Mr. 244. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 ML, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Postabonnements nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland, Italien, Luxemburg, Portugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 27. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 50 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 80 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 20 Bfg., jedes weitere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlafftellen- Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte, Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 1hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adreffe: Sozialdemokrat Berlin" Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Bilanz der Annexion. Dienstag, den 18. Oftober 1910.. Eindruck machen, doch die Machtverhältnisse zwischen Militärstaaten regeln sich nicht nach den Normen des Bezirksgerichtes. Statt freundliches Wohlwollen und ein billiges Urteil machte die Annerion nur alle bösen Vorurteile lebendig, was ein voraussehender Staatsmann schon vorher hätte wissen müssen. Der große taktische Fehler in der Aehren thalschen Rechnung war aber die Mißachtung der Türkei, die sich dann bitter gerächt und zur Komplizierung der Dinge am meisten beigetragen hat. Hätte sich Desterreich- Ungarn über die Annegion vorweg mit der Türkei verständigt, so hätte niemand mehr drein zu reden gehabt: denn wenn die Türkei ihre Souveränitätsrechte" aufgibt, so kann sie doch niemand wahren wollen. Das hat Aehrenthal nicht bloß versäumt, er hat auch noch dann, als die Konstantinopler Lastträger mit ihrem Boykott österreichischer Waren sein diplofegung mit der Pforte hochmütigen Widerstand entgegengesetzt. Erst hat er, bevor er weiter verhandelte, die Aufhebung des Boykotts gefordert, und als ihn die schlauen Türken mit leeren Versprechungen hinhielten, hat er wieder mit Abbruch der Verhandlungen gedroht. Die finanzielle Entschädigung hat er zuerst von oben herab abgelehnt, um dann selbst das Angebot der Zahlung von 54 Millionen Kronen zu machen. Hätte Aehrenthal den springenden Bunkt, nämlich die absolute Notwendigkeit, sich vor allem mit der Türkei auszugleichen, früher erkannt, so hätte die Annexionskrise niemals so scharfe Spigen erhalten, und den Völkern Desterreich- Ungarns wären Tage banger Qual und wären viele Opfer erspart geblieben. Selbst aus dem mit so peinlicher Vorsicht ausgesuchten diplomatischen Aktenstücken ist die Kurzsichtigkeit dieses Diplomaten, den seine Offiziösen hurtig den nach ihrem Sinn schmückenden Beinamen des österreichischen Bismarc" verliehen haben, deutlich zu erkennen. Der Verstand, mit dem die Völker regiert werden, ist niemals und nirgendwo sehr groß. Das wird die Delegationen natürlich nicht abhalten, den Grafen Aehrenthal mit Lorbeer zu bekränzen und wird sie auch nicht abhalten, alles was der Moloch vergeudet hat, und was er noch berlangt, freudig zu bewilligen. Denn der Imperialismus ist bei den bürgerlichen Parteien sehr in Mode gekommen und der Patriotismus, der in Innern" auf so bescheidene Freuden angewiesen ist, tobt sich in Desterreich mit Stolz und Behagen in der Großmachtstellung aus. Aus Wien wird uns vom 14. Oktober geschrieben: Nach zweijähriger Pause find die österreichischungarischen Delegationen wieder zusammengetreten jene Abordnungen der beiden Parlamente, denen die Feststellung des gemeinsamen Voranschlages und damit auch die Kontrolle über die auswärtige und die militärische Politik der dualistischen Monarchie zusteht. Schon daß die Delegationen zwei Jahre pausieren konnten, ist für diese Karikatur einer ernsthaften Körperschaft ganz bezeichnend. Denn diese zwei Jahre find für die auswärtige Politit Desterreichs ausnahmsweise sehr bewegte gewesen, und hätten geradezu eine ununterbrochene Kontrolle erfordert. Anstatt dessen hat man die matisches Gespinst empfindlich störten, der AuseinanderDelegationen im Herbste 1908 mit der Versicherung beimgeschickt, das Annegionsabenteuer werde ganz glimpflich abLaufen und Verwidlungen beträchtlicher Art feineswegs herborrufen. Es ist aber, wie man weiß, fehr anders gekommen, als es die Staatskunst des großen Aehrenthal vermeint hatte: die Annerion hätte beinahe einen Krieg erzeugt und jedenfalls hat sie dem Staate schwere finanzielle Opfer auferlegt. Troßdem wurden die Delegationen nicht einberufen, man gab das Geld, und das mit vollen Händen, einfach ohne Bewilligung aus. Auch nachdem die Annerion liquidiert war im Frühjahr 1909- berief man die Delegation nicht, obwohl der bescheidenste Konstitutionalismus geboten hätte, um die Indemnität für die ohne Bewilligung gemachten Ausgaben - von zweihundertvierunddreißig Millionen Kronen ohne Verzug anzusuchen. Das war aber beileibe feine UnterTassung, das war die schlaue Taktik, über das lächerliche Abenteuer Gras wachsen zu lassen und die Kazenjammer stimmung, die der tragikomische Verlauf der diplomatischen Rampagne so ziemlich überall ausgelöst hatte, verrauchen zu laffen, bevor die Rechnungslegung geschieht. Dann freilich fam Aehrenthal die ungarische Krise zu Hilfe, die im ungari schen Reichstag die Wahl der Delegationen verhinderte und damit die Tagung der Delegationen unmöglich machte. Ueber die kleine" Berlegung der Verfassung, daß man nun zehn Monate ohne bewilligtes Budget wirtschaftet, braucht man fich natürlich keine Sorgen zu machen; auf die Beobachtung derlei Formalitäten" haben unsere bürgerlichen Parteien schon längst berzichtet. Selbst das rührt ihren knechtischen Gleichmut nicht auf, daß die österreichische Delegation gegen Gesetz und Recht nicht neugewählt wurde, daß die vor fünfzehn Monaten gewählten Delegierten noch zur Tagung be rufen werden, obwohl ihr Mandat nach der deutlichen Bestimmung des Gesetzes nur ein Jahr währt. Man nennt den Proteft dagegen einfach einen Verfassungsstreit" obwohl es in Wahrheit dabei gar nichts Strittiges gibt und die ganz erhebliche Gefetfrage ist für die österreichische Schlamperei erledigt. Daß sich unter solchen Umständen der ja an sich nicht beträchtliche Respekt vor dem Delegationsinstitut noch mehr berflüchtigen muß, ist selbstverständlich. Aber das ist vielleicht das gute daran, daß die Delegationen sich selbst ruinieren. Aehrenthal hat den Delegationen ein Rotbuch", eine Mappe Diplomatischer Aftenstücke betreffend Bosnien und die Herzegowina" vorgelegt, und die braven Delegierten werden wahrscheinlich sehr entzückt darüber sein, diplomatische Noten einmal im Wortlaut( fogar in franzöfifcher und in englischer Sprache) genießen zu fönnen, In Wahrheit enthält die Sammlung nicht das geringste, was nicht schon längst bekannt gewesen wäre; was man aber bisher nicht erfahren hat, erfährt man auch aus dem Rotbuch nicht. Insbesondere nichts über die Intervention der deutschen Regie: rung, die das Einschwenken Rußlands bewirkte und damit die Kriegsgefahr soweit eine solche in den serbischen Radamontaden überhaupt gesteckt hat, woran aber nachträg lich große Zweifel gestattet find gebannt hat; das Rotbuch begnügt sich hier mit der Mitteilung der Depesche Aehrenthals an Szögyeny( 25. März 1909): dem Herrn Reichsfanzler meine dankbare Befriedigung über das Resultat des bom Grafen Pourtalès in Petersburg unternommenen Schrittes, von welchem ich mir eine günstige Rückwirkung auf die ganze Situation erivarte, zum Ausdrud zu bringen". Der Schritt" muß jedenfalls sehr entschieden gewesen sein, denn sein unmittelbares Ergebnis war, daß sich Eine Koryphäe der Wissenschaft. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Spree" geschwärmt und begeisterungstrunten mit theatralischer Gebärde von der bewunderungswürdigen Kulturarbeit des großen Herrschergeschlechts" der Hohenzollern, von der Erhabenheit des preußischen Militärmarsches, dem Geist preußischer Zucht" und der„ bezwingenden Macht des Preußengeistes" gesprochen. Nach dem vollständigen z. Bericht der Nordd. Allgem. Ztg." sagte er 3. B.: " „ Die Lieder, die wir heute sangen, sind gröftenteils fast so alt wie diese Hochschule; Goethes Ergo bibamus hat sogar das gleiche Geburtsjahr. Auf dem Spandauer Berg steht ein berfallendes Denkmal Ernst Moritz Arndts: ich habe heute früh vor ihm den Hut gelüftet. Jn heißer Glut burchtönt seine Verse. der drängende Ruf zur Freiheit. Ich weiß, Kommilitonen, wie er widerhallt in Eurer Brust, dieser Ruf, wie Ihr sie hochschäßt, Eure akademische Freiheit! Und Ihr habt wahrlich recht. Die Freiheit ist der Lebensatem der deutschen Universität. Aber Die rechte Freiheit. Nicht die Freiheit, die sich mit Gleichheit verkoppelt: das ist nicht deutsche Art. Nicht die Freiheit", die auf Massenherrschaft hinausläuft: sie ist der Widerpart freien atademischen Geistes. Aber auch die Freiheit habt Ihr nicht, beliebig zu tun und zu lassen, was Euch einfällt. Die rechte akademische Freiheit ist eng berwachsen mit deutscher Treue, von der Ihr auch so gerne singt; sie ist einer ernste hohe Pflicht. Wir gängeln Euch nicht; wir überwachen Euch nicht; wir erlegen Euch keine geistige Diät auf; Frei steht es Euch, den durftgen Blick zu fehren, Wohin Natur und innrer Trieb Euch treibt. Aber, Kommilitonen, Ihr seid nicht einzelne: Ihr gehört dem Vaterlande, Ihr seid Preußen, seid Deutsche. Gewiß, kein Bolt liebt die freie Persönlichkeit so warm wie wir Deutschen, und das Vaterland braucht zu feinen Führern eigene Geister, die sich selbst gehören, bei denen der Druck der öffentlichen Meinung, dieses ärgsten Tyrannen, versagt. Aber derselbe Fichte, der das souve räne Jch in seiner schöpferischen Freiheit proklamierte, hat auch die Reden an die deutsche Nation gehalten. Kommilitonen! Wir haben es dank der Lage unsres Universitätsgebäudes alle oft genug erlebt, wie mitten in die eifrig angehörte Vorlesung der borüberziehende preußische Militärmarsch hereinschmetterte. Es hat mich nie verdrossen, wenn dann die aufmerksamsten Gesichter zerstreut wurden: redten sich dafür doch die Leiber straff empor, fühlte ich doch, wie es rhythmisch in die Beine zudte! In uns Preußen stedt Gott sei Dant immer etwas vom preußischen Soldaten. Deutsche Freiheit und der Geist preußischer 3ucht sind ein Ehepaar, das schlechterdings zusammengehört, und ich kann den Süddeutschen nur wünschen, daß sie hier von der seelen bezwingenden Macht des Preußen= geistes willig einen starken Hauch in sich aufnehmen, statt sich aus den Karikaturen des„ Simplicissimus" und leider auch der " Jugend" über preußische Art belehren zu lassen. Stedt doch etwas von jener preußischen Zucht auch in Euren Kommers fitten, liebe Rommilitonen. Freie jugendlich feurige Begeiste rung ist die Seele Gurer Salamander, nur im Feuer fühlt sich der Salamander wohl; Salamander soll glühen! Und doch: ohne den gebietenden Willen und die starke Stimme Gures fommandierenden Präses geht es nicht; akademische Freiheit in Ehren, die Füchse dürfen doch nicht nachflappern. Im Vaterlande, liebe Kommilitonen, ist es nicht anders: die Freiheit in höchsten Ehren; aber tommts drauf an, aur rechten Stunde, da dürfen die Füchse nicht vor oder nachflappen.". Es hieße die Aufgabe und Bedeutung der preußischen SpezialEs ist noch immer recht leicht, im Bereich der preußischen Kultur zu einer Roryphäe der Wissenschaft zu werden und den schönften Lorbeerkranz für die Denkerstirn zu erhalten- man muß nur die Mache verstehen. Besonders leicht ist die Sache, wenn man es irfolge irgend welcher Gunft der Umstände schon zum preußischen Universitätsprofeffor oder Mitglied der Akademie gebracht und da durch bereits seine eminente wissenschaftliche Befähigung hin reichend erwiesen hat. Es genügt dann, daß man bei irgend einer offiziellen Feier im Kreise des privilegierten Gelehrtentums sich oftentativ als freiwilliger wissenschaftlicher Lohnarbeiter der herrschenden Klassen vorstellt und die preußische Polizeizucht als feinste Blüte aller Geisteskultur preift, so hat man sich das Anrecht auf unvergänglichen Ruhm gesichert und kann sicher darauf wissenschaft völlig verkennen, wollte man diese Leistung nicht höher rechnen, von den Moniteur des Philosophen von Hohenfinot sogar höher als die Vertiefung in die Lieder Reinmars von einschätzen, als die größten naturwissenschaftlichen Entdeckungen, bis herab zum Intelligenzblatt" des Herrn Dertel als größte Bweter. Herr Noethe weiß, was die Wissenschaft zu leisten hat. Leuchte der Wissenschaft gepriesen zu werden. Sicher wird er noch seinen Weg machen; denn in Preußen weiß Wie leicht durch solche Mittel das Berühmtwerden zu erreichen man solche Begeisterung für echte vaterländische Wissenschaft und ist, hat erst in den letzten Tagen aufs neue wieder Herr Geheim- Kultur zu schäßen. rat Professor Roethe bewiesen. Durch eine einzige Rede, eine Im übrigen bestätigt uns dieser hehre Austlang der Berliner Bierrebe, die er am Schluß der Jahrhundertfeier der Berliner Universitätsfeier, daß wir recht daran taten, das Gerede von Universität bei einem Kommers gehalten hat, hat er sich in solchem Kulturarbeit, Freiheit der Wissenschaft, voraussetzungsloser Maße die Hochschäzung der nach Bildung, Besiz und Macht maß- Forschung usw., das in den letzten Tagen die Spalten bürgerlicher gebenden Kreise" der preußischen Nation erworben, daß ihre Presse Blätter füllte, völlig zu ignorieren. Die Jahrhundertfeier der Berihm dide Ruhmestränze um sein geniales Haupt flicht, allen voran liner Universität mußte notgedrungen unter den heutigen preußinatürlich das Blatt, das täglich am deutlichsten zeigt, wie gründlich schen„ Kulturverhältnissen" zu einem byzantinisch- borussischen Hofes auf allen Gebieten der Wissenschaft beschlagen ist: die" Nord- fest werden, auf dem in allen Tonarten die Verdienste der Hohendeutsche Allgem. 