Ur. 230. BbonnementS'Bcdinaungen; AbonnemenlS. Preis prSnunicrairdo i Liertcljährl. SßO Ml, inoncill, 1,10 Ml., wöchenllich 2a Psg. frei iiis Haus. Einzelne Ninnmer S Psz. Sonutags- Nummer mit illustrierter Sonntags« Beilage.Die Neue Keil" 10 Pfg. Post- klbonneinenu 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitunas- Vreislisic. Unter Kreuzband für Deuischtaitd und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Mark pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien, Duneinark, ao stand, Italien, Luxemburg, Portugal, umänien, Schweden und die Schweiz. Mchlinl tsgllch außer montags. Berliner Volksblntt 27. Jahrg. vie InIertIon5-<-ebiII>r lelrkgt für die sechsgcspaltene Kolonel- geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und Versammlungs-Anzeigen M Psg. „Kleine Hnscigen", das erste lfctt- gedruckie) Wort 20 Pfg,, jedes weitere »ort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- pellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 1K Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen diS SUhrnachmittagsinder Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist big 7 Uhr abends geöffnet, relegramm- Adresse: „SozlaUcnoliut Berlin". N Zcntralorgan der fozialdcmokratt fehen Parte! Deutfcbtandd. Redaktion: 693. 68, Ltndcnstraaac 69. Fernsprecher: Slmt IT, Nr. 1983. Sonnabend, den 1. Oktober 1910. Expedition: GM. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1981. Mir Klage« a«! Wenn wir gestern der Hoffnung Ausdruck zu geben wagten, daß nach der grenzenlosen Blamage der Polizei in Sachen der vier ausländischen Journalisten endlich die Ver n u n f t bei den Polizeibehörden platzgreifen werde, so hatten wir uns bitter getäuscht. Denn auch am Donnerstag abend hat wiederum der polizeiliche Terror wahreOrgien gefeiert. Nach den polizeioffiziösen Berichten scheint es aller dings, als ob die uniformierte Schutzmannschaft sich diesmal größere Reserve auferlegt habe: desto brutaler ist aber dafür die Kriminalschutzmannschaft vorgegangen, die man jetzt in größerer Stärke zur Unterstützung der Schutzleute hatte anrücken lassen. Darüber, daß die Geheimpolizisten in der unerhörtesten Weise vorgegangen sind, daß sie wie Tot süchtige auf die harmlosesten Passanten eingeprügelt haben, daß sie, was an ihnen lag, die glücklich gelöschte Flamme der Empörung wieder zur hellen Lohe anzufachen versucht haben, darüber ist auch in der bürgerlichen Presse nur eine Stimme! Wäre die Maffe des Proletariats dank der Er ziehung der Sozialdemokratie nicht so außerordentlich geschult, wäre die Parole:„Laßt Euch nicht provozieren l" der arbeitenden Klasse nicht in Fleisch und Blut übergegangen, so würde das beispiellos provokatorische Vorgehen der Kriminal' beamten zweifellos dazu angetan gewesen sein, in Moabit das hervorzurufen, was bisher nur in der Phantasie der Polizeiberichterstatter existierte: eine allgemeine Revolte gegen die skandalöse Schreckensherrschaft der Polizei! Daß unsere Polizeiorgane mit solch unerhörter Rücksichtslosigkeit der friedlichen Bevölkerung gegenüber auf- treten, erscheint ja in Preußen nicht weiter rätselhaft. Die preußischen Behörden sehen ja in den Volksmassen nicht den Kern und den eigentlichen Repräsentanten des Staates, sondern den F e i n d des Staates, die„vatcrlandslosen Gesellen". Alles, was an idiotischen Vorurteilen während der militärischen Dienstzeit den größtenteils vom platten Lande stammenden Unteroffizieren eingepaukt worden ist, was dann später durch Kriegcrvereinsreden, Ansprachen von Vorgesetzten und reichs- verbändlerischen Preßerzeugnissen den Schutzleuten eingetrichtert wurde, bricht sich bei Aktionen wie in Moabit ungestüm Bahn in den sinnlosesten Gewalttätigkeiten. Man fühlt sich von den Gefahren einer„Revolution" umwittert. Die Frotzelei dummer Jungen gewinnt in solchen Köpfen den Anschein eines revolutio- nären Angriffs. Diese Aufgabe, einer Handvoll Skandalmacher das Handwerk zu legen, verwandelt sich in den Augen dieser vom Notkoller befallenen Vaterlandsretter in die Mission, die Revolution der roten Rebellen niederzuschlagen! Und der Fieberwahn solch kindischer aber zur gefährlichen Manie ent- artcter Vorstellungen treibt dann die Sicherheitsmänner zu Exzessen, wie wir sie in Moabit hundertfältig beobachten konnten! Trotzdem: wir klagen an! Nicht die untergeordneten Organe, nicht die Schutzleute und Kriminalbeamten, diese Opfer des Kasernendrills, nicht einmal die Polizei- 0 f f i z i e r e, wohl aber die verantwortliche» Stellen der Berliner Polizeibehörde! Wir klagen an Herrn v. Jagow, den Berliner Polizeipräsidenten I Wir klagen an Herrn v. Dallwitz, den preußischen Polizeimini st er! Für ste kann es Entschuldigungen solcher Art nicht geben, gleichviel, aus welchen Kreisen sie hervorgegangen sind, gleichviel, über welches Maß allgemeiner und speziell auch politischer Bildung sie verfügen! Sie tragen die Verantwortung für die unsäglich beklagenswerten Ereignisse in Moabit! Sie mußten sich der Ver- antwortung bewußt sein I Sie mußten wissen, welche An- ordnuugen sie trafen und in welcher Weise diese Anordnungen ausgeführt wurden. Sie mußten wissen, daß man, um die Exzesse einer Handvoll Radaulustiger zu unterdrücken, nicht der Bevölkerung eines ganzen Volk- reichen Stadtviertels den Krieg erklären darf! Sie mußten Einficht und Verantwortlichkeits- gcfühl genug besitzen, sich darüber im Klaren zu sein, daß durch blinde Polizeisäbeleien und-Schießereien nicht das Rowdytum in seine Schranken gewiesen, sondern den breiten friedlichen Volksmassen die unerhörteste Ver- gewaltigung angetan werde. Mögen diese Verantwortlichen der Moabiter Polizeischlächtereien sich einstweilen auch sicher fühlen: vor dem Parlament werden sie sich der Verantwortung nicht entziehen können. Und Herr von Dallwitz, der preußische Polizcintinister, mag sich nur ja nicht einbilden, durch das Verlesen polizeilicher Protokolle die Schuld von sich abwälzen zu können! Daß diese polizeilichen Mitteilungen in der lächerlichsten Weise aufgebauscht oder gar total erfunden sind, ist ja selbst von der Scharfmacherpresse inzwischen fest- g e st e l I t worden l Der Minister des Innern wird mit wirklichen Tatsachen aufwarten müssen I Seine im Parforce- tempo ausgefiihrte Automobilspritztour hat ihm natürlich keinerlei Möglichkeit gegeben, persönliche Beobachtungen zu machen. Kommt es ihm wirklich darauf an, zweifclsfrcie Feststellungen zu machen, so bieten wir ihm und auch Herrn von Jagow an, sich in Begleitung eines„Vorwärts"vertreters in die Stadtteile zu begeben, in denen die Polizei die Schreckensherrschaft proklamiert hat. Selbst in diesen Tagen des Abflauens der Erregung würden die Polizeigewaltigen noch Erfahrungen machen können, bei denen selbst ihnen die Haare zu Berge stehen würden! Wir klagen aber nicht nur die oberen Polizeibehörden an. Wir klagen vor allen Dingen an die Presse, die liberale Presse. Was von dieser liberalen Presse an Nichts Würdigkeit geleistet worden ist, läßt sich im Augenblick auch nicht annähernd charakterisieren. Daß Blätter vom Schlage der„Freisinnigen Zeitung" jede brutalste Polizeitat beschönigen und ihre höchste journalistische Aufgabe darin erblicken. die Arbeiterschaft, also die Masse des Berliner Volkes zu verunglimpfen, versteht sich ja ganz von selbst. Aber daß sogar Blätter vom Schlage des„B e r l i n e r Tageblatts" sich in so bedingungsloser Weise zum Sprachrohr und Anwalt der Polizei herabgewürdigt haben, das verdient als Kulturdokument für das politische Niveau unseres Liberalismus sorgfältig der Nachwelt aufbewahrt zu werden. Oder kann es eine jämmer- lichere Feigheit geben, als gerade in dem Augenblick vor der Willkür der Polizei zusammenzuknicken, wo es gilt, das Bürgerrecht von Hnnderttausende» den polizeilichen An- maßungen gegenüber zu schützen? Es ist ja möglich, daß sich das Mosse-Blatt der Bürgerrechte mit größerem Eifer angenommen hätte, wenn es sich nicht um den proletarischen Nordwesten, um Moabit, sondern uni den aristokratischen Westen, um die Tiergarten- viertel gehandelt hätte! Hätte sich dort die Polizei heraus- genommen, unter den Bewohnern und Passanten dieser bevor- zugten Stadtteile in so skandalöser Weise mit Säbeln und Browningpistolen zu hausen, wie in dem proletarischen Moabit. so würde das„Berliner Tageblatt" zweifellos in hellster Ent- rüstung aufgelodert sein l Aber in Moabit handelt es sich ja nicht um Kommerzienräte und dergleichen bevor- zugte Glieder der m 0 n et en g es e g n e t e n Ge- s c l l s ch a f t, sondern nur um Arbeiter oder höchstenfalls kleine Geschäftsleute und kleine Beamte! Darüber aber, daß solche Bevölkerungseleniente mit dem Polizeisäbel oder dem Gummiknüppel der Achtgroschenjungen bearbeitet werden, braucht sich ein liberales Organ natürlich nicht aufzuregen I Diese Proleten mögen sich einfach vor dem Polizeigebot in ihre Löcher zurückziehen; laufen sie unvorsichtigerweise der Polizei in die Finger, so verdienen sie nichts anderes als die vollwichtigsten Polizei- prügel! Für das ungeheuer Aufreizende und Beleidigende, daß Hunderttausende von Staatsbürgern, die nichts tun, als die doch „dem Verkehr dienende Straße zu benutzen, den brutalsten Polizei- exzesscn preisgegeben sind, hat die liberale Presse offenbar nicht das geringste Gefühl gehabt I Auch ihrer Ansicht nach hat eben die„Canaille" unbedingt Order zu parieren. Ja, wenn es sich um die oberen Zehntausende gehandelt hätte, dann wäre das etwas ganz anderes gewesen. Aber Arbeiter haben sich nun einmal bedingungslos auch der«uglanblichsten Polizeidiktatur zu unterwerfen! Tanzen sie nicht nach der Pfeife jedes be- liebigen Polizeiwerkzeuges, so haben sie damit jede Polizei- Prügelei selbst verdient I Das ist also auch die Auffassung selbst der am weitesten links st ehenden liberalen Presse! Und ein solcher Liberalismus glaubt noch auf irgendwelche Sympathien der Volksmassen Anspruch erheben zu können I? Und eins noch ist besonders kennzeichnend für die gerade- zu infame Einschätzung der Rechte preußischer Staatsbürger. Dafür, daß bei den Polizciattacken vier ausländische Journalisten verprügelt worden sind, hatte selbst Herr von Jagow Worte der E n t s ch u l d i g u n g. Daß die vier Ausländer den Säbel der bis zum Aberwitz nervösen Polizcimannschaften zu spüren bekamen, berührte die Polizei- behörde wie unsere bürgerliche Presse gleich peinlich. Hier hielt man die höflichsten Entschuldigungen für selbstverständlich l Daß aber Hunderte und Aberhuuderte von ehrlichen und anstündigeu Staatsbürgern der eigenen Nation in der brutalste» Weise durch den Polizeisäbel, durch die Stöcke und Gummiknüppel der Krimiualschntzleute mal- trätiert wnrden, das bedarf nach Ansicht nuscrer Presse und unserer Polizeiobersten nicht der leisesten Entschuldigung! Das heißt also: vor dem Auslande hat man noch einigen Respekt. Was das Ausland über die preußische Polizeiwirtschaft sagt, vermag noch einige Scham, einige Ge- Wissensskrupel hervorzurufen. Wie aber die breiten Volksmassen Preußens selb st über die Polizei- taten urteilen, das ist unseren Polizeibehörden, ist unserer Presse völlig gleichgültig I Kann man sich eine ver- ächtlichere Einschätzung des Urteils unserer Volksmasscn überhaupt vorstellen!? Wir klagen an! Wir klagen an die Verantwortlichen der Polizei! Wir klagen an unsere bürgerliche, insonderheit unsere liberale Presse I Aber wir klagen auch an den u n g l a u b- lichen Stumpfsinn und den Mangel an Ehr- gefühl innerhalb unserer Volksmassen! Mn wenig schmeichelhaftes aber wahres Wort lautet: Jedes Volk hat die Zustände, die es verdient. Sollte dieses Wort nicht auch für die preußische, ja selbst für manche Schichten unserer Berliner Bevölkerung zutreffen? l Sollte zum mindesten denen nicht nach Gebühr ge- schehen sein, die noch immer sogenannte liberale oder „ u n p a r t e i i sch e" Blätter unterstützen, Blätter, die in jedem Ernstfall das Volk an Polizei und kapitalistisches Scharsmachcrtum verraten?! Die Blamage der öcbarfmacber. Die Scharfmacherpresse heult vor Wut, daß wir der Katze die Schelle umgehängt und der fast einstimmigen Ueberzeugung der Moabiter Einwohnerschaft auch in der Oeffentlichkeit Gehör ver- schafft haben, daß an der EntWickelung und Ausdehnung jener be- dauerlichen Vorkommnisse im Nordwesten Berlins die Polizei durch die mindestens höchst ungeschickte Art ihres Vorgehens das Haupt- maß der Schuld trägt. Man kann nicht bestreiten, daß die Polizei selbst durch ihre grotesken Umzüge bei der Begleitung der Kupfer- schen Wagen den Janhagel aus allen Teilen der Stadt nach Moabit gezogen hat. Und man beginnt einzusehen, daß die Methode der„Nuhestiftung", bei der rücksichtslos auf Mann und Frau und Kind, auf arm und reich, auf Brave und Schlimme und vor allen Dingen auf ganz wenige mehr oder minder wirklich Schuldige und viele, viele völlig Unbeteiligte losgeschlagen wird, das denkbar Ver» kehrteste war, was man von feiten einer„Sicherheitsbehörde" unter- nehmen konnte. Man muß auch allmählich zugeben, daß die Be- richte, die über die„Exzesse" in die Presse kamen, entstellt und übertrieben waren. Selbst ein Mitarbeiter der „Deutschen Tageszeitung" führt in dieser aus: „Nun ist es allerdings schwer, die über die abendlichen Zu- sammenstöße einlaufenden Nachtmcldungen, namentlich der nicht nur für die eigene, sondern für eine Reihe von Zeitungen gleich- zeitig tätigen Berichterstatter auf ihre Zuverlässigkeit hin mit völliger Sicherheit zu prüfen. So erklären sich manche Wider- spräche, die der Leser entschuldigen muß. Immerhin sollten die Redaktionen es sich zur Regel machen, nicht gerade das krasseste unbedingt für bare Münze zu nehmen, wie es vielfach geschieht. Im„Verl. Lokalanzeiger" z. B. finden wir heute die Schilderung eines Zusammenstoßes vom gestrigen Abend, die von gewaltigen Uebertreibungen strotzt.„Ein Bombardement von Blumentöpfen, Gläsern, Flaschen ging aus den um« liegeirden Häusern auf die Schutzleute nieder.... Einer der Be- rittenen geriet ins Gedränge. Der M 0 b w 0 l l t e i h n v 0 m Pferde reißen, der... Die Schutzleute richteten ihre Browningpistolen auf die nächsten geöffneten Fenster und forderten auf, sie zu schließen. Das hatte Erfolg. ... Man liest dann von der„Erstürmung" eines Haufes und dessen darauf folgender Beschietzungausden Brotv- ni n g s. So soll es an der Reformationskirche hergegangen sein. Unser Vertreter hat der Szene beigewohnt, und hat sich nicht veranlaßt gesehen, sie in seinem Bericht mehr als ganz kurz zu erwähnen. Wahrheit ist lediglich, daß dort eine An- sammlung auseinandergetrieben ivorden ist. Dabei hat eine An- zahl Leute ein paar flache Säbelhiebe abbekommen; ein berit- tener Schutzmann kam mit feinem Pferde auf dem Bürgersteig zu Fall; drei jämmerlich heulende Bcngels von 13 bis 14 Jahren blieben neben einem Dutzend männlicher und weiblicher 5lopf- bedeckungen, etlichen Kneifern und Handtäschchen sowie einem Dienstbuch als Kriegsgefangene auf der Wahlstatt zurück. Aus zwei benachbarten Häusern fiel(von uns fett ausgezeichnet. Red. d.