Ur. Ä39. Hbcnncmenfs-Redingungen: Abonnements■ Preis pränumerando: Lierteljährl. SM) Mb, inonatl. 1,10 Mb, wöchentlich 26 Pfg. frei ins HauS. einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- BcUage.Die Neue Welt" lll Pfg. Post- Abonnement: I,l0 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-ZeiwngS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mari pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, öolland. Italien. Luxemburg, Portugal, "nänien, Schweden und die Schweiz. A7. Jahrg. VMjeint täglich außer montags. Vevlinev Volksblalt. Die Insertion!. Levahr veträgt für die scchsgespaltene Kolonel- zellc oder deren Raum 60 Pfg., für politische und gewcrlsck)aflkiche Bcrcins- und VersammlungS-Anzeigen 30 Pfg. �Utelne Snreigen", das erste(fett- gedruckte) Wort 20'Psg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- stcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste stummer müsse» vis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist vis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse! „Sozialdcmoltrat RerllB**. Zentralorgan der fozialdemohrati fchen Parte» Deutfcblands. Redahtiom 8 OL 68, Lindenstrasse 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 12. Oktober 1910. Expedition: 8M. 68, Lindenstraeae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Zur preukischen Uerwaltungsreform. Die Reformbedürftigkeit der preußischen Verwaltungs- organisation wird heute wohl von keiner Seite mehr bestritten. Selbst die konservativen Parteien des Landtags sind sich dar- über einig, daß es so wie bisher unmöglich weiter gehen kann, und die Regierung hat durch die Einsetzung einer Jmmediat- kommission selbst die Notwendigkeit der Reform anerkannt. Am 4. April 1908 hatte das Abgeordnetenhaus an die Regierung das Ersuchen gerichtet, ohne Verzug geeignete Schritte zu tun, um die Organisation, das Verfahren und das Rechnungstvesen der Staatsbehörden den dringenden Bedürfnissen der Jetztzeit entsprechend zu vereinfachen, zu modernisieren und zu dezentralisieren, insbesondere auch auf dem Gebiete der Schulverwaltung sowie auf eine Stärkung der Lokalinstanz Bedacht zu nehmen. Wie die Regierung sich die Reform denkt, das deutete dann ein Jahr später bei der Etatsbcratung der da- malige Minister des Innern v. M 0 l t k e an: Der burcau- kratische Geschäftsgang und seine Formen sollen vereinfacht und erneuert, die Behördenorganisation soll vereinfacht werden; zur Durchführung der Dezentralisation in der Schul- Verwaltung ist die Schaffung einer Kreisbehörde geplant, die unter Anknüpfung an die schon vorhandenen Faktoren der Verwaltung die Aufgaben erledigen soll, die von der Regierung dezentralisiert werden können, auf deutsch die Macht des Landrats soll gestärkt werden. Weiter trägt sich die Regierung mit dem Gedanken einer anderen Verteilung der Dienst- geschäfte an die örtlich und sachlich geeigneten Stellen, und endlich will sie eine Vereinfachung des Jnstanzenzuges und seiner Formen herbeiführen. Eine echt preußische Reform, die jeden großen Zug ver- missen läßt und darauf hinausläuft, daß im wesentlichen alles beim alten bleibt und daß der preußische Polizei- und Bureaukratenstaat mit seinem Bevor- mundungssystem gegenüber den Selb st- verwaltungskörpern und der Unterdrückung jedes freiheitlichen Gedankens weiter seine herrlichen Früchte zeitigt. Die Masse des Volkes würde von dieser„Reform" eher Schaden als Nutzen haben. Kein Wunder, daß das Volk den ministeriellen Plänen kein Interesse entgegenbringt und daß, ab- gesehen von den persönlich daran beteiligten Kreisen, die Gesamtheit ihnen teilnahmslos gegenübersteht. Nicht als ob die preußischen Steuerzahler die Bedeutung einer wirklichen Verwaltungsreform verkennen I Im Gegen- teil. Aber andererseits wissen sie, daß in einem Staate, dessen letzte Zuflucht das Dreiklassenwahlsystem ist. auf dem Gebiete der Verwaltung für sie noch weniger herausspringt als auf dem der Gesetzgebung. Wie sich die Sozialdemokratie eine Verwaltungsreform denkt, das ist auf dem diesjährigen preußischen Parteitag un- zweideutig zum Ausdruck gekommen. Aber nicht nur von sozialdemokratischer, sondern auch von anderer Seite sind zahlreiche Vorschläge an die Oeffentlichkeit gedrungen, die der Beachtung wert sind. Unter ihnen dürfte die erste Stelle eine von dem bekannten Rechtslehrer und Berliner Stadtverordneten Dr. P r e u ß im Auftrage der Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin verfaßte Denk- schrift") einnehmen, die die Reformbedürftigkeit der gegen- wärtigen VcrwaltungSorganisation darstellt, einen Ueberblick über die bisherigen Reformen von der ersten Städteordnung an gibt und zu dem nur allzu berechtigten Schluß gelangt, daß die so schnell zutage getretene Reformbedürftigkeit der letzten Reformen ihre Ursache keineswegs in einzelnen tech- nischen UnVollkommenheiten habe, sondern sich aus dem ganzen Aufbau dieser Organisation ergebe. Vereinfachung und Dezentralisation der Verwaltung sei heute das Losungswort, wie es schon bei jeder vorangegangenen Verwaltungsreform das Losungswort war, und das' Resultat sei stets das ent- gcgeugesetzte gewesen. Auch jetzt wieder sei zu befürchten, daß man aus dem alten Wege fortivandern und damit zu einer abermaligen Vermehrung der Behörden und zu einer erneuten Kompliziertheit ihrer Zuständigkeiten gelangen wird. Die Befürchtung von Preuß ist leider nur allzu begründet. Die„altpreußische Tradition", die Abneigung der regierenden Kreise gegen jeden wirklichen Fortschritt, der Widerstand der Junkcrclique gegen jede auch noch so geringfügige Schniälcrung ihres weit über ihre Bedeutung hinausreichenden Einflusses werden die Verwaltungsreform entweder völlig vereiteln oder höchstens eine Scheinreform zulassen, die an dem Wesen der Dinge nichts ändert. Deshalb werden auch die Reform- Vorschläge von Preuß aller Voraussetzung nach auf dem Papier stehen bleiben. Die„Vielregiererei des cudämonistischen Polizeistaates" wird nach wie vor Orgien feiern, das„alt- ererbte Mißtrauen der Staatsburcaukratie gegen das ihr heterogene Elemente der Selbstverwaltung" wird nicht ver- schwinden und so wird die Kommunalaufsicht in Wirklichkeit auch fernerhin eine staatliche Leitung und Mitverwaltung sein. *) Dr. Hugo Preuß. Zur preußischen Verwaltungsreform. 1910. ©. G. Teubner. Um hier Wandel zu schaffen, muß nian die Axt an die Wurzel des Uebels, an das Dreiklassen Wahl- system legen. Aber nicht nur das! Man muß auch die Machtbefugnisse des Parlaments erweitern und ihm Einfluß auf die Verwaltung einräumen. Gewiß pflichten wir Preuß darin bei, daß sich eine wirk- same Dezentralisation wie sie angeblich bei der bevorstehenden Verwaltungsreform beabsichtigt ist, nicht durch eine ander- weitige Geschäftsverteilung innerhalb der Staatsbehörden, sondern nur durch die Rückkehr zu dem Grundgedanken aller Verwaltungsreformen durchführen läßt, wonach die eigentliche lokale Verwaltung nicht durch das Staatsbeamtentum der Bezirksregierungen, sondern in der Hauptsache durch die Selbstverwaltungskörper von Gemeinde, Kreis und Provinz geführt werden soll, während der Staat die Aufsicht über diese Kommunalverwaltungen hat, allenfalls noch mit der unmittelbaren Verwaltung einiger weniger Angelegenheiten, auf deren konzentriert einheitliche Leitung man gar nicht verzichten zu können glaubt. Preuß besitzt selbst genug praktische Erfahrung, um einzusehen, daß der prinzipielle Bruch des heutigen Systems die un- erläßliche Vorbedingung für die Verwirklichung dieses Ge- dankens ist, und gerade seine praktische Erfahrung läßt ihn einen solchen Bruch als unmöglich erscheinen. In der Tat ist von einer Regierung, der schon das bißchen Selbst- Verwaltung, dessen die Gemeinden sich noch erfreuen, ein Dorn im Auge ist, von einer Regierung, die eifrigst bestrebt ist, den Begriff der Selbstverwaltung zur Farce zu entwürdigen, in dieser Hinsicht nichts, absolut nichts zu envarten. Auch von den übrigen Neformvorschlägen von Preuß hat leider kein einziger Aussicht auf Berücksichtigung. Von der früher sogar von einem Miguel mit aller Entschiedenheit geforderten Uebertragung der Polizei auf die Kommune wollen die herrschenden Klassen heute weniger denn je wissen, sie halten an dem Dogma der prinzipiellen Scheidung von Polizei- und Kommunalverwaltung, worin Preuß mit Recht die Hauptquelle der Zerrissenheit unserer Selbstverwaltungs- organisation und damit zugleich den Hauptgrund für die Ün- Möglichkeit einer wahren Dezentralisation und einer wirksamen Vereinfachung der Staatsverwaltung erblickt, unentwegt fest. Auf dem Gebiete der Schulverwaltung legen sie Ge- wicht auf die Auseinanderreißung der angeblich staatlichen inneren und der kommunalen äußeren An- gelegenheiten, obgleich bereits im Jahre 1875 eine Denkschrift der Regierung eine solche Trennung als Wider- sinnig und undurchführbar bezeichnet hat, ja es besteht die Gefahr, daß die Leitung der Schulverwaltung nicht nur für Gutsbezirke und Landgemeinden, sondern auch für Städte bis zu 100000 Einwohnern den Landräten und den Kreisaus- schüssen ausgeliefert wird. An die Wiederaufnahme der 1876 liegen gebliebenen Reform wenigstens bezüglich der großen Städte denkt die Regierung heute nicht mehr; sie hält fest an dem Hausbesitzerprivileg, an der öffentlichen Stimmabgabe, an dem Bestätigungsrecht und anderen reaktionären Bestim- mungen, die sie 1876 als veraltet preisgeben wollte, und setzt so der freien Entfaltung der Städte gewaltsam einen Damm entgegen. Auch nicht in einem einzigen Punkte wird die„Reform" einen Fortschritt bedeuten, wohl aber bringt sie in mancher Hinsicht beträchtliche Nachteile. Welche Bedeutung gerade die Verwaltung eines Staates für seine Bürger, in erster Linie für das gesamte Proletariat hat. das auszuführen erübrigt sich an dieser Stelle. Die gesetzgebenden Körperschaften können schlechte Gesetze erlassen, und sie treiben namentlich in Preußen mit diesem Vorrecht einen ausgiebigen Mißbrauch. Aber noch weit mächtiger sind die Organe der Verwaltung, die es ver- stehen, selbst liberale Gesetze im reaktionären Sinne zu Hand- haben und durch allerhand Maßnahmen jede freiheitliche Regung im Keime zu ersticken. Daß die Organe der preußi- schen Verwaltung, in erster Linie die allmächtigen Landräte, diese Kunst kennen, daS bedarf keines Beweises. So ist es heute und so wird es auch nach Verabschiedung des Rcsorm- Werkes der Regierung sein. So wird es bleiben, bis die Junkerherrschaft in Preußen gebrochen ist. Und deshalb müssen alle die, die eine wirkliche Reform der preußischen Verwaltung wollen, die Axt an die Wurzel des Uebels, an das Dreiklassenwahlsystem legen. Erst wenn das Drei- klassenwahlsystem beseitigt und an seine Stelle das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht getreten ist, wird die Bahn frei sein nicht nur für volksfrcundliche Gesetze, sondern auch für eine Verwaltung, wie sie eines freien Volkes würdig ist. Die Revolution in IPortugal. In den Blättern der Reaktionäre, der Agrarier und des Zentrums, denen die sogenannte unparteiische Presse des Herrn Scherl sekundiert, erscheinen jetzt abenteuerliche Schil- derungen der furchtbaren Verfolgung, denen die Mönche und Nonnen in der neuen Republik ausgesetzt sind, Tartarcn- Nachrichten über Tartarennachrichtcn über Priesterermor- düngen und dergleichen mehr. Die Korrespondenten der Scherlpresse versichern, daß der Regierung die Zügel ent- gleiten, daß der„Pöbel" herrsche und anderes mehr. Ebenso will der Korrespondent des konservativen Londoner„Stau- dard" allerlei Greuel, die das Volk an den Mönchen verübte, beobachtet haben. Nun ist es ohne weiteres zu glauben, daß das erbitterte portugiesische Volk in der Aufregung der ersten Tage des neuen Zustandes mit den Vertretern der verhaßten Orden nicht gerade glimpflich umgegangen ist. Indes charakterisieren sich die Schauerschilderungen der genannten Blätter als tendenziös gefärbte Uebertreibungen, die sie nicht lassen können, weil sie von ihrem Parteistandpunkt aus großes Interesse haben, jede revolutionäre Bewegung zu verleumden und als gleichbedeutend mit Raub und Mord im großen hinzustellen. So wird der„monarchische Gedanke" im eigenen Lande gestärkt. Die Korrespondenten liberaler Blätter haben von der Anarchie und blutigen Pöbelherrschaft, von der reaktionäre Blätter fabeln, nichts bemerkt. Ein Berliner Tele- g r a m m der„ K ö l n i s ch e n Zeitung" vom 11. Okto- ber erklärt zu den widersprechenden Lissaboner Meldungen: Bei dem ganzen Verlauf der Revolution ist anzuerkennen gewesen, daß Leben und Besitz unbeteiligter Per- s 0 n e n bisher möglich st geschont worden sind und daß die ganze Bewegung sich mit ziemlicher Ruhe vollzog, wie man sie bei Revolutionen, die von Straßenkämpfen begleitet, selten findet. Wie dem aber sei, man wird gut tun, den Dingen und der EntWickelung gegenüber sich skeptisch zu ver- halten. Das Königtum in Portugal bot sicher nicht das Bild einer mustergültigen Regierung und die Begleitumstände seines Umsturzes sind auch nicht geeignet, ihm besondere Sympathien zu erwerben. Auf der anderen Seite haben wir bei den siegenden Republikanern zwar schöne ProNamationen mit teilweise idealen Gedanken und guten Versprechungen, wie sie meist von neu auf- kommenden Regierungen abgegeben werden. Wie sie sich aber erfüllen werden, das ist heute nur schwer zu übersehen, und de?« halb wird man am besten tun, wenn man diesen Vorgängen :____.-lt.-___ einer für beide Teile vorteilhaften Weise weiter Ausgebaut werden. Mit Leidenschaft zu den politischen Vorgängen in diesem Lande Partei zu ergreifen hat man in Deutschland keinen Anlaß. Man wird kaum fehlgehen, wenn man in diesem Berliner Telegramm des rheinischen Blattes eine offiziöse Verlaut- barung sieht, die anzeigt, daß die deutsche Regierung den portugiesischen Ereignissen abwartend gegenübersteht, eben- tuell sich aber nicht weigern wird, die Umwälzung anzuer- kennen. •.• Bcruhigungsmaßregeln. Paris, 11. Oktober. Der„M a t i n" berichtet auS Lissa- b 0 n: Der Haß gegen die Jesuiten läßt befürchten, daß sich das Volk gegen Privatpersonen zu Gewalttätigkeiten hinreißen läßt, unter dem Vorwande, daß diese Jesuiten versteckt halten. Das Volk ist infolgedessen durch den Zivilgouverneur in einem ö f f e n t- lichen Aufruf benachrichtigt worden, daß die Gerüchte, wonach Mitglieder von Kongregationen bei Zivil- Personen eine Zuflucht st ätte gefunden hätten, u n r i ch» t i g s i n d. Es wird ferner darauf hingewiesen, daß die Pri» vatwohnung unverletzlich ist und daß niemand ohne spezielle Erlaubnis das Recht habe, in eine Privat- Wohnung einzudringen. Zuwiderhandlungen werden mit äußerster Strenge geahndet werden. Es wird hinzugefügt, daß die zuständigen Behörden sich ernstlich mit der endgültigen Lösung der ReligionSfrage beschäftigen. DaS Dekret gegen die Orden. Lissabon, 10. Oktober. Nach dem Dekret über die Kongregationen haben die Jesuiten Portugal sofort zu verlassen. Alle Klöster, Hospize und andere geistliche An st alten werden aufgehoben. Die Güter der religiösen Gemeinschaften werden ver- siegelt, inventarisiert und abgeschätzt. Die Güter der Jesuiten werden für Staatseigen- tum erklärt werden, für die anderen Gesellschaften werden später nach Maßgabe der Verhandlungen zwischen Staat und Kirche entsprechende Summen an« gewiesen werden. Durch die Einziehung der Klöster nnd Kirchen fallen der neuen Regierung gewaltige Schätze anheim. Wenn auch die Gold- und Silbergcräte der Klöster von den Mönchen mit fortgenommen werden, so gehen doch die Gebäude, die dazu gehörigen Liegenschaften und bedeutende Weinvorräte in Staatsbesitz über. Viele Kostbarkeiten mußten von den Mönchen in ihrer eiligen Flucht zurückgelassen werden. Minister Machado über die Lage. Frankfurt a. M., 11. Oktober. Der Minister des Aus» wärtigen, Machado, hat, wie die„Frankfurter Zeitung" meldet, infolge einer Erkrankung des Finanzministers Telles auch dessen Portefeuille übernommen. Er erklärte dem Berichterstatter der„Frankfurter Zeitung", die Lage sei bereits fast normal, was davon herrühre, daß die Republikaner schon vor der Revolu- tion überall die moralische Autorität besessen hätten, die jetzt ein- fach die tatsächliche geworden sei. Während die Monarchie sich desorganisiert hätte, hätte die Republik sich im Sinne der Bc- seitigung der Cliquenwirtschaft und der Wahrnehmung der allge- meinen Interessen organisiert. Bisher hätten die Armen für die Reichen gezahlt und die Reichen wie die Armen für eine kleine Minderheit, welche die wirtschaftliche und politische Macht in sich vereinigte. Die äußeren finanziellen Schwierigkeiten hätten ihren Ursprung darin gehabt, daß die inneren Wirt- s H a f t l i ch e n PröbleNe ffflgelöft BtieB'eif. Das der provisorischen Regierung entgegengebrachte> V e r- trauen gehe aus der Tatsache herbor, daß ihr der Fort- bestand der schwebenden Schuld zugesichert und Geld zum alten ermäßigten Zinsfuß offeriert worden sei. Machado betonte schließlich abermals den festen Entschluß der Regierung, sämtliche finanzielle Verpflichtungen der Monarchie getreulich zu übernehmen. Manuel„will nicht verzichten"! London, 10. Oktober. Wie das Reutersche Bureau aus G i- b r a l t a r meldet, hat König Manuel vor dem Verlassen seines Landes dem Ministerpräsidenten einen eigenhändigen Brief geschickt, in dem er erklärt, daß er, durch die U m st ä n d e gezwungen sich einzuschiffen, seinem Volke zu sagen wünsche, daß er sich nichts vorzuwerfen habe. Er habe immer als guter Portugiese gehandelt, immer seine Pflicht getan und würde stets Portugiese bleiben. Von ganzem Herzen hoffe er, sein Land werde ihm Gerechtigkeit widerfahren laffen und werde seine Gefühle ver- st e h e n. Seine Abreise stelle keineswegs einen Akt der Abdankung dar. Wir verstehen sehr wohl, daß der Sohn Dom Carlos die könig- liche Sinekure nicht freiwillig aufgeben mag. Aber sein papierner Protest wird ihm nichts nützen, nachdem er sich durch eine feige Flucht um den letzten Rest seines Ansehens gebracht hat. Der Repnblikanismus in Spanien. Madrid, S. Oktober.