Mr. 227. Hbonnemenk-üecklnMstki MonnsvientS- Vrcis ttftmitnetnnSa S vierteljSHrl. 3,3fj Mk, moiiotl. 1.10 Mk., wöchentlich 28 Pfg. frei ins HauS. einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- immmer mit illustrierter Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- tlbonnemcnt: 1.10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dönemarl, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. «»tili»»glich anStr Montag». Berliner Volksblntl Zentralorgan der fozialdemobratfrcben Partei Deutfchlands. SU Tnlertlons-Gcbüfir tettSgt für die sechsgespaltene Kolone»« geile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen 20 Psg. „Klein- Hnztigen", das erste(fett- gedrucktes Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlas- slellen-Anzeigcn das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöfsnet. Telegramm. Adresse: „SoiIaldcmoKrat Berlin-, Redaktion: 8M. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Expedition: 8«l. 68» Lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Sie Strategie des Staatsstreichs. Der Bissingschc Korpsbefeht, der auf dem Magdeburger Parteitag ans Licht gezogen wurde, ist ein Dokument von hoher politischer und historischer Bedeutung. Er enthüllt einerseits die Angst der herrschenden Klasse vor dem Anschwellen der Arbeiterbewegung und er legt außerdem schwarz auf weiß fest, daß unsere Herr schende Klasse entschlossen ist, ihre Herrschaft mit allen Mitteln zu behaupten; daß sie schon mit dem Gedanken des blutigen Bürgerkrieges und des brutalen Rechts- und Verfassungsbruchs umgeht. Der bisher bekannte Wortlaut des Erlasses ist nun nur ein Teil seines Inhalts; er hat noch mehrere sehr interessante Stellen, die das Interesse der Oeffentlichkeit beanspruchen. Darin werden über die Verwendung und Ausrüstung der Truppen noch nähere Anweisungen gegeben, eine förmliche Lehre der Führung des Bürgerkrieges entwickelt, ein Führer für die Kunst, die Soldaten auf Vater und Mutter schießen zu lassen, gegeben. Diese Stellen des Be sehls lauten: Infanterie ist im Straßenkampfe, wenn möglich, mit Artillerie zusammen zu verwenden. Ein frontaler Sturm gegen Barrikaden ohne nachdrückliche Vorbereitung durch Artillerie fordert starke Verluste, ja, er mißlingt oft ganz. lleberbaupt ist ein Vordringen von Infanterie auf offener, von Barrikaden oder aus den Häusern unter Feuer gehaltener Straße zu vermeiden. Die Truppe mutz vielmehr durch Ein« schlagen der Wände von einem Haus zum anderen schritt- weise vordringen oder durch Gärten und Höfe und über die Dächer vorgehen. Di e einzelnen Häuser sind genau abzu- suchen,, auch nach Sprengstoffen. Nach Maßgabe des Vvp fchreitenS der vordersten Abteilungen folgen Reserven zum Besetzen und Sichern wichtiger Punkte. Beim Marsch wird zweckmäßig in Reihenkolonnen auf beiden Seiten längs der Häuser gegangen, gewandte Schützen werden vorgenommen, um nötigenfalls ein Feuern aus den Fenstern schnell vcnnciden zu können. Das Bajonett wird im Häuserkampf eine große Rolle spielen. Außerdem sind zweckmäßig möglichst viele Leute mit Beilen, Beilpicken, Brech stanzen und auch mit Sprengstoffen auszurüsten. Der Tornister behindert den Mann und erscheint auch kaum nötig, ebenso das Kochgeschirr. Die Ausrüstung würde also folgendermaßen sein:.Helm, Patronentasche mit reichlicher Munition, Brotbeutel mit einigen . eisernen Portionen. Feldtasche, eventuell nach der Jahreszeit Mantel.' Berittene Offiziere haben im Stratzenkampf stets ab- zusteigen und die Pferde zurückzuschicken. Kavallerie soll nie innerhalb der Stadt zum Fechten verwandt werden, sie ist im eigentlichen Straßenkamps mehr oder weniger hilflos. Sie muß von vornherein außerhalb der Ort- schaften beziehungsweise außerhalb des insurgierten Stadtteils zur Abschlietzung der aufrührerischen Orte oder Bezirke und zur Siche- rung der Eisenbahnlinien, aber auch zur Aufklärung auf den Flügeln und in den Flanken der in dem aufrührerischen Gebiet vorgehenden Kräfte verwendet werden. Maschine n getv ehre und Artillerie sind stets zug- weise der Infanterie(etwa jedem Bataillon ein Zug) zuzuteilen und reichlich mit Munition auszurüsten. Auch die Pioniere sind auf die Infanterie zu verteilen; wo solche fehlen, können aus den als Pioniere ausgebildeten Mannschaften der Infanterie Pioniertrupps gebildet werden. Die Pioniere sind namentlich zur Aussührung v on Sprengungen mit Sprengstoffen zu versehen. Schließlich sind auch Feuer wehrabteilu 11 gen der Infanterie mitzugeben. Im allgemeinen werden die Operationen in einer aufrühre- rischen Stadt so zu führen sein, daß der Führer alle ver- s ü g b a r e n Kräfte in einer Zentral st ellung ver- einigt, kleinere Wachen einzieht und nur die wichtig st en Gebäude besetzt hält. Durch plan- vi ätzig fortschreitende Angriffe aus dieser Zentral- slellung heraus wird dann die Stadt allmählich wieder unterworfen, während gleichzeitig die Kavallerie und etwa von außen noch herangezogene Truppen die Stadt einschlietzen und den Truppen in der Stadt in die Hände arbeiten. Die Verbindung der verschiedenen Abteilungen unter- einander und mit der Führung muß mit allen Mitteln, auch durch Signale(Offiziere und Unteroffiziere in Zivil) aufrecht erhalten werden. Eine Einteilung der Stadt in Abschnitte unter einem Abschnitts komniandanten mit Abschnittstruppen und unter Ausscheidung einer Hauptreserve kann zweckmäßig sein. Die Truppen der einzelnen Abschnitte müssen dann gemeinsam operieren. Eine regelmäßige Ablösung der Truppen vorderster Linie ist notwendig, hat aber so zu erfolgen, daß nie Gelände aufgegeben wird. Ruhetage sind unter allen llmständen zu vermeiden. Die Truppe tvird immer untergebracht werden können, wenn auch nur in Massenquartieren. Ilm die nötige Ruhe zu sichern, könne» sich unter Umständen die Truppen ihrerseits in ihren Bezirken verbarrikadieren. i Unter keinen Umständen dürfen höhere oder niedere Befehls- Hader auf Unterhandlungen mit Aufständischen eingehen, es gibt nur eine Bedingung: Unterwerfung auf Gnade»der Ungnade. Eroberte Stadtteile sind genau abzusuchen, Gefangene sofort nach auswärts abzuschieben, falls sie nicht sofort an Ort und Stelle vor die Kriegsgerichte gestellt werden. Alle Rädelsführer oder wer mit den Waffen in der Hand ge- fangen wird, ist dem Tode verfallen. Die volle Strenge des Gesetzes ist unbarmherzig anzuwenden." Man sieht, unsere herrschenden Kreise träumen von Blut und Morden. Von Krieg gegen das Volk, von Füsilierungen und Massenverhaftungen, von kriegsgerichtlicher Schnell- justiz, von Massenverurteilungen und Massenexekutionen. Ihre von der Furcht vor dem Volkszorn ge- peitschte Phantasie malt ihnen den Bürgerkrieg mit allen seinen Schrecken und sie machen sich schon im voraus stark für die Blutarbcit, die sie zu verrichten denken, für den Aderlaß, den sie dem Volke zu applizieren sich rüsten. Klingt es nicht altbekannt, klingt es nicht wie eine Variation auf das bekannte blutige Thema„Pardon wird nicht gegeben!" Zehn Jahre sind's her, daß diese Losung ausgegeben wurde. Damals gegen ein Fremdvolk, ein Volk ftemder Rasse. Jetzt handelt es sich um einen Feldzugsplan gegen das eigene Volk. Aber die Losung ist dieselbe. Keine VerHand- lungen! Unterwerfung auf Gnade und Un- gnade! Die volleStrenge des Gesetzes ist un- barmherzig anzuwenden!(So in einem Dokument, das als erste Handlungen ungesetzliche Maßregeln festsetzt!) Das ist derselbe Geist, der einst die Losung für den Hunnenfeldzug diktierte, jene Losung, die bewirken sollte, daß in tausend Jahren kein Chinese mehr wagen werde, einen Deutschen schief anzusehen I Der Hunnenzug hat Chinas Boden mit furchtbaren Blut- strömen getränkt. Schrecken ging vor den deutschen Truppen, Verderben zeichnete ihre Spuren, Hunderte von Gefangenen wurden füsiliert nach abgekürztem Verfahren, Leben und Güter massenhaft vernichtet. Und der Erfolg? Das Phantom der Teilung Chinas ist in alle Winde zerflattert und das nationale Selbstgefühl der gelben Männer erstarkt von Tag zu Tag. Die Herrschaft der weißen Rasse über die gelbe ist heute ein Traum der Vergangenheit und die Stellung Deutschlands in Ostasien ist alles andere denn gefestigt! Unsere herrschende Klaffe mag sich versichert halten, daß sie nicht besser fahren wird, wenn sie sich jemals in einen Hunncnzug wider das eigene Volk stürzen würde I DaS klassenbewußte Proletariat weiß, was es von seinen Feinden zu halten hat. Aber immerhin hat diese Ent> hüllung, daß unsere herrschende Klasse es für nötig hält, die Strategie des Bürgerkrieges und des Staatsstreichs in allen Details auszuarbeiten, für die Arbeiterschaft ihren ganz be- sonderen Reiz I Frankfurt-Cedus. Das Menetekel von Frankfurt-Lebus ist den bürgerlichen Parteien schwer in die Glieder gefahren. Tie wunderlichsten Er- klärungen werden für das Resultat ersonnen, während doch die wahre Lösung für die Ursachen dieses neuesten glänzenden Wahl- sieges der Sozialdemokratie so nahe liegen I Nichts anderes al» die a l l g e m e i n e E m p ö r u n g über dicVolksausplünde- r u n g s- und Volkscntrechtungspolitik ist es. was auch in Frankfurt-Lebus, wie bei allen vorhergehenden Wahlen, die Massen in die Arme der S5zialdemokratie getrieben hat. Daß die Konservativen nicht zugeben wollen, daß sie zum mindesten behaupten, die Volksempörung hätte ihre jetzige Größe niemals erreicht, wenn nicht auch die Liberalen an der Politik des Schnaps- blocks Kritik geübt hätten, ist ja einigermaßen begreiflich. Daß aber auch die Liberalen s e l b st so gar nicht die wirklichen Zu- sammenhänge der Dinge erkennen wollen, ist denn doch erstaunlich» Namentlich hätte der Freisinn, dessen linksstehende Orgari? doch seinerzeit von der Kompromißkandidatur des Dr. Winter keineswegs erbaut waren, doch ein Verständnis dafür haben müssen, daß sich das Volk bei dem allgemeinen Zug nach links, bei der Er- bitterung der Wählermassen über die reaktionäre Politik unmöglich für eine nationalliberale Kandidatur begeistern kann, für einen Kandidaten, der zudem auf dem äußersten rechten Flügel steht und bereits vor der Wahl mit den Kon- servativcn heiße Liebesbeteuerungen tauschte! Daß dieselben Blätter, wie z. B. das„Berliner Tageblatt", die zuerst so bittere Worte für die Kandidatur Winter lsatten, im letzten Augenblick vor der Stichwahl für diesen nämlichen Winter mit der größten Verve eintraten, kann das bei den Wählern doch höchstens ein Kopfschütteln über die Wandlungsfähigkeit und Rückgratlosigkeit dieses entschiedenen Liberalismus hervorrufen, nimmermehr aber die beabsichtigten Sympathien für den Bundes- genossen der Agrarier und Antisemiten ausgelöst haben! Dabei schneidet die liberale Presse vom Schlage des„Berliner Tageblatts" heute die drolligsten Kapriolen. Unmittelbar vor der Stichwahl rechnete das Mosseblatt mit der Niederlage des sozialdemokratischen Kandidaten als der u n a u s b l e i b- lichen Folge der Magdeburger„Skandale". Nachdem aber trotz aller konservativen Rettungsversuche der liberale Sammelkandidak auf der Strecke geblieben, stellt sich das nämliche Mosseblatt, als ob es das gar nicht anders erwartet habe! Dabei leistete es sich außerdem noch die unglaublichsten Kombinationen. Es meint» die 2709 Stimmen, die bei der Stichwahl gegenüber der Haupt- Wahl mehr abgegeben wurden, seien wohl ausnahmslos dem bürgerlichen Kandidaten zugefallen; der Stimmenzuwachs der Sozialdemokratie sei also wohl auf die Stimmen der nationalenArbeiter zurückzuführen, die beim ersten Wahl- gange für den konservativen Kandidaten Dunkel votiert hätten. Hätte dör Börsenredakteur des Mosseblattes dem betreffenden politischen Redakteur hilfreich zur Seite gestanden, so würde er ihm wohl rechnerisch nachgewiesen haben, daß das nichts anderes be- deutet hätte, als daß ungefähr die Hälfte aller kon, servativen Stimmen dem sozialdemokratischen Kandidaten zugefallen wären! Vor einem solchen Blödsinn würde dann der politische Redakteur doch wohl zurückgeschreckt sein! . Ebenso unsinnig ist es, wenn es die liberale Presse so dar- stellt, als ob hauptsächlich die Abstimmung des platten Landes dem Sozialdemokraten den Sieg gebracht hätte. Er- hielt doch gerade nach den Ziffern des„Berliner Tageblatts" allein in Frankfurt a. O. und Fürstenwalde der sozialdemokratische Kandidat bei der Stichwahl 037 Stimmen mehr, während es dort der bürgerliche Sammelkandidat nur zu einem Mehr von 523 Stimmen brachte. Statt also dummes Zeug darauf loS zu behaupten, sollte wenigstens der Liberalismus, der noch ernst genommen werden will, die politische Lage untersuchen und ge- wissenhaft prüfen, ob denn nicht der Liberalismus selbst durch seine Blocksünden und durch seine ganze er- barmungswürdig schwächliche Haltung den Abfall der Wählermassen verschuldet hat. Daß der Nationalliberalismus solcher Erwägungen nicht fähig ist, daß er seinem ganzen Wesen nach ein reaktiv- n ä r e s Gebilde darstellt, das hat der nationalliberale Abgeordnete Fuhrmann noch ausdrücklich darzutun für notwendig erachtet. Er hat nach der Verkündigung des Wahlergeb- nisses in Frankfurt a. O. eine Rede gehalten, die den National- liberalen sicherlich noch einige weitere Mandate kosten wird. Denn diese Rede enthüllte den erzreaktionären Charakter des Nationalliberalismus mit einer solchen Schamlosigkeit, wie sich das nur aus der verärgerten Stimmung der Unterlegenen erklären läßt. Daß Herr Fuhrmann, nachdem der Versuch der Aus- schlachtung des Magdeburger Parteitages so schmählich mißglückt war, die kindliche Ansicht vertrat, die Kunde vom Magdeburger Parteitag sei wohl noch nicht bis in den Wahlkreis Frankfurt-LebuS gedrungen, möchte für einen Nationalliberalen allenfalls noch hin- gehen. Aber Herr Fuhrmann verstieg sich gar zu der Aeußerung, daß man manchmal zweifeln müsse, ob Bismarck recht daran getan habe, dem deutschen Volke das allgemeine, gleiche und direkte Wahl- recht zu geben. Herr Fuhrmann fühlte sich weiter gedrungen, den jetzigen Reichskanzler herauszustreichen, von dem er behauptete, daß er keineswegs schwarzblau sei! Aber der national- liberale Abgeordnete ging noch weiter. Er erklärte, das Ziel, das die Deutschen erstrebten, sei Kanaan, das gelobte Land. Der Weg dahin aber führe durch das rote Meer, und es sei ihm gar zweifelhaft, ob es jetzt einen Moses oder Aaron gäbe, der das deutsche Volk glücklich durch das rote Meer führen könne. Er be- fürchtete, man müsse beim Durchmarsch jämmerlich ertrinken, und es fehle die eiserne Hand, die die Führung übernehmen könne! Der Nationalliberalismus wird es diesem Fuhrmann zu danken haben, wenn sein Wahlrechtskarren vollends in den Straßengraben geraten wird! Denn einer Partei, deren Parlamentsvertreter so skrupellos das Rcichtstagswahlrccht preisgeben, die geradezu mit einem Oldenburg oder Kreth um die Wette nach dem starken Mann mit der eisernen Hand schreien, wird das Volk bei den Reichstagswahlen auch den letzten Rest des Vertrauens versagen! Der Nationalliberalismus hat in Frankfurt-Lebus ein Mandat verloren, aber er wird es Herrn Fuhrmann und seinesgleichen zu verdanken haben, daß er die ganze Wahlrechtsbataille verlieren wird. Und der Freisinn, der sich mit einer solchen Sorte von Liberalen bei den bevorstehenden allgemeinen Reichstagswahlen zu paaren versucht, wird sich gleichfalls nicht beklagen irnrfen, wenn ihm das gleiche Schicksal blüht, wie dem Nationalliberalismus? StraBevkhIachten in Moabit. Tie Art, wie die Polizei sich in Konflikte zwischen Kapital und Arbeit einzumischen pflegt, hat in Moabit zu schiveren Zusammenstößen zwischen Polizei und Straßcnpublikum ge. führt. Wie wir von vornherein betonen wollen, sind Strei- tende dabei in keiner Weise beteiligt. Aus Anlaß der Straßen- kämpfe ist, wie uns gestern abend von der Streikleitung ver- sichert wurde, bis dabin weder einer der am Streik bei der Firma Kupfer u. Co. beteiligten Arbeiter verwundet, noch einer derselben verhaftet worden. Die Streikenden sind alle organisiert und gut diszipliniert und haben von der Streik- leikung strenge Anweisung bekommen, sich allen Exzessen fernzuhalten, sowie auch die Provokationen der Polizei un- beachtet zu lassen. Bei der Firma K u p f e r u. C 0. sind l-tti Mann beschäftigt, die sämtlich in den Ausstand getreten sind. Sie verlangen einen Stundenlohn von TO Pf. Bisher wurden 43 Pf. gezahlt. Der Streik dauert sei dem 19. September. Von den Ausständigen ist noch niemand Streikbrecher ge- worden. In den letzten Tagen aber sind. 13 Arbeitswilligen bon auswart? gc?ommW. Vom Nhe'mlaiw' sollen SeWttMe Nacht 40 bis 50 Mann durch die sattsain bekannte Streik- brecher-Dermittelungsfirma Ww. Müller-Altona herange- schafft worden sein. Tos provokatorische Auftreten dieser Ar- beitswilllflen, daM das rücksichtslose Vorgehen der Berliner Polizei gibt die Veranlassung zu den Exzessen, an denen sich, tvie immer in solchen Fällen, die ausgeregte Volksmenge und der Janhagel beteiligten. Die Kohlenwagen der� Firma werden von etwa 8 berittenen Schuhteuten eskortiert, zu denen sich auch noch einige Schutzleute zu Fuß gesellen. Dienstag morgen verließen 6 Kohlenwagen der Firma den Platz, die von etwa 50 berittenen und 50 Schutzleuten zu Fuß begleitet wurden. Nichts ist ungerechtfertigter gegenüber den Streikenden, nichts aber auch verkehrter als diese Anordnung der Polizei. Für die nächste Umgebung der bestreikten Firma bieten die von G bis 8 berittenen Schutzleuten umschwärmten Kohlen- wagen keinen besonders sensationellen Anblick mehr. Konunen diese Wagen aber in die innere Stadt, so erregt der nicht all- tägliche Aufzug allgemein die Aufmerksamkeit der Passanten. Scheuen Blickes verrichten die Arbeitswilligen ihr trauriges Handwerk, laden Kohlen ab, von reitenden Schutzleuten von beiden Seiten flankiert. Zahlreiche Passanten sammeln sich an, die das seltene Schauspiel verfolgen und von den Um- stehenden o-ft erst darüber unterrichtet werden müssen,„was los ist". Wußten vorher nur die streikenden Kohlenarbeiter, im besten Fall die organisierten Arbeiter, überhaupt von dem Streik bei Kupfer, so dehnte sich durch die von der Polizei inszenierten eigenartigen Demonstrationen die Kunde davon durch die ganze Stadt aus. Ganz charakteristisch ist dafür der Brief eines Einwohners aus dem Osten, der den Eindruck dieser Polizistenzüge und die suggestive Wirkung derselben wie folgt schildert: „Ich hatte etwas Geschäftliches in der Friedrichstrahe zu tun, als mir nach dessen Erledigung auf dem Heimwege in der Eharlottcnstrahe ein ungewöhnliches Polizeiaufgebot ausfiel. Ich sah zwei Wagen don der Firma Kupfer u. Co.. die von acht be- rittenen und von acht Schutzleuten zu Fuh begleitet waren. Die Zahl der Schutzleute vermehrte sich auf kürzere Strecken sogar auf 14 neben 8 zu Pferde. Neugierig, was diese eigentlich wollten, folgte ich in Begleitung meiner Frau diesem sonderbaren Trupp und begleitete ihn nach Hause in Moabit. Es war gerade um die Mittagszeit, trotzdem ist an keiner Seite dem Zuge etwas passiert, auch nicht, als derselbe in den Torweg der benannten Firma fuhr. Uni 12 kamen nun die Arbeiter der Löweschen Fabrik, die dort vis a bis liegt, um ihr Mittagsbrot zu genießen. Nichts ereignete sich und auch die große Anzahl von Schutzleuten und Offizieren verhielt sich ruhig. Jeder Aufforderung folgten die Arbeiter. Um VA Uhr kam wieder ein Wagen, besetzt mit zwei Arbeitswilligen und bewacht von sechs Berittenen und den Verschiedenen zu Fuh. Kurz vor der Löweschen Fabrik, ohne jede Veranlassung— wenigstens habe ich keine wahrgenommen— schoß einer dieser beiden Streikbrecher zweimal hintereinander zwei Schüsse scharf in die zu Tausenden zählende Menge. Die Erregung war groß, aber noch alles ruhig. Da forderten einige Arbeiter von Löwe den dabeistehenden Offizier auf, den Schiehxnden festzustellen. Statt nun dos zu tun, gab er das Kommando:„Alle Berittenen raus!" und nun gingS in die Menge hinein, zunächst ohne blank. Das Geschrei war groß. Auf der Seite, an der der Lagerplatz von Kupfer liegt, aber weit ab von diesem, ritt einer im Galopp in die dort befindlichen Frauen und Kinder! Aus dem Torweg der Löweschen Fabrik ertönten Entrüstungsrufe, weiter nichts. Dies war das Zeichen und alle sechs Berittenen mit hocherhobenen Säbeln hinein in den Hof. Das Geschrei war herzzerreihend. Diese Attacke wiederholte sich in den Hof hinein dreimal. Bei einer derartigen Bewachung war eine persönliche Belästigung der beiden Strolche gar nicht möglich, diese haben aus reiner Mordgier geschossen. Ob zemand getroffen, weih ich nicht, weil sich jeder in Sicherheit brachte." So die Schilderung, die ein unbeteiligter Zuschmier von dem Beginn der Zusammenstöße am Dienstag gibt. Sie zeigt aber auch zugleich, wie die Polizei in ungeschicktester Weise den Janhagel von ganz Berlin nach Moabit gezogen. Gerade in den Straßcnzügen, die hier erwähnt werden, in der Friedrichstraße. Unter den Linden usw.. treibt sich ja jener süße Mob umher, der überall dabei sein muß, der sich auf den Paraden herumdrückt, mit der aufziehenden Wache einher- stapft, jeden Hoßvagen anbrüllt und den allemal ein Aufgebot von«chutzleuten in Begeisterung versetzt, eine Begeisterung, die in keiner Weise der gerade in Erscheinung tretenden Sache gilt, sondern die sich steigert lediglich mit der Massenhaftig- feit, dem Glanz oder dem gruseligen Kitzel, den das sich voll- ziehende Ereignis hervorruft. Ein Genosse in Moabit schreibt uns denn auch über die Wirkung der polizeilichen Strategie, Aufläufe zu„verhindern": «Die Polizei ist in der Tat tagelang verhöhnt und gereizt worden wegen ihrer Begleitung Kupferscher Kohlenwagen. Aber soweit ich beobachten konnte, nur von dummen Jungen und der Schuljugend. Das ganze übrige Volk hielt Maulaffen feil und amüsierte sich über das Kriegsspiel zwischen der bewaffneten Macht und ddr bartlosen Jugend, bis gestern aus dem Scherz sehr blutiger Ernst wurde." Wir bedauern natürlich, daß ernste Männer ohne ihre Schuld in eine Situation hinein versetzt wurden, die sie dem Gespött der Kinder und unerzogenen jungen Menschen aus- setzte. Wir köruieu uns vorstellen, daß allmählich in ihnen ein Groll aufwuchs, den leider jetzt andere zu spüren be- komme», als jene Jugendlichen und Spötter, deren Tun wir in keiner Weise billigen wollen. Aber darüber können wir in keiner Weise vergessen, auf das eindringlichste dagegen zu pro- testieren, daß überhaupt unsere Schutzmannschaft bei sozialen Kämpfen in dieser Weise verwendet wird. Viel erniedrigender als das lächerliche jlindergespvtt ist für sie die ihnen auf- gedrungene Rolle, aus Hütern der Ordnung Diener eines be- liebigen Kapitalisten zu werden, dem es einfällt, die Löhne und Arbeitsbedingungen seiner Arbeiter auf einer Stufe zu erhalten, die diese zur Arbeitsniederlegung zwingt. Wir protestieren auch dagegen, daß man die Schutzmannschaft— wenn es einmal zum.Streik gekommen ist— mit dem Auftrage auf die Straße schickt, die Streikenden an der Auf- klärung der zureisenden Arbeiter zu verhindern. Das ist aber die übliche Methode bei allen Arbeiterkämpfen geworden, und diese Methode hat so erbitternd auf die Arbeiterschaft gewirkt, daß diese aus Uebermenschen zusammengesetzt sein müßte, wenn sie im Angesichte des Unrechtes, das ihr von der Polizei tagtäglich geschieht, sich auf nichts weiter besinnen wollte als darauf, wie sie dieser Polizei lose Spötter vom Halse halten soll. Verwahren aber müssen wir die Arbeiterschaft dagegen, daß sie die Vorkommnisse von gestern und vorgestern gewollt oder gar organisiert habe. Diese phantastische Anschauung, die natürlich von den Scharfmacherblättern, der„Post", den „Neuesten Nachrichten", namentlich aber vom„Neichsboten" und der„Deutschen Tageszeitung" vertreten wird, soll nach dein„Lokal AuzeigSr" sogar aus dem Polizeipräsidium ver- treten werden. Wenigstens behauptet dieses Blatt: „Nach Ansicht maßgebender Kreise im Polizeipräsidium sind die gestrigen Exzesse in Moabit nicht durch zufällig zusammen- gerotteten Janhagel herbeigeführt worden, es handelt sich viel- mehr um einen wohlvorbereiteten Exzeß or'gani- sierter Arbeiter gegen die Polizei. Seit Monaten »st die in dem Industrieviertel Moabit wohnende Arbeiterschaft gegen die Firma Kupfer, die Streikbrecher und die Polizei aus- gehetzt worden, bis es zu den unerhörten Ausschreitungen in der heutigen Nacht gekommen ist. Wie meist in solchen Fällen, haben die Führer schließlich die Massen nicht mehr in der Hand und es kommt zu blutigen