8tg.". zollern um die Wissenschaft besungen wurde und tatsächlich ist Bisher war Herr Professor Roethe, Geheimrat, nur in engen nichts anderes herausgekommen, als ein riesiges buntes Ausakademischen Kreisen bekannt, eigentlich nur im Kreise seiner Fach- stattungsstück mit größtenteils recht minderwertigen rhetorischen genossen. Man weiß von ihm, daß er recht gut vorträgt, wenn er Einlagen. Rußland, das bis dahin den schärfsten Widerstand geleistet Sachsenspiegels geschrieben und Brentanos Ponce de Leon gründauch dabei stark schauspielert, und daß er die Minnelieder Reinmars von Zweter kritisch untersucht, über die Reimborreden des hatte, bereit erklärte, die Annegion, nämlich die Abänderung lich studiert hat: vielleicht in Ermangelung nüßlicherer Aufgaben des Artikels 25 des Berliner Vertrages, in aller Form an zuerkennen. Wird nun aus der Notensammlung die Rolle eine ganz anerkennenswerte akademische Beschäftigung, die aber Deutschlands in jenem diplomatischen Wirrwarr, die zweifel- wohl auch jene, die heute den Ruhm des Herrn Roethe verkünden, Tos teine nebenfächliche gewesen ist stammt doch der Ge- nicht als irgend eine besondere Leistung eingeschätzt haben. Auch danke, mit dem die Sache beendigt wurde, nämlich die An- die Bierrede des Herrn Geheimrats steht nicht höher als die geerkennung der Annerion mittelst Noten der Großmächte von wöhnlichen Kommersreden dieser Art. Vielleicht muß sogar bei Bülow, nicht sehr deutlich, so tritt dafür die Gedanken sorgsamer Prüfung tonstatiert werden, daß sie noch einige Grade Auf den Versuch der parlamentarischen Eisenbahngruppe, losigkeit, die Mehrenthal in der ganzen Sache gezeigt hat, sehr unter dem üblichen Niveau folcher feuchtfröhlichen Festreden Verhandlungen zwischen den Streifenden und den Geselldeutlich hervor. Auch wenn man sich auf den Standpunkt zurückbleibt. Jedenfalls haben manche der Kollegen des Herrn Ge- schaften anzubahnen, hat Briand in einer Weise reagiert, die stellt, den die schwarz- gelben Batrioten einnehmen, daß näm- beimrat Roethe von dem„ Vorrecht der Aularedner"", das seinen Ehrgeiz zeigt, vor der Bourgeoisie als Bändiger des lich die Annerion notwendig und ersprießlich war, so muß nach Treitschke darin besteht, an wissenschaftlicher Stätte Gemein- organisierten Proletariats dazustehen. Seine Antwort beginnt man sagen, daß die Sache von Nehrenthal mit fabelhafter pläge mit feierlicher Gespreiztheit" zu sagen, einen weit geringeren mit der unwahren Behauptung, daß der Streik virtuell beUngeschicklichkeit eingeleitet und betrieben worden ist. Vor Gebrauch gemacht. Aber dennoch hat keine ihrer Neben den tiefen allem täuschte sich Aehrenthal ganz beträchtlich über die Widerhall in der„ gebildeten" Presse gefunden, wie die des Herrn endet" sei und fast alle Angestellten ihre Arbeit wieder Stimmung, mit der die Annexion bei den Großmächten auf- Roethe- und das ist begreiflich, denn Herr Roethe hat erklärt, nicht angetreten hätten. Er versichert weiter, daß die Negenommen wird. Anscheinend erhoffte er sich, seine juristische er den Studenten, der noch keinen Kommers mitgemacht hat, nicht gierung auch weiter bereit sei, das Los der Arbeiter Argumentation( daß das türkische Souveränitätsrecht nur als rechten Studenten ansehen kann, er hat für die grün- zu verbessern und weist auf angebliche weitere Ronein leerer Schatten war) werde auf die Mächte zwingenden lleuchtende Ruppel des Königssglosses on der zessionen der Gesellschaften hin. Dann aber erklärt er, Der Streik der franzöfifchen Eisenbahner. Man schreibt uns aus Paris: Briands Bedingungen. Wohl die Vertreter der legalen Organisationen der Eisen- bahner empfangen zu wollen, er stellt aber dabei die Be- dingung, das; die Organisationen ihre„Revolte gegen das Militärgcsetz" aufgeben und als Vertreter nicht Mitglieder des StrcilkomitecS entsendet werden, die wegen Dienstverweigerung nach der Einberufung entlassen worden und daher in der Gc- fahr sind, an der Türe des Ministerkabinctts aus Befehl der militärischen Autorität verhaftet zu werden. Wie die„Zugeständnisse" der Gesellschaften in Wirklichkeit aussehen, davon gibt das Versprechen, des Fünffrankentag- lohneS vom 1. Januur an ein charakteristisches Beispiel. Die Gesellschaften wollen nämlich diesen Lohn„für jeden Tag effektiver Arbeit" bezahlen, also nicht für die 67 Ruhetage im Jahre I Statt der geforderten jährlichen 1800 Fr. werden den Arbeitern nur 1165 Fr. verbürgt, das heißt 3,95 Fr. täglich! Diese„Konzession" ist einfach ein frecher Hohn! � Ist der Streik beendet? Die offiziösen Depeschen, die schon die„Beendigung" des Streikes gemeldet haben, bombardieren die Welt unter ver- dächtigem Eifer weiter mit Nachrichten über die erneute Be- endigung des beendeten Streikes. Danach wären also die ersten Nachrichten über diese Beendigung erlogen gewesen. Der„Preß-Telegraph", der sich eine Zeitlang ebenfalls tkuschen ließ, meldet denn auch: Paris, IS. Oktober. In ganz Paris fanden heute zahlreiche Versammlimgen der ausständigen Eisenbahner, Bauarbeiter und Elektriker statt. Slllriithalden wurde Fortsetzung deS Streikes bis zum äußersten beschlossen. Man mißbilligt aufs schärfste die Zaghaftigkeit einzelner Ausständiger, die sich durch die ersten Regierungsniaßnahmen haben einschüchtern lassen. Die Bau« arbeiter wollten in der Menage Saint Paul eine Protest- Versammlung abhalten; sie fanden diese aber bereits mit Eisen- bohnern überfüllt und mußten daher nach den Räumen der Com- pagnie Generale de Travail abziehe». Wenn auch ein Teil der Ausständigen zur Arbeit zurückgekehrt ist, so ist der Berkehr doch noch keineswegs wieder so geregelt, wir eS nach offiziellen Meldungen scheinen will. Ein weiteres An» halte» dcö jetzigen Zustandcs kann dem Verkehr und der Industrie »och bedeutenden Schade» zufügen. Unser Pariser Korrespondent meldet uns: Der Ausstand wächst! »Der Streik ist virtuell beendet"— erklärt Herr Briand den Deputierten und seine Presse druckt es in fetten Lettern.„Der Streik dehnt sich auS", erklären die Eisenbahner und sie wissen es mit Ziffern zn beweisen. Auf der Nord- und auf der Westbahn bleiben die Arbeiter standhaft, das Streikkomitee der Orleansbahn hat gestern den offiziellen AuSstandSbeschluß gefaßt, die Mrttelmeerbahn greift in unerwarteter Weise ein. In Lyon ist die Zahl der Streikenden von Freitag bis Sonnabend von 40 und dieser ist ja in solchen Situationen nicht verlegen befriedigt zu stellen. Um so mehr als Briand einen vortrefflichen Revolver in der Hand hat— die W a h l r e f o r m. Der radikale Kongreß hat zwar mit großer Mehrheit den Proporz abgelehnt und die bloße Herstellung der Listenwahl gefordert, aber die Stimmung im Land ist dem Proporz sicher günstig, wie die Tatsache beweist, daß ein ' großer Teil der radikalen Depulierken dem Parkamenkarischen Bei« band für die Verhältniswahl beigetreten ist. Nun hat belanntlich Briand einen ganz absurden Reformcntwurf eingebracht, der mit anscheinenden Zugeständnissen an die Proporzidee die Uebel des be- stehenden Wahlsystems noch überbietet, aber er wäre wohl, wenn fich die Radikalen mausig machen, imstande, ihnen mit einem besseren Projekt auf den Leib zu rücken. So werden die Kanonen, die die Radikalen aufgefahren haben, vermutlich nicht losgehen. Briand wird die Versöhnlichkeit der radikalen Mehrheit mit der Verschleppung der Wahlreform be- zahlen. Wahrscheinlich wird nur die Auflösung der radikalen Partei. die sich seit dem Ministerium Clemcnceau bei allen entscheidenden Abstimmungen gezeigt hat, noch schärfer hervortreten. Die.Petite Republique", Briands publizistischer Reichshund, hat die doktri- närcn Radikalen in jüngster Zeit wiederholt angekläfft, weil sie für die Arbeiterbewegung kein Verständnis hätten. Das Netz dieser Intrige ist zu grob geflochten, als daß sich die Arbeiterschaft darin fangen ließe. Briands Versuch, wieder Interesse für die Gewerk- schaftsbewegung zu markieren, ist überdies ein durchsichtiges Kon- kurrenzmanöver gegen seinen gefährlichsten Rivalen Millerand, der unstreitig ein sachliches volkswirtschaftliches Wissen und gewisse Erkenntnisse von sozialpolitischen Notwendigkeiten besitzt. Für die Armseligkeit des bürgerlichen Radikalismus aber ist es bezeichnend. daß er diesem demagogischen Kniff nichts anderes entgegensetzen kann, als die abgeleierte antiklerikale Phrase und die„republika- nische Solidarität", die heute keine Kraft, keinen Willen und keine Aufgabe mehr repräsentiert. Die lfriigellmaben. Zum Rücktritt Jswolskis vom Posten des Ministers des Auswärtigen und seiner Abschiebung auf einen Botschafter- Posten wird uns von russischer Seite geschrieben: Das Schicksal Jswolskis erinnert lebhaft an das Kuropatkins. Dort der Held der allergrößten Niederlagen auf dem Schlachtfelde und hier der Held der allergrößten diplomatischen Mißerfolge. Beide waren die ausersehenen Männer der patriotischen Clique, beide waren berufen, die Macht bczw. das Ansehen Rußlands„in vollem Glänze" iviederherzustellcn. Denn im vollen Glanz der militärischen Macht und des diplomatischen Ansehens denken sich die russischen Patrioten vom„inneren Fei» de" gesichert. Auch der Sturz beider großen Manner hat eine gewisse Aehn- lichkeit: einstimmige, schärfste Verurteilung im Jnlande wie im Auslande, in den Kreisen der Konservativen wie in den.Kreisen der Liberalen. Bei den Konservativen ist die Erbitterung noch größer als bei den Liberalen, denn durch die Wahl dieser Männer haben die Konservativen sich selbst, ihre Sache vor der ganzen Welt furchtbar kompromittiert. Nur der Zar fand ein paar Anerkennungsworte für JSwolski, wie er� seinerzeit auch für 5kuropatrin ein paar Worte der Dankbarkeit gefunden hatte. Durch einen kaiserlichen Erlaß wurde Jswolski ein hoher Orden verliehen und seine„Energie" gepriesen, seine„Kenntnis der wirklichen Interessen Rußlands,- die in den erfolgreich erzielten Nebereinkommen mit Großbritannien und mit Japan ihren Ausdruck gefunden" habe. Beinahe könnte man diese Worte als Ironie, als Hohn auffassen, wären sie nicht in einem feierlichen Erlaß ausgesprochen, wäre eS nicht Hohn über die russische Regierung selbst, über das ganze offizielle zarische Rußland. Das Uebereinkommen mit Japan hat die Annexion Koreas durch Japan wenn nicht ermöglicht, so doch zweifellos erleichtert. Durch die Annexion hat sich Japan zu einem wirklichen Großstaat erhoben: es besitzt jetzt ein Terri- torrium von über 600 000 Quadratkilometer(vor der Annexion 350000) mit einer Bevölkerung von ungefähr 60 Millionen (vor der Annexion 48 Millionen). Demgegenüber beträgt die sämtliche Bevölkerung Rußlands in Sibirien nicht volle 7 Millionen. So ist der Einfluß Rußlands im fernen Osten gleich Null geworden. Allerdings ist sehr fraglich, ob Jswolski die Annexion zu verhindern imstande war, aber daß die Mitwirkung an dem Unternehmen kein großes Ver- dienst um das Vaterland(im bürgerlichen Sinne) ist, das ist klar. Was für Vorteile das Uebereinkommen mit Großbritannien Rußland gebracht hat. ist noch unbekannt. Höchstens die Möglichkeit neuer Abenteuer in der Mongolei und in ersien, die jedoch nie zu wirklichen Siegen führen werden. afür werden schon Deutschland mit Oesterreich-Ungarn im erein mit der Türkei sorgen. Den„Uebereiykommen" Jswolskis verdankt jetzt Rußland die Annäherung zwischen den drei genannten Staaten, die tatsächlich den Einfluß Rußlands in Europa und namentlich auf dem Balkan ebenso gleich Null macht, wie im fernen Osten. Wahr- lich. die russische Regierung hätte diese Verdienste Jswolskis nicht in einem Zarenerlasse loben sollen. Andere Verdienste kann l»an ihm freilich nicht nachweisen. Aber das ist ja nicht seine Schuld. Von Staatsmännern muß man eben, noch etwas anderes verlangen als nur„patriotische Gesinnung" und Abenteuerlust. Nichts anderes hatte man aber von JSivolSki wie auch von Kuropatkin verlangt. Uebrigens tut m«n beiden unrecht, wenn man alle Schuld nur auf deren Unfähigkeit zurückführt. Selbstverständlich bätte ein befähigter Kriegsführcr nicht so schmachvolle Niederlagen erlitten wie Kuropatkin. ein befähigter Diplomat hätte sich nie so blamiert, so lächerlich gemacht wie Jswolski, aber auch Genies hätten nicht die Niederlagen auf dem Knegs- felde wie in den diplomatischen Verhandlungen verhüten können. Alle Niederlagen sind die Folgen des zarischen Regimes, Kuropatkin und Jswolski sind nur Prügelknaben für dieses Regime, und so lange dieses existiert, gibt eS für Rußland keine„Wiederherstellung des Ansehens nach außen hin", wer auch an die Stelle der Kuropatkin und JSwolski berufen fein mag._ politifcbc(leberNckt. Berlin, den 17. Oktober 1910. Für ein neues, verschärftes Sozialistengesetz. Die konservative Presse kann sich noch immer nicht darein finden, daß die Moabiter Polizeikramalle nicht den reaktionären Parteien ein neues Sozialistengesetz oder wenigstens ein Streikbrecher-Schutzgesetz eintragen sollen. Gar zu gern würde sie sehen, wenn die Regierung sich bewegen ließe, alsbald nach der Wiedereröffnung des Reichstages diesem ein ver- schärftes Gesetz gegen die sogenannten„gemeingefährlichen" Bestrebungen der Sozialdemokratie vorzulegen. das die Agitattonßkraft unserer Partei bei den nächsten Reichstagswahlen lähmt. Um dieses schöne Ziel zu erreichen, schrecken die konservativen Blätter vor keinem Mittel zurück. Neuerdings muß vornehmlich der maßlos aufgebauschte französische Eisenbahnerstreik herhalten, um der Regierung den Beweis zu liefem, daß nur durch„Energie", d. h. durch strenge gesetzliche Maßnahmen Deutschland vor dem Schicksal Frankreichs bewahrt werben kann. Besonders ist das Blatt der Hammersteinlinge bemüht, diesen Beweis zu erbringen. In seiner gestrigen Wochenschau erzählt es wieder: .Die Sozialdemokratie ist sich ihrer Stärke und ihrer Erfolge in Deutschland bis zum Ucbermute belvutzt. Der gewerbliche Mittelstand ruft immer lauter, immer ang st voller nach staatlichem Schutze, und gewisse Mittelstands- schichten kapitulieren bereits, wie die Wahlen beweisen, vor der Sozialdemokratie, da sie an diesem Schutze verzweifeln- Selbständige Gewerbetreibende im Westen, die selbst mitten in diesem Kampfe stehen, schreiben uns:»Dag es in diesem Hin- abgleiten zur Rcvolutionspartei keine Aufenthalt- oder Zwischen- stationen gibt, zeigt die Erfahrung, und die Leute, die man eines besseren belehren möchte, erwidern einfach, dast, nachdem die Staats- hilje versage, schließlich ein.Ende mit Schrecken besser sei. als der Schrecken ohne Ende". Solche Stimmungsbilder können wir unseren Lesern nicht mehr vorenthalten. In Frankreich ist die Staatsgewalt dem organisierten Proletariat am langmütigsten ausgewichen. Der Staat hat dort den Arbeitern gegenüber ja auch kein gutes Gewissen. Die Republik ist auf die Wahlstimmen der revolutionären Massen angewiesen und hat fie durch leere Versprechungen, durch An- stellung sozialdemokratischer Minister und durch'freundliche Be- Handlung meuternder Soldaten, streikender Beamten und räube- rischer Apachen bisher zu gewinnen gewußt. Dieses Spiel muß einmal zu cinein bösen Ende führen. In Deutschland hat man das Sozialistengesetz aufgehoben, das Gesetz zum Schutz der Arbeitswilligen zurück- gezogen, ein liberales Vereinsgesetz erlösten. bei den Wahlen hat das Bürgertum vielfach mit der Revolutions- Partei gegen die monarchischen und christlichen Parteien gemeinsame Sache gemacht, und die.neue Moral" der Re- voliitionspartei hat bis tief hinein in die bürgerliche Gesellschaft zahlreiche Anhänger gefunden. Wenn Deutschland trotzdem der sozialrevolutionären Bewegung stärker gerüstet gegenübersteht, so verdanken wir das lediglich der Festigkeit der Monarchie, der Beamtenschaft und der staatS- und kirchentreuen Parteien." Nationalliberale Neichstagskandidaturen. Die Nationalliberalen nehmen bei der Aufstellung ihrer NeichstagSkandidaten in Schleswig-Holstein auf ihre Freunde vom linksliberalen Flügel nicht die geringsten Rücksichten. So haben sie z. B. auch in den drei gegenwärtig von den fortschritt» lichen Abgeordneten Spethmann, Leonhart und Struve ver- tretenen Wahlkreisen Schleswig-Eckcrnförde, Tondern-Husum und Oldenburg eigene Kandidaten aufgestellt. Im ersten Wahlkreis HaderSleben-Sondcrburg, der seit 1871 stets im Besitz der Dänen ist, soll wegen des Kampfes gegen die Dänen zugunsten einer rechtsstehenden Kandidatur auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten verzichtet werden. Ueber die übrigen Wahl- kreise ist noch nicht entschieden. In Lübeck scheinen die National- liberalen geneigt zu sein, einen linksliberalen Kandidaten zu unterstützen. Die Fortschrittler find aufgebracht über diese Liebenswürdig» keit der Nationalliberalen und fürchten noch„schlimmeres". Die „Bossische Zeitung" sagt tiefbetrübt: „Direkt auf eine Unterstützung der Sozialdemokratie aber würde das Vorgehen gegen die Fortschrittliche Volkspartei in den Wahlkreisen Pinneberg-Segeberg und Herzogtum Lauenburg hinauslaufen, wo die fortschrittlichen Abgeodneten Carstens und Heckscher in der