(Eig. Ber.) Seit der Proklamation der Republik in Portugal steigt die Un- Zufriedenheit des spanischen Volkes mit der„Regierung der Ver- sprcchungen" des Herrn Canalejas von Tag zu Tag. Zurzeit ist die Bewegung so groß, daß die Monarchie in der gefährlichsten Periode ihrer Krise zu stehen scheint. Die fanatischen Katholiken auf dem Lande, die von den Mönchen, welche ihren naiven Glauben ausbeuten, aufgereizt werden durch die Vorspiegelung, daß Cana- lcjas Krieg gegen die Religion führen wolle, sind in starker Er- regung und drohen mit dem Aufstand. Auf der anderen Seite steht das Volk, das je eher je lieber ein Ende machen möchte mit der Aus- beutung des Landes durch die Orden, und das müde ist der Ver- fchleppungstaktik einer Regierung, die sich in Auseinandersetzungen über das diplomatische und bureaukratische Protokoll des Vatikans erschöpft. Zudem wollen die Republikaner und die Freidenker am Vorabend des Jahrestages der Ermordung Ferrers zeigen, daß sie sich seiner erinnern. Jetzt, am Vorabend auch des Jahrestages der Ereigniffe von Barcelona, hat derselbe Canalejas. der einst Ströme von Verwünschungen gegen den Mord an Ferrer vergoß, nicht allein jede Kundgebung für Ferrer, sondern auch der Sympathie mit der neuen portugiesischen Republik verboten. Uqberdies sind die Soldaten in ganz Spanien' seit mehreren Tagen kon signiert. Man spricht sogar davon, die Reservisten einzu- berufen. Canalejas und die spanischen Monarchisten haben Angst vor der Revolution, und sie zu beruhigen und ihnen den verlorenen Schlaf wiederzugeben, hat eines der großen monarchistischen Tage- blätter zu Madrid die Idee gehabt, die Regierung zu fragen, was sie über die Gefahr einer Revolution denke. Der Minister des Innern, Perez Caballero, hat sich zum Sprecher der Regierung gemacht. Er zeigt einen lächerlichen Opti- mismus. „Die spanische Nation", sagte er,„hängt viel treuer an ihrem Könige als das portugiesische Volk, und Armee und Marine sind ihm treu ergeben, llebrigenß bewegt sich die spanische Monarchie in liberalen Bahnen. Es ist nicht zu befürchten, daß das spanische Volk auf die Garantie eines mehrere Jahrhunderte alten Regimes verzichtet, um dem Beispiel der Nachbarnation zu folgen und sich in ein republikanisches Abenteuer zu stürzen, womit es in der Ver- gangenheit schon so traurige Erfahrungen gemacht hat."(Der Minister bezieht sich hier auf die spanische Republik von 1869, die zusammenbrach.) Auf die Frage, ob Spanien die portugiesische Republik an- erkennen würde, hat der Sprecher der spanischen Regierung erklärt: „Unsere Beziehungen zu Portugal bleiben dieselben wie in der Vergangenheit. Warum sollte man uns Vorwürfe machen, wenn wir gute Miene zur Republik machen? Sind nicht Frankreich und Rußland trotz der tiefen Unterschiede in den Verfassungen beider Länder durch eine Alliance verbunden?" Ueber das Ideal der spanischen und portugiesischen Republi- kaner, eine republikanische iberische Föderation zu gründen, sagte der Minister: „Gewisse Mitglieder der neuen republikanischen Regierung in Portugal träumen von einer iberischen republikanischen Födera- tion. Sie wird ein Traum bleiben. Das größte Hindernis wäre der portugiesische Patriotismus. Portugal hat nur 6 Millionen Einwohner und Spanien hat 20, und die Furcht, seine Selbständig- keit zu verlieren, wird sicherlich Portugal abhalten, auf die Ver- wirklichung dieses Planes hinzuwirken." Der Minister spielt natürlich notgedrungen die Rolle des Optimisten. Aber wenn er nicht an die Gefahr der Revolution glaubt, weshalb verfährt er so strenge gegen die Republikaner? Warum läßt er die republikanischen Zeitungen, wie„El Progreso" in Barcelona, konfiszieren? Warum verbietet er die republika- nischen Kundgebungen? Warum konsigniert er die Truppen und beruft die Reservisten? Eins ist gewiß: Jeden Tag wird eS klarer, daß allein eine Revolution die Frage der geistlichen Orden in Spanien lösen kann. Die Diplomatie wird mit den Mönchen nicht fertig und die Komödie dauert schon lange genug. »• • Balcncia, 11. Oktober. Hier wurde von Republikanern ein Angriff(?) auf einen katholischen Klub verübt. Die Polizei schritt ein; mehrere Personen sollen dabei ver- letzt worden sein. ffloaM. Die„Deutsche Tageszeitung" hat im„Vorwärts"„eine Drohung mit der Vorbereitung des Auf- r u h r s"— eine etwas verzwickte Sache— entdeckt. Und zwar in unserer selbstverständlichen Bemerkung, d a tz das Proletariat oen, onstriercn»verde, wenn es wolle. Das agrarische Organ ist gütig genug, zuzugeben, an sich und von vornherein möchten«solche Demonstrationen" vielleicht nicht bestimmt sein, Gewalttaten hervorzurufen; aber in jeder Massenkundgebung stecke der Keim des Auf- ruhrs. Wer demonstriere und die Massen zur Demonstratio»» anstifte, spiele mit den» Feuer der Empörung. Das se» von sozialdemokratischer Seite auf dein Jenaer Parteitage fest- gestellt worden. Das sozialdelnokratische Parteiorgan habe mit dem erwähnten Ausspruche offen bekundet, daß das von der Sozialdemokratie geführte Proletariat das Recht auf Demonstrationen beanspruche und daß es von diesem Mittel Gebrauch machen werde, wenn es die Anwendung für ztveck- mäßig erachte. Das sei, wenn man die Dinge richtig be- trachte, eine Drohung mit der Vorbereitung des Aufruhrs. Wir brauchen diesen Unsinn nur niedriger zu hängen>— Her Verlauf der Wahl rechtsdemon st ratton zeigt deutlich genug, wie ungeniert das Organ Oertels hier die Wahrheit vergewaltigt. Das Blatt ei»trüstet sich dann noch weidlich über das am Sonntag von der Sozialdemokratie verbreitete Flugblatt und teilt dabei mit, ihm sei dieses Flugblatt von verschiedenen Seiten zugesandt worden, mit der Bitte,„das Machwerk ge- 'bührend zu kennzeichnen". Ein Landgerichtsdirektor habe geschrieben, daß die Duldung der Verteilung solcher Mach- werke zu den vielen Unbegreiflichkeiten unserer Zeit zähle. Oertel findet das sehr richtig, fährt dann aber empört fort: ..Was hilft aber schließlich die noch so scharfe Kennzeichnung, wenn gegen solche Volksvergiftung und Volksberhetzung nichts geschieht? Man fordert uns auf, den Staatsanwalt da- gegen anzurufen. Das ist nicht unseres Amtes. Die Staats- anwaltschaft hat einzuschreiten,»venn die Gesetze verletzt werden. Liegt in solcher Aufhetzung keine Gesetzesvcrletzung. dann müssen die Gesetze geändert und verschärft werden. Dulden wir aber die Hetzavbeit weiter, dann iyerden wir bald überall erleben und erfahren, was wir jüngst in Moabit und gestern in Remscheid sehen mußten. Die verantwortlichen Behörden tragen eine überaus sckiwere Verantwortung." Bemerkenswert ist au diesem Erguß, daß er der Staats- anwaltschaft rät, nicht wegen Beleidigung der Polizei, sondern wegen„Aufhetzung" Anklage zu erheben. Meint Oertel vielleicht, daß man auf solche Weise den gefürchte tcn Wahrheitsbeweis über das Verhalten der Polizei in Moabit abschneiden könnte?, Da dürfte er sich denn doch irren! Mas kann die preußifchc poltzet von der engttlcken lernen? London, 4. Oktober. Die pyramidale Unfähigkeit und„Schneidigkeit" der preußi- schen Polizei hat in keinem Lande eine solche Verwunderung und Entrüstung hervorgerufen wie in Großbritannien. Denn dem Briten ist der Konstabler wirklich ein Schutzmann und nicht ettva ein Krawallmann, ein Diener des Publikum», der mit großer Ge- schicklichkeit und Besonnenheit den Straßenverkehr regelt und mit gravitätischer Ruhe und Würde für die Aufrechterhaltung der Ord. nung sorgt. Er genießt bei allen Bevölierungsschichten etwa die Achtung, die dem Feuerwehrmann zukommt, und es ist dem Durch- schnittsengländer daher unbegreiflich, wie sich eine Polizeitruppe zu solchen Ausschreitungen hat hinreißen lassen können wie die Ber« liner Polizei während der Unruhen in Moabit. Würde die Lon- doner Polizei in ähnlicher Weise handeln wie ihre Berliner Be- ruftkollegen, so hätten wir in dieser Stadt tvährend der Par- lamentssession, wenn jede Woche große Strahendemonstrationen veranstaltet werden, eine fortivährende Revolution. Die Befürworter des preußischen PolizeitvesenS behaupten häufig, daß die Methoden der Polizei durch den Charakter der Be- völkerung, mit der sie in Berührung kommen, bedingt seien. DaS deutsche Volk sei gesetzlos und aufrührerisch und bedürfe daher einer anderen Polizei wie das ordentliche englische Volk, das die Gesetze achte. Keine unwahrere Behauptung ist je aufgestellt worden. Alle Ausländer, die Deutschland kennen, stimmen darin überein. daß es in der ganzen Welt kein ruhigeres und ordnungs- liebenderes Volk gibt wie die Deutschen. Als zum Beispiel die ersten polizeilichen Meldungen über die Moabiter Unruhen in England eintrafen und die preußische Polizei die Welt glauben machen wollte, es sei in Berlin eine Art Revolution ausgebrochen, schrieben die englischen Blätter, das deutsche Volk hätte seinen Charakter verändert. Wenn in einem Volke ein Stück Rebell steckt, so ist dies das englische Volk. Das werden alle zugehen müssen, die sich längere Jahre in Großbritannien aufgehalten haben. Die ganze Geschichte des Volkes mit ihren endlosen Rebellionen und er- mordeten, Hingerichteten und abgesetzten Königen zeugt davon. Einer der vielen Engländer, die in den letzten Jahren Deutschland bereist haben, berichtet unter anderem von einer Szene, die sich auf einem Zechenplatz im rheinischen Kohlenrevier abspielte und bei der er zugegen war. Ztvei etwas angeheiterte Arbeiter wollten sich zur Arbeit begeben, wurden'aber von der Zechenvertvaltung zurückgewiesen. Schließlich holte man einen Polizisten, der die beiden Arbeiter gewaltsam mit Schlägen und Püffen vom Zechen- platz entfernte. Nicht einer von ihnen machte die geringste Miene, sich zu wehren.„Wenn das bei uns passiert wäre," so meint dieser englische Besucher,„so wäre der Polizist mit blutendem Kopfe nach Hause geschickt toorden/' Nicht weil das englische Volk etwa friedliebender und ordent- licher ist wie das deutsche— das Gegenteil ist wahr— hat es eine vernünftigere Polizei, sondern weil die Männer am Staatsruder in Großbritannien wirkliche Staatsmänner sind, die die Menschen kennen und die Welt nicht vom Kascrnenhof aus betrachten. Sie ver- stehen es, dem Volke zur rechten Zeit Konzessionen zu machen und schivanken nicht beständig zwischen der jämmerlichen Angst vor der Revolution und einem unvernünftigen Machtdufel. Sie bedürfen daher keiner Kosackentruppe, die bei jeder Gelegenheit die Kopf- losigkcit der Machthaber dem friedlichen Bürger durch Säbelhiebe dokumentiert. Bewunderungswürdig glatt geht die Arbeit des Kon- stablers bei den vielen Straßendemonstrationen vonstatten. WaS geht es die Konstabler an, ob die Demonstranten Kon- servative, Sozialisten, Liberale, Anarchisten oder Frauenrechtlerinnen sind; solange sie den von den Demonstranten selbst vorherbestimmten Weg einhalten, sieht die Polizei danach, daß ihnen von keiner Seite unrecht geschieht und daß sie ihr gutes Recht, auf der Straße zu demonstrieren, ungefjört ausüben können. Noch deutlicher kommt der Charakter der englischen Polizei bei Straßenkrawallen, die in England, nebenbei bemerkt, viel häufiger sind»vie in Deutschland, zum Vorschein. Folgende Szene kann man in London täglich be- obachten. Zwei oder mehrere Menschen geraten auf der Straße in einen Streit und fangen an zn boxen. Eine Menschenmenge sammelt sich an. Schließlich stellt sich auch mit gravitätischen Schritten— denn der Londoner Polizist verliert nie seine Ruhe— ein Konstabler ein. der sich zwischen die Kämpfenden stellt und den Angreifer sachte aber energisch zurückdrängt.„Move on! Move onl" das sind die einzigen Worte, die der Riese in blauer Uniform gebraucht. Niemand wird gereizt und in ein paar Minuten hat sich die Menge verlaufen, ohne daß sich der Hüter der Ordnung an seiner Würde etwas vergeben hätte. Die Kämpfer ziehen ihre Röcke wieder an und gehen, Rache schwörend, ihren Weg. Man »vählt zu- Polizisten ohne Ausnahme starke sechs Fuß große Männer, die sich nicht leicht aus der Ruhe bringen lassen und denen die zuvorkommende Behandlung des Publikums einige Monate vor dem Antritt des Dienstes eingepaukt worden ist. Wie sich die englische Polizei bei Streiks verhält, konnte man vor noch nicht langer Zeit bei dem Ausstand der Hafenarbeiter in Newport Ivahrnehmen, wo die Polizei die Einfüh- rung von Streikbrechern verhinderte, Weil diese die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Herr Werner, der Vorsitzende des deutschen Steigerverbandes, der um die Mitte des Jahres Großbritamrien bereiste, schreibt über diese Angelegenheit in einer Broschüre, die er über seinen Besuch veröffentlicht hat:„Eine große Roederei de? füdwalisischen Hafens besöhloß plötzlich, die bei ihr beschäftigten Schiffslader nicht mehr nach Stücklohn, sondern nach Tagelohn zu bezahlen. Die Arbeiter widersetzten sich dieser Neue- rung, in der sie den Versuch einer verschleierten Lohnverkürzung erblickten und traten in den Streik Zivischen den vom Reeder- verbände vermittelten Streikbrechern und den Streikenden kam es bald zu ernstlichen Zusammenstößen, aber schließlich gelang tS den Gewerkschaftsführern, die Streikbrecher zur Abreise zu bewegen. Ungeachtet der großen Erregung, in der sich die ganze Bevölkerung von Newport bereits befand, machte die Reederei unbekümmert Anstalten, neue Streikbrecher zu importieren. Eine vom Re- gierungsvertreter und dem Bürgermeister einberufene Konferenz der Vertreter der Arbeiter und der Unternehmer kam inzwischen zu dem Beschlüsse, die Streitfrage einem Schiedsgericht zur Ent- scheidung vorzulegen. Zur allgemeinen Entrüstung erklärte die Reederei, sich um diesen Beschluß nicht scheren zu»vollen, und ging daran, die neuen Streikbrecher einzustellen. Hierauf erklärte der Bürgermeister, daß er nicht nur die Streikbrecher nicht vor Gewalttätigkeiten beschützen, sondern auch die Einstellung der Streikbrecher mit Waffengewalt verhindern werde, und fügte hinzu, daß er darin in vollem Einver- nehmen mit der Regierung handle. In dieser Zwangs- läge bequemte sich die Reederei schließlich zur Teilnahme an den Einigungsverhandlungen» die übrigens zu ihren Gunsten aus- sielen." Man halte diesen Vorfall gegen den Streik in Moabit und frage sich, welche Behörde klug und mit Ueberlegung gehandelt hat, um den öffentlichen Frieden aufrecht zu erhalten, die englische oder die preußische! Man»oird daraus sehen, daß die preußische Regierung in bezug auf Polizei- »oesen gründlich umzustudieren hat. Mit ihren jetzigen gewalt- scnnen Methoden wird sie nicht weit kommen.