Kr. S28. HbonncmcntS'Bcdingungcn: tlbonncments- Prci-Z pränumerando i Licrtcljährl. S�c» Mp, monatl. 1,10 SRI, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Slummcr S Pfg. Sonntags- nuniincr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- tlbonncmcnt: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Marl, fiir das iibrlge Ausland Z Marl pro Monat. Postabonnemenls nehmen an: Belgien, Dänemark Holland, Italien, Luxemburg, Portugal. Nuuiänicn, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. CiWnt ttgllch auQcr tüontags. Berliner Volksblnlt. vle snIeNionz-Sedahr veirägt für die sechsgcspaltcne Kolonel- zeile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gcwerlschaslliche Vereins- und Versammlungs-Anzcigcn 30 Pfg. „kleine Pln-eigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg, Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Runinier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcöfsnet. Telegramm- Adresse: „SonUllleinolirat Rirliul Zentralorgan der fozialdemokrati fchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindcnstrasac 69. Fernsprecher: Amt l\, Nr. 1983. Expedition: SM. 68, Lindenatraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Ein beispielloser Skandal spielt sich seit mehreren Tagen in Moabit, einem Teil der Reichshauptstadt, ab. Seit Ende voriger Woche hat dort die Polizei den Kriegszustand erklärt. Durch ihr kriegerisches Auftreten hat sie nicht nur Neugierige, sondern auch jene skandallüsternen Elemente nach Moabit gelockt, die dank unserer herrlichen kapitalistischen Kultur, dank unseres Dirnen- und Zuhälterivesens. dank der allbekannten Tatsache, daß unsere Strafanstalten nichts sind als Hochschulen für die Verbrecher, in einer Millionenstadt natürlich nicht fehlen. Und nun entwickelte sich seit mehreren Tagen allabendlich, und zwar mit gesteigerter Heftigkeit, folgendes Bild: Die Polizei marschiert in stattlicher Zahl und in provozierender Haltung auf. Der „Janhagel", dieser Bodensatz unserer famosen kapitalistischen Kultur, Taugenichtse oder auch nur jugendliche Elemente, denen der Radau ebenso viel'Spaß macht wie den Bonner B 0 r u s s e n oder der goldenen Jugend in der Neu jahrsnacht. hänseln die Polizei. Diese geht plötzlich zur Attacke über und schlägt nun blindlings auf alles los, was ihr vor den Säbel kommt I Die wirklichen Radaumacher, jugendlich flinke Elemente, haben sich schleunigst aus dem Staube gemacht, und die Säbelhiebe, flache oder auch scharfe, wie's gerade trifft, hageln nun auf friedliches Publikum her nieder, das höchstens Neugierde, häufig aber auch Geschäfte, auf die Straße getrieben haben. Arbeiter, die ruhig von der Arbeit nach der Wohnung zurückkehren, werden blutrünstig gel schlagen, werden von den Pferdehufen der rücksichtslos Attacke reitenden Schutzmannschaft niedergetreten und schwer verletzt! Und diese Angriffe erfolgten, bevor jemand die Aufforderung zum Auseinandergehen vernommen, bevor die Menge sich zev streuen konnte! Kein Wunder, daß die Gärung unter den Massen um sich greift. Ist das, fragt sich der einfache Mann, ein Zu st and der Rechtssicherheit, wenn die Polizei der friedlichen Bevölkerung in der Reichshauptstadt einfach Schlachten liefern darf; wenn sie einhaucn darf, ohne zu fragen, wen sie trifft? I Hat die Polizei, fragt der Staats bürger, ein Recht, blindlings auf friedliche Staatsbürger drein zuhauen und zu schießen, weil sie von einzelnen Provokanten verhöhnt und belästigt worden ist? Freilich, die polizeioffiziöse Presse— und die ganze bürgerliche Presse bis zur l i n k s l i b e r a l e n hat sich in. diesen Tagen zum Sprachrohr der Polizei hergegeben! hat sich ja um den Nachweis bemüht, daß die Polizei in Moabit gar nicht anders hätte handeln können. Sei sie doch nicht nur verhöhnt, sondern in der unanständigsten, frechsten Weise angegriffen Ivorden. Habe doch der Janhagel so ab- scheuliche Exzesse verübt und so bodenlos frech gehaust, daß die Polizei zur Aufrcchterhaltung der Sicherheit zu den schärfsten Mitteln habe greisen müssen. Wir b e st r e i t e n die Richtigkeit dieser Darstellung mit aller Entschiedenheit! Daß gröbliche Exzesse vorgekommen sind, ist richtig; aber diese Exzesse sind nicht nur beispiellos übertrieben worden, sondern die Polizei hat auch gerade das allerverkehrte st e Mittel erwählt, um der �kzcsse Herr zu werden und die Ruhe wieder herzustellen I Stein Zlveifel, daß die Polizei, um ihre schroffen, geradezu unerhörten Maß« ahmen zu beschönigen. die begangenen Ausschreitungen maßlos hat übertreiben lassen! Da sollten beispielsweise Türen und Fenster einer Kirche völlig demoliert worden sein. In Wirklichkeit sind einige Fenster dieser Kirche durch Steiwvürfe beschädigt worden; von der Demolierung der Türen, also dein Kriterium der Gewalttätigkeit, ist kein Wort wahrl Ebenso sollte der„Janhagel" der Polizei förmliche Schlachten geliefert, zahlreiche Polizisten durch Steinwürfe oder gar Sckiüsse schiver verletzt haben. Nach den letzten Meldungen sollen bis jetzt überhaupt nur zwei oder drei Schutzleute erheblich verletzt worden sein, während die Zahl der durch die Säbel oder die Browniug-Pjstolcn der Schutzleute verletzten Zivilpersonen sich nuf Hunderte belaufe« soll! Geradezu tolle Szenen sollen sich, und zwar gerade nach den polizeioffiziösen Darstellungen der bürgerlichen Presse, in der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch abgespielt haben. In dieser Nacht soll die Polizei blindlings 163 scharfe Schüsse auö ihren Browniitgpistolcn abgegeben haben! Schüsse nach Balkons und Fenster», die nicht sofort auf polizeilichen Zuruf hin geschlossen oder geräumt wurden; Schüsse durch Haus- türeu hin in die Hausflure, Schüsse aus dem Hausflnr nach den Etagen hinauf! Wenn es also noch keine zahlreichen Toten bei diesen unglaublichen Schießereien gegeben hat, so ist ie tauge noch? das lediglich dem Zufall, nicht aber der Einsicht der Polizeibehörde zu danken I Ist es doch bekannt genug welch gefährliche Waffe die Browning-Pistole ist, deren Geschoß zwei bis drei hintereinanderstehende Personen zu durchschlagen vermag! Wenn aber behauptet wird, auch vom Publikum sei, wie die Geschoßspuren in den Türfüllungen bewiesen, mit Revolvern aus den Hausfluren heraus durch die Türen auf die Polizei geschossen worden, so ist die Behauptung von vornherein lächerlich! Denn die Brownings der Polizei durchschlagen zwar glatt auch die stärkste Haustüre, eine Revolverkugel jedoch wäre harnilos im Holz stecken ge- blieben! Die polizeioffiziös bediente Presse erzählt auch, daß die Polizei ans ihren Brownings ein förmliches Salvenfeucr gegen die Fenster einer Anzahl von Häusern gerichtet habe! Diese ungeheuerliche Schießerei wird damit entschuldigt, daß sich aus fast allen Fenstern ein Hagel von Steinen, Töpfen, kurz von Wurfgeschossen aller Art auf die vordringenden Schutz- leute ergossen habe. Danach müßte also der„Janhagel" in den respektablen Vorderhäusern wohnen! Oder aber: die auch nach Bourgeoisbegriffcn„hochanständigen" Bewohner dieser Vorderhäuser müßten durch die Polizeiattacken derartig erbittert worden sein, daß sie aktiv in den Kampf eingegriffen hätten! Da dieser Kampf aber— die geringfügigen Verletzungen der Polizeimannschaftcn beweisen das— zum guten Teile nur in der Phantasie polizeiosfiziöser Berichterstatter existierte, muß das Beschießen einer Anzahl von Häusern durch die Polizei nur als eine Maßregel betrachtet werden, die ebenso wie die Säbclattacken auf harmlose Straflenpasianten geeignet sind, statt Ruhe zu schaffen, die Empörung der Bevölkerung ins Maßlofle zu steigern! Herr v. Jagow und seine Hintermänner scheinen den Kopf völlig verloren zu haben. Es war schon schlimm, daß sich das Ministerium des Innern durch die Order des Zechengewaltigen Stinnes veranlassen ließ, den Kohleufuhren der Firma Kupfer jenes auffällige und provo- zierende Schutzmannsaufgebot mitzugeben, das dann etliche Streikbrecher ermutigte, auf das Publikum zu schießen, wodurch ja der erste Anlaß zu Menschenansaminlungen gegeben wurde. Daß die Berliner Polizei bei Streiks stets zugunsten des Unternehmertums Partei ergreift, ist ja bekannt, sozusagen gerichtsnotorisch; aber daß sie den Konflikt bis zum Massaker gegen daö Volk treibt, das ist denn doch erstaunlich! Denn das rücksichtslose Dreinschlagen gegen ein zu neunundnennzig Hundertsteln gänzlich un- beteiligtes Straßenpubliknm ist doch schließlich nichts anderes als ein Massaker! Mit der Berufung darauf, daß doch die Straße frei- zuhalten sei. sollte man just in Berlin nicht so ohne weiteres zu kommen wagen, haben es doch viele tausende Berufstätiger jahraus jahrein erleben müssen, daß ihnen bei Paraden und sonstigen byzantinischen Kundgebungen die Straße sogar für den Verkehr einfach gesperrt wurde! Es ist deshalb ganz unglaublich, daß Scharf- macherorgane melden, es sei nunmehr vom Ministerium des Innern die Weisung ausgegangen, nunmehr noch „energischer" vorzugehen und die„Tumultuanten" mit „schonungsloser Energie" zu Paaren zu treiben! Sollte denn den Verantwortlichen im Berliner Polizei- Präsidium und im preußischen Ministerium des Innern wirk» lich jede Spur der Besonnenheit abhanden gekommen sein? Sollten sie wirklich das Ausland glauben machen wollen, daß in der Reichshauptstadt der Bürgerkrieg ausgebrochen sei?! Wir Sozialdemokraten stehen den ganzen Vorgängen mit absoluter Passivität gegenüber. Wir sind so vollständig unbeteiligt, daß wir in der Tat dem Verhängnis der völligen Bankerottcrklärung des preußischen Polizeistaats den unge- störtesten Verlauf lassen könnten. Denn die mehr als albernen Verdächtigungen der Scharfmacherpresse, den Moabiter Unruhen müsse doch wegen ihrer Hartnäckigkeit und ihrer wachsenden Lebhaftigkeit eine Organisation zugrunde liegen, verdienen nicht mehr als eine beiläufige Er- wähnung. Was die„ P 0 st", die„Verl. N e u e st e n Nachrichten" und die„ DeutscheTageszeitung" in dieser Beziehung zum Besten geben, ist so lächerlich, daß es wirklich nicht einmal des Versuches einer Widerlegung lohnt. Mag das scharfmacherische Preßgesindel hetzen, soviel es will, mögen das Ministerium des Innern und der Berliner Polizeipräsident so viel Unbesonnenheiten begehen, als ihnen gutdünkt: Der Sozialdemokratie werden auch durch die neuesten Polizeiattackcn wieder Hunderttausende neuer An- Hänger zugeführt werden! Mag die Exekutive des Junkertums und des kapita- listischen Feudalismus sehen, wieweit sie mit ihrer Taktik des rücksichtslosen Draufgängertums kommt! Der Sozialdemo- kratie schadet sie wahrhaftig nicht, denn die Angehörigen der sozialdemokratischen Partei haben mit den„Krawallen" in Moabit nicht das geringste zu tun. Die Sozialdemokratie hat nicht einmal Ursache, an ihre Parteigenossen eine befon- dere Warnung zu richten, weil sie sicher ist, daß ihre Anhänger sich selbst durch die stärksten polizeilichen Provokationen nicht zu Unbesonnenheiten hinreißen lassen! Weder die geWerk- schaftliche noch die politische Organisation des klassenbewußten Proletariats hat an den traurigen Vorkommnissen in Moabit irgendwelchen Anteil! Wohl aber würden sich auch die Organisationen des klassenbewußten Proletariats nicht geweigert haben, au der sofortigen Wieder» Herstellung der Ruhe mitzuarbeiten— und mit ganz anderem Erfolg als die Polizei!—, wenn sie von den Behörden darum ersucht worden wären! Dazu fühlten sich der Polizeiminister und der Berliner Polizeipräsident natürlich zu erhaben. Vertraten sie doch noch den Vormärz- lichew Standpunkt, daß das Publikum nur der Majestät der Polizei wegen da sei, nicht aber die Polizei des Publikums wegen! Und nicht nur die Organisationen der Arbeiter» s ch a f t, sondern auch die kommunalen Körperschaften und die P r e s s e würden in der Lage gewesen sein, die Ruhe wiederherzustellen, wenn man nur vernünftigerweise ihren Beistand angerufen hätte! Aber man wollte es mit dem Polizeisäbcl, mit den Brownings schaffen! Man wollte die Diktatur des Säbels und der Brow- nings proklamieren! Mit dem E r f 0 l g e, daß die breitesten Massen nun endgültig aufgeklärt sind über das Säbelregi» ment der preußischen Klassenherrschaft! Wie lange noch?! Die nächste Reichstagswahl wird der blindlings ihrem Verhängnis entgegentaumelnden Reaktion die Quittung präsentieren! Die Polizei über die Schlacht in der JSacht zum|Mitt\voch. Der sehr phantasievolle Polizeibericht läßt sich wie folgt auZ: Bis 7 Uhr abends war nichts vorgekommen. In der Annahme, daß die Zustände vom Montag, da? heißt die Ueberhandnahme des Janhagels sich wiederholen würden, ivaren für den gestrigen Abend seitens des SchutzkommandoS des Knpferschen Lagerplatzes stärkere Abteilungen unter Führung von Offizieren in den Straßenteilen stationiert worden und zwar: 1. ein Offizier, ein Wachtmeister und 30 Mann an der Ecke der Beiissel- und Sickiiigcnstraße. 2. zwei Offiziere, zwei Wachtmeister und 5V Mann vor der Neforrnationskirwe in der Bcusselslraßc. 3. zwei Offiziere, zwei Wachtmeister und 30 Mann an der Ecke der Beussel- und Tnrmstraße. 4. 2 Offiziere, 1 Wachtmeister und 30 Mann in der Wittstocker, Ecke der Rostocker Straße. 5. 1 Offizier, 1 Wachtmeister und 32 Mann als Reserve für oie vorgenannten Kommandos auf dem Lagerplatz in der Sickingen» ftraße. Gleich nach dem Aufziehen der Kommandos wurden die Be- amtcn an der Beussel- und Sickingerstraße-Ecke sowie an der Re- iormationskirche mit Steinen beworfen, so daß sofort von der Waffe Gebrauch gemacht wurde. Ein verletzter Schutzmann, der von einer Bierflasche getroffen worden war, mußte ins Moabiter Staufen» Haus gebracht werden. Ebendorthin wurde einer der Demonstran» ten wegen einer schweren Hiebwunde am Kopfe geschafft. Nach den Wahrnehmungen gingen die Angriffe und Widersätzlichkeiten meist nicht von dem sogenannten Janhagel, wie am Abend vorher, sondern von besseren Arbeitern aus. Uebcrall wo es zu Zu- sammenftößen kam, ist energisch von der Hieb- und Schusiwaffe Gebrauch gemacht worden, so z. B. vor dem Hause Huttenstraße 70, auf Charlottenburger Gebiet, wohin diesseitige Beamte zur Unterstützung der Charlottenburger Beamten entsandt worden waren. Berletzungen von Schutzleuten sind hierbei nicht vvrge- kommen, ob von Demonstranten, ist nicht bekannt geworden. Aus der Mitte der letzteren ist mehrfach auf die Beamte» geschossen worden.(?? Red. d.„B.") In der Zwinglistraße wurden auf einen leider nicht ergriffenen Flaschenwerfer mehrere Schüsse ab- gegeben. Aus einem Stockwerk des Hauses Waldftratze 43 sind Beamte vom Kommando des Leutnants Weber II mit Blumentöpfen von den Fenstern aus geworfen worden. Bei der Feststellung der Täterin, einer Frau Reinhardt, in deren Wohnung, warf diese mit einer brennenden Lampe nach den Beamten(?? Red d.„V.") und simulierte unter lautem Gekreisch eine Ohnmacht. Beim Hin- werfen geriet sie(!) in die Glasscherben ihrer eigenen Lampe und Ijal sich iaSci nicht uitciTjeMid) verletz?. Vc!!>M lvieder�olkeit Räumen der Beusselstratze wurden vor Nr. 29 aus Haustüren und Fenstern aus die vorübergcheudcn Schutzleute und den Polizei� lcutnant Kirchner mit Steinen geworfen. Der verletzte Tater cnt kam jedoch unter Zuriicklassung� seiner Mütze. In der Beussel straßc trat dann allmätzlich gegen 19 Uhr abends Ruhe ein. Da gegen erhob sich in der Roswaerstratze, zwischen der Wittstocker und Huttenstratze, eine größere Ruhestörung. Dahin entsandte Pa- trouillen des Kommandos Sommer wurden beschossen(?) und mit Flaschen, Porzellan, Steinen und Eiseustücke» beworfen. Wieden holt mußte gegen die johlende Menge mit Ranker Waffe und schließ lich, da die Angriffe nicht aufhörten, mit der Schutzwaffe gegen die Temonstranten vorgegangen werden. Dun Durchziehen dieser Straßenteue mit der Schußwaffe wohnte der Polizeipräsident per- sönlich bei und überzeugte sich von den heimtüctischen und hinter listigen Angriffen der Hausbewohner auf die exekutiven Organe Stcinwsirfe und Schüsse(?) der Temonstranten ans Fenstern und von Balkoncn wurden von der Schutzmannschaft auf den erhaltenen Befehl nach beiden Stratzcuscitcn hin mit Schüssen beantwortet. Leider konnten die Täter, da sie sich sehr versteckt zeigten, bezw. hinter verschlossenen Haustüren sich aufhielten, nicht festgenommen werden. Der Straßendamm war mit Glas- und Porzellanscherben sowie anderen Wurfgegcnständen derartig bedeckt, daß die Beritte- nen nicht mehr hineingeschickt wenden konnten. Dieser Kampf mit den Tumutuanten dauerte ungefähr bis 12 Uhr nachts. Das energische Vorgehen mit der Schußwaffe hatte den Erfolg. daß die Demonstranten sich nun nicht mehr auf die Straße wagten und nicht mehr geschlossen gegen die Schutzleute vorgingen.� Statt dessen hatten sie vor dem Hause Rostocker Straße 13 Holzstiicke und Bretter auf dem Stratzendamm zusammengeworfen, diese entzündet und damit einigermaßen die von ihnen durch vorherige Zertrümmc rung von Strätzcnlaternen verdunkelte Straße erleuchtet. Nach dem die requirierte Feuerwehr die brennenden Holzteile gelöscht hatte, hörten die Angriffe auf und es trat allmählich Ruhe ein. Gegen 2'/e Uhr nachts konnte mit der Entlassung der Beamten begonnen werden. Um 2� Uhr waren sie sämtlich zurückgezogen worden. Nur auf dem Kohlcnplatz in der Sickingenstraße war ein Sicherheitsdienst vorhanden. Nach den bisherigen Ermittelungen sind insgesamt 39 bei den Unruhen in Moabit verletzte Personen in Krankenhäusern auf- genommen worden, doch dürfte sich die Zahl der überhaupt Ber- letzten auf ungefähr 109 belaufen. *** Bürgerliche und polizeiliche Schauermärchen Wenn man diese Mitteilungen und die bürgerliche Presse liest dann könnte man annehmen, daß in ganz Moabit kein Stein au dem andern mehr stehe. In Wirklichkeit sind außer einer großen Anzahl zerbrochener Laternenscheibcn weitere Schäden nicht zu ver- zeichnen, wenn man nicht die eingeschlagenen Torwegscheiben hinzu- rechnen will, die wohl durchweg von den Schutzmannssäbel» zcr- trümmcrt worden sind. Die gröbsten Beschädigungen hat das Warenhaus Meier erlitten, in dessen Schaufenstern sich faustgroße Löcher befinden. Ferner ein Bierausschank in der Rostocker Straße, der bei den Exzessen demoliert worden ist. Die von den Schießereien„zerstörten" Häuser sucht man ver gebens. In der Rostocker Straße standen in den gestrigen Mittags stunden Hunderte von Neugierigen, die gern die Spuren der Kugeln gesehen hätten. Außer ein paar Abschürfungen an den Balkons ist das betreffende Haus unversehrt. Auch nicht eine zerbrochene Fensterscheibe war? zu entdecken. Wie gesagt, sind die bedauerlichen Ereignisse weit über die Tatsachen hinaus ausgeschmückt worden. Daß aus den Fenstern der Vorderwohnungen so viel Gegenstände auf die Schutzleute geschleudert wurden, bestätigt sich nach unseren eigenen Beobachtungen durchaus nicht, obwohl wir im Laufe des Abends, bis in die Morgenstunden, uns an den kritischsten Stellen aufgehalten haben. Man muß hierbei noch in Betracht ziehen, daß die Bordcrwohnungen meist von Beamten und Angehörigen des Mittelstandes bewohnt sind, die mit Verwunderung in der von ihnen gelesenen Scharfmacherpresse ihre eigenen angeblichen Schandtaten gelesen haben werden. Ueberhaupt können wir auch diesmal der Polizei, nicht den einzelnen Personen, sondern der Gesamtheit, den Vorwurf nicht ersparen, daß sie unnötigerweise durch ihr Vorgehen die Situation verschärft hat. Nicht nur, daß sie sich in Wirtschaft� liche Kämpfe einmischt, was sie besser unterlassen würde, nein, und hier stimmen ernste bürgerliche Kritiker mit uns völlig überein, sie findet auch den Ton nicht, den der tägliche Ilmgang mit dem Volke erfordert. Unsere Polizei ist gewohnt, mit Kanonen nach Spatzen zu schießen und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Sie sieht im Bürgersmann den Rekruten, der unbedingt zu parieren bat, und verpflanzt den Kaserncnton auf die Straße. Wer die Polizei bei den jetzigen und bei den früheren Anlässen beobachtet hat, dem muß die geradezu krankhafte Nervosität und Aufgeregt heit der Schutzleute, besonders aber der Vorgesetzten auffallen. Wir konnten Szenen sehen, wo das Einhaucn völlig unmotiviert war. Da steht eine Gruppe Neugieriger und starrt die Beamten an. 5iein Mensch denkt an etwas Böses, bis irgendwoher eine Bcmer kung, ein Ruf fällt. Sofort fangen die Schutzleute wutentbrannt an zu rennen und es entbehrt nicht einer gewissen Komik, wenn die meist ziemlich beleibten Herren in ihrer schweren Uniform ein solches Wettrennen veranstalten. Mehr Ruhe wäre hier dringend am Platze. Und noch eins: Das„Berliner Tageblatt" hat dieser Tage einige Kraftausdrücke aus dem„Vorwärts" bemängelt und über den schlechten Ton geklagt. Vielleicht hält sie auch einmal unserer Polizei Vorlesungen über den guten Ton. Ausdrücke wie: «verfluchte Saumcnscher, Lausejungens, Mistbande, verdammte Schneppe, Halunken", um nur einige Bezeichnungen aus dem Sprachlexikon der Polizei zu nennen, verstoßen sicherlich gegen »Knigges Umgang mit Menschen". Auch mit der angeblichen Schießerei seitens des Publikums ist es nicht weit her. Nach von unseren Berichterstattern gemachten Be- obachtungen rührte das Knallen von Feuerwerkskörpern, sogenannten „Fröschen", her, die halbwüchsige Burschen'zu ihrem Gaudium los- feuerten. Und daraus antwortet die überreizte Berliner Polizei mit Browningpistolen! * » Die Stimmung der JVIoabiter Bürgerfchaft hat sich nach einer Korrespondenz- infolge der Schlacht in der Nacht zum Mittwoch beträchtlich geändert. Von vielen Seiten werden 5llagen laut, daß die untergeordneten Organe der Be- Hörden in ihren Maßnahmen zu weit gegangen seien, daß friedliche Bürger von Schutzleuten förmlich überfallen und arg mißhandelt worden wären. Es werden ferner Klagen laut, baß Schutzleute in die Häuser eingedrungen, aus denen nicht geschossen wurde, und in welche sich auch Exzedenten nicht hineingeflüchtet hatten. Die Beamten sollen dann in fried- liche Wohnungen eingedrungen sein, nachdem sie die Flur- füren zertrümmert und in den Aimmertt befindliche Personen bedroht haben. In einzelnen Fällen sollen auch Mißhand- liingen Ilnschuldiger in ihrem eigenen Heim vorgekommen sein. Tie Moabitcr Hausbesitzer wollen deshalb eine Protestvcrsammlung veranstalten und sich dann beim Minister des Inner» über das willkürliche Vorgehen seiner untergeordneten Organe öe- schweren. s»» Eine von d'er Polizei bediente'Korrespondenz, die sich nicht genug in Schauergeschichten tun kann, meint dazu: Das wird ihnen wohl nicht viel nützen. Wir glaubens auch. Aber wenn es den Bewohnern Moabits, die in diesen Tagen von der reaktionären Presse aufs schwerste beschimpft worden sind,„nichts nützt", dann nützt es vielleicht der politischen Aufklärung. Moabit war in Verlin bisher noch der einzige Stadtteil, in dem ein einiger- maßen erheblicher Teil der Einwohner auf das konservative Banner schwor. ein„modernistischer" Kardinal. Das Kranhenjournal in der Dnfalirtation beschlagnahmt. Jetzt fahndet nun auch die Staatsanwaltschaft strengstens au: die an den Krawallen Beteiligten. Die Polizei verlangte von einer Unfallstation die Namen derjenigen Personen, denen dort ärztliche Hilfe geleistet worden ist. Die Aerzte der Station verwei- gertcn unter Berufung auf Z 399 Str.-G.-B.(Wahrnehmung des ärztlichen Berufsgeheimnisses) die Angaben dieser Namen. Darauf erschienen Kriminalbeamte und beschlagnahmten unter Vorlegung einer Verfügung des Oberstaatsanwalts die Bücher der Station. Der P r o t e st der Aerzte unter Berufung auf ihr ärztliches Be- rufsgeheimnis blieb fruchtlos. Wie verlautet, beabsichtigt die Staatsanwaltschaft, gegen die Personen Anklage wegen Aufruhrs zu erheben. *•' Die Schüler der ßemeindefchulen JVIoabits, die mit dem gestrigen Tage in die Herbstferien gehen, sind beim Schulschluß von den Lehrern ernstlich gewarnt worden, während der Unruhen auf die Straßen zu gehen, bei Eintritt der Dunkelheit auf den Straßen zu spielen oder gar sich an den Exzessen zu beteiligen. Die Lehrer haben in ihren Ansprachen auf die damit verbundene Lebensgefahr hingewiesen. *»* Sin merkwürdiges polizeiverbot. Polizeilich verboten wurde gestern vormittag ein Plakat der Flirma Gebrüder Prcuß in der Hutten-, Ecke Beusielstraße, des Kaufhauses, dessen Auslagen in der Nacht zu Dienstag zerstört wurden. Das Plakat lautete: „Dem Publikum zur Kenntnisnahme, baß wir mit den Streikbrechern nicht in Geschäftsverbindung stehen. Hohe Belohnung, der uns das Gegenteil beweist." Angeblich infolge der großen Menschenansammlung vor dem Fenster der Firma ließ die Polizei diese Bekanntmachung ent fernen. Hier wird also ein Geschäftsmann durch die Polizei direkt gehindert, dem Publikum eine Mitteilung zu machen, die unzweifel hast zur Beruhigung beigetragen hätte. Wie die Firma Preutz, bittet uns auch das Kaufhaus M. Meyer in der Nostocker Straße, mitzuteilen, daß das Gerücht, sie habe an die Firma Kupfer Schlafdecken geliefert, ün- richtig sei. *»* Die Schlacht in der vergangenen J�acbt, Nachdem der gestrige Tag verhältnismäßig ruhig verlaufen war, kam es in den Abendstunden zu neuen Kämpfen. Von den Balkons war jeder Blumenschmuck entfernt worden, um der ner- vösen Polizei auch jeden Vorwand zum Schießen und zum Ein- dringen in die Häuser zu nehmen. Die Polizei ihrerseits hatte die umfassendsten Vorbereitungen getroffen. Die Mannschaften der Feuerwehr waren mit Brecktzverkzeug und Stemmeisen versehen worden und sollten die Polizei bei ihren Streifzügen begleiten. Die Kriminalpolizisten waren angewiesen, die Häuser, aus denen nach ihrer Meinung geschossen wird, sofort anzugeben und aufbrechen zu lassen, damit diese Gebäude von der Schutzmannschaft geräumt werden können. Die Polizeimann- schaftcn sollten während dieser Nacht auf 1209 Man» verstärkt werden. Die Beamten waren angewiesen, auf das schärfste vor- zugehen und keine Rücksicht walten zu lassen. Da in der letzten Nacht die Laternen unbrauchbar gemacht worden sind, wurden die Feuerwehrleute mit Magnesiafackeln ausgerüstet. Gegen 6 Uhr trafen zur Unterstützung der Polizei 193 Kriminalbeamte ein. Es ging auch das Gerücht, daß, wenn die Straßenkämpfe wieder solche Dimensionen erreichen sollten, wie in der vergangenen Nacht, diesmal unbedingt Militär zur Hilfe herbeigerufen wird. Auf der Straße waren fliegende Sanitätskolonnen aufgestellt. Die Straßenabsperrung, die tagsüber in etwas geringerem Maße ge- handhabt ward, ward am Abend wieder rigoros durchgeführt. Die unzähligen Restaurants mußten schon um S Uhr geschlossen werden. An der Ecke der Beussel- und Sickingenstraße, in der Wiclef-, Wald- und Siemensstraße und in der Huttenstraße auf Charlotten- burger Gebiet, überall, wo SchntzmannSkommandoS standen, bildeten sich im Laufe des Abends in der Nähe der Kommandos An- ammlungen von Neugierigen, unter denen sich wieder zahlreiche Frauen und Kinder befanden. Den ersten Zusammenstoß gab es um 7� Uhr an der Ecke der Beussel- und Sickingenstraße. Die auf dem Bahnhof mit den Zügen angekommenen Arbeiter wurden viel- ach attackiert. Sie mußten teilweise in den Bahnhof zurückfliehen und retteten sich mehrfach ohne Fahrkarten in zufällig abfahrende Eisenbahnzüge. Diese Behandlung der Eisenbahnpassagicre ist ein geradezu grandioses Polizeistück. Allmählich brachte die Strategie unserer trefflichen Polizei es crtig, die Menschen bis in die Emdener und Turmstraße und den Kleinen Tiergarten zu drängen. Dort sah man bald auf beiden Seiten der Straße Verwundete liegen. Mehrere Personen wurden auch auf den Bürgersteigen überrittcn, so daß sie sich überschlugen und hinfielen. Mit großem Geschrei flüchtete nun alles nach dem Kleinen Tiergarten zu. Die schwerer Verletzten wurden aufgelesen und mit dem Auto- mobil nach dem Moabiter Krankenhause gebracht. Hier waren im Operationssaal ö Aerzte mit zahlreichen Heilgehilfen und Schwestern tätig. In der zehnten Stunde wurden zehn Personen nach dem Krankenhause und fünf nach der Unfall- 'tation in der Erasmusstraße gebracht, unter diesen fünf eine Frau und ein Kind, das umgestoßen und getreten wurde. Schweres Stöhnen im Ope- rationssaal bekundete den Ernst der Verwundungen. Es