Nr. 23». DbonncmentS'Redlnsunsen: aSoimcmentä■ Preis pränumerando i Liertcljährl. 3£0 Ml., monatl. 1,10 Ml. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für daS übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien. Dänemarl ' olland, Italien. Luxemburg, Portugal, länicn, Schweden und die Schweiz. 87. Jahrg. Crtdicint tSglich außer montags. Vevlinev Volksblettt. Die TnicrtionS'GebOljr »eträgt für die fechsgefpaltene Kolonel. zeilc oder deren Raum b0 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins« und Versainnilungs. Anzeigen 30 Pfg. „Uleine Hnsefgoi", das erste(fett« gedruckte) Wort 20 Pfg., jedcS weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- ftellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über lä Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Numnier müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Abreiset „Sozlaldeinollrat fUrlin", Zentralorgan der rozialdctnokrati fehen parte» Deiitfchtands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 4. Oktober ILHO. Expedition: 8«l. 68, Lindenstrasoc 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr, 1381. Zurück zu BUlout. Der nationalliberale Parteitag ist am Sonntag in Kassel geschlossen worden, nachdem der zweite Verhandlungs- lag noch ein Referat nebst Debatte über Mittelstands- Politik gebracht hatte. Diese Verhandlungen waren je- doch so unglaublich inhaltslos, daß unsere Leser uns dankbar sein werden, wenn wir sie mit einem ausführlichen Bericht darüber verschonen. Was soll man z. B. dazu sagen, daß einer der Redner pathetisch ausrief:„Mit bloßen Redens- arten ist dem Mittelstande nicht geholfen", während doch die ganzen Verhandlungen nichts, aber auch gar nichts als die seit Jahrzehnten bekannten leeren Redensarten enthielten! Von einem gewissen Interesse mag es sein, daß ein Ingenieur aus Chemnitz die glatte Beseitigung der Konkurrenzklausel forderte. Aber sofort sprach ein anderer dagegen, und der Parteitag half sich aus dieser, wie aus allen andereil Schwierigkeiten durch ein geradezu geniales Mittel: er faßte überhaupt keine Beschlüsse! So sprach er es gewissermaßen parteiamtlich aus, daß die nationalliberale Partei nichts Bestimmtes kann noch will, und daß die Ver- Handlungen nur leere Redensarten gewesen. Wer wird denn auch etwas anderes als Redensarten erwarten von einer Partei, die jedem alles verspricht und die widersprechendsten Interessen zu befriedigen sich erbietet? Als einzige Kundgebung von einiger politischer Be- deutung bleibt somit die einleitende Rede Bassermanns übrig, über die wir am Sonntag berichtet haben. Aus ihr kann man— vielleicht— schließen, wie sich die nationalliberale Partei in den politischen Kämpfen der nächsten Zeit zu ver« halten gedenkt. Freilich, auch Herr Bassermann ist Diplomat, und die Kunst der Diplomaten besteht bekanntlich darin, mit vielen Worten möglichst wenig zu sagen. Aber soweit mutzte Herr Bassermann seine diplomatische Kunst doch zähmen, daß wenigstens eine Art von Parole aus seinen Worten herausklang: und diese Parole lautet: Zurück zu Bülow. Die Nationalliberalen sehnen sich zurück zu den Bülowschen Zeiten, mit denen waren sie zufrieden. Verständlich ist diese Sehnsucht, denn es läßt sich nicht leugnen, daß die Politik der mittleren Linie, die in dem be- rühmten Block zum Ausdruck kam, im Grunde ihres Wesens nationalliberale Politik war. Freilich hat sie gerade darum scheitern müssen: auch sie— wie jetzt der Parteitag— ver- sprach jedem alles und konnte folglich keinen befriedigen. Aber wenn die Nationalliberalen diese wahre Ursache ihres Mißerfolges nicht einsehen wollen, so ist ihnen das kaum zu verargen. Niemand glaubt gern, was ihm unangenehm ist. Anders jedoch steht es mit der Begründung, auf die Herr Bassermann seine Sehnsucht stützte. Heute noch den Herrn Bülow als„guten Volkspsychologen" zu rühmen, heute noch zu erzählen, daß Bülow damals„dem Liberalismus einen Platz an der Sonne" habe gönnen wollen, ja. daß er über- Haupt eine großzügige, leitende Idee gehabt habe— das setzt ein Vertrauen in die Vergeßlichkeit und Dummheit der Volks- masscn voraus, das denn doch gründlich enttäuscht werden dürfte. Wir wissen nicht, ob die Herren Delegierten in Kassel diese Worte Bassermanns ernst genommen haben. Taten sie es, so wäre das gerade kein rühmliches Zeugnis für ihre Intelligenz. Solch Gerede konnte man 1907 wagen Aber heute weiß doch ein jeder längst, daß die ganze Aktion nichts weiter war als ein verzweifelter Trick Bülows, um die Entscheidung über die 800 Millionen neuer Steuern, die im Jahre 1908 erfolgen mußte, aus den Wahlen zu ent- fernen. Also nicht, um„an das deutsche Volk zu appellieren", hat Bülow damals wegen 29 Millionen Kolonialgelder den Reichstag atifgelöst, sondern um die Entscheidung über 500 Millionen dem Volk wegzunehmen. Das weiß heute jedes Kind, und von den führenden Geistern der Nationalliberalen, die um jene Zeit' so viel private Gespräche mit Herrn Bülow geführt haben, nehmen wir sogar an, daß sie es damals schon wußten. Uebrigens konnte sichs jeder denkende Politiker auch damals schon an den fünf Fingern abzählen. Und wenn man die Volksinasscn iiber die wahre Bedeutung der da- maligen Wahl so eingeseift und hinters Licht geführt hat, so war das eben eine„divlomatische" Tat. Was aber kann es für einen Sinn haben, wenn heute der nationalliberale Führer mit dieser Begründung die Wiederkehr der Bülowschen Zeiten herbeisehnt? Was ist denn eigentlich für ein Unterschied zwischen der Aera Bülow und der Aera Bctbmann? Herrn Bethmann ist bisher wenig gc- hingen, eigentlich noch gar nichts. Ueber die zunehmende Unzufriedenheit hat Herr Bassermann beweglich geklagt, und damit dem jetzigen Reichskanzler Schuld gegeben an dem Anwachsen der Sozialdemokratie. Das entspricht jenem engen Horizont, der große geschichtliche Vorgänge durchaus auf die Tüchtiakcit oder Untüchtigkeit einzelner Personen znri'ükfiihren will. Indessen, aus der Sprache der Diplo- maten in gerades, ehrliches Deutsch übersetzt, heißt das doch: Herr Bekhmann versteht es nicht so gut, die Masten über den Löffel zu barbieren: Bülow war darin geschickter. Die nationalliberale Partei will also, daß wieder mehr Schaum geschlagen wird: davon erhofft sie eine Zurück- dämmung der Sozialdemokratie. Das ist ja nun freilich kindisch, selbst unter dem engsten bürgerlichen Horizont betrachtet. Denn man darf doch nicht vergessen, daß die Massen der Wähler gerade durch das Ueber- maß Bülowscher Schaumschlägerei schließlich zur Besinnung gekommen sind. Wir haben doch alle die Wahl von 1907 er- lebt: wir wissen doch, was man uns damals alles über das „Interesse des Vaterlandes" vorgelogen hat, und wir haben alle gesehen, daß zuletzt nur eine neue Steuervorlage von 500 Millionen dahinter steckte, während man offiziös beim Wahlkampf immer wieder behauptet hatte, es würden keine neuen Steuern verlangt werden. Gerade die Erbitterung über diesen Schwindel war es doch, aus der die jetzige Un» zufriedenheit entsprang. Wäre sie denn anders, wenn der liberale Block die Finanzreform mit 400 Millionen indirekter Steuern gemacht hätte und Bülow noch am Ruder säße? Wir glauben also, die Nationalliberalcn tun dem jetzigen Reichskanzler unrecht. Der Bülowsche Krug war eben so lange zum Wasser gegangen, bis er brach. Und er hätte in Bülows Händen ebenso gut brechen müssen. Aber bezeichnend ist es, daß die einzige nicht ganz verschwommene Kundgebung des nationallibcralen Parteitages in der Sehnsucht nach mehr Schaumschlägerei besteht. Sozialistengesetz— ftichthausvorlage! Durch die ScharfmacherKresse heult der Ruf nach einem neuen Sozialisten- oder Zuchthausgesctz! Die Reaktionäre wollen die Moabiter Vorgänge füp ihre volksfeindlichen Ziele ausnützen. Auf der ganzen Linie ist die Hetze gegen die Arbeiterschaft im Gange. In der frechsten Weise wird die Wahrheit zu diesem Zwecke vergewaltigt.. Mit eherner Stirn wird der Welt vorgelogen, daß die Unruhen in Moabit ein „sozialdemokratischer Aufruhr" waren, daß die Sozialdemo- kratie ihn angezettelt und geleitet habe, daß sie die Schuldige an den Vorgängen sei. Man scheut nicht davor zurück, die Unruhen mit den Wahlrcchtsdemonstrationen auf eine Linie zu stellen— in ihrer blinden Wut vergessen jene Blätter völlig, daß gerade diese Zusammenstellung die denkenden Leser stutzig inachen muß, da die Straßendemonstrationen der organisierten Arbeiterschaft die Disziplin der klassenbewußten Proletarier ins hellste Licht gestellt und ge- zeigt haben, wie würdig Demonstrationen verlaufen, die den politischen Forderungen des Proletariats dienen, wie sicher die Ordnung ist, wenn die Polizei es unterläßt, die Massen zu provozieren! Das Blatt der Regierung, die„Nordd. Allg. Ztg.", er- öffnete den Neigen. Sie formuliert zwar noch nicht die Forderung nach Ausnahmegesetzen, aber sie bereitete ihnen den Boden, indem sie sich die gehässigsten und lächerlichsten Beschuldigungen, die während der Vorgänge von Polizei- inspirierten Federn gegen die Sozialdemokratie erhoben wurden, zu eigen machte. Sie schrieb am Sonnabendabend: Inwieweit die organisierte Arbeiterschaft und Par- teiangehörige der Sozialdemokratie an den Aus- schreitungen der Menge oder bei den Verabredungen, ohne die die Krawalle schwerlich in der geschehenen Weise hätten vorfallen können, beteiligt sind, darüber werde» wohl die bevorstehenden Gerichtsverhandlungen Aufklärung schaffen. Schon heute aber mutz als feststehend angesehen werden, dah ein Zusammen- hang besteht zivischen den Moabiter Vorgängen und der sozial- demokratischen Verhetzung der Massen, die sich neuerdings ver- schärft. Von der juristisch greifbaren Verantwortlichkeit abge- sehen, deren Feststellung dem Gericht vorbehalten bleiben muh, vermag sich die sozialdemokratische Partei dem Vorwurf der moralischen Mitschuld an den bedauerlichen Vorkomm- nisten in Moabit nicht zu entziehen, am wenigsten durch so ver« legene Wendungen und fadenscheinige Ausflüchte, wie sie der „Vvrtvärts" zum besten gibt.... Diese Haltung der sozial- demokratischen Presse entspricht der Gesamttendenz der sozial- demokratischen Agitation. Welche Hoffnungen sie an Vorgänge knüpft, wie sie sich in Moabit abgespielt haben, darüber bedürfen wir nach den Wahlrechtsdemonstrationen. den Erörterungen über den politischen Masjenstreik und ähnlichen Erscheinungen keiner Belehrung mehr. Dies alles dient nach sozialdemokratischer Meinung der revolutionären Erziehung des Pro- letariats. Um so ernster und dringender wird für die Re- gierung die Pflicht, Pöbelausschreitungen und 5l 11 fruhrvcr suchen mit unnachsichtlicher Schärfe entgegenzutreten und der Unbotmätzigkeit einer verhetzten Menge niit der Autorität der Staatsgewalt und der Strenge des Gesetzes zu begegnen. Die„Deutsche Volkswirtschaftliche Korre- s p 0 n d e n z", das Organ des Zcntralvcrbandes der In- dustriellen, benutzt die Gelegenheit, um gegen die Sozial- Politik zu Hetzen, die Regierung der einseitigen Begünstigung der Arbeiter gegen die Unternehmer zu bezichtigen. Dann kommt sie zu folgendem Schluß: ..... Um ein Ucbcl mit Erfolg zu bekämpfen, mutz nian seine Ursaöben beseitigen. Liegt die Ursache nun in diesem Falle bei den Streikposten und der.Belästigung der Arl»eitswilligen, so ist ein gesetzliches Verbot de s S t r e i k p 0 st e n ste h e n s die erste Matzregel gegen die Wiederkehr der Vorgänge. In dem Entwurf zu einem neuen Strafgesetzbuch ist mit Recht eine solche Bestimmung vermißt worden. Vielleicht haben sich die Moabiter „Genossen" nun erfolgreich für eine solche Strafbcstiinmung be- müht. Das Soziali st engesetz vom Oktober 7878 wurde im Januar I8vl) vom Reichstage nicht mehr erneuert, weil es über die Zweckmäßigkeit desselben zwischen dem jungen Kaiser und dem alten Kanzler bereits zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war, und Iveil deshalb am Bundesratstischc eine Erklärung unter- blieb, daß da? Gesetz seitens der Regierungen auch ohne AuS- Weisungsbefugnis bei dauernder Geltung annehmbar sei. Daß die Aufhebung des Gesetzes ohne jede Kompensation ein schwerer politischer Fehler war, wird heute nur noch von wenigen Politikern bestritten. Vielleicht aber ist es heute zweckmäßig, an die wichtigsten Bestimmungen des Gesetzes zu erinnern und sie auf ihre Wiedereinführung anzusehen." Tasselbe mißtönende Scharfmachcrlied ertönt im„Tag", Ivo Herr B u e ck die Ausführungen der„Volkswirtschaftlichen Korrespondenz" breiter auspatscht, in den„Berliner Neuesten Nachrichtens der„Post" und anderen Organen desselben geistigen Kalibers. Natürlich sekundiert die agrarische Presse kräftig. Die„Deutsche Tageszeitung" fordert, daß ein Verbot des Streikpostenstchens erlassen werde. Aber da- mit nicht genug, meint das agrarische Vlatt: Unseres Erachtens werden, wenn die Verhältnisse sich weiter so entwickeln, die Verbündeten Regierungen nicht umhin können, noch einmal den Versuch mit der Vorlegung eines Ar- beitswilligengesetzes zu machen. Versagen dann die Parteien, so tragen sie die Verantwortung, die jetzt in der Haupt- fache auf den Schultern der Regierung liegt.- Die„K r e u z- Z e i t u n g" bemüht sich, die Klassen- justiz anzueifern. Sie schreibt: ... Hoffentlich gelingt es der Polizei, außer den schuldigen Tutnultuanten auch möglichst viele der im Hintergrund sich halten- den Hetzer und Schürer zur Ermittelung und Bestrafung zu bringen. Dann wird eS Sache der Justiz sein, durch jede tun» liehe Beschleunigung des Versahrens den Eindruck der Be- stmfiingen auf die breiteren Bolksmassen möglichst zu verschärfen. Denn sür die abschreckende Wirkung der Strafe ist die Prompt- h-it und Schnelligkeit der den Rechtsbrecher ereilenden Sühne erfahrungsgemäß nock wirksamer als die Höhe des Strafmaßes. Der fromme„R e i ch s b 0 t e" phantasiert über die „Strategie des UmfNrrzös"" und- fördert' dabei folgenden blühenden Blödsinn zusage:. � ... Bebel hat nicht umsonst auf dem Magdeburger Partei- tage proklamiert:„Preußen ist einzig in der Welt. � ES gibt keinen ztveiten preußischen Staat. Wenn wir einmal diesen preußischen Staat erobert haben, dann haben wir alles. Das kostet Mühe, das kostet Arbeit. daS kostet Schweiß und das kostet eventuell noch mehr!" Dies„eventuell noch mehr"— das ist, was man jetzt in Moabit eingeleitet und als neue Machtprobe des auf- ständischen Proletariats einmal versucht hat. Daß es gerade dort geschehen ist, hat seinen natürlichen Grund darin, daß die Sozialdemokratie dort ein altes Hauptquartier, gewissermaßen eine Kerntruppc dort besitzt. Und was noch wichtiger ist, diese Moabiter Sozialistengarde befindet sich zur Stunde in besonderer Aufregung und Verhetzung, ist also für Gewaltakte um so zu- gänglicher. Dem Metallarbeiterverband, dessen Mitglieder von der Locweschen Fabrik aus besonders zahlreich einwohnende or- ganisierte Genossen sind, droht eine große Aussperrung seitens der Arbeitgeber, die Transportarbeiter sind gleichfalls unruhig — man ist also in der nötigen Stimmung, revolutionäre Helden. taten zu unternehmen. Die Drahtzieher sitzen natürlich hinter den Kulissen, und in dieser Richtung bleibt es von Interesse, daß unlängst sowohl der Transportavl>eiterverband wie der Jnter- nationale Sozialistenkongreß mit Jaures, Kair Hardie usw. im hohen Norden ihre Kongresse und Geheimkonventikel abgehalten haben. Wie leicht ist es dabei, einen internationalen Schlachtplan des Proletariats zu verabreden und die Rollen für einen solchen stufenweise und genau zu verteilen.. Von den sozialistischen Ober- fcldherren und Hinterfrontmarschällen bis zu dem letzten Ge« nossen können dann die Verbindungen und Gebcimfäden her- gestellt werden und auch interessierte fremde Häiwe werden sich beeilen, an diesem Gewebe mitzuarbeiten. Gerade darum, als erstes blutiges Aufmarschterrain, ist Moabit so ernst und so lehr- reich. Man gebe sich über das, was noch trotz der augenblicklichen Ruhe und Niederlag« folgen kann und wird, keinen Selbst« täuschungen bin; ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode und entsetzlickje Methode selbst darin, daß man die Leben der armen Frauen und Kinder nach russischem Vorbilde als Deckung benutzt, um sie später als Opstr der brutalen Polizeiwillkür zur weiteren Aufsiachclung der Massen zu verwenden. Denn für diese einen neuen wirksamen Agitationsstoff zu gewinnen, das ist der weitere höhere Zweck solcher provozierter„Polizeischlachteu". Folgt daS obligate Geschimpfe auf den„Vorwärts" und die Versicherung, ..... daß das Drama noch lange nicht zu Ende ist, daß w i r Wohl erst bei der nächtlichen Ouvertüre stehen." Zum Schluß wird in der Zuschrift eines Lesers die Polizei aufgereizt, den„Vorwärts" beschlagnahmen und ge- richtlich verfolgen zu lassen. Gerade noch recht ist zu dieser Orgie der Angst und der Wut, diesen Ausbrüchen der brutalsten arbeiterfeindlichen Ge- sinnung das neue Organ der Reaktion gekommen, das von der Regierilng geförderte„N eue Montagsblat t". Dieses Blatt hat wohl geglaubt, gleich zu Anfang den Beweis erbringen zu müssen, daß es an skrupelloser Lügenfertigkeit und Niedertracht keinem Neaktionsorgan nachsteht. Das neue Blatt schreibt: „Wir sind soweit informiert, um schon heute sagen zu können, daß das gerichtliche Nachspiel den Beweis für folgendes erbringen wird: Bei den Unruhen hat es sich nicht um den elementaren Zorncsausbruch von Leuten gehandelt, die ihre Rechte durch die Arbeitgeber mit Füßen getreten glaubten, vielmehr lag ein wohldurchdachter Plan den Tumulten zugrunde. In Destillen wurde KriegSrat gehalten, Pläne entworfen. Radfahrer schwirrten die Nächte durch hin und her, und selbst Automobile, die hinter der Front die Stellung der Schutzmannschaft auszukundschaften suchten, standen den Kämpfern zur Verfügung. Ist es da nicht ent- schuldbar, wenn die über die Matzen gereizten Polizisten, die bis zu 20 Stunden ununterbrochen im Dienste ständen, journalistische Automobile für ein gegnerisches hielten. GeWitz ist es bedauerlich, aber erklärlich und daher entschuldbar." Die„Neue Gesellschaftliche Korrespon- denz" vermac, indes noch den Vergleich mit diesem edlen Blatt auszuhalten. Sie setzt folgende Schauermär in die Welt: Der Ernst dieser Ausschreitungen kann nicht überschätzt werden. Es ist der Umsicht und der Entschlossenheit der Polizei fu danken, datz sie nicht noch grötzere Dimensionen angenommen aben. Es steht z. B. fest, datz in der Nacht zum 29. September ein gewaltsamer Ueberfall. der Loeweschiei Waffe nfabrik geplant war, wo Tausende von Schietz- Waffen und die entsprechende Munition lagern. Es war ein- zelnen Trupps auch bereits gelungen, das Ge° bäude zu betreten, in das ihnen der Pförtner, sei eS aus Furcht oder Mitwissenschaft, Einlatz geivährte, sie wurden in- dessen von den militärischen Posten, welche die Bewachung der Waffenvorräte übernommen hatten, wieder v e r. trieben. Die nächsten Wochen sollen, wenn verschiedene An- zeichen nicht trügen, eine Wiederholung der Krawalle in anderen Teilen der Stadt bringen. Offenbar beabsichtigen die dem Kampfe wohlweislich fernbleibenden Draht- zieher hinter den Kulissen, die ihrem Winke folgenden Masten nach und nach plan ui ätzig zum offenen Aufruhr gegen die Staatsautorität zu erziehen. Fürwmhr, gegenüber solchen Ausbrüchen von Nieder- tracht und Verlogenheit wäre jedes Gefühl der Ernpörung eine Verschwendung. Mit Ekel schaut die Arbeiterschaft diesem erbärmlichen Schauspiel zu. Sie kann im Gefühl ihres Rechts und ihrer Kraft ruhig abwarten, was dieser Schlammvulkan auswerfen wird. Daß sie für ihr Recht zu kämpfen weiß mit besseren, schneidigeren Waffen als mit Straßentumulten a la Moabit, das sollen die Reaktionäre früh genug erfahren. Die engUfche prelTe über die Unruhen. London, 80. September. Die Londoner Presse nimmt heute zu dem Angriff der Berliner Polizei auf die vier englischen Journalisten entschieden Stellung. In der liberalen»Daily News" heißt es in einem Leitartikel:»Der empörende Angriff auf vier englische Korrespondenten war sympte- matifch für die Methoden derPolizei. Die vier Jonrna- listen— zu denen auch Herr Chas. Tower, der Berliner Korrespondent der„Daily NewS" gehört.— wurden, während sie mit der Ausübung ihres Berufes in einer Strotze, die frei von aller Störung und Unruhe war, von einer Truppe Polizisten angegriffen, die mit der flachen Seite und der Schneide ihrer Säbel auf sie einHieben. Gegen eine Führung dieser Art müssen wir in der schärfsten Weise protestieren, und wir hoffen, datz die Berliner Autoritäten danach sehen werden, datz die schuldigen Beamten streng bestraft werden. Der gute Ruf Deutschlands erheischt, datz die Episode drastisch ge- regelt wird; denn so lange nicht Genugtuung geleistet worden ist, wird die Welt gezwungen sein, zu glauben, datz bei der Berliner Polizei, wenn sie damit beschäftigt ist. der Ordnung Respekt zu ver« schaffen, keine Gewalttätigkeit unmöglich ist. Man möchte hoffen, datz die deutsch« Regierung ihre Untersuchungen nicht auf diese» Einzelfall beschränkt, fern der» sich die Frage vorlegt, ob diejenigen. die eine» wütenden Angriffs auf englische Journalisten fähig waren, deutsche Arbeiter wohl mit Diskretion- und Selbstbeherrschung be- handelt haben können." So eines der deutschfreundlich st en Blätter in Groß- britaunien. Die konservative„Daily Mail" schreibt in einem Lest- artikel:„Wir hegen nicht den Wunsch, den Widerstand gegen die gesetzliche Autorität zu entschuldigen, aber wenn die Aufführung der Polizei nach diesem Zwischenfall beurteilt werden soll, so überrascht «S eiuen nicht, datz ein Streit van 141 Kohlenarbeitern in einer Vor- stadt der Hauptstadt in eine dreitägige Schlacht ausgeartet ist. Es ist nicht anzunehmen, datz solch' unbedeutende Ursachen, die dem all- gemeinen Publikum fast unverständlich sind, solche Gewalttätigleit und Unordnung in der meist regierten Hauptstadt der Welt verbreitet haben. Die einzige Erklärung, die man sich denken kann, ist die, datz die Polizei u« der Angelegenheit verkehrt zu Werke gegangen ist und aus Mangel an Taktgefühl und Urteilskraft viele Bürger, die van dem Streik der Kohlenarbeiter nichts mutzten und kein Jntereffe daran haben, in die Reihen des offenen Widerstandes ge- trieben hat." Reuter sagt in seiner Spezialmeldung:„Die Zahl der Ver- wundeten ist der hysterischen Wildheit der Polizei zuzuschreiben, deren Selbstbeherrschung in den Prüfungen den letzten drei Tage voll- ständig geschwunden zu sei» schien. Säbel wurden ans alt und jung ohne Unterschied und oft ohne Ursache gebraucht. ES kau» nicht verneint werden, daß die Polizei den erbittertste» Widerstand in den engen Stratzen fand, wo ein wirklich gefährliches Element wohnt." Der Berliner Korrespondent deS konservativen„Daily Telegraph" berichtet:„Jedem Engländer, der Preußen nichr persönlich kennt, wird es absolut unglaublich erscheinen, datz eine solche Tat im Namen deS Gesetzes verübt wird. Aber die Tatsachen können nicht bestritten werden und sie erklären so ziemlich viele Dinge, über die oberflächliche Beobachter dieses Landes den Kopf schütteln, unter anderem auch die Tatsache, datz drei Viertel der Bevölkerung Berlins sozialistisch bis auf die Knochen sind..." Während jedermann über das Ereignis erstaunt ist, sind die Korrespondeiitc», die die lange Reihe der Störungen, die in den letzten Jahren in Berlin vorgelommen sind, verfolgt haben, keineswegs überrascht. Sie haben gelernt, die Beleidigungen durch die Polizei als«in Teil der Sitten des Landes zu betrachten, und haben sich immer die Möglichkeit vor Augen gehalten, datz sich eine« Tage» irgend ein kleiner Tyrann, autoritätStriinken nnd blind vor Wut, sie als Gegen« stand ihrer Machkgeliiste auswählt. Im ührigeu scheint das Jn- diefluchtschlagen der Korrespondenten im Automobil der Schlußakt der iRoabiter„Revolution" gewesen zu sein." Die ausländischen Journalisten zur jfagowfchen Erklärung. Der Verein der Ausländischen Presse versendet folgende Er- klärung: „Der Verein der Ausländischen Presse Hat in seiner außerordentlichen Generalversammlung vom 2. Oktober 1919 eine R« s o l u t i o u einstimmig a n g e n o m ln e n, welche von Journalisten beantragt worden ist. die a l l e n in dem Verein vertretenen Nationen angehören. Die Resolution lautet: „In Erwägung, I. datz die Herren Lawrence, Shaw, Tower und W i l e nicht als Neugierige, sondern als pflichtgetreue Berichterstatter sich nach Moabit begeben haben und dem- gemäß oer beklagensioerte Vorfall, dessen Opfer sie geworden sind, über den Nahmen einer privaten Angelegenheit hinausgeht, 2. daß die Antlvort des Herrn Pokizeipräsi- deuten von Berlin, wenn sie auch vom privaten Stand- Punkt aus als in freundlichem Tone gehalten betrachtet werden kann, doch vom journalistischen Standpunkt aus energischen Widerspruch hervorrufen mutz, indem sie eine Auffassung zum Ausdruck bringt, die in unruhigen Zeiten den Berichterstattern jede Ausübung ihrer journalistischen Pflicht unmöglich machen würde. 3. datz die Behauptung, es sei eine ordnungswidrige Handlung begangen worden und insbesondere der Hinweis auf den§ 12ö des Reichsstrasgesetzbuches den Eindruck erwecken, daß die Preyevcrtreter, die sich in derselben Lage befiiwen würden, wie die Kollegen Lawrence, Shaw, Tower und Wile, als Teil- nehmer an einer Zusammenrottung zu betrachten wären, das heißt als mit Gefängnis zu bestrasende Landfriedensbrecher: legt die heutige Generalversammlung des Vereins der Auslän- dischen Presse, Me sich mit ihren vier englischen und amerikanischen Kollegen vollkommen solidarisch erklären, gegen den vom Herrn Polizeipräsidenten von Berlin vertretenen Standpunkt entschiedene Verwahrung ein. Der Verein wird nach wie vor dahin wirken, daß die größte Bewegungsfreiheit, verbunden mit persönlicher Sicherheit, den Pressevertretern in ihrer Berufs- tätigkeit gewährt werde." Der£od des Arbeiters JVIachakwsKi, der— wie der„Vorwärts"-am Sonntag meldete— einem Schädelbruch erlegen ist, wird jetzt auch durch die Polizei bekanntgegeben. Eine Korrespondenz, die von der Polizei informiert wird, teilt mit: „An einer Slbädelvcrletzung gestorben ist der Arbeiter Stanislaus Machalcwski aus der Zwinglistr. 