»r. 285. flbonnementS'tkdingnngcn: KbonnenitniS> Lrcw pränumerando: »iertcljährl. 3£0 Mk, monatl.!,10 Mk., wöchcntliib 28 Pfg. frei WS Hau?. Emzelne Nummer 5 Pjg. Sonntags- »Ummer mit illuslrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Pjg. Post- iUonncmenl: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich, Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. PostabonncmentS nehmen an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 27. Jahrg. «Mit LgUch ufcr Hlontaw. �* Verlinev VollislilQtt. vi? snlertlons-eebiihk beträgt sür die sechsgespaltene Uolonek- «eile oder deren Raum eo Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS.Anzeigen 30 Pjg. „Aleine Snreigen", das erste tsett- gcdruillc) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Pjg. Stellengesuche und Schlas- stellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 3 Pfg. Worte über lö Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ijt tis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „SoziililcnioKrat Berlin**, Zcntralorgan der rozialdcmokratifchen Partei Deutfchlands. friede auf den Blerften! Keine ItietallarbeiterausSperrung! Die Differenzen auf den Seeschiffswerften werden zu einem friedlichen Austrag kommen, die Aussperrung der Metallarbeiter ist vermieden. Die Verhandlungen wollten zunächst zu einem, die Arbeiter befriedigenden Ergebnis nicht fuhren, weil die Unternehmer es vor allen Dingen prinzipiell ablehnten, irgendeine Verkürzung der Arbeitszeit zuzu- gestehen, während sie auf dem Gebiete der Lohnzahlung Zm geständnissen nicht abgeneigt waren. Nun bestehen aber auf einer Reihe von Seeschiffswerften Arbeitszeiten, die weit das übersteigen, was manchen Arbeiterkategorien in ande- ren als den Werftbetrieben längst tariflich zugestanden worden ist. Man kann es speziell diesen Arbeitern nicht ver- Übeln, wenn sie darauf bestanden, auf den Werften in Be- ziehung auf die Arbeitszeit nicht schlechter gestellt zu sein als in anderen Betrieben. Es war begreiflich, daß sie nach dieser Richtung hin unzureichende Zugeständnisse nicht zu bcfriedi- gen vermochten. So kam schließlich folgendes Angebot der Werftbesitzer zustande: Die Einstellungslöhne bei den Hamburgischen Werften der Gruppe deutscher Seeschiffswerftcn werden bei Wieder- aufnähme der Arbeit um 2 Pf. erhöht mit der Maßgabe, daß der niedrigste Einstellungslohn irgendeines volljährigen Ar- beiters 4V Pf. pro Stunde beträgt. Außer dieser Konzession in den Einstellungslöhnen wird eine Lohnerhöhung für alle Arbeiter um 2 Pf. pro Stunde vorgenommen. Dieselben Zugeständnisse machen die n i ch t Hamburgischen Wersten der Gruppe deutscher Seeschiffswerften, jedoch mit der Ein- schränkung, daß der niedrigste Einstellungslohn für diese Werften der örtliche» Vereinbarung vorbehalten bleibe. Die Akkordfrage regelt sich nach den«Vereinbarungen von 1907. Als neue Konzession wird ferner ab 1. Januar 1311 eine Verkürzung der Arbeitszeit zugestanden, und zwar: a) bei den Hamburgischen Seeschiffswerften auf K) Stunden die Woche, d) bei allen Außer-Hamburgifchen Seeschiffswerften, so- weit sie der Gruppe deutscher Seeschiffswcrften an- gehören, auf 56 Stunden die Woche. Die Verkürzung der Arbeitszeit beträgt nach diesen Zu- geständnissen 1 Stunde wöchentlich. Ter Ausgleich in der Arbeitszeitverkürzung erfolgt durch eine Zulage von einem weiteren Pfennig auf den Stunden- lohn. Die bereits versuchsweise zugestandene wöchentliche Lohnzahlung am Freitag tritt mit der ersten Lohnwoche des Jahres 1911 in Kraft. Außer diesen materiellen Zugeständnissen haben sich die Werftbefitzer dazu bereit erklärt, daß die Arbeiterausschüsse, gemäß den Vorschlägen der Arbeiterorganisationen gewählt werden sollen. Die gestrige Werftarbeiterkonferenz stimmte diesen neuen Vorschlägen zu unter der VorauLsetzung, daß die örtlichen Verhandlungskommissionen noch die rein örtlichen Differenz- punkte regeln. Alle Streikenden und Ausgesperrten werden ohne den Arbeitsnachweis und unter Sicherung ihrer Ansprüche, auch der Ueberschüsse aus den durch den Streik unterbrochenen Akkorden, eingestellt. Uebcr die Zeit der Wicdereiustellung wird zur Zeit, wo wir dies zu Papier geben, noch unterhandelt. Damit ist ein Riesenkampf vermieden, der nach dem Willen der Scharfmacher zirka zwei Millionen Menschen der Brotlosigkcit ansgesetit hätte, denn die von den Werftbesitzern angerufenen, ihnen eng liierten Metallindustriellen hatten gedroht, am 8. Oktober nicht weniger als 400 000 Metall- arbeiter auf die Straße zu werfen, falls bis dahin der Streik auf den Seeschiffswerften nicht beendet fei. Er ist min be- endet unter Bedingungen, welche die Herren Werftbesitzer sofort haben konnten, sofern sie sich überhaupt zu Vcrhandlun- gen geneigt erklärt hätten. Statt dessen griffen sie zur Teil- aussperrung ihrer Arbeiter. Und als diese sich das nicht ohne weiteres bieten ließen, sondern den Werften nicht ausgezählt, sondern geschlossen den Rücken kehrten, rief man den Riesen- Aussperrungs-Apparat der Metallindustriellen an. Wer die Metallarbeiter genau wie die übrigen beteiligten Arbeiter pfiffen auf diese Drohung. Ueberall erklärten sie sich bereit, sofort die Beiträge auf das Doppelte zu erhöhen, sie waren entschlossen, die ersten 14 Tage der Aussperrung ohne jede Unterstützung auszuharren. Soweit sie nicht ausgesperrt würden, wollten sie des Winkes harren, der auch sie aus den Werken hinausrief, um diese vollständig lahmzulegen. Ob es zu dieser Hinausziehung der nicht ausgesperrten 40 Proz. seitens der Organisationen gekommen wäre, war eine Frage ter Taktik. Den Arbeitern standen noch andere Mittel zur Verfügung, mit denen sie den Feind empfindlich zu treffen vermöchten, ohne sich selbst irgendwie zu schaden. Sie konnten in der Metallindustrie Gewehr bei Fuß stehen und den Kampf auf den Augenblick konzentrieren, wo man die Fabriken zur Auslese der vermeintlich mürbe Gewordenen öffnete. Sie konnten sich darauf beschränken, aus den Wersten die Kessel- schmiede, die Deckleger, die Maler, die Tischler des Innen- bans herauszuziehen und so mit einem geringen Aufwand die Fertigstellung der Schiffe zu verhüten. Sie konnten auch zum gewaltigen Frontangriff vorgehen durch Hinausziehung aller Arbeitskräfte. Und damit standen ihnen an Geldmitteln jene gewaltigen Reserven zur Verfügung, welche die Bauarbeiter für ihren Kampf flüssig gemacht, aber nicht angegriffen hatten. Die deutsche Arbeitersckjaft aber in ihrer Gesamtheit hätte gern und freudig zu chren Gunsten eingegriffen in den Kampf, der sich gegen das gewaltigste Scharsmachergebilde Deutschlands, gegen den Gesamtverband der Metallindustriellen, richtete. Ob aber dieselbe Einigkeit auf Seiten der Scharfmacher herrschte? Sehen wir uns in unserer nächsten Nachbarschaft um! Nach den Feststellungen der Berliner Leitung des Deut- scheu Metallarbeiterverbandes haben in Groß-Berlin 117 Be- triebe, die 90 982 Personen beschäftigten, das Aussperrungs- Plakat ausgehängt. Damit haben wir einen ungefähren Ueberblick über den Umfang der Aussperrung, die von den Berliner Metallindustriellen zur Unterstützung ihrer Freunde in der Metallindustrie zum 8. Oktober geplant war. Im Gesamtverband deutscher Mctallindnstrieller sind nun aber die folgenden Berliner Unternechmerorganisa- tionen angeschlossen: Verband Berliner Metallindustriellen.. 9g Werke 78 WXI Arbeiter Vereinigung Bert. Melallwarcnfabrikante» 116, 7S cx>i), Verein Berlin. Metallschraubenfabrikanten 16„ 1 200 In Großberlin zusammen 231 Werke 154 290 Arbeiter Da nur 117 Betriebe, die 90 982 Personen beschästigen, die ordnungsgemäße Kündigung durch Aushängen des be- kannten„Erlasses" der Zentralleitung der Metall- industriellen durchgeführt haben, so würden in Berlin nicht 0 0 P r o z. der in den Betrieben des Deutschen Metall- indnstriellenverbandes tätigen Arbeiter, sondern nur 60 Proz. der im Deutschen Metallindustriellenvcrbande o r- ganisierten Unternehmer die Aussperrung prak- tisch kennen lernen. Es sind die Großbetriebe der Berliner Metallindustrie, die 60 Proz. der Metallarbeiter aussperren wollten. Beachtet man die Zahl der aussperrungs- wütigen Unternehmer und vergleicht man sie mit der Ziffer derjenigen, die die Plakate nicht ausgehängt haben, also von der Aussperrung nichts wissen wollen, so er- gibt sich, daß rund die Hälfte der Berliner Metall- industriellen dem Aussperrungskommando ihrer Organi- sationsleitung nicht gefolgtsind! Aehnlich lag es auch anderwärts. Die Verluste, die den Unternehmern im Augenblicke der aufsteigenden Konjunktur aus der Aussperrung entstanden wären, waren größere als die, welche sie den Arbeitern bciznbringen vermocht hätte». So bequemten sie sich zu Unterhandlungen, die den mächtigen Metallindustriellen gewiß gewaltig schwer sielen. Und selbst die gern gesehenen„Gelben" mußten bei diesen Verhandlungen in der Versenkung verschwindcn. Mit einer abwehrenden Handbewegung schob sie der Metalkarbeiteroer- band beiseite. Auch das war ein Erfolg, den das mannhafte Anstreten der Arbeiter herbeigeführt hat. Die Arbeiter gehen als Sieger a»S diese», Kanipsc hervor. Daran läßt sich nichts deuteln. Sie erkämpften eine Konzession auf dein Gebiete der Arbeitszeitverkürzung. Sie erkämpften die verlangte Einführung von Mindest- Einstelluiigslöhncn. Sie erkämpften die Gewährung einer Lohnerhöhung. Sie erkämpften die Regelung der Akkordarbeit. Sie erkämpften die Anerkennung ihrer Organisation, welche die Unternehmer niederringen wollten. Sie erkämpften neben den materiellen soviel ideelle Er- folge, daß die deutsche Arbeiterschaft den Werftarbeiterstrcik von 1910 in aller Zukunft als einen Markstein in der Ge- schichte ihrer Fortschritte ansehen wird! Die Revolution in Portugal. In dem Gewirr von Nachrichten, die über die Vorgänge in Portugal einlaufen und die zum großen Teile durchaus widerspruchsvoll und wenig glaubwürdig sind, bleibt doch eins sicher: Die Republik ist proklamiert und der König ist gefluchtet. An der Spitze der provisorischen Regierung steht Tcophilo Braga. ein auch über die Grenzen Portugals berühmter Expedition: 8M. 68, Lindcnstraaee 69. Fernsprecher: 2t, itt IV, Nr. 1981. Mann von ehrenhafter Vergangenheit und erprobtem Libera» lismns, ein unversöhnlicher Gegner der.Klerisei. Das ver« bürgt eins: die neue Regierung wird liberal und vor allem antiklerikal sein. Das ist erklärlich, denn die erste Aufgabe, die der Re« gierung harrt, muß unter den gegebenen Verhältnissen darin bestehen, die Macht der Klerikalen zu brechen. So lange das nicht geschehen ist, ist die neue Republik in Gefahr. Wenn behauptet wird, daß die Lissaboner Regierung einen Ansturm der kontcrevolutionärcn Provinz auszuhalten haben wird, so scheint uns das durchaus nicht wahrscheinlich. Kenner des Landes behaupten— unter Hinweis besonders auf die letzten Wahlen— daß die Provinz durchaus nicht anti- republikanisch ist, sondern, daß sowohl in den Städten, als auf dem flachen Lande die Republikaner sehr starken Anhang haben. Freilich können hier und da konterrevolutionäre Ausbrüche von Seiten der von den Pfaffen fanatisierten Be- völkerung erfolgen, und sie werden der Regierung manche Schwierigkeit bereiten, aber sie dürften unter keinen Umständen den Bestand der Republik in der nächsten Zeit bedrohen. Anders wäre es freilich, wenn die Truppen in der Provinz sich gegen ihre revolutionären Kameraden wenden. Indessen tvürde der Vormarsch dieser Truppen auf Lissabon wohl sofort begonnen haben und man würde die Nachrichten darüber alsbald in Spanien erhalten und natürlich mit allem Eifer weiter geben. Derartige Nachrichten liegen indessen zur Stunde nicht vor. So ist zu hoffen, daß es zu Waffen- kämpfen um den Bestand der Republik nicht mehr konimt. Es scheint im Gegenteil, daß mit ganz wenigen Ausnahmen die Truppen auf Seiten der Revolution sind. Ein anderes Moment, das in Betracht zu ziehen wäre ist die Gefahr einer Intervention der fremden Mächte. Aber eine solche besteht nicht. Freilich würden alle die„von Gottesgnaden" aus Solidarität ein- greifen, wenn sie könnten. Nicht aus Liebe zu dem Ising- linge, der da gegangen tvnrde, aber ans Prinzip. Denn wer soll denn noch das„Gottesgnadentum" ernst nehmen, wenn ein paar Kanonensalven, genügen um die Herrlichkeit zusammen- prasseln zu lasset:, wie ein Kartenhaus und kein Gott die Geschütz- schlunde zum Schlveigen bringt und die Frevler, die die Hand gegen das gesalbte Haupt erheben, in Grund und Boden donnert?! Zumal dieses gesalbte Haupt von Portugal ja von Frömmigkeit triefte. Es würden also die anderen Gesalbten sicher gern ein wenig Vorsehung spielen. Zum Glück dürfen sie nicht und müssen zähneknirschend zuschauen, wie leicht so ein Thrönchen purzelt. Der Nächstbcteiligte ist der Nachbar in Spanien, denn die Salven in Portugal dröhnen hinüber nach Madrid und lassen ihn»m das eigene Schicksal zittern. Aber was kann der gute Alfonso tun? Soll er im Vertrauen auf das Gottes- gnadentum die Armee mobilisieren oder die Kriegsschiffe aus- laufen lassen? Er wird sich hüten! Denn noch sind die Tage von Barcelona, Madrid, Valencia und Bilbao nicht vergessen. Man kann sicher sein: die spanischen Truppen würden nicht- marschieren. Das heißt nicht ge» Lissabon, al..�— vielleicht gen Madrid! Soll etwa der neugebackene König von England seine Armada cnlscnden? Aber abgesehen davon, daß auch hier der Befehl kaum ausgeführt würde, ist dafür gesorgt, daß er nicht gegeben wird. England ist von allen Staaten am stärksten wirtschaftlich in Portugal interessiert: die englische Bourgeoisie aber weiß ganz genau, daß es in ihrem Interesse ist, wenn das Land, nach dem sie Waren absetzt, ausblüht. und sie ficht sicher in der Beseitigung der monarchisch- pfäffifchen Mißwirtschaft die Gewähr hicrsür. Diese englische Bourgeoisie weiß genau, daß cS sich um eine dvurgeoise Re- publik handelt, sie fühlt sich solidarisch mit den portugiesischen Klassengenossen. Deshalb würde man eine romantische Regung des Königs zum Schutze des monarchischen Prinzips einfach auslachen. In der gleichen Lage ist auch König Viktor Emanuel: italienische Flinten und Schiffsgeschütze würden nicht gegen die portugiesischen Republikaner losgehen. Sollen wir von den übrigen„Gesalbten des Herrn" sprechen? Es lohnt nicht, denn es ist eine feststehende Tat» fache, daß kein Kulturvolk der Welt sich heute dazu miß- brauchen ließe, sein Blut zu vergießen zun: Schutze der Krone auf irgendeinem Köpfchen. Nein, es ist nichts jnehr mit dem Legitimitätsprinzip. Die Vernunft hat gesiegt und die re- publikanischen Ideale der Proletarier schützen die Welt vor den: Unglück eines Krieges zur Verfechtung dieses Prinzips. Vom Auslande droht also sicher der neugeborenen Republik nicht die geringste Gefahr. Allerdings: eine solche Gefahr würde alsbald entbrennen, wenn diese Republik nicht pünktlich die Schuldenzinsen zahlen würde. Hier ist der Punkt, wo die Bourgeoisie empfindlich ist l Man lveiß daö in Portugal sehr genau und es ist bemerkcns- wert, daß die revolutionäre Regierung mit fast komischer Hast sich beeilt, in die Weit zu telegraphieren, daß sie pünktlich die Pcrzentcken zahlen wird. Das schien ihr die allererste Pflicht, um das Verhältnis zur übrigen bourgcoisen Welt klar- zustellen. Die Perzentchen, ja die Perzcntchen l Sind sie ge- sichert, dann ist das übrige Nebensache. Auch ein Prätendent hat sich beeilt, sich in empfehlende Erinnerung zu bringen. Es sitzt da in Oesterreich so ein braver Dom Miguel de Braganza, der„ivohlvcrbriefte An- spräche" auf die Krone Portugals hat. Der gute Mann hat % f crfTSr?, fmß er zwar sich in die Geschichte nicht mische, wenn man ihn jedoch rust, sei er bereit, dem Rufe zu folgen. Nun,„man" wird sich bedanken. Einen dummen Jungen zu vertreiben, unt einen alten Narren an seine Stelle zu setzen, der nur durch Weibergeschichten und Schuldenmachen bekannt geworden ist, dazu macht man keine Revolution. Sonnt droht der Republik kaum eine unmittelbare Ge- fahr. Die weitere Entwickclung der Dinge bleibt abzu- warten. Auf der andern Seite darf man gespannt sein, wie die revolutionäre Umwälzung auf das Nachbarland Spanien ein- wirken wird. Denn soviel ist sicher, daß das Pfaffenregiment mit seiner Unduldsamkeit und seiner Mißwirtschaft einen ge- waltigen Stoß erhält. Kein Wunder daher, wenn die schwarze Internationale ganz� aus dem Häuschen ist. Daß sie wohl einexerziert ist, beweist die Einniütigkeit, mit der ihre Presse auf das Ereignis reagiert. Aus Rom meldet ein Telegramm, daß der„O s s e r- v a t o r e Romano"(das klerikale Organ) einen Bericht aus Lissabon veröffentlicht, „worin die Schuld an der Gärung, den Umsturzplänen und dem drohenden Siejw der Republikaner den Freimsurern beigemessen wird. Der„Osservatore" urteilt, daß die uniuittelbare Ursache der Revolution im Nachlassen der früheren Energie und Wach- samkeit der Negierung zu suchen sei, und hofft, daß die euro- päischen Mächte nicht untätig bleiben werden". Ganz dieselbe Note schlägt die„Germania" an: „Verfehlt war auch die Politik des ewigen Entgegenkommens gegen die Republikaner. Sie steigerte immer mehr das Macht- gesiihl der Republikaner, statt sie zu versöhnen, und führie schließlich dazu, daß die Republikaner zum entscheidenden Schlage gegen die Monarchie ausholten.... Die eiserne Faust eines Franca nur hätte die Republikaner im Zaume zu halten ver- standen, vorausgesetzt, daß gleichzeitig mit dem strengen Regime eine durchgreifende Reform der inneren Verwaltung hätte durch- geführt werden können." Nun aber erst die„Kölnische V o l k s z e i t u n g"! Die donnert los im Tone des Abraham a Santa Clara: „Nun wird wohl auch den begriffsstutzigsten Lesern jener liberalen Blätter, deren Berichterstatter auf die Denkfaulheit oder völlige Verblödung ihres Publikum? rechneten, ein Licht über den groben Sclnvindel aufgegangen sein, den diese Berichterstatter in ihren Blättern mit einer angeblich bevorstehenden„klerikalen Revolution" getrieben haben. In Portugal handelt es sich schon lange darum, Monarchie und Ordnung aufrechtzuerhalten gegen- über dem Umsturz, auf dessen Seite sich so manches deutsche und angeblich der Monarchie so treue Blatt gestellt hat, weil in die Kloake, die sich in Portugal RepublikanismuS nennt, auch ein Zach antiklerikalen Geifers sich ergießt. In dieser Kloake finden sich neben nur allgemein Unzufriedenen auch die Straßenkanaille und die KömgSmörder zusammen. Seit dem Körugsmord steht das Königtum nur auf sehr un- sicheren Füßen in Portugal, denn die Republikaner arbeiten mit allen Mitteln der List und Gewalt, der Verleumdung und Ver- hetzung, und die liberal- radikale Regierung nahm eine so zwei- .deutige Haltung an, indem sie mit der äußersten Linken lieb- äugelte, daß alle, die es mit der Erhaltung geordneter Zustände und mit der Monarchie gut meinten, sich energisch zusammen- schließen mutzten, um zu retten, was auf dem Spiele stand." Die portugiesische Regierung im Verdacht der liberalen Nachgiebigkeit! Das ist ein starkes Stück. Man sieht, worauf es hinausgeht: die klerikale Bande bringt sich den Regierun- gen in Erinnerung unter Berufung auf Francas„eiserne Faust"! Nun: die Spuren schrecken! Für jeden Denkenden ist es klar, daß diese eiserne Faust die Revolution herbeiführte. Will das Zentrum es damit in Deutschland versuchen? Will es ein Tänzchen wagen? Nur zu, wir spielen auf! Nachstehend die wichtigsten Telegramme: Madrid, 5. Oktober. Ministerpräsident Canalejas empfing heute abend Journalisten und gab ihnen an Hand der bei der spa- nischen Regierung eingelaufenen Berichte folgende Darstellung von den Ereignissen in Lissabon: Gestern nacht gegen 1 Vi Uhr wurde die Bevölkerung Lissabons durch 21 Kanonenschüsse aufgeweckt. Alles eilte auf die Straße oder stürzte zum Fenster, um zu sehen, was los sei. Man sah nach allen Richtungen Menschen laufen, während Trompeter zum Sammeln bliesen. Die Revolution war ausgebrochen, die 21 Kanonenschüsse waren das Signal. Die sofort mobil gemachte Polizei warf sich auf die Aufständischen, wurde aber von diesen mit Bomben empfangen. Nunmehr wurden Truppen zu Hilfe gerufen, aber von ihnen ging ein Teil sofort zu den Re- volutionären über, während der andere der Pflicht und der Mon- archie treu blieb. Es entspann sich ein erbitterter Kampf, und bald fielen Tote und Verwundete. Besonders die Artillerie� sordevte zahlreiche Opfer. Den Revolutionären gelang es, sich des Soldaten- viertel» in der. Nähe des Schlosses Necessidaides zu bemächtigen. Als der König sah, was vorging, verließ er auf den Rat von vier seiner Vertrauten das Schloß und begab sich mit ihnen au einen sicheren Ort, während der Kampf in den Straßen weiter tobte. Die Revolutionäre errichteten Barrikaden und schickten Abteilungen aus, welche die Brücken sperren und die Delegraphenleitungen ab- schneiden sollten. Im Lause des Tages trafen dann au» ver- schiedenen Proviuzgarmsonen Truppen in Lissabon ein, die sich mit den treu gebliebenen vereinigten{?!), so daß sich die beide» Par- teien ungefähr das Gleichgewicht halten. Ich glaube, fügte Canalejas hinzu, daß die Königin Amalie ihr Schloß in Cintra nicht verlassen hat, und ich weiß, daß die aufständische Bewegung in der Provinz nicht nnterstüht wird. Das spanische Kriegsschiff Numancia ist nach Lissabon in See gegangen. Badajoz» 6. Oktober. Es geht das Gerücht, die königliche Faniilie sei�gefangen an Bord eines Kriegs- s ch i f f e s. Die Soldaten des Jnfanterie-RegimentI Nr. Ili waren in Republikaner und Monarchisten gespalten. Zwischen beiden Teilen fand ein Kampf statt, in dem die Republikaner siegten. Der Oberst, mehrere Offiziere und eine Anzahl Soldaten fielen. � Der Rest ging zu den Republikanern über. Das Jnfanterie-Negimeut Nr. 5 und das Jäger-Regiment Nr. 1 verstärkten das Infanterie- Regiment Nr. 16. Ein Artillerie-Regiment griff unter dem Koni- mando von Sergeanten trotz des Widerstandes des Obersten und der Offiziere die Kaserne an. Ein Arsenal wurde eingenommen und die dort lagernden Waffen unter die Bevölkerung verteilt. An Bord eines im Hafen ankernden Schiffes, das die republikanische Flagge hißte, hatten die Leiter der Republikaner mehrere Kon-' ferenzen mit den Chefs der Armee und der Marine. In den Straßen Lissabons tobt ein heftiger Kampf, bei dem die Artillerie die Hauptrolle spielt. Die Aufständischen sind ausgezeichnet be° waffuet. Das Regiment Nr. 4, das in Elbas in Garnison steht, ist -nach Lissabon abmarschiert. Viarriv, 6. Oktober. Reisende, die aus Lissabon geflüchtet sind, berichten: Die Revolution wurde eingeleitet durch ein Pro- nunziamento, an dem die Bevölkerung sich anfänglich nicht betei- ligtc. Artillerie-Regimenter schössen auf die Zivilgarde und einige dem König ergebenen Truppenteile. Die Aufständischen besetzten alle strategischen Punkte der Hauptstadt. Die Fahne der Republik weht auf dem Königlichen Palais und den öffentlichen Gebäuden. Gestern früh ist die Republik erklärt worden. Londo», 6. Oktober. Tie englische Regierung hat den in Gibraltar stationierten englischen Kriegsschiffen Befehl erteilt, un- verzüglich nach den portugiesischen Gewässern abzugehen. Offiziell werden dies« Kriegsschiffe entsandt, um die englischen Interessen wahrzunehmen. Der Londoner„Matin"-Korrespondent erklärt sich jedoch ermächtigt, mitzuteilen, daß diese Schiffe die Mission er- halten haben, wenn notwendig, dem König eine Zufluchtsstätte zu gewähren und ihm in jeder Weise behilflich xu sein, sich in Sicher- heit zu bringen. Es ist sicher, daß König Manuel sich an Lach 5eB Mao iffaulo" befindet; ein hier eingegangenes drahtloses Tele- gvamm bestätigt dies in formeller Weise. Andererseits gilt es ebenfalls als sicher, daß der König sich nicht an Bord des„New- castle" geflüchtet hat, denn sonst hätte die englische Regierung dies- bezügliche Nachrichten erhalten. Ztußerdcni ist es sicher, daß der König da» Königliche Palais verlassen hat, denn da» Bombardement des Palastes durch die Kriegsschiffe wurde erst in sinkender Nacht eingestellt. Paris, 6. Oktober. Der heutige Ministerrat wird sich mit den Ereignissen in Portugal beschäftigen und entscheiden, ob ein fran- zösisches Kriegsschiff nach Portugal entsendet Wörden soll. Nach Privätmeldungen aus Lissabon soll iich der König, die Königin- Mutter und Großmutter nach Masfra, ungefähr 7 Meilen von Lissabon entfernt, geflüchtet haben. Masfra besitzt ein königliches Schloß sowie eine starke Garwsmi. Immerhin sind die Nachrichten über den wirklichen Aufenthalt des Königs noch sehr widersprechend. London, 6. Oktober. Ein Telegramm aus Lissabon meldet, daß der durch das Bombardernent der Kriegsschiffe in der Stadt an- gerichtete Schaden sehr bedeutend ist. Namentlich ist die Ugcgebring des Schlosses fast vollständig zerstört. Die neue Regierung führt ein strenges Regiment. Die fremden Botschaften und ausländischen Konsulate werden von Marinetruppen bewacht. Wien, 6. Oktober. Der Präsident der portugiesischen Republik Braga zeigte heute in einem Telegramm der österreichischen Regie- rung die Proklamierung der Republik in Portugal an. Gleichzeitig verbürgt er sich für die Aufrechterhgltung der Ruhe und völliger Ordnung im Lande, Das Auswärtige Amt wird vorläufig diese Note nicht beantworten, sondern zunächst den ausführlichen Bericht des Lstcrreichisch-ungarischen Botschafter»'in Lissabon und' die weitere EntWickelung der Dinge in Portugal abwarten. Paris, 6. Oltober. Ter portugiesische Gesandte in Paris zeigte heute nachmittag ein wenig Hoffnung auf Rettung der Monarchie. Er und seine Umgebung glauben, berechtigten Grund zu haben, der Nachricht Glauben zu schenken, wonach die Truppen der Garnison Elvas, welche der spanischen Festung Badajoz gegenüberliegt, sowie die Mannschaften der Division von Oporto auf die Hcruptstadt marschieren, um die Revolution-niederzu kämpfen. Als Sammel- Punkt wird Santarem im Tajotale genannt.