sind be- anders Kopfverletzungen und Armstiche. Die meisten Verwundeten erklären, daß sie unschuldig in das Gedränge gekommen seien. Unter den Verletzten befinden sich Arbeiter von Siemens und Lud- wig Löwe, aber auch ein Konfirmand, dem durch zwei schwache Hiebe ein talergroßcs Stück der Kopfhaut verloren gegangen und dem außerdem eine halbe Hand durchgeschlagen worden ist. Mehrere Personen haben doppelte Kopfverjetzungen, darunter schwere Schädelverlctzungen. Die Kämpfe erstreckten sich gllgrahlich biß in fcic Nähe der Seilandskirchci- Als Antonius Fischer vor Jahren sich auf den erzbischöflichen Stuhl in Köln niederließ, wurde er weder von der Geistlichkeit noch voln Zentrum mit besonders günstigen Angcn angesehen. Dem Klerus seiner Erzdiözese galt er als ein gar strenger Oberhirte, der in die lieben Gewohnheiten der frommen Herren mit unsanftem Eifer hineinfuhr. Dem Zentrum störte er die Kreise durch seine übergroße Ergeben- heit der Regierung gegenüber, die sich namentlich auch in einem fast kindisch zu nennenden Hohcnzollernbyzantimismus äußerte. So kam es in den ersten Jahren seiner Amtstätigkeiten zu mancherlei Reibereien mit dem Klerus und die„Köln. Volksztg." behandelte ihn als unbequemen Politiker mit sichtlicher Kälte. Hinter den Kulissen aber bekam seine Eminenz den Unmut des Bachemschen Kreises fühlbarer zu spüren. Das hat sich nun— wann und wodurch weiß man nicht— seit einiger Zeit geändert. Antonius Fischer ist mit den leitenden Leuten der Kölner Zentrumspartei wieder ein Herz und eine Seele und vom erzbischöflichen Palais zum Hanse Bachem spinnen sich Fäden der intimsten Art. Damit hat es jedoch wieder Kardinal Fischer mit hohen Häuptern, ja mit dem höchsten Haupt seiner Kirche verdorben. In den letzten Wochen hörte man in Kölner klerikalen Kreisen allerhand seit- same Dinge munkeln. Man erzählte sich von einem „kanonischen Verfahren", das gegen Kardinal Fischer schwebe; man tuschelte von einem Briefe, den ein ober- hirtlicher Kollege im Osten an eine leitende Persönlichkeit des katholischen Frauenbundes geschrieben hatte; man nannte eine sehr hohe Summe, die von den Leuten der„Kölnischen Volks- zeitung" für die Auslieferung dieses Briefes geboten worden war, und schließlich erzählte man noch, daß ein Gegner der Kölner Richtung es verstanden hatte, eine Abschrift des Briefes, der ans dem Osten wider den Westen gerichtet war. in die Hände zu bekommen. Wenn man diesen im engeren toise umgehenden Erzählungen glauben darf, muß es in der letzten Zeit unter den Kölner Klerikalen wie in einem auf- gestörten Ameisenhaufen zugegangen sein. Daß etwas an der Sache ist, zeigt der Umstand, daß schließlich selbst die„Kölnische Volkszeitnng" nicht umhin konnte, ihrer Bedrängnis Ausdruck zu geben, indem sie Anfang voriger Woche eine gegen die„Herren von der Richtung Berlin" gerichtete Notiz brachte mit An- deutungen über die Art und Weise, wie jene neuerdings auch im Westen ihre Ansichten zur Geltung zu bringen versuchen: „Sie rufen für sich nach der Hilfe des Episko- P a t s und, wie bestimmt versichert wird, in allerjüngster Zeit sogar nach der des Pap st es gegen die von der ver- haßten sogenannten Kölner Richtung. Sie verdächtigen alle, die nicht mit ihnen gehen, des Moder- n i s m u s." | Die„Kölnische Zeitung" findet die Schweigsamkeit des ultramontanen Blattes, das sich mit diesen wenigen Worten begnügt, auffallend und gibt dann Mitteilungen, die erkennen lassen, daß die oben erwähnten Gerüchte und Gespräche doch nicht ganz aus der Lust geschöpft sind. Die„Kölnische Zeitung" meint nämlich mit Bezug auf die Notiz der«Kol- nischen Volkszeitung": „Man wird nicht fehl gehen, wenn man die geheimnisvollen Andeutungen des Blattes in Verbindung bringt mit einem Er- eignis, daß die Stimmung in den Kreisen der Kölner Richtung vermutlich nicht gehoben hat. Kardinal Kopp hat nämlich seiner Mißbilligung des JnterkonfesstonaliSmuS und der Ver- Waschung der Grundsätze des strengen Katholizismus, wie sie im Westen von der Köln-Gladbacher Richtung betrieben werde, in einem Privatbriefe Ausdruck gegeben und erklärt, er werde diese Verseuchung deS Westens im Osten zu verhindern wissen. Der Aerger und die Entrüstung über diese Stellungnahme des Breslauer Kirchenfürsten war groß, und sie wuchs noch, als die Kurie das Bedürfnis empfand, sich einmal näher über die Zustände im Westen des Deutschen Reiches, die zu der Prägung des Koppschen Schlagwortes geführt hatten, zu unterrichten. Sie bestellte zur Einziehung von Erkundigungen über jene Verseuchung des Westens, die näher als Jnter:« konfessionaliSmuS und Hineintragen protestan« tisch er Grundsätze in den Gedankenkreis der deutschen Katholiken bezeichnet wurde, einen Abgesandten von Rom, den Sekretär der Studienkongregation, Monsignore Dandini, der in Köln eine Untersuchung veranstaltete, bei der neben Beschwerde» von Geistlichen aus der Erzdiözese Köln über die Regelung der Peiisionsvcrhältnisse die Beschuldigung auf Modernismus ein Hauptmoment bildete. Der höchste geistliche Würdenträger der Erzdiözese Köln selber war nämlich, so seltsam eZ klingen mag, in den Verdacht der moder- nistischen Gesinnung geraten l Das Ergebnis dieser Untersuchung mußte, soweit es die persönliche Seite der An« gelegenheit betrifft, notwendigerweise negativ sein; für die so- genannte Kölner Richtung aber scheint sie nicht gerade erfreulich verlaufen zu sein." Der klerikalen„Köln. Volksztg." sind diese Enthüllungen höchst unbequem. In ihrer Montagabend-Ausgabe antwortet ie auf die Mitteilungen der„Köln. Ztg." in einem Ton, der deutlich zeigt, wie peinlich ihr die gegenseitigen Befeindungen der Kardinäle Kopp und Fischer sind. Daß ein solcher Brief des Fürstbischofs Kopp über„die Verseuchung des Westens" durch die„Köln. Volksztg." und ihren Anhang existiert, wagt das rheinische Zcntrnmsblatt nicht zu bestreiten. So hilft es sich damit, daß es diese„Verseuchung" leugnet ilnd sich zum Beweise dafür auf das Zeugnis des Kardinals Fischer und des Papstes beruft, also auch diesen mit in die Händel hineinzieht. Wörtlich heißt es in dem Entgegnungsartikel der„Köln. Volksztg.": „Was nun den Inhalt des angeblichen Privatbriefes des Herrn Kardinals Kopp anlangt, so möchten wir glauben, daß die Inhaltsangabe der„Kölnischen Zeitung' unzutreffend sei; jedenfalls ist sie unzureichend, denn man erfährt nicht, aus welchem Anlaß und in welchem Zusammenhange der Herr Fürstbischof von Breslau von einer„Verseuchung des Westens" gesprochen haben soll. Daß der Herr Fürstbischof den katholischen Westen überhaupt für„verseucht" erklärt haben könnte, i st doch wohl nicht anzunehmen. Wie sollte der Herr Fürstbischof zu einem solchen Urteil kommen? Er steht den religiös kirchlichen Verhältnissen des Westens jedenfalls ferner, als die im. Westen amtierenden Bischöfe, insbesondere der Herr Kardinal« Erzbtschof von Köln. Dieser hat aber deS öftere» dem kirchlich- religiösen Sinn seiner Erzdiözesanen und auch der Katholiken Westdeutsch- landS überhaupt öffentlich ein gutes Zeugnis ausgestellt, zuletzt anläßlich des Kölner Eucharistischen Kongresses, welcher allgemein als eine unvergleichliche, überaus erhebende Kundgebung katholischen GlaubenSlebenS in der Metropole des Westens bezeichnet wurde. Und auch das Oberhaupt der katholische» Kirche selbst, Papst Pius X., hat mit seiner Anerkennung nicht ge» kargt. Und nun sollte dieser Westen«berseucht* sein!" Zum Schluß wendet sich das rheinische Zentrumsblatt gegen die Zentrumspolitiker, die der„Köln. Ztg." das Material für die Mitteilungen aus dem Koppschcn Briefe geliefert haben. Allem Anschein nach hat es dabei ganz bestimmte Personen im Verdacht. Es meint nänilich:„Jin Interesse der Einig- keit der deutschen Katholiken ist es höchst bedauerlich, wenn in der Oeffentlichkeit zu solchen Vergleichen herausgefordert wird. Die Verantwortung dafür tragen nicht wir, sondern diejenigen, die aus lauter Sorge um den deutschen Katho- lizismus— der..Kölnischen Zeitung"das Material zu solchen Polemiken liefer n." politifcde Gebcrficbt Berlin, den 28. September 1910. Das Zentrum in Nöten. AlS im Frühjahr vorigen Jahres die Richtung R o e r e n- Bitter die sogenannte Osterdienstags-Konferenz ins Werk setzte und die Kölner Richtung der Fälschung des. Zentrumsgedankens und der Mitzleitung des katholischen Volkes bczichtete, da meinte die„Kölnische Volkszeitung" herablassend zuversichtlich, daß es sich um die Quertreiberei einiger weniger Sonderbündler handle, von deren Absonderlichkeiten man in wenigen Wochen nicht mehr reden werde. Die Ereignisse der Folgezeit haben das Blatt eines anderen belehrt. Tatsächlich gärt es im Zentrum an allen Ecken und Enden, und zwar mit einer Heftig» keit. daß die Parteidiplomaten an der friedlichen Beilegung zu verzweifeln scheinen und auf schärfere Massnahmen sinnen. Die „Kölnische Volkszeitung" gibt ohne Einschränkung den Artikel eines süddeutschen Zentrumsblattes wieder, worin von den unbequemen Partcikritikcrn wie Schapen, Montanus usw. gesagt wird: „Diese Leute erkennen weder Programm noch Organisation der Zentrumspartci an und trotzdem wollen sie als Zentrums- anhänger gelten. Hiergegen muss energisch und von Partei wegen eingeschritten werden. Palast- revolution darf cS im Zentrum nicht geben. Wer dort den Frieden st ort. dem wird die Tür geöffnet. Entweder Disziplin— oder der Betreffende verlässt daS Zentrum und kann es unsertwegen nachher als Gegner be- kämpfen." Solche Töne war man bisher im Zentrum nicht gewohnt. Es hat zwar immer an einzelnen Stellen gekracht, aber die Partei- führer ließen doch nichts davon nach außen kommen und vermittelten und verkleisterten, so gut es ging. Das scheint jetzt nicht mehr zu gelingen und man droht mit dem Ausschluss oder beschwört die Geister nut dem Hinweis auf die schweren Tage der kommenden RcichstagSwahl. So schreibt am Sonntag die„Kölnische Volks- zeitung": «Diq nächsten ReichstagSwahlcn werden an schicksals- schwerem Ernste den Blockwahlen in nichts nachgeben, ja sie übertreffen. Wer kann die Verantwortung dafür tragen, vor einer solchen Entscheidung das Zentrum von innen heraus zu schwächen? Wahrlich, wer jetzt an dem Be- stände des Zentrums in seiner alten, kampferprobten Art zu rütteln, an seiner Grundlage oder an den grossen Qrgani- tsationen, die das katholische Volk geschaffen, auch nur zu experimentieren sich unterfängt, der ist bewuht oder unbewußt ein Gegner des Zentrums, ein Zerstörer der Einigkeit der deutschen Katholiken, ein Helfershelfer ihrer Gegner, insbesondere des Liberalismus und der Sozialdemokratie! Wenn der Spuk nicht aufhört, der das Werk Windthorst» zu fälschen sucht und sich dabei noch— wie die„Montanus"-Broschüre— mit dem Bilde Windthorsts schmückt, so sind die Folgen nicht abzusehen. Gerade denen, die am freudigsten und erfolgreichsten bisher gearbeitet haben, wird die Arbeit ver- leidet werden; die Wählerschaft des Zentrums, insbesondere auch in den ohnehin schwer kämpfenden Industrie- gegenden, wird verwirrt, unschlüssig, gleichgültig, in ihrer Disziplin erschüttert werden. Und wenn dann über manchen Wahlkreis die rote Fahne gehitzt wird, dann mögen diejenigen, die heute Broschüren über Broschüren schreiben, sich fragen, ob diese sich bezahlt gemacht haben, und ob diese ganze nörgelnde und verbitternde Schreiberei geeignet ist, den deutschen Katholizismus vor schweren Gefahren zu be- 'wahren!" '.» Gu-�n noch schärferen Ton schlug in einer am Sonntag in Dort min.'d abgehaltenen Zentrumsversammlung der bekannte klerikale '.eituiigsv' r�ger gegen die Roeren-Bittersche Richtung an. Er meinte nach emem.�i�erat des Grafen Praschma, in welchem dieser dema- gogiich erklärte, daS Zentrum werde keine neuen Forderungen für Heer und Marine mehr be- willigen, w enn dadurch neue Steuern notwendig würden: y "®a8?n®ie j. den kirchlichen Behörden, daß das treue katholische . r,n O"'"' Jeu Seele erbittert ist über gewisse Marodeure rn unseren Reihen� welche da unsere in jahrelangen Arbeiten fest« getilgten Organu jU gerftöten trachten. Unsere Arbeiter getiocm äum gro ssen[,en christlichen Gewerkschaften an. Wir er- achten dni Volks verein fürdas katholische Deutschland, dieseSchöpfung Windthorsts,»'o wie er ist, für e i n e s o n o tw e n d i g e und v o r t r e fs l � ch � Einrichtung, daß wir nichts an seiner 8 a" 1 1' ion geändert zu sehen wünschen, wir sind end- ich aus das Zentrum, feinen Charakter und seine Führer, daß wir es Kobezu für eine Felonie halten, immer wieder mit ab- Doktorfragen den Anhängern des Zentrums die Freude �üe mmselden nehmen zu wollen. DaS Zentrum ist, was 5er it i st, oder e S ist nicht. tStürmischer Beifall.) Es muß ""mit diesen Marodeuren nn eigenen Lager endlich ein Ende ge« macht werden. Ich spreche das offen aus, was Hunderttausende denken, denn eS geht ein Schrei der Entrüstung durch unsere Reihen, daß eS Leute bei uns gibt, welche durch Ver- dächiigungen aller Art nach oben hin zu wirken und die fest- gefügten Organisationen-der deutschen Katholiken zur Freude der Gegner zu unterwühlen suchen, welche nicht davor zurückschrecken, als Giftmischer in der. liberale»"Presse auf- zutreten."_ Ein bequemes Regierungsmlttel gegen die Fleischnot. Die bayerische Regierung hat ein probates Mittel zur Be- seitiglmg der Fleischnot gefunden, daS die Oeffnung der Grenzen für die Fleisch- und Viehcinfuhr völlig überflüssig macht: die Empfehlung der Kaninchenzucht. Vom StaatSministerium deS kgl. Hauses und des Aeutzeren ist den bayerischen Handelskammern und dem bayerischen Jndustriellcnverband nachstehende Entschliessung zu- gegangen: Die seit Jahren steigenden Vieh- und Fleischpreisc geben Veranlassung, alle Mittel zu ergreifen, die eme Besserung der Verhältnisse herbeizuführen vermögen. Hierzu gehört u. a. auch die weitestgehende Einführung der Kaninchenzucht unter der Ar- beiterbcvölkerung- Durch sachgemäßen Betrieb der 5taninchen- zucht könnten alljährlich grosse Mengen eines im Nährwert und bei richtiger Zubereitung den übrigen Fleischoattungcn nicht nach- stehenden Fleisches im eigenen Haushalt billig erzeugt werden. Sie Lnpustrielreije Mnjen phiie grosse Apsten durch Bei- Hilfen beim Bezug von Schlächtkanlnchenrassen, unier Ausschluss der Sportrassen, durch Anlage billiger Kaninchenställe und durch Bereitstellung von Grundstücken zum Anbau des notwendigen Futters ihren sonstigen Wohlfahrtseinrichtungen eine neue Ein- richtung von grosser volkswirtschaftlicher und sozialpolitischer Bedeutung angliedern. Der drohenden Steigerung der Milchpreise könnte ferner durch Begünstigung der Ziegenhaltung unter der Arbeiterbevölke- rung begegnet werden. Auch hier könnte durch Beihilfen bei der Beschaffung von Milchziegen, durch Anlage von Stallungen, namentlich beim Bau von Arbeiterwohnhäusern, durch Aufstellung von Zuchtböcken und durch Ablassung von Grundstücken für den Futterbau zum leichteren Bezug und zur Verbilligung eines der wichtigsten Nahrungsmittel durch die Industrie beigetragen werden." Einer Anregung des Staatsministeriums des Innern ent- sprechend wird ersucht, die industriellen Kreise in vorstehendem Sinne zu verständigen und ihnen ein entsprechendes Vorgehen an- heimzugcbcn mit dem Beifügen, daß der Landesinspektor für Tier- zucht bereit ist, über den Betrieb der Kaninchen- und Ziegenzucht jegliche Auskunft zu erteilen. Ein recht billiges Verfahren. Viehcinfuhr aus der Schweiz in Baden. Die„Karlsruher Zeitung" meldet amtlich: „Mit Rücksicht auf den günstigen Stand der Maul- und Klauenseuche in der Schweiz hat das Ministerium des Innern die Ein- und Durchfuhr von Rindern und Ziegen auS den Kantonen Aargau, Basel. Bern, Freiburg, Neuenburg, Schaffhausen und Solothurn mit Wirkung vom 22. d. M. ab wieder zugelassen." Die Maul- und Klauenseuche in der Schweiz war früher ebenso- wenig voir Belang wie jetzt. Sie diente der agrarisch gesinnten Sie- gierung lediglich zum Vorwand, die Grenzen zu sperren, um die Fleischpreise im Jnlande zu steigern. Jetzt, da die Fleischnot die Regierung zwingt, die Sperre zu mildern, muss ihr der Rückgang ezner nie bestandenen Scuchengefahr als Vorwand diene«. Herr Fuhrmann dementiert. Die Offenheit, mit der sich der nationalliberale Abgeordnete Fuhrmann in Frankfurt a. O. über das Reichstagswahlrccht ausgesprochen hat. ist der„Nationalliberalen Korrespondenz" sichtlich unangenehm. Deshalb wird behauptet, Abg. Fuhrmann habe ledig- lich bezweifelt, ob die nicht zur Wahl erschienenen Wähler das- jenige Mass von politischer Reife sich angeeignet hätte», das für Bismarck die Voraussetzung gebildet hätte, als er seinerzeit dem deutschen Volle das allgemeine und gleiche Wahlrecht gab. Demgegenüber hält das„Berliner Tageblatt" daran fest, daß der Abg. Fuhrmann geäussert habe, ihm kämen Zweifel, ob Bismarck recht daran getan habe, dem deutschen Volke das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht zu geben. Im Grunde genommen würde ja nicht nur der grosse„Staats- mann" Fuhrmann, sondern die meisten seiner nationalliberalen Freunde gerne sehen, daß das ReichStagswahlrecht durch irgend ein plutokratiiches Pluralwahlrecht ersetzt würde. Soldatenmifthandlungen. Fünf Fälle von Misshandlung und zwei Fälle von Beleidigung Untergebener legte eine am Dienstag vor dem Militärgericht der l. Gardcdivision verhandelte Anklage dem Feldwebel Buschhorn von der 9. Kompagnie deS 3. Garderegiments zu Fuß zur Last. Den Angaben mekirerer Zeugen zufolge hat Buschhorn, als die Mannschaft im Äliede stand, einen Mann von hinten mit dem Säbel in den Rücken geschlagen. Ein anderesmal hat er beim Bettenbauen einen Mann, der nicht schnell genug fertig wurde, in den Rücken gestoßen, daß der Mann umfiel und mit dem Kopf an eine Waschtoilette schlug. In einem dritten Falle hat Buschhorn einem Mann von hinten mit dem■Säbel einen Schlag zwischen den Beinen aufwärts versetzt. Dieser Mann mußte sich infolge der Schmerzen, die ihm der schlag verursacht hatte, am folgenden Tag zu Bett legen. Der Feldwebel, der den im Bette liegenden Mann aufsuchte, gab ihm SV Pf. In weiteren zwei Fällen hat Buschhorn Soldaten beim Putzen auf die Finger geschlagen. Als die Mann- schaft einer Stube mit Erlaubnis de? Kompagnieführers bor der festgesetzten Zeit zu Bett gegangen war, hat Buschhorn, der damals Unteroffizier vom Dienst war, die Leute aus den Betten getrieben und sie in der Stube Laufschritt machen lassen. In seiner früheren Eigenschaft als Kammerunteroffizier hat Buschhorn Leute, welche Sachen umtauschen wollten, angefahren:„Dreckiges Luder, mach daß Du raus kommst." Alle diese Tatsachen sind, wie gesagt, durch Zeugen, die nicht mehr beim Militär stehen, unter Eid bekundet worden. Anderer- settS traten mehrere Zeugen auf, die bei den Misshandlungen zu- gegen waren, aber nichts davon bemerkt haben. Ja, selbst Miß- Handlungen, die von anderen Zeugen mit Bestimmtheit angegeben worden sind, wurden von den Mißhandelten selbst ebenso bestimmt in Abrede gestellt. Der Mann, welcher infolge eine? SäbelschlageS sich ins Bett legen mußte, läßt es dahingestellt, ob ihn Buschhorn mit Absicht geschlagen habe. Der Mann will es für möglich halten, daß ihm der Säbel des Feldwebels zufällig zwischen die Beine geraten sein könne. Die Zeugen, welche in dieser Weise den An- geklagten entlasteten, haben zwar ihre Dienstzeit hinter sich und sollten am Tage der Verhandlung entlassen werden. Aber sie trugen noch den Soldatenrock und standen augenscheinlich noch völlig unter dem Einfluß deS militärischen Drills. Der Vertreter der Anklage hielt keine der Misshandluntzen als erwiesen. Er beantragte nur wegen zweier Fälle von Beleidigung eine Woche gelinden Arrest über den Angeklagten zu veryängen. Dqs Gericht sprach den Angeklagten völlig frei. Es hielt wegen der entgegenstehenden Zeugenaussagen die Missbandlungen nicht für erwiesen. Bei der Beleidigung durch die Worte„Dreckiges Luder" vermißte das Gericht die Beziehung auf bestimmte Per- sonen. Auch daß die Mannschaft aus dem Bett getrieben wurde, könne im vorliegenden Falle weder als Beleidigung noch als vor- schriftswidrige Behandlung angesehen werden, denn es habe nicht festgestellt werden können, aus welchem Grunde der Angeklagte den Mannschaften befohlen habe, aus den Betten aufzustehen. Oertemicb. Ein Prozeß deS GotteS Nimm. Bor einem Wiener Bezirksgericht(Einzclrichter) fand durch eine Woche ein Beleidig» ngSprozess statt, deu� der Landes- ausschuh uiid Abgeordnete Bielohlawek, Sekretär der Franz- Josef- Stiftuilg für 5kleingewerbetrcibe»de, gegen einen Hausherrn angestrengt halte, der ihm Mißbrauch seiner politischen Aemter zur periönlichcn Bereicherung nachgesagt hatte. In der Verhandlung wurde u. a. sehr klargestellt, dass zwischen dem Inserieren gewisser Firmen in Bieloblawcks„Volkspresse" und der Uebertragung städtischer Lieferungen an diese Firmen merkwürdige zeitliche Zusammentreffen statlfanden- Auch sonst ergab der Prozeß Interessantes über die Zeremonien im Dienste des Gottes Nimm. Da aber natürlich keine Leute auftraten, um zu bezeugen, dass sie sich hätten bestechen lasse». wurde der Angeklagte Zipperer verurteilt... Aber die Insassen von der unter Bielohlaweks Referat stehenden großen Geisteskranken- anstatt Steinhof dursten während des Prozesses keine Zeitungen er- hatten... augam. Bischof und Pfarrer« Budapest, 28. September. In politischen Kreisen erregt eS große Sensation und peinliches Aufsehen, daß der Bischof Parvy unter Berufung aus das päpstliche Dekret vom 20. August über die Absetzbarkeit der Pfarrer durch die Bischöfe an den der Aegierungspartej angehöressden MgeMNtÄ Psarcer Lchglm Richker die Aufforderung rschiekc, auf sein Abgeordneten- Mandat zu verzichten. Dieser antwortete, dass er die Au f- forder ung des Bischofs nicht ernst nehmen könne- Infolgedessen wurde der Pfarrer auf 4 Monate v o m A m t e suspendiert. Tieselbe Aufforderung erhielt der Pfarrer Rudnay. Dieser hat bisher noch nicht geantwortet. Beide Ab- geordnete haben dem Ministerpräsidenten Mitteilungen über die Angelegenheit gemacht. Sngianä. Tie Flottcnhctze. London, 27. September. Lord Charles B e r c S f o r d hat einen offenen Brief an Premierminister Asquith gerichtet, worin er erklärt, die Sicherheit des Reiches erheische sofortige Vorkehrungen für den Bau von sieben weiteren Dreadnoughts ausser den für das nächst« Jahr vorgesehenen Neu» bauten. BcreSford führt die Anzahl der dem Dreibund in den Jahren 1913 und 1914 zur Verfügung stehenden Dreadnoughts auf zum Beweis, dass England sonst in eine äußerst gefährliche Lage gerate. Zur Deckung der hierfür erforderlichen Ausgabe» verlangt er die sofortige Emission einer grossen Anleihe. Er behauptet ferner, daß die geringe Ueberlegcnheit, die Englands an Schlachtschiffen haben werde, noch dadurch erheblich bceinträch- tigt werde, dass es an Mannschaften, Vorräten, Docks, Kreuzern und Torpedobooten fehle, während die deutsche Kriegs- marine mit alle dem in bewunderungswürdiger Weise versehen sei. Die Regierung müsse ausserdem mit der Notwendigkeit rechnen, eine starke Flotte im Mittelmeer zu halten, wo im Jahre 1913 Oesterreich-Ungarn und Italien acht Dreads noughts verwendüngsbcrcit haben würden. K-ulZlancl. Jswolsky Botschcifter in Paris. Der Pariser„Matin" teilt mit, daß der bisherige Minister des Auswärtigen, Jswolsky, endgültig zum Botschafter in Paris ernannt worden ist. Zu seinem Nachfolger ist der bisherige Gehilse im russischen auswärtigen Amt, Sazonow, bestimmt worden. Amerika. Ein Sieg Rooscvelts. In S a b a t o g a ist am Dienötag der republikanische Staats- konvent/z7 Uhr im großen Saal des Gewerlschafis- hanseS stattfindende Versammlung über weitere Maßnahmen be- schließen. Wir erwarten einen vollzähligen Besuch. Gesperrt ist die Werkstatt des Zwischenmeisters Netke in der Möbelfabrik Schnell u. Co., Cadinerstr. 21. Näheres in der Ver- sammlring.' Die Kommissioir. Die im Glasarbeiterverbande organisierten Glasschleifer, Polierer und Beleger waren kürzlich an die Vereinigung ihrer Arbeitgeber mit dem Ersuchen um Neuregelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen herangetreten. Da in der gestellten Frist mit dem Unternehmerverbande eine Verständigung darüber nicht zu erzielen war, haben die Arbeiter ihre Organisationsleitung beauftragt, den einzelnen Unternehmern einen Lohntaris zu unter- breiten und sie unr Anerkennung desselben zu ersuchen. Dieser Lohntarif enthält sehr bescheidene Forderungen. So wird eine Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit von 63 auf 52 Stunden gefordert. Es soll künftig an den Sonnabenden nur 7 Stunden anstatt wie bisher 8 Stunden gearbeitet werden. Der Minimallohn soll betragen: für Buchstaben- und breite Fazettenschleifer 70 Pf., für Wagen-, Walzen- und Mornschleifcr 00 Pr. pro Stunde, wenn sie nachweislich zwei Jahre als Schleifer gearbeitet haben. Für Polierer soll, wenn sie ein Jahr als solche ge- arbeitet haben, 00 Ps. pro Stunde als Minimallohn gezahlt werden. Außerdem sollen die Löhne sämtlicher Arbeiter von Jahr zu Jahr am 1. Oktober um 2 Ps. pro Stunde erhöht werden, ebenso die'Minimallöhne, so daß dieselben am 1. Oktober 1912 74 bezw. 64 Ps. betragen. Den Akkordarbeitern sqllen, mit Ans- nähme der ersten 14 Tage bei den in den Betrieb neueintretenden Arbeitern, die Minimallöhne garantiert iverden. Alsdann wird noch etwas Selbstverständliches, was aber bisher nicht von allen Unter- nehmern als selbstverständlich betrachtet wurde, gefordert, nämlich: Lieferung von Handtüchern und Seife und der etwa erforderlichen Lederschürzen und Jacken durch den Unternehmer; auch soll der Arbeilgeber sür die Möglichkeit zu sicherer Aufbewahrung der Garderobe der Arbeiter und für tägliche Reinigung der Werkstellen Sorge tragen. Gewünscht wird dann noch die Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises und die Einsetzung einer SchlichtungS- kommiision. Die Antworten der Arbeitgeber wurden bis zum 27. September erbeten. Am gleichen Abend hatten sich die Arbeiter in BoekerS Fest- sälen in der Weberstraße versammelt, um zu den eingelaufenen Ant- warten der Unternehmer Stellung zu nehmen. Der Seklions- leiter Schröder konnte berichten. daß der Lohntarif von sieben Arbeitgebern, die etwa 60 Arbeiter beschäftigen, an- erkannt worden ist. Die im Unternehnterverbande bereiingten Arbeitgeber haben eine Erhöhung der Minimallöhne um 3 Pf. pro Stunde zugestanden; alle besserbezahlten Arbeiter sollen im ersten Vertragsjahre keine und im zweiten und dritten Vertragsjahre eine Lohnzulage von je 1 Pf. pro Stunde erhalten. Bezahlt soll nur die tatsächlich geleistete Arbeitszeit werden. Eine Verkürzung der Arbeitszeit ist abgelehnt worden. Auf alle weiteren Wünsche der Arbeiter geht die Antwort der Arbeitgeber nicht ein. Der Referent sowie die Diskussionsredner bezeichneten diese Zugeständnisse als unzureichend und unannehmbar und die Versammlung lehnte schließlich einstimmig das Angebot der Unter- nehmer als unzureichend ab und beauftragte die Verbandsleitung, nochmals mit dem Untcrnehinerverbande in Verbindung zu treten. Achtinig, Former und Gicßcrciaricitcr! Die Sperre bei der Firma Nennewald in Pankow, Florastraße 8, ist hiermit auf- gehoben. Ter Streik ist durch Verhandlung beigelegt. Deutscher Metallarbeiterverband. _ Ortsverwaltung Berlin. Was die Zigarrenmacher sich infolge der Tabaksteuer erhöhung alleS bieten lasten müstc». An die Bevölkerung von Woltersdorf, Erkner und Umgegend ist ein Aufruf verbreitet worden, welchem wir folgendes entnehmen- „Seit Jahren versucht der Ztgarrcnfabrikant G. Wustrow in Woltersdorf an seinen Arbeitern und Arbeiterinnen, welche jähre- lang bei ihm beschäftigt sind. Schikanierungen und Drangsalierungen auszuüben.... Herrn W. sind organisierte Arbeiter ein Dorn im Auge und infolgedessen muß er versuchen, dieselben loszuwerden. Die Notlage, in der die Tabakarbctter. durch die famose Reichs- fmanzreform der Regierung, waren, bot Herrn W. hierzu die beste Gelegenheit. Zuerst galt es den Vertreter der organisierten Tabak. arbeiter am Orte loszuwerden und sah sich Herr W. hierauf im ge- Heimen bei der Zollbehörde nach anderen Arbeitskräften um.... Er stellte einen Schein aus, daß der betreffende Kollege von ihm entlassen sei. Gleichzeitig vermerkte W. in dem Schein, um dem Vertreter der Organisation der Tabakarbeiter die Staatsunter- stützung zu entziehen, daß in den Kiesgruben in Woltersdorf bei Starke u. Pieper Arbeit vorhanden sei. Herr W. wußte, daß unser Kollege gar nicht in der Lage war, diese Arbeit leisten zu können. Tut nichts! Seine Rache war vorläufig gekühlt. Herr W. glaubte nun, mit den übrigen bei ihm beschäftigten und noch einzustellenden Arbeitern besser fertig zu werden. Er hatte aber in bezug auf die noch einzustellenden Arbeiter die Rechnung ohne die organisierten Arbeiter gemacht, die darauf hinwiesen, daß, solange noch brotlose Arbeiter am Orte sind, diese zuerst von der Zollbehörde berück- sichtigt werden müssen. Trotz aller versuchten Manipulationen war es dem Herrn W. nicht möglich, die Gründe der Arbeiter bei der Zollbehörde zu entkräften. Er wurde nun vielmehr veranlaßt, die entlassenen Arbeiter, darunter auch den Vertreter der Organisation, wieder einzustellen. Jetzt kannte sein Rachegefühl keine Grenzen mehr. Herr W. entließ nun im Juni seine sämtlichen bei ihm be- schäftigten Arbeiter, nicht etwa wegen schlechten Geschäftsganges! Da nun seine beiden HauSarbeiter, welche er noch behalten hatte, die gebrauchten Fabrikate nicht alle herstellen konnten, kaufte er nunmehr die Zigarren billig auf. Einen Hausarbeiter namens L. hielt Herr W. zu folgendem Streich, der seinen Charakter näher beleuchtet, an. Dem L. wurde nach seiner eigenen Aussage in der am 14. August in Woltersdorf stattgefundcncn Versammlung fol- gender Inhalt zweier Schreiben von Herrn W. diktiert.