Nr.24A. ijfa* 27. Jahrg. Bbennfmcnts-Bcdingungen;', Bie InkrtieiS'Gcbübr_ li-onnementS■ Preis prSnumerando: HS f BP/ I?ri� ISal� m«fo 0 für äiettdiäbrl 3�0 aur., monatl. 1,10 asr, DW HB MW WW // EH■ H n MM f Wff Zeile oder deren Raum w Psg, fur �ochcnllich 23 P'g, frei ins HauS, Wjjl ,�SH Mg M W f* gW Bj WI Hm AB Wf /V/ B H �era�BT/»oliiische und gewerkschaftliche Vereins- iinzclnc Nummer 5 Pfg, Sonntags- �MW is�MM M> Wj WM V) IM WM M| SH �W 5/ W» MM p— y/ und Versammlungs-Anzeigen 30 Pig. -ummer mit illuftrierier Sonntags- ÄHH l�?GMZ DA MH BS H WD UW DW jW MW V W MW //..Kleine anzeigen", da- erste(feii- Zeilage.Die Neue Welt" 10 Pfm Pos,. ÜMmS f MB IBSi MW W W» W W«g W�-�W MI AL� vedruckte) Wort 20 Psg. jedes>°eiiere �ö'/�ooen Ii, d?e��n0° XW« W B HD HD HD. J�ll m Wä■ B Wort 10 Pfg. Stellengesuche und S»,as. Änsie Unter Kreuzband sbr M HM M Mr �BLÄL JBl M f stellen-Anzeigen da? erste Wort loPsg,. -:culschland und Oesterreich. Ungarn MD>W � B. jV DD jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über ! Mark, für das übrige Ausland HLk �Wx ▼/ ZJ Z/ // �M 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Marl pro Monai. Postabonnements JNS�_____—' ▼/ // HSV Inserate für die nächste Nummer müssen ahmen an: Belgien Dänemarl. v O r~�=s��------- � ▼/ bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition volland. JtMien, Luxemburg, Portugal, Cvf Co----- X>0� � 5-��«pgegcben werden. Die expedstioa ijt iumamen, Schweden und die Schweiz. � �'x �) � bis 7 Uhr abends geässnet. Devlinev«L«». �entralorgan äer fo2ialäemokrati pcken Partei veuttcklanäs. K.eÄaktion: SAl. 68» I»inäenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der niedergaiKj der deutschen Rechtsprechung. .Ich itiufe leider so fcrch sprechen, weil die schlimme Justiz gen Himmel schreiet. und wenn ich's nicht remedire, selber die Berantwortung aus mir lade." Vor fast 200 Jahren, im Jahre 1713, verlangte der preußische König Friedrich Wilhelm I., die Justiz müsse„im- parteiisch, schleunig, mit reinen Händen, ohne alle ungebühr- llchen Passionen und Nebenabsichten, Jedermann, Annen und Reichen, Hohen und Niedrigen gleich administrirt werden". Die . ungerechte Justizpflege preßte ihm in einem seiner Reskripte, die auf Beseitigung der Rechtsgebrechen drängten, den oben wicdergegebenen Stoßseufzer über die zum Himmel schreiende Justiz aus. Schlimmer, weit schlimmer als damals steht es heute mit der Strafrechtsjustiz. Seit Jahrzehnten ist im Reichstage und in öffentlichen 51undgebungen, keineswegs allein aus sozialdemokratischen Kreisen— wir erinnern an die Silagen, die aus richterlichen Kreisen, die u. a. in den„Grcnzboten" und den„Preußischen Jahrbüchern" erhoben wurden—, bc- tont, daß das Vertrauen zur Rechtspflege geschwunden ist. Organische, durchgreifende organische Re- formen sind seit Jahrzehnten brennend gelvorden. Das haben dann schließlich selbst die Regierungen, freilich in der ihnen eigenen schamhaft-selbstbewußten Art anerkannt. Dem jetzigen Reichstag ist ein Entwurf vorgelegt, der das Gerichts- Verfassungsgesetz und die Strafprozeßordnung reformieren zu wollen vorgibt, in Wahrheit aber das Strafverfahren noch zu verschlimmern und zu einem unverhülltcn Hammer im Klassen- kämpf gegen die Arbeiterklasse zu gestalten geeignet ist. Die erste Lesung der zur Vorberatung des Entwurfs vom Reichstag eingesetzten Kommission ist beendet; am Dienstag beginnt die zweite. Das Ergebnis dieser Beratungen ist eine erhebliche Verschlechterung des bestehenden �u- standeS und eine unverhüllte Legalisierung der Klassenjuftiz. In den Formen des Gesetzes würden Recht und Presse, gegen die besondere Ausnahmevorschriftcn zusaniniengebraut wurden, mißhandelt werden, wenn der Entwurf Gesetz würde. Dann kann die Justiz nicht„unparteiisch",„mit reinen Händen, ohne alle ungebührlichen Passionen und Neben- absichten jedermann, Armen und Reichen, Hohen und Niedrigen gleich administriert werden, sondern muß allein zugunsten reicher, hoher, gesinnungsloser, der jeweiligen Regierung genehmer Schuldigen, und zuungunsten schuldloser Arbeiter. und aller, die eine aufrechte Gesinnung haben, wirken. Dieses Entwurfes Erfolg wäre: Unvcrhüllte Klassenjustiz, gemildert durch jeweiliges Mitfangen der agrarischen Diktatur etwa noch oppositionell gesinnter bürgerlicher Kreise. Alle bestehenden Gebresten der Organisation der Gerichte sollen aufrechterhalten und vermehrt werden: die Staatsanwaltschaft soll Herrin des Strafverfahrent bleiben. Ihre Allmacht soll durch Durchbrechung des Legalitätsprinzips, durch Erweiterung ihres Beschwerderechts gegen richterliche Urteile, durch Ausdehnung ihrer Macht, ohne richterliche Eingriffs- Möglichkeit Unschuldige in Haft zu behalten, noch Stärkung erfahren. Die Mitwirkung der Laien soll noch vermindert werden. Nach wie vor sollen nicht als Laienrichter alle Teile der Bevölkerung heran- gezogen, sondern nur„zuverlässige" Elemente von der Be- Hörde ausgewählt werden.«iDie Macht der Einzelrichter ohne Zuziehung von Schöffen ist— allerdings nicht in dem von der Regierung vorgeschlagenen Umfang— erweitert. Die Schöffengerichte sollen nach wie vor aus einem ge- lehrten Richter und zwei Schöffen zusammengesetzt sein. Als Beruf ungs instanz gegen Schöffcngerichtsurteile soll fortan das berüchtigte Dreimännerkollegium mit der Dekoration von zwei Schöffen fungieren. Als Richter für die S t r a f k a m m e r e r st e r I n st a n z sollen zwei gelehrte und drei Laienrichter das Urteil fällen. In der BerufungSin stanz gegen solche Urteile soll ebenfalls ein gelehrtes Dreiinännerkolieg, garniert mit zwei Schöffen. fungieren. Tic Zuständigkeit von S ch w u r- g e r i ch t e n ist eingeengt, die der Schöffengerichte erweitert. Das Verfahren ist so ziemlich von sämtlichen Garantien für eine gerechte Rechtspflege denaturiert. Die O e f f e n t- l i ch k e i t ist für Beleidigungsklagen eingeschränkt, die Willkür der Beamte» dadurch eriveitert, die Presse und jeder unter Strafe des§ 184b dcö Strafgesetzbuches gestellt, der irgend etwas aus einer Verhandlung veröffentlicht, in der wegen Sittlichkeitsgefährdung ganz oder zum Teil die Oeffcntlichkeit ausgescb' jen war: Eulcnburg-, Allenstein- und ähnliche Prozesse gegen Leute vornehmer Kreise sollen vor dem»Polk" verhüllt bleiben, auf daß es nicht erkenne, welche Fäulnis die herrschenden Klassen durchdringt. Das Recht des Angeklagten auf Abhörung der von ihm geladenen Zeugen ist beseitigt. Ein von dem Belieben des Staatsanwalts abhängiges besonders schleuniges Verfahren soll politisch Beschuldigte überrumpeln und durch planmäßige Verhetzung offiziöser Blätter verwirrten Richtern ausliefern. Die Kollusionshaft Sonnabend, den 15. Oktober ist aufrecht erhalten. Das Ermittelungs- und Vorverfahren � soll nach wie vor ein geheimes I n q u i s i t i o n s- verfahren bleiben. Die Revision und Wieder- aufnähme des Verfahrens ist noch mehr als heute e r- schwer t. Zeugen, die unbceidet geblieben sind, sollen selbst dann b e st r a f t werden, wenn sie fahrlässig für den Prozeß völlig Unerhebliches falsch bekundet haben. All' diesen Verschlechterungen stehen unwesentliche Vcr- bessernngen gegenüber. Als solche könnten aufgeführt werden: Eine kleine Erweiterung des Zeugnisverweigerungsrechts der Geistlichen, Verteidiger. Rechtsanwälte, Abgeordneten und Aerzte. Ebenso eine Ausdehnung des Beschlag- nahmeverbots. Die Zeugnispflicht der Redakteure im Disziplinarverfahren gegen Unbekannt ist geblieben. Verboten ist ausdrücklich die Befragung eines Zeugen danach, wie er in geheimer Wahl gewählt hat. Das Recht des Reichstags, Einstellung eines Strafverfahrens gegen eines seiner Mit- gliedcr zu verlangen, ist dem, durch die Praxis mißdeuteten Sinne der Reichsverfassung entsprechend, ausdrücklich auf die S t r a f h a f t ausgedehnt. Ein unzulängliches Verfahren gegen Jugendliche, wie es der Entwurf vorschlug, ist in der Kommission noch verschlechtert. Das etwa ist in Pansch und Bogen der Inhalt der wich- tigsten Beschlüsse der Kommission, lieber die Einzelheiten der ersten Lesung haben wir ja durch fortlaufende, wenn auch kurze Kommissionsberichte informiert. Betrachten wir im einzelnen das Kommissionswerk. Da steht voran die Volks- und gerechtigkeitsfeindliche Organisation der Strafrechts- pflege:„politisch zuverlässige" gelehrte und Laienrichter, eine über Recht und Gesetz stehende allmächtige Staatsanwalt- schaff und eine in der Ausübung ihrer Pflicht überreichlich behinderte Verteidigung— so sieht die Gerichtsorganisation aus. Das sei hier des Näheren dargelegt. „Zuverlässige" Richter. Nicht gerechte, unparteiische, unabhängige Richter. sondern, wie Bismarck sich ausdrückte, politisch vollkommen zuverlässige" Richter sollen dem deutschen Volk beschieden sein. Das Gerichtsvcrsassungsgcsetz spricht im§ 1 von„unabhängigen, nur deni Gesetz unterworfenen" Richtern. Die weiteren Vorschriften verweisen die Unabhängigkeit aber ins Reich der Märchen. Es mag davon abgesehen werden, daß wirklich unabhängige, zur Veiwirklichnng des Rechts fähige Richter nur aus allgemeinen, direkten, geheimen Wahlen der Bevölkerung hervorgehen können. Soweit gelehrte, ernannte Richter fortbestehen sollten, müßten, abgesehen von einer anderen Vorbildung der Richter, Garantien gegen ihre Beeinflussung von oben, gegen ihre Abhängigkeit von der Verwaltung sowie dagegen durch Gesetz gegeben werden, daß ihre Auswahl, ihre Besoldung, ihre Beförderung nicht von ihrer Tüchtigkeit, sondern von dem Mangel an Wissenschaft- licher Befähigung, an Charakterfestigkeit sowie von ihrem Reichtum an Geneigtheit, auf die Wünsche der jeweiligen Regierung einzugehen, oder ihrer korpsbrüderlichcn oder ver- 'vandtschaftlichen Beziehungen abhängig werde. Zunächst wäre freie Zulassung eines jeden, zaw Vorbereitungsdienst nach beendetem Universitäts- studinm(Referendariat)— seine Absolvierung ist Voraus- setzung zur Zulassung als Richter oder Rechtsanwalt— erforderlich. Die Kommission lehnte aber die dahin gerichtete Forderung ab. Politische, konfessionelle Rücksichten, die Ver- mögcnslosigkeit des Referendars, ja das freie Belieben der Verwaltung können heute junge Leute, die ihr Examen vorzüglich bestanden haben, vom Vorbereitungsdienst aus- schließen. Und dennoch raffte man sich nicht dazu auf, die Unzulässigkeit solcher Ausschlußgründe gesetzlich festzulegen. Nur die Darlegung, daß in der Tat in Preußen die Referendare vor ihrer Zulassung eineJahreseinnahme von1Z00M.auf 5Jahre nachweisen müssen, führte zu der Einfügung eines Verbots, die Zulassung zum Vorbereitungsdienst von dem Nachweis eines bestimmten Vermögens oder Einkommens abhängig zu machen. Keinerlei Schutz genießt zur Zeit ferner der Referendar da- gegen, daß er aus seiner VorbereitungSzeit ohne Grund ent- lassen werde. Bekannt ist die Entlassung des Genossen Katzen- stein aus dem hessischen Vorbereitungsdienst lediglich wegen seiner politischen Gesinnung. Schutz gegen ähnliche Maß- regelungen hat die Kommission nicht getroffen. Früh soll sich krümmen, wer ein„zuverlässiges" Häkchen werden will: das Belieben der Verwaltung soll auch fürderhin allein darüber entscheiden, ob ein tüchtiger junger Mann den zur Ausübung richterlicher oder anwaltschaftlicher Funktionen vorgeschriebenen Vorbereitungsdienst vollenden darf. Nicht charaktervolle, sondern schmiegsame, vom Ballast des Wissens und Gewissens befreite Organe der Rechtspflege wünscht die Klassenjustiz. DieS Streben zeigt sich noch stärker als bei der Freiheit der Willkür den Referendaren gegenüber bei der Ernennung, Beförderung, Verfetzbarkeit, Absetzbarkeit und intellektuellen Unterjochung der Richter unter die Wünsche der jeweiligen Regierung. Ernannt und b e- fördert wird der Richter nach Willkür der Verwaltung. Die österreichische Nichtervcreinignng strebt seit Jahren dahin, die Ernennung und das Aufrücken in höher besoldete oder höher geschätzte Stellen von der Verwaltung unabhängig zu gestalten. Auf steinigen Boden fielen die dahin gerichteten Bestrebungen unserer Genossen in der Kommission. wie- ivohl selbst in der Vereinigung deutscher Richter 6xpcdUion: SÄl. 68, Lindcnstraasc 69* Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Stimmen für einen Schutz gegen Willkür auf diesem Gebiete laut geworden sind. Bei der Geschäftsverteilung ferner kann das aus dem Vorsitzenden, den Direktoren und das dienstälteste Mitglied des Land- oder Obcrlandesgerichts bestehende Präsidium einen Richter wider seinen Willen aus der Straf- in die Zivil-Kammcrn oder-Senate versetzen. Von dieser Befugnis ist aus politischen Gründen wieder- holt Gebrauch gemacht, weil die betreffenden Richter nicht „politisch vollkommen zuverlässig" ivaren. So wurde Land- gcrichtsdirektor Alexander Schmidt von seinem Posten entfernt, weil er einen nach seiner Ueberzeugung Unschuldigen nicht wegen Majestätsbeleidigung verurteilt hatte. Ebenso er- ging es dem Kammergerichtsrat H a v c n st e i n. der mit Erfolg die von der Polizei-und Staatsanwalt- schaft verlangte Verurteilung von Flngblattverbreitern und Streikpostenstehern abzulehnen verstand, weil die entsprechenden Polizeivcrordnungen und auch Polizei- anordnungen dem Gesetz widersprachen. Beide wurden wider ihrem Willen aus der Strafkammer und dem Strafsenat entfernt. Der Freisinn und das Zentrum fand keine Veranlassung, einen gesetzlichen Riegel gegen diese Angriffe auf Charakter und Ueberzeugung eines Richters vorzu- schieben. Einverstanden scheinen die kläglichen politischen Epigonen selbst verfolgter Richter—»vir erinnern an die v. Kirchmann, Twesten, Waldeck. Schulze-Dclitzsch, Tennnc. an die Klagen selbst eines Rintelen, daß ihm während der Kultur- kampfzeit eine strafrichterliche Tätigkeit versagt blieb— mit der Rückgrat! osigkeit der Richter. Selbst der von richterlichen Kreisen angeregte Vorschlag, über die Besetzung, nicht das Präsidium, sondern das Plenum des Land- oder Oberlandes- gerichts entscheiden zu lassen, war den Müller-Jserlohn, Kopsch, Müllcr-Meiningrn, nicht minder den Gröber oder Spahn zu demokratisch. Die einen hoffen auf einen freisinnig-kouservatw- nationallibcralen Block mit oder ohne Zentrum, die anderen fiihlen sich als Herren des schwarzblaucn Blocks. Gegen Absetzbarkeit aus Willkür, vor allem aus politischen Gründen sind heute nur die Mitglieder des Reichsgerichts geschützt: yon fest umgrenzten Gründen macht das GerichtSlierfassungsgcsctz ein disziplinares Einschreiten gegen sie abhängig. Anders steht es mit den anderen Richtern. Gegen sie gelten die landesgesetzlichcn Vorschriften. In Preußen waren sie durch das im Jahre 1794 in Kraft getretene Landrecht dagegen ge- schützt, in DiSziplinarverfolgung wegen anderer Dinge als wegen ihrer Amtsführung und von anderen als durch Richter gezogen zu werden. Der Demagogenriecher v. Äamptz setzte es durch, daß auch wegen der Führung außer dem Amt gegen einen Richter eingeschritten und die Ver- waltung das Anklagerecht habe. Diese Grundsätze legten die Verordnungen vom 29. ß. 1844 gegen Richter fest. Ein Sturm der Entrüstung durchbraust Preußen wegen dieses ge- schlichen Angriffs aus die richterliche Unabhängigkeit. Am 1. März 1848 beantragte der„vereinigte Landtag" Aushebung der Verordnungen. Der alte Grabow führte u. a. dabei aus: „Unparteiische Justiz war von jeher der Wahrspruch Preußens; ( diese wird aber dann nicht mehr geübt werden, wenn der Richterabhängigist— und er ist es nachden Gesetzen von 1 849. Nach 50 Jahren können sie den Richter st and dep radiert haben." Die Ver- ordnnng voni 6. April 1848 hob die Gesetze vom 29./3. 1844 wieder auf. Aber die reaktionäre Landratskammer von 1851 stellte den Inhalt der Maßregelungsverordnungen gegen Richter durch das Disziplinargesetz von 1851 wieder her. Nach diesem kann gegen einen Richter jederzeit das Disziplinarverfahren auch dann angewendet werden, wenn er sich„durch sein Verhalten außer dem Amt der Achtung, des Ansehens oder des Vertrauens, die sein Beruf erfordert, unwürdig zeigt." Wie ist dies Gesetz zur Erziehung der Richter zur politischen Charakterlosigkeit miß- braucht worden I ES sei nur an zwei Prozesse erinnert. Der Vizepräsident des Ratiborer Appcllationsgerichts von Kirchmann wurde in den sechziger Jahren bestraft, weil er der Regierung oppositionelle Artikel in der„N a t i 0 n a l- Zeitung" veröffentlicht hatte, ein Amtsrichter Alexander wurde in erster Instanz mit Dienstentlassung, in zweiter mit Verweis im Jahre 1891 bestrast, weil er bei den Reichstags- wählen 1890 für die Freisinnigen agitiert hatte. Stimmte die Rcichstagskommission, deren gute Hälfte aus Richtern be- steht, für Schutz gegen solche Drangsalierung der Ueberzeugung? Mit Nichten. Grabow hatte recht als er meinte: nach 50 Jahren haben solche Gesetze den Richterstand dcpraviert. Die Konservativen, Nationalliberale, Freisinnigen und Zentrums- leute der Kommission stimmten gegen Schutz richterlicher Unabhängigkeit. Hand in Hand mit der Beeinflussung der Richter durch ihre Schutzlosigkeit gegen Nichtbeförderung. Verfetzbarkeit und Disziplinierung wegen ihrer Gesinnung wirkt ihre intellektuelle und moralische Abhängigkeit von der Staatsanwaltschaft, der Herrin des- Strafverfahrens, auf die Erschwerung gerechter Urteilsfällungen, insbesondere in politischen Prozessen. Hierauf sei in einem späteren Artikel bei Betrachtung der der Staatsanwaltschaft schon heute eingeräumten und durch die Konimissionsbeschlüsse verstärkten Stellung der Staats- anwaltschaft. der abhängigsten Behörde in Deutschland, ein- gegangen. Die Crelpiffe in Portugal. Lissabon» 13. Oktober. Von unserem F. R.-Korrespondenten. Di« Ereignisse in Portugal haben wieder einmal dem alten Blangui recht gegeben, der da sagte:„Man entwirft die Revolu- tion nicht, man wird von ihr uberrumpeltl" In der Tat: obgleich die republikanische Partei in Portugal seit langem daran dachte, revolutionäre Mittel zu gebrauchen, um das Laub von der Monarchie zu befveien, war nichts festgestellt über den Zeitpunkt, an dem losgeschlagen werden sollte, und kein Plan existierte. Gewiss, die republikanische Agitation im ganzen Lande war sehr stark. Revolutionäre Gruppen existierten fast überall. Man ivuhte, dass man mit der Marine und einem grossen Teil der Armee rechnen konnte. Aber das war wahrhaftig in Portugal nichts Neues. Seit der Revolution in Oporto im Jahre 1891 hatten die Republikaner sehr grosses Ansehen im Volke. Sie übten einen starken Einfluß auf die Massen aus. Als Organisation tvaren sie allen anderen Parteien weit überlegen. Ihre Sache hatte niemals Rückschläge zu verzeichnen. Im Gegenteil, die Fehler der Monarchie und eine geschickte und kluge Propaganda hatten sie unaufhörlich neue Positionen gewinnen lassen. Indessen man wartete immer noch. Man war entschlossen zum Aufstand, aber jedesmal gab es irgendein Hindernis. Einige ungeduldige Kämpfer begannen zu verzweifeln, und bei, der- schiedenen Führern war die Begeisterung schon stark gesunken. Aber da, am 3. Oktober 1919, als niemand, selbst die Republi- kaner, selbst die Mitglieder des Revolutionskomitees nicht, der- artiges erwarteten, entschied plötzlich der Gott der Schlachten, dessen feindliche Gesinnung gegen das HauS Braganza fortan unbestritten ist, dass die Stunde der Revolution gekommen sei, und dass man sich zum Kampfe bereiten müsse. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Durch ein ausser- gelvöhnlicheS Zusammentreffen oder vielmehr durch«inen an hoher Stelle begangenen Fehler befanden sich am 3. Oktober auf der Reede von Lissabon drei Kreuzer!der portugiesischen Marine: der „Tom Carlos", der„San Raphael" und der„Adamastor". Es war sicherlich ein Irrtum, denn seit langem hatte die Re- gicrung sorgfältig darauf geachtet, dass kein Kriegsschiff in den Gewässern von Lissabon verweilte. Sie wußte, dass unter den Besatzungen der Marine die Monarchie sehr wenig Sympathien halte, und sie sah es daher nicht gern, ui?!> das mit gutem Grunde. dass Schiffe der Armada nahe dem Palast Nccessidades lagen. Nun. wie wir oben sagten, am 3. Oktober lagen angesichts des königlichen Palais drei der schönsten Einheiten der portu- giesischen Flotte. Als die Regierung ihren Fehler bemerkte, gab sie sofort Befehl an den„Dom Carlos", nach Cascaes abzudampfen, unter«ein Borwande, dass er dort einem Feste beiwohnen solle. In diesem Augenblick eiitschloss«» sich die republikanischen Seeleute, die Mitglieder des Revolutionskomitees waren, da sie die Dummheit der Regierung bemerkten und sich sagten, dass schwerlich wieder einmal solch günstige Gelegenheit zum Aufstände sich ergeben werde, alles zu wagen. Sic begaben sich sofort zu den übrigen Mitgliedern de» Rc- volutionskomitees und stellten ihnen ein Ultimatum. � Schon zulange— sagten sie— sprechen wir von der Revolu- tion, und das Volk beginnt schon zu ermüden. Wir haben heute eine ausserordentlich günstige Gelegenheit zum Losschlagen.' und wir wollen sie benutzen. Drei Kreuzer sind im Hafen. Es wird möglich sein, sie zum Aufstand zu bringen. Der„Dom Carlos" hat den Befehl erhalten, morgen abzufahren und gleiche Befehle werden unverzüglich auch den beiden anderen Schiffen zugehen. Nun wohl, wir sind entschlossen, loszuschlagen und alles ans die Karte des AufstandeS zu fetzen. Und wenn ihr nicht mit uns kämpfen ivollt, werdet ihr gegen uns kämpfen müssen. Morgen, am 8. Oktober. um 1 Uhr früh, werden die Kanonen versuchen, Portugal von der Monarchie der Braganza zu befreien. Diese Reden, deren Authentizität mir von zwei Mitgliedern des RevolutionskomiteeS selbst verbürgt wurde, machten den ge- wünschten Eindruck. Eine lebhafte Debatte entspann sich. Es gab freilich noch einige Zögernde, aber zum Schluß beschloß man einstimmig, den Kampf für die Republik zu eröffnen. Tie öffentliche Meinung hat zu Beginn der Ereignisse an- genommen und die ganze europäische Presse hat es weiter ge- geben, dass der Aufstand losgebrochen sei infolge der Ermordung des Dr. Boinparda, die die Geister aufgereizt und die Revolution entfesselt habe. Diese Lesart ist richtig zu stellen, denn die Etppöcung über den Mord an dem republikanischen Abgeordneten von Lissabon hat, weit entfernt, die revolutionäre Bewegung zu begünstigen, sie außerordentlich gehemmt. Die Regierung nämlich, die wegen dieses Falles Unruhen be- fürchtete, ließ die Truppen konsignieren. Und diese Maßregel verhinderte die Führer der Revolution, mit den Soldaten und den Offizieren, die den Aufstand unterstützen sollten, in fortlaufender Verbindung zu bleiben. Indessen, wenn auch nicht in dem gewünschten Maße, so ge- lang es immerhin, mit den befreundeten militärischen Elementen in Verbindung zu kommen, und so schlug man loS. Das 16. Infanterie-Regiment— König Alfons XIII. von Spanien ist sein Ehrenobcrst— war der erste Truppenteil, der sich erhob. Die Soldaten töteten den Oberste» und, setzten die höheren Offiziere gefangen. Dann stiegen sie mit einigen Offizieren an der Spitze auf die Straße. Das 1. Artillerie-Regiment vereinigte sich sofort mit ihnen. Auch die Artilleristen arretierten den Obersten und die Offiziere, und ebenso wie die Jnfanteriekaserne vertraute man die Artillerie- kaserne der Bewachung der republikanischen Zivilkämpfer an, die in den benachbarten Straßen warteten. Ter erste Zusammenstoß der republikanischen Truppen war der mit der Munizipalgarde, einer Art Prätortanergarde, die aus 2099 Mann zusammengesetzt war, und ausschließlich zu dem Zwecke geschaffen wurde, das Königtum gegen den Volkszorn zu schützen. Die Schlacht war ernst. Man schlug sich mit Erbitterung. Soldaten und Volk wetteiferten an Tapferkeit gegen die Munizipalgardc. Stach einer halben Stunde mußte diese sich zurückziehen. Die Republikaner hatten den ersten Sieg erfochten. Vielleicht wären sie von den übrigen Truppen der Garnison noch niedergeschlagen worden, hätten sich ergeben oder sterben müssen, wenn nicht der Generalstab der königlichen Armee, der sich auf dem Platz Rocio befand, einen taktischen Jehler begangen hatte, den alle Berufsmilitärs als unverzeihlich betrachten müssen. Darüber im nächsten Artikel. »» « Die reuktionäre Presse gegen die Republik. Der„Lokalanzeiger" Scherls verbreitet im holden Einklang mit den offen-reaktionären und klerikalen Blättern allerlei Schauer- Nachrichten über die Greuel der portugiesischen Revolution. Gestern setzte er seinen Lesern folgenden Bericht seines Lissaboner v. K.