11. Der Mann kam am Dienstagabend»ach Hause und legte sich gleich zu Bett. Am nächsten Tage wurde er»eben dem Bett liegend von seinen Wirts- leuten tot aufgefunden. Die Leicke wurde beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Die gerichtsärztliche Obduktion ergab, datz M an einem Schädelbruch gestorben ist. Dieser kann von einen. Schlage mit einem stumpfe» Gegenstande, von einem Sturz oder einem Fall herrühren. Auf dem linken Handrücken wurde eine 3'/, Zcnti» meler lange scharfrandige Wunde sestgestellt. Es ist möglich, datz Machalowsli sich diese Wunde am Dienstagabend in dem Aufruhr durch einen Säbelhieb zugezogen hat. Woher die anderen Ver- letzungcn herrühren, lätzt sich nicht feststellen. Mit Stöcken oder anderen stumpfen Gegenständen ist am Dienstagabend van Polizeibeamten kein Angriff abgewehrt worden. Kriminalbeamte waren a» jenem Abend zur Niederwerfung des Aufruhrs noch nicht aufgefordert." Es ist höchst merkwürdig, daß diese Darstellung erst jetzt an die Oeffentlichkeit gelangt. Die Polizei konnte das alles viel früher wissen, als der„Vorwärts", und sie hat es mich tatsächlich viel früher gewußt, während wir selber erst am Sonnabend bestimmte Nachrichten darüber erhielten. Der „Lokal-Anzeiger" weiß zu melden, daß die Obduktion der Leiche erst am Sonnabend vorgenommen worden sei. Die Leiche des Arbeiters Stanislaus Theodor Machalewski (so lautet richtig sein Name) ist keineswegs erst am Sonnabend obduziert worden. Es ist ja auch gar nicht denkbar, daß die Obduttion eines Mannes, der bereits am Mittwoch(andere behaupten sogar aufs bestimmteste: am Dienstag) gestorben ist, bis zum Sonnabend aufgeschoben worden sein sollte. Von dem Tode Machalewskis hatte die Polizei sofort Kenntnis erhalten, und ein von M.s Wirtslentcn herbei- gerufener Polizeibcanitcr war's, der einen Arzt zu dem Ster- benden oder Verstorbenen holte. Der Arzt konnte nur noch den Tod konstatieren, und er erklärte hierbei zunächst, daß die Verwundung an der Hand eine Schußwunde sei. Wenn sie hinterher' als von einem Säbelhieb Herrührend angesehen worden ist, so wird auch die Polizei nicht bestreiten wollen, daß M. in eine Polizeiattacke hineingeraten war. Die Leiche wurde auf Veranlassung der Polizei dem Schau- hause zugeführt, und dort dürfte sie noch am Mittwoch, spätestens aber am Dönnerstag obduziert worden sein. Be- reits am Donnerstag kam abends ein Polizist zu den nächsten Angehörigen des Verstorbenen und meldete, daß die Leiche zur Beerdigung freigegeben worden sei. Arn Freitag wurde der Totenschein ausgestellt, der einen Schädelbruch als Todesursache angab, und noch am Abend desselben Tages wurde die Leiche nach der Halle des in Reinickendorf ge- legenen Friedhofs der katholischen Sebastiansgemeinde ge- bracht. Der„Lokal-Anzeiger" aber läßt die Obduktion erst am Sonnabend erfolgen, so daß die„denkenden" Leser be- greifen, warum die Polizei er st so spät mit ihrer Darstellung herauskam. Am Sonntag wurde M. zu Grabe getragen. Den schlichten Sarg umstanden die Angehörigen und Verwandten des Veisstorbenen und Mitglieder des katholischen Arbeitervereins St. Josef in Moabit, dem er angehört hatte. Da M. kirch- lich gesinnt gewesen war, so sprach ein Geistlicher Gebete am Sarge nnd über der Gruft. Erwähnt wurde darin der „so plötzliche" Tod, aber der vermutliche Anlaß wurde sonst mit keinem Worte berührt. Ueber die Todesursache kann aber jetzt kein Zweifel mehr sein. Ob M. den Schädelbruch durch Schlag, Sturz oder Fall erlitten hat, kann die von der Polizei infonnierte Korrespondenz nicht sMen. Nun, der Ob- duktionsbefund wird wohl Genaueres darüber enthalten. Vielleicht entsckiließt sich die zuständige Behörde, durch eine amtliche Erklärung den Wortlaut bekanntzugeben. Auch wenn M. zu Fall gekommen ist und dabei den Schädel- brnch erlitten hat, so schließt das nicht ans, daß diese Ver- letzung mit einer Polizeiattacke in Verbindung zu bringen ist. Außerdem ist nicht zu vergessen, daß, wenn die Polizei am Dienstagabend nicht niit Stocken oder stumpfen Gegen- ständen geschlagen hat. so doch mit ihrem Wissen die Arbeits- lvilligen mit Schlagringen. Gummiknüppeln und Revolvern ausgerüstet waren und von diesen Ditigen auch Gebrauch ge- macht haben. Spitzel an der Arbeit! Die originellen Methoden, die die Polizei zur Ermittelung von „Tumnltumlten" eingeschlagen hat, scheinen ihr denn doch nicht zu ge- nügen. Wie wir am Sonntag in einer Zuschrift unseres Mit- arbeiters G. Reinke schilderten, hat sich die Polizei einfach alle Verletzten vorgeladen, um sie dahin auSzuchorchen, ob sich denn nicht jirgend ein Anhalt für eine Anklage— nicht gegen die prügelnden Polizisten, sondern gegen die in so empörender Weise Mitzhandelten entdecken lätzt I Die Polizei scheint bei diesem in seiner Einfachheit geradezu genialen Verfahren aber doch nicht so recht auf ihre Kosten zu kommen. Wenigstens deutet ein BespitzelungSversuch bei einem der Verletzten darauf hin, datz man den Jnquirierten nach in anderer Weise das Geständnis ihres„Verbrechens" entlocken möchte I Der Bäcker N. gehörte zu de» Opfern, die auf der Unfallstation verbunden werden mutzte». Er gab dort seine Adresie an und er- hielt zum 30. September die Aufforderung zur polizeilichen Ver- uehnmng, der er auch nachgekommen ist. Am 1. Oktober nun er- schien in der Wohnung der Wirtslente des N. ein Mann, der sich als einen gewissen Buch holz vorstellte und sich teilnehmend nach dem Befinden de? N. erkundigte. Besonder» sttteresfierie ihn, ob der Verprügelte politisch organisiert sei. ob er der Gewerkschaft angehöre und dergleichen. Als die Wohnungsinhaberin den Herrn Buchholz verwundert fragte, warum er' sich denn so angelegentlich nach diesen Dingen erkundigte, erklärte er, datz er im Auftrage d e S.Vorwärts" gekommen sei. Der Frau jedoch stiegen Bedenken auf, die noch wuchsen, als der Besucher die Bitte um Legitimation ignorierte. Als der Herr Buchholz sich entfernte, lief ihm eine der Frauen nach und ließ ihn durch einen Schutzmann zur Wache bringen, damit dort die Feststellung seiner Persönlichleit erfolge. Auf der Wache verschwand der Wachthabende nach kurzem Zwiegespräch mit dem „Vorwärts-Vettrcter" in einem Nebenzimmer, um nach kurzer Zeit die wartende Frau mit der Bemerkung abzufertigen:„Gehen Sie nur nach Hause, die Feststellung dauert doch zu lanjse." Am Nachmittag versuchte der WohnungZinhaber auf der Polizeiwache das Resultat der Feststellung zu erfahren. Der Leutnant aber erklärte ihm:„Ach was, das war eine ganz harmlose Sache. Es handelt sich um irgend einen Pressevertreter. Lassen Sic nur die Sache gehen." Wir brauchen Ivohl nicht zu bemerken, daß sich die Vertreter des „Vorwärts" nicht unter dem geistreich gewählten Namen Buchholz einzuführen und ihre Legitimation zu verweigern pflegen I Wir brauchen uns auch nicht gegen den Verdacht zu verwahren, datz sich Polizeilcutnants unserer Vertreter in so liebenS- würdiger Weise annehmen könnten. Offenbar also handelt es sich um irgend jemanden, der ein Interesse daran hatte, allerlei über den von der Polizei Verprügelten, also nach der famosen polizeilichen Deduktion der.Zusammenrottung" Verdächtigen zu e r s p i tz e l n I Da dieser Herr Buchholz und Seinesgleichen die Bespitzelungsversuche fortsetzen könnten, sei auf das Treiben dieser Biedermänner hiermit besonders aufmerk- sam gemachtl Recbtfertigungsvcrfiiche aus der Schutzmann- fchaft Es wird unS berichtet: Aus den Kreisen der Berliner Schutzleute, besonders der älteren Beamten, kommen Versuche der Rechtferti- gung gegenüber der Erbitterung und Entrüstung der Moabitcr Bevölkerung. Zahlreiche Unteroffiziere aus dem Heere sollen in Schutzmannsuniform den Dienst in Moabit ver- sehen haben, weil man den regulären Schutzleuten nicht den ge- nügenden„Schneid" zutraute. Viele wollen nur in die Luft geschossen haben, trotzdem die Befehle„von oben" so streng gc- wesen sein sollen, datz man befürchtet hatte. Hunderte von Toten würden das Schlachtfeld bedecken? Ruhe in ZVIoabit. Der Kampf in Moabit hat ausgetobt. Die Bewohner atmen wieder auf. Die Schreckensherrschast des Säbels, des Revolvers, des Gummiknüppels und Stahlstockes ist beendet. Am Sonntag» abend war nichts mehr zu bemerken von dem, was sich kurz vorher dort ereignet hatte. Der sriedliche Bürger konnte lvieder mit seiner Familie ruhig seines Weges ziehe», ohne fürchten zu müssen, nieder- geschlagen zu werden wie ei» toller Hund. An einzelnen Straßen- ecken erinnerten nur noch einzelne Schutzmannsposten an die be- schämende Tatsache, datz die Berliner Polizei durch ihr Ungeschicktes Vorgehen einen Bürgerkrieg entfacht hatte, der weit über die Grenz?» deS Landes hinaus Aussehen und Empörung erregte. Wie gesagt, am Sonntagabend war alles ruhig und zwar, wie allgemein zum Ausdruck kam, weil die Polizei sich von ihrem Um- sturzfieber allmählich wieder erholt hatte. Wo man aber hinhörte, bildeten die ttanrigen Ereignisse den Gesprächsstoff und die Urteile, die über die Polizei gefällt wurden, waren nichts weniger als schmeichelhaft. Die entschiedene Stellung- nähme des„Vorwärts" in dieser Sache wurde selbst von solchen Personen lobend anerkannt, die prinzipiell sonst mit der Sozialdemo» kratie nichts zu tun haben wollen. Cm Auster-Schutzmann. Am Montagmorgen 6 Uhr kam der Schutzmann Richard Göbler, wohnhaft Triststr. 33, 3. Etage, in Zivil in die Gast- ivirtschaft des Herrn Wilhelm IL»er. Ecke Trislstratze und Willdenowstratze. als zwei anwesende Gäste aiiS der„Allgemei, en Zeitung" Miticilungen über die Vorgänge in Moabit vorlasen. Der genannte Schutzniann, der annahm, es sei der„Vorwärts", ärgerte sich darüber und fing mit den beiden Gästen Streit an. indem er sie Schufte, Lnuipen usw. titulierte. Er rühmte sich auch unter anderem, die ganze letzte Woche Dienst gehabt und tüchtig zwischen das Pu- blikum gehauen zu haben. So meinte er auch:.e r in ä ch t c s ü r jeden Hieb, den er ausgeteilt habe, nur einen Sechser haben" Ais der famose Hüter der Ordnung auch noch handgreiflich werden wollte gegen die beiden Gäste, die zum Glück ruhig und be- sonnen blieben, wies ihm der Gastwirt die Tür. Der Streik der Rohlenarbeiter und die Stellung der bürgerlichen Presse zu dem Streik stand auf der Tagesordnung von zlvei großen Mitgliederversammlungen des Deutschen TranSportarbeiterverbandeS, die zum Sonntagmittag ein- berufen waren. Bei Keller in der Köpenicker Straße referierte August Werner, der in seinem Bericht über die Entstehung deö Streiks'mit Nochdruck verschiedene, die öffentliche Meinung irreführende Darstellungen der bürgerlichen Preffe bekämpfte. So ist die Meinung verbreitet lvorden, datz die Kohlenarbeiter in frivoler Weise vor- gegangen seien und der Firma Kupfer nur einen Tag Zeit gegeben und dann sofort die Arbeit niedergelegt hätten. Da« ist falsch, die Arbeiter hatten die Firma Kupfer vier Tage vor dem Streik um Unterhandlungen ersucht. Das Ersuchen wurde abgelehnt und die Firma Kupfer sandte sofort schwarze Listen aus. Es mutz auch betont werden, datz die Forderungen sehr bescheidene waren und datz man bei einigen, Eiitgegenlonimell der Firma vielleicht noch mehr Bescheidenheit geübt halte. Wie die Firma Kupfer gehandelt hat, davon stand nichts in den bürgerlichen Zeitungen. Für jeden unbefangenen Beurteiler wird dies aber sofort klar, wenn er erfährt, datz sich nicht nur der Borsttzcude des Gewerbegcrichts. Herr v o n S ch u l z, die grötzte und alle Anerkennung verdienende Mühe gegeben hat, die Finna Kupfer zu bewegen, die An- gelcgenheit einer amtlichen Stelle, dem Einigungöamt des Gewerbegerichts zu unterbreiten. Alles wurde hinweg gc- räumt, was der Firma auf diesem Wege hinderlich sein konnte. Der Berband trat im Interesse deS Friedens zurück; dem Verlangen der Firma, nur mit den Arbeiter» allein verhandeln zu wollen, wurde Rechnung getragen; aber ünter den wunderlichsten Ausflüchten weigerte sich die Firma, das EinigungSamt entscheiden zu lassen. Da trat sogar der O.bcrbürgcr- wcistcr von Berlin, Herr Kirschner, dafür ein, datz das EinigungSamt entscheiden sollte. Zwei Bürger, darunter ein Landtagsabgeordneter, waren bei ihm vorstellig geworden und boten ihre Dienste zur Her» stellung des Friedens an; fie stellten aber das sonderbare Verlangen, daß die Streikenden sofort die Arbeit wieder aufnehmen sollten und dann— würde man sehen. Das mutzten die Kohlenarbeiter ablehnen, denn sie haben schon bei den Kämpfen im Jahre 1906 so schlechte Erfahrungen mit den Kohlengrotzhändlern gemacht, daß sie alles Vertrauen eingebüßt haben. A u g u st W c r n e r. der zu einer Konferenz hinzugezogen wurde, machte nun einen Vorschlag, den der Oberbürger- m e i st e r sofort billigte. Die Kohlenarbeiter sollten die Arbeit aufnehmen, wenn die Firma Kupfer sich verpflichten würde, das Einigungsamt den Streit entscheiden zu lassen. Diesen Vor- schlag sollte der Oberbürgermeister mit Zustimmung des Herrn v. Schulz und aller auf der einen Seite Beteiligten der Firma Kupfer machen. So geschah es, aber— die Firma Kupfer lehnte ab und beharrte auf dem Protzen st andpunkt, der keinen Frieden möglich macht. Das mutz die Ocffentlichkcit erfahren I Für die Ausschreilungen in Moabit macht der Redner in erster Linie das provokatorische Vorgehen der Polizei verantwortlich. das er unter der lebhaften Zustimmung der Versammelten scharf verurteilt. Die Polizei hatte eine fliegendeWache von etwa 20 Mann und 2 Leutnants im Parterrelokal desHauses eingerichtet. Der Vorsitzende nrachte dies der Versammlung bekannt und tadelte scharf das Verhalten des Wirtes Keller, der den einen Saal zu einer Versammlung für ruhige, friedlich gesinnte Arbeiter vermietet und den anderen Saal für die P o l i z e i, um dieser Gelegenheit zu geben, eventuell gegen die Arbeiter vorgehen zu können. Eine Protestresolution im Sinne der Ausführungen des Re- ferenten wurde einstimmig angenommen. Gegen das Verhalten deS Herrn Bolle fMilchbolle), der sich besonders zum Schutzherrn der Firma Kupser aufgeworfen hat, sprach sich die Versammlung mit großer Entrüstung aus. Der Streik wird energisch fortgesetzt werden. In friedlicher Weise gingen die Versammelten auseinander; die Polizei lag umsonst auf der Lauer. • Auch der große Saal in den»PharuS-Sälen*. wo eine zweite Versammlung stattfand, war bis auf den letzten Platz gefüllt. N i t f ch k e referierte und gab ein Bild von der Lage der Kohlen- arbeiter insgesamt und der der Streikenden bei der Firma Kupfer u. Co. speziell an der Hand von vielen Tatsachen. sDer .Vorwärts' hat darüber eingehend berichtet.) Daß die Forderungen der Streikenden an genannte Firma nicht unverschämt waren, zeigt die folgende Aufstellung, die der Referent mitteilte: Regelung der Lohn- und ArbeitSderhätnifle bei der Firma Kupfer u. Comp., Kohlenhandlung en gros, Berlin. 1. Zeitlohn. a) Die Arbeiter erhalten einen Stundenlohn von K> Pf. bei einer täglich zehnstündigen Arbeitszeit. Der Lohn der Kutscher beträgt 33 M. pro Woche. 2. Akkordlohn. a) Für Ueberladen von Preßkohlen, Steinkohlen, KokS auf dem Platz bleiben die bisher gezahlten Sätze bestehen. d) Die Bezahlung für Austragen aus dem Kahn bleibt der freien Vereinbarung der Arbeiter mit der Firma überlassen, jedoch dürfen die augenblicklich gezahlten Lohnsätze nicht gekürzt werden. 3. Arbeitszeit. a) Die Arbeitszeit für Arbeirer beginnt des Morgens um 6 Uhr und endet abends um 3 Uhr. Diese Arbeitszeit wird unterbrochen durch Pausen von Va Stunde Frühstück. 1 Stunde Mittag und Vz Stunde Vesper. d) Des Sonnabends findet der Schluß der ArbettSzeit eine halbe Stunde früher ohne Lohnkürzung statt. o) Die Arbeitszeit für Kutscher begimtt d«S Morgens um i» Uhr und endet abends 7 Uhr. 4. Ueberstunden. a) Für Ueberstunden erhalten die Arbeiter eine Bezahlung von 55 Pf. pro Stunde. d) In denjenigen Fällen, wo die Kutscher um 5 Uhr morgens anspannen müssen, auch in den Fällen, wo dieselben nach 7 Uhr abends in der Stadt beschäftigt sind, erhalten dieselben eine Ber- gütung von 50 Pf. pro Stunde. Die Berechnung der Ueber- stunden geschieht bis zur Rückkehr nach dem Stall. 5. Sonntagsarbeit. a) Die Arbeiten des Sonntags find möglichst zu vermeiden. ist solche dennoch in der gesetzlich zulässigen Zeit dringend not- wendig, so ist die Stunde mit 30 Pf. zu vergüten. Allgemeines. Die Auszahlung des Lohnes erfolgt wöchentlich deS Freitags. Fällt der Freitag auf einen Feiertag, so erfolgt die Lohnzahlung am Tage vorher. Nur der Polizei seien die Unruhen zuzuschreiben. Wäre die Polizei fortgeblieben, dann wäre sofort Ruhe eingetreten. Ein Fall ist dafür charatteristisch. Bei einem durch Streikbrecher hervor- gerufenen Auflauf wollte die Polizei schon in der bekannten Weise vorgehe», als der Redner dem diensthabenden Offizier erklärte, daß er, Redner, wenn ihm die Polizei nur fünf Minuten Zeit lasse, sofort die Ruhe herstellen wolle. Tatsächlich beruhigte sich die Menge sofort und ging auseinander, nachdem die Beamten sich zurückgezogen und der Redner zu den Personen gesprochen hatte. Die Streik- leitung wurde aus Schritt und Tritt bespitzelt und von Lokal zu Lokal gehetzt. Tie Polizei verhafte jetzt Streikende, um den übrigen Streikenden Angst einzujagen. Die Kollegen werden sich aber da- durch nicht abhalten lassen, weiter ihre Sache zu vertreten.(Großer Beifall.) Scharf nahm sich Redner die bürgerliche Presse vor, die mir ihren Hetzartikeln und Räubergeschichten nur die Reaktion auf- peitschen wolle. Selbst die linlsliberalen Blätter hätten vollständig versagt und sich unumwunden auf die Seite der Polizei gestellt. Die bürgerliche Presse trägt die meiste Schuld, indem sie die Polizei aufgehetzt und alle Vorgänge aufgebauscht habe. Einzig und allein der„Vorwärts' hat mit Nachdruck und Energie d ie I n t e r e s s en der Streikenden und der Bevölkerung vertreten. Redner schließt mit der Aufforderung, die Ruhe zu bewahren und weiter zu kämpfen wie bisher.(Stürmischer Beifall.) Sämtliche Diskussionsredner unterstrichen die Ausführungen des Referenten und die Empörung der Versammelten richtete sich sotvohl gegen das Treiben der Polizei als auch gegen die lügenhafte bürgerliche Presse. Besonders der Douuerstag-Artikel der„Morgenpost' hatte unter den Transportarbeitern böseS Blut erregt, was sich durch stürmische Zurufe bemerkbar machte. Sämtliche Redner forderten die Kollegen eindringlich auf. die bürgerliche Presie, ganz gleich, welcher Schattierung, zum Hause hinauszuwerfen. Auch eine Genossin, Frau Kriech, nahm das Wort, indem sie in sehr humorvoller Weise zeigte, welche Vorteile der Arbeiterschaft durch das Vorgehen der Polizei zukommen. Die Organisationen können zufrieden sein mit der Werbearbeit der Polizei. Rednerin schließt mit den Worten:.1911 bei den Wahlen sehen wir uns wieder!'(Großer Beifall.) Mit einem wirksamen Schlußwort des Referenten, der das Ganze noch einmal zusammenfatzte und an die Anwesenden appellierte, die Franen und Kinder zu Kämpfern gegen den Kapitalismus zu erziehen, nicht mehr die bürgerliche Presse zu abonnieren und der politischen Partei beizutreten, schloß die Ver- Handlung. Auch hier wurde eine entsprechende Resolution einstimmig an- genommen. In der Nachbarschaft waren in vielen Häusern fliegende Polizei- wachen untergebracht. Die Schutzleute hatten den Revolver nur halb im offenen Futteral stecken. Die Versammelten gingen aber ruhig auseinander, nachdem Werner sie noch gewarnt hatte, sich auf eine Provokation einzulassen. Da; Gliener Proletariat gegen die Fleitchnot. Wir«, 2. Oktober. Wieder hat heute eine jener gewaltigen Demonstrationen statt- gefunden, durch die die Wiener Arbeiterschaft mit eiserner Faust in die Geschicke dieses Staates eingreift. Eine Demonstration von Wucht und Gewalt, die nicht weit zurückbleibt hinter jener historischen Demonstration vom 28. November 1905, mit der das allgemeine Wahlrecht erzwungen wurde. Die Not der Massen hat sie diesmal auf die Straße getrieben, die Aufregung über die immer steigende Lebcnsmittelteuerung und namentlich über die Regierung, die gleichgültig und ergeben in den Willen der Agrarier der wachsenden Not zusieht und den Schrei des Volkes nach Oeffnung der Grenzen für billiges Fleisch geflissentlich überhört. Nun hat die Arbeiterschaft in einem friedlichen Aufzuge nochmals ihre Entschlossenheit zum Kampfe kundgetan und wenn die Regierung auch jetzt noch untätig bleibt, fällt die Verantwortung für das, was nun konimt, auf sie. Man wird ja bald sehen, ob sie den Mut haben wird, diese Verantwortung auf sich zu nehmen. Schon frühmorgens wurde eS in den Arbeitervierteln lebendig. Radfahrer durchzogen die Straßen und mahnten durch Hornsignale die Genossen, zur Demonstratton zu eilen. Um 8 Uhr sammelten sich die Genosse» in den einzelnen Gemeindebezirken und marschierten dann in geschlossenen Zügen mit ihren Fahnen und Standarten zum gemeinsamen Zusainmenkunstsort aus den Schwarzenbergplatz. Aus jedem einzelueir der 21 Bezirke kamen Tausende und Zehntausende. Aus den Arbeitervierteln der Umgebung kamen oft mehrere Stunden weit lange Züge von Arbeitern, so aus Liesing und Atzgersdors mehrere Tausend, die fast zwei Stunden bis nach Wien zu Fuß gehen mutzt�. Die Genossen von Wiener-Neustadt hatten einen Sonderzug der Südbahn gemietet, der sie in einer Stunde nach Wien brachte. Aus anderen Orten wieder hatten die Genossen große Deputationen mir ihren Fahnen nach Wien entsendet. Die Züge aus den einzelnen Bezirken waren so groß, daß sie den Wagenverkehr lahmlegten, und daß auch die Straßenbahn ihren Berkehr einstellen mußte. Allerdings muß man zugeben, daß die Leitung der kommunalen Straßenbahn ein ziemliches Entgegenkommen bewies. Auch die Polizei war diesmal so einsichtig, sich möglichst un- sichtbar zu machen und die Aufrechthaltung der Ordnung völlig deir Parteiordnern zu überlassen, die durch rote Armschleifen kenntlich gemacht waren. Um 10 Uhr erfolgte der Abmarsch vom Schwarzenbery-Platz. aber erst nach 12 Uhr war der Platz geleert. An der Spitze des Zuges gingen die Funktionäre der Parteivertretung und die Reichsratsabgeordneten aus der Provinz (die Wiener Abgeordneten gingen mit ihren Organisationen). Knapp hinter ihnen hatte die Organisation der Bühnenarbeiter Ausstellung genommen, die einen Baldachin trug mit einer vom Theatermaler Burkart gemalten Dekoration, auf der einige drastische Karikaturen der Fleischwucherer zu sehen waren. Dann folgten die Deputationen und diesen die Denlonstrationsteilnehmer aus der Provinz. In langem Zuge, bald in Zehncr-Reihen, bald in Zwanziger-Reihen marschierten dann die einzelnen Bezirke, an der Spitze jedes die Bezirksvertrauensmänner, hrnter ihnen dann zumeist die Frauen, die diesmal in überaus großer Zahl an der Demonstration teilnahmen. Jnnerhälö der Bezirke waren wieder besondere Gruppen der einzehien Gewerkschaften sowie auch der größeren Fabrikbetricbe. Jede Gruppe hatte ihre eigenen Fahnen, Standarten und Tafeln, meist rot oder weiß mit Inschriften. Die Standarten waren vielfach so groß, daß sie die ganze Breite der Straße einnahmen. Sie trugen die ver- schiedensten Inschriften, bald ernst-pathettsch, bald witzig-satirisch. Zahllos waren die Karikaturen der Agrarier. Die Hernalser trugen eine Puppe, die einen feisten Agrarier darstellt. Ans einer Tafel ivar der Führer der Agrarier, Rcichsritter v. Hohenblum. im Zwie- gespräch mit einem Owien zu sehen:„Bruder, du darfst nicht herein!' Auf einer anderen standen einige Ochsen vor den österreichischen Zollschranken, darunter die Inschrift:„Eini möcht' i l' Ueberall, wo der Zug geht, steht ein dichtes Spalier von Neu- gierigen, viele mit roten Nelken geschmückt. Beim Parlament hat sich eine große Menschenmenge angesammelt. Man hat— zum ersten- mal bei einer Demonstration— die Rampe freigegeben. Bis hinaus zum Eingang steht die Menge in mehrfachen Reihen. Die Polizei beschränkt sich darauf, den Brunnen zu umgeben. Aus der Zuschauermcnge werden den Demonstranten zum Gruß rote Fahnen geschwenkt. Als die ersten Züge beim Parlament vorbei waren, schwingt sich Abgeordneter Genosse G l ö ck e l auf das Postament deS großen GaskandelaberS vor der Rampe und hält eine flammende Ansprache an die Menge. Stürmische Hochrufe auf die Sozialdemo- kratie und die Rufe:„Nieder mit den Agrariern!'„Nieder mit der Regierung I' sind das Echo. Um �11 Uhr kommt die Spitze des Zuges beim Rathause an, wo eine Versammlung angekündigl war. Aber schon lange vor- her war der kolossale Platz dicht besetzt von Demonstranten, die sich ihren Organisationen nicht angeschlossen hatten. Sie mußten, als die Züge herankamen, Platz machen, ob sie wollten oder nicht. Ursprünglich war beabsichtigt, von drei Stellen aus an die vor- überziehenden Demonstranten Ansprachen zu halten. Aber als der ungeheure Menschenstron. sich über den breiten Platz ergoß, auf dem die Radfahrer Spalier bildeten, sah man. daß es unmög- lich war, Halt zu machen. So wurden bloß an die ersten Züge Reden gehalten. Es sprachen die Abg. Schuh meier, Ellen- bogen. WinarSky, Reumann, Tomaschek, Seitz. Es war fast 12 Uhr, ohne daß auch nur die Hälfte des Zuges beim Rathaus vorbeigezogen wäre. Um den Zug vorwärts zu bringen, ließ man nun ldas Generalarrangement hatte der altbewährte Demonstrationsfeldherr Brelschneider) ein rascheres Tempo einschlagen und in der breiten Allee vor dem Rathaus zwei Bezirks- züge nebeneinander marschieren. Um 1 Uhr war die Demonstration vorbei. Der Eindruck, den sie auf die ganze Bevölkerung machte, wird aber nachwirken. « Prag, 3. Oktober. In K l a d n o w nehmen die Demonstrattoncn anläßlich der Lebensmittelieuerung einen äußerst bedrohlichen Charakter an. Ta« sende von Arbeitern durchziehen die Straßen und fordern Staatshilfe. Die Statthalterei hat ein Bataillon Infanterie, drei Eskadronen Dragoner und 150 Gendarmen nach Kladnow entsandt, da weitere Zwijchenfälle befürchtet werden. poUtilcKe(leberNcbt. Berlin, den 3. Ottober 1910. Nationalliberale Bettelei«m konservative Hilfe. Die„Kölnische Zeitung' bringt in der Montag- nummer einen Artikel, in dem sie alsbaldiger Sanimlung der bürgerlichen Parteien das Wott redet und er- klärt, die gefährlichsten Gegner des modernen Staates und der nationalliberalen Partei seien die Sozialdemokraten und das Zentrum. Ihnen muß der Kampf um so mehr gelten, heißt es/ als ein Erstarken dieser beiden Parteien wiederum die Gefahr ultramontan- sozialistischer Mehrheftsbildung näher rückt. Zu Beginn de» JahreS war an dieser Stelle gesagt, es könne einmal die Zeit konimen, wo die nationale Not die Parteien des alten Block» wieder zusammenführe. Die Zeit ist da! An den Kon- s e r v a t i v e n ist es, ihre Zeichen zu deuten, denn noch ist es nicht zu spät, durch eine zwar schivierige, aber fruchtbare konservativ-li b e rale Politik einen Teil der Un- Zufriedenheit zu beseitigen, die bisher bei den Wahlen Scharen der Mißvergnügten ins rote Lager getrieben hat. Die Zeit ist da, die rote Flut droht uns bis an die Brust zu steigen. Nach Magdeburg scheint uns kein anderer Optimismus mehr gestattet als der, daß die Revisionisten, wenn sie es könnten, uns Bourgeois mit etwas freundlicherem Gesicht den Hals umdrehen würden als die Radikalen. Das badische Vorbild wird daher wohl wenig Nachahmer finden und die bürgerliche S a m m l u'n g sp o li ti k wird sich, auch wenn sich jene konservativ-liberale Arbeitsgemeinschaft nicht erzielen läßt, von Fall zu Fall bei der Wahltaktik von selb st ergeben. Das wird für die Disziplin der bürger- lichen Wähler eine schwere Belastungsprobe sein, und was dabei herankommt, ist nicht vorauszusehen. Wir vertrauen aber, daß die bessere Einsicht die deutschen Bürger und deutschen Bauern hindern wird, sich in Extreme zu verlieren, sie muß sie schließlich doch zur Politik des verständigen Aus- gleichs der Gegensätze zurückführen, wie ihn der National- liberalismus verkörpert. Die Angst vor der roten Flut schwitzt den brapen National- liberalen aus allen Poren und in ihrer Angst verschmähen sie selbst nicht mehr den Ruf: Hilf Heydebrand l Ein Zenttumsruf nach Sammlung! In Köln sprach am Sonntag in einer ZcntrumSwähler- Versammlung der Abgeordnete T r i m b o r n. Seine AuSführun- gen gipfelten in folgenden Sätzen: Es bleibt der Regierung kein anderer Weg übrig, als alle Kräfte zu einer zuverlässigen Abwehrmehrheit gegen das weitere Vordringen der Sozialdemokratie und zu einer Arbeitsgemeinschaft auf mittlerer Linie zu sammeln. Eine solche Politit müßte allerdings wieder an den Faden anknüpfen, der 1906 so jäh zerrissen worden sei. Die Regierung müsse ein deutliches Wort an die Adresse der nationalliberalen Partei richten. Niemals in einem Parlamente habe eine Partei von ihrer Machtstellung einen so bescheidenen Gebrauch ge- macht, wie seinerzeit das Zentrum. Die Sttafprozehrcform gefährdet. Der„Deutschen Tageszeitung" wird geschrieben, daß mit der Möglichkeit des Scheiterns der Strafprozcßreform gerechnet werden müsse. Die Regierung könne der Zuziehung von Laien als Richter in der Berufungsinstanz auf keinen Fall zustimmen. Den Berufungsgerichten müsse ein ver- mehrteS Ansehen in den Augen des Publikums verschafft werden dadurch, daß diese Gerichte lediglich mit Berufsrichtern besetzt werden. Außerdem fürchte die Regierung, daß die nötige Anzahl von Laienrichtern überhaupt nicht beschafft werden könnte. Vermehrtes Ansehen können die Verufungskammern nur dann erlangen, wenn durch Laienrichter ein bestimmender Einfluß auf die Rechtsprechung ausgeübt wird. Recht fadenscheinig ist auch der Grund, daß die nötige Anzahl von Laienrichtern nicht beschafft werden könnten._ Erledigtes Neichstagsmandat. Der Reichstagsabgeordnctc Amtsrat Arendt, konservativer Vertreter de« Wahlkreises Königsberg 2(Labiau-Wehl a'u) ist gestern in Spannegeln bei Popelken gestorben. Arendt wurde 1907 mit 11 575 Stimmen gewählt, 3179 fielen auf den Sozialdemokraten, 1730 auf den Fortschritt. Bei der Wahl im Jahre 1903 brachten es die Konservattven auf 7127 Stinune», der Sozialdemokrat auf 5063, so daß die Aussicht besteht, daß unsere Partei bei der bevorstehenden Ersatzwahl in die Stichwahl mit den Konservativen kommt.