„V.") je ein Blumentopf auf die Straße hernieder, ohne daß man in der Dunkelheit erkennen konnte, woher sie kamen. Einer davon verletzte den Schutzmann Pirsche! leicht am Kopf. Die Schutzleute riefen zu den Fenstern hinauf:„Fenster zu!", welchem Verlangen stattgegeben wurde. Daß sie dabei die Brow- nings vorgehalten hätten, ist Unsinn; dazu lag keine Veranlassung vor, und zum Theaterspielen sind die Beamten zum mindesten in diesen Tagen nicht aufgelegt. Geschossen worden ist überhaupt Nicht." Woher stammen denn nun aper diese übertriebenen Nach- richten it Sie stammen von der Polizei selbst! Die Polizei war es, die diese objektiv unwahren Angaben durch Korrespondenzbureaus weiter gab; sie finden sich kürzer, aber mit genau denselben Nebertreibungen auch im Polizeibulletin l Und das offiziöse Wolfffche Telegraphenbureau, dessen Depeschen auch an die „höchsten und allerhöchsten Herrschaften" zwecks Information ver- fandt werden, verbreitete diese unwahren Mitteilungen! I Die Presse verlieh sich leider darauf. Jede eigene Nachprüfung war ja, wie das Schicksal der englischen Berichterstatter, eines unserer Mitarbeiter und des greisen, in der ganzen Berliner Journalisten- Welt bekannten bürgerlichen Berichterstatters Hirschfeld ergibt, nicht ohne Gefahr, war auch bei dem Verhalten der unteren Polizei- organe Berichterstattern gegenüber ziemlich unfruchtbar. Dies« be- rufen sich zunieist auf ihren»strengen Befehl", niemand hindurch- zulassen I So war der„Vorwärts" zunächst das einzige Blatt in Berlin, das die Sensationsmitteilungen der Polizeijournalistik skeptisch und kühl richtigstellte. Die bürgerliche Presse Berlins aber, vor allem die konservative Hetzpresse, druckte die polizeilichen Sensationsmeldungen unbesehen oder mit sichtlichem Behagen ab! Wir wollen nicht etwa behaupten, daß diese Berichte bewußt gefäscht waren. Das ist ja das Schlimme an der eigenartigen Geistesverfassung unserer Polizei, daß sie an die Gefahren glaubte, die sie dort schilderte. Vorgänge der einfachsten Art deutete sie um in planmäßige Organisation von Angriffen. Als in der Gegend, in der die Polizei haust, alle Fenster erleuchtet sind und die Be- wohner der Vorderhäuser von den Balkons aus den Attacken zu- sihen, wittert die Behörde von dort oben Gefahr und die Beamten drehen mit Schießen. Als die Bewohner der Vorderhäuser die Lampen ausdrehen und die Jalousien herablassen, erklärt man das für„eine neue Taktik der Exzedenten", schießt ihnen die Blumen- topfe von den Balkons herab und fühlt sich hinwiederum durch das Stürzen derselben bedroht. Am anderen Morgen zeigt die Straße kaum eine Spur von Wurfgeschossen. Die Behörde sagt, die Exze- denten hätten dieselben wieder entfernt! Nirgends ist das Pflaster aufgerissen. Unsere Polizei kommt auf die schlaue Idee, die Tu- multuanten hätten die Steine zu den angeblichen Bombardements „von weit her" geholt!! Wahrscheinlich aus dem Riesengebirge. oder vom Strande in Saßnitz! Die Neugierigen vor den Türen flüchten bei den Attacken entsetzt in diese hinein und schließen hinter sich zu. Die Polizei erklärt das für eine„brillante Organisation" der„Exzedenten", die geheimnisvoll verschwinden und auftauchen! Bubenhände drehen Laternen aus, brennen Freudenfeuer an und Schwärmer ab. Die Polizei erblickt in diesem sinnlosen Getue Organisation und Taktik und antwortet auf das„Laubfrosch- Geknalle" mit Pistolenschüssen, die wieder Pistolenschüsse anderer Polizisten wachrufen. Als den Neugierigen die Sache zu brenzlich wird, erblickt man in den auf der Bahn oder aus den Fabriken heimkehrenden Arbeitern den Feind und dehnt die An- griffe schließlich auf die Spaziergänger im Kleinen Tier- garten aus. Und dann kommt die„Post" und schreibt, diese Sinnlosigkeiten stn Scharfmacherinteresse ausnutzend: „Davon, daß die ganzen Vorgänge auf einem planmäßig verabredeten Vorgehen beruhen, ist man auch in maßgebenden Kreisen überzeugt. Das ist nicht der Mob, der so etwas in Szene setzen kann, das ist die organisierte Arbeiterschaft» die Sozial- demokratie." Die„Deutsche Tageszeitung" aber schreibt: „Der Vorwärts" kann nicht bestreiten, daß sich unter den Verletzten und Verhafteten sozialdemokratisch organi- sierte Arbeiter in erheblicher Zahl befunden haben. Er sucht das damit zu erklären, daß bei solchen Aufläufen die Radau- macher zu entfliehen pflegten, während die Neugierigen oder die zufällig auf der Straße Anwesenden der Polizei zum Opfer fielen. Diese Erklärung ist lendenlahm und ein Verlegen- heitöbeweis. Wer sich in einer Masse mitbewegt, die Steine gegen die Polizeimannschaftcn schleudert, die zum Kampfe gegen die„Bluthunde" reizt, aus der Revolverschüsse ertönen, dessen sogenannte Neugier ist strafwürdig. Und wer sich in den letzten Nächten„zufällig" auf die Straße begab, der wußte, was ihn erwartete. Es ist nkemand verhaftet worden, der sich nicht an den Aufreizungen und Gewalttätigkeiten persönlich und unmittelbar beteiligte. Man ist bekanntlich mit Verhaftungen sehr vorsichtig umgegangen. Wenn sich trotzdem unter den Verhafteten sozial- demokratisch organisierte' Aroeiter befinden, so ist damit der schlüssige und unanfechtbare Beweis geliefert, daß Sozial- oemokraten an den vom„Vorwärts" selbst als abscheulichbezeichnetenExzessenteilgenommen habe n." Mit Verlaub! Daß sich unter den Verletzten und Verhafteten sozialdemokratische Arbeiter befinden, ist bei der blinden Wut der Schutzleute und der Verbreitung der Sozialdemokratie in Berlin kein Wunder. Darum kann es sich also nicht handeln. Exzesse nachgewiesen sind aber bisher nur einigen Arbeitswilligen, die vermutlich der„Deutschen Tageszeitung" näher als uns stehen. Aber man weiß ja, was die reaktionäre Hetzpresse will. Der .Reichsbote" verrät es, indem er zetert: „Seit Jahren hetzt der„Vorwärts" Tag für Tag die Ar- beiterschaft gegen Staat und Gesellschaft und droht mit Umsturz, und auch auf dem Delegiertentag wurde von den Führern das Volk aufgewühlt und mit blutiger Gewalttat gedroht, und jetzt, wo die verführten Volksmaffen tun, wozu sie aufgehetzt wurden, erklärt dieselbe Sozialdemokratie:„Wir sind völlig schuldlos!" und verdreht die Tatsachen so, daß sie zur neuen Verhetzung des Volkes benutzt werden. Und das alles läßt man geschehen; der „Vorwärts" kann schreiben, was er will, es wird ihm kein Haar gekrümmt; das Bürgertum hat den Schaden des Aufruhrs, und letzt gehen doch vielen die Augen auf über diese schrankenlosen Treibereien und Hetzereien dieser Presse, die das Volk und Land ins Unglück stürzen, so daß man in weiten Kreisen fragt:„Darf das so weiter gehen?" Also ein Ansnahmcgesrtzchen wünscht das fromme Blattk— Schade! Diesmal haben die uniformierten Sachwalter des Scharf- machertums die Sache doch gar zu plump angefaßt, als daß man damit Staat machen könnte. Die unter Führung von ihr selbst unbekannten Rowdies kämpfende Polizei kann man schlecht zur Zeugenschaft gegen das organisierte Proletariat aufrufend Der polizctprifidctit und die verbauenen englischen Journalisten. Polizeipräsident V. Ja g o w Hat sich bei den am Mitt- Wochabend von Schutzleuten attackierten englischen Journalisten entschuldigen lassen. Sowohl bei dem durch Säbelhiebe verletzten Vertreter des Reuterschen Bureaus, Lawrener, wie bei dem Korrespondenten der „Daily Mail", F. W. W i le, erschien Kriminalkommissar v. B e h r und überbrachte das Bedauern des Polizeipräsi- denten, der versprechen ließ, über den Vorfall eine Enquete zu veranstalten. Die bisherigen Ermittelungen haben das Ergebnis gezeitigt, daß der Zivilist, der die Schutzleute auf die harmlos im Wagen sitzeirden ausländischen Journalisten hetzte, kein Kriminalbeamter gewesen sei.(Vielleicht wird der Mann nie ermittelt werden, so wenig es gelungen ist, den Handabhacker in Breslau herauszubekommen!) Die Herren werden 6s, wie mitgeteilt wird, jedoch bei dem Be- Lauern des Herrn Polizeipräsidenten! nicht bewend en lassen, sondern gemeinschaftlich ihre Interessen wahrnehmen. Auf welche Weise dies geschehen wird, wird eine K o n f e- renz der auswärtigen Pressevertreter be- stimmen, da die Herren sich solidarisch erklärt haben, und nichts geschehen wird, was nicht die Billigung des Vereins ausländischer Presse findet. Eine polizeilich gespeiste Korrespondenz sucht die Attacke der Schutzleute auf die englischen Pressevertreter möglichst abzuschwächen: es wäre nicht so schlimm gewesen. Demgegen- über können wir mitteilen, daß der W a g e n, den die Herren benutzt haben, vollkommen demoliert ist und aus dem Verkehr gezogen werden mußte. Der Türpfosten des Autos ist durch Säbelhiebe zersplittert, was beweist, mit welcher Wucht die Schutzleute ihren Säbel geführt haben! Von der rechten Seite ist ein Leisten abgerissen, das Verdeck ist beschädigt. Das Innere des Wagens ist total mit Blut besudelt, da die ge- schlagenen Journalisten erheblich verletzt worden sind. l�iilTiscbe Zuftände in jMoabit. Welche Formen allmählich der Kampf der Schutzleute gegen das Publikum angenommen hat, läßt sich schon aus dem Umstände ersehen, daß selbst die polizeifromme bürgerliche Presse es nicht unterlassen kann, an die Beamten, besonders an die„Ge- Heimen", eine ernste Mahnung zur Mäßigung zu richten. Tatsächlich waltet die Polizei in Moabit in einer Weise ihres Amtes, die bei jedem anständigen Menschen ein Gefühl der Em- pörung und Scham auslösen muß! Wir sind aus den Ereig- nissen der Wahlrechtsbewegung in dieser Hinsicht gewiß schon an starken Tabak gewöhnt und haben• hundertfältig Gelegenheit gehabt, die Heldentaten der Polizei gebührend zu würdigen. Nach der Ferrer-Versammlung, wo die Beruhigungsmethode der Polizei gerichtsnotorisch vor aller Welt bloßgelegt wurde, konnten naive Gemüter glauben, daß in diesem Punkte eine Acnderung zum Guten eintreten werde. Die jetzigen Vorgänge zeigen, wie falsch diese Hoffnung war. Wir hätten das aber vorher sagen können, denn wir wissen, daß die Ursachen dieser Erscheinung so tief liegen, so im Wesen unseres Klassen- und Militärstaates begründet sind, daß sie nicht durch eine blamable Gerichtsverhandlung beseitigt werden können. Was wir in diesen Tagen gesehen haben, mit eigenen Augen geschaut, bestätigt unsere Auffassung in vollstem Maße. Die Akte brutaler Mihhanblung wehrloser, friedlicher Personen durch Polizeibemnte läßt den elementare« Schrei um Schutz vor den „Schutz"leutcn durchaus gerechtfertigt erscheinen! Die linkslibe- rale Presse gibt nur leise Andeutungen von den unglaublichen Roheiten, die in Moabit an manchen Stellen, besonders von Kriminalbeamten, begangen worden sind. Immerhin spricht das„Berliner Tageblatt" von ..Fusstritten", mit denen Passanten, die einer Schutzmannskette zu nahe kommen, „traktiert" werden. Müssen nicht schon Fußtritte, die wahllos an Personen ver- abfolgt werden, von jedem empfindenden Menschen als ein empören- der Roheitsakt empfunden werden, so wird das noch überttoffen durch Szenen, die wir am Donnerstagabend erlebt haben. Wohl- verstanden, in der Nacht vom Donnerstag auf den Freitag, wo der Schauplatz der Ereignisse ruhig, ja, wie ausgestorben dalag. Von Ansammlungen war weit und breit nichts mehr zu sehen. Nur einzeln oder zu Zweien, Dreien vollzog sich der Verkehr in den Straßen. Besonders die Turmstraße, die belebteste Verkehrsader in jener Gegend, wies eine gähnende Leere auf. An den Straßenecken standen Gruppen von Schutzleuten, und an der Ecke der Beussel- und Turmstraße war ein kleines Heer von Beamten in jeglicher Art und Abart versammelt. Und hier, in dieser Ruhe und Stille, spielten sich vor und nach Mitternacht Szenen ab, die jeder Beschreibung spotten! Es war, als ob die über den langen Dienst erbitterten Schutzleute ihren ganzen Grimm an den ersten besten Passanten auslassen wollten. Denn von Angriffen und Notwehr konnte hier, angesichts der nächtlichen Einsam- k e i t, keine Rede mehr sein. Jede xbeliebige Person, die sich sehen ließ, lief aber Gefahr, eine morde- rische Tracht Prügel zu erhalten. Mit einer wahren Berserkerwut hieben die Beamten auf ihre wehrlosen Opfer ein. Hierbei taten sich, wie wir schon mitteilten, und was auch die liberale Presse zugeben muß, besonders die„Geheimen" hervor. Diese meist herkulischen und stiernackigen Gestalten recht- fertigten das von ihren Gönnern in sie gesetzte Vertrauen, und wo sie mit ihren Gummiknütteln hinschlugen, spritzte das Blut gleich im Bogen hinaus. Sie waren es auch, die schon während der Abendstunden jeden mit dem Revolver bedrohten, der sich am Fenster sehen ließ. Und zwar wohl deshalb, damit sie un- gesehen und ungestört ihr„BeruhigungSwerk" vollenden konnten! Daß die Beamten von ihren Vor- gesetzten gedeckt wurden, zeigt sich daran, daß die Offiziere ruhig zusahen, wie wehrlose Passanten in skandalöser Weise zugerichtet wurden. Ein Beispiel dafür. An der Ecke der Beussel- und Turmstraße, wo das große Polizeilager war, hatten zwei junge Herren die Bedürfnisanstalt verlassen, als sich aus einer der Schutz- mannsgruppen ein uniformierter und ein geheimer Beamter los- trennten und in harmlosem Gespräch auf die Bedürfnisanstalt losgingen. Als sie die beiden Herren erreicht hatten, zog der Ge- Heime,«in breitschultriger Hüne, einen Gummischlauch her- vor und ließ ihn mit großer Wucht auf den kleinsten und schwächsten der beiden Herren niedersausten, so daß dieser blutüberströmt in eine Türnische flüchtete. Während dieses brutalen Aktes war ein Polizeioffizier langsam nahegekommen und schaute schmunzelndder Exekutionzul Da wir, wie gesagt, dicht dabei waren, können wir bezeugen, daß irgend ein Angriff oder ein Ruf auf die Beamten nicht erfolgt war. Es wäre auch gegenüber dieser großen Anzahl von Beamten wahre Tollkühnheit, Wahnsinn gewesen! Als wir an der Gotzkowskhstraße, Ecke Turmstraße, einen Wagen der Elektrischen bestiegen, kam der Mißhandelte auch gerade und wir konnten uns die Wirkung der Schutzmannsprügel aus nächster Nähe besehen. Gleich darauf ereignete sich an dieser Stelle ein ähnlicher Vorfall. Von der Beusselstraße her flüchteten einige Personen vor den anrückenden Beamten. Einer, ein schmächtiger Herr, hatte seinen Hut verloren. Auf die energische Auf« forderung der verfolgenden Beamten hin, seinen Hut zu holen, ging er hin, erhielt aber sofort von dem oben bezeichneten Kriminal- beamten eine Anzahl fürchterlicher Schläge mit bem Gummilnüttel mitten ins Geficht, daß er blutüberströmt und weinend sich auf unseren Wagen rettete. Die Straßenbahnangestellten hatten beim Anblick dieser widerlichen Szene vor Entsetzen laut aufge- schrien! Die allseitige Empörung mag auch bewirkt haben, baß wir alle, die wir im Wagen saßen, weiterhin unbehelligt blieben. Zu bemerken ist noch, daß der Mißhandelte in seiner Angst zu einem uniformierten Schutzmann lief um sich unter dessen Schutz und Schirm zu stellen. Da kam er aber schön an. Dieser„Schutz"mann zog seinen Säbel und drohte dem Aermsten, so daß dieser schleunigst ausriß. Solche Vorkommnisse sind nicht geeignet, den abgrundtiefen Haß zu beseitigen, den heute weite Kreise der Be- völkerung gegen das Säbelregiment hegen. Wir legen Protest ein gegen die völlig unmotivierte, unsinnige Mißhandlung von wehrlosen Männern und Frauen durch vom Volke erhaltene Beamte! Hier kann keine Rede sein von einem Notwehrakt. Kein Ruf war gefallen, kein Angriff erfolgt! Die Straße war, abgesehen von den Hunderten von Schutz- leuten, fast menschenleer. Nicht die Bürger sind schuld, wenn die Beamten unnötigerweise im Dienst gehalten werden. Ms weit in die Bürgerkreise hinein, wohin wir hörten, war ein- mütig die Ansicht vorhanden, daß schon längst alles ruhig wäre, wenn nur die Polizei verschwinden möchte von den Straßen. Wir legen Protest dagegen ein, daß jeder Bürgersmann, jede Bürgersfrau gewärtig sein muß, das Objekt der Polizeiwillkür und Brutalität zu werden. Die Straße dient dem Verkehr, folglich muß der Bürger vor Mißhandlungen geschützt werden. Das Volk verwahrt sich dagegen, daß auch nach dieser Seite hin russische Zu- stände eingebürgert werden. Die Polizei hat in solchen Fällen kein Recht, handgreiflich zu werden. Und selbst wenn die Ve- treffenden gejohlt hätten, wäre die? noch lein Freibrief für Miß- Handlungen. Von der Polizei kann man vorerst verlangen, daß sie die Gesetze respektiert! Daß sie dies in vielen Fällen nicht tut, beweisen solche Fälle wie die oben angeführten. Ueber die unflätigen Beschimpfungen, die sich das Publikum gefallen lassen muß, mutz ebenfalls noch ein Wort gesagt werden. Es geht einfach nicht länger an, daß in einem Kulturstaat das Volk sich von den aus seiner Tasche be- zahlten Beamten mit den gemeinsten Schimpfworten traktieren lassen mutz. Wir haben schon einige Kostproben aus dem Sprach- lexikon der Polizei gebracht. Eine weitere wollen wir hier noch an. führen: �_ In der Rostockerstraße, bor dem Hause Nr. 43, rief ein Schutz- mann in Uniform einer Frau im zweiten Stock, die nach ihrem Manne ausschaute, folgende liebliche Drohung zu: „Machen Sie's Fenster zu. alte Sau, ober Sie haben den letzten Dreck gesch.... Wenn die Polizei glaubt, daß sie auf diese Art„erzieherisch" wirken könne, dann irrt sie sich Es kann auch nicht als Ent- schuldigung gelten, daß auch aus dem Publikum manchmal grobe Worte fallen. Beamte, die die„Ordnung" repräsentieren, müssen Selbstbeherrschung beweisen und mit gutem Beispiel vorangehen, sonst haben sie ihren Berus verfehlt I Zeugen tverden nicht gesucht l Eine bürgerliche Korrespondenz meldet: Die Säbel- attacke auf die vier ausländischen Journalisten beweist, daß die untergeordneten Organe unserer Polizeibehörde nur in geringem Maße Achtung vor Mitgliedern der Presse besitzen. Derartige Mißhandlungen und Beleidigungen der Presse sind bei dem Aufruhr in Moabit mehrfach vorgekommen, nur haben es�die Beteiligten, Berliner Jour- nalisten, vorgezogen, die Beleidigungen zu quittieren.