|l*. 240. Hbonncments-Bcdlngungen: UbonnementZ- Preis pränumerando: «iertcljährl. SM M!�, monatl. l,l0 Mp, Möchentlirh W Pfg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Psg. SonntagS- Einaetragen in die Post-ZcitunßS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. PostabonnementS nehmen an: Belgien. Däneniark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal Rumänien, Schweden und die Schweiz. krlchtl»! liglich anStr montags. Berliner VolKsblnkl. 37. Jahrg. Die TnIertlons*6fbü|>r veirägt für die sechSgespallene Kolmef. zeile oder deren Rauin M Pfg„ für politische und gewerkschaftliche Vereins- und VersammIungS-Anzeigen M Pfg. ..«lelne Snrelgen". das erst- fselt- gedruckte) Wort 20 Psg,, jcdcS weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlaf- slellen-Anzeigcn das erst- Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adresse: „Sozialdcmohrat BwIIb". Zentralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: SQQ. 68» Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Donnerstag» den 13. Oktober 1910. Cxpcdition: SQQ. 68, Lindenstrasee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der GeneralfM der französischen Eisenbahner. Der Ausstand der Eisenbahner hat sich in Frankreichs schnell zu einem Generalstreik ausgewachsen. Das verdankt das französische Volk zweifellos der Niederknüppelungstaktik des Ministeriums Briand-Millerand, der zwei Männer, die sich, wie das„Berliner Tageblatt" triumphierend meint, „von den Genossen, die sie nur zu gut kennen, nicht so leicht ins Bockshorn jagen lassen".— Es ist umgekehrt ge- kommen. Die albernen und machtlosen Drohungen der Re- gierung mit Militär- und Marinemannschaften und mit der Einberufung der militärpflichtigen Eisenbahner haben die Streikleitung nicht zur Zurücknahme ihrer Maß- nahmen gezwungen, sondern sie zur Abtvehr der Regierungsaktion durch die Ausdehnung des Streiks veranlaßt. Auf den französischen Eisenbahnen herrscht jetzt der Generalstreik.„Humauits" weist gleicherzeit darauf hin, daß die Streikenden der militärischen Einberusungsorder erst nach vierzehn Tagen Gefolgschaft zu leisten verpflichtet sind. Bis dahin aber ist ein Streik von diesem Umfange und so gewaltigen Wirkungen längst entschieden. Hat sich auf der einen Seite gezeigt, daß die Drohungen der Regierung den Streikenden gegenüber in keiner Weise verfingen, so tritt weiterhin auch klar zu tage, daß die Maß- nahmen der Regierung sich auch in der Praxis als wertlos erweisen. Geniesoldaten und Martnemaschinisten können un- möglich die Arbeit leisten, die bei der gewaltigen Aus- dehnung des Streiks schon jetzt liegen bleibt. Damit nicht genug. Sie konnten selbst auf einer einzelnen Linie nur einen mangelhaften Ersatz für die Streikenden bilden. Lokomotiv- und Torpedobootsmaschinen weisen doch so gewaltige Unterschiede in der Konstruktion auf, daß es von vornherein zweifelhast war, ob die Mariner zur Be- dienung der Lokomoftven geeignet wären. Dazu aber kommt noch der Signaldienst der Eisenbahn, der diesen Leuten ganz fremd, und ohne dessen Kenntnis die Expedition der Züge unmöglich ist. Diese zwangsweise arbeitswilligen Marine- Mannschaften mußten in kurzer Zeit soviel Maschinen auf falsche Gleise fahren, soviel Weichen und Signalapparate unbrauchbar machen, daß ein geregelter Dienst unmöglich erschien. So hat denn das Ministerium Briand- Millerand seinen kapitalistischen Freunden in Frankreich und in den Nachbarländern durch sein gemacht schneidiges Auf- treten nicht nur keinen Dienst erwiesen, sondern ihnen einen recht schlimmen Gefallen getan. Der Verkehr zwischen Paris und den Nachbarländern ruht so gut wie ganz und der Schaden, den der Streik verursacht, macht sich weit über die Grenzen Frankreichs hinaus bemerk- bar. Dazu kommt die moralische Wirkung, die dieser Aus- stand auf die Eisenbahner aller Länder ausüben wird. Auch bei uns in Deutschland. Selbst in dem stramm Disziplin haltenden Preußen ist die Unzufriedenheit bei den Eisen- bahnern unverkennbar. Bei den fest angestellten Beamten tritt das nicht so klar zutage. Sie sind ihre Rechtlosigkeit derart gewöhnt, daß sie nicht leicht aufzutrunipfen wagen. Läßt man ihnen ja doch auch weder Gelegenheit noch das Recht zur Organisation. Bei den Eisenbahn arbcitern aber ist auch in Preußen die Unzufriedenheit derart offenbar, daß diese Tatsache im Eisenbahnministerium nicht am wenigsten Kopfschmerzen verursacht. Nun ist ja nicht zu befürchten, daß es aus Anlaß des französischen Streiks bei uns jetzt zu einer gleichen oder auch bloß ähnlichen Bewegung komnien könnte. Aber der Geist der Unzufriedenheit, der nun einmal herrscht, wird sicher durch die Nachrichten aus Frankreich nicht geringer. In den romanischen Ländern ist das Uebergreifen des Streiks bedenklich nahe gerückt. Noch ein Wort über die Streiknachrichten. Sie gehen der Welt mit wenigen Ausnahmen durch die offiziösen Depeschenbureaus zu. Wenn uns darin also von Uebergriffen und Gewalttätigkeiten der Streikenden, von der Tapferkeit der Minister und der Biederkeit der Eisenbahndirektoren berichtet wird, so ist dies mit derselben Vorsicht aufzunehmen wie etlva ein offiziöser Polizeibericht aus M 0 a b i t I Die Verhündung des Generalstreiks! In der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch beschäftigte sich das Nationalsyndikat mit der durch die Maßnahmen der Regierung, durch das Aufgebot von Militär und Marine, sowie durch die Ein- beruf ung der im militärischen Reservedienst stehenden Eisenbahner geschaffenen Lage. Die Folge dieser Beratungen war die Ver- öffentlichung des nachstehend mitgeteilten Entschlusses: „Das Nationalshndikat bringt zur Kenntnis aller Eisen- baliner, daß der Streik auf dem Nordbalmnen vollständig ist. Es teilt ihnen ferner mit, daß der Kamerad Toffin, der Präsident des Bundes der Lokomotivführer und Heizer, entlassen worden ist, und daß die Regierung in der Presse Noten erscheinen läßt, in denen die ihr Recht fordernden Eisenbahner mit ungerechten und willkürlichen Maßregeln bedroht werden. Angesichts dieser Lage hat das Nationalsyndikat beschlossen, an alle Netze zu appellieren, um unverzüglich den Generalstreik ins Leben zu rufen. Infolgedessen werden alle Netze aufgefordert, binnen kürzester Frist und sofort nach Empfang dieser Aufforderung die unerläßlichen Maßregeln zum Gelingen der Bewegung zur Ausführung zu bringen." Am Schluß ist der Note noch angefügt, daß Mittwochnach- mittag 3 Uhr eine große Versammlung aller Pariser Eisenbahn arbeiter und-Angestellten in der Arbeitsbörsc stattfinden wird. Angesichts dieser Verfügung des Streikkomitees der Eisenbahner hat die Regierung auf allen Eisenbahnlinien dieselben militä rischen Maßnahmen durchgeführt, die gestern bei Einstellung der Arbeit im Gebiet der Nordbahngesellschaft zur Anwendung ge langten. Die Eisenbahnlinien und Bahnhöfe, die Weichensteller- buden und Eisenbahnwerkstätten werden militärisch bewacht. Gleich zeitig wurde seitens der Regierung bestimmt, daß die Eisenbahn arbeiter aller Linien, die sich im Streik befinden, durch den Kriegs- minister zu einer Uebungsperiode von 21 Tagen einberufen werden sollen. „Humanite" macht die Streikenden ausdrücklich darauf auf mcrksam, daß sie der Einberufungsorder erst nach 14 Tagen zu folgen brauchen, da vorher gegen sie keinerlei Zwangsmatzregeln unternommen werden können. Erst nach dieser Zeit ist eine Be- strafüng derselben möglich. Die Wirkung des Aufrufs. Das Bekanntwerden der Verkündigung des Generalstreiks an amtlicher Stelle um 2 Uhr nachts hat die größte Aufregung hervor gerufen. Der Minister des Innern hatte angesichts der Mögliche reit des allgemeinen Ausstandes Maßregeln getroffen, um auch auf den übrigen Bahnen dieselben Vorkehrungen in Kraft treten zu lassen, welche bereits auf der Nordbahn getroffen worden waren. Die Regierung beschäftigt sich ebenfalls eingehend mit der Ver- proviantierung der großen Städte, um zu verhüten, daß sich in den- selben eine Teuerung oder ein Mangel an Lebensmitteln bemerk- bar mache. Diese Maßregeln sind getroffen worden entsprechend den Vorkehrungen, welche im Kriegsfalle verfügt werden. Seit gestern morgen hat sich das Streikkomitee mit der Finanzfrage des Ausstandes beschäftigt. Es handelt sich darum, zu verhüten, daß der Kriegsfonds des Syndikates auf Grund irgend einer gericht- lichen Verfolgung oder einer anderen Maßnahme beschlagnahmt wird. Infolgedessen sind die deponierten Gelder aus den Bank- instituten zurückgezogen und in sichere Verwahrung genommen worden. Zunächst schlössen sich die Angestellten der Westbahn dem Streik an. Die Streikverfügung für die Westbahn- und Staatsbahn- gesellschaft wurde auf dem Bahnhof Montparnasse um 11)4 Uhr bekannt. Sofort begab sich der Spezialkommissar in Begleitung des Stationchefs auf die Strecke, um Pechfackcln aufzustellen, damit die Strecke beleuchtet war, im Falle die Elektriker sich dem Aus- stand gleichfalls anschließen würden. Gleichfalls um 11)4 Uhr er- schien der erste Ordnungsdienst; ein Aufgebot von einigen 29 Polizeiagente» besetzte den Bahnhof. Um 12 Uhr nachts traf ein Militäraufgebot ein. Auf dem großen Bahnhof Saint Lazare waren gestern abend die Züge nach London über Dieppe ver- doppelt worden; um 3 Uhr 20 Minuten wurden die beiden Züge mit den für die Ueberseedampfer nach Havre bestimmten Passa- gieren befördert, die fahrplanmäßig erst heute abgehen sollten. Um Mitternacht trafen auf dem Bahnhof 2 Kompagnien des 28. In fnilteric-Rcgimeiltö ei» und besetzten den Platz'vor dem Bahnhof. Um 11 � Uhr verließen nach einer Versammlung in der Nähe des Bahnhofs Batignolles ungefähr 500 Streikende das Versammlungs- lokal und zerstreuten sich in Ruhe nach allen Richtungen. Die meisten von ihnen'benutzten die vom Bahnhof Saint Lazare noch abgehenden Vorortzüge. Beim Betreten der Wagen riefen sie: „Es lebe der Streik!" Der„Petit Parisien" berechnet die Zahl der für den Ausstand in Betracht kommenden Eisenbahn- angestellten auf 27 800. Durch den Beschluß der Angestellten der Ostbahn, mittags in den Streik zu treten, ist die Lage verschlimmert worden. Die An- gestellten der Lyon-Mittelmeerbah» haben gestern abend ebenfalls die Arbeit niedergelegt. Letztere Gesellschaft hat den Syndikats- sckretär, Lokomotivführer Worin, wegen„Aufreizung" ent- lassen, was unter den Angestellten große Erregung verursachte. Aus Lille wird gemeldet, daß sich dort alle Arbeiter dem Streik angeschlossen haben und jeder Zugverkehr völlig unmöglich gemacht wird. Aus DünNrchen wird gemeldet, daß die Streikenden einen Appell an die Dockarbeiter gerichtet haben, sirf, dem Streik anzuschließen und nicht mehr für die Eisenbahngesellschaften das Manövrieren der Züge zu übernehmen. Die Dockarbeiter haben sich heute nachmittag auch tatsächlich dem Streik angeschlossen. Durch den Streik sind in Gravelines für ungefähr 50 000 Franks frische Waren liegen geblieben, die nun vollständig verdorben sind. — Auf der Ostbahn ging der Zugverkehr gestern noch leidlich von statten. Ter Bahnhof von Nancy ist militärisch besetzt. Der VerKeKr nach England. SSouIogne, 12. Oktober.(Spezialtelegramm durch„Preß- Telegraph".) Eine neugierige Menge umlagert die Abfahrtsstelle der Kanaldampfcr, um die wenigen Passagiere zu zählen, die aus Paris angekommen sind. Nur eine Minute vor Abgang des Dampfers 7,10 Uhr saust ein Automobil hcrnn. Ein Pariser Bankier hatte die Strecke Paris-Boulogne in 4)4 Stunden durch- fahren. Prinz Suverow hat für 000 Francs gleichfalls rechtzeitig Anschluß bekommen,. 10 Automobildroschken aus Paris waren jedoch weniger glücklich. Sie kamen alle nach Abgang des Dampfers an. Nur 2 Züge sind im Laufe des Tages aus Paris eingetroffen. Ein Personenzug, der um 1 Uhr abfuhr, und ein Eilzug, der um 3,15 Uhr den Gare du Nord verließ. Er holte den ersten fast ein, denn zwischen der Ankunft beider lag nur 25 Minuten Zeitdifferenz. Der Lokomotivführer fuhr seine Maschine, in das Depot und legte dann die Arbeit nieder. Um 5 Uhr nachmittags brachten Automobile aus Amiens die Pariser Post sowie zahlreiche Passagiere. Die Personen- und Post- züge aus Belgien und Köln liefen fahrplanmäßig ein, so daß der Kanaldampfer um 3,45 Uhr nach Dover abfahren konnte. Der 1,30 Uhr fällige Dampfer hat dagegen Boulogne nicht verlassen, da aus Paris keine Reisenden eingetroffen waren. Von England sind alle Post- und Passagierdampfer rechtzeitig eingetroffen. Die Briefe werden durch Automobile weiter befördert. Die I�-age in Paris. In den Straßen Paris herrschte im Laufe des Tages leb- hafte Erregung. Heute morgen waren die großen Kaufhäuser fast leer, da sich weder Käufer noch Angestellte aus der Bann- meile von Paris wegen Mangels an Zügen einfinden konnten. Ueber 200 000 Angestellte sind gestellt früh in Paris nicht zur gewohnten Zeit in ihren Geschäften erschienen. Auch in den Ministerien und den städtischen und staatlichen Bureaus machte sich der Streik bemerkbar. Denn auch deren Beantte können nicht fünf Franks für eine Fahrt zahlen, die ihnen sonst 20 oder 30 Centimes kostet. lOOO frank für eine Hutofabrt Die Pariser Hotels haben sich gestern schnell von Frem« den geleert. Denn jeder versuchte in die Heimat zurückzn- kehren, solange es mit der Bahn noch möglich war. Für die Beförderung im Automobil bis Calais oder biß an die bel» gische Grenze wurden bereits gestern 700 Franks gefordert und gezahlt. Dabei werden längst ausrangierte Äutomobile zum Verkehr nach außerhalb herangezogen. In den Straßen von Paris herrscht seit gestern wieder die Pferdedroschke, da die Automobildroschkcn größtenteils»ach de» Vororten ver» kehren. Die ganze Nacht hindurch war in Paris ein Wagen- und Automobilverkehr, wie ihn die Stadt noch nie gesehen. Vor den Hotels-" äugten sich Dutzende von Kraftdroschken. Sie waren von v, eisenden bestellt, die in ihnen der belgischen Grenze oder den Kanalhäfen zustreben wollen. In wenigen Stunden ist der Fahrpreis nach Boulogne oder Calais von 700 Franks auf 1000 Franks gestiegen! Trotzdcin müssen die Reisenden, die diese Summe bezahlen, sich schon vormerken lassen, da bereits Antoniobilinangcl herrscht. Das Gepäck inuß bis auf das notwendigste in Paris zurückbleiben, denn nur Personen können im Automobil befördert werden. Berlin und der franzöfifche eilcnbahnerrtretk. Die Folgen des allgemeinen AusstandeS auf der französischen Nordbahn haben sich im Laufe des gestrigen TageS in Berlin be- reits recht fühlbar gemacht. Die Oberpostdirektion,'das Briefpostamt und die einzelnen Postämter wurden im Laufe des Vormittags unaufhörlich angefragt, ob die Pariser Post in Berlin noch nicht eingetroffen sei und ob die Verbindung mit Nord» frankreich aufrecht erhalten werden könne. Die Fragenden er» hielten die Auskunft, daß amtlich von einem Streik auf der Nord» bahn noch nichts bekannt sei. Man habe erst durch die ZeitungS- Nachrichten von dem Ausstand erfahren und erwarte nun allerdings stündlich die offizielle Bestätigung. Die von Paris über Lyon führenden Züge trafen heute morgen mit 4 bis 5 Stunden Ver- spätung ein. Die meisten Züge führten mehrere Postwagen mit sich, konnten jedoch bei weitem die Briefpost aus Paris nicht bewäl. tigen, sodatz der größte Teil der Sendungen noch in der französischen Hauptstadt der Beförderung harrt. Wie verlautet, wird jedoch auch diese Linie im Laufe des heutigen Tages abgeschnit ten werden, so daß wohl nur noch eine Postbeförderung über Berlin-Basel-Besancon-Dijon- Paris möglich sein wird. Auch der Güterverkehr ist selbstz- verständlich unterbrochen Ivorden. Auf den Berliner Güterbahn» Höfen werden zwar heute noch Güter zur Beförderung nach Frank- reich angenommen, doch nicht mehr unter versicherter Lieferzeit oder Eilgut. Die Frachtbeförderung geschieht nur bis zu den Grenzstationen und die Güter werden, falls eine Weiterbeförderung unmöglich ist. den hiesigen Absendern zur Verfügung gestellt. Auch die Fahrkarten Berlin» Paris wurden seit heute morgen nur noch unter Vorbehalt ver- ausgabt, da die über Köln und Aachen führenden Pariser Züge heute morgen ausgeblieben sind. Der telegraphische Verkehr ist bis zur Stunde noch in vollem Betrieb. Störungen auf den Hauptlinien liegen bis jetzt noch nicht vor. Die Jnternatio- nale Schlaf Wagengesellschaft teilt uns mit, daß der gestrige Abendzug sowie die heutigen Morgenzüge PariS-Köln- Berlin und Paris-Aachen-Berlin sowie die über Lüttich führenden Züge ausgeblieben sind. Dagegen ist der Verkehr auf den Westbahnen und Ostbahnen noch aufrechterhalten, so daß die Züge über Frankfurt a. M.-Metz-Pagny-Chalons sur Marnc-PariS, sowie über München-Paris noch regelmäßig verkehren. Auch in dem Be- trieb der Oricntexpreßlinie London-Calais-Paris-Wien-Budapest- Konstantinopel ist eine Störung noch nicht zu verzeichne». Keine Verbindung mit franhreich mehr! Hamburg, 12. Oktober. Die Eisenbalindirektion Köln hat heute tni Laufe der Tages nach Hamburg telegraphiert, daß sie keine Garantie für die Weiterbeförderung der Reisenden nach Frank- reich übernimmt. Droben der Streik in Italien. Rom, 12. Oktober. Die italienischen Eisenbahner wollen dein Beispiel ihrer französischen Kollegen folgen. Wie dib „Gazzetta del Populo" nieldet, hat einer ihrer Führer er- klärt, daß jetzt der geeignete Augenblick gekommen wäre, nm auch ihrerseits ihre alten Forderungen durchzusetzen. Ließen die Eisenbahner diese günstige Gelegenheit unbcuützt vor- übergehen, so könnten sie für lange Zeit daraus verzichten, ihre Ansprüche seitens der Bahngesellschaften anerkannt zu sehen._ Schmieding. In D o r t m u n d ist am Montag ein Mann zu Grabe ge- tragen worden, der durch seine Taten und Anordnungen oft genug in ganz Deulschland von sich reden gemacht hat. Oberbllrger- meister Schmieding war einer der markantesten Vertreter des Scharfmachertums. In jungen Jahren Offizier, dann L a n d r a t des Kreises Bochum, endlich Ober- bürgermeister der Stadt Dortmund, welches Amt er rund24Jahre bekleidete. Selbst bürgerliche Blätter geben zu, daß er eine sehr herbe Natur war. Sie geben zu, daß e r b i s zuni letzten Atemzuge der Sozialdemokratie keinerlei Konzessionen machte, überhaupt völlig unsozial war. Schmieding hätte ebensogut in R u h l a n d herrschen können, die russischen Machthaber werden sich nicht allzu- sehr von ihm unterscheiden. Unter seinem Regiment wiederholten sich immerfort die Polizeischlachten, durch welche Dortmund förmlich berüchtigt geworden ist. Durch seine Polizei glaubte Schmieding die Sozialdemokratie niederhalten zu können. Man hatte sich schon fast daran gewöhnt: keine Reichstagswahl ohne Polizeischlacht. Polizeischlachten gab eS noch jüngst bei den Wahlrechtskämpfen, Polizeischlachten, die sich an mehreren Tagen wiederholten, gab eS vor wenigen Monaten noch beim Streik bei der Zigarettenfirma Hannemann. Man hatte sich daran in Dortmund gewöhnt, alle diese Dinge, die in solchem Umfange eben nur in Dortmund möglich waren, mit dem Sammelnamen „System Schmieding" zu bezeichnen. Zum System Schmieding gehörten die außerordentlichen Maßnahmen der Dort- munder Behörde beim letzten Bergarbeiter st reik, die sich nachher zum großen Teil als direkt ungesetzlich er- wiesen. Zum System Schmieding gehörte die Partei- nähme zugunsten der Unternehmer selbst. bei Aussperrungen. Vor wenigen Jahren wurden an städtischen Neu- bauten ausländische Arbeiter in großer Zahl beschäftigt, während die einheimischen steuerzahlenden Arbeiter auf« Pflaster geworfen wurden. Eine Polizeimacht von 80 Mann hoch wurde damals aufgeboten zum Schutze der Ausländer. Zum System Schmieding gehörte die strikte Verweigerung des Koalitionsrechts fürdie st ädtischen Arbeiter und Angestellten. Zum System Schmieding gehörte auch der große Straßen bahnerstreik im Jahre 1306, der in ganz Deutschland Aufsehen er- regte. Unter Schmieding waren die Arbeiter zu Bürgern zweiter Klasse degradiert. Mit dem Gelbe der Steuerzahler wurden große Lokale in städtischen Besitz gebracht, allen Parteien zur Bersügung gestellt, nur der Arbeiterschaft blieben sie konsequent verschlossen. Das Verlangen, das Stadt« t h e a t e r den freien Gewerkschaften zu Volksvorstellungen zur Verfügung zu stellen, wurde immer wieder brüsk zurück- gewiesen. Herr Schmieding, der auch noch Aufsichtsrat der Harpener Bergbau gesellschaft war und ein Ein« kommen von 50—60 000 M. haben mochte, fühlte fich voll und ganz als Vertreter der Interessen der herrschenden Klassen. Das zeigte sich nirgends deutlicher, als wenn er gelegentlich im Herren- haus als Redner auftrat, so nach dem großen Bergarbeiter- streik 1305. Schmieding, der als Herrenhäusler die Interessen der Arbciterstadt Dortmund vertreten sollte, erging sich in scharf- macherischen Reden gegen die Bergarbeiter und Line politische Nette. In der„Münchener Post" lesen wir folgende lustige Geschichte: In einer Unterhaltung mehrerer Genossen über die Polypen- artigen Bildungen der wirtschaftlichen und politischen Reaktton in Deutschland kam das Gespräch auch— wie selbstverständlich— auf den Reichsverband zur Bekämpfung der Sozialdemokratie und dessen Beziehungen zu den mehr oder minder gesinnungstüchtigen Tinten- fischen der Presse. Dabei wurden die Unabhängigkeit wie die Charakter- stärke und Intelligenz der Verlegerpresse verschiedenartig beurteilt; und war nian auch über die Leichtfertikeit in der Wahl der Mittel zur Bekämpfung der Arbeiterklafie vollkommen einig, so teilten doch nur wenige die pessimistische Anschauung des Dr. G., der Zeh n gegen Eins wetten wollte, daß eine Satire a uf d ie Meth o de d es Rei chs verban d es und seines Preckanhängsels von den Hütern deutscher Sitte und den Ber- tretern preußischer Intelligenz nicht nur nicht erkannt, sondern stzgar als Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie dankbar aufgenommen werden würde. Die Wette wurde abgeschlossen und Freund G- machte sich sofort an die Arbeit. Die Frucht dieser Arbeit war die durch einen schwarz-weiß- roten Umschlag gezierte Broschüre: Warum ich kein Sozial- demokrat bin, worin in sehr origineller Weise die plumpen Miltelcheu der Verleumdung, der Verdrehung und Entstellung, nüt denen wir bekämpft werden sollen, aä absurdum geführt werden. Schon das Lesen einiger Zeilen niuß einem normal be- schaffenen, nicht durch die rote Angst geistig-politisch minderwertig gewordenen Menschen die Eigenschaft der Broschüre als einer poli- tischen Satire offenbaren. Allein der Umschlag genügte schon, eiuer Anzahl Blätter, darunter auch eines in der Stadt der Jutelli- gen; Blick und Sinn zu trüben. Der Verfasser sandte nämlich zwölf mit seinem Namen und der Adresse eines fingierten Druckers versehene Exemplare an die Redaktionen folgender Blätter: Die„Post", der„Reichs- böte" und„Germania" in Berlin,„Allen- st einer Volksbote',„Ermländische Zeitung", „OstpreußischesTageblatt" in Jnsterburg.