Mr. TSV. HbonnemcntS'Bcdlngangen: ftBonncmcntä■ Preis pränumerando: Lieiteljährl. SL0 Mt., monaU. 1.IV Mä. wöchentlich 2ä Pfg. frei inS HauS. Einzelne Numiner k Pfg. Sonntags- nuuimer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt» 10 Psa. Pvst. Lbonncnienl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeitungS» Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemarl, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schwei/ 27. Jahrg. ciMinl ttgii» mBtt antm. ji � Vevlinev Volksblctkt. Die Insertion;-Sebilhr Beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel« zelle oder deren Raum 50 Pfg, sür politische und gewerlschastlichc Vereins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. „Meine Snr-ig-n", das erste lfelt. gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anz eigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 0 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis 5 llhrnachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expeditwa ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „tollltURIOlint RcrllD* Zentralorgan der rozialdemokratifcben parte» Deutfchlands. Redaktion» SM. SS» Lindenstrasoe 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Verhöhnung der flot. CinM der blamabelsten Skandale im neuen Deutschen Reich bildet die Behandlung der Kriegsveteranen. Der soeben erschienene Bericht über die Tätigkeit unserer Reichstagssraktion bringt wieder einmal in Erinnerung, daß allein in den letzten 14 Monaten der Reichstag zweimal be- schlössen hat, den bedürftigen. Veteranen eine Beihilfe zu ge- währen, trotzdem aber die Veteranen nichts erhielten, weil an- geblich kein Geld für diesen Zweck flüssig zu machen ist. Dabei handelt es sich um eine Lappalie, denn nach den Beschlüssen des Reichstags sollen nur diejenigen Kriegsteilnehmer unter- stützt werden, deren Jahreseinkommen iveniger als 600(sechs- Hundert) Mark beträgt, und sie sollen nur ein Almosen von 120 M. Pro Jahr, d. h. 10 M. pro Monat erhalten. Jnsge- samt würden dafür nur 20— 23 Millionen jedes Jahr er- forderlich sein. Aber die sind für das Deutsche Reich uner- fchwinglich! Und das zu derselben Zeit, wo Professor Bren- tano ausgerechnet hat, daß allein durch die Getreidezölle eine Anzahl Privatpersonen— selbstderständlich Großgrundbesitzer — nur in den drei Jahren 1907— 1909 weit über 2485(zwei- tausendvierhundertfünfundachtzig) Millionen Mark Extra- Profit eingesackt haben, der aus den Taschen aller Brotesser, also auch der Kriegsveteranen, geholt ist. In Anbetracht dieser Sachlage hat nun ein Ober-Regie- rungsrat Winsinger in der„Deutschen Wirtschafts-Ztg." ein neues Projekt zum besten, gegeben, wie man den Veteranen- fold durch eine Wehrsteuer aufbringen könne: ein Pro- fekt, das— wenngleich, ohne es zu wollen— mit aller Deutlichkeit zeigt, wie die ganze Idee der Wehrsteuer nur auf eine Verhöhnung der notleidenden Veteranen hinausläuft. Herr Winsinger schlägt vor, die Wehrsteuer auf dem Wege der Versicherung aufzubringen, und zwar auf folgende Weise. Nach seiner Berechnung werden alljährlich rund eine Million Knaben geboren, wovon nach 20 Jahren jedoch mir t)00 000 zur Gestellung kommen. Der Rest ist gestorben, aus- gewandert, verkrüppelt usw. Von den 600 000 fallen nach den bisherigen Erfahrungen etwa 20 000 wegen schwerer Ge- brechen aus, die sie in ihrem Erwerbe beeinträchtigen, 290 000 »Verden dienstfrei wegen Uebcrzähligkeit, leichter körperlicher Dehler oder auf Grund ihrer Familienverhältnisse, und nur 290 000 werden eingestellt..Herr Winsinger schlägt nun vor, von Reichswegen eine Militärdien st Versicherung zu griinden. Die 600 000 Knaben sollen, in 8 Klassen abge- stuft, versichert»Verden derart, daß die unterste Klasse, deren Bäter bis 900 M. Einkommen haben, 40 Pf. pro Woche zahlt, die oberste(mit Einkommen über 10 000 M.) 2 M. pro Woche. Herr Winsinger rechnet aus, daß auf diese Weise jedes Jahr 22,4 Millionen Mark zusammenkommen, in 19 Jahren(wohl nach Abzug der Verwaltungskosten) 423 Millionen. Die 20 000 Untauglichen müßten ihre eingezahlten Prämien zu- riickerhalten im Betrage von etwa 15 Millionen Mark; das Versicherungskapital»väre auszuzahlen an die 290 000 Aus- gehobenen. Insgesamt würde das etwa 305 Millionen aus- machen.„Auch ohne Zinsen blieben also nahezu 120 Millionen Mark übrig, pro Jahr etwa 7 Millionen Mark." Obivohl nach Adam Riese eine Summe von 120 Mil- lionen, auf 19 Jahre verteilt, nicht 7, sondern nur etwa 6% Millionen ergibt, lohnt es doch kaum, die Zahlen des Herrn Winsinger nachzuprüfen. Denn auch die Resultate, zu denen er kommt, sprechen deutlich genug. Er fährt nämlich gleich fort, daß mit dieser Berechnung das Reich nichts anfangen könne, weil es ja sofort Geld für die Veteranen braucht. Es müßte also von den jährlich einkommenden 22,4 Millionen (nach Abzug der Verwalüingskosten rund 22 Millionen) nur soviel zurückgelegt»verden, daß nach 19 Jahren die dann zur Auszahlung nötigen 305 Millionen vorhanden sind,„und hierzu dürften 11— 12 Millionen Mark genügen".(Den Rest sollen vermutlich die Zinsen bringen.) Dann sollen noch weitere 1— 2 Millionen zurückgelegt werden, um allmählich einen neuen Jnvalidenfonds anzusammeln, und so blieben für die Veteranen etwa 10 Millionen Mark jährlich zur Verfügung. Also nach einem derartigen Aufwand von Arbeit und Mühe, nach Schaffung eines ganz neuen Reickzsinstituts nur 10 Millionen Mark,»vährend mindestens das Doppelte nötig ist,»venn man nur den Allerärmsten unter den Veteranen eine kleine Unterstützung geben tvill! Sind denn die Veteranen, die über 600 M.' jährlich einnehmen, nicht auch unterstützungs- bedürftig? Und ist denn 10 M. pro Monat(SSYs Pf. pro Tag!) überhaupt eine Unterstützung zu nennen? Und doch käme mit all den Berechnungen des Herrn Ober-Rcgienmgs- rats Winsinger immer erst die Hälfte dieser Unterstützung heraus! Dabei beachte man die kolossale Belastung der Steuerpflichtigen, die eine solche Versicherung mit sich brächte und über deren Bedeutung sich Herr Winsinger kcincs»vegs klar geworden zu sein scheint. Ein bettelarmer Tagelöhner, dessen Jahreseinkommen weniger als 900 M. beträgt— also auch»venn er vielleicht nur 600— 700 M. hat— soll wöchentlich sür jeden Sohn 40 Pf. zahlen! Schon das ist sehr viel. Wenn er min aber 2 oder 3 oder 5 Söhne hat, was doch wahr- lich oft genug vorkommt? Nehmen»vir nur 3 Söhne in der Familie an, so heißt das eine wöchentliche Nebenausgabe von 1,20 M. Die Klasse von 900�2000 M. Einkommen aber, der wM Jo ztwiM a&e nickt am schlecht lUuier.tcn Prole- Expedition, SM. 68» Ü-indenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. tarier angehören, soll 60 Pf. pro Woche zahlen, d. H. bei drei Söhnen 1,80 M., pro Jahr über 90 MI Oben aber soll die Progression schon bei 10 000 M. Einkoimnen aufhören. Auch wer 30 000, 50 000, 100 000 M. Einkommen hat, würde nur 6 M. pro Woche zahlen. Wer das Leben kennt, weiß, daß dies nicht nur für die ganz Armen, sondern auch für den kleineren Mittelstand eine schtvere Belastung ist. Bei einem Einkommen von 2000 bis 3000 M. macht es für 3 Söhne bereits 120 M. im Jahre aus. Und'damit kommen wir zu einem anderen sehr bedenklichen Pullkt, der für jede Wehrsteuer gilt; es versteht sich schlechter- dings von selbst, daß nach Einführung einer solchen Extra- steuer ein jeder darauf sehen müßte, nicht allzuviel Kinder zu haben. Eine»veitere Einschränkung der Dolksvennehrung wäre die mwermeidliche Folge. Nun wird es zwar Leute geben, die darüber lächeln. Kann Deutschland das nicht ver- tragen? Haben wir nicht einen so geivaltigen Geburtcnüber- schuß, daß das gar nichts ausmachen würde?— Doch nur gemach! Man hat sich in der Oeffentlichkeit gewöhnt, mit dem starken Wachstuin des deutschen Volkes zu prahlen und es als etwas Naturwüchsiges anzusehen. Aber der Kenner urteilt anders darüber. Wohl haben»vir seit 10 Jahren eine Volkszunahme um 800 000— 850 000 Köpfe alljährlich. Aber daneben besteht die Tatsache, daß schon seit 34 Jahren, nämlich seit 18 7 6, die Zahl der Geburten in Deutschland un- unterbrochen abgenommen hat, und zwar bereits um ein volles Viertel. Darüber aber sind sich alle Sachkenner längst einig, daß hierbei die absichtliche Einschränkung der Zeugung eine große Rolle spielt. Es fehlte nur so ein Gesetz, das die Einschränkung der Kindererzeugung noch künst- lich steigerte, und wir würden in Sachen der Volksvermehrung unser blaues Wunder erleben. Wozu nun aber dieser ganze Auftvand an Hirnschmalz, um ein System auszuklügeln, das schließlich doch nur die Hälfte eines kümmerlichen Almosens bringen nmrde? Wozu das ganze Gerede von der Wehrsteuer, die schließlich sogar Deutschlands Wehrkraft an der Wurzel, nämlich an seiner Volksvermehrung zu schädigen geeignet»väre? Nur weil die Reichen nichts zahlen wollen! Nur um auch diese Last wieder auf die darbende Masse abzuwRzen. Warum zahlen sie denn nicht die lumpigen paar Millionen, die sie selbst immer prahlerisch als eine„Ehrenschuld der Nation" bezeichnen— warum zahlen sie sie nicht aus den Milliarden, die sie aus dem Vrotwucher ziehen? Sie würden noch nicht einmal etwas merken von der»vinzigen Ausgabe. Aber selbst dazu sind sie zu selbstsüchtig. vom Parteitag. Magdeburg, IS. September. Eine gewaltige Zahl von Delegierten hat sich in Mageburg ein- gefunden, und riesig war auch der Zudrang zu der Eröffnungsfeier am Sonntag. Da das Sitzungslolal für die geivaltigcn Massen viel zu klein war, hatten die Mageburger Genoffen bereits zu 4 Uhr im großen Garten des Luisensaals ein Meeting veranstaltet, zu dem sich Tausende und Abertausende eingefunden hatten. Von der Veranda des Saalgebäudes herab sprachen nacheinander Ledebour, der dänische Genosse S t a u n i n g, Dr. Frank und Klara Zetkin. Sie alle behandelten von den verschiedensten Gesichts- punkten aus die Köuigsberger Gottesgnadenrcde und entfesselten durch ihre beißenden SarlaSmen und den temperamentvollen Aufruf zum Kampf für die nächsten Reichstagslvahlcn stürmische Beifalls- kundgebungen. Um 7 Uhr fand dann im Saale, in dem sich die Maffen Kopf an Kopf drängten, die Eröffnungssitzung statt. Magdeburgs ältester Parteigenosse und stüherer Vertreter im Reichstage, Genosse Klees, hieß die Delegierten mit schlichter Herzlichkeit willkommen und führte ihnen ein Bild der Magdeburger Parteibewegung der Vergangenheit vor. Seine Rede klang in der Erlvartung aus, daß der Magde- burger Parteitag die prinzipielle und taktische Geschlossenheit der Partei, diese Vorbedingung deS Sieges des Proletariats, bestätigen möge. Genosse Molkenbuhr entrollte schließlich in großen Zügen ein Bild der politischen Situation im allgemeinen, um daran anknüpfend in knappe» Umrissen die Aufgabe der Partei und des Parteitages zu kennzeichnen. Dem durch die Königsberger Kaiserrede proklamierten absolutistischen Junkerstaat sei der energische demokratische Willen des Volkes ent- gegenzusetzen.— Nachdem sich alsdann der Parteitag, der die Ge- nossen D i e tz- Stuttgart und Kluß- Magdeburg zu Vorsitzenden gewählt, konstituiert und seine Tagesordnung festgelegt hatte, erfolgte nach einem stimmungsvollen Gesangsvortrage der Schluß der Vor- Versammlung.— In der ersten Sitzung am Montag vormittag brachte Genosse Dietz eine große Zahl von Begrüßungstelegrammen zur Kenntnis, die aus alle» Teilen des Reiches und des Auslandes eingegangen waren. Daran schloffen sich persönliche Begrüßungen durch eine lange Reihe ausländischer Gäste. Für Deutsch-Oesterreich überbrachte Genosse Schrammet die Glückwünsche der sozial- demokratische» Bruderpartei, für die tschechische Parteigruppe S m e r a l, für Dänemark S t a u n i n g, für Holland L 0 0 p u i t, sür England K e i r Hardie und für Amerika endlich Vahlteich. Die Ansprachen erweckten lebhaftes Jntereffe und fanden reichen Beifall. Den Geschäftsbericht deS Parteivorstandes erstattete P f a n n- 1 kuch, der den Parteivorstand zunächst gegen den Borwurf verwahrte, daß er eS mit den ihm zur Berücksichtigung überwiesenen Anträgen allzu leicht nehme. Sei doch die GenossenschaftSstage auf die Anregung eines solchen Antrages hin auf die Tagesordnung des diesjährigen Parteitages gesetzt worden. Auch stellte Pfannkuch die Befriedigung der durch neue Anträge bekundeten Wünsche auf regel- mäßige Lieferung von aktuellem Agitationsmaterial in Aussicht. Der Bericht lieferte weiter den erfreulichen Beweis des im- ausgesetzten Wachstums unserer Organisationen. Freilich erklärte der Redner mit Recht, daß die politische Organisation erst dann als eine befriedigende anzusehen sei, wenn ihr die Mehrzahl aller sozial- deniokratischen Wähler in den meisten Wahlkreisen angehören. Zum Schluß wendete sich Pfannkuch mit Entschiedenheit gegen die Legende, als habe der Parteivorstand in der Wahlrechtsfrage gebremst oder eine Diskussion des Massenstreiks zu unterbinden versucht. Der Parteivorstand habe in der kritischen Situation getan, was zu tun gewesen sei, und er werde auch in ähnlichen Situationen seine Pflicht vollauf zu erfüllen suchen. Genosse E b e r t erstattete alsdann an Stelle deS durch Krankheit verhinderten Genossen G e r i s ch den Kassenbericht. Er widmete dem Erkrankten warme Worte der Teilnahme und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Genosse Gerisch bald in alter Frische seinen ver- antwortungsvollen Posten wieder einnehmen werde. Das äugen- blickliche Kassenbild schilderte Eberl als minder erfreulich als im vorigen Jahre, doch rechnete er bei dem Pflichteifer der Genossen daß die Parteikasse auch den gesteigerten Ansprüchen des bevorstehenden Wahljahres gewachsen sein iverde. Nach dem von Kaden gegebenen Bericht der Kontrollkommission trat der Parteitag in die Beratung des Berichts und der in Frage kommenden Anträge ein. Die N a ch m i t t a g s s i tz u n g setzte die Beratung der Anträge fort, die sich in der Hauptsache auf den Ausbau der Partei- presse und der Agitationsliteratur bezogen. Eine Reihe dieser Anträge, die zum Teil wertvolle Anregungen enthielten. wurden dem Parteivorstand zur Berücksichtigung überwiesen.— Nach der Tagesordnung wäre nunmehr die Frage der b a d i s ch e n Budgetbewilligung an der Reihe gewesen, doch stimmte der Parteitag dem Torsitzenden zu, der vorschlug, diesen Punkt lerst am Dienstag früh zu verhandeln. Als Referenten werden Bebel und Frank sprechen. Vom Parteivorstand und den Kontrolleuren liegt bereits eine Resolution vor, die den Budgetbewilligern die schärf st e Mißbilligung ausspricht. Ueber die„Maifeier" hält Genosse Müller ein kurzes Referat. Die Maifeier, führt er aus, war im Jahre ISIO eine äußerst imposante, weil sie nicht nur am Sonntag stattfand, sonder» auch durch die politische Situation, die Wahlrechtsbewegung, be- günstigt wurde. Der Internationale Kongreß hat die Verlegung der Maifeier auf den ersten Sonntag im Mai mit Recht abgelehnt. Auch im nächsten Jahre werden die Reichstagsneuwahlen und die erneut einsetzende Wahlrechtsbcwegung eine würdige Feier deS 1. Mai auch an einem Wochentage sichern.— Nasche Erledigung fand auch der weitere Punkt der Tagesordnung, der Bericht vom Internationalen Kongreß, den Richard Fischer erstattete. Fischer spottete über das Bemühen der bürgerlichen, der offiziösen Presse, den Kongreß totzuschiveigen. Dabei waren 33 Nationen durch Delegierte vertreten. Einen glänzenden Eindruck habe das Parteileben Dänemarks, feine brillante Organisation, die außerordentliche Verbreitung der sozialdemokratischen Presse gemacht. Von diesem Vorbild hätten die Proletarier der anderen Länder zu lernen. In knapper, pointer Form verbreitet sich Fischer dann über die Beratungsgegenstände des Kongresses. Eine eigentliche Diskussion fand über den Bericht nicht statt, so daß, nachdem der Antrag der Mülhauser Genossen, den Oktroi- streit der elsässischcn Genossen zu behandeln, dem nächsten Partei- tag zugewiesen war, noch der Bericht der Ma ndatsprü- fungskommission erledigt werden konnte. Er zeigt, daß der Parteitag der am stärksten beschickte seit Halle ist. Ein Antrag der Kommission, die Mandate der Delegierten G rü tz und Rosa Luxemburg wegen angeblichen formalen Verstoßes für ungültig zu erklären, wurde mit überwiegender Mehrheit abgelehnt, nach- dem von mehreren Rednern erschöpfend dargelegt worden war, daß diese Mandate durchaus zu Recht bestehen. Folgende Rcsolutioncu sind dein Parteitag zugegangen; Zur Vcriueigcriuig des Budgets. Der Parteitag bestätigt die Beschlüsse der Parteitage zu Lübeck, Dresden und Nürnberg, die von den sozialdemokratischen Vertretern eine grundsätzliche Ablehnung des GesamtbudgctS sowohl im Reiche wie in den Einzelstaaten fordern, weil diese Staaten Klaffenstaatcn sind, die aus der Klassenherrschaft beruhen und die Aufgabe haben, die bestehende Eigentumsordnung an den Produktionsmitteln und die Ausbeutung des Arbeiters durch den Kapitalisten mit allen Mitteln aufrechtzuerhalten. Der Staat kann daher den ausgebeuteten Klassen wohl notgevrungen mit kleinen Konzessionen, aber nie mit grundlegenden sozialen Um» gcstaltungen in der Richtung der Sozialisierung der Gesellschaft entgegenkommen. Ter Parteitag erblickt deshalb in der Bewilligung des Budgets durch die Mehrheit der sozialdemokratischen Abgeordneten des badischcn Landtags eine betvußt herbeigeführte grobe Mißachtung der»niederholt als Richtschnur für ihre parlamentarische Tätigkeit gefaßten Parteitagsbcschlüsse und eine schwere Verfehlung gegen die Einheit der Partei, die nur aufrechterhalten werden kann, wenn alle Parteimitglieder sich den Beschlüssen der Parteitage unter» ordnen. Die Mißachtung von Partcitagsbeschlüssen ist eins der schlimmsten Vergehen, dessen sich ein Parteigenosse gegen die Partei schuldig machen kann. Der Parteitag spricht infolgedessen den sozialdemokratischen Abgeordneten, die im badischen Landtag das Budget bewilligt haben, die aflersMrfste WißMigung aus. Der Parteitag erklärt Keller �le Tellnalsme vir höfischen Zeremonien und monarchischen Loyalitätskundgebungen für unber- cinbar mit unseren sozialdemokratischen Grundsätzen und macht den Parteigenossen zur P fl i ch t, solchen Kundgebungen fern- zubleibe». Partcivorstand und Kontrollkommission. Zur Wahlrechtsfrage. Duc in Deutschland herrschende, scheinkonstitutionelle Militär- absolutismus wurzelt in den reaktionären Vcrfassungsverhältnissen Preußens. Während in einer Anzahl süddeutscher Staaten das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht zu den Landtagen eingeführt ist, bestehen in Preugen, Sachsen und den norddeutschen Kleinstaaten Wahlgesetze, die mit ihrer auf dem Geldsack beruhen. den Klasseneinteilung oder der Gewährung von Mchrstimmen und sonstigen Privilegien an die Besitzenden ein Hohn auf die staats- bürgerliche Gleichberechtigung sind. Besonder? das Dreiklassenwahlsystcm in Prcusten mit feiner öffentlichen Stimmabgabe bedeutet die Diktatur der Grostgrund- besitzer und GrohkapitaKsten im gröhten deutschen Bundesstaate und damit im Reiche, �hre skrupellose, lediglich der eigenen Be- reicherung dienende Politik hindert jeden ernsten kulturellen und demokratischen Fortschritt und bildet eine ständige Gefahr für das Reichstagswahlrecht. Ter Parteitag protestiert gegen diese Verfassungszustände, die in schroffem Gegensatz zur wirtschaftlichen EntWickelung stehen und die schaffenden und politisch reifen Bolksmassen aufs tiefste em- pören. Er spricht seine Genugtuung aus Über die mit großer Energie geführten W/ahlrechttkämpfe in den einzelnen Bundes- staaten. Der Parteitag fordert für alle über 20 Jahre alten Staats- bürger beider Geschlechter das allgemeine, gleiche, direkte und ge- Heime Wahlrecht auf Grund des Verhältniswahlsystems für die Wahlen zu allen öffentlichen Körperschaften und Einteilung der Wahlkreise nach jeder Volkszählung.. Der Parteitag erwartet, daß in Preußen und in den anderen Bundesstaaten die Genossen mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln den Wahlrechtskampf bis zur Erringung der vollen poli- tischen Gleichberechtigung weiterführen. Parteivorstand und Kontrollkommission. Zum Gcnosseuschaftswese». Bei der Bewertung der WtrtschaftSgenossenschaften kommen für die sozialdemokratische Partei vornehmlich die Konsumvereine in Betracht. Die Konsumvereine sind Organisationen zur Erzielung Wirt- schaftlicher Vorteile, indem sie durch direkte Uebermittelung der «vichtigsten Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs an die Konsumenten deren Kauftraft erhöhen. Die allgemeine Verteuerung der Lebensmittel und der not- wendigsten Gebrauchsgegenstände, die vor allem eine Folge der agrarischen Zoll- und Wirtschaftspolitik des deutschen gleiches ist, hat die breiten Volksmassen in steigendem Maße auf die Nützlichkeit des Zusammenschlusses in Konsumentengenossenschaften hingewiesen. Je mehr die Massen den Ltonfumvereinen beitreten und dort ihre Bedürfnisse decken, desto inehr steigert sich die Leistungsfähigkeit dieser Organisationen auf wirtschaftlichem Gebiete. Je mehr die Mitglieder der Konsumvereine mit den Mitgliedern der sozialdemo- kratischen Partei und der freien Gewerkschaften identisch werden und von deren Geist erfüllt sind, desto besser können sie wertvolle soziale Arbeit leisten durch Schaffung vorbildlicher, mit den Ge- werkschaften vereinbarter Lohn- und Arbeitsverhältnisse für ihre Angestellten. Durch Einrichtung von Not- ünd Hilfsfonds für ihre Mitglieder, durch Einwirkung auf die Arbeitsverhältnisse der Arbeiter jener Betriebe, deren Abnehmer die Genossenschaften sind, durch Uebergaug zur Eigenproduktion und durch Erziehung der Arbeiter zur selbständigen Leitung ihrer Airgelegenheiten kbnnen die Konsumgenossenschaften ein wirksames Mittel zur Unterstützung im Klassenkampfe sein. Die Konsumvereine erledigen ihre Aufgaben selbständig und unabbüngig. Mit ihrer zunehmenden wirtschaftlichen Bedeutung und der Verschärfung der Klassengegensätze wächst ihre Gegner- schaft in bürgerlichen Kreisen; durch ausnahmegesetzliche Bestim- mungen und schikanöse Verwaltungsmaßnahmen suchen die Be- Hörden und bürgerlichen Parteien ihre EntWickelung zu hemmen, Die gleichen Kreise haben ehedem die Gründungen von Konsum- vereinen als eines der vornehmsten Mittel für die Lösung der sozialen Frage empfohlen. Die sozialdemokratische Partei vertritt die Interessen der Konsumgenossenschaften in der Presse Und in den parlamentarischen Körperschaften wider die Angriffe ihrer Gegner. Dieses Eintreten für die Konsumvereine entspricht den Klasseninteressen des Proletariats, denn die genossenschaftliche Tätigkeit ist eine wirk- sanie Ergänzung des politischen und gowerkschaftlichcn Kainpfes für die Hebung der Lage der Arbeiterklasse. Der Parteitag fordert die Genossinnen und Genossen dringend auf, in diesem Sinne zu wirken und die im Geiste der modernen Nvbeiterbewegung geleiteten Konsumvereine zu unterstützen. Parteivorstand und Kontrollkommission. Zum Rlxdorfer Glahlmlstsraub. Bei>den Erörterungen über die Aufstellung der Rixdorfer Wählerlisten wird in der Oeffentlichkett«nehrfach geäußert, daß das vor 2 Jahren gegebene Rixdorfer Wahlrechtsstatut vom Oberbev- «valtungsgericht für„ungültig" erklärt worden wäre, wogegen die Verteidiger des Rixdorfer Magistrats behaupten, da» Obcrver- »valtungsgericht Hütte darüber noch nlcht entschieden. Diese ganze Erörterung trifft nicht den Kern der Sache. Das Rixdorfer Wahlrechtsstatut«st gültig, aber die Anwendung, die die Rixdorfer Behörden davon machen, ist ungesetzlich und dies hat das Oberver- tvaltungsgericht bereits ausgesprochen. Das Statut,«vodurch für Nixdorf als untere Grenze der zweiten Wählcrabteilung an Stelle des sogenannten einfachen Durchschnitts der Steuerleistung das Anderthalbfache der durch- schnittlichen Steucrleistung eiirgeführt wurde, war ein Wahl- rcchtsraub,«venu er sich auch in legalen Formen vollzog, eine Herabdrückung des Wahlrechts«veiter Schichten der Arbeiterklasse und des Mittelstandes. Oder, richtiger gesagt, es war ein Per- such dieses Wahlrcchisraubs; ein Raub für die Zukunft, der erst unter Verhältnissen Wirkung erlangen kann, die jetzt und voraus- fichtlich auf lange hinaus in Rixdorf nicht eintreten«verden. Aber immerhin machte bei diesem Raube die Mehrheit der Stadtver- ordnetenversammlung von einem ihr— leider— gesetzlich zustehenden Rechte Gebrauch, das sie freilich in einer höchst vollsfeink- lichcn und unloyalen Weise ausnutzte. Was aber jetzt geschieht, ist eine gröbliche Verletzung des Gesetzes. Es ist schlimmer als der Wahlrechtöraub vor zwei Jahren, der sich wenigstens auf das Gesetz berufen konnte. Die Sache liegt kurz folgendermaßen: Die Wählerabteilungen »Verden allgemein nach dem Drittelungs Prinzip gebildet. Die- jenigen, die das erste Drittel der gesamten Steuersumme auf- bringe««, wählen in der ersten, die Wähler, die das zweite Drittel der Steuern zahlen, in der ziveiten, die Uebrigen in der dritten Abteilung. Durch das Gesetz vom 30. Juni 1900 ist nun, dieses Drittelungsprinzip für Städte von mehr als 10 000 Einwohnern modifiziert«vorden. Auch in solchen Städten bildet«s zwar die Grundlage der Klasseneinteilung der Wähler; jeder Wähler aber, dessen Steuer den durchschnittlich auf den einzelnen Wähler tref- senden Steuerbetrag übersteigt, darf vieinals der brjtfen M. leiluWg zugewiesen, sondern muß mindestens zur zweiten gerechnet werden. Wer also unter dem gcloöhnlichen Prinzip der Drittelung in der dritten Abteilung wählen würde, aber mehr als die durch- schnittliche Steuerhöhe zahlt, wird aus der dritten in die zlopito Abteilung übergeführt. Durch dieses sogenannte Durchschnitts Prinzip sollte dem allzu plutokratischen Charakter des DreiilasseiUixihlrechts in den Gemeinden entgegeirgewirkt werden. Uin aber die Bäume der Ge- rechtigkeit nicht in den Himmel Ivachsen zu lassen und eine wahr- hast demokratische Wirkung auszuschließen, wurde in demselben Gesetze bestimmt, daß die Gemeinden durch Ortsstatut di< lieber- tritte aus der dritten in die zweite Abteilung auf diejenigen Wähler beschränken dursten, die nicht den einfachen Durchschnitt, sondern das Anderthalbfache des Durchschnitts der Steuerleistung zahlen. Einen solchen Beschluß hat die Stadtverordnetenversalnmlung RixdorfS gefaßt, obgleich er für Rixdorf ganz gegenstandslos war. In Rixdorf gehören nämlich ohnehin sämtliche Wähler, die den Durchschnitt der Steuern zahlen, nach dem Grundprinzip der Drittelung zur zweiten Abteilung, brauchen also gar nicht erst auf Grund des Prinzips des einfachen oder anderthalbfachen Durch- schnitts aus der drillen in die zweite überschrieben zu werden. Wenn Magistrat und Stadtverordnctel«versammlung von Rix- darf diesen Beschluß gefaßt haben, so war das natürlich nicht eine völlig sinnlose Spekulation auf«inen nwmentan gar nicht prak- tischen Fall, sondern sie taten es,«veil sie von der irrigen Auf- fassung ausgingen, das„Durchschnittsprinzip" des Gesetzes voin 30. Juni 1900 bringe nicht nur Wählern der dritten Abteilung, die den Durchschnitt zahlen, die unbedingte Zugehörigkeit zur zweiten Abteilung, sondern gestatte auch, die Wähler, welche nach dein Drittelungsprinzip zur zh>eiten Abteilung gehören, aus dieser aus« zuschließen, wenn sie nicht den Durchschnitt zahlten. Auf Grund dieser falschen Auffassu>«g sind in Rixdorf schon vor dem Ortsstatut die Wählerlisten so aufgestellt Niorden, daß eine Anzahl Wähler aus der auf Grund des Drittelungsprtnzips gebildeten zweiten Abteilung ausgeschlossen und in die dritte ver- «Viesen worden sind. Auf Grund derselben falschen Auslegung will jetzt die Stadtverordnetenversammlung Zehntausende von Wählern, die zur zweiten Abteilung gehören, in die dritte bringen, weil sie nicht den anderthalben Durchschnitt der Steuersumme zahlen. Diese Auslegung aber, die immer im Widerspruch zu allen maßgebenden Kommentatoren und zu den Ausführungsvorschriften der preußischen Regierung stand, ist gerade für Rixdorf bereits vom Oberverwaltungsgericht endgültig und rechtskräftig für falsch erklärt worden. In dem Prozeß des Stadtverordneten Conrad gegen die Stadtverordnetenversammlung, der die Wählerliste von 1908 ba- traf, hat das Oberverwaltungsgericht bereits am 18. Januar 1910 zu Ungunsten der Rixdorfer Stadtverordnetenversalnmluirg ent- schieden und ausdrücklich erklärt, daß auf Grund des Gesetzes vom 30. Juni 1900 immer nur Wähler die nach dem Durchschnitts- Prinzip zur dritten Abteilung gehörten in die zweite Klasse kommen dürften, daß aber nie umgekehrt eine Verweisung aus der zweiten in die dritte Klasse zulässig wäre. Das gilt sowohl vom Prinzip des einfachen als natürlich erst recht von dem des anderthalbfachen Durchschnitts. Bereits am LS. Mai 1909 hatte in dem Prozesse Conrad dies der Bezirksausschuß zu Potsdam erklärt. Trotzdem legte der Ma- gistrat die Liste für 1910 wieder nach dem falschen Prinzip an, nur daß jetzt sogar alle Wähler, die nicht den anderthalbfachen Durch- schnitt zahlten, in die dritte Klasse gebracht wurden. Die hiergegen gerichtete Klage des Stadtverordneten Scholz, die im November 1909 eingereicht war, wurde bis zur Entscheidung der Sache Conrad ausgesetzt, vermutlich weil der Bezirksausschuß es als selbswer- ständlich ansah, daß die Stadtverordnetenversammlung sich nach der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts richten würde. Dies war nun freilich ein Irrtum. Die Mehrheit der Stadtverordneten«- «Versammlung erkannte auch nach der Belehrung durch das Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 13. Januar 1910 ihr Unrecht nicht an. Dagegen wurde nunmehr die Entscheidung beim Bezirksaus- schuß im ztl>eiten Prozeß dadurch verzögert, daß die Akten des Magistrats erst kurz vor dem 28. Junt, d. h. vier Monate nach dem Urteil des Oberverivalwngsgerichts dem Bezirksausschuß übersendet wurden. Der Bezirksausschuß entschied selbstverständlich wieder im Sinne der richtigen Auslegung und des Urteils des Oberve» «valtungsgerichts. Hiergegen hat trotz der absoluten Aussichts- losigkeit des Prozesses, der ja im Prinzip bereits vom Oberver- waltungsgericht entschieden ist, die Stadtverordnetenversammlung wieder Berufung eingelegt, was bei der Geschäftslage des Obei> Verwaltungsgerichts bedeutet, daß die Entscheidung frühestens in eiiva 6 Monaten, bielleicht erst in einem Jahre gefällt wird. In- zwischen legt nun aber der Magistrat nach dem bereits für uligesetz- lich erklärten Prinzip von neuein die Wählerliste für 1911 falsch an, und die Stadtverordnetenversammlung verwirft die Einsprüche hiergegen. Wenn der Prozeß bei dein Oberverlvaltungsgcricht lange dauert, kann es geschehen, daß auch die Liste für 1912 wieder Zehn» taufenden von Wählern ihr Wahlrecht zweiter Abteilung nimmt, obwohl das OberverwaltungSgcricht längst die Ungesetzlichkeit dieses Verfahrens festgestellt hat. Es ist durchaus irreführend, wenn der Bürgermeister Wein- reich in der Stadtverordnetenversammlung vom 15. September er- klärt hat, die Entscheidung des OberberliXiltungsgcrichts stände noch aus, denn die ergangene beträfe nicht das Ortsstatut. In Wahr- heit ist die rechtskräftige Entscheidung gefallen. Die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts und die jetzige Anlegung der Wähler- liste haben beide»nit der Gültigkeit des O r t s st a t u t s gar nichts zu tun, sondern nur mit der Frage der Auslegung des Gesetzes vom 30. Juni 1900, und diese Frage ist entschieden. Warum die Rixdorfer Gewaltigen sich«rühren, die Rechtslage anzuerkennen und tvarum sie suchen, die richtige Anwendung des Gesetzes und der Entscheidung des OberverwaltungSgcrichts so lange wie möglich hinauszuziehen, ist klar, wenn man sich überlegt, daß inzwischen neue Stadtverordneteniimhlen stattfinden und daß man wünscht, diese auf Grund der ungesetzlichen Listen vornehmen zu lassen. Da Zehntausende von Wählern aus der zweiten Abteilung rechtswidrig ausgeschlossen««»erden, wird dadurch die Zusammen- setzung der Stadtverordnetenversammlung in erheblichem Grade verändert. Bis dann die aus so ungesetzliche Weise zustande ge- kommenen Wahlen wiederum angefochten und für ungültig erklärt werden, können wiederum Jahr und Tag vergehen. Es ist nicht zuviel gesagt, daß dies Vorgehen weit schlimmer ist als der. Wahlrechtsraub durch das Ortsstatut, denn es vermag sich nicht im geringsten auf gesetzliche Befugnisse zu berufen. Es «st ein Mißbrauch des Majoritätsrechtes vorgenommen im bewußten Widerspruch und unter Mißachtung der einzig möglichen von der Wissenschaft und dem Oberverwaltungsgericht angenommenen Aus- legung und mit dem Erfolg der Verschleppung und der Herbei- führung ungültiger Stadtverordnetenwahlen. Den Vorteil hat»«atürlich die Sozialdemokratie, die sehr zufrieden ist, werm sie statt eines Wahlkampfes deren zlvei erlebt. und noch dazu mit einer so ausgezeichneten Wahlparole, wie ihr die heutige Mehrheit der Rixdorfer Stadtverordnetenversammlung hier. mit in die Hände gespielt hat. Wolfgang Hein«, Zur Cröffouns des finnischen Landtages. Man schreibt uns aus Helsingfors, am 14. September: Auf Befehl des Zaren sind heute die finnischen Vollsvertreter zu ciner außerordentlichen Landtagssesswn zusammengetreten. Der Landtag soll diesmal sein Votum abgeben über Gesetzesvor- lagen, die auf ungesetzlichem Wege von den russischen regte- renden und gesetzgebenden Instanzen ausgearbeitet wurden, die verfassui«gsmäßige Vertretui«g des finnischen Volkes soll auf Be- fehl des Zaren den von ihm und seiner Regierul«g vollzogenen Rechtsbruch sanktionieren und sich in Widerspruch stellen mit den Interessen und Rechten des Volles. Die finnische Bolls- vertrcturig hat zuletzt im Mai d. I. klipp und klar erklärt, sie könne und werde für Finnland keine andere Gesetzgebung als bindend k>c- trachten, als die von der finnischen Verfassung vorgeschriebene. Sie unterbreitete auch zugleich dem Zaren das dringende Ver- langen, Finnland nach der finnischen Verfassung regieren zu lassen. Trotz dieser kategorischen Erklärung läßt die Petersburger Regierung aus die Gewalt den Hohn folgen und mutet der sinnt- schen Volksvertretung wieder zu, sich der tyrannischen Gewalt öffentlich zu beugen. Die jetzigen Vorlagen der russischen Negierung sind die Früchte der Jinnlairdhetze, die in der zwciteir Hälfte der verflosseiren Session in der Duma einsetzte. Man sieht russischerseits das so- genannte allgcmein-staatliche Gesetz bereits als durchgeführt und die finnische Verfassung als vernichtet an. Wenigstens gibt man der Sache in Petersburg diesen Schein. Aus diesen Beweggründen heraus verlangt die Zarenregierung von Finnland die Anerkennung der Militärkontribution, die ohne Zustimmung des Landtages dem Volke auferlegt wurde,«vie auch der soge>- nannten GleichberechtignngSvorlage, die einen Hohn auf die Gleich- heit und Gerechtigkeit bedeutet und nur der Rufstsizieirung Finnlands Vorschub leisten soll. Auch die dritte Vorlage, laut welcher der Landtag einen Modus ausarbeiten soll,«vie die finnischen Ver-. trctcr für die Duma und den Reichsrat— gemäß dem von der Duma und nicht vom finnischen Landtage angenommenen Gesetze — zu wählen tvären, reiht sich würdig den beiden elfteren an. Der Landtag wies das Gesetz als in allen Stücken verfassungswidrig zurück, und verlangte in einem Meinorandum cm den Zare»«; daß Finnland endlich wieder verfassungsgemäß regiert«verde. Als Antwort erfolgte die Einberufung des Landtages— zur«Beratung und Gutheihung neuer ungesetzlicher Vorlagen! Wie wird sich der Landtag zu ihnen stellen?«Seitdem der Landtag Ende Mai auseinanderging, hat sich nichts ereignet, das als U«Uschlag zugunsten der russischen Regierung angesehen ««»erden könnte. Vielmehr haben die Maßregeln und Unter- slheidungeir der Petersburger Regierung und des finnischen ..Säbelsenats" täglich dazu beigetragen, die oppositionelle Stinr- mung in allen Klassen und Parteien zu stärken und zu festigen. Alle sind darin einig, daß der La>«dtag den russischen Genxilthabern diesinal ein ebenso kategorisches Nein entgegenschleudern wird, wie in der verflossenen«Session. Die bürgerlichen Parteien tvären freilich wohl dafür zu haben, im Bunde mit der schwärzesten 9ka- aktion gegen die Freiheit des Volkes ein Koniplott zu bilden, um die Sozialdemokratie niederzureiten. Bei vielen finnischen Kapi- talisten und Unternehmern gilt Rußland ohnehin als das gelobte Land des Profits. Aber die Brücke, die die russische Regierung ihnen gebaut hat, erscheint dennoch selbst diesen unsicheren Kanto- nisten als zu gefährlich, uin darauf zu treten. Noch sind sie nicht soioeit, um auf ihre politische«Selbständigkeit im Laride zu vev- zichte» und dagegen als Entgelt die rechtlos gemachten Arbeiter- «nassen ausgeliefert zw.erhalten. Die.finnische Bourgeoisie chat auch allen Anlaß, das Proletariat Finnlands ernster einzuschätzen. als das Stolypin und seine Kreaturen tun. Auch entrechtet, wird das finnische Proletariat eine Macht im Lande bilden, mit der die herrschenden Klassen werden rechnen müssen! Die Bourgeoisie und das Proletariat stehen sich in Finnland, wie überall, feindlich gegenüber. Indessen haben sie gegenwärtig im Kampfe gegen die russischen Getvalthaber soviel ge«neinsame Interessen, daß sie zusammen vorgehen können. Die Verfassung«st für beide Teile im Vergleich zum russischen Absolutismus sehr «vertvoll, daher werden wir sie auch jetzt die Verfassung gemeinsam verteidigen sehen., politische(Übersicht. Berlin, den 19. September 1910, Amtliches Wahlergebnis in Arankfurt-LebuS. Nach endgültiger amtlicher Feststellung sind am 13. Sep- tember bei der Reichstagsersatzwahl im Kreise Frankfurt- Lebus insgesamt 26693 Stimmen abgegeben worden. Davon haben erhalten Genosse Fabcr(Franlsurt a. O.) 14319, Ge- heimer Archivrat Winter-Magdeburg(nationalliberal) 7754 Arbcitersckretär Dunkel-Berlin(konservativ) 6595 Stimmen.— Das cwitliche Wahlresultat läßt die zersplitterten Stimmen außer Anrechnung. Wenn die Ziffern richtig siud, müssen immerhin 27 zersplitterte Stimmen mitgezählt sein, oder bc- ruht auch dieses Resultat auf einen Rechenfehler? Es ist demnach eine Stichivahl zwischen Faber und Winter erforderlich, die, wie wir bereits meldeten, auf Montag, den 26. September, festgesetzt ist. Reichsbilanzverschleierung. Die Regierung befindet sich, wie wir schon am Sonntag «neideten, in einer recht unbequemen Lage. Der Reichsschatz- sekretär har trotz des Widerspruchs der Ressortminister wieder- holt von ihren Forderungen größere und kleinere Suinincn abgestrichen, damit nicht noch vor den nächsten Reichstags- «vahlcn die Regierung offiziell erklären mutz, daß schon jetzt die durch die letzte blauschivarze ReichSsmanzreform dem Volke abgepreßten Mittel in keinerWeise ausreichen, diehöher und höher hinaufgetriebenen Ausgaben zu decken und deshalb bereits wieder eine neue Reichsfinanzreforin, d. h. eine neue Belastung der Steuerzahler uinmehrereHundert Millionen nötig ist. Aber wieviele der Geldforderungen seiner Herren Kollegen der Reichsschatzsekretär auch gestrichen, das heißt vorläufig aus Rücksicht auf die nächsten Reichstagswahlen zurückgestellt hat, noch iinmer ist das Gleichgewicht nicht hergestellt, so daß sich drohend das Gespenst der Beschaffung neuer Mittel erhebt. Das ist recht bitter; denn mit der Parole in den Wahlkainpf zu ziehen:„Neue Steuermtllionen her; die vor zwei Jahren bewilligten reichen nirgends mehr!" paßt weder der Regierung, noch ihren Trabanten. Deutlich zeigt sich diese Mißstimmung in folgender von einer hiesigen halboffiziösen Korrespondenz verbreiteten VorbercitungSnotiz auf denmächsiige Neuforderungen: »Die Balanzierung des neuen Reichsetats für 1911 macht, wie wir hören» dem Reichsschotzamte diesmal erhebliche Schwierigkeiten. Obgleich die Ressortfordenmgen schon auf ein Mindestmaß bescheäukt waren, sind doch noch so große Streichungen vorgenommen worden» daß in den Rcssoxt» recht gemischte Gefühle borherrschen. Die Einnahmen des Reiches sind gegenüber den Boranschlägen bielfach erheblich zurück- geblieben, so daß man die Einnahmen für 1911 noch vorsichtiger veranschlagen muh. Es ist fraglich, ob ohne neue DeckungS mittel auf die Dauer ausgekommen werden kann. Vorläufig, das heißt vor den Neu- Wahlen, soll versucht werden, auf jeden Fall durch äußerste Beschränkung mit den alten Mitteln eine Balanzie- rnng zu bewerkstelligen. In nächster Zeit werden Konferenzen zwischen dem Reichskanzler, dem Reichsschatzamt und den Ressorts stattfinden, um eine geeignete Basis für die Balanzlerung des neuen Etats zu finden und eine Einigung über die Wünsche der Ressorts und dein starken Willen des Reichsschatzsekretärs herbei- zuführen. Sehr hoffnungsfreudig sind die Aussichten für die nächste Zeit nicht und die Regierung befindet sich in keiner be- neidenswerten Stellung. Neue Steuern würden die bereits herrschende Volksstimmung nur noch regierungsfeindlicher machen." Möglich, daß es gelingt, nochmals durch allerlei zweifel- hafte Finanzmanipulationen, die nian im gewöhnlichen Geschäftsleben Bilanzverschleierungen nennt, die Tat- fache zu vertuschen, daß infolge der Finanzmißwirtschaft schon wieder eine neue Reichsfinanzreform nach dem Muster der letzten in nächster Aussicht steht; aber was wird es nützen? Kein zurechnungsfähiger Mensch glaubt heute mehr die noch vor wenigen Monaten von klerikalen und konservativen Blättern aufgetischten Behauptungen, für die nächsten drei; vier, fünf Jahre reichten die durch die letzte Reichsfinanzreform beschafften Mittel aus. Steigendes Defizit. Obgleich die Einnahmen im ReichShaushaltsetat für daS laufende Finanzjahr recht mäßig angesetzt sind, bleiben doch die tatsächlichen Eiiniahnien beträchtlich hinter diesen Ansätzen zurück. Auch der August hat nicht jene Einnahmen gebracht, die man sich von ihm versprochen hat. Außer den Zölle n sind insbesondere wieder die Branntweinverbrauchsabgaben hinter den Erwartungen zuruageblieben. Die gesamten Einnahmen haben in den ersten fünf Monaten 582.6 Millionen Mark ergeben, während der Anteil dieses Zeitraums am E t a t s s o l l 600,6 Millionen Mark beträgt. Danach find die tatsächlichen Einnahmen hinter dem Etalsansatze bisher um 18 Millionen Mark zurückgeblieben. Dauem diese Verhältnisse an, so wird für daS ganze Etntsjahr mit einem Ausfall von rund 13 Millionen Mark zu rechnen sein. Der Protest gegen Absolutismus und Meischnot. Eine stark besuchte Protestversanimlung gegen die Kaiserreden und die hohen Fleischpreise fand am 16. September in dem großen Arbeitervororte von Gera(Reuß), Debschwitz, statt. Nach einem mit stürmischem Beifall aufgenominenen Vortrage des ReichstagS- und LandtagZabgeordneten Genossen Leber- Jena wurden zwei Resolutionen angenommen. In der ersten wurden verfassungS- mäßige Maßregeln gegen das persönliche Reginient gefordert. In der zweiten wurde der Bundesratsbevollmächligte für Reuß j. L. aufgefordert, im Bundesrate für die Aufhebung der Grenzsperren einzutreten._ Eine wichtige Eutscheidung des preufiischea Obervcrwaltungsgerichts. Ueber die Bildung der kommunalen Wähler» abiteilungen hat das Oberverwaltungsgericht eine wichtige Eni- scheidung getroffen. Nach dem Gesetz über die Bildung der Ge- meindewähler- Abteilunqeu.Pom 30. Juni 1900. in Verbindung mit den Gemeinde- Verfassungsgesetzen, sind die stimmfähigen Bürger nach Maßgabe der von ihnen zu entrichtenden direkten Staats«, Gemeinde-, Kreis- und Provinzialsteuern dort, wo Klafienwablrecht gilt, in drei Abteilungen zu teilen, wobei die Steuern nicht anzurechnen sind, die für Grundbesitz oder Gewerbetrieb in einer anderen Gemeinde gezahlt werden sowie die Wandergewerbesteuer. Damit ist beim Vorhandensein einer Wohnsitzgcmeinde und einer Forensealgemeinde oder mehrerer Foreifiealgemeinden die Bercchnungsweise der Steuern auf die einzelnen Gemeinden klargestellt. Es fehlt aber an einer ausdrücklichen gesetzlichen Bestimmung für die Berechnung der Staatseinkommensteuern, wenn der Wähler einen doppelten Wohnsitz hat. Dadurch entsteht die Frage, ob die volle Anrechnung derselben Staatssteuern in beiden Wohnsitzgemeinden zulässig ist, was natürlich im gegebenen Falle für die Berteilung der Wühler einer Gemeinde auf die verschiedenen Abteilungen von außerordentlichem Einfluß sein kann, komme» doch als Personen mit doppeltem Wohnsitz fast ausschließlich nur die Begüterten in Betracht. Zu dieser Frage nahm der erste Senat des Oberverwaltungs- gerichts in seiner letzten Sitzung in einem Rechtsstreit Stellung, den der Kommerzienrat Kesselkaul aus Aachen gegen die Stadt- verordnetenversammlung führte. Der KJäger hat einen Wohnsitz in Aachen und einen in Walhor». Bei der Aufstellung der Wählerliste für Aachen war ein Teil des auf sein Einkommen aus Kapital- vermögen entfallenden Staatssteucrbelrages als der Gemeinde Walhorn zustehend in Abzug gebracht worden. Er verlangte «ine entsprechende Berichtigung, was die Stadtverordneten ab- gelehnt hatiem Der Bezirksansschuß lehnte den Anspruch ebenfalls ab und das OberverwaltungZgericht bestätigte das Urteil. Die volle Anrechnung derselben Staats st euerbeträge in verschiedenen Gemeinden seGunzulässig. Eine solche könne nicht in der Absicht des Gesetzgebers gelegen haben. Da die Gesamtleistung für Zwecke des Gemeinwohls den Maßstab des Einflusses auf die öffentlichen An- gelegenheiten bilden solle, könne sich nicht bei einer mehrfachen Stimmberechtigung in verschiedenen Gemeinden eine jede nach der vollen Steuerleistung bemessen, weil sonst deren Gewicht in der Verwaltung öffentlicher Gemeiirdeangelegenheilen vervielfältigt werden würde. Das wäre unvereinbar mit der Absicht des Gesetzes, der.P l u t o k r a l i e" entgegen zu wirken. Nationallibciml-fveisinmge WahlaManz? Wie aus Köln gemeldet wird, fand dort vorgestern eine Sitzung de? Vorstandes der nationalliberalen Partei Rheinlands statt, in der über die Stellungnahme der nationalliberalen Partei zur Fortschritts- Partei bei den kommenden ReichStagswahlen Beschluß gefaßt werden sollte. Die Beratungen wurden streng vertraulich geführt. Dem- nächst soll eine weitere Sitzung stattfinden. Es verlautet, man habe sich grundsätzlich dahin ausgesprochen, daß bei den kommenden Wahle» ein Paktieren der beiden Parteien im Rheinland stattfinden soll. Protest Wider das Hallesche Polizeisystem. Am Sonntag gaben unsere Parteigenossen in Halle a.