Ur. 218. Hbonnemeots-Bcdingungen: RDonncmentS- Preis pränumerando z TiertcljädrI S» Mä, monatd l.lv Mä. wochemll.!, W Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummcr mit wustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Weil' 10 Pfg. Post- »lbonnemeni: l.lll Mark pro Monat. Eingetragen w die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für das übrige Auslmid Z Marl pro Monat. Poftadonnemcnts nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 37. JalM. Crtdicint täglich außer montags, Berliner Volksblntt. Die Tnlertlons-Gebüftr kelrägt für die sechsgespaltene Kolonel« zeile oder deren Raum W Psg., für politische und gewcrkschaslliche Vereins- und Pcrsammlungs-Anzeigen M Psg. „Uleine Zn:-ig-n", das erste(fett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellcn-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jede? weitere Wort 5 Psg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: »SozialiUmoKrat Rcrlm1*, Zentralorgan der rozialdemohrati feben Partei Dciitfcblands. Redaktion: SM. 68, Lindenstrasse 69 Ferusprecher: Amt IV, Nr. 1S8Z. Expedition: SM. 68» tändenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. srankfurt-Lebus. Nur wenige Stimmen fehlten der Sozialdemokratie zum Siege beim ersten Wahlgang. Nur 16 oder nach einer anderen Meldung 36 Stimmen. Aber ist es auch der Sozial- demokratie nicht gelungen, den Wahlkreis beim ersten An- stürm zu erobern, so niüssen doch die gegnerisdhen Parteien ihr widerwillig den Erfolg b e st ä t i g e n. Der Artikel, den die ultramontane„Märkische Nolkszeitung" dem Wahlansfall widmet, trägt die Ueberschrift:„Der neueste Erfolg der loozialdemokratie", und dem gleichen Gedanken verleiht ein Berliner linksliberales Blatt nur in anderer Weise Ausdruck, wenn es seinen der Wahl in Frankfurt-Lebus gewidmeten Artikel mit dem Titel versieht:„Das Strafgericht geht weite r." Das Strafgericht ist in der Tat weiter gegangen l Die bürgerlichen Parteien haben eine schwere Niederlage erlitten I Ihre Stimmenzahl ist gegenüber 1967, sofern man die Zentrumsstimnien den den konservativen Stimmen zu- rechnen will, um 3700 zuriickgegangen, während die S 0 z i a l- demokratie annähernd 2000 Stimmen gewonnen hat. Und selbst wenn man auf die Wahl vom Jahre 1963, wo der Sozialdemokrat in der Stichwahl siegte, zurückgreift, ergibt sich, daß die Stimmcnzahl der Sozialdeniokratie um 1566 Stinimen gewachsen ist. Also trotz eines erheblichen Rückganges der Wahlbeteiligung— 1916 beteiligten sich nur 76 Proz. der Wähler an der Wahl, gegenüber 84 Proz. im Jahre 1967— wuchs did Zahl der sozialdemo- kratischen Stimmen um fast 2666. Das ist in der Tat ein Strafgericht für die bürgerlichen Parteien, ein st a r k e r Erfolg für die Sozialdemokratie! Dabei hatten sich speziell die K 0 n s e r v a t i v e n mit großen Hoffnungen getragen. Sie bildeten sich wirklich ein, durch die Aufstellung ihres famosen„Arbeitervertreters" der Sozialdemokratie erheblichen Schaden zufügen zu können. Schrieb doch noch die„Konservative Korrespondenz" in ihrer Nummer vom 13. September wörtlich: «Und so schwere Bedenke» ursprünglich einer konservative» Arbeiterkandidalur in diesem Wahlkreise— in dem sich die Haupt- Wählermassen der Konservativen ans Landwirten, Hand- werkern, Kaufleuten und Beamten zusammensetzen— entgegenstanden, Herr Dunkel hat es höchst geschickt verstanden, alle konservativen Kreise für die hohe Bedemung einer konservativen Arbeiterkandidatur für die Gesamtpartei geradezu zu be- geistern. Sicherlich wird kein konservativer Wähler alis persönlichen Gründen nickit sein Stimmrecht ausüben. Die Wirkung aus die Arbeiter nrassen soll sich am Wahltage zeigen! Gelingt es, der Sozialdemokratie, die bei den letzten Wahlen in den beiden großen Städten des Wahlkreises. Frankfurt und Fürsten iv alde, rund 8000— Frankfurt 5700, Fürstcnwalde 2300— und in den ländlichen Gemeinden rund 4000 Stinimen erhalten hat, in irgendeiner Weise Abbruch zu tun oder auch nur ihren Siegeslauf a u f z u h a l l e n, so ist die konser- vative Arbeitcrkandidatur in vollem Umfange gerechtfertigt." Daß Herr Dunkel die Agrarier fitr sich„geradezu begeistert" hat, soll nicht bestritten werden. Durch seine Ver- tcidigung des Zollwuchers und der agrarischen Steuer- ausplünderung hat er sich die agrarischen Sympathien ja redlich genug verdient. Aber Herr Dunkel sollte ja doch vor allem die A r b e i t e r für die Konservativen einsangen. Die Wirkung der„konservativen Arbciterkandidatur" auf die Arbeiter ntasscn sollte sich„am Wahltage zeigen". Und sie hat sich gezeigt l Freilich in dem Sinne, daß die Volks- massen, angewidert von der Jndasrolle des angeblichen Arbeitcrvertreters, sich erst recht der Sozialdemokratie an- geschlossen haben! Nicht geringeres Pech hat der Liberalismus mit seinem Sammelkandidaten Dr. Winter gehabt. Vergebens suchte dieser Herr, der seinerzeit in Eiscnach-Dcrmbach für den Anti- seniiten Schock eingetreten war(und gleichwohl der Freisinns leitung des Wahlkreises Frankfurt-Lcbns als gemein- samer liberaler Kandidat als akzeptabel galt I), durch Schinipsen auf Antisemiten und Zentrum seine wahre reaktionäre Physiognomie zu verschleiern. So bezeichnete er— nach der„Konservativen Korrespondenz"— den Zu- sammenbruch des Antisemitismus in Zschopau-Maricnberg als einen„Segen für daS Volk", so schivadronierte er nach derselben Quelle:„... das Z e n t r u m kann Steuern, die auf kräftigere Schultern gelegt werden können, auf den kleinen Mann abwälzen, denn der Kaplan sorgt dafür, daß die Wähler ruhig bleiben, droht er doch sonst mit einem schlechten Platz im Himmel". Herr Dr. Winter hatte alle Ursache, das Zentrum um diese Vcschwichtiguugstätigkcit seiner Kaplan? zu beneiden. denn dem National- l i b e r a l i s m u s ist seine prinzipielle Geneigtheit, gleich- falls vier Fünftel aller neuen Steuern auf den„kleinen Mann" abzuwälzen, auch in Frankfurt- Lebus spottschlecht bekommen! Die Volksmassen gaben der nationallibcralen Jämmerlichkeit so gut den verdienten Fußtritt wie dem in so grotesker Weise in„Arbeiter- freundlichkeit" machenden Konservatismus. Aber das eine muß man dem nationallibcralen Sammel- kandidatcn wenigstens nachsagen: er ist so glücklich ausgewählt ivorden, daß er trotz aller Häkeleien, die er während des Wahl- kampfes mit den Konservativen�gehabt hat, diesen konservativen Mitbeiverbern gleichwohl der S t i ch w a h l u n t e r st ü tz u n g im hoch st en Maße tvürdig erscheint. Noch letzter Tage entrüstete sich die konservative Presse über die Ausfälle des Herrn Dr. Winter gegen die Konservativen resp. den schwarz- blauen Block. So wurde es Herni Winter schwer angekreidet, �daß er am 27. August in Frankfurt a. d. O. erklärt hatte, ' daß im schwarzblauen Block Schwarz T r u ni P f sei, daß die K 0 n s e r v a t i v e n in der letzten Zeit die Draht- puppen des Zentrums gewesen seien, und daß man sich freuen müsse, daß der konservativen Fraktion in Zschopan-Marienberg heimgeleuchtet ivorden sei. Aber man muß den Konservativen nachsagen, daß sie den Schein von dem Sein sehr wohl zu trennen verstehen, daß sie trotz der kulturkampfpankerischen und sonstigen„liberalen" Redens- arten des Herrn Dr. Winter in ihin den zuverlässigen Bundes- genossen der junkerlichen Reaktion zu schätzen wissen. Schreibt doch heute das führende konservative Organ, die„Kreuz- Zeitung": .ES wird nun darauf ankommen, bei der Stit»>- wahl den Sieg der Sozialdemokratie zu ver- hindern. Zu dem Zwecke ist aber erforderlich, daß die Wähler des konservativen Kandidatcn, Arbcitersekretär Dunkel, Mann für Mann dem Nationalliberalen Dr. Winter ihre Stimmen geben. Und nicht nur daS. Die Konservativen müsicu ihre patriotische Opfer Willigkeit auch insofern be- tätigen, als sie unter den säumige» Wahlberechtigten, von denen insgesamt über 7000 ihre staatsbürgerliche Pflicht gestern nicht erfüllt haben, für den nationalliberalen Kandidaten werben. Wir sind davon überzeugt, daß unsere Parteifreunde im Wahlkreise Frankfurt-Lebus nichts unter- lassen werden, um den Sieg des Sozialdemokraten Faber zu ver- hindern." An dem guten Willen der Konservativen, den liberalen Mischmaschkandidaten Dr. Winter herauszuhauen, fehlt eS also nicht. Nur ist es ztveifelhaft, ob die Konservativen wirklich die Macht haben, den Nationalliberalen nicht nur sämtliche konservativen Stimmen zuzuführen, sondern auch noch erheb- liche reaktionäre Reserven anS der„Partei der NichtWähler." Wenn es den Konservativen bei der Hauptwahl trotz der rührigsten Wahlagitation uud dcS gepriesenen sympathischen Auftretens ihres Kandidaten nicht gelungen ist. auch nur anuähcnid die Stimnieiizahl vom Jahre 1967 wieder zu erreichen, ist es auch zweifelhaft, ob es ihnen bei der Stichwahl niöglich sein wird, die zahlreichen Wahlverdrossenen für Herrn Winter ins Feuer zu bringen. Einen solchen Zweifel hegen nicht nur wir, sondern so ziemlich alle bürger- lichen Parteien. Die„Germania" hält es für unwahrscheinlich, daß auch nur alle konservativen Wähler, die diesmal gestimmt haben, zur Stimmenabgabe für den nationalliberalen Kau- didaten zu bewegen sein werden. Und auch die„V 0 s s i s ch e Zeitung" meint; „Gestern ivar die Schlacht von Franksurt-LebtiZ. Sie hat der Sozialdemokratie einen Erfolg, wenn auch nicht den vollen Sieg gebracht. Anscheinend fehlen ihr einige Stimmen zur absoluten Mehrheit, wenigstens nach der cinstiveiligen Ermittelung des LcmdratSnmtcs. Nach der heutigen Meldung des„W. T. B.", die als„vorläufige nintliche Feststellung" bezeichnet wird, hat der sozialdemokratische Schnhmnchermeisier Faber 14 316, der nationalliberale Archivrat Dr. Winter- Magdeburg 7757, der konservative Arbcitersekretär Dunkel 6505 Stimmen erhalten. DaS sind 14 316 sozialdemokratische gegen 14 352 bürgerliche Stimmen. Es braucht nur bei der endgültigen Fest- stelhing des Wahlergebnisses eine Anzahl bürgerlicher Stimmen vernichtet oder dem Gegner zugerechnet zu werden, und der „Genosse" ist gewählt. Aber auch wenn c S zum zweiten Wahlgange kommt, erscheint seine Niederlage noch keineswegs a u S g e in a ch t. Erstens ist es durchaus ungewiß, daß sämtliche konservative und agrarische Wähler in der Stichivahl auf den nationalliberalen Kandidaten übergehen; zweitens lehrt die Erfahrung. daß die Sozialdemokratie beim zweiten Wahlgang noch regelmäßig Zuwachs erfährt, beispielsweise in Franlfnrt-LebnS im Jahre 1903 von 12 817 auf 14 685 Stimmen." Natürlich dürfen und werden sich unsere Genossen in Frankfurt-Lebus nicht auf die Verstimttiung der konservativen Wähler oder die Wahlunlust der bei der Hauptivahl der Ab- stimmnng Ferngebliebenen verlassen. Sie werden vielmehr alles aufbieten, um den halben Erfolg zu einem ganzen zu machen. Noch gilt cS, Proletarische und kleinbürgerliche Reserven heranzuholen, noch ist es möglich, manche Wähler, die trotz alledem der konservative« Arbeiter- kandidatiir naives Vertrauen entgegengebracht haben, für die sozialdemokratische Kandidatur zu gewinnen. Noch einmal gilt es, an die Einsicht der Massen zu appellieren. Die Stcueransplünderung, die Volksaushungerung durch die Lebensmittelzölle und Grenzsperren, die schändliche Wahl- rechtskomödie, die Polizeiattacken auf das Volk, die Erhöhung der Zivilliste und die letzte Gottesgnadentumsrcde— wie ließe sich ein aufpcitschenderes Agitationsmaterial ersinnen! Noch einmal beginnt der Kampf! Möge er das Straf- gcricht vollenden! �# * Ein seltsamer Nechezifehler. Bis nach Mitternacht war in dem Hauptlager der verschiedenen Parteien in Frankfurt a. Oder einhellig die Nachricht verbreitet, daß der sozialdemokratische Kandidat Faber mit zirka 1800 Stimmen Majorität den Sieg davongetragen hätte. Die Zusammenstellung der amtlichen Resultate durch das LaiidratSamt ergab diesen glatten Sieg der Sozialdemokratie. Dem liberalen Kandidaten Dr. Winter schlug die auch von einem Extrablatt der nationaliberalen„Oder-Zcitung" verbreitete Nach- richt so aus die Nerven, daß er sich schleunigst zu Bett begab. Erst nach Mitternacht ging dann in Frankfurt die Nachricht ein, daß bei der Zusammenzählung der einzelnen Wahlresultate dem Landrats- amt ein Jrrtnni unterlaufen sei, und daß aller Wahrscheinlichkeit nach nun'doch eine Stichwahl zwischen Dr. Winter und Faber notwendig werden würde. Erst nach 1 Uhr gelangten diese Nach- richten nach Berlin, so daß verschiedene Blätter sich genötigt sahen, einen Teil ihrer berits gedruckten Auflage mit der Nach- richt von dem sozialdemokratischen Siege zurückzuziehen und die Platte der ersten Seite von neuem zu gießen. Wie ein solcher Rechenfehler überhaupt möglich war, erscheint uns einigermaßen rätselhaft. Jedenfalls wird es gut sein, wenn die Genossen von Frankfurt-Lebus die Stlmmresultate mit der ge- botenen Gründlichkeit nachprüfen, um zu verhüten, daß nun am Ende eine Stichivahl lediglich infolge eines Rechen» fehlers für notwendig erklärt wird! ♦ Die Stichwahl ist auf den 26. September festgesetzt. Die lüegieiMg für fieilchnot. Billiges Fleisch. Wiederum hat die Regierung trotz der Not des Volkes, trotz der wahnsinnig gesteigerten Fleischpreise eine Oeffnung der Grenzen ab- gelehnt. Herr von Schorlemcr, der nltraniontane Landwirtschafts- minister, bediente sich bei der Ablehnung des abgedroschenen Argu- mentes, im Auslande sei das Lieh ebenso teuer wie bei uns. Da muß man wohl fragen: hat denn der Herr noch nie etwas über die Viehpreise in Argentinien gehört? In den letzten Jahren führte Argentinien, daS hauptsächlich ge« kühlteS Fleisch exportiert, von lebendem Vieh aus nach England, Belgien, Franlreich und Portugal 24 293 Rinder, 201 3S4 Hammel und nebenbei eine große Zahl Pferde. Selbstverstäudlich würde es sehr gern bereit sein, wenn eS nur die Erlaubnis erhielte, auch nach Deutschland lebendes Vieh in genügenden Mengen zu liefern. EZ ist dazu imstande, denn allein England hat an Fleisch in de» letzten Jahren bekommen: 3'/s Millionen Stiere, 463 000 Ochsen, eUva 140 000 Kühe, 23 000 Kälber, 16 000 Schweine und etwa 1 370 000 Hammel. Argentinien würde uns lebendes Vieh in Massen liefern können, und zwar zu Preisen, die uns in der jetzigen Zeit märchenhaft niedrig erscheinen. Ein Hammel lebend kostet, an Bord geliefert, 16—20 M., Ochsen kosten 160—220 M., wir müssen gegenwärtig in Deutsch- land das Drei- bis Vierfache bezahlen. Selbst wenn wir die Ver- Inste, die aus der Seereise entstehe», uud die Koste» des Transportes noch so hoch ansetzen, so würde doch argentinisches Vieh immer noch viel billiger sein als einheimisches. Man könnte auch dafür sorgen, daß das argentinische Vieh mit dem deutschen nicht in Be- riihrung kommt, sondern separat in Schlachthäuser befördert und dort geschlachtet wird. Daniit wäre die Gefahr einer Seucheneinschleppung vollkommen ausgeschaltet, ganz abgesehen davon, daß das argentinische Vieh gesünder ist als unser deutsches, denn das argentinische lebt ständig ans Klecwiescn, während das deutsche zuviel im Stalle ge- halten wird. Hat der Herr LaiidwirtschaflSininister wirklich nicht gewußt, wo wir billiges Vieh herbekommen? Nun, dann wird er sich jetzt jedenfalls beeilen, dem Volke billiges Fleisch zu verschaffen, oder aber man muß annehmen, die Regierung will daS Volk Hunger» lassen, damit den unersättlichen Junkern Wucherpreise gesichert bleiben. Der Minister verweigert die so dringend notwendige Erleichterung der Einfuhr auS zivei Gründen: Er behauptet einmal, daß der Viehbestand und die Höhe der Viehpreise in den sür die Einfuhr in Betracht kommenden Ländern eine erhebliche Vermehrung der Einfuhr und damit einen nennenswerten Einfluß auf die Geftaltniig der Viehpreise im Jnlande nicht erhoffen ließen. Wenn der Minister an seine AuSrede wirklich glaubte, warum macht er denn das Experiment nicht. Die Agrarier hätten ja dann keinen Schaden, und der Beweis wäre erbracht, daß die Oeffnung der Grenzen wirkmigs- los ist. In Wirklichkeit weiß der Minister sehr gut, daß die nnbcschränkte Oeffnung der Grenzen von Dänemark und Holland sür die Viehcinfiihr zweifellos eine sofortige Verbillignng der Fleischpreise im Gefolge haben würde; die Zulassung der Vicheinfuhr aus Schweden und Frankreich würde überdies diese Länder veranlassen, sich wieder mehr der Viehzucht für den Export zuzuwenden. Die AuSrede dcS Ministers stellt sich also als eine bewußte Irreführung der öffentlichen Meinung heraus. Auf die Not des Volkes antwortet das Instrument der Agrarier mit einer Provokation. Um nichts besser ist die zweite Ausrede dcS Ministers: die Seuchengcfahr. Die Scuchcngefahr ist ein Schreckgespenst, das uns immer vorgegaukelt wird, obgleich Praxis und Wissenschaft be- wiesen haben, daß die Vicheinsnhr möglich ist, ohne das Inland in Gefahr der Verseuchung zu bringen: wird doch tatsächlich auS Ruß- land, Oesterreich usw. zurzeit nach Deutschland Schlachtvieh ein- geführt, ohne daß jemals ein Fall von Scuchencinschleppniig da- durch herbeigeführt worden wäre. Von höchster Wichtigkeit Iväre eS, wenn der Minister angeben wollte: wo der große Vorrat an schlachtfähigen Schweinen im Jnlande ist und woher die Zu- nähme der Zufuhr von Ochsen und Rindern nach den Märkten zn erwarten ist, /welche nach seiner Ansicht den Rückgang der Mchpreise bald zur Folge haben werden. Der Minister wird dringend ersucht, ans diese Fragen sofort zu antworten. Mehr denn kühn aber ist die Behauptung, es sei nicht gcrclbtfcrtigt, von einer Flnschnol„nd davon zn reden, daß die Flcischvcrsorgung der arbeitenden Be- bölkermig zurzeit in Frage gestellt sei. DaS ist objektiv ein Hohn auf die Armut, wie man ihn aufreizender kaum ersinnen kann. Daran wird auch die Meldung nichts ändern, daß der LandivirtschastS- minister eine umfangreiche Darstellung über den Stand der Fleisch- frage mit großem Zahlenmaterial vorbereite. Nicht zurechtgestutzte und zweckdienlich gruppierte Zahlen will da- Volk haben, sondern billiges Fleisch. Wie das beschafft werden kann, ist sattsam nach- gewiesen worden.' .» Nun wird auch die Großindustrie rebellisch. Sie befürchtet äugen- scheinlich infolge der Fleischteuerung eine Zunahme der Unzufrieden- heit und auch eine Abnahme der Leistungsfähigkeit der Arbeiter. Die »Deutsche Bergwerkszeitnng" schreibt: „Wir haben uns an dieser Stelle wiederholt gegen die Grenzsperre gewandt, die unter dem Vorwande einer ge- sundheitlich notwendigen Maßnahme die ausreichende Versorgung' des Landes mit Fleisch verhindert. Wir sagen mit Bewußtsein und Absicht„unter dem Vorwande", weil auch jeder Agrarier, der ehrlich sein will, uns zugestehen muß. daß, wenn man von veterinärpolizeilichen Gesichtspunkten sprechen will, die Holländer manchmal mehr Ursache hätten, ihre Grenze gegen uns zu sperren als umgekehrt. Es handelt sich hier lediglich um eine durch nichts zu verteidigende agrarpolitische Maßnahme, die man moralisch in etwas verleidigen könnte, wenn in Deutschland ein Ueberfluß an Schlachtvieh herrschte, die aber direkt verwerflich ist und mit Recht ver- bitter nd wirkt, wenn in Deutschland die Fleischpreise für Hunderttausende unerschwinglich werden, weil bnterer Mangel an Schlachtvieh herrscht." So das Blatt der rheinisch-wcstsälischen Großindustrie. Es hat natürlich nicht aus Menschenfreundlichkeit und Arbeiterliebe so ge- schrieben, sondern weil es fürchtet, daß die Arbeiter höhere Löhne verlangen. » Das Karlsruher Gewerkschaftskartell beschloß in seiner Sitzung vom Donnerstag, in einer Eingabe an den Stadtrat von Karlsruhe zu verlangen, daß die Gemeinde Wege suche, auf denen der Fleischteuerung begegnet werden könne. Man soll bei der badischcn Regierung für Oeffnung der Grenzen und Aushebung der Viehzölle vorstellig werden. » Die Stadtverordnetenversammlung in Offenbach fordert in einer Eingabe den Magistrat auf, bei der Staatsregierung die Oeffnung der Grenzen für Schlachtvieh und Fleisch zu verlangen. » DaS Stadtverordnetenkollegium in Dresden beschäftigte sich am Donnerstag mit drei Anträgen, die Maßnahmen der Stadtverwaltung gegen die Fleischverteuerung forderten. Die Fleischer verlangten in einer Eingabe die Oeffnung der Grenzen, ein sozialdemokratischer Antrag gemeinsames energisches Vorgehen von Rat und Stadtverordneten gegen die Fleischteuerung und ihre Ursachen, während die Nationalliberalen durch ihren Antrag nur schüchtern anfragten, ob der Rat„in dieser Angelegenheit" Schritte zu tun gedenke. Die Anträge wurden einstimmig angenommen, auch der sozialdemokratische, damit haben die Dresdener Stadtverordneten zwar einmütig be- kündet, daß sie Maßnahmen gegen die Fleischnot anerkennen, andererseits ist von Dresden aus auf alles andere eher zu rechnen, als auf einen energischen Vorstoß gegen die Fleischwucherpolitik, die alleinige Ursache des Uebels, denn dazu wird sich der Rat nie auf- schwingen. Ferner wurde beschlossen, den Oberbürgermeister Beutler wegen der Fleischnot zu ersuchen, er möge den Deutschen Städte- tag einberufen. Beutler sagte die Einberufung zu. 9 In einer Donnerstag in Köln-Kalk abgehaltenen, von etwa 1000 Personen besuchten Volksversammlung wurde lebhafter Ein- spruch gegen die Weigerung des Ministeriums erhoben, angesichts der Fleischteuerung eine Oeffnung der Grenzen herbeizuführen. In einer Resolution sprach die Versammlung ihre Entrüstung über die völlige Untätigkeit der Regierung gegenüber der gcmeinschädlichen Fleischteuerung aus. Außer der Aufhebung der Vieh- und Fleischzölle und Oeffnung der Grenzen wird die als» baldige Errichtung kommunaler Schlächtereien und Fleischverkaufs- stellen verlangt. Wien, IS. September. Die österreichische Regierung wird in den Blättern mehr die Verhandlung vor der Strafkammer, die den Genossen Pfeuffer zu einem Monat Gefängnis verurteilte. Straf. verschärfend wurde hervorgehoben, daß Börngen der höchste Richter in Thüringen sei, dessen Ehre eines höheren Schutzes bedürfe. Bis- her waren wir der Meinung, daß vor dem Gesetz und den Richtern jedermann gleich sei._ H119 Industrie und ftandel A. E..G. Daß die Allgememe Elelttizitäts- Gesellschaft ihre Dividende er- höht, haben wir bereits mitgeteilt. In, Anschluß daran dürften die Abschlußziffern der lopten Jahre interessieren. Sie zeigen, daß die Gesellschaft ganz bedeutende und stetig zunehmende Gewinne heraus- wirtschaftet. Es betrug: -rnlii- Aktien- Gewinn Dividende *sagt kapital M. Proz. 1905/03... 