„Greisen- herger Kreisblatt",„Norddeutsche Presse" in Neustettin,„OstpreußischesVolksblatt'inDanzig, „VilStaler Bote" in Frontenhausen,„Strau- binger Tagblatt" und„Augsburger Postzeitung". Der Verfasser hatte bei der Auswahl die Parität des Glaubens- bekenntnisses und des geistigen Niveaus wahren wollen, indem er Zeitungen von der Sorte auswählte, von denen zwölf auf ein Dutzend gehen. In Begleitung der zwölf Exemplare befanden sich ein Geleitbrief und ein Waschzettel, die also lauteten: fühlte sich lediglich als Beauftragter der Gruben- Herren. Bor etwa neun Jahren ging ein Sturm des Unwillens durch Deutschland, als bekannt wurde, wie man unseren Genossen Bredenbeck mit Ketten ge- fesselt durch die Straßen Dortmunds ge- schleppt hatte. Der Fall hat damals auch die Parlamente beschäftigt. Lange Zeit konnte man nicht erfahren, wer eigentlich die Fesselung angeordnet habe. Bei den letzten Stadtverordneten- wählen hat die ultrauiontane„Tremonia" verraten, daß d i e Fesselung allein erfolgt ist auf direkte An- ordnung Schmiedings. Als Entschuldigung für diese Fesselung wurde später angeführt, Dortmund liege so nahe an der holländischen Grenze und die Genossen hätten mög- licherweise beabsichtigt, Bredenbeck zur Flucht zu verhelfen. Daß ein solch rücksichtsloser Draufgänger der Liebling der Großindustriellen war, mit denen er übrigens durch Verwandtschaft aufs innigste verbunden war, ist ganz selbstverständlich. Nichts- destoweniger hat die Sozialdemokratie keine Ursache, ihm sonderlich gram zu sein. Denn durch seine Maßnahmen war er der b e st e Förderer der Sozialdemokratie. Unter seinem Regiment ist die Sozialdemokratie zur st ä r t st e n Partei Dortmunds geworden. Schmieding hat es in seinem letzten Jahre noch erleben müssen, daß vier Sozial- demokraten ins Stadtparlament ihren Einzug hielten, darunter auch der eben erwähnte Genoffe Bredenbeck. Daß er diesen in sein Amt einführen mußte, denselben, den er einst fesseln ließ, wird Herrn Schmieding wohl besonders nahe gegangen sein. Im vorigen Jahre ließ sich Schmieding lebenslänglich wählen mit der Absicht, nach 2öjähriger Dienstzeit aus deni Amte zu scheiden. Seine Pläne hat der Tod durchkreuzt. Er weilte fern am Main in Urlaub, als plötzlich durch den Zusammenbruch der N i e d e r- deutschen Bank alles ins Wanken geriet. Krank eilte er heim, um nicht mehr zu gesunden. Er wurde begraben mit ungewöhn- lichem Gepränge und großer Feierlichkeit. Die herrschenden Klassen mußten, daß sie ihm großen Dank schulden. politilcke dcbcrHcbt. Berlin, den 12. Oktober 1910. Wilhelm II. als Doktor beider Rechte. Die Jahrhundertfeier der Berliner Universität hat einer Reihe preußischer Würdenträger den Titel Ehrendoktor ein- getragen— natürlich wegen ihrer großen Verdienste um die Wissenschaft. Auch Wilhelm ll. hat die Doktorwürde er- halten, und zwar von der juristischen Fakultät. Warum, ist nicht recht ersichtlich, denn wohl niemand hat bisher gemerkt, daß der Kaiser, so vielseitig er sonst auch sein mag, auf dem Gebiete der Jurisprudenz beschlagen ist. Eher hätten wir be- griffen, wenn ihn die theologische Fakultät zum Ehrendoktor ernannt hätte; denn der Kaiser pflegt bekanntlich nicht nur auf seinen jährlichen Nordlandsreisen Schiffsgottesdienst ab- zuhalten, sondern es erinnern auch oft manche Stellen seiner Reden an religiöse Predigten. Eher verstehen wir, daß Herr Trott zu Solz Ehrendoktor der Theologie und der Reichskanzler v. Bethmann Hollwcg Ehrendoktor der Philosophie geworden sind, hat doch Herr v. Bethmann Hollweg in seiner Reichstagsrede auf dem Ge- biete der Philosophie des Unbewußten und Ungewußten ganz Beträchtliches geleistet und die große religonsphilosophische Idee von den gottgewollten Abhängigkeiten neu fundiert. Der Termin der Reichstagswahlen? Wie die„Straßburger Post" von angeblich zuverlässiger Seite erfahren haben will, tragen die amtlichen Akten über die.„R e i ch s t a g s w a h I v o r b e r e i t u n g e n" im Reich samt des Innern den Vermerk„Reichstags- Wahlen Oktober 191 1". Dieser Vermerk beweist freilich noch nicht, daß die Wahlen nun auch bestimmt im Oktober stattfinden müssen« Der Wahlfonds des Hansabundes. Der Hansabund macht für die nächste Reichstagswahl mobil, die, wie er in seinen neuesten Zirkularen ankündigt, Pasing b. München, den 2. Sept. 10. Sehr geehrter Herr! Die beifolgende kleine Schrift: „Warum ich kein Sozialdemokrat bin" erlaube ich mir, Ihnen mit der Bitte zu übermitteln, sie in Ihrer geschätzten, stets für die Aufrechterhaltung der monarchischen und sittlichen Grundbedingungen des Staates eintretenden Zeitung einer kurzen Besprechung zu unterziehen, ev. die beifolgende Notiz zum Abdruck zu bringen. Schon ein flüchtiger Blick auf das von mir sorgfältig ver- arbeitete und in langjähriger Tätigkeit zusammengetragene Material wird Ihnen den Beweis erbringen, daß meine Schrift wie kaum eine andere geeignet ist, der verhetzenden, alle Grundlagen der menschlichen Gesellschaft zerstörenden Tätigkeit der Sozialdemokratie den Boden zu entziehen. Sollte Ihr geschätzte« Blatt und auch die anderen Zeitungen, an die ich mich mit dem gleichen Ersuchen wende, meinem Wunsche nach einem Hinweis auf die Schrift bald entsprechen, so würde ich mich entschließen, allen, die es wünschen, insbesondere dem ReichSverbande zur Bekämpfung der Soziatdcmokralie eine beliebige Anzahl von Exemplaren dieser Schrift entweder gratis oder zum Selbstkostenpreise zur Verfügung zu stellen, damit der Kampf zu den nächsten ReichstagSwahlen jetzt schon begonnen werden kann. In der Hoffnung, daß Sie meinem Wnnlche recht bald entsprechen und mir einige Nummern Ihres Blattes, in dem sich die betreffende Notiz befindet, unter der Adresse Pasing bei München, postlagernd, zustellen, empfehle ich mich Ihnen Mit größter Hochachtung ergebenst Dr. E. Gottfried. Notiz. Warum ich kein Sozialdemokrat bin', betitelt sich eine uns vom Verfasser Dr. E. Gottfried in Pasing bei München soeben zugegangene Schrift, deren Inhalt besonders ge- eignet ist, neue Waffen gegen die Sozialdemo- kratie bei den nächsten Reichstagswahlen zu schmieden. In jahrelanger Tätigkeit hat der Berfasser in sorgfältigster Weise Maierial zusammengetragen und ver» arbeitet, nm den Nachweis zu erbringen, in welchem Maße die Sozialdemokratie eine Gefahr für die Monarchie, für christliche Weltanschauung und die Grundlagen einer sittlichen Weltordnung bildet. Die Schrift ist vom Berkasser gratis und franko seine größere Anzahl zum Selbstkostenpreisej für diejenigen zu beziehen, die sich im Sinne de? Verfassers an dem Kampfe gegen die Sozial- demokratie beteiligen wollen. Eine Anzahl der obengenannten Zeitungen, darunter die protestantische„Norddeutsche Presse" in Neustettin und der katholische VerdnmmungSmoniteur„VilStaler Bote" in Fronlenhausen— die Extreme berühren sich— brachten bereits am S. und 8. September den famosen Waschzettel zur für den Horb st nächsten JahreS bevorstehen. Er fordert zur Sammlung eines großen Wahlfonds auf. In seinem an die„deutschen Kaufleute und Industriellen" gerichteten Schreiben heißt es: „Zum erstenmal werden sie(die Reichstagswahlen) im Zeichen des Hansabnndes erfolgen. Ihr Ausfall wird darüber entscheiden, ob in Deutschland fenierhin eine einseitige Wirtschaftspolitik die Interessen von Gewerbe, Handel und Industrie in jedem Zweige der Gesetzgebung und Berwaltnng mißachten darf, oder ob die Ver- tteter der werttätigen Arbeit in Stadt und Land einfichlig und stark genug sind, sich den gebührenden Anteil an der politischen Macht zu erkämpfen und so eine gerechte Wirtschaftspolitik durch- zusetzen. Gewerbe, Handel und Industrie bedürfen keiner Bevor- mundung. Der Hansabund wird alles daran setzen, daß die bürgerlichen politischen Parteien, denen die Durchführung der Wahlen obliegt, weit mehr als b i s h er Aug e h öri g e des deutschen Gewerbe- standeS: Industrielle, Kaufleute. Handwerker und Angestellte als ReichstagSkandidaten auf- st e l l e n. Eine große Zahl von aktiven Kaufleuten sind zu Kandidaturen bereit. Die Wahl solcher Kandidaten wird er in erster Linie fördern; im übrigen wird er alle Kandidaten unterstützen, welche die Gewähr dafür bieten, daß sie für das in den Richtlinien des Hansa-Bundes vom 4. Oktober 1303 vorgezeichnete Programm in Wort und Tat eintreten werden.... Zu diesem Kampf gehören aber, wie zu jedem anderen, vor allem überaus bedeutende Geldmittel. Das Präsidium des Hansa- Bundes hat deshalb beschlossen, schon jetzt an die Bildung des Zentralivahlfonds für die nächsten ReichStagswahlcn zu gehen. Dieser Fonds dient keiner einzelnen Partei und wird deswegen auch keiner einzelnen Partei entzogen. Der Zentral- wahlfonds wird ausschließlich solche Kandidaten unterstützen, die das hohe Amt des Gesetzgebers in der vollen Erkenntnis der Be- deutung von Gewerbe, Handel und Industrie für eine gedeihliche Entwickelung unseres Vaterlandes ausüben werden. An alle deutschen Kaufleute und Industrielle richten wir das dringende Ersuchen, dem Zentralwahlfonds für 1310 wie für 1311 tunlichst umgehend ein dem Umfange ihres Geschäftsbetriebes und der Bedeutung der Sache entsprechenden, möglichst großen Beitrag in den industriellen Betrieben aber mindestens 1 vom 1000 der jährlich aufgewendeten Lohnsnmme zu überweisen. Gleichzeitig erläßt der Hansabund einen Aufruf an die Angehörigen des deutschen Gewerbestandcs, in dem er eben- falls zum Sammeln von Kampfmitteln auffordert. „Es gilt," heißt es darin,„vor allem die einseitige Jnter e s s en p o liti k des Bundes d e r L a n d w i rt e zu brechen und sie zu ersetzen durch die vom Hansabund vertretene gerechte, da? heißt allen Erwerbsständen, einschließlich der Land- Wirtschaft, gleichermaßen gerecht werdende Wirtschasts- und Finanz- Politik. Es müssen die Steuern und Lasten unter allen Erwerbs- ständen nach Maßgabe des Besitzes und der Leistungsfähigkeit gleichmäßig verteilt werden. Große Kreise des deutschen erwerbstätigen Bürgertums und auch der Hansabund sind davon über» zeugt, daß nur auf solcher Grundlage das verderbliche Neb erlaufen bürgerlicher Kreise zu staatögegnerischen Parteien verhindert werden kann. Wenn das erwerbstätige Bürgertum jetzt, wo e» vor die Entscheidung gestellt wird, versagt oder zaudert, wenn eS seine eigene Sache im Stiche läßt, dann verdient eS die Zurücksetzung, die eS erfahren hat. und alles, was ihm dann seine zcihl- reichen Feinde noch in größerem Umfange auferlegen werden. Bischof von Henle. Ein naher Geistesverwandter des Kardinal? Kopp, dem selbst die zahmen christlichen Gewerkschaften ein Greuel sind, ist der hyper- orthodoxe Bischof von RegenSburg. Schon vor mehreren Monaten erregte er dadurch allgemeines Aufsehen, daß er in der bayerischen Reichsratskammer sich gegen das Streben der ärmeren Volksschichten nach größerer Anteilnahme an den heutigen Kulturgütern wandte und mit anerkennenswerter Aufrichtigkeit erklärte:»Wer Knecht ist, soll Knecht bleiben." Einen Satz, dem er. um zu zeigen, was er von den sogenannten sozial- politischen Aufgaben der katholischen Kirche hält, die intereffante Be« Kenntnis ihrer armen Leser. Damit war der Beweis der Möglich- keit, alles in die bürgerliche Preffe einzuschmuggeln, sobald eS mir im Gewände eines Angriffs gegen die Sozialdemokratie auftritt, erbracht und die Wette halb gewonnen. Aber nun kommt das Wunderbare I Am 8. September waren die Redaktionen der„Post", de? .Reichsboten" und der„Germania" in Berlin im Befitze der Broschüre:„Warum ich kein Sozialdemokrat bin" nebst Begleitbrief und Waschzettel. Am 7. September erhiell der Verfasser diesen Brief des ReichswahrheitsvcrhandeS: Reichsverband gegen die Sozialdemokratie Hanptstelle. Berlin 81V. 11. den 7. Sept. 1310. Dcssauer Str. 80. Dikt.: Soli. Geschr.: G. Herrn Dr. E. Gottsried. Pasing bei München postlagernd. Sehr geehrter Herr! Wir wären Ihnen zu Donk verpflichtet, wenn Sie die Güte hätten, unS etwa 5 Exemplare Ihrer Schrift„Warum ich kein Sozialdemokrat bin" möglichst umgehend zugehen zu lassen. Mit vorzüglicher Hochachtung Die Hanptstelle des „RcichSverbandes gegen die Sozialdemokratie". Dr. Ludwig. Bier lange Tage, das ist nun festgestellt, genügen nicht, um den reaktionären ZeitnngSredaltionen in der Stadt der Jutelli- genz den offensichtlichen Charakter einer gegen sie s e I b st ge- richteten Satire zu offenbaren. Im Gegenteil, eine der drei genannten Redaktionen, wir wissesi nicht welche, hält die Satire für ein so vortreffliches Kampfmittel gegen die Sozialdemo- kralie, daß sie ihr einziges Exemplar dem Reichsverband über- mittelt. Oder haben vielleicht alle drei Redaktionen das- selbe getan? Der Reichsverband aber— par nobile fratnun— bestellt schleunigst fünf weitere Exemplare. Also war die Wette auch nach dieser Richtung hm gewonnen. Die Verbindung der Presse mit dem ReichSverbande war be« wiesen. Die Schrift aber— ihr Berfaffer ist Dr. phil. Siegstied Eckardt—, die solche Wunder vollbrachte, ist nun im Verlage von G. B i r k u. C o. m. b. H. in M ü n ch e n zum Preise von 50 Pf. erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen. Sie kann aufs beste empfohlen werden, da sie in meisterhafter Weise das in Deutschland noch wenig bearbeitete Gebiet der politischen Satire be- tritt und unseren Lesern nicht nur eine heitere Stunde bereiten wird. sondern ihnen auch das gesamte Rüstzeug des ReichswahrheitS- Verbandes als wurmstichiges Gerumpel vorführt. merfimg Ijfnjufflglc:„DnT Christentum hat sich jahrhundertelang nicht mit der sozialen Frage beschäftigt." Diese Aufrichtigkeil hat selbst in strengkatholischen Blättern An- stoß erregt, und so hat sich am letzten Sonntag der Herr Bischof von Henle veranlagt gefühlt, seinen Worten in einer katholischen Arbeirerversammlung eine Art Interpretation zu geben. Er be- hauptete, seine Gegner Hütten ihn größtenteils mißverstanden, und meinte: „Was ist zu dieser Gegnerschaft zu sagen? Die Schrift mahnt den Hobenpricster, Mitleid zu haben mit den U n w i s s e n d e n und Irrenden. Dieses Mitleid habe ich auch, aber das darf mich nicht bestimmen, der Wahrheit ins Gesicht zu schlagen. WaS ich gesagt habe an einem bestimmten hervorragenden Orte, das würde ich wieder sagen, wenn ich eS wieder sagen müßte, und ich würde es auch sagen aus meinem Toten- bette." Wenn er von der früheren Nichtbeschäftigung der katholischen Kirche mit der sozialen Frage gesprochen habe, so habe er damit natürlich nicht sagen wollen, das Christentum sei jahrhundertelang nicht tätig gewesen, sondern nur, daß es sich nicht mit dem be- schästigt habe, was man heutzutage unter dem Ausdruck„die soziale Frage" verstehe. In diesem Sinne verstanden, wäre sein Ausspruch aber völlig richtig: „Hochgebildete Männer, Männer von Wistenschaft und Sach- kenntniS, selbst solche, welche meiner Konfession nicht angehören, was ich mit besonderer Genugtuung begrüße, haben mich ver- standen und mir gedankt: ebenso haben mich verstanden die hoch- gebildeten Herren in Berlin, die in München-Gladbach und alle die achtzehntausend katholischen Arbeiter meiner Diözese." Wir müssen in diesem Punkt der Ansicht des Bischofs von Rcgensburg zustimmen. Tatsächlich hat erst die sozialistische Be- wegung die katholische Kirche in Deutschland dazu veranlaßt, sich mit der sozialen Frage zu befassen und in Sozialpolitik zu machen. Ter Protest gegen das System Moabit. Dresden, 11. Oktober. In drei überfülltenMassenversammlungen protestierte heute abend die Dresdener Arbeiterschaft gegen die Polizeiattacken in Moabit, die verlogenen Dar- stellungen der bürgerlichen Presse und die reakttonären Machen- schaften, die im Anschluß an die Polizeiexzesse ins Werk gesetzt werden. Die Referate der Genossen Düvell, Fkeißner und Sindermann wurden mit st ü r m i s ch e m Beifall aufgenommen. Ost gaben die Versammlungen in i m p u l- siver Weise ihrer Entrüstung über die polizeiliche Blutarbeit in Moabit Ausdruck. Eine kanrpfeslustige Stiminung beseelte die versammelten Massen. E i n st i m m i g wurde eine scharfe Protestresolution angenommen. Das Polizeijuwel Bornssiens. Die Leistungen der Polizei in Halle sind in den letzten Wochen wiederholt besprochen worden, da durch sie der herrschende Kurs sehr deutlich zum Ausdruck kommt. Aus der Generalversammlung des Sozialdemokr. Vereins daselbst ging sie in die Mitgliederversamm- lungen, die für einen engeren Kreis bestimmt ivaren. Damit nicht genug, störte und überwachte sie gewerkschaftliche Mitgliederver- sammlungen und nun dringt sie bereits in kleine Distrikts- Zusammenkünfte des Sozialdemokratischen Vereins, überwacht diese und löst sie auf! Nachdem die Abhaltung von Mitglieder- Versammlungen ohne polizeiliche Störung dem Verein unmöglich gemacht, berief er 21 Distriktszusammenkünfte ein, in denen Bericht vom Parteitage erstattet und dessen Stellung- nähme zu den verschiedenen Parteifragen diskutiert werden sollte. Diese Versammlungen wurden nun teils überwacht, teils aufgelöst, teils nur bespitzelt und teils überhaupt nicht polizeilich behelligt. Gründe für ihr Verhalten gibt die Polizei nicht mehr an, die Organisationen der Arbeiter in Halle sind demnach einfach der Polizeidiktatur überliefert, bis die emgereichten Beschwerden auf umständlichem Rechtswege erledigt find. Das ist angesichts der gar nicht mißzuverstehenden Bestimmungen deS Reichsvereinsgesetzes und der Entscheidungen höchster Gerichte einfach ein Skandal. Es zeigt sich hier wieder einmal, daß in Preußen jeder Staatsbürger— vor allem aber, wenn er Proletarier ist— wehrlos der Polizeigewalt untersteht. Ein Zustand, wie er in einem Staate des Faustrechts, nicht aber in einem Kulturstaate möglich ist. Um den Magistrat von Halle zur Stellungnahme zu dem un- erhörten polizeilichen Vorgehen zu veranlassen, hatten unsere Ge- nassen im dortigen Stadtparlament eine Interpellation eingebracht. Der„steisinnige" Oberbürgermeister Dr. Rive, der auch Polizei- chef ist. verschanzte sich hinter Kompetenzbedenken und schwenkte vor den bürgerlichen Stadtverordneten den roten Lappen so eifrig, daß diese die Interpellation nicht einmal zur Begründung zuließen. Die bürgerlichen Kommunalgrößen bewilligen wohl alljährlich für„ihre" städtische Polizei etwa eine Million Futtergelder, aber WaS die Löbliche tut. geht sie nichts an. So wollen sie eS selbst. Staatssekretär v. Liudequist abgetan? Kaum, daß Herr v. Lindeguist sein Amt als Staatssekretär des Reichskolonialamtss angetreten hat, kommt auch schon die Nachricht von seinem Rücktritt. Die„Hamburger Nachrichten" wissen nämlich zu melden, daß der momentan in einem südfranzösischen Badeort weilende Staatssekretär so schwer leidend ist, daß es ihm vielleicht überhaupt nicht mehr möglich werde, für die Dauer der anstrengen- den Tätigkeit in seinem Amte gewachsen zu sein. Der beleidigte Militarismus. DaS Urteil im Prozeß gegen den Leutnant a. D. Gramm in Stuttgart(über die Verhandlungen berichteten wir in Nr. 236. 