädigung für die Gemeindcschul- und Fach- lehrerinncn soll einsprechend dem Gesetz vom 25. Juni 1910 mit Wirkung vom 1. April 1010 auf 560 M.(bisher 550 M.) festgesetzt und ebenso den Vorschriflen dieses Gesetzes gemäß der PensionS- betrag der vor dem l. April l903>n de» Ruhestand gelrelene» Lehrerinnen demenliprechend anderweit festgestellt werden, jedoch ohne Nachzahlung für die vor dem 1. April 1910 liegende Zeit. Stadtv. Cassel beantragt AnSlchußberatung. Bei Erlaß des Lehrerbesoldungsgesetzes seien Mininialsätze für die Miels- «ntschädigung norniiert worden, die aber in besonderen Fällen nach Lage der örtlichen Verhältnisse erhöht werden können. Die Versammlung beschließt nach dem Antrage Cassel. Durch die Rciori» dcS höheren Mädchenschulwesens, insbesondere durch die Anerkennung der sieben städtischen höheren Mädchenschulen alS„höhere Lehranstalteti" im Sinne der Ministerialerlnste vom August 1908 ist die Einrichtung je einer 20sten Klaffe zum Ausbau deö zehnklaffigen Schulsystems sowie die Austelluiig weiterer, namentlich wissenschaftlich gebildeter Lehrkräfte notwendig geworden. Im Rechnungsjahr 1909 sind dadurch an Mehrausgaben 24 618, für 1910 rund 90 000 M. erwachsen. Die Veriammlnng nimmt von der Mitteilung Kenntnis. Die Berliner Neklamegesellschast, Warichauer Straße 83. hat beim Magistrat die Verlängerung ihres Ende des Monats ohne Kündigung erlöschenden Vertrages beantragt, wonach ihr für einen jährlichen MietSzinS von 7000 M. die Innenflächen der Außen- wände der öffentlichen Pissorrs zu Reklamezwecken auf S Jahr überlassen waren. Sie wünscht eine Verlängerung auf« Jahre. bietet aber nur 3000 M. Miete, um die bedeutenden Verluste, die sie in der bisherigen VcrlragSzeit. namentlich z» Anfang gehabt hat. wieder herauszuwirtschaften. StraßenreinigungSdeputation und Ma- gistral befürworten de» Abschluß de? neuen Vertrages auf dieser Grundlage, da sie sich von der der Stadl koutralilich zustehenden eventuellen llebernahme der vorhandenen Neklameeinrichiungen für 40 Prvz. des Änschaffungsweries und von der Ausschreibung zu anderweiter Vermietung befriedigende Resultate nicht versprechen. Nach kurzer Besprechung findet die Vorlage die Mehrheit. Es ist dem Magistrat gelungen, auch mit de» Landgemeinden Basdorf, Wandlitz und Klosterfelde und mit der Stadt- gemeinde L i e b e n iv a l d e GasvcrsorgungSverträge zu vereinbaren. Da auf sofortige Rentabilität der Gaslieferung nicht gerechnet werden kann, ist für Liebenwalde eine 60 jährige. für die übrigen Orte eine 50 jährige Vertragsdauer bedungen. Der Anschluß an daS städtische GaSrohrnetz soll von Schönwalde auS erfolgen; es werden etwa 25 Kilometer Röhren zu verlegen sein. Die Anlage- losten sind aus 400 000 M. veranschlagt, wovon die Hälfte noch ltHO verwendet und auf daS Exlraordinarium des ElatS über- nominen werden soll. Die Vorlage und die Verträge gelangen ohne Debatte zur Annahme. Zu den Kosten deS„VürgerhauswerkeS", welches der Verband deulicher Architelten- und Jngenieuroereine AherauSgibt, will der Magistrat 3000 M. beisteuern. Diese Rosten sind auf 100 000 M. berechnet. DaS Werk soll bei einer Auflage vou 1000 Abdrücken für 80 M verkäuflich sein. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung. An der Internationalen Hygirneausstellimg, welche Mai bis Oktober 1911 in Dresden stailfindet, will sich der Magistrat durch Beschickung mit geeigneten Ausstellungsgegenständen für die Gruppen Wasser, Kanalisation, RahruiigSmiltel, Körperpflege, Krankenfüriorge und RettungSweien, Säuglings-, Kinderfiirsorge und Schulhygiene. Bekämpfung der Znbakranlheiten beteiligen und sucht dafür einen Kredit von 20 000 M. nach. Die Versammlung bewilligt die Summe ohne Debatte. Dem Berliner Frauuiverein gegen den AlkoholiS- m u S soll gegen eine jährliche Anerkennlingsgebühr von l M. die Errichtung einer Erfrischungshalle zwecks billigen Verkaufs kalter und warmer alkoholfreier Getränke auf dem Spreewaldplatz gestattet Wet ren. Stadtv. Zuüeil(Soz.): Der Platz ist erst vor kurzem zu einem wirklichen Schinuckplatz ausgcstaliet worden. Legt man die Halle, wie es jetzt gclchehen soll, in die Mitte' des Playes direkt vor den Görlitzer Bahnhof, so würde dem Platze ein großer Teil seiner grünen Fläche genommen, während für das vom Bahnhof kommende Publikum die Halle wegen des unmittelbar davor stattfindenden StraßenbahnvcrkehrS gar nicht oder nur sehe schwer zn erreichen und daher fast wertlos sein würde. Früher war für die Halle eine andere, geeignetere Stelle in Aussicht genommen. Dem Antrage Zubeil gemäß wird die Lorlage an eine» Ausschuß vou 10 Mitgliedern verwiesen. Für die Pflasterung der Z u g a n g L w e g e zum Portal des städtischen Zentralfriedhofes m Friedrichsfelde sind 4000 M. aufgewendet worden, deren nachträgliche Bewilligung ohne Diskttssio» erfolgt._ Na; eine Gefängnisdrucllerd erzählt. Alljährlich wird bei Beratung des Etats für Gefängnisweseit im Abgeordnetenhause Klage geführt über die Konkurrenz, die die Gefängnisse den Privatnnternehmeril machen, und eS ist wiederholt verlangt worden, dieser Schmutz konkurrenz, wie sie von den Hand- werkSmeistern auf ihren Handwerkertagcn bezeichnet worden ist, ein Ende zu machen. Wohl müßten die Gefangenen beschäftigt werden, so wurde ausgeführt, das könne aber in einer Weise geschehen, die den Privatunternehmern und natürlich auch den freien Arbeitern keine» Schaden bringe, indem lediglich Arbeiten für den Staat an- gefertigt würden. Die Regierung hat fast stets wohlwollende Erwägung zugesagt, aber im wesentlichen ist nicht sehr viel geändert worden. Zur Beleuchtimg de? gegenwärtigen ZustandeS möge folgender Bei- trag dienen: Zu den Beirieben, die im Tegeler Gefängnis vorhanden sind und in denen Gefangene bcschäsligl werden, gehört auch eine Druckerei. In dieser Druckerei werden die verschiedensten Arbeiten hergestellt. Ein guter Kunde ist der Staat, für den Adressen ge- druckt Iverden auf die zahlreichen gleichfalls im Gefängnis her- gestellten KuVerlS. Manche Aufträge entbehren nicht- eines gewissen öffentlichen Interesses. Speziell interessiert uns ein Geheimzirkular des Kommandos der Matroscnartillerie Kiautschou, das an die Herren Zivilvorsitzendcn der Ersatzlonimissionen des AuShebungSbezirlS gerichtet ist und in welchem unter Bezugnahme auf den Erlaß deS Ministers des Innern vom 19. September 1894 um AuSluirft gebeten wird, ob ein näher Bezeichneter etwa der sozialdemokratischen Partei angehört oder gar für dieselbe agitatorisch tätig war. Der Genannte habe sich zum freiwilligen Eintritt gemeldet. Buchdruckerkreise wird eS besonders interessieren, daß auch der Vaterländische Fraueuverein in der Gefängnisdruckerei arbeiten läßt, wenigstens möchte man das annehmen, da ein Vortrog einer Frau v. Hönika geb. Gräfin v. Krcuy-Belzig in Tegel gedruckt worden ist, den diese Dame auf ausdrücklichen Wunsch deS Vorstandes deS neugegründeten Bezirks Süden des Provinzial- Vereins Berlin des Vaterländischen FrauenvereinS in seiner ersten Sitzung am 9. Juni 1910 gehalten hat und der sich betitelt:„Meine Erlebnisse und Erfahrungen bei Begründung des ersten Bezirks in Schlesien." Danach braucht es nicht weiter zu verwundern, daß auch der Bund Deutscher Militäranwärter Druck- arbeiten hat anfertigen laffen. Auch Leute mit klangvollem Namen befinden sich unter den Kunden der GefängniSdruckerei. Eine Frau v. Blllow und ein Fräulein v. Schierstedt sind glückliche Inhaberinnen einer Pension „Fürst Bismarck" in Baden-Baden. Diese Damen lassen Reklamen für ihre Pension mit Abbildung des Gebäudes in Tegel drucken und lassen den mit dieser Arbeit Beauftragten ganz besonders die Eilt- ziehung der Freiheit zum Bewußtsein kommen. Auch als Liebesdruckerei entpuppt sich der Setzbetrieb in Tegel. Die Zeitung, die in der„Liebesdruckerei" hergestellt wird. betitelt sich„Hochzeitszeitung". Die eine HochzeitSzcitung ist gedruckt zum 2. April 1910, eine andere zu Sonnabend, den 14. MaPlSlO. Der Inhalt dieser vierseitigen.Hochzeitszeitungen" ist natürlich dem Tage angepaßt und wird unter den Setzern sicherlich den Wunsch geweckt haben, an den Tafelgenüssen der HochzeilSgäste teilzunehmen. Die Interessentenkreise aber werden andere Wünsche haben. Sie werden Protest einlegen, daß der Staat derartige Privatarbeitcn annimmt und den steuerzahlenden Bürgern die Ausübung ihres Gewerbebetriebe» in erheblichem Maße erschwert. Hus der frauenbewegung. Die soziale Stellung der Frau bei verschiedenen Völkern. In einem Aufsatz der„North American Review" sind Beiwicle von der sonderbaren Behandlung, die Stämme wilden oder yalb- wilden Charakter» ihren Frauen angedeihen lassen, in großer Zahl angeführt, und es ist interessant, daraus zu entnehmen, daß die Ursache aller dieser eigenartigen Sitten und Gewohnheiten in der Geringsckmtzung zu suchen ist. mit der Völker auf niedriger Eni- wickelungsstufe die Frauen betrachten. So ist es unter den Dyaks von Nordwest- Borneo jungen Männern