(Postkarten, welche den Zweck hatten, an die Zollbehörden in Cöpenick gesandt zu werden.) Nr. 1. Erkner, den 23. 7. 1910. An daS Königl. Zollamt Eoepcnick. Teile hierdurch mit. daß von der Firma Wille, Woltersdorf, dem Zigarrenarbciter Otto Herrmann Heimarbeit angeboten ist und derselbe die Arbeit verweigert. Achtungsvoll Hirlemann. « Nr. 2. Erkner, den 23. 7. 1910. An das Königl. Zollamt Coepenick. Hiermit zur gefälligen Kenntnis, daß in Werneuchen bei dem Zigarren-Fabrikant Kühne für mehrere Zigarren- und Wickel- macher Arbeit vorhanden ist und bitte ich, den Woltersdorfer Tabak-Arbeitern, welche Staats-Unterstützung beziehen, die Arbeit anzuweisen. Achtungsvoll Hirlemann. Der Name„Hirlemann" ist fingiert. Herr W. hatte also, nach der Aussage des L., nicht den Mut, mit seinem Namen zu unter- zeichnen, da er bei der Zollbehörde schon bekannt war. Von einem guten Gewissen zeugt das nicht. Man könnte es sogar Anleitung zum Betrug nennen." Wir fügen hinzu, daß die beiden obengenannten Postkarten nicht abgesandt wurden und sich in den Händen des fcühercrr Be- vollmächtigtcn des Ortes vom Verband befinden. Oeuvkcsieo KeicK. Die MöbcltranSportarbeitcr in B r a n d e n b u r g a. H. befinden sich in Lohndiffcrenzen. Die Herren Spedilionsunternchmer haben jede Verhandlung abgelehnt und sind die Arbeiter in den Ausstand eingetreten. Die Herren Unternehmer versuchen nun Arbeitskräfte ans Berlin heranzuholen. Die Berliner Möbelträger und Transport- arbeiter werden gebeten, Arbeit nach Brandenburg nicht anzunehmen und jeden Zuzug fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiterverband. Ortsverwaltung Brandenburg. I. A.: Aug. Gebert. Der Kölner Hafcnarbeiterstreik nimmt weiteren Umfang an. da verschiedene größere Reedersirmen sich weigern, mit den Ar- heitern in Tarifverhandlungen einzutreten. Mit allerlei nichtigen Einwänden suchen die Unternehmer den Kamps in die Länge zu ziehen, um Zeit zur Heranziehung von Arbeits- willigen von auswärts zu gewinnen. Die Arbeiter streiken jetzt bei der Rhein- und Seeschiffahrts- Aktien. gesellschaft, bei der Mannheimer Lagerhaus- Gesellschaft und bei William E g a n u. C i e. Die städtische Hafenpolizei hindert die Arbeiter im Einverständnis, vielleicht sogar auf Amveisung der Kölner Hafenverwaltung am ruhigen Streikpostenstehen. Auch wurde der unter städtischer Regie stehende Zollhafen zur Verrichtung von Streikbrecheraröeiten zur Verfügung gestellt. Im übrigen sind die Erfolge der Gesellschaften bei der Suche nach Streikbrechern kaum nennenswert. Es wird um Fern- Haltung des Zuzugs gebeten. (Wiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.) Porzellanarbeitcr! Vorsicht! Die Firma Henschel u. Müller in Meuselwitz S.-Altenb. will jetzt Desektabzüge einführen, wo- gegen sich die Arveiter wehren. Nach dein Verhalten der Firma ist zu schließen, daß es zum Ausstand kommt. Der Vorstand des Porzcllanarbeiterverbandes bat deshalb die V o l l s p e r r e über diesen Betrieb verhängt. Ein Agent, Namens Schede!, soll bereits auf die Suche nach Arbeitswilligen abgereist sein. Man halte Zuzug strengstens se�n._ Schwere Ausschreitnnyen von arbeitswilligen Metall- arbeiten« in Lübeck. Die Lübecker Maschinenbau-Gesellschast hat wie andere Werften ihre Leute ausgesperrt. Sie ist nun selbst durch diese Aussperrung arg in Bedrängnis gekommen, weil sie eilige Arbeiten nicht aus- führen komile. Die Folge war, daß sie arbeitswillige Elemente sür ihren Betrieb warb. Rheinland- Westfalen lieferte mehr als hundert solch nützliche Exemplare für die Gesellschaft. Diese Helden machen jetzt Lübeck unsicher und bedrohen das Leben friedlicher Einlvohner. In der Nacht zum Sonn- abend erschien eine aus etwa dreißig Personen bestehende. mit Revolvern bewaffnete Arbeit sivilligen bau de in verschiedenen Wirtschaften und belästigte Wirt und Gäste. In dem„Varietö-Universum" kam es zu einem regelrechten gen: ein- schaftlichcn Mordversuch der Streikbrecher. Sie drangen mit Revolverschiissen auf zwei in der Wirtschast anwesende, am Kampf auf den Werften gänzlich mibeteiligte Zinimerleute ein, welche sich in den Keller flüchten mußten. Im Keller wurden sie von den arbeitswilligen Revolverhelden, die brüllten, daß sie die beide>« iöten wollten, beschossen. Mit Bierfässern, die im Keller standen, suchten sich die Angegriffenen zu schlitzen. Der eine Zimmermann erbielt eine Kugel in die Schulter und recht erhebliche Wer- l e tz u n g e n am Kopf. Die herbeigerufene Polizei mußte mit blanker Waffe gegen die Mordbnben vorgeben, von denen cllva 15 hinter Schloß und Riegel gebracht worden sind. Wie nicht anders zu erwarten war, fälscht die bürgerliche Presse diese Exzesse der Streikbrecher in einen Kamps zwischen Slreikendcn und Arbeitswilligen um, der von ersieren provoziert worden sei. Dem- gegenüber sei ausdrücklich betont, daß Streikende oder Ausgesperrte bei den schweren Ausschreitungen der Arbeitswilligen überhaupt nicht zugegen waren. Husland, Streiks in England im Jahre 1909. Das englische Arbeitsamt registrierte im Jahre 1909 436 Arbeits- eiiistelluilgen, von denen 300 819 Arbeiter direkt oder indirekt bc- teiligt waren. Der hierdurch cntstaitdene Verlust an Arbeitszeit beläuft sich auf rund 2� Millionen Arbeitstage. Die Zahl der Streiks ist in den letzten Jahren ständig in der Abnahme begriffen, doch hat die Zahl der beteiligten Arbeiter eine seit dem General- streik der schottischen Bergarbeiter(1894) nicht mehr gekannte Höhe erreicht. Nicht weniger wie 148 000 Bergarbeiter oder 49 Proz. aller Streikenden waren an Arbeitsniederlegungen beteiligt, die anläßlich der Inkraftsetzung des Achtstundengesetzes für die Berg- arbeiter sich ereigneten. Allerdings waren diese Bewegungen meist von nur kurzer Dauer. Im Jahre 1908 waren 295 507 Arbeiter mit 10 834 189 verlorenen Arbeitstagen au 399 Arbeitsniederlegungen beteiligt. In dieses Jahr fielen die heftigen und langen Kämpfe in der Maschinen-, Schiffban- und Textilindustrie. Im offiziellen Bericht wird berechnet, daß etwa 1,9 Proz. aller industriellen Arbeiter deS vereinigten Königreichs an Arbeitsnieder- legungen im Jahre 1909 beteiligt waren(gegen 1,9 Proz. in 1903 und 1,4 Proz. in 1907). 182 Bewegiiiigcn oder 42 Proz. aller im Jahre 1909 begonnenen Arbeitsniederlegungen dauerten weniger wie eine Woche, 74 Proz. dauerten weniger wie einen Monat, 85 Proz. weniger wie zwei Monate. Die letzteren umfaßten 95 Proz. oller beteiligten Arbeiter. Bon den übrigen Streiks entfallen 26 mit 8588 beteiligten Arbeitern, die 676 001 Arbeitstage einbüßten, auf den Kohlenbergbau, während 13 Streiks in der Metall-, Maschinen» und Schiffbauiiidustrie und acht in der Textilindustrie sich ereigneten, die sämtlich länger wie acht Wochen dauerten. Von den 436 im Jahre 1909 begonnenen Bewegungen wurden 271 oder 62 Proz. durch direkte Verhandlungen beendet; eine ständig größer werdende Zahl von gewerblichen Streitigkeiten dagegen wird durch Schiedssprüche erledigt. Im letzten Jahre waren dies 26, wovon 13 mit 17 179 Beteiligten in der Kohlen- und Steinindustrie, 4 im Baugewerbe und 4 iu der Metallindustrie. Jngesamt waren 59 915 Arbeiter oder 11 Proz. der Gesamtzahl(gegen 3 Proz. im Vorjahre) an Bewegungen beteiligt, die durch Schiedsspruch beendet wurden. Die Ursache der Arbeitsniederlegung waren in 25 Proz. aller Fälle Lohnstreitigkeiten und in 51 Proz. der Fälle Differenzen be» ziiglich der Arbeitszeit. letzte ptachrfcfrtem Genosse Albert Röske f Hinnvurg, 28. September.(Privattelegramm Ües„Vok, wärts".) Genosse Albert Röske, Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft, ist heute nachmittag an den Folgen einer Leberoperation im Alter von 53 Jahren gestorben. Röske war früher mehrere Jahr. Redakteur der „Holzarbeiter-Zeitung", dann G a u l e i t e r des Holzarbeiter- Verbandes, später Parteisekretär in Hamburg. Zu- letzt war er Redakteur des„Bauhilfsarbeiter".— In der heu«, tigen Sitzung der Bürgerschaft widmete der Präsidei."" dem Verstorbenen einen ehrenden Nachruf, worin er bctoi�.' daß Röske sich stets fleißig an den parlamentarischen Ar�cn beteiligt habe._ Der Kampf mit dem Windmühlenfliige� Berlin, 28. September.(W. T. B.) Leutnank von Schr oeder von« Bückeburge' Jäger- b a t a i l l o n, kommandiert zur Schloßgarde-sg�p�,äe, � heute in der Nähe von G r o'ß b e e r c n b.j Versuch zwischen den Flügeln einer Windiilühle hind töd- lich verunglückt. Er wurde von einem Fsigel erfaßt' und 5U Meter weit fortgeschleudert. Den Ansto gu äem verhäng- nisbollen Experiment hatte die Erzählung gegeben, daß ein anderer Offizier glücklich zwischen Windmi?>lenflügeln hin- durchgeritten sei._ Verurteilter Vatermörder. Gießen, 23. September.(B. H.) Vor dem Schwurgericht wurde gegen den 22jährigen Maurer Karl Schmid.,.� dessen Vetter, den 2gjährigen taubstummen Schuhmacher-gzjchelin Schmidt aus Rodheim v. d. H., verhandelt. Die beiden klagten waren beschuldigt, den Vater des Karl Schmidt, et Zimmermeister Karl Schmidt II totgepriigelt zu haben. Der alte Schmidt hatte wiederholt Frau und Kinder mißhandelt. Das Urteil lautete gegen Karl Schmidt auf 2!4 Jahre, gegen Wilhelm Schmidt auf 1 Jahr Gefängnis., Zehn Güterwagen zertrümmert. Le Mans, 28. September.(Prcß-Tel.) Auf dem Bahnhof von Sable-fur-Sarthe stieß heute der von St. Nazaire kommende Schnellzug auf einen auf dem Bahnhof stehenden Güterzug. Da der Lokomotivführer des Schnellzuges erst im letzten Augenblick bremsen konnte, war der Zusaiiimenstoß furchtbar. Zeh» Wagen des Güterzuges sind vollständig zertrümmert, so daß die ncbenliegenden Geleise für den Verkehr gesperrt sind. Im Schnell- zug wurden die Rciscuden scharf durcheinander gerüttelt; viele von ihnen erlitten Quetschungen und Abschürfungen, Todesfälle sind jedoch nicht zu beklagen. Zur Streiklage in Südwales. London, 23. September.(W. T. B.) Nach endgültiger Fest- stellung hat sich bei der Abstimmung der Bergleute von Südwalcs eine Mehrheit von 25 999 ziigunstcn einer Unterstützung der Ar- beiter der Cambrian-Kohlcngruben und gegen einen Generalstreik ausgesprochen Man glaubt, daß der Konflikt auf den Cambrian- Kohlengruben beigelegt werden wird. Verantw. Redakt.: Richard Barth, Berlin. Inseratenteil verantw,xIH.Gl»iIe, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts Buchdr.u.Berlag»anftgll Kaul Singer LcCo� Berlins�. Hierzu 3 Beilagen u.UnterhaltungsU, Ar. 238. 27. Jahrgang. 1. KeilM Ks Jwitls" ßttütitt PiiksMilt. Jounekstag, 29. Zepttnilikr 1910. Die Farteipreffe über Magdeburg. „Nordhävser Bolkszeitnng". .Em erhebliches, merkliches Stuck Weg vor- wirtS, aber auch aufwärts zu der Erkenntnis der Notwendig- keit der rücksichtslosen Durchsetzung der alten kanchfcStaktijcden Ideen deS Radikalismus innerhalb der Partei ist der Parteitag in Magde- bürg gewesen. Welch' ein U n t e r s ch i e d gegenüber der Betäligung und V�ltendmachung deS in N ü r nb e r g als richtig auf radi'kaser Seite Erkannten. Wie hebt sich dagegen vorteilhaft ab, was endlich in den Tagen der Magdeburger Tagung von der Partei- Majorität unternommen wurde. Es war ein Akt der Selb st erhalt ung, und alles heuchlerische Augenverdrehen über Rücksichtslosigkeit, über Vergewal- tigung der Minorität innerhalb der Sozialdemokratie wird uns selbstverständlich kalt lasten in dem Vcwusttsein, das getan zu haben, was zu tun absolut notlocndig war iin Interesse der Bewegung... ES hals nichts, das; die.Staatsmänner" der neuen Taklil aus die verschiedenste Art und Weise versuchten, sich ein Hintertürchen zu schaffen.. Die Majorität war des Geplänkels müde, sie wollte Klar- heit haben und verlangte deshalb nicht nur das Mundspitzen, nein, eS sollte gepfiffen werden von revisionistischer Seite, dag eS die Ge- nosten im Lande hörten: Die Minorität will sich, deni demokratischen Prinzip entsprechend, den Beschlüstcn der Majorität fügen, die Arbeit, auch in den Parlamenten, wird im Sinne der Gesamtpartei geleistet werden. Es ist geschehen, wenn auch nicht in der Form, die die Genossen in großer Anzahl erwarteten, aber in der Sache hatdie alte revolutionäre Majorität einen glänzenden Sieg davongetragen." „Chemnitzer Bolksstimmc". .ES ist nicht wahr, daß in der vielbesprochenen Nachtsitzung die Minderheit brutal vergewaltigt worden i st. Es lag unseres ErachtenS kein Grund vor, die wiederaufgenommene Verjchärfungsresolution Zubeil durchaus noch an diesem Mittwochabend zu erledigen, an dem nach elsstündiger Beratung alle ParteitagSteilnehmer abgespannt und nervös waren. Aber ein K r i m i n a l v e r b r e ch e n ist die Entscheidung der Mehr- heit in dieser wirklich der Erregung unwerten GeschäftSordnungs- frage ebenso iven ig wie der momentane Protest- streik der Minderheit. Im Augenblick war man erregt; am nächsten Morgen schüttelte man sich lächelnd die Hand. Auf dem Parteitage ist nichts geschehen, dessen wir uns zu schämen hätten, nichts, was die Gegner mit Erfolg gegen unS ausnützen könnten. Nach 14 Tagen werden sie das selbst zu begreifen beginnen und die aussichtslosen Versuche dazu einstellen." „Bolksblatt für Anhalt". .Der Magdeburger Parteitag hat einen sachlichen Verlauf genommen. Zu persönlich zugespitzten Debatten ist es nur in ganz wenigen Fällen gekommen, die in der Fülle der Verhandlungen nicht inS Gewicht fallen. Deutlich ist der Wille der Partei hervorgetreten, bei aller Auf- fastungSverschiedenhcit im einzelnen eine fest geschlossene Partei den Gegwern gegenüber zu bleiben. Dieser Wille liegt verankert im gleichen Jntereste, im gleichen Ziel. Die beiden Richtungen, die i» der Partei sichtlich vertreten sind, unterscheiden sich nur dadurch, daß die eine, die radikale, das Grundsätzliche, das auf das End ziel Bezügliche mehr in den Bordergrund rückt, während die andere, die revisionistische, stärker das in der Gegenwart Mögliche imd Notwendige betont. Beide wollen beides, und darin liegt die Untrennbarkeit beider Richtungen. Die Unterschiede zwischen Äata strophentheorie und EvolutioniSmus treten mehr und mehr zurück. An die Katastrophe glauben immer weniger. Der Hauptgcgcnstand der Debatten deS Magdeburger Partei tageS, die Budgelfrage, hat eine befriedigende Lösung nicht gefunden. Es liegt auf der Hand, daß keine gemeinsame Marschroute vorliegt. wenn ein Viertel der Delegierten, die aber speziell die vier süd deutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen, die politisch freiesten, fortgeschrittensten Länder vertreten, erklärt, mit dem gefaßten Beschluß nicht arbeiten zu können. Befriedigend war aber auch die Erklärung des Genosten Dr. Frank nicht, wenn er durchblicken ließ, töerl�..� Beschluß nicht unbedingt für die Süddeutschen bindend sein Wir hätten es lieber gesehen, wenn er erklärt hätte: Der mirab'fc' st gefaßt. Er gilt auch für uns. Da .er nicht mit ihm arbeiten können, werden kleines feuiUeton. kn.t�NMüv�KUicnte über den T-d de« ErzbischofS Darvoy. Die büro!?ch'ch�Sschreiber der Kommune von 1871 und un- ?üNtt?mna des Gliche Schriftsteller haben die Vorgeschichte der im wesentlichen aval8 Geisel festgenommenen Erzbischofs Darboy willer Reaicruna lfgeheüt. Man weiß, daß die Koinmune der Ver- gegen den-inenV." Austausch DarboyS und wer anderer Geiseln ou» dak die Wen' a n q u, vergebens angeboten hat. Man weitz fchen und monor�rung Thiers' durchaus den Wünschen der jesuiti- Nciaunaen verdää>-�'stischen Clique entsprach, der der gallikanischer haß« war.„"ge und ausgesprochen demokratische Erzbischos ver- ?Tu?r und"8 Darstellung deS Falles. die Gautherots das bekannte Mgr. Darboy'(Paris, bei Plön) gibt, ergänzt Bücke liea" �urch einige bisher unbekannte Details. Dem S b b ä A die hinterlastenen Papiere des Generalvikarö ..-.-.-....oiigarde zugrunde, der die Verhandlungen in Versailles ,•«„i. hat. Dieser Geistliche spielt in den früheren Darstellungen ne wenig günstige Rolle. Lagarde hatte nämlich dem Erzbischos /ersprochen, nach Beendigung seiner Mission in das Gefängnis von MazaS, wo er mit Darbon zusammen inhaftiert gewesen war, zurück- zukehren. Er blieb aber m Versailles, was vielleicht nicht ehrenvoll, ledenfalls aber gesund für ihn war. Lagarde bemüht sich in seinen Aufzeichnungen, eine Rechtfertigung seines Verhaltens zu geben, die indes nicht besonders überzeugend ausgefallen ist. Aber auch eine Erzählung der Begebenheiten charakterisiert die infame Heuchelei Thiers', die auch noch in seinen hinterlastenen Erinnerungen zutage tritt. Ein Dekret der Kommune verfügte, daß jeder Erschießung eines Gefangenen durch die Versailler die Erschießung einer dreifachen Zahl von Geiseln folgen sollte. Bekanntlich wurde dieses Dekret nicht ausgeführt, immerhin wurden Geiseln festgenonnnen: als erster der Erzbischos am 4. April. Abbö Lagarde erzählt, daß sich der Haftbefehl nicht auf ihn bezogen habe, daß er aber freiwillig den Erzbischos begleitet habe. Am 10. April erhielt Darboy den Besuch eines Freundes von Blanqui, Benjamin Flotte, der ihm nahelegte, bei Thiers den Austausch in Vorschlag zu bringen. Am 12. April schrieb der Erzbischos einen Brief, worin er u. a. sagte:„ES gibt mir allzuviel Ursachen der Zwietracht und der Erbitterung zwischen uns. Da sich nun eine Gelegenheit zu einer Vereinbarung bietet, die im übrigen nur die Personen und nicht die Prinzipien betrifft, wäre eS nicht weise, sie zu ergreifen und so die Beruhigung der Gemüter vorzubereiten? Die öffentliche Meinung tvürde vielleicht eine Äblthnung nicht begreifen." Abbö Lagarde wurde bcauf- tragt, diesen Brief der Exekutivgewalt zu übergeben. Er kam in Versailles am 14. an und begab sich sofort zu Thiers, dem er Mitteilungen über die„schrecklichen Absichten der Kommune" machte, ohne indes zu bewirken,»daß bei Thiers„das verächtliche Zucken der Mund- Winkel verschwand, das bei ihm die Ungläubigkeit anzeigte". Nach beendigter Lettüre erwiderte Thier?, daß er in einer so delikaten Affäre verpflichtet sei, mit den Ministern und den Mitgliedern der i wir von Stund an beginnen, den Beschluß auf legalem Wege wieder umzustoßen. Das hätte nach keiner Seite Anstoß erregt, aber doch Eindruck gemacht. Das, was die Studienkommission leisten sollte, aber als überflüssig von der Mehrheit des Parteitages abgelehnt wurde, muß nun von den Süd- deutschen selbständig geleistet werden." „Brandenburger Zeitimg". „Niemand denkt an eine Trennung unserer geschlossen gegen den Feind stehenden Kolonnen und taub und blind und stmupf müssen diejenigen sein, die nicht gerade au? den erhitzten Momenten der am leidenschaftlichsten bewegten Debatte die Glut innerer Eni- brannthcit gespürt haben, mit der alle um die letzten Endes gemeinsame Sache den„Kampf" geführt haben. Wir haben un? freilich aus eigener Beobachtung dem Eindruck nicht entziehen können und wollen auch beute nicht verhehlen, daß die bewußte Nachtsitzung mit ihren teilweise recht stürmischen Szenen bei ruhiger lleberlcgnng hätte vermieden lverden können. Der Aufbruch Bebels und die Passivität des ganzen Parlcivorstandes gab ja deutlich genug das Zeichen dazu. Aus der angenommenen Resolution ging doch mit erfreulicheru» dun zweideutiger Klarheit hervor, wie die Gesamtpartei über die Budgetbeivilligung denkt und wie scharf sie(mit Recht!) den Disziplinbruch verurteilt. Konnte dann auch Genosse Dr. Franks erste Erklärung sehr mißverständlich gedeutet werden, so mußte man doch aus seiner zweiten Deklaration, wie aus verschiedenen anderen, von uns bereits erörterten Umständen ent- nehmen, daß in Zukunft die badische Fraktion sich dem Mehrheits- willen fügen werde. Darmn war der in der Nacht überstürzt angenommene Zusatzantrag ii b e r f l ü s s i g, wenn er auch gerade kein Unglück tvar, da er im Grunde nur Selbstverständliches besagt. Die süddeutschen Genossen wußten anch ohnedies, daß ihnen bei einem erneuten disziplinwidrigen Verstoß gegen die Nürnberger Resolution der Ausschluß aus der Partei droht. Die von uns und nachträglich mich im„Vorwärts" wieder- gegebene Erklärung, die Genoste Frank privatim von einigen Ge- uostc», aber leider nicht vor dem Parteitag abgab, bestätigt unser von vornherein abgegebenes Urteil, daß wir uns auch auf unsere badischen Genossen werden verlassen können." „Der Proletarier aus dem Eulengebirge". „DaS schwerste Stück Arbeit des Magdeburger Parteitages war die Regelung de? zukünftigen Verhaltens der sozialdemokratischen Vertreter in den Parlamenten bei den Schlußabstimmungen über die slaallichcn Etats(Haushaltungsvoranschläge). Dieses Stück Arbeit ist jetzt geleistet, und zwar so. wie es anders gar nicht geleistet werden konnte. Wir gehören zu denen, die diese Frage als eine grundsätz- l i ch e auffassen. Alle Staatswesen im gcgenivärtigcn Deutschland beruhen auf der Klassenherrschaft, die sich überall gegen die Interessen des Proletariats richtet, was eben unter Klassen- Herrschast gar nicht anders sein kann. Dieser Klassenherrfchast grundsätzlich die Existelizmittel zu bewilligen und ihr damit in den meisten Fällen also auch noch das Vertrauen aussprechen, ist so zieinlich das s ch l i m in st e, was wir uns gegen die Interessen deS Proletariats vorstellen können. Durch die in Nürnberg und einige Male vorher mit großer Mehrheit beschlossene Resolution war für unsere Parlamentarier die Richtlinie gegeben. Diese Richtlinie ohne zwingende Not, bewußt und gewollt, außer acht lassen, das ist eben einfach Bruch der Parteidisziplin. Was demgegenüber jetzt beschlossen ist, war, wie gesagt, unumgänglich notwendig und hätte schon früher geschehen sollen." „Königsbergcr BolkSzeitung". „Die Befürchtung, die Annahme der Resolution Zubeil könnte zur Spaltung der Partei führen, eine Befürchtung, die man vielleicht 24 Stunden lang haben konnte, scheint uns durch die letzten Er- cigniste auf dem Parteitag widerlegt. Hatten in der dramatischen Nachtsitzung vom Mitttvoch die Süddeutschen auch den Parteitag verlassen, so beantworteten sie doch die Annahme des Antrages Zubeil doch nicht etwa mit einem Aufruf zur Gründung einer neuen gegnerischen Partei. Und als die preußische Wahlrechtssrage erörtert ivnrde. sicherten unsere süddeutschen Genossen unS ihre tatkräftige Unterstützung zu. Auch Genosse Frank fand so treffende Worte, daß ihm auch diejenigen, die ihm zwei Tage vorher auf das schärfste entgegengetreten waren, nach dem uns vorliegenden Be richt den„stürmischen Beifall" nicht verweigerten, den diese Kund� gebnng des süddeutschen Proletariats gegen die schandbaren preußischen Zustände verdiente. Fünfzehnerkommission Rücksprache zu nehmen, aber persönlich dem Austausch nicht abgeneigt sei. Ein neues Rendezvous wurde auf den Mittag des nächnen Tages angesetzt. Lagarde benützte nun die Zeit, um die Minister und insbesondere Jules Simon auf zusuchen, der ihm zwei Briefe vom 7. und 8. April mitteilte, von denen der eine von Darboy selbst herrührte. Beide Briefe nahmen Bezug auf die Erschießung der gefangenen Kommunarden und flehte» Thiers an, diesen„barbarischen Akten" ein Ende zu machen. Da» Erstaunen des Abbü Lagarde war groß. Thiers hatte ihm eben die Existenz dieser Briefe Verschlviegen. Als Lagarde Thiers wiedersah, vertröstete dieser ihn auf Sonnabend Sonnabcndmittag blieb Thiers, der gerade von der Minister- ratssitzung kam, bei- Lagarde stehen und sagte ihm: „Ich bedauere, Ihnen mitteilen zu muffen, daß meine Räte ein- stimmig den Austausch abgelehnt haben". Thiers vertröstete ihn dann noch einmal auf Montag. Am Montag wurde Lagarde eröffnet, daß Thiers noch immer nicht in der Lage sei, ihm eine Antwort zu geben. Lagarde berichtet weiter, daß er dem Erzbischos über die Verzögerung seiner Rückkehr Bericht erstattet habe. Gemeinsam mit anderen Geistlichen suchte er für die Befreiung de? ErzbischofS an anderen Stellen zu inter- vcnieren. In Paris bemühte sich der Advokat Plou, die Freilassung zu erwirken und durfte sehr auf Erfolg rechnen. Der Delegierte deS Kriegswesens C l u s c r e t war mit der deutschen Armee in Verhandlungen, die den Erzbischos betrafen, eingetreten. Aber die Projekte zerschlugen sich alle. Clnscret trat zurück, Plou wurde vom Gefängnis ferngehalten, das diplomatische Korps erklärte sich ohnmächtig und am 23. April ließ Jules Simon Lagarde rufen und übergab ihm die Antwort de? Präsidenten in einem geschlossenen Brief. Der Generalvikar, der einen offenen Brief übcrbracht hatte, weigerte sich als Antwort einen gcschlosteneu zu übernehmen.— Unterdes brachten die. Pariser Blätter Artikel über das Atisbleiben Lagardes. das sie als feigen Verrat bezeichneten, und Darboy, der, wie Lagarde behauptet, ans seinen Briefen nur das erfahren haben soll. loas ihm der Gefängnisdirektor mitteilte, richtete scharfe Briefe an ihn, die die Zeitungen reproduzierten. Am 2. Mai schrieb Abbö Lagarde, er könne nach Paris nur unter der Bedingung zurückkehren, daß ihm der Erzbischos das Vertrauen öffentlich zurückgebe. Dieser beleidigte Stolz war unzweifelhaft eine äußerst vorsichtige Gemüts- rcgung. Trotzdem setzte er aber seine„Interventionen" fort, bis ihn General Eissey am 28. Mai telcgraphisch aus Paris von der Erschießung des Erzbischofs benachrichtigte und hinzufügte:„Ihre Anwesenheit wäre hier sehr nützlich." Da sie auch ungefährlich war, folgte Lagarde der Einladung.