(I) Der von der Polizei an die Herren gegebene Rat, sich nur da auf- zuhalten, wo sie unter polizeilichem Schutz ständen, war n ich t gut durchführbar, weil sie sonst Berichte an ihre Blätter hätten geben müssen, die ganz und gar polizeilicher Anschauung entsprachen. Es muß lobend anerkannt werden, daß die Herren Polizcioffiziere selbst nach Möglichkeit dafür sorgten, daß die anwesenden Berichterstatter Schutz genossen, ... Einem Berichterstatter passierte es am Dienstag- abend, daß, als er dienstlich die Unfallstation in der Eras- musstraße aufsuchen mußte, er dort in der vollkommen menschenleeren, abgesperrten Straße von mehreren Beamten eines zirka 50 Mann starken Schutzmannstrupps in der flegelhaftesten Weise angerempelt wurde, mit der Drohung, daß man ihm, falls er sich noch einmal in der Straße sehen lasse,„die Sache schon besorge» werde". Und die Herren zeigten nichtübelLust, derDrohung die Tat folgen zu lassen, wenn nicht in demselben Augenblick ein höherer Polizeioffizier des Weges hinzu» gekommen wäre, der den Bedrohten, den er zufällig kannte, geschützt hätte. Einem anderen Berichterstatter unseres Bureaus passierte in der Sickürgmstraße der Fall, der deutlich zeigt, daß alle Legitimationen der Welt den Subalternbeamten nicht imponieren. Der Betreffende stand abends in der Sickingenstraße, gegenüber der Rostocker Straße, ganz allein und wartete auf einen anderen Kol- legen, der in einer Gastwirtschaft telephonierte. Plötzlich traten zwei Schutzleute an ihn heran und frugen ihn, was er hier zu tun habe. Der Herr erwiderte, daß er Bericht- er statt er sei und zeigte seine beglaubigte Legitima» t i o n vor. Er erhielt die klassische Antwort:„Wat heißt hier polizeilich beglaubigte Karte, wat heißt hier Presse, scheren Sie sich weiter", und im nächsten Augenblick hätte der betreffende Pressevertreter eine„nachdrückliche" Kommenticrung seiner Pressewürde erhalten, wenn nicht zu- fälligerweise ein Betrunkener über den Straßen� dämm getorkelt wäre, auf den sich die beiden Schutzleute sofort stürzten, Oer heldenhafte führer der Berliner öchutzmannrebaft, der in Moabit das siegreiche Gefecht gegen England kommcm- dierte, scheint entdeckt zu sein. Der„Lokal-Anzeiger" weiß zu berichten: „Unter den verdächtigen Persönlichkeiten, die gestern abend festgenommen wurden, befand sich ein Mann, den man in der Emdener Straße traf; er palte einen großen Dolch in der Hand, den er in der Tasche versteckt hielt. Bei semer Vernehmung ent- puppte er sich als ein Arbeiter mit bewegter Vergangenheit, von dem bekannt war, daß er am Blaukoller leidet. Der Verhaftete erklärte, daß er nichlS Böses beabsichtigt habe, sondern„zum Schutze der Beamten da sei". Er wurde vorläufig festgehalten, der Dolch wurde ihm abgenommen." Kein Zweifel: die Beschreibung der englischen Journalisten paßt auf diesen Mann. Man führe ihn den sechs Unifor- mierten vor, die unter seinem Kommando standen. Sie haben sich ja offenbar sofort gemeldet. Denn sie allein nur konnten bekunden, daß der Nichtuniformierte kein Kriminalbeamter wart Diese biederen Helden, die bei den kommenden Pro- zessen in die Lage kommen, zu beeiden, daß alle von ihnen Verhafteten und Verhauenen Widerstand geleistet haben und deswegen geschlagen und fortgeführt wurden, sind Feinde jeder Lüge. Wenn sie bekunden, daß der„vorläufig" Fest- gehaltene ihr Anführer gewesen sei. dann gebe man ihm den Dolch wieder und schließe ihn in den Dank ein, der in den nächsten Tagen der Berliner Schutzmannschaft für die bewiesene Tapferkeit gegen nnbewaffnete Frauen und Kinder zuteil werden wird I Wenn die Polizei übrigens nach bewaffneten Arbeitern „mit bewegter Vergangenheit" sucht, sehe sie sich die Liste der Arbeitswilligen an! J�acblcfe vom Kricgefcbauplatz. Immer mehr zeigt es sich, welchen Wert die verlogenen Berichte in der bürgerlichen Presse über die blutigen Exzesse haben. Je mehr es gelingt, mit der der- ängstigten Einwohnerschaft Moabits Fühlung zu nehmen— die naturgemäß eingeschüchtert ist, weil sie in jedem Fremden ein Exemplar jener sauberen Sorte von Menschen sehen, die ihrer wertvollen Tätigkeit wegen noch heute als Achtgroschenjungen be» zeichnet werden—, um so mehr zeigt sich, daß die ganzen Bor- gänge der letzten Tage nur dem sinnlosen Vorgehen der Polizei zu verdanken sind. Wahrscheinlich ist sie dabei von Subjekten der obengenannten Art unterstützt worden. Um dies wahrscheinlich zu machen, heben wir nur ein Bild aus den Tumulten am Donnerstag hervor. Es heißt nach dem„Berliner Tageblatt", daß sich gegen X 9 Uhr an der Ecke der Gotzkowsky- und Turmstraße eine größere Menschenmenge angesammelt habe, die aber die Polizei ruhig gewähren ließ. Plötzlich sei aus der Menge ein Schuß nach der zweiten Etage des Hauses Turm- straße öS abgefeuert worden, der dann der Polizei Anlaß zum Einschreiten gegeben habe. Welcher Anlaß soll für einen Teil- nehmer vorliegen, einen Schuß in so sinnloser Weise nach der höheren Etage eines Hauses abzugeben? Da solche„Signalschüsse" öfter das Einschreiten der Polizei veranlaßt haben, ist alle Ursache zu der Annahme vorhanden, daß hier �xent provocateurs ihre Hand im Spiel gehabt haben. Im allgemeinen schrumpfen die von dem Publikum abgegebenen Schüsse bei näherem Zusehen wahrscheinlich in harmlose Feuerwerkskörper zusammen. Das ist wenigstens das Urteil der Anwohner. Eine Anzahl von Fällen, die zur Ergänzung der von uns bereits mitgeteilten dienen mögen, beweisen, daß die Polizei von Anfang an nicht jene Ruhe bewahrt hat, die notwendig gewesen wäre. Am Freitagmittag voriger Woche gegen 4 Uhr hatte sie die Bcrlichingenstraße von einigen randalierenden jungen Burschen „gesäubert", die sie nach der Huttenstraße zu abgetrieben hatte. In dem Hause Berlichingenstraße 19 befindet sich eine Restauration, deren Inhaber in der Tür seines Lokals, aber nicht auf der Straße oder dem Trottoir, stand. Er schildert uns einen Zusammenswß so: „Plötzlich kamen die Schutzleute zurück und verlangten, daß er in sein Lokal gehen solle. Der Wirt erklärte, daß er sich doch in seinem Eigentum und nicht auf der Straße befinde. Er wich aber vor den drohenden Gebärden einige Schritte zurück, verfolgt von dem Schutzmann 1847, der ihm plötzlich einen gespannten Re- volver vorhielt und verlangte, der Wirt solle mit raus kommen. Der Wirt forderte den Schutzmann dreimal auf, sein Lokal zu verlassen. Da kam er aber schön an. Der Schutz- mann erklärte:„Sie sind hier Sch.. ßdreck zhier sindwir die Herren." Da kam die Wirtin hinzu und sagte, daß man doch ihren Mann in Frieden lassen solle. In demselben Augenblick be- trat der Schutzmann 760 das Lokal und rief der Wirtin ent- gegen:„Wenn Sie Ihr Maul nicht halten, kriegen Sie Back- pfeifen." Das Hau» Berlichingenstraße 19 sollte übrigens noch öfter der Schauplatz der kriegerischen Taten der Schutzmannschaft werden. Am Montag flüchteten zwei junge Mädchen und ein junger Mann in das Haus und klopften bei den Wirtsleuten an. Die Wirtin ließ sie schnell ein, um die jungen Leute bor den Schutzleuten, die immer ohne weiteres über die Köpfe schlugen, zu schützen. Nicht lange danach stürmten die Schutzleute die Treppe hinauf, traten mit den Füßen gegen die Füllungen und riefen: „Aufgemacht". Die nach ihrem Begehr fragende Wirtin stellte ihnen die Wohnung zur Durchsicht zur Verfügung. Sie wollten einen Exzedentcn suchen, der„Bluthund I" gerufen haben sollte, zogen dann aber unverrichteter Sache ab. Die Straße selbst war im übrigen nach den Aussagen der Anwohner schon am Montag fast völlig menschenleer. Nur gewaltige Schutzmannsposten gingen ab und zu. Am Dienstag, gegen 5411 Uhr abends, saß der Hauswirt von Nr. 19 in seinem Zimmer und schrieb, als unten ein Tumult ent- stand. Um sein Hau» zu schützen, ging er schnell nach, unten. Da sah er vor dem Hause eine große Anzahl von Schutzleuten, die sich Einlaß verschaffen wollten. Er rief, daß er der Hauswirt sei, sie mögen sich g e d u l d e n, er werde gleich aufmachen. In demselben Augenblick wurde die Türscheibe von einer SchutzmannSplempe entzweigeschlagen. Schon war der Säbel nach der anderen gezückt, und nur seinem energischen Einspruch und dem Umstand, daß er die Tür auf bekam, ist es zu danken, daß die eine Scheibe noch heute ganz ist. Im nächsten Augenblick war der Hauswirt von etwa öv Schutz- leuten umringt, die mit drohender Gebärde nach Licht verlangten, das ihnen dann auch von der Frau gebracht wurde, die voll Angst nach der Treppe gelaufen war, um zu sehen, waS ihrem Manne passierte. Die„Schutzleute" ließen ja dann von ihm ab, aber nur, um unter der„Führung" eines Leutnants dienachdemParterre befindlichen Lokal führende Tür kurz und klein zu schlagen, weil ihnen auf ihre Aufforderung von der allein im Lokal befindlichen Gastwirtin nicht schnell genug geöffnet wurde. Wohl nur um die verängstigte Frau beim Oeffnen zu helfen, waren einige Schutzleute inzwischen in das Küchenfenster gedrungen, das sie mit den Säbelspitzen aufgebrochen hatten. Im Lokal brachen sie dann noch einige Stühle kurz und klein, nahmen dann noch eine Kellerinspcktion vor, zertraten den Garten auf dem Hofe, vollführten als einzige einen Höllenlärm im Hause und zogen dann ab. froh ihrer vollbrachten Heldentaten. D i e zerschlagenen Feinde lagen am Boden. Sie be- standen in den demolierten Türfüllungen und einigen zerbrochenen Wirtshausstühlen. Die Wirtin eines Lokals in der Rostocker Straße, das von einem Teil der Presse inzwischen— natürlich wieder erlogenerweise— zu einem von der Polizei gesperrten Anarchistenlokal ge- stempelt worden ist, seine gastlich°n Pforten aber immer noch öffnet, stand am Mittwoch abend v«r ihrer Türe. Da gesellt sich ein Mann zu ihr, der hier das Kommando über die Kriminal- schutzleute hatte, und fragte nach dem Lokal von Pflaumbaum. Die Wirtin erklärte, daß sie die Inhaberin sei und fragte, was denn nun eigentlich werden solle.„Ja," sagte der Mann,„jetzt wird es anders, jetzt sind wir hier. Den uniformierten Schutzleuten hat man nicht gehorcht, aber wir werden die Sache schon machen." In dem Augenblick ließ sich in der zweiten Etage des gegenüberliegenden Hauses daS Gesicht einer Frau sehen. Da rief er einigen Kriminalschutzleuten zu:„Wenn sich die schwarze Sau da noch einmal sehen läßt, sofort scharf schießen." Ausdrücke tvie Räuberbanbe, Saubände und ähnliche gehören zum ständigen Repertoir der Beamten. Einer Grünkramhändlerin aus der Sickingenstraße wurde von den Beamten erklärt, daß in der Rostocker Straße überhaupt nur Huren wohnen. Ein anderer Vorgang, der zeigt, wie Exzedenten im polizeilichen Sinne aussehen. Die Nachtschicht in der Waffenfabrik war Mittwoch nacht um J412 Uhr geschlossen. Die etwa 100 Arbeiter verließen den Eingang Kaiserin-Augusta-Allee, gingen durch die Reuchlin- straße, um nach dem Bahnhof Beusselstraße zu gelangen. In der Huttenstraße wurden sie von 6 bis 8 berittenen Schutzleuten attackiert, die mit gezogenem Säbel auf sie einstürmten. Mit dem Ruf:„Treibt die Bande zurück I" wurden die Arbeiter in die Erasmusstraße gedrängt, wo sie von etwa 30 Fuß- schutzleuten empfangen wurden. Sie konnten sich nicht anders retten, als daß sie sich nach der Fabrik zurückzogen, wo dann von ihnen abgelassen wurde. Noch ein paar Fälle für heute, die typisch sind für das Vor- gehen von Haufen von Schutzleuten gegenüber ruhigen Personen, die ihnen als einzelne gegenüberstanden. Am Dienstagabend, die Straße war ruhig, zogen zwei junge Leute die Rostocker Straße entlang. Kurz vor der Sickingenstraße wurden sie getrennt, und einer von hier befindlichen Kriminalschutzlcuten mißhandelt. Der andere, wohl in dem Glauben, es mit Rowdies zu tun zu haben, ging an die Schutzleute heran und lüftet höflich die Mütze. In demselben Augenblick wurden ihm ein paar Backpfeifen appliziert, und einige Schutzleute halfen den Kriminalpolizisten dann noch, den anderen zu verprügeln, daß er blutüberströmt das Feld räumen mußte. Die empörten Anwohner mögen den Prügel- Helden da allerdings keine Liebenswürdigkeiten zugerufen haben. Die Antwort an die verhaßten Zeugen war:„Sofort Türen und Fenster schließen, oder es gibt blaue Bohnen." Alten Leuten» lahmen Leuten wurden, wie uns von vielen Anwohnern mitgeteilt,„Beine gemacht"; das ist der Polizei- technische Ausdruck, wenn jemand beim besten Willen nicht so schnell laufen kann, wie es die Herren„Schutzleute" für gut befinden. Ein Vorgang, den wir direkt beobachten konnten, gibt Zeugnis für das provokatorische Benehmen der Polizei, zugleich aber auch für ihre Unfähigkeit zur Beurteilung solcher Situationen. Durch die angeblich so gefährliche Rostockerstvaße zogen am Freitagmittag etwa um VA zwei Wagen der Firma Kupfer, begleitet von etwa zehn berittenen Schutzleuten. Das Publikum zeigte keine Veränderung in seinem Benehmen. Dicht vor uns stand ein junger Mann, der die Straße überschreiten wollte, aber erst den Zug vor- bei lassen mußte. Als der letzte Schutzmann vorbeiritt, rutschte das Pferd mit einem Hinterfuß über einen Obstrest, der an der Erde lag, etwas beiseite. Durch den Schutzmann ging ein Ruck, die Hand fuhr nach dem Revolver und er maß den jungen Mann mit Blicken, als ob er ihn im nächsten Augenblick durchbohren wollte. Dieser hatte aber den ganzen Vorgang gar nicht beachtet, weil er über irgend etwas nachdachte, und nur dem Umstand, daß er so gar keine Notiz von dem ganzen nahm, ließ den Schutzmann wohl ahnen, daß er sich hier auf falscher Fährte befinde. Hätte der junge Mann auch nur aufgeblickt, wir glauben: die„Revolte" wäre wieder dagewesen, veranlaßt durch die Furcht eines Schutzmanns, der am hellichten Tage Gespenster steht! Noch eins. Vielleicht untersuchtdiePolizei ein- mal die Streikbrecher nach Revolvern. Ein Be- lvohner der Huttenstraße hat von seinem Balkon gesehen, wie sich bei einem, der auf einem Wagen vorbei fuhr, die Decke beiseite schob und einen Revolver zum Vorschein brachte. Legrilnäete VorNckt. Der Uebcrfall auf die vier ausländischen Journalisten hat sich wirksamer erwiesen, als wenn man in Moabit ein Dutzend Berliner Bürger totgeschlagen hätte. Selbst der Minister des Innern v. Dallwitz wurde durch die unsinnige Attacke auf die Zeitungskorrespondenten ani Donnerstag- abend auf den Plan gelockt. Allzuviel scheint er aber von dem Wirken der Berliner Polizei nicht gesehen zu haben. Ein Berliner Mittagsblatt schreibt über die Jnspizierungsfahrt: In dem Automobil des Polizeipräsidiums wurden die Straßen durcheilt. Bei dem eingeschlagenen Tempo ist nur zu befürchten, daß der Minister von der wahren Situation in Moabit kein richtiges Bild empfangen hat. Und sich persönlich