verboten. Wllddret zu genießen. Dieses gilt als Nahrung für Frauen und Greise. Denn man hält das Fleisch für gefährlich und meint, etwas von den tierischen Eigenschaften könne auf den Genießer übergehen. Da man Frauen und Greise aber ohnehin bei den Dyaks nicht achtet, so läßt man es bei ihnen nibig darauf ankommen, ob sie vertieren oder nicht. Die Knaben des Wiraijuri- Stammes dürfen nicht mit Mädchen spielen: tun sie eS doch, so ernten sie Spott. Unter den Samojeden und unter den Schamanen- Stämmen gilt die Frau als unrein: der Mann vermeidet es, Dinge zu berühren, die ihr gehören. Die Weiber haben bei diesen Stämmen deshalb eigenes Geschirr und besondere Gerätschaften. Als Wohnort gilt ihnen nur ein Winkel de» Zeltes. Äo sich Männer aufhalten, dürfen sie sich nicht sehen alffen: auch dem Feuer dürfen sie sich nicht nähern. Ist einmal ein Mann gezwungen, die Gerälsckjasten einer Frau zu benutzen, so räuchrr er sich mit größter Sorgsalt aus, gleich als wenn die Frau ariSsätzifl wäre. Bei vielen Austral-Negerstämmen der Südseeinseln darf die Frau nicht wagen, die Nahrung zu berühren, die für die Männer bestimmt ist, oder die den Fetischen geopfert wird. Einige Jndianerstämme Brasiliens glauben, daß durch die Anwesenheit der Frau die Gärung des Weines verhindert ivürd-. Berührt zum Beispiel bei den Nuka- hiva die Frau einen geweihten Gegenstand, der zu priesterlichen Handlungen dient und als heilig gilt, so darf von ihm niemals mehr Gebrauch gemacht werden, während die Frau ihre Todsünde mit dem Leben zu bezahlen hat. In Tahiti hab'ii die Frauen die Plätze frei zu halten, die gewöhnlich von den Männern eingenommen werden; ebensowenig dürfen sie von ihren Waffen und Fischgeräten Ge- brauch machen. Selbst der Gatte und Vater gilt durch die Be- rührung mit d?r Frau als verunreinigt. Ein Gegenstands, der vom Ol-erhaupt als tabu bezeichnet ist, darf nickst einmal von dessen Weib oder Schwester in die Hand genommen werden. Der Bir» manc betrachtet c? als unehrenhaft, eine Frau über sieb wohnen zu haben. Um solche Entehrung zu vermeiden, baut man in Birma nur einstöckige Häuser. Unter den Kassas von Ostafrika bleibt die Frau stets auf den inneren Teil der Hütte beschränkt: den übrigen Raum nimmt der Gatte für sich in Anspruch. UeberdieS ist ihr streng verboten, das Haus zu verlassen: jede Uebertretung dieses Verbots wird mit drei Jahrer. Gefängnis bestraft. Eine Vakari-Frau, die man nach ihrem Namen fragt, wird immer nur antworten: ich bin ein Weib. Auch keine Samojedin oder Koreanerin trägt einen NamOr. Nickst nur bei vielen heidnischen Kulten ist den Frauen der Zutritt zu den Tempeln versagt. Auch der Islam ist uieht frei von solchen Be- stimmungen. So ist der Zutritt zu der berühmten Kaaba von Mekka den Frauen verboten. Unter den Betvobnern der Sandwich- Inseln herrscht die Meinung, die Frauen genössen keinen Raum im Paradiese. Berührt ein Hinduwcib ein Götzenbild, so gilt es ferner» hin der Verehrung als unwürdig. Unter den Fidschi-Jnsulanern sind die Hunde vom Betreten einiger, die Frauen vom Betreten aller Tempel ausgeschlossen. Aus den Marqucsas-Jnseln darf keine Frau wagen, während des Götzendienstes einen Tempel zu betreten; sie darf während dieser Zeit nicht einmal im Schatten der Räume wandeln, die den Tempel umgeben. Würde sie dem Verbote zu- widerhandeln, so würde sie sogleich getötet werden. Dieser Volks- stamm ist auch in anderer Hinsicht ganz besonders ungalant gegen das schöne Geschlecht. Weder an Tanzvergnügungen noch bei sonstigen Festen und Trinkgelagen dürfen Frauen teilnehmen. Die Männer tanzen für sich allein, ebenso bei ihren eigenen Vergnü- gungcn die Weiber. Würden diese es sich einfallen lassen, sich bei einem Feste unter die Männer zu mischen, würde man sie ohne weiteres töten. Auch bei den Grönland-ESkimoS kennt man diese Trennung der Geschlechter, die dort unter manchen Stämmen selbst bei Degräbniszercmonicn aufrechterhalten wird. Die Kaffern im Orange-Freistaat halten den Fluch deS Mannes für unschädlich, während der von Frauen ausgcsprock'ene Fluch als verderblich gilt. In Gangpur sind alle Frauen als Hexen verschrien. In Panagur werden die Frauen, wenn einnial drei oder vier Todesfälle hintereinander folgen, beargwöhnt und die Verdächtigen verjagt. In einzelnen Fällen hat die Furcht der Männw vor den ge- Heimen Kräften der Frauen diesen zu einer Art Vorherrschift vcr- holfen. So glaubt man an der Sklavenküste von hysterischen Frauen, daß sie von Geistern bewohnt seien. Manche unter ihnen, die re- ligiöse Funktionen auszuüben haben, besitzen über ihre Gatten volle Oiewalt; die Männer haben ihnen zu dienen und sie zu verehren. Die FuegianS feiern ein jährliches Fest zum Andenken an die Bc-, freiung der Männer von der Wciberherrsckxrft, die einstmals bei diesem Stamm herrschte, und die die Fronen mit Hilfe von Zauber. Mitteln rücksichtslos ausgenutzt batten. Uebeichaupt standen die Frauen von jeher in hohem Maße im Verdacht der Hexerei, eine Erscheinung, die man nicht nur bei den unzivilisierten Völker- stammen, sondern auch unter den Kulturvölkern deS Altertums und bis in die Neuzeit hinein beobachtet hat. Und bei uns? Das schwache Geschlecht wird für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt als der starke Mann. Die Frau hat mit dem Herrn der Schöpfung dieselben Staatsbiiraerpflichten. aber alle Rechte sind ihr vorenthalten; sie rangiert mit Verbrechern, Kindern und Idioten auf einer Stufe. Der uneheliche Vater, der sich nicht um seine Kinder kümmert, spielt in der„guten" Gesellschaft eine Heldcnrolle, Orden und Ehren sind ihm nicht verwehrt— so lange er die Mutter seiner Kinder nicht heiratet. Die Mutter aber, die auS Verzweiflung ihr Kind verläßt oder gar tötet, fliegt ins Ge- fängirisl Das Weib, das aus Not seine Liebe verkauft, ist das ver- achtetste Geschöpf; Edelste der Nation verlaufen sich, um ein Prasser» leben führen, ihr verblaßtes AdelSschild neu vergolden zu können und sie sind hochangesehen im Staate der Gottesfurcht und frommen Sitte._ Die«nentgcltliche Geburtshilfe in der Stadt Zürich. Seit längerer Zeil schon beschäftigt man sich in der Stadt Zürich auf sozialdemokratische Initiative hin mit der Frage der Einführung einer unentgeltlichen Geburtshilfe. Jetzt hat nun der Kleine Stadt. rat(Magistrat) dem Großen Stadirat(Stadtverordnetenversamm- lung) den Antrag unterbreitet, allen Wöchnerinnen, die seit min- dcstens einem Jabre in Zürich wohnen und auf ein Einkommen von nicht mehr als 2000 Fr. angewiesen sind, zum unentgeltlichn Besuch der kantonalen(staatl!ck>en) Frau-mklinik oder zum Bezug der staat- lichen Hebammengebühr zu berechtigen. Zu den Kosten der Erwei- terung der Frauenklinik soll ein Beitrag von 440 000 Fr. aus der Stadtkasse geleistet iverden. Das ist insofern noch nicht die volle unentgeltliche Geburtshilfe, als davon nicht die Rede ist. den Wöchnerinnen, die zu Hause die Niederkunft durchmachen, auch die Kosten der cventu-llcn ärztlichen Geburtshilfe und der Krankenpflege zu bezahlen. Aus verschiedenen Gründen vermehrt sich aber fori schreitend die Zahl der Frauen, die für ihre Niederkunft die Frauenklinik aufsuchen. Versammlnnssen— Veranftaltungen. Zentralverdand der Hausangestellten. Sonntag, den 18. September: Dienstboten-Versammlnng in den Corona-Festsälen(früher NeneS KlubhauS), Kommandantenstr. 72, I. Vortrag, Herr Diesing: „Was nutzt den Dienstboten die Vereinigung?" Saalöffmmg 6 Uhr. Anfang 7 Uhr. Freie Aussprache. Tanz.— Die Ar- beiterschast ersuchen wir, alle ihr bekannten Dienstboten auf diese Versammlung aufmerksam zu machen. Leseabcnde. Steglitz. Freitag, den 16. Sept., 8'/„ Uhr. bei Rohmann. Schloß- straße 117: Vortrag der Genossin Juchacz-Rixdorf über »Schule und Familie». Arbeiter» Bekleidung- Berufskleidung. > CirttOtcB Spezialgeschäft.>- , Kähnen& Jöring, ÄS!; lleianderslr. 12., fjandsberger Allee 148. Rixdort: Berg»tr.OO.| Von der Reiae zurück. Dr. B. Markuse, 8v™t f. Ghii-urgio u. Frauenkrankheiten. üfagdebarger Straße SiO. , Frivatkliuik: Marsiliusstr. 21. IH&RLOTTENBURG Uhren und Goldwaren f 5. Stabenow, BerlinerstP. 146'' lilullittt- nnd KrmOnchttti vou Robert»exer,' uur MllliiUlllttt-Strllße 2. Maßanzüge sehr elegant, 32—85 M.. fertige Herrenanzüge 8,25, Einsegnnngs- anzüge 9 M. an. Engl. Tnche sehr billig. Gern schicken wir unlere Vertreter mit Muster ohne Kausoer- pflichtung. Tuchgesenschaft Kottbuserdamm 16—17(Hochb.) Vor- zeiger d. Inserats erhält S Rabatt. lejlzudluug liefert sut bequeme bei kleinster aneablung In bekannter Güte• (mit gröBter Rücksicht bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) E. Colin, Gf.Fräökfiirtepstr. 58 Neu 1 Soeben erschienen: Neu! Audkrsrgen uud Arl>tittrk!lljst-der Wie schütze ich mich vor ßarktm FamlieuzMochs auf nnschädliche Art? Preis 30 Pf., gegen Voreinsendung 35 Ps. in Briesmart. portofrei ins HauS. Zu beziehen durch die RliClllUlIg. VOl'WärtS, H --------- Serttne» umsr-Tusnett 6. Crexscr. Kastamcn-Älkc 4.0 Karow eine Station vor Bueh Schönst. Vilienort, HR.