— Auch seine„Rechlfectigung" genügt, wie inan sieht, nicht, den Schatten, der auf seinem Charakterbild liegt, zu entfernen. Aber wenn er ein trauriger Schwächling ivar, so war Thiers eine infame, tückische Kanaille. Der arme Darboy hat sich indes auch geirrt, als er sagte, die öffentliche Meinung werde die Ablehnung nicht begreifen. Er sah die Gemeinheit nicht voraus, mit der die bürgerlichen Prcßbanditen und ordnungsfreundlichen Historiker" lange genug imstande waren, die ganze Verantwortung für die Katastrophe dem durch erbarmungslose Metzeleien aufs äußerste empörten revolutionären Paris zuzuschieben. Ein Blödsinn ist es, wenn c i n T e i l der b ü r g e r« lichen Presse von einem„Gewaltakt" oder einem „Bruch der Geschäftsordnung" sprach, der am Mittwochabend durch die sofortige Verhandlung des Antrages Zubeil seitens der Mehrheit verübt worden sein soll. Die Geschäfts- ordnung sah zwar die achtstündige Arbeitszeit für den Parteitag vor, aber die Mehrheit kann die Geschäftsordnung stets ändern und eine Verlängerung der Verhandlungszeit beschließen. So hat es jeder Parteitag gehandhabt." DaS „Harbnrger Volksblatt" macht sich den Artikel des.Hamburger Echo' zu eigen, der es lebhaft begrüßte, daß der Magdeburger Parteitag durch den in der Nacht sitzung vom Mittwoch gefaßten Beschluß endlich die u o t iv e n d i g e Klärung geschaffen habe und mit den Worten Bebels schloß:«Seht den Führer» auf die Finger, seht den Redakteuren auf die Fingerl" „Bcrgischc Arbritcrstim»lc"-Soliilgcn. „Mit innerer Befriedigung kam» die deutsche Sozial« demskrntie auf den Verlauf ihres Parteitages zurückblicken, den sie in der letzten Woche in den Mauer» Magdeburgs abgehalten hat. Wer daran zweifeln möchte, der lese nur die bürgerliche Presse aller Schatlierimgen. Von» politisch farblosen„Generalanzeiger" über die liberale Presie hinweg bis zu den Blättern der Regierungen und der offenen Reaktion findet sich eine wahre Flut von Schmähungen, Verdrehungen und direkte» Verlogenheiten über die Magdeburger Tagung, der sicherste Beweis, daß die bürgerlichen Hoffnungen auf sie gründlich getäuscht worden sind. Entweder erweist sich die Sozial« dcnrokratic als unfähig, ihre bisherige straffe Geschlossenheit allen Lockerungsversuchen gegenüber zu wahren, oder aber eS kommt zur Spaltung, in beiden Fällen ein immenser Ge» winn für die bürgerlichen Parteien, auf diese Note waren die Spekulationen der gesamten bürgerlichen Presse ge- stimmt, tllrm ist aber alles anders gekommen. Der gelockerte Ring der Disziplin ist in Magdeburg wiederum so fest und sicher um die Partei geschmiedet worden, daß sie noch nie s o weit von einer Spaltung entfernt gewesen ist als gerade jetzt. Wie die betrübten Lohgerber, denen die Felle fort» geschwommen sind, stehen die bürgerlichen Preßhyänen nun da. Kein Wunder, daß sie sich nunmehr aufs Schimpfen verlegen und einzelne Vorkommnisse ans dem Parteitage niS Maßlose zu übertreiben und verzerren suchen, wobei sie mit bekannter Skrupellosigkeit die Wahrheit fälschen und auf den Kopf stellen. Vergebens versuchte man von feiten der Bndgctbcwilliger und ihrer Freunde, in die Geschlossenheit des linken Flügels Bresche zu legen, er blieb fest, und so kam es auf dem Parteitage bei den Ab- stimmungcn zu klaren Entscheidungen, aus denen die Genossen im Lande wie ihre Gegner unzweideutig ersehen köimen, wie die Partei steht. So bedauerlich eS war, in dieser Werse borgehen zu müsse», so bitter notwendig war eS andererseits. Der Revisionismus mußte in seine Schranken zurück« gewiesen werden, damit er nicht mehr scheint als er ist. Jetzt ist es auch ein für allemal vorbei damit, daß er wiederum als organisierte Minderheit die unorganisierte Mehrheit des Parteitages terrorisieren kann. Die Mehrheit wird künftig stets bereit sein, jeden solchen Versuch abzuschlagen, und diese Bereit- schast wird— nachdem in Magdburg einmal ihre Wirkung erprobt ist— für die Zukmift schon ganz allem genügen, um die Minderheit zu veranlassen, ihr provozierendes und terrorisierendes Verhalten einzustellen. So wird von Magdeburg ein GesundungSprozeß datieren, der für unser ganzes Partcileben die heilsamsten Folgen haben muß. Weniger denn je kann jetzt von einer Spnllung der Partei die Rede sein. Die Proletarier in Süddeutschland denken gar nicht daran, und diejenigen ihrer Führer, die mit dem Ge« danken zu spielen schienen, dürften nach Magdeburg endlich wissen. daß jeder Spaltmigsversuch nur ihre eigene Kalistellung, aber sonst nichts im Gefolge haben würde." „Magdeburger BolkSstimme". „Kein Zto eiset, daß ohne Franks schwere Ent« g l e i s u n g d e r A o r f a l n i ch t gekommen wäre. Mit der Annahme der Vorstandsresolution hätte eS sein Bewenden gehabt; die Debatte, die groß und wuchtig verlaufen, wäre groß und wuchtig abgeschlossen worden. Sucht man nach dcni Schuldigen, so ist er also in Frank gegeben. Die Entgleisung des einen Dürfen die Frösche nachts quaken? Daß dieses Problem nicht nur wichtig, sondern anck mit großen Schwierigkeiten verknüpft ist. zeigen die mehrfachen Bemühnngeit der deutschen Gerichtshöfe, eine der Themis gemäße Antwort zu finden. Der Besitzer eines Sanatoriums hatte gegen den Pächter eines Teiches Klage auf Schadenersatz erhoben, weil in dessen Teiche nachts die Frösche ein so ohrcnzcrreißendeS Konzert anzustimmen pflegten, daß die ihrer Nachtruhe beraubten unmusikalischen Gäste fluchtartig die Stätte ver« ließen, an der sie vergeblich Ruhe vor dem Lärm der Großstadt gesucht hatten. Doch der Kläger wurde zweimal abgewiesen, denn nicht der Pächter deS Teiches quakte nachts. sondern die Frösche und„dies stelle nur ein schädliches Einwirken von Naturgewalten dar". Doch das Reichs« gericht war wiederum anderer Ansicht und glaubte, daß der Beklagte die Frösche nachts am Quaken hindern müsse. So wird dieser Streit wohl noch gcramne Zeit die deutschen Gerichtshöfe beschäftigen. Um auch zur Beilegung des Problems beizutragen, sei einem weisen und gerechten Richter vorgeschlagen, zu entscheide», der Inhaber deS Sanatoriums sei berechtigt, das Fischercirecht auf Frösche im Teiche des Beklagten nttSznüben. Die Gäste des Sanatoriums, befreit vo» dem ruhelosen Lärm, finden obendrein beim Diner ein delikates Ge- richt von Froschkeulen. Der neue Leipziger Bahnhof. Eines unserer gelvaltigsten Bau» werke ist der neue Leipziger Hanptbahnhof, der im Jahre 1918 dem Verkehr übergeben werden soll. Die„ilmschau" berichtet darüber: Sechs riesige briickenäbnliche Bogen bilde» insgesamt die Grenze des 270 Meier langen Querbahnsteigs, von dem die Perrons zu den Zügen ausgehen. Vor diesen erhebt sich das Hauptgebäude des Bahnhofs. Die nordwärts sich anschließenden Hallen für die Züge werden in Eisen und Glas ausgeführt. Ans 2ö Gleisen werde» alle Linien«inmünden. Die Riescitiassade wird 300 Meter Breite, die Tiefe, entlang den Bahnsteigen, 320 Meter betragen. Eine wichtige Neuerung wird anch ein besonderer Postbahnhof werden. Auf 32 Gleisen können gleichzeitig 132 Bahnpostwagen vollgepackt und abgefertigt werden. Die Kosten des gewaltigen Verkehrsinstituts beziffern sich auf 130 Millionen Mark. Kuiistcrzlehiing in New Jork. Ein bedeutsamer Versuch, das Evangelium der Kunst unter den New Uorker Schulkindern zu der« breiten, wird von dem Direktor des Metropolitan Art Museums. Edtvnrd Robinson, utiteniommen. Den ganzen Winter hindurch sollen mit den Kindern aller öffentlichen Schulen monatliche Muscumsgänge unternommen werden. Die einzelnen Klassen werden von den Direktoren und Kustoden deS Museums von Raum zu Raum geleitet und über die technische Herstellung und den ästhetischen Wert der Kunstwerke unterrichtet.„Ich betrachte dies als eine der wichtigsten erzieherischen Unternehmungen, die vo r dem Museum bisher ausgegangen sind", sagte Robinson.«Diese MuseumSgänge, methodisch durchgeführt, werden einem jeden New Iorker Schulkind ein Verständnis für die wichtigsten Gegenstände der Kunst vermitteln.' «tHgfc aver sofort eine Entgleisung der dielen. Nicht mehr Dietz, sondern der Zorn präsidierte. Und der Zorn ist ein schlechter Präsi- beut, wie er ein schlechter Ratgeber ist. Schon parlamentarisch ist es unzulässig, nach erfolgter Abstimmung in die erledigte Materie zurückzutreten. Wenn eS aber mal geschehen sollte— die Geschäftsordnung des Parteitages verbietet es nicht ausdrücklich—, daim war der DonnerStagvorinittag früh genug dazu. Die Mittwochsitzung dauerte schon 11 Stunden; für viele Angehörige beider Richtungen lediglich unterbrochen von einer Mittagspause, die durch Sitzungen der Subparteitage auf eine halbe Stunde zusammengeschrumpft war. Die Nerven aller vibrierten. Die Schläfen häminerten. Denn auch Sozialdemokraten sind nur l Menschen. In einer solchen Stunde trifft man keine Entscheidungen, die von weittragender Bedeutung werden können. Die Tatsache, dah es doch geschehen, beweist lediglich das eine: bis zu welchem Grade in jener frühen Nacht die Leidenschaften erhitzt waren. . DaS Gros der Partei hat sich nun in aller Ruhe und Nüchtern« heit mit dem Beschluß abzufinden. Was ist durch die Budgetdebatte 4),c j erreicht ivorden? Es ist erreicht, was bezweckt worden; ..� in Süddeutschland wird sich ein Disziplinbruch H nicht wiederholen. Dazu hätte aber die Vorstandsresolution vollkommen ausgereicht; es bedurfte nichl mehr des zweiten Antrags _ Zubcil, durch den übrigens der Entscheidung eines jeden SchiedS- gerichts vorgegriffen wird, was für ein jedes gerichtliche Verfahren durchaus unzulässig ist. Ein Disziplinbruch wird nicht mehr vorkommen. Sind wir da- durch aber vor jeder Wiederholung einer Budgetdebatte gesichert? Schwerlich." „Dresdener Arbcitcr-Zeitung". .Solche Vorgänge sind noch auf keinem Parteitage dagewesen Und ganz gewiß mutz es aufs tiefste bedauert werden, datz eS dazu gekommen ist. Gleichwohl sind wir der Meinung, datz daS Vorkam>n nis doch nicht als allzu folgenichwer angesehen werden darf. ES konnte ja einen Augenblick lang so scheinen, als sei der Zwiespalt innerhalb der Partei bis zum äutzersten gediehen, als sei ein gutes Zusammenarbeiten nun nicht mehr möglich. Tatsächlich aber stehen die Dinge anders. Es scheint, als ob erst einmal der Höchstgrad der Erregung erreicht werden mutzte, um den Streit der Meinungen zu beendigen und wieder einen besseren Zustand herbeizuführen. Nach der Schwüle des Streit« mutzte da« Gewitter aus- toben. Dann kann der Himmel um so reiner strahlen. ES hat jetzt keinen Zweck, über die Budgetfrage noch weitere Erörterungen anzustellen. ES wäre unseres Erachtens auch nicht er« sprictzlich, wenn unsere. Genossen jetzt in den einzelnen Partei- Versammlungen nochmals übermätzig über das ffür und Wider sowie über die einzelnen Vorkommnisse auf dem Parteitage sich auS- «inandcrsetzcn wollten. Der Parteitag hat seine Ansicht unzweideutig ausgesprochen. Er hat durchaus abgelehnt, den einzelnen Landesfraktionen und Landesorgani- sationen«ine eigene Entscheidung in den einzelnen Fällen der Budget- abstimmung zu gewähren. Er fordert unbedingte Jnne- Haltung deS Beschlusses, Ablehnung desBudgets. abgesehen von dem in der Nürnberger Resolution vorgesehenen Ausnahmefall. Also ist die Angelegenheit als erledigt anzu- sehen. Der Minderheit bleibt natürlich daS Recht gewahrt, falls neue Momente in dieser Frage hervortreten sollten, ihre Ansicht wieder geltend zu machen. Aber sie mutz den Mehrheits- beschlutz respektieren, und wir sind überzeugt: sie wird ihn respektieren." „Braunschwciger BolkSfreund". .ES wäre alles in der f r i e d l i ch st e n Weise ausgegangen, wen» Frank in seinem Schlußwort eine Erklärung abgegeben hätte. datz sich die Badener dem ParteitagSbeschlutz fügten. So gab er aber diese Erklärung nicht nur nicht ab. sondern ließ recht deutlich durchblicken, datz in der Budgetsrage die Badener auch künftig sich um ParteitagSbeschlüsse nicht kümmern würden. Es wäre also nach dieser Erklärung alles beim alten geblieben. Um endlich klare Bahn zu schaffen, mutzte der Parteitag die Erklärung Bebels, daß bei einer weiteren Nichtbeachtung deS ParteitagSbeschlusseS der Anlatz zur Einleitung des AuSschluhvcrfahrenS vorliege, zum ParteitagSbeschlutz erheben. Damit, datz die Budgetbewilliger den Saal verhetzen, bewiesen sie, datz sie die Erklärung Bebels, die die Unterzeichner des Antrages Zubeil zur Bedingung der Zurückziehung ihres Antrages «eniacht hatten, nur als weitze Salbe ansahen und un- rächtet lassen wollten. Wäre die Erklärung Bebels nicht zum ParteitagSbeschlutz erhoben worden, so ständen wir nach Magdeburg nochaufdemselbenFleck.wie vor Magdeburg.... Besiegelt wurde der Friede zwischen der rechten und der linken Richtung schon am Freitag, als die süddeutschen Gruppen einmütig den prentzischen Wahlrechlskämpfern ihre Sympathie aussprachen. Auch der Freitag brachte einen radikalen Erfolg mit der Annahm« der Luxemburgschen Massenstreikresolution. DaS war noch ein viel schärferer Prüfstein für die radikale Stimnumg in der Partei, als die Budgelfrage. Also: die Sozialdemokratie ist aus den VerHand« lungen des Magdeburger Parteitages einig und geschlossen hervorgegangen, o h n e n u r das geringste Zugeständnis nach rechts gemacht zu haben. E» geht jetzt wieder mit Bolldampf vorwärts gegen den gemeinsamen Feind." „SchleSwig-Holsteinische Volkszeitung": .Scharf platzten bei den Auseinandersetzungen die Meinungen aufeinander, aber trotz aller Schärfe, ja trotz mancher dramatischen Szene war die Debatte doch st r e n g sachlich. Und wäre nicht die ungeschickte Erklärung Dr. Franks erfolgt, dann wäre sowohl die Nachtsitzung als auch der AuSmarsch der Revisionisten nicht möglich gewesen; diese Erklärung aber durfte die Mehrheit nicht ruhig hinnehmen. Sie war eS der Partei schuldig, unzweideutig zum Ausdruck zu bringen, datz diese sich nicht verhöhnen lätzt. Es war überhaupt ein erfreu« licheS Zeichen, datz die Mehrheit geschlossen und entschieden auftrat. Nur wegen der mangelnden Geschlossen- Heit der Mehrheit und der sentimentalen Rücksicht, die sie stets Henominen hat, war die Rolle möglich, die der Revisionismus auf frühere» Parteitagen gespielt hat. Nnr geschlossen und entschieden brauchte die Mehrheit, die hinter sich die übergroße Mehrheit in der Partei hat, aufzutreten und der Revisionismus lag besiegt am A Bodon." „BreSlauer Volksmacht." .Wenn auch die Verhandlungsgegenstände der letzten Tage, be- - fouderS die Beratung des WahlrechtSkainpfes. ihren hohen Wert bat en, so konzentriert sich doch daS Hauptgewicht der Debatten und Beschlüsse auf die Verhandlung über die badisch» Budgetbewilligung. die nicht nur die Zeit des Parteitages am längsten in Anspruch nahm, sondern auch den heftigsten Zusammenprall der Meinungen. die g, istvollsten Kontroversen und das Ringen der verschiedensten Argumente in einer Weise herbeiführte, die auf den Besitz an geistigen Kräften i» unserer Partei den hellsten Lichtschein wirft. Im großen und ganzen hat sich der Kampf der Anschauungen auch in streng s a ch l i ch e in R a h m e n gehalten und es ist keiner auf- gestanden, der v»» seinem Gegner behauptet hätte, datz er nicht nach seiner Anschauung daS Beste sür die Sache des deutschen Proletariats gewollt habe. Bis zum Nammittag des zweiten Tage» mutzten sogar feindselige Blätter die Ritterlichkeit der kämpfenden Parteien hervorheben, und dies Bild ist nur etwa« getrübt worden durch die forcierte Nachtsitzung, die, entstanden aus einer unglücklichen Erklärung des b a d i s ch e n Redners Frank, doch hätte vermieden werden sollen, nachdem derselbe Genosse hervorgehoben Halle, datz die zukünftige Haltung seiner Kollegen mit den Nürnberger Beschlüssen nicht in Widerspruch stehen wird. Und wenn es auch eine arge Uebertreibung de? ivürttenibergischen.Reckar-Echo" ist. zu schreiben:.Die Mehrheit deS Parteitage» zeigte, daß sie aus Polizei-Prcutzen stammt", so bleibt doch der Eindruck solch hitziger Debatten und überstürzter Beschlüsse immer ein unangenehmer und erleichtert die Propagierung unserer Ideen nicht. WaS die Mehrheit im Antrag Zubeil fachlich beschlossen, mag man mit Bebel als überflüssig ansehen, eine Aenderung in der Organisationslage erzielt es nicht, und deshalb lohnte es nicht der Auf- regung auf beiden Seiten. Wir hoffen, datz nach den nun festgelegten Wünschen der Gesamtpartei die süddeutschen Genossen einen Weg finden werden, der ihre Haltung in Einklang mit diesen Beschlüssen bringt. Ihre abweichende Meinung in der Diskussion zu vertreten, ist ihnen nicht verwehrt, ebenso wenig der Versuch, die Mehrheit zu ihrer Anschauung zu bekehren. Wenn wir es aber der politischen Entwickclung zunächst einmal überlasten, der Zukunft die Wege zu weisen, bleiben uns diese Debatten hoffentlich eine Zeit- lang erspart." „Wciwurische Volkszeitung": .Was dem Magdeburger Parteitag aber seinen besonderen Stempel aufdrückt, sind die Verhandlungen über die Budget- frage. Wochenlang bat die Empörung der Parteigenossen über den badischen Disziplinbruch helle Flammen geschlagen, man empfand den Vorstoß der badischen LandtagSfraktion als eine Provokation. Man war sich aber nicht minder auch der tieferen Ursache dieses Vorgehens der badischen Genossen bewußt. Der Verlauf deS Budget st reits zeigte deutlich, wohin die Fahrt gehen sollte und Genosse Kolb hat es dann ja auch auf dem Parteitag durchblicken lassen, datz der Revisionismus die Partei auf eine andere Takrik, die des PaktierenS hindrängen wollte. Und als dann im Schlußwort Genosse Frank gar noch er- klärte, wenn auch unter Verbrämung, datz die Badenser sich in bezug auf ParteitagSbeschlüsse zur Budgetabstimmung nicht sestlegen hetzen, da wäre eS eine erbärmliche Schwäckie des Partei- tags gewesen, w en n e r d e r e w i g e n O u e r t r e i b er e i der revisionistischen Seite nicht ein Paroli ge- boten hatte durch Annahme der ResolutionHaase- Zubeil. Gerade diejer Beschlutz erfüllt uns mit besonderer Genugtuung. AengstlicheS Ausweichen um des lieben Friedens willen hätte erst recht geschadet. Gerade das energisch e Zugreisen der ParteitagSmehrheit hat in den weitesten Kreisen unserer Genossen ein Gefühl der Sicherheit ausgelöst, datz die große Masse der Genossen an der altbewährten Taktik festhält und den Klassenkampfcharakter nicht verwässert haben will. Es hat sich aber auch gezeigt, datz die revisionistische Richtung doch nicht entfernt so stark ist, als sie sich den Anschein geben konnte." „Hallesches Volksblatt". .In Magdeburg ging es nicht nur gegen die Budgetbewilligiing. Gegen eine„Entgleisung" wäre in fünf Minuten Abhilfe geschaffen. Nein, eS ging um die gesamte revisionistische Taktik, die unbedingt, wie wir wiederholt nachwiesen, zur Budgetbewilligung. Hofgängerei, reinem NiirparlamentariSmuS, Autonomie der Landtags- fraitionen und schlietzlich der Wahlkreise und der einzelnen„Parla- mentaricr" führen mutz. Da aber die Nürnberger Resolution wenigstens eine der praktischen Betätigungen revisionistischer Taktil verbot, konnte sie nur durch einen Disziplinbruch ausgeübt werden, der freilich am klarsten zeigte, welch' furchtbare Gefahr für die Partei der Revisionismus im Grunde bedeuten kann. Diese Gefahr wurde von der erdrückenden Mehrheit der Partei glänzend abgeschlagen. Doch bei dem harten und zähen Ringen trat deutlich genug zutage, wie anmatzend und plan« voll der ganze Vorstotz unternommen war. Die angeklagte Taktik spielte sich als Ankläger auf l Sie hatte die Parteigefeye bewutzt gebrochen, bat nun aber nicht um Entschuldigung und eventuelle nachträgliche Genehmigung sJndemnität). sondern forderte barsch die Aufhebung deS gebrochenen Gesetzes und damit Anerkennung ihrer Taktik als der kommenden Taklik der Gesamt- Partei. AlS der Versuch aussichtslos schien, sollte das bindende Gesetz für.strittig" erklärt und sein erneutes„Studium" durch eine„Studien- konimission" durchgesetzt werden. Hätte der Parteitag im gegenwärtigen Moment auf diesen Ködcr gebissen, so wäre der Disziplin« bruch grundsätzlich sür gerechtfertigt erklärt worden. Da war eS in der Tat das mindeste, das; der Partei- tag einen unzerbrechbaren Riegel vorschob und ausdrücklich festlegte, datz ein nochmaliger Disziplinbruch ein zwingender Grund sei, den AuöschlietzungSparagraphen in Funktion treten zu lasten. Um diesen selbstverständlichen Beschlutz zu hintertreiben, versttegen sich die An- spräche der Revisionisten sogar bis zum terroristischen Mittel der Parteiobstruktion. Da war es in der Tat höchste Zeit für den klaren Beschlutz.... Noch einmal: der Parteitag war milde genug, nicht die Per- s o n e n, sondern nur ihre Taktik ein für allemal auszuschließen. Das war eine Tat, die dem Magdeburger Parteitage wachsende Bedeutung sichert. Die Masten der Partei bekennen sich zur schärfsten Klassenkampstaktik und lassen an ihrer revolutionären Klarheit nicht rütteln. DaS hat Freund und Feind zu beachten.", Sie ssschuizhl Im vierten Candtags- Wahlkreise und die poiiliiche Lage beschäftigte eine öffentliche Wählerversammlung, die am Dienstag im großen Saal des Hosjäger-PalasteS stattfand. Der sozialdemo- kratische Kandidat deS vierten LandtagS-WahlkreiseS, Genosse Max G r u n w a l d, referierte. Er bezeichnete eS als ein freudiges Er- eignis, trotz allem Elend des Wahlsystems, datz man bei dipser Nachwahl zeigen könne, datz wir da seien und wie wir da seien. So wollten wir sie begrützen und versprechen� datz jeder an seinem Platz seinen Mann stehe und seine volle Schuldigkeit tun werde. Jede Wahl der letzten Zeit habe steigernd gezeigt die nach Freiheit trachtende Gesinnung des deutschen Volts. Die OppositionS- stimmung der Bevölkerung, die sich auch darin zeige, datz auch Nicht- sozialdemokraten für die Sozialdemokratie stimmen, nähmen wir mit Dank an. Denn jene Wähler stimmten nicht zum mindesten deshalb für uns, weil wir die einzige Partei seien, auf die sie sich verlassen könnten. Jedes besondere politische Ereignis treibe die Bevölkerung geradezu mit Ruten in die Reihen der sozialdcmokra- tischen Wähler. Wenn nun jene Steuergesetzgebung, die so auf- rüttelnd gewirkt habe, im wesentlichen vom blau-schwarzen Block gemacht sei, so dürfe doch nicht vergessen werden, datz auch die Frei- sinnigen bereit gewesen seien, eine grotze Masse indirekter Steuern mit in Kauf zu nehmen, wenn ein bitzchen Erbschaftssteuer dazu ge- kommen wäre.— Bei Erfassung der politischen Situation brauche man sich auch Klotz erinnern des Monstrums der„Wahlresorm", daS dann verscharrt wurde. Man brauche sich bloh erinnern, was jene Vorlage und die Kämpfe um sie uns an Blut und Gefängnis gekostet hätten. Auch das solle für uns wirken; es müsse uns jeden ernstlich freidenkenden Nichtsozialdemokraten zutreiben. Mit Stich- Worten nur brauche ferner erinnert werden an das, was in Königs- berg und Marienburg gegen das Volk, gegen die Beschlüsse von Parlament und Volksversammlung geredet worden sei. Die bevor- stehende Wahl solle auch ein Protest sein gegen die Worte deS Kaisers; sie werbe eine Abstimmung über die Kaiserrede bedeuten. Man könne dann sagen: für die Kaiserredcn hätten so und so viel Liberale, dagegen so und so viel Sozial- dcmokraten und andere wirkliche Demokraten gestimmt.— DaS unehrliche Ausnutzen gewisser Vorgänge auf dem sozialdemo- kratischen Parteitage dürfte in dem Wahlkamps im vierten Land- tagswahlkreisc leicht eine Rolle spielen. Zunächst sollte aber jeder Gegner so ehrlich sein und sagen, die internen Angelegenheiten einer Partei gingen nur diese Partei etwas an. Wenn man die Ehrlichkeit bei den Freisinnigen nicht voraussetze, so wollten wir sie doch bei anderen voraussetzen. Jeder ehrliche Mensch müsse sich sagen: Gewih, man habe sich nicht gerade mit Glacehandschuhen angefaßt in Magdeburg, aber es seien ehrliche Brüder, die ihre Organisation, ihre Partei, ihre Sache über alles und über jede Person stellten. Nur ein böswilliger Gegner könne solche ehrliche Meinungsäußerung und eine solche energische Betätigung einer be- stimmten Gesinnung einer Partei zum Vorwurf machen.— Im vierten LandtagswaMkreije hahc Dan eS nur tnjjj tzew Freisinn zu kun. Wo ist ihr Kandidat? Tie haben noch keinen. Den gessrnhlien Wahlmännern überlassen die Bestimmenden es, ihn auszustellen. Wenn die Freisinnigen einen Funken demokratischen Gefühls hätten, dann würden sie die Ausstellung den freisinnigen Urwählern überlassen. Statt dessen machten sie es hierbei im Sinne von Junkern und Junkergenossen, im Sinne der Väter des indirekten Wahlsystems. Wenn sie also den Kandidaten aus indirekter Wahl hervorgehen ließen, so sei dies äußerst charakteristisch bei den Frei» sinnigen, die sich manchmal als Anhänger eines direkten Wahl- systemS aufspielten.— Die Unterlassungs- und Begehungssünden des Berliner Kommunalsreisinns gaben dem Redner noch reichlich Stoff zur Kennzeichnung der Liberalen. Er hob dabei auch hervor, datz man sich das Tempelhofer Feld, das nun wüster Terrainspeku- lation ausgeliefert sei, hat wegschnappen lassen, anstatt rechtzeitig nach seinem Besitz zu trachten und eine Lunge Berlins zu erhalten. In seiner ganzen volksfeindlichen Gesinnung zeige sich der Freisinn ferner bei der Beratung der famosen Lustbarkeitssteuervorlage.— Wir Sozialdemokraten, aber auch alle anderen freiheitlich gerich- tetcn Männer, müßten jetzt in diesem Wahlkampf die günstige Situation auf dem allgemeinen politischen Gebiet und die Sünden der Freisinnigen in Berlin ausnutzen zugunsten einer wahrhaft volksfrcundlichen Wahl. Es sei zu agitieren und aufzuklären, wo eS geht. Die Urwähler seien auch dahin aufzuklären, datz, wenn sie durch die Abstimmung für uns ihre Stellung verlieren würden, sie lieber zu Hause blieben, als einen andern zu wählen. Und soweit der engere Kreis der Parteigenossen in Frage komme, sei es Ehrenpflicht der gesamten deutschen Partei gegenüber, zu zeigen, datz wir selbst in diesem Wahlkreise und selbst unter diesem elenden Wahlsystem unser Möglichstes getan hätten, den Kreis zu erobern. Daß am 8. November bei der Abgeordnctenwahl die rote Fahne auch über diesen Wahlkreis siegreich emporgezogeii werden könne, das sei die Hoffnung und der Wunsch, womit wir in den Kampf gehen wollen.(Stürmischer Beifall.) Genosse Schwemke ermunterte dann nochmals die Versam- melten, am kommenden Montag in den UrWahlbezirken, wo Wahl» männer-Ersatzwahlen stattfinden, ihre Schuldigkeit zu tun.(Leb- hafte Zustimmung.)__ Soziale Zustände in Gliaß-Cothringen. Der Jahresbericht der Gewerbeaufsichtsbeamten und Berg- behörden in Elsatz-Lolhringen zeigt uns, in so trockener Amtssprache er auch versatzt ist, wie es hinler den Kulisien der so patriotisch- christlichen Unternehmer aussieht. Es ist wirklich deutsches Reichsland geworden, denn all die Mitzstäude, über die in anderen Bundes« gellagt wird, finden sich in Elsatz-Lothringen auf einem Hausen. Nach dem Bericht für Unter-Etsatz, einem von der Milch fromm- zentrümlicher DeukungSarl erfüllten Bezirk, werden in 84 Betrieben 2 ü 3 jugendliche über die gesetzlich zulässige Zeit hinaus beschäftigt, Es seien einige dieser Ausbeutungen spezialisiert. Es wurden de- schäftigt: 1ö Kinder 10 Stunden in einer G l a S s ch l e i f er ei und drei Zigarrenfabriken, 3 Kinder 11 Stunden in einem Sägewerk und einer Schuhfabrik, 4 Kinder 11'/, Stunden in einer Kunstlederfabrik. 11'/, Stunden zwei junge Leute in einem Sägewerk, 11% Stunden 13 junge Leute in einer Kunstlederfabrik, einem Sägewerk. einer Getreidemühle und einer Buchdruckerei. 13 Jugendlichen wurde keine VormittagSpause gewährt, Ivo Jugend- liche hatten teils keine Vormittags-, Wils keine Nachmittagspause. Di« Beschäftigung Jugendlicher an gefährlichen Holz- bearbeituugsmaschinen mutzte wieder öfter untersagt werden. Recht idyllische Zustände. Der Kapitalismus huldigt dem Worte: Lastet die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht. Ein besonderes Kapitel könnte man der Hausarbeit— Haarnetzstrickerei — widmen. Hier ist es wieder die Not der mit Kindern reich ge- segneten Arbeiterfamilien(Waldarbeiter usw.), welche von Händlern und Fabrikanten ausgebeutet wird. Die auf das Stricken verwendeie Mühe und Zeit steht in keinem Verhältnis zu dem Erlös auS dieser Arbeit, so berichtet der AussichtSbeanite. nicht vielleicht ein unzufriedener, hetzender Sozialdemokrat. E» kommen z. B. ein elf-, ein zwölf- und vierzehnjähriges Mädchen bei der Anfertigung eines Dutzend Haarnetze innerhalb zweier Tage, bei etwa 3'/,stüildiger täglicher Lrbeitsdauer, auf 82 Pf. ver» d i e n st. Kleine Kinder von vier bis sechs Jahren machen die Bor- arbeiten, d. h. sie knüpfen die Haarenden zusammen. Eine Arbeit, welche sicher dem Augenlicht der Kinder„iehr zuträglich" ist. Die gesetzlich festgesetzte Arbeitsdauer wird häufig überschritten, und zwar nicht nur von Kindern über 12 Jahre, sondern auch von den unter dem Schutzalter stehenden Kindern. Häufig wird in den zwischen den Unterrichtsstunden lirgenden Mittagspausen und abe»i� bis 9 Uhr, von älteren Kindern auch bis 19 Uhr gearbeitet, von meist, nachdem sie von etwa 8'/, bis 7>/� Uhr, mir einer Ilnter» brechung für die Abendmahlzeit, für das Vieh Futter geschnitten rnii den Stall in Ordnung gebracht haben. von schwarzen Listen bei den Ziegeleibesitzeru weiß' der Brief folgendes zu erzählen: Bei den Ziegeleibesitzern einer Gemeinde (den Namen nennt der Beanite nichy. kann nur der A-befter inner- halb 14 Tagen nach seinem anderweiiigcn Austritt Araeir erhallen. wenn er einen Abkehrschein besitzt. Einigen Arbeitern, welche wegen Lohndifferenzen das Arbeiisverhältnis lösten, wurde der Abkehr- schein vorenthalten. Der Gewerbebcamte schreibt dozu: Da dieser Abkehrschein, soweit ich ermitteln konitte, nach emem bestimmten Schema ausgestellt zu werden scheint, erreichte mein Hinweis des Ziegeleibesitzers auf§ 113 der Gewerbe- ordnung nur einen teilweisen Erfolg und wurde den bei mir vorsprechenden Arbeitern der gerichtlicheiDeg anempfohlen. Wir möchten den Betroffenen außerdem dringen., anempfehlen, sich ihrer Berufsorganisation anzuschließen, um solchrm Treiben ein Ende zu machen._ Hua Induftne und r>andeL Aufruf zur AuShungeruug des Volkes? Die skrupellos�, auf Erwcckung ungezügelter HabgiV gerichtete demagogische Agitation, die der Bund der Landwirte seit ftst zwei Jahrzehnten betreibt, konnte naturgemäß nicht ohne böse Fi/.