Kr.«S5. nbonnementS'Bedlngnngen: BionncnictitS- Preis pränumerando: »iertcljährl. S�o Md, tnonall. 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg, Sonntags» Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg, Post- tlbonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post.Zcitunas» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Mona«. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. SUmtänien. Schweden und die Schweiz, GWat täglich außer Montag». Verllnev Volksblerl!. 87. Jahrs. vie Insertion!-Ceblllil' Icträgt sür die fcchsgcspaltcnc Kolonel- xcile oder deren Raum K) Pfg., für polilische und gewerkschaftliche Bercins» und Bersammlungs, Anzeigen SO Psg. „Kleine Hnzeigen", das erste(feit» gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slellcn-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg., jede» weitere Wort K Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöfftict Dclegramm- Adresse: „SoziaiacflioKrat Retlia'4. Zentralorgan der roztaldemokratlfcben Partei Deutschlands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrassc 69, Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1988. Cxpedition» SM. 68, Llndcnatraaae 69» Fernsprecher: Amt IT» Nr. 1984. Im Kauipf gestählt! Die Partei hat alle Ursache, mit dem Verlauf und den Ergebnissen des Magdeburger Parteitages vollauf zufrieden zu sein. In ernster Entschlossenheit, wie es Männern ge- ziemt, die sich ihres Weges bewußt sind, hat er zu den Streit- fragen innerhalb der Partei Stellung genommen. Mit aller Entschiedenheit hat er erklärt, zu welchen Auffassungen sich die Partei bekennt, mit allem Nachdruck hat er festgestellt, daß sich die Anhänger der Partei in der Frage der Budget- bewilligung künftig der Parteidisziplin zu fügen haben. Und die Genossen der Minorität haben sich, wie wir das von . ihrem Parteigenössischen Pflichtgefühl nicht anders erwartet haben, dieser Entscheidung als Vertreter des demo- kratischen Prinzips unterworfen. Daß damit der Kampf des Revisionismus gegen die Grundsätze und die Taktik der Partei nicht für alle Ewigkeit aus der Welt geschafft ist, versteht sich für jeden vernünftigen Menschen von selbst. In einer so großen Partei wie der sozialdemokratischen werden immer wieder Meinungs- Verschiedenheiten auftauchen, durch erneute Diskussion zu klären und durch abermalige Parteitagsbeschlüsse zu entscheiden sein. Auch die Frage der Budgetbewilligung, die ja nur eine Teil- frage und eine äußere Spiegelung der tiefgehenden Auffassungs- unterschiede zwischen Revisionismus und Radikalismus ist, wird erneut aufgerollt werden. Das mag für den, der in heißer Leidenschaftlichkeit für die hehre Mission des Sozialismus am liebsten in ungestümem Ansturm alle Widerstände des kapitalistischen Klasscnstaates über den Haufen rennen möchte. eine tiefschmerzliche Tatsache sein, allein es ist eine in den natürlichen Umständen nun einmal begründete Tatsache. Die Verschiedenartigkeit der äußeren Umstände, die auf jeden einzelnen Parteigenossen einwirken, die Verschiedenartigkeit auch der geistigen und seelischen Disposition, der politischen Erfahrung, der wirtschaftlichen Erkenntnis: alles das erzeugt naturgemäß die verschiedenartigste« Ansichten innerhalb der Partei. Und diese auseinandergehenden Auffassungen über Grundsätze und Taktik der Partei können letzten Endes nur dadurch zu jener Einheit, die einzig die politische Geschlossenheit und Schlagkraft einer Partei verbürgt, zusammengefaßt werden, daß nach vorhergegangener freiester Aussprache die oberste Instanz der Partei, der Parteitag, für die nächsten Jahre die Nomen des einheitlichen Vorgehens festlegt. Jeder Genosse, dem das Wohl der Sache höher steht als seine persön- liche Meinung, hat diese Richtlinien dann bedingungslos zu respektieren. Wer aber die Unterwerfung unter den Gesamt- willen mit seiner persönlichen Ueberzeugung nicht in Einklang zu bringen vermag, dem bleibt eben nichts anderes übrig, als außerhalb der Partei ein Feld seiner politischen Betätigung zu suchen. Wir wiederholen hier also, was wir schon vor Jahren den Genossen eindringlich dargetan: es verrät eine kleinliche und unverständige Auffassung, eine Partei d i s k u s s i 0 n schlechterdings als Partei g e z ä n k zu betrachten und die unerfüllbare Forderung zu erheben, diese Auseinander- setzungen über strittige Fragen einfach aus dem Parteilcben zu verbannen l Gewiß gibt es unnütze Diskussionen, gewiß gibt es Genossen, die in der Bcgriffsspalterei und polemischen Tüftelei des Guten zuviel tun; aber die großen Auseinander- setzungen über die neue revisionistische oder die alte radikale Taktik waren in der Vergangenheit ebenso notivendig, wie sie auch in Zukunft unvermeidlich sein werden. Darum ist es die Pflicht jedes Genossen, der es mit dem demokratischen Mitbestimmungsrecht ernst nimmt, die Diskussion aufmerksam zu verfolgen, um sich ein begründetes Urteil bilden zu können. Wer aber mit Verständnis dem Austrag solcher Streitfragen folgt, der wird auch ein lebhaftes Interesse daran haben und der ganz unverständigen Auffassung entschieden entgegentreten, unsere Parteitage müßten in erster Linie Demonstrationen nach außen hin sein, statt der inneren Klärung und Festigung zu dienen. Dieser letzteren Aufgabe, der höchsten, die einem sozial- demokratischen Parteitag zufallen kann, hat aber die Magdc- burger Tagung in eminentem Maße entsprochen. Sie hat im Feuer heißen Meinungskampfes eine nach jeder Richtung hin kompakte Majorität zusammengeschmiedet, die auf Jahre hin- aus die Taktik der Partei unverrückbar festgelegt hat. Nicht geschwächt, sondern gekräftigt, voll inneren Vertrauens zieht nunmehr die einige Partei in den be- vorstehenden Kampf! Was auch die Reichstagswahlbataille, was auch die Wahlrechtskampagne uns bringen mag: die Partei lämpst geschlofsea Schülter an Schulter, auf nWs be- dacht, als dem gemeinsamen Feinde vernichtende Niederlagen beizubringen! Die bürgerliche Presse, die in ihren blinden Spekula- tionen auf die Zersetzung der Partei, ihrer stupiden Scnsa- tionsgier keine Spur von Verständnis für das wahre Wesen unserer internen Auseinandersetzungen hat, überschlägt sich in ihren Glossierungen des Parteitages in den tollsten Absur- ditäten. Triumphierend posaunte sie schon den Sieg des Revisionismus in alle Welt, als die befreiende Tat der Nacht- sitzung vom Mittwoch ihre Jubelfanfaren jäh abschnitt. Mit dem Sieg des Revisionismus ivar es nun nichts mehr, das leuchtete selbst diesen armseligen Schmocks ein. Ein Augen- blick namenloser Verdutztheit— dann ergoß sich ein wahrer Schlammvulkan von Schmähungen, eine schmutzige Mischung von Einfalt und Niedertracht, über die Parteitagsmehrheit. Daß die Vertreter des Radikalismus ebenso ausgemachte Tummköpfe und Krakeeler seien, wie die Revisionisten geist- volle Köpfe und glänzende Politiker, das war schließlich nur die rührend kindliche Wiederholung der alten, abgeleierten Litanei. Beiläufig: daß diesen Zeilcnrcißern, scharfmachen- scheu wie liberalen, nicht doch einmal eine Ahnung ihrer un- säglichen Albernheit aufdämmert, ist denn doch verwunder- lich. Widerspricht' es doch allen Erfahrungen der Psycho- logie, daß jedesmal die öden und hohlen Schwätzer den Sieg davontragen, während ihre klugen, kenntnisreichen Gegner iuuner nur tauben Ohren predigen. Und das, trotzdem sie doch— und zwar gerade nach dem Zeugnisse der bürgerlichen Presse— an eindringlicher Beredsamkeit und hinreißendem ethischen Pathos hinter den Wortführern der„Dogmen- fanatiker" wahrlich nicht zurückstehen! Aber solch schreiende innere Widersprüche bereiten unseren intelligenten Gegnern keinerlei Gewissensskrupel! Aber die erneute Feststellung, daß die armen Radikalen hoffnungslose Dummköpfe und Ignoranten feien, genügte unseren bürgerlichen Preßkumpanen diesmal nicht, um sich sür den schmählichen Rcinfall zu rächen, denen ihnen die Mehr- heit des Parteitages dadurch bereitete, daß sie ihre voreilig. dreiste Phrophezeiung des abcrinaligen großen Sieges des Nevisionisnuis so rücksichtslos der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Deshalb saugen sich diese wahrheitsliebenden Edel- menschen jetzt das unsäglich abgeschmackte Märchen aus den Fingern, daß am Mittwochabend ein Schrcckensregimcnt ge- herrscht habe, das alle Bande frommer Scheu und politischer Sitte frevelhaft zersprengt habe. Wie eine Schilderung aus dem Inferno lesen sich die Schauermärcn, die die Bourgeois. presse ihrem angenehm angegruselten Publikum vorsetzt. Von einem„ekelhaften Schauspiel des Aufflammens wilder Macht- instiukte und persönlicher kleinlicher Rachsucht" deliriert ein Börsenblatt. Und von einem„Hauch aus der Unterwelt" fühlte sich der Berichterstatter der„Magdeburger Zeitung" „angeweht", der von einer„Aufpeitschung der unsaubersten Instinkte" faselt, obwohl er selbst zugeben muß, daß der„Haß nicht mehr so laut und orgiastisch gearbeitet" habe, wie in Dresden. Dafür hat es ihm die„zähe Erbitterung" angetan, mit der dieser„Haß" sich betätigt habe. Und der Verfasser katholischer Gespenstergeschichten phantasiert davon,„daß es in den berüchtigten Nachtsitzungen des Pariser Konvents vor(?I) der französischen Revolution ähnlich zugegangen sein dürfte". Die Lächerlichkeit dieser grotesken Schauergeschichten er- gibt sich schon aus der Tatsache, daß wechrend des ganzen Budgetstreits, auch während der Nachtsitzung, nicht ein un- Parlamentarisches Wort gefallen ist, daß nicht einmal der Präsident Ursache zum Einschreiten hatte. Von Haß, un- sauberen Instinkten, Nachsucht und dergleichen Hintertreppen- regliisiten der subalternen Neportcrphantasie der bürgerlichen Berichterstatter war auch nicht ein Hauch zu verspüren. Wohl aber vom Schwung echter Leidenschaft und tiefem sittlichen Ernst. Man stritt mit heiligem Eifer, und daß der Parteitag am Mittwoch trotz aller Obstruktionsversuche und aller passiven Resistenz nicht eher den Saal verließ, als bis die Frage zum endgültigen Austrag gebracht, das wird ihm ein Ehrenden!- mal in den Annalen der deutschen Partcigeschichte sichern! Und wenn sich das bürgerliche Preßgelichter einbilden sollte, mit solch tollhäuslerischcm Geschwätz der Sozialdemokratie Schaden zufügen zu können, so mag es es immerhin versuchen� wir wünschen ihm alles Glück dazu! Als am anderen Tage das Verhalten der badischen Ge- nassen betoies, daß die angeblich preiswürdige Dumncheit der Mehrheit den beabsichtigten moralischen Effekt auf die Minderheit völlig erreicht hgtte und die erhofften Skandale völlig ausblieben, setzte die Bourgeoispresse— in erster Linie wieder das„Verl. Tgbl."— neue Hoffnungen auf die Wahl» rechtsdebatte. Hier mußte ihres heißen Sehnens Erfüllung doch endlich eintreten, hier mußte die Bombe platzen und die Partei auseinandersprengen. Wer ach, es kam auch hier wieder ganz, ganz anders. Die radikale Mehrheit bekundete auch in der Frage des Massenstreiks nach der Zerstreuung einiger Irrtümer vollste Einmütigkeit! Und die revisioni- stische Minderheit bewies nicht nur Taktgefühl genug, sich jedes Versuches der Einmischung in den rasch und vollständig ge- schlichteten häuslichen Ztvist der Mehrheit loyalerweise zu enthalten, sondern sie benutzte die Gelegenheit sogar zu einer demonstrativen Kundgebung der Parteisolidarität, die auch dem einsichtslosesten Gegner endlich klar machen muß, daß die deutsche Sozialdemokratie dem Gegner so einig entgegentritt, wie nur je zu der Zeit, wo nach der Philisterweisheit der Gcg- nev der eiserne Reisen des Sozialistengesetzes die Partei zu. sammenhielt. Kein Mißklang trübte mehr nach der unvermeidlichen Entscheidungsschlacht vom Mittwoch die Verhandlungen des Magdeburger Parteitages. Der Lärm der Waffen schwieg und die nüchterne Arbeit trat in ihre Rechte. Und es ist überaus charakteristisch, daß dieselben Gegner, die die leb- haften Debatten mit so unsäglichem Abscheu erfüllt hatten, sich nun gar nicht genug darin tun konnten, die f a ch l i ch e n Erörterungen über alle Maßen langweilig zu finden. Der Intellekt dieser Schwachköpfe ist eben nur auf das ober- flächlich Effektvolle eingestellt. Daß die Sozialdemokratie niemals Politik im Operettenssil machen kann und wird, liegt jenseits ihres Begriffsvermögens. Und der'Eindruck der Einheitlichkeit Und Kampfge- schlossenheit, den nach ernstem, ehrlichen Meinungsstreit der Parteitag hinterlassen, wird, wenn nicht alles trügt, erst recht durch die Partei selbst bekräftigt werden. Zwistigkeiten, wie sie der Dresdener Parteitag— nicht durch seinen p r i n z i. P i e l l e n Beschluß, sondern durch die persönlichen Ge- hässigkeiten gewisser Angriffe— hervorgerufen, werden dem Magdeburger Parteitag nicht folgen. Nicht persönliche Leidenschaft einzelner hat ja entschieden, sondern die prinzi- piclle Auffassung der großen Mehrheit. Einen solchen Eni- scheid mag der Unterlegene für unrichtig halten, aber es bleibt bei dem demokratisch Empfindenden kein Stachel der Ver. bittenmg hasten. Viel eher wäre ein zweideutiger Entscheid geeignet gewesen, auch noch nach dem Parteitag die Gemüter zu erregen. Es wäre dann über die Auslegung gestritten war- den. Tie Gemüter hätten sich dann leicht erhitzt und ein un- sicheres und darum mißtrauisch gespanntes Verhältnis wäre an die Stelle des ehrlichen Waffenstillstandes getreten, den der klare Entscheid des Magdeburger Parteitages gesichert. Wie denn überhaupt stets eine klare Situation, und bringe sie selbst offene Gegnerschaft, einem Verhältnis der Unsicher- heit und Hinterhältigkeit vorzuziehen ist. Wir hoffen, daß auch spätere Parteitage diese alte Erfahrungstatsache, die der Magdeburger Parteitag nur bestätigen dürfte, beherzigen werden! Die Besprechung, die der Parteitag in der Parteipresse finden wird, und die mündliche Berichterstattung der Dclc- gierten wird noch einmal ein Wiederlcuchten der Parteitags- Verhandlungen bringen. Das ist notwendig und gut. denn die Presse hat das Recht und die Pflicht der Kritik, und die Massen sind zur Kontrolle des Verhaltens ihrer Delegierten berufen. Aber diese Diskussionen, so lebhaft sie sein mögen, sind ebenso wenig vom Ucbel, wie die Debatten des Partei- tages selbst. Und einerlei, was sich die Gegner von neuem zusammenphantasieren mögen: nach 14 Tagen wird das Echo des ParteistreitS verhallt fein, wird daS ganze Sinnen und Trachten der Gesamtpartei»vieder dem Kampfe gehören, dem unser aller Lebensarbeit gilt, dem Kampfe gegen den Feind! Wir fassen zusammen: Der Parteitag hat nützliche, gute Arbeit geleistet. Er hat hie notwendige Klarheit geschaffen und gerade dadurch die Möglichkeit echt brüderlichen Zu- sammcnarbcitens der beiden Richtungen innerhalb der Partei. Er hat durch die prinzipielle Schärfe seiner Debatten jeden persönlichen Mißton ausgeschlossen und gezeigt, daß der leidenschaftlichste Meinungsaustrag sich ohne jedes häßliche Wort führen läßt. Er hat die schadenfrohen Hoffnungen der Gegner zuschanden gemacht und daS Gelöbnis des alten, unverfälschten, erfolggekrönten Klassenkampfes besiegelt. Einig, gerüstet, voller Siegeszuversicht geh» wir den Kämpfen entgegen! Mit uns das Volk, mit uns der Sieg! KIMget fleisch. Der Unter dem Präsidium des argentinischen Gesandten in Berlin stehende Deutsch-Argentinische Zentralllerband zur Förde- rung wirtschaftlicher Interessen, der seit einiger Zeit eine außer- ordentlich rührige Tätigkeit zugunsten der Einfuhr argentinischen Gefrierfleisches nach Deutschland entfaltet, bereitet für seine am 5. Oktober stattfindende Ausschußsitzung eine Eingabe an die deutsche Neichsregierung vor. In dieser Eingabe wird darauf hin- gewiesen, daß nach einer amtlichen Statistik des Landivirtschafts- Ministeriums in Großbritannien 190g der Preis für Rindfleisch pro Zentner 34 Schilling für das Hinterviertel und 27 Schilling für das Vorderviertel betrug, beim Hammelfleisch 29 Schilling. Da ein englischer Zentner etwas mehr als ein deutscher Zentner ist,var, fügte der Vorsitzende hinzu, daß gerade dieser 5ioin»iissar besonders geeignet sei. gegen sozialdenio- kratischc Demonstranten benutzt zu werden!!! Es sei zwar zuzugeben, daß erwiederholt dieUnwahrheitge- sagt und daß er einen Wehrlosen in den Graben geworfen habe. Aber das alles, wie auch das scharfe und schroffe Vorgehen liege nur an seinem Pflicht- gefübl(!) Der Vorsitzende fuhr dann, wie unser Breslcmer Bruder- blatt berichtet, in der Urteilsbegründung fort: Was Herrn Siin- niok als Schikane vorgeworfen worden fei, sei sein Berufs- eifer. Herr Wohlfram hätte ihn als tüchtigen Beamten ge- schildert, der allerdings hier und da amtlichen Uebercifer bekunde. Er gehe manchmal zu streng und schroff vor und verstehe nicht, sich das Wohlwollen und die Liebe des Publikums zu sichern. Zwar stehe seine Aussage der einiger Zeugen entgegen, aber , w a l t S k a m m e r mit der Sache Befatzt wurde und die ehrengerichtliche Ve- strafung des Dich mit 1500 M. Geldbuhe aussprach, indem man dem Bestraften gleichzeitig die Rückgabe der auf so bedenkliche Weise empfangenen 7500 M. nahelegte. Es ist gewiß nicht zuviel verlangt, wenn jetzt, da der Skandal in die Oeffentlichkcit gedrungen ist. an diesen kuriosen Ehren- Beigeordneten der Stadt Mülhausen und ehrlichen Makler nach zwei Seiten, an diesen Parteivorsitzenden und Handelskammer- sekretär, der von Freund und Gegner Geld nimmt, in der Presse die Aufforderung gerichtet wird, seine öffentlichen Aemter nieder- zulegen. Das Vertrauensvotum seiner Partei, mit dem die Demo- traten in Mülhausen i. E., die mit ihren Führern seit Jahren Pech haben, jede Bloßstellung zu beantworten pflegen, wird in diesem Falle wohl nichts helfen. Der so schwer kompromittierte Ehrenmann Dietz, ein dicker Freund des C o l m a r e r Demokratenführcrs.LandesauSschußabgeordnetenund Rechtsanwalts B l u m e n t h a l, hat bei den Gemeinderats- Wahlen von 1003 in Mülhausen die Abschwcnkung seiner Partei mit den Liberalen an die Seite des Zentrums und den Lügen- feldzug gegen die Sozialdemokratie mitgemacht, aus welchem ein gewiffcr Dr. Franz Ludwig das„Material" zu den in dem reichsverbändlerischcn Schwindelwerke„Kommunalpolitik und Sozialdemokratie"(Berlin 1910, Verlags- anstatt und Druckerei„Teutonia") niedergelegten Verleumdungen geschöpft hat. Wie dieser Dietz, so sehen bei Lichte fast alle die Gcwährs- leute und Kronzeugen jenes BekämpferS der Sozialdemokratie in der Kommunalpolitik aus. Da auch ohne den Rücktritt des Dietz schon fünf Sitze im Gemcindcrot von Mülhausen i. E. erledigt sind und bei der Erledigung von neun Sitzen nach den Vorschriften der elsaß-lothringischen Gemeindeordnung GcmeinderatSersatzwahlen stattfinden müssen, werden die herrschenden RathauSparteien in Mülhausen in nicht allzuferncr Zeit vor dem Richterstuhl der Wählerswaft zu er- scheinen haben. Ein Antrag auf Anberaumung solcher Wahlen ist von der Demokratischen Partei selber in ihrer letzten General- Versammlung schon vor mehreren Wochen beschlossen worden. Die Fraktion unter deni Vorsitz dieses Dietz brachte den Antrag aber bisher noch gar nicht zur Verhandlung. Ihr wie ihren schwarzen und blauen Verbündeten schwant ganz mit Recht nichts Gutes für diesen Wahltag I Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, und die Abrechnung wird nur desto gründlicher ausfallen, je länger sie ver- zögert wird._ Das Ende der Diamantcnära. AuS Südwestafrika kommen Nachrichten, die wenig erfreulich sind, der Diamantensegen scheint semem Ende entgegenzugehen. Gouverneur a. D. v. Bennigsen war drüben, und das Resultat seiner Veobachtungeit veröffentlicht er nun in einer Reihe von Blättern. Er legt dar. daß man den Segen weit überschätzt habe. Die Gestehungskosten pro Karat, die mit 3—4 M. angenommen wurden, stellen sich demnach in Wirklichkeit auf 8—10 M. Aber auch die angenommene Förderung wird nicht erreicht werden. Herr v. Bennigsen sagt: „Infolgedessen wird die Frage einer eventuellen Produltions- einschränkimg, die anfangs dieses Jahres erörtert wurde, gar nicht ventiliert zu werden brauchen. Hiermit dürfte es auch zusammenhängen, daß die Beersgesellschaft, die ständig in Lüderitz- bucht ihren Vertrauensmann hat, ihre slldwestafrikanische Konkurrenz nicht mehr fürchtet und infolgedessen ihren Besitz an Kolonialanteilen schon vor einiger Zeit abgestoßen hat." Wenn diese Befürchtungen zutreffend sind— und daS scheinen sie zu sein—, dann wird es nicht lange dauern, und in Südwest stellt sich wieder das graue Elend ein. Je toller die Spekulation war, desto schlimmer wird sich dann der wirtschaftliche Zusammen- bruch gestalten._ Zentrum und Fleischnot. Mit der Frage der Fleischnot befaßte sich am Donnerstag auch die Stadtverordnetenversammlung in Köln, nachdem die An- gelegenheit vor vierzehn Tagen vertagt worden war, um der Ver- waltung Gelegenheit zur Vorlegung ihres Materials zu geben. Aus diesem Material ergibt sich, daß Köln zurzeit die h ö ch st e n Fleisch- preise in ganz Deutschland hat. Die von der Stadtverordneten- Versammlung eingesetzte Kommission fordert deshalb„unverzügliche Ergreifung aller zur Milderung der gegenwärtigen Fleischteuerung sofort durchzuführenden Maßnahmen"; in erster Linie: die zeit- weilige Oesfnung der holländischen Grenze, sowie die Erleichternng der Vieheinfuhr aus Däneinark durch Wegfall der Tuberkulinimpfung und Verkürzung der Quarantäne. In der Debatte nahm der Zentrumsflihrer T r i m b o r n das Wort, hcrvorgelockt durch den Angriff eines liberalen Redners, der den Vertretern der großen Städte vorwarf, daß sie in den Parlamenten nicht ihre Schuldigkeit täten. Der Vorwurf bezog sich hauptsächlich auf die Beratung der Fleischnot-Jnterpellation im Reichstag in, Jahre 1000. Herr Trimborn behauptet, er sei damals durch die Sieichstagsauflösung an der Wortergreifung gehindert worden. Dte Sache liegt aber doch etwas� anders: von den sozialdemokratischen imd freisinnigen Interpellanten war damals gewünscht worden, die Wciterberatung an die erste Stelle der nächsten Sitzung zu setzen; das Zentrum aber hat ein- schließlich des Herrn Trimborn diesen Antrag nieder- g e st i m m t. Vom Zentrum hatte nur Gerstenberger und zwar gegen die Erenzösfnung gesprochen. Bald nachher hielt der ZentrumSabgeordneie Dr. M a r c o u r in seinen, ländlichen Wahl- kreise eine Rede, worin er, um seinen bäuerlichen Wählen, da§ agrarische Herz des Zentrums nachzuweisen, folgendes ausplauderte: „In den Sitzungen der Zenlnimsfraktivn des Reichstags haben sich harte Kämpfe zwischen den Vertretern der Städte und des Landes abgespielt. Man hat sich oft scharf gegenübergestanden. Insbesondere den Vertretern der Städte Köln(Trimbonij, Düffel- dorf und Aachen ist es. schwer geworden, sich der anderen Seite anzubequemen, aber sie haben schließlich doch ihre Wünsche zugunsten der Landwirtschaft zurück- gestellt»nd die Grenze blieb geschlossen!" Was Herr Trimborn am Donnerstag im Kölner Rathause ge- sagt hat, ist also eine faule Ausrede. Im übrigen forderte Herr Trimborn am Donnerstag die „wenigstens zeitweilige erweiterte Ocffnung" der holländischen Grenze, die für lebendes Vieh geschlossen sei, obwohl niemand be- haupie» lönne, daß das holländische Vieh weniger gesund sei) als das einführbare dänische, österreichische oder gar russische Vieh. Im Jahre 1000 sei der Vorstand der rheinischen LandioirtschaflSlammer mit der zeitweisen Oeffnung der holländischen Grenze e i n v e r- standen gewesen; selbst in diesen Kreisen werde also die angeb- liche Ecuchengefahr nicht so ernst genommen. Der Zentrnmsstadtverordncte Lamertz, ein Teilnehmer der rheinischen Schlächlermeisterdcpiitation an den LandwirtschaftSminister, führte aus. daß die Fleischnot größer als je zuvor sei; die AuS« sichten zur Besserung seien nie so schlecht wie heute gewesen. Gegen das Borjahr sei eine halbe Million Jungrinder weniger bor- Händen, und nach dem 1. November würden die Preise noch weiter anziehen. ES wäre aber zu weit gegangen, wenn man eine dauernde Abhülfe versuchen würde; denn die Landwirtschaft-önne ihren Schutz verlangen. Darum verlange er nur zeitweilige Abhilfe. Die Tuberkulinimpfung bezeichnete er als witzlos, die Quarantäne als fleischverteuernd und überflüssig. Der Obermeister der Kölner Mctzgerimiung, Stadtverordneter Mertens, ebenfalls ein Zentrums mann, erklärte, vorauszusehen, daß d a s Fleisch b a l d zur Delikatesse werde; « herrsche bereits Unterernährung. Dennoch wollte auch dieser Herr nicht über den engbrüstigen Vorschlag der Kommission hinausgehen. Auch von liberaler oder volkspärteilicher Seite ging man nichi über den Kommissionsvorschlng hinaus. Selbst der Freisinnige(I) E l i e I wünschte die Beibehaltung der Zölle, damit nicht die Viehpreise derart gedrückt würden, daß die Viehzüchtung Schaden leide. Der agrarische Profit steht diesem Hansabündler also höher als die VolkSgcsundheit. Die von einer Kölner Massenversammlung geforderte zeitweilige Außerkraftsetzung der Vieh-, Fleisch- und Futtcrzvlle, Einsetzung von Notstaiidstarisen sowie Errichtung von kommunalen Schlächtereien und Fleiichverlaufsstellen fand im Kölner Stadtverordnerenkollegium, in dein dank des elendesten aller Wahlstzsteine die Arbeiterpartei nicht vertreten ist, auch nicht einen einzigen Befürworter. Man beschränkte sich auf die einstimmige Annahme des oben erwähnten Antrags. Die versprochene Witwen- und Waisenversorgnng. Der Termin für die Durchführung der im Zöllgesetz verheißenen Witwen- und Waisenversichcrung soll, wie der„Lokalanzciger" meldet, aufs neue hinausgeschoben werden. Als im§ 15 de? Zoll- tarifgesetzes bestimmt wurde, daß ein Teil der Zollerträge aus der Einfuhr von Getreide und Vieh für solche Versicherung verwendet werden soll, war deren gesetzliche Regelung bis zum 1. Januar 1010 in Aussicht genommen. Später wurde der Termin für das Jnkraft- treten des Gesetzes auf den 1. April 1911 verlegt. Im Neichsamt des Innern ist nun einem Mitarbeiter des Scherlblattes erklärt worden, es könne im Augenblick niemand sagen, zu welchem Termin die Einführung der Witwen- und Waiseuversorgung erfolgen werde. Es hänge dies ganz von der Reichsiagskommission und der Zeit ab, zu der sie die Beratungen über