Zusammenstößen." Diese Behauptungen sind unerhörte Verdächtigungen, denn die Streikenden stehen mit diesen Vorkonunnissen in keinerlei Beziehung. Der„Berliner Lokalanzeiger" selbst sagt in seiner Mittagsausgabe vom Dienstag: „Selbstverständlich haben diese ganzen Tumulte mit irgend einer politischen Parteibewegung nicht das mindeste zu tun." Auch eine von der Polizei unterrichtete Korrespondenz schreibt: „Es soll von vornherein betont werden, daß die streikenden Arbeiter der Firma Kupfer u. Co. so gut wie gar nicht— auch während des gestrigen Tages nicht— an den Krawallen beteiligt gewesen sind. Die Polizei gibt ohne weiteres zu, daß bei den wüsten Schlägereien die Arbeitermassen sich nicht beteiligt haben. Was gestern in weitem Umkreise die Kupferschen Lager- Plätze heulend und johlend, raubend und plündernd umgab, das war der Mob, der Abschaum der reichshauptstädtischen Bevölkerung, an dem es gerade in jener Gegend nicht mangelt. Zuhälter und Dirnen, Rowdies, halbwüchsige Burschen mit ihren„Bräuten", trunkene Weiber, verlumpte Männergcstalten, das Ivaren die Exzedcnten in der heutigen Nacht! Existenzen, denen eS ganz gleich ist, ob sie im Gefängnis oder auf der Straße enden und die über die Säbelhiebe der Schutzleute mit Gleichmut quittierten. Die Arbeiterschaft Moabits aber hielt sich von den Krawallen völlig fern und der Beweis dafür wird durch die Gefangenen- und Verwimdetenliste erbracht, aus der hervorgeht, daß der über- große Teil der Sistierten aus obdachlosen Männern und Frauen besteht." «• Tie Vorgänge in der Nacht von, Montag zum Dienstag schildert das Polizeibulletin wie folgt: Nachdem vorgestern abend nach 10 Uhr eine etwa l�stundige Ruhepause in deit Exzessen eingetreten war, lief gegen%12 Uhr bei dem Polizeikommcmdo die Meldung ein, daß in der Wittstocker-, Rostocker- und Wicleffstrahe große Menschenansammlungen statt- gefunden und die Demonstranten die Kirche und die umliegenden Geschäfte attackierten. Es wurde sofort eine starke Abteilung Schutz- leute nach den gefährdeten Stellen entsandt, die auf dem Wege durch die Rostocker Straße aus den Häusern mit Wurfgeschossen aller Art überschüttet wurden, wobei mehrere Schutzleute verletzt wurden. Tie ganze Art und Weise des Borgehens des Janhagels läßt darauf schließen, daß die Tumulte planmäßig organisiert sind. Es ist jedoch bisher nicht gelungen, die Anführer und Leiter zu ermitteln. Um Vil2 Uhr nachts kam die weitere Meldung, daß ein Schutzmann, der auf Charlottenburger Gebiet don Rowdies überfallen worden sei, sich in«in Lokal in der EraSmusstraße ge- flüchtet habe, das von den Demonstranten gestürmt und demoliert worden sei. (Es ist dies die Restauration von Rippberger, Ecke der Era». m»K» und Beusselstratze, eine sozialdemokratische Parteikneipe, in der unsere Genossen verkehren. Hieraus geht klar und deutltch her- bor, i»aß die Partei mit den Ausschreitungen nichts zu tun hat. Sämtliche Fenster des Restaurants wurden zertrülinmert und in dem Lokal selbst nicht ein Gegenstand ganz gelassen. Stühle, Tische, Bierhähne, Jalousien sind demoliert, der Fußboden schwamm heute morgen noch im Blut. Der Wirt selbst trug mehrere Kopfwunden davon und mußte sich in der Unfallstation verbinden lassen.) Sofort rückten üv Mann im Sturmschritt aus, um ihren Käme- raden zu befreien. Mit der blanken Waffe in der Fernst»nußten sich die Polizeibeamten mühsam den Weg kämpfend durch die Menge bahnen. Ter befreite Schutzmann Sperling gibt an, daß er zusammen mit einem anderen Kameraden von Rowdies überfallen worden sei und sich nur mühsam durch die Flucht in daS erwähnte Lokal habe retten können. Als die Menge die Restauration zu stürmen begann, habe er mehrere Rcvolverschüsse abgefeuert, durch welche drei Personen verletzt wurden. Wo sein Kollege ge. blieben sei. konnte er nicht angeben. Der vermißte Schutzmann wurde heute morgen in dem Hausflur des Rippbergerschen Nestau- rantS bewußtlos aufgefunden. Er hatte schwere Kopfverletzungen erlitten. Eine Untersuchung seines Revolvers ergab, daß auS dem- selben sieben Schüsse abgegeben worden sind. Der Schwerverletzte liegt besinnungslos im Kranken- hauS Moabit danieder. Auf der Unfallstation in der EraSmusstraße wurden im Laufe der Nacht 22 Personen verbunden. Drei derselben sind durch Rc- volvcrschüsse verletzt worden, und zwar zwei durch Schutzleute, einer durch einen Schuß aus der Pistole eines Exzedenten.(EineS Streikbrechers? D. Red.) Im ganzen sind 43 Verhaftungen vorgenommen, darunter 14 Personen wegen SteiiUverfenS sistiert. •• • Der Wachtmeister«tuf der Flucht. Am Montagabend gegen 10(4 Uhr wurden zwei uniformierte Wachtmeister in der Rostocker Straße von einer Menge von angeblich 800 Personen angegriffen, so daß sie zuletzt die Flucht ergreifen mußten. Der Wachtmeister Litt suchte Zuflucht in einer Schanl- Wirtschaft in der Rostocker Straße 2. Die Menge sah das, ver- folgte ihn und schlug auch hier alles kurz und klein. Litt ver- suchte sich nur dadurch zu retten, daß er im Privatzimmer des Wirtes Nock, Helm und Säbel abwarf und unter dem Bett versteckte, durch ein Hinterfcnster auf den Hof hinaussprang und von dort über eine Mauer nach dem Nebenhause gelangte. Hier blieb er bis gestern morgen. Dann begab er sich ,n bürgerlicher Kleidung nach dein Revier, von dem aus er später seine Sachen zurückholte. Die beiden Wachtmeister machten von der Schutzwaffe keinen Ge- brauch, wohl aber soll aus der Menge heraus geschossen worden sein Einen Schuß hat ein Schlosser aus der Rostocker Straße ab- bekommen, der sich in der Nähe des Tumultes befand. Er ließ sich heute morgen von einem Privatarzt verbinden und suchte dann das Krankenhaus auf. Die Wunde ruhrt nicht von e,ner Browningpistole, sondern von einer Waffe größeren Kalibers her. *• Unfug mit den Feuermeldern. Dreimal wurde in der Nacht zum Mittwoch die Feuerwehr nach der Rostocker Straße 21 alarmiert. Grober Unfug war die Ursache. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Da Polizei nicht zur Stelle war und die versammelte große Menschenmenge die Besetzung der Feuermelder durch Feuerwehrmänner verhin- derte, muhten die öffentlichen Feuermelder dort außer Betrieb gesetzt werden. Gestern früh wurden die Melder repariert und wieder dem Betrieb übergeben. Am Dienstag. Die Erregung in der.Bevölkerung von Moabit war am DienS- tag»och außerordentlich groß. Ilcberall wurden die Ereignisse der vergangenen Nacht besprochen, für die zerbrochene Fensterscheiben und Gaslatcrnen, mancherlei Trümmer und aufgerissenes Straßen- Pflaster Zeugnis ablegten. Die Polizei war wieder sehr zahlreich vertreten, die Zugänge zur Sickingenstraßc wurden durch Ketten von lg Mann unter den: Kommando cincS Leutnants abgesperrt. Wo Arbeiter sich in größeren Mengen ansammelten, wurden sie auseinandergetrieben. Am Abend ging Die Polizei wieder schärfer vor- In den Stadtbahuhof Beusselstraße retteten sich viele Leute vor den attackierenden Schutzleuten. Harmlose Passanten, ruhige friedliche Leute, die nur neugierig umherblickten, sahen sich plötzlich unter den Fäusten und den Säbeln der wie wild sich ge- bärdenden Schutzleute.— Sämtliche Kriminalbeamte schienen nach Moabit abkommandiert zu sein; sie griffen im Verein mit unifor- mierten Schutzleuten überall Leute au, sprengten mit Gewalt kleine Gruppen auseinander, so daß es direkt nach einer Provo- kation der Massen aussah, die aber in der Regel schleunigst zurück- wichen. Die Entrüstung über ein solches Austreten schwoll freilich im Publikum immer mehr an. Die Polizei achtete nickst darauf; von ihren festen Standplätzen ließ sie einzelne zu Fuß und zu Pferde in weitem Umkreis ausschwärmen und angriffsweise bor- achen. Und mit anbrechender Nacht ging die Polizei immer schärfer drauf los. Ein Herr, der zwei Hiebe mit einem flack�cn Säbel crklär!c-N h'CiI � bem ein wenig zuschauen wollte, „Ich habe die türkische Polizei gegen das Volk vorgehen sehen, aber dir preußische ist wahrlich noch schlimmer!" Wie man Tumultuant wird. Einer unserer Mitarbeiter, den wir auf den Schauplatz der Polizeitaten gesandt hatten, erlebte folgendes: Arn Dienstagabend zwischen 5 und 6 Uhr war die Beusselstraße schwarz von Menschen. Vom Bahnhof Beusselstraße sowie aus den umliegenden Fabriken kamen heimkehrende Arbeiter in großer Menge. Die Sick,ngenstraße war an der Ecke der Beusselstraße von einer starken Schutzinannskette abgesperrt. Wo Schutzleute stehen, sammeln sich natürlich Neugierige. Die Straßenpassanten blieben stehen, die Hausbewohner traten vor die Türen. Eine-dichte Schar Neugieriger. Männer, Frauen und Kinder, hatten sich in kurzer Zeit migesammelt. Ueberall wurden die Ereignisse vom Montagabend lebhaft besprochen. Das Publikum, welches die Straße bevölkerte. unterschied sich in nichts von dem Publikum, welches Tag für Tag jene Gegend belebt. Das heißt, es war im wesentlichen ein durch- aus anständiges Arbeiterpublikum, welches nur iu Erwartung dessen, was kommen sollte, länger als sonst auf der Straße ver- weilte. Von einem Rowdietum, wie es in den Berichten bürgerlicher Blätter geschildert wurde, war nichts zu sehen. DaS Publikum ver- hielt sich auch durchaus ruhig, abgesehen von dem Stimmengewirr, welches eine große Menge, die sich gruppenweise unterhält, von sich gibt. Insbesondere war gar keine Rede von irgendeiner Provokation der Polizei durch das Publikum. Ich gehe die Beusselstraße hinunter.— Von ausgerissenem Straßenpflastcr habe ich iu der bürgerlichen Presse gelesen, aber nichts davon gesehen. An der Ecke der Wittstocker Straße ist ein Kaufhaus. Eine Schaufensterscheibe ist zerschlagen, hinter ihr hängt «in Plakat, wodurch der Firmeninhaber mitteilt, daß er mit Streik- blechern keine Verbindung habe.— An der Ecke der EraSmusstraße ist das Schanklokal, in das sich am Montag ein Schuhmann flüchtete, nachdem er sechs Schüsse auf die Menschenmenge abgegeben hatte. Durch zertrümmerte Fenster sieht man in das dunkle Lokal. Scherben und GlaSsplitter liegen herum. Tische und Stühle stehen anscheinend unversehrt. In der Richtuna nach dem Dahnhos Beusielstratze gehe ich zurück. Kurz vor 7 Uhr erreiche ich wieoer die Ecke der Siemens- straße. Noch steht hier eine dichte Menschenmenge. Ihr Charak» ter hat sich gegen vorhin nicht geändert. Nur eine Handvoll halb- wüchsiger Burschen hat sich angefunden, die hin und wieder pfeifen und johlen. Drei bis vier Männer, anscheinend etwas ange» trunken, gröhlen aus vollem Halse:„Wir sind die Arbcitsmänncr." Sie ziehen ab.— Da plötzlich sehe ich. daß die Schutzleute an der Sickingenstraßc die Säbel ziehen. Sofort wendet sich die Menschen» menge zur Flucht. Am eiligsten laufen die jungen Burschen, welche gelärmt haben. Aber auch die übrigen laufen, so schnell sie können. davon. Viele fliehen in Hausflure und Schanklokale. Ich selbst, im Bewußtsein, nichts Polizeiwidriges getan zu haben und weil mir mein Gesundheitszustand einen Schnellauf überhaupt nicht gestattet, ging im Schritt mit den Fliehenden, die mich im Augen. blick überholt hatten. Schutzleute mit geschwungenen Säbeln stür» men an mir vorbei. Wahllos schlagen sie von hinten mit der blanken Waffe auf die Fliehenden ein. Manche der Geschlagenen stürzen zu Boden, raffen sich auf, eilen weiter, die Schutzleute säbelschwingend immer hinterher. DaS alles spielte sich in wenigen Sekunden ab. Jetzt plötzlich fühle auch ich einen wuchtigen Hieb von hinten auf meinen Kopf niedcrsausen, der mir fast die Be» sinnung raubt. Gleichzeitig stürmen zwei Schutzleute mit ge- schwungenen Säbeln an mir vorbei, um sich zu ihren Kameraden zu gesellen, die vor mir auf die Fliehenden einschlagen. Ich fühle, daß Blut von meinem Kopf niederrieselt und gehe zur llnfallstation in der Erasmusstraße. Zwei Schutzleute mit verbundenen Köpfen kommen mir entgegen. Mit dem Ruf:„Blut- Hunde" werden sie draußen empfangen. Im Innern der Station sehe ich die Spuren der Polizcitaten. Auf dem Operationstisch liegt ein Bewußtloser schwer stöhnend. Ein aus der Fabrik heim» kehrender Arbeiter, der, wie sein Begleiter sagt, von Schutzleuten niedergeritten wurde. Ein Mann mit einer klaffenden Wunde am Hinterkopf wird verbunden. Andere mit leichteren Verletzungen warten der ärztlichen Hilfe. Ein Mann wird hereingeführt, das Gesicht von Blut überströmt, Vorhemd und Weste von Blut stark besudelt. Die Acrzte haben alle Hände voll zu tun, denn die Polizei hat wieder einmal blutige Arbeit geleistet. Als ich gegen ZH8 Uhr von der Unfallstation zurückkam, war die Beusselstraße bis zur Turmstraße abgesperrt, ebenso die Parallel. stratzen zu beiden Seiten. In den Querstraßen standen sehr starke Reserven von Schutzleuten zu Fuß und zu Pferde. Publikum in großer Zahl bevölkerte die Straße von den Absperrungsstellen. ver- hielt sich aber vollkommen ruhig. Auch die Polizei schien sich nach der geschilderten Attacke beruhigt zu haben. Wenigstens konnte ich bis gegen 9 Uhr in der Turmstratze nichts von weiteren An» griffen der Polizei auf das Publikum bemerken. Die Polizei' schießt nach den Fenstern. Die Attacken in der vergangenen Nacht vollzogen sich bar- wiegend in der Turmstratze und Huttenstraße. Die Kirche in der Beusselstraße konnte des Schutzes des Allerhöchsten entbehren, denn die Polizei hatte dort ein förmliches Lager aufgeschlagen. Wo ein Ruf oder eine Bemerkung erscholl, rannten Scharen von Schutz- leuten hin und hieben rücksichtslos drein, wobei sie es nicht an gröblichen Schimpfworten fehlen ließen. In der Huttenstraße krachte es. ob es ein scharfer Schuß war oder nur der Knall eines Feuerwerkskörpers, konnten wir nicht feststellen. Sofort raimte ein paar Dutzend Beamte nach der Stelle und drang in die um- liegenden Häuser ein. Später kam es dort noch einmal zu einer Schlacht und es krachte mehrere Male im Hausflur dcS Hauses Huttenstraße 70, wo die Beamten eingedrungen waren, Fn 5cr Berlichmgensiratze Hielt vor Seift Mause Nr.'4 elfte i Truppe unter Anführung cincS Offiziers, der nach den Ballonen hinauf drohte. Ein Schutzmann hielt einer jungen Frau, die auf ihrem Balkon in der ersten Etage stand, einen Revolver hin und rief:„Scheren Sie sich rein, oder ich schiehe!" Während die Polizei an der Ecke der Äotztowskh- und Zwingli- stratze von der blanken Waffe Gebrauch machte, um einen Trupp von etwa VOV Personen zu zerstreuen, wurde angeblich aus den Häusern mit Flaschen, Preßkohlen und Scherben auf die Polizei geworfen. Hier machten die Beamten von der Browningpistole Gebrauch und schössen nach den Fenstern, aus denen nach ihrer Meinung die Wurfgeschosse gekommen waren. «>• • Die Verhandlungen mit dem Verband von der Firma Kupfer abgelehnt. Gestern vormittag fand auf Ersuchen des Vorsitzenden des Gewerbegerichts, Herrn v. Schulz, eine Aussprache mit der Firma und zwei Vertretern des Verbandes statt. Auf Grund dieser Aussprache hat der Verband zwecks Beilegung des Streiks das Einigungsaint der Stadt Berlin offiziell angenifen. Ter Kohlenhändlerverband hat dagegen gestern nachmittag in einer Sitzung beschlossen, mit dem Transport- arbeitervcrband nicht zu verhandeln(I) und auch den vom Streik betroffenen Firme» dringend empfohlen, Verhandlungen mit dem Transportarbeiterverband abznlehnen. Der Arbeitgeberverband und auch die vom Streik betroffenen Firmen sind dagegen wohl bereit, mit den streikenden Arbeitern s e l b st zu verhandeln, auch durch den Magistratsrat von Schulz, mit dem sie sich in Verbindung gesetzt haben. Tie Ar- beitgcbcr sind angeblich auch bereit, vom 1. April an eine Lohnerhöhung eintreten zu lassen. Den vorn Streik be- troffenen Geschäften hat der Kohlenhändlerverband in der gestrigen Sitzung seine Unterstützung zugesagt. politiscke ftederlickt. Berlin, den 27. September 1910. Scharfmacherische Natioualliberale. Die Nationalliberalen in Rheinland-Westfalen haben in einer Versammlung in Dortmund zum nationalliberalen Parteitag in Kassel Stellung genommen und ihre Meinung dahin fixiert: „Wir erwarten von dem Parteitag in Kassel, daß er unter Abweisung aller gegenteiligen Bestrebungen den Cbarakter der Partei als Mittelpartei und ihre Aufgabe, die Gegensätze zwischen rechts und links zum Besten de« Baterlandes zu mätzigen und auszugleichen, unangetastet beibehalte. Bei dem Charakter als Mittelpartei darf sich die Partei nicht einseitig nach links drängen lassen. Es muß ihr dielmehr unbenommen bleiben, mit allen bürgerlichen Parteien den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechend Wahlbündnisse zu schließen. Unter Aufrechterhaltung unserer grundsätzlichen Stellung den Parteien gegenüber halten wir für die lammenden Wahlen de» Kampf gegen die Sozialdemokratie für die Forderung des TageS." Freisinnige Helden. Der Vorstand des OrtsvereinS Breslau des Gewerkvereins der Eisenbahner(H.-D.) hatte zu Sonntag, den 25. September, eine „große öffentliche Eifenbahner-Bersammlung* nach den Union-Festsälen einberufen. Es war etwas ganz besonderes geplant. Zwei freisinnige Abgeordnete waren als Referenten an« gekündigt. Der Reichstagsabgeordnete G oth ein« Breslau sollte über„Die politische Lage im Reiche' und der Landtags- und Reichs- tagsabgeordnete Kopsch« Berlin über„Datz preußische Abgeordneten- Haus und seine Tätigkeit' sprechen. Der nicht sehr große Saal hatte fich allmählich gefüllt, um Vjb Uhr war kein Stuhl mehr frei, doch tonnte die Versammlung noch nrcht eröffnet werden, da der Einberufer, der freisinnige Partei- sekretär Müller, noch nicht erschienen war. Um 6 Uhr wurde endlich die Versammlung eröffnet. Da der Herr RcichStagS-Abgcordnete Gothein angeblich plötzlich erkrankt war, unterzog sich der Herr Rektor Kopsch der, wie er sagte, ihm angenehmen Aufgabe, die beiden Referate zu halten. Wiederholt machte sich während des BortrageS die Opposition durch Zwischenrufe bemerkbar, was den Vorsitzenden regelmäßig veranlaßt», mit der Entfernung der Zwischcnrufer zu drohen, indem er darauf hinwies, daß diese keine Eisenbahner seien. Tatsächlich war die Versammlung zu einem großen Teil von Richteisenbahnern besucht, die aber im Hirsch«Dunckerschen Gcwerkverein organisiert sind. Herr Kopsch beschäftigte sich zunächst mit der Reich«- finanzresorm und der Stellung der politischen Parteien im Reichstage zu dieser Frage. Schon wollte er zum zweiten Teil seines Vortrages übergehe», als er durch die Bemerkung, daß von getvissen Parteien systematisch die Unwahrheit verbreitet werde, den Zuruf provozierte:„Wie das hier�ge« s ck i e h t I' Sofort erhob sich der Vorsitzende, um dem Zwischen- rufer zu sagen, daß er kein Eisenbahner sei und kein Recht habe, an der Versammlung teilzunehmen. Der Zwischenrufer verließ den Saal, nicht ohne die Feigheit dieser freisinnigen Kämpen noch mit einigen Worten zu kennzeichnen. Wie berechtigt aber der Zuruf war, erhellt anS folgendem: Bei der Eröffnung halte der Parteisekretär Müller erklärt, die e i nz i g e p o li t i s ch e P a rtei, diein Preußenfür ein allgemeines, gleiches, geheimes, direktes Wahlrecht eintrete, fei die freisinnige Partei! Und der Referent hatte in seinem Vortrage folgende Behauptungen aufgestellt: In der Frage der Finanzresorm habe die Sozialdemokratie durch ihre Haltung die Reaktion unterstützt. Die liberalen Parteien seien prinzipiell gegen jede indirekte Besteuerung dcS Volke« und für die Beseitigung der Liebesgaben an die Funker. Nach diesen wenigen Beispielen können wir es unseren Lesern überlassen, zu beurteilen, von welcher Seite systematisch die Un- Wahrheit verbreitet wird. Die Versammlung hörte das Referat des Herrn Kopsch bis zu Ende an. Als die Diskussion einsetzen sollte, verlangte der „freisinnige' Vorsitzende, daß jeder sich zum Wort Meldende nicht nur seinen Name», sondern auch die Dienststelle, auf der er b e i ch ä f t i g t sei, anzugeben habe. Daraus entstand ein Tumult, der zu», Schluß der Versammlung führte. DaS wird den freisinnigen Helden gar nicht so sehr unangenehm gewesen sein, denn schließlich wäre den Anwesenden vielleicht doch trotz dcS Maulkorbes, den der Vorsitzende den DisknisionSrednern anlegen wollte, die ganze Sckäbigkeit der Hirsch. dunckersch-frcisinnigen Kampfesweise vor Augen geführt worden. Kriegervereins-Terrorismus. In den Kriegervereinen wird angeblich keine Politik getrieben. In Wahrheit wird jeder, der nicht als unbedingt„zuverlässig' gilt, der brutalsten Behandlung ausgesetzt. Dafür ein neues Beispiel. In dem Dorfe Alach bei Erfurt hatte man einen Einwohner im Verdacht, ein.Roter' zu sein. Ob der„Verdacht" berechtigt war. mag dahingestellt bleiben, denn auf einem wellabgeschiedenen Orte genügt ein wenig Widerspruchsgeist, um zum„Sozialschen' ge- stempelt zu werden. Genug, als der Kriegerverein am S e d a n- t a g e zum Festessen versammelt war, wurde der Mann von dem Kriegervereins-Schriftsührer Kalb aus de in Saale gewiesen. weil man ihn für einen.Roten' hielt. Der so Brüskierte hat gegen den KriegerbereinShelden Kalb den Weg der Privatklage beschritten. In der Tat grenzt eine so grobe Talllosigleit direkt an Beleidigung Der Vorfall zeigt aber, was von der„ErziehungSarbeil" zu „Kameradschaftlichkeit und Bildung' in den Kriegervereinen zu halten ist._ Ter Breslaner Handabhacker nicht gefunden. Zu der schon tclegraphisch gemeldeten neuesten Verurteilung des Genossen Albert von der Breslauer„V o l k s w a ch t" durch das Landgericht Breslau zu vier Monaten Gefängnis ist noch nachzuholen, daß in der Verhandlung der Polizeirat Frost unter Eid bestritt, daß er oder der Polizeipräsident den Handabhacker ge° kannt hätten. Der Schutzmann Goltschlig bekundete, daß er nicht der Wüterich gewesen sei, der dem Arbeiter Biolvald die Hand ab- hackte. Der Antrag der Staatsanwaltschaft auf sofortige Verhaftung Alberts wurde vom Gericht abgelehnt. Politische Jugend. In ihren Trauerberichten von der Wahl in Frankfurt a. O.- Lebus melden die bürgerlichen Blätter, nachdem der�Sicg des Sozialdemokraten festgestellt war, seien Studenten und Schüler der oberen Gymnasialklassen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal gezogen, um dort trotz der Niederlage durch Absingen von„Deutschland, Deutsch- land über alles" ihre patriotische Gesinnung zum Ausdruck zu bringen. Keines dieser Blätter hat gegen diese politische Betätigung der Ghmnasialjugend etwas einzuweiideir. Aber wenn die Arbeiter- jugend für die Sozialdemokratie demonstriert hätte. Das Geschrei mochten wir hören!_ Die Äugst vor den Ersatzwahlen. Im Gemcinderot von Mülhausen i. Elsaß ist der Antrag der Demokraten auf Vornahme von Gemeinderatsersatzwahlen für fünf ausgeschiedene Mitglieder mit 20 gegen 6 Stimmen„der- tagt" worden. Für die sofortige Airnahme des Vorschlages stimmte mit fünf Demokraten ein Zentrnnisvertreter, während die Mehrheit des Zentrums und olle Liberalen mit den großkapitalisti- schen Scharfmachern im Gemeinderat für die„Vertagung", d. h. die Ablehnung stimmten. Dabei hat die Sozialdemokratie bei den Hauptwahlen von 1908 im ersten und zweiten Wahlgang 45 Prozent aller abgegebenen gültigen Stimmen auf ihre Kandidaten vereinigt, so daß sie. wenn wie in Bayern das Proportionalwahlsystem in Geltung wäre, im Gemeinderat der Stadt Mülhausen 16 Sitze von ins- gesamt 36 besetzen würde._ Ein Zentrumsmann als Messerheld. Mit welchem Fanatismus und Ingrimm die Angehörigen der Zentrumspartei das Eindringen der Sozialdemokrarie und ihrer Presse verfolgen und zu verhindern versuchen, zeigt die Tat eines solchen Anhängers der Partei für„Wahrheit" und„Recht" in Hösbach bei Aschaffenburg. Vor einer dortigen Wirtschaft lauschte abends der Vertrauensmann des Zentrums, in. der seit kurzer Zeil unser Würzburger Parteiorgan„Der Fränkische Volks- freund", aufliegt und in der einige Parteigenossen saßen und sich unterhielten. Als er bemerkt wurde, gingen einige junge Burschen hinaus, auf die der ZentrumSmann blindlings, ohne jede Ver- anlassung. mit dem Messer einstach. Die Zentrums- blätter der Provinz, die die Lügcnartikel über die Sozialdemokratie an hervorragendster Stelle behandeln, haben von dem Borsall noch nichts gebracht._ Stolypin in Fricdberg. Frankfurt a. M., 27. September. Entgegen and'ertveitigen Meldungen wird dem„Generalanzeiger" aus Petersburg gc- meldet: Stolypin werde Sonntag„ach Friedberg reisen, wo er mit dem Zaren eine Besprechung haben werde. Es handele fich um wichtige Beschlüsse über Finnland. Die Auflösung des Landtages soll bevorstehen.'