03 12888052 11 1000/07... 100 14 808 175 12 1007/03... 100 15031 211 12 1008/09... 100 10884571 IS 1900/10... 100 18425225 14 Man sieht, die Aktionäre haben Ursache, ihr Handwerk an de» Nagel zu hängen und als Arbeiter ein angenehmes. sorgensteieS, durch Riesenlöhne verschöntes Leben zu führen. Deutschlands Außenhandel im August 1S10. Der Wert der deutschen Einfuhr im SpezialHandel belief sich im August d. I, ohne Edelmetalle auf 050,1 Millionen Mark, während der Wert der Ausfuhr 046,3 Millionen Mark ausmacht. Seit 1. Januar betrug der Einfuhrwert 6588,9 Millionen Mark gegen 5681,0 Millionen Mark im Vorjahre, der Ausfuhrwert 4780,4 gegen 4150,0 Millionen Mark. Der Edelmetalleinfuhrwert betrug im August 42,5 Millionen Mark, der gleichzeitige Edelmetallausfuhrwert 14,6 Millionen Mark. Die Edelmetalleinfuhr seit Januar beltef sich auf 282,7 gegen 180,7 Millionen Mark i. V., die Edelmetallausfuhr aus 129,3 (i. B. 145,3) Millionen Mark. Preiserhöhung. Der Verband deutscher Jute-Jndustrieller. G. m. b. H. in Braunschweig, der erst am 0. September 1910 die Preise für verschiedene Jute-Fabrikate erhöht hat, gibt weiter folgende Steigerungen, die mit dem 14. September d. I. in Straft traten, bekannt: HcssianS 320 um 1»/,�. HesstanS 245 um 1»/1Q, Tarpaulings, Finetwilleds. BaggingS um 3 Pf. pro Quadratmeter, Garne um 4,50 M. pro 100 Kilogramm.— So hört man Tag für Tag von neuen Preissteigerungen. Wie aber steht es mit den Lohnen aus? Darin sind die Unternehmer einig, daß, wenn die Arbeiter 6 Prozent Lohnerhöhung fordern, dann die Konkurrenzfähigleit der Industrie gefährdet sei. aber man geniert sich nicht, die Konsumenten mit immer neuen Preiserhöhungen zu belasten, die oft 20. ja 50 und mehr Prozent des Lohnanteils vom Preise der betreffenden Ware ausmachen. Verteuerung der Holzmöbrl. Weil da? Rohmaterial, besonder» Eichenholz, ganz enorm im Preise gestiegen ist, wollen die Holz« möbelproduzentcn einen weiteren Ausschlag für ihre Erzeugnisse durchführen. So landet die Belastungswelle, die von den Roh- erzcugnissen ausgeht und in der Weiterverarbeitung immer stärk« anschwillt, stets bei den Konsumenten. Die Große» fressen die Kleinen« In der letzten Zeit lassen die rheinischen Partikularschiffer leb» haste Klagen über die traurige Lage im Kleinschiffergewerbe erschallen. Wie die„Köln. Volksztg." nun mitteilt, sind Kohlen für da? Syndikat zu einer Fracht von etwa? über 2 M. für 200 Zentner von Ruhrort nach Rotterdam gefahren worden.„Wir wissen wohl', bemerkt da? Blatt dazu,„daß wir für die Absuhr eines Waggons Kohlen vom Bahnhof bis zu unserem Hause 3—8 M. an unseren Fuhrmann be- zahlen müssen: daß man aber 200 Zentner Kohlen für 2 M. von Ruhrort nach Rotterdam fährt, haben wir noch nicht gewußt! Wir haben uns denn auch etwas näher danach erkundigt, woher denn solche noch nie dagewesene Frachten eigentlich kommen, und da wurde unS folgendes nntgeteilt: Das Syndikat und das MiUheimer Kohlenkontor sind in Rotterdam unter der Firma Steinkohlen-Handels- Vereinigung ansässig. Diese SyndilatSfirma hat eine Anzahl von Rheinkähncn zu festen Jahressätzen gemietet und fetzt für dies« Kähne rücksichtslos die niedrige Kracht an, wodurch natürlich in der jetzigen. für die Rheinschiffahrt überaus flauen Zeit der Frachtenmarkt an der Ruhrorter Schifferbörse völlig verdorben wird." Der Sieaeözug des Kapitals geht über Leichen! Rücksichtslos vernichtet es kleine Existenzen und den blinden Spießern gaukelt mau vor: die Sozialdemokratie vernichtet den Mittelstand l GewcrhfcbaftUcbe� Cln Bauamt fifr den Carif bruch. In ganz unzulässiger Weise mischte sich das städtische Bauamt zu B r a n d e n b u r g a. H. in die tariflich fest- gelegten Arbeitsverhältnisse von Unternehmern und Ar- beitern ein. Für die Pflasterer und Nammer besteht in Brandenburg ein Tarif, der den Steinsetzern bei neun- stiindiger Arbeitszeit einen Stundenlohn von 85 Pf., den Ranimern bei gleicher Arbeitszeit einen Stundenlohn von 65 Pf. garantiert. Ter von den Unternehmern schriftlich anerkannte und auch bisher von ihnen bis zum April d. I. eingehaltene Tarifvertrag sollte Geltung bis 1. April 1911 behalten. Im April d. I. weigerten sich die Unternehmer plötzlich, noch weiter nach dem Tarif zu entlohnen: sie zahlten pro Stunde 13 Pf. weniger. Das konnten sich die Arbeiter selbstverständlich nicht gefallen lassen; es kam zum Streik. der jetzt noch nicht beendet ist. Tie städtischen Pflasterungs- arbeiten werden mit Hilfe von ungelernten Streikbrechern und Lehrlingen auszuführen gesucht, wie, das kann man sich denken. An Arbeiten, die sonst in wenigen Tagen fertig- gestellt wurden, wird jetzt wochenlang gearbeitet, was natür- lich für den Verkehr in den Straßen, wo Pflasterungsarbciten vorgenommen werden, sehr hinderlich ist. Merkwürdigerweise zeigt das städtische Bauamt gegenüber dieser Schlamperei sehr viel Nachsicht, im Gegensatz zu der Energie, die es im vorigen Jahre anwendete, als die Pflasterarbeiter den 1. Mai feierten, was ihnen übrigens nach dem Tarif erlaubt war. Damals nahm das städtische Bauanit dem die Arbeiten aus- führenden Unternehmer die Arbeiten ab und überwies sie einem anderen. Jetzt klärt sich die Stellungnahme des städtischen Bauamts auf. In der letzten Stadtverordneten- sitzung in Brandenburg konnte der sozialdemokratische Fraktionsredner S y d o w durch ein Schriftstück überzeugend nachweisen, daß der Dezernent des Bauanits den Unternehmern geraten oder sie viel- mehr gezwungen hat, den Tarif zu brechen, widrigenfalls ihnen keine städtische Arbeit mehr zugewiesen würde.(!) Der Banrat war in der Sitzung leider nicht anwesend: man kann darauf gespannr fein, wie er seine merkwürdige Stellungnahme begründen wird._ Berlin und Qmgegend. Eine Lohnbewegung der Bildhauer. Eine yutbesuchte Versammlung der Holzbildhauer Berlins, die Donnerstag in der„Alhambra" tagte, beschäftigte sich mit der Frage der Verbesserung der Lohn- und Arbeits- Verhältnisse. Eine Vertrauensmännervcrsammlung und ein Branchenabcnd haben sich bereits damit beschäftigt. Besonders erörterte man eine Lohnerhöhung, die Durchführung der obliga- torischen Stellenvermittelung und die Beseitigung des 5tlein- Meister- bezw. Zwischeumeistertums. Die Tischler erhalten vom I. Oktober ab tarifmätzig eine Lohnerhöhung von 5 Prozent. Die Bildhauer haben kein Vcrtragsverhältnis mit den Unternehmern. Sie müssen-den Zeitvcrhältnissen entsprechende Forderungen stellen — A tz m a n n nahm dazu das Wort. An der Hand statistischer Zahlen wies er nach, wie die unter den Bildhauern, namentlich auch unter den Holzbildhauern, herrschende Arbeitslosigkeit außer- ordentlich herabmindernd auf den durchschnittlichen Verdienst wirkt. Die Zahl der Arbeitsloscntäge macht einen kolossalen Abstrich Für die Holzbildhauer kommt ein Jahresdurchschnittsverdienst von 1287 Mark heraus. Wenn man nun davon ausgehen wollte, daß als Lohnerhöhung mindestens gefordert werden müßte, was durch die Arbeitslosigkeit verloren geht, dann müßte eine Lohnerhöhung von rund 20 Prozent gefordert werden. Ziehe man dann noch die Ver- tcuerung des Fleisches und sonstiger Lebensbedürfnisse in Betracht, so würde man zur Forderung einer Lohnerhöhung von 25 Prozent kommen. Der Branchenabcnd und die Vertrauensmännerversamm. lung schlagen nun vor, eine Lohnerhöhung von 10 Prozent zu fordern. Die Forderung bleibe also weit zuriuk hinter dem, was man auf Grund der wirtschaftlichen Verhältnisse zu fordern be- rechtigt wäre. Sie müßte als geringfügig auch von den Arbeit- gebern anerkannt werden. Von der Forderung einer Arbeitszeit- Verkürzung habe man abgesehen, weil ihre Durchführung in den Tischlereien jetzt auf Schwierigkeiten stoßen würde.— Die Notwendigkeit einer obligatorischen Anerkennung der ArbcitSvcrmitte- lung ergebe sich von selbst aus den Verhältnissen, suf die Redner näher einging. Eine schwierige Frage sei die der Beseitigung der Meinmeistcr und Iwischenmeistcr. Diese Küchenkrauter und Zwischenmeister seien ein Krebsschaden. Durch die ständige Kon- kurrenz, die sie den Betrieben bieten, wo Kollegen beschäftigt seien, erschwerten sie eS, dort Verbesserungen herbeizuführen. Nicht nur die Kollegen, sondern auch die Aildhauermeister hätten ein Interesse an ihrer Beseitigung. Außer den schon angeführten Forderungen würden noch als Nebenforderungen vorgeschlagen die Versicherung des Werkzeuges gegen Feuersgefahr und die Regelung des Zuschlages bei Arbeiten außer dem Hause. Es soll, wie bei den Tischlern, eine Entschädigung von einer Mark pro Tag und das Fahrgeld gewährt werden.— Otto Miesbach lieferte durch eine Reihe durchschlagender Zahlen ebenfalls den Beweis dafür, wie notwendig dte Forderungen sind. Nach weiterer Dis- kussion beschloß die Versammlung mit sehr großer Mehrheit, daß die erwähnten Forderungen gestellt werden sollen. ES wurde weiter beschlossen, von Organisations wegen die Forderungen dem Arbeitgeberschutzvcrband für die Holzindustrie und dem Verein der selbständigen Bildhauerprinzipale zu unter- breiten. Die Versammlung erwartet, daß die Kommission inner- halb einer Woche Bericht erstattet. Es ist notwendig, daß die Sperre über die Firma Neumann und Bunar(Lausitzerplatz) streng beachtet wird. Die Arbeiter der Treppengclänberbranche sind bekanntlich mit den Unternehmern in Konflikt geraten, weil diese sich sträubten, die nach dem auch für diese Branche geltenden Tarifvertrag der Holzindustrie zu gewährende LoHnerljöHung in ausreichendem Maße zu bewilligen. Es ist deshalb zu einer teilweisen Arbeitsmeder- legung gekommen. Dann folgte eine Kommissionsverhandlung mit den Arbeitgebern unter Leitung des Obermeisters Rohardt, nachdem zuvor die Arbeit wieder aufgenommen worden war, was die Ar- beitgeber zur Voraussetzung der Verhandlungen gemacht hatten. Die Verhandlungen der Kommission führten zur Vereinbarung eines Akkordtarifes. Derselbe setzt die Mindestpreise fest, welche bei der Aufstellung der Tarife der Spezialbranchen in den ein- zelrien Werkstätten als Grundlage dienen sollen. Bei Aufstellung der Werkstattarife ist besonders darauf zu achten, daß die im Ver- trage festgelegt« fünfprozentige Lohnerhöhung durchgeführt wird, und daß bei Arbeiten, deren Preise sich im Laufe der letzten Ver- tragspcriode verschlechtert haben, ein entsprechend Werer, über fünf Prozent hinausgehender Aufschlag herbeigeführt werden mutz. Das gilt für alle Branchen, besonders für die Drechsler in den Betrieben, wo bunte Muster angefertigt werden und bei diesen nicht der Verdienst erreicht wurde, der bei den vertraglich fest- gelegten Arbeiten erreicht worden ist. Die Werkstattarife müssen bis"zum 19. d. M. fertiggestellt sein.— Der in der Kommission vereinbarte Grundtarif wurde am Donnerstag einer Branchen- Versammlung der Treppengeländerarbeiter vorgelegt, die sich mit dem Ergebnis der Kommissionsverhandlungen einverstanden erklärte. Weiter wurde mitgeteilt, daß in einer Anzahl von Werkstätten, die nicht unter dem Vertrage stehen, entsprechende Forderungen auf Erhöhung der Löhne gestellt und auch durchgesetzt sind. In ein zclnen Werkstätten ohne Vertrag, wo die dort beschäftigten Ar kwter nicht bewegt werden konnten, Forderungen zu stellen, wurde natürlich nichts erreicht. Zum Streik bei der Glühlampeiifirnia Kröger u. Fricbcberg, Kastanien-Alloe 26, nahm eine Versammlung der Streikenden am Donnerstag, den 15. d. M. Stellung. Da der Unternehmer die Streikposten ständig auf der Straße anspricht und daraus ersichtlich war, daß er wohl einer Einigung sympathisch gegenüber steht wurde der Vertrauensmann beauftragt, eine darauf hinzielende Anfrage zu stellen. Der Unternehmer schien aber anzunehmen, daß die Streikenden mürbe geworden seien, und fing an. seine Be- dinMingcn zu diktieren. Der langen Rede kurzer Sinn lautete. daß er sich diejenigen Personen aussucben will, die wieder Auf nahine in den Betrieb finden sollen. Weiter behauptete er, daß die Streikenden nicht genügend von der Verbandsleitung informiert werden. Tie Versammelten lehnten einstimmig die Zumutung der Firma ab und beschlossen, ruhig und ausdauernd in dem Streik zu verharren. Wenn der Unternehmer erklärt, daß er genügend Leute zur V-rfügung hat, um seinen Betrieb notdürftig aufrecht erhalten zu können, so wissen die Streikenden auch, was für ein Mcnschenniaierial das ist, und daß es auf die Dauer nicht für die erforderliche Produktion genügt. Was an der gerühmten Humani- tat des Herrn Friedeberg wahres ist, das zeigt sich durch die Ver- Haftungen von Streikposten. Ein Mann, der es fertig bringt, an- ständig? junge Mädchen nach der Polizeiwache schleppen zu lassen, kann auf Achtung keinen Anspruch mehr machen. Eine öffentliche Versammlung wird in den nächsten Tagen der Nachbarschaft Ge- legenheit geben, sich von den Machinationen der Firma zu unter- richten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die heut bei Obiglo tagende Versammlung der Streikenden der Firma Krüger u. Friedeberg lehnt mit Entrüstung die Zu- mutung der Firma ab, auf Gnade oder Ungnade in den Betrieb wieder zurückzukehren. Die Kolleginnen und Kollegen erklären, daß sie entweder geschlossen oder gar nicht wieder in die Fabrik hinein gehen. Ebenfalls erklären die Streikenden, daß sie auch die Auffassung der Firma zurückweisen, nicht genügend informiert gewesen zu sein. Die Streikenden werden auch ferner treu zu ihrer Organisation halten und nicht auf ein Recht verzichten. das auch die Arbeitgeber für sich in Anspruch nehmen. Trotz- dem erklären die Streikenden auch heute wieder, daß sie jeder- zeit bereit sind, die Hand zum Frieden zu bieten, jedoch nur zu einem annehmbaren, ehrlichen Frieden." Streik i» der Etuisiudustrie in Sicht! Bei den Tarifverhandlungcn zwischen den Vertretern der Etuisarbciterschast und denen der Eiuisfabrikanten Berlins am 5. August d. I. machten die Fabrikanten bekanntlich sehr geringe Zugeständnisse, gaben jedoch zu erkennen, daß man ja nicht das letzte Mal zusammen gewesen sei und die Arbeiter wohl noch auf ein weiteres Entgegenkommen hoffen könnten. Die Versammlung der Etuisarbeiter, der das Ergebnis der Verhandlungen vorgelegt wurde, lehnte das Angebot der Fabrikanten als unzureichend ab und gab der Kommission Auftrag, weiter zu verhandeln. Nachdem dieser Beschluß dem Vorsitzenden der Fabrikanten, dem General- sekretär Nasse, mitgeteilt worden war. lud dieser den Branchen- Vertrauensmann Brucks auf den 17. August zu einer Besprechung ein. Herr Nasse meinte, daß das Angebot der Fabrikanten ein sehr gutes gewesen sei, hielt jedoch ein weiteres Entgegenkommen nicht für ausgeschloffen. Gleichwohl erhielt die Tarifkommission am 25. August ein Schreiben des Fabrikantenverbandes, worin mit- geteilt wurde, daß die Versammlung der Fabrikanten am 22. August die von ihrer Kommission gemachten Zusagen einstimmig gut- geheißen und beschlossen hatte, weitere Forderungen ab- z u l e h n e n. Das Schreiben war unterzeichnet vom General- sekretär N a s s e. Der Tarifkommission der Arbeitnehmer blieb nun nichts anderes übrig, als den im Tarifvertrag vorgesehenen Jästanzenweg zu beschreiten. Sie beantragte beim Gewerbcgericht eine Sitzung der Schltchtungskommission, die dann auch am letzten Montag stattgefunden hat. Der bisherige Vorsitzende der Schlich- tuugskommission, Mngistratsrat Dr. Meyer, hatte sein Amt niedergelegt und an seiner Stelle leitete Assessor Dr. Lehmann die Verhandlungen. Sie verliefen gänzlich ergebnislos. Die Fa- brikanten erklärten, daß sie von dem Beschluß ihrer Generalver- sammluug vom 22. August nicht abgehen könnten. Sie seien bei den ersten Verbandlungcn schon zu weit entgegengekommen. Der Generalsekretär Nasse erklärte sogar, daß die damals zugestan- dene Lohnerhöhung von 2 Proz. für jedes der drei Tarisjahre nicht aus die festgesetzten Minimallöhne angewandt werden sollte, son- dern daß diese für die drei Jahre nur einmal erhöht werden sollten, und zwar um 1% Pf. Obwohl Assessor Lehmann den Fabri- kanten klarzumachen suchte, daß bei der steigenden Teuerung, wie in anderen Berufen, so auch bei den Etuisarbeitern eine ent- sprechende Lohnerhöhung notwendig sei, beharrten sie auf ihrem Standpunkt. Ebenso ließen sie sich nicht davon überzeugen, daß sie die soziale Verpflichtung hätten, dem Z 616 des Bürgerlichen Gesetzbuches wenigstens in der bescheidenen Weise Rechnung zu tragen, wie es die Arbeiter verlangen, nämlich so, daß bei bis zu 3 Stunden unverschuldeter Arbeitsversäumnis der Lohn gezahlt wird. Auch Herr Nasse fand es ganz in der Ordnung, daß oiese Gesetzbestim- mung durch den Tarifvertrag gänzlich ausgeschaltet werden sollte. Die ganzen Verhandlungen dauerten kaum eine Stunde, und das ganze Verhalten der Fabrikanten ließ erkennen, daß auf gütlichem Wege kaum noch etwas zu erreichen ist. Es bleibt jetzt nur noch übrig, das Einigungsamt des Gewerbcgerichts anzurufen, was auch bereits geschehen ist. Das Einigungsamt kann jedoch noch nicht in den allernächsten Tagen zusammentreten, da dessen Vorsitzender zur- zeit in Köln auf der Konferenz weilt. Am Donnerstag fand nun im Gewerkschaftshaus eine zahl- reich besuchte Versammlung der Etuisarbeiterschaft statt, in der Brucks über den Stand der Dinge ausführlich berichtete und die dazu vorliegenden Schriftstücke verlas. Der Redner betonte dabei, daß man auch auf die bevorstehende Sitzung des Einigungsamtes keine große Hoffnungen setzen könne, zumal seitens der Fabrikanten schon erklärt wurde, sie jvüßten noch nicht, ob sie überhaupt zu einer solchen Sitzung erscheinen würden. Die Tarifkommission ist sich darüber klar, daß auf gütlichem Wege schwerlich noch irgend etwas zu erreichen ist, und daß die Etuisarbeiterschaft auf einen Kamps vorbereitet sein muß. Def Tarifvertrag läuft mit dem 36. Sep- tember ab. Am selben Tage wird eine neue Versammlung statt- finden, um das, was notwendig sein wird, zu beschließen. Die Versammlung war mit den Ausführungen des Referenten durchaus einverstanden und zeigte in ihrem ganzen Verlauf, daß die Etuisarbeiterschaft Berlins alles daran setzen wird, mn annehm- bare Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erzielen. verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Lnjeratenteil�erantw.! Die Marmorarbeitcr besprachen den Stand ihrer Lohnbewe- gung in einer Mitgliederversammlung, die sie am Donnerstagabend in den Arminhallen abhielten. W i n k l c r erstattete einen Bericht über die gegenwärtige Lage. Es sei der Tarifkommission gelungen, auf dem Wege der Verhandlungen eine Reihe Erfolge zu erringen. In vielen Geschäften wurden sofort Lohnerhöhungen bewilligt. Die Streiks hatten in verschiedenen Fällen nicht die gewünschte Wir- kung, weil es schnell gelang, Ersatzkräfte zu finden. Bei den „Versctzfirmen", die sich jetzt auch dem Unternehmervcrbande ange- schlössen haben, kam man nicht zu bestimmten Tarifabschlüssen, aber es wurden bindende Zusagen gemacht und eS bleibt abzuwarten, ob die Unternehmer ihre Zusagen halten werden. W i n k l e r empfahl die folgende Resolution zur Annahme: „Nachdem mehr als zwei Drittel der Berliner Marmor- arbeiter zu den vom Zentralverband der Steinarbeiter fest- gesetzten Bedingungen arbeiten, und den übrigen in der Berliner Marmorindustrie Beschäftigten zum größten Teil annähernd die- selben Löhne gezahlt werden, erklären die Versammelten die dies- zährige Tarifbewcguug im allgemeinen mit Erfolg beendet. Der Tarifkommission wird jedoch nach wie vor zur Pflicht gemacht, für die allgemeine Durchführung des neuen Tarifes Sorge zu tragen durch dauernde Fühlungnahme und energisches Handeln in den- jenigen Betrieben, in welchen der neue Tarif noch nicht zur An- th. Glocke. Berlin. Druck».Verlag: VorwärkS Bochdr.lt. VerlagSanstaU erkennnng gelangt beztv. gefährdet ist. Zu diesem Zwecke werden auch die zurzeit bestehenden Sperren aufgehoben." In der Diskussion wurde noch besonders betont, daß die sor� melle Anerkennung die Erfüllung der Forderungen nicht garantiere, wenn die Kollegenschaft im Beruf nicht fest darauf beharre und darüber wache, daß die Vereinbarungen gehalten werden.