„Die deutsche Polizei", so schrieb vor einigen Tagen die„Daily Netvs",„hat eine Vorliebe für die getvaltsame Unterdrückung, was schlechte Oeko- nomie und schlechte Politik ist. Mit Takt kann man Schwierig- leiten überwinden, während die Brutalität den Geist des Hasses und der Entrüstung erzeugt,, und sogar eine von einem starken Militär unterstützte Regierung handelt unklug, diesen Geist un- nötigerweise zu provozieren." Alle(Räder stehen still! Auf der fraiizösischen Nordbahn, die auch einen großen Teil des Verkehrs zwischen Frankreich und Deutsch- land aufniinmt, so namentlich den internationalen Schnell- zugsverkehr PariS-Berlin, ist urplötzlich ein gewaltiger Streik ausgebrochen, der mit einem Ruck fast den gesamten Eisenbahnbetrieb zum Stillstand gebracht hat. Nach der„Humanitö" handelt es sich um folgende Forderungen der Angestellten: L Allgemeine Lohnerhöhung, die der herrschenden Lebensmittelverteuerung angemessen ist. 2. Soll das Pensionsgesetz vom tt. Juli 1909 zurückwirkende Kraft erhalten. 3. Bessere Arbeitseinteilung. 4. Durchführung eines wöchentlichen Ruhetages. v. Feste Anstellung mit einem Minimal-JahreS» geholt von 18S0 Fr. statt des TagelohneS. Der Umfang des Streiks »var gleich am Dienstagmorgen derartig, daß der Pariser Nordbahnhof geschlossen»verden mußte und Eisenbahnzügc nicht abgehen. Die Arbeiter haben bis in die frühen Morgen- stunden Versammlungen abgehalten und der Streikbeschluß wurde sofort im ganzen Nordbahngebiet den Angestellten durch Automobile Angestellt. Gestern morgen 4 Uhr wurde der Nordbahnhof zunächst wie gewöhnlich geöffnet. Als um 4 Uhr 20 Minuten der erste Zug abgehen sollte, wurde den Reisenden erklärt, daß der Zug infolge»nangclS an Loko- motiven nicht fahren könne. Der Stationsvorsteher des Bahn- Hofs erklärte dann, daß wahrscheinlich auch die anderen Züge nicht abgehen würden, da man aus den Maschinendepots die Nachricht erhalten hätte, daß keine einzige Lokomotive das Depot verlassen würde. Um 4 Uhr 20 Minuten traf ein Zug auS Boulogne ein. Der Lokomotivführer dieses Zuges er- klärte, daß er auf der Strecke nichts Außergewöhnliches be- merkt habe. Der um 4 Uhr 5 Minuten aus Brüssel fällige Eilzug ist nicht eingetroffen. Um 5 Uhr wurde der Nord- bahnhof geschlossen. In La Plaine St. Denis arbeiten von 300 Bahnarbeitern 15 und von 600 Lokomotivführern nur 50, in La Capelle 10 Lokomotivführer von 100. Von 1500 Bahnbeamten feiert mehr al» die Hälfte. Der Güterverkehr hat fast ganz auf- gehört. Zwischen 6 und 8 Uhr vormittags sind etwa 10 Eisenbahnzüge eingetroffen, die mit Reisenden voll besetzt »varen. Einige Züge sind abgegangen, wie der Extrazug nach Calais. Die Wirkungen des Streikes machen sich schon jetzt in unliebsamen Zugverspätungen be- merkbar: Der Nordexpreßzug 1,50 Uhr»ach Köln ist nicht abgefahren. Der 12,50 fällige Schnellzug von Köln wird mit mehrstündiger Verspätung hier erwartet. Von den beiden Schnellzügen 7,53 und 8,10 Uhr morgens nach Köln ist der letztere mit halbstündiger Verspätnng abgefahren. Ob der Lokomotivführer den Zug bis zur Grenze bringen wird, ist ftaglich. Der gestern abend 10 Uhr von Köln abgegangene und 7 Uhr 53 Minuten in Paris fällige Schnellzug ist eben- falls mit mehrstündiger Verspätung eingetroffen. In Brüssel macht sich der Ausstand der Angestellten der französischen Nordbahn ebenfalls in empfindlicher Weise be- merkbar. Die fahrplanmäßigen Züge konnten nicht abgehe«. Einem Teil der Passagiere wurde das Fahrgeld zurückgegeben. Die Reisenden erhielten den Bescheid, daß die Züge von Brüssel nur bis St. Qnenti» gehen. Der letzte aus Paris ein- getroffene Zug ist gestern ftüh um 5 Uhr eingetroffen. Es ist dies der Zug, der abends 8 Uhr Paris verläßt und Blumen. Früchte und Gemüse nach Belgien bringt. Der Els-Uhr-Zug ist nicht mehr eingetroffen. Der Postdienst nach England und Deutschland wird von der Postverwaltung durch Automobile aufrechterhalten. Um 5 Uhr morgens ver- ließ eine Anzahl Automobile das Hauptpostamt in der Richtung nach Calais, um 7 Uhr folgte eine zlveite Etappe nach der belgischen Grenze. Auch die belgischen Behörden beschäftigen sich mit der Sicherung des Betriebes durch Automobile. Die Pariser Post ist in Belgien ausgebliebe»; ebenso sind aus Paris keine Zeitmigen eingetroffen. Auf französischer Seite ist die Bahnlinie durch einen Posten auf je 60 Meter besetzt. Auch in den Bahnwärterhäuschen ist Infanterie einquartiert. In Belgien glaubt man. daß der Ausstand nicht länger als 48 Stunden dauern wird, da bis dahin irgend eine Ver- ständigung getroffen sein dürste. Im französischen Ministerrat gaben Ministerpräsident Briand und Minister Millmmd Er- klärungen ab über den Ausstand bei der Nordbahn, der un- erwartet ausgebrochen sei, nachdem die Eisenbahner die Ver- Mittelung der Regierung zwischen ihnen und den Eisenbahn- gesellschaften angenommen hätten, und der jetzt mehr einen politischen und revolutionären als berufsmäßigen Charakter annehme. Die Mehrheit des Personals sei gegen den Aus- stand.(?) die Führer der Bewegung wollten aber durch Einschüchterung ihre Genossen mit fortreißen.(??) Briand sagte ferner, militärische Maßnahmen seien bereits getroffen und würden noch verschärft werden, um die vollständige„Freiheit der Arbeit" zu sichern. zwei Akte von Sabotage würden gerichtlich verfolgt werden. Das Amtsblatt werde morgen ein Dekret veröffent- lichen, wonach die Eisenbahnen militärisch orgavisiert werden und insbesondere die Einberufung der Eisenbahner, die unter militärischer Kontrolle stehen, auf zwanzig Tage gestattet wird. Die Regierung werde gegebenenfalls auf den Lokomotiven als Führer und Heizer Mannschaften der Flotte verwenden können. Auch seien Maßnahmen getroffen, um den Post- d i e n st und die normale Bersorgnng von Paris mit Lebens- mittein zu sichern. Interpellation in der Kammer. Der sozialisttsche Deputterte Colly hat dem Minister- Präsidenten mitgeteilt, er werde ihn über die Verwendung von Soldaten im Eisenbahnerausstand und über die Drohung, Aus- ständige zur Fahne zu berufen, interpelliere«. Politische(leberltckt. Berlin, den 10, Ottober 1910. Eine neue Kaiserrede. Die heutige Jahrhundertfeier der Berliner Universität hat sich. wie das in Preußen nicht anders sein konnte, zu einem höfischen Festakt gestaltet, bei dem die Hohenzollern nach bekanntem Rezept als„Pfleger der Wissenschaften",„Träger der wissenschaftlichen Arbeit",„Schützer der freien Forschung" usw. gepriesen wurden. Auch der Kaiser hielt bei diesem Anlaß wieder eine längere Rede, die inhaltlich jedoch nichts Bemerkenswertes bietet. Interessant ist lediglich, daß der Kaiser die Errichtung weiterer Anstalten empfahl, die, unbeeinträchtigt durch Unterrichtszwecke, aber in enger Fühlung mit Akademie und Universität, der Forschung dienen sollen. Wörtlich sagte er nach dem Bericht von Wolfis Telegr. Bureau: „Solche Forschungsstätten tunlichst bald ins Leben zu rufen. erscheint Mir als eine heilige Aufgabe der Gegenwart und Ich halte es für Meine landesväterliche Pflicht, das allgemeine Interesse für dieses Unternehmen zu erbitten. Das hohe Ziel erfordert große Mittel und kann nur erreicht werden, wenn alle an dem Fortschritt der Wissenschast und der Wohlfahrt des Vaterlandes interessierten Kreise bereit sind, an der bedeutungsollen Aufgabe mitzuarbeiten und für sie Opfer zu bringen. Jedermann möchte Ich daher heute das neue Ziel mit der eindringlichen Mahnung„Dua res agitur" vor Augen stellen und ans Herz legen. Ich hoffe und vertraue fest, daß das Werk gelingen wird, sind Mir doch auf eine nur im engen Kreise erfolgte Bekanntgabe des Planes hin schon jetzt aus den verschiedenen Teilen des Landes mit begeisterten Zustimmungs- äußerungen sehr ansehnliche Mittel, zwischen neun und zehn Millionen, zur Verfügung gestellt worden. Den opferwilligen Gebern auch an dieser Stelle Meinen wärmsten Dank auszusprechen, ist Mr herzliches Bedürfnis. Um dem Unternehmen aber dauernde Förderung zu sichern, ist es Mein Wunsch, unter Meinem Protektorat und Namen eine Gesellschaft zu begründen, die sich die Errichtung und Erhaltung von Forschungsinstituten zur Aufgabe stellt. Dieser Gesellschaft werde Ich gern die Mir dargebotenen Mittel überweisen. Daß den zu gründenden Instituten, soweit erforderlich, auch staatliche Hilfe nicht fehle, wird die Sorge meiner Regierung sein."« Der Fehdebrief des Kardinals Kopp. Die ultramontane„Germania", die in den letzten beiden Jahren dem Fürstbischof Kopp wiederholt als Sprachrohr ge- dient hat. bestätigt, daß der in der Sonntagsnummer des „Vorwärts" abgedruckte Brief des Herrn Kopp an Fräulein v. Schalscha echt ist. Sie erklärt: „Inzwischen hat nun das„Berliner Tageblatt" am Sonnabendabend de« wesentlichen Teil aus diesem Privatbriefe des Herrn Kardinal-Fürstbischofes infolge einer groben Indiskretion, die wir auf das schärfste verurteilen müssen, da es sich um einen Privatbrief handelt, veröffentlicht. Wer der Urheber dieser Indiskretion gewesen ist, haben wir freilich nicht feststellen können. Der Privatbrief war an Fräulein v. Schalscha, die Vorsitzende des„Verbandes kath o lisch er Bereine erwerbstätiger Frauen und Mädchen Deutschlands" gerichtet, und soweit wir unterrichtet find, war Fräulein v. Schalscha berechtigt, einzelnen Persönlichkeiten von dem Inhalt des Briefes Kenntnis zu geben. Sie hat in der vorsichtigsten Weise von dieser Berechtigung Gebrauch gemacht, so daß, wie gesagt, nur durch eine grobe Indiskretion die Ver- breitung des Briefes erfolgen konnte, dessen Veröffentlichung von niemandem mehr als von Fräulein v. Schalscha bedauert werden kann." Selbstverständlich nimmt in dem Streit Kopp-Fifcher die „Germania" für Kopp Partei. Seit sie vor einigen Jahren, als sie für die Anti-Jndexbewegung der Münsterschen „Modernisten" Partei ergriff, von den vatikanischen Blättern der Hinneigung zum sogenannten„Modernismus" verdächtigt wurde, hat sie sich in Befolgung des weisen Satzes, daß der bessere Teil der Tapferkeit die Vorsicht sei, ängstlich gehütet, gegen die jeweilig im Vatikan und im deutschen Episkopat herrschenden Ansichten zu verstoßen. So pflichtet sie auch jetzt dem Fürstbischof Kopp respektvollst bei und hält seine gegen den Erzbischof von Köln gerichteten Ausfälle für durch- aus angebracht: „Es wird", meint sie,„niemandem, der halbwegs im politischen Leben bewandert ist, als eine überraschende„Enthüllung" er- schienen sein, wenn der Herr Kardinal-Fürstbischof in seinem Privatbriefe bekundet, daß er kein Freund derJnter- tonfessionalisierung der Arbeiterbewegung ist und deshalb diese Jnterkonfessionalisierung wenigstens in seiner Diözese von der Arbeiterinnenbewegung fernzuhalten sucht. Wir haben annehmen zu dürfen geglaubt, daß das auch in Dortmund längst bekannt gewesen sei, und daß sich daraus der„Notschrei" an die Adresse deS Kardinals Kopp aber gegen ihn leicht er« klären lasse. Es ist bekannt, daß auch andere Bischöfe den Jnterkonfessionalisierungs-Bestrebungen ablehnend gegenüberstehen, nicht bloß Kardinal-Fürstbischof Kopp von Breslau. Selbstdie Ausdrücke:„Verseuchung desWestens" und„ Verflach ung alles katholischen Emp- findens" hält die„Germania" für ganz berechtigt, denn Kopp habe damit nicht sagen wollen, daß schon der ganze Westen in religiös-ttrchlicher Beziehung verseucht sei, sondern nur daß die Jnterkonfessionalisiemngs-Bestrebungen zur „Verseuchung" führen., Vorvereitungen für die Reichstagswahlen. Der Landesausschuß der Fortschrittlichen Volkspartei Thüringens, der 12 Wahlkreise umfaßt, beschloß, an die nationalliberale Parteileitung wegen gemeinsamen Vorgehens bei den nächsten Wahlen erneut heranzutreten. Die Kom- Promißverhandlungen sind schon lange im Gange, es scheint aber, daß der nationalliberale Parteisekretär eine Einigung bisher verhindert hat. �# Der Hansabund wird dieser Tage einen Uufruf zur Sammlung eines Wahlfonds veröffentlichen. Die Scharfmacher an der Slrbeit. Nachdem in den letzten Tagen die von großindustriellen Cliquen unterhaltenen Zeitungen aus den Moabiter Vor- gängen immer wieder die Folgerung gezogen haben, daß un- bedingt ein Gesetz zum Schutz von Streikbrechern nötig sei, scheint der Zentralverband deutscher Industrieller den Boden für genügend vorbereitet zu halten, um attä seinerseits in Aktion zu treten. Er hat nämlich an seine Mitglieder folgendes Rundschreiben gerichtet: „Von unseren Mitgliedern und den der„Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände" angeschlossenen Verbänden laufen fortgesetzt Klagen ein über die bei Streiks oder Aus- sperrungen von den Arbeitern mit dem Streik- postenstehen verübten Mißbräuche und Aus- schreitungen. Durch diese sind die Streikposten zu der gefährlich st en und wirkungsvollsten Waffe der Arbeiter in ihren Kämpfen gegen die Arbeilgeber ausgebildet worden. Tatsächlich wird in nicht seltenen Fällen von den Streik- Posten gegen die nicht organisierten und arbeitswilligen Arbeiter Drohung. Ehrverletzung, sogar körperlicher Zwang ausgeübt. D a- gegen vorzugehen ist nach Lage der gegenwärtigen Gesetze und der diesen von den obersten Gerichten gegebenen Auslegung meistens unmöglich. Allgemeine polizeiliche Anordnungen, durch die dem mit dem Streikpostenstehen verbundenen Unwesen in vielen Fällen wirkungsvoll entgegengetreten werden könnte, sind entweder gar nicht oder nur ganz ungenügend erlassen worden. Infolge dieser beklagenswerten Zustände ist das Direktorium des Zentral- Verbandes aus den Kreisen der Mitglieder dringend aufgefordert worden. Schritte zur Beseitigung der mit dem Streikpostenstehen verbundenen Mißstände zu tun. In seiner Sitzung am 12. und 13. September hat das Direktorium beschlossen, dieser Aufforderung nachzukommen. Es erachtet, daß durch geeignete Bestimmungen in dem in Vorbereitung be- findlichen n e u e n Entwurf zum neuen Strafgesetz- buch dem Unwesen beim Streikpostenstehen gesteuert werden könnte und wird einen dahingehenden Antrag den zuständigen Reichsbehörden unterbreiten. Vor Fest« stellung der im einzelnen zu treffende» Maßnahmen ist es jedoch für wünschenswert erachtet worden, an die Mitglieder des Zentral- Verbandes das Ersuchen zu richten, als weiteres Material für die Begründung des Antrages der Geschäfts- sührung genaue Angaben über einzelne Fälle von Mißbrauch und Ausschreitungen beim Streikpostenstehen mitzuteilen. Infolge dieses Beschlusses richten wir nicht nur an die Einzelmitglieder, sondern ganz besonders an die dem Zentralverbande Deutscher Arbeitgeberverbände angeschlossenen Vereine usw. und Arbeitgeber- verbände die dringende Bitte, wegen Beschaffung des erwähnten Materials ohne Zeitverlust eine Umfrage bei ihren Mitgliedern zu veranstalten und uns das Ergebnis bis spätestens 1. November d. I. zugehen zu lassen." Unterm 11. Dezember 1897 erging ein ähnliches Rund- schreiben; damals war der Urheber Posadowsky, der als Gegenleistung gegen die 12000 Mark, die die Scharfmacher deni Reichsamt des Innern zur Bekämpfung der Arbeiter- organisationen zur Verfügung gestellt hatten, mit diesem Rund- schreiben den Boden für die Zuchthausvorlage zu bereiten be- gann. Was zustande kam, ist bekannt: ein Sammelsurium von erlogenen Räubergeschichten im Stile der heuttgen Reichs- Verbandserzählungen. Jetzt scheint der Zentralverband der Regierung nicht mehr das Geschick zu„Denkschriften" dieser Art zuzutrauen, er macht sich selbst an die Arbeit, und wird dem Reichstage jedenfalls eine Sammlung gewerkschaftlicher „Missetaten" präsentieren, die sich sicher würdig an die