�en bleiben. Und die Wirkungen sind erschreckender Art. Sie zeigen s l in einer kaum glaublichen intellektuellen und moralischen Verwild?. rung. Welche Verwüstungen die Predigten der LebenSmitielwucher- Politiker angerichtet haben, davon zeugt ein Ausruf, den ein— landwirtschaftlicher Berein im Magdeburger„Generalanzeiger"(Nr. 246) veröffentlicht. Er lautet: Landwirtschaftliche Produktionskosten. In' diesem Jahre haben wir laut genossenschaftlichen Bericht? 2Sv Millionen Tonnen Weizen mehr als im Vorjahre aus unseren Nkarkt erhalten, wodurch die Preise aller Getreidesorlen gesunken sind, ca. 19v Mark pro Tonne unter den Produktionskosten. Wenn ein anderer Gewerbetreibender immer unter den Produlnonskosten Ware verkaufte, so würde er in eine Irrenanstalt gebracht, während es beim Landwirt immer geschieht, und die Sorge wird beim Landwirt immer größer, da es scheint, als gäbe es hierzu keine Hilfe, und doch kaiui diesem Umstände entgegengearbeitet werden dadurch, datz es hcitzl. eS ist soviel Bestand von Lebens- Mitteln da, datz wir weniger Flächen bebauen müssen, ja, eS ist nötig, hierin Wandel zu schaffe«, daß wir nicht durch die Willkür der Landwirte in unserer Lage bedroht werden, denn hier und dort sind Hunderte von Morgen Wald urbar gemacht und eS geschieht weiter und weiter. Autzerdem gehe jemand durch die Ortschaften und sehe, wieviel Morgen Brache beute bestell« sind. Während früher in jeder Ortschaft Ivv bis 200 Morgen Brache lag. wird heute alles bestellt, waS Uebcrproduktion zur Folge haben muß, denn Menschen sind in dem Matze nicht mehr geworden als Getreide. Fleisch und Kartoffeln mehr an den Plarli gebracht wird. Die Folge mutz ein PreiSdruck werden, da eS nicht ver- konsumiert werden kann. ES mutz also die Regierung gebeten werden, der Ausforpmig entgcgenzutrctr« sowie der übertriebe»«» Viehzucht und muß heißen: don Ivo Stück sollen nur 90 jeder haben, also 10 Proz. weniger, und so fort. Hierdurch kommen andere Preise notgedrungen. und dem Landwirt ist ae- Holsen, während sich der Landwirt plackt und hat nichts davon. Der Konsument aber lacht sich ins Fäustchen und denkt: warum ist der Landwirt so dumm. Hat doch der Herr Luchtinspektor Ellerbrock im landwirtschaftlichen Verein im Bortrag festgestellt, daß 1 Zentner Rindfleisch dein Landwirt 45 Mark zu produzieren kostet, also warum sollen wir zu 30 bis 38 Mark verkaufen? Der Milch-Konrrollverein zu Bernbnrg stellte aber fest, daß dem Landwirt 1 Pfund Butter zirka 1,50 Mark koster und 1 Liter Milch 15 Pf., also warum unter den Produktions- kosten verkaufen? Wenn nur alle Landwirte nach diesen Bor- schriften handeln wollten, so würde die Not bald ein Ende nehme». Ferner ist durch Prof. Howard festgestellt, daß in zirka 2 Wirt« schaflen 1 Zentner Kartoffeln dem Landwirt 2 Mark, ja bis 8.24 Mark kosten, und doch werden zu 1,50 M. und noch darunter Kartoffeln verkauft. Landwirtschaftliche Vereinigung in Loitsche. DaS Blatt hat den Aushungerungsaufruf in den„Sprechsaal" verwiesen; das ändert nichts an der menschenfreundlichen Absicht der Einsender. Die Auszeichnungen sind von uns.— Man weiß nicht, soll man mehr staunen über die Unwissenheit, die der Aufruf be- kündet, oder über die Frechheit in dem Aussprechen handgreiflicher Unwahrheiten. Die Landwirte müssen ja ganz verteufelte Kerle sein: sie legen dauernd Geld zu und erfreuen sich wachsenden Wohl« standcS; sie können ihre Söhne studieren lasten und ihre Töchter sind begehrte Heiratsobjekte für höhere Beamten usw. geworden. Dabei zahlen manche von den ehrenwerten Landwirten keine Steuern, aber sie können Kapital in Hypotheken zinstragend anlegen. Und dann fordert man obendrein noch auf, das Volk mehr noch als bisher auszuplündern. Dieser Blick in die agrarische Seele wird hoffentlich nicht verfehlen, die Protestbewegung gegen die Plünder- Wirtschaftspolitik mächtig zu fördern. Große Lokomotivbestellungen. Das kgl. Eisenbahn- Zentralamt in Berlin ist beauftragt worden, wegen Uebernahme der Herstellung von 510 Lokomotiven für die bestehenden Bahnen und für die im Rechnungsjahre 1911 zu eröffnenden Neubaulinien der preußisch- hessischen Staatseisenbahnen sowie von 10 Lokomotiven für die Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen mit den beteiligten Lokomotiv« bauanstalten zu verhandeln. Die Lieferungen sollen am 30. September 1911 beendet sein. Steigerung der Dividende. Der Aufsichtsrat der Maschinen- fabrik Kappel schlägt für daS Geschäftsjahr 1900/10 die Verteilung einer Dividende von 30 Prozent vor gegen 22 Prozent im Vor- jähre. Die Börsenspekulation und der Verkauf des Tcmpelhofer Felde?. Am Dienstag, als der Verkauf als perfekt angesehen werden konnte, wurden besonders die Aktien der Deutschen Bank mit der Begrün« dung in die Höhe gesetzt, dieses Institut habe die Führung in dem Finanzkonsortium inne. Daneben sollen auch die in der Nähe ge- legencn Brauereien Vorteile von der Bebauung haben wie die Ber« liner Bockbrauerei, die Brauerei Königstadt und die Schultheiß- brauerei. So werden jetzt schon Gewinne gemacht in der Erwartung des fortgesetzten Bodenwuchers. RiesengeschSfte der deutschen Lebensversicherung. Die deutschen Lebensversicherungsgesellschaften repräsentieren heute eine gewaltige wirtschaftliche Macht. In der folgenden Tabelle stellen wir das Nominalkapital der Unternehmungen dem wirklich eingezahlten Kapital gegenüber, setzen die jüngste Divi» den de daneben und führen dazu dann noch die im Besitz der ein- z einen Gesellschaften befindlichen Aktiven an. ES ergibt sich dann daS folgende Bild: Mit einer Ausnahme— Wilhelma— arbeiten die Gesellschaften nur mit e i n e m B r u ch t e i l des Nominalkapitals. Die Divi« dende wird natürlich auf das Nominalkapital berechnet! Sie beträgt also z. B. bei der Lübecker L e b e n S v e r f i'ch e r u n g S- g e s e l l s ch a f t sür die wenigen Aktieninhaber nicht nur 62>/z Proz., sondern, da aus das Nominalkapital nur der zehnte Teil eingezahlt ist, in Wirklichkeit 025 Prozent; bei der Berlinisch e�i Lebensversicherungsgesellschaft nicht 329/I0, sondern 1972/z Prozent uslv. Bei der Viktoria sind es 300 Proz. Mit einem Kapital von 1 200 000 M. beherrscht sie 748 Millionen Mark. Der G e s a m t ü b e r s ch u ß der 43 deutschen Lebensver- N«enlngSgesellschaften bezifferte sich 1909 auf 129,32 Millionen Mark. gleich 23 Proz. der Prämieneinnahme! Die sogenannte .kleine" Versicherung, die V o l k s v e r s i ch e r u n g wächst sich immer mehr zum lukrativsten Geschäfte der Unternehmer auS. 1903 machte sie nur 8,6 Proz. aller Versicherungen ans, 1907 waren es schon 10,1 Proz. und 1909 sind es 11,14 Proz. geworden. Ende 1909 waren 7 767 070 Perionen in der kleinen Lebensversicherung mit 1 403 873 244 M. versichert. Bei den beiden größten Gesell- schaftcn dieser Art— Viktoria und Friedrich Wilhelm— sind es 3 388 320 und 2 513118 Personen. Welche Geschäfte damit gemacht werden, ergibt sich schon allein daraus, daß aus der Aufgabe der Versicherung vor Ablauf derselben für daS Jahr 1909 für alle Gesellschaften ein Abgang von 446 941 Policen mit einer Versichernngssuminc von 105 272 426 M. erfolgt ist. Die Viktoria entrann so einer Verpflichtung an Volksversicherung sür 28,9 Millionen, die Friedrich Wilhelm einer solchen von 39,9 Mill. Mark. Die Lebensversicherung ist ein feines Geschäft l Zur galizischen Petroleumkrise. Die österreichische Regierung. deren Verwaltuiigsinaßregeln eö nicht gelang, den amerikanischen Ocltrnst hinauszujagen, beabsichtigt nun, die gesamte österreichische Produktion zu kartellieren. Die Produzenten sind bereits im .Landesverband der galizischen Rohölproduzenten" vereinigt; nun sollen auch die Raffinerien zusammengeschlossen werden. Die österreichischen Raffinerien bildeten den.Block", dessen Verträge ein t t SeliionSchef(etwa Vortragender Geheimrat) abschloß. Wider- stand leistete die Vacnum Oil Company und die französischem Kapital gehörige Raffinerie in Limanowa und gegen beide richteten sich die bekannten Zwangs- und VerekelungSmaßregeln. Diese sollten gleich aufhören, wenn man bereit sei. sich zur Verteidigung im In- land zusammenzutun mit den k. k. Oelpatrioten; im Ausland hätte man so billig wie man wollte verkaufen können. Nun hat aber die französische Regierung im Interesse des bedrohten Limanowa- Profits gedroht, die österreichische Petroleumeinfuhr durch einen Zoll« Zuschlag unmöglich zu machen. Dies dürste die österreichische Regierung zum Einlenken zwingen. Und wenn cS mit dem staatlichen Kartell nichts ist, dann wird man vielleicht doch auf die anderen Borschläge zurückgreifen, die die Sozialdeinokraten Diamand und Wylik im Volkswirtschaftlichen Ausschuß gemacht und die man natürlich abgelehnt hat. Nur in der Verbilligung, in der Hebung des Konsums und in der Einschränkung der ausbeuterischen Pro- duktion durch Sozialreformen kann die Sanierung gefunden werden. Hus der frauenbenegung. Die Fraucuorganisation in Dentsch-Böhmen. Im Dezember 1903 wurde hier über eine Konferenz der Genossinnen Deutsch-Böhmens berichtet, die vom österreichischen Frauen-ReichSIomitee einberufen worden war. um die politische Organisierung der Arbeiterinnen Deutsch-Böhmens anzubahnen. Diese Konferenz konnte nur über ganz schüchterne Versuche zur Organisation berichten. Die wichtigsten und größten Kreise hatten noch keine sozialdemokratisch organisierten Frauen. Man war sich noch nicht klar, wie man organisieren sollte. Die Beschlüsse, die aber gefaßt wurden, bewährten sich als so gut, daß sich zur zweiten Konferenz, die am Sonntag, den 18. September, in Aussig tagte, schon Vertreterinnen von 53 Organisationen einfanden, die von 3670 politisch organisierten Frauen delegiert waren. Diese Zahlen sagen aber nicht nur, wie fleißig gearbeitet wurde, auf welch guten Boden der Organisationsgedanke fiel, sie sagen auch, wieviel noch zu geschehen hat. Nord« und Westböhmen, mit der großen Textil«, GlaS- und Porzellanindustrie, wo die weibliche Arbeiterschaft vorherrscht, muß die Sozialdemokratie weit mehr weibliche Mitglieder zuführen. Die Genossinnen berichteten über ihre Tätigkeit, bei allen kam HoffnunqSfreude und Arbeitslust zum Ausdruck. Einzelne Gebiets- teile erhoben die alte Klage, daß es zu wenig weibliche AgitationS- kräftc gebe. Wenn in einem größeren Kreis nicht wenigstens eine Genossin eine wirtschaftlich unabhängige Stellung besitzt, um ihre ganze Kraft der Agitation widmen zu können, geht es schlechter vorwärts. Und doch ist die Anstellung von weiblichen Agitations- kräften nicht immer möglich, es scheitert nicht nur an den Mitteln, sondern sehr oft auch daran, daß geeignete Personen fehlen. Wieviel Heroismus und wirkliche Begeisterung gehört dazu, wenn Frauen, die einen Haushalt leiten, Kinder zu erziehen haben und erwerbstätig sind, dennoch die Zeit gewinnen, in Vcrsamm« langen und Sitzungen zu ericheinen. Reden zu halten und Organi« salionen zu leiten. Solche Genossinnen gibt's aber allerorten, sie müssen nur.gefunden' und zum Bewußtsein ihres Könnens gebracht werden. In Deutsch-Böhmen haben fast alle wichtigeren Orte politische Frauenorganisationen und selbst in den kleinsten Orten werden Gründungen vorgenommen. Eine schwere Frage ist immer die Fest- setzung der Beiträge. Die Deitragsfrage ist aber wichtig, weil davon die Leistungsfähigkeit der Organisation abhängt. Bei der ersten Konferenz in Deutsch-Böhmen wurde der monatliche Beilrag auf 30 Heller festgesetzt, womit zugleich ein Abonnement auf die .Arbeiterinnen-Zeitung" bezahlt ist. Mitglieder, die noch einer Gewerkschaft angehören, sollten nur 10 Heller bezahlen. Trotz dieses Beschlusses der Konserenz haben viele Organisationen 40 und 20 Heller festgesetzt, da sie fürchteten, mit niedrigeren Bei- trägen nicht aktionsfähig zu sein. Die zweite Konferenz in Aussig hat nun beschlossen, daß der Beitrag smc alle Mitglieder so hoch sein soll. Von den 73 anwesenden Genossinnen haben nur 5 gegen die Erhöhung gestimmt. Ueber die nächsten Ausgaben der Frauen organi» sationen erstattete Genossin Popp ein Referat, dem Zustimmung zu folgendem Antrag folgte: .Die Frauenorganisationen haben sofort eine Agitation zur Ge- winnung neuer Mitglieder einzuleiten. Zu diesem Zweck sollen Ber« sammlungen gegen die Teuerung und zur Propaganda für die politischen Rechte und für erhöhten Mutter- und Kinder schütz abgehalten werden. Der Beschluß der Jnter« nationalen Frauenkonferenz in Kopenhagen zur Abhaltung eines Frauentages in allen Ländern soll überall besprochen werden. Lese« und Diskussionsabende sollen abgehalten werden, um die Genossinnen über das Wesen des Sozialismus aufzuklären. Um den Genossinnen nicht nur Belehrung, sondern auch G e- s e l l i g k e i t zu bieten, sollen Fraue nabende mit ernstem und heiterem Programm veranstaltet werden. Als weitere Aufgabe der Frauenorganisationen erachtet es die Konferenz sür notwendig, die erwerbstätigen Frauen und Mädchen den gewerkschaftlichen Organi- sationen zuzusühcen. Den politisch organisierten Frauen wird es zur Pflicht gemacht, nicht nur an allen politischen und Wirtschaft- lichen Kämpfen teilzunehmen, sondern die Arbeiterinnen auch zur Teilnahme an den Wahlen zu Krankenkassen und Gewerbegerichten, den einzigen Institutionen, wo ihnen das Wahlrecht zusteht, heranzuziehen, und zum Besuch der von der Partei veranstalteten öffentlichen Versammlungen anzuhalten. Auch die Bedeutung der Presse wurde gewürdigt und von Genossin Elsa K o e s ch t e ein treffliches Referat erstattet. Das neugewählte LandeSkomitee besteht aus trefflichen, agitatorisch tüchtigen Genossinnen, so daß von der Konferenz reiche Früchte erwartet werden dürfen._ Soziales* Vertrauensarzt? Der 67 Jahre alte Arbeiter Georg St. erlitt am 3. Oktober 1900 einen Betriebsunfall. Er fiel von einem Mörtelwagen herab und schlug mit der rechten Schulter und der rechten Brustscite auf eine danebenstehende Karre. Wegen der Beschädigung der Schulter bezog er von der Nordöstlichen Baugewcrks-Berufsgcnossenschaft eine Rente von 50 Proz. Am 5. August 1907 verstarb St. Der behandelnde Arzt stellte die Diagnose:„chronisches Lungenleiden". Die Witwe stellte nun- mehr bei der Nordöstlichen Baugewerks-Berufsgenossenschaft den Antrag auf Gewährung der Hinterbliebenenrente, weil das Leiden auf den Unfall zurückzuführen sei. Die Berufsgenossenschaft lehnte aber den Antrag ab, weil nach Ansicht ihres Vertrauensarztes ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den am 3. Oktober 1906 er- littencn Unfall und dem am 5. August 1907 eingetretenen Tode des St. nicht bestehe. Die Witwe legte gegen den Abweisungsbescheid beim Schieds- gericht für Arbeiterversicherung für den Regierungsbezirk Potsdam Berufung ein. Sie machte geltend, daß ihr Ehemann bei dem Un- falle nicht nur eine Verletzung der rechten Schulter erlitten hätte, sondern daß auch der Brustkasten selbst gequetscht worden sei. Bei dem Fall sei der Verstorbene mit der rechten Brustscite auf die Karre aufgeschlagen und fei von einem anderen Arbeiter aus der Karre bewußtlos herausgehoben worden. Er habe auch fortgesetzt über Brustschmerzen geklagt. Das Schiedsgericht hörte den behandelnden Arzt Dr. H.. Dieser erklärte nur, daß er den St. vom 3. April 1007 bis 5. August 1007 wegen chronischen Lungcnleidcns behandelt habe und St. an diesem Leiden auch verstorben ist. Das genügte indessen dem Schieds- gericht. um die Witwe mit ihrem Anspruch ebenfalls zurückzuweisen. Die Witwe legte gegen das oberflächliche Urteil' beim Reichs- Persicherungsamt Rekurs ein. Begründend wurde ausgesührt, der Verstorbene habe unmittelbar nach dem Unfall über Brustschmerzen geklagt, der?lrzt indessen erklärt: die würden sich schon wieder legen. Die rechte Brustkorbseite habe auch blau und grün gefärbte Stellen als Zeichen einer Quetschung aufgewiesen. Für ihre Angaben benannte bic Witwe einige Zeugen, Das RejchSvcrsichcrlingsgint erhob weiseren umfangreichen BeivelS. Die BesveiSaufnahme ergab die Richtigkeit der von der Witwe gemachten Angaben. Besonders die Mitarbeiter des Verstorbenen bestätigten, daß der Verstorbene mit der Brust auf den Karrenrand aufgeschlagen sei. Darauf wurde noch ein ärztliches Lbergutachten von dem Prof. Dr. St. vom Krankenhaus am Friedrichshain darüber eingefordert, ob der ur- sächliche Zusammenhang des Todes mit dem Unfall anzunehmen sei. Der Obergutachter kommt in seinem am 5. Februar 1910 erstatteten ärztlichen Gutachten zu dem Ergebnis:„daß mit auS- reichender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, daß das Leiden, dem der Arbeiter St. am 5. August 1007 erlegen ist. ursächlich auf den Unfall vom 3. Oktober 1906 zurückzuführen oder durch denselben verschlimmert worden ist". Nunmehr ließ es die Nordöstliche Baugewerks-BerufSgenossen- schaft nicht erst zur Verhandlung kommen, sondern erkannte den Tod als Unfallfolge an. Die Witwe erhält jetzt ihre Rente. Sie hätte sie schon 3s4 Jahre früher erhalten, wenn der„Vertrauensarzt" der Berufs- genossenschaft und das Schiedsgericht etwas größere.Gründlichkeit bei ihren Untersuchungen hätte walten lassen. Gerickts- Geltung. Als Leiter eines DemoustrationszugeS waren die Genoffen Taubmann» Fuhrmann und Kohl aus Weißen» see angeklagt, Fuhrmann außerdem wegen groben Unfugs, be» gangen durch ein Hoch auf das freie Wahlrecht. Das Schöffen« gericht Weißensce hat Taubmann und Fuhrmann als Leiter eines Zuges zu je 39 M. verurteilt. Kohl wurde freigesprochen. Auch hielt das Gericht in bezug auf Fuhrmann groben Unfug nicht als vorliegend. Gegen dies Urteil haben die beiden Angeklagten Be- rufung eingelegt und auch die Staatsanwaltschaft, welche Fuhr» mann noch wegen groben Unfugs verurteilt wissen will. Die Verhandlung, welche gestern vor dem Landgericht III statt« fand, ergab folgenden Tatbestand. Am 13. Februar fand im „Schloß Weißensee" eine Wahlrechtsversammlung statt. Während der Versammlung stand die Polizei in telephonischer Verbindung mit der Geschäftsleitung des„Schloß Weißensee". Der Buchhalter Drescher teilte der Polizei mit, daß„etwas beabsichtigt" sei. Nach Schluß der Versammlung nahm eine Anzahl der Teilnehmer ihren Weg durch die Sedanstraße. In der vordersten Reihe der Heim- kehrenden schritten die Genossen Taubmann, Fuhrmann und Kohl. Gendarmen mit gefälltem Gewehr traten ihnen entgegen. Jemand, der ein Hoch aus das freie Wahlrecht ausgebracht hatte, wurde fest» genommen. Die Gendarmen forderten die aus etwa 300 Personen bestehende Menge auf, auseinanderzugehen. Die Teilnehmer haben sich dann auch langsam zerstreut. Schließlich haben Taubmann und Fuhrmann mit ausdrücklicher Einwilligung eines Gendarmen die Genossen aufgefordert, ruhig nach Hause zu gehen. Sechs Gendarmen wurden in der Berufungsinstanz als Be- lastungszcugen vernommen. In der Hauptsache handelte eS sich darum, ob die heimkehrenden Versammlungsteilnehmer einen von den Angeklagten geführten Zug bildeten. Die Gendarmen meinten, es sei so gewesen. Tatsache», welche diese Meinung zu stützen ge- eignet sind, konnte jedoch keiner der Zeugen anführen. Lediglich der Umstand, daß die Angeklagten vorn gingen, kennzeichnet sie nach Ansicht der Gendarmen als Leiter eines Zuges. Eine Ansicht, welcher der Vorsitzende mit der Bemerkung begegnete:„Ja. irgend- einer muß doch der erste sein, wenn Leute aus einer Versammlung heimgehen". Auch die Tatsache, daß die Angeklagten, um Zu- sammenstöße mit den Gendarmen zu vermeiden, die Menge zum Nachhausegehen aufforderten, sollte sie als Leiter charakterisieren. Ja selbst der stattliche Körperumfang deS Genossen Taubmann er- schien dem Staatsanwalt als belastendes Moment. Taubmann ist sehr dick, er kann deshalb nur langsam gehen. Wenn nun die hinter ihm Gehenden sich dem langsamen Tempo der Fortbewegung Taubmanns anpaßten, so geht daraus hervor, daß sie sich seiner Führung unterordneten. So folgerte der Staatsanwalt. Doch er hatte mit dieser erheiternden Logik ebensowenig Erfolg wie mit den Angaben der Belastungszeugen. Deren Aussagen zeigten die Un» Haltbarkeit der Anklage schon so deutlich, daß das Gericht auf die Vernehmung der Entlastungszeugen verzichtete. Nachdem der Staatsanwalt die Aufrechterhaltung deS ersten Urteils und Bestrafung Fuhrmanns wegen groben Unfugs bean- tragt hatte, plädierte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Heine- mann, auf völlige Freisprechung. Er legte dar, daß nicht bewiesen sei. daß ßin Zug stattgefunden habe, daß es hierauf aber gar nicht ankomme, da nicht der geringste Beweis dafür vorläge, daß die An- geklagten Leiter eines Zuges gewesen seien. Auch daß Fuhrmann durch Ausbringung eines Hochs groben Unfug verübt habe, sei nicht erwiesen. DaS Gericht folgte den vom Verteidiger vorgetragenen Gründen und sprach die Angeklagten völlig frei. Strcikprozcsse wurden auch gestern wieder vor mehreren Abteilungen des Schöffengerichts Berlin-Mitte verhandelt. Sie zeigten ebenso wie die früher verhandelten Fälle, daß die Polizei Streikende mit anderem Maße mißt als sonstige Leute, die Uebertretungen be- gehen. Wenn jemand auf der Straße angerempelt wird, so kann er �den, der ihn angerempelt hat, wegen Beleidigung verklagen. So ist eö unter gewöhnlichen Umständen. Der streikende Schmied Markgraf aber, der den Sohn eines Schmiedemcisters Marx leicht anrempelte, erhielt eine polizeiliche Strafvcrsügung, die ihm wegen groben Unfugs eine Strafe von 30 M. auferlegt. Vor Gericht zeigte sich, daß keines der Tatbestandsmerkmale des groben Unfugs borliegt. Selbst der Staatsanwalt erkannte das an und ließ die Anklage falle». Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. OSkar Evbn. beantragte außer der Freisprechung auch die Erstattung der not- wendigen Auslagen, die dem Angeklagten durch daS Vorgehen der Polizei erwachsen sind. Der Verteidiger bezeichnete daS Vorgehen als eine leichtfertig gegen Gesetz und Recht vcranlaßte Anklage.— Diesen Antrag lehnte das Gericht ab, in der Sache selbst erkannte es auf Freisprechung, weil grober Unfug nicht vorliegt, denn öS ist nicht das Publikum durch den Angeklagten belästigt worden. Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Wagler, fühlte sich veranlaßt, die Polizei gegenüber der Kritik dcS Verteidigers in Schutz zu nehmen. die Handlung des Angeklagten aber als pöbelhaft und rüpelhaft zu bezeichnen. Eine Ansicht, für welche die Beweisaufnahme nicht dew geringsten Anhalt geboten hatte. Und das tat der R'chter in der Urteilsbegründung, so daß sich der Angeklagte gegen diesen ganz unberechtigten Vorwurf nicht mehr verwahren konnte.— Rechtsanwalt Cohn versuchte zwar, den Angeklagten gegen den Ausfall des Vorsitzenden zu verwahren, dieser schnitt dem Verteidiger aber das Wort ab mit der scharfen Bemerkung: Die Sache ist zu Endel Hoffentlich legt der Freigesprochene Berufung ein. Vor einer anderen Abteilung war der Buchdrucker Wardatzki dcS Vergehens gegen 8 153 der Gewerbeordnung und der Belcidi- gung angeklagt. Er ist in einer Druckerei beschäftigt, deren Fenster nach dem Hose des Schmiedemeisters Langer in der Wusterhausener Straße gehen. Aus dem Fenster heraus soll er dem bei Langer be- schäftigten Arbeitswilligen Zilinski zugerufen haben:„WaS machst Du ds, An Streikbrecher, Au Lump?." Der Angeklagte, den ReHtSanwalt Dr. Oskar Co?« verkeidigke, üestreikes, diesen Ausdruck gebraucht zu haben. Der Schmiedemeister und sein Arbeits- williger wollen die Worte aus dem Munde des Angeklagten gehört haben.— Der Borsiliendc des Gerichts gab schon während der Ver- Handlung seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß in diesem Falle überhaupt eine Anklage aus Z 153 erhoben worden ist.— Der Amtsanwalt aber erhielt die haltlose Anklage aufrecht und be- antragte Z Wochen Gefängnis.— Der Verteidiger beantragte Frei- sprechung.— Das Gericht hielt die dem Angeklagten zur Last ge- legte Aeußerung für erwiesen und verurteilte ihn wegen öffcnt- licher Beleidigung zu 20 M.— Ein Vergehen gegen 8 153 hielt das .Gericht nicht für vorliegend. Eine dritte Anklage ist auf einen Streik der Mlihlenarbciter eines Betriebes zurückzuführen.— Die Arbeiter Preuh und Teich- mann, welche Streikposten standen und sich auf Aufforderung eines Schutzmanns nicht mit der von der Polizei verlangten Schleunig- keit entfernt hatten, erhielten Strafverftigungcn über je 30 M. Bor Gericht bekundete der betreffende Schutzmann, datz die An- geklagten niemand belästigt, sich auch sonst nicht ungebührlich be- nommen haben» aber andere hätten bei jenem Streik Aus- schreitungcn begangen, deshalb habe er die Streikposten fort- gewiesen. Somit war also ein Fall gegeben, wo nach der Recht- sprechung des Kammcrgerichts der Schutzmann gegenüber einem Streikposten über Recht und Gesetz gestellt wird.— Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Hcinemann, wandte sich hauptsächlich- gegen die ganz unbegründete Höhe des Strafmaßes.— Das Gericht setzte die Strafe auf 1» M. herab. Prozes? Brnhn. Zur Verhandlung des bekannten Strafprozesses gegen den Herausgeber der„Wahrheit", Reichstagsabgeordneten Wilhelm Bruhn, dessen Bruder Paul Brnhn und die für die Redaktion ver- antwortlich gewesenen Redakteure Weber und Sommer ist nunmehr vor der ersten Strafkammer des Landgerichts I Termin auf den 24. Oktober und folgende Tage angesetzt worden. Die Anklage ist aus dem Erpresserprozeß entstanden, der im Oktober v. I. gegen den inzwischen verstorbenen Redakteur Dahsel verhandelt wurde und mit dessen Verurteilung zu IV2 Jahren Gefängnis endete. Die Beweisaufnahme soll eine sehr umfangreiche werden. Man rechnet damit, daß die Verhandlung etwa drei Wochen dauern wird. Die Affäre dcS praktischen ArztcS Dr. Egon Härtung in Rixdorf, dessen Verhaftung wegen des Verdachts des Verbrechens der Notzucht seinerzeit großes Aussehen erregt hatte, sollte gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts II unter Vorsitz des Landgerichtsrats von dem Hagen ein gerichtliches Nachspiel haben. Gegen Dr. H. war bekanntlich ein Ermittelungsverfahren wegen Notzucht eingeleitet worden, da er von zwei Mädchen beschuldigt wurde, sich an ihnen unter Anwendung von Gewalt vergangen zu haben. Das eingeleitete Strafverfahren wegen Notzucht wurde wieder eingestellt und der Angeklagte aus der Haft entlassen.— Gegenstand der jetzigen Anklage gegen Dr. H. wegen Freiheits- bernubung und Verführung einer Minderjährigen bildet folgender Vorfall. Eines Tages im Juli oder August soll die Zeugin West- pfähl ihre Freundin, die Empfangsdame des Arztes, besucht haben und von Dr. H. in Empfang genommen worden sein. Dr. Härtung soll sofort die Türen abgeschloffen und die W. mit unsittlichen An- trägen belästigt haben. Ferner wird Dr. H. beschuldigt, die fünf- zehnjährige Gertrud Konrad verführt zu haben.