_ Militärisches Dreckbad. DaS Militärgesetz enthält bekanntlich manche unsinnigen Be- stimmungen. Darunter auch die, daß Befehle von Vorgesetzten unter allen Umständen ausgeführt werden müssen, selbst wenn diese eine vorschriftswidrige Behandlung Untergebener darstellen. Der Kanonier Rettich vom 41. Feldartillerie-Regimcnt in Glogau hat das nicht genügend beachtet. Er hatte beim Ucbcn im Flaggen- signalgeben ein falsches Zeichen gegeben und mutzte dafür auf Be- fehl des Sergeanten Rauer Laufschritt machen. Dies sollte er nach dem Befehl des Sergeanten durch eine schmutzige Wasser- pfütze tun. Der Soldat lief aber um diese herum; als dies der Feldwebel Safran sah, befahl ihm dieser, sich der Länge nach in den schmutzigen Tümpel hineinzulegen. Hierzu wollte sich der Soldat aber noch viel weniger-verstehen; er weigerte sich, sich im Dreck zu baden. DaS Kriegsgericht der S. Division verurteilte den Kanonier wegen Gehorsamsverweigerung zu drei Wochen Mittelarrest, den Feldwebel Safran aber wegen vorschriftswidriger Behandlung zu fünf Tagen gelinden Arrest, während der Sergeant Rauer von derselben Anklage freigesprochen wurde. Auf die von dem Gerichtsherrn eingelegte Berufung hob das Obcrkriegsgericht des 5. Armeekorps heute das freisprechende Urteil gegen Rauer auf und verurteilte ihn zu drei Tagen gc- linden Arrest. Furcht vor einer schmutzigen Wasserpfütze gibt es bei den Preußen nicht. Ocrterrdcb. Mandatsverlust. In der Stichwahl hat die Sozialdemokratie Deutsch-Böhmens Montag das Mandat des Wahlkreises G a b l o n z, das durch den Tod des Genossen Barth erledigt war, verloren. Der deutsch- nationale Kandidat, Bürgermeister Glöckner, siegte mit 6186 Stimmen über den Genossen Trübenecker. Der Bezirk hat durch die Krise furchtbar gelitten, so daß sich die Zahl der proletarischen Wähler erheblich vermindert hatte. Die Fabrikanten haben ihre augenblickliche Machtstellung zu argem Terrorismus mißbraucht. Schweiz. Wahlen in Zürich. Die am Sonntag in der Stadt Zürich vollzogene Er- sah wähl in den kleinen Stadtrat für unseren ms Obergericht gewählten Genossen Wyß ist nicht zustande gekommen, indem keiner der drei Kandidaten das absolute Mehr erreichte. Unser Gc- nosse Pfarrer Pflüg er erhielt 11765, der Freisinnige Dr. Voßhardt 9083, der demokratische Lehrer Heußer nur 2916 Stimmen. Unsere Partei hat sich also neuerdings darüber ausgetvicsen. daß sie die stärkste Partei in der Stadt Zürich ist und Pflüget haben bloß 160 Stimmen zum absoluten Mehr gefehlt. Hoffentlich wird er im zweiten Wahlgang gewählt. Die Wahl von drei BezirkSrichtern wurde glatt erledigt, wobei unser Genosse Müller mit 12192 die meisten Stimmen erhielt. ft'ankreick. Maßregelung eines Sozialisten beantragt. Paris, 27. Sevtember. Der Präfekt des Dcpartcmenis Ost- Pyrenäen hat bei der Regierung die Absetzung des sozia- listischen Bürgermeisters von Corneilla beantragt. der eine Versammlung der Winzer und Landarbeiter einberufen und in einer revolutionären Rede zum Ausstand aufgefordert hatte. Sngwnck. Parlamentsdiäten in Sicht? London, 27. September. Wie aus guter Quelle mitgeteilt wird, hat die Regierung den Vorsitzenden der parlamentanschen Frak- tionen der Sozialisten und Arbeiterpartei H e n d e r s o n davon in Keirntnis gesetzt, daß sie im Laufe der nächsten Parlamentstagung einen Gesetzentwurf betreffend Gewabrniig von Diäten für die Parlamentsmitglieder einbringen werde. Wie ferner anS sonst gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, dürfte Balfour trotz aller bisherigen Meldungen diese Reform nicht bekämpfen. kuklancl. Der LuftmilitarismnS. Petersburg, 27. September. Da? Komitee zur Verstärkung der Kriegsflotte hat beschlossen, sofort zwanzig Aeroplane zu bestellen._ Huö der partei« Mannheimer Orakel. Die„Mannheimer Volksstimme" schreibt zu unserer Magdeburger Meldung, daß Genosse Frank dem Genossen tischer vorn Brüsseler„Peuple" erklärt habe, die badischen andtagSabgeordneten würden dem Parteitagsbeschlusse Folge leisten, die Frage aber dem Internationalen Kongreß unter- breiten, folgendes: Genosse Dr. Frank ersucht uns um die Feststellung, daß er sich so dem Genossen Fischer-Brüssel gegenüber nicht geäußert habe. Besiiglich der Konsequenzen, die sich für die Süddeutschen aus den Magdeburger Beschlüssen ergeben, habe er sich Fischer gegenüber, der ihn unmittelbar nach der entscheidenden Sitzung darüber fragte, genau so geäußert wie in der Sitzung selbst. Es sei durch das Fischersche„Interview" also durchaus nicht etwa eine neue Situation geschaffen worden. Genosse Frank findet es also für nötig, sich gegen den Verdacht zu verwahren, daß er erklärt hätte, die badischen Landtagsabgeordnotcn würden sich dem Beschluß der obersten Instanz der Partei fügen! Das ist sehr bezeichnend I Und hätte sogar größere Bedeutung, wenn nicht der Parteitag den Antrag Zubeil-Haase angenommen hätte! Wie nötig es war. daß er angenommen wurde, das zeigt gerade diese Franksche Erklärung mit besonderer Deutlichkeit. Ueber den Sinn ihrer orakelhaften Wendungen zu grübeln. können wir uns ersparen; so zweideutig die Worte Franks sind, so unzweideutig ist der Parteitagsbeschluß und darauf kommts an I AuS Nürnberg geht uns folgende Zuschrift zu: Die heute versammelten ParteivertrauenSlcute und Partei- genossen aus mehreren Bezirken Nürnbergs sind über die AuS» � sührungcn ihres Abgeordneten Dr. Südekmn zur Budgetfrage außerordentlich erstaunt und bedauern aufS lebhafteste die von ihm eingenommene, unseren Ansichten durchaus nicht entsprechende Stellungnahme und wünschen lebhaft, daß er in kürzester Zeit vor den Nürnberger Parteigenossen seine sonderbare Auffassung begründet. Die in Nürnberg vorhandene Auffassung in dieser Frage hat Genosse Dr. Süßheim in wirklich treffender Weise auf dem Parteitag zum Ausdruck gebracht. P. Meyer. I. Glöckner. Peter Hild. Gottfr. Schneider. M. Müller. K. Klement. A. Burmeister. Alois Haid. Joh. Müller. Karl Dräger. Jakob Wolfram. Henft. Andr. Magerer. Ernst Blasneck. G. Kinath. Th. Gninbmann. Leonh. Stolz. W. Undeutsch. Karl Zapf. I. Heier. I. Hiltl. M. Fellner. U. volkcrt. F. Matthes. Joh. Schcuring. Ad. Kllstler. Th. Kcllermann. W. Schatt. H. Döbel. Ed. Möller. König. Schncppcnhorst. Benkcrt. M. Schleyer. Joh. Leykam. M. Bächer. Fr. Göhr. Jos. Zedl. Joh. Hörndlein. Bestie. Diese Erklärung ist, wie uns im Begleitschreiben mitgeteilt ist, als Depesche am Sonnabend früh dem Bureau des Magdeburger Parteitags zugesandt worden, scheint dort aber nicht verlesen worden zu sein._" ReichStagökandidatur in Dresden-Land. Zu scineni 60. Geburtstage ehrten unseren alten Kämpen A n g u st Kaden die Parteigenossen seines Wahlkreises dadurch, daß sie am 26. September eine Parteiversammlung einberiefen und hier Kaden einstimmig wieder zum Reichstagskandidaten im vierten sächsischen Wahlkreise(DreSden-Neustadt) aufstellten. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte ein Arbeitersängerchor den Jubilar durch ein Weihelied. Dann sprach Kaden und gab ein Bild von der Entwickelung der Soziatdemokralie. Genosse Kaden hätte übrigens schon vor einigen Jahren das 25jährige Jubiläum seiner Kandidatur im vierten sächsischen Reichstagswahlkreise begehen können; seit 1893 vertritt er den Kreis im Reichstage. Zum PartcitagSbericht schreibt uns Genosse Bebel: In meiner ersten Rede auf dem Parteitag zur Budgetfrage hatte ich scharf getadelt, daß unser Partei- organ„Pforzheimcr Freie Presse", als es die Namen der vier Bremer Delegierten veröffentlichte, den Namen des Genossen Paimekoek in denunziatorischer Absicht fett drucke. Die Redaktion des genannten Parteiblatts teilt mir jetzt mit, daß sie an diesem Vorgang unschuldig sei. Die.Pforzheimer Freie Presse" sei ein Kopfblatt des„Karlsruher Volksfreiind". dessen erste 3—4 Seiten unverändert in den Text der„Pforzheimer Freien Presse' auf- genommen würden. Die Redaktion müsse dadurch manches in ihr Blatt aufnehmen lassen, das sie nicht billige. Ein eigenes Heim wird das.Volksblatt' für Harburg nach Ablauf des jetzt bestehenden Vertrages errichten. Zu dem Zwecke hat der Verlag ein passendes Grundstück für 72 000 M. erworben. Ein neues Ariciterheim in Wien. DaS vierte Heim der Wiener Arbeiter ist nun entstanden. Nach Favoriten, Ottakring und FloridSdorf kommt nun M e i d l i n g. Seit langem leidet die EiitivickelungSfähigkeit der Meidlinger Arbeiterorganisationen an dem Mangel eines passenden Ver- sammlungslokals. Für größere Versammlungen kam überhaupt nur ein einziger Saal, der Mauler-Saal in Betracht. Nun haben unsere Meidlinger Genossen diesen Saal angekauft. Das einfache schmuck« lose Gebäude, wird nun zum Arbeiterheim umgestaltet. poli-eilickus, Oerichtlicbca uftv* DaS System der hohen Geldstrafen. Die Strafkammer in Frankfurt a. M. verurteilte am Mon- tag den Redakteur der„Volkssti mme', den Genossen Zander wegen Beleidigung eines Wiesbadener Pfarrer zu 1200 M. Geldstrafe, obwohl die Behauptungen zum Teil erwiesen werden konnten. Die Presse vor der Revisionsiiistanz. Verworfen wurde die Revision des Genossen Zielke vom .Volksblatt' für Harburg gegen das Urteil der Stadcr Strafkammer, die ihn wegen Beleidigung eines Polizeibeamten zu 600 M. Geldstrafe verurteilt hatte. Der betreffende Beamte hatte beim letzten Hafenarbeiterstreik eine hervorragende Rolle zum Schutz der Arbeitswilligen gespielt. GewerfefchaftUche� Die ßcrlincr JVIetaUarbeiter und die Hustpcirung- In einer außerordentlichen Generalversammlung der Ver- Waltnngsstelle Berlin des� Deutschen Metallarbeiterverbandes gab der Bevollmächtigte Cohen einen Ueberblick über die durch den Aussperrungsbeschluß des Unternehmertums ge- schaffene Situation. Der Redner führte unter anderm aus, daß bereits festgestellt»verden konnte, daß in den Bezirken, Ivo noch die vierzehntägige Kündigungsfrist besteht, die Kündigung dem Beschluß des Unternehnrertums gemäß nm Sonnabend erfolgt ist. Aber die Unternehmer haben diesen Beschluß in so eigentümlicher Weise gefaßt, daß man ihm außerordentliche Bedeutung nicht beimessen kann. Ueberdies hat ja der Kommerzienrat B o r s i g nach dem„Berliner Tageblatt" erklärt, die Absicht der Arbeitgeber mit dem Aussperrungsbeschluß sei die, auf die Arbeitnehmer bei den Verhandlungen eine Pression auszuüben, und er sagte weiter, daß die Arbeitgeber auf das bestimniteste hoffen, daß es nicht zur Aussperrung kommen werde. Es wäre aber töricht, bemerkt der Redner hierzu, wollten wir annehmen, daß der Anssperrungsbeschlnß nicht ausgeführt wird. Denn wenn der 8. Oktober herankommt, ohne daß der Kampf auf den Werften beendet ist, dann sind es die Arbeitgeber ihrem Ansehen schuldig, auszusperren. Wir können jedoch erklären, daß es ohne Entgegenkommen der Arbeitgeber keine Beendigung jenes Kampfes geben kann, und daß wir vor der Drohimg der Unter- nehmer nicht zurückweichen. Der Redner legte weiter dar, wie die Arbeitgeber bei Beginn des Kampfes jedes Eingehen auf die Forderungen der Arbeiter ablehnten, wie sie die Be- gründung ihrer Ablehnung den Vertretern der Arbeiter mündlich vortragen wollten, worauf die Arbeiter jedoch ver- zichteten, und wie die Unternehmer dann, als von dritter Seite Einigungsversuche gemacht wurden, verlangten, daß auch Vertreter der Gelben an den Verhandlungen teilnehmen sollten, worauf die freien Gewerkschaften selbstverständlich nicht eingehen konnten. Nun haben die Unternehmer selbst durch ihre telegraphische Anfrage Verhandlungen angeknüpft, aber die Vertreter der freien Gewerkschaften find nicht eher zu den Verhandlungen gegangen, als bis sie die Sicherheit hatten, daß die Gelben unter keinen Umständen daran teilnehmen sollte». Die Verhandlungen haben am Montagnachmittag be- gönnen und dauerten am späten Abend noch an. Soviel steht fest, daß an eine bedingungslose Wiederaufnahme der Arbeit nicht gedacht werden kann. Die Tatsache, daß die Herren jetzt ordnungsgemäß verhandeln, beweist, daß sie ihren Standpunkt gegenüber den freien Gewerkschaften nun doch geändert haben. Wer unsere Arbeitgeber, die Größten der Großen, kennt, weiß, daß Außerordentliches dazu gehörte, sie dahin zu bringen.— In Berlin zeigen die Arbeit- geber der Metallindustrie jetzt an einzelnen Stellen großes Interesse daran, zu erfahren, wo die einzelnen Arbeiter orga- irisiert sind. Wer aus unseren Reihen danach gefragt wird, mag dreist und offen erNären, daß er Mitglied des Deutschen Metallarbeiterverbandes ist. Das schadet nichts; wir sind so stark geworden, daß wir nns nicht zu verstecken brauche». Mit der Wirkung, die jene Anfragen und die der Aussperrungsanschlag in den Betrieben auf unsere Kollegen ausüben, können wir sehr zufrieden sein. Unsere agitatorisch tätigen Kollegen können sich nun einmal ein bißchen ausruhen, denn jetzt besorgt der Verband der Metallindustriellen die Agitation für uns. Es sind in unserem Bureau noch an keinem Tage so viele Karten und Mitglieds- bücher ausgestellt worden, wie an diesem Montag. Unserer Organisation hat also der Aussperrungsbeschluß bisher nur zum Vorteil gereicht. Dagegen kann andererseits festgestellt werden, daß dem Verband der Metallindustriellen, und namentlich auch der stark beschäftigten Gelb- Metallindustrie Berlins, nichts' so unangenehm und ungelegen kommt. wie jener Beschluß. Daß unsere Kollegen bereit sind, den Kampf aufzunehmen und jedes er- forderliche Opfer zu bringen, zeigt sich auch darin, daß am heutigen Tage auf unserm Bureau eine große Anzahl von Anfragen, Anregungen und Aufforderungen ergangen sind. Wie der Kampf geführt werden soll und welche Maßnahmen ergriffen werden, darüber können und wollen wir hier in dieser Versammlung, ohne die mitbeteiligten Organisationen gehört zu haben, keine Vorschläge machen. Aber so viel steht fest, daß die Meinung unserer MUglieder dahin geht, daß sie, wenn die Aussperrung konimt, für die ersten 14 Tage auf Ilnterstütmug verzichten, und es ist unter diesen Umständen selbstverständlich. daß dann auch die Angestellten der Organisation auf ihr Gehalt verzichten. Endigen die Verhandlungen ohne befriedigendes Resultat, so werden noch vor dem 8. Oktober in Berlin 25 bis 30 Metallarbeiterversammlungen stattfinden und sich mit der Frage beschäftigen.>vas nun zu tun ist.— Die Aufforderung der Unternehmer zu den jetzigen Verhandlungen ist nur an die freien Organisationen ergangen. Als das fest- gestellt war. sagten sich unsere Vertreter: Nun wollen wir cS den Hirsch-Dlinckerscheir und den Christlichen an- heimstellen, sich ebenfalls daran zu beteiligen und, wenn sie wollen, je einen Vertreter zu entsenden. Sie haben sich bei dem Kampf auf den Wersten bis jetzt korrekt verhalten, und so lag kein Grund vor. sie von den Verhandlungen aus- zuschließen. Es ist möglich, und manches deutet darauf hin, daß die Arbeitgeber, wenn der Tag der Aussperrung da ist. im all- gemeinen nicht mehr so fest zusammenstehen, wie es, als sie ihren Beschluß faßten, den Anschein hatte. Uebrigens be- weisen ja die Tatsachen, daß sie heute nicht mehr in der Lage find, über die Arbeiterorganisationen hinwegzusehen. Das ist ein beachtenswerter Erfolg unserer Bewegung. Hat doch der Verband der Metallindnstriellen noch vor wenigen Jahren alle unsere Briefe und Schreiben entweder ganz unbeantwortet gelassen oder glatt ablehnend beantwortet. Das starke Wachs- tum unserer Organisation bürgt auch dafür, daß wir vor- wärts kommen. Der Juli und August dieses Jahres haben uns so viele neue Mitglieder gebracht, daß wir in Berlin jetzt schon die 75«vt» überschritten haben. Wenn wir die jetzige Situation richtig ausnutzen, werden wir dos Jahr sicherlich mit 80000 Mitgliedern abschließen können. ES gilt nun, unsere ganze Kraft aufzu- bieten, um aus der gegenwärtigen Lage für unsere Bewegung den besten Erfolg herauszuholen. Die Ausführungen des Redners wurden wiederholt von lebhaften Beifallsäußerungen unterbrochen. Das Verhalten der Versammelten bewies, daß die Metallarbeiterschaft Berlins "iGerantw. Redakl.: Richard Barth, Berliin�Znseratenteil verantw.z dem großen Kampfe, der ihr nach dem Beschluß der Unter- nehmer aufgezwungen werden soll, frohen Mutes und in un- beugsamer Entschlossenheit entgegen geht. Die Versammlung trat dann in die eigentliche Tages- ordnung ein. Es waren einige in der vorigen General- Versammlung wegen Zeitmangel zurückgestellte Anträge zu erledigen. Beschlossen wurde unter anderem, daß in Spandau versuchsweise ein besoldeter Bezirksleiter angestellt werden soll. Die Versammlung nominierte zu diesem Posten den bisherigen Bezirksleiter Richter aus Spandau. Ferner wurde eine Kommission gewählt, die die Frage der Ein- führung der Hauskassierung für Groß-Berlin prüfen und Vor- schlüge dazu ausarbeiten soll. Berlin unck klmgeg-enck. Achtung, Metallarbeiter! In der Motorabteilung deS Block- Werks der Firma Siemens u. Halske am Nonncndamni haben die Schlosser und Mechaniker die Arbeit niedergelegt. In der letzten Zeit wurden die Kommffsionsmitglieder und Vertrauensmänner unserer Organisation entlassen, ohne daß ein berechtigter Grund dazu vorhanden war. Diese fortgesetzten Maßregelungen konnten sich unsere Kollegen auf die Dauer nicht gefallen lassen. Da nun alle Versuche seitens der Kollegen, die Direktion zu veranlasse», die Entlassung einzelner Kollegen rückgängig zu machen, an der ab- lehnenden Haltung der Betriebsleitung scheiterten, so mußte der Streik beschlossen werden. Die Motorabteilung des Blockwerks der Firma Siemens u. Halske ist für Metallarbeiter gesperrt. Die Kollegen werden ersucht, in dieser Abteilung keine Arbeit anzunehmen. Deutscher Metallarbeiterverband. Ortsverwaltung Berlin. Der Streik in der Palmenfabrik von Seibt u. Becker in Weißensee, der inzwischen beendet ist, beschäftigte auch die letzte Gemeindevertretersitzung dortselbst. Genosse Taub. mann brachte zur Sprache, daß seit den letzten acht Tagen morgens und abends in der Lehderstraße sich ein umvürdiger Aufzug zeige. Des Morgens werden vom Bahnhof Weitzensee ein Trupp Menschen, Männer und Frauen, alt und jung. in Begleitung von Schutzleuten bis an die Grenze gebracht, hier erfolgt die Uebergabe an Gendarmen und Polizeisergeanten, um mit dem Trupp in eine Fabrik zu verschwinden. Des Abends findet dasselbe Schauspiel in umgekehrter Reihenfolge statt. Es handelt sich um den Schutz von Arbeitswilligen, dessen regelmäßige Straßenaufzüge natürlich Auffehen erregen müssen. Unser Genosse verlangte vom Amtsvorsteher Aufhebung der Verfügung an die Aufsichtsbeamten, da durch solche Maßnahmen die Erregung unter den Beteiligten gesteigeri wird. Vom stellvertretenden Amtsvor- steher verlangte er, daß er als Vorsitzender des Gewerbegerichts ver- mittelnd sich der Sache bemächtigen soll. Die Antwort auf diese Anfragen waren eigentlich verblüffend. Von dem täglichen Polizeiaufgebot wollte keiner der Herren unter- richtet sein. Die Sache wird sich ganz einfach zugetragen haben. Der Unternehmer wird die Polizeiwache telephonisch um Schutz gebeten haben, und dieser wird ihm gewährt. Das könne jeder machen, wenn er sich bedrängt fühlt. Und dann handelt es sich um einen Streik, an dem zumeist Frauen beteiligt sind, und die betragen sich wie Hyänen.(I) Ein Russe, der die Fabrik als Kunde besuchen wollte, wurde von den Streikenden nicht in die Fabrik gelassen, so daß derselbe sich damit beschwerte, daß diese Zustände noch toller wie in Rußland seien. Der Vor- sitzende des G e w e r b eg e r i ch t s habe von dem Streik, der bereits sieben Wochen dauert, auch erst jetzt erfahren(?), als er vom Verband der Blumenarbeiter dieser Tage aufgefordert sei. das Gewerbegericht als Einigungs» amt eintreten zu lassen. Harr Mewes von der neuen Fraktion nahm sich der Arbeitswilligen warm an, er will aus Erfahrung wissen, daß diese Leute des polizeilichen Schutzes sehr bedürfen. Das Ende der Debatte war: es bleibt bei dem polizeilichen Auf- geboti Der Streik in der Berliner Etuisindustrie scheint nunmehr un- vermeidlich zu sein. Schon in der Sitzung der Schlichtungskom- Mission am 12. September lehnten die Fabrikanten jede weitere Verhandlung über die ihnen von den Arbeitern unterbreitete Tarif. Vorlage ab. Sie stützten sich auf den Beschluß ihrer Vereinigung, wonach sie bereit seien, ein neues Vertragsverhältnis auf drei Jahre einzugehen und in jedem Vcrtragöjahr eine Erhöhung von 2 Proz. auf die Löhne geben wollen; doch sollen die Minimallöhne nur einmal um 2 Proz. erhöht werden. Dieses Zugeständnis ivar schon zuvor am 11. August von der Arbeiterschaft als unzureichend abgelehnt worden. Nachdem die Verhandlungen in der Schlich- tungskommission ergebnislos verlaufen waren, beantragten die Ar- beiter beim Gewerbegericht die Anberaumung einer Sitzung des Einigungsamtes. Dieses trat gestern(Dienstag, den 27. September) zusammen. Die Fabrikanten sind jedoch zu der Sitzung nicht er- schienen, sondern entsandten den Generalsekretär Nasse von den Metallindustriellen, der die Erklärung abgab, daß die Herren Fabri- kanten weitere Verhandlungen ablehnen. Auch er selbst als gleich- zeitiger Vorsitzender des Verbandes Berliner Etuisfabrikantcn lehnte jede Verhandlung ab. Das Einigungsamt fällte darauf nach kurzer Beratung ein- stimmig den Schiedsspruch dahingehend, daß nach dem noch geltenden Tarifvertrage die Parteien zu verhandeln haben. Den Parteien wurde aufgegeben, sich bis zum 29. September zu erklären, ob sie diesem Schiedsspruch nachkommen werden. Während von den Vertretern der Arbeiter die Bereitwilligkeit zu weiteren Verhandlungen sofort erklärt wurde, glaubte der Generalsekretär Nasse schon jetzt erklären zu können, daß die Fabri- kanten zu den Verhandlungen nicht erscheinen werden. Bemerkt sei bicrzu, daß bei Schaffung des Tarifes im Jahre 19VS, der dann 1907 erneuert wurde, auf Antrag der Fabrikanten eine Bestimmung in den Vertrag aufgenommen wurde, die da lautet: „Dieser Vertrag hat Gültigkeit bis zum 30. September 1910 und läuft stets auf ein Jahr weiter, wenn derselbe nicht drei Monate vor Ablauf gekündigt wird. Tritt dieser Fall ein, so ist die Schlichtungskommission verpflichtet, sofort in Verhandlungen über einen neuen Tarif einzutreten, damit derselbe rechtzeitig an Stelle des alten Tarifes perfekt ivird und auf dem Gewerbe- gericht festgelegt werden kann. Für den Fall, daß es den Par- teien nicht gelingt, einen neuen Vertrag zustande zu bringen, soll das Einigungsmnt zur Schaffung eines neuen TarifeS angegangen werden." Heute weigert sich dasselbe Arbeitgebertum, die von ihm selbst beantragte Tarifvorschrift zu beachten und einzuhalten. Ter Streit der Klempner und Robrlcgcr in Spandau ist durch Abschluß eines Tarifvertrags mit der Innung nach vier- wöchigem Kampf beendigt. Gesperrt ist noch� der Betrieb der Finna Friedrich u. Comp., Hakenfelde bei Spandau, da diese Firma den Tarifvertrag nicht anerkannt hat. Deutscher Metallarbcitervcrdand. Ortsverwaltung Berlin. Oeutkehea Reich. Zum Streik der Hamburger Cafehauskcllner bringt der„Ber- liner Lokalanzeiger" wieder Berichte, die in der bei diesem Blatte üblichen Art die Arbeiter ins Unrecht zu setzen sucht. Die Tatsachen werden dabei direkt auf den Kopf gestellt. Die Ursachen des Streiks stellt das Scherlblalt wie folgt dar: ..Sie(die Cafekellner) haben ohne jode Veranlassung dem Hamburger Cafetierverein einen Revers vorgelegt, in dem sie ihn zwingen wollten, ihr Personal in Zukunft nur von dem Stellen- Nachweis des sozialdemokratischen Gehilfeiwereins zu beziehen." Das genaue Gegenteil von allem trifft zu: In Hamburg besteht ein„Kostenloser ZemralarbettsnachweiS", errichtet und unterhalten von den dortigen Gchilfcnvereinigungen mit Ausnahme aber gerade des„sozialdemokratischen Gehilfenvcrein". Dieser strebt dabin, an Stelle des obigen einen? paritätischen Arbeitsnacfc Ttz. Glocke, Berlin. Druck u. Verleg: Vorwärts Buchdr.u.PxrlagSanjtaU weis zu schaffen. Tagegen ist der Hamburger Cafekekknerderein dem obengenannten Nachweis angeschlossen. Dieser Verein fft nun Mar weit davon entfernt,„sozialdemokratisch" zu sein; aber die Cafetiers hasseil ihn nichtsdestoweniger, weil er es doch schon mehr- fach verstanden hat, die Interessen der Gehilfen gegenüber den Unternehmern zu vertreten. Darum ist es schon lange der Wunsch der Unternehmer, diesen Verein vernichtet zu sehen. Sie beschlossen deswegen im Laufe der letzten Wockie, in Zukunft ihr Personal nicht mehr bei dem kostenlosen Arbeitsnachmeis, sondern bei den Stellen ver Mittlern zu bestellen. Zur Durchführung dieses Beschlusses soll eine Konventionalstrafe von 1000 M. festgesetzt sein. Dringen die Cafetiers mit ihrem Beschluß