zu orientieren, scheint doch der Zweck der nächtlichen Fahrt gewesen zu sein. Der Minister hielt erst an der Ecke der Hutten« und Rostocker Straße. Dort herrschte absolute Ruhe. Fünfzig Karabiner waren schußbereit und fast vor jedem Hause standen mehrere nichtuniformierte Beamte. Herr v., Dallwitz scheint aus dem Wüten gegen die eng- lischeu Journalisten gelernt zu haben. Da von Polizei- offiziöser Seite behauptet wird, daß der als Strolch vcr- kleidete Zivilist, der die sechs uniformierten Beamten zu dem Massaker auf die Journalisten kommandierte, gar kein Polizei- beamter sei, konnte Herr V. Dallwitz befürchten, daß irgend ein Zuhälter in ähnlicher Weise sich zum Oberbefehlshaber einer Schutzmannsabtcilung aufschwingen könnte. Da war es schon besser, die Straßen im Eiltempo zu passieren und sich unter Deckung der fünfzig Karabiner zu begeben. Hue dem Lelagerungsgeblet. Wir erhielten folgende Zuschrift: Die Zustände in Moabit erinnern zurzeit deutlich ari die Schil- derungen russischer Zustände. Denn seit vorgestern(Mittwoch) abend hat die Polizei so eine Art Belagerungszustand verhängt, der zu- sammen mit dem Benehmen verschiedener Beamten einfach u n e r- t r ä g l i ch ist. Besonders taten sich am Mittwoch einige K r i- m i n a l b e a m t e in der Wittstocker Straße im Prügeln hervor. Schreiber dieses wohnt in der Wittstocker Straße und kann daS Treiben an der Beusselstraße sowohl als auch an der Rostocker Straße von den Fenstern seiner Wohnung aus beobachten. Kurz nach 7 Uhr abends begannen die bekannten„Säuberungen", die mit gezogenem Säbel vorgenommen wurden. Dabei handelt eS sich um Menschenmengen, die vom Bahnhof Beusselstraße oder von den hier draußen liegenden großen Fabriken kommen, die also die Beusselstraße durchaus benutzen müssen. In diesen Stunden sieht man größtenteils nur anständig ihres WegeS gehende Arbeiter. Da ist es selbstverständlich, daß beim Anblick des an der Kirche in der Beusselstraße stationierten kolossalen Polizeiaufgebots einzelne Neugierige stehen bleiben und daß die heimkehrenden Menschenmassen dadurch ins Stocken geraten. Ganz abgesehen hiervon herrscht in der Zeit von 7— 8 Uhr abends ein reger gefchäftlicherVerkehr, und nun fängt die Polizei fchon um 7 Uhr an, mit dem Säbel dreinzuschlagen. Es handelt sich in diesen frühen Abendstunden, das muß noch einmal betont werden, um ein anständiges Arbeitcrpublikum, das der geringsten Aufforderung willig Folge leistet. Wozu da in aller Welt die Säbelci? Die kleinen Geschäftsleute sind förmlich gezwungen, um 7 Uhr den Laden zu schließen.— Der Mittwochabend setzte aber allen bis- herigen Polizeileistungen die Krone auf. Um 8 Uhr wurden die Leute vor den Haustüren fortgetriebcn, und gleichzeitig ertönten Befehle:„Fenster schließen!."--»Macht mal die Fenster zu!"— „Scherenanclvverke� sollte zur Hrbdt dl* LcderhoM Herkules lr«<*n. S Unerreicht» S LeUtunosfihlohelt Altein-Verkanl Sehr starkes Leder in grauen u. braunen Streifen, auch einfarbig. Am Bund aus einem Stück ge- arbeitot, wodurch besondere Haltbarkeit bedingt ist. S ehr feste Kappnähte m. stark. Goar. 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Aus Karlsruhe wird vom Donnerstag telegraphiert: In zwei stark besuchten Versammlungen referierten die Land- tagsabgeordneten K o l b und Willi über den Magdeburger Parteitag. Beide Versammlungen billigten die Haltung ihrer Delegierten in Magdeburg, und in beiden Ber- sammlungen erhob sich keinerlei Widerspruch. Zur Vermeidung von Vorkommnissen wie ans dem Magdeburger Parteitag schlug Kolb die Gründung ejnes Reichsausschusses in der sozial- demokratischen Partei vor, der aus Genossen aller Landesteile be- stehen, die Politik und Taktik der sozialdemokratischen Partei kon- trollieren und zwischen Nord und Süd ausgleichend wirken müsse. Aus Stuttgart wird ebenfalls vom Donnerstag telegraphiert: Die hiesigen Sozialdemokraten haben sich gestern abend in einer stark besuchten Versammlung zugunsten der Auffassung der norddeutschen Genossen bezüglich der Budgetfrage ausge- sprachen. In der Debatte ging es sehr stürmisch zu. Aus Pforzheim schreibt man uns: Die hiesige Parteigenossenschaft nahm am Mittwoch zu dem Magdeburger Parteitag in einer Mitgliederversammlung Stellung. Der Abg. Stockinger hielt ein von aller Vorsicht ge- leitetes Referat; es klang daraus die Sehnsucht, daß nunmehr der Streit über die Budgetfrage ein Ende haben möchte. Bedauer- licherweise führte Genosse Stockinger erst in seinem Schlußworte den radikalen Genossen Bebel als Zeugen für die wertvolle Be- deutung der badischen Großblockpolitik zugunsten des Revisionismus ins Treffen. So konnte nicht mehr dagegen angekämpft werden, daß das Urteil Bebels über die badische Großblockpolitik ins Gegen- teil verkehrt wurde. In der Diskussion erklärte Genosse Graf sich mit dem Parteitage zufrieden. In der Budgetfrage könne man mit der Haltung des Parteivorstandes einverstanden sein, erst durch Zubeil und Genossen sei das persönliche gehässige Moment hinein- getragen worden. Sein Zusatzantrag sei total überflüssig. Jetzt müsse man mit Hinblick auf den Reichstagswahlkampf wieder einig zusammenstehen, damit man ohne nationalliberale Großblockpolitik zum Siege komme. Genosse D i e t t r i ch ist der Auffassung, daß in den Partei- blättern etwas mehr Aufmerksamkeit den großen wirtschaftlichen Kämpfen gewidmet werde; dann würden den Arbeitern die Augen geöffnet, daß die Nationalliberalen auch nicht viel besser als die anderen reaktionären Parteien sind. Genosse Widmann: Fehler seien auf beiden Seiten gemacht worden; vor allem müsse man aber dem Karlsruher»Volksfreund" den Vorwurf der Einseitigkeit machen. Genosse Schüttle: Die Taktik müsse man stets ändern können, sie dürfe nicht festgelegt werden. Die Studienkommission habe die Mehrheit des Parteitages abgelehnt, weil sie gefürchtet habe, ins Unrecht gesetzt zu werden. Referent Stockinger erklärte im Schlußwort: Er habe sich in seinem Referat größter Objektivität befleißigt, um weitere Streitpunkte zu vermeiden, denn jetzt sei es der gegenseitigen Be- kämpfung wahrlich genug. Die badische Großblockpolitik habe selbst der radikale Genosse Bebel nicht bemängelt. Die sozialdemokra- tische Fraktion habe durch die Großblockpoliti! keine ihrer Prin- zipien verleugnet. Auch im hessischen wie bayerischen Landtag könnten sehr leicht Fälle eintreten, wo die Fraktion für das Budget stimmen müsse, wie auf dem Magdeburger Parteitag dargelegt wurde. Deshalb wäre die Studienkommission ganz gut gewesen. Die Großblockpolitik sei eine vorübergehende Erscheinung und ganz abhängig von den jeweils obwaltenden politischen Verhältnissen. Eine Resolution wurde nicht gefaßt. Aus der Nürnberger� Parteiversammlunss, deren Verlauf wir schon meldeten, wird uns folgendes über die Diskussion berichtet: Schneppenhorst teilt mit, daß er von dem alten Genossen Löwenstein den Auftrag erhalten habe, zu erklären, daß seine Ab- stimmung genau dieselbe gewesen sei wie die Süßheims; er (Schneppenhorst), hätte sich ebenfalls in diesem Sinne entschieden, wenn er nicht plötzlich vom Parteitage abberufen worden wäre, um in Sachen der Nürnberger Meistiftarbeiteraussperrung, zu unterhandeln. Er schlägt die schon mitgeteilte Resolution vor, in der sich die Versammlung mit den Beschlüssen des Magdeburger Parteitages, insbesondere mit dem Beschluß über die Budgetfrage einverstanden erklärt. Weilers steht auf dem Standpunkt Sühheims und bedauert ebenfalls die abweichende Haltung der übrigen Nürnberger Dele- gierten. Die Fortschritt«, die die Badenser im Landtage erzielt, seien nicht geeignet, die Budgetbewilligung zu rechtfertigen. Die Rücksichten auf den Großblock seien verfehlt; die Taktik, die unsere badischen Genossen einschlagen wollen, habe die Nationalliberalen zugrunde gerichtet. Die politische Situation erfordere nicht, daß wir bürgerlichen Parteien irgendwie Rechnung tragen. Herzberg ist nicht mit dem einverstanden, was der Partei- tag über die Budgetfrage votiert hat, weil nicht beachtet wurde, daß es sich nicht um eine grundsätzliche, sondern um eine taktische Frage handelt. Wenn eS sicb um ein Prinzip handeln würde, dürfte in keinem Falle davon abgegangen werden, aber selbst die Nürn, berger Resolution lasse Ausnahmen zu. Wenn verlangt wird, daß wir innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft kein Budget bewilligen dürfen, dann müßten wir unsere gesamte parlamentarische Tätig- keit einstellen, denn sie bedeute ein Arbeiten innerhalb der bürger- lichen Gesellschaft. Eine Mehrheit sollte die Dinge nicht so auf die Spitze treiben, wie eS in Magdeburg geschehen ist. Die Einwände der Badenser scheinen noch nicht widerlegt zu sein. ES ist be- greiflich, daß man das Vorgehen der Badenser verurteilt, aber die Durchsetzung des Zusatzantrages war das unglückseligste, was der Parteitag getan hat. Die Art, wie der Parteitag zum Tummelplatz von Konventikeln ge- macht, wie die Mehrheit ihre Gewalt zur Geltung brachte, sollte man von einem Arbeiterparlament nicht erwarten dürfen. Der Inhalt des Zusatzantrages steht im Widerspruch mit dem Organi- sationsstatut.(?) Das Recht der Minderheit ist zertreten worden, man wird dabei an die golltarifdebatten im Reichstag erinnert.(?) Der Zusatzantrag ist eine lex Frank, eine Zufallsgesetz. gebung» wie eS femerzeit die lex Heinze sein sollte. Man kann zugeben, daß sich die Mehrheit durch die Erklärung Franks gereizt gefühlt hat, aber er hat sachlich nichts anderes gesagt, als was 1894 schon Grillenberger in Frankfurt gegen den Antrag Antrick zur Budgetfrage gesagt hat. Die Erklärung Franks steht mit der Nürnberger Resolutwn nicht im Widerspruch.(?) ES wird eine Zeit kommen, wo man die Budgetfrag« ganz anders ansehen wird als heute. Eine Klärung ist in Magdeburg nicht herbeigeführt worden. Redner bittet, die Resolution Schneppenhorst abzulehnen, da sie eine Desavouierung der Mehrheit dier Nürnberger Delegierten bedeute; es dürfe nicht Sieger und Besiegte geben. Zwosig verteidigt die Badenser, deren Taktik der Arbeiter- schaft große Vorteile gebracht habe, und ermahnt, weniger mit Worten als mit Taten zu operieren. W a l t h e r tritt für die Resolution Schneppenhorst ein. Er ist überzeugt, daß durch den Magdeburger Parteitag unsere Fort- Ichritte nicht aufgehalten werden, sondern daß wir im Gegenteil iärker und mächtiger werden. Der Großblock hat sich immer mehr als eine große Illusion entpuppt. Durch unsere Erfolge bei den Wahlen werden unsere Gegner immer mehr zusammengepeitscht, und es wird kein Großblock mit der Sozialdemokratie, sondern ein Grotzblock gegen die Sozialdemokratie der Ausdruck der poli- tischen Situation werden. Körner spricht ebenfalls für die Resolution Schneppenhorst. Treu, der zu den Delegierten gehört hat, die den ersten Absatz der Vorstandsresolution ablehnten und sich aus der Nachtsitzung entfernten, erklärt, daß sein Standpunkt den Nürnberger Genossen, als sie ihn wählten, bekannt gewesen sei, da er ausdrücklich erklärt habe, daß seiner Ansicht nach der Nürnberger Beschluß nicht aufrecht zu erhalten sei, Wenn man diesen Standpunkt nicht für richtig halte, hätte man ihn nicht wählen sollen. Er habe für das Tadelsvotum ge- stimmt, aber damit noch lange nicht alles für richtig erklärt, was auf dem Parteitag vorgekommen. Insbesondere sei die Art, wie der Zusatzantrag durchgedrückt wurde, ein vollständiges Novum; so verfahren wir nicht einmal gegen unsere Gegner. E i ch e n m ü l l e r wendet sich dagegen, daß man alle, die nicht mit der Mehrheit gehen, als Revisionisten verschreie und dieser Bezeichnung einen üblen Beigeschmack anhänge. Das Vorgehen der Mehrheit sei zu verurteilen; die Mehrheit habe eigent- lich ein Schweineglück gehabt, weil das Vorgehen der Badenser eigentlich nicht zu verteidigen ist. Trotz alledem aber könne nicht bestritten werden, daß die Zustände in Süddeutschland freiheitlicher sind als in Norddeutschland. Za p f wendet sich gegen die Badenser, die feinem Dafürhalten nach nicht die Absicht gehabt haben, die Geschlossenheit der Partei zu wahren; er verurteilt die Haltung der Nürnberger Delegierten, die nicht mit Süßheim gestimmt haben, besonders die der Genossin Grünberg. Dr. Südekum,� der Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises, der während der Versammlung eingetroffen ist, verweist auf den Zuruf, den in Magdehurg Ledebour gegen ihn gemacht, er, Süde- kum, solle nur warten, wenn er nach Nürnberg komme, und hemerkt, er wisse nicht, welche Gefahren damit verbunden sein sollten, wenn er in Nürnberg erscheine, aber so könne das Verhältnis zwischen ihm und Nürnberg auch nie stehen. Es gebe gewisse Grenzen, die weder von der einen, noch von der anderen Seite überschritten werden �dürfen. So wie das Verhältnis zwischen Abgeordneten und Wählern auf dem Parteitage von einzelnen Rednern hin- gestellt wurde, könne es nie sein. Man hat da gehört, die Führer hatten sich erst zu überzeugen, was die Massen wollen. Ich meine aber, bisher standen die Führer immer nicht hinter, sondern vor der Front. Wir waren bisher stolz auf die Meinungsfreiheit in unserer Partei; das Verhältnis kann nie so sein, daß einer be- dingungsloS zu tun hat, was von ihm verlangt wird. Es ist ein Vertrauensverhältnis sehr wohl verträglich mit Meinungs- Verschiedenheiten in taktischen Fragen. Ein anderes Verhältnis wäre unwürdig, und Sie würden mich auch nie bereit finden, ein anderes einzugehen. Die B u d g e t b e w i l l i g u n g war ein bedauerlicher Disziplinbruch, aber selbst im bürger- lichen Strafrecht gibt es mildernde Umstände, die zuweilen sogar Straflosigkeit nach sich ziehen. Es sind genug Umstände vorhanden, dtedieTatderBadensererklärlich, wenn möglich auch verzeihlich machten. Unsere Partei- tage sind kein Tribunal und auch kein Konzil. Frank hat in letzter Stunde der Mehrheit noch einmal zugerufen: Wir stehen auf dem Boden der Nürnberger Resolution. Mehr konnte man nicht ver- langen, wenn nicht die Abgeordneten in ihren Landtagen als Hans- wurste dastehen sollten.