<3. die Antwort auf die Versuche der dortigen sattsam bekannten Polizei, das äste preußische Ueberwachnngsshstem filr Berelnsversaimnlnngen wieder durchzusetzen. In zwei großen Versammlungen, die von K000 Teilnehmern besucht waren, protestierten die Proletarier. In den Versammlungen referierten die Genossen Reichstagsabgeordneter Emil Eichhorn und Redakteur Paul Hennig. die unter Beifallsstürmen daS Poiizeiclend von Halle und Preußen überhaupt bloßstellten und nachwiesen, daß solches Polizeisystem nur in Preußen, dem größeren Gutsbezirk des Junker- tums. möglich sei.«IS Genojje Eichhorn w der größeren Ler- sammlung auf die Polizeisäüekeien anläßlich der Wahlrechts- demonstrationen.einging, wobei brausende Zustimmungskundgebungen erfolgten, wurde der.überwachende" Kommissars nervös und wollte .auflösen". Der Redner konnte ihm sozusagen in llsx-ranti nach- weisen, daß weder er noch seine Behörde den Geist dcS Bereinsgesetzes oder auch nur dessen Z 14 begriffen haben. In beiden Versammlungen wurden Resolutionen angenommen, die das ungesetzliche Vorgehen der Halleschen Polizei energisch zurückweisen und erklären, daß das werktätige Volk nunmehr nüt umso größerem Eifer für die Selbst- bestimmung des Volkes und die Beseitigung der jetzigen preußischen Zustände tätig sein werden. Sichtbarer Erfolg der Versammlungen war die Gewinnung von fast 100 neuen Mitgliedern für die Parteiorganisation. Die Polizei hatte alle verfügbaren Mannschafteu zusammeugezogen, fand jedoch nichts zu tun.__ Pa» Korfanty. Bürgerliche Blätter veröffentlichten in den letzten Tagen eine mit inoralisckicn Entrüstungen über die Roheit der sozialdemokratischen Arbeiterschaft garnierte Notiz, der zufolge der polnische Abgeordnete Korfanty in einer in Paulsdorf O./T. stattgefiiiidenen Versammlung von anwesenden Sozialdemokraten niederqebrüllt und mit dem Messer gestochen worden sein sollte. Die ganze Nachricht ist Schwindel. Sie soll nur dem Zweck dienen, das politische und wirtschaftliche Renommee des Demagogen Korfan t.y wieder zu befestigen. Die „Kattowitzer Zeitung", em nationalliberales Blatt der Grubenbarone, das die Sozialdemokratie bei jeder Gelegenheit in der häßlichsten Weise angreift, muß selbst zugeben, daß es keine Sozialdemokraten waren, die in Panlsdorf Korfanty niedergebrüllt und angegriffen hätten. Das Blatt schreibt wörtlich: .Von unparteiischen und unbefangenen Zuhörer« wird aufs bestinnnteste versichert, daß derLärm von denjenigen polnischen Arbeitern ausging, die ihm(Kor- f a» t y) 1903 zujubelten und seineWähler wäre n." Den ihm angeblich von den Sozialdemokraten beigebrachten Messerstich hat Korfanty erfunden, nur um sich bei seüieu polnischen Wählern als Märtyrer hinzustellen. Der klerikale Begriff der Toleranz. Die Zeutrumspresse spricht in letzter Zeit trotz der päpstlichen Enzykliken gegen den sogenannten Modernismus mit Vorliebe von der„Toleranz" der katholischen Kirche, und im Reichstage stellt das Zentrum.T o l er a n z a nt r ä g e". Es verdient deshalb eine Auslassung des„Bayr. Kurier"(München) festgehalten zu werden, was man im Zentrumslager unter.Toleranz" versteht. Das klerikale Blatt schreibt: „Der Begriff der„Toleranz" kann in der katholischen Kirche nie das Bürgerrecht erlangen. Es ist immer etwas Schiefes und Ungenügendes, sicher etwas Mißverständliches, schon deswegen, weil man auf kaihollscher Seite nicht zwischen„Toleranz" gegenüber den Doktrinen und gegenüber den Personen unterscheiden kann. Wo man trotzdem auf katholischer Seite von Toleranz spricht, ge- schieht es infolge eines Zugeständnisses an Andersgläubige, denen vor der kalholiichen Kirche Angst gemacht worden ist und denen daher gezeigt werden muß, daß sie bei der katholischen Kirche nicht nur die„Toleranz", die sie wünschen, finden, sondern noch weit mehr. Im übrigen ist der Begriff der„Toleranz" ein Produkt der Denkträgheit, wert und reif, daß er verschwinde." Reaktionäre Uneinigkeit in Renfi j. L. Die einige reaktionäre Masse, die sich, wie wir kürzlich berichteten, im Fürstentum Reuß j, L. für die Reichstags- Wahl zusammeiiaefiinden hat, ist vorläufig wieder in die Brüche ffegani;«».-Di« F o-r t s ch ri t t l i ch e Volks-pmvtel,' derem Sprachrohr das„li»kö"freisiiiiiige„Geraischc Tageblatt" ist, hat dem nationallibcralen Mischniaschkandidaten Land rat Horn die Gefolg- schaft wieder gekündigt, und die saftigen Kosenamen fliegen nun wieder hinüber und herüber. Auch der Bund der Land- wirte und die Anlisemiten sollen, wie gemunkelt wurde, für die Kandidatur Horn nicht mehr begeistert sein. In der national- liberalen Presse ist da« zwar bestrrtten worden, aber Dementis sind bekanntlich meisten» dazu da, um die Wahrheit zu verschleiern. Aber nur gemach: die einige reaklionäre Masse vom Bunde der Landwirte bis zur Fortschrittlichen Bolkspartei wird sich wieder zusammeii- findcn, sobald es an der Zeit ist, Uns kann» gleich sein: ob die feindlichen Brüder vereint oder getrennt marschieren— geschlagen sollen sie auf alle Fälle werden. Verschlechterung der Lebenshaltung durch die„letzte" Finanzreform! Im eben herausgekommenen Jahresbericht des„Konsum- und Sparvereins Dortmund-Hamni", der rund 9>/, tausend Mitglieder zählt, von denen die allermeisten Arbeiter sind, wird auch über die Wirkung der Finanzreform auf den Konsum der Mitglieder berichtet. Allein für Kaffee, Zündhölzer, Tee, Bier, Zigarren und Tabak, die teils neu, teils höher besteuert wurden, iniißten die Mit- alieder der Genossenschaft nach der Unisatztabelle zusammen 34 305,75 M. mehr aufbringen. Dazu heißt es im Geschäftsbericht: „Daß diese enorme Belastung auf das HauShaltuiigsbudget der Arbeiterfamilie und der des kleinen Beamten empfindlich ein- wirken mutzte, ist erklärlich. Reicht daS Einkommen aber nicht aus, um diese Mehrausgaben zu decken, so mußte notwendigerweise eine Verschlechterung der Lebenshaltung Platz greifen. So stieg der Bcr- brauch an Surrogaten und billigen Ersatzmitteln, gegenitber den in früherer Zeit konsumierten besseren Lebensmitteln". An einer umfangreichen GegenübersteNiing der Umsatzstelgerung oder-vermiildennig einer Reihe von Artikeln wird dies des Näheren betviesen. Molkereibutter ging zurück, ebenso Apfelringe, gedörrte Pflaumen und Korinthen. Schweineschmalz wurde zuni Teil durch Kokosfett ersetzt. Sogar bei der Seife wurden die billigeren Sorten mehr bevorzugt wie in früheren Jahren. So beweist die Statistik an allen Enden den sagenhaften„Auf- stieg" der Arbeiter in der Lebenshaltung I Nachwehen zum Bierboykott in Baden. Man schreibt uns aus Offenburg: Wenn doch der Geist der Opposition in bäuerlichen Kreisen so feurig und so nachhaltend wäre gegenüber allen Quälereien am Leibe des arbeitenden Volks, wie im Kampfe gegen die Bier- Preiserhöhung! Um die Vier- gegen die Dreidezi tobt der wirtschaftliche Kampf in den bäuerlichen Kreisen heftiger noch, als in den Städten. Heute noch, nach einem halben Jahre, tauchen in Dörfern immer wieder'die affichierten Warnungen vor dem Biergenutz auf. Die badischen Jünger des Gambrinus berieten am Montag in Appenweier, wie sie nun! dem letzten Widerstande der„Buren" ein Ende bereiten könnten. Da tritt ihnen die ge- treue Dienerin des kapitalistischen Staates, die strafende Justitia, zur Seite. In etlichen Dörfern unseres Bezirkes dereinigten sich die Bauern und Arbeiter an den Sonntagen zu einer kontempla- tiven Biergenießerschaft nach der vielbesungenen Art der alten Deutschen. Lagen sie auch nicht auf Bärenhäuten, so gingen sie zu Hof, d. h. in das Gehöfte eines Landwirtes, der sich ii�it genügender Quantität Gerstensaft vom syndtkalisttschen oder boykottfreien Brauer versehen hatte. Nach dem ausgestorbenen Brauch der alten Kranzwirtschafterei setzte der Beauftragte seine Gambrinus- gäbe ab an die Inhaber eigener Trinkgefäße zumeist zu einem Preise, der die Selbstkosten des Sonntagsvergnügens deckte. Dabei gab er dem Brauer 19 Pf. loco für den Liter Dividendensaft. Kein Wunder, daß die geächteten Wirtschaften der Sonntagsruhe pflegen durften, während ihre früheren Gaste in den improvisierten Schönten unter txeiem Himmel oder Scheunendächern immer noch tm tawl&ih Jetzt kommt der bittere Nachgeschmack. Der AnKakt deß Staates schreitet gemäß dem Verlangen der Interessenten gegen die Veranstalter jener idyllischen„Hosschänken" strafend ein. Sie werden unter der Anschuldigung eines Vergehens gegen die Zsj 33, 147 der Gewerbeordnung(unerlaubter Schaninnri- schaftsbetrieb) mit S t r a f b e f e h l e n überrascht, die auf etliche Dezi Reichsmark lauten. Dagegen mag wohl nichts zu machen sein; aber mit der Androhung einer Bestrafung der iiiigesetzlichen Gastwirte wogen Steuerhinterziehung wird der Sittenrichter nur eine platonische Bierrede gehalten haben. Andererseits darf man darauf gespannt sein, wie. die Klage des Vrauerrings verlaust, der die abtrünnigen Verschworenen wegen Erfüllung der Konveniional- büße vor's Gericht schleppen will. Die Energie dieses badischen Kampfes gegen die Bierverteur- rung verrät jedenfalls die Stimmung im Volke, Die badische Biersteucr ist bekanntlich ein Werk der bürgerlichen Parteien gegen die Stimmen der �ozjgldemokratle. Der Großblock spaltete sich bei diesem Anlaß glücklicherweise, als das Zentrum in der Zweit?» Kammer nach einigein Zögern und Schmollen tn's Regierung-- lager einschwenkte._, Ocrternich. Tie Bewkgntiss auf der österreichischen Siidbah», über die in den letzten Tagen allerhand Tatarennachrichten durch die Presse gehen, hat den national-klerikalcn Beamtenorgaiiisationon ein ziemliches Fiasko ihrer passiven Resistenz, der sozialdemokrati- schen Eisenbahnergewerkschaft aber einen großen Erfolg gebracht, das ist dem Allgemeinen Rechtsschutz- und Gewerkschastsverein und dem mit ihm verbündeten(nicht ausgesprochen sozialdemokratischen) Kondukteur- und Baumeisterverein. Die Südbahndirektton wollte die Vertreter dieser großen Organisationen gemeinsam mit denen des deutschnationalen„Reichsverbands deutscher Eisenbahner" und der übrigen Vereinchen empfangen, was aber von ersteren deshalb abgelehnt wurde, weil in solchem Falle die Nationalen und Zer- splitterer die Erfolge stets als von ihnen erkämpft ausgeben. Die Abgewiesenen baten dann, allerdings vergeblich, die Organisationen, sie doch auch zuzulassen. Namens der koalierten Organisationen intervenierten die Genossen Neichsratsabg. Tomschik und Weigl. In den Zugeständnissen werden die Ouartiergelder erhöht, ebenso die Sterbeqnartale der Beamten, die Wartezeiten der Unterbeamten werden gekürzt, die Vorrückung verbessert, ebenso auch bei den Dienern. Zahlreichen Beamten, die bei der letzten Gehaltsregn- lierung nur 200 Kr. profitierten, werden die Vorrllckungsfristen gekürzt. Ueberhaupt wird den Hauptforderungen der Unter- beamten und Diener samt dem Wärterpersonal entsprochen. Die Zugeständnisse unterliegen noch der Genehmigung des Verwaltungs- rates auf der einen, einer eigens einberufenen Vertrauensmänner- konferenz auf der anderen Seite. Für die freie Schule. Wien» 19. September. Nach der gestrigen Protest der- s a ni m l u n g des Vereins„Freie Schule" in Mariahilf, wo mehrere freiheitliche Abgeordnete gegen die feindselige Haltung des Unterrichtsministers Einspruch erhoben, zogen gegen 8090 M a ii i f e st a n t e n unter den Rufen...Hoch die freie Schulel", Nieder mit d e n K l e r i k a l e nl", A b z u g des Grafen Stuegk zum neuen Hause des Vereins in der Josefsiraße. Dort hielt Baron Koch vom Balkon aus eine An- spräche, in der er die Bedeutung der Erössnung des neuen Hauses darlegte,.. f�ankrelck. Gegen die Tcueruug. Die Teuerung der-Lebensmittel macht sich auch in Frankreich in fataler Weise fühlbar. Die letzte Ernte ist ungenügend ausge- fallen, und die Brotpreise steigen rapid. Infolgedessen sind der Nationalausschuh der sozialistischen Partei und die Vertretung der Mceiniaten sozialistischen Konsumgenossenschaften zusammenge- treten, um über eine gemeinsame Aktion zu beraten. Zweck dieser Aktion, heißt es in dem Beschlüsse, soll sein, dje Regierung zur Suspendierung der Lebensmittelzölle zu zwingen, durch Versanimr lungen und Dcmonstratioiien die Oeffentlichkeit aufzurütteln, die Arbeiterschaft über die verbrecherischen Machenschaften der Waren- Wucherer auf dem Laufenden zu halten und im Notfalle zu energi» scheren Maßnahmen zu greifen. In den nächsten Tagen sollen die Einzelbeiten der Kampagne eingehend beraten werden. Ein Heldenstück Bririnds. Der Kongreß der ägyptischen Nationalpartei, der wegen der britischen Gewaltherrschaft nicht in der Heimat tagen kann, und daher in Paris zusammentreten sollte, ist von der französischen Regierung verboten worden. Als Grund wurde in die Presse gebracht, daß der Kongreß panislamitischen(auf die Vereinigung aller mohamedanischen Völker gegen die christlichen ausgehenden) Bestrebungen huldige, deren Uebergreifen auf die französischen Be- sitzungen in Nordafrika befürchtet werde. Das Komitee der ägyptischen Nationalpartei hat dagegen einen Protest erlassen, in dem es sich gegen alle religiösen Tendenzen verwahrt und auf das Statut der Partei Bezug nimmt, die allen Aeghplern ohne Unterschied der Religion den Zutritt öffne. Es wird betont, daß das Verbot der englischen Regierung zuliebe er- lassen worden sei, der hohen Achtung, die Frankreich heute im Orient genieße, aber starken Eintrag tun werde.— Der Kongreß soll nun in Brüssel tagen, vorausgesetzt, daß die belgische Regie- rung mehr Duldsamkeit beweist, als die der französischen Republik. Sieben doch alle Staaten, die eine Kolonial-, d. h. heute eine kapi- talistische Raubpolitik in überseeischen Ländern betreiben, den Be- freiungsbestrebuugen der unterjochten Völker gegenüber auf etwa dem gleichen Boden. Sie..liegen im selben Spittel krank"» sagt man in der Schweiz._ Der Staat gerettet. Paris, 18. September. Offiziös wird gemeldet, im Hinblick auf die Absicht der Revolutionäre, den bevöistebcnden Abmarsch der Rekriitenkontingcnte auch diesmal zu antimilitaristischen Straßen- kiindgebunacn und Aufreizungen zu benutzen, hat die Regierung energische Gegenmaßregeln beschlosten. Die Polizei wird im Ein- vernehmen mit den Militärbehörden jeden Versuch zu derartigen Ktuidgebuugen rücksichtslos verhindern. Paris, 19. September. Der Internationale Arbeltslosigkeits- Kongreß ist beute in der Sorbonne unter Vorsitz des FinanzministerS Cochery eröffnet worden. Zahlreiche Länder haben Vertreter ent- sandt. Belgien. Keine Hofgiiiigerei. Brüssel, 18. September. König Albert hat anläßlich de» Bc- suches der Pariser Stadträte die Gemetnderäte seiner Hauptstadt zu einem Diner im Schloß geladen. Die sozialistischen Gemeinde- räte Brüssels werden nach einem gestern gefaßten Entschluß dieser Einladung nicht Folge leisten. Klmerika. Von der Korruption. New Dorf, 19. September. Die Metropolitan Street Railway Eo. hat Jahre hindurch Kommunal- und Staatspolitiker n große Bestechungsgelder bezahlt, die sie ihnen durch das Bankhaus Ellingwood u. Cuniiinghaiii überweisen ließ. Die jüngsten Untersuchungen haben festgestellt, daß bereits im Jahre 1903 da? Kongreßmitglied George R. Malvy 100 Dollar(nur 100?) für „Interessenvertretung" erhielt. Damals war Malvy auch Senator. Der frühere Präsident der Metropolitan-Gesellschaft, H. Breeland. hat gestanden, daß die Bestechunasgelder„nicht einseitig" verteilt wurden, sondern daß man Politiker allerRichtungenbe- rücksichtigte, um gegebenenfalls auch vom Gegner Borteils erlange» au iflnnen« Gcwcrforcbaftlicbce. Die Knapprcbaftsatteftenwabten im Ruhrgebiet am Sonnabend, den 17. September 1910, haben mit einer vernichtenden Niederlage für den Gewerkverein christlicher Bergarbeiter geendet, trotz des Kompromisses mit den Zechen und den konfessionellen Vereinen. Von insgesamt 419 Mandaten erhielten der Bergarbciterverband...... 299 Mandate Gewerkverein und Zechenmischmasch.. 83„ Polnische Berufsvereinigung.... 29„ Zechen allein.......... 8„ Gewerkverein Hirsch-Duncker....—„ Die Hirsche gingen diesmal völlig leer aus und es wäre ihnen jetzt doch zu raten, ihre Organisationsspielerei an den Nagel zu hängen. An Stimmen erhielten: Der Bergarbeiterverband 97 779, der Gewerkverein 53 018, die Polen 22 238, die Zechen 5413, Hirsch-Dunckerscher Gewerkverein 2400. Im Jahre 1904 wurden Stimmen abgegeben für den Bergarbeiterverband 66 533, Gewerkverein 43 280, Polen 3479, Zechen 6473, Mischmasch 5606. Was der 29. August 1910, der Tag der Sicherheits- männerwahlen so glänzend begonnen, hat der 17. September vollendet. Bekanntlich erhielt der Bergarbeiterverband bei den Sicherheitsmännerwahlen 1136, der Gewerkverein nur 336 Mandate; um nicht nach außen einen gar zu kläglichen Eindruck zu machen, schwindelte der Gewerkverein sich rund 100 Mandate dazu und gab 436 an. Vielleicht wird er jetzt dieselbe Methode befolgen, um die Oeffentlichkeit zu täuschen. Die absolute Mehrheit der Knappschaftsältesteu beträgt 210; der Bergarbeiterverband hat also rund 89 Aelteste über die absolute Mehrheit. Der Vergarbeiterverband hatte vor den Neuwahlen 234; der Gewerkverein nach Angabe seines Sekretärs Steeger in der Generalversammlung des Knappschaftsvereins am 30. Juni 1910 133 Aelteste; der Gewerlverein hat danach rund 50 Aeltestemandate verloren, der Bergarbciterverband hat rund 65 gewonnen. Der Bergarbeiterverband hat also nicht nur dem vereinten Ansturm seiner Gegner glänzend widerstanden, sondern ihnen eine vernichtende Niederlage beigebracht; sie bilden heute nur noch eine völlig hoffnungslose kleine Minderheit. Die Kraftprobe der vereinten Gegner hat trotz der schimpflichen Kampfesmittel elend Schiffbruch gelitten. Diese Wahlen sollten ein Vorspiel sein zu den kommenden Reichs- tagslvahlen; sie sind es geworden, aber nicht wie es die Gegner wünschten._ Berlin und Umgegend. Ueber die Lohnbewegung der Fahrstuhlmonteure und Helfer machte M a u s am Sonntag in einer Versammlung dieser Branche folgende Mitteilungen. Dem früher gefaßten Beschkuß gemäß be- finden.sich die Arbeiter in einem Teil der Betriebe seit dem 8. d. M. im Streik. Die Unternehmer der Fahrstuhlbranche gehörten bisher der Unternehmerorganisation nicht an, sie sind aber imch dem Ausbruch der Lohnbewegung der Organisation beigetreten. Hierauf ertlärten einige Firmen, daß sie mit dem Metallarbeitcrverbande nicht verhandeln. Einige Firmen, welche bereits Zugeständnisse gemacht hatten, zogen dieselben wieder zurück unter dem Hinweis, auf bevorstehende allgemeine Verhandlungen. Solche sind aller- dings angebahnt, doch scheint es, daß die Unternehmer die Ver- Handlungen hinauszuschieben suchen, in der Hoffnung, sie würden Arbeitswillige genug finden. Diese Hoffnung ist aber unbegründet, denn es handelt sich hier um geübte Spezialarbeiter, die nicht leicht zu ersetzen sind. Da auch die Streikenden auf dem Posten sind, um den Zuzug etwaiger Streikbrecher fernzuhalten, so ist es den Unternehmern nicht gelungen und wird ihnen auch nicht ge- lingen, Ersatz für die Streikenden zu bekommen. Nach alledem kann der Stand der Bewegung als günstig bezeichnet werden. Die Verhandlungen zwischen den beiderseitigen Organisationen sind für diese Woche in Aussicht gestellt. Von dem Resultat derselben wird es abhängen, welche Maßnahmen ferner zu treffen sind. Einige Betriebe haben schon mit ihren Arbeitern Vereinbarungen getroffen, welche einer Bewilligung der aufgestellten Forderungen sehr nahe kommen. Ferner haben sich diese Firmen verpflichtet, daß sie, wenn ein allgemeiner Tarifvertrag zustande kommen sollte, dieser unbedingt anerkannt werde.— Durch Annahme einer Na- solution erklärte sich die Versammlung mit den Maßnahmen der Streikleitung einverstanden und sprach den Streikenden volle Sympathie aus. Die Lohnbewegung der Dachdeckerhilfsarbeiter macht recht er» smikiche Fortschritte. Die Forderungen unterschriftlich anerkannt haben weiter die Firmen: G. A. W e r n i ck e, Habsburger Ufer; E. B e I l a ch, Helmholtzstr. 21, und O. Habsguth, Andreas- straße 66. Asphaltnrbeiter! Die organisierten Arbeiter bei der Firma Kopp u. C i e., Müuchener Asphaltwerk, haben wegen Maß- r e g e l u n g von drei Verbandskollegen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Ortsverwaltung. Oeutlches Reith. Der Streik der Lithographen und Stclndrucker in der bekannten Kunstaiistali von I. C. König u. Ebhardt in Hannover wurde durch VerHmidliiiigen beigelegt. 22 Gehilfen erhielten sofort Lohnznlagen; nach Ausnahme der Arbeit erfolgen weitere Zulagen. Für Bronzearbeiten wurde ein Lohnzuschlag von 19 Pf. pro Stunde bewilligt. Alle Ausständigen haben die Arbeit wieder auf- genommen. Achtung, Gewerkschaften! Gewarnt werden die einzelnen Ver- waltungsbureaus vor dem Schachtmeister P. H ä ß n e r. Derselbe sucht unter Vorlegung eines Parteibuches und sonstiger Korrespon- denzen Arbeiter, besonders Streikende, für irgendeine Firma zu engagieren. Auf der letzten Stelle ließ er die herbeigeholten Ar- beiter im Stich unter Mitnahme einkassierter Gelder. Deutscher Metallarbciter-Berband, Verwaltungsstelle Osnabrück. Gedrückte Stimmung bei dem zentrumschristlichen Metallarbeiterverband. Anfang Juli machte der christliche Metallarbeiterverband auf seiner Generalversammlung einiges Gerassel und gefiel sich in der ulkigen Pose des„starken Mannes", der als christliche Gewerkschaft „viel stärker und viel beachteter" sei als der große rote Bruder. Der Ulk wirkt besonders stark beim christlichen Metallarbeiter- verband, der den stärksten sozialdemokratischen Verband neben stich hat und mit Wut und Schmerz zusehen muß, wie dieser immer breitere Massen der Metallarbeiter an sich zieht. Unternehmer als auch christliche Blätter selbst haben deniijmch schon damals die Bramarbasiererei entsprechend gewürdigt. So schrieb die„Deutsche Ärbeitgcberzeituiig" bei der Gelegenheit: „Ein Beleg dafür, wie schwer eS z. 23. den christlichen Gewerkschaften wird, in den Gebieten, in welchen die großen sozial- demokratischen Arbeiterorganisationen einmal festen Fuß gefaßt haben, vorwärts zu kommen, ist der christliche Metallarbeiter- verband, der bereits 19 Jahre besteht und trotzdem heute nur etwa 27 999 Mitglieder zählt. Demgegenüber hat der Deutsche Metallarbeitcrverbaiid, die freie sozialdemokratische Gewerkschaft in der Metallindustrie, augenblicklich bereits die Zahl von 499 999 Mitgliedern überschritten."_ Verantw. Redakt.: Richard Barth. Berlin. Inseratenteil verantw.t Und die M.-Gladbacher„Westdeutsche Arbeiterzeitung' meinte rückschauend über die christliche Tagung: „Die Gesamt st ellung der christlichen Gewerkschaften wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es ihr gelingt, dem M e- tallarbeiterverband eine gleiche Stärke an Mitgliedern zahl zu verschaffen, wie sie auch der Gewerkverein christlicher Bergleute hat. Daß wir als katholische Arbeitervereine mit zäher Ausdauer an diesem Ziele mitarbeiten müssen und werden, bedarf keiner besonderen Betonung mehr.' Mit„müssen und werden" ist es„leider' allein noch nicht ge- tan, es muß auch das Können hinzukommen. Mit den katholi- scheu Arbeitervereinen ist ja früher schon eine Blutsvermischung versucht worden, das Resultat war aber arg„betrübend", wie das Blatt des christlichen Metallarbeiterverbandes selbst kund und zu wissen tat. Der Duisburger„Deutsche Metallarbeiter' schrieb darüber: „Wie das Resultat der gemeinsamen Aktion zwischen GeWerl- schaftcn und Arbeitervereinen vor zwei Jahren gezeigt hat, ist die übergroße Mehrzahl der Arbeitervereinsmitglieder für die Gewerkschaften nicht zu haben. Wir handeln nur klug, wenn wir unfere Hoffnungen nach der Richtung hin um einige Löcher zurückstellen.' Nun will maus also trotzdem noch einmal versuchen, ob mit besserem Erfolge, ist mehr als fraglich. Nach der anderen Richtung hin scheint es, als ob es auch dem christlichen Metallarbeiterverband noch weniger als früher gelingen wird, sich von seiner Winzigkeit gegenüber dem„großen roten Brüder" loszubekoinmen. In einem Artikel der letzten Nummer des christlichen Metallarbeiterblättchcns muß man „leider konstatieren, daß die agitatorische Mitarbeit unserer Kol- legen vielfach sehr nachgelassen hat. Einzelne Kollegen sind ja sehr eifrig, aber die Mehrzahl der Mitglieder versagt. Heute, da wir in den meisten Bezirken freigestellte Beamte haben, glauben die Kollegen vielfach der Mitarbeit in der Agitation enthoben zu sein. Man überläßt die ganze Arbeit meistens dem Beamten oder örtlichen Vorsitzenden und übt höchstens noch Kritik an deren Tätigkeit.' Kritik hat die Tätigkeit der zentrumshörigen..Christen' aller- dings genügend verdient. Interessant ist auch noch folgendes Ein- gcständnis: „Im Jahre 1994, wo wir über nur wenige freigestellte Be- mute verfügten, wurden mehr Mitglieder ausgenommen als in den Jahren 1993/99, trotzdem da zirka 39 Beamte tätig waren. Ter Mangel kommt aber daher, daß mit der Anstellung eines Beamten im Bezirke der Eifer und die Mitarbeit der Kollegen vielfach erlahmt ist. Festgestellt wurde, daß im Jahre 1993 64 Ortsgruppen vorhanden gewesen sind, die keine einzige Auf- nähme gehabt hatten und weitere 91 Ortsgruppen, die nur bis auf 6 Aufnahmen gekommen waren.' Schau, schau! Also je mehr christliche Beamte, um so weniger M!i t g l i e d e r a u f n a h me nl Und die Christen haben doch vielfach solch klapperndes Mundwerk. Nun wird kon- staiiert, daß sie die Miiglicderzufuhr geradezu gestoppt haben I Das läßt tief blicken und wird allerdings wenig dazu beitragen, den Größenabstand zwischen den Zentrumschristen und dem mächtigen deutschen Metallarbeiterverband zugilnsten der kleinen„Möchte- gerne" zu verschieben. Im Interesse der deutschen Metallarbeiter ist das gut so._ Der Lohnkampf im Stukkateurgewerbe für den Solinger Bezirk ist nach dreitägigem Streik durch einen neuen Tarifvertrag erledigt worden. Vom t. Oktober bls 1. April 1911 werden 69 Pf. pro Stunde, vom 1. April 1911 bis 31. März 1912 79 Pf. und vom 1. April 1912 bis 31. März 1913 72 Pf. pro Stunde bezahlt. Neu im Vertrage ist, daß keine unorganisierten Gehilfen mehr beschäftigt werden dürfen, während sich andererseits die Gehilfen ver- pflichtet haben, direkt vom 23auherrn keine Stukkateurarbeit mehr anzunehmen. Eine Verkürzung der Arbeitszeit konnte nicht erzielt werden._ Tarifverhandlunge»» in der rheinisch-westfälischea Brauindustrie. Seit dem 23. August werden mit wenigen Unterbrechungen zwischen dem Bohkottschutzverband rheinisch-westfälischer Brauereien und den für die Brauereiarbeiter Rheinlands und Westfalens in Betracht kommenden Arbeiterorganisationen Verhandlungen um einen Tarifvertrag geführt. Bis jetzt waren die Lohn- und Ar- beitsbcdingungen in den Brauereien in Rheinland und Westfalen örtlich geregelt. Die Unternehmervereinigung arbeitete aber sckon seit Jahren auf eine allgemeine Regelung der Arbeitsverhält-- nisse für den ganzei, Bezirk hin. Schon seit über zwei Jahren wurden für die dem Boykottschiltzverband angeschlossenen Braue- reien keine Tarifverträge abgeschlossen, der Zweck, den die Unter- nehmervereinigung der rheinisch-westfälischen Brauereien mit dem einheitlichen Ablauf der Verträge beabsichtigte, war für die Ar- beiter schon längst klar. In einigen Orten des Industriegebiets, besonders in der Biermctropole Dortmund, sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter noch recht rückständig. Auf der Grundlage dieser rückständigen Lohn- und Arbeitsverhältnisse glaubte die Unternehmervereinigung einen Geneoaltarifvertrag für das gesamte Gebiet aufbauen zu können. Das von der Unter- nehmervereinigung den Arbeitervertretern zu Anfang der VerHand» lungen vorgelegte Vertragsmnstcr enthielt in der Tat für die Orte mit bereits vorgeschrittenen Arbeitsverhältnissen wenig oder nichts. Danach sollte die tägliche Arbeitszeit im inneren Betrieb während des ganzen Jahres auf zehn Stunden netto bei einer ILstündigen Anwesenheitspflicht festgesetzt werden. Auch wollen die Unter- nehmer über den Beginn und über das Ende der Zlrbeitszeit allein bestimmen. Heftig wurde über die Arbeitszeit bei den VerHand- lungen gestritten, die Entscheidung darüber dann aber bis zum 14. September zurückgestellt.— Bei der Wiederausnahme der Ver- Handlungen am 14. September machten die Unternehmer das An- gebot auf Einführung einer Arbeitszeit von 67 Stunden pro Woche im Jahresdurchschnitt. Damit war natürlich der Willkür Tür und Tor geöffnet, eine wirkliche Regelung der täglichen Arbeitszeit illusorisch gemacht. Die Verhandlungen scheiterten. Im Bereich des Brauereiarbeiterverbandes waren nach einer Zusammenstellung vom 1. August 1919 in 299 Orten 276 Tarisver- Irägc für rund 799 Betriebe mit über 36 999 darin beschäftigten Personen gültig, in denen eine Arbeitszeit von unter zehn Stunden vorgesehen ist, darunter sind Verträge, die sogar eine VM-stündige Arbeitszeit vorsehen. Daß eine Verkürzung der Arbeitszeit in den Brauereien des rheinisch-westfälischen In- dustriegebiets möglich ist, beweist schon allein die Tatsache, daß dort schon eine ganze� Anzahl Verträge mit einer Arbeitszeit von unter QVi Stunden bestanden haben. Auch ist die Konstellation der Betriebe im Industriegebiet so, daß sich nirgends besser wie dort eine verkürzte Zlrbeitszeit durch- führen läßt. Wir finden in Rheinland-Westfalen nicht nur fast durchweg große, sondern auch die besteingerichteten Brauerei- etabliffements. An der Möglichkeit, eine Verkürzung der Arbeits- zeit im Sinne der Arbeiterforderungen eintreten zu lassen, liegt es nicht, sondern die Brauereivereinigung hat das starre Prinzip auf- gestellt, in bezug auf Verkürzung der Arbeitszeit den Arbeitern möglichst wenig oder gar nicht entgegenzukommen. Es handelt sich hier nur um ein Prinzip, wie überhaupt die meisten scharfmache» rischen Prinzipien der Arbcitgebervereinigungen aus dem rheinisch- westfälischen Industriegebiet stammen. Um aber nach außen hin nicht den Verdacht aufkommen zu lassen, als ob die Verhandlungen an der Arbeitszeitfrage gescheitert seien, schützen die Vertreter der Unternehmervereinigung etwas vor, was mit den Lohnverhand- lungen in gar keinen Zusammenhang zu bringen ist. Sie erklären nämlich, daß an den Abschluß eines Tarifvertrages gar nicht zu denken sei, wenn die über einige Brauereien in Solingen und in Lütgendortmund verhängten Bobkotts nicht bis zum 17. September aufgehoben seien. Die genannten Boykotts entstanden aber, wie selbst die unternehnrerfreundliche„Allgemeine Brauer- und Hopfen. rb.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlagsanftall zeitung' berichtet, deshalb, fveil die in Dekracht lomKWhben Wirke sich weigern, die Siebenzwanzigstelliter-Gläfer wieder abzuschaffen und für 16 Pf. bierzehntel Liter Bier zu verabreichen. Die Brauereiarbeiterorganisationen sind an diesem spontan ausge- brochenen Bierkrieg ganz unschuldig, folglich kann man sie auch nicht dafür verantwortlich machen. Die Brauereiarbeiter Rheinland-Westfalens, von denen in diesem Falle mehrere tausend in Frage kommen, sind nicht willens, in bezug auf die Arbeiiszeiidauer gegenüber ihren Kollegen anderer Gegenden noch länger zurückzustehen. Wenn die Unternehmerver- einigung der rheinisch-westfälischen Brauereien glaubt, ihren Ar- beitern aus Prinzip das vorenthalten zu können, waS in anderen Gegenden des Reiches bereits längst eingeführt ist, dann täuschen sie sich ganz gehörig. An der Bewegung sind beteiligt: Der Brauereiarbeiter- und der Böttcherverband, sowie der Bund deutscher Brauergesellen und der christliche Lebens- und Genußmittelarbeiterberband. Die beiden letzteren haben sich zur Erkämpsung einer verkürzten und geregelten Arbeitszeit solidarisch erklärt. Wenn die rheinisch-westfälischen Scharfmacher nicht noch recht- zeitig ihre Prinzipien aufgeben, dann dürfte die deutsche Brau» i Industrie einen Kampf erleben, wie sie ihn noch nie gesehen hat. Für die Folgen des Kampfes werden sich die einzelnen dem Boykott- schutzverband rheinisch-westfälischer Brauereien angeschlossenen Be- triebe dann bei deren Leitern bedanken können. Lange genug haben diese das Feuer geschürt. »» * In den Brauereien Bergschlotz in Elberfeld und Boß in Barmen haben die Arbeiter infolge der ablehnenden Haltung des Boykottschutzvcrbandes rheinisch-westfälischer Brauereien gegen- über ihren Forderungen die Arbeit eingestellt. An der Arbeits- niederlegiing sind auch die im Bundesverein organisierten Brauerei- gehtlfen beteiligt._ Die Zentrumsprefse erklärt die Sozialdemokratie als vogelfrei. Die Zentrumspresse im Ruhrrevier ist angesichts der Wahl- erfolge des Verbandes in fanatische Raserei verfallen. Das Zen- trumsblatt„Gladbecker Zeitung" fordert die staatliche Gruben- Verwaltung auf, die in den Kolonien wohnenden Berbändler auf die Strajje zu setze». Gr�ide in den fiskalischen Kolonien hätte die Sozialdemokratie den größten Anhang. Es könne doch nicht an- gehen, daß der Staat seine schönen, billigen Wohnungen an solche vermiete, die gegen seinen Bestand arbeiteten. Man muß wissen, daß im Gladbeckcr Gebiet die Berg- arbeiter fast ausschließlich auf Koloniewohnungen ange- wiesen sind. Ein Verlust der Wohnung ist gleichbedeutend mit dem Verlust von Arbeit und Brot, denn in den Kolonien können nur die auf den Werkel» beschäftigten Arbeiter Wohnung erhalten. Sollte die Wohnungsverwaltung der fiskali- schen Gruben auf diesen unerhörten Vorschlag der Zentrumspresse reagieren, dann kann sich das Zentrum gratulieren: Man hängt und brennt nicht mehr, wie albern auch. Man läßt verhungern nur den arinen Gauch Mit Weib und Kind, und sühnet das Verbrechen—» Der Fromme weiß sich ohne Dolch zu rächen. ZZusland. Der Verband der österreichischen Buchbrucker-Landesvereine hielt seinen 7. Verbandstag in Brünn ab. Für den Deutschen Buchdruckerverband und das Internationale Sekretariat lvar Ge- nasse K n i e- Stuttgart anwesend. Ter Vertreter der Reichs- gewerkschaftskoinniission, Genosse Grunwalb, konnte auf dcg Chw, rakter einer Reichsorganisation hinweisen, den die graphische Organisation trotz der sinternationalen, nicht national getrennten) Landesvereine hat. Eine Dücnstpragmattk lfüw die Verbands- beamten wurde genehmigt, in einer Resolution ein disziplin- widriges Verhalten des 5t ü st e n l ä nd i schen Vereins verurteilt, dessen Vertreter übrigens den Verdacht des Separatismus von sich wies. Der Verbandsbeitrag ist sechs Heller pro Mitglied und Woche. Der Verband subventionierte u. a. das polnische und daS italienische Thpographenfachblatt. Er bat dem verstorbenen Redak» teur des Wiener Buchdrucker-„Borwärts' und der„Arbeitev- zeitung", Genossen Emil Kralik, ein Grabmal errichtet. Die Maurer und Bauhilfsarbeiter von Trondhjem haben«inen über drei Monate langen Lohnkampf durchgemacht, der jetzt glücklich beendet ist. Die Unternehmer hatten bereits eine allgemeine Ans- fpirrung im Baugewerbe ganz Norwegens beschlösse jedoch ist eS nun Ende der verflossenen Woche durch Verhandlun�n zwischen den Hauptorganisationen beider Parteien zu einer Einigung und zum Abschluß eines neuen Tarifvertrages gekommen, wonach in Trondhjem die Stundenlöhne der Maurer von 69 auf 66 Oere, die der Hiifs» arbeiter sogleich von 47 auf 63 und mit dem Jahre 1913 auf 66 Oere erhöht werden._ Letzte JVacbrlcbten» Licbcsdrama im Walde. Frankfurt, 19. September.(B. H.) Ter Wirt Johann Ruf von Feudenheim, der sich vor einiger Zeit mit seinem Dienst- ntäddien entfernt hatte, wurde gestern im Walde bei Heilig- kreuz-Steinach mit dem Mädchen erschossen aufgefunden. Ruf hatte zuerst das Mädchen und dann sich selbst erschossen. Zur Bewegung auf der österreichischen Südbahn. Wien, 19. September.(W. T. B.) Die„N. Fr. Pr." meldek: Eine Deputation von Südbah na nge st eilten wird sich morgen zum Eisenbabnministcr begeben.— Wie aus Bozen ge- meldet wird, hemmt die Resistenzbewegung den Güterverkehr immer mehr; die Station Bozen ist überfüllt. Auf der ganzen Strecke von Franzensfeste bis Ala herrschen Stockungen. Bcrgarbriterausstand. London, 19. September.(W. T. B.) Von den zwölftausend Bergleuten der Vereinigten Cambrian-Kohlengruben, die gestern beschlossen hatten, in den Ausstand zu treten, werden gemäß dem in einer später abgehaltenen Versammlung gefaßten Beschlutz, die vorgeschriebenen Kündigungsfristen innezuhalten, 9990 die Arbeit morgen wieder aufnehmen. Von den Bergleuten in Wertillery �Grafschaft Monmouth) sind viertausend in den Ausstand getreten. Hungert» sollst Du, sollst entbehre»».... Manchester, 19. September.(W. T. B.) Eine Massenver, sammlung von Mitgliedern des Verbandes der Baumwollspinnerei» besitzer hat beschlossen, daß sämtliche dem Verband« angehörenden Spinnereien am 1. Oktober geschlossen werden sollen, falls bis zu diesem Termin die Streitigkeiten in der Spinnerei in Oldham nicht beigelegt sind. Von diesem Beschluß würden über 199 999 Arbeiter betroffen werden. Die Cholera in Apulien. Rom, 19. September.(W. T. 23.) In Apulien sind in den letzten 24 Stunden fünf neue Erkrankungen und 4 Todesfälle an Cholera vorgekommen. Zaul Singer& Co� Berlin SW. Hierzu 4 Beilagr« u. UntcrhaltungSbl, � Nr. 230. 27. Iahrgavg. 