- Korrespondenten vor: � Lissabon, 12. Oktober. Während der Naihk Kurde die Garnison wieder in Alarmzustand versetzt. Kavallerie und Artillerie hielten sogar auf dem Roccio in der Mitte der Stadt. Anlaß zu den jetzt noch fortdauernden Truppenbewegungen gab abends ein Krawall vor dem Campanilo-Kloster. Behörden und Zeitungen versichern wieder, die Jesuiten hätten aus dem Kloster Bombe» geworfen, aber von solchen ist keine Spur zu sehen. Tatsächlich gerieten beim Plünocrn des Klosters Matrosen mit Soldaten in Streit und beschossen einander. Gehaust hatten sie wie chinesische Boxer. Als ich vor dem Kloster eintraf, wurde gerade durch die republi- kanischen Behörden der Geldschrank des Klosters abgefahren. Nach der offiziellen Beschlagnahme, die sich auch auf die geweihten Gefäße erstreckte, begann die Plünderung durch die Soldateska. Sie war so mutwillig wie empörend und barbarisch. Die Heiligen- bilder wurden einfach an die Wand geknallt, grosse Wachskerzen über dem Knie zerbrochen und die Priestergewänder aus jedem Schubfach der Sakristei gerissen und zertrampelt. Aus reinem Mut- willen wurden sogar die ärmlichen Geräte in den Mönchzcllcn zer- stört. Das eigentliche Phänomen in diesem Chaos aber war ein Mann mit Degen und Uniform eines Marineoffiziers, der als Führer der fremden Besucher lachend auf die Spuren der Plünderung wies. Sein würdiger Kamerad ist jener Offizier, der im Königs- palais die Besucher dadurch ergötzt, dass er grinsend und mimend Platz nimmt auf dem Thron des Königs, dem er früher dort Treue geschworen hat. Außerhalb der Stadt ist nichts geplündert. Die Zimmer des Königs liegen, wie er sie verlassen hat. Auf dem Schreibtisch die Zigaretten, auf dem ungcmachten Bett das im Auf- springen abgestreifte Nachtzeug. Die Machthaber begannen sich nun wohl zu fühlen, dass sie die Zügel der Regierung weniger fest- halten als sie gedacht. Das neue Ministerium enthält keine Radi- taten, die oarum unzufrieden sind. Vor allem aber murrt der Soldat, er schimpft auf das Essen und den Stadtdienst. Als ich gestern beim Minister des Aeussern, Mackwdo, war, ließen drei beschmutzte Infanteristen sich nicht von Dienern abweisen, son- der» erzwangen den Eintritt in das Kabinett des Ministers, der nur mit zebnfachem Händeschütteln und Bitten die Beschwerdeführer beschwichtigen konnte. Wenn man erst so weit ist, dann sind die Zustände auf die Dauer wohl unhaltbar, ob- wohl eine unmittelbare Katastrophe nicht bevorzustehen scheint. Man sieht dieser Korrespondenz die tendenziöse Mache auf den ersten Blick an und erkennt, daß der Bericht gerade so viel Wert hat, wie die Schauermeldungen desselben angeblich unparteiischen Papiers über die Moabiter Vorgänge. Natürlich geht eS bei einer Revolution und bei der Liquidation einer Schandwirtschaft, wie die portugesische Monarchie war, nicht ohne Unordnungen ab. Daß sich die Erbitterung der Bevölkerung gegen die das Land aussaugenden Orden in einzelnen Akten der Zerstörung Luft macht, ist wahr- lich nicht verwunderlich. Indes bleibt außerordentlich wenig von derartigen. Handlungen übrig, wenn man abstreicht, was man auf die Uebertreibungen und die vom Hah gegen Revolution und Rcpu- blik beflügelte Phantasie des Herrn v. G. rechnen muß. Die Monarchisten würden sich im Falle einer siegreichen Gcgenrevolu- tion wahrscheinlich nicht mit der Zerstörung einger Geräte der Gegner begnügen, sondern das Leben der Besiegten fordern, wie viele Beispiele aus der Geschichte beweisen, neuerdings noch erst die Gegenrevolution in Russland. «» » Die Anerkennuilgsnieldungen verfrüht. London, 14. Oktober. Die Nachricht von der Anerkennung der portugiesischen Republik durch Brasilien bestätigt sich nicht. Wie die„Times" mitteilt, ging gestern ein Telegramm aus Rio ein, wonach die dortige Regierung ihren Gesandten in Lissabon anwies, in Verhandlungen zum Schutze der brasilianischen Unter- tanen einzutreten, ohne jedoch die Republik anzuerkennen. Bern, 14. Oktober. Gegenüber der Lissaboner Meldung, dass die Schweiz die portugiesische Republik anerkannt habe, wird fest» gestellt: Die Note der provisorischen Negierung von Portugal hat kein Begehren um Anerkennung der Republik enthalten. Der schweizerische Bundesrat ist daher bis jetzt noch nicht in der Lage gewesen, sich über die Aneriennung der neuen portugiesischen Staats- form auszusprechen. Manuel hat sein Eigentum. Lissabon, 14. Ottober. Dem Vertreter des englischen Gesandten ist das persönliche Eigentum des Königs Manuel ausgehändigt worden. Die nächsten Wahlen werden nach dem allgemeinen Stimm- recht erfolgen. cothringer»lock und Zentrumsparlei als Sdsrittmacher des„nationallismus". Bei der am Sonntag, den 9. Oktober, im Kanton Metz- Land stattgefundenen Nachwahl zum Bezirkstage lzweiter Mahlgang! wurde der Kandidat des rechte» Flügels des Lothringer Blocks und des Zentrums, Bertrand, mit 3991 Stimmen ge- wählt, während der Gegenkandidat Hüttendirektor M i e t h e(vom liberalen oder protestantischen Blockflügel) mit 2068 Stimmen unter- lag. Der erstere hat in den acht Tagen zwischen dem ersten und zweiten Mahlgang 959 Stimmen gewonnen, der zweite 814. Der sozialdemokratische Kandidat Reinhardt, der am 2. Oktober dieses Jahres 471 Stimmen erhalten hatte, gegen 739 im Jabre zuvor,»dar auf. Grund eines noch am Abend des 2. Oktober, unter dem Eindruck dieses Stimmenrilckganges, in Metz gefaßten Parteibeschlusses einfach zurückgetreten, obgleich das Wahl- gesetz für die BezirlStagSwahlen eine Stichwahlbestiinmung nach Art der ReichStagöwahlen, welche die Aufrcchterhaltung nur der beiden meistbegünstigten Kandidaturen zulässt, nicht kennt. Ob die von der Partei für den 9. Oktober ausgegebene Wahl- enthaltungsparole befolgt worden ist, läßt sich auch auf Grund der Einzelresultate nicht feststellen, da bei der schwachen Wahlbeteiligung am ersten Sonntag die beiden bürgerlichen Parteirichtnngen noch grössere Reserven in Bereitschaft gehabt haben könne»; wichtiger ist die Feststellung, dass der Wahlkampf schliesslich einen rein nationalistischen Charakter aligenommen hat, so dass der .Lorrain" in Metz, da» Organ des Abbs Colltn. in einem Triumph- artikel vom Tage nach der Wahl frohlockend schreiben kann. Herr Miethe, der Kandidat der„eingewanderten Protestanten", der Hüttenwerke, der Regierung usw. sei voin„eingeborenen Kandidaten der Lothringer Gruppe und des Lothringer Landes", Herrn Ber- trand, vollständig geschlagen worden. Und hochinteressant ist sodann, zu hören, dass das Organ des zentrum« feindlichen Flügels des damit auseinandergetriebenen„Blocks der Lothringer", der „Lolhringer" in Metz, aufs schwerste verschnupft seinen Lesern davon Kenntnis gibt: am Sonnabend, dem Borabend des 2. Wahl- tage?, habe ein bekannter Zentrumsagitator, der geistliche Oberlehrer Renmont, in einer ZentrumSversammlung erklärt, der einheimische Blockführer P i e rs o n. der ehemalige ReichStagsavgeordnete, der jetzt noch dem LandeSausschnss angehört, habe„im Auftrage de» Blocks mit dem Zentrum eine Einigung getroffen im Hinblick auf die kommenden ReichstogSwahIeu". Bewahrheitet sich diese Meldung, für deren Richtigkeit die verärgerte Haltung des.Lothringer" und»och inehr das offene Eintreten deS deutschsprachigen Zentrums- organs.Lothringer Bolksstimme" für den nationalistischen Kandidaten Bsrtrand spricht, so dürfte diese Abmachung zwischen dem ein- beimischen snationalistischen) Lothringer Blockflügel und dem Zentrum für die nächsten ReichStagSwahlen sich nicht auf den Wahl- kreis Metz beschränken. Dafür spricht auch der Umstand, dass schon für die am 2. Oktober d. I. im Kanton Saaralbcn stattgefundene BezirkStagSwahl eine Verständigung zwischen Zentrum und Lothringer Block auf einen gemeinschaftlichen Kandidaten, der sich auf die konfessionelle Schule verpflichtete, möglich war. Dafür spricht endlich die im LandeSausschnss in die Erscheinung getretene Annäherung des demokratischen Renegaten und nationalionalistischen ObermacheerS B lumentbal an den Lothringer Block. eine Annäherung, deren Preis nach zuverlässigen Mitteilungen die Unterstützung der nationali st ischeir Reich StagSkandidatur Blumen- thals in Metz durch die Colli«, Pierson usw. ist. Jedenfalls ergibt sich damit auf bürgerlicher Seite eine vollständig neue Partei- politische Orientierung in Lothringen. Für die Sozialdemokratie enthält diese Wendung die Mahnung, im ganze Lande mit erhöhter Schärfe und Rührigkeit den nationalistischen Bestrebungen entgegenzutreten. Zur Verwischung der Klassengegensätze sind sie ein altes Mittel, dem das unglaubliche Ungeschick der Regierung gegenüber dem Kultus der französischen Erinnerungen immer neuen AgitationSstoff zuführt. Wir begegnen diesen Be- jtrebungen am wirlsainstei» durch die schärf st e Betonung de S Klassenkampfes und der Klassengegensätze— auf keinen Fall durch irgendwelche faule Rechnungsträgerei. Dass es dabei nicht beschaulich zusehen, sondern energisch handeln heisst, zeigt der bedenlliche Stimmenrückgang unserer Partei bei dieser BezirkstagSnachwahl um rund 49 Prozent innerhalb eines Jahres— ein Rückgang, der bei der allgemeinen Gunst der politischen Lage im Reiche und in Elsass-Lothringen für unS durch die Fluktuation der Arbeiterbevölkernng nicht zu erklären ist- Die wirtliche Erkläruug ist: wir sind durch das nationalistische Moment in den Hintergrund gedrängt worden. Und da» gilt's für die Zulunst zu verhindern. politilcde(lebersiebt. Berliti, den 14. Oktober 1910. Der Kampf um die christlichen Gewerkschafte«. Unser Münchencr Parteiblatt, die ,.M ü n che n e r P o st", bringt an der Spitze ihrer letzten Nummer die Zu- schrift eines namhaften, nicht zu den sogenannten«Mo- dernisten" gehörenden katholischen Gelehrten, in der über allerlei von der römischen Kurie geplante Streiche yegen jene Zentrumsrichtung, die durch die„Kölnische Volkszeitung" re- präsentiert wird, und gegen die christlichen Gewerkschaften be- richtet wird. Der Briefschreiber weiss zu melden: „In Rom plant man einen geradezu vernichtenden Schlag gegen den deutschen Katholizismus und das Zentrum, wie sie sich herausgebildet haben. Oder vielmehr:„plant" ist falsch aus- gedrückt, da die Sache schon entschieden ist und es sich um wenige Monate noch handelt, die Geschichte ans Tageslicht treten zu lassen. Treiber sind 1. Kardinal Kopp, 2. die Gruppe Rocren-Fleischer» 3. mehrere hyperorthodox-katholische Pro- fessorcn.....; deren Klagen haben in Rom ein nur zu bereit- williges Ohr gefunden. Es hat auch vor einigen Wochen in Ems eine Zusammenkunst mehrerer dieser Leute stattgefunden, in der die Taktik des Borgehens besprochen ward. Es sollen folgende Schritte getan werden: Die Bestimmungen der Bulle Pascendi werden auf da» rigoroseste für Deutschland zur Pflicht von Rom aus gemacht werden. 1. Es wird infolgedessen an den Katholischen Volksverein die Aufforderung gerichtet werden, sich bedingungslos zu unter- werfen. Er hat sich lokal und diözesan zu ton st i» t u i e r c n. statt durch ganz Deutschland wie bisher durchzugehen. den Weisungen des Pfarrers resp. des Diöze» sanbischofs unbedingt zu folgen. Kopp hat in der Beziehung— nicht nur brieflich— schon einige drastische Aeusse-? rungen getan. 2. Die Windthorstbünde werden aufgefordert, sich zu er- klären, dass sie nicht auf interkonfessionellem, sondern auf konfessionellem Boden stehen. 3. DaS gleiche wird von den christlichen Ge, werkschaften verlangt werden. 4. Die katholischen Redakteure sollen den gleichen Eid wie die katholischen Professoren leisten müssen. 5. Jeder katholischen Zeitung wird ein Geistlicher als Ouasi» zensor beigegeben werde». Ich habe diese Mitteilungen von einem Gewährsmann, der über jeden Verdacht erhaben ist, und der in Ausdrücken der Ver- zweiflung mir die Mitteilung machte. Die Konsequenzen sind. dass die Intelligenz aus der Partei herausgedrängt werden wird. resp. daß eine Spaltung in eine national-christliche und eine latho- lische Partei stattfinden kann. Dass die Katholiken ferner her- mctisch vom geistigen Leben der Nation abgetrennt werden sollen; daß das bißchen Sozialpolitik.ertötet wird. Mein Gewährsmann sagte mir mit vollem Recht, daß dieses Vorgehen noch schlimmere Konsequenzen als das Vatikanum seinerzeit Häven müßte, da es eben in die praktische Politik Deutschlands so tief eingriffe." Daß von Kardinal Kopp und seiner orthodoxen Anhängerschaft in Rom gegen den Kölner Erzbi'ck'of und einen Teil �der Zentrumsführerschaft intrigiert wird, ist zweifel- los, hat doch die Reise des Kardinals Fischer nach Rom keinen anderen Zweck, als sich dort zu rechtfertigen und persönlich den hinter den Kulissen betriebenen Machinationen seiner Gegner entgegenzutreten-, aber dass die römische Kurie die Forderung stellen wird, die deutschen christlichen Gewcrk- sch ästen sollten sich kurzweg auf konfessio» n e I l e li Boden stellen, glauben wir nicht, denn man braucht in Rom ein starkes Zentrum und weiss, dass die Schwächung der christlichen Gewerkschaftsbewegung zugleich eine Schwächung des Zentrums bedeutet. Wohl ist wahr- scheinlich, dass der deutsche Klerus Anweisung erhalten wird, im stillen jede Stärkung der christlichen Gewerkschaften zu hintertreiben und möglichst ihren Einfluß für die Ausbreitung der streng katholischen Fachvereinsorganisationen einzusetzen, möglich auch, dass man in manchen Gegenden, wo der Ein- schlag von evangelischen Mitgliedern nur gering ist, versuchen wird, die christlichen Gewerkschaften nach und nach auf so- genannten konfessionelle�, d. h. katholischen Boden zu stellen: doch die direkte Forderung, alle christlichen Gewerkschaften sollten sich sofort als konfessionell bekennen, wird man schon aus Klugheitsrücksichten nicht erheben. Verlangen doch auch selbst die Leiter der Richtung Roeren- Bitter- Kaufmann- Fleischer nicht, dass die christlichen Gewerkschaften aufgelöst oder als„a n t i k a t h o l i s ch" behandelt werden. Zunächst soll vielmehr nur der Jntcrkonfessionalisieruiig Einhalt ge- boten und unter der Hand versucht werden, die christlichen Gewerkschaften konfessionell a u s z u g e st a l t e n. So schreibt z. B. Dr. theol. Kaufmann in Köln, einer der streitbarsten Kämpen der Richtung Kopp, in seinen Mitteilungen der Zenteal-AuZkiMftsstelle der ka- tholischen Presse: „Verschiedene Blätter haben versucht, einen prinzipiellen Gegensatz zwischen den Kardinälen Kopp und Fischer zu ton- struieren. Ein solcher Gegensatz existiert nicht. Besonders ist auch der Erzbischof von Köln ein prinzipieller Gegner des Jnter- konfessionalismus, nämlich der interkonfessionellen sogenannten „christlichen Weltanschauung", die er in seinem letzten Fasten- Hirtenbrief„ReligionSmengerei" nennt. Es kann aber Ver- Hältnisse geben, die aus taktischen Gründen die Zulassung von einmal be st ehe«den interkon- fessionellen Gebilden erheischen. TaS beweist die Stellungnahme mehrerer Bischöfe, des Kardinals Fischer selbst und sogar des Papstes zu den christlichen Gewerkschaften. Ein Einschreiten gegen diese Organisationen wäre jetzt auch viel zu spät, nur darf dem gefährlichen Jnterkonfessio- nalis ierungsgedankcn nicht freier Lauf ge- lassen werden." Mit anderen Worten: man will die christlichen Geloerk- schasten nicht ohne weiteres töten, um nicht die in ihiten organisierten katholischen Arbeiter abzustoßen, aber inan will die Gewerkschaften zu streng katholisch- konfessionelleu Per- einen machen._ Kirche und Militarismus. In Soest sWestfalen) wurde an die jungen Rekruten folgendes Zirkular verschickt: Einladung. Am Sonntag, den 9. Okiober, nachmittags Uhr, findet im katholischen Gesellen Haus in Soest eine Versammlung der katholischen Rekruten statt, welche im Lause dieses Monats zur Fahne bernfen werden. Es werde» daselbst einige Borträge geHallen zur Vorbereitung und Unterweisung bezuglich der kommenden Mililärzeit. Herr Oberstleutnant von Storp vom hiesigen Aezirkskominando interessiert sich für die Angelegenheit und hat sein Erscheinen zugesagt. Sie sind freundlichst und dringend eingeladen. Soest, 4. X. 19. Das katbol. Pfarramt. I. A.; Mahr, Kaplan. Nicht nur in Soest, auch in einigen Orten des westfälischen In» dnstriebezirls haben die Geistlichen fich in ähnlicher Weise für den Militarismus bemüht. Man' hat stellenweise sogar besondere Exer- zitien für die katholischen Rekruten eingeführt. Der Geistlichkeit liegt anscheinend daran, nach oben den Glauben zu erwecken, daß die katholische Kirchs allein den Willen und die Macht hat. den be- drohten Staat vor der Sozialdemokratie zu retten. Aus der Kinderstube der evangelischeu Arbeitervereine. Die evangelischen Arbeiter geboren zu den Würmern, die nicht leben und nicht sterben können. Wenn nicht zahlungsfähige Gönner ihnen Vereinshäuscr bauten und sie finanziell so ausstatteten, daß sie den.Armen an Geiste" als Gelegenheit zum Familienamllsement dienen können, wären sie schon längst verschwunden. So schleppen sie denn unter der Obhut von Unternehmern, die ihr Geld zur Züch- tung guter Gesinnung nutzbringend anzulegen hoffen, von muckerischen Pastoren und Lehrern ihr überflüssiges Dasein dahin, amüsieren sich mit Festefeiern, Ausflüge», Poiaunenblasen, Kaffeetrinken und An- telegraphieren von hohen und höchsten Herrschaften. Sie halten zwar auch regelmäßige VereinSversammlungen ab und lassen dort Vorträge hallen; aber dann bleiben die Mitglieder zu Hause und sparen das Geld bis zum nächsten Reforniations-, KreiSverbandS-' oder Stiftungsfest, wo wieder Posaune geblasen und Kaffee konsumiert wird. Der Versaminlnngsbesuch muß unterdes einen derartigen Tiefstand erreicht haben, daß er zum Skandal geworden ist. denn in dem Verbandsblatt, dein .Evangelischen Arbeiterboten" werden in letzter Zeit von Vorstands- Mitgliedern wahre Jammerlieder gesungen über das traurige Aus» sehen der Vereinsversammlungen, während, wie mit komischer Ver- zweiflung bemerkt wird, bei Festen und Ausflügen ein derartiger Andrang ist, daß die Massen nicht bewältigt werden können. Das soll nun anders werden und so liest man denn im Verbandsblatt allerhand wohlgemeinte Vorschläge. Zunächst wird hingewiesen auf die wirksame und zeitige Vorbereitung und Bekanntmachung der Versammlungen. Bezüglich der Ausgestaltung der VereinSabende heißt es dann: „Wir sind Vereine, die auf kirchlichem Boden stehen, und unsere Versammlimgen sollen deshalb von religiösem Geist getragen sein. Man eröffne deshalb unsere Versamin- lungen durch gemeinsamen Gesang eines Chorals oder eines geistlichen Liedes. Das gibt von vornherein einen würdigen Grundton zu der Versammlung und dokumentiert, daß wir, nach des Apostels Wort, um des Evangeliums von Jesu Christi nicht schämen. Es bezeugt, daß es uns niit der Betonung unseres Losungswortes: Fürchtet Gott! ernst ist. Ebenso ist zu empfehlen, dem gemeinsamen Gesänge eine kurze Ansprache über einen Bibeltext folgen zu lasse». Allerdings dürfen diese biblischen Ansprachen nicht zu lang sein. sie würden bei vielen den Eindruck erwecken,. als solle die Ver- sammlung zu einer ErbaimngSstunde ausgebaut werden. Dieses wolle» wir doch lieber vermeiden und, wenn eben Bedürfnis dafür vorhanden ist. eine besondere Bibel» oder ErbauungS- stunde eiuriSten. In überaus vielen Vereinen ist es auch ein gern gesehener Brauch, daß neben der Schriftbetrochtung auch ein Gebet die Versammlung einleitet und bürgert sich diese» immer mehr ein." Das wäre die Einleitung. Nun käme der Vortrag, der, wie eS in dem Verbandsblatt heißt,„in volkstümlicher, leicht verständlicher Art apologetische Fragen behnndesn und dadurch Belehrung und Verständnis in religiöser Hinsicht bringen soll". Der Vortrag müsse die Mitglieder darin bestärken, daß sie.sich regelmäßig an den Gottesdiensten beteiligen, mit ihren Familien christliche Vorbilder in ihrem Lebe» und Treiben sind und durch Hau Sa»dachten, Tischgebet und ch r i st» lichen Wandel ein gutes Vekcimtniö ablegen". Weiter sollen die Vorträge die Fragen der inneren und äußeren Mission be» handeln, der Pflege der Vaterlandsliebe und der Treue zu Kaiser und Reich dienen. Nach der DiS- lussion soll ein Lied gesungen werden, und ist das erledigt, so.schließe man mit Abschieds- und ErinnnternngS- Worten und mit geni einsamen, Choralge sang die Ver» sammlung". Auf diese Weise hofft das VerbcmdSorgan, daß die Klage über schlechten Besuch der Versammlungen verstummen und das ganze VercinSleben siucn frischen Ausschwung nehmen wird. Das ist die Art, wie in einer Zeit, wo die gewalligstcn Wirt» schaftlichen und sozialen Probleme jeden im Volk zur Mitarbeit auf» rufen, der Arbeiter für seine Aufgabe vorbereitet werden soll.'Wo das öffentliche Leben Männer de« Wissens und der Tat fordert, wo der Arbeiter, wenn er nicht niedergetreten werden will, sich zu», Kämpfer ausbilden soll, da wird er mit Gebeten und Chorälen er- zogen. Und diese Leute wollen die Sozialdemokratie überwinden. Der Hamburger Senat und die Z?leischnot. Der Senat hat relativ schnell gcoutwortet auf den Beschluß der Bürgerschaft, betreffend Beseitigung bezw. Ab Milderung der Fleisch not. Er erwidert, daß er sich mit dieser Materie seit längerer Zeit beschäftigt und setzt angeordnet habe, daß insbesondere die von der Bürgerschaft erwähnten Maßregeln zur Verbilligung des Fleisches auf ihre Zuläs>igkeit vom veterinärpolizeilichen Standpunkte und auf ihre Durchführbarkeit geprüft werden. Hoffentlich dauert diese„Prüfling" nicht allzulange. Dann nimmt der Senat den von der Bürgerschaft so arg ge- rüffelten Schlachthosdirektor in Schutz, dessen schau erwähnte Denk- schrist über die Fleischnot ihm die Ehrcnnütgliedschaft des Bundes der Landlvirie eintragen dürfte, wenn er nicht schon Vorsitzender einer agrarischen Jutcresseuveriretung wäre. Die sachlichen Ein- Wendungen gegen die Deulschrist sind der Schlachthofdeputation zur Prüfung übergeben worden. In der Bürgerschaft ist bei Beratung der Fleischnotanträge das Glänzen d e S Senats durch Abwesenheit scharf ge- rügt lv o r d e n. Der Senat läßt seine Bereitwilligkeit erklären, auch über seine verfassungsmäßige Verpflichtung hinaus, soweit es ihn» angezeigt und mit der Geschäft sla st seiner Mitglieder vereinbar erscheine, Kommissare zu ent- senden, ivem» ihm im einzelnen Falle dieser Wunsch ausgedrückt werde. Da» sei bei dieser Gelegenheit nickt geschehen. Jedenfalls haben die Antragsteller