__ fpanhreicb. Protest gegen de« Drill. Paris, 2. Ottober. In der Kaserne Lob au der Garde Rcpubliquaine ereignete sich ein Fall von Gehorsams- Verweigerung. Als der Wachoffiziec die Mannschaften an- treten ließ, erschienen die durch den Sicherheitsdienst bei den Streiks ermüdeten Gardisten etwas lau gsa m. Der Offizier schickte die Mannschaft darauf wieder zurück und ließ viermal das Antreten wiederholen. Als er sie ein fiinftes Mal rief, erschienen sie nicht im Kasernenhof. Dagegen Pfiffen sie aus den Fenstern und stimmten die Internationale an. Bellten. Leopolds Erbe. Brüssel, 3. Oktober. Der Kolonialetat für das Jahr 1911 ist den Mitgliedern der Kammer zugegangen. Es ergibt sich, daß die ordentlichen Einnahsmen und Ausgaben mit einem Defizit von 6VH Millionen Frank abschließen; außerdem werden an außer- ordentlichen Ausgaben in dem Etatsjahr 1911 etwa 12 Millionen Frank beansprucht, so daß also im ganzen für 18� Mil- lionen Frank aufzukommen ist. Die Deckung soll durch Ausgabe von Schatzscheinen erfolgen. In politischen Kreisen aber nimmt man an, daß dies nicht möglich sein wird, so daß also mit der Notwendigkeit einer Kolonialanleihe gerechnet werden muß. Der Kongostaat, eine der Hinterlassenschaften deS geschäfts- kundigen Königs Leopold, wird demnach für das belgische Volk ein recht teures Erde. Spanien. Canalejas bleibt! Madrid, 2. Oktober. Gestern stellte CanalejaS beim König die Vertrauensfrage, um sein antiklerikales Programm ohne jede Abschwächung durchführen zu dürfen. Der König er- neuerte ihm sein voll st es Vertrauen. Eine Demonstration der Schwarzen. Madrid, 2. Ottobor. In San Sebastian wurde von estva 30 000 Katholiken eine Kundgebu ng veranstaltet, bei der zahl. reiche Reden gehalten wurden, die scharfe Anklagen gegen die Re- gierung enthielten. Auch in zahlreichen anderen Provinzstädten wurden Protestkundgebungen gegen die antiklerikale Politik ver- anstaltet, die überall, ausgenommen in Valencia und Saragossa, ruhig verlaufen sind. Madrid, 2. Oktober. Eine große Anzahl Katholiken, die heute früh der Messe in der Kirche Virgen del Pilar beiwohnten, zogen später zum Palais des Zivilgouverneurs. Während dieser eine Abordnung empfing, umringten die Manifestanten das Palais und sangen g e i st l i ch e Lieder. Eine Gruppe von Republikanern antwortete init der Marseillaise. Es entstand eine Schlägerei. Die Gendarmen und die Polizei zerstreuten die Manifestanten mit Säbel hieben. Am Nachmittag herrschte wieder Ruhe. Valencia, 8. Oktober. An der gestrigen Kundgebung der Katholiken beteiligten sich mehrere tausend Personen. Die Kundgebung endete mit Stock schlügen und Revolver!- schüssen, wobei zwei Personen verletzt wurden. Die Polizei stellte die Ruhe wieder her. Es wurden mehrere Verhaftungen vor- genommen. Portugal. Streiknnrnhen. In Barreiro in der Nähe von Lissabon sind die Kork- Holzschneider und Weinküper in den Ausstand getreten. Die Korkarbeiter wollen den Export des ungeschnittenen Korkholzcs nicht dulden; sie verlangen, dasi das Holz vor der Ausfuhr zu- geschnitten werde. Die Weinküper protestieren gegen die Einfuhr ausländischer fertiger Fässer. Wie dem „B. T." aus Lissabon gemeldet wird, haben über zwanzig- tausend Mann in Barreiro gleichzeitig die Arbeit verlassen, die Bahnzüge angehalten und Tausende von Ballen Kork- holz herausgeworfen und verbrannt. Fünfhundert Munizipal- gardisten, ein ganzes Regiment Infanterie, vier Schwadronen Kavallerie und das Jngenieurkorps sind nach dem Schauplatz der Vorfälle abgesandt worden. Es gelang nicht ohne weiteres, die Ruhe herzustellen. Vielmehr ist es zu ernstlichen Kollisionen gekommen, bei denen über SOStreikende verwundet wurden. Die Regierung will nun unter allen Um- ständen weitere Unruhen vor Eröffnung des Parlaments, die im Dezember bevorsteht, verhüten und hat den Export unge- schnittenen Korkholzes und die Einfuhr fertiger Fässer untersagt._ Rußland. Jswolski gestürzt. Petersburg, 3. Oktober. Die Ernennung des bisherigen Ministers deS AeußernJswolSki zum Botschafter i n P a r i s ist heute amtlich bekanntgegeben worden. Orkei. Die griechischen Unruhen. Saloniki, 2. Oktober.(Meldung des Wiener K. K. Tele- graphen-Korrespondenz-Bureaus.) Ueber Jenidsche und Um- gebung ist der Belagerungs zustand verhängt worden. Die Entwaffnung der Bevölkerung und die Haussuchungen werden mit größter Strenge durchgeführt. Bei Gumandsche wurde eine 15 Mann starke griechische Bande vernichtet. Aus I a n i n a wird die Meldung amtlich bestätigt, daß die Griechen eifrig dabei sind, die Grenze von Arta bis Loras zu befestigen und Geschützpositionen zu errichten, daß zahlreiche Offiziere dort eingetroffen und daß die Schutzwachen an der Grenze erheblich verstärkt worden sind. China. Fehlbeträge im Staatshaushalt. Peking, 2. Oktober. Das Finanzministerium hat für ganz China das nächstjährige Staatsbudget mit einem Fehlbetrag von 36 Millionen Taels aufgestellt. Die Einnahmen be- laufen sich auf 297 Millionen, die Ausgaben auf 333 Millionen, darunter für das Kriegswesen 90, das Verkehrswesen 50 und die Schuldentilgung 50 Millionen TaelS. Ein Schritt zur Verfassung. Peking, 3. Oktober. Bei der heutigen Eröffnung des Vor- Parlaments erklärte der Regent, daß in dieser Versamm- lung die Meinung des Volkes zum Ausdruck kommen solle. Obwohl hiermit erst der erste Schritt auf dem Wege zum Verfassungsstaat getan sei. so verkörpere sich doch in dieser Versammlung tue Hoffi nung auf eine große Zukunft des Landes, indem China zeige, daß eS im Einklang mit dem Fortschritt der ganzen Welt die Not- wendigkeit erkannt habe, die Lage aller Bevölkerungsklassen und das gute Einvernehmen zwischen ihnen zu verbessern. Die An- träge, die beraten werden sollen, betreffen innere Angelegenheiten. Trotzdem der nur beratende und nicht gesetzgeberische Charakter der Versammlung von den Rednern der Regierung ausdrücklich betont wurde, gab ein Volksvertreter seiner großen Freude darüber Ausdruck, daß der Wunsch, eine konstitutio- nelle Regierung zu erhalten, wenigstens zum Teil erfüllt worden sei. Die Abschaffung des ZoPfeS soll nach einer Pekinger Meldung beschlossene Sache sein. Für Heer und Polizei, Beamte und Studierende wird seine Beseitigung vor- geschrieben werden. � Den übrigen Ständen werde freie Hand ge- lassen. Auch die übrige Kleidung solle reformiert, namentlich das lange Gewand durch eine andere Tracht ersetzt werden. Da auch diese, wie eS bisher der Fall war, für alle möglichen Fälle bestimmt vorgeschrieben werden soll, hat der Regent eigene Studien in den Ministerien angeordnet. Dieser Bruch mit dem seit Jahrhunderten Hergebrachten müsse politische und soziale Folgen nach sich ziehen. Reformen anderer Art fordert die Konferenz der ProvinzialparlamentSdeputierten, die vor kurzem in Peking getagt hat. Sie verlangt eine eingehend dargelegte Reform der Zentral- und Provinzialverwaltungen — der Steuern und Z ö l l e— des Geldwesens— ein freieres Vereinsgesetz— Neuregelung der Steuer- erhebung— Kontrolle der Geschäftsführung der verschiedenen Beamten— Feststellung der Bud- getS der Provinzen durch die Provinziallandtage — Veröffentlichung von Rechenschaftsberichten über die Verwaltung der Provinzen durch die Bizekönige und Statthalter. Falls diese Neuerungen von der Regierung ab- gelehnt werden, hat die Konferenz die Mandatsnieder- legung der Abgeordneten der Provinziallandtage. zu deren Zuständigkeit die angeführten Reformen gehören, beschlossen. GewcrkfchaftUcbCB. Die Verhandlungen zur Beilegung der Differenzen in der öUerftinduftrie wurden gestern in den Räumen des Arbeitgeberverbandes für Hamburg-Altona fortgesetzt. Der Standpunkt der beiden Parteien sowie die Materie selbst ivurden noch einmal durch- gesprochen, jedoch an dem Ergebnis der bisherigen Verhand- lungen nichts geändert. Ob eine neue Zusammenkunst statt- finden wird, hängt von einer für gestern abend anberaumten Versammlung der Werftarbeiter ab, in der die Vertreter der Arbester Bericht erstatteten._ Kerlin und Clmgegend. Der Streik bei Kupfer u. Co. Eine gut besuchte Versammlung der Kohlenarbeiter Berlins beschloß am gestrigen Abend einstimmig, bei all den Firmen die Arbeit niederzulegen, wo Streikarbeit verrichtet wird(Pauli, Schliebel, Thiemendorfer, Schneidemühl usw.). Die be- treffenden Kollegen sollen moralisch und finanziell unterstützt werden. Bei der Firma Pauli sollen am Dienstagmorgen alle organi- fierten Kollegen die Arbeit niederlegen. Ueber die Firma wird die Sperre verhängt. Die Arbeiterschaft der Borstgwerke und die bevorstehende Aussperrung. Am Montagabend hielt die Arbeiterschaft der Borsigwerke in Tegel eine allgemeine Betriebsversammlung ab, um zu der ange- drohten Aussperrung Stellung zu nehmen. Der Saal von Trapp in der Bahnhofstraße, der größte, der in Tegel für die Arbeiterschaft zu haben ist, war bis auf den letzten Stehplatz gedrängt voll. Der Referent Wücke vom Deutschen Metallarbeiterverband schilderte die Umstände, die zu dem Aussperrungsbeschluß des Unternehmertums geführt haben, legte dar, �welche Riescnprofite das Unternehmertum mit fortgesetzten Lohndrückercien in den Krisenjahren erzielt hat, und wie es jetzt die bescheidenen Forderungen der Werftarbeiter zurückweist und durch die Massenaussperrung niederzuknüttetn sucht. Schließlich erklärte der Redner unter stürmischem Beifall der Versammlung, daß, wenn die Unternehmer die 60 Prozent aussperren, die übrigen 40 Pro- z e n t Mann für Maim die Betriebe zu verlassen haben. Er, Redner, sei ermächtigt zu dieser Erklärung. Es müsse endlich ein- mal der Spielerei des Unternehmertums mit den Interessen der Arbeiterschaft ein Ende gemacht werden.— Die Versammlung, die schon während des Referats wiederholt durch lebhafte Zustimmungs- außerungen ihren Kampfesmut kundgegeben hatte, hielt eine lange Diskussion nicht für notwendig. Es sprachen noch zwei Redner und beide verlangten unbedingt, daß die gesamte Arbeiterschaft des Be- triebes die Arbeit verläßt, tvcnn die Aussperrung durchgeführt wird. Sodann beschloß die Versammlung e i n st i m m i g, die Vertrauens- männer des Betriebes zu beauftragen, in der Vertrauensmänner- Versammlung am Donnerstag zu erklären, daß auch die 40 Prozent die Arbeit verlassen, wenn die 60 Prozent ausgesperrt werden. Der Tarifabschlnß in der Berliner Etuisindustrie scheint nun- mehr gesichert. Die Fabrikanten haben den Schiedsspruch des Eini- gungsamtes vom 27. September, der dahin ging, daß sie auf Grund der Bestimmungen des abgelaufenen Tarifvertrages vor dem Einigungsamt zu verhandeln haben, angenommen. Am Sonn- abend trat das Einigungsamt erneut zusammen; es gelang ihm jedoch nicht, eine Einigung der Parteien herbeizuführen, weil die Arbeitgeber auf keinen Fall eine Arbeitszeitverkürzung zugestehen wollten. Nach 3!-� stündiger Verhandlung und Beratung wurde dann ein Schiedsspruch gefällt. Danach hat der mit Wirkung vom 1. Oktober 1910 an abzuschließende Vertrag Gültigkeit bis zum 30. September 1913. Die Arbeitszeit bleibt bis zum 30. September 1912 wie bisher wöchentlich eine 53stündige, von da ab bis zum Ablauf des Tarifes beträgt sie nur 52 Stunden die Woche. Die Minimallöhne betragen vom 1. Oktober 1910 ab für Etnisarbeiter 56 Pf., für Etuistischler und Kartuschstecher 59 Pf. und für Ar- beiterinnen 37 Pf. pro Stunde. Auf die effektiven Löhne werden in jedem der drei Vertragsjahre 2 Pf. pro Stunde zugelegt. Am Sonntag nahm die Arbeiterschaft in einer fast vollzählig besuchten Versammlung, die äußerst stürmisch verlief, zu dem Schiedsspruch Stellung. Für Annahme desselben traten außer den Kommissionsmitgliedern nur vereinzelte Redner ein. Alle übrigen Redner verlangten mit aller Entschiedenheit Ablehnung des Schiedsspruchs, weil er die Wünsche der Arbeiter nicht genügend berücksichtige. Nach fast vierstündiger Debatte wurde der Schieds- spruch abgelehnt und darauf mit knapper Mehrheit folgende Re- solution angenommen, die sich mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß bis spätestens zum Donnerstag, den 6. Oktober, eine Einigung über die vom Schiedsspruch nicht berührten Streitpunkte herbei- geführt wird, für die Annahme des Schiedsspruchs ausspricht, anderenfalls er als abgelehnt g-ilt. Damit war der am Freitag gefaßte Streikbeschluß erledigt. Trotzdem sollte die Arbeit am Montag nicht ohne Zwischenfall fort- gesetzt werden. In einem der größten Betriebe, bei der Firma Adolf Kann, waren vier Arbeiter nicht zur Arbeit zurückgekehrt. Als sie auch zu Frühstück noch nicht da waren, wurde das gesamte Personal um 10 Uhr ausgesperrt. Die Bevollmächtigten des Buch- binderverbandes, dessen Mitglieder die Ausgesperrten find, der- langten von dem Arbeitgeberverbande die sofortige Rücknahme der Aussperrung. Dem wurde dann auch entsprochen. Nun will die Firma den Arbeitern den Lohn für die Zeit der Aussperrung nicht zahlen. Die Arbeiter beschlossen, dem Firmeninhaber eine Rechts- belehrung durch das Gewerbcgericht zuteil werden zu lassen. Deutfeke» Reich. Vermiedene Aussperrnng. Forst(Lausitz), 3. Oktober.(Privattelegramm deS„Vorwärts'.) Nach erfolgten Verhandlungen der Streikenden mit den Arbeit- gebern ist der Streik in Forst(Lausitz) beendigt. Matzregelungen finden nicht statt. Die Aufnahme der Arbeit erfolgt Dienstag morgen. Die Aussperrung ist dadurch vermieden worden. Achtung, Metallarbeiter! Die Differenzen bei der Firma Bruno I u ck e l, Werkzeugmaschinenfabrik in Guben, sind durch Verhandlungen mit dem Berliner Bezirksleiter beigelegt. Die Ar- beitsordnung ist den Wünschen der Arbeiter entsprechend umge- ändert und die gegenseitig ausgesprochenen Kündigungen zurück- genommen. Die Sperre über den Betrieb ist hiermit aufgehoben. Achtung, Hafenarbeiter! Seu Mitte September stehen die Hafenarbeiter in B r a k e i. O. im Lohnkampfe. Die Unternehmer versuchen nun mit allen erdenklichen Mitteln, Streikbrecher heran- zuziehen. Es sind zu diesem Zweck Streikbrecheragenten in ganz Deutschland tätig und besonders im rheinisch-westfälischen In- dustriegebiete wie Essen, Duisburg, Gelsenkirchcn usw., um Ar- beitswillige für Brake«uizuwerben. Zuzug nach dem Streikorte ist zu unterbinden. Der Streik der Cafekcllner in Hamburg dauert fort. Das „Cafe Biber", wo 30 Mann arbeiten, zog seine gegebene Unter- schrift zurück, worauf die dort arbeitende» Kellner ihre Tätigkeit einstellten. In einem anderen Betrieb streikten die Arbeits- willigen. Der Verein der Hamburger Cafekellner hat nunmehr seinen Anschluß an den Verband der Gastwirts- geht Ifen vollzogen. Dieser hat die Unterstützung der Streiken- den, überhaupt alle Konsequenzen des Kampfes übernommen. In einer öftentlichen Versammlung der Berliner Eafeangestellten (Verband der Gastwirtsgehilfen), die am Montag früh 6 Uhr in den „G e r m a n i a- F e st s ä l e n" tagte, berichteten die Beauftragten des Verbandes in Hamburg über den gegenwärtigen Stand des Streiks. Im ganzen sind 277 Mann im Streik bezw. ausgesperrt. Da mit den„Arbeitswilligen" die Betriebe kaum weiter zu führen sind, ist vor allem auf Vermeidung des Zuzuges zu achten. Die Lohnbewegung der MiiHlenarbeiter in Mannheim ist nun- mehr mit einem wesentlichen Erfolg für die Arbeiter beendet. In den Pfälzer Mühlenwerkcn und der Ersten Mannheimer Dampf- mühle beläuft sich die Lohnzulage auf durchschnittlich 2 Pf. pro Stunde, in der Rheinmühle wurde der Minimallohn um 4 Pf. er- höht. Die durchschnittliche Lohnzulage beläuft sich hier auf 3 Pf. pro Stunde. Der Minimallohn steht nun auf 43 Pf. Die vor dem Zeug beschäftigten Arbeirer, die bisher 12 Stunden ohne Unter- brechung arbeiten mußten, werden nunmehr zur Mittagspause eine Stunde abgelöst. Ein Lohnabzug erfolgt nicht. Unter Fortzahlung des Lohnes wird jährlicher Urlaub bis zu 6 Tagen gewährt. Für die auf Wochentage fallenden Feiertage wird der Lohn ausbezahlt. Lohnbewegung in der Pirmnsenser Schnhwareuiudustrie Die immer stärker werdende Einführung der Zwick- und Zu- schneidemaschinen in der Pirmascnser Schuhindustrie hatte im ver- flossenen Jahre zur Folge, daß in den meisten Fabriken selbst bei normalem Geschäftsgang mit verkürzter Arbeitszeit gearbeitet wurde. Den Arbeitern brachte dieser eiserne Konkurrent häufige Arbeitslosigkeit und geringeren Verdienst. Bei besserem Geschäfts- gange wurden Ueberstunden verlangt, die jedoch nur mit einem äußerst minimalen Aufschlag vergütet wurden. In einer von über L000 Personen besuchten Mitgliederversammlung des Schuhmacher- Verbandes fand nach Erstattung zweier Referate eine Resolution einstimmige Annahme, die folgende Forderungen aufstellt: Ein- führung der neunstündigen Arbeitszeit; entsprechende Lohn» erhöhunz, die den gleichen Verdienst wie bei der seitherigen zehn- stündigen Arbeitszeit sichert; 25prozentiger Lohnzuschlag für Ueberstunden. Die Mitgliederzahl der Zahlstelle ist im letzten halben Jahre ganz rapide gestiegen; sie beträgt jetzt zirka 5000. Pirmasens ist einer der ersten Schuhmärkte Deutschlands. Ein erfolgreicher deutscher Strafienbahnerstreik. Ein zehntägiger Straßenbahnerstreik in Mül» Hausen i. Elf. hat am Sonnabend, den 1. Oktober, mit einem fast vollständigen Siege der Ausständigen geendet. Dieser Streik der Trambahner in der oberelsässischen Fabrikstadt war so vollständig, daß seit Donnerstag, den 22. September, kein einziger elektrischer Straßenbahnwagen mehr in Mülhausen verkehrt hat. Ein jibriges tat die Solidarität der organisierten Arbeiter- schaft, die dem mit wenigen Ausnahmen dem Deutschen Transport- arbeitcrverbande angehörenden Straßenbahnpersonal in einer Massenversammlung eindrucksvoll bekundet wurde, wobei die Ver- sammelten darüber keinen Zweifel ließen, daß für den Fall der Wiederaufnahme des Verkehrs durch Streikbrecher sofort ein äußerst wirksamer Boykott der Straßenbahn einsetzen würde. So hat sich die Direktion der Straßenbahn, die vor Ausbruch des Streiks die Vermittelung des Kreisdirektors wie des Bürgermeisters glatt zurückgewiesen hatte, am Freitag, den 30. September, auf Einladung des Bürgermeisters doch zu Verhandlungen mit einer Kommission der Streikenden bequemt, die am Tage darauf zur schriftlichen Niederlegung der neuen Lohn- und Arbeitsbedingungen und zu dem Beschlüsse der Wiederaufnahme der Arbeit führten. Die Aktien- gcsellschaft der Tramways Mülhausens, die vor Ausbruch des Streiks nur noch Leute einstellte, die sich durch Unt er schrift verpflichteten, dem Deutschen Transportarbeiterve r- band nicht beizutreten, erklärt zu Eingang dieser Bedin- gungen:„Jeder Angestellte kann sich organisieren wo und wie er will, insbesondere wird wegen der Zugehörigkeit zum Deutschen Transportarbeiterverband nichts in den Weg gelegt. Irgendwelche Maßregelungen dürfen nicht erfolgen." Der Anfangslohn wird von 3 M. und weniger auf 3,20 M. für Schaffner und 3,40 M. für Wagenführer erhöht, auch dos ganze übrige Personal erhält Lohn- zulagen, für Ueberstunden und Sonntagsarbeit tritt Zuschlag ein, die Arbeitszeit wird für das Fahrpersonal von durchschnittlich 11 Z-L Stunden täglich auf 10 Stunden 11 Minuten, für das Werkstätten- personal auf 9)4 Stunden herabgesetzt, die Zahl der freien Tage wird vermehrt, es wird Sommerurlaub unter Fortzahlung deS vollen Lohnes, der auch für die 45 freien Tage zu zahlen ist, einge- führt(nach einjähriger Dienstzeit 3 Tage, nach fünfjähriger 7 Tage Urlaub) und es wird ein Arbeiterausschuß eingesetzt, der bei Ver- änderung der Dienstpläne heranzuziehen ist. Da bisher bei der Straßenbahn in Mülhausen wohl die rückständigsten Lohn- und Dienstverhältnisse im ganzen Reiche bestanden, tun die beteiligten Trambahner damit einen guten Schritt vorwärts. Das Personal hielt während des zehntägigen Streiks so strenge Disziplin, daß alles in allem nur 4 oder 5 Streikbrecher zu verzeichnen waren, die natürlich nichts ausrichten konnten. Ausland. Zum Konflikt in der englischen Baumwollindnstrie. London, 3. Oktober. Die Schritte, die zur Regelung deS Konflitts in der Baumwollindustrie unternommen worden waren, find gescheitert, da die Arbeitgeber die Vor- schlage der Arbeitnehmer abgelehnt haben. Der Verband Antwrrpener Diamantarbeiter beschloß, die wöchentliche Arbeitszeit auf ein Höchstmaß von 51 Stunden herab» zusetzen. Wenn in einzelnen Betrieben die Arbeitszeit auch'nur 48 und 49 Stunden beträgt, so gab der Durchschnitt von 9 Arbeits- stunden auf den Tag 54 Stunden. Tie Maßnahme der Arbeiter bedeutet also eine Verringerung der Arbeitszeit um 3 Stunden. Den Geschäftsleitern und Eigentümern der Diamantschleifereien wurde der Beschluß mitgeteilt, ohne daß sie Einspruch erhoben. Die Löhne werden davon nicht betroffen. Di« gleiche Herabsetzung wird am 1. Oktober auch in Amsterdam vorgenommen werden. Letzte Nachrichten* Die bevorstehende Aussperrung. Hamburg, 3. Oktober.(W. T. B.).In der auf heute abend anberaumten Versammlung der Mitglieder des deut- scheu Metallarbeiterverbandcs, die von über bvsiU Personen besucht war. erstattete der Bevollmächtigte Otto Franz über den Gang der Verhandlungen mit den Arbeitgebern Bericht. Er teilte mit, daß die Verhandlungen ergebnislos verlaufen seien. Der Vorstand des deutschen Metallarbeiter- Verbandes habe nunmehr beschlossen, die von dem Verband der Industriellen angedrohte Aussperrung anzunehmen, so daß jetzt die Aussperrung von 400 vvl) bis 500 000 Arbeitern bevorstehe. Die Versammlung nahm den Beschluß mit leb- haftem Beifall auf und genehmigte einstimmig die von der Verwaltung� vorgeschlagenen Maßnohmen, wie die Aus» schreibung eines Extrabeitrages von einem Tagclohn für alle noch in?lrbeit verbleibenden Mitglieder und Verzicht der von der Aussperrung Betroffeneu aus jede Unterstützung während der ersten 14 Tage der Aussperrung. Ferner verzichten die Angestellten und Beamten des Verbandes auf ein Monats- gehalt._ Ein englischer Vizckonsul überfallen. Hamburg, 3. Oktober.(W. T. B.) Der englische Bizekonsul Oliver wurde heute nachmittag, als er mit einem Neger wegen Höhe der Heuer Auseinandersetzungen hatte, von diesem mit einem Holzhammer überfallen. Er büßte dabei mehrere Zähne ei» und erlitt Wunden im Gesicht. Der Täter wurde verhaftet. Raubmord. Pforzheim, 3. Oktober.(B. H.) Im Gasthaus Waldhorn in Eutingen wurde heute vormittag eine Spitzenhändlerin, die unter dem Namen Witich aus Luetzenhardt eingetragen war, ermordet aufgefunden. Verdächtig deS Mordes ist ihr eigener Mann oder ihr Schwager._ Ein Todesurteil. Kiel, 3. Oktober.(W. T. B.) Der Arbeiter Basner, der am 8. Dezember 1909 den Tagelöhner Karl Kroegcr ermordet und be- raubt hatte, ist vom Schwurgericht zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. 123300 M. unterschlagen.- München, 3. Oktober.(B. H.) Der langjährige Kassierer des hiesigen christlich-katholischen BcgräbnisvereinS Buchhändler Bar» tenhausen hat sich zum Schaden der Vereinskasse größere Unter- schlagungen im Betrage von mindestens 129 000 M. zuschulden kommen lassen, welche auf mehrere Jahre zurückreichen. Das Ver- einsvermögen deS 6000 Mitglieder zählenden Vereins beträgt fast 1 Million Mark. Morgen wird eine außerordentliche Mitglieder. Versammlung über die durch die Veruntreuungen geschaffene Lage beraten. Verantw.Redakt.: CarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Jnserateverantw.: Uh. Glocke, Berlin. Druck u-Verlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlag«anst«U Maul Singer Le Co., Berlin LW. Hierzu 3 Beilagen u.UntrrhaltungSbl, Nr. 232. 27. Jahrgang. 1. KcilM des Jotwls" Kerlim NslksdIM Dienstag, i. Oktober 1910. Der Krei$wal)lvereln für nieder-ßarnim hielt am Sonntag seine Generalversammlung im Cafe Bellevue in Rummelsburg ab. Sie war besucht von 86 Delegierten. 22 Bezirks- leitern und 15 Vorstandsmitgliedern. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht vom Internationalen Kongreß. Genosse«raothagen, welcher den Bericht erstattete, gab ein anschauliches Bild von den VerlMidlungcn und Beschlüssen des Kongresses und betonte, daß wir mit voller Befriedigung auf den- selben zurückblichen können. Hierauf folgte der Bericht über den Parteitag, welchen Genosse M u t h erstattete. Er erwähnte zunächst, es sei unangenehm bemerkt worden, daß die Genossen, welche man als Revisionisten bezeichnet, einen SubParteitag abhalten, das heiht be- sondere Zusammenkünfte, in denen sie Stellung nehmen zu allen Fragen, über die Meinungsverschiedenheiten herrschen. Demgegew über habe auch die Mehrheit des Parteitages geschlossen auftreten müssen, um das durchzusetzen, was sie im Interesse der Partei für notwendig hält.— Zur Behandlung der Maifeier sagte der Redner, viele Delegierte seien enttäuscht gewesen, weil der Referent Müller seine Rede abbrach, als man erwartete, daß er auf den tieferen Sinn und die Bedeutung der Maifeier eingehen würde.— Zur Budgetdebatte übergehend, sagte der Redner unter anderem, Genosse Bebel habe den Standpunkt der Mehrheit und die Grund- sätze der Partei in überzeugender Weise vertreten, während Ge- nosse Frank nichts angeführt habe, was«die Haltung seiner Freunde b.ätte rechtfertigen können. Nach der Zurückziehung des Antrages Zubeil hätten die badischen Genossen die Möglichkeit gc- habt, eine Erklärung abzugeben, welche die Mehrheit befriedigt und ein einheitliches Zusammenwirken ermöglicht hätte. Wenn nun Frank statt dessen erklärte, sie wüßten noch nicht, wie sie sich in Zukunft zur Budgetbewilligung stellen würden, so habe diese Er- klärung mit Recht Empörung bei der Mehrheit hervorgerufen, denn diese Erklärung sei eine Mißachtung der Disziplin gewesen. Nun- mehr sei es eine Nottvendigkeit gctoesen, durch die Annahme des erneuten, im Sinne der Erklärung des Parteiborstandcs gehaltenen Antrages zum Ausdruck zu bringen, daß die Mehrheit des Partei- tages und der Parteigenossen nicht will, daß durch erneute Dis- ziplinbrüche die Partei geschädigt werde.