Sxpedttiom 8M. 68, Lindcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1S8I. Pr. SS«. iidonvemeats-Stcklngiinsen: Wonnemmis. Preis pränumeranda i Licrt-lj-ihrl. S£0 m., monatl. 1,10 Ml,, wöchentlich 28 Pfg. frei WS HauZ, Einzelne Nununer 5 Pfg, Sonntags« Nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue fflclt" 10 Ptg, Post. Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post. ZeitungS» Prcisllftc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland Z Mark pro Monat. PostabonnemcntS nehmen an: Belgien, DSnemarl, ollnnd. Italien, Luxemburg, Portugal, umäinen, Schweden und die Schweiz. vichtil» agii« ivStk fflontigs. Sk Insertion!-Lebilh? Lelrägt für die fechsgespaltene Kolonef« geile oder deren Baum 50 Pfg, für politische und gcwerlschastliche BereinS« und Versaminlungs-Anzeigen 80 Psg. „Kleine 3nieigcn", das erste(feit« gedrulktc) Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stelle, tgesiichc und Schlaf» slcllen-Anzcigcn das erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen vis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition»jt bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm-Adresse: „SszialiKinolint Bulla'« Zentratorgan der rozialdemokrati feben Partei Deutfcblanda. Redahtion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1083. Sonnabend, de« 8. Oktober 27s Jlchrß. - Arliciter, lirtriinifri. ifmnlifdjaftöiititglifiin! Das Anwachsen der Arbeiterbewegung auf politischem wie gewerkschaftlichem Gebiete, daS seit dem Nachlassen der Krise in ganz Deutschland in so machtvolle Erscheinung tritt, liegt dem Unternehmertum und den reaktionären Parteien im Reiche arg auf den Nerven. In dieser Situation erscheinen den Scharfmachern und der Negierung die Unruhe« m Moabit geeignet. Wasser auf ihre reaktionären Mühlen zu leiten. „Ausnahmegesetze gegen die Sozialdemokratie, Streik- und Zuchthausgesetze gegen die Gewerkschaften!" So heulen die bezahlten Scharfmacherorgane von der„Post" bis zur„Rheinisch-Westfälischen Zeitung", von den„Hamburger Nachrichten" bis zur„Norddeutschen Allgemeinen", die jedem Reichskanzler ihr„Stück Meitzes Papier" gesinnungslos zur Verfügung stellen. Die Vorgänge in Moabit sind bekannt. Infolge Parteinahme der Polizei für die Streikbrecher und den Unternehmer gegen streikende Lohnarbeiter entstanden gelegentlich der durch berittene Polizisten geschützten Kohlentransporte Ausammlungen, bei denen der grotz- städtische Janhagel, der sonst bei Paraden u. dergl. johlt, gemeinsam mit einer Anzahl halb- wüchsiger Jungen Ulk und Radau machte. Die bekannte Art, in der die Berliner Polizei bei solchen Anlässen eingreift, indem sie förmliche Hetzjagden gegen friedliche Zuschauer oder ruhig ihres Weges gehende Arbeiter und Bürger veranstaltet, erbitterte die ganze Bevölkerung der betreffenden Stadtgegend und forderte sie förmlich zu Demonstrationen gegen die Polizei- Willkür heraus. Die Polizei trieb es so arg, daß dieselbe Presse, die erst nicht genug tun konnte in Verhimmelungen der Polizei und Schmähung des„Pöbels und Janhagels", jetzt Tag für Tag von Aerzten, Beamten, Arbeitern. Vertretern der Presse Klagen veröffentlichen mutz über unglaubliche Ausschreitungen der Schutzleute in Uniform und Zivil. Trotz alledem lüge« die Scharfmacherorgane: In Moabit handelte es sich um den „Anfang der Revolution", die„Unruhen waren von den organisierten Arbeitern vorbereitet". — Die Berichte der Polizei selber konstatierten gleich in den ersten Tagen das Gegenteil!— „Die sozialistische Jugendorganisation hat ihre Leute z« den Krawallen kommandiert!" usw. Eine Schwindelnachricht löst die andere ab l Man will die Bevölkerung im ganzen Reiche mit dem„roten Lappen" graulich machen! Man will sie in Angst versetzen,«m sie den reaktionären Zwecken dienstbar und gefügig zn machen. Berlin, den 8. Oktober 1910. Den großen Unternehmern, den Zechen- und Kohlenbaronen, sind starke, ruhig wachsende Gewerkschaftsorganisationen ein Greuel, weil solche sie in ihrer schrankenlosen Ausbeutung hindern; den reaktionären Parteien und ihrem Werkzeuge, der Regierung, sind starke sozial« demokratische Organisationen verhaßt, weil diese sie hindern, ihre politische Macht nnein- geschränkt zur Schröpfung und Unterdrückung der breiten Volksmassen zu benutzen. Darum ihre ewige Sehnsucht, die politischen und gewerkschaftlichen Organisationen mittels Ausnahme- gesetzen zu erwürgen. Statt eines freien Wahlrechtes in Preußen— Streik- und Znchthansgesetze gegen die Arbeiter! Das droht für die nächste Zukunft! Arbeiter! Diese nichtswürdigen Pläne müssen vereitelt werden! In Massenversammlungen mutz die ganze Bevölkerung aufgeklärt werden über diese hinterlistigen Absichten der Scharfmacher! Es ist Protest dagegen zu erheben, datz die Polizei bei jedem Streik für die Unter- nehmer eintritt und durch Massenaufgebot von Polizeiorganen, das angeblich dem Schutze der Streikbrecher dienen soll, die Streikenden hindert, ihre gesetzlichen Rechte auszuüben! Es ist Protest dagegen zu erheben, datz die Streikbrecher, die vielfach vorbestrafte, ge- walttätige Elemente sind, mit Waffen ausgerüstet werden, mit denen sie die Streikenden und die öffentliche Sicherheit gefährden. Es ist Protest dagegen zu erheben, datz Vorgänge wie in Moabit, deren Ursachen in dem Verhalten der Polizei bei Streiks zu suchen sind, dazu herhalten sollen, die Notwendig- keit von Ausnahmegesetzen gegen Streikende, das heißt gegen die Gewerkschaften zu begründen. Nur eine Aenderung des Verhaltens der Polizei bei Streiks wird Krawalle wie in Moabit verhindern. Nicht gegen die gewerkschaftlich organisierte Arbeiterschaft� sondern gegen die Uebergriffe der Polizei sind Gesetze notwendig! Arbeiter! Wir rechnen auf Euch l Tut Eure Schuldigkeit! Der neue Anschlag der Reaktion mutz mit aller Wucht abgeschlagen werden! Der Parteivorstand._ Die Oeneralkammisston der Gewerkschaften. Die IRmlulion in Portugal. Die Republik vergißt die Arbeiter und Bauern. Die republikanische Regierung hat sich konstituiert und hat bereits ein Programm verkündet. Es lautet nach den vorliegenden Meldungen: 1. Alle bestehenden Verträge und Verpflichtungen werden anerkannt; besonders geschätzt wird das Bündnis mit Eng- l a n d. 2. Dezentralisation. Große Vollmachten für die Auto- nomie sollen den Provinzen und Städten ge- währt werden. 3. Sparsamkeit. Die verschwende- rischen Ausgaben unter den beiden letzten Königen sollen gründ- lich verringert und der herrschende Nepotismus und die Korrup- tion abgeschafft werden. 4. Kolonien. Die Republikaner geben das Vorhandensein großer Mitzbräuche, die fast an Sklaverei grenzen, in den afrikanischen Kolo- n i e n zu. Eine besondere Kommission soll zu dem Zwecke der Reorganisation der Verwaltung entsandt werden. Der erste reformatorische Schritt wird die� Behandlung der Eingeborenen als menschliche Wesen sein. ö. Trennung von Kirche und Staat. Die religiösen Orden sollen aufgehoben werden. L. Freihandel. Es ist das ein durchaus liberal-bourgeoises Programm. Die politische Anlehnung an England liegt im Interesse der Republik. Die Einführung der Selbstverwaltung ist not- wendig, um die Kräfte, die im Volke ruhen, zu wecken. Die Sparsamkeit in der Staatsverwaltung und der Kampf gegen den Nepotismus sind selbstverständlich eine dringende Auf- gäbe. Die Zustände in den afrikanischen Kolonien Portu- gals sind geradezu grauenhaft und durchgreifende Reformen sind ein Gebot der Menschlichkeit. Die Trennung von Staat und Kirche ergibt sich von selbst als erste Frucht dieser Revolution. Der Freihandel schließlich liegt im Interesse jener Gruppe der Bourgeoisie, die zurzeit den größten Wirt- schaftlichen Einfluß besitzt, der Kaufmannschaft. Dagegen sehen wir in diesem Programm nicht die Spur von sozialem Verständnis, es werden die dringendsten Be- dürfnisse des arbeitenden Volkes mit Stillschweigen über- gangen. Portugal ist ein Land mit nur geringer industrieller Cntwickelung. der Schwerpunkt des wirtschaftlichen Lebens liegt in der Landwirtschaft. Diese aber liegt danieder infolge der bestehenden Ngrarverfassung. Der weitaus größte Teil des Bodens befindet sich in Händen des Adels und der Mönchsorden. Die Bauern sind daher zumeist so- genannte„Halbpächter". Sie bebauen den Boden und müssen einen Teil der Bodenerzeugnisse an die Grundherren abgeben und erliegen unter dem Drucke der Steuern und der wucherischen Pachtbedingungen. Mit dem Schweiße der Bauern mästen sich die Mönche und adligen Prasser, während die Bauern selbst im tiefen Elend leben und deshalb auch jeder Fortschritt der Produktion her landwirtschaftlichen Technik ausbleibt. Somit ist eine durchgreifende Agrar- reform die erste Bedingung des sozialen und wirtschaftlichen Fortschrittes. Die neue Regierung aber scheint in dieser Lebensfrage des portugiesischen Volkes nichts zu sagen zu haben. Aber ebensowenig finden wir in dem Programm ein Wort über die Arbeiterfrage. Das portugiesische Proletariat besitzt bis heute noch nicht das Koalitionsrecht, die erste Bedingung für ihren sozialen Fortschritt. Ansätze einer industriellen Entwickelnng sind vorhanden, und die Konflikte zwischen Kapital und Arbeit mehren sich. Daher mutz eine der ersten Forderungen des Preoletariats eben das Koalitionsrecht sein. Ebenso wird die Arbeiter- schutzgesetzgebung auch in Portugal zu einer dringenden Frage. Aber auch auf politischem Gebiete muß das arbeitende Volk seine Interessen geltend machen: es mutz das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahl- recht verlangen, während das bestehende Wahlrecht wohl die Interessen der Bourgeoisie, nicht aber der arbeitenden Massen zur Geltung bringt. Auch über diese Frage steht in dem Programm der Regierung kein Wort. Das alles beweist, datz die Republikaner, die durch eine Militärrevolte das alte Regime in Stücke schlugen, nicht im entferntesten an die Wahrnehmung der Interessen der ar- bcitenden Massen denken. Nun wohl: die Proletarier Portugals werden dafür zu sorgen haben, datz die Früchte dieser Revolution nicht ausschließlich der Bourgeoisie in den Schoß fallen. Die Arbeiterklasse darf und wird es nicht zu- aeben, datz der einzige Effekt die Ersetzung des klerikal- aristokratischen Klüngels durch eine bourgeoise Clique ist. Ansätze einer sozialdemokratischen Bewegung sind vorhanden, und der Moment ist günstig, um die Interessen des Prole- tariats zur Geltung zu bringen. Ueber den Verlauf der Kämpfe und über die gegen- warttge Lage laufen folgende Nachrichten ein; Die Ereignisse der Revolutionsnacht. London, 7. Oktober. Dem„Doily Chronicle" wird ans Lissabon gemeldet: Die Revolution ist selbst dem Ausschuß der republikanischen Partei überraschend gekommen. Die große Masse der Bevölkerung zeigte sich apathisch und nahm nur geringen Anteil an den Kämpfen, die hauptsächlich zwischen den treu gebliebenen und den aufrührerischen Truppen stattfanden. Die treu gebliebenen Truppen, besonders die Munizipalgardcn, schlugen sich dreißig Stunden lang mit bemerkenswerter Bravour. obschon sie in der Minderzahl waren und ihnen die Zuversicht durch den Mangel an Enthusiasmus auf Seiten der Offiziere genommen war; viele von den Offizieren sympathisierten im geheimen mit den Republikanern. Schließlich ging die große Masse der Truppen zu den Republikanern über. Die Regierung wurde durch den Ausbruch bollständig überrascht. Der Aufstand am Abend des 3. Oktober(Montag) wurde zuerst unter» drückt. Die Austllhrcr begaben sich dann aber in die Arulleriekaserne. Die Artilleristen meuterten infolgedessen, setzten ihre Offiziere ge» fangen, berteilte» Gewehre an die Bevölkerung und setzten sich mit vier Feldgeschützen in einer beherrschenden Stellung nach dem von den Revolutionären im Voraus entworfenen Plan fest. Auch die anderen Truppen gingen sodann zu den Meuterern über, bevor die Rc- gierung imstande war, die Aufstellung der Munizipalgarden zu vollenden. Der Kommandant von Lissabon und viele Offiziere befanden sich zur Zeit des Ausbruchs außcrbalb Lissabons in CascaeS, und der König gab dem Marschall Hermes da Fouseca ein Bankett. DaS vermehrte die Verwirrung und Unsicherheit in den royalistischen Truppenteilen. Inzwischen waren Offiziere der Flotte an Land gelommen, hatten sich mit Droschkenpferdcn beritten gemacht, waren durch die Reihen der Royalisten gesprengt und hatten die Führung der ausständischen Truppen übernommen, die bis dahin von Rebellen befehligt worden waren. Das Feuergefecht dauerte die ganze Nacht, vom Montag zum Dienstag hindurch. Mit Tagesanbruch rückte das GroS der Aufrührer auf NecessidadeS(das königliche Schloß), wurde aber dort von dem Feuer der Maschinengewehre der Jufantcriegarde empfangen und floh in Unordnung unter Zurücklassung von vielen Gefangenen. Mit Sonnenaufgang hißten die Seeleute auf den Marinckasernen die republikanische Flagge, und verschiedene Abteilungen rückten zumKampfe gegen die Besatzung des Palastes aus. Gleichzeitig hißten drei Kriegs- schiffe die republikanische Flagge und feuerten Salut. An Bord des Artillerieschiffes»Dom Fernando" entspann sich ein heftiger Kampf, der damit endete, daß die Flagge der Aufruhrer zeitweilig wieder niedergeholt wurde. Die in den Händen der Aufrührer be» findlich«,, ÄcivM„Sao Rafael� und„Adamastor" legren sich mit den Breitseiten vor das Flaggschiff„Dom Carlos", das noch die königliche Flagge führte, aber leinen Schnsz auf diese bequemen Zielscheiben abgab. Die Kreuzer fuhren dann nach Alcantara und eröffneten daS Feuer gegen den Palast auf eine Eni- fernung von tausend DardS. Des zweite Schutz ritz die königliche Standarte herunter. Andere Schüsse verfehlten das Ziel. König Manuel beobachtete das Bombardement mit größter Ruhe»nd weigerte sich zunächst trotz wiederholter Bitten seiner Umgebung, den Palast zu verlassen. Als er es schlietzlich doch tat, lächelt« er und raucht« eine Zigarette. Die Flucht wurde noch demütigender durch ein Ultimatum der Republikaner vom Dienstag früh, daS dem König zur Abdankung eine Frist bis 4 Uhr nach- mittags stellte. Die Republikaner suchten den König an Bord des brasilianischen Kreuzers„Sao Paula". Der Kommandant verweigerte ihnen aber den Zutritt an Bord. Die Kreuzer bombardierten dann die Gebäude des Kriegs- und Marincministeriums, wobei mehrere Beamte an den Schreibtischen, einige Munizipalgardisten und viele Zuschauer getötet wurden. Inzwischen hatten die konigStreuen Truppen Feldgeschütze auf den Dom Pedro- Platz gebracht, und zwei Schüsse schlugen unter die Bedienungsmannschaften des Kreuzers .Sao Rnfael" der sich darauf sofort zurückzog. Jetzt bombardierte daß stärkere Schwesterschiff die Zitadelle Sao Jorge und obgleich das Bombardement nur geringe Wirkung hatte, holte die starke Besatzung der Zitadelle die königliche Flagge nieder und hißte die republikanische. Inzwischen halte in den Strotzen der Stadt ein heftiger Artilleriekanipf zwischen königstreuen und revolutionären Truppen stattgefunden, bei dem das Hotel in der Avenida LiberdaS ernstlich beschädigt wurde. Die lönigSireuen Truppen waren im ganzen erfolgreich, und sie benutzten die Dunkelheit, um ihre Stellung noch zu verstärken. Der Artillerickampf dauerte die ganze Rächt hindurch. Opfer des Kanipfes. Frankfurt a. M., 7. Oktober. Die.Frankfurter Ztg." meldet aus Madrid: Nach Berichten von a»s Lissabon zur See in Bigo eingetroffene» Personen soll die Zahl der bei den Straßenkämpfen Getöteten etwa 1000 betragen. Mehrere tausend sollen verwundet worden sein. Namentlich stark mitgenommen sei die unpopuläre Munizipalgarde. sCs ist bei der Beurteilung ähnlicher Meldungen im Auge zu behalten, datz gerade die Flüchtlinge, die vor einer Revolution Reitz- aus nehmen, geneigt find, die ungeheuerlichsten Uebertreibungen über die„Greuel" zu verbreiten. Red.) Maßnahuie», der neuen Regierung nnd Kapitulation der alten. Lissabon, 7. Oktober. Die provisorische Regierung hat die Zivilgouverneure in den verschiedenen Provinzen ernannt. Sie hat den auswärtigen Gesandten und Konsuln die Proklamation der Republik offiziell mitgeteilt. Der englische Gesandte Sir VillierS hat eine Unterredung mit dem neuen Minister deS Aeußern Machado nachgesucht. Am späten Abend kamen die früheren Minister Texeira, Suza und Raposo-Botelle nach dem Rathaus, wo die provisorisch: Regierung ihren Sitz hat, und überreichten den neuen Männern die Leitung der Regierungsgeschäfte. Neue Kämpfe? Madrid, 7. Oktober AuS Lissabon wird berichtet, daß daS 11. Artillerieregiment von neuem eine Attacke gegen die Revolu- tionäre unternommen, wobei«S aber zurückgeschlagen und alsdann zu den Republikanern überging. Drei Artillerieregimenter find aus der Provinz in Lissabon eingetroffen; sie haben sich aber, da sie einsehen mutzten, datz sie zu spät gekommen sind, der Republik angeschlossen. Die Lage in der Provinz. Die Nachrichten aus der Provinz sind noch widerspruchsvoll. So würde z. B. über Augsburg gemeldet: Durch die Vermittlung direkter Nachrichten seitens des katholi- schen portugiesischen Publizisten Gomez doS Santos erfährt die „AugSburger Postztg.", datz der revublikanische Putsch die Ordnungs» Parteien nicht unvermutet traf uno datz sie sofort nach dem Aufstand« die Diktatur erklären ließen. Dem Blatte ging auS jener Quelle ein Telegramm zu, in dem es heitzt, die Radikalen seien im Norden Niedergeworfen und ihr Mitzerfolg dort vollkommen. Hier wird wohl der Wunsch der Bater des Gedankens sein, denn andere Telegramme melden übereinstimmend, datz in der Provinz die Bevölkerung die Proklamierung der Republik ruhig hinnehme, zum Teil mit grotzem Jubel. Aus Madrid, wo man ein Interesse daran hat, die Lage der Republikaner sehr ungünstig dar- >ustellen, wird gemeldet: Die Anerkennung der Republik in der Provinz geht nur lang- sam vor sich. Aus Funchal wird gemeldet, daß gestern nachmittag auf der Insel Madeira die Proklamierung der Republik mit großem Enihusiasmus aufgenommen worden ist. Im Lande herrscht voll- Kündige Ruhe, Der Bürgermeister und die übrigen Beamten von Kunchal sind von neuem bestätigt worden. Die Truppen der kisrnison Funchal stehen jetzt unter republikanischem Regime, Ter Gottgefalbte endlich gefunden. Madrid, 7. Oktober. Einer hier eingetroffenen amtlichen Meldung zufolge ist an Bord der Facht Amelia, die die portu- giesische Nationalflagge führte, die gesamte königliche Familie, also der König, die Königin-Mutter Amelia, die Königin-Witwe Maria Pia und der Herzog von Oporto in Gibraltar ein- getroffen. Hoffentlich entspricht dieses Telegramm des Wolffschen BureauS der Wirklichkeit, die Portugiesen sind dann die ganze Gesellschaft glücklich losgeworden und die Sache nach ihrem Verbleib, der sich die Reporter mit so wütendem Eifer hingegeben, hat«in Ende. Von Gibraltar werden sie sich dann wohl nach England begeben und die Welt nicht wieder mit ihren nichtssagenden Persönlich- leiten beschäftigen. Mosdit. Jünger eler besten 8chulc deo Volkes. Man schreibt uns: In Moabit, dem Schauplatze der neuesten Peliientaten der Berliner Polizei, hat sich auch„die beste Schule d e S V o l k e s". die Armee, wieder einmal voll und ganz bewährt. Die Polizisten, die auf harmlose Zivilisten, auf Frauen, Kinder und Greise einhauten und einhauen ließen, haben gewiß alle die beste Schule des Volkes absolviert. Aus diesem Grunde sehen sie das Zivilpublikum mit den nämlichen Augen an. mit dem der Normalunteroffizier den Soldaten betrachtet. Der Herr Schutzmann und der Herr Polizeileutnant, die nach vernünf- it ig e n Begriffen Hilfsorgane des Publikums sein sollen, sind nach offiziell preußischer Anschauung— und diese rangiert zwischen der chinesischen und russischen—„Vorgesetzte" der Zivil- pevölkerung, soweit es nicht aus Fürsten, Prinzen, Exzellenzen, Mrafen und Baronen besteht. Man tausche sich darüber nicht, daß b«r prügelnde Schutzmann und der Soldaten- ßchinder auf dem nämlichen Stamm gewachsen ßind, nämlich auf dem preußischen Armeefystem. Der Schutz» Mann, der auf harmlose Futzgänger, aus Frauen und Kinder ein- haut, ist ein allernächster seelischer Verwandter des Unter- offiziers, der Soldaten bis zur Ohnmacht neben dem geheizten Ofen Gewehr strecken und Knie beugen läßt, sie bis zur Er- schöpfung herumjagt, mit der Faust unter das Kinn stößt usw. Und genau so wie der Soldatenschinder vor den Militär- gerichten die weitgehend st e Milde findet, üben die Zivil- gerichte bei den prügelnden Schutzleuten die größte Nachsicht. In einem Punkt steht die Sache in der Armee besser. Dan! des energischen Eingreifens der sozialdemokratischen Presse und auch einiger bürgerlicher Blätter wagen die militärischen Vorgesetzten sich mit der Beschützung der Soldatenschinder nicht mehr recht hervor. Ja, es gibt Offiziere, die die an Soldaten begangenen Roheiten scharf verurteilen. Dem prügelnden Schutzmann aber eilen seine sämtlichen Vorgesetzten inklusive des Herrn Polizei- Präsidenten zu Hilfe. � Nur so ist es möglich, datz der Bres- lauer Handabhacker noch immer wie ein Veilchen im ver- borgenen blüht. Und jetzt kann man den Polizeipräsidenten von Jagow bewundern, wie er vor die Schutzleute, die auf U n b c- t e i l i g t e eingehauen haben, seinen Schild hält. Selbst die Schutz- leute, die sich gegen Berichterstatter auswärtiger Zeitungen grundlos in der bekannten Meise benommen haben, nimmt er unter feine Fittiche. Man solltv glauben, daß die Leute in der besten Schule des Volkes auch Besonnenheit lernen und eine etwa verhandene Nervo- sität möglichst abstreifen, denn ein Soldat, der die Ruhe verliert, ist nicht viel wert. Aber die Polizeimänner, die in Moabit ihres Amtes in ihrer eigentümlichen Weise gewaltet haben, lieferten aufs neue den Beweis, datz in der Armee die Nervosität, die Auf- geregtheit geradezu großgezogen wird. Wenn unser herrliche? Kriegshecr im Kriege so den Kopf verliert, wie die in ihm erzogenen Polizeimänner von Moabit, so kann die Sache recht nett werden. Uebrigens zeigen die Moabiter Vorkommnisse auch die reizen- den Früchte, die die von oben und der Scharfmacherpresse betriebene Sozialistenhetze hervorbringt. Wenn man gewisse Reden und Aeußerungen sowie die blödsinnigen Schwindeleien der Organe der konservativen Presse in Betracht zieht, so muß man sich wun- der», daß eS in Preußen nicht Soziali st enprogro ms gibt, wie in Rußland JudenprogromS arrangiert werden. Der Versuch, aus den Moabiter Vorgängen eine Reichs- tagswahlparole zu schmieden, wäre würdig eines modernen Macchiavclli. Das Rezept ist so einfach. ES lautet: Man lasse die Polizei auf die Menge einhauen, als wäre Revolution, und behaupte dann, es sei Revolu- tion gewesen. Wenn der wirkliche Macchiavelli noch nicht begraben wäre, so könnte er sich angesichts dieses Rezeptes ruhig begraben lassen. für die Reaktion ein gefundenes freffen! Die Zusa mmenstöße in Moabit zu einem„Auf- rühr" zu stempeln, der„von der Sozialsdemoihrati e organisiert" sei, dos ist jetzt das heiße Bemühen aller Re- aktionäre. Wem der Zweck dieses Zetergeschreies etwa nicht sofort klar gewesen sein sollte, der konnte sich darüber belehren in einer Versammlung der«nationalen Bürgerschaft Berlin s", die am Donnerstag noch dem Lokal.MarinehauS" zu einem Protest gegen die„sozialistischen Krawall« in Moabit" zusammengetrommelt worden war. AuS dem für die Anschlagsäulen bestellten Plakat hatte die Firma Nauck u. Hart- mann, so wurde mitgeteilt, das Wort„sozialistisch" herauSge- strichen. Getan hat sie daS selbswerständlich nicht auS Freundschaft für die Sozialdemokratie, sondern nur, um dem Vorwurf zu ent- gehen, daß die„nationale Bürgerschaft" rücksichtsvoller behandle als die sozialdemokratische Partei, gegen deren BersammlungS- anzeigen sie ihre Plakatzensur mit bekanntem Eifer übt. Wir ver- werfen solche Anmaßungen der Firma Nauck u. Hartmann unter allen Umständen und geben den Einberuferl» der Borsammlung durchaus recht, wenn sie sich darüber beklagen, daß Nauck u. Hart- mann die Bevölkerung Berlins des Vergnügens beraubt haben. jenen hirnverbrannten Angriff gegen die Sozial- demokratie auch an den Anschlagsäulen prangen zu sehen. Die Bevsammlung der„nationalen Bürgerschaft" war besucht von vielen Gästen, von Demokraten und auch von Sozialdemokraten, die den Saal füllen halfen. Sogleich zu Beginn entstand einige Aufregung, weil bei dem üblichen Kaiserhoch verschiedene Herren sitzen blieben. Einige davon wurden hinausgeworfen, was natür- lich nicht ohne Lärm abging. Von dem„Aufruhr in Moabit" gab RechtSanwaltUIrich eine Schilderung, die mit Blut nicht sparte. Doch dachte er nicht an das Blut der wehrlosen Passanten, auf die die Polizeisäbel niedergesaust waren, sondern an das der Arbeitswilligen, von denen schon in den ersten Tagen des Streiks, wie er zu wissen meinte, keiner ohne Verwundung heimgekehrt sei. Er versagte eö sich nicht, auch das Schauermärchen von einem«Sturm auf die Reformationskirche"— ausdrücklich sprach er von einem„Sturm" — noch mitaufzutischen. Daß auch, wie er behauptete,„ein Schutz. mann seine Pflichttreue mit dem Tode gebüßt" habe, ist neu. Mit solchen Erzählungen wollte er begreiflich machen, daß die Polizei gezwungen gewesen sei, unterschiedslos auf jeden Passanten einzuhauen. Er witzelte, ein Schutzmann könne doch nicht erst fragen:„Verzeihen Sie, waren Sie das viel» leicht, der da eben nach mir geworfen hat?" Die Polizei habe Mut und Besonnenheit und Taktgefühl bewiesen, und der ordnungs- liebende Staatsbürger müsse ihr dankbar sein für„das Große, was sie in Moabit geleistet" habe. Was man dort in der vorigen Woche erlebt habe, das sei schon die volle. Revolution, und verantwortlich sei für sie die Sozial- demokratie. Der„Vorwärts" habe ja im voraus auf die Zu- sammenstötze hingewiesen, indem er über den Streik bei Kupfer u. Co. gesagt habe, die Arbeiter würden schon dafür sorgen, daß die Firma keine Arbeitswilligen beschästigen könnte. Wie solle denn das anders erreicht werden als dadurch, daß man/— so meint Herr Ulrich, nicht etwa der„Vorwärts"— die Arbeitswilligen bedränge. Au» der Versammlung antwortete ihm der Zuruf:„Durch Auf- klärung!" Der Redner ging dann an die politische Aus- s ch l a ch t u n g des„Aufruhrs" und sprach die Hoffnung auS. jetzt werde man wohl endlich in bürgerlichen Kreisen einen Horror da- vor bekommen, bei den Wahlen einen Sozialdemokraten zu unter- stützen. Ach ja, der Moabiter„Sturm" soll der Reaktion das bisse! Wind hergeben, das sie ihrem Schisflein zu- führen möchte, um es wieder flott zu kriegen i In denselben Ge- dankengängen bewegten sich die Ausführungen des zweiten Refe» reuten, de» Chefredakteurs Dr. Oestreicher, von der Zeitung„Reich". Er bereitete seinen Zuhörern noch den besonderen Genuß, daS Judenwm als die eigentlich« Quelle alles Ucbels zu verdammen. AuS dem Moabiter„Aufruhr" zog er einige Lehren, unter anderem die, daß der Arbeitswillige eines stärkeren Schutzes bedürfe. Auftaffen müsse sich das nationale Bürgertum, zusammenschließen müsse sich alles, was christlich und konservativ heißt, und der Staat solle Helsen, Recht und Eigentum zu schützen Man sieht, der„Aufruhr" kam der Reaktion jehr gelegen Md ist für sie«iy gefußtz«n«S Fressen« Es folgte eins mehrstündige Diskussion, in der«S mit- unter ein bißchen lebhaft zuging. Ein Berichterstatter, der das „Auftnhrgebiet" unter dem Schutz der Polizei besucht hatte, trug seine Beobachtungen vor. Er habe gesehen, datz Auwmobile umher- fuhren, aus denen Zurufe an die Menge gerichtet wurden. Das soll ein Beweis sein, datz—„das Ganze organisiert" gewesen sei! ES kam schlietzlich die Annahme einer Protestresolution zustande. Sie drückt„Abscheu über die von sozialistischer Seite angezettelten blutigen Ausschreitungen in Moabit" auS, spendet unserer„braven Polizei vollste Anerkenmmg für die Hingebung, mit der sie die Ordnung wiederhergestellt hat", und fordert von der Regierung ein forsches Vorgehen und mehr Schutz für die Arbeitswilligen! Wes Geistes Kinder diese„nationalen" Protestler, beweist nicht nur diese Resolution, sondern obendrein noch ein Denunziantenstückchen, das wenigstens die„Berliner Neuesten Nachrichten" den Machern der Versammlung nach- sagen. DicS Scharfmacherblatt behauptet nämlich, daß gegen die „Störenfricde",dte sich beim Kaiserhoch nicht von ihren Sitzen er- hoben, Strafanzeige wegen M aj estä ts be l ei d i gun g erfolgen werde! Möglich, wahrscheinlich sogar, daß die Herren des Deutsch-Konservativen Wahlvereins von Moabit vor einem solchen Streich denn doch zurückschrecken werden; eS genügt aber schon, daß das ihnen gesinnungsverwandte Scharfmacherblatt ihnen eine solche Handlungsweise zutraut, um die politische Noblesse dieser Parteigänger der Stinnes, Hintze und Konsortsn zu kennzeichnen! Sin Stimmungsbild aus loyalen Kreifen. In ien letzten Tagen erhielten wir eine Fülle von schriftlichen und mündlichen Mitteilungen, die klar erkennen lassen, datz selbst die loyalsten Gemüter, Leute, die in jeder Beziehung auf dem Boden der heutigen Ordnung stehen, durch die Polizcisäbeleien in Moabit geradezu empört worden sind. Aus dem reichhaltigen Material, welches uns in dieser Hinsicht zur Verfügung steht, wollen wir hier nur einige charakteristische Aeutzerungen aus der Erzählung eines Mannes anführen, der sich uns als Gegner der Sozialdemo- lratic vorstellt und uns versichert, datz er bis in die neueste Zeit die Bestrebungen der sozialdemokratischen Arbeiterschaft bekämpft hat. Wir können ihm das ohne weiteres glauben, denn der Herr ist Mitglied eines gelben Ar- beit ervereins in einem Gr ätz betriebe und war bis vor kurzem zweiter Vorsitzender dieses Vereins. Also ein Mann, der vor dem Verdacht ordnungsfeindlicher Ge- finnung geschützt ist. Er hat vorn Balkon seiner Wohnung aus mehrere Attacken der Polizei beobachtet und erzählt uns unter anderem folgendes: Aus der Stratze stand eine Menschenmenge, die sich ganz ruhig verhielt. Auch die Schutzleute standen in scheinbarer Ruhe. Da plötzlich ertönt ein Kommando, die Säbel fliegen aus der Scheide, ohne Rücksicht und ohne Unterschied hauen die Schutzleute auf die Menschen ein. Erst jetzt werden Rufe aus der fliehenden Menge laut. Alles stürzt in wilder Flucht davon, in wenigen Minuten ist die Stratze fast menschenleer. Ein alter Herr steht an der Haltestelle der Stratzenbahn. Er macht die Flucht nicht mit. Ein Säbel- hieb trifft ihn, mit blutüberströmtem Gesicht wird er von zwei Männern fortgeführt. Ein anderer Mann, der lang- sam seines Weges geht, stürzt, vom Schutzmannssäbel ge- troffen, blutend zusammen. Eine alte Frau, mit einem Topf in der Hand, will die Stratze überschreiten. Sie bekommt einen Hieb auf den Rücken und bricht in die Knie.