1 Stil«« des Jmsirts" Scriim lolbM. Jitnsfnj, 20. Sfpltmbtt 1910. Parteitag der deutiche« Sozial' demoiiratie zu Iliagdeburg. Die Eröffnungsstyung. Sonntag, 18. September. Magdeburg, den 18. September. Schon lange bor Beginn der Verhandlungen waren der schöne geräumige Saal des Luisenparks, der keinen anderen Schmuck als das leuchtende Weih und Gold seiner Wände trägt, und die breiten Tribünen überfüllt. So zahlreich, wie noch zu keinem Parteitage, haben sich die Delegierten eingefunden. Der Saal ist von den Parteitagsmitgliedern fast bis auf den letzten Platz besetzt, während sich in den Seitcngängen die Zuhörcnnosten stauen. Eine dichte Menge, Kopf an Kopf, Genossinnen und Genossen, harrt geduldig der Eröffnung der diesjährigen Tagung des organisierten deutschen Proletariats. Man sieht es: die kampferprobte Arbeiterschaft des «lthiswrischn Parteiorts Magdeburg ist stolz darauf, dast das Par- lament der Arbeiterklasse diesmal in ihren Mauern tagt. Nach altem guten Brauch haben die Bruderparteien des Auslandes ihre Vertreter entsandt. Für die dänische Sozialdemokratie ist an° wcsend Genosse Staun in g° Kopenhagen, die tschechische Sozialdemokratie vertritt Genosse Schmeral- Prag, aus Holland sind die Genossen Lo o p u i t- Amsterdam, Voogd und Ricardo zur Stelle, Ketr Hardie vertritt zugleich die I. L. P. und die L. P., die unabhängige Arbeiterpartei und die Arbeiterpartei Großbritanniens. Ferner sind anwesend die Genossen Karl Moor- Bern, für die schweizerische Sozialdemokratie, Ludwig / B r e d t s chn e i d e r- Wien für die Parteivertretung und S el i ge r° Teplitz für die Reichsratsfraktion der österreichischen Sozialdemokratie. Die Bühne trägt als einzigen Schmuck die Büsten von Marx und Lastalle, die ein grüner Hain frischer Blatt- pflanzen umgibt. Als A u g u st Bebel den Saal betritt, wird er mit jubelndem Beifall begrüßt. Der Beifall erneut sich in gleicher stürmischer Stärke, als Bebel seinen Platz an der Spitze einer der Mitteltafeln einnimmt. Bald darauf erschallt von der Galerie, vorgetragen von den Arbeitersängern von Magdeburg, das Chorlied: das heilige Feuer. Das prächtig vorgetragene Lied löst stüruiischen Beifall aus. Um 7 Uhr betritt der alte Parteiveteran Genosse Klees-Magdeburg die Rednertribüne und hält folgende Begrüßungsansprache: Parteigenosten und Parteigenossinnen! Da ich beauftragt bin, Sie im Namen der Magdeburger Parteigenosten zu begrüßen, so gestatten Sie mir, einige Ausführungen über den Entwickelungsgcmg der Magdeburger Arbeiterbewegung zu machen. Das meiste haben Sie ja schon aus der„Neuen Welt" und aus dem Buche ersehen, das Ihnen von den Magde- burger Parteigenossen eingehändigt worden ist. Dem Genossen Julius Bremer wurde es Ende der sechziger Jahre im damaligen Arbeiterbildungsverein unmöglich gemacht, über die soziale Frage zu sprechen, indem der Verein beschloß: über Politik darf hier nicht gesprochen werden. Genosse Bremer unternahm eS darauf, einen sozialen Reformverein zu gründ-n. Seitdem gehöre auch ich der sozialdemokratischen Bewegung an. B„...:er betonte von Anfang an die internationale Verbrüderung der sozialistisch gesinnten Arbeiter aller Länder. Das von Wilhelm Liebknecht redigierte„Demokratische Wochenblatt" wurde zum Vereinsorgan erklärt und etwa dreißig Mitglieder schlössen sich als Einzelmitgliedcr der Internationalen Arbeiterassoziation an. Bald darauf suchte uns der Genosse Bracke, damals Haupt- lassierer des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins, zu bewege.., diesem beizutreten. Wir hielten aber im Gegensatz zu dem „nationalen" Standpunkt des Allgemeinen Deutschen Arbeiter- Vereins an der Jnternationalität fest. 1869 wandten sich Wilhelm Liebknecht und August Bebel an die Arbeiter- schaft Deutschlands und forderten zur Beschickung des Eisenacher Kongresses auf. Dort in Eisenach wurde die Konstituierung der auf dem Boden der Jnternationalität stehenden sozialdemokratischen Partei vorgenommen. Ich bin noch heute stolz darauf, an diesem Kongreß teilgenommen zu haben. Soviel ich weiß, leben von den Teilnehmern dieser Tagung nur noch Bebel und ich. Sie wissen ja alle, welche Kämpfe dann zwischen dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und den Eisenachern stattfanden. Es kam soweit, daß ein Bevollmächtigter des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins hier in einer Versammlung in der Wallstraße den Antrag stellen konnte:„die Versammlung wolle beschließen, daßBebel und Bracke nicht würdig kleines feuilleton. Reizende Bilder aus dem russischen Klosterleben malt eine Korrespondentin des„Grashdanin", die während der Sommer- inonate Erholung brauchte und sie am besten in dem Petersburger Kloster Ncu-Jerusalem zu finden glaubte. Was sie hier erlebt hat, schildert sie in einem an den Fürsten Neschtscherski gerichteten Brief:„Ich lebte einen ganzen Monat im Kloster," schreibt sie. „Die gesuchte Erholung fand ich nicht, im Gegenteil: meine Nerven sind jetzt noch mehr angegriffen. Es befanden sich im Moster 60 Mönche, die sich gänzlich dem Laster und der Völlerei Hingaben. ES war fürchterlich, diese dickaufgeschwcmmtcn Mönche mit den stumpfsinnigen Gesichtern und den rein materiellen Instinkten auch nur anzusehen. Den ganzen Tag brachten sie mit Nichtstun hin. Zum Unterhalt solcher Faulpelze wird das Vermögen des Volkes verwandt. Die Mönche genieren sich nicht, halb betrunken zum Gottesdienst zu kommen und zu lachen, zu schwatzen und zu lärmen. Sie bekreuzigen sich und machen tiefe Verbeugungen, beginnen aber gleich darauf wieder zu kichern und sich zu unterhalten. Sobald der Gottesdienst zu Ende ist, holen sie aus dem Klostergarten Blumen, die sie den im Klostergasthause zurückgebliebenen Damen schicken. Es hat nämlich fast jeder Mönch sein Liebchen. Der Abt des Klosters ist der beglückie Liebhaber einer schon ziemlich an- gejahrten Generalin. Im Klostergarten sieht man die famosen Mönche oft sinnlos betrunken einhertorkeln. Natürlich sind die meisten dieser unverbesserlichen Trinker syphilitisch. Setzen Sie das alles in Ihre Zeitung, Fürst, denn ich verbürge mich für die Wahrheit des Erzählten...." Schiffe mit Glasboden. Die Verwendung des Glases in den verschiedenen Industrien hat in den letzten Jahrzehnten eine ge- waltige Zunahme erfahren, aber daß es im Schiffsbau und in der Fischerei eine besondere Rolle spielt, das ist allerjüngsten Datums. Die Kalifornier waren e2 die zuerst den Versuch machten, Schiffe mit Glasböden zu.am. Damit ist verwirklicht, was Jules Vernes Phantasie vorausahnte, als er seine„26 666 Meilen unter dem Meere" schrieb: in diesen kalifornischen Glasschiffen kann der Reisende wie im„Nautilus" Jules Vernes während der Fahrt beobachten, was sich im Meere abspielt. Durchschnittlich vermag man bei klarem Wetter bis zu 16 Meter unter dem Wasserspiegel zu sehen. Die neue Erfindung hat auch ihre praktische Be- veuiung. Wie ein französisches Blatt zu erzählen weiß, haben Ver- iuche gezeigt, daß eine starke elektrische Erleuchtung dieser durch- ichtigen Schiffsböden auf die Fische eine große Anziehungskrast ausübt. Die stummen Wasscrbewohner drängen sich zu der Licht- quelle, oft in dichten Scharen, und werden hier eine leichte Beute der ausgesetzten Fischnetze. seien, vor Arbeitern zu reden"(Hört! hört!) und daß dieser Antrag mit Hilfe gewerkschaftlich organisierter Bau- arbeiter zur Annahmt gelangte. Es ist charakteristisch, daß der damalige Antragsteller Bolle später Werkführer auf der kaiser- lichen Werft in Wilhelmshaven wurde. Der Kampf zwischen Eisenachern und Allgemeinem Deutschen Arbeiterverein drehte sich damals vor allem um die Parole: Hie international, hie national! und dann um die Kampffront. Der Allgemeine Deutsche Arbeiter- verein kämpfte damals leider nur gegen den Kapitalismus im allgemeinen, während wir den Kampf im speziellen aufnahmen gegen die Beauftragten des Kapitalismus, die herrschende Re- gierung und die herrschenden Parteien. Unser Kampf luar nur möglich durch die größten persönlichen Opfer aller in der Agitation und der Presse Tätigen. Die Feindschaft ztvischen den beiden Richtungen der sozialistischen Arbeiterschaft, die sogar dazu führte, daß in Hamburg Genosse Geib verwundet wurde, schliff sich nach und nach ab, und es kam im Jahre 1875 zum Gotha er Einigungskongreß. Damals sagte Genosse Jgnaz Auer in seinem bayerischen Dialekt von uns Eisenachern: Wir sind stolz darauf,„ehrlich" genannt zu werden; wir sind arm, aber ehr- lieh. Nach der Vereinigung der materiellen und agitatorischen Kräfte kam es trotz aller Verfolgungen zu einem gewaltigen Auf schwung der Partei. Auch hier in Magdeburg war es möglich, eine eigene Zeitung zu gründen, wenn wir uns auch mit knappen Mitteln einrichten mußten.— Eben begannen unsere Unternehmungen zu prosperieren, da be gann die beispiellose Attentatshetze. Aus Furcht, für Königsmörder gehalten zu werden, bestellten viele ängstliche Gemüter das Parteiblatt ab. Allein in Magdeburg verloren wir in einer Woche 8 6 6 Abonnenten. Ich brauche Ihnen nicht alle Verfolgungen zu schildern, die damals über uns ergingen. Löste man doch sogar die Gewerkschaften auf, die nichts mit Politik zu tun hatten, und versuchte selbst ihre Gelder zu konfiszieren. Wir selbst mußten Auslese unter den Genossen halten. Selbst aus Berlin und Leipzig ausgewiesene Parteigenossen entlarvten sich als Spitzel. Hier wie anderwärts gab es Geheimbundsprozesse. Ich selbst habe 13 Monate im Gefängnis zubringen müssen. Mancher, der sich zuerst mit Worten besonders hervortat, knickte im Augenblick der Entscheidung zusammen, oder ward gar zum Verräter. Aber es blieb ein Kern ungebeugter Genossen. Und so gelang es denn wieder, die Bewegung hochzubringen Noch vor Aufhobung des Ausnahmegesetzes konnten wir hier im Jahre 1389 eine Maifeier abhalten.— Wie ich mit Freuden beigetragen habe zur EntWickelung der Partei und zur Ueberwin- dung der ungeheuren Schwierigkeiten, so habe ich mit Freuden be- grüßt, daß der Kongreß des Weltprvletariats in Kopenhagen sich auf jenen Standpunkt stellte, den wir von Anfang an in der deutschen Arbeiterbewegung vertraten, daß die Macht und Starte der Arbeiterbewegung in der Einheit der Partei und in der strikten Durchführung ihrer Beschlüsse wurzele (Lebhafter Beifall.) Wir Magdeburger hoffen, daß der deutsche Parteitag, dem Beispiel von Kopenhagen folgend, sich bemühen wird, zum Besten des gesaniten Proletariats die Einheit der Parter aufrechtzuerhalten.(Beifall.) Daß die Magdeburger alles getan haben, um Ihnen den Aufenthalt hier so angenehm wie möglich zu machen, davon werden Sie sich, glaube ich, selbst überzeugen. Seien Sie herzlich willkommen in Magdeburg!(Lebhafter Beifall.) Hierauf ergreift das Wort im Namen des Parteivorstandes Genosse Molkenbuhr: Partergenossen! Ich glaube wohl in Ihrer aller Sinn zu hau- dein, wenn ich den Magdeburger Parteigenossen für den freund lichen Empfang, den sie uns bereitet haben, unsere» herzlichsten Dank ausspreche.(Bravo!) Wir dürfen wohl sagen, daß die Blicke aller auf Magdeburg gerichtet sind, und zwar nicht nur die Blicke des Proletariats, sondern auch die Blicke der Gegner, die gern den Zustand erneut sehen, an den Klees erinnert hat, wo die Partei in zwei feindliche Lager gespalten war und die Genossen sich gegen festig zerfleischten. Die Gegner warten darauf nicht etwa aus Freude am Krakeel, sondern weil sie wissen, daß das einst so ge- knechtete und unierdrückte Proletariat allmählich der bedeu. tendste Faktor im politischen Leben geworden ist Mit Furcht und Schrecken schauen alle anderen Klassen auf die Weiterentwickelung des Proletariats. Was das Proletariat an Macht besitzt, hat es sich aus eigener Kraft erkämpfen müssen. (Sehr richtig!) Nur dadurch, daß das Proletariat aus dem Sozialismus die Zusammenhänge der volkswirtschaftlichen und politischen Fragen erkannte, vermochte es sich zu dieser Macht durchzuringen. Das Proletariat erkannte, daß das ganze Leben ein Kampf um K l a s s e n i n t e r e s s e n ist und es schuf sich seine politischen und wirtschaftlichen Organisationen, um seine Klasseninteressen zu verteidigen. Wir dürfen kühn behaupten, daß Tbcater. Friedrich-Wilhelm städtisches Schauspielhaus: „Kletten", Komödie in drei Allen von Brieux, Deutsch von Ludwig Lewin.— Als„Hemmschuh", als„Kugel"(am Bein), als „Fessel" und dergleichen haben Dramatiker und Romanschrifistcller die„geliebte Frau" in tausend Varietäten dem verehrlichen bürger- lichc» Publiko schon oft genug in Unfreiheit dressiert vorgeführt. Als„Klette" präsentiert Brieux in einer Komödie, die an drolligen Situationen und originellen Tricks nicht arm ist, deren„Tendenz" — mit Respekt zu sagen— aber am Problem der wirklich„freien Liebe" vorbeitappt iure der Blinde am Nadelöhr. Was daher ein feinsinniges Pariser Publikum vermutlich mit kühler Höflich- kcit ablehne» würde, das wurde am Sonnabend in der Berliner Premiere beklascht und herzlichst belacht. Allerdings gaben die Darsteller der beiden„Angekletteten"( L e t t i n g e r und Kaufmann) und die Darstellerinnen der beiden„Kletten"(Toni Rupprecht und Millh Heß) ihr Bestes, so daß trotz aller Längen »nd Breiten der Komödie die Stimmung des Publikums auf der Höhe blieb. Hinterher gab'S noch Harry Paultons alten, von Oskar Blumenthal bearbeiteten Schwank in drei Akten„Niobe": die bekannte Traumgeschichte von der Figur, die nach dreitausend- jährigem Marmorschlaf zum Leben erwacht und ungeachtet ihres Wohlkonserviertcii antiken Griechentums mit den Londoner Ladies und Gcntlcmen schönstes Englisch in Versen spricht.... Auch hier war daS Spiel alles: die prächtige Komik Alfted Schmasowö und die klassische Marmorruhe Erna S y d o w S. Das Publikum amüsierte sich noch besser als in den„Kletten", obwohl die Dar- stelluug einige? zu wünschen übrig ließ. Q. D. Humor und Satire. Ein Pessimist:„Schopenhauer hat ganz recht mit dem, was er über die Weiber sagt: die Kellnerin pumpt mir nichts mehr!" Glühender Patriot:„Sollte ich einmal lebensüber» drüssig werden, so würde ich mich von einem H o f z u g überfahren lassen." Die Paradiesschlange. Die elfjährige Else erzählt ihrem vierjährigen Bruder die Schöpfungsgeschichte und sagt:„Da sprach der liebe Gott zur Schlange:„Dafür sollst Du zur Strafe von nun an auf dem Bauche kriechen!"" Karlchen fragt darauf:„Worauf ist sie Hcnn vorher gekrochen s" A e n g st l i ch.„Nein, Herr Doktor, nach Bad Nauheim kann ich nicht gehen! Ick, bin Desinfektionsanstaltbesitzer und habe des- halb viele, viele Russen umgebracht! Da hat mich die russische Ge- heimpölizei sofort am Kragen!" Jugend, i das Proletariat heute eine Stellung einnimmt, die bereits hier und da den Neid anderer Klassen erregt.(Sehr richtig!)— Vor einigen Wochen hat der deutsche Kaiser in Königsberg darauf hin- gewiesen, daß seine Vorfahren aus eigenem Recht sich ihre Stellung erobert haben, und daß sie aus diesem Grunde nur Gott verant- wortlich sind. Es läge ja die Versuchung nahe, ein wenig weiter auf die Hausgeschichte der Hohenzollern einzugehen(Sehr richtig!) und dabei eines Friedrich Wilhelm IV. zu gedenken, der der letzte absolute Monarch aus dem Hohenzolleruhause gewesen ist. Dieser unterzeichnete im April 1848 das Gesetz, welches eine Volks- Vertretung für Preußen auf alkgemeinem und gleichem Wahlrecht anordnete, ohne deren Zustimmung kein weiteres Gesetz erlassen werden soll. Mit diesem Augenblick hörten die Hohenzollern auf, absolute Monarchen in Preußen zu sein. Von Lassalle wissen wir, daß nicht die geschriebene Ver- fassung, sondern die tatsächlichen Machtverhältnisse daS Eni- scheidende sind. So muß man es eigentlich mit Freuden begrüßen, daß der Kaiser darauf hinweist, daß die Rechte, die der Mensch sich aus eigener Macht anmaßt, seine historisch gewonnenen Rechte sind.(Zustimmung.) Der Satz gilt nicht mir für Fürsten, sondern für jeden Menschen, für jeden Proletarier, er gilt für das gange Proletariat. In den siebziger Jahren, als die Sozialdemokratie noch nicht ein Zehntel von dem war, was sie gegenwärtig ist, fürchteten sich bereits die Vertreter des mächtigen preußischen Staates vor dieser Bewegung. Hier von Magdeburg aus wurde der Staats. anwalt und Organisationszerstörer Tessendorff nach Berlin berufen. Er hat damals alle seine Wünsche erfüllt bekommen, aber ein Wunsch ist ihm nicht in Erfüllung gegangen: die Sozialdemokratie ist nicht ans dem politischen Leben verschwunden. Bor der Tcssendorffiade erhielten wir 366 666 Stimmen, nach ihr 493 666. Hier in Magdeburg wie überall wurde der Beweis erbracht, daß das Sozialistengesetz seinen Zweck doch nicht erfüllte. Die Beerdigung unseres Geib in Ham» bürg im August 1879 und die Nachwahl hier in Magdeburg im Dezember desselben Jahres erwiesen die Fruchtlosigkeit des Sozialistengesetzes. Als im Jahre 1896 die Partei die mächtigste Partei Teutschlands wurde, da verschwand mit dem Sozialisten- gesetz auch sein Schöpfer von der politischen Bühne. So kann auch die sozialdemokratische Partei von sich mit Fug und Recht sagen: die Stellung, die wir im Leben einnehmen, nehmen wir aus eigenem Recht ein,(Lebhafter Beifall.) Einen mächtigen Verbündeten hatten wir in der kapitalistischen Entwickclung. Durch die großkapitalistische EntWickelung, durch Syndikate und Kartelle wird die Entbehrlichkeit der Unternehmer demonstriert. Ein zweiter wichtiger Faktor unserer Erfolge ist der Umstand, daß der große Industriestaat Deutschland und der Industriestaat Preußen unter der Herrschaft einer Junkerclique stehen und dadurch ein Gegensatz zwischen den wirtschaftlichen Verhältnissen des Landes und den politischen Einrichtungen geschaffen ist. Das Junkertum hat C a p r i V i zu Fall gebracht und den Kanalbau vereitelt. Das Agrarischwcrden der Regierung hat aber Zustände geschaffen, die weit über die proletarischen Kreise hinaus als drückend empfunden werden. Die Junker füllen sich die Taschen, wollen aber vom Steuerzahlen nichts wissen. Diese rücksichtslose Vertretung der Junkerinteressen öffnet weiten Kreisen die Augen Und treibt uns Hunderttausende von neuen Anhängern zu. Aus dieser Situation erwachsen aber auch dem Proletariat ganz gewaltige Aufgaben. Die allgemeine Teuerung trifft schwer alle Kreise. Mit ihr wurde ja auch die Erhöhung der Zivilliste begründet. Was aber bei der Hofhaltung leicht beseitigt wird, ist bei den Arbeitern nur durch schwere Kämpfe zu beseitigen. Gleichzeitig mit den hohen Lebensmittelpreisen hat eine schwere Krisis die Arbeiter heinigesucht. Die Bergarbeiter haben in den Jahren 1967 bis 1969 83 M. Jahresverdienst eingebüßt und Herr v. G a m p erklärte, daß die Löhne der Landarbeiter erträglich ge- worden seien, seitdem sie erheblich zurück- gegangen seien.(Hört, hört!) Zurückgehender Lohn und Steigen der Preise der Lebensmittel zwingen uns zum ernsthaften Kampfe gegen die Klassenherrschaft der Junker. Im Wirtschaft- lichen Leben sind die Streiks und die sonstigen Machtmittel der wirtschaftlichen Organisationen der Arbeiter unsere Waffen. Im politischen Leben fällt die Entscheidung in den Wahlen. Vor einigen Wochen hat Herr v. Bethmann Hollwcg die Parole ausgegeben: der Schutz der nationalen Arbeit ist in Gefahr. Das ist nichts als eine verlogene Phrase. Es handelt sich vielmehr um den Schutz der Grundrente der Agrarier und der Rente der übrigen Besitzenden.(Sehr richtig!) Unsere Agrarier behaupten, daß aus der landwirtschaftlichen Bevölkerung unser ge- sunder Nachwuchs hervorgehen soll. Dabei sehen wir aber, wie in immer steigendem Maße an die Stelle der seßhaften Landarbeiter die Wanderarbeiter treten. Keine Rede kann davon sein, Die Kaiserrede macht schon Schule im Inseratenteil. Der „Preußische Stadt- und Landbote" für EbcrSwalde bringt folgende Anzeige: EberSlvalde, im September 1916. P. P. Hierdurch zur gefälligen Kenntnis, daß ich durch Gottes Gnade das Kolonialwaren- und Südfruchtgeschäft von Frau M. B. übernehmen durste. Es soll mein Bestreben sei», durch gute Ware, reelle und freundliche Bedienung das Ver- trauen der werten Kundschaft zu erlangen und zu bewahren. Bei eintretendem Bedarf bitte ich um Ihren werten Besuch. Hochachtungsvoll M. B.. Schicklerftraße 14. NE. An Sonn« und Festtagen bleibt das Geschäft ge» schlössen._(„SimplicissimuS".) Notizen. — Die 83, Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wurde am Montagvormittag in Königsberg i. Pr. eröffnet. — Das Berliner Kupfer st ichkabinett hat seine graphische Sammlung durch eine Erwerbung von 57 Lithographien des größten modernen Karikaturisten D a u m i e r bereichert. Es wurden ferner Arbeiten Max Liebermanns und des Franzosen Forain angekauft. — Ehrenmitglied des Deutschen Uhrmacher- Bundes ist Marie von Ebner-Eschenbach an ihrem 89. Geburts- tag geworden. Grund: Sie besitzt eine hervorragende Uhrensamm- lung und hat in ihren Erzählungen hier und da den Uhrmacher- stand lobend genannt. Wenn Ähiller noch lebte, könnte er von wegen des Vater Miller Ehrenmusikus werden, Hebbel um des Alten in„Maria Magdalena" willen Ehrentischler und so weiter. — Karl May soll zur selben Zeit unsaubere Kolportage- Romane und frömmelnde Mittergottesgeschichtcn verbrochen haben. So behauptet Pater Dr. Expeditus Schmidt aus München. Darum hat!May den Pater verklagt. Und Montag in acht Tagen soll das Schöffengericht von Kdtzschenbroda entscheiden, ob's wahr und eine Beleidigung ist. — Der„Gotha" der Milliardäre. Die amerika- nischcn Großkapitalistcn haben, wie die Monarchen Europas, denen jene eS in vielem gleichtun möchten, auch ihren Almanach, der ganz dem gothaischen entspricht. Er wird vom Verlag der„World" herausgegeben und erscheint alljährlich. Verzeichnet sind in ihm alle Gründer der einzelnen Dollarddynastien mit all ihren Nach. kommen. Auch in dem amerikanischen„Gotha" herrscht eine ge» wisse Rangordnung; an erster Stelle erscheint die Familie Vander- bilt, hierauf kommen die Familien Gould, Astor, Nockcscller, Mor- gan, Rdackah, Harconeyer, Ziels, Velmont, Witney, Leiter, Goclct, Lorillard, Nrmour usw. daß die Maßregeln zugunsten t>er Agrarier geboten sind, um uns einen gesunden Nachwuchs zu erhalten. Wir sehen bielmehr gerade, daß die Agrarier, je mehr sie prämiiert werden, umso schlimmer mit der Kraft des Volles wüten.— Die Junkerherrschaft im Reiche ist gegründet auf der preußischen Junkerherrschaft. Es ist also im Grunde derselbe Kampf, wenn in Preußen um das Wahlrecht und im Reiche gegen die Junker ge- kämpft wird. Erst mit dem Sturz der Junrerherrschaft kann er- reicht werden, was im Interesse der Arbeiterklasse geboten ist. Keine Periode hat einen solchen Mangel an positiven Leistungen in der Sozialpolitik aufzutvcisen, wie die Zeit des Kanzlers, der uns Mangel an positiven Leistungen vorwarf. Doch will ich Bülow keinen persönlichen Vorwurf daraus machen, denn es ist die Junkerherrschaft im Reich, die jede Sozialpolitik zum Still- stand verdammt, weil die Junker rn der Schlechterstellung der Ar- beiter ein persönliches Interesse haben. Graf Kunitz wettert gegen hohe Bergarbeiterlöhne, weil sie die Landflucht begünstigen und dadurch die Junker zu höheren Löhnen nötigen.(Sehr richtig!) Wenn wir einmal so weit sind, die Besitzenden zum Steuerzahlen gebührend heranzuziehen, dann wird sich der Kanonen- und Panzerplattenpatriotismus erheblich ab- kühlen. Nur solange sie nicht zu zahlen brauchen, sind jene Leute große Patrioten. Die Abkühlung des Panzerplattenpatriotismus wäre aber sehr zu begrüßen im Interesse des Friedens. Wenn man die Thronreden hört, so könnte man glauben, als müßten die Völker mit Gewalt von den Regierungen zurückgehalten werden, daß sie sich nicht gegenseitig die Hälse abschneiden und die Schädel ein- schlagen.(Sehr gut!) Aber das Voll ist nicht kriegerisch, es ist friedliebend und gerade die edelsten Menschen haben die Herbei- führung des Friedens als das größte Ideal betrachtet. Ich erinnere an die Gründer des Christentums, wenn freilich auch im Namen desselben Christentums die blutigsten Kriege geführt worden sind; ich erinnere an Jean Paul, an Schiller, an Beranger. Aber die schönen Ideale können erst in die Wirklichkeit übersetzt werden, wenn die Völker zusammenwirken im vereinten Streben nach einem gemeinsamen Ziele. Der Sozialdemokratie ist es gelungen, die Völker zu gemeinsamen Streben zu einigen. Die Arbeiter aller Länder haben sich zusammengefunden in der einen sozialdemo- kratischen Bewegung. Durch die EntWickelung des Sozialismus werden auch die Aussichten des Friedens gesteigert. Die eine sozial- demokratische Partei aller Länder— und wir können von einer einzigen Partei sprechen, weil wir uns alle eins fühlen— ist die eigentlich reale Grundlage für die Völkerverbrüderung geworden. Wenn der Parteitag durch den Ausbau der Grundsätze und durch die Förderung der Einigkeit unter den Arbeitern eine weitere Stärkung der Macht des Proletariats herbeiführt, so fördert er damit auch die Sache der Kultur und der Menschheit.(Sehr wahr! i Wir wollen hoffen, daß auch dieser Parteitag dazu beitragen wird, die Wünsche des Proletariats, nicht nur des deutschen Prole- tariats, sondern der Proletarier aller Länder, zu erfüllen, indem wir weiterschreiten auf dem Wege, den wir bisher beschritten haben, und weiter unsere Macht entwickeln auf dem Gebiet, auf dem wir zu der herrlichen Machtentwickelung gekommen sind.(Stürmischer Beifall.) Damit erkläre ich den Parteitag für eröffnet. Der Parteitag konstituiert sich: Auf Vorschlag von Schmitt- München werden zu Vor- sitzenden mit gleichen Rechten D i e tz- Stuttgart und Klütz Magdeburg gewählt. Zu Schriftführern werden auf Vorschlag von L i p i n s k i- Leipzig gewählt: Fräulein V a d e r- Berlin, B üh l e r- Niederbarnim, Grosser- Hamburg, L i m b e r tz- Essen, S ch a d o w- Kottbus, Franz Schmitt- München, W a s e n e r- Stuttgart, Vizerowski- Staßfurt und R h s s e l- Leipzig. Vorsitzender Dieh: Die schon auf 19 Parteitagen bewährte Ge schäftsordnung liegt Ihnen wieder vor. Der Parteitag genehmigte debattelos die Geschäftsordnung aufs neue. Vorsitzender Tief?: Das Bureau dankt Ihnen für das ihm er wiesene Vertrauen und wird sich- bemuhen, die Geschäfte unpar» teiisch zu führen. Hoffentlich werden die Verhandlungen dazu beitragen, die prinzipielle Geschlossenheit der Partei in allen ihren Handlungen zu dokumentieren.(Bravo!) Die offene Aussprache der Delegierten über die entstandenen Differenzen wird die nötige Klarheit und Einigkeit bringen, die zu einem gedeihlichen Wirken angesichts der schweren Aufgaben, denen die Partei gegenübersteht, unter allen Umständen erforderlich ist.(Lebh. Beifall.) Ich spreche wohl in Ihrer aller Sinne, wenn ich Ihnen vor schlage, unserem langjährigen, verdienstvollen Vorsitzenden Singer, der durch Krankheit verhindert ist, an unserer Tagung teilzunehmen, ein T e l e g r a m m zu schicken, das ihm baldige voll- ständige Genesung wünscht und die Hoffnung ausdrückt, ihn auf unserer nächsten Tagung wieder in vollster Gesundheit begrüßen zu können.(Lebh. Beifall.) In die Mandatsprüfungskommission werden ge- wählt: Linchen B a u m a n n- Hamburg, F i s ch e r- Hannover, G r u n e r t- Chemnitz. Leid- Berlin. L i p p o l d- Eisenach, S t u b b e- Hamburg, Vogel- Nürnberg, W i t t i ch- Frankfurt am Main, Vogt- München. In die Beschwerdekommission werden gewählt: Bartels- Wernigerode, B r e c o u r- Kiel. D o n a l i e s- Königsberg, Frau P o e t s ch- Leipzig, Ried er- Köln, Riem- Dresden, S t o ck i n g e r- Pforzheim, Stalten- Hamburg. Vorsitzender Dich: Zur Tagesordnmrg des Parteitages schlägt Ihnen das Bureau vor, die Reihenfolge der Beratungsgegenstände folgendermaßen festzusetzen: I. In den Geschäftsbericht des Partei- Vorstandes») Allgemeines, Berichterstatter W. Pfannkuch, b) Kasse und Presse, Referent E b e r t an Stelle des erkrank- ten Gerisch. Unmittelbar in Verbindung mit diesen beiden Punkten sollen die dazu gestellten Anträge und der Bericht der Kon- t r o l l e u r e verhandelt werden. Dann würde als La die b a- dische Budgetbewilligung folgen. An das Referat Bebels anschließend würden sämtliche zur Budgetbewilligung ge- stellten Anträge— es sind schon jetzt sechs e n g g e d r u ck t e F o l i o s e i t e n— zur Diskussion gestellt werden. Dann käme der parlamentarische Bericht usw. Zu Punkt 8, I n t e r- nationaler Kongreß, wird an Stelle des erkrankten Ge- nassen Singer Genosse Fischer referieren. Der Parteitag stimmt diesen Vorschlägen ohne weitere De- batte zu. Die Tagungszeit des Parteitages wird von 9 bis 1 und 3 bis 7 Uhr festgesetzt. Sachse: Die Knappschaftswahlen im Ruhrrevier sind von unse- ren Gegnern als Probe für die nächste Reichstagswahl proklamiert worden. Alle unsere Feinde, die Zechenknechte, die Christlichen, die Evangelischen und die Gelben, hatten sich vereint, um den roten Bergarbciterverband niederzuringen. Das sollte das Vorspiel dazu sein, daß bei den nächsten Reichstagswahlcn in Westfalen kein sozialdemokratischer Abgeordneter mehr durchkäme. Nun will ich Ihnen das Resultat mitteilen. Von den Gelben sind gewählt 7 mit 5309 Stimmen, die Polen erhielten 29 Vertreter mit 22 009 Stim- men, der„christliche" Mischmasch 82 Vertreter und S3 000 Stimmen. der Bergarbeiterverband, der vernichtet werden sollte, aberJ2 99 Vertreter, auf die 98099 Stimmen entfielen.(Stürmischer Beifall.) Hierauf vertagt sich der Parteitag auf Montag vormittag V Uhr. Nach Schluß der Sitzung tragen die Arbeitersänger den Chor: »ES geht ein Raunen" vor und finden reichen Beifall. Sozialdemokrasie und gegen die letzten Aeußeningen des Absolutismus. Als erster Redner spricht, mit lebhaftem Beifall begrüßt: Reichstagsabgeordneter Ledebour: Der Parteitag ist in einer kritischen Zeit zusammengetreten. Die seit Jahr und Tag llisiienmeetivg in iiisgckeburg. Magdeburg, 13. September 1910. Am Nachmittage vor der Eröffnung des Parteitages der- sammelten sich im Park des Parteitagslokals tausende Proletarier Magdeburgs zu einer mächtigen Volkskundgebung für die Ziele der anschwellende Empörung des ar- beitenden Volkes über die Auswucberung durch die Zölle und Stenern, über die immer gesteigerten Rüstungen und die immer unerträglichere Wirischast der Reaktion drückt sich in allen Nachwahlen zum Reichstage und zu den Landtagen aus. Insbesondere zum Reichstage, wo die Nachwahlen uns bereits acht neue Kollegen ge- bracht haben.(Beifall.) Wenn wir heute allgemeine Reichstags- wählen hätten, dann bliebe es wahrlich nicht bei acht neuen— ich will keine Zahlen nennen, weil es wie Nenommisterei aussehen würde— aber unsere Gegner wissen genau, daß ein gewaltiges Strafgericht hereinbrechen würde, über diese Ausbeuterclique und ihre Handlanger im Parlament und in der Re- gierung. Genossen und Genossinnen, Ihr seid alle dazu berufen, dabei mitzuwirken, daß sich diese Ausfichten noch weit über unsere Erwartungen hinaus erfüllen. Die Reichstags- wähle» lassen sich verschleppen, vielleicht ein Jahr, vielleicht fünf- viertel Jahre, aber dann müssen sie kommen, ümd Genossen, alles, was wir heute in Deutschland zu tun haben, ist, das Feuer wach zu halten, das dann auslodern soll rn ge- waltigen Flammen, um den Freiheitsmorgen des Volkes zu verkünden.(Großer Beifall.) Wie unseren Gegnern dieses Unheil schwant, wenn eS noch einer Kundgebung bedurft hätte, um uns dies zu zeigen— die K ö n i g s- berger Rede Wilhelms ü: hat diesen Zweck erfüllt. Diese Rede ist eine Nachwirkung derjenigen Vorstellungen, die die Bureau- traten wie Bethmann Hollweg, die Hosmarschälle und die Kammer- junker in dem Haupte des Königs und Kaisers erweckt haben. Diese Worte waren ein Sturmsignal, das Verfassungskämpfe der größten Art bei uns in Deutschland für die allernächste Zeit in Aussicht stellt; wenn nicht schon vor den Reichstagswahlen, dann um so sicherer dann, wenn der neue Reichstag die Schreckens- ahnungen der herrschenden Klassen wahrgemacht haben wird. Wenn man die Worte Wilhelms II. auf ihren Wert prüft, so ist es, was auch die offiziösen Zeitungen daran herum und herunter zu deuten versucht haben, ein Bekenntnis zum absoluten Regiment des GottesgnadentumS, zum persön- lichen Regiment des Herrschers. Es find Worte, die in die Zeit gepaßt hätten, sagen wir des Großen ftuv fürsten Friedrich Wilhelm, oder— man könnte viele Momente heraus suchen, nehmen wir ein Beispiel, das auch dem Kaiser geläufig ist — in die Zeit Hammurabbis, des Königs von Affyrien.(Stürmische Heiterkeit und Beifall.) Als auserwähltes Instrument des Himmels steht sich Wilhelm II. an(Lachen) und als solches will er seine Regenten- und Herrscherpflichten versehen, ohne Rücksichten auf TageS Meinungen seinen Weg gehen. Ich bin überzeugt, er meint es so. D a ist ja gerade das Schlimme, daß er dazu hat kommen, können, eine Regierung des Königs für möglich zu halten, die nur seinen eigenen Eingebungen folgt, und die fich durch nichts anderes bestimmen läßt. Es ist ja noch nicht so lange her, da hatten wir uns im Reichstage mit ähnlich lautenden, wenn auch bei weitem nicht so scharf ausgedrückten Meinungen und Kundgebungen desselben Herrn zu beschäftigen. Da waren, auch weit in die bürgerlichen Parteien hinein, alle Leute in Deutschland darin wenigstens einig, daß die Zeiten einer absoluten Fürstenmacht, in welcher Verschleierung auch immer fie auftritt, in Deutsch land vorbei sein müsse. Daß damals vom Reichstage nicht die nöttgen Schritte getan worden sind, um gesetzliche Maßregeln durch' zuführen, die es dem Könige unmöglich machen, gegen den Willen der Nation zu handeln, ist nicht unsere Schuld. Wir haben uns alle Mühe gegeben, aber die bürgerlichen Parteien, die wollten vielleicht morgen, vielleicht übermorgen etwas tun Bei solchen platonischen Redensarten beruhigte sich das Bürgertum. Wenn jetzt der Reichstag zusammentritt, wir haben ja die s o- fortige Einberufung verlangt, aber selbstverständlich hütet sich die Regierung davor, wenn wir jetzt unsere Stimme erheben, dann muß und wird die Masse des Volkes entschlossen und kainpfbereit hinter ihren öl Beauftragten stehen; nicht bloß die Dreiviertelmillionen organisierter Sozialdemokraten sondern all die Millionen des gesamten arbeitenden Volkes. Das Glück, die Freiheit der Menschen ist in unsere Hand ge- geben, wenn wir um'ere Pflicht tun in den Aufgaben, die uns das Geschick stellt. Führen Sie den Klassenkampf mit aller Kraft, dann dürfen Sie mit größerem Stolze als irgend ein Bureaukrat, als irgend ein Bethmann Hollweg, ein General oder ein Kronenträger in Deutschland von sich sagen, daß Sie es sind, deren Aufgabe, deren Stolz und deren Pflicht eS ist, für die Freiheit und Wohlfahrt Deutschlands und der ganzen Menschheit zu sorgen.(Brausender Beifall.) Stanning-Kopenhagen(lebhaft begrüßt) überbringt der Ver- sammlung den herzlichen Gruß der danischen Arbeiter und ihren Dank an die deutsche Partei für die bedeutsame Arbeit. Mit großer reude verfolgt das kleine Dänemark die Siege der Brüder in iemschland, mit großer Anteilnahme folgt eS Euren Kämpfen. Wir wollen darin gute Mitarbeiter sein, die stets in einer Reihe mit den deutschen Genossen marschieren. Glückauf zu Eurer Zukunft, zu Euren Kämpfen für die große Sache des Sozialismus.(Lebhafter Beifall.) Hieran fügt der Vorsitzende, Genoffe Holzapfel, einige DankeSworte. Wir geloben am Vorabend dieser bedeutsamen Tagung Deutschlands, nicht früher zu ruhen und zu rasten, bis die Freiheit für Deutschland und die ganze Welt erkämpft ist. (Bravo!) Reichstagsabgeordncter Dr. Frank (mit Beifall begrüßt) knüpft an die Worte deS Vorredner? an und stellte ihm die Warnung des Kronprinzen vor den»intcrnationali- sierenden Tendenzen" in seiner Königsberger Rede entgegen: Nach- dem der Vater anderthalb Jahre geschwiegen hat, hat jetzt auch der Sohn zu reden angefangen.(Heiterkeit.) Hoffentlich olgen nicht alle Hohenzollernprinzen seinem Beispiel, sonst kommen wir mit den Protestversammlungen gar nicht mehr nach. Was der Kronprinz mit den internationalisierenden Tendenzen gemeint hat, können wir nur ahnen. Vielleicht im Fürsten F ii r st e n b e r g(Heiterkeit) oder dein Zeutrumsabgeordneten Prinz A r e n b e r g, die im Aus- lande große Reichlümer besitzen �Heiterkeit) oder die Kohlen- und Eisenindustrie, die an das Ausland zu billigen Preisen verlauft und den Deutschen die hohen Wucherpreise abnimmt. (Pfuirufe.) DaS Proletariat wird sich jedenfalls nicht hindern lassen, weiter dem Friedensbund der Arbeit zuzustreben.(Beifall.) In einem Wiener Blatt fand ich jüngst ein Bild des Kaisers, der zu seinem Reichskanzler sagt: Wozu habe ich denn zun: Teufel einen Reichskanzler, wenn er mich nicht einmal am Reden hindern kann.(Große Heiterkeit.) Aber Bethmann H o l l w e g, die längliche Unzulänglichkeit(Schallendes Gelächter), denkt nicht daran, den Kaiser am Reden zu hindern. Er ist schmiegsam und biegsam, wie ein junger Baumzwcig, war erst die stärkste Stütze des Bülow-Blocks, danach der Prokurist des schwarz- blauen Blocks und hat heute den Ehrgeiz, selbst einen neuen Block zu gründen, den A n g st b l o ck(Große Heiterkeit.), deffen einziges geistiges Band, das Zentrum, Nattonal- liberale und Konservative zusammenhalten soll, die schlotternde Aug st vor der Sozialdemokratie ist. Für dieses Pro- gramm hat Bethmann Hollweg offenbar auch den Kaiser gewonnen, der den Landwirt, den Kaufmann und den Industriellen aufgefordert hat, einander die Hand zum Bunde zu reichen. In weniger romantischer Sprache heißt das. daß Hansabund und Bund der Land- Wirte gegett die Sozialdemokratie zusammengehen sollen. Von einer Hand hat der Kaiser nicht gesprochen, von einer schweren Hand, ohne die Deutschland nicht der große Industriestaat wäre, von der Arbeiterhand. Wenn es dahin kommen sollte, daß die anderen Hände zum Angstblock ineinander greifen, dann wird sich die Arbeiterhand zur Arbeiterfaust ballen und da- zwischen schlagen, daß den Volksfeinden Hören und Sehen vergehen wird.(Stürmischer Beifall.) Der Kaiser hat in einer seiner vielen Reden aus der letzten Zeit auch die Wahlparole ausgegeben, daß die Lücken unserer Rüstungen ausgefüllt werden müßten. Mit einer solchen Wahlparole würde Bethmann Hollweg den bürgerlichen Parteien einen schlechten Dienst erweisen. Das deutsche Volk hat es satt, sich in Friedenszeiten für Heer und Marine den letzten Pfennig aus der Tasche holen zu lassen. Es will nicht mehr Soldaten, sondern mehr Sozialpolittk, mehr Fürsorge für die Massen. Keine Forderung findet heute in Deutschland größeren Widerhall, als die nachFrieden, Abrüstung und Berständi- gungrinter den Völkern. Wir gehen in den nächsten Monaten großen Kämpfen entgegen. Schon wird jetzt bei den Nachwahlen dem Hunde der Reaktion der Schwanz stückweise abgehackt; wenn aber das deutsche Volk zu den allgemeinen Wahlen ausgerufen wird, dann wird es der Regierung rot vor den Augen werden. Schwere Kämpfe stehen uns bevor, aber auch die Gegner wissen, daß sie führen müssen zum sicheren Siege des Volkes.(Lebhafter Beifall.) Als letzter Redner des Meetings erhält das Wort Genossin Klara Zetkin: Wir leben in schwierigen Zeiten, aber auch in Zeiten der Hoff- nung, hat uns doch soeben Genosse Stauning den Gruß echter proletarischer Brüderlichkeit überbracht, die jüngst in Kopeu- Hagener Kongreß ihren gewaltigen und erhebenden Ausdruck ge- funden hat. Immer tiefer wird die bürgerliche Welt durch die Jnteressenkämpfe zerklüftet und ihre letzten Kulturbande zerrissen und durch den nackten brutalen Willen zur Herrschaft und Au?- beutung ersetzt. Währenddem faßt das Proletariat immer fester seine Lftäste brüderlich zusammen, all ihr Kampf gilt einem große» Kultiirziele, derErschließnng des Reiches der Freiheit. Gerade der Internationale Kongreß hat jetzt allen Ausgebeuteten und Unterdrückten zugerufen: glaubt und vertraut. Aber mit den, Glauben und Verttauen allein ist es nicht getan, wir müssen auch kämpfen, und zum Kampfe ist auch die proletarische Frau berufen. (Lebhaste Zustimmung.) Der Kaiser hat ja neuerdings die Frauen wieder einmal an den Strickstrumps verwiesen. Er hat fich für diese Anschauung ans seinen Großvater berufen, der hochselig ist(Heiter- keit); er hätte sich auch auf seinen Urgroßvater berufen können, der nach dem Zeugnis des Junkers von Marwitz der Königin Luise, wenn sie sich polittsch betätigen wollte, den Strickstrumpf in die Hand drückte. Mögen uns nur die Frauen der Herrschenden mit dem Sttümpfestricken und Kartoffelschälen vorangehen, dann würden fie vielleicht zum ersten Male in ihrem Leben nützlicheArbert tun.(Große Heiterkeit und Beifall.) Wir proletarischen Frauen aber gehen über den Ausspruch des Kaisers lächelnd zur Tagesordnung über zum Kampf, wie die Geschichte schon lange über diese kleinbürgerliche Auffassung hinweggeschrittcn ist. Die Frau hat nichts im öffentlichen Leben zu suchen? Aber müssen nicht neun Millionen Frauen dem Kapital fronden? Greift nicht die Polittk in den Kochtopf hinein, indem die agrarischen Schnapphähne das Brot verteuern und das letzte Stückchen Fleisch aus dem Topfe stehlen, das die Mutter ihren Kindern geben möchte.(Lebhafter Beifall.) Leiden nicht gerade die Frauen unter den Verweigerungen der Sozialpolitik, die die arbeitenden Mafien schützen könnte, vor über- mäßiger Ausplünderung und Auspowerung? Sollen die Frauen dem Kampfe fernbleiben, wenn sie ihre Kinder verkümmern sehen, weil die kapitalistische Gesellschaft die Bildung zu einem Monopol derbesitzendenKlassen macht? So lange die kapitalistische Ausbeutung dauert, so lange wird auch der Kampf der proletarischen Frau dauern.(Stürmischer Beifall.) Kein.Instrument des Himmels' wird ihn aufhalten, denn dieses.Instrument" muß das Volk bezahlen.(Sehr richtig.) Die Erhöhung der Zivilliste gerade in diesen Zeiten der Not ist den proletarischen Frauen mit feuriger Schrift ins Gedächtnis geprägt. Nicht Instrumente des Himmels sind die Herrscher, sondern Geduldete deS Volles und weiter nichts.(Stürmischer wiederholter Beifall.) Je schrankenloser und rücksichtsloser das Gottesgnadentum fich gibt, um so ernster werden die arbeitenden Massen'die Forderungen der demokratischen Republik�. vertreten.(Lebhafter Bei-. fall.) DaS personliche Regiment hat sich w Deutschland stets feigenblattlos als Feind des kämpfenden sozialistischen Proletariats gezeigt, um so stärkeren Widerhall wird diese Forderung bei den Massen finden. Die Frauen werden in den großen Verfassungskämpfen der nächsten Jahre um so mehr in den Reihen der Sozialdemokratte mitkämpfen müssen, als fie die einzige große politische Partei ist, die nicht ManneSrecht, sondern Menschen- recht fordert, deren Demokratte nicht vor dem Geschlecht Halt macht. Die Bourgeoisie herrscht heut über die Produktionsmittel deS Lebens wie über die Produktionsmittel deS Todes, die Mordwerkzeuge aller Art. Machen wir den Herrschenden zunächst diese Waffen untauglich zum Kampf gegen den äußeren wie den inneren Feind, stellen wir den DreadnoughtS, de».Fürchtenichtsen". wie die großen modernen Panzerkolosse heißen, den Dreadnought des organisierten Proletariats entgegen, der Tod bedeutet für Ausbeutung und Knechtschaft. der Leben bedeutet für das auffteigende Reich deS Sozialismus. Seid frei, seid einig, seid brüderlich.(Minutenlanger stürmischer Beifall.) Mit einem Hoch auf den internationalen völkerbefreienden Sozialismus schloß Genosse Holzapfel das Meeting. Die versam- melten Tausende erhoben sich und jubelten begeistert Beifall und nur die beiden überwachenden Polizeibeamten tn Uniform blieben mürrisch sitzen._ Aerbandstag der Gmerbegenchte Atutschlands. Köln, 17. September. Ueber da» Recht der Gratifikationen, wie es sich zurzeit herausgebildet hat. sprach MagiftratSaffessor Landsberger. Charlottenburg. Die Rechtsprechung auf diesem Gebiete sei sehr unterschiedlich und das habe dazu geführt, daß neuerdings Arbeitgeber zwar im Dienstvertrag Gratifikationen nicht zusicherten, sondern sich nur vorbehalten, sie zu gewähren. ohne dem Angestellten ein klagbares Recht einzuräumen.