— Am folgenden Tage habe sich das erfreuliche Bild gezeigt, daß sich die süddeutschen Ge- nassen in der Wahlrechtsbewcgung mit den preußischen Genossen solidarisch erklärten, und daß dadurch die Geschlossenheit und Ein- mütigkeit der Gesamtpartci einen erhebenden Ausdruck fand. Die Versammlung trat hierauf in die Diskussion ein. Wessel vertrat die Meinung, daß die Süddeutschen durch das Verhalten der Mehrheit, besonders durch die Resolution Zu- b e i l, welche dem Organisationsstatut widerspreche, gereizt worden seien, und die. Verständigung dadurch erschwert worden sei. Bebel sei vcrsöbnlich gewesen bis zum Schluß. Würden die Genossen von der Mehrheit ebenso versöhnlich gewesen sein, dann hätte die Streit- frage einen besseren Abschluß gefunden. Es sei zu verurteilen, daß Stadthagen die Ausdrücke, die er auf der vorigen Generalver- sammlung gebrauchte, auf dem Parteitage noch verschärft habe. Auf solche Weise komme keine Versöhnung zustande. Der Redner hält es für selbstverständlich, daß die Süddeutschen nunmehr den Beschluß des Parteitages halten werden. Rein ist der Ansicht, daß die Frage, ob wir in den Parla- menten nur agitatorisch wirken oder praktische Arbeit machen sollen, durch den Beschluß des Parteitages nicht gelöst sei. Schmidt- Stralau führte aus, er habe sich gefreut, daß in der Wahlrechtsfrage die Richtung Luxemburg zurückgewiesen worden sei.— Die Behandlung der Maifeier sei sehr lax gewesen. — Daß der Disziplinbruch der Badener verurteilt werden mußte, sei klar, aber der Antrag Z u b e i l sei überflüssig gewesen. Die schlietzliche Annahme des Antrages in der Abendsitzung sei ein Ge- Waltakt gewesen. Die zweite Erklärung Franks, daß sich die Minderheit auf dem Standpunkt der Nürnberger Resolution stelle, hätte genügen müssen. Wir dursten uns nicht auf den Standpunkt stellen, die Mehrheit könne alles niachen. Auch der Minderheit müsse Rechnung getragen werden. Di« Budgetfrage selbst sei noch nicht erledigt und noch nicht geklärt. Die Einsetzung einer Studien- Kleines feiiilleton. Der Wettlauf um de» Südpol. Nachdem der Eifer der Nordpol- forschung sich gelegt hat, wird jetzt von allen Seiten der Südpol bestürmt. Amerikanitche, englische, deutsche, japanische Expeditionen sind in Vorbereitung. Und da kommt plötzlich die Nachricht, daß der norwegische Polarforscher Roald Amundsen, der auf der Fahrt zu einer aus Jahre berechneten, zu großen wissenschasilichc» Er- Wartungen berechtigenden Nordpolexpcdition begriffen ist, sich plötzlich entschlossen bat, einen Abstecher ins Südpolareis zu machen. Amundsen schrieb aus Madaira:„Von Madaira geht die „Frain* südwärts, um in den antarktischen Gegenden an dem Kampf um den Südpol teilzunehmen. Dies kommt vielleicht manchem im ersten Augenblick als eme Veränderung des ursprünglichen Planes vor. DieS trifft jedoch nicht z«: eS ist nur eine Erweiterung des Plans. Ich habe dies früher nicht einmal denen mitgeteilt, die mir bei der Ausrüstung der Erpedition behilflich waren, da ich erst sehen wollte, ob dies ausführbar sei. Ick habe allein' den Beschluß gefaßt und trage allein die Verantwortung. Welchen Kurs die„Kram* nehmen wird, kann ich noch nicht bestimmt angeben. Ein Teil der Expeditionsmitglieder wird an Land gesetzt, der andere folgt zu Schiff, um Meeressorschungen vorzunehmen. Diese werden zuerst Puma ArenaS anlaufen, von Ivo die erste Nachricht über unser Arbeitsfeld und unseren Plan gesandt wird. Die„From" wird dann ihre Reise nach Buenos Aires fortsetzen, wo sie ivahrscheinlich im Juni lSll ank»mmen wird. Im Februar oder März 1912 kann man wahrscheinlich wieder von der Ervedition hören, die dann nach San Francisco fortgesetzt wird, wo die letzten Vorbereitungen für die Erpedition durch das Nordpolarbassin getroffen werden." Die überraschende Wendung, die Amundsen seiner Expedition gegeben hat, scheint aus finanziellen Rücksichten erklärt werden zu müssen. Amundsens wissenschaftlicher Riesenplan erfordert große Summen, die nicht in gewünschtem Maße eingelaufen sind. Offenbar hofft er durch einen Vorstoß nach Süden das Interesse für das größere Uniernchmen neu zu beleben. BemerkenStoert ist es, daß für die kaum wissenschaftlich ernst zu nehmenden Sport- und Pol- entdeckungsreisen immer Geld zu finden war, während für den wissenschaftlich viel fruchtbareren Plan einer großen Triflreise durch das ganze nördliche Eismeer jetzt die Mittel mangeln. Theater. Lessing- Theater: Wenn der junge Wein blüht. Lustspiel von B j ö r n s o n. Welch eine unverwüstliche Kraft der Lebensfreude in Björnson, dem großen Volksiuanne und Dichter, wohnte, davon gibt dieser letzte Gruß überraschend Kunde. Er, der leidenschaftlickie Kämpfer, der vor dem Ernst und den ftircvtbar grausamen Ungerechtigkeiten des Lebens sein Auge nie verichloß, niht seinen Geist vor dem Erlöschen am Anblick freundlich heiterer Bilder, in der Erinnerung an die frische Jugend aus. Und kein leiser Ton schmerzlicher Restgnatio» mischt sich hinein. Ein frappanter Kontrast zu dem schwermütig tragischen Epilog„Wenn wir Tote» erwachen," der da» Lebenswerk seines größeren Landsmannes Ibsen abschließt. Das Stück hat Szenen von ganz eigenartigem Zauber, kommission wäre deshalb sehr nützlich gewesen. Dieser Parteitag sei ein Parteitag der vorgefaßten Meinungen gewesen. Die Ber- liner Delegierten hätten ihre Meinung schon am Donnerstag vor dem Parteitag festgelegt. Der Redner sagte, er könne nachweisen, daß der„Vorwärts" in der Behandlung der badischcn Streitfrage nicht loyal verfahren sei. Wenn den badischen Genossen der Vor- Wurf gemacht werde, daß sie dem Budget zugestimmt haben, so müsse doch darauf hingewiesen werden, daß Stadthagen durch seinen Antrag auf dem Parteitag in Frankfurt der jetzigen Haltung der Badcner entgegengekommen sei.— Es«verde auch in Zukunft nicht ausbleiben, daß wir in der Partei Meinungsverschiedenheiten zu erörtern haben. Das werde in kameradschaftlicher Weise geschehen. Jetzt gelte es vor allem, einig und geschlossen in den Reichstags- wahlkampf zu ziehen. Käming: Wenn es der Partei bisher noch nicht gelungen sei, in der Budgetfrage eine befriedigende Basis zu scbaffen, so werde der Magdeburger Beschluß erst recht nicht dem Streit ein Ende machen. Es sei durchaus zu bogreifen, wenn Frank sagte, erst die Zukunft könne lehren, ob der Beschluß durchgeführt werden könne. Es sei ein Fehler gewesen, daß der Nürnberger Beschlutz gesaßt wurde. In Nürnberg sei die Minderheit so groß gewesen, daß in der Partei zwei fast gleich große Lager bestanden. Einer so großen Minderheit hätte man Rechnung tragen und nicht Be- schlüsse gegen sie fassen sollen. Da man es doch tat, habe man den Boden für Disziplinbrüche geschaffen. Nicht immer sei die Budget- frage zu einer Prinzipienfrage gemacht worden. Unsere Genossen im württembergischen Landtage hätten dem Budget zugestimmt, man habe damals aber die Frage nicht aufgerollt, um nicht die Ab- Haltung des Internationalen Kongresses in Stuttgart in Frage zu stellen. Es sei nicht richtig, daß die Budgetbewilligung unter allen Umständen als Vertrauenskundgebung für die Regierung angeschen werden müsse. Unsere Genossen in Bayern hätten im Landtage einen Antrag auf Erhöhung der Löhne der Staatsarbeiter und Unterbcamten durchgesetzt. Im nächsten Etat werde die Regierung die Mittel für Durchführung unseres Antrages einstellen. Dann könnten doch unsere Genossen diesen Etat nicht ablehnen. In solchen Situationen würden unsere Genossen in den kleinstaatlichen Land- tagen öfter kommen. Deshalb müßten wir auf Mittel und Wege sinnen, die einen Ausweg aus solchen Situationen bieten. Frl. Arendsee: Daß die Budgetfrage noch nicht erledigt sei, darüber herrsche Einigkeit. Daß die Berliner Delegierten ihre Stellung im voraus festgelegt hätten, sei nicht richtig. Der Mehr- heit könne man doch keinen Vorivurf daraus machen, daß sie sich beraten habe. In dieser Hinsicht hätten die Radikalen von den Revisionisten gelernt, denn diese hätten ja auch besondere Zw sammenkünfte abgehalten. Zu bedauern sei, daß die Gewerkschafts führer in der Wahlrcchtsdebatte Verwahrung gegen den Antrag Luxemburg einlegten. M l r u s trat für die Konsumgenossenschaften ein und meinte, diese Bewegung würde in Berlin stisun weiter sein, wenn die Partei- genossen vor 16 Jahren sich zu derselben so gestellt hätten wie heute Er bedauere, daß die Delegierten des Kreises den Antrag Lüxems bürg unterschrieben haben. Durch diesen Antrag könne das gute Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaften gestört werden. Die Stellung der Gewerksthaften zur Frage des Massenstreiks sei ja be- kannt. Ohne Verständigung der Partei mit den Gewerkschaften könne doch kein Massenstreik durchgeführt werden. Die Budgetfragc werde uns solange beschäftigen, bis die Partei nicht mehr Beschlüsse fasse, die ein Teil der Parteigenossen über kurz oder lang nicht mehr halten könne. Es werde die Zeit kommen, wo man wünscht, daß der Magdeburger Beschluß nicht gefaßt worden wäre. Witzle vertrat den Standpiinft der Parteitagsmehrheit und betonte, daß der Antrag Luxemburg keine gewerkschaftsfeind- liehe Tendenz gehabt habe. Bühler: Die Stellung der Delegierten dcS Kreises in der Wahlrechtsdebatte sei durch die Situation bestimmt worden. Durch den Antrag Luxemburg sollte den Gewerkschaftsführern Ge- legenheit gegeben werden, Stellung zu nehmen zum Massenstreik. lieber die Anwendung desselben sollte Klarheit unter den Arbeitern verbreitet werden. Der Parteitag habe gut daran getan, daß er auch den Massenstreik als eines der Mittel im Wahlrcchtskampf festlegte.— Die. Budgetfrage sei ja nur eine Einzelfrage aus den Gegensätzen innerhalb der Partei. Im Grunde genommen handele es sich darum, daß ein Teil der Parteigenossen bereit sei, mit bürgerlichen Parteien zusammenzugehen, was eine Schädigung der Partei bodeute.— Schon auf früheren Parteitagen habe der Mehr- in dem sicki lyrisch beschwingte Empfindung und lächelnd überlegener Sinn aufs glücklichste verbinden. Sie strömen einen festlichen SlimmungS- glänz aus, der für die mancherlei Flüchtigkeiten in der übrigen Skizzicrung reich entschädigt. Ein Schwärm von jungen, lebenslustigen Mädchen, die über- mutigen Spott mit allem treiben, tollt durch das Lustspiel. Propst Hall, ein Witwer in vorgerückten Jahren, der in dem töchter- gesegneten Hanse seines Schwager« Arvik ein- und ausgeht und in stiller Liebe just für die Jüngste glüht, hat dem respektlosen emanzipierten, zungenfertigen Flattervölkchcn gegenüber einen schweren Stand. Aber der geistliche Herr hat selber seine freude an der Keckheit. Wie er daS neue Jugendgefühl, das ihn eschlichen, als er aus langer Einsamkeit in einen Strudel hinein geriet, dem verständnisvoll schmunzelnden Schivager zu schildern sucht, und wie dabei die Liebe zu Helene verräterisch hervorlugt, das ist in allerliebster Schalkheit durchgeführt. Mit so wenigen Strichen Björnson die Figur gezeichnet, so liebenswert und so bedeutsam wirkt sie doch. Die Aussprache der beiden Liebenden hat schlichte, tiefe Poesie, die bei der Ueberraschung des Pärchens ungezwungen wieder zu anmutigem Frohsinn übergeht. Die Kunst des Dichters und der Darstellung verstand es, dem Bund der Jugend mit dem um mehrere Jahrzehnte älteren Mann jeden Schein des Peinliche» und Unnaliirlichen zu nehmen. Daneben knüpft sich in dem Stückchen ein anderer morsch und locker gewordener Bund von nenein an. Frau Arvik findet den Weg zu ihrem stillen, vornehm gesinnten Mann zurück. Ein Thema, daS nicht gerade in folgerechter Be- Handlung entwickelt, wohl aber episodisch mit hübschen bunten Schlag- lichtern beleuchtet wird. Der Bund der temperamentvollen Mama mit ihren Töchtern, die Art, wie Arvik im eigenen Hause über- stimmt wird, das gelangt i» der ja freilich nicht übermäßig wahr- icheinlichen Debatte in einigen drolligen Weiidmige» zum Ausdnich Es fallen schärfereWorte; schweigend mit einemBlicke tiefen Verwundetseins geht Arvik au« dem Kreis der Seinigen. In der Nacht vollzieht sich in der Frau die Umwandlung. So ist im Handumdrehen alle» zur Versöhiinng fertig. Prächtig war Else Lehmann als Frau Arvik. unvergleichlich in dem warmherzigen unter Tränen lächelnden Humor, mit dem sie. schmelzend vor EiithiisiaSmuS, die Srrophen des Verlobten immer wieder deklamiert. Reicher verlebendigte in kluger Auf- fassung die in dem Stücke etwas unklar bleibende Gestali des Arvik. Eine ausgezeichliete Charakteristik erhielt der töricht-wcise Probst durch M o u n a r d. Unter den jungen Mädchen erregte Fräulein S o m a r h S Helene das stärkste Interesse. ät. B j ö rn s ons mystisch-symbolisches Drama„Ueber unsere Kraft" wurde in seinem ersten Teile am Sonnabend gleichzeitig im Neuen Schau spielhaufe und im Neuen Volks- t h e a t e r aufgeiührt. In der Menschheit war seit Anfang her die Sehnsucht nach feltsamen, außer unserem Können liegenden Ercig- nissen lebendig. Gewallige Erfolge sind damit erreicht; aber noch weit größeres Unheil ist dadurch über die Menschheit gebracht worden. Doch nicht alle glaubien; immer hat es auch Zweifler gegeben Weil aber daS Licht der Sonne sich nicht durch Kutten verhängen läßt, so geschah es. daß die Schar der Zweifler wuchs. Der Sozialismus ist das beste Kampfmittel gegen Knechtung heit eine geschlossene, gut organisierte Minderheit gegenüber- gestanden, welche die Mehrheit in wichtigen Fragen stets über-' runipelt habe. ES sei als eine Erlösung zu betrachten, daß sich jetzt auch die Mehrheit organisiert habe, um sich vor solchen Ueberrumpe- lungen durch die Minderheit zu sichern. Es handele sich nicht um die Budgetfrage allein, sondern vielmehr darum, daß die Revisio- nisten immer wieder neue Vorstöße gegen die Grundsätze der Partei unternehmen. Wenn sich die Genossen dagegen wenden würden, dann wäre es mit dem Revisionismus bald vorbei.— Nach dem Verhalten Franks sei eS notwendig gewesen, die Erklärung Bebels zum Beschluß zu erheben. M a s s a: Der Antrag Z u be i l habe das Richtige getroffen. Wäre er nicht angenommen worden, so hätten sich die Revisionisten als die Sieger gefühlt. Wer den Beschlüssen der Partei nicht folgen will, der möge seiner Wege gehen. D ü w e l l vertrat den Standpunkt der ParieitagSmehrheit und betonte, daß die Disziplin unter allen Umständen gehalten werden müsse, denn sie sei die Grundlage der Partei. Nicht nur für die Massen, sondern auch für die Führer gelte die Disziplin. Im anderen Falle würde die Demokratie aufhören. Wenn die süd- deutschen Genossen die Budgrtfrvge vor eine Studienkommission verweisen wollten, so müßten sie selber sich doch nicht klar sein über diese Frage. Trotzdem aber hatten sie, dem Partcitagsbeschluß zu- wider, für Jas Budget gestimmt.— Zu den Ausführungen des Ge- nossen Schmidt über den„Vorwärts" sagte der Redner, kein Blatt habe die badische Angelegenheit so objektiv behandelt, wie der „Vorwärts". Stadthagen wandte sich ebenfalls gegen diese Bemerkungen des Genossen Schmidt und verwies ihn darauf, daß er sich doch an die Preßkommission wenden möge, wenn er glaube, beweisen zu können, daß der„Vorwärts" nickst loyal gehmidelt habe.— Der Redner wandte sich gegen die Behauptung, er habe durch seinen An- trag auf dem Frankfurter Parteitage der Budgetbcwilligung Vor- schub geleistet. Seine Stellung in Frankfurt sei durchaus richtig gewesen. Er habe nachgewiesen, daß nach der Verfassung einzelner Bundesstaaten nach der Ablehnung eines Budgets ein Budget in Kraft trete, auf das der Landtag keinen Einfluß mehr habe, das also ungünstiger sein könne wie das abgelehnte. Für diesen Fall gelte der betreffende PassuS der Frankfurter Resolution. Mit der Le- gcnde,'die WelS und Severing aufgebracht haben, solle man doch nicht kommen. Er, der Redner, rechne es sich heute noch als ein Verdienst an, daß er in Frankfurt einen unrichtigen Beschluß verhindert habe.— Strengste Disziplin müsse von allen Partei- genossen, auch von den Führern verlangt werdem Es dürfe nicht an die Stelle der Demokratie eine Auwkratie treten. Es sei zu be- dauern, daß Frank und Genossen nicht den Mut hatten, zu er- klären, daß sie sich den Beschlüssen des Parteitages unterwerfen. Hierauf wurde.ein Schlußantrag angenommen. Persönlich be- merkte Genosse Schmidt, er werde dem Rate StadthagenS folgen und sich an die Preßkommission wenden. Nach einem Schlußwort des Referenten Muth wurde folgende Resolution angenommen: Die Generalversammlung des Kreises Niederbarnim erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages und der Haltung der Delegierten des Kreises vollständig einverstanden. Hierauf beschäftigte sich die Versammlung mit der Frage der Beitragserhöhung gemäß dem Beschluß der VcrbandSgeneralversammlung.— Nach längerer Diskussion erklärte sich die Versammlung für einen Monatsbeitrag von 46 Pf. siir männliche und 26 Pf. für weibliche Mitglieder, sowie für Abschaffung sämtlicher Extrasamni lungen in Groh-Berlin ausschließlich derjenigen für Wahlen.— Ein Antrag, der eine Urabstimmung über die Beitragserhöhung in Groß-Berlin fordert, wurde mit geringer Mehrheit angenommen. Einstimmige Annahme fand eine von den Lichtenberger Dclei- gierten beantragte Resolution. Sie lautet: Am 22. und 29. Septembev hat die Lichtenberger Polizei öffentliche unpolitische Versammlungen gestört und am 29. auch den Saal geräumt, ohne einen Grudnd dafür anzugeben. Vorher sind ein Polizeioffizier, Wachtmeister und etwa 26 Sckiutzlcutc in Abständen von etiva 26 Minuten in den Saal einmarschiert, haben dort, ohne sich vorher zu vergewissern, was die Redner vortrugen, diese vom Rednerpult weg zur Wache sistiert. Die Polizeibcamtcn sind durch den Einberufer und andere auf die Ungesetzlichkeit ihrer Handlung hingewiesen worden, jedoch ohne Erfolg. Die Generalversammlung des Kreiswahlvereins für Nieder- und Volksverdummung i erstreitet auch gegen den kirchlichen Wunder« glauben; er ist die wahre Religion der Zukunft. Björnson wäre vielleicht der Äüchler gewesen, der die Kraft besessen hätte, der Welt ein Drama des sozialistischen Glaubens zu geben. Anstatt dessen folgte er— ein streitbarer Apostel eines in bürgerlichen Vor- ftelhlngen sich bewegenden FreidenkertumS— nur wieder den Ein- Wirkungen, die zuvörderst m seiner nordischen Heimat dem wieder- erwachenden HhpnotiSmuS und SviritiSnuiS entsprangen. Immerhin schuf er ein Drama der Sehnsucht nach geheiiunisvolleu Wundern von mächtiger Eindruckskraft— ivenigsteuS im zweiten Akt. Run wäre es ja nicht uninteressant, die beiden Aufführungen niiteinander zu vergleichen. Ob das im Neuen Gchauspielhaufe vcr« wendete sehr große Kralikenzimmcr der Erzeugung einer ohnehin schon durch die Monotonie des Dialogs bedenklich beeinträchtigten Stimmung förderlich ist, dürfte Zweifeln begegnen— trotz des schöneu, dabei echt nordischen Bühnenbildes. Doch das nur neben- her. Wollten wir die Einzelleistungen der Darsteller sowohl im Neuen Schauspielhause als im Neuen Volkstheater gegen« einander abwägen, so würde da« Zünglein der Wage sich bald zu« gunsten dieses oder jenes Mitwirkenden»eigen. ES verbleibt unS aber die angenehme Pflicht, den tiefen Eindruck zu konstatieren, den das Björnsonsche Schauspiel beidcrortS Dank einer im jeweils gebotenen Rahmen möglichst stilvollen und sorgfältigen Wiedergabe gefunden hat. s. k. .Revolutionshochzeit", das bekannte Schauspiel deS Sophus Michaelis, ist aus dem Spielplan des früheren Hebbel- Theaters in den deS F r i e d r i ch- D i l h e l ni st ä d t i f ch e n Schauspielhauses üveruommcn und dort am Sonnabend zum ersten Male ausgeführt worden. Zwar wurde die Darstellung der raffinierten Technik des Stückes nicht in allen Teilen gerecht, aber doch kam vom Geiste der großen französischen Revolution, die den Hintergrund dieses Dramas bildet, und von den Seelenkämpfen der Haupiakteure das meiste klar und scharf heraus, so daß die Zuhörer gepackt und mitgerissen wurden. Der Regie gebührt besondere An- erkemiung._ G. D. Notizen. — RubenS bleibt in Deutschland. Frau Dr. Schubart läßt mitteilen, daß die Nachricht von einem Verkauf de« Rubens- gemäldes„Bad der Diana", das momentan auf der Brüsseler Welt- aiisstellttilg sich befindet, sonst aber seinen Platz im Rnbenssaal der Münchener Pinakothek hat, völlig auS der Luft gegriffen fei. — Da S Mendel-Denkmal. In Brünn fand am Montag die Enthüllung des Denkmals des berühmten Botanikers und Naturforschers Gregor Mendel unter Teilnahme von Vertretern der gesamten internationalen Wissenichaft statt. Mendels Erforschung der AererbungSgcsetze in der Pflanzenwelt, die erst nach seinein Tode die volle Würdigung fanden, sind heute zur Grundlage eincS eigenen WissenschaftSziveigeS, der Vererbungslehre, geworden. — Vom Direktor zum Kritiker. AuS Paris wird gemeldet: Der Leiter der erste» französischen Bühne, der Comödie franyaise, JuleS Clartie, der seit 25 Jahren an der Spitze des Theaters steht, wird von seinem Posten zurücktreten und eine Theaterkritik übernehmen.(Bei uns zu Lande ist da» nichts so Seltenes mehr.) barnim nimmt mit Entrüstung Kenntnis von der flagranten Rechtsverletzung durch die Lichtenbcrger Polizei und protestiert mit allem Nachdruck gegen diese behördliche Beeinträchtigung der Versammlungsfreiheit und erwartet, dag die zuständigen In- stanzen die Bestrafung der Schuldigen herbeiführen werden. Damit war die Tagesordnung erledigt. Klus der Partei. Kein Bebel-Interview I Genosse Bebel teilt uns mit, daß die angebliche Unter- redung mit ihm, die im„Neuen Wiener Journal" Derossend licht wurde, gor nicht stattgefniiden hat, von Anfang bis zn Ende erstnilfeii und erlogen ist I Genosse Bebel schreibt: „Ich gewähre prinzipiell keine Interviews, und lehnte alles abl" Das„Neue Wiener Journal" ist also das Werkzeug eineS verlogenen Burschen gewesen, und das„Berliner Tageblatt", das sich vor Entzücken darüber nicht lassen konnte, das; Genosse Bebel dem Beispiel der Frank und Müller ge- folgt sei, die ihre Aeußerungen dem„Berliner Tageblatt" zur Verfügung stellten, hat sich ganz umsonst gefreut I Die Bemerkungen, die wir an die Behauptung des Wiener Blattes knüpften unter dem Vorbehalt, wenn diese Behauptung wahr sei. treffen also den Genossen Bebel absolut nicht._ Reichstags Kandidatur. Die außerordentliche KreiSkonferenz des Wahlkreises M a n S- f eld nominierte am Sonntag zu Ei sieben den Genossen Adolf Hoffmann-Berlin znm NeichStagökandidaten. Unsere Toten. In HeidingSfeld-Wiirzbnrg ist Genosse Franz Ullrich, einer von den Veteranen, im Alter von KS Jahren nach langwieriger Kraiilhrit gestorben. Er stand seit Jahrzehmen in der Arbeiterbewegung an hervorragender Stelle. Bei den letzten Ge- meindewahlcn wurde er als Gemeindebevollmächtigter gewählt, er mußte aber später sein Mandat wegen Krankheit niederlegen. Die Beerdigung dcS Genossen Albert RoeSke gestaltete sich am Sonntagnachmittag zn einer imposanten Trauer- kundgebung der sozialdemokratisch und gewerkschaftlich organisierten Arbeiterschaft von Hamburg, Altona und Umgegend. em Beweis für die Wertschätzung, deren sich der leider so früh Ver« storbene erfreute. Außerordentlich groß waren die äußeren Zeichen der Anteilnahme in Gestalt von prächtigen Kränzen mtt ent« sprechender, das Wirken nnlereS Genossen betreffenden Inschriften, die ans allen Teilen Deutschlands eingetroffen waren, wie auch zahlreiche Deputationen aus nah und fern erschienen waren. Das Präsidium der Hamburger Bürgerschaft war durch ihren ersten Präsidenten und einige Schriftführer vertreten. Die Beisetzung fand aus dem Zentralfriedhos in Hamburg-Ohlsdorf statt. Am Grabe hielt RcichstagSabgeordneter F r o h M e eine ergreifende Ansprache, in der er der Verdienste des Verblichenen um die Arbeitersache ge- dachte, worauf die vielen Taufende sich entfernten. Das deutsch-ungarische Parteiorgan„BolkSstimme", das gegenwärtig bloß einmal wöchentlich erscheint, wird vom t. Januar andreimal in der Woche herausgegeben werden. polireUkbes, Gerichtliches ukw- Kein Scharfmacher. Wegen Beleidigung eines Zigarrenfabrikanten Tillok in Glogau, der bor kurzem noch Mitglied des Tabakarbeiter-VerbandeS war, jetzt aber organisierte Tabakarbeiter nicht beschäftigen will, wurde Genosse Albert von der BreSlauer„Volkswacht" durch das Breslauer Schöffengericht zu 30 M. Geldstrafe verurteilt. In der BreSlauer„Vollswacht" war Tillak ein Scharfmacher genannt worden._ Jugendbewegung. Der Polizeizensor gegen die freie Jugendbewegung. Der JiigendauSschutz für Groß-Berlin hatte zum Sonntag in den Prachtsälen Nordwest eine Ingen dfeier veranstaltet, deren Programm in Festrede, Choraesang und Rezitationen bestand. Die Polizei hat das ihrige zur Verschönerung deS Festes beigetragen. Wenigstens wirkte es auf die Teilnehmer Snßerst anregend, daß die Polizeizensur die Gedichte„An die Arbeiterjugend' von Otto Krille,„Stimme der Freiheit" und„DaS freie Wort" von Henry M a ck a y traf. Sie durften»nicht rezitiert werden. Außerdem wurde auch verboten, das alte, schöne S u ch s- d o r f s ch e Lied„Wir glauben an der Freiheit Sieg" zu singen. Sowohl die Gedichte, als auch das bekannte Lied sind in unzähligen Veranstaltungen stets von der Polizei unbeanstandet geblieben. Wie es scheint, wittert die Polizei noch immer Sie- bellion in Moabit. Ganz besonder? beobachtet sie die Arbeiter- jngend. Daß den Herren, die am Alexanderplatz regieren, jede „Stimme der Freiheit" zuwider ist, ihnen auch jedeS„Freie Wort" z. B. über die skandalösen Polizeiattacken in Moabit ein Greuel ist, wissen wir längst. Sie wird aber.nicht verhindern, daß die Arbeiterjugend an der Freiheit Sieg glaubt, und wenn es ihr auch hundertmal verwehrt wird, daS im Gesänge lundzutun. Huö Industrie und Kandel. Grenzsperre«ni» Viehseuche. Angeblich um da? gesunde deutsche Vieh nicht durch ausländisches krankes Vieh verseuchen zu lassen, bleiben die Grenzen gesperrt. Dabei grassieren die Seuchen bei uns in beängstigender Weise. Wegen der zunehmenden Maul- und Klanenseuche in Preußen hat daS sächsische Mintsterinm des Innern die Einfuhr von Klauenvieh aus den preußischen Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Posen. Schlesien und Sachsen verboten. Auf sächsische Viehmärkte darf Klauenvieh aus diesen Gebietsteilen nicht aufgetrieben werden. Ausgenommen von diesem Verbot bleiben die Schlachtviehmärkte.