(Ter Herr Gesandte hat sich aber böse geirrt, wie das weitere Telegramm beweist. Redaktion.) Paris, 6. Oktober. Der französische Gesandte in Lissabon hat dem Minister des Aeußern durch drahtloses Telegramm von einem der englischen Schiffe bestätigt, daß die Republik aus- gerufen ist. Der Aufenthalt des Königs sei nicht zu ermitteln. Die Truppen der Festung Elvas sollen si.ch der provisorischen Regierung angeschlossen haben. Oporto, 6. Oktober. Es herrscht hier große Unruhe und die Nachrichten aus Lissabon werden mit Ungeduld von der Menge er- wartet, welche nach dem Mittelpunkt der Stadt drängt. Vor der Redaktion des republikanischen Blattes„Vaterland" veranstaltete die Bevölkerung eine große Demonstration, um der Shmpathie mit der Revolution Ausdruck zu geben. Die Massen wurden von der Polizei mit Gewalt zerstreut. Auf die Polizeibeamten wurde aus dem Redaktionsgebäude ein Hagel von Gegenständen jeder Art hinabgeschleudert. Die Beamten nahmen den Kampf auf, in welchem zwei von ihnen und dreizehn von den Gegnern verwundet wurden. Schließlich wurden die Redaktionsräume besetzt, die dort befind- lichen Personen zunächst verhaftet, später jedoch wieder in Freiheit gesetzt, Lissabon, 6. Oktober. Der Militärgouverneur von Lissabon, General Burgaeö, stürzte sich, nachdem er sah, daß die Situation für die Monarchie verloren sei, von dem hohen Ballon des Schlosses auf die Straße hinab und war sofort tot. Madrid, 6. Oktober. Eine hiesige Großbank hat eine private Meldung aus Lissabon erhalten, derzufolße König Manuel der Gefangene der Revolutionäre sein soll. Eine Bestätigung der Nach. nicht steht noch ausl. In Oporto herrscht vollkommene Ruhe. London, 6. Oktober. Dem Auswärtigen Amt ist heute auf draht- losem Wege die Aufforderung zugegangen, zugunsten deS englischen Kapitals in Portugal zu intervenieren, da ein Bürgerkrieg unvermeidlich sei. Die Absender des Telegramms- sind die bedeutendsten englischen Firmen Lissabons und Oportos, die Wein- firmen Sandemann und von Barcley und die bekannte Firma Cook. Sie verlangen die Landung von 2066 Mann Marinetruppen. Cook hatte bekanntlich dem Water des jetzigen Königs, dem ermordeten Carlos,.50 000 Pfund geliehen, zu deren Rückzahlung sich König Manuel bei der Thronbesteigung verpflichtet hatte. Cook befürchtet jetzt den Verlust seines Geldes._ ?o!itiiche Getchäftsmachm). Mit einer Skrupellosigkeit und Verlogenheit, die ihres Gleichen sucht, hat die sogenannte„anständige" Presse die von der Polizei in Moabit inszenierten Straßenkrawalle als Nevolutionsererzitien der Sozialdemokratie darzustellen ver- sucht, um die Folgerung zu ziehen, daß dann, wenn nicht recht ball» ein neues Sozialistengesetz fabriziert und der sozial- demokratischen Arbeiterschaft in reichlichem Maße zur Slder gelassen würde, der kleinen Revolution in Moabit binnen kurzem eine große nach dem französischen Muster der Jähre 1780/94 folgen werde. Der perfide Plan, aus diese Weise für eine„verbesserte" Auflage des Bismarckschen Sozia- listengesetzes Stimmung zu machen, war recht fein ausgedacht; aber das frivole Spiel ist dank der Ungeschicklichkeit der Ber- liner Polizeiwirtschaft gründlich mißlungen. In dem Eifer, den„Aufruhr" möglichst zu forcieren und überall glänzende Attacken zu reiten, hat die ehrsame Polizei so wenig Maß gehalten, daß die Wirkung eine ganz andere geworden ist als sie beabsichtigte. Sie hat in Deutschland selbst in gutge- sinnten bürgerlichen Kreisen die schärfste Opposition gegen ihr Treiben hervorgerufen und sich im gebildeten Auslande, -in dem man ohnehin schon längst spöttisch lächelte, wenn die preußischen Polizei erwähnt wurde, ein Renommee erworben, das dem der berüchtigten schwarzen Hunderte in Rußland kaum nachsteht. Unter diesen Umständen ist auf die Durchsetzung des heiß- ersehnten neuen Sozialistengesetzes nicht zu rechnen. Aber ganz unausgenützt möchten die journalistischen Kämpfer für das Wohl des deutschen Vaterlandes doch die ihrer Meinung nach günstige Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, und�so ziehen sie jetzt aus der„Moabiter Revolution" allerlei schöne und weise„Lehre n", in deren Verlauf sie regelmäßig zu der Folgerung kommen, das Koalitionsrecht müsse einge- schränkt und der Schutz der sogenannten Arbeitswilligen be- trächtlich verstärkt werden. Besonders Hervorragendes leistet in dieser Argumentation natürlich das Blatt der Hanimer. steinlinge, die„K r e u z- Z e i t u n g". Nachdem sie in einem „Die Lehren der Moabiter Krawalle" betitelten Leitartikel ihrer letzten Nummer allerlei Redensarten über„die falsche Anwendung des Begriffs der Koalitionsfreiheit", über ge- werkschaftlichen„Koalitionszwang", ewige„Streikunruhen", „sozialdemokratische Verhetzimg",„schrankenlose Herrschaft des sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Boykotts" usw. zusammengestoppelt hat, stellt sie folgende Forderungen: „Bei dem bevorstehenden Erlaß eines neuen Strafgesetzbuches Wäre wMrjcheinkich die beste A e l e g e n Z e j j. eipma� wjb fesssr Richtung hin zu üverle�en, in Welcher Weit? ektt s a w e r Schutz der Arbeitswilligen erreicht werden kann. Schon jetzt sollte der Reichstag fordern, daß die Reichsregicrung,.sowie die Landesregisruugcn ihre unter- geordneten Organe anweisen, alles Material- zu-sä in- m e l n, das hier von irgend welcher Bedeutung sein kann. Jeder Streikexzeß, jeder Ausfluß sozialdemokratischen Bohkotts und alles, was damit zusammenhängt, müßte registriert und unter bestimmten Gcsichtspuntten geordnet werden, damit der Reichstag einmal einen Blick in jene Welt des sozialdemokratischen Terra- rismus, der gewissermaßen unter den Auspizien der gegenwärtigen Rechtsordnung üppig ins Kraut schießt, tun kann... Man mutz sich ernstlich mit dem Gedanken befassen, oh nicht wirksame Garantie»--gegen die Ausschreitung des Streikposten- stehens getroffen werden können und ob nicht, falls dies nach den bisherigen Erfahrungen nicht ausführbar ist, das Streik- postenstehen überhaupt verboten werden soll. Denn tatsächlich sollen die Streikposten doch verhindern,-daß Arbeitswillige sich einfinden. Und zwar soll dies durch Drohung und sonstige Handlungen erreicht werden, die- in anderen Fällen von dem Strafgesetzbuch betroffen werden. Im Reichstag hat man sich gerade in der letzten Zeit bemüht, den einzelnen. Gesetzen einen„sozialen Charakter" zu geben. Auch bei der Beratung eines neuen Strafgesetzbuchs wird dieses Moment wiederum eine Rolle spielen. Hoffentlich wird dann nicht der Fehler begangen. dieses„soziale Moment" zu einseitig hervorzukehren. Die Koalitionsfreiheit darf nicht zu einem schran- kenlosen Austoben ausarten, sie darf nicht zum Koalitionszwaug werden, wie ihn die Sozialdemo- kratie- heute so üppig kultiviert. Darum ziehe man bcizeiieu die Folgerungen, die sich aus Vorfällen, wie die Moa- biter Krawalle ergeben habe n." Also wenn kein Sozialistengesetz— bann wenigstens eine Einschränkung des Koalitionsrechts-! Auch die klerikale„Germania", das gefügige Blat! des Erfinders des schönen Ausspruchs vom„verseuchten Westen", zieht aus den Moabiter Vorkonimnissen schöne Lehren. Selbstverständlich schimpft das Blatt der Geschorenen nicht minder ems die sozialdemotratische Hetze als das Blatt der Ge- scheitelten.; aber in der Ausnutzung der Moabiter lluruhen für das politische Geschäft ist es seiner, Kollegin doch um ein Beträchtliches über. Es wendet sich an die Regierung oder vielmehr an Wilhelm II. und sucht dort den Glauben zu er- wecken, daß das beste Mittel gegen die drohende sozialdemo- kratische Revolution darin bestehe, den Klerus gä n z nach Belieben wirtschaften zu lassen und vor allem, ihm die Schule auszuliefern. Stolz erinnert die „Germania" an den Ausspruch des neuesten klerikalen Kirchenheiligen, des verstorbenen Cleopold von Belgien:»D i s Katholiken machen keine Revolutio n", und fährt dann fort: „Aber unsere maßgebenden Staatsmänner stehen offenbar auf dem Standpunkt, daß der Staat im Interesse seiner Saude- ränität die Macht der Kirche brechen müsse und die soziale Frage ohne die Kirche lösen könne. Es ist uns wirklich ein, Rätsel, wie man nach den Erfahrungen der letzten Jahre noch an die Möglich- keit glauben kann, allein durch Gesetze und Polizeiverordnungen die sozialistische Gefahr überwinden zu können... Der liberale Protestantismus hat eine unheimliche Machlj und Ausdehnung gewonnen. Selbst unter den protestantischen Theologieprofessoren ist die Zahl der positiv gerichteten gering geworden. Aus dem religiösen Liberalismus»nie- aus dem Libe- ralismus überhaupt bezieht der Umsturz seine Freunde und Förderer. Würde also der Staat dem Liberalismus in allen seinen Verzweigungen entschlossener ent- gegentreten, würde er etwas tun zur Hebung der christlichen Gesinnung, würde er dem Katholizismus keine Hemmschuhe anlegen, dann wäre mehr für seine Erhaltung und die bestehende Geselljchaftsovdicung geschehen, al» durch alle gesetzlichen Maßnahmen, so gut und lobenswert sie an und für sich auch sein mögen. Wird der Staat sich zu der An- Wendung eine» s o einfachen antirevolutionären Gegeugkftes herbeilassen? Wird er der Kirchs Raum genug geben, um durch die Erneuerung des christ., lichen Geistes Liebe und Gerechtigkeit zu fördern und so ihr TeiH gur Lösung der sozialen Frage beizutragen? Aber er ist zu sehr gewohnt, die Kirche als gefürchtete Nebenbuhlerin zu betrachten und zu behandeln. Wir haben das Unselige, getan, indem wir die Negierung einmal ernstlich aus den wunden Punkt hinwiesen- .Viäeent consules!" Klerikale Volksverblödung als Gegengift gegen die Re, volntion! Die ehrsame„Germania" hätte sich hüten sollen. dieses schöne Mittel gerade jetzt zu empfehlen, nachdem es sich just wieder in Portugal so herrlich bewährt hat. Wenn wiv alle die größeren und kleineren Revolutionen und Revolten West, und Südeuropas in den letzten Jahrzehnten betrachten. dann finden wir fast stets als Hauptursache die Erbitterung über die schauderhafte Interessen- und Klüngelwirtschast eines verkommenen Klerus. Und nun empfiehlt die„Germania" diesen selben Klerus als Antirevoliitionsgift. Tatsächlich gibt es kein sicheres Mittel, auch in Deutschland die Revolution heraufzubeschwören, als das deutsche Volk völlig dep Herrschaft dieses Klerus auszuliefern. Sie beschleunigte Klassenjaitte. Wie die„Berliner Volkszeitung" erfährt, werden die Er- Mittelungen gegen die auS Anlaß der Polizeiangriffe in Moabit Angeklagten außerord entlich beschleunigt. Es ist dies die Folge einer höheren Anordnung, damit die Akten möglichst bald der Staatsanwaltschaft zugestellt werden können. Auch die gerichtliche Untersuchung soll als dringlich behandelt werden. Dem Vernehmen nach werden die ersten Haupt- Verhandlungen auf Ende dieses Monats angesetzt werden. Späte st ensEndeNovem ber sollen samt- liche Hauptverhandlungen stattgefunden haben. Die neueste Schaumnar aus JMoabit. „Neue schwere Ausschreitungen"—„Das geheime Feh m geeicht in Moabit", so und ähnlich lauten die Titel sensationeller Meldungen der bürgerlichen Presse, in denen das Folgende berichtet wird: „Eine neue schivere Ausschreitunz ist gestern(Mittwoch) abend in Moabit vorgekommen, nachdem die Polizei ihre Schutzmaßregeln im wesentlichen ausgehoben hat. Der Arbeiter Ottv Wellschmidt aus der Beusselstraße S, der auf dem Kohlenplatz von Kupfer u, Co., in der Sickingenstraße arbeitete, wurde gestern abend, als er sich auf dem Heimwege befand, in der Berlichingen- straße von sechs Männern angesprochen und gefragt, wie er dazu komme, auf dem Kohlenplatz zu arbeiten; er wisse doch. daß dort gestreikt werde. Ohne erst eine Autwort abzuwarten, schlugen die Männer Wellschmidl nieder, mißhandelten ihn und ließen ihn dann liegen. Blutüberströmt begab sich der Ucberfallene nach seiner Wohnung, ging aber trotz seiner Verletzungen alsbald ivieder aus, weil er seine Mutter, die in der Nähe wohnt, sprechen wollte. Als er aus dem Hause trat, nahmen ihn sofort wieder die sechs Mann in ihre Mitte und brachten ihn nach der Schankwirtschaft von Pflaumenbaum in der Nostocker Straße. Hier führten sie ihn in eil» Hw!erz?mmer an einen„GerichtSiisch', betörten ihn und ber- boten ihm unter Androhung schlverer Strafe, bei Kupfer u. C o. weiter zu a r b e i t e in Sie versprachen ihm auch, ihm andere Arbeit zu verschaffen, nahmen ihn wieder in die Mitte und führten ihn in der Richnmg nach Plvtzensee zu ab. Wellschmidt glaubte, da« man ihm die ndue Arbeitsstelle zeigen wolle. Statt dessen fielen seine Begleiter in der einsamen Gegend von neuem über ihn her und m i ß h a n d e l r e it ihn abermals schwer. Dann begleiteten sie ihn noch nach Hause zu und entließen ihn endlich mit der Drohung, dag sie ihn kvtschlagen würden, ivenn er noch weiter arbeite. Die Polizei hat alsbald Nachforschungen nach den Tätern eingeleitet." Nach den Ermittelungen, die wir sofort angestellt haben, ist der wirkliche Tatbestand in dieser Schauermär ein recht magerer. Die ganze Erzählung schrumpft dahin zusammen, datz ein Arbeitswilliger von Kupfer u. Co. von drei Arbeitern auf der Straße angehalten wurde und im Laufe der Auseinandersetzung in der Hitze von einem Arbeiter ein paar Ohrfeigen bekommen hat. Der Vorfall ist sehr bedauerlich, der betreffende Arbeiter ist scharf zu tadeln, daß er in solcher Situation die Selbstbeherrschung verlor, und sich zur Mißhandlung fortreißen ließ. Sein Vcr- halten wird unter der organisierten Arbeiterschaft e n t- schiede ne Verurteilung finden solvohl au sich, als auch, weil es der Sache der Streikenden schadet und die öffentliche Meinung zu ihren II n g u n st e n beeinflußt, wie es sich in der sensationellen Aufbauschung der Affäre schon deutlich zeigt. Eine Be- richtigung der ersten Meldung erfolgt gewöhnlich nicht, so sehr Recht und Billigkeit, wie in dem vorliegenden Falle, sie auch fordern. Die Polizei selb st muß wissen, wie sehr die ganze Schilderung übertrieben i st, denn nach der augeblichen Mißhandlung ging der„blut- überströmte" Arbeiter Otto Wcllschiuidt mit vier Schutzleuten von der Gegend des Kohlenplatzes bis zur Ecke von Turm- und Beusselstraße. In Wirklichkeit trug der Mann keinerlei Verletzung davon und kein Tröpfchen Blnt ist geflossen! Und das geheime Gericht der F e h m e sah auch ganz anders aus. Der Arbeiter Otto WeUschmidt war ganz vergnügt dabei und ließ sich Bier und belegte Butterbrote gut schmecken, die die Teilnehmer dieses„Fehmegerichts" mitleidig bestellten als er klagte, daß er Hunger habe.— Die übrigen Erzählungen über Fehmegerichte, die noch außerdem umlaufen. tragen den Stempel des Schwindels an der Stirn. Einige Arbeiter hatten Otto Wellschmidt, nachdem er seine Wohnung wieder verlassen hatte, nach einer Gastwirtschaft— nicht zu Pflaumbaum gebracht, wo er versprach, sich den Streiken- den anschließen zu wollen. Ain nächsten Morgen, um 51/2 Uhr, ließ er sich aber von einem Schutzmann nach dem Kohleuplatz bringen und begann zu arbeiten. Gerüchte von Ueberfällen und Z u s a m» men stoßen entstehen jetzt leicht in Moabit, die wirklichen Vorfalle sind aber gctvöhnlich nur geringfügig. Die Streikposten werden verjagt: ein Wacht- mcister erklärte einigen Posten, sie würden sofort abgeführt, wenn sie sich wieder blicken ließen. Trotzdem ist es gelungen, von zehn Arbestswilligen, die in diesen Tagen eingestellt wurden, sechs wieder herauszuziehen; auch der siebente wollte aufhören, aber man Machte i h m S ch w i e- rigkeiten in der Aushändigung seiner Papiere. Die andere Leite der Sache I Wir haben oben keinen Zweifel darüber gelassen, daß wir die Mißhandlung eines Arbeitswilligen, wie sie im Fall Wellschmidt vorgekommen ist, entschieden verurteilen, wenngleich sie b e d e u- tend harmloser ist, als sie in den sensationell aufgeputzten Schauerberichten der bürgerlichen Presse erscheint. Darüber darf man aber nicht vergessen, daß die Streikenden furchtbar gereizt worden sind! Das Auftreten der Arbeitswilligen als Revolverhelden und Prügeltruppe hat naturgemäß böses Blut gemacht, sodaß es, wenn auch nicht entschuldbar, so doch menschlich immerhin begreiflich ist, ivenn ein Streikender gegenüber einem Arbeitswilligen eimnol nicht die nötige Ruhe bewahren kann. Nach den Mitteilungen einer Korrespondenz ist die Polizei schon eifrig dabei, dem schauerlichen Femgericht nachzuforschen, das nach dieser Korrespondenz noch in drei Fällen„Verurteilungen" zu Prügel st rase— freiem Mittagessen und Geld- Unterstützung ausgesprochen- haben soll! Der helle Blödsinn steht dieser Meldung an der Stirn ge» schrieben. In der Gastwirtschaft von Pilz sind denn schon einige Per- Haftungen von Äreikenden in der Affäre vorgenommen. Die gerichtliche Untersuchung wird sicherlich zeige», daß an dem Schwindel bestenfalls ebensowenig Ivahr ist, wie an der Meldung von den Blutströmen, die nach den paar Ohrfeigen geflossen sein sollen, die der Arbeitswillige Wellschmidt erhalten hat. Angebrachter wäre eö jedenfalls, wenn die Polizei den Eifer,' den sie hier entwickelt hat, an die Aufklärung des furchtbaren Falles Zolchow wenden wollte, den wir gestern hier mitteilten. Niemand, auch die Polizei nicht, hat unserer Meldung widersprochen! Man kann es nicht, denn»lau weis-, gast sie Wort für Wort der Wahrheit entspricht. Es ist Tatsache, daß wehrlose Personen de,, Arbeitswilligen zum Berprllgcln vorgeworfen worden sind, daß sie von diesen Rohlingen halbtot geschlagen worden sind! Es sind uns inzwischen noch mehrere derartige Fälle mitgeteilt worden, und unsere Recherchen haben ergeben, daß diese Darstellungen, die sich schier unglaublich anhören, grausame Wirklichkeit wiedergeben! Was hat, so mutz man angesichts dessen fragen, das Polizei- Präsidium getan, die Schuldigen im Falle Zolchow festzustellen? Was wird es tun, um festzustellen, wer diese bestialischen Aus- schreitungcn auf dem Gewissen hat, denen gegenüber dis paar Ohr- feigen, die ein durch diese entsetzlichen Geschehnisse erbitterter Streikender einem Arbeitswilligen versetzte, verschwinden wie ein Maulwurfshügel neben dem Chimborassol Das Blut stockt dem Kulturmenschen, Ivenn er sich vergegcn- wärtigt, was deutschen Bürgern des Jahrhunderts unter den Augen von Polizeibeamten angetan werden konckte! Aus dem Altertum find uns die entsetzlichen Grausamkeiten der römischen Herrscher überliefert, die Sklaven wilden Tieren vorwerfen ließen! Ist die Tatsache, daß man wehrlose Personen den Knütteln der Arbeitswilligen auslieferte und sie in entsetzlicher Weise verprügeln ließ, weniger gräßlich? Fürwahr, wir finden keinen großen Unterschied! Noch einmal: wir verurteilen, daß dem Arbeitswilligen Well- schmidt ein paar Ohrfeigen versetzt wurden, aber im letzten Grunde tragen jene daran dir Schuld, die durch die Duldung der Greuel der Arbeitswilligen die furchtbare Erbitterung gesät haben, die den Fall Wellschmidt zeitigte! Die Verhaftungen in der Wirtschaft pilz. Ueber die ofecn schon gemeldeten Verhaftungen tvird uns noch Mitgeteilt: In der sechsten Mendstunde gestrigen Tages besetzten Polizes- beamte in Zivil und Uniform das«chanklokal von Pilz, Rostocker Straße 28, und stellten sämtliche'Gäste fest, um dann unter Assistenz vorn 4 Kupferschcn Arbeitswilligen eine Auslese zu halten. 5 bis 6 Gäste, die von den Arbeitswilligen bezeichnet worden waren, wurden dann samt dem Inhaber des Lokals, Pilz, verhaftet und nach der Polizeiwache gebracht, nachdem die Beamten sämtliche Schank- und Wohnräume und selbst den Keller eingehend durch- sucht und auf dem Papier einen Plan von den Räumlichkeiten ent- worscn hatten. Der Frau Pilz ließ die Polizei sagen, daß, wenn sie ihren Mann nochinal sprechen wolle, sie um die Mittagszeit des nächsten Tages nach der Perlebcrger Straße, Ecke Siathenowcr Straße kommen solle, wo sich das Streillokal befinde. Dort könne sie ihren Mann nochmal sprechen. Mit dem..Streiklokal" ist vermutlich ein von der Polizei eigens für die Erledigung der Moabiter Angelegenheiten errichtetes Bureau gemeint. politilede Öeberfkbt* Berlin, den 6. Oktober 1910. Der dritte deutsche Kolonialkongreft. Das Kougreßfieber greift immer weiter um sich. Den vielen Kongressen aller Art, die zurzeit tagen, hat sich ein weiterer zu- gesellt: Der dritte deutsche Kolonialkongreß: ein wichtiger Kongreß en rn-lsso, denn au ihm nehmen mehr als 1500 Personen männlichen und weiblichen Geschlechts teil. Die Tagung begann heute morgen im Plenarsitznngssaale des Reichstags. Kurz nach 10 Uhr eröffnete Herzog Johann Albrecht zu Mecklenburg, der Regent Braunschlveigs, die Sitzung mit einer langen Begrüßungsrede. Er führte aus: Zum drittenmal ist es mir vergönnt, den Deutschen Kolonial- kongreß zu eröffnen und eine so zahlreiche, glänzende Vcrsamm- lung begrüßen zu dürfen. Durch die Erfolge von 1902 und 190ö ermutigt, hat es die Deutsche Kolouialgesellschaft wiederum unternommen, Sie hierher zu laden. Die Forderung und Ent- toickelung unserer Schutzgebiete, dieses neuen Deutschlands, liegt uns am Herzen. Von 70 Vereine» und Justituten, die den Deutsckien Kolonialkongreß von 1902 veranstaltet haben, ist ihre Zahl in diesem Jahre auf 120 angewachsen. Der Kongreß von 190ö stand rmter dein Zeichen der Wirren und Nöte, von denen unsere afrikanischen Schutzgebiete heimgesucht wurden. Die Fackel des Aufruhrs tobte durch die Lande und viele aussichtsreiche?lrbeit drohte vernichtet zu werden. Damals erhoben unsere Gegner ihre Stimme und erklärten unsere Kolonien für über- ' flüssig und der Opfer an Gut und Blut nicht wert. Heute können wir voll stolzer Zuversicht den Blick aus unsere Schutzgebiete richten. Deutscher Fleiß und deutsche Ausdauer haben die Spiiren des Ausstaudes verwischt, sie haben das Land wieder nutzbar ge- macht und ivir haben das Innere dem Verkehr erschlossen. Es geht in unseren Kolonien mit Macht vorwärts. Natürlich gtbt es so manche schwebenden Fragen zu lösen. Dazu ist ein miiudlicber Austausch auf einem Kongresse wie diesem geeignet. So dürfen wir mit voller Sicherheit erwarten, daß wir auch diesmal unseren Zielen»äherkomnieu zum Nutzen und Besten unserer Kolonien und des mit ihnen vereinten deutschen Vaterlandes. Ich eröffne damit den Kongreg. Darauf erfolgte die Lbsendung des üblichen Huldignngs- telegrammes an den Kaiser, das folgende schöne Fassung hatte: „Dem erlauchten und machtvollen Schirmherrn der deutschen Schutzgebiete entbietet der heute�eröffuete, von 126 gemeinnützigen Vereinen und Instituten veranstaltete dritte Deutsche Kolonial- kongreß ehrerbietigen Huldigungsgruß. Er gelobt, unter Ew. Majestät Führung an der deutschen Uebersee-Kulturarbeit treu mitzuwirken." Daran reihten sich weitere Begrüßungsreden. Im Auftrage der Kaiserin begrüßte Kammerherr vonBehr-Pinnow den Kongreß, im Auftrage des'Reichskanzlers und des Staatssekretärs für das Reichskolonialamt sprach der neuernannte Unter st aatssekretär Dr. Böhmer und für die Stadt Berlin Oberbürgermeister K i r s ch 11 e r. Dann wurde in die Tagesordnung eingetreten: Zuerst sprach der Präses der Hamburger Handelskammer S ch i n ck e I über die Kolonialwirtschaft als Ergänzung unserer heimischen Landwirtschaft. An zweiter Stelle schilderte Professor Dr. H a n S Meyer- Leipzig die Ergebnisse der Expeditionen der landeskundigen Kommission des ReicbSkoloiiialamtes. Und als dritter und letzter Redner der erste» Planarsitznng sprach Graf von Götzen über die Besiedelung in den Kolonien. Die VormittagSsitzuug wurde hierauf geschlossen. Am Nachmittage traten die einzelnen Sektionen zu Sonder- sitzungen zusammen, in denen Vorträge über die geologische Beschaffenheit der deutschen Kolonien, über die V e r- breit ung drr Schlafkrankheit, über die Vestenerung der Eingeborenen, über die Missionsverhältnisse usw. gehalten wurden.