*■ 12 H. an. 20 Pf. v. Stett Bnf., 25 Min. Fahrt, 10 Pf. v.Pankow-Sohönh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bhf. Bebauungspl. genehmigt. Pläne gratis. ilaÜ. Anz.u. langjähr. Hypotheken. Verkäufer ständig a. Bhf. Karow. 433Ij* i. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. Sa Hygienische ® Drogevin Zaremba. Weiubergsweg i, dir. a.3lofentba!er Tor. Billigste Bezugsquelle l Versuch s. zur dauernden Kundschaft Theater und Vergnügungen UUU Freitag, 16. September. SInsang 7'/i Uhr. NeneS köntgl. Opern-Theater. Samson und Dalila. Königl. Schauspielhaus. Moliöre und die Seinen. Tartüfse. Westen. Die schönste Frau. vnsang 8 Uhr. Deutsches. Amphiirhon. Kammerspiele. Die Letzten. Lessing. TantrtS der Narr. Komische Oper. ToSea. Berliner. Musilantenmädel. SieueS. Die goldene Ritterzeit. Residenz, blodlesse ohlige. Kleines. Die verflixten Frauen- zimmer. 1. Klasse. Thalia. Polnische Wirtschast. Schilter o.- Wallner- Thealer.) Der Bibliothekar. Schill.- SIilMlotteuburg. Robert und Bertram. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Biederleute. Berliner BolkSoper. DerPoftillon von Lonjumeau. fllnf. 8Vi Uhr.) Luise«. Kenn. Modernes. Die Wespe. Triauon. Psade der Tugend. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Lustsptelhans. mündel. DaS Leutnants- Herrnfeld. Wenn zwei dasselbe tun. DaS starke Stück. Roie. Othello. FolirS Saprice. Der schwarze Schimmel.— � DaS alte Ghetto. (Ansang 8'/« Uhr.) Metropot. Geschlossen. Kasino. Der schneidtge Rudoi Sann Neues TchanlvielbanS. kommst du wieder. Apoll«. Spezialitäten. lvalloae. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Walhalla. Svezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Hnvcrland. Spezialitäten. Prater. Der Bettelstudent von Berlin. Voigt. Deborah. Tchwcizcr-Garten. Spezialitäten. Urania. T->>>de»strahe ttttsi». Abends 8 Uhr: Weltausstellung w Brüssel. Sternwarte, Jnvalidenstr. 67— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr: Tantris der Narr. Sonnabend 8 Uhr: Gespenster. Sonnt. 8 U.: Einsame Menschen. berliner Tkeatsr. Heute 8 Uhr: Gastspiel Hansl Niese; Neues Theater. Täglich: Die goldene Ritlerzeii. Ansang 8 Uhr. (Soinmerpreise Parkett W. 3�0 usw.) Idealer c!es Westeas. Ansang 7'/- Uhr. Vlv»vkUnntv t'rnn. Sonnt. 3'/. Uhr: Ein Walzerlraum. 'klonen Öpcrntton-Thuater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Lnrrmburg. Operette in 3 Att. von 81. M. Willner . R. BodanSth. Mustk v. Franz Lehflr. Urania, Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Berliner Volksoper Auster Monnement. Abends V.S Uhr: Der Postillion von Lonjumeau. Hchlller Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Freitag, abends 8 Uhr: Der HibHotlioImn. Schwank in 4 Alten o. G. v. Moser. Ende m2 Uhr. Sonnabend, a b c n d S 3 Uhr: »Sl- nldllotliolcnr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: l>o»> NtbliotliQhn,-. Sonntag, abends 8 Uhr: Wcl»' dem, der lügt. Luisen-Theater. Ab-mdS 8 Ubr: Kean"da: Genie und Leidenschaft Schauspiel in 5 Aufz. v. A. DumaZ, bearbeitet von Ludwig Barnah. Sonnabend: Im Spätsommer. Sonntag 3 Ubr zu ermästigien Preisen: Die schöne Ungarin. 8 Uhr: Kran oder: Genie und Leidenschaft. Montag: Die Brüder von St. Bernhard. OSE=THEATE Grohe Frankfurter Str.>32. Ansg. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Othello. Trauerspiel in 5 Alt. von Shakespeare. Morgen u. solg. Tage: Othello. Sonntag nachm. 3 Uhr: Dorf und Stadt. 3 Uhr: Bas sensationelle Programm. B'l, Uhr: Das Tagesgespräch Berlin?. Verbotene druckt. Annle Vara, Ludwig Mertens a. G. Ferner: 4 Schwestern Ormatls. Gisela Schneider- Xi»«en. Das verrückte Hotel usw. �ielropol-Ikeater. Sonnabend, den 17. Sept., präzise '/»S Uhr, zum erstenmal: Hurrah Wir leben noch!!! In 9 Bildern von I. Freund. Musik von V. Holländer. In Szene gesetzt von Direktor R. Schultz. Ansang ll,6 Uhr. Rauchen gestattet. /VTodernes Theater (früher Hebbcltheater). Heule u. täglich: D!(3 WßSpC. Lustspieihaus. «bendS 8 Uhr: Das Leutnantsmündel Residenz-Theater. Direktion: Richard Mexander. UbendS 8 Uhr: Noblesse oblige. Schwant in 3 Alten von Hennequin und Veber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Woblosae oblige. Friedricti-Wilheimstädtisches Sctiauspieiliaus. Freitag, den 16. Sept., abends 8 Uhr: Biederleute. Sonnabend z. erstenmal: Kletten. Zum Schlust Niobe. Sonntag: Kletten. Zum Schluß: Vttobe. des von Publikum und Presse glänzend beurteilten Der Gipfel der illustren Varletd-Kunst! umfeifl Die größten Schlager der letzten Saison: Das starke Stack und W»» iasselle lo» mit Zlnto» und Donat Herrnfeld. Vorverkalij tl— 2 Uhr. Ans. 8 Uhr. IM-Mi Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Robert und Bertram. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Rocder. Ende l0'/t Uhr. Sonnabend, abends 8 Uhr: Robert»nd Bertram. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Egmont, Sonntag, abends 8 Uhr: Kabale und Liebe. Eintrittspreis 50 Pf. Honte: Sensationelle Attraktionen JfK&itärkoiizert O Somalidorf Ab 3 Uhr goöHnet Tanagra»Theater □ Mon Plaisir. Brauerei Friedrichshain Am KÖnigstor. Honte und folgende Tage: Origil Mm ßerttste Moll! Oberlandler Kapellen i Kirchweih- und Schützenfest. Bei angtlnsUger Witterang Im Saal. Abonnenten des„Vorwärts" haben wochentags freien Eintritt. _ Diese Annonce ist am Einga n g vorzuzeigen. Passage-Theater. f Da« ErOffbnng«• Progr. i der Winter-Saison! Abends 8 Uhr: Clairej Waldoff| mit ihren neuen Schlagern von Walter Kelle. Collins 10 eng« lisch. Backfische. I Polmey u.May,«ne�chfn. George Barrington and 18 Starnummern. Alt-Hoablt 47/48. Hans Ncitz> Gnscmble. Sonntag, den 18. September 1910: Der Beilchenfresser Lustspiel in 4 Ausz. von G. v. Moser. Viktor v. Berndt: Dir. HanS Reitz. Nach der Vorstellung: Dan«. Kasseiierössnung S Uhr, Ans.? Uhr. Passage-Panoptttlum. Boddtias dunkles Geheimnis. Oer Mann mit dem eisernen Schlund! Vo�7 Vitaskop- Theater Aquanoptikum Experiment au* der 4. Dimension Alles ohne Extra-Entree! Sanssouci am Kettbuaer Tor. Beifallsstürme entfesselt allabendlich das grandiose ErOftnunga- Progi-amm. Kfiti GQItlni, moderne Jongleuse. Maxim and Mad, franz. Bxzentriks. Schenk Marvelly• Truppe, Akrobat. Willy Schröder, Humorist. The Morlsoff mit ihrem urkomisch. King- und Boxkampf. Hierauf die Posse: Nu hat's geschnappt, Musik v. Pr Unoke. Anf. 81/, Uhr. Gr.BeriiDer Kunstausstellung 1910 30. April bis S. Oktober. Im Park täglich Doppel'Konzert. Eintritt: 10-S Uhr l M.. v. S Uhr ab 50 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. MsstellungshallenamZoo Bloscn-Kinomatograph. 6—11 Uhr. Ranchen Überall gestattet LOGISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- u Konzert. Eintritt 1 Mark. von abend» 0 Uhr ab»0 Ps., Kinder unter zehn Jahren die Hälste. Folies Caprice. Täglich 8'/, llhr: Oer schwarze Schimmel. Bnnter Toll: Das alte Ghetto. Vorverkauf 11—2, abend» ab 6 Uhr. Kerlintt prater-Thraw «»«laiiienallee 7— g. Heute: 98!' 98tlelstudent m Berlin. Speziatitäten, Konzert and Ball. Anfang 41/, Uhr. Eniree 30 Pf. SV mm alhalla- Variete-Theater | Weinbergsweg 19-20, Rosanth.Tor. Anfang S1/. Uhr. Die QV nenon'MW ptemher-SpetialltBen. Freitag, den 16. September, abends 7'l, Uhr: Brillante Vorstellung. Besonders hervorzuheben: Apachen;u Pferde geritten von Frl. Dorn Schumann und Herrn Karl HeB. Der Kreisel-Globus. Neueste Kreation des Direktors A. Schimiaun. ßollonis wunderbar dressierte ig: Kakadus Lul mtS uftpotp laesührt von 10 S ourro Prrs. Leplcn. : Gebiraspouh dressiert und vorgeführt nckowiner Gebirgspon von Herrn Borio. Sonntag. Zwei Vorstelluugen Kleine Preise! Wochcnlatjst Galerie: v »I. Platz■. II. Platz)■[ v 1 flal/. SuorrsiVi-<. Loeiensjitz M. 0,30 0,60 ,. 0,80 U'T' 1,50 i 4,- Freniaenl-HieosiU 4,- Sonn> und Feststags: G-i vrir W. 0,40 ist.- o.«0' !> Pili'?„J.. I,- i Pum v„ 1,50 - 2, XononsHi.% .rrumdrtr.loqensitr M 4,-— I Septi Freitag, den 16. Sept., abends S1/, Uhr: Clowiiabend mit allen kom. Schlagern. Casino-Theater Lothringer Strohe 37. Täglich 8 Uht. Die urtomtsche Posse Der schneidige Rndalf. Rudels Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur AttrakNonen ersten Range». Sonnt. 3'/, Uhr: Oer lloohrn utstoulol. VeKKt-ThvatQr Gesundbrunnen Badstr. 58. Freitag, den IS. September 1910: V e h o r a h. VollSschausplel in 4 Auszügen von S. H. Mosenthal. Kasteneröstnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Karl Haverland- Ansang Thentor präz. H/.U. 77/79 Kommandantenstraste 77/79. Heute: Heues Programm Ziekus Busch. Freitag, den 16. Sept., abends 8 Uhr: Große Gala-Vorst. Frl. Martha Mohnbe, Schulreiterin. Banola-Trnppe! D. bor. Boiterfam. i redlanl. Die fußbalispielendea Hunde von Möns. Velanche. Herr Dir. H. E. Orlando, Freiheitsdresanren. 