— Vom Magervichhof in Lichtenberg ist die Seuche nach dem Berliner Schlacht- und Viehhof übertragen worden. Trotzdem dürfte aber von hier aus noch Vieh versandt werden— damit der Preis in Berlin nicht gedrückt werden konnte. Darüber regt sich kein Agrarier auf. das hält inan für in der Ordnung. Wenn aber unschädliches Fleisch und gesundes Vieh vom Auslände eingeführt werden soll, dann bekommt man Angst aus Sorge um die lieben Mitmenschen, dt« Schaden nehmen könnten durch den Genuß nicht einwandfreien Fleisches. Wenn die Agrarier Gemütsbewegungen verspüren, dann stimmen diese mit unfehlbarer Sicherheit auch mit ihrem Porte- monnaieintereffe überein. anderenfalls leisten sie sich solchen Luxus nicht._ Ei« feines Geschäft. Der Lothringer Hüttenverein Aumetz-Friede will die Gewerkschaft Victor erwerben. Vor ungefähr einem Jahre notierten die Kuxe dieser Geiverkschaft noch 12000 M.. der Uebernahmcpreis soll nun aber 28 000 M. betragen. Die Knxebesitzer haben demnach seit einem Jahre 10 Millionen Mark verdient. Jntereffant bei der Transaktion ist, daß 41t Kuxe der Gelsenkirchener Bergwerks- gesellschast eignen, die den Kux mit 6000 M. zu Buche stehen hat. Der Lothringer Hüttenverein will Victor erwerben, weil er mit der Kohlen- und Koksproduktion dieser Zechen seinen Selbstverbrauch in den Hüttenwerken decken kann. Man geht aber wohl nicht fehl in der Annahme, daß der Ankauf das Vorspiel zu einer großen Fusion in der Montanindustrie sei._ Der Versand der deutschen Stahlwerke an Produkten B betrug betrug im August 1910 insgesamt 493 349 Tonnen Rohstahlgewickit gegen 470 106 Tonnen im Vormonat. Davon entfallen aus Stab- eisen L89 069 Tonnen, Walzdraht b9 949 Tonnen, Bleche 84 917 Tonnen, Röhren 14 497 Tonnen und Guß- und Schmiedestücke 4ö 917 Tonnen. Billige Heringe kommen seil' einiger Zeit vom Auslände an den deutschen Markt. Die Preise, die noch vor wenigen Monaten merk- lich über die deS Vorjahres hinausgingen, sind ganz beträchtlich unter die vorjährigen gesunken und standen im August weiemlich niedriger als 1909. In Dauzig kostet t Tonne Heringe mit Faß, Marke Crown and füll 37 M. gegen 43 M. im Vorjahre, Crown Jhlen kosten 26 gegen 33 M. In Hamburg stellt sich der Preis für norwegische fett K. K. auf 24,87 M. pro Tonne gegen 27 M. im Borjahre. Von den in Stettin gehandeltcn Sorten weisen nur norwegische Mittel einen höheren Preis als 1909 auf. dagegen bleibt der Preis von schottischen Heringen stark hinter dem voijährigen zurück. Cr. fullbr. kosten 35,50 gegen 39,50, Cr. Matfulls 34,50 gegen 37,50. Der Preisrückgang ist hervorgerufen durck das starke Angebot ausländischer Heringe, das im August am deutschen Markt zu bemerke» war. Die Einfuhr von frische» Heringen stellte sich im August d. I. auf 50 325 Doppelzentner gegen 32 335 Doppelzentner im vorigen Jahre; die Einfuhr von gesalzenen Heringen ging von t27 206 Doppelzentner auf 153 347 Doppelzentner hinauf. Aus Großbritannien und den Niederlanden kamen erheblich mehr, aus Norivegen weniger Heringe als vergangenes Jahr. Das Angebot inländischer Heringe ist dagegen erheblich geringer als im vorigen Jahre; es wurden in den ersten acht Monate» insgesamt nur 28 535 Doppelzentner Heringe im Nord« und Ostscegebiet ge- sangen gegen 38 534 Doppelzentner in dem nämlichen Zettraum deS Vorjahres. Die Abnahme stellt sich auf 38.9 Proz. GeldvermittelungSstelle deutscher Stüdte. Der Versuch, dir bis- hcrige lose Einrichtung zur Vermittelung deS Geldbedarfs deutscher Städte zu einer ständigen Einrichtung umzugestalten, ist von dem Erfolg begleitet gewesen, daß von 56 deutschen Städten mit über 80 000 Einivohnern 52 Städte der Vereinigung beigetreten sind. Von 22 Städten gingen Anfragen für Geldbeträge von zusammen 27 400 000 M. ein, von denen im ganzen 20 030 000 M. gedeckt werden konnten, während 5 Anfragen init insgesamt 10'/, Mill. Mark Geldbedürfnis noch in Behandlung stehen. Dle 27 eingegangenen Nachfragen beziffern also zusammen 37 900 000 M. Von 32 Städten wurden Gelder im Gesamtbetrage von 27 280 000 M. angeboten, wovon 15 880000 M. untergebracht werden konnten. Gasfernversorgung. In der Frage der Gasfernversorgung der Städte des Bergischen Landes durch das Rheinisch-Westfalische Elek- trizitätswerk haben nach der„Rh.-Wests. Ztg." in den letzten Tagen wieder Verhandlungen stattgefunden, die die Verwirklichung des Planes einige Schritte nähergerückt haben. Am Mittwoch der kommenden Woche wird in Solingen wieder eine Versammlung der Landräte und Bürgermeister der an der Frage interessierten Kreise und Städte stattfinden, in der die in einer früheren Versammlung gewählte Kominisston Bericht erstatten wird über die Verhandlungen mit Stinnes. Bei der Verwirklichmig deS Planes sollen die Städte Ronsdorf, Lüttringhausen, Lennep, Wermelskirchen, Remscheid, Solingen, Ohligs, Wald, Gräfrath und Höhschcid an die GaSfern- leitung angeschlossen werden, die vom Ruhrbezirk auS über Barmen in das Bergische Land geleilet werden soll. Soziales. Auch ein„EntlassungSgrnnb". Die BlusennSherin K. klagte gestern gegen den Inhaber einer ArbeitSstube Fritz Stiebe, Licbigstraße 12, beim JnnungSschiedS- gericht. Sie forderte 2,33 M. rückständigen Lohn. 4 M. Ent- schädigung für den entgangenen Arbeitsverdienst am CntlaffungS- tag, weil sie des Morgens entlassen wurde, und 24 M. für sechs weitere Arbeitstage, an denen sie beschäftigungslos gewesen ist. Sie behauptet, daß die vorzeitige Entlassung eine grundlose war. Der Beklagte wendet ein, daß sich die Klägerin in den letzten acht Tagen, insbesondere auf der Landpartie, die er am Tage vor ihrer Entlassung mit seinen Arbeiterinnen gemacht habe,„frech" betragen hchbe, da sie— die anderen Arbeiterinnen veranlassen wollte, gleichzeitig mit ihr die Arbeit niederzulegen. Die Klägerin bestritt mit aller Entschiedenheit, sich frech betragen zu haben, sie habe lediglich die unsittlichen Belüstignngen des Beklagten zurück- gewiesen, insbesondere habe sie seine Einladung zu einer Flasche Sekt, die er ihr bei der Landpartie machte, abgelehnt. Der Be- klagte habe sie nur aus dem Grunde, weil sie sich seinen Wünschen unzugänglich zeigte, entlassen. Da der Beklagte noch KündigungS- ausschlutz eingewendet und diese Behauptung auch von einer Zeugin bestätigt wurde, wies das Schiedsgericht den Entschädi» gungsanfpruch für die Kündigungsfrist ab, verurteilte aber den Beklagten zur Zahlung des rückständigen Lohnes und der Ent» schädigung für den Entlassungstag von zusammen 5,33 Mark, Vom Ortßgrbrauch. Bei den Inhaberinnen eines Modesalons Lisette und Hortense Lüpke war ein Fräulein K als Zuarbeiterin tätig gewesen, Arn 10. September war das Arbeitsverhältnis zum 24. September auf- gekündigt worden. Fräulein K. legt« jedoch schon mn 12. September die Arbeit nieder, nachdem sie von einer der Beklagten beleidigt worden war. Sie klagte nunmehr auf Zahlung von 23 M. Ent» Schädigung. Obwohl die Beklagten doch zweifellos durch die ihrer- seits erfolgte Kündigung der Klägerin das Bestehen einer Kündt- gungSfrist anerkannt und diese auch im Termin nicht bestritten haben, empfahl der Vorsitzende des JnnungSschiedigarichtS der Klägerin, die Klage zurückzunehmen, weil die Kündigungsfrist nicht ausdrücklich vereinbart worden sei und in dem Tarifverträge für die Maßkostümbranche Kündigungsausschluß vorgesehen ist. Obwohl auch noch der Vertreter der Beklagten auf Befragen er- klärte, daß die letzteren dem Tarifvertrage nicht beigetreten seien und auch allgemein bekannt ist. daß kaum 30 Prag, aller Arbeit- geber der Matzbranche sich an den Tarif halten, vertrat der Vor- sitzende dennoch die imge Ansicht, daß die Tarifvorschriften den Ortsgebrauch darstellen. Die Klägerin, die u. G. durchaus im Recht war. befolgte leider den fehlgehenden Rat und nahm die Klage zurück._ Huö der Frauenbewegung. Gleichberechtigung. Seitdem die Frauen da» politische Vereinsrecht haben, ist ihr Bestandteil in den Wahlvereinen zu einem erfreulichen Prozentsatz angewachsen. Trotzdem: die Erfolge bleiben doch noch weit hinter den gehegten Hoffnungen und Wünschen zurück! Es wäre jedoch falsch, anzunehmen, die Zahl der organisierten weiblichen Wahl- Vereinsmitglieder spiegele daS wirkliche Verhältnis der Eozialistinnen zur weiblichen Gesamtbevölkerung und zur Zahl der männlichen Wahlvereinsmitglieder wider. Ihrer inneren Gemeinschaft nach gehören absolut, und relativ zur Zahl der Genoffen, viel mehr Frauen zu mtS. als in den Organisationen zum Ausdruck kommt. Da« Mißverhält- niS zwischen der Anzahl der organisatorisch Erfaßten und der wirk» lich vorhandenen Genossinnen hat verschiedene Ursachen. Zum Teil liegen sie auf dem Gebiete des Zusammengehörigkeitsbewußtseins in der Familie, wobei jedoch vielfach auch daS Wirtschaftliche eine ge- wisse Rolle spielt. Bei vielen Genossen ist daS Zusammengehörigkeitsbewußtsein so stark ausgeprägt, daß sie durch die Organisation des Hauptes die ganze Familie als mit der Organisatton verbunden erachten und fühlen. DaS ist gewiß sehr schön, aber es entspricht das doch nicht dem Prinzip der Gleichberechtigung. Bei den selbständig denkenden Krauen wird dazu auch der miS idealen Motiven entspringende Widerstand gegen ihr ZugehörigkeitsbekennMiS zur poli- tischen Partei sehr leicht die Empfindung einer gewissen Bevormun- dung lebendig erhalten. Schon darum sollte man in dieser Be- ziehung weniger das überkommene Gefühl sprechen lassen, als den auS der Anerkeimnng der Gleichberechtigung entspringenden Rechten freien Spielraum gewähren. Gewiß, für sehr viele Familien hält eS sehr schwer, für Mann und Frau den Lrganii'ottonsbeitrag zu leisten. Aber das sind Verbältuisse, die ein jeder bedauert, die wir jedoch nickt durch Beschlüsse ändern können, die auch noch manche andere berechtigten Einwände zutage fördern, aber, und das muß grund« sätzlich festgehalten werden: diese Verhältmffe können von der Or- ganiiationspflicht nicht entbinden! Dann aber darf auch nicht übersehen werden, daß manche Genoffen sich noch viel zu sehr als Herr der Frau und als ihr Ernährer fühlen. Dir entsprechenden, infolge der historischen Ent- Wickelung der bürgerlichen Auffassung und Erziehung erklärlichen Ansichten hoben aber nicht die geringste Existenzberechtigung. Nicht nur die erwerbstätige Frau, sondern auch die„nur" Hausfrau und Kindererzieherin ernährt sich selbst. Die Frauen verrichten nur unbezahlte, aber wahrlich keine minderwertige Arbeit Die Erziehung der Kinder ist zweifellos eine der allerwichtigsteN, wenn nicht die ollerwichtigste Aufgabe, die wir zu erfüllen haben. Man kann sich nur darüber wundern, daß die erwäkmten Anschauungen sich im Proletariat noch behaupten können. Wenn ein Mann eine HauS- hälierin beschästtgt, dann muß er sie bezahlen, er kommt nicht auf den Gedanken, er ernähre diese Frau, heiratet er sie jedoch, dann bekommt sie keinen Lohn mehr und nun fühlt er sich als ihr Er- Nährer, obwohl der Aufgabenkreis der Frau gewachsen ist. Solche Schlacken der bürgerlichen Denkweise mutz der moderne Arbeitet abstreifen. Nicht nur theoretisch muß er das Prinzip der Gleichberechtigung anerkennen, sondern es auch praktisch betätigen. tversamnilungen— Veranstaltungen. 1. KreiS. Die Genossinnen des 1. Kreises veranstalten am Mitt- woch. den 5. Oktober, in Treptow Kinderspiele, verbunden mit Kaffeekochen, wozu alle Genossinnen freundlichst eingeladen sind. � Treffpunkt: 1 Uhr. großer Spielplatz. Treptow. Sericbts- Leitung. Sozialdemokratische Flugblattverbreitung. Am Sonntag, den 31. Oktober 19l)9 verteilte Schöttke in Königsberg auf einer Straße sozialdemokratische Flugblätter. die er in einer blauen Mappe offen unter dem Arme trug. Er hatte ungefähr 290 Blätter bei sich und ging mit der Mappe von Haus zu Haus. Die Verteilung selbst erfolgte nur innerhalb der Häuser. Durch sein Tun sollte er die vom Oberpräsidenten der Provinz Ostpreußen erlassene Vcrord- nung über die äußere Heilighaltuiig der Sonn- und Feier- tage übertreten haben, und zwar die Bestimmung, wonach an Sonn- und Festtagen öffentlich bemerkbare Arbeitest der- boten sind. Das Landgericht in Königsberg verurteilte auch den Angeklagten zu einer Geldstrafe und führte aus: Es handele sich hier um eine öffentlich be- inerkbare Arbeit. Wenn S. ein umfangreiches Paket von 200 Flugblättern von Haus zu Haus trug, so sei das dieselbe Arbeit, die ein Postbote oder ein ZeitungSträgcr verrichte. Und er habe, da er über die Straße gegangen sei, von einer unbestimmten Personenzahl gesehen werden können. S. legte Revision ein und rügte, der Begriff der öffentlich bemerkbaren Arbeit sei verkannt worden. Das Kammergericht verwarf dieser Tage das Rechtsmittel und führte aus: Die Vornahme einer öffentlich bemerkbaren Arbeit fei ohne Rechtsirrtum fest- gestellt worden. Eine solche Arbeit sei eine nicht lediglich des Vergnügens wegen unternommene Tätigkeit, bei der ein» gewisse Anstrengung äußerlich in die Erscheinung trete. Das Landgericht unterstelle, daß das vorliege. Wie in allen solchen Fällen werde auch hier die höchste Instanz festgelegt durch die tatsächliche Feststellung der Vorinstanz, die die RevisionS- instanz nicht nachzuprüfen habe. Wenn das Landgericht fest- gestellt haben würde, eS sei keine Arbeit in dem Sinne, dann würde das Kammergericht auch nichts dagegen machen können. Wiederholt haben wir dargelegt, daß solche Urteile un- baltbar sind, die den Begriff einer Arbeit verkennen und zur Folge haben müssen, daß alle Personen, die ein Gesangbuch, eine Bibel, einen Pompadour, eine Aktenmappe, eingekaufte Waren, ein Gewehr u. dergl. am Sonntag tragen, bestraft werden müßten. Solange der Kammergerichtsrat Häven- stein im Kammergerichtssesiat saß. wurden derartige, ge- sunbept Empfinden widersprechende Verurteilungen aufge- hoben. Havenstein wurde dann aus dem Senat gegen seinen Willen versetzt. Seitdem scheinen die Richter einiger unterer Instanzen und auch des Kammergerichts die Schwere dcS Pakets nach dem I n h a l t des Flugblattes zu beurteilen. Zwei Stadtbahnräuber, welche längere Zeit die Siidrinnzülw unsicher gemacht hatten. wurden gestern auf einige Zeit unschädlich gemacht. AuS der Unter. suchungsbaft wurden die Gelegenheitsarbeiter Richard Burghardt und Paul Lange vorgeführt, gegen welche die 1. Strafkammer des Landgerichts l unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt eine Anklage wegen Rückfalldiebstahls zu verhandeln Batte. Die beiden Angeklagten, welche in Verbreckerkreifen die Spitznamen ..Droschkcnlutscher" und„Klcmpner-Paul" führen, plünderten am 20. August in einem Südringzug« den Zimmermann Heinrich Eiser. mann auS, de: im Coupö eingeschlafen war. Da? Tretben der beiden Fledderer war jedoch von dem Kriminalschutzmann Büsdorf und dem Kriminalagenten LewinSki beobachtet worden, welche die beiden verhafteten. Der dritte im Bunde, der Bäcker August Neuendorf, flüchtete und konnte bisher nicht ergriffen werden.— Das Gericht erkannte dem Antrage des Staatsanwalts gemäß auf je 1 Jahr Gefängnis und 3 Jahre Ehrverlust. Hud aller Welt. Der Kampf für ernft Kupfer u. Co. Sechs Reiter traben in blanker Wehr neben dem Kohlenwagen her. Es blitzen die scharfen Schwerter zur SeiH und die Pistolen sind schußbereit. Den Feind, den grimmen, erwarten fie» Dm Feind von Ernst Kupfer u. Es. ES stehn an der Straße viel Männer nnd Frau'n, den krieg'rischen Aufzug sich anzuschaun. Man spottet der Krieger, man lacht sie aus— da fliegen die Schwerter zur Scheide heraus und wuchtige Hiebe verabfolgen sie im Kampf für Ernst Kupfer u. Co. Jetzt stürmt auch das Fußvolk, viel hundert Mann, den tapferen Reitern zu helfen heran. Mit Umsicht und Tatkraft schlagen sie drein, die Wehrlosen fallen in dichten Reih'n. Die mutigen Krieger besiegten sie im Kamps für Ernst Kupfer u. Co. Doch weiter tobt daS Schlachtgewühl. Ein Blumentopf aus dem Feiisler fiel. Daneben schaute ein Mägdlein heraus.— Die siegreichen Krieger erstürmen das HauS und was sie drin finden zerschlagen sie im Kampf für Ernst Kupfer u. Co. Im Auto an der Straße Rand vier Zeitungsschreiber hat man erkannt. .Die Straße gebärt der Polizei I Auf, schlagt die Kerle im Auto zu Brei I* Ein„Strolch" winkt den Kriegern. Ihm folgen sie im Kamps für Ernst Kupfer u. Co. Die Feinde liegen zerschlagen herum, besiegt ist das friedliche Publikum. Stolz schwellet die Brust der tapferen Krieger: „Hurra, auch heute blieben wir Sieger!" Erhobenen Hauptes heim ziehen sie aus dem Kanrpse für Kupfer u. Co. Am Geldschrank in seinem Geschäftslokal sitzt schmunzelnd der Kohlenpiinzipal. Des reichen Gewinnes freut er sich, den er unterm Schutz seiner Krieger einstrich» Mit einem Trinkgeld belohnt er sie alS Dank von Ernst Kupfer u. Co G. R. Lootskataftropke auf«lern Rudfon. SS Matrosen ertrunken, 18 vermißt. Ein schweres Unglück hat sich am Sonntagabend auf dem Hudson in der Nähe New Jorks ereignet. In derHndson- bay liegt gegenwärtig das amerikanische Kriegsschiff„New- Hampshire" vor Anker. Von der Besatzung hatte sich ein roßer Teil zum Sonntagsurlaub in die Stadt begeben. Am benb wurde von dem Kriegsschiff eine Dampfbarkasse ab- gesandt, um die vom Urlaub kommenden Matrosen an Bord des Schiffes zu bringen. Auf der Rückfahrt kenterte die mit 90 Matrosen besetzte Barkasse ganz m der Nähe des Kriegsschiffes, die übergeholte Mannschaft fiel ins Wasser. Nach den bisherigen Feststellungen sind 29 Matrosen ertrunken, 18 andere werden vermißt. Die dunkele Nacht und die bewegte See erschwerten die Rettungsversuche. Ein junger Seeoffizier rettete 10 Mann; ein Matrose rettete vier, verlor aber dann seine Kräfte und ertrauk. Ein anderer Matrose, der sich an der Rettung seiner Kameraden hervorragend beteiligte, wurde vor Erschöpfung ohnmächtig. In der Krankenabteilung des Kriegsschiffes, wohin er gebracht wurde, verfiel er in Wahnsinn und konnte nur schwer am Selbstmord gehindert werden. Ueber die Ursachen der Katastrophe wird noch gemeldet, daß die Matrosen, von denen viele betrunken waren, bei der Annäherung an das Kriegsschiff nach dem Vorderteil des Bootes drängten. Da das Meer einen sehr hohen Wellengang hatte, kippte infolgedessen das Boot um. O- Absturz eines Ballons. Ein Ballon, der am Somitagmiltag vom Kristallpalast in London aufgestiegen war, ist nachmittags in der Nähe der Ge- meiude R o y d o n in der Grafschaft Essex aus einer Höhe von 2Sll0 Meter infolge schlechten Funktionierens des Sicher- heitsvemilS abgestürzt. Vier Personen, darunter eine Künstlerin, hatten in der Gondel Platz genominen. Der Ballon hatte zuerst einen gutgeln NgeNe» Fing über der Stadt London in einer durch- fchuittücheii Höhe von 1500—2000 Meter unternommen. Ueber Roydon stieg der Ballon in eine Höhe von 3000 Meter nnd der Pilot zog zum ersten Male das Sicherheitsventil, worauf der Ballon um 400 Meter fiel. Dann kam der Ballon wieder zum Steigen nnd der Pilot zog zum zweitenmal das Ventil; es gelang ihm aber nicht, daS Ventil wieder zu schließen. In immer größerer Geschwindigkeit fiel der Ballon zur Erde. Der Aufprall war furchtbar und wurde nur da« durch etwas abgeschwächt, daß die Gondel zunächst gegen einen großen Baum geschleudert wurde, der gänzlich zersplitterte. Die schwerverletzte Künstlerin verlor die Be- sinnung und e» gelang erst nach längeren Anstrengungen, sie wieder zum Bewußtsein zurückzubringen Die drei anderen Jnfasien der Gondel trugen ebenfalls schwere Verletzungen davon; am schlimmsten ist ein Herr Kerr weggekommen, an deffen Aufkommen gezweifelt ist._ Ein Pfarrer als Rauberhauptmann 7 Wie mehreren Pariser Blättern aus Nizza gemeldet wird, ist der Abbs Espert, der Pfarrer der Ortschaft PeyomaS, verhaftet worden. Die Bevölkerung von PeyomaS wird seit vier Jahren durch zahllose Missetaten einer Räuberbande in Angst und Schrecken versetzt und der Pfarrer steht in dem seit- samen Verdacht, Bandenführer zu sein. Bei seinem Verhör durch den Untersuchungsrichter von Grasse wies der Abbü die gegen ihn erhobenen Beschuldigungen mit der größten Entschiedenheit zurück. Kleine Notizen. WahnfinnStat einer Mutter. Eine in Oberleutendorf in Böhmen wohnende Bergarbeilerftau hat am Sonntagabend in Ab- Wesenheit ihres Mairnes zwei ihrer Kinder, einem sechsjährigen Mädchen und einem achtjährigen Knaben den Hals durch- geschnitten. Beide Kinder sind tot. Eine zehnjährige Tochter wurde von der Frau durch Schnitte schwer verletzt. Die Fra», die ihre Tat jedenfalls in einem Anfall von Geistesstörung verübt bat, tötet« sich dann selbst, indem auch sie sich dcii Hals durchschnitt. Automobilunfälle. Am Sonnabendabend ist in der Nähe von E u p e n ein aus Aachen kommendes Automobil mit einem Last- fuhrwerk zusammengefahren. Fünf Personen wurden schwer verwundet. Die beide» Gefährte sind zertrüinmert.— In Mürzuschlag sOesterreichs fuhr am Soniitaa ein Amomobil inil füns Jnsafien in voller Fahrt in die geschlossenen Bahn- schranken hinein. Zwei Personen wurden schwer ver- letzt, zwei andere erlitten leichtere Verletzungen. Eifersuchtsdrama. Ein früherer Zuchthäusler Haschet aus Z a b r z e überraschte seine Geliebte»lit einem Nebenbuhler. Um sich zu rächen, erstach er das Mädchen. Vor seiner Verhaftung verübte er Selbstmord, indem er sich das Messer in die Brust stieß. Zusammenstoß zweier Eiscnbahiiznge. Bei Lyon stießen am Sonnlagabeiid zwei Siraßenbahnzüge der»ach Neuville führenden Linie zusammen. 26 Personen wurden zum Teil lebens- gefährlich perletzt. Drei Wagen sind vollständig zertrümmert. An Cholera erkrankte» in Neapel während des letzten Tages acht Personen, fünf Erkrankte sind gestorben. AnS der Provinz Neapel werden 17 Erkrankungen und acht Todesfälle gemeldet. Ein Berliner im Harz abgestürzt. Beim Besteigen des Ilse- st e i n S bei Jlsenburg glitt am Sonntagnachmittag der Leiter einer Berliner Verlagsanstalt. Dr. Dietze, aus, stürzte ta die Hexenlüche und brach das Genick. o » S S « K > Unserem lieben Genoffen Otto ploxer (Rigaer StraBc 95) zum 50. Geburtstage die Wlclisten GIlMwilnscIie. Die Genassen d. 375. Bezirkes. «ASSASS Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Hausdiener (jULtsv tToffttislin am 29. September im Alter von 51 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Rndeuke«! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 4. Oktober, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- halle des Rixdorser Gemeinde- Friedhojes, Martendorf Weg, aus statt. 51,1 1 Die Bezirksverwaiiung. Zentral-Verhanil der Maurer Deutsehlands. Zwelgvercin Iterlln. Am 1. Oltober verstarb unser Mitglied (Zustav Mcjbius (Bezirk Südost). Ehve seine»« Andenken! Die Beerdigung findet am DienSiag, den 4. Oktober, mittags 12 Uhr, vom Traucrhause, Lübbener Straße 14, nach dein Städtischen Fricdhos in Friedrichs- seid« statt. 133,1« Um rege Beteiligung ersucht Der vorstand. Statt besonderer Meldung. Am 1. Oktober'/,« Uhr mar- genS«ntschlies nach langem, schweren Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel, der Bodenleger VilKelm Golilke im 78. Lebensjahre, ttesdetrauert von seinen Angehörigen. Die Beerdigung findet Mitt- woch, de« 5. Oktober, in Hamburg statt. Danksagung. Iffür die vielen Beweise Teilnahme sowie die z Kranzspenden bei der Beerdigung uniercr lieben Frau, Mutter, Schwieger- und Großmutter sagen wir unseren tlesgcsühlten Dank. Grothe Weißensee. herzlicher Für die uns erwiesenen Aumierksam- keilen, anläßlich unserer Siberhochzeit, sagen wir allen Kollegen, Freunden und Genossen unseren herzlichen Dank. 12I0L Fri«; Perlmann und Frau. pjavos-Gelegenkeilz- lzikiife in er. Auswahl v. 300 bis 400 bl., dar. Sohiedrnejrer, Biese eto. Garantie.— Pianohaus Krause, Berlin W., Ansbachor Str. 1.* „Lange Jahre litt ich an einem Hartnäckigen* Hautausschlag Viel, sehr viel habe ich ersolgloS ver- sucht. Ich probierte Zncker's Patent- Mcdizinal-Teife. Plötzlich besserte es sich von Tag zu Tag. Rahm nur zum Waschen Zncker's Patent-Nie> dizinnl-Seife u. hatte grostartige» Erfolg. M. S. in 8." ä Stck. 50 Pf. fl5°/0ig)_u. 1.50 M.(35 0/0tg, stärkste hör. Kulkooti-Ereme 75 Pf. u. 2M, fern Zu?ööv>Seife (mild) 50 Ps. u. 1.50 M. nTVerli» in Behrens Trog.(AporH. tz Krause), Frankfurt. Allee 120, O. Schalke, Chausseestr. 87, Hugo Schultz.Muller- drog., Müllerstr. 108», Otto Binder. Prinzen- Allee 2g, in Rixdorf: DrogcnhauS Vincent, sowie in sämti. Apoth., Droa. u. Parfüm. Nichts anderes ausreden lassen. ES gibt dafür keinen Ersatz I garaulierlreiuausileutuchlahali. seit.Talirzebnten unübertroffen. Niederlage: O. Reimer, Lichtenberg-Berlin 0., Qürtelstr.fiEoke Frankf.Ohaussee. 4452 Am 2. Oktober verstarb mein lieber Mann, unser guter, sorgsamer Vater, der Bohrer Klähn im Alter von 33 Jahren. Dies zeigt tiesbetrübt an Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den S. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- hall« des Najareth-KitchhojeS, Reinickendorf- West, Kögelstraße, aus statt, 12112 Allen Vcrwandien, Freunden als auch Bekannten die traurige Nachricht, daß am 2. d, M., abends 8'/, Uhr, meine liebe Frau und gute Mutter Elise Knicke Beb. Thormann nach langen, schweren Leiden sanst entschlascn ist. Di»» zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme schmerzersüllt an Otto knicke nebst Tochter «illibald-AlexiS-Str. 9. DI« Beerdigung findet Donners- tag. den 8. Oktober, nachmittags 3 Uhr, von der Halle der Heilig. Kreuz-Gemeinde in Mariendors aus statt. 123Lb veutscli-pilsner Zpeml-ömu Flasche 10 Pf.— Ueberall käuflich.• F Katz& Co. Spandauer Straße 45, am Molkenmarkt. Filialen: Rixdorf, BergstrnBe 65, am Bahnhof. Brandenburg a. it., Hauptstraße 59/60. Größtes Spezialgeschäft sämtlicher Oastwirts- Artikel. Turnverein Mitgl. des Arbeiter- GegrDndet am S. August 1880. Fichte Turner-Bundes. Geschäftsstelle: Koppenstr. 24. Männer- Abteilungen: I. Abt.: NO., Frledenftr, 37. 2.. SO., Ekalitzer Str. 65/56. 3.. S., Boeckhftr. 17-20. 4., NW., SiemcnSstr. 20. 5.. N., Wattstr. 16. 6., S., Stallschreiberftr. 54. 7.. SO., Rcichenberger Str. Nr. 131/132, 8., NO-, Strausberger Str. 9 9.. N., Müllerstr. 158. 10.. 0., Petersburger Str. 3/4 11., SW,, Bergmannstr- 28/29, 12., N., Eberstvalder Str. 10. 18.„ SO., Görlitzer Str. 52. 14., 0., Ehrenbergstr. 24. 16., SO., Kottbuscr User 51. 16., N., Tenefeiderstr. S/7 (Neugründung). Durnzeit: DienSiag und Freitag von 8—10 Uhr abends. Ueb rlings-Abtei I ungen: Seil 4. Oktbr. V.J. wieder in den Städtische» Gemeindeschnl- Turnhallen. 1. Abt.: NO 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. )., Diestelmeherstr. 12, Dienstag u. Freitag 8—10 Uhr abdS. ., Skalitzer Str. 55/56, Mittwoch u�Sonnab.,„ . S., Borckhstr. 17/20, Donnerstag u. Sonnabd. SW., Siemensstr. 20, Mittwoch u. Sonnabend N., Ackerlir. 67, SO.. Reicheuberger Str. Nr. 131/132, S.. Waffertorstr. 81, Montag«. Donnerstag NO., Strausberger Str. 9, Mittw. U. Sonnab. N., Müllerstr. 158/159,., SW., Bergmannstr. 28/29,,. SO., Mörlitzer Str. 52, Montag u. Donnerstag 80., Köpentcker Str. 2,.. N., Senefetderftr. K/7. Mittwoch und Sonnabend(Neugründung) Dsmen-Abteilungen: Abt.: 80., Mariannen-Userla, Dienstag u. Freitag„„ . N., Ackerstt. 67,. ,•(Neugründung). * Für diese Abteilungen ist noch keine Genehmigung eingelaufen und erfolgt die Bekanntgabe später. Lommor-Turn- und Spielplätze des Vereins. Treptow: Köpenicker Landstraße, Ecke Lichtenberg: Röderstraße, Diez'»Tee- Eichbusch-Zlllee Terrasse". Pankow: Hinter der Mendelftraße 11. jnngtcrnhelde: Tegeler Weg. Pincrhi-pihAmalrl• Männer- und Damen-Abteilungen ZZ Pf. k cinscnreioegeiu. Lehrliugs.Abteilungen 30 Pf. Roilcorr pro Monat: Männer-Abteilungen 7ki Pf.. Damen-Abtetlunge»«0 Pf., DOlll ag Lehrlings-Abteilungen 25 Pf«. Im Beitrag ist die monatlich zweimal erscheinende„.Ai'I»eltcA--Tnz-niseltnng" und daS „fflUtcllunsnblatt" des Verein« sowie die Unfall- und Unterstiitiungskaffe mit einbegriffen. Außerdem veranstaltet!l!lt.*ss>»i»s«4�tI»s'fos» in der Mark und weiter hinaus der Verein U�kusvrri WllllDs» zu allen Jahreszeiten. Lr-k'nMmm A Kan/ta» Jeden Montagabend 8—'1,10 Uhr in den Städt. Volksbadeanstalten oCnWlITini'ADenUe• Oderbcrger Straße und Barwalostraße. DSV" Eintritt 20 Ps.' Auskunft und Aufnahme von Mitgliedern in alle» Abteilungen während der Turnstunden. y Inden. sSa Dr. Simmel Spezi al- Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, tüZpZ, 10—2, 5— 7. Sonntags 10— 12, 2— 4 ••»»••••••••••••—• Kaulsdorf und Mahlsdorf. Nur 20 Pi.-Fahrtv. Zentrum Borlins, trotzdem billig, als weitorv.Berlin gelegene Orte, wie Hoppegarten, Neuenhagen usw.Mäß. Anzahlung, langi. Hypotheken. Pläne gratis. Verkaufer ständig am Bhf. Mahlsdorf im Pavillon. USTL» j. Rieger, Berlin, Oontardstr. 5. 