3. Beilage unter der Ueberschrift„Ein O f fi z i erpr o z e ß") ist ausgefallen, wie eS trotz allem, was wir über die Militarisierung unserer Justiz wissen, trotz allem, waS wir schon an unbegreiflichen Urteilen erlebt haben, doch nicht zu erwarten war. Der Angeklagte Gramm ist wegen Beleidigung zu zwei Monaten Ge- fängniS verurteilt worden! Trotz des gravierenden Beweis- Materials, das er über die unwürdige Art und Weise, wie der Hauptmann Weller die Soldaten behandelte, vorbrachte! Indes, es bleibt bei den Worten unseres Artikels vom Sonn- abend:„... Doch mag'es sdas Urteil) ausfallen wie es will, darüber täuschen sich wohl weder Ankläger noch Richter, daß der MilitariS- muS eine furchtbare Niederlage erlitten hat." Tie Eisenbahndirektion Essen sendet uns folgendes Schreiben: Essen, den 11. Oktober 1910. Unter Bezugnahme auf die in Nr. 23Z Ihrer Zeitung vom 5. Oktober 1919 enthaltene Notiz«Die gepfändete Eisenbahn- direttion" ersuchen wir gemäß K 11 des Reichspreßgesetzes vom 7. Mai 1874 um Aufnahme folgender Berichtigung: 1. Es ist unzutreffend, daß die Eisenbahndirektion Essen wegen einer Gebührenzahlung von einem Bochnmer Rechtsanwalt wieder- holt und eindringlich gemahnt worden sei. 2. Es ist unzutreffend, daß der Rechtsanwalt, weil die Eisenbahndireklion nicht zur Zahlung zu bewegen gewesen sei, einen Gerichtsvollzieher geschickt habe, der mit Rückficht auf die trotzdem weiterhin erfolgte Zahlungsweigerung zur Pfändung hätte schreiten müssen, und daß dann endlich Zahlung erfolgt sei. 3. Es ist unzutreffend, daß derselbe Rechtsanwalt wegen einer weiteren Forderung nochmals gegen die Eisenbahndireklion den- selben Weg habe wählen müssen, ehe er zu dem Gelde habe kommen können. Dr. Fiebach. Unser Mitarbeiter, der uns die Notiz sandte, gegen die sich die Eisenbahndirektion Essen wendet, wird sich zu deö Berichtigung äußern._ Oertcmicb. Wieder eine Nachwahl in Nordböhmen! In Wien ist der Reichsratsabgeordnete des unmittelbar an der sächsischen Grenze liegenden hochindustriellen Bezirkes Warnsdorf, der Rechtsanwalt Dr. Anton Pergelt, verstorben. Dieser „Teutschfortsch-rittliche" war einer jener österreichischen Spezial- Politiker, für die es außer dem nationalen Streit um Amtstafeln, Beamtenstellen und die Gerichtssprache absolut nichts mehr gibt. Als Erwählter der deutschböhmischen Bourgeoisie bekämpfte Pergelt auf das wütendste und mit allen nur aufzutreibenden Mitteln die Reform von 1906, die das allgemeine, gleiche Wahlrecht brachte. Dank einem beispiellosen Fabrikantenterrorismus, der an Stimmenkauf und Wahlnötigung das höchste leistete, gelang eS bei den Wahlen von 1907 Pergelt in der Stichwahl gegen unseren Pcrnerstorfer durchzubringen, da auch die chrtstlichsozialen und die Stimmen eines halbverrückten Eigenbrödlers für Pergelt abgegeben wurden. Es gibt also jetzt eine Nachwahl, und unsere Genossen werden jetzt nach der Schlappe von Gablonz sicher alles aufbieten, um das Mandat dieses Jndustricibezirkes der Arbeiterpartei zu ge- Winnen. Der Kampf wird außerordentlich heftig werden, denn die Ausbeuter werden weder an Terrorismus noch an Geld sparen, um die Arbeiter wieder um ihre Vertretung zu bestehlen. Die gelbe Verleumdersippe der„deutschnationalen Arbeiter" wird eben- falls eifrig zeigen wollen, daß sie sich das Unternehmergeld nicht schenken lassen. Der Kampf gegen die Teuerung. Die Demonstration der 300 000 in Wien am 2. Oktober hat überall die Arbeitermassen auf die Straße geführt. In den letzten Tagen gab es besonders große M e e- tings unter freiem Himmel und Demonstra- tionszüge in Reichenbev-g, Innsbruck und St. Pölten. Das Bürgertum beteiligt sich nirgends an den Kundgebungen, obwohl auch die Hausfrauen und Beamten- vereine unausgesetzt über die Teuerung und Hie Obstruktion der Regierung gegen jede Abhilfe klagen. Der demokratische Abgeordnete Dr. O f n e r- Wien bezeichnete öffentlich die Be- teiligung der Bürgerlichen an der Wiener Riesendemon- stration als kläglich._ Eröffnung der Delegationen. Wien, 12. Oktober. Heute nachmittag 3 Uhr erfolgte die Er- öffnung der Ungarischen Delegation; um 4 Uhr wurde auch die Oesterreich ische Delegation eröffnet. Die KriegSverwal- tung fordert im Budget 326 Millionen Kronen für die ordentlichen und 5 Millionen Kronen für die außerordentlichen Erfordernisse sowie 8 Millionen Kronen für die außerordentlichen Erfordernisse der Truppen in Bosnien und der Herzegowina. Das ergibt im ganzen einen Mehrbetrag von 12 Millionen Kronen gegen das Vorjahr. Di« Regierung hat den Delegationen ein Rotbuch zugehen lassen, das alle diplomatischen Aktenstücke über die Annexion Bosniens und der Herzegowina enthält. Gegen den Verfassungsbruch, den die Regierung durch die Einberufung einer Delegation mit erloschenem Mandat beging, werden unsere Genossen in der Delegation formell Protest erheben und außerdem an der Bureau- Wahl nicht teilnehmen. Der vorjährigen, nun wieder auf. erstandenen Delegation gehören an die Reichsratsabgeordneten Seliger und N e m e c° Böhmen, Schuhmeier- Niederöster- reich und R e s e l- Steiermark. * �* Wien, 12. Oktober. Zu Beginn der Sitzung der ö st e r r e i ch i- schen Delegation legte Abg. Seid(Soz.) namenS der So- zialdemokraten einen energischen Protest gegen die Un- gesetzlichkeit dieser Delegation ein unter Hinweis auf den Wort- laut der österreichischen und ungarischen AuSgleichgesetze. Die So» zialdemokraten würden die Beschlüsse dieser Delega- tion als ungültig betrachten und im Abgeordneten. hause hieraus die Konsequenzen ziehen. Kra- marcz(Jungtscheche) erklärte namens der slavi schen Union, eS wäre im Interesse der Verfassungsmähigkeit des ge- samten staatlichen LebenS wünschenswert gewesen, daß die Regierung den ReichSrat zur Wiederwahl der Dele» gation aufgefordert hätte. Alterspräsident Freiherr v. Czyhlatz sprach die Ansicht aus, daß die Gesetzlichkeit der Delegationen nach dem Wortlaut des österreichischen Gesetzes keinen berechtigten Zweifeln begegnen könnte. Die Delegation wählte zum Präsidenten v. Glombinski und zum Vize- Präsidenten Dr, Barenreither. Gegen die deutschen Schifsahrtsabgaben. Wie«, 12. Oktober. Im Einlaufe der österreichischen Delega- tion befindet sich eine Interpellation Exner über die Abgabenfreiheit der Elbeschiffahrt. Darin wird auf die Erklärung de? Handelsministers Weis- kirchner hingewiesen, daß die österreichische Regierung für irgendwelche Zugeständnisse, die die volle Freiheit der öfterreichi. schen Elbeschiffabrt berühren, nicht zu haben sein werde, sowie auf den Beschluß des österreichischen Abgeord» netenhauses vom 4. März 1919, in dem gegen die Er» Hebung von Abgaben auf der Elbe entschieden Stellung genommen und die gemeinsame Regierung gefragt wird, ob sie die Anschauung der österreichischen Regierung und des österreichischen Abgeordnetenhauses teile und entschlossen sei, für die Aufrechterhaltung der bisherigen Abgabenfreiheit der Elbe- schiffahrt rückhaltlos einzustehen. System Bienerth. In den Bezirken Tepkitz, Aussig und Lei tm eritz werden seit einigen Wochen alle Versammlungen des Vereins „Freie Schule" völlig grundlos und rechtswidrig aufgelöst. In Leitineritz ist nämlich seit einigen Monaten«in von den Deutsch- „freiheitlichen" bejubelter neuer Bischof, der Erzflerikale Dr. Groß, in oberhirtlicher Tätigkeit. Das Kreisgericht Leitmeritz verurteilte einen Arbeiter zu z w e i Wochen strengen Arrest(Gefängnis ohne Selbstbeköfttgung), weil er vor einem katholischen Pfarrer, der mit den Zeremonien beim Begräbnis eines Mitarbeiters des Angeklagten noch gar nicht begonnen hatte, den Hut nicht abnahm und auf den Befehl des Pfaffen erwiderte:»Vpr Ihnen nicht!" Bei den nationalen AuSgleichZvcrhandlungen kN der national- politischen Kommission des böhmischen Landtags erklärte der Statthalter Gras Coudenhobe zu einem jungtschechischen Antrag auf Einführung des allgemeinen, gleichen, proportio- nalen Wahlrechts, daß die Negierung dies unbedingt verwerfe.(!), frimkmcb. Eine Beschwichtigungsrede Briands. Paris, 12. Oktober. Gestern abend fand ein Bankett des republikanischen Komitees für Handel und Industrie statt, an dem etwa 2599 Personen teilnahmen, darunter die meisten Minister und zahlreiche Parlamentarier mit den Präsidenten des Senats und der Kammer an der Spitze. Ministerpräsident B r i a n d hielt eine Rede, worin er u. a. sagte, er glaube, immer das Vertrauen der Republikaner verdient zu haben, auf die er in den gegenwärtigen schwie- rigen Zeiten und am Vorabend des Wiederzu. sammentritts des Parlaments müsse zählen können. Sein Ministerium habe stets verkündet, daß es mit der republika- nischen Partei eine nationale republikanische Regierung verwirk- lichen wolle. Er habe die Unterstützung iier Rechten nicht gesucht, über sein Programm niemals Zweifel gelassen und in der Kammer offen erklärt, auf welche Mehrheit er sich zu stützen gedenke. Daher werde er nicht gestatten, daß man ihn zur Rechten dränge, vielmehr werde er an dem Tage sein Amt niederlegen, an dem sich seine Freunde von ihm trennen sollten. Er habe niemals davon gesprochen, daß die Republikaner die Waffen niederlegen sollten. Die Hoffnung, die Rechte werde die Waffen niederlegen, habe er in einer Zeit, wo eine Kampagne gegen das parlamentarische Regime und die republikanischen Einrichtungen geführt werde, um sie zu diskreditieren, niemals gehabt. Er habe dem Lande gesagt, die Republik sei das Regime der Gerechtigkeit und Freiheit für alle und jeden, und hinzugefügt, das Reform- Programm könne nur mit Hilfe der Republikaner verlvirklicht werden. Diese hätten sich um die Regierung scharen müssen; statt dessen hätten einige sie bekämpft. Dann hatten die Gegner seine Worte, die in ims Herz des Landes gedrungen seien, für sich auf- genommen. Das ist die Z w e i d e u t i g k e i t. unter der wir heute leiden. Alle Handlungen seines politischen Lebens seien auf Wahrung der Rechte des Staates gegenüber der Kirche gerichtet gewesen. Er versichere dem Parlament und dem Lande, die Regierung werde unerschütterlich auf diesem Standpunkt verharren.„Wr haben jetzt", fuhr Briand fort,„ein neues Werk zu vollenden. Das ist zunächst die Wahlreform, sodann das Beamten st«tut, die Dezentralisation der Justizverwaltung und die Steuerreform auf der Grundlage der Gleichheit und Gerechtigkeit. Sie müssen den Arbeitern ein Mittel an die Hand geben, aus dieser fieberhaften, gefährlichen und beunruhigenden Erregung herauszukommen, die das Land in jedem Augenblick in Angst versetzt, die die Regie- rung im Interesse ihrer Autorität zu Maßregeln treibt, die ihr s o s ch ni e r z l i ch s i n d, d a ß n u r d i e st ä r k st e n Gewissensgründe sie dazu bestimmen können. Sie müssen ferner den Syndikaten die Rechtsstellung der juristischen Persönlichkeit geben. T«S alles müssen Sie tun, und Sie bringen Ihre Zeit damit hin. die Regierung zu verdächtigem Ich für meine Person bewahre mein Vertrauen zur Republik." Der Redner schloß mit einem Hoch auf eine republikanische Regierung des Fortschritts, der Ordnung und Sicherheit, der Gereifftigkeit und Freiheit für alle.(Beifall.) Portugal. Neue Kampfe? Madrid,'iL. Oktober. Ministerpräsident Canalejas teilte den Journalisten mit, daß heute keine neuen Meldungen aus Portugal eingetroffen seien. Die Drahtverbin, düngen seien neuerdings unterbrochen. Der„Heraldo" erhielt eine Funkenmeldung, wonach ganz Lissabon in Rauch eingehüllt sei, was zu phan- tastischen Kommentaren veranlaßt. Regieningsmaßnahmen. Lissabon, 11. Oktober. Die Regierung plant einen Erlaß über die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht.(Bisher konnten die Besitzenden sich von der Wehrpflicht loskaufen.)— Die monarchistischen Zeitungen erscheinen wieder, ihre Sprache ist ge» mäßigt, einige erkennen die Republik an. Gegen den klerikalen Parteifiihrer, den Priester CoureneS Maltos, ist ein Haftbefehl er- gangen.— Polizei und Munizipalgarde sind nach den alten Grund- sätzen neugebildet worden. Zahlreiche Munizipalgardisten, die bei der Revolution das Königtum verteidigt haben, wurden wiederciw- gestellt. Die höheren Offizierstellen der auf dem Tejo liegenden Kriegsschiffe sind neu besetzt worden. Manuel geht nach England. London, 11. Oktober. Wie dem Reuierschcn Bureau aus G i» braltar gemeldet wird, hat König Georg heute abend Befehl gegeben, daß die königliche Nacht„Victoria and Albert" nach Gi- braltar abgeht, um König Manuel und Königin Amelia an Bord zu nehmen.\ Spanien. Neue Kämpfe in Marokko? Madrid. 12. Oktober. Amtlich verlautet aus Melilla: Auf den umliegenden Anhöhen werden die bekannten Feuersignale der Kabhlen gesehen. Gleichzeitig erhält„El Mundo" die Moldung: gestern früh sei eine st a r k e Kolonne unter Führung de» Ober» befehlshaber von Melilla, General A l d a V e, gegen die Position Jazama ausgerückt. ES scheint fast, als wolle Herr CanalejaS versuchen, die all- gemeine Unzufriedenheit und die drohende Revolution durch einen Krieg nach außen abzuwenden. Madrid, 11. Oktober. In der Deputiertenkammer er� klärte der Sozialist JglesiaS: die Sozialisten würden sich einem neuen kriegerischen Vorgehen Spa» nienS in Marokko mit allen Mitteln widersetzen. Ministerpräsident Canalejas antwortete: man müsse dem Weg folgen, den alle zivilisierten Völker einschlagen, und sich bemühen, die Zivilisation selbst mit Gewalt zu ver, breiten,(!) Salkan. Kein tärkisch.griechischeS Kreta-Abkommt«. Konstantinopel, 11. Ottober. Offizielle Kreise erklären, über die Nachricht des„Jeune Türe" von der Anbahnung einer Verständigung mit Griechenland nichts zu wissen. Ministerwcchsel in Griechenland. Athen, 13. Oktober. DaS Kabinett hat seine Demission gegeben. Man glaubt, daß VenizeloS mit der Bildung deS neuen Kabinetts betraut werden wird. öewerkrcbaftlicbee. Eine J�achtzdcbnuiig nützlicher Elemente. Während in Brake die Hafen-. Holzplatz- und Fischerei- arbeiter im Streik stehen, um einige Pfennige Lohnerhöhung zu erzielen, wendet der Arbeitgebcrverband alle Mittel an, um die Arbeiter niederzuknüppeln. Agenten sind beauftragt und bereit, die notwendigen„nützlichen Elemente" zu liefern. Zirka 300 Mann dieser Arbeitswilligen sind denn auch nach Brake transportiert. Unter allerlei falschen Vorspiegelungen kamen auch Leute nach dort, welche sich nicht als Streik- brecher gebrauchen lassen wollten. Sie reisten natürlich wieder ab. Einer dieser Leute schreibt nun an die Streik- leitung folgenden Brief: Essen, den 1. 10. 1910. Werte Kollegen! Bin in Essen gut angekommen; höre zu meinem Erstaunen, daß Donnerstagabend, den 29. 9. 1910 wieder 79 Mann nach dort gebracht sind. Als Führer waren wieder tätig der entlassene Schutzmann Jakob D e l f i n g und der Gelegenheits- arbeiter Joh. Buschmann. Diese Elemente Euch dort zu schildern ist der Zweck meines Schreibens.... Adolf Heßberg, der voriges Jahr 720 Mann per Mann 100 M. nach Mailand an die dortige Glasfabrik verkaufte, be- trog 300 Arbeiter um je 35 M. Er nahm den Leuten 30 M. für die Rückreise ab. Diese kostete aber nur 21 M. Dann betrog er die Leute um 5 Tage a 5 M. Die weiteren Leute betrog er um 9 M. Fahrgeld und 20 M. Prämien. Die Betrügereien sind bei t>er Staatsanwaltschaft zur An- zeige gebracht und schwebt dieserhalb das Strafverfahren hier in Essen. Weiter verleitete er seinen Kontrolleur Brato in Kiel, wo er im Jahre 1909 Arbeiter zur Stratzenreinigung vermittelte, Trinkbecher, die der Stadt Kiel gehörten, zu stehlen. Diese gestohlenen Trinkbecher befinden sich bei dem ehemaligen Schutz- mann Delphing. Gegen diesen D e l p h i n g schweben ebenfalls Strafsachen wegen Kartoffcldicbstahl und wegen Betrug der Eisenbahn, durch die er Leute auf Bahnsteigkarten mit ins Streikgobiet beförderte. Gegen Johann Buschmann schwebt ein Verfahren wegen Straßenraub, degangen an einer wehrlosen Frau, der Buschmann 12 M. abnahm. Metzmacher be- findet sich mit den Gebrüdern dort. Aus welcher anständigen Familie diese sind, geht daraus hervor, daß sich ein Bruder von ihnen wegen Zuhälterei im Arbeitshaus befindet und eine Schwester das Gewerbe der Unzucht betreibt. H ü s e r, der auch dort ist. betreibt hier das Gewerbe eines Hundehändlers, außer- dem beherbergt er Gesindel, das sehr viel mit der Sicherheits- deHörde zu tun hat. Buchhorn ist auch ein entlassener Polizei- beamter, der wegen seiner sittlichen Führung nicht mehr zu ge- brauchen war. Mit Gruß Dieser Brief spricht Bände und zeigt, daß wir es mit einer wohlorganisierten Streikbrechergarde zu tun haben. Der Leiter des Ganzen, ein ehemaliger Schutzmann, welcher sicher als solcher Thron und Altar zu schützen berufen war, beschützt jetzt mit Zuhältern, Dieben und sonstigem Gesindel das Ka- pital gegen im Kampfe um ihre Existenz stehende ehrliche Arbeiter.