— Viele derartige Szenen habe ich beobachtet, aber sie auch nur einigermaßen anschaulich zu schildern, bin ich nicht imstande. Worte versagen, um das furchtbare Wüten der Polizei zu beschreiben, datz ich an zwei Abenden beobachten konnte. Eine Veranlassung, in solcher Weise gegen das Publikum vorzugehen, lag nicht vor. Sehen Sie das Kind— der Herr deutet auf seine etwa achtjährige Tochter— hat die Vorgänge auf der Stratze auch von hier oben mit angesehen und vor Angst und Schrecken gezittert. Als bei der Attacke dort drüben auf dem Bürger- steig ein Schutzmannspferd ausglitt und samt dem Reiter stürzte, da klatschte das Kind vor Freude in die Hände. Auch ich habe aus vollem Herzen Bravo gerufen. Es war mir eine gewisse Genugtuung, zu sehen, datz einer der Beamten, die so fürchterlich gegen das Publikum vorgingen, durch einen Zufall eine kleine Strafe erhielt. Ja, ich will Ihnen ge- stehen, ich hätte Steine auf die Schutzleute werfen mögen, wenn ich welche gehabt hätte. Mein Gerechtigkeitsgefühl empörte sich gegen das Verhalten der Beamten. Vor Auf- regung habe ich die ganze Nacht nicht schlafen können.— Ich bin ein durchaus religiöser Mann. In jenen Tagen habe ich mich gefragt, wie ist es möglich, datz Gott, an den ich glaube, solches Unrecht zulassen kann! Es ist ja auch behauptet worden, aus dem Publikum ist geschossen worden. Das ist, soweit ich die Vorgänge be- obachtet habe, nicht wahr. Aber es sind Patronen oder Feuerwerkskörper auf die Stratzenbahnschienen gelegt worden. Als dann der Wagen darüberfuhr, gab es einen starken Knall und Rauch. Da rannten die Schutzleute nach der Stelle hin und schössen! Am Tage nach diesen Vorgängen sprach ich auf der Stratze mit zwei Schutzleuten. Ich fragte sie, wie ist es möglich, datz die Beamten so vorgehen konnten. Sie ant- warteten nur: Wir müssen. Die Vorgesetzten ver- langen es, und wenn wir nicht folgen, riskieren wir den Verlust unserer Stellung. Wir haben es längst satt und möchten am liebsten auch streiken. Bekannte haben mir geraten— sagte unser Gewährs- mann—, meine Beobachtungen der„Morgenpost" oder einem anderen bürgerlichen Blatte mitzuteilen. Dazu konnte ich mich nicht entschließen, denn ich sehe ja, datz die ganze bürgcr- liche Presse die Vorgänge entstellt und verdreht und datz der„Vorwärts" daS einzige Blatt ist, welches eine richtige Darstellung des Sachverhaltes gibt. Deshalb habe ich mich an Sie gewandt. Was ich an jenen schrecklichen Abenden mit eigenen Augen sehen mutzte,.hat mich veran- latzt, über manches anders zu denken wie bisher. Meine Gesinnung verbietet mir, mich der Sozialdemokratie onzu- schlietzen. aber bekämpfen werde ich sie von nun an nicht mehr. Die f,fcmgcricbt<'-Hffäre, die«vir gestern als aufgebauscht nachwiesen, hat inzwischen eine neue Wendung genommen. Die Kriminalpolizei legt ihr eine so große Wichtigkeit bei. datz sie noch am Donnerstagabend zu Der- Haftungen geschritten ist. Die bekannte Zeitungskorrespondenz, deren sich die Polizei bedient, um der Oeffentlichkeit ihre Auf- fassung mitzuteilen, weiß zu melden, daß sechs Personen verhaftet worden sind,©je schreibt: Die„Gerichtssitzung" fand nicht in der Schankwirtschaft von Pflaumbaum, sondern m der Wirtschaft Pilz in der Rostocker Straße 27 statt. Dort machten gestern abend mehrere Kriminal- beamtc einen unerwarteten Besuch, während uniformierte Schutz- leute draußen Ausläufe verhinderten. Die Kriminalbeamten nahmen außer Wellschmidt auch zwei andere Arbeiter von Kupfer u. Co. mit, die erst gestern wieder, als sie ohne polizeilichen Schutz ausfuhren, von Mitgliedern der Streikleitung angefallen und miß- handelt wurden. Die Mißhandelten sahen sich alle Gäste an und fanden unter ihnen fünf Uebeltäter heraus. Zu diesen gehört außerdem der Schankwirt Pilz selbst. Riwtig ist an dieser Meldung, daß die Polizei aus der Gast- Wirtschaft von Pilz eine Anzahl Gäste und den Wirt selber mitgenonimen und in Haft behalten hat. Die Kriminal- beamten haben kurzerhand jeden abgeführt, über den ihnen Wellschmidt sagte, daß er an der behaupteten Schlägerei be- teiligt gewesen sei. Merkwürdig ist übrigens, daß andere Gäste, die am Donnerstag während dieser Polizeiaktion in dem Lokal waren und Wellschmidt sahen, von den angeblich er- littcnen Verletzungen nichts bemerkt haben. Eine andere Korrespondenz, die gleichfalls Jnfonnationen von der Polizei bezieht, gibt die Namen von vier bei Pilz verhafteten Arbeitern an. Sie nennt Narunat, Barcsel, Gradzat und Schumann. Wir stellen fest, daß in der Liste der Streikenden keiner dieser Name n enthalten i st I politifcbe Qeb er ficht Berlin, den 7. Oktober 1910. Nachklänge vom Kasieler uationalliberaleu Parteitag. Die Nationalliberalc» Badens sind sehr bescheidene und gemüt- volle Leute. Sie sind fast die einzigen, die in der Bastermannschen Rede auf dem Kasseler nationalliberalen Parteitag so etwas wie liberale Grundsätze und politische Konsequenz entdeckt habe». Wie aus Karlsruhe gemeldet wird, berichteten die Vorsitzenden des nationalliberalen und des jungliberalen Vereins, Landtags- abgeordneter Rebmann, Kammerstenograph Frey und Stadt- rat Kölsch, gestern abend in einer Versammlung beider Vereine über den Kasseler Parteitag, den sie als einen erfreulichen Erfolg und als einen vollen Sieg Basier- ' mannS über die Heyl und Genossen bezeichneten. Die DiS- kussion brachte einige Ueberraschungen. Zunächst trat der LtmdeZ- Vorsitzende der jungliberalen Bereine, Rechtsanwalt 23. Frey, für eine Wiederaufrichlung deS Bülow-BlockS ein, weil mit der Sozial- demokratie eine Arbeitsgemeinschaft unmöglich sei. Ihn unterstützte der Generalsekretär Rechtsanwalt Thorbecke. Beide Redner fanden aber nur geringen Beifall, während der stürmische Beifall, der dem Oberamtmann Arnsperger zuteil wurde, als er ein Zusammengehen mit dem von Junkern und Klerikalen gebildeten Block als völlig unmöglich bezeichnete, deutlich zeigte, daß die überwiegende Mehrheit von solchem Bündnis nichts wissen will. Der Borsitzende Rebmann stimmte dem Oberamtmann ArnS- perger zu. Ein Zusammengehen mit den Konservativen hielt er für diskutabel, wenn diese dem Liberalismus in Gesetzgebung und Ver- waltung volle Gleichberechtigung garantierten. Im übrigen halte die Partei aber an der Großblockpolitik in Baden fest und erstrebe ein möglichst gutes Verhältnis zwischen den Linksliberalen. An Obkircher, dessen Wiederaufnahme der politischen Tätigkeit gewünscht wird, wurde ein BegrützungStelegrmnm gesandt. Der deutsche Kolonialkongretz. Der dritte deutsche Kolonialkongretz hielt heut« seine zweite Plenarsitzung ab. Sie wurde durck folgende Vorträge mit an- schließenden Diskussionen ausgefüllt: Prof. Dr. Schilling sprach über die Bedeutung, welche die neuen Fortschritte der Tropenhygiene für unsere Kolonien haben. RegierungSrat Prof. Dr. Zoepfl behandelte die Entwickelnng und die Aussichten des Handels der Kolonien. Pfarrer v. Richter das Problem der Negerseele und die sich daraus für die EntWickelung des Negers ergebenden Folgerungen. Der heutige Nachmittag wurde durch Sektionssitzungen aus- gefüllt. Die nächste und letzte Plenarsitzung findet morgen nachmittag » Uhr statt._ Die schöne Talonsteuer. Die liederliche Weise, in der die klerikal-konservatibe Koalition die letzte Reichsfinanzreform zusammengepfuscht hat, erfuhr in der Sitzung des Straßburger GcmeinderateS am Mittwoch, den 5. Oktober. «ine grelle Beleuchtung. Wie in vielen anderen Städten wurde auf Vorschlag deS Bürgermeisters beschlossen, die Talonsteuer für die Erneuerung der ZinSbogcn der städtischen Anleihen auf die Stadt- taste zu übernehmen. Für die am L Januar auszugebenden Zinsbogen der Anleihe vom Jahre 1901 wird ein Kredit von 12 600 M. in das Budget eingesetzt; zur Deckung der künftigen Steucranfälle wird ein Zweckfonds gebildet, für den jedes Jahr 1200 M. in das Budget eingesetzt werden. Wie der Bürgermeister mitteilt, erfordert die Ausgabe von neuen ZinSbogen nach dem gegenwärtigen Stande der städtischen Anleihen bis zu deren planmäßiger Tilgung einen Steueraufwand von insgesamt 278 330,80 M. DaS ist eine recht ansehnliche Belastung der Stadt Straßburg. Welche liederliche GesetzgebungSarbeit der SchnapSblock bei der Talonsteuer geliefert hat, geht aus einer Entscheidung des Reichs- konzlerS hervor, die er unterm 3. Juni d. I. auf einen Antrag deS Bürgermeisters von Straßburg auf Aenderung des NeichSstempel- gesetzeS gegeben hat. Die Eutscheidung lautet: „DaS Lieich-Ssteinpelgesetz vom IS. Juli 1000 hat sich auch hinsiclitlich deS ZinSbogeiistcmpclS auf die Regelung der Frage beschrankt, wer der Steuerbehörde gegenüber zur Enlrickitung der RcuitSfteinpelabgaöe verpflichtet ist. Dies ist bei inländischen ZinSbogen derjenige, der die Ziusbogen ausgibt.(Zu vergleichen §2 des Gesetzes.) Wen die Verpflichtung zur Tra- gung des Stempels im Verhältnis des Ausgebende» zum Inhaber der Schuldverschreibungen trifft, daS zu regeln hat das Gesetz absichtlich Unterlasten, da die Entscheidung dieser Fragen von der Besonderheit der Verhältnisse abhängt, die zwischen dem Emittenten und dem Inhaber der Papiere besteht. Ein Anlaß, aus dem in dem gest. Schreiben bezeichneten Gründen einer Aenderung deS Gesetzes näher zu treten, scheint mir nicht gegeben." Dem Volke wurde bei der Schaffung des Gesetze? von der Regierung und den Parteien de» SchnapsblockeZ erzählt, daß diese Steuer von den Besitzenden getragen werde. Man hat es aber unterlassen, im Gesetz ausdrücklich die Besitzenden zur Zahlung der Steuer zu verpflichten, so daß in der Praxis der die Steuer bezahlen muß, der das Geld der Besitzenden borgt, will er mit seinen An- liegen von den Kapitalisten nicht abgewiesen werden. Unter diesem Zustand haben die Slsidte umso mehr zu leiden, als bekanntlich die Reichs- und Staatsanleihen von der Steuer befreit sind. Auffällige Beförderung. Der Landgerichtsrar Dr. Hahn, der in ScklcSwig-Holstein die Hetze gegen die Dänen betreibt, ist im vorigen Jahre erst zum LandgcrichtSrat ernannt worden und jetzt wird er auf die Stelle eines Landgerichtsdirektors in Kiel bcrnfen. Sollte darin eine Belohnung für die Dienste zu erblicken fein, die Herr Dr. Hahn der preußischen Reaktion geleistet hat? Gegen die Fleischuot. Der Vorstand des Deutschen Städtetages beschloß in einer am Donnerstag abgehaltenen Sitzung, im Namen des Deutschen Städte- tages eine dringliche Eingabe an den Reichskanzler und Reichstag zu richten und darin schleunige Maßnahmen zur dauernden Behebung der Fleischteuerung zu fordern. Insbesondere soll auf Beseitigung der Lbcrstrengen Veterinären Grenzkontrolle, welche zurzeit wie eine Grenzsperre wirkt, und ans Erleichterung der Einfuhr gefrorenen Fleisches gedrimgen werden. Zugleich wurde auch beschlossen, zu- saminen mit Vertretern der Kaufmannschaft durch Sachverständige die Anlagen in England besichtige» zu lassen, welche der Auf- bewahrung des eingeführten gekühlten und gefrorenen Fleisches dienen und eventnell auf Grund der hierbei zu gewinnenden Ersah- rungen der ReichSregierung weitere Vorschläge zu unterbreiten. Leider hat der Städtetag mit einer Stellungnahme etwas lange gezögert. Hoffentlich teilen die nach England fahrenden Herren nach- her auch der Vevölleruiig die Ergebnisse ihrer Studien mit. Eine Fleischnotdebatte in der Hamburger Bürgerschaft. Am Mittwochabend Ivurde im Hamburger Parlanrcnt über die Anträge zur Milderung bezw. Abstellung der Fleischtenerung bis- kutiert. Es lagen vier Anträge vor, von denen der soztaldemokra- tische der weitgehendste war. Die Anträge sollten schon in der vorigen Sitzung zur Verhandlung gelangen, aber da in letzter Stunde der Senat der Bürgerschaft eine vom Schlachthos- d i r e k t o r Dr. N e u m a n n verfaßte Denkschrift über diese Materie zugestellt hatte, wurde die Angelegenheit um acht Tage vertagt. Diese Denkschrift sucht— kaum glaublich, aber wahr!— den Nach- weis zu erbringen, daß von ciner Fleischnot nicht die Rede sein könne, weil genügend Vieh in Hornburg eingeführt worden sei. Ucber diese Argumentation dürften die Agrarier hocherfreut sein, und sie würden vielleicht Dr. Reumann zum Ehrenmitglied des Bundes der Landwirte ernennen, wenn, wie ein bürgerlicher Ab- geordneter mitteilte, dieser Staatebeamte nicht— Vor- sitzender einer agrarischen Interessenvertretung wäre! Diese Mitteilung rief allgemeine Sensation hervor und selten dürfte einem Staatsbeamten so mitgespielt worden sein wie ihm. Die„Tenlschrift", die tatsächlich viel zu denken gibt, teilt mit, daß ein großer Teil deZ eingeführten— überschüssigen!— VieheS wieder ausgeführt worden ist, wie viel in Hamburgs Mauern an Fleisch verzehrt lvorden ist, verniag der Schlachthofdirektor nicht anzugeben. Er kennt auch nur die Dctailverkaufspreise der„Produktion", die bei ihrem Riesen- umsatz zu niedrigeren Preisen zu verkaufen vermag, als die anderen Schlächtereien. Der Obermeister der Hamburger Schlächterinimng, Schumacher, nahm diesen Zahlenjongleur arg beim Schopf und führte den Nachweis, daß der famose Vertreter agrarischer Interessen sich als Vergleichsjahr das TeuerungSjahr 1006 gewählt habe. Der klbg. Schumacher hat zur Deputation de? Fleischerver- bandeS gehört, die bei dem neuen LandwirtschaftSminister v. Schor- lemer vorstellig geworden ist wegen Abstellung der Fleischnot. Gleich dem edlen Pod läßt auch Herr v. Schvrlcmer sich mit solchen Dingen nicht vor den Bauch stoßen. Der linkslibcrale Dr. N ö l d e k e be- zeichnete die Denkschrift als eine„Fälschung der Statistik", als ,J o n g l e u r k u n st st ü ck ch e n",„Machwerk" usw. Genoffe Krause macht den Senat für die Denkschrift verantwortlich, weil dieser sie der Bürgerschaft zugestellt habe. In kräftigen Strichen zeichnete er die Prorektionswirtschaft in Deutschland, für die der Senat ebenfalls die Verantwortung trage, denn Preußen allein habe im Bundesrat nicht die Mehrheit. Im Jntcreffc der 72 Prozent der Bevölkerung, die durch die Agrarier ausgepowert würden, müßte mit dieser Wirtschaft gebrochen werden, weshalb er um Annahme des sozialdemokratischen Antrags ersuchte. Wie in Hamburg üblich, war der Senat nicht der» treten. Die Fleischnot macht sich in den ihm nahe stehenden Kreisen nicht bemerkbar. Unter Ablehnung de? linksliberalen und deS sozialdemokratischen Antrage? wurden folgende Anträge angenommen: „Die Bürgerschaft ersucht den Senah sin Bundesrat dahin zu wirken, daß die Quarantäne und Tuberkulinimpfung für aus Dänemark eingeführtes Schlachtvieh aufgehoben und dafür an- geordnet werde, daß letzreres uilter den erforderlichen BorsichtS- maßregeln direkt auf die Schlachthöfe zur alsbaldigen Abschlachtung übergeführt werde." „Die Bürgerschaft ersucht den Senat, angesichts der be- stehenden hohen Fleischpreise im Bundesrat dahin zu wirken, daß alle wirksamen Mittel zur Verbilligung des Fleisches zur An- Wendung kommen." „Der Senat möge dafür eintreten, daß die Einführung über- seeischen Fleisches in gekochtem Zustande gestattet werde." Ferner spricht ein zur Annahme gelangter Antrag sein Be- dauern über das Nichterscheinen deZ Senats zu dieser wichtigen Frage aus. Die denkwürdige„Denkschrift" deS SchlachthofdirektorS durch einen Ausschuß prüfen zu lassen, wurde kurzweg abgelehnt Folgen der Königsberger Rede. Der Redakteur deS Organs der lokalorganisierten Metallarbeiter Karl Wiesenthal in Berlin erhielt eine Anklage wegen Majestät»- beleidigung, weil er in drei Nummern deS„Deutschen Metall- arbeiter" einen Artikel unter der Ueberschrift„Von GotteS Gnaden" veröffentlicht und darin scharfe Kritik an der Königsberger Kaiserrede geübt hat. Auch gegen den Drucker der Zeitung, Witzel ist das Verfahren eingeleitet. Die drei Nummern deS gewerkschaftlichen BlatieS wurden beschlagnahmt. Die Regierung gegen die Pfaffen. Nach einer Meldung der„Frankfurter Ztg." auS Lissalon hat die republikanische Regierung den KleruS durch Dekret ausgefordert, die Straßen nicht in AmtSkleidung zu betreten, dainit Aiisschreilunge» verhindert werden. Durch ein weiteres Dekret ist die Auflösung sämtlicher Kongregasioncn verfügt, deren Mitglieder das Land binnen 24 Stunden zu verlassen haben. Eine neue Art der Verwendung von Soldaten hat ein agrarischer Verein in Ostpreußen entdeckt. Er veranstaltete für die Soldaten ein Wettmähen und Wettpflllgen. Die besten Ar- Veiten wurden mit Preisen belohnt, die als Zuschauer wirtenden Soldaten erhielten je einen Kalender. Die Kosten wurden zum größten Teil von der ostprcußischcn LandwirtschaftSkammer getragen. — BZieder ein Beweis dafür, daß die gegenwärtige Dienstzeit ent- schieden zu lang ist, wenn sie noch Zeit dazu bietet, derartige Dinge auSsührcn zu können._ Russenansweisung. Die Ausweisung russischer Staatsangehöriger aus den ober- schlesischen und galizischcn Jiidustriebezirken wird fortgesetzt. Seit einigen Monaten sind zirka v00 Russen auS politischen Gründen ausgewiesen worden.__ Oeftcmlcb. Lncgers Mandate. Der verstorbene Wiener Bürgermeister vertrat km ReichSrate den 13. Bezirk Hietzing, wo er mit ungeheuerer Mehrheit gewählt war. Hietzing ist ein schon recht ländlicher Bezirk an den Ausläufern deS Wiener Waldes, die Industrie ist nicht befondes berireien, da« gegen wohnen diele unter christlichsozialem Zwang stehende Straßenbahner dort. AberdingS ist zu bedenken, daß im 13. Bezirk Herr H r a b a. der Enthüller der christlich- sozialen Korruption seinen Sitz hat. Er hat dort auch die bekannte Aasgeierrede gehalten. Für die Christlichsozialen kandidiert hier der Bürgermeister Dr. Neumayer, ein ganz uninteressanter schläfriger alter Herr. Kandidat der Sozialdemokratie ist der alte Kämpfer Genosse Emil P o I k e. Daneben dürfte eS möglicherweise eine bürgerlich-demokratische und die üblichen Beamten-, National- und Frondcurkandidaiuren geben. — Höchst intereffant wird der Kampf um LuegerS Landtags- mandat werden. Der Führer der Antisemiten war Landtags- abgeordneter deS Judenbezirk» Leopoldstadt, der allerdings trotz allen SagenS kein überwiegend jüdischer Bezirk ist. Nun ist daS nieder« österreichische LandtagSwahlrecht zwar erbärmlich und noch bei den letzten allgemeinen Wahlen schnitten wir in der Leopoldstadt nicht zu gut ab. Slber die Schwarzen haben keinen Lucgcr mehr, dafür den nn- geheuren Stank ihrer Affären. Da nun unsere Parteigenossen die glückliche Wahl trafen, den Gcmeinderat und ReichSratSabgeordneten Franz Schuhmeier, den populärsten Sozialdemokraten Wiens, aufzustellen, ist— sofern eS auf die Person des Kandidaten an« kommt— eine Eroberung des Mandats nicht ganz ausgeschlossen. Freilich wird gegen Schnhmeier auch die schwarze Maschine mit Volldampf arbeiten._ Franz Ferdinands Bedürfnisse. Der„zur Disposition des allerhöchsten Oberbefehls stehende" Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand hat sich längst die Leitung der militärische» Angelegenheiten gesichert. Aus sein Ver- langen soll nun das neue Wehrgesctz forciert werden, das schon bei Fortbestehen der dreijährigen Dienstzeit 30 000 Mann jährlich mehr ausgehoben haben will. Wird die zwei- jährige Dienstzeit endlich eingefühct, dann wäre die HeereSvermehrnng beziehungsweise die Steigerung des RekrutcnkontingentS natürlich noch viel höher! Um nun solche große Rosinen durchzusetzen, muß man den Ungarn natürlich Konzessionen bieten(von der öfter« reichischen Schafsgeduld erwartet man erst keinen Widerstand) und über das Maß dieser übrigens das Wesen des Militarismus gar nicht, sondern nur sein Gewand verändernden Zugeständnisse sollen zwischen Franz Ferdinand und dem Kriegsminister Schönaich Differenzen bestehen, die deS letzteren Sturz zur Folge haben können. Ucbrigens soll bei dieser Gelegenheit da? Heer gründlich reformiert— und das Präsentieren,'daS nach den Unglückskriegen von 1820 und 1806 abgeschafft wurde, wieder eingeführt werden. Der General- stabschef Konrad v. Hötzendorf war jüngst von dm Manövern der Schweizer Volkswehr ganz begeistert.... Lelg-len. Protcstkniidgebnng der Brüsseler Sozialisten gegen Wilhelm H. Brüssel, 7. Oktober. Der Borstand(der sozialistischen Partelen Brüssels und Umgegend hielt gestern abend eine Sitzung ab, in der er sich mit dein bevorstehenden Besuch Kaiser Wilhelms beschäftigte. Er faßte nach einer Verhandlung von etwa 4 Stunden folgenden Beschluß: Die Vereinigung der Sozialisten von Brüssel und Umgebung beschließt, an, Vorabend der Ankunft des deutschen Kaiser« in Brüssel ein großes Meeting zu veranstalten, einerseits um die Solidarität, die die belgische und die deutsche Sozialdemokratie verbindet, zum AuS- druck zu bringen, andererseits um die Bevölkerung über den Kampf aufzuklären, den die deutschen Genossen gegen den kaiserlichen Autokratismus führen. Die Föderation beschloß ferner, ei» Manifest zu veröffentlichen, daS in gleicher Weise zur Aufklärung der Bevölkerung dienen soll, und endlich kam man überei», den engeren Vorstand zu veranlassen, alle Maßregeln zu ergreifen, die die Umstände erfordern könnten. Der Beschluß ist gegen den rechten Flügel der Partei gefaßt worden, der beantragte nichts zu nnternehmen. Während der An- Wesenheit des deutschen Kaisers in Brüssel wird daS gesamte Militär aus Belgien zusammengezogen w e r d e n. ES ist außerdem beschlossen worden, den Kaiser auf allen seinen Ausfahrten durch die Bürgergarde zu Pferde be« gleiten zu lassen. Spanien. i Pumpbedürfnisse. Ueöer neue Anleihepläns der spanischen Regierung wird ge- meldet: Unter den Gesetzentwürfen, die der Finanzminister der Kammer vorgelegt hat, befindet sich das Projekt einer vierprozen- tigen, in 20 Jahren zu amortisierenden Anleihe von IVa Milliarden Pesetas zum Zwecke der Einziehung der in diesem Jahre ausgegebenen Schatzanweisungen und zur AuS- stattung sämtlicher Ministerien, namentlich des Kriegsminister i u m S zum Slnkauf von Artilleriemate» rial. Der Finanzminister legte ferner einen Entwurf vor, wo. nach die dreiprozentige, in 20 Jahren erlöschende, und die fünf» prozentige auswärtige Schuld ans dem Verkehr gezogen werden sollen. Spanien hat bisher„nur" 7667 Millionen Mark Schulden. Jetzt sollen 1212 Millionen hinzukommen. Das spanische Boll bricht unter der Last der Steuern zusammen, aber die Regierung braucht„Artilleriematerial". Das graue Elend ist die Folge. Die Ereignisse in Portugal scheinen der Regierung nicht zur LLarnung zu dienen.- Englanä. Das Schicksal SavarkaS. London, 6. Oktober. Ein Eominunique des Auswärtigen Amtes in der Angelegenheit des indischen Revolutionärs Savarkar besagt: Zwischen der englischen und der französischen Negierung ist� eS zu einer Einigung gekommen. Die die Flucht und die ÄLicderergreifung SavakarS betreffenden Tatsachen sowie die damit zusammenhängende internationale Frage sollen einem Schiedsgericht unterbreitet werden. Sollte Savarkar in dem gegenwärtigen gerichtlichen Verfahren für schuldig befunden werden, so soll, so� lange der Schiedsspruch nicht gefällt ist, irgend ein Urteil gegen Savarkar nicht vollstreckt und dieser nur in Haft behalten Iverden. Serbien. Ein uencs Presigcseh. Belgrad, 7. Oktober. Do» neue Preßgesetz wird eine der ersten Arbeiten bilden, mit denen sich die Skupschtina alsbald nach ihrem Zusammentritt beschäftigen wird. Das neue Gesetz sieht u. a. die Vertveisung von Pressedelikten vor das Schwurgericht vor; auch soll die materielle Veransivortlichkeit der Drucker für Ver- öfsentlichungen ein corpus delicti geben. Das Gesetz verbietet ferner verletzende Erwähnungen und erhöht die Strafen für pornographische und inimoralische Schriften, sowie für Beleidi- gungeiu Hfnha. Bottza ins Parlament gewählt. Kapstadt, 7. Oktober. General Botha ist in Losberg ins Bundesparlament gewählt worden. Ein Gegenkandidat war nicht aufgestellt GewerkfcbaftUcbeQ. DU LeUegung der Differenzen m der Werft- Industrie. Seit dem 26. September ist nun zwischen einer Kommission, dw aus Vertretern der acht in Frage kommenden Zentralverbände, Vertretern der Hirsch-Dunckerschen und Christlichen besteht, und der Vertraucnskommission des Gesamtverbandes der Metallindustriellen, bestehend aus dem Fabrikbesitzer G a r v e n s- Hannover, v. B o r s i g° Berlin und Direktor L i p p e r t- Nürnberg, der- handelt und ei» Resultat erzielt worden, das von einer allgemeinen Werftkonferenz akzeptiert wurde. Wir geben die gemachten Zu- geständnissc im Nachstehenden nochmals ausführlicher wieder: Die tägliche Arbeitszeit wird vom!. Januar 1911 in H a m- bürg auf SS Stunden und in den übrigen Werftorten auf BS Stunden pro Woche verkürzt.(Bisher dauerte die Arbeitszeit in Hamburg S6 und in den anderen Orten mit wenigen Aus- nahmen 57 Stunden wöchentlich.) Der Ausgleich dieser Zeit- Verkürzung erfolgt durch eine Zulage von einem Pfennig auf den Stundenlohn. An den Tagen vor Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Neujahr ist zwei Stunden früher Feierabend. Die Einstellungslöhne bei den Hamburgischen Werften der Gruppe Deutscher Seeschiffswerften werden bei der Wieder- aufnähme der Arbeit um 2 Pf. pro Stunde erhöht mit der Maß- gäbe, daß der niedrigste Einstellungslohn irgendeines volljährigen Arbeiters 49 Pf. pro Stunde beträgt. Außer dieser Konzession in den Einstellungslöhnen wird eine Lohnerhöhung für alle Ar- beiter um 2 Pf. pro Stunde bewilligt. Dieselben Zugeständnisse machen die nichthamburgischen Werften der Gruppe Deutscher See- schiffswerften, jedoch mit der Einschränkung, daß der niedrigste Einstellungslohn für diese Werften der örtlichen Vereinbarung vorbehalten bleibt. Am 1. Januar 1911 wird überall die wöchent- liche Lohnzahlung, und zwar am Freitag eingeführt.(Hierbei ist zu bemerken, daß in Stettin bisher 14tägige Lohnzahlung üblich war. Auf den übrigen Werften war die wöchentliche Lohn- zahlung schon durchgeführt, jedoch erfolgte die Auszahlung Sonn- abends.) Mit der Hamburg-Amerika-Linie soll besonders ver handelt werden, da dieselbe die allgemeinen Bedingungen nicht anerkannt hat. Es wurde aber beiderseitig anerkannt, daß der allgemeine Friedensschluß an dem Verhalten der Hamburg Amerika-Linie nicht scheitern kann. Grundsätzlich werden die Akkordsätze auf allen Werften so gestellt, daß der Arbeiter bei fleißiger Arbeit einen seinen Lohn übersteigenden Verdienst erzielen kann. Akkordsätze, die bei fleißiger Arbeit und richtiger Angabe der auf die Ausführung der Arbeiten verwendeten Zeit keinen den Lohnsatz übersteigenden Ver- dienst belassen, sollen von den Werften richtiggestellt werden.— Bei Entlassungen oder freiwilligem Austritt aus der Arbeit ist dem Arbeiter der etwaige Akkordüberschuß unverkürzt auszuzahlen, wenn das Ausscheiden des Arbeiters stattfindet aus einer Akkord- arbeit, die er sechs Wochen oder länger vor seinem Austritt be- gönnen hat. Die Auszahlung deS AkkordllberschusseS erfolgt bei kurzen Akkorden nach Fertigstellung derselben bei der nächsten Lohn- zahlung. Die länger andauernden Akkorde sollen möglichst ver- kürzt werden. Für Ueberstunden soll ein Aufschlag von 2S Proz.. für Nacht-, Sonntags- und Festtagsarbeit werden S9 Proz. Zu- schlag zu dem Stundenlohn bezahlt.— Als Ueberstunden gelten Sie ersten beiden sich an die reguläre Arbeitszeit anschließenden Stunden sowie das Arbeiten in den Pausen.— Wird über diese ersten beiden Stunden hinaus noch länger gearbeitet, so sind säml- liche Ueberstunden, auch die beiden ersten, als Nachtstunden zu entschädigen.— Bei Wechselschicht bleibt eS bei dem bisherigen Zu- 'schlag.(Bisher wurden 59 Proz. Zuschlag bezahlt.) Der Arbeiter darf nicht länger als zwei für die betreffende Werft übliche Ar- deitSschichten beschäftigt werden.— Di« gesetzlichen Arbeiterschutz- destimmungen sind von beiden Seiten streng einzuhalten. Wider- sprechende Bestimmungen der Arbeitsordnungen müssen mit den Vereinbarungen in Einklang gebracht werden. Günstigere Ar- beitsbedingungen sollen durch diese Vereinbarungen nicht berührt werden.— Als Vermittelungsinstanz zwischen Betriebsleitung und Arbeiterschaft des Betriebes wird ein ständiger Arbeiterausschuß nach den Bestimmungen deS§ 134lc Absatz 4 der Gewerbeordnung gewählt; die Neuwahl erfolgt nach Ablauf eines Kalenderjahres »nd soll in der Verhältniswahl stattfinden. Wiederwahl ist zu- lässig. Soweit die Zugeständnisse, die, wie gesagt, von der Werft- arbeiterkonferenz angenommen wurden. Die Arbeiter der ein- gelnen Orte müssen nun dazu noch Stellung nehmen; es werden in allen in Frage kommenden Orten so schnell wie möglich Ver- sammlungen einberufen. Vereinbart wurde, daß in den Werft- orten paritätische Kommissionen möglichst sofort zusammentreten sollen, um die noch notwendigen Vereinbarungen für die einzelnen Orte in bezug auf Einstellungslöhne usw. zu treffen. Insbesondere ist es notwendig, die bisherige Höhe der Einstellungslöhne zu er- Mitteln, auf die dann der vereinbarte Aufschlag erfolgt. Wann dann die Wiederaufnahme der Arbeit erfolgt, bedarf noch näherer Vereinbarung. Berlin und Clmgegend. Friede in Moabit? Nach wochenlangen Kämpfen ist jetzt Hoffnung vor- hai.den, daß der Ausstand der Kupferschen Arbeiter in kürzester Zeit beendet sein dürfte. Nachdem die Kohlenfirma die Vermittelung des Transportarbeiterverbandes strikte ab- gelehnt hatte, haben die Streikenden auf Veranlassung einer anderen Firma selbst eine Deputation entsandt, um über die Friedensbedingungen zu verhandeln. Während der Be- sprechungen eröffnete der Vertreter der Firma Kupfer u. Co.. Direktor Busch meier, den Arbeiterdelegierten, daß die Firma entgegen ihrer früheren Weigerung gesonnen sei, ihre alten Arbeiter in voller Zahl wieder einzustellen. Die Hilfsarbeiter, die gegenwärtig tätig seien, würden bis auf weiteres ebenfalls im Dienste belassen Werden. Bezüglich der Lohnforderungen wurde den Streiken- den mitgeteilt, daß eine Erhöhung der Arbeitslöhne erst vom 1. April 1911 stattfinden könne, da die laufen- den Verträge auf Grund des bisherigen Lohntarifes ab- geschlossen seien. Nach dem 1. April werde man bezüglich der Lohnerhöhung weiter verhandeln und sicherlich ein für beide Teile befriedigendes Resultat erzielen. Die übrigen kleineren Wünsche der Streikenden werden nach Aufnahme der Arbeit von einer aus Arbeitern und Vertretern der Firma bestehenden Kommission beraten und erledigt werden. Die Vorschläge der Firma werden von den Delegierten ihren Kollegen unterbreitet werden und hofft man. daß die Ver- Handlungen noch im Laufe dieser Woche zu einem befriedigen- den Abschluß gelangen._ Von der Kohlcnfirma Pouly Nachfolger erhalten wir eine Zu- schrist, in der die Firma erklärt, I. daß von dem Tage an. an dem fle den Arbeitern erklärt habe, keine Fuhren für die Firma Ernst Kupfer u. Co. oder deren andere Firmen zu liefern, weder direkt noch indirekt irgend ein Auftrag der Firma Ernst Kupfer u. Co. und ihres Konzerns an- genommen oder ausgeführt worden ist; 2. daß niemals von der Firma Paulh eine Kaution für die Polizei verlangt worden ist, und daher auch nicht von ihr abgelehnt werden konnte; 3. daß die Kahnladnng, die von der Firma Pauly von Moabit nach Maybachnfer dirigiert worden ist. weder direkt noch indirekt mit der Firnia Ernst Kupfer u. Co. zusammenhängt, sondern bereits vor längerer Zeit von der Firma Pauly mit der Bedingung in Moabit und in Rixdorf zu löschen gekauft ist, und dyher halb in Moabit und halb in Rixdorf zur Löschung gelangte. Es wird Sache der Streikseitung sei», sich über die Tatsächlich- lichkeit der Feststellungen in dieser Darstellung zu informieren. Znm Streik der Chauffeure, Packer, Radfahrer bei der Handels- Gesellschaft deutscher Apotheker wird berichtet, daß durch folgende Kraftdroschke» Streikfuhren gemacht werden: 9933. 