nicht mit Unrecht geglaubt, daß bei einer so loichiigen Frage, wo die VolkSernähruilg auf dein Spiele steht, der Senat sich ans eigener Initiative vertreten lassen würde. Darin haben sie sich allerdings getäuscht. Bei gewisse» Festessen, wo von einer Fleisch- und sonstigen Rot nicht die Rede ist, läßt der sonst so vielbeschäftigte Senat sich stets vertreten. Die freie Jugendorganisation in Berlin zum politischen Verein gestempelt! Das ObcrverwaltungSgericht hat heute die Klage gegen die polizeiliche Auflösung des Vereins Freie Jugendorganisation in Berlin abgelvieseu und damit den unpolitischen Verein zu einen» politischen gesteinpelt. DaS Urteil ist ohne Erhebung der angebotenen Beweise ergangen. Gründe wurde»» nicht publiziert. Wie unsere», Lesern erinnerlich und in der Verhandlung vor dem ObprvcrwaltungSgericht von eine»» Auwalt des Vereins hervorgehoben wurde, hat das A»» t S g e r i ch t die BorstaudS- Mitglieder de» Vereins nach BeweiSaufiiahins mit der Be- gründuiig freigesprochen, daß der Zweck des Vereins ein lobenswerter, unpolitischer»st. ES hieß in den Gründen:„Die Beschaffung einer lehrreichen, anregende», guten Literalur, die Ent- haltsamkeit von Saufereien, die Verschaffung von wissenschaftlicher und künstlerischer Anregung, MuseuuiSbesuche und Besuche ernster Konzerte, Ausflüge in die Natur— alles das sind Dinge, die in» höchsten Grade lobe>»swert seien und de», Vereiu großen Wert und Bedeutung geben." So urteilte ein Amtsgericht nach Beweis- eUbebung, in gleichem Sinne dürste auch in der Berufungsinstanz am 7UNovember eulschiedci» werden. Anders das ObervcrwaltuugS- gericht. ES erhob keine Beweise, verkündete auch keine Gründe. WaS bedarf'S deren auch? Gerade die lobenswerten und ernsten Bestrebungen des Verein» sind cS ja, die für seine Schließung niaß- gebend waren. Wäre eS ein Rauf- und Saufverei» mit politischem Hurrapatriotismus, so wäre er unbehelligt geblieben. Und das alles auf Grund des„freisinnigen" VereuisgesetzeS der Blockära. Wie kleinlich und irrig die Auffassung, durch solche Nadelstichpolitik ailf die Dauer den Drang der! Proletariscke» Jugend nach geistiger, wiffenschaft- sicher und künstlerischer Bildung uiiterdrückcu zu können! WaS nalurnotwendig und im allgemeinen Kultnriuteresse erforderlich, setzt fich durch trotz gesetzlicher, polizeilicher»md verivallnugSgerichtlicher Schikcuüerungei». Gerade diese verstärken die Einsicht der Eltern in die Notwendigkeit, die proletarische Jugend zi» frercu Mensche» zu erziehen, die gegen Unterdrückung jeder Art gefeit und zun» Stampfe gegen Knlturschmach bereit sind. Einen ausführlichen Bericht über die Berhandsilng vor dem Oberverwaltui»gSgericht finden unsere Leser in der Beilage. Die Kaffcru-Revotte iu Deutsch-Südwestafrika. Endlich fühlt sich die Regierung bewogen, näheres über die Erschießung von 14 beiin Bahnbau Windhul-Karibib beschäftigten Kaffern durch deutsche Schutztruppen mitzuteilen. Das Wolfssche Telegraphen-Bureau meldet nämlich: Aus Deutsch-Südwestafrika meldet ein telegraphischer Bericht des stellvertretenden Gouverneurs, daß der bedauerliche Zu- sanilnenstoß von Soldaten und TranSkeikaffcru durch das auf- sässige Verhalten der letzteren gegen Angestellte der Aabubau- leitung veranlaßt worden»st. Die Angestellten baten die in der Nähe befindliche Truppe um Unterstützung, worauf sich die Kaffern,»nit Keulen und Messern be»vaffnct, zusaminenrottetcn und die öffentliche Sicherheit bedrohte». Jnfolgedessci» Ivurde ein Einschreiten der Truppe nötig; diese machte erst von den Waffen Gebrauch, als die Kafferi» zu», Angriff übergingen. Vierzehn Kaffern sind tot; die Verwundeten befinden sich in guter Fürsorge. Einen eigentlichen Wert hat allerdirigs auch dieses offizielle Telegramm»»och nicht. DaS aufsässige Verhalten der Rasfern wird doch irgendeinen Grund haben, oder nimmt man im Reichskolonialamt an, sie hätten lediglich pour plsUir revoltiert— vielleicht nur, um sich von der Güte der deutschen Schußwaffen zu über- zeugen? Biel wahrscheinlicher als das obige offizielle Telegramm klingt die Meldung eines in Swakopmund ansässigen englischen Korrespondenten, der seinein Bureau mitteilte: „Abzüge, die den Kasse rn in Wilhelmsthal für freie Sonntage und Arbeitsunfähigkeit infolge von Erkrankungen gemacht tvurden. führten zu einem Streik, den die Kontrattoren" mit der Entziehung von Nahrung und Wasser beantworteten. Die Kaffern beschafften sich in aller Ruhe NahrungSinittel auf den benachbarten Farmen. Es heißt, daß ein Polizist, der die Streit- führer verhaften sollte, von diesen tätlich angegriffen wurde. Daraufhin marschierte die 6. Kompagnie nach dem«chauplatze der Unruhen. Es wird behauptet, daß die Äaffern, du. sich bewaffnet hatten, tvütcnd wurden und die Soldaten angriffen. Diese versuchten, sie zuerst mit den, Bajonett einzuschüchtern, begannen dann aber zu feuern. 14 Kaffern wurden getötet und viele schwer verwundet." Die Kafferi, sind englische Untertanen. DaS schafft die Ge- währ, daß der Vorfall seine Aufklärung findet. Der Protest gegen das System Moabit. In drei überfüllten Volksversamnilnngen. die in Hanau, Bockenheim und Fechenheim(den größten Orten chcs Hanauer Wahlkreises) stattfanden, sprach Genossin Zetkin- Stuttgart über die politische und wirtschaftliche Situa- tion und die Aufgaben der Arbeiterklasse. In markanten Strichen zeichnete die Rednerin die gegenwärtige Situation. Lebhafte Zu- stimmung begleitete die Referentin, und als sie in der Besprechung der Gelüste der Reaktion ausführte:„Sagt man von jener Seite, es lebe der Staatsstreich, so lautet unsere Parole: ES lebe die Republik!", da setzten stürmische Kundgebungen der Massen ein. Zu den Vorgängen in Moabit wurde in den Versamm- lungen e i n st i m m i g eine Resolution angenom,nen, welche die einseitige Parteinahme der Behörde für die Arbeitswilligen kennzeichnet und den» Vorgehen der Polizei die Schuld an den Vorgängen beimißt. Scharf wurde gegen die verlogene und tendenziöse Berichterstattung der bürgerlichen Presse protestiert. das Geschrei der Reaktion nach neuen Ausnahmegesetzen gebraad- markt uiifl die Arbeiterschaft aufgeforber?, CrgmiffaHoH unß Presse zu fördern. »• * lieber„Moabit und seine Folgen" sprach am Donnerstag in Erfurt in einer außerordentlich stark besuchten V o l k s v e r s a»n ,n l u n g der Genosse Reichstags- abgeordneter Eichhorn- Berlin. Die Erfurter Arbeiterschaft hatte besonderen Anlaß, sich mit den Borgängen in Moabit ul»d de» von der Reaktion daran geknüpften Hoffnungen recht eirigehend zu befassen, weil von dem amtlichen, weit verbreiteten Erfurter „Allgemeinen Anzeiger" in beispielloser Weise gegen die sozialdemokratische Partei und die Gewerkschaften gehetzt und zull Schaffung von Ausnahmegesetzen aufgefordert wurde. Die wirk- lichen Ursachen der Moabitcr Vorgänge und die von den Scharf- »nachern daran geknüpften Hoffnungen zur Knebelung behandelte Genosse Eichhorn»nit eindringlicher-Schärfe. Zum Schluß nahu» die Versainmlung eine scharfe Resolution an, in der gegen die Herrschaft der Polizei in Moabit ui»d gegen die Bestrebungen, diese Vorgänge für die Zwecke der politischen und wirtschaftlichen Knebelung'der Arbeiterklasse auszunützen, pro- testiert wird, ebenso aber auch gegen die Hetze des Erfurter amt- lichen Scharfinacherblattes, dem die Versainmlung deswegen die tiefste Verachtung ausspricht. *«* Am Freitagabend fanden im Städtekomplex Hamburg- Altona-Wandsbeck, sowie in den umliegenden Orten 3 0 Volksversammlungen statt, in denen nach Geißelung der Moabiterei und der geplanten Knebeluirg der Arbeiterschaft folgende Resolution zur Annahme gelangte:> Die Volksversammlung erkennt in den Vorgängen von Moabit, insbesondere in den Angriffen der Polizei auf die friedliche Bevölkerung, einen Ausfluß jenes Geistes, der von oben herab in den Organen der Staatsgewalt gepflegt wird, um sie zu stets willigen und dienstbereiten Werkzeugen der kapitali- stischen Klassen gegen die Arbeiter zu»nachen. Die Versammlung » spricht ihre Entrüstung aus über die schamlosen Lügen der so- genannten liberalen und parteilosen Presse, die die Polizeitaten beschönigte und lobte und von einen» sozialdemokratischen Auf- rühr sprach. Taraus, wie aus der planmäßigen Agitation der Scharfmacher für neue Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter er» gibt sich, daß die Reaktion einen neuen Schlag vorbereitet, um das Proletariat zu knebeln und so die Opposition gegen die Beute- und Auswucherungspolitik zum Schweigen zu bringe». Demgegenüber erklären die Versammelten, mit allen zweck- dienlichen Mitteln der geplante>» Berge ivalti« g u n g Wider st and leisten zu wollen u>»d alle? daranzusetzen, die Arbeiterorganisationen zu stärken und inimer schlagfertiger zu machen, i Zur Berichtigung der Eisenbahndirektio» Esse«. Auö dem Ruhrrevier wird uuS geschrieben: Zutreffend ist, daß die Eisenbahndirektion Essen wegen einer Gebührenzahlung von einein Bochumer Rechtsanwalt»oieder- holt g e in a h n t worden ist. Unzutreffend ist allerdings, daß der Gerichtsvollzieher gepfändet hat. Die Zwangsvoll- streck»»ig ist vielinehr in der gegenüber öffentlichen Behörden vorgeschriebenen For»n durch das Aintsgericht Essen vor- g e»i o n,»> e n worden. Richtig»st. daß infolge dieser Voll- streckungsmaßregel Anwaltsgebühren, und zwar zweimal entstanden sind, zu deren Zahlung die Eisenbahndirektion verpflichtet war, weil sie zwei Gebührenrechnungen nicht rechtzeitig bezahlt hat. Oeftemieb. Christlichsoziale Wirtschaft. Die dos Land Niederöslerreich absolut beherrschenden C h r i st- l i ch s o z i a l e n haben eine elektrische Landesbahn nach dem Wall- fahrtsort Mariazell gebaut. Aber Gottes Segen ruhte nicht auf dem Werke. Maschinen und Installation sind so schlecht, daß man 3 Millionen Kronen braucht, um die Sache wieder instand- zusehen. Diese 3 Millionen sollen nun durch eine weitere Er- h ö h u n g der M i e t z i n s u»» l a g e aufgebracht werden, was das schreiende Wiener WohnungseleNd noch steigern müßte. Um diese Förderung der Frömmigkeit durch Protektion der Tuberkulose einigermaßen zu verschleiern, geben die Schwarzen au, daß da» Geld zur Sanierung einer anderen Schande, der Spitalnot, gebraucht werde. Die geplante Verdreifachung der B i e r u m I a g c ist, wie Bielohlawek im Landtag wütend zu- gab, durch den Riesenprotest der 399999 Wiener am 2. Oktober zu, nichte geworden. frankreied. Cm mysteriöser Anschlag. Paris, 14. Oktober. Durch die Explosion einer Höllen, Maschine, die heute früh gegen 1 Uhr vor einem Hause der Rue de Bern erfolgte, wurde der Torweg eingeschlagen, die Fassade stark beschädigt und die Fenster der Nachbarhäuser zer- trümmert. Personen wurden nicht verletzt. Das städtische Laboratorium hat Teile der Höllenmaschine, deren Hülle ein gußeiserner Topf war. abholen lassen. Es ist völlig unbekannt, gegen wen sich der Anschlag richtet und von wein er herrührt. Spanien. Ruhe am Ferrcr-Gedenktagg. Madrid, 13. Ottober. Am Jahrestage der Erschießung F e r r e r S sind zahlreiche Versammlungen veranstaltet worden. Nach amtlichen Mitteilungen wurde bis zum Wend in ganz Spanien die Ruhe nirgends gestört. Republikanische Demonstration. Madrid, 14. Oktober. Die republikanische Vereinigung kündet für Sonntag einen große» Demonstrationszug durch die Straßen der Stadt an. Die Demonstration soll dem benachbarten Schwcsterstaat die Sympathien für die Er» richtung der Republik ausdrücken? KalKan. Türkische Drohungen gegen Griechenland. Konstantinoprl» 14. Oktober. Der„Tanin" behauptet, falls Venizelos mit der Bildung des griechischen Kabi, n e t t s betraut werden sollte,»verde die Pforte sofort d i e d i p lo» niati scheu Beziehungen zu Griechenland ab, brechen und den türtischen Gesandten aus Athen abberufen. Bauernrevolte in Kleinasien. Konstantinopel. 14. Oktober. In Koidocznies im Vilajct S m y r n a kam es zu einer Bauernrevolte. Die Bauern Widersetzleu sich tätlich einem gerichtlichen Urteil, so daß Militär eingriff. Mehrere Bauern lv u r d e n erschossen, sechs erlitten sckwerere Verwundungen. Da eveitere Unruhen befürchtet werde»», wurde eine Truppenberstärkung nach dort beordert, Huö der Partei. Zeugc» gesucht! In«iner Strafsache gegen den Unterzeichneten ist das Zeugnis des landwirtschaftlichen Arbeiters Heinrich Gcuke von sehr großer Bedeutung. G. war bis Juni d. I. auf dein Rittergut Mößlitz bei Stumsdorf sKreiS Bilterfeld) als Pferdeknecht in Stellung und ist dann nicht mehr zu ermitteln gewesen. Parteigenossen, die den Aufenthaltsort des Arbeiters kenne», werden gebeten. Nachrichten an den Redakteur W. L e o p o l d t, Zeitz, Rönne b-ürger Str. 8», zu senden. Alle Arbeiterblätter werden um freundlichen Abdruck dieses Ge- sucheS gebeten.__ Die Organisationen zum Parteitag. Hamburg l. Im Parteiverein für den ersten Hainburger Wahlkreis erstattete am Donnerstag Genosse Stalten den Bericht vom Parteitage. Er erklärte, er sei nach wie vor Gegner der Nürnberger New- lion. die voir Lübeck genüge völlig. Es könntcn Situationen entstehen, wo wir das Budget nicht ablehnen könnten. Redner kon- strniert solle Fälle, wie Mehrheit in einem Landtag. Mehrheits- bildung mit andere» Parlcien zwecks Abwehr reaklionärer Be- strebungen usio. Die Revolution in einem Rleinstaate sei undenkbar, deshalb müsse inan unter Umstanden auch für die Bewilligung eines Budgets einzutreten in der Lage sei». Die prinzipielleFest- l e g u n g halte er für verfehlt. Er habe daher gegen den ersten Teil der Vorstandsresolution und gegen den Antrag Zubeil, aber in der Gesamtabstimmung der Resolution zugestimmt, da er nun und nimmer den Disziplin bruch der Badener gut- beiße. Diese hätten durch ihr Verhalten und Auftreten die ruhige und sachliche Erörterung der Budgetfrage sehr erschwert. Die Debatte währte bis kurz vor i Uhr nachts. Alle weiteren Redner, darunter die Delegierten Frau Roth und Schaum bürg, drückten dagegen ihre Befriedigung aus über die Beschlüsse in der Bndgetfrage. Zur Erhärtung seiner Ansichten wies Genosse Schau nr bürg auf die Briefe Engels an Sorge hin anläßlich der Bewilligung des batieriichen Bndgels durch die sozialdemokratische Landtagsfraktion im Jahre 1834.' Genosse Stalten erklärte noch, daß er dem Hamburger Staatsbudget, obwohl es viele Kultur- sorderungen enlhalte, nie zustinimen würde, weil man hier der Arbeiterschaft ein Klassenwahlrecht schlimmster Art aufgezwungen und ihr dadurch jede Gleichberechtigung versagt habe. Eine Reso- lution wurde nicht gefaßt._ Rcichstagskandidaturcn. I n Pforzheim stellte, wie man uns von dort berichtet, die ftarkbesuchteMitgliederversaininlung des sozialdemokratischen Vereins für die Wahl im S. badischen ReichstagSwahlkreiie den Parteisekretär O. T r i n k S- Karlsruhe als Kandidaten auf. Bekanntlich hat Genosse Eichhorn- Berlin die ihm wieder erteilte Kandidatur nachträglich niedergelegt. Die Er- nenming seines Nachfolgers hat Differenzen gezeitigt. Nachdem vor einiger Zeit die auch vom Wablkreisvorstand einstimmig empfohlene Kaiididalur Trinis in der Mannheimer„Volksstimme" bekämpft worden war, stellten Beamte der Ortsverwaltung der Metallarbeiter die Kandidatur Alexander Schlicke- Stuttgart, Vorsitzender deS Deutsche» Metallarbenerverbandes, auf. Mehrere Organisationen traten dem Vorschlag bei. In Pforzheim wurde er ab- gelehnt. An, SO. Oktober fällt in D u r l a ch auf der Konferenz Sie Entscheidung._ Niedergelegte Reichstagskandidatur. Der Stettiner Wahlverein hatte in seiner Generalversammlung im April dieses Jahres den Genossen Herbert-Stettin wiederum zum Reichstagskandidaten der Partei aufgestellt. Tags zuvor war gegen den Genossen Herbert ein Antrag auf Ein- setzung eines Schiedsgerichts eingelaufen. Das gab Veranlastnng. in der nächsten Versammlung den Beschluß betreffend die RcichStagSkaiididatur formell aufzuheben, b i S zur Erledigung der schwebenden Differenz. Das Schieds- gericht endete nun mit einem Vergleich, /doch beschäftigte sich die am Mittwoch lügende Generalversammlung des Wahl- Vereins erneut mit der Kandidatur. Nach vierstündiger Debatte erklärte Genosse Herbert, daß er die gegen sune Kandidamr vorgebrachten Bedenken nicht als stichhaltig anerkenne, aber angesichts der starken Strömung, die gegen ihn vorhanden sei, i m Interesse der Einheit und Aktionsfähigkeit der Partei von der ReichStagSkandidatur im Stettiner Wahlkreise zurücktritt._ Unsere Toten. In Bern ist Genosse Dr. Johann Strickler, eid« genössischer Archivar, im Alter von 74 Jahren gestorben. Seine Spezial« und Lebensarbeit war die Sammlung und Herausgabe der Akten der helvetischen Republik von 1798 bis 1803. Er hat davon zehn Bände veröffentlicht, wozu demnächst zwei weitere Bände kommen werden. Vorher war Strickler Staatsarchivar des KantonS Zürich. In früheren Jahren veröffentlichte der Verstorbene auch in der„Neuen Zeit" geschichtliche Aussätze. Wenn auch ein stiller Ge- nosse, war Stricklcr immer mit Begeisterung den sozialistischen Idee» treu geblieben._ AuS der tschechischen Partei. Die Wiener tschechisch-sozialdem akratischen Vertraue n smä n ner sprachen e i n st i m m i g den Wunsch aus, daß die V e r s ö h n u n g S a k t i o n der Gesamtleitung der österreichisch«» Sozialdemokratie gelingen möge, lehnten aber gleich darauf mit 67 gegen 62 Stimmen eine das Vorgehen der GewerkschaftSzeriplitterer verurteilende Resolution ab. Zwei weitere Anträge, gegen das Brünner zentralislische Abwehrblair„Proletar" und gegen—— Viktor Adler, der die tschechischen Mitglieder der Zentralorggnisationen mißbraucht habe sl!!) konnten nicht mehr er- ledigt werden, da die Sitzung zu stürmisch wurde. Jugendbewegung. Eine politische Zioaiigsinnung. In der jüngsten Sitzung der Schneiderzwangsinnung in Köln teilte der Vorstand mit, daß er dahin zu wirken beabsichtige, daß denjenigen Schneidermeistern, deren Lehrlinge der sozialdemokratischen fre-ien Jugend angehören. die Befugnis zur An- lernung von Lehrlingen genommen werde. Die .mutigen" Herren, die trotz der gesetzlich festgelegten Neutralität der Innungen glauben klerikale Pa�eigeschäfte besorgen zu dürfen, werden es bei der denunziatorischen Absicht bewenden lassen müssen. Denn erstens hat die freie Jugend keine„Mitglieder" und zudem haben die bedrohten Schneidermeister gar nicht das Recht und die Macht, den Lehrlingen den Verkehr mir ihren sich im Sinne von Freiheit und Fortschritt betätigenden Kameraden zu verwehren. GewerKscbaMiebe�. Der näebfte Kongreß der Gewerkfcbaften Deutschlands findet 1911 in Dresden statt. Die Zeit der Tagung wird noch später bestimmt. Eine am 19. und 11. Oktober in Berlin abgehaltene Konferenz von Vertretern der Verbandsvorstände entschied sich für Dresden als Kongreßort deshalb, weil im nächsten Jahre in Dresden eine internationale Hhgiene- iverantw.Redakt.: EarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw?s auSstellung stattfindet, an der sich die ZentralverbSnde be- teiligen werden. Mit dieser Ausstellung soll eine Heimarbeits- ausstellung verbunden werden. Auch hierzu wurde die Anteil- nähme beschlossen. Zur Vorbereitung aller notwendigen Schritte wurde ein Organisationskomitee aus elf Vertretern der Berufsgruppen und zwei Vertretern der Generalkommission eingesetzt. Berlin und Umgegend. In die sozialpolitische Abteilung der Generalkommissio» tritt am 1. Januar ISll Genosse Max Schippe! ein. Die sozial- politische Abteilung der Generalkonunission wurde am 1. April d. I. eingerichtet. Sie steht unter Leitung des Genossen Robert Schmidt, der seine Stellung im Zentral-Arbeitersekretariat auf- gab, um in das sozialpolitische Bureau einzutreten. Mit der Ab- teilung sind auch die Geschäfte der bisherigen Kommission für Bau- arbeiterschutz, zur Bekämpfung des Kost- und Logiszwanges, sowie der Gewerbegerichtsbeisitzer �Arbeitnehmer) verbunden worden. Der bisherige Angestellte der Banaibeiterschutzkoinmission, Genosse Heinke, trat sogleich mit der Uebergabe der Geschäfte dieser Kommission in die sozialpolitische Abteilung ein. Der Streik der Fahrstuhloionteure und Helfer bei der Jirma P i e ch a tz e k ist beendet. Die Sperre über den Betrieb ist hiermit aufgehoben. Ortsverwaltung Berlin des Deutschen Metallarbeiterverbandes. Gegen Untcruehmerterrorrismus. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung deS Verbandes der Isolierer, Stein holzleger und verwandten Berufsgenossen beschäftigte sich am Donnerstag mit der Lage im Berufe. Nach längeree Debatte wurde folgende Resolution ein- stimmig angenommen: „Die heute in O b i g l o S F e st s ä l e n versammelten Mit- glieder des Verbandes der Isolierer Berlins und Umgegend nehmen mit Entrüstung Keuuluis von dem überaus feindlichen Vorgehen des ZeutralverbandeS der Jsolierfirmen Deutschlands unseren Verbandsinitgliedern gegenüber, indem einzelne Arbeil« geber, darunter sogar der erste Vorsitzende des Unternehmer- Verbandes, die Einstellung von Isolierern in ihren Betrieben von der Nichtzugehörigkeit zu unserem Verband abhängig machen. andererseits aber durck das System der schwarzen Listen dafür sorgen, daß diejenigen Arbeiter, welche sich dieser Anmaßung nicht fügen, auch von keiner anderen Berbandsfirma beschäftigt werden dürfen. Es tritt immer klarer zutage, daß der Zentralverbaud der Jsolierfirmen seine Kampfausgabe einzig nur darin erblickt, die Organisation der Isolierer zu zerlrümmern und den in diesem Berufe Beschäftigten den Gebrauch des ihnen gesetzlich gewähr- leisteten Koalitionsrechts in Zukunft gänzlich zu verbieten. Die Versammlung beschließt daher, diesem Vorgehen Den allerschärssten Widerstand entgegenzusetzen und macht es jelHn Mitgliede zur Pflicht, derartige beleidigende Zumutungen mit aller Entschiedenheit zurückzuweisen. Ferner beauftragen die Ver- sammelten den Verband der Isolierer, sich sofort mit dem Vor- stände des Arbeitgeberverbandes in Verbindung zu setzen, damit die Sperre über die zehn Mitglieder unseres Verbandes, welche seinerzeit bei der Firma PosnanSky u. Stretlitz aus- gesperrt wurden, schleunigst aufgehoben wird. Sollte der Arbeit- geberverband aber wider Erwarten darauf nicht eingehen, dann fall sofort bei allen Firmen die Arbeit eingestellt werden." Dcutlches Reich. Ter Streik in der Schuhfabrik von Dorndorf zu Breslau dauert unaerändert fort. Von den 400 Streikenden find bisher nur ö abtrünnig geworden, 25 Kolleginnen und Kollegen schloffen sich dem Ausstande noch an, so daß die Situatrou zurzeit günstiger ist als je. Werkmeister und Vorarbeiter versuchen die Streikenden zur Aufnahme der Arbeit zu bewegen, bisher jedoch ohne Erfolg. Waren die Mittel im Kampf schon von Anfang an keine ehrlichen, so wird jetzt mit offenbarem Schwindel gegen die Streikenden gearbeitet. In der Presse wird die Nachricht verbreitet, der Streik sei beendet. Derartige Manöver zogen nicht und werden auch hier nicht ziehen. D o r n d o rf produziert regulär täglich 1200— 1400 Paar Stiefel; jetzt werden kaum 100 Paar pro Tag produziert und die sind auch noch Ramsch. Inserate rn bürgerlichen Blättern, irr denen Schuhmacher für die Firma Dorndorf nach Breslau gesucht werden, sind Inserate, die Streikbrecher suchen, das gilt auch für den Zentralanzeiger für Deutschlands Lederindustrie. Zur Tarifbetvegung der Brauerciarbeiter in lltheinlond- Westfalen. In sehr stark besuchten und mehr oder minder stürmisch ver- laufenen Versammlungen nahmen die Brauereiarbeitcr der im Gebiete des vheinrsch-westfälischen BoykottschutzverbandeS gelegenen Orte Stellung zu dem letzten Angebot, dem Ultrnratum der Unter- nehmer. Sie erklärten dieses für durchaus unzureichend; um aber den Willen zu zeigen, einen ausgedehnten Kampf möglichst zu ver- meiden, stiimnten sie meistens mit knapper Mehrheit einer Re- Solution zu, nach welcher sie im Prinzip einer vierjährigen Tarif» dauer zustimmen, jedoch unter der Voraussetzung, daß die An- Wesenheitszeit für die inneren Betriebsarbeiter Iis- Stunden nicht überschreitet, jede Sonntagsarbeit bezahlt wird und gleichzeitig für die im Flaschenkellerbetrieb Beschäftigten ein Tarifvertrag ab- geschlossen wird. Diese Resolution beantroortcte die Geschäftsstelle des rheinisch- westfälische» Boykottschutzverbandes mit dem Vorschlag, die letzte gebotene Lohnzulage fallen zu lasse», dann würden die Unter- nehmcr schließlich in einer weiteren Vollversammlung mit der Tarifdauer von 5 auf 4 Jahre heruntergehen. Die Unternehmer in verschiedenen Orten faßten jedoch die kritische Situation anders auf, als die Geschäftsstelle des Boykottschutzverbandes. Verschiedene Ortsgruppen erklärten, nunmehr selber abzuschließen, wenn nicht baldigst der allgemeine Abschluß erfolgen würde. Das spornte die Geschäftsstelle zur Eile an und schon am 12. Oktober wurde weiter verhandelt. Mehrere Zugeständnisse wurden von den Unternehmern gemacht, auch die vierjährige Tarifdauer wurde akzeptiert und über einen Tarifvertrag für die im Flaschenbetieb Beschäftigten finden lokale Verhandlungen statt mit den Ortsgruppen, wo der Flaschen- betrieb schon eingeführt ist. Jedenfalls muß der Tarif für die Flaschcnbetriebsarbeiter zugleich mit dem allgemeinen Tarif zum Abschluß kommen. Diese Verhandlungen fanden am 13. und 14. Oktober statt. Mit dem Gesamtergebnis werden sich dann noch einmal die Brauereiarbeitcr des Bezirkes beschästigeir. Ter christliche Vertrauensmann als Streikbrecher. Vor dem Schöffengericht in Köln standen zwei Mitglieder des christlichen Metallarberterverbandes unter der Anklage, den Ar- beitswilligen Hambach im Sinne des§ 153 der Gewerbeordnung mißhandelt und genötigt zu haben. Dieser Arbeitswillige Hanr- bach beteiligte sich nicht an dem Streik der Metallarbeiter bei der Firma Mauser in Köln-Ehrciifeld, obwohl er Vertrauens- mann und zweit er Kassierer des christlichen Me° t a lla rbe it erv e rba n de s war. Seine beiden Verbands- kollegen sprachen ihn rnorgens an und stellten ihn zur Rede. Schließlich wurden die christlichen Streikposten gegenüber ihrem arbeitswilligen Vertrauensmann tätlich, wobei der eine sich eines Regenschirms bediente. Hierauf zog der Arbeitswillige eine zoll- dicke, wohl einen drittel Mb ter lange Eisen st ange hervor, die er sich zu diesem Zwecke eigens abgesägt hatte, und schlug dem einen Verbandsbruder dermaßen über den Kopf, daß das Blut strömte. Der unverletzte Streikposten ver- Ltz.GIrcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanstav 1 prügelte darauf den kraürrgen Helden noch weidlich. Da? Gerrchk verurteilte die Streikposten zu je einem Tag Gefängnis. Ein eigenartiger Gewerkschaftsprozetz. In Nürnberg hatten die Lithographen und Steindrucker diesen Soiirmer verschiedenllich Lohirbeiveguirgen zu erledigen. Auch die Arbeiter des Vorsitzenden des Unternehmer-Schutzverbandes im LirbograpHie- und Steindruckgewerbe für den Bezirk Bayern, des Kunstanstaltsbesitzers Richter hatten Lohnerhöhungen verlangt und nach einiger Zeit auch erhalten. In einer Verwaltungssitzung der Nürnberger Filiale des Ver- bandes der Lithographen und Steindrncker soll der Vorsitzende, Stern« drucker B i l l in a ir n gelegentlich der Berichterstattung über die Lohnbewegung bei einer anderer, Firma bemerkt haben. Herr R ick te r sei ein Schlauer; er habe die Lohnerhöhung bewilligt, um sich i» seinem Betrieb die Ruhe zu sichern; er wäre eigentlich ver- pflichlet gewesen, die Angelegenheit dein Schutzverband zu unter- breiten. Außerdem soll Billmann in jener Sitzung die Gesamt- summe der von Richter bewilligten Lohnerdöhung höher an- gegeben baben, als sie ist. Ferner soll Billmann in jener Verwallungssitziing behauptet habe», daß die Lohnerhöhung ein Erfolg des Vorstelligwerdens der Arbeilervertreter war. Von diesen angeblichen Behauptungen bekam Rickter durch einen besonderen Zufall auf Umwegen KennlniS. Er fühlte sich als Borsitzender des Schiitzverbandes beleidigt und stellte Anklage wegen verleumde- r rsch e r Beleidigung. Sur Nürnberger Schöffengericht behauptete Herr Richter, die Lohnerhöyilirg sei von ihm schon genebmigt gewesen, ehe Arbeiter- vertrerer vorüellig wurden; er habe freiwillig genehmigt. Er wäre nicht verpflichtet gewesen, die Sache dem Schntzverberband zu über- weisen, da die Lohnbewegung nur eine partielle und keine generelle war. Stur im letzteren Falle sei er nach den Statuten des Unternehmerschutzverbandes verpflichtet, diesem Meldung zu machen. Er habe seine Pflicht als Vorsitzender des Schiitzverbandes für Bayern irickr verletzt und sei daher schwer beleidigt. Der Beklagte gibt zir, sich ähnlich über Richter geäußert zu haben, wie ihm die Anklage unierstellt. Die gcnrachten Aeußerungen waren aber nur für die NorstandSsitziiirg»md nicht für wertere Kreise bestimmt. Er sei noch jetzt der Auffafl'ung, daß Richter, wenn er die Statuten des UliternehmerverbandeS nicht verletzen wollte, verpflichtet gewesen sei. den, Verbände von den Vorgängen irr seinem Betriebe Mit- teilung zu machen. Daß Richter, nachdem in wieder- holten Besprechuiigcir zwischen ihm und OrgairiiationS- Vertretern, die die endgültige Regelung der Lohndifferenzen zur Folge hatte, eine Mitteilung über die Erledigung der Be- wegung— an den Schutzverband machte, so ändere das nichts an dem„Versäumnis" des SchntzverbandSvorsitzenden Richter. Das Gericht sprach Bill mann von der Anklage auf ver- lenmderifche Beleidigung frei. In der Begründung wurde gesagt: Es liege zwar eine Beleidigung nach K 186 vor. Allein auch da mußte Freisprechung erfolgen, da dem Angeklagten als Gewerkschafts- Vertreter der Schutz des§ 193 zuzubilligen sei. Der Angeklagte habe im Interesse seines Verbandes gehandelt. Er wollte zum Ausdruck bringen, daß Mitglieder des Schutzverbandes, wenn sie wollen— auf eigene Faust Lohnforderungen bewilligen können. ohne die Zustimmung oder Entscheidung des Schutz Verbandes zu erholen.— Da der§ 193 zugebilligt wurde, hat Kläger Richter die Kosten des Verfahrens zu tragen. ?iisland. Ein Kaffernstreik. Dem Reuterschen Bureau wird aus Swakopmund unter dem 8. d. Mts. gemeldet: Lohnadzüge, die den am Bahnbau bei Wilhclmstal beschäftigten Kaffern für nicht geleistete Arbeit an Sonntagen beziehungsweise in Krankheitsfällen gemacht wurden. hatten die 5wffern zum Busstandr veranlaßt. Darauf verweiger- ten die Bauunternehmer die Lieferung von Wasser und NahrungS- Mitteln, die die Kaffern sich nunmehr von den benachbarten Fcrr» men verschafften. Da Polizeibeamte, die die Führer der Aus» ständigen verhaften(!) sollten, schlecht behandelt wurden, wurde eine Kompagnie Soldaten gegen die Kaffern ausgeschickt, die man der Räuberei mit Waffen in der Hand bezichtigte. Bei dem An» griff gebrauchten die Soldaten zuerst das Bajonett und machten dann von der Feuerwaffe Gebrauch. 14 Kaffern sind getötet und viele verwundet. Unser Kapitalismus weiß auch die rückständigsten Völker- schaften zu heller Empörung aufzupeitschen! ffochriehten» Zum französischen Eisenbahnerstreik. Paris, 14. Oktober.(Privattelegramm des„Vorwärts".) In einem Extrablatt der„Humanite fordert Jaures eine«nzweideo- tige Antwort BriandS auf die BcrhandlungSangebote des Streik- komilees. Aus seinen indirekten Mitteilungen an Preßcommuni- ques gehe nicht hervor, welche Rolle er bei Berhandlungeu den Organisationen zuschreibe, die allein mit den Gesellschaften nütz» lich verhandeln könnten. Zu einem für heute einberufenen Mee. ting. in dem Jaures und 8 andere sozialistische De» putierte sprechen, hat die Regierung rücksichtsloses Ein- schreiten der Polizei und Gendarmerie angeordnet. Jaures fordert in dem Extrablatt äuf. sich nicht provozieren zu lassen. Meldungen, die man mit Borsicht genießen muß. Paris. 14. Oktober.(W. T. B.) Streikende Maurer versammelten sich heute nachmittag auf dem Montmartre, um einen Temonstrationszug zu veranstalten� wurden aber auf dem Marsch nach dern Clichyplatz von Polizei und Gendarmerie zerstreut. Bei dem Zusammenstof; wurde ein Gendarm„durch einen Flaschcnwnrf verletzt". Als etwa 1999 der Demon- strantcn sich wieder zu einem Zuge vereinigten und über die Rue du Faubourg Montniartrc zurückmarschierten, wurden sie abermals von der Polizei zerstreut, wobei eiq. Polizet- inspcktor erheblich verletzt wurde. Antomobilunfall. Reichcnberg i. Böhmen, 14. Oktober.(W. T. B.) Ein dem Freiherr» von Klinger gehörender Kraftwagen, mit dem dessen Führer ohne Wissen seines Dienstherrn einen Ausflug nach Preußen unternommen hatte, stieß auf der Rückfahrt bei Neustadt derart gegen einen Baum, daß die Insassen herausgeschleudert wurden. Von ihnen ist einer tödlich verletzt. Der Kraftwagen ist gänzlich zerstört. Sein Führer wurde verhaftet. Aufgehobenes Todesurteil. München, 14. Oktober.(W. T. B.) Das OberkriegSgericht deS 1. Armeekorps verhandelte heute als Berufungsinstanz gegen den Infanteristen Ludwig Högerlc. de,, das Kriegsgericht am 9. August wegen Raubmordes an der Geschäftsinhaberin Hier« zum Tode verurteilt hatte. Das Oberkriegsgericht hob das Todesurteil auf und erkannte nur wegen Verbrechens des schweren RaubcS und Totschlages aus lebenslängliches Zuchthaus. Der Untergang des„Ville de Rochefort" Saint Naznirc, 14. Oktober.(W. T. B.) Der Unter- gang des Dampfers„Ville de Rochefort" ist durch Zusammen- stoß mit dem spanischen Dampfer„Pcveril" verursacht. (Siehe auch„Aus aller Welt".)__ äul Singer L: Co., Berlin LW. Hierzu 4 Beilagen».NnterhaltungSbl, Nr. 242. 27. Iahrgaug. � Lriloze des JotniWs" Aonnabend, 15. Okiober 1910. Der Generalftrelk der franzöiikben Gifenbabner. ßrtatid und JMUlcrand gegen die Eisenbakner.— j�eue Verhaftungen.— Die Sympathiestreiks.— Ausdehnung oder Einschränkung? Ein ganz besonderes Relief erhält das Vorgehen der Re- gierung gegen die Eisenbahner dadurch, daß es die zwei Ex- sozialisten sind, zwei Renegaten, die vor keinem Verbrechen zurückschrecken, um die Arbeiter niederzuzwingen: Aristidc B r i a n d, der einstige Anarchosozialist und Gewerkschaftler, ist Ministerpräsident, und M i l l e r a n d, der einstige oppor- tunistische Sozialist, ist Eisenbahnminister. Als in der Nacht vom 12. auf den 13. Oktober die Polizisten unter Führung des noblen Herrn Lepine in die Redaktion der ,.H u m a n i t 4" eindrangen, um das Streik- komitee zu verhaften, da rief ihnen Alexander Va renne, der ehemalige Deputierte und jetzige Sekretär des Syndikats der Eisenbahner, zu:„Briand war es, der mich als Sekretär anstellte!" Und„Nieder mit dem Verräter" brauste es durch den Saal. Als die Polizisten nach einem zweiten der zu Ver- haftenden, dem Genossen Renault, fragten, antwortete nian ihnen:„Tort sitzt er in dem ehemalige» Sessel Briands." Und in der Tat: die„Humanit6" hat ihre Schandecke: Briand gehörte zu ihren Begründern und man. bewahrt zum Andenken seinen Sessel auf und die Feder, mit der er die Artikel gegen den Militarismus, gegen die Regierung, gegen die Bour- geoiste schrieb. Die Feder liegt an ihrer Stelle: aber die Hand, die sie führte, hat sich mit Schmutz besudelt und— trieft vom Blute der Arbeiterl Im Vorraum der Redaktion hängt ein künstlerisch schönes Plakat: Kavallerie reitet eine Attacke gegen das Volk: Kinder, Greise und Frauen werden niedergeritten, Blut fließt in Strömen. Geritten wurde diese Attacke auf Befehl Briands. Und an der Spitze des Plakates liest man folgendes: „Arbeiter, greift zu Sensen, Beilen und Piken! Los gegen Eure Feinde, die Ausbeuter des Volkes. Dann werde ich in Eurer Mitte sein.— So sprach Briand am 10. April 1899." Die Polizisten sahen das Plakat. Sie führen heute die Befehle des Verräters aus, der die Worte sprach. Aristide Briand, der stets die Arbeiter zu Gewalttätig- keiten aufreizte, hetzt heute als Knecht der Plutokratie die Po- lizei gegen das Volk! Ihm sekundiert Herr M i l l e r a n d, der die schöne Theorie vom„sozialistischen Ministerialismus", vom„regierungsfähigen Sozialismus" aufstellte. Die„soziale Reform" haben die Herren vergessen und besorgen im Dienste des Kapitals die schmutzigsten Dienste. Stets waren Renegaten die verächtlichsten Kreaturen. Ob die Herren Briand und Millerand nicht spüren, daß der brutalste Polizist vor Scham erröten muß, wenn er diese Befehle ausführt? Sie selbst haben die Schamröte längst abgelegt. Mit ehernen Stirnen bieten sie der Verachtung Trotz, die jeder anständige Mensch, welchem Lager immer er angehöre, für sie empfinden muß. Das Gespenst vom ministeriellen Sozialismus spukt noch in manchem Kopfe. Sollten die Vorgänge in Paris nicht ein für allemal diesen Wahnsinn widerlegen? Immer neue Verhaftungen. In amtlichen Kreisen versichert man. daß noch ernstere Maß- regeln gegen die AusstandSfiihrer getroffen werden sollen. Man spricht bereits von der Evenlualitäi der Einberufung eines obersten Gerichtshofes, vor welchem die Ausständigen wegen Komplotts gegen die Sicherheit des Staates erscheinen sollen. Außer den gestern vor« genommenen Verhaftungen, die sich auf etwa 100 belaufen, sind weitere Vcrhastungsbefchlc ausgefertigt worden, welche heute aus- geführt werden sollen. U. a. sollte der Sekretär der Elektriker Pataud verhastet werden. Die Angestellten der Elektrizitätswerke und der Metropolitain» Bahn protestieren gegen die Maßnahmen der Regierung und gegen die angedrohte Verhaftung ihres Kameraden Pataud.— Diese Ver- Haftung ist bisher nicht vorgenommen worden, man erwartet sie aber für heute morgen. Für den Fall, daß diese Verhaftung durch- geführt wird, erklärten die Elektriker und die Angestellten der Unter- grundbabn, sofort in den Streik zu treten, bis ihre Foiderungen voll befriedigt würden. Im Verlauf der Verfamnilnng teilte ein Redner mit, daß sich Pataud in Sicherheit befände. Ein Haftbefehl sei gegen ihn erlassen und er würde sich nach der Beendigung des Ausstandes der Behörde stellen. Paris, 14. Oktober. Die Sicherheitsbehörden, welche heute vor- mittag in der Wohnung des Elektiilcrführcrs Pataud erschiene», um ihn zu verhaften, fanden die Wohnung leer. Pataud ist, wie seine Freunde versichern,»ach einem sicheren Ort geflüchtet; er ist der Ansicht, dies seiner Partei schuldig zu sein. Er wird die Bewegung von dort aus leiten und wird sich später dem Gericht stellen. Die Verhaftung des Verhafteten! Im Sailte-Gefängnis wurde in der Zelle, in der Gustave HervS, der vom Gcfüugnis aus das Blatt„Gucrre sociale" weiter leitet, seine Strafe verbüßt, eine Durchsuchung vorgenommen, die aber zn keinem Ergebnis führte. Hervä ist auf Beranlassung der Staats- anwallschnst in strengeres Gewahrsam gebracht worden. Einignngsverhandlungen. Das Streikkomitee hat an den Kabinettschef einen Brief gerichtet, ivorin es sich beklagt, daß es noch immer keine Ant- wort auf seinen vorigen Brief erhalten habe, in dem das Koniitee die jederzeitige Bereitwilligkeit zu Unterhandlungen betonte. Der Ministerrat beschloß infolge dieser Mitteilung, die Anordnungen zu bestätigen, welche bereits vor einiger Zeit von dem Kabinettschef befürwortet waren und welche zurzeit vor dem Ausstand von den Delegierten der Arbeitsgruppen gutgeheißen worden ivaren. Diese Abordnungen bestehen darin, den verschiedenen Eiscnbahngesellschaftcn die Forderungen ihres Personals in möglichst präziser Form zu unterbreiten und die Antwort den Augestellten zu übermitteln. Der Bautenminister setzt augenblicklich die Unterhandlungen fort und versucht, die Eisenbahngesellschaft zu bestimmen, der Re- gierung mitzuteilen, welche Maßnahmen sie zugunsten des Personals zu treffen gedenkt. Die Sympathiestreikre. Paris, 14. Oktober. Die ausständischen Arbeiter haben ver- gangene Nacht in der Arbcitsbörse eine Versammlung abgehalten, in welcher Einspruch gegen die Verhaftung der Streikführcr erhoben und der Ausstand akklamiert wurde. Das Bekanntwerden der aus Cnmbrai eingelaufenen Nachricht, wonach zwei zn den Fahnen ein- berufene Reservisten des 12. Jnfaiitcrie-Rcgimcilts sich geweigert haben, die Gewehre anzunehmen, hat großes Aufsehen erregt. Um Mitternacht war in Paris nur ein einziger Bezirk mit clektrischrm Licht versehen, nämlich das Zentrum der Stadt. In vergangener Nacht haben verschiedene Versammlungen von Ausständigen statt- gefunden u. a. auch eine solche der Angestellten der Metropolitan- bahn, welche beschlossen, sich der Ausstandsbewegnng anzuschließen. Die Pariser Bevölkerung legte heute früh einen großen Pessimismus an den Tag. Paris, 14. Oktober. Der Verband der Baugcwcrbcarbeiter be- schloß in einer vergangene Nacht abgehaltenen Versammlung, den Generalstreik zu proklamieren. Der Streik wird heute früh beginnen und alle Arbeiterkategorien des Baugewerbes umfassen. Paris, 14. Oktober. DaS Komitee des Transportarbeiter- Verbandes hat wegen der von der Regierung gegen die Eisenbahner ergriffenen Maßnahmen alle seine Anhänger aufgefordert, aus Solidarität die Arbeit niederzulegen. Der Ansrus ist von den Ver- tretern der Syndikate der Straßenbahn» und Omnibusangestclltcn sowie der Automobilführer unterzeichnet. Die Bombe. Paris, 14. Oktober. In einem Pariser Arrondissement der vornehmen Gegend der Champs Elysöes ereignete sich gestern in der Ruc Berri eine heftige Explosion. Das große EingangStor des sehr vornehinen Hauses wurde vollständig zertrümmert, ebenso ein Teil der Fassade. Alle Fensterscheiben sind gesprungen, Personen sind indessen nicht verletzt worden. Der Polizeipräfekt sowie mehrere Angestellte des städtischen Laboratoriums erschienen sofort auf der Stelle des Verbrechens. Die noch aufgefundenen Teile der Bombe wurden zur Unter- suchung gebracht. Man glaubt, daß es sich um ein anarchisti- schcs Attentat handelt., Phantasien a la Mvabit. Paris, 14. Oltober.cx)00oooooooooooooooooc3.50 1 Pos. 6. Warm gefüttert A M. Alter 9— 15 Jahre..... Durchweg TT.SO M. BoenSohn Chausseestra0e29-30 Gr.prankfurter Str. 20 □□ □□ 11 Bruckenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Der Haupt-Katalog No 30 auf Wunsch kostenlos und portofrei Kaufet I nichts anderes gegen Heiserkeit, Katarrh u. 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Orlando a. Stockholm, j Preiheitsdross. mit 20 eigenen j Vollbl. Herr Alfred Ott, Scbulr. j gr;? Kita« Die Fredlanls, berühmte Reiter-, familie. Frl. Martha Molmke, j Sohnlreiterin. Dm 91/, Uhr, zum 31. Male: „VENEZIA" Walhalla-Thsatsr Wcinbergsweg 19/20. Anfang 8'/. Uhr. Bravo! � l)a cgpo Eine Allervelts-Fevue in 5 Bildern von M. Reichardt, Musik von R. Tbiele. In Szene gesetzt vom Direktor James Klein. 1 dlt-floablt 47/48. Sonntag, den 16. Oktober 1910 t Aus allgemeinen Wunsch l Schauspiel in 4 Ausz. v. St. Schüler. Kossenerösfn. 6'/, Uhr. Ans. VI, Uhr. Nach der Vorstellung: Vaaz. Casino-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schnridigt Rudolf. Rudols Pimvelmann: Dir. H. Berg. Vorher da« glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Range«. Sonnt. S'l, Uhr: Berühmte Töchter. Konigstadt-Rasino. Holzmarkt st r. 72, Ecke Alexanderstraße. Gänzlich neue« Programm mit Franz Hobanski. Erich Castelii, Geschwister Williams. Guten Tag, Papa! Schwant in 1 Alt von O. Richter. Neu! Zum Schluß: Neu f Biographische Borfühnmge». Trianon-Theater. Abend» 8 Uhr: Uarifer Witwen. Volks-Theater Rixdorf. Hermauustr. SO. Sonntag, den 16. Ollober 1910; Wohltäter der Menschheit. Lustspiel in 4 Akten v. Rudols Kneisei. Montag, den 17. Oktober; Hefaiwel». Schauspiel In 4 Akten von O. Erler und A. Melbach. RelelKkallen-IIrsaler. Stettiner Sönger. Zum Schluß: ,.Iia ffluaseloch". MM. Humor, v. Meysel. ggf Ansang Wochentag« MM 8 Uhr Somttags 7 Uhr. Volks-Ciederfaal Tiergartcnhota. Bahnh.Tierg. Morgen 8 Uhr: 2. Konzert. 1 Eintritt 75 Pt.(res. 1.25) mit i Garderobe u. sämtl, Liedortexten. j Es sing.: Maria Fuchs, Vera Goldberg, Luoiehaenlsoh, A. Oisraeli, H. Robert. gur den Jubalt der'L übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Brraunvormug. Dandorf&C£ Belle- All! ancestrasse Grosse Franklurterstrasse Cervelatwarst............... pf«nd 1.25 Salamiwurst................. Pfund I.25 Teewurst...................... 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag-Borwärt» Buchdruckerei u. Vcrlagsanstalt Paul Singer th Co., Berlin SW. |i. 242. 27. Jahrgang. 2. WM des Jctiiiärts" Keelim WidsdlM Sonnabend. l3. Vbtober 1910. v!e„freie Zugenckorgsniistiov für Kerlin unii flmgegenli" zum politischen verein gestempelt. Den Zlngriff der Polizei gegen die freie Jugendorganisation für Berlin und Umgegend hat gestern das Oberverwaltungsgericht sanktioniert. Borgeschichte des Prozesses. Der Berliner Polizeipräsident gab dem Vorstand des Vereins durch Verfügung vom 20. Oktober 1900 bekannt, jede Aenderung der Natzungen und der Zusammensetzung des Vorstandes der Polizei anzuzeigen, weil der Verein ein politischer im Sinne des§ 3 des Vereinsgesetzes sei.— Nachdem dann der Oberpräsident die Be- schwerde zurückgewiesen hatte, erließ der Polizeipräsident am 19. Januar eine zweite Verfügung, durch die er den Verein für aufgelöst erklärte. Er führte aus: Die Auflösung erfolge auf Grund des Z 2 Absatz 1 des Vercinsgesetzes, wonach ein Verein auf- gelöst werden könne, dessen Zweck den Strafgesetzen zuwiderläuft. Der Verein sei ein politischer Berein im Sinne des§ 3 des Vereinsgesetzes mit dem aus seinem Statut sich ergebenden Zweck, eine Organisation von Jugendlichen unter 18 Jahren zu sein. Damit verfolge er, wert er politisch sei, einen Zweck, der einem Strafgesetz zuwiderlaufe, nämlich den Strafbestimmungen des Vereinsgesetzes im§ 18.