Stichwahl gegen die Sozialdemokratie ge- wählt sind." Die Miinchener Handelskammer und die Fleischteuerung. In ihrer letzten Plenarsitzung beschäftigte sich die Münchener Handelskammer auch mit der herrschenden Fleischteuerung. Der Syndikus der Kammer, Justizrat Dr. C a h», wies als Referent darauf hin. daß sich die Verhältnisse in bezug auf die Fleisch- teuerung in den letzten Jahre» noch bedeutend ver- s ch l e ch t e r t hätten, so daß jetzt ernstliche Gefahren für die wirtschaftliche Wohlfahrt des arbeitenden Voltes beständen. Die von der bayrischen Regierung jüngst be- schlossenen Maßnahmen seien angesichts der Verhältnisse wenig Erfolg versprechend. Gegen notwendige Veterinäre Maßnahmen sei nichts einzuwenden, aber es geschehe in dieser Beziehung zu viel aus rein protektionistischen Erwägungen. Einstimmig billigte die Handelskammer folgende sofort zu er- greifenden Maßnahmen zur Beseitigung der gleischnot: Zu- lassung möglichst ungehinderter Einfuhr leben- den Viehs aus dem Ausland unter voller Wahrung Veterinär- polizeilicher Schutzmaßregcln; Zulassung der Einfuhr ge- schlachteten Fleisches aus dem Auslande unter Be- eitigung aller die Einfuhr erschwerenden Maßnahmen; Zu- assung der Einfuhr von Büchsenfleisch usw.; Er- Mäßigung der Zölle und der Eisenbahntarife für Futter- mittel. Folgen der Fleijchuot. Einem Landwirt in derAltenderne-Oberbecker Gemeinde bei D o r t» mun d war vor einigen?agen auf der Weide eine Kuh krepiert. Der Kadaver wurde nach der Abbäutung vergraben. Es dauerte aber gar nicht lange, so stellte sich heraus, daß das verendete Tier nächt- licherwcile wieder ausgegraben worden war. Die Polizei stellte fest, daß mehrere Einwokmer das auf diese Art erlangte Fleisch unter sich verteilt»»d de» größte» Teil bereits gegessen hatten!! Der noch vorhandene Rest wurde beschlaguahnrt. Das sind die Folgen der agrarischen Wirtschaftspolitik. Was vielleicht in einer vom Feinde belagerten Festung, wenn die Not auss höchste gestiegen, vorkommt, das geschieht jetzt im tiefsten Frieden: Hungrige arme Leute scharren sich bei Nacht ein AaS aus, um Fleisch essen zu können. Schlimmer aber noch als diese Tatsache ist der freche Hohn, mit dem die ultramoutaue Dortmunder„Tremonia" daö Vorkommnis glossiert. Sie wünscht„den Konsumenten nachträglich noch ein„Wohl beiomm'SI" Aus dem Braunsberger Gefängnis. Gegen den sonstigen Brauch muß Genosse Marckwald von der„KönigSberger Volkßzeitung" seine viermonatliche Gefängnisstrafe, die er wegen angeblicher Beleidigung„der Mitglieder deS königlichen Hauses" erhalten hat, im Braunsberger Gefängnis verbüßen. Der Genosse wird dort in einer Weise behandelt, gegen die nicht scharf genug protestiert werden kann. Man hat ihn weder vom Reinigen der Zelle entbunden, noch gewährt man ihm Selbstbeköstigung. Dabei ist sein körperliches Befinden derart, daß sein Gesundheitszustand unter der Gefängniskost schwer leidet. Bevor Genosse Marckwald seine Strafe antrat, ließ er sich von dem KönigSberger Gefängnisarzt. Mcdizinalrat Professor Dr. Puppe, untersuchen. Nach einer gründlichen Unter- suchung bescheinigte dieser, daß er vom medizinischen Stand- Punkt und unter seinem Diensteid die Selbstbeköstigung befür- Worten müsse. Professor Dr. Puppe gilt der Justiz sonst als Autorität. In diesem Falle aber scheint man seinem Gutachten keine Bedeutung beizumessen, denn Marckwald erhält keine. Selbstbeköstigung. Diese wurde ihm sogar im Allensteiner Gefängnis gewährt. In den 14 Tagen, die Genosse Marckwald im Gefängnis zugebracht hat, hat er an Gewicht bedeutend ver- lorcn. Seine Frau besuchte am Sonnabend den Braunsberger Gefängnisarzt, und dieser erklärte, er hätte über die Selbst- beköstigung nicht zu entscheiden, das sei Sache des Staatsanwalts. Er könne nur das beantworten, was er gefragt werde. Als nun Genosssu Marckwald den Ersten Staatsanwalt aufsuchte, erklärte dieser, der Gefängnisarzt hätte sich dahin geäußert, daß Selbstbeköstigung nicht nötig sei. Als der Herr auf das Gutachten des Professors Dr. Puppe aufmerksam gemacht wurde, meinte der Staatsanwalt, für ihn sei nur das Gutachten seines Gefängnisarztes maßgebend. Oberschlesien und kein Ende. Außer anderen Amtsvorstehern in Oberschlesien ist es namentlich der von N e u d o r f bei Antonienhütte, der alle Mittel in Bewegung setzt, um Versammlungen unter freiem Himmel zu verbieten. Erst kürzlich wurde dieser durch den Regierungs- Präsidenten belehrt, daß ein von ihm ergangenes Versammlungs- verbot zu Unrecht erfolgt sei; doch jetzt hat der betreffende Amts- Vorsteher schon wieder eine solche Versammlung mit nach- folgender„Begründung" verboten: „Die Genehmigung zu der für den 16. Oktober 1316, nach- mittags 3 Uhr, angemeldeten Versammlung wird hiermit versagt. weil aus der Abhaltung der Versammlung wird hiermit versagt, weil aus der Abhaltung der Versammlung Gefahr für die öffent- liche Sicherheit zu befürchten ist. Am Sonnabend, den IS. Ok- tober 1916, findet auf allen in der Nähe belegenen Werken die Lohnzahlung statt. An diesen Tagen sind von 4 Uhr nachmittags ab die Schänken geschlossen. Erfahrungsgemäß entwickelt sich daher am nächstfolgenden Tage gewöhnlich der Betrieb, den man an Löhnungstagen gewöhnt und der jedesmal mit erheblichen Ausschreitungen trunkener Leute verbunden ist. Da nun Sonn- tag die Gelegenheit zum Alkoholgenuß größer als sonst ist, so sind auch an solchen Tagen die Ausschreitungen erheblicher. Durch die Abhaltung der Versammlung würde für Trunkene viel Anlaß gegeben sein, öffentlich ausfällig zu werden. Die allgemeine Sicherheit ist somit gefährdet. Außerdem habe ich schon wiederholt zum Ausdruck gebracht, daß die Besitzer der StachowiSna sich bei mir beschwert haben, daß durch Versammlungsbesuch ihre Grundstücke beschädigt werden. Ferner hat auch die Bürgerschaft ihren Unwillen in einer von mehreren Personen gezeichneten Eingabe kund gegeben, in welcher über das frivole Verhalten der Versammlungsteilnehmer und über die Hetzreden der Versammlungsredner usw. gesprochen und gebeten wird, derartige Versammlungen speziell Sonntags nicht mehr zu genehmigen, anderenfalls die Bürgerschaft ihrerseits zur Selbsthilfe greifen wird. Diese Eingaben geben der Ver- mutung Raum, daß Versammlungen unter freiem Himmel nicht mehr ohne Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung vor sich geben würden. Da mir die Pflicht obliegt, für Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung Sorge zu tragen, so kann ich im öffentlichen SicherheitSinteresse die nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung der Versammlung nicht erteilen." Nach diesem amtsvorsteherlichen Erguß ist in Zukunft jede Versammlung unter freiem Himmel in Neudorf unmöglich. Immer werden sich einige Personen finden, die Answß an sozial- demokratischen Zusammenkünften nehmen. Geradezu lächerlich ist aber der Hinweis auf die„Selbsthilfe", die angeblich die Bürgerschaft anzuwenden droht; denn diese sogenannte Selbsthilfe ist ungesetzlich, ist eine zwangsweise Verhinderung der sozialdemokratischen Ein- wohner an der Ausübung eines ihnen gesetzlich gewährleisteten Rechts. Greifen die wohlgesitteten Bürger zu solcher„Selbst- Hilfe", dann machen sie sich einer Gesetzesverletzung schuldig, und der Amtsvorsteher hat gegen sie einzuschreiten, nicht aber sie in ihrem Vorhaben zu unterstützen. Statt dessen scheint sich der Amtsvorsteher von Neudorf für berechtigt zu halten, auf Grund einer solchen Drohung mit einer offenkundigen Gesetzesverletzung den Bedrohten die Ausübung ihres Rechts zu verwehre� Echt preußisch!_ Wieder eine Polizeiheldentat. - Di« Polizeiverwaltuna der Stadt Hagen i. W., die unter dem Regime des freisinnigen Reichstagsabgeordneten und Oberbürger- mcisterS Cuno schon>0 oft den Beweis erbracht hat, daß, was die Knebelung des politischen Gegners anbetrifft, zwischen einem Stock- reaktionär und einem..entschiedenen" Liberalen kein Unterschied ist, hat abermals ein Blatt in den Ruhmeskranz ihrer freiheitlichen Taten geflochten. Die Partei und das GewcrkschaftSkartcll zu Hagen hatten zum 13. d. M. eine öffentliche Versammlung einberufen, um gegen das Verlangen der Reaktion nach Ausnahmegesetzen gegen die Sozial- demokratie und Gewerkschaften zu protestieren. AIS Referent war Genosse Dittmann-Solingen bestellt. Durch Handzettel, die im wesentlichen den Aufruf des Parteivorstandes und der General- kommission enthielten, sollte auf die Versammlung aufmerksam ge- macht werden. Die Verteilung der Handzettel wurde jedoch von der Polizeiverwaltung der„freisinnigen" Stadt Hagen„wegen des aufreizenden Inhaltes der Druckschrift" versagt und zwar auf Grund der ßK 10 und 41 des Pr. PreßgefetzeS vom IL. Mai 1851. Das Verbot wirkt geradezu lächerlich, wenn man in Betracht zieht, daß doch der„aufreizende" Inhalt der Druckschrift einem Aufruf entnommen ist, den sämtliche Partei- und Gewerkschaftszeitungen ohne Ausnahme veröffentlicht haben. Nur in kaum zehn Zeilen war auf den Handzetteln mit Rücksicht auf die polizeiliche Ueberwachung einer Generalversammlung deS Mctallarbeiterver- bandeS, in der Genossin Luxemburg referiert hatte, darauf hinge- wiesen worden, daß die angeblich„liberal" gesinnte Obrigkeit der Stadt Hagen auch schon Ausnahmegesetze gegen die Gewerkschaften schaffe. Ob in diesen wenigen Zeilen der„aufreizende" Inhalt zu suchen ist, bleibt vorläufig— da da» VerteilunaSverbot jeder näheren Begründung entbehrt— noch das Geheimnis der Polizei. LandratS-AbsolntiSmus. Die Hanauer Strafkammer bestätigte in dem Beleidigungs- Prozeß des Gersfelder Landrates gegen Direktor Schneider das Urteil des Schöffengerichts, da» über Schneider SOO Mark Geldstrafe verhängt._ Wieder einer. Der vizefeldwcbel und Zahlmeisteraspirant Graupe vom 109 Jnf.-Regt. in Bautzen wurde vom Oberkriegsgericht in D r e ö o e n wegen Sittlichkeitsverbrechen zu 1 Jabr 8 Monaten Gefängnis»ud Degradation verurteilt. Das Kriegsgericht hatte auf dieselbe Strafe erkannt, QJ. aber dagegen Berufung eingelegt. Im Laufe des BerufunaSverfabrenS wurde er auf seinen Geisteszustand untersucht, aber für völlig normal be- funden. Deshalb hatte das Rechtsmittel keinen Erfolg. Militärjustiz. Der Unteroffizser Henz von der 5. Kompagnie des Jnfanierie- regimentS 53 in Kalk hatte, weil ihm der Urlaub verweigert worden war, die Aeußerung getan:„Jetzt bin ich»och kein Sozialdemokrat, aber ich kann noch einer werden." Das Obcrkriegsgerichl ver- urteilte den Unteroffizier zu 7 Wochen Gefängnis und zur Degra- dation. Hätte der Unteroffizier jahrelang Rekruten schikanier� er würde wahrscheinlich billiger davon gekommen sein, Oefterrddh. Schwarzgclbe Ferrerangst. Die Prcrger Polizei, denen die Geschworenen schon im Bor- jähr die Blamage antaten, einen von ihr angeklagten Fem» Redner freizusprechen, hat den dortigen Freidenkern und der tschechischen Realistenpartei, deren Führer Abg. Prof. Dr. Mcrsaryk ist, die für Sonntag geplanten Ferrer-Versammlungen verboten, weil das Programm eine Verherrlichung„strafbarer Handlungen" enthalte. Sogar eine musikalischdeklamatorische Feier wurde verboten und dem veranstaltenden Verein mit der Auflösung gedroht. Wien, 17. Oktober. Zehn Ferrer-Feiern wurden gestern in Oesterreich polizeilich aufgelöst. In Wien kam es auf der Alserstraße vor dem Gasthaus zum„Goldenen Hirsch", wo eine Ferrer-GedächtniSfeier angesagt war, zu polizeilichem Eingreifen. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Auch in Pilsen, Prag, Graz und T r i e st wurden Ferrer-Versammlungen gesprengt. Die Bauernbewegung in Bosnien. Wien, 16. Oktober. Der„Reichspost" wird aus Sera- jewo telegraphiert: Die Bewegung unter den serbischen Bauern nimmt einen gefährlichen Charakter an. Bis jetzt b» gnügten sie sich mit Demonstrationszügen, wo sie in Haufen von mehreren Tausenden von Ort zu Ort zogen und die Bewohner auf« forderten, den Pachtzins an die mohammedanischen Gutsbesitzer zu verweigern. Jetzt kommt es aber schon zu Bluttaten. So erschlugen in Cazin die Bauern den Gutsbesitzer B i s e r o v i c mit Holzknütteln, desgleichen in Posavina den Gutsbesitzer B a g d a l h o. Da die Lage immer be-- drohlicher wird, wird Militär in Bereitschaft gehalten. Portugal. Die Beisetzung Bombardas und Reis. Lissabon, 16. Oktober. Heute fand unter großer Beteiligung die Beisetzung des Admirals Reis und Dr. BombaroaS statt. Unter den Klängen der portugiesischen Hymne setzte sich der Zug, in dem sich viele Korporationen. Lchrer und Schüler. Ange- hörige der Armee und Marine und alle Freimaurerlogen befanden, von der Praca do Commercio aus in Bewegung. Auch zahlreiche Frauen und Kinder hatten sich in den Zug gemischt, dagegen sah man keine Angehörigen von Religionsgesellschaften und es fehlte jedes religiöse Emblem. Die Särge waren auf Lafetten gestellt. Hinter dem Sarge des Admirals Reis gingen außer den Ange- hörigen der Armee und der Marine auch die Frauen, welche an dem Kampfe teilgenommen hatten, und die Vertreter der Regierung und der Stadtvevwaltung. An einem freien Platze hielten der Ministerpräsident und der Präsident der Munizipalität Gedächt- nisreden für die beiden Toten, worauf der Trauerzug den Weg nach dem Friedhof fortsetzte, wo die Beisetzung stattfand. Unser Lissaboner IT. K.-Korrespondent telegraphiert unS über die Trauerfeier: Die Beteiligung am Trauerzuge war imposant. Erzählte wohl 200000 Personen und 400 Banner. Die Menge beobachtete ein eindrucksvolles Stillschweigen. Die Ordnung war bewunderungswürdig. Manuels Abreise nach England. Gibraltar, 16. Oktober. Heute nachmittag schifften sich König Manuel und die Königin-Mutter A m e l i a auf der englischen Königsjacht„Victoria and Albert" ein, die dann in See ging. Die Königin-Witwe Maria Pia begab sich, begleitet vom Herzog von Oporto, an Bord des italienischen Kreuzers„Regina Elena". welcher darauf nach Spegia in See ging. Spanien. Regierung und Republikaner. In der D e P u t i e r t e n k a m in e r machte am Sonnabend Ministerpräsident Ca n a l e j a s Mitteilung von einer lebhasten ..antipatriotischen" Propaganda, die in den Kasernen betrieben werde, wo umstürzlcrische, im Auslände gedruckte Schriften verbreitet würden. Ccmalejas erklärte, er werde alle gesetzlichen Mittel zur Unterdrückung dieser Bestrebungen anwenden, sobald er be- stimmte Beweis« in Händen habe». Ein Republikaner er- widerte, die Revolution werde ausbrechen, sobald sie kommen müsse. Die Regirrung werde nichts gegen die Souveränität des Volkes vermögen.(Lebhafter Widerspruch bei der Majorität.)_ Republikanische Demonstration. Madrid. 16. Oktober. Heut« haben die Republikaner durch einen Straßenumzug die Einführung der re- publikanischen Staatsform in Portugal gefeiert. Nach der Rede eines republikanischen Deputierten, der dazu auf- forderte, das Beispiel Portugals nachzuahmen, gingen die Demonstranten ruhig auseinander. Zwischen einem Zuge katholischer Pilger, die von einer Wall- fahrt nach dem bei Madrid gelegenen Engelhügel zurückkehrten, und Republikanern, die an der Kundgebung teilgenommen hatten, kam es zu einem Zusammenstoß. Die Polizei schritt«in und zer- streute die Kämpfenden. Kalkan. Türkisch-ariechischer Konflikt in Sicht? Wie man der Londoner„Time»" aus Konstantinopel meldet, glaubt man dort allgemein, daß, wenn B e n i z e l o S den Posten eineS Mini st erpräsidenten übernimmt, der türkische Geschäftsträger aus Athen abberufen und alle diplomatischen Verbindungen mit Griechenland abgebrochen werden. Aus Athen wird gleichzeitig gemeldet: Gestern nachmittag legte VcnizeloS dem König die M i n i st e r l i st e vor, deren s o- fortige Genehmigung zweifellos ist. perNen. Englische Drohungen. Teheran, 17. Oktober.