Seite ihrer amtlichen Vorgängerin stellen kann. Die„Krawalle" in Reinscheid. Die bürgerliche Presse hat am Dienstag allerlei Räuber. geschichten berichtet, die sich in Remscheid abgÄvickelt haben sollen. Man behauptete, daß im Anschluß an Versammlungen Tumulte entstanden sind, daß die Polizei mit Steinen be- warfen wurde und sich der Kampf bis in die frühen Morgen- stunden hinein fortgesetzt habe. In Wirklichkeit haben in Remscheid 6 Volksversammlungen stattgesunden, die sich mit dem Zwangsarbeitsnachweis der Unternehmer beschäftigten. Die Lokale erwiesen sich als viel zu klein, so daß Tausende auf den Straßen stehen bleiben mußten. Demonstrationen waren nicht geplant. Einige junge Leute verulkten die Polizei und liefen davon. Die Polizei griff darauf die in der Nähe stehenden älteren Leute an. Verschiedene Personen, auch Frauen und Mädchen, Ivurden verletzt, zwei Personen schwer. Von einem Kampfe, der stundenlang odex gar bis in die Morgenstunden gedauert haben soll, kann nicht die Rede sein. Berliner freisinniger Parteitag. In Berlin tagte gestern ein Parteitag der Fortschrittlichen Volkspartei für Groß-Berlin, an dem eine Anzahl freisinniger Abgeordneten und etwa hundert'Delegierte teilnahmen. Herr Fischbeck sprach über das Thema:„Unsere Stellung zum System Bethmann Hollweg und zu den anderen Parteien." In der Dis« kussion wurde hauptsächlich hie Frage behandelt, ob für die nächsten ReichstagSwahlen mit dem sogenannten Großblock der Linken im Reiche zu rechnen sei oder nicht, und ob es sich empfehle, eine gene- rclle Stichwahlparole schon vor den Hauptwahlen auszugeben. Abg. Naumann hob insbesondere hervor, daß eine allgemeine Stichwahlparole nicht gefordert werden könne. Er begründete das mit der Bestimmung des Organisationsstatuts, wonach bei Stichwahlen die Organisation des Wahlkreises die Entscheidung trifft, und betonte, daß an dieser Vorschrift nicht gerüttelt werden dürfe. Die große Mehrheit stimmte dieser Auffassung zu. Ersatzwahl in Sachsen. Der sächsische Landtagsabgeordnete Dürr(Hospitant der nationalliberalen Fraktion), der den 23. ländlichen Wahlkreis, Leipzig-Land, im sächsischen Landtag bertrat, hqt sich in seiner Villa in Gaschwitz erschossen. Es muß deshalb eine Ersatzwahl in diesem Kreis stattfinden, deren Aussichten für die Sozialdemokratie nicht ungünstig sind. Der 23. ländliche Wahlkreis war«sch> 13. fililoltt 1910. Aus der ßeldisverfidierungsordnanss- IKommlffiOD. Sitzung vom Dienstag, den 11. Oktober. Die Kommission setzte die Beratung der I n v al i d e n- und Hinterdliebenenversicherung fort. Wie die Mittelstandsretter dem Mittelstand helfen. Nach der Vorlage soll die Anwartschaft auf die Leistungen der Versicherung, nachdem sie verloren gegangen war, wieder aufleben, wenn der Versicherte wieder eine versicherungspflichtige Beschäfti- gung aufnimmt und danach eine Wartezeit von 200 Beitragswochen zurücklegt. Das ist eine Verschlechterung des geltenden Ge- s e tz e s, das auch dem Kleinunternehmer gestattete, die Versicherung von neuem zu beginnen und die Anwartschaft nach 500 Beitragswochen. in gewissen Fällen sogar nach 200 Beitrags- Wochen zu erwerben. Die Sozialdemokraten hatten daher den Antrag ein- gebracht, daß auch die Kleinunternehmer durch freiwillige Bei- tragsleistung das Versicherungsvcrhältnis erneuern können und Wu nach einer Wartezeit von b00 Beitragswochen die Anwart- kt-ast wieder erwerben. Dazu beantragte Abg. M u g d a n, daß in Alchen Fällen der Selbstversichcrte die Anwartschaft schon nach 200 BeitragStvochen erlangt. Abg. Becker wollte dagegen die Ber- l>esserung des sozialdemokratischen Antrages nur dann zulassen, wenn der Selbstvcrsicherte die Versicherung innerhalb zweier Jahre nach dem Verlust der Anlvartschast erneuert. Beide AbandenmgS- antrüge und der sozialdemokratische Antrag selbst wurden durch die Konservativen. Nationalliberalen und die meisten Vertreter des Zentrums abgelehnt. Dafür wurde den Kleinmcistern nach dem Antrage der Konservativen das Recht, die Anwartschast wieder zu er- langen, niit den Beschränkungen gewährt: Hat der Versicherte das KD. Lebensjahr vollendet, so lebt die Anwartschaft nur auf, wenn er vorher mindestens 1000 Beitragsmarken verwendet hatte. Hat der Versicherte das 40. Lebensjahr vollendet, so lebt die Anwart- schaft nur dann auf, wenn er vorher mindestens 500 Beitragsmarken verwendet hatte und danach eine Wartezeit von 500 Beitragswochen zurücklegt. Trotz dieses„Rechts" wird es tat- sächlich wohl keinem einzigen Kleinmeister über 60 Jahre möglich sein, die Versicherung zu erneuern, und von den Kleinmeistern über 40 Jahre werden tatsächlich nur sehr wenige dies« Möglichkeit haben, weil meistens die Äleinmeister in den früheren Jahren so viele Beitragsmarken nicht geklebt haben. Höhere Invalidenrente. Die Invalidenrente besteht aus einem ReichSzuschuß von 60 M., einem Grundbeitrag und Steigerungssätzen. Die Sozialdemokraten hatten beantragt, daß alle diese Posten, ebenso wie die anderen Posten für die Alters- und Hinter. bliebenenrenten. verdoppelt werden. Dagegen kam das Zentrum mit dem Antrage: hat der Empfänger der Invaliden- rente Kinder unter 15 Jahren, so erhöht sich die Invalidenrente für jsdeS Kmd um ein Zehntel, bis zu dem höchstens anderthalbfachen Betrage.— Schließlich stellte sich auch noch Abg. Behrens mit einem ähnlichen Antrag ein. Dieser Antrag wurde gegen die Stimmen t>er Antragsteller, der Sozialdemokraten und des Polen, abgelehnt, und dann wurde der Antrag des Zentrums gegen die Stimmen der Kons er» v a t i v e n und Nationalliberalen angenommen. Dagegen wurde wiederum der Antrag der Sozialdemo. k ra t e n auf Verdoppelung des Reichszufchusses gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Fortsetzung morgen._ frsnzöliicher GcwcrWcljaftshongrcß. Fünfter Tag. Toulouse, 7. Oktober.(Eig. Ber.) Die Diskussion über die Berichte wird— endlich— zu Ende geführt. D v e t o t erwidert Niel in einer Rede, die auf die anarchistische Taktik in der C. G. T. manches Licht wirft. Für Slvelot läuft Anarchismus und Syndikalismus zuletzt auf eins erauS. Der eine will die Emanzipation des Individuums, der andere die der Arbeiterklasse. Alle vorgeschrittenen Menschen sind AntiMilitaristen— auch die Militärs, die bei den Nonnenaustreibungen den Dienst verweigerten, sind mir I sympathisch. Niel verlangt von uns die offene Erklärung unserer Ziele. Aber wir alle sind Heuchler. Wir Anarchisten berufen uns, wenn wir gewerkschaftliche Propaganda auf einein noch un- m bebauten Terrain beginnen, auf das Gesetz von 1884. Was haben 'die Ausländer mit ihren starken Effeklivbeständcl» erreicht? Es ist wahr, daß wir bluffeii. Wir alle betreiben einen heilsamen, nützlichen Bluff. Es liegen eilte Menge von Resolutionen vor. Darunter eine, die die Uniwandlung der„Voix du Penple" in ein Tagblatt fordert. Sie wird dem Vorstand zugewiesen. Die Präparatoren der Apotheker beantragen, daß die Bezeichnungen: Libertär, Sozialist, Revolutionär, Reformist verschwinden und durch die einzige Bezeichnung nSZwäiguö" ersetzt werden sollen. Selbstverständlich geht man über diesen .Antrag" zur Tagesordnung über. Die Diskussion ist sehr verwirrt. eS gibt Zwischenfälle. Einer von diesen veranlaßt alle Marseiller Delegierten, den Kongreß unter Protest zu verlassen. Die Abstimmung über den Bericht hat folgendes Resultat: 1096 für. 93 gegen, 118 Enthaltungen. ES wird das berichtigte Resultat der gestrigen Abstimmung über den Antrag Pörical sV e r t r a u e n S v o t u m für G r i f f u e l h e S) mitgeteilt. ES wurden 904 Stimmen dafür, 63 dagegen abgegeben, 323 Mandate lauteten auf Stimmenthaltung, 23 Stimmen waren ungültig. Um 10 Uhr gelangt der Kongreß zur T a g e S o r d n u n g. MS erster Punkt kommt der Konflikt zwischen den Metall» arbeitern und den-Mechanikern zur Verhandlung. C o u p a t legt dar, warum die Mechaniker den Marseiller Beschluß, Jnduitrieverbände zu gründen, nicht Folge geleistet und die Fusion mit den Metallarbeitern abgelehnt haben. Sie wollten ihre bewährten Methoden nicht gegen die bei den Metallarbeitern maß- gebenden eintauschen. C o r d i e r erklärt, daß seine Föderation, die Berzarbeiter, sich dem Marseiller Beschluß gemäß mit einer revolutionären Föderation zu einer„Föderation der unter Tag Arbeitenden" zusammengeschlossen hat. Aber man dürfe den Mechanikern die Fusion nicht aufzwingen, sondern müsse der Eutwickelung vertrauen. Angenommen wird die vom Metallarbeiter Lohau eingebrachte Resolution, die den Mechanikern die Fusion innerhalb dreier Monate vorschreibt, mit 866 gegen 363 Stimmen bei 73 Eni» Haltungen. Nachmittagssitzung. Im halb gefüllten Saal, unter großer Unaufmerksamkeit referiert C o n st a n t sFuhrwerker) über die Altersversicherung. Der Konföderationsvorstaud hat diese bekanntlich in einem Manifest als riesenhafte Gaunerei bezeichnet. Der Berichterstatter be- zeichnet das Gesetz als ungenügend und als unerträgliche Last für die beitragspflichtigen Arbeiter. B o u S g u e t verlangt«ine Aktion gegen dieses Produkt parlamentarischer und sozialer Gaunerei. Wir müssen die Insurrektion gegen die Beitragsleistung proklamieren. Die Metallarbeiter verlangen eine Kommission, die die Mittel, daS Gesetz wirksam zu macheu, studieren soll. Ricordeau erklärt, daß die Erdarbeiter entschloffen sind, -gegen das Gesetz die„direkte Aktion" anzuwenden, nicht wegen der Beiträge, denn die muß der Arbeiter immer in letzter Linie be» zahlen, sondern wegen der LersichenmgSbücher, die eine Kontrolle darüber ermöglichen, wann der Arbeiter gearbeitet und waim er nicht gearbeitet hat. Clarerie sPariser GaSarbeiter): Wir in unserem Beruf zahlen Beiträge von 20 Fr. an und erhalten eine Rente vom 6V. Jahre an. Ich gestehe, daß ich meinen Beilrag ganz gerne zahle. sLärm.) DaS Altersversicherungsgesetz ist sicher unzureichend. Aber mit Phrasen wie Gaunerei ist uns nicht gedient. Wir müffen uns mit den sozialistischen Parlamentariern ins Einvernehmen setzen, die sich auf dem letzten Parteitag zur Aktion für die Verbesserung des Gesetzes verpflichtet haben.(Erneuter Lärni.) Der Redner schließt unter Beifall der Minorität und ironischen Rufen der Mehrheit. C o r d i e r(Bergarbeiter) hält die Frage der Beiträge nicht für wichtig. In der heutigen Gesellschaft muß iminer der Arbeiter alle Lasten tragen. Mit dem KapitaliiationSverfahren haben wir Er- fahrungen gemacht, die uns das Umlageverfahren vorziehen lasten. Protestieren Sie weiter gegen das hohe BezngSalter und den niedrigen Betrag der Rente. Zur Insurrektion habe» wir nicht die Kraft. Aber protestieren wir mit aller Macht. Lamarck(gemaßregelter Postbeamter), erklärt wie schon andere Redner,, daß man die Beitragsleistung verweigern müsse. Unter dem Beifall der Reformisten fügt er aber hinzu: Wir müssen unseren Einfluß auf die öffentlichen Gewalten geltend machen, um die parlamentarische Abänderung des Gesetzes zu erzwingen. kleines feuilleton. Die Berliner UniverfitätSfeier. Die Jahrhundertfeier der Berliner Universität rauscht dahin in Strömen von Reden und leerem Ge- prange. Teilnahmslos steht das Volk beiseite, und auch in der Studentenschaft ist von Feststiinmung wenig zu spüren. Was wäre auch viel zu feiern? Die Grllndungsgeschichte der Universität ist ja alles andere denn«in Ereignis, das im Reiche der Wissenschaften neu zu beleben wäre. Wir haben in diesen Tagen hier genug davon erzählt, weS Geistes Kind der königliche Stifter war. welche subalterne Rolle er der Universität zuwies und wie die Universität am besten täte, zu schweigen von ihrer Vergangenheit, die so wenig rühmenS- wert ist in allem, was Freiheit der Wissenschast und Charakter- festigkeit ihrer Vertreter anlangt. Die Festreden werden verhallen und eS wird nicht» davon bleiben. Nur wird die Universität noch einige Stiftungen mehr er- halten, die an dem Privilegiencharakter der Universttätsbildung nichts ändern, nur werden»och einige Denkmäler mehr in Berlin erstehen, barunter eins für Fichte, den die offiziellen Repräsentanten von Bil- dung und Besitz zu einem der ihrigen degradieren möchten. DieS Resultat wäre, selbst wenn man die Orden- und Titel- Verleihungen als Beilage noch so hoch bewerten möchte, allzu dürftig. ES stände in einem unliebsamen Kontrast zu dem großen Fest- schwoll. AuS diesem Gefühl heraus ist eS denn auch wohl zu er- klären, wenn Wilhelm II. am Dienstag in dem mit allen Aus- ftatlungSrequisiten begangenen Festakte in der neuen Universität«- aula(in der früheren Bibliothek) elwaS weiteres ankündigte. Neben der Universität sollen besondere Forschungsinstitute begründet werden, die ohne Lebrauktrag. besonders auf naturwissenschaftlichen Gebieten, reinen ForichungSzwecken zu dienen haben. Auf dem in Preußen schon längst üblich gewordenen Wege der Sammlung find für diese Zwecke bereits an 9—10 Millioiien Mark zusammen gebracht worden und der Staat wird wohl da« weitere dazu tun müsse». Die neue Förderung der Wissenschaften wird selbstverständlich unter dem Pro- teklorot und dem Namen Wilhelm II. einhergehen, aber die Mittel werden Jndustriemagnaten und auf gute höfische Beziehungen be- dachte Kommerzienräle beisteuern. Die Eniwickelung der spezialisierten wissenschaftlichen Arbeit drängt schon lange nach selbständigen Instituten. Daß aber eine unter kaiserlichem Protektorat stehende Gründung, die aus privaten. (vielleicht nolgedruirgenen) Stiftungen gespeist wird, nicht dem Ideal entspricht, daß wir und hoffentlich auch die unabhängige Wifsenschast sich von einer solchen Anstalt machen, bedarf keiner Worte. Selbst wenn diese kaiserliche Wissenschaft auf die exakten Naturwisieiischasten beschränkt bliebe. Wen» aber auch anderen Ge- bieten der Wisienschaft die besondere Huld der neuen Gründung zuteil werden sollte, so würden wir vorauSsichilich Schauipiele erleben, Von denen die glücklich verhinderte Jndustrielleiiprofessur der National- vkonomi« in Leipzig uns eine leise Vorahnung geben könnte. Portugal. DaS Land. daS jetzt sich von einem parasitären Königtum befreit hat, war einst das, nächtigste Reich der Welt; Liffabon war im 16. Jahrhundert die Hauptstadt der Erde. Die großen Entdecker waren Portugiesen, der erste Weltumsegler Magalhaes war ein Portugiese. Hier fanden die von dem spanischen Fanatismus vertriebenen Juden eine Stätte, die ihre Intelligenzen des Geistes und des Handels iveithin verstreuten, insbesondere»ach Holland. Ein portugiesischer Jude hat das erste Buch in Portugal gedruckt, und der erste Bekenner der KonfessionSlosigkcit in der chrift- lichen Geschichtsepisode der Menschheit war ein portugiesischer Jude— Baruch Spinoza. Heute gehört Portugal mit Spanien zu den ärmsten Ländern der Erde. Dünn bevölkert wie das ödeste Rußland. Eine unwissende Bevölkerung, die nicht lesen und nicht schreiben kann. Trotz der Gunst der Handelsverbindungen ist Portugal ein wesentlich Ackerbau treibendes Land. Große Teile des Landes liegen wüst und leer, trotz der Fruchtbarkeit. ES gibt Gegenden, in denen nur ein Fünf» zehntel des Bodens bestellt wird. Dazu sind die Fortschritte im Ackerbau an diesem Lande vorübergegangen. Man bestellt das Feld vielfach noch mit dem Pflug der Römerzeit. Der Großgrundbesitz herrscht übermächtig und drückt die freien Bauern zu elenden Pächtern und noch elenderen Landarbeitern herab. Bor der Auf- leilring des riesigen KirchcnguteS— in den Sver Jahren des vorigen Jahrhunderts— waren die Verhältnisse noch trostloser. Der Handel ist meist in englischen Händen. Der Staat ist auch finanziell zerrüttet; seine Leistungsfähigkeit kreist um den Staais- bankrott. Die Ursachen deS Verfalles werden wie bei Spanien gemeinhin auf die Herrschaft der Kirche zurückgeführt. Alle Arbeit der Nation wurde von Klöstern, Kirchen und Palästen aufgesogen. Die Bevölkerungsdichtigkeit beträgt bei 5,4 Millionen Einwohnern 58,5 auf 1 Ouadrotlilometer, etwas nichr als in Spanien. Wo der ländliche Kleinbesitz herrscht, in der südlichen Provinz Minko, steigt die Bevölkerungsziffer auf 141. Dagegen sinkt sie in Alernteji auf 16, die Zahl des östlichen Rußlands. Wie gering die BevölkerungS- dichte ist, zeigt ein Vergleich mit Mitteleuropa, wo durchschnittlich 120, in England sogar 140 Einwohner auf einem Ouadratlilometer Hausen. Es gab 1903 nur 2698 Kilometer Eisenbahnen im Lande. So ist für die neue Republik noch alles zu tun, um da? aus- gesogene und verwahrloste Land nur zur Höhe cincS bürgerlich- kapitalistischen Staates emporzuheben. Was ist Saifon-DiworphiSmuS? Bei Schmetterlingen kann man häufig beobachten, daß sich die Tiere einer Art, deren Freßperiode und schließliche Verpuppnng im Herbst bei niedriger Temperatur und abnehmender Vegetation liegen, sich in Größe, Färbung, ja sogar auch in der Gestalt der Flügel oft wesentlich unterscheiden von jenen Tieren derselben Art, die im Sommer ans den Eiern gekrochen sind, also zu einer Zeit, da für die Raupen reichlicheres Futter vorhanden war. Man bezeichnet diese als Sommergeneration, während die Formen, die den Winter als Puppe verbringen, als Wintergeneration G i b a u l t(Handelsangestellter) erklärt, daß man das Gesetz annehmen müsse. Durch die wachsende Macht der Organisation könne man Verbeffernngen erreichen. In der kapitalistischen Gesell« schaft müssen wir immer Kompromisse machen, wir können nicht wegen jeder Frage gleich die Revolution beschließen. Niel: Die C, G, T, darf nicht sagen: Wir wollen keine Mers- Versicherung. Denn Rlillionen von Arbeiiern wollen sie. Die C, G. T, darf die Arbeiterklasse nicht verleugnen. Und doch haben Mit- glieder der Konföderation die Altersversicherung systematisch ab- gelehnt, so Dvetöt in der„Voix du Peuple". Freilich nicht offen und prinzipiell, dazu hat man nicht den Mut, aber durch Bekämpfung jeder Vorlage. Man fürchtet eben von der Auersversicherung eine A!»'chwäch»ng de? revolutionären Geistes. Auch wir kritisieren da? Gesetz, aber nicht, um eS zu Fall zu bringen, sondern um eS zu ver- bessern.