(Nach§ 18 wird bestraft, wer als Vorstand oder als Mit- (jlied des Vorstandes eines Vereins entgegen den Vorschriften des § 17 Personen, welche das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, in einem politischen Vereine duldet! ferner jugendliche Personen, die in der Versammlung eines politischen Vereins anwesend sind.l Auch die Beschwerde gegen diese Verfügung wies der Oberpräsi- dc»t zurück. In dem Bescheid hieß es unter anderem: Der Verein sei aus dem im Oktober 1994 gebildeten Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins hervorgegangen. Gleich diesem be- zwecke er nach den Statuten, die wirtschaftlichen und geistigen Jnter- essen seiner Mitglieder zu wahren und er solle keinen politischen Charakter tragen. Die Satzungen allein seien aber nicht maß- gebend. Aus der Tätigkeit des Vereins in seiner früheren und in seiner jetzigen Verfassung ergebe sich aber das Hauptziel, seine Mit- glicder und andere Jugendliche im Sinne der sozialdemokratischen Anschauungen mit agitatorischen Mitteln durch Schürung des Klassenhasses so zu beeinflussen, daß sie die Anhängerschaft der sozialdemokratischen Partei vermehren. Es bedürfe keiner Erörtc- rung, daß mit der Ausbreitung und Stärkung einer die Umwälzung der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung erstrebenden Partei ein politischer Zweck im Sinne des tz 3 erstrebt werde. Der Vorstand klagte in beiden Sachen beim Ober-Berwaltungs- gcricht. Eine Betätigung des Vereins im Sinne der Behauptungen der Behörden wurde bestritten. Der Verein sei nicht für eine Partei tätig gewesen. Nur seine statutenmäßigen Zwecke habe er verfolgt. In der gestrigen Verhandlung trug der Referent eingehend den Inhalt der zwischen den Parteien gewechselten Schriftsätze vor. Zur Begründung der Behauptung, daß der Verein die Beeinflussung der Jugend im sozialdemokrati- schen Sinne bezwecke, zitierte der Obcrpräsident eine Reihe Stellen aus der Zeitung„Tie arbeitende Jugend", nahm auf das Mit- tcilungsblatt, das Liederbuch und Flugblätter des Vereins Bezug. Auch eine Festnummer der„Arbeitenden Jugend" vom Jahre 1995 sowie ein Vortrag Krilles über irgend ein künstlerisches Dhcipa soll dem Nachweis diecnen. Im Schlußsatz des Vortrages lautete es: „Erst wenn.die Produktionsmittel im Dienste des ganzen Volkes stehen, wird auch der Arbeiter Muße und Mittel haben, sich an der Kunst zu ergötzen und aus ihr Kraft und Begeisterung zu schöpfen." Auch ein Artikel des„Vorwärts" vom 25. September 1999 wird angezogen, den der Obcrpräsident auf den dainaligen, inzwischen verstorbenen Vorsitzenden der Freien Jugendorganisation, Genossen Maschkc, zurückführt. Es werde, meint der Oberpräsident, hier in einem Rückblick über die Jugendorganisation als selbstverständlich vorausgesetzt die Ucbereinstiminung der Bestrebungen des Vereins mit denen der sozialdemokratischen Partei. ES würde hier von berufener Seite deutlich ausgesprochen, daß die Stärke der Freien Jugendorganisation als Kampfmittel der Sozialdemokratie be- trachtet werde. Schließlich stützt der Oberpräsident seine Auffassung auf die Stellungnahme sozialdemokratischer Parteitage zur Jugend- bewegung. Die Vertreter des klagenden Vorstandes, die Rechtsanwälte Dr. Kurt Rofenfeld und Wolfgang Heine, antworteten in einem ausführlichen Schriftsatze. Unter anderem wurde folgendes geltend kleines Feuilleton. Eine Statistik zur Groststadthygicne. Die unbebauten Flächen in den Hällsermceren der Großstadt sind gleichsam die Lungen, die dieien» gewaltigen Organismus frische und gute Luft zuführen müssen. Die Bedeutung dieser freien Flächen für die Hygiene der Großstadt wird durch eine Sla isiik illnstriert, die Georges Risler in der „Revue de Paris" veröffentlicht. Die Ziffern der Tuberknlose- sterblichkeit»verden hier mit dein Prozentsay der unbebauten Fläche von Paris, Berlin und London verglichen. Danach beträgt die Sterblichkeit an Schwindsucht in London bei 14 Proz, unbebauten Tarains 1,9 Proz,, die von Berlin bei 19 Proz, freier Fläche 2,2 Proz., die von Paris bei 4l/z Proz. nicht niit Hänsern beiebien Areals 5,1 Proz, Man siebt daraus, daß London, das dreiinal so viel freie Fläche besitzt als Paris, luir ein Drittel so viel Verluste durch die Tiiberkulose, erleidet. Nicht viel ungünstiger liegen die Verhältnisse in Berlin, Die großen Summen, die durch die Anlage von Spielplätzen und Gärten verschlungen werden, sind also durch die Verminderung der Sterblichkeit reichlich aufgewogen. In Paris selbst ist die Tuberkuloiesterblichkeit in den um die Cbanips ElysöcS gelegeneu Stadtteilen ivegen der große» hier vorbandenen unbebauten Fläche sehr gering, nur 1: 1999, während sie in den dichtestbevölkerten und am engsten bebailten Vierteln auf Iv'/o: k999 steigt. Wieviel Republiken gibt es? Diese durch die Revolution und die Proklamierung der Republik in Portngal aktuell gewordene Frage beantwortet der„Gaiilois" mit einer kleinen Statistik, Europa zählt nun im ganzen fünf Republiken, außer der jüngsten, Portugal, noch Frankreich, die Schweiz, Andora und San Marino, die älteste der heutigen Nepubliken, da sie seit den ersten Zeilen der christlichen Aera existiert. In Afrika gibt es nur einen einzigen Staat als Republik, Liberia, dessen Bevölkerung sich ganz ans Negern zu- fammensetzt. Weder Asien»och Australien weisen Länder auf, die republikanische StaalSformcn haben. Dagegen sind Nord- und Süd- amerika das gelobte Land der Republiken, ES würde zu weit führen, diese alle aufzuzählen; von der größten, den Vereinigten Staaten, bis zur kleinsten, Costa Rica mit seinen nur 329 999 Ein- wohiiern, sind cS im ganzen 17. Alle? in allem gibt es also auf der Erde 23 Republiken, d, h, nur ein verhältnisuiäßig geringer Teil der 1599 Millionen Erdbewohner lebt in Ländern dieser Sraatsform. Die Gemse» in der Schweiz. Im Anschluß an die Meldung, daß der Kanton Grailbünden für diesen Herbst die Geinsjagd gänz- lich verboten hat. beschäftigen sich schweizerische Blätter lebhaft mit der Frage der Schonung und Erhaltung des GeiuSwildcS in unseren Alpen, Die„Deutsche Alpenzcitung" bemerkt dazu: Die Schätzuiigeli über die Zahl der noch vorhandenen Gemsen schwanken zivischen 12999 und 29999 Stück. Am zahlreichsten und am besten kon- trolliert ist dieses Wild in den Schonbezirken, den sogenannten Frei-, gemacht: Behauptet worden sei, die„Arbeiter-Jugend" werde jedem Mitgliede der Freien Jugendorganisation unentgeltlich zugestellt. Das werde bestritten. Vereinsorgan sei allein das„Mitteilungs- blatt" des Vereins. Aber selbst wenn der Verein die„Arbeiter- Jugend" verbreitete, würde er selbst durch den politischen Inhalt irgend»velcher Artikel nicht zu einem politischen Verein im Sinne des§ 3 des Gesetzes. Dasselbe gelte, wenn das„Mitteilungsblatt" wirklich Artikel enthalten sollte, die als politisch angesehen werden könnten. Bestritten werde die richtige Wiedergabe der Artikel. Die Wiedergabe einzelner Abschnitte aus dem Nürnberger Parteitags- Protokoll sei derartig lückenhaft und der Inhalt durch Auslassungen derartig tendenziös entstellt, daß auch die übrigen Zitate nicht ohne Beweis als richtig anerkannt werden könnten. Was das„Mit- teilungsblatt" angehe, so müsse der Verein ein Organ haben, um seinen Mitgliedern und anderen Mitteilungen zugehen zu lassen. Das„Mitteilungsblatt" sei das Mittel zu diesem rein geschäftlichen Zweck. Keineswegs sei aber die Verbreitung des Blattes Zweck des Vereins. Aus etwaigen politischen Artikeln des Blattes sei kein Rückschluß auf den Zweck des Vereins zu ziehen. Dasselbe gelte für ein Blatt wie die frühere„Arbeitende Jugend" und die von ganz anderer Seite herausgegebene jetzige„Arbeiter-Jugend". Im übrigen sei die„Arbeiter-Jugend" in erster Linie ein belehrendes Blatt mit reichein Inhalt. Es wäre also gar nicht wunderbar, wenn Mitglieder eines Bildungsvereins für die arbeitende Jugend es läsen. Lediglich belehrend seien auch Artikel, die referierende Darstellungen politischer Zustände enthalten, ohne auf die Aende- rung des Staates und seiner Organe einzuwirken und ohne den Staat, seine Organe, seine Gesetzgebung und seine Verwaltung in Bewegung zu setzen. Zlber der Verein würde dann selbst seinen Chnrokter als Bildungsverein nicht verlieren, wenn wirklich poli- tische Artikel in der„Arbeiter-Jugend" ständen und wenn der Berein das Blatt für seine Mitglieder hielte. Er würde dann nur den darin enthaltenen Bildungsstoff verbreiten wollen. Auch Studcntenvereine hielten für ihre Mitglieder Zeitungen. Rück- schlüsse,»vie sie der Oberpräsident ziehe, wären nicht zulässig. Auch auf das von Jugendlichen benutzte Liederbuch könne sich der Be- klagte nicht berufen. Es sei in seiner ursprünglichen Forin und auch in der späteren Ausgabe, aus der die beanstandeten Lieder entfernt seien, längst vergriffen, und es werde nicht vom Verein verterieben. Ein Blick in das Liederbuch crgeb auch, daß es zum überwiegenden Teile ganz unpolitische Lieder enthalte. Es sei nicht politischer als sämtliche Koinmersbücher. Das Lied„Wer schafft das Gold zutage?" sei gegenwärtig in Berlin eines der bekanntesten und meist gesungenen Volkslieder, das die Schulkinder schon im Kreise ihrer Angehörigen lernten. Namentlich werde es oft ganz spontan beim Auseindergehen nach Versammlungen angestimmt. Wenn also Mitglieder des Vereins es mal nach einer Versamm- lung angestimmt hätten, werde es als spontaner Akt keinen Rück- schluß auf einen politischen Zweck des Vereins zulassen. Irgendeine politische Tätigkeit in den Versammlungen des Vereins könne der Beklagte nicht mal behaupten. Obgleich er den Verein beziehungAveise dessen Vorgänger um sechs Jahre zurück verfolge, könne er nur anführen, daß einmal vor verschiedenen Jahren— Dr. Liebknecht beim Stiftungsfest des Vereins ge- sprochen habe und daß ein Vortag des Schriftstellers Krille über ein die Kunst betreffendes Thema mit den schon oben zitierten Worten geschlossen habe. Aus der Rede Liebknechts wisse er nichts. Statt dessen teile er einige Worte aus einem Artikel des„Vor- wärts" init:„Die erwachsene Arbeiterschaft habe nunmehr den Wert der Freien Jugendorganisation erkannt, den diese als be- rufene Vertreterin der proletarischen Jugend besitze." Ganz ab- gesehen davon, daß Aeußernngen des„Vorwärts" für den Cha- raktev der Vereinigung unerheblich seien, enthalte der Inhalt dieser 29 Worte nicküs vom Staate oder seinen Organen und keine Andeutung von Politik. Es scheine aber, daß es gewissen Leuten schon auf die Nerven falle, Irenn„Arbeiter" und„Proletarier" sich er- lanbten anzudeuten, daß sie überhaupt da seien. Da Dr. Lieb- knecht Jurist sei und seine Worte wohl abmessen könne, müsse angenommen werden, daß der Vortrag unpolitisch war. Krille habe in den zitierten Schlußivorten seines Vortrags, der über Kunst handelte, den Arbeitern in Aussicht gestellt, daß sie Zeit und Mittel zum Genießen der Kunst haben würden, wenn die Produktions- mittel iin Dienst des ganzen Volkes ständen. Es sei nicht cinzu- sehen, Ivo hier die politische Seite liege» solle. Aber auch im an- deren Falle mache ein gelegentlicher politischer Schlußausblick einen Vortrag über ein ganz unpolitisches Thema noch zu keinem Po- litischen Vortrage. Wenn schon aber wirklich einmal ein Vortrag politisch wäre, so brauche der Zweck des Vereins noch nicht eine Einwirkung auf politische Äugelcgenheiten sein. Es wird be- hauptet und Bciveis angetreten, daß in 6 Jahren nicht ein wirk- lich politischer Vortrag gehalten sei. Der Beklagte müsse selbst bergen. So soll der große Glarner Freiberg am Kärpsstock, zwischen Scrnf- und Lindthal miiidestenS 1299 Gemsen beherbergen. Man kann hier noch Rudel bis zu 199 Stück beobachten. Wo die Jagd erlaubt ist. sind diese Grattiere nalürlick viel spärlicher und seltener zu sehe», besonders da an manchen Orten auch außerhalb der Jagdzeit viel gewildert ivird. Sachverständige schätzen die Zahl der Winter» felle— die alle von gewilderlen Gemsen herrühren inüssen und alljährlich in den Handel oder in Verarbeitung bei Gerbereien und Kürschnern gelangen, auf über 1999. Besonders viel soll im Berner Oberland gewildert werden. Ei» von» Kanton Graubünde» ein» gesetzter Ausschuß zur Hebung des WildstandeS bezeichnet einen Bestand von fünf Gemsen auf den Quadralkilometer als normal und bei besonderer Berncksichligimg der laiid- und forstwirtichastlichen Verhältnisse zulässig, Danach vermöchte daS schweizerische Alpen» gebiet einen Gemienbestand von annähernd 89 999 Sliick zu be» Herberge»», ohne daß dadurch die Land- und Forstwirtschaft merklich geschädigt würden. Was beim Klavicrspicl geleistet wird. Uever die Schnelligkeit der Sinueseiudrücke und die Raichheit der Bewegungen beim Klavierspiel ergab nachfolgende Mitteilung, die auf einer Musiker- konferenz in Dublin gciuachl»uurde, iuteressaiite Aufschlüsse. Dem- nach»miß bei genügender Geläufigkeit im Spiel das Auge des Aus- führenden inistaude sein, 1599 Noten in der Minute zu lesen, während seine Finger gleichzeitig 2999 Dewegimgeu inachcn; das ergibt eine Täiigkeit des Gehirns, die 3599 Einzelmomente pro Minute umfaßt. Bei der Wiedergabe eines Klavierstückes vo» K, M, v, Weber handelt eS sich z, B. darum, i» 35/4 Minuten 4541 Noten zu lese»; in einem Teil einer Chopiuicheu Etüde wurden sogar nicht »veuiger als 3959 Noten in 2>/z Minuten„belväüigt". ES folgt aus diesen Zahle»?, daß der Spieler in einer Sekunde stelS eine enorme Anzahl von musikalischen Zeichen(über 29 1) gleichzeitig sieht und wiedergibt. Humor und Satire. Ermahnung. Man hat sich einmal aufgerafft: mit neun bis zehn Millionen hilft nian der preußischen Wissenschast... Mag sie's den Spendern lohnen! Denn diesnral hat nicht Vater Staat die Gelder hcrgeschossei», die Quellen sind vielmehr privat, aus denen sie geflossen. Die Wissenschaft>n»ß jederzeit sich dies gefälligst merke»», muß dankbar sein, und Dankbarkeit erweist sich in den Werken. Die Wissenschaft zufolgedcm mutz») die Geber preisen, zugeben, daß der Verein sich imrner dagegen verwahrt habe, Po- litisch zu sein. Er komme dann aber mit der Vcrlegenheitswen- dung, daß es für den Verein ein„Gebot der Vorsicht" gewesen sei, sich unpolitisch zu zeigen. Tatsache sei demgegenüber, daß sich der Verein unter das Vcreinsgesctz gefügt habe, um nicht seine segens- reiche Tätigkeit aufgeben zu müssen. Diese bestehe in der Bit- dung der Jugend, ihrer Erziehung zur körperlichen und sittlichen Tüchtigkeit, in der Fernhnltung von Ausschweifungen aller Art. Der Verein habe eine reichhaltige Bibliothek, führe seine Mitglie- der in die Museen unter Leitung von Fachmännern aus der Mu- seumsverwaltung, er veranstalte wissenschaftliche Vorträge von Fachleuten ohne Rücksicht aus die Parteirichtuna: kurz er tue alles, was eine fortgeschrittene Pädagogik für die Jugend als heilsam erkannt hat. Das lasse sich positiv über die Wirksanckeit feststellen. Mager nehme es sich demgegenüber aus, wenn der Oberpräsi- dent init Acußerungen operiere, die auf dem Nürnberger und dem Leipziger Parteitage gefallen seien und den klagenden Verein über- Haupt nicht angingen, im übrigen aber für den Verein sprächen. Vor dem Reichsvereinsgesetz habe es in Süddeutschland politische Jugendorganisationen gegeben, in Norddcutschland unpolitische. Diese letzteren wären als unpolitische bestehen geblieben. Sie ivaren ganz selbständig. Niemand habe eine Einmischung in ihre Tätig- keit versucht. Hin Mißverständnissen vorzubeugen, sei das noch eininal konstatiert worden.(Protokoll Seite 459.) Der Bericht- erstatter Rcchtsan»valt Haast habe in seinein Referat ausdrücklich hervorgehoben, daß ztoischen den Jugendorganisationen unv den einzurichtenden Bildungskommissionrn ein Unterschied bestehe. Die Deklaration lautete, daß der Betätigung von Jugendorganisationen unpolitischen Charakters nichts im Wege stehe. Es wurde gesagt:„Die bestehenden unpolitischen Jugend. organisationen sind auch im Rahmen des neuen Vereinsgesetzes zu» lässig." Und etwas später:„Aber unpolitische Jugendorganisa- tionen, die aus innerer Kraft heraus an dem Werke der Er» ziehung der proletarischen Jugend arbeiten, werden sich immer Anerkennung erringen." Diese Stellen lasse die Klagcbeantwor- tung des Oberpräsidenten aus. Neben der Deklaration der un- politischen Jugendorganisationen, denen nichts in den Weg gelegt werden sollte, sei der Parteitag aber auch selbständig vorgegangen. Er habe Kommissionen ins Leben gerufen, deren Aufgabe dre För- deruna der Bildungsbestrebungen sei. Dies solle geschehen durch Vorträge, durch Spiel, Sport usw. Von politischen Bestrebungen sei nicht die Rede, nur von einer Erziehung im Sinne der prole- tarischen Weltnnschauni»g. Da es nun einmal nicht zu leugnen sei, daß die Weltanschauung der verschiedenen Klassen verschieden zu sein Pflege, so sei die proletarische Weltanschauung eine soziale Tatsache, aber die Erziehung zu ihr sei keine politische Tendenz. Diese Jugcndausschüsse hätten mit dem klagenden Verein gar nichts zu tun. Sie wendeten sich mit ihren Veranstaltungen an die Oeffentlichkeit. Der klagende Verein dagegen sorge für die Be- friedigung des Bildungsbedürfnisses seiner Mitglieder. Die auf Grund des Nürnberger Beschlusses gebildeten Jugendausschüsse sorgten gerade für die Jugend, die keiner Organisation angehörten und daneben auch für Erwachsene. Die Zentralstelle für die ar- bettende Jugend gebe auch die„Arbeiter-Jugend" heraus. Die Unabhängigkeit des klagenden Vereins von diesem Blatt zeige sich gerade darin, daß er sein eigenes Mitteilungsblatt habe.— Daß Herr Maschke, der Vorsitzender des Vereins gewesen sei, als Bei- sitzer in die Zentralstelle berufen wurde, sei von der Zentralstelle selbst geschehen, weil er bereits Tüchtiges in der Bildungsarbcit geleistet habe. Der klagende Verein habe mit dieser Berufung nichts zu tun. Nach allem könize der Verein nicht als ein Verein an» gesehen werden, der„eine Einwirkung auf politische Angelegen» heitcn bezwecke"(Z 3 des Vereinsgesetzes). In der Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht waren als Vertreter dcS klagenden Vorstandes die Rechtsanwälte Dr. Kurt Rostnstld und Wolfgang Heine erschienen. Sie machten zur Begründung der Klage noch eine Reihe Ausführungen. Dr. Kurt Rostnstld legte u. a. dar: Bei Heranziehung der Artikel der„Arbeitenden Jugend" gehe Beklagter von falsche»» Voraussetzungen aus. Ausschlaggebend neben den Statuten sei die eigentliche Tätigkeit des Vereins. DaS Eigentümliche in den Ausführungen des Beklagten sei, daß mit keinem Worte auf die eigentliche Tätigkeit eingegangen werde. Der Verein habe ver- schiedene Wteilungen, die monatlich etwa 29 Versammlungen ab» hielten. Kein Wort sage der Oberpräside>»t darüber, was in den regclinäßigen Zusainmcnkünften getan werde. DaS„MitteilungS- blatt", wenn es in allen Exemplaren vorgelegt werde, würde er» geben, daß der Verein tue, was die Satzungen sagten, nämlich die Bildung zu fördern und die Lehrlinge zu schützen gegen schlechte Bcßandlung und Ausnutzung. In einer Reihe von Artikeln der früheren„Arbeitenden Jugend", die angezogen seien, sei zwar hin- und b) was ihnen angenehm und nützlich ist, beweisen. Drum sei man ja recht akkurat, und daß nian nie vergesse bei jeden» ForschnngSrcsultat die richtige Adresse... „Nur keine Angst I Die HundSnatur, sie ist uns angeboren; schmeiß'»>nS'nen guten Knochen vor. dann wedeln wir mit Schweif uild Ohren!* _ Franz. Notizen. — Musikchronik. Raoul v. KoczalSki veranstaltet im Blüihnersaal am 9. und 29. November und 13. Dezember drei Klavier- abende in» Abonnemeiit. — Theaterchronik. Daö„Wiener K u n st-T h e a t e r' beginnt Sonnabend im Thalia-Theater»nit A n z e>»» ar uberS.Doppelselb st mord" sein Gastspiel, das weitere Aufführungen von Rosegger, Schuitzler, Satten, Nordmann, Schön» Herr u. a. bringen»vird. — Die Berliner Theater direktoren haben eine Ein- richtung getroffen,»in eine Kollision verschiedener Premiere» an einein Abend zu verhindern. Dieser Zustand hatte für die Presse, die über jede Erstaufführung als wellbedeutendes'„Ereignis" be- richtet, und für die Premicreutiger, die überall dabei sein inüssen, Unbequemlichkeiten. Durch ein Aiuueldesystem soll das in Zukunft möglichst vermieden werde». — R u d o l f L i n d a u, der Schriftsteller mit kosmopolitischen Allüren, ist 81 Jahre alt in Paris gestorben. I» Deutschland ge- boren, war er in jungen Jahre», nach Frankreich übergesiedelt, hatte dort studiert und dann als Haudrlsvertreter jahrelang in den Ländern des Ostens gewirkt. Den Krieg von 79/71 machte er im deutschen Lager mit. Als Diplomat in deutschen Diensten wurde er mit der Zeit ein Handlanger Bismarcks. Als Man», der viele« ge- sehen harte und nicht nur in seiner Muttersprache schrieb, hat Lindau Erzählnugen in und aus allen Weltteilen geschrieben. Seine kalte und glatte Salonkunst hat aber nie größere Wellen geschlagen. — Der KäS-Heilige. Daß es einen Heiligen für den Schweizerkäst gibt, ist keineswegs so vertvunderlich, wie es auf den ersten Blick scheinen möchte. Denn die katholische Kirche hat eS von jeher verstanden, die Bedürfnisse jeder Volksschicht ihren» Interessen dienstbar zu machen. Wie min der Basier Prof. Stückelleig nach- weift, ist der Heilige Lukas der Schutzpatron der Aelpler. Sein Attribut ist seit dem 15. Jahrhundert allgemein der breite, scheiben- förmige Schweizerkäse. Der Heilige schneidet auf den bildlichen Darstellungen meistens den Käse an und spendet den Bittenden ein Stück davon. Das ist wenigstens ein nahrhafter Heiligerl gewiesen auf die derschiedene Klassenlage, in der sich die arbeitende Jugend und die Jugend der Besitzenden befänden. Das reiche nicht aus zu dem Schluß, daß der Verein eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezwecke. Eine solche sei nur anzunehmen, wenn der Staat, seine Gesetze, seine Verwaltung, seine Organe davon berührt würden und wenn man den Staat, seine Gesetzgebung usw. in Bewegung setzen wolle. Von einem Einfluß auf den Staat und seine Organe usw. sei aber hier nirgends die Rede. Die Gedichte, m denen vom Recht, von Freiheit und anderen allgemeinen Idealen gesprochen werde, könne man nicht dem Verein zur Last legen. Ein Lob solcher allgemeinen Ideale finde man auch in klassischen Ge- dichten. In den verlesenen Flugblättern sei nirgends auch nur ein Satz enthalten, aus dem man folgern könnte, daß der Zweck des Verfassers gewesen sei, einzuwirken auf den Staat und seine Organe. Nirgends sei hervorgehoben worden, daß der erstrebte Schutz politisch sein müsse. Immer werde die Notwendigkeit des Anschlusses an die Organisation betont. Das sei gerade der Gegen- satt zu einer Beeinflussung des Staates. So sei es auch mit den verlesenen Notizen aus dem„Mitteilungsblatt". Wenn auf den Gegensatz zwischen Neichen und Besitzlosen hingewiesen werde, so würden damit nur Tatsachen festgestellt. Artikel des„Vorwärts" könnten nicht in Betracht kommen; es werde auch bestritten, daß Maschke der Verfasser des einen zitierten Artikels sei. Es würde aber auch unerheblich sein, was er als Privatmann in einer Zeitung schreibe. Auf Verhandlungen sozialdemokratischer Partei- tage habe der Verein gar keinen Einfluß; Rückschlüsse daraus auf ihn seien unzulässig. Ganz entschieden werde ein Zusammenhang der„Freien Jugendorganisation" mit der jetzigen Zentralstelle der Arbeiterjugend bestritten, die das Blatt„Arbeiter-Jugend" heraus- gebe. DiezcS Blatt sei ein ganz anderes als die frühere„Arbei- tende Jugend", die damals allerdings vom Verein herausgegeben wurde. Rechtsanwalt Wolfgang Heine: Seit dem Inkrafttreten des Rcichsvereinsgesetzes habe sich die tatsächliche und die rechtliche Lage, um die es sich hier handele, geändert. Das werde besonders u berücksichtigen sein. Einmal habe sie sich rechtlich ganz wesent- ich geändert. Urteile des Kammergerichts, die unter dem preu- ssischen Vercinsrecht gefällt seien, könnten hier nicht angezogen werden. Zwei vom Beklagte» angezogene Urteile des Kammergerichts aus jener Zeit handelten über hie Frage des damaligen preußischen Rechts, ob ein Verein eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezweckte. Dieser Begriff sei ein ggnz anderer, viel weitgehender als der deS§ 3 des Reichsvcreinsgesetzes vom „Verein, der eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten be- zwecke". Ebenso sei ein tatsächlicher Strich nach dem Inkrafttreten des Reichsvercinsgesctzes gemacht worden. Unter dem alten preu- ssischcn Vereinsgesetz(8 8) brauchte sich ein Verein, dem Lehrlinge usw. angehörteich nur davor hüten, in Bersammlungen politische Gegenstände zu erörtern. Dagegen war er nicht genötigt, ängstlich zu sein im Hinblick auf Artikel in seinem Organ. So brauchte man sich damals nicht genieren, in das damalige BereinSorgan „Arbeitende Jugend", das an sich BildungSzwecken diente, auch mal politische Artikel hineinzubringen. So wie der Verein damals bestrebt gewesen sei, sich den, preußischen Vereinsrecht anzupassen. so habe er unter dem ReichsvereinSgesetz die Absicht gehabt und betätigt, sich diesem anzupassen. Der Berein habe deshalb sein Organ„Arbeitende Jugend" seit dem Inkrafttreten deS Reichs- Vereinsgesetzes eingehen lassen. AuS diesen Erwägungen heraus schon sei dem Verein nichts anzurechnen, was in der eingegangenen „Arbeitenden Jugend" stand, an deren Stelle das„MitteilungS- blatt" getreten sei. Der Anwali stellt eine Reihe von Beweisanträgen. Er ver- langt u. a., daß zdcm Gericht alle bis zum Prozeß erschienenen Nummern des„Mitteilungsblatts" vorgelegt werben, sowie auch alle Nummern des früheren Organs„Arbeitende Jugend". Ferner wurde die Vernehmung verschiedener Zeugen beantragt. Mit aller Energie legte der Anwalt Verwahrung gegen die Deduktion des Oberpräsidenten ein, die dahin geht: Ja, Ihr habt Euch sorgfältig bemüht, Euch den Beschränkungen des Bereinsgrsetzcs anzupassen, aber das habt Ihr alle? nur aus Borsicht getan! innerlich über� tretet Ihr das Bereinsgesetz doch.