4» Hygienische tfrdanüarUk«!. wouGtt.Kalaloj 0. Emp fehl. viel Aerzte u.Prol. grat.Ueäf H. ünger, GammiwarcnlabriJi i Hm~ Frie drichsurass e 91/9 G uraraiwaren aller Art. Anfr. erb. Gummi- Grosso- Haus C. A. Growald, Charlottonbg.-Bln.87,P.-A.2. Versand auch an Private. Syphilis- Nachwels in allen frisch, u. veraltet, zweifelhaft. Fäll, durch wiffenschastl. Untersuchung. sofort i deSgl. Harn-(spcz. aus Go> norrhoe-Fäden) u. Sputum-Annlhsen. Dr. itomexer& Co., Spcztal-Laborat., Fricdrichstr. 189, zw. Kronen- und Mohrenstraße), 1. 8724. Pers. Rückspr. dtSkr. u. kostenl. Geöffnet von S— 8 Sonntags von 12—1.* Nitle Pmnfn nnd Hmen haben durch Berwenduug meiner 8eliönlieif85eife ihr GMck macht. Wunderbare Wirkung. Stück 75 Ps.. 3 Stück 2,00, Dtzd. 7,50. Bersandhans Zech, Berlin 463, Lichtersclder Str. 33.* H.Pfau, Bamligisl "i'!:' Dipeksenslraile 20 zwischen Bahnhos Alexanderplatz und Polizeipräsidium.- Ami VII. 13799. Für Damen Frauen-Bedienung.* giesevaiil für alle Krankenkassen. Stempel-Fabr» von 3634L� kohekt Hecht, Berlin Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester ___ AlwfllHrung. Kaueschnk-Thpen„Perfekt-- zum gusainmensetzen einzelner Wörter sowic ganzer Sätze von 1,50 M. an H.StP. vÄer, W> Vorteilbakteste Bezngsgnelle für Wiedorverkäufer. M Größte Auswahl gelagerter Kigarren in allen Preislagen. 3 Sämtliche be- ib Berlin SO. 16, 1 engel-Ofcr Z.j Tabak-GrolShantllung und Tabakfabrik. Rauch-, Kau-, Scbnopttabake, Zigarren, Zigaretten."-W kannten Marken gelagerter Xigar Zigaretten Amt 4. 301 4. Orlslnnlprelwen. W. WERTHEIM GM BH Passa�i« Potsdamer Straße 10, 11 und 13 Friedrich-Straße 110 112 kS;« Leipziger Straße 75/76 am Dönhoff platz Dienstag Mittwoch Donnerstag Zu Extra-Preisen Gardinen, Decken, Portieren Dienstag Mittwoch Donnerstag Erbstüll-Band-Gardinen statt 8.50 nor 6.75 �2" Halbstores sut,3,ste� 2.50, 3.75, 6.00 Erbstüll-Band-Stores"u"<75b" 7.75 nur 3.75, 5.00, 6.25 Erbstüll-Band-Bettdecken____ Diwandecken""""""'Ädo™d™ Tischdecken"" ph",""8Ti« 3.20�4.» Fensterdekoration SiS™ 4.75, für ein Bett: statt 4.00 bis 9.00 nur 3.25, 5.75, 7.50; für zwei Betten: statt 8.00 und 11.00 nur 4.90, 6.00 2.50, 3.50 aus Velvet,*7*7£ statt 9.00 nur/•/ 6.50, 9.25 QWoke tte- Plüsch Mustere, c'ca! 130 cm�brel" ganz bedeutend unter regulärem Wert Meter 4.50, 5.50) DEUTSCHE TEPPICHE Imitierte Perser.. Prima-Velours � 170,235 cmsro6''e2U,irerWejl?� 21.00, 32.00 ca. 130/200 cm groß 5.50, ,55äem 8.09,"°Ä- 11.25, 250s™ 18.75 Axminster p™......."fi- 30.00, 200S" 45.00,- 67.50,"r.™ 93.50 V T 1 1**!*■ C T1*1 in modernen und französischen Stilarten nandgeknuplte bmyrna- 1 eppiche ZU ganz besonders niedrigen Preisen » t_ Große Jluswahl von alten und neuen Stücken xJrißfiL* 1 GppiCrtQ zu außerordentlich billigen Preisen [ Linoleum-T eppiche ca. 150/200 cm groß, regulärer Wert 9.50, jetzt nur 6.75, ca. 200/300 cm groß, regulärer Wert 19.00, jetzt nur 13.75) Beleuchtungs'Artikel Gas-Zug- Ampeln mit Perlfransen, 3teiHg. 11.50, 15.75) Salon-Kronen mit 3 Oraetzin-Brennem 28.00, 34.00, 38.00 j Speisezimmer-Kronen menn�"1' 47.50, 55.00, 60.00' Wohnung inkl. Montage in der Gas-Zylinder doppelt gekühlt................. Dutzend 65 Bk. Gas-Selbstzünder für stehend. Ucht St 32 Pf. kvr hängendes Licht Stück 35 Pf. Glükstrümpfe.... stück 22"»d 28 Pf-, für hängendes Ucht Stück 45 Pf. Bettfedern und Daunen Gut gereinigte Ware Füllfedern......?fd 90 Pf. Schleißfedern Pfd. 3.30, 4.50 Helle Entenfedern Pfd. 1.60 Graue Daunen.. Pfd. 3.80 Halbdaunen ph 2.65, Pii8 3.50 Weiße Daunen•• Pfd 5.25 Inlettstoffe Gute federdichte Qualitäten, rot oder gestreift Bettköper Kisseubreite............... 85 Pf. 1.05, 1.30 Bettköper Deckbettbreite.............. 1.30, 1.60, 1.90 Unterbettdrell ca. 115 cm breit.......... 1.10, 1.85, 2.20 Pahmen u. Bilder Postkartenrahmen......... 20 Pf. 2 Visitrahmen) >. zusammen Bettstellen Klein* Möbel Polsterbettstellen Eiserne Bettstellen Pf. 1 Kabinettrahmen Kupferdruckgravüren"ifÄZÄ1' 75 Pf Französische Meister! Alte u. moderne Meister /ÄwL Jagdbilder apart. Goldleiste 1.40 un j Abends 8 Uhr:| IDie Jungfrauen! 1 von Sa'is.' Die 3 myatlscben Schatten und die großen Attraktionen des Oktober-Programms. s Passage-Pauoptikum Boddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem Schlund! taskop- Theater moptikum der 4. Dimension Extra-Entree! „Groll-Berlin" ®ien3ta0:„Entlers-Brau" WclBenseo. Mir lafft« uns scheiden. Dazu die neuen Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps. 'Aboiiuemcntcrniaftigung. Mittwoch zum erstenmal:»Neue Welt": Die Soldatenbraut. Alt-HenbU 47/48. HanS Reift- Ensemble. Donnerstag, den S. Oktober 1310: Othello der 11 o Ii r von Venedig. Trauerspiel iu 5 Auszügen von William Shakespeare. Othello... Dir. HanS Reift. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Trianon»Theater. SlbendS 8 Uhr: Pariser Witwen. l» WllHIUUllUl Heute Dienstag, abends 7si, Uhr. Neu! Mr. Sandora Neu! Miniatur-Zirkus. Kreisel-ölobus Foot-Itall 1 Pnsh-Ball[■ spielende Pferde. Polo-Ball j Neueste Kreation des Direktors A. Schaniann. Apachen zu Pferde geritten von Frl. Uors Schumann und Herrn Karl HeB. Antonet AGrock, die besten musikalischen Elotvns der Gegenwart sowie dle übrigen Kunstkriste. ciaciis! Cyrill Halle i I>lchtenbcrg, BOUendorfutraOo. Nur noch 3 Tagell Dienstag, 4. Okt., abds. 8'/, U.:| Gala-Sportabend. Preise: 30, 60, 80 Pk., 1 M.,| 1,50 M., 3 und 4 M. ■imTirr-m nanteii Seit 20 Jahren der gröftte Erfolg k'Mß Eine verlorene Kocht Ein lustiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Hierzu: Dkl Dttblj-Sitgtr. Sportkomödie von August Ncidhardt. Ans. 8 Uhr. Vorvcik.ll— 2(Thcateri.). Hochbahnstation Kotibuser Tor. Glänzender Erfolg des neuen Oktober-ProgrammeS. Wallaston-Comp., amcrilan. Keulen- Jongleure. T. Viedahl mit seiner echt Original indischen Attraktion. lldl Herzfeld, der jüngste Wiener Couplet- und Liedersänger. Mlfi Clalre, Musikal-Virtuosin. Belitte, TranSsorniationS-Akt. Dazu die Poffe: Kn ljoTs geschnappt! Von OSkar Sabo. Musik von Fnnl l.lnckc. _ Ansang 8'/, Uhr._ Walhalla-Theater WeinbergSwcg 19/20. Anfang 8'J, Uhr. Bravo!— Da capo! Eine AIlerwelts-Revuc in 5 Bildern von M. Rcichardt, Musik von R. Thiele. In Szene gesetzt vom Direktor JanicS Klein. ReidisiisHeii-Tiiesler. Stettiner Sänger. Zum Schluß, neu: „Im DauHcloch". Milit. Humor, v. Mcyscl. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Zirkus Busch. Dienstag, den 4. Oktober, abends 71/, Uhr: Große Gala-Vorst. Die Predianis, Eeitkünstler zu Pferde. 3 Dann hoch! Abra-Trio! Herr Dir. Orlando. Frei- heitsdrossuren.— Danola- Trnppe k— 3 Ocbr. Fra- tellinlN, urkomische Clowns. Um 91/, Uhr, zum 19. Male: „VENEZIA" Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schneidige Rudslf. Rudols Pimpelmann: Dir. tz. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. 3'/, Uhr: ßerlihmle Töchter. Puhlmanns Theater Schönhauser Allee 148. Dienstag, den 4. Oktober 19tlZ: Der Tanzteüfel. Gesangsposse in 4 Alten von Ed. Jacobson und W. Manstädt. Kasseneröffnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. ftities Caprice. Täglich 8-,« Uhr: Volle Pension. Neuer bunter Teil. Der schwarze Scbimmel Vorverkaus 11—2, abends ab 6 Uhr. Karl Haverland- Ansang Thcitcn Kommandanten- präz. 8 Uhr. I UCalCI. straße 77/79. WstiindiglleilesProMiim Nur rrstklnss. SpeMlitäten. Heute nach der Borstcllung: Dali. Königstadt-Kasioo. Holzmarktstr. 72, Ecke Alcxandcrslraße. Gänzlich neues Programm mit Fi-an» Stobunttki. Erich Castslli, Geschwister Willlami. Guten Tag, Papa! Schwank in 1 Alt von O. Richter. Neu k Zum Schluß: Renk Biographische Borführunge». Burgtheater- Kinematograph vorm. Groterjan. Jnbab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 12«. Tel. 3. 0353. Lebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps., Kinder dicHälfte. Ans.T U., Sonnt. 4U. Vorzugskarten, nur wochent. gültig, 25 Ps. aus allen Plätzen. Stets tvechs. Programm. im Obersaal: Entree 15 Ps. Küustlerkonzert. Garderobe 1« Ps. Meabftei' WM. U. \l EDideiier Str. 40. Grüßte« Kientopp-Theater Hloublts. Wöchentl. zweimal neues Programm. Täglich Borstcllung. Ansang ü Uhr. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber triuerlet Verantwortung. GtVttWfishims Krcme«. Allen BeWerdern zur Nachricht» daß die Stelle des(DfftOttOtttfS besetz« ist. 290/20 Das Gewerkschaftskartell. Heute Dieustag, den 4. Oktober 1910, abends 8 Uhr: Verlammluvgeii der Ufrcis-Klafylvmine. 1 Zentrnms-Hallen, Niederwallstraße 20. �- Brauerei, oV-WIV« Tempelhofer Berg. 3&Wt3* Armin- Hallen, * ♦ Konimandantenstraße 58—59. 4. ♦ Andreas. Festsäle, -X* V»V ♦ Andreasstrabe 21. 5 ÖWtS ♦ Musiker- Säle, V.»Kaiser-Wilhelmstr. 13w(unterer Saal). ß Germania- Festsäle, V. Chausseestraße 110. IlkzirkS'fflaiHverelne. «IJifhrtl'f ♦ H°pp°b Feftsäle, I sfiiivft* Sabrowskis Saal, trU�VV-Vf* Hermannstrabe 49.|«VIH- 4V-I/ W ♦ TreSkotv-Allee 66. Nieder-Schönhansen: Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Berichterstattung vom Parteitag in Magdeburg. Diskussion. 2. Berichterstattung vom Internationalen Kongreß. Diskussion. 3. Berichterstattung von der Brandenburger Konferenz. Diskussion. 4. Partei- und Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert zu de« betreffenden Versammlungen. Zahlreiches Erscheinen erwarten Dil« Vorstände. K Weltmann Nachf. Stefan Esders Kaiser-Wilhelm-Str. 41-42, Ecke Spandauer Str. 70-71 | Größtes Bekleidungs-Spezialhaus| Knaben-Anzüge •» mit Pluderhoce aus haltbaren Cheviot*, Q__ O O jOppeniOrm neueste Muiter...... von M. 0.75bis�lvJ.—■■ Matrosenform aus blauem Cheviot, gelüttert, von M. 5.50 bis 20.» Knaben-Paletots « Kieler Paletots ml« Annstickerei, auf Wollfutter, von M.7�0bU 19.50 O f aus krlitigen WInter-Chevlof«, mit Wollfutter, Q QO PaletOIS ein- nnd aweireihig........ von M. 0.50 bis Mädchen-Konfektion ÜÄ Spezial- Abteilung: Schllhe, Wäsche, Hüte | Winter Katalog kostenfrei Meine Kinder-Könfektlon wird nur im Eigenbetriebe aus erprobten haltbaren Stoffen neuester Dessins gefertigt und zeichnet sich durch gute Paasform und tolide Näharbeit au»» Wanzen tötet unfehlbar mit Brut Reichels Wanzsndulrf„Radikal" Fl. 60 Bf-, 1—, I.-, Liierst. 6.-. Absolut fleckfrei, nicht feuergefährlich. ''.Geruch, nachhalllgsteWirkung Kein UDi.uerucn, nacnnauigEteWirkung Schwaben vernichtet mit Brut radtlal und sicher Raiehels Spezial-Sehwaben-Poudr« „Martlal". Pak. 60 Pf.. I.-, t-, Pfd. 4... einji« cht sj-rrsyrr Toda.Tcafcl In den vroxei-ten und bei Otto Reichel, Prrlin.Ettenbaliuftr 4. Fernspr..AnfchIüfs e IV«751, 4752.4753. WöMZlilii + Nfgi°iiisuiia»rtlhel l>i-o»ei>te �nceniha, Wctnbergdwegl. dir. a.RofentHaler Tor. � Billigste Bezugsquelle l Bettuch j. zur dauernden Kundschaft «rbettsnackiweiS: hos 1. Amt 3. 1239. UerwoltungSitelle Berlin. Hauptbureau: ohaeiltsleab« 3. Hof IN. Amt 3. 1987 Die Versammlung der Bauanschläger am Donnerstag, den 6. d. Ms. fällt ans. 122/15 Die Ortsverwalwn� Wir hadsn unssr Bureau fünf Minuten von seiner bisherigen Stelle verlegt nach HW. 21, Turmstpaße 4, I Tr., gegenüber dem Haupteingange des neuen Krlminalgerichts. Die Nummer unseres Fernsprech- Anschlusses Amt II(Moabit) 704 bleibt unverändert* Wolfgang Heine, Dr. Felix kehrend, R»chttaawme. u*oci«T«tf Ganz Berlin kennt nur lirteitv ah besten Schuhputz In Dosen zu 10, 20 u. 25 Pf. überall erhältlich. _ Fabrik: Urban dfc Uemni, Charlottenburg._ •r-ü v-..'" W-t-'»r»' l ' Vaalti UM• CiJurthi h Beste Qualitäten Der Name „Franck" und die„Kaffeemühle" spielen bei der Zubereitung eines wohlschmeckenden und gehaltvollen Kaffees seit langem eine Hauptrolle: sie haben dem„Aechten Franck- Gries mit der Kaffeemühle" den Namen gegeben und sind äußerlich die Unterscheidungsmerkmale gegenüber billigen Nachahmungen. Die Fabrikanten Heinr. Franck Söhne, Ludwigsburg, Halle a. S., Unz a. D., Bukarest, Basel, Mailand, New ' T York etc. stehen mit ihrem Namen für die Reinheit und Ausgiebigkeit der Ware ein. ;?S!'- Gentner's VBilchsn-Seifonpulver erfreut fleh deshalb so groöer beneothelt, well Jedes Paket eine wirklich schöne und brauchbare Oeschenkbeilage enthfilt.— Da meine Packung vielfach nachgeahmt wird, so kann man sich vor Schaden > nur dadurch schützen, daß man genau \ auf den Namen.Goldperle" und \ Schutzmarke.Kaminfeger" achtet. Alleiniger Fabrikant;< s\\V Carl Gentner Göppingen. Dentscher Holzarbeiter- ¥ erband. Verwaltung Berlin. Mittwochi den 5. Oktober, abends 8% Uhrs Vertrauensmänner-Versammluiigeti der Sezirke und Stauchen. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstattvertrauensleute über die Durchführung der am 1. Oktober einzu- retenden Erhöhung der Löhne und Akkordpreise m den für den Tarifvertrag in Betracht kommenden Branchen. (Aus jeder Werkstatt muß eine Abschrift des umgeänderten Tarifs, versehen mit den alten und neuen Preisen, abgeliefert werden. Für. Lohnarbeiter sind Lohnlisten aufzustellen und an die Obleute abzuliefem.) 2. Bericht der Obleute. 3. Verbandsangelegenheiten. Alle Werkstätten müssen vertreten sein. AtitgliedsbuelR legitimiert. Die in den Vororten arbeitenden Mitglieder sind ebenfalls verpflichtet, Vertrauensleute zu senden. Dieselben besuchen die Vertrauensmäunerversanimlung ihrer Branche oder die ihrer Werkstatt am nächsten liegende Bezirks- Vertrauensmännerversammlung. Für die Arbeitslosen geben die Arbeitsvermittler Vertranensmännerkarten am Mittwoch auS. Versammlungslokale sind folgende: SO/M Ofcblcr. Südwesten in Habels Brauerei, Bergmannstr. 5—7. flu dieser Versammlung sind sämtliche Kollegen der Werkstätten H. Pfaff, Zimmerstr. 88, und Kriigel, Hagelbergeratr. 7, besonders eingeladen. Stiden bei Glicsing, Wasscrtorstr. SS. Südosten I n. II in den Naunyn sscstsälen, Raunhnstr. 8. Osten 1 bei Borgmann. AndreaSstr. 21. Osten II bei Wolter, Frankfurter Allee IM. Osten in bei Bergmann, Boxhagener Siratze 28. Ocstllcbe Vororte bei W. Schul», Lichtenberg, Kronprinzen- {träfet 37, Ecke Scharnweberstratze. Nordosten bei Boeker, Weberstr. 17. Jede Sargtischleret mutz etnen VertrauenSmlMn nach dteser Versamm- lung senden. nosentbnker nnd Sebünlinnser Vorstadt bei Obigl», Schwedter Straße 23. Wedding und Moabit bei KaczorawSki, RavmSstr. S. l�aäeneinrichtuugs- und Nontormöbel-Vranche lm.Englische« Garteu«, Sllexanderstr. 27o. Mbel- u. Stuhlpolierer sowie Mgazinarbelter. Osten bei Boeker, Weberstr. 17. Südosten Im»Märkische« Hof«,«dmiralstr. 18o. BeslrU Korden. Statt der BertrauenZmännerversammlung findet ew« autzerordenlltche Branchenvrrinmmlung(gleich nach Feterabend) im»Swtiicmüiider GcsellschaflShauS«, Swineniünder Str. 40, statt. Tagesordnung! 1. R�erat'deS Kollegen Lohreiher über»Die Organisierung unserer Agitation". 2. Branchenangelegenheiten. DrechHer, Treppengeländer- und Luxuomöbel- ßranche. Korden bei DSHltng, Brunnenstr. 79. Osten bei Schneider, Friedenstr.«7. Südosten nnd Südwesten bei Stramm, Ritteistr. 128. ßodenleger im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 2. dtellmnehrv bei Hahn.»Rosenthaler BerrtnShauS«, Rose«. t})aUv S�atze 57. Ä Kilten- u. Koffermacher bei Baudach. Breslau? Straße 28 Korbmacker bei Eichhorn, Koppmstr. 47. Bürstenmacher Bei Preusi, tzolzmarktstr. 65. Kollegen der Firma oeeb- Kammacher bei Preutz. Holzmarktstr. 65. Vergolder im Gewerkschaftshause, Engeluser 14/15, Saal 5. �aloullearbeiter bei Wolter, Adalbertstr. 62. Zu dieser Versammlung sin! »wlior, Piiolilsrslrabo, eingeladen. Perlmutt-, Dorn- und Steinnußarbeiter«m s uhr bei Ernst ThomaS, Melchiorstr. 5. Bilderrahmenmacher um« Uhr bei Natteroth, Ritterstr. 32. Stoeharbeiter um« Uhr bei Lehmann. Neue Friedrichstr. 1. s-Iasckinenarbelree. Mn ftltin strumentvnarbriter Mittivoch, de» ö. Oktober, abends 8 Uhr:' KllvlbinlkrtkKrlttichen-». ilertrallkusmiiuukrvtrsaiumluvg im„Märkischen Hof", Admiralstraße 18o. Tagesordnung: 1. Der Stand unserer Bewegung. 2. Branchen- und Berbandsangelegen- Helten._ Einsetzer. Donnerstag, den 6. Oktober, abends 8'/« Uhr: � Bezirks- Versammlungen===== in folgenden Lokalen: 1. Bezirk: Merkowski, Andrcasstraße 26. Ä. ,» Glieschc, Kopenhagencr Stratze 74. tt... Sauer, Levetzowstmste 21. 4.„ Preil, Rixdorf, Rosenstratze 24. 5. ,, Wiemer, Bülolvstraße 58. 6.„ B!ix, Skalitzer Straße 59. 7.„ Charlottenburg, Rosinenstraße 3. 8.„ Melzer, Wiesenstraße 29. Die Kollegen aus den Vororten sind besonders dazu eingeladen. TageS-Ordnung: 1. Ausgabe der neuen Tarife. 2. Branchenangelcgenhciten. Bon der Reise zurück vr. Bruno Wolff II, Frauenarzt, 115/18* Könlggriltzer Str. 40a. Oasthot mit groBem Saal zu verlausen, für Genossen event. ohne Anzahlung günstige Gelegenheit zur Etablterung. Offelten unter J. Z. 55 hauptpostlagernd Dresden erbeten. Wi! auf � �Kredit! Wohnungs- Glnrlchiunsen. Auutcllung einlacher u. eleganter J lehlat-, Herren- und tpelzezlmmer, Med.(arbige KOehen-llnrlehtungen auf Abzahlung 1 und auch gegen Bar. Um HMtiicke und Polstorwaren bei Kleinster Anzahlung I evtl. ohne Anzahlung Forner empfehle: Tepplohe, Portieren, Cardinen, Sieppdeeken, Silier, Uhren, 0»v u. Petroleum- Kronen, Fertige Betten, Leib- und Oettwitiehe. Sport- und Kinderwagen. Garderobe für Herren, Damen und Kinder GröMle Auewohl. Bllllgtto Proleo. Hoi'oetir Schnitt. Pelz-Stolasj Wochanrate iMk. SeDorn 91 Alte Schönhauser Str. V (J Eck« Ulnlbn-SlrAsee w CHARLOTTENBURG Uhren und Goldwaren t F. Stabenow, Berllnerstr. 146* ■p. CijSrOttQn sind nur dann«cht; wann sk, wie alk unsere Fabrikat«, das oben ab* gebildet« geichatzte Wappen scwle den untenstehenden Namenszug tragen. Achten Sic beim Kauf In Ihrem eigenen Interesse darauf, da Sk nur dann die Gcwflhr haben, nicht etwa andere Fabrikate zu erhalten, die Sic nicht verlangten. Josettl Juno m. u. o. M. 10 St 20 Pfg. Spezial-Geschäf t WiMrc Misch, Cr. Frar.Wurtäi Str. 45-46, llü Cigarren-Hiindlern begueiitstcu Eiiitanf zu billigste» Preisen biclel da» grösite und reichhaltigst ausgestattete TsbaK-, Cigarren- u. Cigaretlen-Engroslaßer Carl Höcker, Krrlin 0. 27, Gruner Wey 112(F-rnspr. VII, 386t). Offeriere folg. Ratten j. Original- Fabritpreis von 100 St. an einer Sorte: Berliner Marken: Garbäti, Hcrbstoli, Joseltl, Manoli, Problem, Phänomen, Kapitän, Carmen Shwa, Gras von KönigSmark, Fredh. Dresdener Marken i Salem Aleilum, Tuma, Bolero> Zcuith. Rcunion, Laset me. Ferner: Egtiplian Coinp., österreichische und ungarische Regie-Tavake Usw. Gencralverltieb slir Dciillchland der diin Ische» Kapitän-Kantabake. Nanch- und Schnupitabatc: Hatiplniedetlage der Kaulabak-Fabiilen W. A. Hanewacker und Gr im in& Trtcpel in Nordhausen: Brödr. Braun in Kopenhagen, Joh. Dannehl, Malchow, sowie I. GoldsardS Schnupftabake. Pr. Stargard. Bei stsuolarlcbtungsn von Cigsrran-VesodStton bitte mein dostsortlortoz zu befichllgen Ciaarren-Engroslaaer Ilgen. Ich führe nur gutgelagerte, feinste Qualii allen Preislagen. itualitiiten In »032° sp Achtung!! ISprechmaschinun-Besitzer! I! „Unsvi'v pSaÄtv" „vi« /UiU'soiUoiso." Orchoster. „Ant ituch Treptow." llatmlosor Marsch. „Wir Mttnnop in der UIiimo." Gesang. „Apbcitor-Sliipsc iiluisc." Gesang. „SoslaUstcn-Marsch." Gesang. „Die lnterniitlonn1«.k< Gesang. _ Und andere Platten. I*rcls: I SO 1143L* Bei Abnahme von zwei Platten an portokreiex Versand innerhalb Groß-Borlins. AasschllcBIich zu haben bei E. Wallstab& Co., Charlottenburg, Fritschestr. 44, Eingang Pestalozzlstr. 60 DW- Auch Sonntags geöunot. .�'Teilzahlung bei klclnstoi* Anzalilung in bo- ksnntcp Cii'.o (mit größter RücKsicitt bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) I E.Cohn,Gr.Fi'ailhrtei'str.58[ Riesenauswahl aller Qualitäten. Wolle- Dncfof Hocqoetta. Plßsoh-jVcau� Safteltaschen. Muster bei näherer Angabe franko. Emil Leüvre, o®eÄr. 1S8. Bruch-Pollmann �empfiehlt seinLager in Bruch- ' bandagcn, Leibbinden, Ge- radchaltern, Spritzen, Suspensorien sowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigene Werkstatt. Lieserant für Orts- und Hilss-Krankcnlassen. «vi-I«», N.,• jetzt KiOthfiiigcr Straße 00. Alle Bruchbänder mit elastischen Pe- lotlen, angenehm u. weich am Körper. Ot sfO/JC stocke tür 6 Mark pro Monat. Kleinere Plattenserien von 2 M. an. Pathd-Plalten Sind 29 cm groß u. doppelseitig bespielt. Kein Nadelwechsel!— Keine Piattenabnulzungt Lieferung zum Original-Fabtikpreiae ohne Kaufverptlichlung S Tage zur Probe.— Ebenso: Musikinstrumente aller Art, Cameras. Ferngläser, Walten etc. Verlangen Sie p. Postkarte Katalog 60 Breslau n Jedes Wort 10 Pfennig. Das erste Wort(fettgedruckt) 20 Pfg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5 Pfg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Pfg. Worte mit mehr als IS Buchstaben zählen doppelt. J Kleine Anzeigen[ ANZEIGE� für die nächste Nummer werden in den Annahmestellen fQr Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 12 Uhr, In der Haupt-Expedition, Lindenstrasse 09, bis 5 Uhr angenommen. Tevpicfie t(sehlerbaste) tn allen Größen, fast für die Hälfte des Wertes Teppichiager Brünn. Hackischer Markt 4, Bahnhof Börse.(Leser des »Vorwärts' erhalten 5 Prozent Rabatt.) Sonntags geöffnet!» Mköbel< Teilzahlung. Stube und Küche, schon bei 15 Mark Anzahlung. Einzelne Möbelstücke, wöchentlich eine Mark, oerkauft Möbel-Magazw Cohn. Große Frankfurtcrstraste 58. 123SK' Kredithaus Moabit, Turmstraste 55, Ecke Waldstrabc, erhalten Sie Möbel und Waren jeder Art auf Teil- Zahlung, unter denkbar günstigen Zahlungsbedingungen. Spezialitat: Herren- und Damenbekleidung. Gratis erhält jeder Herr beim Kauf eines Anzuges oder Paletots einen tut, Stock oder Schirm; jede Dame andtasche oder Gürtel. Beim Kauf größerer Wohnungseinrichtung Tcppich oder Regulator. 1350s1* PfandleihhausKrebber. Küftriner- platz 7, spottbilliger Beltenoerkaus, Gardinenoerkauf, Wäfcheverkaus, Ubrciw erkauf, Deckenverkaus, Schmuck» Sachen, Goldjacheu, Silbersachen, oer» allene Pfänder._ 2492K G askroiieu. Tatsächlich ohne An- Zahlung, wöchentlich I.OV(bis Hundert Kauffummc). Riesenlager LouiS Böttcher(selbst), Betriebsleitung Boxhagenerstrabe zweiunddreitzig(Bahn- Verbindung: Warschauerstraße). Fi- lialen: Potsdamerstraße 81, Rixdorf, Kaiser-Friedrjchftraße 247._* Verbrechen und Prostitution alS soziale Krankheitserscheinungen bon Paul Hirsch. Preis 2,— Mark, geb. 2,50 Mark. Expedition Vorwärts, Lfndenstraße KS._ Bilder als HochzeitSaeschenke kaufen Sie bekanntlich am billigsten bei Bilder-Bogdan, Weinmeister- straße 2. Größte Auswahl in Stahb, Kupferstichen und Gravüren. Leisten- und Rahinenfabrik mit elektrischem Betrieb. Einrahmungen sofort.* Teppiche. Die Res�estände einer Teppichsabrik kommen zum schleunigen Verlaus. Preise bedeutend herab- geseht. Plüschteppiche, ganz schwere Qualität: Stubengröße, früher 18,50 jetzt 12,00; Wohnzimmergröße, früher 32,75 jetzt 24,50! Salonaröße, früher 48,50 jetzt 35,00. Teppichhaus Georg Lange, Chaussecstraße 73/74._* Portieren, Plüsch und Filz, Rest- bestände 1—4 Fenster bedeutend unter Preis. GrbStült-StoreS, ein großer Posten mit Volant, volle Breite und Länge 4,75._ Steppdecken, eigene Anfertigung, richtige Größe, 3,75, 4,50, 5,50, 7,50. Teppichhaus Georg Lange, Chaussee- straße 73/74._ 131051' Singer A 75.00, Naumann-Bobbw, Schnelluäher, Adler, auch ohne An- Zahlung, 1.00 wöchentlich an. Anstatt Agenten erhält Käufer Provifion. Postkarte erwünscht. Kaliski, Brunnen- stratze 173, Vellealliancestraße 4, Chausieestraße 80, Beusselstraße 18, trankfurterslraße 115, Oranienstr. 2», auenzienstraße 5, Frankfurter Allee72, Charloitenburg, Scharrenstraße 2, Rixdorf, Reuterstraße 58._ 773K Vorwcirtsleier erhalten siins Prozent Sxlrarabatt, selbst bei nach- stehenden Gelegenheitskäufen. Teppiche. 170/235 8,35, 200/300 11,75, 250/350 16,50, 300/400 20,00. Gardinen, Fenster 2,50, SloreS 1�25._ Möbelftnsfreste. Sosabezug 8,00. Plüschportieren 8,55 Mark. Plüfchttschdecken mit Stickfehlern 6,85.____ Teppich> Thomas, Oranien- straße 120. Zweiggeschäfte: Oranien. itrage 150, Oranienplatz; Rosen- thalerstraße 54._ 1423K' Ztittauers Aäbmaichinen ohne An- Zahlung, gebrauchte spottbilligl Ska- litzerstraße 39, Warschaueritraße 57. Milchgeschäftseinrichtungen! Milchverkaussgesäße, MUchkanuen, Milchlnaße, Milchfiebe, Butter- Maschinen. Wiegeschalen, billigst. Spezialsabrik Hermann Jordan, Michaelkirchstraße 21._ 96/5* Gaskocher, Gas krönen, GaSzua- ampel, spottbillig. Wohiauer Nach- folger. Wallneriv-aterstraße 32.* Gardinen- SpezialHaus Emil Lesövre, nur Oranienstraße 158, Kar- dinen in Tüll 2,50 bis 25, Erbstüll 18,50 bis 75, Tüllstores 1,85 bis 10. Srbstüllstores 4,35 biS 75 Mark. Spezialkatalog500AbbiIdungen gratis. Glossen zu PveS GuhoIS und Sigismund Laeroix'.Die wahre Ge- ' statt des CbristentumS', von August Bebel. Preis 75 Pf., billige Ausgabe 80 Ps. Expedition Lindenstraße 52, Lade». Durch Rauch und Staub beschä- digte Gardinen, Stores, Tüllbettdecken, Fabrikreste. 1.75, 2.25, 2.85, 3.75, 4.85, 5.50, 6.75 usw. Erbstüllstores und Bettdecken, 3.45, 3.85, 4.75, 5.75, 6.50 ufw. E. WeißenbergS Gardinenhaus, Große Fvankiurterftraße 125, im Hause der Möbelfabrik._ Tuch- und Plüschdecken 1.25, 1.75, 2.50, 3.85, 4.75, 6.50, 8.75 biS 30 Mark. Plüsch- und Tuchportieren 3.25, 3.85, 4,85, 6 35, 7.85 usw. Große Frankfurterstraße 125._ Abfallteppiche 3.86, 4.75, 5.50 usw. Plüschtrppichemii kleinen Fehlern. in allen Größen, 6.75, 8.25, 9.85, 11.50, 13.50 bis 60 Mark. Große Fianksnrlerstraße 125, im Hause der Möbelfabrik. Sport- und Lammwolldecken 1.65, 2.50, 3.25, 4.50, 5.25, 6.75 biS 20 Mark. Möbelstosf-, Läuser- und Lino- leumreste spottbillig. E. Weißenbergs TeppichhauS, Große Franksurter- straße 125. 14Z3K* Betten, wenig gebrauchte, ocr- kaust billig Hintze, Waldemarstr. 63a. Kinderwagen aus Gummi ver- kaust Lütke, Huselandftraße 27, Ouer- gebäude. 1233b Landparzellen, ertragreicher Boden, ab Gesundbrunnen 20 Pfennig, Oua- drat-Meter 50 Pfennig an, 15 Mark monatliche Teilzahlung, verkaust Land« wir! au» erster Hand. Anfragen er- beten unter T. Z. 8460 an Rudolf Masse, Rathenowerstraße 3. 215/11 Teppiche(fehlerhafte) Gelegen- gang. Extrl arabatt. Sonntag» geösstiet. Steppdecken billigst Fabrik Große Frankfurterstraße S, Flureingang. Gardinenhans, Kroge Frankfurterstraße 3, Flureingang. 249151' Unkenrufe aus dem Tümpel der Kultur. Sattrenbuch von Fritz Schweynert. Verlag der»Tribüne', Berlin. Preis elegant gebunden 1,— Mark. Zu haben Buchhandlung Vorwärts. 1099K* Hermannplatz 8. Allerbilligste Psänderverkäuse. Riesenauswahl. Winterpaletots. Sommerpaletots. Jackettanzüge. Gebrockanzüge. Herren- hosen. Extrabillige Pelzsiola». Aus- steuersachen. Staunendbilliger Betten- verlaus. Brautbetten. Vennietungs- betL Spottbilliger Wasch everkaus. Gardinenoerkauf. Teppichverkauf. Plüich. ttschdecken. Steppdecken. Goldsachen. Taschenuhren. KetienauSwahl. Ringe- anSwabl. Schmucksachen. Wanduhren. Nähmaschinen. Großberlins beliebteste Einkaufsquelle. Allerbilligster Waren- verkauf im PfandleihhauS Hermann- platz 6. Auch Sonntags geöffnet.' PfandleihhauS Chaufseestraße 60 Vollständiger AuSververkaus! Aus- lösungsprcisel Bettenverlaus 1 Aussteuerwäsche I GardinenauSwahl I Prachtteppiche! Plüschdecken 1 Plüsch- Portieren I Steppdecken I Herren- garderobe I Taschenuhren! Wand- uhren I EinsegnungSgescheuke 1 extra- billig! Verlaus täglich, auch Sonn- tags._ 12215t* Drehrollen, Wiegeschalen, sämtliche Milchgeschäftsartikel. Krigar u. Jbssen, Waßmannstraße 29. 14195t' Billige Hojenwoche. Hochelegante Herrenhosen aus seinsten Maßslossen 7— 15 Mark, Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. Vorjährige eleganteHerrenauzüge und Paletots aus seinsten Maßstossen 20— 40 Mark. Versandhaus Germania, Unter den Linden 21. 