durch, so würde das den stellesuchenden Gehilfen, nicht bloß große Summen Geldes kosten, sondern die Organisation selbst käme in Gefahr. Deswegen mußten die Gehüfeii sich dagegen wenden und sie taten dies aller- dlngs durch Vorlegung eines Reverses, durch den sich die Cafetiers verpflichten sollten, ihr Personal nach wie vor(nicht„in Zu« kunft") von dem kostenlosen Zentralarbeitsnachweis(und nicht vom „sozialdemokratischen") zu beziehen. Diese Forderung haben bis jetzt 14 Betriebe mit 99 Kellnern und 15 Köchen bewilligt, 19 Be- triebe mit 103 Kellnern und 21 Cafeköchen haben sie abgelehnt. Der Deutsche Cafetiersverband,'sitz Berlin, suchte Streik- brecher von hier nach Hamburg zu schicken. Obwohl der Vorsitzende Polt und der bekannte antisemitische Schriftsteller Sommer (Mitangeklagter des..Wahrheits"-Verlegers Bruhn) sich eifrigst be. mühten und selbst den Transport der Streikbrecher übernahmen, gelang es doch nur 28 Mann für diese unsauberen Zwecke zu er» halten. Die gewerkschaftlich organisierten Cafe« angestellten Berlins hatten sofort für Dienstagmorgen eine Versammlung einberufen, die sich mit der Sache zu beschäftigeir hatte. Weitgehendste finanzielle Unterstützung wurde den Streike» den zugesichert. Auch sonst war sofort alles geschehen, die Kämpfenden, namentlich durch Abhaltung des Zuzuges, tatkräftig zu unterstützen. �iigetidbewegiing. Gegen die Kincmatographcn-Theater nahm eine Versammlung aller Abteilungen der Freien Jugend in Köln Stellung. Einstimmig nahm man eine Resolution an, worin es heißt: Die Versammlung sieht in der Mehrzahl der heutigen Kinematographen- Theater eine schwere Schädigung der geistigen und moraliichen Bildung der Jugend. Die in jenen Theatern gebotenen Vorführungen haben gleich der Schmutz» und Schundliter a'tur meist nur den Erfolg, bei der � leicht erregbaren Phantasie der Jugendlichen ungesnnde und schädliche Empfindungen zu wecken, ja durch manche Darbietungen direkte An- leitung zum Verbrechen zugeben. Die Hauptursache deS B c» sucheS der Kinematographen-Theater durch die Arbeiterjugend erblickt die Versammlung einerseits in der Mangel» hasten Volksschulbildung, andererseits in der für die Arbeiterjugend geringe» Möglichkeit, in der freien Zeit billige und gute bildende Veranstaltungen zu besuchen. Bon polizeilichen Verboten allein, wie sie von Lehrervereinigungen verlangt würden, verspricht sich die Versamm» lung keinen durchgreifenden Erfolg. Wünschenswert wäre dagegen. daß mehr als bisher der Arbeiterjugend Gelegenheit zu kosten» losem Besuch künstlerischer und bildender Ver« an staltungen geboten würde. Als solche kommen in Be« tracht: Theateraufführungen, künstlerische und literarische Abende, Konzerte us>v_ Hetzte ffachricbten. Die Kämpfe in Moabit. Die durch die. Polizei gespeisten„Berliner Neuigkeiten" teile» mit: Gestern abend gegen 10 Uhr lam Polizeipräsident von Ja» g o w, im Automobil durch die Menge fabrend, um sich nach dem Stand der Sache zu erkundigen. Je später, desto heftiger und häufiger wurden die Zusammenstöße mit der Menge. In der Waldstraße wurde aus einem Fenster auf die Polizei» Mannschaften mit Nachtgeschirren und Blumentöpfen ge- warfen. Ein Kommando unter einem Polizeileutnant drang in das Hans ein, um die Werfer festzustellen. In einer Wohnung, die sie betraten, wurde den Mannschaften von einer Frau eine brennende Petroleumlampe entgegengeworfen, die jedoch verlöschte. Die Personen wurden festgestellt und werden sich vor Gericht zu verantworten haben. Zu einem heftigen Zusammenstoß kam e» an der Ecke der Wald- und Turmstraße. Hier wurde aus der Menge auf die Polizeimannschaften geschossen und Steine auf si« ge» schleudert. Die Polizei machte hier von der blanken Waffe Gebrauch und nahm verschiedene Sistierungen vor. In der Brüssel st raß« beim Zurückdrängen des Janhagels fielen nochmals drei Schüsse aus der Menge, ohne daß es möglich gewesen wäre, die Täter zu er» Mitteln. An der Z w i n g l i st ra ße kam cS noch zu einem zweien Zusammenstoß, wobei aus dem Publikum auf die Polizei» Mannschaften geschossen wurde. ES wurden verschiedene Bcrhaf» tungen vorgenommen und die Personen nach dem Revier und später nach dem Polizeipräsidium geschafft. •» ♦ Nach einer weiteren Meldung sind insgesamt etwa !K) Personen verletzt worden, darunter 13 schwer, der Arbeiter Wegner sehr schwer. Zwei der Verletzten haben im Kranken» Hause Moabit Aufnahme gesunden. Bon der Schutzmann» schaft sind, wie bisher bekannt geworden ist, zwei verletzt wor» den, der eine durch einen Stcinwurf am Kopf, der andere durch einen Sturz ans das Pflaster. Gegen 12 Nhr ließen die Ansammlungen etwas nach. Verschiedene Läden sind auch heute abend wieder demoliert worden. Auf dem Kvhlenplab in der Sickingenstraßc waren ein Leutnant, drei Wachtmeister und 58 Man» konsigniert. Wir machen unsere Leser besonders darauf aufmerksam, daß obiger Bericht von polizeilicher Seite stammt und auch danach zu bewerten ist. Der Fernssng Trier— Metz. Metz, 27. September.(W. T. B.) Zu dem heutigen Fernwett» legen Trier— Metz war I e a n n i n um 8 Uhr 50 Minuten in Trier aufgestiegen; er passierte in glatter Fahrt um 4 Uhr 50 Min. Sierck und 5 Uhr 1 Min. Diedenhofen. In Metz wurde er um 5 Uhr 45 Min. gesichtet; er erreichte eine Höhe von etwa 500 Meter und landete glatt aus dem Flugfelde um 0 Uhr 8 Minuten. T h e l e n, der mit Leuwant v. Moßner aufgestiegen war, landete in Grevenmacher kurz vor 5 Uhr. stieg aber bald wieder auf und kehrte zum Flugplatz in T r ie r zurück. Engel- Harb stieg zweimal auf, lehrte aber beide Male nach einigen Minuten zurück.____ Verhaftete Anarchisten. Wien, 27. September. Wie der„N. Fr. Pr.' aus BorSzczow gemeldet wird, wurden auf der Fahrt nach Skala drei russische Anarchisten nach heftiger Gegenwehr von Gendarmen festgenommen. In ihrem Besitz wurde eine große Menge von Waffen und Munition sowie eine große Anzahl anarchistischer Broschüren gefunden. Die drei Verhafteten hatten aus der Bukowina einen bedeutenden Waffcnschmuggel nach Riikland betrieben. Paul Singer s Co., Berlin S�V. Hierzu 3 Beilagen u-UnterhaitungSbl, »t.227. S7.z.w°g- i KtilllP des JoriHirts" ferlinet Nöldsdllltt.»»w.ch.z8.s-M»tttM —■■! II III■■■■— I——■■■ I II IHM II I........................ II IIHMHIIMII I III......■III! II lllllll II I.....■ Ii.............. I i Ii■----------- Aus der Keichzverlicheriingzordnungz- Kommiinon des Reiebstages. Sitzung am Dienstag, 2 7. September. Der größte Teil der Sitzung wurde durch die Aussprache über die Rücklage(Reservefonds) tn Anspruch genommen. Im Verlauf dieser Debatte gab Staatssekretär Dr. Delbrück die Erklärung ab, daß die Regierungen auf daS Zustandekommen des ganzen Gesetzes noch in dieser Session großen Wert legen und sich mit der Abtrennung einzelner Teile nicht einverstanden erklären könnten. Nach dem geltenden Gesetz haben die Berufsgenossenschaften zu- nächst die Rücklage(Reservefonds) durch Zuschläge zu den Beiträgen anzusammeln. Die Zuschläge sollen im ersten Jahre 300 Proz. be- tragen und fallen in 11 Jahren bis zu 10 Proz. Diese Bestimniung ist unverändert in die Vorlage übernommen worden. Für die weitere Zeit aber fordert die Vorlage eine stärkere Rücklage als nach dem geltenden Gesetz, wobei aber— was jetzt nicht der Fall ist— die Zuschläge sich nach den besonderen Verhältnissen jeder einzelnen Berussgenossenschaft richten sollen. Nach längerer Debatte wurden mehrere Abschwächungsanträge, die von den Nationalliberalen, vom Abg. Pauli(k.) und dem Zentrumsabgeordneten Irl im Interesse der Unternehmer ein- gebracht waren, abgelehnt und die Bestimmungen der Regierungs- Vorlage angenommen. Beschlossen wurde auf Antrag der Nationalliberalen noch, daß die Negierungen verpflichtet werden, nach zehn Jahren Auskunft darüber zu geben, ob die Ent- Wickelung der Unfallversicherung die vorgeschriebenen Zuschläge für die Rücklage auch fernerhin notwendig mache. Zur Unfallverhütung hatten die Sozialdemokraten eine ganze Reihe Verbesserungs- antrüge eingebracht. Nach dem geltenden Rechte sind zwar zu den Beratungen und den Beschlüssen des Vorstandes über die Unfallverhütungsvorschriften Vertreter der Arbeiter mit vollem Stimmrecht und in gleicher Zahl wie die beteiligten Vorstands- Mitglieder hinzuzuziehen. Jedoch steht die entscheidende Ab- stimmung über die UnfallverhütungSvorschristen den Genossenschafts- Versammlungen zu, und in diesen sind die Arbeiter nicht vertreten. Diese Bestimmungen find in die Regierungsvorlage hinübergenommen worden. Die Sozialdemokraten hatten deshalb beantragt, daß die entscheidenden Beschlüsse über die Unfallverhütungs- Vorschriften dem Vorstände der Berussgenossenschaft, der, wie bisher, zu diesem Zwecke durch Arbeitervertreter verstärkt ist(Unfall- Verhütungsausschuß) zustehen soll. Genosse Hoch wies noch, daß nur auf diese Weise die Mitarbeit der Arbeiter ihren vollen Wert habe. Denn nach den jetzigen Bestimmungen sei es vorgekommen. daß die Arbeitervertreter für ihre Verbesserungsvorschläge im Bor- stände die Vertreter der Unternehmer gewonnen hatten, daß aber trotzdem diese Vorschläge in den GenossenschaftSver- fammlungen endgültig abgelehnt worden, weil hier die Arbeiter- Vertreter nicht zugegen waren und deshalb ihre Borschläge auch nicht rechtfertigen konnten. Ministerialdirektor EaSpar gab zu. daß derartige Fälle vor- gekommen seien. Trotzdem sprach er fich gegen den sozialdemo- kratischen Antrag aus. Er machte darauf aufmerksam, daß die Vorlage die Berufsgenossenschaften verpflichte, die„erforder- lichen' Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen. Der Zusatz ..erforderlichen" sei neu und gebe dem ReichsverstcherungSamt das Recht, in den Fällen, wie die. dte Genosse Hoch angeführt habe, die Berufsgenossenschoft zur Annahme der von den Arbeitervertrerern Verlangten Verbeflerungen zu zwingen. Luch dem Abg. Hitze ging der Vorschlag der Sozialdemokraten „zu weit". Wenn die Arbeitervertreter das gleiche Stimmrecht in der Sache hätten, würde ihnen schon ein Brbeitgebervertreter, der auf ihrer Seite steht, die Mehrheit geben; dann könnten sie dse n Unternehmern die teuer st en Schutzmaßnahmen vorschreiben. Auf die Frage des Genossen Hoch aber, wo sich denn die Ar- beitervertreter, die ja schon nach dem jetzigen Recht im Genossen- schaftS- Vor stände das gleiche Stimmrecht wie die Unternehmer bei diesen Fragen haben, als so„gefährlich" erwiesen haben, blieb Abg. Hitze die Antwort schuldig. Genosse Hoch forderte eS im übrigen als das gute Recht der Arbeiter, wenigstens hier, wo eS sich um den Schutz ihres Lebens und ihrer Gesundheit handelt, mindestens mit demselben Rechte wie die Unternehmer mit- zuarbeiten. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde von den Kon- servativen, Nationalliberalen, Liberalen und dem Zentrum n i e d e r g e st i m m t. Dieselbe Mehrheit lehnte auch einen zweiten Antrag der So- zialdemokraten ab, nach dem erstens ein Abdruck der für den einzelnen Betrieb oder Bctriebsteil geltenden Unfallverhütungs- Vorschriften jedem Arbeiter auf Verlangen ausgehändigt werden und zweitens ein Abdruck der Vorschriften au der Betriebsstätte den Ver- sicherten in zweckmäßiger Weise zugänglich gemacht werden sollte. Endlich lehnten die Konservativen, National- liberalen und Liberalen einen Antrag des Abg. Kulerski (Pole) ab, der es der Berufsgenossenschoft zur Pflicht machen wollte, die UnfallverhütungSvorschristen in der Muttersprache der beteiligten Arbeiter herauszugeben. Fortsetzung morgen._ fius der fuflizltommiinon. Sitzung vom Dienstag, den 27. September. Die Beratung über den Abschnitt Kosten wird beim Z 490 fortgesetzt. Zu diesem wie auch zu den nächsten Paragraphen liegen Abänderungsanträge unserer Genossen, des Zentrums und der Freisinnigen vor. Einige kleine Verbesserungen wurden in die Vorlage aufgenommen. Zum letzten§ SOO wird ein Antrag Gröber angenommen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen,„dem Reichstag einen Gesetzentwurs zur Revision des Gerichtsrostengesetzes vorzulegen".— Die Regierungsvertreter erklärten, daß diese Revision in Vorbereitung sei und sich nicht nur auf die durch die neue Strafprozeßordnung erforderlich gewordenen Aenderungen erstrecken, sondern eine all- gemeine sein wird.— Auf eine Anfrage, ob bei der Regierung auch eine Revision der Rechtsanwaltsgebührenordnung geplant sei, antwortete der Staatssekretär L i s c o, daß auf Grund der neuen Strafprozeßordnung noch keine Revision der Rechtsanwaltsgebührenordnung vorbereitet sei. Damit war die Strafprozeßordnung in erster Lesung er- l e d i g t und die Kommission trat in die Beratung des GerichtsverfassungSgesetz-Entwurfes ein. Dazu lag in erster Linie zum K 2 von unseren Genossen fol- gender Antrag vor: „Die Zulassung zum Vorbereitungsdienst darf insbesondere nicht aus politischen, konfessionellen oder f i n a n- z i e l l e n Gründen verweigert werden." Unser Redner konnte aus einer Fülle von Einzelfällen die Not- wendigkeit dieser Bestimmung begründen; und im öffentlichen poli- tischen Leben sind heute eine ganze Reihe von Leuten tätig, die wegen ihrer politischen Anschauungen gehindert oder aufgehalten wurden. Ein polnischer Redner wies nach, daß in Preußen nur diejenigen zum Vorbereitungsdienst zu- gelassen werden, die auf S Jahre eine feste Jahreseinnahme von 1E500 M. nachweisen können. — Der Staatssekretär L i s c o erklärte die Annahme dieses An- träges durch die Regierung höchstwahrscheinlich für ausgeschlossen. Trotzdem die Vertreter der preußischen Regierung auch von den Konservativen zu wiederholten Malen aufgefordert wurden, die Behauptungen des polnischen Redners zu entkräften, schwiegen sich die Herren aus. Erst am Schluß der Debatte erklärte ein Re- gierungsvertreter, daß der Regierung die geschilderten Fälle nicht bekannt seien! Und das, trotzdem mehrere Abgeordnete aus ihren eigenen Erfahrungen die Behauptungen des polnischen Redners unterstützen mußten! Darauf erklärte ein anderer Vertreter der preußischen Regierung, daß tatsächlich der Gebrauch, der sich auf die alte Gerichtsordnung stütze, in Preußen geübt werde, von den jungen Juristen einen Vermögensnachweis zu fordern.— In der Abstimmung wurde der sozialdemokratische An trag gegen die Stimmen unserer Genossen, der Freisinnigen und Polen abgelehnt. Dagegen wurde folgender Antrag Gröber angenommen: „Die Zulassung zum Vorbereitungsdienst darf nicht von der Nachweisung einer bestimmten Summe abhängig gemacht werden." Ein weiterer Antrag unserer Genossen, daß, wenn die Er nennung zum Richter einem Anwärter verweigert wird, darüber im Wege des Disziplinarverfahrens zu entscheiden ist, wurde ab gelehnt. kleines feuiUeton. Proudhon über Kuiist. Im Jahre 186S wurde auS dem Nachlaß des ftanzösischen Sozialisten Proudhon eine Schrift.Vom Prinzip der Kunst und ihrer sozialen Bestimmung" herausgegeben, von denen 15 Kapitel noch von ihm selbst die endgültige Form erhalten haben, 10 Kapitel von seinen Herausgebern redigiert worden sind. Diese Schrift ist das radikalste Bekenntnis zur rein sozialen Bedeutung der jhmst, unter völliger Ablehnung jedes Aesthetentums, jeder Kunst um der Kunst willen. Wir geben auS diesem Werke einige Bemerkungen wieder: .Die VenuS von Milo ist in ihrer Nacktheit keuscher als die ehrwürdigste der Madonnen, die bis zum Kinn bekleidet ist und das Jesuskind in ihren Armen hält." � In dem unpassend die„Nachtwache" genannten Gemälde malt Rembrandt nach der Natur und nach Modellen eine Szene des städtischen Lebens, und mit einem Schlage läßt er in diesem Meister- werke der Meislerwerke alles Gepränge der Priester, die Krönungen der Fürsten, die Turniere des Adels, die Verherrlichungen des alten Ideals verschwinden.„ Die Kunst, die als Gegenstand, Stoff und Mittel das Treiben deS gewöhnlichen Lebens wählt, ist schwieriger als eine, die sich von Allegorien, idealisierten Formen und seligen Gedanken nährt. » � DaS ästhetische Ideal muß der Wahrheit und der Gerechtigkeit untergeordnet werden, weil diese uns unablässig zum Handeln und Forschen drängen, während daS ästhetische Ideal nur träge und weichlich macht. Der Aesthet ist gesättigt; er bewundert sich. verachtet die andere» und ist allem fremd. Der Gerechte ist be- scheidcner; er findet nicht, was seine Brüder denken, was ihnen geschieht, gleichgültig. Die Kunst muß immer zur Wisseiifckaft und zum sittlichen Bewußtsein, zur Wahrheit und zum Recht zurückgeführt werden, die ihre Ziele find; sie muß sich unterordnen dem Verstand, für den sie nur Vorbereitung und Hilfeleistung ist.... Zur Zeit der Griechen und der Renaissance, mit einem Wort PlatonS, war das Schöne der Widerschein des Wahren, und man konnte deshalb sicher sein, sich nicht auf den, Wege deS Ideals zu verirren: Ideal und Idee waren wie daS Schöne, das Wahre, das Gerechte das- selbe. Wir aber bleiben bei der Behauptung, daß die um ihrer selbst willen gesuchte Schönheit, die sich loslöst von Wahrheit und Recht, die kein genügendes Bewußtsein der(sozialen) Gerechtigkeit und keine gleichlaufende Philosophie hat, nur eine irrationelle Größe, eine verführende Luftspiegelung ist. Die immer engere Ver- einigung dieser drei Elemente, der Schönheit, der Wissenschaft und der Gerechtigkeit ist auch daS Ziel, wohin wir in der EntWickelung zum Fonschritt gehen.« In jedem Kunstwerk muß man an erster Stelle die IS« des Werkes betrachten, seine praktischen Zwecke, und erst an zweiur Stelle die Ausführung: die Wirkungen vor den Mitteln, den Inhalt vor der Form; den Gedanken vor seiner Ausführung. Erasmus Darwin als Prophet der Flugschiffahrt. EraSmuS Darwin, der Großvater von Charles Darwin, hat sich neben seinen medizinischen und naturwissenschaftlichen Werken auch der Dichtkunst befleißigt. Daß er aber scbon im achtzehnten Jahrhundert in einem seiner Gedichte sogar die Flugschiffahrt vorausgesagt hat, ist so gut wie völlig unbekannt geblieben. Diese merkwürdige Kunde hat der englische Naturforscher Meldola ausgegraben und den„Times" mit- geteilt. Das Gedicht lautet in prosaischer Uebersetzung folgonder- maßen:„Bald wird dein Arm, du unbesiegter Dampf, die langsame Barke ziehen und das schnelle Gefährt treiben; oder auf weit aus- gebreiteten wogenden Schwingen den fliegenden Wagen durch die Ströme der Luft tragen; schöne Insassen werden sich im Triumph- gefühl aus ihrer Höhe herablchnen und mit ihren flatternden Tüchern winken, wie sie über die Erde hingleiten; oder Kriegsbanden werden die gaffende Menge in Alarm setzen, und Armeen werden unter der schatiigen Wolke zusammenschrumpfen." Der alte Darwin ist jeden- falls nicht der einzige gewesen, der eine solche Prophezeiung ge- äußert hat. Immerhin ist es bemerkenswert, daß er auch schon an den Gebrauch von Flugschiffen im Kriege gedacht hat. Musik. Der Madrigal- Abend des Berliner V o'l k S- C h'o r S am Montag kann uns über die heutige Musik recht nachdenklich machen. Vor allem enthalten diese mehrstimmigen Kunstlieder ans dem IS. Jahrhundert eine solche Fülle von launiger Fröhlichkeit. wie wir sie gegenwärtig kaum noch finden. Auf der einen Seite ist heute Pathos Trumpf, auf der anderen Unwitz. Sodann: seit damals ist die Pflege des mehrssimmigen Liedes von den Fachmusikern auf die Laienmusiker übergegangen, von den Musikanten auf die Gesangsvereine. Und nun vergleiche man erst einmal die Texte von damals, ihre natürliche und gerade und knappe und doch kunstvolle Sprache mit unseren Liedertafeltexten, mit ihren Künstelungen und Bretten und Plattheiten— gar nicht zu sprechen von den berüchtigten endlosenjWiederholungen dessen, was ihrer am wenigsten würdig ist! Das Programm des Abends könnte zu musitgeschichtlichen Be- trachtungen verleiten; und wohl ist manche Beobachtung solcher Art auch manchem der Zuhörer aufgestiegen. Zwischen dem ältesten Stück, H. Isaaks„Mein Freud' allein", und dem jüngsten, D. FriedericiS „Einstmals das Kind Kupido", liegt mehr als ein Jahr« hundert und liegt ein weiter Schritt. Auch die Beteiligung der Niederlande und Englands, der Länder, die den mehrstimmigen Gesang besonders gepflegt haben, war nicht schwer zu bemerken. Indessen wird unser Volkschor sein stetes künstlerisches Weiterstreben auch durch einen eigenen Volksliederabcnd(im März) betätigen und wird uns dabei leicht ein gutes Stück Geschichte bis zur Gegenwart verständlich machen. Um so mehr ist ihm immer wieder Zuwachs an tätigen Mitgliedern zu wünschen. Bei§ 8 beantragten die Sozialdemokraten, daß alle Richter nur aus denselben Gründen und unter Wahrung derselben Formen. wie sie für die Reichsgerichtsrüte gelten, entlassen werden dürfen. Ferner soll kein Beamter Richter werden dürfen, der länger als drei Jahre Verwaltungsbeamter war. Dse weiteren ist den Richtern die Annahme von Orden und Titeln zu verbieten.— Zur Begründung dieser Anträge standen unseren Rednern wiederum eine Fülle von Tatsachen und Erfahrungen zur Seite, deren Ableugnung auch von den Gegnern dieser Anträge gar nicht versucht wurde.— Weitere sozialdemokratische Anträge forderten, daß eine Versetzung oder Entlassung eines Richters wider seinen Willen nur nach einem mit Zweidrittel- Mehrheit gefaßten Beschluß der entscheidenden Instanz vor- genommen werden darf. Ferner soll der Richter vollständig unab- hängig gemacht werden, und die Bezahlung soll nur nach dem Dienstalter, nicht nach der höheren Stellung gestaltet werden. Von den Nationalliberalen und Freisinnigen wurde ebenfalls der sozial- demokratische Antrag, daß die Entlassung und Versetzung der Richter reichsgesetzlich geregelt wird, unterstützt. Danach wurden alle sozialdemokratischen Anträge abgelehnt. Um den Umfang des HilfsrichterunwesenS einzu- schränken, stellten die Freisinnigen den Antrag zum§ 10, wonach ein Richter nicht länger als ein Jahr als Hilfsrichter angesehen werden darf. Wiederum waren es die preußischen Verhältnisse, auf welche der Begründer dieses Antrages hinweifen konnte. Waren doch in Preußen im Jahre 1906 569 Richter als Hilfsrichter tätig! — Der Staatssekretär suchte diesen Beschwerden mit dem Hinweis darauf entgegenzutreten, daß fortgesetzt neue Richterstellen in Preußen geschaffen werden. Seit 1905 wurden 1000 neue Stellen eingerichtet. Die Verhandlungen wurden hier abgebrochen und auf Rifj« woch vertagt. Huö Induftrie und Ftandel Zur Frage der Fleischteuerung. Der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, geiverblicher und industrieller Vereine nahm entgegen seinen langjährigen Ge- pflogenheiten bereits jetzt schon seine Wintertätigkeit auf, um zu der dringlich gewordenen Frage der Fleischteuerung Stellung zu nehmen in der Erwägung, iwß das Bestehenbleiben des gegen- wärtigen Zustandes zu einer volkswirtschaftlichen und sozialpoli« tischen Gefahr zu werden droht. In seiner Vollversammlung vom 26. d. M., in der die dem Zentralausschuß angeschlossenen 107 Ver- eine und Verbände fast vollzählig vertreten waren, wurde nach einer eingehenden völlig Uebereinstimmung ergebenden Diskussion eine Resolution beschlossen, in der es heißt: Der Zentralausschuß hält unter Hinweis auf sein« Stellung« nähme vom 15. November 1906 für unbedingt geboten: 1. Die Erleichterung der Einfuhr von ausländischem Vieh, bor allem die Herabminderung der gegenwärtig prohibitiv wirkenden veterinärpolizeilichen Maßnahmen auf das notwendigste Matz. Ins. besondere sind aufzuheben die Einfuhrverbote für Schlachtvieh aus Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich und den skandinavischen Ländern, die Tuberkulinprobe der dänischen Rinder, die Kontingen- tierung der österreichisch-ungarischen Schtveine-Einfuhr und daS Verbot der Einfuhr von amerikanischen Rindern. Die Einfuhr dieser Vichgattungen des Auslandes ist unbedenklich, wenn sie, fei cs im Ausfuhr- oder im Einfuhrhafen, sei es beim Passieren der Grenz«, von deutschen Kommissaren untersucht und als gesund befunden worden sind, und wenn sie zur alsbaldigen Abschlachtung unmittcl- bar nach den öffentlichen Schlachthöfen überführt oder in zu diesem Zwecke errichteten Schlachthäusern, an der Grenze oder an den Küstenplätzen geschlachtet werden. 2. Die Erleichterung der Einfuhr von ausländischem Fleisch durch Aenderung des Fleischbeschaugefehes vom 3. Juni 1900, ins« besondere des Z 12 Nr. 1 Absatz 2 und Nr. 2 Absatz 2 sowie der hierzu erlassenen Verordnungen, um vor allem dem als vortrefflich anerkannten und billigen argentinischen Gefrierfleisch den Zutritt zu ermöglichen. 3. Aufhebung dezw. Ermäßigung der Zölle für Fleisch und Speck. 