— Ge- nevalsekretar B o r cha rd t- Berlin, von, Verband der deutschen Kaufleute, fordert die Abschaffuna der Gratifikationen unter Fest- setzung auskömmlicher Gehälter, also Ersetzung des unsicheren durch ein sicheres Einkommen. Bezüglich der Tantiemen, deren rechtliche Natur vorher der Kaufmannsgerichtsbeisitzer Grün- f e l d- Berlin erörtert hatte, kommt der Referent zu dem Ergebnis. daß eine Gewinnbeteiligung der Angestellten nur dann einwandfrei sei, wenn sich mit ihr ein auskömmlich bemessenes Gehalt verbinde und damit die Wirtschaftssührung des Angestellten gesichert sei. Ueber das aktive und passive Wahlrecht der Frauen bei den Kaufmanns,- und Gewerbegerichten redet Frl. Dr. Bern- h a r d- Charlottenbiirg. Persönlich tritt die Niednerin für das aktive und passive Wahlrecht der Frauen ein. sie hält aber schon bielcs für erreicht, wenn sich der �rbandstag wenigstens für das aktive Wahlrecht aussprechen würde. �- Kaufmann Fuß- Hannover vom deuffch-nationalen Handlungsgehilsenverband will weder vom aktiven noch erst recht vom passiven Wahl- recht der Frau etwaS wissen. Den weiblichen Ange- stellten fehle dafür die Befähigung; wenigstens in ihrer Mehr- heit; außerdem fehle das Bedürfnis, da ihnen auch bei Besetzung der Gerichte frurch Senner chr Recht werde. Zu dem letzten Punkt der Tagesordnung: Rechtsverhältnisse der Werkpensionskasscn sind fünf Referenten bestellt. Rechtsanwalt Dr. Sauer- Köln führt aus, daß die �er.pensionSkassen, trotz aller gegen sie ge- richteten Angriffe, sich weiter ausbreiten werden. Eine gesetzliche Regelung sei geboten. Die gegen die Kassen erhobenen Beschwerden seien zum� großen Teil gerechtfertigt. Der Redner verlangt, daß da? Vermögen der Kasse von dem des Werks getrennt werde, wozu die Kasse Rechtspersönlichkeit haben müsse. Die Arbeiter seien an der Verwaltung der Kasse mindestens mit halbem Recht zu de- leiligcn; ebenso müsse ihnen die Möglichkeit des Rechtsweges zur Wahrung ihrer Ansprüche gegeben)ein; bei anderweitigen Bezügen (Invaliden- oder Unfallrente) dürfe eine Kürzung der Pension höchstens bis zu einem Drittel der anderen Rente erfolgen. Eine völlige Rückzahlung der eingezahlten Beiträge bei Ausscheiden aus dem Betriebe sei nicht zulässig; man möge die Zwangsversicherung erst nach einjähriger Beschäftigung eintreten und dann eine Rück- gahlung erst nach vier- oder fünfjähriger Beschäftigung erfolgen lassen. Die Beiträge dieser ersten Jahre mühten bei Ausscheiden aus der Kasse verfallen sein; was dann eingezahlt worden sei, könne einige Zeit nach dem Ausscheiden ratenweise zurückgegeben werden. Kaufmann Mantel- Leipzig vom Verbände deutscher Hand- lungsgehilfen spricht sich gegen die Werkpensionskassen aus, da sie die Abhängigkeit der Arbeiter und Angestellten vermehren. Er verlangt, dag, wenn die Kündigung ohne erheblichen Anlatz seitens des Werks ersolgte, der gesamte eingehaltene Betrag zurückzuzahlen ist; wenn die Kündigung aus anderem Grunde erfolgte, so hat min- bestens Rückzahlung nach versicherungstechnischen Grundsätzen, wie sie das Aufsichtsamt für die Privatversicherung aufgestellt hat. zu erfolgen. Der gleiche Anspruch steht auch den hinterlassenen Wit- wen und Doppelwaisen zu. Zur Entscheidung ist in erster Instanz das Gewerbe- und Kaufmannsgericht zuständig. Reichstagsabgeordneter Severing- Bielefeld verlangt die Regelung der Rechtsverhältnisse der Werkpensionskassen nach folgen- den Grundsätzen: Für Eintrittsgelder und Beiträge ist eine Höchst- grenze festzusetzen. Die Arbeitgeber haben Beiträge in gleicher Höhe wie die Arbeiterzu leisten. Die Kassen werden von Vertretern der Arbeiter unter Mitwirkung der Arbeitgeber verwaltet. Den Arbeitnehmern ist in den Organen der Kasse der entscheidende Ein» flust zu sichern; ihre Wahl erfolgt durch geheimes und direktes Wahlrecht. Bei Lösung des Arbeitsverhältnisses ist dem Aus- scheidenden der erworbene Pensionsanfpruch z« sichern gegen Zahlung einer Anerkennung chzebühr oder durch die Möglichkeit einer freiwilligen Fortsetzung deS Versicherungsverhältnisses gegen Zahlung des früheren Beitrages, die in diesem Falle die Erwerbung der höheren Pensionsansprüche bewirkt. Es ist ein Gegenfeitigkeits- Verhältnis der Kassen anzustreben mit dem Ziele, die den Mit- gliedern bei einer Kasse erworbenen Pensionsansprüche auch bei anderen Kassen zu sichern. Ausscheidende Mitglieder mit mehr als 200 Wochenbeiträgen, die das Versicherungsverhältnis freiwillig nicht fortsetzen können, erhalten ihre Beiträge unter Abzug der auf sie entfallenden Verwaltungskosten ganz zurückgezahlt. Anrechnung Renten ist unzulässig, wenn die Gesamtbezüge den wdiewst des Mitgliedes im Durchschnitt der letzten 10 Jahre nicht übersteigen. Avbeitersekretär H i r k s i e f e r- Essens Mitglied der christ- lichen Gewerkschaften, spricht sich im Sinne der beiden Vorredner aus.— Dr. Steiler, Generalsekretär des Verbandes der In- dustriellen des Regierungsbezirkes Köln, behandelt die Frage vom Standpunkt der Arbeitgeber und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß die Werkpensionskassen in ihrer gegenwärtigen Beschaffenheit sich bewährt haben und ein Segen für die Arbeiter sind; eine ge. setzliche Regelung sei überflüssig.— Eine Aussprache über die Themata des heutigen Tages muß der vorgerückten Zeit wegen unterbleiben; die Diskussionsredner sollen ihre Ausführungen dem Vorstand schriftlich einreichen, wovauf sie dann in dem Verbands» organ veröffentlicht werden sollen.— Oberbürgermeister C u n o- Hagen gibt eine Uebersicht über die Verhandlungen des Verbands- tageS, worauf Magistratsrat von E'chulz-Derll'n int Tagung schließt._ Amtlicher Marktbericht der städMchen Marktballen-DireMon über den Grohhandel in den Zenlral-Marktballen. Marktlage: sileisS: Zusuhr stark. Geschäft schleppend, Preise für Rindfleisch, Kalbfleisch und Schweinefleisch nachgebend, sonst unverändert, Wild: Zusuhr genügend, Geschäft lebbaft, Preise unverändert. Geflügel: Zufuhr genügend, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise nachgebend. Fische: Zufuhr gering, Geichäst ruhig, Preise wenig verändert. Lutterund Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, O b st und Südfrüchte: Zusuhr genügend, Geschäft anfangs still, später reger, Preise unverändert. «SitternngSübersiebt vom lg. September lglO. morgens 8 Ilftr. Swtnemde damdurg Serlw Franks.» M München Wien Wetterprognose ttir DienStag, den SO. September 1910. Zunächst etwas wärmer, vorherrschend wollig mit leichten Regensällen und lebhasten westlichen Winden; später wieder aufklarend und neue Sib- kühlung. Berliner Wetterbureau. Theater und Vergnügungen Dienstag, 20. September, Ansang 71/, Uhr. NeneS königl. Opern-Xheater. Manfred. «Snigl. Schauspielhaus. Der eingebildete Kranke. Deutsches. Faust. Kamme rspiele. Der gute König Dagobert. Ansang S Uhr. Lesstng. Einsame Menschen. Komische Oper. Der Arzt wider Willen. Berliner. Mufikantenmädel. Neues. Die goldene Ritterzeit. ....... S. Tartüsfe Ans. VI, Uhr. Neues SchauiptelhanS. «Uls.« Residenz. Noblesse oblige. Kleines. Die verflixten Frauen- zimmer. 1. Klasse. Thalia. Polnische Wirtschaft. Schiller o. iWallnu- Ldeater.s Die Liebe wacht. Schslle, Eharlottenburg. Robert und Bertram. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Kletten. Niobe. Berliner BolkSoper. Rtgoletto. (Ans. 8-,. Uhr.) Luisen. Kean. Westen. Die schönste Frau. Modernes. Die Wespe. Trianom Pariser Witwe«. Neues Operetten. Der Graf von Luxemburg. LustwielhauS� Der Feldherrn. Herruseld. Wenn zwei daSselde tun. DaS starke Stück. Note. Dorf und Stadt. KolicS Eaprice. Der schwarze Schimmel.— DaS alle Ghetto. (Ansang 8V. Uhr.) Metrovol. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. Basiagr. Spezialitäten. Neichsballen. Steiliner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Svezialltäten. Prater. Der Bettelstudent von Berlin. Schweizer-Garten. Speztalltäten. Urania. Lnudeustrasie 48 /si». Abends 8 Uhr: Weltausstellung in Brüssel. Sternwarte. Jnvalidenstr. 57— 62. Lessing-THeater. Dienst. 8 Uhr: Einsame Mensche«. Mittwoch 7'/, Uhr: RosmerSholm. Donnerst. 8U.: Einsame Mensche«. berliner Tkester. Heute 8 Uhr: Gastspiel Haust Niese t Das Uuflkautenmädtl. Neues Theater. DienStag bis Freitag: Uie goldene Ritlerzeit. «otmaSenb'l- DaS«»er. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Heute u. täglich: gjg U58PK. Berliner Volksoper Bellc-Alliance-Stratze 7/8. -,.g uhr- Btigoletto. Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. Die«chUnmte Kran. Svnnt. 31/, Uhr: Ein Walzertraum. jücnea Operettcn-Thcutcr Heute und folgende Tage 8 Uhr- Der Graf von Luxemburg.' Operette in 3 Alt. von A. M. Willner U. R. BodanSlh. Musil o. Franz Lehär. kesiden?-Theater. Direktton: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Noblesse oblige. SAmant m 3 Akten von Heimcquin � und Beber. ■tarnen und folgende Tage 8 Uhr: Fvdle»»««du?«. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. ZES OCISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- Konzert. Eintritt 1 Mark. von abends 0 Uhr ab SO Pf., Kinder unter zehn Jahren die Halste. tetelhrngstiatlen am Zoo Blesen-Kiiieiuatograpta. 6-11 Uhr. Rauchen überall gestattet Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Voui£"7 Vitaskop- Theater Hquanoptikum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! [TaFsVgV-WafeT 4 Dm ErOffnanfs- Progr. der Winter-Saison! Abends 8 Uhr: Ciaire Waldoff mit ihren neuen Schlagern von Walter Kollo. Collins 10 eng« lisch. Backfische. Polmey u.May, Richten. George Barrington und 12 Starnummern. Friedrich-Wilhelmsthdtisches Schauspielhaus. DienStag, 20. Septbr., abends 8 Uhr: £1 off on Komöd. in 3 Akt. V. Brtcux. SUiUiU. iuutjch von Ludw. Lewin. Zum Schwank in 3 Akten schlug: Killlvr. v. O. Blumenthal. Mittwoch: Faust. L-nisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kean-der Mg uodLeideiiscbalt Mittwoch: Premiere: Durchgegangene Weiber. Posse mtt Gesang und Tanz von A. B-rla.» Donnerstag: Im Spätsommer. Freitag: Othello. Uuskspivlksus. Heute abend VI, Uhr zum 1. Male: Der Feldherrnhugel. Trianon-Theater. McndS 8 Uhr: Nariser Witwen. 8 Uhr: Da» sensationell» Programm. g:/ Uhr: Das DageSgrsPräch vrrlins Verbotene krncbt. Annie Vara, Ludwig Mertens a. G. Ferner: 4 Slsters Amatis. Oiaela Schneider- Kissen. Das verrückte Hotel usw. Schiller-Theater Charlottenburg. DienStag, a d e u d S 8 Uhr: Robert und Bertram. Posse mit Gesang In 4 Ableitungen von Gustav Roeder. Ende 10'/, Uhr. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Robert und Bertram. Schiller-Theater D.(Wallner-Theat.) DienStag. adendS 8Uhr: Die Elebe wacht. Lustspiel in 4 Alten von G. A. de Caillavet und Robert de FlerS. Ende 10-/, Uhr. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Rlbllotbebar. Donne rStag, abends 8 Uhr: Kabale nnd Liebe. Donnerstag, abends 8 Uhr: Robert nnd Bertram. TERRASSEB HALENSEE GriSter TergnDgungsparK des Kontinents. Eintrittspreis 50 Pf. Donnerstag, den KS. September 1919: Großes Kinderfest bei festlicher Dekoration des Parkes. Jedes Kind erhält in der Zeit von 3 bis 7 Uhr nachmittags ein Billett für eine Attraktion gratis. Um 8 Uhr abends: Große Kinder«Polonäse mit Fackelzug, bei welcher jedes Eiud ein Andenken erh< Bengalische Belcnchtang. Illaniination. □ □□ Metropol-Theater. Kurraü! Wir leben noch!!! Gvotze AuSstattungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang'/,8 Uhr. Rauchen gestattet. oH-IUcATE 1 Große Frankfurter Str. 132. I Ansg. 8 Uhr, Ende 11 Uhr. Dorf und Stadt. L. Schauspiel in 5 Akten von Charlotte Birch.Psetsser. Mittwoch: Dorj und Stadt. Donnerst. z.l.M.: Eine gute Partie. Königstadt-Sasino. Holzmarttstr. 72, Ecke Alexanderftraß». Franz Sobanski. Elsa Para, Walter Klär, Geschwister Herrmann, Mstr. Adolph), Geschwister Aletta, Jongleure. Um 9 Uhr das Zugstück: Im Herbstmanöver Alt-Roablt 47/48. Hans Rcitz-Euscmble. Donnerstag, den 22, September 1910: Kyritz-Pyritz. Posse mit Gesang in drei Auszügen von H. Willen und O. Justlnus, Musik von G. Michaelis. Nach der Vorstellung: Tan». Kasseneröffnung 7 Uhr, Ans. 8-/« Uhr. Goslno-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schneidigt Rudolf. Rudolf Pimpelmann: Dir. H. Berg. Borher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. 3-/, Uhr: Der Hochmutsteuiel. ein mystiseher Illusions-Akt sowie das von Publikum nnd Presse glänzend beurteilte Eröffnungs-Programm! Der Gipfel der illustren Variete-Kunst! „€rroß- Berlin" Gastspiel Weißensee,„Enders-Bräu" Jnh.: 0 e h I k e, Königchaussee 5. „Die Soldatenbraut." Vorher: Erstklassige Spezialitäten Ansang 8 Uhr. Räch der Vorstellung: Ball. Entree 30—100 Pf. Im Abonnement 15—50 Pf. Brauerei Friedriehsbain Am Kttnigistor. GriSter Konzertsaal Berlins I Vom 28. September bis 2. Oktober 1910 täglich: Gastspiel- Konzerte von JoilBOH StföliB aus Wien mit seiner gesamten Kapelle. Anfang Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree Wochentag 60 Pf., reserv. Platz 75 Pf., Sonntags 1 M. t- Billette im Vorverkauf zu ermSSigten Preisen(Entree 40 Pf reserv. Platz 60 Pf., Sonntags 76 Pf.) in den-Vorwärts"-Speaitionen Zucht, ImmanueUrirchstraße 12, Hahnisch, Auguststraße 51 und Mann, - Peteifiburger Plate 3.- Gr. Berliner Künstausstellung 1910 30. April bis S. Ottober. Im Parl täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. Dienstag, 20. September, abends VI, Uhr. Besonders hervorzuheben: Apachen zu Pferde geritten von Frl. Dorn Schumann und Herrn Karl tteO. Brothers MiranoslI! Der Kreisel-Globus. Neueste Kreation deS Direktors A. Schamann. Lufipotpourri der 10 Personen Lepioq. Bellonle wunderbar dressierte Kakadas und die, übrigen Attraktionen. Polles vsprlee. Täglich 8'/, Uhr: Der schwarze Schimmel. Banter Teil: Das alte Ghetto. Vorverkauf 11—2, abend» ab 6 Uhr. Nur noch btS Freitag: Wenn Ewel dasselbe tan, Das starke Stück mit Anton und Donat Herrufeld. Ans. 8 Uhr. Vorverkaus 11—2 Uhr. Tonnabend, 24. September: Doppel-Premiere der Novitäten Eine verlorene Nacht. Ein lustiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Der Derby-Sieger. Sportkomödi« von August Neidhardt. Premieren-BillettS ab heute. Keicbsbslleii-Tbealer. Stettiner Sänger. Zum Schluß, neu: „Im Hanseloch". Killt. Humor, v. Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Kait Haverland- Ansang präz. 8 Uhr. Kommandanten- stratze 77/79. hug« Römer prolongiert. Kerlmer Prater-Sheater Kastanienallee 7—9. Heute; Der Bettelstüdent von Berlin. Spezialitäten, Konzert und Baii. Ansang 4'/, Uhr. Entree 30 Ps. V olgt-Theater Gesundbrunnen Badstr. 58. Gastspiel in Puhlmanns Theater, Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 20. September 1910: Das Opferlamm. Schwank in 3 Auszügen von Oskar Walther und Leo Stein. Kasjenerössnung � Uhr.«Inf. 8 Uhr. Zirkus Busche Dienstag, den SO. Sept.. abends 71/, Uhr: Großer Gala-Abend| Herr Alfred Ott, Schulreiter. Möns. Velanchc m. seinen| (uBballspielenden Hunden. Banola-Trnppe! Dieber.Reiterfam.I rcdtanl.( Herr Dir. 10. Orlando, Freiboitsdressuren. Gebr. Fratellini, die Urkomischen.{ 9V, Uhr, zum 4. Male: y©nezia"Sri°| a.: Madia(Sarith usw. I. Hochbahnstatton Koltbuser Tor. 32 Fahrverbind, aus allen Stadlteilen. Täglich: 9 Uhr 15 Minuten: Mos Variete-Teil. 5 neue Debüts. 9 Uhr 30 Minuten die Posse: Hu hat's geschnappt, Von OSkar Sabo. Mnsilo. Paul Lincke. 1 1 Hauchen überall gestattet 1 1 ClRCUS» Cyrill Halle Berlin H.,tSÄ (nächst Müllerstraße). Dienstag, den 20. September, abends S1/, Uhr: mit besonders gewähltem Programm und allen Drcasarneutaelteu an Elefanten, Liwen, Pferden, Schweinen, Hunden, Maultieren u. Affen, Riesenprogramm. Billigste Preise. ~TernrüT?" A. Moabit 8212 Moabiten Uielelstr. U. Emileiier Str. Iß. Größte» Rientopp-Theatef Moabit». Wöchentl. zweimal neues Programm. Täglich Vorstellung. Ansang 6 Uhr. IWeindergsweg 19-20. Itosenth.Tor. i Anfang 8'/, Uhr. Die NÄ?" großen"MG j Seplember-Spezialitaten. Burgtheater- Kinematograph Bonn. Groterjan, Jnhab.: Rud, Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Eintritt 39 u. 49 Ps.. Kinder dieHälste. Anf.7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugsiearten. nur wochent. gültig, 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets wechf. Programm. Dienstag u. Freitag v. 4—6'/, Uhr Ktndervorsteltiing. Kinder 10 Ps., Erwachsene 2« Ps. Jeden Sonntag im Obersaal: Künstlerkonzert. Entree 15 Ps. Garderobe 10 Ps. Für den Inhalt der Juserntr abernimint die Redaktion dem Publikum gegenüber teiuerle. Verantwortung. 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Parteitag der deutschen Sozial- demokratie zu Magdeburg. Erster Verhandlungstag. Magdeburg, IS. September 1910. Vormittagsitzung. Vorsitzender Dietz eröffnet die Sitzung um 9� Uhr und der liest zunächst die eingelaufenen Begrützungstelegramme und Be� grujzungsschrelben. Die französische sozialistische Partei bedauert lebhaft, sich nicht vertreten lassen zu können. Weitere Begrüßungen sind unter anderem eingelaufen von den jungen Turnern von Feldberg, vom Zentralbureau auslcmdischer Gruppen der sozial demokratischen Arbeiterpartei Rußlands in Paris, von den Kol lektcrbauern der Bergmannschen Elektrizitätswerke in Berlin, von den Konferenzdelegierten des schwarzen Herzogtums Braunschweig, von einer von 20 000 Teilnehmern besuchten Wahlrechtslundgebung in Amsterdam.(Lebhafter Beifall.) Der Vorsitzende begrüßt die Vertreter der ausländischen Bruderparteien, zunächst den alten Vor kämpfer Julius Vahlteich, der in Vertretung der Sozial- demokratie Nordamerikas erschienen ist. Die deutsche Sozialdemo- kratie Oesterreichs vertritt an Stelle des Genossen Seliger Genosse Schramme!. Genosse Ludwig B r e t sch n e i d e r- Wien der tritt die niederösterreichische Landesorganisation, Löwegren- Malmö die schwedische Partei, Genosse W i j k die finnische Organi sation. Unser alter Genosse Löwen st ein- Nürnberg mutzte leider infolge heftiger Erkrankung wieder abreisen. Schramme!- Oesterreich überbringt die herzlichsten Grütze der deutsch-österreichischen Partei und des deutschen Klubs der öfter reichischen Reichsratsfraktion. Eine Partei, wie die deutsche So zialdemokratie, hinter der Millionen von klassenbewutzten Arbeitern stehen, eine Partei, die über eine so ausgezeichnete Presse und über ein solches Heer von begeisterten Vertrauensmännern verfügt eine solche Partei wird und mutz trotz aller unerhörten Gewalt- tätigkeit der herrschenden Klassen siegen.(Lebhafter Beifall.) Schmeral- Prag: Die grotze deutsche Partei ist seit Jahren ein Vorbild, eine Hochschule für die tschechische Sozialdemokratie. AuS Ihrem Kampfe schöpfen wir Begeisterung und Zuversicht für den Erfolg unserer eigenen Arbeit. 99 von 199 tschechischen Ar- beitern werden auf die Frage, welche grotze Persönlichkeit ihnen am teuersten und liebsten ist, begeistert antworten: August Bebel.(Stürmischer Beifall.) Ich sage das, um den Geist zu kennzeichnen, der die tschechische sozialdemokratische Ar- beiterbewegung beseelt. In Oesterreich mit seinen vielen Nationen erwachsen einer sozialdemokratischen Partei grotze Schwierigkeiten. In einer Nation, wie die tschechische, die nach Jahrhunderten der Unterdrückung noch jetzt für manche Lebensbedürfnisse kämpfen mutz, entstehen für die Sozialdemokratie gewaltige Gesahren, namentlich die Gefahr des nationalen Chauvinismus. Es ist eine der ersten Pflichten einer sozialdemokratischen Partei, den natio- nalen Chauvinismus, den sogenannten nationalen Radikalismus innerhalb der eigenen Nation aufs leidenschaftlichste zu bekämpfen. Die tschechische Sozialdemokratie ist eine proletarische Partei, eine Klassenpartei, eine internationale Arbeiterpartei und eine inter- nationale Partei will sie auch immer bleiben. Nichts ist uns schmerzlicher, als wenn unsere guten Absichten und unsere prinzipielle sozialdemokratische Verläßlichkeit in Zweifel gezogen werden könnten. Die verschiedenen Richtungen in unserem Partei- leben sind nur aus einer verschiedenen Beurteilung der praktischen Bedürfnisse, nicht aus dem Geiste des nationalen Chauvinismus entstanden. Bei gutem Willen, an dem es nicht fehlen wird, werden die bestehenden Schwierigkeiten in naher Zeit wieder ausgeglichen werden, dafür bürgt die proletarische Äruktur unserer Partei und die ganze Vergangenheit der tschechischen Arbeiterbewegung. Ver- zeihen Sie, datz ich diese Gelegenheit benutzte, diese Erklärung ab- zugeben. Im Namen der tschechischen Partei Wunsche ich Ihren Beratungen besten Erfolg.(Lebhafter Beifall.) Stauning- Kopenhagen: In unserem kleinen Lande verfolgen vir mit großem Interesse jede Bewegung der deutschen Bruderpartei. Mit wachsender Freude haben wir den guten Fortgang der deutschen Arbeiterorganisationen, die immer steigende Stimmen zahl bei den Wahlen und den wachsenden Einfluß unserer beut schen Parteigekiossen bemerkt. Wir freuen uns über jeden Fort schritt unserer Ideen, und wir sind stolz darauf, datz wir vor 27 Jahren zur Zeit des Sozialistengesetzes Eurem Parteitage Ob- dach in Kopenhagen geben konnten.(Bravo I) Der grotze Inter- nationale Kongreß in Kopenhagen hat gezeigt, datz es nirgends mehr möglich ist, den Sozialismus auszuschliehen. Indem ich Euch allen die Grüße meiner Partei überbringe, wünsche ich Euch Glück zu Eurer Arbeit auf diesem Parteitage.(Lebhafter Beifall.) Loopuit- Amsterdam überbringt die Grütze der holländischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die Niederlande werden seit einigen Jahren verwaltet durch eine Sippe sich Christen nennender Reaktionäre, deren politische Gegner freilich, die Liberalen, um kein Haar besser sind.(Zustimmung.) Der holländische Regierungs- bleck ist schwarz und alles ist schwarz in Holland. Auch wir kämpsen seit Jahren um das allgemeine Wahlrecht und sind dabei ange- wiesen auf unsere eigenen proletarischen Kräfte. Gestern hat in Amsterdam eine Massenversammlung von 29999 Ar- beitern für daS allgemeine Wahlrecht demonstriert.(Lebhafter Beifall.) Auf dem Meeting gestern sprach man viel von deutschen Kaiserworten. Der deutsche Kaiser hat ja auch einmal gesagt: Deutschland in der Welt voran. Nun, die deutsche Sozialdemo- kratie geht dem Weltproletariat voran. Die politische und geWerk- schaftliche Organisation, die prinzipienfeste Politik und Taktik der deutschen Sozialdemokratie lind für uns vorbildlich.(Sehr gutl) Auf diesem Kongreß sind folgenschwere Entscheidungen zu treffen. Aber die deutsch« Sozialdemokratie ist kräftig, ruhig und gefestigt genug, um die schwersten Entscheidungen zu treffen, ohne datz dabei die proletarische Einigkeit gefährdet wird. In unserem Klassen- kämpf gibt es kein Rückwärts mehr, sondern nur noch ein Vor- wärts.(Sehr gutl) Mehr als je sind wir auf die internationale Zusamemnarbeit des Proletariats aller Länder angewiesen. Es lebe die Internationale, es lebe die deutsche Sozialdemokratie. (Lebhaftes Bravol) Keir Hardie, mit lebhaftem Beifall begrüßt, überbringt in englischer Srache die Grütze der Labour Parth. Redner, dessen Ausführungen Ledebour übersetzt, sagt: Dir Labour Party ist eine proletarische Bewegung, an der Sozialisten und Gewerk- schaftler teilnehmen. Sie zählt gegenwärtig VA Millionen Mitglieder und hat 49 Abgeordnete im englischen Unterhause. Ich komme mir hier gswisiermatzen vor wie der jüngste Sohn einer großen Familie, denn die englische sozialistische Bewegung steht zu der deurschen etwa im Verhältnis des Sohnes zum Vater. Alle großen Namen des Sozialismus sind deutsch: Lassalle, Marx, Engels, Liebknecht, Bebel. Ich komme hierher, um dafür zu wirken, daß n«ch engere brüderliche Beziehungen zwischen den englischen un> den deutschen Sozialisten sich entwickeln.(Bravol) Das ist besonders notwendig in dieser Zeit, wo auf beiden Seiten des Kanals die Kriegshetzer an der Arbeit sind. Wir beabsichtigen, demnächst eine Delegation nach Deutschland zu schicken, um den FriedenAvunsch der englischen Arbeiter in Deutschland zu verkünden, und wir hofsen, daß bald auch von der deutschen Sozial- demokratie eine Delegation mit gleicher Absicht England besuchen wird. Die Labour Party hat sich immer jeder Vermehrung der Seerüstungen widersetzt: sie ist eifrig für die Abschaffung des See» beuterechtes, dieser legalisierten Seeräuberei eingetreten. Wir ar» beiten für die Verminderung der Rüstungen mit dem Endziel ihrer völligen Beseitigung. Die englischen und die deutschen Arbeiter-- orgnisationen bilden zusammen schon eine Macht, die vereint imstande ist, alle Dreadnoughts der Welt lahmzulegen.(Bravol) In England sucht die wachsende Feindschaft der herrschenden Klassen gegen die Arbeiterbewegung die L. P. mit Hilfe der Gerichte lahm- zulegen, nachdem der Versuch der Lahmlegung der Gewerkschaften durch Gerichtsurteile mißlungen ist. Aber auch der Anschlag gegen die Partei wird scheitern, und kann nur die Wirkung haben, daß der Geist der Rebellion in den Arbeitermassen Englands geweckt wird. Verlatzt Euch darauf, bevor noch ein Fahr vergangen ist, werden die Kämpfe bei uns sich so entwickelt haben, datz die Führer der englischen Gewerkschaftsbewegung im Gefängnis sein werden, datz überall Streiks empor- lodern, und daß der Geist des Sozialismus sich weiter und weiter entwickelt.(Lebhafter Beifall.) Vahlteich-Nordamerika(mit lebhaftem Beifall empfangen): Die Beteiligung Auswärtiger an den nationalen Parteikongressen ist in der Hauptsache eine Form, wenn auch eine schöne Form. Das wichtigste ist und bleibt, datz der brüderliche Geist in uns lebt, und datz wir ihn betätigen.(Lebhafte Zustimmung.) Wir in Amerika haben Euch, zur Zeit des Gesetzes gegen die gemein- nützigen Bestrebungen der Sozialdemokratie stets geholfen.(Zu- rufe: Gemeinfährlichenl Heiterkeit.) Ich weiß ganz genau, was ich sage! Ich denke genügend unterrichtet zu sein über diese? AuS» nahmegesetz, um mich nicht zu irren.(Sehr richtig!) Wir hatten damals Gelegenheit, Euch zu helfen, und Ihr habt dazu jetzt Ge- legenheit gehabt und habt sie ergriffen. Dafür danke ich im Namen unserer amerikanischen Genossen. Bei den zwanzig bis dreißig Sprachen, mit denen wir zu rechnen haben, ist es in Amerika schwerer als in Deutschland, in kurzer Zeit eine grotze Bewegung ins Leben zu rufen. Wir marschieren zu langsam für unsere Wünsche, aber es geht doch vorwärts. Allgemach schwinden die Vorurteile, die heute noch die grotze Masse des Volkes dort drüben beherrschen. Man ist zurückgekommen von dem Irrtum, die Bewegung zu einer englisch redenden zu machen, und man hat den sprachlichen Gtuppen eine gewisse Selbständigkeit eingeräumt. Dadurch kommt das deutsche Element mehr zur Geltung als in den letzten Jahrzehnten. Die Zeiten sind vorüber, in denen selbst ein Mann wie Karl Schurz von den amerikanischen Arbeitern sagen konnte, datz jeder die Anwartschaft habe, Millionär zu sein. Jetzt wird auch in der bürgerlichen Welt der Sozialismus nicht mehr als eine fremde Pflanze betrachtet, jetzt sind Zeitungen und Revuen erfüllt von Besprechungen sozialistischer Ideen und Probleme. Es wird der Tag kommen, wo auch Nordamerika eine bedeutende Rolle in der internationalen sozialistischen Bewegung spielen wird. Vor- läufig aber bedürfen wir noch des Anschauungsunterrichts, den die deutschen Genossen uns erteilen. Unser sehnlichster Wunsch ist, daß der Parteitag die Einheit unserer großen deutschen Partei un- angetastet lasse.In diesem Sinne grüße ich Euch im Jkamen der nordamerikanischen Genossen.(Lebhafter Beifall und Hände- klatschen.) Damit sind die Ansprachen beendet. Geschäftsbericht des Parteivorstandes. Pfannkuch: In der Presse ist verschiedentlich die Behandlung der Anträge der Parteigenossen zum Parteitage bemängelt worden. Es ist aber völlig unzutreffend, wenn behauptet wird, datz die Ueberweisung der Anträge an den Parteivorstattd eine Art vornehmes Begräbnis dieser Anträge bedeute. Diese Anträge werden vielmehr sehr ein- gehend in den Vorstandsfitzungen behandelt. Geeignete Anregungen werden auch in die Praxis umgesetzt. Zum Beweise führe ich an, datz die Genossenschaftsfrage auf die Tagesordnung des diesjährigen Parteitages gesetzt ist. Dagegen hat der Antrag, auch die Steuerpolitik auf diesem Parteitag zu behandeln, die Zustimmung der zuständigen Instanzen nicht gefunden, weil in diesem und dem nächsten Jahr dringendere Aufgaben zu erledigen sind. JnKoischen ist ja auch ein„Handbuch über die Reichsfinanzreform" erschienen. Auf der Tagesordnung eines Parteitages nach den nächsten Wahlen kann ja dann die Steuerfrage gründlich erörtert werden. Von der augenblicklichen Unzweckmätzigkeit, ein Abendblatt des„Vorwärts" er- scheinen zu lassen, haben sich inzwischen auch die Antragsteller überzeugt. Den Antrag- aufHerausgabeeinesAdressen- Verzeichnisses sehen wir durch die jetzt herausgegebenen Materialien als erledigt an. Die Forderung einer eigenen l i t e r a- tischen Abteilung beim Parteivorstand wird eingehend er- wogen. Zunächst wird im Rheinland ein solches Bureau er< richtet werden, und zwar voraussichtlich in allernächster Zeit. Ten Anträgen auf gründliche Vorbereitung der Reichs- versicherungsordnung ist eingehend Rechnung getragen worden. Sachverständige aus allen Teilen des Reiches sind nach Berlin berufen worden. Die Anregungen der Sachverständigen ind nachher von dem engeren Ausschutz in Verbindung mit der Reichswgsfraktion durchgearbeitet worden, und eS ist hier ein tüchtiges Stück Arbeit geleistet worden. Ich wiederhole hier die Anerkennung, die im schriftlichen Bericht der Tätigkeit dieser Ge- nassen ausgesprochen worden ist. Der vom Leipziger Parteitag beschlossene Schnaps- b o y k o t t ist den Schnapsbrennern außerordentlich unangenehm geworden. Zu unserer großen Freude ist eine weitgehende Einschränkung des Schnapskonsums die Folge des Beschlusses gewesen. Aber gegenüber weitergehenden Anträgen der abstinenten Parteigenossen haben wir UnS ablehnend verhalten. Wir können aus der Abstin-enzfrage keine Parteifrage machen, wenn wir sie auch selbstredend als eine hochwichtige Erziehungs- rage betrachten. Wenn schlietzlich auf dem Wege der Aufklärung völlige Abstinenz erreicht wird, so wird die Parteileitung das jedenfalls mit großer Freude begrützen. Von den 397 Reichstagswahlkreisen stehen fast alle mit der Parteileitung im innigen Konnex. Nur in zwei Kreisen sind organisatorische Beziehungen nicht vorhanden. Wir haben gegen- wärtig 729 999 eingeschriebene Mitglieder in sozialdemokratischen Wahlvereinen. Das ist ein Mehr gegen das Vorjahr von 87 999, woran die weiblichen Mitglieder mit 29 999 beteiligt sind. Prozentual steht obenan der dritte Ham- burger Wahlkreis, wo 38,29 Proz. der sozialdemokratischen Wahler organisiert sind. Viel ist erreicht worden, aber viel zu tun bleibt noch übrig. Im Elsaß sind nur 4,34 Prag, unserer Wahler organi- iert. Unsere Partei mutz die Organisation so ausbauen, daß sie die absolute Mehrheit der Wähler in der Mehrheit der Wahlkreise besitzt.�(Sehr richtig!) Dann erst ist die Organisation unüber- windlich. Mit stolzer Hoffnung für die Zukunft erfüllt uns der Fortschritt unserer Jugendorganisation. Wir haben bereits in 369 Orten Jugendausschüsse, in 314 Orten Bildungsausschüsse und in 199 Orten Kinderschutzkommissionen, die alle die Erziehung der Jugend zu tüchtigen Sozialdemokraten be- zwecken. In umfangreichem Matze werden Konferenzen abge- halten, um die Agitation planmäßig zu betreiben. Zu den Kon- erenzen der Geschäftsleitung unserer Druckereien werden in Zukunft auch die in den Offizinen beschäf» tigten Arbeiter hinzugezogen. Die Frage der Einberufung einer Frauenkonferenz haben wir eingehend beraten, wir kamen aber zu der einmütigen Auffassung, datz sich eine Ver- tagung auf später empfehle. Auch über den Ausbau der Jugend- bewegung und über die Ausdehnung der Organisation der Wald- und Landarbeiter auf die Binnenschiffer wurde volles Einverständnis erzielt. Flugblätter an die Eltern der proletarischen Jugend wurden 699 999 verbreitet, ein Liederbuch n 39 999 Exemplaren. In wie überwiegendem Matze die sozial- demokratische Partei der Träger des öffeiülichen politischen Lebens. in Deutschland ist, beweist die Tatsache, datz 29 826 Mitglieder- Versammlungen und 13 814 öffentliche Versammlungen abgehalten wurden.(Hört, hört!) Verbreitet wurden 23162999 Flugblätter und 2 544 099 Broschüren und Agitations- kalender. Da kann man sich nicht wundern, datz der Reichsverband in die Wolle gerät, weil seine Schundliteratur längst nicht die Verbreitung findet wie unsere Aufklärungsliteratur. Der Reichsverband klagt darüber, datz manchmal die mit dem Austragen seiner Flugblätter beauftragten Personen Sozialdemokraten sind, die die Arbeit nicht in seinem Sinne verrichten(Heiterkeit), und er führt darauf seine geringen Erfolge zurück. Beherrscht wurde die Agitation im ver- flossenen Jahre durch Veranstaltungen gegen den Entwurf der Reichsversicherungsordnuna, durch die Wahlrechtsbewegung und durch die Wahlbeteiligung bei den Nachwahlen zum Reichstag und bei den Landtags- wählen in Meiningen, Baden, Sachsen, Hamburg. Lübeck, Bremen, Sachsen-Altenburg, Weimar und Württemberg. Ueberall war ein siegreicher Vormarsch der Partei zu verzeichnen. In Baden gewannen wir 29 Sitze, davon die Hälfte in der Stichwahl durch das Wahlbündnis mit den Liberalen. In Sachsen eroberten wir 25 Mandate trotz des Vierklassenwahlunrechts. Die Zahl der sozialdemokratischen Land- tagsabgeordneten stieg von 169 auf 186 in 19 Bundesstaaten.- Bei den Nachwahlen zum Reichstag büßten die bürgerlichen Parteien 49 399 Stimmen ein, während wir 26 337 gewannen. Ein Mandat verteidigten wir siegreich, ein verlorenes eroberten wir zurück und 6 neue gewannen wir. Weit über den Rahmen unserer Partei hinaus ist die Unzufriedenheit über die Steuerpolitik, die agrarische Raffgier, das Versagen jeder freiheitlichen Wahlreform in Preußen verbreitet, und diese Unzu- friedenheit drückt sich naturgemäß in einem Machtzuwachs unserer Partei aus.(Bravo I) Die Partei mutz alle Kräfte anspannen, um sich die erfolgreiche Ausnutzung der günstigen Situation zu sichern. Die intensive allgemeine Agitation kam auch der Parteipresse hervorragend zugute. Ueberall stiegen die Abonnentenziffern. Von unseren 73 Tageszeitungen brauchen nur 26 Parteisubventionen. Es handelt sich hierbei um noch zu erschließende Gebiete, die gerade darum besonders bevorzugt werden müssen. Freudig auf» genommen worden ist die Ausgestaltung der„Neuen Welt" mit aktuellen Illustrationen. Dagegen haben wir den„Postillon" ein- gehen lassen müssen. Die Organisationen erhalten eine Vereins- ausgäbe der„Neuen Zeit" zum Preise von 14 Pf. zur Abgabe au die Funktionäre der Partei. Viermal jährlich erscheint ein B l i n d e n o r g a n, das sich außerordentlicher Beliebtheft unter den Blinden erfreut. So haben selbst die, die ihr Leben in ewiger Nacht verbringen müssen, das Bedürfnis, von den befreienden Ideen des Sozialismus geistig erhellt zu werden. Der Kreis derer, die sich der immer weiter ausgestalteten sozialdemokratischen Parteikorrespondenz als Ouellenmaterial bedienen, ver- grötzert sich immer mehr. Dem Ausbau des Presse- bureaus ist die größte Aufmerksamkeit zugewendet. Die Tätigkeit drS ZentralbildungSausschusses hat überall Verständnis und Anteilnahme gefunden. Geradezu erstaunlich ist das Bildungsbedürfnis der Genossen, die um ihren Lebensunterhalt hart kämpfen müssen, sich der anstrengendsten Agitationsarbeit widmen und dann noch mit Lust und Hingebung an der Ausfüllung ihrer Bildungslücken arbeiten. In 187 Orten bestehen Bildungsausschüsse, die im Berichtsjahre die stattliche Summe von 599 999 M. ausgegeben haben. Vortragskurse wurden 279 in 139 Orten. UnterrichtSkurse 18 in 12 Orten, Wissenschaft- liche Einzelvorträge 262 in 132 Orten veranstaltet. Einer ebenso günstigen Aufnahme erfreuen sich die künstlerischen Veranstal- tungen. 128 Wanderkurse mit 682 Vorträgen wurden an 115 Orten veranstaltet und 24 990 Personen nahmen daran teil gegen 8999 im vorigen Jahre. Die Parteischule hat im vierten Jahre ihre ersprießliche Tätigkeit entfaltet. In diesen vier Perioden sind 117 Schüler ausgebildet worden, die mit reger agitatorischer Tätig- keit der Partei ihren Dank abstatten. Die Agitation des Frauen- bureaus hat upsere weibliche Mitgliederzahl um 29 999 ver» mehrt. Wir habeü jetzt 82 642 eingetragene Genossinnen. Der Abonnentenstand der„Gleichheit" deckt sich fast vollständig mit der Zahl unserer weiblichen Mitglieder. Von tiefem sozialen Emp- finden getragen sind die von den Genossinnen eingerichteten Kinderschutzkommissionen, die freilich noch viele Hindernisse zu überwinden haben, die in dem Unverstände der An» gehörigen der Kinder ihre Ursache finden. Die WahlrechtSbcwcguns in Preußen wurde durch den am 3. Januar d. I. zusammengetretenen preu- tzi schen Parteitag eingeleitet. Die Bewegung setzte auch in Meck- I e n b u r g, Braunschweig und in den Hansa st ädten mit Vehemenz ein. Durch diese Agitation ist die Aufmerksamkeit der großen kapitalistischen Organisationen, des Bundes der Landwirte, des Zentralverbandes der Industriellen und nicht zuletzt des Hansabundes wieder auf uns gelenkt worden. Was durch die Macht des Geldsackes und durch Korruption in der deutschen Politik geleistet werden kann, das werden diese Organisationen leisten. Der Geschäftsführer des Zentralverbandes wies auf die gefüllten Kassen hin. Nun, auch unsere Kassen sind gefüllt und wir haben dazu noch etwas anderes, wa» die Gegner nicht haben. den Opfermut der Genossen.(Stürmischer Beifall.) Ich habe nun noch, möchte ich behaupten, die gebieterische Pflicht, darauf hinzuweisen, datz dem Parteivorstand wegen seines Verhaltens in der W a h l r e ch t s be w egung Vorwürfe gemacht worden sind, er habe, statt den Massen neue Mittel des Kampfes im Wahlrechtsstreit zu geben, die Bewegung dadurch zum Abflauen gebracht, datz er verhindert habe, Mittel ivie das des politischen Massenstreiks zu erörtern. Um jeder Legendenbildung die Spitze abzubrechen, erkläre ich, datz der Parteivorstand niemals eine solche Anweisung gegeben hat. Er hätte auch keine größere Dummheit begehen können, als eine solche Anregung zu geben. Denn dann-hätte man doch die Stelle gehabt. auf die man alle Schuld, wenn man davon reden kann, abwälzen konnte. Die Parteikreise, die so leichthin gegen den Borstand Vor- würfe erhoben haben, er hätte die revolutionäre Energie der Masse nicht in die richtigen Bahnen geleitet, scheinen die Vorwürfe ver- gessen zu haben, die auf früheren Parteitagen erhoben wurden. Früher hieß es immer, der Parteivorstand habe zu wenig Fühlung mit den Genossen und treffe seine Matznahmen viel zu selbstherr- lich. Ich habe schon darauf hingewiesen, welche Konferenzen wir abhalten, Um in steter Fühlung mit den Genoffen zu bleiben. Und so haben wir auch hier gehandelt. Der Parteivorstand, ver der preußischen Landeskommission angehört, hat in der Wahlrechts- bewegung stets in vollem Einverständnis mit den in dieser Frage in Betracht kommenden Instanzen gehandelt. Die Unkenrufe, der Parteivorstand sei der Situation nicht gewachsen, fanden daher keinen Resonanzboden in der Partei. Im Einklang mit den zuständigen Instanzen hat der Parteivorstand auch gehandelt, als es galt, über Matznahmen zu beraten, die schlietzlich über den Rahmen der Parteiorganisation hinauswachsen würden und hinauswachsen müssen, wenn sie den Erfolg haben sollten, den man sich von anderer Seite davon ver- sprach. Wir haben uns dabei mit den Instanzen in Verbindung gefetzt, die die Verantwortung für die wirtschaftlichen Organi. sationen tragen. Stets ist dabei Einmütigkeit erzielt worden. Die vom Parteivorstand geübte Praxis hat auch zur Folge gehabt, datz die AtgrsUrompeten ugbeachtet geblieben sind. Der Parkivorstand hat in dem kritischen Augenblick getan, tbas er tun mutzte. Er wird auch künftighin seine Matznahmen in dieser Weise treffen. DaS ist bisher zum Nutzen der Partei geschehen und wird ihr auch weiter zum Vorteil gereichen.(Lebhafter Beifall.) Ebert erstattet den Kassen- und Pressebericht, den er mit dem Wunsche einleitet, datz Genosse Gerisch, der zum ersten Male vom Parteitag ferngeblieben ist, recht bald in alter Frische seine der- antwortungsvolle Tätigkeit wieder aufnehmen möge. Der dies- jährige Abschlutz ist leider nicht so gunstig, wie der vorjährige. Wir haben eine Mindereinnahme von rund 170 000 M. und eine Mehrausgabe von 194 000 M. Aber zu Besorgnissen liegt kein An- latz vor. Mehrere zufällige Umstände wirken bei dem ungünstigen Nekultat zusammen. Hwei Parteibezirke, die in der Regel weit über ryren Pflichtbeitrag hinaus der Parteikasse Zuwendungen machen, konnten diesmal Nicht einen so hohen Beitrag leisten. Dazu kommt die finanzielle Belastung durch die Wahlrechtskämpfe. Die Spannung in unserem DarlehnSkonto beträgt in diesem Jahre 100 000 M. gegen 3S000 M. im vorigen Jahre. Um den Verdächtigungen zu begegnen, die unsere Gegner an diese Dar- lehnskasse zu knüpfen pflegen, sei hier noch einmal ausdrücklich er- klärt, datz unter dem DarlehnSkonto nur Posten laufen, die an Parteiorganisationen oder Parteiunterneh- mungenzubesonderSwichtigenAktionenoderbei Ausdehnung der Betriebe gegeben werden. Im ganzen ist daS diesjährige unerfreuliche Kassenbild auf Vorkomm- nisse zurückzuführen, die höchstwahrscheinlich beim nächstjährigen Kassenabschlutz schon wieder ausgeglichen sein werden. Mit oer Steigerung unserer Ausgaben werden wir allerdings fortdauernd rechnen müssen. Die neuen Aufgaben bedingen natürlich erhöhte Ansprüche an die Zentralkasse. Unseren Parteiorganisationen muh daher die pünktliche und gewissenhafte Abführung ihrer Beiträge an die Zentralkasse zur unbedingten Pflicht gemacht werden. Im nächsten Jahre haben ja auch 335 Organisa- tionen Beiträge an die Zentralkasse abzuliefern.