— Ter vorgeschlagenen Resolution stimmte die Versammlung zu. Oeutftkes Reich. Die Lohnbewegung der Tachdecker-Hilfsarbeiter. Die Hilfsarbeiter nahmen am Tonnerstag den Bericht über den Stand der Lohnbewegung entgegen. Höppner referierte. Zwei Firmen. W a ch h o l z und R i e g n e r, haben den Tarif unterschrieben. Weiteren Firmen wurden vorläufig die Forde- rungen noch nicht zugestellt, da es die derzeitige Lage nicht ratsam erscheinen ließ. Redner war der Meinung, daß es besser sei, einen Tarif auf der ganzen Linie durchzusetzen, als immer einen Betrieb nach dem anderen vorzunehmen. Er rate, den in der letzten Ver- sammlung gefaßten Beschluß rückgängig zu machen, dann könne man den Tarif der Arbeitgeber auf der ganzen Linie festlegen. Benno Krause wandte sich in der Diskussion gegen die Vorschläge des Referenten und riet, einmal den Weg der Selbst- Hilfe zu beschreiten, dann könne man vielleicht eher etwas erreichen, als mit der Taktik des Vorstandes. Die nachfolgenden Redner waren zum Teil für den Vorschlag des Referenten, während andere dafür eintraten, bei dem Tarif, dem die Kollegen in der letzten Versamm- lung zugestimmt haben, zu verharren. Görnitz empfahl, den Vorschlägen Höppners zuzustimmen. Mit Phrasen, wie Krause sie gebrauche, werde nichts erreicht. Bei der nachfolgenden Abstim- mung stimmten 60 gegen und 49 für den Vorschlag Höppners. Ein MiiHlenarbeiterstreik brach Freitagmorgen in Böllberg bei Halle a. S. aus. Von 95 Besänftigten blieben 3 in Arbeit. Wiederholte gütliche Vorstcllunaen, die Direktion möge die kümmer- lieben Löhne von 32 Pf. pro Stunde um 5 Pf. pro Stunde auf- bessern, blieben unbeachtet. Die Direktion verschanzte sich hinter der Ausrede, daß schlechter Geschöstsgnng eine Lohnerhöhung ver- biete. Durch den Ausstand wurden die Betriebe stillgelegt. Der Ausstand der bremischen Fuhrleute hatte zur Folge, daß die von der Firma F. W. Neukircb beim Eiscnbahnrollfuhrwerk angestellten Rollkutscher nicht zum Dienste erschienen. Sofort sprangen Eisenbahnangestellte ein. da die Eisen- bahnverwaltung mit der genannten Firma einen Vertrag hat. wo- nach sie im Falle eines Streiks die Bedienung des Rollfuhrwcrks ,u stellen hat. Scban nachmittags hatten die 166 Leute der Firma Neukirch wieder Dienst da ihnen statt 27 M. sofort 27,50 M. und für später 28 M. Wochenlohn und 10% stündige Arbcitsfrist be- willigt worden ist. Die übrigen FuhrwerkSbesitzsr. etwa 150, wollen 12 stündige Arbeitszeit und 26—28 M. Wochen lohn bewilligen. Sie wollen die Ausständigen wegen Kontraktbruches verklagen. Die Verhandlungen der Brauereiarbeiter mit den Brauerei- Unternehmern in Rheinland- Westfalen sind gescheitert. Die Brauereien lehnten es ab, für Maschvmstcn. Heizer, Bierfahrer und andere Hilfsarbeiter ein« Verkürzung der Arbeitszeit ein- treten zu lassen._ Letzte|Sacbncbtm Die Eroberung der Luft. Bork(Brandenburg), 16. September.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Auf dem Flugfeld Mars flog heute der Aviatiker Grade mit seineni kürzlich verbesserten Zweitakt- motor 64 Minuten 3V Sekunden. Nur die eintretende Dunkelheit zwang ihn zur Landung. Nachdem Herr Grade diesen ausgezeichneten Flug voll- führte, wird er hoffentlich den Mut finden, bei der nächsten Flugwoche mit auf dem Plan zu erscheinen. Zur Resistenzbewcgnng in Oesterreich. Wien, 16. September. Wie die„N. F. Pr." aus Innsbruck meldet, erweist sich die passive Resistenz auf der Südbahn bereits als ziemlich erfolgreich. Es werden Zugverspätungen bis zu drei Stunden gemeldet. Um den Anschluß nach Deutschland einzuhalten, werden Vorzüge abgelassen. Namentlich ist der Frachtenverkehr sehr behindert. Die südafrikanischen Parlamentswahlen. Johannesburg, 16. September.(W. T. B.) Bis 8 Uhr abends waren gewählt: 52 Nationalisten, 36 Unionisten, 4 Mitglieder der Arbeiterpartei und 10 Unabhängige. Die Ergebnisse auS 19 Wahlkreisen fehlen noch. Das Gesamtergebnis wird voraussichtlich folgendes fein: 66 Nationalisten, 38 Unionisten, 4 Mitglieder der Arbeiter- Partei und 13 Unabhängige, von denen jedoch neun den Unionisten zuzuzählen fein würden. Tumultszenen in der griechischen Nationalversammlung. Athen, 16. September.(W. T. B.) Bei Beginn der heutigen Sitzung der Nationalversammlung beantragten die Revisionisten die Vereidigung der Mitglieder, was heftigen Wider» spruch fand. Es kam zu lärmenden Zwischenfällen, bis Dra- gumis die Ruhe wiederherstellte. Die Eidesleistung wurde vertagt. Dann trat man in'die Diskussion über die Befug. nisse der Versammlung. Dimitrakopulos warnte vor unliebsamen Ueberraschungen und redete einer Konstituante mit weitgehenden gesetzgeberischen Befugnissen das Wort. Die Sitzung wurde dami aufgehoben._ Vom Liebhaber erstochen. Heidenheim, 16. September(B. H.) Ein seit einiger Zeit ver. mißteü 18jährigeS Dienstmädchen wurde im Walde bei Schneidheim tot aufgefunden. Ihr Liebhaber, ein16jähriger Bursche, erklärte,'das Mädchen mit seinem Einverständnis rr- stechen zu haben. Zehn Bauarbeiter verschüttet. Budapest, 16. September.(„Prest-Tel.") Keim Abbruch eines Hauses auf dem Dcakplatz stürzte ein Stockwerk ein. Zwei Bauarbeiter konnten nur als Leichen geborgen werden. Acht der Berschütteten mußten schwerverletzt ins Hospital geschafft werden. Revoltierende Mönche. Belgrad, 16. September.„Politica" meldet: Die griechi- scheu Mönche auf dem Berge Athos haben eine große Revolte gegen die dortigen russischen Mönche begonnen. Das russische Klosterhaupt M o i s e n s wurde ermordet und die in der Gegend von Kalinitza liegenden zehn kleinen russischen Klöster verbrannt, die Weingärten. Felder, Obstbäume ausgerottet und verwüstet. Die russischen Mönche wurden vertrieben. Der russische Botschafter hat daraufhin bei der Pforte in Konstantinopcl Protest eingelegt. Bei'dem verhafteten griechischen Mönche Ger. manes entdeckte man ein ganzes Gewehrlager, womit er früher die griechischen Komiteebandcn in Mazedonien ausrüstete. KaulSingerLc Co., Berlin LVk. Hinzu 4 Beilagen u.llnterhnluingSbl. 8t. 218. 27. Jahrgang. t Ütilnjf i>ks Jonuärts" ßtiiiiift il«ili6liliitt. SllNtlkbtlld, 17. Zepltliiber 1910. Quittung. i Im Monat August gingt» bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Ahaus-Steinfurt, 2. Halbjahr 09 37.84. Alsfeld(Hessen) 2. Quart. 19 7,39. ArnSberg-Olpe, Jahresbeitrag 99/19 47.S4. Berlin-Grost a konto seiner acht Wahlkreise 20 999,—(darunter: Von den Frauen der 11. und 13. Abteilung 2,—, Kranz- Überschuß der Kollegen von Schwartzkopff Maschinenbau 12,65. Bezirk 659 3,19, Orbis 2.—. A. B. Mister 1.—, Frenze! 1.—, Bleisteg 1,—, Fröbels Allerleitheater 5.—, P. Gerlofs 5,—, Baß-Karl 3,—, Max Richter, FriedrilbSfelder Str. 29 15.—, Auktion bei einer Landpartie der Firma Jul. Baer durch A. Heidtke 11,—. Kolonie Südring 3,51, Wasserkante 5,—. Ueberichuß der Kranzspende für G. Rösncr, Bezirk 53, 59, 61, 33 3,15, Alexander F. 6,—, durch Rahmei von der Bauarbeiteranösperrung 1,59, gesammelt im Freundeskreis der Genossin Pohl 3,29, A. B. Mister 1,—, 673. Bezirk 1 Wahlrcchtszeitung 1,—, Neumann und Rcnchlin 6.—, 161/162. Bez., 4. Kreis 14,57, FamilienauSflug Ab- teilung 6s. 4. Kreis 65,—. Arbeiter der Firma Lind- ftröhm, Brauereibesichtigung 6,39, Kranzüberschuß der Betriebs- schlosserei von Mix u. Genest 9,29, 3. u. 4. Quartal von B. 6,—. Bon den Kollegen d. Tischlerei Sarkander, Rixdors, Weichselplatz 3/4 8,—. Waldsest, 7. Bez., Rixdors, durch gandcr 15,37. Argentinien vom Genossen Hennig 5.—. Für die Unkosten des ParleiiagS ge- sammelt von dem technischen Personal der Buchdruckcrei Sittenfeld und Karl Heymanns Verlag 45,85. Für die Parleikasse durch Godies 3,—. Von den Arbeitern der Karosseriefabrik Nicnik Nachf.. Pankow, Bicrkasie 59,—. Dr. K. R. 25,—. Berlin, diverse Beiträge: Dr. K. N. 25,—. Kranzübersch. v. d. Koll. d. Fa. N. Barnick 3,69. V. d. Koll. d. Druckerei Kettenbeil-Schvne- berg 15,—. V. d.Arbcilern d. Setzerei i.„Lokol-Anzeiger" 38,59. Dr. S. W. 15,—. Dr. L. A. 190,—. Die Kontobucharb. v. Wedding 5.—.„Löwenccke" 3,—. Guttcnbcrg 31,—. Machetes 19,—. Morgenspaziergang in. d. Lcipz. SangeSbrüdern 3,97. A. B. 59,—. P. S. 59,—. Bonn, 2. Quart. 1919 49,—. Bochum-Gelienkirchen, 2. Quart. 1919 996,74. Bern, P. L. 75.—. Cöln. Reg. W. 29,-. Crailsheim, 12. Württemberg. R.-W.-K., 2. Quart. 1919 14,94. Cöln-Stadt und Land, Jahresbeitrag 1999/19 899,—. Cannstadt, 2. württcmb. R.-W.-K., 2. Quart. 19 711,89. Detmold, 1. Halbjahr 19 293,48. Essenberg. Mitgl. de? Zentralverb, deutsch. Böltcher 5,—. Falkenbcrg(Oberichles.) 8,—. Güstrow. 6. mccklenb. R.-W.-K., Jahresbeitrag 1999/19 265,87. Gießen, Rest für das 2. Quart. 19 24,29. Görlitzer Agilationsbezirk, 2. Quart. 19, Wahlkreise: Grün- berg-Freistadt 83,36: Sogan-Sproltau 79,32; Glogau 12,—; Lüben- Bunzlau 93,99; Löwcnbcrg 33,—; Görlitz« Lauban 383,96; Rothenburg- Hoyerswerda 99,55; Summa 776,18. Husum, 4. schlesw.-holst. RcichSlagswahlkr., 2. Quart. 19 49,69. Hohenzollern, Reichstagswahlkr.. Rest für 99/19 8,14. Herford- Halle, 1. Halbj. 99/19 314,29. Hamm-Soest, 2. Quart. 19 287,79. Jngelheim-Bingen, 2. Quart. 19 19.—. Jllkirch, Reichstagswahlkr. Erstein-Molsheim, 2. Quart. 19 13,94. Lennep-Remscheid-Mctlmann, 2. Quart. 19 459,—. Landsberg-Soldin 39,89. Lübeck, 2. Quart. 19 752,—. Laupheim, 15. württemb. Reichstagswahlkr.. 2. Quart. 19 1,47. München, Gau Südbayern, 2. Quartal 1919, Wahlkreise: Aichbach 112,48; Ingolstadt 33,66; Wasserburg 8.42; Weilheim 35,39; Rosenheim 176,42; Traunstein 24,69; Landshut 21,32; Straubing 16,76; Passau 8,44; Pfarrkirchen 39,69; Deggendorf 8,18; Kehlheim 3,13; Augsburg 326,—; Donauwörth 6,26; Dillingen 1,59; Jllerlissen 42,64; Kaufbeuren 18,69; Jmmen- stadt 72,46; Summa 941,82. Melle-Diepholz, 1. Halbjahr 1919 39,97; Mainz- Oppenheim, 2. Quartal 1919 392.79. Neuwied. 2. Quartal 1919 14,83. Nieder-Schöneweide, Buße f. sch. Beweise 5,—. Oschersleben-Halberftadt, 2. Quartal 1919 385,84. Oberlangenbielau, AgitationSbezirk, 2. Quartal 1919, Wahlkreise: Waldenburg 319.65; Hirschberg- Schöiiau 43.77; Landeshut> Jauer 199,—; Striegau- Sctiw. duitz 294,39; Reichenbach- Neurode 291,96; Glay» Habelschtverdt 4,96; Sunima 964,64. Plauen i. V.®. 1,79. Ravensburg, 17. württembergischer ReichStagSwahlkreiS. 2. Quartal 1919 13,19. Reutlingen, 6. württ. Reichsiagswahlkreis, 1. Halbjahr 1919 125,22. Rosenberg- Löbau 2,—. Schwerin, 1. Halbjahr 1919 369,88. Saargemünd- Forbach. 2. Quart. 1919 7,52. Ulm, 14. württ. ReichStagSwahlkreiS 2. Quart. 19 174,42. Weilimdorf, 4. württ. R.-W.-K., 2. Quart. 19 167,71. Weimar I, 2. Quart. 19 164,58. In der Quittung in Nr. 192 des.Vorwärts" v. 18. 8. d. I. muß es unter Randow-Greifenhagen nicht heißen 758,84, sondern 458,84. Berlin, den 15. September 1919. Für den Parteivorstand: I.V.: Fr. Ebert, Lindenstr. 69. kleines feuilleton. Ein MustcrfchulhauS. Der Wiener Verein Freie Schule. den die klerikalen Schulverderber und die ihnen willfährige Regie- rung mit glühendem Haß verfolgen, hat seinen nun glücklich unter Pfasfenbespitzelung gebrachten Musterschulen ein Musterschulhaus im 8. Bezirk(Josefstadt) errichtet. Lange haben die Behörden den Baubeginn verzögert. Nun steht das prächtige Haus fertig da. Diesen Sonntag wird es eröffnet durch einen Demonstrationszug der Freunde der Freien Schule, die vorher eine Protestversamm- lung gegen die Schulverpfafsung abhalten. Die Fenster im ganzen Schulhause sind so breit, daß man zur Lüftung durch die Schiebeflügel fast die eine Wand der Schul- zimmer entfernen kann. Während des Unterrichts funktioniert die Mauerventilation und der elektrische Ventilator. Die so zugeführte Luft wird erst filtriert und im Winter vorgewärmt. Warmwasser- leitung mit Verschluhsystem Nculauf heizt die Schule. Die Schul- »immer sind nur für 29 Kinder berechnet. Der Lehrer thront nicht hoch auf dem Katheder, er sitzt mit seinem Tisch bei den Kindern. Die Tafel ist nahe bei den Schülern. Jedcö Kind sieht ein Stück Himmel. Der Boden ist Korkbcton mit Linoleum darauf; die Bänke lassen sich leicht umlegen, damit der Boden abgewaschen werden kann. Die Wände sind bis zur Kopfhöhe waschbar. In jeder Klasse sitzen Knaben und Mädchen beisammen. Jede Klasse hat einen eigenen Kleiderraum. Der Zeichensaal läßt sich für Skioptikondarstellungen leicht verfinstern. Der Handfertigkeits- Unterricht ist obligatorisch; es wird mit Lehm und Ton gearbeitet; in den Lehrwerkstätten stehen die größeren Kinder an der Hobel- dank. Von der Dachterrasse sieht man die Berge des Wienerwalds. Für rasche Entleerung bei Feuersaefahr gibt es mißer der Haupt- noch eine Notstiege. Natürlich ist ein Schulbad mit Brausen da und ein Warteraum für die ihre Kinder abholenden Eltern. Wie kann in einer solchen Schule unterrichtet werden! Wie muß da die Schule eine Freude für Kind und Lehrer sein! Wie der Wechsel entstand. Italien, das im frühen Mittelalter die verschiedensten Handelsverbindungen mit anderen Ländern beiaß. ist damals zur Geburtsstätle des Wechsels geworden: dieses schrist- lichen Zahlungsversprechens, das noch heute in der Handelswelt so gut als Geld in Umlauf ist wie Papiergeld und bare Münze. In Rom namentlich strömten damals die Angehörigen der der- schiedensten Länder zusammen, um ihre Waren gegen andere um- zusetzen oder um den Erlös in barem Gelde nach Hause zu bringen. Jedes Land aber hatte, wie noch heute, seine eigene Münzsorte, und der Verkäufer verlangte gewöhnlich Zahlung in der Münze seines Landes. Daraus ergab sich fortgesetzt das Be- dürfni». eine Geldsorte gegen die andere einzutauschen. Diesem UkrblUidststg der Gtmrbrgmchte DeuWands. Köln, 15. September. Magislraisassessor v. Schulz-Berlin eröffnet den Verbandstag, indem er die Anwesenden begrüßt und bemerkt, daß die Tagungen des Verbandes immerfort an Besuch zunähmen. Der Vcrbandstag fasse keine Beschlüsse, sondern begnüge sich mit gegenseitiger Aus- spräche. Nachdem Vertreter des Regierungspräsidenten, des Ober- bürgermcisters und der Handelshochschule den Verbandstag bewill- kommnet haben, wurden einige geschäftliche Angelegenheiten er- lcdigt. Darauf berichtete Gcwerbegerichtsdirektor Prenner- München zum ersten Punkt der Tagesordnung: „Die Gesetzgebung über den Arbeitsvertrag seit dem letzten VerbandStage." Er schloß seine Uebersicht mit der Bemerkung, daß in dem Wort Sozialpolitik mancherlei entgegengesetzte Interessen zum Ausdruck kämen und daß es nicht gut sei, wenn der Gesetzgeber übereilten Anregungen des Tages Folge gebe. So sei die Frage der Tarif- Verträge noch nicht reif zur gesetzlichen Regelung, dagegen vcr- langten zahlreiche andere Fragen dringend eine solche(Heimarbeit, Arbeitsnachweis, Koalitionsrccht usw.), und gerade darin geschehe am allerwenigsten. Er hofft, daß die Erledigung dieser spruch- reifen Fragen bald einen freudigen Schein in das gegenwärtig so düstere Bild der Sozialpolitik bringen werde. Nachdem sodann Dr. Baum-Berlin eine Uebersicht über die seit dem letzten Berbandstage erschienene Literatur zum Arbeitsverträge gegeben hatte, beginnt die Verhandlung über die Ausdehnung der Gewcrbcgerichte zu Arbeitsgerichten und die Ausgestaltung der NcchtSmittelinstauz, wofür vier Referenten vorgesehen sind. Magistratssyndikus Hillcr- Frankfurt a. M. fordert, da die Natur dcS Arbeitsvertrages eine schnelle, billige und vertrauenswürdige Rechtsprechung verlange, die Ausdehnung der Gewcrbegerichte� unter Beteiligung aller Berufs- gruppen zu Arbeitsgerichten. Eine Vielheit von Sondergerichtcn sei abzulehnen. Die Angliedcrung der Arbeitsgerichte an die Amts- gerichle erscheine weder zweckmüßig noch notwendig. Die uncin- geschränkte Einführung der Berufung sei nicht erforderlich, höchstens die Revision durch Aktenversendung in den Fällen, wo das Bc- rufungsurteil auf einer RechtSauffassung beruhe, die nach dem ver- öffentlichten Erkenntnis eines anderen Gerichts von diesem vcr- worsen wurde. Stadtrat Dr. GlllckSmann-Rixdorf fordert ebenfalls einheit- liche Arbeitsgerichte für sämtliche Streitigkeiten aus dem Arbeits- Verhältnis, soweit der Lohn(Dicnsteinkommen) den Jahreswert von 5999 M. nicht übersteigt. Er will indessen keine Bedenken erheben gegen die Anglicderung der Arbeitsgerichte an die ordentlichen Ge- richte, sofern dabei die bewährten Grundsätze der Sondergcrichte voll aufrechterhalten bleiben. Die Bestellung der Beisitzer soll nach wie vor durch die Gemeinde geschehen, die Verhältniswahl obliga- torisch gemacht, das Lebensalter für die Wahlherechtigung herab- gesetzt und die Frau zur Mitwirkung herangezogen werden. Redakteur Sohlich-Berlin vom Bunde technisch-industrieller Beamten fordert für seine Berussgruppe die Zuständigkeit der Ge- Werbegerichte und deren Erweiterung zu allgemeinen Arbeits- gerichtcn. Wenn die technischen Beamten innerhalb des gemein- samen Rahmens für sich besondere