die Einführungsbestimmungen be- endet haben wird. Ausgeschlossen sei es daher wohl nicht, daß man über den 1. April kommenden Jahres werde hinausgehen müssen. Aber die Möglichkeit sei ebenso gut vorhanden, daß im Reichstage an diesem Gesetz mit solcher Energie gearbeitet wird, daß ein weiteres Hinausschieben der Witwen- und Waisenversicherung nicht erforderlich sei._ Wieder eine Rcichsverbandsklage. Der Gesamtvorstand des Neichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, von Licbert und zwölf Genossen, hat Pnvatklage gegen den Genossen Bartels, den verantwort- lichen Redakteur der„Chemnitzer V o l k s st i m in e", erhoben. ES handelt sich um eine Kritik von Flugblättern des Reichsverbandes, die er an Chemnitzer Unternehmer zur Verbreitung an die Arbeiter geliefert hatte. Ein vor einigen Wochen angesetzt gewesener Termin konnte nicht stattfinden, da Genosse Bartels erkrankt' und zur Kur ab- gereist war; so hatte ihm die Ladung nicht bchändigt werden können. In einem Schriftsatz hatte Bartels früher ab- gelehnt, den Verfasser zu nennen. Im neuen Termin, der am 22. September vor dem Chemnitzer Schöffengericht stattfand, war die Situation eine andere geworden, denn die Verjährungsfrist war verstrichen, der Verfasser kann also strafrechtlich nicht mehr verfolgt werden. Diese ihm günstige Siluation nützte Bartels aus, indem er den Verfasser nannte. DaS paßte aber dem Vertreter der dreizehn Oieichs- verbändler, dem Rechtsanwalt Dr. Regula, gar nicht in den Kram. Er versuchte nun in echt reichöverbändlerischer Manier Genoffen Bartels als unglaubwürdig hinzustellen, sprach von Winkclzügen und Mangel- an Mut und verlangte die Verurteilung unter großem Wortschwall. Als Genosse Barrels dem Herrn die gebührende Zurückrveisung zuteil werden lassen wollte, unterbrach ihn der Vorsitzende, der Dr. Regula so ausführlich hatte sprechen lassen und bemerkte, daß im Schöffensaale keine Reden gehalten werden sollten. Genosse Bartels setzte dem entgegen, daß er angegriffen worden sei und sich doch verteidigen müsse. Dann ging?. Schließ- lich wurde— entgegen dem Antrage Dr. Regulas— die Sache zwecks Zeugenvernehmung auf unbestimmte Zeit vertagt. Militarismus überall. Eine blanke Million aus dem Stadtsäckel dem Militarismus geopfert, haben die Chemnitzer Stadtverordneten— natürlich gegen die Stimmen der sozialdemokratischen Fraktion— zur unentgeltlichen Bereitstellung von Gelände für ein Artillerie-Reyiment. Geld für solche Zwecke ist noch immer dagewesen, auch in Chemnitz, während man mit Geldern für soziale. Zwecke mehr als knausert. Wir es heißt, ist eine Verlegung des zurzeit in Riesa garnisonie- renden Feldartillerie-Regiments Nr. 68 nach Chemnitz ins Auge gefaßt worden; als Ersatz soll Riesa ein neu zu errichtendes Tele- graphen-Bataillon erhalten._ Rußland. Der Polizist als Ränberhauptntann. Aus Kattowitz wird gemeldet: In Sosuowice, dem russischen Grenzort, überfielen in letzter Zeit wiederholt russische Banden Reisende und dortige Bewohner. Gestern wurde nun ein russischer Polizist, der der Bande seit längerer Zeit angehörte und der Haupt- rädelssührer sein soll, verhaftet. Zarische Justiz. Wegen Zugehörigkeit zur Russisch-Sozialdemokratischen Arbeiter- Partei wunde der Genosse Kusmin, Absolvent der Petersburg Um- versität, vom Appellhof zum Verlust der Bürgerrechte und zur Zwcmgsansiedelung verurteilt. finnland. Eine Rechtsverwahrnng. HclsingforS, 24. September. Der Landtag beschloß in der gestrigen Abcndsitzung, dem Kaiser die Erklärung zu unterbreiten, der Landtag köune auf Grund der vom Talman augeführten Be- denken an eine Beratung über die vorgelegten Fragen nicht heran- treten. Indien. Verfolgung der revolutionären Bewegung. Aus Kalkutta wird gemeldet: Die Verhandlungen gegen die Verschwörer von Dakka fördert immer neues Belastungsmaterial sowie Beweise für das Bestehen einer großen antienglischen Organi- lation in Indien zutage. Aus Europa sind nihilistische und anar- chistische Anschauungen in die Kreise der Inder eingedrungen. So verkündet ein von der Polizei im Hause eines Verschwörers be- schlagnahmteS Schriftstück:„Ich bin Nihilist. Ich trete für Ab- schaffung des Königtums und Errichtung einer Republik ein." Auch aus anderen beschlagnahmten Schriftstücken geht hervor, daß die Zahl der Inder, die republikanischen Anschauungen huldigen, größer ist, als die englische Regierung bisher annahm. Natürlich ist die Bezeichnung„Nihilist" bodenloser Unsinn. Daß viele politisch auf- geklärte Inder angesichts der englischen Schandwirtschaft Nepubli- kaner werden, ist doch wohl erklärlich. Uebrigens beweist die Mel- dung auch, mit wie harmlosen Leuten man es bei den Verhafteten zu tun hat. Leute, die ihr politisches Glaubensbekenntnis so mir nichts dir nichts zu Papier bringen, sind wohl kaum als gefährliche „Verschwörer zu betrachten. /ZustraUen. Volksrecht gegen Vorrecht. Der Sieg der Arbeiterpartei bei der Wahl zum Bundesparla- ment hat Vcrfassungskämpfe nicht überflüssig gemacht. In den Einzclstaaten bestehen noch gesetzgebende Räte,„erste Kanimern", die zwar auch auf Grund des Männer- und Frauen- Wahlrechts, jedoch nach Zensus shstem gewählt werden. Nun hat die Regierung von Südaustralien eine Vorlage betr. Ein- führung des allgemeinen Wahlrechts für den gesetzgeben- den Rat eingebracht, die dieser aber mit 12 gegen 4 Stimmen a b- lehnte. In mehreren früberen Konflikten zwischen Volks- fcmmer unj»«vberhaus" hatten die Begierungen lü» Südaustralien, Victoria, Neusüdwales, Tasmanien) die Entscheidung durch Volks- abstimmung vorgeschlagen, aber die gesetzgebenden Räte haben das immer abgelehnt. Ter Widerstand gegen den VolkSwillcn wird den Herren also durch andere Mittel ausgetrieben werden müssen. Vielleicht muß auch der Buchstabe des Gesetzes dabei dem.Volks- Willen weichen._ Hiis der Partei. Die Bttdgctbcwilliger und die Internationale. Aus Magdeburg wird gemeldet: Genosse Dr. Frank erklärte dem Genoffen Fischer vom Brüsseler„Peuple", der ihn offiziell interviewte: Wir werden dem Parteitagsbeschluß Folge leisten, die.Frage aber, ob die Budgctbcwilliguug eine Frage des Prinzips oder der Taktik ist, dem I n t e r n o t i o n a l e n Kongreß unter« breiten. Sollte dieser unfern Standpunkt nicht teilen, so wäre allerdings das letzte Mittel erschöpft. Wir nehmen vor allem mit Vergnügen Notiz von dem Willen der Minderheit, sich dem Beschlüsse des Parteitages zu unterwerfen. Zu bedauern ist, daß diese Erklärung auf dem etwas ungeivöhnlichen Wege eines Interviews erfolgt, statt daß sie vor dem Forum des Parteitages bekannt gegeben wurde. Was nun den Appell an die Internationale anbetrifft, so möchten ivir vorläufig bezweifeln, daß er erfolgen wird. Genosse F r a n k'erklärte in Magdeburg, daß er wohl bereit gewesen wäre, um Indemnität nachzusuchen, wenn er sicher wäre—„die Atajorität hinter sich zu haben". Das legt die Vermutung nahe, daß er auch an die Internationale nur dann appellieren würde, wenn er dort der Z u st i m m u n g sicher i st. Diese Hoffnung wird er indessen wohl bald aufgeben müssen, wenn er sieht, wie energisch die ausländischen Genossen sich die Budget- bewilliger von ihren Rockschüssen abschütteln. Die„Wiener Arbeiterzeitung" belehrt den Genossen Frank, daß seine Berufung auf das Beispiel Oester- reichs unsinnig ist. Sie schreibt: „Die sozialdemokratischen Abgeordneten im österreichischen Rcichsrat haben nie für, immer gegen das Budget gestimmt, wohl aber einmal für die„Dringlichkeit" eines Budgetprovisoriums, das heißt dafür, daß das Budgetprovisorimn „sofort in Verhandlung gezogen" werde. ES geschah dies wahrhaftig nicht in der Absicht, Mit bürgerlichen Parteien einen Block zu bilden oder mit ihnen auch nur zeitweilig zusammenzuwirken— eS gibt in Oesterreich wirklich keine Ver- lockung zu einer solchen Politik. Vielmehr haben unsere Vertreter in einem Augenblick, in dem die Obstruktion das Parlament lähmte, für die Dringlichkeit ge- stimmt, um zu verhindern, daß die natio» nalistische Obstruktion die Verhandlung deS Budgetprovisoriums überhaupt unmöglich macht, dem Parlament jeden Einfluß auf den Staatshaushalt raubt, einer„starken Regierung", einer Regierung des Ver- fassungSbruches, die das Parlament zur Seite schiebt, den Weg bahnt. In Baden handelt es sich um die Frage: Blockpolitik oder selbständige Aktion der Sozialdemokratie? In Oesterreich war die Frage: Parlamentarisch oder absolutistische Feststellung des Budgets?" Und in der„H u m a n i t 6" vom 23. September veröffentlicht Genosse I a u r-- s einen glänzenden Artikel „Magdeburg und Frankreich", in dem er erklärt, er habe niemals für das Budget g e st i m m t, selbst dann nicht, als er„zur Rettung der republikanischen Freiheit und für das große Werk der Trennung von Kirche und Staat leidenschaftliche Blockpolitik trieb." Genosse Janres meint, daß es'seltene Ausnahmefälle gebe, bei denen man für das Budget stimmen müsse, aber bisher sei nienials eine solche Situation in Frankreich ein- getreten und würde wohl auch in vielen Jahren nicht ein- treten. Wir werden auf den trefflichen Artikel noch näher zurück- kommen. Doch noch ein badischer Hofgänger! Der„Karlsruher Volksfreund" muß konstatieren, sich an der Gralulationscour der Bürgermeister beim Grvßherzog von Baden auch der sozialdemokratische Bürgermeister von Hags- fcld, der Genosse W u r m, teilgenommen hat. Aus eine Aufrage des„Volksfreund" erklärte Gen. Wurm, die Wahrimg der Jutcresseu seiner Gemeinde hätten ihn bestimmt, sich von dein Empfang der Bürgermeister der kleiuen Gemeinden Badens durch den Großh'eczog nicht auszuschließen. Ein schönes Argument I Wird den Großherzog sehr steuen. Und erst die badischen Sozialdemokraten l Unsere Toten. Aus Schlebusch, Kreis Solingen, wird uns geschrieben: Am 14. September haben wir hier eiiren alten bewährten Parteigenossen zur ewigen Ruhe gebettet. Es war der frühere Weber und spätere Friseur Andreas 0t ö s e r, der zu den ersten gehörte, die sich in die Mitgliederliste des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins einzeichnen ließen. Als der sogenannte Kultur- kämpf in höchster Blüte stand und die Regierung ein Gegengewicht gegen den UltrauwntaniSmus suchte, konnte Röser die von ihm einberufenen Volksversammlungen bei Beendigung des Gottes- dienstes mit der Ortsschelle durch die Polizei bekannt machen lassen. Der Erfolg der Bekanntmachung war durchschlagend, die größten Säle waren meist überfüllt. Als die Wogen deS Kulturkampfes sich jedoch glätteten und die alte Freundschaft zwischen dem Zentrum und der Regierung allmählich wieder zum Durch- bruch kam, wurden der Partei in Schlebusch sämtliche Versaimn- lungssäle abgetrieben, so daß auch die Schlebuscher Ortsfchelle durch die Ankündigung sozialdemokratischer Versammlungen nicht mehr profaniert wurde. Seit Jahrzehnten hat Röser Versamm» lungen nur unter freiem Himmel arrangieren können. Der Verstorben«, der immer nach besten Kräften für die Partei wirkte und auch unter dem Sozialistengesetz stets auf dem Posten war. Röser erreichte ein Atter von 73 Jahren. Ehre seinem Andenkens Andreas Röser war der Bruder deS kühnen, energischen Zigarrenmachers Gerhard Röser, der nach siebzehmnoilat» licher Untersuchungshaft im November 1852 im Kölner Kam» munistcnprozeß zu 6 Jahren Einsperrung verurteilt wurde, die er auf Stunde und Minute in den FestungSgefängnissen von Glogau und Stettin abbüßte. Friedrich Engels schrieb, daß der Zigarrcnnrbeiter Röser, der im Jahre 1848 neben Karl Marx Präsident des Arbeitervereins in Köln war, sich in den Assisen- Verhandlungen mit dem Präsidenten und Staatspvokurator wie ein Professor der Staatswissenschaften auseinander setzte und da» bei, obgleich einfacher Arbeiter, gewissermaßen das Abiturienten» ercrmen des Kommunismus absolvierte. Als sich diesem Mär» ihrer der deutschen Sozialdemokratie, der 1848 auch schon die Ge» Werkschaftsideen praktisch verfocht, die Pforten des.Kerkers wieder geöffnet hatten, wurde er von der Polizei auf Schritt und Tritt verfolgt, bei den Fabrikanten denunziert, brotlos gemacht und ihm das Wohnen in der Stadt Köln untersagt. Als Lassalle, der Röser hochschätzte und umfangreiche Briefe mit ihm wechselte. den Allgemeinen deutschen Arbeiterverein gründete, stand Gerhard Röser sofort wieder in Reih und Glied. Der Dulder, der durch die fast achtjährige Haft und späteren Drangsalierungen körber. lich gebrochen war, starb kurz nach dem Tode LassalleS in seiner Vaterstadt Mülheim am Rhein in tiefster Armut. (Sewcrkrcbaftlichee. Hn alte In der JVIetalUnduftrie besckäftigten Hrbelter und Arbeiterinnen! Kollegen und Kolleginnen! Am 22. d. Mts. hat der Gesamtverband der Metall- industriellen beschlossen, daß. wenn bis zum 8. Oktober d. I. die Differenz auf den Seeschiffswcrften nicht erledigt ist, in allen zum Gesamtverband gehörenden Betrieben Deutschlands 60 Proz der Beschäftigten ausgesperrt werden. Am 24. d. Mts. sind die Plakate, welche die Aussperrung androhen, in den Betrieben der Berliner Metallindustrie ausgehängt. Das Kartell der für die Berliner Metallindustrie in Be- tracht kommenden Organisationen hat sich als Zentralkomitee für Groß Berlin konstituiert. Wir ersuchen alle Vertrauensleute, uns umgehend an untenstehende Adresse Mitteilung zugehen zu lassen, wenn in ihrem Betriebe die Aussperrungsplakate ausgehängt sind.— Zu gleicher Zeit ist auch die Zahl der in dem betreffenden Betriebe beschäftigten Personen mitzuteilen. Das Zentralkonntee wird den Vertrauensleuten alle not- wendigen Mitteilungen rechtzeitig zugehen lassen. Wir erwarten, daß alle beschäftigten Arbeiter und Arbeite- .riuncn diesen Anweisungen unbedingt Folge leisten werden. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß ohne vorherige Zustinimung des Zentralkomitees nichts unter nommen werden darf. Berlin, den 24. September lölO. Deutscher Metallarbeiterverband. Verwaltungsstelle Berlin. Deutscher Holzarbcitcrvcrband. Verwaltungsstelle Berlin. Deutscher Transportarbeitcrvcrband. Verwaltungsstelle Berlin. Verband der Fabrikarbeiter. Verwaltungsstelle Verlin. Zentralvcrband der Schmiede. Verwaltungsstelle Berlin. Verband der Maler und Lackierer. Verwaltungsstelle Berlin. Zeutralverband der Maschinisten und Heizer. Verwaltungsstelle Berlin. Verband der Kupferschmiede. Filiale Berlin. Zentralvrrband der Handlungsgehilfe». Verivaltungsst. Berlin. Alle Mille lluugen und Aufragen sind zu richten an Adolf Cohen, NW. 6, Charitöstr. 3. Berlin und Qmgegend. Angebliche Exzesse streikender Kohlenarbeiter. Wer am Sonnabendnachmittag den Bahnhof Beufsclstraße in Moabit verließ, blickte verwundert auf ein Bild der Belagerung durch die Polizei, die an allen Straßenecken zu Fuß und zu Pferde mit kommandierenden Offizieren zahlreich vertreten war. Allerlei Gerüchte schwirrten umher, und die bürgerliche Presse nahm als Sensation alles willig auf, was von den„Exzessen" der Streiken- den durch die Polizei bekannt wurde. Wohl an Sll Berittene und ebensoviel Schutzleute zu Fuß waren in der Beussel-, Rostocker- und Sickingenstraße verteilt und trieben die in Massen erschienenen Neugierigen, die durch das Pocizeiaufgebot angelockt waren, hin und her. Die Ursache der Belagerung der Gegend lag darin, daß die streikenden Kohlenarbeiter der Firma Ernst Kupfer u. Co. ihr lltecht als Streikposten ausübten und mit den Arbeitswilligen in Verbindung zu treten suchten. So fuhr ein Kohlenwagen die Sickingen, und Rostocker Straße entlang. Als der Kutscher von Streikenden angerufen wurde, zog er einen Revolver und gab zwei Schüsse auf die Streikenden ab. Natürlich gerieten diese in eine große Aufregung und verlangten von dem Leutnant, der mit einem Schutzmann anwesend war, sofort die Feststellung des Schießboldes. Diesem Verlangen wurde nicht ent- sprachen. Dadurch steigerte sich die Erregung der Menge, die sich schnell eingefunden hatte; man machte kurzen Prozeß und nahm dem Schießhelden den Revolver weg.(Der Revolver wurde im Gewerkschaftshause abgegeben, wo er zur Abholung durch den Eigentümer bereit liegt.) Der Streikleiter selbst kam zur Stelle, um die erregte Menge zu beschwichtigen, und bald war wieder alle O r dn u n g h e r g e st e l l t. Den Anordnungen des Streik- lciters wurde sofort Folge geleistet. Darauf begann der große Aufmarsch der Polizei, die an verschiedenen Stellen blank zog, ohne erkennbare Ursache dazu zu haben. Die Kohlenwagen der Firma erhielten je vier Mann Bedeckung. Die Arbeitswilligen haben auch an anderen Stellen Schüsse abgegeben. Wenn aus der Reihe der Angesammelten wirklich Steinwürfe fielen, wie behauptet wird, so haben die Streikenden ' nichts damit zu tun. Die Menge war vielfach erbittert über die Parteinahme der Polizei für die Arbeitswilligen, die sich den Streikenden gegenüber alles herausnehmen konnten und sogar mit Schießwaffen hantieren, ohne daß die Polizei dagegen ein- schreitet._ Ausdehnung des§ 139{ der Gewerbeordnung auf das Friseurgewerbe! Für diese Forderung demonstrierten die Barbiere und Friseure Groß-Berlins, Meister wie Gehilfen, in einer in der Donnerstag? nacht in der„Neuen Philharmonie" abgehaltenen Versammlung, die einen in diesem Gewerbe geradezu beispiellosen Besuch von nahezu 2000 Personen aufzuweisen hatte. Das Verlangen nach dem Achtuhrladenschluh gelangte in dem stürmischen Beifall, der den Ausführungen des Referenten Genossen Wissel folgte, zu elemen- tarem Ausdruck. Ohne Diskussion wurde die vorgeschlagene R e s o- lution an die gesetzgebendenKörperschaften einstimmig angenommen. Bezeichnend ist, daß die Innungen Groß-Berlins ihre Beteiligung an dieser Veranstaltung, die auf Anregung der Gehilfenorganisation von 15 Korporationen getroffen war, ablehnten, obgleich sie durch die Jahr für Jahr wiederholten Beschlüsse ihrer Bundestagungen zugunsten dieser Forderung der- pflichtet sind, für deren Durchführung einzutreten. Die Versamm- lung bildete das Signal für die Berufsgenossen aller übrigen Groß- städte, in gleicher Weise für die Ausdehnung des§ 139 1 einzutreten._ Der Streik der Chauffeure, Packer, Hausdiener und Radfahrer bei der Handelsgesellschaft Deutscher Apotheker m. b. H. dauert un- berändert fort. Die sonst so stille Dortmunder Straße ist förmlich gespickt mit uniformierten und Kriminalschutzleuten. Die für die Kundschaft bestimmten Pakete und Kisten werden durch Kraft- droschken unter Begleitung von Polizei zu Fuß und zu Pferde befördert. Die Postpakete werden mit einem großen Rollwagen der Firma Friedrich. Gartenstr. 30. zur Post gefahren. Bei der Anwohnerschaft erregt ein solcher durch 4 Schutzleute hoch zu Rotz und diverse Kriminalbeamte begleiteter Zug begreifliches 5iopf- schütteln. Oberscharfmacher Bolle hat auch diese Arbeiter ebenso wie die streikenden Arbeiter von Kupfer u. Co. auf die schwarze Liste gesetzt. Sehr wählerisch ist man jedoch nicht dabei verfahren, so daß sich auf der Liste die Namen von Leuten befinden, die schon längere Zeit, bevor der Streik ausbrach, den Betrieb verlassen haben resp. erkrankt waren. Wenn die Sympathie und die Unter- "verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantwi stutzung her Arbeiterschaft tveiter anhält, dürfte dieser Kampf zu einem günstigen Ende geführt werden können. Deutscher Transportarbeiterverband, Bezirk Groß-Berlin. Achtung, SchiffszimmererZ Die Sperre über die Bootswerft von Oswald Ernst in Stralau ist aufgehoben. Die Ortsverwaltung. DcutTcnes Reich. Die Metallinbnstriellen sind bereits daran, den Beschlüssen des Verbandsausschusses Geltung zu verschaffen und den Ar- beitern die Kündigung in Aussicht zu stellen. So teilte die Maschinenfabrik von Boith in Heiden- heim(Württemberg) dem Arbeiterausschuß mit, daß am 1. Ok- tober 000 Arbeitern gekündigt würde, damit sie am 8. Oktober entlassen werden können. Diese Maßnahme entspricht dem Be- schluß, 00 Proz. der Arbeiter auszusperren, denn die Firma be- schäftigt etwas über 1000 Mann. Die Metallarbeiter in Hannover beschlossen, für den Fall, daß die Aussperrung von 00 Proz. durchgeführt wird, in den ge- sperrten Betrieben die Arbeit vollständig niederzulegen. Achtung, Buchbinderl Hannover ist für Buchbinder, Kontobuch- biiider, Liniicrer, Kartonnageu-, Elmsarbeiter und Porlefeuiller, sowie für deren Hilfsacheiter und für Arbeiterinnen der vorstehend genannten Brauchen wegen der Lohnbewegung gesperrt. Nehme Niemand Stellung nach Hannover an l Deutscher Buchbinder-Verband. Aussperrung der Lausitzer Textilarbeiter in Aussicht. Seit einigen Tagen streiken bei einigen Forster Firmen die Arbeiter verschiedener Brauchen der Textilindustrie. Um den Streik, der aus Lohnforderungen entstand, niederzuschlagen, hat die Unternehmerorgainsation der Laufitzer Textil'ndnstriellen ein Zirkular an sämtliche Firmen gesandt und angelündigt, daß am 5. Oktober sämtliche Textilarbeiter zu entlassen sind, falls bis da- hin nicht die Differenzen bei den Forster Firmen beigelegt sind. Es kommen, falls der Beschluß des Texiilindustricllenverbantes ausgeführt wird, mindestens 13000"Textilarbeiter in Frage._ „Ist mit Fleisi bemüht gewesen." Daß die Bergleute, die sich„mißliebig" gemacht hatten, durch besondere Merkmale an der Abkehr von den Zechen gekennzeichnet wurden, um so ihre Einstellung auf anderen Grubenbetrieben oft auf Monate hinaus in der brutalsten Weise zu verhindern, ist eine allbekannte Tatsache. Neuerdings scheint dieses„humane" Verfahren indessen auch bei„mißliebigen" Beamten Anwendung zu finden. Der Steiger Klein klagt gegen die Zeche Glück- Auf- Segen bei Hörde lKreis Dortmund) auf Ausstellung eines ord- nungsmäßigen Zeugnisses. In dieser Sache stand vor der vierten Zivilkammer des Dortmunder Landgerichts Termin an. Der Steiger ließ in der Verhandlung durch seinen Rechtsanwalt D r. Schuck i ng, den früheren Bürgermeister von Husum, geltend machen, daß er durch das erhaltene Zeugnis gekennzeichnet sei. Alle Zechenverwaltungen, bei denen er sich um Stellung beworben habe, hätten nach Durchsicht des Zeugnisses plötzlich erklärt, sie könnten ihn leider nicht einstellen. Der Kläger erblickt die Kenn- zeichnung in der im Zeugnis enthaltenen Wortwendung:„Herr ..... ist mit Fleiß bemüht gewesen.. Zur Begründung seiner Behauptung führt der Kläger an: Innerhalb eines Jahres(seit September 1909) seien auf der Zeche Glück-Auf-Segen entlassen: 2 Betriebsführer, 1 Maschinensteiger und 1 Steiger ohne Kündigung und 5 Steiger mit Kündi- gung. In den Zeugnissen sämtlicher Steiger sei der ominöse Passus:„Herr N. N. ist mit Fleiß bemüht gewesen" enthalten. Trotz der eifrigsten Bemühungen sei es bisher keinem dieser Steiger gelungen, im Bergbaubetrieb wieder Stellung zu finden. Allen sei es bei ihren Bewerbungen vielmehr genau so wie ihn: ergangen. Für die Nichtigkeit seiner Behauptung be- nennt der Kläger sämtliche entlossenen Steiger. Interessant sind auch die Grüwde, auf die der entlassene Steiger sein« Entlassung zurückführt. Der Kläger bot umfang- reiche Beweise dafür an, daß die BetriebSvcrhältnisse auf der Zeche sehr mangelhaft gewesen seien und daß die bergbaupolizei- lichcn Vorschriften nicht beobachtet worden seien. Die Steiger hätten statt die Berge vorschriftsmäßig versetzen zu können, Kohlen fördern müssen. Die Strecken seien dann in mehreren Revieren zu Bruch gegangen. Als Aequivalent hierfür habe man den Steigern die Prämien vorenthalten. All' diese Mißstände seien von ihm(dem Kläger) dem Zechendirektor gegenüber fort- gesetzt gerügt worden. Der Direktor habe auf seine Vorhaltungen erwidert:„Sie müssen mehr fördern." Schließlich habe er(der Kläger) einen schriftlichen Bericht erstattet und jede Per- antwortung für die Sicherheit des Betriebes für seine Person ausdrücklich abgelehnt. Kurz darauf sei er ohne Gruwd von dem Direktor entlassen worden. Das Gericht beschloß Beweiserhebung. Jedenfalls ist es außerordentlich bezeichnend, daß die Klagen über die mangelnde Sicherheit im Grubenbetriebe nicht nur von den Arbeitern, sondern auch von den Beamten erhoben werden. Im übrigen dürfte der Prozeß auch eine treffliche Illustration zu der vielgepriesenen Humanität der Bergwerlsunternehmer bilden. Das moralische Recht zur Verweigerung von Streikarbeit gerichtlich anerkannt. Das Gewerbegericht Altona fällte am 23. September in einer Klage zweier Maschinenbauer gegen die Firma Menk und Hambrock in Ottensen ein bemerkenswertes Urteil. Die Kläger waren ohne Einhaltung der Kündigung entlassen worden, weil sie Streikarbeit verweigert hatten. Außerdem war ihnen der Lohn einbehalten worden. Das Gericht verurteilte die Firma zur Zahlung des einbehaltenen Lohnes, wies aber die 5cläger mit weitergehenden Ansprüchen wegen der kündigungslosen Entlassung ab, indem es begründend ausführte: „Wohl müsse bei der ganzen Sachlage als richtig unterstellt werden, daß die Zumutung, Streikarbeit zu verrichten, eine Per- letzung des persönlichen Ehrbegriffs llassenbcwußtcr Arbeiter sei. Die Arbeiter hätten daher zwar das moralische Recht zur Ver- Weigerung der Streikarbeit, dieses moralische Recht könne aber nicht zur Anwendung kommen, weil das gesetzliche Recht anders ist. Aus diesem Grunde müsse die Abweisung der weiteren Klage erfolgen."_' Stadträtliche nnd gemeinderätliche Sozialpolitik in Gera(Rensi). Die sozialdemokratischen Gemeinderatsmitglieder in Gera hatten im Gemeinderate beantragt, daß für die im städtischen Be- triebe beschäftigten Arbeiter ein Arbeiterausschuß eingeführt und daß den Arbeitern, die 0 Wochen im städtischen Betriebe beschäftigt sind, statt des Tagelohncs Wochcnlohn gezahlt werde, damit ihnen der Lohn für die auf Wochentage fallenden Feiertage nicht abge- zogen werden lomn. Der Stadtrat verhielt sich zu beiden Anträgen ablehnend. Der Oberbürgermeister Dr. Huhn evklärte. Arbeiterausschüsse seien über. flüssig, der Arbeiterausschuß würde sich als Herr aufspielen u. dgl. Ein Gemeinderatsmitglied meinte. der Arbeiterausschuß würde wohl nicht gefordert, um die Wünsche der Arbeiter zu vertreten, sondern um d e n Briefträger für die Gewerkschaft zu machen. Der Antrag auf Errichtung von ArbetterauSschüssen , It. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdr.».VerlagsanftaU wurde denn auch abgelehnt; nur wenige bürgerliche Gemeinde- ratsmitglieder stimmten für den Antrag. Der„r eich s t r e n e" Textilarbeiter Eckardt sprach sich nicht für die Ein- führung der Arbeiterausschüsse aus. Gegen den zweiten Teil des Antrages, betreffend Bezahlung der Feiertage, erklärte sich der Stadtrat deshalb, weil dann die privaten Gewerbetreibenden nachfolgen müßten. Der Antrag wurde aber trotzdem vom Gemeinderate einstimmig angenommen. Der Streik in den Nürnberger Bleisliftfabriken ist nach einer Meldung des Wolfsschen Bureaus beigelegt worden. Die Arbeit wird am Montag wieder aufgenommen werden. Ein christlicher Schwindel» der vor einigen Monaten vom Zentrumsorgan für den oberen Kreis Solingen, dem„Bergischen Volksfreund", der in Elberfeld gedruckt wird, in die Welt gesetzt wurde, ist dieser Tage vom Elberfelder Amtsgericht auf seinen wahren Wert zurückgeführt worden In der Nummer vom 12. April des ge- nannten Blattes wurde erzählt, daß ein Portcfeuiller Sch. von einem seiner freiorganisierten Kollegen bei seinem Prinzipal desDieb st ahlsverdächtigtunddcnun- ziert worden sei,„weil der neidische freie Verbandslollege" die Stelle gern haben wollte und eS nicht anders anzufangen wußte, als den Denunzianten zu spielen und durch eifrige Bearbeitung des Prinzipats dafür gesorgt habe, daß die Anzeige gegen den eigenen Kollegen erfolgte. Das Blatt machte noch allerlei hämische Bemerkungen über die«Kollegialität unter den freien Gewerk- schaftlern" und den„Schurkenstreich", der zum Glück von keinem Chriitlichen begangen worden sei. Die rheinische Zeiitrumsprcsse sorgte natürlich für die Weiterverbreitung des„fetten Happens", hatte damit aber kein Glück. Der„neidische freie Verbands» kollege" klagte gegen den verantwortlichen Redakteur des„Volks- freund", Herrn Dr. Franz K. Thomas, und dieser mußte sich in der am letzten Donnerstag stattgefundcnen Verhandlung zu fol» geudem schimpflichen Vergleich herbeilassen: „Der Angeklagte bedauert, daß in dem inkriminierten Artikel in bezug auf den Privatkläger von einem„neidischen Verbandstellcgen" und von einem„Schurkenstreich" die Rede gewesen ist. Der Angeklagte erklärt ferner, daß er die Bchaup- tung, der Privatklägcr habe durch Bcein- flussung des Arbeitgebers Hansen darauf hin» gewirkt, daß dieser den Portefeuiller Schmidt entlasse und wegen Diebstahls zur Anzeige bringe, um sich an dessen Stelle zu setzen, mit Rücksicht auf die eidliche Aussage des Arbeit» gebers Hansen nicht mehr aufrechterhalten wolle. Der Angeklagte trägt die gesamten Kosten des Ver» fahrens." Also ist wieder mal ein in die Welt gesetzter christlicher Schwindel gerichtsseitig nachgewiesen und in sich zusammen» gebrochen. Den Zentrumsblättern wäre wirklich anzuraten, wenn sie den Ausspruch des Bischofs Bettinger etwas mehr beherzigten und das Lügen einstellten. hlugUnd. Gegen die Separatisten. Eine außerordentlich stark besuchte Konferenz der gewerk- schaftlich organisierten tschechischen Arbeiter Wiens resolvierte mit allen gegen 18 Stimmen gegen das ausschließlich im Sinne der Separatisten liegende Vorgehen der tschechischen Sogialdemo- kratie im Lande wie in Kopenhagen, für die Resolution deS Kopenhagener Kongresses und für neue Einigungsbestrebungen.— In Wien sind bereits separatistische Maurer- und Metallarbeiter- organisationen gegründet worden und es wurde versucht, Orts- gruppen des separatistischen Schncidervcrbandes zu errichten, die nach den Worten seines Gründers, des tschechisch-sozialdemokra- tischen Abgeordneten Folbcr nicht nur die Form, sondern auch den Geist der Organisation ändern soll!... )Ziis der frauenbeweguncf. Leseabende. Baumschulenwcg. Montag, den 20. September, Va 9 Ahr, bei Käding, Bauinschulenstr. 07. Britz-Buckow. Montag, den 20. September, Va** Uhr, im Lokale deS Genossen Nohn, Bürgerstr. 4. Zohannisthal. Mittwoch, den 23. September, 8'/a Uhr, bei Artner, Kaifer-Wilhelm-Slraße 10. Lichtenberg. Der für Montag, den 20. September, angesetzte Frauen- Leseabend fällt der Protestversammlungen wegen aus. Die Frauen werden erfucbt, sich massenhaft an den Protest- Versammlungen zu beteiligen. Niedcr.Schönhiniscn-Nordcnd, Montag, den 20. September, 8'/z Uhr. bei Radseck, Kaiser-Wilhelin-Str. 10. Vortrog:.Sozialdemo- kratie und Militarismus". Referent: Genosse Max Vieth. Niedcr-Schöncwcide. Montag, den 20 September, beim Genossen Bengsch. Britzer Str. 18. Stralau. Montag, den 20. September.— Erläuterung deS Erfurter Programms. Tegel. Montag, den 20. September, 8'/z Uhr, bei HalfeS, Brunow- straße 23. Vortrag. Genossin Schnlte-Rixdorf:.Bürgerliche und proletarische Frauenbewegung". Pankow. Montag, den 20. September, 8'/, Uhr bei Großkurt, Berliner Straße 24: Vortrag deS Genossen Eiering. Versammlungen— Veranstaltungen. Heimarbeiterinnen der Wäsche-, Krawatten-, Korsett- und Schürzen- brauche. Dienstag, den 27. September, abends 3'/» Uhr für Berlin(Osten) im Lokal von Wrubbel, Heidenseldstr. 20: Heim- arbeiterinnenversammlung. J*ctzU ffocbrlcbtcn. Aussperrungsgeliiste der Metallindustrielle». Saalfcld, 24. September.(B. H.) In 18 hiesigen Metall» fabriken wurde heute durch Anschlag die Aussperrung vom 8. LI- tober bekannt gegeben. In Betracht kommen ungefähr 1200 Ar, beiter. Nürnberg, 24. September.(B. H.) Die bayerischen Metall- industriellen haben in einer Versammlung einstimmig beschlossen, für den Fall, daß die Verhandlungen, welche zwischen den deut- scheu Metallindustriellen und dem Deutschen Metallarbeiterver- band- wegen der Werftarbeitersache geführt werden, ergebnislos verlaufen sollten, die angedrohte Aussperrung von 00 Proz, der Arbeiter in vollem Umfange durchzuführen. Schwer« Erplosion. Barmen, 24. September.(B. H.) In der Gnmmiwarenfabrik Vorwerk u. Sohn explodierte ein Benzinkcsscl, wodurch drei Arbeiter schwere Brandwunden erlitten. Der Zustand der Ber, unglückten ist sehr ernst._ MZHmger St Ca., BerliuSN Hierzu 5 Beilagen. Ar. 233. 27. Jahrgang. 1. KtilU des JstBätff Sonnt«!), 35. SriiMn 191(1 Parteitag der deutschen Sozial- demohratie zu lliagdeburg. Sechster Verhandlungstag. Vormittagssitzung. Vorfitzender ZHühS eröffnet die Verhandlung um 9%' Uhr. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Diskussion über das Genossenschaftswesen. Peus- Dessau: In der vorgeschlagenen Resolution erscheint mir der Hauptsatz nicht erschöpfend. Auch die bürgerlichen Ver- eine könnten diesen Satz unterschreiben. Ich würde eine andere Formulierung vorziehen, aber ich lege mehr Gewicht auf die revolutionäre Tat als auf die revolutionären Worte.(Hört! hört!) Leider war die Aufmerksamkeit des Parteitages gestern abend beim Referat recht gering, vielleicht wegen der Ermüdung, vielleicht weil wir uns im wesentlichen über die Frage einig sind. Seit Berlin über Hannover nach Kopenhagen hat sich eine große Wandlung in den Anschauungen vollzogen, die uns eine Mahnung sein kann, daß wir an dem Wandel der Auffassungen in der Partei mehr glauben sollen, als manche jetzt dazu Neigung haben. sZustimmung.) Vor allem müssen wir dafür sorgen, daß wir Mitglieder in die Konsumvereine hineinbekommen.(Sehr richtig!) Von Katzen st ein und Genossen werden folgende Zusätze zur Resolution über das Genossenschaftswesen beantragt: 1. Im Absatz 4 hinter..beitreten' zu setzen:»dort ihre Be- dürfnisse decken und ihre Spargelder anlegen". 2. Im Absatz 4 hinter.Eigenproduktion" einzuschieben:„von Waren und Wohnungen". 3. Im Absatz 4 am Ende(hinter:„und Klassenkampf sein") zuzusetzen:„Indem sie einen möglichst großen Teil ihrer Erübri- gungen, statt sie an die Mitglieder zu verteilen, als gemeinsames Gcnossenschaftsvermögen ansammeln, dienen sie am wirksamsten den Interessen ihrer Mitglieder, fördern den Uebergang zur Eigenproduktion und erhöhen die wirtschaftliche Macht der A» beiterklasse. 4. In der letzten Zeile hinter„Konsumvereine" zu setzen: .durch Beitritt und durch Benutzung ihrer Einrichtungen kräftig". Erreicht muß werden, daß sich die Gesamtzahl der organisierten Konsumvereinsmitglieder deckt mit der Zahl der gewerkschaftlich und politisch Organisierten und mit der Zahl der Abonnenten der Parteipresse, daß alle diese verschiedenen Bewegungen möglich st einheitlich dastehen. Wir müssen den profitwütigen Kapitalismus bekämpfen durch den genossenschaftlichen Kapitalismus, der auf den Sozialismus abzielt. Es ist unrichtig, wenn behauptet wird, daß die großen Warenhäuser die Konsumvereine mit Vernichtung bedrohen. Im Gegenteil, wir müssen uns darauf vorbereiten, eines Tages den Kampf gegen die kapitalistischen Warenhäuser zu führen und sie durch die Großartigkeit der Kon- sumvereme zu vernichten. Ms man 1399 die„Produktion" gründete, gab es große Be. denken, niemand wollte daran glauben, daß etwas Großes daraus werden würde. Wer aber sich gelegentlich des internationalen Genossenschaftskongresses in Hamburg die großen Häuserblocks mit den zahllosen Arbeiterwohnungen angesehen hat, dem ist bei dem Vergleiche mit den Elendshöblen, in denen früher und auch noch jetzt Tausende von Arbeiterfamilien wohnen, das Herz aufge- gangen.(Sehr richtig!)— Die Berliner haben die ver- dämmte Pflicht und Schuldigkeit, in der Konsumvereinsbewegung Hamburg und Wien nachzueifern.(Bravo! bravo!) Wir werden doppelt stolz sein auf die sozialistische Hochburg Berlin, wenn eines Tages neben den 400 000 Sozialdemokraten ebensoviel organisierte Konsumenten stehen werden. Wir müssen in allen Städten die größten Hausbesitzer werden. Wenn Sie nach R i x d o r f gehen und die Jdealpassage sehen, dann müssen Sie sich sagen, waS für Hunderte geschaffen wurde, kann auch für Tausende geschaffen werden. Wenn wir vor wenigen Tagen in Dessau das schönste und größte Lokal der Stadt ge. kauft haben, so war uns das möglich durch ein Zusammenwirken des Konsumvereins und der Arbeiterdruckerei, ohne daß erst in der Arbeiterschaft große Sammlungen veranstaltet zu werden brauchten. Durch das wachsende Vordringen des Gemeinde» sozialismuS wird auch der Genossenschaftssozialismus immer wich. tiger. Wenn wir nun in Kopenhagen und in Magdeburg Reso- lutionen zugunsten der Genossenschaften fassen und wenn unsere Tat nicht fruchtlos bleiben soll, dann muß jetzt nach Kopenhagen und nach Magdeburg die Genossenschaftsbewegung empor» schnellen zu unüberwindlicher Macht.(Beifall.) Wurm-Berlin: Wenn die genossenschaftliche EntWickelung, speziell die der Konsumgenossenschaften, in Deutschland auf Widerstände in der Partei gestoßen ist, so liegt daS in der Vergangenheit an gewissen geschichtlichen Bedingungen, in jüngster Zeit aber zum Teil an den übereifrigen Freunden a la PeuS, die mit ihren AuShöhlungStheorien gar manchen Parteige- nassen vom Anschluß abhalten.(Zustimmung.) Die historische Ent- Wickelung war so. daß die Konsumgenossenschaften zunächst von der Fortschrittspartei in den 60er Jahren dazu benutzt wurden, um den Arbeitern ihre Ausbeutungslage erträglicher zu machen, damit sie ruhig sind und sich nicht gegen die Gesellschaftsordnung auflehnen. Ganz offenkundig haben Schulze-Delitzsch und Nachfolger diesen Gedanken ausgedrückt. Daher kam auch das Mißtrauen der Arbeiter. Die von Dr. C r ü g e r geführten Ver- eine stehen ja heute noch auf dem Standpunkte von Schulze- Delitzsch. Das Bestreben, das Elend mit Hilfe des billigeren Ein- kaufs der Konsumvereine zu verewigen, finden wir auch bei den durch die Großindustrie, zum Beispiel.Krupp, eingerichteten Kon- sumgenossenschaften. Die modernen Genossenschaften sagen von sich selbst, daß sie nur e i n Mitel sein können, um die Arbeiter noch kampffähiger zu machen. Die„Konsumgenossenschaftliche Rundschau" und da? Jnternationale Genossenschaftssekretariat in Zürich, die beide im Dienste der modernen Genosscnschaftsbe- wegung stehen, entwickeln nationalökonomische Anschauungen, die im scharsen Gegensatz� zu unseren Parteigrundsätzen stehen, jene Aushöhlungstheorie, daß mit allen möglichen Mitteln und Mittelchen der Klassenstaat beseitigt werden könne ohne Klassenkampfs Und es ist der große Fortschritt in der Stellung der Arbeiterschaft zu den Konsumvereinen, wenn in der Kopenhagener Resolution hervorgehoben wird, daß die Ge- nossenschaften in erster Linie die Aufgabe haben, die Arbeiter zum Klassenkampf zu stärken. Wir können nicht scharf genug hervorheben, daß die Genossenschaften nicht etwas absolut Selbständiges sind, es ist nicht richtig, daß die Genossenschaften gewissermaßen die Schwester deS Sozialismus und der Gewerkschaften sind, nein, sie sind ihre Tochter, denn die V o r b e- d i n g u n g für starke Genossenschaften ist eine starke Gewerk- schaftsbewegung. eine starke sozialistische Be- wegung.(Lebhafte Zustimmung.) Gerade der zielbewußten proletarischen Genossenschaftsbewegung werden fortgesetzt Hemm- nisse bereitet, durch Leute wie Dr. Hans Müller- Zürich und Dr. A u g u st M ü l l e r- Hamburg, die es sich zur Aufgabe machen. eine Neutralität der Konsumvereine zu prokla- Mieren, die gar nicht existieren kann. Es gibt in der Welt keine Neutralität, so wenig wie es eine Tendenzlosigkeit gibt. Die Leute, die sagen: wir wollen neutrale Konsumvereine, sind nur immer neutral gegen uns Sozialdemokraten, aber sie fcjddelu weiter im Fahrwasser der bürgerlichen Anschauungen. (Sehr richtig!) Daß die Konsumvereine das Gesetz zwingt, neutral zu sein, ist eine Sache für sich. Es ist sehr fraglich, ob unsere modernen Genossenschaften innerhalb des Rahmens des heutigen Genosscnschaftsgesetzes sich noch weiter entwickeln können. Die Form ist ihnen zu eng geworden. Daher ist danach zu streben, neue Formen zu finden, in denen die Genossenschaften sich freier entfalten können, vor allem, wo der Wille der Mitglieder mehr zum Ausdruck kommt. Wenn in manchen Konsumvereinen. die HyperNeutralität gegen links so sehr in den Vordergrund ge- schoben wird, so rührt das daher, daß die Masse der Mitglieder so wenig Einfluß aus die Verwaltung hat.(Sehr richtig!) Also wir müssen die Genossenschaften im Sinne der Kopcnhagener Resolution als Mittel zum Klassenkampf benutzen, das„Müllern" in Zürich und Hamburg ist den Genossenschaften schädlich Wenn die Arbeiter dann sehen werden, daß die Ge- nosscnschaften im Sinne des Klassenkampfes und des Sozialismus arbeiten, werden den Genossenschaften auch die Parteigenossen zuströmen und wir werden eine große, mächtige deutsche Genossen- schaftsbewegung bekommen, wie sie nützlich und brauchbar ist. (Lebhafter Beifall.) Döhnel-Leipzig: Ich bin völlig einverstanden mit den Worten Fleißncrs, daß die wichtigste Bestimmung der Kopenhagener Reso- lution die ist, daß die Konsumvereine mit sozalistischem Geiste zu erfüllen sind. Gerade deshalb kann ich mich aber nicht einver- standen erklärten mit dem letzten Satz der Resolution. Der Geist einer solchen Körperschaft ist nicht faßbar, er wird uns erst bewußt durch ihr Tun und Lassen, oder ihr Sprachorgan. Wenn wir darauf- hin die heutigen Konsumvereine prüfen, so werden wir sehr wenige finden, die heute schon im sozialistischen Sinne geleitet werden, und aus dem Sprachorgan der sogenannten modernen deutschen Konsumgenossenschaften weht uns auch nicht ein Hauch sozialistischen Geistes entgegen.(Sehr richtig!) Diesen Zustand werden wir auch nicht beseitigen durch noch so klug abgefaßte Resolutionen. Von innen heraus, von unten herauf muß Wandel geschaffen werden. Ich sehe davon ab, einen Antrag zu stellen, hoffe und wünsche aber, daß Fleißner in seinem Schlußwort den letzten Satz der Resolution in dieser Weise interpretiert. Das ist notwendig, damit nicht etwa verschiedene Parteigenossen sagen können: wir treten dem hiesigen Verein nicht bei, denn er ist ja nicht in sozialistischem Geiste geleitet. Diese Aus- rede müssen wir den Parteigenossen versperren. Wir müssen dafür sorgen, daß die Genossenschaften ein wirksames Glied im Be- freiungskampfe der Arbeiter werden.(Bravo!) Schmalfeld-Bremerhaven: Wenn die Genossenschaften nicht von sozialistischem Geist durchsetzt worden sind, so lag das an ihren Einrichtungen, an ihrer Organisation und an ihren Hauptführern. Genosse Wurm hat bereits aus die beiden Müller hingewiesen; vor allem st es Prof. Staudinger, der überall seinem liberalen Standpunkt Ausdruck gibt. Welcher Geist in den Genossenschaften herrscht, geht aus einem Referat von E. Markus- Remscheid— und das ist noch nicht der schlechteste Parteigenosse— auf der Konferenz der Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder für Rheinland- Westfalen hervor. Markus sagte hier u. a.:„Von den Angestellten wird oft Urlaub bei den allerverschiedensten Anlässen nachge- sucht, zum Beispiel bei patriotischen Festen, gelegentlich hoher Be- suche, bei Jäger- und Schützenfesten, bei Prozessionen am Frohn- leichnamstage usw. und nicht zuletzt zur Maifeier."(Hört! hört!) Sie werden mir doch zugeben, daß hier die Neutralität bis zum äußersten ihren Ausdruck findet. Auf dem Unterverbandstag in Bremen, der kürzlich stattfand, hatte ein Kieler Genosse be- antragt, dem Genossenschaftsrat das Recht zu geben, mit der Ver- waltung über Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu beraten und zu beschließen. Das ist ein so vernünftiger An- trag, daß man ihm, wenn man überhaupt nur Demokrat, nicht einmal Sozialdemokrat ist, ohne weiteres zustimmen müßte. Aber trotzdem wurde er bekämpft, führende Personen in der Ge- nossenschaftsbewegung, die auch in der Partei einen klangvollen Namen haben, erklärten, daß das unter keinen Umständen angängig sei(Hört! hört!); das Wort Demokratie sei ja ein schönes Wort, aber die Massen müßten erst dazu erzogen werden. Das sagt man Leuten, die nicht nur den politischen und gewerk- schaftlichen, sondern auch den genossenschaftlichen Gedanken er- griffen und betätigt haben! Wir müssen nach der Erringung der politischen Macht streben, und deshalb dürfen wir nicht unsere Kräfte verzetteln. Ich für meinen Teil wünsche Ihnen allen Glück in dem Vorhaben, die Genossenschaften zu demokratisieren und mit sozialem Geist zu erfüllen, aber vorläufig wird das noch recht schwer sein. Kayenstein. Berlin: Die Bedenken des Vorredners teile ich nicht/ In dem Maße, in dem sich unsere Parteigenossen in den Konsumgenossenschaften betätigen, werden sie auch Einfluß aus- üben können. Die große Masse der Mitglieder der Vereine ist proletarisch und das Wesen der Genossenschaften ist sozialdemo» kratisch. Es ist eine große Errungenschaft, daß dieser Parteitag sich planmäßig mit dieser Frage boschäftigt hat. Damit eröffnet sich uns ein neuer Weg zur Verwirklichung unserer letzten Ziele. Es ist ein neues Mittel zur Erreichung der sozialdemokratischen Gesellschaft, das uns damit in die Hand gegeben ist. Die Vor- standsresolution ist im ganzen annehmbar, weist aber ver- fchiedene Lücken auf. Dies« sollen durch meinen Aw- trag 103 ausgefüllt werden. Die Arbeiter müssen ihre Spar- gelder in dem Konsumverein anlegen.(Zuruf: Das geht nicht!) In der Hamburger„Produktion" sind mehr als VA Millionen Mark angelegt. Es ist geradezu unfaßbar, daß die Millionen sozialdemokratisch denkender Arbeiter das bißchen Kapitalkraft, das der einzelne hat, und das zusammengefaßt eine erhebliche Macht ist, in der Weise verzetteln, wie es heute geschieht. Die Gelder werden jetzt bei den Sparkassen angelegt, die sie unseren schlimm- sten Feinden zur Verfügung stellen und sie für Bauhypotheken, Bodenspekulationen und Staatspapiere verwenden. Es gibt sogar Gewerkschaften, die ihre Gelder in Kirchenpapieren angelegt haben.(Heiterkeit.) In den Sparkassen des Deutschen Reiches liegen 12 000 Millionen Mark. Wenn davon nur der zwölfte Teil auf Lohnarbeiter entfällt und die Hälfte in unseren genossenschaftlichen Organisationen angelegt würde, was würden wir mit dieser halben Milliarde für eine Macht haben. Ueberall muß auf die Hamburger„Produktion" hingewiesen werden. Es ist das unvergängliche Verdienst des Genossen v. E l m, der mit der Schaffung der„Produktion" der deutschen Arbeiterbewegung ein dauerndes Vorbild gegeben hat.(Beifall.) Die„Produktion" hat bereits mehr als 600 Arbeiter Wohnungen hergestellt, die zu großen Kolonien zusammengefaßt sind. Es ist nicht nur eine ganz sichere Kapitalsanlage, sondern auch deshalb von Be- deutuug, weil damit der Wohnungsnot entgegen- gewirkt wird. Wir müssen uns gegen die Dividendcnseuche wenden. Es ist ein Unfug, die Dividende als eine Art kapita- llstischer Gewinn hinzustellen. Sie gefährdet vielfach die Ent- Wickelung der Vereine Es muß Ernst gemacht werden mit der Unterstützung, die wir den Konsumvereinen gewähren müssen. ES genügt nicht, daß man die Hand erhebt und einer Resolution zu- stimmt, die Resolution muß auch zur Tat werden.(Ski- fall.) Eine Million Mitglieder haben wir in den Konsumvereinen, es liegt an uns, daß cS drei und fünf Millionen werden, daß wir einen Milliardenumsah erzielen. Wir arbeiten im wahren Sinn revolutionär, wenn wir die Organrsationskraft der Arbeiterklasse stärken. Wir müssen das Wort unseres Viktor Adler wahr machen: Arbeiten wir so praktisch, als ob wir noch hundert Jahre warten müssen, und arbeiten wir so revolutionär, als ob wir schon morgen zur Tat gerufen werden.(Lebhafter Beifall.) Stolle: Ueber die Genossenschaftsfrage hat eine eingehende Erörterung in der Presse und in den Versammlungen ftattge- furchen. Auch in den L u o dt a g e n und im Reichstage waren wir genötigt, uns gegen Unterstellungen und Vorwürfe zu wehren. Wenn irgendwo in einem kleinen Konsumverein die Verwaltung in Differenzen mit ihren Angestellten kommt, da sagen die Gegner gleich: Seht, die Genossenschaften sind sozialdemokratische Einrichtungen und so benimmt sich der Sozialdemokrat, wenn er in die Lage kommt, Arbeitgeber zu sein. Bis auf den heutigen Tag hat aber die Partei als Partei noch keinen Einfluß auf die Konsumvereine gehabt. Es ist unrichtig, daß die Konsumvereine die Ziele der Arbeiterbewegung verslachen. Schon Anfang der siebziger Jahre haben wir die erste Produktionsgenossenschaft, eine Spinn- und Wcbgenossenschaft nach Marxschem System gegründet. Was für ein gutes Kampfmittel ist nicht eine Produktivgenossen- schaft! Als die ersten Wahlen in Crimmitschau stattfanden und wir zwei Abgeordnete in den Reichstag schickten, gerieten die Unternehmer in solche Wut, daß sie 200 Arbeiter auf die Straße warfen. Mit Hilfe unserer Genossenschaft haben wir diese Arbeiter 10 Jahre lang als Arbeiter in unserem Be- triebe ernähren können. Mit dieser Bewegung ist uns eine Waffe gegeben, die in unserem Emanzipationskampfe von größter Be- dcutung ist. In allen Orten, wo kein unabhängiger Mann zu finden ist, da ist der Konsumvereinsleiter die geeignete Persönlich- keit zur Gründung einer Organisation. Die letzten Erfolge im 20. Wahlkreise verdanken wir zum großen Teil den Konsumvereinsange st eilten. Schon aus dieser poli- tischen Erwägung heraus ist es ein bedeutender Vorteil, wenn wir solche Genossenschaften gründen. Welchen Nutzen gewähren sie nicht auch in wirtschaftlicher Beziehung. Bei den Streiks in Sachsen und anderswo sind unendlich viele Leute unter st ützt worden durch die Konsumvereine. Sie wurden über Wasser ge- halten monatelang, indem die Lebensmittel gestundet wurden und auch Geld gegeben wurde. Das sind unschätzbare Vorteile. Inner- halb der Grenzen, die das Gcnossenschaftsgesetz zieht, ist ein weites Feld, um Vorteile für die Arbeiterbewegung zu schaffen und zwar in erster Linie, indem die Vereine zur eigenen Produktion übergehen. Wir müssen uns den Konsumgenossenschaften an- schließen. Ich begrüße es mit Freuden, daß durch die Resolution der Boden zu neuer Arbeit geschaffen wird. Aus diesem Wege müssen wir weiterschreiten. Nehmen Sie die Resolution einstimmig an.(Lebhafter Beifall.) Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird a n g e» n o m m e n. Fleißner(Schlußwort): Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, daß in einzelnen Genossenschaften und vor allem in der genossenschaftlichen Literatur eine sogenannte Ueberneutralität betätigt wird. Ich habe das bereits in meinem Referat zugegeben. Die Verhandlungen auf dem Kopcnhagener Kongreß und auf diesem Parteitage werden ganz gewiß ihre erzieherische Wirkung nicht verfehlen. Dar- über, ob die heutige Gesetzesform geändert werden soll, bestehen in den Konsumvereinen wesentliche Meinungsverschiedenheiten. Jedenfalls werden unsere Vertreter im Reichstag und in den Land- tagen mit aller Energie für gesetzliche Aenderungen ein- treten, die eine größere Bewegungsfreiheit der Genossenschaften in sich schließen. Wenn weiter be- mängelt worden ist, daß der zweite Absatz der Resolution nicht weitgehend oder speziell genug sei, so verweise ich darauf, daß im dritten Absatz alles gesagt ist. was wir von den Konsumvereinen verlangen. Auf die einzelnen Anträge will ich nicht eingehen, möchte Sie aber bitten, sie alle abzulehnen, weil sie einmal weniger von Bedeutung sind und es sich dabei mehr oder weniger um Dinge handelt, die Sache der Genossenschaften selbst sind. Wir haben keine Veranlassung, den Genossenschaften solche Vorschriften auf dem Parteitag zu machen. Was wir wünschen, ist in der Resolution ausgedrückt, die ich Sie unverändert anzunehmen bitte.(Bravo!) Unter Ablehnung der Abänderungsanträge wird die Vor» standsresolution angenommen. Rcichsvcrsicherungsordnnng. Berichterstatter ist Mulkenbuhr: Verschiedene Delegierte scheinen abgereist zu sein, iltn nicht eine stundenlange Rede von mir anhören zu müssen.(Heiterkeit.) Ich kann aber versichern, daß ich mich sehr kurz fassen werde. Wir haben uns hier nur zu fragen, welche Forderungen haben wir an die Arbeitervcrsicherung zu stellen und unsere Forderungen haben wir bereits in München vor 8 Jahren begründet. Speziell unsere Stellung zur vorliegenden Reichsversicherungsordnung ist von den Genossen Bauer und Schmidt und von der Genossin Zieh in Leipzig eingehend dargelegt worden. Wir halten auch gegenwärtig an den Leipziger Beschlüssen fest, die uns als Richtschnur für unsere parlamentarische Tätigkeit und als Unterlage für unsere Agitation dienen. Damals in Leipzig lag uns nur die BundeSratsnovelle vor, inzwischen ist die Gcsetzcsvorlage gekommen. Aber die Unterschiede sind nicht groß und jedenfalls liegen die wenigen Abänderungen nicht im Interesse der Arbeiter.