4. Herabsetzung der Eisenbahnfrachten für Vieh und Fleisch. Diesmal sang nicht der Chor selbst, sondern die jetzt von Artur Barth geleitete Madrigal-Vereinigung von 5 Damen und 4 Herren. Blicken wir zurück auf unsere jahrelangen Versuche, aus dem Berliner Musikleben nicht das Allbelievte. sondern das trotz eigenartiger Leistungen wenig Gewürdigte herauszugreifen, so freuen wir uns, daß wir die genannte Bereinigung bereits vor längerem ein oder das andere Mal hervorheben und auch jetzt wieder ihre sorgfältig durchgearbeitete Kunst anerkennen konnten. Hoffent- lich denken bald auch moderne Komponisten öfter daran, derartige Werkchen zu schaffen— vielleicht ausgerechnet dem Volkschor zu» liebe l ez. Humor und Satire. Die Wahlparole. »Ich habe mir lange den Kopf zersägt", so sprach er zu seinen Trabanten, »Denn seht, zu den Schwärmern gehöre ich nicht, die den Ernst der Lage verkannten, Heut Hab' ich sie endlich, und zetzt ist sie da, zu aller Germanen Woble, Jetzt darf ich es jubeln, mein Heureka! ich habe die Wahlparole! Sie ist meines Geistes Eigenprodukt, so blank und so scharf wie ein Messer, Sie macht sich gesprochen so gut wie ge» druckt, und telegraphiert noch besser, Berauschend wirkt sie, das sage ich an, wie eine Champagnerbowle, Ihr werdet bald sehn, was sie leisten kann, die wunderbare Parole. Mit dieser Parole im lärmenden Streit» gedenk' ich den Feind zu erschlagen, Mir fehlt nur noch eine Kleinigkeit, ein winziger Rest sozusagen, Mir fehlen nur noch, da drückt mich der Schuh, ich weiß nicht, woher ich sie hole, Ein paar Millionen Hammel dazu, die da springen nach meiner Parole!" _ l. Lustige Blätter".) Notizen. ---Theaterchronik. Am Sonnabend findet im Neuen VolkS-Theater(Neue Freie Volksbühne) die erste Aufführung von B j ö r n s o n s„Ueber unsere Kraft", 1. Teil statt. Frank Wedekind wird in der nächsten Premiere deS Kleinen Theaters in seiner einaktigen Theodizee„Die Zensur' auftreten. Vorher geht sei» Schwank„DerLiebeS- trank" erstmalig in Szene. B. Zulassung 6on ausländischem Mczerbich zu Mästungs- zwecken. Der Zentralausschuß nimmt ferner Gelegenheit, die gegen den Zwischenhandel und das Fleischergewerbe gerichteten Vorwürfe auf künstliche oder das Maß des Notwendigen übersteigende Vertcue- tung der Fleischpreise auf das nachdrücklichste zurückzuweisen.... Der Zentralausschuß erblickt schließlich in der Fleischteucrung letzter Instanz ein« weitere Folge der Erhöhung der Lebens- mittelzölle und vermag deshalb eine durchgreifende Abschwächung der durch sie bewirkten Verteuerung der Lebenshaltung nur von einer entschiedenen und bei einer Erneuerung des Zolltarifes mit allen Mitteln anzustrebeirden Reform der Lebensmittelzölls zu er- warten. »« * Die„Deutsche DagcSzcitung" weist darauf hin, daß Eingaben wegen der Fleischnot an den Reichskanzler und an daS Reichsamt des Innern deshalb keinen Erfolg' haben können, weil nach einer Mitteilung des Fürsten Blllow Bundesrat und Reichsregierung be» schloffen hätten, solche Fragen dein preußischen Landwirtschafts- minister zur Erledigung zu überweisen. Die Beschwerde gegen den preußischen Landwirtschaftsminister, die von den Fleischern an den Reichskanzler gerichtet werden soll, müßte sonach vom Reichskanzler dem preußischen Landwirtschaftsminister übergeben werden und der hätte dann in eigener Sache zu entscheiden. Das agrarische Blatt fügt noch hinzu, daß, wenn die bayerische Regierung einen anderen Standpunkt einnehmen sollte als wie die preußische, so würde Bayern wohl erfahren, daß die Mehrheit des Bundesrats die Anschauungen des preußischen Landwirtschaftsministers teilt. Nach dieser„Anweisung" wird sich die bayerische Regierung natürlich fügen nrüssen. Wenn dazu die Angst vor den Junkern allein nicht genügen sollte, wird der ultramontane Einfluß tüchtig nachhelfen. Der Lebensmittelwucherblock hält zusammen. Die Stadtverordnetenversammlung in G ö r l i tz beschloß nahezu einmütig, beim Deutschen Städtetag zu beantragen, in einer Petition an den Bundesrat geeignete Maßnahmen zur Milderung der außerordentlichen Fleischteuerung vorzuschlagen. Der Magistrat erklärte seine Zustimmung zu diesem Antrage. Die Stadtverordneten in K ah la(S.-A.) nahmen einstimmig einen sozialdemokratischen Antrag an, der die Stadtbehörde auf- fordert, mit allen Mitteln der Fleischteuerung entgegenzuwirken. • �• Die Elbinger Stadtverordneten-Versammlung beschloß nahezu einstimmig die Absendung einer Petition an die Regierung und den Reichstag, in der die schleunige Ocsiming der Grenzen. Herabsetzung der Frachtsätze und Aushebung der Zölle auf Vieh, Fleisch- und Futtermittel verlangt wird._ Stahlwrrksverband. Zu einer Apologie der Verbände und Syndikate hat der Stahl- Werksverband seinen letzten Jahresbericht auswachsen lassen. Das erklärt sich aus der Situation. Die tatsächliche EntWickelung ist über den Rahmen deS Stahlverbandes hinausgewachsen. Für manche Werke bildet er eine Fessel, deshalb soll er ein dienstwilliges Instrument zur Eroberung der Alleinherrschaft für einige Montan- riefen werden. Bei solchem Bestreben kommt man natürlich wieder mit anderen Interessen in Konflikt. Da mutz den nicht zum Mit- beraten Berufenen klar gemacht werden, datz sie ohne Verband ganz schutzlos sein würden, der Zusammenschluß die Verhältnisse ganz allgemein und auch für sie günstiger gestaltet habe. Und schlietzlich erhält man ein unter Schmerzen zur Welt gebrachtes Kind gern am Leben. wenn es auch fichtbar den Todeskeim in sich trägt. Den sachlichen Angaben des Berichts entnehmen wir folgendes: „Trotz der auf dem Weltmarkte eingetretenen Erhöhung des Preisniveaus glaubte der Verband die Inlandspreise für Halbzeug und Fonneisen während des ganzen GeschäslsjahreS beibehalte» zu sollen. Da der Verband durch die im Vorjahre erfolgte Herab- sctzung der Preise für Halbzeug und Formeisen während des ganzen GeschäslsjahreS mit diesen niedrigen Preisen zu rechnen hatte, so blieb das geldliche Ergebnis trotz des höheren Absatzes hinter dem vorjährigen zurück. In einem scheinbaren Widerspruch zu der letzten Bemerkung steht die Tatsache, datz die Mitglieder de« Stahlwerksverbandcs im Jahre 1909/10 zum größten Teil besser abgeschlossen haben als im Vorjahre. Aber das erklärt sich daraus, datz die Werke an dem Ge schüft in L-Produkten(namentlich Stabeisen, Blechen und Draht) mehr verdienten als im Jahre vorher. Es zeigt sich hier wieder einnial. wie sehr die Bedeutung der nicht syndizierten Produkte im Wachsen begriffen ist.., Der Gesamtversand an Produtten A stellte sich auf 215 215 Tonnen höher als im Vorjahre; an Halbzeug wurden 155125 Tonnen mehr versandt, an Formeisen 28« 332 Tonnen mehr, während Eisenbahnmaterial einen weiteren Rückgang gegenüber dem Vorjahr und zwar um 22« 292 Tonnen ausweist. Zu den Beteiligungsziffern verhält sich der Versand in 1909/10 wie folgt: Der Halbzeugversand übertrifft die Beteiligung um 202 585 Tonnen oder 14.78 Proz., dagegen bleibt der Versand in Eisenbahnmaterial um«57«95 Tonizen oder 27,27 Proz. hinter der Beteiligungsziffer zurück und der von Formeisen um 710 834 Tonnen oder 29,61 Proz.— Der Gesamtversand an Produktion A bleibt mit 5 017 213 Tonnen hinter der Beteiligungsziffer von 6 183 1S3 Tonnen um 1 1S5 950 Tonnen oder 13,89 Proz. zurück." Der Berichterstatter meint, datz, wenn auch manche Hoffnungen in dem vergangenen Geschäftsjahre getäuscht wurden, so weise doch der Versand in den einzelnen Monaten mit wenigen Ausnahmen erfreuliche Fortschritte auf. Die Frage der Ermäßigung der Güter- tarife werde in entgegenkommender Weise behandelt, und vor allem die von der preußischen StaatSeiscnbahnverwallung als gerechtfertigt anerkannte Herabsetzung der AbferligungSgebühren werde Hoffettstich recht bald verwirklicht. In der Hauptversammlung deS Stahlwerksverbandes am Dienstag wurde über die Geschäftslage mitgeteilt: Das Inlands- geschäft in Halbzeug verlief zufriedenstellend, und der Abruf er- folgte wie seither in normalem Umfange. Bemerkenswerte Ver- änderungen sind seit dem Julibericht nicht eingetreten. Im Aus- lande gestaltete sich der Markt bei anziehenden Preisen lebhafter, und es zeigte sich gegen früher gesteigerte Kauflust trotz der weniger günstigen Nachrichten auS Amerika und der Arbeiterschlvierigkeiten in Großbritannien. In schiverem Eisenbahnoberbaumateria! be° wegt« sich der immer nvch unerwünscht niedrige Absatz entsprechend den reduzierten Bestellungen der deutschen Staatsbahnen. Die er- hebliche Steigerung des Auftragsbestandes gegenüber dem Vorjahr ist in der Hauptsache auf die Hereinnähme größerer Ausfuhr- mengen zurückzuführen. In Formeisen war das Jnlandsgeschüft im großen und gairzen befriedigend, und der Auftragsbestand erfuhr seit dem Julibericht eine Zunahme von rund 90 000 Tonnen Roh- stahlgewicht. Das Auslandsgeschäft, das seither zufriedenstellend verlief, beginnt mit der vorrückenden Jahreszeit ebenfalls in ruhige Bahnen einzulenken. Im ganzen war der Exportabsatz im ersten Semester dieses Jahres um rund 80 000 Tonnen Rohstahlgewicht besser als im Vorjahr. �. Zar drohenden Aussperrung der Metallarbeiter. Von de» verschiedensten Seiten ist bereits darauf Hingelviesen worden, welck-e unheilvolle wirtschaftliche Folgen die angedrohte M a s s e n a u s s p e r r u n g in der Metallindustrie über den Rahmen deS betroffenen Industriezweiges hinaus auf ganz unbeteiligte Kreise, ja auf das gesainte deutsche Wirtschaftsleben zurzeit ausüben muß. Im laufenden Jahre hat sich, nachdem bereits im Vorjahre in der gesamten Eisen-, Metall- und Maschinenindustrie eine Besserung der Arbeitsverhältnisse eingetreten war. eine erfreuliche Entlastung de» Arbeits Marktes durchgesetzt. Die Besserung ersieht man aus der nachstehenden Zusammenstellung des Andranges Arbeit- suchender auf je 100 offene Stellen: Jan. 1909 Auq. 1910 Wnahmed. Andranges Metallarbeiter..... 395,73' 273,23— 122,50 Schmiede...... 375,84 191,86— 183,98 Banschloffer...... 613,50 224,08— 389,42 Blechner, Installateure.. 410,20 156,45— 253,75 Masch.-Schlosser.Meckaniker 469,50 330,09— 139,41 Elektrotechniker, Monteure. 576,40 200,53— 375,87 Sonstige Eiieiiarbeiier.. 470,20 332,95— 137,25 Eisen, Metalle u. Maschinen 408,73 198,47— 210,28 Neben der Feststellung dieser Besserung der Verhältnisse am Arbeilsmartt in dem von, Arbeitskampf bedrohten Industriezweige, die bei dem Eintreten der Massenaussperrung einer Stagnation am Arbvitsmarkte weichen mutz, dürfte auch ein Hinweis darauf von Interesse sein, datz unter den deutschen Metallindustriellen eine gegenseitige Streikversicherung besteht. Jede Ver- sicherung soll ja eine Sicherheit gegen wirtschaftliche Schädigung bieten, deren Eintreten in keiner Weise durch den Versicherten bcein- stutzt werden kann. Die erste Voranssetznng und Grundlage des Bersicherungsprinzips ist jedoch bei einer Slreilversicherung nicht vorhanden, da auch der Arbeitgeber einen erheblichen Einfluß auf die Entstehung von Arbeilekämpsen hat, der in Zeile» einer ungünstigen Geschäftslage mißbräuchlich ausgenutzt werden kann. Die Gesellschaft des Gesamtverbandes deutscher Metalliudustrieller zur Entschädigung bei Ar- beitseinstellnngen umfaßt nach dem Gelchäflsberichlsberrchl des Jahres 1909 insgesamt 706 Mitgliedsfirmen mit einer Zahl von 156 882 Vollarbeitern und die versicherte Jahrcslohnsumme stellte sich aus 205 342 803 M. Die Höchstentschädigung, die den Bettieben gewährt wird, beträgt bei Firmen, die bis 10 Arbeiter beschäftigen 50 Proz. deS Tagesverdienstes und schwächt sich für je 10 weitere Arbeiter um 1 Proz. ab bis zu den Großbetrieben mit mehr als 250 Arbeitern, deren Entschä dlgung durchgängig mit 25 Proz. festgesetzt ist._ Bedeutende Gcwinnsteigcrung. Nach dem Ausweis des Nord- deutschen Lloyds für die ersten sechs Monate des laufenden Jahres belaufen sich die Bcttiebsüberschüsse unter Abzug der General- Unkosten und Zinsen auf rund 9,2 Millionen Marl gegen 5 Millionen Mark in der gleichen Zeit des Vorjahres. Soziales. Bon der Nahrungsmittelindustrie. Der Jubiläumsbericht der Nahrungsmittelindustrke-Berufs- genossenschaft, zu welcher bezeichnenderweise auch die— Badeanstalten gehören, konstatiert, daß im Berichtsjahre 1909 allein 1288 Betriebe neu aufgenommen wurden und eine Nachtragsumlage von über 25 000 M. hierbei eingezogen werden konnte. Die spar- samcn Unternehmer hatten jahrelang die Anmeldung ihrer Be- triebe—„vergessen". Die Zahl der versicherten Betriebe stieg von 11 613 auf 12 543, die Zahl der Vollarbeiter von 139 772 auf 152 129. Außer 748 Badeanstalten sind hauptsächlich in dieser Berufs- genossenschaft versichert: Bäckereien und Brotfabriken 7943, Schoko- ladefabriken 497, Hotels 755, Heilanstalten 439 usw. Der Bericht meldet, daß im Geschäftsjahre nur zwei Vorstandssitzungen statt- gefunden haben.... Gemeldet wurden neu 4311. Stock, Zimmer 94(früherer Saal 8). G-schästSzeit: vormittags 8—1 Uhr, nachmittag« 4—7 Uhr, Sonn- abends bis 6 Uhr abend» geöffnet. 183/14 Der Torstand. Orts-Krankenkasse Wittenau, Lübars-Waidmannsiust u. Hermsdorf. Das Kasscnlokal der Ortskrankenkaste Wittenau, Eüdars- WaldniannHlnst nnb Hermsdort befindet sich jetzt Witte«««, Lübarser Straste 1, 1 Treppe. Kassenstunden werltäglich 8—1 Uhr. Sonn- und Feiertags geschlossen. 113eb Der Borstand. I.A.: k». stlenaet wSscht schnell, mühelos und billig bei grösster Schonung der WisohSl Alleinige Fabrikanten: Henkel& Co., Düsseldorf, i auch der seit 34 Jahren weltbekannten Henhel's Bleich Soda. Fabrik- Niederlage für Berlin und Vororte: Job. Schmalor, Berlin Bi. 4, Tleckatr. 10. 4* eigene Oampfer 1 Sssen Sie Seefisehe! Seefiscbe sind gesund, nahrhaft u. wohlschmeckend. Ton mttwoch trüb 8 Uhr an verkaufen wir: (f. 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Stabenow, Berilnerstr. 146 Terlelh-Inatitnt: Friedrichs!. 1 16/1, aOrabg. "Tot. Elcg. Frack, Gehrock l.S0�oIe1.00. WesteSOPs teppdecken kaust man am besten u. preiswertesten direkt Sabril Bernhard Strobmandel. Benm. 72. Vallstr. 72. zwischen stell- u. InselstraBe. Alte Decken werden ausgearbeitet. BRENNSPIRITUS _ darf im Kleinhandel vom 1. Oktober 1910 ab nur in Behältnissen verkauft werden, die den Bestimmungen des neuen Branntweinsteuergesetzes gemäß verschlossen u mit Angabe des Alkoholgehaltes versehen sind. Beim Einkauf achte man»ui Etiketten und unversehrte Ver«chluB«iche*nngen der Flanohen. Unbeschädigter VersoHluB gewährleieiet richtigen Inhalt und richtige Gradstärke. Vorschriftsmäßig in Flaschen abgefüllten, verschlossenen n. etikettierten Brennspiritus Marke„Herold� ?? in den zur Bedienung von Spiritus- Lampen:: Spiritus- Kochern:: Spiritus- Bügeleisen etc. erforderlichen Ornndstärken von (86,0 a#...*/.) 90 Voll"" 95 Vol.-' (92,4 Gew.-' Bentiger Preis für die q Uterflascbe liefert für Berlin und Umgegend 30 Pf. 33 Pf. ausschl. 15 Pfennig Flaschenpfand. m. b. H. wohin wir Bestellungen der Herren Wiederverkäufer erbitten. Spiritus-Zentrale bes�rf'�IU Berlin tf. 8. w ar�s w w t- Uampen nnd Brenner,-Kocher aller Art, §-*' H Bor 8 I I J �4• BUgelelncn nsw. in nur erprobten und b e- �*• währten Ausführungen erhältlich im Spiritus-Zentrale FrSclatr.»«. Ausstellung Vorkaufs-Lo nnd der Ortskrankenkasse für das TSpfergkioerde p Kerlin. Der in der Generalversammlung vom 27. Sipril d. I. beschlossene fiebente Nachtrag zum Kassenstalut Hat die Genehmigung des Bezirks- Ausschusses gesunden und tritt am Montag, den 3. Oktober 1910, in Krast. Der Nachtrag enthält außer der Verminderung der Karenztage von drei aus.zwei"(8 18) eine Erhöhung der Angehörigenunterstützung von bisher die Häislc aus zwei Drittel des KrankeilgeideS(S 14). Ferner erhalten Mitglieder, welche der Kaste mindestens 6 Wochen un- unterbrochen angehöret:, Unterstützung sür Familienangehörige, und zwar: sür ihre Ehefrau eine Schwangeren» Unterstützung in Höhe von 15 M., sowie ein Sterbegeld sür die Ehefrau von 30 M. und sür ein Kind von de« Nachtrags find 15 M.(Neuer ß 20a.) ckexemplare de«! aus der Kaste erhältlich.'" 278/1 Druö Bor Vonstand. H. John, M. Markmann, Vorsitzender. Schrislsührer. Möbel billig— wenn Sie mein seit 38 Jahren bestchendenS Geschäft benutzen. MShsI-Vcfsciilt-ta Wilhelm Hamann BERLIN N. 58 Schönhauser Allee 42. KflSSÜ 60/o Teilzahlung. Fahrgeld vergütigt H.. Berliner........ umsr-lDuatteN __ v Crtuer. Kastanie w-Hll»« 40 Bruch-Pollmann empfiehlt setnSagcr in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern. 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Rege Beteiligung erwartet 43/11 Die Ortsverwaltnng. Deulsclier Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Akax im kaum vollendeten 13. Lebens- jähre gestorben ist. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28, September, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Rixdorscr Gc- metnde-Friedhoses am Marien- dorser Weg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 90/12 Die Ortsverwaltung. Wand der Fabrikarbeiter Uotalüchlanda. Zahlstelle Gr-Berlin. Bez. Tegel. Am Sonntag, den 25. September, ist unser Mitglied Ernst Mteter verstorben. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 29. September, nachmittags 4 Uhr von der Halle des Borsigwalder FriedhosS"aus statt. Stege Beteiligung erwartet 34/2 Ole Ortsverwaltung. Verband der Steinsetzer, Pflasterer u.Bernlsg. Deutschlands Filiale Groß-Berlin. Bezirk Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege (justav Blaßmann am 26. September im Alter von 59 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet am Domierstag, den 29. d. Mts.. nachmittags 3 Uhr, vom Lazarus- Kranlenbause, Bcrnauer Straße, auS nach dem Elisabeth-Kirchhos. Prinzen-Allee, Ecke Wollanlstraßc, statt. 175/13 Rege Beteiligung erwartet Der Borstand. vesnirnaxvingt. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem schmerzlichen Ber- lust meines lieben Mannes und unseres Vaters »run« Schröder besonders den Kollegen der A. E.-G. sagen wir unseren herzlichsten Dank. TVItwe Adelheld Schröder 1137b nc&st Kindern. Vorjährige finter-Paletots | Herbst-Anzüge jetmt 20—40 Hark. Täglicher Verkauf. Kavalier-Klub, Unter den Linden 61». (i Haben Sie Stoff? /c* lernet davon Anzug od. Paletot noch Mass, schick, dauerh. Zutaten, von 20 Mark an. Moritz Labend, Neue Promenaden, II.(Sidtb. Börse). "1 i) Extra- Abteilung I I. Gesch.; Berlin W., Mohren- 1 StraBe37af2. Haus von der| Jerusalemer StraSe). 1 II. 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M'ahlkrcis: Leo Zucht, Jmmanuelkirchstr. 12(Hof). ß. �Valilkrcl»(tlloablt und Hansaviertel): Karl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. �Vedd ing: Karl W e i ß«. Nazarethkirchftraße 49. Iloiseiithaler und Oranienburger Vorstadt: Wilhelm B a u m a n n, Bernauerstr. 9, vorn�part. Oenundbriinnen: F. Trapp, Stettmerstr. 10. Sebönbauuer Voi'Ntadt: Karl Mars, Lychenerstr. 123. A dlernhof: Karl Schwarzlose, Hoffmannstr. 9. Alt-Olirnlcke: Wilhelm Dürre, Rudowerstr. 83 II. Nanninchiilenu eg: H. Hornig. Manenthalerstr. 13, I. Nernau, Röntgental, Zepernick, Schönow und Schön- brück: Heinrich»rose, Hohesleinslr. 74, Part. HobnKdorf und Faikcnberg: Alois Sauf, Bohnsdorf, Ge« nossenschastshauS.Paradies". Qharlottcnburg: Gustav Scharnberg, SesenHeimerstraße 1, Ecke Goelbeslraße, Laden. Elchwalde. Zeuthen, JUerxdorf und Ilankels Ablage: Oskar Mahle, Eichwalde, Slubenrauchstr. 99. Erkner: Ernst H o s s m a n n. Friedrichshagener Ehausiee. �'rederWdorl-I'eter>«hagen: E. Höselbarth, PeterShagm. 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Reinickendorf» Oot, Wllhelmarah und Schönhols: P. G u r I ch, Kamekestr. 12, I. Rixdorf: M. H e i n r i ch, Neckarstraße 2, im Laden. Rumniei-burg, Roxbagen:A. Rosenkranz. M-Boxhagen 56. Schmargendorf: Gustav K a m i N S k y, Eunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bau ml er. Martin Lutherstr. 51, im Laden. Spandau: Koppen, Jagoivslr. 9. Tegel, BorMigwalde, Wittenau, Waidmannitlnat, llerniadorf und Reinickendorf- Weat: Paul Kienasl, Borsigwalde, Räuschstraße 10. Teltow: Wilhelm Bonow, Teltow, Zehlendorfer Str. 4. Tenipcibof: Albert Thiel, Friedrich Wichelmstr. 20 Treptow: Rob. Gramenz, Kleshol�straße 412, Laden. Welßenaee: K. Fuhrmann, Sedanstr. 105, parterre. H llnieradorf- Halensee: Paul Schubert, WihelmSaue 26, Hos parterre. Sämtliche Parteiliteratur sowie alle wlssenschastlichen Werke werden geliefert. Annahme von Inseraten für dt«„Vorwärts". I 245/1 Bitte anaachnclden. 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Blusen, Hü*e etc DEUTSCHE BANK BERLIN W., Behrenstraße 9-13 Zentralleitung der Depositenkassen; W., MäUCrstf. 28 Aktienkapital......... 200 000 000 Mark Reserven.......... 105 726 000 Mark Im letzten Jahrzehnt(19i-0— 1909) verteilte Dividenden: 11,11, 11, 11, 12, 12, 12, 12, 12,12Vj0/o. Zweigniederlassungen: Bremen, Brüssel, Dresden, Frankfurt a. M., Hamburg, Konstantinopel, Leipzig, London, München, Nürnberg. Depositenkassen: Augsburg, Meißen, Wiesbaden. Depositenkassen in Berlin: w. MauerstraDe 26— 27....... Potsdamer Straße 134a...... Königgr&tzer Straße 6...... Potsdamer Straße 96(a. d. Bülowstr.) Kurfürstenstraße 115—116..... UTW.: Alt-Moabit 129(Ecke Werftstraße) i Tormstraße 51......... STV.: Jerusalemer Straße 41(DönhoSplatz) Belle-Allianoe- Platz 2...... Ritterstraße 48......... Belle-Allianoe-Straße 21..... Friedrichstraße 209(Ecke Kochstr.) Kasse A* : cd :£- K FG» H O EF HJ» PQ Oranienstraße 140 S.; BT.: Chausseestraße 17........ Schönhauser Alle 9— 9a..... Reinickendorfer Straße 2..... Brunnenstraße 24........ Bad-Straße 56,....... MO.: Landsberger Straße 89.... j, Greifswalder Straße 2...... O.: An der Jannowitzbrücke 4..., Frankfurter Allee 89....... SO.; Dresdener Straße 3(Kottbuser Tor) Köpenicker Straße 30...... C.: Königstraße 41— 42....... Am Spittelraarkt 8— 10..... Hackescher Markt 1......, Charlottenbnrg: Berliner Straße 66...... Savignyplatz 6........ Kantstraße 162........ Kurfürstendamm 188—189.... Tauentzienstraße 21—24..... Bismarckstraße 84....... Friedenau: Rheinstraße 17........ Lichtenberg: Frankfurter Chaussee 152a... Potsdam: Am Alten Markt 17...... Rixdorf: Berliner Straße 102...... Depositenkassen in den Vororten: Kasse J* , Q* „ R* „ KL» „ NO* . OP* . Y* . KS* Scböneberg: Kaiser-Wilhelm-Platz 2..... Martin-Luther-Straße 5..... Bayerischer Platz 1...... Spandau: Markt 4........... RtegUtz: Schloßstraße 88........ Weißensee: König-Chaussee 34...... Wilmersdorf: Kasse L ii . JK „ N* . MN* n p . DE* , T « OK* " g : i Kasse TT* „ AB* „ ST* . BP* . GH* . LM* Uhlandstraße 57 WWW S Schaperstraße 1.........„ BC* Die mit einem* bezeichneten Kassen besitzen Rtahlkammerelnrlchtnng. Die Depositenkassen eröffnen Geschäftetreibenden, Industriellen und Privaten laufende Konten für den Depositen- und Scheck-Verkehr und besorgen den An- und Verkauf von Wertpapieren, fremden Geldsorten, Schecks und Wechseln auf das Ausland, die Ausschreibung von Kreditbriefen, die Ausgabe von Welt-Zirkular-Kreditbriefen, zahlbar an all. Hauptpl&tzen der Welt, etwa 1800 Stellen, die Diskontierung sowie Einziehung von Wechseln, die Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren, die Versicherung von Wertpapieren gegen Kursverlust im Falle der Auslosung, die Einziehung der abzutrennenden Coupons, Beschaffung und Unterbringung von Hypothekengeldern. Nachlall- und Vermögens- Verwaltung, Uebernahme von Testamentsvollstreckungen. Sanderabteilung für Diskontierung von Buchforderungen. Stahlkammern. Die Stahlkammern der Depositenkasson stehen unter eigenem Verschluß der Mieter und eignen sieh zur Äulbewahriiiig?on Wertpapieren, Bypotheken-DokumenteB, ürkunden, Wertgegenstänilen nnd SenmntkssclieD. Die Vermietung dieser Sehrankfächer erfolgt je nach Wunsch auf beliebige Zeit. jungen für den Depositenverkehr und die Benutzung der Stahlkammern nebst Be» .er letzteren werden an den Schaltern dar Kasaen Mugehändigt. Bedin, Schreibung c Die Deutsche Bank ist mit ihren simtllchen Zweigniederlassungen und Depositenkassen amtliche Annahmeittclle von Zahlungen für Inhaber von Scheck-Konten bei dem Kaiserl. Könlgl. Oesterreichischen Postsparkassen-Amte in Wien. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, HnWimt„, Diarrhöe, tototo. Darmkatarrh, etc. Or. Simmel Spezial-Arzt' für Haut- und. Harnleiden. Prinzensir. 41, Ä,!?«. 10—2, 6— 7. Sonntags 10—12, 2— 4 Es gibt keinen BlQmchen- Kaffee mehr, seitdem die günstige Einwirkung des „Aechten Franck- Gries mit der Kaffeemühle" auf Gehalt und Geschmack des Kaffees allgemein bekannt geworden ist ..