12885f Teppiche. VorwärtSleser erhalten 20 Prozent. Große Partten Teppiche mit kleinen Webesehlem, neueste Muster, keine Ladenhüter, zirka 200/300 11.75, 250/350 15.50, 300,400 20.00. toriieren, Gardinen, Tischdecken, osadecken, Felle, Läuferstofse spottbillig. Tcppichhaus L. Lejövre, nur Potsdamcrstraße 10611(kein Laden). Katalog gratts. Hausnummer be- achten. Sonntags gcöstnet. 1351K' Gnskronen» dreiflammig 4,50, Bronzekronen 7,50, KaSzuglampcn 7,00, KaSlhren 1,40, GaSwandarme 0,55. Teilzahluiigen gestattet. In- siallateuren Rabatt. Kroncnlagcr Große Franksurterstraße 92; Filiale Ravenöstraße 6. 1301K* Model. Möbeleinrichtung aus Teilzahlung. Stube und Küche 15 Mark. Verliehen gewesene Möbel spottbillig. Berolina, Kasianienallee 49. 1330K Ottostrntze 2, nahe der Turm. straße, im Laden, erhalten Sie solide gearbeitete Möbel jeder Art, wofür jede gewünschte Garantie übemehme, zu außergewöhnlich billigen Preisen. Soliden Leuten ge- währe Teilzahlung mit nur geringem Ausschlag. Bei größerer Anzahlung auch ohne Ausschlag. Besichtigung �' cv nirtt-lr,* ~---i i—;— X}'»» jj ♦»».{ ohne Kaufzwang erbeten. I. Kirstein.' Möbel-GelegenheitSkäuse in allergrößter Auswahl; einfache sowie bessere Wohnungseinrichtungen bedeutend billiger wie regulär. Er- gäiizungSmöbcl. Büfette 120, Schreib- tische 45, SosaS 45, Gamituren 65, TrumeauS 30, Schränke, Vertikos 26, Kronen, Teppiche, Bilder, Küchen- möbel, Klubsessel, Ledersosai, Um- baue, Lederstühle usw. spottbillig. LennertS Möbelspeicher, Lothringer- straße 55, Rosentbaler- Tor. Die Möbel find in vier Etagen aus« gestellt._ 141751* Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenheit, sich Möbel auziischassen. Mit kleinster Anzahlung gebe schon Stube und Ilüche. An jedem Stück deutlicber Pret». Uebervorteiluug daher ausgeschlossen. Bei KrankheitS- fällen und Arbeitslosigkeit anerkannt größte Rücksicht. Möbelgeschäft M. Goidstaub, Zofsenerstraße 38, Ecke Gucifcnaustrage. Kein AbzahlungS« g-schäst!_ 290151* Möbeltiichleret.Harnack, Tischlermeister, gegründet 1901, Stallschreib er- ftraße 57(Moritzplatz), liefert komplette Wohnungseinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen. Unüber- trossene Leistungsfähigkeit. Enorme Auswahl. Zahlungserleichterung. Vorwärtsleser 3 Prozent. Kein Laden, Verkauf Fabrikgebäude. Moebrl> Bockel, Moritzplatz 58. In meinem seit 31 Jahren bestehenden Möbelkaushaule stehen in süns Etagen komplette WobitungSeinrichtungen zu niedrigsten Fabrikpreisen zum Verlaus. Als Spezialität liefere: Schlafzimmer, englisch 137,—, modern mit Intarsien 268,—, Wohnzimmer, modern 237,—, Speisezimmer 355,—, Herrenzimmer 200,—, 1 Zimmer und Küche 205,—, 354,—, modern 479,—, 2 Zimmer und Küche 568,—, 667,—, englische Bett- stelle- mit Matratze 43,—, Kleider- fpind 80,—, Trumeau, geschliffen 34,—, Schlafsosa 36,—, Piüschsosa 55,—, Umbau 50,—, Teppiche. Riesenlager. Besichtigung erbeten. Transpott und Lagerung kosten- frei. Eventuell Zahlungscrlcichte- rungen. Geöffnet 8— 8, Sonntags 8—2. Kein Laden. Verkauf nur im Fabrikgebäude. Musterbuch?. gratis und franko.__ 99751* Umzugshalber bedeutende Preisermäßigung I Nie wiederkehrende Gelegenheit für Brautpaare, Pen. fionate. Elegantes, modernes Schlaf. zimmer 220,—, Stube und Küche, komplett 150,—, aparteS Taschenfofa 45,—, eleganter Sofaumbau 60,—, Büchcrspind 55,—, Muschellchrank. Muscheivcrttko 28,—, Säulenlrumcau mit geschlissenem Glas 28,—, Ausziehtisch 15,—, Muschelbettstelle mit Patcntmatratze 35,—. Waschtoilette 20,—, moderne, farbige Küche 55,—. Möbclkaushaus Dresdcnerftr. 107-103. Kostenlose Lagerung. FreitranSpott. Möbelniigebot, gebrauchte und neue Einzelmöbel und ganze Ein- richtnngen, einjachste, eleganteste Speisezimmer, Herrenzimmer, Schlaf- zimmer, beliehen gewesen, verfallen, svottbillig. Riesenlager, 5 Etagen. MöbelsPeichereL Neue Königstr. 5/6, Fabrikgebäude. Teilzahlung gestattet. SonutagS geöfsuet. 283/13* Möbelvcrkauf Andreasstraße 30, geradeüber Markthalle, Dwinatzki. Enorme Auswahl, 500 komplette Em- richtungen bis 11. November 33 Proz. .ung. Lieferung durch Deutschland bahnfrei. Büfetts! mahagoni, eiche, Nußbaum 98,—, Schreibtische mit modernen Butzenscheiben 75,—, Bücherspinden 72,—, riesig preiswert weil große Vorräte. Möbelfabrik M. Hirfchowitz, kalitzcrsiraße 25, an der Hochbahn. Brautleute sparen viel Geld durch günstigen Einkauf in der Möbel- Polsterwareu-Fabttk Max Neumann, Oranienstraße 202. Teilzahlung ge- stattet.»Vorwärts'leser 3 Prozent. Möbelniigebot. Im Anhalter Bahn- und Möbelspeicher Möckern- stratze 25, Anhalter Jnnenbahnhof, direkt Hochbahnstation Möckernbrücke, stehen wieder verschiedene prachvolle Zimmer- und ganze Wohnung«. Einrichtungen zum schleunigen Verkauf. Ganz besonders billig für Hotels, Pensionake, Brautleute passend sind Schlafzimmer 200,00, Speise- zimmer, Herrenzimmer, SalonS, schöne, 400?«, hübsche Küchen 50,00 an, einzelne Büfette, Bücherschränke, Kleiderschränke, VerttkoS, Ankleide- schränke mit Spiegel, Salongarni» turen, Ruhebetten mit prächtiger Decke 22,50, PaneelsosaS, PlüschsosaS, ~ schon 28,00, Bettst Speisezimmertische, Salontische, Stühle, prächtige Säulentrumeau» 30,00, Lederstühle, Klubsessel 85,00, Flurgarderoben 17,60, hochelegante «alonteppiche mit kleinen, kaum ficht- brren Fehlern schon 30,00, Zimmer- teppiche 8,00 an, reichgeftickte Plüschportieren 7,50, Oelgemälde, Stepp- decken, ErbStüllstoreS, Plüschtisch. decken 5,00, Gas krönen, Salonbilder mit elegantem Rahmen, Tüllgardinen, Tüllbeltdecken 2,00 an. Standuhren spottbillig. Verschiedene GelegenheitS» käuse seblerhasier, zurückgesetzter Möbelstücke, Teppiche, Freischwinger 12,00. Ganze Warenlager, KonkurS> mästen, Wirtschasten, Nachlässe übernehme zum Verfiel Kostenloser Transport. Lagerung. Möbel, Ernst Böhme, Andreas straße 40, früher 10 Jahre Kraut- straße, empfiehlt feine gediegenen Wohnungseinrichtungen, auch einzelne Möbel, speziell von Tischlern evtpsoh- lene Ktmdschast. Vorzeiger dieser Annonce erhält beim Einkauf 5*/, Rabatt._ 11456* Kleiderfpind. elegante», Plüschl fofa 39,—, Speisetisch 8,—, Spiegel 7,—, Rohrstühle 2,50, Bilder, mehrere elegante Nußbaummöbel spottbillig verkäuflich Kottbuserstraße 18, Rehr korn._ 262/3* Gneiscnauftr. 10, Ecke Nostizstr S. Grau, bekannt al» beste Bezug»- quelle. Kassa und Teilzahlung. Kinderbettftelle billig Kleist- straße 15. 122951* Fahrräder. Herrenfahrrad, Dam einmal benutzt, 35,—, Holz, straße 36b._ Blumen- 16835? Gefchäftsdreirad, äußerst stabil, 50,00 an. Holz, Blumenstraße 36b.* Herreufahrrad 25,—, Straßen- renner. Kraus, AndreaSstraße 54. Musik. PianinoS, gebrauchte von 100,00 Mark(Teilzahlung),»cherer, Chaussee- straße 105/ 1340K Klavier, spottbillig, verkaust Winzler. Jahnstraße 10, l._ f73* Nnstbaunipianino, wie neu, NeukostenprciS 750,00, umständehalber 320.00 Fricdenftraße 2, hvchpatterre links(KonigStor)._ 262/2 Piauiuo, fast neu, Garantie, spott- billig, verkäuflich Motzstraße 20 II.* VerscWedeues. Englischen Unterricht für Anfänger und Borgelchritt ene(Einzelstunden und im Zirkel) erteilt S. SwientH, Charlotlcnburg, Stuttgarter Platz 9, Garten III(dicht am Bahnhos). Kuusisiopferei von FrauKokoSky. Schlachiensee, Kurstraße 8 III._ �Patentanwalt Wessel, Aitschiner- straße 94a. Piatina, alle Goldsachen, Bruch. gold, Silber, Gebiffe, Kehrgold, Gold- irallcn sowie sämtliche gold- und silberhaltigen Rückstände kaust Gold- schmelze Broh, Käpenickerstraße 29. Telephon IV. 6958. 1315K* Platinabfälle, Gramm 3,70, Goldsachen, Zahn gebiffe. Silber kaust Blämel, Auguftstraße 19. III. tz61 Pfandleihe Heinersdorserstraße 13, Ecke Grcisswalderstraße.+30* Lichtdampfbäder» Massagekuren, Tanzunterricht! Grupe, Alte Jakobstraße 75, Anfängerkurse: SonntaaSkurse 4 Uhr, DieustagSkurse, DonnerSIagskurse Dennewitzstraße 13 (nahe lturfürftensti.), Mittwochskurse 9 Uhr. Herren 4,00, Damen 3.00. Prospekte pottofrei._ 262/4* Technikum, Berlin, Neanderstraße 3 (Schiukel-Akademie), Inhaber Arlur Werner, Maschinenbau. Elektrotechnik, Hochbau, Tiesbau, Jngenieurkurse, Technikerkurse, Werkmeister-, Monteur. kurse, Jnnungsmeister-, Polierkurse, Architektur, Tageskurse, Abendkurse.* Waschanstalt Breschke, Köpenick, ParistuSstrage 18, liesert schneeweiße, im Rasen gebleichte Wäsche. 4 Hand- tücher 0,10. Abholung Donnerstag. 8 Handwäscherei. Wäsche wird Taschentücher, tauschen. Wholung Donnerstag». Frau Kubafch, Köpenick, Flemmwg- straße 9. 1431K* Komiker Schwach, straße 147. Köpenicker- 12296* Höchstzahlend Goldsachen, Silber fachen, Zahngebisse, Altcrlümer, Bilder, Porzellan, Zinn, GlaSsachen, Möbel kauft Anliguitätcugeschäst Kirch« straße 14, Moabit. 115/14 Kluge Gastwirte laffen elektrische PianinoS künstlerisch spielen, denn sie find immer spielbcreit. verlangen Sie Angebot von Rudolph Vierling, Kottbuserstraße 5._ 118/18* Suche Darlehn von 150 Matt gegen Sicherheit und Zinsen. Adressen Postamt 23 unter»Heinrich*. 1230b Vermietungen. wi ohnungen. Prachtwohnungen Soldinerstr.32. �Balkonwohnungen. 2 Stuben, Küche, sosort, 33,00, Kleine Markus- straße 3. 11856* Zweizimmer-Wobnungen sofort, auch später Soldinerstraße 16.* Zwcizimmer-Wohnungen sofort. Sonnenburgcrstraße 27. 1242b* Lelilskstelleii. Möblierte Schlafstelle oder Zimmer. ScharsinSkh, Christinen- straße 12 HI(Schönhausertor). 1232b Möviiertc Schlafstelle für2Herren. Alexandrinenstraße 8. vorn II links, nahe am Halleschen Tore. 1231b �rbeitsmarkt. Stellenangebote, Nebenverdienst für jedermann AuSkimst kostenlos. Wolf. Zwickau. Nordstraße 30. 1415K* Gürtlermoutenr auf Kronen ge. übt für dauernde Stellung verlangt. Offerten mit Angabe früherer Tätig- keit O. 3 Hauptexpedition des»Vorwärts�._ �Mechaniker für funkengebende Feuerzeuge fofott gesucht. Adressen unter L. 3 Hauptexpeditwn de« .Vorwärt»*. 1234b Zigarre»- Wiederverkäuser sucht Koelpin, Admiralstraße 9. 1237b Einen Arbeiter zum Vulkanisieren verlangt sosort H. Bemett, Char- lottenburg, Wielandstraße 42. 115/12 ?iebe»erwerb! Gewandte, fleißige Frauen gegen Spesen und Provision gesucht. Bormittagsarbeit 4— 5 Stunden. Keine Heimarbeit. Zu erfragen Lindenstraße 105, 2. Quergebäude II. Stepperinnen auf im Haufe Verlan Behrendt, ZionSkirl; auf Herrenkrage langt Wäschefabr rchstratze 28. 1240 en rik 12405 Junge Mädchen für leichte Hand- arbeit verlangt Waschesabrik Behrendt, ZionSkirchstraße 28._ 1239b Roseu-Kröierinnen finden sofort dauernde Beschäftigung und hohe» Verdienst. Arthur Hehmann, Köpc- nickerstraße 109»._ 1189br Zeitungsfrauen sür�Zritz sofort gesucht Rixdorf, Berlinerstraße 41. Lehrmädchen. Dir suchen zum sofortigen Antritt Lehrmädchen im Alter von 14—16 Jahren au» acht» barer Familie gegen monatliche Ver- gütung.— Meldungen nur in Be» gleitung der Eltern oder des Vor- mundcS 1—2 mittags oder 7—8 Ubr abends. A. Jandors u. Co.. Spittel- markt 16/17, Belle-Alliancestraße 1/2, Große Frankfurter Straße ll3, Brunnenstraße 19/21, Kottbuser- dämm 1/2. 139651 Im Ardeitsmarkt durch besondere« Druck hervorgehobene Anzeigen kosten SO Ps. die Zeile. sucht sofort oder später Stellung als Akzidenz- oder Inseralensolzer, event. auf Kontor. Würde Leitung einer Bibliothek übernehmen. Offert, unter I. 3 an die Expedition. theorettsch gebildet,!mit praktischer Erfahrung in der Arbeiterbewegung, zurzeit in fester Stellung, wünscht sich gelegentlich zu verändern und als Lokal- oder GewerkschastS-, eventuell auch als zweiter politischer Redakteur in die Redaktton eine» radikalen ParteiblalteS einzutreten. Offerten unter»II. 3* Haupt-Expedition des »Vorwärts*. 291/1* Tüchtige Kackoftnbaner auf Tampföfe», nur erstNassige Leistung, bei hoher Vergütung ge- fucht. Offerten unter II. 8 an die Expedition dieser Zeitung._ Gipsplattengießer 4—5 tüchtige, werden fofott für dauernde Beschäftigung nach Ungarn gesucht. Reise wird evtl. vergütet. Off. zu richten an oisohewski, Budapest VI, Baljurk utra 14 part. 8. 115/15 Buchhandlungsgehilfe. Die unter C. Stelle ist besetzt, besten Dank. 8 ausgeschriebene Den Bewerbern 1042b DtlltscherKuchbindkrverband (Zahlstelle Berlin.) Wegen tariflicher Differenzen ist die Firma Regeahardisctie Verlagsanstalt, Schönebrrg. Bahnftr. 19/580, für unsere Mitglieder gesperrt. Etwaige Angebote von Arbeite» dieser Firma in anderen Werkstälte» sind zurückzuweisen. * Die Ortsberwaltung. 5lu!lll»teure! Alle Arbeiten der Firma llillmann& Helnemann, find g e s perrt!_* Achtung! Holzarbeiter. Wegen Ttreik und Lohn- differenzeu find gesperrt- Goldleisten-Uabriken: Raabe, Kurlürstenstraße 7, Bolzmann, Blumenilr 34, Mclllncp. Lichten. berger Str. 6, Karl Rcyer, Rummelsburg, Drünberger Str. 13, Vozecl, Rixdorf, Berliner Str. 23. Kiiirufabrikeu: Rndolt, Grüner Weg 117, Jnl. Werner, Holl- mannstraße 32. Raab, WinS- straße 61/62,«ebal»& Co., Rixdorf. Köllnische» User 52, und 61/62. Pianofabriken Korb A Engel, Urbanstraße 93, Rcckcsvitz, Görlitzer User 22/23. Möbelfabrik.Genoffenfchaft«. Weißensee, LanghanSstr. 100. Ptauofabrik hitelar, a>öL isioa» in Hamburg, Vergoldereie» Kcbrbcrg A Co., Altona- Ottensen, Raickertmete 20. Die OrtSvermaltung Berlin. ßSerantwortl. Bxdalteur: Carl Wermuth, Berlin-Rixdorf. Für den ßnjeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag iBorivSrttivuchdruckerei».Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Berlin SW, »,.232. 27 3. jjcilap des Jüniiiits" Icilinet lolliolilött. mi" m- partei- Angelegenheiten. Die Parteigenossen der sechs Berliner Wahlkreise sowie der Bezirkswahlvereinc Rixdorf und Karlshorst werden auf die zu heute abend in den durch Inserat bezeichneten Lokalen statt- findenden Bersammluugen aufmerksam gemacht, in denen die Bcrichterstattnng über den Internationalen Kongreß, den Partei- tag in Magdeburg nnd die Brandenburger Konferenz erfolgt. Charlottcnburg. Die Mitgliederversammlung des Wahlvereins findet heilte Dienstag, abends Z'/z Uhr, im großen Saale des Bolls- Hauses statt. Tagesordnung: 1. Berichterstatinng vom internatio- nationalen Kongreß. 2. Berichterstattung vom Magdeburger Parteitag. 3. Diskussion. 4. Vereinsangelegenheilen und die S t a d I v e r- o r d n c l e n w a h l e n im 1. und ö. K o in m u n a l w a h l- bezirk. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. Stcglitz-Friedenau. Der vom Bildungsansschuß veranstaltete Vorlragskursus.Die Entstehung unserer Erde" beginnt am 11. Okiober, abends 8>/z Uhr, im Rheinschloß. Einige Karte» (vier Abende Sl) Pf.) sind»och zu haben. Da die Nachfrage noch eine rege ist. iverden die interessierten Mitglieder der Wahlvereine beider Orte ersucht, sich die vorgemerkten Karten abzuholen. Die Garderobe zu diesen Vorträgen ist frei. Die H e r b st f e i e r für die Wahlvereinsmitglieder findet am Sonntag, den 23. Oktober, in den RSunien des Hotels„Rhein- schloß" statt. Die Feier besteht ans Konzert, Rezitation und Fest- rede, Chorgesang des Männerchors.Friedenau-Steglitz" und Fest- rcigen der Kinder. Da der Bildungsansschuß bestrebt ist, durch seine Veranstaltungen das Wissen und Kunstbedürfnis der Wahlvereins- Mitglieder zu heben, wird um rege Beteiligung gebeten. Der Bildungsansschuß. Pankow. Am Mittwoch, den 5. d. Mts., findet im Lokal von Großkurt, Berliner Straße 27, die Mitgliederversaininlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung; 1. Bericht vom Parteitag. Rc- serent Genosse M u t h-Ober-Schöneweide. 2. Ortsangelegenheiten. L. Verschiedenes. Gleichzeitig machen wir darauf aufmerksam, daß im selben Lokal ani Donnerstag der Vortragszyklus beginnt. Die Bezirksleitung. Lichtcnierg-Friedrichsfclde. Am Donnerstag, den(3. d. Mls., yiinkllich Uhr abends, wird der Lichtbildervorlkag des Genossen Graf über'„Die Geschichte unserer Erde" für Erwachsene und Jugendliche über 18 Jahre fortgesetzt. Ueber die Vorträge für Jugendliche unter 18 Jahren, die un- entgeltlich sind und bestimmt nachgeholt werden, wird Näheres noch bekannt gegeben. Boxhagen-RummelSburg. Heute abend Sl/a Uhr Mitgliederversammlung des Wahlvereins im Cafö Bellevue, Hauptstraße 2. Bericht von der Provinzialkonferenz; Bericht vom Parteitag; die Beitragserhöhung; interne Angelegenheiten. Die Bezirksleitung. Karlshorst. Die zu heute abend einberufene Mitglieder- Versammlung findet nicht, wie in dem Inserat in der Sonntag- nummer angegeben, bei Sabrowski, sondern im.Fürsten- b a d", Jnh. Bartels, am Ende der Prinz-Adalbertstr. statt. Mohlsdorf sOstbahn). Am Sonnabend, den 8. Oktober, abends 8'/, Uhr, findet in MahlSdorf-Süd im„Heidekrug", Köpenicker Allee 1, eine öffentliche Versammlung statt, in der Genosse A. Stadthagen über.Die Sozialdemokratie im Kampf gegen die herrschende Reaktion" sprechen wird. Die Parteigenossen von Mahlsdorf-Süd werden dringend er- sucht, sich am Mittwoch, abends 8>/z Uhr, vollzählig bei Baader, Köpenicker Allee, einzufinden. Die Bezirksleitung. Friedrichshagen. Heute abend 8� Uhr beginnt im Schultheiß- Restaurant, Friedrichstr. 74, der Vortragskursus. Genosse Max Grunwald spricht über:.Grundbegriffe der theoretischen Volkswirtschaftslehre." Der Kursus erstreckt sich auf 6 Dienstagabende. Der Eintritt beträgt für alle Vorträge 60 Pf. Für politisch nicht organisierte Arbeiter kostet der Kursus 90 Pf. Desgleichen kölinen auch Einzelvorträge zum Preise von 10 bezw. 1b Pf. besucht werden. Eintrittskarten sind bei den Abteilungsführern sowie am Eingang des Saales zu haben. Die Bezirksleitung. Bohnsdorf, Falkenberg, Schulzcndorf, Waltersdorf. Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags 4 Uhr findet im Lokal von M e n t e l in Bohnsdorf eine öffentliche politische Versam in- lung statt. Tagesordnung: 1. Die LebenSmilteltcueruiig und die Weltaiischaliung Wilhelms II. Referent Gen. Wilhelm K i m m r i tz. 2. Freie Aussprache.— Nach der Versammlung gemütliches Bei- sammensein.— Am Freitagabend findet zum Zwecke der Agitation von den bekannten Stellen aus eine Handzettelverbreitung statt. Der Vorstand. Potsdam. Mittwoch, den 5. Oktober d. I,, abends 8'/z Uhr, im Restaurant Wilhelm, Kaiser-Wilhelmstraße, Wahlvereins- Versammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung. 2. Bericht voin Magdeburger Parteitag. Referent Genosse Staab. 3. Vereins- fachen. Berliner JVachrichten. LandtagSersaüwahl im vierten Berliner Wahlkreise- Bei den gestrigen Wahlmännerwahlen errang in der zweiten Abteilung von 40 Mandaten die Sozialdemokratie 19, während die Liberalen von den bisher inne gehabten 32 Manbaten 11 verloren. Auch in der ersten Abteilung, in welcher 24 Wahlmänner zu wählen waren, gewannen die Sozialdemokraten ein Mandat durch das Los. r der dritten Abteilung, in der die Wahl nachmittags 8 Uhr stattfand, wurden 66 Sozialdemokraten und 1 Freisinniger gewählt. Danach wurden im ganzen 86 sozialdemokratische und 45 liberale Wahlmänner gewählt. Gedenkfeier für Franz Tutzauer. Am gestrigen Tage, an welchem zwei Jahre verflossen, seil Franz Tutzauer von unS gegangen, wurde aus dem Friedhofe der Freireligiösen Gemeinde der Grabstein enthüllt, welchen Berliner und Breslauer Parteifreunde dem Andenken des Dahingeschiedenen geweiht hatten. Eine stanliche Zahl von 3—400 alter Parteigenossen und Ge- nossinnen hatten sich zu der schlichten Feier cingefilnden. Nach einem stimmungsvollen Gesänge des Soloquartetls der »Kreuzberger Harmonie" schilderte Genosse Waldeck Manasse das Wirken Tutzauers in Partei, Gewerkschaft und Genossenschaft, in warmen Worten der überlebenden Ehcgefährtin den Dank aus- drückend für das liebevolle Verständnis, welches dieselbe allezeit dem Wirken des Gatten entgegengebracht und übergab das Grabmal der Pflege der Hinterbliebenen. Genosse Schütz, von den BreSlaner Parteigenossen zur Feier delegiert, dachte gleichfalls der Manen des Dahingegangenen und legte das Gelöbnis unserer schlesischen Freunde nieder, es solle als bestes Zeichen der Dankbarkeit und Treue der Brcskauer Genossen alles aufgeboten werden, den Kreis, den der Verstorbene 16 Jahre llang in Ehren vertreten, der Partei zurück zu gewinnen, das sieg- i hafte rote Banner wieder in Breslau aufzupflanzen. „Ein Sohn des Volkes wollt er sein und bleiben", erklang als I Schliißgesang und tief ergriffen schieden wir von der Grabstälte des allen treuen Mitkämpfers. Die Ausstellung für Jrrenpflcge, die am Sonntag ini Lichthof und in den Wandelgängen des Ab- geordnetenhauscs nach einem offiziellen Speech im Sitzungssaal eröffnet wurde, ist der Bluff für den seit gestern ebendort tagenden psychiatrischen Kongreß. Inhaltlich recht hübsch für den Anfang und interessant, aber im Hinblick auf die unhaltbaren Zustände des Jrrcnhaussystems doch so etwas Ivie eine optische Täuschung. In bürgerlichen Blättern, die das rein Aeußerliche auf sich wirken lassen, lesen wir denn auch bereits, daß es nach dem Eindruck dieser Ausstellung, der ersten ihrer Art, in den modernen Irren- häuscrii nicht so schlimm und mittelalterlich zugehen könne, wie es noch häufig in gruseligen Artikeln beschrieben werde. Das ist die dürftige Auslese der Gutgläubigen, Oberflächlichen, die auch noch das Zuchthaus für einen Erholungsaufenthalt ansehen, wenn es eine schöne Fassade hat. Gleichwohl verkennen wir nicht den Humanitären Wert der Veranstaltung, soweit sie die reine Pflege der wirklich Geisteskranken zur Anschauung bringt. Die Erklärung des Eröffnungsredners, Professors Dr. Alt. daß in den letzten Jahrzehnten auf keinem Gebiete der Krankenpflege fo Großes ge- schehen sei, läßt sich hören. Nicht so die andere Meinung, daß die Vorurteile und Vorwürfe gegen die Irrenärzte unberechtigt seien. Einen erheblichen Umfang der Ausstellung nimmt an Wänden und auf Tafeln das statistische Material ein. Die Zahl von 150 000 Betten in den deutschen Irrenanstalten, wovon rund 16 000 auf Privatanstalten entfallen, kann auf den ersten Blick imponieren. Eine andere, hier natürlich nicht berücksichtigte Frage ist es, wie- viele Taufende, die nicht geisteskrank waren oder wenigstens nicht jahrelang in eine geschlossene Anstalt gehörten, schon in diesen Betten kampiert haben. Grausig ist die neueste statistische Tabelle Äräpclins, wonach in dem letzten Jahrfünft der fünfte Teil aller zur Unierfuchuug gekommenen Jnternierungen auf den Alkohol zurückzuführen ist. Wem da noch nicht die Augen aufgehen, daß das Alkoholiapital die Volkswohlfahrt verseucht und daß der Schnapsboykvtt mit allen Mitteln durchgeführt werden mutz, der verdient die Anwartschaft auf das Irrenhaus, Die Summen, welche in den letzten Jahren für die rationelle Jrrenpflege aus- gegeben wurden, sind enorm. So zeigt die Provinz Sachsen in Form von Geldsäcken, wie sich die Ausgaben von 339 000 M. vor 34 Jahren auf über drei Millionen im laufenden Jahre gesteigert habe». Bayern stellt Holzwürfel aus, die die wachsende Zahl der verpflegten Geisteskranken darstellen. Man solle aber, wie bei der Eröffnung betont wurde, aus der fortgesetzt steigenden Zahl der Pfleglinge keinen voreiligen Schluß auf geistige Entartung unseres Volkes ziehen, vielmehr werde dadurch nur die erhöhte Fürsorge bewicscu.(?) Sehr reich ist die Zahl der ausgestellten Anstalts- bilder in Form von Reliefs und Photogrammen. Durch besonders schöne und praktische Anlagen ragen die Anstalten in Uchtspringe, Nietlebcn, Eglfing mit prächtigem Waldbestand hervor; die von Ehrenwallsche mächtige Anstalt Ahrweiler mit Modellen von Lust- und Schwimmbädern. Von Berliner städtischen Anstalten sind Hcrzbcrge und Wuhlgartcn mit Aufritzmodellen vertreten, als neuester Anstaltsbau die Provinzialanstalt Teupitz. Das Zeiitralisierungssystem ist gänzlich ausgeschaltet, alles nach dem Pavillonsystem erbaut. Erfreulich ist es, daß alle großen An- stalten auf den Bau ungeschlossener Landhäuser immer höheren Wert legen. Wo Pflegerhäuser im Modell ausgestellt sind, kann man mit den Einrichtungen im großen und. ganzen zufrieden sein. Tie noch innzitten der Krankenstuben ausgestellten Pflegebetten sind als. solch« natürlich nirgends kenntlich gemacht. Große Fortschritte hat die moderne Therapeutik gemacht. Wir sehen die gepotstcrten Kastenbetten und auch die Isolierzellen meist jedes beunruhigenden Beiwerks entkleidet. Ausrangierte Zwangsjacken hat man nicht mal als Kuriosität ausgestellt. An ihre Stelle ist das Dauerbad getreten, über dessen Bedeutung als Heilmittel ja zwischen den Irrenärzten und der Laienwelt noch tiefgehende Mcinungsver- schiedenheiten bestehen. Für Wasscrbäder in Permanenz und als beliebtes Disziplinarmittel gegen Kranke lönnen wir uns nicht begeistern. Einen hochinteressanten Teil der Ausstellung nehmen die geioerblichcn Arbeiten von Anstaltspatienten ein. Besonders hervorragend sind wahre kleine Kunstwerke aus der Edclschen An- stall in Charlottenburg sowie aus der Anstalt für Idioten und Epileptische in Potsdam. Die Dalldorfer Jdiotenanstalt glänzt mit sehr praktischen Erziehungsmitteln. Wir lönnen den Besuch der Ausstellung, die bis zum 10. Ol- tober von 10— 5 Uhr geöffnet bleibt, auch allen Laien nur empfehlen. Sie bringt in die sonstige Jrrcnhausmisere manches versönlichc Moment. Heute(Dienstag) abends 8 Uhr spricht in der Ausstellung Prof. Binswanger-Jena über:„Wie erhalten wir unsere geistige Tätigkeit gesund?", um 9 Uhr Dr. Weber-Göttingen über die Frage:„Läßt sich eine Zunahme der Geisteskranken fest- stellen?" Der Ardeiter-Turiiverein„Fichte" in Berlin hätte am 1. Oktober eine eigenarlige„Gedenkfeier" begehen können An diciem Tage war genau ein Jahr verflossen, seit seinen Lehrlingsabteilungen die Turnhallen der Stadt gesperrt worden waren. Inzwischen ist's ja anders gekommen als die Gegner der Arbeiterturnvereine es sich gedacht hatlen. Die staatliche Schulaufstchtsbehörde hat es erleben müssen, daß deni letzten Mittel, mit dem sie den Lehrlingsabteilungen der Arbeiter- turnvcreine das Lebenslicht harte ausblasen wollen, durch Urteil des Reichsgerichts der Schein des Rechts genominen wurde. Der Magistrat der Stadt Berlin und seine Schuldepiitgtion, die vor einem Jahre auf Befehl des Provinzial-Schulkollegiums über die Lehrlings- abteilungen deS Turnvereins„Fichte" die Turnhallensperre verhängt hatte, wurden nach diesem Urteil bald von dem Verein vor die Frage gestellt, ob sie aus der Klärung der Rechtslage ihre Konsequenzen ziehen wollten. Sein Gesuch, ihm fortan die Turnhallen der Stadt auch für Lehrlingsabteilungeil wieder zu überlassen, wurde dann, wie bereits bekannt, zunächst grundsätzlich zilstiinmend beantwortet. Dabei dürfie der bezügliche Antrag der sozialdemokrati- fchen Stadlverordneten, der Ende Juni eingc- bracht worden war, aber erst nach den Eommerferien An- fang September verhandelt wurde, mitgeholfen haben, dein Magistrat und der Schuldeputation eine zustimmende Entscheidung abzuringen. Nnnmchr hat die Schuldeputation namens des Magistrats dem Vorsitzenden deS Turnvereins„Fichte" zwei Schreiben zugehen lassen, durch die dem Verein für seine Lehrlings- abteilungen dreizehn Turnhallen zur Verfügung gestellt werden. Für noch ein paar andere Turnhallen, die der Verein gleichfalls zu benutzen wünscht, wird die Genehmigung hoffentlich bald nachfolgen. Die Schreiben sind datiert das eine vom 28. September, das andere vom 29. September, und beide sind am 1. Oktober der Post übergeben worden. Ausgerechnet am 1. Oktober, am Jahrestage der Turnballeiisperre I Beide Schreiben enthalten den wunderlichen Zusatz, daß„jede Erörterung politischer Angelegenheiten in den Turnhallen verboten ist". Meint die Schuldeputation mit dem Magistrat, daß der Turnverein„Fichte" in seinen Turnstunden politische Versammlungen abhält? Oder soll es schon als Erörterung politischer Angelegenheiten gelten imd verboten | sein, wenn zwei oder drei Turner sich z. B. über die Lebensmittel- teueriing, die Wahlrechtsfrage und ähnliches unterhalten? Der Verein wird nun mit jeincii Lehrlingsabteilungen wieder in die Tiirilhallei» der Stadt eiliziehen. Daß er a u S dem Kampfe nicht geschwächt, sondern gestärkt hervor- ging, dafür haben die turnenden Arbeiter Berlins gesorgt. Zu seinen früheren Lehrlingsabteilungen kommt jetzt eine neugegriindete 15. Lehrlingsabteilung; die Männerabteilliiigcn vermehren sich um eine 16., die am heutigen Dienstag in der Turnhalle der 238./239. Gemeindcschule(Seiiefelderstraße) eröffnet wird; und in Kürze wird eine neiigegründete 3. Damenabtcilung ihre Tätigkeit beginnen. Der Verein zählt jetzt 3000 Mitglieder. Seine eigenen Turn- geräte haben einen Wert von 25 000 M., an Miete für Räume und Plätze zahlte er zuletzt 8500 M. pro Jahr, für llnterstützniig von Arbeitslosen bei Partien gab er im letzten Jahre 1000 M. ans. Zur Errichtung eigener Turilballen ist ein Baufonds geschaffen worden, der jetzt über 4300 M. verfügt. Der Arbeiler-Turnverein „Fichte", der nun seit 20 Jahren besteht, rechnet darauf, daß er iveiter in den Reihen der Arbeiterschaft alle Unter» sl ü tz u n g finden werde, Ein neuer Streich der„falschen Hofdame". Der neunzehnjährige Kaufmann Julius Eichbaum aus Groß-Lichtcrfelde, der lürzlich durch seinen Versuch, in eleganter Damentoilette'.n das Palais des Kroliprinzen einzudringen, �von sich reden machte, ist abermals in Frauenkleidern durch die Straßen Berlins gewandert und von der Polizei verhaftet worden. Ein Kriminalbeamter, der am Sonnabend abend gegen 10 Uhr in einer Konditorei in der l>!