3 Ocbr. Fratcllinl, urkomische Clowns. Herr Ernst 8cimmann, Noudressuren. Zirkus Klapproth Darlin NW vis-a-vis Bahnh. DClllU IdH' BcusselstraBe. Endstalion LinieLO, Haltestelle Lwte 12. Heute Freitag, 1«. September. abends 8'/, Uhr: GrotzerSportabend 30 Nummern. u. a.: Auftreten d. 5 Clowneft» Geschw. Berg. Sehen, staunen. Täglich abend» 8'/, Uhr: Vorst. fuhlmanns Theater Schflnh. Allee 148— Jnh.: A. Tltiue. teute weg. Vorbereitung geschlossen! onntag, 18. September, Eröstuung der Winterspielzeit I Vorstellung: Krell- Berlin. Theater- und Bariets-Ensemble. 7 Uhr: Ble hfoldatenbrant. State u. Karl Reitz t. d. Hauptrollen. Rönlgsladt-Kasino. Holzmarttftr. 78, Ecke Alexanderstraste. Franz Sobanski. Elsa Para, Walter Klär, Geschwister Harrmann, Mstr. Adolph!, Geschwister Aletta, Jongleure. Um 9 Uhr das Zugstück! Im Herbstmanöver Trisnon-Theater. Abend» 8 Uhr: Pfade der Tugend. Röioltsltalten-Tltöater. MM Sänger (Meysel, Britton, Schräder usw.) Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan. Jnhab.: Rud. Merz, Lchöiihause: ülllev 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Während der Sommermonate nur Sonnabend, Sonntag u. Montag. Eintritt 30 u. 40 Ps.. Kinder dieHäiste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochcnt. gbltig, SS Ps. aus allen Plätzen. Stets wettis. Progr. Jed. Sonnt, i. Obersaal: Künftlerkouzert. Entree IS Ps. Garderobe 19 Ps. N. d. Konzert: Famlllen-Kranzchaa. Täglich: Freitonzert._ Moabiten Sielelstr. U. Emilener Str. 40. GrUfltes Rientoiip-Theater Hoablt«. Wöchenll. zweimal neue« Programm. Täglich Vorstellung. Ansang S Uhr. Vereins-Brauerei Rlxdorl, Hermannstr. 214/219, Oekonom: Max Wcndt ■V Tllgllch: M> Gr. Militär-Konzert. Anfang wochentags 7 Uhr. , Sonntag» 4 Uhr. Für den Inhalt der Juierate übernimm» die Redattio» dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. dos j 6. Berl. Reichstags-Walireises. Todes- Anzeige. Am 14. September verstarb unser j Mitglied, Frau Äupste Yanselow Ailhelmshavener Str. 70. «Lhre ihrem Andenke»: Die Beerdigung findet am i Zoimabend, den 17. September, I nachmittags 4>/, Uhr, von der ! Leichenhalle der Freireligiösen s Gemeinde, Pappclallce, aus statt. Um rege Betelligung ersucht 1 223/17 l»ee Voestnnd. SoziaitiemokratischerWahlYereiD des ß. Berl. Reiehstags- Wahlkreises. Todes- Anzeige. In der Anstalt Buch verstarb unser Mitglied, der Arbeiter Wilbelm Fischer Wisbycr Str. 68. Gbre seinen» Andenken l Die Beerdignng findet am Sonnabend, den 17. September, nachmittags 4 Uhr, aus dem Fricdhos in Buch statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/ l 5_ Per Vorstand. Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksvorwaltung GroB-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unier Kollege, der Arbeiter Wildeim Fischer am 13. September im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. MtS., nachmittags 4 Uhr, von der Irren- anftat Buch aus statt. Um rege Beteiligung wird ge- beten. 61/1 Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Wilhelm Lehmann am 12. September im Alter von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Addcnke«: Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter Feniinami Haupt am 6. September im Alter von 46 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Bezlrksverwaltung K. H. STo. 89. Den Mitgliedein zur Nachricht, daß unser Kollege und Borstands- Mitglied Frietlrich Wittmann Skolieerstraße 34 wohnhast, am 13. September im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Wir verlieren in dem Ber- storbenen einen tüchtigen und zu- verlässigen Förderer des Vereins. Ehre seine,» Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. M., nachmittags 4>/�UHr, von der Leichen- Halle des St. Thomas-Kirchhoses aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 199/4 Per Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann Paul Quarl am Montag, den 12. September, abends 11'/, Uhr, nach kurzem, schwerem Leiden gestarben ist. Dies zeigt ttesbetrübt an Die trauernde Gattin. Die Beerdigung findet Freitag- nachinittag 6 Uhr von der Steg. litzer Leichenhalle aus statt. 907b Danksagung. Für die rege Teilnahme und zahl- reichen Kranzspenden bei der Beer« dtgung meine» lieben, treusorgenden Vaters, meines einzigen Bruders, unseres Schwagers und OnkelS Otto Prüfer sagen wir hiermit dem soz. Wahl- verein Rummelsburg, dem 7. Bezirk des Wahlvereins Nummelsburg, dem Kreiswahlverein Rieder-Barnim, dem Deutschen Metallarbeiterverband, dem 2., 3., 4. Bezirk des Metallarbeiter- Verbandes, den Kollegen u. Beamten der Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter, der Direktion und den sreiorganisierten Arbeitern der Anllinsabrik Rummelsburg, den Spar- vereinen, dem Gesangverein„Bor. wärtS-Frohsinn-, sowie allen Freim- den und Bekannten unseren herz- lichsten Dank. 901b Der Sohn p-ut pellker, Schwager u. Schwester 8ctit«ssee, Familie Wille. Danksagung Für die überaus herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meiner wnig geliebte� Frau' Hlnna Glöckner g-s. Kenten spreche ich hierdurch allen mewen herzlichen Dank au». 9232 Otto Glöckner. Dr. Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41,«ÄS*, 10—2, 6—7. Sonntags 10— 12, 2—4 Glücklich wer in bitt'ren Stunden rechtzeitig den„Hnmor� gefunden. Humor pulzt alle Metalle sauber und geruchlos. Zu haben in großen Flaschen von 10 Pf. an. Hanior.Werke O. m. b. H., Berlin NO. 18. v; i-,.....y,. t» erKam nur»in« ! Möbel Verkant nur Im Fabrlkgebönde! BBUi 35 Sie sparen Geld!"r g di™ 4 Engrospreisen? »n der Möbelfabrik* nil8ri.:Willi Maat, Sil. kaufen. Verkauf nur im Fabrikgebltade— nar■ eigenes Fabrikat.— Auf Wunsch Teilzahlung. 35 WM permimeltte Mustcrzimmer-AussteUuns- WW 35 Tischler« Verein (E. H. 8V.) Sonnabend. 17. Septbr, abds. 8'/; Uhr, Melchiorstr. 15: Versammlunes» Ausnahme neuer Mitglieder. Billett-. ausgäbe zum Berliner Theater. Vereinsangelegenheiien. 193/3 Der Vorstand. „Berliiiep Ärbeiter- Bsillslipep-sepeiii- Radsahrer-Bunde» .Solidarität". Touren zum Sonntag, 18. September. 1. Abt.: 4 Uhr: Joachimsthal. 1 Uhr: Buch. Start! Bülowstr. 58. 2. Abt.: 7 Uhr: Eden bei Oranien- barg. 1 Uhr: Blrkenwerder(Paradies- garten). Start: Fontane- Prome- nade 18. 3. Abt.: 17. 8'/, Uhr: KewerkschastS- Haus. 18. 1 Uhr: Sadowa(Wald- schenke). StaA: Martannenplatz. 5. AM.: 6 Uhr: Streiszüge durch den Wesleir. 8 Uhr: Rüdersdors. 1 Uhr: Schöneiche. Start: Ethsium. 6. Abt.: 6Ubr: Eberswalde(Wasser- fall). l Uhr: Wandlitz(Lahau) Start: Odcrberger Straße 28. 7. Abt.: 4 Uhr: Templin. 1 Uhr: Bernau(Waldkater) Start: Kösliner Straße 8. 8. Abt.: 12 Uhr: Familientonr nach Steglitz(Birkcnwäldchcn. Start: Waidstr. 8. 12,8 9. Abt.: 12'/, Uhr: Schnitzeljagd: Pscrdebucht bei Sadowa. Slarl: Schillingstr. 15. 10. Abt.: 7 Uhr: RüderSdors-Kalk- berge(Zur Linde). 1 Uhr: Peters- Hage»(Alten Dcssauer). Start: Wcberstr. 6. Lichtenberg: Sonnabend, den 17.: 10. Slistungssest, Kronprinzengarten. Sonntag. 13., 1 Uhr: Müggelheim. Start: Psarrstr. 74. ßeffentliche politische Versannttktnp. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 18. September, abends Uhr, im„Maabiter Gefellschastshans" Wiclcfstraste»4- Mentüche politische Versammlung für fliänner und Frauen. Vortrag des Genossen Dr. Moses: Zotil�vt�cn/�oUmim9 VeNmlung: öfinütlidjfs§eisammeilstlil mit Can;..ahtens« 229/16* Der Einbernf er: Alkred Paersch, Alt-Moabit 48. � Dkialikrat. letfin Charlotteabarg. Oeffentl. Versammlung am Freitag, den 16. September, abends 8Vs Uhr, im eharlottenbnrger Vollishanse, Uofinenjtraße. Kmserrede und Volk.**>/* Referent: GewerkschaftSsefretär Granzin. Freie Aussprache. 8oobo„ Qr»,obi«a«n: »le flnännetosin von 1303 und die Mlon des Reichstages. Preis geb. 5 M. Das von Julius Bruhns. Preis 1 M. Billige Ausgabe 50 Pf. 8xpeditlon des Vorwärts BERLIN SW. 68 Etndenstr. 09, I-adon. I i u Salem Aleikum- Ci�aroiien. Zur Verbilligung der Verpackung wird diese: Cigarette, auler in Cartons ä 100, auch In! selchen k 500 Stück Inhalt geliefert. Litauische Pferdezucht Ziehung 3* Oktober Die Tilsiter Pferdel Otter te enlhill Gewinne im Qessmlwerle von 43300 M. Hauptgewinne 8000,3400,2200, 2000, 1500 Mk. aedie p�i7200)illf. 9000 Mk. im Werte von Gold- u. Silber- gewinne i. W. v. X.oae» I H., 11 lou 10 M.(Peru und Line 30 PI.) durch du Gddfral-D.bll Ednnrd Pawloet.lel, Tililt sowie alle durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen. Leser diefg Blattes wissen, aus welchen Gründon Slfe'Cigaretten •ynn«sin rl tu bevorzugen sind. v_ 393L* iBegranilet tSTzj Hnt-�SlllDgfQr| Begründet IStTI Bn»ro. spezialhaus für Neuheiten Export in Filzhöten. Zylluderhüten, Chapeau claques, Strohhüten echten Panamaa. Einzelverkauf zu sehr billigen and streng festen Preisen- Neue Königstr. 48« I Treppe, am Alexanderplatz. Beparatnren werden saaber nnd billig aasgcfUJirt. älrbeiteundiuiri»: BerwiltungSstelle Berlin. Hanptbnren»: Hos I. Amt 3. 1233. l!liarite,iraea 8. Hos III. Amt 3, 1937. Sonntag, 18. September 1010, vormittags 10 Nhrk Versammlung der fahrstuHl- Monteure und Helfer in den Prachtsäle» der Boikbrauerei, Chausseestr. 64. TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung über unsere Bewegung. 