„Mehr Schutz den Arbeitswilligen", so tönt es jetzt wieder aus den Spalten sämtlicher reaktionären Zei- tungen. Es ist mehr wie Ironie. Leute, die sich von Dirnen ernähren lassen, die von der Polizei ins Arbeitshaus gesteckt werden, weil sie mit der Arbeit aus gespanntem Fuße leben, die nur hin und wieder arbeiten, um der Behörde gegenüber Arbeit nachweisen zu können, erfreuen sich des Schutzes der Behörden, nur weil sie außer ihrer sonstigen Tätigkeit ge- werbsmäßig Streikbruch verüben. Heute als Zuhälter von der Polizei gesucht, morgen als Kleinod gehütet und ge- hätschelt im Interesse des Kapitals, bedürfen diese Menschen nach Ansicht der Reaktionäre noch mehr als bisher des Polizei- lichen Schutzes. Schutzleute, von den Behörden davon gejagt, werden von noch im Dienst stehenden Schutzleuten geschützt, wenn sie Streikbrecherkolonnen organisieren und Aufruhr, Mord und Totschlag überall dahin bringen, wo sie mit ihren Sturmkolonnen erscheinen. Manch ehrlicher Arbeiter wan- dert ins Gefängnis, nur weil er solche Burschen schief an- sieht, oder aber sich seiner Haut wehrt, wenn er von diesen angefallen wird. Wir haben es herrlich weit gebracht I Nochmals Friedrich Hintze, Streikbrecherlieferant engros. Aus Sachsen wird uns geschrieben: Hintze bramarbasierte damit, daß er jeden Streik breche, und daß ihm in Sachsen nur einige Streiks deshalb verloren gegangen feien, weil sich die Polizei zu schlapp zeigte. Diese üble Nachrede dürft« außer Hintze wohl kein Mensch der sächsischen Polizei anhängen. Nein, die Schlappheit der Polizei vereitelte nicht die Streikbrecherabsicht des Hintze. In Plauen gingen z. B. die Streikbrecherdienste des Hintze deshalb fehl, weil mit semer Garde wirklich keine Rausreißerarberten zu machen waren. Hintze erzählte ja auch von seinen Mannen, daß sie alle Arbeiten verrichte». Da kann man sich denken, welche Dienste die Hintzeschen Erdarbeiter den Kartonnagefabrikanten in Plauen leisteten. Das war denn auch gar nicht ihr Zweck; sie wollten nur Krawalle anstiften. Die Fabrikanten und die Polizei waren denn auch schließlich zuirieden. als sie diese unheimliche Gesellschaft los waren. Wie vielseitig dieser Hintze aber in seinem Handwerk ist, dafür diene noch folgender charakteristischer Vorgang: Beim Streik in Plauen waren ebenfalls des Abends Menschenaufläufe. Am Abend des 28. Februar 1910 ging es etwas stürmisch zu, ohne daß es je- doch zu Ausschreitungen kam. Diese Gelegenheit wurde zu dem Versuch benutzt, den besonnenen Führer des Streiks, den Bezirks- leiter Genossen Pfütze vom Buchbinderverband, unschädlich zu machen. Pfütze wurde beschuldigt, gerufen zu haben:„Nieder mit den Streikbrechern",„stecht die Hunde nieder!" Dabei konnte Pftitze nachweisen, daß er am ftaglichen Abend gar nicht in Plauen an- wesend war. Und wer war derjenige, der die Anklage veranlaßt hatte? Fritz Hintze, dieses dem Staate so nützliche Element! verlin und Umgegend. Tarifabschlust der Rohrleger. Unter dem Namen.Schutzverein der Arbeitgeber im Rohr- legergewerbc Groß-Berlins" hat sich eine neue Unternehmerorgani- sation gebildet. Bekanntlich steht der Wiesenthalsche Verband mit der alten Rohrlcger-Unternchmerorganisation im Tarifverhältnis, an welchem sich der Deutsche Metallarbeiterverband nicht beteiligt hat. Vor kurzem ist," führt, hat sich in Berlin gebildet. Sie will sich der Dichter annehmen, deren Stücke nicht oder nur selten gespielt werden,— „vielleicht weil sie sich nicht ohne weiteres den bekannten Richtungen zuzählen lassen". Auch sollen Werke bekannter Dichter heraus- gebracht werden, gegen die sich die allgemeine Meinung sträubt. oder die von der Zensur verboten wurden. Die Gesellschaft wird ihre Tätigkeit mit einer Aufführung von drei neuen Einaktern Wede« kindS im Kleinen Theater eröffnen. — Die kaiserliche Wissenschaft, die aus der UniversitätSfeier proklamiert wurde, nimmt in der bürgerlichen Presse bereits Form und Gestalt an. Die Idee soll von Allhoff stammen, dem rücksichtslosen Desorganisator der UniverfitätSselbstherrlichkeit, die ja oft genug nur Zunftklüngelwesen war. Die Gelder kommen von der Hochfinanz und der Industrie, zumeist von denselben Gönnern, die schon Althoff. Bode u. a. anzugehen pflegten. Mit- glied der kaiserlichen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften kann jeder Kapitalist werden, der das nötige stiftet. Ueber die Ver- Wendung des Kapitals bestimmt ein Senat, der teils von den Mit- gliedern gewählt, teils vom Protektor ernannt wird. Wir werden also jetzt endlich die vom Kapital direkt besoldete und abhängige Wissenschaft haben, worin uns Amerika bisher über war. Der Kongreß beschließt die KonföderationSmarke, i. die Steuerzahlung von 5 Cent, monatlich an die Konföderation, obligatorisch zu machen. Eine Kommission soll die Ausführung dieses Beschlusses durch die Berbände kontrollieren. Ens der Partei. Bervot des„vorwärts" und des„Wahren Jacob" in Finnland. Mail schreibt uns aus HelfingforS: itch meldete bereits, daß der„Vorwärts' wegen eines die finnische Frage betreffenden Artikels in HelfingforS!on- f i S z i e r t wurde, wobei selbst in einigen Redaktionen HauS« suchungen angestellt wurden. Run hat der finnische Preß- Gendarm Herr Kanninen, die Einfuhr des„Vorwärts" wie auch des.WahrenJacob' verboten. Ohne russischer- fr.i-5 einen Befehl abzuwarten, schrieb dieser Herr der finnischen Zoll- und Postverwaltung vor, die genannten Blätter n i ch t m e h r in Finnland einzulassen. Er stützte sich bei dieser voll- kominen ungesetzlichen Verfügung auf die Tatsache, daß der„Vorwärts" und der„Wahre Jacob' in— Rußland verboten seien J Obgleich die finnische Verfassung ausdrücklich erklärt, daß jeglische Preßverbote unzulässig seie- und der finnische Bürger völlige Preßfreiheit genießt. d. h. auch die Freiheit zu lesen, was jedem beliebt, sucht dieser „konstitutionelle" Beamte sich schon jetzt bei der Petersburger Re- gierung anzubiedern, indem er der letzteren bei der Unterdrückung des freien Wortes die schmählichsten Zuhälterdienste leistet. Die Organisationen zum Parteitag. Erfurt. In Erfurt erstattete Parteisekretär Genosse A p e l- Erfurt Bericht. Er hat als Delegierter des Wahlkreises mit der Mehr- heit gestimnit. Das«erhalten der Gewerkschaftsführer, die den Disziplinbruch der Badcnser. verteidigten, tadelte er, weil in der Partei keine andere Disziplin herrschen dürfe als in den Gewerk- schaften. Der Haltung der Süddeutschen in der preußischen Wahl- rechtssrage zollt er dagegen volle Anerkennung. Arbeitersekretär Genosse Schräder ist mit der Annahme der Vorstandsrc solution in der Budgetfrage einverstanden, obwohl er der Ansicht ist. daß diese Frage nicht aus der Diskussion verschwinden werde. Den Badcnsern müsse man die gute Absicht zubilligen. Deshalb findet der Zusatzantrag Zubeil-Haase nicht seine Zustim- mung, weil er eine Verurteilung im voraus bedeute, die allen Prinzipien der Gerechtigkeit in» Gesicht schlage. Der Parteitag hätte mit einer Handbewegung über die Dummheit der Badenser, besonders über die im Schlußwort von Frank, hinweggehen sollen. Den Disziplinbruch verurteile auch er. Apel habe die Budgetfrage über die Einheit der Partei gestellt. Genosse Paul Reißhaus widerspricht der letzteren Auf- fassung. Der Parteitag durfte sich die Provokation im Schlußwort Franks nicht gefallen lassen; die Delegierten hätten sonst schwere Vorwürfe erhalten und verdient. Eine andere Antwort auf die Provokation, wie sie der Parteitag gegeben, war nicht möglich. Wenn die Gewerkschaftsführer in den Gewerkschaften schärfste Dis- ziplin verlangen, dürften sie in der Partei den Disziplinbruch nicht verteidigen. Er glaube, daß die Gewerkschaftsführer die Dinge in Zukunft auch von diesem Gesichtspunkte betrachten. Redner spricht schließlich seine volle Uebereinstimmung mit den Parteitags- beschlüffen aus. Genosse Fr. Bauer sagte, wenn man meine, daß durch die Budgetbewilligung die Partei zugrunde gerichtet werden solle, dann sei die ausgezeichnete Haltung der Süddeutschen in der preußischen Wahlrechtsfrage nicht zu verstehen. Das sei ein Widerspruch. Mit der Borstandsresolution hätte sich der Parteitag begnügen sollen, der Antrag Zubeil war überflüssig. Genosse Apel weist im Schlußwort die Ansichten der Genossen Schräder und Bauer zurück. Er trete wohl für die Einigkeit in der Partei ein, aber nicht um j e d-e n Preis. Auf die Haltung der Gewerkschaftsführer habe er deshalb hingewiesen, weil die Ein- Haltung schärfster Disziplin für die Gewerkschaften und die Partei gleich wichtig sei. Zum Schluß glaube er aus der Debatte schließen zu können, daß wohl kleine Irrtümer in der Beurteilung einzelner Fragen beständen, daß aber trotzdem Einigkeit hinsichtlich der ge- faßten Beschlüsse besiehe. Damit war die Debatte erledigt. Eine Resolution wurde nicht gefaßt. Gera. Die Parteigenossen in Gera(Reuß) nahmen am 11. Oktober in einer außergewöhnlich stark besuchten Versamm- l u n g des sozialdemokratischen Vereins Stellung zu den Berhand- lungcn und Beschlüssen des Parteitages. Bericht erstattete Partei- sekretär Genosse Knauf. Er rechnete scharf ab mit der Bewilli- gung des Budgets durch die sozialdemokratischen Abgeordneten des badischen Landtags und wies eingehend nach, daß die Annahme der Resolution des Parteivorstandes mit dem Antrage Haase-Zubeil unbedingt nötig gewesen sei, da die Debatte sonst wieder wie das Hornberger Schießen ausgegangen wäre. In der Diskussion wurde nur über die Budgetfrage gesprochen. Die Gen. Redakteur L e V e n, Parteivorsitzender Betterlein, Arbeitersekretär F r ä n» kel, Kahnt, Gewerkschaftssekretär Pfeifer. Parteitogsdele- gierter Fischer und Röder gingen noch näher auf die Budget- frage ein und erklärten ihre volle Befriedigung über die Beschlüsse des Parteitages, die hoffentlich dafür sorgen würden, daß die revi» sionistischen Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Verhalten von Gewerkschaftsführern, wie Brey und Schlicke, die durch ihre Ab- itimmung sogar den Dtsziplinbruch gerechtfertigt haben, wurde scharf verurteilt. Einstimmig angenommen wurde fol- gendc Resolution: „Die am 11. Oktober tagende Mitgliederversammlung dcS Sozialdemokratischen Vereins für Reutz j. L., Ortsverwaltung Gera, erklärt sich mit den Beschlüssen des Parteitages, auch hin- sichtlich der Budgetfrage, vollständig einverstanden. Zum Schlüsse kam Genosse V e t t e r l e i n noch auf die Moabiter Vorgänge zu sprechen und meinte unter allgemeiner Zu» stimniung. wenn man sehe, wie die Tumulte von den Scharfmachern als Popanz gegen die Sozialdemokratie ausgenutzt werden, dann scheine es allerdings, daß die Tumulte organisiert gewesen seien, aber nicht von der Sozialdemokratie, sondern von ganz anderer Seite. Würzburg. Am Montag berichtete in W ü r z b u r g der Delegierte, Ge- nosse Kern, kurz über den Verlauf des Parteitages. In der Dis- kussion wurde zunächst ein Antrag, die Rededauer in der Diskussion auf 10 Minuten festzusetzen, abgelehnt. Genosse Rupprecht tadelt es. daß die Minderheit auf den Parteitagen immer so wenig berücksichtigt wird. Wie man aber auf dem letzten Parteitag um- gesprungen ist, war nicht mehr schön. So solle man in der Partei nichv vorgehen. Die Verhältnisse in den süddeutschen Staaten liegen nun einmal anders als im Norden. Wenn wir auch auf politischem Gebiete an Vorteilen herausholen, was herauszuholen ist, handeln wir nur im Interesse der Arbeiterschaft. Genosse Kienle knüpft an die Verurteilung der gebundenen Mandate an und wundert sich, daß man auf oem Parteitag dem nicht auch Rechnung getragen hat. Dort hat man alle Abgeordneten von den verschiedensten Landes- Parlamenten gebunden und ihnen vorgeschrieben, wie sie zu stimmen haben. Das sei nicht recht und lasse sich auf die Dauer nicht auf- recht erhalten. Genosse Schmidt gibt bekannt, welche Stellung das..Korrespondenzblatt" der Generalkommission zum Parteitag in Magdeburg einnimmt. Ebenso zitiert er einige Ausführungen des „Grundstein". Beide GewerkschastSblättcr führen sehr verständige Gründe gegen die Entscheidung in der Budgetfrage an. Ferner nchrt er an. daß man durch Zustimmung zu den Gemeindeetat». sowie durch die Zustimmung zur Erbschaftssteuer im vorigen Jahre dem Klassenstaat auch Mittel zu seiner Aufrechterhaltung bewilligt»., In diesen Fällen habe man auch den Verhältnissen Rechnung sie- tragen. Gen. Strauß verurteilt ebenfalls die Art der Erledi- gung der Budgetdebatte. Er empfiehlt auch die Einsetzung einer Reichskommission, wie sie von dem Gen. Kolb in Karlsruhe vor- geschlagen wurde. Die Tätigkeit unserer badischen Genossen der- diene nicht den Ausschluß, sie hat uns zweifellos auch Erfolge ge- bracht. Gen. TomaczewSki erläutert den Vorgang bei der Behandlung und Abstimmung des Antrages Zubeil und befürwortet für die Zukunft eine bessere Durchbildung der Parteigenossen. Gen. Baier wendet sich ebenfalls gegen die Mehrheit bei der Budget- frage. Er hält die Haltung unseres Delegierten bei der Ab- siimmung des Vorstandsantrages sowie des Zusatzantrags Zubeil nicht für richtig. Der Mahnung des Gen. Bebel, die führenden Genossen im Auge zu behalten, stimmt er zu. Da während der Diskussion ein Antrag, die Versammlung um 12 Uhr zu vertagen, angenommen wurde, erfolgte nach diesem Redner die Vertagung. Bis jetzt sind zu der Sache drei Resolutionen eingelaufen, von denen zwei die Ablehnung der Studienkommission bedauern, den gefaßten Beschlüssen aber Rechnung zu tragen versprechen, und die dritte die Zustimmung des Delegierten zum zweiten Teil des Vorstands- antrages sowie des Zusatzantrages Zubeil verurteilt und außerdem die Einsetzung einer Reichskommission, wie in Karlsruhe vor- geschlagen, verlangt._ Ein behauptetes Gemeindevertretermandat. Bei der im Frühjahr vollzogenen Gemeindevertreterwahl in dem Dorfe M e r z d o r f bei Ohlan i. Schles. wurde Genosse Kulitze ge- wählt. Gemeindevertretung, Bezirks- und Kreisausschuß erklärten die Wahl für ungültig, angeblich weil sie nicht genügend in ortsüblicher Weise bekannt gemacht worden sei. In Wirklichkeit war aber das Gegenteil der Fall. Der Versuch, de» Sozialdemokraten aus der Gemeindevertretung zu drängen, ist nun glänzend vorbei- gelungen; denn das für ungültig erklärte Mandat wurde mit einer noch viel größeren Stimmenzahl wieder erobert. Merzdorf ist durchweg katholisch und obgleich der Pfarrer von der Kanzel herab Agitation betrieb, war der Sieg des verhaßten„Roten" nicht zu verhindern._ DaS 10jährige Bestehen feiert unser Trautenauer Parteiorgan, das wöchentlich erscheinende.Trautenauer Echo'. ES konnte in dem der- elendeten Riesengebirge doch 5000 Abonnenten gewinnen und ist ein Bollwerk der Arbeiterbewegung. Etos Industrie und Kandel. Vom Eillfuhrscheinskandal. Die Gestaltung der Getreideverhälttiisse am Weltmarkt hat die Ausfuhr von Getreide aus Deutschland zu einem lukrativen Geschäft gemacht. Mit Hilfe der indirekten Ausfuhrprämie entlasten die Ex- porteure den deutschen Markt, damit hier die Preise auf einem hohen Niveau gehalten werden können. Die künstliche Verteuerung müssen die Konsumenten bezahlen, wird doch die Ausfuhrprämie aus der Reichskasse bezahlt. War schon im vergangenen Jahre die Ausfuhr sehr hoch, so wird das laufende Jahr mit noch viel höheren Exportziffern abschließen, natürlich auch mit einer höheren Summe Ausfuhrprämien. Wie sich in den ersten acht Monaten der beiden letzten Jahre der Außenhandel mit Getreide und Mehl gestaltet hat, zeigt folgende Aufstellung über den Ein- respektive Ausfuhr» Überschuß: Einfuhrüberschuß Ausfuhrüberschuß 1V0S 1910 1S0S IVIO in Doppelzentner Roggen., J—— 2 318 635 2 678 576 Weizen.. 14 521 885 13 750 416-— Spelz...-— 8 219 7107 Malzgerste. 770 659 506 037—— andere Gerste 12 375 014 14311020—— Hafer... 2 312 467—— 605 558 Buchweizen. 166 770 155 274—— Roggenmehl—— 518 934 879 017 Weizenmehl—— 868 504 919 313 Der Ausfuhrüberschuß bei Roggen ist gestiegen, der Einfuhr- Überschuß bei Weizen gesunken; daS gleiche gilt für Malzgerste. Bei anderer Gerste ergibt sich eine Zunahme des Einfuhrüberschusses, dagegen hat sich der Einfuhrüberschuß bei Hafer in einen beträcht- lichen Ausfuhrüberschuß verwandelt. Der unbedeutende Außenhandel mit Buchweizen hat sich wenig verändert, aber bei beiden Mehlsorten ist der Ausfuhrüberschuß weiter gestiegen. Finanziell tritt die EntWickelung in einer bedeutenden Steigerung der mittels Einfuhr« scheine zu begleichenden Zollbeträge in die Erscheinung. In den ersten acht Monaten der letzten Jahre wurden zollpflichtige Waren gegen Einfuhrscheine zollfrei eingeführt: 1906 1907 1908 1909 1910 M. M. M. M. M. 20 906 520 28 459 949 48 664518 56 579186 70 07« S07 Seitdem die höheren Zölle und damit die höheren Ausfuhr- Prämien in Wirksamkeit sind, hat sich die Summe der durch Einfuhr- scheine beglichenen Zollbeträge mehr als verdreifacht. So muß das Volk Millionen aufwenden, damit unsere Agrarier ihm höhere Preise abnehmen können. DaS ist eine ganz raffinierte Plünderei, die sich von der Schnapphahnerei der Borfahren unserer Edelsten nur durch größere Unanständigkeit auszeichnet. Die Raubritter plünderten im allgemeinen nur Leute, die mehr besaßen, als sie zur Fristung ihres Lebens notwendig hatten, unsere modernen Plündergesellen ober berauben die Aermsten de» Volke? am allerschlimmsten, indem sie ihnen von ihrem Stückchen Brot noch einen Teil fortnehmen. Gött- liche Weltordnung nennt man das. Fleischpreise. In«— il»»» 79»"" dt- Fleischpreise hinaufgetrieben worden sind, veranschaulicht eine Zusammenstellung über die häufigsten Preise an 50 preußischen Marktorten. Danach kostete ein Kilogramm Pfennige: Rindfleisch Kalbfleisch Hammelfleisch 1909 1910 1909 1910 1909 1910 Juli... ,55.7 160.1 I77.Z 130,2 ISM 178,6 August.. 156,0 165,4 173,3 185,0 169,5 174.6 September. 156.6 166,1 174,9 188,2 170,0 174,7 Im dritten Vierteljahr 1910 ist für alle Fleischgattnngen bei der Gesamtheit der Berichtsorte etne aufsteigende Bewegung der Kleinhandelspreise eingetreten, die für Rind- und Kalbfleisch weit er- heblichers als für Hammel-, Schweine» und Roßfleisch war. Gegen die gleiche Berichtszeit des Vorjahres ist— ausgenommen für das Schweinefleisch in den Monaten August und September— gleichfalls eine Steigerung des EinheitS-lGesamtdurchschnittS-spreise» wahr» zunehmen. Auch im Verhältnis zu den Vormonaten de» Berichts- jahreS hat sich die Preislage de» III. Vierteljahres beim Rind-, Kalb-, Hammel- und Roßfleisch im Gesamtdurchschnitte erhöht, wo« gegen die Schweinefleischpreise noch geringer als die de» I. Viertel- jähre? 1910 geblieben sind, die des II. Vierteljahres aber größten« teils überholt haben. Die Einheitspreise stellen sich am höchsten für Rindfleisch in Magdeburg mit 183—184. in Emden mit 183 Pf., für Kalbfleisch in Altona mit 222—232, in Potsdam mit 216—224 Pf., für Hammelfleisch in Potsdam mit ISS— 200, in Koblenz mit 192 bis Iva Pf., für Schweinefleisch in Frankfurt a. M. mit 204, in Hanau mit ISS— 800 Pf. Di? niedrigsten Einheitspreise findet man für Rindfleisch im Infi und Nngiist in Grand enz mit 128—134, im September in Memel und Köslin mit 138 Pf., ferner für Kalbfleisch in Memel mit 112—132 und ebenda für Schweinefleisch mit 186 Pf., für Hammelfleisch in Allenstein mit 141—146 Pf. Fortschritte der Produktionstechnik. Mit der zunehmenden Kapitalskonzentratton und der Zusammen- legung von immer mehr industriellen Werken zeigen sich stets neue Möglichkeiten des rationelleren Betriebes. Mit der Erweiterung des Zechenbesitzes der Deutsch-Luxemburgischen Bergwerks- und Hütten- Aktiengesellschaft bei Dortmund in Westfalen ist ein neues Transport» Projekt der Ausführung nahe gerückt. Die Gesellschaft plant die Anlage einer direkten unterirdischen Transportbahn von den Zechen Wiendahlsbank. Glückauf und Luise Tiefbau bis zum Hafen. Mit der Ausführung des Projektes will man schon in nächster Zeit beginnen. Die Zechen Kaiser Friedrich und Tremonia sollen gleich- falls an diese Transportbahn angeschloffen werden. Ein technischer Fortschritt jagt den anderen. Während die Technik die Produktion beständig revolutioniert, kann der rechtliche Ueberbau nicht entsprechend nachfolgen, er wird von den Gewalt- habern konserviert. Schließlich muß aber doch der Ausgleich kommen._ Patrioten. Die Kathreiner-Malzkaffeefabriken,26 M.— ÜUuui Griecheiitiiiii zum Christcntiiin. Bon Prosesfur Dr. A. Bauer. 1 M., ln Ottginallcüicnband 1,26 M- Verlag von Quell« u. Meyer in Leipzig. icht nur die Waldbestände sind in i e s o t a zum En Krön detail Knabsn-... jünglings-Qarderobe fertig d. nach IHait am billigsten und reelltten in der Fabrik Koppenntr. 85, pari., 2 Minuten v. Schles. Bahnhof. * Karl Hustfldt. Hh Hygienische, oeaansarniiei. rsoueBt.iiatalo| [D.£znpfehl. viel- Aerzte u.Prof. grat.UeiS B. Ungar, Gamaivtrenlabri* Boriis NW.. 