8649, 8424, 8666, 8633, 8714, 9643, Wir ersuchen alle Krafrdroschen- führer, bei Annahme von Fuhren für obengenannte Gesellschaft sich nicht durch verfängliche Fragen einfangen zu lassen. Den Arbeite- rimten, welche am Streik nickt beteiligt sind, wurden während der erste» beiden Wochen 2 M. extro und Mittag und Veiper gegeben. Jetzt hat mau ihnen schon die 2 M. entzöge»! Heute wurden wieder Chauffeure durch Inserate im.Lokal- Anzeiger" und in der„Morgen- post" gesucht. Den Arbeitsuchenden wurden pro Woche 27 M, ge- boten I Wir bitten Arbeilsaugebote nach wie vor zurückzuweisen. Deutscher TranSportarbeiter-Verband. Bezirk Groß-Berlin. Oeuvlcbes Reich. Wozu Werkskolonien gut find. Der Grubcndirektor Bonacker der Zeche KönigSgrube inspiziert in höchsteigener Person die Koloniewohnungen. Bei dieser Ge- legenheit stellt er durch Fragen fest, ob und welcher Organisation die Insassen angehören. Damit er auch richtig fährt, läßt er sich die Mitgliedsbücher vorzeigen. Entdeckt er Mitglieder des Bcrgarbeiterverbandes, dann empfiehlt er dringend den Heber- tritt zum Gcwerkvercin. Und das will kein Zechengewerkvercin sein?_ Tie Hamburger Kürschner(Pelzbranche) sind in eine Lohn- bewegung eingetreten. Zuzug ist bis auf weiteres fernzuhalten. Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Kürschnerverband. Filiale Hamburg. Husland. Französischer Gcwerkschaftskongreh. Dritter Tag. Toulouse, S. Oktober.(Eig. Ber.) Der Kongreß beginnt die Diskussion über die Affäre des Hauses der Föderationen. Ein Antrag, die Presse auszuschließen, wird abgelehnt. L e v y. der ehemalige Kassierer der Konföderation, gibt in einer ausführlichen Red« die Geschichte dieses Hausbaues, der den Konflikt innerhalb des revolutionär-syndikalistischen Flügels hervorrufen sollte. Er beschuldigt Griffuelhes einer völligen Unfähigkeit in der Buchführung und führt eine Reihe von Bei- spielen davon an. Er spricht weiter von fahrlässiger Verwaltung, von Broschüren, die zu teuer gedruckt wurden, von Manövern JvetätS gegen ihn, von einem Buchhalter, der im richtigen Augen- blick gestorben sei, von Zumutungen, die man ihm gestellt habe, von den für die Opfer von Villeneuve-St. Georges gesammelten Geldern einen Teil stir andere Zlvccke zu verwenden. Er schließt mit der Erklärung, daß die Buchhaltung in allen Punkten falsch sei. Levy hat unter Stillschweigen der Versammlung, nur von wenig Zwischenrufen unterbrochen, gesprochen. B l a n ch a r d(Metallarbeiter) spricht über den Mangel der Kontrolle beim Haus der Verbände. Die kleinste Gewerkschaft läßt alle Bierteljahre revidieren. Wenn man gewissen Persönlichkeiten nicht paßt, ist man allen Verdächtigungen ausgesetzt. In der Provinz, wohin man zur Propaganda kommt, begegnet man einem durch verleumderische Briefe hervorgerufenen Mißtrauen und bis ins Hotel wird man bespitzelt. Es ist bequem, jemanden damit abzutun, daß man ihn als Reformisten hinstellt. Die Ziffern der Buchhaltung sind weder reformistisch noch revolutionär. Hören wir überhaupt damit auf, uns Etiketten aufzukleben!— Der Redner bringt weiter den F a I l M a r ck zur Sprache. Griffuelhes hat diesen Kameraden, während er wegen Streikagitation im Ge- fängnis saß, um seine Stelle in der Druckerei bringen und durch einen anderen Kameraden ersetzen wollen. Schließlich hat er Marckz Bezüge um 2 Fr. täglich gekürzt. Von welchem Unter- nehmer ließe man sich das gefallen? Und solche Fälle von Pro- tektion gab es mehr. In der Druckerei hat sogar der Sekretär der gelben Buchbindergewerkschaft einige Zeit gearbeitet. Der Redner verlangt Rechenschaft über Griffuelhes' Verhalten in allen Punkten. (Beifall.) I v e t ö t verteidigt Griffuelhes in einer an Abschweifungen reichen Rede.— Er greift die Reformisten an, besonders die Gruppe der„Aktion Ouvriere". Wenn der Bau des für die Pariser Organisationen so notwendigen Saales nicht fertig ge- worden ist, so ist die Campagne gegen Griffuelhes daran schuld, die die begonnenen Sammlungen geschädigt hat. Jvetöt verteidigt sich selbst gegen den Vorwurf, daß er sich ein Komitee für seine Wiederwahl fabriziere. Nachmittagssitzung. Die Diskussion dauert— mit stürmischen Zwischenrufen— fort. Ein Redner behauptet, die ganze Affäre sei von den Re- formisten aufgebauscht worden, um die Revolutionäre öffentlich zu kompromittieren. Griffuelhes erklärt, daß die Situation des Verbands- Hauses so wäit gebessert sei, daß diejenigen, die das Werk in schwierigen Augenblicken gefördert haben, nicht zu Schaden kommen werden. Heute könne er sein langes Schweigen brechen. Nach dem Massaker von Villeneuve-St. Georges seien nicht alle Leute, die in dem Polizeirapport als Teilnehmer an der Manifestation genannt waren, verhastet worden. Unter den Nichtverhafteten be- fänd sich Latapie. Unmittelbar darauf habe die Campagne gegen ihn, GrifftielheS, begonnen. Der Redner behauptet, daß Latapie 1996 mit Briand über den gesetzlichen Kollektivvertrag ver- handelt habe. Briand habe sich damals gegenüber mehreren De- putierten geäußert, daß er sich mit einflußreichen Mitgliedern der Konföderation ins Einvernehmen gesetzt habe.— Griffuelhes geht hierauf auf die Geschichte des Verbandshauses ein. Wir waren aus der Arbeitsbörse ausgewiesen und waren froh, endlich ein Lokal zu finden. Aber die wenigsten Gewerkschaften folgten uns. Wir Hatte» 12 999 Fr. jährliche Auslagen und nur 2S99 Fr. Ein- nahmen. Ein Versuch, Geld bei einem Philanthropen aufzutreiben, wurde durch die Intrige einflußreicher Gewerkschaftler hinter- trieben, der Maschinenlieferant unserer Druckerei wurde von den Buchdruckern vor uns gewarnt. In einer solchen Situation mußten wir die Lohuvermind/rungen vornehmen, von denen auch Marck getroffen wurde. Heute ist die Lage ganz anders. Wir sind imstande, die laufenden Verpflichtungen zu erfüllen und die nötigen Installationen zu bestreiten. Es ist richtig, daß wir zur Zins- zahlung die Erträge der Tombola, für die Einrichtung der Druckerei den Ertrag der Lotterie für den Saalbau herangezogen haben. Es waren schwierige Zeiten, in denen wir keinen anderen Ausweg hatten. 1997 wurde dann die chirurgische Klinik errichtet. Hier hört indes meine persönliche Verantwortlichkeit auf. Bei der Abmachung mit dem Arzt wurden dem Verbandshaus 23 Prozent des Honorars gesichert. ES ist wahr, daß die Kliniken im!3. und 14. Arrondissement den dortigen Gewerkschaftshäusern 59 Prozent des ärztlichen Honorars eintragen. Daß die Buchhaltung schlecht war, gebe ich zu. Man hat mir vorgeworfen, hier mit Sentlmen- talität zu arbeiten. In der Tat waren wir zu sentimental— in einer Epoche, wo unsere Situation mehr Rücksichtslosigkeit gerecht- fertigt hätte.(Großer Beifall.) Die Sitzung wird unterbrochen. Vor Eintreten in die TagcS- ordnung wird dann eine Begrüßung der portugiesischen Revolution beantragt, die besonders die Revolte der Armee und Marine hervorhebt. Coupat protestiert: Wir kennen die Bedeutung dieser Revolution noch nicht. Jvetöt: Wir wollen ja nicht über die Revolution selbst ein Urteil abgeben, sondern nur die In- surrektion der Armee zugunsten des Volkes akklamieren. Liochon(Buchdrucker) fordert Uebergang zur Tagesordnung, da es sich um eine politische Revolution handle. Der Antrag wird gegen die Stimmen der reformistischen Minorität abgelehnt und die Resolution mit großer Mehrheit angenommen. Griffuelhes setzt seine Verteidigungsrede fort: Er gibt Revirements zu. Welcher Geschäftsmann hat nicht, wenn die Not» wendigteit drängt, sich so herauszul�lfen gesucht? Es handelte sich um 4799 Fe. Ich bedauere es, denn auf mir lastete die ganze Verantwortlichki�t. Aber das Werk, das wir geschaffen Haben, konnte nur so gerettet werden. Ihnen(der Redner wendet sich zu den Reformisten) war unsere Lage nicht unbekannt, aber Sie wallten uns nicht helfen. Im Dezember 1996J)abe ich den Eisenbahnern in einem Brief an Gnerard die Situation dargelegt. Aber sie wollten unseren Mißerfolg, um uns und unsere Methoden zu kompromittieren.— Wir dürfen Genugtuung über das Erreichte empfinden. Die Bourgeoisie sah schon die C. G. T. zugrunde gehen. Aber sie hat sich mit erhöhter Kraft empor. gerichtet. Wer hat mich in den Kot gezogen? Ein Guerard, der bei der Eisenbahnerlotterie dem Herausgeber der„Petite Rc» publique" Dejcan Hunderttausende, die den Witwen und Waisen der Eisenbahner gestohlen wurden, in die Hände gespielt hat. Ich habe von dem Bourgeois Louzon Geld für uns bekommen, Guerard hätte es mir nicht gegeben.(Niel konstatiert unter Widerspruch, daß der Eisenbahnerkongretz Guerards Verhalten in dieser An- gelegenheit als cinwandsfrei erklärt hat.) Griffuelhes stellt die augenblickliche Situation des VerbandshauseS als ausgezeichnet hin. Wir haben ein Kapital von 299 099 Fr. zur Verfügung. Be- schließen Sie, das Unternehmen zu liquidicr-n! Ich stimme dafür, denn ich habe nur Sorgen und Verleumdungen für meine Mühen geerntet. Der Rede folgt stürmischer, demonstrativer Beifall der Mehrheit._ Hetzte ptachrkbten« Imposante Versammlung der Metallarbeiter in Frankfurt a. M. Frankfurt a. M.(Privatdepesche des„Vorwärts"). Die außerordentliche von 7999 Personen besuchte Grnrralvcr- sammluug des Deutschen Metallarbeitsrverbandes beschloß trotz Vermeidung der Aussperrung einen Extrabeitrag von 39 Pf. für 13 Wochen zu erheben. Die Polizei hatte mit einem großen Aufgebot die Mainbriicke besetzt; sie forderte die Versammlungsbesucher auf, auseinander zu gehen. Zu- sammenstöße kamen nicht vor. Die Ereignisse in Portugal. Oporto, 7. Oktober.(W. T. B.) Die Proklamierung. der Republik erfolgte hier gestern, nachdem die Nummer des „Diario do Governo", welche die Bildung der provisorischen Regierung enthielt, hier eingetroffen war. Tie Ruhe ist voll- kommen gesichert. Der ehemalige Kricgsmiuister, General Pimente! Pinto, der Order erhalten hat, sich im Hauptquartier in Lissabon zu melden, wurde verhaftet. Widersprechende Meldung. Madrid, 7. Oktober� Ministerpräsident CanalejaS äußerte heute in einer Unterredung, die spanische Regierung habe von einem kürzlich in Badajoz eingetroffene« Revolutionär über die Ereig- nisse in Lissabon verschiedene Einzelheiten erfahren. Nach diesen Mitteilungen seien König Manuel und die Königin-Mutter Amelia zur Zeit des Ausbruchs der Revolution nicht in Lissabon gewesen» sie seien aber von einem Führer der republikanischen Bewegung auf- gesucht worden, der ihnen Schutz ihrer Person zugesichert und ihnen im Namen des republikanischen Komitees empfohlen habe, sich auf die an der Küste bei Ericeira liegende königliche Jacht zu begeben, an deren Bord sie sich wenden könnten, wohin es ihnen beliebe. Die gleiche Mitteilung hätten die Revolutionäre dem Herzog von Oporto gemacht, obgleich er nach dem Kampfe in den Straßen von Lissabon, an dem er sich an der Spitze der Nohalisten in Helden- hafter Weise beteiligt habe, gerade erst gefangen genommen worden sei. Canalejas fügte hinzu, es sei nicht richtig, daß das Königliche Schloß vollständig zerstört worden sei, es sej allerdings stark be- schädigt worden. Die Jesuiten hätten nach den bei der spanischen Regierung eingelaufenen Meldungen in ihrem Gebäude erbitterten Widerstand geleistet und einen Soldaten sowie einen Republikaner getötet, trotzdem hätten die Republikaner Nachsicht geübt und ihren Wohnsitz nicht niedergebrannt. Die 24stündige Frist, die den mili» tärischen Elementen zugestanden worden sei, um ihren Uebertritt zu dem neuen Regime zu vollziehen, laufe heute ab. Die meisten Offiziere seien Anhänger der Republik, andere hätten die Waffen niedergelegt und sich zurückgezogen. Die spanische Regierung habe über die Bildung der neuen portugiesischen Regierung noch keine amtliche Nachricht. Die hinsichtlich des künftigen Wohnsitzes der Familie Braganza umlaufenden Gerüchte seien verschieden. Von einer Seite werde behauptet, sie werde auf einem Schloß des Her» zogs von Orleans in Frankreich Wohnung nehmen. Von anderer, sie werde sich auf die Besitzungen der Gräfin Paris bei Billa- manripue in Andalusien begeben. 16 Hanser niedergebrannt. Bonndorf(Bad. Schwarzwald), 7. Oktober. In der Ort- schuft Fuetzen sind heute durch eine große Fenersbrnust 16 Häuser niedergebrannt. Unter den abgebrannten Gebäuden befindet sich das Postamt, wo für(JOCTM. Wertzeichen vernichtet wurden. Die Eutstehungsursache des Brandes ist noch unbekannt. Der Schaden ist sehr bedeutend, da mehrere große Wirtschaftsgebände dem verheerenden Elemente znm Opfer gefalle» sind., Nach einer anderen Meldung soll das ganze Dorf ge» fährdet sein._ Verschüttet. Köln, 7. Oktober. Wie die„Kölnische Zeitung" au? Dortmund meldet, sind auf Zeche„Viktor" drei Bergleute verschüttet worden, Einer konnte nur als Leiche geborgen werden. 799 Pilger ertrunken. Kalkutta, 7. Oktober.(„Preß-Telegraph".) 799 an den Ufern des Ganges lagernde brahmanische Pilger sind gestern nachmittag oberhalb von Agra das Opfer einer plötzlich aus- tretenden Flut geworden. Die Welle überschwemmte mit solcher Schnelligkeit das Flußnfer, daß kein einziger Brah» _______. mane des P ilgerzuges sich retten konnte._ verantw. Redakt.: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Jnserateverantw.:rh.Gl»ckr, Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Buchdr.u.Berlag»anWt Paul Singer Lc Co., Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen u.Unt�haltvngSbl, |t. 236. 27. Jahrgang. 1. KcilU des Jsrniirts" Kerlim MMll. SiMMiwA, 8,©Mute 1910. LoMhe Kapriolen der Ckiitenberser Polizei. Jjm Anschlich an die bekannten Vorgänge in Lichtenberg hatte Genosse Schwenk, als Einberufer der gewaltsam verhinderten Ver- sammlung an den Polizeipräsidenten von Lichtenberg eine Eingabe gerichtet, in der er um Angabe der Gründe ersuchte, die zur Auf- lösung der Versammlung geführt hatten. Man durfte mit Recht ge- spannt sein, womit die Behörde die flagrante Verletzung des Reichs- Vereinsgesetzes zu rechtfertigen versuchen werde. Die Antwort auf die Eingabe liegt uun vor. Sie ist zu köstlich, als dafj wir sie unseren Lesern vorenthalten möchten. Der Wortlaut ist: Der Polizeipräsident. Lichtenberg b. Berlin, 3. �Oktober 191». Tageb.-Nr. L Geh. 273. Alfredstr. 4. Auf die Eingabe vom 39. v. M. gereicht Ihnen zum Bescheide, dah eine Auflösung der«öffentlichen, nichtpolitischen Ver- sammlung am 29. September d. I. nicht stattgefunden hat, daß vielmehr das Lokal, in dem ein von der iönigl. Regierung. Abteilung für Kirchen- und Schulwesen, zu Potsdam untersagter Unterrichtskursus abgehalten wurde, im Wege unmittel- baren Zwanges geräumt wurde, weil die Versammelten dem Verbote nicht«folge leisten wollten. An Herrn Paul Schwenk, Friedrichsfelde. gez. Lewald. Um die ganze Tiefe dieser polizeilickien Logik ermessen zu können, halte man fich folgende Tatsachen vor Augen. Dem Genossen Graf wurde untersagt, an Jugendliche Unterricht zu erteilen. Des- halb wird von dem geplanten.Vortragskursus" Abstand genommen und eine nichtpolitische Versammlung einberufen, in der Genosse Graf einen n a tu rw is s e n s ch a ft li ch e n Vortrag halten sollte. denn zu sprechen war ihm und konnte ihm auch nicht untersagt werden. Er wird dennoch in Hast genommen, nachdem er sich weigerte, seine Ausführungen abzubrechen. Genosse Kliem, gegen den keinerlei Verbot vorlag, und ebenso Genosse Werner bringen hierauf einige schriftlich fixierte bezw. gedruckte Abschnitte zur Ver- lesung. Beide werden gefragt, ob sie ihren«Vortrag" abbrechen wollen, was sie natürlich verneinen, weil für sie nicht der mindeste Grund dazu vorlag. Auch sie werden verhaftet, und schließlich erfolgt die Räumung des Lokals,«weil die Versammelten dem Verbot keine Folge leisteten." Eine Frage, Herr Polizeipräfldent: Wann ist deyn an die Versammelten— außer an Graf— ein Verbot er- gangen? Und wogegen richtete sich das Verbot? Es hätte doch dem Einberufer etwas davon bekannt sein müssen. Dies ist jedoch nicht der Fall und auch das Gegenteil hätte den Einberufer nicht davon abhalten können, die Versammlung fortzusetzen, weil ein Verbot. wie eS an Graf ergangen ist, nach seiner Ansicht völlig un- gesetzlich und deshalb nicht zu beachten ist. Deshalb hat Genoffe Schwenk auch jedesmal den betreffenden Redner ausdrücklich auf- gefordert, in seinen Ausführungen fortzufahren. Eine andere Frage wäre, wenn man der polizeilichen Logik zu folgen sich bemüht, was denn eigentlich kein Unterricht ist, sobald die sämtlichen Handlungen, wie sie der Einberufer anordnete, als solcher angesehen werden. Und was geschieht dann mit der Polizei, welche nach der gleichen Deduktion doch unzweifelhaft den wirk- samsten Anschauungsunterricht über unsere be— rühmten rechtlichen Zustände erteilte, der noch dazu hochpolitisch zu nennen wäre?? ».« Die Ausflucht des Lichtenberger Polizeipräsidiums hat natürlich ihren wohlerwogenen Grund. Das Vorliegen einer Versammlung wird bestritten, das Stattfinden eines Unterrichtskursus behauptet, um den Betroffenen den Weg zum Verwaltungs st reitverfahren zu versperrenl Die Polizei will nur Hilfsorgan der Schul- abteilung der Potsdamer Regierung sein, weil gegen die Perfügungen der S ch u l a u f si ch t s b e h ö r d e ja skandalöserweise keine Klage vor den Ver- waltungsgerichten möglich ist, da somit durch eine kleines feuitteron. Das Volk von Liffabon. An den Ufern des Tejo tobte die Re- bolution. Das ist nichts Unerhörtes in Lissabon, wo seit Jahr- Hunderten auf die grenzenlose Mißwirtschaft der Regierenden immer wieder gewaltsame Umwälzungen gefolgt sind. Aber es ist das Zeichen, daß die Verhältnisse wieder einmal unerträglich ge- worden sein müssen. Denn der Portugiese, den wir uns so gern als heißblütigen Südländer vorstellen, ist im Grunde genommen träge, indolent, ohne Jnitiaiive. Er liebt die Ruhe und die Be- quemlichkeit. Kein Volk des Nordens, so sagt ein deutscher Kauf- mann, der viele Jahre in Portugal gelebt hat, würde� sich auf die Dauer die ungerechte Steuerbedrückuna gefallen lassen, die fast ausschließlich die Armen trifft, alle Gebrauchsartikel des täglichen Lebens, die meisten Nahrungsmittel mit dreifachen Abgaben be- legt, und die trotzdem niemals ausgereicht hat, Geld für die dring- lichsten Aufgaben der öffentlichen Wohlfahrt zu schaffen. Aber vier Fünftel dieses Volks können weder lesen noch schreiben. Wäre die Volksbildung größer in diesem Lande ewigen Sonnenscheins und üppigster Fruchtbarkeit, das Herrscherhaus Koburg-Braganza wäre längst schon aus dem Lande getrieben worden. Die Trägheit des Volkes und seine geringe Unternehmungslust sind der Grund, weshalb Portugal heute noch ausschließlich Agrar- staat ist« Gewiß, es gibt in Lissabon und seiner nächsten Um- gebung Fabriken der verschiedensten Art; aber ihre Produktion ist minderwertig, und sie reicht nicht aus, den Bedarf des wenig volkreichen Landes zu decken. Alle besseren Waren Iverden einge- führt aus England, Frankreich und Deutschland,«voll ein Erzeug- nis als schön und gut gelten, so mutz es aus„Paris" stammen, ganz gleich, os es in Sheffield, in Berlin oder Spremberg hergestellt ist. Ein« Eigentümlichkeit des Lissaboner Geschäftslebens ist der um- fangreiche.Handel mit Gold- und Silbertvarcn, mit Schmucksachen, feinen Filigran, und Handarbeiten. Die Herstellung dieser Av- tikol geschieht im Lande, und diese Industrie ist uralt. Der Reich- tum, der in Lissabon bei einem Teile der Bevölkerung sehr respek- tabel ist, befindet sich vorwiegend in den Händen der Kaufmann- schaft. Großes Vermögen besitzt allerdings auch der Landadel, der feine Güter verpachtet und seine Zinsen in Lissabon und in den eleganten Badeorten an der Küste verzehrt, sofern er nicht auf den alten Schlössern weilt. Zwischen diesen reichen Familien und der überwiegenden Mehrzahl des Volkes, dem Proletariat, gibt es keine Brücke, keine Ueberleiwng, keine iBerührungspuntte. Der Mittel- ftond sehbt. Breite Schichten des niederen Volkes ernähren sich vom Fisch- fang und Fischhandel. Ter Stockfisch ist sozusagen das wichtigste Voltsnahrungsmittel. Auch Obst und Wein sind billig, kosten nach unseren Begriffen fast nichts. Brot dagegen ist schon beinahe ein Luxus. Alle diese Fischweiber und Wasserträgerinnen, die man auf den verhältnismäßig stillen Straßen Lissabons einhergehen steht, die schweren Lasten auf dem Kopfe tragend, alle diese Volks- angehörigen der untersten Klassen leben vornehmlich von Fischen «To Obst. Die Weiber gehen barfuß, aber bei keiner fehlt Gold- schmuck. Auch der LoShandler ist, neben dem Stiefelputzer, dem Klage gegen die Schulaufsichtsbehördc die ungeheuerliche Ungesetzlichkeit ihrer Verfügung— doppelt u n- geheuerlich, weil unter völliger Nichtachtung eines neuerdings ergangenen Rcichsgerichtsurteils er- lassen— nicht erwiesen werden kann. Die Polizei dagegen ist vor den Verwaltungsgerichten zu fassen und deshalb be- streitet sie jetzt so energisch, einen Eingriff ins Versammlungs- recht getan zu haben. Indes hat nicht sie, sondern schließlich doch das Oberverwaltungsgcricht darüber zu entscheiden, ob in Lichtenberg eine Versammlung stattfand, die durch die Polizei ungcsetzlicherweise aufgelöst wurde. Sie Parteipresse über issagdeburg. „Freie Presse"-Stratzburg: „Die Lübecker Resolution, die Nürnberger Resolution stempeln — sinngemäß erfaßt— die Frage der Budgetabstimmung selbst zu einer taktischen Frage, mag man noch so oft wiederholen, daß sie eine grundsätzliche sei. Freilich besteht in der Partei die Tradition, das Budget abzulehnen. Und Jaures hat ganz recht, wenn er sagt, daß ohne zwingenden Grund diese Tradition nicht verletzt werden darf. Nur wenn wirklich zwingende Gründe vorliegen, darf dem Budget zugestimmt»erden. Im Vadcncr Fall können wir diese zwingenden Gründe nicht aner- kcnycn. Und wir begreifen es recht gut, daß die Mehrheit der Partei, die in dieser Abstimmung einen grundsätzlichen Ver- stoß erblickt, über das Latum der Badenser empört war, und daher mit allem Nachdruck aufs neue ihren Standpunkt präzisierte. Was wir aber nicht begreifen, daS sind die Vorgänge in der Nachtsitzung vom Mittwoch. Die Mehrheit hatte sich mit der Vorstandsresolution, mit der Auslegung, die Bebel ihr ge- geben, wohl zufrieden geben können. Es war wirklich nicht notwendig, die Minorität auf die Knie zwingen zu wollen." „V»lkszeituns"-Mainz: „Wir find allerdings der Ansicht, daß der Ausgang der Budget- debatten in Magdeburg geeignet ist, der W e r b e k r a f t der Partei zu schaden und schon deshalb haben wir ihn aufs tiefste bedauert. Die Diskussion und die Beschlußfassung hätten nicht notwendigerweise Formen anzunehmen brauchen, die einen Augenblick stark den Geist der Kameradschaftlichkeit und Zu- sammengehörigkeit vermissen ließen, der in unserer Partei Herr- scheu mutz, und dadurch den Gegnern Grund zur Freude bot. Be- sonders auch deshalb nicht, weil unseres Erachtens der Budget- frage an sich gar nicht die Bedeutung zukommt, die man ihr beimißt. Man wird, nach unserer festen Ueberzeugung, auch in weiteren Parteikreisen dereinst erkennen, daß die Budget- abstimmung eine reine Zweck mäßigkeitSfrage ist, die fich nicht für alle Fälle und alle Zeit generell regeln läßt. Im Badcncr Fall durfte man unter keinen Umständen an dem guten Willen der dortigen Landtagsfraktion zweifeln, mit ihrer Abstimmung den Interessen der Partei zu dienen. Wenn man aber die gute Absicht der Badener erkannte, dann war daS Gerede vom Diszi- plinbruch so überflüssig, wie der partei-ungesetzliche Antrag Zubcil." „Rheinische Zeitung"-Köln: „Zur Budgetdebatte selbst haben wir nach dem, was wir vorigen Donnerstag geschrieben haben, kaum noch etwas zu sagen. Aber mit allem Nachdruck sei wiederholt, daß durch das Ergebnis der Abstimmungen an dem tiefen Zwiespalt der Meinungen nicht das geringste geändert ist. Die Radikalen haben nicht die Revisionisten überzeug tund diese nicht die Radikalen. Man hat die Süddeutschen überstimmt und sie formell ins Unrecht gesetzt— wie vorauszusebcn war—, aber die Ueberzeugung, daß sie unrecht getan hätten, die hat man ihnen keineswegs beizubringen vermocht. Der Riß klafft immer noch weiter auseinander und ist durch die Zu- satzresolution Zubeil wahrscheinlich noch vergrößert worden. Wir finden kaum eine Spur von kluger Parteitaktik in dieser rücksichts- losen Ausnutzung der bloßen Macht der Zahl, und wir können das unangenehme Gefühl nicht los werden, daß sie leider schon tief eingefressene persönliche Gegnerschaft, in die eine Anzahl Genossen von Nord und Süd sich im Laufe der Jahre hineindiskutiert hat, heute zum größten Hemmnis der Verständigung geworden ist. Ohne diese persönliche Gegnerschaft wären auch die peinlichen Auf- wir an allen Ecken der Hauptstadt begegnen, eine typische Erschei- nung Lissabons. Alle paar Tage ist Ziehung, und das staatliche Lotto hält ewig die Hoffnung der Armen auf eine Besserung ihres Loses lvach. Was dem Lissaboner Straßenbild besonders einen fremdartigen, an füd- und mittelamerikanische Städte erinnernden Einschlag gibt, ist das zweirädrig«, mit Ochsen oder Akaulesoln bespannte Fuhr- werk. Denn die Stadt, amphitheatralisch auf Hügeln auffteigend, hat sehr viele äußerst steile Straßen, und das Pferd ist diesen Steigun- gen nicht gewachsen. Wohl sieht man stolze und rassige Pferde, aber nur vor den Equipagen der Reichen. Das Leben der besitzenden Stände ist überhaupt im Grunde genommen nicht viel mehr als ein geschäftiger Müßiggang. Selbst die Kaufleute überarbeiten sich nicht. Schon im Januar beginnt mit strahlendem Sonnenschein der Frühling; von April, spätestens Mai an herrscht tagsüber drückende Hitze und glühender Sonnenbrand und bis in den Oktober hinein fällt fast kein Regen. Nur etwa zwei Monate dauert der Winter; aber dieser Winter, der oft heftige Stürme bringt, ist immer noch so warm, loie ein normaler deutscher April. Kühl sind aber selbst im heißesten Sommer die Nächte, wenn der Wind vom Meere her weht. Theater. Kleines Theater:„Die Zensur".„Der Liebes- trau!" von Frank Wedekind. Die Kritik hatte für Wede- tind eine interessante Rolle gefunden. Er sollte ein Spötter voll geheimeil TiefsiinlS sei», einer jener Stirncrschen Individualisten, die im abenteuerlich vagahundierenden Emanzipationsdrang ihre Sache.auf Nichts" gestellt haben inid im Gefühle dieser Freiheit ironisch mit dem Leben spielen. DaS fonnloS Sprunghafte. daS Durcheinander anscheinenden Ernstes und burlesker Wendungen in seinen Produklionen, das Marionettenhafte der Figuren sollte stil- gemäßer, bedeutsamer Ausdruck einer von jener Grundstiinnluiig getragenen eigenartigen Persönlichkeit sein, die durch die formlose Zerfahrenheit ihres Dichtens nur die des wirklichen Lebens überlegen widerspiegelt und persifliert. Wer gegen diese Mode protestierte. in dem Mangel künstlerisch gestaltender Durchführung keine ver- borgeuen Tiefen sah. bewies damit seine eigene Zurückgcblicbenheit. Lange konnte die Mode nicht danern und niemand hat mehr zu ihrer Zerstörung beigetragen als der Dichter selbst. Was mau für Spiel genommen, seine Paradoxen: damit war eS ihm bitterer Ernst. Er, der Respektlose, der kecke Leugner hatte den Einfällen und Launen seines eigene» Denkens gegenüber so wenig kritische Schärfe, daß das Absurdeste ihu blenden konnte. In einem seiner besten Werke:«So ist das Leben", klagt er in der Figur des ver- triebenen Königs, der als Gaukler verkleidet das Volk zu lachendem Beifall fortreißt, daß niemand die Wahrheit hinter der Ganller- maske empfinde. Wenn die Kritiker ihn gerne als genialen Spötter konstruierten, konstruiert er sich selber als ringenden Sucher und Verkünder neuer Erkenntnisse, der von der unvernünftigen Menge als Spaßmacher bejubelt wird. Und seit„Hidalla", jenem wmtder- lichen Drama, tritt dieses Prätentiöse immer deutlicher hervor. Ein typisches Dokument dieser Art ist auch das neue Stück »Zensur", das sich im Nebentitel«Theodizee", Rechtfertigung Gottes tritte nicht möglich, die wir am Mittwochmorgen bei der Rede bet Genossin Luxemburg und abends bei der Einbringung deS neuen Antrags Zubeil erlebt haben." i „B-lksfreund"-KarlSruhe:* „Soviel über die Budgetsrage zu sagen wäre— und es dürft« darüber noch gar viel geredet werden—, so steht doch fest: D i e Budgetfrage wird in Badener st im Sommer 1912 wieder aktuell. Dann wird d-e zweite Seffion der vier- jährigen Legislaturperiode des badischen Landtags geschlossen und dann tritt ein, was Genosse Dr. Frank in Magdeburg sagte: „Wir haben selbstverständlich das allergrößte Interesse daran, daß die Partei einig und geschlossen bleibt. Wir werden nach jeder Richtung das unsrige tun, um dafür zu sorgen, daß das geschieht, aber keiner von uns kann Ihnen heute erklären, waS geschehen wird in Budgetabstimmungen der nächsten Jahre."