(Bravo!) Aber gewöhnlich handelt es sich nur um Pflichtbeiträge, d. h. um Mindest- beitrüge. Die Einnahme aus Beiträgen der Organisationen be- trägt aber nur die Hälfte unserer gesamten Einnahme, die Zentral- lasse ist also nach ww vor in hohem Grade auf besondere Zu» Wendungen angewiesen. Es ist daher die dringende Bitte an die Parteiorganisatwn im Lande zu richten, nach dem Beispiel der Hamburger und Berliner Genossen über die Pflicht- beitrüge hinaus finanzielle Zuwendungen zu machen. Ferner müssen wir dringend bitten, keine Aenderung an der erst im vorigen Jahre vorgenommenen Beitragsabführung an die Zentralkasse vor- zunehmen. Wo sich Schwierigkeiten ergeben, wird der Parteivor- stand wohl immer zum Entgegenkommen bereit sein. Bei der Be- richterstattung über das Kassenwesen der einzelnen Organisationen ist eine wesentliche Besserung eingetreten, wenn auch die Berichte noch keineswegs vollauf befriedigen. Die 340 in diesem Jahre berichtenden Wahlkreise hatten eine Einnahme von 3 352 352 M. Die Ausgaben dieser 340 Wahlkreise betrugen 2 476 022 M.> der Kassenbestand am Schlüsse des Geschäftsjahres 489 048 M. Dazu kommen noch 112 367 M.'als Bestand der Landes- und Bezirks- tassen. Ich denke, diese Zahlen sprechen für die finanzielle Kräfti- gung unserer Organisation. Noch ein Wort über den Stand der Parteipresse. Im Laufe des letzten Geschäftsjahres ist nur ein Parteiblatt einge- gangen, das dreimal wöchentlich erscheinende„Osfenburger Volks- blatt". Dagegen sind mehrere neue Blätter erschienen, wie die „Neue Donaupost" in RegenSburg und das„Bayerische Wochen- blatt" in München. Die Partei besitzt 73 Tageszeitungen, auherdem erscheinen zwei Blätter dreimal wöchentlich, eins zwei- mal und etnS einmal wöchentlich. Hierzu kommt noch die aste vier- zehn Tage erscheinende„Gleichheit". In den letzten Jahren hatte unsere Parteipresse sehr unter den Wirkungen der wirtschaftlichen Krise zu leiden. Das letzte Jahr zeigt dagegen einen recht er- freulichen Fortschritt. Wir haben eine Gesamtzunahme von 118 513 Abonnenten zu verzeichnen.(Lebhaftes Bravo!) Die Einnahme aus Abonnements ist um 259 000 M. gestiegen und die Einnahme aus Inseraten um 616 000 M. Die Abonnentenzunahme zeugt von fleißiger und erfolgreicher Parteiarbeit, namentlich von rastloser und mühevoller Kleinarbeit. Die Steuerausplünderung und die Wahlrechtskämpfe haben unserer Parteipresse den Eingang erleicktert in die Hütten von Hunderttausenben von Proletariern. Wir dürfen darüber aber nicht vergessen, datz immer noch weitere Schichten des Proletariats für unsere Organisation, für unsere Sache gewonnen werden können. Wenn wir in dieser Hinsicht alle unsere Schuldigkeit tun, dann werden wir uns nicht nur kräftig vorbereiten für die kommenden Reichstagswahlen, sondern unsere jetzigen Erfolge werden nur Etappen sein in unserem unaushalt- samen Vormarsch zu unserem großen Siege.(Lebhafter Beifall.) Bericht der Kontrollkommission. Kaden: Ein großer Teil der Arbeiten der Kontrollkommission ist durch Beschlutz des Leipziger Parteitages anderen Instanzen überwiesen worden. Jedoch war noch eine Anzahl älterer Sachen durch die Kontrollkommission zu erledigen. Auf Grund des alten Statuts wurde die Berufung der Generalversammlung des Wahlvereins Schweidnitz gegen das freisprechende Urteil des Schiedsgerichts in Sachen des Genossen Rcinhold Seidel zurückgewiesen. Auf- gehoben wurde das Urteil des Schiedsgerichts, das den Genossen Adolf S t a s ch- Breslau für ungeeignet zur Bekleidung von Par- teiämtern bezeichnete, weil mit diesem Spruch das Schiedsgericht seine damalige Kompetenz überschritten hatte. Bestätigt wurde das Urteil de» Schiedsgerichts, da» den Genossen Paul Fiedler- Berlin aus der Partei a u S s ch l o tz, weil er ohne Beweis Partei- genössische Mitglieder der freireligiösen Gemeinde Berlin des Be. trüge» und der Unterschlagung bezichtigt, den Vorstand bei der Ge- meinde denunziert und in einer gegnerischen Zeitung die Einrich- tungen der Partei verächtlich gemacht hat. Aufgehoben wurden die Rügen, die ein Schiedsgericht in Augsburg den Genossen Thiel, Reisenberg und Rebele erteilt hat. Zurückgewiesen wurde die Berufung gegen die Ablehnung der Ausschließung de» Genossen K n ö f l e r in Gösenitz. In der Redaktion der„Gleichheit" sollte eine Sekretärin aus« hilfsweise auf sechs Monate eingestellt werden. Von der Redaktion wurde Genossin Gewehr in Vorschlag gebracht, gegen die jedoch verschiedene Anschuldigungen erhoben wurden, die den Parteivor- stand veranlatzten, den Vorschlag abzulehnen. Gegen diese Ent- scherdung und ihre Begründung wurde Beschwerde bei der Kontroll- kommission eingelegt. Di? Kontrollkommission fand die gegen die Genossin Gewehr erhobenen Anschuldigungen noch gründlicher Prüfung ungerechtfertigt. Da aber die Angelegenheit prak- tisch ihre vorläufige Erledigung gefunden hatte, sah die Kontroll- Kommission davon ab, der Entscheidung des Parteivorstandes selbst entgegenzutreten. Zurückgewiesen wurde die Berufung des Genossen Schröder. Britz gegen seine Ausschliehung aus der Partei. Die Tatsache, daß Schröder dem anarchosozialisrischen Metallarbeiterverband ange- hört, der in grundsätzlichem Gegensatz zur Partei steht, und diese bewutzt in der gehässigsten Weise bekämpft, erachtete die Äontroll- kommission als geniigend für den Ausschluss. In Brakel lehnte ein Schiedsgericht die Ausschliessung des Genossen S ch l i s i o ab, der beschuldigt wurde, das Haupt der dortigen anarchosozialistischen Bewegung zu sein. Die Kontrollkommission hob das Urteil des Schiedsgericht» als gegen das Organisationsstatut verstohend auf und wies die Sache zur erneuten Prüfung an das Schied». geeicht zurück. Genosse Geck teilte der Kontrollkommission mit, dah ihn auf dem letzten badiichen Parteitage Genosse S ü ß k i n d- Mann- heim beschuldigt habe, seine Stellung als Mitglied der Kontroll. kommission zur Schädigung der badischen Parteigenossenschaft be- nutzt zu haben. Die Kontrollkommission erachtete den Vorwurf für güozlich unbegründet, sieht gber davon gb. des Fall als eine Beschwerde zu erledigen. Sie gibt dem Parteilag von der eingegangenen Zuschrift Gecks Kenntnis, um dem Genossen Geck die Möglichkeit zu verschaffen, eine Genugtuung zu erhalten. Di« Kontrollkommission hat die ihr überwiesenen Revisionen sorgfältig vorgenommen und in Berlin uich Stuttgart alles in bortrefflicher Ordnung gefunden. Ich beantrage daher namens der Kontrollkommission, dem gesamten Parteivorstand Decharge zu erteilen.(Bravo!) Vor Eröffnung der Diskussion teilt der Vorsitzende mit, daß die in der gedruckten Vorlage unter Agitation verzeichneten Anträge 4 und 5 zu Presse und Literatur, die Anträge 7 und 17 zur Budgetfrage und der Antrag 14 unter die sonstigen Anträge gehören. Bon den zur Organisation gestellten Anträgen werden nur die Anträge 6, 8, 11, 16 und 18"), von den Anträgen betreffend Presse und Literatur nur die Anträge 4, 5, 24, 25, 26, 27, 29, 30, 32, 33, 34 unterstützt. Zunächst werden nur die Anträge zur Or- ganisation mit zur Debatte gestellt. Ein genügend unterstützter An- trag Böttcher verlangt, datz die Angelegenheit Geck-Sütz- kind der Beschwerdekommission überwiesen wird. Süszkind-Mannheim: Es ist schade, datz hier auf dem Parteitag wieder Kleinigkeiten das Präludium spielen sollen. Ich meine, datz die Anzapfungen, die ich dem Genossen Geck habe angedeihen lassen, und deren Wahrheit ich auch beweisen werde, nicht auf den Parteitag gehören, schon deshalb, weil sonst aller möglicher Dreck hier bekannt würde. Ich befürworte deshalb die Ueberweisung an die Beschwerdekommission. Dieser werde ich daS Material zur Verfügung stellen. Adolf Geck: Ich bitte Sie, dem Antrage nicht stattzugeben. Wie Sie vom Vorsitzenden der Kontrollkommission gehört haben, ist an der gegen mich öffentlich erhobenen Anschuldigung kein wahres Wort. Die Kontrollkommission lehnt es einmütig ab. mir das Zeugnis auszustellen, datz ich meine Stellung in der Kontroll- kommission dazu benutzt hätte, die badische Parteigenossenschaft zu schädigen. Sützkind sagt nun, es schicke sich nicht, derartige Kleinigkeiten vor dem Parteitag zu verhandeln. Man müsse das hinter den Kulissen einer Beschwerdekommission vornehmen. Aber der, der diese Anschuldigung öffentlich auf einem Parteitage der badischen Sozialdemokratie gegen mich erhoben hat, war Sützkind. Wenn er diese Anschuldigungen als Kleinigkeiten betrachtet, so hätte er als alter, erfahrener Parteigenosse sie nicht öffentlich auf einem Parteitag erheben dürfen.(Sehr richtig I) Oder er hätte mindestens den Beweis damals gegen mich erbringen sollen und müssen, den er jetzt erst einer Kommission vortragen will. Ich be- trachte aber eine derartige Anschuldigung nicht als Kleinigkeit. Wenn man so lange Jahre Mitglied der Kontrollkommission ist und sich dann öffentlich einen solchen Vorwurf gefallen lassen mutz, so sollte der Parteitag verlangen, datz die Gründe hierfür öffent- lich dargelegt werden; ich habe sie nicht zu fürchten. Die Kontroll- kommission hat keinen Anlaß, mir das Zeugnis auszustellen, datz der Vorwurf gegen mich berechtigt ist. Ich bitte Sie also, zu ver- langen, datz Genosse Sützkind die Gründe, die ihn zu seinen schweren Anschuldigungen veranlaßt haben, in voller Oeffentlichkeit vorbringt.(Zustimmung.) Walter-Höchst begründet den Antrag 6. ES ist Ehrenpflicht deS Parteitages, dafür zu sorgen, daß diejenigen Genossen, die als Opfer der kapitalistischen Produktionsweise Jnvalidenrentner ge- worden sind, Parteimitglieder bleiben können dadurch, daß ihnen die Beiträge erlassen werden. Denken Sie sich in die Situation eines alten, braven Parteigenossen hinein, der 10 bis 20 Jahre im Vordertreffen gestanden hat, durch Krankheit und Sichtum um den Verdienst gekommen ist und nun wegen Nichtzahlung der Beiträge seine Parteizugehörigkeit verliert! Dittmann-Solingen: Ich bitte um Annahme der Anträge 11 und 12, die keineswegs nur eine formale Angelegenheit betreffen. In allen Organisationen hat man es auf daS lebhafteste bedauert, daß zu der Zeit, wo sie zum Parteitag Stellung nahmen, die Be- richte deS Vorstandes und der Fraktion noch nicht vorlagen, und daß infolgedessen die Grundlage für eine ersprichliche Diskussion fehlt. Es genügt doch nicht, datz nur die Delegierten die Berichte lesen, sondern auch ihre Auftraggeber müssen sie frühzeitig lesen können, um den Delegierten eine bestimmte Richtlinie zu geben. Gewiß ist alles getan worden, um den Bericht so früh wie möglich erscheinen zu lassen; wenn es trotzdem nicht möglich gewesen ist, den Bericht eher zu geben, so liezt das daran, daß das Geschäfts- jähr am 1. Jul, beginnt. Wurde das Geschäftsjahr um ein Vierteljahr zurückverlegt werden, dann wäre diesem Uebelstande abgeholfen, ohne daß die Angaben der Berichte dadurch veralten. Auch jetzt kommen ja Berichte zustande, daß Organisationen daS Material nur bis zum 1. April dem Parteivorstand unterbreiten. Der Reichstagsbericht darf selbstverständlich nicht mit dem 1. April schlietzen, sondern er mutz die ganze Session umfassen. Zum mindesten bitte ich um Annahme des Antrags 16. Fräulein Gewehr-Elberfeld tritt für den Antrag 8 ein, der daS Frauenbureau mit dem Bureau des Parteivorstandes ver» einigen will. Mit dem Inkrafttreten des ReichsvereinsgesetzeS haben die Verhältnisse sich so verändert, datz das Frauenbureau nicht mehr der Situation entspricht. Wir sind nicht etwa der Meinung, datz eS überflüssig ist, im Gegenteil. Die Tätigkeit deS Vorstandes und unserer Beauftragten wird immer umfangreicher und komplizierter. Um den neuen Anforderungen zu genügen und unerquickliche Diskussionen zu vernieiden, wie sie in der „Gleichheit" darüber geführt sind, ob eine Frauenkonferenz statt- finden soll oder nicht, ist eS nötig, das Tätigkeitsgebiet unserer Beauftragten genau abzugrenzen. Selbst wenn der Parteitag unserem Antrage nicht zustimmen sollte, sind wir doch schon damit zufrieden, daß die Frage in Fluß gebracht wird; die nächste Frauen- tonfercnz wird sich dann eingehend damit befassen. Rieger-Köln begründet den Antrag 18 über die Jugend- Organisation. In Berlin wurde beschlossen, datz die Jugend- ausschüsse zu gleichen Teilen von der Partei, den Gewerkschaften und der freien Jugend bestimmt werden sollen. Die jugendlichen Stürmer gehen aber darauf loS; sie glauben, datz sie zurückgesetzt sind und immer majorisiert werden. Gewiß, die Jugend soll ge- führt werden, aber sie soll nicht wissen, datz sie geführt wird. Natürlich muß in dieser Frage auch erst die Meinung der Gewerk- ")6. Höchst: Der Parteitag gibt den Wiahlkreisen daS Recht, statutarische Bestimmungen dahin zu treffen, datz Parteimit. gliedern, welche auf Grund der Bestimmungen des Jnvalidenver- sicherunaSgesetzeS als� dauernd invalid anerkannt sind, für die Dauer der Invalidität die Möglichkeit gegeben wird, durch einen geringen Bettrag, von welchem Prozente nicht an die Zentralkasse abzuführen sind, ihre Parteimitgliedschaft zu erhalten. 8. Barmen: Zur Herbeiführung einer größeren Einheit- lichkeit in der Aktion und zur Vermeidung von Divergenzen ist das Zentralfrauenbureau mit dem Bureau deS Parteivorstandes zu vereinigen. 11. Bremen: Der Parteitag beschkießt, daS Geschäftsjahr zur Berichterstattung der einzelnen Wohlkreisvereine an den Parteivorstand in Berlin mit dem 1. April beginnen und mit dem 31. März beenden zu lassen. 16. Solingen: Die Generalversammlung bedauert, datz die Bestimmungen des Organisationsstatuts über daS Geschäftsjahr dem Parteivorstand nicht gestatten, den Geschäftsbericht der Partei zeitig genug zu veröffentlichen, um den Organisationen die Mög- lichkeit zu geben, sich bei ihrer Stellungnahme zum Parteitag be- reits damit zu befassen und so«ine sicher« Grundlage zu gewinnen für die Beurteilung und eine etwaige Kritik an der Tätigkeit der Gesamtpartei. Die Generalversammlung bittet den Magdeburger Parteitag, sich diesem Bedauern anzuschließen und den Parteivor- stand zu ersuchen, bei der nächsten Revision deS Organisationsstatuts auf eine Abstellung dieses Uebelstandes bedacht zu sein. 18. Köln, Stadt und Land: Der Parteitag wolle be- schlietzen: Der Parteivorstand wird ersucht, sich mit der General- kommission der Gewerkschaften zu dem Zweck in Verbindung zu setzen, um zu erörtern, ob eS nicht angebracht ist, in Zukunft die Jugendausschüsse zu gleichen Teilen aus Erwachsenen und Ver- tretern der treieo Jugend zusammenzusetzen., schaffen eingeholt«erden. Art rtflztkflffl Orten find Sie Wünsche der Jugendlichen bereits erfüllt; man kann das auch insofern tun und den Jugendlichen die Hälfte der Stimmen geben. Sollten die Jugendlichen eine Eselei machen, dann ist es noch immer möglich, sie wieder gutzumachen. Treu-Nürnberg wendet sich gegen den Antrag 6, dessen Durch- führbarkeit in größeren Orten auf Schwierigkeiten stößt. Es wäre das einfachste, wenn jede Organisation für ihre invaliden Mit- glieder oie Beiträge selbst bezahlte.(Sehr richtig!) Ebenso mutz die Verlegung des Geschäftsjahres bekämpft werden, denn es ist sehr gut möglich, auch wenn das Geschäftsjahr am 1. Juli be- ginnt, die Berichte rechtzeitig einzusenden. Den Antrag auf Vereinigung des Frauenbureaus mit dem Bureau des Partei- Vorstandes halte ich für selbstverständlich, denn nachdem wir nun eine einheitliche Organisation mit gleichen Rechten und Pflichten für männliche und weibliche Mitglieder haben, mutz auch die Leitung eine einheitliche sein. Ulrich-Frankfurt a. M. bittet um Verlegung deS Geschäfts- jahres aus die Zeit vom 1. April bis zum 31. März. Ryssel-Leipzig: Die Gründe, die im vorigen Jahre gegen eine Verlegung des Geschäftsjahres vorgebracht sind, sind auch heute noch maßgebend. Als Leiter einer Organisation mit 25 000 Mit- gliedern und 58 Ortsvereinen ist es mir möglich gewesen, in diesem Jahre bis zum 6. Juli sämtliche Abrechnungen zu bekommen. Allerdings gehört ein großes Stück Erziehungsarbeit dazu, auch die kleinen Organisationen an präzise Arbeit zu gewöhnen. Der 1. April als Anfang des Geschäftsjahres würde Organisationen, die viele Bauarbeiter als Mitglieder haben, Schwierigkeiten be- reiten, ganz abgesehen davon, daß der 1. April ein Umzugstermin ist. Auch den Antrag 6 bitte ich abzulehnen, die Organisationen müssen selbst darüber entscheiden, ob sie kranken und invaliden Mitgliedern die Beiträge erlassen wollen. Der Antrag 8 auf Verlegung des Frauenbureaus ist eine zwingende Notwendigkeit. Vorsitzender Dieb: Der Antrag 11 ist zugunsten der Resolution Solingen zurückgezogen. Ferner ist ein Antrag 33 ein- gegangen, der verlangt, daß die Parteikorrespondenz in je einem Exemplar auch den sozialdemokratischen Ortsvereinen zugestellt werden soll. Wie mir der Parteivorstand erklärt, geschieht das heute schon. Der Antrag 83 wird genügend unterstützt. Westkamp-Düsseldorf bittet um Ablehnung deS Antrages 6. ES ist Aufgabe der einzelnen Landesorganisationen und der Bezirksorganisationen, sich mit dieser Frage zu beschäftigen. Im Wahlkreise Düsseldorf haben wir es so gehalten, datz wir Partei- genossen, die krank sind, oder die wegen politischer Vergehen in- haftiert sind, von der Beitragszahlung befreit haben. Hinsichtlich der invaliden Parteigenossen haben wir keine besonderen Matz- nahmen getroffen. Das müssen die einzelnen Organisationen be- sorgen, wenn die Frage an'sie herantritt. Den Antrag 8 halte ich für selbstverständig, nachdem wir eine geschlossene Organisation haben und nachdem die Genossinnen sich der politischen allge- meinen Organisation anschließen können. Die einzelnen Wahl- kreise sind verpflichtet, bei der Zusammensetzung des Vorstandes die Genossinnen zu berücksichtigen. Was im kleinen geschieht,. mutz auch im großen möglich sein, also auch beim Parteivorstand. Ich bitte daher, dem Antrag 8 zuzustimmen. Ferner bitte ich um Zustimmung zu dem Antrage 16, damit bei einer späteren Revision des Organisationsstatuts die äußersten Wünsche berücksichtigt sein können. Den Antrag 83 halte ich für überflüssig. Die Partei- Organisationen des Orte? haben dafür zu sorgen, daß mit dem zur Verfügung gestellten Material kein Unfug getrieben wird. Daß wir eine besondere polnische Organisation in Deutschland haben, halte ich für ein Unding. Diese Organisationsform mutz von der Bildfläche verschwinden. Wir wollen eine einzige sozial- demokratische Partei Deutschlands sein und können keine besonderen Organisationen dülden. Dittmann-Solingen: Ich bleibe dabei, daß eS«ich! allen Parteiorganisationen möglich ist, so rechtzeitig die notwendigen Angaben an den Parteivorstand einzuschicken, daß dieser seinen Bericht zeitig genug herausgeben kann. Wir müssen unsere Matz- nahmen nach.dem Durchschnitt unserer Organisationen treffen. Ich bitte, dem Antrage Solingen zuzustimmen. Damit schließt die Debatte. Süßkind-Mannheim stellt persönlich fest, baß er bei ver kurzen Redezeit in Offenburg die hingeworfene Bemerkung gegen Geck nicht begründen konnte. Hierauf tritt um 1 Uhr die Mittagspause ek» NachmittaySsitzung. Vorsitzender Dietz: Unser Genosse Gerisch hat, seit er im Amte ist, sämtliche Parteitage besucht. Diesmal ist er durch Krankheit verhindert. Ich möchte Sie bitten, datz wir auch unseren alten treuen Gerisch telegraphifch herzlich grüßen und ihm baldige Genesung wünschen.(Allseitige Zustimmung und lebhafter Bei- fall.) Singer richtet folgendes Telegramm an den Parte liag: „Herzlichsten Dank für den mich hocherfreuenden Beweis treu kameradschaftlicher Gesinnung. Meine heißesten Wünsche begleiten die Verhandlungen des Parteitages. Sie gipfeln in der festen Zu» verficht, daß seine Beschlüsse den unverbrüchlichen Willen, die Ein» heitlichkeit der Parteikundgebungen, sowie dia republikanische Gesinnung in vollem Umfange aufrecht zu erhalten, aufs neue machtvoll bekunden werden."(Lebhafter Beifall.) Von auswärtigen Vertretern sind noch eingetroffen: Franz Fischer für die belgische Partei und Dr. Hanauer für den deutschen Arbeiterverein in Brüssel. Die Diskussion über Presse und Literatur wirb eröfsnek. Die genügend unterstützten Anträge 4, 5, 24, 25, 26, 27, 29. 30, 32, 33 und 34") stehen mit zur Debatte. ") 4. Bremen. Der Parteitag wolle beschließen, einige tüchtige Sozialpolitiker zu beauftragen, geeignetes Agitations- Material für die nächsten Reichstagswahlen zusammenzustellen, wcrin alle Fragen, die voraussichtlich im Wahlkampfe zur Sprache kommen, gemeinverständlich in unserem Sinn« zu beantworten sind. Zum Bcispiel die Finanz- und Steuerpolitik, der Militarismus, die Trusts, Ringe und Agrarpolitik, die Arbeiterversicherungsgesetze und anderes mehr. Dieses Material ist an sämtliche Partei- blätter zum Selbstkostenpreis abzugeben, welch« eS in ihren Spal- ten mit dem Hinweis veröffentlichen, datz sich jeder intelligente Me- nosse diesen Stoff aufbewahre, um eventuell in den Wahllampf eingreifen zu können. 5. Breslau und BreSlau-Land: Zur Vertiefung und Erweiterung unsere? Agitation soll durch Preisausschreiben des Deutschen Parteivorstandes ein durch Massenherstellung sehr billiges Schriftchen geschaffen werden, welches auf Kosten der ein- zelnen Wvhlvereine jedem bisherigen und jedem neueintretenden Mitgliede gratis zu geben ist und an das folgende Bedingungen geknüpft werden: � 1. Titel: Warum mutzt« du Sozialdemokrat fein? 2. Inhalt: Eine knappe einfache Darlegung der sozialdemo- kratischen Grundgedanken, Aussichten und Erfolge in besonders volkstümlicher, zu Herzen gehenden und fremdwortfreien Sprache. 8. Umfang: Höchstens 16 Druckseiten in Oktav. 4. Papier: Stark, ansehnlich und haltbar. 5. Druck: Besonders groß und klar. 6. Einband: Fest und dauerhaft, broschiert, mit einer an» mutenden bildlichen Darstellung von Arbeit und Freiheit. Die Schrift ist wenn möglich so zeitig herzustellen, daß sie nockj für die kommenden ReichStagswahlen wirken kann. 24. Xeltow-BeeSkow: Der Parteivorstand and dle Preßkommission deS„Vorwärts" mögen dis Herausgabe eines MontagSblatteS in die Wege leiten. 25. Teltow-Beeskow: Der Parteitag möge die HerauS» gäbe einer eigenen Modezeitung beschließen. 26. N i e de rb arn: m: Der Parteitag möge sich mit der Frage der Schaffung einer Nadezeitung als Beilage zur»Gleich« Es tmxb vrankragl, ßem Parieivorstanb die ÄnkrZge 24 und W zur Berücksichtigung� zu überweisen. Neukirch-BreSlau begründet den Antrag S: Wir haben zwar eine Reihe sehr guter Broschüren, die wir vor vielen Jahren mit wahrem Heißhunger verschlungen, an denen wir uns gebildet und emporgearbeitet haben, aber inzwischen find Jahrzehnte vergangen. Der Antragsteller, unser Bibliothekar, sagt nicht mit Unrecht, daß unsere Broschüren äußerlich ein mehr als kümmerliches Gewand haben. An Papier, Druck und Einband lassen unsere Agitations- broschüren sehr viel vermissen, früher auch unser« Äaleuder, die in den letzten Jahren allerdings äußerlich annehmbarer geworden sind. Denselben Fortschritt müssen wir jetzt auch bei den Agitations« broschüren machen. Die manchmal geradezu raffinierte äußere Ausstattung der Schundliteratur schafft ihr wahrlich nicht zuletzt die Verbreitung. Da ist gerade angesichts der kommenden Reichs- tagSwahl die Frage einer besseren Ausstattung unserer Schriften aktuell. Frau Thiel-Teltow-Bceskow: Unser Antrag 25 ist gestellt, weil eine Reihe von Lokalblättern durch ModezeitungSausgaben oder -Beilagen Arbeiterabonnenten kapern. Was diese bürgerlichen Blätter können, können wir auch. ES müssen Mittel und Wege ge- funden werden, daß auch von uns eine Modezeitung herausgegeben wird. Zubcil begründet den Antrag'24. Nachdem die Schaffung eines Abendblatts für den„Vorwärts" auf unüberwindliche Schwierig- leiten gestossen ist, muß wenigstens eine Montagszeitung herausgegeben werden. Es ist beantragt worden, diesen Antrag zur Berücksichtigung zu überweisen. Meist dauert es aber jahrelang, bis eine solche Berücksichtigung zur Tat geworden ist.(Pfannkuch ruft: Ich habe heute morgen das Gegenteil bewiesenl) Woldt-Berlin bittet, daß der Antrag zur Berücksichtigung über. wiesen wird. Solche Anträge sollten nicht ohne weiteres dem Partei- tage vorgelegt werden, weil erst Vorberatungen der Aufsichts- instanzen vorhergehen müssen. Körner-Ludwigshafen spricht für den Antrag 27. Wenn man nicht gleich eine Modezeitung gründen will, soll man wenigstens der „Gleichheit" Schnittmuster beifügen. Frau Zetkin: Ich begreife durchaus die im Kern stichhaltigen Ausführungen, die zur Begründung der Anträge auf eine Mode- zeitung usw. gemacht worden sind. Ohne Zweifel sind es die bürger« ttch durchseuchten sogenannten unparteiischen Modeblätter, die bis zu einem gewissen Grade das Eindringen der sozialistischen Lite- ratur in die Kreise der noch indifferenten Frauenwelt hindern. Es fragt sich aber, ob die hier vorgeschlagen« Form einer Ausge- staltung der„Gleichheit" nach dieser Seite hin, die mir an sich sehr sympathisch wäre, zweckmäßig ist. Die Beilage einer besonderen Mddczettung würde die„Gleichheit" zu sehr verteuern, und die Beschränkung des Inhalts der„Gleichheit" zugunsten einer solchen� Beilage könnte ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren. Ich würde vorschlagen, hier keinen bindenden Beschlutz zu fassen, sondern die ganze Angelegenheit zu einer ausgiebigen sachlichen Prüfung und Vorberatung den in Betracht kommenden Partei- instanzen zu überweisen. Limberv-Essen begründet den Antrag 32. Trotz aller Schwierig- leiten mutz wenigstens das Handbuch in Angriff genommen werden. Das Zentrum war mit seinem Bericht über die Tätigkeit seiner LandtagZfraktion in der Wahlrechtsfrage viel eher zur Stelle als wir. Ludwig-Olfenstädt tritt für den Antrag 34 ein. Die Führer können nicht in allen Versammlungen anwesend sein. Da ist eS nützlich, wenn die Genossen sich durch kleine Broschüren infor- Mieren können, so daß sie den Gegnern entgegentreten können. Westkainp-Düsseldorf begründet den Antrag 23. Anderle Blätter bringen mehr über Hauswirtschaft und Garten und hindern dadurch das Eindringen unserer Parteipresse in landliche Kreise. Es müßte dann aber auch dafür gesorgt werden, daß die„Neue Welt" der ganzen Parteipresse obligatorisch beigelegt wird. Berard-Hamburg bittet um Ablehnung des Antrages. Gewiß lassen sich manche Gründe des Borredners hören. Aber die Auflage der„Neuen Welt" beträgt schon 503 033. Durch eine neue Beilage würden die Kosten sehr erheblich steigen. Viele meinen schon jetzt, daß der Preis für die„Neue Welt zu hoch sei. Dabei hat daS Blatt schon jetzt alljährlich das ganz bedeutende Defizit von 21 333 M., das nur darum nicht im Bericht des Vorstandes erscheint, weil das Hamburger Geschäft das Defizit deckt. Aber es wird gewiß möglich sein, der Landwirtschaft in der„Neuen Welt" mehr Aus» merksamkeit zu schenken als bisher. Henke-Bremen begründet den Antrag 4. Da ich bezweifle, daß sich eine genügende Mehrheit für die Annahme des Antrages finden wird, so beantrage ich, den Antrag zur Berücksichtigung zu überweisen in der Ueberzeugung, daß der Parteivorstand ihn auch wirklich berücksichtigen wird. Zum Antrag auf Schaffung einer landwirtschaftlichen Beilage möchte ich noch bemerken, daß wir in einer großen Anzahl von Städten recht viele Arbeiter haben, die ihre Mußestunden zu Gartenbau und dergleichen aus» nutzen. Tausende von Arbeitern würden als Leser und Interessenten des Blattes für Gartenbau in Betracht kommen. An sich find diese Arbeiter vielfach für die Agitation verloren. ES wäre das beste, wenn die Arbeiter vom Grund und Boden gänzlich loS- gerissen würden und von dieser ländlichen Arbeit überhaupt ließen. Aber ich habe mich überzeugt, daß sehr starke Gegengründe dieses Losreißen verhindern: Vergnügen am Wechsel der Beschäftigung, Liebe zur Natur, der reelle Nutzen, den die Leute sich heraus- rechnen usw. Der Schaden, den diese Richtung uns zufügt, kann dadurch wieder wettgemacht werden, baß uns diese Leute durch eine ihnen zusagende Spezialzeitung wieder nähergebracht werden. Ryssel-Leipzig: Aus der sächsischen Landeskonferenz hat unser Landesvaler Sindermann(Heiterkeit) lebhaste Klage gegen die Schrebervereinler und Sportvereinler erhoben und sämtliche Partei« genossen haben ihm darin beigepflichtet, daß alle Arbeiter, die sich heit" befassen. Dieselbe soll den Anforderungen der Arbeiter- familien entsprechen und ihre Einführung ein« fakultative sein. 27. Ludwigshafen: Der Frauenzeitschrift„Gleichheit" sind Schnittmusterbeilagen mit Erläuterungen beizufügen. 29. Düsseldorf: Der Parteitag möge beschlwßen: Der „Neuen Welt" ist eine Beilag« für HauS, Garten- und Landwirtschaft beizulegen, und zwar monatlich mindestens einmal. 3V. Niederbarnim, Genosse Kette: Der Parteitag wolle beschließen: 1. Die„Neue Zeit" erscheint vom nächsten Jahrgang ab in einer dem Titel, d«m Inhalt und dem modernen Kunstempfinden entsprechenden Ausstattung. 2. Der internationalen Bedeutung der„Neuen Zeit" eni- sprechend und um die Lektüre auch den ausländischen Genossen, die der deutschen Sprache wohl mächtig sind, denen aber die beut- schen(gotischen) Schriftzeichen Schwierigkeiten bereiten, zu er- leichtern, hat der Schriftsatz in lateinischen Lettern zu erfolgen. 32. Essen: Der Parteitag wolle beschließen: 1. Den Parteivorstand zu ersuchen, über alle sozialpolitischen G«s«tze, die im Reichstag verhandelt werden, Broschüren herauszu- gcben und hierin die Stellung der Sozialdemokratie besonders her- vorzuheben. Die Broschüren sollen in Massen vertrieben werden. 2. Den Parteivorstand zu ersuchen, em Handbuch herauszu- geben, welches in Kürze die Stellungnahme aller Parteien zu den Sozialgesetzen, der Reichsfinanzreform und der preußischen Wahl- -reform klarlegt. Ebenso müßte das„Büchlein" alle Abstimmungen der Parteien mit kurzem Kommentar enthalten. 33. Krefeld: Der Parteitag wolle den Parteivorstand be- auftragen, alljährlich eine Broschüre zur Massenverbreitung heraus. zugeben, in welcher die Klassenjustizurteile in Spalten nebenein- ander zum Vergleich gezogen werden. 34. W o l m i r st e d t- N e u h a l de n s le b en: Der Partei. tag wolle beschließen: Der Parteivorstand wolle in möglichst kurzer Zeit eine kurzgefaßte Broschüre herausgeben, worin die Unter- lassungen und Abstimmungen der verschiedenen bürgerlichen Par- teien bei der WahlrechtSvorlage, der Finanzreform und der Er- töhullg du Zivilliste angegeben sind. der Gartenkunst in den Tchrebervsreinen widmen, für die Partei verloren sind. Und nun kommt wieder dieser Antrag von Düsseldorf. Es kann doch nicht die Aufgabe der Sozialdemokratie sein, nebenbei auch noch die Gartenkultur zu be- treiben. Dann kommen schließlich noch die Kanarienzüchter und die Kaninchenzüchter. Ich bitte dringend, den Antrag von Düsseldorf abzulehen. Wir können doch nicht alle Mätzchen der bürgerlichen Presse nachahmen. Sonst kommen wir schließlich auch noch zu der Zeitungsunfa llversicherung. Auch die Anträge auf eine Modezeitung bitte ich abzulehnen. Damit schließt die Diskussion. Die Schlußworte. Pfannkuch: Erfreulicherweise hat der Geschäftsbericht de? Parteivorstandes den Genossen zur Kritik nickt Gelegenheit geboten. Der Partei- tag ist also wohl mit der Geschäftsführung des Parleivorstandes im letzten Jahr einverstanden. Doch muß ich aus einige Bemer- kunge» eingehen, die bei der Verhandlung der Anträge gefallen sind. Genosse W e st k a m p- Düsseldorf hat einen ziemlich krassen Aus- druck über die besondere polnische Oiganisation in Deutschland gebraucht. Die Parteileitung faßt die Sache so nicht auf. Wir haben der P. P. S. in der Verhandlung seinerzeit dieselbe Selbständigkeit zugestanden, wie sie andere Landesorganisattonen haben. Sie gehört als Glied der deutschen Organisation an und ihre Organisation mutz sich mit der der deutschen Partei decken. Es liegt kein Anlaß zu Aenderungen vor. Es ist bis jetzt möglich gewesen, ein gutes Einvernehmen zwischen den polnischen und deusscken Genossen durchzuführen, und das wird auch in der Folgezeit möglich sein.— Die Parteikorrespondenz ist auch bisher schon an Einzelmitglieder geliefert worden und der dahin« gehende Antrag ist also überflüssig.— Die Partei- genossen sollten erneut darauf achten, die Anträge zum Parteitag rechtzeitig einzureichen.— Die Herabsetzung der Mitgliedsbeiträge für Invaliden ist Sache der Kreisorganisatlonen. — Warum die Banner Genossen durchaus das Zentral-Frauenvureau in die Räume des Parteivorstandes verlegen wollen, weiß ich wirklich nicht. Ein Mitglied des Frauenbureaus, Frau Z i e tz, ist auch Mitglied des Parteivorstandes, und wenn sie manchmal mit ihren Ansichten in der Minderheit bleibt, so würde sich daran auch nichts ändern, wenn daS Franenbureau statt Lindenstraße 3 Lindenstraße 63 wäre.(Heiterkeit.) Ich ersuche Sie aber im Interesse der Agitation unter den Frauen doch daS Frauenbureau bestehen zu lassen.(Sehr richtig I) Wenn man von einer Divergenz reden kann, so ist eine solche daraus entstanden, daß biswerlen die SgitationSansprüche der Weib- lichen Parteigenossen über daS Maß der Gleich- berechtig ung hinausgegangen sind. In den meisten Fällen find diese Ansprüche aber doch im Hinblick auf die Eigenart der Frauenagitation auch vom Vorstand als berechtigt anerkannt worden. Divergenzen haben bestanden hinsichtlich der Genossin Gewehr. Der Parteivorstand hat sich mit dem Bescheide der Kontrollkommission nicht einverstanden erklärt und auf Grund seiner gründlichen Untersuchung sein Urteil über die Genossin Gewehr aufrecht erhalten. Da die Kontrollkommission aber trotz abweichender Beurteilung der Genossin Gewehr unseren Beschlutz aufrechterhält, so würden wir gegen ihre Entscheidung keine Be- rufung einlegen. Wir halten die Sache nicht für wichtig genug, um sie zur weiteren Erörterung vor die Parteiinstanzen zu brmgen. Wir sind mit einem Mitglied der Kontrollkommission darin ein- verstanden, daß schon viel zu viel Zeit auf die Sache verwandt worden ist. Namens des Parteivorstandes danke ich Ihnen, daß Sie Ihr Einverständnis mit seiner Tätigtest bekundet haben. (Beifall.) Ebert: Ich möchte mich namentlich gegen die Anträge auf Verlegung de? Geschäftsjahres wenden. Nach eingehenden Konserenzen mit er- probten Praktikern, Parteisekretären usw. sind wir zu der Ueber- zeugung gelangt, daß die Organisationen wohl in der Lage sind, so rechtzeitig die Berichte an den Parteivorstand zu liefern, wie es daS Statut verlangt. Die Berichterstattung der Wahlkreis- Organisationen ist von Jahr zu Jahr besser, gewissenhafter und prompter geworden, und im letzten Jahre ist sie im großen und ganzen einwandfrei gewesen. Alle Genossen in der Ber- walwng werden mir entgegen Di ttmanns Ausführungen bestätigen, daß durchschnittlich die Organisationen den Durchschnitt deS zweiten Quartals ihrer Berichterstattung zugrunde legen. Es ist auch bezeichnend, daß sich gegen Dittmann gerade die Genossen Ryssel und Treu gewandt haben, die Sekretäre von zwei der größten Wahlkreisorganisationen. Dittmann sagt nun, bei den Durchschnittskreisen stimme es nicht. Da« ist unrichtig. Ich kann nachweisen, daß gerade Bezirke mit Durchschnittswahlkreisen geradezu mustergültig waren. Auch die Behauptung DittmannS muß ich zurück- weisen, daß unser Bericht zu spät erscheine, als daß die Genossen noch dazu Stellung nehmen könnten. Unser Bericht erscheint sieben Wochen vor dem Parteitag und kann Anfang August unter allen Umständen durch die Presse den Genossen übermittelt werden. Die Delegierten mindestens haben wahrlich ausreichend Zeit, das Material gründlich zu prüfen und die Interessen ihrer Wahlkreise geltend zu machen. Gegen die Verlegung spricht ferner, daß Ende März und Ansang April unsere Organisationen in angestrengtester Agitations- arbeit sich befinden. Die P ajr l a m e n t e tagen um diese Zeit und die Parteileitung ist durch die parlamentarische Agitation durchweg stark in Anspruch genommen. Dann nehmen wir wirklich besser die parlamentsfreien Sommermonate. Dittmann selbst bezeichnet ja die Angelegenheit nicht als so sehr dringend. Lassen wir uns also Zeit. Kommen wir zur Revision, dann werden alle Wünsche ge- prüft werden. Ich bitte also um Ablehnung der betreffenden An- träge. Noch einige Worte zu den Anträgen der Presse. Ich bin durchaus damit einverstanden, daß die Anträge den In- stanzen zur Prüfung überwiesen werden. Nun möchte ich zu einigen Anträgen einige Worte sagen und einen von der Ueber- Weisung ausgeschlossen haben. Mehrere Anträge verlangen die Herausgabe von besonderen Agitationsschriften und Handbüchern. Solche Broschüren und Handbücher werden heute schon heraus- gegeben und den Organisationen zu möglichst billigem Preise an- geboten. Das Handbuch über die Reichsfinanzreform, eine sehr wertvolle Arbeit, ist bereits erschienen, das Handbuch über die Wahlrechtsfrage ist den Delegierten heute übergeben worden, das Handbuch über die Reichsversicherungsordnung ist in Arbeit. Also der Parteivorstand tut schon heute nach dieser Richtung, was nötig ist. Abzulehnen bitte ich den Antrag auf eine landwirtschaftliche Beilage zur„Neuen Welt". Eine solche Beilage würde gar nicht zum literarischen Charakter der„Neuen Welt" paffen und würde ihr Budget so belasten, daß ihr Bestand überhaupt in Frage gestellt würde. Dem Genossen Zu b e i l gegenüber bemerke ich, daß der Parteivorstand selbstverständlich alle Anträge sorgfältig und objek- tiv prüft.(Beifall.) Kaden: Da Genosse Pfannkuch näher auf den-Fall Gewehr ein- gegangen ist, mutz ich ebenfalls dazu sprechen. Wir haben alle Akten des Falles einer genauen Prüfung unterzogen, selbstver- stündlich auch den Bericht des Parteivorstandes an die Kontroll- kommisston. In der letzten Sitzung hat die Kontrollkommission dazu erklärt: Nach längerer Diskussion beschließt die Kontrollkom- Mission, dem Parteivorstand mitzuteilen, daß sie auch nach Kennt- nisnahme des zweiten Briefes fcine Veranlassung hat, von ihrer Beurteilung des Falles abzugehen. Der Parteivorstand hat sich diesem Beschlutz gefügt und die Kontrollkommission hat sich, da die Sache schon längst erledigt war, ebenfalls damit abgefunden. Ich glaubte, in meinem Referat über diese kleine Difte�nz zwischen Parteivorstand und Kontrollkommission schweigen zu können und bedaure, daß Pfannkuch diese Sache angeschnitten hat. Damit sind die Schlußwort« erledigt. Genossin Gewehr gibt folgende persönliche Erklärung zu Pro- tokoll: Angesichts der unerwarteten Aeuherung des Genossen Pfannkuch sehe ich mich verpflichtet zu erklären: 1. Es scheint mir sehr befremdlich, daß der Referent des PartesvorfkandeS Aenße- rungen, die für die persönliche Ehre einer Genossin und Delegierten so schioer kränkend sind, im Schlußwort in einer Form vorbringt, der gegenüber der Angegriffene völlig wehrlos ist. 2. Genosse Pfannkuch hat erklärt, der Parteivorstand habe von einer Be- rufung gegen die Entscheidung der Kontrollkommission abgesehen, weil die Angelegenheit ihm nicht wichtig genug erschien. Demgegen- über muß ich bemerken, daß die Ehre einer Genossin, wenn sie auch nur ein bescheidener Soldat aus der großen Armee der Partei ist, durchaus keine so gering zu schätzende Sache ist. Auch ich konnte vor der Entscheidung der Kontrollkommission an den� Parteitag appellieren, habe jedoch davon abgesehen, um die höchste Instanz der Partei nicht mit unerquicklichen Angelegenheiten persönlichen Charakters zu bel)elligen. Auch hatte mir die Kontrollkommission in moralischer Hinsicht vollkommene Genugtuung gewährt. Ich muß daher den Angriff des Genossen Pfannkuch zurückweisen, der mich dafür straft, daß ich meine persönlichen Interessen hinter Partei- rückfichten zurückgestellt habe. Pfannkuch: Mir ist es nicht im Traume eingefallen, die per- sönliche Ehre der Genossin Gewehr anzutasten. Ich habe nur den schriftlichen Verkehr der Kontrollkommission in dieser Sache, soweit es dem Parteivorstand nützlich und notwendig erschien, klargestellt. Genau wie die Genossin Gewehr hat der Parteivorstand an die Darlegungen des Genossen Kaden nicht das geringste mehr anzu- fügen. Auch wir sind damit befriedigt. Die Abstimmung. Die Anträge 6, 8, 16 und 18 werden dem Parteivorstand zur Berücksichtigung überwiesen. Der Antrag auf Ueber- Weisung der Angelegenheit Geck-Süßkind an die Beschwerde- komniission wird vom Vorsitzenden Dietz als angenommen erklärt.(Rufe: Gegenprobe!) Vorsitzender Dietz: Da das Bureau einig über d-ie Annahme ist, können wir eine Gegenprobe nicht vornehmen.(Unruhe.) Der Antrag 83 wird dem Parteivorstand über« wiesen. Ebenso die Anträge zu Presse und Lite- ratur 24. 25. 26, 32. 33, 4, 5. während 27, 23. 33 und 34 ab- gelehnt werden. Debattelos wird auf Antrag des Vorsitzenden Dietz dem Vorstand Decharge erteilt und Parteivorstand und Kontroll- kommisston der Dank für ihre mühevoll« Arbeit ausgesprochen. Vorsitzender Dietz: Es wäre jetzt die badische Budgetbewilligung zu behandeln. Da aber unser Genosse Bebel noch nicht wieder so frisch ist. Wie es seinerseits und von feiten aller Genossen zu wünschen wäre, hat er gebeten, diesen Punkt auf morgen früh zu verschieben. Ich schlage also vor, jetzt den Punkt 7, M a i f e i e r, zu behandeln. Der Antrag wird widerspruchslos angenommeck, Die Maifeier. Berichterstatter Parteisekretär Müller. Auf jedem Parteitag haben wir uns mit der Frage der Mai�- frier beschäftigt. Bei allen Meinungsverschiedenheiten im einzel- nen waren wir im Grunde einig,-daß die Malfeitt an Aus- dehnung gewinnen muß, und daß besonders ihre Würdigsie Form, die ArbeitSruhe, Zunahme finden müßte. Die dies- jährige Maifeier hat eine ganz außerordentliche Beteiligung gefunden. In erster Linie wurde sie durch die politische Situation gefördert, stand sie doch im Zeichen der Wahlrechts- kämpfe.(Lebhafte Zustimmung.) Der Parteivorstand hat noch einen besonderen Auftuf herausgegeben, in welchem er die Organi- sationen auch in Süddeutschland aufforderte, durch eine imposante WahlrechtSmaifeier die preußischen Genossen zu unterstützen. � Aber darüber wollen wir uns nicht täuschen, daß außerdem� noch für die besondere Ausdehnung der diesjährigen Maifeier maßgebend war, daß der erste Mai auf einen Sonntag fiel.