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Nachdem die sozialdemokratische Partei nun einmal dazu übergegangen sei, sich an den parlamentarischen Ar- betten zu beteiligen und auf dem parlamentarischen Boden für die Rechte der Arbeiterschaft zu kämpfen, dürften den sozialdemokratischen Fraktionen nicht von außen her, ohne Rücksicht auf die veränderliche parlamentarische Situation, Verhaltungsmaßregeln und Direktiven erteilt werden, die sie von vornherein zu einer bestimmten Stellungnahme zwängen. Die Fraktionen müßten vielmehr die Freiheit haben, je nach den besonderen Umstünden ihren ganzen Einfluß für oder gegen be- stimmte Vorlagen in die Wagschale zu werfen. Wieweit diese Auffassung, nach der nicht die Maffe der Partei- Mitglieder das parlamentarische Verhalten der von ihnen erwählten Abgeordneten zu bestimmen hat, sondern diese nach ihrem besserem Ermessen allein zu entscheiden haben, wie sie in den Par- lamenten stimmen wollen, vom demokratischen Standpunkt aus richtig ist, kann hier unerörtert bleiben; jedenfalls war von vorn- herein anzunehmen, daß bei der Beurteilung der Vorgänge auf dem Magdeburger Parteitag durch die Gewerkschastsblätter dieser unserer Ansicht nach völlig unrichtige Standpunkt eine erhebliche Rolle spielen würde. Wie ein Blick in die Meinungsäußerungen unserer GeWerk schaftspresse lehrt, ist das denn auch in weitestem Maße geschehen. Aber wenn auch schon vor dem Parteitag viele Gewerkschaftsblätter daran keinen Zweifel gelassen hatten, daß sie den Nürnberger Be- schlutz für verfehlt oder unangebracht hielten, so hatten sie doch meist betont, daß, nachdem nun einmal dieser Beschlutz von der höchsten Instanz der Partei ordnungsmäßig mit großer Mehrheit gefaßt worden war, alle Parteimitglieder ihn als selbstgegebenes Gesetz der Partei zu respektieren hatten, und demnach ein bewußtes Hinwegsetzen eines Teiles der Parteimitglieder über diesen Be- schluß nichts anderes sei, als ein Disziplinbruch, und daß, wenn solche Nichtachtung ordnungsmäßiger Beschlüsse in den Reihen der Gewerkschafts- und Parteimitglieder einreißen sollte, dadurch die Gesamtorganisation gesprengt und zerrissen würde. Um so mehr muß eS Verwunderung erregen, daß das.Cor- refpondenzblatt der Gewerkschaften Deutsch. l a n d s" in seiner letzten Nummer(vom 8. Oktober) den Disziplin� bruch offen für berechtigt erklärt, nämlich dann, wenn diejenigen, die Neigung haben, die Disziplin zu brechen, ihrerseits zu der An ficht kommen, daß der Disziplinbruch im Interesse der Selbst erhaltung oder der Einheit der Partei geboten sei. Ganz offen, ohne Einschränkung, verkündet das„Correspondenzblatt": Aber so hoch wir auch die Disziplin achten, die wir auch von jedem, ob hoch ob niedrig, verlangen— höher steht unS doch die Selbsterhaltung der Partei, die Einheit der Partei, die durch die blinde Durchsetzung eines nicht für alle Ver Hältnisse passenden Beschlusses in Stücke zu gehen droht." Das ist das gerade Gegenteil von dem, was andere GeWerk- schaftSblätter und Gewerkschaftsführer öffentlich ausgesprochen haben; denn der Artikelschreiber stellt mit diesem Satz allen zukünftigen Disziplinbrechern geradezu einen Freibrief aus. Sie brauchen nur zu erklären, daß sie den Beschlüssen der Parteitage entgegengehandelt haben, weil ihrer Ansicht nach die Selbsterhaltung oder die Einheit der Partei ein solches Zuwiderhandeln erfordert hätte— und ihr Disziplinbruch ist gerechtfertigt. Jeder erhielte dadurch das Recht, seine persönliche Ansicht über die Beschlüsse der Parteitage zu stellen. Wie glauben deshalb auch, den Artikel der Nr. 40 de?„Cor- respon?>enzblattes" nicht als die Ansicht der gesamten General- kommission der Gewerkschaften ansehen zu dürfen, sondern ledig- lich als die Privatmeinung des leitenden Redakteurs des„Cor- respondenzblattes", der in seiner Voreingenommenheit für revisionistische Bestrebungen sich der Konsequenzen seiner eigenen Aeußerungen für die gewerkschaftliche und parteipolitische Dis- ziplin wohl kaum bewußt geworden ist. Im Zusammenhang heißt es über die auf dem Magdeburger Parteitag gefaßten Budgetverweigerungsbeschlüsse im llorresponbenzblatt der Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. Diese Beschlüsse bedeuten eine ganz bedenkliche Verschärfung der inneren Parteisituation. Nicht daß in Zukunft Budgetbewilli- gungen etwa unmöglich wären.. Die werden vorkommen mit und ohne Berufung auf die Beschlüsse von Nürnberg und Magdeburg. Aber der Streit über die Gründe der Budgetbewilligung und über die Zulänglichkeit und Ehrlichkeit dieser Begründungen wird unter dem Odium des Parteiverrats gehässiger als jemals zuvor geführt werden. Er wird kein Streit der einzelnen mit dem Parteiaus- schluß bedrohten und bestraften Personen bleiben, sondern er wird die gesamten Parteiorganisationen vergiften und zu Spaltungen fiihren, die seither noch immer glücklich vermieden werden konnten. Dieser Gefahr können auch die Gewerkschaften nicht gleichgültig gegenüberstehen. Wenn auch Partei und Gewerkschaften nicht eins sind im Sinne der Organisation, Aufgaben und Mittel, so sind sie doch eins in ihren Mitgliedern und ihrer Weltanschauung und sie sind aufeinander angewiesen. Jede Spaltung der Partei muß unter solchen U m'st änden die gleichen Kon- flikte im Schoß der Gewerkschaften hervorrufen und deren Einheit g'efährden. Aber es ist nicht lediglich die Sorge um das eigene Wohl, die die Gewerkschaften stark beun- ruhigt, sondern ebenso sehr leitet sie dabei ihr lebhaftes Interesse für die Partei. Die Gewerkschaften brauchen eine starke Arbeiter- Partei nicht weniger, als die Partei starke Gewerkschaften braucht. Hätten sie diese Partei nicht schon seit Jahrzehnten, so müßten sie, wie in England, eine solche ins Leben rufen. Glücklicherweise haben sie letzteres nicht mehr nötig,— aber das enthebt sie nicht der Pflicht, sich um diese Partei zu kümmern und d'ar- auf zu achten, daß dieselbe nicht durch Zersplitte- ru'ng geschwächt oder untergraben werde. Eine einheitliche Partei tut uns so bitter not wie ein- heitliche Gewerkschaften. Vielleicht kommt diese Not- wendigkeit manchen Genossen, besonders den jüngeren, die nie etwas anderes als diese Parteieinheit kennen lernten, nicht so recht zum Bewußtsein,— vielleicht erscheint einigen Genossen diese ewige Einheit schon etwas langweilig und ein frischer, fröhlicher Parteikrieg wäre ihnen srbon weit lieber. Wenn solche Auffassungen in der Partei Platz greifen solljen, dann dürften sie mit dem ernstesten Widerstand der deutschen Gewerkschaften zu rechnen haben. Unsere Gewerk schaftskrei sc hab'en das größte Interesse daran, daß die Partei einheit» llich und geschlossen bleibt. Sie g>erde'.y jeden Versuch, eine Spaltung herbeizuführen, nach- drücklich bekämpfen. Das erklärt es auch, weshalb die meisten der auf dem Magdeburger Parteitag anwesenden Ge- Werkschaftier gegen den Zusatzantrag Zubeil und Genossen stimm- ten. Aus dem gleichen Grunde.traten unsere Gewerkschaftskreise auch für die Aufhebung der Nürnberger Resolution ein, die die Gefahr künftiger Spaltungen der Partei heraufbeschwört. Wenn ein Teil der Parteipresse darob die Gewerkschaftsführer angreift und ihnen das Verständnis für die im Parteileben nicht minder wie in den Gewerkschaften notwendige Disziplin abspricht, so sind diese Vorwürfe durchaus deplaciert. Wir wollen durchaus nicht bestreiten, daß durch den unglückseligen Nürnberger Beschluß die Budgetverweigerung zu einer Frage der Disziplin ge- macht w o'r d e n i st. Eben deshalb erschien uns schon damals dieser Beschluß so gefährlich. Aber so hoch wir auch die Disziplin achten, die auch wir von jedem, ob h'och, ob niedrig, verlangen,— höher steht uns doch die Selbst- erhaltung der Partei, die Einheit der Partei, die durch die blinde Durchsetzung eines nicht für a'lle Verhält- nisse passenden Beschlusses in Stücke zu gehen droht. Auch die Gewerkschaften haben schon der Disziplin Kon- zesstonen machen müssen, wenn die Verhältnisse andere und stärkere wurden, als vorauszusehen war. Deplaciert ist auch der Vergleich der Budgetbewilligungsfrage mit der Episode der Lokalorganisier- ten. Die Lokalorganisierten wollten nichts von einheitlicher Or- ganisation wissen, sie verhinderten das Zustandekommen einer Einigung der Arbeiter. Deshalb verlangten die Gewerkschaften, daß sie außerhalb der modernen Arbeiterbewegung gestellt würden. Die badischen Genossen stehen durchaus auf dem Boden der Partei- einheit; sie verlangen nur etwas mehr Aktionsfrciheit auf dem Gebiete der Landesgesetzgebung. In diesen Dingen schadet sicher- lich ein übertriebener Zentralismus der Partei weit mehr als den Gewerkschaften, obwohl die letzteren auch der Aktionsfreiheit der einzelnen Gaue schon recht weitgehende Konzessionen gemacht haben. Gewiß, das wichtigste ist die Erhaltung der Einheit der Partei. Eben deshalb, um diese Einheit und damit zugleich der Partei ihre Schlagfertigkeit zu erhalten, hat die Mehrheit in Magdeburg auf die erneute Provokation Franks den Zusatzantrag Haase-Zubeil beschlossen. Wie soll denn diese auch vom„Correspondenzblatt" verlangte Einheit aufrechterhalten werden? Wie in jeder Partei gibt es auch in der sozialdemokratischen über manche prinzipiellen Fragen verschiedene Meinungen. Soll nun jedem einzelnen freigestellt werden, in solchen Fragen nach eigenem Ermessen zu handeln, oder soll irgendeinem Ausschuß sogen, führender Genossen, dem Partei- vorstand, der Reichstagsfräktion, den Landtagsfraktionen, die Eni- scheidung darüber überlassen werben, welche Bahnen einzuschlagen sind? In einer demokratischen Partei kann nur dadurch die Ein- heit gewahrt werden, daß die strittigen Fragen zur Diskussion gestellt, die Gründe und Gegengründe erwogen werden, und darauf die gewählten Vertreter der Parteimitglieder auf den Parteitagen entscheiden, welche Stellung die Abgeordneten, das heißt, die Be- auftragten der Partei, bei den Abstimmungen in den Parlamenten zu den betreffenden Fragen einzunehmen haben. Und selbst- verständlich müssen solche auf den Parteitagen gefaßten Beschlüsse für alle Parteimitglieder ohne Ausnahme bindend sein; denn wenn es jedem freistehen sollte, nachher seine eigene Einsicht über die der Parteimehrheit zu stellen und zu handeln, wie es ihm beliebt, hat die ganze Beschlußfassung keinen Sinn. Daß die vom„Correspondenzblatt der General- kommässionder GewerkschaftcnDeütschlands" ver- tretene Auffassung nicht als die Meinung der Gewerkschaften gelten kann, beweist die Tatsache, daß verschiedene der größeren GeWerk- schaftSblätter die Ergebnisse des Magdeburger Parteitages ganz entgegengesetzt beurteilen. So schreiben: Der„Tabak-Arbeiter": Eine Resolution des Parteivorstandcs sprach den badischen Disziplinbrechern die„allerschärffte Mißbilligung" aus, aber das genügte der Mehrheit nicht, sie beantragte einen Zusatz, der weiteren Nichtachtungen. der Parteitagsbeschlüffe durch Einleitung des Ausschlußverfahrens einen Riegel vorschieben wollte. Diesen Antrag akzeptierten Parteivorstand und Kontrollkommission nicht, es wurde darum eine Erklärung vereinbart, die beiden Teilen genügt hätte, wenn nicht die„Revisionisten" durch den Mund Franks in letzter Minute hätten verkünden lassen, daß sie noch nicht wüßten, ob sie sich fügen würden. Eine derartige Brüs- kierung ließ sich die Mehrheit nicht gefallen, sie brachte daher einen neuen Antrag ein, der feststellt, daß das Ausschlußverfahren eingeleitet werden muß gegen den, der gegen den Nürnberger Parteitagsbeschlutz verstößt. Und die Mehrheit setzte trotz der Ob- struktion der Revisionisten diesen Antrag durch. Mit 228 gegen 66 Stimmen wurde er angenommen. Gegen den Antrag stimmten leider auch GeWerk- schaftsführer» obgleich der Vorsitzende der Generallommis- sion, Genosse Legten, vor einer Kieler Versammlung, in der richtigen Voraussetzung, daß stramme Disziplin die erste Voraussetzung für alle Aktionen der Ar- beiterbewegung sei, erklärt hat, er sei für den Ausschluß der Disziplinbrecher aus der Partei. Wir stimmen hierin ganz mit Legten überein. Wohin sollte es in den Gewerkschaften kommen, wenn man Disziplinbrecher als Mitglieder der Gewerkschaften weiter in den eigenen Reihen durch ihr böses Beispiel Unheil anrichten lassen wollte! Und da Partei und Gewerkschaften zusammengehörende Teile der Arbeiterbe- wegung sind, müssen beide streng darauf achten, daß alle Be- schlüsse der Parteitage wie der gewerkschaftlichen Generalversamm- lungen zu respektierest sind, bis eventuell eine andere Mehrheit anders beschließt. Indem also jene Gewerkschaftsführer die Disziplinbrccher in der sozialdemokratischen Partei sogar von einem Votum der schärfsten Mißbilligung— der Ausschluß war gar nicht beantragt — verschont wissen wollten, gaben sie ein schlechtes Bei- spiel, das der Einheit der Arbeiterbewegung keinen Dien st leistet. Die„Fachzeitung, für Schneider und Wäschearbeiter": „Als gute Sozialdemokraten werden sich die süddeutschen Genossen, des sind wir überzeugt, dem Beschluß des Parteitages fügen. Was ihnen aber nicht verwehrt werden kann, ist, daß sie oiese Frage zu gegebener Zeit wiederum zur Diskussion stellen werden. Ja, sie sind sogar dazu verpflichtet, wenn sie davon überzeugt sind, daß die heutige Stellung der Partei zur Budget- frage unhaltbar ist, wie von ihren Vertretern wiederholt erklärt wurde. Würden sie es nicht tun, dann würden sie beweisen, daß sie unüberlegt und gedankenlos gehandelt haben. Hoffentlich werden dann aber die süddeutschen Genossen nicht wieder den gleichen Fehler machen wie diesmal, wo sie erst durch einen Dis- ziplinbruch diese Frage zur Diskussion gebracht haben. Denn daß sie diesmal einen Fehler gemacht haben, indem sie entgegen dem Nürnberger Parteitagsbeschluß für das Budget stimmten, der Meinung sind auch wir, wenn wir auch mit ihnen der Mei» nung sind, daß die Budgetfrage keine Frage des Prinzips, son- dern der Taktik ist, und daß die heutige Stellung der Partei zu dieser Frage auf die Dauer nicht aufrechtzuerhalten ist." Die„Holzarbcitcr-Zeitung": „In dem Organ einer Gewerkschaft, die täglich im Kampfe mit den Gegnern liegt, ist es nicht notwendig, des langen aus- einanderzusetzen. daß die unbedingte Respektierung der nach gründlicher Beratung gefaßten Beschlüsse die erste Erfor« dernis für den Erfolg ist. Aehnlich wie in den Gewerk- schaftcn liegen aber auch die Dinge in der Partei, und es kann deshalb für uns Gewerkschaftsmitglieder keinem Zweifel unter- liegen, daß die durch die Mehrheit der badischen Landtagsabge- ordneten erfolgte Zustimmung zum Budget als eine im Wider- spruch zu den Parteitagsbeschlüssen stehende Handlung eine ernst» liche Rüge erforderte. Wir können aber auch denen nicht beistimmen, welche den Beschlutz, der die sozialdemokratischen Abgeordneten verpflichtet, in der Schlußabstimmung das Staatsbudget abzulehnen, als ver- fehlt betrachten. Die Sozialdemokratie ist keine Partei wie die anderen. Alle anderen politischen Parteien stehen grundsätzlich auf dem Boden der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und ihr Streben ist nur darauf gerichtet, innerhalb dieser Wirtschafts» ordnung das bestehende Krästeverhältnis zu verschieben. Die Sozialdemokratie aber will diese auf der Klassenherrschaft basierende Wirtschaftsordnung beseitigen und eine Gesellschafts» ordnung einführen, in welcher es keine Klassengegensätze gibt. Von unseren Vertretern in den Parlamenten verlangen wir, daß sie kein Mittel unversucht lassen, um die Lage der arbeitenden Klassen zu heben. Sie sollen aber darüber nicht vergessen, ihrer grundsätzlichen Gegnerschaft gegen die heutige Wirtschafts- ordnung und gegen die Klassenherrschaft Ausdruck zu geben, und das tun sie, indem sie das Budget ablehnen." SericKts- Deining. Verdorbenes Fleisch. Vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte hatte sich die S ch l ä ch ter« m e i st e r f r a u S ch ü l z a ck wegen RahrungsmittelvergehenS zu verantworten. Die Badcwärterfrau K. hatte bei der Angeklagten für 90 Pf. Schweinebacken gekauft, die sich nach der Zu« bereitung als total verdorben und ungenießbar erwieien. Sie brachte das Fleisch der Angeklagte» mit dem Bemerken wieder bin, sie. Frau Schiilzack, möge es selbst essen und verlangte ihr Geld zurück. Die Augeklagte nahm das Fleisch, brachte es sofort zur Seite und war nicht zu bewegen, es wieder herauszugeben, ob» wohl die Frau K. darauf bestand. Nur durch Zufall gelang es der letzteren, noch ein kleines Stück davon zu erhaschen, das sie als Unter- läge für die Anzeige verwendete. Die Angeklagte behauptete, nur ein Ohr verkauft zu haben. Das bezeichnete der Borsitzende als für die Sache selbst ganz belanglos. Der Pglizeitierarzt, der das Fleisch untersucht hatte und als Zeuge anwesend war, sagte aus. daß dasselbe einen starken F ä u l n i s g c r u ch verbreitet habe und zweifellos zur Zeit des Verkaufs, vielleicht auch schon bei der Eiupökeluug, hochgradig verdorben gewesen sei. Der Umstand, daß die Käuferin das Fleisch kurze Zeit ins Wasser gelegt hatte, mag den Fäulnisprozeß etwas beschleunigt haben, ändere jedoch nichts an der Tatsache, daß es eben schon beim Verkauf ungenieß- bar war. Die Angeklagte wandte zu ihrer Verteidigung ein, daß sie nicht an jedem Stück Ware riechen könne, ob es gut sei, auch sei sie nur Verkäuferin und habe die Ware abzusetzen, die ihr vom Chef übergeben werde. Das Gericht ging auf die Argumentation der Angeklagten nicht ein, sondern verurteilte sie ivcgen Fahrlässigkeit zu einer Geldstrase von dreißig Mark. Ob sie nur Verkäuferin sei. käme nicht in Betracht. Auf sie treffe die Bestimmung bezüglich des Feilhaltens von Lebensmitteln zu. Wie und auf welche Art sie fest« stelle, ob die Ware brauchbar ist, sei ihre Sache. Bei einer Frucht zum Beispiel könne man äußerlich manchmal deren Zustand nicht er» kennen. In einem solchen Falle könnte ein Angeklagter freigesprochen werden. Anders aber bei Fleisch. Hier sei äußerlich schon durch Gesicht und Geruch festzustellen, ob es gut oder schlecht ist. Die Angeklagte habe mindestens fahrlässig gehandelt, als sie das Fleisch ohne nähere Prüfung verkaufte. Eischwerend falle ins Gewicht, daß sie mit alle» Mitteln versucht habe, das Fleisch bei der Rückgabe zu verbergen, um einer Anzeige bezw. einer Strafe zu entgehen. Einsturz der Görlitzer Stadthallen. Die von uns bereits gestern gemeldete Aufhebung des Görlitzer Urteils durch das Reichsgericht wurde wie folgt begründet: Die Feststellung, daß es sich hier um eine allgemein anerkannte Regel der Baukunst handelt, ist nicht einwandfrei begründet. Ist aber nicht festgestellt, daß der Angeklagte gegen eine solche Regel gehandelt hat, dann fällt auch die Voraussetzung für die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung, weil dann die Voraussehbarkeit fehlt. Denn wenn ihm ohne besonderes Verschulden die fraglichen Regeln nicht bekannt waren, so ist nicht recht einzusehen, wie er den schädigenden Erfolg seiner Handlungsweise hätte voraussehen können- Was die Strafkannner als nachlässige Praxis und ein- gerissenen Mißbrauch bezeichnet, mag theoretisch richtig sein, aber auf den vorliegenden Fall angewendet, entbehrt die An- nähme einer zureichenden Begründung. Denn wenn eine ganze Klasse von Technikern die fragliche Regel nicht kennt, wenn ein Sachverständiger, gegen dessen Tüchtigkeit gar nichts einzu» wenden ist, wenn ein Lehrbuch, das als gut bezeichnet wird, wenn selbst die Modelle der Baugewerkenschule nichts davo n wissen bezw. enthalten und schließlich die Sachverständigen selbst sich dafür aussprechen, daß es sich um allgemein anerkannte Regeln nicht handelt, dann kann der Ausspruch der Strafkammer, daß eS sich hier um eine nachlässige Praxis und einen eingerissenen Miß» brauch handle, nicht als genügend begründet betrachtet werden. Der Berlauf des Prozesses zeigt von neuem, wie dringend erforderlich die Einstellung von Bankoutrolleuren aus den Arbciterkreiscn ist. Weit weniger an einer Bestrafung derjenigen, denen der Tod und die Gesundheitsschädigung von Ar» beitern zur Last fällt— in Görlitz sind fünf Arbeiter gelölet, drei schwer verletzt— aber an der Verhütung solcher Unfälle liegt der Arbeiterklasse. Und dennoch erscheint die Aufhebung des der» urteilende» Erkenntnisses recht bedenklich. Der Bauleiter hatte die Pflicht, alle Regeln der Baukunst anzuwenden und wenn er die Regeln nicht kannte, so liegt in der Uebernahme solchen Baus trotz seiner Unlenntnis eine grobe Fahrlässigkeit, für die er auch strafrechtlich verantwortlich ist. Die Gründe des ReichSgerichtsurteils prämiieren so geradezu das Einreißen einer Leben und Gesundheit gefährdenden Nachlässigkeit. Ans allen anderen Gebieten gilt daS Ueberhandnehmen strafbarer Handlungen nicht als Entschuldigung, sondern als Erschwerung. Oder würde etwa ein Gericht sich finden, das jemand, der gestohlen hat, freispricht, weil bei ihm die Praxis des Stehlens sich eingebürgert hat? Mit Recht hat das Görlitzer Urteil das Umsichgreifen einer liederlichen Praxis, die Leben und Gesundheit Arbeitern raubt, als Erschlverungsgrund bezeichuet. Verdient das Leben und die Gesundheit von Arbeitern etwa weniger strafrechtlichen Schutz als das Eigentumsrecht an einer alten Hose? Eingegangene DrucKtcKriften. Richard Löwenberg. Schauspiel von O. Gerhardt.