(Meldung deS Rcuterschen BureaüS.)) Angesichts der Schädigungen, die der Handel infolge der fortge- fetzten Ruhestörungen im Süden PersienS erleidet, hat die eng- tische Regierung eine energische Note an die persische Regierung gerichtet. Die Note enthält die bestimmte Ankündigung von entschiedenen, weitreichenden Maßregeln, die England bei ge- wissen bedauerlichen Eventualitäten ergreifen werde. Diese Maß- regeln würden daS Ende der Politik der Nicht-Ein- Mischung bedeuten, und die Russen würden dann wahr- scheinlich im Storden deni Beispiele folgen. Die englische Regierung würde es natürlich vorziehen, bei der bi»- herigen Politik zu bleiben, aber sie hege zugleich den Wunsch, d i e Lagein mö glich st vollkommenerHarmoniemitder russischen Regierung zu behandeln. Unruhen. Teheran, 16. Oktober.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) In Jesd sind starke Unruhen ausgebrochen. Bei einem Zusammenstoß mit der Polizei wurden mehrere Mann getötet oder verwundet. Der Polizeichcf ist geflohen. Bei Kaschan ist es zu einem Gefecht gekommen, bei dem die Bachtiaren mehrfach zurück» geworfen wurden. Aus JSpahan ist ihnen gestern ein.Geschütz zur Hilfe gesandt worden. Gewcrhrcbaftlicbe� Die Situation in der Cderftarbeitcrbewcgung. Die Sitzung der Gruppe Deutscher Seeschiffswerften, die Sonnabend stattfand, hat den Freitag von den Arbeitervertretern beantragten Aenderungen über die Einstellungsbedingungen und LUkordüberschubsicherung zugestimmt. Die nunmehr gegenseitig Vereinbarten Bestimmungen lauten: Die Wiederaufnahme aller an dem Streik und der Aus- sperrung beteiligten Arbeiter erfolgt an einem noch festzu- setzenden Tage. Den auswärts befindlichen Arbeitern soll eS gestattet sein, sich innerhalb einer Woche von dem noch festzusetzenden Tage an durch mündliche oder schriftliche Meldung für Wiederannahme vormerken zu lassen. Wer sich innerhalb dieser Zeit nicht gemeldet hat, geht der direkten Annahme durch seinen früheren Arbeitgeber verlustig und hat sich an den Arbeitsnachweis zu wenden. Die recht- zeitig angemeldeten Arbeiter werden auf ihren früheren Arbeits- stellen, soweit es die Betriebsverhältnisse gestatten, ohne Be- Nutzung des Arbeitsnachweises bis Ende Oktober sämtlich wieder eingestellt, und zwar beabsichtigen die Werften, das in drei bis vier Tagen von dem noch festzusetzenden Tage an auszuführen. Die rechtzeitig angemeldeten Arbeiter werden die Werften ohne irgendwelches Präjudiz(einmalige Ausnahme für diesen Fall) in die alten Akkorde eintreten lassen und ihnen die in Frage stehenden Akkordüberschüsse nach Fertigistellung der be- treffenden Akkorde auszahlen. Falls angefangene Akkorde in der Zwischenzeit durch andere Arbeitskräft- fertiggestellt sein sollten, soll den wieder angc- nommcnen Arbeitern der sich ergebende Ueberverdienst nach Mah- gäbe derjenigen Zeit ausgezahlt werden, während welcher sie an diesen Akkorden tätig gewesen sind. DaS gleiche Recht sollen diejenigen Arbeiter erhalten, welche bei Wiedereröffnung der Betriebe in Rücksicht auf die Betriebs- Verhältnisse in ihre frühere Arbeitsstelle nicht wieder eingestellt werden können. Solange als eine Werft ihre streikenden oder ausgesperrten Arbeiter noch nicht in allen Kategorien sämtlich wieder eingestellt hat, wird sie bei einer Kategorie, in welcher noch nicht alle Ar- beiter wieder eingestellt sind, nicht andere Arbeiter durch den Arbe�snachweis einstellen. Diese Zusage erlischt mit dem Ib. November 1910. Bei Wiederannahme der Arbeiter wollen die Werften sich mit einer dezu von den Arbeitern gewählten Kommission in Verbindung setzen, zwecks leichterer Durchführung der Wieder- aufnähme der Arbeit durch die verschiedenen Arbeiter. Hamburg, den 14. Oktober 1910. Gezeichnet: E. Garbens. Alexander Schlicke. Die Werftdirektion in R o st o ck hat durch Anschlag an den Fabriktoren bekannt gemacht, daß sie, weil sie noch nicht im Besitz des Schlußprotokolls der bekannten Hamburger Sitzung ist, di« Auszahlung der darin vereinbarten höheren Löhne verweigert. In- folgedessen haben Sonnabend sämtliche organisierten Arbeiter der Werften die Arbeit wieder niedergelegt. * In Bremen haben Verhandlungen zwischen der Direktion der Aktiengesellschaft Weser und Vertretern der Arbeiterschaft statt- gefunden. Nach Beendigung der Verhandlungen veröffentlichte die Werftleitung durch Anschlag folgende Bekanntmachung: Die An- Meldungen der Arbeiter werden Dienstag und Mittwoch, den 18. und 19. Oktober 1910, vormittags 9l4 bis 11 Vi Uhr, und nachmittags von 2Vt bis 4 Uhr. in der Wartehalle des Pförtnerhauses entgegengenommen werden. Die Wiedereinstellungen beginnen Donnerstag früh und werden Sonnabend beendet sein. Im übrigen wird auf die Hamburger Verhandlungen und Vereinbarungen Be- zug genommen. Hamburg, 17. Oktober.(Privattelegramm de?„Vorwärts".) Heute, Montag, fanden Einigungsverhandlungen zwischen den Ver- tretcrn der Arbeiter und der Hamburg-Amerika-Linie statt, die aber noch nicht zu Ende geführt werden konnten und morgen fort- gesetzt werden. Die Wiedereinstellung der Arbeiter wird in den nächsten Tagen erfolgen._ Berlin und Umgegend. Die Lohnbewegung der Fahrstuhlmonteure ist jetzt borläufig be- endet. CS ist bei dieser Bewegung zwar nicht gelungen, einen all« gemeinen Tarifvertrag zwischen den Organisationen beider Parteien abzuschließen, jedoch sind die Lohn« und Arbeitsverhältnisse durch Vereinbarungen mit den einzelnen Firmen geregelt und verbessert worden. Wenn die bescheidenen Forderungen der Fahrstuhlmonteure und Helfer noch nicht überall und in vollem Matze zur Geltung ge« bracht werden konnten, liegt daS daran, daß ein Teil der Arbeiter« schaft dieser Branche den Wert der Organisation noch nicht recht begriffen hatte. Die mit Erfolg durchgeführte Bewegung hat jedoch au» da« Gute mit sich gebracht, daß die Zahl der organisierten Fahrstuhlmonteure und Helfer sich beinahe verdoppelte. Am Sonntag hielten die Fahrstuhlmonteure und Helfer im Saale der Bockorauerei in der Ehausseestratze wiederum eine Branchenversammlung ab, in der über die Bewegung berichtet wurde. ES war in der verflossenen Woche nur noch die Firma P i e ch a t z e ck in der Seestratze, bei der gestreikt wurde. Am Mitt« woch fand sich jedoch auch diese Firma zu Verhandlungen bereit und zu Vereinbarungen, die eS möglich machten, die Arbeit am Donnerstag wieder aufzunehmen. Der Streit hat bei dieser Firma, die am längsten Widerstand leistete, fünf Wochen gedauert. Im ganzen waren eS 5 Firmen, bei denen gestreikt worden ist, und überall war der Erfolg auf seilen der Arbeiter. Die Streikenden haben tapfer auSgehalten. nicht ein einziger ist abtrünnig geworden. Da eS es sich bei dieser Bewegung um einen Vorstoß in der Branche handelte, ist wohl zu erwarlen, daß man daS nächste Mal mit einem vollen Erfolg abschließen kann, vorausgesetzt, datz die Arbeiterschaft der Branche treu zu ihrer Organisation, dem Deutschen Metallarbeiterverband hält.— Die Polizei war bei dem Streik wieder einmal eifrig bemüht, den Streikenden daS Posten« steben zu erschweren oder unmöglich zu machen. Wie der Branchen« leiter Riemenschneider mitteilte, ha« am Montag voriger Woche vor dem Hause der Firma Piechatzeck ein Schutzmann zu den streikenden Arbeitern gesagt, wenn sie nicht weggingen, könnten sie„noch mehr Senge kriegen, als in Moabit". Demnach muß man also annehmen, daß eS nicht an dem guten Willen der Polizei gelegen hat. wenn es in jener Stadtgegend nicht zu ähnlichen Greuelszenen gekommen ist. Den Anschluß an den Holzarbeiter-Berdand hat der Zentralverein der Schirmmacher am 1. Juli vollzogen. Der Anschluß der Berliner Mitgliedschaft des Zentralvereins hatte sich noch etwas verzögert, er ist nun aber ebenfalls erfolgt. Am Sonnabend hielten die Berliner Schirmmacher ihre erste Versammlung als Branche de« Holzarbeiter- Verbandes ab. Es wurde mitgeteilt, datz 55 alte Mitglieder über- getreten und 29 neue Mitglieder aufgenommen find. Die alten Mitglieder sind fast alle bereits vollberechtigt im Holzarbeiter- verbände. Die monatlichen Branchenversammlungen der Schirm- macder werden im Gewerkichastshause abgehalten. Die Zahlstelle der Schirmmacher wird mit der Zahlstelle der Stockarbeiter im Lokale der letzteren in der Neuen Friedrichstraße gemeinsam geführt. Achtung, Metallarbeiter! Bei der Wahl eines besoldeten Bezirks- leiters für Ober-Schöneweide sind am Sonntag 6274 Stimmen ab- gegeben. Davon waren 200 ungültig. Von den 6074 gültigen Stimmen erhielt Kollege Behrenbeck 3480, Kollege Blanke 2594 Stimmen. Demnach ist Kollege Behrenbeck gewählt. _ Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. verantw. Redakt.: SarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantv, Deutfches Reich. Zum Straftenbahnerstreik in Bremen. Der gesamte Betrieb ruht. Streikbrecher sind so guk wie gar nicht vorhanden. Die Direktion ist allerdings auf der Suche nach Rausreißern. Bereits am Sonnabcndnachmittag, also wenige Stunden nach erfolgtem Ausstand, erschien ein Inserat in der „Weserzeitung", in dem Fahrpersonal, und zwar zu bedeutend höheren Lohnsätzen gesucht wurde, als die im Streik Befindlichen erhalten haben. Die Forderungen der Streikenden sind sehr be- scheiden. Das Anfangsgehalt soll pro Monat 100 M. betragen und nach vier Dienstjahren auf 110 M. und dann weiter um 5 M. jährlich, bis 150 M. steigen. Die Fahrer sollen 10 M. mehr er- halten. Ferner wird die Herabsetzung der täglichen Dienstzeit von lOVi auf 9 Vi Stunden verlangt. Im Sommer sollen die Angestellten einen Urlaub von drei bis sieben Tagen erhalten. Daneben werden Angestelltenausschüsse, Zahlung des Gehalts auch für die Tage der Kontrollversammlungen und für ähnliche Versäumnisse verlangt. — Die Direktion glaubte einen besonders schlauen Schachzug zu machen, indem sie in der bürgerlichen Presse erklärte, sie habe schon vor längerer Zeit beschlossen, die Gehälter vom 1. Januar 1911 ab zu erhöhen. Den Transportarbeiterverband, den die Angestellten mit der Vertretung ihrer Forderungen betraut hatten, wollte sie nicht anerkennen, vielemehr sandte sie ihm in alter Scharfmacher- weise sein Schreiben brüsk zurück. Das schlug dem Faß den Boden aus. Wohl gingen einige Abgesandte der Straßenbahner zur Di- rektion, um zu hören, wie weit sie entgegenkommen würde. Sic machte auch einige Zugeständnisse, lehnte aber nochmals schroff ab, mit dem Verband zu verhandeln. Daraufhin beschlossen die Straßenbahner mit 437 gegen 11 Stimmen, sofort zu streiken. Der Vorsitzende des EinigungsamteS fragte bei den Parteien an, ob eine Vermittelung erwünscht sei. Die Angestellten erklärten sich bereit, zu verhandeln; die Straßenbahndirektion lehnte kurzerhand ab. Die sozialdemokratische Bürgerschaftsfraktion brachte in der Bürgerschaft den folgenden Antrag ein: „Die Bürgerschaft möge beschließen: Die Bürgerschaft ersucht den Senat, die Polizeidirektion anzuweisen, ihren Einfluß auf die Direktion der Bremer Straßenbahn zur Erfüllung ihrer kon- traktlichen Verpflichtungen in vollem Maße geltend zu machen." Der Hafenardciterstreit in Brake ist beendet. Die am Sonn- abend zu Ende geführten Verhandlungen zur Beilegung des Streiks haben das Ergebnis gehabt, datz die Arbeit am Montag wieder auf- genommen wurde. Die fremden Arbeiter werden bis zum 22. Ok- tober entlassen werden. Die Einstellung erfolgt nach Matzgabe des Bedarfs. Den Arbeitern ist eine Erhöhung deS Lohnes für Sonntagsarbeit und für Ueberstunden, den Stundenarbeitern eine Erhöhung des TagelohneS zugestanden worden. Ausland. Streik bei einer deutschen Firma in Norwegen. Bei den Anlagearbeiten für die kommunale Gasanstalt in Tönsberg in Norwegen, die von einer deutschen Firma aus- geführt werden, ist Ende voriger Woche ein Streik ausgebrochen. Die Arbeiter, zirka 100 Mann, verlangen Erhöhung des Stunden- lohnes um 5 Oere. was von der Firma rundweg abgelehnt wird. Sie sucht jetzt von auswärts Streikbrecher heranzuholen. Ein verfehlter Versuch zur Kasseupliiuderuug gegen den Schwedischen Buchdruckerverband. Eine grotze Anzahl bürgerlicher Zeitungen sowie Buchdruckereien Schwedens hatte bekanntlich gegen den Schwedischen Typographen- verband wegen seiner Teilnahme am' Generalstreik von 1909 Schadenersatzklage angestrengt, die man damit zu begründen suchte, daß der Verband durch die Arbeitsniederlegung den geltenden Tarifvertrag, der jegliche Arbeitseinstellung ausschlietze, gebrochen habe. Nun endlich, am Donnerstag der verflossenen Woche, hat Stockholms Rathausgericht seine Entscheidung in dieser Sache gefällt. Die Unternehmer sind dabei hineingefallen. Das Gericht erkannte ein st immig, daß der Typographen» verband nicht verpflichtet ist, Schadenersatz zu leisten. Von zweien der Richter wurde das freisprechende Urteil damit begründet, daß der Tarifvertrag mit seiner Streikklausel, selbst wenn diese auf jenen Sympathiestreik Anwendung finden könne, keine gesetzlich bindende Kraft best tze; der dritte Richter begründet de Freisprechung damit, daß das Streikverbot des Tarifvertrages sich seinem Wortlaute nach nur auf Streiks beziehen könne, die infolge von Streitigkeiten über Verletzung oder über die Auslegung de» Tarifvertrages entstehen, nicht aber auf einen Sympathiestreik wie den von 1910. Li» endgültig kann die Entscheidung noch nicht gelten; die Kläger haben Berufung eingelegt._ Kongreh englischer Eisenbahner. Der JahreSkongreß der Amalgamated Society of Railwah ServantS, der größten Eisenbahnerorganisation Großbritanniens, die über 100 000 Mitglieder zählt, ist soeben in Barry(Süd- wales) abgehalten worden. Die Verhandlungen des Kongresses gaben an manchen Punkten beredtes Zeugnis von dem neuen, kampfeslustigen Geist, der die Massen der englischen Arbeiter gegenwärtig beseelt. In den Reihen der Eisenbahnangestellten herrscht die bitterste Enttäuschung über die praktischen Wirkungen des Schiedsgerichtsverfahrens, das zur Zeit des un- mittelbar drohenden Generalstreiks vor drei Jahren mit Hilfe des Handelsministeriums und mit so großem Applomb eingeführt wurde. Eine andere Quelle wachsender Unzufriedenheit bilden die neuerdings besonders stark überhandnehmenden A m a l g a« mierungen der großen Eisenbahngesellschaften, die ein wahres Monopol schaffen, und in erster Linie die Er- rungenschaften der Arbeiterorganisationen bedrohen. Die Un- zufriedenheit der Arbeiter macht sich gelegentlich in plötzlichen lokalen Streiks Luft, die wieder den Gesellschaften Gelegenheit geben, wie kürzlich auch an der Nordostbahn, die Arbeiter durch Androhung einer Generalaussperrung zu demütigen. Einen dritten wichtigen Punkt bildeten die Verhandlungen über das O s b o r n e- U r t e i l. das ja gerade die politische Tätigkeit und parlamentarische Vertretung der Eisenbahnergewerkschaft, gegen die sich das Osborne-Urteil bekanntlich ursprünglich richtete, sehr stark beeinträchtigt. Der Präsident Charles wie» in seiner Eröffnungsrede auf die ernsten Wirkungen deS OSborne-UrteilS und auf die Not- wendigkeit hin, koste eS was es wolle, die Umstoßung deS Urteils zu erkämpfen. Die Organisation sei durch die freiwilligen Beiträge einigermaßen in den Stand gesetzt worden, die parlamentarische Tätigkeit fortzusetzen. Sherwood brachte eine Resolution ein, die die ge- waltigen E i se n b a h n m on o p o le für eine öffent- liche Gefahb und die Verstaatlichung der Eisen- bahnen für die einzige Lösung erklärt. I. H. Thomas, der Parlamentsvertreter der Eisenbahner, sagte, die Gesellschaften selber trügen mehr dazu bei, daS Publikum von der Notwendigkeit der Verstaatlichung zu überzeugen, als alle Agitatoren. Es gebe keine einzige Eisenbahngesellschaft im ganzen Königreiche, die keine geheimen Verträge mit den anderen hätte. Tie erste Folge der Kartellierungen seien die Arbeiter- entlassungen, die aber nicht offen vorgenommen werden. sondern �unter dem Vortvande gesundheitlicher Untauglichkeit auf Grund ärztlicher Prüfungen. Nur die Verstaatlichung könne die Lage der Eisenbahner dauernd bessern. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. >H.«l»cke, Berlin. Druck u. Verlag: vorwärts Buchdr. u. verlagiönßäli Eine Resolution, die für alle Eisenbahner den gesetzlichen Achtstundentag fordert, wurde ebenfalls angenommen. Rose brachte eine Resolution ein, die die Stellungnahme des Shcffielder Gewerkschaftskongresses zum Osborne-Urteil billigt, dessen Umstoßung für unerläßlich erklärt, damit die Ge- werkschaft ihre bisherige„Politik des friedlichen und ordnungs- mäßigen Fortschritts" fortsetzen könne. Nach einer lebhaften Debatte wurde die Resolution einstimmig angenommen. Eine andere Resolution fordert die Mitglieder auf. die angesichts des Osborne-U rteils gegründete politische Eisenbahner- organisation zu unterstützen und nur für Arbeiterkandidaten zu stimmen. Cuthbertson bringt eine Resolution ein, die erklärt, daß das Schiedsgerichtsverfahren sich nach dreijähriger Er- fahrung als den Arbeiterinteressen entgegen» gesetzt erwiesen habe, indem es die Arbeiter gegenüber den fortwährenden Aenderungen der Arbeitsmethoden machtlos läßt, und falls der Schiedsgerichtsvertrag nicht im Interesse der Ar- beiter abgeändert werde, dann solle er nach der vereinbarten Ablaufsfrist nicht wieder erneuert werden. Nach einer lebhaften Debatte, in der der Vertrag von den Delegierten sehr scharf kritisiert wurde, fand die Resolution eine fast einstimmige Annahme. Von Bedeutung für eine Erziehungsfrage, die in der englischen Arbeiterschaft schon seit langem sehr heftig umstritten ist, ist die vom Kongreß angenommene Resolution, die den Vorstand beauftragt, die auf Kosten der Organisation zu Studicnzwccken nach Oxford gesandten Mitglieder vom Ruskin College nach dem Z e n t r a l- A r b e i t e r- College zu versetzen. Es kann hier auf die Streitfrage nicht näher eingegangen werden; es sei bloß bemerkt, datz beide Arbeiter- Universitätsinstitute sind, und daß das Zentral-Arbciter-College erst unlängst gegründet worden ist, weil das Ruskin-Collcge unter den Einfluß der Oxforder Universitätsbehörden gelangt ist, die dort für die Arbeiter ihre„unparteiische" und„voraussetzungs- lose" bürgerliche Wissenschaft verzapfen lassen. Die neue Be- wegung ist ein erfreuliches Anzeichen dafür, daß sich die englischen Arbeiter endlich auch geistig und wissenschaftlich auf die eigenen Füße zu stellen beginnen. Das Zentral-Arbeiter-College steht unter der Kontrolle der Arbeiterorganisationen. Eine Resolution, die eine Vereinbarung der Ge» werkschaften aller Berufe fordert, um geme«n- same. wirtschaftliche Aktionen unternehmen zu können, wurde angenommen. Ebenso bedeutungsvoll ist eine andere Resolution, die angesichts der reaktionären Vor- stöße des konzentrierten Kapitals eine größere Zentralisation der Arbeiterorganisationen fordert. Ein Delegierter führte aus, wie die Unternehmer durch Verträge mit den zersplitterten Gewerkschaften die eine Organi- sation gegen die andere ausspielen. Wenn dies so weiter gehe, dann werde eine allgemeine Revolte der Arbeiter die Folge sein. Die Resolution wurde ein stimmig ange- n o m m e n.. kctztc ffachricbtctu Der Straftenbahnerstreik in Bremen. Bremen.(Privattelegramm des Vorwärts») Die Direktion der Straßenbahn macht bekannt, daß sie genügend neues Personal engagiert habe und altes nicht mehr einstellen könne. Heute abend kamen von August Müller. Hamburg, zirka 160 Streikbrecher» die heimlich vom Bahnhof gebracht und in sechs Straßenbahnwagen verladen wurden. Eine tauscndlöpfige Menge wartete am Bahnhof. Auf dem Transport kam es zu tumultuarischen Auftritten, in deren Verlauf die Scheiben zweier Straßenbahnwagen eingeschlagen wurden. Die Polizei zog bei den AbfperrungSmaßregeln blank. Heute abend beschlossen die Werlstättenarbeiter, daß» sobald die Entlassung dreier Kollegen, die sich geweigert hatten, den Streik- brechern LogiS einzurichten, erfolgt, morgen früh die Arbeit einzu- stellen. Ein weiterer Transport Streikbrecher wird heute abend 12 Uhr erwartet. Wie un» W. T. B. berichtet, hat die Polizeibirektion eint BermittclungSaktion in» Werk gesetzt. Die Verhandlungen im Polizeihause sollen heute vormittag 19 Uhr beginne«. Schmiedings Nachfolger. Dortmund', 17. Oktober. Zum Nachfolger de» verstorbenen Oberbürgermeister» Dr. Schmieding wählten heute die Stadwer<> ordneten einstimmig den bisherigen zweiten Bürgermeister von Dortmund Dr. jur. Ernst Eichhoff. Derselbe war seit dem 1. Ja« nuar 1907 al» zweiter Bürgermeister in Dortmund tätig, Zum französischen EisenvahnerauSstand. Pari», 17. Oktober.(W. T. 33.) Ein seit mehreren Tagen al» einer der Anstifter de» Ausstände» gesuchte» Mitglied de» Ausschusses der Eisenbahnangestellten namens Bidamant wurde heute nachmittag in dem Augenblick verhaftet» als er au» der Arbeits- börfe trat. Lyon, 17. Oktober.(W. T. B.) Der Anarchist der Tat. Ehabcrt, der Sekretär des Verbandes der Syndikate ist verhastet worden. Zum Skandal in Czenstochau. Krakau, 17. Oktober.(W. T. 93.) Helene Macoch wurde heirte ans dem Gefangenenhaus in Czenstochau nach Petrekau übergeführt. Vorher legte sie eine Beichte ab und gestand, durch den Mönch Macoch von dem vollführten Mord an ihrem Gatten benachrichtigt zu sein. Der Mönch Macoch weinte un- ausgesetzt bei dem Verhör; dieses mußte unterbrochen werden. Die Aerzte erklären seinen Gesundheits- und Getstesznstand für normal. Krakau, 17. Oktober.(Preß-Telegraph.) Der Paulaner. mönch Macoch hat heute dem Untersuchungsrichter ein voll- ständiges Geständnis abgelegt. Er gibt zu, seinen Bruder im Schlaf in der Klosterzelle ermordet und seit 15 Jahren fast täglich die Opferstöcke des Klosters zu Czenstochau geplündert zu Hobe». Wegen ähnlicher Kirchenräubereie« befinden sich noch acht Mönche des Klosters in Haft. Der Pater Zaloga wurde auf telegraphische Anweisung hin in Hamburg festgenommen, als er sich gerade eine Karte zur Ueberfahrt nach Amerika lösen wollte._ Sturmschäden aus Kuba. Havanna» 17. Oktober.(W. T. B.) Der Sturm, der schon am Tonnerstag ungeheuren Schaden angerichtet hatte, yat sich gestern nacht zum Orkan verstärkt. Die See schwemmte einen Zollschnppen weg, Waren im Werte von hunderttausend Dollars fortführend. Vom Hauptzollamt deckte der Wind das Dach ab und die Fluten drangen in das mit Waren gefüllte Innere ein. Die Schiffahrt ist lahmgelegt. Auch die Stadt Keywest ist vom Orkan betroffen._______ Paul Singer«c Co., Berlin 5W. Hierzu 3 Beilage»».Uaterhaliungtzbl. Nr. 244. 27. IahrMg. 1. KtilM des Jormätlf K>li»cr vslKsdlM Z>»»st«g, t8> Ndlsdtt MS. Sie bauliche Schulnovelle. Von Fritz Kunert. I. Motto: Wer die Schule hat, hat das Land. Altes Sprichwort. Die Novelle vom 18. Juni 1910, deren Inhalt wiederholt in der Tagespresse der Partei, auch in der„Neuen Zeit" sowie in den Berichten über die Offenburger und Magde- burger Parteitage usw. g e st r e i f t wurde, gewann da- durch nicht an plastischer Deutlichkeit für die Leser. Es fehlten für ein leidlich klares Bild natürlich abgesehen von den Details— die wesentlichen, charakteristischen Züge. Es kommt doch wohl darauf an, eine sichere Unterlage fürdieg�und sätzliche Bewertung der Novelle zu finden. Nun verweist die sozialdemokratische Mehrheit in Baden mit Vorliebe aus ihre positive, erfolgreiche, eigenartige Landespolitik. Die Erfolge wären geeignet, Budgetbe willigung und Disziplinbruch zu rechtfertigen, das war die Meinung vornrnd auch nach Magdeburg in revisionistischen Kreisen, besonders in Süddeutschland.*) So hob auch der Mannheimer Delegierte in Ofienburg stark hervor:„Bei uns ist es gelungen, Gesetze zu verabschieden, die von liberal-fort schrittlichem Geist erfüllt sind."("„Vorwärts", Nr. 196.) — Und der Abgeordnete für Mannheim verwies auf das Prunkstück unter diesen Gesetzen in Nr. 49 der„Neuen Zeit" die Schnlnovelle. Sie hätte eine Erhöhung der Lehrergehälter gebracht, das achte Schuljahr für die Mädchen, die obligatorische Einführung der Schulärzte und die gesetzliche Bestimmung, daß Kinder von Dissidenten gegen den Willen ihrer Eltern nicht zum Besuch des Religionsunterrichts gezwungen werden könnten. Dazu kamen noch andere Vorzüge: der Lehrer hatte Sitz und Stimme in der Schulkominisison gewonnen usw.: der § 1 14 sicherte die staatliche Kirch- und Schulhoheit usw.(Pro tokoll der 81. Sitzung 3418.) Es sei dabei nicht iiber Gebühr hervorgehoben, daß neben dem Lehrer und dem Arzte nicht auch der Lehrerin und Aerztin gesetzlich Platz eingeräumt ist, während der Pastor und der Kaplan nicht vergessen sind. Das kann aber nicht hindern, das Gute der parlamentarischen Leistung voll an zuerkennen, dem ist auch auf dem Magdeburger Parteitag rückhaltlos durch den Delegierten für Frankfurt a. M. Aus druck gegeben worden:„Ich weiß, mit welcher Freude, mit •) Innerhalb der Nürnberger sozialdemokratischen Organi- sation wurde das erst kürzlich mit großer Deutlichkeit aus- gesprochen. Der„Vorwärts" vom. 9. Oktober 1910, Nr. 237, be- richtet darüber in der 1. Beilage: Man müsse die in Baden errungenen Erfolge in Betracht ziehen. Wen» einmal im preußischen Landtage solche Errungen schaften zu vcrzeichen wären, würden die Berliner Genossen glauben, schon mit einem Fuß im Zukunftsstaat zu stehen. Der Budgetfrage werde viel zu viel Bedeutung beigelegt und gerade von den Genossen, die von dem Budgetrecht keine blasse Ahnung haben. Die Budgetbewilligung in Bade» ist durch die erreichten Erfolge gerechtfertigt. Wenn man den Badcnsern eine» Bor- wurs machen könne, so nur deshalb, weil sie zuerst gegen das Budget stimmen wollten und sich erst im letzten Moment anders entschlossen; die Vorteile waren groß genug, daß schon im vor- hinein das Budget angenommen werden konnte. In Bayern könnte man froh sein, wenn hier dieselben Erfolge auszuweisen wären, wie in Baden, noch mehr froh müßte mau in Preußen sein, wenn man einmal so weit wäre. Man vergleiche auch Nr. 40„Correspondenzblatt »er Gcneralkommission der Gewerkschaften". Der Leitartikel„Magdeburg", der in massivem Vorgehen den Budgetbeschluß angreift, bezieht sich u. a. gleichfalls„auf die mancherlei praktischen Erfolge der Badener Sozial- demokratie, auf ihre sich vorteilhaft ausnehmenden Reformen" usw. Natürlich wird hierbei in erster Linie die badische Schul- Novelle ins Treffen geführt. Vergleiche auch„Vorwärts" vom 13. Oktober, Nr. 249, 2. Beilage:„Die Gewerkschaftspresse über Magdeburg."— Kleines feuilleton* Theater. Berliner Theater:„Die törichte Jungfrau Sckmui'piel von Henry B a t a i l l e. Bataille, der in seinem vpm Hebbel-Theater gespielten„Skandal" einen einfachen Konflikt mit sicherer Konsequenz entwickelte, hat in dem neuen Drama wieder alle logisch- psychologische» Skrupel gründlichst abgeschworen. Die Rücksicht auf momentane Bühnenivirkung drängt alles andere in de» Hintergrund. Er sucht, die Tricks, die Spannungen und Sen- sationen, mit denen Henry Bernstein als anerkannter Meister ar- beiter, wetteifernd noch zu überbieten. Und er führt die Kunststücke mit einer Eleganz auS. er versteht es, die brüchigen Stellen i» der Anlage so lange zu verschleiern, daß man dem Spiel eine Zeitlang neugierig, ja beinabe mit Bewunderung zusieht. Der zweite Akt war. an dem Maßstabe des Genres gemessen, eine Leistung Von ungewöhnlichem Raffinemeilt. So niangelhaft die Psychologie der handelnden Personen. so gut versteht der Verfasser sich hier auf die Psychologie des Publikums. Das bewies ver Beifall. Die törichte Jungfrau, ein verivöhntes hochadeliges Fräulein, das die entrüsteten Eltern wegen der Liebschaft mit einem ver- heirateten Manne, einem Advokaten, zur Besserung ein paar Jahre ins Kloster schicken wollen, flüchtet im letzten Augenblick zu dein be- tagte» Liebhaber auf das Bureau. Er soll sie entführe»! Was dem Advokaten auch durchaus einleuchtet. Das Auto ist schon bestellt. Da klingelt es. und er versteckt die Angebete im Nebenzimnter. Es ist seine Frau, die von dem Plan durch einen anonymen Brief er- fahren hat. Sie schickt ihn zu ihleni Kutscher herunter, erspäht die Nebenbuhlerin und schließt sie ein. Große Szene zwischen den Gatte». Sie weigert sich den Schlüssel herzugeben. Neues Klingeln. Der Bruder, durch dieselbe aiionyme Briesschrcibcrin benachrichtigt, tritt mit versti�ten Mienen ein. Madam, die nun gleich ivicder die Partei deS ungetreuen Gatten ergreist, gelingt es, durch eine Flut von Lügen den Argwohn deS jungen Menschen zu zerstreuen. Das Mädchen unbemerkt herauszulassen, drückt sie ihrem Manne heimlich den Schlüssel in die Hand. Man hört das Tute» eines AutoS, in dem die beiden Verliebten fliehen. Und von rasender Empörung geschüttelt, schreit die Betrogene dem betrogenen Bruder die Wahrheit ins Gesicht. Zum Schluß führt der Autor grob- melodramatisches Geschütz auf. Frau und Geliebte überschlagen sich an Opfermut. Damit der rachsüchtige Bruder nicht den Entführer niederknallt, schießt sich die törichte Jungfrau selber eine Kugel in die Brust! Die Vorstellung litt darunter, daß die Schauspieler im Bemühen um Intimität vielfach zu leise sprachen. Der Advokat wurde von Ludwig H a s l a u, das verzückte Mädchen von Käte Ehren welchem Ueberschwang und mit welch prächtiger Arbeitswut Ihr Euch auf die Arbeit gestürzt habt. Ihr habt des Guten nicht zuviel in der Aufklärungsarbeit, sondern im rein Pav lamentarischen getan usw."(Vorwärts", Nr. 222.) Damit nicht die Leser„herauf, herab und quer und krumm" an der Nase herumgeführt werden, ist es nunmehr dringend erforderlich, die Sackie von ihrer Kehrseite, und ztvar prinzipiell zu betrachten. *** Die Schulfrage hat für unsere Partei drei große Prin zipalforderungen: die Durchsetzung der Weltlichkeit, die Erringung der vollen Unentgeltlichkeit und die Or° ganisierung umfassender Einheitlichkeit. Wie steht nun die Novelle zur Weltlichkeit? Hierzu behauptete der Korreferent über die Budget frage in Magdeburg allgemein, daß auf dem Gebiete des Schub Wesens erhebliche Verbesserungen durchgesetzt seien, denen die Preisgabe von sozialdemokratischen Grundsätzen nicht gegen überstehe: vielleicht seien die ersten Schritte zur Erfüllung „unseres Schulideals" erreicht. Er wurde auf die Unhaltz barkeit einer solchen Auffassung durch Zwischenruf sofort auß merksam gemacht. Im Anschluß daran, ohne den ge ring st en Widerspruch bei seinen badischen F r a k tionskollegen und Parteigenossen zu finden, konnte er die absolut unwahre, ja groteske Publi kation machen(„Vorwärts", Nr. 221): Man habe sozial demokratischerseits in der Zweiten Kammer die Abschaffung des Religionsunterrichts— die Weltlichkeit der Schule gefordert; jawohl— aber dieser Antrag sei niedergestimmt worden. Was in Baden nicht alles möglich ist: ein niemals ge stellter Antrag wird von den bösartigen Gegnern in der Kamnier dennoch niedergcstimmt. Ebenso irrtümlich ist es, wenn ein Delegierter von Frank furt a. M. die Ansicht in Magdeburg vertrat:„Ihr Badenser habt dann, soweit ich weiß, erst in der dritten Lesung den An trag auf Abschaffung des Religionsunterrichts nachgeholt- also zu spät."