(Sehr richtig!) Da- durch wurde die Teilnahme den- Schichten des Proletariats ermög- licht, die in anderen Jahren nicht dazu in der Lage sind. So ließe» sich denn wieder jene Stimmen vernehmen, d-ie überhaupt die Mai- feier am ersten Sonntag im Mai vorgenommen sehen möchten. Aber soweit man die Presse und die Aeußerungen der Organi- sationen verfolgen kann, haben diese Wünsche sehr wenig An» klang gefunden. In der Zeit der großen aktuellen Dcmow- strattonen besteht in weitesten Kreisen der Partei keine Neigung, die Maifeier zu ändern. Auch der Wunsch, daß der International« Kongreß in Kopenhagen eine Änderung in Bezug auf die Maifeier herbeiführen könnte, hat kein Echo gefunden. Ich habe das schon im vorigen Jahre vorausgesagt. Auf den internationalen Kon- gressen ist keine Neigung vorhanden, die Arbeits- ruhe abzuschaffen. Die Art und Weise der Maifeier hängt immer ab von den besonderen Verhältnissen der einzelnen Länder und der Schwerpunkt der Maifeier ist deshalb in die Organi- sationen deS einzelnen Landes zu legen. Wir haben nun die Aus- gab«, alles zu tun, daß auch im nächsten Jahre eine würdige Mai- seier zustande kommt. Die politische Situation ist der Maifeier auch ,m nächsten Jahre günstig. Der preußische Wahl- rechts kämpf ist nicht abgeschlossen. Die Wahlrechts- Vorlage wurde Bethmann Hollweg zerrissen zurückgegeben. Wir gehen im nächsten Jahre den Reichstagswahlen entgegen. Wir haben unS im vorigen Jahre eingehend mit der Frage der Unter« stützung der nach der Maifeier Ausgesperrten beschäftigt, um dafiir zu sorgen, daß auch diese Frage, die solange eine Rolle in den Mai- feierdebatt-en gespielt hat, gelöst wird. Wir sind zu einer Einigung gekommen, auf die ich nur kurz eingehen will. Es sollten zu- sammenhängende W i ri scha fits ge b/i«4 e gebildet werden, die über den Maifeierfonds Vereinbarungen kdeffen sollten. Die Zuteilung der einzelnen Orte an diese Be- zirke sollte nur mit ihrer Einwilligung erfolgen. In 13 Be- z i r k e n ist ein« Einigung erfolgt, in 5 Bezirken schweben noch die aber ziemlich weit vorgeschrittenen Verhandlungen, aus 33 Bezirken, unter denen sich allerdings eine Reihe kleinerer be- finden, haben wir noch keinen Bescheid. Aber überall muß jetzt sehr bald daran gegangen werden, die Vorbereitungen zu Ende zu führen, damit der 1. Mai des nächsten Jahres uns nicht unvor- bereitet findet. Bereits im Januar sollen ja die Kommissionen zusammentreten und die Vorbereitungen treffen, die wirtschaftliche Konjunktur wird ja wahrscheinlich das nächste Mal eine bessere sein. Bor allem kommt auch daS sozialpolitische Moment in Betracht. Bekanntlich war ursprünglich die Maifeier als Propaganda für unsere sozialen Ziele gedacht. Im letzten Dezennium ist nun auf dem Gebiet der Sozialpolitik so wenig geleistet wie noch in keinem anderen Dezennium, ob- wohl doch Bülow nach den Mnndatsverlusten der Sozialdemokratie im Jahre 1337 gesagt hat, daß jetzt erst recht Sozialpolitik getrieben werden solle. Wenn wir alle diese agitatorischen Momente in den Vordergrund stellen, so werden wir unzweifelhaft im nächsten Jahre eine kraftvolle Maifeier begehen können.(Lebhaftes Bravo!) In der Diskussion meldet sich niematzA zum Wort, Vorsitzender Dietz: Wir kommen dann zur Abstimmung.(Be- richterstatter Müller meldet sich zum W»rt.y Wollen Sie noch ein Korreferat halten?(Große Heiterkeit.) Müller bittet in seinem Schlußwort um Ablehnung aller An- träge. Da im nächsten Jahre die Probe auf die neue Vereinbarung zu machen ist. hat eö jetzt absolut keinen Zweck, daran etwas zu ändern. Vorsitzender Dietz: Der Berichterstatter beantragt Ablehnung aller Anträge en bloc. DaS ist nur möglich, wenn niemand wider- spricht.(Liebknecht; Ich widerspreche!) Dann kommen wir zur Einzelabstimmung. Der Antrag Nürnberg, daß der 1. Mai nur durch Arbeits- ruhe gefeiert werden soll, wird mit 154 gegen 63 Stimmen ab- Se l e h n t. Einig« weitere Anträge werden in einfacher Ab- ämmung abgelehnt. Angenommen wird der Antrag des ersten pfälzischen Wahlkreises, der den Parteivorstand mit intensiverer Propagierung der Maifeier be- auftragt und ihn auffordert, während des Monats April ein Flugblatt herauszugeben, das die Bedeutung der Maifeier für das Proletariat darlegt,. Der Internationale Kongreß in Kopenhagen. ES folgt nunmehr t>ie Verhandlung über Punkt 8: Jnter- nationaler Kongreß in Kopenhagen. An Stelle Singers referiert darüber Richard Fischcr-Berlin: Bei der ausführlichen Berichterstattung unserer deutschen Presse bin ich hier einer eingehenden Berichterstattung überhoben. zumal auf diesem Kongreß die Meinungen der Genossen ver- schiedcner Länder weniger als je auseinandergingen. Die Gegner freilich meinten, daß der Kopenhagener Kongreß weniger bedeutungsvoll für die Geschichte der modernen Arbeiter- bcwcgung war, als seine Vorgänger. Wir dürfen dabei nicht ver- gesscn, daß die deutsche bürgerliche Presse unserem Siegeslauf gegenüber bestrebt ist, Vogel Strauß-Politik zu treiben. In völliger Uebercinstimmung mit dem Ruhcbedürfnis des philosophischen Prügeljungen in der Wilhelmstraße(Heiterkeit), hat das offiziöse Wo lffsche Telegraph enbureau über die Verhandlungen möglich st wenig berichtet.(HörtI hört!) Aber gerade dieser Versuch des sich Blind- und Taubstellens der bürgerlichen Presse e r- höht dieBedoutung des Kopenhagener Kongresses. Für seine Bedeutung spricht auch, daß er die h ö ch st e Z a h l a l l e r D e l e- gierten der bisherigen Kongresse aufgewiesen hat, nämlich 887. Vielleicht war.allerdings diese Zahl ein Beweis dafür, daß des Guten etwas zu viel getan ist. Mit Ausnahme der drei Länder der brutalsten Verfolgung Finnland, Rußland und Argen- tinien ist in allen Ländern ein erfolgreiches Vordringen der sozialistischen Bewegung zu konstatieren. Acht Millionen klassenbewußter Arbeiter aus 33 Nationen hatten in Kopenhagen ihre Vertretung. Obwohl Dänemark ein kleinbürgerliches und kleinbauerliches Land ist, dürfen wir seine Arbeiterbevölkcrung als geradezu Vorbild- l i ch hinstellen für die Internationale. Dänemark hat 103 333 sozialdemokratische Wähler, 23 sozialdemokratische Abgeordnete, 123 333 gewerkschaftlich organisierte Arbeiter, 123 333 Leser der 33 verschiedenen Tageszeitungen, also genau so viel Leser wie organisierte Arbeiter.(Beifall.) Das müssen wir unseren däni- scheu Genossen nachmachen. Das zu erreichen muß unser Stolz sein, weil das zugleich auch unsere Pflicht ist.(Lebhafter Beifall.) Und so wie in Dänemark, so ist es in Kopenhagen mit seinen zwei sozialdemokratischen Bürgermeistern, mit seinen noch zur Hälfte sozialdemokratischen Stadtverordneten. Und alle diese Erfolge sind nicht etwa die Folge einer besonderen politischen Konstellation, sondern die Frucht jahrelanger ernster Arbeit, des Zusammenwirkens politischer, gewerkschaft- licher und genossenschaftlicher Bewegung.(Leb- hafter Beifall.) Tiefere Meinungsverschiedenheiten sind auf dem Kongreß nicht zutage getreten, wenn auch nicht alle Punkte so erledigt worden sind, wie einzelne Personen es wohl wünschten. Das liegt nun einmal im Wesen der internationalen Kongresse. Wir werden immer ge- zwungcn, auf den internationalen Kongressen der geschichtlichen, wirtschaftlichen und politischen EntWickelung der einzelnen Länder Rechnung zu tragen. Aber überall ist der i n s e i n e m Wesen revolutionäre G,e i st des Proletariats in den ein- heitlichen Beschlüssen der Internationale zum Ausdruck gekommen. So sind wir z. B. trotz aller Verschiedenheit der Vor- aussetzungen zu einem einheitlichen Beschluß über das Genossenschaftswesen gekommen. Der Beschluß über die Genossenschaften dokumentiert wesentliche Fortschritte in der Auffassung. Wohl sind die Genossen- schaften nicht das Mittel zur Befreiung der Arbeiterklasse, aber sie sind eine wirksame Waffe im Kampfe der Arbeiterklasse um ihre Befreiung, und daher ist es Pflicht der klassenbewußten Ar- beiter aller Länder, durch ihr Eintreten die Genossenschaften zu solchen Waffen umzuwandeln. So hat der Kopenhagener Kongreß die immer innigere und einheitlichere Verbindung der politischen, gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Bewegung beschloffen. Einen wesentlichen Fort- schritt hat der Kongreß auch durch seinen Beschluß über die Gcwerkschaftsfrage herbeigeführt. Bekanntlich berief sich besonders die Reichskom- Mission der österreichischen Gewerkschaften wie die der Tschechen auf den Beschluß von Stuttgart. Es ist auch unzweifelhaft, daß der Stuttgarter Kongreß, als er die Einheitlichkeit von Partei und Ge- werkschaft in den einzelnen Nationen beschloß, die Staaten als Zu- fammenfassung der unter'gleichen wirtschaftlichen und politischen Grundbedingungen lebenden Völker gemeint hat. Vergegenwärtigen wir uns nur die ungeheure Konsequenz der tschechischen Auffassung. Da es in Nordamerika vielleicht 33 bis 43 verschiedene Nationen gibt, so müßte man nach dieser Auffassung dort ebenso viele Gewerkschaften haben, und da die Sprachgebiete nicht räum- lich getrennt sind, könnte leicht der Fall eintreten, daß in jeder Fabrik drei bis vier oder noch mehr verschiedene Organisationen desselben Berufes vertreten sind. Die Tschechen würden sich keineswegs mit tschechischen Gewerk- schaften im tschechischen Sprachgebiet begnügen, sondern überall im ganzen Reiche, wohin tschechische Arbeiter wandern, ihre Gewerk- schaften errichten.(Hört! hört!) Das wäre ungefähr dasselbe, wie wenn wir in Deutschland dänische, wendische, polnische, kassubische und masurische Gewerkschaften begründen würden.(Heiterkeit.) Nun ist ja den Tschechen zuzugestehen, daß sie glauben, tschechische Ge- werkschaften für die finanzielle Unterstützung der Partei und für den Kampf gegen die politische Mißleitung der Arbeiterschaft nötig zu haben. Aber für die Internationale waren diese Gründe nicht vorhanden. Die Internationale mußte diesen Grund als s ch ä d- lich abweisen, und die Abweisung ist auch erfolgt. Jedoch ist das Internationale Sekretariat der Gewerkschaften und das Internationale Bureau beauftragt worden, das möglichste für die Beseitigung des Zwiespaltes für die österreichische Arbeiterbewegung zu tun.(Beifall.) Auch die Frage der internationalen Solidarität hat in Kopenhagen zu gewissen Differenzen geführt. Die Franzosen und Engländer sind wohl für weittragende Resolutionen zu haben, aber nicht für die praktische Verwirklichung und Durchführung. Bei der großen dänischen und der großen schwedischen Aussperrung haben die Deutschen, die Oesterreicher und die Schweizer nach Kräften geholfen. Wo aber die Hilfe ausblieb— das war in Frankreich und England. England versagte in dem Augen- blick, wo seine großen reichen Gewerkschaften für den gewerkschaft- lichen Gedanken materielle Opfer bringen sollten. Bei Frankreich war es genau dasselbe. In Kopenhagen ist es den Engländern rund- heraus gesagt worden, daß es so nicht weiter gehe. Die Engländer sprachen zu ihrer Entschuldigung von dem Durchgangs- stadium zum Sozialismus, in welchem sich ihre Gewerkschaften be- finden. Ich möchte das hoffen, aber dieselbe Rede hören wir schon seit 23 oder 2S Jahren, zum Teil von den Gewerkschaftern, zum Teil von Leuten, die da glauben, über die englischen Gewerkschaften genau unterrichtet zu sein. Stichhaltig ist der Einwand der Eng- länder, daß sie nicht über eine Tagespresse wie die Deutschen bör- fügen. Das sollte aber um so mehr Ansturm für die Engländer sein, sich genau wie die Deutschen eine Tagespresse zur Durch- führung ihrer Anschauungen anzuschaffen. Die Satzungen der eng- tischen Gewerkschaften sind zum Teil noch so beschaffen, daß es den Abgesandten der schwedischen Ausgesperrten unmöglich war. auf dem englischen Gewerkschaftskongreß zu ihren englischen Brüdern zu sprechen.(Hört! hört!) So geht es nicht weiter und es war angebracht, den Engländern die Wahrheit zu sagen. Die Frage der Stellung zum Militarismus und zum Krieg ist in Stntigart grundsätzlich entschieden worden. Wieder wollten einzolne Nationen wie England und Frankreich bestimmte Mittel Verantwortlicher Redakteur Richard Barth, Berlin. Für den vom Kongreß beschkoßen wissen, die Leim Ausbruch eine? Krieges anzuwenden seien, wie Generalstreik oder Streik in den Industrien, die das Kriegsmaterial liefern und transportieren. Deutschland, Oesterreich und Italien erklärten rund heraus, daß dieser Weg für sie nicht gangbar wäre. Es fehlt schon, von allem anderen abgesehen, die eine Vorbedingung der Gleichartigkeit der Zustände und Verhältnisse. In Deutschland und zum Teil auch in Oesterreich und in Frankreich haben wir Staats- bahnen und andere Staalsbetriebe, die es heute den Arbeitern nahezu unmöglich machen, sich öffentlich den Gewerkschaften anzuschließen. Wie kau» mau da au die Berhältliisfe in Deutschland denselben Maßstab anlegen wie an Länder mit Privatbetrieben? Die offene AgitationS- und Organifationsmöglichkeit ist aber die Voraussetzung, wenn in einen, solchen Falle die Stimme der Arbeiter überhaupt gehört werden soll.(Sehr richtig!) Von den politischen Voraus- setzungen spreche ich dabei gar nicht. Die dcinsche Sozialdemokratie hat, wo immer sich Gelegenheit bot, ihre Pflicht erfüllt. Sie hat es an Protesten nicht fehlen lassen und vielleicht bat schon die bloße Existenz des zielbewußte», feslgeschlosicusn deutschen Proletariats in einer ganzen Reihe von Fällen die Regierung von einem Kriege ab- gehalten, weil sie nicht wußte, was nach dem Kriege kommen könnte. (Sehr richtig I) Daher konnte der Kongreß die Refolmion K e i r H a r d i e nickt in dem Sinne annehmen, daß er allen Nalionen eine allgemeine Verpflicktnng auferlegt. Um aber die Mög- lichkeit zu haben, auch in dieser Frage einen einheit- lichen Beschluß herbeizuführen, hat man die Resolution dem Juter- nationalen Bureau zum Studium überwiesen. Dieser Weg ist für de» Jnternaiionalen Kongreß notwendig. Er kann nur allgemeine Richlschnur angeben; Mehrheitsbeschlüsse können nicht gefaßt weroen, weil der Internationale Kongreß leine Möglichkeit hat, seine Be- schlüsie gegen das Widerstreben einer Minderheit zur Durchführung zu bringen. Daher sind Beschlüsse unvermeidlich, die manchem nicht weit genug gehen und wobl auch nicht genügend klar erscheinen. Der Internationale Kongreß ist die Stelle, von der die Ver- folgten und Unterdrückten aller Länder Rettung, Hoffnung, Sym- pathie und Hilfe erwarten. So hat denn der Kongreß von Kopenhagen einheitliche Sympathiekundgebungen beschließen können gegen die Verfolgungen und Unterdrückungen in Japan, Persien, Argentinien, Finnland, Spanien, zugunsten des Ashlrechts und zur Ver- dammung der Todesstrafe, des gesetzlichen Mordes. Dabei können wir-auf einen hübschen Gegensatz hinweisen. Während sich in Kopenhagen das Proletariat der ganzen Welt ein- mütig gegen dieses Ueberbleibsel aus der Barbarei erklärte, be- schloffen in Danzig die erleuchteten Geister der deutschen Juristen- weit die weitere Existenz der Todesstrafe.(Hört! hört!) Sie gingen sogar noch weiter. Unter Führung des inzwischen natür- lich zum Senatspräsidenten am Reichsgericht emporgestiegenen Olshausen, desselben Olshausen, der vor einigen Jahren unseren Genossen Liebknecht wegen ehrloser Gesinnung mit Zuchthaus be- strafen wollte, wurde eine Propaganda für die Ausdehnung der Todesstrafe auf alle Verbrechen des sogenannten Hochverrats ein- geleitet.(Hört! hört!) Alle Zweifel daran, daß unsere ganze Justiz in Deutschland heute nichts anderes ist als ein Werkzeug des Klassenstaates, hat die erleuchtete Versammlung der Juristen in Danzig beseitigt. Der Hochverrat soll mit dem Tode bestraft werden, natürlich nur, wenn er nicht erfolgreich war. Wenn er erfolgreich war, wie seinerzeit gegen den König von Hannover, wird er gewöhnlich noch mit Dekorationen für den Urheber des Hochverrates von oben belohnt. Mit dem Ergebnisse der Verhandlungen des Internationalen Kongresses in Kopenhagen können wir zufrieden sein. Anders ist die Frage, ob der Apparat in der bisherigen Weise weiter funktio- nieren kann. Bei 833— 1030 Delegierten in vielsprachiger Zu- sammensetzung kann von einem Verhandeln und einer Klärung der Meinungsverschiedenheiten keine Rede mehr sein. Die Hälfte ist mehr als ausreichend.(Sehr richtig!) Auch müssen die Gegen- stände der Tagesordnung besser vorbereitet sein. Hier ist nicht der Ort, Vorschläge zu Aenderungen zu machen. Der Partei« vorstand muß sich mit den Parteileitungen der anderen Länder in Verbindung setzen, um Mittel und Wege zu Aenderungen aussindig zu machen.(Zustimmung.) Dadurch machen wir die Jnter- nationalen Kongresse verhandlungsfähig und erhöhen auch, wie es unser aller Wunsch ist, ihre Bedeutung.(Lebhafter Beifall.) Peutz-Dessau: Der Kongreß war nicht verhandlungsfähig, einmal wegen der zu großen Zahl der Delegierten, dann aber auch wegen der Vielsprachigkeit.(Aha! und Lachen.) Obwohl ich erwarten durfte, daß diese Worte mit Gelächter aufgenommen werden würden, will ich doch die Gelegenheit ergreifen, die Aufmerksamkeit des Parteitages darauf zu lenken, daß es heute schon ein Mittel gibt, die internationalen Kongresse vcrhandlungsfähig zu gestalten. Ich bitte Sie deshalb, schenken Sie dieser speziell für die Sozial- demokratie hochwichtigen Angelegenheit etwas Ernst und Aufmerk- samkeit.(Heiterkeit!) Ihr Spott beweist nur Ihre ungenügende Information. Wenn Sie sich nächsten Mittwoch darüber unter- richten wollen, ich biete Ihnen dazu Gelegenheit.(Zuruf: Idol) Jawohl, Idol(Heiterkeit.) Damit ist Punkt 8 der Tagesordnung erschöpft. Auf Vorschlag des Vorsitzenden soll jetzt der Antrag be- treffend die taktischen Differenzen über die Steuer- frage in der E l s a ß- L o th r i nge n s ch e n Partei- organisation zur Verhandlung kommen. Hierzu lag ein Geschäftsordnungsantrag vor, diesen Antrag auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages zu setzen. Emmel-Mülhausen bittet, dem nicht stattzugeben, sondern über den Antrag zu verhandeln. Mauerer- München: Solche plötzlich reif gewordene Fragen dürfen nicht flüchtig behandelt werden. Es handelt sich um eine sehr komplizierte Frage. Befassen wir uns daher heute damit, dann kommt kein gründlich besprochener Beschluß zustande. Daher bitten wir um Annahme unseres GeschäftsovdnungSantrages, hinter dem doch wirklich keine versteckte Absicht zu erblicken ist. Der Geschäftsordnungsantrag wird angenom» m e n, der Antrag kommt also nicht zur Verhandlung. Es folgt der Bericht der MandatSprüfungSkommission. Fischer- Hannover: Es sind 383 Teilnehmer anwesend, darunter 31ö Delegierte, 18 Genossinnen, 33 Rcichstagsabgeordnete, 6 Mitglieder der Parteileitung, 9 Mitglieder der Kontroll- kommission, ferner der Geschäftsführer von Auer u. Co.-Hamburg und ein Vertreter des„Vorwärts". Einige Proteste sind einge- laufen. Beim Protest gegen die Mandate der Genossen H a e n i s ch und Schöbe! handelt es sich nur um kleinliche Bemängelungen. Ferner sind Proteste eingelaufen gegen das Mandat des Genossen Willi G r ü tz und der Genossin Rosa Luxemburg, die vom Wahlkreis Lcnnep-Mettmann gewählt sind. Der Protest rügt, daß bei der Wahl der beiden Delegierten nicht gemäß dem dortigen Kreisstatut verfahren lvurde, sondern daß sie auf der Kreisgeneralversammlung in Vorschlag gebracht wurden, während nach dem Statut erst der Vorschlag den einzelnen Mitgliedschaften zu unterbreiten gewesen wäre. Wir haben keine andere Auffassung gewinnen können, als daß nicht nach dem Statut verfahren wurde. Die Beschwerde erklärt ausdrücklich, daß sie sich nicht gegen die Personen, fondern dagegen wendet, daß nicht nach dem Statut ver- fahren wurde. Mau braucht kein Statut, wenn man über die Be« stimmungen einfach hinweggehen will. Deshalb hat die Kommission dem Parteitag die Ungültigkeitserklärung der beioen Mandate vorgeschlagen. In der Beschwerde wird weiter gesagt, daß Genosse Gewehr auf der Konferenz erklärt habe, die Genossin Luxemburg habe ihm geschrieben, sie kricge kein Mandat in ihrem Wohnort.(Zuruf: Es ist ja nicht wahr!) Wir haben auch Genossen aus dem Wahlkreis um Aufschluß ersucht. Sie haben uns gesagt, es sei schon jahrelang so gehalten worden.(Sehr richtig!) Wir wollen den Parteitag nicht beeinflussen, aber wir. gnseratenteil verantw; Th.Gtvckr, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts konnten nach den Sorkiegenden Tatsachen nur den Ankag auf Un- gültigkeitserklärung stellen.(Zuruf: Urabstimmung.) Die Urabstimmung hat die Wahl der beiden Delegierten ergeben, aber das genügt nicht, um das beliebte Verfahren zu rechtfertigen. Dann brauchten wir uns an das Statut nicht zu halten, sondern wir könnten jedesmal anders entscheiden. Faure-Braunsdorf: Zunächst ist die Aeußerung des Genossen Gewehr richtig zu stellen. Gewehr hat lediglich erklärt, daß die Genossin Luxemburg an den Debatten eng beteiligt sei und es sei daher wünschenswert, daß sie auch delegiert werde. Auf diese Anregung hat man sie aus dem einfachen Grunde aufgenommen, weil die Stimmung in dem Kreis mit den Anschauungen� der Ge- nossin Luxemburg übereinstimmt. Was die formelle Seite der Frage anlangt, so hat tatsächlich die Uebung jahrelang bestanden, daß die� Kreiskonferenzen Vorschläge machten. Das steht nicht im Statut, aber es steht drin, daß sie die höchste Instanz des Kreises sind und desbalb das Recht der Ergänzung der Vorschläge bezw. anderer Vorschläge haben. Die Kreiskonferenz ergänzte die von den einzelnen Ortsgruppen vorgeschlagenen Namen, indem sie Ge- nossen Grütz, die Genossin Luxemburg und die Genossin Lehmann auf die Liste setzte. Es wurden 1348 Stimmen abgegeben, von denen 933 auf die Genossin Luxemburg fielen, 853 auf Grütz und meine Person. Wenn in der Form gefehlt sein sollte, mutz �doch diese wirklich großartige Urabstimmung entscheidend sein.(Sehr richtig!) Der Protest ist nur von einzelnen Personen erhoben worden. Ich weiß nicht, ob von den Genossen, die auf der Vor- schlagsliste standen. Da im einzelnen in unserem Kreise und dem ganzen niederrheinischen Agitationsbezirk das Recht geübt worden ist, solche Vorschläge zu machen, sollte auch solchen Protesten keine Rechnung getragen werden. Ich bitte, den Antrag der Mandats- Prüfungskommission abzulehnen und die Mandate für gültig zu erklären. Stadthagcn: Auch ich bitte, die beiden Mandate für gültig zu erklären. Es ist hier eine so verkehrte Vuchstabenklauberei getrieben worden, wie sie noch niemals von den größten Rabulisten, Winkelkonsulenten oder KainmergerichtSräten betrieben worden ist. lSchr gut!) Die Vorschrift, daß die Vorschläge vorher den einzel- neu Ortsgruppen unterbreitet werden sollen, ist nicht derart zwingender Natur, daß ihre Nichtbeachtung die Ungültigkeits- erklärung zur Folge haben müßte. Auch die geübte Praxis spricht dafür, daß die Mandate nicht für ungültig erklärt werden können. Jahrelang haben ständig die Kreiskonferenzcn es anders gehalten. Die Vorschrift hat nur die Bedeutung, daß alle einzelnen Ort- schaften möglichst vorher wissen sollen, wer denn eigentlich vor- geschlagen ist. Es kommt in Betracht, daß eine Urabstimmung stattgefunden hat und daß dabei von 1348 Stimmen 933 für die Gewählten abgegeben worden sind. Wer da noch behaupten will, die Wahl sei nicht der Ausdruck des Willens des Kreises, den ver- stehe ich nicht. Gegenüber der Betonung des formalen Rechts ist zu sagen, daß gerade wir Sozialdemokraten doch stets das lebende Recht gegenüber dem Buchstabenrecht betonen.(Sehr gut!) Ich bitte dringend, dem Willen des Kreises nicht zu nahe zu treten, sondern beide Mandate für gültig zu erklären.(Lebhafter Bei- fall.) Dröner-Elberfcld: Auch wir in Elberfeld hatten von dem Recht Gebrauch gemacht, jemand zu wählen, dessen Anwesenheit auf dem Parteitag unbedingt notwendig war, nämlich den Ge- nossen KautSky. Stadthagen• hat die Sache, die vorher auf den Kopf gestellt war, wieder auf die Füße gestellt. Die Mandats» Prüfungskommission hat den Formalismus allzu sehr auf die Spitze getrieben. Die Kreiskonferenz hat Genossin Luxemburg mit allen gegen 2 Stimmen aufgestellt.(HörtI hört!) 93 Proz. der abgegebenen Stimmen hat Genossin Luxemburg erhalten, Ge- nossd Grütz 73 Proz. Bei einer solchen Mehrheit kann davon keine Rede sein, daß diese Wahl nicht dem Empfinden der Mehrheit der Parteigenossen entspricht. Außerdem heißt es im niederrheinischen Statut ausdrücklich:„ES sind die Genossen an diese Vorschläge nicht gebunden. Sie können auch anderen wahlberechtigten Ge- nossen ihre Stimme geben."(Lebhaftes Hört! hört!) So muß man zum Resultat kommen, daß die Wahlen gültig sind.(Beifall.) Limberts-Essen: Es liegt weder ein realer, sondern ein for- maler Grund zur Kassation der Mandate vor.(Zustimmung.) Dittmann-Solingen: Die Genossin Luxemburg hat überhaupt nicht gewußt, daß die Genossen die Absicht hatten, sie zum Partei- tag zu delegieren. Sie hat keine einzige Zeile in der Sache ae- schrieben.(Hört! hört!) Genosse Gewehr hat aus eigenem An» triebe den Vorschlag auf der Parteikonferenz gemacht, weil die Anschauungen des Kreises im wesentlichen übereinstimmten mit denen der Genossin Luxemburg, weil der Kreis die Anwesenheit der Genossin Luxemburg auf dem Parteitag für notwendig hielt, und weil er es sich zur Ehre anrechnete, hier durch Genossin Luxemburg vertreten zu sein. Eine Kreiskonferenz muß das Recht haben, die Vorschläge der Ortsgruppen zu ergänzen, sonst könnte es dazu kommen, daß gar keine Vorschläge vorhanden sind. Bei der großen Mehrheit würde die Kassierung der Mandate direkt eine Vergewaltigung der Wähler dieses Kreises bedeuten.(Sehr richtig!) Ein Schlußantrag wird angenommen. Fischcr-Hannover erklärt in seinem Schlußwort: Die Kam- Mission hatte nichts gegen die betreffenden Genossen persönlich. Wir haben uns nur auf das gestützt, was im Wahlprotest enthalten war. Wir waren der Meinung, daß die Parteigenossen es nicht verstehen würden, wenn man anders, als im Statut festgelegt ist, handeln würde. Bei anderen Gelegenheiten fußt man ja immer auf dem Statut, auf dem Buchstaben sogar.(Sehr gut!) Aber man kann auch anders. Nicht einzelne Parteigenossen, sondern Ortsgruppen haben Protest eingelegt mit der Erklärung, daß sie persönlich nichts gegen die Kandidaten haben, aber prinzipiell eine Entscheidung darüber wünschen, ob die Kreisgeneralversammlung über dem Statut steht. Zum mindesten möchten wir den Genossen anheim geben, das Statut zu ändern, damit solche Difsercnzen in Zukunft nicht wieder vorkommen können. Vorsitzender Dietz läßt über den Antrag der MandatsprüfungS- kommission abstimmen und erklärt auf den Ruf„Gegenprobe": „Das ist die Minderheit, daS sieht doch fast ein Blinder!" Damit sind die beiden Mcnrdate Luxemburg und Grüh für gültig erklärt. Die übrigen nicht angefochtenen Mandate wurden ebenfalls für gültig erklärt. Schluß 6� Uhr. Versammlungen. Eine öffentliche Schifferversammlung, welcher hier wiedergeben wollen, da es den Genossen, die sich in der Agitation auf die Ausführungen von Pnrvus stützen, als eine wertvolle, autorative Bestätigung ihrer Richtigkeit dienen kann. Der»Aktionärs ein Börsenorgan, schreibt über das Parvussche Buch: „Wenn man den Standpunkt des Verfassers teilt, kann man die Materie nicht folgerichtiger behandeln, als es hier geschieht. Von allen sozialistischen Utopikcrn ist ParvuS jedenfalls der am wenigst utvpiiche, besitzt er den schärfsten Blick für den tvirtschaft- lichen Zusommenhang der Verhältnisse. Was er über die Vcr- staatlichnng der Banken schreibt, wird gewih auch von unseren finanziellen Kreisen niit grostem Interesse gelesen werden. Parvus erweist sich auch in diesem Werke als ein Schriftsteller« der mit jedem Werke zu fesseln weiß." Um die Tragweite dieses kapitalistischen Zugeständnisses zu be« leuchten, mögen noch die Schlußworte der vorliegenden Broschüre von Parvus hier Platz finden:.Die Industrie in Westeuropa ist reis für die foziale Revolution. Sie ist gesellschaftlich zusammen« gefaßt, ihre Organisation kann ohne weiteres von der Gesellschaft übernommen loerden, und es sind nur 30V.Usurpatoren", deren persönlicher Wille der gesellschaftlichen Zweckmäßigkeit, der Entwicke- lung der Kultur und den Interessen der Bollsmassen sich entgegen- wirst." Wir einpfehlen diese Broschüre sowie die früher in dem gleichen Verlag, ebenfalls von Parvus, erschienene.Das soziale Problem unserer Zeit" dringend dem Studium der Parteigenossen. Sie werden aus dieser Lektüre Zuversicht in, Kampf, Aufklärung und mannig- faltige geistige Anregung schöpfen. Die Extra-Nummer de?„Wahren Jacob" die als.Gcdenlblatt an den Internationalen Sozialisten« und Gewerkschaftskongreß" erscheint, liegt uns jetzt bor. Ein längerer Aufsatz über.Die Internationale in Kopenhagen" wird illustriert durch zwei gelungene photographische Aufnahmen vom Meeting in Söndermarken, eine Zeichnung von der EröffnungS« fitzung und eine Aufnahme von der Schlußsitzung des Kongresse«, ferner vier Ausnahmen vom Ausflug des Kongresses nach Skodsborg und drei Aufnahmen vom Empfang des Kongresses im Rathaus durch die Kvpenhagener Stadtverwaltung. Das Rathaus selbst und sein Festsaal solvie das Kongreßgebäude werden noch in besonderen Bildern vorgeführt. Lebhaftes Interesse wird da» Faksimile des angeblichen Briefes des französischen Ministerpräsidenten Briand an den Kongreß, dem eine getreue Ueberseyung beigegeben ist. Der Beifall, den der dänische Sozialistenmarsch bei sämtlichen Kongreßteilnebmeru fand, hat veranlaßt, daß in dieser Extranummer der deutsche Text dieses Freiheitsliedes unter Beigabe des Noten- satzc» zur Veröffentlichung gelangt. Schließlich sei»och erwähnt, daß der den Lesern des.Wahren Jacob" schon lange als Vertrauens- würdige Persönlichkeit bekannte.Hamborger Fleegewirt Claus Swartmuul" in dieser Nummer auch einen Bericht über seine Er- fahrungen als.Kongrcßbummler" erstattet. Der Preis der Nummer ist 10 Pf. Sie ist durch alle Buchhandlungen und Kolporteure sowie vom Verlag Paul Singer in Stuttgart zu beziehen. Nochmals der Wctallarbcitcrvcrband in Pforzheim und die badische Budgctbrwilligung. Genosse Albert Schöttle-Pforzheim schreibt unS: In Nr. 210 de?„Vorwärts" bringen Sie nun eine Erwiderung auf die Einsendung meines Kollegen Hamann in Nr. SOS dcS.Vorwärts". Diese.Richtigstellung", die sich durch Klarheit gerade nicht auszeichnet, trägt den deutlichen Stempel an sich,.dem Metall- arbeiterverband unter allen Umständen doch eins anzuhängen". Dies ist ja auch der Zweck der Hebung von allein Anfang an ge- Wesen. Wenn Genosse K. als Parteimitglied eine Bezirks- Versammlung wünscht, so ist dies sein gutes Recht. Daß er zufällig in der Ortsverwallung des Deutschen Metallarbeiterverbandes fitzt, hat doch damit gar nichts zu tun. Man könnte sonst bei jeder Parteiangelcgenheit eine Stellungnahme einer xbeliebigen Gewerk- fchaft daraus konstruieren, da wohl die große Mehrzahl der Parteimitglieder Gewcrlschafller oder gewerkschasltich tätig sind. Die BezirkSversammlung war auch keine Bezirks- Versammlung des MetallarbciterverbandeS, sondern eine E e z i r k s v e r s a m n, l u ii g der Partei. Zu der Abhaltung derselben gab der Parteivorstand am Orte seine Zustimmung und über den Kopf des Bezirksleiters hinweg konnte schon nicht gehandelt werden, da ein solcher im eigentlichen Sinne s?j gar nicht vorhanden war. Der betreffende Genosse konnte deshalb.auch nicht wiedergewählt" werden, sondern es wurde überhaupt erst ein Bezirksleiter gewählt. Die Versammlung beschloß nun, daß der Unterzeichnete referieren sollte, aber auch damit hat der Metallarbeitervcrbaud nichts zu tun, denn ich lasse mir von demselben keine Vorschrifien machen, was ich als Parteimitglied tun oder lassen soll, ebenso wie ich mir als Funktionär meiner Organisation von der Partei nicht drein- reden lasse. Daß die Handzettel(40 Stück im ganzen) auf dem Bureau von uns„gedruckt"(II) wurden, wird noch als»er- fchwerendes Moment" angeführt. Bisher hatten wir geglaubt, der Partei einen Gefallen zu tun, wenn wir ihr die Agitation er- leichterten und ohne uns große Mühe oder Kosten zu machen, der« artige Hilfe leisteten. Wir können künflig dies ja unterlassen, dann schimpfe> man aber nicht über die.Nichtmitarbeit" der GeWerk- schaftler. Wenn eS einer bestimmten Richtung in den Kram paßt, ist man gut genug zur Arbeit, wenn nicht, dann sollte man sich das Maul verbinden lassen. Aus solchem Holze ist weder der Unter« zeichnete noch seine Kollegen geschnitzt. Um aber die ganze Aktion über das.Verbrechen deS Metall- arbeitcrverbandes", welches er nicht mal begongen hat, auf das richlige Maß zurückzuführen, sei noch erwähnt, daß die Versammlung, welche das Scherbengericht über uns gezeitigt hat, von ganzen 15 Mann besucht war, dazu kamen bann noch 10 Mann vom Partei« vorstände und seinem Anhange, welche die Tagesordnung verhindern wollten._ Ein eigenes Heim für die Dessauer Arbeiterschaft. DaS.Volksblatt für Anhalt' meldet: .Ein bedeutungsvolles Ereignis hat sich soeben vollzogen: baS schönste Gartenlokal der Stadt Dessau, da? zu- gleich den besten und zweckmäßigsten großen Versammlung S« s a a l besitzt, das„Tivoli"- Lokal, ist in den Besitz einer.Gesell« schaft Tivolisäle", G. m. b. H., übergegangen, hinter der die organi- sierte Dessaner Arbeiterschaft steht, denn die die Gesellschaft bildenden Teilbabcr sind die Arbeiterdruckerei und die Genossenschaft Konsum- berein für Dessau und Umgegend. Der Kaufpreis beträgt 245 000 M., inkl. der KaNftosten rund eine Viertelmillion Mark. 'Mit eigenem Gelde ist die Gesellschaft zunächst mit 50 000 M. be- teiligt, doch wird sofort alles getan werden, daS fremde Geld möglichst entbehrlich zu machen.. Die römische Parteiscktion gegen den Reformismus. Rom, 17. September.(Eig. ver.) MS eine der ersten hat die römische Parteiseklion zu der Hauptfrage des bevorstehenden Parteitages von Mailand, zur Frage der politischen Akiion und des MinistcrialisniuS Stellung genommen. Nach dreitägiger Diskussion kam es am lO. Sepituiber zum Votum, wobei die iutrausigenie Tagesordnung niit sehr bedemendcr Mehrheit den Sieg davon trug. Die Abstimmung erfolgte, indem die In« transsgenten(Radikalen) die linke und die Reformisten die rechte Seite deS SaaleS einnahmen. Auf den Bänken der Rechten gähnte dabei eine so traurige Leere, daß alle Hoffnungen der Jntransigenien übertroffeii wurden. Dieser Abstimmung kommt weniger dadurch Bedeutung zu, daß sie den intransigenten Charakter der Mehrheit der römischen Sozia« listen beivcist, als vielmehr, weil sie die Taktik der Reformisten am Vorabende des Parteitages in helles Lickt rückt. Daß in Rom die Jntransigenien die Mehrheit haben, hat sich schon bei vielen Parteitagen gezeigt. Daß aber die Reformisten diesmal Tagesordnungen anerkennen, in denen der Ein« tritt der Sozialisten in ein Kabinett ganz und gar ver- worfen wird und für die Gewährung eines ministeriellen Votums die Zustimmung des ParteivorstaiideS gefordert. daS ist in der Tat eine beachtenswerte Neuheit. Noch beachtenswerter war es, daß die reformistische Tagesordnung sich niißbilligend über die schlaffe Haltung deS„Avanti" und nicht gerade erbaut über die Parteifraklion aussprach. Wir Iverden also auf dem Parteitage mit einer neuen Spielart des Reformismus rechnen müssen: einem prinzipiellen Reformismus, der die praktischen Folgerungen auS seinen Prinzivlen ablehnt und als beiläufig und nicht notwendig auS ihnen folgend ansieht und bekennt. Ein Redner der Reforinisten, der Partciselretär Genosse C i o t t i, gab ganz offen zu, daß ein gewisser Grad von Unzufriedenheit in en Massen bestehe, aber er meinte, daß diese Unzufriedenheit nicht dem Reformismus als solchem gelte, sondern nur eiiizeluen Aeußerungen. Die ivcitgcbeude Apathie in der Partei ließ er nicht als eine Folge jener Ernüchterung gellen, die aus der praktischen und nur auf den Augenblickserfolg gerichteten Propaganda der Reformisten folgt. Er sah vielmehr in ihr den Ausdruck einer allgemeinen, auf außer« parteiliche Verhältnisse zurückgehenden Depression, die als Rückschlag die geringe Kamvftüchtigkeit des„Avanti" und die geringe Energie der Fraktion gezeitigt hätte. Als Beweis dafür, daß die Reformisteii auf dem Gebiet der Gesetzgebung viel geleistet hätten, führte er die Schiilgcsetzrcforni, die Einführung der zweijährigen Dienstzeit und die Mutterschaftsversicherung an, aber es dürfte schwer sein zu beloeisen, daß diese Gesetze der Aktion unserer Parieifraktion zu danken sind. Die wenigsten Reformisten dürften diese Ueberzeugung haben. Schließlich erkannte der Redner an, daß eine Wendung nach links Not tue und rühmte es gerade als einen Vorteil der resormistischen Taktik, daß sie sich in dieser Weise den gvrdcrungcn der Massen anpassen können. V Die Redner der revolutionären Richtung erklärten dsw gegenüber ganz offen, daß sie nicht gelvillt wären, eine Tagesordnung anzunehmen, die die hauptsächlichen Grundsätze ihrer eigenen Richtung enthielte, aber von Reformisten unterzeichnet sei. Die Personen sind eS, meinte Genosse Zerbini, die imS Mißtrauen einflößen. ES gibt uns keine Gewähr für die künftige Pnrtciaktion, wenn die Reformisten heute sich am Reformismus überessen haben. Wir wollen feste Regeln für die Pnrtciaklion und sehen in dem heutigen Zustande keineswegs eine Entartung deS Reformismus, sondern den Reformismus selbst, seine logischen und unvermeidlichen Folgen. Der Reformismus hat in den letzten zwei Jahren die Früchte gezeitigt, die er er zeitigen koimie. Da die Massen mit diesen Früchten nicht zufrieden sind, so folgt daraus als logische Folge, daß sie das System verwerfen, aus dem sie entspringen. Die mit großer Mehrheit zur Annahme gelangte Tagesordnung Vella-gerbini-Lerda betont zunächst den nicht auszu« hebenden Gegensatz zwischen Proleiarrat und Bourgeoisie und er- klärt es für unlogisch und unfruchtbar, eine Zusammenarbeit der Klassen anzustreben im Sinne einer engherzigen NützlickckeitZpolitik einzelner Kategorien. Weiter heißt es, daß die Aktion der Partei einen revolutionären Charakter haben müsse, weshalb jede Reform von der Arbeiterklasse zu erobern sei und dem allgemeinen Zweck der Umgestaltung der Gesellschaft untergeordnet werden müsse. Nach diesen theoreti- scheu Voraussetzungen tadelt die Tagesordnung die Haltung der Parlamentsfraktion und des «Avanti", verwirft dieTeilnahme der Soziali st en an der Regierung sowie die Bewilligung eines Ver« t r a u e n s v o t u m» und beauftragt ihre Delegierten, auf dem Parteitage für eine Rückkehr zu den Grundsätzen des Sozialismus einzutreten, gegen die Bündnispolitit be» den Wahlen, für einen proletarischen und Klassencharakter der antiklerikalen Politik der Partei, für eine euer- g i s ch e a n t i ni i l i t a r i st i s ch e Aktion und für die B e- kSmpfung der nurgewerkschaftlichen Tendenzen innerhalb der Partei. Befremdend ist, daß von reformistischer Seite keine einzige TageS- ordnuug eingebracht wurde, die die Haltung der Parieifraktion"und des.Avanti" billigte. Nach Schluß der Diskussion, als es schon Mitternacht vorbei war, wollte Genosse Campanozzi noch eine dritte Tagesordnung einbringen und begründen. Dies wurde ihm aber von der Mehrheit der Versammlung verwehrt. Einige Neformisten, wie die Genossen B o n o m i und M e r l o n i vom .Avant»", Zanni, Campanozzi u. a., enthielten sich der Ab- stimmung, da keine der beiden Tagesordnungen ihre Ansichten vertrat._ Hiis InduPtric und fjandcL Nicht fix und nicht richtiss. Schon vor mehreren Tagen ließ Herr v. Schorlemcr mitteilen, daß er die Fleischnot mit Zahlen beseitigen werde. Die.Nordd. Allgem. Ztg." mußte sieben Spalten ihrer SonntagSnummer zur Verfügung stellen, damit daS Volk sich an giffern delektieren kann. Der Minister hat einfach haufenweise aus den VierteljahrShcfien Zahlen abschreiben lassen. Sein große» Werk besteht dabei darin, daß er au» den Ergebnissen der Jahre 1905/09 den Durchschuitl er- mittelt und diesen in Beziehung setzt zu den Resultaten de» JahreS 1910. Wie er mit dieser mathematischen Schwergcburt seine Be- hauptungen deckt,.dafür einige Beispiele. Er hatte der Deputation der Fleischer gegenüber behauptet: .Wenn auch die Preise für Kälber und Rinder den Höchst- stand de» Jahre» 1900 in manchen Orten überschritten hätten, so sei doch ein wesentlicher Vorteil gegenüber dem Jahre 1900 darin zu erblicken, daß ein Maugel an Schweinen nicht vorhanden und der Prei» für dieselben auch in mäßigen Grenzen gelilubeu sei." Nach den rechnerischen Ergebnissen de» LondwirtschaftsministerS kostete in Berlin 1 Doppelzentner Schlachtgewicht in Mark: Schweine, vollfleischige, im Gewicht von L00—L50 Pfund: i. Durchschnitt 1905/1909 � L Vierteljahr.... 125,8 136,0 H...... 119,7 129,1 Juli........ 128,3 131.2 August....... 180,8 132,5 Demnach ist nur im August diese» Jahres der Preis niedriger al» im Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Im I. und II. Viertel« jähr war der diesjährige Preis bedeuttiid höher als in der Vergleichs« Periode. Und da wagt ein Minister von mäßigen Preisen zu reden, als Antwort auf den Notschrei dcS Volke» nach Fleisch. Vollständig falsch ist die ministerielle Schlußfolgerung, daß kein Fleischmangel herrsche. Den Beweis für solche Behauptung glaubt der Minister erbracht zu haben, indem er ohne Bedenken nach der Zahl der beschauten Tiere die Fleischmengen ermittelt durch Einstellung von Einheitspreisen. Den Rückgang deS Gewichtes der auf den Markt gebrachten Tiere läßt der Minister ganz außer Beachtung. Bei der Anführung der Tat- sache, daß von den zur Einfuhr zugelassenen 80 000 österreichischen Schweinen so gut wie nichts eingeführt werde, wird nichr erwähnt, daß die dreihigtägig« Ueberwachung. die für solche Schweine vor- geschrieben ist, ihre Einfuhr geradezu unmöglich macht. Bon den Gründen, warm» das Kontingent russischer Schweine« das nach dem oberschlesischen Jndustriebezirk eingeführt werden darf, nicht in seiner ganzen Höhe zur Einfuhr kommt, ist ebenfalls keine Rede. Die Möglichkeit der Meheinfuhr aus Dänemark wird einfach mit dem Hinweis abgetan, daß Dänemark bereits 7 Proz. feines Rinderbestandes ausführt I Gegen die Möglichkeit der Vieheinfuhr aus Holland wird auch nicht ein solcher Schein- beweis versucht. Eine derartige Beweisführung ist keine Beweis- führung, und eine solche Aufklärung verdunlelt nur die Sachlage. Mit ellenlangen Zahlenreihen kann kein Minister den Notstand be- seitigen. Nicht Zahlen verlangt das hungernde Volk, sondern Fleisch! Gcwirntsteigernng— Lohnrnckgang. Nach den Lamentationen der Unternehmer über die ruinöse Be- lastung durch unsere Sozialpolitik, durch Steuern und— Lohn- steigerungen, hätte man annehmen sollen, die diesjährigen Abschlüsse der großen Montanunternehmen würden niindestenS kein besseres finanzielles Resultat ergeben,' als die vorjährigen Bilanzen. Um so mehr mußte daher das für die Aktionäre glänzende Resultat des „Phönix" überraschen, insbesondere noch darum, al« sich heraus- stellt, daß den erhöhten Gewinnziffern keine entsprechend gesteigerte Produktion und Fakturenwerte gegenüber stehen. Do uns kein Ge- schästsbcricht zur Verfügung steht, stützen wir uns bei den folgenden Angaben auf Veröffentlichungen in der bürgerlichen Presse. Danach ergeben sich folgende Ziffern: Zunahme-s- 1908/09 1909/10 resp. Abnahme— Tonnen Tonnen in Proz. Netto-Kohlenfördernng... 