(?) Die Budgetfrage ist eine taktische Frage, die ganz hedeutungsloS wäre, wenn man ihr nicht künstlich eine Bedeutung beigelegt hätte. Niemand regt sich darüber auf, daß die Abgeordneten in den Parlamenten einen feierlichen Eid leisten, aber die Formalität der Budgctabstimmung soll eine Sache des Prinzips sein. Dann gehöre sie ins Parteiprogramm. Redner appelliert an das Gerechtigkeitsgefühl der Genossen, das unbe> rechtigte Mißtrauensvotum gegen ihre Delegierten abzulehnen. Haugen st ein, ebenfalls Delegierter, verteidigt die Haltung der Mehrheit der Nürnberger Delegierten. Da es inzwischen Mitternacht geworden ist, wird ein Vertagungsantrag an» genommen. Vorgemerkt sind noch 18 Redner. In Kassel tagte am Mittwoch eine leider nur schwach besuchte Versammlung, in der Genosse Hauschild Bericht erstattete. Wir entnehmen dem Bericht des„Volksblattes": Genosse H a u s ch i l d ist mit den Arbeiten des Parteitages ein- verstanden, bedauert aber die Annahme des Zusatzantrages Zubeil- Haase, den er für unnötig gehalten habe. Genosse Scheidemann trat dem Referenten entgegen und brachte folgende Resolution ein: „Die Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins in Kassel erklärt ihre Befriedigung mit den Arbeiten und Beschlüssen des Parteitages. Sie ist einverstanden mit der Behandlung und Erledigung der Budgetfrage, insbesondere auch mit der zum Beschluß des Parteitags erhobenen Vorstandserklärung Bebels, daß ourch eine abermalige Mißachtung der Budaetresolution die Voraussetzung für das Ausschlußverfahren gemäß Z 23 des Organisationsstatuts gegeben ist." Genosse Grzefinsky sprach gegen diese Resolution; er hätte nur für den zweiten, dagegen gegen den ersten Teil der Vorstands- resolution und gegen die ganze Vorstandsresolution, insbesondere gegen den Zusatzantrag Zubeil-Haase gestimmt. Er beantragte fol- gende Resolution: „Die Parteigenossen in Kassel sprechen nach Kenntnisnahme des Berichts vom Magdeburger Parteitag die Erwartung aus, daß Parteigenossen in Zukunft nicht wieder durch disziplinloses Verhalten Anlaß zu Debatten und Vorgängen geben, wie sie der verflossene Parteitag gezeitigt hat. Sie erklären erneut, daß Disziplin in bezug auf alle Beschlüsse unbedingtes Erforder- nis eines jeden Parteigenossen ist, da ohne diese straffe DiS- ziplin die sozialdemokratische Partei nicht mit der Wucht ihren Klassenkampf führen kann, wie das unter allen Umständen im Interesse der werktätigen Bevölkerung notwendig ist. Der Ausgang des Parteitages gibt erfreulicherweise den Kasseler Genossen die Hoffnung, daß dieser organisatorische Grundsatz fernerhin die notwendige Beachtung findet uno so eine einheitliche und geschlossene Kampffront gegenüber dem gemein- samen Feind besonders bei den nächsten Reichstagswahlen und dann im Wahlrechtskampf ermöglicht wird. Die Genossen sind weiterhin der Ansicht, daß zur erfolgreichen Durchführung dieser nächsten Kämpfe und unserer Kämpfe über- Haupt aber nicht nur Disziplin, sondern auch Erziehung der Ge- nassen zum Klassenbewußtsein dringend erforderlich ist. Um dies zu erreichen, wird der Parteivorstand beauftragt, diese Er- ziehungsarbeit durch Veranstaltung von mehr Vorträgen über unsere Grundanschauungen in Partei- und Bezirksversamm- lungen zu leisten und zu veranlassen, daß auch das Parteiblatt durch entsprechende Artikel dasselbe tut." Die Versammlung wurde dann vertagt. Aus Frankfurt a. M. wird uns berichtet: Am Donnerstagabend nähmen die Genossen in Frankfurt a. M. den Bericht vom Parteitag entgegen, den die Delegierten Wittich, Ulrich und Quarck erstatteten. Bei der Berichterstattung und der Debatte nahm die Budgetfrage den breitesten Raum ein. W i t t i ch hätte gewünscht, daß auch andere Fragen wie die Budgetfrage mit Leidenschaft behandelt worden wären. Die Budgetfrage hätte etwas objektiver und sachlicher behandelt werden, die persönlichen Momente hätten ausscheiden müssen. Die Erklärung Franks konnte genügen; es sei ganz logisch, daß man jetzt noch nicht sagen Sann, wie man sich in zwei Jahren zur Bttdgetqbstunmung stellt. Der Zuherlsche Antrag hatte nicht kommen dürfen, die Nachtsitzung und ihr Resultat sei nicht zum Vorreil der Partei. Die Frankfurter Delegierten erblickten in der Zustimmung oder Ablehnung des Budgets keine prinzipielle, sondern eine tak« tische Frage und hätten darum gegen den ersten Teil der Vor. standsresolution gestimmt. Wenn man auch von den Magdeburger Beschlüssen nicht ganz befriedig sei, so müsse man sich aber doch den Beschlüssen fügen. Genosse Ulrich meinte, das Eis, das sich durch die Budget- beratung— Nachtsitzung— auf die Herzen vieler Delegnrten ge- legt hätte, sei erst bei den Shmpathieerklärungen der süd- deutschen Kameraden zur Wahlrechtsfrage geschwunden. Ulrich ver- teidigte die Erklärung der Gewerkschaftler zum Antrag Luxemburg, den auch zwei Frankfurter Delegierte nnterschrieben hatten. Es könne der Partei nur schaden, wenn in der Frage des Massenstreiks die Partei einseitig handelt und Beschlüsse faßt. Der Genossin Luxemburg fehle die praktische Arbeit.— Die Mittwochabendsitzung habe depremiereui gewirkt, das Verhalten der Radikalen sei nicht kameradschaftlich und brüderlich gewesen. Der Eifer, der für die Annahme des Zubeilschen Zusatzantrages an den Tag gelegt wurde, sei einer besseren Sache würdig gewesen. Ulrich spricht zum Schlüsse die Hoffnung aus, daß die künftigen Parteitage mehr von dem Geiste der Zusammengehörigkeit und Brüderlichkeit beseelt sein mögen. Genosse Dr. Quarck hätte gewünscht, daß die Budgetfrage über den badischen Fall hinaus•— allgemein— erörtert worden wäre. Man hätte die Verfassungen der einzelnen Bundesstaaten prüfen und berücksichtigen müssen. Dann hätte man gefunden, daß unter allen Umständen mit der Budgetverweigerung nicht durch- zukommen ist. Wenn die Budgetablehnung immer nur eine Pia- tonische sei. dann könne sie ihre Bedeutung verlieren. Es müsse gefragt werden: Ist die Budgetverweigerung unter allen Umständen das gegebene revolutionäre Mittel, um den Klassenstaat lahmzu- legen? Bayern zeige schon allein, daß das nicht der Fall und eine Lücke vorhanden sei. Sachlich sei nun auch nach Magdeburg nichts entschieden. Die Parteipresse nehme nun genau so mann ig- faltig zur Vudgetfrage Stellung wie vor Magdeburg. Nachdem die Badenser ihre Rüge bekommen hatten, hätte man auf den Antrag, eine Studienkommission einzusetzen, eingehen müssen. Die Ge- nossen, die ihn niederstimmtcn. hätten sich von einer gewißen Am- mosität leiten lassen. Quarck übte dann scharfe Kritik an dem Ver- halten der Mehrheit bei der Wicdereinbrnignng des Zubeilschen Zusatzantrages. Das Knie auf die Brust und den Daumen aufs Auge, in diesem Sinne sei gekämpft worden, was sehr zu beidauern sei. Quarck hofft aber, daß der gemeinsame Kampf, der uns setzt bevorsteht, alle Teile zu kameradschaftlichem Zusammenarbeiten vereinigen wird und jedes bittere Gefühlt verschwinden laßt. In der Debatte meinte Genosse Löwenstein, daß über die Behandlung der Budgetfrage und des Zubeilschen Antrages nicht so hart geurteilt werden dürfe, wie die Referenten es getan hatten. Die Budaetfvage sei eine prinzipielle und nicht eine taktische Frage. Redner begrüßt die Magdeburger Beschlüsse, weil sie Klarheit ge- bracht hätten.„.....,. Genosse Dr. L ev i: Die Magdeburger Beschlüsse hatten reine Freude ausgelöst. Sei es denn nötig, daß die Partei in jedem Jahr eine solche Roßkur über sich ergehen lasse und zur Ader ge- lassen werde. Man hätte nun endlich zur Ruhe kommen nuissen, durch die Annahme der Anträge Zubeil komme man aber Läwitz nicht dazu. Die prinzipielle Budgetverweigerung sei eine polit>,che Unwahrheit, weil sie an Stelle der Tat der Steuerverwmgerung daS Wort„Budgetverweigerung", an Stelle einer Handlung e«n« Phrase setze. Die Budgetverweigeruiig sei keine so wichtige-irage, wie sie angesehen werde. Man müsse rn jedem Jahr prüfen, ob das Budget abzulehnen oder anzunehmen sei und nicht m voraus bestimmen. daß das Budget vom Jahre 1918, da? man noch gar nicht kenne, abgelehnt werden muß.......„. Genosse Rudolph polemisiert gegen die Ausführungen der Vorredner. Die langen Auseinandersetzungen hatten nur die Sud- deutschen verursacht, die die Mehrheit provoziert hatten. Rudolph verteidigte die Haltung der Mehrheit des Parteiwges und betonte, daß die Beschlüsse des Parteitages auch die Minderheit halten muh. Die Versammlung wurde dann um Mitternacht vertagt. Rus der fuftizllommiinon. Sitzung vom Freitag, den 39. September. Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt, daß auch Frauen als Schöffen und Geschworene zugelassen werden sollen. Der Antrag wurde abgelehnt, nachdem sich sämtliche Vertreter der bürgerlichen Parteien entschieden dagegen erklärt hatten. Der Freisinn wollte Frauen nur bei I u g e n d g e r i ch t e n als Schöffen zugelassen, auch dieser Antrag wurde abgelehnt. Der Pole enthielt sich der Abstimmung über den sozialdemokratischen Antrag. Ein weiterer ja 3 i al- demokratischer Antrag verlangt Zulassung der Dienst. boten und ländlichen Arbeiter sowie der V o l k s s ch u l- lehr er zum Schöffen- und GesOvorenenamt. Der sozial- demokratische Antrag wurde abgelehnt, dagegen wurde beschlossen. VolkSschull ehrer als Schöffen und Geschworene zuzulassen. Ein Antrag, dah Rechtsanwälte daö Amt des Schöffen und Geschworenen annehmen können, wurde abgelehnt. Ein Zentrumsantrag, der forderte, drß von der Fest;etzung der Gebührenordnung für Schöffen und Geschworene, welche vom Bundesrat borgen ainmen wird, dem Reichstag Kenirtnis zu geben ist, wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen und einiger Zentrumßabgeord. neterabgelehnt. Sodann entspann sich«ine längere Dcbatta über einen sozialdemokratischen Antrag, nach dem der Ausschuß, dem die Auswahl der Schöffen und Geschworenen über. tragen ist, auf Grund des allgemeinen gleichen, gehei- men und direkten Wahlverfahrens durch die voll- jährigen Einwohner des Amtsgerichts zusammengesetzt werden soll. Gegen diese Forderung wandte sich auch der srei- sinnige Redner, ebenso der Redner des Zentrums. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokrat c n und Polen abgelehnt, ebenso ein weiterer Antrag, der sich aus die A u S wah l d e r S ch ö f f e n u n d G e sch w o r e n e n bezieht. Ohne wesentliche Aenderung wurden dann die Paragraphen bis 146 erledigt und die weiteren Verhandlungen auf Dienstag ver- tagt.__ «asserstandö.Stachricktte» der LandeZcmstalt für Gewässerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. vasserftaud Memel, Tilsit P r e a e l, Jnftervurg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor , grossen , Kranksurl Warthe, Schrimm , Landsberg Neye, Vordamm Elbe, Leitmeritz , Dresden , Barby . Magdehurg Wasserstand Saal», Grochll» Havel, Spandau') , Ziathenow') Spree, Svremberg') , Beeskow Weser, Münden . Minden Rhein, MaximilianSan , Kaub Köln Neckar, tzeiwromt Main, Wcrlheim Mosel, Trier am 2g. 0. orn 110 80 98 108 158 -69 14 458 265 274 75 147 seit 28.9. ora1) —6 _ 2 +1 —2 0 0 —7 —8 -10 —10 +1 —4 »J+ bedeutet Wuchs,— Fall.■) llnterpegel. Höbel-Lechnerl SÄ Brunnenslraße 7, Srs; Aohnungseinrichtungen auf Kredit — Kiesen-Au*« ahl.—• 1 Stube und KQche v.M. 200.— an, Anzohliing v.M. 15.— an 2 Stuben und KOche v. M. 525.— an, Anzahlung v. M. 40.— an Mod. Schlafzimmer v. 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Sonntag 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. berliner TTiester. Heute 8 Uhr: Gastspiel Hans! Riese. Aas Mlistkaiiteumädkl. Neues IKeetei'. Ansang 8 Uhr. Die goldene Ritterzeit. Sonntag u. Montag: Dt« golden« Ritterzeil.__ Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. Die achUnate Frau. Sonnt. 8'/« Uhr: Ein Walzertraum. Modernes Theater (früher Hebbeltkoalsr). Heute und täglich 8 Uhr: Die heute der» Frauen. Berliner Volksoper Belle-Alliance-Straste 7/8. Abend»',.9: Der Freischütz. fsiöölivK-ViilKkImstSljtizeKes Sctopigliigus. Sonnabend, 1. Oftober, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: �evolntionshoclueit. Schauspiel in 3 Auszüg. v. S. Michaelis. Sonntag nachm. 3 Uhr: Ztzauft. RbdS. L Ahr: NevolutionShochzeit. l�esiden�-Theater. Direftion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Noblesse oblige. Schwank in 3 Akten von Hennequin und Veber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Wohlesse oblige. Sonntag, den 2. Ottober, 3 Uhr: _ Die 30O Tage. Luisen-Theater. Ansang 8 Uhr. Hgmont. Trauerspiel in 5 Alten v. W. v. Goethe. Sonnabend 4 Uhr: Kindcr-Porst.: Die Schwancnprinzessin. Sonntag 3 Uhr: Othello. 8 Uhr: Di« schöne Ungarin. Montag: Kean. 8 Uhr Da» neue grosse Progr. v'/.uhr- Aet: Schatten p Szenen von Melchior Üanghei. Rudolf* Schildkraut als Gast. OSE=THEATE Heute Premiere! �aharet in ihren neuen Kreationen. Reynolds and Donegan das amerikanische Tänzerpaar in vollendeter Rollschuh-Meistertehalt sowie 10 hochinteressante Debüt» lO Morgen riV»W Wiederbeginn der Nachmittags-Vorstellungen. Kleine Preiset Anfang S1/» Uhr. ZKetropol- Theater. Hurra!!! Wir leben noch!!! Große AusstattungSrevue in 7 Silber» v. I. Freund. Musik v. B. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 3 Uhr. Rauchen gestattet. Sonntag nachmittag 3 Uhr: psriser Leben. Große Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende>/,tl Uhr. LI Aie gute Aartit. L_ Lustspiel in 3 Akten von A. Lippschütz. Nachm. 4 Uhr zu kleineu Preisen: Rotkäppchen. Sonntag nachm. 3 Uhr: Dorf und Stadt. 8 Uhr: Das Gefängnis. Alt-noabit 47/48. 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Für des gnseratenteil verantw,t Th. Blocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt« Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer öl So. Berlin LW. fit. 280. 27. Iahrgaug. 3. KcilM Ks Jornifitts" Kerlm MllisM Sonvabend, 1. Oktober 1910. Em Induftne und Kandel. Herbstsaison im Baugewerbe. Dah die Bautätigkeit im Herbste dieses Jahres lebhaft werden würde, war nach der langen Mattigkeit während der Aussperrungs- zeit zu erwarten. Cb der Grad der Besserung aber so groß werden wird, wie es vielfach angenommen wurde, das ist vorläufig noch nicht zu sagen. Die Bautätigkeit lag während der S o m m e r- monate in den verschiedenen Gegenden keineswegs gleichmäßig. In den Großstädten wurde zum Teil lebhaft gebaut, während aus dem Lande infolge der Erntearbeiten und auch im Hinblick auf die verfügbaren Arbeitskräfte eine Abfchwächung eintrat. In Mittel- städten mit Industrie brachten die Sommermonate reichliche Ar- bcitsgelegcnheit für Fabrikneubauten sowohl als auch für Ver- größcrungen. Nunmehr hat sich zweifellos das Bild insofern schon verscboben, als in den Landbezirken die Bautätigkeit im Steigen begriffen ist, während in den Großstädten die herbstliche Belebung noch nicht voll in die Erscheinung getreten ist. Man wird die statistischen Berichte über den Arbeitsmarkt für den Monat September abwarten müssen, bevor man den Grad der Herbst- belcbung einwandfrei feststellen kann. Der Uebcrgangs- monat A u g u st hat zwar schon eine Besserung gegenüber dem Vorjahr gebracht, aber gegenüber dem Monat Juli dieses Jahres ist der Andrang etwas gestiegen. Immerhin hat im Vergleich zum Vorjahre seit Mai jeder weitere Monat eine Besserung des Arbeits- Marktes gebracht. Im Mai kamen nämlich auf je 100 offene Stellen für Bauarbeiter an den öffentlichen Arbeitsnachweisen durchschnittlich 182,9 Arbeitsuchende oder noch 70,6 mehr als 1909, im Juni waren es 1ö9,3 oder nur noch 3,5 mehr. Der Juli brachte einen Andrang von 136,6 oder schon 11,3 weniger als 1909 und der August einen solchen von 145,3 oder 15,5 weniger. Wenig erfreulich ließ sich bisher die Herbstsaison im Osten Deutschlands an, nachdem gerade hier im Frühjahr und zum Test auch im Sommer sehr rege gebaut worden war. In O st- und W e st p r e u tz e n zeigt der Arbeitsmarkt gegenüber dem Vorjahre sogar eine Verschlechterung, der Andrang ist höher als 1909. In Gumbinnen, Allenstein, Grau- denz, Thorn ließ die Bautätigkeit noch zu wünschen übrig, während in einigen anderen Städten, wie z. B. in Jnsterburg, die Tätigkeit etwas mehr befriedigte. Auch in der Provinz Brandenburg hielt sich die Baulust noch in engen Grenzen: der Andrang am Arbeitsmarkt stellte sich auf 185,6 gegen 171,0 im vergangenen Jahr. In Berlin, Frankfurt a. O., Kottbus, Wittenberg gab es noch nicht genug zu tun, um das Angebot voll aufnehmen zu können. In Pommern war die Baulust auf dem Lande schon recht belebt; in den Städten, speziell in Stettin, ist sie matt. Bemerkenswert ist die Wiederbelebung im Baugewerbe P o s e n s, wo die Baw tätigkeit nach langer empfindlicher Stockung nun schon seit Monaten kräftig zunimmt. In der Provinz S ch l e s i e n ist die Baukonjunk- tur für das Arbeiterangebot sehr befriedigend: der Andrang am Arbeitsmarkt beträgt nur 108,7 gegen 129,2, und in den Städten Beuthen, Glogau, Liegnitz, Görlitz und Glatz bieten zahlreiche Neu- bauten reichlich Beschäftigung. Merklich gebessert gegenüber dem Vorjahre hat sich die Bautätigkeit auch in der Provinz Sachsen, während sie in Schleswig-Holstein und Hannover hinter der vorjährigen an Lebhaftigkeit zurückbleibt Schleswig-Holstein weist einen Andrang von 146,1 auf gegen 143,1, Hannover einen solchen von 139,8 gegen 112,6 im Vorzahr. In Westdeutschland hat sich endlich die langerhoffte Belebung durch- gesetzt, so daß der Arbeitsmarkt eine Erleichterung gegenüber dem Vorjahre ausweist. In W e st f a l e n k amen auf je 100 offene Stellen durchschnittlich nur 80,3 Arbeitsuchende gegen 182,8 im Vorjahre, im Rheinland nur 113,4 gegen 186,1. Auch in Hessen-Nassau bleibt der Andrang hinter dem vorjährigen zurück. Wenn