� Diese Erklärung hätte der Partcitagsmehrheit genügen müssen. Der Antrag Zubeil war völlig überflüssig. Man mußte da� Vertrauen in die verantwortlichen Instanzen der badischen Sozial» demokratie setzen, daß diese bestrebt sind, die Einheit der Partei zu wahren. Und darauf allein kommt es an. Weder die Partei» tagsmchrheit, noch die süddeutschen Delegierten können wissen, wie sich die politische Situation Süddeutschlands in der nächsten Zeit gestaltet. Also durfte man keinen Blankowechsel, ausgestellt aus die Zukunft, verlangen." „Arbeiter-Zeitung"-Essen: „WaS uns seit Jahren nottat: Eine entschiedene Ab-' sage an die Politik der Konzessionen, der An» Passung an den Klassen staat, hat uns die Magdeburger Tagung gebracht. Die Frage der Budgetbcwilligung war nur der äußere Anlaß zu einer solchen Entscheidung. Daß sie vorlag, war gut; daß ihre EntWickelung, die für sie ins Feld geführten Gründe, die Begleiterscheinungen wie die Hofgängerei, die zu nationalliberaler Politik führenden Theorien a la Maurenbrechcr, Ouessel und Kolb usw. recht deutlich beleuchteten, wohin die Partei kominen würde mit solcher Politik, war noch besser— denn das alles zusammen ließ bei der großen Mehrheit der Delegierten den festen Entschluß reifen, unter allen Um- ständen dem Willen der überwältigenden Mehrheit der Partei die Geltung zu verschaffen, auf welche er in einer demokratischen Partei Anspruch hat. Wie oft haben wir uns in den letzten Jahren bei den Leistun- gen des Organs zur Nationalliberalisierung der Sozialdemokratie, der„Sozialistischen Monatshefte", fragen müssen: Ist eS denn möglich, daß so etwas sich als sozialdemokratisch geben kann? Diese Politik hat eine klare, entschiedene Ablehnung erfahren, und waS das beste dabei ist, sie hat sie erfahren in sachlicher, ernster Weise. Zuschanden wurde die Hoffnung der Gegner, daß Magdeburg ein neues Dresden werden möge." „Arbeiter-Zeitung"-Dortmund: „Bebel hatte ein überaus versöhnliches Schlußwort gehalten und im Anschluß daran hat Genosse Haase im Namen der 211 Unterzeichner des Amendements Zubeil dies Amendement zurück« gezogen. Und nun betrat der Korreferent Frank die Tribüne. Jeder- mann erwartete, er werde der radikalen Mehrheit für ihr weite?, viel zu weites Entgegenkommen danken und das feste Versprechen abgeben, daß man sich nun endlich, nachdem vier Parteitage ihren nicht mißzuverstehenden Willen dokumentiert hatten, fügen und künftighin Disziplin halten werde. Nichts von alledem! DaS war nicht der reuige Sünder, der da auf der Tribüne stand, das war der selbstbewußte Triumphator, der dje nachgiebige Mehrheit mit Hohn und Spott überschüttete, der über unseren„Rückzug" jubelte, der erklärte: ihr konntet einfach euren Willen meist durchsetzen, der, nachdem vorher schon Hildenbrandt und Ouessel gehöhnt hatten: ihr könnt beschließen, was ihr wollt, wir tun doch, was wir wollen, auch seinerseits namens der Minderheit offiziell proklamierte:„Wie wir künftig uns zum Budget stellen werden, das können wir Ihnen heute noch nicht sagen— das wird ganz von den jeweiligen Ver- Hältnissen abhängen". Damit war dann das Maß nun glücklich voll — oder vielmehr: diese hohnvolle, unerhörte Provokation war der Tropfen, der das vorher schon bis zum Rand gefüllte Maß zum Ueberlaufen brachte! Der Revisionismus erstickte in seinem eigenen allzu frühen SiegeSjubel!... Stürmisch wurde eine halb- stündige Pause verlangt, um der Mehrheit Gelegenheit zu schaffen, zu erörtern, was nunmehr zu tun sei. Einmütig, ohne den ge- ringsten Widerspruch, wurde da beschlossen, das Amendement Zubeil «in einem Akte" nennt. Die Zerfahrenheit der Form und der Ge- danken kann nicht mehr überboten werden. Wedelind führt sich unter dem Pseudonym eines Literaten Walter Buridan selbst redend ein. Er plant ein großes Werk, das zeigen soll, wie sich die Freude an der Geisteswelt und den ewigen Gesetzen der Natur mit der Freude an der farbigen Schönheit der Erscheinungen vereinigen läßt. Zur Sammlung braucht er zwei Wochen Einsamkeit, indes die Eifersucht seiner Geliebten will ihm die kurze Trennung nicht ver» gönnen. Ein katholischer Priester kommt, von dem Buridan-Wedekind die Aufhebung des Zensurverbotes wider sein Drama.Pandora" erhofft, und ein langer Disput hebt an, in dem der Dichter nicht niüde wird, gegen die Angriffe des Orthodoxen den sittlichen Ernst und die Reinheit seiner Absichten zu beteuern. Man hat den Eindruck, daß ein anderer Kleriker, der nicht wie der des Stückes bei diesem völlig vagen ungefährlichen Bekenntnis zur „Aernunft" gleich die Geduld verliert, den ehemaligen Ketzer leicht gewinnen könnte. Indessen vorläufig ist es �noch nicht so weit. Sinter dem fanatischen Priester erscheint am Schluß Kadidja, die eliebte, im Ballettröckchen auf einer Kugel balancierend—«in Sendling aus dem Reich der Schönheit. Aber sie sucht in seinen Augen vergeben« nach dem Widerscheine seiner Liebe und stürzt sich, gelränlt durch solche Kälte, von dem Balkon. Und er, von Angst für sie geschüttelt, ruft Gott in stammelndem Gebete an. DaS heißt Theodizee! Das Interesse an dem persönlich dokumentarischen Charakter deS Stückes wurde durch das Auftreten des Dichters in der Hauptrolle erhöht. Seine Diktion hat noch dieselbe nüchterne, doch eindrucksvolle Art wie früher. Die anmutige Frau Tilltz Wedekind gab die Geliebte. Der folgende Wedekindsche Schwank, in dem eine idiotische russische Durchlaucht einen als Hauslehrer engagierten Zirkusmenschen dazu zwingt, einen LiebeSza, ibertrank zu brauen, enthielt nur einige wenige drollige Schnurren, viel zu ivenig für drei volle Alte. Die Stimmung flaute zusehends immer weiter ab. Nur die Kuiist der Schauspieler hielt das Stück noch über Wasser. Brillant war Alexander Rott« ni a n n als hochgeborener Wutki-Trottel und Abel als gelenker selbstbewußter Trapezkünstler und Zigeunerphilosoph. ckt. Notizen. — M u s i k ch r o II i k. Die Erstaufführung von Mozart».Don Juan' in der Volks o p e r findet Sonntag statt. — Die Schwedische Sezession aus Stockholm, die in den Räumen der Berliner Sezession am Kursürstendamm ihre dritte Ausstellung im Auslände veranstaltet, wird am Montag eröffnet. — Drahtloser Verkehr zwischen Europa und Amerika. Die Marconi-Gesellschaft teilt»ist, daß eine von Marconi in Buenos-AyrcS erhaltene Depesche des italienischen Lloyd den Empfang drahtloser Telegramme bestätigt, die von den tranS- atlantischen Stationen zu Chifden in Irland und Glace Bat) in Neuscholtland aufgegeben wurden. Die Telegramme wurden ohne Benutzung einer Wechselstation in einer Distanz von 6000 Meilen befördert. Die Möglichkeit einer direkten drahtlosen Telegraphen» Verbindung zwischen Europa und Amerika ist demgemäß gesichert. Ifl Reiter Fassung setz! abermals, diesmal aber als selbständigen Antrag, einzubringen, um so die von Frank verhöhnte Ehre der Partei und des Parteitages wenigstens einigermaßen Wiederher- zustellen.... Was schließlich geschah, war nur das aller- äußer st e Mindestmaß dessen, was unbedingt geschehen mußte, sollte die Partei nicht einfach zum Kinderspott werden! Diesmal noch— das war der Sinn des neuen Antrages— soll euch verziehen werden, soll Gnade vor Recht gehen; aber wahrlich: es ist jetzt das letzte Mal! Noch einmal wird nicht zweierlei Recht geübt, noch einmal werdet ihr Parlamentarier nicht mit anderem Maß gemessen als„gewöhnliche" Disziplinbrecher... „Fränkische Volkstribüne"-Bayreuth: »Die Masse der Parteimitglieder hat von dem Parteitag endlich Garantien gegen Wiederholung jener die Partei in ihrer Arbeit .kolossal beunruhigenden Zwischenstüle und Verstöße gefordert, für die uns die badische Budgetbewilligung ein neues unangenehmes Beispiel gegeben hatte. Der Parteitag hat diese Forderung er- füll t. Die jede Zweideutigkeit ausschließende Form des Bc- schlusses zur strittigen Frage mag manchem unangenehm sein, aber sie erscheint uns hoch st notwendig angesichts der Haltung, die der Wortführer der Badenser dem Veto der Gesamtpartei gegen- über einnahm. Die feste Bindung— die überdies die Bewilligung deS Budgets unter bestimmten Voraussetzungen in- folge der Nürnberger Resolution noch immer zuläßt— erscheint unS aber besonders um deswillen notwendig, weil der bisherige Zustand die Nichtbeachtung der Beschlüsse der Gesamtpartei gar nicht als ein besonders riskantes Unternehmen erscheinen ließ. Das ist jetzt anders. Und mancher neuer derartiger Streit wird uns deshalb erspart sein. Denn die badischen Abgeordneten sind ja n i ch t d i e e i n z i g e n, die sich von einem Anschluß nach rechts und von einer kleinen Kniebeuge vor„Allerhöchsten Herrschaften" Wunderdinge für das Wohl der Arbeiter versprechen. Es gibt noch mehr süddeutsche Fraktionen, die unS in Punkto Hochhaltung der Parteigrundsätze als durchaus nicht absolut stubenrein erscheinen. Der Beschlutz schärft nach diesen Seiten jedenfalls das Partei- genössische Gewissen." „Bolksblatt"-Casscl: „Lebhaft bedauert haben wir, daß gegen den ersten Passus der Vorstandsresolution noch 10S Stimmen abgegeben worden sind; schwer v e r st ä nd l i ch ist es uns gewesen, daß der Studienkom- missions-Antrag 113 Unterschriften hat finden können; ganz u n- erklärlich ist uns aber, daß auch Delegierte für die Studien- resolution und die Parteivorstandsresolution ihre Stimme haben ab- geben können. Wer überzeugt war, daß die Budgetfrage erst noch studiert werden müsse, weil sie ungeklärt sei, der durfte auf keinen Fall für die Borstandsresolution stimmen, in der frühere E n t» fcheidungen über die Frage b e st ä t i g t und Vergehen gegen diese Entscheidungen auf das schwerste gerügt wurden. Wie von allen Parteitagsarbeiten vorwiegend die Budgetfrage, so wird im Bereich dieser Frage der Exodus unserer badischen Ge- nassen und das, was ihm unmittelbar vorausging und unmittelbar folgte, den Mittelpunkt der Diskussion in parteigenössischen Kreisen bilden. Der Antrag Zubeil war kameradschaftlich zurückgezogen worden, Aacbdem Bebel formelle Bedenken geltend gemacht, im übrigen aber ausdrücklich erklärt hatte, daß er und der Vorstand sachlich mit den Antragstellern einverstanden seien. Er war zurückgezogen worden, well die Mehrheit der Meinung war, daß Frank eine befriedigende Erklärung abgeben werde. Der Antrag mußte leider, wenn auch in anderer Form, wieder eingebracht werden, weil Genosse Frank die er- wartete Erklärung schuldig blieb. Niemand verlangte einen Kotau von den Badensern; die Erklärung, daß sie bei aller Freiheit in der Meinungsäußerung doch im Handeln mit der Partei sich in Uebereinstimmung setzen würden, hätte vollauf genügt zum befriedi- ? enden Abschluß der Auseinandersetzungen. Hrank gab die Er- lärung nicht ab,»nd dann nahm die große Mehrheit deS Parteitages folgende Resolution an:(folgt Resolution Haas e-Z ü h e i l). ... Vielleicht war es die höchste Zeit, daß der Parteitag deutlich und eindrucksvoll dokumentierte, daß er Disziplin und Einheitlichkeit im Handeln unter allen Umständen nicht nur von dem„gewöhnlichen" Genossen, sondern auch von den Beauftragten derselben verlangt. Es wird Aufgabe der Parteigenossen sein, zu den Ergebnissen deS Magdeburger Parteitages Stellung zu nehmen und alle auf die Annäherung an bürgerliche Parteien sich geltend machende Ten- denzen zurückzuweisen. DaZ ist ja das bedauerliche bei allen Aus- einandersetzungen von der Art, wie wir sie eben wieder erlebt haben, daß über allem nach kurzer Zeit sich ergebenden Drum und Dran der Ausgangspunkt mehr und mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Die Budgetaffäre in Baden war ein Ausfluß der konsequent und zielbewußt vertretenen sogenannten revisionistischen Tendenzen. Davon will d,e erdrückende Mehrheit der Parteigenossen nichts wissen, das ist selten deutlicher in die Erscheinung getreten, als in den letzten Wochen, und das ist ebenso erfreulich wie be- «reiflich."__ Aus der fultizkommlssion. Sitzung vom Donnerstag, den 6. Oktober. In der heutigen Sitzung beschäftigte sich die Kommission mit dem Einführungsgesetz zu den neuen Justizgesetzen. Beim 8 3 stellten unsere Genossen einen Antrag, auf Grund dessen in das Einführungsgesetz die Bestimmung aufgenommen werden sollt«, daß die l a n de s g e s« tz l i che n Vorschriften über das öffentliche Anschlagen, Anheften, Ausstellen, sowie über die öffentliche Verteilung von Bekanntmachungen usw. außer Kmft treten. Ferner sollen die landesgesetzlichen Vorschriften über Kontraktbruch ausgehoben und den Landarbeitern dav volle Koalitionsrecht gegeben werden, indem die Vorschriften des Landrechts in bezug auf Verabredungen ländlicher Arbeiter und Dienstboten zur Einstellung oder Verhinderung der Arbeiter außer Kraft zu setzen sind. Des weiteren sollen die Be- stimmungen des Verbots von Flugblattverbrei- jungen an Sonntagen beseitigt werden.— Zur Begründung dieser Forderungen stand unseren Genossen eine reiche Fülle von Material zur Seite. Aber die Regierungsvertreter kehrten sich wenig daran. Die Kommission lehnte dann auch die Anträge gegen die Stimmen der Polen und Sozialdemokraten ab. Der ß 6 stellt nicht nur die Landesherren und ihre Familien- Mitglieder außerhalb der Bestimmungen der St.-P.-O., sondern auch die Angehörigen der vormaligen hannoverschen, kur- ihessischen, nassauischen und holsteinischen Fürstenhäuser sollen die- selben Vorrechte genießen. Unsere Genossen beantragten, diesen ganzen Paragraphen kurzerhand zu streichen. Die Regierungs- Vertreter beriefen sich auf die den„Landesherren" gegebenen und verfassungsgesetzlich gewährleisteten Garantien, und die Mehrheit der Kommission lieh sich dadurch bestimmen, den Antrag unserer klenossen abzulehnen. Ein für die Zeugenvernehmungen wichtiger Antrag lag vom Abg. G r o c b e r vor, der forderte, daß wissentlich falsche Aussagen von Zeugen, die unvereidigt geblieben find, mit einer Gefängnisstrafe bis zu drei Jahren bedroht werden sollen. Im Falle der Fahrlässigkeit beträgt die Strafe bis Su einem Jahr. Die Strafbarkeit soll fortfallen, wenn der Zeuge ie falsche Aussage, bevor deswegen eine Anzeige erstattet wurde oder bevor sie einen Rechtsnachteil für eine andere Person ver- itrsacht hatte, widerrufen hat.— Im Prinzip erklärten sich unsere Genossen mit dieser Anregung einverstanden, da durch solche Vor- ßchrift die Vereidigungen eingeschränkt und damit auch die Mein- eidSprozefse mehr verhindert werden könnten. Aber der Antrag müßte geändert werden, und nur allein wegen vorsätzlich wissentlich falscher Aussage, die zum Nachteil des Angeklagten gemacht wurde. dürfte eine Bestrafting eintreteti, niemals dürfte die„Fahrlässig- feit strafbegründend fein.— In der Abstimmung wurde der An- trag Groeber mit 15 gegen 12 Stimmen im Prinzip angenommen und die genaue Fassung dieser Bestimmung bis zur zweiten Lesung aufgehoben. Da der Verbesseruktgsanlrag unserer Genossen gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt wurde, stimmten die Sozialdemokraten gegen den Antrag Groeber. Die Frage der Entschädigung für unschuldig er- littene Untersuchungshaft wurde durch einen Antrag Groeber aufgerollt. Derselbe bezweckte, im Einführungsgesetz durch einen§ IIb zu bestimmen, daß die Entschädigung auch auf die Fälle ausgedehnt werden soll, in denen die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt öder die Klage zurückgenommen hat.— Ein NcgicrungSvertreter erklärte, daß im Verwaltungswege schon die Forderungen des Antrages erfüllt werden; wi« die Verbündeten Regierungen zur gesetzlichen Festlegung dieser Bestiunnungen stehen, könnte noch nicht gesagt werden. Die Kommission nahm den Antrag Groeber gegen die Stimmen der Konservativen und Natioualliberalen an. Damit war die erste Lesung des Einführungsgesetzes beendet. Die zweite Lesung der Justizgesetze beginnt am Dienstag, den 13. Oktober. Aus der(UeichsverFIcherungsordnungs- Kommiillon. Sitzung v om Donnerstag, den 3. Oktober. Die Kommission begann heute mit der Beratung des 4. Buches der Vorlage, der Invaliden- und Hinterbliebenen- Versicherung. Der Kreis der Versicherten ist hier mitcinerAusnahtiie derselbe, wie er bei der Kranken- Versicherung in dem Entwurf vorgeschlagen worden war. Die ein- zige Ausnahme bilden die Hausindustriellen. Sie gehören zwar in der Krankenversicherung zu den Versiche- run�spflichtigen, nicht aber in der Jnvalidep- und Hinterbliebenen- Versicherung. Vielmehr hat die Vorlage die Bestimmung aus dem geltenden Gesetz übernommen, daß der Bundesrat befugt ist, den Berficherungszweig auf einzelne Gruppen der HauSinoustriellen auszudehnen. Die Sozialdemokraten hatten daher beantragt, daß die Hausindustriellen endlich unter die unbedingt versiche- r u n g s p f l i ch t ig e n Personen aufgenommen wer- den. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten abgelehnt. Das Zentrum hatte ein« Resolution vorgeschlagen, die ver- bündeten Regierungen zu ersuchen, mehr als bisher von der Voll- macht, betreffend Ausdehnung der Versicherungspflicht auf die Hausgewerbetreibenden, Gebrauch zu machen. Diese Resolution wurde angenommen. Privatbeamte. Nach der Vorlage sollen hier wi« in der Krankenversicherung nur die Privatbemnten versicherungspflichtig sein, deren regel- mäßiger Jahresarbeitsverdienst nicht LVR) M. ü b e r st e i g t. Die Kommission hatte für die Krankenversicherung die VersicherungS- Pflicht auf alle Privatbeamten mit einem Jgfireseinkommen b i s z u 2500 M. ausgedehnt. Die Sozialdemokraten, die bei der Krankenversiche« rung für eine weitere Ausdehnung eingetreten waren, be- gnügten sich jetzt mit dem Antrage, daß dieselbe Aenderung, wie sie in der Krankenversicherung bereits vorgenommen worden ist. auch hier erfolge, die Versicherungspflicht also für alle Privat» beamten mit einem Jahreseinkommen bis zu 2500 M. festgesetzt werde. Ein weitergehender Antrag war jetzt zwecklos. Aber auch diesen Antrag lehnten die Konservativen, National- liberalen, Liberalen und das Zentrum ab. BersicherungSfrei sollen nach der Vorlage unter anderen die Personen sein, die in Betrieben oder ün Dienste deS Reiches, eines Bundesstaates, eines Gemeindeverbandes, einer- Gemeinde oder emeS VersicherungS- träger? beschäftigt sind, wenn ihnen Anwartschaft auf Ruhegehalt im Mindostbetrage der Invalidenrente nach den Sätzen der ersten (niedrigsten) Lohnklasse sowie auf Witwenrente nach den Sätzen der gleichen Lohnklasse und auf Waisenrente gewährleistet ist. Die Sozialdemokraten beantragten, daß diesen Per- sonen die Invalidenrente nach den Sätzen der Lohnilasse gewährt werden muß, die ihrem Einkommen entspricht. Für den Antrag stimmten auch einige Zentrumsabgeordnete, dagegen stimmten aber so viele andere Zentrum Sabgeord» nete mit den Konservativen und Nationallibe- r a l e n, daß der Antrag abgelehnt wurde. Sehr wichtig sind die Lohnklassen, weil sie für die Höhe der Beiträge und demgemäß auch für die Höhe der Renten maßgebend sind. Nach der Vorlage sollen nach wie vor 5 Lohnklassen bestehen, von denen die höchste(5.) alle Ver- sicherten mit einem Jahreseinkommen von mehr als 1150 M. umfaßt. Als Jahreseinkommen gilt für Mitglieder einer Krankenkasse das SOOsache des Grundlohnes. Dies ist nur zu oft viel weniger als der tatsächliche Verdienst deS Versicherten. Die Sozialdemokraten beantragten daher zunächst, daß für den Versicherten die Marken der Lohnklasse geklebt werden müssen, die genau dem tatsächlichen Wochenver- dienst des Versicherten entspricht. Außerdem bean- tragten sie, daß die Lohnklassen in derselben Steigerung wie bisher bis zum Jahresarbeitsverdienst von 2000 M. g«. bildet werden. Danach würde die 5. Lohnklasse für einen JahreS- arbeitsverdienst von mehr als 1150 bis zu 1450 M., die 3. Lohn- klasse für 1450 bis 1750 M. und die 7. Lohnklasse für mehr als 1750 M. sein. Beide Anträge wurden jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Nach der Vorlage soll keine Rente länger als auf ein Jahr rückwärts, vom Eingang des Antrages gerechnet, gewährt werden. Auf An- trag der Sozialdemokraten wurde hinzugefügt, daß die Rente auch auf längere Zeit rückwärts gewährt werden muß. wenn der Versicherte durch Verhältnisse, die außer seines Willens liegen, verhindert worden ist, den Antrag rechtzeitig zu stellen. Invalidität. Ms invalide soll nach der Vorlage gelten, wer zwei Drittel seiner Arbeitsfähigkeit eingebüßt hat. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Jnvalidi- tät schon dann angeno-mmen werden müsse, wenn der Versicherte nur noch d i e H ä l f t e seiner Arbeitsfähigkeit besitzt. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten ab- gelehnt. Krankenrente soll von der Invalidenversicherung dann gewährt werden, wenn der Versicherte nicht dauernd, sondern nur vorübergehend invalide ist. Anspruch auf die Krankenrente soll aber nur der Ver. sichert- haben, der bereits während 23 Wochen ununterbrochen arbeitsunfähig gewesen ist. Die Sozialdemokraten beantragten, daß dann, wenn die Krankenunterstützung schon vor dem Ablauf der 23. Woche fort- fällt, die Krankenrente von diesem Zeitpunkte ab gewährt werden muß. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Konser- v a t i v e n und Nationalliberalen angenommen. Sitzung am Freitag, den 7. September 1910. In der weiteren Berawng der Invaliden« und Hinter» bliebenenversicherung handelte eS sich zunächst um die Altersrente. Räch der Vorlage soll der Lersickierte vom vollendeten 70. Lebensjahre an die Altersrente erhalte». Die Sozialdemokraten und der P o I e beantragten, daß bereits vom vollendeten 35. Lebensjahre die Altersrente gewährt werden soll. Die Sozialdemokraten erinnerten daran, daß sich alle Parteien schon früher für diese Forderung ausgesprochen haben. Abg. Hitze wendete sich gegen den Antrag und erklärte, daß auch von den Sozialdemokraten mancher Redner sich bereits gegen die Forderung ausgesprochen habe. Dies erkannten unsere Genossen als richtig an: aus diesem Grunde hätten sie in der vorigen Sitzung den Antrag gestellt, daß die Invalidenrente schon demjenigen Versicherten geivährt werden solle, der die Hälfte— statt zwei Drittel— seiner Arbeitsfähigkeit eingebüßt habe. Wäre der Antrag angenommen worden, dann hätten die Sozialdemokraten darauf verzichtet, daß das Alter für de» Bezug der Altersrente herabgesetzt werden soll. Unter den jetzigen Ver- hältnissen aber sei die Herabsetzung deS Alter« des Versicherten für den Bezug der Altersrente notwendig.— Für den Antrag stimmten jedoch nur die Sozialdemokraten, der Pole und die Abgg. Behrens und Hormann; mithin war der Antrag abgelehnt. Witwenrente soll nur die dauernd invalide Witwe nach dem Tode ihres Mannes erhalten. Die Sozialdemokraten beantragten die Gewährung der Witwenrente an jede. also auch an die noch arbeitsfähige, Witwe eines Versicherten. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Waisenrente sollen nur die ehelichen Kinder des versicherten Vaters erhallen. Die Sozialdemokraten beantragten, daß die Waisenrente a l l e n Kindern, also auch den unehelichen, geivährt werden soll. Auch dieser Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemo« lraten abgelehnt. Witwenrente. Nach dem Tode der versicherten Ehefrau eines erwerbsunfähigen Ehemannes, die den Lebensunterhalt ihrer Familie ganz oder überwiegend aus ibrem Arbeitsverdienste be- stritten hat. steht den ehelichen Kindern Waisenrente und dem er« werbsunfähigen Ehemann Witwenrente zu. Die Sozialde molraten beantragten, daß die Rente in solchen Fällen auch dann bewilligt werden soll, wenn die Frau zu dem Lebensunterhalt zwar beigetragen har, aber es nicht zu be- weilen ist, daß dies in so großem Maße geschehen ist, wie eS in der Borlage verlangt wird. Der Antrag wird wiederum gegen die Stiinmen der Sozialdemokraten abgelehnt. Außerdem sollten in jenen Fällen die Renten nur so lange auS« gezahlt werden, solange die Hinterbliebenen bedürftig sind. Diese Beschränkung wurde auf Antrag der Sozial- demokraten gegen die Stinimen der Konservativen und Nationalliberalen gestrichen. Hellversahren. Die Versicherungsanstalten sind berechtigt, ein Heilverfahren durchzuführen, um die Jnvalidttät eines Versicherten oder einer Witwe abzuwenden. Die Sozialdemokraten beantragten. daß die Versicherungsanstalten ein Heilverfahren durchführen müssen, wenn eS zur Abwendung der Invalidität erforderlich er« scheint und der Versicherte es beantragt. Nach dein geltenden Gesetz kann ein verhe ira teter Arbeiter nicht gezwungen werden, sich in eine Heilanstalt zu begeben. Die Borlage bringt für die verheirateten Arbeiter den Zwang. Dabei soll eS nach wie vor von dem guten Willen der VersicherungS» anstalt abhängen, ob die Angehörigen deS Versicherten während seines Aufenihalts in einer Heilanstalt eine genügende Unterstützung beloinmen oder nicht. Die Sozialdemokraten beantragten, daß bereits im Gesetz eine angemessene Familienunterstützung für solche Fälle vor- geschrieben werde. Die Debatte über diese Anträge konnte nicht zu Ende geführt werden. Em der Partei. „Der Fcldzug in Moabit." DaS unter diesem Titel erschienene Extrablatt deS„Wahren Jacob" liegt jetzt vor. Es gibt einen satirischen Kommentar zu den Moabiter Polizeischlachten. Eingeleitet wird daS Extrablatt durch das Bild»Die Polizei im Dienste des Kapitals". Dann folgt die Erzählung»Ein braver Kombattant", der acht Illustrationen bei- gegeben sind. Ferner erwähnen wir die„Berliner Eskorte", .Abenteuer der Professoren Kohler und Grützmacher in Moabit" und .Nach der Schlacht". Der Preis des Extrablatts, das allen Freunden der politischen Satire empfohlen werden kann, ist 10 Pf. Die Organisationen ziiftt Parteitag. Der dritte Hamburger Wahlkreis nahm am Donnerstagabend in einer gut besuchten Mitgliederversammlung den Bericht vom Parteitag entgegen. Der Genosse tz. Stubbe erstattet« Bericht. Ten Disziplinbruch und die Haltung der Ba- denser zur Budgetdebatte scharf verurteilend, verlangte er die strikte Jnnehaltung der Beschlüsse in dieser fttaQt. In der Debatte verurteilten die Genossen Paepelow und 58 inniger (Redakteur de?„Grundstein") wohl den Disziplinbruch der badischen Landtagsabgeordneten, bedauerten aber die ParteitagSbeschlüffe, die, ebenso wie die Nürnberger Resolution, verfehlt seien. AlleS sei im Fluß und in der Fortentwickelung begriffen, deshalb dürfe man sich in taktischen Fragen nidjt festlegen, zumal doch in den BudgerS Forderungen enthalten scrn könnten, gegen die man nicht votieren dürfe. Genosse P e r n e r bedauert, daß die hamburgischen Genossen nicht mit den preußischen Genossen in den Wahlkampf eingetreten seien, da in Hamburg ein so miserables Wahlrecht" existiere. Hinsichtlich der Differenzpunkte in der Budgetfrage ist er der Meinung, daß dies« nun beseitigt sein müßten, da eS gelte, den gemeinsamen Feind energisch zu bekämpfen. Die Versamm- lung— eS hatte sich noch eine große Anzahl Redner zum Wort gemeldet— wurde in später Stunde vertagt. Es ist eine Re- solution eingelaufen, die sich mit den Parteitagsbeschlüssen einver- standen erklart. Die Genossen des 5. sächsischen R e i chS t a g S wa h l» kre i se S(DreSden-Altstadt) beschäftigten sich in einer starkbesuchten Versammlung mit dem Parteitag. Im Mittelpunkt der Verhandlungen stand die Budgetfrage und das Verhalten des Genossen Riem in dieser Frage. Dieser selbst führte als Referent hierzu unter anderem aus. er habe in der Parteiversammlung vor dem Parteitag über seine Stellungnahme keinen Zweifel gelassen und habe in einer Resolution das Verhalten der Badenser vcr» urteilt. Auf dem Parteitag habe er aber nicht für die Vorstands- resolution stimmen zu können geglaubt, weil sie von bewußter Miß- achtung von Parteitagsbeschlüssen spreche. Daß den Badensern von verschiedenen Rednern der gute Glaube abgesprochen worden sei, hielt er für nicht angebracht. Der Konflikt Hätte, wenn nicht der Antrag Zubeil gekommen wäre, in parteigenössischer Weise gelöst werden können. Die Budgetangelegenheit sei eine taktische und keine prinzipielle Frage. ES müsse aufs ernsteste getadelt werden, daß Sondersitzungen von beiden Teilen abgehalten wurden. Eine Studienkommission wäre ganz angebracht gewesen, denn die nötige Klarheit über die einzelstaatlichcn Budgetverhältnisse sei nicht vorhanden. In der„Leipziger VolkSzeitun�" wurde schon die Fanfare geblasen, die Genossen möchten auf die sächsische Land- tagssraktion aufpassen. Das sei aber nicht nötig, da es ausge. schlössen sei, daß bei den sächsischen Zuständen, die denn doch sehr verschieden von denen in Baden seien, für daS Budget gestimmt werden könne. Genosse Jungnickel, der zweite Delegierte, hält im Gegensatz zu Riem die Sondersitzungen für förderlich für die Arbeiten des Parteitages. Riem hätte in einem gewissen verächtlichen Tone von ihnen gesprochen. An den späteren gesonderten Sitzungen habe buch er, Redner, teNgensmmen und fjade den Dnivag Zubeil mit unterschrieben. Von vielen Genossen sei er in bezug auf Riem gefragt worden, was denn in Dresden für Zustände herrschten. SBerni Riem seine auf dem Parteitag an den Tag gelegte Meinung schon in Dresden vertreten hätte, dann sei es nicht zu verstehen, daß er als Delegierter gewählt wurde. Redner habe erwidert, die Dresdener hätten wohl angenommen, daß Riem der Stimmung der Parteiverjammlung und der angenommenen Resolution Ausdruck verleihen und seine persönliche Meinung zurückstellen würde. Väter- licher hätte kein Referat gehalten werden können als das Bebels. Wenn trotzdem Frank mit der bekannten Erklärung dem Fah den Boden ausgeschlagen habe, so sei es zu verstehen, wenn die Mehr- heit den festen Willen bekundete, Manöver wie nach Nürnberg ein für allemal unmöglich zu machen. In der Diskussion spricht Barthel gegen Riem. Für den be- wußten Disziplinbruch der Badenser wäre das schärfste Vorgehen angebracht gewesen. Auch in Dresden sei es nötig, auf die Führer und Redakteure aufzupassen. Die„Dresdener Volkszeitung" in- formiere ihre Leser in Parteiangelegenheiten vielfach einseitig und ungenügend. Als Beweis führt Redner an, daß die Stellungnahme von Nürnberger Vertrauensleuten gegen Dr. Südekum noch nicht mitgeteilt worden sei und daß eine Notiz der„Leipziger Volks- zeitung" gegen den Gewerkschaftsführer Brey nicht richtig dar- gestellt sei. Die Lust und Liebe zur Arbeit für die Partei werde dadurch nicht gefördert. In ähnlichem Sinne sprechen auch die Genossen Richter, Worbs und Krüger. Dieser meint, Riem hätte die Wahl nicht annehmen sollen, wenn er die Meinung der Dresdener Genossen nicht vcr- treten wollte. Genosse Gradnauer meint, nachdem der Magdeburger Partei- tag über die Budgetfrage entschieden habe, sollten sich auch die Ge- Nossen fügen, die abweichender Meinung sind, und jetzt nicht ohne Zweck den Streit in den Versammlungen fortsetzen. Zu seinem Artikel, der am Tage nach dem Bekanntwerden der Abstimmung in Baden geschrieben wurde, sei zu bemerken, daß er darin die Ter- letzung der Parteidisziplin durchaus getadelt habe, daß er aber zugleich versucht habe, die Beweggründe der Zustimmung zu finden. Dabei habe er vermutet, daß diese Gründe möglicherweise mit dem Nürnberger Beschlutz in Einklang zu bringen seien. Dies habe sich aber nicht bestätigt. Di« Erörterungen auf dem Parteitag hätten gezeigt, daß sich die Badenser selbst auf den Nürnberger Beschluß nicht stützen wollten.