— Bei Beginn der Verhandlung machte Rechtsanwalt Bahn als Verteidiger des Dr. H. die Mitteilung, daß dieser sich in einem Sanatorium in Ensheim in der Pfalz aufhalte und nicht in der Lage fei, zum Termin zu erscheinen. Staatsanwaltsrat Dr. Pabst beantragte gegen den�An- geklagten Haftbefehl zu erlassen, da er fluchtverdächtig erscheine. Rechtsanwalt Bahn beantragte, die Verhaftung von der Stellung einer Kaution abhängig zu machen. Das Gericht beschloß die Verhaftung des Dr. H., falls dieser nicht binnen 5 Tagen eine Kaution von 10 Wg Mark stellt. H119 aller Älelt. fleifcb für das Volk. Sin gemeingefährliches Subjekt hatte sich bor der Strafkammer in Duisburg in der Person des schon mit Zuchthaus vorbestraften Mctzgermeisters Josef Liste! aus Mülheim(Ruhr)-Styrum zu verantworten. Ihm wurde zur Last gelegt, sortgesetzt einen Tierarztstempcl an Fleisch fälschlich angebracht und krankes Fleisch verkauft und ver- wurstet zu haben. Ein früherer Geselle des Angeklagten bekundete als Zeuge unter 25 anderen Zeugen, daß einmal eine hqlbe Kuh in das Schlachthaus des Angeklagten gebracht wurde, die i wk» endig völlig verdorben und ganz grün war. Von ein- gebrachtem und von dem Angeklagten verarbeiteten Schweinefleisch sagte der Zeuge dasselbe aus. Auch Pferdefleisch wurde verarbeitet. Des weiteren wurde festgestellt, daß der Mensch sich von einer Abdeckerei Kadaver beschaff ke und in die Wurst vek» arbeitete. Weiter hat er nachgewiesenermaßen fortgesetzt Fleisch, das verworfen und im höchsten Grade als gesundheitsschädlich be- zeichnet war, mit einein gefälschten Stempel versehen. Nach den Aussagen eines Gendarmen Höhner muß Listel diese Schweinereien schon seit langen Jahren betreiben. Höhner bekundete u. a. folgendes: Im Jahre 1897 wurde mir von einem Landwirt mitgeteilt, daß zwei Metzger, der Angeklagte und ein Geselle, eine krepierte Kuh frühmorgens abgeholt hätten. Ich habe Anzeige erstattet, es ist aber nichts daraus geworden. Ich habe gegen Listel wiederholt Anzeige erstattet und Fleisch beschlagnahmt: es ist aber nie etwas daraus geworden. Der Bürgermeister wollte mitder Sachenichtszutunhaben. Vom Louisenhof in Broich bei Mühlheim, wo zur Zeit die Maul- und Klauen- s c u ch e war, wurden einmal 13 kranke Kühe von dem An- geklagten aufgeladen. Als er diesem nachgeritten, sei er mit dem Schlachtmesser auf ihn eingedrungen. Zeuge Gendarm Höhner be- hauptcte dann noch, daß et nur dieser Sachen wegen seinerzeit nach Walsum versetzt worden sei. Das Urteil lautete auf 9 Monate Gefängnis und 1500 M. Geldstrafe. Der Angeklagte setzte seine gemeingefährliche Ware vorwie- gend an Arbeiterfamilien ab.— Wie stellen sich denn die vorgesetzten Behörden zu der eidlichen Aussage des Gendarmen? Es ist dringend zu erwarten, daß gegen diejenigen, die eventuell Interesse an der Vertuschung der Schweinereien hatten, strafrecht- lich vorgegangen wird._ Abstürze mit dem Aeroplan. Bei einem Flugversuch in der Nähe von Mülhausen im Elsaß stürzte der Ingenieur P l 0 ch e mit seinem Apparat ab. Er erlitt außer einem doppelten Beinbruch so schwere innere Verletzungen, daß wenig Hoff- nung besteht, ihn am Leben zu erhalten.— Auf dem Gries- heimer Exerzierplatz bei F r a n k f u r t a. M. erlitt der Aviatiker H a l l e r bei Flugübungen einen schweren Unfall. Wie die ärztliche Untersuchung ergeben hat. trug Haller bei seinem Sturze eine schwere Gehirnerschütterung davon._ Eine Schreckensfahrt im Automobil. Ein schweres Automobilunglück ereignete sich Dienstagabend in der Nähe der Arbeiterkolonie der süddeutschen Juteindustrie in Sandhofen bei Mannheim. Ein Automobil der Firma Benz, das mit mehreren Insassen besetzt war und sich auf einer Probefahrt befand, kam in sehr raschem Tempo die Käferthaler Straße entlang gefahren und fuhr in eine Gruppe von Arbeitern. Das 414 Jahre alte Kind der Arbeiterin Heinz wurde ge- tötet; die Mutter, die dem Kinde zu Hilfe eilen wollte, wurde von dem Auto ebenfalls erfaßt, zu Boden geschleudert und lebensgefährlich verletzt. Einem fünfjährigen Mädchen wurden beide Beine abgefahren. Ein Insasse des Auto- mobils erlitt, als das Automobil gegen eine Telegraphcnstange rannte, ebenfalls schwere Verletzungen. Die übrigen In- fassen kamen mit Hautabschürfungen davon. Das Automobil ist teilweise zertrümmert. Eisenbahnunfälle in Spanien. Auf dem Bahnhof, der in der Nähe von Madrid belegenen Ort- schaft Cercedilla stießen gestern zwei Güterzüge zusammen. Die Gleise wurden vollständig aufgerissen. Ein Bahnangcstellter wurde getötet, zwei andere verletzt. Der Schaden ist sehr bedeutend. Zu gleicher Zeit entgleiste zwischen den Stationen C a s a s und L l e r e» a auf der Bahnlinie von Sevilla nach Lorida ein gemischter Zug. Fünf Güterwagen stürzten einen Ab- hang hinunter und wurden vollständig zertrümmert. Von den im Zuge befindlichen Personenwagen stürzten zwei den Abhang hinunter, während sieben auf dem Gleise stehen blieben. Von den Reisenden sind nur einige leicht verletzt worden. Ein Bahnangestellter wurde getötet. Kleine Notizen. Vom Posten erschossen. Bei einem zur Festung Metz ge- hörigen Fort kletterte ein Molker auf das FestungSgelände und wurde vom Posten verhaftet. Bei einem Fluchtversuche wurde er dann, als er auf die Haltrufe deS Postens nicht stand, von diesem erschossen. Eine bewaffnete Zigenncrbande überfiel in dem galizischen Dorfe RaS das einsam gelegene Gehöft eines Landwirtes. Die Zigeuner ermordeten den Besitzer, dessen Frau. Schwiegertochter und ein neun Monate altes Kind. Einem größeren Gendarmerieaufgebot gelang eS, die Räuberbande zu verhaften. Durch eine schwere Explosioik ivurssen int Akexansiet» bergwerk in Jekaterinoslaw sechs Bergleute ge» tötet und vier schwer verletzt. Auf rntscylichc Weise nahm sich ein 22jähriger Fischer in dem italienischen Orte Ventimiglra das Leben. Er legte sich eine Dynamitpatrone auf den Unterleib und brachte das Geschoß zur Explosion. Die Wirkung war eine furchtbare. Ein- zelne Flcischstücke klebten an den Wänden seines Zimmers; seine Wohnung wurde zum großen Teil durch die Explosion zerstört. Tie älteste Frau Wiens gestorben. Gestern ist im israelitischen Versorgungshause in Wien im 112. Lebensjahre eine Frau Katharine Lustig gestorben, welche die älteste Bewohnerin Wiens war. Sie war am 2. Dezember 1798 zu Szerdahelyi in Ungarn als Tochter eines armen Handelsmannes und als das achte von zehn Geschwistern geboren. «SSSSAIs af Unserem Genossen Hermann ■i? Saloino» u. Frau, Rostocker � Straße 49, die herzlichsten Glück- Ä wünsche zur Silbcrbochzeit I r.ä Die Genossen des 653. Bezirks. « Sozialiemokratiseö.WalilvemD Nieder-Barnim. Bezirk eber-Lchöueweide. Kaclirut. Am Sonntag, den 25. September I verstarb nach schwerem Leiden | unser Mitglied, der Beleuchter UliVK Bnlil. Ehre seinem Andenken! >238/19 Die Bezirksleitung.> leiifrsi-Veltal! der Lederarbeiter. Filiale Berlin I. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Weißgerbcr Leonhard Maiß im Alter von 49 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken t Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 29. September, nachmittags 3 Uhr, voni Trauer- hause, Drontheimer Straße 12, aus nach dem Sebasllan-Kirchhos, Rcinickendors. Humboldtftraße statt. Um rege Beteiligung eisucht Der Vorstand. Todem- Anzeige. Am 26. September verstarb [ nach 12jährigen schweren Leiden meine innigstgefiebte Frau, unsere gute Mutter, Sehwicger- und Großmutter Luise i�erteas geb. HVnncke»'. Die Beerdigung findet am 39. September, nachm. 3'/, Uhr, aus dem Zentral- Friedhos in FriedrichSsclde statt. 11292 Im Auftrage der Familie: Wilhelm Mertens. Tanksagung. Für die so rege Beteiligung bei der Beerdigung meines beben ManneS Hermann vvmlnng spreche ich allen Kollegen, Genossen, Freunden und Bekannten meinen aufrichtigen Dank aus. 1l42b Die trauernde Witwe »nna Zentral-Verband der Steinarbeiter. Zahl st eile Berlin. Nachruf. Am 21. September starb unser Kollege 172/9 Huijo Hiepe an den Folgen eines Verkehrs- unsalles. Ehre seinem Andenken: U.U. Die Zeit der Beerdigung konnte nicht rechtzeitig angegeben werden. Die QrtSverwaltnng. Danksagung. Für die vielen Beweise und die liebevolle Teilnahme bei der Beerdi- gung meiner lieben Frau, unserer guten Mutter, sagen wir allen, l»S« besondere dem Gesangverein der varbierberrcn„Freie Vereinigung" unleren besten Dank. 11183 Bmil Majewskl nebst Kindern. Arbeiter-Wanderbunil n„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, den 2. Oktober: I. Finkenkrug-Birlenwerder. Abf. r Lehrter Fcrnbahnh. 6" vorm. II. Kaulsdors-Hirschgartc». Trcffp. Bahnh. Kaulsdors 1 Uhr nachm. Gäste willkommen. 2/15 gV AuSsührlichc Programme bei Heyse. Boyenstr. 19. zu haben. Dr.Simmel für Spezial-Arzt Haut- und Harnleiden. Prlnzenstr. 41, 19— 2, 5—7. Sonntags 19— 12. 2— 4 Danksagung. Gage hiermit allen Teilnebmern bei der Beerdigung meiner Neben Frau, unserer guten Mutter, inS- besondere de» Mitgliedern des Spar- Vereins„Fortschritt- und.Konkordia- unseren herzlichsten Dank. 11172 Paul Brozeit nebst Kindern. c Uhren und Qoldwaren F. Stabenow, Berlinerstr 146' Große Tirma Teppiche, Gardinen, Stores, Steppdecken, Portieren auf rcilzahlung ohne Anzahlung. Keine Kassierer. Chiffre 3. 199,„Bor» wältS--Spedltton, Äugustslr. 59.• Nifiles Fest-Säle Dennewitzstraße 13. Jede» Donnerstag, Sonuabcnp und«emitag: Großer Ball. 1055B* C. Xlßle. SIS* Kaufhaus Gebr. Preul Beussel-Straße. Ecke Hulten-Stralie. MOABIT Beussel-StraBe, Ecke Hutten-Straße. Zur gefälligen Kenntnisnahme, daß wir mit Streikbrechern in keinerlei Geschäftsverbindung stehen. Hobe Belohnuni} demjenigen, der uns das Gegenteil naehveist. verantwortlicher fteiaUtui«ich«rd vartj, Berlin. Für den Jni-rotentelIocraL»w.: Ttz. Glocke. Berlin. Druck n. Verlag: VorwärtckBuchdruckerei u. Lcriagsgnitalt Paul Tinger&«p, Berlin sm iPunitttslag, 29. Sfftmte 1910. vslisergeichenlie. London, 25. September.(Cig. Ber.) Man wird sich erinnern, mit welchen schwungvollen Phrasen die englischen Liberalen im vorigen Jahre die staat- lichen Arbeitsnachweise einführten, wie sie dem Volke ver- sicherten, daß diese Arbeitsnachweise die Keime großer künf- tiger EntWickelungen in sich trügen, daß sie das Grundwerk -einer kommenden großartigen liberalen Sozialreform bilde- ten. Zwar beschränkten sich die Minister, die doch im Unter- Haus Rede und Antwort stehen müssen, nur darauf, den emi- nenten organisatorischen Wert der Arbeitsnachweise zu be- tonen, aber die liberale Presse, die bei ihrem großen Ein- fluß auf die Arbeiterschaft dieser die liberale Politik zurccht- legt, behauptete schlankweg, daß die staatlichen Arbeitsnach- weise selbst schon eine großartige Reform bedeuteten und nicht verfehlen würden, die Arbeitslosigkeit, wenn auch nicht ganz aus der Welt zu schaffen, so doch beträchtlich zu mildern, eine Behauptung, die sie in der letzten Zeit durch eine Mani- pulation der Arbeitsloscnstatistik zu beweisen sucht. Schon gleich bei den, Inkrafttreten dieser liberalen Re- form wurde an dieser Stelle darauf hingewiesen, in welcher Weise die Einführung der staatlichen Arbeitsnachweise der Arbeitslosigkeit in Großbritannien abgeholfen bat. Die Libe- ralen benützten die neue Einrichtung, wie sie die Aufstellung des Grundkatasters benützt haben, nämlich um ihre Macht zu befestigen. Verdienstvolle liberale Parteigänger und Ar- beitersckretäre, die Gefahr liefen, von den Mitgliedern ihrer Gewerkschaften bald an die Luft gesetzt zu werden, bekamen lukrative Posten, wodurch ohne Zweifel der allgemeinen Ar- beitslosigkeit etwas abgeholfen wurde. Die Arbeiter, die von den Arbeitsnachweisen eine Wen- dung zu besseren Verhältnissen gehofft hatten, waren rech: bald enttäuscht. Die Kritiker hatten recht behalten. Ja, die Tatsachen haben bewiesen, daß die Kritik die liberalen Ar- beitsnachweise noch viel zu milde beurteilt hat. Denn wenn dem Dokument, das vor einigen Tagen unserem Londoner Bruderblatt„Justice" auf den Tisch geflogen ist, eine allge- meine Bedeutung zukommt, was mehr als wahrscheinlich ist, so haben sich die gepriesenen staatlichen Arbeitsnachweise zu einer Art Streikbrecherdepot entwickelt. Das Dokument, das von dem Arbeitsnachweis in Bradford an die Unternehmer der Wollindustrie geschickt worden ist. ist für die liberale„So- zialpolitik" sehr charakteristisch, weshalb hier einige der Sätze wiedergegeben werden mögen. Es fängt an:„Seitdem der Arbeitsnachweis am 1. Februar 1910 eröffnet wurde, haben zwei Streitigkeiten in der Wollkämmerindustrie stattgesunden; im Verlauft dieser beiden unglückseligen Vorkommnisie haben einige Arbeitgeber den Arbeitsnachweis um Arbeiter ersucht und in beiden Fällen waren wir bereit, ihnen in jeder Weise gemäß den Bestimmungen des Arbeitsnachweisgesctzcs bei- zustehen." Es folgt dann ein Appell an die Arbeitgeber, nun, da die Streitigkeiten beigelegt worden seien, den Arbeitsnach- weis nicht im Stich zu lassen und ihm ihre Aufträge für die menschliche Ware zukommen zu lassen, die in einer Liste auf- geführt wird. Unterzeichnet ist der Brief von dem Geschäftsführer des Arbeitsnachweises, einem gewissen Alfred Heaten, dessen Name am Ende dieses köstlichen Dokuments erscheint, bis letzten November der Vertreter des„Arbeiter-Munizipalverbands" im Stadtrat zu Bratford für den Bezirk Allerten war. Bis zu der Zeit als er seinen jetzigen Posten erhielt, war er Distriktssekretär der Nationalen Gewerkschaft der Färber und Zurichter und er ist auch Mitglied der I. L. P. Wir zweiseln nicht, daß ihn diese Körperschaft von der Mitgliederliste streichen wird. Was sie anlangt, so ist sie in keiner Weise verantwortlich für diesen schändlichen Verrat, der an der Ar- beiterklasse für die liberale Bestechung von 300 Pfund Ster- jlin" begangen worden ist." Die von den neuliberalen Sozialpolitikern geschaffenen Arbeitsnachweises, einem gewissen Alfred Heaten. Die >, Justice" schreibt hierzu:„Es erübrigt sich nur noch, hinzu- zufügen, daß der Geschäftsführer Alfred Heaten, dessen Name wiesen. Und wenn solche Sachen an dem grünen Holze des englischen Liberalismus geschehen, was wirds am dürren Holze des deutschen Liberalismus erst werden?. Em der Partei. Die Mainzer Genossen znm Parteitag. Mainz, 28. September. (Privattelegramm des„Vorwärts".) Die Parteiversammlung, die Stellung zum Parteitag nahm, hat eine Resolution angenommen, worin sie sich in Anbetracht der bevorstehenden schweren Kämpfe und im Interesse dör Einheit der Partei mit den Magdeburger Be- schlüssen einverstanden erklärt und ihre strikte Befolgung fordert!_ D« Gauvorstand von Nordbayer» gegen die„Münchener Post". In der.Fränkischen Tagespost' erscheint folgende Protest- sekläruno- Di-.Mstnibener Post' hat in der Streitsache der Genossen W a l t h- x und Auer in ihrer Nr. 21g der Zuschrift eines Anonymus Aufnahme gewährt, der, ohne datz es ihm oder der .Miinchener Post»-ingesallen wäre, auch nur den Sckatten eines Beweise» anzuführen unserem Sekretär, dem Genossen W a l t h e r, Eigenschaften nachsag, die ihn ungeeignet machten, nicht nur fernerhin einen Bcrtra'uenSvosten in der Partei zu bekleiden, son- dern überhaupt der Partei anzugehören. Diesem unerhörten Ber- fahren gegenüber haben imr folgendes zu erklären: Der Gouvorstaud der Sozialdemokratischen Partei Nord- bayernS nimmt mit Entrüstung uo» den persönlichen Ausfällen der „Münchener Post' gegen den Gausclretär Genossen Wallher Kenntnis, weist mit Entschiedenheit die beleidigenden und un- motivierten Angriffe gegen lh,, zurück und spricht dem Genossen Walthcr. den er einstimmig wiederum in de» Landesvorstand dele- giert hat, fein rückhaltloses Vertrauen aus. Der Ga.ivorstand des Gaues Nordbayern. Städtische Subvention für den Fraukfnrter«rbeitcrbildungSauSschuß. Das Stadtverordnetenkollcgium in Frankfurt a. M. nahm gm Dienstag einen Antrag des SchulauS'rtmsses an. den Magistrat ja ersuchen, in den nächstjährigen Etat 1000 M. als Zuschuß für unseren LrbeiterbildungSauSschufe einzusetzen. Bon den Fortschritllern wandte sich ein Redner gegen den Antrag, man solle dafür die Subvention für den„neutralen" bürgerlichen Ausschuß für Volks- Vorlesungen— die 13 800 M. beträgt— erhöhen. Bei der Ab- stimmung spalteten sich die Fortschrittler. und so fand der Antrag Annahme._ Die dänische Arbeiterhochschule. Der von der sozialdemokratischen Partei und dem Verband der Gewerkschaften Dänemarls eingesetzte Ausschuß zur Förderung der Aufklärungsarbeiten und zur Errichtung einer Arbeiterhoch- schule hat jetzt, soweit dieser Punkt in Frage kommt, seine Tätig- ieit vorläufig beendet. Die Arbeiterhochschule wird am 26. Sep- tcmber in Kopenhagen eröffnet. Die Kurse dauern drei Monate mit wöchentlich dreimal zwei Unterrichtsstunden. Die Lehrgegen- stände sind: Nationalökonomie, materialistische Geschichtsauf- fassung und Geschichte des Sozialismus, Statistik, die Gewerk- schaftsorganisation, Arbeiterbewegung, Verwaltung in Staat und Gemeinden und Dänisch. Als Lehrer werden folgende Genossen tätig sein: Gustav Bang, Gerson Trier, Sven Trier, Martin Olsen, Jakob Lindberg, K. M. Klausen und Carl Bramsnäs. Die Hochschule kann vorläufig nur 20 Schüler aufnehmen. Die Kurse sind schon im voraus alle belegt. Die Schüler sind von den politischen und gewerkschaftlichen Organisationen ausersehen, die auch die Kosten, 30 Kronen pro Schüler, tragen. Der Deutsche Sozialdemokratische Lcseklub in Paris. Nach 33jährigem Bestehen ihrer Organisation bezogen unsere deutschen Genossen in Paris eigene Vereinsräume, bestehend auS einem 300 Personen fassenden großen Saal für ihre regelmäßigen Sonnabendvcrsammlungen und einem kleineren für SO Besucher, der ständig den Genossen als llnterrichtSraum, Lese-, Sitzungs- und Bibliothekzimmer dient. Die Räume sind geschmackvoll und zweck- entsprechend eingerichtet. Ein Mitglied der Orduerkommission ist allabendlich zur ÄuSknnstSerteilung anwesend. Einen Arbeitsnachweis besitzt der Klub nicht. Die im Hause befindliche Restauration der sozialistischen Konsnmgenossenschafr„Maison Commune" liefert gute Speisen und Getränke zu billigen Preisen. In Paris einzig da- stehend ist die Abschaffung des Trinkgeldunwesens. Vcsnche von Museen und anderen Sehenswürdigkeiten finden jeden Sonntag unter Führung eines Sachverständigen stait: gesellige Znsammenkünfle und Ausflüge werden unternommen. Es ist jedem nach Paris kommenden Genossen zu empfehlen, sich an den Deutschen Sozialdemokratischen Lesellub, 40, Rue de Bretagne, zu wenden. poll-eiliebes, Gcrichtlichea ulw. Die Presse vor der RevisionSinstanz. Das Reichsgericht verwarf am 27. September die Revision des Genossen Schiller von der„BreSlauer VolkSwacht' gegen das Urteil das Landgerichts Breslau vom 19. Mai, das ihn wegen Beleidigung des Fürsten Pleß mit 7ö Mark Geld- strafe belegte.' Ulis der(ücichsverskljcrungsordnungs- IKotnmifiion. Sitzung am Mittwoch, 23. September. Der Abschnitt über die Unfallverhütung wurde in der Sitzung erledigt. Zunächst wurde ein Antrag der Nationalliberalen, den Höchstbetrag der Strafen bei Zu- Widerhandlungen für die Versicherlen von 6 M. aus 20 M. fest- zusetzen, gegen die Summen der Nationalliberalen, Kon- f e r v a t i v e n und des Abg. I r l abgelehnt. Ein sozialdemokratischer Antrag, daß der Vorstand unter Mitwirkung der Arbeitervertreter alljährlich Stellung zu den Berichten der technischen Aufsichtsbeamten nehmen und die Maßnahmen anrege» soll, die zur Verbesserung der Unfallverhütung geboten erscheinen, wurde nach der Begründung durch den Genossen Hoch einstimmig an« genommen. Nach der Vorlage sollen die Vertreter der Versicherten nach wie vor von den Ausschüssen der B e r s i ch e r u n g s a n st a l t e n ge- wählt werden. Die Sozialde molraten beantragten, daß die Vertreter der Versicherten in geheimer, gleicher und direkter Wahl nach dem Verhält nisw ahlverfahre n von den Versicherten gewählt werden. Genosse Molkenbuhr legte eingehend dar, wie unpraktisch das jetzige Wahlverfahren ist. Das mußie auch Ministerialdirektor CaSpar anerkennen. Trotzdem wurde aber der Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Liberalen und des Polen abgelehnt. Dafür wurde ein Antrag Behrens und der Nationalliberalen angenommen, nach dem die Wahl durch die Vertreter bei den OberversichcrungS- ämtern erfolgen soll; die Knappschaftsberufögenosieuschafl kann durch Satzung bestimmen, daß die Vertreter der Versicherten K n a pp s ch a f tö ä l t e st e sein müssen, in diesen Fällen werden die Vertreter von den Kiiappschastsältestcii gewählt. Die Bcrussgeiiosieiischasten sollen berechtigt und aus Verlangen de? ReichsversichenmgSamts verpflichtet sein, technische A u s s i ch t s b e a in t e in der erforderlichen Zahl anzustellen, um die Befolgung der Unfallverhütuiigsvorschristen zu bewachen. Hierzu bcainragten die Sozialdemokraten den Zusatz: Die Berussgeiiosfeuschaften müssen so viele AnfsichtS- beamte einfielleii, daß jede in der Genossen- schast versicherte Betriebsgruppe mindestens einmal im Johre besucht wird. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Ebenso geschah es nnt einem weiteren Znsatzantrag der Sozial» demokraten, nach dem von den technischen AufsichtSbeamten mindestens ein Viertel in dem betreffenden Gewerbezweige als Arbeiter beschäftigt gewesen fein muffen. Dafür wurde auf Antrag des Abgeordneten M u g d a n der Zusatz angenommen, daß die Genossenschaften als technische Aussichtsbeamie in den be- treffenden Betrieben beschäftigt gewesene Arbeiter anstellen können. Haftung der Uiitcriiehincr. Eine AiiSiiahmcbesiiiiimung gegen die Arbeiter soll auS dem geltenden Gesetz in daS neue übernommen werden mit dein Para- graphen, nach dein der Unternehmer den Versicherten und den Hinter- bliebenen gemäß den sonst geltenden gesetzlichen Vorschriften zum Ersatz des UnsallschadenS nur dann verpflichtet ist, wenn straf- rechtlich festgestellt worden ist. daß er den Unfall vorsätzlich herbeigeführt bat. Diese Bestiiwnnng soll auch gegen die Hinter- blicbcueii gellen, die keinen Anspruch aus eine Rente haben. Die S o.z i a l d e m o I r a t e u beantragten, daß die Be- stimmung nur auf die Personen angewendet wird, die einen Anspruch auf Rente haben und daß in diesen Fällen die Unter- nehmer den Uiifallschadeii ersetzen müssen; nicht nur, wenn sie den Unfall vorsätzlich, sondern auch wenn sie ihn fahrlässig ver- schuldet haben. Genosse Molkenbuhr zeigte an einer ganzen Reihe von Fällen, daß die jetzige Ausnahniebestimmung zu schweren Ungerechtigkeiten gegen die Angehörigen verunglückter Arbeiter führt. Trotzdem lehnte die Koniinission den Antrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab. Die übrigen Bestlinmiingen für die GewcrbeunfallvorsiHerung werden ohne bedeutende Abänderungen aiigeuoinmen. Bei dem Punkt Landwirtschaftliche Unfallversicherung wurde die Sitzung auf Donnerstag vertagt. flu$ der lultizliommiiiion. Sitzung vom Mittwoch, den 23. Septembet. Die Anträge der Freisinnigen, die auf eine Einschränkung und Aufhebung des Hilfsrichterwesens hinzielten und die ferner for- dcrtcn, daß der Vorsitzende im Schöffengericht und der Beisitzer im Landgericht nur ein angestellter Richter sein darf, wurden ab- gelehnt. Eine Neuerung bringt der 8 23' des G. V. G., nach welcher c? künftig der Staatsanwaltschaft anheimgestellt ist, auch andere Sachen, die nicht ohne weiteres zur Zuständig- keit der Amtsgerichte gehören, vor dieselben zu bringen, so in Fällen des Vergehens gegen die Sittlichkeit, Beleidigniig, Nötigung, Diebstahl im Rückfall usw., wenn die zu erwartende Strafe sechs Monate Gefängnis oder Geldstrafe in Höhe von 1500 Mark nicht übersteigt. Nach einem nationalliberalen Antrag wurde der 8 23- dahin geändert, daß den Schöffengerichten alle Sacken überwiesen werden können, die nicht in er st er Instanz vor das Reichs- oder Schwurgericht gehören, wenn keine höhere Strafe als sechs Monate Gefängnis oder IbOO Mk. Geldstrafe zu erwarten ist. Eine lebhafte Diskussion entspann sich beim§ 23', der im zweiten Absatz die Zuziehung von S ch ö f f e n bei der Ali, urteilung für Uebertretungen oder Vergehen, für die nickt über 300 M. Geldstrafe erkannt wird, unterlassen will. Unsere Genossen beantragten die glatte Streichung dieser Be- stimmung. In der Begründung dieses Antrages wiesen unsere Oicdner auf die Gefährlichkeit hin, wenn nickt allein in leichten Uebertretungsfällcn, sondern auch in den lbekaiinten Fällen des „groben Unfugs", der„Strcikvergehen", Vereinsgesetz-Uebertretnir- gen usw. an Stelle der Schöffen der Einzelrichter tätig ist. Die Freisinnigen schloffen sich zum Teil diesen Forderungen an und auch der Abg. Groeber stellte sich vollkommen auf den Boden des sozialdemokratischen Antrages, Vor allem stimnite dieser Redner den Ausführungen unserer Genossen darin bei, daß namentlich in allen Fällen der U c b c r t r e t u n g der A r b e i t e r s ch u tz- b c st i m in u n g en die Unternehmer noch viel milder fortkommen würden, wie bisher. Von der Regierung wurde der sozialdemokratische Antrag be» kämpft, wenngleich zugegeben werden mußte, daß die Statistik er- geben habe, daß wegen Vergehen gegen die Arbeilcrschutzgesetze be» dauerlichcrweise ungemein geringe und nur Ge l d strafen ver- hängt worden sind.— Gegen die 9 Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen wurde der sozialdemokratische Antrag an» genommen. Nack dem 8'k3solldieZuständigkeitderStraskam. niern sich u. a. auch auf Unzuchtsverbrcchcn, schwerer Urkunden- fälschung, Amtsvcrbrechen, Konkursvcrbrechcn von Personen unter 18 Jahren begangen, erstreckten. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangte, daß in diesen Fällen nicht die Strafkammer, sondern das Schwurgericht zuständig sein soll. Der Entwurf be- deutet eine Einschränkung der bisherigen Wirksamkeit der Ge- schworenengerichte. Mit diesem Antrag wurde zu gleicher Zeit der freisinnige Antrag zum 8 80 beraten, der in seiner Hauptsache be- sagt: Die Schwurgerichte urteilen über die mittels eines Preßerzeugnisses verübten Verbrechen und Ver- gehen, mit Ausnahme der Verstöße gegen die Verbots- und Be- schlagiiahmcverfügungeu, der auf Antrag zu verfolgenden Beleidi» gungssachen und der Privatklagesackx». Die Vertreter der Re- gierung bekämpften den Antrag, Konservative, Nationalliberale und Zentrum schwiegen sich aus und gegen die Stimmen der So. zialdemokraten, der Polen und des Zentrums wurde der Antrag abgelehnt. Die Zusammensetzung der Strafkammer in erster Instanz soll nach dem Regiernngscntwurf. 8 77. auS zwei Berufsrichtern und drei Schöffen bestehen. DcS weiteren ist die Berufung gegen die Strafkammer zulässig. Damit sind die Konservativen und Nationallibe» ralen einverstanden, aber sie beantragen, die Strafkammern nur mit einem Landgerichtsdirektor und zwei Schössen zu besetzen. Ein Antrag Groeber will auch in der AcrufungSinftmiz die Strafkammer aus zwei Berufs- und drei Laienrichtern bestehen sehen, während ein sozialdemokratischer Antrag forderte, datz die Strafkammer mit einem Richter und vier Schössen be- setzt werden soll. In ausführlichster Weise werden diese Anträge begründet. Die Beratung wird dann abgebrochen und auf Donnerstag vertagt. Soziales. Die Verbindlichkeit der Tarifverträge. 1. Am Dienstag klagte vor dem hiesigen JnnungsschiedSgericht der Töpfer M. gegen den Töpfermeister Paul Damm. Er hatte auf Material warten müssen und will nun jede Wartestunde mit 1. M. vergütet erhalten. Nach den Angaben eines Zeugen hat der Kläger tatsächlich 11 Stunden warten müssen. Das Schiedsgericht spricht dem Kläger 11 M. zu. weil der Tarif die Entschädigung der Wartezeit in der geforderten Höhe vorsieht. 