4 337 522 4 037 437-f 6,9 Koksherstellung..... 1 147 060 1248138+ 8,8 ThoniaSeiien...... 739 869 796 004-s- 7,6 Stahl- und Gießereieisen.. 160 659 130 234— 21.2 Rohstahl........ 937 521 1016 679+ 8,4 Luppen'........ 18 988 14 019—23,0 Walzfabrikate, Schmiedestücke, Radsätze....... 924 206 993 280+ 7,4 Eisenguß........ 24 915 24 521— 1,5 Gesamtfakturenwert.. M. 125 254 496 186 647 689+ 9,9 Rvhgcwinn...... 23000000 80 145984+31,0 Reingewinn...... 11 043 701 16 657 833+ 60,8 Die Gewinnziffern find ausschließlich der Vorträge eingestellt worden. AuS ihnen ergibt sich nun, daß der Fakturenwert stärker gestiegen ist als die Produktion. Deinnach hat man trotz der Krise gute Preise erzielen können. WaS aber besonders auffallen muß, ist die unverhältuiSmäßige starke Steigerung der Gewinnziffern. Leider sind die Angaben zu mangelhaft, m« daraus ein klares Bild zeichnen zu können. Rechnerisch scheint der Ucberschuß nur durch die Ermäßigung deS Reservefonds um 8 Millionen Mark günstig beeinflußt worden zu sein. Berücksichtigt man, daß die Abschrei- bungett um 1 Mill. Mark höher eingestellt sind, so bleiben noch 2 Mill. Mark, die man als bilanztcchnisch gewonnenes GewInilpluS buchen könnte. Mithin bliebe immernoch ein bedeutender Mehrertrag aus der Produklion, der wenigstens zu einem Teile aus einer Ermäßigung der Pro- duktionskosten resultieren müßte. Jedoch erlauben die im Geschäfts- bericht gemachten Angaben kein Resultat, inwieweit daS der Fall ist, und in welchem Grade eS sich dabei um sachlliche Ersparnisse und um eine Reduktion der Lohnquote handelt. Daß die Löhne der Berg- arbeiter gesunken sind, ist ja bekannt. Hier steht daher schon die Tatsache deS Lohnrückganges bei enormer Gcwinnsteigerimg fest. Wir finden nun noch die Angabe, daß die Zahl der in den Stahlwerken beschäftigten Arbeiter von 13 230 auf 13 452 zunahm und die Lohnsumme von 19 012 755 M. auf 19 502 042 M. Dem- nach wäre das DurchschNittScinkonimen gleich geblieben. Da die Zunahme der Arbeiterzahl aber erheblich hinler der Produktions- steigeruiig zurückbleibt, muß die Leistung gestiegen sein. Auch weiß man nicht, ob nicht die Zahl der von den Arbeltern verfahrKicn Schichten zugenommen hat. DaS aber kann man auS den Mangel- haften Angaben doch zwetfelssrei feststellen: bei enorm gestiegenen Gewinnen sind die Löhne sicher teilweise absolut, im übrigen be- stimmt relativ gefallen._ Bom Rheiinsch-Westfälischen Kohlensyndikat. Der rechnungsmäßige Absatz an Kohlen betrug im August bei 27 (im gleichen Moäat de» Vorjahre? 26) Arbeitstagen 5 968 233(Vor- jähr 5 593017) Tonnen oder arbeitstäglich 221046(Vorjahr 215 116) Tonnen. Der Versand einschließlich Landdebit, Deputat und Lieferungen der Hüttenzechen an die eigenen Hüttenwerke betrug in Kohlen bei 27(Vorjahr 26) Arbeitstage» 4 862 149(Vorjahr 4 731999) Tonnen oder arbeitstäglich 180 080(Vorjahr 182 000) Tonnen: a« Koks bei 31(Vorjahr 31) Arbeitstagen 1 437 401(Vor- jähr 1 225 927) Tonnen oder arbeitstägitch 46 368(Vorjahr 39 546) Tonnen; an BrikeltS bei 27(Vorjahr 26) Arbeitstagen 298115 (Vorjahr 258 631) Tonnen oder arbeitstäglich 11641(Vorjahr 6947) Tonnen. Die Förderung stellte sich insgesamt auf 7 291926(Vor- sahr 6 846 289) Tonnen oder arbeitstäglich auf 270 071(Vorjahr 263 316) Tonnen. Die Zechenbesitzerverfammlung setzte die BeteillgnngSanteile für daS letzte Vierteljahr dieses Jahres für Kohlen auf 85 Proz. wie bisher, für Koks auf 72'/, Proz. wie bisher fest. Sodann erstattete der Vorstgnd den üblichen Monatsbericht. Zur Tagesordmmg, Geschäftliches, wurde mitgeteilt, daß Bestrebungen im Gange sind, niit einigen der außenstehenden Zechen eine Verständigung über den Berkauf ihrer Erzeugnisse durch daS Kohlensyndikat anzubahnen. In der heutigen Leiratssitzung wurden nur Mitteilungen interner Art gemacht.__ Ausschaltung deS Handel». Der Verband deutscher Preßhefe- fabrikanlen beschloß die Uebernahme deS Hefeverkaufs der Ring- fnbriken in eigene Verbandsregie. Er errichtet zum Oktoberbegiun für alle Bezirke besondere Vertriebs st eklen. Bestand der deutschen Seeschiff». Ueber den Bestand der deutschen Seeschiffe(Kauffahrteischiffe) am 1. Januar 1919 werden in den Vierteljahreshesten zur„Statistik des Deutschen Reichs" einige Mir- teilungen gegeben. Danach waren an registrierten Fahrzeugen mit einem Brutloraumgehalte von mehr als 50 Kubikmeter vorhanden 4658 Schiffe(am 1. Januar 1909: 4640) mit einem Gesamtraumgehalt von 4430227(4365067) Registertonnen brutto und 2359307(2825449) Registertonnen netto. Der Gattung nach waren am 1. Januar 1910 2377(t. B. 236t> Segelschiffe mit 453 411(464159) Registertonnen brutto und 464 576(416 519) Negistertonnen netto. 331(824) Seelcichter(Schleppschiffe) mit 111 540(112342) Registertonnen brutto und 105 174(105 980) Registertomieii netto sowie 1950(1955) Dampfer mit 3 865 276<3 772 566) Registertonnen brutto und 2 349 557(2 302 959) Registertonnen netto vorhanden. Die Ver- teilung auf die einzelnen Größenklassen war bei den drei Schiffs- gattungen sehr verschieden. Unter den Segelschiffen waren der Zahl nach die kleinen Fahrzeuge ani stärksten vertreten, und zwar die Schiffe von 30 bis unter 50 Registertonnen Bruttoraumgehalt mit 34,1 Proz., die von 50 bis unter 100 Registertonnen mit 25,2 Proz. und die unter 30 Registertonnen mit 24,5 Pro», aller Segelschiffe. Die größte Zahl der Seeleichter(Schleppschiffe) ent« fiel auf die Größenklasse von 200 bis 300 Rigtstertomien Bruttoraumgehalt mit 27,2 Pro», aller Seeleichter, denmächst aus die Größenklassen von 300 bis unter 400 Registertonnen mit 18.7 Proz. und von 100 bis unter 200 Registertonnen mit 17,5 Proz. Bei den Dampfschiffen fand eine gleichmäßigere Verteilung aus die einzelnen Größenklaffcir statt. In beträchtlicherer Anzahl vorhanden waren nur Schiffe zwischen 100 und 200 Regislcrtonnen Brutto- raumgehalt mit 12,9 Proz. aller Dampfschiffe, sodann solche von 200 bis unter 300. von bv bis unter Ivo. von 800 bis unter 1000. »an 2000 VIS unter 2500 und von 600 bis unter 900 Registertonnen (8,9 Pro,.. 7,3 Proz., 5,5 Proz,, 5,0 Proz. und 4,7 Proz.) Verteuerung durch llederMuug im Kleinhandel. Die Gegner der Konsumvereine verneinen bekanntlich die BedNrfniSsroge be« barrlich mit dem Argument, dajz schon die enorme Uebersetzung im Kleinhandel für äußerst niedrige Preise sorge. Man halte dem nun einmal gegenüber, was die.Düsseldorfer Zeitung" ausführt, die schreibt: .Der Kleinhändler wird aber viel weniger vom Warenhaus und vom Konsumverein, als vielmehr durch die zu große Zahl gleicher Betriebe bedroht. Man gehe doch durch die Straßen einer Groß- stadt und schaue fich die Uebersetztheit mit gleichen Geschäften ans einer kurzen Strecke Weges an: Schlächter, Bäcker, Kolonialwaren-, Grünkram- und Milchgeschäfte sitzen aufeinander, so daß man sich unwillkürlich fragt: Können so viele Geschäfte nebeneinander be-' stehen? Sollen sie überhaupt bestehen, dann kann es nur dadurch möglich sein, daß die Kunden die Uebersetztheit in höheren Lebensmittel- preisen bezahlen müssen. Für die Bewohner eines Häuserblocks, für die eine Schlächterei, ein Bäcker, ein Grünkram-, ein Kolonialwaren- Händler und ein Milchgeschäft ausreichte, ist ficherlich die Auswahl unter zwei bis vier gleichen Geschäften vorhanden. Die Inhaber der Geschäfte und ihre Familien wollen aber existieren, und so treibt ganz von selbst die Bewegung der Verkaufspreise nach oben, um so mehr, als die Konsumenten gerade beim Einkauf ihrer alltäglichen Bedürfnisse von einer ziemlichen Gleichgültigkeit sind; sie stellen sich nicht gegen zu hohe Preisforderungen, da sie ja einzeln doch nichts auszurichten vermögen." Die Konkurrenz im Kleinhandel wirlt nicht preisverbilligend, sondern verteuernd._ Hus der f rauenbewegung. Gegen daS Lehrerinnen-Zölibat. Die zu Pfingsten abgehaltene Tagung des Landesvereius preußi- scher Lehrerinnen nahm in der Frage des Lehrerinnen-Zölibats eine direkt reaktionäre Resolution an. Man begnügte sich damit, für den Verzicht auf daS Recht der Ehe einige materielle Vergünsti- gungen zu erbetteln. Jetzt hat sich eine Freie Vereinigung deutscher Volksschullehrerinnen gebildet, die den Kampf für das Eherccht der Lehrerinnen erneut aufnehmen will. Die Vereinigung tritt mit einem Aufruf an die Oeffentlichkeit, in dem gesagt wird: „... Wir verstehen es durchaus, daß die älteren Kolleginnen, die die Majorität hatten, so und nicht anders beschließen mußten. Sie sind im Zwangszölibat grau geworden. Auf der anderen Seite aber steht daS junge Geschlecht, das, unter der Sonne der deutschen Frauenbewegung herangewachsen, sein einfachstes» Menschenrecht und zugleich das Recht der Selbstbestimmung fordert. Unter diesen Frauen sind viele, die dem Staate gesunde, hochbegabte Kinder schenken könnten. Sie wollen aus der Berufs- arbeit die Arbeit ihres Lebens machen und dem Werke der Volks- erziehung treu bleiben durch alle Wechselfälle de» Lebens. Sie sehen in der Ehe die große Erziehungsschule für den Volks- erzieher und zugleich eine Kraftquelle für Mann und Weib. Sie haben eingesehen, daß der Zwang zu einem ehelosen Leben die normale EntWickelung der Persönlichkeit behindert, und sie halten es für ihre Pflicht, dieser Beschränkung der EntWickelung zur Persönlichkeit entgegenzutreten..." Ein Ausschuß soll propagandistisch für die Forderungen der Lehrerinnen wirken. Lehrerinnen, die sich der Bewegung an- schließen wollen, werden gebeten, sich an Berta Wallroth, Berlin- Pankow, Parkstr. 126, zu wenden. Die Frauen und der Kinderschuh. In der amerikanischen Industrie, vorwiegend in den Südstaaten, ist die Kinderarbeit noch stark verbreitet. Für den Kinderschutz treten hier wie in anderen Ländern besonders die F r a u e n ein. und ihrer Agitation ist ein Fortschritt in dieser Beziehung in den letzten sechs Jahren in erster Linie zu verdanken. In der Bundcskommission für ein- Zeitliche Gesetzgebung in allen zum Bund gehörigen Staaten wurde jüngst wieder ein Gesetz zur Regelung der Kinderarbeit in den ''Vereinigten Staaten empfohlen. Bei der Beratung bemerkte der lGeneralsekretär, daß in den letzten sechs Jahren 13 Staaten und der Distrikt von Columbia besondere Abteilungen zur Durch- f ü h r u n g der Kinderschutzgesetze eingerichtet hätten. Zehn Staaten und Columbia(d. h. Washington) haben den achtstündigen Arbeitstag für Kinder unter 16 Jahren eingeführt, darunter als einziger Südstaat Oklahoma. Vor sechs Jahren bestand nur in 12 Staaten die Altersgrenze von 14 Jahren für Kinderarbeit; heute gilt diese Altersgrenze in 37 von insgesamt 48 Staaten. Im Jahre 1904 war in 14 Staaten Kinderarbeit während der Schul- zeit verboten; heute besteht dies Verbot in 23 Staaten. Damals hatte kein Staat ein Gesetz, das die Arbeit in Kohlenbergwerken für Kinder unter 16 Jahren verbot; heute ist diese Altersgrenze in 6 Staaten festgesetzt, eine Altersgrenze von 14 Jahren in 18 Staa- ten und von 12 Jahren in 8 Staaten.— Fortschritte im Kinderschutz sind also zu verzeichnen, aber diese Fortschritte zeigen, wie- viel es noch auf diesem Gebiete zu tun giht. Die sozialdemokra- tischen Frauen nehmen sich dieser Aufgabe, die Kinder vor der kapitalistischen Ausbeutung zu schützen, mit immer größerem Eifer an. Während die bürgerlichen Frauen leicht im Kampfe versagen, wenn die Unternehmer von der„Unentbehrlichkeit der Kinder- arbeit" in dieser oder jener Industrie ihr Liedchen singen, bestehen die sozialistisch denkenden Frauen prinzipiell darauf, daß alle Kinderarbeit abgeschafft werde. Wieder eine sozialistische Kandidatin zu eine« Staatöamt. Die kalifornische Partei hat für den Posten der Leitung deS öffent- lichen Unterrichts die Genossin AgneS H. Downing vor- geschlagen. Sie stammt aus Minnesota und war dort früher Lehrerin, gab dann aber diesen Beruf auf, um Rechtswissenschaft zu studieren. Sie war die erste Frau, die in Minnesota als Advokalin zugelassen wurde. Jetzt übt sie ihren Beruf in Los Angeles, Ka., aus. Sie beweist noch immer reges Interesse für ErztehungSfragen und ist die Vorsitzende der Eltern- und Lehrervereinigung von Los Angeles. — Die zahlreichen sozialistischen Frauenkandidaturen, zumeist zu hochwichtigen Aemtcrn, sind ein Zeichen sowohl der Anerkennung, die sich die amerikanische Frau in fortschrittlichen Kreisen errungen hat, a.s cor vorurteilslosen Tapferkeit, mit der unsere amerlknnischen Genosien auch auf diesem Gebiete den Kampf gegen zopfige Ueber- lieferungen und hemmende Staatsgesetze führen. Leseabende.. Bohnsdorf. Donnerstag, den 22. September, 8>4 Uhr, bei Mentel Vortrag des Genossen Liefländer:»Die sozialen Schäden der Heimarbeit"._ Soziales» Tödliche Unfälle bei Dacharbciten und ihre Ursachen. Die Zahl der tödlichen Unfälle im Dachdeckergewerbe mehrt sich mit der verstärkten Bautätigkeit in Entsetzen erregender Weise. Eben erst sind wieder zwei Dachdecker in Köln in die Tiefe gestürzt und sofort tot geblieben. Di« Ursache fast aller schweren Unfälle im Dachdcckergewcrbe ist die Unzulänglichkeit der Schutzgerllste infolge der mangelnden Gesehesvorsckiriften. Die Gerüste ent- sprechen zumeist den behördlichen Vorschriften; aber diese Vor- schriften gehen nicht weit genug. Die üblichen Schutzgerüste sind in der Regel gar nicht imstande, den Anprall eine? Abstürzenden aufzuhalten. Vielfach gehen die Gerüste mit dem oder den Fallen- den in die Tiefe. Verhängnisvoll wird den Arbeitern ihr guter Glaube an das Schutzgerüst: Beim Absturz lassen sie sich oft auf das Gerüst gleiten, weil sie glauben, von diesem au» leicht gerettet werden zu können..So.Wen es auch die.beide» in Köln zu Tode gekommenen Dachdecker gemachi; d?er das Gerüst hielt der auf- schlagenden Last nicht stand. Seit mehreren Jahren besteht unter den Dachdeckermeistern Deutschlands eine Bewegung auf Reform der Geröste, die sich mit den Interessen der Arbeiter vollständig deckt. Schon im Jahre 1908 tagte in Köln, das den Hauptfitz dieser Bewegung darstellt, eine große Protestversammlung der Dachdeckermeister aus dem Bereiche der rheinisch-westfälischen Bauberufsgenossenschaft, um gegen die ungenügenden Unfallverhütungsvorschriften Stellung zu mehmen. In diesem Falle kollidieren die Interessen der Unter- nehmer des Dachdeckergewerbes mit denen der eigentlichen Bau- bezw. Maurer-, Putz- und Stuckunternehmer sowie des Bau- kapitalS. In jener Kölner Versammlung wurde von sämtlichen Rednern bestätigt, daß bei Bruch eines DachhakenS oder Gerüst- taueS die vorgeschriebene Schutzvorrichtung nicht standhalte, zumal wenn mehrere Arbeiter und vollends gar mit Material abstürzten. Ein Schntzgerüst müsse zugleich Arbeits- und Ianggerüst sein; die jetzigen Gerüste seien sozusagen eher eine Gefahr als ein Schutz. Die Redner forderten statt der heute üblichen Ausleger- oder Bock- Hängegerüste ein stabiles Arbeitsgerüst, das allein wirksamen Schutz gewähre und auch billiger herzustellen sei, als alle anderen Gerüste, weil es von sämtlichen Bauarbeitern benutzt werden könne, und zumal sei es billiger, da man ja später doch für die Ausfuge-, Stuck- und dergleichen Arbeiten wieder ein solches von unten heraufgehendes Gerüst bauen müsse. Den Dachdeckern sei das Halten solcher großen.Gerüste wegen der Kostspieligkeit nicht möglich. In einer Resolution forderte die Versammlung ein stabiles, mit dem Fortschritt des Baues zugleich hochzuführeudeS Arbeits- gerllst, daS solange stehen bleiben müsse, bis alle Arbeiten am Dache beendet seien; dieses Gerüst sei vom Maurermeister aufzu- führen und vom Bauherrn zu bezahlen. Um dieser Resolution Nachdruck zu verleihen, entsandte die Versammlung mehrere Delegierte zum Präsidenten deS ReichSverstcherungsamteS. Zwei Jahre lang hörte man dann von dieser für die Bau- Handwerker so hochwichtigen Sache nichts mehr, bis sich vor kurzem abermal» in Köln eine Unkernehmerversammlung mit der Gerüst- frage befaßte. Als Hauptredner berichtete ein im Jahre 1909 nach Berlin gesandter Delegierter, daß der Präsident de» Reichsversiche- rungsamteS Dr. Kaufmann mit großem Interesse den AuSfüh- rungen der 1998 in Köln gefaßten Resolution gefolgt sei. und daß er im Prinzip die praktische Auffassung der Kölner Resolution betreffend die wirksame Regelung der Schuhgeriistfrage«eile und zu der seinigen mache. Die Kölner Dachdeckermeister-Vereinigung wurde ersucht, ihre Auffassung nebst Begründung schriftlich nieder- zulegen und nach Berlin zu senden. Dieser Bericht ist schon im Mai 1999 an das ReichSversicherungSamt abgegangen. Aber erst kürzlich, nach Verlauf eines vollen Jahre», ist als Antwort auf den Bericht ein Schreiben des ReichSbersicherungsamteS eingelaufen. daS die nochmalige Entsendung von zwei Delegierten in Sachen der Gerüstfrage wünschte. Die Versammlung sandte die beiden Delegierten nach Berlin und erneuerte im übrigen die Resolution von damals. Zwei Wochen später erschienen dann in der Tagespresse große Berichte über die Besprechungen der Delegierten mit dem Reichs- bersicherungsamt. Und was war das Ergebnis dieser Besprechung? Von feiten des Reichsversicherungsamts hatte man erklärt, gesetz- lich könne man den Bauherrn nicht bestimmen, ein stabiles Bau- gerüst zu errichten und solange stehen zu lassen, bis alle Dach. deckerarbciten fertig seien; aber die Handwerksmeister sollten in ihren Verträgen selbst dahin wirken, daß ein wirksames Schutz. gerüst vom Maurermeister auf Kosten des Bauherrn errichtet wird und bis zum Schluß der Dacharbciten stehen bleibe. Das RcichSversichcruiigSamt gibt also auSdrückltch zu. daß die erhobenen Forderungen in ihrem ganzen Umfange berechtigt sind; aber man will die Konsequenzen nicht ziehen und lehnt die An- Wendung der Verordnungs- oder der Gesetzgebungsmaschinerie ab. Die zuständigen Stellen sind schon vor Jahren gewarnt worden. und immer wieder sind seitdem brave Arbeiter und Familienväter in den Tod gestürzt; aber zur Abhilfe hat man lediglich gute Rat- schlage. Müssen weitere Hekatomben auf dem Altar de» Bau- kapltalismut geopfert werden, ehe man zu gesetzgeberischen Maß- nahmen schreitet, wie man das. wenn agrarische Interessen auf dem Spiele stehen, so eilig zu tun pflegt?� Betriebsunfall oder Unfall bei einer Privattätigkeit? war die Frage, tvclche das Schiedsgericht für Arbeitcrversicherung für den Stadtkreis Berlin in folgendem Fall zu entscheiden hatte. Der Chauffeur Sch. war von dem Buchdruckereibesitzer F. an- genommen worden, um mit dem Automobil Geschäftsfahrten als auch Privatfahrten des Besitzers auszuführen. Am 30. Oktober 1909 erhielt Sch. den Auftrag, einen Pelz abzuholen Und nach dem Restaurant Josth am Potsdamer Platz zu bringen. Als Sch. vor dem Pelztvarengeschüft daß Auto ankurbelte, schlug die Kurbel zurück, wodurch Sch. einen Bwich de» rechten Unterarmes erlitt.— Der Verletzte machte nunmehr bei der Deutschen Buchdrucker-Be» rufsgenossenschaft Entschädigungsansprüche geltend, welche letztere ablehnte, weil der Unfall sich bei einer Tätigkeit ereignet habe, die von dem Gewerbe-Unfallgesetz nicht mit umfaßt wird. Nur die im Buchdruckereibetriebe Besck�äftigten waren gegen die Folgen von Betriebsunfällen versichert. Die Genossenschaft nahm an, daß Sch. lediglich im Privatinteresse des F. tätig war und auch bei einer solchen Tätigkeit verunglückte. Auf dagegen eingelegte Berufung beim obengenannten SchiedS- grrtcht vernahm dasselbe den Buchdruckereibesitzer. Derselbe sagt aus, daß Sch. wohl als Pridatchauffeur angenommen war, daß er aber im wesentlichen im Interesse des Geschäfts tätig gewesen sei. So hätte er ihn nach seiner Privatwohnuug zu fahren und wieder abzuholen gehabt. De» weiteren, daß der Geschäftsführer Fahrten im Interesse de» Geschäfts mit dem Auto unternommen habe und daß ferner Drucksachen und andere Geger stände zu den Geschäfts- künden durch den Chauffeur gefahren w>rden sind. Auf Grund dieser Aussage verurteilte dann das Schiedsgericht die Berufs- genossenschaft zur Zahlung einer Rente, irdem es sich auf die Aus- sagen deS BuchdruckereibejitzerS F. stützte, wonach Sch. im wesent» lichen im Cieschäftsinteresse tätig war. Der Unfall ist also als Be. triebSunfall von der Verufsgcnossenschaft zu entschädigen. Die Versicherungsanstalt in Berlitz steuerpflichtig? Die LandeSverflcherungSanstatt Berlin klagt gegen den Magi- strat in Beelitz vor dem Bezirksausschuß in Potsdam. Die Ge. meinde Beelitz hat die Versicherungsanstalt zur Gemeinderin- kommen stciier veranlagt, indem sie den Betrag von 9500—10 509 Mark als Einnahmen aus Wohnungsmiete zugrunde legte. Hier- �egen hatte die Versicherungsanstalt Einspruch erhöben; öffentlichen »uristischcn Personen könne auS den Gebäuden, die den Beamten als Wohnung dienen, kein steuerpflichtiges Einkommen entstehen. Vor dem Bezirksausschuß führte sie an, daß ihr Einkommen au» Miete nur 2o00 M. betrage. Die ständige Anwesenheit sämtlicher A-rzte, Beamten, Wärter sei zum ordnungsmäßigen Betriebe der Heftstätte dringend notwendig. Diese Behauptung bestritt der Ver. treter der Stadt Beelitz. Er hielt für die einzelnen Stationen je einen Diensttuenden und Steflvertreter für ausreichend. Die jungen Mädchen, die in der Anstalt ausgebildet würden, wären auch nicht ständig erforderlich. Außerdem wies er darauf hin, daß die Anstalt einen Gewerbebetrieb für Fleisch- und Backwaren be- treibe, der nickt nur auf die aus dem Anstaltsgebiet Wohnenden beschränkt sei, sondern sich auch bis. ia die Stadt Beelitz ausdehne. (In ketzser Zeit soll beb Betrieb nür auf da» NnstaltSgebkt be. schränkt sein.) Außerdem wird jetzt«in Gelände, entsern-t von der Anstakt, zu Wohnungsbauten zur Verfügung gestellt, so daß hier- durch schon der Beweis erbracht sei, daß die ständig heit aller Angestellten nicht dringend notwendig ist. Die Stadt Beelitz soll eine genaue Nachweisung der von den einzelnen Gc° bäuden aufgebrachten Mietsbeträge einreichen. Gerichts- Leitung. RechtSangelegeuheiteii. Etwa 80 Personen waren gestern vor dem Sitzungssaal der dritten Strafkanioier des Landgerichts I versammelt Und erörterten mit dem Ausdruck größter Erregung die Höhe der Strafe, die den Angeklagten unbedingt treffen müßte, der da soeben den Anklage. räum betreten hatte. ES handelte sich um den Kaufmann Rudolf Frey, der alle die„kleinen Leute", die da draußen vor dem Sitzungs- saake standen, in raffinierter Weise betrogen haben soll. Frey, der schon mehrmals vorbestraft ist, betreibt in der Spenerstraßc in Moabit ein„Inkasso- und Detektivbnrean". Er empfahl sich zur Besorgung von Rechisangelegenheiten jeglicher Art und soll nun noch dem Ergebnisse der angestellten Ermittelungen die lknerfahren- heiten seiner Mandanten dazu benützt haben, um ihnen„Vorschüsse" abzunehmen, ohne sich verpflichtet zu fühlen, etwas in ihrem Interesse zu tun. Wie behauptet wird, soll er sich daS«ertrauen feiner Mandanten auch dadurch erworben haben, daß er ihnen dorredetc, er sei früher Sekretär bei der Staatsanwaltschaft gewesen und wisse mit Prozeßangelegenhciten außerordentlich gut Bescheid. Eine Spezialität von ihm war die Abfassung sogenannter„Ehcver- träge", mit denen sein« Klienten nichts anzufangen wußten, da sie ungültig waren, obwohl Frey ihnen den Anschein gültiget Doku- mente gegeben und dafür sein Honorar eingestrichen hatte.— Ter Angeklagte teilt nun das Schicksal vieler seiner Mitmenschen in der heutigen Zeit: er ist sehr nervös und hat vorsichtigerweise eine Zeitlang Sanitätsrat Dr. A. Straßmanns Sanatorium. „Hau? Falkcnhagcn" bei Seegefeld, aufgesucht. Der gestrige Termin kam erst gegen Mittag an die Reihe, und bei der großen Zahl der zu vernehmenden Zeugen würde er mindestens 6 Stunden in An- spcuch genommen haben. Da erklärt« Sanitätsrat Dr. Straßmann als Sachverständiger den Angeklagten nicht mehr für Verhandlung»- fähig. Unter diesen Umständen blieb nichts übrig, als die samt- lichen Zeugen zu entlassen und den Termin zu vertagen. Zur Verhandlung soll demnächst eine ganze Tagesjitzung anberaumt werden,_ Hus aller Alelt. ein)VIeirterriUch der ßumukratfc. Es muß alle» seinen geregelten Gang gehen! So wird ein Hilfstechniker sagen, der. im Toipedoressort der RcichSwerft in Wilhelmshaven beschäftigt, kürzlich das Malheur hatte, beim Dienstantritt sich um vier Minuten zu verspäten weil er eine» Arzt konsultiert hatte. Ueber diese unerhörte Bummelei wurde zunächst eine Meldung eine» höheren Beamten aufgesetzt, die zirka 15 Minuten dauerte. Hierauf mußte der Techniker, der zwecks Entschuldigung schon etwa eine Viertelstunde hinter dem betreffenden Tagesdiensthabenden hergejagt war. seine Verspätung„be- gründen", waS ebenfalls mit einem Zeitverlust von 20 Minuten verknüpft war. Inzwischen hatte sich die Werft nicht geniert, einen Boten zu dem Arzt zu schicken, um sich über die Wahrheit der Angaben des Ge- meldeten zu informieren. Dann wurde dieser zu einem Baumeister beordert und verhört; Dauer zirka eine halbe Stunde. Hierauf wurde der Geplagte zum Torpedodirektor, einem Korvetten- kapitäst. zitiert, der ihm in Gcgenlvart' Ve« BmnneisterS in militärischer Weise Ordnungsliebe beizubringen versuchte. ihn bis 20 Minuten nach Beendigung des Dienste» festhielt nnd dann mit einer»genauen Begründung seines ZuspätkomnienS" beauftragte; Verhandlungsdauer zirka Stunden. Hierzu brauchte der Beklagenswerte am nächsten Morgen etwa drei Stunden. Dann wurde er wieder vor das Tribunal geschleppt und ihm in zirka einstündiger Auseinander- s e tz u n g erklärt, daß er seine Meldung kürzer abzufassen hätte. Er brachte diese dann in zehn Minuten wieder in die erste Fonn, und da» inhaltsschwere Schreiben wanderte den Instanzenweg ent- lang zum Oberwerftdirektor. Wie lange dieser mit seinem Stab, dem Kriegsgerichtspersonal usw. daran beschäftigt war, kann leider nicht nachgewiesen werden, da solche Geheimsachen äußerst diskret behandelt werden. Nach etwa 14 Tagen erhielt der Sünder den Bescheid, daß er mit einem Verweise bestraft sei, woran sich im Beisein zweier weiterer Personen eine etwa 50 Minuten währende Ermahnung schloß. Die Staatskosten des Ver- fahren» aber find ungefähr folgende: Abfassung der Meldung durch den TageSdiensthahenden M.--.50 Entschuldigung und Begründung des Missetäters..»—.25 Verhör beim Baumeister........... 1,40 Verhör beim Torpedodirektor(ohne Ueberstunden)..» 5,— Abermaliges MeldungSschretben.......... 2,— Beratung beim Oberwerftdirektor(nicht bekannt)..»— Letzte Handlung............... 6,65 Summa M. 15,50 exklusive de» geheimen Schriftwechsel», Papierverbrauchs, der Boten» gänge und Betätigung des OderwerftdirektorS. Und da sage man noch, daß" daS alte Sprichwort recht habe: »Der Bureaukrat tut feine Pflicht von neun bis drei, mehr tut« nicht l"_ Krieg im Frieden. Bei den dayerischenManövern sind nach Meldung verschiedener Blätter zahlreiche Unfälle vorgekommen. Bei einem Reiterangriff in der Gegend von Lendcrshausen stürzten etwa IL Mann vom 3. und 5. Chevauxleger- Regiment; der Gefreite Behringer brach das Genick. auch sein Pferd war sofort tot; die übrigen Reiter kamen mit leichten Verletzungen davon, einige Pferde mußten getötet werden. Bei einer anderen Gelegenheit stürzte ein Rekrut des 5. Chcvauxleger-Regiments und war sofort tot. Bei KIctneibstadt wurde ein Soldat deS 5. Feld- artillerie-Regiment» von einem Geschütz erschlagen. Bei Hofheim wurde einem Artilleristen durch ein Geschütz der Arm überfahren. Ein Soldat des 5. Infanterie- Regiments stürzte in einen Steinbruch und erlitt eine schwere Verletzung am Kopfe. Ein Ulan vom 1. Manen» Regiment brach ein Bein. Auf Bocks Spuren. Wie ein Telegramm au» Köln meldet, ist seit letztet Woche der Lehrer GüSgen von der katholischen Knabenschule in Rodenkirchen bei Köln flüchtig. GüSgen hat sich seit Jahren zahlreiche sittliche Verfehlungen an Schulern setner Klasse zuschulden kommen lassen. Nachdem der Knaben- schänder das Weite gesucht hat, wird jetzt«ine eingehende Untersuchung der Angelegenheit enigcleitet. Recht verivunderlich ist es, daß da» Treiben Gttsgen» seiner vorgesetzten Behörde so lange verborgen bleiben konnte. Cigaretten sind disJsnigsn. Cigaretten. die In Geschmack und Aroma alle Merkmale feinster Qualität aufweisem> Die besten Rohtabake. ff) richtiger Weise zusammengestellt, haben verbunden mit sorgfältigster, fabriktechnischer Bearbeitung in ihnen ein Fabrikat geschaffen, dessen ileberlegenheit jeder Raucher anerkennt Josetti Juno m. u. o. M. 10 St 20 Pfg. Bcsfer Schuh-Putz In Bosen zu 10, 20 und 25 Pf. überall erhältlich. Fabrilc: Urban dfc I.enun, Charlottenbnrg. Bruch-Polimann empfiehlt seinLager In öructi- bandagen, Leibbinden, Ge- radehaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieferant für DrtS» und HilsS-KranIentassen. 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Die bei dem Bombenattentat benutzte Bombe habe er, Werner, ange- fertigt.— Nach dem Anschlage in Friedberg hat sich Werner in Frankreich und Belgien aufgehalten, bis ihn die Sehn- sucht nach der Heimat wieder nach Deutschland zurückführte. Hier hielt er sich längere Zeit unerkannt auf und wurde nicht etwa durch die Findigkeit der Polizei erkannt, die ja ein ge- naues Signalement Werners hatte. Die Verhaftung erfolgte durch die Anzeige eines Schulfreundes aus Kaiserslautern, der Werner in dem Restaurant erkannte und seine Festnahme herbeiführte. Werner ist der Sohn eines gut situierten Dachdeckermeisters und hat die Schule bis Prima besucht. Dem beabsichtigten Studium konnte er sich nicht widmen, weil er bereits wegen eines Einbruchs- diebstahls zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war. Im Gefängnis hat er auch seinen Mittäter kennen gelernt, mit dem er den Friedbergcr Coup verabredete. Bald nach seiner Verhaftung wurde Werner nach Gießen transportiert, wo er im Provinzialarresthaus seiner Aburteilung entgegen- sieht._ Schiffskatastrophen. Nach einem Telegramm aus Melbourne ist der englische Dampfer„Carnavon Mah' auf den Felsen der Königsinseln in der vaszstratze gestrandet. Ein Boot mit dem Kapitän und 17 Mann der Besatzung wurde nach 48 stündiger Irrfahrt auf dem Meere von einem Schiffe aufgenommen. Ein zweites Boot mit fünf- zehn Mann der Besatzug wird vermißt. Es wird befürchtet, daß das Boot untergegangen und die Jnsaffen ertrunken sind. Bei Fehmarn stieß der finnische Schooner.Venia' mit dem deutschen Schooner„Paul und Emma', der von Stettin mit einer Roggenladung auf der Fahrt nach Kiel war. zusammen. Das deutsche Schiff f a n k sofort. Die Besatzung wurde gerettet und auf den »Benio" übernommen._ Eisenbahnunfälle in Frankreich. Ein von Dieppe kommender Expreßzug fuhr auf dem St. Lazare- Westbahnhof in Paris so heftig gegen einen Prellbock, daß von den Paffagieren 28 Reisende verwundet wurden. Die meisten Ver- wundungen find Quetschwunden, die durch Anprall der Reisenden an die Wagenwände entstanden sind. Ein zweiter Eisenbahnunfall ereignete sich in der Nähe der fran- zösischen Station BeziöneS. Infolge falscher Weichenstellung fuhr ein Personenzug mit einem Güterzug zusammen, wodurch sieben Reisende zum Teil schwer verletzt wurden. Kleine Notizen. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich am Sonnabendabend auf dem Hochofenwerk des„Phönix" zu Hörde. Unter gewaltigem Knall barst ein Hochofen; von der ausbrechenden glühenden Masse wurde ein Arbeiter überschüttet und schwer verbrannt, so daß er seinen Verletzungen bereits erlegen i st. Ferner wurden bei dem Unfall drei Arbeiter weniger schwer verletzt. An demselben Abend erfolgte nochmals ein Ausbruch glühender Eisewnaffen, durch den zwei Arbeiter verletzt wurden. Durch einen anscheinend Wahnsinuigen wurde in Kiewe in Mecklenburg das Ehepaar Jlker erschossen. Die beiden Leute waren beim Heuen, als plötzlich der Mann durch mehrere Schüsse getroffen zu Boden stürzte. Ehe noch auf das Hilfegeschrei der Frau Leute herbeieilen konnten, wurde auch sie von mehreren Kugeln getroffen. Nach der Angabe des Attentäters, eines gewissen G e n e n z aus Kiewe, hatte er die Absicht gehabt, seinen Bruder und dessen Frau zu erschießen. Unglückliche Ballonlandung. Am Sonntagnachmittag landete bei Wolmirstedt ein aus Braunschweig kommender Ballon. Der Korb des Ballons schlug so heftig auf den Erdboden auf, daß zwei der Jnsaffen, Dr. D r e w e s und Bergwerksdirektor Krisch auS Helmstedt, schwer verletzt wurden. Automobilunfälle. Auf der steilen Chauffee Hameln— Pyrmont überschlug sich am Sonntagnachmittag infolge Versagens der Bremse ein Automobil. Von den fünf Insassen erlitten drei schwere Verletzungen, zwei kamen mit leichten Ver- letzungen davon.— In der Nähe von M e l u n ereignete sich am Sonntag ein Automobilunfall, dem der Finanzier G u t t m a n n aus Paris zum Opfer fiel. Seine Frau und seine Schwägerin er- litten schwere Verletzungen. Bei einem Trabreiten, das am Sonntag auf der Theresienwiese in München stattfand, kam eS zu einem schweren Unfall. Infolge Reißens des Sattelzeuges rannte eins der Pferde durchs Ziel, durch- brach die Schutzmannskette, stürmte durch die Menschen- menge und warf einen mit 12 Personen besetzten Tisch um. Dabei erlitten acht Personen teils schwere, teils leichtere Verletzungen._ BHefhaften der Redaktion. Hessen. Der Bericht gibt kein llareS Bild von den Anssühnmgen, die den Genossen Düwell zu dem Resultat kommen ließen. Unter die Schutz- zollmefirheif fallen auch die Natlonalliberaien, die mit der Rechten und dem Zenlrum zusammen bei einem Verlust von 82 Mandaten immer noch— mit 211 gegen 180 Mandaten— die Mehrheit haben würden. Bei ewem„Block von Bebel bis Bassermann" würde allerdings diese Mehrheit, nach Abzug der 54 Mandate der National- klveralen, k» die Mnberhekk komm«, N bat» M JWHfc IST, der„Block' 240 Mandate befitzen würde. Genosse Düwell hat nun aber der Ansicht Ausdruck gegeben— ohne die Frage zu eni- scheiden, ob die Nationalliberaleu ihre alte Befitzstärke behalten würden—, daß ein Teil der Nationaliiberalen, und zwar die großindiistriellen Schars- macher, bei dieser Parteikonstellation nicht mitmachen würde; auch die Polen würden keineswegs für ein Zusammengehen mit den in Frage kommenden Parteien zu haben sein. Er rechnet deshalb 30 National- liberale und 20 Polen ab, so daß sür die gedachte Parteikonstellation 130 Mandate in Frage kämen, also nicht die Mehrheit. — H. K. 222. 1. Eine Ehe zwischen Onkel und Nichte gestattet das Gesetz. 2, Ehemündigkeit Witt ein bei Männlichen mit Vollendung deS 21,, bei Weiblichen mit Vollendung des IS, Lebensjahres, Das Mädchen bedars abcr bis zur Großjährigkeit der elterlichen Genehmigung,— H. 17. E. 1. Stich- Wahl, 2. und 3. Ja.— H. P. II. 1. Für die nach dem 1. Januar 1300 geschlossenen Ehen besteht nur dann Gütergemeinschaft, wenn sie durch Ehe- vertrag vereinbart ist. Besteht tatsächlich Gütergemeinschast: Ja. 2. ES kann nur mit Ihrer Zustimmung verfügt werden, und zwar mich dann, wenn Gütergemeinschast nicht besteht,— P. W., Hutteustraste. Nein.— R. ffr. 14. Was morgen sein wird, frage nicht, Zitat auS„Horaz". — Br. H. 38. Sie können, unter Setzung einer Frist, von dem Eigen- tümer Beseitigung der Mängel fordern, nach Abiaus der Frist entweder aus Bescittgung klagen oder die Mängel selber beseitigen lassen und die ge- habten Unkosten ersetzt verlangen.— Sch. 1. 1. Das Datum ist unerheb- lich. 2, Die Angaben müssen Sie im Termin vottragen,— D. P. W. 6. 1. Der Anspruch besteht nur gegen den Mann, 2. Ihre Schwester kann nur mit Zustimmung des ManneS verfügen. Ist aber durch Ehevertrag— nach Ihrem Schreiben scheint das der Fall zu sein— das Nießbrauchs- und Ver- waltungsrechi deS Mannes ausgeschlossen, so kann sie selbständig verfügen. 3, Dem Teil, der für nichlschuldig erklärt wird. Werden beide Teile sür schuldig erklärt: dem Manu,— Kuppel Sv. Nur dann, wenn Ehebruch nachweisbar ist.— R. 10. Darüber müssen Sie einen Arzt befragen,— I. M. K. Sie können die Anzeige sewer machen. Kosten entstehen nicht. — C. H. 3. Die Kündigung seitens der Erben kann bis spätestens 3, Oktober zum 1, Januar 1911 erfolgen, wenn im Mietsvericag nichts anderes bestimmt ist— 21. 99. Darüber bestimmt da» Vormundschasts- gericht. Die Auskunst des Rektors fällt aber schwer ins Gewicht. Sprechen Sie mit dem Rettor.— F. R. K/7. Es scheint übergroße Empsindlichleii Ihrerseits vorzuliegen._ eSasserstandS-Nachrtchte» 1+ bedeutet Such»,— Fall.•) UnterpegeL•) Höchster Stand am 17. S Uhr nachm.: 340 cm. Ift jeder Vcrfuch. die bewährten Marken PHLMIN (Pflanzenfett) und PHLMONFl(Pflanzen-Butter- Margarine) durch unbekannte, billige Fette zu er- fetzen. Palmin und Palmona werden fett vielen Jahren täglich in Millionen Haushaltungen verwendet; sie find alfo erprobt und bewährt, fonft würden sie nicht den ausgezeichneten Ruf genießen, den sie von der feinden bis zur cinfachden Küche besitzen. Darin liegt eine Garantie, die bej unbekannten Marken nicht geboten wird. Verantwortlicher Redakteur Richard Barth. Berlin. Für den Inseratenteil veraptw,; Th. Glocke, Berlin, Druck u. Vertag iLorwärtD tinZpnuny ins Ungewisse Eirixelkarcft Deutsch-Pilsner Erstklassiges Spezial-Bräu ■ Flasche 10 Pf.-------- Ueberall käuflich. ivuchdruckeret u, VcrlagSanfialt Paul Singer öc So, Berlw SW. Nr. 220. 27. Iahrglws. 4. Kilme des Jmiüätb" Sttlintt Ilolliülilntl. Dieustag, 20. September 1910. Partei- Hngclegcnbeltcn. Vierter Landtagswahlkreis! Drei öffentliche Wählerversammlnngen. Am Mittwoch, den A.September, abends 8'/, Uhr, bei Habel, Bergmann- straße 5/7, am Donnerstag, den 22. September, abends Z'/z Uhr, bei G l i e s i n g, Wassertorstr. 68 nnd bei Rabe, Fichtestr. 29. Tagesordnung: 1. Die Landtagswahl. 2. Dis- kussion. 3. Aufstellung der Wahlmänner. Es ist Pflicht aller Wähler, in diesen Versammlungen zu erscheinen._ Die Kommission. Friedenau. Heute abend 8>/z Uhr, findet die Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins bei Michelle, Handjerystr. 60/61 statt. Vortrag des Genossen M o h s über: Internationale Solidarität. Martendorf. Heute, Dienstagabend 7 Uhr, von den belannten Bezirkslokalen F l u g b l a t t v e r b r e i t u n g zu der am 22. b. M,, abends 8l/2 Uhr bei Preuß, Kurfürsteiistraste stattfindenden Volks- Versammlung, in der Genosse Groger-Nixdors über„Volksbelastung und Kaiserreden" sprechen wird. Der Vorstand. Köpenick. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, Versammlung des Wahlvcreins im„Stadttheater", Friedrichstraste. Vortrag des Ge- nossen Georg Schmidt. Britz-Buckow. Heute, Dienstag abend Punkt'/zg Uhr, findet bei Radda�, Chausseestr, 39, eine öffentliche Versammlnng statt. Tages- ordnung: 1. Vortrag des Genossen Emil Unger über:„Kirche und Staat". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zu dieser Versamnilung sind die Geistlichen des Ortes brieflich eingeladen. Der Vorstand. Lichtenberg. Heute abend 8Vs Uhr findet im Schwarzen Adler, Frannurter Chaussee 5/6, die Mitgliederversammlung des sozial- demokratischen Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht von der Provinzialkonferenz. Bericht von der Generalversammlung Grofr Berlin. Stellungnahme hierzu. Geschäftliches. Spandau. Heute, Dienstag, den 20. September, abends 8l/s Uhr im Lokal von Fritz Bohle, Havelstr. 20: Außerordentliche General- Versammlung dcö Wahlvereins. Tagesordnung: 1. Bericht von der KreiSgeneralversamnrlung. 2. Bericht von der Provinzialkonferenz. 3. Stellungnahme zum Winterfest. 4. Wahl eines Nevisoren, Wahl einer Frau zum Vorstand, Verschiedenes. Der Vorstand. Borfigwalde-Wittcnau. Heute, Dienstag, den 20. September, abends S'/r, Uhr findet die Miigliederversaminlung des Wahlvereins im Lokal von Richter, Borsigivaldcr Festsäle statt. Reinickcndorf-West. Heute Dienstag, den 29. September, abends 8 Uhr, Mitgliederversamnilung bei Wohlfahrt, Eichbornstraße 18. Tagesordnung: 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Besprechung über unsere Zeitungsspedition. 3. Abrechnung vom Stiftungsfest. 4. Ver schiedeneS. Die Bezirksleitung. berliner jVacbncbtcn. Ueber Nacht gefallen... Da draußen im Westen liegt ein Grab, ein Massengrab, für Tausende gegraben. Kein Gewölbe führt zu ihm hinab, keine Grabschrift schmückt seinen Eingang— nirgends ein Erinnern, nirgends ein Wort für die Vielen— für die Verwehten— für die Verschollenen und Namenlosen, die in ihm untergegangen, versunken, begraben.... Glaubt ihr, jemand sähe, daß eS ein Grab ist, wenn der Dag bie Stätte beschreitet, der junge Tag mit Licht und Sonne, wenn die Spatzen über die Köpfe der Sandsteinfiguren wippen und die Wellen des kleinen, künstlichen Teichs verstohlen aufglucksen?. Niemand. Manchmal nur ein Anklang— ein leiser, wie von Ferne—: da geht ein Mütterchen daher— alt und gebückt � mit Besen und Harke, das stampft Laub in Körbe, in große braune Weidenkörbe— welke Blätter und Blüten, über Nacht gefallen. ... Sonst nichts. Da stehen Leute, rauchen und sprechen von Alltagsdingen, von ihren kleinen Sorgen und Geschäften; da huschen Kinder die Wege herauf, schlagen Reifen, haschen einander, lachen.... Niemand von all diesen denkt— niemand weiß, daß eS ein Grab ist, auf dem sie wandeln; niemand sieht es ja, solange der Tag daherschreitet. Kommt aber die Nacht— kommt die Nacht gegangen, da sprießen Märchen und Wunder: da sprühen Zehntausende von Lampen auf, Lichtgirlanden ranken sich, ein Stampfen und Surren se?» ein, ein Donnern und Klingeln und Bimmeln cm allen Enden, «in nie endenwollendes Kreischen und Lachen,— da schießen Wagen voller Menschen über Abgründe dahin— Ballons durch- lsausen die Luft— Scheinwerfer flammen— Menschen in Booten stürzen in den Teich hinab— tauchen unter— tauchen auf und wieder unter— und wieder— und wieder-- Im Negerdorf enthüllt eine junge Schwarze gegen Entgelt ihre Brust, diese arme gequälte Brust einer Mutter, vom Schmutz und Laster einer ganzen Großstadt begafft und besudelt—; sie enthüllt sie gleichmütig, ohne Zaudern und Scheu, jedem, der sie sehen will, mir und dir und tausend anderen einem jeden, der Kinen Groschen hat... Gegenüber auf den„Terrassen" wiederum sitzen Leute beim Wein, Leute, die soeben der Negerin einen Groschen hinge- worfen und in dieser Nacht noch Hunderte, ja vielleicht Tausende durchbringen,— da sietzen sie, plaudern und lachen, und wenige Schritte nur— wenige Schritte davon vertanzen Mädchen ihr Leben— wenige Schritte davon tanzt die Fugend zu Grabe.... Da fitze ich nun mitten unter ihnen, unter all diesen Leuten; ich sitze an einem Tischchen mit einem kleinen Mädchen namens Grete, von dem ich noch vor einer Viertelstunde nichts wußte und dem ich nun ein Abendbrot bestellt habe, weil es Hunger hat. Ich sehe sie an, diese Grete— ihren Hut, ihre Stiefel, ihr Kleid, ich sehe sie krampfhaft bemüht, die Dame zu spielen— die Dame von Welt—; ich plaudere und scherze mit ihr und denke insgeheim darüber nach, wie traurig es doch sein muß, ein solches Kleid zu tragen, ein Kleid für gute 200 Mark, einen Hut mit hingen Straußenfedern, und graue Wildlederhandschuhe, wenn man— Hunger hat. ,„Wieviel Gehalt haben Sie?" frage ich,„Grete?" „Gehalt?" Sie sieht mich über das Glas hinweg an, lächelt ein wenig itnd sagt: „Sechzig Mark. Das ist wicht viel, nicht wahr? „Nein," sage ich.