— Wenn der Zustand, daß gesonderte Sitzungen abgehalten würden, wie er sich auf dem Magdeburger Parteitag wieder gezeigt habe, bestehen bleibe, dann seien Be- ratungen überflüssig, weil sich die Delegierten schon festgelegt hätten. Das sei bei beiden Seiten zu verurteilen. Die beiden Richtungen, Radikale und Revisionisten, würden allzusehr künstlich konstruiert und übertrieben. Revisionisten in dem Sinne, daß die betresfenden Genossen ein Entgegenkommen an den kapitalistischen Staat und die kapitalistischen Parteien wollten, gebe es in der Partei überhaupt nicht. Wenn die Meinungen gegenseitig mehr respektiert würden, so würde dies für die Partei nur von Nutzen sein. Die erst« Erklärung Franks mußte erbittern, aber in seinen weiteren Erklärungen sei gesagt, daß die Badenser der Nürnberger Resolution nachkommen wollen. DaS hätte genügen sollen. Bei der Wahlrechtsberatung wäre es wünschenswert gewesen, wenn auch aus Sachsen eine Solidaritätserklärung abgegeben worden wäre. In Sachsen müsse der Kampf gegen das Pluraltvahlrecht wieder in den Vordergrund gerückt werden. Sindermann: Das scharfe Vorgehen gegen die Badenser sei nötig gewesen, weil sie bewußt Parteitagsbeschlüsse gcdrochen hätten. ES mußte vorgebeugt werden, daß Parteigenossen nicht wieder auf ein paar verbindliche Worte eines Ministers herein- fallen. In allen Variationen könne man jetzt in der Parteipresse und in Parteiversammlungen das Wort hören: Auf, zum Kampf gegen den gemeinsamen Feind I Dazu sei aber Disziplin am nötigsten. Deshalb sei das Verhalten der Parteitagsmehrhert nur zu begrüßen. Die vorliegende Resolution möchte einstimmig ange- nommen werden, dadurch würde der Fehler des Genossen Riem wieder gut gemacht. Gegenüber der Kritik an den Sondersitzungen sei zu konstatieren, daß auf dem Nürnberger Parteitag die Gruppe um die Monatshefte die gesonderten Sitzungen, ja sogar die Claque besonders gut organisiert hatte. Das Gejammere darüber, daß die AuSfechtung der Meinungsverschiedenheiten der Partei un- gemein schade, sei nicht angebracht. Es habe sich gezeigt, daß die Massen nach Nürnberg einen Sieg nach dem anderen erfochten. Das energische Zugreifen in Magdeburg war nötig. Nun wisse jeder Parteigenosse, das Disziplinlockerung nicht geduldet werde. Keine andere Partei kann sich der Disziplin erfreuen, die in unserer Partei herrscht. Wir sind mit Recht stolz auf den Ausspruch BülowS:„Disziplin Is!" Diese Disziplin hat uns groß gemacht und mutz unter allen Umständen hochgehalten werden. In der ferneren Diskussion verteidigt Genosse Riem nochmals seine Haltung. Er findet Unterstützung durch die Genossen Gott- fried und Reinhardt. Die folgende, vom Kreisvorstand vorge- schlagene Resolution wird darauf angenommen: „Die Parteiversammlung des ö. Kreises ist mit den Beschlüssen des Magdeburger Parteitages voll und ganz einverstanden. Sie erwartet von den Parteigenossen, daß sie diese Beschlüsse in jeder Beziehung respektieren." In Frankfurt a. M. wurde in einer schwach besuchten Parteiversammlung die Debatte über den Parteitag fortgesetzt. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch 9 Genossen, die sämtlich fast nur die Budgctfrage behandelten. Vier Genossen verteidigten entschieden die Beschlüsse des Parteitages zur Budgetfrage! auch der Zubeilschc Zusatzantrag sei notwendig getresen, um volle Klar- heit zu schaffen. Sic erblickten, wie Genosse Wendel unter Zu- stimmung eines Teiles der Versammlung ausführte, in dem Ver- halten der Badenser einen bewußten Vorstoß, die Partei auf andere Bahnen zu lenken. Da hätte energisch geredet werden müssen. Die Budgetbcwilligung sei eine prinzipielle Frage. Wendel meinte aber am Schlüsse seiner Ausführungen, im gegenwärtigen Augenblick hätten wir besseres zu tun, als uns gegenseitig zu be- kämpfen: gegen den äußeren Feind müsse geschlossen Front gemacht werden. Fünf Redner wollen der Budgetabstimmung überhaupt keine so große Bedeutung beigelegt wissen. Die Masse rege sich über die Buogctfrage nicht im geringsten auf. Die Genossen betrachteten die Zustimmung oder Ablehnung des Budgets als eine taktische Frage. Die Budgetbcwilligung in Baden sei ein politischer Schlag gegen das Zentrum gewesen, meinte Genosse Heiden, und als solche verdiene sie eine andere Beurteilung, als man ihr gewöhnlich beilegt. Disziplin sei gut, stebe sie aber guten praktischen Er- fahrungen im Weg«, dann müsse über sie hinweg das Gute er- kämpft werden, weil ja die Disziplin nicht Selbstzweck sein soll. Der Zusatzantrag Zubeil widerspreche dem Parteistatut! Wo sei es sonst Sitte, daß die oberste Instanz zuerst ihr Urteil spricht? Dieser Beschluß würde die Arbeit in den einzelnen Staaten er- schweren und uns zu neuen Konflikten führen. Heiden hofft, daß ein späterer Parteitag den Beschluß wieder aufhebt. Genosse Kremser verurteilte den Disziplinbruch und die Hof- gangcrei, meint aber, daß der Parteitag zur Klärung der Budget- frage nicht viel getan habe. Der Zusahantrag Zubeil sei höchst uberflüssig gewesen, man habe die große Pauke nicht gebraucht, da- durch sei nur den Gegnern Wasser auf die Mühle getrieben worden. Im Schlußwort meinte Genosse Q u a r ck, der Standpunkt Mendels, daß man dem Klossenstaat alles, auch alle reformistischen Verbesserungen, verweigern muß, führ« konsequent �um Antiparla- nientariSmuS und zur Verneinung unserer Reformtatigkeit. Diesen Standpunkt haben wir aber längst aufgegeben, und zwar all-, ohne Unterschied. Er wird auch in der Budgetfrage noch aufgegeben werden müssen, je einflußreicher wir«erden. Die Badener haben wir aufs schärfste getadelt, weil sie das Budget ohne erhebliche Gründe bewilligten und sich durch ihr Bündnis mit den National- liberalen viel zu weit nach rechts führen ließen. Nicht richtig aber ist. daß sie als Parlamentarier ihre badischen Arbeiter verführten. Der Offenburger Parteitag zeigte vielmehr, daß Führer und Massen in Baden leider einig in der Verkennung proletarischer Grundsätze sind, was mit den kleinbürgerlichen Verhältnissen des Landes zusammenhängt. Die kommenden verschärften Kampfs werden auch die Badener belehren und ihre süddeutschen Freunde, namentlich auf sozialem Gebiet. Jetzt heiße es, geeint gegen den gemeinsamen Feind zu marschieren: neuen Kämpfen und neuen Siegen entgegen. Das Ergebnis der Erörterungen war die Annahme fol- gender Resolution: „Die Versammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Magdeburger Parteitages einverstanden. Sie betrachtet es als Selbstverständlichkeit, daß jeder Parteigenosse die dort gefaßten Beschlüsse in vollem Umfange innehält." Ein Steckbrief gegen den Genossen Albert. Ter Erste Staatsanwalt am Breslauer Landgericht hat jetzt gegen Genossen Albert von der„Volksmacht" einen Steckbrief erlassen. Dazu liegt unseres Erachtens kein Grund vor, da Genosse Albert in einem Schreiben an die„Volksmacht" er- klärt hat, daß er nicht die Absicht hat, sich dauernd den Gerichten zu entziehen,'sondern daß er lediglich, um den Qualen einer langen, ihn in der Verteidigung in weiteren IS Prozessen behindernden Untersuchungshaft zu entgehen und um leine durch die Aufregung geschädigte Gesundheit wiederherzustellen, einstweilen sich verborgen hält. Für die Staatsanwaltschaft wird nunmehr hoffentlich der Anlaß zu einer Maßregel gegeben, die sie schon längst hatte treffen müssen, nämlich die noch ausstehenden Prozesse wider Albert zu- sammenzuziehen._ Die drohende Spaltung der tschechischen Partei. DaS Brünner zentralistische Abwehrorgan„P r o l e t a r" be- streitet energisch, daß die geächteten Zcntralisten eine Spaltung der Partei wollten, aber sein eigener Artikel wie ein Flugblatt der Prager zentralistischcn Gewerkschaftskommission zeigen, daß die Spaltung doch bedrohlich nahegerückt ist, die freilich nur die Konsequenz des antisozialistischen Borgehens der offiziellen tcheschi- scheu Sozialdemokratie ist. Die„Wiener Arbeiterzeitung" re- gistriert diese Vorgänge mit Bedauern, stellt immer wieder fest, daß weder die Wiener Zentralgewerkschaflskommission noch die deutsch-österreichische Sozialdemokratie etwa? mit der Spaltungs- bewegung zu tun hat und daß cS nun um so nötiger sei, etwas zur Unlerstützung der von der Gesamtexekutive der österreichischen Sozialdemokratie eingeleiteten neuerlichen EinigungSaltion zu tun. Gerichts- Zeitung. Unberechtigte Bersaminlinlgsanflösung. Der Polnische Wahlvcrein für Charlottcnburg und Um- gegend, der damals etwa 350 Miigiieder zählte, hielt am 24 Januar im Charlottenburger Polköhause seine zlveite Mitgliederversammlung ab. Der Polizeipräsident ließ die Versammlung überwachen. Als die Redner polnisch sprachen, wurde die Versammlung aufgelöst. Die Beschwerde wieS der Berliner Polizeipräsident als Landes-Polizeibehörde ab. Er stenipelte die Versammlung, zu der nur Mitglieder Zutritt hatten, zu einer öffentlichen Versammlung, in der nach dem Vereinsgesetz die deutsche Sprache hätte gebraucht werden müssen. Es wurde, wie so oft, mit dem Begriff des zu losen Vereins operiert, dessen Veranstaltungen als öffentliche gelten müßten. Der Oberpräsident setzte die Entscheidung über die weitere Beschwerde aus bis zur Erledigung eines Straf- Verfahrens gegen die Vorstaudsinitglieder, die sich gegen die Vorschrift des Vercinsgesetzes vergangen haben sollten, wo- nach öffentliche Versammlungen zur Erörterung politischer An- gelegenheitcn angezeigt werden müssen. In diesem Strafverfahren wurden die Angeklagten, wie wir seinerzeit mitteilten, rechtskräftig freigesprochen, weil es sich n i ch t u m eine öffentliche, sondern um eine Mitglieder- Versammlung gehandelt habe. Das Landgericht nahm an, daß die Organisation nicht als zu lose anzusehen sei, weil eine bestimmte moralische Qualifikation für die Auf- nähme erforderlich sei und die Bezirks Vertrauensmänner engere Beziehungen unter den Mitgliedern herbei- geführt würden, deren Zahl(300 bis 400) im Verhältnis zur Menge der Charlottenburger Einwohnerschaft auch keine zu große sei. An dem niedrigen Beitrag von 10 Pf. pro Monat nahm die Strafkammer deshalb keinen Anstoß, weil die Polen, welche in Betracht kämen, meist zu den wenig bemittelten gehörten. Trotz dieses Urteils wies d e r O b e r p r ä si» dent die Beschwerde gegen den Bescheid des Berliner Polizeipräsidenten a b, indem er davon ausging, daß die Versammlung als eine öffentliche behandelt werden müsse. Das Ober-Verwaltungsgericht, bei dem der Vorstand nunmehr klagte, gab gestern der Klage statt, hob die Besch werde bescheide des Polizei- Präsidenten und des Ober Präsidenten auf und erklärte die polizeiliche Ueberwachung und Auflösung der Versammlung für unberechtigt. Wenn auch, so wurde ausgeführt, der Verwaltungsrichter an die Feststellungen des Strafrichtcrs nicht gebunden sei, so sei daS Gericht hier nach Lage der Sache doch auch zu der Annahme gekommen, daß eS sich um eine Mitgliederversammlung und nicht um eine öffentliche Versammlung handelte. Daraus ergebe sich das Urteil. Streikprozesse Wieder war eS die Straßenpokizeiverordnung, die gegen einen Streikposten, den Schmied Fischer, angewandt wurde, der gestern vor der 142. Abteilung des Schöffengerichts Berlin-Mitte stand. Er soll mit anderen auf dem Biirgersteig vor der Werkstatt des Schmiedemeisters Bielefeld, Ackerstr. 147, gestairden und der Aufforderung eines Schutzmanns, sich zu entfernen, nicht Folge gc- leistet haben. Nach den Angaben zweier Schutzleute ist die aus vier bis fünf Personen bestehende Gruppe, zu welcher der Angeklagte gehörte, nach der Aufforderung durch die Beamten immer einige Schritte weiter gegangen und wieder stehen geblieben, um eine Priese zu nehmen. Dabei hat einer zum anderen gesagt, baß eS doch ein ganz besonderer Genuß sei, unter Polizeiaufsicht eine Priese zu nehmen. Diese Bemerkung schien dem Vorsitzenden des Gerichts so bedeutungsvoll, daß er ihre Protokolliening veranlaßt-. Auch die Schutzleute scheinen sich darüber geärgert zu haben. Sie sistierten die Betreffenden, natürlich nicht wegen der Neckerei, die ja nicht strafbar ist, sondern wegen angeblicher Behinderung des Verkehrs, der ja durch Streikposten selbst in menschenleeren Gegen« den immer gehindert ist. Der Verteidiger, Dr. Oskar Lohn, be. antragte Freisprechung, weil der Angeklagte ja nach jeder Auf. forderung weitergegangen sei und es sich hier nur um einen der Fälle handele, wo durch polizeiliche Anordnung das Streikposterl» stehen unmöglich gemacht werden solle.— DaS Gericht erhöhte die polizeiliche festgesetzte Strafe von v M. auf 10 M. ».' Bor einer anderen Abteilung des Schöffengerichts wurde fest- gestellt, daß der Schmied Schüti einem ArbcitStvilligen eine Ohr- feige gegeben hat, ohne auch nur ein Wort dabei zu sagen. Trotz- dem war er nicht nur wegen Körperverletzung, sondern auch wegen Vergehen gegen ß Ivll der Gewerbeordnung angeklagt. Der AmtS- amvalt wollte die Tat des Angeklagten mit sechs Wochen Gefängnis gesühnt wissen.— Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn vertrat der. Standpunkt, daß hier kein Zusammenhang mit ß 1K3 vorliege. Im übrigen dürfe man eine Ohrfeige, weil sie ein Arbeitswilliger er- halten hat, nicht anders beurteilen, als wenn sie bei irgend einer anderen Gelegenheit verabfolgt worden wäre.— Das Gericht er- klärte es für zweifellos, daß die Ohrfeige den Arbeitswilligen zur Teilnahme am Streik bewegen sollte. Ein Vergehen gegen ß 1S3 liege vor. Aber— sagte der Vorsitzende— der Angellagte habe das Glück gehabt, daß er auch wegen Körperverletzung angeklagt worden sei. Nach der herrschenden Rechtsprechung müßten die Strafbestimmungen über Körperverletzung angewandt werden und deshalb könne auf Geldstrafe erkannt werden. Da der Fall milde liege, so erschien eine Strafe von 39 Mark als ausreichend. Ein Gericht fügt sich dem Wunsch der Verwaltung. Gestern stand vor der 7. Strafkammer des Landgerichts 1 Termin an gegen Rünenapp, den verantwortlichen Redakteur der anarchistische» Wochenschrift„Der freie Arbeiter". Er ist ange» klagt, durch Schilderung von Zuständen im Polizeigefängnis einer westfälischen Stadt die dortige Polizeiverwaltung beleidigt zu haben. Der Wahrheitsbeweis sollte erbracht werden durch Ver. nehmung eines Zeugen, der als lästiger Ausländer von der Polizei ausgewiesen ist und jetzt in Holland wohnt. Der Zeuge war nicht zur Stelle, lieber die Ursache seines Nichterscheinens machte der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Halpert, folgende Ausführungen: Im vorigen Termin, der in dieser Sache im Mai stattfand, ver. wies der Vorsitzmde auf die Umständlichkeiten, welche mit einer kommissarischen Vernehmung im Auslande verbunden sind. Der Verteidiger erbot sich, den Zeugen dem Gericht zu stellen, falls ihm zu diesem Zweck freie? Geleit gewährt würde. Der Staatsanwalt sagte zu, sich für die Gewährung des freien Geleits zu verwenden. Das Gericht— allerdings ohne daß ein Beschluß gefaßt wurde--- der Staatsanwalt und der Verteidiger waren darin einig, daß der Zeuge im nächsten Termin bor der Strafkammer erscheinen solle. Da die Staatsanwaltschaft nicht kompetent ist, die Aufenthalts. erlaubnis für den Ausgewiesenen zu erteilen, so ersuchte sie den Verteidiger, einen dahingehenden Antrag beim Polizeipräsidenten von Berlin zu stellen und bemerkte, die Staatsanwaltschaft werde die Sache vorbereiten, das heißt also, sich für die Erteilung der Aufenthaltserlaubnis des Zeugen in Berlin verwenden» Das Polizeipräiidium beantwortet« den Antrag des Verteidigers dahin, es erhebe gegen den Aufenthalt des Zeugen in Berlin keinen Ein- spruch, sofern sich derselbe nach seiner Ankunft bei der Polizei melde und gleich nach dem Termin Berlin wieder verlasse. Aber das Polizeipräsidium sei für die Erteilung einer Aufenthalts» erlaubnis nicht zuständig, diese müsse bei der Regierung zu Münster» welche die Ausweisung verfügt hat, gestellt werden. Der Verteidiger wandte sich dann an den Regierungspräsidenten in Münster. Dieser antwortete, er sei nicht in der Lage, das Er» scheinen des Zeugen in Berlin zu gestatten, da keine ausreichenden Garantien dafür vorhanden wären, daß er nach dem Termin wieder über die Grenze zurückkehre. Ter Regierungspräsident erklarte sich aber bereit, zu gestatten, daß der Zeuge beim Amts» geeicht in ArhauS vernommen wird, falls er sich vorher bei der dortigen Polizei melde und sich verpflichte, nach dem Termin zurückzukehren. Der Verteidiger bezeichnete es als einen Eingriff in die Kam» petenz des Gerichts, wenn der Regierungspräsident verfügt, der Zeuge soll nicht vor dem Berliner Gericht erscheinen, sondern in ArhauS vernommen werden.— Der Vorsitzende, Landgerichts- direktor Splettstöstcr, berief sich darauf, daß das Gericht leinen Beschluß über die Vernehmung des Zeugen in Berlin gefaßt habe. Es handele sich nur um ein Entgegenkommen gcg'n die Verteidi- gung.— RechtSanivalt Holpert antwortete: Von einein Entgegen» kommen an die Verteidigung könne keine Rede sein, wenn der Verteidiger sich erbietet, einen Zeugen, der zur Führung deS Wahrheitsbeweises notwendig ist, dem Gericht zu st'llen.— Nun aber kam daS Gericht der Polizei entgegen, es beschloß, den Zeugen beim Amtsgericht in ArhauS vernehmen zu lassen, wie es der Re» gierungSpräsident in Münster verlangt hatte. Das Märchen einer llnabhängigkeit der Gerichte von der Ver» waltung erhält auch durch diesen Prozeß eine nette Beleuchtung. BIns aller Melt. Ein Gardeoberst als Testamentsfälscher. In den sogenannten besten Kreisen Petersburgs erregt die Verhaftung eines hohen Hofbeamten ungeheueres Aufsehen. Der Stall in ei si er des kaiserlichen Hofes und frühere Gardeoberst Wouljarljarski ist wegen Teilnahme an der T e st a m e n t S f ä l s ch n n g in der MillionenerbschaftS» affäre des Fürsten O g i n s k i festgenommen worden. Schon vor einigen Monate» wurde sein Sohn. der Gardehan prmann WonljarljarSki als Fälscher des Oginskiicken Testaments verhaftet; auch zahlreiche andere Persönlichkeiten waren dabei beteiligt. Bevor der Stallmeister Wvnljarljarski abgeführt wurde, war eine acht« stiindige Haussuchung bei ihm abgeholten worden, die er« drückendes Beweis Material gegen ihn lieferte. Ter Verhaftete bat, gegen eine Kaution von 200 000 M. und Bürgschaft hochgestellter Persönlichkeiten auf freiem Fasse belassen zu werden. der Untersuchungsrichter ging jedoch nicht darauf ein. Aus tanscnd Meter Höhe abgestürzt. Der russische Aviatiker Hauptmann M a z i e w i t s ch unternahm am Freitagnachmittag in Petersburg mit einem Farman Apparat einen Aufstieg, den er zunächst sehr gut durchführte. In etwa 1000 Meter Höhe zerbrach aber aus einem unbekannten Grunde der Apparat. Der Aviatiker stürzte ab und mar sofort tot. Der König der Bohöme im Irrenhaus. Am Mittwochabend kam der Kabarettist Danny Gürtler nach Si. Goarshausen. Während der Nacht zog er mit seiner Trompete durch die Strassen und richtete an da§ an? dem Schlafe geschreckte Publikum„G r ü ss e v o n H e i n e" aus. Heute früh stellte er sich, wie uuS ein Privattelegramm meldet, anscheinend in einem Anfall von Geisteskrankheit auf dem Marktplatz des Stadt» chenS und entkleidete sich mitten ans der Strasse in Gegen- wart zahlreicher Zuschauer. Die Polizei verhaftete ihn. ohne daß er Widerstand leistete, und brachte ihn in die Irrenanstalt Alt« bürg._ Jugendveraustaltunge«. Kreie Jngendorganlsarion Tegel und Umgegend. Heule, Gönn- abend, den 8. Oktober, abends 8 Uhr, swdet unsere Versammlung in Borflg- walde im Lokal des Herrn Zühleke statt. Sonntag, den S., Sviclpartie nach Saatwinkel. Abmarsch um 1li2 Uhr vom BabnhosSPlatz. Die Ein» wcihung des Jugendheim» ersolgt erst am Sonntag, den l6. Oktober, nach- mittags 2 Uhr. Sonnabend, den 22. Oktober, stndst im Etablissement von Trapp unser zweites Stijtuilgisest statt. BillettS dazu sind bei den BezirkS- sührern und beim Kassierer zu haben. Treptow. Die Freie Jugendorganisation hält am Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags'/,4 Uhr, bei Wanzlik, Am Treptower Park 27 (neben Ludwigs„Viktorigarlen") eine össentliche Versammlung ab. Kollege Paul Schiller- Charlottcnburg referiert über da» Thema .Unser die Jugend trotz alledem I" Zu dieser Versammlung ist jedermann, neben der erwachsenen Arbeiterschast besonders die(chulentlassenen Söhne und Töchter eingeladen. 1 StU- 1 Silinsl i 1 W L sämtliche Gäuseartikel, als Gänseklein, Gäusekculenfleisch. 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Ptd.#UP«> Wurstwaren Cervelat u. Salami I2* Feine Leberwurst 1°° Pastetenleberwurst"� 1°° Landleberwurst.....«««SO«. Teewurst........... 1" Bauernrotwurst.....«-.« 55 n Speck tett und nrwgar Pfund 80 Neu aufgenommen: Nur Leipziger Strasse Gehacktes Querrippe Tals.......... Eisbein.... Rückenfett Frisches Fleisch pf-m-ou-mZ'.� Pfund m Pfennig Pfund RindsOchsenfieisch Schweinefleisch Fehlrippe.... Kamm......... Rinderbrust Goulasch.eh)«... Pfennig Schaufelbraten.... Schierbraten...... Filetoberschale.... Bratenoberschaie Filei'Schabefleisch 1 Pfund 00 Mark verantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantwll Th. Glocke, Berlin, Krück u.Lerlag: Lorwärtß Kuchdruckerei u, verlagSaostall Paul Sing« 8 6a, iverli, SW« ftm. w.wim. 2. Jrilnp ilts Joriirlo" Jcilinct Polblshü Hua Induftric und Kandel. Der gewerbliche Beschäftigungsgrad in Deutschland. Im Laufe deS Monats August 1910 hat die Zahl der im Deutschen Reiche beschäftiglcn Personen einen Zuwachs um 0,29 Proz. erfahren. Am Anfange des September 1910 waren nämlich nach den an daS.ReichSarbeitSblatt' berichtenden Kranlenkassen 15 090 Per- sonen mehr beschäftigt als am 1. August dieses Jahres. In der Parallelzeit der Jahre 1909 und 1907 war dagegen nur eine Zu- nähme der Veschäftigtenziffer um 0.16 resp. 0,13 Proz. zu verzeichnen. während sich im Jahre 1903 sogar ein Rückgang um 0,17 Proz. er- gab. An der Vermehrung der Beschäftigtenzahl im Monat August partizipieren mit einigen Ausnahmen so ziemlich alle Landesteile. In der RcickShanptstadt waren am 1. September des laufenden JahreS 9 883 Personen oder 1,2 Proz. mehr beschäftigt als am 1. August; diese Zunahme ist in erster Linie auf den Zuwachs weib- licher Arbeitskräfte zurückzuführen. Billiges Prtrolenm? Wie gemeldet wurde, beabsichtigt die Standard Oil Company lnfolge der Konkurrenz mit groszcn bestehenden und zahlreichen neu entstandenen Gesellschaften die Preise des Petroleums herabzusetzen, um eine Vermehrung des Konsums herbeizuführen und den eigenen Absatz zu sichern. E» fragt sich nun, ob diese Tatsache auch einen Einfluß auf die Preise in Deutschland ausüben wird. Die öfter- reichischen Prodnzenten sind der Ansicht, daß sich der Kamps, der mit großen Preisherabsetzungen verbunden ist, vorwiegend auf überseeischen Gebieten abspielen, Oesterreich, Deutschland und die Schweiz aber nicht berühren wird. Die Standard Oil Company hat nämlich in China. Japan und Australien die Preise sehr hoch geholten, wobei sie in Uebereinstimmuirg mit der Asiatischen Pciroleumgesellsckaft vorging. Nun haben sich zwischen diesen Gruppen Gegensätze gezeigt, und der Kampf dürfte sich auch auf Amerika erstrecken. wo die Petroleumpreife gleichfalls sehr hoch sind. Auf dem Kontinent glaubt man jedoch nicht an«ine starke Ermäßigung der Petroleumpreiie. ES sollen aber do» schon Preisermäßigungen in Europa eriolgt sein. Handelt es sich beim Trust um die bekannte Rockefellcrsche Grün- düng, so soll da» Kapital der Asiatischen Petroleum-Gesellschaft, die als nahezu ebenso stark wie jener geschätzt wird, zu ziemlich gleichen Teilen gehören: der Shell Transport and Trading Company! der köntglich Niederländischen Petroleumgesellichafl und den Rothschildschen Oelwerken in Baku. Der Trust ist bereits in Mexiko und Oesterreich in Kämpfe mit Konkurrenten verwickelt. Man schätzt die verfügbaren Petroleiimqucllen wie folgt: Vereinigte Staaten vt Proz.; Rußland(Bakus 22; Galizien 4'/�: Rumänien 3; Mexiko 1.25 Proz. Vom Rest soll Niederländrsch-Ostindien das meiste besitzen. Als Ursache des großen Interesse? der Kapitalkreise für Petroleum Wird die Wahrscheinlichkeit stärkerer Verwendung derOelfeuerung auf Schiffen bezeichnet, daneben auch der steigende Verbrauch in Indien und China. Oel stellt sich, wenigstens in weiterer Ent- frnmng von den Kohlenseldern, also namentlich in den östlichen Gewässern, viel billiger als Kohlen. Es gestattet außerdem infolge seiner größeren Heizkraft die Mitnahme der doppelten Hcizquelle auf gleichem Raum, was eine bedeutendere Erweitening de? AktionSkreifeS der Kriegsschiffe und ihre Unab- hängigkeit von den bisher notwendigen Kohlenstationen bedeutet. So ist die englische Marine dabei, zur Oelfeuenmg überzugehen, obwohl gerade die Kohleniverke von W a l e S. die nach den.Daily News' 95 Proz. sämtlicher rauchlosen Kohle fördern, davon in erster Linie betroffen werden. ES muß sich nun zeigen, ob ein Kampf bis zum Weißbluten einsetzen und. wie der Leirer der mit einer großen Oelflotle au?- gerüsteten Shell Co. es schon im Sommer vorausgesagt hat, mit dem ..Uebcrleben des Bestangcpaßtcn" enden wird, oder ob die beiden Riesenausbentergruppen sich bald wieder zu einer neuen freund- schaftlichen Regelung oder gar zu einer Vereinheitlichung ihrer Kräfte zusammenfinden werden. Die Konsumentenschaft der Welt bildet ja ein geduldiges Friedcnsobjekt. Zigarren und Sekt. In der letzten Versammlung der Gläubiger der Niederdentschen Bank berichteten der Konkursverwalter und Rechtsanwalt Dr. Nuß auch über das Verhältnis der Berliner Handelsgesell- s ch a f t zu der verkrachten O h m s ch e n Bank. Die Aktiven sh Ucn sich aus 5 965 229,17 M., denen Passiven in Höbe von 27 197 365,95 Mark gegenüberstehen. In der Bilanz vom 27. Juli 1910 hat der Konkursverwaller Debitoren in Höbe von 5 037 539,90 M. ge- funden, die nicht einen Pfennig wert sind. Im Jahre 1908 sind die Aktien der Niederdeutschen Bank durch Vermittelung der B e r l i n e r H a n d e l s g e> e l l s ch a s t an der Berliner Börse eingeführt worden. Die Berliner Handels- gesellichaft halle vorher durch zwei Revisoren die Bücher der Nieder- deulschen Bank und ihrer Filialen prüfen lassen. Das Gutachten der Revisoren soll gelautet haben, es sei alles i n O r d n u n g. Rechtsanwalt Dr. Nuß- Dortmund bemerkt hierzu: Man dürfe getrost behaupten, daß bei einer ordentlichen, gewissenhaslen Prüfung die Revisoren der Handelsgesellschaft hätten finden müsse», daß unter den Aktiven der Bank niebr als 39 000 000 M. faul gewesen seien. Sehr bezeichnend sei übrigens, daß Herr O h m, als die Herren zur Prüfung nach der Geljenkirchener Filiale gefahren, nach dort telephoniert habe: man solle für gute Zigarren und Sekt sorgen, damit die Herren der Handelsgesell- schast auch etwas zu tun hätten. Die Handelsgesellschaft habe mit der Bank noch flott gearbeitet, als sonst kein Mensch inehr niit Ohm etwas zu tun haben wollte. Fast alle Sicherheiten der verkrachten Bank befänden sich bezeichnenderweise in Berlin. Wegen unterlassener ordnungsmäßiger Prüfung der Vcr- Hältnisse der Niederdeutschen Bank müsse die Berliner Handels- gesellichaft regreßpflichtig gemacht werden. In das Loblied auf die Hilfsaktion der Treuhand. Gesellschaft könne er nicht einstimmen. Den Herren habe wohl nur das böse Gewissen geschlagen. Eine Verbindung der Nordsee mit der Donan. Auf der diesjährigen Wanderversammlnng des Zentralvereins für deutsche Binnenschiffahrt, die am 1. Oktober in Würzburg stattfand, hielt Dr. Jng. H. C o n t a g aus Berlin-WilmerSdorf einen instrukliven Vortrag über eine Verbindung de? Wesergebietes und der Nordsee niit dem Donau- gebiet durch einen Werra-Main-Kanal. Der Referent meinte einleitend, daß eine Verbindung der thüringischen Saale mit dem Main bei Gemünden oder Schlvelnfurt aus geologischen und technischen Gründen nicht ausführbar sei. Als weitaus günstigste Lösung hat sich die Verbindung der Wasser- straßen Bayerns mit denen Nvrddeutschlands, eine Verbindung der Weser durch die Werra mit dem Main mit der Mündung bei Bamberg gezeigt. An der Hand zahlreicher, im Saale ausgehängter Karten und Pläne erläuterte der Vortragende das Projekt. Er knüvit an die von ihm bereits früher projektierte Wcrra-Kanalisation, von Münden bis Wernshausen, an. Von Wernshausen auswärts soll weiter die Werra benutzt werden, die mittels zwölf Staustufen durch die Stadt Meiningen hindurch bis nach Untermaßfeld kanalisiert werden soll. Vorbedingung hierfür ist die Ausführung eines mittels der vom Verein für Schiffbarmachung der Werra bearbeiteten und zur Ausführung vorgeschlagenen Talsperre. Das zur Speisung deS Kanals erforderliche Wasser wird teils besonders einzulegenden Talsperren entnomnien. Außerdem ist vorgesehen, der Werra bei Untermaßfeld Wasser zu enMehmen und mittels Werrakraslwerken auf die Höhe der Scheitelbaltung hinaufzupumpen. Die Gesamtlänge der Kanalisierung von Wernshausen bis Bamberg beträgt 117 Kilometer, von denen auf die Kanalisierung der Werra oberhalb Wernhausen 23, auf den eigentlichen Hebewerkskanal 51 und auf den Schleusenabstieg zum Main bei Bamberg 38 Kilometer entfallen. Die Baukosten der Werra-Main-Verbindung schätzt der Redner folgendermaßen: Kanalisierte Werra Wernhausen- Untermaßfeld 11' Millionen, Hebewerlkanal 45 Millionen, Schleusenkanal 16 Millionen, zusammen 72 Millionen Mark. Die Aufbringung der Mittel für dieses Knlturwerk kann aber nicht allein durch die Interessenten erfolgen, es müssen dafür auch die beteiligten Bundes- staaten und das Deutsche Reich cinireteir. Soziales* Kündigungsfrist. Vor der Kammer 4 klagte gestern der Rahnienmacher G. gegen den G o l d l e i st e n f a b r i k a n t e n I. Gummersbach. Er verlangte 45.66 M., und zwar 9,66 M., die ihm an dem vom Be» klagten garantierten Aklordverdicnst der letzten Arbeitswoche fehlen, und 36 M. Entschädigung für eine Woche, in der er infolge der fristlosen Entlassung arbeitslos war. Der Beklagte bestritt, dem Kläger 36 M. pro Woche garantiert zu haben und glaubte sich zur fristlosen Entlassung des Klägers berechtigt, da dieicr iviedcrholt zu spät zur Arbeit gekommen ist und überdies dem Kläger aus dem früheren Arbeitsverhältnis mit ihm(30. April bis 25. Juni) bekannt fei, daß K ii n d i g u n g s a u s f ch l u ß bestehe. Der Kläger will nur im Einverständnis mit dem Be» klagten wegen Materialmangel stundenweise ausgesetzt haben. Das Gericht unter Vorsitz des MagistratSratS Dr. Gerth verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 28 Mark, die Mehrfordernng des Klägers wurde abgewiesen. Die 9.66 M. konnten dem Kläger deshalb nicht zugesprochen werden, iveil die behauptete Lohngarantie nicht erwiesen werden konnte. Dagegen, hieß es in der Urteilsbegründung, baue der Kläger Anspruch auf die Kündigungsfrist, da die zwischen den, früheren und dem letzten Arbeitsverhältnis liegende Frist schon eine viel zu lange sei und deshalb der Kündiguugsausschluß von neuem hätte ver- einbart werden müssen. Da der Kläger aber selbst zugegeben habe, daß er stundenweise ausgesetzt hat, konnte ihm auch die Entschädigung in der geforderten Höhe nicht zugesprochen werden; das Gericht hat den durchschnittlichen Verdienst aus 28 M. pro Woche bemessen. So zutreffend wie hier wird leider nicht immer bei KündigungS« streiten von Gewcrbcrichtern geurteilt. Insbesondere verlritt das JnnungSschiedSpericht und zwar mit Nachdruck die irrige Ansicht, daß der im Tarifvertrage für die Holzindustrie vorgesehene KündigiingSausschluß auf sämtliche Berufe im Holzgewerbe anzu- wenden sei. Versammlungen. Zu der gestern abgedruckten Erklärung des Genossen Weise (5. Wahlkreis) bemerke ich: Was dem Genossen Weise in den Sinn gekommen oder nicht in den Sinn gekommen ist, kann ich nicht wissen. Daß ober der Satz:„Mit den Revisionisten muh einmal Fraktur geredet werden" über seine Lippen gekommen ist. weih ich ganz bestimmt.