(F v e t ö t und I o u b a u x unterbrechen wiederholt den Redner, der infolge des LärmS bei den Revolutionären oft nicht weitersprechen kann.) Niel legt dar. daß da? KapitalffationSverfahren seine Borteile habe. Ich halte ei für besser, unsere Erfahrungen mit ihm zu beginnen. Wenn die Altersversicherung so schlecht ist, ist die Untätigkeit der C, G, T. selbst schuld daran.(RvetSt: Wir wußten, daß die Par« lamentarier 20«der 25 Jahre für eine Reform brauchen. Als die Wahlintereffen der Parlamentarier das Gesetz aktuell machten, haben wir»nS gerührt.) E« zeigt sich eben, daß der C. G. T. ein wirk- liches Aktionsprogramm fehlt. Nach emer Unterbrechung erhebt sich die Debatte wieder auf ein höheres Niveau. Merrheim(Metallarbeiter) kritisiert daS Gesetz, in dem er Lücken nachweist, die die Unternehmer ausnützen werden. DaS Gesetz ist aber tatsächlich noch nicht fertig, eS fehlt noch die Ausführungsverordnung des SlaatsralZ, dieses wahren kapitalistischen Parlaments, neben dem das andere nichts bedeutet. Für Merrheim ist das llmlageverfahren wichiiger als die Frag« der BeitragSpflicht. Er wendet sich gegen die Tendenz, dem Staate immer mehr Macht einzuräumen, statt die Aktion der Arbeiterklaffe zu verstärken. D«s Gesetz ist einfach unausführbar,(Stürmischer Beifall,) C o u p a t weist auf Deutschland hin, wo die Arbeiter heute nicht nur zu einer Erhöhung der Beiträge bereit sind, sondern auch das KapitalisationSversahren verteidigen, Sie wollen zahlen, weil sie mitverwalten wollen, lieber die technischen vorteile der beiden DeckungSsysteme können nur die Mathematiker enticheiden. Der Redner setzt die Gefahren deS UmlageveriahrcnS in Krisenzeiten auseinander. Wir dürfen nicht.bluffen". Wir müffen das Gefetz durch unsere positive Arbeit zu verbessern trachten. Nachdem noch L u p u e t gegen daS Gesetz gesprochen und erklärt hat, daß auch die Revolutionär« ein versichernngSgesey wollen, aber eines ohne KapitalffationSverfahren und»blig«torischen Ar- beiterbcitrag— ein Gesetz, daS keine Mystisikaffon ist. Es sind zwei Tagesordnungen eingebracht. Die eine, von Jouhaux vorgelegte, fordert eine Verstärkung der Opposition der Arbeiterorganisation gegen das Gesetz. sobald eS in Kraft tritt. Sie macht aufmerksam auf die Projekte der Unternehmer, sich der Arbeilerbeiträge zu ihrem Nutzen zu bedienen, Sie fordert zum Widerstand gegen den Abzug der Arbeiterbeiträge durch die Unternehmer auf. solange nicht das bezugsberechtigte Alter herabgesetzt und eine ent- sprechende Rente bestimmt ist, erklärt da» Gesetz für unannehmbar, solange da» Umlageverfahren nicht eingeführt ist»md zählt aus die Organisationen, um mit aller Macht die Ausführung erneS Gesetze» zu verhindern, das im Prinzip nützlich, aber in seinen DiSP»siti»nen den Arbeiterinteressen feindlich ist. Die andere Resolution ist von Niel eingebracht. Sie fardert eine Agitation zur Verbesserung de» Gesetze», für eine Herabsetzung de? Alters auf 55 Jahre, die Erhöhung der Rente auf 2 Frank täglich, für AnSdebniing der Versicherung auf die Ausländer, für die Teilnahme dn Arbeiter an der Kontrolle nnd Verwaltung und die Erhöhung deS StaalSbcitrageS bis zur Ermöglichung eurer algemeinen Sozialversicherung.— Die Tagesordnung Jouhanx wrrtz angenommen._ Hus der Partei. Noch eine Erklärung zum Schwindel vom Vcbel-Juierview. Wir werden nm Aufnahme folgender Znsckirift gebeten: „AuS der in Ihrer heutigen Nummer veröffeniffchten Erklärung des Herrn Abg. Bebel scheint hervorzugehen, daß er annimmt, ich sei in irgend einer Weise an den» Zustandekommen des vielerörterten „Bebel-Jntervieio" beteiligt. Demgegenüber wäre ich Ihnen durch Aufnahme nachstehender Feststellung zu größtem Danke verbunden: DaS„Bebel-Jntervieiv" ist von dem— übrigens urarischen— Schrift« steller Joseph Sonntag, Berlin 8., Am Tempclhofer Berg 3, den da» bezeichnet werben. In den meisten Fällen nun sind die Angehörigen der Wintergencration kleiner als die nachfolgende Sommer« gcneration. Umgekehrt aber liefern die Angehörigen einer Art, die als kleine Raupen überwintern und sich unter den vom Frühjahr ge- botenen günstigen Bcrhältniffen entwickeln, größere Schmetterlinge in der ersten(Winter-) als in der zweiten(Sommer-)Ge»irati»n. Diese Verschiedenheit in Größe, Färbung und Flügelgestalt nun. die bei Angehörigen gleicher Art lediglich durch die Verschiedenheit der Temperatur und Nahrung hervorrufen Ivird, wie sie in dem Unter» schied« der Jahreszeiten in denen sie ihre Hanptentwicklung durch- machen, bedingt liegt, bezeichnet man als Saison-Dimorphitzmu». Humor nnd Satire. Tierschutz. Lange schoß man manch beliebte» Biebstück ohne Gnade weg; Löwen beispielsweise gibt eS fast nur noch bei Hagenbeck. Auch die Büffel kann man zählen Und die Elefanten gar l Stinktier selbst und Walfisch fehlm mehr und mehr mit jedem Jahr. Soll dies Viehzeug ganz verschwinden? Schade war' eS I Darum schont man«S klug in stillen Gründen, wo dasselbe friedlich wohnt. Also sorgt man für die Bestien... Doch, so sehr da» löblich ist, frage ich: Hast du kein Rcstchen MeuschlichkeitSgefühl, mein Christ? Ja, den Leu'n, der Tiere König, pflegst du wie in AbramS Schoß, doch die Meiffchenkönige, wenig kümmert dich ihr trübes Los I Schah und Sultan und Genosse» werden jetzt fast jedes Jahr abgesägt und abgeschossen, und schon find sie ziemlich rar. Ach, so ist das Leben tragisch, in den Tiefen, auf den Höhn, und eS muß der Tierschutz, sag' ich, deshalb sehr viel weiter gehn: Folgt dem Archäologen Noah, setzt beizeit ein Paar zurück, daß es, etwa auf Samoa, diene al» Museumsstück. Fr an». »Reue Wiener Journal" bereits als Verfasser genannt bat, dein Blatt, ohne das geringste Hinzutun in einerseits, über- mittelt worden. Ich habe davon erst gleichzeitig mit den anderen Lesern des„N. W. I," Kenntnis erhalten und habe mich erst, als Herr» Bebels erste Erklärung erschienen war, zu dem mir von der Stedaktion als Verfasser genannten, nur bis dahin völlig unbekannten Herrn Sonntag begeben, um festzustellen, was er zu seiner Recht- fertigung zu erwidern habe. Seine Behauptungen habe ich dann, ohne mich mit ihnen irgendwie zu identifizieren, in meiner Er- klärung wiedergegeben. Das hielt ich, der ich als hiesiger Vertreter des„Neuen W. Journ." bekannt bin, zur Wahrung des Ansehens meines Blattes und zum Schutze meiner eigenen journalistischen Vertrauenswürdigkeit für geboten. Mit dem Ausdruck vorzüglichster Hochachtung Berlin, 11. Oktober 1910. Dr. Emil Frankfurter. Die Organisationen zum Parteitag. Der dritteHamburgerWahlkreis setzte am Montag- abend die Debatte über den Parteitagsberichl fort. Es sind mehrere Resolutionen eingelaufen, die sich in ihren Haupt- punkten mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklären; die eine Resolution spricht noch ihr Bedauern aus über die Haltung einiger Hamburger Delegierten zur Reso- lntion Zubeil, Genosse Vruhns stimmt dem Genossen Perner darin zu, das; es zweckmässig gewesen wäre, wenn die Hau, burger Arbeiterschafi mit der preußischen in den Kampf zur Erringung eines besseren Wahl- rechts eingetreten wäre, weil gerade in Hamburg, dem Staat mit der fortgeschrittensten Arbeiterschaft, das Wahlrecht bundsmiserabel sei. In Zukunft dürfte auch Hamburg nicht hinter Preußen zurückstehen. Die Budgetbewilligung in Baden sei eine Folge der Blockpolitik, die dazu beitrage, daß der Klassenkampf verwischt werde. Redner exem- plifiziert auf Frankreich, wo durch eine Ucberschätzung des Parla- menlarismus, hervorgegangen aus der Blockpolitik, der Rückschlag— Syndikalismus— erfolgt iei. Redner verlangt die Hochhaltung der altbewährten Taktik, die unS vorwärts gebracht und groß gemacht habe. Wenn Winniger in der vorigen Versammlung meinte, wir lebten nun einmal im Klassenstaat und hätten ein gewisses Interesse an dessen Einrichtungen, gegen deren Verbesserung man unter Umständen in der Endabstimmnktg nicht votieren dürfe, so verniöge er diesem Gedankengange nicht zu folgen, die Grenzlinien dürften nicht über- schritten werden, fBeifall.) Fischer ist der Meinung, daß der Budgetfrage eine zu große Bedeutung beigemessen worden sei. Es gebe doch noch andere wichtige Fragen, die man nicht vernachlässigen dürfe, so die Genossenschastsfrage. Alle organisierten Arbeiter müßten den Genossenschaften zugeführt, diese mit dem Geiste des Sozialismus durchtränkt werden. Redner wünscht die Verschmelzung der beiden in Hamburg bestehenden Genossenschaften. Ferner wünscht er die strikte Durchsührung des Leipziger Parteitagsbeschlusses hinsichtlich der Meiduug des Branntweingenusses. Rheder wundert sich, daß es Genossen gibt, die erklären, daß die Beschlüsse des Parteitages in bezug auf die Budgetbewilligung verfehlt seien. Mit Reformen im Sinne des Revisionismus würde man den Klassenstaat nicht beseitigen. Wie könne man die Budget- frage als eine Frage der Taktik behandeln, wo sie doch eine solche des Prinzips sei 1 Manchem journalistisch und parlamentarisch tätigen Genossen scheinen die Motten des Parlamentarismus ins Hirn gestiegen zu sein. sHeiterkeit.) Redner erörtert noch die Frage des Massenstreiks, der sich nicht von oben dekretieren lasse, sondern er müsse getragen werden von dem Willen der Massen. H e g e m a n n warnt davor, jede abweichende Meinung als „Revisionismus" abzustempeln. Mit der Ausbreitung der Partei wachse immer mehr die Möglichkeit, die Beschlüsse des Partei- tageS restlos zur Durchführung zu bringen, fAha I) Man sollte es daher den Genossen in de» betreffenden Ländern überlassen, über ihre Abgeordneten zu wachen. Eine Verbrüderung mit der Reaktion werde nie erfolgen. Stellen wir uns auf den Boden des Programms und behalten wir das Endziel im Auge, dann kann keine Versuinpfung oder Verflachung eintreten, fZuruse: Frankreich I Italien I) Die Streitpunkte in der Budgetfrage müßten genau untersucht werden. Deshalb überhebe man sich nicht, sondern prüfe, bevor man entscheide. Die Diskussion über die Budgetfrage werde nicht aushören, auch die Hamburger Arbeiterschaft werde, wenn ihr das Feuer auf den Nägeln brenne, eine andere Stellung einnehmen.(Widerspruch.) Man solle nicht Miß- trauen, sondern Vertrauen zu den Führern haben, falls man nicht einmal bei einer Volksbewegung schlechte Erfahrungen machen wolle. Wollen wir keine Disziplinbrüche in der Partei haben, so müssen wir unS über die Wirkung der zu fassende» Be- schlüsse klar sein. Mit den Resolutionen könne er sich daher nicht einverstanden erklären. Heese konstatiert, daß der Alkoholgenutz im Gewerkschaftshause ab- und der Genuß alkoholfreier Getränke zugenomen habe. Redner poleniisiert gegen die Ausführungen Paepelows und WinnigerS in der vorigen Versammlung. Obwohl beide Genossen Anhänger der Budgetbewilliguug seien, hätten sie doch ganz verschieden argumentiert, ein Beweis dafür, daß auch die sogenannten Revisionisten sich nicht klar seien. Wenn den„Radikalen" vorgeworfen werde, sie negierten nur, so sei das grundverkehrt. Aber bei der Frage der Budget- bewilligung handle es sich um eine reine Vertrauensfrage, ein solches Vertrauen stelle man dem Klassenstaate nicht aus. Paepclow bewege sich in Widersprüchen, wenn er sage, in Hamburg bewillige er das Budget nicht, in Baden liege das anders. Das Hamburger Budget enthalte mehr Positionen kultureller Art als das Badener, also könnte man doch eher für jenes stimmen als für dieses, doch sei dies der sozialdemokratischen Fraktion einschließlich des Genossen Paepclow noch nie eingefallen, LandeSsache dürfe die Budgetbewilliguug nicht sein, wie auch seinerzeit die Beteiligung der preußischen Genossen an der Landtagswahl nicht diesen Genossen zur Entscheidung überlassen Worden sei. Genossin Steinbach: Wen» der Massenstreik zur Anwendung kommen soll, so muß er organisiert werden, von selbst komme er nicht aus den Massen heraus. Es gebe nicht allein Disziplinbrüche in der Budgetfrage, es gebe auch andere, die aber nicht so hoch angerechnet würden. In einer demokratischen Partei müsse man Kritik vertragen können. Wo steht im Parteiprogramm, daß ein Budget nicht bewilligt werden darf? In dieser Frage könne man zweierlei Meinung sein. Für die den Disziplinbruch der- urteilende Hamburger Resolution habe sie zivar gestimmt, aber das Magdeburger Scherbengericht halte sie für verfehlt. Mit der Reso- lution Zubeil sei weder der Genosse Bebel noch der Genosse Dietz einverstanden gewesen, wie sie ebenfalls damit nicht einver- standen sei. Da noch viele Redner eingezeichnet sind, soll in einer dritten Versammlung die Fortsetzung der Debatte stattfinden. RrichStagSkiindidiitur. Eine am Sonntag, den 9. Oktober, in B u r g d a m m tagende außerordentliche Generalversammlung des sozialdemokratischen Kreis- Wahlvereins für den 18. hannoverschen Reichstagswahlkreis(Stade- Blumenthal) stellte den Genossen Jean R ei tze- Vegesack als Reichstagskandidaten auf. In mlscrem Nachruf für den verstorbenen Genossen Ries- Nürnberg hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Genosse Ries hatte nicht hervorragenden Anteil an der Eroberung des Landtags� Wahlkreises Würzburg— der ist erst noch zu erobern— sondern an der des Reichstags Wahlkreises Koburg, der von dem anstoßenden Bayern aus intensiv bearbeitet wurde. Die Vorbereitungen zum italienischen Parteitag. Rom, 9. Oktober. Die vorbereitenden Diskassioncn in den Sektionen schreiten unter lebhafter Beteiligung fort. In vielen Orten ist die intransigente Tagesordnung der römischen Sektion, die die Wahlbündnii se und Unterstützung eines Ministeriums ausschließt, angenommen worden, foinChioggia, Carpi, Venedig, Siena, Viterbo, P i o in b i n o usw. Auf der anderen Seite stimmen viele große Städte, so namentlich Mailand, Florenz und Genua, für die Tagesordnung T u r a t i, für die auch die ganze ProvinzReggio-Emilia, die über 3000 Mitglieder hat, stimmen wird. Interessant ist die Konfusion, die am Vorabend des Kongresses in bezug auf die Ziele des ReforniisniuS gemacht wird. So veröffentlicht der„Avanti" unter dem Titel: Der Sieg der Reformisten die in Livorno zur Annahme gelangte Tagesordnung, die dem Delegierten zur Pflicht niacht, für