—. So Tonne und dürfe nicht deduziert werden. Den Oberpräsidenten vertrat ein Regierungsrat aus Pots- dam. Er hielt den politischen Charakter des Vereins für dargetan und meinte, es komme nicht darauf an, ob die Einwirkung auf politische Angelegenheiten ein Haupt- oder Nebenzweck sei. Bei seinen Ausführungen sprach er mehrfach von einer Infektion der Jugend und von Hebern. Den Hauptwert legte er auf den vom Kläger und seinen Vertretern bestrittenen, von ihm aber als fest- stehend angesehenen angeblichen Zusammenhang zwischen dem Verein und den seit dem Nürnberger Parteitag eingeführten Jugendausschüssen. Das jetzt von der Zentrale herausgegebene Blatt„Arbeitcr-Juaend" werde von allen Mitgliedern der„Freien Jugendorganisation' abonniert. Das sei sicher kein Zufall. Dies Verfahren fei nur eingeführt, um den Schlingen des Reichsvereins- gesetzes zu entgehen. Der Schluß seiner Ausführungen klang kriegervereinlich-hurrapatriotisch dahin aus: Der Staat müsse ge- schützt werden gegen die von dem Verein bezweckte Abtötung der patriotischen und königstreuen Gesinnung seiner Jugend. Bumm, bumm. Rechtsanwalt Wolfgang Heine wiederholte seine Beweis- antrage und verlangte u. a. die Vernehmung der Genossen Rechts- anwalt Haafe-Königsberg. Eberl von der Jugend-Zentralstelle, Liebknecht. Krille, Ledcbour. Er lege, bemerkte er weiter, böslich, aber ganz entschieden Verwahrung ein gegen den fortwährend vom Vertreter des Beklagten gebrauchten Ausdruck, daß die jungen Leute in dem Verein infiziert würden. Das bedeute die Ansteckung mit einer Krankheit. Das seien nicht Formen, mit denen man über juristische Fragen sachlich diskutiere. Wie der Verein in Wahrheit wirkte, das habe daS Amtsgericht in dem freisprechenden Urteil gegen das Vereinsmitglied Heine festgestellt. Es habe auS- gesprochen: Die Beschaffung einer lehrreichen, anregenden, guten Literatur, die Enthaltsamkeit von Saufereien, die Verschaffung von wissenschaftlicher und künstlerischer Anregung, Museums- besuche und Besuche ernster Konzerte, Ausflüge in die Natur— alles da» seien Dinge, die im höchsten Grade lobenswert seien und dem Verein große» Wert und Bedeutung gäben.— Die andere Beurteilung des Vereins durch die Polizei und durch die Verwal- tungsbehöroe zeige, sagt der Anwalt weiter, daß e» sich um eine politische Aktion handele. Er sage offen, man� wolle die Jugend der konfessionellen Beeinflussung erhalten, die überall in Jugend- bünden, christlichen Vereinen usw. exponiert politisch betrieben werde. Der klagende Verein verwahre sich dagegen, so abgewürgt zu werden. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld schloß sich dem Protest des MitvcrtreterS an und hob nochmal hervor, daß von den 1200 Versammlungen, die der Verein abgehalten habe, nichts seitens der Gegenpartei beigebracht sei, und daß der Oberpräsident und sein Vertreter die auf dem Nürnberger Parteitag gemachten Aus- führungen durchaus mißverstanden hätten. Die Zusammen- koppelung der Kommissionen mit dem Verein sei absolut falsch. Die Gründe, auS denen man den Verein schließen wolle, seien absolut unzureichend. Man übersehe auch vollkommen, welchen Kulturwert man in der Jugendorganisation zerstören würde. Kein Zweifel, daß man einer großen Anzahl junger Leute vollkommen die Möglichkeit entziehe, an sich weiter zu arbeiten und sich empor zu arbeiten. Nach beinahe sicbenstündiger Verhandlung und Beratung wies das ObcrverwaltungSgericht in beiden Sachen die Klage ab. Die Gründe sollen erst im schriftlichen Urteil mitgeteilt werden. Man darf auf die Entschuldigungsgründe für das falsche Erkenntnis gespannt sein._ Gerichts-Zeitung. Fahrstuhlgefahr. Unter der Anklage der fahrlässigen Tötung stand gestern der Fabrikbesitzer Pahlltzfch vor der 4. Strafkammer des Land- gerichts II. Der Angeklagte ist der Eigentümer des HauseS Gneisenaustr. 87. Ihm wird ein Fahrstuhlungliick zur Last gelegt. bei welchem der in dem Hause wohnende Buchdruckereibesitzer Friedrich Posekel sein Leben eingebüßt hat. Der in Frage stehende Fahrstuhl wird von den Mietern nach Bedarf selbständig in Bc- trieb gesetzt; die Mieter erhalten zu diesem Zweck die Schlüssel zugewiesen. Als am ö. Oktober v. I. Herr Posekel den Fahrstuhl benutzen wollte, befand sich dieser infolge mangelhafter Tätigkeit deS Triebwerkes nicht an der richtigen Stelle, Herr P. trat fehl und fiel in den Fahrstuhlschacht vom Erdgeschoß nach dem Keller hinab. Er erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Der Angeklagte wurde für diesen betrübenden Unglücksfall ver- antwortlich gemacht. Eine Fahrlässigkeit wurde darin erblickt, daß er seinen Mietern die Schlüssel ausgehändigt hatte, obwohl der Fahrstuhl vom Ingenieur Frank, der die Anlage zu rc- vidieren hatte, ausdrücklich wegen mangelnder Beleuchtung bezw. Fehlens der automatischen Türverriegelung noch nicht als„Selbst- fahrer" zugelassen worden war. Auf Grund einer eingehenden Beweisaufnahme hielt der Gerichtshof eine Fahrlässigkeit des Angeklagten für erwiesen und verurteilte ihn zu sechs Wochen Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate beantragt. Alkoholfolgen. Der Geschäftsführer Bernhard Rusicke stand gestern wegen Be- leidigung von Angehörigen der bewaffneten Macht, Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung vor der 6. Straf- kammer des Landgerichts l. Der Angeklagte hatte am 17. April an einer Geburtstagsfeier teilgenommen. Als er dann in stark animierter Stimmung auf dem Heimwege an der Kaserne des 4. Gardcregiments in der Rathenowcr Straße vorbeikam, beschimpfte er ohne jede Veranlassung den am Gitter stehenden Unteroffizier Hölzer mit den Worten„Spinner",„Schw— Hund" und anderen dem Tierreich entlehnten Worten. Der Unteroffizier kümmerte sich anfänglich gar nicht um die Schimpfereien, da er diese, wie er vor Gericht bekundete, namentlich in dem Moabiter Stadtteile, schon gewohnt war. Als ihm die Sache schließlich doch zu bunt wurde, beauftragte er den Gefreiten Stimming und den Einjährigen Neu- mann mit der Festnahme des Angeklagten. Die beiden Soldaten hatten hierbei einen sehr schweren Stand, da R. wie ein Tob- süchtiger um sich schlug und dem Stimming einen Fußtritt vor den Unterleib versetzte. Erst mit vielen Mühen gelang es, dem an- scheinend vom Militärkoller Befallenen nach der Kasernenwache und von dort zur Polizeiwache zu schaffen. Das Schöffengericht erkannte mit Rücksicht auf die Schwere der Ausschreitung auf 2 Wochen Gefängnis. Die BerufungSstrafkammcr ermäßigte die Strafe auf 38 M. Geldstrafe, da festgestellt wurde, daß R. ein sonst ruhiger Mensch ist. der jenen Exzeß nur unter dem Einfluß des Alkohols begangen hatte. Während der Verhandlung ereignete sich ein kleiner Zwischenfall. Der im Zuhörerraum anwesende Bruder des Augeklagten rief dem Zeugen Unteroffizier Hölzer die Worte zu:„Der ist ja verrückt!" Staatsanwalt Dr. Lehmann beantragte eine sofort zu vollstreckende Ordnungsstrafe van 48 Stunden Haft. Das Gericht beließ es bei einer Geldstrafe von AI M. eventuell vier Tagen Haft._ De« Tod feines eigenen KindeS verschuldet hat der Gärtner Kaspar Ortlieb, der am 22. Juni votrt Landgericht Ellwangen wegen fahrlässiger Tötung zu 3 Tagen Ge- fängniS verurteilt worden ist. Er hat einen Garten gepachtet, der an einem nicht eingefriedigten Mühlenkanal liegt. Eines TageL hatte er sein l �jähriges Söhnchen mit in den Garten genommen. Während der Vater, der es beaufsichtigte, für kurze Zeit ins Ge- wächShaus ging und der Gehilfe Wasser auS dem Kanal holte, ver- schwand plötzlich das Kind. Nach längerem Suchen wurde es tot Im Kanal gefunden. Das Gericht hat angenommen, daß der An- geklagte durch Fahrlässigkeit den Tod seine? Kindes verursacht hat. — Seine Revision wurde an worfen. am Donnerstag vom Reichsgerichte ver- wbb 'S ■ L ■ ■ Eleganz und Chic ist einmütig das Urteil über die Herbst- Neuheiten für Damen und Herren ■ ■ » B B ■ P B ■ II : Moderne Strassen-Stiefel Elegante Ge�ellschafts-Stiefel Aparte Damen-T anzschuhe "für Damen und Herren. Neue schlanke, halbrunde u. breite Modeformen. Boxealt u. Chevreau 10,50 Boxealt- Chevreau-Lackkappe- Lackbesatz- Doppelsohlen etc. etc. 12.50 15.50 I8.00 für Damen und Herren. Neue schlanke französische Formen— sehr beliebt. Feinster Kalblack- Ohromlack- Chevreaulack.- Alle Ausführungen. 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SV. t «v W Unserem Parteigenossen und Bezirkssührer Frlt« Kartin und seiner Braut, der Genossin OIa» Rappe gj zur Heuligen Vermählung die � besten Glückwünsche. G lZI« lienossen u. Lenoseinnsn � vom 472. Bsiirie Ksssssssessss- €€«€««»«SSSSSSK. Unserm lieben Bezirkssührer Harr FaaK und Brant FrldaKönzelz-�ochzeitä- feste die besten Glückwünsche. Genossen im 497/498. Bezirk. �s««eses««ssssssss, vi/ ax Faale nebsi Brant sowie Fritz Bartlu nebst Brant die herzlichsten Glückwünsche zur VermSbluug. Die Funktionäre I.Abt. 6.Kr. Wir die im»«nlasi Misere» LS ISH- 1 rigen Ehejubiläums dargebrachten Gratulationen sagen wir allen Ver- wandten. Freunden und Bekannten, besonders dem Verband der Bau- arbeiter sZablstelle Rirdors), den Ge- nassen des Wahlverems(18. Bezirk), dem Grundbesttzerveretn»Werners Höh" und dem Sparverein»Bor- wärts-Fiott" aus diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Rizdors, den 12. Oktober 1910. W. Schnister«.Frau. w § i V ft t S Unserem Bezirkssührer ""d Braut zur Vermählung die besten Glückwünsche I 1g49b vie Genossen lies 3. Krei»es, Bezirk 158. JAJAA»«OOEEOS »SKSsAAi Unserem Genossen Bezirkssührer Hemaßii Safte nebst Braut zu ihrem Hochzeitstage..... � donnernde« Hoch I Die Genossen des 373. Bezirks.~ Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Bruno Bliesenick am IL Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenke« k Die Beerdigung findet heute, Sonnabend, den 13. Oktober, vormittags 9'/, Uhr, von der ralle des Zcntral-Friedhose» in irtedrichsselbe aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/12 Die Ortsverwaltung. Sozialüeniokraiischer WaMverein (ür den 2. Bert. ReiebstapaiH (Bezirk 79.) «m Mittwoch, den 12. Oktober. verstarb unser Mitglied «JosepB Polaszyk Eteinmetzstr. 39. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Sonnabend, den 15. Oktober, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichcn- balle des Zentral-Friedhoscs in FriedrichSIeldc aus statt. 241/5 Um rege Beteiligung bittet ver VorMtand. Deutscher Transportarbeiter-Verband.. Bezirksserwaltung Grob Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Haus, diener Hugo Langewisch am 11. Oktober im Älter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenkens Die Beerdigung findet am Sonntag, den 16. Oktober, nach- mittag«-i'l, Uhr, von der Leichen, balle des neuen Jakobi-Kirchhose«, Rixdors, Hermannftrasie aus statt. 51/15 Die«eztrkSleitnng. Sozialdemokrat. SablTerein Bezirk Pankow. Nachruf! Am Sonnabend, den 8. Ottober, verstarb nach kurzem Leiden unser Mitglied, der Schuhmacher Karl Zibeil. Ehre seinem Andenken k 239/1 Der Borftand. IS Zahlstelle Grost-Berlin. Bureau: Linienstr. 215. G-Sstnel». 9—1». 4-8 Uhr. Td Kml III» 88. Bezirks'Verfammlungen Sonntag, den 16. Oktober, vormittags 9'Ja Uhr: zur AdlerSÜOf 6ef Kanl, BiSmarctstr. 16. Gruppe der Katuststeinarbeiter im„Nosenthaler Vereinshaus"... Rosenthalerstr. 57. Mittwoch, den 16. Oktober. abendS S'/, Uhr: s°r Schönhauser Vorstadl Für Südost U. Süden bei«alsn. Lausttzer Platz IS. Für Rixdorf bei Geliert, Eteinmetzstr. 93. Donnerstag, den 20. Oktober, abends 8'/, Uhrt Für Horden bei Krämer, Hussitenstr. 40. Für OSten bei Kietz, Warschauer Etr. 61. Für Nordwest bei Klrschbowabl, veusselsir.». Für Chariottenburg im Volkzhanse, Skosinenstr. S. Für Weißensee M Content. Lehderftr. 5. Für Schöneberg und Umgegend Für Tegel bei Kaklen. Berliner Str. 92. Für Ober-Scilölieweide bei nahe, WIlhelminknhofftr. 43. Cnaurton Eoniiabrnd, den LS. Oktober, abends 8 Uhr. im Für djJtUlUdU.Bolksveim-. Hauclitr. Li». Sonntag, den 26. Oktober, vormittags 0'/, Uhr: Für Reinickendorf Bei Wohlfahrt, Etchbornftr. 18. «onntag, den 23. Oktober, nachmittags 3 Uhr: Für JoiianiliSthai bei Gobln. Roonstr. L. Sonntag, den 23. Oktober, abends 6 Uhr: Für RUmmeiSbUrg im cruf*.Belleuue«, Hauptftr. 2. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Vortrag.— L. Diskussion.— 3. Verschiedenes. Zwecks Ausübung einer Kontrolle über Teilnahme a» den BezlrkSversauimiungen wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Mitglieder ihre Bücher mitbringe» sollen, um den Besuch der Ber- sammlung durch Stempel im Mitgliedsbuch eintragen zu können! Zahlreichen und pünktlichen Besuch erwarten 64/4 Die Bezirksleiter, z Verwaltung Berlin. Donnerstag, den 27. Oktober, im Gewerkschaftshaufe: Vnißvntl. Generalyersammliing. Sonntag, den 16. Oktober, im Deutschen Hof, Luckaaerstraße: Jung-österreichischer Dichterabend. Rezttator: Fritz Richard. Eintritt 30 Ps. Erössnung 6 Uhr. Wzbilöhauert ünk Grunfi ckor mit don Arbeltgeberorganisationon Betroffenen Vereinbarungen tritt ab 10. Oktober eine sofortige I.olmerhnhang von klink Prozent in Kraft. Bei Arbeiten außerhalb der Werkstatt, bei einer Entfernung über t Kilometer von derselben, wird ein Zuschlag von seehs Pfennig pro Stunde gewährt, bei Arbeiten auf Bauten bei Jeder Entfernung ein solcher von selin Pfennigen. Die Kollegen haben aus allen Werkstätten heule abend 5—7 Uhr In unserem Bureau, Engelufer 18, Zimmer 82, Bericht zu eretattan. Nähere Anweisungen dort. Arbeitseinstellungen bei Wichtgewähranc dürfen vorher nicht stattflnden Dr. Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzensir. 41, 10—2, 6—7. Sonntags 10—12, 2—4 Eine MarK wSctientliche Teilzahlung elptlind Knallen-Caiiole fertig and nach Maass, feinste Verarbeitangr. S.Boltuch franklurter Allee 75, I Eingang Tll.lter Strasse W~ Reu eröffnet:-MW Kolonial- und Delikatessen geschäst nur Prima-Waren zu billigen Preisen empsicblt HVAltOr Wilhelmshavener Str. 41. ,)■ 4 W - jöSfr? Mss H-: r*»-WS ). s �acilett> �nzü�e Ann.hlring J M Roch-Anzüge Anzahlung 10 M. Herbst• Paletots Ananhlung ch M. 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Weißensee, Peukerls Restaurant, chaaÄ«8. Pankow, Rozyckis Restaurant,«ven-.tr.»-4. Spandau, Huths Restaurant, Emaenufer 17. Tegel, Halfers Restaurant,«mnow.tr.«a. ISf Wie MBrdsiiuch Kann niemand wähien! Die Slimmzcttcl werden nm Eingang z» den Wahllokale» verteilt. Wahlleiter ist der Kollege Otto Handkc, Charitdstr. 3. Montag, 17. Oktober, abends 6 Uhr, im GewerkschaftShanse, Engeliifer IS. Saal 4: M?- Versammlung' aller in IHrtallgirlirrririi Kertins und Uingrgtnd beslijüstigten Fonnrr und Ktrufsgeuofftu. T a g e S- O r d ii u ii g: 1, Bortrag dcS Neichstag-Zabgcordiictrn Ncnosscn 8tNekIen über: »Deutsche BerfassungStüutPfe». 2. Disliissiorn 3. Verbands- und Brancheiiaiigrlcgciiheifein Das Erscheinen aller Kollegen erwartet 123/13 Die Ortsverwaltnng. II II- Ort.vcrivaUiing Berlin. Einsetzer. Tie neuen Tarife werden nur in den Branchen- '»«rsaminlunge» und des ZonnabendS während der Beitragszahlung in de» BezirkS-Zahlstelle» der Ein- fetzer ausgegeben. Die Branchenkoiniul..lon. Krmiihcii dkl Wrgüldn II.!!iihiiiciiiiiüli>cr Am Sonntag, den 16. Oktober 1916, mittags Präzise 12 Uhr, in der „Alhainbra", Wallner-Theaterstraße 15: VA?- Matinee OW ausgcsührt von den „HcArntttiRiKS �ZkllKvK'IK" (Dircllor: F r. F a» t h« r) Darslellcr: sssnlher, Krause, tung, wiese, Becker, Ticling und SohrSder. Eintritt 30 Pf.— Kassenerösfiiiing 11 Uhr. Billetts find bei den Bertrauensleuteu zu Haben._ 91/11 Verantwortl. Nedafteur: Varl WermutH, Berlin-Rixdorf. Für dm NSbel � suk � Kreißt! Wohnungs- £iiiric!ituiiten. Ausstellung einfacher u. eleganter 1 Schlaf-, Herren- und Spelzez'mmer. Mod. farblgcKüchen-Elnrlchtungen auf ASszahlunfil und auch gören Bar. Hi! MöMslücKe und Polsterwaren bei kleinster Anzahlung evtl. o�ns AnzaM Fe. ucr pi. pfehle: Teppiche, Portiiren, Gardinen, Steppdecken, Bilder, Uhren, Gas- u. Petroleum- Kronen, Fertige Betten Leib- und] Bettwäsche. Sport um! 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Da beide Lokale der Arbeiterichaft nicht zur Verfügung stehen, bitten wir, die BillettS zurückzuweisen. Den Besuchern der Kirchhöfe wird auher den auf der Liste be« zeichneten Lokalen das Restaurant Aug. Fehlberg, Eisenacher Str. 11. vis-a-vis dem Kreuzkirchhof, empfohlen. In Neu-Ruppin steht uns das Lokal von L. Krasemann, B e ch- l t n e r C h a u s s e e 5, zu den bekannten Bedingungen zur Verfügung. Die Lokalkominission. Zweiter Wahlkreis( F r i e d r i ch st a d t.) Zahlmorgcn für Druckerei-Nachtarbeiter, verbunden mit unserem 2. Stiflungsfest, unter freundlicher Mitwirkung unseres Gesangvereins am Sonntag. den 16. Oktober, bei Julius Meyer, Oranienstratze 163. Tages- ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bortrag des Landtagsabgeordneten Genossen Adolf Hoffniann. 3. Rezitalionen des Genossen Walter Zimmermann-Karlshorst. Den Besuch aller Mitglieder des Zahl- morgens erwarten Vertrauensleute und Vorstand. Zweiter Wahlkreis(1. und S.Abteilung). Heute Sonn- abend findet bei N i l e, Dennewitzstr. 13, ein Nnterhaltungsabend statt, bestehend aus Gesang, Rezitationen und Tanz. Billetts inklusive Tanz und Garderobe SS Pf. find bei den Bezirksführern zu haben. Da ein solches Vergnügen in unseren Abteilungen zum ersten Male stattfindet, bitten um zahlreichen Besuch Die Abteilungsführer. Sechster Wahlkreis. Sonntag, den 16. Oktober, findet im ganzen Kreise Flugblattverbreitung statt. Die Genossen werden gebeten, sich früh 8 Uhr in den Bezirkslokalen einzufinden. Billetts zum„Heiteren Abend" in den„Pharussälen" sind noch zu haben bei Melzer, Wiesenstr. 19; Rietz, Fehmarustr. 3; Glawe, Liebenwalder Str. 4 und im Wahlvereinsbureau, Neue Hochstr. 23. Der Vorstand. Eharlottendurg. Am Sonntag früh 8 Uhr findet in der 1. und B. Gruppe eine wichtige Flugblattverbreitung statt. Hierzu haben sich die Genossen der 2., 3. die LOjähnge Plätterin Ida H ä n e l aus der TreSckowstr. 48. schlug im Niederfallen auf ein Firmenschild auf und zog sich bei dem Sprung einen Oberschenkel- vruch und eine stark blutende Stirnwunde zu. Die zweite, die 34jährige Plätterin Marie Benkert aus der Marktstr. 1 zu Rummelsburg, kam mit leichteren Verletzungen davon. Beide erhielten auf der Unfallstation in der Keibelstraße die erste Hilfe und wurden dann nach dem Krankenhause am Friedrichshain geschafft.„Ueber die mechanische Leiter wurden drei Personen gerettet; diese blieben unverletzt. Mit dem Rettungsmanöver Hand in Hand ging die Löscharbeit. Oberbrairdinspektor Rein- Hardt und Oberbrandinspektor Dransfeld, die auf die Nachmeldung „Großfeucr, Menschenleben in Gefahr!", mit zehn Löschzügen herbeigeeilt waren, ließen auf der Straße über vier mechanische Leitern hinweg Wasser geben. Gleichzeitig drangen andere Rohr- führcr über die Treppen und vom Hofe aus gegen die Flammen vor. Nach einer Viertelstunde glich der zweite und dritte Stock in sieben Fenstern Länge einem einzigen Flammenmeer. Immer neue Dampfspritzen traten in Tätigkeit und schleuderten gewaltige Wassennengen in die Glut. Das Feuer griff indes immer weiter uin sich und erfaßte auch den Dachstuhl. Erst nach fast ztoei- stündiger Löschtätigkeit konnte die Hauptgescchr als beseitigt gelten. Nach der Ablöschung fanden Feuerwehrleute im dritten Stock z w e i L e i ch e n, die bis zur Unkenntlichkeit verbrannt lvaren. Die Leichenreste wurden mit einer Bahre nach dem Schauhausc geschafft. Die zwei aufgefundenen Leichen sind Mann und Frau. Sie lagen im dritten Stock vor der Tür der Waschküche.— Auf wunderbare Weise sind aber der Verwalter T o m c z a k und seine Frau gerettet worden. Als das Feuer ausbrach, waren sie beide in ihrer Wohnung unter dem Dach und aßen Mittag. Der Rück- weg über die Treppen war ihnen abgeschnitten. Da nahm der Verwalter seine Frau an die Hand und beide entgingen dem Tode durch die Flucht über die Dächer hinweg.—■ Auch für die Feuerwehrleute war das Löschen sehr gefährlich, da man vor Qualm und Rauch weder auf den Treppen noch auf dem Hofe einen Schritt gehen konnte.— Polizeipräsident v. Jagow be- sichtigte die Brandstelle und ließ sich von Oberbrandinspektor Reinhardt Bericht erstatten. Beide Etagen sind bis auf die Mauern ausgebrannt. Der Schaden ist daher ganz bedeutend. Die schnelle Ausbreitung des Feuers wurde dadurch bc- sonders begünstigt, daß die Zwischendecke nach dem dritten Stock nicht massiv war. In der Umgebung der Brandstelle trat in den Nachmittagsstunden naturgemäß eine längere Verkehrs- störung ein. »» » Die Entstehung des Feuers wird auf einen neuen, gestern zum erstenmal in Betrieb genommenen Ofen zurückgeführt. Angeblich soll dieser Ofen geplatzt sein, wodurch dann die in der Nähe lagern- den Baumwollwaren in Brand gerieten. Di« Feuerwehr rückte erst in später Nachtstunde ab und ließ auf der Brandstelle eine Brandwache zurück. Mit den Aufräumungsarbeiten soll heute früh begonnen werden. In der Säuglingsfürsorgestelle Nr. IV der Schmidt-Gallisch- Stiftung, Naunynstr. 63, wird Herr Dr. Ballin einen unentgelt- lichen F or t b i l du ngsk u r s us der Säuglingspflege sUebungcn, Vorstellung geeigneter Fälle) für Damen, die sich be- rufsmäßig mit der Säuglingspflege beschäftigen oder schon einen Kursus durchgemacht haben, halten. Beginn des Kursus Diens- tag, den 1. November 1910. nachmittags 6 Uhr. Dauer 3 Wochen bei wöchentlich 2 Stunden. Meldungen mündlich oder schriftlich in der Säuglingsfürsorgestelle erbeten. Proteswcrsammlung der arbeitenden Jugend. Wie uns mitgeteilt wird, findet am nächsten Sonntag, den 16. d. M., nachmittag« 2 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppenstr. 