Abteilungen verlangten, so sei das kein Standesdünkel oder Absonderungsgelüst. Das liege den Technikern fern. Es sei das eine Frage der Zweckmäßigkeit, die, wenn sie im Sinne der tcchnisch-industriellcn Beamten gelöst werde, diesen nütze, ohne daß sie den Arbeitern schade. Richter Dr. Steengrafe-Brememläßt sich besonders über die Ausgestaltung des Rechtsmittels aus. Soweit die Acnderung des Inhalts des Rechtsmittels in Frage kommt, spricht er gegen die Abschaffung der Berufungs- grenze und gegen die unbeschränkte Berufung; ebenso verwirft er die völlige Ausschließung der Berufung und die Zulassung der Re- Vision nach der rechtlichen Seite. Bezüglich der Aendcrung der Be- rusungsinstanz, der jetzigen Landgerichte, die er für erwägenswert hält, schlägt er vor: Anpassung des Verfahrens an das im Gewcrde- gerichtsgesetz geregelte Versahren; Hinzuziehung von Freirichtern. soweit die Tätigkeit des Sondergerichts cS wünschenswert und notwendig erscheinen läßt. In der Diskussion über die Referate, die den ganzen Nach- mittag ausfüllt, treten einige Redner auf— es sind juristische Ge- werbegerichtsvorsitzende— die sich im Sinne des Stadtrats Glücks- mann für die Anglicderung der Gewcrbegerichte an die Kauf- mannsgerichte aussprechen. Rechtsanwalt Sauer-Köln plädiert auch für die Zulassung von Rechtsanwälten zu den Gewerbe- und Bedürfnis entsprachen die Wechsler, im Mittelalter„oainpsoros" genannt, die zu diesem Zwecke alle im Handel vorkommenden Münz- (orten vorrätig hielten. Sie tauschten gegen Anrechnung einer kleinen Provision jede beliebige Münze gegen eine andere um, ein einfaches Geldgeschäft, das man als H a n d w e ch s e I bezeichnete. Als die Handelsbeziehnngen sich mehr und mehr ausdehnten, besonders auch, als durch die Krcuzzüge die orientalischen Länder mit hineingezogen wurden, steigerte sich neben der Vielfältigkeit der Münzsorlen, die in Umlauf toaren, auch die Höhe der Summen. Dadurch fiel den Wechslern die Sorge für immer größere Vorratsmengcn von Geldstücken zu. Dies nötigte sie, unter einander in Geschästsvcrbiiidung zu treten. Ein italienischer Wechsler, der zum Beispiel viel griechische« Geld brauchte, verschrieb sich seinen Bedarf darin von einem in Griechenland etablierten Wechsler und umgekehrt, sodaß cS auf diese Weise zu festen, ständigen Beziehungen zivischen den Wechselhäusern kam. Dieser direkte Austausch unter den Wechslern führte unmittel- bar zur Entstehung des Wechslers, die man sich praktisch an folgendem Beispiel klar machen mag: Ein spanischer Kaufmann bc- findet sich in Venedig und bedarf einer großen Summe in spanischer Münze, die allein ja er in seinem Heimatlande verwerte» kann. Konnte er sich die Summe auch bei einem Wechsler verschaffen, so blieb ihm doch die Schwieiigkeit, den schweren Geldsack auf der weiten Heimreise mit sich zu führen, denn Papiergeld, daS schließlich auch nur eine Art Schuldschein oder Zahlungsversprechen des Staates ist. gab es damals noch nicht. Zudem war die Schwierigkeit des Transports im Mittelalter weit größer als heutzutage, da die Reise mit schlechteren Beförderungsmitteln auf schlechteren Wegen weit langsamer vor sich ging und Ueberfälle, vor- nehmlich durch adliges Raubgesindel, zu den Alliäglichkeiten gehörten. Der Wechsler, der die gewünschte Geldsorte viel- leicht auch nicht gerade vorrätig hatte, den Kunden aber nicht abweisen wollte, um nicht den sich bietenden Verdienst aus der Wechselprovision zu verlieren, gab seinem Kunden einen B.. e f an einen spanischen Wechsler und'enthob ihn dadurch aller Unzuträglich- keilen, die ihm aus dem Mitschleppen eines Geldsacks erwachsen konnten. In diesem Briefe weist er den Geschäftsfreund an, dem mit Namen genau bezeichneten Ueberbringer des Briefes oder seinem Stellvertreter eine bezeichnete Sumnre in spanischem Gelde auszuzahlen. Der Kunde steckt den Brief zu sich, legt ihn bei seiner Anwesenheit am Orte des spanischen Wechslers diesem vor tmd erhält dann prompt die landläufige Münze, wie und wo er fie braucht. Der spanische Wechsler berechnet seinem Geschäftsfreunde in Venedig die veraus- tagte Summe und erhält von diesem beim gegenseitigen RcchnnngS- abschlutz Deckung, d. h. Ersatz dafür, und eine Provision für seine Mühe. DaS war die älteste Forin des Wechsels, die eigentlich nur einer Korrespondenz gleichkam, aber schon auf der noch beute ausschlaggebenden Grundlage beruhte: daß kein Wechsel eiukassicrt werden konnte ohne den Besitz der Wechsellirkunde. Kaufmannsgcrichten. Robert Schmidt-Berlin lehnt mit Entschieden- bcit jeden Gedanken der Anglicderung an die ordentlichen Gerichte ab; es würde nicht das Gute der Kondergerichte o-E das Amts- gericht, sondern das Schlechte des Amtsgerichts auf das Gewerbe- gericht abfärben; der demokratische Charakter des Gcwcrbegerichts würde verloren gehen und damit das Vertrauen der Arbeiter. Auch solle man nicht den Arbeitskammcrn zu Liebe die einigungsanrtliche Tätigkeit der Gewcrbegerichte einschränken. Cuno-Hagen meint, daß der Plan, die Gewerbcgerichte den Amtsgerichten anzugliedern, der Absicht entspränge, dadurch den Weg zum einheitlichen Arbeits- gericht zu ebnen. Aber es entstehe die Frage, ob durch die An- gliederung nicht die Gemeinden ihr Mitwirkungsrccht am Gewerbe- gericht preisgäben und an den Staat abträten. Hier trete die Frage der staatlichen Zentralisation und der kommunalen Dezentra- lisation in Erscheinung. Der Redner will nicht dazu beitragen, die Rechte der Gemeinde zu schädigen und ist deshalb gegen die An- gliederung. Eine ganze Reihe von Rednern aus den Kaufmanns- und Technikerorganisationen erklärt sich für das einheitliche Arbeitsgericht unter Berücksichtigung der Besonderheit ihres Berufes; ebenso be- fürwortet man von dieser Seite die Vereinheitlichung des Privat- angestelltenrechtS, nur der Vertreter des deutschnationalcn Hand- lungsgchilfcnverbandcs nimmt hierin eine abweichende.Stcl- lung ein. Em der Frauenbewegung. Jnternntioualc. Ueber die Bedeutung der Zlveitcn Internationalen Konferenz der sozialistischen Frauen zu Kopenhagen schreibt die„Gleichheit" u. a.: Die Beachtung, welche die Zweite Internationale Konferenz der Sozialistinncn verdient, darf nicht beurteilt werden an ihrer Widerspiegelung in der Presse. Sie wurde hier zu stark durch das größere, bedeutsamere Ereignis besck>attct, dem sie voraus- ging— dem Internationalen Sozialistenkongreß—, um in ihren wesentlichen Zügen und ihrer Wichtigkeit scharf umrissen und klar hervorzutreten. Ihre Bedeutung und ihre Leistungen werden jedoch zweifellos ihren Ausdruck finden in der Betätigung der Ge- nossinnen aller Länder, die ihre Vertreterinnen zu der Tagung entsandt haben. Und darauf kommt es an. Prüfen wir das Er- gcbnis der Kopenhagcner Verhandlungen in dieser Beziehung, so dürfen die Genossinnen mit ihnen wohl zufrieden sein.... Den Höhepunkt der Konferenz bildeten unstreitig die Verhand- lungen über das Frauenwahlrecht. Es zeigte sich dabei wieder, welchen inneren fachlichen Gehalt, welche Kraft und welchen Schwung die Debatten erhalten, sobald um große Prinzipien ge- kämpft wird. Und das war hier der Fall. Wer mit der Situation vertraut war, und wußte, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil führender englischer Genossinnen leider trotz aller Beschlüsse von Gcwerkschafts- und Partcikongressen im eigenen Lande wie der internationalen Tagungen zu Stuttgart dabei beharrt, mit bürger- lichen Frauenrechtlerinnen zusammen für das beschränkte Frauen- stimmrccht tatkräftig einzutreten: für den stand es auch von vorn- herein fest, daß nicht die Frage der Mittel, sondern des Ziels selbst der Drehpunkt der Verhandlungen sein werde. So ist es denn auch gekommen. Die zahlreich vertretenen englischen Genossinnen, welche der„Unabhängigen Arbeiterpartei" und der„Bereinigung der Fabier" angehören, setzten sich mit Wärme dafür ein, daß aus der Resolution, welche den Kampf für das allgemeine Wahlrecht aller Großjährigen proklamiert, die scharfe, grundsätzliche Kenn- zeichnung des beschränkten Frauenwahlrechts gestrichen werden sollte. Diese Kennzeichnung— so machten sie geltend— sei eine indirekte Verurteilung der Haltung der Genossinnen und Genossen, die in England zunä-hst die Forderung des beschränkten Frauen- Wahlrechts unterstützt hatten. Die Genossinnen Murby, Dutcher, Philipps und andere suchten vergeblich diese Haltung zu recht- fertigen. Ihre Gründe waren die altbekannten: das beschränkte Frauenwahlrecht sei seinem Charakter und seinen Wirkungen nach nicht so schlimm, wie es grundsätzlich erscheine; es könne selbst- verständlich nicht das Ziel des Kampfes für die politische Emanzi« pation des weiblichen Geschlechts in seiner Gesamtheit sein, bedeute aber einen wichtigen Schritt in der Richtung zu diesem Ziele; es müsse in England als das momentan allein Erreichbare genommen werden usw. Die Gründe hatten durch ihre Wiederholung nicht an durchschlagender Beweiskraft gewonnen. Sie wurden auch dadurch nicht überzeugender, daß sie mit Lobpreisungen des guten Herzens und Willens bürgerlicher Damen und der Vorteile verquickt wurden, die durch das Hand in Hand gehen mit der Frauenrechtlerei erreicht werden könnten, kurz mit Ausführungen, oie das richtige Er- Humor und Satire. DaS Profit. Jantjemö hatte dem Herrn Pastor eine Karre Rüben gebracht und wurde in die Stube gebeten, um ein Glas Wein zu trinken. Sie plauderten zusammen; aber die alte Frau war nicht recht bei der Sache, schielte immer nach dem Glase hin und hätte zu gern getrunken. Sie wußte wohl, daß man anstoßen müsse und Prosit sagen, wagte dies aber bei dem Pastor nicht zu tun. weil sie glaubte, das schicke sich hier nicht. Darum dachte fie nach, ob ihr nicht etwas Aehnliches einfiele. Endlich hatte sie cS gefunden! Ihr Gesicht leuchtete, und sie nahm das GlaS, stieß an und sagte:„Halle!»ja, Herr Pastor!" Der rechte Platz. Der Superintendent eines großen Kirch- fpiels war Meister der Redekunst, besonders die rhetorische Frage war sein Spezialgebiet. Und darunter mußten seine Bauen: Sonnlag für Sonntag leiden. Wieder war einmal der Tag beS Herrn gekommen. Text der Predigt war der Apostel Paulus. Der alte Herr redete sich in einen mächtigen Eifer hinein. Und als die Uhr schon beinahe zwölf war, da kain er erst zu seiner„Glanznummer". Ein leises Seufzen ließ sich hören. „... Meine Lieben in dem Herrn, wer kennt nicht Paulus? Wer kennt ihn nicht, den Gcloaltigen? Wie soll ich ihn nennen? Wohin soll ich ihn setzen? Soll ich ihn setzen neben Philippus? Nein, meine Lieben, höher l Soll ich ihn setzen neben Lukas? Höher! Ist sein Platz neben Petrus, von dem geschrieben ficht: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich bauen meine Ge- mcinde?" Nein, anch�da ist nicht sein Platz. Meine Lieben in dem Herrn. Ivohin soll ich ihn setzen?..." Da erhebt sich ein Bauer, nimmt Gesaiigvnch und Mütze und sagt:„Herr Suppe ndent, fetten Sä humm man ripp mien Platz, ick ga na Hu S." Aus einer Sammlung in der Zeitschrift«Niedersachsen". Notizen. — Die Entdeckung einer unterirdischen Festung. Eine interessante Entdeckung ist dem französischen Gelehrten Henri Martin im Zusammenhang mit seinen vorgeschichtlichen Forschungen in der Charente gelungen. Unter dem Gulshof von La Ligerie in der Gemeinde GardeS wurden Spuren eines nnterirdischcn BaneS ausgefnnden, der dem Altertum oder dem frühesten Mittelalter an- gebären muß. Es ist ein unterirdischer Zufluchtsort, eine Art Festung, die aus zahlreichen komplizierten Gängen stmd Höhlen be- steht und in einer geräumigen, natürlichen Grotte endet, in der etwa 59 Mensche» Unterschlnpf finden konnten. Die in dem sehr harten Kalkfclscn durchgeführten tiefen Einschnitte können nur mit Eisen- insirumentcn vorgenommen worden sein, wie überhanpt die ganze Anlage in langjähriacr Arbeit vollendet sein muß. Ueber die Zeit der Entstehung dieses nieskwürdige» Berteidiguiigsbaus ist noch nichts Näheres ermittelt. fassen der Bedeutung der Klassengegensätze vermissen ließ. ES ver. sagte auch völlig die Wirkung der Rede, mit welcher Mrs. Despard, eine der opferfreudigsten, tatkräftigsten Führerinnen der Suff- raaettes, das Eintreten für das beschränkte Frauenwahlrecht ver- teidigte. Gewih waren alle Delegierten in der hohen Wertschätzung einig, die sie der Person der ehrwürdigen Greisin, ihren in die Tat umgesetzten Kürgertugenden zollen. Jedoch ebenso einig war die erdrückende Mehrzahl von ihnen in dem Bedauern, daß so große, schöne Eigenschaften an eine so kleine und ungute Sache wie das beschränkte Frauenwahlrecht verschwendet werden. Ein geradezu einstimmiges, unbeugsames Nein war die Anttvort auf das. An- sinnen, das allgemeine Wahlrecht ohne jede Brandmarlung des be- schränkten Frauenwahlrcchts zu fordern. Die vorliegende Reso- lution wurde mit allen gegen 10 Stimmen angenommen, die von einem Teil der englischen Delegation fielen, deren Minorität unter Führung von Genossin Montefiore, der verdienstvollen Bor kämpferin für das Wahlrecht aller Großjährigen, die Taktik des Kompromisses scharf bekämpfte. Die Debatte, die der Abstimmunj vorausging, war ein lebensvoller Beweis dafür, wie befruchten! die Stuttgarter Konferenz gewirkt hat, wieviel Klarheit und Festr gung die sozialistische Frauenbewegung international ihrer Arbeit verdankt. Es war eine Lust, den Ausführungen zu folgen, mit denen die Genossinnen Twining und- May Wood-Simons aus den Vereinigten Staaten für den angefochtenen Passus der Resolution eintraten, die Genossinnen Dahlström und Gustafson aus Schweden, Genossin Gjöstein aus Norwegen, Genossin Kollontay aus Rußland, die Genossinnen Zieh und Popp aus Deutschland beziehungsweise aus Oesterreich, die Genossinnen Montefiore und Grundy sowie Genosse Burrows aus England. In jeder Rede der gleiche volle Grundton und doch keine ermüdende Wiederholung, denn in jeder wurde die klare prinzipielle Erfassung durch wertvolles Tatsachen!- Material gestützt, welches den Charakter, die Wirkungen des be- schränkten Fraucnwahlrechts, welicheS die Rolle der Klassengegew sätze in der Frauenwelt kennzeichnete. In diesem Zusammenhang verdienen die Darlegungen unserer amerikanischen Genossinnen besonders hervorgehoben zu werden. Sie brachten eine prächtige Widerlegung des gern erzählten Märchens von der Schwesternschaft deS weiblichen Geschlechts, von dem Verständnis für die prole- tarisck?cn Interessen, dort wo die Jmrgerliche Frauenbewegung in et> ur erBlüte steht und ihre politischen Forderungen erfüllt find. ■■»■■■HMflW iffinncn z durch zwei Amendements der östc ie Resolution der deutschen Genossinnen zeichnet sei, daß Frage des Iran, reichischen Genossinnen verbessert worden ist. Sie beugen jedem Mißverständnis unserer Forderung dadurch vor, daß sie für die Frauen ausdrücklich das Wahlrecht in den einzelnen Bundesstaaten beziehungsweise Kronländern verlangen, sowie auch das Recht der Wählbarkeit für alle gesetzgebenden und verwaltenden Körper»- schaften. Die Vorschläge über möglichst einheitliche praktische Arbeit für die Einführung des Frauenwahlrechts fanden einstimmige An- " ilt eS für die Genossinnen aller Länder, hinter die nähme. Nun Beschlüsse die ät zu setzen. Das gilt insbesondere auch von dem b....». WW»». Beschluß, m Gestalt des„Frauentags" ein neues Agitationsmittel zur Anwendung zu bringen, ohne Illusionen darüber, daß es für die Eroberung des politischen Rechtes der Frau keine Weltwende ba- deutet, aber mit dem festen Willen, ihm jene praktische Tragweite zu geben, die ein gut vorbreiteter Frauentag haben kann und schließlich gewinnen muß._ Bersammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen nnd Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den Lt. September, abends 8'/s Uhr in den Corona-Festsälen, Koinmandantenstraße 72: Erster Vortrag aus dem ZykluS: „Shakespeare, seine Bedeutnng für unsere Kunst und unser Leben". Referent: Schriststellcr Julius Bab. Gäste will» kommen. Em aller Älelt. Cbcom und Praxis. Gelegentlich seiner Einführung in die Würde eines Usotor magnificontissiinus der Albertusuniversität in Königsberg hielt der deutsche Kronprinz den dortigen Professoren eine Vor« lesnng, in der er die„Betonung-unsereS deutsch- nationalen Volkstums im Gegensatz zn den internationalisierenden Bestrebungen" wünschte. Wenn die Worte deS jungen Mannes auch keine große Bedeutung haben, so wurden durch den rednerischen Erguß doch eine Anzahl Geschäftsleute auf den Plan gebracht. Die„Korrespondenz Woth" meldet darüber folgendes: „Aus den Kreisen der Berliner Bekleidungsindustrie geht l unS ein Schreiben zu, in dem lebhaft Klage geführt wird, daß das Kaiserhaus fast ausschließlich aus. ländische Firmen den deutschen bei fernen Ein- kaufen vorzieht. Es wird darin hingewiesen, daß der Kronprinz erst kürzlich in Königsberg die völ- kii'che Eigenart der Deutschen gewahrt wissen wollte und für die Freimachung der Deutschen von aus- s ländischen Gebräuchen lebhaft plädiert hat. ! Der Hof bevorzuge aber in der Bekleidungsindustrie Paris i und London. Selbst der Zahnarzt des Hofes fei Ausländer. J Es wird der Wunsch arisgcsprochen, daß der Hof sich endlich mehr j der deutschen Industrie zuwenden möge, die hinter der fran. ) zösischen und englischen nicht zurückstehe. Die jetzt herrschende s Antipathie des Hofes gegen �ie Berliner Geschäftswelt habe auch !h politisch unangenehme Nachwirkungen. ■ Der Stoßseufzer der BekleidungSindustriellen ist um so ber- Ländlicher, als gerade die Kronprinzessin für ihre Toiletten ganz erhebliche Aufwendungen macht, die bei der Vorliebe für ausländische Erzeugnisse der BekleidungSlunst den inländischen Fabrikanten entgehen. Auch ein Geisteskranker. Vor einiger Zeit berichteten wir über die Schwindel- manöver und Wechselreitereien des Reichsgrafen D u n i n- Borkowsky, der durch seine Manipulationen eine große Anzahl Frankfurter Geschäftsleute betrogen hat. Jetzt kommt aus Frankfurt a. M. die Nachricht, daß der Herr Graf und Schwindler wahrscheinlich verrückt sei; er werde in der allernächsten Zeit in eine Irrenanstalt zur Unter- suchung seines Geisteszustandes gebracht werden. Daß ein Reichsgraf im höchsten Grade geistesgestört ist, wenn er andere Leute betrügt, ist so selbstverständlich, daß es einer ärztlichen Untersuchung durchaus nicht bedarf. Erdsenkung im belgischen Kohlenrevier. Nach einer Meldung aus Brüssel senkte fich an der belgisch- französischen Grenze bei Süd-Ouiövrain der Boden in einer Ausdehnung von sechs Hektar um sechs Meter. Infolge dessen st ü r z t e d e r D a m m des von Möns nach Conds führenden Kanals ein. DaS Wasser überschwemmte die benach- barten Felder. Die Senkungen werden einem unvorsichtigen Abbau in den Kohlenbergwekren zugeschrieben. Die Cholera. Wenn trotz der Tätigkeit der Sanitätsorganisation die Cholera in Apulien noch immer neue Opfer heischt— in den letzten 24 Stunden sind neun Neuerkrankungen und fünf Todesfälle zu verzeichnen— so dankt sie dies ihrem treuen Verbündeten, dem WohnungSelend. Nack einer offiziellen Erhebung über die Lage der Landarbeiter in Süditalien, als deren erster Band in diesem Frühjahr der über Apulien erschienen ist, be- finden sich in Andria nicht weniger als 2300 unterirdische Wohnungen und 1800 halbunterirdische. In Barletta ist die Zahl der ersten 223, der zweiten 254. In M o l f e t t a sind beide Zahlen zusammengezogen und ergeben 3250. Aehnlich steht es in allen anderen von der Cholera heimgesuchten Orten. Dabei wohnen die Unglücklichen, die in diese Höhlen ver- bannt sind, keineSweg billig: eine halbmiterirdische Kammer kostet in F o g g i a 120 Lire im Jahre, in Brindisi bis 240 usw. Es handelt sich um eine Art Grotten, die vor Hunderten von Jahren gebaut wurden, oder um Kellerwohnungen, über