jede Resolution zu stimmen„die der Partei ihre intransigent proletarische Eigenart sichert". Das einzig Reformistische an dieser Tagesordnung ist der Name des Delegierten, nämlich des Genossen Modigliani. Im Grunde ist eben die Tagesordnung Tnrati selbst nicht reformistisch, insofern sie die Wahlbündnisse nur aus ganz außer- gewöhnliche Fälle beschränkt wissen will und ganz von der Teil- nahine an der Regierung schweigt. ES ist zweisellos, daß der wahre und echte Reformismus, wie ihn z. B. Genosse Bissolati immer ver- treten hat, auf dem Kongreß das Aschenbrödel spielen wird. Die große Mehrheit der Reforniisten, Turati an der Spitze, passen sich der neuen Strömung in der Partei an und vertreten intransigente Forderungen. Eigenartig ist es, daß die Wahl- b und nisse, also der Teil der reformistischen Taktik, der reichlich experimentell erprobt worden ist, fast gar keine Verteidiger mehr finden, während die Unier- stütznng eines Kabinetts, und sogar dessen systematische Unterstützung — also eine Takiik, die nur ganz vorübergehend und in einer aus- nahmsweisen Situation angewendet worden ist— sich noch einer relativen Beliebtheit erfreut. Die offiziellen Referenten über diesen Punkt, die Genossen Treves und Buist, werden diese Taktik ver« treten. Auch mehrere Sektionen, die Resolutionen gegen Wahl- bündnisse angenommen haben, sind pem Votum für ein Kabinett und sogar dem Vertrauensvotum nicht abgeneigt. nieder mit der Lerechtigßeit! Der Schmied Wedow stand aus Anlaß des kürzlich be- endeten Streikes der Schmiede bereits am 12. Sep- tember als Angeklagter vor dem Schöffengericht, weil er „groben Unfug" dadurch verübt haben sollte, daß er— Bravo I gerufen und in die Hände geklatscht habe, als ein Streikender dem ihn verfolgenden Schutzmann entkam. Das Gericht ver- tagte damals die Verhandlung, um den Polizeileut- nant K u p s ch als Zeugen zu hören, ob er die Akten gegen Wedow mit folgendem Empfehlungsbrief an das Polizei- Präsidium geschickt hätte:„Bemerkt wird, daß Medow zu den zur Zeit streikenden Schmieden gehört, die zu Hunderten die Werkstatt des Schmiedemeisters Pobb belagern und dem Ne- vier die größten Schwierigkeiten machen. Um strengste Be- strafung wird gebeten." In dem jetzt am Montag abgehaltenen Termine be- kannte sich der Polizeileutnant Kupsch als Unterzeichner dieser anregenden Aktennotiz. Er wußte sie nur damit zu erklären, daß„seine Beamten" ihm Medow besonders emp- fohlen hätten..Sachlich ging aber aus der Aussage des Zeu- gen Kupsch hervor, daß die„Belästigung oder Beunruhigung des Publikums" schon in der Zeit vorlag, als Angeklagter Bravo! rief, als« schon deshalb grober Unfug von ihm nicht verübt sein konnte. Mit vollem Recht durste der Angeklagte daher seine Freisprechung erwarten. Es kam aber anders. Der Amtsanwalt verlangte. dem Antrag nicht stattzugeben, sondern die Strafe von 30 M. auf 2 Woche» Hast zu erhöhen. Diesen eigenartigen Autrag begründete er mit einem Hinweis auf die„Vorgänge in Moabit". Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Oskar Cohn widersprach der Heranziehung dieser, 3 Monate nach der angeblichen Straftat liegenden, Ereignisse und bemerkte unter anderem, daß er, wenn er sich überhaupt über das Strafmaß äußern solle, den Antrag des Amts- crnwalts unerhört hart und ungerecht nennen müsse. Er verlangte Freisprechung. Während der Aus- führungcn des Verteidigers hatte der Amtsanwalt durch wiederholtes Aufspringen vom Stuhle sein Mißfallen zu er- kennen gegeben. Kauni hatte der Verteidiger geendet, so be- hauptete der Amtsanwalt, der Verteidiger habe sich durch die Kritik der amtsanwaltlichen Darlegung einer Ungebühr schuldig gemacht. Er beantragte gegen ihn die h ö ch st e n a ch dem Gesetze zulässige Ordnungsstrafe. Bei der Begründung entschlüpfte ihm folgendes interessante Ge- ständnis: Es sei zu befürchten, daß die Staatsanwaltschaft auch in den nach den„Vorgängen in Moabit" bevorstehenden Prozessen Angriffe zu erwarten haben würde—, weshalb dem beizeiten vorzubeugen sei. Der Verteidiger erwiderte, daß er es für sein Recht und für seine Pflicht halte, die Anklage zu kritisieren. und in der Bezeichnung unerhört hart und ungerecht keinen Anlaß zu einer Beschwerde finde. Das Gericht unter Vorsitz des Amtsgerichtsrats Wag)ler, verkündete als Urteil, daß es in der Sache bei der polizeilichen Strafverfügung von 30 M. bleibe. Außerdem habe das Gericht beschlossen, dem Verteidiger 50 M. Ordnungsstrafe aufzulegen, weil seine Kritik der Anklage eine Ungebühr enthalte. Wenn man einen Richter, so meinte der Vorsitzende, einen ungerechten Richter nenne, so könne das nur bedeuten, daß er wissentlich das Recht beuge; also habe der Verteidiger auch dem Amtsanwalt vorwerfen wollen. daß er bewußt ungerecht sei. So geschehen im Rechtsstaat Preußen! DaS Urteil ist falsch und ungerecht. Denn es verurteilt einen schon aus Rechtsgründen Schuldlosen. Noch irriger steilich ist die von dem Vorsitzenden verkündete Ansicht, ungerecht könne nur bewußt ungerecht heißen. Eine große Anzahl von diesem Richter gefällter Urteile sind in der Berufungsinstanz aufgehoben— zu ihnen gesellt sich voroussichilich auch das Urteil gegen den Schmied Wodow. Die Aufhebung ist erfolgt, weil die Urteile un- gerecht waren. Glaubt in der Tat der Amtsgerichtsrat, das Landgericht habe ihm in all jenen Fällen den Vorwurf gemacht, er habe bewußt ungerecht verurteilt? Roch weit ungerechter und unerhörter als daS Urteil ist die erkannte Ordnungsstrafe. Sie bedeutet geradezu eine Gefährdung, ja ein Verbot der Verteidigung gegen Unrecht. Recht und Pflicht des Verteidigers war es, die von dem Amtsanwalt leider nicht ganz ohne Erfolg gemachten Versuche, das Gericht vom Wege deS Rechts und der Gerechtigkeit abzudrängen, aufs schärfste zu bekämpfen. Der Amtsanwalt verstieß gegen das Gesetz, als er „die Borgänge in Moabit" zur Begründung feines Antrages heran- zog. Denn diese stehen mit der Straftat in keinerlei Beziehung, haben sich erst nachher nach der angeblichen Straftat ereignet und waren nicht Gegenstand der mündlichen Verhandlung gewesen. Es wäre das Recht, also auch die Pflicht des Vorsitzen» den gewesen, diesen Hinweis als nicht zur Sache gehörig zurückzuweisen. In der StrafprozeßordnungS- kommifsion haben die Regierungsvertreter ihrer Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß entgegen der Ansicht der Sozialdemokraten derartige nicht zur Sache gehörige Dinge, die lediglich geeigne! sind, die Leidenschaft aufzupeitschen, stets von dem Vorsitzenden zurückgewiesen und Remedur gegen solche Uebcrgriffe geschaffen würde. Es ist unerhört und schlägt dem Rechtsbewußtsein geradezu ins Gesicht, daß ein Amtsanwalt auf Dinge, die ihm und den Gerichtspersonen lediglich in verzerrtester Gestalt durch Tataren» Nachrichten bürgerlicher Zeitungen bekannt geworden sind, in die Verhandlung hineinzuziehen. Wir bedauern, daß der Angeklagte, da der Richter gegen diese vom Wege des Rechts abdrängenden HiiNveise Remedur nicht schuf, nicht beantragte, den Amts- anwalt als Zeugen eidlich darüber zu vernehmen, daß er, der Angeklagte, mit den Moabiter Vorgängen nichts zu tun habe« daß ferner der Amtsanwalt über die Vorgänge in Moabit nichts wisse, mit Ausnahme der Tatsache, daß die Polizei aus Ver- anlassung des Zechenmagnaten Stinnes in einen wirtschaftlichen Kamps eingegriffen hat. und daß eine Anzahl Polizei- beamte völlig schuldlose Leute ohne jede Veran- lassung lediglich auf Befehl eines schlecht ge- kleideten Zivilisten mit Waffen attackiert und schwere Verwundungen Schuldlosen zugefügt haben. Die Bemerkung des Amtsanwalts, die Ungebührstrafe sei erforderlich, um für die bevorstehenden Moabiter Prozesse An« griffen gegen die Staatsanwaltschaft vorzu- beugen, ist vielleicht das Ungeheuerlichste, das jemals seitens eines Vertreters der Staatsanwaltschaft vorgebracht ist. Selbst wenn seine Bemerkung nicht von dem bösen Gewissen der Staatsanwaltschaft zeugen sollte, so beweist sie klarer als irgendetwas, daß die vom Verteidiger geübte Kritik eine noch viel zu milde war, denn wenn jene Bemerkung überhaupt einen Sinn haben kann, so dürfte sie ebenso wie der Hinweis auf Moabit nur den haben können, dem Gericht nahezulegen, nicht lediglichnachMatzgabederzurAnklageg« st eilten Tat, sondern mit Rücksicht darauf zu urteilen, daß es sich um einen Vorgang handelt, der aus Anlaß des Gebrauchs des Koalitionsrechts von Arbeitern entstanden ist. Kann zur Ungerechtigkeit, ja zur bewußten Ungerechtigkeit, stärker provoziert werden, als durch diesen Appell: ohne Rücksicht auf die Tat, lediglich nach Maßgabe der Klasse, der der Angeklagte angehört, zu urteilen? Der Amtsanwalt hat das Bewußtsein, daß er zu Ungerechtigkeit provoziert, nicht gehabt. Er wollte nicht absichtlich ungerecht sein. DaS mag alleS zugegeben werden. Das zeigt aber gerade, wie total fern der Amtsanwalt der Möglichkeit objektiven. ge rechten Urteilens stand. Und die Tatsache, daß solchem Sachverhalt gegenüber der Vorsitzende nicht gegen den Amtsanwalt sich wendete, sondern gegen den Verteidiger eine Ordnungsstrafe verhängte, beweist, daß auch das Gericht von einer dem Rechts- bewußtsein des Volkes völlig fremden Grundanschauung beherrscht war. Erklärlich ist das, wenn man erwägt, daß derselbe Amts- gerichtsrat, wie sich unsere Leser aus dem Gerichtsbericht in Nr. 228 des„Vorwärts" entsinnen werden, es war, der sich dazu hinreißen ließ, den Schmied Markgraf, den er freisprechen mußte, bei der Urteilsverkündung dadurch zu beschimpfen» daß er sein Verhalten als rüpelhaft und pöbelhaft Jjezeichnete. 'Einen solchen Richter als befangen aözulehnerr, wird man keinem Angeklagten verdenken können. Aufs entschiedenste aber müssen wir dagegen protestieren, daß die AmtSanwaltschaft glaubt, eine gerechte Kritik über falsches Vorgehen der Staatsanwaltschaft durch Drohungen unterbinden zu können. Hoffenttich wird dieser Vorgang bei der zweiten Beratung des GerichtSverfassungS- gesetzes nun endlich dazu führen, durch Gesetz Schutz gegen Ueber- griffe eines Amtsanwalts und eines GerichtSvorsihenden zu schaffen. Er zeigt, auf welchem Niedergang unsere Rechtspflege sich befindet._ Soziales* Organisation der Heimarbeiter. Der Internationale Heimarbeiterkongreß hat die von sozialdemokratischer Seite stets betonte Notwendigkeit einer Organisation der Heimarbeiter anerkannt. Bei der ent- sprechenden Resolution heißt es:„Solange Heimarbeiter- organisationen fehlen, müssen die Organisationen der Fabrik- arbeiter aufklärend wirken und für die Jnteressm der Heim- arbeiter eintreten." An die Mitteilung von dieser Resolution anknüpfend, haben wir am 30. Sept. aufgefordert, energisch Sturm zu läu- ten, um alle häuslichen Lohnarbeiter in allen Gauen Deutsch- lands aus ihrer Gleichgültigkeit aufzurütteln. Nur von einer Organisation der Heimarbeiter ist eine Besserung zu erwarten. Diese Organisationsarbeit ist schwer, wird aber unablässig betrieben und muß weiter betrieben werden. Jeder Heim- arbeiter gehört in d i e Organisation, die seine Beschäftigung aufweist, dieser in die Gewerkschaft der Sckineider und Schneiderinnen, jener in die der Schuhmacher, ein dritter in die der Sattler und so fort; es gibt wenige Beschäftigungen, die nicht auch als Heimarbeit betrieben werden. Wenn wir in unserem Artikel vom 30. September von der Notwendig- keit einer„Gründung" einer gewerkschaftlichen Organisation sprachen, so ergibt der Zusammenhang, daß damit nicht, wie einige Leser anzunehmen scheinen, die Gründung einer neuen selbständigen, etwa alle Heimarbeiter umfassenden Organisation gemeint war. Eine solche Organisation wäre ja völlig unfähig, die wirtschaftlichen Interessen der für die verschiedenartigsten Betriebe tätigen Heimarbeiter wahr» zunehmen. Was wir betonen wollten und hiermit nochmals betonen möchten, war: es muß»nablössig Propaganda unter den Heimarbeitern betrieben werden, damit diese den Gewerk- schnften zngefübrt werden, die für die Art ihrer Beschäftigung bestehe». Fabrikarbeiter und Heimarbeiter in einer Or- ganisation. Nicht eine Nengründung, sondern eine Herein- ziehung der Heimarbeiter in die für Fabrikarbeiter bestehen- den Organisationen ist der Weg, der zur Hilfe unserer ver- sklavten Arbeitsbrüder und-schwestern führt. Diese Propa- ganda zu einer tatkräftigen zu gestalten, muß das unab» lässige Bemühen derjenigen sein, die mit noch der Gewerk- schaft ihrer Beschäftigungsart fernstehenden Heimarbeitern zusammenkommen._ Hus Induftrie und ftandet Rückgang deS Viehauftriebs. Während die Debatten über Ursachen und Folgen der Fleisch« teiierung noch andauern, macht sich schon wieder von neuem ein Rückgang des MehangeboteS bemerkbar. Nach der Statistik über den Marktverkehr mit Schlachtvieh an 40 deutschen Plätzen blieb die Menge deS im September d. I. aufgetriebenen Schlachtviehs nicht unmerklich hinter der vom September 1909 zurück. Rechnen wir die in die 40 Städte eingeführte Viebmenge in Fleiichgewicht um und bringen davon die Wiederausfuhr des nicht verkauften Viehes nach einem anderen dieser Marktorte in Abzug, so erhalten wir für die Menge deS verkauften Viehes eine Fleischmenge von 79 353 962 Kilo» gramm gegen 71 136624 Kilogramm im September 1S6S. ES ist das Immerhin eine Wnabme mn 777 692 Kilogramm oder um etwas über- 1 Proz- Auch die dem Schlachthofe der einzelnen Städte zugeführte Menge bleibt hinter der vorjährigen zurück; fie stellt sich auf 403 643 Kilogramm gegen 43 133 663 Kilogramm im Vorjahre. Dabei hat der Auftrieb von Schweinen nicht abgenommen; er geht sogar über den vorjährigen hinaus. Der Auftrieb an Schafen hat eine ganz bedeutende Zu- nähme aufzuweisen. Kälber, vor allem aber Rinder waren dagegen weit weniger angeboten und umgesetzt worden als 1969. Bei den einzelnen Vwhgattungen betrug nämlich der Auftrieb, gemessen an der Menge des in dem ersten Zutriebsort verbliebenen Schlachtviehes in Kilogramm: 1909 1910 Rinder..... 30 447 254 28 359 080 Kälber..... 5 006 840 4 047 120 S-bafe..... 2 435 840 2 457 642 Schweine.... 