- G. Reinke. ♦ » » # GEGRÜNDET 1867 s : s : : : : s : Jerusalemer Str. 38-39 Friedrich-Straße 75 Potsdamer Straße 2 Tauentzien-Straße 19 a König-Straße 25-26 Schöneberg, Haupt»tr. 146 Rixdorf, Bergstr. 25-26 Januar 1911: Rosenthaler Str. 5 Zentrale und Versand: Jerusalemer Str. 38-39 Orthopädische Abteilung Institut für Herstellung; von Maft- Sehnh- werk und Plattfaß• Einladen nacb individuellen Fußabdrücken unter spesialärxtlieker Ueberwadiun;. 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Kimnmu« Loebmann& Singer (Brauerei 6ro!er]an) Na 03p JHil©© 130(Brauerei 6roter]an) Eröffnung: heute Sonnabend nachmittags 4 Uhr �_ t" f Jeder Käufer erhält am Eröffnungstage einen_ i" f brflllS! praktischen Gegenstand ÖfiliSI f»STl Deutsche? IHetallarbeikr-Derband. K nebst Braut »ur Hochzeit dt« besten Glücke z wünjche. H DKGeao ssen des Bezirkt 373. Test I. Verwaltangsstelle Berlin. ArveitSnachwei»: Hos I. Autt lH. 1233. Eharit�ftraste 3. Hauptbureau! Hof IN. Amt M, 1387. ---- Unserem Genossen Georg Sclimoll nebst Gemahlin die herzlichsten Glückwünsche zur \ Vermählung. Die Genossen der Bezirke 4, 5, 7 i Deutsch-Wilmersdorf. i ISoziaiiieffloiiratiseherWalilfenln für den |4. Berl Beielistags-ialillffels, Petersburger viertel. (Bezirk S0l.) Pen Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genosfin, Frau Klimpes Wetdenweg SS gestorben ist. Whre ihrem«lnbenken; Dt« Beerdigung ftndet am Zonntag, den 3. Ottobsr, nach mittag! Z Uhr, von der Leichen- halle de! AridreeS-SirchhoseS in WUHelmSberg aus statt. Um rege Beteiligung ersucht De» verstaub. llölltSvllSk �gtsüskdoitsl-Vgrbsnl! Verualtungeetelle Berlin. Den Nollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Revolver- dreher Emil Cuno am 5. Okiober an Lungeulelden gestorben ist. Ehre seinem Andenke»: Die Beerdigung findet am Sonnabend, den S. Oktober, nachmiltagS 3'/, Uhr, von der Leichenhalle de! Rudolf-Virchow- Krankenhauses aus nach dem neuen Nazareth-Kirchhose, Net- s nickend ors, statt. Rege Beteiligung erwartet lZZ/r Die OrtSverwaltung. �iiti'slvefiiiull! llef MMtw imd Heizer sowie BenilsoenossBoOeutselil. Verwaltunesstelle GroB-Berlln. Todes- Anzeige. Am Mittwoch, den ö. er., ver-j starb unser Mitglied, Kollege Heinrich Boldt. Ehre seinem Audenkeu k Die Beerdigung findet am I Sonnabend, den 8. d. MtS., nach- 1 mittags S Uhr, von der Leichen- 1 Halle deS EminauS-Kirchhofes in Rixdors, Hermannstraste, aus statt. I Zahlreiche Beteiligung erwartet| 146/2 Die OrtSverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Mannes sage ich aus diesem Weg«, besonders den Kollegen der 13. Ab» leilung der Firma U. 23 orfig, meinen besten Dank. Witwe Frieda Klähn nebst Kindeni. Men-Oßterstiitziüip- and BepMässederLedeniQrieiiter Berlins(E. H. Kg. 53). Am Tonntag. 10. Oktober, vormittag« 10 Uhr. im Gewerkschaft»- hauS, Engel.Ujer IS, Saal 10! Keiiersi-Verzsmmiullg. Tage!-Ord»ung: 1. RtchnungSleguna vom 3. Ouartal 1310. 2. Wahl der Revisoren. 3. Ge- schästltcheS. IMZb Der Borstand. y. A.: und seiner lieben Braut W ilt die herzlichsten Glückwünsche tv zur Vermählung. m Emil WBnsehe, Hans Bollert, Zimmerer, Bezirk 28. »KS»sz»s»HS&� Gcstellinangelwie Slbbild. M. 33. Preisliste gratis. I Berlin, Seydelstr. 7/8 '» am Spiltelmarlt. Wasch- u. Wringmaschinen«ehr billig. Teppichhaus Adler KOnlgatr. 20-tl, an der JttdenstraOe. Eine MarK wöchentliche Teilzahlung el«t.taD-iiiii Koalii-Casdiüiilie fertig und nach tt&ass, feinste Verarbeitung:. 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Beschlußfassung über die Ausgabe von zwei Serien Hans- an teilscheinen a 100 000 Mark. 6. Anträge. ff Nur Mitgliedsbuch legitimiert! Bei' Vorstand: st. lunger, W. Lamm, C. MUck*, Paul Wliller, Gustav Flade. Der Änfsichtsrat; Fr. Schulze. MwM ldt to HaiU Zahlstelle Berlin._ Achtung, Bauarbeiter! Hcbtung, Saubandwerker! Die Organisation hat den Innungsnachweis bekanntlich gc« sperrt Zur besseren Durchführung dieser Sperre sind rote Kontrollkarten mit Wochenrubriken ausgegeben worden. Jeder organisierte und ordnungsmäßig durch den Arbeitsnachweis des Verbandes vermittelte Glasergehilfe muß am Montag im Besitz solcher Karte, auf der die laufende Woche abgestempelt ist, sein. Da der Organisationsleitung die Kontrolle der fast stets einzeln arbeitenden Glaser sehr erschwert ist, werden die auf Bauten beschäftigten Arbeiter und Handwerker gebeten, jeden Glaser nach seiner Kontrollkarte zu fragen. Die Organisation hofft auf die weitgehendste moralische Unterstützung der Gewerkschalts- genossen. Meldungen, daß Glaser ohne Kontrollkarten arbeiten, bitten dem Bureau, engelufer 15, Fernsprecher IV 10326, zu machen. Mit solidarischem Gruß [72/5] Die Ortaverwaltnng. l. A.t C. Jahn. Geldnot ist da? Uebel der jebigen Zeit. Wollen Sie spare», so sparen Sie am rechten Fleck. In dem KaufhauS für MonatS-Garderobe» erhalten Tie vo»• Millionären Neisendru. Kavalieren. Doktoren nur wenig getragene rctuwvllene, vielfach auf Seide gearbeitete Seele I Serie II Serie IN Msß-Aircügs 8 M. 14 M. 18 M. Maß-Paletots 6 M. 12 M. 16 M. Gesellschafts-Zlnziige werden billigst verliehen. Kaufttaus nirMonalsgarderoben nur Gr. Frankfurter Straße 93«ur Bitte Im eigenen Interesee aul Hausnummer zu achten. Streng reelles christl. Geschäft. Keine Filialen am Platze. �.bteilunx ll» Neue Garderoben« nur Große Frunkftirter Str. 03.1 15 M. 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(Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 41 Ii« 270«»» 40«l» Sil«20 95 1044[500) 8« 40« 7»«74 785 822 900 2191 256 504 20 57 83« 946 3095 150 »27 77 803 4038 154 55 218 330 641 851(500) 80 908 5302 48«2« 63(400) 70 8209«0 88«63 489 633(1000] «02 7026 75 225 78 517 652 869 8000 2 6 31 52 19«4 »81 354 792«IS 0309 467 91 525 41»2 692 97 860 88 lOoflO 63 81 304 22 11063 236 408 12011 10» 589 13206 83 318 20 617 1 4385 462 518 41 815 93 900 1 5162 427 81 513 828 31 957 lßl66 259 843 401 607 1 7010 83 320 569 76 18273 490 813 15 74 921 10184«15 89 729 •7 837 80 63 73 20100 204 504 78 780»2 2 1 070 US»73 85« 41««25 825 2 2113 21 208 13 87 436«93 601 48 811 83«0 95« tS031 125 476 739 2 4036 120 56 810 64 997[400) 993 5010 188 450 355 863 2 6001 29 257 82 39 1 439 93 532 219 830 951 2 7 050 134 326 67 526 88 799 2 857« 718 14 •95 20117 73 562 884 904 30057 127 74 261 515 82«80 705 3 1 010 58 429 560 •7 752[ 400) 910 20 3 2139 284 467 560 955 770 3 3080 •7 131 309 408 626[400] 61 387 3 4000 3 2 59 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Ziehung 4. Kl. 223. Kgl. Preuss. Lotterie. Ziehung vom 7. Oktober nachmittag». Kur die Gewinne Uber 192 Mark Bind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. [Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 48 68 452[400] 618 45 091 1128 438 557 622«3 793 (4001 813 90 947 2203 779«95 960 3129 30 214 84 737 50 4709 357 74 639 789 5017[3000]«8(1000] 229 332 760 857 95 906 48 6212 389 747 913 7010 208 414 633 (400] 85 70 8032 330 783 828 51 0083 321 405 87 73 98 551 707 98 964 10.119 48 525 631 701 934 45 II 70« 461(500) 509 87 53«69 864 87 94 951 12400 600 13 773 76 828 1 3059 18 103 326 459 91 671 059 1 4499 752 830 929 1 526 1 81 590 610 834 91« 71 16845 500 782 809 1 7250 514 846 75 999 1 8051 54 208 497 855 61 10124 79 208 68(400] 434 693 850»87 20091 328 2»(400) 44 401 68(1000) 518»72 774 2 1 034 112 367 585 693 775«2 05 909 22101 258 826 18 412 49 678 94 2 3105 203 453 807 2 4437 645 738 910 25 244 43 96 394 756 931 35 2 6 2«0 99 452 983 2 7 080 104 (400) 293 341 425 727 74 2 8341 790 2 0034 121 428(400] 13 629 707 97 956 30163 10 260 326 418 592 918 28«1 31027 11 M4 «8 3 2214 442 83 598 746 998 3 3173 SU 893 709 811 24 34055 82 256 940 62 3 5559 3 6206 848 51 724 951 3 7335 73 675 963 3 8089[400] 83 124 786 621 3 0072 24? 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Redalteur: Carl LÄermuth, Berlin-Riidorf. Für den Inseratenteil veranttv.: Tb. Glocke. Berlin. Druck u.Berlag: Vorwärts Luchdruckerei u. LerlagSanstalt Paul Singer& Co, Berlm S\V, 9t 236. 27. Zahrzms. 4. Kcilagt Ks Jotiüiits" AM» NslkMM. Zonnabeud, 8. Oktober lW. Partei- und Oewerkschaftsgenossrn! Sonntag, den 9. Oktober: von 8 Uhr früh an Flngblattuerbreitung. 12 Uhr mittags partei- Hngelccfcnbeiten. An die Parteigenossen Berlins und der Mark Brandenburg. Die neue L o k a l l i st e liegt der heutigen Nummer des .Vorwärts" bei und wiederum richten wir an die gesamte Arbeiterschaft das dringende Ersuchen, die Lokalliste mehr zu de- achten als bisher. Wir können in unserem fortwährenden Lokal- kämpfe nur Erfolge erringen, wenn wir unsere Hauptioaffe, den Lokalboykott, in der wirksamsten Weise benutzen. Jeden- falls dürfen wir niemals vergessen, dah für eine fruchtbringende Agitations- und Organisationsarbeit der Besitz freier Lokale die erste Borbedingung ist. Dies wird uns am deutlichsten bei jeder Wahl vor Augen geführt. Darum ist es unbedingte Pflicht jedes Ar» beiterS, alle Lokale zu meiden, die der Arbeiter- schaft zu Versammlungen verweigert werden. Beachtet die Arbeiterschaft diesen wiederholt an sie gerichteten Appell und handelt sie streng danach, so muß es uns ge- lingen, alle Lokale, die durch den Besuch der Arbeiterschaft erst ihre Existenz haben, auch zu Versammlungszwecken zu erobern. Wo uns aber Säle zu Versammlungen zur Verfügung stehen, bort können wir das Versammlungsrecht erst wirklich ausnützen, darum ist der Kampf um Versammlungsräume auch ein Kampf um das Versammlungsrecht. Deshalb: Beachtet stets die Lokalliste! DeS weiteren ersuchen wir die Vorstände und Komitees, bei allen ihren Veranstaltungen dafür zu sorgen, daß das notwendige Bedienungspersonal stets vom kostenlosen Arbeitsnachweis des Verbandes deutscher GastwirtSgehilfen bezogen wird.(Ortsverwaltung Berlin, Große Hamburger Straße 13/19. Tel. Amt III, 1813.) Außerdem ist eS im eigenen Interesse der Vereine selbst dringend notwendig, daß allen Verträgen mit Lokalinhabern eine Klausel angefügt wird, wonach für den Fall, daß das betreffende Lokal später für Arbeiterversammlungen verweigert werden sollte, der Vertrag seine Gültigkeit verliert. Alle sonstigen Anfragen, Mitteilungen usw. sind stets durch die in der Lokalliste angegebenen Kommissionsmitglieder an den Ob- mann der Lokalkommission zu richten, soweit Lokale Berlins und der, Kreise Nieder, Barnim. Teltow-BeeSkow und Potsdam-Ost» Havelland in Frage kommen. Für die übrigen Provinzorte sind alle Anfragen direkt an den Obmann zu richten, in keinem Falle jedoch direkt an die Redaktion des»Vorwärts"; die? bitten wir zu beachten. Zum Schluß ersuchen wir die Parteigenossen, die jeweilige Lokalliste stet» bis zum Erscheinen der nächsten aufzubewahren, sowie von allen in der Zwischenzeit eintretenden etwaigen Aende- rungen Notiz zu nehmen. Für verloren gegangene Listen kann jederzeit Ersatz von allen Kommissionsmitgliedern bezogen werden. Die Lokalkommissiou. Schmargendorf. Zu der am Sonntag mittag in Wilmersdorf stattfindenden Protestversammlung treffen sich die Genossen um 11 Uhr zum gemeinsamen Abmarsch im Wirtshaus Schmargendorf, Warnemünderstraße.' Friedrichsfelde. Morgen Sonntag, früh 8 Uhr, findet von den Bezirkslokalen aus eine Flugblattverbreitung statt. Johannisthal. Dienstag, den 11. Oktober, abends 8V, Uhr. findet bei Senslleben, Friedrichstraße 43. eine öffentliche Veriamm- lung statt. in der Genosse Ucko über:»Wilhelm II. als Er- zieher" spricht. Die Handzettelverbreitung hierzu findet am Sonn- tag, den 9. Oktober, früh 8 Uhr von Gobin. Roonftr. 2 aus statt. Mahlsdorf(Ostbahn). Die Genossen und Genossinnen werden nochmal daraus aufmerksam gemacht, daß heute abend 8'/z Uhr in Mohlsdorf-Süd im.Heidekrug". Köpenicker Allee 1, eine Volks- Versammlung stattfindet, in der Reichslagsabgeordneter Genosse S. Stadthagen über»Die Sozialdemokraten im Kampf gegen die herrschende Reaktion" spricht. Ferner geben wir bekannt, daß die nächste Mitgliederversamm- lung am Sonnabend, den lS. d. Mts., abends 8i/i Ubr. im Lokale des Herrn Linke, Grunowstraße, stattfindet. In derselben wird der Bericht vom Parteitag in Magdeburg gegeben. Die Bezirksleitung. Bohnsdorf, Falkcnberg, Schulzendorf, WalterSdorf. Am Sonntag- nachmittag 4 Uhr findet bei Mentel, Bohnsdorf, eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung:»Die Lebensmitteltenenmg und die Weltanschauung Wilhelms II." Referent: Genosse Wil- Helm Kimmritz.— Nach der Versammlung findet gemütliches Beisammensein statt. Neuenhagen, Fredersdorf, PeterShagen, Bruchmiihle, Eggersdorf. äür den Bezirk findet am Sonntagnachmittag 4 Uhr auf dem lemeindeplatz in Neuenhagen eine öffentliche Ver- fammlung statt. Zur Agitation für die Versammlung findet am Sonntag früh im Bezirke eine Flugblattverbreitung statt. Die Flug- blätter sind am Sonnabendabend bei den Bezirlsfiihrern in Empfang zu nehmen. Die Fredersdorfer Genossen erhalten ihr Material vom Genossen H o l tz. KönigS-Wusterhauscn. Sonntag, den 9. Oktober d. I., nach« mittags 2 Uhr. öffentliche Versammlung im Lotale W e d h o r n, Altes Schntzenbaus. Tagesordnung:»Kaiserrede— Polizeiatlacken". Referent Genosse S t ö r m e r- Berlin. Hierzu findet von den be- kannten Bezirkslokalen aus am Sonntag früh 7'/z Uhr Flugblatt- Verbreitung statt. Eichwalde, Zeuthen, MierSdorf. Die Genossen werden auf- gefordert, sich recht zahlreich an der am Sonntag im Wedhornsche» Lokale in Köuigs-Wusterhausen stattfindenden Volksversammlung zu beteiligen. WilhelmSruh-NicderschSnhausen(West). Sonntag früh 8 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus. Schönwalde(Bezirk Pankow). Am Sonntag, den 9. Oktober, nachmittags 4'/, Uhr. findet bei Schulz eine öffentliche Volksver- fammlung statt. Referent Stadtv. Genosse Leid:»Die politische Lage.' Die Parteigenossen werden ersucht, für guten Besuch der Ver- fammlung zu agitieren. Die radfahrenden Genossen treffen sich um 2 Uhr in der Mühlen- straße, Bahnbrücke. Die Agitationslommission. Germcndorf bei Oranienburg. Am Sonntagnachmittag 2 Uhr findet auf dem Hofe deS Eigentümers Adolf Dill(Nr. 80) eine öffentliche Versammlung statt. Tagesordnung: Kaiserreden, Polizei- säbel und Volksnot. Referent: Genosse Hans Weber. berliner J�acbricbten. Hinein in die Arbeiter-BildnngSschnle! Am Sonntag, den 9. d. M., öffnet die Arbeiter-BildnngSschule nach den Sommerfcrien von neuem ihre Pforten, um dem Proletariat Groß-Berlins Gelegenheit zu bieten, seinen Wissensdrang zu be- tätigen, seinen Geist zu schulen und sich diejenigen Kennwisse anzu- eignen, die im Kampfe gegen seine sowohl materiell als auch an Kenntnissen besser gestellten Gegner unumgänglich notwendig sind. Kein anderer als unser alter Liebknecht hat ja, getreu seinem Aus- spruch, daß Wissen Macht und Macht Wissen ist, den Grundstein zu diesem nützlichen Institut gelegt' und sich durch diese Tat allein schon den Dank von Generationen verdient. Nur zu gut wußte er. daß im Befreiungskampfe des Proletariats der Ei�lick in die innere Struktur des Gesellschaftswesens nötig ist, um den Feind in seinen schwächsten Positionen angreisen zu können. Der Kampf gegen den Kapitalis- mus, gegen die Klassenherrschaft erfordert eingehendste Kenntnis auf dem Gebiete der Geschichte, der Volkswirtschaft, der Gesetzes- künde usw. Aber gerade diese wichttgen Wissenszweige werden in unserer heutigen Volksschule entweder gar nicht gepflegt oder aber in der empörendsten Weise mißhandelt. Das Volk soll eben nicht Einblick erhalten in die Grundursachen unseres ErdcnjammerS, soll nicht erfahren, daß Reichtum nur auf Kosten der Armut bestehen kann und daß alle staatlichen Institutionen, wie Schule, Kirche, Militarismus und Justiz, nur darauf zugeschnitten sind, Besitz und Macht der Herrschenden zu schützen und zu hegen. Um so mehr haben die Arbeiter und Arbeiterinnen die Pflicht. ihren geistigen Horizont zu erweitern und die Lücken ihres Wissens nach Möglichkeit auszufüllen. Diesem Zweck dient die Lrbeiter-BildungSschule in hervor- ragender Weise, indem sie gegen ein lächerlich geringes Entgelt ihre Schüler in gemeinverständlicher Weise in die wichtigsten Lehrfächer einführt und aus instinktiv fühlenden und handelnden Anhängern der modernen Arbeiterbewegung theoretisch geschulte und prinzipiell denkende Sozialisten erzieht. In den langen Jahren ihres Bestehens und Wirkens hat sie Hunderte von tüchtigen Vorkämpfern und Agitatoren herangebildet, und viele markante Köpfe aus der heutigen Gewerkschafts- und Parteibewegung haben ihr Bestes an dieser Stätte gesammelt, haben ihr Rüstzeug dort gestählt und geschärft, mit dem sie heute mit Geschick und Kraft für die große Sache wirken. Deshalb Genossen, Genossinnen, hinein in die Arbeiten Bildungsschule I Wir gehen ernsten Zeiten entgegen! Am Wirt- schaftlichen und politischen Himmel ballt sich drohend finsteres Ge wölk zusammen, schon wetterleuchtet es auf allen Seiten I Alles deutet aus Sturm I Die Reichstagswahlen stehen bevor! Da kann die Zahl derer, die mit Zunge und Feder die Idee des Sozialismus vertreten können, nicht groß genug sein! Für jeden, dem es die Umstände gestatten, muß die Parole lauten: Hinein in die Arbeiter-BildungSschule I »» • Der Kursus in Nationalökonomie am Sonntag findet trotz der einberufene» Protestversainmlungen vormittags von 10 bis 11'/» Uhr statt. Tie Teilnehmer können also noch die Versanim- lungen besuchen. Epilog znm psychiatrischen Kongreß. Die fünf Sitzungstage der deutschen und ausländischen Irrenärzte im preußischen Abgeordnetenhause waren fast eine einzige Hymne auf die„Wissenschaft" Psychiatrie. Kein Wunder, wenn die Stimmung schließlich auf dpn Siedepunkt der Begeisterung und Selbstbeweihräucherung stieg, denn die Laienwelt hatte man nahezu gänzlich fernzuhalten verstanden. Den wenigen zugelassenen Vertretern von Vereinigungen, die zu den Anschauungen moderner Psychiater in Widerspruch stehen, wurde das Wort selbst in der Diskussion grundsätzlich nicht erteilt. Ja. man brachte es sogar fertig, vom buch- händlerischen Ausstellungstisch die„Zeitschrift für Irren- fürsorge und Jrrenrechts-Reform" zu verbannen. In die Jubelouvertüre der ersten Sitzung fiel gleich eine schrille Dissonanz. Ein Münchener Professor, der über den Zusammenhang zwischen Zivilisation und Geisteskrankheit sprach, zog zur allgemeinen, befremdenden Ueberraschung stark soziale Register auf. Er hatte den Mut, entgegen allen anderen auf dem Kongreß durchsichtig vertretenen Ansichten, daß eine geistige Entartung unseres Volkes nicht zu beobachten sei, von einer erheblichen Degeneration in ursächlicher Ver- bindung mit dem Kapitalismus zu reden. Die heutige Ab- hängigkeit vom Kapital in jeder Form sei schuld an der Zu- nähme der Zahl der Geisteskranken. Es war amüsant, wie die den Vorsitz führenden Psychiater in An- Wesenheit so vieler Regierungsvertretcr den Redner, der sich nicht beirren ließ, gar zu gern in der Redefreiheit beschränkt hätten. Natürlich sprangen gleich ein halbes Dutzend Dis- kussionsredner auf den Plan, um die„Ehre" des Kapitals zu retten. Auch in vielen rein wissenschaftlichen Fragen platzten die Meinungen oftmals scharf aufeinander und lieferten ge- rade dem aufmerksamen Laien den besten Beweis, daß im Schöße dieser sogenannten Wissenschaft noch recht vieles in den Kinderschuhen steckt und daß die Herren alle Ursache haben, nach außen wie nach innen in ihrer oft sehr anfccht- baren praktischen Betätigung ganz bedeutend bescheidener zu werden. Gegenüber den Tiraden ver führenden Psychiater war es geradezu eine Erholung, einen NichtPsychiater zu hören, den Professor Wassermann, der erst vor drei Jahren den innigsten Zusammenhang zwischen Syphilis und Paralyse durch Blut- forschung entdeckt hat. Da hatte nian den bestimmten Ein- druck: der weiß, was er will,... der kann seine Lehre auch unanfechtbar beweisen! Wenn die anderen mit Wissenschaft- lichen Phrasen nur so herumwerfen, war es überaus kläglich, gleichzeitig den Mangel an ausreichendem statistischen Material betonen zu hören. Än der Hervorkehrung sozialer Momente waren die Debatten ziemlich reichhaltig. In fiesere Probleme auf großzügiger Grundlage vertiefte sich selten jemand. Ent- weder beherrschten die Redner das soziale Feld überhaupt nicht oder sie verquickten es zu arg mit ihren starren psychi- atrischen Dogmen. Nur die Vorträge über die Fürsorge für psychopathische Kinder und für andere geisfig Minderwertige fanden lebhaftere Anklänge an das, was das Volk zu fordern berechtigt ist. Neu und originell war der mit frenefischem Beifall aufgenommene Versuch eines Professors, die Psychiatrie in die öffentliche Armenpflege einzuschmuggeln. Müssen denn diese Spiegelsechter ihre Nase in alles stecken? Warm legte sich ein Götfinger Gcheimrat fiir die Vermehrung solcher Narrenheilstätten ins Zeug, die den unbemittelteren Klassen, soweit sie nicht durch Krankenkassen, Versicherungsanstalten usw. unterstützt werden, zugänglich sind. Vom Todfeind der schaffenden Massen, vom Alkohol, wurde recht wenig gesprochen. Desto schwereres Geschütz fuhren die Militärpsychiater auf. Sie erklärten, daß im Heer und namentlich in der Marine eine ganz bedeutende Zunahme der Geisteskrankheiten zu beobachten sei, auch in der Kolonialarmce. Manche unvorsichfige Wen- düngen der jugendlichen Stabsärzte klangen beinahe wie eine geistige Bankrotterklärung deS Militarismus. Und die hervor- gehobene Tatsache, daß die preußische Armee mit Geistes- krankheiten obenan steht, wirst grelle Schlaglichter. Irrenhaus- Mißstände schienen für die„hochansehnliche" Versammlung nicht zu existieren. Recht bezeichnend war es, daß der Kongreß. zweifellos auf vorherige Verabredung, von dem bekannten Weimarer Skandal ziemlich energisch abrückte. Das System. für die Jnternierung des Angeklagten eine bestimmte Anstalt in Vorschlag zu bringen, wurde als ungehörig bezeichnet. Der Name Lehmann-Hohenberg fiel nicht, aber jeder wußte, was die Glocke geschlagen hatte. Läßt man den Gesamteindruck der Kongreßverhandlungen auf sich wirken, so ist nicht zu leugnen, daß zum Glück noch recht viele Psychiater von dem gleichen Wunsche beseelt find, auf ihre Weise die Lage der geisteskranken Menschheit zu bessern. Für die Systemschäden aber haben die weitaus meisten modernen Psychiater kein Verständnis oder wollen eS nicht haben, weil sie sich trotz allen Mundvollnehmens doch nur als Handlanger der herrschenden Regierungsgewalten fühlen. Ungültigkcit der Schöneberger Umsatz- und Wertzuwachs- Steuerordnung. Diese Ordnung bestimmt im§ 1:„Jedes Rechtsgeschäft, dessen mittelbarer oder unmittelbarer Gegen st and die Veräußerung oder der son st ig« U ebergang(Umsatz im Sinne dieser Ordnung) eines im Stadtbezirk Schönebergs be- legenen Grundstücks, GrundstiickSanteileS oder glcichgeachteten Rechts ist. unterliegt, auch wenn eine Auflassung nicht stattfindet, einer Umsatzsteuer". Ueber die Wertzuwachssteuer sagt§ 6:»Jeder Umsatz im Sinne dieser Ordnung(§§ 1, 10 und 13) unterliegt einer Wertzuwachssteuer in Prozenten der Werlsteigerung(Wertzuwachs), die das Grundstück oder der GrundstllckSanteil oder das Recht seit dem früheren Umsatz erfahren hat".— Auf Grund dieser Bestimmungen war der Rentier Brockmann durch den Schöneberger Magistrat zur Wertzuivachssteuer herangezogen worden. Er klagte auf Freistellung. Das Ober-BerwaltungSgericht als letzte Instanz erkannte am 6. Oktober nach seinem Antrage, und zwar wegen Ungültigkeit der Schöneberger Steuerordnung. Die Gründe gehen dahin: Die Bestimmungen über die Wertzuwachs- steuer wollten, da Z 6 ja in Klammern auf 8 1 verweise, denselben wirtschaftlichen Vorgang treffen wie 8!• Dieser unterwerfe aber der Steuer das dingliche oder obligatorische Rechtsgeschäft, indem er eS dem Magistrat völlig frei in die Hand gebe, ob er das eine oder andere besteuern wolle. Das sei nach dem Kommunalabgabengesetz unzulässig. Demnach wäre, da ß 1 die grundlegende Bestimmung sowohl für die einfache Umsatzsteuer, wie auch für die Wertzuwachssteuer sei. die ganze Steuer« o r d n u n g ungültig. Das ziehe die Freistellung nach sich.—--- Wenn eine Steuerordnung die Besteuerung des einen oder de» andern Rechtsgeschäfts zulasse, dann müßten in der Steuerordnung die bestimmten Voraussetzungen angegeben werden, unter denen der Magistrat das eine oder das andere Rechtsgeschäft zu besteuern habe, nicht aber dürfe ihm freie Hand gelassen werden wie hier. AuS denselben Gründen wurde die Uinsatzsieucrordnung der Stadt Bochum für ungültig erklärt. Erleichterung im Bezng von Zeitungen durch die Post. Im Bezug von Zeitungen durch die Post hat das Reichs- Postamt im Einvernehmen mit den beiden süddeutschen Post« Verwaltungen soeben eine bemerkenswerte Erleichicrung zu« gelassen. Bekanntlich kann für Zeitungen eine vierteljährliche Bezngszeit festgesetzt werden, während für diese Zeitungen die Verleger Bestellungen für den einzelnen Monat zulassen können. Man konnte aber solche Zeitungen bisher nur ent- weder siir das ganze Vierteljahr oder für den zweiten und dritten Monat zusammen oder endlich für den dritten Monat allein beziehen. Nicht zulässig waren Bestellungen für den ersten und zweiten Monat des Vierteljahres. Das Reichs- Postamt hat jetzt auch derartige Bestellungen für den ersten und zweiten Monat des Vierteljahres zugelassen. Es wird dann natürlich der Zweimonatspreis erhoben, wie er in der Zeiwngspreisliste festgesetzt ist. Voraussetzung ist dabei, daß der Verleger derartige Bestellungen zuläßt. Bisher mußten Zeitungen, die man für den ersten und zweiten Monat des Vierteljahrs beziehen wollte, für die beiden einzelnen Monate bestellen. Dies ist nicht mehr not- wendig. Gleichzeitig hat das Reichspostamt den Postanstalten eine ordnungsmäßige Behandlung der Zeitungssäcke des Post- zeitungSamts zur Pflicht gemacht. Beim Oeffnen der Säcke ist nur die Schleife des Bindfadens zu öffnen, der zum Zu- binden benutzt wird. Mit den Säcken sind hölzerne Sack- schilder durch eine besondere Schnur vereinigt. Diese Schilder dürfen von den Säcken nicht abgeschnitten und nicht zurück- behalten werden. Die leeren Zeitungssäcke nebst den Sack- schildern sollen von den Postanstalten ohne Verzug an das Postzeitungsamt zurückgeschickt werden. Allen anderen Dienst- stellen ist eine Mitbenutzung der Säcke und der Sackschilder des Postzeitungsamts ausdrücklich verboten. Durchgefallen. Um den Posten eines Oberbürgermeisters in Magdebilrg hatte sich u. a. auch der Berliner Stadt- kämmerer Dr. Steiniger beworben. Die Stadtverordneten- versamnllung hat aber den Magdeburger Bürgermeister zum Oberbürgermeister gewählt. Es war also nichts! Eine Haussuchung hat am Donnerstag in den Druckerei- räumen der Firma Witzel stattgefunden. Gesucht wurde nach einem Manuskript zu zwei Artikeln:„Von Gottes Gnaden" die in dem in dieser Druckerei hergestellten Wiesenthalschen „Deutschen Metallarbeiter" enthalten waren und die eine Majestätsbeleidigung enthalten sollen. Auf Veranlassung des Redakteurs, der sich als Verfasser bezeichnete, wurde der noch vorhandene Teil des Manuskripts den Beamten aus- gchändlgt. Die Haussuchung wurde von dem Kriminalwacht- mcister Diener geleitet, der in diesen Druckereiräumen Bescheid weiß und gelvissermaßen dafür Dezernent ist. Schon im Jahre 1893 und im Jahre 1895 leitete Wachtmeister Diener hier die Haussuchung nach Liederbüchern. Gehaussucht wurde auch in der Redaktion des„Deutschen Metallarbeiter" und es wurden eine Anzahl Exemplare mit den inkriminierten Artikeln beschlagnahmt. Gültige Polizeiverorbnung. Nachdem Berlin durch Ortsstatut eine städtische Vernichtungsanstalt für gefallene Tiere errichtet hatte, wurde durch Polizeiverordnung vom 21. Mai 1908 bestimmt, daß das Fortschaffen der auf den Straßen Berlins gefallenen und verendeten Tiere auf dem städtischen Transportwagen zum Zwecke der Vernichtung in der städtischen Vernichtungsanstalt zu erwlgen habe. Der Abdecker Zettritz aus Britz hatte die Vorschrift dadurch übertreten, daß er ein in Berlin gefallenes Pferd auf seinem Wagen nach der Abdeckerei geschafft hatte. Das Landgericht ver- urteilte ihn zu einer Geldstrafe und das Kammergericht Vertvarf feine Revision mit folgender Begründung: Sine Verletzung der Gewerbefreiheit im Sinne des Z 1 der Gewerbeordnung werde durch die Polizeiverordnung nicht herbeigeführt. Der Z 1 der Gewerbeordnung beseitige nur die Schranken, welche der Zulassung zum Gewerbebetriebe entgegenstanden. Er hindere aber nicht den Erlas; von Polizeiverordnungen, die die Ausübung des Gewerbes im Interesse des öffentlichen Wohles berührten. Es könne bei der iulturelle» EntWickelung unserer Zeit vorkommen, daß Vorkehrun- gen getroffen werden müßten, die den Verdienst der Gewerbe- treibenden schmälerten. Nachdem die Stadt eine eigene Abdeckerei eingerichtet hatte, habe jene Polizeiverordnung im Interesse des öffentlichen Verkehrs erlassen werden können. Der Einwand, daß sie ungültig sei, wäre danach zu verwerfen. Franz-Josef-Platz. Der Magistrat beschloß vorbehaltlich der Zustimmung der Stadtverordnetenversammlung dem»Platz am Opernhause" den Namen»Franz-Joses-Platz" zu geben. Verletzung von Formvorschriften. Das Kammergericht erklärte verschiedene Polizeiverordnungen im Regierungsbezirk Düsseldorf für ungültig, weil sie entgegen den Formvorschriflen des RegierungS- Präsidenten nicht am. sondern im Rathaus ausgehängt waren. Won der Bcachtimg der Vorschrift, daß der Aushang am Rathaus zu erfolgen habe, sei die Gültigkeit dieser Ortspolizeiverordnungen abhängig. Diese Entscheidung ist auch von Bedeutung für den Regierungs- bezirk Potsdam, wo jetzt die unteren Instanzen verschiedene Polizei- Verordnungen für ungültig erklärt haben, weil der gleiche Form- Verstoß begangen worden war._ Endlich neue Lesebücher. Mit Beginn deS neuen Winterhalbjahres werden endlich neue Lesebücher für unsere Volksschulen eingeführt, und zwar für den inv-Bezirk das Nikolaische Lesebuch, für den NO-Bezirk daS von Berthold u. Reinicke. bearbeitet von Janke, und für den Südbczirk das Lesebuch von Engelin u. Fechner. Neuanschaffungen haben jedoch zunächst nur in den 7dl-, bdl- und 3dl-Klassen zu erfolgen. Der Beschluß der Neueinführung bedarf allerdings noch der Ge- nehmigung durch da? Provinzialfchulkollegium, die Schuldeputation hat aber Ursache anzunehmen. daß dem Antrage entsprochen werden wird. Die Neueinführung anderer Lesebücher stellt einen schon lange recht fühlbaren und oft genügten Mangel ab. der darin bestand, daß der Inhalt der alten Lesebücher nicht dem für Berlin geltenden Grundlehrplane entsprach. ES ist zu hoffen, daß die neuen Lesebücher auch brauchbar sein werden, wenn der jetzt geltende Grundlehrplan einer Revision, die ihm sehr nottut. unterzogen sein wird. Zu den drei oben genannten Schulbücherbezirken gehören folgende Schnlkreise: Zum dkW-Bezirk die Schulkrcise 1, 2, 11, 12, 13, zum NO-Bezirk die Schulkreise 7, 8, 9, 10 und zum L-Bezirk die Schulkreise 3, 4. 