2. verband»- angelegenyeiten und verschiedenes. 121/18 Ohne mtsllcdabuch bat niemand Zutritt! —■ PünkltlichcS und zahlreiches Erscheine» wird erivartet. Sonntag, 18. September 1010, vormittags 10 Uhr: Branchen- Versammlung der LeKmiede, HesLelLeUmiede und sutogeniseken LvKweifisr in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35. Tages. Ordnung: t. Bortrag deS Kollegen gut über:»Wohin steuert die staatliche und ökonomische Entwicklnng?" 2. Diskussion. 3. Branchenongelegen- heiten, Wahl eines KommisfionSniitgliede» sür die Kesselschmiede und autogenischen Schweißer. 4. Berschiedeno». ........ Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, 18. September 1010, vormittags 10 Uhr: Allgemeine Versammlung aller in den LisenhenstrukttenswerksiSiten beschäftigten Arbeiter in den Musiker-Festsälen» Kaiser-Wilholm-Straße 13m. TageS-Ordnung: 1. Vortrag de« Kollegen A. Wusehlok üder:„Tie Machtmittel der Arbeiter im Komps gegen die AuSbcntnng.- 2. Diskusston. 3. Branchenangelegenhelten. Da m dieser Bersammlimg die wirlschasiliche Lage der In diesen Be- trieben belchösligten Arbeiter besprochen weiden soll, ist da« Eischelnen jSmilicher Kollegen crsordcrlich. vis Ortavorwaitanzg. iUMlV Wie»- 1» Mein See MetalMier 1 1(E. H. 28 Hamburg). Filiale Berlin 8. Tonnabend, den 17. September, abend»»>/, Uhr, bei Kahser»' Reichenbcrger Str. tb»: Mitglieder- Uersammlnng. TageS-Ordnungi t. Kassenbericht. 2. Wahl eines Revisoren und Beitragskasfierer». Zahlreichen Besuch erwartet 126/20 Die Oriöverwaltnng. » Tervraltni»» Berlin. Heute Freitag, abdS. 8'/, Uhr, im GemerkschaftShause, Engrlufcr 14/15/ Saal 4(Zlrbeitölosensaal): SSt-ung des* Orisverwaltung. Souuabeud, den 17* September: 18. Stiftungsfest in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114. .'*■— Ansang 8'/, Uhr............ villeit» a 60 Pf. find im Bureau, bei den«eiiragSsammlem und bkt �ehrendt, Hasenheide 3 und Schwemke, Schönleinstraße,»de Bo�hstra� au Die Slnkasfierung der Beiträge am Sonnabend ersolgt in allm Zahl« stellen von 7 bis 9 Uhr abend». Die OriSvertvaltnng. Jnnenbanbranche. Montag, den 10. September, abends S'/, Uhr, gleich nach Feierabend, in Kliems Festsälen, Hasenheide lo: Kranchvn Versammlung. Tagesordnung- Bericht von den Verhandlungen m» den Arbeitgeber» 102/4 esondere erkmaieP So lautet Im allgemeinen die Frage nach markanten, äußerlich hervortretenden Kennzeichen... Durch besondere Merkmale. nämlich durch die„Kaffeemühle" und den Namen„Franck", unterscheidet sich z. B. der„Ächte Franck- Gries" von billigen Nachahmungen..... Wir sagen Ihnen das nur, weil man sich bemüht, die Frauen durch eine scheinbare Ersparnis für eine Ware in nachgemachtem Karton zu gewinnen. Nicht im Preise, sondern in der Ausgiebigkeit des echten Fabrikates liegt bekanntlich die Billigkeit... SM- Nur ein Preis! K Gäuse 0,65 SM- Nur allererste Qualität GZiKSfümpke, V2 Gänse. Fette Suppenhühner, jge. Brathühner. R Wegner, SO, Mariannen str. 34. ClCja BtiüH sind unter allen 2 Pfg. Marken ein besonderer Typ. Sie sind es deswegen, weil ihre Qualitäten ganz aus dem Rahmen der meisten Durchschrritts-Fabrikate fallen, die sie in allen Eigenschaften erstklassiger Cigaretten weit überragen. iosctii Juno m. u. o. M. 10 St Pfg. m n-r sei ee&aooeoeocesoe«'?«»«» Kaulsdorf und Maiilsdorl. Nur 20 PI.-Fahrt v. Zentrum Berlins, trotzdem billig, als weiterv. Berlin gelegene Orte, wie Hoppogarten, NeuonhngenUfiw.Mäß. Anzahlung, langj Hypotheken. Pläne gratis. Verkäufer ständig am ehf. Manlsdorf im Pavillon. 678L» j. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. 9—•9999— 999— 999 i®3333 Ohne jede An�aSiEusng * erstklassiges Fabrikat Pianos verkaufe ich prämiiert Staats- in allen Holz- I und Stilarten von wunderbarer TonfüUe. (FlUgelton) gcgfii klelnemonatlichcTcilzahlunG:, ohne Jeden PrcKaiafschlag. 97/16* Für jedes Instrument gewähre ich 20jähr. schriftl. Garantie. Conrad Krauso Nchfg,, Ecke,KurVü"«\e�s"rbaT6i<"chMh'i(wio. Aach Sonntag» geUITnet. L Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(lettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen- Anzeigen 3 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doopelt. Kleine Anzeigen ANZEIGEN für die nächste Nummer werden In den Annahme* stellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Llndenstrasse 09, 4 bis 5 Uhr angenommen. Verkäufe. Teppiche!(fefitcvhnfte) in alle» ®ro(jcti, joft füi die Halste de4 Wertes Teppidilugcr Brünn. Hackeichei Marti 4. Babnboi Börse.(Leser des „Borwärts* erballen 5 Prozent Rabnil.) Sonntaps geöfwet!* (vloiien z« Aves ciiiibots und Sigismund i.'acroix'.Die wahre<»e. stall des Christentums', bon August Bebel. Preis 75 Pf., billige Ausgabe 80 Ps. Expedition Llndenstrabe 69, Laden. Taichenbucti sür(Kartenlreunde Ein Ratgeber sür die Pflege und sachgemäize Bewirtschaftung des hänS- liehen Zier-, Gemüse- und Obst. gnrtenS oon Max Hcsdörser. Zweite vermehrte Auflage. Mit 137 Text- abbildimgcn. Preis 3,50 Mark. Expe- dition Vorwärts, Lindenstr. 69. Borwärtslescr erballen zehn Prozeni Extraraball, da die Vorräle in Tcppichen,(Sardinen. Portieren, Stepp-, Schills-, Neisedrden, Tisch- und Diwandedcn bis Oltober ge- räumt sein müssc». Teppiche, ZläumungSnerkausSpreiS 179/230 8,36, L'V/399 11,76. 269/369 16.59, 399,499 29,99. Gardinen. Fenster 2,59, Stores 1,25. Möbelftosfreste, Sosabezug 8,99. ' Pliiichportieren 8,66 Mark. Wüschtischdetken mit Sii�schlern «,86._____ Teppich> Thomas, Oranlen- strafet 126. Zweiggeschäst: Orainen. strage>69. Oranienplay. 134lK* Piandleilchaiis!ircbbcr. Nüslrtner. Platz 7, spottbilliger'Bellenoertaus, (Sardinennerlaus, Wälcheverlauj, llbrenverlaiis. Dedenvertaus, Schmuck- fachen,(Soldiachen, Silbersachen, vcr- fallenc Pfänder._ 24925k KrcdilhauöMoabil.TurmslrafeeöS, Ecke Waldstrafec, erhalten Sie Möbel und Waren jeder Art aus Teil, zahlung, unter denkbar günstiaen Zahlungsbedingungen. Spezialität: Herren- und Damenbekleidung. Gratis erhält jeder Herr bei Kauf eines Anzuges oder Paletots einen §nt, Stock oder Schirm; jede Dame audlafche oder Gürtel. Bei 51aus gröfecrer Wohnungseinrichtung Tcppich oder Regulator._ 1359S* Hermannplay 6. Allerbilligste Psondervertäuse. RiesenauSwahl. WlntcrpalctotS. SomnierpaletotS. Lackctlanzugc.lSibrockanznge. Herren- holen. Exil abillige Pclzstolas. AuS- steuerfachen. Staunendbilliger Betten- verlaus. Brautbclten. Bernrielungs- belt. Spoltbilliger WSIchcoerkaus. cSar» dinenberkaufl Zeppichverknus. Plüich- tiichdccken. Steppdecken. Gvldsachen. Taschenuhren. KettenanSwahl. Ringe- miswabl. Schmucksachen. Wanduhren. Räbmaschinen. GrotzbertinS beliebteste EintausSgaelle. Allcrbilligster Waren- vertaus im Psandlcitzhaus Hermann- platz 6. Auch SonniagS geöffnet.' Littauers Nähmaschinen abnr An- zahlung, gebrauchte spottbillig! Ska- litzerstrafee 99, Warschauerilrage 67. GaSkroucn, dreiflainmig 4,ö9, Bronzekronen 7,69, Gaszugiampen TfiO, Gaslyren 1,49, GaSwandarme 0�5. Teilzahlungen gestattet. Installateuren Rabatt. 5lronenlager Srofec Franksurterftrafee 92; Filiale Mavenöftrafee 6. 1391K' Monatsanziige und Winter- paleiois oon 5 Mark sowie Hosen von 1,69, Kcbrockanzüge von l2.99, Fracks oon 2,69, sowie sür korpulente Figuren. Reue Garderohe zu staunend billigen Preisen, aus Psandlrihen oer- fallen? Sachen kauf! man am billigsten bei Nafe, Mul.ckstrafec 14._* (Yaskronen. Tnljöchllch obne An- zablung, wöchentlich 1,99(bis Hundert Kaussumme). Niescnlager LouiS Bött- wer(selbst� Betriebsieilung Box- hagenerstrafee zwciunddreifeig(Bahn- Verbindung c Warschauerstrufee). Fi- lia.'en: PoiSdamcrftrafee LI, Rixdorf, Kaiser-Fricbrichslrafee 24T. Teppiche(Farbcnicbier), Steppdecken. Gardinen, Tiichdecken, Tüll- beitdecken, Ucbcrgardinen, Sota- ilossreiie ipotlbillig Fabriklager Mauerhoff, Grofee Frankiurten'irafee 9. Fiurcingang. VorwärtSleiern zehn Prozeni Sonntags geöffnet. 248851' Trebrollrii iTellzablung), Krigar u. Jbffen, Wafemannftrafee 29.(128351* �Ohne Anzahlung, Woche ö9, Bilder, Spiegel. Ferner: Möbel, Polster- waren, Teppiche, Gardinen. Stepp- decken, Tischdecken. Bettbezüge, Portieren, Uhren, GaSkronen. Weber, Preuzlauerstrafee 26. Besuch eventuell Postkarte. I285St Tamenhemden mit handgesttcktcr Pafft 1,15, Herrenhemden 1,15, Nor- malwäsche, Arbeiterhcmden sowie elegante Reilemuster bis zur Hälfte des Wertes, Wäschesabril SalomonSty. Dircksenftrafee 21. Alexandcrplatz._* NronzrgaSkroncn, GaSzug- ampein, komplette GaSglühiichi-Ein> richwngen. Baumann, Alte Jakob, strafee 126._ lU6Sk* Bücher des deutschen HauieS. Eine Sammlung guter Erzählungen, Geichichlen, Novellen usw. Gut aus- gestattet, zirka 399 Seilen umfassend, zum Teil illustriert und gebunden. 