(„Vorwärts", Nr. 222.) Es steht vielmehr dokumentarisch fest, daß ein solcher sozialdemokratischer Antrag überhaupt zur Novelle niemals gestellt worden ist. Die Parlamentsakten sind hierfür zum Glück genügender Beweis. Entscheidend allein ist schon die Drucksache Nr. 33, Seite 19, eine Anlage zum Protokoll der 77. Sitzung vom Jahre 1919. Danach ist Religion als Unterrichtsgegenstand — und zwar als der bevorzugteste— in den Lchr- und Lektionsplan der badischen. Elementarschule aufgenommen worden. Gegen die ausdrückliche und inhaltschivere Ausnahme ist— wie das Dokument scharf hervorhebt— von keiner Seite Widerspruch erhoben worden. Auch nicht der schüchternste sozialdemokratische Protest wurde laut, als Schüler, Lehrer und Aufsichtsbeamte zu Tausenden der Kirche für unabsehbare Zeit unterstellt wurden. Also kein Antrag, kein flammender Protest, nicht einma das zahmste Wort des Widerspruchs; stumm wie die— Fische, so hält man seine programmatischen Forderungen hoch, so verficht man„die Abschaffung" des Religionsunterrichts,— die Schulweltlichkeit. Nur so versteht man die blutige Ironie, mit der der Ab. geordnete Fehrenbach gegenüber den Kammer-Sozialdemo. kraten nicht kargte. In der 81. Sitzung 1910, Protokoll Seite 3401, sprach der gerissene Zentrumsführer seinen sozialdemo krati scheu Kollegen seine volle Anerkennung darüber aus, daß sie zwar im Programin die Weltlichkcit der Schule verzeichne n haben, daß sie aber trotzdem brave Leute seien, die in bezug auf die Einführung der weltlichen schule keinerlei An strengungen oder Schwierigkeiten gemacht hätten. In der Tat haben die badischen Parlamentarier nicht die Weltlichkeit der Schule beantragt, sondern sie haben als Ersatz dafür man vergleiche Landtagsdrucksache Nr. 33, Ii II. und Gesetzentwurf§ 20, Abs. 2, sowie Protokoll der 83. Plenarsitzung— auf den alten Toleranzantrag des Reichstags zurückgegriffen.— Wie wenig dieser neuaufgelegte Antrag ein wirklicher Ersatz, eine Art Rettungsring sein konnte, erkannten die führenden sozialdemokratischen Politiker eindrucksvoll skizziert. Ausgezeichnet war Herr C l e w i n g in der Figur des blind fanatisierren jungen Herrn und Rosa Bertens als die zwischen demütiger Liebe und eifersüchtigem Besitztrieb hin und hergeworfene Gattin. St. Schiller-Theater:„SodomS Ende" von H erm ann Sudermann. Die Aufsührung deS Schiller-TheaterS verdient Dank. Sie setzte alle Qualitäten deS Sudennannschc» ScbauspielS — und die sind trotz der abschätzigen Manier, mit der heute von diesem früher so geseierte» Dramatiker gesprochen wird, geringfügig — in Helles Licht. Während in der„Ehre", deS Dichters Erstling, nur die Leute vom Hinterhaus plastisw hervortreten. Graf Traft und Anbang in unbestimmten banalen Phrasen stecke» bleiben, zeige» in„Sodoms Ende" die beiden miteinander kontrastierten Gruppen gleichmäßig individuelle Färbung. Das schlichte Heim der beiden alten JanikowS und ihres Klärchen wird dem Zuschauer ebenso lebendig, wie die verlogen ästhetisiereude Scheinwelt in Frau AdaS prunkenden Gemächern. Wie viel gut gesehenes Detail auf beiden Seiten l Wie viel epigrammatische Schlagkraft allein in der episodischen Gestalt des melancholisch witzigen, vom Poeten zu», Salonschmarotzer herabgekommenen Dr. Weiße I Wenn gegen Schluß hin im äußeren Apparat der Handlung mancherlei erhebliche Grausamkeiten mit unterlaufen und da? Streben, die Tendenz symbolisierend durchzuführen, den Dialog zuiveilen ins Geschwollene entgleisen läßt, können solche Mängel doch, was sonst ali positiver Kraft und an dramatischem Bühnrntemperainent im Stücke steckt, unmöglich auslöschen. Zumal da Snderinann in der Hauptsache, in der Schilderung deS sceliichen KrankheitsprozesicS. der lähmenden Genußsucht und des aufgeblasenen EilelkeitwesenS, an der Willi Jarnikow zugrunde gehen muß, der Wahrheit treu geblieben ist. Das Spiel war durchgängig ein überraschend gutes. Man hätte für den innerlich Entgleisten, von Angst, Begier und Reue gepeitschten Künsller, dessen Reize die Flauen bestrickt, gar keinen besseren Re- Präsentanten alS den schlank geschmeidigen Herrn Gerhard finden können. Bon den übrigen sei hier nur noch der älißerst markante Dr. Weiße L e g a l S und Fräulein Beckers rührendes Klärchen namentlich erwähnt. St. Im Thalia-Theater hat das„Wiener Kunst- Theater' lein vorläufig auf vierzehn Tage berechnete» Gastspiel mit Ludwig AnzengruberS Bauernkoniödie„Doppelselbst» m o r d" eröffnet. DieS Unternehmen ist in zweifacher Hinsicht be» merkenswert. Einmal, weil eS vorwiegend in den Dienst der dramatischen Muse deS unbestritten größten VolkSdichterS Oesterreichs gestellt ist; und zweitens um Karl Langkamme rS, seines künstlerischen Leiters willen, dem ein bedeutender Rnf als eminenter Bühncnpraktiker vorausgeht. Was sofort bei der Aufführung dieser nicht gar tief schürfenden und stileinheitlich gestalteten nichts desto in Baden nicht. Der eine von ihnen war vielmehr überzeugt, daß damit— mit dem Toleranzantrag— und der Befugnis der Erziehungsberechtigten, sich für oder gegen den Religions- uitterricht zu erklären—„allem vorgebeugt wäre", nämlich aller pfässischen und amtlichen Intoleranz. �(83. Sitzung, Protokoll Seite 3461.) Nicht weiter blickte sein Kollege nach dem Protokoll der 83. Sitzung, Seite 3472:„Tie religiöse Ueberzeugung der Erziehungsberechtigten entscheidet" in der Schulfrage. Beide Ausfassungen der badischen Diosknren decken sich: sie sind völlig unzutreffend. Wäre der Antrag (ssesetz, so liegt das Entscheidende nicht in der„Ueberzeugung", sondern in der kommunalen, politischen, insbesondere ökonomischen Stellung und Abhängigkeit der Er» ziehungsberechtigten. Da aber die Mehrzahl aller Menschen sich in Wirtschaft- sicher oder moralischer Not, in Zwangslage und Abhängigkeit aller Art befindet, so nniß ein derartiger Antrag oder ein solches Gesetz für die ungeheure Volksmehrheit unwirksam und zwecklos bleiben; ebenso wie die simultane oder rein pa- ritätiiche Schule der Gewissensfreiheit und der religiösen Ueberzeugung der Eltern nicht zum Siege verhelfen können. — Die wahre Duldsamkeit, die höchste und ideale Toleranz siegt eben in dem verleugneten Grundsatz der Weltlichkeit: denn er umschließt mit unfehlbarer Wirkung alle, ohne jede Kleinlichkeit, ohne jedes Markten, alle ohye Unterschied ihrer Klasscnzuge- Hörigkeit. Der kritisierte Toleranzantrag steht tatsächlich inhaltlich nicht hoch: aber politisch tiefer befindet sich noch eine sozial- demokratische Aeußerung aus der 83. Sitzung, Protokoll'Seite 3465. Damit beteuert ein führender Mann: daß die Schüler nicht gezwungen werden sollen, den Religionsunterricht zu be- suchen, wenn die Eltern geeigneten Ersatz nachweisen. „Das ist im Prinzip genau die Forderung, die wir hier in Baden jetzt für die Volksschule durchsetzen wollen." Kurz, gegenüber dem alten unzulänglichen Toleranz- antrag ist diese neue Weisheit von dem„geeigneten Ersatz" direkt inkonsequent, unlogisch und reaktionär. Das kommt davon, wenn man sich seljeut, grundsätzliche Schulpolitik zu machen. Der sogenannte Tolcranzantrag wurde schließlich ab- gelehnt und der vorher envähnte Dissidentenantrag stark verklausulierte, gesetzliche Bestimmung, von der eine winzige Minderheit profiteren soll. Wohlan, eine positive, ja eine kolossale Leistung der spezifisch badischen Schulpolitik. eine„gelbe" Ecicliskonfmnz. Etwa 200 Delegierte aller gelben Organisationen, die sich be- kanntlich bald„vaterländisch", bald.mational" oder„reichstreu", bald Wcrkvercine oder wohl noch anders nennen, traten am Sonn- tag. den 13. Oktober, in Magdeburg zu einer sogenannten Ver» ständigungskonf�rcnz zusammen. Einberufer war der Konferenzausschuß der Magdeburger nationalen Arbeitervereine, in dem Vertreter von zwölf dieser Organisationen des Arbeiter- Verrats saßen. Auch zwei evangelische Arbeitervereine waren dabei beteiligt, obwohl der Gesamtverband der evangelischen Arbeiter» vereine dagegen Einspruch erhoben hatte. Die beiden dissentieren« den Vereine begründeten ihr Verhalten mit lokalen Gründen. Allein« könnten sie keine politische Rolle spielen und im Kampfe gegen die Sozialdemokratie mitwirken. Am Sonnabend fand zunächst ein BegrüßungSkommerS statt, auf dem ungezählte Ansprachen gehalten wurden. Der Magdeburger Polizeipräsident V. Alten erinnerte an die kaiserliche Kotschaft von 1881 und sprach von den unerfüllbaren Forderungen der Sozialdemokratie. Der Oberprösident der Provinz Sachsen gab seiner Ueberraschung über die große Zahl der Delegierten AuS- druck. Er erkenne an, daß die Bestrebungen der Arbeiter zur Hebung ihres Standes berechtigt seien, und er begrüße es, daß sie da? Hand in Hand mit den Unternehmern tun wollen. Für den Arbciterstand werde und müsse weiter gesorgt werden, aber so leicht sei das nicht. WaS in seinen Kräften stehe, werde er tun, um die nationale Arbeiterbewegung zu fördern. Zur Einigkeit mahnten weniger doch an köstlichen Schönheiten reichen Posse wohltuend ans- fällt, ist die Echtheit des Bauerntums. Bei allem RealiS« muS. der keinerlei Rctouche erfuhr, ihrer freilich auch nicht benötigt, traten gerade die verborgenen poetischen Werte voll in ihre Erscheinung. Ueberall verrät sich eine meisterbafte JnszenierungSkunst. Trefflich gelang der zweite Akl. Ein besonderes Glanzstück war daS Ratichkolberl-Ouartett. ES steht nicht bei Anzengruber. Was er einer Person in den Mund gelegt, hat Langkamnier hier so ungemein komisch wie dramatisch wirksam drei Dörflerinnen zugeteilt. Im Enieinble treten zumeist gute Typen hervor. Unter den Haupt- darstellern stehen Joseph P e l z a als Hauderer und Karl Heinrich (Senrner) vor»,,. Philippinc Thiene! wird der Agcrl ganz gewiß gerecht; ein Weniger an aufgetragener Einfälligkcit wäre freilich mehr. Rudolf Fried!(Zanglj soll nicht vergessen sein. Erfreulich war vor allem, daß das satirische Element in der Darstellung sich der drastischen Komik gesellte.». k. Notizen. Kurd Laßwitz ist am Montag im Alter von 32 Jahren in G o t h a gestorben, wo er lange Jahre als Gymnnsialprofessor tälig war. Als Darsteller der Kantschen Ideen über Raun« und Zeit, als Geschichtsschreiber der Lehre von den Atome», als Biograph und Herausgeber des ihm wesensvcrwandten Naturphilosophen Fechner, der in seiner„Ranna" die Beseelung der Pflanze gelehrt hatte, ist er nicht allzuvielen bekannt geworden. Aber als eine Art deutscher Jules Verne hat er in weiteren Kreise geivirkt. Seine naturwissenschaftlich-technischen Romane und Märchen, in denen er kiih» wciterbaute aus der Basis des Erreichten, als Ahner des Künftigen, gewähren einen tiefen Einblick in Reiche der Möglichkeiten, die er als Forscher und Dichter zugleich erschloß. Längst hätten wir unsere Leser mit Laßwitz' Mars-Erde-Romnn: Auf zivei Planeten bekannt machen wollen, in der die Eroberung und Zivitisierung der Erde durch die fortgeschrittenen MarSbewo'hiter geschildert wird. Aber uns unbekonnt gebliebene Verleger- oder Nutoreilbedenken ver» hinderten unser Vorhaben, das sicherlich Laßwitz die dankbarsten und versländnisvollsieii Leser zugeführt hätte.., � Vorträge. Anleitung zum Betrachten von Bildern ist das Thema eines Vortragszyklus, den Professor P. Schubring am Mittwoch, den 19. d. M., abends 8'/, Uhr, im Schilter-Saal. Charlotten bürg, beginnt.—. U e b e r Weltgeschichte' spricht Dr. H !etter und »ennrg nn Verein von Freunden der Treptow-Sternwarte" am Mittwoch, den 19. d. M.. abends 8>/, Uhr. Vor und nach dem Vortrag wird der Saturn beobachtet. — Eine französisch« Gemäldeausstellung. besonders von Meistern des 13. Jahrhunderts, wurde in Leipzig eröffnet. der NmtZgerichtSrat Lewin, ein Pastor und der RechtsnnwaN Pistorius, wozu, wie die Konfereuzverhandlungen lehren sollten auch reichlich Ursache vorlag. Ein Hamburger Delegierter sprach über den Werftarbeiterstreik und stellte dabei die Behauptung auf — die gerne in die Presse kommen, weil er sie angeblich beweisen könne—, daß bei der Beschlußfassung über den Streik von einzelnen abstimmenden Arbeitern nicht nur einer, sondern eine ganze An- zahl Stimmzettel abgegeben worden sei. f!) Dann schickte man an Wilhelm IL, den„Arbeiterkaiser". ein Telegramm, das mit den prahlerischen Worten begann: In Magdeburg war Feindeshochmut groß— In Magdeburg ward ihm der erste Stoß! Der Zutritt zu der eigentlichen Konferenz am Sonntag wurde «»r auserlesenen Leuten gestattet. Man hatte die strengsten Matz- regeln getroffen, um zu verhindern, daß Sozialdemokraten oder gar ein sozialdemokratischer Pressevertreter Zutritt erhielten. Nach einer herzlich schlechten Begrüßungsrede des schon recht alten Vorsitzenden des evangelischen Arbeitervereins Magdeburg Siems nahm der Regierungspräsident v. Miesitschek das Wort. Es sei sonst sein Grundsatz, sich am Sonntag morgen von aller Arbeit fernzuhalten. Aber davon sei er heute gern ab- gewichen, weil es sich um ein Gott wohlgefälliges Werk handele, das die Herren Delegierten vorhätten. Er hoffe, manches mitnehmen zu können, was er am Arbeitstisch gebrauchen könne. Nach dem obligaten Kaiserhoch folgte dann ein Bortrag des Schlossers Max War necke vom Arbeiterverein des Krupp- Grusonwerkes über„D i e deutsche Arbeiterbewegung und ihre Ziele". Er führte etwa aus: Weng unser herrliches Deutsches Reich auch manche und große Fortschritte zu verzeichnen hat, so doch auch einen schweren Rückschritt, nämlich in dem Ent- stehen der freien Gewerkschaften. Wenn wir bedenken, wie durch diese Gewerkschaften den Arbeitern das Koalitionsrecht eingeschränkt und die Industrie gehemmt wird, dann müssen wir uns fragen, was ist dagegen zu tun? Wir wissen genau, datz uns verschiedene nationale Arbeitervereine nicht bekannt sind. Einer weiß vom anderen nichts und in den verschiedenen Vereinen Herr- scheu die verschiedensten Ansichten, obwohl wir alle auf Vater- ländischem Boden stehen. Als uns zur Gewißheit wurde, datz alle Vorschläge in Zeitungen und Briefen nichts Ersprießliches bringen, entschlossen wir uns zu dieser Konferenz, um durch eine Aussprache den Weg der Verständigung und die Basis zu finden, auf der alle nationalen Arbeitervereine, ob christlich-sozial, ob evan- ge lisch oder sonst was, sich zusammenschlietzen konnten. Ich kchlage vor: „Alle nationalen Werb- und Arbeitervereine schlietzen sich in den grötzeren Städten bezw. Bezirken zu Ausschüssen zu- sammen. Diese Ausschüsse unterstehen der Leitung eines Hauptausschusses. Dieser Hauptausschutz wird gebildet aus den Vorstandsmitgliedern der angeschlossenen Verbände, Ar- beitervereinsvercinigungen, Schriftamt usw., welche ihre Mit- arbeit erklärt haben. Jeder Vorband usw. kann auf je ESOOO Mitglieder ein Vorstandsmitglied in den Hauptausschutz beordern. Die Aufgaben dieser Haupt- und Unterausschüsse sind folgende: L Statistiken über die gesamte nationale Arbeiter- bewegung aufzunehmen; 2. Stellung zu nehmen zu») allen Ar- beiterschutzgesetzen, b> Streits und Aussperrungen, c) allen Ar- beiterwahlen; Z. durch Zusammenschluß die nationalen Arbeiter gegen gewerkschaftlichen Terror zu schützen; 4. die Interessen der Arbeiter zu vertreten») in-den Gemeinden, b) in den einzelnen Landtagen, c) im Reichstage; b. zu diesem Zwecke bei allen diesen Wahlen die bürgerlichen Parteien zu unterstützen, wenn sie mit den von den Ausschüssen aufgc- stellten Zielen sich einverstanden erklären; ö. sollte dies letztere nicht der Fall sein, besondere Kandidaten aufzustellen; 7. Mitteilungen herauszugeben, die alle angeschlossenen Verbände und Vereinigungen sowie deren Jachblätter und Zeitungen von dem jeweiligen Stand unserer Bewegung unterrichten. Wir müssen zu allen Dingen geschlossen Stellung nehmen wie die freien Gewerkschaften. Dabei ist nicht nötig, daß wir uns strengen gewerkschaftlichen Bestimmungen unterwerfen. Auch auf loser Basis läßt sich etwas erreichen und das ist vor allen Dingen kostenlos. Der Hauptzlveck ist, datz wir eine größere Stütz- kraft bekommen. Jeder Verein soll seine Selbständigkeit behalten. Der Ausschuß nimmt sich nicht das Recht, in die wirtschaftlichen Interessen der Vereine einzugreifen. Er soll irur allgemeine Fragen erörtern. Ich ersuche Sie-, in allen Städten solche Aus- schösse zu bilden, besonders dort, wo die sozialdemokratische Gegner- schaft die nationalen Vereine zu ersticken droht. Vorsitzender Hoffmeister teilt mit, datz am Tage vorher der Bund deutscher Werkvereine gegründet worden sei>. Ein Delogierter aus dem Saarrevier verliest unter allgemeiner Unruhe eine lange Rede mit dem Schlutzrefrain, datz auch die ch r i st l i ch e n Gewerkschaften so beurteilt werden mutzten, wie die roten. Unter allseitiger Zustimmung verlangen mehrere Delegierte Auskunst über den neuen Werkvereinsbund und seine Ziele. Vorsitzender Hoffmeister: Die Werkvereine haben sich zusammengeschlossen, weil sie besondere Interessen haben.