__ Die Garde ist nicht zum Totgeschossenwerden da. Während der Befreiungskriege war eine Abteilung der Ver- bündeten in einem Gefecht in schwere Bedrängnis geraten, während weiter rückwärts ein russisches Garde-Kavallerieregiment untätig hielt. Als ein Offizier der sich nur noch mit Mühe haltenden vor- deren Abteilung den Kommandeur des Regiments um Hilfe bat, erhielt er die barsche Antwort:„Die russische Garde ist nicht zum Totgeschossenwerden da!" An diese Affäre wird man unwillkürlich durch die Nachricht erinnert, daß die Kürassiere, weil sie im Felde unbrauchbar sind, endlich abgeschafft, aber das Gardedukorpsregiment, die Leibgarde der Kaiserin und noch ein Leibkchra.s- sierregiment erhalten bleiben sollen. Da es eine Gewissen- losigkeit wäre, das Garde-du-Korpsregiment usw. in Kürassier- ansrüstung ins Felb zu schicken, nachdem man weiß, daß Kürassiere im Kriege nicht mehr verwendbar sind, so bleibt nur der Schluß, daß man die bewußten Abteilungen im Ernstfalle einfach zu Hause lassen will. Es scheinen hier also mehr als zwei noch dazu sehr teuere Kavallerieregimenter lediglich für Parade- und Hofzwecke reserviert zu werden. Einerseits ist die Sache erfreulich, denn sie beweist, daß eine weitere Vermehrung der deutschen Kavallerie ein skandalöser Luxus wäre. Wenn die Militärverwaltung zwei Kavallerieregimenter vom Kriegsdienst entbinden kann, dann braucht sie gewiß keine Vermehrung der Reiterei. Anderer- seits muß man aber gegen die hinter dem Plane st eckende Ver- schwendung der Steuergroschen des deutschen Volkes protestieren. Wünschen die Hohenzollern zwei Kürassierregimenter und eine Schwadron, die dem Volk gar nichts nützen und nur zur Erhöhung des Glanzes des Herrscherhauses da sind, dann mögen sie sie s e l b st bezahlen. Angesichts der hungernden Kriegs invaliden und angesichts der Tat- fache, daß man angeblich nicht einmal Geld für die Sl u f b e s s e- rung der Mannschaftslöhne hat, sollte man Scherze wie die Reservierung zweier Regimenter für den Hofdienst unter- lassen._ Beabsichtigte Turchpeitschung wichtiger Reichstags- vorlagen. Die offiziös gespeisten„Verl. Pol. Nachr." bezeichnen es als höchst wahrscheinlich, daß die Reichsversicherungsordnung vor dein 1. April 1911 nicht fertig gestellt werden kann. Etat und Reichs- berstchenlitgSordiiung werden zusammen mit der Strafprozeßordnung die hauptsächlichsten Gegenstände der ReichStagserörternngen bilden. Au3 dem vorigen Sessionsabschnitt sind noch imerledigt: Das Arbeits» kainmergesetz, HauSarbeilSgesetz und die Geivorbeordnungsnovelle. Dazu kommen neben einer Menge kleinerer Vorlageii das.Kurpfiiicher- und Abdeckereigesetz und das HilfSkassengesetz. Nach Ansicht des ministerielleil Organs kann aber all' das glatt erledigt werden, wenn bei der Mehrheit des Reichstages der feste Wille dazu vorhanden ist, und wenn man vor alle» Dingen dafür sorge, daß uferlose Debatten vermieden werden. Das sei mn so mehr zu ivünschen, als die jetzige Session nicht verlagt, sondern wegen der bevorstehenden Neu» Wahlen auf alle Fälle geschlossen werden müsse. Es wird also wieder das System der Koutingeiitierung der Deballeii wann empfohlen; ein Unfug, gegen den die Sozialdemo- Iratie. ganz entschieden Front mächen tvird. Die bürgerlichen Par- teien haben die Getvohnhett, über ost ganz nebensächliche Dinge nicht nur stunden-, sondern tagelang zu reden. Es braucht bloß einer der Geschäftsführer des Bundes der Landwirte, Hahn oder Roesicke, im Reichstage von irgendeiner Seite angezapft zu werden, und sofort leittn die Herren eine Debatte ein, die mehr oder weniger rein persön- licher Natur ist, dem Reichstage aber eine Menge Zeit kostet. Wenir dann eine Menge Zeit vertrödelt ist, wird festgesetzt, wieviel Tage für die Beratung der einzelnen Materien zur Verfügung stehett; und sobald diese Zeit abgelaufen ist, setzt die Mehrheit des Hauses deu Schluß der Diskussion durch. Wichtige Fragen können auf di»!» Weise im Reichstage gar nicht oder nur sehr mangelhaft behandetr werden. Besonders wird die Beratung der einzelnen Etats über- stürzt. An, besten schneidet dabei die Regierung ab, da sie einer oft notwendigen Kritik entgeht. Wenn tatsächlich die Absicht besteht, in der von den„Verl. Pol. Nachr." empfohlenen Weise zu arbeiten, dann werden diese überaus wichtigen Vorlagen durchgepeitscht, aber nicht beraten. Zur Fleischteuernug. Die Stadtverordnetensitzung in Recklinghausen beschloß auf einen dahingehenden Antrag des sozialdemokratischen Vereins an die zuständigen Staatsbehörden eine Eingabe zu richten, Maß- nahmen zu treffen, die geeignet sind, der herrschenden Fleischnot ein Ende zu machen. Unter anderem soll zwecks Vermehrung des Viehauftriebes eine zeitweise Oeffnung der Zollgrenze beantragt werden. Neue Kolonialiinruhe». Aus Deutsch-Südwestafrika werden neue Unruhen gemeldet. Nach einem Telegramm des Gouverneurs in W i n d h u k reboltierten bei Wilbeliiislal(Südwestafrika) am 4. Oktober TranSkaykaffern der Baufirma für den Umbau der Strecke Karibib-Windhuk. Die Revolte ist sofort mit Hilfe von Militär unterdrückt worden. Zwölf Eingeborene find getötet und zehn verwundet. Für ausreichenden militärischen und polizeiliclien Schutz ist gesorgt. Der nähere Tatbestand ist noch unbekaiint. Eine eingehende Untersuchung ist eingeleitet, Der„Verl. Lokalanz." weiß zu dieser offiziellen Mitteilung zu melden— allem Anschein nach aus dem Bureau der den Bahnbau ausführenden Firma: „Der Umbau der Strecke wird ausgeführt von dem Bau- und Betriebskonsortium Bachstein-Koppel. Die Arbeiten sind vor einein halben Jahre in Augriff genommen und werden im ganzen 8000 Eingeborene dabei beschäftigt. Bis auf einige Hundert, die ans den Eingeborenen der Kolonie selbst entnommen sind, ist der überwiegende Teil ans der Kapkolonie eingeführt. Es steht daher zu befürchten, daß die Sache auch politisch nicht an- genehme Folgen haben tvird, da es sich um englische Untertanen bandelt. Bei Wilhelmstal, Ivo die Revolte entstand, dürfte eine Kolonne von 100 bis 120 Maitn in Tätigkeit gewesen sein. Noch die letzten am Montag mit der Windhuker Post bei der Boufirnia hier eingetroffenen Nachrichten wußten nicht genug das gute Ver» hältnis anzuerkennen, das zioischen der Bauleitung und den an» geworbenen Schwarzen bestand. Es wird in den Berichten hier- über besonders hervorgehoben, wie diese Zufriedenheit in den nach der Heimat gerichteten Briefen zu lebhaftestem Ausdruck gekommen sei. Allerdings habe auch die Firnia sich bemüht, die Leute so zufrieden wie möglich zu stellen und u. a. sogar Nahrungsmittel aus ihren Heimatorten kommen lassen. Man hat daher für diese Vorkommnisse keine Erklärung." Irgend welchen Anspruch auf Glaubwürdigkeit haben diese An» gaben natürlich nicht. Wir haben erst in den letzten Tagen wieder gesehen— bei de» sogenannten Straßenschlachten in Moabit— in welchem Maße die Unternehnrerpresse im Interesse ihrer Gönner offenkundige Tatsachen fälscht. Noch weniger Wert als diese Berichts über Unruhen in der eigenen Stadt habe» natürlich die Meldungen über„Revolten" schwarzer Arbeiter in den südwestasrikanischen Saud- wüsten._ Nicht bestätigt! In der Gemeinde Markgraspietke(Kreis BeeSkow) wurde mit 11 gegen 9 Stimmen der Genosse Otto Graß nick zun, Ge- meindevorsteher gewählt. Das war am 28. August. Jetzt endlich teilt der Landrat des Kreises mit, daß auf Grund des 8 84 Abs. 8 der L a 11 d g e m e i 11 d e 0 r d im 11 g unter Z 11- st im in ung des KreiS- Ausschusses der erfolgten Wahl zum Genieindovorsteher die Zustimmung versa gt wird. Weder der Herr Landrat noch der KreisauSschnß sind in der russischen Provinz Preußen verpflichtet, der Entscheidung Gründe beizugebe».' Der Gewählte ist Sozialdemokrat, also— wird er nicht be- stätigt._ Spanien. Echo der portligiesischen Resolution. Barcelona, 6. Oktober. Gestern abend uin 8 Uhr zogen zahlreiche Gruppen Radikaler durch die Stadt, wurden aber von der P 0 l i z e i z e r st r e u t. £>alkan. Türkische Rüstungen. Konstantinopel, 6. Oktober. Die Pforte hat 80 Millionen Pfund zur Befestigung einiger Küstenpunkte in Tripolis ausgeworfen. Die Lage in Griechenland. Athen, 6. Oktober. Außer den zu den diesjährigen Manövern einberufenen zwei Jahrgängen Reservisten, hat der slriegs- minister die Einberufung dreier weiterer Jahrgänge verfügt. Marokko. Ein neues spanisches Abenteuer? Der Pariser„Matin" läßt sich aus Tanger melden: Ein neues spanisches Bataillon in Kriegsstärke ist in E e u t a ausgeschifft worden, wo die größte militärische Tätig- k e i t herrsche. Nach Meldungen, die von allen Seiten eintrafen, kann man versichern, daß Spanien alle» amtlichen Ableugnnngen zum Trotz, beinahe offen, einen Kriegszug gegen Tetua» vorbereitet, der übrigens von den bedeutendsten spanischen Person» lichkeiten, namentlich von dem Senator Mäestrc, der neulich ton seinem vertrauten Freund E a n a l e j a ö mit einem wichtigen Auf, trag nach Marokko geschickt worden ist, angekündigt wird. 1 OewerhlchaftUcbed« Berlin und Qmgegend. Kampfvorbereitungen der Berliner Metallarbeiter. Seit acht Wochen nimmt der große Kampf zwischen den Werft- Unternehmern und den Arbeitern das Interesse der Oeffentlichkeit in Anspruch. Da es den Unternehmern bisher nicht gelungen ist, die Reihen der kämpfenden Arbeiter zum Wanken zu bringen, haben die Werftbesitzer die Hilfe des Gesamtverbandes der Metall- industriellen angerufen mit dem Erfolg, daß in ganz Deutschland in sämtlichen Betrieben, die dem Verband« der Metallindustriellen angehören, am bevorstehenden Sonnabend, den 8. Oktober, 60 Pro- zent aller Arbeiter und Arbeiterinnen ausgesperrt werden sollen. Zu dieser Drohung des Unternehmerverbairdes nahmen gestern abend die Pevtraucnsmänner des Deutschen Metallarbeiterver- bandes Stellung. Die Versammlung fand im großen Saale der Neuen Welt statt, der bis auf den letzten Platz gefüllt war. Genosse Cohen gab eine zusammenfassende Darstellung von den Ursachen und dem seitherigen Verlauf des Kampfes. Ein Fort- schritt der Position der Arbeiter ist unverkennbar. Bei Einreichung der Forderungen der Hamburger Werftarbeiter lehnten die Unter- nehmer jede Verhandlung ab. Nach einiger Zeit waren sie schon zu Verhandlungen bereit, wollten aber den Arbeitern vorschreiben, in welcher Weise sie bei den Verhandlungen vertreten sein sollten. Nicht nur die Christlichen und Hirsch-Dunckerschen, sondern auch die Gelben sollten nach dem Willen der Unternehmer an den Verhand- lungen teilnehmen. Das lehnten wir natürlich ab. Jetzt haben wir nun die Verhandlungen ohne die einschränkende Voraussetzung und auch die Bereitwilligkeit der Unternehmer, den Werftarbeitern Zugeständnisse zu machen. Bis jetzt ,ist noch nicht bekannt, welches Resultat die Verhandlungen haben werden. Das eine aber ist svir alle Verbandskollegen und die orga- nisierte Arbeiterschaft, der Streikleitung sofort Mitteilung zu machen, wenn bei Kunden, denen bisher die Firma Kupfer u. Co. Kohlen lieferte, andere Fuhrwerke mit Kohlen erscheinen. Hoch die Solidarität! Deutscher Transportarbeiter-Verband. Lohnbewegung der Jnstrumentenarbeiter. In einer am Mittwoch abgehaltenen, nicht sehr gut besuchten Versammlung erstattete Leopold Bericht über den Stand der Lohnvewegung. Zugeständnisse sind, wie der Referent erklärt«, in fast allen Betrieben erreicht worden, was beweist, daß der Zeit- Punkt der Bewegung gut erfaßt war. Es wäre zu wünschen ge- Wesen, daß auch die Verhältnisse in einigen noch sehr zurückstehen- den Werkstätten hätten aufgebessert werden können, was aber dies- mal nicht gelungen sei, jedoch bei der ersten günstigen Gelegenheit nachgeholt werden kann. Zahlenmäßig den Erfolg der Bewegung darzulegen, sei zur Stunde noch nicht möglich, doch wird eine Auf- stellung bald erfolgen. Auf die Aushängung des Tarifs müßten die Kollegen dringen, ebenso, daß die Preise für neue Muster immer gleich hinzugefügt werden. In 84 Betrieben wurden Forderungen gestellt. In 10 Be- trieben ist«in Tag bis vier Wochen gestreikt worden, drei Betriebe befinden sich zurzeit noch im Streik. Die Bewegung ist mit dem derzeitigen Ergebnis noch nicht erledigt, vielmehr behalt die in der letzten Branchenversammlung gefaßte Resolution ihre Gültigkeit. Zum Streik der Chauffeure, Packer, Radsahrer der Handels- gesellschast Deutscher Apotheker, Dortmunder Straße 11/12, ist zu berichten: Der Firma ist es bis jetzt immer noch nicht gelungen, genügend Arbeitswillige zu bekommen. Im gestrigen„Arbeits- markt" des„Lokal-Anzeigers" wurde»„Adler"-Cliausfeure für Kleinauto zum sofortigen Antritt gesucht. Ter eine Wagen der Gesellschaft machte auch am Donnerstag wieder seine Spazier- fahrten in Begleitung von Kriminalbeamten, welche sich die Livreen der Gesellschaft angelegt hatten. Im übrigen wurden wieder durch folgende Kraftdroschken Lastfuhren gemacht: 9526, 8633, 8640, 8624, 8658, 8714, 8881, 3083. 9872, 9564. Die Hausdiener- und Packerarbeitcn werden notdürftig durch kaufmännische An- gestellte verrichtet. Als Mitfahrer, zum Bestellen der Pakete und Kisten, fungieren hauptsächlich die Herren Stock alias Wolf, Arlt, Glücksmann, Franke und Z i s l e w i tz. In der letzten Nummer der„Deutschen Apotheker-Zeitung" befindet sich ein Bericht von der am 29. September stattgcfundenen Versamm- lung des„Berliner Apothekervereins", in welcher Herr Hagen- b e ck, Direktor der Handelsgesellschaft Deutscher Apotheker und Besitzer der Apotheke Frankfurter Allee 190,„sehr interessante Auf- schlüsse über die Entstehung des Streiks gegeben" und die Mit- teilung gemacht haben soll,„daß das Ende des Kampfes bald ge- kommen sein würde". Hoffentlich hat Herr Hagenbeck nicht unterlassen, den Herren, die selb st sehr straff organi- s i e r t sind, zu sagen, daß die Firma auf Drängen des Bolle- schen Arbeitgeberverbandes den Arbeitern das Koali- tionsrecht durch den famosen 101-Mark-Passus illusorisch machen wollt«. Wir bitten nach wie vor, Zuzug streng fernzuhalten. Deutscher Transportarbeiterverband. Bezirk Groß-Berlin. Achtung, Steinarbeiter! Laut Versammlungsbeschluß hat am Montag, den 10. Oktober, eine allgemeine Bücherkon- trolle stattzufinden. Die Kollegen werden ersucht, ihre evtl. Reste, inkl. Extrasteuer, umgehend zu begleichen und dafür Sorge zu tragen, daß die Kontrolle auf sämtlichen Arbeits- stellen strikte durchgeführt wird.— Das Verbandsburcau, jetzt Engelufer 15, Gewerkschaftshaus, Aufgang A, Zimmer 7a, bleibt Ferien halber vom 9.— 16. Oktober geschlossen. Dringende Ange- legenheiten werden in der Zwischenzeit von den Seitionsleitern erledigt und zwar: für die Sektion I vom Kollegen Karl Franke, Rixdorf, Steinmetzstr. 46, Quergb. I, für die Sektion II(Marmor- arbeiter) vom Kollegen Arthur Zunk, Rixdorf, Thomasstr. 35 III. Zentralverband der Steinarbeiter. Ein Streik der Bollejungen ist gestern morgen ausgebrochen. Von den 1250 Angestellten der Meierei C. Bolle haben am Donnerstagmorgen 250 die Arbeit niedergelegt. Die Austräger, zumeist Burschen im Alter von 15 bis 17 Jahren, waren am Mittwochmorgen bei der Firma um eine Gehaltserhöhung eingckommen, die ihnen auch teilweise bewilligt wurde. Sie glaubten aber, daß sie durch einen Streik ihre Forde- rungen völlig durchsetzen könnten. Die Firma C. Bolle hat be- schlössen, diejenigen Ausständigen, die bis zum Freitagmorgen die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben, aus ihrem Dienste zu entlassen. Organisiert sind die jungen Leute leider nicht. Achtung, Töpfer! Wegen Beschäftigung von Unorganisierten verhängen wir hiermit über die Firma A. Rüstemeher und G. Carls die Sperre. In Frage kommt der Bau Lichterfclder Straße in Südende.— Die Lotalisten arbeiten weiter. Die Verbcmdsleitung. Geschäststutscher. Die Kutscher und Arbeiter der Deutsch- Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft zu Stettin befinden sich seit dem 4. d. M. wegen Lohndiffcrenzen im Streik. In Berlin sowohl wie in Lichtenberg befinden sich Filialen dieser Gesellschaft. Wir bitten die Arbeiterschaft, insbesondere die Geschäftskutschcr, die Streikenden in ihrem Kampfe moralisch zu unterstützen und jedes Arbeitsangebot der Gesellschaft nach Stettin strikte a�u- lehnen. Deutscher Transportarbeiter-Verbmid. Bezirk Groß-Berlin. Die blamorenen Christen. Wie erinnerlich, rückten die Zechengcwerkvereinler vor der Sicherheitsmännerwahl plötzlich mit dem famosen„Heinrichbrief" hervor, der, wie sie angaben, von einein Vertrauensmann und Führer des Verbandes in Dortmund geschrieben sein sollte. Als das„Bochumer Volksblatt" die ganze Sache als einen plumpe» Schwindel bezeichnete und erklärte, daß die Handschrift des christlichen Gewerkvereinsangestellten Hüskes mit der Hand- schrift eine frappierende Aehnlichkeit. aufweise, spielten die Christen die Entrüsteten und erklärten,„Klage gegen das Volks- blatt" eingereicht zu haben. Die bereits eingereichte Klage blieb aber aus. Nunmehr veröffentlichen sie im„Bergknappen" eine Belohnung von 1960 Mark demjenigen, der ihnen den Schreiber des Briefes bringt. Kann man sich noch mehr blamieren? oeutfekes Reich. Die Buchbinder in Frankfurt a. M. sind in eine Tarisbewegung eingetreten. Sie haben den Arbeitgebern einen neuen Tarif«in- gereicht, der u. a. diese Forderungen enthält: Festsetzung der tag- lichen Arbeitszeit auf 0 Stunden, Samstags und an Vorabenden von gesetzlichen Feiertagen 8 Stunden; Bezahlung der Feiertage; Gehilfenlöhne 21— 27 Mk.. Arbeiterinnenlöhne 9—16 Mk. pro Woche; prozentuale Zuschläge; Regelung der Akkord- und Ueberstunden- arbeit insofern, daß bei Akkordarbeit der Wochenlohn garantiert werden muß und für Uebcrstunden ein Zuschlag von 15—25 Pf. für Arbeiter und 8—15 Ps. für Arbeiterinnen gewährt wird. Zur Regelung cvent. Streitigkeiten soll ein Tarifschiedsgericht eingesetzt werden. Für die Kartonnageindustrie wurde ein beson- derer Tarif aufgestellt, der eine Arbeitszeit von 55 Stunden pro Woche und folgende Löhne vorsieht: Zuschneider 22— 27 Mk.; Tischarbeiter 19—25 Mk., Hilfsarbeiter 15— 21 Mk., Arbeiterinnen 9 bis 14 Mk._ jckuaUnd. franzörifcber Gewcrhrcbaftskongrcß. ZweiterTag. Toulouse, 4. Oktober.(Eig. Ber.) Die Manoalsprüfungskommission legt folgenden Bericht vor. Vertreten sind auf dem Kongreß 43 Verbände und 4 nicht an Ver- bände angeschlossene„isolierte" Gewertschaften, 86 Arlieitsborsen und 1105 föderierte Gewerkschaften— im ganzen 1238 gültige Mandate. Die Vormittagssitzung ist mit einer äußerst konfusen Dis- kussion über bestrittene Mandate ausgefüllt. M e t i r i« r fordert, die Organisationen, die die„Voix du Peuple" nicht abonniert haben, vom Kongreß auszuschließen. Andere Redner� verlangen strenge Anwendung der dreifachen Statutcnvorschrift: Zugehörigkeit zur Föderation, zur Arbeits- börse und Abonnement d«S KonföderationSorganI. Nach lang» Debatte wird der Antrag angenommen, die Statutenbestimmungew über die Zulassung strikt anzuwenden. Der Vorsitzende Ricordeau(Erdarbeiter, Paris) erklärt: Die Nichtzulassung ist also bewilligt. Damit Ivären Hunderte von Mandaten für ungültig erklärt. I v e t ö t(Sekretär der Sektion der Arbeitsbörsen) sagt: Man weiß nicht, was man sagt und tut. Und die Spezialoebattc über die strittigen Mandate beginnt von neuem. Der Vertreter der Pariser Konditoren, die vom Gewerkschafts- verband der Seine ausgeschlossen worden sind, weil sie seinem Beschluß entgegen die staatliche Subvention angenommen haben, erklärt, daß mit dieser Motivierung ein grotzer Teil der auf dem Kongreß vertretenen Organisationen ausgeschlossen werden könnte. D'elpech(Verband der Seine) setzt auseinander, im Seine-De- partement sei der Fall ganz anders als in der Provinz, wegen der von der Präfektur beanspruchten finanziellen Kontrolle der Organisationen der Arbeitsbörse. Die drei Pariser Organi- sationen, die die Subvention bezogen haben— außer den.Konditoren die Präparatoren der Apotheken und die Kaffeehauslellner — werden schließlich nicht zugelassen. Nachmittags sitzung. Am Beginn der Rachmittagssitzung wird eine Resolution, die von der gestern vom Genossen Sassenbach überbrachte,, Ein- ladung der deutschen Gencralkommission zur Entsendung einer Delegation der französischen Organisationen nach Deutschland Kenntnis nimmt und das Konföderationskomitee beauftragt, sich mit der Generalkommission zur Bestimmung der Details dieser internationalen Friedensdemonstration ins Einvernehmen zu setzen, mit Akklamation angenommen. Die Verhandlung über die bestrittenen Mandate geht stunden» lang weiter. Es kommt zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen F r a n ch e, dem Delegierten der von der Föderation der NahrungS- mittelarbeiter ausgeschlossenen Pariser Köche, und dem früheren Föderationssekretär Bousquet. Bei der Abstimmung, die zu» nächst zweifelhaft erscheint, entsteht ein furchtbarer, andauernder Tumult. Bei ihrer Wiederholung ergibt sich eine bedeutende Mehrheit für die Ausschließung. Die unverkennbare, bei ver» schiedene Formen sich äußernde Animosität der Revolutionär- syndikaliften gegen die Nahrungsmittelarbeiter ist nicht ohne Zu» sammenhang mit der Haltung dieser Gewerkschaft bei der seiner- zeitigen Wahl in der Konföderation, die den Reformisten Niel und T H i l zum Sieg verhalf. Es ist bald 5 Uhr und die Diskussion geht noch immer weiter, von einem„Fall" zum andern. Es werden sogar noch neue Mandate angemeldet. Der Berichterstatter ruft verzweifelt:„Je weiter wir verhandeln, desto mehr geraten wir in die Inkohärenz" — ganz wie Clemenceau. i Es kommt zu einem charakteristischen Zwischenfall. Der sozialistische Berein von Toulouse hat die Kon- gressisten zu einem Punsch eingeladen. Ein Teil der Versammlung unterbricht die Vorlesung der Einladung mit heftigen Zwischen- rufen— der revolutionär-syndikalistische Eisenbahner Bidament- rust: Werft sie in einen Sack mit den Radikalen! Niel' (Neutralist und Parteimitglied) erklärt, daß die Einladung den Kongreß als solchen nicht interessiere. Man ist schließlich so liberal, den einzelnen Kongressisten den Besuch nicht zu verbieten.... Fünf Uhr ist lange vorüber, als Jouhaux(Sekretär der Sektion der Verbände) das Wort zum Bericht des Vorstands und des Verbandsorgans erhält. Er beantragt die Wahl einer Kam» Mission von 21 Mitgliedern zur Beratung der Statutenänderung und einer anderen für die Kontrolle. M a n a u und Blanchard fordern Berichterstattung über die Affäre des Vcrbandshauses, in die bekanntlich Griffuclhes verwickelt ist. L e v y protestiert gegen weitere Vertagung der Angelegenheit, die administrativen, mit dem Gegen» satz der"Tendenzen nicht zusammenhängenden Charakter habe. C l e n e t(Handclsangestellter, Ncutralist) wünscht eine spezielle Konferenz im nächsten Jahre für die Beratung der Statuten» ändeningen. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Reformisten abgelehnt. Angenommen wird der Antrag Jouhaux. Die Affär« des Verbandshauses wird voraussichtlich doch noch im Plenum ver» handelt werden. Wie Jouhaux in Aussicht gestellt hat, kann jm einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Tie Aussperrung in der englischen Baumwollindustrie i wird, wie das Wolfsche Telegraphenbureau aus London meldet, am Montag aufgehoben werden. IUt2te ffoebrlehten. Vom Schauplatz der Revolution. Madrid, 6. Oktober.(W. T. B.) Bor der Redaktion de» Zeitung„Mamikuia" ist eine Tepcscho angeschlagen worden. welche besagt, Llönig Manuel habe sich in die englisch« Gesandtschaft geflüchtet. Die provisorische Regierung hat dem Volke geraten, dem abgesetzten KönigKhause ein ehrenvolles Angedenken zu bewahren. Tie Republik ist in Oporto» Coimbra, Braga und Eftremoz ansgerufeu worden. Bernar» dino Machado bereist die Städte und Landgemeinden und rät der Bevölkerung, sich ruhig zu verhalten. Nach Lissabon werden nur die Truppen hereingelassen, welche auf die Seit« der Revolution treten wollen. Madrid, 6. Oktober. Ein Angestellter der Bahn Madrid— Caceros berichtet, daß die Eisenbahnzüge Lissabon immer noch nicht erreichen, sondern in Billafranca angehalten werden. Opfer der Bergungsarbeiten. Essen a. d. Ruhr, 6. Oktober.(W. T. B.) Bei den BergungS- arbeiten auf Zeche Friedrich und Ernestine hat ein Mann der BergungSkolonne das Leben eingebüßt. Ein zweiter von den drei Verschütteten ist als Leiche aufgefunden worden.(Eiche auch unter Nachrichten aus aller Welt.) Massnahmen gegen die Fleischnot in Oesterreich. Wien» 6. Oktober.(W. T. B.) Die Regierung hat die Einfuhr einer Probesendung von 25 000 Kilogramm argentinische» Fleisches gestattet. Ein Kohlenbergwerk in Flamme». Wie eine Meldung aus Tanville besagt, steht das„Harte- Horn" in Flammen. 150 Bergleute befinden sich noch unter Tage. Bis zur Stunde liegt eine Meldung über das Schicksal der in der Grube befindlichen Bergleute noch nicht vor. Ein russischer Höhenflugrekord. Petersburg, 6. Oktober.(W. T. B.) Oberstleutnant O d i n z o w und Ingenieur R h n i n, welche am Dienstag- nachmittag vom hiesigen Flugplatz im Freiballon aufgestiegen waren, telegraphierten von der Station Baertsilae an der Strecke Wiborg-Joensu in Ostfinnland, daß sie nach neunzehnstündiger Fahrt gelandet seien. Sie haben mit Er- reichung von 6359 Meter einen russischen Höhenrekord aufgestellt. Veraww.RedakL.! CorlWermuth, Berlin-Rixdorf. Jnseratcverantw.:ZH.Glodc. Berlin. Druck u.Verlqg:VorwärtsBuchdr.u.Perlag»anstait'VaulSi»gerScCo., Berlin L1V. Hierzu 3 Beilagen«.NntcrHaltnngsW. Nr. 235. 27. Jahrgang. 1. Ktiluge iles jOTiirtf Kerlim WIKsdlR fitifuj, 7. Vkkbet IM. StsStverorckneten- Versammlung. 27. Sitzung vom Donnerstag, den 6. Oktober, nachmittags S Uhr. Vorsteher Michelet eröffnet die Sitzung nach 5Vä Uhr mit der Mitteilung, daß der in voriger Sitzung zum besoldeten Stadtrat gewählte Bürgermeister Sau sse- Elbing die Wahl ange- nommen hat. In der gemischten Deputation zur Erörterung der Frage einer cvent. Zuwendung an die Berliner Kriegsveteranen ist die sozialdemokratische Fraktion durch die Stadtvv. Borgmann und Bruns, in derjenigen zur Beratung von Maßnahmen gegen die Fleischteuerung durch die Stadtvv. Borgmann und T o l k s d o r f vertreten. Eine Reihe von Petitionen wegen Niederschlagung von Umsatzsteuer soll nach dem Ausschußantrage dem Magistrat zur Erwägung überwiesen werden. Wie der Referent Stadtv. Ewald(Soz.) bezüglich der Petition des Kunsthändlers Karl Schröder betr. das Grundstück Soldiner Straße 19 ausführt, soll dieser Antrag den Sinn haben, dem Petenten event. Ratenzahlung zu gestatten. Die Versammlung tritt ohne Debatte dem Ausschußantrage bei. Das bestehende System der„N e b e n k l a s s e n für schwach- sinnige Gemeindeschulkinder" will der Magistrat mit dem 1, April 1911 beseitigen und an seine Stelle eine Organisation selbständiger Hilfsschulen treten lassen. Er legt den Entwurf der neuen„Bestimmungen über den Unterricht in den Berliner Hilfsschulen" vor. Dieselben sollen in der Regel eine Vorklasse und fünf aussteigende Klassen erhalten; die Kelter der Hilfsschulen sollen die Leitungsbefugnisse der Rektoren ausüben und die Funktionszulage von 699 M. soll pcnswnSfähig gemacht werden. Stadtv. Schulze(A. L.) beantragt Ausschußberatung zur noch- maligen Erörterung der Frage, ob die in Aussicht genommene Klassenfrequenz nicht noch zu hoch ist und ob es wirklich unumgäng. lich ist, selbständige Schulsysteme zu schaffen. Stadtv. Dr. Zadel(Soz.): Der Magistrat, der ja erst sehr spät und nach Vorantritt vieler anderer Kommunen an die Schaffung von Nebenklassen ging, hat in den 12 Jahren seitdem die besten Erfahrungen damit gemacht. Ten neuen Entwurf können wir aber doch wcchl nicht so unbesehen hinnehmen. Eigentlich hätte der Magistrat nach seiner eigenen Darstellung zu einem etwas anders gearteten Ergebnis kommen müssen. Die Motive unterscheiden ganz richtig zwischen Kindern, welche von Hause aus so minderwertig find, daß schon sehr bald die richtige Diagnose gestellt werden kann, und anderen Kindern, bei denen diese zu stellen tatsächlich erst nach zwei Jahren möglich ist. Dennoch ist für alle Kinder ein„min- bestens einjähriger" Aufenthalt in der Nornialschule vorgesehen. Die erstger>annte Kati�ori« muß auf diese Weise ganz nutzlos 1—lVa Jahre in der Gemeindeschule verbleiben und bildet dort lediglich ein Hemmnis für die anderen; diese Kinder geHöven oben durchaus in die Vorklasse hinein, von der aus sie dann entweder in die Normal- oder in die Hilfsschule zu bringen sind. Die Kinder in den Vorklassen genießen den außerordentlichen Vorzug einer geringen Klassenfrequenz, die die Berücksichtigung der Jndividuali- tat ermöglicht.