33 246 720 35 495 120 Der Auftrieb von Rindern bleibt demnach reicklich 6Vz Proz. hinter dem des Vorjahres zurück. Bei Kälbern ist der Minderousirieb relativ sogar noch erheblich größer; er stellt sich aus nicht weniger als 19 Proz. � � Ein Obermeistertog des Bezirksvereins„Beide Hessen und Nassau" des Deutschen Fleischerverbandes beschäftigte sich mit der Fleisckteuerung und richtete das dringende Ersucken an die be- teiligten Regierungen, für schleunige Abhilfe zu sorgen und alle Matzregeln zu ergreifen, um die Vieh» und Fleischpreise dauernd auf ein erträgliches Matz herabzumin- dern, damit die Bolksernährung auf eine sichere, stabile Grundlage ge st eilt wird. Jnteressengemeinschast. Zwischen der Hamburg-Amerika-Linie und der Hansa» Dampfschiffahrtsgesellschaft ist ein Verlrag über gemeinschaitliche Ausnutzung zweier Linien abgeschlossen worden. Anscheinend handelt es sich dabei nur um eine Borbereitung zu einer vollständigen Fusion. Für 329 Millionen Mark Gold und Goldmünzen sind im laufenden Jahre, d. h. in der Zeit von Januar bis September, in Deutschland eingeführt worden. Diese ungewöhnlich starke Zufuhr schlägt hiermit alle Vergleickszahlen der Borjahre, nur die Parallel- zeit des Jahres 1303 und auch die des Jahres 1906 hatte eine an- nähernd io umfangreiche Einfuhr deS roten Metalls gebracht. Im vergangenen Jahre war dagegen in den ersten nenn Monaten nur eine Einfuhr im Werte von 166,16 Millionen Mark zu verzeichnen, so daß der diesjährige Import den deS Vorjahres um nicht weniger als 98 Proz. überragt._ Hus der Frauenbewegung. Liberale Frauen. Auf der dieser Tage in Frankfurt a. M. abgehaltenen Konferenz liberaler Frauen wurde u. a. ein OrganisationSentwurf beraten. In dem einlenenden Referat bezeichnete Frl. Lischuewsta die Benutzung des neuen Reichsvereinsgesetzes im Interesse und von seilen der Frauen als eine nationale Pflicht: eine Pflicht, die dem Jnternatio nalismuS der ultramontanen und der sozialdemokratischen Frauen gegenüber gerade die- nationalgesinnten erfüllen sollten. Die Frauen stießen beim Liberalismus allerdings noch auf mannigfache Schwierigkeiten. Diese lägen in dem Ver- s a g e n d e S L i b e r a li s m u S i n bezug auf die Gleich- berechtigung der Frau; sie seien verankert in dem Mangel der inneren Durchbildung des liberalen Programms, das noch viel- fach hinter den Anforderungen der modernen Kultur und des Wirtschaftslebens der Gegenwart zurücktrete. Trotzdem sollten die Frauen in» Liberalismus arbeiten. Ein anderes Referat behandelte die Mitarbeit der Frauen bei den Reichsiagswahlen. Hierbei wurde u. a. gesagt: Es ist jedoch nickt klug und politisch, von jedem Kandidaten zu fordern, daß er in jedem Fall für das Franenstimmreckt ein- zutreten habe, aber daS müsien wir fordern, daß der von uns unterstützte Kandidat das Versprechen abgibt, gegebenen- falls für uiisere Forderungen einzutreten." Was heißt gegebenenfalls? Doch nichts anderes, als daß das Eintreten für die Forderungen der Frauen ganz in da? Beliebe» deS Kandidaten gestellt ist. Wären die bürger- licken Frauen irr punicto Liberalismus nickt gerade so unzuverläßlick wie ihre Helden a la Kopsck und Mugdan, dann würden sie darauf bestehen, daß der betreffende Kandidat in jedem Falle für die Forderungen der Frauen einzutreten habe, wie das in der Sozialdemokratie zu den ielbstverständlicken Voraussetzungen gehört. Vertrauen ist ja eine sehr scköne Sache, aber man kann damit auch Mißbrauch treiben. Die bürgerlichen Frauen haben mit ihren Abgeordneten schon so oft recht trübe Erfahrungen gemacht, daß ihrem Vertrauen auch der Schein einer Berechtigung fehlt, find fie sich dock auf ihrer Konferenz darüber einig gewesen, daß der Liberalismus gegenüber der Forderung der Gleichberechtigung der Frau versagt. Daß die bürgerliche Frauenbewegung trotzdem für und— in diesem Liberalismus arbeiten will, charakterisiert sie trefflich. Es handelt sich für diese Frauen eben nicht um die Erringung der Gleickbeiecktigung der Frau, sondern vielmehr um die Erhaltung der heutigen Gesellschaftsordnung. Sie fühlen sich al» Mitglieder der bürgerlichen Klasse solidarisch mit den Männer dieser Klasse und fie kämpfen mit ihnen gemeinsam in erster Linie für die Erhaltung der bestehenden Klassenherrschaft. Gegen die Männer kämpfen sie um die Anteilnahme ab einer Herrschaft, oder suchen sie zu erbetteln. Alle anderen Fo.deningen sind für sie sekundärer Natur. Wenn sich die liberalen Frauen in ihrem Organisationsstatut die Gewinnung der Frauen aller Stände für den Liberalismus zur Aufgabe gemocht haben, so werden sick die Arbeiterfrauen bestens für die Art bedanken, Anhängsel einer Parte» zu werden,„deren Programm noch vielfach hinter den Anforderungen der modernen Kultur und des Wirtschaftslebens der Gegenwart zurücktritt". Die Arbeilerftau weiß, daß von jenen Kreisen nie die Gleich- berecktigung der Frau zu erwarten ist; sie weiß, daß die Befreiung der Frau aus der heutigen wirtschaftlichen und geschlechtlichen Ab- hängigkeit und Knechtschaft zusammenfällt mit der Befreiung der gesamten Arbeiterklasse; sie weiß deshalb auch, daß ihr Platz an der Seite ihres Mannes, ihres Arbeitskollegen ist; sie weiß, daß sie als Proletarierin in der Gewerkschaft Schulter an Schulter mit dem Manne den Kampf gegen daS heutige Wirtschaftssystem und in der Sozialdemokratie in gleicher Weise wie der Mann den Kampf für die politische Befreiung der Arbeiterklasse führen mutz. Sericbts- Reitling. DaS Spitzelsystem i« der Berliner Omnibns-Gesellschast vor Gericht festgestellt. Der„Straßenbahner", das Organ der Straßen- bahn- und Omnibusangestellten, brachte im Frühjahr dieses Jahres eine Reihe von Artikeln, in welchen behauptet wurde, daß eine Reihe von Verkehrsunternehmungen sich unter ihren Angestellten Spitzel halten, die die Aufgabe haben, das Tun und Treiben ihrer Kollegen zu überwachen und den Direktionen zu melden. Unter anderem war die Korrespondenz eines Herrn Meyer mit der Direktion der Berliner Omnibus- Gesellschaft veröffentlicht worden, darunter folgender Brief dieses Herrn Meyer:„An die Direktion. Zu der vom Zentralverband der Transportarbeiter am 5. d. Mts. ein- berufenen Versammlung hat vom Depot 12 und Depot Ouitzowstraße kein Angestellter teilgenommen. Berlin, den 6. Februar 1908. Meyer." In dem Artikel war ferner behauptet, daß der Briefschreiber Meyer mit einem Gastwirt Meyer identisch sei. Dieser verklagte den verantwortlichen Redakteur Brüschke wegen Beleidigung. Er bestritt, daß er mit dem Briefschreiber identisch sei. In der gestrigen Gerichtsverhandlung, in der Brüschke vom Rechtsanwalt Kurt Rosenfeld vertreten wurde, wurde der Direktor der Omnibus-Gesellschaft, Herr Kaufmann, als Zeuge vernommen. Dieser mußte zugeben, daß der Brief in der Tat an ihn geschrieben w o r d e n i st. aber von einem anderen Meyer als vom Kläger. Damit ist vor Gericht festgestellt, daß die Berliner Omnibus- Gesellschaft unter ihren Angestellten Spitzel hat, die die Auf- gäbe haben, der Direktion alles zu melden, was die An- gestellten tun und die insbesondere die Aufgabe haben, den Besuch der Versammlungen des Transportarbeiterverbandes zu überwachen. Der Angeklagte hatte mit dieser gerichtlichen Feststellung erreicht, was er erreichen wollte. Er gab nunmehr dem Kläger gegenüber die Erklärung ab, daß seine Behauptung, der Kläger sei der fragliche Meyer gewesen, auf einer Personen- Verwechselung beruhte. Darauf nahm der Kläger die Klage zurück._ Eine Offiziersfrau. Eine Betrugsanklage, deren Vorgeschichte etwas an Allensteiner Offizierssitten erinnert, beschäftigte gestern unter Vorsitz des Land- gericktsdireklors Dr. L i e p m a n n die Zweite Strafkammer dss Landgerichts II. Die Anklage richtete sich gegen den Güteragenten Henri L e m m e n aus Paris. Der Angeklagte, ein Mann, der den Verlaus zahlreicher großer Güter in der Ostmark an deutsche Adels- familien vermittelt hat, saß vor mehreren Jahren eines Abends in einem Hotel in dem Städtchen Z. Hier lernte er einen Hauptmann z. D. v. H. kennen. Als er dielen zu einer Flasche Sekt einlud, bat von H.(nach Angabe des Angeklagten), auch seine Gattin hinzuholen zu dürfen, da diese„so gern Sekt trinke". Wie der Angeklagte vor Gericht weiter bebonptete, sei von H. infolge deS Sektgenusies bald am Tische eingeschlafen. Frau von H. habe ihm nun ihr Leid geklagt und ihm erzählt, daß sie von ihrem Manne, der wegen roher Behandlung Untergebener zur Disposition gestellt sei, schlecht behandelt werde und sie sich auch sonst sehr un- glücklich fühle. Sie habe ihm dabei allerlei Avancen gemacht, so daß es schließlich in Gegenwart des schlafenden Mannes zu einem intimeren Verkehr gekommen sei. Dieser Verkehr hätte sich dann fortgesetzt, als sich die Eheleute trennten und Frau v. H. nach Friedenau übersiedelte, während der Hauptmann von H. in Z. blieb. Während dieser Zeit habe ihm Frau von H. ver- ichiedentlich größere Beträge zur Verfügung gestellt. Zuletzt habe sie ihm noch 4000 Mark zur Flucht inS Ausland gegeben, al« er wegen einer anderen Straftat vier Monate Gefängnis zu verbüßen halte. Tatsächlich ist der Angeklagte seinerzeit auch nach Paris gefahren und hat dort in der Ruc des Italiens lange Zeit gewohnt. Eines Tage« erschiene» in seiner Wohnung in Paris Polizeibeaint«. die ihn im Austrage der deutschen Regierung verhafteten. Zu seinem Erstaunen erfuhr er, daß Frau von H. gegen ihn— Anzeige wegen Betrüge« erstattet hatte, in welcher sie behauptete, er habe sie durch falsche Vorspiegelungen zur Hergabe jener Beträge veranlaßt. Nack Erledigung der Auslieferungs- Verhandlungen wurde Lemmen der deuttchen Gerichtsbehörde übergeben und hatte sich nunmehr vor dem Strafrichter zu ver- antworten. Bor Gericht gab der Angeklagte vorstehende Darstellungen seiner Beziehungen zu der Frau von H. Er bestritt auf das Entschiedenste falsche Vorspiegelungen gemacht zu haben. Die al« Zeugin ver» »ommene Frau von H. bekundete, daß sich der Angeklagte stets mit dem Nimbus eines reichen Mannes umgeben habe und sie ihm lediglich auf seine Angabe, daß er große Geldbeträge zu er- warten habe, die Darlehen gegeben habe.— Der Staats- a n w a l t hielt die Anklage wegen Betruges aufrecht und beantragte 6 Monate Gefängnis. Recktsanwalt Wolfgang Heine hielt die Freisprechung für unbedingt geboten, da die Aussage des einzigen Belastungszeugen. Frau v. H., Io viele innerliche Unwahrscheinlich- leiten enthalte, daß man sie als völlig unglaubwürdig bezeichnen müsse. DaS Gericht erkannte aus Grund eines mm liquet(ist unaufgeklärt) auf Freisprechung des Angeklagten. Kritik von Urteilen gegen Kinder. Der verantwortliche Redakteur der„Welt am Montag". Alfted Scholz, wurde gestern zu 400 Mark Geldstrafe wegen vermeint- licher Beleidigung der Mitglieder der Slraftammer des AmtsgeiichtS von Hohensalza verurteilt. Er hatte ein Urteil abfällig kriiisiert, das ei» zwölk und ein dreizehn Jabre altes Kind zu dem Mindest- maß von einem Jabre Gefängnis wegen Eisenbahngefährdung ver- urteilt hatte. Die Irrtümer, von denen das Blatt bei seiner Be- urteilung ausgegangen war, hatte es nachträglich berichtigt. Der Staatsanwalt hatte zwei Monate Gefängnis beantragt. Einsturz der Görlitzcr Mufikhalle. Leipzig, 11. Oktober. Das Reichsgericht hob anf die Revision des Angeklagten das Urteil des Landgerichts Görlitz vom 1. März d. I. auf, durch das der Zivil- Ingenieur Paul M a r t i n y wegen Znwiderbandelns gegen die all- gemein anerkannten Regeln der Baukunst, fahrlässiger Tötung in fünf Fällen und Körperverletzung in drei Fällen zu drei Monaten Gefängnis verurteilt imirde. Es haudelt sich um den Einsturz des Daches der Musikhalle in Görlitz, bei welchem fünf Arbeiter getötet und drei verletzt wurden. Jim aller Melt. Dae Flammenmeer ln JVordamenha. Die Waldbrände im Staate Minnesota wüten mit ungeschwächter Kraft weiter. Das Feuer droht auch auf die benachbarte kanadische Provinz Manitoba über- zuspringen. Gestern mußten sich 2000 Bewohner von Rainy River und 3000 Flüchtlinge dort bereit halten, zu fliehen, da die Flammen heranrasten. Schon waren mehrere Ge- bände im Weichbilde des Städtchens verbrannt, als glück- licherweise der Wind umschlug, so daß die Stadt vorläufig nicht mehr bedroht erscheint. Das Vorzeichen der näher konnnenden Flammen waren immense Herden wilder Tiere, wie Bären, Wölfe, Hirsche, Wildkatzen usw., welche, von Angst vorangetrieben, zu Hunderten dem Rainy River zustürmten, in welchen sie sich stürzten, um am anderen Ufer, ganz erschöpft, ihrer natürlichen Feindschaft vergessend, gemeinsam zu lagern. Flüchtlinge berichten erschütternde Vorfälle. Mütter mit Kindern an der Brust fielen um und wurden ein Opfer der Flammen. Eltern, deren Kindern nicht mit- kommen konnten, wurden samt diesen vom Feuer verzehrt. Ein Flüchtling namens Johnson nebst Frau und drei Kindern st and stundenlang MS an den Hals im Beaudettefluß. in den er gelegentlich untertauchte. Indessen wurde das Wasser so heiß, daß sie einen Fluchtversuch wagen mußten, der auch gelang. Die Toten findet man gewöhnlich halb verkohlt, jedeiifalls mit abgesengter Kleidung. W a r r o a d(Minnesota) ist über- füllt mit Flüchtlingen. Abends traf ein Zug aus dem Städtchen S a l o i, welches verbrannt ist, ein. Zweihundert Flüchtlinge hatten nur ihr nacktes Leben gerettet. Der Zug kam durch das Feuer, welches auf beiden Seiten bis zum Bahnkörper hinaufleckte; manche Bahnschwellen standen in Brand. Zahlreiche Verbrecher tauchen aus und berauben allenthalben die Flüchtlinge. Ueberall be- ivaffnet man sich; mit den Räubern wird sehr kurzer Prozeß gemacht. Nach einer Schätzung sind von der Bevölkerung der von den Bränden betroffenen Gegend etwa 3000 obdachlos; man berechnet, daß etiva 600—800 Menschen der Katastrophe zum Opfer gefallen sind._ Ein fürstlicher Spröstling. Sehr gut erzogen scheint der zwölfjährige Sohn des österreichischen Erzherzogs Leopold Salvator zu sein. Er warf vor einiger Zeit einem durch das Zimmer gehenden Dienstmädchen�, einen dicken Stock mit solcher Wucht in den Rücken, daß daS vorher ganz gesunde Mädchen seit dieser Zeit sich in S p i t a I p f l e g e befindet. Die erzherzogliche Kainmerverwaltung lehnte die Entschädigungsansprüche des Mädchens ab, so daß ihr Vater jetzt einen Zivilprozeß gegen den bei der Tat anwesenden Erzieher an« gestrengt hat. Nach dem bürgerlichen Gesetz haftet der Erzieher für die Missetaten eines ungenügend beauffichligien Zöglings. Würde ein Arbeiterkind eine so rohe Handlung begehen, wie würde da die gesamte Presse sich entrüsten über die sittliche Ver- kommenheit des Verbrechers, der sicher einmal im Zuchlhause enden würde. Bei seiner kaiserl. und königl. Hoheit ist es aber nur ein niedlicher Spatz, den er in jugendlichem Uebcrmut beging. l)!e �lLi'clergrube im Klofter. Die verbrecherischen Borgänge in dem von den Polen als Nationalbeiligtum betrachteten Paulanerkloster zu Ezen- st o ch a u erregen unter der polnischen Bevölkerung die größte Entrüstung. Niemand hatte erwartet, daß Mönche des als Wallfahrtsort bevorzugten Klosters an dem seinerzeit gemeldeten Juwelenraube beteiligt sein könnten. Und nun ist nicht nur der Juwelenraub an dem wundertütigen Muttergottesbilde des Klosters von Paulanermönchen ausgeführt worden, sondern der Mönch Damar M a c o ch hat auch, wie die Untersuchung bekanntlich ergab, unter Beihilfe von Ordensbrüdern im Kloster seinen Bruder ermordet und dann den Leichnam, in einem Sofa versteckt, in einen Fluß geworfen. Große Volksmengen suchten nach dem Bekanntwerden der Ver- brechen in das Kloster z» gelangen, um Rache für die dem Kloster und dem Morienbilde angetane Schmach zu nehmen. Kirchliche Arbeiterorganisationen hatten beschlossen, das wundertätige Mutter» gotteSbild mit Gewalt der Obhut der Paulaner» möncke zu entreißen. Um das zu verhindern, mußte Polizei und Militär umfassende Maßnahmen zum Schutze des Klosters treffen. Es ist daher kein Wunder, daß die kirchlichen Behörden mit seltener Schnelligkeit gegen die Klosterinsassen vorgehen. Auf tele» graphischem Wege traf aus der Geheimkanzlei des Papste? im 'Kloster der große Bannfluch gegen den Mönch Damar Macoch ein. Der vorgesetzte Bischof ordnete die Beseitigung des gesamten Mönchpersonals an und vertraute die Klosterverwaltung einer welllichen Geistlichleitsdelegation an. Inzwischen ist die in M i e ch o w o bei Warschau festgenommene Schwägerin des geistlichen Mörders, Helena Macoch, in das Czenftochauer UnteiftichungSgefängniS eingeliefert worden. Die körperlich und seelisch furchtbar mitgenommene Frau bestreitet jede Beteiligung an der Erniordung ihre» zweiten Ehemannes, auch von der Beseitigung der Leiche deS Er» mordeten wie auch von der Beraubung des MultergotteSbildeS sei ihr nicht das mindeste bekannt. Sie sei zwar mit dem Pater Macoch geflüchtet, weil ihr dieser versprochen hat, sie im Aus- lande zu heiraten. Während ihrer Vernehmung wurde die Verhaftete wiederholt ohnmächtig. Ueber den Erwerb eines große» bei ihr beschlagnahmten Vermögens gibt sie eine Er- klärung nicht ab. Die Revision der Räume des Klosters durch den Polizcinieister von Onenstochau soll überaus reiches Material zu Tage gefördert haben, über das vorläufig strengstes Still- schweigen bewahrt wird, man befürchtet daher wohl mit Recht weitere sensationelle Enthüllungen. Gerüchtweise verlautet, daß ein Teil der geraubten Schätze in einem geheimen Kellergeivölbe vorgesunden wurde. Der in T r z e b i n(Gaüzim) verhaftete Pater Damar Macoch bezichtigt seine MiipatreS der schlimmsten verbrechen, unter anderem fortgesetzter Räubereien und der Vergeudung der reichen Klosterschätze._ Parseval VI auf der Fahrt nach Berlin. Auch die zweite Etappe der Fahrt ist programmgemäß ver» laufen. DaS Luftschiff stieg gestern morgen gegen 9% Uhr in Plauen aus und schlug in schneller Fahrt die Richtung nach Altenbnrg ein. Um 1t>/z Ubr passierte„P. VI" mit großer Schnelligkeit Leipzig und landete um 12 Uhr 22 Minuten glatt vor der Ballonhalle in Bitterfeld. Die Weiterfahrt ist n o ch n i ch t b estimmt, da sie von der Fertigstellung der Halle in Berlin abhängt. Rattengift als Ungarwein. Die Budapester Polizei hat gegen einen Apothekenbesitzer eine Untersuchung eingeleitet, weil er Medizinal- wein verkauft, nach dessen Genuß zwei Personen gestorben sind. Die Uitlersnchliua mehrerer hundert beschlagnahmter Flaschen Wein ergab, daß sich in dem Wein S t r y ch n i n befand. Kleine Notizen. Ein schwerer Unfall hat sich auf der Bahnstrecke Ottweiler» St. Wendel ereignet. In der Nähe von Oberlinweiler erfaßte ein Güterzug bei geöffnetem Bahnübergang ein Fuhrwerk. Der Wagen wurde mitgerissen und zertrümmert. Eine Frau wurde getötet und ihr zehnjähriger Sohn schwer verletzt. Sehiisüchtig erwartet wird von einer Kölner Firma ein siebzehnjähriger Kaufinannslehrling, der mit 10 000 Mark zur Post gesandt wurde und das Wiederkommen vergaß. Zum mindesten war es sehr leichtfertig gebändelt, einem so jungen Menschen ein kleines Vermögen anzuvertrauen. Ein heftiges Erdbcbc» ist gestern anf der Insel Euba der» spürt worden. Die Einwohnerschaft wurde durch die Erdstöße in große Aufregung versetzt. Der konfiszierte Krcisrichter. Im PaiwekSfjord auf IS« I a n d ging der Kreisrvhter B j o r n s s o n an Bord des englischen Fischdampfers.Chieftain", um ihn wegen ungesetzlichen FischcnS mit Bcichlag zu belegen. Der Kapitän des Schiffes drohte, mit ihm nach England abzufahren. Kurz darauf fuhr der Dampfer mit dem Kreisrichter an Bord wirklich ab. Mit einer Schußwunde im Kopf ermordet aufgefunden wurde in W e st e n d o r f in Tirol der ehemalige konservative Landtags- abgeordnete Anton FleckSberg er. Bon den Tätern fehlt jede Spur. II o II o II o II o II o II o I! o II o II o II o II o II o II o II o II e> II o II o II o o II o II o I! o II o I A. WERTHEIM LEIPZIGER STR.132137 ROSENTHALER STR. yfCtttwao Wir in Barlin nor»Ria»» 3 CascKüfla Bai Briafan ist tfanaaa Adrassa arfordarlicH Varsand'Abtatlung, Berlin W.M, UlpaUwnr. 