„daS ist gewiß nicht viel.. „Aber bei uns hat keine mehr.. ES tritt eine Pause ein. Nach einer Weile zuckt sie die Achseln, wirft den Kopf zurück Und sagt leichthin, wegwerfend: „Taschengeld.. Dann trällert sie den Walzer mit, wippt mit den Stiefelchen fund starrt in daS elektrische Licht. „Motte..." denke ich. Sie aber lächelt.., „Taschengeld.. Sie ist nun satt und obenauf. Das währt, bis ich die Uhr ziehe, bezahle und ihr vorschlage, zu gehen... In diesem Augenblick fällt alles von ihr ab— mit einem Schlage: die Weltdame und der geheuchelte Gleichmut und die eiiWUDßene Fröhlichkeit und all die anderen großen und Leinen Täuschungen, und sie steht da—- arm, kläglich, demütig, in ihrem ganzen Jammer... „Wohnen Sie weit?" „Wieso?" ..... ja... sehr lange kann ich nämlich nicht... Einen Augenblick spüre ich etwas wie einen Hieb— eine sengende Welle—, Trauer, Verzweiflung und Scham— aber nur einen Augenblick, dann ist es vorüber... Da drücke ich ihr die Hand und gehe.-- Ich habe lange darüber nachgedacht; ich hätte vielleicht nicht so von ihr gehen sollen, ich hätte ihr vielleicht etwas sagen sollen, irgend etwas Stärkendes und Gutes— ich konnte es nicht. Die Nacht über stak mir etwas in der Kehle, das quälte und würgte mich,— ich mußte immer an die Mutter denken, die für einen Groschen ihre Brust enthüllt, ich mußte an ein Abendbrot denken, für das man sich einen Menschen kauft— einen ganzen Menschen! Da erschienen mir alle Worte, selbst die schönsten, so nichtig und schal, da sah ich, daß diese Menschen ja nicht Herr ihres Lebens sind, nicht Herr ihres Wollens, sondern Sklaven— Sklaven jener großen treibenden Kräfte, die sie packen, emporheben und sie auf den Markt schleudern, irgendwohin, wo gerade Nachfrage herrscht, ganz gleich, wohin,— dieser Kräfte, die ihr Leben beherrschen, ihr ganzes bißchen Leben— im Kleinen wie im Großen—, die sie ketten, knechten, zermalmen und sie zwingen, ihre Kreise zu vollenden... Da draußen im Westen aber liegt ein Grab, ein Massengrab, für Taufende gegraben.— Niemand sieht, daß es ein Grab ist, wenn der Tag die Stätte beschreitet, der junge Tag mit Licht und Sonne, wenn die Leute ringsum von Alltagsdingen reden, wenn Kinder einander haschen, lachen und Reifen schlagen. Manchmal, ganz selten nur, ein Anklang— ein leiser, wie von Ferne: da geht ein Mütterchen daher— alt und gebückt—, mit Besen und Harke, das stampft Laub in Körbe, in große, braune Weidenkörbe— ach, welke Blätter und Blüten, über Nacht gefallen. Werner Peter Larsen. Reicher Kindersegen, wie er in Arbeiterfamilien sich einfindet, ist der bürgerlichen Klasse und gleichermaßen ihrem Staat erwünscht. Der Nachwuchs der A r b e i t e r k l a s s e ist es, der für die Kriege das nötige Kanonen- futter hergibt und im Wirtschaftsleben dein Unternehmertum die unentbehrlichen Ausbeutungsobjekte besorgt Minder erwünscht ist dieser sogenannte Segen den Arbeitern und ihren Frauen; denn ihnen selber bleibt die kostspielige und mühevolle Pflicht der Auf- zucht des Nachwuchses überlassen, den sie dem Staat und der bürger- liehen Klasse zu liefern haben. Eine große Kinderschar wird nur zu vielen Arbeiterfamilien zu einem verhängnisvollen Un fegen, der Not und Elend über sie bringt. Immer mehr hat daher auch in der Arbeiterbovölkerung die Ansicht sich Geltung verschafft, daß man jenen„Segen" nicht als unvermeidlich hinzunehmen braucht, son- dern ihn entschlossen abwehren soll. Der besitzenden Klasse war das längst etwas Selbstverständliches, und die Geburtenstatistik lehrt ja, wie erfolgreich sie sich zu wehren weiß. Auf diesem Gebiet hat sich im Laufe der Zeit eine ganze Industrie entwickelt, die die verschiedenartigsten Requisiten her- stellt. Nebenbei bemerkt: wir denken dabei immer nur an Mittel, deren Anwendung nicht gegen die Gesetze verstößt. Leider fehlt es aber auch hier wieder nicht an kundigen Profitmachern, die so mancher hilfesuchenden Arbeiterfamilie„die Ohren abzu- schneiden" verstehen. Gerade die Heimlichtuerei, mit der da alles behandelt wird, ermöglicht die tollsten Auswüchse. Demgegenüber halten wir es für unsere Pflicht, einmal offen auf diese Zustände hinzuweisen. Uns wird ein Prospekt vorgelegt, den eine Firma durch Agentinnen in den Häusern der Arbeiterviertel verteilen läßt. Unter der Ueberschrift„Der Wegweiser zum Eheglück" empfiehlt sie darin eine Spülschutzvorrichtung, die vielleicht mit 5M. schon zu hoch bezahlt ist, von ihr aber für 2 5 M. angeboten wird. Weil aber keine Arbeiterfamilie sogleich 25 M. hergeben mag, so schlägt die Firma eine Zahlung in Raten vor, wobei 5 M. als An- zahlung gefordert werden. Das zieht eher, und so gelingt eS, mancher Ehefrau einen solchen Apparat aufzureden, zumal wenn der Gatte nicht zugegen ist. Allen, die es angeht, kann man nur raten, die Taschen zuzuhalten. Wegen eines großen Brandes, der eine Panik verursachte, wurde am Sonntagabend die Berliner Feuerwehr kurz vor 8 Uhr nach dem Kaiser-Franz-Grenadier-Platz alarmiert. In wenigen Minuten erfolgte Alarm auf Alarm. Bald waren sechs Züge versammelt. Es brannte dort im Eckhause des Kaiser-Franz- Grenadier-PlatzeS Nr. 1 und am Michaelkirchplatz eine Wohnung in der vierten Etage. Dichter Qualm drang bei Ankunft des ersten Zuges aus den Fenstern und dem Treppenhause. Bald schlugen die Flammen aus dem Dache empor und es schienen die unteren Wohnungen und angrenzenden Gebäude gefährdet. Brand- inspektor Teubner ließ sofort mehrere Schlauchleitungen von Dampfspritzen vornehmen und kräftig Wasser geben. Dadurch ge- lang es, eine weitere Ausdehnung der Flammen zu verhüten. Eine Wohnung ist total ausgebrannt, andere etwas beschädigt; das Dach konnte zum größten Teil geschützt werden. Die Eni- stehung war nicht zu ermitteln. Der recht erhebliche Schaden soll durch Versicherung gedeckt sein. Der Juwelendielstahl in der Villa des Bankdircktors Mosler in der Rheinbaben-Allee 23, bei dem für etwa 35 099 M. Brillanten entwendet worden sind, geht, so wird nnS berichtet, seiner Aufklärung entgegen. MS mutmaßlicher Täter wird ein früherer Diener des Bestohlenen namens Berndt betrachtet. Am 10. d. MtS. war von dem Bankdireltor Mosler ein neuer Diener engagiert worden, der ausgezeichnete Zeugnisse und Empfehlungen besaß, die allerdings, >vie sich später herausstellte, sämtlich gefälscht waren. Der neue Diener halte unter anderem auch in Erfahrung gebracht, daß sich die Schlüssel zu dem stählernen Geldschrank, in dem die Brillanten aufbewahrt wurden, in den: Schreibtisch des Bankdireklors befanden. Als am Freitagabend die Familie Mosler sich zur Ruhe begeben hatte, hat Berndt wahrscheinlich den Schreibtisch des Bankdireklors erbrochen und mit Hilfe der Kaffenschlüssel den Geldschrank leicht geöffnet. Am nächsten Morgen war der Diener verschwunden. Er konnte seine Flucht um so leichter bewerkstelligen, als er beim Antritt seiner neue» Stellung nur die notwendigste Kleidung und Wäsche mitgebracht hatte, und behauptete, daß sein Koffer erst in einigen Tagen ankommen würde. Wie Berndt angab, war er bis zum 1. September bei dem zweiten Bürgermeister in Potsdam in Stellung. In Wirklichkeit trat der Dieb seinen neuen Posten nach Berbüßung einer Gefängnisstrafe an, die er wegen eines Raubes in Höhe von 1909 M. bei dem Potsdamer Bürgermeister erhalten hatte. Die Polizei vermutet, daß sich Berndt nach aus- wärts gewandt hat. Ein schwerer Straßenbahminfall trug sich am Sonnabendabend an der Ecke der Münz- und Alexanderstraße zu. Als gegen 9 Uhr der Arbeiter Wilhelm Kettncr aus der Alcxanderstr. 30 den Fahr- dämm überschritt, wurde er von einem Straßenbahnwagen der Linie 49 E, dessen Annäherung er nicht beachtet hatte, erfaßt und mit solcher Gewalt gegen die Bordschwelle des Bürgersteiges ge- schleudert, daß er besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte, der eine schwere Gehirnerschütterung davongetragen hatte, fand im Virchowkrankenhanse Aufnahme, nachdem ihm auf der Unfallstation in der Alten Schützenstraße die erste Hilfe zuteil geworden war. Ein forscher Hausverwalter, so betitelten wir den Postschaffner I a n u u s ch am 11. September in einer Notiz, in der wir mit- teilten, daß I. als Verwalter des Hauses Tilsiter Str. 6a einen Mieter mehrere Male mit einem Stück Hirschhorn über den Kopf ge- schlagen, weil dieser sich ungehörige Redensarten des I. seiner Frau gegenüber verbeten hatte. Der Besitzer des betreffenden Hauses bittet uns mitzuteilen, daß er Jannusch einige Tage nach Erscheinen unserer Notiz entlassen habe. Er selbst verurteile ein solches Verhalten des I. seinen Mieterii gegenüber entschieden. Gegen die vom Magistrat geplante LustbarkeitSsteuer wird morgen Mittwoch, den 21. September, nachmittags 2 Uhr, im ., M u s i k e r- V e r e i n s h a u s Kaiser-Wilhelni-Str. 18m, eine öffentliche Protestversammlung der Zivilberufsmusikcr Berlins Stellung nehmen. Das Referat hierzu hat der Schriftsteller Genosse Max Grnnwald übernommen. Der Zentralverband der Zivilniusiker Deutschlands sowie die Schutzkommission des Vereins Berliner Musiker(E. V.) ersuchen um einen Massenbesuch dieser Versammlung. Als Hehler des jugendlichen Scheckräiibcrs Konrad, der. wie wir meldeten, in der vergangenen Woche zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wurde, ist jetzt dessen Onkel, ein 34 Jahre alter Arbeiter Emil Herlitz festgenommen worden. Er bestreitet, mit dem Scheck- raub irgendetwas zu tun zu haben, muß aber zugeben, daß er mit dem Konrad eine Jtalienreise gemacht hat. Seiner Behauptung »ach soll das eine Geschäftsreise gewesen sein, aber er kann nicht sage», was für Geschäfte er zu erledigen und woher er das Geld zu seiner Reise hatte. In Monte Carlo will Herlitz 999 M. gewonnen haben. Davon will er die Einrichtung und die Schmucksachen gekauft haben, die er seiner Frau geschenkt hat. Alle diese Sachen hat Herlitz wieder versetzt. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht schwere Unfälle an Maschinen durch die Zeitung gemeldet werden. Quetschungen, Zerreißungen und Verlust ganzer Gliedmaßen. An vielen Bearbeitungsmaschinen werden mehr und mehr ungelernte Arbeiter beschäftigt und ihre Zahl vermehrt sich durch jede Vervollkommnung der Maschinen. Infolge- dessen steigen auch die Unglücksfälle besonders an solchen Maschinen, die wirksame Schutzmitiel nicht zulassen, wie Kreissägen und manche init Messer», Walzen,.Rädern arbeitende Hobel- oderZerkleinerungs» Maschinen, Walzwerke. Präge- und Schneidemaschinen.— Sehr viel grauenvolles Unheil ist aber sehr wohl zu verhüten, wenn an Stellen, die keine rechte Schutzvorrichtung zulassen, kurze, warnende Inschriften angebracht werden, die gleich den richtigen Wink zur Vorsicht für den ungelernten'Arbeiter enthalten. Heute werden neue Arbeiter an gefahrvolle A p p a r a t e ge- stellt und lernen dort erst durch schwere Unglücksfälle die Gefährlich- keit der Menschenfalle kennen, vor der sie täglich stehen.— Ja noch mehr, oft weih der neu antretende ungelernte Arbeiter gar nicht, daß er an die Stelle eines gestern schwer verunglückten Gefährten tritt, und selbst wenn ihm die Mitarbeiter von dem Unfall oberflächlich berichten, er ist froh Arbeit gefunden zu haben und schuftet nun auch wieder unbekümmert um die ständige Gefahr darauf öS. Kurze Warnungstafeln sind ja kein Universalmittel, aber sie benachrichtigen den Renting wenigstens, daß er in einem gefährlichen Betriebe steht.— Die Herren Gelverbeinspektoren hätten hier ein reiches Feld, vorbeugend zu wirken. Die Affäre des Neuen Roulettellubs in der Wilhelmstraße, der, wie berichtet, zweimal lurze Zeit nacheinander polizeilich aufgehoben worden ist, hat zur Folge gehabt, daß der Leiter jenes Klubs, Versicherungsdireklor M a t i S k e, auf Veranlassung des UntersuchungS- richters gestern früh in seiner Wohnung vorläufig festgenommen worden ist. Sein Verteidiger hat sofort Schritte getan, um die Haft» entlassung, eventuell gegen Kautionsstellung, zu erwirken. MatiSke ist des gewerbsmäßigen Glücksspieles beschuldtgt. Premiere im Metropoltheater. Seit Jahren bringt das Metropoltheater im September eine Revue heraus, in der die Jahrcsereignisse in satirischer Form be» handelt werden. Diese Premiere ist in der Berliner Gesellschaft nachgerade zu einem Ereignis geworden. Alles, was etwas sein will, hält darauf, am ersten Abend dabei gewesen zu sein. So hat sich der Eröffnungsabend im Metropoltheater gewissermaßen zu einem Stelldichein Tout Berlins gestaltet. Auto aus Auto sauste am Sonnabend durch die Behrenstraße, denen Herren und Damen in den elegantesten Anzügen und Kostümen entstiegen. Parkett, Logen und Balkons waren in eine Kostümausstellung verwandelt. Die neuesten Pariser Kleidermoden, die neuesten Hutmoden waren ausgestellt und wurden bewundert, Juwelen funkelten und Pariser Parfüm duftete. Die neue Revue ist betitelt:„Hurrah l Wir leben noch l" und hat den Hausdichter des MetropoltheaterS, Julius Freund, zum Verfasser, während Viktor Holländer wieder die Musik geliefert hat. Was den Inhalt der Revue betrifft, so ist kaum ein Vorkommnis wesentlicher Art dem herben Spott Julius Freunds entronnen. Solveit politische Vorgänge in Betracht kommen, fehlt weder der Januschauer mit seinen 19 Mann, noch der Wechselbalg des preußischen Wahlrechts. Die Aufführung war eine gute. Die alten bewährten 5träfte des Metropoltehaters, die Herren Pfann, Giampietro, Guido Thielschcr, Kettner, und die Damen Fräulein Massarp, Perry, Lessing, Birte und als neue Kraft Frl. Winter sorgten dafür, daß alles klappte und das Publikum auf seine Kosten kam. �■ Die Hauptsache aber ist und bleibt die Ausstattung, die einfach glänzend genannt werden muß, und mit der die Direktion noch nie gekargt hat._ Die Pantomime im Zirkus Busch. Den Gegenstand der färben- reichen Pantomime, die bereits am Sonnabend zum ersten Male im Zirkus Busch zur Darstellung gelangte, bildet die Tragödie deS venezianischen Dogen Marino Falieri. Sie fällt bekanntlich in die Zeit des 14. Jahrhunderts, da Venedigs Ruhm und Pracht den Höhepunkt erreicht hatte. Das Schicksal des Dogen Marino Falieri, der trotz seiner 89 Jahre die schöne Annunciata freite, sowie das seines Nebenbuhlers Steno rollte sich vor dem Beschauer in einer Reihe dem malerischen Stil der damaligen Zeit angepaßten Bildern ab. Großen Beifall fanden das„Dogenfest", und die venezianischen Tänze im Dogenpalast. Auch erregten die Wasserkünste solvie der Jllusionsakt der singenden Mecresjungfrauen die Verwunderung der Zuschauer. Das Manegeschaustück ist von Georg Burkhardt-Foottit verfaßt und einstudiert worden. Ein reiches Aufgebot maschineller Künste zaubert in die Manege ein Schauspiel von bestrickendem Reiz. Radrennen zu Steglitz. Die Steglitzer Bahn hatte am Sonntag wieder mal einen großen Tag. Das mit einem Gesamtpreise von 11 699 M. ausgestattete„Großeinternationale Meist er- schaftsfahren" über 199 Kilometer, das von acht Fahrern verschiedener Nationen, nämlich Brnni(Italien), Dickentman (Holland), Guignard(Frankreich), Hall(England), HnhbrcchtS (Belgien), Rhscr(Schweiz), Theile(Deutschland) und Walthour (Amerika), bestritten wurde, halte nicht verfehlt, zahlreiche An- Hänger des Radsports ans der Bahn zu versammeln. Zum Glück war das Wetter sehr günstig. Das Große Rennen verlief, abgesehen von einigen Radschäden, ohne Unfall und bot in seinem Verlauf ein stets wechselndes Bild. Dickentman nahm gleich vom Beginn die Spitze. Hall, Guignard und Wialthour wurden bald überrundet und blieben so weit zurück, daß sie von vornherein nicht mehr in Betracht kamen; auch Brun! kam ins Hintertreffen. Theile war bis zum 43. Kilometer Zweiter, dann verlor er durch notwendig gewordenen Radwechsel mehrere Runden. Huhbrcchts, der sehr gut jchhr, rückte nun aus den zweiten Platz, den er bis zum 99. Kila» mehr Tnne hatte. Fn ien!ef!en 1? JPiTomeletft kam eS ffoch zu einem harten Kampf: Dickentman, der drei bezw. fünf Runden vor Huybrechts, Rhser und Thcile marschierte, hatte Reifenschaden; durch den Rahvechsel büßte er einige Runden ein, doch war sein Vorsprung groß genug, daß sein erster Platz nicht in Frage kam. Rpser und Theile machten große Anstrengungen, das verlorene Terrain zurückzugewinnen; sie verwiesen Huybrechts auf den vierten Platz. Theile endete nur 30 Meter hinter Ryser als Dritter. End- ergebnis bei 100 Kilometer: 1. Dickentman in 1 Stunde 15 Minuten Sekunden; 2. Rhser, 1750 Meter; 3. Theile, 1780 Meter; 4. Huybrechts, 1890 Meter; 5. Guignard, 5620 Meter; 6. Hall. 6270 Meter; 7. Bruni, 6800 Meter; 8. Walthour, 7400 Meter zurück. Die Preise betrugen: 3000, 2000, 1600, 1400, 1200, 1000. 800, 600>M.— Einige Rennen über die kurze Strecke der- vollständigten das Programm. Leider kam der Hannoveraner H. Mayer in dem Preis von Steglitz zu Fall. Stabe, Fr. Stellbrink (ein Bruder des bekannten Berliner Dauerfahrers) und Wegener gingen als Sieger aus den Rennen hervor, die folgende Ergebnisse zeitigten: Preis von Berlin, 1000 Meter, 100, 80, 60 M. 1. Stabe, 2. Wegener, 3. Schwab. H. Mayer war im dritten Zwischenlauf nur als Zweiter eingekommen.— Preis von Steglitz. 3000 Meter, 50, 40. 30 M 1. Fr. Stellbriak. 2. Ganzevoort, 3. Pawke. Führungspreis: Großmann. H. Mayer gefallen.— Prämienfahren, 3000 Meter, 25, 20, 15, 10 M. 1. Wegener, 2. Lorenz, 3. Stellbrink, 4. Schmittchen.— Tandemfahren, 1000 Meter, 120, 80, 60, 40 M. 1. H. May e r- Stabe, 2. Wegener-Saldow. 3. Schwab-K. Müller, 4. Techmer-Großmann.— Tandem-Prämienfahren, 3000 Meter, 40, 30, 20 M. 1. Fr. Stellbrikik.W. TheiS, 2. Pawke-A. Müller, 3. Kurzmeier-K. Müller. Vorort- IVacbricbten. Rixdorf. Gegen das Vorgehen beS Rixdorfer Magistrats, der trotz einer entgegengesetzten Entscheidung deS Oberverwaltungsgerichts für die bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen die Wählerlisten nach dem für rechtswidrig erklärten anderthalbfachen Durchschnitt auf- gestellt hat, protestierte am Sonntag eine starkbesuchte öffentliche Versammlung, die der Rixdorfer Demokratische Verein nach der Vereinsbrauerei einberufen hatte. Nach einein Referat deS Schrift- stellers v. Ger lach über„Rechtsverfechter und Rechtsverächter" wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung erhebt den schärfsten Protest gegen das jeder Gerechtigjeit und den Gesetzen hohnsprechende Verhalten des Magistrats und der Stadtverordnetenmehrheit, das durch Aufstellung einer ungültigen und rechtswidrigen Wählerliste in die Erscheinung getreten ist. Sie hält die absichtliche Richtbeach- tung eines Obervevwaltungsgerichtsurteils für eine Verhöhnung der Staatsautorität, deren Hüter die städtischen Körperschaften sein sollten. Dieses Verhalten wirkt um so schlimmer, als es SS Prozent aller Wähler, die mehr Steuern aufbringen als die restlichen S Prozent, zugunsten dieser winzigen Minderheit politisch entrechtet. Die Versammlung hält es für die heiligste Pflicht aller gerecht und freiheitlich empfindenden Bürger ein- schließlich der Arbeiterschaft gegenüber den Rechtsverächtern im Rixdorfer Rathause sich als treue Verfechter des Rechts zu er- weifen und nicht zu ruhen, ehe die WahlrechtSräuber aus den städtischen Körperschaften entfernt sein werden." Bandalismus auf einem Friedhof. In der Nacht zum Sonntag wurden auf dem Friedhos der Böhmischen Gemeinde in der Kirch- hofstraße schwere Grabschändungen verübt. Der Friedhof hat zwei Eingänge, von der Kirchhofstraße und vom Hohenzollernplatz aus. Die Vandalen überkletterte» das Eingangstor am Hohenzollernplatz und warfen eine größere Anzahl Denkmäler um, die sie zum Teil auch noch zerschlugen. Die Rixdorfer Kriminalpolizei stellte sofort umfangreiche Nachforschungen an und suchte auch auf dem Friedhof mit Polizeihunden aus die Spur der Täter zu kommen. Da der Hohen- zollernplatz aber immer recht belebt ist, verloren die Hunde bald die Witterung. Die Ermittelungen nehmen ihren Fortgang. Todessturz von der Treppe. In dem Hause JuliuSstraße SV wurde am Sonntag früh der 55 jährige Zimmermann Emil Reuter von Kindern auf der Treppe tot aufgefunden. Ein hinzugezogener Arzt stellte fest, daß Reuter an den Folgen eines WirbelsSulenbrucheS gestorben war. Der Verunglückte war beim Aufsuchen seiner Woh- nung von der Treppe abgestürzt. Eharlottendnrg. Gassernzündung in Ehnrlottenburg. Dem Beispiel einer Reihe von deutschen Städten folgend, will nun auch Charlottenburg, vor« behaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung, die Fernzündung für die StraßengaSbeleuchwng im ganzen Stadtgebiet einführen. Langjährige Versuche in geeigneten Straßen haben die praktische Verwendbarkeit der Fernzündung erwiesen. Die Borteile dieser Einrichtung liegen einmal in einer erheblichen Gasersparnis, da nunmehr das Anzünden der Laternen genau mit dem Eintritt der Dunkelheit erfolgen kann, während bisher die Laternenwärter schon eine halbe Stunde vor Eintritt der Dunkelheit mit dem Anzünden beginnen mußten. Die Gasersparnis ist auf 104 600 Kubik- meter— 6 276 M. berechnet worden. Sodann kann die Fern- zündung mit ganz erheblich geringeren Arbeitskräften bedient werden. Es ergibt sich daraus eine Lohnersparnis von rund 58 450 M. Endlich wird infolge der ohne Erschütterung erfolgenden Zündung der Verbrauch an Glühkörpern herabgemindert, nämlich um 7880 Stück— 2758 M. Die einmaligen Kosten der Anlage be- laufen sich auf 174 960 M., die aus Anleihemittel übernommen werden. Die freiwerdenden Arbeitskräfte sollen anderweite Verwendung in der Stadtverwaltung finden. Lichtenberg. Ei» Sittlichkeitsverbrechen versuchte gestern nachmittag ein etwa 80 Jahre alter Mann an einem vierjährigen Mädchen im Hause Blumenthalstraße 8 zu begehen. Der Wüstling hatte das Mädchen durch das Versprechen, ihm Geld schenken zu wollen, auf die Boden- treppe des HauseS gelockt. Als eine im gleichen Hause wohnhafte Frau Schmidting mit ihrem Hunde die Treppe hinuntergehen wollte, lief der Hund nach dem Boden und bellte andauernd. Frau Schmidting begab sich nun ebenfalls nach dem Boden. Auf der Bodentreppe trat ihr der Sittlichkeitsattentäter entgegen, versetzte ihr einen Hieb ins Gesicht und stürmte dann die Treppe hinunter. Der Hund setzte ihm nach, fortwährend laut bellend. Hausbewohner, die durch den Lärm herbeigelockt waren, nahmen die Verfolgung des Täters ebenfalls auf, der dann auch von einem patrouillierenden Schutzmann festgenommen werden lonnte. Britz. Die letzte Gemeindevertreterfitzung wählte den bisherigen Schöffen Herrn Behrend, besten Amtsperiode abgelaufen war, mit 14 Stimmen wieder. Drei Stinimen fielen auf Herrn Grau. Zum Zwecke einer Kleinkinderschule, ähnlich wie die in der Wilhelmstraße, ist daS Grundstück Werder Straße 54 erworben worden. Das Untergeschoß soll bestehen aus Schulstube, Garderobe und Küche. Das Ober- geschoß soll zwei Schlafzimmer, Küche und Bad« und Mädchen- zimmer enthalten. Nach einem Anschlage des Bauamtes sind für bauliche Veränderungen 1200 M.. für die inneren Einrichtungen 800 Mark erforderlich, welche Summe von der Gemeinde- Vertretung bewilligt wurde. Von dem hinter dem Grund- stück gelegenen Gemeindegelände soll ein Teil � als Hof hinzugenommen werden, um so den Spielplatz für die Kleinen zu ver- großen,. Die Straßenbaufirma Hein u. Andrö hat den Wunsch ausgesprochen, den mit der Gemeinde bisher gülttgen Vertrag, welcher erst zum Jahre 1912 abgelaufen ist, auf fünf Jahre zu der« längern. Der Ausschuß rät von einer Verlängerung ab. Genosse Kitzmg betonte, daß überhaupt keine längeren Verträge mit Firmen abgeschlosten werden sollten, da fich die Gemeinde nur dadurch bindet. Die Gemeindevertretung lehnte die Ver- längerung deS Vertrages ab. Auf dem F. W. Könierschen Gelände an der Hannemannstraße ist westlich vom Lager- platz der Gemeinde ein Schmuckplatz vorgesehen. Die Firma hat den Wunsch, die Siraßen und den Platz auf ihre Kosten asphaltieren zu lassen. Die Vertretung beschloß, daß zunächst im Osten und Norden um denselben Bordschwellen angelegt werden sollen. Auf der Westseite soll eine Verbindung mit dem Gemeinde- platz geschaffen und auf diese Weise ein Spielplatz gewonnen werden, welcher der Schule widerruflich zur Verfügung gestellt wird. Die An- Pflanzung des Platzes geschieht auf Kosten der Gemeinde. Zur Ver« Pachtung von Grundstücken als Laubenland beabsichtigt die Gemeinde an Interessenten kleine Parzellen an der RungiuSstraße zum Preise von 30 Pf. pro Rute abzugeben. Das nördliche Kanalufer jStraße 50) soll für 240 M. pro Morgen ebenfalls als Pachtland vergeben werden. Ebenso wird das frühere R. Wanzlicksche Grundstück an der Grenzallee dem ehemaligen Besitzer zum Preise von 720 M.. so lange eS nicht für die Verlängerung des Rixdorfer Stichkanals ge- braucht wird, überlasten. Genosse Kitzing empfahl, daß die Gemeinde selbst an die Interessenten verpachten solle, damit den Leuten Gelegen- heit gegeben werde, billiges Land zu bekommen, um somit nicht den Launen der Generalpächter ausgesetzt zu sein. Der Bürgernleister betonte, daß sich die Gemeinde nicht mit so vielen Leuten abgeben könne. Zur Bildung eines Grundstückserwerbsfonds soll eine Anleihe von 850 000 M. beim KrciSauSschutz zum Zinsfuß von 4 Proz. und einem Tilgungssatz von l'/s Proz., beginnend am 1. Juli 1913, aufgenommen werden. An Stelle des im 6. Bezirk verstorbenen Armenpflegers Gust. Fuhrmann wurde der Gutsbesitzer H. Dähne per Akklamation gewählt. Treptow-Baumschulenweg. Zur heutigen Gemeindewahl. Nachdem am 22. März d. I. die Wahl unsere? bei der Gemeindewahl im Bezirk IV am 1. März d. I. mit 443 Stimmen gewählte» Genosten Hensel für ungültig erklärt wurde, weil er nicht Hausbesitzer war, findet am heutigen Tage, nachmittags von 1—7 Uhr, im Restaurant I o r k e r t, Bouchestraße 84/85, Ecke Kiefholzstraße, die Neuwahl statt. Wahlkarten zur Legitimation sind den Wählern bereits zu- gegangen. Da es nicht möglich war, aus den Reihen der organi- sierten Genossen einen Kandidaten aufzustellen, ersuchen wir, für den Kandidaten Herrn Adolf K r ö b e l, aufgestellt von der Demo- kratischen Vereinigung, einzutreten. Das sozialdemokratische Wahlkomitee. Fichtenau. Unser Appell an den hiesigen bürgerlichen Gesangverein. auf die Bewohner deS SchulhauseS die gebührende Rücksicht zu nehmen, ist bis jetzt unbeachtet geblieben. Die Herren singen im Schulhause nach wie vor weiter. Von einigen Sangesbrüdern wird es als unerhört empfunden, daß wir uns erlaubt haben, ihnen über ihr rücksichtsloses Verhalten Vorhaltungen zu machen. Einige der Herren verwenden sogar ihre freie Zeit damit, denjenigen zu entdecken, der dem„Vorwärts" das Material zugetragen und ihre Bloßstellung veranlaßt hat. Die Herren waren anscheinend ihrem Sport so hingegeben, daß sie gar nicht auf ihre Umgebung achteten, auch gar nicht wissen, daß sie von auS dem Schlaf gerissenen An- wohnern auS den Fenstern beobachtet wurden. Wir nehmen an, durch diesen Hinweis die Wißbegierde der Herren befriedigt zu haben. Pankow. Ein schwerer Straßenbahnunfall ereignete sich am Sonn- tag nachmittag gegen Z�b Uhr in Pankow. An der Ecke der Berliner- und Mühlenstraße versuchte der 60jährige Dauunter- nehmer Johann Mütz aus der Schonenftraße 11 vor einem in der Richtung nach Berlin fahrenden Straßenbahnwagen der Linie 45 die Gleise zu überschreiten, wurde jedoch von dem Vorderperron des Bahnwagcns erfaßt und so heftig zur Erde geschleudert, daß er blutüberströmt und besinnungslos liegen blieb. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation in der Gaudystraße transportiert, wo festgestellt wurde, daß der Bauunternehmer einen komplizierten Schädelbruch und innere Verletzungen erlitten hatte. Nach An- legung von Notverbänden wurde M. in bedenklichem Zustande nach dem Krankenhaus am Friedrichs Hain übergeführt. Bohnsdorf. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete zunächst Genosse Liefländer den Bericht der Verbandsgeneralversammlung. In der Diskussion wünscht Genosse Wollschläger Aufklärung darüber, warum Liefländer für den Monatsbeitrag von 40 Pf. eingetreten fei, obwohl der Wahlverein fich gegen jede Erhöhung der Beiträge ausgesprochen habe. Genosse Liefländer erwidert darauf, er habe sich erst dann für diesen Antrag ausgesprochen als die Frage lautete: Wochen- oder Monatsbeittag. Genosse Schulz»st mit den Be- schlüssen der Verbandsgeneralversammlung im großen und ganzen einverstanden. Hierauf begründet der Vorsitzende, Genosse Nillert, einen Antrag auf Ausschluß des ehemaligen Kassierers Keusch. Nach einer langen erschöpfenden Debatte wurde ein An- trag des Genossen Mohr angenommen, der dahin geht, von der Stellung eines Ausschlutzantrage» Abstand zu nehmen, dafür ober dem Genossen Keusch für sein unqualifizierbareS Verhalten die schärfste Mißbilligung auszusprechen. Die Genossen Wollschläger, Langer und Dorner zogen auS diesem Beschluß die Konsequenzen und legten ihre Aemter als Revisoren nieder. Ferner wurde be- schloffen, den Antrag dcS Vorstandes auf Trennung des ZahlabcndS von der Mitgliederversammlung bis zur nächsten in vierzehn Tagen stattfindenden Versammlung zu vertagen. Der Vorstand wurde beauftragt, eine öffentliche politische Versammlung, die sich mit der Lebensmittelteuerung und den Kaiserreden beschäftigen soll, zu ver- anstalten. Der Vorsitzende machte dann noch auf den am Donners- tag. den 22. d. M., stattfindenden Leseabend aufmerksam, auf welchem ein Vortrag über die sozialen Schäden der Heimarbeit gehalten werden soll. Billetts zu dem am 23. d. M. beginnenden Lichtbilder- Zyklus sind beim Genoffen Tamigkeit zu haben. Reinickendorf. Endlich macht der Gemeindevorstand den Termin für die im 3. Bezirk(Reinickcndorf-Ost) vorzunehmende Ersatzwahl zur Gemeindevertretung belcmnt. Ein volles Vierteljahr ist der Genosse Gründer bereits tot; mehrerer Mahnungen in der Presse und in der Gemeindevertretung bedurfte es bis zur Ver- kündung des Wahltermins. Dafür hat es aber jetzt der Gemeinde- vorstand sehr eilig. Die fast nicht mehr zu verkürzende Frist von 10 Tagen scheint ihm genügend zur Vorbereitung der Wahl, die auf Mittwoch, den 28. September, nachmittags von 4 biS 8 Uhr, in den Hubertussälen. Provinzstratze 77/79, anbe- räumt ist. Genossen und Genossinnen! Ihr habt die kurze Frist auszunützen, damit am Tage der Wahl unser Kandidat, Genosse Adolf Domnick, gewählt wird. Wahlberechtigt ist, wer bei AuSliegen der Wählerliste(15. Januar 1910) bereits ein Jahr in Reinickendorf gewohnt hat und am genannten Tage in einer der nachbenannten Straßen gewohnt hat. Der 3. Wahlbezirk umfaßt das östlich der Sonntagstraße bis zum Grünen Weg und der Kühl- weinstrahe ausschließlich dieser beiden Straßen belegene Gebiet deS östlichen OrtSteilS und zwar Seeftratze von der Justus- bis zur Benkestraße, JnstuSstvaße 6 bis 53, GefellfchaftS-, Aegir-, Neptun». Benkestraße, Pankower Allee 29 bis 59, Albert Freitagstraße 12 bis 64, Schwarz-, Holz-, Papier-, Provinzstraße, Grüner Weg, ausschließlich 2 und 11, Granatenstraße, Hausotterstraße 20 bis 87, Isar«« perlättgerte Ksl«mstr/. Uhr bei Franke. HauSburgstr. 4: Sitzung. Gäste willkommen Hierdurch die traurige Mit- teilung, daß nach langen Leide» mein lieber Mann, der Drechsler Karl Peix gestorben ist. 9925 Um stilles Beileid bittet Ztartv Pelx. Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittags SUHr, aus dem neuen Rixdorser Friedhos, Martendorser Weg, statt. SozialiieiiiiMt. WaWverein Rixdorf. Den Parteigenossen zur Nach- richt, daß unser Mttglied, der Drechsler ßteH Peix Weserstraße 14(3. Bezirk) verstorben ist. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet heute nachmittag um S Uhr aus dem neuen Rixdorser Friedhos, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht De» Voritand. Deutzeder Holzarbeiter-Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Drechsler Karl Pelx gestorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute Dienstag, nachmittag» 6 Uhr, aus dem neuen Rixdorser Friedhof, Martendorser Weg, statt Um rege Beteiligung ersucht 90/8 Die OrtSverwaltnng. ZeDtralfeM der MasebiDisteo und Heizer dl Verwaltungsstelle GroB-Berlln Xodoti- Anzeige. Am Sonnabend, den 17. er., verstarb unser Mitglied, Kollege Adalbert Wittbrodt. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am 1 DienStag, den 20. d. M.. nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Matihias-Kirchhose» in Marienhöhe bei Südende aus statt Rege Beteiligung erwartet 14b/18 Die Ortsverwaltnng. Zentralverband {der Masebinisteo and Heizer sowie HeruIsgeoossenDeotsebl. I Verwaltungsstelle GroB• Barlin. Tode»- Anzeige. Am Sonnabend, den 17. er., oerstarb unser Mtglied, Kollege NVilhelm Eis. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 20. d. MI»., nach- mittag» i'l, Uhr, von der Leichen- balle oeZ EmmauS-Ktrchhose» in Britz au» statt. 14S/17 Ziege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltnng. Dentaelier finebbinder- Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjährige» treue» Mi t g 1 i e d, der Buch- binder Ernst Borciiardt au» Stettin am Sonntag, den 18. September, nach langerKrank- hett verstorben ist. Wir werden sew Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Mitt- woch in Stettin statt. 24/17 Die Orteverwaltuag. Am Sonntag, den 18. Septbr., verstarb unser Kollege und lang. jähriger Mitarbeiter, der Buch. binder 39b Ernst Bordiardt im 36. Lebensjahre. Wir werden ihm ein dauernde» Andenken bewahren. Das Personal de? Firma tZtto v. Holten. Die Beerdigung findet in Stettin statt. sür Danksagung. die Beweise herzlicher Teil» «ahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meine» lieben Manne» und guten Vater» Wilhelm Fischer sage ich alle» Berwandten, Freunden und Bekanntm, sowie den Kollegen der Braueret Engelhardt, insbesondere der Direktion, dem Transportarbeiter. Verband, dem 6. Berliner Wahlverein und dem Sparvcrcin.Klamme Brüder' meinen herzlichsten Dank. 963L Die tiestrauernde Witwe Verl» Flacher nebst Kind. 4. Landtags-Wahlkreis. 8 öffentl. Wähler-Versammlimgeti 5 Mittwoch, den 21. September, abends 81/» Uhr, in Habels Branerei-Ausschank. Bergmanuftr. 5/7.— Referent: Genosse Paul John. Donnerstag, den 22. September, abends 8Vg Uhr, bei Rabe. Fichtestr. 29.— Referent: Genosse Wilhelm Siering. Donnerstag, den 22. September, abends 8V« Uhr, bei Gliefing» Wassertorstr. 68.— Referent: Genosse Georg Ncko. TageS'Ordnung: t. Die Landtagswahl. 2. Diskusston. 3. Aufstellung der Wahlmänaer. 205/18' Der Etnberufer: Onslnv Hansser, Alexandrinenstr. 109. Sozialdemokratischer Wahlverein für den S. Berliner Reiehstagswahlkreis. Dienstag, den 20. September, abends 8V2 Uhr: MltgliederBVersammluiis: in den Unions=SäIen, Greifswalder Straße 221/223. 1. Vortrag des Genossen Redakteur W. Düwell über: Die ftlirtfchaftspolltlk unterer Parteien. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. 223/19* Hm zahlreichen Besuch bittet IVer Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Schöneberg. Nachruf. Am Montag, den 12. Septbr., verstarb wsolge eine» Unglück». falle» unser Kollege, der Maschinen- arbetter Paul Quast. Ehre seinem Andenken! 90/2 Die Ortsverwaltung. Am Freitag, den 16. September, nachmittag» 3 Uhr, starb plötzlich mein lieber Mann, unser auter Vater, der srühere Schankwirt, jetzt Eigentümer Wilhelm Reinhardt Schönholz 16. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Frau Melnharilt nebet Kindern. Die Beerdigung findet heute DlenStaa, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle de» Schönhoizer FriedhojeS auS statt. 991h Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, lnsbisoiidere dem Holzarbeiterverband nebst Vorstand, den Mttarbeitern der Firma Merwr und den Mitgliedern de» Spar- und Kreditverews Biene sage ich hiermit meinen innigsten Dank sür die vielen Beweise herzlichster Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes und unsere» Vaters. Frau Auguste Wittmann nebst Kindern. 964L Dr.Simmei Spezlal-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prlnzenslr. 41,„'.'SÄ 10— 2, 6— 7. Sonntag» 10— 12, 2—* Von der Reise zurück. 107/19 Dr. Stolz, prakt. Arzt und Neryenarzi Gegen viele Hauilefben wie juckende Dermatosen, Schuppen- Flechte Acne(MesichtSpickell, Furunkulose JchthyofiS, Prurigo der Kinder, chrou. Ekzeme(juckende Knötchen) usw. verordnet H. Dr. med. S., Spezialarzt s. 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In der neuesten Nummer des.Pionier', Organ des bürgerlichen Stenographen-Verbande», System Roller, befindet sich folgende Stell»: „... bei der Werbung in Arbeiterkreisen find nicht nur die raten, sondern auch die getben und ganz besonders die Hirsch- DttNlkersche« Gewerk. schaften ins Auge zu fassen."(!?!) Arbeiter! Arbeitermnen! Protesttett gegen solch eine freche Verhöhnung der sozialistischen und gewerkschaftlichen Klasscnkampsidee mit aller Entschiedgphett l Mißttaut dem lügenhasten Flugblatt, da» diese.unabhängigen" MreinSmeter verbreiten ließen! Wendet Euch«wer wirklichen Arbeiterstenographeu-Organt- sation zu, die in den letzten zwei Jahren von 47 aus 112 Vereine, von über 800 aus nahezu 2000 Mitglieder anwuchs I Die Zkutralorgauisatiiiil der omlnigtea Arbtilttsttttographtuvereine„Areuds" Groß-Aerlia zähtt zurzeit S«ruppeu, wo w 12 Abteilunge« von ewem gut» geschulten Lehrerkollegium(16 Schristgenossen) w prinzipiell sozialisti. jchcm Sinn« Unterricht erteilt wird. Neue, 10 in unserer eröffnen wir in Kkliin N. Seriiu NW. Keriia N. Keriiu SO. Shliriotttubmg Lilhttnbtrg Nudorf Abende umfassende ZVurse einfachen Voltskurzschrift am iü. 0. 36. Sept., Geno�ch"ts?WtrtShauS. „ 31. 38. 33. 39. „ 33.„ 39. „ 33.„ 39. „ 33.„ 39. 33.„ 39. n n »» n » Wiclefstr. 24, Lokal Ill«ht«r. Brunnenftr. 79, Lokal DOhllng. Adalbertftr. 59, Lokal Bleberateln. Rofinenstr. 8, Yolktihsns. Ntederbarntmstr. 22, Lokal Zlmmermaim. Hermannftr. 64, Lokal Ulrich. =» Beginn:'/,9 Uhr abend». An Ausgaben entstehen nur 2,60 M. für Lehrmtttel. Sonnabend, den 13. Oktober, w™ ww w Mjlkes Festsale», Sebasttanftrafte 39, unser lZ 3. Ktistungfest W mtt öbjähr. Jubiläumsfeier d. Areudsschen Naikskurzschrist Li Historisciie Festrede □ Rezitationen aus Liliencron, Ludwig Lessen u.a. Preisschreiben □ Stenographische Ausstellung. Billetts inkl. Tan» 49 Pf.— Anfang>/,9 Uhr. Wir bitte« um zahlreiche Beteiligung der Partei- und Gewerkschaftsgeuossinnen und Genossen l Für den geschäftsführenden Ausschuß: 8. Kleinlela, SW. BS, Qnelsenaustr. 2t. SS Vurean für ftenographifche Praxis! iiiiiiiiiiiiiiiiiin �iiMenizclis Beilsmutuel. Neuc.t.lCntalol u BiDpfetil.Tlel Aerste a.Prol grat. u4| H. Oneer, gimuniwarenlekrlk' rUa NlL faednebataae» SU» C HARLOTTENBURG Uhren und Goldwaren F. Stabenow, Berliners tr. 146' r um Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 21. September----- abends hll, Uhr: leckliutnsmSilNkr-Utrsammlilngkli ftr sämtliche Krauchen und Kezirke ------- in Freyers Festsüle«, Koppensttaste SS.-------- Tage». Ordnung: i. Die am 1. Oktober eintretende Lohnerhöhung und Besprechung der Vertragsbestimmungen. 2. Verbandsangelegenheiten. ------ Mitgliedsbuch und BcrtrauenSmänner-Karte legitimiert.----- BerFvlder. DienStag, de» 29. Septbr.» abendS 8 Uhr, du GetverkschaftöhanS. Engelnfer 14/1S(Saal IV): == Branchenverfammlung.= TageS-Ordnung- Bcricht über die Verhandlungen mit der Vereinigung der Goldleistcit. Fabrikanten.__ 00)1 ArbeitSuachweiS: Hos L Amt 3, 1239. BerwattungSftelle Berlin. Hauptbureau: GdaritdetraBe 3. Hos IN. Amt 3. 1937. Mittwoch, de« St. September, abends S'/z Uhr: Versammlung-®! för alle in Gas-, Masser- und Dampfarmaturen- somit Kronen- und Kanbeschlägebetritben beschästigteu Eisen-, Metall- und Ktvoloerdreher in den Mnfiler-Festsälen, Kaiser-Wilhelmstt. 18w(unterer Saal). Tages»Ordnung: 1. Bortrog de» Genofien Stürmer über:»Arbeiterschaft und Ehriftentum.« 2. Diskusston. 3. Verband», und Branchenangelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird ermattet. Mittwoch, de» St. September llvlv, abends 8'/, Uhr: Bezirks- Vers auimlung für Köpenick n. Friedrichshagen im„GesellschafShanS", Friedrichshage», Friedrichstr. 69. TageS.Ordnung: 1. Bortraa de» Schriststeller» Wllheln» Spehr:„Gin Jahr- hundert deutsche« Humors."'(Von Goethe bis zur Gegenwart.) 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Zahlreicher Besuch wird erwartet. - Willig! Ewttbslch sKraillltj! Wegen OuattalSschluß bleibt da» Bureau am Sounabend'. den 1. Oktober d. I., den ganzen Tag geschlofie« und erhalten die Kollegen für diesen Tag schon am Freitag, den SO. September, ihre Unter- stühltng ausgezahlt. Die Kollegen, welche über den 1. Oktober hinaus krank find, werden ersucht, ihre Unterstützung spätestens bis SO. September d. I. abzu» heben, da dann gleichzmig sämtlich« Bücher wegen OuartalSschluß ein» gezogen werden. Ausgeschlossen davon find diejenigen Kollegen, welche fich In Kranken« Häusern oder Heilstätten befinden und»ach Beendigung der Krankheit ihre Unterstützung abheben. 121/19_ Ple Ortaverwaltnng. Ach taug! Achtnag! Putzer und Träger der Fimli Merl Lugino& Co. Mittwoch, den 21. 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