(Andauernde große Unruhe, die das Verständnis der Ausführungen des Redners sehr erschwert.) Auch diese Vor- läge könne wieder zum Beweise dienen, wie die Schaffung von Kinderhorten, Waldschulen usw. durchaus zu den Aufgaben der Kommune gehöre. Zur Leitung solcher Hilfsschulen sollten auch Lehrerinnen bestellt werden; und gerade für verheiratete Lehrerinnen, die bisher sehr zu Unrecht von der Lehrtätigkeit aus- geschlossen seien, biete sich hier ein Feld der Betätigung. Stadtschulrat Dr. Fischer: Der Vorwurf, daß Kinder, die nach dem Urteil des Schularztes nicht geeignet sind, in der Normalschule -vorwärts zu kommen, doch dahin geschickt werden und erst nach einem Jahr in die Vorklasse kommen sollen, ist unberechtigt. Die zur Entscheidung berufenen Instanzen sind sich darüber einig, daß diese Entscheidung sehr schwierig ist; überall, wo Hrlssschulen be° stehen, wird diese Entscheidung erst nach zwei Jahren getroffen. Tatsächlich können übrigens unter Umständen auch aus der siebenten oder sechsten Klasse Kinder in die Vorklasse gesetzt werden. Lehrerinnen halte auch ich für die Leitung solcher Schulen für durchaus geeignet; mit den verheirateten hat man aber z. B. in Oesterreich ermutigende Erfahrungen nicht gemacht. Stadtv. Dr. Zadel: Ich wünsche nur. daß nicht schematisiert wird. Kinder, die von vornherein idiotisch sind, gehören unter keinen Umständen in die Normalschule. In dem„m i n d e st e n s ein Jahr" in den„Bestimmungen" liegt die Gefahr, die ich beseitigt haben will. Stadtv. Cassel erkennt in den Ausführungen Zadels einen berechtigten Kern an; der Anregung wäre im Ausschusse weiter ngch- zugehen. Die Vorlage wird hierauf einem Ausschüsse überwiesen. kleines feuilleton. Die Stadt der Revolution. Lissabon,� Portugals Haupt stadt an der Tejomündung, das jetzt die Stätte des siegreichen VolkSaufstaudes geworden ist, hat schon vielerlei Zerstörungen und furchtbare Unglücksfälle erlebt. Im 19. Jahrhundert, wurde die von den Arabern Aloschbuna genannte Stadt vollkommen zerstört und war, als sie die„Ungläubigen" wieder aufgebaut hatten, der Mittelpunkt zahlloser Kämpfe, bis sie endlich Alfons l. von Portugal mit Hilfe der Kreuzfahrer für immer den Händen der Mohamme- daner entriß. Die christliche Hauptstadt brachte dann das Erd- beben von 1344 und die Pest von 1348 wieder der Vernichtung nahe; Heinrich II. von Castilien plünderte und verbrannte den unteren Teil der Stadt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts kam mit der höchsten EntWickelung der seefahrenden Portugiesen mich die schönste Blüte Lissabons als der ersten Handelsstadt der Welt. Doch alle Herrlichkeiten und Schätze der Architektur und Kunst, die damals aufgehäuft wurden, erlagen dem furchtbaren Erdbeben vom 1. November 17Sö. das zwei Drittel der Stadt völlig dem Erd- boden gleichmachte und in ganz Europa das größte Mitgefühl mit Lissabon hervorrief. Nur das östliche Lissabon ist von diesem ErL- beben verschont geblieben und erinnert, wenigstens in seinem un teren Teil Alfama, mit seinem Gewirr enger Gäßchen und alter Häuser an die große Vergangenheit, vom Zeitalter der Entdeckungen bis zu den Tagen der Mauren und der alten Römer. Das neu« Lissabon, wie es nach 173£5 durch die großartige organisatorische Kraft von Portugals bedeutendstem Staatsmann Pombal aus Schutt und Trümmern hervorstieg, ist eine der schönsten Hafen- Plätze der Welt. In einer Länge von 6 Kilometern entfaltet sich die Stadt, an der Meeresküste entlang amphitheatralisch auf- gebaut, auf den zahlreichen Hügeln, die sich in sanften abwechsc- lungsreichem Linienschwung erheben. Wundervoll ist der Anblick dieser vier Stadtviertel, die sich in der herrlichen Umrahmung einer üppigen Vegetation zu einem blühenden Ganzen vereinen. In der Sonne leuchten dann aus dem Grün die alten Türme, vor allem der gewaltige Torre de Bclem in seinem maurisch. gothischen Schmuck die vielen schönen Kirchen. Ueberall flimmern die Azulejos hervor, dj« bunten Fayencen, die den eigenartigen Schmuck der Häuser bilden. Lissabon ist in neuester Zeit zu einer großen Lagerfestung ausgebaut worden. Diese Festungsanlagen, die besonder? an der Tejomündung sehr stark sind, haben in den jüngsten Kämpfen der- mutlich eine große Rolle gespielt. Das königliche Schloß, der Paqo das Neccssidades, mit seinem weiten Park und der Schloßkirche, das nicht allzu weit von dem Hafen liegt, ist der Zielpunkt, auf den das Bombardement gerichtet war. Die beiden anderen von Die ehemalige Hedwigspfarrschule, jetzt 72. G e- meindeschule, und die 14. Gemeindeschule in der Kessel- straße sollen als selbständige Schulen eingezogen werden. Die katholische Schule soll als Filiale der ebenfalls nur sehr schwach besetzten 16. Gemeindeschule fortbestehen. Stadtb. Dr. AronS(Soz.): Wir beantragen Ausschußberatung. Der Vereinigung der Hedwigspfarrschule mit der 16. Gemeinde- schule stellen wir keinen Widerspruch entgegen. Nicht ausreichend aber erscheint uns die Begründung für die Zlbsicht der Einziehung der Schule in der Kesselstraße; jedenfalls sind in den benachbarten Schulen keineswegs so viel freie Plätze vorhanden, als die Ein- Ziehung der 16. Schule erfordern würde. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Am 39. Juni d. I. nahm die Versammlung den Dringlich- keitsantrag Dr. Arons(Soz.) an, der den Magistrat er- suchte, mit dem Polizeipräsidium wegen Aufhebung der Genehmi- aung des Apothekenschlusses während der N a cht in Ver- Handlung zu treten. Der Magistrat teilt unterm 19. September mit, daß er einstweilen von weiteren Schritten absehen und erst abwarten will, ob weitere berechtigte Klagen des Publikums sich er- geben werden. Dem Polizeipräsidium seien neuerliche Beschwerden auch nicht bekannt geworden. Ohne Debatte nimmt die Versammlung von der Vorlage Kenntnis. Vom 1. April 1911 ab soll das L u i s e n stä dt i sch e Gym- nasium aus der Luisenstadt nach dem Schönhauser- Tor-Vtertel unverkürzt allmählich und klassenweise ver- legt werden und zwar zunächst in das Chorinerstr. 74 belegene Schulhaus; später soll es seinen Platz auf dem städtischen Gelände in der Kopenhagen er Straße erhalten. Um die eventuelle Umwandlung in ein Realg y m nasium vor zubereiten, soll von Untertertia ab neben dem Griechischen englischer Ersatzunterricht eingerichtet werden. Von der Alten Linken und von den Sozialdemokraten liegen Anträge auf AuSschußbeoatung vor. Stadtv. Dr. Arons betont, daß der Antrag seiner Freunde sich hauptsächlich gegen die Absicht der Beibehaltung der Vorschule richte. Stadtv. Rumann(A. L.) hält den Magistratsantrag für über- aus anfechtbar. Es sei ganz unklar, weshalb gerade dieses Gym- nasium daran glauben solle. Viel zweckmäßiger wäre die Ein- zichung des an der Grenze des Stadtteils gelegenen Köllnischen Gymnasiums, das nur 62 Schüler mehr habe und dessen Bau sich für die künftige Stadtbibliothek vorzüglich eigne. Auch solle man sich doch nicht jetzt schon auf das Terrain an der Kopcnhagener Straße festlegen. Stadtschulrat Michaelis sucht die Vorlage zu rechtfertigen Das Luisenstädtische Gymnasium habe den stärksten Frequenz- rückgang aufzuweisen; ein Bedürfnis für die Anstalt sei in ihrem Rayon nicht mehr vorhanden. Es sei die höchste Zeit für die Ver- legiing. Das Bedürfnis einer höheren Lehranstalt für die äußere Schönhauser Vorstadt sei unbestrcitibar. Geplant sei andererseits die Verlegung der Friedrichswcrderschen Oberrealschule nach dem Südwesten und die Schaffung eines Reform-Realgymnasiums mit einer weiteren Obcrrealschule in Moabit. Stadtv. Cassel äußert sich wesentlich im Sinne der Aus- führungen ges Magistratsvertreters und behält die Prüfung der Einzelheiten dem Ausschüsse vor. . Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 1b Mitgliedern. Die Vorlage, welche die Herausgabe eines Altar- bildes aus der Anstaltskirche des ehemaligen evangelischen Johannis st ifts zu Plötzensee an das Kuratorium des Stifts zum Gegenstande hat. erklärt Stadtv. Lentz(A. L.) ablehnen zu müssen. Es wird Ausschußberatung auch für diese Vorlage beschlossen. Die Rachtragsforderung von 59 999 M. für den E r w e r b des Seerestaurationsgrundstücks in Rei nickendorf, wofür 1007 bereits 300 999 M. bewilligt worden waren, hat der eingesetzte Sonderausschuß zu genehmigen be. antragt. Ohne Debatte stimmt die Versammlung zu. Der Rechnungsausschuß hat über eine lange Reihe von Rechnungen und Rechnungsvorlagen Bericht erstattet. Die Prüfung der Baurechnung über die Zentral-Dispensier-Anstalt in Buch hat ihm zu folgendem Antrag Veranlassung gegeben: Die Versammlung ersucht den Magistrat, zu bestimmen, daß die von der Versammlung nachträglich bewilligten lieber- schreitungen von Kostenanschlägen nicht zur nachträglichen Erhöhung des Ausgabesolls verwendet werden dürfen, sofern es sich nicht um nachträglich bewilligte Projektänderungen handelt. Nach kurzer Debatte, in der Kämmerer Dr. Steiniger den Antrag für dem Grunde nach berechtigt, aber für zuweitgehend erNärt. wird dieser dem Ausschusse zur nochmaligen Erörterung zurückgegeben. Im Uebrigen gelangen die Anträge de» Ausschusses durchweg ohne Debatte zur Annahme. Schluß der öffentlichen Sitzung gegen Uhr. den früheren Kintgen bewohnten Schlösser, die in dem Stabtöffd i Dann nimm doch mehr Mchorie Lissabons auffallen, sind der Paqo be Belem und das imposante Ajuda-Schloß, das sich mitten in dem herrlichen botanischen Garten erhebt. Lissabon ist auch heute noch ein wichtiger Handelshafen. der besonders den Verkehr mit Europa und Sudamerika vermittelt. Die Flaggen von England, Deutschland. Frankreich dominieren im Hafen über die von Portugal. Eltern im Kinbeöalter. Im Orient werden die Menschen sehr viel früher heiratsfähig und gehen infolgedessen oftmals auch in erstaunlich jungem Alter Ehen oder solche Verhältnisse, wie sie nach dem Stande der Kultur des betreffenden Volkes an deren Stelle treten, ein. Besonders bekannt sind diese Zustände von Indien her, wo sie sich allmählich zu einer Art von sozialer Gefahr -entwickelt haben, s« daß die regierenden Behörden ihnen entgegen zu arbeiten beschlossen haben. Gewöhnlich wird angenommen, daß diese Erscheinung auf ein tropisches oder subtropisches Klima be- schränkt ist. Diese Regel scheint aber zum mindesten in vereinzelten fällen Ausnahmen zu erleiden, denn vielleicht das merkwürdigste Beispiel einer Frühheirat, das jemals mit Sicherheit ermittelt worden ist, hat der„Lancet"-Korrespondent in Peking jetzt in einer Gegend von China ausfindig gemacht, die in ihrem Klima durchaus nichts Tropisches hat. Dort gibt es also ein glückliches Elternpaar, das nach dem Geburtsregister 9 bezw. 8 Jahre alt ist. Da aber in China der Brauch besteht, den Kindern bei der Geburt ein Alter von einem Jahr beizulegen, so würde nach unserer Rechnung der männliche Teil dieses Paares erst 8, der weibliche erst 7 Jahre alt sein. Das Wunder kam zur Kenntnis des europäischen Arztes bereits in sehr bestimmter Form, nämlich mit voller Ziamens- und Ortsangabe und auch unter Hinzufügung einer Photographie, auf der die siebenjährige Mutter ihr Kleines, das bei der Geburt un- esähr einen Fuß lang war, sAbst nährt. Immerhin scheint der Fall selbst in China erhebliches Aufsehen erregt zu haben, weil der Gouverneur der nordchinesischen Provinz Schansi, wo das Er- eignis eingetreten ist, einen amtlichen Bericht darüber nach Peking geschickt hat. Außerdem hat der deutsche Arzt durch einen chinesi- scheu Freund noch besondere Nachforschungen anstellen lassen, die zu einer vollen Bestätigung aller erwähnten Angaben geführt haben. In der medizinischen Literatur wurde bisher nur eine Mutter von 9 Jahren, aber niemals ein annähernd so junger Vater erwähnt. Humor und Tatire. Alles wird teurer! Da« Prinzip. Der Angestellte: Bis wie weit kann man diese Preise steigen lassen?— Der Prinzipal i Bis wir den ersten Pflasterstein im Schaufenster haben. Der„echte" Kaffee. Er: Ich kann den Kaffeepreis nicht wester steigern; die Kundschaft würde Spektakel schlagen. Sie: flrgus B. vor den Geschworenen. Die gestrige Verhandlung gegen die Brüder Koppius endete, wie zu erwarten war, mit einem Schuldig gegen beide Angeklagten. Die Geschivorencn sprachen Karl Koppiub schuldig des Mordes in zwei Fällen, des vollendeten Raubes in drei Fällen, des Mord- versuche in vier Fällen, des versuchten Raubes in zwei Fällen und der versuchten und vollendeten schweren Erpressung in mehreren selbständigen Handlungen. Der Angeklagte Fritz Koppius wurde schuldig befunden des Mordes in zwei Füllen, des Mordversuches in zwei Fällen, des Raubes in zwei Fällen, des versuchten Raubes in zwei Füllen und der vollendeten und versuchten schweren Er- Pressung in mehreren Fällen. Berneint wurde von den Geschwore- nen lediglich bei Karl KoppiuS die Schuldfrage nach versuchtem Raub an Frau Wagner. Hier wurde Mordversuch als vorliegend angenommen. Das' Urteil lautete: Die Angeklagten Karl Friedrich und Friedrich Wilhelm Koppius werden wegen je zweier Morde in ideellem Zusammen- hang mit schwerem Raube zweimal zum Tode und außerdem wegen Mordversuchs, vollendeten und versuchten Raubes und qualifizierter Erpressung Karl Koppius zu 15 und Fritz Koppius zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt. Die Verhandlung>var der Erörterung der bekannten gegen den Verlagsbuchhändler Weber gerichteten Erpresscrbriefe gewidmet. Karl Koppius behauptet, auf den Gedanken der Erpressung bin ich durch einen Zufall gekommen. Ein Mann, den ich nur dem Vor- namen Rudolf nach kenne, hatte mir viel von Siegfried Weber erzählt, mit dem er in München zu tun gehabt habe. Er teilte mir mit, er wolle von Weber unter dem Vorwand, daß er ein Werk schreiben werde, durch Drohungen Geld zu erlangen suchen. Nach- her verreiste er. Den ersten Brief, unterschrieben Argus R., schrieb ich, und habe nachher ihn Rudolf zum Lesen gegeben. Dem un- bekannten Rudolf schreibt Karl Koppius auch in seiner weiteren Vernehmung eine Rolle bei den Erpresservcrsuchen zu. Fritz Koppius weiß von Rudolf nichts. Karl Koppius erklärt das so. von Rudolf habe ich meinem Bruder nichts erzählt, ich lovllte nicht, daß mein Bruder ängstlich würde, wenn er erführe, daß ich von dem Mord an den Friedrichschen Eheleuten mit Rudolf gesprochen habe. Den ersten Erpresserbrief sendete Karl Koppius an den VerlagSbuchhändler Weber zu Weihnachten ein. In dem Brief stellte er sich als«inen Verbrecher vor, der auf seinen jetzigen Lebenswandel durch den Staat getrieben sei. Er führe ihn erst seit seiner Entlassung aus dem Gefängnis. Er habe unter anderem 29 Morde, darunter drei in Leipzig, begangen, und wolle seine Taten in packender Weise in einem Buch beschreiben, das er der Verlagsbuchhandlung anbiete. 5999 M. Vorschuß wolle er haben, 5999 M. wenn das Werk erschienen ist. Zum Zeichen, daß er nicht renommiere und für die Unfähigkeit der Polizei, führte er an, daß er den Mord in der Windmühlenstraße ausgeführt habe. Das Bild, das die Staatsanwaltschaft nach Zeugenaussagen von ihm angc- fertigt und veröffentlicht hatte, entspreche dem Gesicht, das er außerhalb des Hauses der Tat trage, nicht. Den Verbleib der Sparkassenbücher habe die Polizei nicht ermitteln können, weil er diese verbrannt habe. Daß die Polizei den Verbleib der beiden geraubten Uhren nicht ermittelt habe, liege nicht an ihm. Er habe sie noch am 2. November auf dem Leihaint für 27 M. versetzt. Wenn die Adressaten aqf dos Anerbieten nicht eingingen, so würde es ihr Schaden sein. Am 24. Dezember um 6 Uhr sollen die Adressaten nach einem Zeitungskiosk den Vorschuß senden. Unterzeichnet War der Erpresserbrief mit Argus R. Die beiden Brüder warteten vergeblich am 24. Dezember auf den Geldbrief. Die Adressaten hatten den Brief erst am 25. De- zcmbcr erhalten und setzten sich dann mit der Polizei in Verbin» dung. Recherchen ergaben, daß in der Tat die Uhren auf dem Städtischen Leihamt versetzt waren und daß die Handschrift des Briefes mit der auf den Postanweisungen gebrauchten identisch war. Ohne Zweifel war also Argus R. der solange vergeblich ge» suchte Mörder der Friedrichschen Eheleute. Die Polizei veranlaßte dann, daß die Herren Weber in den „Leipziger Neuesten Nachrichten" Inserate erließen. Am 8. Januar erhielt Weber einen zweiten Erpresserbries von Karl Koppius. Die erste Seite hatte Fritz Koppius aus dem Postamt geschrieben. Da er aber, erzählte Karl, darüber schimpfte, daß solche Schreiberei, der reine Wahnsinn sei, nahm ich den Brief aus der Hand und schrieb ihn zu Ende. In dem Brief wird die Ungeschicklichkeit der Polizei und die Polizcisallc in den„Leipziger Neuesten Nachrichten" verhöhnt und zun: Schluß gefordert: falls Weber auf das Per- lagsgeschäft nicht eingehen wolle, solle er 1999 M. Abfindungs- summe an einem bestimmten Zeitungskiosk niederlegen. Dem Ver- langen ivurde entsprochen. Die beide» Koppius sahen aber, daß der Zeitungskiosk polizeilich überwacht war. Sie sahen sich die Polizei. Die Differenz. Der Geschäftsmann: Der Wein kostet jetzt 59 Pf. mehr pro 190 Liter. Da werd' ich den Liter um 10 teurer verkaufen. So komm ich auf meine Koste». Die Miete. Der Mieter: Warum soll ich denn soviel mehr Miete zahlen? Der Hausherr: Weil Sie ebensoviel mehr ver- dienen. DerSchnapS bleibtihmtreu. Der Hungernde: Sie können den Schnapspreis ruhig weiter erhöhen; er wird immer noch billiger als eine Mahlzeit bleiben. Auch die Liebe. Das Liebchen: Schatz, Du weißt, daß alles teurer wirdMa müssen auch die Liebhaber mehr ranSriicken. _(L'assiette au beurre.) Notizen. — Die S onntagSkonzerte im Schiller-Theater Charlotten bürg nehmen ihren Anfang am 16. Oktober. Der erste bis zum 11. Dezember dauernde Zyklus wird ein sehr reich- haltiges Programm bringen. Im ersten Konzert kommt je ein Trio von TschaikowSki und Beethoven zum Bortrag, für den gesanglichen Teil ist Anton Sistermans gewonnen Worden. Das zweite Konzert bringt ein Klaviertrio des russischen Komponisten Arenskh und Beethovens Streichtrio in kls-änr. Für das dritte Konzert sind ausschließlich Werke von Johann Sebastian Bach angesetzt, darunter das Trio für Flöte, Violine und Klavier in C-moIl aus de»» „Musikalischen Opfer" und die sogenannte Kaffee-Kantate. Da« fülifte Konzert wird ausschließlich Mozart gewidmet sein.— Für den ersten Zyklus von fünf Konzerten wird ein übertragbares Abonnement ausgegeben, das zum Preise von 2,50 und 3,60 M. (einschließlich Garderobe und Programm) zu haben ist. — Die Fritz-Reuter-AnSstellung ist von» Künstler' >ause ins Abgeordnetenhaus übergesiedelt und wird dort im Festsaa» sreitag, den 7. Oktober, vormittags 10 Uhr eröffnet. — Eine neue Schopenhaner-AuSgabe wird von dem Mnnchener Verlag R. Piper u. Co. angekündigt. Die Leitung dieses Unternehmens hat Prof. Deutzen übernommen. Die Ausgabe soll einen absolut korrekten Text bieten, dazu an Vollständigkeit alle bisherigen übertreffen. Namentlich sollen auch der Nachlaß und die Briefe, soioeit sie erreichbar sind, zun» erstennial vollständig publiziert werden. Die zahlreichen fremdsprachlichen Zitate werden sämtlich auch in deutscher Uebersetzung gegeben werden. — Eine Ausstellung gegen die Schundliteratur veranstaltet die Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stistung in Hamburg. Sie führt in typischen Beispielen die Erzeugnisse der Schundliteratur und die besten Gegeumittel zu ihrer Bekämpfung vor. Diese Aus- stellnng soll auch an andere Städte leihweise abgegeben werden. agenkett, ktfunler aM einen Berliner Polizeiagent, der als Straßenkehrer verkleidet war, an und fanden es geratener, fern vom Schuß zu bleiben. Die Polizei hatte die beiden Brüder Koppius nichr bemerkt. Nach vielerlei Inseraten, die Weber im Auftrage der Behörde erließ, erhielt Weber am 23. Januar einen dritten Erpresserbrief mit der Aufforderung, 1000 M. bei einem Bäckermeister zu hinter- legen. Äarl Koppius erklärte, er habe geglaubt, wenn auch nicht die volle Summe, so doch einige hundert Mark zu erhalten. Auf Wunsch der Staatsanwaltschaft hinterlegte Herr Weber 100 M. in einem Kuvert bei dem Bäckermeister. Ein Haufe P-lizeibeamter beobachtete» vergeblich den Bäckcrmeisterladen. Nach einigen Tagen wurden alle Beamte bis auf einen zurückgezogen. Am nächsten Tage kam ein Messenger-Boy, holte das Kuvert ab, brachte es nach dem Messenger-Boy-Kontor; dort holte es Karl Koppius ab. Nach ihm erschien auf der Bildfläche die Polizei. In einem weitere» Erpresserbncf verlangte Karl Kopprus Hinterlegung des Geldes in der Konditorei von Mühlberg in einem Päckdjen. Das Päckchen ließ er durch ein Mädchen abholen. Am 1l. Februar, als das Mädchen das Päckchen in der Nähe des alten Rathaus's brachte, näherte sich Karl Koppius. wie er gestern in der Verhandlung erzählte, vorsichtig an einer Semmel kauend. Als er gerade im Begriff war, auf das Mädchen loszugehen, um- klammerte der Kriminalschubmaun Hoffmann von hinten die Arme und schrie: Das ist er, hierher! Karl Koppius antwortete ganz ruhig: Was ist denn das. wer sind Sie? Der Beamte fragte dos Mädchen, ob sie dem Karl K.'den Brief gegeben hätte. Das Mäd- «Heu verneinte, weil Karl inzwischen seinen Hut mit einem auf- fallenderem seine» Bruders vertausch« hatte. Er nannte seinen richtigen Namen und— der Kriminalbeamte lies, ihn wieder los, -in der Tasche hatte er einen angefangenen Brief an Weber. In einem späteren Brief schilderte er wieder die ganze Sach- läge, ertoähnte aber nicht seine Verhaftung. Als er wieder mal Geld abhoben wollte, ließ er davon ab, weil cur radfahrender Kriminalbeamter als Depeschenbo-te ankam. Ich kannte zwar den Mann ebensowenig wie irgend einen anderen Kriminalbeamten, sagte Karl Kovpius aus. aber sein Benehmen zeigte es mir sofort. Er kam sehr scharf angefahren, sah scharf nach allen Seiten, klingelte fortwährend und war vor allem für einen Depeschenboten viel zu alt. Ais zum 10. Februar 1009 wurde das Dutzend an Erprcsser- briefen voll gcmacksi. Am 0. Dezember 1909 folgte Nummer 13, in dem 10 000 M. verlangt lvurden. Ans die Idee, mit den Erpressungsbriefen fortzufahren, kam Karl Koppius erst wieder, als er im Juni 1910 eine militärische Hebung abmachte. Ursprünglich hatte er die Absicht, den letzten Erprcsscrbricf während der Ucbung in Uniform auszuführen, er kam aber nicht dazu. Der Erprcsierbrief wurde am 16. Juli dem Herrn Weber' ins Haus gesendet. Der Junge, der den Brief über- brachte sollte das Paket mit Geld überbringen. Die beiden Brüder sahen, daß der Junge ohne Paket ankam. Während sie miteinander sprachen, sahen sie. daß das Webersche Automobil herangcfahrcn kam.' Karl erzählt nun: An dem Tage hatte ich keine rechte Eni- fchlußkraft mehr, ich hatte nichts gegessen. Es wäre Wahnsinn ge- Wesen, so fchmach wie ich war, zu laufen. Ich ließ ruhig das Webersche Automobil herankommen und wurde nun durch Weber und seinen Chauffeur festgenommen. Aus der weiteren Beweisaufnahme ist nur hervorzuheben: nach dem angeblichen Rudolf ist vergeblich recherchiert worden; die Polizei nimmt an, er existiert gar nicht. Ten Geschworenen wurden 21 Schuldfragen vorgelegt. Sie betoeffen bei Karl Koppius Mordversuch gegenüber dem Geldbrief. träger Rübner und vollendeten schweren Raub, ferner versuchten Raubmord auf Frau Wagner. Bei beiden Angeklagten lauten die Schuldfragen auf gemeinsamen Mord an den Eheleuten Friedrich, versuchten Raub an den Briefträger Frohberg,Mordversuch und ver. suchten Raub gegen das Dienstmädchen Seyffart pnd Frau Rauher. sowie auf Erpressungen und Bedrohungen mit Mord gegenüber dem Inhaber der Firma I. I. Weber durch mehrere sortgesetzte Hand- lungen. Aus den PlädopcrS des Staatsanwalts und der Berteibigung dürften die Ausführungen herborzuhehen sein, die sich über die Gründe auslassen, welche die Koppius zu Verbrechern machten. Der Staatsanwalt Dr. Mühle führte zu diesem Punkt aus: Die Air- geklagten haben keine gute Jugend hinter sich. Der Bater>var ein Trinker, sie haben zu Hause Not und Elend kennen gelernt. Auf der Schule haben sie sich gut geführt und gut gelernt. Sie wollten eine Profession erlernen, aber der Vater wünschte, daß sie schneu das Geld verdiene», das er infolge des Trunkes für ferne Familie nicht verdiente. Beide Angeklagte sind über den Durchschnitt be- gabt. Das gilt besonders von Karl KoppiuS. Aus seinen Briefen geht ja deutlich hervor, daß seine Bildung über die der Kreise, denen er angehört, hinausgeht. Er war bemüht, sich selbst weiter. zubilden. Er hat griechische und lateinische Klassiker gelesen, und in seinen Briefen kommen ja auch einzelne lateinische Satze vor. Auch Französisch suchte er zu lernen. Beim Militär hatte er sich einwandfrei geführt. Da muß sich jeder fragen: Wie war«S möglich, daß Karl Koppius so schnell zum Verbrecher wurde? Die Ant» wort gibt er uns selbst: In einem seiner Briefe sagt«r:„In mir sehen Sie einen Menschen und doch zwei Wesen. Ich kann es Mir nicht anders erklären, als daß in ihm die Bestie schon immer ge- ischlum-mert hat. Die Bestie wurde durch seinen Geiz und durch die Sucht nach Geld gelveckt. Hinzu kommt die Eitelkeit. Er hatte, wie er glaubhaft angibt, vor seiner Heirat nie Beziehungen zum weiblichen Geschlecht. Er wollte seiner Braut, d,e er innig liebte, mehr gelten, als er war. Deshalb machte er falsche Vorspiege- lungen So kam er auf die Bahn des Spieles. Er ging zu Nennen und wettete, alles in dem Bestreben, der Frau als gute Partie zu gelten. Aber diese Versuche mißlangen, und er verlor auch sein erspartes Geld., Der Verteidiger Dr. Jnnck führt u. a. aus: ES gibt einige Anzeichen dafür, daß Koppius vielleicht doch kein ganz normaler Mensch ist, daß seine Taten dem Wahnsinn entsprangen Sem Vater war ein Trinker, sein Vater und Großvater zeichneten sich durch besonderen Jähzorn aus. Auch seine Taten stnd nicht ganz frei von Spuren einer geminderten ZurcchnungSsahigkclt. Ich erinnere sie an fein planlos ausgeführtes Attentat auf Frau Wagner und die prahlerischen Selbstbezichtigungen»n den Er- presserbriefen. Aber natürlich mindert daS nicht seine volle juristische Verantwortlichkeit, und es muß der höheren Einsicht über- lassei, bleiben, den Ausgleich zu finden, wenn wir mit der Strafe irren sollten. Was uns am meisten am Schicksal des Angeklagten erschüttert, ist der unuiittelbarc Nebergaug von einem achtungS- würdigen Mensche», der er in seiner Jugend war, bis zur tiefsten Stufe des schwerste,, BrrVrechcnS. Bis zu seinem 19. Lebensjahre gab der Angeklagte seinen ganzen Verdienst den Eltern, sein ein- ziger Schmerz war, daß er nicht als gelernter Arbeiter höher stehen konnte. Seine Militärzeit war eine glückliche Zeit für ihn. Der Offizier, bei dem er als Bursche war, schrieb mir, daß er ,n seiner langen Dienstzeit noch niemals einen Burschen so treu und anhänglich gefunden hatte, daß StoppiuS ein vorzüglicher Soldat war.