29, eine Protefiversammlung der arbeitende» Jugend Berlins statt. Die Tagesordnung lautet:„Die Entrechtung der arbeitende» Jugend". Referenten Max Peters und Willi Scholz. Die Flugwoche in Johannisthal nahm am Freitag wieder den vorzüglichsten Fortgang, nachdem am Donnerstag der heftige Sturm die zu kurzen Probeflügen auf- gestiegenen Flieger wieder auf den sicheren Boden zurückgetrieben hatte— zum großen Verdruß von vielen Tausenden, die vergebens herausgepilgert waren. Auch am Freitag gingen die Flieger, die bereits um 3 Uhr starteten, wegen der noch immer lebhaften Wind- strömungen bald wieder nieder. Als aber um 4 Uhr der Wind ab- flaute, gingen sofort sämtliche bekannten Flieger hoch, mit AnS- nähme SB i negier 8, der sich bereits bei dem Start um 3 Uhr durch eine unvorsichtige Wendung einen Bruch seines rechten Flügel« zugezogen hatte. Trotzdem seine Monteure sofort neue Tragflächen einsetzten, kam der Blöriotpilot an diesem Tage nicht mehr zum Starten. Dagegen unternahmen Lindpaintner, Jeannin, Brunnhuber und Theten prächtige Dauer- und Höhenflüge. Das Wetter war wundervoll und der Anblick der im lichtblauen Aether schwimmenden, tiefschwarz sich abhebenden oder auch von der untergehenden Sonne überglänzten Fahrzeuge besonders prächtig. Alle vier Flieger blieben über eine Stunde in der Luft; dabei erreichte Lindpaintner 625, Jeannin 470 und Thclen 375 Meter Höhe. Auch Frey brachte eS bei eine»» ausgezeichneten Höhenfluge aus 520 Meter.— Außer den Genannten unternahinen noch M o ß n e r(Wright), O e l e r i ch(Schulze-Herford- Eindecker) sowie die Gradeflieger Grade. Lissauer und Rode wohlgelungene Flüge, so daß sich zeitweilig nicht weniger als acht Flugmaschinen zu gleicher Zeit in der Lust befanden. Da§ wiederum äußerst zahlreiche Publikum kam also vollauf auf seine» Rechnung._ Jngcndveranstaltungen. Ober- und Nieder- Schöneweide. Heute Sonnabend, 15. Oktober. abends 8 Uhr, finde» bei E. Höflich(„Krug zum grünen Kranze") eine Jngendfeier statt. Dieselbe oestebt in Konzert. Rezitation, Festrede. Gc- sangsvorträgcn. Jugendlich« im Alter von 14—18 Jahren freien Eintritt. Erwachsene zahlen für das Programm 20 Pf. Dicielben sind vorher zu haben bei den BezirkSführern. bei Guft. Muth(Zigarrengeschäft), Wilhclni- straße 82 b, und E. Heitel, Luilenstr. 7, I. Die Jugend von Ober- und Picder-Schöneweide wird um recht zahl- reichen Besuch gebeten. Der JugendauSlchuh. Pankviv-Nicder-Zchönhanien. Heute, Sonnabend, den 15. Oktober, abends 3 Uhr, Jugendfcier im Restaurant„Zum Pankgrasen', Pankow, Schloßttr. 8. Miiwirkcnde: Valcska Hackenbcrger von der Berlüier Volks- oper. Ouartettverciniaung„Volkslied'(Dirigent: Julius Jüttner), Musik- verein„Nordstern'(Dirigent: Fritz Sorrcr). Rezilation: Eugen Bminann. Festrede: Fritz Taruoiv. Die Slrbciterschast wird ersucht, an dieser Feier leilzunehmen und die schulenllasscue Jugend daraus auimerksam zu machen. Der JugcndauSschutz. Freie Jugendorganisation Treptow. Abteilung Treptow. Sonnabend, den 15. Oktober, abends 8 Uhr, im Jugendheim, SViefholzstr 6, Abteilungsverfaminlung. Vortrag. Die jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen find hierzu freundlichst eingeladen. Tcgel-Voriigwaldc. Sonntag, den 16. Oktober, nachmittags 2 Uhr, findet eine schlichte Einweihungsseier deS Jugendheims, schlieperstr. 30, statt. Bis 3 Uhr können die Räume von den Mitgliedern deS Pereins Jugendheim besichtigt werden. Nach der Feier findet beim Genossen Halses, Brunowsw. 23. ein gemütliche? Zusammensein statt. Bon Montag, den 17. Oktober, ab stehen die Räume den jugendlich«» Arbeitern, Arbeiterinnen und Lchrliugeii an Wochentagen abends von 7 bis 10 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von nachmittags 4—10 Uhr zur Verfügung. Die Leitung dcS Vereins erwartet eine zahlreiche Benutzung des Jugendheims._ Leseabende. Bohnsdorf. Donnerstag, den 20. Oktober, bei Mentel. Fretreltgtöie»»emetnde. Sonntag, den 16. Oktober, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17 und Rixdorf, Jdealpasfage: Freireligiöse Vor- lcsung; vormiltagZ ll Uhr Kleine Frankfurter Straß« b: Vortrag von Herrn Dr. A. Gehrke:„Schutt und Trümmer'.— Damen und Herren als Gäste sehr willkommen. Slllgemeine Kranken- und Tterbekaife der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg). Filiale Berlin 4. Heute Sonnabend, abends S'l, Uhr: Mngliedervcrsammlung bei MerkowZki, LlndreaSstr. 26.— Filiale Berlin 11. Sonntag, den 16. Oktober, vormittags 10 Uhr: Berfamm- Inng bei Nißle, Dclinrivitzstr. 13. «Sitternnqsuberitev» vom 14. Oktober 191». morgens« lldr. G tattonen StvMemde jlVT NNO Hamburg>780 ONO Serftn 778 N Franst. a SS.1 772 NO München|771D Wien 771 NNO S heiter L heiter 2 wölken! 5 bedeckt 4 Nebel 4 Regen Iii »II I* Wj> «tattonen L s= Ii S? Setter Havaranda 759 DRW PererZburg 763 NW Scillv 1 764 NO klberde«, j 782 NW Barri e* »» 1* s* 2 bedeckt 2woktenl 8 bedeckt 2 wolkig 768 ONO| 2 Regen 4 -1 13 6 12 «ettervrognose für Sonnabend, de« 15. Oktober 1910. Trocken und vorwiegend heiler, nachts etwa» kühl, au» Tage wieder etwas wärmer bei mäßigen östlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Bninnenstr. lila Ecke Voltastraße. Modewarenhaus Hugo Lindemanii Bninnenstr. lila Ecke Voltastraße. Oeferant der Konsamgenosseiiscliaft Berlin nnd Umgegend. Kleiderstoffe° Wäsche □ Leinenwaren° Gardinen° Portieren° Tischdecken □ Steppdecken° Blusen Röcke° Wollwaren° Weißwaren° Schneiderei-Artikel° Herren-Artikel° Berufsbekleidung. ["— Billige Preise.—| TP©p piclic k,einen wrtcfe,,,erD Höfliche Bedienung.| Stuben-Oröße 4.90 7.50 Salon-Größe II Saal-Größe 12.75 15.75 19.75 22.50 Auf vielseitiges Verlangen unserer werten Kunden verabfolgen wir noch einige Tage unsere .......-■■: wertvollen.■■■■■■......--■> GratissZugaben aus Metall bestehend in Tafelaufsätzen. Metallkörben, Tabletts usw. Piene Cesenstliwde sind im Mchnwfenttter»wwgeatelU. Abzahlunasoeschafte Credit-Haus „Bellealliance" Bellealllance-Str. 100, I. Etage. W aren n. 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Löser" m Rosentaierstr. 78. |f Iiponctf) It M- Schsite ivuran»l. Moewes Hohersteinwog 6/7. Tel. I, 8360. tUEiierBraQliaiisBerliii.t iMeiüKbes BraBiiaas, A.-6. Scblesiscbestr. 20. Tel, IV. 4786. Phönix- Brauerei j A.-G. EnlKlajsijt Biere. Blditer a Cb., J.C. L Är; gugr. 1S20. Berlin C 64. T.III, 1617. RoiaBd�'�ÄH"""1, Schade, Weiß.6ru.VMalzbler. MM«!«M Schlo««bpBu• KronenbrSu in Gebinden und Flaschen. Spandauerberg-Brauerei, Westend. Sladtbranerel-Scbönebg, Bsksal. 14. Strehblow 4 Co.b>ltb.,Gf rirhist. 45. YBrglis-BraiiereiIeii!oDi3.tiW87. Weissbier Albert Brann. Weissbier, C. Brcithanpt, Palisaden, tr. 97. Tal-A. VII, 2634. Weißbier F. W. Bilsebein A-G. Koppenstraße 68 69. Tel. 7, 2821. [ Boulllon-WUrfol Möhrmlttol-Beaenhehäft „Krone** Michaelis& Co. Berlin SW. 47, Hagaiberger Btr. 49. � Butter, EIb*, ItluTy� ButterbandlnnK J. F. Assmann 20 Flbslen In Berlin O. flckerfflariB—"6gÄnel�i Max Baenlsch, 8 Filialen. OskarBeck o,."»«. 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Für den Juleratellteil perantw.: Th.GI»Se, Berlin, Drucku, Verlag: VorwärtlBuchdruckerei u, VeriagSanstail Paul Singer& Eo., Berlin SW,_ Nr. 242. 27. Zahrgmy. 4 Keilme des, Amiirls" Lrriimr WIKsblM Zomiadtiid, 15. Ndtodn IM. »uz der ll?eicl)$vcr[ic!)erung$ordnungs- Komminion. Sitzung dom Freitag, den 14. Oltober. Das 4. Buch des Entwurfs, die Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung, wurde heute erledigt. Bei der Aussprache über die Entrichtung der Beitröge wies Abg. Schulz darauf hin, daß gegenwärtig die Entwertung der Beitragsmarken meistens nicht, wie es vorgeschrieben ist, mit dem Datum des Tages, an dem die Marken geklebt werden, ge- schieht, sondern mit dem Datum der Fälligkeit der Beiträge. Jnfogedessen wurde beschlossen, daß als Tag der Entwertung der letzte Tag desjenigen Zeitraumes angegeben werden soll, für den die Marken gelten. Nachträgliche Entrichtung der Beitröge. Nach der Vorlage können die Beiträge nachträglich nur für eine gewisse Zeit entrichtet werden. Diese Frist beträgt bei Zwangsversicherten in der Regel zwei Jahre. In den Fällen aber, in denen die Beitragsleistung ohne Verschulden des Ver- sicherten unterblieben ist, sollen die �»iträge für die doppelte Zeit, also für vier Jahre seit der Fälligke-� nachträglich entrichtet werden können. Die Sozialdemokraten wiesen nach, daß auch die Frist von vier Jahren in manchen der letzteren Fälle zu kurz sei, um Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Sie beantragten daher, daß in solchen Fällen die nachträgliche Entrichtung der Beiträge ohne zeitliche Begrenzung zulässig sein soll. Der Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Polen abgelehnt. Dagegen wurde auf Antrag der Sozialdemokraten beschlossen, daß ein Verschulden des Versicherten dann nicht vor- liegt, wenn der Arbeitgeber die Ouittungskarte aufbewahrt und sie nicht zur richtigen Zeit ordnungsgemäß umgetauscht hat. Schutz gegen nachträglichen Verlust der Beitragsmarken. Sind die Marken einer richtig ausgestellten und rechtzeitig zum Umtausch eingereichten Quittungskarte ordnungsmäßig ver- wendet, so soll nach der Vorlage vermutet werden, daß während der belegten Beitragswochen ein Versicherungsverhältnis bestanden hat. Dies gilt nicht, wenn die Marken über einen Monat nach Fälligkeit der Beiträge oder für das Kalenderjahr in größerer Zahl eingeklebt sind, als es Beitragswochen hat. Abg. S ch i ck e r t machte darauf aufmerksam, daß trotz dieser Bestimmung sehr schwierige Feststellungsverfahren nötig sein könnten. Demgemäß wurde hinzugefügt: Der Versicherte kann von der Versicherungsanstalt die Feststellung der Gültigkeit der verwendeten Marken verlangen. Hat die Versicherungsanstalt die Versicherungspflicht oder die Versicherungsberechtigung anerkannt. so kann der Rentenanspruch nicht mit der Begründung abgelehnt werden, daß die Marken zu Unrecht verwendet sind. Nach Ab- lauf von lO Jahren seit Aufrechnung der Ouittungskarte kann die rechtsgültige Verwendung der in der Aufrechnung bescheinigten Marken nicht mehr angefochten werden, es sei denn, daß der Ver- sicherte oder sein Vertreter oder ein der Fürsorge für ihn Ver- pflichteter die Verwendung der Marken in betrügerischer Absicht herbeigeführt hat. Einziehung der Beiträge. Nach der Vorlage kann die oberste Verwaltungsbehörde an- ordnen, daß Krankenkassen, Knappschaftsvereine oder Knappschafts- kasscn, andere Stellen, die sie bezeichnete oder örtliche Hebe- stellen der Versicherungsanstalt für deren Rechnung die Beiträge aller oder einzelner Gruppen der Versicherungspflichtigen ein- ziehen. Auf Antrag des Zentrums wurde hinzugefügt, daß vor derartigen Matznahmen die Versicherungsanstalt gehört werden muß. Jedoch wurde vom Zentrum, den Konservativen und den Nationalliberalen der Zusatz der Sozial- demokraten abgelehnt, nach dem auch die beteiligten Kassen gehört werden sollten. Die weiteren Bestimmungen für die Invaliden- und Hinter- bliebenenversicherung werden mit unwesentlichen Aenderungen an- genommen. Nächste Sitzung Dienstag. Tius aller Alelt. Ein modernes finanzgeme. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Rostock wurde in seiner Berliner Wohnung der Direktor des Seebades Heiligendamm, der Schriftsteller Walter John-Marlitt, wegen Betruges verhaftet und nach Rostock übergeführt. Der Verhaftete ist ein Neffe der bekannten Schriftstellerin Marlitt. Die Verhaftung hängt zusammen mit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des seit einiger Zeit von Marlitt geleiteten Oslseebades Heiligendamm. Marlitt war vor mehreren Jahren bereits in Zahlungsschwierigkeiten geraten. Seine Gläubiger einigten sich mit ihm aus 25 Proz. Bevor er aber seine früheren Verpflichtungen geregelt hatte, kaufte er— als vorsichtiger Mann natürlich ohne eigene Mittel— das Ostseebad Heiliz-ndamm und ließ eö vollständig um- und ausbauen. Das Unternehmen beanspruchte annähernd drei Millionen Mark. Außer 100 000 M. in bar, die von Hinter- männern aufgebracht wurden, erhielten d-- früheren Besitzer des Bades Wechsel und Hypotheken, die sich aber als oberfaul erwiesen. Bei den Fälligkeilslermincn stellte sich heraus, daß der größte Teil der Wechsel von Geschäftsleuten unterschrieben war, die eigentlich als zahlungsunfähig angesehen werden mußten. John- Marlitt bestreitet, daß er sich betrügerischer Verfehlungen schuldig gemacht habe. Er sei durch wucherische Ausbeutung in die Schwierig- leiten hineingetrieben worden. Jedenfalls steht aber fest, daß durch die Marlinschen Finanzmanöver eine große Anzahl Handwerks- m e i st e r und Gewerbetreibende schwere Verluste erleiden werden. Zu gleicher Zeit mit dem Herrn Direktor wurde aus Veranlassung der Staatsanwaltschaft auch sein Haupt- Vertreter, ein Herr P a u l m a n n, verhaftet. Der Zusammenbruch des Millionenunternehmens zeigt deutlich, auf welch unsolider Basis oftmals Riesenprojekte aufgebaut werden. Uebrigens soll schon ein Konsortium damit beschäftigt sein, das Bad mit allen seinen Einrichtungen zu übernehmen. Die Gefahren der See. Von einem schweren Bootsunglück ist die deutsche Marine betroffen worden. Ein Boot des an der afrikanischen Küste kreuzenden Kanonenbootes„Panther" ist infolge hohen See- gangs gekentert. Die Besatzung des Bootes, bestehend aus den Obermaschinistenmaaten Ehrenberg und Brenner, den Maschinistenmaaten M ü ll e r und Franke, dem Wacht- meistermaat Zimmermann und dem Matrosen Wilde, fand in den Wellen den Tod. Dem am Donnerstag herrschenden Sturm ist in der Nähe des Ostseebades Kranz ein mit fünf Fischern besetztes Fischerboot zum Opfer gefallen. Gestern früh lvurde der Maat des gckentertcn Bootes und die Leiche eines der Insassen in der Nähe von Rosehnen ans Land gespült. An der englischen Küste ist während eines Sturmes in der Nacht zum Freitag der Londoner Dampfer„Cranford" gesunken. Zwanzig Mann der Besatzung fanden in den Wellen den Tod. Einer Meldung aus St. Nazaire zufolge ist der Dampfer „Ville de Rochefort" bei der Insel Noirmoutiers gesunken. Von der 26 Mann starken Besatzung des Dampfers konnten nur drei Mann durch den spanischen Dampfer„Peveril" ge- rettet werden._ Eisenbahnunfälle auf deutschen Bahnen. Auf der Eisenvahnstrecko Frankfurt(Oders- Guben überfuhr in der Nacht zum Freitag in der Nähe von Wöllmitz ein Eilgüterzug das Hallesignal und fuhr auf einen Güterzug auf. Durch den beim Platzen des Wasserstandsglases ausströmenden Dampf wurde der Hilfsbremser Treschenschi so schwer verbrüht, daß er kurze Zeit nach dem Unglück seinen Verletzungen erlag. Lokomotiv- führer S ch e m a n n, Heizer Rudolf au« Berlin und Packmeister Kitzler aus Breslau sind schwer verletzt worden. Die Lokomotive und zwölf Wagen sind zertrümmert. Der Betrieb ist auf beiden Gleisen gesperrt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen aufrechterhalten. Ein zweiter Eisenbahnunfall ereignete sich in derselben Nacht in der Nähe von Lindau. Dort ist der von München kommende Schnellzug auf einen Güterzug aufgefahren. Fünf Personen wurden leicht verletzt, konnten jedoch die Reise fortsetzen. Zwei Städte durch einen Orkan zerstört. Nach einer Meldung aus Havanna sind durch einen Orkan die Städte C a st i l i a und Santa Clara zerstört worden. Es sollen viele Menschen dabei umgekommen sein._ Kleine Notizen. Abgestürzter Aviatiker. Bei einem Probefluge, den der Aviatiker Stein mann in Süchteln im Rheinland mit einem neuen Flugapparat unternahm, versagte der Motor. Der Apparat stürzte aus einer Höhe von etwa b Metern ab und wurde vollständig zertrümmert. Steinmann erlitt schwere Verletzungen. Durch eine Bombciicxplosion ist bei H a d z a l a r in Ungarn ein Güterzug entgleist. Sieben Wagen wurden dadurch zertrümmert. Erdbeben in Serbien. Wie ein Telegramm aus Belgrad meldet, sind im Innern des Landes am Donnerstag mehrere heftige von Westen nach Osten gehende Erdstöße verspürt worden. Schaden wurde durch das Bebeti nicht angerichtet. Eine Million Dollars Zollhinterziehung. Der Antiquitäten- und Kunsthändler Beiffamin Duveen in New Dork ist unter der Beschuldigung verhaftet worden, in den letzten Jahren Zoll- Hinterziehungen im Betrage von einer Million Dollars begangen zu haben. Bom Zuge überfahren und getötet. Der aus dem Bahnhof« Frankfurt-Büiingen stationierte Hilfsarbeiter Kaiser wurde vorgestern abend von einem Zuge überfahren und getötet. Nach der Lage des Getöteten ist �u schließen, daß dieser mit seinem Stieselabsatz in einer Weiche hängen blieb; er versuchte sich loszumachen, was ihm aber unglücklicherweise nicht gelang. « » I GEGRÜNDET 1867 I » P Jerusalemer Str. 38-39 Friedrich-Straße 75 Potsdamer Straße 2 Tauentzien-Straße 19a König-Straße 25-26 Schöneberg, H«upt*tr. 146 Rixdorf, Bergstr. 25- 26 Januar 1911: Rosenthaler Str. 5 Zentrale und Versand: Jerusalemer Str. 38-39 Inctitut für Herstellung: von Ma&- Schuhwerk und Flatlfuß» Einlagen nach individuellen FuBabdrücken unter spezialärztlicher Ueberwachung:. 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Verlag: BorwSrt« duchdruckecei u.»ertagsanKaU«aul Ving«»«o.«ertm SVi* |t. 242. 27. Jahrs. Keiltzk drs ,Fsm«Is"- AllikPii ftr Olk». Sie», IHrlitn. 15.«Klaber 1910. Soziales. Von der Unterstützungspflicht der Kinder. Eine völlig überflüssige Bestimmung der Gewerbeordnung ist Z>ie im§ llöa Abf. 2 Ziffer 2 erlassene, nach der die Gemeinden durch statutarische Bcftimanungen festsetzen können, dah der Lohn für minderjährige gewerbliche Arbeiter an die Eltern oder Vor- nründer und an die Minderjährigen selbst nur dann zu zahlen sei, wenn eine schriftliche Zustimmung seitens jener gegeben ist. Sehr wenig Gemeinden haben von diesem Rechte Gebrauch gemacht. dinier anderen hat Krefeld am 1. Juli 1894 ein Ortsstatut in diesem Sinne erlassen. Da dort von den Eltern allgemein den Minderjährigen die Erlaubnis zum Geldempfang erteilt wird, hat das Ortsstatut nur die Wirkung gehabt, dass die verflossenen 18 Jahre eine Unmasse Bescheinigungen ausgestellt, von der Polizei beglaubigt und gestempelt werden mußten. Zu dem einzigen Lwel�», damit Beamte Beschäftigung haben, erlätzt man aber doch r�ftie statutarischen Bestimmungen. Das Krefelder Ortsstatut hat äber nicht nur keinen Nutzen, sondern sogar Schaden gestiftet, indem es die Rechtsbegriffe über das Verfügungsrecht der Eltern an dem Arbeitsverdienst der Kinder völlig verwirrt hat. Nicht nur bei den Eltern selbst. sondern sogar bei den Behörden und Gerichten macht sich das Be- streben geltend, den Eltern die Nutznießung an dem Arbeitsver- dienst der Kinder zuzusprechen. Sobald in einem Haushalt neben erwerbsunfähigen Kindern solche vorhanden sind, die Erwerbsarbeit verrichten, wird bei Antragen ans Erteilung einer Bescheinigung über das Unvermögen zur Tragung von Prozeßkosten stets seitens der Armenverwaltnng daö Einkommen der ganze» Familie zusammengerechnet. Ebenso wenn es sich darum handelt festzustellen, ob der Familienvater in der Lage sei. seinen Eltern Unterstützung.zu gewähren. Das Krcfelder Arbeitcrsekrctariat hat nun eine Entscheidung herbei- geführt, die dieser irrigen Praxis entgegenzutreten geeignet ist. Der Färbergeselle I. zu Krefeld-Bockum ist lungenkrank, hat im verflossenen Jahre einen durchschnittlichen Wochenverdienst von 18.59 M. gehabt. Hiervon bestreitet er den Unterhalt für sich, die Ehefrau und drei Kinder im Alter von 12, 9 und 7 Jahren. Ilutzer diesen Kindern leben in seinem Haushalt zwei minderjährige Kinder, von denen der Sohn wöchentlich 29, die Tochter 15 M. verdient. Der Bater des I. war erwerbsunfähig und forderte wöchentlich 1,59 M. Unterstützung, da sein Sohn wöchentlich ein Einkommen von 59— 69 M. habe, sei er sehr wohl in der Lage, diesen Betrag zu leisten. Die Armenverwaltung und auch das Oberbüvgermeistcramt waren gleicher Meinung und als I. von feinem Vater verklagt wurde, weigerte man ihm die Bescheinigung über sein Unvermögen zur Tragung von Prozeßkosten. Da er idiese Bescheinigung haben mutzte, um das Armenrecht zu erwirken, reichte das Arbeitersekretariat Beschwerde beim Regierungspräsi- denten zu Düsseldorf ein. Begründend wurde ausgeführt, daß der Arbeitsverdienst der Kinder freies Vermögen sei, welches der väterlichen Nutznießung nicht unterliegt. Der Vater könne nicht das Geld der Kinder nehmen und damit seine Prozesse führen. Unterstützungsbedürftig sei er selbst nicht, zum Unterhalt der Ge- schwister wären seine erwerbsfähigen Kinder nicht verpflichtet. Die Beschwerde hatte Erfolg. I. erhielt die Bescheinigung und später vom Landgericht das Armcnrecht. Trotz der so klaren Sachlage wies das Landgericht Krefeld den Vater mit seiner Klage nicht völlig ab, sondern verurteilte den I., an seinen Vater wöchentlich 1 M. zu zahlen und'/« der Kosten zu tragen. Auch bei dem eigenen so geringen Verdienst sei er infolge der Beisteuerung der erwerbs- fähigen Kinder zum gemeinschaftlichen� Haushalt in der Lage, dem Vater wöchentlich 1 M. zu zahlen, so führten die Gründe aus. In dem Gesuch ums Armenrecht beim Oberlaudesgericht zu Düsseldorf wies der Arbeitersckretär Genosse Weiner darauf hin, daß das Landgericht völlig autzer acht gelassen habe, daß dem I. eine Nutznießung an dem Arbeitsverdienst der erwerbsfähigen Kinder nicht zustehe. Er selber sei infolge seines geringen Ein- kommens von 18,59 M. wöchentlich kaum in der Lage, den Unter- halt für sich, die Ehefrau und die Kinder unter 14 Jahren zu be- streite», deshalb dem Vater auch nicht unterhaltspflichtig. Das Armenrecht wurde bewilligt und in dem vom OberlandeSgericht zu Düsseldorf erlassenen Urteil wurde der Berufung stattgegeben, das Urteil des Landgerichts zu Krefeld aufgehoben, der Vater mit seinem Unterstützungsanspruch abgeiviesen. In dem Urteil wird besonders hervorgehoben:„Der Vater hat feinen Rechtsanspruch gegen seine erwerbsfähigen Kinder, zu feinem oder zum Unterhalt der nichtverdienenden Kinder beizu- tragen. Der Erlverb der Kinder ist nach K 1651 B. G. 93. freies Vermögen der Kinder, ihr Einkommen kann nicht, wie der Kläger in der Berufungsinstanz verlangt, dem Einkommen des Beklagten zugerechnet werden.