ähe des JustizpalasteS weilte, beobachtete an einem Nebentische ein Paar, das leise flüsterte. Die Dame, eine hochgeivachscne, schlanke Erschci- nung mit einem Titusko�f in elegantem Straßenkostüm, hatte eine ungewöhnlich tiefe Stimme und ihre Bewegungen waren so iven'.g denjenigen einer Frau angemessen, daß der Beamte Verdacht schöpfte. Er trat deshalb an sie heran und ersuchte sie, sich zu legiti- mieren. Der Herr und die Dame versuchten die Flucht zu ergreifen, was ihnen aber nicht gelang. Sie wurden nach dem zuständigen Polizeirevier gebracht. Hier nannte der männliche Begleiter, ein neunzehnjähriger Kauftnann, seinen Namen und wurde sofort ent- lassen. Anders die Dame, aus der kein Wort herauszubekommen war; sie mußte sich entkleiden, da man in ihre eine Verbrccbenn vermutete. Es stellte sich aber heraus, daß die Verhaftet« ein Mann war, der jetzt eingestand, daß er der neunzehnjährige Kaufinann Julius Eichbaum aus Lichterfelde sei und dort bei seiner Mutter wohne. Die Mutter des jungen„Mannweibes" wurde sofort tele- phonisch benachrichtigt. Gleichzeitig wurden die den Kranken be- bändelnden Aerzte Dr. Magnus Hirschfeld und Dr. Ivan Bloch, die Eichbauni seit der Affäre in Potsdam auf seine geistige Zurechnungs- fähigkeit beobachteten, ersucht, sich nach der Rcvicrwache zu begeben. Die Aerzte stelltei: fest, daß der Neunzehnjährige ein Transvestit sei und ubernahmen seine Ucbcrführung nach der elterlichen Woh- nung.— Im übrigen dürfte es in der Potsdamer Affäre kaum zu einem gerichtlichen Nachspiel kommen, da die ausführlichen Guß- achten der beiden Aerzte die geistige Unzurechnungsfähigkeit des jungen Mannes bekundet haben. Aus Liebesgram iu den Tod ging die Bonne des Fürsten Pleß, die vor vier Tagen aus der Wohnung der Fürstin Pleß in Groß- Lichterfelde verschwand und gestern als Leiche aus dem Teltowkanal gelandet wurde. Die 24jährige Jeanette Miguel befand sich seit dem Juli dieses Jahres im Dienste der Fürstin v. Pleß. Das junge Mädchen,-das sonst heiter und lebenslustig war, stand in regem Briefwechsel mit einem Angehörigen der Berliner Gesellschaft. Vor vier Tagen erhielt die Erzieherin einen Brief ihres Geliebten, der folgendermaßen lautet:„Geliebte! Es ist unmöglich! tzckbc hellte keine Zeit, morgen brieftich näheres." Nach dem Empsang dieses Schreibens verließ Fräulein Miguel in großer Aufregung das HauS der Fürstin und machte ihrem Leben ein Ende. Mit einem niederträchtige» Gaunertrick operiert seit einiger Zeit ein Schwindler. Der gefährliche Bursche sucht seine Opfer unter den Stellungslosen der Metallbranche. Er erläßt Bekannt» machungen, wonach er imstande ist, tüchtigen Schlossern, Eisen« drcher» und anderen Arbeitern der Metallbrauche außerordentlich günstige Stellen zu verschaffen. Er verspricht den Bewerbern einen Wochenverdienst bis zu siebzig Mark. Melden sich nun Reflektanten, so teilt ihnen der Betrüger aus einem hektographicrtcn Schreiben mit, er sei in der Lage, die betreffenden Posten zu verschaffen, wenn eine Gebühr von zehn Mark entrichtet werde. Das Geld läßt er sich postlagernd einsenden. Vor dem Gauner, der lediglich in be- trügerischer Absicht handelt, kann nur dringend getvarnt iverden. Ein aufregender Vorgang hat sich Sonntag nachmittag auf dem Müggelsee abgespielt. Bei einem Bootsverleiher hatte sich ein un- bekannter etwa 30jähriger Mann ein Ruderboot gemictet. Er fuhr auf dem Fahrzeug etwa hundert Meter in den See hinaus, als Plötz- lich ein Schuß krackite. Am Rande des Bootes stehend, hatte sich der Ruderer eine Rcvolvcrkngel in die Brust gejagt. Der Lebensmüde stürzte nun vornüber in den See hinein und verschwand in der Tiefe. Die Leiche des Selbstmörders konnte nicht geborgen werden. Wahrscheinlich handelt es sich um einen Berliner. Eine,, tödlichen Unfall erlitt gestern nachmittag die 7jährige Elfriede Klas, die Tochter des in der Frankenstraßc 9 wohnenden Postbeamten K. Das Kind spielte mit mehreren Altersgenossen vor dem Hause Frankcnstraße 10 und lief in dem Augenblicke über den Damm, als die Kraftdroschke. 9542 heransauste. Die Kleine wurde umgestoßen und geriet unter das schwere Gefährt, dessen Räder ihm über Kopf und Brust hinweggingen. Das Kind wurde nach der nächsten Unfallstation gebracht, verstarb jedoch bereits auf dem Wege dorthin. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt. Den Chauffeur soll nach Zeugenaussagen keine Schuld treffen. Ei» netter Bnnkdirektor war der 35 Jahre alte Karl Dieckmann aus der Prinzenstr. 76. der vorgestern von der Kriminalpolizei fest» genommen wurde. Von Hause ans Kellner, gründete Dieckmann vor einigen Monaten in der Prinzenstraßc ein Bankgeschäft, das er nach Art einer Großbank mit Schaltern und dergleichen schön ein- richtete, auch ein großes Geldspind stellte er i» die Räume, sodaß eS den Kunden gleich ausfallen»nißle. In großen Buchslaben stand an dem Geschäft„Deutsche Bank" angeschiieben, darunter in kleiner Schrift„Verkehrsgesellschafl m. b. H.". So mußten die Kiindeli, die nicht genau hinsahen, glauben, daß sie eö mit der Deutschen Bank zu tun hätten. Dieckmann wollte sein Geschäft auch in das Handelsregister eintragen lasse», sein Antrag wurde aber abgelehnt, weil ihm alle Betriebsmittel fehlten. Die zahlreiche» Angestellten saßen untätig hinter den Schaltern,»m so fleißiger aber arbeitete der Herr Diielior in seinem Privat- k— oiitor hinter den Betriebsräumen. Seinen Ankündigungen nach befaßte er sich mit der Annahme nnd Bcleihung von Effekte» nnd Hnpothekengeschäftcn, in Wirtlichkeit aber betrieb er DarlchiiS» schwindet und Vermittelnng von Schiebehypotheken, an denen etwas zu verdienen war. Wer ihn um ein Dailehn gegen Bürgschaft anging, der mußte die Unkosten für die Prüfung seiner„Bonität" im Voraus bezahlen. Nach einigen Wochen bekam er dann die Nachricht, daß seinem Gesuch nicht ent» sprachen werden könne, weil die AnSknnfte schlecht ausgefallen seien, Die Gebühr hatte der Schlvindlcr eingesteckt, ohne sich weiter z» bemühen. Diese Geschäsle mußten aber dem Bankdircklor wohl noch nicht genug einbringei«. Deshalb legte er sich auch »och auf den Kautionöschwindel. Den Bankkasßerenr und Kassenbotcn, legte er einen hcktographiertcn Vertrag vor, den sie zu unterschreibe» Pflegten, ohne ihn gelesen zu haben. Die Bürgschaft tat der Herr Direktor vor den Augen der Leute in das schöne Geldspind, einen Kautionsschcin aber händigte er ihnen nicht aus. Wenn nun die Angestellten, die nichts zu tun fanden, bald mißtrauisch wurden, dem Herrn Direktor Vorstellungen machten und andeutetsn, daß sie gern ihr Geld wieder haben möchten, so wurde ihnen der Vertrag vorgelegt, und erst jetzt sahen sie, was für nette Bestimmungen sie unterschrieben hatten. Zunächst erfuhren sie auS dem Schriftstück, daß sie nur auf zwei Monate auf Probe angestellt, aber trotzdem erst nach sechs Monaten berechtigt waren, ihre Kaution zurückzuverlangen. Eine andere Be« stimmung sagte ihnen, daß sie, wen» ihnen die Verhältnisse bei der Bank nicht paßten, sofort zur Disposition gestellt werden könnten. Wenn sie auch damit nicht zufrieden waren, so konnten sie ihre sofortige Entlassung nur durch Zahlung einer Konventionalstrafe von 600 M. abwenden. Diesen schönen Vertrag legte Dieckmann jedesmal mit der Bürgschaft zusammen in sein Geldspind. Er ge< hörte, wie Dieckmann sagte, zu den Personalakten des Angestellten und wurde jedesmal hervorgeholt, sobald jemand zu mucksen wagte. Der Leiter eines Zweiggeschäftes der famosen Bank, der 15 M. Bürgichast stellte, verlmigte, daß diese bei der Deutschen Bank hinter- legt werden sollten. Herr Dieckmann erwiderte, mit der Deutschen Bank habe er nichts zu tun, er arbeite nur mit der Reichsbauk. Dort werde er schon allein das Geld hinterlegen, die Mitwirkung des jungen Mannes brauche er dazu nicht. Einen Hinierlegungs- schein bekam der Angestellte natürlich nicht zu sehen. Der Filial- leiter verklagte aber Herrn Dieckmann und so kam der ganze Schwindelbetrieb aus Licht. Das Geschäft ging so gut. daß Dieck- mann in der Habsbuiger Straße 14 zu Schöueberg eine zweite Filiale einrichten konnte, diese wurde, nachdem der Herr Direktor vorgestern festgenommen worden war, ebenso wie das Hauptgeschäft geschlossen. Der Verhaftete hat durch Kautionsschwindel allein in wenigen Monaten 8l) M. erbeutet. Wieviel ihm der Darlehnsschwindel eingebracht hat, steht noch nicht fest. In dem Privatkoutor des Herrn Chefs, das kein Angestellter betreten durfte, fand die Kriminalpolizei viele Schriftstücke von DarlehuSslichern, die sich bei dem Herrn Direktor bitter beklagten. Die schöne Einrichtung der Bant halle Dieckmann, wie sich jetzt er« gab, einem Fräulein für ein Darlehn von llllül) M. verpfändet. Als Logisschwindler und Logisdieb macht ein 34 Jahre alter auS Calvöide gebürtiger Schlosser Ono Müller, vor dem schon seit Mai dieses Jahres wiederholt gewarnt wurde, noch inimer Berlin und die Vororte unsicber. Er gibt sich für einen Ingenieur oder Monteur aus Hannover oder Magdeburg aus, nimmt kleine Fuhr- lcilte an, schwindelt ihnen vor, daß er sein Geld in dem Gepäck habe, daß sie augeblich vom Bahnhof abholen sollen und nimmt ihnen unterwegs unter der Vorspiegelung, daß er zum Ein- lösen der Sachen noch etwas brauche, Bargeld ab. Er arbeitet auch mit gefälschten Postnachsendungsanträgen und Depeschen und nimmt in der letzten Zeit auch jede Gelegenheit zum Diebstahl wahr. Der Schwindler, der nn Jahre 1908 aus der Irrenanstalt Nietleben bei Halle ent- spruugen ist und noch eine Zuchthausstrafe von zehn Jahren zu verbüßen hat, wird von 15 deutschen Behörden gesucht. Die Kriminal- Polizei ivarut erneut vor ihm. Er ist etwa 1,70 Meter groß und schlank, hat dunkelblondes, vorn hochstehendes Haar, einen dunkel« blonden, kleinen dünnen Schnurrbart und ein längliches, rötliches, pockennarbiges Gesicht. Das Walhalla-Theater am WeinbergSweg hat sich am Sonn- abend in einer neuen Aufmachung aufgetan: in der Vorführung einer Allenvclts-Revue, betitelt: Bravo! Da Capoli In fünf Bildern: Die Himmelskonferenz, Ein internationales Sport- fest. Auf der Brüsseler Weltausstellung, Im Friedrichshain und Der Dank der Welt ging die Revue in Szene. Gute und schlechte Witze, pointcnreiche Kuplets und Duetts sind hübsch verteilt. Da- zwischen sind recht geschickt gute Spezialitäten, wie Kunsträdfahre- rinnen, Diabolospieler u. a. eingereiht. Dabei hat die Direktion es an glänzender Ausstattung nicht fehlen lassen. Den Höhepunkt des Abends bildet ein Ballett: Die lebende Reichsbank und ein Sportballett. Wir glauben, daß die Direktion mit ihrer neuen Attraktion ein ständig volles Haus auf lange Zeit hinaus sich ge- sichert haben dürfte. Schildkraut im Barietä. Nachdem das Publikum genügend darüber vorbereitet war, daß und warum Rudolf Schildkraut ein Jahr lang nicht mehr Lear und Shylock im Deutschen Theater spielen wird, konnte das Ereignis am Sonnabend im Apollo- Theater vor sich gehen. Als Nr. 9 deS reichhaltigen Programms erschien nach einer' Violinvirtiiosin und vor Gisela Schneiders humoristischer Brettlkunst— Schildkraut. Es ist ja nicht das erste Mal, daß ein Bühnenkünstler zum Varietö geht und es ist ja auch nichts Kompromittierliches darin. Nur so offen eingestanden ist der Zweck des Wechsels wohl noch nie.(Daß auch der große Kainz schließlich nur des liebe» Geldes wegen noch die Bühne betrat, hat fein Direktor Paul Schleuther ausgeplaudert.) Das Varietö ist reformbedürftig. Daran ist um so weniger zu zweifeln, weil die von den Künstlerbrettlu ausgehenden Versuche bisher hier wenig ausgerichtet haben. Aber Schildkraut wird die Reform nicht bringen. Da? für ihn von dem Ungarn L e n g y e l auf Bestellung geschriebene Stück»Der Schatten" ist durchaus eine Effektinaschine ältesten Genres. Frei nach Kean wird hier der Schauspieler vorgeführt, in dem das Spiel von der Wirklichkeit hereinbrechenden Wahnsinns abgelöst wird. Man könnte sich für Schildkraut echtere und größere Aufgaben auch im Varietö denken. Aber immerhin bieten sich ihm auch hier Gelegenheiten. Schildkraut spielt einen seltsam verdüsterten alten Schauspieler, in dem der neue Direktor den richtigen Darsteller für den Schatten, eine symbolistische Gestalt des Schreckens, wittert. Wie der längst an seiner Kunst Verzweifelte zu neuen Hoffnungen sich aufstadbehi läßt, das gab Schildkraut mit ergreifender Kunst. Als Knalleffekt aber ist die andere Szene gedacht, da der Schauspieler mit immer unheimlicher werdender Echtheit den Schrecken darstellt, da er das Drama seines eigenen Lebens darin erlebt, bis er in wirklichem Wahnsinn Spiel und Stück untergehen läßt. „Der Blerwaldslätter See und der St. Gottharb" lautet der neueste Vortrag, der von zahlreichen Lichtbildern und Wandelpano- ramen unterstützt in der Urania in der Taubenstraße achalten wird. Der Vortrag gibt eine Schilderung aus den Urkantonen der Schweiz und kann dessen Anhörung nur bestens empfohlen werden. Gin schwerer Strassenbahnunfall ereignete sich gestern morgen um 7% Uhr. Der 19'ährige Kaufmann Paul Bauer wollte auf dem Anhängewagcn der Linie 60 in der Prenzlauer Allee, welcher sich in voller Fahrt befand, hinaufspringen. Er stürzte ab und kam unter dem Anhängewagen zu liegen, welchev über das rechte Bein fuhr. Bauer wurde nach der Unfallstation in der Keibelftraße gebracht, woselbst festgestellt wurde, daß das Bein mehrfach gebrochen war und außerdem die Wadenmuskeln herausgerissen find. Ein großer Brand beschäftigte in der Nacht zum Sonntag die Wehren von Boxhagen-Rummclsburg und Stralau sechs Stunden lang in der Hauptstraße 78 in Rummelsburg. Dort stand um Mitternacht die Schneidemühle von Schmidt u. Co. total in Flammen. Diese hatten an den Holzvorräten, besonders an Brettern, reiche Nahrung gefunden. Mehrere Schuppen und Bretterstapel sowie das Maschinenhaus sind niedergebrannt. Mit acht Schlauchleitungen mußte stundenlang Wasser gegeben werden, bevor es gelang, die Macht des Feuers zu brechen. Erst gegen 6 Uhr früh konnten die Feuerwehren wieder abrücken. Die Ent- stehung des Brandes konnte noch nicht aufgeklärt werden. Der Schaden ist ganz bedeutend, soll aber durch Versicherung gedeckt sein. Der Feuerschein, der weithin die Nacht erhellte, hatte eine große Menschenmenge herbeigerufen, die zum Teil sich auch an der Löschung beteiligte. Eine Poliklinik für Radiumbehandlung ist in der Neuen Winter« feldtstraße 20 eröffnet worden. Die Klinik ist geöffnet täglick von 6—9 Uhr abends. Rodiumbehandlung wird in neuerer Zeit bei Behandlung von mit Gicht und Rheumatismus behasteten Personen angewendet. Tie Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle der Deutschen Ge- sellschnft für ethische Kultur, Rungcstr, 25/27, ist im Monat Sep- tember von 7783 Personen besucht worden. In der Lesehalle wurden außer Zeitungen und Zeitschriften 607 Bücher gelesen, nach Hause entlichen 3259 Bände, zusammen 3866, von denen 1120 wissenschaftlichen oder belehrenden Inhalts waren. Die Lesehalle ist werktäglich geöffnet von 12— 3 Uhr mittags, 6— 10 Uhr abends, Sonntags von Vi 10— 1 und 5— 10 Uhr. Radrennen in Treptow. Die Rennen am Sonntag, den 2. Ok« tober, erfreuten sich dank des außerordentlich milden Welters eines guten Besuches, verliefen aber ziemlich interesselos. Ein 50 Kilometer- Rennen in zwei Läufen über 20 und 30 Kilometer sah den Schweizer I. Miller jedesmal als siweren Sieger das Ziel passieren. Von seinen Gegnerii hielt sich Erxleben am besten und hätte ohne seinen Rad- und Motorschaden wohl eine bessere Rolle gespielt, während er so im zweiten Lauf durch das Versagen seiner FiihrungSmaschine ganz zurückfiel und aus dem levte» Platz endete. Die beiden änderen Teilnehmer TybuS und Münzner endeten jedesmal mit loeilem Abstand und ließen sich willenlos überwinden.— Die Fliegerrennen brachten wie üblich ein Massenaufgebot von Fohrern aß den Start. Alle Nennen konnten ohne Unfall beendet werden. 50Kllometerrennen. 1. Lauf(20 Kilometer): 1. I. Miller, 17 Min. 60*/i Sek.; 2. Erxleben, 1070 Meter; 3. TybuS, 2640 Meter; 4. Münzner. 3600 Meter.— 2. Laus(30 Kilometer): 1. I. Miller. 26 Min. 09 Sek.: 2. Münzner, 3470 Meter; 3. Tybus, 3590 Meter; 4. Erxleben, 6200 Meter. Malfahren. 900 Meter. 20, 15. 10 und 5 M. 1. W.THeiS, 2. P. Möller, 3. Schmittchen, 4. Gehrke. Prämienfahren. 5000 Meter. 20. 10 und 5 M.. von der 5. Runde dem Ersten 3 M. 1. Schmittchen, 2. Abraham, 3. P. Möller._> Vorort- Nach richten. Charlottenburg. Zwei Stadtverordneten-Ersatzwahlen in der dritten Wählerklasie sind am 3. N o v e m b e r vorzunehmen: im 5. B e z i r k für unseren nach Rixdorf verzogenen Genossen Bartsch, und im 1. Bezirk für den unter Hinterlasiung einer beträchtlichen Schuldenlast inS Ausland verdufteten früheren Stadtverordneten Bogel, der der liberalen Fraktion als Mitglied angehörte. Bogel war im Jahre 1907 in der Stichwahl gewählt worden. Nach der Neu- einteilung der Wahlbezirke im Jahre 1909 ist der erste Bezirk von der Sozialdemokratie erobert worden. Der fünfte Bezirk ist seit langen Jahren sozialdemokratisch vertreten. ES ist also Ehren- Pflicht der Charlottenburger Arbeiter, alle» auf- zubieten, um daS eine Mandat zu behaupten und das andere neu zu erobern. Die Liberalen machen die größten Anstrengungen, den Sieg zu erringen, sie arbeiten mit Hilfe ihrer Bezirksvereine, der Grundbesttzervereine und des Mittels der persönlichen Agitation; aber all da? wird ihnen nichts nutzen. falls die Sozialdemokratie auf dem Posten ist. Schon jetzt verfügen die Liberalen über eine Zweidrittelmehrheit im Stadtparlament, ihr Streben ist darauf gerichtet, allmählich die Alleinherrschaft zu er- obern und das Cliquenwesen, das schon jetzt wahre Orgien feiert, zur vollen Blüte zu bringen. Nicht nach ihren Fähigkeiten werden die Kandidaten ausgewählt, sondern nach der Stellung, die sie in ihren Bezirksvereinen einnehmen. Die politische Ueberzeugung spielt dabei keine Rolle, und so kommt es denn, daß in der liberalen Fraktion, die früher, als sie noch klein an Zahl war, sich mit Stolz zu einer bestimmten politischen Richtung bekannte, heute auS- gesprochene Hausagrarier neben sogenannten WohnungSreformern, waschechte Nationalliberale mit konservativem Einschlag neben Anhängern der Fortschrittlichen BolkSpartei, unentwegte An- Hänger des plutokratifchen GemeindewahtrechtS und Befürworter deS Hausbesitzerprivilegs neben vereinzelten Anhängern eines freien Ge- meindewahlrechts zählt, die einzig und allein durch das Bewußtsein zusammengehalten werden, daß sie einer Handvoll Führern alS Stimmvieh dienen und nach deren Pfeife tanzen müssen, wenn anders sie nicht nach Ablauf ihrer Wahlzeit abgesägt werden wollen. Daß von einer so bunt zusammengewürfelten Mehrheit ein ziel- bewußtes Borgehen namentlich auf dem Gebiete kommunaler Sozial- Politik nicht zu erwarten ist, ist einleuchtend, und so nimmt eS denn durchaus nicht Wunder, daß— um nur ein Beispiel zu er- wähnen— unmittelbar nachdem die städtischen Körperschaften die Er« richtung eines Wohnungsamtes beschlossen haben,.liberale' Stadtväter in Hausbesitzervereinen gegen diese Einrichtung Sturm laufen. Das wird dieselben Herren natürlich nicht hindern, im Wahlkampf das übrigens zuerst von sozialdemokratischer Seite angeregte Wohnungsamt als„liberale' Schöpfung zu preisen. Gewiß ist Charlottenburg in mancher Beziehung anderen Gemeinden voraus, ober das liegt einmal daran, daß die Stadt über reiche Mittel verfügt, und zweitens an dem unablässigen und unermüdlichen Drängen der kleinen sozialdemokratischen Fraktion. Die Zahl der sozialdemokratischen Stadtverordneten zu stärken und so ein Gegen- gewicht gegen die pflaumenweichen Liberalen zu bilden, muß jedem am Herzen liegen, dem das Wohl der Gesamtheit über alles geht. So dürfen wir denn hoffen, daß dem in Charlottenburg besonders kraß wirkenden Dreiklassenwahlsystem zum Trotz und obwohl der Vertreter des 5. Bezirks ein Hausbesitzer sein muß, in beiden Bezirken die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt werden. Tchöncber,,. lluifaugrcichen Fleischdicbstählen ist die hiesige Kriminalpolizei auf die Spur gekommen. Seit Jahresfrist wurden bei dem Schlächter- meifter N. in der Uhlandstraße fortgesetzt größere Ouantttäten Wurst- und Fleischwaren gestohlen. Obwohl längere Zeit hindurch Beob- achtungen angestellt wurden, wollte es anfangs nicht gelingen, den Tätern das Handwerk zu legen. Jetzt endlich hat die Polizei zwei ehemalige Gesellen des Schlächtermeisters als Täter ermittelt. Die beiden haben im Laufe der Zeit für mehrere tausend Mark Fleisch gestohlen und an verschiedene Hehler.verschärft'. Die ganze DiebeSgesellschaft wurde verhaftet. Rixdorf. Von Strasiendirnen überfallen und beraubt wurde in der ver« gangcnen Nacht in Nixdorf der Arbeiter Franz Fritz aus der Boeckhstraße. Als er um 3 Uhr früh die Straße am Wasier- türm entlang ging, sprachen ihn in der Nähe des MühlenwegeS drei Dirnen an. Kaum halte er die angebotene Begleitung abgelehnt, als die Weiber mit vereinten Krästen über ihn Hersielen, ihn zu Boden warfen und mißhandelten, dann raubten sie ihm sein Geld und die Krawattennadel. Eme der Dirnen konnte später ver- haftet werden. Mariendorf. Bei der am Montag pattgestmdene» Gemeindevertreterersatzwahl für den Ortsteit Mariendorf wurden Stimmen abgegeben für den sozialdemokratischen Kandidaten Genossen Hermann 560, für den.Demokraten' Craß vier und für den früheren bürgerlichen Vertreter des Bezirks. Herzberg, eine Stimme- Heute Dienstag findet die Fortsetzung der Wahl für den Ortsteil S ll d e n d e statt. An der Wahl unseres Genossen Hermann dürste jedoch nicht mehr zu zweifeln sein. Köpenick. Bei einer Spiritusexplosson schwer verbrannt wurde der sieben- jährige Schüler Hermann Weber, Amisfeld 2. Der Kleine hatte während der Abwesenheit der Eltern aus einem Spirituskocher Kaffee wärmen wollen. Dabei beging der jüngere Bruder die Unvorsich- tigkeit. frischen Spiritus auf die Flamme nachzugießen. Im nächsten Augenblick erfolgte eine Explosion und die Stichflamme traf den älteren W. Der Kleine brannte bald lichterloh. Durch herbei- geeilte Nachbarslcute wurden die Flammen erstickt, doch hatte der Knabe bereits so schwere Brandwunden am Körper und im Gesicht erlitten, daß er nach dem Krankenhaus gebracht werden mußte. Spanda». Die Arbeiter-Samaritcrkolonne hält am Mittwoch, abends 8'/z Uhr, im Lokal von B ö h l e, Havelstraße 20, einen UebungS- a b'e n d ab. zu dem ein Arzt seine Mitwirkung zugesagt hat. An- Meldungen werden noch entgegengenommen, auch ist das Erscheinen von Gästen erwünscht. Potsdam.\ Stadtverordnetensitzung. Der Stadtrat Kampfsmeyer hat aus Gefundheitsrücksichien am 1. Okrober seinen Posten niedergelegt.— Ein langes Debattieren brachte«in Magistralsantrag, den Scbulvertrag mit Cecilienhöhe bis zum 1. April 1911 zu verlängern. Dieser Verlrag hat bereits im März dieses Jahres eine Verlängerung erfahren. Es will den Stadtvätern gar nicht gefallen, daß man abermals mit einem solchen Verlangen an sie herantritt, zumal die Gründe für die Verlängerung dieselben geblieben find, nämlich die in Aussicht genommene Ein- geineindung. Nachdem man diverse Reden gehalten halte, wurde der Magistratsantrag unter der Bedingung angenommen, daß eine neun- köpsige Kommission eingesetzt werde, die zu prüfen Hot. ob die Ein- gemeindung von Cecilienhöhe wirklich für Potsdam so wichtig ist, wie sie vom Magistrat geschildert wird. Die Summe von 637 000 Mark soll bei der städtischen Sparkasse geborgt werden, um damit die Schulden aus den Ankäufen des Luisen- hofeS und des Mcyerfchen Grundstückes in der Luisen- straße zu decken. Am 19. Juli fand«ine Königin-Linsenfeier statt. Die Mittel im Betrage von 174.50 M. wurden anstandslos »achbewilligt.— Ebensalls nachbewilligt wurden 150 M. für die Veteranen, die sich am Sedantage mit einem Geldbetrag von 10 M. beschenken ließen. Die damals ausgeworfenen Mittel reichten nicht auS und ein Teil der Veteranen mußte umkehren.— Ein Antrag de» Stadtv. B e c c u verlangt, daß den städtischen Beamten die eventuellen Militärrcnten auf ihr Gehalt mit angerechnet werden soll, er ist der Ansicht, diele Beamten seien durch die Renten in finanzieller Beziehimg ihren Kollegen gegenüber bevorzugt. Die Antwort des Magistrats war eine abschlägige, der sich auch die Stadtverordneten anschlössen.— Die Mälzerei des Grundstücks Luisenhof soll auf sechs Jahre verpachtet werden. Die jährliche Packt beträgt 3000 M. Die Stadt kann den Bertrag auf drei Jahre vorher kündigen, muß dann jedoch bis 1916 pro Jahr 1000 M. Ent- schädigung zahlen._ «vitterilnqsüberillvt vorn 3. Oktober 191», inorgens« Hör. Ctotlonai o S �= :: a _ 2 a" 12 11 11 Stottttmbt T61® Hamburg i7S2SSO rerlin 764 S jjranft.n lW. 766 ZW München 1768 SW Wien! 763 Still Wetterprognose tnr Ticustag, den 4. Oktober 191». Etwas kühler, veränderlich, vorherrschend wollig mit kühlen Regensällen und ziemlich lebhasten westlichen Winden. Berliner W e t t er b ur e a u. trf Wasserstands. Stachrichte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom Berliner Wetterbureau. Wasserstand Memel. TUM V r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tboru Oder. Ratibor » Krassen Frankiurt Warthe, Zchrimm , Landsberg R e tz e, Vordamm Eibe, Leitmeritz , Dresden » Bardo . Magdeburg '1+ bedeutet Wuchs.— ftall.•) Untetveqel. Vkrantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Veklin-Rixdorj, Für den gnseratenteil verantw� Td. Glocke. Berltu. Druck u, vertag-Borwärtt Puchdruckerei u. Perlagbanftalt Paul Singer ck So. Berlin »