- Der Offizier teilte mir weiter mit, daß er am Geburtstag feines Sohnes schon in der Nacht aufstand, um das Bett des Knaben über und über mit Blumen zu bedecken. Das war Karl Kovpius, der jetzt als Mörder vor Ihnen steht. Er wollte beim Militär bleiben und sich dort einen Weg zu höherer Stellung bahnen, aber das winzige Bergehen, da» ihn als Zwölfjährigen auf drei Tage ins Gefängnis gebracht hatte, verschloß ihm auch diese Möglichkeit des Emporkommens. Er kam nach Leipzig und seine einzige Sorge war, Mutter und Geschwistern ein behag- licheres Leben zu bereiten. Da? war sein Verderben, er nahm eine Last auf sich, der er nicht gewachsen war. Sparen war das Ziel seines Lebens, und gerade diese? Sparen wurde ihm jetzt un- möglich. Zu seinem Unglück wurde er durch seinen Beruf als Kellner in die Kreise der Spieler hineingezogen. Dem Angeklagten schlug das Wetten fehl, er geriet in furchtbares Elend. Seine Mutter und Frau, die er abgöttisch liebte, mußten darben. So kam er su der Tat an Rübner. So» Im e» bietet Koppius kein psychologisches Interesse mehr. Der einzige Lichtblick bleibt viel leicht noch seine unveränderte Verwandtenliebe, vor allem die Liebe zu seiner Frau. Zu dem Verbrechen trieb ihn seine stärkere Intelligenz, die durch keine Bildung gezügelt war. Wohl hatte er stets einen Heißhunger nach Bildung, er hatte schon als Neunzehn- jähriger alle deutschen Klassiker gelesen, und sich sogar für griechische und römische Klassiker interessiert. Aber was er in sich aufgenommen hatte, vermochte er nicht zu verdauen. Den inneren Halt und den Glauben hat der Angeklagte früh verloren. Der Lehre von der Souveränität des menschlichen Willens hatte seine sittliche Grundlage nicht standgehalten. Ich will damit nichts ent- schuldigen. Wir können trauern über den Verlust einer solchen Seele, aber wir müssen scharf eine Scheidung vornehmen zwischen der menschlichen Gesellschaft und einem solchen Glied. Borsitzender: Haben die Angeklagten noch etwas zu ihrer Ver- teidigung vorzubringen?— Karl Koppius(mit stockender Stimme): Zu meiner Verteidigung habe ich nichts vorzubringen, nachdem mein Verteidiger gesprochen hat. Aber zur Verteidigung meines Bruders Fritz möchte ich noch einige Worte sagen. Ich bitte, meinem Bruder Fritz mildernde Umstände zuzubilligen, denn er ist durch mich zum Verbrecher geworden. Wenn ich es ihm nicht erzählt hätte, daß ich die erste Tat begangen hatte, wäre er nie- mals so weit gekommen. Eine Bestie hat in meinem Bruder Fritz nicht geschlummert. DaS glaube ich nicht, das kann nicht sxin. Die Menschen urteilen immer nach dem, was sie sehen. Manchmal aber liegen die Verhältnisse ganz anders.— Fritz Koppius: Zu meiner Verteidigung habe ich auch nichts mehr zu sagen. Ich möchte nur das eine sagen, daß die Aussage meines Bruders Karl, ich hätte gesagt, er sei feig, nicht stimmt. Mit fürchterlicher Deutlichkeit zeigt, wie der Staats- anwalt und die Verteidiger halb andeuten, das Schicksal der beiden verurteilten Brüder, daß die bürgerliche Ge sellschaftsordnung selb st der Vater der abscheu lichcn Verbrechen war, zu der die beiden Brüder sich der leiten ließen. Dem einen wird das Emporkommen verschlossen und der Lebensweg verbittert, weil er als Junge Fleisch- stiickchen gestohlen hatte. Spiel, das er beim Militär gelernt hatte, nahm ihm jeden moralischen Halt. Seine Jugend wie die seines Bruders war eine traurige als Kinder eines Trinkers. Empör un g, Verzweiflung und Hunger trieben Karl Koppins, der den Weg zum Anschluß an die Soziab demokratie nicht gefunden hatte, die die Umwälzung der Ge> sellschaftsordnung und die Beseitigung der Fülle von Unrecht anstrebt, das mit ihr verbunden ist. Er wurde ein auf sich selbst gestellter Individualist, Zyniker, Verbrecher, Mörder, Erpresser. Sein Bruder Fritz wird aus einem halbwegs geordneten Leben und vom Wege zum Anschluß an die Soziab demokratie dadurch abgebracht, daß sein Arbeitgeber ihn deshalb aus der Arbeit entläßt, weil er der Gewerkschaft angehörte. Arbeitslosigkeit und Hunger werfen ihn in die Arme der Versuchung zum Reichtum auf dem Wege des Verbrechens. Eine scharfe Anklage gegen die bestehende Gesellschaftsordnung sind die von den Brüdern Koppius ausgeführten Verbrechen. - Wie eine groteske Humoreske mutet daneben die völlige Unfähigkeit der Staatsanwaltschaft und der Polizei zur Auf deckung der wirklichen Verbrecher an. Durch einen Zufall laufen sie dem durch Erpresserbriefe gepeinigten Mann in die Arme. Die Unfähigkeit der Staatsanwaltschaft und der Polizei haben nicht zuletzt darin ihren Grund, daß diese Behörden, statt allein Verbrechen und Entdeckung von Ver- brechern nachzuspüren sowie die Ursachen der Verbrechen auf- zudecken, sich mit politischen Dingen und mit Versuchen ab- geben, Arbeiter und Arbeitervertreter zu verfolgen, die nach Hebung der Kultur und Anteilnahme an den Errungenschaften der Kultur streben. Diese Behörden müssen bei der Er- füllung ihrer eigentlichen Aufgabe versagen, weil sie im Klassenkampfe auf wirtschaftlichem und politischem Gebiete als Büttel gegen die Arbeiter mißbraucht werden. Die Verhandlung hat bewahrheitet, was wir vor einigen Monaten unter Bezugnahme auf den Fall Argus R. schrieben: „Sinnenfällig zeigt sich hier, in wie eminentem Grade die Sicherheit des Lebens und Eigentums durch die von dsr herrschenden Klasse den Strafverfolgungsbehörden zugewiesenen politischen Aufgaben leidet. So paradox es klingen mag, so wahr ist es, wie der Fall Argus R. wieder mal beweist: Staats- anwa-l tschaft und Polizei müssen infolge ihrer heutigen Organisation und infolge der ihr zugewiesenen politischen Tätig» leiten in wachsendem Maße zur Verfolgung wirklicher Verbrecher unfähig und selbst zu einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit werden." Nicht der Fall Argus R. allein beweist dies. Jeder Tag bringt uns neue schlagende Beispiele. Wir brauchen nur zu erinnern an Moabit und die dort von Arbeitswilligen unter polizeilichem Schutz ausgeübten Verbrechen. Hiiö der partei Sozmldcmokratischcr Gemeinderat. In dem hessischen Ort S t e i n b a ch bei Frankfurt eroberte die Sozialdemokratie bei der Gemeindewahl sämtliche Sitze. Nur der Bürgermeister gehört der Partei nicht an. Die Organisationen zum Parteitag. Badische Organisationen. In Freiburg erstattete Genosse Parteisekretär Eng ler Bericht. Er bediente sich eigenartiger Mittel, nm die Annohme des Antrages Zubeil als ein Verbrechen an der Brüderlichkeit hinzustellen, so behauptete er u. a. frischweg:„manche von denen, welche am Mittwochabend mitgemacht haben, hätten eS am anderen Tage bereut." Nach solcher Berichterstattung traten sämtliche Diskussionsredner dem Referenten bei. In Beientheim, einem Karlsruher Vorort, hatte Genosse Kolb bei der Benchterstattung„ungeteilten Beifall" und die Ge» nugtuung, daß der Antrag Zubeil,„weil er keinenfallö eine Lösung der Budgetfroge bedeute, für nicht richtig erklärt wurde." In der Wahlvereinsversammlung zu Bruchsal stieß Genosse Willi« Karlsruhe bei seinem Referat nur aus Widerspruch in der Diskussion. Der„Volksfreund" nennt in seinem Berichte die Ausführungen Willis„vortrefflich"; über den Widerspruch des Wahl« Vereinsvorsitzenden Müller heißt eS: ,er schlug sich, wie ja nicht anders zu erwarten war, auf die Seite der Nord- dentschen".— Daß viele Süddeutsche und anch Bademer nicht aus Kolbs und Willis Seite waren, braucht der Leser deS„Voltsfreund" nicht zu wissen.___ In einer Parteiversammlung in Dortmund erstattete Geuoffe Hönisch den Bericht vom Parteitag. Er wendet sich scharf gegen die Badenser und die Statuierung eines doppelten Rechts. Er verteidigt den Zusammenschluß der Radikalen als eine- Abwehrmaßregel und bestreitet, daß hinter den süddeutschen Abgeordneten die Massen der Proletarier stehen. Betreffend die Wahlrechtsdebatte meinte er, gerade weil sich im letzten Frühjahr gezeigt, daß der Gedanke des Massenstreiks noch nicht Wurzel gefaßt hatte w dm breiten Arbeitermassm, sei eine um so intensivere Propagande für diesen Gedanken geboten. In der Diskussioil führte Häusgen u. a. auS: Wenn Genosse Frank eine Dumniheir gemacht hätte, brauchte die Mehrheit deS Parteitags keine größere zu machen. Der Zorn sei ein schlechter Ratgeber. Scheibe meint. Hänisch habe gesagt, in Magdeburg sei der Revisionismus totgeschlagen worden. Das wäre schlimm, denn wer aus dem Boden des Marxismus steht, der sei auch Revisionist. Rupprarh wendet sich gegen die künstliche Unterscheidung von Radikalen und Revisionisten. Er kritisiert aber den Disziplinbrnch. H e rm e s- Castrop findet es bedauerlich, daß man die Genoffen nicht nach ihrer Qualität als Sozialdemokrat, sondern nach ihrer Stellung zum Radikalismus bewertet. Die„Arbeiterzeitung" habe über die Frage des Budgetstreits einseitig berichtet. Frau Lex erklärt, daß sie sich anfangs an den Sondersitzungen nicht beteiligt, daß sie aber zum Schluß gemeint habe, daß endlich reine Bahn geschaffen werden müsse. Weihen weist darauf hin, daß ein Genosse beim Genossen Bömelbnrg(Reichstagsabgeordneter des Kreises) angefragt habe, wie er sich zum Revisionismus stelle. Bömelburg habe erklärt, er kenne keinen Revisionismus. Jetzt sehe man, wie weit sich der Revisionismus eingenistet habe. Nachdem Genosse M e h l i ch von der„Arbeiterzeitung" den Vorwurf einseitiger Behandlung der Budgetfrage zurückgewiesen, wurde die Versammlung vertagt. In eitler giltbesuchten Versammlung nahm am Mittwoch der Sozialdemokratische Berein zu Weimar Stellung zu den Be- schlüssen deS Parteitages in Magdeburg. Genosse B a u d e r t be- zeichnete es u. a. als erfreulich, daß die Delegierten aus den Thüringer Staaten, ohne jede Berabredung, g e- schlössen für die Resolution der Mehrh'eit ein- getreten seien. Die Versammlung nahm folgende Resolution ein- stimmig an: Der Sozialdemokratische Verein. Ortsgruppe Weimar, erklärt sich im allgemeinen mit den Beschlüssen des Parteitages in Magdeburg einverstanden, insbesondere billigt die Versammlung das Verhalte it ihres Delegierten in der Budgetfrage. Die Parteigenossen in Weimar sprechen dabei die Erwartung aus. daß Meimmgsverschiedenheiten in prinzipiellen und taktischen Frage» keinen Anlaß zum Disziplin- brucb geben dürfen. Die Einheit der Partei darf nicht zerrissen werden durch solche Handlungen einzelner Parteigenossen, mit denen sich diese selbst außerhalb der Partei stellen. Deshalb sprechen die Parteigenossen in Weimar ihre besondere Be- f r i e d i g u n g darüber aus. daß die große Mehrheit des Parteitages die Erklärung Bebels im Namen des Parteivorstandes zum Beschluß erhob, nach der die Mißachtung der in der Budgetsrage angenommenen Resolution die Voraussetzungen zum Ausschluß aus der Partei schafft. Ein Extrablatt deS„Wahren Jakob", das den Titel trägt„Der Feldzug in Moabit", wird in diesen Tagen außer Abonnement zum Preise von 10 Pf. erscheinen. Das Extrablatt wird sich in Text und Bild in satirischer Darstellung mit den Polizeischlachten befassen, die von den Truppen des Herrn v. Jagow der Berliner Bevölkerung in den Straßen von Moabit geliefert worden sind. Angesichts der allgemeinen Erregung der öffentlichen Meinung über die Heldentaten der Polizei wird das Extrablatt auf das Jntereffe der breitesten Schichten der Bevölkerung rechnen können. Bestellungen können umgehend an alle Buchhandlungen und Kolporteure sowie an den Verlag in Stuttgart gerichtet werden. Zum Konflikt in der tschechischen Sozialdemokratie. Zu der Meldung von der drohenden Spaltung der tschechischen Sozialdemokratie, die wir gestern verzeichneten, wird uns noch ge« schrieben: Gleichzeitig mit einem neuen Einigungsversuch der öfter» reichischen Gesamtparteileitung werden Erscheinungen in der tschechischen Sozialdemokratie bekannt, die so schlimmer Art sind, daß man nun die schleunige Beendigung des aus dem Streit um die Gcwerkschaftsorganisation hervorgegangenen Parteikonflikls als oberste Aufgabe aller ehrlichen tschechischen Sozialisten be- zeichnen muß. Im Mai wurden aus der tschechischen Sozialdemokratie fünf» zehn politische Organisationen von Brünn und Umgebung, in denen die gewerkschaftlich zentralistisch gesinnten Genossen die Mehrheit hatten, ausgeschlossen! Der Konflitt knüpfte an die Maifeier an, die wegen der gewerkschaftlichen Spaltung getrennt begangen wurde I Diese 15 Organisationen mir angeblich einigen tausend Mitglieder» veröffentlichen nun im Brünner zentralistischen Abwehrorgan„Proletar" einen Aufruf, worin sie geradezu die Gründung einer eigenen Partei ankündigen und zu- nächst ein vorbereitendes Exekutivkomittee einsetzen. Die tschechische Parteileitung habe sich durch die Koiiferenzbescblüsse vom 25, und 26. September(Parteileitung, Abgeordnete und Wahlkreisvertrauens- männer), worin sie trotz Kopenhagen ihren separatistischen Stand» Punkt aufrechterhielt, außerhalb der Internationale gestellt, an der die Ausgeschlossenen mit aller Kraft festhalten wollen. Das ist die Spaltung, wen» damit auch— leider— nur aus- gesprochen wird, lvaS längst vorauszusehen war. Unerhört aber ist, daß der Prager„Pravo Lidu" die Wiener deutsche Parteileitung be- schuldigt, die Spaltung organisiert zu haben I Daß Viktor Adler erst jüngst in einem Artikel und einer Rede alle Spaltungsabsichten selbstverständlich zurückwies, wird von dem Hauptorgan als Komödie hingestellt, die gespielt wurde, um die tschechische Partei- leitung eilizuschläsern. Aber wer hat die 15 Organisationen wegen Internationalismus auS der tschechischen Partei hinausgejagt? So2iales. Die Konkurrenzklansel vor dem Ausschuß des Berliner KaufmannsgerichtS. Nach einem Zeitraum von fast einem Jahre trat der Ausschuß des Berliner Kaufmannsgerichts am Mittwoch zusammen. Aus der Tagesordnung stand die Stellungnahme zu den bekannten Vor- schlügen des Ministers für Handel und Gewerbe vom 16. Juni zur Regelung der Konkurrenzklausel. Der Minister hatte elf Fragen mit dem Ersuchen um Stellungnahme bis zum 15. Sep- tember an die Handelsvertretungen und Kaufmannsgerichte ge- richtet. Zu Beginn der Beratungen wurde seitens der Kaufleute» beisitzer und der Handclsgehilfeiibcisitzer gegen die späte Einberufung protestiert. Längst haben andere Ver- tretungen und Ausschüsse zu dem Erlaß Stellung genommen. Das größte Kaufmannsgericht Teutschlands sei aber außer Lage hierzu gewesen, weil eine Sitzung nicht anberaumt wurde. Scharf wurde auch gerügt, daß ein vom 18. März 1910 datierter Antrag von 20 Beisitzern sowie ein weiterer Antrag von 20 Beisitzern des Zentralverbandes der Handlungsgehilfen und Handlungsgehilfinnen Deutschlands, der Abänderungsvorschläge zur Reichsversicherungsordnung betrifft, fünf und sieben Monate bis zur Anberaumung einer Sitzung hatten warten müssen. Der Vorsitzende konnte auf die leider so gut be- gründeten Beschwerden gegen seine ungeheuerliche Bummelei nur erwidern, m den Sommermonaten sei eS schon schwierig, vier Beisitzer zu den Spruchkammern zusammenzubckommen, um wie viel schwieriger 20 Beisitzer zu einer Ausschußsitzung. Im Sep- tember habe er seinen Urlaub angetreten und der Vorsitzende des KaufmannsgerichtS habe die Sache wohl nicht für so wichtig gehalten; einen Versuch, die 20 Beisitzer zur AuSschußsitzung im Sommer zusammenzurufen, ist gar nicht unternommen worden. Eine weitere Klage der Beisitzer betraf das seltsameVer« balten t!«t«ggißrgti. Ei» vor drei J-chren gestellter Antrag, den Mitgliedern des Ausschusses die Abschriften der Eitzungsprotokolle zu übermitteln, ist mit der wunder- lichen Begründung abgelehnt, dazu seien keine Mittel vor- banden. Ein am 2 2. Oktober 19lZ9 wiederholter An- trag sowie ein Antrag, den„Jahresbericht über das Kaufmanns- gericht in Berlin" den Mitgliedern zuzustellen, hat überhaupt noch keine Antwort erhalten. Diese Tatsachen zeigen, wie tief bureaukratische Langsamkeit und sozialpolitische Rückständigkeit den Magistrat beherrschen. Bei der Beratung über die Konkurrenzklausel wurde von der Mehrzahl der Kausleutebei sitzer für Bei- beHaltung der Konkurrenzklausel eingetreten. Zugegeben wurde, dass grober Mißbrauch bei der Anwendung der Konkurrenzklausel getrieben ist. Auch wurde anerkannt, daß die Konkurrenzklausel für Angestellte mit minimalem Gehalt und für minderjährige Lehrlinge durchaus entbehrlich ist. Die Anwendbarkeit der Kon- kurrenzklausel gegen volljährige Handlungsgehilfen, technische An- gestellte und Arbeiter dürfe auch nur für dringende Fälle in An- loendung kommen; für diese sei sie aber unentbehrlich. Tie Handlungsgehilfen selbst müßten ein Interesse an der Beibehaltung der Klausel haben, weil für den Fall der Beseitigung der Kon- kurrenzklausel— nur noch wenige Angestellte mit Arbeiten, die besonderes Vertrauen erfordern, beschäftigt würden und das Ein- kommen eines großen Teiles der Angestellten sinken dürfte. Die Gehilfenbeisitzer sowie der Beisitzer der sozial- demokratischen Kaufleute zerpflückten diese Argumente energisch. Die völlige Beseitigung der Konkurrenz- klausel sei im Interesse der Handlungsgehilfen und des Kauf- mannsstandes dringend erforderlich. Gegen etwaigen Mißbrauch bieten die bestehenden Gesetze hinreichende Gewähr. Die Vorschläge des Ministers seien in keiner Weise geeignet, dem auf diesem Gebiete herrschenden Mißstand entgegenzutreten. Wie es in der Praxis aussieht, zeige folgender Umstand: Vor einiger Zeit haben Warenhausbesitzer mit Konkurrenzklausel angestelltes Personal ihrer Konkurrenz wegcngagiert, die Vertragsstrafe ge- zahlt und dann die Angestellten von neuem in ihrey eigenen Ge- schäften unter das Joch der Konkurrenzklausel gebracht.§ 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb genüge vollkommen zur Schadloshaltung des Chefs gegen Mißbräuche von Gehilfen. Für sich selbst verlangen die Prinzipale vollständige Bcwegungs- freiheit, wollen diese aber den Angestellten nicht zugestehen. Die Konkurrenzklausel unterbinde dem Gehilfen die Möglichkeit einer Verwertung feiner Arbeitskraft. Sie hindere ihn, die in jähre- langer Tätigkeit erworbenen Kenntnisse vorteilhaft anzuwenden. Die Klausel unterbinde Fortschritt und Kultur, deshalb sei der Antrag der Gehilfenbeisitzer gerechtfertigt:„Die heutige Ver- sammlung des Gutachterausschusses erklärt als grundlegend für die weitere Beratung zum Vorschlage des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe vom 1£5. Juni 1910, daß sie unbedingt auf dem Boden steht: die K o n k u r r e n z k l a u s e l für Handlungsgehilfen ist zu beseitige n." Dieser Antrag wurde mit 9 Stimmen angenommen. Dafür stimmten 8 Gehilfenbeisitzer und der sozialdemokratische Kauf- leutebeisitzer. Gegen denselben 7 Kaufleutebcisitzer und der Vor- sitzende. Nach Eintritt in die Spezialberatung der elf vom Minister aufgestellten Fragen wurde die Sitzung auf den nächsten Dienstag vertagt. Eue InduftTic und ftendcl Wie Aktiengesellschaften bankrott gemacht werden. Die Elberfelder Papierfabriken A.-G. Elberfeld und Berlin geben ein treffendes Beispiel dafür, wie Aktiengesellschaften unrentabel werden. Dos Unternehmen gehörte noch vor wenigen Jahren zu den rentabelsten seiner Branche, es zahlte zuletzt— 1906— noch 30 Proz. Dividende. Der Vorsitzende des AufsichtSrats der Gesellschaft, Bankier Neuburger, war auch in den Tcrraingeschäften am Teltowkanal außer- ordentlich engagiert. Die Terrainfpekulation trieb dort die Preise so in die Höhe, daß im wesentlichen a»S diesem Grunde der Teltow- kanal die auf ihn gesetzten wirtschaftlichen Erwartungen nicht er- füllen konnte. Die Industrie kann mit ihren Anlagen nicht an den Kanal heran,' weil das Terrain zu teuer ist. Nur die Elbcrfelder Papierfabriken konnten eS, weil die Leitung des Aufsichtsrates glaubte, dort Geschäfte machen zu können. Das Mutterunternehmen konnte für sich rentabel weiter arbeiten, aber es konnte das Berlin-Zehlendorfer Tochtergesellschaft nicht mit über Wasser halten. Und so sank'erst die Dividende, und auS der Dividenden- losigkeit ist nun eine gründliche Unterbilanz geworden. Nicht wegen der Begehrlichkeit der Arbeiter! Die Arbeiterverhältnisse sind in dem Unternehmen, zumal in Berlin, sehr verbesserungsbedürftig. Na, verlorengegangen ist ja schließlich nichts! Was die Papieraktionäre einbüßten, steckten Terrainintercssenten ein. Jetzt will man die Gesellschaft sanieren und zwar in der Art, daß auf die alten Aktien Zuzahlnnge» geleistet werden und neben der schon be- stehenden Dreimillionen- Obligationsanleihe eine zweite in der Höhe von einer Million zur Ausgabe gelangt. Vielleicht kommen so die Leute, die noch Forderungen an das Unternehmen haben, zu ihrem Gelde. Wenn daS erledigt ist, wird die Gesellschaft wahr- scheinlich alsbald verschwinden. So werden nicht nur Hundert- tausende, sondern Millionen„verdient". Die Unternehmen dieser Art gehen nicht an den Pfennigforderungen der Arbeiter, sondern an den Millionenbedürfnissen einzelner Leute bankrott. Das hindert natürlich nicht, sich bei der nächsten Gelegenheir hinzustellen und über die der Industrie verderbliche Unzufriedenheit und Unersättlich- keit der Arbeiter Entrüstungskundgebungen loSzulaffen. Die Preissteigerungen für Fleisch. Betrachten wir die Bewegung der Fleischpreise nach den amt- lichen Notierungen in 50 preußischen Städten, so kaufte man in der zweiten Jauuarhälfte dieieS Jahres im Durchschnitt 1 Kilogramm Rind-, 1 Kilogramm Kalb- und 1 Kilogramm Schweinefleisch zu- . sammen für 5 M. und 1 Pf. In der ersten Hälfte des September ! müßte man dafür 5 M. 19 Pf. bezahlen, das heißt es ist ein Aufschlag von 4 Proz. eingetreten. Das Kilo Fleisch ! kostete im Durchschnitt der drei Sorten 6 Pfennig mehr. ; Nun gibt es trotz dieser durchschnittlichen Steigerung immer i noch einige Städte, wo die Fleischpreise gegen Januar i sogar zurückgegangen sind. So kaufte man in Breslau 1 Kilogramm ! Rind-, 1 Kilogramm Kalb- und 1 Kilogramm Schweinefleisch im ' September um 23, in Liegnitz um 20 Pf. billiger als im Januar. i In ein paar Städten ist der Preis gleich geblieben, in der Mehrzahl : der Städte aber gestiegen. Betrachtet man die Bewegung der Preise für die einzelnen Fleischsortcn, so hat im Durchschnitt aller Berichts- orte Rindfleisch am meisten, nämlich von 1,56 auf 1,68 M. oder um 12 Pf. pro Kilogramm angezogen. De» absolut höchsten Preis hatten im September mir 1,83 M. die Städte Potsdam, Magdeburg, Emden und Frankfurt a. M., den niedrigsten mit 1,38 Memel, Graudenz und Köslin. Zeigt sich bei Rindfleisch eine ziemlich allgemeine und all- niähliche, im Durchschnitt aber kräftige Steigerung, so ist die Durch- ichnittssteigerung für Kalbfleisch zwar niedriger, aber um so schroffer sind die Preisändernngen in den einzelnen Orten. Im Durchschniti ist der Preis für Kalbfleisch pro Kilogramm um 9,5 Pf. gestiegen, nämlich von 1,78 auf 1,875 M. Diese Steigerung macht etwa 5,4 Proz. ans. Welche exzessiven Aufschlüge aber in einzelnen Städten gerade für Kalbfleisch erfolgt sind, dafür seien einige Beispiele angeführt. In Dortmund stieg der Preis für das Kilo um 40 Pf., in Cassel um 38, in Posen um 34, in Erfurt und Hanau um je 30, in Crefeld um 27, in Hannover um 23 und in Brandenburg um 20 Pf. Die Schweine- f l e i s ch p r e i s e zeigen im Durchschnitt der 50 Plätze eine Er Mäßigung, und zwar von 1,67 M. in der Januars auf 1,63 in der ersten Hälfte des Es fehlt aber nicht an Plätzen mit steigerungen. Wir nennen hier Emden tenerung um 16 Pf. pro Kilogramm; seinen Preis um 10. Crefeld und Neuß um geblieben sind die Preise gegen Januar in zweiten Hälfte des Monats September. erheblichen Preis- mit einer Ver- Bielefeld erhöhte je 7 Pf. Gleich- Köslin, Broinberg, lade, Hanau, Wiesbaden und in Sigmaringen. Ueber den Durch schnitt weit hinausgehende Ermäßigungen traten vor allem in Liegnitz um 23 und in Breslau um 19 Pf. pro Kilogramm ein. Ferner ist Schweinefleisch merklich billiger geworden in Trier um 15, in Aachen um 10, in Magdeburg und Altona um je 9 Pf. Der ab- solut höchste SchweinefleischpreiS wurde in Frankfurt a. M. mit 2,04 M. notiert, der niedrigste mit 1.36 M. wieder in Memel. Man sieht aus diesen starken Differenzen in der Preisbewegung, wie notwendig noch eine bessere Regelung der Viehzufuhren und ein Ausgleich der örtlichen Preisschwankungen im Interesse der Kon- suni enten ist. Hus aller Melt. FMntcr Kloftcrmaucrn. Einem schweren Verbrechen, an dem mehrere Mönche beteiligt sind, ist die russische Polizeibehörde auf die Spur gekommen. Wie dem„B. L.-A." aus Warschau berichtet wird, wurde Anfang August aus dem Dorfteiche zu Z a w a d y(Gouvernement Petrikau) eine männliche, furchtbar verstünnnelte Leiche geborgen. Sie war in Binsen eingewickelt, die anscheinend als Polstennaterial für ein Sofa gedient hatten. Jetzt ist es der Geheimpolizei ge- lungen, einen Mitwiffer des Verbrechens in der Person eines Droschkenkutschers zu ermitteln. Diese Spur führte zur Entdeckung eines furchtbaren Verbrechens: Der 38 Jahre alte Mönch Damazh Macoch bewog am 11. Juli seinen Bruder Wenzel, einen Beamten in Warschan, die 26 Jahre alte Helene Ostrowska zu heiraten. Seitdem verkehrte Pater Damazh sehr häufig bei dem jungen Ehepaar. Plötzlich verschwand Wenzel Macoch aus Warschau. Seine Frau erzählte, er befinde sich auf einer Geschäftsreise. Nun ist erwiesen, daß der Unglückliche von seine!» Bruder in einer Klosterzelle mit Hilfe des Klosterdieners Stanislaus Zaloj ermorder worden ist. Beide zerstückelten die Leiche und packten sie in Binsen, dann nahmen sie sich eine Droschke und fuhren mit ihrem unheimlichen Gepäck nach dem Teiche im Dorfe Zawady, wö sie die Leiche hineinwarfen. Auf der Rückfahrt erzwang der Mönch von dem Droschkenkutscher den Schwur, nichts zu verraten. Am vor- gangenen Sonnabend kam Damazh nach Warschau und ist seither niit seiner jungen Schwägerin spurlos verschwunden. Auch der Klosterdiener und ein anderer Mönch deZ Paulinerklo st ers, namens Georg, sind flüchtig. Es wurde eine Durchsuchung des Klosters vorgenommen. Mehrere Klosterdiener sind bereits verhaftet worden.__ Moderne Schmuggler. Den französischen Zollbehörden ist es endlich gelungen, der drei Automobile habhaft zu werden, welche seit einiger Zeit die Grenz- behörden gefoppt haben, indem sie mit ihren Wagen in rasender Geschwindigkeit die Grenze passierten, ohne daß eS möglich war, sie anzuhalten. Wie man richtig vermutet hatte, handelt es sich um Schmuggler. In beiden Wagen wurden insgesamt 1600 Kilo- gram in Saccharin gefunden, das von den Zollbehörden mit Beschlag belegt wurde. Die beiden Verhasteten sind Franzose» und auS Lille gebürtig. Ist denn lieben ein Verbrechen? Schon wieder ist eine der Säulen des streitbaren römischen Klerikalismus geborsten. Ein junger Prälat, Pasquale Ca.