5, ti. Die Einteilung in Schulbücherbezirke erfolgte mit Geltung vom 1. April 191V ab. um Einheitlichkeit in den Schulbüchern zu erzielen, ohne einem bestimmten Buche ein alleiniges Monopol einzuräumen. Für die Eltern, die mehrere schulpflichtige Kinder haben, bedeutet U» Sinführung neuer Lesebücher eine nicht unerhebliche Belastung, per nur avgeholsen werden kann, wenn die Stadt Berlin sich endlich ««schließen würde, die Lehrmittel unentgeltlich herzugeben. Ein neuer OmnibuStyp. Omnibusse nach englischem Muster hat die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschaft seit einigen Tagen ein- geführt. Die neuen Wagen verkehren probeweise aus zwei Linien. Sie sind ähnlich wie die neuen Autobusse hell gestrichen und haben in der Bauart dieselbe Form, wie sie in den Straßen Londons zu sehen sind. Die Decksitze sind quer hergerichtet, wodurch eine bessere Ausnutzung des Platze« erreicht wird. Ein schwerer Bauunfall ereignete sich Donnerstag nachmittag auf dem Grundstück Ecke Stargarder- und Senefelderstraße. Hier wird gegenwärtig ein Neubmi errichtet, der bis zur Höhe des vierten Stockwerkes gediehen ist. Auf dem Bau war auch der 39jährige Arbeiter Arnold Müller aus der Schönhauser Allee be- scheiftigtz der gegen 2 Uhr nachmittags an der Außenfront des Ge- bäudcs in der Höhe der vierten Etage tätig war. Als er von einem Kollegen angerufen wurde und sich umlvandte, trat er auf dem Laufbrett fehl und stürtzte kopfüber in die Tiefe, wo er blut- überströmt und besinnungslos liegen blieb. Auf der Unfallstation in der Gaudystraße, wo>:r Verunglückte die erste Hilfe erhielt, wurden schwere innere und äußere Verletzungen festgestellt. In hoffnungslosem Zustande wurde der Arbeiter in das Krankenhaus FriedrichShain eingeliefert. Bon einem Eifenbahnzuge überfahren und getötet wurde auf btt Strecke zwischen Wilhelmshagen und Erkner ei» Anfasse der Heilanstalt Neu-Rahnsdorf. Es handelt sich um den 26jährigen Arbeiter August Schallhorn aus Schulitz, der an epileptischen An- fällen litt und dieses Leidens wegen seit mehreren Monaten in der erwähnten Anstalt untergebracht war. Sch. hatte sich bor- gestern abend aus Neu-Rahnsdorf heimlich entfernt und wurde gestern früh in der Nähe der Station W-ilhelmshagen auf dem Bahnkörper als Leiche vorgefunden. Er ist von einem Vorortzuge überfahren worden und entsetzlich verstümmelt; Kopf und Anne waren dem Unglücklichen vom Rumpfe getrennt worden. Ob Schallhorn in der Dunkelheit auf die Bahnglcise geraten und der- unglückt ist, oder ob Selbstmord vorliegt, konnte nicht festgestellt werden. Die Annahme, daß der Arbeiter freiwillig aus dem Leben geschieden ist, ist nicht von der Hand zu weisen, da er vor- gestern nachmittag mit seiner Braut, die ihn besucht hatte, in einen heftigen Streit geraten war und sich seitdem in einer hochgradigen Aufregung befand. Selbstmordversuch, nicht Ruubanfall. Der seltsame Vorgang am Humboldthafen. über den wir berichteten, hat jetzt leine Aufklärung gefunden. Der Kaufmann Wertheimer hat zugegeben, daß er seine Erzählung von dem Raubanfall erdichtet habe. Er habe sich, so sagte er, in gedrückter Gemütsstimmung befunden und in diesem Zustande den Selbstmordversuch verübt. Später habe er sich geniert, dielen zuzugeben, und daher den Ranbanfall erdacht.— Das sofort aufgetauchte Mißtrauen war also auch in diesem Fall, wie schon in so vielen ähnlichen, berechtigt gewesen. Ein unglücklicher Ausgang eines Streikes. Wegen Totschlags verhastet wurde ein Tischler Thiele, der in der Kistensabrik von Gramsch in der Dresdener Straße 97 beschäftigt war. Thiele ar- beirete vorgestern mit einem Bruder des Fabrikbesitzers iu der Kellerwerkstatt am dritten Hof. In einem«weit, der aus einem Wortwechsel wegen einer Maschine entstand, bewarfen sich die beiden gegenfeitig mit Brettern. Hierbei wurde Gramsch am Kopfe ge- troffen, aber scheinbar nicht schwer verletzt. Nachdem er jedoch ein Weilchen weiter gearbeitet hatte, wurde ihm so schlecht, daß er nach dem Krankenhause Bethanien gebracht werde» mußte. Dort starb er. Thiele wurde daraufhin verhastet und nachdem er den Borfall zugegeben hatte, wegen Totschlags dem Untersuchungsrichter vor- geführt. Das Opfer einer Gasvergiftung ist der Kaufmann Michaelis ge- worden. M., der in der Friedrichstraße ein Geschäft inne hatte. mietete vorgestern in der Wilhelmstraße 93 in einem Pensionat ein Zimmer. Nachts kehrte er in etwas angeheitertem Zustande zurück und als er gestern kein Lebenszeichen von sich gab. sah sich die PensionSinhaverin veranlaßt, die von innen verschlossene Tür öffnen zu lassen. M. fand man tot im Bett auf. Am Kronleuchter war ein Gashahn geöffnet. Ob M. dies nun in der Trunkenheit aus Verseben getan oder ob er in selbstmörderischer Absicht gehandelt hat, konnte nicht aufgeklärt werden. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhaus gebracht. Jugend-FortschrittskursuS. Dieser Kursus, unter Leitung deS Genossen G r u n w a l d. der ursprünglich Sonntag, den 9. d. M., fortgesetzt werden sollte, muß noch besonderer Umstände halber auf nächsten Sonntag, den 16., vormittags ll'/z Uhr, verschoben werden. DaS neue Programm des PassagetheaterS bringt mehrere Nnmment, die durch ihre Neuheit wie Eigenartigkeit auch verwöhnten Geschmack befriedigen. An erster Stelle find die Jungfrauen v o n S a i S, die drei Schatten, zu nennen. Gegen den grünen. weißen, blauen oder roten Horizont heben sich die wunderbaren Schattenfiguren dreier Frauenkörper in vollkommen plastlicher Weise ab und machen durch ihre rhythmischen Bewegungen einen wirklich künstlerischen Eindruck. Aus dem Gebiete der Akrobatik und der verwandten Künste produziert sich die Karl Eugen-Truppe mit geradezu halsbrecherischen Kunststücken. Als gute Bekannte stellt fich die dänische Sängerin 01)08 mit neuen Bortragsstücken vor und die gleichfalls nicht unbekannte Brettl- sängerin Claire Waldoff bringt neben ihren alten Beenelen-Origmal- couplet neue Schlager. Die Konsnmgcnosscnschast Berlin und Umgegend hatte im September einen Umsatz von 397 793,21 M. gegen 261 705,18 M.. das sind 136 033,83 mehr. In dem ersten Vierteljahr 1910(Jnli— September) belief sich der Umsatz auf 1 107 637,67 M., gegen den- selben Zeitraum des Vorjahres ein Mehr von 352 916.68 M. Im Jahre 1997/08 hatte die Konl'umgenosienschast einen Gesamijahres- umsatz aon 1 101 457,38 M. Der Ouartalsumsatz ist also in diesem Jahre bereits größer als der Jahresumsatz der Konsnmgenossenschaft vor zwei Jahren. In diesem Jahre hat die Genoffenschaft bereits über 150 Waggon? ringfreie Kohlen abgefahren. Von den HauS« anteilen sind zurzeit bereits etwa 405 000 M. abgesetzt. Der Ge« nossenschoftSrat hat schon wieder zwei Serien a 100 000 M. be- schloffen, so daß 700000 M. im ganzen aufzubringen sind, also jetzt noch 295 000 M._ Vorort- Nadmcbtcih Charlottenbnrg. In der Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Zubeil den Bericht vom Internationalen Kongreß in Kopenhagen. Redner betonte die unbedingte Notwendigkeit inter» nationaler Kongresse für das Proletariat, bemängelte aber die un- genügende Vorbereitung derselben. Es müßten Vorkongresse statt- finden, damit die Tagesordnung bezw. die Resolutionen ordentlich durchberaten werden. Notwendig sei auch eine Herabsetzung der tihl der Delegierten. Zu beklagen sei, daß sich die finanzielle olidarität in England, Amerika usw. gelegentlich des schwedischen Kampfes so wenig betätigt hat, zumal gerade diese Länder sehr starke gewerkschaftliche Organisationen haben. Die Genossenschafts- bewegung werde durch die Verhandlungen auf dem Kongreß eine bedeutende Förderung erfahren. Es sei moralische PfliH der Parteigenossen, den Genossenschaften beizutreten, damit diese ge- stärkt und so ein weiteres Mittel im Kampfe für die Befreiung der Arbeiterklasse werden. Sodann erfolgte der Bericht vom Magdeburger Parteitag, in den sich die Genossen Milk und Stieffenhofer teilten. Die Erwartung der Gegner, daß es in Magdeburg zu einem Skandal kommen würde, sei zuschanden geworden. Daß die Be- willigung des Budgets ein Disziplinbruch bezw. Verstoß gegen einen ParteitagSbcschluß ist, haben selbst Parteigenossen, die alles andere als Radikale sind, anerkannt. Von jedem Mitgliede der Partei erwarte man strengste Jnnehaltung der Beschlüsse, folglich können auch führende Genossen keine Ausnahme für sich in An- spruch nehmen. ES sei ja nicht zu verkennen, daß die badische LondtagSfraktion einige Vorteile errungen; diese rechtfertigen aber noch lange nicht die Bewilligung des Budgets, was selbst die Badenser durch die zuerst beschlösse, ie Ablehnung bekundeten. Es habe der Mehrheit ferngelegen, die badischen Genossen in ent- würdigender Weise aufs Knie zu zwingen, aber eine derartige politische Organisation wie die unsere, braucht Disziplin und Unterordnung unter Mehrheitsbeschlüsse, und deshalb sei die An- nähme der Resolution zur Budgetfrage zu begrüßen. Der Schnaps- boykott müsse noch vielmehr als bisher propagiert werden. Die Anträge des Kreises betreffend Herausgabe einer Modezeitung und eines MontagSblatteS sind dem Parteivorstand zur Berück- sichtigung überwiesen. In der darauffolgenden Diskussion unterstrich der Genosse Zubeil die Ausführungen der Referenten unter lebhaftem Bei- fall der Versammlung. Dr. Borchardt meinte, in Groß-Bcrlin und Charlotienburg sei eigentlich nicht der geeignete Boden, eine von der Mehrheit des Parteitages abweichende Meinung zu vertreten, dos beweise schon der den- Vorrednern gespendete Beifall. Die Erklärung Franks sei durchaus loyal; man könne heute noch nicht wissen, wie mgg fickj jn Zukunft zu politische» Fragen stellen wird. Der An» trag Zubeil sei überflüssig. Wolle man den Ausschluß von Partei- genossen, und das besagt der Antrag, dann genüge schon das Partei. statut. Man kann wohl 100 Parteigenossen, welche man ausschließt, verschmerzen, aber von den Genossen gewählte Führer ausschließen, käme einer Spaltung der Partei gleich. Der in Magdeburg ge- faßte Beschlutz sei ein trauriger, schlimmer Beschluß, da er das Schreckgespenst der Zersplitterung an die Wand malt. Z i e t s ch widerspricht den Ausführungen BorchardtS. Es handelt sich nicht darum, sind die Gründe für die Budgetbewilligung ausreichend, sondern liegt ein Verstoß gegen einen Parteitags- beschluß vor? Daß letzteres der Fall ist, haben auch süddeutsche Genossen bestätigt. Parteitagsbeschlüsse gelten nicht nur für die Mehrheit, sondern auch für eine gewisse Minderheit. Für die Re- solution haben nicht nur allein Radikale, sondern auch als re- visionistisch bezeichnete Genossen gestimmt.— Zietsch erklärte, daß er an den Abstimmungen nicht teilgenommen habe, da er einer Sitzung der Justizkommission des Reichstages beiwohnen mußte, daß er aber, wenn er anwesend gewesen wäre, nicht nur für die Vorstandsresolutiom sondern auch für den Antrag Zubeil gestimmt hätte. Ein Antrag des Genossen Richter, die weitere Diskussion in einer in nächster Woche einzuberufenden Versammlung stattfinden zu lassen, wurde angenommen. Zum 4. Punkt der Tagesordnung, Stadtverordneten- Wahl, wurde beschlossen, die Aufstellung des Kandidaten für den 1. Bezirk noch auszusetzen, in den 5. Bezirk aber den Genossen Otto Ewald als Kandidaten aufzustellen. Als Revisoren wurden dann noch die Genoffen Dr. Suß< mann und G e h r i n g gewählt. Steglitz. Mit dem Tode geküßt hat ein ArbeitShursche eine lmdorsichiig» Handlungsweise. Der 17jährige Alfred Ernicke, Miqnelstr. 4, hatte bei dem Straßenbau in der Birkbuschstraßc in Steglitz mit- gearbeitet. Nach Feierabend wollte er seinen Arbeitskollegen zeigen, daß er gut springen könne. Er sprang auf die die Schienen enilalig» laufende belndene Kipplore, wobei daS schwere eiserne Ge- st e l l u m st ü r z t e. E. fiel zu Boden und der Wagen schlug auf f e i n e B r u st. Er erlitt so schwere innere Verletzungen und Zer- reißnngen, daß er bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus st a r b. Pankow. Weil ihm die Möbel cinkehalten worden waren, hat der drei» unddreißigjährige Handlungsgehilfe Erich Wandersleben, Görsch- straße 3 Selbstmord verübt. W. war längere Zeit stellungS- los gewesen und er hatte infolgedessen große Not zu leiden. Er konnte auch keine Miete zahlen und der Wirt beschlagnahmte nun die Möbel. W. wußte keinen Ausweg mehr aus seiner mißlichen Lage; er zog es vor, aus dem Leben zu scheiden und erhängte fich in einer Laube an der Florastraße. Stieder-Schönhausen-Nordend. Den Bericht über den Magdeburger Parteitag gab in der letzten Monatsversammlung des WohlvereinS die Genossin Arendsee» Tegel. Dem mit Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine lebhafte Diskussion, in der die Frage der Budgetbewilligung vor» herrschte. Für die Vudgetbewilligung erhob sich keine Stimme. Die Versammelten faßten ihre Meinung dahin zusammen, daß sie sich die Resolution der Generalversammlung von Niederbarnim zu eigen machten. ES folgten Berichte des Genossen Schelle von der KreiS-Generalveriammlung, des Genossen H i e g e von der Kreiskonferenz und deS Genossen Beyer von der ZeitungS» kommiision. Neu ausgenommen wurden neun Genossen nnd eine Genossin. Zugezogen find zwei und gestrichen wurden zwei Genossen. Spandau. Ja der Gegend der Mokardschen LichtfaVrkk läuft neben der Spree noch ein sogenannter toter Arm derselben. Jn diesen werden wahrscheinlich die Abgänge der Lichtfabrik eingelassen, denn der Gestank, der dem Wasser entströmt, ist gräßlich. Zweifellos lassen sich Vorkehrungen treffen, daß solche pestialischen Gerüche ver- mieden werden. Es wäre wirklich erwünscht, wenn sich die AusfichtS- behörde einmal die Geschichte dort ansehen würde.— Auch inner- halb der Fabrik läßt die Reinlichkeit alles zu wünschen übrig. Tag- aus tagein müssen die Arbeiter in der unsauberen Bude sronden und die entsetzlichsten Dünste einatmen, während der Besitzer der Fabrik permanent in Nizza weilt und sich dort die Erträgnisse deS Fleißes seiner Arbeitsbienen gut bekommen läßt. Seine Arbeiter dagegen erhalten nicht den geringsten Urlaub, müsien sogar auch SountagS noch schütten. Die Fabrik ist eine Domäne der Hirsch- Dunckerschen Gewerkvereinler. Arbeiter der freien Gewerkschaften werdey nicht geduldet. DaS hat auch seinen guten Grund, denn die freiorganisiertcn Arbeiter würden sich solche Verhältniffe nicht lange gefallen lassen. Als vor einiger Zeit ein Arbeiter, der 25 Jahre dort beschäftigt ist, den Meister Korten auf sein dem» nächstiges Jubiläum ausmerlsam machte, wohl in der Absicht, eine kleine Extravergütung zu erlangen, erwiderte ihm der Meister: „Na, sind Sie man zufrieden, daß der Alte Sie so lange beschäftigt hat." Vielleicht wird auch noch mal von den freien Gewerkschaften Bresche in diesen Hirsch-Dunckerichen Musterbetrieb gelegt, eher werden die Verhältnisse wohl keine Verbesserung erfahren. Hiis aller Melt. Kleine Notizen. Ei» schwerer Straßenunfall ereignete sich in der Maudacher» straße in Mannheim. DaS Pferd eineS Einspänners scheute vor einem Straßenbahnwagen und ging durch. Zwei Frauen flüchteten sich vor dem daherrasenden Gespann in einen Straßengraben. Un- glücklicherweise stürzte der Wagen an derselben Stelle in den Graben und begrub die beiden Frauen. unter sich. Eine von ihnen erlitt so schwere Verletzungen, daß sie nach wenigen Minuten starb. Die andere Frau wurde schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. Ein Cholerafall auf ciucm deutschen Dampfer. Auf dem der Hamburg-Ainerikn-Linie gehörigen Dampfer„Mollke", der zwischen den Mittelmeerbäfen und New Dvrk verkehrt, ist ein Cholerafall unter der Besatzung vorgekommen. Bei der Ankunft in New York durften die Kajülenpassagiere landen, dagegen wurden alle Zwischendeckpassagiere zurückgehalten. Der Dampfer bleibt eine Zeitlang in Quarantäne. Ein heftiges Erdbeben setzte in der Nacht zum Freitag die Bewohner des nordwe st böhmischen Braunkohlen- reviers in Schrecken. Die Erdstöße waren so stark, daß sie nicht nur in allen Orten des böhmischen Gebietes, sondern bi« nach Sachsen hinein verspürt wurden. An den Häusern wurde viel Schaden angerichtet. Die Cholera grassiert nach wie vor in der S t a d t Neapel in sehr starkem Umfange. Gestern sind 11 Erkrankungen und 6 Todesfälle an Cholera festgestellt worden. Jn der P r o v i n z Neapel wurden 14 Erkrankungen und 2 Todesfälle gemeldet, in Apulien ist eine Person erkrankt. Grubenunglück. Im Karlsschacht der Schwadowitzer Kohlen- gruben in Böhmen sind infolge schlagender Wetter drei Berg- le nie verunglückt. Zwei Mann sind tot, während der dritte schwer verletzt lvurde. Freirellglöte Gemeinde. Sonntag, den 9. Oktober, vormittags 9 Uhr, Pappcl-Allee 15—17 und Rixdorf, Jdealpassage: Freireligiöse Bor- lcsung; vormittags 11 Uhr Kleine Franlsurter Straße ö: Vortrag von Herrn Dr. Brun» Wille:»Lebensmut".— Damen und Herreu als Gäste sehr willkommen. «llgcmeine Kranken- und Sterbckasse der Metallarbeiter sS. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin V. Sonnabend, den 3. Oktober» Mtgliederverfammlung bei Grunow, Dragonerstr. 15. Arbeiier-Bildungsschule Berlin. Sfolmilokal: Grenadicrstr. 37, Hol geradezu 1 Lehrplan für das IV. Quartal 1910. M Sonata' National- NationaiUkonomle.(Praktisohe Ökonomie; Tatsachen der Weltwirtschaft.) 1. Die Entwickelung zur Weltwirtschaft 2. Produktion und Konsum der wichtigsten Nahrungs- und Genußmittel und der wichtigsten Rohstofie. 3. Handel und Verkehr. 4. Deutschland und der Weltmarkt. Vortragender: Max Grunwald. Montag: Naturcrkcnntnla.(I.Teil.) Glauben und Wissen.— Wirtschaftliche Entwickelung und Naturerkenntnis.— Die Theorien der Weltentstehung.— Die Entwickelung des Weltalls.— Unser Sonnensystem.— Die Entwickelung der Erde und die Erdzeitalter. Vortragender: EmanuelWurm. Mittwoch: Einführung in den wissenschaftlichen Soziallsmas. Die Entstebungsgründe der modernen Sozialdemokratie.— Die ökonomischen Grundlagen des wissenschtftlichen Sozialismus.— Das Wesen der kapitalistischen Produktion.— Utopischer und wissenschaftlicher Sozialismus.— Die histo- ijäonen Grundlagen des wissenschaftlichen Sozialismus.— Der Klassenkampf als Triebfeder der sozialen Umwälzungen.— Die sozialistische Taktik.— Der„Zukunftsstaat". Nach Jedem Vortrag wird Gelegenheit zu freier Diskussion gegeben. Vortragender: Julian Borohardt. Donnerstag: Rcdnerschnle. 1. Die Bedeutung und Notwendigkeit der freien Rede. Die Grenzen der natürlichen Beredsamkeit. Die Redekunst— 2. Technische Hilfsmittel.—3. Das Vereins- und Versammlungs- weson.— 4. Praktische Hebungen im Reden und Diskutieren. Vortragender: Max Grunwald. Freitag; Oewerkechaftsweacn.(Arbeiterschutz, Sozialgesetzgebung und Gewerkschaften.) Die kapitalistische Produktion und ihr Einfluß auf den Gesundheitszustand der Bevölkerung.— Aufgaben des Arbeiter- Schutzes und der Sozialgesetzgebung.— Der gesetzliche Normalarbeitstag.— Arbeiterschutz für Kinder, Jugendliche, Arbeiterinnen und Heimarbeiter.— Sanitärer und allgemeiner Arbeiterschutz.— Unfallverhütung.— Internationaler Arbeiter» schütz.— Orgnnisation des Arbeiterschutzes.— Die Wirkung der Sozialgesetzgebung auf die Arbeiterklasse. Vortragender: EmilDittmer. Bonnabend: Geschichte.(Zeitalter der französichen Revolution.) 1. Vorgeschichte der Revolution.— 2. Das Jahr 1789.— 8. Die letzten Jahre der Konstituante.— 4. Gesetzgebende Versammlung, Krieg und Bepublik.— 8. Die Konventszeit bis zum Sturz der Girondisten.— 6. Herrschaft der Borgpartei, 9. Thermidoi.— 7. Bourgeoisrepublik, Direktorium, Babeufsche Verschwörung.— 8. Der 18. Brumaire, das Konsulat und das Kaiserreich.— 9. Die europäischen Umwälzungen der napoleonischen Zeit— 10. Restaurationszeit und Julirevolution. Vortragender: Alexander Conrad y. In Ihrer Hand liegt es, die richtige Elrfksufsqueile auf Kredit zu wählen. Meine Lager, Lokalitäten sowie Zahlungs-Bedingungon sind In dieser Saison spez In Jeder Beziehung unerreicht In oa. 1000 QucM. grossen Räumen empfehle folgende mbemditiMi m-Boriditung Jl Aszahlnsg vm Kk. 1 BettiteO« 1 Kleidersptod 1 Tisch, 2 Stühl, 1 Spleg«! 1 SplegetepM oder 1 KUcfci Susunatpreli 90—110 Ik Gratis: 3 Bett-Varle|er. 2 Battateilen, 1 Tisch, 1 Spiegel 4 SM». 1 SpTegelspiad 1 KleidorspiBp, 1 Vertu» 1 Kflehenspind 1 ICiiekcniicch, 2 Stlhle 2 KOthenrahmen 1 WckenlrBndtüobhalter Gesammtprels 200-220 Kk, Gratis. 1 Teppich. Mötoi-EkiricMinig C. Aataklsag 2 BettataHm alt«Utratzea 1 medemea RUIderaptod 1 DBCderaet Vertifea 1 Sepha, 1 Trumeaa 6 noderae SUhie 1 Bioderirer Tiaeh 1 ksmpletta farbige Kleba Geaamiafpreia 300— 4M K Gratia: 1 Rentatar. Engllsctss Schlafzimmer Herren- Zimmer Speise- Zimmer Moderne bunte KQohen blMaaia Herren' Anzahlung 3«.. Der Unterricht beginnt in BTatlonalObononile: Sonntag, den 9. Oktober; h'aturerkcnntnln: Montag, den 10. Oktober; Redncrttchule: Donnerstag, den 13. Oktober; GewcrknchaftN- wenen: Freitag, den 14. Oktober; Gcncblcbte: Sonnabend, den 16. Oktober. Der Unterriebt in Einführung in den a Innen •chaftllchen SozialiHuiua beginnt erst am Mittwoch, den 19. Oktober. 6/14* Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 8'/, lihr und endet pünktlich um 10 Chr. Der BonntagEkursus beginnt pünktlich um lO Chr und endet pünktlich um 11 /, Chr. Die reichhaltige Rlhllothek ist an den Abenden von 7'/f— 81/, Chr geöffnet Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 26 PI.; das Unterrichtsgeld für jedes Fach pro Kursus 1 Mark und ist spfttestens am zweiton Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt bei Be- gijin jedes Kursus im Sohulit''~ Kerndcicn 1 Treppe, Gottfr. Schulz. Ädmiralstr. 40a; Real, Bamimstr. 42; Vogel, Lortzingstr. 37; TV. Kaczorownkl, Kavenestr. 6; Hornch, Engeluier 16. Alle Zuschriften an den Vorsitzenden Hormann Eanim6, Bcrlln-Rlxdorf, Stelnmetzsti-aOe 51 III, Geldsendungen an den Kassierer U. Kiinlffu, Berlin S. 59, Hasen- beide 56. Der Vorntand. MuswAriigna Käufern weryPte Ich die Elnanhahnfahrtl Jackett-AnzOge Rock- ud Oebrock-A PatetvU und vieler In besonderen Abteitungen � KostlirafBcke.stliwanii.tJrt. Blusen in alltultestgkniiiin- Buraen-Rlelilero. Kostüme jpeiz-stoiaa Jucitetts, Pnietsts. mm HnmMt Grfisstes Kredithaus Deutschland«! okal GronadierntraBe 37, Hot und in nachstehenden Zahlstellen: Sie kaufen vorteilhaft MÖBEL auch auf ICBEDIT im Spezial-Qeschäft von llhelm MISCH zu besichtigen. Xou eröffnet I Neu erölfnet I Itt Gegenüber dem Hauptpostamt und dem Warenhaus Joleph. TVannenbüder, rnnnlnch-römlnohe Bilder sowie alle sonstige medizinische Röder. Getrennt« Abteilungen für Damen und Herren, Tauchbassin» usw. 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Er untersucht die Produktion einzelner Gebiete Deutschlands, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Verfasiuug unterscheiden, und berechnet diese Produktion pro Kopf der landwirtschaftlichen Erwerbstättgen, wobei al» Getteidewert bei Kartoffeln Vs, bei Klee und Heu— 2/# in Verhältnis zu summarisch zusammengefaßten vier Hauptgetreidearten angenommen wird. Danach ergeben sich diese Resultate: Von je 100 Hektar der Gesamt- Landwirtsch. fläche kommen aus die Betrieb« von Erwerbstätige 0—2 2-20 20—100 über 100 1896 in 1000 Ostelbie«.... 8.8 24,2 28,6 43,9 2712 Süddeutschland. 7.1 64,7 25,0 3.2 2593 Westdeutschland. 11,1 68,4 25,6 5.0 1034 Mitteldeutschland. 6.6 37,4 41,6 16,6 1623 Pommern... 8.0 19,1 22,3 66,1 292 beide Mecklenburg. 8.8 9.1 26,9 60,1 142 Und auf 100 landwirtschaftlich ErwerbStättge entfallen 1904 bis 1908 Tonnen: Getreide Kartoffeln �«nd Getteide- Ostelbien.... 886 797 456 723 Süddeutschland.. 176 336 533 455 Westdeutschland.. 274 436 347 500 Mitteldeutschland. 438 690 470 744 Pommern.... 499 944 610 932 1 beide Mecklenburg. 673 666 736 10011 Diese Zahlen nötigen auch Ballad, die größere Produktivität der Arbeit in den Großbetrieben anzuerkennen. Lehnlich wie in Deutschland liegen die Verbälwisse aflch in der Schweiz. Nach den Berechnungen deS Bauernsekretärs machten im Durchschnitt der Jahre 1901 bis 1907 die Kosten der Arbeitskraft und der Neinertrag(in Prozent des Aufwandes) in einzelnen Größenklassen Frank Reinertrag pro Hettar Bis 6 Hettar Von 6 bis 10, . 10. 16. . 16. 30. Ueber 30„ w Prozent de! Alandes 410,9 26,4 316,6 35,7 243,8 40,1 212,1 46,7 162,6 56,4 In der Schweiz wie in Teutschland fordert also der Betrieb um so weniger Arbeitskraft je größer er ist, und um so bedeutender ist seine Rentabilität je größeren llinfangeS der Betrieb ist. Die Stabilität des deutschen Klein- und Mittelbetriebes in der Landwirtschaft ist aus zufällige Erscheinungen zurückzuführen, die die Entwickelung der Produktivität in der Landwirtschaft hemmten. DaS Sinken der Getreide- und das Steigen der Viehpreise gaben den mittleren Betrieben die Möglichkeit, sich zeitweilig zu befestigen, in- dem sie zur intensiven Viehzucht übergingen. Mit der Einsetzung der jetzigen Teuerung, die die Ausdehnung des Getreidebaues vorteilhaft macht, wird auch die.goldene' Zeit des Kleinbetriebes verschwinden, weil er sich dem Fonschritt der Kultur nicht anpassen kann._ M. N. Vorort- JVacbrlcbtcn* Charlotteiidurg. Die neu errichtete Gemeindedoppelschule auf Westend an der Kastanienallee und Leistikowstraße belegen.�soll demnächst ihrer Be- stimmung übergeben werden. DaS Gebäude, das einen Kosten- auswand von rund 860 000 M. erforderte, läßt in seiner architektonischen Wirkung den bisher häufig angewandten fabrikmäßigen Typ vermissen. In dem Hause sind 36 Klassenräume eingerichtet, davon in dem einen Flügel 18 für Knaben und in dem anderen 18 für Mädchen; 1 Lehrerinnen«, 2 Lehrer- und 2 Rektorenzimmer. Außerdem im Mittelbau eine zu ebener Erde belegene gemeinschaftliche Turnhalle für die Knaben und Mädchen. Darüber, im Festsaal, der aber nicht nur bei Feiern irgendwelcher Art in Anspruch genommen, sondern in dem auch Sesangunterricht erteilt werden soll. Reben ihm ist ein Zimmer für den Schularzt angeordnet. Dann ein sehr gut be- lichteter Zeichensaal, eine Physikklassc und zu oberst die HauS« Haltungsschule(Kochküchen) für Mädchen. Reichliche Lehrmittel« räume in jedem Geschoß bilden eine Neuerung in der Anlage. Im Souterrain sind zu finden neben den Wirlichafisräumen und Kesselanlageu die Wobnungen der Schuldiener und des Heizers; die HandfertigkeitSräume für Knaben; zwei sehr nett und praktisch ans- gestattete Brausebäder und zwei große bequem gelegene Räume zur Miichabgabe an bedürftige Kinder. Die Höchstzahl der Kinder, mit welcher jede Klasse belegt werden kann, est auf 48 festgesetzt. Die Bänke, nicht gleich groß, sondern den Größenverhällnisien der einzelnen Schüler und Schülerinnen angepaßt, sind zweisiyig, für Knaben und Mädchen, geben an Wechselschienen und lassen, weil leicht aufklappbar, ein bequemes und schnelles Reinigen des Fuß- bodeus zu, Ueberhaupt ist besonderes Gewicht darauf gelegt worden, alles zu vermeiden, was dazu beitragen könnte, im Fußboden und an den Wänden Schmutz und Unrat Raum zu gewähren. Auf jedem Korridor sind unter eigens dazu hergerichteten kamin- artigen Ueberbauten die Kleiderablagen angebracht. Die dazu erforderlichen Einrichtungen sind zum größten Teil beweglich und vermögen, wenn Kleider daran angehängt werden, durch einen ein« fachen originellen Mechanismus eine unter dem Ueberbau eingebaute Ventilationseinrichtung in Funktion zu setzen. Abortanlagen mit dabei befindlicher Wascheinrichiung sind in jedem Geschoß vorhanden. Unerwähnt hierbei soll nicht bleiben die Konstruktion der einzelnen Aborltüren: die Tür deckt nicht die ganze Oeffnung, sondern läßt oben und unten genügend Durchblick, um in die Zelle hineinsehen zu können. Es soll dadurch den Unterrichtende» eine leichte Beobachtung der die KlosettS benutzenden Kinder möglich gemacht werden. Gekrönt wird das ganze Gebäude durch einen schönen, auf dem au» dem ganzen hervorgehobene» Mittelteil aufgebauten Turm, von dessen umfang« reicher Plattform man das Panorama der Umgebung beobachten kann. Auch dieser Tunn soll für die Unterrichtszwecke praktische Verwendung finden. Die Versorgung der Schule mit Wärme er« folgt durch Niederdruck-Dampfheizung. Die Ventilation geschieht durch PulsionSliifUing mit zentraler Vorwärmung und lokaler Nach- wärmung. Der Schulhof ist sehr geräumig und an der Front nach der Kastanienallee noch mit Kiefern bestanden, letztere sind Zeugen des dort noch vor einigen Jahren vorhanden gewesenen Teils der Grunewalds, Sie sollen erhalten bleiben. Läßt die innere Organisation des Schulwesens im allgemeinen vieles zu wünschen übrig, so kann jedoch behauptet werden, daß die Einrichtung der hier in Frage stehenden Schule die weiteste Nachahmung verdient. Mancher Fortschritt ist dem Drängen der sozialdemokratischen Fraktion zuzuschreiben. Elternverein für freie Erziehung. Die Spielnachmittage für da? Winterbaldjahr finden vom 1. Oktober ab jeden zweiten und letzten Mittwoch im Monat nachmittags von 3—6 Uhr im kleinen Saal des Volkshauses, Rosineustr. 