denen sich die Häuser der Besitzenden erheben. Die Kellerwohnungen kosten den Hausherrn so gut wie gar nichts und bringen tüchtig ein. Unter diesen Umständen versteht man, wie selbst ein treffliches SanitärS- wesen an einem derartigen Elend seine Energie erlahmen sehen muß. •»' In B u d a p e st hat die bakteriologische Untersuchung gestern sechs Erkrankungsfälle an Cholera ergeben. Zwei da von kommen auf E r c s i, je einer auf Szeszsrd, Gran. M o h a c S und S z o e n y. Insgesamt wurden durch die bakteriologische Untersuchung bisher 21 Erkrankungsfälle festgestellt, bei denen Cholera borliegt. Unter choleravcrdächligen Symptomen wurde ein Matrose in da» Budapester Krankenhaus eingeliefert. Großes Aufsehen erregt die Mitteilung deS Direktors bti Budopester bakteriologischen Instituts, Dr. P r e i ß, der erklärt, daß die Eholeragefahr absolut nicht überwunden sei, denn die Donau sei in Ungarn voll st än big infiziert. Er fürchtet, daß die Cholera sich weiter ausbreiten werdet Wenn auch jetzt die Cholera im Abnehmen begiiffen fei, so sei im nach st en Frühjahr eine neue Epidemie zu be- fürchten._ Wieder einer! Bor der Strafkammer des Landgerichts Memmingen stand der katholische Pfarrer Anselm Nö tz li von Stadl bei Lanosberg a. L. wegen fortgesetzter A in t S u n t e r s ck l a g u n g. Er hat für die Kirchenstistung vereinnahmte Gelder für sich verbraucht und kirchliche Geräte an Trödler verkauft und versetzt. Das Gericht erkannte aus eine Gefängnis st rafe von drei Monaten. Nötzli hat den angerichteten Schaden ersetzt. Noch einer! Eine außerordentliche Revision der Kassenführung der nieder- österreichischen Stadt P o t t e n st e i n hat ergeben, daß da« Stadt- oberhaupt, der Bllrgenneifter Rainer, in zehn Jahren 80 bis 100 000 Kronen unterschlagen hat. Rainer war ein eifriges Mitglied der chri st lichsoztalen Partei. Kleine Notizen. Zu einer Fernfahrt nach dem Chiemsee stieg gestern nach- mittag das in München stationierte Luftschiff„Parseval VI" auf. Die 200 Kilometer weite Fahrt dauerte 4'/, Stunden und ist durchaus glatt verlaufen, obwohl streckenweise vertikale Luftbewegungen und Wirbelwinde herrschten. Ein Ehedrama. In Chemnitz erschoß gestern nachmittag der Resthändler Schreiter seine Ehefrau, seine Stief- tochter und dann sich selbst. Die Ursache liegt in Familien- eitigkeiten. Sckreiter lebte mit seiner Frau in Scheidungsklage. Großeö Aufsehen erregt in Budapest die Verhaftung eines Arztes, der Syphiliskranke mit dem„Hata'-Präparat behandelte. Auf eine Anfrage der Staatsanwaltschaft bei Geheim- rat Ehrlich lief die Mitteilung ein, daß an den fraglichen Arzt niemals irgendwelches Quantum des Serums geliefert worden iei. Ei» schwerer Automobiluufall ereignete fich am Donnerstag« abend in H a g e n in Wests. In boller Fahrt fuhr ein Automobil gegen einen elektrischen Leitungsmast. Die fünf Insassen des Automobils wurden herausgeschleudert und schwer verletzt. Der Wagen wurde durch den Anprall vollständig zertrümmert. Erdstoß i» Tirol. In mehreren Orten des Oberinntales ist am Donnerstag nachmiitag ein Erb st oß von zwei Sekunden Dauer verspürt worden. Zwischen Land eck und Prutz gab es infolge des Erdstoßes einen Erdrutsch, der die Straße ver- sperrte._ FreireligtiUe Gemeinde. Sonntag, den 18. September, vormittags S Uhr, Pappel-Allee tS/17: Freireligiöse Vorlesung Vormittag« lt Uhr, Kleine Frankfurter Siraye 6: Vortrag von Herrn Ewald Vogtherr: „Wie Deutschland katholisch werden soll."— Damm und Herren als Gäste sehr willkommen. Rontag, den 19. Septmiber: Beschließende Versammlung in Alt- Berlin. Blumenstr. 10. Allgrnieiur Kranken- nnd Stcrbekaff« der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 3. Sonnabend, 17. September, abends 8'/, Uhr, bei Kahser, Reichenberger Str. lS4: Mtlgliederversammlung. Wahl.— Filiale Berlin 4. Sonnabend. 17. September, abends 81/, Uhr, bei MerkowSki, Andreassir. 26: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 7. Sonnlag, 18. September, vormillags 10'/, Uhr. bei Hossmann, Pasewalker Str. 3: Mitgliederversammlung.— Filiale R i x d o r s. Sonnabend, 17. September, abend« 3'/, Ubr, Steinmetzstr. 14, bei Tabbert: Versammlung.— Filiale R u m in c l s b u r g. Sonnabend, 17. Sevtember, abends 8'/, Uhr, Im Lokale von Oskar Blume, Alt-Borhazen. Ecke der Neuen Bahnhosslraße: Milgliederoersammluna.— Filiale C h a r l o t i e n- bürg. Sonnabend, 17 September, abends 8'/, Uhr, im Volkshaus, Rofinensw. 8: Mitgliederversammlung,— Filiale Tegel. Sonnabend, 17. September, abends 8'/, Uhr, bei F, Katt», Berliner Str. 92: Mit- tember, ämmlung.— Filiale W t l h e l r ends 9 Uhr, bei Barth, Vikiortastr. 4: Mitgliederversammlung. I m» r u h. Sonnabend, 17. Sep- MitternnasuverNedt vom IS. September li»in. morarn«« Ilde. Stationen »MtNeniGe Hamduro Berltn Frants.a M iSiiniten Wien « Wetter e t: i* i | 2 welken! 8 ; 2 wölken! 12 4 bedeck! 14 2 wolkig I 9 ! bedeckt 14 CVCllVViTlinniMC TU* S&UII IUI Vt llv> oril&«• S&'lfltUI vt«. I Ein wenig kühler, zeitweise nebelig, sonst trocken und ziemlich heiter bei mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. eVasserstandS-Nachrtckiten der LaudeSanstall für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Wetterbureau. Wafferlland M e m e l. TUM V r« g« l. Jnlterbirrg Weichsel, Tborn Oder, Rallbor , Krollen » Frankfurt Warthe, Sckrimm , Landsberg Netz«, Borbamm Elbe, Leilmerttz , Dresden , Bardo » Magdeburg vallerktand Saal«, Grochlitz Havel, Svanvauss , Ralbenowss Spree, Svremberg') , BeeSkow Weser, Münoen . Minden Rhein, Mapimiliansa» , Kaub , Köln Neckar, Heilbronn Main, Wcrihcun Mosel, Trier am 15, 9. am 122 82 91 152 170 -66 41 526 335 357 84 159 93 feit 14. 9. cm') — 1 —3 +1 —6 —2 +4 -15 -8 -12 -16 -1 —8 —2 •) Unlerpegel.•) Barby heute um utscheitel de» Oderhochwasser» hat sich von gestern morgen bei Tschicherzig, etwas oberhalb der Bober- besunden, wo seine Höhe nur 46 om unier dem Hochwasser geblieben ist. Heutiger Wasserstand der Oder bei Ratlbor K 4-»edenfe« Wuchs,— Fall. 7 Uhr morgens 825 om. Der f vis beute Mündung. von 1903 273 am. liowawes. Mittwoch, den 81. d. am»., abends(SU hr, im Restaurant„T«olksaarten", Priesterstr. gl: �»Lei'ni'ckvntlloliv Leoefsl-Vei'Sktmmlllvg des Konsumvereins. TageS-Ordnung: 1. Errichtung einer Lerkaussi'telle in Wannsee. 106/16 2. Genossenschaftliches. Um pünktliches Erscheinen der Mit» glieder ersucht Dei- Aafslchtsrat. 3.31.: Wild. Schulz. Karow eine Station vor Buch Schönet. ViUenort, QH.». 12 M. an, 20 P». v. Statt. SKI.. 25 Min. Fahrt, 10 Pf. v.Pankow-SohÖnh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bhf. Pläne,.. jähr. Hypotheken. ständig ä. Bhf. Karow. 4831,* J. Rieger, Berlin, Gontardetr. S. n. rann, ierrmn unmmeioar Ulf. Bebauungspl. genehmigt. e gratis. Müll. Anz. u. lang- Hypotheken. Verkäufer Maßanzüge sehr elegant, 32—85 M., fertige 8,25, EinsnnningS. an. Engl. Tuche sehr schicken wir unsere Vertreter mit Muster ohne Kausocr- pflichlnng. l'HcIiseBvUfiiciiai't Koilbuscrdamm 16—17(Hochb) Vor- zeiger d. Jnsevai-Z erhält 5«/.�nbalt. Eine KnrK wöchentliche T ellzahlung elegant. Herren- und Knaben• Garderobe fcrtle und nach Mus, teinaie Verarbeitung. S. Boltuch, Franklnrler Allee 2S. I Elnaang Tilsller Strasaa. 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Untergang der brennenden Staatsbarke. MadlaSiiritii, die tnd.Sctilanptanzefin mit ihren itiesensebiangen. 3. Bild. Auf dem Markusplatz! Falieris Verurteilung. Der Karneval. Maskenfest und Prunkkorso. Das Ballett unter Wasser! Die akrobatischon Tänze der Oollini-Clairon- Truppe. Qj Elektrische Farhonspiela! bowIo das große Galaprogramm. Gastans Panoptikum Fri(epd.riäÄe..;.65 Größtes Schau-Etablissement Berlins. � Großes Künstler-Konzert. I Täglich geöffnet von 0 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. Eintritt 50 Pf. Mit. ohne Charge u. Kinder S3 Pf. l Brauerei Friedrichshain Am Königstor. Honte und folgende Tage; r J Oberlandler Kapellen t Kirchweih- und SchOtzenlest. Bei nngUn.tigcr Witterung Im Saal. Abonnenten des„Vorwärts" haben Wochentage freien Eintritt Diese Annonce ist am Eingang vorzuzeigen. TEBBASSEI HALENSEE QrDBter VergnDgungtpark des Kontinente. Eintrittspreis 50 Pf. Hcnto: Sensationelle Attraktionen jffititärUonzert K Somalidorf Ab 3 Uhr geöffnet Tanagra-Theater □ Mon Plaisir. 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WERTHEIM GM BH Potsdamer Straße 10, 11 und 13 Friedrich-Straße 110/112 kS« J\leu eröffnet: LEIPZIGER STRASSE 75176 am'Dönhoffplatz Die Polizeibehörde hat uns unser bisheriges Zählsystem verboten, obgleich wir an dessen Rechtsgültigkeit zu zweifeln nach vorher eingezogenen juristischen Gutachten nicht die geringste Veranlassung hatten. Um nun unsere Kundschaft, bei der unser System so großen Beifall gefunden hat, schadlos zu halten, werden wir nicht nur die ursprünglich ausgesetzten 45000 Mark verteilen, sondern den Betrag erheblich erhöhen und ihn auf folgende Weise zur Ausschüttung bringen: Wir bitten, unsere Kassenzettel zu sammeln und sie zu je 5 Stück an den Zählstellen in den Erfrischungsräumen unserer drei Geschäftshäuser gegen Quittung einzutauschen. Bis zum 31. Dezember d. Js. erhält nun jeder Inhaber von: 5 Quittungen(25 Kassenzetteln)....... 2 M. in bar oder in Gutscheinen nach Wahl der Kundschaft Kassenzettel unter I Mark, sowie solche über Markenartikel und Lebensmittel werden hierbei nicht mitgezählt,— Auswärtige Kunden werden gebeten, ihre Kassenzettel mit Rückporto einzusenden. I Still- 1 SiiiRl i 1 IH I sämtliche(Sänscartikel, als Gäuseklein. Gänsekculenflcisch. Gänse- knocheiifleisch, Keulen frisch und gepökelt, geräucherte Keulen zum roh essen empfiehlt zu de» billigsten Tagespreise» H. iLeißiier, Berlin c., Klosterstr. 95, 105/16 Eckhau» Kaiser-Wilhelm-Strahe.__ Sie kaufen vorteilhaft MÖBEL auch auf KREDIT im Spezial-Qeschäft von MISCH Or» Frankfurter Str« 45/46 1 u IL J v 4"} J-lut-Arnold, Oresdenerstr. 116 I(Kein Laden) am Oranienplatz Hut und Mützen Engrosgeschäft Einzelverkauf zn auffallend billigen aber festen Preisen! Welche Herrenhötev. 1,50-6,00 Steife Herrenhü'tev. 2,00-7,00 Ifhr fehlerfreie moderne Ware Nur fehlerfreie moderne Ware. 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M., feiert der Zjweig» Verein der Gärinere bisher als dirigierenden Arzt tätigen Pro- fcssor Dr. Kuttner.— Der Magistrat trat dem Ersuchen der Stadtvcrordneten-Ver- sammlung, mit ihr über die Bewilligung einer Spende an die Veteranen aus den Kriegen 1804, 1806, 1870/71 in gemischter De- putation zu beraten, bei._ Zum Wochentags-Ladenschluß im Barbier- und Friseurgewerbe wird uns mitgeteilt: Zur Regelung des Geschäftsschlusscs an Wochentagen, die nach Lage der Verhältnisse nur auf gesetzlicher Grundlage denkbar ist, bietet die Gewerbeordnung leider keine Handhabe, da der Z 139> derselben sich nur auf das Handelsgewerbe bezieht. Bereits bei Einführung der gewerblichen Sonntagsruhe am 1. April 1895 machte sich diese Lücke der Gewerbeordnung für das Friseurgewerbe empfindlich bemerkbar, insofern es sich um den örtlich einheitlichen Geschäftsschluh an Sonn- und Festtagen han- delte. Hierin wurde nach einigen Jahren Abhilfe herbeigesührt durch Schaffung des Z 41b. Doch für den Wochentagsschluß fehlt es nach wie vor an einer entsprechenden Bestimmung in der Ge- Werbeordnung. Infolge der Ausbreitung des AchtuhrschlusseS im HandelSgcwerbe, der zunehmenden Konkurrenz usw., hat sich mittlerweile auch im Barbier- und Friseurgewerbe das Bedürfnis nach einheitlicher Regelung des Wochentags-Ladenschlusses mehr und mehr geltend gemacht. Unbeschadet der zunächst ohnehin müßigen Streitfrage, ob Acht- oder Neunuhrschluß, sind alle Fachkreise sich darin einig, daß das Gewerbe auf alle Fälle die Möglichkeit haben mutz, den WochentagSschlutz überhaupt irgendwie örtlich ein- heitlich regeln zu können. Von diesem Standpunkt ausgehend, haben sich etwa 15 Meister- und Gehilfenvercinigungen Groß- Berlins zur Veranstaltung einer allgemeinen Versammlung für Prinzipale und Gehilfen entschlossen, die am nächsten Donnerstag in Kellers Neue Philharmonie stattfindet und dazu beitragen soll, die notwendige Abänderung der Gewerbeordnung in Fluß zu bringen._ Der StraßenreinigungSaufscher Orth, über dessen Walten in der Straße nreinigungSabteilung 2 7(Depot Elbinger Straße) wir in unserer Nummer 170 vom 30. Juli berichteten, beklagt sich jetzt in einer vom 13. September datierten Zuschrift an uns, daß wir der Wahrheit nicht entsprechende Anschuldigungen gegen� ihn erhoben hätten. In jenem Artikel handelte eö sich hauptsächlich um den Borwurf, daß Herr Orth zur Erziehung jugendlicher Arbeiter den Gebrauch des Schimpfwortes nicht verschmäht habe, daß er für Zugehöngkett zur freien Jugendorganisation die Entlassung an- gedroht habe und er auch einen erwachsenen Straßenreiniger seinen Zorn habe fühlen lassen, weil der in seiner freien Zeit die Arbeits- burfchen durch Zettel zum Besuch einer Versammlung eingeladen hatte. Auf den Vorwurf der Erziehung durch das Schimpf- wort antwortet Herr Orth mit dem Hinweis auf einen bestimmten fall, pon dem er meint, daß er sich dabei korrekt benommen habe. r schreibt uns: „Am 15./7. 10 hat der Arbeitsbursche G.... den Arbeits- burfchen W.... bei der Arbeit mit einem Messer am Arme stark verletzt. Den p. G.... stellte ich darüber zur Rede, wobei ich die Worte gebraucht habe:„Ein vernünftiger Mensch schlägt seinen Kameraden nicht mit dem Messer, das tun nur Strolche.' Unsere Ermittelungen haben ein etwas anderes Bild ergeben. Die Verletzung war nicht stark, sondern gering. Auch bat G. sie nicht vorsätzlich, wie es nach Herrn Orths Darstellung fast scheinen köntrte, sondern aus Versehen seinem Kämerade» beigebracht. Eineni Arbeitsburschen war von seinem Besen der Stil abgebrochen, und G. übernahm es, den Schaden zu reparieren. Als er dabei war, mit dem Messer die Bruchstelle zu beschneiden, wollte der Arbeitsbursche W. cingrelfin und faßte nach dem Besen. Da machte G. eine haftig abwehrende Bewegung mit der Hand, in der er das Messer hielt, und hierbei wurde dem W. der Rockarmel durchschnitten und auf dem Unterarm die Haut drei bis vier Zentimeter lang aufgeritzt. Herr Orth hat über das durchaus ent- tchulKare Verseben geurteill mit den Worten, die er selber in seinem Brief angibt:„Ein vernünftiger Mensch schlägt seinen Kameraden nicht mit einem Messer. daS tun nur S t r o l ch e I' Mit diesem Eingeständnis hat er selber sich bereits gerichtet, und wir haben nicht nötig, noch irgend ettvaS hinzuzufügen. Nur das wollen wir scsistellen, daß Burschen uns versichern, nach Erscheinen jenes Artikels habe Herr Orth ihnen gegenüber einen merklich anderen To» angeschlagen. Das war unser Wunsch,»ud das genügt uns.„ Aber nun die übrigen Anklagen, die wir gegen ihn erhoben haben I Herr Orth fährt fort: Alle übrige» Ausdrücke und Angaben, wie sie der Artrkel bringt, sind nicht der Wahrheit entsprechend. Welches auch mehrere Arbeiter bezeugen können. Hiernach wäre z. B. auch daS nicht wahr, daß Herr Orth f ü r Zugehörigkeit zur freien Jugendorganisation die Entlassung angedroht hätte? In seinem Brief sagt er zwar nicht ausdrücklich, auch das fei unwahr. Aber daß er das gleichfalls b e st r e i t e t, ist zu folgern aus seiner suminariswen Erklärung,„alle übrigen' Angaben seien nicht der Wahrheit ent- sprechend. Wir habe» daraufhin auch hierüber nochmals Eriniitc- lungcn angestellt. Man wiederholte uns die Bchanplung, daß Herr Orth die Zugehörigkeit zur freien Jugendorganisation Verbote» und dafür Entlassimg angekündigt habe. Htiizugefügt wurde jetzt, daß nicht Orth allein, sondern n,ehr noch ein Ausscher Hintze durch jene Ankündigung die Arbeitsburschen vom Beilritt zur Organisation ab- zuhalten gesucht habe. Zu der Angelegenheit deS erwachsene» Arbeiters, der die Burschen zum Besuch einer Versammlung der Jugend- Organisation eingeladen hatte, äußert Herr Orth sich genauer. Er schreibt hierüber: Daß ich den Arbeiter G. betreffs Zettelverteilun2 an die jugendlichen Arbeiter niemals darüber zur Rede gestellt'habe, das kann wohl der Arbeiter G. selbst bezeugen. Ich nehme an, daß die ganze Sache nur ein Racheakt des p. G. ist. Die Abrüsselung des Arbeiters G. ist Herrn Orth in der Tat z u U n r e ch t mit aufs Konto gesetzt worden. Nicht er, sondern der erwähnte Herr Hintze war eS, der G. in Gegenwart von Arbeitsbur scheu in sehr energischer Weise„zur Rede stellte'. Jener Artikel stützte sich nicht aus Angaben G.'s, sondern auf die Mitteilungen der Mutter eines Burschen, die unS gebeten hatte, Herrn Orths Art einmal öffentlich zu besprechen sowie auf die er- ganzenden Aussagen anderer Burscheu» die wir befragt hatten. Das wurde in dem Artikel ausdrücklich hervorgehoben, aber Herrn Orth hindert das nicht, leck von einem.Racheakt' G.'s zu reden. Und diese kränkende Unterstellung leistet er sich in demselben Schreiben, durch das er selber sich gegen„der Wahrheit nicht entsprechende Au- schuldigungen" wehrt._ Die Tarifpolitik der Stadtbahn. Man schreibt unS: Am 1. Okiober wird die neue Südringstalion„Hohenzollerildamm' dem Verkehr übergeben. Vom gleichen Tage tritt aus dem Südring eine Verteuerung gewisser Fahrien um 100 Proz. ein. Zum Beispiel wird die Strecke Halenscc— Potsdamer BaKnhof, die jetzt 10 resp. 15 Pf. kostet, dann 20 und 30 Pf. kosten, ohne daß die Leistung des EisenbahnfiSkuS eine höhere wird, nur die Fahrzeit wird eine um zwei Minuten längere. Der gewöhnliche Untertanenverstand kann nicht begreifen, warum eine Fahrt teurer wird, wenn eine Terrain- geiellschafl eine neue Staliou auf einer alte» Linie errichtet. Mit dem allen Zopf des Fünfstatioucn-Tariss sollte man endlich auf- räumen. Die Entlohnung der Schlächter auf dem städtischen Schlachthofe. Die Vorstände der Engros- Fleischermeisternreinigungen waren gestern unter dem Vorsitze des Obermeisters Kriesche zu einer sehr wichtigen Beratung zusammengetreten» der auch Direktor Goltz und Juipchor Feierobend vom städtischen Vieh- und Schlachthof bei» wohnten. Vom Kuratorium des Vieh- und Schlachthofes war beim Jnnungsvorstande ein Schreiben eingegangen, in welchem darauf hingewiesen wurde, daß die Entlohnung derArbeitnehmer nur in Reichs- Währung zu berechnen und auszuzahlen ist, daher die sogenannten Bier- gelder oder Nebenverdienste, welche den EiigroS-Schlächtergeiellen in Naturalien gewährt würden, ungesetzlich sind und gegen 8 115 der R-G.-O. verstoßen. Direktor Goltz wies zur Begründung des Vor- gchens der Verwollimg auf die große Unsicherheit de« Eigentums auf dem Schlachthof bin, die zum Teil darauf zuriickzusühren ist, daß unter dem Deckmantel des BicrgeldeS nicht selten zwanzig bis sechzig Pfund Talg oder zwei bis acht Liesen vom Schlachthof ent- fcrnt werden: zu vielen abgenommenen oder beschlagnahmten Waren finde sich recht oft dann kein sich legitimierender Eigentümer. Nach eingehender Verhandlung wurde, wie die,„Allg. Fleischer-Ztg.' mit- teilt, das Resultat der Verhandlungen in folgendem Beschluß nieder- gelegt: Die ganze oder teilweise Entlohnung der auf dem städtischen Schlachthof beichästigten Gesellen mit Naturalien soll, mit Aus- nähme von Blut, Blasen(Schlünden) und Schweinehaaren, in Fortfall kommen. Es soll von einem noch festzusetzenden Zeitpunkt keinem Ge- sellen mehr gestattet sein, andere Naturalien zum Verkauf an sich zu bringen. Der Verkauf hat dann einzig durch die Meister an bestimmten Stellen des Schlachthofes zu erfolgen: über den Erlös aus diesen Naturalien steht jedem Meister das freie VerfügungS» reckt zu. Was bisher als Nebenderdienst außer den schon genannten Teilen den Gesellen überlassen ist. sind folgende Teile: Milzen(fast sämtliche Milzen der Rinder gehen von Berlin nach München und Nürnberg, wo dieser Artikel sehr geschätzt wird), die Milchen der Jungrinder, die Sitscke(Bauchspeicheldrüse), Blattmagen der Rinder, vom Hammel die Käldaune, Penis der Rinder, vielfach Talg- krumpen usw. Die Verwertung all dieser Teile wird so in geordnete Bahnen gelenkt werden, daß die Aufkäufer all dieser Artikel nicht mehr von Schlacktkammer zu Schlachtkammer ziehen dürfen, sondern diese Teile an bestimmten Stellen abgenommen werden. Ein schwerer Straßcnunfall ereignete sich vorgestern abend in der Badstraße. Der 7viährige Invalide Gottlieb Rupprecht aus der Koloniestr. 