- tacchio, ein Günstling des Kardinals Merry del V a l, ist mit einer jungen und reichen Dame aus M o l f e t t a durchgegangen und wird diese heiraten. Don Pasquale war Redakteur des„Osservatore Romano" und hatte die„Jnfor- mationen" unter sich, wobei er die Ansichten und die Politik Merry del Vals vertrat. Wie der„Mcssaggero" meldet, war Don Pasquale als Frauenfreund bekannt, was seiner Karriere aber keinen Abbruch tat. Während seines sommerlichen Redaktionsurlauüs hat der junge Monsignore den entscheidenden Schritt getan. Die unhaltbaren Moralanschauungen innerhalb der katholischen Kirche werden durch die Affäre des Prälaten anfs grellste beleuchtet. Solange sich ein Priester darauf beschränkt, den Frauen seine Liebeshuldigungen außerhalb der Ehe darzubringen, nehmen die geistlichen Vorgesetzten daran durchaus keinen Anstoß. Sie drücken vielmehr beide Augen zu denn der jugendliche Most muß ausschäumen. Wehe aber' demselben Geist- lichen, wenn er wirklich„ernste Absichten" bekundet. Für solch ei» räudiges Schaf ist kein Platz in der Herde! Kleine Notizen. Schlagwetterexplosion. Auf Zeche Friedrich Ernestine ir Stoppe n berg bei Gclsenkirchen ereignete sich Donnerstag, nachmittags 2� Uhr, eine schwere Schlagweiterexplosion, bei der drei Bergleute getötet wurden. Eine Leiche ist bereits geborgen, die Leichen der beide» anderen liegen noch unter de» Trümmern. Im Irrsinn ermordet. In der Wohnung eines Kaufmanns F o n t h e i in in Frankfurt a. M. fand man diesen und sein Dienst- mädchen Brand erschossen vor. Es wird vermutet, daß das Mädchen, daß schon verschiedene Male im Irren Hause ward de» Dienstherrn und dann sich selbst erschossen hat. Beim Biehschlachten vergiftet. Ein Schlächter Feichberger schlachtete aus deni Viehhof in Büdingen(Hessenj eine an der Milz erlrankte Kuh. Unvorsichtigerwcise nahm er dabei das Messer in den Mund, wodurch er sich eine Infektion zuzog, die seinen baldigen Tod herbeiführte. Auch der Pächter des Viehhofes, der dem Schlächter Hilfe leistete, erlitt an der Hand eine Verletzung und ist an Blut- Vergiftung schwer erkrankt. Mit Klccsalz vergiftete sich auS Versehen die 26 Jahre alte Frau des Direktors Serra in Leipzig. Sie wollte Natron ein» nehmen, griff aber irrtümlicherweise Kleesalz; nach einer halben Stunde starb die junge Frau. �isIllWlilli'St. M\mm für den 3. Herl. keiMMMeiz. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Kerta Wsrtenberx Fürstcnberger Str. 13 gestorben ist. Ehre ihrem Andeiiken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 3. Ollober, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Zen- tral-FriedhoseS in FriedrichSicldc ans statt. Um rege Beteiligung ersucht 213/12 Ter Borst, ind. SozialtookrafelJaUFerelnj Kreis Nieder Earniifl Bezirk I-icluenberg. Den Genossen zur Nachricht daß unser Miigtied. der Holzbild. llauer Max Kling Kreutzigerstr. 8 verstorben ist. 14/12 Die Beerdigung findet am Freitag nachmittag-i Uhr von der Leichenhalle res Ncißenseer Fri-d Hajes aus statt. Ferner find verstorben der Kausniaim Liegkried üttauer und»er Zigarrenhäiidler Albert Hentschel. Ehre ihrem Andenke»! Die Bezirksleitung. Soziaiiienkratiselier Verein im ünften Berliner Wahlkreise. Unser langjähriges treues Mit. glied, der Händler August Krause (2 Abteilung) ist nach langem Leiden am Mitt- wach verschieden. Ehre dem Andenke» deS allezeit tätigen Genossen! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Oktober, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- halle des städtischen Friedhoses in Friedrichsseide, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Ter Borstand. �iallleinekraüsed.Walilverei!!! Nieder-Varrnm. Bezirk Reiuiikendorf-Ost. Am 4. Oktober verstarb liner- f wartet ichnell infolge Herzschlages � unser Genosse, der Gastwirt tkrniann Ramlow Schönholz 14. Seine Pslichttreue und sein bc- währter Lvsersinn im Interesse deS Proletariats sichern ihm in den Herzen der Genossen und Genossinnen ein 238/20 ehrendes Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Oltobcr, nach- mittags 4 Uhr, vom Trauerhause aus statt. Dte Bezirksleitung. Am 5. Okiober früh 8 Uhr verschied nach langen, schweren Leiden j i meine imiiggeliebte Frau Berta g°b. Seeber. Dies zeigt ticsüetiübt an 12S3b A. IVnrtenberg, Fürstenberger Straße 13, Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 8. Oktober, nach- i mittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Friedhofs in! Friedrichsfelde aus statt. VsM Msisi! Gast- und Schankwirte Deutschlands. Zahlstelle Reliiftkendorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege fleimim Ramlow am 4. Oktober plötzlich verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Soniiabend, den 8. d. M.,, stach- nnitags 4 Uhr, vom Trau erh aus e Schöiiholz 14 aus statt. 75/18 Um rege Betetttgung ersucht Der Borstand. Dn.SimmvI Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, ÄÄ 10—2, 5—7. Sonntags 10—12, 2— 4 Deutscher Transportarbeiter-Verband. Bezirksvsrwaltung GraB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uiiser Kollege, der Droschlcn- sührer Ludolf I�ennlw am 4. Oktober im Alter von 55 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Di- Beerdigung findet am Freitag, den 7. Oktober, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des HeilandS-KirchhoseS in Plötzensee(Eingang Seestraße) aus statt. 51/13 Die Bezirksleitnug. Nur ein Preis!'Me S Giinse 0,65 1 I<--Nur allererste Qualität Gänserümpfe, 72 Gänse. Fette Suppenhühner, ige. Brathühner. 1 F. Wegner, SQ., Mariannenstr. 34 „Berliner irbeiter- Radlalirer-Verein" Mitglied des Arbeitev- Radsahrer.Bunde» »Solidarität-. Sämtliche Touren am Sonntag, den 9. Oktober, fallen wegen der Versammlungen ans. 2. Abt.; Am 8., 3 Uhr, Leuchtturm. 12/11 Sotiale Bohne: Hoch das Wahlrecht. Doppelte Moral. Empor zum Lieht Der Lohntag. Die Betstund« etc. Aiies vorzPgi. Theaterstücke. RAI/II A PAIil.U, Leipzig. Möbel-Leehner! am Rosen- apnit nanvtpa lla 7 am Rosen- thaler Tor Dl unilcuall Olle I, thaler Tor Vchiuingseinkichtunge« auf Kredit — Kiesen- Anewahl.—» I Sfuba und KUche v. M. 200.— an, Anzahlung v. M. 15.— an 2 Stuben und KDche v. M. 525.— an, Anzahlung v. M, 40.— an Med. Schlafzimmer v. M. 350.— an, Anzahlung v. 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Tages-Ordnung: Referenten: die Genossen Bahn, Dr. Oskar Kohn, Dörmg, Dnwell, Eichhorn, Fromke, Handke, Hartinann, Paul Hirsch, Ledebour, Paul Müller, Pfannkuch, Dr. Knrt Nosenfeld, Oswald Schumann, Stadthagen, Ströbel, Stntklen, Mermuth, Wnschick, Luise Zieh, Zubeil. — Jedermann ist zum Besuche fteundlichst eingeladen.— Für die Einberufer: Eugen Ernst, Liesenstr. 16. K-nsumge deutscher Metallarbeiter- Verband. ===== Verwaltungsstelle Berlin.--- Arbeitsnachweis: Hos Amt Hl, 1239� CharitSftrafte Z, Hauptbnreau- Hos iii. Amt III. 1987. Sonntag, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr, in der„Neuen Welt", Hasenheide 198/U4: PST Außerordentliche"Vi General-Versammlung unserer Verwaltungsstelle. Tages-Ordnung: Die Aussperrung in der Metallindustrie. 123/2» �egitiniationskarte und Mitgliedsbuch sind mitzubringen. Besondere Einladungen werden nicht verschickt. Die Ortsverwaltung. Holzbildhauer! Freitag, den V. Oktober d. I., pünktlich NVl Uhr, im Lokal „Hlhambra", WoIIner-Thklittt-Str. 15: Jeder«oliogc erscheine."NSE Bericht der Koittmission. INe liohnkoinniission. Königs-Wusterhausen. Bilanzkonto. Aktiva. Mark Wechselkassenkonto.... 50,— Einrichtungskonto.... 500.— Kassakonto....... 192,99 Jnventarkonlo..... 2263,36 Gutbaben bei der Großein- kausS-Gesellschast.... 30,90 Warenkonto...... 5687,91 Summa 8725,16 Passiva. Darlehnskonto..... 900,— Geschästsanteilkonto... 3719,— Reservesondskonto.... 193,76 Rückvergütungskonto... 9,05 Kaulionskonto..... 500,— Ltcserantenkonto..... 2625,62 Reingewinn.;.... 777,74 Summa 3725,16 Mitgliederbewegung. Mitgliederbestand am 1. Juli 1909 263 Neu eingetreten...... 38 301 Freiwillig ausgetreten am 30. Juni 1910.... 26 Wegen Verlegung des Wohn- sitzeS........ 35 Durch Tod...... 4 LluSgeschlossen,.■..31 90 Mitgliederbestand am 1. Juli 191Ö 205 DaS Geschästsguthaben betrug am 1. Juli 1909 3791,25 M. und am 1. Juli 1910. 3719,—, Abnahme 72,25 M. Die Haftsumme betrug am 1. Juli 1909.... 5260,— M. und am 1. Juli 1910. 4100,—„ Abnahme 1160,— M. Königs-Wusterhausen. den 1. September 1910. Der Borstaud: Wilhelm PlcikicS. Otto Fricdland. Paul Barschow. Kür den Zlussichtsratt Karl Klose. 107/1 Verwaltungsstelle Berlin. Melienmödeldrsneste. Montag. 10. Oktober, abends SVs Uhr, im Englischen Garteu, Alexanderstr. S7 o(unterer Saal): Pf Versiaiuiulnug; TS Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Gekrelver. 2. Bericht der einzelnen Betriebe über die am 1. Oktober eingetretene Lohnerhöhung. 3. Verbands- angelegmheiicn. Die Kollegen der Pororte sind besonders eingeladen. Tischbi'anclie. Montag, 10, Oktober, abends 8V2 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. S7o(oberer Saal): Ncrslimiilltiiig für Kerliii und Vorlirle. Tagesordnung: 9l/4 t. Bericht der Branche nkommiision. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ein einziger Freudenschrei besagt,„Hmuor� das Beste sei. Humor putzt alle Metalle saaber und gerucblos. Zu haben in großen Flaschen von 10 PI. an. Hnmor-Wcrko G. ni. b. H., Berlin A'O. 18. Aien eröffnet! Gegenüber dem Hauptpostamt und dem Warenhaus Joseph. Wannenbäder, riisslsch-römischc Bäder sowie alle sonstige medlzlnlsebe Bäder. Getrennte Abteilungen sür Damen und Herren. Tauchbassins usw.* . Lieferant aller Krankenkassen!- Arbeiter» Bekleidung- Berufskleidung. 1 Gröfltes Spezialgesehäft.■ Kuhnen& Juring, STm't Alexanderstr. 12. 1 l-andsberger Allee 148. Rixdorf: Bergstr. OB. Lerantlvortl. Redakteur: Carl Wcrinuth, Berlin-Rixdorf. Fiir den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin, Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berkin |t. 235. 27. ZahrMg. 2. Seilige Ks Jonniirtä" Dnlim PoMlatt Frettag. 7. Oktoder 1910. Partei- Hngclegenbeiten. ZurLoka lliste. Der Fußballklub„Hubertus" veranstaltet am Sonnabend, den 6. Oktober, in den„Kammersälen", Teltower Str. 1—4, ein Ver- g,.ügen und versucht, in Arbeiterkreisen Billetts umzusetzen. Da der Herr Inhaber der„Kammersäle" Bürgerlichen den Saal zur Ber- fügung stellt, ihn aber der organisierten Arbeiterschaft harmäckig verweigert, so bitten wir, die Billetts zurückzuweisen und uns im Kampfe zu unterstützen. In Mariend orf veranstaltet am Sonnabend, den 8. Oktober, der Musikverein„Lyra" ein Herbstvergnügen im Lokal Herold, Chaussee- straße 288. Es wird darauf hingewiesen, daß das Lokal der Arbeiter- schaft nicht zur Verfügung steht. Ebenso ist nach wie vor Gratzls Gesellschaftshaus gesperrt. Reinickendorf-Ost. Der Männergesangverein„Lieder- tasel" der hiesigen Luxuspapierfabrik Albrecht u. Meister feiert am Sonnabend, den 8. Oktober, sein Stiftungsfest im Restaurant„See- bad", Residcnzstrahe, und versucht, hierzu Billetts unter der Ar- beiterschaft abzusetzen. Dies der Stadt Berlin gehörige Etablisse- ment wird den Reinickendorfer Arbeitern seit Jahren beharrlich ver- weigert; wiederholt wurden Genossen, die vor dem Lokale ihre Pflicht erfüllten, bestraft. Es darf erwartet werden, daß sich alle Arbeiter darin einig sind:„Diese Billetts müssen energisch zurück- gewiesen werden." Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis, s. Abteilung. Am Sonntag, den S. Oktober, abends 6 Uhr, im großen Saale von Habel, Berg- mannstraße 6/7, FamUienabend, bestehend au? Bortrag fFrau Wurm:„Was sollen unsere Kinder lernen?'), gemütlichem Bei sammensein und Tanz. Eintritt 10 Pf. Billetts sind bei den Bezirks� führern zu haben. 7. und 8. Abteilung. Sonntag, den 9. Oktober abends 6 Uhr. bei Rabe, Fichtestraße 29, gemütliches Beisammensein und Tanz. Vortrag des Redakteurs Georg Schmidt über: „Preußische Verfassungskämpfe". Die Abteilnngsführer. Wilmersdors-Halcnfee. Entgegen früheren Mitteilungen wird auch an unserem Ort, und zwar im Gesellschaftshause, Wilhelmsaue 112, am S o n n t a g m i t t a g 12 Uhr eine Volks Versammlung abgehalten. Sonntag vormittag 8 Uhr ist von den bekannten Stellen aus Flugblattverbreitung. Lichtenberg. Heute abend Flugblattverbreitung von den be> kannten Lokalen aus. Friebrichsfrlde. Sonntag ftüh 8 Uhr findet von den Bezirks lokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Nieder-Schöneweid«. Am Sonntag, den 9. Oktober, vormittags 8V, Uhr, findet vom Genoflen H i e l I ch e r. Berliner Straße, Ecke Fennsttaße, aus eine Flugblattverbreitung statt. Der Vorstand. Britz-Buckow. Am Montag, den 10. Oktober, abends 8'/, Uhr. findet im Lokal Lindenpark, Jnh. Karl Gruhn, Caufleesttaße 13 die Generalversammlung des Wahlvereins statt. Tagesord nung: 1. Bericht vom Parteitag. Referent: Reichstagsabgeordneter Fritz Zubeil. 2. Bericht des Vorstands und der Funkttonäre. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. i Bohnsdorf, Falkenberg, Tchulzendorf, Waltersdorf. Am Sonntag, uachmittagS 4 Uhr, findet bei Mentel fVilla Kahl), Bohnsdorf, eine öffentliche politisch e Bersammlung statt. Die Tages ordnung lautet: 1. Die Lebensmittelteuerung und die Weltanschauung Wilhelms II. 2. Freie Aussprache. Räch der Versammlung findet«in gemütliches Beisammensein statt. Der Vorstand. B»h««d»rf. Heut abend findet von den bekannten Stellen aus estw Handzettelverbreitung statt. Der Vorstand. Schöneich« und Umgegend. Am Sonntag, den v. d. M., nach mittags 4 Uhr, im Lokal der Witwe Klemm in RahnSdorf-MÜhle Mitgliederversammlung des Wahlverein«. Tagesordnung: Bericht über de« Parteitag. Referent Genofie M u t h- Ober-Schöneweide. Wahl eines Revisor». Vereinsangelegenheiten. Teltow. Sonntag, den 9. d. M., nachmittag« 3 Uhr, findet in der Luguststraße eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen unter freiem Himmel statt. Genoffe Ucko spricht über die politische Lage und die letzten Kaiserreden. Die Handzettel- Verbreitung zu dieser Versammlung findet Sonnabend abend statt. _ Der Vorstand. Berliner JVacbricbten. Aus der Stadtverordnetenversammlung. Den Stadtverordneten wurde gestern der Entwurf einer Organisation der Hilfsschulen für schwach- befähigte Gemeindeschulkinder vorgelegt, über dessen Hauptpunkte der„Vorwärts" beretts vor längerer Zeit berichtet hat. Diese Hilfsschulen sind hervorgegangen aus den N e b e n k l a s s e n, die vor jetzt zwölf Jahren den Gemeinde- schulen beigegeben wurden und im Laufe der Zeit in auf- steigenden Stufen zu selbständigen kleinen Schlllorganismen zusammengefaßt worden sind. Die Vorlage wurde einem Ausschuß überwiesen, weil verschiedene gegen den Entwurf vorgebrachte Bedenken noch näher zu prüfen sind. Genosse Z a d e k bemängekte u. a. den Grundsatz, daß der Ueberweisung an die Hilfsschule immer eine einjährige Beobachtung in der normalen Gemeindeschule vorangehen soll. Bei manchem Kinde werde die Unfähigkeit, in der normalen Schule mitzu- kommen, schon viel früher erkennbar. Unser Redner benutzte auch die Gelegenheit, die Anstellung verheirateter Lehrerinnen zu fordern, die gerade für die Beschäftigung an Hilfsschulen besonders geeignet seien. S t a d t s ch u l r a t Fischer er- widerte, daß man den Grad der Befähigung eines Kindes im ersten Schuljahr doch leicht falsch beurteilen könne. Für die Verwendung verheirateter Lehrerinnen ist er nicht zu haben. In derselben Sitzung wurden noch ein paar andere Vor- lagen, die gleichfalls Schulfragen betreffen, erörtert und in Ausschüsse verwiesen. Gegen den Plan der Auflösung der 72. und der 14. G e m e in d e s ch u l e hat die sozial- demokratische Fraktion ihre Bedenken, und besonders von der 14. Schule stellte Genosse A r o n s fest, daß sie noch recht gut besucht ist. Ueber die Absicht, das Luisen städtische Gymnasium in einen anderen Stadtteil zu verlegen, regen begreiflicherweise die Freisinnigen sich mehr auf als über die Auflösung einer Gemeindeschule. Auch diese Vorlage soll noch in einem Ausschuß geprüft werden. Die sozialdemokratische Fraktion wünscht mit Recht, daß bei der Verlegung, falls sie zustande kommt, die Vorschule ganz eingezogen wird. Gegen die LusivarkeitSsteucr hat sich auch die Berliner Handelskammer ausgesprochen. Einer Eingabe an die Stadtverordnetenversammlung entnehmen wir folgende Ausführungen: „Die Belastung ist gedacht als eine Besteuerung des GenuffcS; das große Publikum soll sie tragen. Es ergibt sich die grundsätzliche Frage: Wird es den zunächst Betroffenen, daS sind insbesondere Theater, Varietes und Gastwirtschaften(für Konzerte, Tanz- beluftigungen und Vereinsveranstaltungen), gelingen, die Steuer auf ihre Besucher abzuwälzen? Während die wirtschaftliche Lage der Berliner Varietes im allgemeinen nicht zu Klagen Anlaß gibt, ist diejenige unserer Theater überwiegend eine recht schlechte. Die Anforderungen des Publikums an die Ausstattung und an die künstlerischen Darbietungen sind so groß wie in keiner anderen Stadt Europas, geschweige denn in den Mittel- und Kleinstädten Preußens, welche die Lustbarkeitssteuer eingeführt haben. Dem steht zur Seite als weiterer erschwerender Umstand die in Anbe- tracht des vorhandenen Publikums ungewöhnlich große Zahl von Unternehmungen, die miteinander in Konkurrenz treten und eine beträchtliche Ueberproduktion an Schaustellungen hervorbringen. Ein erheblicher Teil der Berliner Theater ist unter diesen Um- ständen regelmäßig wenig besucht, und gerade diejenigen Institute, die künstlerisch Wertvolles leisten, haben unter der Ungunst der Verhältniffe besonders stark zu leiden. Zahlenmäßig ergibt sich die Richtigkeit unserer Behauptungen mit offenbarer Deutlichkeit aus den Ziffern der Gewerbesteuer... Die Abwälzung der Steuer wäre aber nur dann als durchgeführt zu betrachten, wenn der bis- herige Absatz und Gewinn der Theater erhalten bliebe. Daran ist im vorliegenden Falle nicht zu denken. Die Lage der Gastwirte ist in Berlin seit vielen Fahren im Vergleich zu derjenigen der Gastwirte in anderen Städten eine sehr ungünstige. Die überaus schnelle bauliche EntWickelung Groß- Berlins hat auch auf diesem Gebiete zu einem heftigen Weit- bewerbe geführt. Geradezu kritisch gestaltet hat sich der Zustand seit Durchführung der Reichsfinanzreform; denn auf keinen Stand drücken die neuen Auflagen nur annähernd so stark wie auf den der Gastwirte... Die eigenartigen Berliner Verhältnisse führen hier wie bei den Theatern dazu, daß die Lustdarkeitssteuer in eine Sondergewerbesteuer ausarten muß. Während dos Publikum in anderen Städten gezwungen ist, die Steuer zu entrichten oder sich den Genutz der Lustbarkeit zu ver- sagen, kann es sich in Berlin der Auflage leicht dadurch entziehen, daß es seine Vergnügungen auf dem Boden einer der b e n a ch- barten Kommunen sucht. Für die Theater hat eine solche Ab- Wanderung große Schwierigkeiten; außerhalb des Gebietes der Möglichkeiten liegt sie nicht. In großem Umfange werden die Ver- anftalter von Konzerten und namentlich solche von Vereinsver- gnügungen von der Möglichkeit Gebranch machen, sich der Steuer zu entziehen. In der Hasenheide z. B. liegeK vier große Lokale auf Berliner, eins auf Rixdorfer Gebiet. Nichts ist leichter, als eine Festlichkeit, die bisher z. B. in der Unionsbrauerei stattzufinden pflegte, nunmehr in dem Ausschank der Rixdorfer Brauerei abzu- halten. Sehr schwierig wird in Anbetracht des großen zu überwachen- den Gebiets und der erheblichen Zahl der zu beauffichtigenden Betriebe die Steuerkontrolle sein, die sich in kleineren Städten ver- hältnismätzig leicht handhabt. Auch die Zahl der Denunziationen wegen Umgehung der Lustbarkeitssteuer und der daraus entstehen- den Prozesse würde in Berlin eine außergewöhnliche Höhe er- reichen. Zu erwähnen wäre von allgemeinen Gesichtspunkten noch die unverkennbar kulturfeindliche Tendenz der Steuer. Was die Höhe der Steuer betrifft, so wird sie als recht drückend empfunden werden. Wir glauben annehmen zu können, daß in der weitaus überwiegenden Mehrheit der Berliner Theater der Rein- gewinn auch in guten Jahren nicht 10 v. H. der Roheinnahmen— um soviel würde die Steuer etwa die Theaterbilletts verteuern— ausmacht. Für die Gastwirtschaften liegen uns zunächst die Be- rechnungen von zwei Brauerei-Aktiengesellschaften für einen großen von ihnen eingerichteten Ausschank vor. Danach würden diese Ge- sellschaften 16 000 bezw. 16 600 M. an Lustbarkeitsstcuern jährlich zu zahlen haben, eine Summ«, die zirka Vi v. H. des Aktienkapitals ausmachen würde. Daneben hätten die Brauereien noch den be- trächtlichen indirekten Schaden zu tragen, der sie durch die Be- schränkung des Geschäfts ihrer Abnehmer treffen würde. Ein großes Etablissement mit Festsälen berechnet den Mietswert der ihm zur Verfügung stehenden Räume auf 100 000 M. und die zu erwartende Steuer auf 36 000 M. Es würden durch den vorgesehenen Tarif die kleinen Betriebe stets erheblich höher getroffen als die großen. So hätte z. B. eine Gastwirtschaft mit 60 Quadratmeter Grundfläche, die regelmäßig Konzerte veranstaltet, zirka 720 M. jährlich, eine solche mit 160 Quadratmeter Grundfläche zirka 1080 M., eine solche mit 600 Quadratmeter zirka 2160 M., und eine solche mit 1000 Qua- dratmeter zirka 3960 M. Steuer zu entrichten. Nimmt man an, daß alle diese Unternehmungen pro 1 Quadratmeter die gleiche Miete bezahlen, dann ergibt sich, daß die kleine Gastwirtschaft von 60 Quadratmeter Grundfläche durch die Lustbarkeitssteuer mit zirka 68 v. H. des MietsbetragcS belastet wird. Der über 160 Qua- dratmeter verfügende Betrieb hat zirka 23 v. H. der Miete zu zahlen, während die beiden großen Unternehmungen nur zirka 17 und 10 v. H. aufbringen würden. Dies Ergebnis widerspricht dem mit Recht in der Steuergesetzgebung der letzten Zeit, soweit an- gängig, allgemein durchgeführten Grundsätze auf das schärfste, wo- nach die kleinen Steuerzahlen lveniger oder doch zum mindesten nicht höher belastet werden sollen als die kapitalkräftigeren. Aber nicht nur die kleinen Betriebe, sondern die weniger leistungsfähigen in ihrer Gesamtheit werden durch die Steuer härter als ihre stärkeren Konkurrenten betroffen. Die den kleinen und wirtschaftlich schwachen Gewerbetreibenden feindliche Tendenz der Steuer muß zur Folge haben, daß diese ent- weder die Veranstaltungen von Musik und Festlichkeiten in ihrem Lokal aufgeben und damit ihre Kundschaft verlieren, oder daß sie den ungleichen Kampf gegen die großen Betriebe mit ganz erheb- lich verringerter Aussicht auf Erfolg fortsetzen." Die Handelskammer macht noch weitere Gründe gegen den Ent- Wurf geltend und bittet schließlich die Stadwerordneten, dem Ent- Wurf einer Lustbarkeüssteuer-Ordnung ihre Zustimmung zu ver- sagen._ Die Gefahren des Schießens bei Kinderfesten. Zu den Be- lustigungen bei Kinderfesten gehört zuweilen das Schießen mit Armbrüsten, Pustrohren usw. Solche Belustigungen sind unter Umständen mit nicht unerheblichen Gefahren für die Kinder wie auch für die veranstaltenden Lehrer verbunden. Den letzteren können aus der Haftpflicht leicht recht drückende Folgen erwachsen, wie dies ein Haftpflichtprozeß zeigt, in dem auf etwa 20 000 Mark Schadenersatz erkannt wurde, weil bei einem Kinderfeste einem Scküler durch die Unvorsichtigkeit eines andern durch einen Schuß ein Auge schwer verletzt worden war. Aus diesem Grunde macht der geschäftsführende Ausschuß des Delitschen Lehrervereins seinen Mitgliedern den Vorschlag, in Zukunft jede Art des Schießens auf Kinderfesten gänzlich abzuschaffen, Wenn nicht die Schulgcmetnden aus- drücklich die Haftung für etwaige Unglücksfälle übernehmen. Im vierten Berliner LandtagSwahlkreise macht den Freisinnigen die Äandidatenfrage große Kopfschmerzen. In einer Versammlung freisinniger Wahlmänner wurde berichtet, daß dem Wahlkomitec nicht weniger denn 14 Wahlvorschläge vor- gelegen hätten. Das Wahlkomitee aber habe die überaus große Anzahl der Vetverber von vornherein ausschließen müssen, teils weil sie körperlich den Anstrengungen, die an die Landtagsabgeordneten gestellt würden, nicht gewachsen, anderer- seits, weil sie finanziell nicht so gestellt seien, schließlich, weil die Betreffenden doch keine Chancen bei den Wahlmännern gehabt hätten. Was insbesondere den in Vorschlag gebrachten Stadtverordneten Karl Goldschmidt beträfe, so habe das Wahl- komitee aber geglaubt, daß auch dieser Herr nicht allen Wahl- männern genehm sei, und so habe man sich schließlich auf die Kandidatur Kreitlings geeinigt. Dieser wurde dann auch ein- stimmig zum Landtagskandidaten proklamiert. Herr Kreitling ist ein Mann von 73 Jahren, der aber im Hinblick auf sein hohes Alter bei den letzten Stadtverordneteil- wählen eine Wiederwahl ablehnte. Wenn nunmehr Herr Kreitling veranlaßt wurde, die Landtagskandidatur aiizu- nehmen, so geschah das ans Furcht vor der Sozialdemokratie. Man meint, daß die freisinnigen Wahlmänner für Herrn Kreitling eher eintreten als für einen anderen Kandidaten, da unter den Herren viele Eifersüchteleien bestehen und jeder gern glänzen möchte. Damit wäre auch Herr Goldschmidt wieder einmal her- untergefallen. Für unsere Partei kandidiert Genosse Max Grnntvald. Radfahrer und Polizci-Unrnhen. Man schreibt unS: Bisher ist noch nicht die Tatsache genug gewürdigt worden, daß bei den Moabiter Stratzenkämpfen die Polizeibeamten förmlich Jagd machten auf Radfahrer. In diesen Polizcitöpfen, die ja schon so lange gewöhnt sind, immer nebenbei zu denken, hatte sich die fixe Idee festgesetzt, daß sämtliche das Moabiter Kampsviertel passieren- den Radfahrer organisierte sozialdemokratische Hilfstruppen sein müßten. Man wollte das mit bemitleidenswerter Kühnheit schließen aus der gegen sonst angeblich vergrößerten Zahl der dort beobachteten Radfahrer. Viele der letzteren in Arbeiterkleidung sind ohne die geringste äußere Veranlassung selbst am hellen Tage von Polizeibeamten in der unverfrorensten Manier belästigt toorden. Es schien der geheime Befehl ausgegeben zu sein, jeden Radfahrer als„Feind" zu betrachten. Am Donnerstag vormittag der Kampf. Woche stand ich an der Ecke der Hutten- und Berlichingenstraße, als in der Huttenstraße ein Zug von drei Kupserwagen hintereinander mit der grotesken Begleitung von etwa 40 Polizisten zu Fuß und zu Pferde einbog. Mehrere Radfahrer, die nach Charlottenburg wollten, mußten an der Ecke halten und absitzen, um den Zug vor- beizulassen. Sofort attackierten zwei Berittene, obwohl alles mäuschenstill