(Sehr richtig!) � Es fragt sich nun, wie wird sich der Reichstag stellen? Die bürgerlichen Parteien sprechen immerfort von der Belastung der Industrie, die keine neuen Lasten mehr ertragen könnte. Oft genug ist die Ver- kehrtheit dieser Anschauungen nachgewiesen. Bei der Novelle handelt es sich um eine Mehrbelastung von ungefähr 10 Pf. für jeden Arbeitstag eines industriellen Arbei» t e r s. Diese Belastung kann die Industrie wirklich noch tragen. Die Industriellen tragen auch die Lasten nicht selbst, sondern lassen sie sich von den Konsumenten wieder» bezahlen. Dieser Ansicht war auch früher die Regierung, während sie jetzt sich die Unternehmerklagen zu eigen macht. Die Entwickclung der deutschen Industrie beweist aber» daß sie wahrlich nicht unter den Sozialgesetzcn zusammenbricht. Ferner sind sich fast alle bürgerlichen Parteien darin einig, daß die Landwirtschaft vor stärkerer Belastung bewahrt bleiben muß. Agrarisch i st Trumpf und jede agrarische Unverschämtheit findet das offene Ohr der Regierung. Ein industrieller Arbeiter kann auf seinen Antrag von der Krankenversicherung be- freit werden, wenn er den Nachweis führt, daß sein Prinzipal aus» reichend für ihn sorgt. Bei Landarbeitern aber stellt nicht der Arbeiter, sondern der Unternehmer den Antrag.(Hört!) hört!) Die Konservativen treten natürlich für sämtliche agrarischen Forderungen ein. Die Nationalliberalen ver- treten in erster Linie die Interessen der Berufsgenossenschaften und der Kapitalisten, und das Zentrum ist in vier bis fünf Parteien gespalten. Herold und andere Zcntrumsagrarier stimmen mit den Konservativen, der Zünftler Irl findet sich mit dem bekannten Tischlermeister Pauli zusammen. Hitze hat Angst vor jeden etwas weitergehenden Schritt in der Sozialpolitik, als ob Herr v. Stumm noch lebte(Heiterkeit), und die Arbeitersekrc- täre schließlich im Zentrum stimmen in vielen Fragen mit unS. Noch bei keiner der 300 Abstimmungen in der Kommission haben die Zentrumsmänner geschlossen gestimmt.(Hört! hört!) Die Freisinnigen machen sich Haupt- sächlich die ärztlichen Forderungen zu eigen. Bisweilen treten sie auch für die Erweiterung der Rechte der Versicherten ein, aher ilB allgemeinen stehen wir allein mit unserer Forderung. Die Vorlage hat in ihrem ersten Teil die Schaffung von Bersicherungsbehörden vorgesehen. ES sollten selbständige Versicherungsämter begründet werden, und dagegen wandten sich die Agrarier. Sie wollten unter allen Umständen, daß die Versicherungsbehörde ein Teil der unteren Verwaltungsbehörde sei, und daß der Land» rat Herr auch im Hause des Versicherungsamtes«erde. Das Zen- trum war mit dabei und so wurde nach dem konservativen Wunsch beschlossey. Es gab auch ein Stück Wahlrechtsfrage. Wir verlangten tzirekte Wahlen für die Arbeiterheisitzer. Auch hier stimmte d s tl BeflttBW ühfetfc IftttSfle nteBtfc sHSrk! HZrtl) Die Vorlage dehnt die Krankenversicherung auf Landarbeiter, Dienstboten, Heimarbeiter aus. Diese AuS- dehnung blieb bestehen. Es wurden aber alle erdenklichen Versuche gemacht, die Landarbeiter herauszubringen. Das Zentrum brachte Anregungen, die im Grunde daraus hinausliefen, jedem Bauer das Recht zu geben, seine Leute außerhalb der allgemeinen Ver- sicherung zu halten. Bekanntlich wollte die Vorlage die Selbstverwaltung der Krankenkassen durch Einführung der Halbierung beseiti» gen. Das hat die Kommission abgelehnt, aber auf Zentrums- a n t r a g wurde die Selbstverwaltung doch eingeschränkt in der Richtung, daß der Vorsitzende zu seiner Wahl sowohl die Stimmen der Mehrheit der Arbeitgeber wie der Arbeitnehmer braucht. Die Ortskasfen bleiben auch Hzeiter die Grundlage. Die Betriebspässen sind durch eine zufällige Abstimmung heraus- gekommen, werden aber jedenfalls wieder hergestellt werden. Jnnungskassen und Ersatzkassen bleiben, wenn auch den freien Hilfskassen ihre Existenz erschwert wird. In der Nnfallversicherung ist eine gewisse Ausdehnung der Versicherten eingetreten. Namentlich kommen das Badepersonal und die Binnenschiffer hinzu, sowie ein Teil der Handlungsgehilfen. Aber die Aus- dehnung der Unfallversicherung auf das ganze Handelsgewerbe, wie auch auf das gange Gast- und Schankgewerbe ist abgelehnt worden. Die völlige Unzulänglichkeit der Witwen- und Waisenrente ist häufig nachgewiesen worden, so auch auf dem Leipziger Partei- tag. Es heißt jetzt, daß man die Witwen- und Waisenversicherung herausschälen und ein anderes Gesetz dafür erlassen will. Ich weiß aber nicht, was wahr daran ist. Wir haben einige kleine Vorteile erzielt, so zum Beispiel die Bewilligung der von gewissen Herren höhnisch Schnapsrenten genannten kleinen Renten auf Zeit und die Gleichstellung der unehelichen Kinder mit den ehelichen bei der Hinterbliebenenrente.(Bravo!) Kleine Vor- teile lassen sich in unseren langen zähen Kämpfen schließlich durchsetzen, aber die Gegner sind jetzt wider st andsfähiger als früher, sie fürchten jetzt immer die Belastung der Unternehmer und der Landwirtschaft, während früher, als die Grundbesitzer von den Erhöhungen nicht betroffen wurden, leichter Vorteile er- rungen werden konnten. Di« Frage der Arbeiterversicherung wird immer Gegenstand unserer Agitation sein. Was bts jetzt errungen ist, reicht keines- Wegs an da? heran, was die Arbeiter zu fordern haben. Gewiß erscheint manchen das Thema der Arbeiterversicherung als ein sehr troekeneS. Aber es kommt nicht auf die Sensation an, sondern auf die Berechtigung der Forderung.(Bravo!) Die Ar- beiterversicherung ist von den großen Theoretikern des Sozialis- inuS, namentlich von Marx, nicht durchgearbeitet worden, wie die Fragen des Arbeiterschutzes, denn die Gesetzgebung Englands, wie sie Marx vorlag, hat sich wohl mit dem Normalarbeitstag, Verbot der Kinderarbeit usw. befaßt, aber nicht mit der Arbeiter- Versicherung. DaS darf uns aber nicht verleiten, die Fragen der Arbeiterversicherung als Fragen anzusehen, die nur die Unter- nehmer angehen. Der lügt, der da sagt, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht mitgemacht hat bei der Versicherungsgesetzgebung.(Lebhafte Zu- stimmung.) Der erste, der im deutschen Reichstag angeregt hat, die Arbeiterversicherung in Deutschland einzuführen, war unser Bebel(Sehr richtig!), der seit dem April 1870 die Schaffung eines großen Reichsversicherungsamis verlangt hat.(Sehr richtig!) Gerade die sozialdemokratische Partei hat stets Initiativanträge in dieser Richtung gestellt, und wenn man einmal untersucht, was der Reichstag in dieser Beziehung an positiver Arbeit geleistet hat, dann wird man finden, daß drei Viertel der von den Parteien gestellten Antröge auf die Sozialdemokratie entfallen. Also an positiver Arbeit haben wir es bisher nicht fehlen lassen.(Sehr wahr!) Wir werden das, was bisher erreicht ist, populär darzustellen haben, damit es eine Waffe im proletarischen Kampfe sein kann. Jedes Mittel, das dazu beiträgt, die Prole- tarier aufzuklären, sie selbständig auf dem Kampfplatz erscheinen zu lassen und ihre Forderungen zu propagieren,-das fördert gleich- zeitig die sozialdemokratische Bewegung, und so wird durch unsere Agitation auch die Versicherungsgesetzgebung mit eine Waffe im Befreiungskampf? des Proletariats fem.(Lebhafter Beifall.) Eine Debatte knüpft sich an das Referat nicht. Es folgen Sonstige Antröge. ES sind daS die Anträge 14. 69. 70. 71, 72. 73. 76. 8S. 88. 99. Hiervon werden genügend unterstützt die Anträge 14, 69, 71, 76, 85, 88, 99.*) •) 14. Berlin, 4. Kreis: Im Hinblick auf die letzten Vov- gange in Baden wird der Parteivorswnd beauftragt, nach den Richt- linien deS Antrages 167(Parteitag Leipzig 1909) Mittel und Wege zu suchen, um dem Organisationsstatut der Partei die Möglichkeit der Urabstimmung einzuverleiben. 69. 6. sä ch s i s che r K rei s: Der Parteitag möye beschließen: Der Parteivorstand hat dahin zu wirken, daß für die im Dienste der sozildcmokratischen Presse stehenden Kolporteure und deren An- gehörige eine Versicherungsmöglichkeit geschaffen wird, ähnlich der „Unterstützungsvereinigung der in der modernen Arbeiterbewegung tätigen Angestellten". 71. Bremen: Der Parteivorstand wird beauftragt, dahin zu wirken, daß zu den stattfindenden Gcschäftsführerkonferenzcn eine Vertretung der in Parteidruckereien beschäftigten Personale zugelassen wird, da eS nicht mehr wie recht und billig ist, daß, wenn auf diesen Konferenzen Beschlüsse gefaßt werden, die für die Per- sonale von weittragender Bedeutung sind, denselben auch eine Ver- tretung zugestanden wird, die durch Teilnahme an den Beratungen imstande ist, den berechtigten Wünschen ihrer Auftraggeber Aus- druck zu geben. Ferner ist in Erwägung zu ziehen, in welcher Weise sich ein« Regelung der sozialpolitischen Einrichtungen in Parteidruckevcien sowie die Schlichtung von in denselben aus dem Arbeitsverhältnis entstehenden Differenzen herbeiführen läßt, da hierzu die örtlichen Kommissionen nicht für alle Fälle die geeigneten Instanzen sein dürften. 76. Dortmund- Hörde: Der Parteitag erkennt an, daß die Arbeiterbibliotheken ein wesentliches Mittel zur sozialistischen Erziehung der Massen und eine der Grundlagen aller proletarischen Bildungbarbeit darstellen. Da das Bibliothekwcsen aber noch viele Mängel aufweist, so wird der Bildungsausschuß beauftragt, ihm besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Insbesondere soll er er- wägen, ob nicht anläßlich des näclsstjährigen Parteitages eine Kon- ferenz von Bibliothekfachleutcn abgehalten werden kann, die sich mit dem Ausbau und der Vereinheitlichung des Arbeiterbibliotherwesens zu beschäftigen hätte. 85. Mitglieder de S Distrikts X deS Sozial- demokratischen Vereins Breslau: Der Parteitag wolle beschliehen, in der Taktik der Partei die Volksbildung in den Vorder. grund zu stellen und mit mehr Nachdruck als bisher für die Durch- führung unserer Programm punkte 6 und 7 einzutreten. Des- gleichen durch unentgeltliche Flugblätter mehr Aufklärung zum Ver- ständniS dieser Forderungen im Volke zu verbreiten. 88. 1. pfälzischer Wahlkreis: Die Parteipresse sowie die Parteiorganisationen haben mehr als bisher auf die Schädlichkeit und Gefahr deS Alkoholgenusses für den Befreiungskampf der Ar- beiterklass« hinzuweisen, und sind die derzeitigen Schnaps- und Bierpreiserhöhungen nach Kräften zu diesem Kulturzweck auszu« nutzen. 99. Heinrich Schulz und Genossen: Der Parteitag ruft den Parteigenossen erneut und auf das dringendste den Beschluß des Leipziger Parteitages in die Erinnerung, wonach die organi- fierten Arbeiter aufgefordert werde», den Schnapsgenuß zu unter- läge». Zum Antrag 99 läuft ein Zusatzantrag ein: Den Parteiorganisationen wird empfohlen, den Trinkzwang bei Versammlungen und Sitzungen durch Vereinbarungen mit den Gastwirten abzulösen. Ferner läuft folgender genügend unterstützter Antrag Wurm und Genossen ein: Der Parteitag ersucht den Parteivorstand, darauf hinzu- wirken, daß die für die Parteitage bestimmten Referate minde. stens vier Wochen vor Stattfinden des Parteitages gedruckt den Delegierten- übermittelt werden. Heinrich Schulz-Berlin unterbreitet dem Parteitage folgende genügend unterstützte Resolution: Der Parteitag erhebt den entschiedensten Einspruch gegen das ungesetzliche Vorgehen der Lichtenberger Polizeibehörde, die das Bildungsbedürfnis der proletarischen Jugend nicht nur durch unrechtmäßige Anwendung überlebter Kabinettsver- fügungen, sondern sogar durch flagranten Bruch der Bestim- mungen des Reichsvereinsgesetzes zu ersticken versucht. Der Parteitag erhofft von dem Bildungseifer der jugendlichen Ar- beiter und Arbeiterinnen, daß er sich allen polizeilichen Maß- regeln zum Trotz siegreich durchsetzen wird. DavidsoHn- Berlin begründet den Antrag 14. Da eS den Anschein hatte, als ob gewissen Genossen die Beschlüsse des Partei- tages nicht mehr imponiern, waren wir Berliner der Meinung, daß eine Möglichkeit geschaffen werden muß, durch den Partei- vorstand eine Urabstimmung in die Wege zu leiten. Es wäre gut, wenn wir die Möglichkeit der Urabstimmung haben. Ebert- Berlin(Parteivorstand): Der Antrag ist schon in Leipzig von der Kommission zur Abänderung des Organisations- statuts sehr eingehend besprochen worden, hat allerdings keine Gegenliebe gefunden. Der Antrag verlangt Unmögliches. Wir müssen die Möglichkeit der raschen Handlung haben. Die Annahme des Antrages wäre eine Erschwerung der Parteitätigkeit, darum bitten wir um Ablehnung. Der Antrag wird gegen wenige Stimmen abgelehnt. John- Dresden begründet den Antrag 69. Für die Kolpor- teure sollte ebensogut eine Versicherungsmöglichkeit geschaffen wer- den wie für die Redakteure. Pfannkuch. Berlin: Die Tendenz deS Antrages ist durchaus berechtigt. Soweit es möglich ist, wird die Sache gefördert werden. Es wird versucht werden, den Wünschen der Antragsteller gerecht zu werden. Der Antrag wird dem Parteivorstand zur Berücksichti- gung überwiesen. Henke-Bremen begründet den Antrag 77 auf Zuziehung von Vertretern des Personals bei Konferenzen der Leiter der Partei- geschäfte. Westmeyer- Stuttgart schließt sich den Ausführungen cm. Schmidt- Hannover tritt ebenfalls für oen Antrag ein. Wirde er angenommen, dann hörten die vielen Streitigkeiten auf. Berard- Hamburg empfiehlt Ueberweisung deS Antrages an den Parteivorstand zur Berücksichtigung. Zur Schlichtung der Differenzen zwischen Geschäftsführern und Personal sind ge- nügend Instanzen da. Die Beschlüsse der Geschätfsführerkonferenz bezuglich des Personals werden oft nicht gehalten. Sie können nicht gehalten werden, weil die Verhältnisse zu verschieden sind. Es müssen möglichst weitgehend»ie Forderungen deS Personals erfüllt werden. Natürlich hält jeder seine Wünsche für berechtigt, aber damit ist noch nicht bewiesen, daß sie ausführbar sind. Ueber die Maximalsätze des Tarifs können wir kaum hinausgehen. Richard Fischer-Berlin: Aus Liebe zum Parteivorstand muß ich mich gegen den Antrag wenden, die Sache dem Parteivorstand zu uberweisen.(Heiterkeit.) Uns könnte es ja nur angenehm sein, wenn der Parteivorstand auch das noch auf seinen Buckel nimmt. Aber der Parteitag ist zur Entscheidung dieser Frage nicht kompetent. Es handelt sich nicht um Tarifftagen, denn selbstverständlich werden die Tarife ohne jede Einschrän- kung von jedem Parteigeschäft anerkannt, sondern um Dinge, die über den Tarif hinausgehen. Parteigeschäfte, über die der Parteitag bestimmen kann, gibt es eigentlich nur zwei. ems in Stuttgart und eins in Hamburg. Uebrigens ist, was der Antrag will, schon erfüllt. Die Konferenzen sind auf- gefordert, Vertreter des Personals hinzuziehen, wenn Angelegen« heiten des Personals in Frage kommen. Mehr läßt sich nicht tun. Selbstredend ist jedes Parteiblatt moralisch verpflichtet, über die Bestimmungen der Tarife HinauSzu. gehen. Das Personal denkt aber gar zu leccht— eS ist ja begreiflich—, daß man in Buxtehude gewähren kann, was in großen Blättern wie in Hamburg und Berlin gewährt wird. Man vergißt aber die sehr wichtige Frage der Rentabilität. Ich glaube auch nicht, daß der Buchdruckerverband an Sondertarife mit sozialdemo- kratischen Geschäften denkt. Er weiß, daß die Buchdrucker sich sagen würden, was der Vorwärts zahlt, können Masse, Scherl, U l l st e i n auch zahlen, und daß daraus Kämpfe entstehen könnten, bei denen er unter allen Umständen der Schwächere wäre. Andere Organisationen freilich sagen sich, wir nehmen, was wir kriegen, und ein Parteigeschäft hat auch moralisch die Verpflichtung. Es ist den Organisationen ja weiter nicht übel zu nehmen, wenn sie so denken, aber es kommen dabei manchmal gar nicht Parteigenossen in Betracht, sondern nur Geschäfte, wo für die Partei gearbeitet wird. Wir können aber doch nur Beschlüsse fassen für Partei- genossen. Wir sind der Meinung, ein sogenanntes sozialdemokra- tisches Geschäft hat so wenig wie ein bürgerliches seinen Arbeitern die Partsiangehörigkeit vorzuschreiben.(Sehr richtig!) Wir können nur die gewerks chaftlicheOrganisationszugehörig- k e i t von den Arbeitern verlangen und die Erfüllung der aus dem Arbeitsvertrag resultierenden Verpflichtungen. Auf diesen Stand- Punkt hat sich auch das Arbeiterpersonal mit vollem Recht gestellt. In diesem Sinne bedaure ich auch den Nürnberger Beschluß, daß vie in Parteigeschäften angestellten Arbeiter ihren Verdienst am 1. Mai abzuliefern haben. Ich habe diesen Beschluß nicht zur Ausführung gebracht, und kein Parteigeschäft hat ihn zur AuS- führung gebracht, da die Schriftsetzer mit vollem Recht sagten, es geht das Geschäft gar nichts an, was ich mit meinem Lohn am I. Mai mache. Wo die Arbeiter mehrParteigenossen als Arbeiter waren, wurden sie noch von ihrer gewerkschaftlichen Organisation gerüffelt, und es wurde mit einem gewissen Ver- gnügen konstatiert, daß die Rüffel Erfolg hatten, und daß die Ar- beiter sich der Durchführung des Beschlusses widersetzen. Also ver- zichten wir auf undurchführbare Beschlüsse.(Bravo!) Hildenbranb-Stuttgart: Der Antrag wird die Schwierigkeiten nicht verhindern, sondern vermehren. Wenn zur Geschäftsführer- konferenz das Personal hinzugezogen wird, werden vielfach unan- genehme Auseinandersetzungen entstehen. Auch der deutsche Buch- druckerverband hat gar kein Interesse daran, die ohnedies schon viel- fach vorhandenen Schwierigkeiten zu erhöhen. Lehnen Sje Pen Antrag ab. Fischer-Hannover: Ich bin darin anderer Meinung. ES ist ut, wenn man dem Personal Gelegenheit gibt, persönlich mit en Geschäftsführern zu verhandeln. Differenzen sind auch in sozialdemokratischen Unternehmungen vorhanden. Der Gauvorstand der Buchdrucker in der Provinz Hannover beschwert sich darüber, daß der„Vorwärts" Matern der Reichstagsverhand- lungen an die Druckereien der Parteiblätter mit früherem Redak- tionsschlutz versendet, damit sie noch in der Lage sind, ohne eigene Stereotypie den Reichstaszsbericht zu bringen. Dadurch werden viele Arbeitskräfte überflüssig gemacht.(Widerspruch.) Befremden hat es erregt, daß einige Parteidruckereien mit bürgerlichen Zeitun- gen Matern austauschen.(Zuruf: Doch bloß Inserate!) Die Bekämpfung der bürgerlichen Presse geht so bloß bis zum Redaktions strich(Lachen) und darunter kommt eben das Geschäft und eine gewisse Harmonie auch mit den bürgerlichen Zeitungen.(Lachen.) Wir sind der Meinung, daß daS die Partei schädigt.(Widerspruch.) Der Antrag wird dem Parteivorstand zur Berücksichti» gung überwiejen. Es folgen vle Anträge 76 und 85, die gemeinsam berhandeli werden. Hänisch-Dortmund: Im Bibliothekswesen liegt noch vieles im argen, und namentlich die Zersplitterung richtet großen Schaden an. Daher bitte ich um Annahme unseres Antrages.(Bravo!) Heinrich Schulz-Berlin(Zentralbildungsausschuß) erklärt, daß der Zentralbildungsausschuß der Frage nach wie vor seine Auf- merksamkeit zuwendet und daß er demnächst einen Plan zur weiteren Systematisierung des Bibliothekwesens ausarbeiten wird.(Bravo!) Beide Anträge werden dem Vor st and überwiesen. Wurm-Berlin begründet die Anträge 88 und 99.' Es ist keine leere Formalität, wenn wir uns noch mit dem Leipziger Schnaps- boykott befassen wollen. Wenn der Schnapsverbrauch auch zurück- gegangen ist, so müssen wir doch immer wieder auf die Notwendig- keit der strengen Durchführung des Boykotts hinweisen. Selbstverständlich ist es, daß im Vordergrund stehende Personen nicht ein schlechtes Beispiel geben sollen, und daß die Organisationen dafür sorgen sollen, daß bei ihren Festen nicht zum Alkoholkonsum angereizt wird. Die Wirte müssen wir durch Saalmiete usw. für ihren Ausfall an Einnahmen entschädigen. In den Jugendvereinen haben es die Jugendausschüsse schon durchgeführt, tun wir es auch. (Bravo!) Ich empfehle sie Annahme des Antrages, um zu zeigen, daß die Partei gewillt ist, mit allen Mittelnden Alkohol- mißbrauch zu bekämpfen.(Bravo!) Die Anträge werden angenommen. Den Antrag 194, betreffend die Drucklegung der Referate, be- gründet Wurm: Auf allen wissenschaftlichen Kongressen ist schon vie vorherige Drucklegung der Referate durchgeführt, und auch bei uns, soweit der Bericht der ReichstagSfraktion in Frage kommt. Wenn wir die Referate 4 Wochen vorher gedruckt haben und uns darüber informieren können, werden die Debatten einen günstigeren Verlauf nehmen. Heinrich Schulz-Berlin: Der Antrag ist gut gemeint, aber daS Verfahren hat schließlich auch seine Schattenseiten. Die Un- mittelbarkeit der Verhandlungen leidet darunter und der Referent wird dann doch wieder eine Einleitung geben müssen. Aber viel- leicht läßt sich die Sache so machen, daß die Referenten vorher ihre Resolutionen veröffentlichen. Der Antrag wird dem Parteivorstand zur Berücksichti» gung überwiesen. Heinrich Schulz-Berlin begründet die Resolution 105. Der Bildungsausschuß für Lichtenberg bei Berlin hatte einen Vortragskursus angemeldet über daS Thema: Die Entstehung der Erde. Dieser Vortragskursus sollte nach einer Verfügung der Regierung in Potsdam nicht abgehalten werden, weil angeblich der vorgesehene Redner keine Erlaubnis zum Unterrichterteilen habe. Davon war aber gar nicht die Rede. Es handelt sich um keinen Unterricht, sondern um einen Vortragskursus. Weil in einem Abend das Thema nicht er- schöpft werden konnte, sollten 4 Vorträge stattfinden. Trotz» dem wurde eine alte überlebte Kabinettverfügung aus dem Jahre 1834 in Anwendung gebracht. Der Redner hat sich sofort be- schwert und hat die Nachricht bekommen, daß die Beschwerde an den Kultusminister weitergegeben ist. Da gilt also das alte Sprichwort: Man hat den Teufel bei Beelzebub ver- klagt. Wir haben nun die Sache so eingerichtet, daß selbst nach den rückständigsten Ansichten kein Grund zum Einschreiten vorlag. Wir haben keinen Bortragsabend veranstaltet, sondern die Lichten- berger Genossen haben eine öffentliche Versammlung einberufen mit dem Thema: Wissenschaftlicher Vortrag über die Entwickelung de? Planetensystems. Als nun vorgestern abend der Redner kaum begonnen hatte, erschien im Saale ein Leutnant (Zuruf: Mit 16 Manul Heiterkeit), nein, nur mit einem Mann, da es sich nur um die Jungen handelte, nicht um die Alten im Reichstage. Genosse Schulz schildert hierauf, oftmals unter« brochen von Rufen der Entrüstung, das bekannte Vorgehen der Polizeibeamten und fährt dann fort: Dieses Aufgebot, diese Per- stoße gegen die klaren Bestimmungen deS Reichsvereinsgesetzes, alles daS wird nur gemacht, weil die Jugendorganisation daS Bedürfnis hatte, die Jugend aufzuklären über die Ge- schichte der Erde und des Planetensystems. Die Behörden müssen eine schnurrige Angst haben, daß die Jugend er- fährt, wie es auf der Erde aussteht.(Heiterkeit.) Es wird Be- schwerde erhoben werden und der Klageweg wird bis zum äußersten beschritten werden. Vorgestern sind die Dinge passiert. ES ist zu befürchten, daß dieses Vorgehen der Behörden gegen die Jugendorganisation nicht vereinzelt dastehen wird. Der Parteitag hat auf diese BrüSkierung der proletarischen Jugend- bewcgung seine Antwort zu geben. Stärken Sie unserer prole- tarischen Jugendbewegung den Rücken in ihrem Kampfe gegen die Polizei, indem Sie unsere Resolution annehmen. Wir freuen unS, daß unsere Jugendbewegung einen solchen Aufschwung nimmt, daß sie in den wenigen Jahren glänzende Fortschritte ge- macht hat. Das Vorgehen der Polizei wird dazu beitragen, unsere Jugendbewegung vorwärts zu treiben. Die Partei erwartet von der Jugend, daß sie un- geachtet der polizeilichen Schikanierungen ihr reges Bildungs- bedürfniS weiter zeigt, und daß sie die von der Schule des Klassen- staates vorenthaltene Bildung sich möglichst anzueignen sucht.(Leb- hafter Beifall.) Litfin- Berlin: Ich möchte die Resolution unterstützen. AIS Vorsitzender einer Wirteorganisation kann ich sagen, daß über- all in Preußen solche Dinge vorkommen. Sagen wir also in der Resolution nicht speziell Lichtenberg, sondern wenden wir uns gegen das Vorgehen im ollgemeinen. Katzenstein-Berlin: Der Fall ist der Ausfluß eines wohl- überlegten Systems. Trotz der Entscheidung des Reichsgerichts tut die Polizei was sie will. In Charlottenburg ist jetzt die „Jugend" von Halbe verboten worden(Hörtl hörtl), die seit 20 Jahren unangefochten in Berlin gegeben worden ist. Selbst cm die Lehrer der Arbeiterbildungsschule wurde kürz» lich die Anfrage gerichtet, ob sie die behördliche Genehmigung zur Abhaltung von Kursen haben. Wir müssen zum planmäßigen An- griff vorgehen. Was die Polen gekonnt haben, können wir auch. Der Religionsunterricht will die Kinder nur zum Leben untauglich machen. Da müssen wir dagegen auftreten mit dem Boykott des Religionsunterrichts.