2. Gegen den Töpfermeister Engter klagten 12 Gesellen. Sie verlangen Alkordlohnbcträge von 50 Pf. bis 12.05 M.. zusammen 53,10 M. Der Beklagte will für einige verrichtete Nebenarbeiten nicht die tarifmäßigen Lohnsätze zahlen und will das auch den Klägern vor Uebernahme der Arbeit gesagt haben. DaS Schicds- gcricht vertrat die Ansicht, daß der Beklagte, auch wenn solche Abrede getroffen sein sollte, nach Tarifsätzen zu entlohnen habe und ver- urteilte ihn zur Zahlung der geforderten Beträge. Preußische Bcamtengehälter. Die Kreiskasse von Nieder-Barnim in Berlin, Hinter dem Gießhause, sucht laut Annonce zu baldigst einen Kassengehitfen bei einem Jahrcsgehalt von 000 M. Kann man sich wundern, wenn bei der jetzt herrschenden Teuerung mit einem so geringen Gehalt, von dem wohl noch Beiträge für Altersversicherung usw. abgehen, ein Mann, der vielleicht eine Familie zu erhalten hat, wenn ihm noch Unglücksfälle treffen, damit nicht auskommen kann, und dann in der größten Not sich an dem ihm täglich durch die Hände gehenden Gclde vergreift? Wer ist dann wohl schuld an der Ver- untreuung? Aber wenn in Berlin mit seinen teuren Mieten ein so niedriger Gehaltssatz als angemessen erscheint, dann denken die kleinen Gemeinden in Nieder-Barnim, datz sie ihren Bureau« gchilfcn noch weniger zu bieten brauchen. So sucht die Gemeinde Biesdorf baldigst einen Burcaugchilfen bei einem Jahrcsgehalt von 720 M. und der Amtsvorsteher in Birkenwerder sucht gar einen Registrawr bei 600 M. Gehalt I Auch anderwärts kommt man auf ähnliche Gehälter für unsere Beamten. Der Landrat des Kreises Meisenheim sucht sofort einen Bureaugehilfen. gewandten Stenographen, bei einem Gehalt von 720 M., steigend bis 900 M. Man denkt nicht daran, daß bei so geringen Gehältern' die Betreffenden ja förmlich auf Trinkgcldcrnehmcn und Durch- stechcreien angewiesen sind. Kommen dann Ungehörigleiten zur amtlichen Kenntnis, so entrüstet man sich über die ungetreuen, unwürdigen Beamten, aber an Gchaltsverbesserungen denkt man nicht. Theater und Vergnügungen Donnerstag, 28. September. Ansang 7'/i Uhr. Neues kviiigl. Lpern-Tlicater. RegimentSIochter. Die Pnppcnfee. Köntgl. Tchauspielhauo. Meliere und die Seinen. Tartüsse. Ansang 8 Uhr. Deutsches. Gespenster. a ni m e r s p i e I e. Das Kloster. Lessing. Einsame Menschen. Komiictie Oper. Der Arzt wider Willen. Verliuer. Musikantenmädel. Neues. Das gewisse Etwas. Neues ScUnuivielliaus. Tartüsf. Herr v. Pourceaugnac. Residenz, Xoblssso oblixo. Kleines. Die vcrslixten Frauen» ziinmcr. l. Klasse. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller o. Wal»,«. Theater.) Die Kreuzelschreiber. SchlUe, tLharlottenburg. Robert und Bertram. Friedrich- Wilhelmstiidtisches. Kletten. Niobe. Berliner Volksoper. Martha. (Anfang 81/, Uhr.) Luisen. Othello. Westen. Die schönste Frau. Modernes. Die beste der Frauen. Trianon. Pariser Witwen. Neues Operetten. Der Gras von W Lechemburg. spielhano. Der Feldherrn- verlorene Nacht. schwarze Pension. leben Snftspielhano Hügel. feld. Eine Der Dcrbhfieger. Rose. Othello. FolicS Caprice. Der Schimmel.— Volle (Zlnsang 8>/, Uhr.) Metronot. Hurra � Wir noch l Kasino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. Vaslaar. Spezialitäten. Reichsdallen. Stettin« Singer. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Svezialitäten. Sanssouci. Nu hat'S geschnappt. Spezialitäten. Urania. Tanveiiltrahe 48i49, Abends 8 Uhr: In den Dolomiten. Stern,» ime. Jnoalidenstr. 57—62. Lessing-Theater. DonnerSt. 8 U.: Einsame Menschen. Freitag 8 Uhr: TantriS der Starr. Sonnab. z. 1. M.: Wen» der junge Wein blüht. Luftsp. v. Björnson. berliner l�üester. Heute 8 Uhr: Gastspiel Haust Niese. Das Musikanttnmädkl. Neues Theater. Ansang 8 Uhr. Das gewisse Etwas. Freitag und folgende Tage: Die goldene Ritterzeit. Ideater des Westens. Anfang 8 Uhr. Die echUiinite Fran. Sonnt. 3'/. Uhr: Ein Walzertraum. Modernes Theater (früher Hebbeltheatar). Heute und täglich 8 Uhr: Die deute See Franen. Friedrich-Wühelmstädliscties Schauspielhaus. Donnerstag, 29. Sept., abends 8 Uhr: füfttftl. Zum Schlich: iliollf. Donnerstag: Kletten. Niobe. Sonnabend zum 1. Male: Revo lutionshochzeit. l�esiden?-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Noblesse obiige. Schwank in 3 Akten von Hcnnequin und Veber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Bsoli»leB«e obllge. Sonntag, den 2. Oktober, 3 Uhr: _ Die 300 Tage. Berliner Volksoper Bellc-Alliance- straße 7/8. Ä Martha. Weaeo Operetten-Theater. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Der Graf von Luxemburg. Operette in 3 Akt. von A. M. Willncr n. R. BodanSky. Musik v.Franz Lehär. sv Letzte Tage-vs deS sensationellen Programms. S',, Uhr: Verbotene krnckt. Sonnabend, den 1. Oktober 1910: DebUt Rudolf Schildlcraut. Metropol-Theater. Kurraü! Wir leben noehü! Große AuSstatlungSreouc in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Solländer. JXn Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Anfang L Uhr. Rauchen gestattet. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/40. Heute abend 8 Uhr: In den Dolomiten. Lustspielhaus. Heute abend 8 Uhr: Der Feldhernchugel. Luisen-Theater. Ansang 8 Ubr. Neueinstudierung: Othello. Freitag: Durchgegangene Weiber. Sonnabend 4 Uhr: Kinder-Vorst: Die Schivanenprinzessin. 8U.: Egmont. Sonntag 3 Uhr: Othello. 8 Uhr: Die schöne Ungarin. Montag: Kean. OSE=THIATE Große Franksurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Othello. Trauerspiel in 5 Akten von Shakesv eare. Freitag, Sonnabend: Die gute Partie. Sonnabend nchm. 4 Uhr: Rotkäppchen. istehinSr-TrheatSr. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theat.) Donnerstag, abends 8 Uhr: Di«? tztrsn�elnchreiber. Bauernkomödie mit Gesang in 3 Alten von L. Anzcngruber. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abends 8 Uhr: DI«; Iir«?iizlelj,ohr«?iber. Sonnabend, abends 8 Uhr: WallenstelnH Tod. Schiller-Theater Charlottenburg. Donne rStag, abends 8 Uhr: liobert iinit Uvrtraiu. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Reeder. Ende 10'/, Uhr. Freitag, abendS 8 Uhr: DI«; Drunt von messlna. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Krcnjiel.chrelber. Heft 1—5 der HonatMSchrlft Freie Volksbühne 1 » Brauerei Friedrlclishain Am Kiinijxstor. GröBter Konzertsaal Berlins! Vom 28. September bis 2. Oktober 1910 täglich: Gastspiel-Konzerte von JoflBilO Stföllß aus Wien mit seiner gesamten KapeUe. Anfang Wochentags 7 Uhr, Sonntags 4 Uhr. Entree Wochentag 50 Pf., reserv. Platz 75 Pf, Sonntags I M.— Billetts im Vorverkauf zu ermäßigten Preisen(Entree 40 Pf, reserv. Platz 60 Pf., Sonntags 75 Pf) in den„Vorwärts''-Speditionen Zucht, Immanuelkirchstraße 12, Hahnisch, Auguststraßo 60 und Mann, jHHF Petersburger Platz 3. MMWWMW' Torletzter Tag! Das Der Gipfel der illustren Variete-Kunst. • Sonntag, den 2. Oktober:» Wiederbeginn der Nachmittags-Yorsteilungen. Kleine Preise I Anfang 3'/, Uhr. Passage-Theater. Das ErOminngs• Progr. der Winter-Saisoa! Abends 8 Uhr: Ciaire Waldoff mit ihren neuen Schlagern von Walter Kollo. Colllns 10 engs lisch. Backfische. Polmey u.May, weiI�n. George Barrington und IL Starnummern. Passage-Panoptikum. Buddhas dunkles Geiieimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! vuh4r7 Vitaskop- Theater iftquanopttkum Experiment aus der 4. Dimension. Alles ohne Extra-Entree! Theal-er Zwei Schlager! Eine verlorene Macht Ein lustiger Trauerfall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Der Derby-Sieger Sportkomödie von August Neidhardt. Ans. 8 Uhr. Borverk. 11—2(Thcaterk.). Alt-noabit 47/48. Hans Reit,<(»nsemble. Donnerstag, den 29. September 1910: Othello der Kohr von Vcnedls/. Trauerspiel iu 5 Auszügen von William Shakespeare. Othello... Dir. Hanö Reih. Kasseneröfsnung 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tan� Casino-Theater Lothringer Straße 87. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schnetdige Rndslf. Rudolf Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. 3'/, Uhr: Der Hoohmutsteutel. Kdnigstadt-Sasino. Holzmarklstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Franz Sobanski. Elsa Para, Walter Klär, tSeschwister Herrmann, Mstr. Adolphi, löeschwister Aletta, Jongleure. Um 9 Uhr(,"" das Zugstück:" i(Jahrgang 1910/11) kann von ' Zahlstelle abgeholt werden. Thalia-Theater _ Kampf. Ifeues Schauspielhans [lelier unsere Kralt, Herrufeld-Theater Der Herr Senalnr. Extravorstellung im Lessing-Theater Sonntag, 20. November: Hartleben; allen Mitgliedern aus ihrer, 241/18' Rosenmonlag. Lessing-Theater Das Konzert. Residenz-Theater Äbendabteilungen im Neuen Schauspielhaus.< 2. Serie. s., 10., 17., 24. Oktober Tartüff. 3. Serie. 31. Okteb., 7., 14., 21. November 1 lieber unsere Kraft.! TERRASSEN HALENSEE GrSSter VergnOgungsparK des Kontinents. Sonnabend, 1. Oktober: Fintrittsprcls SO Pf. Eintrittspreis 60 PI. GROSSER POPULÄRER GALATAG. MÜNCHNER OKTOBERFEST. Pestdekoration des Parks und des bayerischen Dorfes. Konfettischlacht. Luftschlangen.. GROSSES BRILLANT- 0. FRONTFEÜERWERKJ Apotheose: Miag;arra- Wassorfull. Herrlicher Magnesiumeffakt. 3 Kapellen 8. Programmänderungen vorbehalten. UTene DltgUeder kttnnen sich In allen Zahl- I stellen anmelden. Sammelt für den Kampf- 1 I tonds! Der Vorstand. I. V. Q. Winkler. Polles Caprice. Täglich 8>/. Uhr: Volle Pension. 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Garderobe lO Ff. Alle Lehrlinge, jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen, insbesondere die Schulentlassenen sind zu dieser Feier freundlichst eingeladen. 290/16 Gr. Berliner KunstaussteilUDg 1910 30. April bis 2. Oktober. Im Park täglich Doppel-Konzert. Eintritt: 10-6 Uhr t M.. o. 6 Uhr ab 50 Ps., Sonntags 50 Ps. Dauert. 6 M. teteütmgZhsüeasniltakl Rlesen-Kincinatog/raph. 6-11 Uhr. Ranchcn ttberall gestattet M/- LOGISCHER GARTEN Täglich: Großes Militär- m Konzerl. Eintritt 1 Mark. von abendS 0 Ubr ab SO Pf., Kinder unter zehn Jahren die Hälste. Reichshailen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß, Mens ..Im Kanaeloch". Milit. Humor, v. Mcysef Ansang wochentags « Uhr Sonntags 7 Uhr. Busch. Donnerstag, den 29. September, abends 7'/, Uhr: Große Gala-Vorstellung. ITIons. Velanche mit sein. fuBballsplelende n Hunden. Keiterfamilie Frcdlanl. Hr. Alfred Ott, Schulreiter, usw. Um 9'/« Uhr, zum 18. Male: „VENEZIA" Original-Manegeschaustück. Sonntag, 2. Okt.: 18 groBe Gala- Vorstellungen,'S1/, Uhr, 7'/, Uhr. In beiden Vorst.; Venezla (ungekürzt). I. Hochbahnstation Koilbuser Tor. Vorletztes Auftreten des mit stürmischem Beifall ausgenommenen sM-EMllßgz-lTljMU! Dazu die Posse: Nil hill's gkslljiiliWi! Von Ostar Sabo. Musik von Paal l-incke. Ansang S'lt Uhr. Sonnabend, den t. Oktober: Premier«. IRfloabiter ISielelstr. 21. Etinlener Str. 40. OrOßton Kientonp-Thealer iktoablta. Wöchentl. zweimal neue» Programm. Täglich Vorstellung. Ansang 6 Uhr. Karl Baverland- Ansang ThaitüP Kommandanten» präz.8Uhr. lUeflltr, straße 77/79. Nur noch knrze Zeit Hugo Römers,:;.;: Ab Sonnabend neue Spezialitäten. Burgtiieater-Klnematograph vorm. Grolerjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Eintritt Zl> u. 40 Pf., Kinder die Hälfte. Anf.7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochcnt. gültig, 20 Pf. auf allen Plätzen. StetS wachs. Programm. Dienstag».Freitag v. 4— 6'/, Uhr Kindervorstelliiug. 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Karl Eisner. r Deutschlands. Zweigverein Berlin u. Umgegend. (Sektion der Bohrer.) Achtung! Rohrer! Achtung! Freitag, den 3V. Scpcmber, abends 8 Uhr, im GewerlschaftShause Engeluser 15, Saal 11: Mitglieder-Bersammlung Tages. Ordnung: Bericht der Schlichtungskommission über die Verhandlunge« mit de» Unternehmern und unsere Stellungnahme dazu. Es ist Pflicht jeden Rohrers, in dieser Versammlung zu erscheinen. 30/13_ Der Zwelgverelnsvorstand. Zentral Verband der Glasarbeiter und-Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Achtung: Glnsschlrifer, Wem, Seieger! Acht»««! Freitag, den 30. September, abends 8 Uhr, bei Boeler, Weberstr. 17: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: Die Antwort auf die Vorschliige der Unternehmer. ES ist Pflicht aller Mitglieder, zu erscheinen. 73/10 Die Drtsverwaltung. I. 2t.: A. SchrSder. ZnH-Ml! A 1» DllUlls Zweigverein Berlin,— Sektion der Gips- u. Zementbrancbe. Gipsbaubranche: Putzer, Träger u. Rabitzspanner. Freitag, SO. September, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshaus» Engelufer il> lgrohvr Saal): Mitglieder-Versammlung TageS-Ordnung: 1. Berichterstattung über das Ergebnis der Bautenkontolle am S. und 9. September. 2. Die Arbeits, und Organisationsverhältnisse im Gips- baugcwerbe, und wie sind dieselben zu verbessern? 3. Verschiedene». Kollegen! Sorgt sür einen guten Versammlungsbesuch; die Wichtigkeit der Tagesordnung ersordert das Erscheinen aller Kollegen. - Ausgabe der Tarifverträge. 133/17 Der Sektionsvorstand. Zentraiverband der Zivilmusiker Deutschlands, : Ortsverwaltung Berlin.: Gewerkschaften! Achtung! Vereine! Der Arbeitsnachweis des Zentralverbandes der Zivil- berufsmusiker Deutschlands beftndet sich jetzt im „�osentkalee Hof, Rosenthaler Str. 11/12, _ Rest. Schilling. Tel.: SImt III. 2438._ 50/15* ♦f An diesem Schild sind die Läden erkennbar, 15 in denen SINGER Nähmaschinen verkauft werden. IHastergOItlg in Konstrabtion and Ansführnng, gleich vorsligUoh tUr Haasgebranch n. Industrie. 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Zepiember 1910. partci- Angelegenheiten. Maricndorf. Heute, Donnerstagabend 8'/, Uhr, öffentliche Wählerversammlung bei Preuß, Kurfürstenstratze. Tagesordnung: 1. Die bevorstehende Gemeindewahl. Referent Genosse Reichardt. 2. Diskussion. 3. Aufftellung der Kandidaten. Die Parteigenossen, die am Montag, den 3. Oktober, bei der Wahl helfen können, wollen sich nach Schluß der Versammlung melden. Der Vorstand. Niedcrlehme. Die geplante Wahlvereinsversammlung am Sonn» tag, den 2. Oktober fällt, da an dem Tage eine öffentliche Ver« sammlung vom Fabrikarbeiterverband stattfindet, aus. Der Zahl- abend findet wie immer statt. Berliner Nachrichten. Mit dem Ankauf des Tempelhofcr Feldes durch die Ge- meinde Tempelhof wird sich die heutige Stadtverordnetenver- sammlung beschäftigen. Von verschiedenen Gruppen der Ver- sammlung liegen Dringlichkeitsanträge vor, den Magistrat um Auskunft über die Verhandlungen mit dem Fiskus über den Erwerb und die Eingemeindung des Tempelhofer Feldes zu ersuchen. Dabei dürfte auch zur Sprache kommen die Nolle, die der Stadtverordnete und Kommerzienrat Haberland dabei gespielt hat. Herr Haberland, der aus dem Gebiete der Terraingeschäfte sehr versiert ist, ist zu den Verhandlungen zugezogen worden, die im Auftrage der Gemeinde Tempelhof und des Kreises Teltow mit dem Kriegsministerium geführt worden sind. Die Gemeinde Tempclhof ist in der ganzen Frage nur vorgeschoben, genau so. wie man in manchen Fällen Strohmänner vorschiebt. Im Hintergrunde stehen Finanz- konsortien. Herr Haberland ist ausersehen als Direktor einer neuen Terraingesellschaft: der Tempelhofer Feld-Aktien- gcsellschaft. Die Vorwürfe, die Herrn Haberland gemacht werden, gehen dahin, datz er als Berliner Stadtverordneter mit dem Kriegsministerium im Interesse einer Vorort- gemeinde und einer Privatgesellschaft und zu einer Zeit ver- handelt habe, da die Stadt mit demselben Kriegsministerium in der gleichen Angelegenheit Verhandlungen pflog. Herr Haberland behauptet aber, daß im Kriegsministerium er- klärt worden sei, es stehe mit Berlin nicht in Verhandlung. Bei der Besprechung der Sachlage in der Fraktion der Alten Linken, der Herr Haberland angehört, soll es nach dem „Tageblatt" und dem„Lokalanzeiger" am Dienstag abend zu lebhaften Auseinandersetzungen gekommen sein, die mit dem Austritt des Herrn Haberland aus der Fraktion ge- endet haben sollen. Wie die„Vossische Zeitung" hört, hat Herr Haberland gestern sein Stadtverordnetenmandat nieder- gelegt. An der Sache selbst dürfte schwerlich etwas zu ändern sein. Ist es richtig, was wir gestern auf Grund einer Mit- Teilung der„Vossischen Zeitung" berichten konnten, daß das Kriegsministerinm der Stadt Berlin unterm 29. August mit- geteilt hat. daß der Kriegsminister nach der anderen Seite nicht verhandeln würde, ohne vorher die Stadt Berlin zu be- nachrichtigen, am anderen Tage, am 30. August aber bereits seine Genehmigung zum Abschluß eines Vertrages mit Tem- pelhof erteilt hat, worauf am 31. August der Vertrag im Kriegsministerium unterzeichnet worden ist, so liegt hier ein Treubruch vor, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann. So fatal die Anglegenheit für Berlin auch verlaufen ist, so darf folgendes nicht vergessen werden. Ter Magistrat der Stadt Berlin hätte das Tempelhofer Feld längst haben können, wenn er ernstlich rechtzeitig darum bemicht gewesen wäre. Im vorigen Jahre haben wir bereits über diese An- gelegenheit folgende Sachdarstellung gegeben:„Im Jahre �900 hat die Stadtverordnetenversammlung fast einstimmig beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, mit der Gemeinde Tempelhof wegen Eingemeindung der Hasenheide in Verbin- dung zu treten. Nach Verlauf von zirka vier Jahren ging durch die Oeffentlichkeit die Nachricht, daß die Hasenhcidc nach Nixdorf eingemeindet werden solle. Darauf interpellierte der Stadtverordnete Wallach den Magistrat, und zwar in der Stadtverordnctensitzung am 28. Januar 1904. Auf die Ausführungen des Interpellanten antwortete der Stadtrat Böhm, „.daß der Magistrat die Eingemeindung des nördlichen Teils der Hasenheide abgelehnt habe, weil der Stadt Berlin ändert- halb Millionen Mark Kosten erwachsen würden. Weiter sei für den Magistrat in Betracht gekommen, daß. nachdem der eingemeindete Teil bebaut sei, wohl wünschenswert sei, wenn wenigstens der übrige Teil der Hasenheide als öffentlicher Park eingerichtet werden könnte, und wenn das Tempelhofer Feld, dessen Mitcinverleibung der Obcrpräsident verlange, als späteres Bauterrain in Frage kommen könnte. Verhand- lnngen mit dem Militärfiskus hätten aber ergeben, daß auf absehbare Zeiten an eine Entbehrlichkeit des Feldes nicht zu denken sei und daß unter diesen Umständen nur Lasten ent- stehen würden, sei ja klar." Der Interpellant beschwerte sich mit Recht darüber, daß der Magistrat vor Abgabe seiner Erklärung an den Ober- Präsidenten nicht erst die Beschlußfassung der Stadtverord- netenversammlung eingeholt habe. Herr Böhm, als Ma- gistratsvertreter, antwortet darauf:„Der Herr Vorredner bat hervorgehoben, daß es doch notwendig gewesen wäre, der Stadtverordnetenversammlung Mitteilung zu niachen. Auch diese Frage ist Gegenstand der Beratung des Magistrats ge- Wesen, und es ist beschlossen worden, keine Vorlage zu machen, da ja eine Zustimmung der Versammlung an sich nicht er- forderlich war." Man stelle sich vor, vor vier Jahren faßt die Stadtverordnetenversammlung einen Beschluß in dieser Frage und als es zur Entscheidung kommt, hält es der Magistrat nicht einmal für nötig, derselben eine Mitteilung zugehen zu lassen, auch nicht, obwohl der Obcrpräsident die Eingemcin- dung der.�ascnhcide mit der hochwichtigen Frage der gleich- zeitigen Einaemeindung des Tempelhofer Feldes verquickt. Was«nag den Oberpräsidenten damals veranlaßt haben, gleichzeitig die Eingemeindung des Tempelhofer Feldes zu fordern, und zwar trotz der Ablehnung des Magistrats, mit einer gewissen Hartnäckigkeit? Ehe Rixdorf die Hasenheide überwiesen bekam, hat der O b e r p r ä si d e n t nochmals die Frage an den Magistrat gerichtet: ob Berlin noch Wert ans eine Eingemeindung lege, oder ob Berlin Einwendungen zu machen habe, wenn der Streifen an der Hasenheide nach Rixdorf oder Tcmpelhof eingemeindet werde. Der Magistrat hat sich ge- sagt:„Berlin bin ich" und hat mit einem glatten Nein geant- wartet. Die Stadtverordnetenversammlung erhielt nur bei Gelegenheit Kenntnis von diesen wichtigen Dingen." Hätte der Magistrat damals zugegriffen und das Tempel- hofer Feld mit der Hasenheide eingemeindet, wäre Berlin gar nicht in die heutige fatale Situation gekommen. Die Nebenbeschäftigung der Feuerwehrleute ist im Laufe der Zeit um einiges eingeschränkt worden, doch zu einem grunssätzlichen Verbot hat man an massgebender Stelle bisher sich nicht entschließen können. GeWitz wird jeder den Feuerwehrleuten ein hinreichendes Einkommen wünschen, aber es bedarf dazu keiner nebenbei geleisteten Erwerbsarbcit, wenn das Gehalt entsprechend hoch bemessen wird. Aus mancherlei Gründen erscheint es uns be- denklich, datz Feuerwehrleute an ihren dienstfreien Tagen sich einer erwerbenden Nebenbeschäftigung widmen. ES handelt sich dabei keineswegs immer um blotze Gelegenheitsarbeit, nein, mitunter wird da jahraus jahrein ein richtiges Gewerbe betrieben, das seinen Mann nähren könnte. Das tollste, was wir in dieser Beziehung kennen gelernt haben, ist die Nebenbeschäftigung eines Oberfeller manns Stein- hausen, der früher der Feuerwache in der Pankstratze zugeteilt war und jetzt zu der Feuerwache an der Apostclkirche gehört. Herr Steinhaufen betreibt das Gewerbe eines Brunnen- b a u e r S und hat bisher darin so reichliche Beschäftigung zu finden gewutzt, datz er einen großen Teil des JahreS hindurch ziemlich an jedem dienstfreien Tag zu tun hatte. Dienstfrei ist jeder dritte Tag, eS kommen also für den Monat rund 10 Tage in Betracht, das macht für die etwa neun Monate des JahreS, in denen die Witte- rung dem Brunnenbaugewerbe günstig ist, rund 90 Tage. Man sagt uns. datz Steinhausen sie annähernd voll auszunutzen vermag. In verschiedenen Vororten, die in der Umgebung der Nordbahn liegen, hat der Herr Oberfeuermann in den letzten beiden Jahren zahlreiche Brunnen gebaut. Die Erschließung von Landhausterrains, die diesen Vororten den gewünschten Zuzug kauf- und baulustiger Berliner brachte, hat auch dem brunnenbaukundigen St. zu tun gegeben. An Sonntagen, wenn dix Grundstücksbesitzer hinauskamen, um sich auf ihrer Baustelle ein bißchen umzusehen, suchte St. Gelegenheit, ihnen seine Dienste anzubieten. Und er bekam so viel Arbeit, datz er zwei oder drei Leute mitbeschäftigen konnte, die er gleichfalls den Feuerwehrmannschaften entnahm. Ueber die Höhe seines Profites aus dieser Beschäftigung werden unbestimmte Mitteilungen gemacht; man spricht von 20 M. pro Tag. Sein Einkommen aus Gehalt ist übrigens auch nicht zu verachten: es liegt zwischen der Anfangsstufe 2000 M. und der Endstufe 27S0 M., die in 15 Dienstjahren erreicht wird. Wer im sicheren Besitz dieses Einkommens ist, hat es leicht, den Brunnenbau als Nebenberuf auszuüben. Ein Oberseuermann, der nebenbei Brunnenbauaufträge übernimmt, befindet sich gegenüber einem privaten Brunnenbau- Unternehmer von vornherein in einer günstigeren Position. Für St. kommt noch hinzu, daß die Mitarbeit anderer Feuerwehrleute ihm zur Verfügung steht- Da erübrigt eS sich zum Beispiel, die Versicherungsbeiträge des Arbeitgebers zu leisten; bei Feuerwehrleuten ist ja das nicht nötig. Darin kann eine Verlockung liegen, im Wettbewerb mit anderen Unternehmern sich Aufträge durch Unterbietung zu sichern. Das würde dann auch andere Unternehmer veranlassen können, billiger zu arbeiten und dafür sich durch Lohnherab- setzungen schadlos zu halten. Man sieht, welches Interesse an der Beseitigung dieser Zustände die Arbeiter haben. Ihnen kann durch die erwerbende Nebenbeschäftigung der Feuerwehrleute ent- weder direkt die Arbeit weggenommen oder indirekt der Verdienst mindestens geschmälert werden. Aber auch über den Kreis der Arbeiter und der Arbeitgeber hinaus mutz der Mißbrauch, den da Feuerwehrleute mit ihren dienst- freien Tagen treiben. Bedenken erregen. Den Feuerwehrleuten wird nicht deshalb jeder dritte Tag freigegeben, weil man ihnen etwa die Möglichkeit eines Nebenerwerbes schaffen wollte. Diese freien Tage sollen Tage der Ruhe und der Erholung sein, damit die Mann- schaften gekräftigt in ihren Dienst zurückkehren. Anderenfalls mutz die Schlagfertigkeit der Wehr leiden und d i e Feuersicherheit der Stadt beeinträchtigt werden. Die Rücksicht auf die Interessen der gesamten Bevölkerung, auf die Sicherung ihrer Habe, ihrer Gesundheit, ihres Lebens erfordert es, datz dem Mitzbrauch ein Ende gemacht wird. Auch die Stadtverwaltung mutz schon deshalb ein Verbot der erwerbenden Arbeit der Feuerwehrleute wünschen, weil durch solche Ausnutzung der sieien Tage der Gesundheitszustand der Mannschaften gemindert wird. Ein Feuerwehrmann, der aus anstrengendem Dienst sich in hastende Erwerbstätigkeit begibt und aus ihr in anstrengenden Dienst zurückkehrt, wird vorzeitig aufgebraucht und kann als früh pensionierter Invalide den Stadtsäckel ungebührlich belasten. Darum noch einmal: weg mit der Nebenbeschäfti- gung der Feuerwehrleute! Möge nian den Mannschaften durch eine fortschreitende Aufbesserung ihrer Gehälter eS erleichtern. auf jede EcwerbSarbeit zu verzichten. Schon heute sollten übrigens die Oberfeuermänner die letzten sein, einem Nebenverdienst nachzu- jagen._ DaS Kuratorium des städtischen Vieh- und Schlachthofes hat be- schlössen, dem Antrage der Engros-Schlächtergcsellen stattzugeben und in den Sommermonaten die Sckweineschlachthänser statt um 2 Uhr erst um 3 Uhr morgens, und die Rinderschlachthäuser statt um 3 um 4 Uhr zu öffnen. Lange genug haben die Petenten um diese eine Stunde mehr Schlaf gebettelt, und es wäre wirtlich zu wünschen ge- ivesen, datz schon diesen Sommer ihnen die Stunde zugute ge- kommen wäre. Nun haben sie wenigstens bei Beginn des Winter- Halbjahres die Aussicht, nächsten Sommer eine Stunde länger im Bett bleiben zu können. Auch die Eröffnung in den Wintermonaten könnte mindestens für die Schweineschlachthäuser eine Stunde später angeordnet werdeil. Neuerungen im Berrehr von Groß-Berlin au« 1. Oktober. Im Verkehr von Grotz-Berlin bringt der 1. Oktober vor allem die Aus- gestaltung des Vorortverkehrs der Strecke Berlin— Tegel— Velten. Von Tegel nach Velten verkehren jetzt nur vier Züge täglich, von Velten nach Tegel fünf. Einer davon hat werktags langen Auf- enthalt in Tegel. Vom 1. Oktober au werden vom Slettiner Borort- bahnhof in Berlin täglich 13 Züge bis Velten durchgeführt. Von Velten nach Berlin gehen 11 Züge täglich. Ein Umsteigen in Tegel gibt es nicht mehr. Außerdem verkehren zwischen Berlin und Tegel werktags 11 Züge. Sonntags sind im Oktober und April einige Züge mehr vorgesehen. Der Fernverkehr der Strecke Berlin- Velten— Kreminen beschränkt sich vom 1. Oktober an aus die Stationen Berlin. Gesundbrunnen, Tegel, Velten usw. Bisher hielten einzelne Züge auch ans Zwischenstationen. Wahrend bisher alle Züge im Fernverkehr von Berlin bis Kremmen durchgingen, verkehren vom 1. Oktober an aus Berlin sechs dieser Züge. Vier weitere Züge haben ür Velten Anschluß an Borottzüge. Dasselbe ist der FÄll mit einem nur werktags verkehrenden Frühzug und umgekehrt. Rückverlegung der Autoomnibuslinie 8. Die AutoomnibuSlinie 8 Alexanderplatz— Martin-Luther-Stratze mutzte seit etwa dreiviertel Jahr wegen des Baues der Schöneberger Untergrundbahn an ihrem westlichen Ende durch die Maatzen« und Neue Winterseldtstratze ab- gelenkt werden. Die Arbeiten in der Motzstratze sind jetzt so weit gefördert, datz die Linie von heute an wieder ihren alten Weg durch die Motzstratze nehmen kann. Pferderennen ist keine Lustbarkeit. Der Verein für Hindernis« rennen veranstaltet auf der bekannten Karlshorster Rennbahn jährlich etwa 25 Pferderennen. Das erste Rennen nach dem Inkrafttreten der neuen Lustbarkeitssienerordnung für Friedrichsfelde- Karlshorst fand am 12. April 1909 statt. Der genannte Verein wurde wegen dieses einen Rennens zu einer Billettsteuer von 1081 M. auf Grund der Lustbarkeitssteucrordnung vom 5. Februar 1909 herangezogen. Nachdem der Bezirksansschutz seine Klage auf Freistellung abgewiesen halte, legte er Revision ein. Jetzt hat nun der 7. Senat deS Oberverwaltungsgerichts in seiner letzten Sitzung jenes Urteil aufgehoben und den Verein von der Billett- steuer gänzlich f r e i g e st e I l t. Begründend wurde ausgeführt: Eine Luslbarkeitssteuerordnung könne nur Vorgänge_ und Veranstaltungen ihren Bestimmungen unterwerfen, die in Wirk« lichkeit unter den Begriff der Lustbarkeit fielen. Wenn eine Steuerordnnng einen Vorgang besteuere, der keine Lustbarkeit sei, so könne die Ordnung insoweit nicht angewendet werden. Lustbarkeiten seien nur solche Veranstaltungen, bei denen der Ver« anstalter das Publikum unterhalten oder ergötzen wolle, und die zu« gleich dazu geeignet seien, diesen Erfolg herbeizusühren. Diese Absicht müsse aber in er st er Linie vorhanden sein. Das sei nach den Feststellungen des Bezirksausschusses, der rechts« irrtümlich diese Voraussetzung übersehen habe, bei den Karlshorster Pferderennen nicht der Fall. Denn danach stehe fest, datz die Dar« bictung einer Unterhaltung bei den Veranstaltungen des Vereins für Hindernisrennen nur ein Nebenzweck sei. Der Haupt- zweck sei bei diesen Nennen, die nach wsisenschast« lichen Grundsätzen betriebene Pferdezucht zu fördern, also ein höheres Interesse der Wissenschaft. Da die Rennen ersahrungsgemätz das Publikum anzögen, so benutze der Verein diesen Umstand nur, um sich Einnahmen zu verschaffen, und erhebe ein Eintrittsgeld, lasse am Totalisator spielen usw. In e r st e r Linie aber wolle der Verein durch Prüfung des Pferdematerials die Pferdezucht fördern, sowie weiter tüchtige Rennreiter tunter den Offizieren) heranbilden und schließlich damit auch die Interessen der Laudesvertcidigniig wahrnehmen. Darum könnten die Rennen nicht als Lu st barkeit betrachtet und besteuert werden. Hieraus folge die Freistellung von der Steuer. Ueber Bummelei in der städtischen Irrenanstalt Dalldorf haben wir wiederholt Klage führen müssen. Benachrichtigungen an An« gehörige werden mit einer„Schnelligkeit" befördert, die jeder ordentlichen Geschäftserledigung Hohn sprechen. Uns liegt heute eine an eine Frau M. in der Molkenstratze gerichtete Benachnchligung vor, in der mitgeteilt wird, datz der Ehemann der Frau M. am 17. Juni nach dem städtischen Krankenhause im Friedrichshain zur Operation übergeführt worden ist. Die Mitteilung ist datiert vom 25. Juni, ist am 27. Juni zur Post gegeben und am 28. Juni in die Hände der Ehefrau gelangt. Demnach hat die Frau die Nach» richt von der Uebcrsührung ihres Ehemannes nach dem Kranken- Hause nach 11 Tagen erhalten. Diese Tatsache läßt recht bedenkliche Schlüsse auf die geschäftliche Handhabung im Bureau der Irren« anstatt Dalldorf zu. Die dritte Turnstunde. Da vor Beginn des neuen Schulhalbjahres eine Entscheidung auf die Eingabe der städtischen Schul« dcputation an das Provinzial-Schulkollegium wegen Einführung der dritten Turnstunde an den Gemeindeschulen nicht zu erwarten sein dürste, hat die Schuldeputation den Rektoren der städtischen Ge« nieindeschulen für die Aufstellung des neuen Stundenplanes folgende Punkte zur Beachtung an die Hand gegeben: 1. Es ist von der bis« herigen Unterrichtszeit eine für den Deutschunterricht einschließlich Schönschreiben bestimmte Stunde zugunsten des Turnunterrichts ab« zusetzen. 