99 Pscniiige pro»and. Expedition, Lindeni'lrafee 69. Laden. Moritzplatz 58a im Leihhaus. Aufeer- gewöhtilicheS Angebot. Von letzlen Auktionen zurückgebliebene Waren- bestände als wie: ein grofeer Posten von Kavalieren getragene Jackett- anzüge.Rockanzüge, PalelotS. gröfeien- leilS aus Seide gearbeitet, von 9— 18 Mark. Extra billig-S Spezlalangcbot: Uhren, Ketten, Ringe, grofeer Posten versallencr Wäsche, Betten, Damen- Garderobe, enorm billig Moritz- platz 58a._ 112151* "Billig einkausen, helfet Geld sparen. Leihhaus Ernst Schmidt, Rominiener- strafee 48, nahe Stadt- und Hochbahn, Verlaus von Anzügen. Sommer. palelots. Hosen, Uhren, Gold:, Silber- waren. Lew-, B-Iiwäsch«. Gardinen, Betten usw. Neue Sachen und oer- lallen- Pfänder billigst. Tel. VII, 13 925. Sonntags geöffnet. 96951 Tambouriermaschincn Hole- meyer, alleiniger Fabrikant Bell- mann, Gollnowftrafee 26 Preiie billig. Abzahlung günstig. S25K* prachtvolle Betten. 7,99 daunige Bauernbcilen, 19,99 ganzer Stand, rotrosa geftrcisl Inlett, einzig nur in der billigen Betten-Psandleihe Prinzciisirafee 34._ 194/6* San dMett. zwei Deckbetten, zwei Kissen, zweischläfrig, 15.99, grofee Laken 99 Pfennig. Damaftbezüge 3,69, Steppdecken. Prinzenstrafee 34. �Bäuerndedbett. Unterbett, zwei Kiffen 24.99. Betten» Psandieihe Prinzenstrafee 34. Annoncenvorzeigern vergüte Fahrgeld. 194/8* 4.50 Teppiche, Portieren 3,76. Piüschdeckcn 5,—, Gardinen, Laken. Bezüge nur in der Oranien-Psand- leibe Oronienstrafec 23a. 194/4' 4.25 prachtvolle Betten, 7,90 daunige Betten, 10.90 ganzer Stand, rosarot Inlett, nur in der Oranlen- Psandieihe Oranienstrafee 23a. Fahrgeld wirb vergütet. 194/5* Tie Grundbegriffe der Wirt- schastslehre. Eine populäre Einsüh- rung von Julian Borchardt. Preis 49 Pf. Expedition Vorwärts. Linden« strafee 69. TcpPichipezialbauS Emil Lesövre nur Oranienstrafee 158, Rlesenieppich- lager 4.35, 6, 19 bi» 1599 Mark, seblerhaste Teppiche spottbillig. Spezialkaiakog 699 Abbildungen gratis. 897K* Güldene berlausen. Herrenkette billig zu i/ilkereii, Ackerstrafee 49. Wenig getragene Anzüge, Sommer. paleiois, Ulster. WinlerpaleiotS. Geh. röcke, Beinkleider kauft man reell bei Weife. Blllcherftrafee 67 I(Haltestelle Mittenwaiderstrafee), HallescheSior. Kein Laden.- l358K* vesckSktsvei'tASufs. Wurstwaren, und Butter/ gutgehend, käuflich._ wegen Krankheit ner- Öfferten.Existenz* Post. amt 3l. 995b Restauration, Kegelbahn. Vereine, billig verkäuflich. Zu erfragen Ehar- loitenburg, Wallstrafee 96, Restaurant. �Rcftaurant. 39/2, Miete 199,99, paffend Parteigenoffen, oerkäuflich. Offerten:.Billig*, Parieispeditton Lansitzerplatz. f5 mbel. Möbeleinrichtung aus Teilzah. luna. Stube und Küche 15 Mark. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. Berolina, Kastanienalle« 49. 1Z39K' Kinderbettstelle, billig, Andreas- strafee 53._ l 2325k* Mövelangebot, gebrauchte und neue Einzelmöbel und ganze Ein- richiungen,«iniachfte. eiegantette Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlafzimmer, belieben gewesen, veriallen, ipotlbillig. Rieseniager, 5 Etagen. Möbelspeicherei. Reue Königltr. 5/6. Fabrikgebäude. Teilzahlung gestattet. ' onntagS geöffnet. 283/5* IlmzugS-Möbel losori berkäaslich. Hocheieganies Piüschlosa 36,—, Kieiber- jpind 24,—, Küchenschrank 12,—, Rohrstühle 2.50, mebrereS. Siallschreiber- strafee 52, Nehrkorn. 259/5* Ottostroste 2, nahe der Turm« strafee, im Laden, erhallen Sie solide gearbeitete Möbel jeder Art, wofür jede gewünschte Garantie übernehme, zu aufeeraewöhniich billigen Preisen. Soliden Leuten ge- währe Teilzahlung mit nur geringem Aufschlag. Bei gröfeem Anzahlung auch ohne Auischlag. Berichtigung ohne Kaufzwang erbeten. I Kirsiein. Ntöbcl spottbillig. Zleufzcist gün» stige Geiezenheii, neue, auch ge- biauchle Kleiderschränke, VertikoZ, TrumeauS, Schreibtische, Bettstellen, Ruhebetten. Garniiuren, Büfette, An- lleideschränke, Ausziehtische. Küchen, sowie ganze Einrichtungen von 259,— an. Möbclspcichcr Elsasserslrafee 8. "Konkurrenzlos billig Möbel, ganze Einrichtung t99,— an I Jacobson, Brückenstrafee 6. Eigene Wertslätten. "Möbelfabrik, sei» 1889 bestehend, Gneisenausirafee 15, nahe dem Halleschen Tore, lirsert Einrichiungen von 150,— biS 10 009 Mark. Teilzahlung gestattet. Beamten ahne Anzahlung. Klcidertpinden, Vertiko 29, Bettstellen mit Fedcrmairatze 24, bessere mit Paicntmairatze 29. Speiseiiiche 6, Schreibtilche mit Aussatz 33, Ilmbauten. Rnfebaum-Büsette 119, Bücher- schränke 59. Nufebaum-Nachttische 14, englische Schränke 35, Standuhren 69, komplette Schiaszimmer 189, eichene Herrenzimmer 269, moderne Wohn- zimmer l89, farbige Küchen 44 an, Garnituren und SosaZ auS eigener Fabrik sehr billig, zurückgesetzte und verliehen gewesene Möbel besonders preiswert. Kostenlose Lieserung und Ausbewahrtiitg. Sonntag» geöffnet. Auf Hausnummer 15 achten. 124451* KelegcnhcitS» Käiisc sür Braut- paare Pensionale und Hotels. Elegnn- ic» modernes Schlafzimmer 220,—, Stube und Küche komplett 159,—. apartes Taschenjosa 45,—, eleganter Sosaumbau 59.—. Bücherspind 55.—. Muschrlschrank, Muschelverliko 23—, Säulenirumcau nüi geschliffenem GlaS 28,—, AnSziehiisch>5.—, Muschel- beltsielle mii Paientmairatze 35.—. Waschloiletle 29.—, moderne, farbige Küche55,—. Möbelkaushan» Dresdener- strafee 197/198. Kostenlose Lagerung. FreltranSport. 259/19 Fahrräder. Herrenfahrrad. Damenfahrrad, einmal benutzt. 35,—, Holz, Blumen- strafee 36h._ 168351 "Fährt äder- Gelegenheiten. 25.00, neue spottbillig, auch Teilzahlung, alte ne me Zahlung. Grofee Frank- surterstrafee 14, Kämmerelt. 193/9 Musik. Ptanino(Gelegenheit) sür 159,— sofort zu verlausen Potsdamerstr. 27h. bochvarlerre. 1317K' Versckiecienes. Platinabfälle. SUbeiallfälle. Rück- stände, Zahngebisse, Oueckstlber, Me- ialle hochstzahiciid, Goldschmelze Nieper. Köpenickerstrafee 29a(gegen- über Manieuffeistrafec)._ 299551 Kunststopferei von Frau Kokosky, Schlachicnsee, 5kursttafee 8 III. "Patentanwalt Wessel, Gitschiner« strafee g4a._ Waschanstalt Frau Kobelt, Köpenick, Giienickerstrafee 21. wäscht chlorsrei Bettwäsche. Leibwäsche, vier Handtücher, vier Taichenlücher 9.19. Lieserung und Abholung MoniagS.* Plattna, aiie Goldsachen. Bruch- gold, Silber. Gebisse. Kehrgold. Gold- walten, Goldgummi, Oueasilber, Stanniol, Tressen sowie iämttiche gold- und siibcrhaittgen Rückstände lauft, Broh, Goldichmetze. Köpenicker- strafee 29. Telephon IV, 6953.* Höchftzahlrnd Goldsachen. Siwer- fachen, Zahngebisle, Altertümer. Por- zellan. Bilder, Ziniisachen kaust Anii- quitäien- Geschäft zkirchstrafee 14, Moabit. 195/4 VenruetunZeu. Schlosserei zu vermieten Oranicn- strafee 2A. 8095* Wohnungen. Prachtwohnungen Soldlnerstr.32. Drei grofee Stuben, Küche. Bal- kon und sonstigen Zubehör, auch zu KeschäfiSzwecken, zu vermieten, Metzerstrafee 32 beim Wirt. 8g6b* "Billige� Hofwohnungcn Am Schle- fischen Bahnhof 3. ß62b* Stube und Küche 18— 24 zu vcr« mieten Oranienstrafee 2A._ 8986* "Borsigwalde. Zwezimmer-Woh- nung billig sofort zu vermieten Schnbcrtstrafee 21. 993b Sofort Stube, Küche, Li.99. Matternstrafee 13. fK0* älietsgesuetie. Junger Mann such! sofort einfach möbliericS Zimmer Nähe Hallesches Tor. 18,00. Kircher, Wilhelm- strafee 119, bei Brauscwetter. 992b Tunger Mann sucht einlach mö- blicricS Zimmer, allein, Südosten. Offerten Postamt 16.+25 Arbeitsmarkt.[ Stellengesuche. JnngeS Mädchen Don auswärts, 29 Jahr, wünscht Stellung als Hans- mädchen zum 1. November. Offerten .468' Speditton Bernauerstrafee 9.' Stellenangebote. Tchlostbauer aus Gcldichrank- schlafe oerlangt G. Ltndener, Gollnow- strafe� 43._ 259/8* Rahmennagler verlangt Becker, Kochilrafee 59._ 888b Marmorschleifer verlangt Gras, Zchicndors, Spandaucrstrafee. 906b* Drei Färber und Wäscher verlangt Gebr. Allenbergs Färberei, Wcifecnsee, LanghanSstrafec 4._ f-i44 Schlosser sür kleine Schmiede» arbeiten. Richard Schutz U. Co., Waldemarstrafee 55._+5 Lehrling, Sobn achtbarer Eitern, für unsere kkunftschmie de und Schlosserei gegen Vergütung. Rich. Schulz u. Co., Berlin, Waldemarstrafee 55.-f5 Tilbcrbankpolierer, tüchtige, so- fort gesucht. Berliner Melallwaren» sabrlk H. A. Jürst u. Co.. Aktien- gesellschasl, Adlershost_ 105/9» eiiungsfraucn sofort verlangt iffbaucrdamm 1._ 105/10* Tilbcrpoliererinnen, mit Stahl und Bluistein eingearbeiiet, in und aufeer dem Hause sofort gesucht. Berliner Meiallwarensabrit H.A. Jürst u. Co.. Aktiengelellschasl, AdlerShos. Berkäufcrin zum l. Oktober gegen gutes Gehalt. Deut' che Danrps» silcherei-Gesellschast.Nordsee', See- sisch-Grofehandluug, Berlin G. Bahn- Hof Börse.* Im ArbeitSinarkt durch beiondereu Druck hervorgehobene Zluzeigen kosten äv Pf. die Zeile. Aclitung! HolzarbeitGr. Wegen Streik und Loh«. dlfferenzen sind gesperrt: B lackanssetzeret und Tischlerei N. I»n»a!ik, Sophienstr. 8 uitd Dircklenstr. 33. Kistenfabrik Nanh. Winsstr. 61/62. Pianoiabrlken ItcchcsvitT, Görlitzer Ufer 22/23, und UUhnc n. Seil, Eisenstrafee. II. I.ubttz, Fruchistr. 36. Hileer, Warschauer Str. 70. Bnrsiensabrit Stauder, Elisa« belH-Ujer 53. Korbmacherei der Siralauer GlaS» Hütte. Hutformeufabrik Rircmtncncr in Pankow. Möbelfabrik.Genoffruschaft«, Weifeensee, LanahanSltr. 