(Wider- fpruch.) In allgemeinen Fragen will der neue Bund mit den anderen Verbänden Hand in Hand gehen. Fahland- Berlin(Siemens-Schuckertwerke): Wir haben uns anfangs gegen die Einladung zu der Konferenz ablehnend vcr- halten. Unsere drei Zeitungen, der.Aund", die„Wehr" und die „Deutsche Treue" liegen sich täglich in den Haaren.(Unruhe.) Wenn die Presse nicht einig ist, werden wir auch nicht einig werden. Auf uns Berliner wird immer herum gehackt.(Lärm.) Wir sind aber ebenso patriotisch wie Sie. Solche begeisterte Versammlungen wie am gestrigen Abend hier können wir in B-erli.n nicht machen. Es ist ein Wunder, datz wir soweit, wie geschehen, Futz fassen konnten, denn in Berlin ist alles rot. Was uns der Re- ferent vorschlägt, dag können und dürfen wir heute noch nicht in Berlin tun. Die Furcht nach autzen läßt das nicht zu. Sonst sind wir mit allem einverstanden, nur wollen wir nicht so offen hervortreten. H i I l w i g- Mannheim will„Einigung um jeden Pr�iS", iväh- rend Ba don ins-Saargau die Bildung eines ständigen Kon- ferenzausschusses vorschlägt. E r m e r t- Berlin: Ich kann alle die A i s i ch t en nicht teilen. Wenn ich mich verheiraten will, dann mutz ich erst meine Ehehälfte kennen lernen. Das Programm sah die die gestrige Gründung des Werkvereinsbundes nicht vor. Ich will nicht sagen, datz ich dagegen bin. Wir vom Bunde vaterländischer Arbeitervereine haben aber eine engere Verbrüderung nicht nötig, eher sogar Nachteil davon. Was soll aus dem Gebilde, das Si-e schaffen wollen, in der Zukunft werden? Wenn wir nichts wissen über den Werkvereinsbund, können Sie uns es nicht übel nehmen, datz wir eine abwartende Stellung einnehmen. Wir stehen auf dem Stand- vunkte, datz uns. wenn wir unsere politischen Ziele erreichen, die wirtschaftlichen von selbst in den Schatz fallen. Wenn die Werkvereine dasselbe wollen wie wir, dann sehe ich auch nicht em, warum gestern die Gründung vorgenommen wurde. Ehe wir mit dem neuen Bunde zusammengehen, müssen wir wissen, was er will..(Demonstrativer Beifall bei den„Nationalen".) F i cht l e r- Berlin: Wir Werkvereinler wollen zunächst unsere wirtschaftlichen Interessen pflegen und«die politischen nicht autzer acht lassen. Es ist umgekehrt dasselbe, was Herr Ermert will, und im Erfolg ganz dasselbe. Er hat unS ja eine gewisse Absage ge» geben. Wenn wir denn auch getrennt marschieren, so müssen wir doch vereint schlagen. Wir loa reu auch gestern bei der Gründung nicht ganz einig, denn wir Berliner nehmen ja einen wesentlich anderen Standpunkt ein, weil wir den Streik immer noch als letztes Mittel betrachten. Aber dadurch, datz wir und die Unier- nehmer uns mit Vertrauen entgegenkommen, haben wir den- Boden des Klassenkampfes verlassen und wir«m- pfinden cS als Scham, wenn wir uns von Cohen und Genossen führen oder von Adolf Hoffmann die Gebote vorschreiben lassen sollen. Legen Sie uns die„Richtschnur nicht zu stramm auf den Leib"(?), sonst können wir sie nicht tragen! Da ow Unruhe der Versammlung wächst, wird schlietzlich eine Kommission zur Borberatung der Einigungsfrage gewählt. Ucbcr den Vorsitzenden entstehen Auseinandersetzungen. Ermert schlägt-den Baror v. Rcibnitz bor, während die Werk- vereinler War necke vorschlagen. Obwohl die Gegenseite ihn als nicht unparteiisch bezeichnet, wird Warnecke mit 74 gegen 61 Stimmen gewählt. Es folgt nun zunächst ein Referat des Vorsitzenden des gelben Bäckergcsellenbundes, W i s ch n ö w s k i, über„Das Koalitionsrecht und der Schutz der Arbeitswilligen". Er zetert über den„sozial- demokratischen Terrorismus" und verlangt, wenn das Recht, zu streiken, bestehe, auch die Anerkennung des Rechts, zu arbeiten. Wie komme die Regierung dazu, den Arbeiter, der arbeiten will. schutzlos�zu lassen? Redner tischt die unsinnigsten Behauptungen über die Sozialdemokratie auf, was ihm offenbar um so leichter gelingt, als er vom Wissen nicht allzu sehr beschwert scheint. Pari- tätische Arbeitsnackiweise nennt er Brutstätten der Sozialdemo- kratie. Die Schmutzereien in den Bäckereien würden meistens von den Genossen angerührt und dann den Meistern in die Schuhe ge- schoben, um diese boykottieren zu können. Alle Machinationen liefen auf die Verstadtlichung der Betriebe, die Ausmerzung der Kleinbetriebe und die Ausmerzuipg des zufriedenen Mannes hinaus. Die gelben Bäckergesellen, seien um 100 Proz» intelli- g e n t e r als die freien, weil sie in die Zukunft zu schauen der- möchten. Sie besätzen auch vielmehr Mut und Rückgrat als ihre Gegner. Viele hunderttausende Zioangssozialdemokraten würden aufatmen, wenn die nationalen Arbeitervereinler sie aus ihrem Ge- fängnis befreiten. An die Regierung müsse ein scharfer Appell gerichtet werden. Petitionen der gelben Bäcker seien einfach in den Papierkorb gewandert. Als er, Redner, an die Spitze des gelben Bäckerbundes getreten sei, habe er 43 Drohbriefe(I) erhalten; sogar mit Totschlag sei er bedroht worden. Die Regierung müsse ersucht werden— bitten sei nicht genug—, um dringenden Schutz der Arbeitswilligen und gegen den Unfug des Boykotts. Man tue nichts am grünen Tisch; es scheine, als fürchte man sich auch dort schon. Hoher- Berlin fand den Mut, allen sozialdemokratischen Re- dakteuren die Ehre abzusprechen. Von der Regierung müsse man verlangen, datz sie den Staatsbürger schütze und nicht blotz bitten und ersuchen. Die nationalen Arbeiter seien jederzeit bereit, ihr Herzblut für ihre Ideale hinzugeben.(!) Er beantragt eine Resolution, in der die Vertreter von angeblich über 100 000 natio- nalen Arbeitern„auf das schärfste protestieren gegen den Mitz- brauch des Koalitionsrechts und gegen das Boykottunwesen und weiter geeignete gesetzgeberische Mahnahmen zum Schutze der Arbeitswilligen verlangen, insbesondere auch ein Verbot des Streikpostenstehens, das gerade in erster Linie den Anlatz zum Koalitionszwang gebe." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Dann setzte man die Diskussion weiter fort! Es ist daraus noch zu erwähnen, datz ein Delegierter mehr Entgegenkommen der Arbeitgeber ver- langte, ein anderer dagegen meinte, man solle sich selber helfen und nicht jeden Augenblick nach der Polizei rufen. lieber„staatliche i»nd private Fürsorge" sprach dann R u p p- Völklingen. Er pries die Wohlfahrtseinrichtungen der Unter. nehmer und hob diese selbst in den Himmel, weil sie uneigennützig freiwillig ungezählte Millionen für das Wohlergehen der Arbeiter geopfert hätten. Es sei Lüge und Schwindel, datz die Abhängigkeit der Arbeiter durch die Wohlfahrtseinrichtungen gefördert werde. Sogar die ideale Kruppsche Sparlotterie hätten oie mit Blind- heit geschlagenen Arbeiter bekämpft! Auch um die staatliche Sozial- Politik hätten die Unternehmer große Verdienste. Dankbar müsse man besonders des verstorbenen Freiherrn v. Stumm gedenken. An den Versicherungsgesetzen und auch anderen sozialen Gesetzen hatte der Redner besonders auszusetzen, datz durch sie der Einfluß der Sozialdemokratie vergrößert wird. Der sozialdemokratischen Herrschaft in den Krankenkassen werde die Reichsversicherungsord- nung hoffentlich ein Ende bereiten. Einige soziale Gesetze muten wie Hanswurstereien an, wie z. B. das über die Sicherheitsmänner im Bergbau. Man habe nicht zu verhindern gewußt, daß die Ge- werkschaften durch eine wüste Agitation das Gesetz ihren Zwecken dienstbar gemacht hätten. So besprach der Redner noch weiter soziale Gesetze und kam schlietzlich zu dem Schluß, datz man sich hüten solle, dem Staat noch weitere Lasten aus der sozialen Gesetzgebung aufzubürden. Da- durch leide die Industrie und werde zurückgedrängt infolge der nicht mehr erschwinglichen Kosten, die sie dazu beizutragen habe. Trotzdem wolle er sich nicht gegen die Sozialreform wenden(!), sondern nur zur Vorsicht raten. Inzwischen war die Kommission wieder erschienen. Den Be- richt erstattete W a r n e ck e: Mit tiefem Bedauern mutz ich mitteilen, daß die Einigung nicht zustande gekommen ist zwischen dem Werkvereinsbund und dem Bunde vaterländischer Arbeitervereine, obwohl ziemlich festgestellt war, datz die Interessen ziemlich gleiche sind und obwohl beide Teile auch geneigt waren zur Bildung eines Ausschusses. Die Einigung scheiterte an der Frage: wer übernimmt die Führung?(Unruhe) In der Kom- Mission legte Ermert eine vorher gefaßte Resolution bor, datz die Vaterländischen nicht einverstanden seien, wenn ihnen nicht die Führung zufiele. Ich bcdaure, wenn die Einigung an einer Machtfrage scheitern soll. Wir haben auch vergeblich versucht, das, was sich nicht genau bestimmen lätzt, auf einige Zeit hinaus- zuschieben, um die Entscheidung dieser Fragen in etwa zwei Monaten durch den Hauptausschutz vorbereiten zu lassen. H i l l w i g beantragt zu beschließen, datz die nationalen Ar- beitervereine ui wir��aftlichen Fragen zusammengehen und den Kampf in der Presse vermeiden sollen, ferner ein Kartell natio- naler und Werkvereine zu gründen zur Lösung der gcmeinschaft- lichen Fragen, das bis zur nächsten Konferenz die Leitung vorzu- schlagen hat. An persönlichen Fragen dürfe die Einigung nicht scheitern. Wischnöwski schlägt vor, eine neue Kommission zu wählen.(Widerspruch.) Könitz: Als Werkvereinsbund haben wir besonders unseren wirtschaftlichen Standpunkt betont und nur nebenher unseren minimal politischen. Diesen Standpunkt können wir auch nicht aufgeben. Unseren Vorschlag, daß die stärkste Organisation die Leitung übernimmt, hat man abgelehnt und verlangt, datz die ä l t e st e die Leitung bekomme. Da machen wir unter keinen Um- ständen mit. Als Ermert seinen Standpunkt aufrecht erhielt, haben wir die Kommission verlassen.(Lärmende Zustimmung.) Hetz-Essen beantragt, im Antrag Hillwig nicht zu sagen Kartell, sondern Hauptausschutz. Ermert: Ich erkläre, datz wir auf unserer heute morgen gefaßte» Resolution bestehen bleiben.(Unruhe, Zustimmung.) Hillwig ist nicht befugt, einen anderen Vorschlag zu machen. Wir lehnen ihn rundweg ab.(Lärm.) ES folgt die Abstimmung. Die Mehrheit, die aus Werk- vereinlern besteht, erhebt sich für den Antrag Hillwig mit der Aenderung„Hauptausschutz".(Händeklatschen und Beifall.) Ein Delegierter verlangt die G e g e n p r o b e. Es erhebt sich aber niemand, weil der Vorsitzende sie mit folgenden Worten ver- langt: „Wer es fertig bringt, dagegen zu stimmen, soll sich erheben." Infolgedessen wird die einstimmige Annahme der Reso- lution konstatiert, worauf die„vaterländischen" Delegierten zum großen Teil ihre Plätze verlassen. Es wird dann beschlossen, datz der neu eingesetzte HauptauS- schütz seinen Sitz in Magdeburg haben und die nächste Kon- fercnz am 11. Dezember wiederum in Magdeburg stattfinden soll. Im„Verschiedenen" erhält das Wort Baron v. Rcibnitz: Das wichtigste ist nicht die Form, sondern der Geist. Ich verstehe sehr wohl meines Freundes Ermert Standpunkt. Ich denke aber, daß er ihn noch aufgeben wird. Heute, wo parteipolitisch ein Durcheinander herrscht, wo die Sozial- demokratie beginnt, an ihre Krise zu kommen, ist Einigkeit dringend nötig. Ich bitte Sie, eine Resoluton zu fassen, datz die Entwicke- hing der nationalen Arbeiterbeivegung steh! und fällt mit der Größe und der Macht des Deutschen Reiches. Einer solchen Resolution wird nach einigen Schwierigkeiten, sie richtig abzufassen, zugestimmt. Nachdem noch ein Hamburger Seemann mitgeteilt hat, datz 2200 Hamburger Seeleute sich zusammengefunden haben, um in nächster Zeit einen nationalen Bund zu gründen, wud die in jeder Beziehung„erhebende" Konferenz m;t einem Hoch aus di» gelbe„Arbeiterbewegung" geschlossen. Sechstel' östemichikcher Lewertischstts- hongreß. Telegraph i scher Bericht. Wien, 17. Oktober 1316. Im großen Saale des Atesten der Wiener Arbeiterheime bei Fadoritener Arbeiterheims, trat heute morgen der 6. österreichische Gewerkschaftskongreß zusammen. Noch nie war ein österreichischer Gewertschaftskongretz so stark besucht wie dieser, der in eine Zeit der Spaltung der Arbeiterbewegung des vielsprachigen Staates fällt. 430 Delegierte, 100 mehr als auf dem letzten vor drei Jahren abgehaltenen Kongreß sind anwesend; sie vertreten weit über 400 000 Arbeiter deutscher, tschechischer, polnischer, italienischer, slowenischer, ruthenischer und rumänischer Nationalität. 140000 tschechische Arbeiter gehören den Zentralverbänden an. Als Gäste nehmen an den Verhandlungen teil: Der Sekretär des Internationalen Sozialistischen Bureaus Hu Ys» man s- Brüssel, der Vorsitzende der Generaltommission der Ge- werkschaften Deutschlands Reichstagsabg. Genosse C. Legten; in Vertretung des sozialdemokratischen Verbandes im österreichischen Abgeordnetenhause Dr. Adler, S e i tz und Dr. D i a m a n d- Lemberg, für die Parteivertretung der deutschöstcrreichischen Sozialdemokratie Reu mann und Skaret; für die niedcröster- reichische sozialdemokratische Landesorganisation Bretschn eider und Pölzer; für die ungarische Gewerkschaftszentrale die Ge- nossen I a s z a i und T a r c s a i- Budapest und für den Landes- verband der Arbeiterorganisationen Bosniens Genosse Rauscher- Serajewo. Namens der Gewerkschaftskommission eröffnet ihr Sekretär Genosse Hueber den Kongreß mit einer Ansprache, in der er er- klärt:„In einer ungemein ernsten Zeit tritt der Kongreß zu seinen bedeutungsvollen Beratungen zusammen; in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Not und des inneren Konfliktes in den GeWerk- schuften nehmen wir unsere Beratungen auf und hoffen, datz sie den Interessen beS Proletariats nützlich sein werden. Zum ersten Male, seitdem es eine moderne Gewerischaftsbcwegung in Oesterreich gibt, fehlt auf einem Gewerkschaftskongreß ein Vertreter der Gewerk- jchaftskommifsion in Prag, und schon das ist ein Zeichen des schweren und bedauerlichen Konflikts, in dem wir uns befinden. Ein großer Teil unserer tschechischen Freunde und Genossen sind der Meinung, durch die Zersplitterung der Gowerkschaften daS Heil ihrer Partei begründen zu können. Wir sind der Meinung, daß der Aufstieg der gesamten österreichischen Arbeiterklasse nur durch machtvolle Kampforganisationen der österreichischen Arbeiter» bewegung gesichert werden kann, datz nur einheitliche Organi» sationen die iillmer schwerer werdenden Kämpfe gegen da» Unter- nehmcrtum, das sich ohne Unterschied der Nation organisiert, be- stehen können.