151 hatte vom Rosenthaler Tor aus zur Nachhause- fahrt einen Omnibus der Berliner Allgemeinen Omnibusgesell- schaft benutzt, den er unmittelbar vor der Endhaltestelle der Prinzen» allee während der Fahrt verließ. Der alte Mann kam dabei zu Fall und erlitt einen komplizierten Bruch des rechten Unterschenkels, eine blutende Kopfwunde und innere Verletzungen. Nachdem der Verunglückte auf der Unfallstation in der Badstraße Notverbände erhalten, wurde er in besinnungslosem Zustande nach dem Rudolf- Birchow-Krankcnhause übergeführt. Autoomnibus und Straßenbahnwagen. Gestern morgen um 7 Uhr fand an der Kreuzung der Müller- und Sellerstraße ein Zusammenstoß zwischen dpin Kraftomnibus 1387 der Linie Müller- straße— Hallesches Tor und einem Wagen der Städtischen clektri- schen Straßenbahn statt. Der Kraftomnibus kam neben einem Wagen der Großen Berliner Straßenbahn, Linie 29, vom Wedding her gefahren. Der Straßenbahnwagen hielt plötzlich kurz vor der Sellerstraße, um einen von der Schulzendorfer Straße kommenden Wagen der Städtischen Straßenbahn vorüber zu lassen. Der Kraft- omnibusfahrcr bemerkte das Herannahen des städtischen Zuges infolge Verdeckung de« Gesichtsfeldes durch den Wage» der Großen Berliner Straßenbahn erst, als er nur noch einige Meter von der Straßenkreuzung entfernt war. Er bremste sofort scharf, konnte jedoch nicht verhindern, daß sein Wagen noch an den Vorderperron deö städtischen StaßenbahnwagenS heranrutschte. Durch das Plötz- liche Bremsen und durch den Anprall an den städtischen Straßen- bahnwagen wurden die Fahrgäste des Kraftomnibusses durchein- anoer geschüttelt und hierdurch wie auch durch Glasscherben einiger gesprungenen Fenster verletzt. Es meldeten sich bei dem Schaffner 10 Personen, die verletzt sind oder verletzt sein wollen. Sämtliche Verletzungen sind leichter Art. Der Materialschaden ist unbedeu- tend. Die Untersuchung ist eingeleitet. Rektor Bock, der beschuldigt wird, an Schülerinnen sich sittlich schwer vergangen zu haben, ivar in oen achtziger Jahren auch in Köpenick tätig. Wie jetzt verlautet, soll er sich dort auch nicht ein- wandsfiei betätigt haben. Man erinnert sich, daß ihm 1883 bei seinem Fortgang dort ähnliche Dinge zur Last gelegt wurden wie letzt in Berlin. Man legte den Angaben aber keinen großen Wert bei, weil es sich um Kinder handelte. Choleranachrichten. Das Befinden des im Augusta-Viktoria- KrankeyhauS in Schönberg befindlichen Ingenieurs Gustav McyerS- bcrg ist ein außerordentlich günstiges. Obwohl die bakteriologische Untcrsuchng erst heute nachmittag abgeschlossen werden wird, glauben die Aerzte mit voller Bestimmtheit versichern zu können, daß es sich in diesem Falle nicht um die gefürchtete asiatische Cholera handelt. Man neigt vielmehr der Annahme zu, daß sich MeyerS- berg auf der Rückreise durch den Genutz rohen Obstes eine schwere DySciiterie zugezogen habe, die erst nach seiner Ankunft in Berlin zum Ausbruch kam. Bei der gleichfalls unter Quarantäne stehenden Wirtschafterin des Herrn M. haben sich bisher keine verdächtigen Symptome gezeigt, so daß Fräulein M. bereits in zwei bis drei Tagen entlassen werden dürste. Die Konsumgenossenschaft Berlin und Umgegend hatte im August dieses Jahres einen Umsatz von 379 944,50 M., im gleichen Monat des Vorjahres 258 551,50 M., also ein Mehr von 121 393,00 M. Beide Monate dieses Geschäftsjahres ergeben 709 839,40 M.» das sind 216 823,55 M. mehr als die korrespon- diercndcn Monate des Vorjahres. Die Mitgliederzunahme hat merkwürdigerweise etwas nachgelassen, wahrend bei den ganzen anaenblicklichen Verhältnissen dclS Gegenteil zu erwarten wäre. Die Sj?argeldsumme ist auf über Vi Million gestiegcv, die Hausanteile auf 400 000 M. Der Gesangverein„Olympia"(M. d. D. A.-S.-B.) veranstaltet heute Soilnabend, den 17. September, in der Brauerei Königstadt ein Vokal- und Jnstrumentalkonzcrt unter Mitwirkung des �>0» listen Herrn Georg Diesbach(Violine) und des Berliner Ton- lunstler-Orchejters(Hollseldcr). ©ritt ArbcitSwerfzeug, das sich mit einem Monteuranzug in einem Palet befand, hat am Dienstagabend 7 Uhr ein Arbeiter infolge einer Verwechslung eingebüht. Zwei Herren, die am Anhalter Bahnhof die Straßenbahnlinie 17 bestiegen, nahmen beim Aussteigen an der Altonaer Straße Ecke SckileSwiger Ufer das Maschinen- Werkzeug enthaltende Paket des Arbeiters anstatt das ihrige Paket. Die Herren werden um Abgabe gebeten an R. Stolz, Turnistr. 53. Vorort- l�acbriedten. Ritdork- Im Zeichen des WuhlrechtsraubeS stand wieder einmal die Stadtberordnetenbersamm- l u n g in ryrer Sitzung am DonnerStagnacymittag. Das orathaus befand sich daher im Belagerungszustand; während im gegenüber- liegenden Amtsgerichtsgebäude eine Kolonne Schutzleute dem Aus- bruch der Revolution entgegenharrte, umstreiften Polizisten in Uniform und Zivil sowie der Oberkommandierende der Rixdorf/c Schutzmannschaft selbst das Rathaus. Die Herrschaften hatten islch aber allesamt umsonst bemüht.— Die Sitzung begann infolge, leb-' hafter Kämpfe im vorher tagenden Wahlausschuß erst sehe der- spätet. Stadtverordnetenvorsteher Sander widmete eingo.ngs dem verstorbenen Stadtrat Lehke einen Nachruf und gab dana die Un- gültigkeitserklärung der Mandate der Genossen Rohr, Schuck) und Z e p m e i s e l durch das Obervcrwaltungsgcricht,, die Verur- teilung der Stadtverordnetenversammlung durch den Bezirksausschuß in der Klage des Genossen Scholz gegen die Aufstellung der Wählerlisten nach dem anderthalbfachen Durchschnitt, den Eingang einer Abschrist der Eingabe des Demokratischen Vereins an den Minister und einer Petition von 26 OM Rixlwrstr Wählern in der Wahlrechtsfache bekannt. Die NücktrittSerklärungen der Stadtver. ordneten Arnold, Bermann, Eschmann und P a g e l s nahm die Versammlung zur Kenntnis. Zur Durchführung der im November stattfindenden Ergänzungswahlen werden aus der 1. Hiahlerabteilung die Stadtverordneten Rahmig, Dr. Die. t r ch und Heinrich ausgelost. Zur Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion, welche bereits am 2. August eingereicht worden ist und den Magistrat bestagt, ob er nun endlich den gerichtlichen Erkenntnissen entsprechend die Wählerlisten nach dem Prinzip der Drittelung aufstellen will, nahm Stadtverordneter Groger das Wort. Schon gleich am Eingang feiner scharf pointierten Aus- führungen gab es einen Zusammenstoß mit dem Vorsteher, als er dem Magistrat und der Mehrheit vorwirft, daß sie die Bürgerschaft gegen Gesetz und Recht des Wahlrechts beraubt hätten. Redner kennzeichnete dann das volksfeindliche Verhalten des Magistrats, der mit voller Absicht die vom Bezirlsausschuß im Januar bereits eingeforderten Akten erst% Jahr später und zwar erst nach Ein- tritt der Stadtveroodnetenferien eingesandt habe. Wenn jetzt die Aufstellung der Wählerlisten nach dein anderthalbfachen Durchschnitt damit begründet werde, weil das entgegengesetzte Urteil des Be- ztrkSauSschusieS angeblich noch nicht rechtskräftig geworden ist, so liege darin eine bewußte Irreführung der Vürgerschaft. denn das Oberverwaltungsgericht kann und wird nicht anders end- scheiden. Aber danach frage der reaktionäre Magistrat so wenig, wie nach dem Willen der 26 660 protestierenden Wähler, sondern suche die Anwendung von Gesetz und Recht um jeden Preis zu vcr- schleppen. Redner erklärte dem Magistrat das tiefste Mißtrauen und verlangt klare Auskunft von ihm über sein Verhalten.— Kürgermeister Dr. We i n r e i ch erklärte, ein Mißtrauensvotum nur von einer Mehrheit der Versammlung entgegennehmen zu wollen. Er meinte, daß der Magistrat, der doch Rixdorf auf die gegenwärtige Höhe gebracht habe, die Bezeichnung als Volksfeind- lich nicht verdiene. Im übrigen beschränkt er sich auf eine kurze Erklärung, nach welcher der Magistrat sich nicht befugt hält, vor der letztinstanzlichen Entscheidung das Ortsstatut des Wahlrecht sraubcs außer Betracht zu lassen.— In sehr geschickter Weise polemisierte Stadtverordneter Dr. Silber st ein(Soz.) gegen den Bürger- meister. Dieser sei zu bedauern, daß er eine so schlechte Sache verteidigen müsse. Mit den Wahlrechtöröubern aus der Ber- sammlung rechte er(Redner) nicht mehr. Bei diesen Worten kam es wieder mit dem sehr nervösen Vorsteher zu lebhaften AuSein- andersetzungen, die von stürmischen Zurufen unserer Genossen be- gleitet wurden. Endlich konnte der Redner fortfahren. Er zeigte die Wirkungen deS angewandten anderthalbfachen Durchschnitts ziffernmäßig— die 1. und 2. Wählerklasse bringen demnach jetzt zusammen genau so viel Steuern nur auf, als die 3. Klasse allein! — Dieses S Y st e m sei purer Wahnsinn. Gegen die Väter desselben, die sich immer anmaßen, die Gesetzlichkeit in Pacht zu haben, muß ausgerechnet die Sozialdemokratie das schon reichlich elende Dreiklassenwahlrecht verteidigen, Mit dem Schwindel der Mittel st andsretterei sei in den Prozessen die weitere Verschlechterung des Wahlrechts begründet worden, obivohl gerade dadurch ein« große Zahl Wähler des Mittelstandes aus der 2. in die 3. Klasse hinabgestoßen wurden. Es sei das ja auch alles nur Verlegenheitsgerede; denn die Wahlrechts— veränderer wüßten sehr genau, daß sie in den Nesseln sitzen, hat man doch schon im Wahlausschuß Schwancngesänge angestimmt und die künftige sozialdemokratische Mehrheit beschworen, sich ihrer Verantwortung bewußt zu sein. Das könnte man sich füglich sparen; darüber würden die Wähler entscheiden. Und da wehre sich der Magistrat noch gegen den voll begründeten Vorwurf der Volksfcindlichkeit?! Wenn Herrn Bürgermeister Weinreich das Mißtrauensvotum der Sozialdemokraten jetzt nicht imponiere, so möge er sich sagen lassen, daß es wahrscheinlich sehr bald anders von den Magistratsbänken tönen werde. Es handele sich doch nur noch um eine Galgenfrist, die wir allerdings noch ganz gehörig versalzen werden.— Damit schloß die Debatte; kein Wort kam aus den Reihen der Mehrheit. Wie die betrübten Lohgerber, denen die Felle fortgeschwommen sind, saßen die reaktionären Helden von ehedem da und steckten die hageldicht fallenden Schläge unserer Genossen ein. (Fortsetzung des Berichts in nächster Nummer.) EisenbaHncrloS. Gestern nachmittag sprang beim Rangieren von Eisenbahnwagen auf dein Kabelwerk Oberspree der Allgemeinen ElektrizitätSgescllschaft ein Waggon aus den Schienen. Der Rangier- meister R. wurde von dem herausspringenden Wagen gegen den Puffer eines anderen Wagens gedrückt, so daß der Tod sofort eintrat. Charlottenbnrg. Ein tödlicher Niiglücksfnll ereignete sich in dem Siemens u. Halskewerke in der Helmholzstraße. Wie beachtet wird, ist dort der Laaerverwalrer Schönau in dem Aufbewahrungsraum bewußtlos aufgefunden worden. Sch. ist beim Betreten des Raumes durch die in demselben angesammelten giftigen Gase betäubt worden. Auch ein Arbeiter, der ausgeschickt wurde, uin nach Schönau zu foricheii, wurde von demselben Schicksal ereilt. Der herbeigerufene Arzt»ud die Feuerwehr»ahmen mit Sauerstoffapparate» Wiederbelebimgs- versuche in Angriff. Während sie bei dem zweiten Arbeiter von Erfolg wäre», war es für Schönau schon zu spät. Er konnte nicht mehr ins Leben zurückgerufen werden. Die Leiche wurde be- schlagnahmt. Wegen eines gefährliche» DachfluhlbraildeS wurde gestern die hiesige Feuerwehr von der Lstwacho in der Rankcstraße nach der Wielandstr. 32 alaninert. Der Brand war durch die Unvorsichtig- keit beim Kochen vom Teer entstanden. Durch Sandaufwerfen wurden die Flammen, die ungeheueren Qualm verursachten, nach und nach erstickt. Ter Arbeiter-Radfahrcrverein„Charlottenburg" feiert heute abend in den Räumen des VolkshauseS, Rosinenstr. 3, sein zehnjähriges Stiftungsfest. Da sich genannter Verein zu allen Arbeiten und Veranstaltungen des Wahlberciils zur Verfügung stellt, bittet der Borstcmd des' Wahlvereins die Parteigenossen, das Vergnügen recht zah�teich besuchen zu wollen. De* städtische Arbcitsmichwcis Charlottcndurgs, Kirchstaße 6 (Fernftirecher Amt Charl. 1291) und Witkenbergplatz 4(Fernsprecher Amt Charl. 1487) bringt für das Hcrbstreinemache» und die Umzugs- zeit seine Vennittelung von Wasch- und Reinemachefrauen, Plätte- ri><'.ien sowie sämtlichem Aushilfspersonal in Erinnerung. Arbeits- kc-rfte, welche für den nächstfolgenden Tag gewünscht werden, muffen k>is spätestens 6 Uhr lmchmittag bestellt sein. Johannisthal. Ans Anlaß ihres 13. Stiftungsfestes veranstaltet die Freie Turnerschaft am Sonntag, den 18. August, ein Abturnen auf ihrem Turnplatz. Abmarsch präzise 2 Uhr vom Vereinslokal Otto Senft- leben, Friedrichstr. 48. Abends 7 Uhr gemütliches Beisammensein im Vereinslokal(keiner Saal). Da der Verein stets unsere Feste verschönern hilft, auch kein Eintrittsgeld erhoben wird, so ist zu wünschen, daß die Genossen an der Veranstaltung rege teilnehmen. Adlershof. Ter Arbeiicr-Nadfahrcrvcrein„Vorwärts", Mitglied des A.-R.-Ä.«Solidarität", feiert heute im Lokal von Wöllstein sein 6. Stiftungsfest. Da genannter Verein bei Veranstaltungen der Partei und Gewerkschaften stets mitwirkt, ersuchen wir die Ge- nossinnen und Genossen um rege Beteiligung an diesem Feste. Pankow. Dir Geulcindevertrctcrsitzung am Dienstag hatte sich mit der 6Ienihnngulig eines Abkommens mit Berlin wegen Verlegung des T ruckrohres für das neue Wasserwerk durch den Gutsbezirk Blanken- st-lde(Berliner Gebiet) sowie gleichzeitig mit der Genehmigung eines Vertrages mit der Stadt Berlin wegen Verlegung von Gasröhren durch den Gntsbczirk Mühlenbeck(Paukower Gebiet) zu be« ichäftigen. Nach den cinleitenden Darlegungen des Bürgermeisters will Berlin der Verlegung des Paukower Wasierdruckrohres unter der Bedingung zustimmen, daß die Gemeinde Pankow bei der beabsichtigten Panke-Regulierung der Stadt Berlin weil entgegenkommt. Ferner soll die Zustimmung nur mit dem auS- drücklichen Vorbehalt jedcrzeitigcn Widerrufs erteilt werden. Von dem Widerrnfsrccht soll bestimmt dann Gebrauch gemacht werde», ivciii, die Gemeinde Pankow bei der Panke-Regulierung ein nach dem Ermessen Berlins nicht ausreichendes Entgegenkommen zeige» sollte. Es hat min in dieser Angelegenheit eine Aussprache zioiichen dem hiesigen Bürgermeister, dein Berliner Bürgermeister Reick« und Stadlrat Marggraff stattgefunden. Um der Gemeinde- vcrtretilng vom Inhalt dieser Aussprache Kenntnis zu geben, ersuchte der Bürgermeister die Oeffentlichkcit auszuschließen, was auch beschlossen wurde. Obwohl der Bürgermeister ausdrücklich nur für die Mitteilung der gehabten Unterredung die Oeffentlichkeit ausgeichlosscn wünschte, ist dennoch die ganze Angelegenheit in nichr vffenllicher Sitzung erledigt worden.— Nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit szab ein Gesuch des Geflügelzuchtvercins Pankow- Nieder- Schbnhausen um Stiflung eines Preises dem bürgerliche» Vertreter. Holtkötter Gelegenheit, der Versammlung eine heitere Viertelstunde zu bereiten. Dem allgemein ablehnenden Standpunkt der Gemeindevcrtretting gegenüber diesem Gesuch konnte sich dieser drollige Herr nicht auichiießeii, obwohl er selbst versicherte, dagegen stinimen zu wollen. Er meinte allen Ernstes, daß es be- danerlich sei, daß dieser Sache so wenig sozialpolitisches Verständnis — wie er es nannte— entgegengebracht werde angesichts der Herr- schenden Fleischnot. Die Unterstützung der Geflügelzucht sei das Mittel, vollwertigen Ersatz für Fleisch zu schaffen, ganz ab- gesehen davon, daß die deutsche Einfuhr von 40 Millionen Eiern jährlich zum crlieblick'en Teile auch von den Hühnern Pankow- Nieder- Schvnhausciiö gedeckt locrden könnte. Die Vertretung lehnte trotz dieser durchschlagenden Argumeiite das Gesuch ab.— Hierauf wurden eine Reihe von EtatSübcrschreitungen genehmigt, nachdem vorher der Bürgermeister bekanntgegeben, daß das Rechmingsjahr 1909 mit einem Ucberschuß von 129 214 M. ab« schließen werde.— Dann nahm die Vertretung zur Flcischnot Stellung. Auf Vorschlag des Bürgermeisters wurde dem Befchluß der Stadtverordnetenversamniltlng Berlins ohne Debatte zugestimmt.— Auf die in einer der letzten Sitzungen von den Bürgerlichen gegebenen Anregmig, für die Monate Oktober und November die Lehrlinge bestimmter, in dieser Zeit besonders mit Arbeiten übcrhäufter Berufe vom Fortbildungsschitlunterricht zu befreien, hat der Leiter der Fortbildungsschule an dos Kuratorium geantwortet, daß dem Wunsche in diesem Jahre nickt Folge gegeben werden könne, da die Schule sich zurzeit noch im Ausbau befinde. Wenn im nächsten Jahre nach bcciidelcm Ausbau es sick ermöglichen lasse, werde der Sache näher getreten werden. In besonderen Einzel- fällen fänden auch jetzt nach Prüfung der einschlägigen Ver- hältnisse Befreiungen vom Untcrrickt statt. Demnach scheint erfreulicherweise die Fortbildungsschulleitung ihre Ausgabe doch ein wenig anders aufzufassen, als die Herren Handwerksmeister es sick wünschen.— Vom Genossen K u b i g wurden sodann Gerüchte zur Sprache gebracht, wonach bei der Rohr- Verlegung für da§ neue Wasserwerk Mißstände vorgekommen seien. So sei>nan zwischen Sckönfließ und Sckildoiv in sunipfigeS Gelände geraten, wodurch offenbar eine nicht unbeträchtliche Verteuerung der Bailkosten verursacht worden sei. Er ersuchte den Ttefbaumeister um Auskunft, was an den Gerückten Wahres und inwieweit hierbei die Gemeinde finanziell in Mitleidenschaft gezogen wäre. Herr Bau- meister Saegcr gab zu. daß man tatsächlich bei Schildow auf moorigen Untergrund gestoßen sei, ein Vorkommnis, an dem— da die Traee einmal vorgeschrieben— niemand die Schuld trage. Dadurch sei allerdings ein Ersatz der bereits angefahrenen guß- eisernen durch schmiedeciscrne Röhren nötig gelvordc», der an Trans- portkosten etwa 4—500 M. zu Lasten der Gemeinde erfordere. Alle übrigen Kosten für RohrtranSporte, die auf fehlerhaften Dispositionen der Baunnternchmer beruhen, fallen letzteren zur Last. Genosse Kubig gab noch seiner Befriedigung darüber Ausdruck, daß durch seine Ansrage die Sache in öffentlicher Sitzung geklärt nnd damit den teilweise übertriebene» Gerüchten der Boden entzogen sei. Im übvigen mahne da? VorkomnniiS für die Zukunft zu größerer Vorsicht bei Prüsmig des Geländes._ Jiigcndvcranstaltunge». Schöneberg. Ter Lugendauöichuß veranstaltet am Sonntag, den 18. Septeml!«, abends o Uhr, im Lokale des Herrn Grosser, Mcininger Strohe 3, im Tunnel, eine Arbeilerdichlcrscicr, beslehend aus Prolog. Vortrag, Rezitationen und Gcsangövorträgcn. Da? Eintrittsgeld betragt sür Erwachsene R» Ps. Jugendliche haben freien Eintritt. Der AiiZschuß. Freie Jugcudorgai'.iiatioil Steglitz und Ilmgegend. Am Sonn« tag, den 18. September, midft eine BereiuSpartic nach Tegei-Heiligensce- Spandau statt. Tresspuntt jür die üwteilungcn Zchlendorj lind Steglitz Friedenau. Kalserallec, Eck« Rhetnstraß«, um 8 Uhr. Die Kollegen der WilmcrSdoricr Abteilung treffen sich zur selben Zeit am Bahnhof Friedenau- Wilmcrsdorj. Abfahrt von dort Puntt Uhr. Freie Jugeiidorganifatioi! Treptow. Abteilung Treptow. Heute Sonnabend, den 17. September, abends 8 Uhr, im Jugendheim, Grähltr.«8: A b t e i l u n g S v e r f a m in l u n g. Abt. Baumschule»weg. Sonntag, den t 8. September, nach- mlttags 3 Uhr. finden im Gememdepark, Kiesholzstrnsic. Spiele statt. Abends 7 Uhr wird bei Erbe, Baumschiilenftr. 