auch in einzelnen Städten me in Dortmund, Hamm usw. die Tätigkeit bisher noch matt war, so stehen doch für die nächste Zeit auch hier größere Bauten in Aussicht. � In Essen, Krefeld, Düsseldorf, Köln usw. gestaltet sich die Bautätigkeit befriedi- gcnd. Im Königreich Sachsen spricht die Abnahme des Andrangs für eine Besserung. Von den süddeutschen Landes- teilen weisen so ziemlich alle eine Besserung gegenüber dem Vorjahre auf: in Bayern beträgt der Andrang am Arbeitsmarkt 108,6 gegen 139,2, in Württemberg 112,6 gegen 125,1 und in Baden 138,2 gegen 198,5. Befriedigend ließ sich die Bautätigkeit in den Städten Chemnitz, Pforzheim und Ulm an, während sie in Mainz, Karlsruhe und Nürnberg sehr zu wünschen übrig ließ. Schultheißbrauerei. Die Berliner Schultheißbrauerei ist die größte deutsche Brauerei überhaupt, mit einem Kapital von 14 Mil- lionen Mark. Es wird auch für das Geschätfsjahr 1909/10 eine Dividende in mindestens der gleichen Höhe wie den beiden Vor- jähren, von 14 Proz., vorgeschlagen. Vielleicht wird sie sogar über diesen Satz noch etwas hinausgehen. Hier ist also keine schädliche Einwirkung der Brausteuererhöhung zu spüren. Freilich sind ihr die Gesetzgeber auch sehr entgegengekommen, als sie die Kontin- gentierung der Brauereien bestimmten. Durch diese Maßnahme sind die bestehenden Brauereien für eine lange Reihe von Jahren gegen jede Konkurrenz gesichert. Eine neue Brauerei muß nämlich einen Steuerzuschlag zahlen, der jedes Geschäft von vornherein unmöglich macht. Auch die anderen großen Brauereien können nicht über schlechte Geschäfte klagen. Wenn hier und da kleinere Gesell- schaften über den Riickgang der Gewinne klagen, so liegt dies zu einem großen Teil an ihren veralteten Einrichtungen. Die Aktiv- näre der Brauereien können zum wenigsten nicht über schlechte Erfolge der Steuer klagen. Das werden am deutlichsten die nächsten Jahre lehren. Die Aktionäre machen ein Geschäft mit der neuen Steuer, die Biertrinker werden doppelt geschröpft. Fleischteuerung. Die Stadtverordnetenversammlung in Herne beschäftigte sich auf eine Eingabe des dortigen Gewerkschaftskartells mit der Fleischteuerung. Es wurde beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, Erhebungen in dieser Richtung anzustellen. Der Ma- gistrat in Rccklinghausen hat solche Erhebungen bereits abge- schlössen. Es ist eine erhebliche Preissteigerung festgestellt worden. Die Versorgung Dentschlands mit Roheisen. Berechnet man die Roheisenerzeugung' der Hoch- ofenwerke pro Kopf der Bevölkerung, so ergibt sich sür den Monat August eine Menge von 19,51 Kilogramm, während sich die Vergleichsziffern im vorhergehenden Monat auf 19,00 und im August des Vorjahres auf 17,24 Kilogramm beliefen. Infolge der stetigen monatlichen Zunahme der Roheisenerzeugung haben sowohl die Pro- duktionsziffern im August als in der Gesamtheit der ersten acht Monate des laufenden Jahres eine Höhe erreicht, die bereits über die Erzeugungsmengen zur Zeit der Hochkonjunktur binauSgehen. Die Roheisengewinnung der deutschen Hochofenwerke auf den Kopf der Bevölkerung in Kilogramm stellte sich nämlich im August sowie in den ersten acht Monaten der nachstehenden Jahre, wie folgt: 1907 1903 1909 1910 August.... 18,00 14,86 17,24 19,51 Januar— August. 139,07 127,53 132,75 150,34 Berücksichtigt man die Einfuhr und Ausfuhr von Er- Zeugnissen der Eisen» und Maschinenindustrie unter Reduktion der Gewichtsmengen der veredelten Eisenmengen auf Roheisen, so ergibt sich für die letzten Jahre folgende Eni Wickelung der Versorgung Deutschlands mit Roheisen auf den Kopf der Bevölkerung in Kilogramm: 1907 1903 1909 1910 August..... 12,97 8,51 11,02 11,75 Januar— August.. 98,31 79,64 83,54 90,07 Sowohl im Vergleich der Monate August sowie der Gesamtheit der ersten acht Monate ergibt sich im laufenden Jahre ein Zurück- bleiben der Roheisenversorgung gegenüber 1907 um 1,22 bczw. 8,24 Kilogramm aus den Kopf der Bevölkerung, während im Per- gleich zum Jahre 1903 die Versorgung imAugust bezw. in den ersten acht Monaten bereits die erhebliche Zunahme um 3,24 bezw. 10,13 Kilogramm aufweist._ Die Erzeugung von Zucker. Im Berichtsjahre 1909/10 wurden im Deutschen Reiche rund 258 095 900 Zentner Zuckerrüben ber> arbeitet, gegen 236 183 600 Zentner bezw. 269 655 000 Zentner bezw 233 730 700 Zentner und 314 669 600 Zentner in den 4 voraufgegan< genen Betriebsjahren. Aus diesen Rübenmengen wurden, nach den Berechnungen des Kaiserlich Statistischen Amtes, im ganzen rund 40 542 000 Zentner Zucker erzeugt, gegen 41 657 000 Zentner bezw, 42 531 900 bezw. 44 783 600 Zentner und 48 363 100 Zentner. Seit fünf Jahren ist die Erzeugung von Zucker im Deutschen Reiche also fortgesetzt zurückgegangen, nachdem sie sich im Betriebsjahre 1905/06 um zirka 50 Proz. steigerte. Trotzdem in dem letzten Betriebsjahre beinahe 22 Millionen Zentner Rüben mehr ver- arbeitet wurden als in dem Betriebsjahre 1908/09, ist die Er- zeugung doch nun noch um rund 1 115 000 Zentner zurückgeblieben, und zwar deshalb, weil die Rüben im Jahre 1903/09 außerordentlich hohen Zuckergehalt aufwiesen. brecher bei der Firma Kupfer. Die Polizei, die von den Steuern der Massen unterhalten wird, hat sich wieder einmal in den Kampf zwischen Kapital und Arbeit gemischt und vertritt darin das Jnter- esse der Unternehmer. Das eine kann mit ehrlichem Gewissen ge- sagt werden: Das provokatorische Austreten der Polizei und der Streikbrecher gegen die Bevölkerung hat radaulustigen Elementen erst den Anlaß zu Zusammenläufen gegeben. Und das hat wiederum die Polizei zum Anlaß genommen, Maßnahmen zu treffen, die den Verkehr störten und die Ansamm- lungen vergrößerten, die dann wieder durch Attacken un- glaublicher Art auseinander gesprengt werden sollten. Das hat erklärlicherweise eine gewaltige, durch fortgesetzte Polizeiattacken immer mehr gesteigerte Erregung in der Bevölkerung ausgelöst. Es gehörte schon Fischblut dazu, um bei dem Anblick der Kohlen« tranSporte, die durch die innere Stadt kamen, ruhig zu bleiben; Kohlenwagen sah man je von 20—30 Schutzleuten eskortiert I Es entstanden schon hier im Handumdrehen Aufläufe, denn jeder wollte sich das Schauspiel ansehen. Viel größer war erklärlicherweise die Neugierde in Moabit, wo es von Schutzleuten wimmelte. Die Polizei aber tat, als hätte sie es mit einer Bande von Verbrechern zu tun. Die Moabiter Bevölkerung ist fast einmütig der Ansicht, daß das Vor« gehen der Polizei über alle Maßen brutal war. Selbst Leute, die die eifrigsten Anhänger dieses Regiments sind, erklären, ein derart blindes Dreinschlagen hätten sie in einem Kulturlande nicht für möglich gehalten. Und was schon bei den Wahlrechtsdemonstrationen fest- gestellt werden konnte, zeigte sich auch hier wieder: man schlug auf Fliehende ein und schonte nicht Frauen und Kinder I Eine Frau von 60 Jahren in Begleitung ihres achtjährigen Enkelkindes ist verletzt worden. Die Frau und das Kind waren doch sicher nicht an den Krawallen beteiligt. In die Fenster wurde hineingcschosscn, ganz egal, ob dabei Frauen und Kinder verwundet werden konnten. DaS ist der Schutz der deutschen Frau in Prcußen-Deutschland l In der Rostocker Straße lag eine Frau in Geburtswehm. Die Hebamme, die ziemlich entfernt wohnt, durfte die Schutzmannskette nicht passieren, sie mußte zunächst nach dem Polizeirevier, wo erst ihre Personalien geprüft wurden. So kam sie mit zwei Stunden Verspätung zu der Gebärenden. Das sind wahrlich grandiose Polizei« taten; die bewaffnete Macht stört sogar die revolutionären, staats- stürzenden Funktionen einer Hebamme. Die Vorgänge in Moabit zeigen den Frauen, daß der Schutz« mannssäbel schlägt und sticht und das Browninggeschoß wahllos trifft. Da jeder Frau morgen passieren kann, was heute und gestern den Frauen in Moabit widerfahren ist, haben wir die Verpflichtung, der Polizei ihre Grenze zu weisen. Sie ist zum Schutze der Massen da, sie soll Dienerin des Volkes und nicht ein Trabant des Kapitals sein. Als Instrument des Klassenstaatcs bleibt die Polizei eine Waffe der Herrschenden gegen die Arbeiter« schaft. Darüber müssen wir diese ausklären, damit sie der Regie« rung und den herrschenden Cliquen bei den kommenden Wahlen die Quittung für die Straßenschlachten erteilt. Und die Frauen müssen dabei mithelfen. Sie sollen die Aufklärung bis in die fernsten Winkel tragen; alle müssen sie den Wahlvereinen sich anschließen und Schulter an Schulter mit ihren Männern gegen die heutige Polizeiwillkür kämpfen._ Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 5. Oktober, 8�/z Uhr, in den„Coroua-Festsälen", Kommandanten- straße 72: Vortrag des Schriftstellers Julius Bab über: „Shakespeare". Gäste willkommen. esitternngSübersickit von, 30. September 1010, morgen» 8 Ulir. Em der Frauenbewegung. Franeninteresie««nd Polizeiattacken. Uns wird geschrieben: Ueber 800 Personen sind bis jetzt nach Zeitungsnachrichten durch die Straßenschlachten in Moabit mehr oder minder schwer verletzt worden. sJn Wirklichkeit dürfte die Zahl der Verletzten erheblich größer sein. Anm. d. R.) Und weshalb die Schlächtereien? Die Krawalle sind herausgewachsen aus der Privilegierung der streik- Ewtionen ll B— i? Setter Sroimmbt. 1 759 S3® Hamburg j 7 50 GW Berlin>750 SW Arantta M.762SW München>765 SW Wien i 766 Still 4 Dunst 4 bedeckt 1 wolkig i 2 Nebel ; 2wolkenl i Nebel WK r>% i* W« Ctatloncn °c s| b=H £ 2 ffi i! "■c Setter B". 5» ** d.uiaranda 1 747 SW i 2 wolkig Petersburg 755 WSW 1 Nebel Scillv Merdeen Parte 763 OSO 2 bedeckt 750 WSW 2bciter 763 SSW 1 bedeckt 3 11 14 8 15 Wetterprognose für Sonuabeud, den 1. Oktober 1310. Etivas kühler, vorherrschend wolkig bei mätzigen südwestlichen Winden 1 keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. s <3) Ö o p Vernward 4, 5, 6 Köllnischer Fischmarkt 4, 5, 6, gegenüber der Breite Strasse. Für jede Körperform fertige UlsterPaletots-Anzüge [251[281 1 32 1[361 1 42 1[48]|54||60||68||75| 190, ö S CO Z. 1 Für Knaben und Jünglinge I 8 I I 10 I DD DD DD I 21 I I 25 I I I I 32|| 36 j| 40 Im. Die ebenfalls in meinen Betriebswerkstätten, Köllnischer Fiscbraarkt 6, hergestellte Jünglings- u. 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Oberbürgermeister K i r s ch n e r bemüht sich in dieser Sache bei der Hartnäckigkeit der Firma leider jedenfalls vergebens. Die wahrscheinliche Zumutung an die Streikenden, bedingungslos die Arbeit aufzunehmen, kann von diesen nur zurückgewiesen werden, da dafür keinerlei Veranlassung vorliegt, selbst dann nicht, wenn die Scharf- macherpresse noch so heiß bemüht ist, den Anlaß für die Krawalle und die Polizeitaten der Gewerkschaft und der Partei aufzuhalsen. Die Arbeitswilligen sind gar nicht so zahlreich vorhanden; die Firma prahlt zwar ständig damit, daß alle Stellen der Streikenden besetzt seien, nähere Informationen geben jedoch ein anderes Bild. Frei- tag früh fuhren sechs Kohlenwagen der Firma mit Arbeits- willigen sehr schwach besetzt vom Platze. Unter dem Schutze der Polizei benehmen sich die Arbeitswilligen auch jetzt noch äußerst frech und provokatorisch gegen die Passanten. So warf ein Arbeitswilliger mit großen Kohlen- stücken in eine Gruppe von auf der Straße stehenden Frauen hinein. Die Frauen suchten um Schutz bei den Polizeiposten nach, bekamen aber von einem Schutzmann zur Antwort:„Was treiben sich denn die dummen Weiber auf der Straße herum, sie sollten nach Hause gehen und ihre Strümpfe stopfen." Der Transportarbeiterverband wird Sonntag zwei große Mitgliederversammlungen abhalten, um Stellung zum Streik zu nehmen.— Die Streikleitung hat strenge Anweisung an die Streikenden gegeben, nach 6 Uhr abends die Straßen in Moabit- nicht zu betreten, um zu verhüten, daß an den Krawallen unbeteiligte Streikende ver- haftet werden, wodurch der bürgerlichen Presse neues Material zu westeren Hetzereien gegen die Streikenden geliefert würde. Berlin und Umgegend. Ueber die Lohnbewegung der Etuisarbeiter und-Arbeiterinnen berichtete Freitagabend Brucks in einer gutbesuchten Versmnm- lung der beteiligten Arbeiter und Arbeiterinnen, die im„GeWerk- fchaftshaus" tagte. Da die minimalen Zugeständnisse des Arbeit- geberverbandes nicht ausreichten und seine Vertreter nicht vor dem Einigungsamt verhandeln wollten, so hat sich die Organisation lBuchbinderverband) an die einzelnen Arbeitgeber gewandt und ihnen den Vertragsentwurf zur Bewilligung übersandt mit der Maßgabe, daß ab 1. Oktober der Vertrag als Provisorium gelten solle, bis ein neuer Tarifvertrag mit der Fabrikantenbereinigung möglich werde. Sieben Firmen haben sich bereits damit eiuver- standen erklärt, eine davon mit einer Einschränkung. Mit dieser Firma wird die Kommission nochmals in Verbindung treten. Nach einigem Hin und Her hat sich die F abr i ka n t en v e rei n i- g u n g nun doch noch bereit gefunden, vordem Einigungs- am t zu verhandeln. Die Sitzung findet heute(Sonnabend) statt. — Im Laufe der Diskussion zeigte sich in der Versammlung Kampfesstimmung. Die Diskussionsredner traten energisch dafür ein, daß die Kommission bei den Verhandlungen von den Forde- rungen nichts nachlassen möchte. Aus der Versamlnlung wurde der Antrag gestellt, daß die Kollegen und Kolleginnen, welche nicht unter die jetzigen Bewilligungen fallen, vom Montag früh ab die Arbeit ruhen lassen, falls di.e Verhand- lungen vor dem Einigungsamt am Sonnabend kein genügendes Ergebnis erzielen.— Die Kollegen, welche von heute ab unter den neuen Bedingungen arbeiten, nahmen an der Abstimmung nicht teil. Der Antrag wurde von den übrigen fast einstimmig angenommen. Differenzen im Betonbaugewerbe. Die Betonbranche des Zentralverbandes der Maurer hielt bei Jannaschk in der Jnselstraße eine Mitgliederversamm- lung ab, in der H a e s e zunächst über die am 8. und 9. September vorgenommene Bautenkontrolle berichtete, die einen Teil der all- gemeinen Bautenkontrolle bildet, welche der Hauptvorstand des Maurerverbandes über ganz Deutschland ausführen läßt. Das Ergebnis der Bautenkontrolle für die Branche zeigt u. a., daß das Betonbaugewerbe Verlins gegenwärtig sehr stark beschäftigt ist, daß jedoch die tariflich festgelegten Arbeitsbedingungen auf manchen Bauten nicht innegehalten werden, was auch daran liegt, daß das Organisationsverhältnis bisher ein gut Teil zu wünschen übrig lieh. In letzter Zeit ist es allerdings in dieser Hinsicht bedeutend besser geworden: die Organisation ist im Wachsen begriffen, und im dritten Quartal wurden in der Branche nicht weniger als 429 Neu- aufnahmen gemacht. Die Bautenkontrolle hat im übrigen noch mancherlei Mißstände aufgedeckt. Das Schlimmste, und was viel- leicht zu ernsten Konflikten führen wird, ist, daß die Unternehmer bestrebt sind, immer mehr Ueberstunden machen zu lassen, ohne den tariflichen Zuschlag dafür zu zahlen, und das geschieht in solcher Weise, daß, wenn die Arbeiterschaft sich nicht ganz energisch dagegen wehrt, statt der tarifmäßigen 9stündigen, die 19— llstündige Arbeitszeit als Norm eingeführt wird. Diese Art Ueberzeitarbeit sucht man dadurch zu erzwingen, daß man des Nachmittags und namentlich in der letzten Arbeitsstunde durch die jetzt fast allgemein eingeführte Maschine so viel Betonmasse anmengen läßt, daß sie unmöglich bis Feierabend verarbeitet werden kann. Bei den Tarif- Verhandlungen im Jahre 1908 suchten die Arbeitgeber einen Passus in den Tarifvertrag hineinzubringen, wonach der Zuschlag für Ueberzeitarbeit nicht bezahlt werden sollte, wenn nach Feierabend der von der Mifchkolonne angemengte Beton noch verarbeitet wird. Die Arbeitnehmervertreter wehrten sich ganz energisch gegen diese Bestimmung, und die Unternehmer verzichteten dann auch darauf. Die Arbeitnehmer gaben jedoch zu Protokoll, daß sie an sich nichts da- gegen hätten, wenn der angerichtete Beton noch verarbeitet wird. Es könnte sich ja da nur um Ausnahmen und höchstens um