2. Die drei Turnstunden derselben Klasse sind in eine Hand zu legen. 3. Die Stunden, nach denen die täglichen Uebnngen vor« genommen werden sollen, sind in der Stundentabelle durch Unter« streichen zu kennzeichnen. Dadurch wird die Einreichung eines be« sonderen Planes überflüssig. Ter Magervichhof in FricdrichSfelde ist wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche gesperrt. Ein Duell hat nach einer Meldung deS„Roland von Berlin' am Montag, den 19. September, im Grunewald zwischen dem Herrn v. Bethmann Hollweg. Rittergutsbesitzer ans Runowo, und dem Majoratsbesitzer Grafen von der Goltz auf Czahcza stattgefunden, das jedoch einen unblutigen Verlauf nahm. Joachim v. Bethmann Hollweg ist ein rechter Vetter unseres Reichskanzlers. Die Duellgegner sind GutSnachbarn; beide Liegenschaften befinden sich im Kreise Wirsitz, Regierungsbezirk Bromberg. Die Mißstände in den Laubenkolonien wurden am Montag in einer stark besuchten Versammlung der Laubenkolonisten von neuem besprochen. Das Gcneralpächter- und Feldbudikettum bildeten den eigentlichen Anlaß der Empörung unter den Laubenkolonisten. Ihm energisch zu Leibe zu gehen, wollen die Kolonisten sich zur Aufgabe machen. Vermißt wird seit dem 20. August die geisteskranke unber' heiratete Anna Schröder, am 30. 5. 93 zu Leipzig geboren, Greift- wolder Strotze 218 bei der Mutter wohnhaft gewesen. Sie ist 1,63 Meter groß, hat hellblondes Haar, blasse Gesichtsfarbe. Bei ihrem Fortgehen trug sie ein graues Jackett, schwarzen Rock, schwarze Schürze, gelbe Schnürstiefel, grünlichen Strohhut.— Personen, die über den Verbleib der Vermißten irgend welche Angaben machen können, werden gebeten, ihre Wahrnehmungen der Kriminalpolizei oder einem Polizeirevier mündlich oder schrrftlich zu den Alten 3171 IV, 15, 10 mitzuteilen Der Falzer Paul Fiedler, Eberthstr. 12, Mitglied deS Wahlvereins im IV. Kreise(früher im VI.), ersucht uns, mitzuteilen, daß er mit dem auf dem Magdeburger Parteitage auSgeschloffenen PalÜ Fiedler, Berlin VI, nicht tdentisch ist. Vorort- Nadmcbten. Wilmersdorf. Die Auslosung der Stadtverordneten für die am 3. November stattfindenden Neuwahlen ist gestern erfolgt. Von den fünf Mandaten, die mit Ablauf dieses JahreS frei werden, sind danach drei durch Hausbesitzer, zwei durch Nichtangcsessene zu besetzen. Die beiden Nichtangesessenen sind im achten und neunten Bezirk zu wählen, während im ersten, neunten und zehnten Bezirk Hausbesitzer iy Frage kommen. Der neunte Bezirk hat zwei Stadtverordnete zu wählen. Nach der Zusammensetzung der Bevölkerung sind gerade der achte und neunte Bezirk der Sozialdemokratie nicht ungünstig: und wenn, was zu erwarten steht, unsere Parteigenossen eifrig agitieren, kann Wilmersdorf des traurigen Ruhmes, keinen einzigen Sozialdemokraten im Stadt« Parlament zu haben, endlich ledig werden. Die Berichte, die wir in den letzten Jahren über die Verhand« lungen der Stadtverordnetenversammlung veröffentlicht haben, lassen vor allem, soweit die Erörterung sozialpolitischer Fragen in Betracht kommt, nur zu deutlich erkennen, wie wenig ein Ort»« Parlament, in dem die Reaktionäre boHig unter sich find, in der Masse der Bevölkerung Vertrauen beanspruchen kann. Eine Siinmg der Stadtverordnetenversammlung, die nicht b e- s ch l u ß f ä h i g war, gab es vorgestern. Der einzige Gegenstand der Tagesordnung, der die Beschlußfassung über die Einsprüche gegen die Liste der stimmfähigen Bürger betraf, hatte nur fünfzehn Stadtverordnete heranzulocken vermockit. Da jedoch 25 Stadtväter zur Beschlußfähigkeit auweseud sein müssen, blieb dem Vorsitzenden Prof. Dr. Leidig nichts übrig, als die Sitzung mit der Mit- teilung zu vertagen, daß am Donnerstag ohne Siücksicht auf die Zahl der Anwesenden die Tagesordnung erledigt wird. In eiucr am Montag im Viktoriagarten stattgefundenen Ver« faminluug beschäftigten sich die städtischen Arbeiter mit der neuen Arbeitsorduung und der Einführung eines ArbeiterausschusseS. Der Stadtrat Brobm hatte es unternommen, die einzelnen Be« slimmungen den städtischen Arbeitern zu erläutern. Die Aus« führungen des Vortragenden gipfelten darin, daß die Vorlage bei der Arbeiterschaft wohlwollende Aufnahme finden möge. In der nachfolgenden Diskussion wies Genosse Riedel nuf die Dürftigkeit der neuen Bestimmungen hin; von irgendwelcher Großzügigkeit könne man trotz der langjährigen Beratung über diese Materie nichts merken. Ein gewisses Stück Selbstverwaltungsrecht der Arbeiter in ihren eigenen Angelegenheiten, wie der Bor tragende es beliebte darzustellen, sei in den Bestimmungen nicht zu erblicken. Die einzelnen Paragraphen atmen vielmehr den Geist einer rückständigen Stadtverwaltung. Stehe es mit der neuen Arbeitsordnung schlecht, so mit den ArbeiterauSschußsatzungen erst recht. Redner führte ein besonders krasses Beispiel an, wonach durch die vorliegenden Bestimmungen in einem Betriebe mit ca. Kl) Be- schäftigten nur 30 Personen wahlberechtigt und von diesen wieder nur 20 wählbar seien. Unter solchen Verhältnissen könne natürlich von einer Vertretung der Arbeiterschaft keine Rede sein. Noch eine größere Anzahl einzelner Bestimmungen wurde kritisiert und zum Schluß dem Magistrat anheimgegeben, die Bestimmungen vor Inkrafttreten noch einer Neu- ordnung zu unterziehen. Diese Ausführungen fanden die Zustimmung der Versammelten. Auch die anwesenden Stadtverordneten äußerten sich in gleichem Sinne. Ein Vertreter des Gewerlvereins der Gemeindearbeiter. Matfchukat, hatte ebenfalls manches an den Bestimmungen auszusetzen, empfahl aber trotzdem den An- wesenden die Annahme der Vorlage. Diesem Ansinnen trat der Genosse Riedel energisch entgegen, indem er darauf hinwies, daß durch die jetzige Zustimmung die Arbeiter auf lange Jahre hinaus jeglicher Besserung verlustig gingen und ersuchte daher um Ablehnung des vom Magistrat Vorgeschlagenen, um die Stadtverwaltung zu veranlassen, erst die dringend notwendigen Besserungen der Arbeitsordnung einzuverleiben. Trotzdem geschäflsordnungsmäßig vom Vorsitzenden der GeWerk- vereine um eine Abstimmung ersucht wurde, inhibierte man eine solche. Es hätte auch sicherlich kein gutes Resultat ergeben, viel- mehr wäre mit großer Majorität bekundet worden, das die Arbeiter- schaft mit den vorgelegten Bestimmungen keineswegs zufrieden sei. Und davor wollte sich der Magistrat schützen. Nixdorf. AuS der Magistratssitzung. Zu der am 15. Oktober d. I. in Charlottenburg stattfindenden Generalversammlung des Gesamt- verbände? preußisch-deutscher Vororte soll auch ein Vertreter deS hiesigen Magistrats entsandt werden.— Zu der Kommission zur Beratung der Maßnahmen gegen die Fleischnot sollen drei Magistratsmitglieder treten.— DeS weiteren erklärte sich der Magistrat mit der Uebcrlassnng der Aula der höheren Mädchenschule zu Vorträgen der Htunboldtakademie einverstanden.— Der Ver« breiterung der Saalestraße an der Ringbahn-Haltestelle Kaiser- Friedrichstraße wurde grundsätzlich zugestimmt.— Der Magistrat ist damit einverstanden, daß in Zukunft der Termin zur Berichtigung der Wählerliste auf die Zeit vom 1. bis 15. September und der Termin für die Auslegung derselben auf die Zeit vom 15. bis 30. September festgesetzt wird. Wilmersdorf-Halensee. Eine Herbstfeier deS BilduugSauSschnsseS wird am Sonnabend, 1. Oktober, abends 8'/z Uhr. im Gesellschaftshause, Wilhelmsaue 112. abgehalten. Die Feier besteht unter Mitwirkung des Wilmersdorfer Männerchors aus Konzert, Gesangs- Vorträgen, Rezitation und einer vom Genossen Peel gehaltenen Festrede. Für j u g e n d l i ch e Personen unter 18 Jahren ist der Eintritt frei;' Erwachsene zahlen 23 Pf. Die künstlerischen Darbietungen des Abends rechtfertigen die Hoffnung auf zahlreiche Beteiligung und daher wird eine rege Propaganda für die Herbst. eier erwartet. Lichtenberg. Die gut besuchte Versammlung des Wahlvereins am Dienstag nahm zunächst einige Wahlen vor. Als erster Vorsitzender wurde Genosse I o f s k e, als zweiter Vorsitzender Genosse Schnell und als Revisor Genosse Max Krause gewählt. Bei Punkt: Stellung- nähme zur Kreisgeneralversammlung führte Genosse Brühl den Versammelten die Notlvendigkeit der Beitragserhöhung vor Augen. Einige Anträge, in denen der Wunsch zum Ausdruck kommt, daß die Frage der Beitragserhöhung nochmals debattiert werden soll, wurden angenommen. Des weiteren beschloß die Versammlung, den in der vorigen Mitgliederversammlung über diese Frage gefaßten Beschluß aufzuheben und eine neue Abstimmung vorznnehinen. Die nunmehr vorgenommene Abstimmung ergab eine übergroße Mehrheit für einen Monatsbeitrag von 43 Pf. Ein Antrag des Genossen Schulz, der den Antragstellern das Recht geben will, ihre Anträge auf der Generalversammlung selbst zn begründen, wurde abgelehnt. Zum Schluß forderte der erste Vorsitzende die Versammelten zur Einsicht- nähme in die Wählerlisten auf, die nur noch bis einschließlich Freitag, den 33. September, ausliegen. Lichtenberg-Friedrichsfelde. Heute abend 8 Uhr findet im Lokal„Schwarzer Adler', Frank- furter Chaussee 5/6, eine öffentliche, nichtpolitische Versammlung für Erwachsene und die schulentlassene Jugend statt. Vortragender: Herr E. Graf. Der Einberufer: Paul Schwenk, Friedrichsfelde, Walderfeestr. 51a. Treptow-Baumschulenweg. Eine Familientragödie ereignete sich in der Nacht vom Diens» tag zum Mittwoch in der Ernststraße 17, Baumschulenweg. Die dort wohnhafte, aus Mann, Frau und vier Kindern bestehende Familie K a d o w suchte sich durch Leuchtgas zn vergiften. Der Mann so- »vie die Frau und ein dreijähriges Mädchen sind tot, während drei ältere in einem Nebenraum schlafende Kinder mit dem Leben davongekommen sind. Die Ursache zu dieser Auf- sehen erregenden Tat soll, in mißlichen Wirtschaftsverhältnissen zu suchen sein. Kadow, der von Beruf Kaufmann, war in letzter Zeit öfter stellenlos. Reinickendorf. Wahlsieg. Bei der gestrigen Gemeindebertreter-Ersatzwahl wurde der sozialdemokratische Kandidat D o m i n i ck gewählt. 461 Wähler gaben die Srimme für ihn ab. Ein gegnerischer Kandidat war nicht aufgestellt. Vor zwei Jahren erhielt der sozialdemokratische Kandidat Gründer 343 Stimmen. Mariendorf. AuS der Geiilelndevertretung. Den wiederholten Anträgen unserer Genossen auf spätere Fe>tsetzung der Sitzungen wurde ,n- sofern Rechnung gelragen, als dieselbe diesmal um 5 Uhr eröffnet wurde. Die Wahl eines Mitgliedes zum Amtsausschuß fiel auf den Rentier Mau. Unser Genosse Günter bekam drei Stimmen. Ebenso wurde bei der Wahl zur Schuldeputation unser vorgeschlagener Genosse Weber abgelehnt. Der Herr Gemeindevorsteher erklärte dabei, daß er gegen die Person unseres Genossen nichts einzuwenden Kerantwortlichei jlixdaktxur Kichard Marth» Kerliu. Mr fern habe, jedoch Bestätigt die Regierung die Wahl etneZ Sozialdemokraten nicht. AnS dem Grunde bat er um Ablehnung. Die bürger- lichen Vertreter trugen diesem Wunsche selbstverständlich Rechnung. Dann lag ein Antrag vor, den Veteranen aus den Kriegen 1864—66 und 1873—71 einen Ehrensold zu gewähren. Vorgeschlagen war die Zahlung einer einmaligen Summe von— dreißig Mark an solche Veteranen, die ein Einkomnien bis einschließlich 1533 M. haben. In Betracht kämen dabei 53 alte Herren. Hierbei kennzeichnete Genosse Günter das Verhalten der Regierung besonders, die für diese alten Leute kein Geld übrig habe, um sie einigermaßen vor Not und Elend zu schützen. Gleichzeitig bean- tragte er, die Summe für Veteranen mit einem Einkommen bis zu 333 M. zu erhöhen. Selbst einige bürgerliche Herren waren der Anficht, daß mit einem solchen Einkoinmen nicht ansznkommen sei. Der Einwand anderer Redner, daß dann— ein Streit unter den Veteranen entstehen könne, siegte jedoch und es blieb beim Vor- schlage des Vorstehers.— Die Beschaffung einer Orgel für das neu- erbaute Gymnasium nahm eine längere Debatte in Anspruch. Der Gemeindevorsteher hatte hierfür den Vorschullehrer Zingter bestellt, der als Orgelspieler in der hiesigen Kirche die Vorzüge einer Orgel gegen das Harmonium erklären sollte. Hierzu hatte der Herr gleich Kostenanschläge verschiedener Firmen an der Hand. Unsere Genossen und auch einige bürgerliche Herren waren der Meinung, daß ein Harmonium vollauf genüge, nicht nur der Kosten wegen, sondern weil auch eine Orgel nicht zu allen Zwecken zu benutzen sei, umso weniger, als der Gemeindevorsteher selbst meinte, daß die Aula auch für Kunstabende und Konzerte hergegeben werden solle. Hierbei wandte Genosse Weber gleich ein, daß das Versprechen auch gehalten werden möchte, wenn es sich um Arbeiter- Veranstaltungen handelt. Nach dem Verhalten des Gemeinde- Vorstehers bei der Ueberlassnng der städtischen Turnhalle für den Arbcitertnrnverein müsse er daran zweifeln. Der Gemeinde- Vorsteher antwortete, daß ein Turnverein, der solche Lieder in seinem Liederbuch hat wie der Arbeiterturnverein, den Umsturz wolle, also politisch zu nennen sei, und deshalb Gemeindegebäude zu Ver- anstaltungen nicht bekommen könnte. Zur Errichtung eines FeucrwehrdienstgebäudeS legte der dazu beauftragte Baumeister die Zeichnungen vor, die derselbe in eingehender Weise erläuterte. Der Bau ist so projektiert, daß derselbe im Bedarfsfalle erweitert werden kann. Der Kostenanschlag ist auf 163 333 M. festgesetzt. Die Gemeindevertretung nahm das Projekt an. Der Antrag deS AintsvorsteherS, die Feuerwehr im Ortsteil Südende aufzuheben, wurde abgelehnt.— Die Erlaubnis zur Errichtung einer Privat- entbindungsanstalt wurde verweigert. Einmal würde eine solche Einrichtung in einem Mietshause unangenehm stören und dann seien auch die eingezogenen Gutachten über die betreffende Hebamme äußerst ungünstig.— Vom Provinzialschulkollegium lag die Regelung der Mietsentschädigung für Volksschullehrer und Lehrerinnen vor, die die Gemeindevertretung jetzt akzeptierte. Genosse Weber konnte feststellen, daß dieser Antrag von ihm bei der Etatsberatung gestellt war, jedoch ab- gelehnt wurde. Jetzt, wo derselbe Antrag vom Provinzialschulkollegium lamme, stimme die Gemeindevertretung zu. Beim Punkt„Kleine Anträge" interpellierte Genosse Reichardt den Gemeindevorsteher, aus welchem Recht er Anträge, die an die Gemeindevertretung ge- richtet sind, beantworte, ohne etwas in der Sitzung davon zu erwähnen. Unser Redner erinnerte an die an die Gemeinde- Vertretung gerichtete Resolution aus einer öffentlichen Versammlung, die die Schaffung eines Gemeindefriedhofs fordert. Die gegebene Antwort des Gemeindevorstehers entspräche gar nicht einmal dem Antrage, denn die Schaffung eines Gemeindefriedhofs könne doch nicht von der Kirchengemeinde verlangt werden. Ebenso verlangte Reichardt Klarstellung der Widersprüche, die in der Antwort des Gemeindevorstehers und in dem seinerzeit versandten Schreiben des Kirchenrates an Ausscheidende liegen. In dem einen Brief werde behauptet, die Kirchengemeinde müsse Andersgläubige auf den Friedhof aufnehmen, wohingegen der Kirchenrat betonte, daß mit dem Austritt aus der Kirche das Recht eines Begräbnisplatzes auf den Friedhof der Kirchengemeinde verlustig gehe. Der Gemeinde- Vorsteher blieb bei seiner Ansicht, daß ihm da? nichts angehe, sondern Sache der Kirchengemeinde sei, die Kirchengemeinde müsse jeden auf ihrem Friedhof aufnehmen. Im übrigen solle sich nur jeder den Anordnungen auf dem Friedhof fügen, dann würde ihm nichts Unangenehmes passieren. Der Gcmeindevertreter Mau, der gleichzeitig Mitglied des Kirchenrats ist, entrüstete sich sehr über das Schreiben an Ausscheidende, das mit„der Kirchenrat" unterschrieben ist und versicherte, daß er einen solchen Brief gar nicht kenne, da sei unbedingt Mißbrauch getrieben, denn der Kirchenrat würde niemals derartiges schreiben. Zum Schluß stellte sich heraus, daß der Briefschreiber der Herr Pfarrer Kurzreiter ist, der als.Kirchenrat" zeichnete. Grosi-Lichterfelde. Tödlicher Betriebsunfall. Im Krankenhaus gestorben ist der 29jährige Fabrikarbeiter Georg Swietosch aus Groß-Lichterfelde. S. war in einer Motorenfabrik beschäftigt; beim Bedienen einer Ma- schine geriet er an das Schwungrad heran und wurde mit solcher Wucht zu Boden geschleudert, daß er besinnungslos liegen blieb. Man brachte den Schwerverletzten nach dem KreiskrankenhauS, wo er aber starb. Pankow. In der Gemeindevcriretersitzmig am Dienstag wurde zunächst einem Vertrage mit dem Eisenbahnfiskus betreffend den Erwerb von Strahenland zwecks Verlängerung der Steegersttaße, nach der Ber- liner Grenze hin, zugestimmt. Der Fiskus hatte anfänglich einen Kaufpreis von 43 M. pro Quadratmeter beansprucht, hat sich aber schließlich mit 25 M. begnügt, nachdem ihm eventuelle spätere An- liegerbeiträge von der Gemeinde Pankow erlassen worden sind.— Ferner genehmigte die Vertretung einen weiteren Vertrag mit dem EisenLahufiskus über einen Besitzaustausch von Gelände an der Flora- bezw. der Damerowstraße(an der Schwarzen Brücke).— Da es gesetzliches Erfordernis ist, daß für einstweilig angestellte Lehrer und solche, die noch keine vier Jahre im Schuldienst gestanden haben, eine Mietsentschädigung von 473 M. festzusetzen ist. so beschloß die Versammlung demgemäß. Für die Gemeinde Pankow hat der Beschluß jedoch nur formale Bedeutung, da alle hiesigen Lehrkräfte zur Zeit ihrer Anstellung schon länger als vier Jahre im Schuldienst gestanden hatten.— Auf dem hiesigen Gemeinde« Wasserwerk in Stolpe sollen einschlietzlilh Maschinistenhaus sieben Arbeiterwohnungen errichket werden. Die Konzession hierzu ist nach längeren VerHand- lungen unter der Bedingung erteilt worden, daß die Gemeinde Pankow der Gemeinde Stolpe zu den Schullasten eine einmalige Entschädigung von 2333 M. zahlt, nachdem anfänglich zirka 63333 M. beansprucht worden waren. Die Kirchengemeinde hat sich mit einer einmaligen Abfindung von 833 M. einverstanden erklärt.— Nach Erledigung einiger unwesentlichen Angelegenheiten folgte geheime Sitzung. Nieder-Schönhausen. Durch Zufall gerettet wurde vorgestern daS dreijährige Söhnchen des Schlossers Kersten, Schloßallee 14, daS in der sechsten Stunde an der Löffelbrücke in die Pauke fiel. Da niemand zur Stelle war, nahm die Strömung das Kind bis zum Hause Schloßallee 18 mit. Hier gelang es dem in der Nähe befindlichen Lokomotivführer H o f f»i a n», den Kleinen zu retten. Während die Mutter ihren kranken Mann nach dem Krankenhaus brachte, lief der Knabe weg und fiel ins Waffer. Das war nur möglich, weil das zu beiden Seiten der Brücke abschüssige Ufer nicht eingezäunl ist. Die eine Seite des Ufers gehört zu Pankow, die andere zu Franz. Buchholz. Es wäre Pflicht der betreffenden Gemeinden, durch die Errichtung eines Zaunes ähnliche Vorfälle zu verhüten. Nowawes. Ein erfreuliches Zeichen genossenschaftlicher Solidarität bildet die nunmehr fertiggestellte KonsnmvemnSbäckerei in NowaweS. Dieselbe ist ein Werk der Konsiimvereine NowaweS und„Hoffnung"« Potsdam. Die mit einein Kostenaufwande von zirka 53333 M. hergestellte Bäckerei befindet sich in der Blücherstraße, sie ist für eine 1 Tagesproduktion von 1200—1500 Broten und der nötigen Frühstücks« Ware eingerichtet und mit einem DoppelauSzugofen sowie allen zum Betriebe einer modernen Bäckerei notwendigen maschinellen Ein« richtungen versehen, welche durch zwei Elektromotore in Betrieb ge« setzt werden. Die hellen, luftigen Räume, worunter sich noch eine Bade- und eine Frühstücksstube für das Personal befinden, gewähren einen freundlichen Eindruck. Der EiiiwcihungSfcieramSonntagvormittag wohnten die Partei- und Gewerkschaftsfunktionäre von NowaweS und Potsdam sowie der Vcrbandsselcetär Genosse Neudeck-Berlin und als Vertreter der GroßeiiikaufSgefellschast Genosse Hoppe-Berlin bei. Genosse Hoffmann-Nowawes gab in einer Festansprache einen Ueberblick über die Entwicklung der beiden Vereine, welche die Bäckerei erbaut, und betonte, daß die fortgesetzten Klagen der Mit- glieder über die Backwaren, welche die Vereine von Privat- bäckern bezogen und die leider ihre volle Berechtigung ge« habt hatten, den Bau einer eigenen Bäckerei notwendig ge« macht hätten. Zu diesem Zweck habe jeder Verein 15 333 M. Kapital unter seinen Mitgliedern aufgebracht. Hoffentlich werde dieses neugeschaffene Werk dazu beitragen, der Genoffenschafts- bewegung neue Mitglieder zuzuführen. Zn diesem Zwecke müsse von den Leitern der Partei und Gewerkschaften eine rührige Agitation entfaltet werden. Auch die Genossen Hoppe und Neudeck erläuterien in anschaulicher Weise den Wert der Konsumgenossenschaften für die Arbeiterschaft und gaben der Hoffnung Ausdruck, daß im Interesse der Zentralisation und der dadurch erzielten Vereinfachung und Ver- billigung der Verwaltung die Bäckerei-Betriebsgemeinschaft der erste Schritt zur baldigen völligen Verschmelzung der beiden Konsum- vereine sein möge. Am Sountagnachmittag pilgerten viele Hunderte von Genossen und Genossinnen aus Potsdam, Nowawes und den umliegenden Ortschaften nach der Blücherstraße, um die im Betriebe befindliche Bäckerei zu besichtigen, und äußerten ihre volle Be- friedigung über die getroffenen Einrichtungen. Spandau. Die gegenwärtige Zeit der Entlassung der Reserve vom Militär benutzt das konservative„Spandauer Tageblatt" eifrigst, um die ent« lassenen Soldaten für die Kriegervereine einzusaugen. In einem „An die Reservisten" betitelten, allem Anschein nach ans der reichS- treuen Meinungsfabrik stammenden Artikel wird das Soldatenleben in den prächtigsten Farben dargestellt. Bei aller Freude, daß er nun in den Schoß seiner Familie zurückkehre, stimme die Scheidungs» stunde doch wehmütig, denn der Reservemann' verläßt seine lieben Kameraden, seine hochverehrten, ja in den meisten Fällen geliebten Vorgesetzten. Zum Schluß wird dann noch ein Loblied ans die Kameradschaft in den Kriegervereinen gesungen, wo die jungen Krieger vor Versuchungen bewahrt werden. Allzu viele Erfolge wird da» Blatt mit dieser Beweihräucherung deS Soldatenlebens nicht haben, denn erstens ist sein Leserkreis ein so geringer, daß nur eine kleine Zahl Reservisten diesen Erguß zu Gesicht bekommt, zweitens aber denkt die Mehrzahl der vom Militär Entlassenen über die hochgeehrten und geliebten Vorgesetzten etwas anders als der Verfasser des Artikels. Bon einem schweren Unfall wurde gestern mittag der Arbeiter Schröder aus der Lynarstraße von der Artilleriewerkstatt betroffen: er befand sich auf dem Wege von der Fabrik zum Mittagessen und hatte gerade die Charloltenbriicke passiert, als er, vor einem vom Bahnhof kommenden Straßenbahnwagen gehend, aus einer Schiene ausglitt und zu Boden fiel. Bevor er sich wieder erheben konnte, lvar der Straßenbahnwagen, der nicht schnell genug zum Stehen ge» bracht werden konnte, auf ihn zu gefahren; der Verunglückte geriet unter die vordere Plattform und wurde stark gequetscht. Nachdem er mit großer Mühe aus seiner gefährlichen Lage befreit worden war, erfolgte die Ueberführung des Mannes nach dem städtischea Krankenhause. Eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten findet in ber Zeit vom 30. September bis 8. Oktober in der Jubiläumsturnhalle statt. Be« teiligt find daran die Innungen der Schmiede, Schlosser, Maler, Bäcker, Klempner, Schneider, Schuhmacher, Stellmacher, Drechsler, Korbmacher und die Barbier-, Friseur- und Perrückenmacher-Jnnung. Die Ausstellung ist von 13 Uhr vormittag? bis 6 Uhr abends für jedermann geöffnet. Der Eintritt ist frei. Jugendveranstaltungen. Schöneberg. Freitag, den 33. September, abendS 8'/, Uhr, bei Posch, mann, Vorbergstratze g: Vortrag des Herrn A. M o h S über.Sprach« dummhcitcn". Vom Freitag, den 14. Oktober, ab finden die Vortragabende wieder wöchentlich an jedem Freitag statt. Teilnehmerkarten, die an die Jugend» lichen unentgeltlich abgegeben werden, gelangen in der Spedition, Martin» Luther-Stratze 51, zur Ausgabe. Der Ausschuß. Lese- und Diötntlerklub„Wilhelm Liebknecht". Heute, Donners» tag, abends 9 Uhr: Sitzung bei Karl Eichhorn, Danziger Str. 03, Bortrag:„Arbeitsvertrag". Gäste willkommen. Amtlicher Marktbericht der städtischen Marktballen-Direktion über den Großhandel in den Zentrai-Marktballen. Marktlage: F l ei i ch i Zufuhr schwach, Gcichäit still, Preise unverändert. Wild: Zusuhr nicht genügend. Geschält lebhast, Preise hoch. G e s I üg e l: Zusuhr reichlich, Geschäst nicht lebhast genug. Preise gedrückt. Fische: Zusuhr mäßig. Ge« ichäft lebhaft, Preise wenig verändert. Butter und Käs«: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obit und Südfrüchtez Zusuhr genügend, Geschäst sehr flau, Preise kaum verändert. WitternngSüberfiibt vom 88. September INI«», morgen« 8 Nbr. «tattonen Setter Swwemd« 765W 2 Dunst Hamburg i 767 W IST 2 Nebel Striin 1766 33 Frantf.a M 768 D München i 769©33 Wien I768D 2 wolkig 1 Nebel 2 wolkig 1 Nebel MK »ii I? «tationen 1» = 3 Ii Sf Havaranda 763OSO VeterSburg 761 Still Scillg 1 760 DSD Aberdeen Parts B Vetter tt t- 2 bedeckt 1 Nebel 7 6 bedeckt! 14 761 SSW l 2bedeckt 12 767 Jtill i wölken! 10 Wetterprognose für Donnerstag, den 8». September 1910. NachtS etwa» kühler, am Tag« wieder milde, zeitweise nebelig, sonst trocken und vielsach heiter bei mäßigen südlichen Winden. Berliner Wetterbureau. WasserstandS-Wachrtchten ber LatideZanstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Weiterbureau. Wasserstand M- m e l. Tilfil P r e g« l. Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder, Rafibor , Krassen , Frankwrt Warthe, Lchrim« . LandSberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmeritz . Dresden . Bardo . Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlttz Havel, Spandau') , Ratbenow') Spree, Sorcinberg') , BeeSlow Weser, Münden , Minden Rhein, Maximiliansau , Kaub Köln Neckar. Hcilbronn Main, Werlheim Mosel, Trier «)+ bedeutet Wuchs,— Fall.') Uul erpegel.»)£18 zum 28. morgens aus 314 cm gestiegen._. Lnjergtentkil vergntw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Torwarts Buchdruckerei m-Pertagsanstalt Paul Singer St Co� Berlin SW.