14. ein Distulicrabend abgehalten. TrcPtow. Heule abend 8 Uhr: Slblcilungsvcrsaimnlmig bei Weber, Grätzstr.«18. Vertrag. Freie JilgcnSorganisation Tegel«nd Umgegend. Die Familien- Partie nach Hciligciiicc-Saiidbauscn, die am Sonntag, den 18. September, Ilattsmden sollte, ist lwisläiidchalbcr aus Sonntag, den 2S. September, ver- legt. Abmarsch 1 Uhr mittags vom Bahnhoftplatz. SemKts-TeiUmg. Bermittlrrgeschäfte. Die Erinnerung an einen großen Kurpfuscherprozeß, der seinerzeit allgemeines Aufsehen erregt hat, wurde durch einen gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte verhandelten Strafprozeß wachgerufen. Im Jahre 1903 stand der Kaufmann Franz Narben- kötter wegen grober Verfehlungen bei Ausübung der Kurpfuscherei vor der 9. Strafkammer. Er wurde damals nach dem fünften Ver- Handlungstage flüchtig und konnte erst nach mehreren Monaten fest- genommen werden. Er wurde damals zu 3 Jahren Gefängnis verurteilt. Nach Verbüßung seiner Strafe hat er sich dem Ver- mittelungsgeschäft zugewendet und in dieser Tätigkeit sich die gestern vor dem Schöffengericht verhandelte Anklage wegen Betruges zu- gezogen. Der Angeklagte nannte sich in letzter Zeit Lange und leitete seine Berechtigung hierzu von gewissen Abmachungen mit seiner Schwester, einer Frau Lange ab. Die Polizei hat ihm jedoch aufgegeben, sich nach wie vor Nardenkötter zu nennen, da er zur Führung des anderen Namens nicht berechtigt sei. Unter dem Namen Lange lernte ihn der Sekretär Ernst Jaffke vom Reichs- justizamt auf Grund eines ZeitungSinseratS keimen. Herr I. war Besitzer eines Hauses in der Rathenower Straße und war wegen Bezahlung der Zinsen der ersten Hypothek in Verlegenheit ge- kommen. Er suchte deshalb von dem Angeklagten ein Darlehen in Höhe von 1500 M. gegen Sicherheit zu erlangen. Der Angeklagte erklärte ihm darauf, daß er Geschäfte in so geringer Höhe nicht mache, schlug ihm zunächst ein größeres Geschäft vor und als Herr I. darauf nicht einging, machte er den Vorschlag, daß Herr I. da? Haus für den Preis von 175 000 M. bei 10 000 M. Anzahlung verkaufen solle. Da Nardenkötter erklärte, daß er auch schon einen Käufer an der Hand habe, ging I. auf diese» Angebot ein. Bald daraus eröffnete nach der Behauptung de» Zeugen der Angeklagte ihm, daß der in Aussicht genommene Käufer augenblicklich kein Geld flüssig machen könne. Nardenkötter soll sich aber dann bereit erklärt haben, selbst daS HauS zu kaufen. Zur Stempelersparung wurden die Abmachungen, bei denen die Schwester des Angeklagten mit ihrem Namen als Kontrahentin auftrat, in die Form eines Nießbrauchvertrages nebst Kaufofferte gekleidet. Herr I. erhielt 5000 M. ausgezahlt, 5000 M. ließ er zur dritten Stelle für seine Schwiegermutter als Hypothek eintragen. Es wurden auch sonst noch verschiedene Abmachungen getroffen, die die Rechtslage keines- wegs klar hinstellten. Die Verwaltung des Hauses ging auf den Angeklagten über, der nach der Meinung des I. als Eigentümer gelten mußte, tatsächlich aber alle Vorteile der Hausverwaltung einstrich und alle Lasten dem I. aufbürdete. Das Ende vom Liede war, daß das Grundstück zur Zwangsversteigerung kam und alle Hypotheken bis auf die erste und eine Kleinigkeit von der zweiten Hypothek ausfielen. Für die Ausfälle ist der Zeuge I. persönlich haftbar gemacht worden; es hat sich ein Rattenkönig von Zivil- Prozessen daraus entwickelt u ndJ. hat noch auf lange Zeit unter einem Gehaltsabzugsverfahrcn zu leiden. In seinen gegen den Angeklagten angestrengten Prozessen ist er zweimal unterlegen. Er hat dann ohne Erfolg den Angeklagten wegen Wuchers angezeigt und schließlich hat sich die Anklage wegen Betruges herauskristalli- siert. Der Zeuge I. versicherte vor Gericht, daß er daS ganze Ge» schäft von vornherein abgelehnt hätte, wenn er geahnt hätte, daß iich hinter dem Namen Lange der„Held" aus dem ihm wohl- bekannten Prozeß Nardenkötter verberge. Der Angeklagte, der im Jahre 1906 den Offenbarungseid geleistet hat. habe ihm gesagt, er sei ein wohlhabender Mann und erhalte außerdem Geld zu seinen Geschäften von seinen Verwandten. Der Angeklagte habe ferner gesagt, er habe schon verschiedene Häuser auf dem Halse. I. fühlt sich durch den Angeklagten arg geschädigt und behauptet, daß dieser einen Kaufvertrag abschließen wollte und sollte und danach auch alle Zinsverpflichtungen hatte übernebmcn müssen. Nardenkötter stellte diesem die Behauptung gegenüber, daß von einem Kauf- geschäft gar nicht die Rede gewesen sei, sondern eS sich nur um ein Darlehnsgeschäft und damit verbundenen NießbrauchSvcrtrag ge- handelt habe. Wenn in dieser ganzen Affäre einer mit falschen Karten gespielt habe, so sei er dies sicherlich nicht gewesen.— Die umfang» reiche Verhandlung unter Vorsitz des Assessors Tr. Ortlieb ergab, daß die von den Parteien geschaffene Rechtslage eine äußerst körn- plizierte und schwer zu entwirrende war. Der Amtsanwalt selbst hielt die Schuldfrage für so wenig geklärt, daß er die Freisprechung des Angeklagten beantragte. Rechtsanwalt Gottschalk gilrg noch weiter: er beantragte, auch die Kosten der Verteidigung der Staats- kasse zur Last zu legen und führte aus, daß die Behauptungen des Zeugen in vielen Punkten äußerst anfechtbar seien.— DaS Gericht kam im Gegensatz zum AmtSanwalt und Verteidiger zu einer Ber- urteilung des Angeklagten. Der Gerichtshof hatte nicht das ge- ringste Bedenken, den Angaben des Zeugen vollen Glauben zu schenken. Nach der Beweisaufnahme hielt das Gericht für dar- getan, daß es sich nicht um ein DarlehnS-, sondern um ein Kauf- geschäft handelte und der Angeklagte von vornherein in planmäßiger Weise daraus ausgegangen ist, den Zeugen zu schädige». Der An- geklagte ist deshalb zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er hat gegen daS Urteil Berufung angemeldet. Schmiergelber. Ein interessanter BeleidigiingSprozeh spielte sich vor dem Schöffengericht Dortmund ab. Dem Eheschemiker vom Stahlwerk Hösch war von dem Inhaber einer chemischen Fabrik in Oberhausen vorgeworfen worden, daß er Schmiergelder von der chemischen Fabrik Lohmann u. Kirchner beziehe. Aus diesem Grunde würden die vorteilhaften Offerten der Oberhauser chemischen Fabrik zurück- gewiesen. Vor Gericht verweigerte der beschuldigte(ihrmiker Sleufj vom Eisenwerk Hösch die Antwort auf die Frage, ob er Schmier- gelber erhalten habe. Ein Beweisantrag darüber, daß auch auf einem Werke Thyssens in gleicher Weise erheblich„geschmiert" würde, wurde abgelehnt. Des ferneren wurde behauptet, daß Minder- gewicht geliefert worden sei, um die Schmiergelder wieder gehäuft hereinzubringen. Der Zeuge Apotheker Niemann aus Essen hat früher bei der Firma Lohmann u. Kjrcher in Stellung gestanden und ist jetzt bei Krupp. Er gibt an, daß des öfteren ein geringeres Quantum(20 statt 25 Kilo!) an das Stahlwerk Hösch zum Versand gebracht worden sei, als bestellt und berechnet worden sei. Das sei im Auftrage von Dr. Winter geschehen, der Inhaber der Firma Lohmann u. Kircher ist. Winter habe zur Erklärung gesagt, der Chemiker Reuß bei Hösch beziehe an Schmiergelder 10 Proz. vom Warenpreis. Wenn dann noch verdient werden solle, müsse Minder- gewicht geliefert werden. Auf Reklamation hin könne ja nach- geliefert werden. Der Zeuge hat einmal bei einem Zwist von Winter die Kündigung bekommen. Als dem Winter in Gegenwart von Zeugen die geschäftlichen Gepflogenheiten vorgehalten worden seien, habe Winter die Kündigung rückgängig machen wollen. Auch sei wiederholt anstatt bestellten mdifferentcn Zinkoxids minderwertiges Grünsiegel geliefert worden, dessen Wert nur 68,50 M. betragen habe, gegen 187,50 M. und später 175 M. in Rechnung kamen. Wegen Beleidigung erkannte das Gericht zwar auf 66 Mark Geld- strafe, es hat aber den Wahrheitsbeweis teilweise für erbracht ge- halten. Es seien Geschäftömanipulationen vorgekommen, die nicht als reelle Usancen bezeichnet werden könnten. Bnefkaften der Redahtion. T», Inriftttiti« evrrchfinudc sind«» Liiidcnftray- Nr. 6». vor» vier Trrvpci:— F n v r ft» Ii l—, wvai«»iäaliit! von l1/, bis?>/, Ilbr«benbe, Eoi»»>bei>d» von 4'/, bis<1 Ilhr iiachmitingS statt. Zeder sür den Brics- kästen bestimmten slusraa» sf»-IN Buchstabe mib eine Vobl als LUert- »clche» beunfüaeii. Briefliche eimniurt wird nicht erteilt. Eiligt Franen trage mau«n der Svrrchktuit-r vor. Busser. 1. Unter den jetzt bestehenden Verbältnissen hallen wir Sie zur Zahlung der 3 M. sür vcrpjlichict. 2. Ja, sosern sie dabon Kennluis erhält.— F. P.. Pankow. Erkundigen Sie sich bei dem Deutschen sozialdemokratischen Lcseklub in Paris. V Rur de Vulols.— Oi. 41. Fragen Sie bei der Gcwerbedcputation des Magistrals an.— W.®. 47. Nein. — I. B. 12. Eine solche Untcrrichlsgclcgcnhcit können wir Ihnen nicht nachlveiscii. Vielleicht versuchen Sie eS mit einer Annonce.— B-alter G. 50. DaS halten wir sür unzutreffend, wenn eö sich lediglich um eine Blinddarmoperation gehandelt hat. Ein Arzt wird bestimmte AuS» kunjt geben können.--- AI. SP. I- Sie sind zahlunzspslichlig.— Abzahlungsgesohäfte Credit-Haus „Bellealliance' B«ile&2Ii&iiee-Str. 100, I. Etage. Waren n. Möbel a. knlaut. Beding. -I TnrtnstraBe K(, Ecke VVzüdstr. ge wfibrt Jg flßQ}b. spielend leichter An- n. Abzahlnng mehrjfihrlgen Kredit anf Waren und Möbel. Äste, 8, Spandai�Pols- dameratr. SSI, tonlutwtea>. Fi. Stkoiut'i.. Kcloonf i- ,,slr.9, am Kitjbtlnh. Fritz 8GhDiGkeGouzS%. Wober, Hern-, Danzigerstr. 781. WßMriÄir Zol ranu& Co. best.«. 1887. M51iel- o. simll. Xaret. ) �Alkjoh�frele�etpänice CVauz Abraliaoi Hamb. Messina- u.Römertrank-Kell. N 4, Schlegelst. 9, Fernsp. III, 7727. SM ß!M F |k.; C*oS(ltrö|»tehoii K. Wee«©, Mülhausener Str. 6. 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Es sei ein Unrecht, dasi ein?lrbeitcr, der durch einen Unfall crwerbs- unfähig werde, für sich und seine Angehörigen einen ausreichende Versorgung erhalte, ein anderer aber, der im Betrieb an einer Gasvergiftung oder Bleivergiftung erkranke, leer ausgehe, es sei denn, daß diese Krankheiten so plötzlich auftreten, daß auf sie der Begriff des Betriebsunfalles Anwendung finde. Durch die ungleich- artige Behandlung von Betriebsunfall und Gewerbekrankheit müßte in den Kreisen der Versicherten Erbitterung entehen, es sei aber Aufgabe der sozialen Gesetzgebung, versöhnend und nicht erbitternd zu wirken. Der Referent schlug daher die Gleichstellung der Ge- werbckrankhcit mit dem Betriebsunfall vor, sowie die Angliederung der crstcrcn an die Unfallversicherung. Es dürfe aber der Betriff der Gewcrbekrankheit nicht zu enge gefaßt werden, namentlich dürfe nicht vor der Tuberkulose als Berufskrankheit Halt gemacht werden, denn die Schwindsucht des Steinmetzen und Stahlfchleifers sei ebensowohl eine Berufskrankheit wie die Wurmkrankheit des Berg- mannes oder die Bleivergiftung des Malers. Auch die folgenden Referenten erkannten die Notwendigkeit der Versicherung der Go werbekrairkheiten an._ Bauarbeiter in Brandenburg. Die Sektion II der Nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossen- schaft umfaßte am 1. Januar 1910 8591 Betriebe mit 66 463 Arbeitern. Die Betriebe haben sich im Laufe des Jahres 1999 um 993 vermehrt, während die Zahl der versicherten Arbeiter um 294 zurückgegangen ist. Der DurchschnittS-Tagesarbeitsvcvdienst be- trug nach anrechnungsfsähigen Löhneu 3,83 M. gegen 3,71 M. im Jahre 1998. Die Zahl der gemeldeten Unfälle betrug 2694. In 399 Fällen erhielten die Verletzten Rente zugesprochen und in 39 Fällen wurde die Entschädigung für Witwen und Waisen fest- gesetzt resp. das Sterbegeld ausgezahlt. 2176 Verletzte wurden vor Ablauf der Karenzzeit loieder ertverbsfähig. Die Zahl der beim Schiedsgericht eingereichten Berufungen und Anträge auf Rentcnänderung betrug 613. Davon wurden 472 Fälle zugunsten der Sektion und nur 113 zugunsten der Verletzten entschieden; durch Zurücknahme und Vergleich wurden 33 Fälle erledigt. Die Zahl der beim ReichSversicherungsamt anhängig gewordenen R e- kursc betrug 171; davon hatte die Sektion in 122 Fällen Erfolg. Vorhanden sind 1951 dauernde Rentenempfänger; 1969 erhalten vorübergehende Renten. Außerdem erhalten 549 Witwen die Witwenrente, 368 Kinder die Waisenrente und in 9 Fällen wird Aszendentenrente gezahlt. Die Verwaltungskosten betrugen ins- gesamt 191 568,13 M. Davon entfallen auf die lausende Lerwal- tung 47 929,99 M., auf Unfalluntcrsuchungskosten 29 378,32 M. und auf die Ueberrvachung der Betriebe 25 159,91 M. Bei der Revision der Betriebe durch den technischen Aufsichtsbeamten sind nicht weniger als 3 95 3 Mängel vorgefunden. So fehlten unter anderem in 39 Fällen die Schu� dächer über Arbeitsstellen und Gängen und an 71 Rüstungen fehlten Verstrebungen und Wsteiftmgen. In 137 Fällen fehlten Brust- gxländer an Treppenpodesten, Absperrungen von Treppen, und Türöffnungen und Notgeländer an Treppenläufen; auf 142 Bauten waren die Balken- und Trägerlagen nicht abgedeckt und auf 2483 Bauten fehlten die UnfallverhüwngSvorschriften. Diese Zahlen find ein weiterer Beweis dafür, wie wenig sich die Unternehmer tum die Durchführung der Unfallverhütungsvorschriften kümmern | und wie notwendig deshalb ein wirksamer Bauarbeiter- � fjf) u tz ist. Seit dem 1. Oktober 1885 bis Ende 1999 sind bei der Sektion II einschließlich der Versicherungsanstalt nicht weniger als 38 491 Unfälle gemeldet worden. In Wirklichkeit dürfte die Zahl allerdings höher sein! Wieviel von den Verletzten Rente erhalten haben, darüber schweigt sich der dürftige Bericht aus; auch darüber, wieviel von diesen Unfällen den Tod zur Folge hatten, ist im Bericht nichts zu finden. Die Slordöstliche Baugewerks-Berufsgcnossenschaft umfaßte im Jahre 1999 24 899 Betriebe mit 224 492 beschäftigten Personen. Gegenüber dem Jahre 1991 ist die Zahl der Arbeiter um 52 388 gestiegen; die Betriebe haben sich in derselben Zeit um 6125 der. mehrt. Da der Geltungsbereich der Nordöstlichen Baugewerks- Berufsgenosscnschaft auch die zurückgebliebensten Gegenden Preußens umfaßt, so bestehen hinsichtlich der in den einzelnen Sektionen gezahlten Löhne, große Unterschiede. Der Durchschnitts- Jahresarbeitsverdicnst eines Arbeiters betrug nach anrechnungS- fähigen Löhnen in der Sektion l(Berlin) 1127 M., Sektion II iBrandenburg) 842 M., Sektion III(Pommern) 752 M., Sektion IV (Westpreußen) 732 M. und Sektion V(Ostpreußen) 756 M. Aber auch hinsichtlich der gemeldeten und entschädigten Unfälle bestehen in den einzelnen Sektionen große Abweichungen. Im Jahre 1999 wurden' im Bereich der Nordöstlichen Baugewerks- Berufsgenosienschaft 11 128 Unfälle gemeldet. Verteilt man die Unfälle auf die einzelnen Sektionen, so ergibt sich folgendes Bild: Beschäftigte Gemeldete Enlscbädigte Arbeiter Unfälle Unfälle Berlin..... 92188 6 148 481 Brandenburg... 66 463 2 688 492 Pommern.... 24 676 889 243 Westpreußen... 29 759 649 149 Ostpreußen... 29 3>6_ 754_ 169 Summa 224 492 11 128 1 435 Danach hat die Provinz Pommern die stärkste Unfallbclastung, die Zahl der Schwerverletzten ist in der Sektion III prozentual am höchsten. Schuld daran sind natürlich die Arbeiter selbst. Das ist wenigstens die Ansicht des Architekten Albrecht Müller-Stettin. Dieser Herr versuchte im Jahre 1998«ruf dem Vcrbandstage der Baugeiverks-Bcrufsgenossenschaften in Essen den Beweis dafür zu erbringen, daß rund 69 Proz. der Verstöße gegen die Unfallver- bütungsvorschriften den Arbeitern zur Last fallen und schimpfte dabei weidlich auf die„wüste Hetze" der sozialdenw- kratischen Presse gegen Arbeitgeber und Berufsgenossenschaften. Die Bestrafung der Arbeiter(nicht etwa der Arbeitgeber) scheint ihm daS geeignete Mittel, die Arbeiter anzuhalten, sich selbst und ihre Mitarbeiter vor Tod und Gefahr zu schützen. In seinen weiteren Ausführungen mußte derselbe Herr allerdings zugeben. daß die Bauaufsicht entweder gar nicht oder doch von Personen ausgeübt wird, die davon nichts verstehen. Er sagte:„Es ist in unserer Provinz leider üblich, daß die Baukonsense von den zu» ständigen Amtsvorstehern, also Nichtfachleuten, geprüft und ge- nehmigt werden und daß dieselben Herreki bezw. deren Organe, wie Gendarmen, Amtsboten usw., soweit dies überhaupt geschieht. die Bauabnahmen erledigen und die Bauaufsicht ausüben." Na also! Hier bestätigt Herr Müller— wenn auch ungewollt—, daß die „ungerechten" Angriffe der sozialdemokratischen Presse gerecht- fertigt sind. Der Verbandstag nahm daraus eine Resolution an, in welcher das Reichsversicherungsamt ersucht wurde, dahin zu wirken, daß die ländlichen Neu- und Umbauten auf ihre Konstruk- tion hin von Sachverständigen geprüft und in der Ausführung revidiert werden, damit Unfälle durch unsachgemäße Konstruktion nach Möglichkeit vermieden werden. Im Interesse des Arbeiter» schutzes(l?) wurde folgende Resolution angenommen:„alle fest» gestellten Verstöße der Arbeiter gegen die Unfallverhütungsvor- schriften den zuständigen Behörden zwecks Bestrafung der Schul- digen zu unterbreiten." Mohr Schutz für Leben und Gesundheit können die Bauarbeiter wirklich nicht verlangen! Nun werden die technischen. Aufsichtsbeamtcn auch bald feststellen können, daß auf das Konto der Arbeiter mindestens neunzig Prozent �r Unfälle entfallen und daß die Arbeitgeber, die unschuldigen Lämmer, nur noch in vereinzelten Fällen schuldig zu sprechen sind. Wie sehr indes gerade bei der Nordöstlichen Baugewcrks-Berufsgcnossenschaft ein wirksamer Bauarbeiterschutz Vonnöten ist, mögen folgende Zahlen beweisen: die Nordöstliche Baugowerks-Berufsgenosscn» schaft mit der Versicherungsanstalt hatte in dem Zeitraum von zehn Jahren, 1896 bis 1995, 19 764 entschädigte Unfälle mit 1792 Tödlichverletzten. Im Jahre 1998 wurden 19 792 Unfälle gemeldet. Davon erhielten 1933 Rente zugesprochen und 184 Unfälle hatten den Tod zur Folge. In bezug auf die Unfallhäufigkeit wird die Nordöstliche Baugelverks-Berufsgcnossenschaft nur noch von der Südwestlichen und der Bayrischen BaugewerkS-Berufsgenossenschaft übertroffcn. Im Jahre 1998 kamen auf tausend Vollarbeiter bei der Nordöstlichen 62,45 gemeldete Unfälle, bei der Südwestlichen 62,59 und bei der Bayrischen Baugcwcrks-Bcrufsgenossenschaft 76,12. Von den zwölf Baugewerks-Betufsgenossenschaften steht d-� Nordöstliche Baugcwerks-Bcrufsgenossenschaft mit der Unfall häufig» keit an dritter stelle. Darüber sollte auch der Vorsitzende dieser Genossenschaft, Herr Baurat Fclisch, einmal nachdenken. Und wenn er dies ohne Vorurteil gegen die Arbeiter tun kann, dann werden alle die verletzten und getöteten Bauarbeiter vor seinem geistigen Auge aufmarschieren, die durch die gewissenlose Profit- gier der Arbeitgeber Leben und Gesundheit verloren haben. Und ihre Zahl wird Legion sein. Freilich, gegen solche Betrachtuirgen ist der konservative Landtagsabgeordnete Herr Felisch gefeit, er sieht in dem Rente beanspruchenden Arbeiter im allgemeinen nur den Faulenzer, der nicht Lust zur Arbeit hat.