„Zum Kaffee gehört Franck-Gries",... diese Ansicht ist für jede rechnende Hausfrau feststehend. Aber aufpassen müssen Lie. daß man Ihnen keine billigen Nachahmungen verabfolgt. Das echte Fabrikat trägt als Kennzeichen die„Kaffeemühle" und den Namen„Franck". Verantwortlicher Redakteur Richard Vorth, Berlin. Für den Inseratenteil verantv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Luchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& So* Berlin SW, 9,227. 22.1.5,« 2. Jlciliiijf htg Amltlls" Krlim Nolksdlck. Wwch 28 s, Mb, Ruq der frauenbewegung. Arbclterinnen, lest die Parteiprcsse! Jeder Arbeiter, der die bürgerliche Presse abonniert, begebt geistigen Selbslmord. Die so�inlislische Presse ist aus unscheinbaren Anfängen zu einem wirksamen Instrument— nicht des Hnnmels, sondern des klassenbewutzien Proletariats— berangewachsen. Das kümmerliche Pflänzchen hat sich zu eine», mächtigen Baume ciit- wickelt, der allen reaktionären Wirbclslürmen Trotz bietet. Sie ist das ureigenste Werk der Arbeiter, von ihrem Gelde geschaffen und erhalten, von vroletarischem Geiste beseelt und geleitet. Diese Presse allein kann unentwegt für die Interessen der arbeitenden Bevölkerung in allen Fragen Stellung nehmen, und sie tut es ohne Rücksicht aus irgendwelche Sonderinteressen. Sie braucht nicht äugst- lich bemüht zu sein, nicht da und nicht dort anznstohen, ivie die sogenannte«unparteiische" Presse, sie kann konsequent ihren Kurs auf das große, selbstgesteckte Ziel velfolgen. Der Charakter der sozialistischen Presse bedingt es natürlich, daß die sozialdemokratischen Organe manche Gepflogenheiten der biirgcr- lichen Spektakelblätter nicht mitmachen können, die sich vorwiegend Von Zlnatsch und Tratsch erhalten und mit Vorliebe den Lebens- gewohnheiten und Bettgeheiinnissen bekannter Personen nachspüren, um sie brühwarm ihrem Lesepubliknm vorzusetzen. Der Seniations- Hunger des kritiklosen Publikums muß auf jeden Fall befriedigt tverden. Das bringt hohe Abonncntenziffern und viel Geld in den Beutel. Dem Kapiralmanne ist es ganz gleich, ob sich sein Geld in einer McimmgS- oder einer Stärkefabrik verzinst, die Hauptsache ist, daß. es überhaupt Zinsen und möglichst hohe trägt. Da heißt es voi sichtig lavieren, nicht oben und nicht unten, weder rechts noch links anstoßen. Manche dieser Blätter besitzen die wunderbare Virtuosität, einen demokratieschnaubcnden, volkszornichwangeren Lcit- artikel zu bringen, um unter«Lokale Nachrichten" in Loyalität und Patriotismus zu machen und vor den Großen der Gesellschaft winselnd auf dem Bauche zu liegen. Man versichert die aus- gesperrten Opfer brutaler Unternehmerwillkür seiner wärmsten Sympathie und bringt alltäglich im Inseratenteil unbekümmert Streikbrecherannoncen. Ein ganz besonderes Gebiet ist die Pflege des ekelbaftcsten Servilismus und Byzantinismus, der Fürsten- Verherrlichung und Fetiichanbeterei, um derentwillen die decitiche Nation schon längst zum Gcspötte des Auslandes geworden ist. Diese Art journalistischer Brunnenvergislung wird besonders in der Schcrlprcsse gepflegt. Ihre Reporter hocken auf de» Hintertreppen der fürstlichen Wohnsitze und spitzen die Ohren, um etwas zu erhaschen, sie drücken sich in den Vedientenstuben herum und schnüffeln in allen heimlichen Winkeln der aller- höchsten Herrschaften nach branchbarem Material. Das Publikum wird förmlich gemästet mit diesen Hofnachrichten. Es muß wissen, was die Herrschaften effen, was sie trinken und— was fie sonst noch machen. Schule, Kirche und Kaserne arbeiten schon vor und sorgen dafür, daß weite Kreise des Volkes diese Kost ertragen können oder geradezu nach ihr verlangen. Leider drängelt diese Reptilienprcsse sich auch in Arbeiterkreise hinein und viele Frauen mögen sie noch nicht entbehren und verschließen damit der Arbeiterpresse den Eingang. Sie nähren eine Schlange am Busen. Sie unterstützen unbewußt ihren Feind, der ihnen zum �.ohne hundertfältige Wunden schlägt. Daß sie den Brot- und Fleisch- verteuerern, den Äusplündcrern des Volkes, den Räubern und Ver» weigerern aller Volksrcchte, den Feinden der Gleichberechtigung der Frau, den Stützen der Regierung, den Hütern der Reaktion Helfers- dienste leisten und sich selbst den Weg zum Aufstieg versperren, wissen diese Verblendeten nicht. Hier tut Agitation und Aufklärung lioch dringend not. Hier muß jeder Genosse, jede Genossin Hand -- anlegen und einstimmen in den Ruf: Hinaus aus dem Hause mit der Schandpresse I Lest die Arbeiterpresse! Leseabende. Friedenau. Heute abend bei Schöncfeld, Rheinstr. 31: Vortrag der Genossin Schulte über:»Heinrich Heine". Hus aller Melt. fromme Kurpfureber. Die Schwestern der M a r i e n a n st a l t in W ü r z b n r g ver- sorgten die gläubige— und ungläubige— Menschheit nicht nur mit Gottes Wort, sondern auch— mit Mitteln gegen Blutstockung und Men st ruationsbeschio erden. Unter dem Namen „Stahlpulver" verkaufien sie für S0 Pf. an jedermann, sogar an Kinder diese Mittel, die besonders von Frauen und Mädchen, die sich in Nöten befanden, gesucht waren. In der Gebrauchs- a n w e i s u n g, die den Pulvern beigegeben ist, wird verordnet, daß die Pulver neun Tage nacheinander morgens und abends genommen werden müssen, und dann heißt es:»Täglich betet man drei Vaterunser zu Ehren des göttlichen Herzens Jesu!" Der Ehemann einer Frau, die sich auch das Mittel geholt hatte, war etwas mißtrauisch und ließ es chemisch untersuchen. Das Pharmazeutische Institut der Universität Verlin stellte folgendes eigentümliche Aixtum compositum fest:„E i s e n f e i l e(I), Zimmt und eine kleine Menge kohlensaurer Kalk(wahrscheinlich in Form von gestoßenen Eierschalen)". Ein anderes Institut fügte dem noch hinzu:«Selbstverständlich ist der Dreck gesundheitsschädlich und polizeiwidrig. Kein Hundsmagen verträgt das Zeug." Die frommen katholischen Ordensbrüder und-Schwestern ver- stehen sich aufs Geschäft. Die einen brauen Bier, die anderen mischen Schnaps und hier wird zur Abwechselung in Ab- trcibungsmitteln gearbeitet. Und das alles im Namen Gottes, den sie beständig aus den Lippen führen. Von, Wüten der Cholera. In den letzten 24 Stunden sind in der Stadt Neapel fünf neue Cholerafälle und drei Todesfälle an Cholera festgestellt worden. Aus der Provinz Neapel werden drei neue Cholerafälle und e i n Todes- fall gemeldet. In Apulien ist ein Todesfall vorgekommen. Das Städtische Gesundheitsamt von Rom erklärt, daß in der Stadt kein neuer Cholerafall, auch kein neuer chqlera- verdächtiger Fall vorliegt. Von den drei Erkrankten der vor- hergehenden Tage ist einer geheilt und zwei befinden sich auf dem Wege der Besserung. In Kopenhageu wurde bei einem Matrosen, der auf einem aus Petersburg kommenden Danipfer unter cholera- verdächtigen Erscheinungen erkrankte, asiatische Cholera festgestellt. ........— In Trapezunt sind nach einem Telegramm aus Konstantinopel am 25. September 25 Personen an Cholera erkrankt und 9 gestorben._ Aus verschmähter Liebe. Eine Liebestragödie, bei der zwei Mädchen durch Revolver- schüsie verletzt wurden, während der Täter Selbstmord verübte, spielte sich in G ilh r e bei Stendal ab. Der 24jährige Sohn Fritz des dortigen Schmiedemeisters Krümmel, der bei seinem Vater als Ge- selle arbeitere, hatte seit einiger Zeit eine heilige Zuneigung zu der im väterlichen Hanse tätigen l7jährigen Wirtschafterin gefaßt, wurde jedoch von dem Mädchen stets abgewiesen. Der verschmähte Liebhaber sann auf Rache. Als iein Vater mit dem Lehrling nach Stendal ge- fahren war, blieben Fritz Krümmel, die Wirtschafterin und seine etwa lßjährige Cousine im Hanse zurück. Nach der gemeinsamen Mittagsmahlzcit begab sich der junge Mann aus der Küche nach seinem Zimmer: plötzlich erschien der junge Krümmel wieder in der Küche und feuerte ohne jeden Wortwechsel mehrere Revolverschüsse aus die Wirtschafterin und die mit ihr befreundete Cousine ab und eilte davon. Während die Wirtschafterin von einem Streifschuß am Ohr getroffen ohnmächtig zu Boden sank, stürzte die Cousine, schwer in den Rücken getroffen, zum Hause hinaus und brach auf der Straße zusammen. Krümmel erschoß sich, auf dem Bettrand sitzend, in seinem Zimmer. Kleine Notizen. Eine sanicre Erzieherin. In Mainz hat da? 24 jährige Kinder- mädchen Antonie Roll den 13jährigen Sohn eines Haupt- manns, bei dem sie in Stellung war. verführt. Sie wurde gestern von der Frankfurter Strafkammer zu 1« Monaten Gefängnis verurteilt. Die Lungcnpest in Odessa. Durch bakteriologische Untersuchung ist in Odessa der erste Fall von Lungenpest festgestellt worden. Der Kranke war im Krankenhause untergebracht worden, denn die Pest wurde e r st nach seinem T o d e bei der Sektion festgestellt. Der Ueberflicger der Alpen gestorben. Der bei seinem Fluge über die Alpen in D o m o d o s s o l a abgestürzte und schwer ver- mundete Aviatiker C h a v e z hat sein kühnes Wagnis mit dem Tode büßen müssen. Er ist gestern nachmittag nach schwerem Todeskampfe seinen Verletzungen erlegen. Untergang einer Kricgsschaluppe. Im Hafen von Sewastopol ist ein Unterseeboot mit einer Dampfschaluppe zusammengestoßen. Die Schaluppe ist untergegangen. Ein Matrose, st er» trunken. Witteriinasnderltcht vom 87. September INI», morgen« 8 llbr. Wetterprognole für Mittwoch, den 88. September lSlv. Nachts etwas milder, am Tage ein wenig lühler bei mäglgen südwest- lichen Winden und vorübergehender Trübung ohne erhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Erfijftwniff SmsiiJsmMl den 1. Oktober w. Leipzigorstezs wawciahi niuKlerraas w, Kcntygrätzerstr. Hotel Fürstenhof s. Oranienstr. iss/ssumMorffzpL E«K« Frfnse*Hnnen»tK» OreiThtpfea Kaol flQssige Motall-Polltgr machen das schmutzigst� Metall spiegelblank in Plasohen von 10 bl* 60 Pfannle Uebarall zu haben. Fabr.: Lnbszynskl& Co., Berlin NO. der Hausfrauen an grossen Wasche» ral Reinigungstagen: 1. Erleichterung der Arbelt, 2. gründliche Reinigung und 3. Erzielung einer schneeWeisseily unverdorbenen Wäsche, «erden seit 25 Jahren von Dr. Thompson's Seifenpulvsr, Marke Schwan, getreulich erfülltl Geschäfts- Srßffnung. Freunden und Belamrten zur Ä!ach- richt, daß ich in 1131b (fljflrlottfiiburg, mein Wcschäjt eröffnet habe und bitte um gütigen Zuspruch. Speisen mrd Getränke in bekannler Güte. Vereinszimmer für 50 Perfonm. Mw Diedriehkeit R-st-ur-teur. Karow Buch eine Station vor Schönst. Villenort, rTR.*. 12 M. an, 20 Pf. v. Stett. BW.. 25 Min. Fahrt, 10 Pf. v.Pankow-Schönh., 12 Min. Fahrt. Terrain unmittelbar am Bhf. Bebauungspl. genehmigt. Pläne gratis. Mail. Ana. u. langjähr. Hypotheken. Verkäufer ständig" a. Bhf. Karow. 433L* J. Rieger, Berlin, Gontardstr. 6. □Od DDO □□□ Thealer und Vergnügungen Lessti'g. itomitcfi Tartüff. Mittwoch, 28. September, Ansang VI, Uhr. Neues königl. OPeru.Tcheater. Romeo und Julia. «Snigl. Schauspielhau». Die neue Sonne. Deutsche». Der Widerspenstigen Zähmung. Kommerspiele. grül Erwachen.(Ansang 8 Uhr., Ansang 8 Uhr. Das Konzert. Komische cper. Der Arzt wider Willen. Berliner. Mustkantenmädel. Neues. Das gewisse Etwa». Neue» Schauspielbaus. Herr o. Poureeaugnac. Residenz. Noblesse oblige. Kleines. Die verflixten Frauen« zimmer. 1. Klaff«. Dhaiia. Polnische Wirtschast. Schiller««.«allurr- Äpealer.) Der Bibliothekar. Schute, Gbarlottendurg. Robert und Bertram. Friedrich. Wilhelmstiidtischc». Faust. Nachmittags 31/, Uhr: Kriemhields Rache. Berliner BalkSoper. Rigoleito. (Ansang 8'/, Uhr.) Luisen. Die schöne Ungarin. Westen. Die schönste grau. ModerneS. Die beste der grauen. ldrianon. Pariser Witwen. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. LustsptelhauS. Der Feldherrn- Hügel. Herrnfeld. Sine verlorene Nacht. Der Dcrbysteger. Roir. Die gute Partie. golieö Eapriee. Der schwarze Schimmel.— Volle Penfion. (Ansang 8V. Uhr.) Metranot. Hurra— Wir leben nochl Kasino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. Passage. Spezialitäten. Rcichölialleu. Stettiner Sänger. Walhalla. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverlaud. Spezialitäten. Sanssouci. Nu hat's geschnappt. Spezialitäten. Schwcizer-warten. Spezialitäten. Urania. Dauveiiftrass« 4N|4U, Abends 8 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Sternwarte, Juvaltdenstr. 57— 62. Lessing-Theater. Mittwoch 3 Uhr: Do» Konzert. DonnerSt.8U.: Ginsame Menschen. Freitag 3 Uhr: TantriS der Narr, Urania. Wisseneohaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Die Weltausstellung In Brüssel. Berliner Volksoper Belle-Alliance-Stratze 7/8. Fuhr- Rigoletto. Nene» Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 3 Uhr: Der Gras von Luxemburg. Operette in 3 Att. von A. M. Willner u. R.vodanSky. Musik». Franz Lehdr. Uusispivlksu». Heute abend 8 Uhr: Der Feldherruhugel. Luisen-Theater. Abend« S Uhr: Die schöne Ungarin. Posse mit Gesang und Tanz von Willen und Jacobsohn. Donnerstag: Neu einstud.: Othello. Frettag: Durchgegangen« Weiber. Sonnabend 4 Uhr: Kinder-Vorsl: Die Schwanenprinzessin. 8U.: Egmont. ose-in�ie Grotze Franksurier Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende>/,!, Uhr. � Die gute Partie. Lustspiel in 3 Akten von A. Lippjixui DonnerSIag: Othello. Freitag un Sonnabend: Die gut« Partte. sv» Letzte Tage-vb de» sensationellen Programms. 9'/. Uhr- Verbotene druckt. Sonnabend, den 1. Ottober 1910: Dehftt Rudolf Schildkraut. Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Gastspiel Haust Niese. Das Mufikantenuiädel. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Das gewisse Ctwas. Donnerstag: Das gewisse Etwas. Frettag und folgende Tage: Die goldene Ritterzeit.__ Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Dle schönste Fran. Sonnt. 3'/, Uhr: Ein Walzertraum. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Heute und täglich 3 Uhr: IHe beste der Frauen. Friedrich-Wilhelmstädtlschss Schauspielhaus. Mittwoch, 28. Septbr., abends 8 Uhr: - Faust. Mittwoch nachmittag 3*1, Uhr: KrtemhildS Rache. Donnerstag: Kletten. Ntobe. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Noblesse oblige. Schwank in 3 Akten von Hennequw und Veber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Woblesse obUfe. Sonntag, den 3. Ottober, 3 Uhr: Ble 300 Tage. Metropol-Theater. Kurraü! Wir leben noch!!! Grohe Ausstattungsrevue in 7 Bildern v. J. Freund. Musik v. B. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. ilnsang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Letzte Woche! 12 Attraktionen 12 des von Publikum und Presse glänzend beurteilten Erbffbangs- Proeramins! Der Gipfel der illustren Varieti-Kunst. ■b Sonntag, den 2. Oktober: m Wiederbeginn der Nachmittags-Vorstellungen. Kleine Preise! Anfang 31/, Uhr. Germauia-Pracht-SNle Carl Richter. ST., Chnnssee-Straße 110. Heute Mittwoch; Paul Mantbeys lustige Sänger. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Nachdem; Frel-Tanz. = Voraugskaiten gelten.— Morgen Donnerstag; OroBez Mt II tttr- Konzert. Schiller- Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Mittwoch, abends 8 Uhr: Oer Ribliothehar. Schwank in 4 Akten v. Gustav Moser. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abend»8Nhrl nie Krenzelschrelber, Frettag, abends»Uhr: Die KrenzclBchreiber. Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Robert nnd Bertram. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Roeder. Ende 10'/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Robert und Bertram. Freitag, abends 8 Uhr: Die Braut von!fle»Glna. Brauerei Fr edrichsbain Am KOnlgstor. ----- GrBßter Konzertsaal Berlins I— Vom 28. September bis 2. Oktober 1910 täglich: Gastspiel- Konzerts von JollBflf) StTBllO aus Wien mit seiner gesamten Kapelle. Anfang Wochentaga 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree Wochentag 50 Pf., reserv. Platz 75 Pf, Sonntags IM.— Billetts im Vorverkauf en ermäBIgten Preisen(Entree 40 Pf., reserv. Platz 60 Pf., Sonntags 75 Pf.) in den IIVorwärtsu-8peditionen Zucht, Iromanuolkirchstraße 12, Hahnisch, Auguststraßa 50 und Mann, Petersburger Platz 3. TERRASSEN HALENSEE firSlter fergnOgungsptrn des Kontinents. Mittwoch, 28. September; iLLE ATTRAKTIONEN FREI. Jeder Besucher des Parks erhält bei Eintritt ein dratiablllett für eine Attraktion! ELEKTRISCHE LICHTSPIELE AUF DEM SEE. Fintrittitprela SOPf. 3 Kapollen. ElntrittzpreiHSO Pf. Eintrlttzprels SO Pf. Eintrittspreis SO PI. Sonnabend, den 1. Oktober 1910: GROSSER POPULÄRER GALATAO. Münchener Oktoberfest I ■—----———— ir i- ir'-r— i« r--t— l Pachesswercien. Am Sonntag, 2. Oktober: Wurst- und Wellfleischesseni wozu ergebenft einladet* Der»1t© Freund. [TassToFlßeT 4 Da« Eröffnnngs- Progr. ( der i Winter-Saison! Abends 8 Uhr: Ciaire Waldoff mit ihren neuen Schlagern von Walter Kollo. Collins 10 eng« Iis ch. Backf is che. Polraey u. May, unechten. George Barrington und Starnummern. vwrawww«> Passage-Panoptikum. Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Voüht"7 Vitaskop- Theater Äquanoptikum Experiment aus 4er 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. l- Alt-Hoablt 47/48. Hans Reitz»(fufcmble. Donnerstag, den 29. September 1910: Othello der Rohr von Venedig. Trauerspiel iu 5 Auszügen von William Shakespeare. Othello... Dir. Hans Restz. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Dann. Hochbahnstation Kottbuser Tor. Abschieds- Woche deS mit jubelndem Beifall aufgenommenen WluuM'wieit-i'i'MMs! Dazu die Poffe: Von Oskar Sabo. Musik von Paul Ltncbe, Ansang 8'U Uhr. I! stauchen überall gestattet k k Karl Haverland- Ansang irhaatDF Kommandanten« präz. 8 Uhr. IBÜflU!!. strasie 77/79. Nur noch furze Zeit Hugo Römer äs:: Ab Soimabc»d neue Spezialitäten. I Mittwoch, 28. September, obendS 7'/, Uhr: Apachen zu Pferde geritten von Frl. Dora Schumann und Herrn Karl HeS. Luftpotpourri der 10 Personen Lepicq Der Kreisel-Globus. Neueste Kreation des Direktors A. Schumann. Mirano Brothers und das mit kolossalem Beifall aufgenommene Septemhes-Picgiamm. CIRCUS CyrillHatle Lichtenberg, Berlin-Ost, MSIIendorfstraSe, dem Hat- hanse gegenüber, nächst I Frankf.Allee, a. Ringbahnh. I \nr noch O Tage. Mittwoch, den 28. September, I nachm. 4 n. abends 8'!, Uhr, I 2 Vorstellungen 2 mit gleich reichhalt. Progr. I Nachm. 1 zugehöriges Kind 1 frei. AnOera. zahlen unter I 13 Jahr« alte Kinder und! Militär vom Feldwebel ab- 1 wärts nachm. halbe Preise. Abends volle Preise. Cr. Berliner Kunstausstellung 1910 30. April bis S. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr I M.. v. 6 Uhr ab 50 Pf., Sonntags 50 Pj. Dauert. 6 M. Ausstellungshallen am Zoo Rleaen-Kliiematograpb. 6—11 Uhr. Ranchen überall gestattet GARTEN Täglich: Großes Hilitör- Konzerl eintritt 1 Mari. von abend» S Uhr ad SV Pf.. Kwder unier zehn Jahren die Hälfte. Casino-Theater Lothringer Straße 87. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Poffe Der sdineidige Rudolf. Rudolf Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. 31/, Uhr: Per Hochmutsteufel. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Jium Schlub. neu: iu Slauseloeb". Mitit. Humor, o. Mehfel. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Zirkus Busch.l Mittwoch, den 28. September,'j abends 71/, Uhr: Große Gala-Vorstellung. Banola• Truppe I Uerr Dir. H. E. Orlando. Freiheitsdress. Die berühmte Reiterfamilie Fredlanl. Hr. Allred Ott Sohulreiter. Fußballspielende Hunde von Möns. Ve- lanche. Die urkomisch Clowns| drei Gebr. Frateilini. Um 9'/, Uhr, zum 12. Male: „VENEZIA"Ö Original-Manegeschansttick. I Achtung! Sonntag, 2. Okt: £ große Gala- Vorstellungen 2. Um 3'/, Uhr und VI, Uhr.| In beiden Vorst.: Veneala. MM» Zwei Schlager k Eine verlorene Macht Sin lustiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Der Derby-Sieger Svortlomödie von August Netdhardt. tSns. 8 Uhr. Vorverk.lt— 2iTheaterI.). 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ReSrÄ.L Vorzeiger dieses lO5/© Rabatte zffia/uttt verantwortlicher Nedalteur Richard Barth, Berlin. Für den Jnieratenteil verantw.: Th.Mockr, Berlin. Druck u. Verlag:Borwärtl Buchdrnckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& üo., Berlin SW. Ar. 237. 37. Jahrgang. 3. ßtilM des Lmmls" Knlim DöllisblM Mittivoch. 28. Zeptember i9w. Partei-?ZngelegenKeiten- Eteglitz« Frirdrna«. Der hiesige Bildungsaus schuh veranstaltet im grohen Saale des.Nheinsckloh' in Friedenau einen Wissenschast- lichen Bortragskursus mit Lichlbildern. Thema:„Die Geschichte unserer Erde". Vortragender Genosse E. Graf. Der Kursus er- streckt sich auf vier Abende und beginnt am 11. Oktober, abends 8'/, Uhr, mit dem Thema: Historischer Abrih. Die EntWickelung unseres Planetensystems. Zweiter Abend: 18. Oktober, 8�/2 Uhr: Die Entwickelung der festen Erdrinde. Erstarrungs- und Ablagerungsgesteine. Dritter Abend: 25. Oktober, S1/» Uhr: Die Formen der Erdoberfläche: n> Gebirgsbildung, Erdbeben und Vulkane. b) Verwitterung und Abtragung der Erdoberfläche. Vierter Abend: 28. Oktober. Die Zeitalter der Erdgeschichte mit besonderer Berücksichtigung des Gebietes, in dem der Vortrag stattfindet.— Da die Nachfrage nach Kursuskarten(vier Abende 60 Pf.) eine rege ist, ersuchen wir die Bezirkssührer, die unverkauften Karlen zum 1. Oktober an den Bildungsausschuh zurückzusenden. Stralau. Am heutigen Mittwoch abends 8V2 Uhr findet bei Steinicke, Alt-Stralau 5, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Die Bezirksleitung. Adlershof. Am Donnerstag, den 29. September findet im Lokal des Genossen Beyer, Bismarckstrahe 10, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: Bericht vom Parteitag. Referent ReichstagZabgeordneter Genosse Fritz Z u b e i l. Der Vorstand. Fricdrichshagen. Heute abend 8Vz Uhr findet bei Lerche, Friedrichstr. 112, unsere Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Max Schütte über: Das Sozialisten- gesetz. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. _ Die Bezirksleitung. Berliner J�aebriebten. Die LustbarkeitSsteuer im Ausschuß. Der AuSschuh zur Vorberatung der Vorlage betreffend die Er- Hebung einer Lustbarkeitssteuer hielt Montagabend seine erste Sitzung ab. Vorsitzender ist der Geh. Justizrat Cassel; zum Stellvertreter wurde für den ausgeschiedenen Stadlv. Mommsen der Stadtv. Liebenolo gewählt. Von der sozialdemokratischen Fraktion gehören dem Ausschutz an die Genossen Borgmann, Heimann, Voigt und W i l k e. Den Mitgliedern des AuSschnsieS war auf Veranlasiung des Vor- sitzenden eine„Zusammenstellung über die in 12Grohstädten zur Hebung gelangenden LusibarreitSstcuern" sowie die Mitteilung zugegangen, dah ein Heft Kritiken und Proteste im Bureau der Versammlung zur Einsicht ausliegt. Unsere Genossen beantragten daher vor Eintritt in die Verhandlung, dah diese Kritiken und Proteste, soweit sie nicht durch Druck vervielfältigt und den einzelnen Mitgliedern bereits zu- gegangen seien, gedruckt und den Mitgliedern zugestellt werden sollten, da der Ausschuh die Verpflichtung habe, bei einer so wichtigen, breite Kreise der Bevölkerung schwer treffenden Vorlage von den eingegangenen, zum Teil sorg fältig begründeten Protesten genaue Kenntnis zu nehmen und eS den Mitgliedern nicht zugemutet werden könne, auf das Bureau zu gehen und sich dort selber herauszuschreiben, waS ihnen wichtig er- icheine. Der Vorsitzende teilte daraufhin mit, dah er für die ein- gegangenen 26 Petitionen einen Referenten bestellt habe, und riet, zunächst dessen Vortrag entgegenzunehmen: vielleicht erübrige sich damit die verlangte Vervielfältigung. Der Referent, dem sodann daS Wort erteilt wurde, erledigte seine umsassende Ausgabe in zirka IS Minuten und benutzte den größten Teil dieser kurze» Zeit dazu, in einseitiger Weise seine persönliche Ausfasiung über Bestimmungen der Vorlage zum Ausdruck zu bringen und gegen die Darlegungen der Petenten zu polemisieren. Selbstverständlich er- mangelten unsere Genossen nicht, die ganz merkwürdige Auffassung des betreffenden Herrn über ein objektives Referat an der Hand seiner eigenen Ausführungen gebührend zu kennzeichnen und gerade wegen dieses Referates erneut auf Annahme ihres Antrages zu dringen. Auch von den bürgerlichen Mitgliedern sprang memgnd dem Referenten bei, und der Antrag wurde angenommen. Die Generaldebatte, in welche der Ausschuh sodann eintrat, kam nicht zu Ende und führte, wie daS bei der Sachlage vorauszusehen war, zunächst zu keiner Klärung. Immerhin trat zu Tage, dah auch die Befürworter der Vorlage nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Sache sind. Unsere Vertreter wiesen darauf hin, dah kaum je eine Vorlage solchem Widerspruch der Bevölkerung begegnet sei, wie diese und zwar auch von Kreisen, die nicht direkt von der geplanten Belastung getroffen werden. Die Kreise aber, die die neue Steuer ausbringen sollen, wie insbesondere das gesamte GastwirtSgewcrbe, seien in- folge der neuen Reichssteuern und der Aeuderung des preuhischen Stempelsteuergesekes bereits in einer derartig prekären Lage, dah die Erhebung der Lustbarkeitssleuer sich direkt ruinierend äußern mühte. Wenn von anderer Seite die Steuer immer als«ine reine LuxuSstcuer bezeichnet werde und man der Verwunderung Ausdruck gegeben Hobe, daß gerade Sozial- dcmokraten solche LuxuSsteuer bekämpfen, so könne dem schroff widersprochen werden. Die Vorlage sei keine LuxuS- fteuer, sondern treffe wahNos und in gleichem Matze den höchsten LuxuS in der Lustbarkeit wie ein großes Reich an Dingen und Handlungen, die heutzutage für jeden Menschen notwendig, ja unentbehrlich sind. Jede wie immer ge- artete Ausspannung des Körpers und Geistes werde mit hohen Sätzen getroffen und Derartiges könne gerade die Arheiterklasic am wenigsten stillschweigend über sich ergehen lassen. Die Vorlage er- schwere, ja negiere alle Bestrebungen auf Ausbreitung von Bildung und Kunst in der Berliner Bevölkerung, und die durch die Vorlage sicher zu erwartende Erdrosselung der Freien Volks- bühnen, auf die genauer einzugehen der Spezialberatung vorbehalten bleiben solle, wiege allein schwerer als alles zusammen. was die städtischen Behgcden bisher zur Förderung von Kultur- bestrebungen geleistet hätten. Schlichlich wurde an den Magistrats- Vertreter dasl Ersuchen gerichtet, nun doch endlich das Zahlenmaterial bekannt zu gebe», das den Magistrat zur Einbringung der Vorlage geführt hat, ein Verlangen, welches von anderen Serien dringend unterstütz, wurde. Die Erwartung, dah der Magistrat dieses zur Beurteilung der Vorlage so überaus wichtige Zahlenmaterial wenigstens den Mit- gliedern des Ausschusses nun schriftlich behufs Nachprüfung unter« breiten würde, wurde wiederum zustvanden. In mündlichem Vortrag gab der Kämmerer einige Zahlen über die Erträgnisse der Steuer »n anderen Städten, muhte aber auf die Frage unserer Genossen, ob denn diese Erträgnisse Brutto- oder Netto-Erträgnisse sind, die Antwort schuldig bleiben. Im weiteren führte der Kämmerer aus, dah nach Abschluß der Zahlen für das vorige EtatSjahr sich ein Ueberschuh von ö'/i Millionen ergeben habe. Da aber die städtischen Etats nur durch Einsetzung der Ueberschüsle bilanzieren und in dem vorhergehenden Etatsjahr der Ueberschuh 8 Millionen betragen habe, so sei schon jetzt, selbst bei gseich- bleibendem Bedarf, auf den aber„ich, zu rechnen sei, ein Manko von 2% Millionen entstanden. Eine Erhöhung der Einkommensteuer über 100 Proz. hinaus sei aus den bekannten Gründen«n Rücksicht auf die Vororte durchaus unerwünscht; sie werde sich wahrscheinlich ia trotz der Lustbarkeitssteuer nicht unigehen lassen, müsse dann aber so niedrig wie möglich gehalten werden. Von diesem Manko von Millionen hoffe der Magistrat nun 2 Millionen aus der Lust- barkeitSsteuer zu ziehen. Nach den vom Magistrat aufgestellten Be- rechnungen. die er aber mündlich nicht darlegen könne, glaube er auf eine Einnahme aus der Villettsteuer von zirka 2 Millionen rechnen zu können. Das Aufkommen aus der Pauschal- steuer veranschlage er„auf einige(1) hunderttausend Mark"; diese würden aber dem Stadtsäckel nicht zugute kommen, denn er müsse zugeben, dah die Erhebungskosten beträchtliche sein werden, da man ein neues Steuerbureau bilden, Kontrolleure an- stellen müsse und dergleichen mehr. Diese Begründung des Herrn Kämmerer entlockte selbst einem Freunde der Vorlage daS Geständnis, ihm fange an, schwül zu werden I Von unseren Vertretern kam wegen der vorgerückten Stunde niemand mehr zum Wort. Die nächste Sitzung wird in 1t Tagen stattfinden._ „Mit Recht entlassen." Gegen einen Vorgesetzten steht jedem Untergebenen das Recht der Beschwerde zu. Auch die Verwaltung der Stadt Berlin erlaubt gnädiglich ihren Arbeitern, sich über die Personen zu be- schweren, die sie ihnen als Vorgesetzte gibt. Aber der Erfolg solcher Beschwerden ist mitunter so, dah ein Arbeiter das Gefühl völliger Rechtlosigkeit haben kann. In Beschwerdesachen fällt die A u t 0 r i- tät des Vorgesetzten so kräftig ins Gewicht, dah dagegen das Recht des Arbeiters federleicht wiegt. Das Verfahren, das bei der Prüfung von Beschwerden der Arbeiter und auch der unteren Angestellten befolgt wird, ist bekannt. Befragt wird vornehmlich der angeschuldigte Vorgesetzte, und was dann dem über ihm stehen- den höheren Vorgesetzten als„festgestellt" gilt, ist schwer zu ent- kräften. Auch die Anrufung der betreffenden Verwaltungsdeputation oder garchcs Magistrats verspricht wenig Erfolg, weil ja wieder die Bekundungen derjenigen Personen, gegen die der Beschwerde- führer Schutz sucht, als Grundlage für die Entscheidung dienen. Dabei kann es sogar passieren, daß so eine höhere oder ganz hohe' Instanz eine Eingabe nicht mal sorgfältig genug liest, sondern flott darauflos entscheidet. Ein Fall, der bei der P a r k v e r w a l t u n g sich abgespielt und zu seiner Erledigung mehrere Monate erfordert hat, verdient weiteren Kreisen bekannt zu werden. Im Schillerpark war den Wächtern als Kontrolleur ein Gärtner N e u m a n n ge- setzt, ein Mann, der sich für diesen Posten ganz und gar nicht eignete. Er war zwar nicht Beamter und konnte eigentlich auch nicht als Vorgesetzter der Wächter gelten, aber immerhin hatte er über sie eine Aufsicht zu führen, und sie waren in seine Gewalt gegeben. Der Herr Kontrolleur hätte für sie so etwas wie eine Respektsperson sein sollen und können, doch hatten manche ihm gegenüber ganz andere Empfindungen. Wenn er in der Nacht auf seinen Kontrollgängen zu ihnen kam, gewannen sie nicht selten den Eindruck, daß er zuviel des Alkohols zu sich genommen habe. In diesem Zustande neigte er dazu, sie in einer Manier zu behandeln, durch die sie sich gereizt fühlten. Sie gelangten zu der Meinung, dah er sie geradezu schikanieren wolle. Angeführt wird das Beispiel, daß er zum Zweck der Kontrolle das Notsignal gegeben, abcrjnickst gewartet habe, bis sie herbeieilten, sondern nach einer anderen Stelle des Parkes gegangen sei und von dort aus wieder gepfiffen habe. so dah sie hin und her gehetzt wurden. Mehrfach kam es zu Ret- bereien und erregten Auftritten zwischen Neu- mann und den Wächtern, weil er ihnen vorwarf, sie seien nicht auf dem Posten. Ein Arbeiter C., der im Schillerpark als Wächter beschäftigt wurde und sich die ihn kränkende Behandlung nicht gefallen lassen wollte, hat es siiinem Vorgehen gegen N. zu verdanken, dah er, der Arbeiter, schlichlich seine Stellung verlor. N. hatte ihn in beleidigender Form zur Rede gestellt, dah er nicht auf dem Posten sei. C. erwiderte ihm,« sei stets auf dem Posten, und fügte gereizt hinzu. N. wolle ihn wohl nur aus seinem Brot bringen. Am anderen Tage meldete dann N., er sei von C. angegriffen worden, und E. wurde seines Amtes enthoben. Zwar wurde er von der Parkverwaltung noch nicht gänzlich entlassen, sondern als Arbeiter weiterbeschäftigt, aber er erlitt dadurch ejnen fühlbaren Ausfall an Lohn. Er beklagte sich bei seinen und N.s Vorgesetzten, zunächst bei dem leitenden Gartenbautechniker Fischer mündlich, dann bei dem Obergärtner Weih, gleichfalls mündlich, schliehlich bei dem Gartendirektor Brodersen mit einer schriftlichen Eingabe. In ihr behauptete er unter anderem, N. habe die Wächter aus ihrem Amt hingen wollen und habe falsche Meldungen erstattet. DaS Ende vom Liede war, dah C. aus dem Dienste der Stadt ganz entlassen wurde. An Bürgermeister Reicke, der in der Parkdeputation den Vorsitz hat, richtete C. hierauf das Gesuch, seine Sache nochmals zu prüfen und ihn wieder zu beschäftigen. Hierbei packte er gegen N. allerlei aus, was er über ihn gehört hatte, und erhob eine Reihe schwerster Beschuldigungen, von denen er annimmt, dah sie entweder zu einer Strafanzeige der Verwaltung gegen N. oder zu einer Beleidigungsklage N.s gegen C. führen mühten. Die Beleidigungs- klage ist bisher ausgeblieben, aber auch von einer Strafanzeige hat niemand etwa? gehört. Die einzige Wirkung jenes Gesuches war die, dah N. seines Kontrolleuramtes enthoben, jedoch nicht überhaupt entlassen, sondern als Kolonnenführer weiterbeschäftigt wurde. Dem Beschwerdeführer C. aber wurde auf sein Gesuch geantwortet:„Die von uns angestellten Ermittelungen haben ergeben, dah Sie mit Recht entlassen worden sind." Und dabei blieb es. „Mit Recht entlassen," sagt Bürgermeister Reicke; wir nehmen wenigstens an, dah der unter den Bescheid gesetzte Schnörkel die Unterschrift des Herrn Reicke vorstellt, der ja wohl auf das an ihn selber gerichtete Gesuch auch selber geantwortet haben wird. In befremdlichem Gegensatz zu der Sicherheit des Urteils,„mit Recht entlassen", stehen die Inkorrektheiten, die in dem ganzen Ver- fahren vorgekommen sind. Als C. sich über N. beschwert hatte, wurden Zeugen vernommen. Später wurde dem Angeschuldigten, d. h. dem Wächter C., nicht etwa dem Kontrolleur N., vom Garten- direktor Brodersen ein vom Bauleiter Fischer aufgesetztes P r 0 t 0- k 0 l l vorgelesen. Als C. daraus ersah, dah der Zeuge Wächter Sattelberg ausgesagt haben solle, C. habe gegenüber dem Kon- trolleur N. sich laut benommen, erklärte C. erregt und in scharfer Form, das sei n i ch t w a h r. S. hat ihm gesagt— und er hat das auch später ausrecht erhalten—, er habe das genaue Gegenteil be- kündet, nämlich dies: dah der Kontrolleur N. es gewesen sei, der gegenüber dem Wächter C. sich laut benahm. C. hob das hervor in seinem Gesuch an Bürgermeister Reicke und gab die Darstellung S.s ausführlich wieder. In dem schon erwähnten Bescheid Reickes steht nun zu lesen:„Soweit Ihre seinerzeit beim Revier vorge- brachten Beschwerden auf Wahrheit beruhten, ist sofort Abhilfe geschaffen worden. Da aber der bei weitem größte Teil Ihrer Au- schuldigungen nicht den Tatsachen entspricht, insbesondere Ihre Be- hauptungen, dah die Aussagen des Betriebsleiters Fischer unwahr seien, und dah Herr Obergärtner Weih die Mahnahmen des Herrn Fischer nur beschönige, sich als haltlos erwiesen haben, haben wir keine Veranlassung gefunden, in den Anordnungen des Reviers I eine Aenderung eintreten zu lassen." Die„Abhilfe" war wohl die Enthebung N.s von seinem Kontrolleurposten, der Hinweis aber auf C.s Beschuldigungen gegen Fischer und Weih scheint jenem dunklen Punkt im Protokoll zu gelten. Sind in C.s Gesuch die An- gaben über die Potokollaffäre von dem Herrn Bürgermeister über- Haupt richtig verstanden worden? Fast möchten wir das bezweifeln, wenn wir sehen, wie an einer anderen Stelle des Gesuches Herr R e i ck e den Sinn einer durchaus klaren Angabe durch verblüffend irrige Auffassung verdunkelt hat. Er antwortet dem Be- schwerdeführer:„Auch aus Ihrer jetzigen Eingabe geht hervor, dah Sie zum Wächter Kicht geeignet sind, da Sie z. B. eine zur Kon- trolle stattgefundcne Abwechselung der Wächter für„eine llnord- nung" halten." In dem Gesuch, das uns in wortgetreuer Abschrift vorliegt, steht hiervon nichts. Wir finden aber darin die wörtliche Wiedergabe der Erklärung eines anderen Wächters, der es eine Unodnung nannte, dah der Kontrolleur die Notpfeife ziehe, wenn nichts los sei. Man sieht, wie Gesuche gelesen und beantwortet, Beschwerden geprüft und erledigt werden. Ein Mihverständnis des Bau- leiters Fischer bringt den Wächter C. in den Verdacht, gegenüber dem Kontrolleur N. sich laut benommen zu haben. Ein M i h v e r- st ä n d n i s des Bürgermeisters Reicke muh dazu dienen, den Be- weis zu stützen, dah C. zum Wächter nicht geeignet sei. Aber die Autorität des Vorgesetzten, hinauf bis zu Herrn Reicke, steht unanfechtbar da! Und wehe dem Untergebenen, der seine Verwunderung und Entrüstung über solche Unrichtigkeiten mit einem unbedacht scharfen Wort ausdrückt! Für C., der gegen die dreimal geheiligte Autorität des Vorgesetzten in tollkühnem Frevel sich versündigte, hat die Sache mit schwerster Existenzschädigung geendet. Nach seiner Entlassung gelang es ihm zunächst nicht, andere Beschäftigung zu finden, und er muhte mit seiner Familie die Entbehrungen einer zehnwöchigen Arbeitslosigkeit durchkosten. Wiewohl er über dreiviertel Jahr als Wächter beschäftigt worden war, hatte Obergärtner Weih ihm im Entlassungszeugnis beschei- nigt, dah seine Leistungen nicht den Anforderungen entsprachen. N. aber erfreut sich noch immer der Huld seiner Vorgesetzten. , Der Ankauf des Tcmpclhofer Feldes durch die Gemeinde Tempelhof unter Garantieübernahme durch den Kreis Teltow hat in weiten Kreisen großes Aufsehen und lebhaftes Befremden hervorgerufen; ist es doch offenkundig, dah hinter der ganzen Angelegenheit die Deutsche Bank und die Dresdner Bank stehen und dah das Gelände lediglich der Privatspekulation aus« geliefert wird. Eine recht anfechtbare Nolle in der Frage scheint das Kriegsmjnisterium gespielt zuhaben. Die.Vossische Zeitung" weih darüber folgendes zu melden: „Der Berliner Magistrat hat unterm 29. August vom Kriegsminister ein Schreiben erhalten, worin der Stadt Berlin mitgeteilt wurde, daß der Kriegsmini st er nach anderer Seite hin nicht verhandeln würde, ohne vorher die Stadt Berlin zu benachrich- tigen. Am darauf folgenden Tage, den 30. August, Hai der Kriegsminister seine Genehmigung zum vorbereitenden Ab- schluh des Vertrages mit Tempelhof erteilt. und darauf ist am 31. August bereits der Vertrag mit Tempclhof im Kriegs- Ministerium unterzeichnet worden. Von all' diesen Schritten hat der Berliner Magistrat nicht die gering st e Nachricht erhalten." Die städtische Waiscndcputation beschloh in ihrer gestrigen Sitzung in geeigneten Fällen eine Behandlung mit dem neuen Ehrlich-Hataschen' Präparat eintreten zu lassen. Ferner beschloh die Deputation im November d. I. in zwei Abteilungen eine Ver- sammlung der Gemeinde-Waisenräte abzuhalten, in welcher die den Gemeinde-Waisenrätcu in der Großstadt bei Ausübung ihres Amtes erwachsenden Schwierigkeiten zur Erörterung gelangen sollen. .Außerdem wählte die Deputation zum Säugliugsarzt an Stelle deS verstorbenen Gcheimrats Schröder den langjährigen Vertreter, desselben Dr. med. Hoelck._ Beschränkung des WaffcntragcnS. Am IS. Oktober soll im Landespolizeibezirk Berlin eine Polizei« Verordnung in Kraft treten, die einschränkende Bestimmungen über das Tragen von Revolvern und Pistolen an öffentlichen Orten trifft, wobei jedoch der Verkauf von Handfeuerwaffen von einengenden Vor« schriften völlig frei bleibt und nur daS Führen von solchen vom Be« sitze eines polizeilichen Waffenscheins abhängig gemacht werden soll, der jedem vertrauenswürdigen Bürger auf seinen Wunsch von seinem Wohnungsrevier ausgestellt werden wird. Die wesentlichen Bestim- mnngen dieser Verfügung lauten: Kleine Handfeuerwaffen(Revolver, Pistolen) dürfen auf öffentlichen Wegen, Ströhen und Plätzen, in Läden, Schanklokalen und an sonstigen öffentlichen Orten nur von Personen ge- führt werden, denen hierzu polizeilich ein Waffenschein erteilt ist und die diesen Waffenschein bei sich tragen. Des Waffenscheins bedürfen nicht: 1. Personen, die kraft ihres Amtes Waffen zu führen bercch- tigt sind, 2. Personen, die sich im Besitz eines noch gültigen Jagd« scheins befinden und diesen bei sich tragen. Der Waffenschein darf nur zuverlässigen Personen ausgestellt werden. Auch diesen kann die Ausstellung mangels Bedürfnisses versagt werden. Der Waffen- schein wird widerruflich erteilt. In gleicher Weise wird der Re- gierungSpräsident in Potsdam für die Kreise Teltow, Nicderbarnim, die Stadtkreise Spandau und Potsdam und einige Gebietsteile des Kreises Osthavelland Anordnungen treffen. Für die achten Klassen der Gcmcindcschulen war vor nicht langer Zeit die Besetzungsziffer auf höchstens 6 6 bemessen worden.„Höchstens" bedeutet nun allerdings bei der Schuldeputation der Stadt Berlin noch keineswegs, daß diese Grenze niemals über- schritten werden darf. Tatsächlich sind denn auch in jedem Halbjahr in einer ganzen Reihe achter Klassen Frequenzen zu beobachten ge- wesen, die noch über 55 hinausgingen. Der Schuldeputation macht das keine Kopfschmerzen, wohl aber sorgt sie sich darum, dah anderer- seitS in manchen achten Klassen die Besetzungsziffer beträcht- lich unter 5b liegt. Das Manko kommt zum Teil dadurch zustande, dah sechsjährige Schulrekruten er st nach« träglich von den Schulärzten untersucht und zurückgestellt werden. Dem Uebclstande, dah auf diese Weise manche achten Klassen nicht so gefüllt werden, wie die Schul« deputatio» es wünscht, will sie durch eine Verfügung begegnen. Da« rin wird den Rektoren mitgeteilt:„Ilm einer allzu geringe» Besetzung der Aufnahmeklassen vorzubeugen, gestatten wir, dah dort, wo die ärztliche Untersuchung auf Schulfähigkeit der Kinder noch nicht stattgefunden hat, die Besetzungsziffer der Klasse um höchstens fünf überschritten werden darf." DaS ergäbe also„höchstens 6 0"! Und was soll werden, wenn in einer solchen Klasse kein einziges Kind als noch schulimfähig zurückgestellt zu werden braucht? Dann bleibt'S eben bei 60, wie ja auch in dem jetzt zu Ende gehenden Sommerhalbjahr schon eine beträchtliche Anzahl achter Klassen vorhanden sind, deren Frequenz sich nicht auf „höchstens 55". sondern aus 57. 58, 59, ja 60 beläuft. In dem Kampf gegen die Klasscniiberfüllimg soll eS anscheinend nicht mehr vorwärts, sondern wieder einmal rückwärts gehen. Depefchensaal einer franzSsifchen Zeitung in Berlin. Einer An- regung der Zentralstelle für die Julercssen deS Berliner Fremden- vcrkclirS folgend wird die hier erscheinende französische Zeitung „Journal d'Allemagne" am 1. Oktober im Westen der Stadt eine» Depefchensaal eröffnen. Sie hat im Hause Taucntzienstr. 24(Kauf- haus des Westens) einen Laden als Depefchensaal eingerichtet. Hier werden die neuesten Telegramme in französischer und englischer Sprache ausgehängt, jedoch nicht gedruckt oder geschrieben, sondern, wie es in Frankreich und England üblich ist. mit flüssigem Kalk auf geschlvärzte Spiegelscheiben gepinselt. In dem dazu gehörige» Uuroau äs renseignoroont werden Auskünfte an Fremden in allen Sprachen unentgeltlich erteilt. Gratulation zum neuesten Wahlsieg. Aus der Lungenheilstätte in Beelitz(Mark) erhielten wir folgendes Telegramm:„Herzlichen Glückwunsch zu dem freudigen Wahlergebnis im Kreise Fraukfurt-Lcbus senden die Ge« Nossen aus der Lungenheilstätte Beelitz." Die pSMifrfje Schiildepniatlon ijat auf Veranlassung der De- putation für die städtischen Fach- und Fortbildungsschulen den Rektoren der Gemeinde-Mädchen- und der gemischten Schulen Merkblätter„Die Berufswahl und Ausbildung der Töchter" zur Ver- teilung an die die Schule verlassenden Mädchen zugehen lassen. Da« Merkdlatt weist auf die städtischen Fortbildungsschulen für Mädchen hin. in denen kaufinännischer, gewerblicher und Hauswirt- schastlicher Unterricht erteilt wird und der den Mädchen in ihren späteren Jahren sehr zu stalten kommt. Auskunft erteilen die Rektoren der Schulen. Zur Offizierstragödie. Die Nachricht von dem Tode des Leutnants v. LiereS und Wilkau bestätigt sich nicht. Leutnant v. LiereS liegt noch im Garnisonlazarett I. Sein Befinden hat sich nach Aussage dcS Chefarztes etwas gebessert, doch ist die Lebens- gcfahr noch immer nicht beseitigt. Die Todesnachricht war gestern in dem Hause Scharnhorslstr. 27, wo sich die Wohnung des Offiziers befindet, verbreitet. Die JugendschriftcuauSstellung im GcwerlschaftshauS ist morgen, Donnerstag, von ö— 9 Uhr geöffnet. Zugang zum AuSstcllungS- räum Portal V, erste Tür rechts. Eintritt frei. Kinder habe» nur in Begleitung von Erwachsenen Zutritt. Zeugen gesucht. Personen, die am 22. April abends gegen 7 Uhr gesehen haben, wie auf dem Bahnsteig deS Bahnhofs Wedding ein Arbeiter von einem Schutzmann verhaftet"wurde, werden um Angabe ihrer Adressen an Laube, KöSliner Strohe 2 vorn I gebeten; insbesondere die beiden Arbeiter, die den Verhafteten bis zur Wache des Polizeireviers begleiteten, im Hause aber vom Schutzmann zurückgewiesen wurden._ Vorort- Nacbrlchtcm Tchöneberg. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Der stellvertretende Vorsteher Genosse Molle nbuhr teilte bei Eröffnung der Sitzung mit, daß der frühere Beamte Landmesser Schmidt eine Beschwerde- schrift über die städtischen Vermessungsorgane eingereicht habe, die- selbe wurde dem Magistrat überwiesen. Alsdann wurden die Be» dingungen für die Verpachtung der Bahnhofs- und Wagcnreklame bekanntgegeben und beschlossen, den Reklamebedingungen, die in den Wagen der Untergrundbahn angebracht werden sollen, zuzu- stmimen und eine beschränkte Ausschreibung stattfinden zu lassen. Zur raschen Alarmierung der Feuerwehr hat sich die Rathaus- Verwaltung bereit erklärt, zwei ihrer Hauptanschlüsse zur Ver- füguug zu stellen. Der Ausschuß zur Prüfung über die Errichtung eines zweiten Standesamts hat die Notwendigkeit der Er- richtung als erforderlich anerkannt. Es wurde beschlossen, daß das neue Standesamt möglichst in der Nähe des zu erbauenden Rat- Hauses spätestens zum 1. Januar 1911 errichtet wird. Ferner wuüde der Magistrat ermächtigt, geeignete Räume für die Unter- bringung des zweiten Standesamts zum Jahresrnietssatze von hoch- stens 1(300 M. zu mieten. Eigentimnlich berührte es, als mitgeteilt wurde, daß Hauswirte mit verschlossenen Häusern auf das Standes- amt verzichteten, dagegen Wirte mit offenen Häusern erheblich hohe Mieten verlangten, obwohl die Gegenleistung zu wünschen übrig ließ.— Das zwischen Rathausplatz, Erfurter-, Jnnsbrucker- und Mühlenstraße liegende Grundstück, das die Kinder als Spielplatz benutzten, soll nunmehr mit einem Drahtzaun umgeben werden, und zwar soll die Einfriedigung in der Weise erfolgen, daß das für den RathauSbau in Aussicht genommene Grundstück einen zwei Meter hohen Bretterzaun erhält, der während der Bauausführung zugleich als Bauzaun Verwendung finden soll. Die Kosten betragen insgesamt 4150 M., die aus dem GrunderwerbSfondö zu entnehmen sind.— Infolge der Erschließung der verlängerten Jnnsbrucker Straße zwischen der Ring- und Wannseebahn ist die Herstellung der Kanalisation erforderlich. Die Kosten werden ungefähr 23 500 M. betragen, jedoch von den Anliegern wieder zurückerstattet. — An der Untergrundbahnhaltcstelle„Stadtpark" soll unter der nordöstlichen Freitreppe eine Bedürfnisanstalt für Männer mid Frauen eingebaut werden. Die Kosten belaufen sich auf 8500 Mark. Eine weitere Bedürfnisanstalt soll an der Ecke der Haupt- nAd Eisenacher Straße errichtet werden. Es wurde angeregt, auch am Bayerischen Platz eine Bedürfnisanstalt zu bauen.— Der Etatsausschuß berichtete nunmehr über den Stand der Neuver» Messung Schönebergs. Dieselbe sollte 200 000 M. kosten, diese Summe ist aber um 113 000 M. überschritten worden und dabei ist weiter nichts vermessen, als das Südgelände und einige Wohn- Häuser. Es wurde daher beschlossen, den Bericht über die Neuver- messung von einem Sachverständigen schnellstens begutachten zu lassen. Genosse Küter betonte, daß es unverständlich sei, wie eine Ncberschreitung der Kosten für diese Arbeit von über 100 000 M. entstehen konnte. Das stelle den Leiter der Neuvermessung gerade Vicht in ein vorteilhaftes Licht. Es sei notwendig, daß der Bericht eingehend geprüft werde und zwar von einem Techniker und einem Praktiker, um fsstzustellen, wo es im argen liegt./ Gleichzeitig damit verbunden war eine Nachforderung von 7(300 Marl für zwei Landmesser, einen Techniker und zwei Meßgehilfen sowie erforderliche Instrumente, um im Südgclände das Espa- rationsverfahren einzuleiten. Der Ausschuß beantragt« die Be- willigung der betreffenden Mittel abzulehnen, die Arbeiten auszuschreiben und an den Mindestfordernden zu vergeben. Stadtv. L u l a y(lib. Vereinig.) wunderte sich, daß jetzt ausgeschrieben werden solle, wo die Liberale Fraktion doch für eigene Regie ein» trete. Bürgermeister Blanken st ein teilte mit, daß von Sach- verständigen aus anderen Gemeinden ihm geraten sei. von einer Ausschreibung Abstand zu nehmen, da in dem Bureau nur erst- klassige Beamten tätig sind, die diese Arbeiten sehr gut selbst aus- führen können. Stadtv. H e p n e r(wild) meinte, die Vorlage wäre nicht genügend begründet, hier liege eine Lex Adickcs vor. die nicht genügend erprobt sei, denn selbst der Vater dcS Gesetzes führe in Frankfurt am Main dieses Gesetz nicht durch. Dom Redner wurde erwidert, daß in Rixdorf, Dortmund das Gesetz sich bewährt habe. Kuznitzky(lib.) ist der Aissicht, daß, da die Neuvermeffung be- gutachtet werde, auch die Weiterbearbeitung ausgeschrieben werden müsse, er kenne sehr tüchtige Vevmesser, die der Aufgabe gewachsen seien. Genosse Küter wies«ine Ausschreibung als vollständig zwecklos zurück, denn die auszuffhrenden Arbeiten seien nur for- maler Natur, da nur Verhandlungen mit den Besitzern und dem Grundstücksamt zu führen sind und dazu reichten die vorhandenen Kräfte vollständig aus. Auch der Standpunkt der Liberalen, hier miSzascbreiben, bedeute eine Verschleppung und Verteuerung. Die Hinausschleppung des Rathausbäues sollte doch zu denken geben. Genosse Obst meinte, daß die vorhandenen Beamten genügten und befähigt seien, die Arbeiten selbst auszuführen. Damit wurde die Vorlage an den Etatsausschuß zurückverwiesen.