eine halbe Stunde handeln. Die selbstverständliche Voraussetzung dabei war, daß aber auch in diesen Fällen der tarifmäßige Zuschlag für Ueberzeitarbeit gezahlt wird, was ja auch schon daraus hervorgehe, daß die von den Unternehmern beantragte Tarisbestimmung ab- gelehnt worden war. Bisher haben die Arbeitgeber, mit wenigen Ausnahmen, denn auch in diesen Fällen den Zuschlag bezahlt. Seit ungefähr 3 Wochen ist darin jedoch eine Aenderung eingetreten. Die Unternehmer berufen sich für ihre Weigerung, den Zuschlag zu zahlen, auf die erwähnte Protokollerklärung und-verharrten auf diesem Standpunkt auch bei den Verhandlungen in der Schlich- tungskommission. Am Montaß sollte nun das Einigungsamt über die Frage entscheiden, aber es kam nicht dazu, da die Unternehmer den einen der Beisitzer, den Gauleiter Silber schmidt des Maurerverbandes, als„parteiisch" ablehnten. Das Einigungsamt fall sich nun am nächsten Mobtag mit der Angelegenheit befassen. «San kann ja noch nicht mit Bestimmtheit voraussagen, wie die Entscheidung ausfallen wird, aber die Arbeiterschaft der Betonbau- brauche wird sich— und das ist den Arbeitgebern auch schon in der Schlichtungskommission deutlich genug gesagt worden— auf keinen Fall damit zufrieden geben, daß die tariflich festgelegte Arbeitszeit systematisch verlängert, und obendrein nicht einmal der Zuschlag für Ueberstunden gezahlt wird. Vom Verband der Glaser ist bekanntlich der Arbeitsnachweis der Berliner Glaser-Jnnung gesperrt. Zur Durchführung der Sperre hat am Dienstag eine außerordentliche Versammlung be- schlössen, Bautenkontrollkarten einzuführen. Die Bauhandwerker werden ersucht, alle Glaser, mit denen sie in Berührung kommen, nach der roten Kontrollkarte zu fragen, stets muß die laufende Woche abgestempelt sein. Nur ordnungsmäßig durch den Arbeits- Nachweis der Organisation Vermittelte erhalten solche Karten. (Vergleiche Inserat in heutiger Nummer.) Außerdem beschloß die Versammlung, die Leitung soll sich mit den in Betracht kommenden Unternehmer-Organisationen in Verbindung setzen zwecks An- bahnung von Verhandlungen für einen Lohntarif. Achtung, Kiichenmöbelbranche! Die Maler und Anstreicher obiger Branche machen wir darauf aufmerksam, daß sich der Akkordpreis für das Anstreichen der Möbel vom 1. Oktober 1910 um 5 Proz.. erhöht. Die Kollegen, die von obigem Datum ab die Erhöhung nicht erhalten, haben dieses sofort der Verwaltung zu melden. Die Ortsverwaltung. Als ein kleiner Scharfmacher hat sich der Rechtsanwalt B er, Rosenthaler Straße 36, etabliert. Er forderte kürzlich von seinem Personal die Unterzeichnung einer„Bureauordnung", die mit den charakteristischen Worten begann:„Wir bestimmen hierdurch..." In dieser Bureauord-nung wurde die jetzt vertraglich auf 9 Stunden vereinbarte Arbeitszeit auf 10 Stunden verlängert. Dies, obwohl die Angestellten fast täglich gezwungen werden, bis 9 Uhr, ja bis 10 Uhr und noch später zu arbeiten. Einer der Angestellten, der sich diese Verlängerung der Ar- beitszeit nicht gefallen lassen wollte und den Vorgang dem Ver- band der Bureauangestellten meldete, wurde am 21, September kündigungslos entlassen, als der Anwalt erfuhr, daß fein Verhalten in der Verbandszeitung entsprechend beleuchtet worden war. Der Herr Rechtsanwalt Ber duldet keine organisierten Angestellten in seinem Bureau und wirft diejenigen aufs Pflaster, die sich nicht widerspruchslos alles gefallen lassen. Deutfebes Reich. Im rheinisch-westfälischen Jnimstriebezirk spielen sich in aller Stille Vorgänge ab, die darauf hinauslaufen, daß der hier domi- niercnden christlichen Gewerkschaftsbewegung in der sogenannten Berliner Richtung ein ernsthafter Feind erwächst. Wer die Vor- gänge aufmerksam verfolgt hat, dem konnte es nicht verschlossen bleiben, daß die Berliner schon seit längerer Zeit ihre Minierarbeit begonnen haben. Begünstigt wird ihre Arbeit durch die schmähliche Niederlage, die der christliche Gcwcrkverein bei den letzten Wahlen erlitten hat. Hier sollten doch die evangelischen Arbeitervereine mit den katholischen Arbeitervereinen, unterstützt von der national- liberalen Zechenpartei, gegen den„roten Bergarbeiterverband" vorgehen. Da das Zusammengehen nicht geklappt hat, die evan- gelischen Bergleute nach Meinung der Christen fast durchgehend„rot" gewählt haben, so benutzen die Wortführer der Berliner Richtung gerade diesen Umstand für ihre Zwecke auszunutzen, indem sie darauf hinweisen, daß an den evangelischen Arbeitern doch Hopfen und Malz verloren sei und daß durch die„Jnterkonfessionalität" den Gewerkschaften nur eine Gefahr für die Reinheit des Katholi- zismus erstehe. Der Vikar Windolph an der S' Fosephskirche in Bochum hatte schon vor einiger Zeit den Anstoß gu gegeben, die Berliner Richtung einzuführen. In der von ihm herausgegebenen Broschüre „DasEhristentumderchristlichenGewerkschaften" wird diese Ansicht vertreten und die Einführung katholischer Ge- werkschaftcn befürwortet. Damit hat der Vikar allerdings bei den christlichen Gewerkvereinsführern ins Fettnäpfchen getreten. Der Zentrumsabgeordnete Wiedeberg bespricht das Windolphsche Buch in der„Baugewerkschaft" vom 18. September wie folgt: „Materialien für eine objektive Beobachtung des GeWerk- schaftsstreites unter den deutschen Katholiken" will Herr Windolph zusammengetragen haben. Wer diese Absicht wirtlich hat, der muß in einwandfreier Weise sichten und prüfen, darf nicht die Worte von außerhalb der christlichen Gewerkschaften stehenden Korporationen und Personen über diese allein an- führen, sondern auch das, was die christlichen Gewerkschaften selbst dazu sagen. Klarheit in der Zeichnung von Einzelheiten und Personen ist unerläßlich, ferner Vermeidung von Jnsinua- tionen(Verdächtigungen) und Unrichtigkeiten. Das hat W. nicht getan, er handelt vielmehr nach dem bekannten Spruch: „Im Legen seid recht munter, legt ihr nicht aus, so legt doch unter!" Durch den willkürlich angewandten Sperr- und Fett- druck tritt diese Methode besonders hervor, ohne oatz entsprechend einer ehrlichen Journalistik auf diese Abweichung vom Original hingewiesen wird. So stutzt W. ein„System" zusammen, wie wir es vom„Sitz Berlin" gewohnt sind. Im Organ der zentrumschristlichen Holzarbeiter wird der Herr Vikar nicht weniger respektvoll behandelt: Pfui Deubel ob der Denunziationssucht oder— ob des gequälten Ausdrucks der Mißachtung der kirchlichen Autorität! Auch letzteres liegt nicht außer dem Bereich des Wahrscheinlichen. Wir hatten nämlich früher einmal in einer vertraulichen Ver- sammlung zu Köln(also auch unter den Augen des Kardinals) Gelegenheit, einen jüngeren Geistlichen aus Bochum(!) zu be- obachten, der bei den Ausführungen von Geistlichen, die an Jahren älter waren, an Würden höher standen und die wegen ihrer Verdienste verehrt werden, eine Physiognomie aufsetzte, die auf alles andere als auf Hochachtung schließen ließ. In einer großen Zentrumsversammlung, in Dortmund, in der Graf Praschma über die Finanzreform referierte, kam der Zen- trumsführer Lambert. Leasing auch auf diese Vorgänge zu sprechen und erklärte dem Grafen gegenüber: Sagen Sie den kirchlichen Behörden(gemeint ist Fürstbischof Kopp), daß das treue katholische Volk in der tiefsten Seele er- bittert ist über gewisse Marodcure in unseren Reihen, welche da unsere in jahrelangen Arbeiten festgefügten Organisationen zu zerstören trachten. Unsere Arbeiter gahören zum großen Teil den christlichen Gewerkschaften an. Wir decken nicht mit unserem Schild jedes Wort, das mal ein christlicher Gewerkschaftssekretär gesprochen hat, aber wir sprechen aus, daß diese Gewerkschaften die geeignetste Form seien, in welchen die auf dem Boden /er christlichen Weltanschauung stehenden Arbeiter sich zur Vertretung ihrer wirtschaftlichen Interessen zusammenfinden. Diese Sprache verrät die Gefahr, in der sich die christlichen Gewerkschaften befinden, falls die Berliner Richtung hier Einfluß gewinnt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man annimmt, daß das Gros der katholischen Geistlichkeit für die Konfessioncllität der Ge- werkschaftcn eintritt. Damit wird aber den christlichen Gcwerk- schaften das Wasser abgegraben, denn erstens bestehen die christ- lichen Gewerkschaften zu 99 Proz. aus Katholiken, und ferner hat die Geistlichkeit einen ungeheuren Einfluß auf die Arbeiter. Läßt dieser Einfluß nach oder wendet er sich gar der Berliner Richtung zu, dann sind die Christen im Jndustriebezirk verratzt. Drohende Textilarbciter-Aussperrung. In der gestrigen Sitzung des ArbeitgeberverbandeS der Rhei- nischcn Seidenindustrie wurde einstimmig beschlossen, in 14 Tagen die allgemeine Sperre zu verhängen, falls der Ausstand bei der Firma EiSländcr in Krefeld bis dahin nicht beendigt ist. Es kommen! ungefähr 15 000 Arbeiter in Frage. I Achtung, Holzarbeiter! Am 29. September find die Kollegen der Firmen Aichinger, Häusler, Gillmann, Bach und Kauffmann in Mülhausen i. E., zirka 150 Mann, in den Ausstand getreten, nachdem die am vorhergehenden Abend stattgefundenen Verhand- lungen gescheitert waren. In bezug auf Verkürzung der Arbeits- zeit erklärten die Unternehmer ein gebundenes Mandat zu haben und keinerlei Zugeständnisse machen zu können. Die Stim- mung der Streikenden ist eine vorzügliche. Zuzug ist fernzuhalten. Di« Streikleitung. ZZusIand. Ein Lichtblick im britischen Textilkampf. London, 30. September. Einen Ausweg haben die Textil- fabrikanten zur Vermeidung der für den 1. Oktober angekündigten Riesenaussperrung gelassen. Der ganze Streit geht um George Howe, der aus der Fernspinnerei entlassen wurde, weil er sich weigerte, bestimmte Aufräumungsarbeiten vorzunehmen. Die Kämmer der Spinnerei traten darauf in den Ausstand und der Unternehmer erwiderte mit der Aussperrung sämtlicher Spinner. Die Arbeiter verlangen, daß George Howe wiedereingestellt wird, ehe eine Schiedskommission darüber urteilt, ob er zu Recht oder Unrecht entlassen wurde. Die Unternehmer dagegen wollen ihn erst nach beendigten Verhandlungen wieder aufnehmen. In ihrer gestrigen Versammlung sind sie den Spinnern entgegen- gekommen. Zwar verharren sie auf ihrem Standpunkt. Doch haben sie sich bereit erklärl, dem Kämmer George Howe eine Entschädi- gung zu zahlen, wenn das Urteil des von den Arbeitern und Unter- nehmern gleichzeitig beschickten Schiedsgerichtes gegen ihn ausfällt. Diese kleine Konzession ist der einzige Lichtblick in der gegen- wältigen Lage. Wird auf ihm als Grundlage in letzter Stunde eine Einigung erzielt, dann brauchen morgen nicht 150 000 Spinner ihre Arbeitsstätten in 700 Spinnereien zu verlassen und Wochen- lang arbeits- und brotlos zu sein. Die Folgen einer derartigen Aussperrung wären unabsehbare. Denn durch das Ruhen des Be- triebes in 700 Spinnereien würden zahlreiche verwandte Berufe mit über 390 000 Arbeitern noch in Mitleidenschaft gezogen werden. Huö aller Mlelt. Reiteres aus dem Cholcragebicte. Rom, 29. September. Selbst etwas so Ernstes wie der Kampf gegen die Cholera zeitigt komische Zwischenfälle und Schildbürgerstückchen. In R o m hat man in eineni von der eleganten Halbwelt bewohnten Hause einen verdäckligen Fall konstatiert. Die Kranke kam ins Lazarett, aber alle anwesenden Klienten in den verschiedenen Etagen mußten es sich gefallen lassen, für f ü n f T a g e i n d e in Hause eingesperrt zu bleiben. Die gewaltsame Ver- längerung des Aufenthaltes in einem Lokal dieses Genres mag für die meisten jungen Leute nicht erfreulich sein, am unerfreulichsten aber ist sie für einen Herrn, den seine Ehegattin zu Hause erwartet! Dieser ist das Objekt des Spottes der ganzen Stadt.— Die ominösen fünf Tage, die ja bekanntlich die Jnkubations» Periode der Krankheit darstellen, spielen auch in dem folgenden Schildbürgerstückchen, für dessen Wahrheit wir uns verbürgen können, eine Rolle. In einem Städtchen der Basilikata halte sich ein Cholerafall gezeigt, dessen Einschleppung aus Apulien nach- weisbar war. Der Bürgermeister fühlte sich beflissen, ein Erempel zu statuieren. Er hatte gehört, daß ein Kaufmann eine große Form Käfe aus Apulien erhalten hat. In Begleitung der Orrsgendarmen und der Feuerwehr begibt er sich auf die Station, läßt den ominösen Käse einhüllen und mit der Vorsicht transportieren, als ob es sich um eine Bombe handelte. Und zwar geht der Transport ins Lazarett, wo der Käse in einen Dockerschen Pavillon gebracht und versiegelt wird. Dann gibt der Bürgermeister durch Mauer» a n s ch l a g bekannt, daß aus dem Choleragebiet ein Käse ein- getroffen sei, den er aber, um die ö f f e n t l i.ch e Gesund« heit besorgt, von der Station hätte abholen und fünf Tage isolieren lassen. Hoffentlich bricht in dieser Frist bei dem armen Käse die schreckliche Krankheit nicht aus. Schiffskatastrophe an der englischen Küste. Wie ein Telegramm aus Hamburg meldet, kollidierte der dort eingetroffene englische Kohlendampfer„Sir Walter Scott" in der Nähe der englischen Küste mit dem deutschen Schoner„F r i e d r i ch". Das deutsche Schiff wurde so schwer angerannt, daß es sofort sank. Von der Be- satzung des Schoners fanden drei Mann, darunter der Kapitän, in den Wellen ihren Tod. Von der Ziviatik. Einen bemerkenswerten Fing hat am Donnerstag der fran- zösische Militäraviatikcr Hauptmann Bellenger ausgeführt. Mit feinem Aeroplan stieg er in Viiiecnnes auf und flog über Sissonne nach Mourmelon-le Grand. Nach einem dreistündigen Äufenlhalt stieg er mit seinem Apparat wieder auf und flog zurück nach Bry-sur« Marne. Die von Vellenger zurückgelegte Strecke beträgt 3 50 Kilo» meter._ Modernes Schningglerwesen. Großes Aufsehen erregt unter der bclgisch-franzvsischen Grenz» bebölkerung daS wiederholte Erscheinen eines geheimnisvollen Auto- mobillvagens, der wahrscheinlich von Schmuggler» geführt wird und die Grenze in voller Fahrt passiert. In der Nähe der Grenze angelangt, versuchen die Automobilisten durch eine spezielle Vorrichtung eine derartige Staubwolke auszuwerfen, daß es den Zollbeamten unmöglich ist, das Automobil zu erkennen und Schüsse auf dasselbe abzugeben. Alle Grenzbehörde» sind hiervon mit dir Anweisung benachrichtigt worden, die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen._ Kleine Notizen. Im Zeichen der Flcischnot. An der deutsch-russischen Grenze in Oberschlesien hat der Flcischschmuggel seit kurzem einen derartigen Umfang angenommen, daß in einer Woche 100 Ver- Haftungen vorgenommen worden sind. Durch Einsturz eines DeckengewölbeS im dritten Stockwerk eines nenecbauten Hauses in München wurden die Decken de§ ersten und zweiten Stockwerkes durchgeschlagen. Zwei Arbeiter sind schwer und einer leicht verletzt worden. Eine furchtbare FeuerSbrunst hak in der vergangenen Nacht den größten Teil des ostpreußischen Dorfes Haydik eingeäschert. Die Abgebrannten sind fast alle nur gering versichert, so daß die meisten dem Ruin entgegensehen. Explosion in einer Pulverfabrik. In der Pulverfabrik von Eis- feld-Silberhütte(Anhalt) zerstörte eine Pulverexplosion drei Arbeitsräume. Von den dort beschäftigten Arbeitern wurden drei schwer, zwei leicht verletzt. Im Kampfe mit Wilderern. In einem Walde an der bayerischen Grenze ertappte ein Wildheger Rott den Tagelöhner Luft aus E g e r beim Wildern. Beide schössen aufeinander. Der Wild- Heger wurde so schwer verletzt, daß an seinem Aufkommen ge- zweifelt wird; auch der Wilderer, der erheblich verwundet worden ist, wurde ins Spital geschafft. Ein Wirdelsturm hat vier Ortschaften auf der Insel Manila zerstört. Tie Tabakerute der Insel wurde schwer geschädigt. Dritter Berliner Reiclistags-Waiilkreis, Sonntag, den 2. Oktober, abends«'/- Uhr, im„Gewerkschaftshans"(großer Saal), Engelnfer IS: dsMsnMsKe Versammlung. Tag«S»Ordnung: z-ck«s des s-l>°ffru UvNv»der: ,Ij!KeIm lI. LriieKer". Nach der Versammlung:(ZemÜtUciies veisamlnonselll. Entree inkl. Garderobe 20 Pf. Herren, welche daran teilnehmen, zahlen Z0 Pf. nach. Zahlreichen Besuch erwartet Der Einberufer: Aug. Pohl, Raunynstr. SO. leiss! Masctiinisten u. Heizer v. Berlin u. Umgepd. Sonntag, den 2. Oktober, vorm. t« Uhr, im gr. Saale des Gewerkschaftshanses zu Berlin: Xombinlertv VersammlutiK folgender Zahisteiltu: Kerli«, Charlottenbnrg» Friedrichsl/ageu, Herzfeldez Ka!ltj»erge> Köpenick» Königs-Wusterhausen, Körbis- drng, Kowames, Gber-Kchöneweide, Spandau«.Kelten. TageS-Ordnung: I. Vortrag über:..ZKväerNV XlSLSenKäMAZS". b. Diskussion. S. Wahl eine» Mitgliedes der Preßkommission. MS/1 Xnr inUffUodor haben Ziiitrltt. Mltgllcdabach legitimiert. Starken Besuch, besonders seitens der Berliner Kollegen erwartet Der Verbandsvorstand« Deutscher Cransportarbater-Verband Bezirk Qroß*Berlln. Bureau> Engeluser 14/15. Fernsprecher: Ami IV, 2382, 4747. Arbeitsnachweis: Engeluser 15. Fernspr. Amt I 2S32.