— Nauflkaa. Schauspiel von D. Gerhardt. Je 75 Pf, geb. 1 M. Verlag für Literatur, Kunst und Musik, Leipzig. TaS Schul, zimmer. Nr, 3. Herausgegeben von H. Th. M. Meyer. P. I. Müller, Charloltenburg 5. Protokoll des achten ordentlichen BerbandStages des Deutschen Holzartzeiterverbandcs lvlv. 296 Seiten. Selbstverlag in Berlin. BnefftafUn der Redahtion. 9ii(nriftildit Eprechstiind« flnbct Lindenftra he Sir. SS. vorn vier Treppe»— �avrftulil—, woipentögli�, vou 4'/» bt»?>/» Ilbr libeud», EonnabcnS» do» 4'/- btp v Ilhr nachniitingS»im. wieder fiir de» Ärici- taften bcftimnitrn»Hufinn» ist ein Buchitade im» eine Zopi al» Zlier«- »cichc» beizufügen.«rieflichr 3(nt>uori wird nidit erteilt. Eilige Rtogen trage man in»er Svreibitnnde bot. Sannphon Westfalen Da« Zwelkmäjzigste ist. «h. 47. t. Nein. 2 Die Sache scheint auf Schwindel zu beruhen. Sie wenden sich an einen tüchtioen Speziaiarzt— Da« Erziehunqsrccht geht alsdann aus die Frau über.--- N. B. 46. 1. Die haben«lnspruch auf Erlaß der Sieutr für die ganze Zeit. Erinnern Sie an baldige Erledigung. 2. Katholisch.— A. B. 80. So weit uns belannt: nein. Wir raten, sich an eine der Volksbübnen zu wenden.—(?. 1, Befrage» Sie einen Münzenhändler. Generalstabskarte 16. Vielleicht entspricht die Touristcnlarte von Davos und Umgebung, bearbeitet nach den eidgenössischen topographischen Aus. nahmen, Ihren Witiijchen. 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Donnerstag: G Großer BaSI.� Anfang; S Uhr. __ Karl EUner. I BMBBMBBWIIMMM—— Arbeiter-Bildungssehule. Sonntag, den 16. Oktober, abends 7 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 27c: Vortrag des Genossen G. Davidsohn Ober: Bildimg und Kultur. Nachdem: Ctcsclllgca BciMammcnseln mit Tan«. Eintritt 20 Pf. Garderobs frei. Der Vorstand. Kandlungsphilfen! Kandlungsgebilf innen! Donnerstag, den 13. Oktober 1910, abends 8'/» Uhr, in den„Armlnhallsa", KonmiandantenstraBe 58—59, großer Saal: = Oeffentliche Versammlung. lieUnlUiiiin Referent: Reichstagsabgeordneter Wolf gang Heine. Massenbesuch erwartet 291/12 Zentralverband d. Handlungsgehilfen U.Gehilfinnen Deutscht., Sez. Berlin. I. A.: Ott» Urban, Neue Königstr. 36. f liSIMI Vernealtnng Derlli». Schirmmacher. Sonnabend, de« 15. Oktober, abends 8'/, Uhr» im Lokal von Josef Gambitsky, Nannynstraße 37: Hratichen-Nersammluag Tage»«Ordnung: 1. Bericht der Kommission über den Anschlich an den Holzarbeiter-Ver- band. 2. Diskussion. S. Ausgabe der neuen Mitgliedsbücher. 91/9 Der Obmann. Kmiheii der UcrMkr«. Rahmtuminhcr Am Sonntag, de» 18. Oktober 1918, mittags präzise 12 Uhr, in der „Alhambra", Wnllne»Thcaterstraße 16: Matinee ausgeführt von den „Hoffnianns Sängern" (dircktor: Fr. K a n t h e r.) Darsteller: ranther, Xrauee, lung, Wiese, Booker, Tleling und SohrOder. Eintritt 30 Pf.— Kasseneräsfnung 11 Uhr. Billett« find bei den Vertrauensleuten zu haben. Achtung! Lanbenkoloniften. Achtung! Freitag, den 44. Oktober, abends 8'/, Uhr. im Moabiter Gesell, Haus, Wtclefstrafte 34: Oeffentliche Versammlnng. Bortrag über Mchstände in den Kolonien und deren Abhils«. 133Sb Der«Inbernrer. Verband der Isolierer, Sleinholzleger und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. 1 1 Abt. I. Ortavcreln der Isolierer Berlins.=== Donnerstag, den 13. Oktober 1910, abends 8'/, Uhr: flußcrordcnt!ic!)c(l!itglicdcrverfammlun9 [in Paul Obiglos PcstsiUen, Tchwedterftr. 23—34. Tagesordnung: „Die fortgesetzten Provokationen seitens einiger Verbandsfirmen und wodurch können wir diesem Zu» stand ein Ende bereiten?" 391/10» mr Pflicht eines jeden Kollegen ist eS. in dieser Bersamm- lung zu erscheinen und unter den Unorganisierten zu agitiere», dasi sie die Versammlung ebenfalls besuchen! _ Der Vorstand. I. A.: H. Lang». Heine nen renovierten [für 40, 80, 100, 500, 1000 Pees.) ........................._j; Festsüle mit Biitoie und Garten noch an mehreren Äeschäslstage» zu vergeben. 1302L» Prltn Wille«', Scbastinnsir. 39«dicht an der Allen Jalobstratze). — Stnil IV, 11348.— Bequeme Fahrgelegenheit nach allen Richtungen.— n n. Königsbank Gr. Franki'nrter Str. 117, (mit Theaterb&hne, elektrisch Licht) nach fE»es Bufitag, d. 16. November, Sonnabend, d. 25. Febr., 11. u. 25. März 1911. Um werte BestoUung bittet Cart Breuer. 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Mis, verstarb unser Mitglied, der Schneider Riehan! Pritsehov 42 Jahr alt, Königgrätzer Str. ttl. Ehre seinem Andenke»! Dt« Beerdigung findet am Sonnabend, den 15. d. MtS., nachmittags 3 Uhr. oo» derLeichen- balle des DreifaltigkeitS-Kirchhose» in Mariendors, Etsenacher Str. 61, au« statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Bcr Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verweltungsstelle Berlin. Todes- Anselge. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Werkzeug- machcr Oskar Qießner am lt. Ottober an Herzleiden g«> starben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. Oktober, nach- mittag» 4 Uhr, von der Leichen- balle des PhiIipp.Apoft-l.Ktrch. Hose«, Mülle:!!! atze, Ecke See- stratze, au« statt. Rege Beteiligung erwartet l 23/11 Die Ortsverwaltung. Hierdurch zur Nachricht, datz ein lieber M. ann, der Werkze: 13! Gießner tnr macher Oskar nach langem schweren Herzleiden verstorben ist. Wwe. Ii Iuris GlcBzscr. Beerdigung Freitag, nachmittag 4 Uhr, aus dem Fricdhos der Philipp-Apostel-Gemeinde, Müller- stratze. Verband der Fahrlharbeller Deutschlands,«,8 Zahlstelle GroB Berlin. Nachruf. Am Sonnabend, den 8. Ok- tober, verstarb nach längerem Krankenlager unser Mitglied Heimim Bönsch. Ehr« seinem Andenken 1 Todes-Anzeigl 0. Oktober 1910. lie. S'i, Uhr nachmittag«, samt nach kurzer, schlver> hett, meine liebe Frau Montag, den 10, «ntschliej verer Krank- rau. unser« lieb« Mutter und Schwiegermultcr Frau Xlsra lippe geb. Kölsch im 55. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Bis trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Freitag, den 14. Ottober, nachmittags i'l, Uhr, von der Halle des Zcntral-FricdhoscS Friedrichs- selbe aus statt. Tnntsagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie die Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Manne«, unsere« guten Vater» sagen hierdurch dem Verband der Maurer, dem Wahlverein, allen Freunden und Belannten von Drewitz unseren aus- richtigsten Dank. 13212 Wwe. Albrccbt nebst Kindern. Sagen allen Verwandten, Freun» den und'Bekannten, insbesondere dem sparverein»Viktoria- und dem Schwimmverein»Friesen- sür die liebevolle Beteiligung bei der Be- erdigung meines lieben Mannes, unseres herzensguten Baters herz- lichen Dank. 133tb Bmllle Range nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise berz» licher Teilnahme und die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten VaterS, de« Schlossers Julius Niedergesäß sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere den Genossen des 6. Berliner ReichstagSwahlkreiseS (Bezirk 723d). den Miigliedern des Skatklub» Fidele Geister, dem Herrn Chef vom Kontor-Personal, den Kollegen der Firma A. L. Benecke und den Turngenoffen der 9. Männer- abteilung des TnriwcretnS Fichte unseren herzlichen Dank. Witwe Slicdcrgesäss und Sohn. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anlätzlich des Hinschcidens meiner lieben unvergetzlichen Frau und guten Mutter, der Hebamme Hteabeld Henneberger sagen wir allen Verwandten, Freun- den. Bekannten sowie dem Hebammen- verein unseren herzlichsten Dank. Der tieftraucrnde Gatte sl24/12 Na» Henneberger und Kinder. Arbeiter-Wanderbünil n„Die Naturfreunde". Wanderfahrten am Sonntag, de» 16. Oktober: 1. Strausberg— Tiesensee. Abfahrt Schlesischer Bahnhof 7,26 vorm. 2. FricdrichShagen— Fredersdorf. Ab- fahrt Schief. Bahnhos 1,05 vorm. GSste willkomme». 2/18 UM- Ausführliche Programme bei Heyfe, Boyenstr. 19. zu haben. Nr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und HamleMei). Prlnzenslr. 41.«'XS., 10—2, 5—7. 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Der Feldherrn- Hügel. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbhsiegcr. Sioie. Die gute Partie. Folieö Eaprice. Der schwarze Schimmel.— Bolle Pension. (Ansang 8'/, Uhr.) Metronot. Hurra— Wir leben noch l Kaflno. Der schneidige Rudols. Apollo. Spezialitäten. Uaiiaae. Spezialitäten. ReichSballen. Steltiner Sänger. Svintcrgarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Svezialitäten. Sanssouci. Nu hat's geschnappt. Spezialitäten.(Ans. 8>/. Uhr.) Urania. Tanne», irxhe tWis'J. Pros. H. Poincars-PariS:„La, mecamquo nouvelle." Im Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: „Die allgemein-biologische Be- dculung von Tod und Fort- Pflanzung." Sternwarte, Jnvalidenstr. 57— 62. Lessing-Theater. S Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Freitag 8 Uhr: DantriS der Narr. berliner Heute 8 Uhr: Gastspiel Hansi Niese. Aas Mlljikalltenmijdk!. Neues Theater. Gastspiel Ferdinand Bonn: Heute Donnerstag: Abschied vom Regiment. Das gewisse Etwas. Freitag zum erstenmal: Der Stier in Ol, von ivera. Ikeater cles Westens. Ansang 8 Uhr. Die«evdnate Fran. Sonnt. 3'/,U.: Die geschiedene Frau. Modernes Theater (lriiher Hebbeltheator). Heute und täglich 8 Uhr: Ble beute der Frauen. Lustspielhaus. Heute abend 8 Uhr: Der Feldherrichiigel. öerliner Volksoper Abends'/t9 Uhr: Der Freischütz. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. AbcndS 8 Uhr: Noblesse obüge. Schwant in 3 Alten von Hcnnequin und Vcber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Xbblettite oblige._ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Kean ob�OenieundLeitaeliäft. Freitag: Die Brüder v. St. Bern- hard. Sonnabend 4 Uhr grohc Kinder- Vorstellung: Fran Holle. 8 Uhr: Durchgegangene Weiber. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Else vom Erlcnhos. Abend? 3 Uhr: Der Fähnrich im Kloster. Montag: Der Fähnrich im Kloster. Grotze Frankfurter Str. I3g. Ans. 8 Uhr. Ende 10-/, Uhr. ü Die gute Partie. LI Schwant in 3 Alten v. A. Lippschütz. Freitag: Da« Gefängnis. Sonnabend nachm. 3 Uhr Schiller- Vorst.: Die Anna-Life. Abends 8 Uhr zum erstenmal: Das«ene Gebot.__ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Prof. H. Poincare-Paris: „La mecanique nouvelle." Hörsaal 8 Uhr: Dr. W. Berndt: Die allgemein- biologische Bedeutung von Tod _ und Fortpflanzung._ Friedrich-Wilhelmstädtisches Schauspielhaus. Donnerstag, 13. Okt., abends 8 Uhr: I�evoiutionskockzeit. Freitag 7 Uhr zum ersten Male: Giordano Bruno. Sonnabend 3 Uhr: Kriemhilds Rache. 3 Uhr: ReoolutionShochzeit. AbendS 8 Uhr: Das sensationelle Programm. VerbotkUt Frucht. 9-/,: Rudolf Schildkraul IWstropol- Theater. Kurraü! Wir leben noehü! Große Ausstattungsrevue in 7 Bildern � rv---------«««» �* Neues Programm! Saharet in ihren neuen Kreationen. The 3 Meers humoristischer Drahtseil-Akt. Reynolds ann Donegau das amerikanische Tänzerpaar in vollen d. Rollschuh- Meisterschaft sowie eine Kette ♦ hervorragender Kunstkräfte. Passage-Theater. Abends 8 Uhr: Die Jungfrauen. von Sa'is. 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Jeder Besucher, der an der Kasse eine Eintrittskarte löst, erhält gleichzeitig zu einer beliebigen Attraktion M?" ein Preiblllett"HW Allabendlich in den festlich dekorierten Käuralichkeiten der Bierterrasse f.onangs- und Tan v. vor trüge der Obor- bayerischen Sängertruppe, der Bayerischen Oberlandler-Kapelle, des Oberbayerischen Schnadahllpfel-Sfingers. Thaiia-Thealer Kampf. Keues Schauspielhaus Oeher unsere Kraft. Herrufeld-Theater Der Herr Senator. Extravorstellung im Lessing-Theater Sonntag, 20. November; Rosenmontag, Lessing-Theater Das Konzen. Residenz-Theater Die 300 Tage. ibendabteiiungen Im Neuen Schauspielhaus. 2. Serie. 3., 10., 17., 24. Oktober Tartilff. 3. Serie. Ueber unsere Kraft. Sonntag Dienstag_.. Freitag LrWnung: Morgen 8/.«hr. Daria Fachs, Tera ttoldberg;, Hedwig; Kanftnann- Weldert, An�nste Tatter, Alex Dlsraell, der fem. Chor Grell-Verein, Direktion Rudolf FIcring. Gustav Easarns(Klavier). [Eintritt 75 Pf. und 1.25 einschließlich Garderobe Programm mit sümtl. I.lcdertcxten. VorverkaufssteVl. zu Originalpreis.: Invalidendank, Bote& Bock u. A. Wertheim; Leipzigern. Kants tr. and M J STeae Mitglieder kOnncn sich In allen Zahlstellen anmelden. Sammelt für den Kampl- tonds! Der Vorstund. I. V. G. Winkler. Burgtheater- Kinematograph vorm. Graterjan. Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Ps., Kinder dieHäiste. Sws. 7U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarten, nur wochent. gültig, LS Ps. aus alle» Plätzen. Stets wechs. Programm. Dienstag u. Freitag v. 4—5'/, Uhr Kindervorstellnng. Kinder 10 Ps., Erwachsene ÄO Pst Jeden Sonnlag im Obersaal: Kiinstlcrkonzert. Entree IS Ps. Garderobe 10 Ps. RSuigstudt-Rasiiio. Holzmarltstr. 72, Ecke Alexanderstraße. Gänzlich neues Programm mit Franx(Hobanski. Erich Castelil, Geschwister Williams. Guten Tag, Papa! Schwank in 1 Akt von O. Richter. Neu! Zum Schlug: Neu l Biographische Vorftihrungen, & jSonntag, den 16. Oktober 1910: 0 Heiterer Abend@ unter Leitung des Schauspielers Herrn Robert Koppel in den Pharus-Sälen, MQIlerstr. 142. Anfang 6 Fbr.— Eintritt 50 Pfennig.— Tanz 50 Pfennig. I Alt-Moabit 47/48. Donnerstag, den 13. Oktober 1910: Nur einmalige Aufführung: Zepstustreich. Drama in 4 Ausz. v. Fr.Ad.Beherlcw. Kasseneröffn. 7 Uhr. Ans. 8'/. Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Casino-Theater Lothringer Strotze 37. Täglich 8 Uhr. Dl« urkomische Posse Der schneidige Rudolf. Rudolf Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunle Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt, öst, Uhr: BerOhnte TOchter. Lichtspiele Mozart-Saal, Nollendorf-Platz. Der neue Spielplan dieser Woche enthält u. a.: Die Tluguioche in Johannisthal. Eandiing des Pars oval VI. Dauervorstellung von 6—11 Uhr abends, Monntag ab 8 Uhr. == Eintritt jederzeit.== Programm und Garderobe frei. Karl HaTerland- Anfang ThlllißP Konnnandanten- präz. 8 Uhr. lüCtUKI. stratze 77/79. Vollstiindig neues Krogramm Nur erstklaff. SptnaliMen. Hellte»ach der v etAt-Tbeater Gesundbrunnen, Badstratze 53. Freitag, den 14. Oktober 1910 t Der Mann mit der eisernen Ntaske.! Schauspiel in 5 Abtcimnge» nebst einem Vorspiel v. Arnould u. Fournier. «Myixrögnung?%.«Iniana 8 Ufe. _________.» UUlltSlUUUU. Heute Donnerstag, 13. Oktober, abendö?>/, Uhr: Der große Coup 9'/- Uhr der 9'/, Uhr Schmuggler grotze romantische.Pantomime in 4 Allen. Entworfen u. inszeniert Lon Dir. Alb. Schumann. 1. Akt: 2. Akt: Die Einquartierung. 3. Alt: Auf der Festitriese. 4. Akt: Die Katastrophe. Vorher: Auftr. sämtlicher Spezialitäten. IZiebuT Buscfi.] Donnerstag, den 13. Okiobor, abends 7'/, Uhr: Große Gala-Vorst. Ven! Sien! Scu: M? Kita? � Die Fredlanis, berühmte Reitcr- familie. Herr Dir. Orlando, Erei- heitsdressuren mit 20 eigenen Pferden. Arhra-Trlo. Banolatr. Herr Alfred Ott, Schulreiter auf„Buoharei". Um 9'/, Uhr, zum 29. Malei „venezia« Vorher das nr. 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Holl» mannstraße 32, Seirai» A Co., Rixdors, Köllnisches Ufer 52, und 61/62. Pinnofabriken Koch A Engel, Urbanstraß« 93. Möbelfabrik, Genosse, ischaft'. Weißensee, LanghanSstr. 100. Dir crisverwalmug Berlin. Orraniwortt. Redakteur: Hui Wermuth, Bexjill-Rlzdori, gär des gnjeraienteil verantw,: Th. Glocke, Berlin. Drstck u. Verlag:Borwärtt Bachdruckerej u. Veriagsanstalt Paul Singer G Svu Berlin SVZ. fit. 240. 27. Jahrgang. 3. Mm Ks Joniiiils" Inliiitt Nsllisdlsll pminfrstng 13©lilrttt l!)IO. G«wcrb«gcri(l)tswal)lcn! Heute Tonnerstag. den 1Z. Oktober, ist der lebte Tag, an welchem die Liste der Arbeitgeber zur Gcwerbegerichts- Wahl zur öffentlichen Einsichtnahme ausliegt. Die Auslage erfolgt in den Dienststunden von S Uhr morgens bis Uhr nachmittags im städtische» Wahlbureau, Poststraste 1« II, Zimmer 57. Es ist dringend erforderlich, dasi unsere parteigenössischen Arbeitgeber Einsicht in die Liste» nehmen und für den Fall sie nicht eingetragen sind, Autrag auf Aufnahme in die Listen stellen. Als Arbeitgeber im Sinne der§Z 8 und 9 des Orts- statnts gelten diejenigen selbständigen Gewerbetreibenden, welche mindestens einen Arbeiter fGesellen, Fabrikarbeiter, Lehrling) regelmäffig das Jahr hindurch oder zu gewissen Zeiten des JahreS beschäftigen und den selbständigen Gewerbe- betrieb angemeldet haben. Den Arbeitgebern stehen hinsichtlich der Wahlberechtigung und Wählbarkeit die mit der Leitung eines Gewerbebetriebes oder eines beslinimten Zweiges desselben betrauten Stell- Vertreter der selbständigen Gewerbetreibenden gleich, sofern ihr Jahresarbcitsvcrdicnst an Lohn oder Gehalt 2009 M. übersteigt. Hansgcwcrbetreibcnde wählen und sind wählbar als Arbeit- geber, wenn sie geinäst§ 14 der Gewerbeordnung den selb- ständigen Gewerbebetrieb angemeldet haben, anderenfalls als Arbeitnehmer. Niemand versäume die so überaus wichtige Pflicht der Einsichtnahme._ parte!- Angelegenheiten. WilmerSdorf-Halensre. Die Flugblattverbreitung findet Frei- tagabend von 6 Uhr ab einzig vom Lokal des Genossen Schilling, Ecke der Uhlandstrasse und Lauenburger Strasse, aus statt. Die Parteigenossen sämtlicher Bezirke haben sich dort einzufinden. Der Vorstand. Treptow-Baiimschulenwcg. Am Sonntagmorgen S'/z Uhr findet in beiden Ortsteilen von den Bezirkslokalen aus Handzettel- Verbreitung statt. Der Vorstand. Buch iBezirk Franz.