— Für die S chu l» z a h n k l i n i k sind erhebliche Unkosten entstanden, die aus anderen Positionsmitteln gedeckt werden sollen. In den Ausschuß für lieber- nahm« der Heimstätte Sternberg wurden B ä u m l e r und Küter und als Armeirpfleger Genosse 2. Krüger. Grunewaldstraße 95, in die. Deputation für Volksunterhaltungsabende Genosse Hofs- mann gewählt. Damit wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. Eharlottenbnrg. Ein schwerer Betriebsunfall ereignete sich gestern in der Fabrik für isolierte Drähte, Wilmersdorfer Straße 39. Dort kam der 26 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Langhoff. Wilmersdorfer, Ecke Schillerstraße wohnhaft, an der Jfolierinafchine mit seiner Bluse in die Walze. L. wurde dreimal bernmgeschleudcrt, wobei er einen Bruch deS linken Armes, eine erhebliche Quetschung des Brustkastens sowie eine Ausrenkung der linken Seite davontrug. In bedenklichem Zustande wurde der Verunglückte nach dem Krankenhause Westend gebracht. Rixdorf. Ans Furcht vor Arbeitslosigkeit hat vorgestern der 63 Jahre alte Arbeiter Paul THom aus der Mainzer Str. 52 seinem Leben ein Ende gemacht. THom, der auf dem Proviantamt in Tempelhof beschäftigt war, klagte seiner Frau, er fürchte aus der Arbeit entlassen zu werden, weil man ihn zu seinem Dienst für untauglich zu halten icheine. Als die Frau gestern nachmittag von einem Ausgange zurückkehrte, fand sie ihn tot vor. Er hatte sich in der Wohnung erhängt. Steglitz. Recht schwach besucht war die Gemeindevertreter- Sitzung am Freitag, de» 23. September. Erst nach Verstreichen eine« reichlich bemessenen akademischen Viertels erschien der Wackere, der die Beschlußfähigkeit herstellte. Die Länge der Tagesordnung stand im umgekehrten Verhältnis zum Besuch: 26 Punkte für die Lffenttiche und 3 für die geheime Sitzung. Das war ein etwas reichliches Menü für die erste Sitzung nach den Ferien. Doch die kleine Versammlung war zu großen Taten bereit: auf An- trag des Gemeindevorstandes wurde den Steglitzer Kriegs- Veteranen ein einmaliger E h r e n s o l d von 30 Mark pro Mann bewilligt. Der Bürgermeister teilte bei dieser Ge- legeuheit noch mit, daß Stegliu schon seit vier Jahren ungefähr 60 bedürftige Veteranen mit 20 M. pro Mann und Jahr unterstütze. Der Vaterländische Frauenvcrein beabsichtigt die Einrichtung einer Tuberkulös e-Auskunfts- und Für sorge st elle für unsere» Ort. Da ihm die Mittel fehlen, wandle er fick an den Gemeindevorstand, und auf dessen Antrag wurden nun 2000 M. be- willigt. Da im Etat schon 3000 M. zu dem Zwecke ausgeworfen sind, uni Tuberkulosekranken erfolgversprechende Kuren zu«rmög- licheu, trägt somit auch Steglitz etwas dazu bei, die verheerende Seuche zu bekämpfen. 500 M. wurden ferner bewilligt„zur Ge- Währung von Beihilfen an Personen de? Mittelstandes für Er holungSreisen ihrerKinder in den Ferien." Einmerk- würdigerAntrag, der von dem Bürgermeister als ein erster Versuch be- zeichnet wurde, auch den Kindern des M i t t e l st a n d e S au§ Gcmeinde- miiteln etwas zuzuwenden, nachdem Für die Kinder der Arbeiter aus öffentlichen Mitteln so reichlich ge- sorgt sei. Genosse Hamburg wandte sich gegen den Antrag in dieser Form. Er sei zwar gern bereit, diese 500 M., eventuell auch mehr zu bewilligen, um bedürftigen Kinder armer Eltern eine Erholungsreise zu ermöglichen, aber er wolle keine Klassenunter- schiede einführen. Seien unsere jetzigen Ferienkolonien für die Kinder des„Mittelstandes" nicht gut genug, dann möge man fie im Interesse aller Kinder verbessern und hierzu das verlangte Geld verwenden. Der Bürgermeister erwiderte, daß unsere Ferienkolonien allen Ansprüchen genügen, aber es solle speziell etwas für den Mittelstand geschehen. Wer und waS den„Mittelstand" eigentlich bildet, wo er beginnt und wo er endigt, wie die Auswahl der vielleicht zehn zu unterstützenden Kinder erfolgen soll, hat er nicht verraten. Das Kuratorium der höheren Lehranstalten hat das Bedürfnis, auf Kosten der Steuerzahler ein Fest zu feiern. Der Gemeindcvorstand unterstützte die Sache und beantragte die Be- willigung von 4000 M. zur Feier d e S 25 jähr, gen Be- it e h e n S deS Gymnasiums. Für dieses Geld soll ein Buch über daS Gymnasium herausgegeben, em Festspiel und Festessen veranstaltet werden. Die ersehnten Auszeichnungen werden dann schon nicht ausbleiben. Zur Einweihungsfeier der neuen Volksschule auf dem Platz Y. wurden gleichfalls 500 Mark bewilligt. An der von Groß-Berlin an- läßlich der nächsten Volkszählung geplanten Aufnahme einer Wohnungsstatistik wird sich Steglitz beleiligen; die Kosten hierfür wurden bewilligt. Nachdem schon früher an den höheren Schulen der Handfertigkeitsunterricht eingeführt wurde, soll dies nunmehr auch für die Knaben der I. G e- meindeschule zum 1. Oktober geschehen. Die erforderlichen Mittel in Höhe von 1723 M. wurden bereitgestellt. In dem neuen Völksschulgcbäude auf dem Platz Y sollen zum 1. April 1911 zwei Klassen der höheren Mädchenschule eingerichtet werden, um den Bewohnern deS Südender OrtsteilS entgegenzukommen. Lichtenberg. Seht dt»'Wählerlisten»in! Die Liste der stimmfähigen Bürger liegt nur noch vis ein- schließlich 30. September von vormittags 8 bis nach- mittags 3 Uhr im großen Sitzungssaal» des Rathauses aus. Bis zu dieser Zeit müssen die Einsprüche gegen die Richtigkeit der Wählerliste erhoben werden, weil später eingehende Einwen- düngen gegen die Richtigkeit nicht berücksichtigt werden. Wir fordern diejenigen, die eS bisher versäumt haben, Einsicht in die Liste zu nehmen, auf. unverzüglich dieser Pflicht nachzukommen, da nicht in der Liste Stehende sonst bei eventuellen Rachwahlen um ihr Wahl- recht konimen können. Wer selbst nicht die erforderliche Zeit hat, wende sich an die durch Plakate kenntlich gemachten Stellen und lasse von dort aus die Wählerliste für sich einsehen. Laste sich auch niemand durch den Beamten abweisen, sofern sein Name nicht in der Wählerliste steht, sondern verlange, daß der Protest zu Protokoll genommen wird.\ Lichtenberg-Friedrichsfelde. Zwei gut besuchte Protepversammlungen nahmen am Montag- abend zu dem Vorgehen der Regierung sowie der Polizei gegen die Bildungsbestrebungen der hiesigen Arbeiterschaft Stellung. In der überfüllten Lichtenberger Versammlung sprach Genoste D ü w e l l. Der Redner glossierte unter dem Beifall der Versammelten, welche Aufgaben der Polizei in Preußen zugewiesen werden. Besonders kennzeichnete er. da» unerhörte Borgehen derselben gegen die Freie Jugendorganisation. Ein Sturm der Entrüstung brach los. als Düwell das gesetzwidrige Lorgehen der Polizei aus Anlaß der am Donnerstag voriger Woche einberufenen Versammlung zur Sprache brachte. In der Diskussion trug Genoste Graf vor, was sich bei seiner Feststellung auf der Polizeiwache abgespielt hat. Genoste Kliem ersuchte die Anwesenden, sowohl für die Stärkung der politischen Organisation, wie auch für die Zuführung der schul- entlassenen Jugend in die Reihen der.Freien Jugendbewegung" Sorge zu tragen. In der gleichfalls gut besuchten Versammlung in Friedrichs- felde hatte Genoste Block das Referat übernommen. Auch hier wurde der Polizeistaat Preußen vom Referenten unter reichem Beifall der Versammlung kritisiert. Die Versammlungen nahmen folgende Resolution einstimmig an: Die heutigen öffentlichen Versammlungen der Orte Lichtenberg- Friedrichsfelde erheben den entschiedensten Einspruch gegen das un- gesetzliche Vorgehen der Lichtenberger Polizeibehörde, die das Bildungsbedürfnis der proletarischen Jugend nicht nur durch unrecht- mäßige Anwendung überlebter Kabinettsordnungen, sondern sogar durch flagranten Bruch der Bestimmungen des ReichSvereinSgesetzeS zu ersticken versucht. Die Versammlung erhofft von dem Bildung»- eifer der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, daß er sich allen polizeilichen Maßregelungen zum Trotz siegreich durchführen wird. Am Donnerstag, den LS. d. Vits., abends 8 Uhr. findet im Lokal „Schwarzer Adler", Frankfurter Chauffe» 6/6, eine öffentliche nicht- polittfche Versammlung für Erwachsene und die schulentlastene Jugend statt. Vorwagender Herr E. Graf. Der Einberufer. Paul Schwenk, Friedrichsfelde, Walderfeestr. bin. Tempelhof. Ja großer Eile brachte, wie wir bereit» kurz gemeldet, die Tempelhofer Gemeindevertretung den Ankauf I»s westlichen Teile» des Tempelhofer Feldes unter Garantie deS Kreises zustande. Während bei jeder Laterne, die gefetzt, bei jedem Baum, der gefällt werden soll, womöglich erst eine Kommission berät, bei einer so wichtigen Angelegenheit setzt sich die Vertretung leichten Herzen» darüber hinweg. Diese furchtbar große Eile scheint denn doch ver» dächtig zu sein. Am 31. August trat der Gemeindeborstand betreffs Ausarbeitung der Verträge mit den beteiligten Körperschaften in Verbindung und drei Wochen gingen ins Land. ohne daß die Vertretung auch nur eine Spur von dieser Tatsache zur Kenntnis erhielt. Die Verträge wurden durch den Vorstand in geheimer Sitzung vorgelesen; ohne daß auch nur ein Gemeindevertreter eine Absckirift derselben in die Hana bekam, um dieselben im stillen�Kämmerlein durchzustudieren, gaben sie in einer außerordentlichen Sitzung ihre Zustimmung. Selbst in vieler außerordentlichen Sitzung war von einer Debatte über das Projekt wenig zu hören, alles drehte sich nur um die Frage der Ein- geineindung. Wie leichtsinnig verfahren wurde, geht daraus hervor, daß laut Vertrag die ersten dreißig Häuser etwa 60 000 M. Steuern aufbringen sollen. Gewiß wird die neue„Tempelhofer Aktiengesellschaft für Grundstücksverwertung", an der die Gemeinde mit einer halben Million Mark Aktien beteiligt fein soll, alles daran setzen, schleunigst Häuser zu bauen. Wer gibt aber die Gewähr dafür, daß die Häuser auch bewohnt und bei weiterer Bebauung die Verkehrs- Verhältnisse bessere werden? Wenn die Gemeinde glaubt, ein so brillantes Geschäft zu machen, warum diese Geheimniskrämerei? Mit Recht betonte einer der Gemeindevertreter, daß in der Theorie die Verträge ganz schön aussähen, aber in der Praxis dürften der Gemeinde Tenipelhoi Schwierigkeiten erstehen. Wenn sich zwei Millionen Menschen in der Stadt Berlin wohl fühlen, so könnte Berlin die Tempelhofer auch noch aufnehmen. Es treten Anforde- rungen an die Gemeinde, die in der gegenwärtigen Zeit nicht über« blickt werde» könnten. Nur ein einziger Kollege sekundierte ihm. Nach einem Antrage auf namentliche Abstimmung wurden die Ver- träge nach dem Wunsche des Vorstehers mit allen gegen 2 Stimmen angenommen. Ober-Jchönetueide. Eröffnung des Krankenhauses. Das„Königin- Elisabeth- Hospital" ist jetzt fertiggestellt und es soll bereits am 10. Oktober mit der Belegung begonnen werden. Der Bau des Krankenhauses, das Vörden, als Elisabeth- Kinder-Hospital an der Hasenheide bestand, ist wesentlich deshalb in Ober- Schöneweide zu- stände gekommen, weil das von den Gemeinden Ober- Schöneweide, Friedrichsfelde und Friedrichshagen geleistete unverzinsliche Darlehen von 300 000 M. zur Hälfte die hiesige Ge- meinde getragen hat. Dieser Betrag ist nur in dem Falle rückzabl- bar, als das Grundstück nicht mehr zu Krankenhauszwecken benutzt wird. Es sollen vorläufig 100 Betten belegt und die Kurkosten den Berliner Sätzen angepaßt werden. In unserem Jndustrieorte mit seinen zahlreichen Betriebsunfällen ist mtt der Eröffnung einem wirklichen Bedürfnis abgeholfen. Nach langem vergeblichen Petitionieren um Einbeziehung unseres Ortes in den Nachbarortverkehr mit Berlin scheint jetzt doch ein Umschwung eingetreten zu sein. Von der Postbehörde ist an die Gemeindeverwaltung der Bescheid ergangen, daß der Herbslkonferenz der zuständigen Behörden die Einbeziehung empfohlen werden soll. Motze»(Kreis Teltow). Trotz alledem! „Die Versammlung, deren Zweck eS ist, Anhänger für die Sozial« demokratie zu werben, soll inmitten einer den Bestrebungen und Zielen dieser politischen Partei abgeneigten ländlichen Bevölkerung stattfinden. Die Teilnehmer würden sich aus den Kreisen der Ziegeleiarbeiter zusammensetzen, bei denen der übermäßige Genuß geistiger Gelränke, namentlich an Sonntagen und bei derartigen die Gemüter erhitzende» Gelegenheiten, die Regel bildet. Schlägereien zwischen der ländlichen und der Arbeiterbevölkerung sind in der in Betracht kommenden Gegend an der Tagesordnung, wie verschiedene Vorkomn, niste beweisen. Hiermit ist die Befürchtung begründet, daß die Versammlung Gelegenheit zu Reibereien und Ausschreitungen"unter den einander gegenüberstehenden Parteien und somit zur Störung der öffentlichen Sicherheit geben würde." So lautet der UkaS de» Herrn Amtsvorstehers Dr. Wirt in Josten, sekundiert vom Landrat des Kreises Teltow, mit dem der von un» einberufenen öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel die Genehmigung versagt werden sollte. Trotz der schikanösen, illoyalen Handlungsweise der Behörden ist es unseren Genossen gelungen, am Sonnlag, den 25. d. Mls., eine öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Janiszewsly ab- halten zu können. Zahlreich leisteten die Männer und Frauen von Motzen und Umgegend der Einladung Folge. Andächtig und auf- mertsam lauschten die Anwesenden den Darlegungen des Referenlen. des Gen. Groger-Rixdorf. War es doch die erste sozialdemokratische Versammlung, die in diesem Teile des Kreises Teltow stattfand. Reichlich ISO Personen— auS allen Schichten der Bevölkerung— füllten die Räume, Kopf an Kopf standen die Zuhörer bi» aus die Straße hinaus, um durch die offenstehenden Fenster und Türen den Vortrag hören zu können. Lebhafte Zustimmung fanden die Worte des Referenten, als er gegen die klemliche, gehässige Schikanierung und die Beschimpfung der Bevölkerung durch den Landrat und Amts- Vorsteher scharfen Protest erhob. Nicht minder begeistert wurde den Ausführungen zugestimmt, als der Redner die Ursachen und Wirkung der Zoll- und Steuerpoltt der Regierung und der bürger- lichen Parteien eingehend erörterte. Einstimmig wurde folgende Resolution angenommen: Die am 25. September 1910 im Lokale des Herrn Janiszewsly in Motzen stattfindende öffentlich« Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen deS Referenten einverstanden und Verspricht. für die Zukunft auS den Bestrebungen der Regierung und der herrschenden Klasie die sich ergebenden Schlußfolgerungen zuziehen und sich der politischen Organisation der Arbeiter, dem sozial- demokratischen Wahlverein anzuschließen. Die Versammelten protestieren außerdem gegen die beleidigenden Unterstellungen des Amtsvorstehers und Landrat«», nach dessen Behauptung sich die hiesigen Arbeiter dem übermäßigen Genuß geistiger Getränke hingeben und zu Ausschreitungen gegen Anders- denkende sich leicht bewegen lasten. Die Versammelten protestieren gleichfalls energisch gegen die ungesetzliche AuSlegnng de« ReichSvereinSgesetzeS durch den Herrn SmtSvorsteher und fordern unter allen Umständen, daß ihnen die gesetzlich gewährleisteten Rechte nicht vorenthalten werden. Wenn die preußische LandratSbureaukratie nicht gar so erhaben wäre und noch Gefühl für Recht und Unrecht besitzen würde, dann könnte sie auS diesem Falle lernen, in welcher offensichtlichen Weise hier ihrerseits mit der Wahrheit Fangeball gespielt wurde, und zu welchen kühnen Behauptungen sie sich versteigt. Jeder einzelne Punkt deS amtlichen Ukases ist durch die Tatsachen glatt widerlegt. Vor allem ist auch der Beweis aufs Neue erbracht, daß im Gegensatz zu der Meinung deS LandratS und Amtsvorstehers die ländliche Bevölkernng den Bestrebungen der Sozialdemokratie durchaus zugänglich ist. Ein lebhaftes Bravo erscholl, als der Vorsitzende der Versamm« lung, Genosse PagelS, zum Schluß ankündigle, daß wir wieder« konimen werden. Auch mit dem praktischen Ergebnis kann die Partei zufrieden sein, besteht doch die Gewißheit, selbst in diesem entlegenen Winkel des Kreises Teltow in kürzester Zeit einen eigenen Wahl- verein gründen zu können, da auch dieser Teil der Rnolutton von einem großen Teil der Versammlungsteilnehmer in die Tat um- gesetzt wurde._ Weistensee. Die Adresse de« OdmannS vom GewerkschaftSkartell. Genosten Rich. Daeschner. ist jetzt: Eedanstr. 60, vorn II. Sämtliche Zu- schriften sind an diese Ldreste zu richten. Pankow. Die Wählerlisten zu der am tv. November d. I. statt« findenden Neuwahl von sechs ausscheidenden Beisitzern zum hiesigen Gewerbegericht liegen bis inklusive 1. Oktober im hiesigen Rathause, Breitestr. 25/26, 1 Treppe, Zimmer Nr. 42, Wochen- tags von 8 Uhr vormittag? bis 2 Uhr nachmittags aus. Da nur wahlberechtigt ist, wer seine Eintragung in diese Liste beantragt hat, ersuchen wir die Arbeiter, die entweder in Pankow wohnen oder aber beschäftigt find, ihrer Pflicht nachzukommen. Ms Legitimation dient Jnvalidenlarte oder eine Bescheinigung deS Arbeit« geberS oder der Polizei. In grosseren Betrieben empfiehlt eS sich, eine Liste für alle Ar- beiter anzulegen, diese vom Arbeitgeber unterzeichnen zu lassen und sie dann dem Gewerbegericht zur Eintragung zu überreichen. Reinickendorf-Ost. Rochmals machen wir die Genossen auf die heute, nach- mittags von 4—8 Uhr. in den Hubertus-Sälen, Provinzstr. 77/79, stattfindende G e m ein d e v er t r et e r- wähl aufmerksam. Kandidat der Sozialdemokratie ist der C h e m i- gtaph Genosse Adolf Domnick, Amendestr. 39. Wahl- erechtigt ist, wer bei AuSliegen der Wählerliste— IS. Januar d. I. — mindestens ein Jahr in Reinickendorf, und zwar an diesem Tage in einer der nachbenannten Strassen wohnte: auch wer inzwischen aus dem Wahlbezirk oder aus der Gemeinde ver- zogen ist. Der 3. szur Wahl stehende) Bezirk umsaht daS östlich der Sonntagstrahe bis zum Grünen Weg und der Kühlweinstrahe ausichliehlich dieser beiden Ströhen belegene Gebiet des östlichen OrlsteUs, und zwar Seestrahe von der Justus« bis zur Benke- strahe. Justusstrahe 6— S3, GesellschaftS«, Aegir-, Neptun«. Beilkestrahe, Pankower Allee 26— SS, Mbert-Freitag-Straße 12—64, Schwarz«, Holz-, Papier«, Provinzstrahe, Grüner Weg, ausschließlich 2 und 11. Granatenstrahe, HauSotterstratze 20—87, Isar«, verlängerte Koloniestrahe, Bürger«, Hoppe-, Kamecke«, Herbst-, Sommer«, Frühling-, Winter-, verlängerte Sommer-, Nordbahn», Seebeckstrahe, Hansotterplatz, Schönholzer Weg 20—31, Wilkestrahe 11— S9, Rasch- dorffstrahe 15—98 und Amendestrahe 16—94. Genossen I Die Pflicht gebietet Euch nicht nur selbst zu wählen, sondern auch die Säumigen und Lauen aufzurütteln. Diese Wahl gibt Euch und den Wählern Gelegenheit, gegen die vorgenommene Sieuerhöhung von 20 Proz. in imponierender Weise zu demonstrieren und gleichzeitig gegen die beabsichtigte weitere Er- höhung des Kommunalzuschlages. KmfKasten der Redahtiow. »»« fnrlftlt»« spr-chftnnd« flnvet Lt»dei>f»rae>« Nr., dorn biet Trevvcn— Irnlirfrubl—. toorfjenffiqlirt) von bis?>/, Ilbr abends, Sonnabends von 4'/, bis« Uhr nachmitlaqS ftatt. Zeder für den Brief- käste» bestimmten'linsraii- ist ein Bnibnade und eine Aabi als Merk- »e»be» t>el»»iuae». Briefliche Antwort wird nicht erteilt. Eilioe »Zraaen trage man in der Svrechfrunde vor. ft. R. Der Pah ist hierbei ohne Einslnh. ES muh rechtzeitige Ab« meidung erfolgen.— M.(S. IS. Wenn es sich um einfachen Diebstahl Handell, in drei Jahren, sasem nicht Unlerbrechung der Verjährung vor- liegt. DaS letztere ist in der Regel der Fall. Die Frist beginnt in diesem Fall mit der letzten richterlichen Handlung.— Fürsorge. 1. Ja, wenn er dazu imstande ist. 2. Ebenfalls ja. Um sagen zu können, in welcher Höhe das Einkommen belassen werden muh, ist nötig, zu wissen, welcher Anzahl von Personen Sie sonst noch aus Gamd gesetzlicher Vorschrift Unterhalt zu leisten baben und wie hoch Ihr Einkommen ist.— Beelitz 63. Wenn Ihr lljahriger Bruder auch Valerias ist, so steht ihm ein Anspruch aus Er- slattung der Hülste der Beiträge zu. Der Antrag ist seitens des Vormundes bei dem MagistratSkommiffar für Invalidenversicherung, Am Köllnischen Park 8, vor Vollendung deS 15, Lebensjahres Ihres Bruders und vor Ablauf eines Jahres nach dem Tode Ihrer Piutter anzubringen. — M. P. 137. 1. Unseres Erachtens ja, wenn nicht im Mietsvertrag ein Verbot enthalten ist. 2. Für den Fall deS Obsiegens muh der Gegner die Kosten tragen. 3. Beleidigungsklage kann nur in gesondertem Ver- fahren bei dem Schöffengericht erhoben werden. Der Klage muh ein Sühneversahren vor dem zuständigen Schiedsmann vorausgehen.— F. G. 18. Sie müssen das Mädchen zur Krankenkasse anmelden.— F. G. 36. 1. Dem konlgl. Polizeipräsidium unterstellt. 2. Die Stadt Berlin.— M. E. 63. Ihre Tochter ist an den Vertrag gebunden. — H. H. Eharlottenburg. Wir betonen wiederholt, dah wir Aus- künste, die die Umgehung der Unterhaltspflicht einem unehelichen Kinde gegenüber bezwecken, nicht erteilen.— W. W. Wilhrlmstrafte. Rein. Mittwoch und Donnerstag■ Qi*o«ser Verkauf von Restabsohnitteii und Resibestlnden. welche sich wihrend unseres Uebernahme-Verkaufs angehäuft haben,«u staunand billigan Preiaen.— Alle anderen Waren haben wir, um mit den alten Vorräten schnell zu räumen, nochmals erheblich heruntergezeichnet. Diese ungemein günstige Gelegenheit bietet sich nur noch haute und morgent da wir am Freitag unser Geschäft wegen Neu-Elnrichtung und Komplettierung der Lflger geschlossen hatten müssen. Die Wieder-Eröffnung erfolgt Freitag nachmittag 3 Uhr Die Rest beut An de de*» Lebensmittel- Abteilung- spez. Konserven) werden spottbillig abgegeben i Norden- Marken N erden- M arken Adreßbuch Berlin und seine Vororte 1911. m j Die Hauslisten für den Jahrgang 1911 sind den Herren Hauseigentümern bzw. Verwaltern zur Weiter. gäbe an die verehrlichen Haushaltungsvorstände zugegangen. Letztere werden gebeten, die erforderlichen Angaben genau und deutlich in die Hauslisten einzutragen und diese so schnell wie möglich weiterzugeben. Diejenigen Gewerbetreibenden, denen eine besondere Eintragungskarte für ihr Gewerbe nicht zugestellt wurde, mögen auf sorg. fältiges Ausfüllen der einzelnen Rubriken.in der Hausliste achten, weil diese Angaben auch als Grundlage für die Aufnahme im Gewerbenachweis benutzt werden. Da die Abhalmig der Hauslisten Montag, den 3. Oktober, beginnt, so richten wir an diejenigen Haushaltungsvorstände, denen die Hauslisten bisher noch nicht vorgelegt wurden, das Ersuchen, bei ihren Hauseigentümern oder Verwaltern wegen der Liste Nachfrage zu halten und für eine schleunige Eintragung Sorge zu tragen oder mir ihre Angaben unverzüglich direkt zugehen zu lassen. Es empfiehlt sich, die Vor. bestellung auf Adreßbücher gleichzeitig in die dafür vorgesehene Spalte der Hausliste einzutragen, da mit Schluß des Vorbestellternnns— 81. Oktober— der um 2 Mark höhere Ladenpreis eintritt. Da die Bewohner der Reichshauptstadt daS größte Interesse daran haben. daS Adreßbuch so vollkommen und zuverlässig wie nur möglich gestaltet zu sehen, dürfen wir wohl erwarten, daß alle Einwohner durch genaue Ausfüllung der Hauslisten und durch deren schleunige Weitergabe die mühevolle und kostspielige Zusammenstellung unterstützen. Berlin, den 27. September 1910. LV 63, Ziinmerstrah» 36-41. August Schert. Uorwarts s-i-tzlich Cigaretten umw Das beste an Qualität zurzeit! gvsL» Keine Hueitattung— dafür Qualität 1 riur echt mit zwei roten Fahnen! Randarbät I siur organisierte Hrbeiter I Bekannlmachnng. Behuss Verarüßcrnngructlcflc meine Fabrikations-, Liager- 1 Eugros-Vcrkaufsriiame am 1. Oktober er. nach Swinemünder Str. 64,'■ an der Millionenbrücke(Aufgang RamlerstraOe). 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