(Lebhafter Beifall.) Hierauf wird die Resolution angenommen. ES folgt der Bericht der Beschwerdekommission. Berichterstatter Vrccour-Kiel: Der Beschwerdekommission haben 6 Sachen vorgelegen, darunter 4 Beschwerden gegen die Resultate von AuSschluhverfahren, ein Antrag auf Wiederaufnahme in die Partei und die Angelegenheit Geck-Süßkind. Alfred Schröder aus Britz bei Berlin ist ausgeschlossen wegen Zugehörigkeit zum Allgemeinen deutschen Metallarbeiterver» band. Die Kontrollkommission hat die Bcrufting Schröders ver» warfen. Schröder vertritt in seiner Beschwerdeschrift die An» ficht, daß der Allgemeine deutsche Metallarbcitervcrbano nicht i n bewußter Weise eine Schädigung der Partei bezwecke, und daß der Nürnberger Beschluß, der die Zugehörigkeit zum Allge- meinen deutschen Metallarbeitcrverband mit den Parteigrundsätzen in Widerspruch stehend erklärt, nicht zwingende Wirkung habe. Aber der Nürnberger Parteitagsbeschluß läßt gar kein« andere Deutung zu, als sie Schiedsgericht und Kontrollkommission angenommen haben. Die Beschwerdekommission beantragt daher Ab» Weisung der Berufung. Der Parteitag beschließt demgemäß. Berichterstatter Brecour: Der Genosse Grunert-Naum- bürg war durch eine Untcrsuchungskommission aus d« Partei ausgeschlossen worden. Dieser Beschluß mußte aufgehoben werden, weil die Kommission nickst als ordentliches Schiedsgericht anzusehen war. DaS reguläre Schiedsgericht hat den Ausschluß Grunerts abgelehnt, ihm aber wegen des tätlichen Angriffs auf einen Parteigenossen eine Rüge und wegen wiederholten Boykott- bruchs eine scharfe, und wegen fortgesetzter Opposition gegen die Parteileitung die schärfste Rüge erteilt. Der sozialdemokratische Verem in Naumburg hat gegen den Beschluß de» Schiedsgerichts s appelliert und den Ausschluß verlangt. Die Beschwerdekommission empfiehlt, da inzwischen neue Tatsachen über daS Verhalten Grunerts mitgeteilt worden sind, die eventuell seinen Ausschluß rechtfertigen würden, die Einleitung eines neuen Schiedsgerichtsverfahrens gegen Grunert. Leopold- Zeitz: Das Schiedsgericht hat die Sache nicht so ver» handelt, wie es sich gehört. Am Orte ist man sich einig, daß Grunert aus der Partei muß. Wenn der Parteitag nicht selbst den Ausschluß vollziehen will, muß ein neues Verfahren eingeleitet werden. Der Antrag der Kommission auf Einleitung eines neuen Schiedsgerichtsverfahrens wird angenommen. Berichterstatter Brecour: Paul Fiedler, Berlin 6, ist ausgeschlossen, weil er sich ehrloser Handlungen schuldig gemacht hat. Er hat fälschlich ein parteigenössisches Mitglied der frei- religiösen Gemeinde Berlin des Betrugs und der Unterschlagung bezichtigt, hat die freireligiöse Gemeinde wegen angeblich falscher Eintragung denunziert und in einer anarcho sozialistischen Versammlung die Institutionen der Partei verächtlich gemacht. Die Beschwerdekommission ist einstimmig der Meinung, daß das Ausschlußurteil des Schiedsgerichts gerechtfertigt ist. Der Antrag der Kommission aus Bestätigung des Ausschlusses wird angenommen. Berichterstatter Brecour: Gegen den Genossen Michael V o l z- Oppenau wurde auf Grund lokaler Streitigkeiten ein Ausschluß- verfahren eingeleitet, weil er sich gegen Parteiinteressen vergangen haben sollte. Die Sache ist schon nach dem neuen Örganisations- statut erledigt. Der Gauvorstand hat den Ausschluß abgelehnt und Volz nur eine Rüge erteilt und ihn für unfähig erklärt, bis zun: 1. Juli 1912 ein Ehrenamt in der Partei zu bekleiden. Das Schiedsgericht dagegen hat auf Ausschluß entschieden. Die Kom- Mission beantragt Aufhebung des Schkebsge�schitS- Urteils und Bestätigung des Urteils des Gauvorstandes. Der Parteitag beschließt nach diesem Antrage. Berichterstatter Brecour: Der aus dem Parteitag in Leipzig aus der Partei ausgeschlossene Maler G o t t s ch l i n g beantragt Wiederaufnahme in die Partei. Dieser Antrag gehört aber nicht zur Kompetenz der Beschwerdekommission. Damit ist dieser Antrag erledigt. Die der Veschwerdekommission überwiesene Angelegenheit G e ck- S ü ß k i n d hat zu dem Resultat geführt, dem Parteitag im Einverständnis beider Beteiligten folgende Erklärung zu unter- breiten: „Die Verhandlungen der Beschwerdekommission haben er- geben, daß die Behauptung Süßkinds, Geck habe seine Stellung in der Kontrollkommission ausgenutzt, um die badische Partei zu schädigen, unrichtig ist, daß Süßkind jedoch bei der Behauptung in gutem Glauben gehandelt hat." Damit ist der Bericht der Beschtverdekommission erledigt. Die sich auf die Tagesordnung des nächsten Parteitages be z�henden Anträge 1, 2, 78 und 79*) werden dem Parteivorstand zur Berücksichtigung überwiesen. Vorsitzender Dictz: Wir hätten nun noch den Ort für den nächsten Parteitag zu bestimmen. Bisher war es Gepflogenheit. daß jeder Parteitag beschloß, wo der nächste Parteitag abgehalten wird. Wir leben aber heute unter außergewöhnlichen Verhältnissen. Es steht zu erwarten, daß im nächsten Jahre ein auherordeutlichcr Parteitag stattfinden muß, und deS balb sollten wir es diesmal dem Parteivorstand überlassen, den Parteitag nach dem Ort einzuberufen, der für die Delegierten aus allen deutschen Gauen am günstigsten liegt.(Allseitige Zu- stimmung.)— Da ein Widerspruch aus der Mitte des Parteitages nicht erfolgt, konstatiere ich, daß die Festsetzung des Ortes für den nächsten Parteitag dem Parteivorstand überlassen ist. An den Beratungen des Parteitages haben teilgenommen, ab gesehen von den Gästen, 39g Genossen und Genossinnen. Davon waren 318 niännliche und 22 weibliche Delegierte, 3b Mitglieder des Reichstages, 9 Mitglieder der Kontrollkommission, 8 Mitglieder des Parteivorstandes, 2 Referenten und je 1 Vertreter eines Partci�eschäftcs bezw. der Redaktion deS„Vorwärts". Stimm berechtigt waren also 391 Teilnehmer. DaS Resultat der Wahlen ist folgendes: Für den Parteivorstand sind abgegeben 359 Stimm. zettel. Gewählt ist: Bebel zum ersten Vorsitzenden mit 344, Singer zum zweiten Vorsitzenden mit 342, G e r i s ch zum Kassierer mit 344 Stimmen. Zu Schriftführern sind gewählt Molkenbuhr mit 348, E b c r t mit 349, Pfannkuch mit 339, Müller mit 293 und als Beisitzerin Genossin Z i e tz mit 331 Stimmen.— Ferner haben Stimmen erhalten: Frank zum ersten Vorsitzenden 1. Auer als Sekretär 1, außerdem Dittmann 1, Rudolph 5, Roscnfeld 1, Wißmann 3, Stubbe 1. Bei der Wahl der Kontrollkommission sind abge geben 352 Zettel. Gewählt sind: Bock- Gotha mit 289, Braun- Königsberg mit 326, B r ü h n e- Frankfurt a. M. mit 278, Ernst- Berlin mit 332, Geck- Offenburg mit 264, Kaden- Dresden mit 279, K o e n e n- Hamburg mit 276, Timm- München mit 295, Zetkin- Stuttgart mit 265 Stimmen. ES sind also die bisherigen Mitglieder der Kontrollkommission w i e d e r g e. wählt.— Ferner haben Stimmen erhalten: Geiß 63. Süß heim 3, Borgmann 2, Wcstmeyer 2, Kolb 2, Frank 1, WaSner 1, Fischer 1, Dittmann 1, Zubeil 1, Rohleder 1, Müller-München 1, BeimS 1, Lehmann-Leipzig 1, David 1, Hildenbrand 1 Die Kontrollkommission teilt mit, daß sie die Genossen W e n g e l s und L i e p m a n n wieder zu Beisitzern für den Parteivorstand gewählt und den BildungsauSschuß in seiner bisherigen Zusammensetzung bestätigt hat. Damit sind die Geschäfte deS Parteitages beendet. Vorsitzender Dietz: Die Verhandlungen unseres Parteitages haben diesmal mehr als sonst die Aufmerksamkeit aller politischen Parteien Deutschlands erregt. Wenn die Urteile der konserva- t i v e n und der Zentrumspresse unS auch kalt wsscn, so liegt daS daran, daß wir sie kennen. Wlr wissen, daß sie uns vermöbelt und heruntersetzt, wo sie nur kann. Jäolche Urteile sind uns sehr a n (Sei enehm, da sie die versteckte Wut kaum verbergen können. r gutl) Je mehr dort geschimpft wird, umso sicherer werden wir selbst, denn der Beweis ist erbracht, daß wir uns auf richtigem Wege befinden.(Sehr wahr!) Desto interessanter war dagegen das Verhalten der Liberalen. Sie haben auf ctivas gehofft, das nicht in Erfüllung gegangen ist und nie in Erfüllung gehen wird. Ich werbe darauf noch am Schluß meiner Ausfuhrungen zurückkommen. Parteigenossen! Unsere Tagung stand während des ganzen Verlaufe? unter einer strengen Sachlichkeit, wenn auch einige aufregende Momente nickst vermieden werden konnten. Das liegt aber an unserem ureigenen Wesen, frei herauSzu- sagen, waS ist, und d:e Meinungsfreiheit nicht einzuschränken.(Sehr gut!) Daß dabei hier und da daneben gehauen wird, das ist menschlich und umso mehr begreiflich, als allen nur das Wohl der Partei am Herzen liegt. Kein Delegierter wird mit einem bitteren Gefühl im Herzen den Parteitag verlassen.(Sehr richtig!) Ueber den Verlauf der Debatte über die Maifeier ist zu sagen, daß die Partei, wie auch in früheren Jahren, den ersten Ma: am würdigsten durch vollständige Arbeitsruhe zu feiern gedenkt, um den Protest gegen die Ausbeutung der Arbeiter durch den Kapi- taliSmus am wuchtigsten zu erheben und zugleich dem KriegSmoloch ein Halt in seinem völkerverwüstendcn Treiben zuzurufen. Wir wissen recht wohl, daß die Arbeiter einer Nation allein nicht stark genug sind, um mit Erfolg jenem kulturmörderischen Unheil ein *) 1. Essen: Die Jmpffrage Parteitages zu setzen. auf die Tagesordnung deS 2. Düsseldorf: Die Steuerfrage auf die Tagesordnung des Parteitages zu seyen. 78. Brandenburg: Die Agrarfrage auf die TageSord- nung de» nächsten Parteitage» zu fetzen. Ende zu bereiten. Wer die Zeit naht immer mehr heran, wo das gesamte Proletariat aller Länder stark genug sein wird, Kriege zwischen Kulturländern unmöglich zu machen. Da- zu soll und wird die Maifeier dienen. Das hat uns auch ganz be- sonders das Referat über den Internationalen Kongreß m Kopenhagen gezeigt. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und der Wille der Proletarier aller Länder wird das vollbringen, was Ideologen im bürgerlichen Lager bislang als schönen Traum ange- sehen haben.(Lebhafte Zustimmung.) Auch der Parlaments- rifche Bericht hat große und erhebende Momente gehabt, und die daran sich anschließende Diskussion zeigte uns die Uebel und die Schwächen unserer innerpolitischen und wirtschaftlichen Lage, als deren Pole sich der Imperialismus im deutschen Tibet mit feiner verzückten Himmelsfreudigkeit und die kaum zu ertra- gende Not von Millionen Volksgenossen erwies. Dort das Erdenentrücktsein, hier irdische Not und Leiden und Verge- waltigung in höchster Potenz, aber auch zugleich die feste Ent- schlossenheit unserer Partei, als Vertreter der Armen und Elenden, dem tollen Zustand ein Ende zu bereiten. Und das Volk wird uns in diesem Kampfe treu zur Seite stehen.(Bravo I) Als ein weiteres gutes Zeichen unserer Entwickelung ist auch der freundliche Stand- punkt unserer Partei zu der Konsumvereinsbewegung anzusehen. Wenn nicht alles täuscht, wird diese Bewegung imstande sein, den Arbeitern eine starke Stütze zu bilden im Kampf gegen Auswucherung und Uebervorteilung im täglichen Leben und dabei eine große erzieherische Wirkung ausüben.(Bravo!) Das ist umso notwendiger, als wir sehen, wie in der sozialen Reform, trotz des Trommelgerassels der Offiziellen und Offiziösen eine Art Versteinerung eingetreten ist. Die große Vorlage, die den Reichstag z. Zt. beschäftigt, ist eigentlich nichts weiter, als eine rein mechanische Zusammenlegung der Vcrsiche rungsgcsetze, bei der neben manchem Besseren aber auch die Be schneidung der Selbstdevlvaltung der Kassen, besonders der Rechte der Arbeitnehmer steht. Noch bei keinem Gesetz zuvor ist seitens der Parteileitung, der Gewerkschaften und der sozialdemokratischen Fraktion des Deutschen Reichstags eine so gründliche und um- fassende Sichtung und Bearbeitung des Materials erfolgt, wie gerade bei dieser Vorlage. Hoffen wir, daß diese Riesenarbeit wenigstens den Erfolg haben möge, daß die Arbeiter nicht schlechter gestellt werden als bisher.(Bravo!) Nun noch einige Worte zu der badischen Budget- bewilligung, die ihre Schatten in der Literatur und in Ver>- sammlungen vorauswarf. Gewiß, die Angelegenheit war auch für uns keine angenehme, aber sie ist erledigt, Wieste unter Parteigenossen erledigt werden muß.(Sehr wahr!) Harte Worte links und rechts, dann aber, als der Streit sein parlamentarisches Ende fand, die erhebenden, von richtigem Partei- genössischen Gefühl getragenen Erklärungen der vier süddeutschen Fraktionen am Freitagmittag. Ich habe manches Auge naß werden sehen,— das war keine Sentimentalität, sondern Freude über die wirklich vollzogene Einigung zwischen Nord und Süd unseres Vaterlandes.(Lebhafter Beifall.) Parteigenossen, der alte Liebknecht hat einmal das Wort ausgesprochen: Die geballte Faust dem Gegner, den Genossen, auch den strauchelnden, die hilfreiche Bruder- Hand.(Sehr gut!) Sie wissen, was ich damit meine. Ich möchte dazu noch sagen, damit die andere Seite auch ihr Teil erhält (Heiterkeit), daß wir, bildlich gesprochen als Partei mit einem großen Hause zu vergleichen sind, das viele Wohnungen hat, Wcch- nungen für alle, denn wir möchten alle haben, die den Kampf gegen das Unrecht führen wollen, aber auch in den Temperamenten sehr verschieden sind. Das kann der Hausbesitzer ertragen; ohne daS Aufeinanderplatzen der Meinungen kommt die Wahrheit nicht an den Tag. Aber eins kann er verlangen: die Hausordnung müssen alle ohne Unterschied respektieren.(Lebhafter Beifall.) Hierbei haben wir auch die große Freude gehabt, unseren alten Führer Bebel in geistiger Frische und Kraft wieder unter uns zu sehen, was uns alle mit einander sehr gefreut hat. ES ist zweifellos der Wunsch der Delegierten hier im Saale und der Parteigenossen im ganzen Reich und weit darüber hinaus, daß seine gute Gesundheit andauern möge, damit er das Werk, das er begonnen hat, fortsetzen kann. (Stürmischer Beifall.) Und damit komme ich zum Schluß. Das, was uns alle be» wegt und die Partei vor schwere Aufgaben stellt, ist der Wahl. rechtskampf in Preußen; der muß zu einem glücklichen Ende geführt werden, und wenn man Ihre entschlossenen, kämpf- lustigen Gesichter sieht, so ist an dem Ausgang gar nicht zu zweifeln. Wenn die Liberalen uns zu diesem Kampf als offizielle Bundesgenossen haben wollen, so sehen sie den Wald vor Bäumen nicht. Es existiert keine ernstlickze liberale Forderung, die nicht von unserer Partei leidenschaftlich vertreten wird, mit einer Leidenschaft, von der bei den Liberalen äußerst wenig zu merken ist.(Sehr richtig!) Von einem Handel zwischen uns und den Liberalen kann nicht die Rede sein, wohl ober von einer Hilfe dort, wo die Liberalen einem Reaktionär gegenüber zu schwach sind. Wo es uns selbst nicht gelingt, aus eigener Kraft den Re- aktionär zu besiegen, hauen wir den Liberalen als das kleinere Uebel heraus. So war es immer, selbst mit einem Disziplinbruch(Heiterkeit), so wird es auch fernerhin bleiben. Also bitte, mögen sie gegebenenfalls das Gleiche tun. So, aber auch nur so, ist eine Bundesgenossenschaft denkbar. Wir sind schon zu häufig geleimt worden, um uns Illusionen hinzu- geben.(Lobhafte Zustimmung.) Wenn der Parteitag geschlossen sein wird, treten die Dele- gierten in ihrer Heimat wieder in den Kampf ein. der heißer als je werden wird. Sie treten nach dem Zusammenarbeiten mit den Parteifreunden aus allen Gauen Deutschlands in dem erhebenden Gefühl wieder in die Schlachtreihen des Proletariats, daß die P a r t e i e i n i g e r w i e j e i st. DaS stolze Bewußtsein, daß ihr der endliche Sieg werden muß, beseelt sie und feuert sie an. Groß sind die Mühen, aber groß und gewaltig ist auch das gesteckte Ziel. Als seinerzeit das Wort gelassen ausgesprochen wurde, daß Deutsch- lands Zukunft auf dem Wasser liegt, fiel dabei auch die schöne Be- zeichnung für die deutschen Arbeiter, daß sie vaterlandslose Ge- scllen seien. Das hat uns ein mitleidiges Lächeln ent- lockt, und das war noch zu viel.(Sehr gut!) Wissen wir doch, daß Deutschlands Zukunft in der sozialdemokra- t i s ch e n A r b e i t e r b e w e g u n g l i e g t und daß die wahre Kul- tur nirgends sicherer ruht und getragen wird, als in den Köpfen und Herzen der Arbeiter— eine Kultur, die den Frieden auf Erden will, auf daß sie den Menschen ein Wohlgefallen sei.(Lebhafter Beifall.) Bekräftigen wir das Gelöbnis, daß wir unerschüttert von allem Bösen unseren Kampf weiter führen wollen bis zum endlichen Sieg, mit einem dreifachen Hoch auf die sozialdemokratische Partei Deutschlands und die sozialdemokratische Bewegung aller Länder: Die Sozialdemokratie lebe hoch, hoch, hoch! Die Delegierten haben sich während der letzten Worte erhoben, sie stimmen begeistert in den Hochruf ein und singen stehend die der Arbeitermarseillaise. Der Parteitag ist geschlossen. ersten beiden Strophen Vorsitzender Dictz: Schluß 1% Uhr. Berichtigungen. In dem Bericht über die Abstimmung über den Zusatzcmtrag Zubeil-Haase zur badischen Budgetbewilligung ist versehentlich der Genosse Gustav Muth. Oberschöneweide unter den Dele- gierten aufgeführt worden, welche an der Abstimmung nicht teil- genommen haben. Der Genosse Gustav Ruth hat fürdenAn- trag gestimmt. P- Bremen: Auf die TageSordiumg tzi» nWtea.Partei- tage» die Reichsfinanzreform zu fetzeu, In der Erklärung, mit welcher Genosse Kaden, als Vor- sitzender der Kontrollkommission die Mitteilung beantwortete, die Genosse Pfannkuch in seinem Schlußwort zu dem Fall Gewehr gemacht hatte, sind versehentlich einige sachlich wichtige Worte weg- geblieben. Es soll deshalb der entscheidende Teil des Schreibens hier wörtlich folgen, in welchem sich die Kontrollkommission mit der vom Genossen Pfannkuch zitierten Meinungsäußerung des Partei- Vorstandes auseinandergesetzt hat. „Nach längerer Diskussion beschließt die Kontrollkommission. dem Parteivorstand mitzuteilen, daß sie auch nach Kenntnisnahme dieses zweiten Briefes keine Veranlassung hat, von der den ge- faßten Beschlüssen untergelegten Beurteilung des Falles abzu- gehen." » Genosse Haase ersucht uns um Aufnahme folgender Erklärung:» Die Genossen Auer und Geiß haben über die Vorgänge in der Parteitagssitzung vom 21. September 1919 in der Parteipresse eine Darstellung veröffentlicht, die verwirrend wirken muß. Die Behauptung, daß die Mehrheit die Absicht gehabt habe, ihren nach der Schlußrede des Genossen Frank gestellten Antrag„ohne ernst- hafte Beratung durchzupeitschen", entbehrt jeder Grundlage. Dieser Antrag ist. wie auch die Genossen Auer und Geiß nicht bestreiten, sachlich identisch mit dem von 212 Delegierten unterzeichneten Antrag Zubeil Nr. 93; er war also bereits in einer gründlichenzwei- tägigen Perhandlung nach allen Seiten erörtert wor- den. Er enthielt sachlich nichts Neues, sondern bezweckte n u r e i n e förmliche Beschlußfassung über die Erklärung, die der Genosse Bebel namens des Parteivorstandes ohne jeden Widerspruch abgegeben hatte und die dadurch als Willenskundgebung des Partei- tages schon festgestellt war. Daß der Antrag nicht eine„Verletzung der grundlegenden Verfassung der Partei" enthält, ergibt sich schon daraus, daß er sich die Erklärung des Parteivorstandes zu eigen macht, die gerade dem Bestreben entsprungen ist, eine dem Organisationsstatut ent- sprechende unbezweifelbare Formulierung des ursprünglichen Vor- schlages zu geben. Freilich war dies nicht erforderlich, da auch jener Antrag, wie sein Wortlaut beweist und die von den ver- schiedenen Rednern gegebenen Erläuterungen klarstellten, durchaus im Einklang mit dem Statut steht, da auch er die Frage, ob der Ausschluß eines Parteigenossen geboten sei, der Entscheidung der im Statut festgesetzten Organe anvertrauen wollte. Lediglich aus einem Akt kameradschaftlichen Entgegenkommens wurde der Antrag zurückgenommen. Die Antwort auf dies Ent- gegenkommen war die st ä r k st e P r o v o k a t i o n der Mehrheit des Parteitages durch den Genossen Frank, dessen Ausführungen als Mißachtung der Parteitagsbeschlüsse und als eine Verhöhnung des Parteiwillens empfunden wurden, zumal als er erklärte, daß die Vudgctabstimmung in den nächsten Jahren eine FragederVer» h ä l t n i s s e sei. Dazu Stellung zu nehmen, war der Parteitag verpflichtet, um von vornherein die Deutung auszuschließen, als ob er durch sein Stillschweigen den Standpunkt des Genossen Frank sanktioniert habe. In dieser Situation habe ich, um jede Uebereilung zu verhüten, und eine ruhige Erwägung zu ermöglichen, im Namen der Mehrheit der Partcitagsdelegierten die Vertagung der Verhandlungen auf den nächsten Tag bean» tragt. Der Vorsitzende, Genosse Dietz, bat mit Unterstützung des Genossen Bebel um Zurückziehung des Vertagungsantrages und um endgültige Erledigung der Budgetverhandlungen an demselben Abend. Er schlug deshalb eine Unterbrechung der Verhandlungen für kurze Zeit vor, worauf die Mehrheit einging. Als kurz nach 8 Uhr die Verhandlung wieder aufgenommen wurde, wurde der neu formulierte Antrag sofort dem Vorsitzenden überreicht und von diesem verlesen. Die Minderheit hatte dann während dreier namentlicher Abstimmungen reichlich Zeit, sich über den Antrag schlüssig zu machen; und die Mehrheit war gern bereit, auf Wunsch auch in eine weitere Unterbrechung der Sitzung zu diesem Zweck zu willigen. Was sie dagegen jetzt verlangen mußte, war eine klare Entschließung des Parteitages über den Antrag im Anschluß an die Abstimmung über die Resolution des Parteivorstandes. Die geschäftsordnungsmätzige Zulässigkeit deS Antrages kann um so weniger bezweifelt werden, als der Parteitag sogar die Wiederaufnahme der Verhandlungen zu beschließen in der Lage war. Die Abstimmung konnte nur dadurch vermieden werden, daß Genosse Frank eine unzweideutige Erklärung darüber abgab, daß er und seine Freunde bei aller Freiheit in der Meinungs- Äußerung doch im Handeln mit der Gesamtpartei sich in Uebereinstimmung setzen würden. Da eine solche Erklärung nicht erfolgte, hat die Mehrheit gerade zu dem Zweck, um für den Parteiftieden eine feste Grundlage zu schaffen, die Abstimmung herbeigeführt. Weil, wie von allen Seiten anerkannt wurde, die Mehrheit trotz der inneren Leidenschaft doch bis zum Schluß in sachlicher parlamentarischer Weise verhandelt hat. und da nicht anzunehmen ist, daß die Minderheit, wenn sie im Saal geblieben wäre, zu einer anderen Art der Verhandlung übergegangen wäre, so ist die Besorg- nis unliebsamer„Auftritte und Erörterungen" durchaus am Platze gewesen. Illoyalität und Mangel an Kameradschaftlichkeit ist auf seiteu der Mehrheit sicherlich nicht hervorgetreten. Haase- Königsberg, im Auftrage der Unterzeichner des Antrages Zubeil; Die Parteitzresse wird um Abdruck dieser Erklärung ersucht. Amtlicher Marktbericht der NädMchen MarNdallen.DlrekNon ad-r den Großhandel in den.stentral-Marktballen. Marktlage: Fletsch: Zufuhr schlvach, GefchZIl still, Presse unverändert. Wild: Zufuhr ac- nügend. 6!elchaft rege. Preise unverändert G es l>1 g e l- Zufuhr reichlich. Wefchast nicht lebbast, Presse unverändert. bei Gänsen nachacbend. is i f ch e: Zufuhr knapp. Geschält ziemlich lebhast, Presse im allgemeinen ausgebessert. Butter und Käse: Geschüst ruhig. Presse unverändert. « e m v i- O b!i und S ü d s r ü» t-: Zufuhr reichlich, besonders in Blumenkohl, Geschält etwas lebhafter, Preise mehrfach verändert. eSasserstandS-Stachrtchtcn der LanbeSanstalt für Kewässerkimde, mttgeteA vom Berliner » Weiterbureau. Wasserstand M e m e l. Tilsit P r e g e l. Jnfterdurg Weichsel. Thoru Oder, RaNbor , Krassen . Frankwrt Warthe, Schrinnn » Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden » Barby , Magdeburg Wasserstand Saal«, Krochlttz Havel, Spandau » Rathenow-) S p r«», Svremberg') , Biestow Weser, Münden , Minden Rhein, MaximilianSau , Kaub . Köln Neckar, Hellbronn Main, Wertheim Mosel. Trier am 23. g. orn 134 83 65 162 —40 46 524 272 291 108 141 66 I-tt 22.9. orn1) +20 +1 +1 +1 +7 +33 Ä -14 +1 -7 1+ bedeutet Wuchs,— Fall.•) Unterpegel. D>e Oder erreichte bei R a t i b o r heute um Mitternacht ihr a s s e r st a n d mit 520 onr und ist von 2 bis 8 Uhr morgen� . cm sse f a l l e n.— Die Flutwelle der oberen Oder ist dies- wal unter dem mittleren Hochwasser geblieben, auch ihre Verstärkung au» en Nebenflüssen ist gering. höchsten wieder um 4 Spittelmarkt Belle-Alliancestrasse andorf&0 Grosse Frankfnrterstrasse Bnumenstrasse Kottbnser Damm Diese Woche Soweit Vorrat Gardinen- Portieren- Decken | Tüll-Gar ßlnen.......................................... 38, 45, 55«. | Tüll-Gardinen.............................. 65, 75, 88« D Till-Gardinen abgtpisst, weiss oder creme................ Fenster 3.45, 3.95, 3.75 Hl TiliI- Gardinen»bsexssst, weiss oder oreme................ 