— Hat sonach der Verdienst der Kinder bei der Frage der Fähigkeit des Beklagten zur Unterhaltsgewährung außer Betracht zu bleiben, so bleibt nur die Frage, ob er imstande ist, bei Berücksichtigung seiner sonstigen Verpflichtungen aus eigenem Einkommen dem Kläger Unterhalt zu gewähren. Dies ist aber zu verneinen." Da die Avmenverwaltungen allerorten wenn irgend möglich bei Unterstützungsansprüchen erwerbsunfähiger Personen auf die Angehörigen zurückgreifen, ist das angeführte Urteil für Arbeiter besonders beachtenswert. Wenn schon bei den 93ehörden eine solche Unklarheit herrscht, darf man sich nicht lvundern, wenn die Eltern selbst sehr oft der Meinung sind, sie könnten mit dem Arbeits- verdienst der minderjährigen in ihrem Haushalt befindlichen Kinder nach Gefallen schalten und walten. Dem ist keineswegs so. da der Arbeitsverdienst der elterlichen Nutznießung entzogen ist. Vorort- l�adrncbten. Cliarlottentnirg Die Gencralversammlnng deS Wahlvereins am Dienstag nahm nach vorangegangener Aufnahme einer größeren Anzahl neuer Mitglieder zunächst den Kassenbericht des Kassierers, Genossen Reinsch, für das 3. Quartal 1919 entgegen. Danach standen einer Einnahme von 2589,17 M. an Ausgaben 448,19 M. gegenüber, so daß nach Abführung von 1726,15 M. an die Kreiskasse ein Bestand Von 414,92 M. verblieb. An den VolkshauSsonds konnten 376,29 M. für 3762 verkaufte Marken a 19 Pf. abgeführt werden. Zum nächsten Punkt der Tagesordnung wurde einstimmig be- schlössen, den Genossen Wilhelm Richter im 1. Bezirk als Stadt- verordnetcnkandidaten aufzustellen. Sodann wurde für den nach außerhalb verzogenen Genossen �oul Gerlach der Genosse Hermann Krüger als 1. Schriftführer, Genosse Albert Billiau als 2. Schriftführer, Genosse Alfred G e r l a ch als Bibliothekar und Genosse Dr. S u ß m a n n als Per- treter des Wahlvereins im BildnngSausschuß gewählt. In der nun folgenden Fortsetzung der Diskussion über den Magdeburger Parteitag, an der sich mehrere Genossen beteiligten, wurde auf der einen Seite das Verhalten der Mehrheit gebilligt, während auf der anderen Seite von einigen Genossen hervorgehoben wurde, daß die Annahme des Amendements Zubeil besser unter- blieben wäre. Aber auch ein Teil der Genossen, die der Ansicht der Minderheit waren, erklärte, daß die badischen Abgeordneten einen Disziplinbruch nicht hätten begehen dürfen, dagegen sei es ihr gutes Recht, auf Aufhebung der Nürnberger Resolution hinzuwirken. Die Genossin Lodahl gab dann noch der Hoffnung Ausdruck, daß auch die Parteigenosse» der in der Genossenschaftssrage gefaßten Resolu- tion recht zahlreich nachkommen werden. Nach einem Schlußwort des Genossen Wilk wurde folgende Ne- solution— gegen 5 Stimmen— angenommen: „Die am 11. Oktober 1919 tagende Generalversammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins Charlottenburg stimmt den Be- schlüssen des Magdeburger Parteitages in vollem Ilmfange z u. Die Versammlung begrüßt mit Genugtuung, daß trotz hef- tiger Kämpfe in der Budgetfrage die Einheit der Partei unerschüttert ist und erwartet bestimmt, daß alle, die sich zur Sozialdemokratie bekennen, einsehen, daß die Partei- disziplin die Einhaltung der Parteitags- beschlüsse unter allen Umständen erforder t." Der Elternverein für freie Erziehung veranstaltet am Mitt- wach, den 19. Oktober, abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosinen- stratze 3. einen öffentlichen Vortragsabend. Referentin ist Zräu- lein Ida Altmann über das Thema„Schule und Kin d". Ripdorf. Stadtverordnetenversammlung. An erster Stelle der Be- ratungen am Donnerstagnachmittag staub folgende Interpellation der sozialdemokratischen Fraktion: „Ist dem Magistrat bekannt, daß am 15. September während der Stadtverordnetenversammlung in dem der Stadt gehörigen Kgl. Amtsgerichtsgebäude etwa 49, nach anderen Angaben etwa 89 Schutzleute, mit scharfer Munition versehen, untergebracht waren? Wir ersuchen den Magistrat, den Unterzeichneten die Gründe für dieses auffällige Vorgehen mitzuteilen und die merkwürdige Tatsache zu erklären, daß die Polizeibeamten, trotzdem der letzte Teil der Sitzung geheim war, genau wußten, wann die Sitzung beendet wurde. Wir ersuchen den Magistrat ferner um Auskunft, ob derselbe direkt oder indirekt der Polizei diese Mitteilung hat zugehen lassen?"- Stadtv. G r o g e r(Soz.) sagte in seiner Begründung der An- frage, daß während der vorigen Sitzung die Straßenzüge am Rat- Hause von vielen Kriminalbeamten besetzt waren. Ferner seien auch Schutzleute in großer Zahl aufgeboten gewesen, denn am Schluß der geheimen Sitzung am 15. September verließen etwa 49 bis 39 Mann das gegenüberliegende, der Stadt gehörige Amtsgerichtsgebäude. Wir wollen wissen— so sagt der Redner—, wer das veranlaßt hat. Der Magistrat etwa? Bei seinem schon wiederholt erwiesenen innigen Kontakt mit der Polizei wäre das allerdings kein Wunder. Es mutz aber verlaugt werden, daß derartige Dinge unterbleiben. Wenn das Bürgertum noch ein politisches Rückgrat besäße, würde es solche polizeiliche Bevormundungen energisch bekämpfen. Davon kann aber längst nicht mehr die Rede sein. Wir verlangen vom Magistrat eine unzweideutige Antwort, ob von ihm etwa die Rat- Hausbelagerung veranlaßt worden ist.— Bürgermeister Dr. Wein reich versichert zwar eingangs seiner mehr als dürftigen und kurzen Antwort, daß er sich sehr deutlich aussprechen werde; nichts destowen iger mühte er sich in gewundenen csätzen, die der deutschen Sprache geradezu Gewalt antaten, um den Nachweis, daß man ledig lieh dem Drängen der Polizei um Ueberwachung des Rathauses nachgegeben habe. Nach diesem Geständnis konnte es nur noch komisch wirken, wenn dieser Vertreter der städtischen Selbstverwal- tung versicherte, der Magistrat stehe in keinem Konnex mit der Polizei.— Mit Recht setzte dem bürgermeisterlichen Eiertanz Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) starkes Mißtrauen entgegen. Die RathauSbelagerung ist zweifellos— so betonte er— vorbereitet worden; dafür sprechen Preßnotizcn, welche ihrem Stil nach aus dem Rathause stammen und lächerlicherweise von der zu erwartenden Revolution in Nixdorf faseln. Wen wollte man denn schützen? (Zuruf: Die ängstliche MehrheitI) Wir bedürfen dieses ent- würdigenden Schutzes nicht. Die Polizei hat ja zwar die Ausgabe. denen beizuspringen, welche die geltenden Gesetze respektieren; in Rixdorf tut sie das Gegenteil und schützt Räuber— wen» dies hier auch nur Wahlrechtsräubcr sind.(Stürmische Unterbrechungen bei der Mehrheit und Rufe: Zur Ordnung!) Das Verhalten des Ma- gistrats wie das der Polizei ist für Rixdorf gleich blamabel. Es ist leider wahr, wenn ein politisches Witzblatt(„Der wahre Jakobl" D. Red.) von ihnen sagt: Und was die Welt spricht, schiert sie nicht In Rixdorf: Proletenrecht ist ihnen Wurst. Sie lieben nicht den Freiheitsdurst In Rixdorf. Wahr werden muß und wird aber auch das, was am Schluß dieses satirischen Gedichtes behauptet wird: Dickhäuter auch— glaubt mir's, ihr Herr'n Von Rixdorf— Fall'n. wenn die rechte Büchse knallt! Und das geschieht wohl auch recht bald In Rixdorf! Erneuter Tumult bei der Mehrheit quittiert über die Wirkung der wohlgezielten Hiebe des sozialdemokratischen Redners. Die Interpellation war damit erledigt. Die vom Magistrat beantragte nachträgliche Aufnahme von vier Personen in die Wählerliste lehnte die Versamm- lung auf Antrag des Wahlausschusses ab. Ein im Entwürfe vorliegendes Ortsstatut, nach welchem künftig die Berichtigung der Wählerlisten in die Zeit vom 1. bis 15. September verlegt werden und deren Auslegung vom 15. bis 39. September erfolgen soll, wurde genehmigt. Mehrere Vorlagen über Stratzenrcgulierungen und Abänderungen des Bebauungsplans finden debatte- lose Annahme. Beschlossen wurde, den Lehrpersonen an den städtischen Schulen im Falle der Anrechnung von Privatschuldienstzeit die diesem Dienst- alter entsprechende erhöhte Ortszulage ohne weitere Gegenlei st ung zu gewähren; die§§ 34 bis 36 des Lehrer- besoldungsgesctzes, welche eine solche Möglichkeit zulassen, sollen also nicht in Anwendung kommen. Gegen die Verlängerung des Vertrages mit der Ziegel-Transport-Aktiengesellschaft, wobei der Magistrat zugleich eine Herabsetzung des WindcstufengeldcS für jeden von dieser Unternehmerin am Schiffahrtskanal aufgestellten Kran vorsieht, wandte sich energisch Stadtv. Heller(Soz.) in längeren Ausführungen. Redner wies nach, daß die Monopol- stellung der genannten Gesellschaft die Schiffer schwer schädigt, um so mehr, als diese auch schon durch Vorschleuscrecht infolge eines Ministerialentscheides begünstigt wird. Ebensowenig könne ein Ge- bührcnnachlatz einem solchen kapitalkräftigen Unternehmen gegen- über zugestanden werden.— Stadtbaurat W e i g a n d befürwortete trotzdem den Vertrag, welchem schließlich auch die bürgerliche Mehr- heit— mit einer Ausnahmt— zustimmte. Der Erwerb der R e d e h a l l e auf dem Friedhof an der Nudower Straße in Britz von der Kirchengemeinde Dt.-Rixdorf zum Preise von 6999 M. wurde genehmigt. Die vom Magistrat vorgelegte neue Ordnung für Erhebung der B i e r st e u e r. welche nicht allein eine Erhöhung enthält, son- dcrn auch sonst Verschlechterungen vorsteht, bekämpfte Stadtv. Scholz(Soz.). Der Entwurf könne, wie er vorliegt, keinesfalls akzeptiert werden.— Stadtv. G r ö p l e r hatte ebenfalls einige Ausstellungen, allerdings nebensächlicher Natur, zu machen.— Nach einigen vergeblichen Rettungsversuchen des Stadtrats M i e r ging die Vorlage an einen Ausschuß, dem auch die Genossen Scholz und Hoppe angehören. Die Errichtung einer Rettungswache mit Nachtbetrieb (jährlicher Zuschuß von 4599 M.) ist erneut Gegenstand der Be- ratung.— Stadtv. Mehle erklärte, daß er und seine Freunde (Neue bürgerliche Fraktion) jetzt bekehrt seien und für die Vorlage stimmen werden.— Stadtv. Dr. S i l b e r st e i n(Soz.) stellte fest, daß die sozialdemokratische Fraktion bereits bei der früheren Be- ratung für die Rettungswache votiert hat. Diese Feststellung ist — so sagt Redner— notwendig, um zu verhüten, daß die bürger- liche Mehrheit in gleich verlogener Weise, wie dies in dem kürzlich ausgegebenen Flugblatt in anderen Dingen geschehen, nach Reichs- lügenvcrbandsmanier behauptet, die sozialdemokratischen Stadtver- ordneten hätten die Rettungswache abgelehnt. Zur beantragten Gewährung einer Ehrengabe an die Kriegsveteranen sprach Stadtv. B ö s k e(Soz.) und der- langte die Beseitigung der vorgesehenen Bedingung einer ein- jährigen Ansässigkeit in Rixdorf. Im übrigen sei es ein Skandal, daß das Reich diesen alten Kriegern gegenüber seine Pflicht voll- ständig vernachlässigt.— Stadtv. Beiß bezeichnete die einjährige Karenzzeit als unentbehrlich, weil sonst— wie er sagt— Freibeuter unter den Veteranen sich unrechtmäßig die Unterstützung aneignen könnten.— Unter treffender Charakteristik dieses komischen Stadt- vaters nahm Stadtv. W u tz k y(Soz.) die alten Veteranen gegen dessen Beschimpfungen in Schutz. Das veranlaßte B e l tz zu beleidi- gendcn Ausfällen, bei denen sich vor ohnmächtiger Wut seine Stimme wiederholt überschlug, begleitet von dem Gelächter der Sozialdemokraten. Mit einer vom Gegenteil von Hochachtung zeugenden Handbewcgung bedeutete Genosse W u tz k y unter dein Beifall unserer Fraktion dem Schimpfenden jedoch, daß ein Mann wie Beiß, dem selbst seine bürgerlichen Klastengenossen in öffcnt- licher Versammlung bescheinigt haben, daß er nicht ernst zu nehmen ist, für die sozialdemokratische Fraktion ein für allemal abgetan sei. Nach der Zusicherung des Magistrats, daß die Karenzzeitbestimmung loyal gehandhabt werden soll, wurde die Vorlage genehmigt. Es folgte daraus eine längere geheime Sitzung. Mit den bevorstehenden Stadtverordnetenwahlen für die zweite Zlbteilung werden sich am Montag, den 17. Oktober, abends 8 ZI Uhr, vier öffentliche Versammlungen beschäftigen. Die Versammlungen finden statt für den Nordbezirk im Lokal von Kränke, Weichsel- slraße 8, für den Südbczirk im Lokal von F r ä n k e l, Hermann- straße 179, für den Ostbezirk im Lokal von C e n k l, Kaiser- Fricdrichstraße 86, und für den Westbczirk im Lokal von Hoppe, Hermannstraße 49. Sonntagvormittag werden die Wähler der zweiten Klasse noch besonders zu den obigen Versammlungen eingeladen. Es ist daher notwendig, daß sich die Genossen Sonntag früh 8 Uhr an den bekannten Stellen zur Verbreitung der Ein- ladungen einfinden. Wilmersdorf-Halensee. Zu den Stadtveiordnctcnwahle». In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nahm der Sozialdemokratische Wahlverein am Mittwochabend zu den in der 3. Abteilung am 3. November stattfindenden Stadtverordnetenwahlen Stellung. Nach- dem der Vorsitzende die Sawlage erläutert und mitgeteilt hatte, daß der Partei leider keine Hausbesitzerkandidaten zur Verfügung stehen, unterbreitete er im Namen des Vorstandes den Mit- gliedern die Grundlagen für ein Zusammengehen mit der Demo kratischen Vereinigung. Danach verpflichten sich die Demokraten, im 8. und 9. Wahl« bezirk dritter Abteilung die beiden sozialdemokratischen Mieter» k a n d i d a t e n zu u n t e r st ü tz e n, wohingegen unsere Partei- genossen sich verpflichten, für die im 9. und 19 Bezirk und eventuell im 1. Bezirk von den Demokraten aufgestellten Hausbesitzer- kandidaten einzutreten. Ferner hat der Sozialdemokratische Wahlverein diejenigen seiner MitgUeder, die in der zweiten Ab» t e i l u n g wahlberechtigt sind, aufzufordern, für die von der Demo- kraiische» Vereinigung auch hier aufge st eilten Kan« d i d a t e n zu stimmen. Die lehr zahlreich besuchte Versammlung hieß die« Uebereinkommen mit allen gegen zwei Stimmen gut. Als Kandidaten unserer Partei wurden bestimmt für den 8. Wahlbezirk Redakteur Wilhelm Schröder, für den 9. Wahl» bezirk Gewerkschaftsangestellter Oskar Riedel. In einer am Sonntagmitiag 12 llhr im GesellschaftShanse, Wilhelmsaue 112, stailfiiideuden Volksversammlung wird LandtagSobgeordneter Paul Hirsch unsere kommunalpolitischen Forderungen erläutern. Sein 10. StistimgSfest begeht heute abend im GesellschaftshauS der Arbeiter-Radfahrerverein„Vorwärts", Mitgl. d. Arb.-Radfahrer« bundes„Solidarität". Der Verein steht der Partei stets zur Per- sügung; daher werden die Parteigenossen gebeten, durch Besuch das Fest zu berücksichiigen. Das reichhaltige sportliche Programm wird bei jedem Besucher Juteresse erwecken. Steglitz-Jricdenan. Für die Ortskrankenkassö Steglitz findet am Mittwoch, den 19. d. M., nachmitiagS von 5—8 Uhr, im Nestaiiraut„Hohenzollern", Mitielstraße, eine ErgäuzmigSwahl zur Generalversammlung statt. Die Neuwahl der Generalversammlung der Ortskrankenkasse für Friedenau erfolgt anfangs deS nächsten Monats. Die Ver- trauenSlcuie der Betriebe in beiden Orten werden ersucht, die ge- Hauen Adressen derjenigen Genossinnen und Genossen, die als Dclegieite vorgeschlagen sind, nnigehend dem Genossen Richard H a g e n, Friedenau. Kaiierallce 115. zn Übermitteln. Wählbar als Delegierte sind alle weiblichen und männlichen Kasseumitglieder. die das 21. Lebensjahr überschritte» haben. Der Bauschwindel steht auch in unserem Orte in schönster Blüte. Sind die Fälle, Ivo dem„Bauherrn" schon während des Ans« ichachtens der Draht ausgeht, auch seltener, so kommen sie doch hin und wieder vor. Häufiger ist schon der Fall, daß nach Fertig» stellung einiger Etagen die Bauarbeiier das Feld räumen, iveil ent» weder der fällige Lohn nicht gezahlt werden konnte oder das Bau- Material fehlte. Gcliiigl es aber schließlich doch mit Ach und Krach de» Bau sertigzuiiellen, dann kann man fast init Bestimmtheit daraus rechnen, daß bald das oininöse Plakat mit der Ankündigung erscheint, daß das Grinidslück unter gerichtlicher Verwaltung steht, die inji der Subhaftation ibr vorlnnfiaes Ende erreicht. Ganze Straßenzüge sind aus diese Weise entstanden. Daß dabei die Handwerksmeister»nd Bauarbeiter die Zeche bezahlen müssen, liegt auf der Hand. Hieran hat bisher auch das„Gesetz betr. den Schlitz der Forderungen der Bauhandiverker" nichts zu ändern vermocht, das vorläufig allerdings nur in seinem ersten Teile in Kraft ge- treten ist. Der zweiie Teil wird wohl überhaupt nie i» Wirksamkeit trete», da ans iviederholte Petitionen der Minister erklärt hat, daß er von der Einführung des zweiten Teiles Begleitericheinnngeii be- fürchte, die eine Schädigung des Baugewerbes bedeuten würden. UebrigenS sehr bezeichnend für die Art. wie bei uns Gesetze gemacht werden. Da also daS Gesetz versagt, will man in Steglitz nun ver- suchen, den Banichwindlerit mit Hilfe des ß 35» der Gewerbe« ordnung zu Leibe gehen. der eine Handhabe bietet, Leute», die in technischer, mokalischer oder wirtschaftlicher Hinsicht nicht die noiivendigen Garantien bieten. die Banerlaubnis zu versagen. Da die Banschwindler mit allen Hunden gehetzt sind, wird die Prüfung der B a u g e s u ch e natürlich sehr gründlich erfolgen müssen. Eigens zu dem Zwecke soll dem Amts- und Gemeindevorstand(zunächst versuchsweise) ein Be- amter zur Beriügimg gestellt werden. Es wird abzuwarten sein, ob auf diese Weise etwas erreicht wird. Ob e§ richtig ist, die Bear- beitung der ganzen Sache in die Hand eines einzigen Beamten zu lege», darüber kann nia» übrigens geteilter Meinung sein, selbst wenn ma» mit dem gewollten Zweck völlig emverstauden ist. Boxhagen- Nummelsburg. Tein 2vjShrlnes Stiftungsfest feiert der hiesige Wahlverein heute abend in den Gesamiräumxn de? Cafö Bellevue, Hauplstr. 4. Zur Verschönerung des Festes ist das Neue Toiiliinstler-Olchester(Dirigent Nudolf Tietz) und daS Walkotte-Ouartett engagiert wurden. Tie Borstellnng findet in beiden Sälen des Etablissements statt, so daß allen Besuchern ein genubretcher Abend geboten wird. Bohnsdorf. Urder„die LebenSmiitelttueriing und die Weltanschauung Wilhelms II." referierte ii» einer am Sonntag stattgehabten öffent- lichen gutbesnchten Versammlung Genosse KI m m r i tz. Der Referent fand mit seinen Ausführungen allseitigen Beifall. Zwei vom Referenten der Versammlung vorgelegte Resolutionen, von denen sich die eine gegen die Wucherzollpolitik der Regierung, die andere gegen das persönliche Regiment sowie die Polizeitaten in Moabit richtet, wurden einstimmig angenommen. In der letzten Wahlvrreinsversaiumlung hielt Genosse G ii tt le r einen wirkungsvollen Vortrag über die Bedeutung des Ge» nosseuschaftSwesenS. Unter Verschiedenem stimmte die Ber« sammlung einem Vorschlage deS Genossen Kimmritz, die ErziehnngS» anstalr.Urban" zu besuchen, zu. Von der Lotauommiiston wurde der Versammlung bekanntgegeben, dost der Lokalinhaber H u g h, Schulze ndorf, sich offen gegen jegliche Arbeiterkundschaft aus» gesprochen habe. Die Versammlung drückte den Wunsch auS, daß vor allein die Berliner Ausflügler dieses Lokal meiden. Mllsttn, Siliitmlmigeu, Srhensivurdigdkitkn. (Zutritt ist unentgeltlich, wenn nichts anderes vermertt ist.) AlteS und AeneS Museum. Am Lustgarten. Wochentag»(außer Montag»)! April bis September 10—4, Oktober bis März 10-3. Am Sonntag und an den zweiten Weihnachts-, Öfter«, Pfingstseiertagen: April bis September l-2-ö, Cliobn und März 12—5, November und Februar 12-4. Dezember und Januar 12— 3. Am Montag und an Felertagen(außer ym Sommer: täglich S— 7, den zweiten Feiertagen): acichloifen. Aquarium, unter den Linden OSa..„.. im Winter: an Sonn« und Feiertagen 9—7, an Wochentagen 0— S. Eintrittsgelds 1,00 M., an Sonn-" und Feiertagen 50 Ps.: Klnder Am letzten Sonntag jede» Monats 25 Architrttur-Museum. Technische Hochschule, lit Hälste. irlottenburg, Berlinerin ch l0— j2 für Studtcnzwecke, auch 5>,,— 7>/l. Freitag 10—3. Geschlossen- Sonnabend und Sonntag. Ausstellung für Arbeitcrwohlfahrt. Sharlottenburg, Fraunhofer. flraße 11/12. An allen Wochentagen(außer Montag) 10—1, am DlcnSlag und Donnerstag auch K— S abend». Sonntag 1—5. Baumuseum. Siehe Derkehrsmusenm. Berg- und Hutteumuseum. Jnvalidcnsw. 44. Wochentag»(außer Sonnabend) 12—2, am Sonntag: Zlpril bis September 12—6, Oktober und März 12—5. November und Februar 12—4, Dezember und Januar 12—3. Botanischer Garten. Dahlem. Uncnlgeltllch: Sonntag, Dienstag, Mittwoch. Freitag 2—7. Sonntag 10—7. An Wochentagen vormittag« Zutritt nur gegen Erwerbung des.Führer»"(beim PjörUier).(Nur im Sommer gevssnct.) Botnuiiches Museum. Dahlem. Montag und Donnerstag 3-S, Mittwoch 9—6. Elsenbahnmnsenm. Siehe Berkehrsmuseum. Kaiser striedrilh-Mnsenm. Monblsoustraße. Eröffnimg: an den Wochentagen(außer Montag) um 10, am Montag um 1, am Sonntag und an den zweiten Weibnnchts-, Öfter- und Pfüigslseiertagen um 12. Schluß an allen Tagen: April bis September um 6, Oktober und März um 5, November und Februar uin 4, Dezember und Januar um 3. Eintritts- gelb: Montag 1 M., Dienstag und Mittwoch 50 Pf. Eintritt frei: an allen übrigen Tagen. HNgiencuiuseum. Hessischestr. 4. Dienstag und Freilag 10—2; Sonntag: April bis September l— 6, Oktober und März 1—5, November und Februar 1—4, Dezember unb Januar 1—3._ Kunstgewerde-Mnseum. Prinz AILrcchtstr. 7. Besuchszeit wie Selm Mten Museum. Landniirtschaftsmnsenm. Jnvalldenstr. 42. An den Wochentagen (außer Montag) 10—3. An jedem drillen Sonntag im Monat! 11—5. Märkisches Provinzial-Mnseum. Wallktr. 50/54. Besuchszeit täglich (mit Ausnahme von Sonnabend) iO-3 Uhr. Einliitt frei. Gedruckte Führer 10 Pf. Meereskiitibemuseitm. Georgenstr. 34-30. Sonnabend und Montag 11—4, Sonntag 12—3. National- Talcrtr. Museumslnsel. an der Friedrichsbrücke. Eröffnung: an den Wochentagen(außer Donnerstag) um 10, am Donnerstag»m 1. am Sonntag und an den zweiten Weilniachts-, Öfter- und Piingstjciertagen um>2. Schluß, an allen Tagen: April bis September um 6, Okiober und März um 5, November niid Februar um 4, Dezember und Januar um 3. ......: Donnerstag 1 M., Freitag und Sonnabend 50 Pj. Eintritt Eintiittsgeld: an allen übrigen Tagen frei. Natnrkttiide-Muienm. Donnerstag, Sonnabend: Jnvalidenswaße 43. Montag, Mittwoch, Slprll bis September 10—4, Okiober bis März 10— 3. Am Sonntag und an ziveilcn Feierlagen: wie beim Slllcn Museum. Post-Musenm. Leipzigerstr. 16/18. Montag. Dienstag, Donnerstag, Freitag 10—2. Sim Sonntag und an den zwellen Feiertagen! 12—2. Ranch-Muscum.(Werke von Christ. Rmich.) Klosterstr. 76. Wochentags: April bis September 10—4, Oktober bi» März tO— 3. RalhanS. Königstraße. 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LI. Sonntag 11—4, ittwoch und Sonnabend 2—8. Königgrätzcrstr. 120. Besuchszeit wie beim Allen Museum. Mnleum für deutsche Volkstrachten und Bolkstu straße 36. Besuchszeit wie beim Alten und Neuen Museum. Zenzhaus. An der Schloßbrücke. Wochentags(außer März bi« Oktober 10—3, November bi» Februar 10—2; am an den zweiten Feiertagen 12—3. Zooloatkcher Garten. Eingänge: Lützow-Ilker, kkursürstendamm und Stadlbahnhos. Eintrittsgeld: an Wochentagen t Äart,(abend» nach 6 Uhr 50 Ps.). an Sonn- und Festtagen 50 Pj.; Kinder die Hälfte. Am ersten Sonntag jede» Monats 25 Pj. wnnabend): onntag und Eingegangene Druchfcbriften. Geschichte der russischen Revolution. Bd. 1. Von L. Kulczyckl. Broich. 8 M. F.?l. Perthes, Gotha. Reformblatter. Nr. 10. Jllustr. Monatsschrift für alle bhglenischen Rcsorinen. Jährl. 3 M. Rcjormbläller-Vcrlag, DreSden-Niederlößnitz. Eeographlsch-statistische Dabellcn aller Länder der Erde 1910. Von O. Hübner. 1,50 M. H. Keller, Frankfurt a. A.'. 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Von Ari Orno. Dresden. Mozarts Briefe. Ausgewählt und herausgegeben von A. Leitzmann. 2 M., in Lcder 4 M. Jnsclvcrlag, Leipzig. Schule nnd GltrrnhauS. Holbmonatsichrist sür Eltern und Er- zlebcr. Herausgegeben von H. Jüngst. Vicrteljährl. 1,80 M. A. Neuer u.'Co., Dresden. Protokoll über die Verhandlunge« beS 11. ordentl. Verbands- tages der Schneider, Schneiderinnen>i»d Wäschearbeiter Deutsch- lanVS. l9>0. 460 S. ß. Stühmer, Berlin. Fachblatt für Holzarbeiter. Heft 10 de» sünsten Jahrgangs Oktober 1910. Herausgegeben vom Deutschen Holzarbelltr-Verband in Berlln. 2 m. R. Kraut, Amtitcher Marktbericht der städllichen Marttballen-Dtrettion über den Großband«! M den Zenwal-Marktballest. Marktlage: Fleisch: Zufuhr genügend, Gelchäi: ruhig. Preise unverändert. Wild: Zusnbr tnnpp, Geichäil nicht lebbasl genug. Preise säst unverändert. G eil ü gel: Znsuhr in Gänsen reichlich, ivnst knapp, Geschäft lebhaft, Preis» bcsriedigend. Fisch«! Znsuhr etwas reichlicher, Geichäil etwa» lebhaft, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft rubig, Preise unverändert. Gemüle, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäft schleppend, Preise wenig verändert. WasserftandS-Nachrtibten der Landesanstall sür Gewässerkunde, mitgeteilt vom verllmr Welterbureau. Vafferstand M e m e l. Tllstt Brezel. Jnsterblng Weichsel. Thor« Oder. Ratibor , Kroffen , Frankfurt Warthe, Schrimm . LandSberz Netze, Vordannu Elbe, LeiNneritz , Dresden , Bardo , Magdeburg l)+ bedeute« Such«.— ltzall.>) llnterdeaet. »»»»,»», ver visier du„Mädchen für alles11 unter den Mänteln Halbschwer aus derbernPlaidstoff, als Zwischending zwischen dem leichten Sommer- und dem schweren Winter-Paletot oder Pelz, wird der Ulster im Herbst angeschafft. 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