-Buchholz). Der Zahlabend am Sonnabend, den IS. Oktober fällt umständehalber auS; er findet dafür am Sonnabend, den 22. Oktober statt. Trebbin. Am Sonnabend, den 15. Oktober, abends 8>/z Uhr, findet im„Gesellschaftihaus" sEnnl Schulze) eine Wahlvereins- Versammlung statt. Neben anderen wichtigen Angelegenheiten steht am der Tagesordnung der Bericht vom Parteitage, den Genosse Heinrichs- Rixdorf erstattet. Lerliner JVacbricbtcn. Habt acht vor Spitzeln! Bon verschiedenen Seiten geht uns die Mitteilung zu. dah in gewerkschaftlichen und politischen Kreisen unbekannte Leute, deren Kommissstiefelkleidung den Kriminalschutzmann verrät, in Kneipen über die Moabiter Borgänge Gespräche ntit Arbeitern be- ginnen. So mancher, der des Fragers Art und Herkunft ahnt, glaubt diese Horcher durch Flaxereien mit allerlei Ungeheuerlich- leiten foppen zu müssen. Es ist das eine sehr gefährliche Neckerei. Denn niemand kann wissen, ob nicht die Ulkerei von der Behörde, der dtr Gesprächslustige die Nachricht später vielleicht noch in gnnzlif; entstellter Gestalt übermittelt, als bare Münze erachtet und dann eine Anklage gegen den harmlose» Erzähler gebaut wird. Man weise deshalb solche Versuche zu Erzählungen über Moabiter Vorgänge zurück und hüte sich vor scherzhafte» Bramarbasieren. Zur Charakteristik der polizeilichen Berichterstattung über die Moabiter Vorgänge haben»vir bereits verschiedene Nach- weise veröffentlicht, aus denen hervorging, daß polizeilich be- hauptcte Tatsachen sich entweder gar nicht oder doch ganz anders abgespielt hatten als berichtet wurde. Heute haben lvir folgende Feststellung zu machen. Polizeilich war be- richtet worden, daß der infolge Säbelhiebe verstorbene Ar- beitcr Georg Hermann politisch organisiert gewesen sei und daran waren Folgerungen für die Beteiligung unserer Partei an den Moabiter Vor- gängen geknüpft. Diese Folgerungen waren natürlich recht albern. Da die Polizei in Moabit wahllos auf ruhige ihres Weges gehende Bürger und Arbeiter eingeschlagen hatte, sind auch sozialdemokratisch gesinnte Arbeiter, die dort draußen ivohnen, verletzt ivorden. Für die Beteiligung unserer Partei an Exzessen ist das kein Beweis, nur für Exzesse durch die Polizei. Nun hat aber eine NachPriifung ergeben, daß die Behauptung, der verstorbene Arbeiter Georg Hermann sei politisch organisiert gewesen, unwahr ist. Hermann war weder gewerkschaftlich noch politisch organisiert, hat nie e'ne Versammlung besucht, auch nicht für»nscrePartei gewählt. Die Leitung, die erhielt, Ivar die„Allgemeine Zeitung". Wie weiter berichtet wird, ist die Familie sehr fromm, hat also mit unserer Partei nicht das geringste zu tun. Dieser Fall zeigt wieder aufs neue, in welcher Weise polizeilich berichtet wird und was von einer solchen Bericht- crstattung zu halten ist. Das damit eine besondere Absicht verknüpft ist, ist selbstverständlich. Aber was schadet es! Wenn nur der Sozialdeniokratie eins angehängt iverden kann, schreckt man vor keinem Mittel zurück. Die Sache der Polizei muß aber schlecht stehen, wenn sie zu solchen Mitteln greifen muß._ Wer haftet für den Schaden, der bei den Moabiter Vorgänge» durch Verletzung von Personen oder durch Beschädigung des Eigentums Geschäftsleuten oder Passanten zugefügt ist? In Preußen ist nach dem durch das Bürgerliche Gesetz- buch aufrechterhaltenen Gesetz über die Verpflichtung der Ge- mcinden zum Ersatz des bei öffentlichen Aufläufen verursachten Schadens vom 11. März 1850 die Gemeinde für den Schaden haftbar, in deren Bezirk diese Handlungen geschehen sind. Diese Haftpflicht besteht neben der Haftung der einzelnen Beaniten und des Fiskus. Die Beamten sind haftbar falls Vorsatz oder Fahrlässigkeit ihnen gegenüber nachgewiesen wird. Neben den Beamten ist auf Grund des preußischen Gesetzes vom 1. August 1909 der Fiskus für den Schaden mitverantivortlich. Die Haftung der Gemeinde findet statt ohne Nücksicht darauf, ob eine Vorsätzlichkeit oder Fahrlässig- keit eines Beamten vorgelegen hat. Der Z 1 des zitierten Gesetzes lautet: „Finden bei einer Zusammenrottung oder einem Znsammen- lauf von Menschen durch offene Gewalt oder durch Anwendung der dagegen getroffenen gesetzlichen Massrcgeln Beschädigungen des Eigentums oder Verletzungen von Personen statt, so haftet die Gemeinde, in deren Bezirk diese Handlungen geschehen sind, für den dadiircki verursachten Schaden." Dieser Paragraph findet auch auf die Zusammenrottung und das Znsammenlaufen von Polizeibeamten Anwendung. Wer von der Gemeinde Schadenersatz fordern will, muß aber „seine Forderung binnen vierzehn Tagen präklu- si verscher Frist nachdem das Dasein des Schadens zu seiner Wissenschaft gelangt ist, bei dem Gcmcindevorstande anmelden und binnen vier Wochen Präklnsiverscher Frist nach dem Tage, nachdem ihm der Bescheid des Gemeindevorstandes zugegangen ist, erforderlichenfalls gerichtlich geltend machen". Beschädigte kleine Geschäftsleute und Arbeiter werden gut trin, s ch l e u n i g st bei d e ni Magistrat von Berlin ihre Schadenersatz- a n s p r ü ch e geltend zu machen. Erfolgt die Au- Meldung des Schadens nicht innerhalb der vorgeschriebenen lltägigen Frist, so ist der Anspruch gegen die Gemeitiden ver- jährt. Da die Frist bald abläuft, ist den beteiligten kleinen Geschäftsleuten und Arbeitern, denen die Abfassung eines Schriftstücks Schivierigkeiten bereitet, zu raten, sich sofort an die juristische Sprechstunde des„Vorwärts" oder an ihre Gewerkschaft zu wenden._ Ter„Parscval" in Johannisthal. Den Besuchern der Flugwoche in Johannisthal bot sich am Mittwoch ein doppelt interessantes Schauipiel. Sie konnten Lenk- ballon und Aeroplan zu gleicher Zeit bewundern und mit einander vergleichen, wobei die ausserordentliche Ueberlegenheit der Flug- ma'chine ganz unverkennbar hervortrat, eine Ueberlegenheit. die ja übrigens der Schöpfer des in Johannisthal eingetroffenen lenkbaren Luftschiffes bereits längst selbst anerkannt hat. Der„Parseval", der vormittags gegen 11 Uhr von Bitterfeld abgefahren war, kam gegen Vzb Uhr in Sicht. Mehrere der in der Luft befindlichen Aeroplane, geführt von Lindpaintner und I e a n n i n, flogen dem Lenkballon weit entgegen und gaben ihm, ihn spielend umkreisend und wiederholt über- fliegend, daS Geleite. Jcannin ging dabei das Oel aus, so dass er ausserhalb des Flugplatzes zur Landung schreiten mutzte, doch traf er nach Behebung diese« Mangels nach etwa einer Stunde auf dem Luftwege auf dem Flugterrain wieder ein. Lindpaintner da- gegen geleitete den„Parseval" bis auf das Flugfeld selbst, wo er ihm gleichfalls noch in bedeutender Höhe mehrfacki überflog. Wincziers machte sich das Vergnügen, nnt seiner pfeil- geschwinden Maschine den schwerfälligen Ballon immer wieder zu überholen. Es war ein unvcrgessliches Bild, die verschiedenen Repräsentanten der Luftfahrzeuge sich in den Lüften tummeln zu sehen. Im übrigen wurden von den Aeroplanen auch am Mittwoch trotz des ziemlich böigen Windes schone Höhen erreicht; Lind paintners Barograph registrierte 41S, JeanninS Höhenmesser sogar 770 Meter. Wincziers soll übrigens gegen die Art der Höhen- mesiung Einspruch erhoben haben.— Von den übrigen Fliegern machten besonders noch Brunhuber, Frey und Dorn er schöne Flüge._ Aus der Parkdeputation. In der gestrigen Sitzung der Depu- tation legte der Herr Gartendirektor den Plan des neuen Gemeinde- friedhofes in Buch vor. Derselbe soll aus einem Gelände von 30V Morgen angelegt werden. Der Plan erhielt die Zustimmung der Deputation und geht nun an den Magistrat zur weiteren Be- gutachtung.— Die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft wünscht ein Gelände an der Gustav-Meyer-Allce gelegen, von der Parkdeputation zu erhalten, um ein zweites Geleise anzulegen und einen weiteren Eingang für die Arbeiter herzustellen. Die Deputation beschloss, dem Verkaufe zuzustinnne» unter der Voraussetzung, dass sowohl die Rauchbelästigung wie die Belästigung- durch die uuverbrannten Kohlenslückche» soweit als irgend möglich beseitigt werde». Der Verpachtung der Eisbahn des grossen Teiches ini Friedrichs- Hain wird unter denselben Bedingungen an den jetzigen Inhaber auf weitere drei Jahre zugestimmt. Einer Anfrage der Staatsanivaltschaft wegen Strafverfolgung eines Arbeiters ivegen Aulagenbeschädigung auf öffentlichen Plätzen wurde, des geringen Objektes wegen, nicht stattgegeben. Bei dieser Gelegenheit kamen die skandalösen Zu- stände auf dem Forckenbcckplatz zur Sprache. Fast jede Nacht wird dort in den Schmnckanlagen in der schlimmsten Weise gehaust. Die Deputation gedenkt der Frage näher zu treten, den gesamten Blumenschmuck zu entfernen. Das Erstickten an die Polizei, dem VaiidaliSmns zu steuern, ist erfolglos geblieben.— Dem Gesuch des Berliner Krippenvereins, die Erlaubnis zu erteilen, eine UnterkunftShütte auf ihrem Spielplatz am Schlcsischen Busch zu errichten, wird stattgegeben.— Eine Bitte des Gemeindekirchenrats»der Giiadenkirchengemeinde um allgemeine Ocffnung der Anlagen um die Gnadcnkirche wird aus triftigen Gründen abgelehnt— Ein Borschlag des Herrn Garten- direktors, im Hnmboldthain den Kindern für den Winter eine Rodel- und Schlitterbahn einzurichten, wurde allseitig mit Freuden begrüht. Am freudigsten werden wohl die Kinder der Arbeiterbevölkermig des Nordens diesen Beschlutz entgegeiinehmen.— Zum Schlutz kam eine Arbeiterangelegenheit zur Sprache, die schon einige Monate zurück- liegt und auch im September im„Vorwärts" zur Erörterung getaugt ist. Die Angelegenheit hat auch gestern ihre endgültige Erledigung noch nicht gefunden. Es handelt sich um den entlassenen früheren Parkwächter C. und den»och in Arbeit stehenden früheren Kontrolleur N. In der gestrigen Sitzung wurde von der Verwaltung die Entlassung des C. als notwendig hingestellt. Von anderer Seite wurde bestritten, datz ein triftiger Grund zur Entlassung vorhanden gewesen sei. ES wurde auch darauf hingewiesen, dass der Kon- Irolleur N., gegen de» schwere Beschuldigungen erhoben seien, sich heute noch in Arbeit bei der Stadt befindet, und verlangt, datz die Untersuchung eingehender geführt werde und die angegebenen Zeugen vernommen würden. Diesem Verlangen soll entsprochen werden und toird später weiter darüber berichtet werden. Ein schwerer Automobilfall ereignete sich am gestrigen Mittwoch nachmittag gegen l/i6 Uhr in der Borfigstrasse. Als die hier in dem Hause Nr. 16 des genannten Strahenziigcs wohnende 55jährige Witwe Anna Kerbel den Fahrdamin überschreiten wollte, wurde sie von einer elektrischen Krastdroichke umgerissen und überfahren. Die Verunglückte erlitt eine» Schädelbruch und innere Verletzungen und wurde von der Unfallstation in der Eichendorffstratze aus, wo ihr die erste Hilfe zuteil wurde, nach dem Krankenhause Moabit über- führt. Die Ueberfahrene Frau K. ist etwas schiverhörig und kurz» sichtig und hat anscheinend die Warnungssignale überhört. Der gestohlene Polizeihund. Einen empfindlichen Verlust erlitt der Rittergutsbesitzer Hirschberg in Berlin, der vor kurzem einen wertvollen Polizeihund„Kitty" erworben hatte. Das ein Jahr alte Tier wurde dem Portier Klingbaum, Kottbuserdamm 67, in Pflege gegeben, der den Hund in der Laubenkolonie„Donautal" an der Neuen Donanstratze in Rixdorf nntergebrackit hatte. Vou hier wurde das Tier in der letzten Nacht ans dem verschlossenen Stall gestohlen. Kitty", eine prachtvolle Schäfcrhündin, trug ein Halsband mit der Berliner Stcuermarke 531. Ei» interessanter altertümlicher Fund ist in der Nähe des Dorfe? Rosenthal bei Hermsdorf in der Mark gemacht worden. Beim Um- pflügen eines Feldes entdeckte der Gutsbesitzer Nieder in einer Tiefe von etwa einem halben Meter einen grossen Tontopf, in dem sich in ein Tuch ciugetvickelt 4500 alte Taler befanden. Viele der Geld- stücke tragen die Inschrift„Friedericns Borussarum Rex" und die meiste» Münzen stammen ans den Jahren 1760—1730. Sämtliche Geldstücke haben jetzt noch einen Metallwert von etwa 3000 Mark. Wahrscheinlich ist der Schatz in den Jahren 1806—1809 vergraben worden, damit er nicht in die Hände der Franzosen fallen sollte. Zu der Familientragödie in der Alexandrincnstratze wird noch mitgeteilt, datz die Befürchtung. Frau Korsus sei mit ihren Kindern in den Tod gegangen, sich bestätigt hat. Nur eins der Kinder, die älteste Tochter Gertrud, ist mit dem Leben davon gekommen. Während die beiden jüngsten Kinder als Leichen aus dem Teltow- laiinl gelandet wurden, hatte sich Frau Karins mit der älteste» Tochter nach einem Hotel in der Koppenstr. 97 begeben und dort ein Zimmer genommen. Während die Tochter noch schlief, versuchte sich die Frau die Pulsadern durchzuschneiden und erhängte sich dann. Als die Tochter erwachte, war die Mutter bereits tot. Ein schwerer Betriebsunfall, der noch der Aufkläning bedarf, er« eignete sich vorgestern abend in der Germania-Branerei in der Frank» furter Allee Nr. 53. Nachdem hier um 8 Uhr der Schichtwechsel stattgefunden hatte, fand man kurz vor 10 Uhr im Maschinen» ranm im Keller den 46 Jahre alten Maschinisten Ludwig Bntzkow aus der Romintener Strasse tot auf. Die Leiche lag ganz in der Nähe der Seilscheibe. Dem Verunglücklen war der Kopf zerschmettert worden. Bor den Augen seiner fünf Kinder vergiftet hat sich vorgestern abend der 38 Jahre alte Agent und Hypothekenvermittler Isidor Becher aus der Linienstratze 77. Der Mann kam vor zwei Jahren aus Oesterreich nach Berlin, hatte aber mit seinen Geschäften keinen Er« folg. Jetzt war ihm die Wohnung gekündigt worden, weil er schon für drei Monate die Miete schuldete. Die Einrichtung, die er aus Abzahlung genommen hatte, wollten die Gcschäftleute wieder abholen. Zu dieser mitzlichen wirtschaftlichen Lage kam noch, datz Frau Becher erkrankte. Seit acht Wachen weilt sie mit ihrem jüngsten Kinde, das erst ein halbes Jahr alt ist, bei Verwandten in Wie». Gestern abend vergiftete sich Becher mit Zyankali. Die fünf Kinder iin Alter von 13 bis 3 Jahren waren im Nebenzimmer und sahen, als der älteste Sohn die Türe aufmachte, gerade wie ihr Vater die Flasche ansetzte und trank und dann bewutztloS zusammenbrach. Auf ihr Geschrei kamen Hansgenossen und holten einen Arzt und die Polizei. Der Arzt Uetz den Mann in einem Koppschen Wagen nach dem Jüdischen Kraiikellhause bringen. Als man aber dort>nlt ihm ankam, war er schon tot. Die Leiche wurde nach dem Schauhanse gebracht. Der fünf Kinder nahmen sich einstweilen Bekannte der Familie an. Ein Opfer der Eifersucht ist die 39 Jahre alte Eisenbahn« beamtenfrau Frida Schindler aus der Wrangelstratze 66 geworden. Die Frau verheiratete sich Pfingsten mit einem 42 Jahre alten Witwer, der Vater von vier Kindern im Alter von 3 bis 12 Jahren und brachte ein Kind in die Ehe mit. Die Kinder vertrugen sich gut, unter den Eheleuten aber gab es viel Streit, weil die Frau lehr eifersüchtig war. Weil Schindler auf seinem Laubengelände in Treptow sich mit mehreren Frauen mehr als nötig unterhalte» hatte, schickte ihm seine Frau zweimal das Miltagessen nicht hinaus. Gestern abend kam es deswegen zu einem Streit. Gleich darauf trank die Frau, während der Vater mit den Kindern im Zimmer war, in der Küche eine Klecsalzlösung. Als man sie auf dem Fntz» boden fand, lebte sie noch. Zwei Stunden später aber erlag sie den Wirkungen des Giftes. Ein schweres Brandnnglück hat sich am gestrigen Mittwoch früh in den, Hause Niederwallstratze 15 zugetragen. Dort war die bei dem Restauratellr Eppstein in Stellung befindliche 25 jährige Köchin Luiie Grunwald ani Kückienherde mit der Zubereitling von Speisen beschäftigt, zu welche»! Zwecke sie ein starkes Feuer angemacht hatte. Während des Kochens lehnte sich die G.»lit dem Rücken gegen den Herd und plauderte mit den Küchenmädchcn. Plötzlich schrie die Köchin entsetzt auf und in demselben Aiigenblick schliige» helle Flammen an ihr empör. Das Mädchen hatte sich nämlich gerade vor die grosse Feuerungsöffnuilg gestellt, wodurch ihre Kleidung un» benierkt Feuer gefangen hatte. Obwohl der Unglücklichen sofort wollene Decken übergeworfen und die Flammen alsbald erstickt wurden, war die Bedauernswerte doch bereits entsetzlich zugerichtet. Die Kleider waren zum grötzten Teil vernichtet und die ganze Rück- seite des Körpers wies schwere Brandwunden auf. Die Verunglückle erhielt auf der Unfallstanon am Spittelinarkt die erste Hilfe und wurde von dort in besimiiingSlosem und bedenklichem Zustande nach dem Kranlenhause am Urban überführt. Die JngendschriftenauSstellulig im GewcrkschastshauS ist heute, Donnerstag, von 5—9 Uhr geöffnet. Zugang zum AuSstellnngS« räum Portal B, erste Tür rechts. Eintrtt frei. Kinder haben nur in Begleitung voll Erwachsenen Zutritt. Der JugendmiSschlltz für Groß-Berlin beginnt in dieser Woche mit seinen Vortragskursen für die arbeitende Jugend. Heute Donnerstag beginnt in Moabit im Lokal von Stark, Waldstr. 8, ein Kursus über Literaturgeschichte. Vortragende: Frau Wally Zcpler. Morgen Freitag beginn! im Süden im Lokal von Fischer, Tempel» hcrrnstratze 20g, der Kursus über: Die letzten fünfzig Jahre deutscher Geschichte. Vortragender: Heinrich Schulz. Gleichsalls am Freitag beginnt im Osten im Lokal„Freischütz", Fruckltstr. 36, der Kursus über: Theorie und Bedeutung der GewerkschastSvewegung. Vortragender: Hermann Müller. Der FortschritlSkiirsuS für National« ökonomie, Vortragender: Max Grunwald, beginnt am Sonntag, den 16. Oktober, vormittags U'/s Uhr, in der Arbeiterbilduiigsschnle, Grenadierstr. 37. Wir verweisen auch noch einmal auf den Kursus über: Ein- führnng in das Staatsrecht, Vortragender: Emil Eichhorn. Dieser Kursus hat am vorigen Freitag begonnen und wird jeden Freitag im Lokal von Kaczerowski. Norden, Ravenästr. 6, fortgesetzt. Die Kurse begilineii abends 3 Uhr fmit Ausnahme des FortschrittskursuS). Der Eintritt ist frei. Es wird erwartet, datz sich die arbeitende Jugend recht zahlreich beteiligt. Die Fortbildung der Arbeiter wird in Berlin von den verschiedenste» Instituten und Vereinigungen betrieben. In einer Reihe von Fällen geschieht daS, wenn auch weniger in die Augen fallend, iim die Arbeiter für nationale Zwecke einzlifaiigen. Demgegenüber fei darauf hingewiesen, datz in Berlin in erster Linie die Arbeiter- BildungSschule in Frage konimt. eine Gründung der Berliner Arbeiterschaft, die bestrebt ist, das Wissen der Arbeiter zu erweitern und den Proletariern Waffen zu liefern im Kampse mit ihren Gegnern. Der Besuch der Arbeiter- BildungSschule kairn daher allen Arbeitern und Arbeiterinnen zu ihrer Fortbildung nur dringend empfohlen werden. Eine andere Bildungsmöglichkeit wird den Arbeitern, eine Fortbildungsschlile ihres Alters wegen nicht bestick können, durch die Einrichtung von Akademischen Untern' lursen für Arbeiter geboten. Diese Unterrjchtökurse einen anderen Zweck als die Kurse der Arbeiter-Bildung Die Besucher dieser Kurse sollen ihre Fähigkeiten in deuElemei fächern erweitern lernen. Rechnen, Deutsch, Geometrie, S Stenographie, Erdkunde sind die Fächer, die in diesen Kurse werden, Die Besucher sollen z. B. im Deutschunterricht i* spräche rM!g schreiben und sprechen lernen. Besondere Vorbildung ist nicht erforderlich. Der Unterricht wird von Studenten der Berliner Hochschulen erteilt, nicht aber schulmötzig, sondern kameradschaftlich. Ein ans ihrer Mitte gewählter Vorstand leitet da? Unternehmen unter Mitwirkung von Vertrauensleuten der Hörer. Für Erteilung des Unterrichts wie für die Verwaltung wird keinerlei Entschädigung gewährt. Jeder Kursus findet wöchentlich einmal in den Abendstunden von 8>°— 10 Uhr statt. Am Mittwoch und Sonnabend wird kein Unterricht erteilt. Unterrichtslokale: 1. gentralarbeitsnachweis, Rückerstr. 9. 2. Gemeiudeschule, Gipsstr. 23a. 3. Friedrich-Werdersche Ober- realschnle, Niederwallstr. 12. 4. 1. Realschule, Mariannenstr. 47 (am Heinrichsplatz). 5. In Rixdorf, Realgymnasium, Kaiscr-Friedrich- Strafte 203— 10. Bei der Anmeldung ist eine einmalige Einschreibegebühr von 30 Pf. für jeden besuchten Kursus, sowie 25—30 Pf. für Lehrmittel zu entrichten. Annreldung: Für alle Äurse am 13., 19., 20., 21. und 22. Oktober von 8—10 Uhr abends in der Kantine des Zentralarbcitsnachweises, Rückerstr. 