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Vor dem Schöffengericht in Weimar nahm der feit längerer Zeit gegen den KS Jahre alten Professor Lehmann- Hohen- b e r g geführte Prozeh wegen verleumderischer Beleidigung des preuhischen Offizierkorps und des Sachverständigen des preußischen Kriegsministeriums im Dortmunder Hüger-Prozeß, Obersten Wischer, am Freitag einen geradezu empörenden Verlauf. Der Angeklagte war früher Professor in Bonn, Breslau und Kiel. Wegen einer freimütigen, abfälligen Kritik des damaligen preußischen Kriegsministers von Goßler wurde er seines Amtes entsetzt, behielt aber den Professorentitel und bekam den höchsten Pensionssatz zugebilligt. Seit 1904 lebte er in Weimar. In Rede und Schrift ist er wiederholt gegen Unrecht, das seiner Ansicht nach begangen wurde, eingetreten. Seinen Bemühungen ist es u. a. ge- lungen, dem Schuldirektor Dr. Heine in Saalfeld zu seinem Rechte zu verhelfen. Dieser Mann war auf das Gutachten des Pro- fessorS Dr. BinSwanger in Jena wegen augeblichen Ouerulantcnwahnsinns hin entmündigt worden. Nach fünffährigem zähen Kampfe wurde die Entmündigung als unberechtigt aufgehoben. Dr. Heine wirkt jetzt als Schuldireltor in Meiningen. Vor dem Schöffengericht Weimar war jetzt ein Artikel, den der Angeklagte verfaßt hat, inkriminiert, in dem es u. a. heißt:.Heute kann man im Amte bleiben oder als Offizier kommandieren, selbst wenn man als Halunke oder Meineidiger gebrandmarkt worden ist. Das ist keine Uebertreibung, sondern Tatsache, die bewiesen werden kann."' Zum Beweise seiner Behauptung hatte der Angeklagte, der durch den Rechtsanwalt Dr. v. Pannewitz verteidigt wurde, eine große Anzahl von Zeugen geladen. Ferner hatte der An- geklagte eine große Reihe von Sachverständigen angeführt, die die Behauptung, er sei geisteskrank, als völlig unhaltbar darlegen würden. Der GroßherzoglicheKreisarztDr. Rüdel-Weimarhat bereits bekundet, daß der geistige Zu st and des Angeklagten nicht zweifelhaft sein könne. Der Professor Dr. BinSwanger, gegen den der Angeklagte er- folgreich schwere Kämpfe geführt halte, war vom Gericht früher als Sachverständiger geladen. Der Angeklagte hat mit Er- folg gegen ihn geltend gemacht, daß er befangen sei. Darauf hin hat das Gericht den Assistenzarzt dieses Professor Dr. Binswanger, Dr. B e r g e r« Jena, als Sach- verständigen geladen. Dieser hat zu den Akten Verdacht dahin ge- äußert, AngeNagter leide an— Ouerulantenwahnsinn. Der Angeklagte und sein Verteidiger lehnten in der Verhandlung diesen Herrn als Sachverständigen ab, da er in allernächsten Beziehungen zu Profeffor Binswanger als Assistenzarzt stehe. Sie beantragten, unbefangene Sachverständige, die sie namhaft machten, darunter Aerzte, die den Angeklagten seit Jahrzehnten kennen und als Psychiater hervorragenden Ruf genießen, zu ver- nehmen. Das Gericht lehnte jedoch diese Anträge ab. Dr. Berg er erklärte, zur Abgabe eines Gutachtens sei längere Beobachtung und eine körperliche Untersuchung des An- geklagten erforderlich. Der Angeklagte lehnte ab. von diesem Sachverständigen sich körperlich unter- suchen zu lassen. Der Verteidiger protestierte auf das lebhafteste dagegen, daß statt unparteiischer Sachverständigen dieser Dr. Berger die Untersuchung übernehmen solle. Dr. Berger bean tragte zur Vorbereiwng seines Gutachten», den Angeschuldigten in eine öffentliche Irrenanstalt zubringen. Nach § 81 Strafprozeßordnung ist eine solche Unterbringung bis auf die Dauer von 6 Wochen zulässig. Der Verteidiger legte dar, daß ihm in seiner langen Praxis ein ähnlicher Antrag unter solchen Um- ständen nicht vorgekommen ist, protestierte aus das eindringlichste gegen solche Maßnahme und verlangte wiederholt, baß andere her- vorragende Psychiater vemommen werden, zu deren Gutachten eine Beobachtung in der Irrenanstalt nicht erforderlich ist. Der An- geklagte erklärte, daß er freiwillig zur Beobachtung seines Geisteszustandes durch diesen Sachverständigen sich nicht in eine Anstalt begeben werde. Trotz alledem lehnte das Gericht alle Anträge auf Vernehmung anderer Sach- verständigen ab und beschloß, dieJnternierung des Angeklagten in einer öffentlichen An st alt kleines feuilleton. Vom Bau deö LötschbergtunnclS. Das gewaltig» Werk der Durchbohrung des Lötschberges, an dem nun seit Jahren bereits eifrig gearbeitet wird, nähert sich der Vollendung; im kommenden Frühjahr bereits wird der Durchstich vollendet sein. Die Chronik des Baues hat viel düstere Geschichten zu verzeichnen; gleich bei der Arbeit an den ersten zwei Meilen fielen 25 Menschenleben mit einem Schlage dem Berge zum Opfer. Seitdem haben sich noch manche tragisch« Unfälle zugetragen. Auf der Seite von Brieg wurde bald nach der Inangriffnahme derÄrbeitcn durch eil« Lawine ein schweres Ungkück angerichtet, bei dem 12 Arbeiter ihren Tod fanden. Ein Kalkulationsfehler der Ingenieure und Geologen, so führt die„Daily Mail" aus, rief«ine andere Katastrophe hervor; bei den Bohrarbeiten wurde man plötzlich von den tosenden Wassern des Kanderflusses überrascht, der unterirdisch durch einen Teil deS Gebirgsmassivs fließt, durch den der Tunnel gebohrt wird. Man hatte die Lag« dieses Fluffes nicht richtig berechnet. Diese beiden schweren Unglücksfälle, die Ueberschwemmung an der Seite des Kanderfteg und die Lawine auf der Brieger Seite, ließen bei den italienischen Arbeitern abergläubische Befürchtungen entstehen, die Leute weigerten sich, an dem Werke fortzuarbeiten, das offenbar vom Unglück verfolgt Wirde, und eine Zeitlang schien es sogar, als müßten die Arbeiten ruk�n, weil nicht genug Leute gefunden werden konnten, die bereit waren, im Lötschbergtunnel ihr Leben zu wagen. Heute werden gegen 4000 Italiener beschäftigt. Nach seiner Voll- endung wird der Tunnel eine Lange von englischen Meilen haben, genau 3 Meilen weniger als der Simplontunncß der bekanntlich der größte der Wett ist. Die Kosten des großen Werkes werden auf 40 Millionen Mark geschätzt, die ausschließlich aus Schweizer Kapital gedeckt iverden. Dazu treten noch die Bahnlinien von Bern, die neu gebaut werden, um den Anschluß an den Tunnel herzu- stellen, und die ihrerseits weitere 30 Millionen verschlingen. Nach der Eröffnung des Tunnels wird der Bahnverkchr von Frankreich und von der Schweiz nach Mailand eine Zeitersparnis von etwa 4— B Stunden erfahren. Theater. Im Schillertheater Charlottenburg gab's wieder mal einen A n z e n g r u b e r. So gehört es sich auch für ein wirk- liches Polkstheater, das den Satz: daß nur das Beste gut genug fürs Volt sei, von Rechts wegen über seinem Portal tragen müßte. Wenigsten» sollte in diesem Sinne gedacht und gehandelt werden, so oft ein Werk des Klassikers unter allen Volksdichtern in Frage kommt. Ueber die köstliche Poesie seiner..Kreuzelschreiber" bedarf es gewiß keiner Worte mehr. Der Regie aber erwächst hier die Aufgabe, das von Anzengruber so wundervoll echt gegebene dörfische Mllleu such Njrklich jji feinen Frenzen realistisch zwecks Beobachtung seines Geisteszustandes durch Dr. B e r g e r. Gegen den Beschluß ist sofortige Beschwerde seitens des Verteidigers eingelegt. Der Gerichtsbeschluß ist geradezu unbegreiflich. Weshalb ver- langt das Gericht, daß von den taufenden vorhandenen psychiatrischen Gutachten just gerade der Assistenzarzt des Professors als Gut- achter über angeblichen Ouerulantenwahnsinn des Angeklagten ver- nommen werde, mit dem der Angeklagte fünf Jahre lang in zähem Kampfe gelegen hat? Und das, wiewohl der Kampf damit geendet hat, daß das von der I e n a e r Anstalt gegen den Schuldirektor Heine wegen angeblichen Ouerulantenwahnsinns ausgestellte Gut- achten als völlig unhaltbar erklärt ist? Zugunsten des Professor Lehmann hat eine Reihe hervor- ragender Aerzte und Professoren Kundgebungen veröffentlicht, so Professor Dr. H a e ck e I- Jena, Professor Dr. O st w a l d- Leipzig, Geheimer Sanitätsrat Dr. K ü st e r- Berlin, Saniläisrat Dr. Bilfinger- Langenöls, Dr. B ö s s e r- Weimar. Sie bezeugen sämtlich, daß Professor Lehmann eine ehrwürdige Persön- l i ch k e i t ist, der mit größter Uneigen nützigleit und Opferfähigkeit nach Wahrheit und Stecht strebt, sowie: daß auch nicht die Spur von einer Geistes- schwäche oder Geisteskrankheit bei ihm vorliege. Der Fall zeigt, wie absolut notwendig scharfe gesetzliche Kautelen gegen unberechtigte Unterbringung in ein Irrenhaus sind. Das Verfahren des Amtsgerichts in Weimar bleibt ebenso wie das des Assistenzarztes Dr. Berger für jeden völlig unverständlich, der nicht von der befangenen Ansicht ausgeht: wer nach Behauptung des Kriegsministers das Offizierkorps beleidigt, mutz verrückt sein. Ein beschämender Rechtszustand für Deutschland. MockeN'Spielplan der Berliner Cbeater. Königl. Opernhaus. Geschlossen. Neues königl. Lpcrn-Tyeater. Sonntag: Tannhäuser. Montag: Bohöme. Dienstag: Der Waffenschmied. Mittwoch: Romeo und Julia. Donnerstag: Marie, die Tochter des Regiments. Die Puppensce. Freitag: Der Freischütz. Sonnabend: Margarete. Sonntagna-bmittag: Die Fledermaus. Abends 8 Uhr: Etektra. Montag: Sinsonie-Konzert. König!. Schauspielhaus. Sonntag: Die Journalisten. Montag: Motiöre und die Seinen. Der Tartiisfe. Dienstag: Julius Cäsar. Mittwoch: Die neue Sonne. Donnerstag: Motiöre und die seinen. Der Tartüfse. Freitag: Die neue Sonne. Sonnabend: Hamlet. Sonntag: Die neue Sonne. Montag: Götz von Berlichingen.(Ansang 7 Uhr) Tculsched Theater. Sonntag: Die Romantischen. Montag: Faust. (Aiisang 71/« Uhr.) Dienstag: Die Romantischen. Mittwoch: Der Wider- spcnstigen Zähmung.(Ansang 7'/, Uhr.) Donnerstag: Gespenster. Freitag: Faust.(Ansang 7Z, Uhr.) Sonnabend: Judith.(Ansang VI, Uhr.) Sonntag: Hamtct.(Ansang 7'/, Uhr.) Montag: Sommcrnachistraum.(Rn- fang VI, Uhr.) Trutsches Theater(Kamm erspiele). Sonntag: Das Kloster. Montag: Siinson und Delila. Dienstag: DaS Kloster. Mittlvoch: Frühlings Erwachen. Donnerstag: Das Kloster. Freitag: Simson und Delila. Sonnabend: Da« Kloster. Sonntag: Der gute König Dagobert. Montag: Der Arzt am Scheidewege. Lessiiig-Theater. Sonntag: Einsame Menschen. Montag: Hedda Gabler. Dienstag: Einsame Menschen. Mittwoch: DaS Konzert. DonnerS- tag: Einsame Menschen. Freitag: TantriS der Narr. Sonnabend, Sonn- tag und Montag: Wenn der junge Wein blüht.(Ansang 71/, Uhr.) Kleines Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Abends 8 Uhr: Die vcrstixtcn Frauenzimmer. Erster Klasse. Allabendlich: Die verflixten Frauenzimmer. Erster Klasse. Nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Abends und Montag: Die verflixten Frauen- zimmer. Erster Klasse. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Der Tartüff. Der Herr von Pourceaugnac. Montag: Raffle». Dienstag, MUtwoch, Donnerstag und Freitag: Der Tartüff. Der Herr von Pourceaugnac. Sonnabend: Ueber unsere Kraft.(I. Teil.) Sonntag: Der Tartüff. Der Herr von Pour- ceaugnac. Montag: Unbestimnit. Berliner Theater. Tonntagnachmtltag 3 Uhr: Taifun. Bis aus weiteres täglich: DaS Mlililanleillnüdel.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonn- tagnachmitlag 3 Uhr: Taifun. Neues Theater. Allabendlich: Das Alter.(Anfang 8 Uhr.) Modernes(Hebbel-) Theater. Allabendlich: Die beste der Frauen. (Anfang 8 Uhr.) Komiiche Oper. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Tiefland. Abends: Der Arzt wider Willen. Montag: Der Arzt wider Willen. Dienstag: Tosca. Mittwoch und Donnerstag: Der Arzt wider Willen. Freitag: ToSca. Sonnabend: Der Arzt wider Willen. Somitagnachmitlag 3 Uhr: Hoff- mannS Erzählungen. Abends: Tosca. Montag: Der Arzt wider Willen. Thnlia-Thcatcr. Allabendlich: Polnische Wirtschast.(Anfang 8 Uhr.) Schiller> Theater»>. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Neue Jugend. Abends: Der Bibliothekar. Montag: Ter Bibliothekar. Dienstag: Die zärtlichen Verwandten. In Zivil. Mittwoch: Der Bibliothekar. Donners» lag und Freitag: Die Krcuzelschreiber. Sonnabend: WallensteinS Tod. sonntagnachmittag 3 Uhr: Neue Jugend. Abends: Miß HobbS.(Ansang 8 Uhr.) wiederzuspiegeln. anstatt sich verleiten zu lassen, es mit einem An- strich von Salonbauerntum zu verschen. Solche Wirtsstube verträgt schlechterdings keine Tischtücher oder ähnlichen Krimskrams. den der gebildete„Stadtfrack" gewohnt ist. Auch schwingt z. B. kein Perpendikel einer Wanduhr so weitausgreifend und so unregel- mäßig. Im übrigen ist die dekorative Ausstattung sehr zu loben, und die Darstellung im allgemeinen auch. Marie Sera als Sepherl ist zweifellos echt. Züge der Echtheit trugen auch Anton Huber(Leopold I w a l d) und der alte Brcnninger(Adolf Kurth). Als SteinklopferhannS macht Emil W e r a n a seine Sache ganz Paffabel. Wenn er weniger jung aussähe und noch tiefer in die GemütSgründe dieses proletarischen Naturphilosophen hinabstiege, könnt's eine untadelige Leistung werden. e. lc. Kammerspiele:„Das Klo st e r." Tragödie von Emile Verhaeren. J£er belgische Poet Verhaeren, der in schwungvoll hinrauschenden Strophen die„alles verschlingende Stadt" und die erhaben elementaren Mächte der Natur besungen hat, kann seine Eigenart und Größe in der Form des Dramas unmöglich entfalten. Das vage Schweifende seiner rastlos von Bild zu Bild fortjagenden Phantasie, der Hang zum Grenzenlosen, die Ekstase widerstreitet jener strengen, klargegliederten Gestaltung menschlicher Konflikte, der folgerecht konzentrierenden Herausarbeitung von Charakteren, die man von einem Bühnenwerk erwartet. Sein„Kloster" bleibt in dieser Richtung alles schuldig; und was noch mehr enttäuscht, er bietet als Ersatz trotz der klangvollen, von Stefan Zweig offenbar mit feiner Nachcmpfindung übertragenen Weise auch keinen intime- ren Stimmungsreiz, noch irgendwelche bedeutungsvollen Perspek- tiven, die zu nachsinnendem Denken anregen. Dem Dichter schwebte das alte Problem von Schuld und Sühne vor. Aber er behandelt es unter so erkünstelten Voraussetzungen, und unter diesen Voraus- setzungen selbst wieder in so verworren widerspruchsvollen Wen- düngen, daß man über eine frostige Verwunderung nicht hinaus- kommt. Was bei derlei Vorgangen als innere Handlung psychologisch- ethisch am meisten interessiert, das allmähliche Erwachen, die Reak- tion in der Empfindung, die, immer weiter dringend, nicht ruht, bis sie durch das härteste Opfer, das Bekenntnis, sich auch nach außenhin manifestiert hat, das spielt in Verhaerens Tragödie über- Haupt keine Rolle Fix und fertig tritt einem der reuige Sünder entgegen. Es ist kein Kämpfen, nur ein ewiges Klagen. Und ander- seits ist seine Tat so unverständlich, so kraß und scheußlich, daß man sie ihm von vornherein nicht glaubt. Die Züge des Charakters fügen sich zu keiner plastisch-individucllen Einheit zusammen. Zehn Jahre sind e«. daß Balthasar, der Sprößling eines vor- nehmen Geschlechts, das Kloster aufgesucht. Er, der Verbrecher, der seine Tat dem Prior gebeichtet, erfreut sich bei dem Greise solcher Gunst, daß dieser ihn zum Nachfolger in seinem Amt erkoren. Der Dichter stellt i« ersten Akte Balthasar hegt gelehrten Bruher Schiller- Theater Charlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends und Montag: Robert und Bertram.(Anfang 8 Uhr.) Dienstag: Die Kreuzelschreibcr. Mittwoch und Donnerstag: Robert und Bertram. Freitag: Die Braut von Meisina. Sonnabend: Die Kreuzel- fchrcibcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends und Montag: Robert und Bertram. Friedrich-BSilhclmstädtisches Schauspielhaus. Sonntag nach- mittag 3 Uhr: Kricmhilds Rache. Abends: Faust. Montag: Kletten. Niobe. (Zlnsang 8 Uhr.) Dienstag: Vicderleute. Mittwochnachmtttag 3 Uhr: Kriem- hilds Rache.' Abends: Faust. Donnerstag und Freitag: Kletten. Niobe. Sonnabend: Revolutionshochzeit. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Faust. Abends: Ncvolutioiishochzeit. Neues Operetten- Theater. Täglich: Der Graf von Luxemburg. (Ansang 3 Uhr.) Diesen und nächsten«onnlag nachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Eorneville. Nesidenz-Theater. Allabendlich: Noblesse Obligo.(Ansang 8 Uhr.) Theater des Westens. Sonnlag nachmittag 3'/. Uhr: Ein Walzer» träum. Von Sonntag bis Sonnabend: Die schönste Frau.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Ein Walzenraum. Abend? und Montag: Die ichönste Frau.(Ansang 8 Uhr.) Triauou- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Thöodore u. Cie. Allabendlich: Pariser Witwen.(Ansang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nach- mittag 3 Uhr: Theodore u. Cie. Berliner Voltö- Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Postillion von Lonjumeau. Abends: Die Jüdin.(Anfang 8 Uhr.) Montag: Der Postillion von Lonjumeau. Dienstag: Zar und Zimmermann. Mittwoch: Rigolctto. Donnerstag: Martha. Freitag: Die Jüdin. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntagnachmittag 3'l, Uhr: Undine. Abends: Martha. Man- tag: Der Postillon von Lonjumeau.(Anfang 8'/- Uhr.) Luisen- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Im Spätsommer. Abends: Durchgegangene Weiber. Montag: Die schöne Ungarin. Dienstag: Kcan. Mittwoch: Die schöne Ungarin. DonnerStaZ: Othello. Freitag: Durchgegangene Metber. Sonnabend: Kean. Sonntag: Unbestimmt. Montag: Kean. Lustipiclhans. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Leutnantsmündel. Allabendlich: Der Feldherrnhügcl.(Ansang 8 Uhr.) Sonntagnachmittag 3 Uhr: TaS Leutnantsmündel. Abends und Montag: Der Feldhernihügcl. (Ansang 8 Uhr) Herrnfcid-Theater. Täglich: Ein berlorenc Nacht. Der Derbysicger. (Ansang 8 Uhr.) Casino-Thcater. Täglich: Der schneidige Rudolf.(Ansang 8 Uhr.) Heute und nächsten Sonntag nachmittag 3'/. Uhr: Der HochmiitStensel. Rose-Tbeater. Heute nachmittag 3 Uhr: Othello. Abends und Montag: Die gute Partie. Dirnstag: Othello. Mittwoch: Die gute Partie. DoimerSiag: Othello. Freitag und Sonnabend: Die gute Partie. Sonn- tag und Montag: Da» Gefängnis.(Ansang 8 Uhr.) Folu'S Capricr. Allabendlich bis aus weiteres: Volle Pension. Der ichwarze Schimmel. iAnsaiig 8'/< Uhr.) Stvolto-Thealer. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Mm-opol- Theater. Allabendlich: Hurra I— Wir leben noch! (Ansang 8 Uhr.) Pasiage- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wiutrrgarten. Allabendlich: Spezialiläten.(Ansang 8 Uhr.) ReichShalle»> Theater. Täglich: Stctttncr Sänger.(Ansang 3 Uhr, SonnIagS 7 Uhr.) Walhalla- Theater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8'/« Uhr.) Prater-Theater. Täglich: Der Bettelstudent von Verlin.(Ans. 8 Uhr.) Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Urania> Tliearcr. Taubenstr. 48/49. Sonntag: Die Weltausstellung in Brüssel. Montag: In den Dolomiten. Dienstag: Im Land der Mittcr- nachtSsonne. Mittwoch: Die Wellausstellung in Brüssel. Donnerstag: In den Dolomiten. Freitag: Im Land der Mitternachtssonne. Sonnabend und Sonntag: Die Weltausstellung in Brüssel. Montag: Unbestimmt. (Ansang 8 Uhr.) Sternwarte. Jnvalidenstr. ö7— K2. Sozialdemokratischer Zentralwahlvercin für den Nclchstags« Wahlkreis Arnswalde« Friedebcrg, OrtSvercln Berlin. Heute nachmittag 3 Ubr, bei Paul T h i m m, Tilsiter Str. 73! Mitglieder- Versammlung. Gäste willtommen. Allgeuieiue Faniilten-Sterdekaffe. Heute Sonntag von 3—6 Uhr, Zahltag Ackerstr. 123 bei Wernicke und Marianncnstr. 49 bei Neumann. Witternngsüberstcht vom S1. September 1S1N, morgen»« Uhr. Stattsnen 3 a Ii ja 5 C d if Vetter I Swtnenide. 1763 WSW Hamburg 1 765 KS® Öeriin 765 W Frantt.a M 769 Still München 770NW Wien!768® 4 heiter 5 bedeckt 4 wollig Nebel 2 wolkig 1 bedeckt Ii M-z Stationen Q S gj« Saparanda 744NNW eterSbirrg 751 SW Scillh �7 73 NNW Aberbeen!7g2WNW Parti|7719i Vetter 2 heiter Lwolkenl 2 bedeckt 4 wolkig 1 bedeckt o»-- B?> t* Wetterprognose für Sonntag, de» LS. September 1910. Etwas kühler, viclsach heiter, jedoch unbeständig mit Regenschauern ziemlich starken, später nachlassenden westlichen Winden. Berliner Wetterburea « 13 15 S und u. Thomas, der mit scholastischem Spintisieren in die Erkenntnis Gottes dringen will und von einer Versöhnung zwischen Wissen- schaft und Glauben träumt, als Repräsentanten einer ganz im Ge- fühle lebenden Religiosität gegenüber. Doch tritt das flüchtig ange- schla�ene Motiv im weiteren Verlauf ganz zurück. Neu angefachte Gewissensangst treibt Balthasar zum Prior. Es schciut ihm Frevel, sich dem Gericht länger zu entziehen. Der alte Priester aber, eben so unklar und widerspruchsvoll gezeichnet wie Balthasar selbst, hält seinen Liebling mit wunderlich, aus Christlichleit und aus Sophismen gemischter Rede davon ab. Nur wahrhaft Gläubige, die die heiligende Glut der Reue kennen, nur die Brüder im Kloster solle» das Bekenntnis hören. Gehorsam unterwirft sich Balthasar dem Ratschluß, er erzählt den Mönchen, wie er in blindem Haß aus Geldgier, vom Wein erregt, den eigenen Vater erwürgt, und wie er feige schwieg, als ein Unschuldiger für ihn zum Tode verurteilt wurde. Der Prior aber»st im höchsten Maße empört, daß seine Schäflcin statt Schauer des Mitleids und der Ehrfurcht, Abscheu und Entsetzen zeigen. Nur einer, ein herzensreiner Jüngling, bleibt unbeirrt; aber eben dieser in seiner treuen, tiefen Freundschaft bittet und crmahnt Balthasar, um seines Seelenheils willen auch vor der Welt die Schande aus sich zu nehmen. Beim Gottesdienst in der Klosterkirche schreit Balthasar halb wahnsinnig seine wütende Selbstanklage vor dem versammelten Volk heraus. Man schleift ihn fort, und der fromme Alte, eben noch überfließend von Barmherzig- keit, wird, da der Schuldige das Kloster selbst kompromittiert hat, zum unbarmherzigen Richter. Die Darstellung bot Gutes. K a h ß l e r gab der zerrissenen Verzweiflung des Helden beredte Gebärde und beredten Ton. P a g a y s alter Prior und E b e r t S Jüngling waren malerisch eindrucksvolle Erscheinungen. Aber über die Brüche deS Dichte- rischen half keine Schauspielkunst hinweg. cht. Notizen. — Die Fritz Reuter-Ausstellung im Künstlerhaus (Vellcvuestr. 3) schließt am 30. September und übersiedelt dann ins Abgeordnetenhaus. — K u n st ch r o n i k. In der Akademie der Künste wurde die Gedächtnisausstellung für Skarbina und Ol brich eröffnet. — DaS seltenste chinesische Buch wurde für das Museum für VMkerkunde erworben. Es ist ein Großfolioband, der die Bücher 4908 und 4909 der Riesenenzyklopädie Vung-lo-ta-ticn enthält. Dieses Werk, das mehr als 2000 Bände umfaßte, konnte der hohen Kosten wegen nie gedruckt werden, wurde aber emi- oder zweimal abgeschrieben. Das einzige bis dahin erhaltene Exemplar ist beim Brande der Han-Iin-Akademie in Peking zerstört worden. Der erworbene Band ist einer der wenigen, die gerettet wurden. (Witz kam dieser»gercttcts" Band ngch Deutschland?) Thealer und Vergnügungen > Spielplan.) Freie Volksbühne: Sonntag, den 25, September, nachmittags 3 Uhr: Neues Schauspielhaus, 3. Abteilung (Gruppe 9—13): lieber unsere ttrast. Lessing- Theater, 8. Abteilung (Gruppe 32—37): Das Konzert. Herrnseld-Thcnter. 9,/10, Abteilung (Gruppe iO— 12): Der Herr Senator, Residenz- Theater, K, Abteilung, (Gruppe 26): Die dreihundert Tage. Thalia- Theater. 12,/ 13. Abteilung (Gruppe 51—57): Kamps. Montag, den 26, September, abends 8 Uhr: Neue? Schauspielhaus, 17.(TV.) Abend abtcilung: RafsleS, Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 25, September, nachm. 2'/, Uhr: Deutsches Theater: Gnwän. Nachm. 3 Uhr: Neues Volls-Theater: Die Erziehung zur Ehe, Schiller-Theatcr O,: Neue Jugend. Schiller« Theater Charlottcnburg: Egmont. Neues Operetten- Theater: Die Glocken von Corncville. Neues Theater: Tartüfs, Kleines Theater: Ein idealer Gatte, Mctropol-Theatcr: Pariser Leben. Abends 8'/, Uhr: Neues Volls-Theater: Die Erziehung zur Ehe, Neues Volks°Theater: Montag. Miit- woch, Freitag: Die Stützen der Gesellschast, Dienstag, Donnerstag: Die Er- ziehung zur Ehe. Sonnabend: lieber unsere Kraft I. l.essinx-l'Keatel'. Sonntag 8 Uhr: Einsame Menschen. Montag 8 Uhr: Hcdda Gabler. Dienstag 8 U,: Einsame Menschen. berliner �Kester. Heute u, morg, 8U,: Gaftsp, Hanfi Niese, V»« JliiNlkantcninäcIel. Heute 3 Uhr Tuifnn. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Heute und täglich 8 Uhr: IM« beste der Franen. Neues Theater. Täglich: Das Alter. Ansang 8 Uhr._ Berliner Volksoper Nachmittags 3'/, Uhr: Der Postillion von Lonjumean. Abends 8 Uhr: l»le Jüdin. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr, Die schön ste Frau. Sonnt, 3';4 Uhr: Ein Walzertraum. Neues Operetten-Theater. Heute und solgende Tage 8 Uhr: Ter Graf von Luxemburg. Heute 3 Uhr zu ermäßigten Preisen: Tie Glocke» von Eorueville. ltesidenx»Theater. Direktion: Richard Alexander. AbendS 8 Uhr: Noblesse oblige. Schwant in 3 Akten von Henncqnin und Vcber. Morgen und solgende Tage 8 Uhr: Noblesse oblige._ Luisen»Theater. Nachm. 3 Uhr: Im Spätsommer. Lustspiel in 3 Akten von F. Lunzer, Abends 3 Uhr: Lurekgögsngkne Met. Posse mit Gesang u Tanz v. A, Verla, bearbeitet von Jacobson und Willen, Montag: Die schöne Ungarin, ftisllriliii-Wiihölmstälnisehes Schauspielhaus. Sonntag, 25. Septbr,, abends 8 Uhr: Fan st. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Kriciuhildö Rache. Montag: Kletten, Zum Schlug: Niobc, Lusispseihaus. Heute und morgen abend 8 Uhr: Der Feldhcrrnhügel. Heute 3U,: Tas Leutnantsiii iindel. Behiter Sonntag deS sensationellen Programms mit Verboten© Frnciit. I0SE=THEATE Grotze Franksurter Str. 132. Nachm. 3 Uhr, halbe Preise: Othelio. Trauerspiel von Shakespeare, Abends 3 Uhr: vie gute Partie Lustspiel in 3 Alten von it. Lippschütz Montag: Die gute Partie. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Montag abend 8 Uhr: In den Dolomiten. Heute Ioniitag AA— Eintritt 50 Ps, gpH Kinder unter 10 Jahren die Hälste, Ab nachmittags 4 Uhr: Gr. Konzert (3 Kapellen). Morgen sowie täglich: Militär- Doppel-Konzert. Msttnssliieii am Zoo. Riesen-Kinematosraph. 6-11 Uhr. Ranchen überall gestattet Heute neues Programin. j�cliiller' Schiller-Theater 0.(Wallner-Thcat.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Mens Jagend. Sonntag, abends 8Uhr: Der Rlbllotbeliar. Montag. abendS8Uhr: Der Dibltotbehar. Dienstag, adends 8 Uhr: Die r.ürtlleh. Verwandten. Hieraus: In Zivil, Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Sonntag, nachm, 3 Uhr: Fginont. Sonntag, abend? 8 Uhr: Robert und Bertram. Montag, abends 8 Uhr: Robert nnd Bertram. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Krenzelschrclber. Gf, Berliner tetausslellung 191Q 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr 1 M., v. 6 Uhr ab 50 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauerk. 6 M. Trwnon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Zerliner Ayugrmni Unter äen Linden 68a Eingang Schadow-StraßeNo.14. Heute Sonntag Eintrittspreis: ipsr 25 Pf.-UW Keichhaltigste Ausstellung der Welt an lebenden Seetieren, Reptilien etc. 109/17 jPassaye- Panoptikum.| Bcddhas dunkles Geheimnis,! Der Mann mit dem! eisernen Schlund! 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Sonntag: BiihlmzWZ IheslkF Schönhauser Allee 148. Jnh. A. Tittu«. Ans. 7 Uhr. Kasseneröffn.«Uhr. Ball. Perlorene Ehre. BaranSki, entl. Sträfling: Dir. Reich. BerlM«.,SerStr° (nächst bliillerstralie). fatüteT Tag im Norden. Heute Sonntag, 25. Septbr., nachm. 4 u. abends 8'/, Uhr: 2 Gala-Vorstellungen 2( mit allen Schlagern. Dienstag, den 27. September, abends S'l. Uhr: GalasPremiere Lichtenberg, ttraße r Hochbahnstation Stolt6uJcr Tor. 32 Fahrvcrbiiid. anS allen Stadtteilen. Heute 5 onntag: Wiederholung des großartigen Fest- EröfsnungS-Programms. 7 Uhr: Knnrert des Theaterorchesters 8 Uhr: Der große Varietb-Teil. 5 neue Dcbnts. 9 Uhr 30 Minuten die Posse: tili iiat's geschnappt. Von Oskar Sabo. Musikv.Paul Lincke. 1 1 Rauchen überall gestaltet 1 1 ? » » Castans Panoplikum FriS:±..;.65 Größtes Schau-Etablissement Berlins. Großes Künstler-Konzert. Muskel-Abnormität Jpcttl Iß B£ i 0!1 Muskel-Abnormität I Täglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends.|| VolkssTheater Rixdorf, Heruiaunstraste Nr. 3V, Sonntag(An'ang 7>/, Uhr): Wach-»nd Schlieftgeiellschaft. Schwank in 3 Aflen von Rich. Manz. Montag(Ansang 8>/. Uhr): Dornen unf Lorbeer. Trauerspiel in 2 Ausz. von Friedrich. Die Neuvermählten. Familiengemälde in 2 Alt, o, Björnsen. Heute Sonntag, 25. September, 2gro3e Gala-forsteMp. 2 Nachm. 31/, Uhr, abends 71/, Uhr. Nachmittags bat jeder Erwachsene ei» Kind frei aus allen Plätzen autzer Galerie, jedes wettere Kind unter 10 Jahren halbe Preise. In beide» Vorstellungen die fürBcrlinncucnAttraltionen. U.a.: Bellonis drcss. Kakadus. Brothers Tlirauus. L>nrtpotponrrl 10 LeprcqS. AbcudS; Apachen zn Pferde, geritten von Frl. Dora Schumann nnd Herrn Karl Heß. Der Krelsel-Globna, neueste Kreation deS Direttor A. Schumann. Gurgthkotör-Klnkinztogrciph vorm. Groterjan. Jnhab.: Rud. Älerz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. 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Platz 60 Pf., Sonntags 75 PI.) in den„ Vorwärij�-Spcditiocan Zucht, Immanuelkircbstralie 12, Hahnisch, Auguststraße 50 und Mann, Petersburger Platz 3.- Friedrich-Straße 140 am Bahnhof Friedrich- Straße ittraktionea SEiiaiisMIiiap* SeheaswilrdijikgKeii Täglich ab 3 Uhr nachmittags geöffnet Kein Entree! Voigt-"Theater Gesnndbrunnen Badstr. 