199. Waggonfabrik L-lnaner, Halle- Ammendorl. Ptauoiadrlk Stctnrvcz' öd San» in Hamburg. fSm-Iiche Tischlereien w Eiolp und Lassan in Pommern. Parkettfabrik Otto Ilctzer tn Weimar. Bergolderrie« Kohrbcrs& Co., Altona- Ottensen, Rackertmiete 20. Emil III. Ureyer, Odense. Dänemark. Die Ortsverwaltung Berlin. «xrantwortlicher Redakteur Richard AarG Berlin. Aür den Lnferotentnlveravtv.: Itz.Gl»dr. Berlin, Krück u.«erlag: Borwärt»»Suchdruckerei u. Berlggsanftalt Paul Singer«e Co» Berlin S\V. 8i.2i7. S7.Z-H-SM- Z. Deilllßk des„foiiilo" Akllilltl polliöliintt. K-Ug.l«.Zefim»t.>M Partei- Hncfelcgenheiten. Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 17. d. M. hält der Ranch- klub„Guter Tabak"(Mitglied des Zentral-RaucherbundeS) ein Ver- gniigen im Lokal von G. Adler, Berliner Straße 16 in Teltow ab. Da uns das Lokal entzogen ist und obiger Verein versucht, in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen, so bitten wir, dieselben zurück- zuweise». In Nieder-Schöneweide steht hnS nunmehr auch da? Lokal„Neuer Krug" zu allen Veranstaltungen zu den üblichen Ae- dingungen zur Verfügung. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis( ft! r i e d r i ch st a d t.) Zahlmorge» für Drnckerci-Nachtarbeitcr am Sonntag, den 18. September, bei Julius Mepcr, Oranienstraße 163. Tagesordnung: 1. Geschäftliches. 2. Referat. Guten Besuch erlvartet Der Vorstand. Steglitz. Heute Freitag abends Z'/z Uhr Leseabend bei Roh- mann: Vortrag. Der Vorstand. Olicr-Schöurwcide. Im Anschluß an die am Sonntag, den 18. September stattfindende LandagitationStour findet ein Ausflug nach BIumberg-AhrenSfelde rür die Mitglieder des WahlvcreinS statt. Die Teilnehmer sahreu ab Schlesischer Bahnhos(Wriczencr Bahn- steig) um 8 Uhr 54 Minuten vormittags bis Blumberg. Fahrpreis 4. Klasse 36 Ps.(ab Nieder-Schöneweide 8 Uhr). Nachzügler müssen den Zug 16� benutzen und in Ahrensfelde aussteigen, um im Restnurnut Schneider am Ostfriedhof die übrigen zu erivartcn. Senzig. Sonntag, den 18. September, nachmittags 5 Uhr findet die Mitgliederversammlung des WahlvereinS im Seeschlößchen von OSkar Jänicke statt. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. Nciicnhagcu, PetrrShage», Fredersdorf, Bruchmühle, Eggersdorf. Sonntag, den 18. September, nachmittags 4 Uhr in Neuenhagen bei Wortman n Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht von Groß-Berlin. 2. Was haben wir nach dem Königsbcrger Toast von den Wahlen zu erwarten? Referent Genosse Stimming. 3. Ver- schiedencS. Tcgcl-Borsigwalde. Morgen, Sonnabend, den 17. Sepicmber, abends pünktlich 8Vz Uhr, findet die Fortsetzung des naturwissen- schafilichen Vortrage's des Genossen Gras statt. Da am ersten Abend die Lichtbilder infolge technischer Mängel nicht gezeigt werden konnten, so wird am Sonnabend der erste Vortrag kurz wiederholt und mit Lichtbildern erläutert. ES ist daher auch für diejenigen Mitglieder, welche den ersten Abend nicht besucht haben, die Möglich- feit gegeben, an dem VorlragSztzkluS teilzunehnien. Die Bezirksleitung. Oranienburg. Ain Sonntag, den 18. September, nachmittags 4 Uhr findet im Lokal„WaldhauS Sandhausen", Schützenstraße 34 unsere Wahlvcreinsversanunlnng statt. Genosse Karl Wermnth, Redakteur am„Vorwärts", spricht über:„Die jetzige politische Lage in Deutschland". Gäste sehr willkommen. LerUner I�acbrickten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Ueber die Turnhallen sperre gegen den Ar- beiter-Turnverein„Fichte", deren Aufhebung ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion forderte, wurde in der gestrigen Sitzung nur kurz verhandelt. Noch ehe es der Stadtverordnetenversammlung möglich geworden war. sich zu dem Antrag zu äußern, halten Nlagistrat und Schuldeputation ihm dadurch die Spitze abzubrechen ge- sucht, daß sie„freiwillig" den Rückzug antraten. Daß dem. Turnverein„Fichte" auf sein erneutes Gesuch um Ueber- lassuna von Turnhallen für seine Lehrlingsabteilungcn die Schnldeputation bereits eine zustimmende Antwort gegeben hat, teilten wir schon vor acht Tagen mit. Gestern wurde, bevor zur Begründung des Antrages ein Redner der sozialdemokratischen Fraktion das Wort erhielt, vom Magistrat ein Reinwaschuugsversuch unter- nommen, der sehr erheiternd wirkte. Stadtrat Selberg wollte glauben machen, das; der Magistrat mit seinem„schon" Ende August gefaßten Beschluß selbständig und ans freiem Willen gehandelt habe und ohne Rücksicht auf den Antrag, der ja erst im September aus die Tagesordnung der Stadt- verordnetenversammlung gesetzt worden sei. Genosse Stadt- Hagen antwortete ihm mit der Feststellung, daß bereits Ende Juni in der letzten Sitzung vor den Ferien der Antrag als dringlich eingebracht, aber die sofortige Beratung damals durch einen aus den Reihen des Freisinns gekommenen Widerspruch verhindert worden ist, so daß sie ans September verschoben werden mußte. � Unser Redner be- leuchtete wirksam die klägliche Situation, in die der Magistrat und die Schuldeputation durch ihre Beteiligung an dem Fcldzng gegen die Arbeitertnrucr, der ein Feldzug gegen die dem Freisinn unbequeme Sozialdemokratie war, geraten waren. Seine Ausführungen über die rechtliche Seite dieser blamablen Affäre kamen zu dem Schluß, daß gegen die Behörden, die für jene durch kein Gesetz gestützte, jetzt auch vom Reichsgericht für gesetzwidrig erklärte Drangsalierung des Arbeiter-Turnvereins„Fichte" verantwortlich sind, geradezu der Strafrichtcr angerufen werden müßte. Stadt- Hagen teilte schließlich noch mit, daß sogar jetzt noch von einzelnen Gemeindeschulrektoren, mit denen der VereinSvorstand wegen Ueberlasfnng von Turnhallen bc- reits Rücksprache genommen hat, rundweg erklärt worden ist, der Verein sei ja„ein sozialdemokratischer, da dürfe ihm keine Turnhalle für seine LehrlingSabteilungen gegeben werden. Stadtrat Selberg versprach, die Schnldeputation werde die Rektoren darüber belehren, daß dem Verein die Hallen nicht mehr verweigert werden und im übrigen die Rektoren auch gar nicht darüber zu entscheiden haben. Hiermit endete die Debatte, da der Antrag, weil er nunmehr inhaltlich er- lrdigt ist, zurückgezogen wurde. DaS neue Stcllcnvcrmittlergesetz. Nach diesem Gesetz hat die Polizeibehörde den Tarif für die Stellenvermittlcr festzusetzen. In Berlin ist eZ nun geschehen, und die Höhe der Taxe dürfte den Stellenvermittlern eine schwere Enttäuschung bereiten. Die Polizeibehörde hat für landwirtschaftliches AuffichtSperfonal einen Höchstbetrag von 6 M. an Gebühren festgesetzt, für auswärtiges landwirtschaftliches Gesinde IS M.. für inländische Tagelöhner 3 M.. für ausländische Saisonarbeiter 3—8 M. Für städtisches Gesinde dürfe» im Höchsalle erhoben werden 6 M.. siir AuShilfZpcrsonal 80 Pf., für Gast- und Schankwirtspersonal, daZ mit der AnfsichtS- führimg betraut wird, C M.. für das übrige Personal 2—4 M-, für AuShilfsstellen im Gastwirtsgewerbe 26 Pf. Die Stellenvermittler, die gutachtlich gehört worden sind, haben Taxen von 36 bis 46 M. verlangt und dies damit begründet, daß sie hohe Entschädigungen an die Schlepper bezahlen müsse». DaS �Schlepperwefeu ist nach dem neuen Gesetz verboten und diese AuS- �gabe der Stellenvermittler fällt damit weg.— Vermutlich dürste aus den Kreisen der Stellenverniittler, die bisher namentlich von dem Personal, das sie für da? Gastwirtsgewerbe vermittelten, mit- unter enorm hohe Beträge gefordert haben, lebhafter Protest erhoben werden, der nach Lage der Sache allerdings kaum Berücksichtigung finden wird._ Wieder ein Kaiscrjagd-Gedeukstcin ist in der Schorfheide gesetzt worden, wo schon so viel derartige„Denkmäler" stehen. Angeblich auf Befehl des Kaisers. Wahrscheinlicher auf Drängen von Hofschranzen und anderen Byzantinern, die vor ihrem Herrn in ersterbender Ehrfurcht schweifwedeln. Dies- mal gilt das Denkmal„dem 3C0. jagdbaren Hirsch in Grim- nitz". Schaden wird das in einer Zeit, wo die Denkmals- sucht üppig inL Kraut geschossen ist, sicher nicht. Es ist sogar für die kopfschüttelnden späteren Generationen kein übler Witz. Aber man erinnert sich unwillkürlich daran, daß der Kaiser, der einem weggeknallten Hirsch ein Denkmal setzen läßt, seine Teilnahme an der Enthüllungsfeier für das Denkmal cineb gewissen Virchow ablehnte. Wir machen den Byzantinern einen Borschlag. Wie wäre es niit Gedenksteinen an jeder Stelle, wo Wilhelm Ii. 5kampfreden gegen das Volk hält? Erfreuliches uud Unerfreuliches aus dem städtischen Obdach und Arbeitshaus. In der letzten Sitzung der Deputation zeigte sieb wieder einmal der Stadlvcrordnete Witlkoivski in seiner ganzen reaktionären Größe. Seit Jahren gibt cS in der Deputation' über die Mangelhaftigkeit und das Unzureichende der Klofettanlagen im nächtliche» Obdach keine Meinungsverschiedenheit mehr. Nur der HauSkuralor, Herr Wiltkoivsli, erklärte sie für vollkommen genügend, so daß selbst der Stadtrat Fischbeck gegen ihn enlschieden Sicllimg nehmen mußte. Letzterer betonle, daß 54 Klosetts(abgesehen von dem Zu- stände, in welchem sie sich befinden) bei voller Besetzung zu wenig wären. da kaum ein