3, statt. Wilmersdorf. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Sehr leicht macht man sich im preußischen Landwirlschaftsministerium die Be« autwortung der kommunalen F l e i s ch n o tp et i t i o n e n. Am Mittwoch gab der Vorsteher Dr. Leidig der Stadtverordneten« Versammlung von Wilmersdorf bekannt, daß der Minister v. Schor« I e m e r als Antwort aus die Eingabe der kommunalen Körperschaft dem Magistrat erstens eine Kopie der ministeriellen Entgegnung an den Deutschen Fleischerverband und zweitens eine Nummer der—„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung' zu« gesandt habe, in der einer der offiziösen Beschwichtigungsartikel ab« gedruckt steht. Nach dieser Handlung scheint der Minister zu glauben, daß die magenverslimmeude Leltüre des Regierungsorgans hinreicht. um dem deutschen Volke den Appetit nach billigem Fleische zu der» treiben. Eine beachtenswerte Erörterung gab es in der Angelegenheit der Schaffung neuer B e a m t e n st e l l e n. Wir haben über die Forde« rungen des Magistrats am 26. September das nähere mit- geteilt. Gleich dem Ausschuß, der die Vorlage prüfte, war auch die Stadtverordneten- Versammlung im wesent« lichen mit der Vermehrung des Beamtenpersonals einverstanden. Eine Differenz gab eS einzig bei der Frage, wann die Stelle eine» Brandmeisters zu schaffen sei. Entgegen der Absicht deS Magistrats, wonach der gegenwärtige Stellvertreter bereits am 1. Oktober zum regulären Brandmeister ernannt werden sollte, will die Stadtverordnetenversammlung erst mit dem Beginn deS neuen EtatsjahreS, also am 1. April 1911, die Angelegenheit geregelt wissen. Diese Aenderung, der stch der Magistrat fügte, ist herzlich belanglos. Anders jedoch steht eS um die hiermit in Zusammenhang gebrachte Frage, ob der jetzige Inhaber des in Betracht kommenden Amte» in Wilmersdorf an seinem Platze steht. Als der Stadtv. Pulver auf Besch werden hinwies, die die Wilmersdorfer Feuerwehrleute kürzlich erhoben haben, entgegnete ein Stadt« rat. daß die im„Grunewald-Echo' veröffentlichte Klage über zu harten Dienst den Tatsachen nicht entspreche. Um so mehr nicht, als der Brandmeister in eigener Person jeden einzelnen Feuerwehrmann zu Protokoll darüber vernommen habe, ob er durch die an den Vormittagen von ihm befohlenen Uebungen derart angestrengt worden sei, daß er sich am Nactnnittag zur Ausübung seines Amtes nicht mehr kräftig genug fühle. Nur zwei Feuerwehrleute hätten bei dieser Gelegenheit erklärt, daß sie in der Tat zu arg mitgenommen worden seien. Im übrigen sei zugunsten des jetzigen stellvertretenden Brand- meisterS zu berücksichtigen, daß ihm noch allzu sehr die E iche n- schaft des Offiziers anhafte; mit der Zeit würde sich die militSriscbe Strenge schon abschleifen. Es kennzeichnet den Geist der Wilmersdorfer Stadtverordneten- Versammlung, daß diese Verteidigung keineswegs Entrüstung oder Gelächter erregte, sonder» zustimmend hingenommen wurde. Unter dem Beifall der Mehrheit fragte Stadtv. Dr. Leidig, wa» wohl die in der Gemeindekörperschaft tätigen Reserveoffiziere sagen würden, wenn sie etwa vernähmen, daß Soldaten sich über zu harten Dienst in der Zeitung beschwerten. Auch der Feuer- Wehrdienst müsse nun einmal militärisch organisiert sein. In Frankreich sei man Auflehnungen gegen die Disziplin ja gewohnt; hier zu Lande wolle man derartige Sitten aber doch nicht einführen I Gegen den Widerspruch des Stadtv. Dr. Waldschmidt, der die T e l e p h o n d a m e n bei der Post für unfähig hält, wurden dann noch die Mittel zur Anstellung dreier städtischer Telephonistinnen bewilligt. Nach dem von anderen Orten gegebenen Beispiel hatte auch der Magistrat von Wilmersdorf der Stadiverordnetenversammtung eine Vorlage unterbreitet, wonach den Veteranen, die die Kriege von 1864, 1866 oder 1870 mitgemacht haben, eine Ehrengabe in Höhe von 30 M. überreicht werden soll. Der zur Prüfung dieser Angelegenheit eingesetzte Ausschuß hat die Vorlage erheblich verschlechtert. Nach seinem Willen sollen nur diejenigen Veteranen die Ehrengabe erhalten, die die Denkmünze des Staates in Besitz haben und nicht höher als mit einem Jahr G e- f ä n g n i S bestraft worden sind. Die Herren Cohn uno Pulver meinten, daß eS nicht hübsch sei. wenn ein Kriegsveteran. der vor laugen Jahren im harten Daseinskampf einmal gestrauchelt wäre, heute noch dafür durch die Stadt Wilmersdorf esonderS bestrast würde. Irgend welchen Nutzen hatten diese Ein- Wendungen nicht. Mit großer Mehrheit nahm die Ver- sammlung die Vorlage in der Fassung deS Ausschusses an, nachdem sie einen Anttag Cohn, da-Z Gescheut auf 60 M. zu erhöhen, gegen wenige Stimmen abgelehnt hatte. Freigebiger als den Veteranen gegenüber zeigte sich die Stadt« verordneten-Lersammlung, als es sich um eine MogistratSvorlage handelte, wonach der neuen Kirche am Hochmeisterplatz m Halensee die Pflasterkostön und KanalisationSgebiihren erlassen werden sollen. Allerdings machte Stadtverordneter Dr. W a l d s ch m i d t Zweifel geltend, ob eS überhaupt rechtlich zulässig sei, eine Person oder Körperschaft von Steuern und Gebühren, die sie schuldig wäre, zu befreien. Bürgermeister PeterS ging zwar über diese Frage mit einigen nichtssagenden Wendungen hinweg; jedoch erreichte er die Annahme der Vorlage, als er Hurra- p a t r i o t i s ch wurde und die Behauptung wagte, dah die Ein- wohnerschaft von Halensee sich über die S ch o n h e i t des von Herrn Dr. W a l d s ch m i d t mit Recht als geschmacklos bezeichneten Gotteshauses freue. Nach Erledigung einiger unwesentlichen Vorlagen trat die Stadtvervrdnetcnversaiuinlung in eine geheime Sitzung ein. Steglitz-Friedeuau. Den breitesten Raum der Verhandlungen der letzten Sitzung des Gcwcrkschaftskariells nahmen die fälligen Krankenkassen- Wahlen für beide Orte ein. Während es sich in S t e g l i tz nur um Ersatzwahlen handelt, steht für Friedenau eine eigentliche Wahl bevor. Es soll bei diesen Wahlen streng daraus gesehen werden, datz nicht etwa, wie eS früher geschehen, von den Arbeitgebern Massenlegilimationeu für alle in ihrem Betriebe beschäftigten Arbeiter ausgestellt werden. Jeder Wahlberechtigte hat mit einer eigenen Legitimation zu erscheinen.— In den Jugend- und B i l d u n g s a u S s ch u b für beide Orte wurden die Genossen Schmidt, Grießbach und O t o n s k y geivählt.— Die Bilanz deS diesjährigen Volksfestes schließt mit einer Mehreinnahme von zirka 180 M. ab. Da die beiden örtlichen Wahlvereine mit dem Kartell zu gleichen Teilen ain Gewinn interessiert sind, entfällt für das Kartell die Summe von 60 M. Die Vertreter beschließen, 20 M. davon den Jugendlichen beider Orte zuzuwenden. Die kürzlich in Friedenau erbauten Zeitungskioske zeichnen sich wohl äußerlich durch entsprechende Form aus, ihr Inneres läßt aber manchen berechtigten Wunsch der Angestellten unerfüllt. So bietet sich ihnen z. B. keine Gelegenheit, auch das notwendigste Bedürfnis Au verrichten. Da? Kartell wird in dieser Angelegenheit bei den rnteressierten Kreisen vorstellig werden. Mariendorf.* A»S der Gemeiudevertretung. Zunächst wurde über den in der letzten Sitzung zurückgestellten Punkt 6 der Tagesordnung: Feststellung der Abrechnung und des Kostenverteilungsplanes über die im öffentlichen Interesse erfolgte Neupflasterung der Dorfftraße verhandelt. Die Gcsainlkostcn betragen 135 456,15 M. Hiervon zahlt der Kreis 110 000 M. 50 Prozent haben die Anlieger in der Dorfstraße zu zahlen. Dieser Satz ist auch für die Zukunft bei allen Straßenregulierungen festgelegt. Zu einer äußerst lebhaften und langen Debatte gestaltete sich der zweite Punkt der Tagesordnung:„Der Volkspark". Der Gemeindevorsteher hatte daS der Gemeinde gehörende Gelände am sogenannten„Eckernpfuhl" in Aussicht genommen und dem Gartenbaudirektor Körner die Aus- arbeitnng des Planes übertragen. Ebenso war dem In- spektor der Charlottenburger Wasserwerke die Ausarbeitung eines Planes für die dazu erforderliche Wasseranlage auf- gegeben worden. Beide Herren legten persönlich ihre Pläne vor und erläuterten die Vorlagen. Die Garten- und Parkanlagen würden einen Kostenaufivand von rund 38 000 M. erfordern. Die Wasseranlage 10 000 M. Anfangs schien die Gemeindevertretung nichts gegen den Plan des Gemeindevorstehers einzuwenden, da wurde vom Genossen R e i ch a r d t die Erklärung abgegeben, daß er im Namen der sozialdemokratischen Vertreter gegen die Errichtung eines Volksparkes an dieser Stelle protestiert. Reichardt führte dazu aus. daß vor allen Dingen das Gelände vollständig außerhalb des Ortes liegt. Ebenso ist es eine falsch« Behaiiplmig des Gemeindevorstehers, daß die Genieindevertreter einstimniig für den Volkspark dieses Gelände in Aussicht genommen hätten. Der Baurat hatte seinerzeit eine Zeichnung für den Volkspark angefertigt, wo der- selbe das„Freibergsche Terrain" in Aussicht nahm. Dieser Plan wurde von verschiedenen Seiten gutgeheißen. Danach kam aber der Herr Gemeindevorsteher mit seinem Skizzen- plan und verwarf den des Baurats. Fast die gesamte Einwohner- schaft ist für die Errichtung des Vollsparks am Freibergschen Grund- stück. Der Gemeindevorsteher habe unbedingt den Wünschen der Steuerzahler Rechnung zu tragen. Ein Volkspark kann nur Wert haben, wenn er möglichst im Ort liegt und nicht erst gesucht werden mutz. In dem Sinne sprachen sich auch die beiden Herren N o a ck aus und beantragten, die ganze Sache zu vertagen und einen neiien Plan anzufertigen mit den, Freibergschen Terrain. Dem Herrn Gemeindevorsteher paßten diese Einwendungen ganz und gar nicht. Er bat die Herren wiederholt dringend, doch seinen Plan anzunehmen; durch die Vertagung der Angelegenheit müßte die Errichtung des Parks schließlich»och ein Jahr hinausgeschoben werden. Die erfolgte Abstimmung ergab- die vorläufige Ablehnung deS vom Gemeindevorsteher vorgelegten Planes und Einsetzung einer Kommission, die mit dem Besitzer deS Freibergschen Terrains unterhandeln soll. Bei der Wahl der Kommissionsmitglieder weigerte sich der Gemeindevorsteher ganz entschieden, in dieser Sache irgendwie mitzuarbeiten. Er habe seinen Vorschlag gemacht, da derselbe nicht angenommen, habe er keine Veranlassung, an einem anderen Plan niitzuarbeiten. Die beiden Herren Schöffen verhielten sich ebenso ablehnend. Erst nach erfolgter Zurechtweisung bequemte sich der Gemeindevorsteher„kraft seines AmteS" einen Schöffen zu ernennen, der als Gemeindevorstand in der Kommission mitarbeiten soll. Hierauf nichtöffentliche Sitzung. Johannisthal. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlvereins erstattete Genosse Wenzel- Groß-Lichterfelde den Bericht vom Parteitage. Bei seinen Ausführungen zur Budgetfrage verurteilte der Redner anfsj schärfste den Disziplinbruch der Süddeutschen. Erfreulich sei es aber, daß, wenn auch Meinungsverschiedenheiten in unserer Partei vorhanden sind, der Parteitag doch bewiesen hat. daß die Partei geschlossen den Gegnern gegenübertritt. In der Diskussion erklärte sich Genosse Steuer mit einigen Ausführungen des Referenten nicht einverstanden.— In den BildungSauSfchuß wurden die Genossen Steuer, Lehner. Seifert, Stessing und G a m m i s ch geivählt. Obmann der Kommisston ist Steuer. Die Versammlung erledigte dann noch einige interne Vereins- angelegenheiten. Karlshorst. In der letzten Mitgliederversammlung erstattete Bühl er- Lichtenberg den Bericht vom Magdeburger Parteitage. Im all- gemeinen sprach er seine Befriedigung über die Verhandlungen aus, bedauerte aber die Behandlung der Maifeierfrage und die Ab- lehnung der zu diesem Punkte gestellten Anträge. In der Budgetdebatte habe Bebel in scharfer, aber versöhnlicher Weise die Frage behandelt. Seit Jahre» gäbe eS auf den Parteitagen eine wqhlorga irisierte Minderheit, deshalb sei in Magdeburg dementsprechend gehandelt worden. Auch bei der Be- Handlung der Frage des Massen st reiks sei der Parteitag ge- teilter Meinung gewesen, weil eine Anzahl Gewerkschafts- führer die Propagierung deS Massenstreiks für verfehlt erachtete. Man solle der Genossin Luxemburg dankbar für ihre Anregung sein, da der eigentliche WahlrechlStampf für Preußen erst beginne.— In der Diskussion erklärt W e i n s ch i l d, daß die Erörterung der Parteitagsbeschlüsse nur problematischen Wert habe. Man solle doch nicht immer von zwei Richtungen reden, da die Revisionisten sich in ihren scharfen Reden in nichts von den Radikalen unterscheiden, wenn sie auch eine andere Taktik einschlagen. Wohl haben sich die bädenser Genoffen die ungeeignetste Zeit für ihr Borgehen gewählt, doch solle man den Genossen in den Landtagen der Bundesstaaten mehr Freiheit im Handeln lassen. ES sei unwahrscheinlich, daß eS kompakte Minderheiten gäbe. Die Nachtsitzung habe im Sande Mißfallen erregt: am anderen Morgen wäre sicher eine Verständi- gung möglich gewesen, lieber den Massen st reik, meint Redner, daß durch die Propagierung desselben die große-Masse ab- gestoßen würde.— Genoffe Zimmermann meint, daß es sich um Gegensätze in der Partei bandele, deshalb solle auch die Frage deS Disziplinbruchs grundsätzlich behandelt werden. Redner verurteilt die in Baden bestehende Blockpolitik und erklärt eS für eine Ilebcrhebung, daß man von Norddeutschland aus die süddeutschen Verhältnisse nicht beurteilen könne. Die Massenstreik- frage sei in Grund und Boden geredet worden. Die Verwahrung einer Anzahl Delegierter sei zu verurteilen.— Genosse Blum ist der Ansicht, daß eS in einer Millionen- Partei unmöglich sei, so weitgehende Beschlüsse zu fassen, daß dieselben auch immer gehalten werden können. Der Magdc- burger Beschluß sei auf die Dauer nicht durchführbar, jedoch ist der Disziplinbruch der Badenser zu verurteilen. Daß praktische Arbeit geleistet werden muß. beweise der preußische Landtag. In Preußen könnten die Verhältnisse etwas bester sein, wenn der Polizeistaat nicht so lange als das Pflänzchen Rühr-mich-nicht-an angesehen worden wäre. Die Ge- nossenschaftsfrage hätte auch schon früher als eS geschehen geregelt sein können. Daß eine Spaltung der Partei unterblieb, tei nicht das Verdien st der Mehrheit. In der Massenstreikfrage könne den Gewerkschaftsführern kein Vorwurf gemacht werden. ES herrsche über die Art, wie die Be- schlüsse in Magdeburg gefaßt wurden, im Lande Mißbilligimg.— Genosse Richard Stüter glaubt nicht an eine endgültige Erledigung der Budgetfrage.— S p l i e d t hält die Budgetsrage nicht für eine Prinzipienfrage, doch liege in den deutschen Staaten kein Grund bor, das Budget zu bewilligen. In der Wahlrechtsfrage solle Partei und Gewerkschaft einig sein. Hier gälte nicht Radi- kaliSmuS oder Revisionismus, sondern hier müsse gehandelt werden. Der Antrag Luxemburg sei verfehlt. In seinem Schlußwort meint B ü h l e r, daß er aus Erfahrung spreche, wenn er von zwei Richtungen auf dem Parteitag rede. In seinen weiteren AuS- führungen wendet sich Redner gegen verschiedene Aussprüche der Diskussionsredner. Königs-Wnstcrhausen. lieber den Magdeburger Parteitag referierte in der letzten Wahl« Vereinsversammlung Genosse Wenzel- Groß- Lichterfelde. Be- sonders die Budgetdebatte des Parteitags fand das größte Interesse bei den Versammelten. In der Diskussion wurde der lange vor- bereitete und mit vollem Bewußtsein unternommene Disziplinbruch der Süddeutschen scharf verurteilt. Ihre Pflicht wäre eS gewesen, durch eine bindende Erklärung, von jetzt an wie alle anderen Parteigenossen die ParteitagSbeschliisse zu respektieren, die Budgetdebatte zu ersparen. Insbesondere wurde das provokatorische Auftreten deS Genossen Frank in seinem Schlußwort scharf gerügt. Die Versaimnlung erklärte sich mit den gefaßten Beschlüssen voll und ganz einverstanden.— Die Abrechnung vom Sommerfest ergab einen Ueberschuß von 100 M. Nach Erledigung mehrerer kleinerer Partciangelegenheiten wurde die Versaimnlung geschlossen. Eingegangene Drudtfcbrifien. Der Baumeister. Hest 11 und 12. Monalshcsl« für Architektur und Baupraxis. Herausgeber H. Jansen uud W. Müller. Einzelhest 3 M. G. D. R. Tallwen, München. An der Weltenwende. Gedichte von W. L. 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Der irlassen- llaal, sagt er, hat kllassenschulen geschaffen, wer Geld hat, kann sich Bildung kaufen.— Die zweile Broschüre ist eine Srlänlerung unserer Programm. fordcrimge», die wir in bezuä aus die Schule erheben und im Interesse des Kuitursorischritt» erheben müssen. V. Lohre, Schule, Kirche, Meiler Ein Vortrag__________ Preis 15 Pf. Dr. R. Silberitein, Das Schulkind Preis 20 Pf. Der Verfasser verfolgt im vorliegenden Heft die Tntwlckelung de» Kindes während der Schulzeit. Expedition des„Norwärts« Arkitn- GchndhMiblichtlt Heft 11. Frailrultiiikn«. dklk« Unhütuug. riebst einem rinhang: Die Verhülung»er Schwangerschaft. von»r.'OmAeli. Preis 80 Pf. Gute MSgab-»0 Ps. Qziel!IM öez Mvltä'. Berlin SW„ Undegstr. 69, Laden. B Ohne Jede Anzahlung MS» M•rstkleaalae« Fabrikat FD M ema||A Ab /S(9m«l prämiiert Stnsts- »ir B yf K m n a Wh medaiile) in allen Uola- B ELB HB\l und Btilarten von ~ wunderbarer Tonfülle. Conrad Krausa Nohffl,, Eck"kIjrVfi«ten»wKbnTepeOhariPm Aach Soimtag;« greölTnet. 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Ströbitz tCottb.-Sprembg.). Paul Row.'a, Prellbock. Gusl. Neubarth, KI.»Ströbltz. SlUBMt. g.-B. Kein Lokal frei. Südand«. T.-B. Verkehrstokal Franz Mohr, PolZ- damerhr. 4. ?a»d«»?g Kalserhos, P. Gapinski, Kaiserstr. 80. •B'ezx«!. g.-B. Rest. Slrandjchloh. Rest. Bellevue am Sce.Nest.Hamusek.Hliuplstr. und Zum alte» Krug gesperrt. •Z't'Soiort. g.-B. Rest. Beckmann u. Haideschlöhchen gesperrt. Alle andern Lokale srei. •Z'vItoB'-Svoliak. Alle Saallokale gesperrt. Verkedrslokal: Wilhelm vonow, Zeblendorserstr. 4. E). Kupsch. Hoher Steinweg 12. 'Z'«Miip«Ib»f. T.-B. .Wilhelinsgart.'.HanS Schneidereit, Berlinerslr. 9. Genossenichasiswirtsh., Dorsslr.30. August Apelt, Berlinerstr. 4l/42. Parkrestaurant Kreideweiß, Dors- und Berllnerstraßen-Ecke. Vei«pI»B. Alle Lokale gesperrt. Tief werder a«H. P.-O.-H. Kein Lokal frei Tratten dort(Cctftus.-Sprbs-) Otto Nakonz. Trebbin. T.-B. E.Schulze.GesellschastSH.. Bahnhosttr. O. Wolfi, ZumKronPr., Bahnhosstr. H. Lehmann, Bahnbosstratze. H. Gleiche, Bahnhofstrage. V. Gräfe, Babnhosstratze. W. Jiitlner, Berlinerstrage. W. Fromm, Schätzenh., Berlinerstr. I. Hirsch, Markt. Ww. Hanfe, Zossenerstraße. H. Gras, Beelitzerstraße. Treuen brietzen. Herm.Dornow, Berliner Vorstadt 2. Gust. Norenz, Breitestr. 2S4. gletz«i»rt. g.-B. ,gägerbeim-, Jul. Schmoll. Valen t i n x w er der« Frei. P.-O.-H. Vehlefanz. P.-O.-g. Sc,Peet(ch, MelellIchast»h..AuSb..stei. au! Schlöllke gesperrt. Velten. P.-B.-l. Gesperrt: Julius Tübbecke, Breite» stc. 87 uno Turnhalle desMänner» Turnvereins. Alle and. Lok. srei. Vetxeban. Lerkebrslokal: Lehmanns Gasthof in Stradow b. Betschau. Gafth. z. deutsch. Kaiser, Koltbuserftr. W. Klausch, Stradower Weg. Viet«. sXliväLlierg-Sollllil.) Rest. Sabert, am Biehmarkt. V«xei»anx. sGub.-Lübb.) Ww. Kahlisch. >Vaidinann8ln»t. g.-B. Rest, schweizerhäuschen, Diana» straße 26/39. Jnh. W. Hartig. Zum Bergschloß, Jnh. R.Hemrichs. «svg>i>z-«»llB>itz5es. di.-S. Georg Lassan, GesellschastshauS, Prenzlauer- u.Bernnuerftr.- Ecke. See-Terrafse Wandlitzsee, A.Binger. Alle anderen Lokale sind gesperrt. �Vannxee. I.-B. Fllrstenhos, Philipp, Königstr. 40. Bairischer Hos, Jnh.: Wollenzien, Glienickerstr. 10. Gust. Koch, Cbausseestr. 2 a. UllllZlIorl. P.-B.-g. Kein Lokal frei. WeinuieiNterliorn. Benthin. P.-O.-B. Wei««agk, Soran-Forsl. M. Kanter. Welssensee. g. B. Alle Lokale frei. Welzoav. Colfb.-Sprbg. ®. Model, Gafth. zur Grube Clara. H. Pfeiffer, Zum deutschen Kaiser. August Pötschik. Wensickendorf. g.B. Alle Lokale gesperrt. Werder u. d. Havel. Schwarzer Adler,(Jnh. Koch), Fischerstr. 98. Weiiienchen. Carl Schlotlke(sr.Witlenberg). Wernsdorf. T.'B. Sportsbaus am Crosfinsec, Jnh. Gottlieb Handschle. Schwedler,.Zum Oder-Spree-Kanal.' Weskovr. scollbu5-5pi'bg.) Restaurant Franz Winnenberg. Wildan. T.-B. Otto Schuhmann, Wildauer Hof. Otto Heiser. Lolksgarten. P. Scholz, Zum grünen Baum. Wilbehnsberg. g.-B. Alle Lokale srei. Willieluishagen« g. B. Alle Lokale frei. Wilhclmsrak. g.-B. Alle Lokale frei *WiiheIn»srnhsOberhav.). Berkcbrslokal, Jnh. Kieker. Wilmei'sdort. T.-B. Gesellschastshaus, Wllhelmsaue 1l2 Jnh. Dasc. sl 14-115. Viktoria.Garten, Wilhelmsaue Spichern-Säle, Sptchemstraße 3, Jnh. Stechert. Zur Klause, Hildegardstr. 5/S. Wilsnack.(West-Prignitz.) Müllers Gasthof. Witten an. g.-B. Albert Schulze, Hauptttr. 56. Ernst Wittchow, Oranienburger» straffe 100. Julius Cberhardt, Lübars«» straffe 96. trel Friedrich Schulze, Oranienburg«« straffe 88-89. gesperrt Wittenberge(West-Prig».). Siiehms Volksgarten. Wilhelm Schober, Bllrgergarten. Wilhelm Werner, LandbauS. WittstocktenftädttschesKonzcrlhaus(Jnh. Eifert), Alte Jakobstr. 37. Märkischer Hos, Admiralstr. 18 0. Meyer, Oranicnstr. 103. MichaÄ-Festsäle, Michaelkirchstr. 89. Meffpalast-Jestsäle(Jnh. Neu- mann), Mexandrinenstr. 110. ager Restaurant(Jnh. Kratky), .te Jakobstr. 64. „Zum Alexandriner", Alexan- driuenstr. 87 a. Lokal- Komm.-Milglied: Gustav Müller, Grünauerstr. 26111. 4. Wahlkreis. Tüd-Oft. BehrendS Festsäle, Manteuffel- straffe 95. Casu Alse», Bord. Schlesi!cheliTor2. Central- Fcstsäle. Orauienstr. 180. Glcoe,„Süd-Ost", Wnldcinarstr.7ö. Gramnann, Naunqnstr. 27. Grünauer Karten. Grünauerstr. 14. Jndustrie-Festsäle, Äiaria»ueiistr.31 Mariannen- Fcstsäle, Vlariannen- User 2. Max Rolvack, Manteusfelstr. 9. Nauiiynsestsäle(Böhm), Naunhn- straffe 6. Oranieii-Salon,Oranienstraffet70. Reichcnberger Hos, Geichenberger» straffe 147. Schocke(Dracheuburg), Bor dem Schlesischen Tor. Schuhmacher, Slalitzerstr. 126. Walter(Urania), Wrangelstr. 9/19. G. Wollschläger, Adalbertslr. 21. Ost. Alhambra, Wallnertheaterstr. 15. Albrecht, G-sellschastsh.Langest.lOS. Andreas- Festsäle, Andreasstr. 21. Audreas-Garteu,'Andreasstr. 26. Bolzmanns GesellschastshauS, Lichtcnbergerstr. 21 BöhnüjcheS Brandaus, LandS» berger Allee 11—13. BoekerSGesellsch.Hauz.Weberft.1?. Braueret Friedrichshatn, Am Friedrichshain 22/29. Breuer, Große Fmilsurkerstr. 117. ■j«9(f|30»xnvtz -u»hvh>D«snsjß* qun„agnmj; ai9 fnoljlt)®''.johazijoW» Uaifi ■|*'l M»aj|jia ■ua�Sgi�lqiD® gamffi 'l-'l•oin«uq»|5| •paactlaB aiupg aM � /B-'H'»1»!» S) iohuaqum-jjats •BpiB/ftSjaqg|8q!3JS)|«asn3S!a •apaqqpj aafitja)'paga® JlnBuis 'g-'M'BiaqsnBJiS'q jaopsaaSSa S-ijjaaqitiaj •aajaig'rojMBgjioa saaqoah-Z (■pjoigfluniiuwo) •Mffi-n-xzhzzaa�) 99'ijj.iaq.iaai -H-G'.silUIffi-mg' juuanmJajfi •3|»|nM8jaq�f •ftJipa®-jjn®',a3.ino(Jajjj" (BMgiuajS)»-gjn»Q) aassojfi '(lvvZ>) 1 iqojnapjpffi'aBunL liwft 'uacia;a(i 91 aqoijj «a3«wqe,oid'fcBqqoifi 8103® ■fli"/»lAtaj« 'Snvhiiagyh!® '■mani-nma»vizqsa« IDOJJ •(jsjoj-hwos) i-iopsmoti •J a 1) llvuvll laupdiiHj) I« �•nonaq»»"!"!?!«! •Jioffi MS lqiMllz- quozl nanaiiassiti juadtaß ajDjog ant5 '|''l*uoBuut|ja|i«aAi-'x ■uapoBaaJinjj um? juoanojjau; •auii|ii(i •paadJaB ajojog aßre 'S'1-uiaiqu« (•Jaoquaqn�naiij aqai®,) ■g--i uassoz-q|jupuaqnfi •qaaaqjaB ajopö aM •O« uaH80J3 •»uaqaqgiqjjqiaS"'aaqpufpg ■Bui-igo® äq-jaiqsPvW'Mtzs SunujjoHuainö qdozz'aanBMrqoHi •jnöqiaaauojs'qiwjjojj uiaaH •ano.ijj ang'ajuDuaojj 'sNvtznaqghiZ'.iqojg ai® aSaM ang'aafpig.t® •fn»q?}Jnqa)Da)3®'Eupoß jj •8Uq|}03 •aqmijaajjiiDqa'pnouqus® •x|a!H-ui.(fMn3 •Zi ahüaijuaBDjuDjft,'iqojoß •laaj ajojojj ajire'g.» 'jaBsj,»3g'aqqi|«pilJUO� •jqimtp® mohL"jjaifi I S aaaqspuB'j-uv jaq ap|a|uu}| a;u»|or> •3l)i)}UU]jt hnA'johsasuagg -„mnvzuaqulJ mng"'aauaaM qnJ BpmaH'huL'aqnqh-aig inli-,ja� 'MmvqsBnwjz '..uahigoihiIaqpH-'ah-j,pZ invxk '„iupduoajz asPNnaE"'ajpWiavZ '..wtzKpvzz"'aainaixz '..U3pvBaa,piV"'hchoqntk -aaImMahj,naq��,j»®'Ojoag;wA -uaPqivmuamvijvq; ShlwS ounag ilvuvjstahvjjüpJ-qiirxtD mix mapvBaziz johuqvxx my'johuapvBaajx luoanvijay 'mmvqxBiug�'szavw »aqaaj�aaBanquanoiavhJ'woqvhi« snvgqivW'yg/gxgzUaaiaBaz'(uoy- •Ods"'89 BaoiaapBaj'aajqaig•{ •„uappBgafqoa] W/ixaipahIn� '(flu)poqs) aivs-viioinss, aynSny 'tZ-ajjqapqaug aajwL'?liih>J A '.,-Iv!lPL"Z'.P3,vjqivW" 'OV 83® isjaBaj'auokpJ aqaug 'aajjnvqZ aanvquvd®'aaniqy'qisg 8 Hjusuijoy'„giipqguoa* 'g-'j,■Sjnqua9)0|JBq3 -qjzß aivzaz am?•g-'H•■UOJBf) 98•aipsgaffl'a�laiS lluaz (k>l?iZgz-hmotz) q,n l» •juoaiiDtjaiß'uajao® g.Baaqmog •apiBAisjaqa 13g z»i®,jqoo'ftoa» *iaiuJ0a-|pa»wu4OH •laa) 3,0)03 am? •g-g•apiBMSjMJOfi ■) a.t a(t I a 8 3)0)03 3)1)? •g- g•jaopwifjojf (aajgtzi® quF) 'uutqtajjo® iny'ßaaquajiog))!)£ ihoL DDlffi'.qiuu3)iog" ,uoam-, j -3lg'ja, uaics POA: iDjoigKjajiafj g-X•|aopsHi|oa a-i ai i i a-äopbi®, *Sjnqu9puB.io znjAOJd '«»TS« •appina�neTu* •snadjaB 3)0)03 am» -Sanqua�fUBitf 11131,(30 3)0)03'IBS •g-g•zioqBjig '„tttjiDßgajqoiDdj"'«jjnqßua® J g- g•aapja.ii«aqj;f( ■jiiadjaß 350)03 an)? •g-'l•oiopuifi '3goi,)3„3ic?'jDSDioßai® W •IBqiua83|g[ "(«CS) giiotzk-,johiM3)a® giauZA St Hiuatupj?'najioBuaqtiis'aq.i® A ( qioifi)•i,jiauho?ioD);'uij-wa'S •g- H•i.iopsaiti lai) troniaa'g lajojqjogjn uajaoB «tzijiW 3,010)'3)0)03 iwiaquo am? •juadJaB uapoBialiojj gaoigiJ g-g•utnuajf •uadctgU joh,jo® '9p|Min«q9ii q qaii.lquaqaajf CiatJioqo)))?) pom 11,,'laifpijj ig •(Ichiohz® G huJ) laiqaijum umF g- g soiuviogj»pisiSaa» •gniiog,3 inoinoyaiß g- g-g•obbidbjj q X,»SN Tai) 100® uiazz-g-'X'«« •988 ahoi,) .laxyig'hipay ,qo,® in?-«ijo® •m*i ■ja.,) 3)0)03 3JJ1? g- X-«SAinaiu i(a8in iibs 'OS 3�00;] •p«®'.««ag.taiqnjfi*'uoijjoqa® jj •a-M-laopsBa (ßuiunujqj® oi®) uacug3'�(ahsjo® •apjB.usiiay •.qoqaa®* ,uoano,j3� apanuiJcaSuf lila djaß 310)03 3)5)5 •g-'X«jaopsuiiBis-SIV djaß 310)03 3)i,z-O'BaplB»» Bazaa.G wg»jubu-iiv I0)0)g.i«3)iaa'?U35»atf I I •aipaujpaa'giupö:)0]a)iq3]i3(B g-g•äaaqspuB'g-nv >31) 3,0,03'DB 'I-'l•aqainaiif»»! 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Gasthos zur Mühle, Juh. Kablitz. »tiiei'fi:-Bt«>?.ig. Fr. Thiele. Zur grünen Tanne. SandhaiuteB. g.-B. Waldlchlotz. Sclienkondorf- T.-B. Otto Pätlch(Saal). 8cdea»«D6ark(SiiIieii-l.IIddei>1. Deustchcr Kaiser, Jnh.KarlRiditer. iKrliAiiBA(Sorau-Forsl). G. Schneider n. E. Gebhardt, (Daloichlotz). »»ebiklliArB. R.-O.-g. »HanS Ritzhaupt.»Schröder. »Schmidt, WirlShauS Schildhorn. ScIiI!6oV. I.-B. Kein Lokal frei. »i!!»«'I»>aeI»t«ii8eE. T.-B. Beelitzhos, Wilhelmshöhe und Kastmiienwäldchcn.Jiih. Krüger, frei) alle anderen Lokale gesperrt. 8«I»Bml'KeBdAi,T. T.-B. F.Bariel» Wirtshaus, Schmargcn- dors, Warnemünderftr. 6. „Lindenbaum", Spandauerstr. 40, Jnh. Ad. Pötischer. Schützuihaus. Hundekehlenstr. 20, Jnh. H Meißner. Lciimellivit?(Coltb.-Sprembg.). Richard Liician. Herm. Hoflmann. Lcbmsi'lille de! fraoilsiidiikq a. d. H. Restaurant Gericke. Sriiniftck witz. T.-B. Gasthof„Zur Palme", am Seddin« see, Herrn. Beter. Noack, Restaurant Zum Seddins«. Murseldi,„Seglerschlotz". .Wald-Jdyll'. Witwe Loren,. Zestd'nblicil d. Vaiierzdark. g.-B. Zum Waldschlötzchcn, Th. Müller. Zedönedei'g. 7-8. All« Säle stet. ScbSneiebe-SehSnebeck. I.-B. Waldschlatz. Jnh Max. Mann. iKcIioiteidiB«!«. N.-B. Internationale SpoithauS frei. SchönflieMs. I.-B. Alle Lokale aeipent. �«?IiÄ»tN«-88 b. Fdrsleoberg. Rest Aug. Krüger. SiidittnIiAl«. g.-B. Schloß Schöiiholz gesperrt. Alle anderen Lokale frei. bd�IiftiiAiv. g.-B. Schulz. Schön waldc i.d..71. N.-B. H. Schulz.— L. Liebenhofen.— H. Borowski, Internat. sportS- haus a. Goriniee. Schöplni'tli. I.-B. SchützenHaus(Fiitz Schukar). SchuIaicndAi't'. I.-B. »Rest. Neue,»Rest. Müller. Rest Hubertus, Jnh. Mlosch, frei. SchulzsDdorfb.EIehwalde. T.-B. Stein Lokal srei. Schwanebeck. g.-B, Me Lokale gesperrt. �ichii'vdt a. O. Deutsches Haus, Heinersdorserstr. i�ctiiviclaan. Ww. Pratsch, Crossenei stratze. Gustav Gondolatsch, Mühlenstr. Will,. Pansch, Herrenstrape. Rod. Peil. Fraiiksurterstratze. Jul. Lankilch. Kutschlauerstraße. Osw. Schmidt. Martt. Rewh Zilz, Angerstratze. Z. weißen Lamm. R. Weber, Poststr. Seddin bei Beelitz. Rest Willi Gräfe, «Seeaeteld. P.-O.-I. Gesperrt: Nicolai. Seidlito, Undbez. Landsbg. Zum Spitzkrug. Seifersdorf. Sorau-Forsl. Restaurant Schober. Senflenberg II.(Calau-Luckau). Beufter» Gailhof in eauo. «Qi--!«. T.-B. Alle Lokale frei. Flamen(Cottb-Sprembg.). ö. Fischen Rest F. Lemke; Adolf Juri, vellevue. 8Iani en-Züi egelei. HoflmannS Lokal. �Aiiinicrfeld(SchwicbuS). Zum Kurfürsten. Bahnhosftratze. Sommerfeld b.freramsn. P.O.B. Brauerei Weber stet. Rest. Eintel. 8onncnbiirg (O.- U. W.-Siernberg). Wtlh. Greiser und Hotel Marigraf. Koran. Flora, Saganerslratze.— Gasthof zur Eile, Eilplatz,— Rumbau«, Psörtlierstratze.— Golden« Anker, Priebuserstratze. i�orno.(Calau-Luckau) Krügers Gasthos. Kpandan. P-O-D. Verkehrslokale: Carl Gottwald, Schönwaldttstr. 80. E. KöpnlckS Ball-salon. PichelS- borserstr. 39. Paul Holldors, Seeburgerstr. 26. „Volks heim". Fr. Döhle, Havel- strotze 20. Spandaner Berg). T.-B. Vockbraucrei. Spindlcrslclde. T.-B. Rest Ruhwal b. {»tprt'en liagen. T.-B. Alle Lotale gesperrt. Bprem«»erg. Paul Heinze, GeselllchaftsbauZ. Paul Kobest, Konzerlbaus. Ludwig Krüger, Bcrgschlötzchen. Bruno Rückert, Bürgerhaus. bipringellierg. bl.-B. Restauranl Fatbke. b�pmcke heing.). Landhaus— WolsStbal— see» tob— Schlagmühle— Zlot- käppchea— Reue Spitzmühle