58. Sonntag, den 25. September: Das Opferlamm. Kassenerössnung 6 Uhr. Ans. 7 Uhr. Montag, ben 26. September: Ter Kaufmann von Venedig. Lustspiel von William Shafespeare. a- Alt-noablt JV/J«. Hans Rritz.Snsemble. Sonntag, den 25. September 1910: «xriti-Esrili. Posse»iit Gesang in drei Anszstgen von H lloillen nnd O. Jnstinus. Mnsik von G. Michaelis. Nach der Vorstellung: Dan». Kasjenerögnung 6 Uhr. Anj. 7 Uhr. Sonntag, drn 25. September; Große außerordentliche 1 l i\ Nachmittags 4 Uhr und abends 71L Uhr. Nachmittags 4 llhr hat jeder Erwachsene ein a n g e» höriges Kind unter 10 Jahren aus allen Sivplätie» frei, jedes weitere Kind unter 10 Jahren halbe Preise. (Galerie volle Preise.) Nachmittags 4 Uhr: Auf- treten der beiden Haupt- Attraktionen aus der Pantomine „Venezia" Madia Surith mit ihren Riesenschlangen. Collini-Clairon-Truppe. In beiden Vorstellungen: Banola Truppe! In beiden Vorstellungen: Mons.Velanche mit seinen(ußball- spieienden Hunden. In beiden Vorstellungen: Die bcrnluntc Reiter familic Frcdiani. In beiden Vorstellungen: Vorführen u. Raiten der bestdress. Schul-, Freiheits- u. Springpferde. In beiden Vorstellungen: Auttreten sämli. Clowns mit neuen Witzen und Entrees. Abds. 7'/, Uhr: MptiaTiQ"! Zum 9. Male I„BCUC/ilfl.| Karl Haverland- Anfang ThaafDP Kommandanten- präz. 8 Uhr. luBflKU ftratze 77/79. Hugo Römer prolongiert. I�issahitep iielelstr. 21. EmtieDer Str. 40. GrOütes Kienlopp-Theater ülonblts. Wöchcntl. zweimal neues Programm. Täglich Vorstellung. Ansang 6 Uhr. H., Chausseestr. ttO. Karl Richter. Mantbeys Lustige Sänger (stets wechselndes Programm) Ansang K'/, Uhr. Eintritt 5v Ps. Nachdem: Familie»- Kränzchen. Von 5 Uhr ab im weihen Saale: Gr. Bali.— Jeden Mittwoch: Paul l4an>he>s Lustige Sänger u. Freitanz. VorzugStarteu gelten. **■ Neu eröffnet! Neu eröffnet I gtflüa-FesÜsääo Schönhauser Allee 130, MitastraßsS durch den Garten. Rente tslonntng: Gr. Kavalier= Ball. Herren; Entree, Garderobe u. Tanz 50 Pf. Damen stet. Ansang 8 Uhr. 992L»_ K arl Ftsner. Nülies Fest-Säle Dennewitzsfraße 13. Jeden Tounerstag und?o»ntng: GroKef SalL 993b' C. Xlüle. Jeden Sonntag; zilhambra Sallner-Thealerstratze 15. firoßer Bali Großes Orchester. Anfang sonntags 5 Uhr. A. Zauicitut. Markgrafen-Säle 34. Murkgrafcn-Dnmm 34. An der Stralauer Allee.! Jeden Sonntag:«rover Rull. Im Restaurant täglich musikaliiche Unterhaltung. Vorzügliche Küche, NBicre u. Weine, Billard».Kegelbahn. MärkischeTHof «dmlralsttabe 18c(IV. 4594). 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Die Herstellung unserer Fabrikate erfolgt in eigenen Ectrid?8W CrlvStöttCll unter den von ' unserer Organisation festgelegten Bedingungen. loeferanten 103/1» I derKon.nm-GenoBsenschaft Berlin u.Emgegend,( des Charlottenbnrger Konsum-Terclns sowie des Arboiter-Kadfahrcrbundes. KB- Wir weisen besonders darauf hin. daß wir nur für, eigenen Bedarf fabrizieren und unsere Waren in keinem anderen(iescbält zu haben sind. verantwortli�er Redalteur Richard Barth, Berlin. St. 225. 27. Iahtgans. 3. KnlM Ks Jotiüirlö" Aerlim NcksdlR Zoautag. 25. ZeptembetlM. Vriefkatten äer Keclaktion. A. Sch. Sö. Ja.— A. 100. Die Frage läßt sich nur nach Vor. legung des Urteils des Reichsversicherungsamts beantworten.— Zl, M. 1681. Einen Lehrvertrag abichlieizen und den Lehrling zur For-tbildungs- schule senden.— X. D. Wende» Sie sich an den Verlag: Administration der Pariser Mode, Hermann Dege, Leipzig, Königstr. 27, mit Ihrer An- srage. UnS sind die Pariser Modenblätter nicht so bekannt, um Ihnen eine der Zeitschristen empfehlen zu können.— K. 100. Im Adreßbuch 2. Band' Teil II, Seite 223, 224 finden Sic Musikvereinc, darunter auch Mandolinen- klubs verzeichnet.— E. 100. Sprechen Sie in der Sprechstunde vor, bringen Sie aber das Urteil mit.— Wolf 33.... Bringen Sie Ihre Beschwerde bei der Gewerkschastskommission, Engelufer 15, vor.— H. 2. 46. Für ein uneheliches Kmd, das in Berlin erzogen wird, sind etwa 25 M. pro Monat zu zahlen.— K. E., Moabit. In der Regel bedeutet der Ausdruck eine Beleidigung|im Sinne des Gesetzes.— K. U. 33. Fragen Sie bei der Zentralkommission der Ortskrankenkassen, Engeluser lS. an. ßneffeaften der Expedition. Patienten in Beelitz, Buch und anderen Heilstätten. Diejenigen unserer Abonnenten, die noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Ueberweisung von Frei« cxemplaren sofort ihre Adresse einsenden, da bei verspäteter Bestellung die ersten Nummern des neuen Monats von der Post nicht geliesert werden. Alle Adressen müssen jeden Monat neu eingesandt werden. An alle in der Metallindnßck beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen! Kollegen und Kolleginnen! Am 32. d. Mts. hat der Gesamtverband der Metallindttstriellen beschlossen, daß, wenn bis zum 8. Oktober d. I. die Differenz auf den Seeschiffswerften nicht erledigt ist, in allen zum Gesamtverband gehörenden Betrieben Deutschlands 60 Prozent der Beschäftigten aus- gesperrt werden. Am 24. d. Mts. sind die Plakate, die die Aussperrung androhen, in den Betrieben der Berliner Metallindttstriellen ausgehängt.— Das Kartell der für die Berliner Metallindustrie in Betracht kommenden Organisationen hat sich als Zentralkomitee für Grotz-Berlin konstituiert. Wir ersuchen alle Vertrauensleute, uns umgehend an untenstehende Adresse Mitteilung zugehen zu laffen, wenn in ihrem Betriebe die Aussperrungsplakate ausgehängt sind.— Zu gleicher Zeit ist auch die Zahl der in dem betreffenden Betrieb beschäftigten Personen knitzuteilen. Das Zentralkomitee wird alle notwendigen Mitteilungen den Vertranenslenten recht- zeitig zugehen laffem Wir erwarten, daß alle beschäftigten Arbeiter nnd Arbeiterinnen diesen Anleitungen unbedingt Kolge leisten werden. Es wird ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß ohne vorherige Zustimmung des Zentralkomitees nichts unternommen werden darf. Berlin, den 24. September 1910. veutlchei' MetsIIai'belter-vei'bsna. Berwaltungsstclle Berlin. veutlcher VokärbeNer-VepbsniI. Verwaltungsstelle Berlin. veutlcher rrsnzportarbelter-verbsua. Verwaltungsstelle Berlin. Verbami der Fabrikarbeiter. Berwaltungsstclle Berlin. Zentrai'Verband der Schmiede. Verwaltungsstelle Berlin. verband der lilaler und Lacliierer. Verwaltungsstelle Berlin. Zentral'Qerband d.tilafchinüten u.lljeizer Verwaltungsstelle Berlin. verband der ktupterichmiede. Filiale Berlin. Zentrai-Verband der yandiungzgehiifen. Verwaltungsstelle Berlin. Alle Mitteilungen und Anfragen sind zu richten an Adolf Cohen, Berlin Charitsstraße 3. Bestel/'Sche/nto/P. 2, TtZZfiZSü? HUrdmrdt trtucht ich Hc Firma Blal 9- Freund In Breslau // mir in angrbclrntn Luxus* Sprechapparat mit echter Pathi-Schalldote und.... Stücken auf doppels. bespielten Paib6- Platten tum Qesamtprtist von.... Mk.— ohne Antahlung, ohne Nachnahme, ohne Emkallagebcrechnang, Insbesondere ohne Jede Kaufverpflichtung- tutu- senien. Ich verpflichte mich, diese Sendung, falls ich sie nicht tu behalten wünsche, innerhalb i Tagen vom Tage des Empfanges an gerechnet, franko turücktasenden, andernfalls behalte ich sie uui sohle unter Anerkennung des Eigentumsrechtes bis tum Aasgleich obigen Betrag in monatl. Raten von.... Mk. rem Ablauf der Probezeit beginnend. Lr/üliungsort ist Breslau. Ort und OtOuu Ver-, Zunctu und Beruf: WM Vjfy■<�'4 if! f."tl" .. K?,-----..:.. w •hneAnzahlun� liefern wir 1 Luxus- Sprechapparat in vornehmster Ausstattung „H 10 20 40 80 PATHfi- Stücken 60 7S 120 180 Mtrk gegen 5 6 Mark"S" and flberlusen dürfte, Mlvcnlen' Apparat nnd Platten, deren jorgfälttge Wahl auch ver*8Wi(eife Ansprüche befrledlgW :n Reflektanten ohne Jede Kaufverpfifchtung lediglich gegen. Zahlung glt.iuininulen Spesen tür die Hin- und evtl. Rücksendung � W'VBIaarl� Seesen für die Hin- und evtl. ttuckscnaung- uHfoge zur Probe T.kTdft ümphnges an gerechnet. Wir wollen hierdurch delegenhell gehen, unsere* Fabrlkile nnbeelnflusst au prüfen und«Ich Ä 1 persön'S von ihren ungeheuren Vorzügen zu überzeugen.— IrgcnS welche Nachberechnung, etwa für Emballage, findet nicht statt. Pathe pi 1 ,t-n eelr h n ach jahrelanger Benutzung so rein wie beim ersten Mal... t rme-piatxtq Uocn naenj x_ der Pathi- Platten ist über die ganze zivilisierte Welt verbreitet. Ihre Aufnahmen von Kunstlern wie oas Renommee c»rn«o. SlezaK. Schmede« etc. haben Anspruch auf höchsten künstlerischen Wert, ihr Repertolr vSrnüTh�.l. tann fast unbeschränkt genannt werden. Da die von uns gelieferten, doppelieltig bespielten, ca. 29 cmoritfviiptrha. Platten fast um ein Drittel drfißer sind als die üblichen Platten, folgt, daü Parht- Platten nicht nur die beaien die blliid'tcn Platten sind. Trotz aller dieser Vorzüge und trotz unserer enormen Bezugserleichteningen lle»" w*r a" eiMi« ri™» Pathe-Platten zum Oridlnal-FabrlKprelae. also ebne Jede PreiaerhShnng. na« WS__... serer Platten-Serien ist milder größten Sorgfalt und unter Berücksichtigung jeglicher Oeschmacks- "a* Kepertoir zusammengestellt. Es enthält die beliebtesten Opern und Operetten. Märache, Walzer, bliantatlen, tJuverin..n Arien Lieder. In«trumental-Soll, Couplets, bumor. 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Verschiedenes. 16/7 In Anbetracht der reichhaltigen Tages-Ordnung wird die Versammlung pünktlich erössnet. Rechtzeitiges(Erscheinen ist daher Pflicht. Wer Torstand. ZentralverbanddorHausangestellten Heute, Sonntag, den 25. September: Grolle Sienstboten- Versammlung in Beckers FestsSlen. Kommandantenstraße 62 I. Thema: 290/14 Wie können sich Dienstbotce Rechte verschaffe»? Rescrent: Redakteur Genoss« Paul John. Freie Aussprache. Nachdem: Gemütliches Beisammenscm. Saalöffnung 6 Uhr. Beginn des Bortrages 7 Uhr._ l» Iii Arbettenachweis: Hos I. Amt 3. 1239. Berwalningsstelle Berlin. Hauptbureau: LhileitteteaSa Z. Hos lll. Amt 3. 1987. Dienstag, den 27. September 1910, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 4: klllgemeine Versammlung der siobrleger und Zkelfer Zerlm u.!lmg. Tage S-Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion von der letzten Versammlung. 2. VcrbandSangclegenheiten. 8. Verschiedenes. Kollegen l Angesichts der Wichtigkeit der Tagesordnung ersuchen wir um vollzähliges Vr/cheinen. 122/3 Ute OrtsverwaUang. Syph Iiis- Nachweis in allen frisch u. veraltet eweifelhaft. Fäll, durch wiffenschastl. Untersuchung. sosort; desgl. Harn- tspcz. aus Go- norichoe-Fädcn) u. Svutum-Slnulysen. lir. iiome/ar& Co., Spezial-Laborat., Friedrich jtr. 189, zw. Kronen- und Mohrenftraßel, I. 8724. Pers. Rückspr. dislr. u. koste»!. Geöffnet von 8—8 Sonntags von 12—1. ßeff entliche politische Versamtnlimtsen. Oeffentliehe Tersammlang. „gottgewollten" Abhängigkeiten und das Volk der Denker. Vortrag des Landtags-Abgeordneten JldoBf Hof'fHlianVI Dienstag, den 27, Sept., abends 8 Uhr, Hoppes Festsälen, Rixdorf, Hermannstr. 49. Diskussion. Eintrittspreis 10 Pt Eintrittspreis 10 Pf. Der Einberufer: 57/5* A. Ilarodt, Pappel- Allee 15. Achtung! Vereine! Siile mit Buhne SmmaSends, Sonntags. Oktober, November(Toten- somitag), 2. Weihnachtsscierta� s r e i. tiieisnöer-Str. Z7o. 10628. äiitxliedsckakt Qroß-Berlin. Montag, den 26. September 1910, abends Vs® Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 15. Saal 5: vessentl. Vortrags- ibend. Drr Wkindampf in Dtnischland- die dommendk „Ktilhskinhtitsstrnographie"- die Volksknrzschrift. Referent: Genosse Konrad Kleinlein. Wir bitten nm recht zahlreiches Erscheinen der Partei- und Gewerkschaftsgenossen und Gcnosfinnen. Jentrnllirbtlttrgenogrnphknntrkin„Arends" Groß-Kerlin Der ges-häftsführeudc Ausschuß. IkS. Durch das Inserat in Nr. 222 deS.Vorwärts-, betreffend Rollers .Welt'-Kurzschrist, sehen wir unS genötigt zu erklären, daß wir gSW öffentlich Beweis-WZ liesern werden sür die berechtigte Ausrechterhaltung der ausgestellten Be- hauptungcn in Ztr. 220 des.Vorwärts'.__ 10166 £atif' u. ürbeitsbnrsehenl im Alter von 11—16 Jahren sucht sbö/L t Zentral- Arbeltsnaebwelsl Engelufer 15, III. Etage, Zimmer 48. Oher-Seiiöngweide. M? ITÄbmi'T-Ä Ausschan! der Berliner Bockbraucrei. Stelle den werten Bereinen und Gesellschasten mein Lokal scderzeit zur Versügung._ I. A.: Hanl Schönhrrr. Dentseher Holzarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Mitglieder- Versammlungen. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Die am erhöhung von 5 Prozent. 3. Verbandsangelegenheiten. Montag, den ZK. September in folgenden Bezirken und Lokalen: tlitcklev. w Havels Brauerei. 1. Oktober eintretende Lohn- 90/9 Bttdweaten: 6 Uhr(gleich nach Feierabend) Bergmannstr. S/7. Sttd«n: b'/, Nhr(gleich nach Feierabend) Im Märkischen Hof. Admiral- straße 18 o. Osten 1: 5'/, Uhr(gleich nach Feierabend) in den AndreaS-Neftsiileu, AndreaSstr. 21. Q»teo II: 5'/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Siisin, Memeler Str. 61. Qutvn III: S>/, Uhr(gleich nach Feierabend) in den Prachtsaleu des Ostens. Frantsurter Allee 1S3. Korden(Rosenthaler und NcliUnhanacr Vorstadt): 6'/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Obiglo, Schwedler Straße 23. I�Uckenmöbelbrancke. 8 Uhr abends im Englische» i Alexanderstratze 27 o. larte», L ifyKnmÄhalhmnrhf 5'1* Uhr(gleich nach Feierabend) im Ge. l�uxusmoveiorancoe. Werkschaftshaus. Engtluserls/lb, Saal 5. Brancke äer Mfckmenarbeitei'. Outvn, Kordosten nnd ttstllclie Vororte: 5'/, Nhr(gleich nach Femabend) in den Prachtsälen des Ostens, Frank- surter Allee 151/152. kttdouten nnd Hlitdorf: 51/, Uhr(gleich nach Feierabend) im Rricheuberger Hof, Reichcnberger Straße 147. Kordon: 6'/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Obiglo, Schwedter Straße 23. Hoablt nnd Charlottcnbnrg: 5'/, Uhr(gleich Nach Feierabend) in Moabit, Rostocker Straße 17. «iidive«tc>n; 61/, Uhr(gleich nach Feierabend) in, Restaurant Zum Venchtturm, gontone-Promeimde. am Kaiser-izriedrich-Platz. «ebttneber»: b>/, Uhr(gleich»ach geierabmd) bei Kuschte. Meininger Straße 8, Weißensee: B1/, Uhr(gleich nach Feierabend) im Prälaten, König- chauffee. Ecke Lehderstraße. BUdcrrabtucmmdKr.'XlfißA WKs.SaZs! Rodenlcaev? Uhr im GewertichaftShauS, Engelujer 11/13, Sin. u* gang B, parterre, Arbeitslojenraum. Dienstag, den 27. September: öltzmäbeWrAto-. tt (ArbellSIosenraum. Eingang B, parterre). vertraueiismännerversammliiug. Rahnicn vergolder. 1im£®ITrtMaftsSa»#'®naeI' Tagesordnung: Berich! über die Verhandlung mit der Vergolder. Jmmng. Mittwoch, den 28. September: 8 Uhr im Gewerkschaftshaus. Engeluser 14/15. rtainuiiiuttr. gimmer 4(ArbeitSiasenraum) Eingang ß. laloufiearbeiter e>l, Uhr bei Boeker. Weberstr. 17. Tagesordnung: Vortrag des Kollegen Sanghammrr üder»Orga- nisallon uns Verwaltnng der Zahlstelle Berlin". Bilrftemmeber. 8«/, Uhr abends bei Prenff, Holzmar-Nstr. SS. Tagesordnung: Vortrag deS Genossen Lillich über ,Dte Genoffen- schalten und ihre Bedeutung sür die Aibeitcr". IVlodell- und fabnktilcbler und JModclldrecbrier. 8 Uhr bei Walt, Pflugstraße S. vertrau eiismäiiiierversam ml ung. Taaesordming: t, Bericht über die Verhandlungen mit dem Verein der Berliner Modelliischler. meister. 2. Die drohende Aussperrung in der deutschen Metall- Industrie. Perlmutt-, Born- und Bteinnußknopfarbeiter. 6 Uhr(gleich nach Feierabend) im Gcwerkschaftshaus. jSngcItiftr 14/15, Saal 5. Tagesordnung: Vortrag des Genoffell Jaeck über»Wirtschastliche Kämpse srüher und jetzt-. Donnerstag, den 29. September: Stellmacher Rofruthaler Hof, Rosenthaler Straße üder»Die von 8'/, Uhr im Nr. 11-12. Tagesordnung s Vortrag GolteSgnadm und der Geldbeutet Graumanns Festsäle und Garten ====== 87, KannynstraBe 87.===== :::: Bühne:::: □ 3 Kegelbahnen. iy Sonntage Im Oktober trei g-evorde». Qnnhion.Qölo Sophienslraße 17/18 kJULSlIICSI'amC Querstraße der Rosenthaler Straße— MV|dB.aaWU*.m Haekeschen Markt• Inhaber; Panl Baata empfiehlt seine von 60—2000 Personen iassenden Säle zu Versamm lungen Vortrag«- u. Kunstabenden usw. Lorzügl. Akustik. Kulant. 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Glauben und Wissen.— Wirtschaftliche Entwickelung und Naturerkenntnis.— Die Theorien der Weltentstehung.— Die Entwickelung des Weltalls.— Unser Sonnensystem.— Die Entwickelung der Erde und das Erdzeitalter. Vortragender; EmanuelWnrm. Mittwoch; Einführnng In den wlsBenschaftllchen SoKlall»mnB. Die Entstehungsgründe der modernen Sozialdemokratie.— Die ökonomischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Das Wegen der kapitalistischen Produktion.— Utopischer und wissenschaftlicher Sozialismus.— Die historischen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Der Klassenkampf als Triebfeder der sozialen Umwälzungen.— Die sozialistische Taktik.— Der„Zukunftsstaat". Nach jedem Vortrag wird Gelegenheit zu freier Diskussion gegeben. Vortragender: Julian Borohardt. Donnerstag: Bednerschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst.— 2. Technische Hilfsmittel.— 3. Das Vereins- und Versammlungswesen.— 4. Praktische Hebungen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Freitag: Oewerkachaftswesen.(Arbeitersohutz, Sozial- » gesetzgebung und Gewerkschaften.) Die kapitalistische Produktion und ihr Einfluß auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung.— Aufgaben des Arbeiter- Schutzes und der Sozialgesetzgebung.— Der gesetzliche Kormalarbeitstag.— Arbeiterschutz für Kinder, Jugendliche, Arbeiterinnen und Heimarbeiter.— Sanitärer und allgemeiner Arbeitersohutz.— Unfallverhütung.— Internationaler Arbeiter- schütz.— Organisation des Arbeiterschutzes.— Die Wirkung der Sozialgesetzgebung auf die Arbeiterklasse. Vortragender: EmilDittmer. Sonnabend; Geschichte.(Zeitalter der französichen Revolution.) 1. Vorgeschichte der Revolution.— 2. Das Jahr 1789.— 3. Die letzten Jahre der Konstituante.— 4. Gesetzgebende Versaminlung, Krieg und Republik.— 6. Die Konventszeit bis zum Sturz der Girondisten.— 6. Herrschaft der Bergpartei, 9. Thermidol.— 7. Bourgeoisrepublik, Direktorium, Babeufs che Verschwörung.— 8. Der 18. Brumaire, das Konsulat und das Kaiserreich.— 9. Die europäischen Umwälzungen der napoleonischen Zeit.— 10. Restaurationszeit und Julirevolution. Vortragender: Alexander Conrad y. Der Unterricht beginnt in Nationalökonomie: Sonntag, den 9. Oktober; Natiiperkenntnis: Montag, den 10. Oktober; Rednerttchnle: Donnerstag, den 13. Oktober; GewerkMchaftH- weaen: Freitag, den U.Oktober; Geschichte: Sonnabend, den 16. Oktober. Der Unterriebt in Einführung in den wissen. schaftllchcn äozlalismas beginnt erst am Mittwoch, den 19. Oktober. 6/14* Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 81/, llhp und endet pünktlich um 10 Uhr. Der SonntagsknrsuB beginnt pünktlich um 10 Ihr und endet pünktlich um II z Ihr. Die reichhaltige Elhllothek ist an den Abenden von VVj—ö1/, Ehr geöffnet Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 26 Pf.j das Unterrichtsgeld für jedes PaoE pro Kursus 1 Mark und ist spätesteni am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Beginn jedes Kursus im Sohullokal Grenadierstraße 37, Bot geradezu 1 Treppe, und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Hchnla, Admiralstr. 40a; Beul, Barnims tr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; W. Kaczorowskl, Ravcnöstr. 6; Borsch, Engelufer 15. Alle Zuschriften an den Vorsitzenden Hermann l.ammö, Berlln-Rixdort, Steinmctzstraße 51 III, Geldsendungen an den Kassierer U. Bönigs, Berlin S. 59, Hasenheide 56. Der Vorstand. ? 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In der Verhandlung, die gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte stattfand, wurde festgestellt, daß Suckow nach seiner Sistierung um 7% Uhr morgens bis 12% Uhr mittags aus der Polizeiwache festgehalten, dann nach dem Alexanderplatz tranS- portiert und hier bis 6 Uhr abends in Haft behalten wurde. Diese Freiheitsberaubung, zu der nicht die mindeste Berechtigung vorlag, bezeichnet das Polizeipräsidium als SicherheitShaft! Die beiden Schutzleute, welche als Zeugen gegen Suckow ver» nommen wurden, erwiesen sich hinsichtlich ihres Verhaltens in Streiksachen recht gut instruiert. Wie alle Schutzleute, die in gleich- artigen Fällen als Zeugen vor Gericht auftraten, so begann auch der Schutzmann Klamann mit den stereotypen Worten:„Bei Franke war ein Streik ausgebrochen, wir waren beordert, die Arbeits- willigen vor Belästigungen zu schützen, der Angeklagte war Streik- Posten, er hinderte den Verkehr" usw. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn, suchte durch Fragen festzustellen, ob der Schutzmann den Angeklagten, weil er Streikposten war, fortgewiesen habe.— Das stellte der gut in- struierte Schutzmann Klamann in Abrede. Den Verkehr habe der Angeklagte gehindert, es habe auch die Möglichkeit vorgelegen, daß der Angeklagte mit Arbeitswilligen zusammenstoßen könne, denn es seien schon früher Zusammenstöße vorgekommen. Weiter fragte der Verteidiger, ob der Schutzmann den dienstlichen B-fehl erhalten habe, jeden Streikposten fortzuweisen.— Von einem solchen Befehl wollte der Schutzmann nichts wissen. Er wand sich unter den Fragen des Verteidigers hin und her und schließlich mußte er zugeben, daß der Polizeihauptmann den Schuslruten gesagt hat, rS feien Arbeitswillig« belästigt worden, die Schutzleute sollten deshalb die Streikposten aus dem betreffenden Teil der Admiralstraße fort- weisen.— Hiernach konnte der Verteidiger konstatieren, daß, wenn ein Polizeihauptmann den Schutzleuten sagt, wie sie sich zu ver- halten haben, dies für die Schutzleute als Befehl gelt«, dem sie ohne weiteres zu folgen haben. Gestützt auf diese Feststellungen wies der Verteidiger in seinem Plaidoyer darauf hin. daß die Polizei immer noch das zweifellos erlaubte Streikpostenstehen als unzulässig ansieht und zu der- hindern bemüht ist. Das Kammergericht ist ja dieser Auffassung der Polizei entgegengekommen, indem es den Grundsatz aufstellte, der Richter habe nicht nachzuprüfen, ob die Anordnungen, die ein Polizeibeamter im angeblichen Interesse der Ruhe, Ordnung und Sicherheit trifft, begründet sind. Hiernach wird also der Schutzmann über das Gesetz gestellt. Wenn der Polizeipräsident, entgegen dem Gesetz, das Streikpostenstehen zu verhindern sucht, so ist das ja keine einzelne Erscheinung. Haben wir doch soeben erst erfahren. daß sich ein kommandierender General über Recht und Gesetz hin- wegsetzt und einfach verfügt, daß im Falle von Unruhen Partei- führer und Agitatoren ohne Rücksicht aus die Immunität der Ab- geordneten zu verhaften sind. Wenn kommandierende Generale auf solchem Standpunkt stehen, dann kann man sich nicht wundern, daß der Polizeipräsident in dieser Weise gegen Streikposten vorgeht und daß die geringfügigste Uebertretung der Straßenordnung an streikenden Arbeitern von der Polizei mit der höchsten zulässigen Strafe belegt werden. Der Verteidiger beantragte die Freisprechung des Angeklagten und bemerkte, daß aus Anlaß der ungesetzlichen elfstündigen Inhaftierung des Angeklagten eine Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung erfolgt ist. Das Gericht kam aus formalen Gründen zu einem frei- sprechenden Urteil. Die polizeiliche Strafverfügung beruft sich nämlich auf diejenigen Bestimmungen, welche besagen, daß den im Interesse des Verkehrs ergangenen Anordnungen der Polizei- beamten Folge zu leisten ist. Es konnte aber nicht festgestellt werden, daß der Angeklagte, als er angeblich ein Verkehrshindernis bildete, vor seiner Sistierung zum Verlassen des Platzes auf- gefordert worden ist._ Der Schlächtermeister als Einbrecher. Niedrige Gewinnsucht hat den Schlächtermeister Hermann B a st i a n zu einer Straftat verleidet, die ihn nunmehr ins Ge- fängnis gebracht hat. Wegen schweren Diebstahls hatte sich B. in Gemeinschaft mit dem Flcischhändler Ludwig Schimpf vor der 1. Strafkammer des Landgerichts l zu verantworten. Die beiden Angeklagten, welche zusammen die Wochenmärkte in der Umgegend Berlins besuchen, hatten einen gemeinschaftlichen Kühlraum in dem Kühlhause„Zentrum" in der Panoramastraße inne. Am 27. Juni dieses Jahres wollten beide zu dem Wochenmarkt in Kalkberge- Rüdersdorf fahren. Kurz nachdem sie gegen 542 Uhr morgens das Kühlhaus verlassen hatten, entdeckte der Inspektor Brederek, daß die in der Nähe des Bastianschen Kühlraumes gelegene Kühlzelle des Schlächtermeisters Hundt erbrochen und Ninderviertel im Werte von zirka 200 M. gestohlen worden waren. Das gestohlene Fleisch wurde von den Angeklagten auf dem Wochcnmarkt verkauft. Vor Gericht bestritten die Angeklagten die ihnen zur Last gelegte Straf- tat, wurden jedoch durch die Beweisaufnahme völlig überführt.— Das Urteil lautete mit Rücksicht darauf, daß die Angeklagten lcdig- lich aus niedriger Gewinnsucht gehandelt haben, auf je 6 Monate Gefängnis. Ein KinbeSmißhandlungsprozeß beschäftigte gestern wieder einmal die Moabiter Strafrichter. Vor der 5. Strafkammer des Landgerichts I mußten sich der Bäcker Wilhelm Pfeiler und dessen Ehefrau Berta Pfeiler unter der An- klage der Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges verant- Worten.— Der Angeklagte hat aus seiner ersten Ehe, die im Jahre 1900 geschieden worden war, eine jetzt achtjährige Tochter, die es bis dahin sehr gut hatte. Erst als der Angeklagte vor einiger Zeit eine zweite Ehe mit der jetzigen Mitangeklagten einging, begann für das Kind eine Leidensgeschichte, wie sie schlimmer kaum gedacht werden kann. Das bedauernswerte Kind wurde von den Eltern herumgestoßen, mußte die schwersten Arbeiten verrichten und bekam obendrein nicht ausreichend zu essen. Wiederholt beobachteten Nach- barn, daß das Kind blaue Striemen und Flecken auf den Armen und im Gesicht hatte. Außerdem wurde es völlig vernachlässigt, so daß der Kops des Kindes, als es endlich von einer mitleidigen Nachbarin der Polizei zugeführt wurde, von Ungeziefer wimmelte. Wie sich bei den eingeleiteten Ermittelungen ergab, hatte Haupt- sächlich der Vater selbst das Kind wiederholt mit einem Feuer- haken und einer Klopfpeitsche in der rohesten Weise geschlagen.