war, die Radfahrer und forderten sie auf, sich unvcr- züglich fortzuscheren, was sie in diesem Augenblick allenfalls durch Zurückfahren tun konnten. Die Provozierung ohne jeglichen Grund stach ganz offen in die Augen und empörte die wenigen Passanten. Aehnliche Vorgänge sind zu jeder Tageszeit an anderen Stellen beobachtet worden. Selbstverständlich waren die Betreffenden harmlose Hausdiener und Arbeiter, die wie sonst alltäglich die Hauptstraßen Moabits abfuhren, vielleicht auch Neugierige, die nach dem Kriegsschauplatz geradelt waren und per Rad den Säbelklingen und Pferdehufen besser zu entkommen gedachte». Jedenfalls ist die Annahme einer Radfahrer-Organisation der reine Blödsinn ge- Wesen. Schließlich haben es viele Moabiter Einwohner aus den von der Polizei bedrohtesten Straßengebieten vorgezogen, ihre Fahrräder zu Hause zu lassen, weil sie die Zertrümmerung ihres Eigentums durch rasende Polizeier befürchten mußten. Und daS nennt Herr von Jagow: die Straße dient dem Verkehr! Besser als durch die blasse Furcht vor Arbeitcr-Nadfahrerir konnte der Nervenchok der Polizei, die am hellen Tage Revolutionsgespcnstcr sah. gar nicht demonstriert werden. Zum Ankauf des Tcmpelhofer Felde?. Der Vorstand des Ansiedelungsvcreins in Groß-Berlin ver- öffentlicht einen Aufruf an die Bürger Berlins, dem wir folgende« entnehmen: „So manches Schwere und Beleidigende hat Berlin im Laufe der Jahre und Jahrzehnte schon erdulden müssen, aber einen der, artigen Schlag ins Gesicht wie die geplante Auslieferung des Tempelhofcr Feldes an eine durch die Gemeinde Tcmpelhof nur äußerlich und formell gedeckte Spekulantengruppe hat es noch nicht erhalten. Wiederum soll der Berliner Bevölkerung ein wichtiges Stück der bisherigen, o.hnedics schon so kargen Bewegungsfreiheit entzogen werden und wiederum tvill man ein großes Stück Berliner Zukunft der Gier der Spekulation, engherzigem Fiskalismus und blödem Städtehaß opfern! Zu alledem hat man es gewagt, der Reichshauptstadt eine direkt unwürdige Behandlung zu bieten! Aber noch ist die Schlacht nicht verloren! Anhaltende und tapfere Gegenwehr kann das Schicksal sehr wohl noch wenden, und auf alle Fälle bietet sie allein die Gewähr einer besseren Zukunft. Der Ansiedelungsverein Groß-Berlin hat sich entschlossen. zur Rettung des Tempelhofer Feldes für Berlin eine kräftige Agitation zu entfalten und alle Hebel in Bewegung zu setzen. Er ist bereit, diejenigen, die mit ihm das gleiche Ziel erstreben, durch Lieferung von Material, durch Vermittelung von Rednern und auf andere Weise zu unterstützen. Dagegen bittet er auch seinerseits alle Gesinnungsgenossen um ihre tatkräftige Hilfe, insbesondere auch durch rechnerische Mitwirkung, durch literarische Betätigung, sowie durch Zuführung von Geldmitteln." Das„Reue Montagsblatt" dürfte bald ausgelitten haben. Fast sämtliche Straßenhändlcr haben es abgelehnt, diesen„nationalen" Scharfmacherlvisch im Straßenhandel zu verbreiten, weil sie sich mit der unverkäuflichen Makulatur nicht erst herumschleppen tvollen. Selbst an denjenigen Stellen, wo der Vertrieb übernommen wurde. ,st die Nachfrage ganz gering. Inzwischen hat auch die„Deutsche Tageszeitung" das Bedürfnis verspürt, ein Montagsblatt erscheinen zu lassen. Das ist doch noch eher Ibas, denn über PrügelörtelS Ergüsse kann man wenigstens lachen. Ein treuer Parteigenosse ist in der Person des RestaurateurS Hermann Ra m low in Schönholz plötzlich vom Tode ereilt worden. Vom Beruf Vergolder war er schon im Jahre 1882 in seiner Ge. werkschaft tätig und nahm damals an dem in demselben Jahre aus- gebrochenen Streik der Vergoldcr lebhasten Anteil. Unter seinen Kollegen wirkte er auch für die Partei. Als im Jahre 1884 die Bezirksvereine gegründet wurden, schloß sich Ramlow der Partei an und trat im fünften Kreise in die Reihen der Genossen, die in der opferwilligsten Weise für unsere Sache wirkten. Sein Tätig. keitsgobiet war das Landsberger Viertel, obtvohl er in der Veteranenstraße wohnte. Große Mühe gab sich der Verstorbene. für die Partei Munition heranzuschaffen. Später wechselte Ramlow seinen Beruf und übernahm eine Schankwirtschaft. Tie Genossen übertrugen ihn dann das Amt eines Stadtverordneten, das er vor cttva zwei Jahren infolge seines Verzuges nach Schön- holz niederlegen mußt«. Die Genoffen, die den Verstorbenen ge- kannt haben, werden ihm ein gutes Andenken bewahren. Kleptomanie bei Psychiatern. In der Ausstellung für Irren- pflege befindet sich dicht beim Sitzungssaal des Kongresses ein etwa 20 Meter langer, von Psychiatern stets umlagerter Stand einer be- kannten Berliner medizinischen Buchhandlung. Dieselbe bat sehr trübe Erfahrungen gemacht. Die Herren Psychiater haben nämlich außerordentlich viele der zur Ansicht aufgestellten Bücher und Bro- schüren, darunter dickleibige Bände von erheblichem Werte, einfach mitgehen heißen. Das Stibitzen hatte am zweiten Kongreßtage solchen Umfang angenommen, daß besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen werden mußten. Unsere Psychiater, die sich so oft mij Kszpsomcmie(Stehlsucht) BefchöffißCn und schon manchen vornehmen Langfinger vor dem sonst sicheren Gefirngnis retteten, scheinen sich also hier mal selbst aluVtnlevtomancn" betätigt zu haben. Natürlich nur in ebensolchem wifsenschnitlichen Interesse, als ob derartige Gemütsmenschen begrabene Leichen nachträglich plündern oder Patienten unberechtigt tauge die Freiheit stehlen, wobei ja mit- unter auch der Geldbeutel auf seine Rechnung kommt. Beraubt und ins Wässer geuiorfcn Ivurde in der vergangenen Nacht der Fabrikbesitzer Eduard Wcrtheimer aus Bielefeld, ein betagter Mann, der sich augenblicklich in Berlin aufhält und im Monvpolhotel wohnt. In der vergangenen Nacht um 3 Uhr hörten Leute auf einem Dampfer, der gegenüber dem Grundstück Alexander- Ufer Nr. 1 im Humboldthafen liegt, als sie mit dem Heizen der Kessel begannen, in ihrer Nähe ein schweres Stöhnen. Sie sahen nach und fanden niebt weit vom Ufer den Körper eines Manne- treiben. Unverzüglich machten sie sich an die Rettung, holten den Mann ans Land und brachten ihn, nachdem sie die Polizei be- nachrichtigt hatten, nach der Eharits. Wertheimer war schon fast besinnungslos. Es war ihm eine erhebliche Menge Wasser in die Lunge eingedrungen. Nachdem er sich etwas erholt hatte, teilte er mit, dag er gestern abend das Residenztheater' besucht habe. Nach der Vorstellung habe er zu Abend gegessen und dabei einige Glas Bier getrunken. Dann habe er noch einen Spaziergang gemacht. Wo das gewesen ist, weist er nicht. Die Darstellung des Beraubten macht keinen überzeugenden Eindruck und auch. die Polizei steht der Sache sehr sreptisch gegenüber. Grofje Aufregung rief gestern abend ein durchgehendes Gespann in der Großen Hamburger Straße hervor. Aus noch nicht auf-' geklärter Ursache war dort ein Pferd eines Wagens der Ersten Ber- lii'.er Wäschemanufäktur von Franz Wagner aus der Mühlenstr. 77 scheu geworden und raste die Straße entlang in der Richtung nach der Oranienburger Straße. Alle Bemühungen deö Kutschers, das Fuhrwerk zum Halten zu bringen, waren vergeblich. Das erregte Pferd stürmte auf das Haus Oranienburger Straße 8S zu und galoppierte direkt in das Schaufenster der Firm aSilber- st e i n, so daß die große Scheibe klirrend in Trümmer ging. Das Pferd zog sich stark blutende Schnittwunden an der linken Körper- feite zu und wird jedenfalls getötet werden müssen. Der Kutscher Anton Vogutzki erlitt gleichfalls schmerzhafte Verletzungen und mutzte sich in ärztliche Behandlung begeben. In dem Schaufenster selbst wurde natürlich durch den unerbetenen Besuch viel Schaden angerichtet. Nnverantwortlicher Fahrftuhlbctrieb. Gestern vormittag ll'/z Uhr biihte ein Kutscher, der bei dem Tischlermeister Wegener in der Dstader Sir. 10 beschäftigt war, durch ein Fahrstuhlunglnck sein Leben ein. Ihm wurde die Schädeldccke von der Stirn auS aufgerissen. Ein Arzt war bald zur Stelle, ein Krankenwagen auch, aber der Verunglückte ivar rettungslos verloren. Man wird seinen Tob seiner Unvorsichtigkeit zuschreiben. Damit kommt man ja am leichtesten über die Frage hinweg, wer die Verantwortung für den Unglücksfall trägt. Aber der Mann war erst einige Tage in dem Geschäf: tätig, war mit dem etwas eigentümlichen Betriebe dieses Fahrstuhles wohl nicht recht- vertraut, mußte aber gleichwohl damit arbeiten. Der Fahrstuhl, auf dem die drei im Hause befindlichen Tischlereien ihr Material und ihre Waren transportieren, wird von außen in Bewegung gesetzt, und da man nicht anders über die Bekleidung hinauSreichen kann, steht an dem Fahrstuhl eine dreistufige Trittleiter, auf die man hinaussteigt. Diese Bedienung von außen ist eigentlich un- zulässig, und es fehlte auch nicht an der Vorrichtung, den Fahrstuhl, wie eS sich gehört, vom Innern des Hauses aus in Bewegung zu setzen. Aber das hält man offenbar für zu zeitraubend. Ein be« soliderer Fahrstuhlführer ist nicht vorhanden, obwohl für einen solchen Mann genug zu tun wäre. Daß die Art dieses Fahrstuhl« betriebes lebensgefährlich ist, zeigte sich schon im Mai vorigen Jahres. Damals mußte ein Tischlerlehrling sein'Leben lassen. Jhut war durch den unglückseligeist Fährstuhl der Leib aufgerissen worden. Er sagte zwar kurz vor seinem Tode, daß er selbst schuld an dem Unfall sei, aber der junge Mensch wußte natürlich nicht, wie ein Fnhrstuhlbetrieb beschaffen sein muß, welche Schutzmaßregeln notwendig sind, um Unfällen vorzubeugen. Nach« dem der Lehrling verunglückt war, wurde die Tritrleiter beseitigt, aber nur auf einige Wochen. Seitdem steht sie wieder da, als ob sie unbedingt zum Fahrstuhl gehörte. Die Gefahr dieses Fahrstuhl- betriebes ist um so größer, als auf den Hof tngtägljch Frauen mit Kindern oder auch Kinder allein kommen, um Holzabfälle zu kaufen. Jevenfalls scheint ,eine Aenderung des FahrstuhlbetriebeL dringend notwendig. Auf dem Bauplatz des'Königlichen Opernhauses brach gestern nachmittag kurz nach 4 Uhr durch Ueberkochen von Teer Jeu er auS. Die anwesende Sicherheitswache der Feuerwehr griff sofort ein und löschte den Brand im Keime.— Fast gleichzeitig hatte die Wehr in der S ch w e d c n st r. 16 und in der L i n i e n st r. 26 zwei andere Brände zu löschen. In der Schwedcnstraße hatten sich Films in dein Kellerraum eines Kinematographentheaters entzündet. während in der Linienstraße ein größeres Quantum Pctro- leum Feuft gefangen hatte. An der letzten Stelle mußte Brand- meister Sandberg längere Zeit Wasser geben lassen, um die Gefahr zu beseitigen. Deutscher Brieiter- Sängerbund sGau Berlin und Umgegend). Vereinigt haben sich die Vereine Lyrania und Nordost unter dem Namen Nordost-Lyrania. Dienstag bei Behersdorf. Elbstiger Str. 9. .— Borax und VorwärtS-Südost unter dem Namen Männerchor Vorwärts. Donnerstag Naunynstr. 6, Naunvnsäle.— Einigkeit und Sängerchor RummelSbnrg unter dem Namen Männerchor Boxhagen- Rummclsburg. Freitag bei Tempel, RummelSburg, Cafö Bellevue. Lermifit wird seit dem 21. September der nervenkranke Arbeiter Friedrich Klein, Utrechter Str. 5, 1,73 Meter groß, 23 Jahre alt. Bekleidet war er mit drintleni Fackett-Anzug, vlangeslreifler Bluse, trug weißes Unterhemd, steifen Hut und Säinürstiefel. Nachrichten erbitten über den Verbleib desselben die Angehörigen. Unkosten werden vergütet._ Vorort- Nach rieb tm Gchssneberg. Durch die MandatSniederlegung de« Genossen Wollermann im Ss Bezirk der III. Abteilung ist eine Nachwahl erforderlich, die ans Mittwoch, den 26. Oktober, von vormittags S Uhr biS 8 Uhr abends angesetzt ist. Da der Bezirk geteilt ist, so wählt die CheriiSker-, General-Pape«, Koloiinenstr. 11—31, Leuthen-, Roßbach-, Torgauer-, Gustav-Müllerstraße, Gustav-Müller» platz und Köiiigsweg in der Turnhalle der 2. Realschule, K o l o n u e n st r. 2l /28. Der 2. AbstimmimgSbezirk: EberSstr. 1—13, Feurigstr. 1—24 und S3— 63, Herbert-, Koloiinenstr. 1—10 und .Kaiser-Wilhelmplatz wählt in dem Restaurant Matuschöck, >Kb ersstri 1. Für jeden in die Liste eingetragenen Wähler wird eine auf seinen Namen lautende AnSweiSkarte ausgefertigt— und soweit nicht etwa ein WohnmigSwechsel nach außerhalb stattgefunden hat oder die innerhalb der Stadt veränderte Wohnung unbekannt ist— zn- gesandt werden. Wer von den Akhlern bis zum 2t. Oktober nicht in den Besitz einer Karte gelangt ist, kann sie von diesem Tage ab im Rathause, 3-Treppen, Zimnier 51,- werktäglich von 8 bis 3 Uhr in Empfang nehmen.< Bei den Dahlen im November 1909 erhielten die Kandidaten der Sozialdcmolratie, die Genossen Hoffmann 654 Stimmen und Genosse W o ll e r m a n n 656 Stimmen, während die Liberalen 634 Stimmen erhielten. In dem Bezirk ist ein Mieter zu wählen. Die organisierte Arbeiterschaft hat den Genossen A l b i n M o H S aufgestellt. ES gilt, die kurze Frist bis zum Wahltage kräftig auszunützen, damir unsest Kandidat Genosse Albin MohS nicht nur gewählt, sondern mit einem erheblichen Zuwachs au Stimmen in das Stadt- Parlament einzieht. (Sroft-Lichterfelde. Der BildungS- und Jtigendausschusi hat für das Winterhalbjahr verschiedene Veranstaltungen getroffen, die rege Unterstützung durch die Arbeiterschaft verdienen. Das Programm sieht für den 9. Oktober eine Besichtigung des Nkuseums für Meereskunde vor. Treffpunkt früh 8 Uhr am Händelplatz. Am 16. Oktober findet eine Fuß Partie nach der Machnower Schleuse statt; Treffpunkt früh 8 Uhr im Restaurant Wahrendorf, Bäkestr. 22. Für de» 23. Oktober ist im Restaurant Wahrendorf ein Unter« haltungsabend(Lustiger Abend) unter Mitwirkung des Schauspielers F. Richard vom Deutschen Theater arrangiert worden. Beginn pünktlich 7 Uhr. Weiter sieht das Pro- gram», einen VortragSkur sus über daS Zeit- alter der Reformation vor. Vortragender Genosse Max Schütte. Die Vorträge finden statt am 2.. 9., 16. und 23. November im Restaurant Wahrendorf, abends 8'/, Uhr. Für den 12. Februar ist Herr Th. Meenzen gewonnen worden, der in einem Lichtbildervortrag die Natürliche Schöpfungsgeschichte behandeln wird. Am 13. März findet eine Märzseier statt. Für die Jugend werden an jedem Sonntagnachmittag von 3 bis 9 Uhr im Restaurant Wahrendorf, Bäkestraße 22, Spiele arrangiert. Es wird sich für die an den Veranstaltungen interessierten Ge- nossen empfehlen, vorstehendes Programm aufzubewahren, damit sie stets auf dem laufenden bleiben. Nowawes. Der hiesige BildniigSauSschnß veranstaltet am Sonntag, den 9. Oktober, im Lokal des Herrn Schmidt, Wilhelmstr. 41—43, seinen ersten Theaterabend. Zur Aufführung gelangt: „Kaseritenlmt', Schauspiel in vier Akten von Hermann Marlin Stein und Ernst Söhngen. Eintrittskarten a 60 Pf. sind in den be- kannten Verkaufsstellen zu haben. JAgendveranstaltunge». Tchgneberg. Sonntag, den 9. Oktober, veranstaltet der Kugend- ausschuß in den Neuen Ralijaussälen, Martin-Luther-Str. 61, eine Jugend- feiet, bestehend aus einem Feflvortrag an die jchulentlassene Jugend, Ge> sangsoorträgen, Rezitalioncii, Konzert und Sologesängen. Mitwirkende: Fril» Tarnow— Festrede, Lucic Atice König— Gesänge, Helen Woytich— Violine, Leo Kcstcnberg— Klavier. Emil Kühne— Rezitationen, und Schöneberzer Männerchor. Wir ersuchen die Arbeiterschast SchöncbergS, sich mit ihren Söbnen und Töchtern recht zahlreich einzufinden. Da? Eintrittsgeld beträgt für Erwachsene 20 Pf. Jugendliche haben fielen Eintritt. Der Protestverfamniliingen wegen wird eine Stunde später wie auf de« Programme» aiigegebeu, begounen, und zwar präzise Z'l, Uhr. Freie Jugendorganisation der östliche» Vororte. Sonnabend, den ij Oktober, abends 3 Uhr, im tleiiien Saal des Safe Bellevue, auiicc» ordentliche Gciieralvcrsainmlimg. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 8. Wahl des ersten Borfidenden. 4. VereinSangelegenhelten.— 3. Zlbteilniig. Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags 3 Ubr, Bersamm- lung und Vortrag bei Dimd«, Friedrichstraße, Ecke Sophienstraße. Gerichts- Leitung. In dem Prozeß gegen die„Wahrheit", welcher bekanntlich am 24. d. M. zur Verhandlung kommen soll, ist noch in letzter Stunde ein Wechsel in der Besetzung des Gerichts infolge der Erkrankung deS LandgerichtSrats Regcnberg ein- getreten. Als Vorsitzender wird nunmehr Landgerichtsrat Lampe fungieren. Aus dcn� ganzen Aktenmaterial, welches sich schon zu einer kolossalen Höhe angehäuft hatte, hat die Staatsanwaltschaft nur fünf Fälle herausgeschält. Und zwar handelt es sich in diesen um angebliche Erpressungsdersnche gegen die Inhaber der Firmen Wertheim, Jandorf, Israel, gegen den Pianofortefabrikanten Hintze und gegen den Rentier Drciwurst. Von dem Gericht sind offiziell zirka 79 Zeugen geladen. Von den Rechtsanwälten Dr. Schwinbt, Brcderek, Jul. Meyer I und Grünspach ist ferner noch die Ladung von zirka 199 Zeugen beantragt worden. Das Gericht hat die Beschlußfassung über diese Zeugenladungen sich bis zu der Hauptverhandlung vorbehalten. Die Verhandlung, die in dem kleinen Schwurgerichtssaal im alten Kriminalgerichtsgebäude statt- finden soll, wird voraussichtlich zwei Wochen in Anspruch nehmen. LehrlingSmißhandlunge». In der letzten Sitzung des Potsdamer Bezirksausschusses wurde ein VerwaltungSstreitverfahrcn gegen den Schlossermeister Karl Ernst sc», aus Belzig verhandelt. Es betraf Entziehung der Befugnis zum Halten von Lehrlingen. Karl Ernst sen. stand einige Male mit seinem als Lehrlingsschinder nicht minder tüchtigen Sohn vor der PotSdamer Strafkammer. Vater und Sohn hatten in den Jahren 1903— 1903 die unglaublichsten Miß- Handlungen sich zuschulden kommen lassen. Am schlimmsten er- ging eL den Lehrlingen FenSke, Göritz und Thimm. Ein Lehr- ling wurde beim Schmieden mit glühendem Eisen geschlagen, ein andermal stieß der Meister den Lehrling mit dem Gesicht in die abgekühlte Esse. DaS Belziger Schöffengericht verurteilte den Vater zu 1999 und den Sohn zu 199 M. Geldstrafe, die Potsdamer Strafkammer änderte am 17. März v. I. die Strafen auf 600 und 200 M. Geldstrafe. Gegen diesen Prügelmeister erließ auf Antrag der Berliner Handwerkskammer der Lcmdrat von Zauch- Belzig, Herr v. Tschirschky, eine Verfügung, in der dem Meister die BrfngniS zur Haltung von Lehrlinge» auf drei Jahre ent- zogen wurde. Gegen diese Verfügung erhob Ernst Einspruch, der vor dem KreiSausschutz verhandelt wurde. Dort beschränkte man die Frist, während der Ernst keine Lehrlinge ausbilden darf, auf ein Jahr. Damit noch nicht zufrieden, ging Ernst zur zweiten -Instanz. Vor dem Bezirksausschuß führte E. die gute Behandlung, die sein jetziger Lehrling erfährt, als entkräftendes Argument ins Treffen. Der Bezirksausschuß bestätigte das Urteil erster Instanz. Bedauerlich, daß die beiden Prügelhelden nicht mit Ge- .fängnisslrafen belegt und daß ihnen nicht auf Grund deS Z 126a der Gewerbeordnung die Befugnis zur Lehrlingshaltung völlig söhne Zeitbegrenzung) entzogen ist. Eine Art Kinbesunterschiebung beschäftigte gestern unter Vorsitz des LandgerichtSrats Neumann die dritte Strafkammer des Landgerichts I. Wegen Vergehens gegen das PersonenstandSgesetz, intellektueller Urkundenfälschung und Uebertretnng deS Z 360 Et. G. B. war die Frau Marianne KuczinSka angeklagt.— Ter Ehemann der Angeklagten befindet sich seit etwa Jahresfrist in Amerika, Ivo er einen zweijährigen Kontrakt mit einer Firma abgeschlossen hat. Die Angeklagte tröstete sich auf manchem„Witwenball". Die Folge war, daß sie eines Tages die unangenehme Wahrnehmung machte, daß sie ihrem Ehemann einem Familienzuwachs bescheren würde, welcher diesem aus dem Grunde nicht gelegen kommen konnte, weil er schon vor fast einem Jahre Deutschland verlassen hatte. Als. Vater des zu erwartenden Kindes kam außerdem noch der eigens Schwager des Angeklagten in Frage. Um sich aus dieser heiklen Situation heraus« zuhelfen, kam die K. auf folgenden Plan. Sie ließ sich aus ihrem Heimatsort eine beglaubigte Geburtsurkunde mit dem Namen und den Geburtsdaten ihrer Schwester schicken. Diese benutzte sie dann bei ihrer Aufnahme in die Kgl. Eharite in Berlin. Alles wäre auch ganz glatt gegangen, wenn nicht eines Tages die Schwester der Angeklagten vom Vormundschaftsgericht die Aus- forderung erhalten hätte, den Aufenthaltsort ihres Kindes anzu- geben. Die Schwester war natürlich wie aus den Wolken gefallen, als ihr plötzlich in dieser Weise ein Kind„untergeschoben" wurde. Die Ermittelungen führten zur Erhebung der jetzigen Anklage.— Das Gericht erkannte auf 1 Monat Gefängnis und 3 Tage Haft. Versammlungen» Folgende Erklärungen gehen uns mit dem Ersuchen um Ab» druck zu: Die Ausführungen im Bericht Berlin V bringen eine ganz entstellte Wiedergabe meiner Worte. Ich habe zur Budgetdebatte ausgeführt:„Entgegen den Anschauungen Liepmanns bin ich der Meinung, die Debatten werden wiederkehren, allerdings nicht jetzt angesichts der Kämpfe zur Reichstagswahl, sondern nachdem. ES ilt für uns aufmerksam zu sein, damit nicht wieder derartige Vor- ommnisse, wie sie durch den Genossen Frank auf dem Parteitag hervorgerufen wurden, eines Genossen, der wissen mutz, was sich geziemt, sich wiederholen. Man muß dieses Benehmen gegen die Mehrheit des Parteitages als grobe Brüskierung bezeichnen." „Die Ausführungen der Genossen Kolb, Hildenbrand und andere in den Artikeln der„Sozialistischen Monatshefte" lassen den Vermutungen einer Wiederholung der Budgetdebatten Raum." Zuletzt habe ich ausgeführt:„Möge dem nun sein, v-ie es wolle, der Frieden ist vorläufig befestigt, jetzt gilt der Kampf unseren Gegnern, da heißt es einig sein, später werden wir sehen, mit den Gegnern in unseren Reihen fertig zu werden." Ein Wort von„Frakturreden" usw. ist mir nicht in den Sinn gekommen. Hermann Weise, Berlin V. Und aus dem vierten Kreis: Der Berichterstatter läßt mich sagen: ich hätte bedauert, daß der Bissingsche KorpSbefehl und die Polizeischlachten in Moabit „nicht schon bei der Verhandlung über die Wahlrcchtsfrage bekannt waren". Das habe ich selbstverständlich nicht gesagt; denn 1. wurde der Inhalt des Bissingzirkulars ja bei Eröffnung derDiskussionüberdieWahlrechtsfragebekannt- gegeben, 2. konnten die Moabiter Polizeiattacken vom 27., 28., 29. September 1910 unmöglich schon am 23. September 1910 in Magdeburg„bekannt" sein! Ich habe in Wirklichkeit(dem Sinne nach) gesagt:„Schade, daß nicht vor Beginn der Verhandlungen über die badische Budzetbewilli- gung 1. das Bissingsche Zirkular„bekannt" war, 2. die Polizei» attacken in Moabit sich a b g e s o i e l t und 3. die deutschen Unter« nehmer ihre jüngsten ungeheuerlichen AuSsperrungsgelüste bekundet haben. Denn ich hätte sehen mögen, ob die süddeutschen Genossen auch dann noch gewagt haben würden, ein Verhalten zu beschönigen, daS letzten Endes darauf hinausläuft, der deutschen Sozialdemo« kratie die absurde Idee eines»Blocks von Bebel bis Bassermann" schmackhaft zu machen." Georg Davidsohn. EmgeFSNZcne Drudifckriftm. Don der„dteue» Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben dos 1. Hest des 2g. Jain'gangZ erschienen. G? hat folgenden Jnball: Eine akademische Jubclseler.— Splitter zur Biographie von Karl Marx. Bon Franz Mehring.—„Reformieren wir die Arbeilerpartei.« Bon J. Kotig kn (London).— Die Teuerung. Bon Dt. Nachiinson.— Der Tarisverlrag in der gewerblichen Relbtiprechung. Bon Friedrich Kleeis(Haile a.«.).— Erklärung. Von Karl Rädel.— Lilerariiche Rundschau: Paul srampffmey«, Geschichte der GesellschastSllasseu in Deutschland. Von Heinrich Cnneio. Henryk Sicnkiewlcz, Pr-usae et Pologno. Von Hermann Wendel.— Zeitschristenschau._ BrUfhaften der Redafitioit. 9t. G. 14. Zur Erhebung de? Eintrittsgeldes Ast die Kasse in diesem Falle nicht berechtigt. Legen Sie-- anher dein Buch der Jniiunäskaffe— Ihren Militärpaß vor und beschweren Sie sich, satl» die Kasse bei ihrem Standpunkt verharrt, bei der'ilussichtSbebörde.— ll.<9. Ä7. Reklamieren Sie sofort. Sie waren nur oerpslichlet, für die Zeit bis zum 8>. Dezember 1309 die Kirchensteuer zu bezahlen.— Z. At. li>. Nein.— P. 911. 77. 1. Wenn Sie den Nachluets führen können, daß Sie in der angegebenen Weise übervorteilt sind, so lönnen Sie in dem anhängigen Verfahren Wider- klage erheben. Diese wäre ans Betrug zu stützen. 2. An die Gemeinde- Verwaltung.— P. 91k. IL. Das hängt davon ab. ob noch Bedürftigkeit vorliegr.— 2S. 82. Fragen Sie bitte bei dem Ausschuß der tzlewerkschasis- kommission, Engcluser lö, an,— Ulner, Sebasiiaiistrasiv. Fordern Sie den Vermieter zunächst unter Setzung einer Frist zur Vescitigung deS Un- gezieserS aus.— H. B. 7. Ihr Sohn soll sich beim Koniulat stellen.— 9». W.!), III. Nein.— P. Slk. 74. Ein solcher Anspruch besteht nicht. — W. G. 17. Nein.— Genosse H. W. 80. 1. Ja. 2. Ja, wen» Sie die Behauptung beweisen können. Der tatsächlich« Schaden ist einklagbar. 3. KausmannSgericht._ Slmtlirticr llltarNbertche der städliichen Marttballen-DIreMon über den Großhandel in den Zeiilral-Markthallen. Vllortflnpe: F l e i i ch: Zusuhr stark. Geichäst reye, Preise sür Hammelfleisch nachgebend, sür Kalb- und Schweitteflelsch anziehend. Wild: Zufuhr genügend, in Rehwild knapp, Geichäsi levhasl, Presse fast sunverandert. G e j i ü g e I: Zuinhr reichlich. Geichäst etwa» rege. Preise ausbessernd Fische: Zusuhr mäßig, Ge'chäu ziemlich lebhaft, Preise wenig verändert. Bult er und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüse, Obst und Süd- fr ü ch t e: Ziisubr meist über Bebars, Geschäft schleppend, Presse behauptet, Blumenkohl und Bananen nachgebend. RvitternngSnberstckit vom«. Oktober 1910. morgens H Ubr. Wetterprognose kür Freitag, den 7. Oktober 1910. Ziemlich kühl, vorherrschend wolkig oder nebelig bei mäßigen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rbureau. «vasserstandS-Nachrickiten st-f bedeute! Wuchs,— Fall, st Unlerpegel. Nach tclegraphsschcr Meldung fit die Oder fest gestern stark g c- st I< g e n, ihr Flur ich eitel liegt heute betOlsau, am Morgen betrug der Wasserstand bei Rattbor 430 cm. Am Sonnabend gelangt zur Ausgabe: EslrabM �„Wahrest Jacob". Das Extrablatt wird sich in Text und Bild in humoristisch-satirischer Dar- stellung mit den Polizeischlachten befassen, die von den Truppen des Herrn v. Jagow der Berliner Bevölkerung in den Straßen von Moabit geliefert worden sind. ♦♦♦♦♦♦♦♦ Preis 10 Pfennig. Buchhandlung Vorwärts, Lindenstr. 69. ÜDU DDD □OD gveita», 7. Oktober. Anfang Vl2 Nhr. Nenes königl. Opcrn-Theater. Tannhäuser. König!. Tchairspielhaus. Die Räuber. Deutsches. Sjcwst. Ä a in m e r i P i e l e. Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Komische Oper. Die Boheme. Ansang S Uhr. Lefstng. Das Konzert. Bertiner. 2,!usikantenmädel. Neues. Die goldene Ritterzelt. Neues Tchaiisvieldaus. Tartüff. Herr v. Pourceaugnac. Nejidenz. I>!od!e-iso oblixs. Klriues. Der ttiebestrant. Die Kensur. sAnsang 7'/, Uhr.) Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller<». Wattncr. idealer.) Der Dummkops. Schill e> t> parlottenburg. Robert und Bertram. Friedrich. Wilhelmstädtisches. Kletten. Niobe. Berliner Bolköopcr. DerTroubw dour.(Ansang 8'/, Uhr.) Luisen. Der Fähnrich im Kloster. Westen. Die schönste Frau. Modernes. Die beste der Frauen. Trianon. Pariser Witwen. Neues Loeretteo. Der Gras von Luxemburg. LustipielhauS. Der Feldhemr Hügel. Herrnfeld. Gne verlorene Nacht. Der Derbhfieger. Rose. Othello. FolieS stfaprice. Der schwarze Schimmel.— Volle Pension. (Ansang i1!, Uhr.) Metro rot. Hurra— Wir leben noch l Kasino. Der schneidige Nudols. »poUo. Spezialitäten. Vaisagr. Epezintiläten. Reichsballen. Sleittner Sänger. Wintergarren. Spezialitäten. Karl Haverland. Svczialitäten. Sanssouci. Nu hat's geschnappt. Spezialitäten. Urania. Z'auvenslraste Nachm. i Uhr: In den Dolomiten. Abends 8 Uhr: Festoortrag sür den Deutschen Kolonialkongreg. Stenxuarre. gnvalideiistr. 57— 62. Lessirsg-Theater. 8 Uhr: Das Konzert. Sonnabend sUhr: Wen« der junge Wein bläht. LerZiner Volksoper Abends'/.g Uhr: ver Iroui?s6our. �1138 sllSStgs. Freitag bis Sonntag: Lis gctos Rilterzeit. Ansang 8 Uhr. Montag Gastspiel Ferdinand Bonn: Abschied vom Regiment.— Das ge- wisse tttlvas�_ Berliner Theater. Heute 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese. Aas Wnjll'.knttnnlädt!. Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. I>Ic b.-liUnxtc Fr an. Sonnt. 3'/« Uhr: Ein WaUertraum. Modernes Theater (früher Hehbelcheatar). Heute und täglich 8 Uhr: nie Bebte der Frauen. Schiller-Theater. Schiller-Thealer 0.(Wallner-Theal.) Freitag, abends LUHr: Zum ersten Male: Der Lustspiel in 5 Aufzügen o. L. Fulda. Ende 10'/. Uhr. Sonnabend, abend? 8 Uhr: Der DaminKopl'. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Neue Jugend. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Dumnikopf. Der sensationelle Erfolg des LUNA-PARK veranlaßt die Direktion, das beliebte Vergnügung»- Etablissement bis Ende Oktober offen zu halten und eich für die große Gunst, die ihm das Publikum entgegenbringt, dadurch erkenntlich zu zeigen, daß von nun ab, mit Ausnahme des Sonntags, jeder Besucher, der an der Kasse Eil''--...... zu einer beliebigen Attraktion Theater eine Eintrittskarte löst, gleichzeitig aktion inkl. ein Freibillett erhält. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Nachmittag 4 Uhr: In den Dolomiten. Heute abend 8 Uhr: Festvortrag für den Deutschen Kolonialkongreß. Beginn der.Hörsaal- Zyklus- Vorträge am 1®. Oktober. Prospekte kostenlos. Friedrich-WiltielnistädtjsGhss Schäuspieiiiaus. Freitag, den 7. Ölt, abends 8 Uhr: Kletten. ZumSchlutz: Mobt. Soimab.: NevolutionShochzeit. Sonntag nachm. 3 Uhr: Bieder- leute. 8 Ubr: Kricnihilds Rache. Montag: Biedcrleute. Binsen-Theater. Premiere 1 Der Fähnrich im Kloster. Schauspiel in 3 Alten von C. Albert. In Szene gesetzt vom Dir. C. Alving. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung: Die Schwanenprinzessin. Uhr: Die Brüder v. St. Bernhard. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die ichöne Ungarin. 8 Uhr: Der Fähnrich im Kloster. Montag: Durchgegangene Weiber. Lisstspioihaus. Heute abend 8 Uhr: Der Feldherruhugel. E�esidenzs-Tlieater. Direltlon: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Noblesse oblixe. Schwant m 3 Akten von Hennequin und Vcber. Morgen und folgende Tage 8 Uht: Xoblcsse obllge. JHefropo!' Theater. Hurra!!! Wir Irbm noch? Große Ausstattungsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. B. Holländer. Ii! Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. IOSE=TKEAW Grufje Frankfurter Str. 182. Ans. 8 Uhr. Ende>/,11 Uhr. Othello. Soimab. nachm. 4 Uhr: Aschen- drädel. Passage-Theatsr.- Abends 8 Uhr: � Die Jungfrauen i von Sals. Die 8 mystischen Schatten und die großen Attraktionen des Oktober-Programms.» Passage-Pauoptikmii. Prinz Atom, der kleinzte Mensch aller Zelten lebend! Buddhas dunkles Qehelmnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Alles ohne Extra-Entree! Eintr. SO Pf., Kind. u. Soldaten 1 5 PI. 8 Uhr: Das Progr. d. Sensationen 8" Vcr-botcu« Fracht. 9'/« Uhr: Gastspiel RudoBf Schildkraut Gisela Schneider-Nissen usw. Saharet in ihren neuen Kroationen. Reynolds and Ounegun das amerikanische Tänzerpaar in vollendeter Rollsohuh-Moislerjchaft. The 6 MowatU, hervorragendste Keulen. Jongleure.— Vasco, da» oerrückte Musikaenie.— Vamagal»- Truppe, javanische Equilibristen.— Bowden and Stol, komische Akrobaten.— The S Meers, humoristischer Drahtseil- Akt.— W. C. Fleldi, der wortlose Spatzinacher. � Boganny- Truppe: Die lustigen Bäcker.— Bert l.e»>, Zeichner eigenen Genres.— 12 sun- Shine girls, engl. Tanz-Eusemble.— Biograph, neueste Ausnahinen. Alt-SIuabit 47/4». Sonntag, den 9. Ollober 1910: Das verlorene Paradies oder: Der Streik. Sireitlomidie in 3 Auszügen von L. Fulda. Kassenerössn. 6'/, Uhr. Ans. VI, Uhr. Nach der Vorstellung:'i'unis. Karl Haverland- Ansang Thoaian Kommandanten- präz. 8 Uhr. 1 ücutcl, st ratze 77/79. MstijndiglitllesAogrlttNNl Nur trstklass. SpeMlitäten. Heute nach der Vorstellung: Rull. „Or o ß-Ilerlin" Theater- und Variett-Ensemble. Freitag Artoshol': 8 Uhr: OoiK Oosor oder: König u. Strasieusängerin. Enlroe 30 Pk. AbonnementsermBSigung Tanz."TpQ Sonntag nachm. und abends: PnhlmaunS Theater. Schiller-Theater Charlottenburg. Freitag, abends 8 Uhr: Robert und Bertram. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Naeder. Ende 10°/, Uhr. Sonnabend, nachm. 3 Uhr: Wilhelm feil. Sonnabend, abends 8 Uhr: Robert und Rcrtram. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Rgmoat. Sonntag, adends8Uhr: Robert und Rcrtram. Sozialdemokratischer Wahlverein des vierten Berliner Reichstags-Wahlkreises. Sonntag, den 9. Oktober, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29; HERBST-FEST unter Mitwirkung des Berliner Humor- Quartetts, von Mitgliedern des Turnvereins„Fichte" und des Arbeiter- Sängerbundes. xxxxxxxxxxx Konzert und Tanz, xxxxxxxxxxx Kassenöffnung 4 Uhr. 221/1* Anfang 5 Uhr. Deutscher Metallarbeiter-Verband. Ortsverwaltung Berlin. Südenbezirke u. Rixdorf. LS« Seit SO Jahren der gröfttc Erfolg?"V Gme verlorene Nacht Ein lustiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Hierzu: Der Drrby-Sieger. Sportkomödie von August Neidhardt. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11— 2(Theaterk.). Sonnabend, den 8. Oktober 1910, im großen Saale der„Neuen Welt Hasenheide 108—114: •• Herbst-Vergnügen bestehend in Konzert, ausgef. v. Neuen Toiikünstler- Orchester(45 Musiker), Dirigent F. H o 1 1 f e 1 d e r. Auftreten der Sängergeseüschaft..Triole". Zum Schluß; Grotte» Keig/en- u. Knnstfahren, ausgeführt von Mitgliedern d. Arb.-Radfahrerbundes„Solidarität". Nach dem Konzert: GROSSER BALL. Anfang prfizise 8'/, Uhr. Eintritt inkl. Tanz 40 Pf. Da» Komitee. IIIS ijügi Lichtspiele 91«zart-Saal— NTollendorf-Plata. MOEGEN SONNABEND NEUER SPIEUPUAN enthaltend u. a. CHAVE3!' Flug über den Siinplon. Die Trauorfeier in DOMODOSSOLA. □ □ □ WSSABOW. III t» wvuuiuuuuz Heute Freitag, 7. Oktober, abends VI, Uhr: Ken! Kcal Ken! Mi*. Saudor Burleske Zirkus. Bellonls radfahrende Sal- tomortal drehende Kakadus. KreiseMZIobus Ball spielende Pferde. � Neueste Kreation des Direktors A.«chumanu. spacken zu Pferde geritten von Frl. Vera Schumann und Herrn Karl tisS. NUrauo Brothers. Antonet A Grock und Familie Clorke sowie die übrigen Attraltionen. 1. Hochbahnstation Kottbuser Tor. Der sesche vierzehnjährige kSi iierifelä, von der f. f. Hofoper in Wien und daS uene Vlirirtö-Nrograinm. Sömiliche Attraktionen zum erstenmal in Berlin! Uu hat's geschnappt! Posse von OSkar Sab». Musik von foul Liincke. Ansang 8'/, Uhr Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Zipkus�EBScliri Freitag, den 7. Oktober, abends?>/, Uhr: Humoristischer Gala-Abend. Collini-Glairon-Truppe akrobatische Tänzer. 3 Gebr. Fratellinls, uikomisohe Clowns. Herr Alfred Ott, Sohulreiter Arbra-Trlo. Herr Direktor Orlando, Freiheitadrosauren Die Fredlnnls, Eeitorfam. Um 9'/, Uhr, zum 22. Male: „VENEZIA" Vorher das gr. Galaprogramin. Casino-Theator Lothringer Stratze 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse An schntidige Rudolf. Rudots Pimpelmami: Dtr. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraltionen ersten Ranges. Sonnt. 31/, Uhr: Berühmte TSchttr. KönltjslatMaslno. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstrah«. Gänzlich neues Programm mit Frans täobauskl. Erich Castelll, Geschwister William». Guten Tag, Papa! Schwank in 1 Akt von O. Richter. Neu J Zum Schiutz: Neu! Biographische Vorführungen. Walhalla-Theater WeinbergSweg 19/20. Anfang 81/, Uyr. Bravo!— Da capo! Eine Alierwelts-Revue In B Bildern von M. Relchardk, Musik von R. Thiele. An Szene gesetzt vom Direklor James Klei» Tolles Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Volle Pension« Neuer bunter Teil. Der schwarze Schimmel Vorverlaus 11—2, abend« ab 6 Uhr. V oigt-lTiieatep Gesundbrumien, Badstratze 58. Freitag, den 7. Oktober 1910: Der Tanzteufel. Gesangsposse in 4 Akten von Ed. Jacobsohn und W. Manftädt. Kasseneröffnung? Uhr. Anfang 8 Uhr. Kurglliealer-Kinemalograpli vorm. Oroterjan, Jnhab.: Rud. Morl, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographie». Eintritt ZU u. 40 Ps., Kinder die Hälfte. Anf.7 U., Sonnt. 4 U. Vorrugtkarton, nur wochenl. güllig, LÜ Ps. aus allen Plätzen. Stets wechf. Programm. Dienötag«. Fkreitag v. 4— ö'/.. Uhr Kindervorsteliuna. Kinder 19 Ps., Erwachsene ÜO Ps. Jeden Sonntag im Oberfaal: Kiinstlerkonzert. Entrce lö Pf. Garderobe 10 Pf. Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schiutz, neu: ,,lm iMan»eloch". Miiit. Humor, v. Meysel. Ansang wochentags « Uhr Sonntags 7 Uhr. WesaAzZlsr» WieMstr. 24. Eöideiier Str. 10. Größte» Kienlopp-Thealer Moabit». Wöchentl. zweimal neues Programm. Täglich Borstellung. Ansang S Uhr. Fllr den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publitnin gegeniider keinerlrt Berautwortung. Witiinp! Kwilligte Friselllgtsllliistt. Achtung! «bolfftr. 18, Suppley Ackerstr. 32, Glogner Ackerttr. 81, Well «Werftr. 141, Müller Anklamer Str. 19, Haas» Adalberistr. 65. Eckert Adalberlslr. 96, Grund Adalberistr. 98. Menzel Brandenburgstr. 20, Plath »Buggenhagei-llr. 6, Sommerleld vrunnenstr. 91., Wlrlh Bernauer Str. 43, Seidel Bellermannstr. 95, Linke Bergmannstr. 112, Arndt Verlichingen Str. 6, Reihe �Äer.gelstr. 8a, Knösel Beußelstr. 47, Hasselbarth Beustelstr. 80, Peters Böltgerstr. 2,'Münzberg Blumenstr. 46, Töpser Bopststr. 8, Lang Boxhagener Str. 27, Berger Boxhagener Str. 4i, Schuster Boxhagener Chaussee 24a, Dittmar Britzer Str. 14, Schreiber Rieder-Barnimstr. 29, Zimmermann Euvrystr. 8, Böhm Cuvrystr, 23, Reinicke Cuvrystr. 41, Schröder Choriner Str. 18, Bunge CarnieN'Sylvaftr. 153, Döhring Czarnikaucr Str. 5, Dreisjig Erossener Str. 24, Markgrass Dalldorser Str. 2, Mysocki Drontheimer Str. 5, Pötte Danziger Str. 87. Miehlert Driesener Str. 11. Donnisch »Dricsencr Str. 28, Degener Dolziger Str. 15, Mühl ÖOo Straße 11, Lemke Ctjerzicrftr. 2a, Jacob Exerzierstr. 11, Koch Excrzierstr. 21, Leonhardt Engeluser 17, Prenzel Elbingerstr. 7. Riedel Ebertystr. 44,«cholle Erasmusstr. 8, Hopmann Erasmusstr. 9, Friedrich Ialckensteinstr. 20, Zahwei. Falckensteinstr. 45, EhmilcwSki Korsterstr. 43, Gand itzriedrichsselder Str. 18, Böhlke " riedrichsselder Str. 25, Wolke ruchtstr. 31, Mcsscrschmidt ruchtstr. 33, Gclhaar riedenitr. 38, Bcdnareik Sr. Iranksurter Str. 72, Teuert Jehrbelliner Str. 26, Moritz Kreienwalder Str. 4, John Mrstenberger 11, Stier Fennftr. 22. Flöter Fürbringerstr. 24, Kuhnau Finnländische Str. 16, Lösen» Gartenstr. 54, Kappe Gerichtstr. 19. Engel Gcrichtstr. 46, Freihub« Gerichtstr. 82, Eickhoff Glcimstr. 23, Lewiii Glogauer Str. 24, Handr« Elogauer Str. 32, Krause Eörlitzer Str. 41, Scholz Görlitzer User 1, Grade Grünauer Str. 4, Kohle GrünauerjStr. 35, Nicoleit Guben» Str. 4. Brandenburg Gubener Str. 25, WirtH Gubener Str. 47, Nieger Gormannstr. 12, Lorbeer Eräsestr. 9, Kathen Gräsestr. 33, Bollhahn f runer Weg 46, Olschewsit reisenhagener Str. 33, Rehe Gropiusftr. 6, Wille Giwiithaler Str. 10, Würsel GrÄnthaler Str. 11, Kolberg dennigSdorfer Str. 1, Rudo bochstädter Str. 17, Kretschmer pvchstr. 46, Willmann oussitenstr. 45, Henke zussitenstr. 70, Ebel höchste Str. 41, ZacharSki hohensriedbergstr. 1, Meli bohenfriedbergstr. 27, Härtel zahnstr. 21, Heise zagowstr. 22, Voigt Zasmunder Str. 10 Odlowski ltolberger Str. 12, BorgaS Korsöer Str. 12, Göde Korso» Str. 23, Jde Kochhannstr. 40, Wölfling Krautstr. 40, Burow Kopenhagen» Str. 76, Warnei Küpenicker Str. 48, Rohde Kreutzigerstr. 76, Arndt Koloniestr. 127, Kutzner Landwchrstr. 3, Schrollc Lange Str. 80. Bärwinkel Lausitz» Str. 21, Pfützenreutcr Lausitz» Platz 12a, Ficlitz Libauer Str. 14, Bonin Liebigslr. 14, Kolig Lortzingstr. 8, Witkops Lortzingstr. 41, Witt Luxemburger Str. 4, Buchholz Lüderitzstr. 59, Kerber Liebenwalder Str. 35/36, Prochnow Lachen» Str. 12, Nawrocki Manteuffelstr. 5, Mücke Manteusfelstr. 9, Fabian Manteuffelstr. 68, Wols Manteuffelstr. 71, Rühle Manteuffelstr. 80, Metz Mcmeler Str. 6, Manigk Mcmel» Str. 23, Stürpling Memeler Str. 36, Buchholz Markgrafendamm 34, JuriiSi Mühlenstr. 47a, Rudolf Mulackstr. 27, Fröhlich Malmö» Str. 12, Heinseldt Müllerstr. 34. Mehring Müllerstr, 58, Brandt Müllerstr. 119, Schleis Müllerstr. 157, Peckel Alt-Moabit 54, Gädicke Naunynstr. 34, Nitschke Nollendorsstr. 34. Feldhilm Oppelner Str. 3, Böhmer Oppelner Str. 11, Bunzel Odcrberger Str. 56, Grabenschrö» Oudenarderstr. 36, Feuerhardt Oudenarderstr. 42, Strauß Pappelallee 33, Daunert Prinzenallee 11, Hohmann Prinzenallce 26, Hübn» Puttbuser Str. 2, Lowack Pnttbiis» Str. 19, Billerbeck Puttbuser Str. 46, Kühn Puttbuser Str. 47a, Beccord Perleberger Str. 42, Wecke Petersburger Str. 3, Buchholz Pintschstr. 21, Geelhaar Pillaucr Str. 6, Nowack Ramlcrstr. 16, Kellner Ramlerstr. 33. Dahlke Revalerstr. 13, Bummert Rcichenbergcr Str. 51, Weniger Reichenberger Str. 88. DrewS Reichenberger Str. 155, Fischer Reinickendorf» Str. 82, Ruch Rhinower Str. 4, Stolle Rhinomer Str. 7, Beck Rodenbergstr. 7, Biedermann Rostocker Str. 1, Seich ert Rostocker Str. 19, Herbst Rostock» Str. 42, Herbst Rostocker Str. 48, Gierts Rügener Str. 16, Köhl« Rügener Str. 25, Backe Ruppiner Str. 24, Borowski Saarbrückcr Str. 6, Gebauer Sickingenstr. 7, Arlt Sickingenstr. 52,. Köhler Sickingenstr. 79, Schneid« Sinieonstr. 28, Rohde Swinemünder Str. 7. Reuschel Swinemünder Str. 84, Bonin Sonnenburg» Str. 27, Schilling Soldiner Str. 10, Graff Soldiner Str. 17. Müll» Soldiner Str. 76, Zacharias Soldiner Str. 112. Vieth Schweb enstr. 17, Bindarra Schulstr. 29, Weinert Schivelbeiner Str. 41, Saalmann Schivelbeiner Str. 45, Steinhoff Schliemannstr. 20, Talschow Schliemannstr. 45, Fleischer Schröderstr. 7, Schobert Schönleinstr. 28, Ebel! schönleinstr. 29, Weigt Stallschreibttstr. 59, Rinke Stargard» Str. 14, Klastkh Stargarder Str. 18, Krei Stargarder Str. 58, Scholz Stolpische Str. 37, Lang» Stettin« Str. 45, Otte Strausb»ger Str. 26, Rittenbach Straßmannstr. 24, Weit Tilsiter Str. 12. Meier Tilfiter Str. 75. Tetz«« Thaerftr. 52. Niedermei« Togostr. 74, Barsch Türkenstr. 25. Winn Torsstr. 10, Klär« Usedomstr. 2, Lange Usedomstr. 9, Lorenz Ueckermünd« Str. 1, Linke Vcteranenstr. 23, Birchow Weidenweg 73, Molz Waldstr. 15, Fuhrmann Walditr. 19, Schicker! Waldstr. 24, Rqbicki Waldenserftr. 28, Kind« Wcrslstr. 21, Müller Wilhelmshavener Str. 66, Schmidt Wiitstocktzr Str. 2, Oehlke Weddingstr. 8, Max Wiesenstr. 19a, Max Wiesenstr. 20, Erstling Wörther Str. 26, Lublow Wolliner Str. 31, Reimann Weberstr. 13, Scholz Waffertorstr. 38, Kußmann Waldemarstr. 65, Schurig Wiener Str. 58, Lipski Wiener Str. 56, Adler Wiener Sir. 58o, Okupnick Warschauer Str. 63, Resse! Wartenbergstr. 68, Puff Weserstr. 27, Kitzerow Astad« Str. 15, Dahlenburg Zionskirchstr. 11, März Zionskirchstr. 49, Bcckner Zionskirchstr. 10. Mcthner. A�lemitok. BsSmarckstr. 18, Leyck Bismarckstr. 53. Tschirschkh Hackenbergstr. 7. Müller. Britz. Werder Str. 4, Haucke. Charlottenbnrc. Helmholzstr. 28, König Kanlstr. 60, Nietsch Krummestr. 42, Borgmann Knobelsdorststr. 14, Messerknecht Kaiser-Friedr!ch-Str. 27, Hoppe Osnabrücker Str. 3, Schmidt Osnabrücker Str. 27, Behrend Sesenheimerstr. 4, Wodtmann. EYleckrtcbsliaxen. Scharnweberstr. 46, Krumnow Wilhelmstr. 70, Trutth. Köpenick. Elisabethstr. 3, Mädler Grünauer Str. 71, Roth« Glienicker Str. 27, Mathias Müggelheimer Str. 2, Gräber Müggelheimer Str. 33. Müller Rudow« Str. 27, Kerber Stubenrauchstr. 4a, Gö»S Schöncrlindcr Str. 15, Leuchtenberger. E.lcbtecl'eicke-Ont. Jägerstr. 14, Scheeler. mariendorf. Chausseestr. 19, Henschke. Potsdam, Xowawaa. Luisenstraßc, Benecke. Luisenstr. 43, Benecke. Priesterstr. 31. Wolter. Wilhelmstr. 57, Warntck. Reinickendorf. Amendcstr. 18, Berkhoff Berliner Str. 6, Fischer Etchbornstr. 40, Ralaizack Eichbornstr. 59, Heinrich Bolländcrstr. 23, Holzhaimn olländerstr. 129, Linka Herbstftr. 20, Schirm Humannftr. 26, Schulz Klixitr. 1. Gens Scharnweberstr. 37, Gahde Provinzstr. 82, Tost. Rlxdorf. Berliner Str. 79, Becker Berlw« Str. 89, Vogel Bürknerstr. 1, Sauerwald Elbestr. 8, Goltz Elbestr. 37. Moldenhau« Emser Str. 25, Hans Ems« Str. 36, MileS Goethestr. 8, Brostn arzerstr. 32, Hoffmann eidewerger Sir. 28, Wille crmannstr. 91, Granse« ermannstr. 207, Roh »mannstr. 229, Reiß. ertzbergstr. 11, Guse obrcchsttr. 6, Stöbe jägerstr. 41, Rabe Jägerstr. 75, schiethsch Kaiser-Friedrich-Str. 78, Oehmchen Kaiser-Fricdrich-Str. 244, Wisockt Karlsaarten 20, Walter Knesebeckstr. 62, Rosenke Kottbus» Damm 91, Beutel Leinestr. 1, Kellner L-naustr. 7, Manzelmann Mainzer Str. 5, Malick Pannierstr. 53, Stiehl Prinz-Handjery-Str. 18, Jacob Prinz-Handjery-Str. 54, Jungmam» Äeuterstr. 31, Gabriel Sanderstr. 16, Sauerwald Steinmetzstr. 28, Leis Schillerpromenade 5, Schimmel Walterstr. 55, Schneider Wartheftr. 3. Thiel Warthestr. 60, Heinrich Warlhcstr. 61, Eichhardt Wildenbruchstr. 54, Plan Wißmannstr. 22, Nagel Ziethenstr. 31, Alpen. Rommelabars. Gärtnerstr. 14, Peters Neue Bahnhosstr. 22, Münst«. Sonntagstr. 3, Klitschmüller Ober-Soliftnewelde. Rathenaustr. 4, Stippekohl. Gtefflitn. Schütz enstr. 54, Steinert. Tegel- Borsigwalde. Bahnhosstr. 16, Knebel Brunowstr. 49, Eicke Egelstr. 12, Barth Reuschstr. 53, Straube Schübe rtstr. 32, Helring Scharse»b«gstr. 32, Streck«. Treptow. Baumschulenstr. 22, Mildn« Baumschulenstr. 73, Rüdiger Baumschulenstr. 100, VogeS Beermannstr. 2, Heger Elsenstr. 37, Hecht Elsenstr. 110, Kulessa Grätzftr. 66, Krüger Kiesholzstr. 183, Adomat. IVelvensee. Charlottenburger Str. 95, Simson Friedrichstr. 41. Datschewski Gustav-Adols-Str. 24a, Koh Langhansstt. 16, Geser Straßburger Str. 10, Kauf Straßburger Str. 99, Simon Streuftr. 4, Funke Uckermarkstr. 10, Simon. Regen- Mäntel Neuheit s Hochmodern:: Sportfdrben... CA /7A Geruchlos Kein Gummi:: Wasserdicht Mk.%J\J- und Oly.—" Gdit englische Gummi- Mäntel In einer engl. Fabrik persönlich erstanden Bedeutend unter Preis T adellosemodemeMantel in grauen a. Sportfarben 1 12.50 Mk. Serie 4 30.— Mk. Serie 5 36.— Mk. Serie Serie 2 15.— Mk. Serie 3 22.50 Mk. 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In Oesterreich hatte schon vor dem Äongrest eine Aktion eingesetzt, an der die Frauen leidenschaftlichen Anteil »uhffteit. Der 2. Oktober wurde auZersehen für eine Demonstration dcZ Wiener Proletariats auf der Ringstratze. Auch die Genossinnen rüsteten. Während dreier Wochen fanden Tag um Tag neben den allgemeinen Versammlungen zahlreiche Frauenversammlungen statt, um für die Demonstration am 2. Oktober zu agitieren. In allen einundzwanzig Bezirken Wiens hielt die politische Frauenorganisation Versammlungen ab und man kann ruhig sagen, feit den Tagen vor dem unvergeßlichen 28. November ISOS hat es so starkbesuchte Frauenvcrsammlungen nicht gegeben. Die oft be- merkte Apathie, den Pessimismus gegenüber der Teuerung, der resignierte Glaube,„daß ja doch alles nichts nützte", war verflogen, zerstreut. Eine fieberhaste Erregung halte all eergriffen. Und der Sonntag hielt, was die Stimmung vorher versprochen hatte. Nicht nur unsere eigenen Wahrnehmungen sind es, sondern die gesamte Presse hebt die große Beteiligung der Frauen hervor. Jedem Bezirk ging der Zug der Frauen vsran. Die politisch Organisierten und in einigen Bezirken die Ortsgruppen der Heimarbeiterinnen. Die Frauen trugen in jedem Zug eigene Standarten mit Aufschriften, die die Forderung nach Einfuhr von argentinischem Fleisch enthielten. Die Bezirke, die proletarische Bevölkerung haben, hatten Züge von ö00 bis ü(X> Frauen. Außerdem aber gingen viele Arbeiterinnen mit ihren Gewerkschaften und andere Frauen mit ihren Männern. Noch nie, selbst nicht am ersten Mai, haben wir so viele Frauen im Demonstrationszug gesehen, wie diesmal. Wenn man bedenkt, daß Bezirke, die um 9 Uhr früh ab- marschierten, erst um>/.,2 Uhr zum Rathaus gelangen konnten, so hat man einen Bogriff, was auch die Frauen, unter welchen man überwiegend abgearbeitete, müde Gestalten sah, zu leisten hatten. Aber nicht nur in Wien war es so. Aus der ganzen Pro- vinz wird die auffallend starke Beteiligung der Frauen an der Aktion gegen die Fleischteuerung gemeldet. Am Sonntag vorher demon- strierte das Proletariat der Stadt Graz. Auch dort waren unter Führung der poliktschen Fraueitorganisation Tauicuve Frauen mit eigenen Standarten im Zuge. Ebenso lauten die Berichte aus Salzburg, aus Oberösterreich, aus Böhmen und attS den niederösterreichischen Provinzstädten. Zweierlei ist aus dieser Teil- nähme der Frauen zu ersehen: die große Not, welche durch die LcbenSmittelteuerung erzeugt wurde, aber auch das erwachende Verständnis der Frauen für den proletarischen Kampf. An der Demonstration hat sich auch die Vereinigung der bürger- lichen Hausfrauen, das Frauenstimmrechtskomitee und die Sektion der Beamtinnen beteiligt. Auch die vielgenannte Leiterin des Fleisch- boykottS in Krems, Frau Josefine Pukoruz, war erschienen. Freilich reichte der Zug der bürgerlichen Hausfrauen Wiens, trotz der rührigen Agitation, die sie in Versammlungen und in der Presse betrieben haben, nicht an die Zahl der weiblichen Teilnehmer eines einzigen proletarischen Bezirks heran. Die bürgerlichen Ver- einigungen schlössen sich an, als der Zug des Proletariats zu Ende war. Mehrere bürgerliche Damen hielten auch Ansprachen am Rathausplatz, ehe sie mit ihren Standarten abmarschierten. HERMANN UETZ Nur Leipziger Strasse Eröffnung der erweiterten Lebensmittel■ Abteilung Waw aygi©rc©ii3m©gi Frisches Fleisch und Fische Prima Qualität, Berliner Schlachtung soweit Vorrat Hammelggeisch Dünnung... Ragout...... Haxen....... Talg.......... Pfund 60 Pfennig Rind-.Ochsenfieisch Fehlrippe.."""" Kamm......... Rinderbrust Goulasch.eh.«-, 75 Pfennig Schaufelbrafen.... Schierbraten...... Filetoberschale.. Bratenoberschale Filet'Schabefieisch Pfund 1 00 Merk Fiussfische Fische Seeffische Lebende Karpfen......... � 75, 90 Pf. 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Pfund st n' MAGGI WÜRZE Achtung vor Nachahmungen! ■ (rtilirkritrr r Freitag» 7» Oktotter, altends 8 finden für alle in der Metallindustrie ?!'Aeilt8älö Korä-Usst, S.W., Wicscfstr. 24(ficibe Säle). Bügersäle, Bousselstr. 9. Piiarus-Säle,*>'•.»4»(beide Sole). Saelions Fesisäle, Mua-rftr. is«. BoLÄ-Lrauem. s., Eha»»»--?«..«4. Schmiöls Fesisäle, w.. Garte»?.-.«. Cranz' Festsäle, s.,«-?«»-- mraw s. Raalies Festsäle, Kolberger Strafte 23. Borussiasäle,«-?. Frankes Fesisäle,*■,©«ff«->». Obiylos Fesisäle, s., strake 23. Fröliels Allerlei-Theater, Schönha..?« amec ms. Brauerei Königstadt, s., scanemife*«nee io/m. Swinemüntler Gesellsehaftsliaus, ElySUIÜl, Landsberger Allee 40. Groß-Berlins beschäftigten Arbeiter Versammlungen statt: Eugliseber Garten, Rlexaud-rftr. 2?°. DräSelS FeStSäle, Neue Friedrichstr. 33. 8op!üen-8äle, v- Sophie»ftr. 47,X8. Boekers Fesisäle, W-serst-. i?. Andreas-Festsäle,<*., Andre«»?--. 21. Freyers Festsäle,«.«-pp-ustr. 29. Eilllns Festsäle, Memel» zw.«?. Prachtsäle des Ostens,». mtc 152. Markgrafensäle,«>»!«!»-«?-»»«««» 34. Drachenburg, S.o., Vor den.$41e?ijcl)en Tor 2. Urania, s.o., Wraiigelstr. 10. Gewerkscliaflsliaus, Ena-ws-- is. Keilers Neue Pliilharmonie, s.o.,«spenis-r z*. 9«. Arminiiaiien, s.w.,«omma»»«»--»?-?. 58. Bercbts Festsäle,«.,«itterftr. 73. nnd Ilrbeiterinnett in folgenden Lokalen Glleslngs Festsäle, Was?ert°r?tr.«s. Könlgshok, w., Bin-wstr. 37. Trapps Festsäle, Tegel, Bahnhof?.-. 1. Borslgwaider Fesisäle, BGrsiywaiJs. Paul Schwarz, Liciilenbsrg, M-lle»d°rfstr. s». Wiilieiiiiliieiiliof, Ober-Schönewelds, WUhelminenhofst-.«2. Scliumano, Wildauerliof, Wildau. Neue Well, Rixdorr, Hasenheide 108/114. Volksliaus, Ciiarlotlenburg,«0??»-»?.-. 3. Neue Rathasssäle, Schöneberg, Martin-Luther-strak- 51. Döhles Volkshelin, Spandau, 0°°--?«-. 20. Holldorf, Tivoli, Spandau,«-eburge- 5�� Prälaten, WeiBensee,«ehde-str. 122. Seltülzenliaus, Köpenick,»« Bahnhof. Wilhelmsgarten, Tenipelliof, Berliner strak- 0. Tages-Ordnung:» 1. Bericht über den gegenwärtigen Stand der Werftarbeiterbewegung und unsere Stellungnahme gegenüber der angedrohten Aussperrung. 2. Diskussion. 123/1 Referenten sind: Appig, Becker, Behrendt, Behrenbeck, Bentin, Bruns, Cohen, Dietrich, Fendel, Siedler, Fromke, Geisler, Hecht, Hartmann, Handke, Henschel, Jakobsen, Jaeck, Johannsen, Kühne, Langhamer, Maus, Maas;, Mictz. Nitfchke. Ortmann, Pawlowitfch, Priefert, Rücker, Saetvekvw, Schwitta»«, Sellrich, Schmabedahl, Siering, Schlinski, Thurow, Tornow, Urban, Wücke, Werner, Wnschick, Weitzel, Zcrnicke. Kollegen und Kolleginnen! Erscheint alle ohne Ausnahme! Oss ZentraBkQsnSäee, I. A.: Adolf tshtv, Charitestr. 3. Beckes Wort 10 Pfennig. voz c-zte Woi-t(fettgedruckt) 20 Plg. Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen 5."'fg.; das erste Wort (fettgedruckt) 10 Plg. 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