— Wie auf allen Gebieten, so werden auchjiuf diesem die Arbeiter so lange kämpfen, bis ihnen ein größerer Schutz für Leben und Gesundheit gewährt wird und die zu diesem Zweck lwtwendige Forderung, daß die Bau- arbeiter bei der Uebcrwachung der Betriebe mitzuwirken haben, erfüllt ist._ Gerichts- Zeituiig* Ein„bissiger" Schutzmann. Unter der Anklage der gefährlichen Körperverletzung stand der frühere städtische«Schutzmann Mar Frommhold. Bei einer Bal- gerei nnt einem Arbeiter Eck. hatte F. den Gegner derart kräftig in den linken Zeigefinger gebissen, daß dieser versteift ist und cnt- fcrnt werden muß. F. war am 23. Juli dienstfrei und in Zivil, als er in angetrunkenem Zustande über den Leipziger Platz ging, den auf den: Platze stehenden Korb des«sch. ergriff und die darin befindliche Ware— Handschuhe, die Sch.'s Frau bearbeitet hatte und Sch. abzuliefern im Begriff stand— in die Anlagen warf. Sch. ging nun mit Schimpfreden auf F. zu und faßte ihn an, dieser wehrte sich, es kam zur Balgerei, bei der dann der verhängnisvolle Biß erfolgte. F. mußte sofort seine Stellung aufgeben. Das Schöffengericht verurteilte den„bissigen" Angeklagten nur wegen einfacher Körperverletzung zu 5l> M. Geldstrafe, weil es das mensch- liche Gebiß als ein gefährliches Werkzeug nicht anerkennen konnte. So mild fiel die Strafe auch deshalb aus, weil F. von Sch. erst an- gegriffen wurde und sich in Verteidigung befand, und weil er durch den Verlust seiner Stellung schon schwer gestraft sei. Amtlikticr Markrdrrtctn ver ftädwcheu Marttballen-Dtrektlon aber den Grotzbandel in den Zenwal-Marttballen. Markttage: Fleisch: Zufuhr reichlich.«Seickätt ruhig. Preise unverändert. Wild: Zulubr genügend, Geichält lebhast, Preise scst. W ei Iii gel: Zufuhr reichlich. Geschäst rege, Preise fest. Fische: Zusuhr reichlicher, Geichäi, ziemlich rege, Preise wenig verändert. Butler und Käse: Geschäft ruhig, Preile unverändert. Gemüse, O b ir und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäst etwas lebbastcr, Preise fast unverändert. bsb i» ——ton in....... ii m■——......•--tioi-t««-! i«r««< iinni— Koa»».. oiiiimnrrfumiiwiiiiiiii,> imiilHW •••*••«••••••••» t••••• f••»»»••••• ,• f. y»»«••••••••••« GEGRÜNDET 1867 Für den Herbstbedarf Die diesjährige Herbstmode bringt wiederum eine Fülle von Neuheiten, die in den Stiller'schen Geschäften in unübertrefflicher Reichhaltigkeit vertreten sind,' Erstklassige Qualität, vorzügliche Paßform und konkurrenzlose Preiswürdigkeit bilden auch hier die Eigenschaften, die den„Stiller-Stiefel" charakterisieren. 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Ehre seinem Andenken! 43/5 Die Orlsverwaltung. Verband der Schneider und Schneiderinnen. Todon-Anzelse. Den Miigliedern geben wir hiermit betannt. dah der Kollege Mezfen am 14. September er. im Alter von 62 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken Z Die Beerdigung findet am Sonntag, de» 18. September er.. nachm. 4'l, Uhr, von der Halle des Friedrich-Werderschen Kiep, hofeS, Bergmannstr. 42—44, aus statt._ 163/13 Den Mitgliedern geben wir ferner betannt, daß der Kollege Karl LcKuIKofi am 16. September er. im Aller von 33 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag nachmittag 3 Uhr auf dem Fried- Hofe der jüdischen Gemeinde in Weijzcn'ee statt. Die Ortsverwaltung I. Zentral-Vertiaml der ittcher, Weinkiiler und Hilfsarbeiter Deutschlands.— Filiale Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege .luHns Podiich am 13. d. Mts. im Aller von 66 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle in Marzahn aus statt. 3g/g UmzahlreicheBcteiliaung ersucht Der Borstand. Allen Genossen. Freunden und Bekannten die traurige Nachricht. daß unfere liebe Tochter, Schwester, Mutter und Nichte Emilie Linke geb. Harn am Donnerstag, den 15. d. MtS. nach schwerem Leiden verstorben ist. Im Namen d. trauernden Hinterbliebene» Karl Mars, SS". Die Beerdigung findet am Montag. den 19. d. M., nachmitlngS 4 Uhr. von der Leichenballe des städtischen Friedhofs in Friedrich». selde aus itatt. 917b Danksagung. Für die rege Beteiligung Und die reichen Kranzspenden bei der Be- erdigung meines lieben Mannes sage ich allen, insbesondere dem Verbände der Transportarbeiter, der Hilfs- arbeiter, den Kollegen der Firma ! Ullstein, den Genossen dcS 4. Berliner Fenster- rervcrein sowie Herrn Äitlow für die trostreichen Worte meinen besten Dank. 9t2b DUsalvcfh Uetz, geb. KBhler. Danksagung. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem schmerzlichen Bcr° luste unseres lieben Sohnes, Bruders und Bräutigams Franz Garbe sagen wir hierdurch unseren Innigsten Dank. 913b Die trauernden Hinterbliebenen. Berlin O.— Meitzen._ #„Berliner irbeiter- Raillahrer- Verein" Mitglied deS Arbeiter. Rndiahrer-Bundet .Soltdaritiit». Touren zum Sonntag, 18. September. 6. Abt.: 6 Uhr: Herrentour. Strciszüge durch den Weilen 8 Uhr: Rüdersdorf. 1 Uhr: Schöneiche. Start: Elystum. Musik- Instrumenle s leder Art= auf Teilzahlung. Berlin Prlnzenstr. 75. Rixdorf Reuterstr. 54 W Einheliiprels kür Damen und Herren M. 12.50 Luxus- Auslühmng M. 16.50 Fordern Sie Mustei buch V Salamander Schuhges. m. b. Ii., Berlin Verband der baugeverblieben Hilfsarbeiter Deutsebiands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Bezirk Steglitz.) Am 16. September verstarb unser langjähriges, treues Mit» illieb der Kollege Wilhelm Freitag. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. September. nachmittags 6'/, Uhr, von der Leichenhalle des Steglitzer Fried- haseS au» statt.* Um recht rege Beteiligung ersucht 31/19 0er Zweigvereinsvorstand. Danksagung. Für die Beweise herzlichster Teil- nähme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne», unseres guten VaterS, deS Putzers Heinpich Tarun sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere den Mitgliedern des„Gesangvereins der Putzer Berlins", desgleichen den Kollegen im fernen Schweden unseren herzlichsten Dank. Die tlellrauernde Witwe nebst Kindern. Güstebtese, den 15. Sept. 1910. WS, Friedrieb■ Strasse 183 C. König-Strasse 47 SW. Friedrich-Strasse 331 C. Rosenihslet Tor W. Potsdamer Strasse 5 NW. Wilsnacker Strasse Ecke Turm-3uaa*s» W. Tauenlxien-Strasse 15 N. Bad-Sirasse 20 Spandau, Breite Strasse 30 Steglits, Scbloss Strasse 30 Sittaners Nähmaschinen ebne An- z.idiung. gebrauchte spotibilligl Sla-! unschädlich, wah titzerilrasie 99. 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Verschiedenes._ Montag, den 19» September 1910, abends 8'/, Uhr:' Kranchen- Versammlung SS aller in der Eifenmöbel-Indnstrie SS beschäftigten Arbeiter in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35. Tage»»Ordnung: 1. Vortrag de» Genossen Schrisisleller Viax Grunwald über: ,Mon» archte, Republik und Arbeiterbewegung-. 2. Bericht der Kommisston. 3. Branchenangetegenheiten und Verschiedene». Die Kollegen der Firmen: Kart Schulz. Rrtnhold. Pank Nche, ZtzSrster u. Scholz,(Sustav Linae. Schöngräff. Lewalb. Amerikanische Metallbettensabrik, Karl Selffert, Kunze, Lenz, Liidke o. Zander, Groth und Brand sind zu dieser Versammlung ganz besonders eingeladen. Montag, den 19. September 1910, abends 0 Uhr Versammlung alltr in drv ghtvaujsltit» Avstalttv der Gttbmttlittindukne btslt)äst.Glitvaiilstllrk,Krllhtl,Hitssart>tittr,Art>tittrivutll in den»Rittersälen", Ritterstraße 75. ____,. TageS-Ordnung: t. Die Lohn- und Arbeilsoerhältniste in unserem Berufe, und wie können wir dieselben verbessern. 2. Diskussion. Kolleginnen und Kollegen I In?lnbelracht der Wichtigkeit der TageS» ordnung erwarten wir zahlreiche« Erscheinen. Jolgrnde Beinebe find besonders eingeladen: Barr«. Stei«, lr- k——' «er, Wolf und Bergfeld. Achtüüg! Eriiicrbsllist Grüilkk)! _________________ am Tonnadend, de« 1. Oktober d. J�'den'gänzen Tag�gcschlo'ssen und erhalten die Kollegen siir diesen Tag schon am Freitag, den 30. September, ihre Unter» siützung ausgezahlt. Die Kollegen, welche über den 4. Oktober hinaus krank sind, werden ersucht, ihre Unterstützung spätesten» bi» 30. September d. I. abzu» heben, da dann gietchzeittg sämtliche Bücher wegen Oiiartalsschlug ein» gen weiden.„„ Ausgeschlossen davon find diejenigen Kollegen welche fich in Kranken» Häusern oder Heilstätten befinden und nach Beendigung der Krankheit ihre Unterstützung abheben. 121/17_______ Ple Ol tsvei-waltninr. Verwaltung Berlin. Achtung i Jnlousiettrbeiter! �ch�"«! Am Sonnabend, den 17. September» kommen auf der Zahlstelle die neuen Tarife zur Ausgabe. Die Kommission. Bautischler, Bezirk iv. Montag, den 19. September 1910, abends« Uhr» vei Baude, Kolberger Str. 23: ===== Branchen- Versammlung. s=== TageS-Ordnung: ©a6mÄ�ri�ltg«�e�vetatDet'4mmlinl8" � Keu,oa� 6er slomini�� Zur Einsegnung! Ai~. M. 21.50, 17.50, 14.50 n*71 Inn aus schwarzem IJ�yUg Kammearn u. Anzüge M. 28.50, 24.50, 18 50 km»;£ M. 36.00, 30,50, 34 50 Anzüge M. 22.50, 19.00, 1�.50 aus donketblaoem Kammgarn- Cheviot, ein- u. zweireihige Form. aus tlefschwarzen Kammgarn- u. Kammgaro* Steifen. Pa. Verarb. znr Prnfnng aus haltbaren, modern gemusterten Stoffen | Kur EigeoeKonleklioo. ss Prima RoBliaar-Verariieitugg. j M. 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Das sind solche, die schon im Mutterleibe nicht geniigend Nahrung erhalten haben. Nach Mitteilung des Statistischen Amtes*) in Charlottenburg starben in Charlottenburg 1906 1907 1908 an LebenSschwäche m. w. m. w. m. w. am Tage der Geburt.... 22 9 2S 17 20 21 am ersten folgenden Tage.. 19 9 20 6 22 10 am zweiten,„.. 10 6 14 1t 4 3 zusammen 51 24 59 44 46 34 an den folgenden 27 Tagen. 31 21 37 23 37 21 "W 138 Kann eine EHvangere sich nicht aus eigenen Mitteln ge° nügend: und kräftige Nahrung verschaffen, dann ist es Pflicht ihrer Mitmenschen, ihr diese Nahrung schon während ihrer Schwangerschaft zu geben, sonst kann sie kein gesunde? und lebenS- kräftiges Kind zur Welt bringen. Aus diesem Grunde haben Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion der Charlottenburger Stadtverordnetenversammlung schon im Herbst 1904 beantragt, daß undomittelten Schwangeren bereits 6 Wochen vor ihrer Ent» bindung seitens der Stadt behufs kräftiger Ernährung täglich ein nahrhaftes Mittagessen geliefert werde, damit sie kräf. tige Kinder gebären und nach ihrer Entbindung im stände seien, ihren Neugeborenen dann eine kräftige Brustnahrung zu geben, die Hauptbedingung für ein gutes Gedeihen der Kinder. Auch beantragten sie, solche bedürftige Schwangere zur Beschaffung der durch ihren Zustand bedingten weiteren Bedürfnisse auch mit den hierzu nötigen Geldbeträgen zu unterstützen. Diese Anträge fanden allerdings sogleich eine erbitterte Be- kämpfung. Ein Mitglied der zu ihrer Beratung eingesetzten ge- mischten Deputation verstieg sich unter anderem dabei zu folgenden charakteristischen Aeußerungen:„... Vergegenwärtigt man sich, von wem und unter welchen Umständen ein solches Individuum ein uneheliches Kind erzeugt und unter welch' erschwerenden Umständen sich die Frucht entwickelt— ein Erzeugnis, welchem von Anbeginn der Fluch der Mutter(!), welche alles daransetzt, den Keim eher zum Er- sticken als ihn zur EntWickelung zu bringen anhaftet—, wie sie oftmals in bedrängter, oft bei ausschweifender Lebensweise der Mutter ausgetragen wird, wo und wie sie schließlich zur Welt be> fördert worden ist, kann man dann noch darüber erstaunt sein, daß das Wesen, dem der Todesstoß gleich mit auf den Lebensweg gegeben ist, sehr bald wieder hinwegstirbt? Und. muß man weiter fragen, ist es denn ein solch' großes Unglück, wenn recht bald diesen lebensunfähigem Dasein ein Ende bereitet wird?"... Zwar konnte die Mehrheit der Deputation solchen AuSfüh» rungen nicht zustimmen, aber auf die Anträge selbst sträubte man sich einzugehen, und es bedurfte der zähen Beharrlichkeit der An» tragsteller, die allmähliche Annahme ihrer Anträge in den nächsten Monaten und Jahren durchzusetzen, und auch dann war ihre Durch« führung nur eine sehr unzulängliche. Man hat ein Ueberein- kommen mit dem Hauspflegeverein getroffen, der den darum nach. suchenden Schwangeren, unverehelichten und eheverlassenen, etwa vier Wochen vor ihrer zu erwartenden Entbindung mittag? eine ») Charlottenburger Statistik, 22. Heft S. 50—61. kräftige Suppe reichen läßt. 1909 wurden so an 280 Schwangere ein Teller Suppe verabreicht. Das ist doch noch keine genügende Ernährung für eine � Schwangere. Auch dem Antrage der sozialdemokratischen Stadtverordneten, Schwangere zur Bestreitung weiterer Bedürfnisse mit den nötigen Geldbeträgen zu unterstützen, kam der Magistrat wohl nach; aber er begrenzte diese Unterstützung bis auf höchstens 6 M. pro Woche. Im ganzen wurden 1906 als gesamte Schwangerenbeihilfe 1486 M. an 148 Schwangere verwendet, das sind von den 640 unehelichen Gebärenden in diesem Jahre noch nicht der vierte Teil. 1907 wurden 1869 M. zur Beihilfe für 185 Schwangere verwendet, 1903 3000 M. und 1909 4000 M. zur Vorernährung Schwangerer verwendet. Zur Entbindung fanden wohl stets Gebärende unentgeltliche Aufnahm« in der städtischen Entbindungsanstalt in der Kirch- siraße, einige auch im Kaiserin-Augusta-Viktoriahause; aber leider sind die Räumlichkeiten in dem Hause in der Kirchstraße so un- genügend und überfüllt, daß dort viele Entbundene schon vor Be> endigung einer Woche wieder entlassen werden mußten, um anderen Gebärenden Platz zu machen, ein Uebelstand, der durch Errichtung einer neuen städtischen Entbindungsanstalt in tex Sophie-Charlottenstraße behoben werden soll. Leider wird das wohl noch ein paar Jahre dauern. Im Kaiserin-Auguste-Viktoriahause und im Säuglingsheim auf Westend können viele Entbundene noch eine Zeitlang nach ihrer Entbindung mit ihren Kindern unentgeltlich zusammen- bleiben, wo sie zum Selbststillen derselben angehalten werden und sich sonst angemessen beschäftigen können. Andere in ihrer Woh- nung Entbundene wurden vom Hauspflegeverein und vom Elifabeth-Frauenverein verpflegt. Die Beihilfen der Stadt für die Neugeborenen erfolgt be- sonders durch die Säuglingsfürforge stellen. In Charlottenburg wurden zuerst 1905 vier Säuglingsfürsorgestellen eröffnet, deren Benutzung feiten? der Mütter allmählich eine lebhafte wurde. In den 9'ch Monaten vom 15. Juni 1905, dem Eröffnungstage, bis zum 31. März 1906 wurden hier 958 Säug» linge vorgestellt und in Beratung und Beaufsichtigung genommen, für die auch gute Milch zu einem billigen Preise und event. un- entgeltlich geliefert wurde. Obgleich viele Mütter und Pflege- rinnen enttäuscht waren, daß keine ärztliche Behandlung er- kranlter Kinder in den Fürsorgestellen erfolgte, stieg im folgenden Jahre die Zahl der vorgestellten Kinder auf 2938, was die Errich- tung einer fünften Fürforgcftelle und einer weiteren Milchküche nötig machte. 1903 stieg die Zahl der vorgestellten Kinder auf 3279 und 1909 auf 3561, etwa die Hälfte aller Neugeborenen, was zur Eröffnung einer sechsten Fürsorgestelle im Kaiserin-Auguste- Viktoriahause führte. Unter dem Einfluß dieser Anstalten stieg der Prozentsatz der an der Brust genährten Säuglinge von 32,46 Prozent im Jähre 1906 auf 66,53 Proz., 75,5 Proz. und 75,2 Proz. in den folgenden Jahren. Um das S e l b st st i l l e n der Mütter zu befördern, wurden an viele Mütter StillprämieN in Form von je ein Liter Milch pro Tag unentgeltlich verabfolgt. Freilich reicht diese Unter- stützung nicht aus, um es den Müttern zu ermöglichen, während der Stillzeit die gewerbliche Arbeit in Gewerben oder Fabriken aufzugeben. Daher wurden seitens der Stadt auch Bar- Unterstützungen an unbemittelte Stillende gewährt. 1909 wurden für Säuglings, und Mütterpflege vor und nach der Ge- burt im ganzen 115 289 M. feiten? der Stadt verausgabt. Im Herbst 1906 errichteten die städtischen Behörden in Chav- lottenburg auch eine General-Vormundschaft. um vor- kommenden Notständen unehelicher Mütter abzuhelfen. Am 1. April 1910 unterstanden derselben 749 Säuglinge, von denen 399 bei der Mutter, 313 in städtischen Pflegestellen und 333 in Halte. stellen sich befanden. 1909 zog der Generalvormund mehr als 78 000 M. für seine Mündel von den unehelichen Vätern ein. Durch das Zusammenwirken aller dieser Einrichtungen erfuhr in den letzten Jahren die Säuglingssterblichkeit eine wesentliche Ver- Minderung. Jedoch ist die Herabminderung der Säuglingssterb- lichkeit nicht allen Schichten der Bevölkerung gleich- mäßig zugute gekommen, sondern vorwiegend den ehelichen Säuglingen. Denn es starben im 1. Lebensjahre von 1905 1906 1907 1903 1909 100 ehelich Lebendgeborenen 14,02 12,64 10.73 11,03 10.65 100 unehelich Lebendgeborenen 28,02 24,13 26,22 24,54 20,16 Die Sterblichkeit der unehelichen Kinder ist also auch in Charlottenburg immer noch eine doppelt'so große als die der ehelichen. Der Umstand, daß vielen unehelichen Müttern, aber auch» vielen ehelichen, trotz aller oben geschilderten Wohlfahrtseinrich- tungen es nicht mößlich ist, ihre Kinder an der Brust zu ernähren. toeil sie entweder selbst zu geschwächt sind, um gesunde und ge- nügend Milch produzieren zu können, sei es, weil sie gezwungen sind, zur Erschwingung� des Lebensunterhaltes in Stellung oder auf Arbeit zu gehen. Sie müssen dann ihr Kind in Pflege geben, Was diesem oft zum Verderben wird. Wohl sind diese Pflegerinnen einer gewissen Kontrolle seitens der städtischen Behörden und humanitärer Vereinigungen unterstellt, aber Brustnahrung erhält doch bei ihnen ein Säugling nur in den seltensten Fällen, und andere Schädigungen, die in der Wartung und Wohnung liegen, kommen oft hinzu. Daher zeigen sich, wenn das Kind nicht bald an Lebensschwäche hingestorben ist, bei künstlicher Ernährung nach einigen Wochen Verdauungsstörungen, die sehr oft in kurzer Zeit in tödlich endenden Magen- und Darmkatarrh übergehen. Von anderen Todesursachen kommen im ersten Lebensjahre noch häufig verschiedene Erkrankungen der AtmungSorgane vor; aber diese erstrecken sich auch und zum Teil mehr auf die folgenden Jahre. Von Unehelichen sterben an ihnen im ersten Lebensjahre 18,97 Proz. Während die unehelichen in den Jahren 1906, 1907 und 1908 lebendgeborenen Kinder in Charlottenburg 12,13 Proz. aller in dieser Zeit lebendgeborenen Kinder betragen, machen die an Lebensschwäche Gestorbenen von allen an Lebensschwäche im ersten Jahre in dieser Zeit Gestorbenen 22,17 Proz. aus und alle in dieser Zeit an Magen- und Darmkatarrh Unehelichen unter ein Jahr alt Gestorbenen von allen in dieser Zeit im ersten Lebensjahre an Magen- und Darmkatarrh Gestorbenen 25,00 Proz aus. Bei den an Magen- und Darmkatarrh gestorbenen Unehelichen ist also die Sterblichkeit noch einmal so stark als bei allen. Bei den an anderen Krankheiten gestorbenen Unehelichen ist der Pro- zentsatz 13,97. Hier sind also die Ursachen, warum die Sterblich- keit der unehelichen Kinder auch jetzt noch in Charlottenburg noch einmal so groß ist als bei den ehelichen. Ihr Leben muß in jeder Weise vor und nach ihrer Geburt besser behütet werden. Aber zum gesunden Gedeihen gehören auch gute Wohnungsverhältnisse. Ungesunde Wohnungen gibt es noch viel in Charlottenburg und anderwärts. Um die Verhältnisse in diese? Beziehung etwas klar- zustellen, hat das hiesige statistische Amt auch bei Todesfällen die Wohnungen der in den Jahren 1906, 1907 und 1908 Verstorbenen nach Größe und Zahl der Bewohner festgestellt und die Ergebnisse im 22. Heft der Charlottenburger Statistik veröffentlicht.'Das Alter der Gestorbenen wurde bei dieser Zusammenstellung leider nicht berücksichtigt. Nur rn betreff der an Magen- und Darm- katarvh, Abzehrung und Brechdurchsall Gestorbenen wurden die im ersten Lebensjahre Gestorbenen besonders ermittelt. Am meisten sterben Kinder unter einem Jähr in Wohnungen von einem Zimmer, das von mehr als zwei Personen bewohnt ist; auch von älteren Personen sterben darin die meisten. DaS alles zeigt, daß zwar manches schon im Laufe der letzten Jahre zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit auch in Charlottenburg geschehen ist. daß aber �noch viel geschehen muß, um namentlich die Neu- geborenen der Unehelichen und der zum Broterwerb Gezwungenen zu schützen und die immer noch hohe Sterblichkeit auch dieser herabzubringen, was in anderen Ländern bereits geschehen ist. Hier wird es auch speziell Aufgabe des neugeschaffenen Wohn.ungS« «mies sein, in zäher Beharrlichkeit Besserung zu schaffen. Q Billiger Blusen-Verkauf! 350 Etn Posten gestreifte Satin» Barchent• Oberhemden O*» zum Durchknöpfen mit abnehmbarem Kragen.............,....... 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