«330: IV 3348, 199«. Sonntag, den 2. Oktober, mittags 12 Ukr: 2 allg. MitDlieder-Versammlnngen im großen Saale von Kellor, Küpeniclcsf 8trake 96/97, und in den Pharussälen, MällerstraSe 142. TageS-Ordnung! i. Der Streik bei der Kohlenfirma I'. ItnpLor n. Co. iit Moabit und die Stellungnahme der bürgerlichen Presse hierzu. 2. Diskussion und Beschlußfassung. In Rücksicht darauf, daß die Tagesordnung eine besonders wichtige ist, wird erwartet, daß die Mitglieder aus allen Branchen sich pünktlich und zahlreich einfinden 51/0*_ Die Bezirksleitung � I. A u g. l e r n e r. » Bifin Arbeitsnachweis: Hos l. Amt 3. 1239. Verwaltungsstelle Berlin. Hauptbureau: 0liaelitote»a» 8. Hos IN. Amt 3, 1987. Montag, den 3. Oktober 1910, abends 6 Uhr: ssllgewellie veriammlung aller in der Bleißmetallbrandse deichäk- tlgten kiollegen und Kolleginnen im Lokals von Bercht, früher Voigt, Ritterstraße 72. TageS-Ordnung: 1.„Gcnossenschastswescn und Arbeiterbewegung/ Referent: Kollege Adolf llvuschict. 2. Diskussion. 3. Verbands, u. Branchenangelegenheiten. Das Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen ist dringend notwendig. 122/13 Die Ortoverwaltuug. Oeutsclier Buchliinder-Verband. --- Zahlstelle Berlin.> i> «chwn-> ctuisbranche.! Sonntag, den S. Oktober, vormittags 10'/i Uhr: Dranchen-Uersa mmlnng in(iirauiiianiiS Festsälen, Naunhnstr. 27. TageS-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den Verhandlungen vor dem EinIgungZamt. 2. Diskussion. Die Anwesenheit aller Branchcnmitglicder ist dringend ersorderlich l 25/1 Die OrtSverwaltung nnd Branchenlcituug, Benkeirer Blieiiiiinder. Verdend. i Zahlstelle Berlin.>. i Montag, den Z. Oktober 101(1: Verfammlung aller- In Schöneberger Buchbindereien und verw. Berufe be- ichäfllgien Kollegen und Kolleginnen. Tages. Ordnung: 1. Vortrag des(Benoffen O. Schenk. 8. Ausstellung der Delegierten zur Schöneberger Krankenkassenwahl. 0. Tarifliche Angelegenheiten und Verschiedenes. Der Wichligen Tagesordnung wegen erwarten wir zahlreichen Besuch. Die OrtSvertvaltung. Scknvietat*«! fOr«>«>»»«» Herren-Hoden Fertig und 0.0b U.U.- O.r..- tl* für t.d«IIO0«. Sit, und beate Vur.rb.ltnne. Anl TcMlw Wochen rate TMI IHR.» ixurzberi Rosenthaieisir.tO direkt.m Hack»- aeben ll.rkt, im Lftden u. I.£t»(.. MmK lidM«•*&:' 4i' t> X&S'ü)- WM'-'M' NOBEL. CREDIT WT Garderobe"WS Nr Herren, Damen u. Kinder � Pslswaren, DamenhQta, Sahahatarew kauft man am baaten, am bllllettan. am raallatan bal Huso Udo Colin, Kottbuser Damm 13 Autwahl gsnau so rsiohhalllg wls In dan grC.ti.n CrsdUhtutsrn Einsetier. Svuutag. den 8. Oktober, vormittags ü'/, Uhr, bei Boohcsr, Webrrftrafte 17 t Branchenversammlung. Tagesordnung: 1. Bekanntgabe des neuen Tarif». 2. Branchenangelegenh eilen und Verschiedenes. 90/17 Bl« Bi'an«hvnhon»alsslon. RaHtnenversiolder. , den 3. Oktober 1910, abends 8 Uhr: Merordentllede Versammlung im Gelverkschastshause» Ellgelufer Nr. 15, Saal 5. Tages'Ordnung: Bericht über die Verhandlungen mit den Vcrgoldermeistern. Beschluß- sassung über den Vergoldertaris. Musikinstrnmentenarbeiker Mitttvoch, den s. Oktober, abends 8 Uhr: ßolubiiliertt Kraulheu- u. Utrtinuknsmümlrrvkrslunurlnng im„Märkischen Hof", Admiralstraße 13o. TageS. Ordnung: 1. Der Stand unserer Bewegung. 2. Branchen« und DervandSangelegen- Helten._ Bay mtslledsbnch loeltimlert. DM Zahlreichen Besuch erwartet Di« Branche uleitung. Hl if immer auf der Höhe uud iufolgedesten darauf bedacht, für Tie zu sparen. Diese? erreichen wir, und Sie legen viel Geld jurück. wenn Sie Ihren Bedarf an Kictbung». stücken im Kanthnns für Bonatsfarderoben, tiroOe Frankfurter Str. 98 decken.— Wir sind mit die Itillig/sten am Platte, deshalb können Sie sich bei u«S für wenig Geld schick und elegant einkleiden, denn wir verkaufen von Millionären, Doktoren. Reisende» sowie frinfte» Kavalieren nur wenig getragene, in den erste««erkftätten von Deutschland und beut Auslände, teils sogar ans Seide gearbeitete, au Stoff und Haltbarkeit unübertroffen« Serie 1 Serie 9 Serie 19 U4likil||ö 8 M. 14 M. 18 M. MaD-Paletots 6 M. 12 M. 16 M. Gesellschafts. Anzüge werden billigst verliehen. |{»urii»iiz nirMona(sgarderoiien nur Or. Frankfurter Straße 93.««£ Bitt« im«igentn Interetse auf Hautnummer zu achten. Streng reelles chriftl. Geschäft. Keine Filiale» am Platze. AhtoHuiix IIa Neue Garderoben. I nnr UroBe Frankftirter Str. 08. s s 3 BS 0 I U »» a I a * Im Jahre I89S 8044 Kunden -JSL Einfach. 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Die Klage muh durch einen Rechtsanwalt erhoben werden. Der Klage vorausgehen muh ein Sühneverfahren bei dem zuständigen Amtsgericht. DaS vom Amtsgericht zu erteilende Sühneattest ist mit dem Armutszeugnis und der Heiratsurkunde bei dem Landgericht mit dem Antrag aus Bewilligung des Annen- rechts und Beiordnung rincs Rechlsanwalls einzureichen. 2. Der Wohnsitz des Mannes ist entsckeidend sür die Zuständigkeit. 3. Landgericht I Berlin, Grunerstr. — Lohr, Schivelbeinerftr. 1. Der Tennin ist noch nicht bestimmt. Die Sache ist anhängig bei der Strafkammer des Landgerichts III Berlin. 2. und 3. Der Berliner Spar- und Bauvcrein, Sickingenstr. 7, erteilt auf Nachtrage AuZkunst, sendet Ihnen aus Verlangen auch die Statuten zu. 4. In der Regel Schwindel. Das Polizeipräsidium iührt eine sogenannte Gehcimmitlelllste.— No. 37 E. S. Teilung des Nachlasses der Mutter. Die Höhe des den Kindern zustehenden Anteiles könnten wir erst angeben, nachdem wir Kenntnis von dem Jahr, in welchem die Mutter die zweite Ehe eingegangen ist und wo der erste Ehewohnsitz gewesen ist, haben.— B. R. 100. 1. Ja. 2. 181. bis 302. Tag vor der Geburt. 3. Dann ist keiner der beiden unterhaltspflichtig. 4. Ja. Der Anwalt muß aber bei dem Gericht zugelassen sein. 5. DaS ist ein Irrtum.— BS. Z. Sil. Eine solche Verpflichtung besteht unseres ErachtenS nicht.— O. B). Ja. Buchdruckerei v. Verlagsanstglt Paul Singer& Co» Berlin SW. Nr. 330. 37. Jahrg. lkilage Ks JuiMits"• Jmtijtii ftr Jcrkn. f. GKi-dtt 1910. Vorort-JVacbrkbtcn. Reinickendorf. Gemeindcverlretcrsitzung. Die Wahl unseres am 28. Sep- tember gewählten Genossen D o m n i ck zum Gemeindevertretcr wurde für gültig erklärt. Eine lebhafte Debatte entfesselte noch- mals die von unseren Genossen geforderte und nun endlich vom Gemeindevorstand vorgeschlagene Neuregelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Gemcindearbeiter. Der Vorstand schlug vor, sämtlichen Gemeindcarbeitern sofort eine Zulage von 2 Pf. pro Stunde zu gewähren, d. h. unter anderem die Erhöhung des Anfangslohnes von 38 auf 40 Pf- pro Stunde. Den Kcmalisations- arbeitern sollen ein Uebcrrock und wo notwendig auch Beinkleider geliefert werden; auch sollen ihnen sowohl als auch den Wasser- werksarbcitern lange Stiefel gehalten werden. Den mindestens fünf Jahre ununterbrochen bei der Gemeinde Beschäftigten soll ein einwöchigcr Urlaub gewährt werden. Dagegen soll denjenigen Ar- beitcrn, die eine Invaliden- oder Unfallrente beziehen, der Lohn um den Betrag dieser gekürzt werden. Ferner sollen die wegen Ungehorsams oder Trunkenheit Entlassenen bei etwaiger Wieder- einstellung nicht den vor der Entlassung erhaltenen Lohn, sondern einen niedrigeren bekommen. Gegen diese rigorosen Bestimmungen wie auch gegen die übrigen Teile der Vorlage wandten sich unsere Genossen. Sie forderten eine Mindestzulage von ö Pf., Lieferung der Ueöerkleidung für alle im Freien Arbeitenden, Gewährung eines Stiefelgeldes von 50 Pf. für die im Freien oder Wasser Beschäftigten, Gewährung von Urlaub an die seit zwei Jahren bei der Gemeinde Tätigen; außerdem beantragten sie, den seit einem Jahre hier beschäftigten Gemeindearbeitern von der dritten Krankenwoche ab die Differenz zwischen Lohn und Krankengeld zu zahlen. Allein die bürgerliche Majorität ließ sich auf nichts ein. Die Vorlage des Gemeindevorstandes wurde ohne Aenderung nach Ablehnung der Anträge unserer Genosien angenommen. Interessant ist, daß der Schöffe Reinicke bestätigte, was ja schon längst ohnehin bekannt war, daß er den neugegründeten Ge- meindearbeitervercin aus der Taufe gehoben habe, und zwar,„weil auch er das Gefühl habe, daß tatsächlich die Gemeindearbeiter ver- nachlässigt worden sind". Unsere Genossen erklärten auch sofort, baß sie das jetzt Bewilligte nur als ganz kleine Abschlags- Zahlung betrachten und nicht verfehlen werden, bei nächster Ge- Icgenheit schon mit neuen Anträgen im Sinne der Gemeinde- arbeiter zu kommen. Ganz richtig betonte auch Genosse Ohl, daß dSs jetzt Erreichte den Sozialdemokraten zu danken ist, denn wenn auch die neueren Anträge vom neuen Gemekndearbeiter- verein ausgehen, so hindert uns das nicht, das Erreichte auf unser Konto zu setzen, denn der Verein wurde ja nur gegründet, weil man die Forderungen der Gemeindearbeitcr auf die Dauer nicht ablehnen konnte, sie aber als Anträge der Sozialdemokraten nicht bewilligen wollte. Eine besondere Auseinandersetzung entspann sich noch zwischen dem Schöffen Dr. Kühnemann und unseren Genossen wegen der Zahlung der Differenz zwischen Lohn und Krankengeld. Diese Forderung sei, so betonte Herr Kühnemann, undurchführbar, was bewiesen werden könne durch eine Statistik, die er in seinem Betriebe führe, und aus der zu ersehen sei, wie oft und wie lange die Arbeiter seines Betriebes erkrankten und ganz besonders welche Aerzte sie aufsuchten. So vorsichtig er sich auch auszudrücken versuchte, eins war daraus sicher zu ent- nehmen, bei ihm steht jeder Kranke sofort im Verdacht zu simu- lieren. Schließlich wurde der Antrag nach lebhafter Polemik dem Gemeindevorstand als Material überwiesen. Der vorgelegte Jahresabschluß pro 1S08 schließt in der ordentlichen Verwaltung mit einer Einnahme von 2 032 407,85 M. und in der Ausgabe mit 2231 360,35 M.; das sind gegen den Voranschlag weniger an Einnahmen 221 502,15 M. und an Ausgaben 22 639,65 M., so daß also das Defizit in der ordentlichen Verwaltung allein 108 052,50 Mark beträgt. Durch diverse Transaktionen in der außerordent- lichen Verwaltung und in Anbetracht dessen, daß die Beträge, die aus dem beabsichtigten Verkauf von Gemeindegrundbesitz zwar etatisiert waren, aber noch nicht eingekommen sind, vermindert sich das eigentliche Defizit auf 41 657,71 M. Da auch der Jahres- abschluß pro 1009 eine Mindereinnahme von zirka 120 000 M. er- warten läßt, dürfte die vorgenommene Steuererhöhung um 20 Proz. kaum ausreichen, den Bedarf zu decken. Recht auffällig glaubte der Schöffe Dr. Kühnemann beim nächsten Punkt der Tagesordnung sich beim Bürgermeister anvettetmicheln zu können. Aus dem Rechnungsbureau ist ein Beamter ausgeschieden. Um neues Blut gerade in dieses wichtige Bureau verpflanzen zu können und dadurch etwa an anderen Orten vorhandene Neuig- leiten auch der Neinickendorfer Verwaltung zuzuführen, ersuchte der Bürgermeister ganz richtig, diesmal von der Avancements- rege! abzuweichen und keinen der nächsten Anwärter auf den Posten zu berufen. Ganz bescheiden erbat sich der Gemeinde- Vertreter Stoff einige Erläuterungen; dies benutzte der Dr. Kühne- mann, ihn in hochfahrendem Tone, etwa in der Art, wie es sonst wohl seinen Angestellten gegenüber übt, anzublasen, ihm dabei unterstellend, als habe er dem Bürgermeister vorgeworfen, bei dieser Angelegenheit die Interessen der schon im Dienst der Gemeinde Beschäftigten nicht genügend gewahrt zu haben. Es wäre eine Beleidigung des Bürgermeisters, anzunehmen, daß er das nicht stets getan habe, wo doch in der ganzen Gemeinde sein fast väterliches Herz für„feine" Gemeindeangestellten bekannt sei. Schade nur, daß davon bisher so wenige etwas gemerkt haben. Die anderen Herren übten bei dieser schneidigen Attacke Still- schweigen. Genehmigungen von Baugesuchen und Beratungen über diverse Festessen gelegentlich der Einweihung von Gymnasium und Krankenhaus bildeten den für den Bürgermeister so bitteren und unangenehmen Nest der Sitzung. Freireligiöse Weiiieinde. Sonntag, den 2. Oktober, vormittags 11 Uhr. Kleine Frankfurter Stratze 6: Vortrag von Fräulein I. Altmann: „Glauben, Wissen und Freiheit".— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen._ eingegangene Dmekfebriften. Felix Sailen: Olga Frogemuth. Roman. Fischers Bibliothek zeit- genössischcr Romane, Bd 9. Leicht geb. 1 M., in Leinen 1,25 M. S. Fischer, Verlag, Berlin. Tarifverträge im Baugewerbe littli). Herausgegeben von den Vorständen der Maurer und Bauhilfsarbeiter Deutschlands. 498 Seiten. Jahrbuch 1k>«S. Herausgegeben vom Vcrbandsvorstand. Verlag Zentral- verband der Maurer Deutschlands(Th. Bömelburg. Hamburg). Das Perpetuum-Mobile. Die Geschichte einer Erstndung. Von Paul Scheerbart. Preis geb. 1,50 M. Verlag von Ecnst Rowohlt. Leipzig. Fraueii-Zukunft. Heft 5. Monatsschrist, herausgegeben von Gabriele v. Lieber, Meta Hammerschlag, H. Dorn. Vierteljährl. 4 M. Franenverlag, München und Leipzig. Student und Arbeiter von Brmio Kiesewelter. 75 Ps. S. Pierson, Dresden. Tätigkeitsbericht des Sozialdemokratischen Vereins für den Wahlkreis Frankfurt a. M. 1909/10. 36 S. Parteisekretariat Franksurt a. M., Allcrheiligcnstr. 51. Automobil mit elektrischem Antrieb. Bd. 6 und 7 der illustrierien ' erauSgegeben von W. Hubert. Einzelbd. 25 Pj. H. Shncck i. Th. HauSbibliolhek. Schneider Nachs., von Das Schulzimmer. VierteljahrZschau Nr. 2. Herausgegeben H. Tb. M. Meyer. 1 M. P. I. Müller, ChaAottcnburg 5. Das Bürgerliche Gesetzbuch mit besonderer Berücksichtigung der Rechtsprechung dcS Reichsgerichts.' Erläutert von Georg Hoffmann, Brückner. Erter, Buclagc, Aurch, Dr. Ebbccke, Kiehl, Schaffeld und Schmitt, ReichsgerichtSrätc. I. und 2. Band. 798 Seiten. Verlag von U.E. Sebald, Nürnberg und Leipzig. Fachblatt für Holzarbeiter. Heft 9 des sünften Jahrganges, Scp- tcmbcr 1910. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbeiterverband in Berlin. Gesund und frobcn Mute?. Eine Auswahl aus den Werken non Otto Emst. Geb. 1,80 M. LiebeSmusik. Eine Ali-Wiciier Geschichte. Von HanS Hart. Drosch. 4 M. Geb. 5 M. Verlag von L. Staacknmnn, Leipzig. Verzeichnis der in deutscher Sprache vorhandenen gcwerlschastlichcn Literatur. Im Austrage der Gencralkommission der Gewerkschasten Deutsch- lands zusaminengestellt von Johann Sasscubach. 4. Ausgabe. Preis 00 Pf. Verlag der Generalkommission der Gewerkschasten Deutschlands. Zu beziehen durch alle Buchhandlungen. Das Lied der Berge. Roman von Ferdinand Sonnenburg. Preis 4 M.. geb. 5 M. Verlag von Otto Jonke, Berlin. lluiversalbibliothek. 5221—24. Rolla. Die Lcvenstragödie einer SchattspiclerinvonN.Vob.— 5225. Dichtcr-Biographicn. Gotthold Ephraim Lesfing. Von Dr. N. Riemann.— 5226. Alt-Berlin. Von A. Glas- brenn«.— 5227. In» Bnrgwinkel. Schauspiel von L. Rohmann.— 5228—32. Der Sternenhimmel. Von Pros. Dr. I. B. Messerschmitt. Einzelimmmer 20 Ps. PH. Reclam, Leipzig. Das Königtum von Gottes Gnade«! Von I. B. Kraus). 75 Pf. H. Rauch, Wiesbaden. Blinde Liebe. Drama von Dr. E. Bcrger. IM.— Der Auto- didakt. 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