131-37 am Leipziger Platz ORANIEN-STRASSE PORZELLAN STEINGUT Ka ffeegeschirr medtrn», glatll Form Kaffeekannen 23 bis 90 pi. Milchtöpfe 8 bu 52 pr. Teekannen 20 bis 65 p& Zuckerdosen 24 bi, 40 pr. Kaffee- und Teetassen 12 pt Kompottschalen Kompotteller 4 pr. 4 pr. Küchengamituren 22 leilif beliebend«u*: S Vorrattioonen. S GewQrztonnea, 8 Milchtäpfen, 2 Meilen, 2 Flaschen „Regina" mit blauer Kante 8.75 „Regina" mit Colddekoration 1 2.00 Mod. eckige Form müs!'«' 20 00 Kaffeegeschirr„England" gtrippt» Form mit CotdtnnM Kaffeekannen.... 70«. bi» 1.35 Schokoladenkannen 58 bie 85 rt. Teekannen 58 rt. bis 1.10 Milchtöpfe 9 bie 68 pr. Zuckerdose 30, 35, 40 pj. Tassen 25, 30, 36 pr. Kaffeeservice Steüig für 0 Personen 2*25 bis 7»65 iSteillg für 12 Personen 5»90 bis X 0»50 T assen � ooidb«nd 20, 23 pl Dünne Tassen mit ooidheakei 20 pr. Tassen dünn, f«!n«s Blum»nraast*r 25 PC Frühstücksteller �ie4hÄbo".28 p«. Weiss Kompottschüsseln| sü 45, lt.95 Pf. 5 n ein 4 Pt 4 Pf 15 pc 33, 45 pr. 45 pr. Speiseteller n«eh Dessertteller Tassen Brotplatten Wasserkannen Waschbecken GLASWAREN Presskristait, Steinschliff•Imitation mit abgeschliffenem Boden, Kompott- oder Salatschüsseln rund 9 bis 52 Pf., eckig 23 bis 50 Pt Kompotteller 6, 9 pr. Kuchenteller 40, 55, 58 pr. Fruchtschalen 75 pc Tortenplatten 75 pc Konfektschalen aoiFuss 55 pr. Zuckerschalen 12, 13 pt Traubenspüler 32 pt Butterdosen 30 rt Käseglocken 48 rt Wassergläser, Likörgläser 7 rt. Schleif-GIas. Kompott- und Salatschüsseln 27 ms 95 pt Kompotteller 20 pr. W assergläser nur Fuss 15 pr. Bierbecher Perirud 27 pr. Biertulpen 27 rt Weinrömer 20, 25, 35 pr. Weinrömer Duuend 2.75 Käseglocken 1.25, 1.50 Butterglocken 80 pr. Sturzflaschen mit eins 40 pr. bis 1.25 Wassergläser 20, 27 pr. Press-Glas. Käseglocken 35 rt Kompotteller 4 rt Kompottschalen 8 Pt Wassergläser 5, 6, 8 Pf. Bier- und Teebecher Bordar« 10 rr. Bierbecher mit Goidmnd 7, 10 rt Camitar„SchJeifenmnster'1 Rot- und Weiss Weingläser 25 rr. Madeiragläser 21 rr. Likörgläser 20 rt. Biertulpen 35, Bierbecher 25 ru Selterbecher 23 rt Wasserbecher 25 rt Toiletteneimer 2.75 Blau Ztüiebelmuster Speiseteller u«r od.r Osch 11 pt Dessertteller 10, Kompottsn« 9 pr. Terrinen 1.15, 1.65 Kartoffelnäpfe 75 rt, 1.05 Saucieren 72 rt, 1.05 Bratenschüsseln 23 rr bis 1.10 Kompottieren l's'aek 1.15, 1.60 Milchtöpfe 18 bis 85 rt Küchengarnituren modern« Dekor«, 22 teilig 4»50 Waschgarnituren 4teilig 1.25, Steilig 2.25 bu 6.25 Kochgeschirre am Ton «Infarbig Bratpfannen 65 pr. u* 1.10 Eierpfannen 15 w» 60 pt. Kasserollen 25 bis 80 pr. Kuchenformen 15 bis 90 rt. bematt Deckelschüsseln 20 pt ws 1.60 Suppenschüsseln 35 rt bis 1.00 Milchtöpfe 20 rt. bis 1.00 Kannen 35 rt bis 1,00 WIRTSCHAFTS-ARTIKEL Waschfässer DraW.Tnl.6.00 bis 10.00 Waschfässer wSst"" 10.00 bis 13.50 Waschzober zink, z or, 6.25 bis 9.00 Waschfässer Hole, tcr. 4.50 bis 6.75 Waschzober Hou,* Gr. 4.50 bis 7.00 Wäscheleinen 3 Läng«n 1.50 bis 3.00 Wringmaschinen/.U.: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (früher Hebbelfheater). Heute und täglich 3 Uhr: Die deute der Fraaen. Lustspielhaus. Heute abend 8 Uhr: Der Feldherrtchugel. Berliner Volksoper AbendS'Jfi Uhr: ]>on«fnan. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: dloblesse oblige. Schwank in 3 Alten von Hennequin und Bebet. Morgen und solgend« Tage 8 Uhr: Zkodleo.e oblige. Friedrich-Wilheinistäiltis dies Sdiauspieltiaus. Mittwoch, 12. Oliobcr, abend» 8 Uhr: Revolutionshochzeit. Donnerstag: Revolutionshochzeit. Freitag~7 Uhr zum ersten Male: Giordano Bruno. Sonnabend 3 Uhr: KriemhildS Rache. 8 Uhr: Revolutionshochzeit. ?? Groß Berlin" Theater- und BarictS-Gnseinble. „Neue Welt" 8 Uhr: Die glänzenden Spezialitäten. Wends S Uhr: Arbkit schändet nicht. Ende präz. II II. Nach d. Vorst.: Taiu. Donnerstag Pnhluianns Theater. Trianon-Theater. AbendS 8 Uhr: Pariser Witwen. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Nachmittag 4 Uhr: In den Dolomiten. Heute abend 8 Uhr: Der Vierwaldstätter See und der Gotthard. Hörsaal 8 Uhr: Chemiker P. Bartel: Geschieht« liobes über die Keramik. Luisen-Theater. Neueinstudierung: Der Hilttenbesitzer. Schauspiel in 4 Ausz. von G. Ohnet. Donnerstag: Kean. Freitag: Die Brüder v. St. Bern- Harb. Sonnabend 4 Uhr grosie Kinder- Vorstellung: Frau Holle. 8 Uhr: Durchgegangen« Weiber. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Else vom Erlenhos. Abends 8 Uhr: Der Fähnrich im Kloster. sOK-IUHtre Groge Franks rrrter Str. 132. Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr. Othello. LU Trauerspiel in 5 Akten von Shakespeare. Donnerstag: Die gute Partie. Freitag: Das Gefängnis. Sonnabend nachm. 3 Uhr Schüler- Vorst.: Die Anna-Lise. Abends 8 Uhr znm erstenmal: Das neue Gebot. Abend» 8 Uhr: Das sensationelle Programm. Ukrbotene Frucht. 9'/*: Rudolf Sehildkraul Ufctronot' Theater. Karra!!! Wir leben noch!!! Graste AuSstattungsrevue in? Bildern Diene« Programm! Saharet in ihren neuen Kreationen. The 3 Meers humoristischer Drahtseil-Akt. Reynolds-»n Donegau das amerikanische Täniprpaar in rollend. Rollschuh- Meisterschaft sowie eine Kette � hervorragender Kunstkräfte. Passage-Thaater. Abends 8 Uhr: Die Jungfrauen. von Sals. I Die 8 mystischen t Nchatten und die großen Attraktionen» des Oktober-Programms.! Folies Caprice. Täglich 8'/. Uhr: Volle Pension. Neuer bunter Teil. Ber schwarze Schimmel Vorverkauf 11—2, abends ab 6 Uhr. V olgt-T b ea ter Gesundbrunnen, Badstraste 58. Mittwoch, den 12. Oktober 1910: Ter Mann mit der eisernen Maske. Schauspiel in 5 Abteilungen nebst einem Vorspiel v. Arnould u. Fournier. Kassenerössnung V Uhr. Ansang 8 Uhr. Casinu-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schukidige Rudolf. Rudels Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. 3'/, Uhr: Berühmte Töchter. Scbiller-Theater. Schiller-Theater 0.(Wallner-Theat.) Mittwoch, a b e n d S 8 U h r: Robert und Bertram. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Raeder. Ende I0'lt Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Dummkopf. Freitag, abend» 8 Uhr: Zum erstenmal:«odoms Ende. Schiller-Theater Charlettenburg. Mittwoch, abend» 8 U b r: Die Krenzelschrelbcr. Bauernkomödie mit Gesang in 3 Akten von L. Anzengruber. Ende lO'l, Uhr. Donnerstag, abendS 8 Uhr: Die Brnnt von Bcssina. Freitag, abends 8 Uhr: Die Krenzelschreiber. Schwarzer Richard Arnhold. Adler UZ Frankf. Chaussee 5. 99" Jeden SUttwoch:-Mg Gr. humor. Soiree der altrenomm. beliebten Leipziger Sänger ehem. 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Akt: Die Katastrophe. Borher sämtliche Attraktionen. f Alt-Boablt 47/48. Donnerstag, den 13. Oktober 1910: Nur einmalige Aufführung: Zllpfenstreich. Drama in 4 Ausz. v. Fr. Ad. Beherlrin. Kasscneröffn. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Dan». Allabendlich in den festlich dekorierten Räumlichkeiten der Bierterrasse Gesangs- und Tanzvortrlige der Ober- bayerischen Sängertruppe, der Bayerischen Oberlandler-Kapelle, des Oberhayerischen Schnadahüpfel-Sängers. Passage-Panoptikum. Prinz Atom, der kleinste Mensch aller Zeiten lebend! Buddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Alles ohne Extra-Entree! Elntr. SO Pf., Kind. u. Soldaten IS Pf. 1. Hochbahnstation Koilbuser Tor. Täglich 8'/. Uhr. « vis Indier:: de» Herrn VIedahl. Die Wallaston Comp. Meiiter-Jongleure. 8 Uhr 50: der 12iähriae Edi Herzfeld von der I. I Heseper In Wien Dazu die Posse: Uu Isafs geschnappt! Posse von Oskar Sabo. Musik von Pnol I.lneke. Rdnigsladl-Kasino. Holzmarktstr. 72, Ecke Alexanderstraste. Ganzlich»eneS Programm mit Franz 8ohaii»lil. Erich Castelii, Geschwister Williams. Guten Tag. Papa! Schwank in 1 Akt von O. Richter. Neu! Zum Schluß: Biographische Borfühnmgen Neu: Walhalla-Tlieater Weinbcrgsweg 19/20. Anfang 8'/, Uhr. Bravo!— Da capo! Eine AIlerv/elts-Revoe in 5 Bildern von SR Reichardt, Musik von R. Thiel«. In©jene gesetzt vom Direktor James Klein. V. iktaria 151, Franlsurter Allee 151. Rleaen- Lichtbild- Bahne. Heute neneS Programm. 61/, Uhr.— Sonntags 3 Uhr. orzugZkarten sind gültig. TinZius kusvk. Mittwoch, den 12. Oktober, abends 71/, Uhr: Große Gala-Vorst. M? Kita? FrSuL Martha Mohnke, Schul- relterin. Die Fredianis, ber. Relterfamillo. Herr Direktor Orlando, Freiheitedressuren m. 20 eigenen Pferden. Arbra-Trio. Banola-Truppe. Herr Altred Ott, Schulreiter. Um 91/, Uhr, zum 28. Mole: „VENEZIA" Vorher das gr. Galaprograwm. KWZW k-ii Stömifchks Facht» sb» Eine verlorene Macht Ein lu'Iiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Herrnseld. Hierzu. Der Atrby-Siegtr. Komödie von A. Reidhardt. Ans. 8 Uhr. Vorverk. 11— 2(Thcaterf.). »elehshallen-Iheilei'. 8löll!iiöf ZSagal. Zum Schluß, neu: ,.Im Rnnaeloeh". Milit. Humor, v. Mcyscl. Ansang Wochentag» 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Kiloabiiei* III ieiefstr. 24. Emdener Str. 40. GrtfBtes Kientqpp-Theater Roablta. Wöchentl. zweimal ueues Programm. Täglich Vorstellung. Ansang S Uhr. Kufgldegtöf-Xinmzlogfzpli vorm. Lroterjan, Jnhab.: Rod. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3. 9353. Lebende Photographien. Eintritt 39 u. 49 Ps., Kinder die Hälfte. Ans.7 U., Sonnl. 4 U. Vorzagskarten, nur wochent. gültig, 2» Ps. aus allen Plätzen. Stets wecüs. Programm. Dienstag u. Ztzreitag v. 4—6'/. Uhr Kindervorstellung. Kinder Iv Ps.. Erwachsene SO Ps. yeden Sonnlag im Obersaal: Künstlerkonzert. Entree IS Ps. Garderobe 19 Pf. 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Wahlkreise, unter den Mitgliedern Abstimmungen über die Beitrags- erhöhung vorgenommen werden. Um die Meinung der Mit- glieder kennen zu lernen, ist es dringend wünschenswert, daß sich sich recht viele Mitglieder an dieser Abstimmung beteiligen. Zweiter Wahlkreis, Friedrichstadt. Zahlnacht für Buch- dr ucker, Stereotypeure usw. am Mittwoch, den 12. Oktober er., abends Vzl2 Uhr, bei Jul. Meyer. Oranien- straste 103. Die Bertrauensleute. Charlottenvurg. Für die 6. Gruppe findet heute abend ein gemeinsamer Zahlabend im Volkshause, kleiner Saal, statt. Aus der Tagesordnung steht außer anderen wichtigen Angelegen- heiten ein Vortrag des Genossen Katzenstein über: Die Kultur- arbeit des Magdeburger Parteitages. Wilmcrsdorf-Halensee. Statt des Zahlabends findet am heutigen Mittwoch, abends S'/z Uhr, im.Gesellschastshause', Wilhelms- aue 112, eine außerordentliche Mitgliederversamm- lung des Wahlvereins statt, in der die Stellung- nähme zu den Stadtverordnetenwahlen auf der Tagesordnung steht. Freitagabend ist im achten und neunten Bezirk Flugblatt Verbreitung. Sonntagmittag 12 Uhr wird im»GesellschaftShause� eine große Wählerversainmlung zu den Stadt- verordneten Wahlen abgehalten. Der Vorstand. Lichtenberg-FriedrichSfelde. Am Donnerstag, den 13. Oktober. 8l/s Uhr abends, findet der dritte Vortrag des Genossen Graf: »lieber die Geschichte unserer Erde" im Lokal der Gebr. Arnhold, Lichtenberg. Frankfurter Chaussee S/S, statt. Lichtenberg. Sonnabend, den IS. Oktober, findet im Schwarzen Adlerannter Aufmerksamkeit den Ausführungen des Genossen Hans eber über„Kcnserreden, Poizeisäbel und VollSnot" folgten. In der Diskussion wurde noch auf die Notwendigkeit der Organi» sation und deS Lesens der Parteipresse hingewiesen. Der durch die Versammlung erzielle Erfolg wird uns zu weiterer agitatorischer Tätigkeit anspornen._ WasserstandS.Siachrtchte» der Landesanstalt für Aewästerkunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. vasterftand Memel, Ttlstt B r e g e l. Jnfterdurg Weichsel, Thor» Oder. Raridor . Kroste» . Frankwrt Warth«,«chriimn » LandSberg Netz«, Lordamm Elb«, Leitmerttz » Dresden , Bardo . Magdeburg O+ bedeutet Wuchs.— Fall.*} Unterpegel. Eingegangene Druckfchnftcn. Durch Dornen und Disteln. Von Karl Zielke. Gedichte eine» Proletariers. Verlag von H. Baerer u. Co., Harburg(Elbe). Preis 69 Ps. Bürgerliches Gesetzbuch für das Dentsche Reich.(Llliput- auSgabe.) 1 M. O. Liebmaim. Berlin IV. S7. Das deutsche Studcntentum von der älteste» Zeit bis zur Gegenwart. Von Dr. Fr. Schulze und Dr. P. Ssymank. 7.60 M., geb. S M. R. Voigtländer. Leipzig. Verzeichnis populär-wissenschastlicher Werke. Vom Diener Volks- bildungsverein. Kommissionsverlag von Hugo Heller u. Cie, Wien I, Bauernmarkt& Der Kampf. 4. Jahrg. Heft 1. Sejfaüewofr. Monatsschrtst Oesterreichs. Herausgeber: O. Bauer, A. Braun und K. Renner. G. Emmerling, Wien. Inhalt: Oswald Bien: Das Oktoberdiplom. Otto Bauer: Krieg oder friede. Heinrich Wijpak: Die Parteischule in Vodenbach. Max Adler: Unpolitisches. Zum Magdeburger Parteitag. Adols Braun: Demokratie und Bureaukratie in den Gewerkschaften. Julius Deutsch: Die gewerkschast- Itche Internationale. Ernst Falk: Gesundheitspslege im.Klassenstaat. Eduard Stojetz: Die Revolution in der Kunst. Joses Luitpold Stern: An- schauung und Propaganda.— Rundschau.— Bücherschau. Zeitschrift für Sozialwissenschaft. Hest 10. Begründet von tSBolj. Fortgeführt von L. Pohle. Monatlich 1 Hest. Bierteljährl. 5 M. Deichert, Leipzig. BrfekKakten der Rcdahtfon. Käthe 69. 1. Sechs Monate. 2. Etwa 300 M. 3. Ja. 4. Bis zur Vollendung des 30. LebenSjahrcs. Frauen und Mädchen, die älter als 27 Jahre sind, kann die Teilnahme nicht mehr empfohlen werden. 5. 1. Ol- tobcr 1311. Meldungen längere Zeit vorher bei dem Polizcivräsidium.— M. 21. 1. Für Handwerksbetriebe nicht. 2. Dauernd übermäßige Arbeits- zeiten, welche den Krästen des Lehrlings unangemessen sind, geben einen Grund zur Auslösung des Lehrverhältnisses. Wenn in dem vorliegenden Falle der Meister trotz Aufforderung den Lehrling weiterhin derart lange beschäftigt, ist nach unserer Ansicht ein Auflöfungsgrund gegeben.— 3t.->»lcke. Paul Kienast, Räuschftr. 10. Olilsrlvttvnkmi-x. Gustav Scharuberg, Sesenhelmer Str. 1. I<'rlenxe». Ernst Werfmann. Köpemcker Str. 18. «rUiu»». Franz Klein. Bahnliosstt-. 6, III. Pielicke, Kaiscr-Wilhelm-Platz 4. gtichard Kuter, Rödelstr. 9. II. Bttpenlclc. Emil Wihlcr, Kictzerstr, 6, Laden. T.icbtvi»t»»H»-r. A. gioseukranz. All-Aoxhageii 56. t�vbiaargtoadork. Gustav Kaminsky, Cunowstr. 2. tsebittiobors. 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