9, aufterdem für Rixdorf am 15. und 17. Okiober von 8—10 Uhr sowie am Sonntag, den 16. Oktober, von 10—12 Uhr iin Schullokal. Kaiser-Friedrich-Str. 208— 10. Programme sind zu haben iin Bureau des Gewerkschaftshauses, in den städtischen Lesehallen, der Lesehalle von Heymann sowie der Gesellschaft für ethische Kultur. Auch die sozialwissenschaftliche Abteilung der Wildenschaft der Königl. Technischen Hochschule zu Berlin veranstaltet Freie Fort- bildnngskurse. Im Winterhalbjahr 1910/11 werden die Studenten in folgenden Elementarfächern unterrichten: Deutsch, Rechnen, Algebra, Geometrie. Zeichnen. Mechanik und Schönschreiben, und zwar ain Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag abends von 8 bis 10 Uhr in der Charlottenburger Gemeinde- s ch u l e HI, S ch l o ft st r. 2. Jeder Kursus findet einmal wöchentlich statt von» 31. Oktober 1910 bis Mitte März 1911. Die Teilnehmer- gebühr beträgt für jeden Kursus 0,50 M. Anmeldungen»Verden am 27., 28. und 29. Oktober abends von 8 bis 9 Uhr im Ui»terrichtS- lokal eutgegengenonnnen. Auskunft erteilt oauä. ing. Kleeberg, W. 50, Bamberger Strafte 7. Im wisicnschaftlichen Theater der Urania gibt seit kurzem Professor Dr. P. Schwahn umer dem Titel: Der Vierwald- stätter- See und der Gotthard eine außerordentlich fesselnde Schilderung der Urkantone der Schweiz in farbigen Licht- bildern und Wandelpanoramen. Die künstlerische Ausstattung stamint von W. Kranz. Luzern, die luxuriöse Schweizer Fremdenmetropole, die malerischen Ufer des besuchtesten aller Alpenseen, die groftartigen AnsichtScmporen des Rigi und Pilatus ziehen an uns vorüber. Interessante Einblicke erhalten wir in die technischen Wunderwerke der Neuzeit, in Bau und Betrieb der berühinten Schlveizer Bergbahnen, die eS den Schau- lustigen ermöglichen, mühelos hohe Gipfel zu erreiche»,. von denen sich über liebliche See»» und reichgegliederte Vorberge hiicwcg unaussprechlich erhabene Ausblicke eröffnen auf die firngekrönten Häupter der Schnee- und Eisriesen. Wir»Verden auch an die Stätten der Tellsage geführt, die jedem Freiheitsfreunde teuer sind. Die genußreiche Rundfahrt um die Ufer des�Vierwaldstätter Sees endet in Flüelen, wo, die alte Gotthardstrafte beginirt. In Windungen steigt sie durch wilde Hochgebirgslandschaften hinauf zu dem alt- berühinten Hospiz und jenseits hinab in Gegenden, die allmählich südlichen Charakter annehmen, bis wir den herrlich blauen Luganer See erreichen. Seit die Gottbardbahn 1832 er- öffnet wurde, vermittelt sie hauptsächlich Handel und Ber- kehr nach und von Italien. die früher nur auf beschwer- lichen»»nd gefährlichen Reisewegen hoch über den Paß des Gebirges möglich waren. Die glänzend gelösten technischen Schwierigkeiten des groftartigen Bahnbaus kainen in den Vor- führungen der Urania trefflich zur Anschauung. Noch ein kurzer Ab- stecher nach Mailand, dessen marinorprächtiger Dom gezeigt wird, und die vom bequeinen Sessel kius unternommene Reise durch eine der schönsten Gegenden der Erde ist zu Ende. Einige Bilder im ersten Teile'der Schilderung standen leider nicht auf der bei der Urania gewohnten Höhe. Hiervon abgesehen bot die Vorführung in Bild und Wort Vorzügliches. Ihr Besuch kann jedem warm ernpfohlen werden, der nicht in der glücklichen Lage ist, die Naturschönheiten der Schweiz wandernd und schauend geitieftei» zu können._ Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Hausbesitzer, Wohnungsnot und„Liberale". ES war voraus- zusehen, daft die Errichtung eines Wohnungsamtes den leb- hastesten Unwillen und den stärksten Widerspruch der Hausagrarier finde» würde. Hatte eS daran schon nicht in der Stadtverordneten- versanunlung und in dem die Vorlage vorbereitenden Aussctnift ge- fehlt, Ivo einzelne grundbesitzende Stadtverordnete mit mehr blindein Eiser als taktischem Geschick gegen die Neueinrichtung Sturm liefen, so ginge» die Wellen der Erregung recht hoch in der letzten Ver- sammluug der vereinigten Grundbesitzer von 1895. In den schärfsten Tönen»vurden da dein Magistrat und den Stadtverordneren die Leviten gelesen. Einer der gewift sehr gebildeten Herren Grrmdbesitzer, ein Baumeister, bezeichnete die WohnungS- amtsvorlage als„ M i st v o r l a g e Das war so recht der Mann nach den, Sinne der Grundbesitzer und füigs wurde der »vackere Kämpe uin die„Rechte" der Hausbesitzer als geeignetester Kandidat zur Stadtverordnetenwahl der„Liberalen", das heißt„freistiinigen" Partei empfohlen. Aber das ging selbst den Führern dieser Ällerwclrspartei zu weit, man lehnte dankend ab und wollte sich die Wahlagitation mit dem Wohnungsamt nicht in so plumper Weise verderben lassen. Später soll dann auch der Aus- druck„Mistvorlage" zurückgenommen worden sein. Mit besonderein Bedauern wird das aber sicher nicht geschehen sein. Doch der Hausbesitzerverein drängte den„liberalen" Führern einen anderen Kandidaten auf: den Syndikus des Hausbesitzer- Vereins, einen Justizrat. Den haben die„Liberalen" auch akzeptiert. Interessant ist daran aber, daft auch dieser Syndikus ein lebhafter Gegner des Wohnungsamtes ist. Und in der an- geführten Hausbefitzerversammlung erklärte der neue„liberale" Kandidat die Annahme der Vorlage für bedauerlich. Er wies ferner nach, daft die Bestinimnngen jeder Wirksamkeit ent- behren müssen, da nach seinen juristischen Anschauungen, den Wohuungspslegern das Recht bestritten werden kann, die Wohnungen zu betreten. So sehen die Kandidaten einer Partei aus, die sich als eine „liberale" und„sozial fortschrittliche" bezeichnet! Offener ist wohl noch nieinals die Ahhängigkeit dieser„großen Partei" von den Interessen der Hausbesitzer dargelegt worden als durch diese Epnode. Man kann im Zweifel darüber sein, was einem»„ehr leid tun kann: die nach außen so große und im Jnuern so morsche Fraktion der „Liberalen" oder die Gemeinde, die der Wirtschafterei einer solchen Partei ausgeliefert ist. Um so mehr haben unsere Genossen die Pflicht, alle Hoffnungen der„Liberalen", auch in der dritten Abteilung zu«siegen", gründlich schänden zu»lachen. Tchöneberg. Die am Sonntag in den„Neuen Nathaussälen" stattgefundene jirotestversamnilung war, was wir durch den verspäteten Eingang |ä Berichts erst heute mitteilen können, von zirka 1500 Personen, viele Frauen, besucht. Das Referat über die Moabiter giisse hielt unter große», Beifall Genosse W u s ch i ck. A» der beteiligte sich ein Mitglied der Demokratische», Vereinigung . Genossin Wichert. Der Vorsitzende verwies� am Schlüsse »nuzlung auf die am 26. d. M. stattfindende Ersatzwohl im und ersuchte um rege Agitation für die Wahl des sozial- tischen Kandidaten Albin M o h s Eine«ehrftiindige Störung km Straßenbahnbetriele wurde gestern in Schöneberg durch einen Wasserrohrbruch verursacht. An der Ecke der Mühlen- und Hauptstraße brach aus bisher noch nicht ganz geklärter Ursache das Druckrohr der Berliner Kanalisation, das an jener Stelle über demjenigen der Schöneberger Kanalisation gelagert ist und Abwässer von der Pumpstalion in der Gcnthiner Strafte nach dem Osdorfer Rieselfelde leitet. In starkem Strahle drangen die Wassermengen aus dem Erdreich und überfluteten den gesamten Fahrdamm. Erst gegen 6 Uhr abends war die Verkehrs« störung wieder behoben. Rixdorf. Das Schauspiel einer brennenden Straße bot sich vorgestern nach- mittag den Einwohnern RixdorfS. Vor dem Haufe Nr. 49 in der Hermannstrafte stieß ein Geschäftswagen der Brennspiritusgesellschaft aus Tcmpelhof, Ningbahnstr. 32, mir einem Straßenbahnwagen ber Linie 29 so hestig zusammen, daft er 60 Flaschen Spiritus verlor. Der Inhalt der zertrüniinertei». Flaschen ergoß sich über den Straftendamin und geriet durch eine elektrische Zündung in Brand. Alles floh vor der hohen Flamme nach dem Bürger- steig, es dauerte eine ganze Zeit, bis der Spiritus arlSgebrannt war. Verletzt wurde niemand. Lichtenberg. Eine öffentliche Sitzung der Stadtverordneten findet heute nach- mittag 6 Uhr in, Rathause, Möllendorfstrafte, statt. Die Einsprache gegen die Wählerliste und die motivierte Mitteilung des Magistrats, daft die Lichtenberger Gemeindcschulen in ihrer Klaffenbesetzung und mit ihrem Lehrermangel nicht viel schlechter seien als die Berliner Gemeindeschulen, dürsten neben einer Reihe anderer Punkte der Tagesordnung das Interesse der Einwohner erwecken. Pankow. Mit der Gründung eines Vereins zur Bekämpfung der Tuber- kulose beschäftigte sich am Freitag eine im Ringclschen Saale statt- gehabte öffentliche Versammlung für Pankow und Nieder-Schönhanscn. Dr. Rohardt hielt einen durch Lichtbilder unterstützten Vortrag über die Verbreitung und Bekämpfung der Tuberkulose. Während im Reiche die Zahl der an Tuberkulose Erkrankten tatsächlich zurückgehe, sei dies leider von Pankow nicht zu sagen. Zur Bekämpfung dieser Volksseuche sei Aufklärung über die Ansteckungsgefahr nötig, ferner ständige Beobachtung der Erkrankten sowie deren Umgebung. Hu diese», Zwecke solle die schon bestehende, aber„och ziemlich unbekannte Fürsorgestelle für an Tuberkulose Erkrankte ausgebaut und vielleicht nach dem Rathause verlegt werden. Die Wohnungen, in denen Schwindsüchtige gewohnt haben, müssen desinfiziert und vor allen, für Licht und Luft in den Wohnungen gesorgt werden. Um der Ueberfüllung durch Schlafburschen vorzubeugen, sollen Unter- stützungen gewährt werden. Hierzu seien natürlich erhebliche Mittel no, wendig. Redner kam dabei aus die großen Erfolge der Heil- stättenbewegung zu sprechen. In der Diskussion sprach ein Berliner Arzt über die Leistungen, die von Staat und Kommunen bereits vor- genommen sind. Er ermnerte dabei an die grandiose Sozialgesetzgebung des Reiches. Trotzdem war auch er der Meinung, daft der Verein gegründet werden niüsse, um weitere Mittel herbeizuschaffen. ES war nicht recht erkenntlich, welche grandiolen Leistungen der Redner meinte, ob die Krankenversicherung, die zum großen Teil aus Arbeiterbeiträgen erhalten wird, oder vielleicht die Alters- Versicherung, in deren Genuß der Siebzigjährige gelangt, wenn er unterdeffen nicht längst gestorben ist. Die Arbeiterklasse hat natürlich den gefährlichen Feind längst erkannt und bekämpft ihn auch. Jede Lohnerhöhung, jede Arbeitszeit- Verkürzung und nicht zuletzt die allgemeine Ausklärung sind Wirkung«- volle Mittel in der Bekämpfung der volksverheerenden Krankheit. Aus diesem Wege begrüften wir die Erweiterung der Zentralstelle als ein weiteres Mittel zur Bekämpfung der Krankheit. Tegel. Vom Berwaltungsstreit Westphal u. Gen. wider die Gemeinde- Vertretung Tegel lieg, nunmehr das rechtskräftige schriftliche Urteil vor. Der Wortlaut ist folgender: „Unter Abänderung des Urteils des KreisauSschuffeS des Kreises Niederbarnim vom 8. Dezember 1909 wird die Klage ab- gewiesen. Die Kosten beider Instanzen, einschließlich der erforder- lichen baren Auslagen des Beigeladenen, werden— unter Fest« setzung des Wertes des Streitgegenstandes auf 1500 M.— den Klägern zur Last gelegt." An, Schlüsse der ausführlichen Begründung aber heißt es: „Daraus ergibt sich, daft der Beigeladene als Angesessener im Sinne der Landgemeiiideordnung erachtet werden muß und der Gültigkeil seiner Wahl somit Bedenken nicht entgegen- stehe n." Wie unseren Lesern bekannt ist, wurde im März d. I. die mit 1034 Stimmen auf unseren Genossen A r e n d s e e gefallene Wahl zun, Gemeindeverordneten vom Wahlvorstande, dem der Amts- und Gemeindevorsteher Weigert angehörte, für ungültig erklärt auf Grund des angefochtenen Urteils de« KreiLauSschuffes. Der Wahlvorstand schrieb damals rechtsirrt ümlich eine Stichwahl zwischen zwei unterlegenen bürgerlichen Kandidaten aus, an der sich die Tegeler Arbeiterschaft nicht beteiligte. Die Gemeindeveriretung von Tegel erklärte ebenso r e ch t§ i r r t ü in l i ch die auf den Bahn- Hofsvorsteher Wistuba mit zirka 350 Stimmen gefallene Wahl für gültig. An dem Status quo ist nun nicht« geändert. Bestehen keine Bedenken gegen die Gültigkeit der Wahl von, 27. April 1909, wie kann die Wahl vom 8. März 1910 ungültig sein? Wie stellt sich die Gemeindevertretung Tegels und insbesondere der Bahnhofsvorsteher Wistuba dazu? Marienfelde.' In der letzte» Mitgliederversammlung des WahlvereinS erstattete Genosse Heinrichs- Rixdorf den Bericht vom Magdeburger Parteiinge. In seinen Ausführungen über die Budgeibewilligung ver- urwilte der Redner den Disziplinbruch der Badenser ausS schärfste. Es sei mit Freuden zu begrüften, daß der Parteitag darüber Klar- heit geschaffen bat. In der Diskussio» gaben die Genossen Adolf B e r g e r und Ernst Schuster ihrer Unzufriedenheit Ausdruck über die kühle Behandlung der Maifeier. Genosse Richard Kreutzberg verurteilte das provokatorische Verhallen des Genossen Frank a»fs schärfste. Man solle, so meinte er, nicht jedem Akademiker, der in die Partei komnit, gleich zujubeln und ihm ein Reichstags», aiidat überlragen. Diese Genossen sollten erst einmal Umschau hallen und organisatorische Kleinarbeit verrichten, damil sie die Stimmung der breiten Massen kennen lernen. Folgende Resolulion wurde einstimmig angenommen: Die Versammlung erklärt sich mit der Hall, mg der Mehrheit des Parteilages einverstanden und erwarter. daß in Zukunft die Beschlüsse des Parteirages von allen Genossen respektier, werden.— Genosse Greulich wies noch auf die»n nächster Zeit statifindende Frauenversammlung hin. Nach Erledigung einiger interner Vereiusangelege», Heiter, erfolgte Schluß der Versammlung. Nowawes. Einen Berglftuugsversnch mittels KochgaS an sich und ihrer sechsjährige» Tochter machte die in der Grvftbeerensirafte wohnende Handelsfrau Köckern Die schon lange Zeit kränkliche Frau, die von ihrem Manne, einein früheren Tischlermeister, getrennt und in sehr ärmlichen Verhältiiissen lebte, hatte ihre Schwester durch eine» Brief von ihrem Vorhaben in Kenntnis gesetzt. Als die Schwester nach Empfang des Schreibens zu der Wohnung der Frau K. eilte, fand sie diese verschlossen;»ach Oeffnung machte sich ein starker Gasgeruch bemerkbar, da in der Küche die Hähne des Gaskochers geöffnet waren. Die auf dem Lette liegende Frau gab„och schwache Lebenszeichen von sich, daö Kind jedocd war bereits der Vergiftung erlegen. Die Frau wurde soforl ins Kreiskrankenhau» geschafft, wo sie verstarb. Eure zweite, elfjährige Tochter hatte die Frau vor der Ausführung ihres Planes zu ihrem Vater geschickt.__ Neuenhagen(Ostbahn). In einer öffentlichen Versammlung für Frauen und Mädchen der Arbeiterklaffe sprach am Sonntognachmittag in Neuen Hagen Genossin Frieda Wulff über„Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen". Die Versammlung fand unter freiem Himmel statt und erfreute sich trotz des regendrohenden Wetters eines starken Besuches. Die beifällig aufgenommenen Ausführungen der Vor- tragenden klangen aus in die' Aufforderung an die anwesenden Männer und Frauen, sich der politischen Organisation anzu- schlieften, um so gemeinsam für die Interessen der Arbeiterklasse zu wirken. Während deS Vortrages der Genossin Wulff glaubte der anwesende Malermeister Quast seine Ueberzeuguug durch einen ungehörigen Zwischenruf zum Ausdruck bringen zu muffen. In der Diskussion war der Herr selbstverständlich nicht zu sprechen. Genosse S t i m m i n g wies auf die beschämende Tatsache hin, daft die Lokal- inhaber der Arbeiterschaft ihre Säle verweigern. Alle Berliner Ge- iioffen, die Nenenhageii, Fredersdorf, PcterShagen, Bruchmühle oder Eggersdorf besuchen, werden ersucht, die dortigen Genossen tu ihren, Lokalkampse zu unterstützen. Mit einem stimmuiigSvollen Liedc, gesungeu vom Arbeitcrgefangverein„Freie Sänger", fand die wohl- gelungene Versammlung ihr Ende. Schöneiche»nd Umgegend. Den Bericht über den Magdeburger Parteitag gab in der Mitgliederversaiiunlung in Rahnsdorf- Mühle Genosse M u t h- Ober-Schöneweide. In seinem Vortrage behandelte der Referent besonders ausführlich die Budgelfrage und verurteilte dabei das verhalten verschiedener Gewerkschaftsbeamteu gegenüber dem Disziplinbruch der Badenser. In der Diskussion sprachen die Ge- »offen Much und R ü h l in zustimmendem Sinne. Eine Resolutton, welche sich mit der Hallung der Delegierten des Kreises einverstanden erklärt, wurde einstimmig angenommen.— Als Revisoren wurden die Genossen Höhne und G i e s e gewählt. Dann gelangten noch einige öriliche Angelegenheiten zur Verhandlung. Königs-Wnsterhausen. Bor etwa 600 Männern und Frauen sprach am Sonntag in einer öffentlichen Versammlung Genosse S t ö r m e r- Berlin über „Kaiserreden und Polizeiattacken". Die Versammelten nahmen nach dem sehr beifällig aufgenommenen Referat eine Resolution an, in der gegen das Vorgehen der Polizei in Moabit protestiert wird. Einstimmig angenommen wurde auch eine Protestresolulion gegen die F l e i s ch„ o t. Mit der Aufforderung, durch massenhasten Beitritt in die Arbeiterorganisationen gegen die bestehenden Zu» stände zu demonstrieren, wurde die Versammlung geschlossen. Trebbin(Kreis Teltow). Der vom BildungsauSschuß arrangierte Vortragszyklus beginnt am Sonnlag, den 16. Oktober, nachmittags 3 Uhr, im Schützen- Haufe. Gciwffe Wilhelm Piek wird in sechs Vorträgen unsere Gegenwarlsforderungen behandeln. Die weiteren Vorträge finden stall am 23. und 30. Oktober, am 6., 13. und 20. November. Sämtliche Funktionäre der Partei und Gewerkschaften sind verpflichtet, an de» Vorträgen teilzunehmen. Ralütlich haben auch andere Gewerkschaftsmitglieder, Parteigenoffen und Genossinnen zu den Vorträgen Zutritt. Grost- Besten. In der Generalversammlung des Wahlvcrcins für Groft-Besten und Umgegend gab Genosse Heinrichs- Rixdorf den Bericht vom Magdeburger Parteitag. Es wurde eine Resoluttou angenoinmen. die sich mit den Beschlüssen des Parteitages und der Haltung der Delegierten eiilverstanden erklärt. Danach gab Genosse S k a r u p ke den Bericht von der Kreisgeneralversammlung. E� wurde beschlossen, dem Bildungsbedürfnis der Genossen durch eini. Bereicherung der Bibliothek entgegenzukommen. Aufgenommen wurden acht neue Mitglieder, ein Mitglied wurde wegen restierender Beiträge gestrichen. Der Wahlverein zählt zurzeit 82 Mitglieder. Potsdam.* Schießerei gegen Schulkinder. In dem benachbarten Bornim hat folgender Vorfall ungeheuere Erregung hervorgerufen: In der Amtsstrafte hielt sich zum Besuche bei seinen Eltern der Berliner Bankbeamte M i ck i s ch auf, der sich in seinen Mußestunden mit Landschaftsmalerei beschäftigt. Dabei fühlte er sich nun von der neugierigen Dorsjugend belästigt; er soll sogar absichtlich geulkt worden sein. Da seine Drohungen nichts nützten, nahm er ein Desching und schoß eine Schrotladung zwischen die Kinder. Mehrere Kinder wurden durch Schrotladungen verletzt. Von dem Vater eines verletzten Kinde? ist die Schießerei zur An- zeige gebracht und eine Schadenersatzklage gegen den schieftlustigen Bankbeamten anhängig gemacht worden. Hoffentlich wird dem Herrn eine empfindliche Strafe zuteil. Jngendveranstaltunnen. Jvdtcig, den 14. Ottober, abends Schöneberg. Freitag, den 14. Oktober, abends B1/, llhr, bei Posch« mann. Borbergstr. S: Vortrag des Genossen Eduard B e r n st e i n über: „Bildung und gcsellschastlicheS Benehmen." Der Ausschuß. Freie Jugendorganisation Berlin. Abt. SI. Heute abend. 8 Uhr, bei Neilhardt. Görlitzer Str. 58: Versammlung. Bortrag des Kollegen Franz Künstler über:„DaS OberverwaltungSgerlcht und die Berliner Jugendorganisation." Erwachsene sehr willkommen. Aimltckier Marttberichc der ttädtiichen Marktballen-Direktion über den Mrotzbandel in den Zennal-Marttballen.'viarkrlage: Fleisch: Zlisuhc schwach, Gcichäil still, Preise unverändert. Wild: Zufuhr genügend, Gelchäl! ziemlich lebhaft, Preis« zum Teil nachgebend. G e i l ü g e l: Zu- subr reichlich, zum Teil über Bedars, Äelchäil nicht rege genug. Preise nach» gebend, gliche: Zusuhi mäßig, Geichäit sehr schleppend. Prelle wenig verändert. Butter und Käse: Geschält ruhig, Prelle unverändert. cKemüie, Obst und Süds rüchie: Zusuhr über Bedats, besonders in serbischen Pflaumen, Geschäst leblos, Preise gedrückt. «Stiterungsudcrllctn vom 12. Oktober 1!»M>. uiorge»» 8 Nbr. statten en J?§i �"1 L' �«etter gl ei i 6-i. is *£ h W lö Ctoitoncn SS~ i» "s a i= Iii 1=' 1« i -|8 Setter eromenide �amdure fterli: granll.u 41 »Illuche» Wie» 762 SO 758 OSO 7623 758 S 762 SW 763 SO 9 l Baparanda 753 SW 6 bedeckt 7 11! lletersbiira 770 SSO Lbcdeckt 0 9' Sclls 757 NNW 6halbbd. 10 18 1'lietlMji 757 NW 3 bedeck! 6 8' Pnns 754 SO 2 bedeckt 13 11 1 ESetterprognoke int Donnerstag, den 13. Oktober INI». Ein wenig kühler, �zunächst ziemlich»übe mit leichten Rcgenjällen und mäßigen westlichen Winden; jpäcer langsam ausklarend. Berliner Wetterbureau. 4 Nebel> 2 halb bd. 2 wolkig j 1 Nebel l baib bd. 2 Nebel BOasserstaiivs-Raitlttckiten der LandeSanstait für Kewäsferkundc, mitgeteilt vom Berliner Wclterbureau. 4- dedeuiet Wuchs,— Fall.•) Uniervegel. loitl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» Vuchdruckerei n. Verlagsanstalt Paul Singer& Co„ Berlin SW,