— Vor Gericht bestritten die Angeklagten, das ihnen zustehende elter- liche Züchtigungsrccht überschritten zu haben. Die Beweisaufnahme fiel jedoch sehr belastend für sie aus. Das Gericht erkannte mit Rücksicht auf die von beiden Angeklagten an den Tag gelegte Roheit gegen den Ehemann Pfeiler auf 1 Monat und gegen die Frau auf drei Wochen Gefängnis._ Weltfrieden und Bereinsrecht. Die Versagung der Genehmigung zum Gebrauch der englischen und dänischen Sprache bei einer Friedensdemonstration führte zu einem Prozeß, der das Oberverwaltungsgericht beschäftigte. Die Kieler Sozialdemokratie veranstaltete zum Ib. August des vorigen Jahres drei öffentliche politische Versammlungen, in denen ür die Einschränkung der Rüstungen zu Wasser und zu Lande demonstriert werden sollte. Poller als Vorsitzender deS sozialdemokratischen Zentralverein? suchte die Genehmigung zum Gebrauch der dänischen und englischen Sprache in den drei Ber- sammlur�en nach. Der Polizeipräsident erteilte ihm am 13. August folgenden Bescheid:„Im Auftrage des Herrn Regierungspräsidenten teile ich Ihnen ergebenst mit. daß die Genehmigung zur Führung der englischen und dänischen Sprache in den drei Versammlungen versagt wird." Poller erhob Beschwerde und berief sich auf Absatz II deS§ 12 de« ReichSvereinsgescheS. Die Vorschrift des Absatz I, daß die Ber- Handlungen in öffentlichen Versammlungen in deutscher Sprache zu führen sind, findet danach unter anderem auf internationale Kongresse keine Anwendung. Der Regierungspräsident in Schleswig wies die Beschwerde ab. In der weiteren Beschwerde machte Poller noch geltend, nach der Entstehungsgeschichte des Reichsvereinsgesetzes habe das söge- nannte Sprachenverbot lediglich den Zweck gehabt, zu verhindern, daß die fremdsprachlichen Volksteile in Deutschland also Dänen und Polen, in den streitigen Sprachgebieten die deutsche Sprach« im öffentlichen Leben zurückdrängten. Weder beim Parlament noch bei der Regierung habe die Absicht bestanden, zu verhindern, daß ausländische Parlamentarier in Deutschland in ihrer Sprache vor Deutschen sprechen, denen ihre Reden erst durch Dolmetscher ver- mittelt würden. Dieser Gedanke habe zur Freistellung der inter- nationalen Kongresse geführt. Der Oberpräsident wies diese Beschwerde gleichfalls ab, ohne die Abweisung weiter zu begründen. Nunmehr erhob Poller beim Oberverwaltungsgericht die Klage, über die vor dem ersten Senat am 20. September verhandelt wurde. Der Kläger wurde durch Rechtsanwalt Wolfgang Heine vertreten. Er könne sich, führte er aus, auf daß beziehen, was der Rechtsanwalt Spiegel-Kiel in den Beschwerden geschrieben habe. Tatsächlich habe bei Schaffung des Neichsvereinsgesetzes kein Mensch daran gedacht, einzelne Redner, die vom Auslande herkommen, daran zu hindern, in Deutschland in Versammlungen in ihrer Sprache zu reden und sich den Hörern mit Hilfe eines Dolmetschers verständlich zu machen. Der Zweck jener Bestimmungen sei nur der gewesen, die deutsche Sprache in den gemischtsprachlichen Gebieten mit einer entweder zum Teil polnisch oder einer zum Teil dänisch redenden Bevölkerung zu erhalten oder zu verbreiten. Es liege außerhalb des Willens der Gesetzgebung, in Kiel, wo die Dänen gar nicht hervorträten, Dänen und anderen Ausländern zu verbieten, in ihrer Muttersprache zu reden und ihre Reden durch Dolmetscher übersetzen zu lassen. Auch habe der Beschwerdeführer und jetzige Kläger recht, wenn er Ver- anftaltungen der vorliegenden Art den internationalen Kongressen im Sinne des ReichAiereinsgesetzes gleich erachte. Da das Gesetz selber keine Definition des Begriffs„internationale Kongresse gebe, und da das Reichsvereinsgesetz nach dem Willen des Gesetz. geberS so ausgelegt werden solle, daß nicht Belästigungen der ihr Verein», und Versammlungsrecht Ausübenden entständen, so sei die in den Beschwerden vertretene Auffassung gerechtfertigt. Das Oberverwaltungsgericht wies indessen die Klage ab, ohne die Gründe zu verkünden. ** • Die Friedensdemonstration unserer Kieler Genossen am 15. August 1909 war zuerst als große Versammlung unter freiem Himmel geplant. Der Polizeipräsident versagte aber dazu die Ge- nehmigung, weil die öffentliche Sicherheit gefährdet sei. Die vom Einberufer, Genossen Poller, erhobene Klage wurde vom Bezirks- ausschuß verworfen. Dieser nahm an, daß Tatsachen vorlägen, welche die Befürchtung einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit rechtfertigten. Infolge des Streiks der städtischen Arbeiter und der Hafenarbeiter hätte damals unter der Kieler Arbeiterschaft eine große Erregung geherrscht. Diese Erregung sei verschiedentlich heftig zum Ausdruck gelangt. Und zwar nicht nur in Reden und in der Presse, sondern auch in fast täglich vorkommenden Belästi- gungen von Arbeitswilligen, in Schlägereien und groben Ans- schreitungen, die zum Teil zu erheblichen Verletzungen Beteiligter geführt hätten. In Berücksichtigung dieser Tatsachen habe die Ge- fahr nahegelegen, daß die Versammlung die vorherige Erregung wieder aufleben lassen beziehungsweise die noch bestehende Erregung vertiefen und zur Wiederholung der Exzesse führen würde. Poller legte Berufung ein, die Rechtsanwalt Th. Liebknecht vor dem Oberverwaltungsgericht am 20. September vertrat. Vor- fälle wie die, auf die sich der Bezirksausschutz mit dem Polizei- Präsidenten beziehe, hätten mit der Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel, die dem Weltfrieden dienen sollte, absolut nichts zu tun. Es hätte, um das Verbot rechtfertigen zu können, dargetan werden müssen, daß die Abhaltung der Versammlung selber die öffentliche Sicherheit gefährde. Tatsachen aber, welche die nahe Möglichkeit einer Gefährdung der öffentlichen Sicherheit für den Fall begründeten, daß die Versammlung unter freiem Himmel ab- gehalten würde, seien nicht nachgewiesen. Im Grunde genommen handele es sich nur um ganz allgemeine Erwägungen, die das Verbot nicht rechtfertigten. Das Oberverwaltungsgericht erachtete denn auch eine Beweis- erhebung für notwendig und beschloß demgemäß. Etos aller Melt. Das Leben für den Zaren. Das Geschrei der reaktionären Presse nach mehr Schutz leuten ist durch den Besuch des Blutzaren in Hessen glänzend ock sbZurckurn geführt worden. Hätten wir wirklich so wenig Schutze leute, dann wäre eS doch eine Pflichtvergessenheit der beteiligten Verwaltungen, die„gefährdeten Punkte" von Polizei Mannschaften zu entblößen und die Polizeier nach Friedberg und Umgebung zu entsenden, wo sie, zu kleinen Brigaden formiert, die drohenden Gefahren mutig abwehren sollen. Da die gcfürchteten Attentate durchaus nicht kommen wollen— es sei dem,, daß viel. leicht noch irgend ein russischer Polizeischuft eins arrangiert, um die Unentbehrlichkcit der russischen Spitzclgard« zu dokumentieren— muß sich der internationale Polizeikordon die Langeweile mit dem Fange harmloserer Attentäter vertreiben. Und das gelingt ihm vortrefflich. Wie die„Frkf. Kl. Pr." meldet, machte am Donnerstagabend am Eingang zur Burg in Friedberg ein baumlanger Mensch Radau und schimpfte sogar auf „Väterchen". Flugs packte ihn die verbündete Polizei- Mannschaft von Rußland, Frankreich und Deutsch- l a n d. Er wehrte sich gegen die dreifache Polizeigcwalt und viel Volk sah dem 5wmpf zu. Natürlich wurde er schließlich überwältigt. Nun kann wenigstens kein Nörgler mehr sagen, daß die Polizeier. die aus den Steuern des Volkes erhalten werden, dort nichts zu tun hätten. Zum Sturze des Aviatikers Chavez. Der Simplonflieger Chavez erhält den SimplonpreiS, obwohl er die Bedingung, in Mailand zu landen, nicht erfüllt hat. Chavez' Zustand ist gut. Sein Gesicht ist durch den starken kalten Windhauch geschwollen. Bei dem Sturze hat er mehrere Zähne verloren. Der Alpenflieger ist übrigens auf die gleiche Art wie der verstorbene Delagrange verunglückt. Zehn Meter über dem Boden umschlugen sich die Flügel, wodurch der Lustwiderstand aufhörte. Der Apparat kippte um und fiel zur Erde. Die Cholera. Den Berichten des Ministeriums des Innern zufolge, ist die Cholera in Ruhland im Abnehmen begriffen. Trotzdem liegen Meldungen über Neuerkrankungen vor. In Peters- bürg sind in den letzten 24 Stunden 36 Personen erkrankt und 14 gestorben. Die Gesamtzahl der Cholerakranken beträgt 564. Seit Ausbruch der Epidemie sind in gang Rußland 182 396 Er- krankungen vorgekommen; 83 702 Personen sind an Cholera ge- starben. In MohacS und Umgebung(Ungarn) wütet die Cholera immer schrecklicher. Die Bevölkerung steht den Bemühungen der Aerzte feindselig gegenüber, da sie dieselben beschuldigt, die Seuche hervorgerufen zu haben. Nach sicheren Meldungen soll die Cholera bereits nach Kroatien übergegriffen haben. Zwei Matrosen, die gestern auf aus Ungarn kommenden Schiffen in Wien angekommen sind, wurden unter choleraverdäch- tigen Erscheinungen ins Epidemiespital übergeführt. Mädchenskelette im Mönchskloster. Recht sonderbare Funde sind bei RenoviernngSarbeiten in einem früheren französischen Kloster gemacht worden. Wie dem„Berk. Tagebl." gemeldet wird, kaufte der Panset Bankier Baumgartner vor einiger Zeit das Schloß der Marquise von Sevtzgne in Livry. das bis zur Trennungszeit e i n K l o st e r derAssumptionisten war. Gestern fanden Arbeiter unter einer Kapelle, die mitten im Garten vor etwa zehn Jahren erbaut wurde, fünfzehn Skelette, die von jungen Mädchen im Alter von vierzehn bis sechzehn Jahren herzustammen scheinen. Der Bevölke- rung hat sich nach Bekanntwerden der Funde große Aufregung bemächtigt. Hoffentlich gelingt es der Untersuchungsbehörde bald, die mysteriösen Funde aufzuklären. Tie Eisenbahnkataftrophe auf der Rock Island« Bahn. Zu der Eisenbahnkataftrophe bei C l a y t o n(Kansas), von der wir gestern unter„Letzte Nachrichten" kurz Notiz genommen, wird noch berichtet: Durch die furchtbaren Regengüsse der letzten Tage war eine Bahnbrücke zerstört worden. Der verunglückte Zug näherte sich mit großer Geschwindigkeit der Unfallstelle. Die Maschine stürzte 7 Meter tief ab. Außer den zahlreichen ge- töteten Personen, von denen bisher 20 geborgen sind, erlitt eine große Anzahl Reisende Verletzungen. Ein Teil deS Zuges konnte so fest gebremst werden, daß er auf dem Gleise stehen blieb, während ein anderer Teil über dem Abgrunde hängen blieb._ Kleine Notizen. Explosion einer Cbedditfabrik. Die Chedditfabrik in Jussh bei Genf ist mit 200 Kilo Cheddit explodiert, wodurch ein großer Brand entstand. Die Arbeiter sind unversehrt, doch ist beträchtlicher Schaden angerichtet worden. Ein Polizeikommiffar wegen Diebstahls verhaftet. DaS Schwur- gericht in Paris verurteilte den Polizeikommiffar Robert, welcher eine Geisteskranke, als deren Personalien aus dem Bahnhof fest- gestellt werden sollten, um 9c>(X) Fr. bestohken hatte, zu zwei Jahren Gefängnis. Ein Meuschenschiuder znm Tode verurteilt. In Jekateri- n o d a r wurde der Gehilfe des Polizeimeisters Golowko durch das Kriegsgericht zum Tode verurteilt. Er hatte drei Arrestanten, darunter einen deutschen Untertan, zu Tode prügeln lassen. Schadenfeuer. In Masuchowkcn entstand wie auS Allenstein gemeldet wird, infolge der Fahrlässigkeit deS Besitzers BroSda ein großes Schadenfeuer, das vierzehn Gehöfte einäscherte. BroSda selbst kam in den Flammen um. Ein See verschwunden. AuS Belgrad wird gemeldet: Der 1300 Meter hoch gelegene Alpirsee auf dem Berge Zeeljin an der lürkisch-ierbischen Grenze ist plötzlich verschwunden. Wahr- scheinlich ist die Ursache dieser Naturkatastrophe auf ein stattgehabtes Erdbeben zurückzuführen. Eingegangene vruckfckrifren. Konrad Pilnter. Roman von Jakob Schaffner. Preis geh. 5 M„ geb. 6 M. O Mensch. Roman von Hermann Bahr. Geh. 4 M., geb. 5 M. Verlag von S. Fischer, Berlin. Die Erde. Dr. B. Lindemann. Eine allgemeinverständliche Geologie. Band I: Geologische kkräste. In 8—10 Lteserungcn zu je 80 Ps. KoSmos, Gesellschast der Natursrcunde. Der Ingenieur. Seine kulturelle, gesell- schajtliche und soziale Bedeutung. Essays von Frz M. Fcldhaus, Dr. Gg. Biedenkapp. Dr. I. Kollinann, Jos. A. Lux. Dr. Ä. Reitz u. a. Preis 1 M. Täugetiere fremder Länder. Von Dr. Kurt Floericke. Preis 1 M. Franckhsche Verlagsanstalt. Stuttgart. Achtung! Am Sonntag, den 25. September, findet Ausspielen eines ZlegenbockgefpannS mit Geschirr und Wagen in meinem Lokal statt. August Zieh, Wurschauerstratze 61.* H= Berliner=== um»r°/, Pfund-Paket 15 Pfg. liegen Benlian meines Gescilstanses Ausverkauf! Die bedeutenden Vorräte sollen bis Oktober geräumt sein und sind daher RA D herab-J die Preise bis zu**"""•»ÄBSiiZ gesetzt. Tepnieh Thomas Aoltenten and vertranenstvUrdigHten SPEZMALMAUS für Teppiche, Gardinen, Portieren, Höbet- and DckoratlonshtolTo, länfer, Tlach-, Oivnn-, Stopp-, Heise- and Schlafdecken. Berlin SVI. 68, Öramenslr. 126. ZwelggcschKft: Oranienstr. lOO. 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Vom Warenmarkt. Getreide. Der Berliner Getreidemarkt wies nach einer kräftigen Aufwärtsbewegung am Anfang der Woche wenig Ver- änderungen auf. Die Berichtszeit für Septemberlieferung schließt mit um 5 M. höheren Preisen als die Vorwoche. Gering wie in Weizen war an der Berliner Börse das Geschäft in Roggen. An den meisten Tagen kam noch nicht einmal eine Notiz für Sep- tcmberlieferung zustande. Die Preise zeigten eine Erhöhung von etwa 2 M. Für Hafer stieg der Preis um zirka IM. Zucker. In der vergangenen Woche ging der Preis für Septemberlieferung in Hamburg unter 11 M. zurück und erreichte ein so tiefes Niveau wie seit Monaten nicht. Der Wochcnschlutz ist mit 11,70 M. ver- zeichnet. Wolle. Das Geschäft an den Baumwollmärkten nahm in der letzten Woche keinen größeren Umfang an als in den Vor- Wochen nach dem Korner. Die Preise hielten sich auf der Höhe. Von den Erntegebieten liegen neue Nachrichten nicht vor, die der Spekulation eine Anregung hätten bieten können. An den beut- scheu Wollmärkten hielt sich der Verkehr in der letzten Woche in engen Grenzen. Die an den Markt kommende Ware wurde größtenteils von den mitteldeutschen Fabriken aufgenommen. Die Preise zeigen keine Veränderung. Auch in überseeischen Wollen war der Verkehr klein. Die Ankünfte fanden giemlich willige Aufnahme. Kaffee. Im Anfange der letzten Woche setzte am Hamburger Kaffeemarkte eine Reaktion auf die letzte Hausie ein. Doch war sie bald wieder überwunden und der Schluß der Woche ficht den höchsten Preis der letzten Jahre mit 48� M. Auch spätere Termine waren neuerdings erhöht. Da die Regierung von Sao Paolo schließlich aber doch einmal mit ihren Vorräten herauskommen muß und die letzte Ernte recht reichlich sein soll, so wird sicher ein neuer Umschwung nicht lange auf sich warten lassen, da auch die Steigerung des brasilianischen Wechselkurses nicht ins ungemessene weitergehen kann. Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft Berlin. Der Reingewinn des Unternehmens, der sich für das Borjahr auf 13 ö72 060 M. bezifferte, stelle sich für daL Geschäftsjahr 1909/10 auf 71 III iU Mark. Die Abschreibungen wurden auf 537 770 M. s468 ö69 M.) bemessen. Aus dem Reingewinn von 13 425 225 M.(16 334 571 M.) sollen 14 Proz.(13 Proz.) Dividende-- 14 000 000 M.(13000000 M.) ausgeschüttet werden._ Aussichten in der Metallindustrie. Wurde das wirtschaftliche Leben Deutschlands zu Anfang des Jahres durch den Konflikt im Baugewerbe beunruhigt, so stehen wir im Herbste vor der Gefahr einer allgemeinen Aus- sperrung in der Metall- und Maschinen- industrie. Wenn bis zum 8. Oktober der Kampf im Schiffbau nicht beendet ist, soll die Aussperrung von über 400 000 Personen in der Wtetall- und Maschinenindustrie erfolgen. Es würden min- destens 25 Proz. der tu der Metall- und Maschinenindustrie bs- schäftigten Arbeiter ausgesperrt werden, ja. die großen Betriebe würden ihrer Mehrzahl nach ihre Tätigkeit fast ganz einstellen müssen. Man kann sich lebhaft vorstellen, daß eine derartige Hemmung der wirtschaftlichen Tätigkeit in einem der wichtigsten Produktionszweige die gesamte Hcrbstbelebung schwer beeinträch- tigen müßte. Wir hätten einen Kampf von solcher Ausdehnung und Intensität, wie ihn Deutschland noch nicht erlobt hat. Nicht die betroffenen Kreise würden in erster Linie zu leiden haben, sondern ganz uninteressierte Schichten, die von den Wirkungen des Kampfes aufs heftigste getroffen würden. Selbst wenn es nicht zum Aeußersten kommen sollte, ist durch die Drohung der Generalaussperrung schon eine Beunruhigung ge. schaffen, die auf den Kapital- wie auf den Arbeitsmarkt beun- ruhigend wirken mutz. An der Börse wird man diese Be- unruhigung auf vielen Gebieten des Jndustrieaktienmarktes. vor allem für die Werte der Maschtnen- und Metallindustrie in der Bewegung der Kurse verspüren. Die Tendenz an der Börse ist gegenwärtig so wie so nicht besonders zuversichtlich, und wenn man die täglichen Stimmungsberichte liest, so findet man die größten Verschiedenyeiten über den Verkehr und seine Tendenz. Teilweise erklärt man die Unsicherheit mit den wenig befriedigen- den Nachrichten aus den Vereinigten Staaten, teilweise findet man, daß die Haussepositionen zu stark angewachsen sind und daß unter dem Druck der Verteuerung der Geldsätze Realisationen vorgenommen werden, die das Kursniveau beeinträchtigen müssen. Dabei fehlt es nicht an freundlichen Nachrichten aus der heimischen Industrie, denen zufolge das Herbstgeschäft über Er- warten gut eingesetzt hat. Gerade auch aus der Metall- und Maschiuenindustrie lauteten die Nachrichten über die Geschäftslage recht befriedigend, so daß man auch hier mit Zuversicht den näch- sten Wochen entgegensah. Und nun kommt auf einmal die Nach- richt, daß die Tätigkeit vielleicht für längere Zeit unterbrochen werden soll! Diese Aussicht mutz auf die Börse deprimierend wirken und sie zu besonderer Reserve veranlassen. Daß für die Arbeiterschaft die Generalaussperrung ebenfalls ihre großen Nach- teile weit über die betroffenen Kreise hinaus haben würde, das braucht nicht erst hervorgehoben zu werden. Der Arbeitsmarkt hatte sich seit der Bauarbeiteraussperrung recht günstig entwickelt, so daß nun auf eine weitere Entlastung des Ueberange- b o t e s gerechnet werden konnte. Eine plötzliche Vermehrung des Angebotes um 400 000 Köpfe würde den Andrang rasch empor- schnellen lassen und den gegenseitigen Wettbewerb wieder erheblich verschärfen. Ein großer Teil der Arbeiterschaft hat es bei den hohen Lebensmittelpreisen schon jetzt recht schlver, seine Ausgaben mit den Einnahmen in Einklang zu bringen. Jede Verminderung der Arbeitsgelegenheit führt aber zu einer Einbuße an Lohnein- kommen und steigert das Mißverhältnis zwischen den Waren- preisen und der Kaufkraft der Arbeiterbevölkerung. Gewinnstrigerung. Die Maschinenbauanstalt Humbold er- zielte im letzten Jahre einen Reingewinn von 2 927 538 M. gegen nur 2 379 184 M. im Vorjahre, olnvohl die Abschreibungen von 870 266 auf 1 156 349 M. erhöht worden sind. Die Aktionäre er- halten wiederum 8 Prozent. K Unsere Fabrikate sind erstklassig Höchste Leistungsfähigkeit durch eigene Fabrikation im gröfzten Stile f Unerreichte Auswahl Herbst-Kostümen Ubergangs-Paletots Schwarzen Jacken Frauen-Mänteln Abend-Mänteln Kimono-Mänteln Garnierten Kleidern Kostüm-Röcken Prinzelz-Röcken Blusen— Jupons Morgenrock. Matinees Pelz-Konfektion Mädch.- Konfektion Knaben-Konfektion r. Sechs große Maß-Ateliers R.M.MA ASSEN Preisrätsel für Jedermann■— )i UL � cy�n0i I o 11 TE i A Ebenx® j.., '$ ök Jh*. oin\o-m&' Zur Beteiligung an obigem Preisrätsel ist ein jeder berechtigt, und hat die Auflösung im verschlossenen Kuvert mit der Aufschrift„Preisrätsel" an die Annoncen- Expedition Gustav Zcigmcistcr, Berlin 8. 44, liUisen-IJfer 35, ---------------- bis zum 5. Oktober a. c. Incl.. zu erfolgen.— Die Verlosung erfolgt durch einen hiesigen Notar, und zwar derart, daß die zuerst gezogene Adresse den Hauptpreis 1 Pianino im Werte von Mark 600.-: die zweite den Hauptpreis I Harmonium im Werte von Mark 300.— erhält.— Die weiteren Preise Nr. 8 bis 50 inklusive bestehen in 1 Band ausgewählter Musik-Piecen (La. b. U. Deutscbl&nds größtes Speziad-Höjus für| Ddmen.-Kinder-Sport-und Pelz-Konfektion Berlin S. Oreruen-Plölz welcher übertragbar ist, und je einer beim Kauf eines neuen Pianos bis 1. April 1011 in Zahlung genommen wird. enthaltend 150 Stücke. No. 51 bis 76 in einem Gutschein über M. 30 No. 76 bis 100 in einem Gutschein über M. 20 Die Preise sind in meinem Gesohäftslokal in der Zeit vom 20. bis 80. Oktober a. 0. in Empfang zu nehmen. Die Auflösung des Preisrätsels, sowie die Namen der Gewinner werden am 15. Oktober a. c. im„Vorwärts" veröSentlioht. Möbel-Schmidt 80 Bernauer Straße 80 a. d. Brunnenstraße. 4'.00 nMtr. 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Hierdurch die traurige Mit- teilung, daß mein Mann Gustav Selmlisch am Freitagr den L3. d. M., ver- starben ist. Um stilles Beileid bittet Pran Schulisch. Die Beerdigung findet am Man- tag, den 26. September, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Halle der neuen Luisen- Gemeinde. stzürstenbrunner Weg, aus statt. ZumllleiMMzcbei' Mvot Charlottenburg. Den Mitgliedern hierdurch zur Nachricht, daß unser Genosse, der Schlosser Gustav Schulisch am 23. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. September, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- halle deS sneuen Luisen-Kirchhoss, gürstcnbrunner Weg, auS statt. 250/13 ver Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes• Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Former Max Putzke am 22. d. Mts. an Lungenleiden gestorben ist Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Sept., nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des Rixdorser Gemeinde- riedhoscs, Tcmpelhos, Gottlieb- )unkeI-Straße, auS statt. 122/7 Ferner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Gustav Schulisch am 23. d. MtS. an Lungenleidcn gestorben ist. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. Septbr., nach. mittags 4'/, Uhr, von der Leichen- balle des Luisen-KirchhoseS in Westend, Neuer Fürslcnbrunner Weg aus statt. Ehre ihrem Andenken! Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. üeriiaiiil der Fahrikarlieiter Deutschlands. Zahlstelle Grost-Berlin. Am Donnerstag, den 22. September, verstarb nach längerem Krankenlager unser Mitglied K.iii*t Beck am Herzschlage. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. September, nach- mittags 5 Uhr von der Halle des städtischen Friedhoss in Friedrichs- sctde aus statt. Rege Beteiligung erwartet 64/1 Die Drts»erwaitun||. Deutscher Buchbinder-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unier Mitglied, die LuxuS- papier-Arbciterin Ida Below am 22. September verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet morgen Montag, den 26. September, nach- mittags 4 Uhr, aus dem Emmaus- Kirchhos in Rixdors, Hermann- siraßc, statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 24/18 Die Drtsverwaltung Am 23. d. M., früh 3'/, Uhr entschlief nach langen, schweren Leiden mein innig geliebter Sohn und lieber Bruder 10378 Otto Pritsche im 22. Lebensjahre. Dies zeigen liesbetrübt an Witwe Anna Pritsche und Sohn. Die Beerdigung findet am Montag, den 26. d. M., nach- mittags 41l, Uhr von der Leichen- halle des St. GeorgenkirchhöseS, Landsberger Allee aus statt. Bezirk GreB-Berlin. Am Freitag, den 23. September, verstarb nach langem schwerem Leiden unser Mitglied Ott« Pmtsck. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 26. September, nach- mittags 40, Uhr, von der Leichen- Halle des Georgen- Kirchhofes, Landsberger Allee, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 290/15 Die Drlsverwaltung. Zentral-Kranken-Merstiitzungs-I Verein der Seluniede u. verwandten Gewerbe Deutschi. Zahlstelle Berlin 5. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher Hermann Orandt am 21. September verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonntag, den 25. September. nachmittags 3>/, Uhr, von der Leichenhalle des neuen Pauls- Kirchhoses in der Seestraße aus statt. 1086b Um rege Beteiligung ersucht Die OrtsverwaltuNg. i Freunden und Bekannten ange Allen die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Bauarbeiter Hermann Dömlang nach schweren Leiden verstorben ist. Um stilles Beileid bittet die trauernde Witwe 10196 Anna DUinlang. Die Beerdigung findet Diens- tag, den 27., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilig- Kreuz-K rchhofes aus statt. Danksagung. Für die erwiesene Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes und unseres BaterS sagen wir unseren herzlichsten Dank. 1073b Uniis Seidel und Kinder. Danksagung. Für die überaus große Teil- nähme beim Hinscheiden unseres geliebten Vaters, des Schlosser- meisterS Karl Küster sagen wir allen unseren tief- gesühltesten Dank, insbesondere den Herren vom Vorstand und den Herren Beamten der Orts- krankenkasse der Schlosser und verwandten Gewerbe. 195/10 Die trauernden Hinterbliebenem Danksag-ung. Für die überaus zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdi- gung meines geliebten Mannes, unseres guten Vaters .August Vollrodt spreche ich hierdurch allen Verwandten, Freunden und Bekannten, der Schul- kommiision 109», dem 6. Wahltteis, dem Verband der Maurer, dem Lotterieklub.Außenseiter", sowie dem Genossen Metzke jllr seine trostreiche» Worte unseren herzlichsten Dank aus. Witive Vollrodt nebst Kiuder». Danksagung. Für die überaus herzliche Teilnahme bei dem Dahinicheiden meiner mir unvergeßlichen Frau, unserer guten Mutter, sage allen Verwandten und Bekannten, insbesondere der Filiale 11 deS Zentral-Kranken-Unterstützungs- Vereins der Schmiede sowie meinen Kollegen von der Firma Schwartz- kopfi(Metallgießerei) meinen herz- lichsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen Hermann Oswald nebst Kindern. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes HValter Schiinau jage ich allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie dem Lotterieverein .Pech", dem Personal und Kollegen der Firma Siemens u. Halske und der Firma Heymann u.'Schmidt meinen herzlichsten Dank. 10766 Die trauernde Witwe Prlda SchOnan. Extra-Preise für Modelle Kostüme, Plüsch- n. Pelz-Konfektion nur Montag und Diawstani Prels-Ermäseiflung zum Teil bis zum 3» TGÜ der Notierungen Nur neueste Fassons! iii, Bln. BW. ißt Molle. 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