Klosett auf 56 Personen käme. Dies sei in Anbctrachl dessen, daß die Beiiutzniig der Klosetts sich auf wenige Stunden zlisanlinendrängt, ein uiihnlt- barer Zustand. Schon einmal halte die Bauverwaltung der Auf- forderuiig der Dcpnration zufolge ein Projekt zur Aenderung dieser Zlistände ausgearbeitet, das aber von der letzteren als viel zu teuer und trotzdem ungeiiiigend abgelehnt wurde. Es handelt sicki bei Lösung dieses Problems hauptsächlich darum, mit Rücksicht auf die oft erwähnten Diebstähle und sittlichen Verfehlungen jedem Saal besondere KloiellS zu geben, um dadurch den Verkehr der Obdachsinsassen von Saal zn Saal zu verhindern. Da das nächtliche Obdach sich in den Winterinonaten immer wieder als zu klein erwiesen hat, beschloß die Deputaiion, die Bau- Verwaltung zu ersuchen, einen Bauplan für den Umbau des nächt- lichen Obdachs in der Gestalt auszuarbeiten, daß auch eine Ober- eiage mit Sälen über das Parlerregcschoß gebaut ivird, wobei auch die KIosettfrage der Zeit und den Bedürfnissen cnlsprechcitd zur Aus- sührung gelangen soll. Eine von nächtlichen Obdachlosen geführte Beschwerde, daß sie 4—5 Wochen im Obdach mit Wanze, ivertilgung und ähnlichen appetitlichen Arbeiten ohne jede Enlschädtguiig und bei mangelhafter Beköstigung beschäftigt wurden, gab dem Genossen Hofsmanii Ver- anlassung, gegen die Wiedereinführung des von der Deputation wieder- holt verbotenen Kalfaktvrwesens zu protestieren, da ausdrücklich be- schlössen sei, notwendige Arbeiten, wenn solche von Arbeitslosen geleistet werden, auch entsprechend zu bezahlen. Der Oberinst'cklor be- bestritt die Länge der Beschäftigung, dieselbe habe höchstens acht Tage bestmiden und zwar für solche, die Aufnahme in Hoffttungstal nachsuchten, bis dort Platz wurde. Die Angelegenheit bedarf noch der weiteren Aufklärung. Die Deputation beschloß außerdem die Ausschreibung der Stelle des verstorbenen ArheilshauSdireklors Gosche. Den Beamten des Arbeitshauses soll wegen der vorgekommenen Unzuträglichkeiten nur noch gestattet sein, in den Anstaltswerkslätten gegen Zahlung von 1 M. pro Tag und Korrigend Reparaturen für eigenen Bedarf vornehmen zu lassen, dagegen sind Nenanferligungen in Zlikunft ausgeschlossen. Unter Verschiedenem kam dann wiederum die Art der Absckiiebmtgen, welche gewisse Gutsbesitzer mit krankem und schivangerem Arbeits- versonal nach Berlin belieben, zur Sprache. So hat ein Mecklenburger Gutsbesitzer rlidliw einmal vor Gericht zitier« werden können, der durch seinen Jwpcktor eine blinde Polin na gekommen. Die in die beiden Stein- müllcrkessel eingebauten Spar- bezw. Kettenroste hätten sich nicht bewährt, weil anscheinend die Zugverhältnisse ungünstige sind. Es sollen nun zur Behebung des Uebelstandcs besondere Ventilatoren eingeschaltet werden. Sollte diese Maßnahme Erfolg haben, so hat sich die Firma Kunheim verpflichtet, ihre sämtlichen Bctricbskessel mit derartigen rauchverzehrendcn Feuerungseinrichtungcn versehen zu lassen. Zu Ziffer 2 bemerkt die Fabrikinspektion, daß gewisse Belästigungen der Nachbarschaft durch eine chemische Fabrik, von der Größe der Kunheimschen, sich niemals ganz vermeiden lassen werden, oaß aber gegen wirkliche Schäden behördlicherseits dann eingeschritten werden kann, wenn die vom Bezirksausschuß für die verschiedenartigen Betriebsteile auferlegten Genehmigungsbedii»- gungen nicht voll und ganz eingehalten werden. Tatsachen, die ein solches Einschreiten rechtfertigen würden, seien bei den wiederholt vorgenommenen Betriebsrevlsionen nicht festgestellt worden. In der Diskussion wurde erklärt, datz die Luftverpestung durch Ab- strömen von giftigen Dämpfen aus der Kunheimschen Fabrik nach- gelassen habe. Die Rauchbelästigung bestehe aber nach wie vor weiter. In Verbindung mit den beteiligten Nachbarorten sollen weitere Beobachtungen gemacht werden. Antrag 3 ist bereits zur Ausführung gelangt. Weihensee. Aus der Gemeindevertretung. Der Streit mit der Grundwert« einschätzung kommt nicht zur Ruhe. I» der letzten Sitzung der Ge« meindevertrelung hat bekanuttich die Grundbesitzer-Prötesuesolulion zu einer längeren Debatte geführt, wobei die Protestler rech: schlecht abschnitten. In den darauf folgenden Grundbesitzerversaminluugen wurde davon geredet, daß der Vorsitzende der Kommission, Bei- geordneter Dr. Klamroth, die Rednerrollen vorher verleilt habe. Diese unglücklich gefaßten Aeußcrungen gaben dem Beigeordneten vor Eintritt der Sitzung Gelegenheit, sich gegen solche Unterstellungen zu verwahren.— Den Hauplgegenstand der Sitzung bildete die Schaffung der neuen FriedhofSanlagen in Wartenberg, worüber Baurat Bühring referierte. Der neu anzulegend« Friedhof soll der Neuheit entsprechen, so datz die alte reihenmäßige Bestattung ver» schwinden und der Friedhof mehr einen parkartigen Eindruck machen soll. Die erstmaligen Kosten zur Errichtung der notwendigen Ge« bände, Wege. Anlagen usw. belausen sich auf 165 000 M. Die für diese Summe auszustattenden Raumvcrhältnisse werden für eine Beerdigungszeit von zehn Jahren berechnet.—- Außerdem wurden die Mittel für eine ganze Reihe Bürgersteig« regutierungen verschiedener Straßen des französischen Viertels be« willigt. In der Klageiache Dr. Pape gegen die Gemeindevertretung betr. die Ungültigkeitserklärung der Wahl deS Gemeindeverordneten MeweS ist im Beichlutzvcriahrcn als auch im Klageverfahren vor dem Kreisausschuß die Abweisung erfolgt. Hiergegen hat Dr. Pape Berufung eingelegt; die Gemeindevertretung wird sich nun- mehr in der Berufungsinstanz von einem Rechtsanwalt vertreten lassen. ES wurde jedoch vom Gemeindevorstand mitgeteilt, daß au» formalen Gründen die Berufung verworfen werden wird. Der Jurist Dr. Pape hat nämlich die Berufung ein paar Tage zn spät eingereicht.— Die Gemeindevertreliing nahm ohne Debatte davon Kenntnis, daß der Regierungspräsident gegen Dr. Pape das Disziplinarverfahren mit dem Ziele aus Dienstentlassung eröffnet habe.— I» der geheimen Sitzung wurde ein Grundstück in Birkholz zum Preise von 15 000 M. angekauft, ferner ein 27 Morgen großes Gelände am Hohen-Schönhausener Weg für 219 000 M. Potsdam. Leichenfund im Stadtkanal. Bei der Durchfahrt de? Motor« bootes des FischermeifterS Schüler durch den Stadtkanal erfaßte die Schraube zwischen Berliner und Kellerlorbrücke eine männliche Leiche. Man nimmt an, datz der zirka 40jährige Mann aus einer Treppe übernachtet hat und dabei ins Wasser gefallen ist. Die Leiche dürfte ungefähr vier Tage im Wasser gelegen haben. Kriefkakten cler R.eclaktlon. fnriMsche evreldftunde finde» Ltndenttra�e Nr. vor» vier Urevven— wvcheirtägltch von 4,/i bt� 7lJu ttdr abends» £oiiiinbcub* von 4,/a biS 0 Nh» nachmitlagS ftali. Jeder für den Brief, tasten bestimniten Aufraa? ist ein Bncbstabe und eine Aadi als Viert- irittieii bemifiigrn. Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilige fragen trage man in der Sprechstunde vor. 8».».14. Ja. Ihre Frau soll von der Steuerbehörde Fvelqobe fordern. Dem Rlissorderunasichreiben ist eine von Jhnen und möglichst von einem Drillen zu untcrlchrewende eideSstnUliche Versicherung beizufügen— ». G. B. t Nein. 2, Derartige Schule» gibt eS weder in Berlin noch tn vichtenberg.— Rixdorf. 1. Die Pfändung ist möglich. Ihre Frau muh, unter Glaubhaslmachung ihrer ElgentumSanspruche, Freigabe fordern. 2. Aus den Namen de» Erwerber». 3. Ja. Sie tonnen aber Ucbcrgabe eines Keller», eventuell angemessene MietSzins, ninderung fordern.— L. 45. Nein. Wenden Sie sich an den Vorstand, für de» Fall der Ab« Ichnung an die Aufsichtsbehörde.— 90 M. D. Das ist nicht znlössig.— ®r. Kalilmann. 1. Ja. 2. Nein, wenn Verdachtsmomente vorlagen.— O.K. 10. l. Im Bricikaften können wir uns aus eine Kritik von Broschüren nicht einlassen. 2. Ja. dem Magistrat.— M. R. 105. In welcher Stadt Amcntas bestimmte Firmen ihr Domizil haben, löuncn wir»»möglich wissen. — R. Last 1007. Verjährung der Sirastai liegt nicht vor. Nach Ihrer Darstellung wird aber da» Gericht eine Unterschlagung kaum annehmen. —». I. 1. Die Frage läht sich nur beantworten, wenn wir wissen, wieviel Marken in jeder der einzelnen Klassen geklebt sind. 2. Beim Magistrat. Am 12. d. Vits, verschied nach kurzem schweren Leiden meine liebe gute Frau, unsere Mutter Margarete Fisctieraeb. Kraus« im 34 Lebensjahre. Um stille Teilnahme bittet August Fischer nebst Kindern. Die Beerdigung findet beute nachmittag 4 Uhr von der Leichen- Halle de» Gethsemane-Kirchhols (Nordend) aus statt. w Vcrli-ili-Institut: Friedrichst.l15/I,a Oiabg. "jor. Eleg. Frack, Gehrock l.ö0.SoIc 1.00, Weite öOPj leperniell-Lei'Uilu. Parzelle von 390 bi. an sca S0OZK.) j Kleine Anzahlung u. langjährige, Hypotheken. Pläne gratis. Ver- i kaufer ständig am 8hf. Zepernick. j. Rieger, Berlin. G-ntardftr., 5.| (mit großer Schärfe entgegen. Er wies nach, daß die Errichtung_________ Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke» Berlin. Truck u. Ver!ag:Lorwärt» Luchdruckerei u. VerlagSanftalt Paul Singer& CoN Berlin SW,