(Lebhaste Zustimmung.) Redner begrüßt hierauf die Gäste und besonders den Genossen Dr. Viktor Adler, dem wir, so fährt Hueber fort, gegenüber den vehementen und unae- rechten Angriffen, denen ihn die tschechische Parteipresse aussetzt, unsere Verehrung aussprechen.(Stürmischer Beifall.) Bevor der Kongreß in seine Verhandlungen eintritt, wird eine scharfe Resolution gegen die Teuerung und gegen die Untätigkeit der Regierung vorgelegt, die Hueber mit folgenden Worten begründet hatte: Kein Arbeiter würde es verstehen, wenn wir nicht in der ersten Stunde unseres Beisam- mensnns Stellung nehmen würden in dem Kampf des gesamten arbeitenden Volkes gegen die Teuerung und insbesondere die Fleischnot. Es scheint, datz die Herren da oben die Mahnungen des Volkes, die auf der Strotze im ganzen Reiche laut geworben sind, nicht verstehen wollen. Sie meinen vielleicht, mit jenen Demonstrationen sei es schon abgetan. Die Faktoren da oben können sich aber irren! Es würde dahin kommen, datz das Volk in Oesterreich noch etwaS deutlicher sprechen würde als bis zur Stunde und das sei als Warnung hinaufgesagt, nicht die Geduld des Volkes allzu lang in Anspruch zu nehmenl(Stürmischer Beifall.) Die Resolution wird darauf einstimmiaangenommen. Der Kongreß konstituiert sich nun. Zu Vorsitzenden werden gewählt Beer und Hanusch- Wien, Jura-Brünn, Zu» l a w s k i- Krakau und Oliva- Trieft. Hueber: Wir haben vorhin Adler unser Vertrauen ans» gedrückt. Wir wollen aber auch jenen braven Männern auS Böhmen und Mähren, die von der tschecho-slalwischen Sozialdemokratie ungerecht und brutal aus der Partei hinausgestoßen wurden wegen ihres Festhaltens an ihrer zentralistischcn Ueberzeugung, Genugtuung geben, indem wir sie herzlich willkommen heißen als Brüder in der Internationale.(Stürmischer Beifall.) Es folgen nun die Begrüßungsansprachen. Huysmans(Internationales Sozialistisches Bureau): Die Mitglieder des Jnternarionalen Bureaus sind sehr höfliche Leute, wie Sie ja auch.(Heiterkeit.) Ich bin deshalb Ihrer Einladung gefolgt und bin nach Wien gereist über Prag. Ich begrütze Sie herzlich im Namen meiner hohen Auftraggeber, die mir gesagt haben: Oesterreich scheint ein Balkanstaat werden zu wollen, gehe hin und gucke!(Heiterkeit.) Du bist ein unverbesserlicher Optimist und ganz unleugbar ein Friedensapostel.(Heiterkeit.)... Wir wissen nicht, ob die Einigung im Sinne des KopcnHagcner Be- schlusses angestrebt werden wird und ob von beiden Seiten, aber wenn ja, dann gut!(Heiterkeit und Beifall.) Ich bin also heruni- gegangen und habe herumgefragt, und ich bin ernstlich überzeugt, daß wenn nicht neuer Konflmsstoff geschaffen wird und wenn keine allzu heftigen Worte fallen, in Friedensverhandlungen ein» getreten werden kann, und ich bin überzeugt, datz unser großer Friedensstifter Adler die Zusammengehörigkeit der Arbeiter aller Nationen in Oesterreich erhalten will und erhalten wird. DaS wünschen alle unsere ausländischen Genossen ohne Ausnahme im Sinne der internationalen Solidarität, in deren Namen ich Sie begrütze und Ihrem Kongreß die besten Ergebnisse wünsche.(Großer Beifall.) Adler(mit brausendem Beifall begrüßt): Im Auftrage des Vorstandes des Verbandes der sozialdemokratischen Sieichsratsabge- ordneten begrütze ich Sie auf das herzlichste. Das Verhältnis der Gewerkschaft zur Parlamcntsfraktion ist durchaus einfach:� Die Abgeordneten betrachten sich nicht nur als die Vertrauensmänner der sozialdemokratischen Partei, sondern auch als Funktionäre und als das parlamentarische Organ der österreichischen Gewerkschafter. tBeifall.) Die eine Funktion ist so wichtig wie die andere, die eine Funktion ergänzt die andere und in den meisten Dingen sind beide identisch.— Beim Zusammentritt dieses Kongresses, schon in den ersten Worten, haben sich Aussichten eröffnet, die durchaus erfreulich sind. Wir aber wissen, datz es noch keinen Gewerkschaftsiongrctz gegeben hat, der in so ernster Zeit zusammengetreten ist. Die augenblickliche, so schwierige Situation ist eine Folge der autzer» ordentlichen uno mannigfachen Versuchungen, die die nationalen Wirren dieses Landes dem Proletariat bringen.— Redner be- spricht dann die vielen Vorstöße, die die ReichStagSfraktion gemacht hat, um die sogialpolitische Gesetzgebung vorwärts zu bringen und den Widerstand, dem die Abgeordneten auf allen Wegen begegnen; besonders gefährlich ist die passive Resistenz des Herrenhauses. Die Sozialpolitik in Oesterreich, die eine Zeitlang vorbildlich war und lange im Ausland ziemlichen Ruf hatte, droht jetzt reaktionär zu werden. Die schärfste Waffe, die wir haben, um den Arbeiterschutz zu vergrötzern, ist die Einheit der Arbeiter selbst. Alle die Gesetz» entwürfe, He feit zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, zur Herabsetzung der Arbeitszeit usw. eingebracht haben, werden wir nur mit größter Anstrengung fördern und nur durchsetzen können, wenn nicht nur die politischen Organisationen hinter uns stehen, sondern nur, wennn auch die Gewerkschaften in der Lage sind, uns tatkräftig zu unterstützen.(Lebhafter Beifall.)— Ich will nun auch im Namen der deutschen Sozialdemokratie Oesterreichs einige Worte sagen: Was wir leisten konnten, wurde uns zu jeder Zeit, in jeder Bewegung vom ersten Moment an ermöglicht durch die wachsende Kraft der Gewerkschaften. Schlecht wäre es, wenn wir glaubten, von der Schwäche unserer Gegner leben zu können. Unsere Gegner haben von uns gelernt, das Unternehmertum hat sich kon- stituiert und es ist durch die wirtsckzaftliche EntWickelung kräftig ge- worden. Wie sehen das Unternehmertum nicht nur als eine ge- walttätige Macht, sondern als bewußt einheitlich und geschlossen gegen die Arbeiterschaft operierende Macht. Wir müssen also unsere Pflicht tun nach außen; ich darf es aber auch sagen und Sie fühlen es alle hier, daß wir nicht nur die äußeren Feinde zu fürchten haben. Mit den Feinden des Proletariats wird das Proletariat fertig werden. Alle Tendenzen der wirtschaftlichen Entwickelung sind mit uns, und die Kraft des österreichischen Proletariats wird im Kampfe täglich wachsen. Aus dem Kampfe mit den Gegnern ziehen wir unsere Kraft. Wir haben aber nicht nur unsere Gegner zu bekämpfen, sondern auch unsere eigenen Schwächen und darum sage ich es, daßbie Gewerkschaftsbewegung, die der Augapfel des österreichischen Proletariats ist, von schwerer Gefahr bedroht wird. Sie werden von mir nicht heftige Worte der Verurteilung er. warten. Ich habe niemals, so lang« ich in der Partei stehe, in der Verurteilung von Freunden und in der Erregung gegen Freunde etwas Günstiges erblickt. Wenn es aber sein muß, dann muß auch der Kampf gegen Freunde geführt werden. Aber darüber ver. gessen wir niemals, daß wir alle zum gleichen Ziele gelangen wollen(Beifall), daß wir die Zersplitterung bekämpfen, aber sie bekämpfen, um zur Einheit zu kommen. Diese Einheit ist uns wirklich notwendig. All das Leid, von dem wir sprechen, ent« springt aus unseren' nationalen Verschiedenheiten. Wir wissen, daß das tschechische Volk am meisten von allen Völkern unter Oesterreich gelitten hat, und daß daS tschechische Volk der eigent- liche Märtyrer Oesterreichs ist. Aber das ist keine Erklärung. Lassen Sie mich immerhin hoffen, daß daS Werk, das begonnen wurde und das angeregt wurde von der ganzen Internationale, die sozialdemokratische Partei stärken wird, daß sie noch besser als bisher an ihren Aufgaben schaffen kann. Wir müssen hören, was man eigentlich will, wie weit man sich absplittern möchte und welche Notwendigkeit und welche Möglichkeit nran für die drohende Zer- splitterung der Partei glaubt anführen zu müssen. Die gesamte Internationale will uns mit ganzer Kraft unterstützen, um eine Verständigung zu erlangen. Hoffen wir, daß dieser Kongreß das Werk fördern wird. Wenn auch die Herzen von Bitterkeit erfüllt sind, so soll er doch die Verständigung nicht hindern, sondern vor- bereiten. Möge er den Weg zergen, um die gewerkschaftliche Ein. heit und die gewerkschaftliche Starke gegenüber dem Ausbeutertum zu kräftigen. Führen wir den Kampf gegen diejenigen, die aus welchen Gründen immer die gewerkschaftliche Aktion beeinträch- tigen. Kampf, wenn es sein muß, wenn Sie nicht anders können, aber ein Kampf unter jenen Formen und Bedingungen, die den Frieden bereit halten. Zum Frieden, zur Einigkeit und zur Kräf- tigung der Gewerkschaften soll dieser Kongreß beitragen, dem die deutsche Sozialdemokratie Oesterreichs den besten Erfolg wünscht. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Für die ungarische Gewerkschaftszentrale überbringt JaSzai» Budapest, für die bosnische Arbeiterbewegung R a u sch er- Sara- jewo herzliche Grüße. Beide Redner versichern, daß ein Streit der Tod ihrer Gewerkschaften sein würde. Dann tritt der Kongreß in die Tagesordnung eim £Iiig der partei* Eine erwünschte„Invasion". New Der?, 3. Oktober. Wiederholt wurde in Parteikreisen Klage geführt über die Vernachlässigung der Agitation unter den in den Vereinigten Staaten lebenden Arbeitern deutscher Zunge. Die Berechtigung dieser Klagen veranlasste den amerikanischen Parteivorstand, sich an verschiedene parteigenössische Parlamentarier in Deutschland zu wenden, zum Zwecke einer Agitationstour durch die Vereinigten Staaten. Von den Befragten sagte Genosse Landtagsabgeordneter Dr. Karl Liebknecht zu, und in den nächsten Tagen schon wird er in New Dork eintreffen. (Ist inzwischen am 9. Oktober geschehen. D. Red.) Für seine auf vier Wochen(bis zu den Wahlen) berechnete Tour durch die Ost- staten und die mittleren Weststaaten gibt sich jetzt schon allent- halben das größte Interesse kund, so daß der Erfolg der Reise ge- sichert scheint. Auch den Genossen Legien hatte der Parteivor- stand für eine Agitationsreise zu gewinnen gesucht, die hauptsächlich für die noch allzu sehr vom konservativen Geiste beherrschten Ge- werkschaften berechnet war. Bedauerlicherweise lehnte Genosse Legien im letzten Augenblick ab, nachdem er vorher eine ziemlich be- stimmte Zusage gemacht hatte. Gleichzeitig mit Genossen Dr. Liebknecht kommt der Genosse Reichstagsabgeordneter Dr. S ü d e k u m, der einer Einladung des „Civic Forum" folgend eine Reihe von Vorträgen halten wird. Zwei andere in der deutschen Parteibewegung tätige Genossen, der bayerische Landtagsabgeordnete Genosse Simon, der der Vor- sitzende deS Deutschen Schuhmacherverbandes ist, und sein Kollege Höltermann, weilen bereits seit zwei Wochen in den Ver» einigten Staaten. Sie sind im Auftrage des Schuhmacherverbandes hierher gekommen, um die Verhältnisse der amerikanischen Schuh« industrie und der in diesem Industriezweig beschäftigten Arbeiter zu studieren. In den Versammlungen, in denen die zwei Genossen bisher sprachen, behandelten sie die gewerkschaftliche und politische Bewegung in Deutschland und wiesen die amerikanischen Arbeiter auf die Notwendigkeit hin, eS den deutschen in bezug auf politische Aktion gleichzutun. Auch Oesterreich hat uns in der Person des Genossen Reichs- ratsabgeordneten Ignatz Daszynski wertvolle Hilfe für den Wahlkampf geschickt. Genosse Daszynski, der auf Veranlassung des amerikanischen Zweiges der polnischen sozialistischen Allianz ge- kommen ist, spricht nicht nur in polnischen, sondern auch in deut- schen Versammlungen; seine bisherigen Vorträge erfreuten sich eines ausgezeichneten Besuches und wirkten agitatorisch ganz vor- züglich. Um alle Zweifel betreffs des Zweckes seines Kommens zu zerstreuen, erklärte der Genosse bei seinem ersten öffentlichen Austreten in New Uork, daß die ihm von mancher Seite unter- geschobene Bekämpfung der sozialistischen Partei Amerikas durch- aus nicht in seiner Absicht liege. Im Gegenteil: er werde der sozialistischen Partei neue Kämpfer zuzuführen suchen und hoffe, daß sich die polnische sozialistische Allianz noch vor seiner Rückkehr nach Oesterreich mit der Partei vereinigen werde. Zum Schlüsse sei noch bemerkt, daß auch ein München-Glad- bacher seit kurzem in den Vereinigten Staaten.tätig" ist, nämlich der Abgeordnete Johannes GiesbertS. Der deutsche römischkatholische Zentralverein hatte sich Giesberts verschrieben, auf daß er auf seiner Generalversammlung, die kürzlich in Newark statt- fand, über die Notwendigkeit der wirtschaftlichen und geistigen Hebung der arbeitenden Klassen spreche. Er tat dies unter den üblichen Ausfällen auf die Sozialdemokratie in der München-Glad- bacher Manier. Seit jener Tagung reist er im Lande umher, um für die Schaffung einer amerikanischen Lügen-Zentralstelle nach Gladbacher Muster Propaganda zu machen. Wie er in einer Per« sammlung ln Brooklyn erklärte, strebt er auch die Anbahnung freundschaftlicher Beziehungen zwischen der American Federation of Labor und den christ- kichen Gewerkschaften Deutschlands ant Jugendbewegung. Eine Massenkundgebung der arbeitenden Jugend Berlins. Zu einer gewaltigen Demonstration gestaltete sich die am Sonntag in Kellers Festsälen tagende Jugendversammlung, die zu dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts gegen die Freie Jugendorganisation Stellung nahm. Der große Saal war dicht gefüllt, ebenso die Galerien. An 3999 Jugendliche und einige Erwachsene waren erschienen. Die Polizei hatte ihr möglichstes getan, um das Zustandekommen dieser imposanten Versammlung zu verhindern. Erst wurde der Wirt des Lokales bearbeitet. Vom Polizeirevier wurde am Vor- mittag mitgeteilt, daß die Jugendversammlung eine politische sei und alle Jugendlichen verhaftet werden würden, falls die Versammlung stattfindet. Die- selbe„W a r n u n g" wurde dem Einberufer zuteil. Als dieser die Absicht der Polizei der Versammlung mitteilte, durch- brauste ein Sturm der Entrüstung den Saal und nicht ein Jugendlicher verließ das Lokal.» Genosse W. Sch o l z als Einberufer protestierte gegen die Anwesenheit der zwei überwachenden Polizeibeamten, da die Versammlung nicht als eine politische einberufen worden sei. Indessen bot er unter großer Heiterkeit den Beamten die Gast- freundschaft an, und gab der Erwartung Ausdruck, daß sie das Gastrecht nicht mißbrauchen werden. Daraus schilderte Genosse Max PeterS den sechsjährigen Kampf, den die Jugendorganisation seit ihrer Gründung(am 19. Oktober 1994) mit den christlichen Jünglingsvereinen, dem Unternehmertum, den Handwerksmeistern, der Polizei und dem Staatsanwalt zu führen gezwungen wurde. Anfangs verhöhnt und verspottet, war sie nach dreimonatlichem Alter schon so ge- fürchtet, daß die„StaatSbürger-Zeitung" wimmerte:.Es scheint, daß man in unseren regierenden Kreisen erst dann zur Einsicht kommen werde, wenn es zu spät ist, wenn die Ministersessel um- gestürmt sind, wenn die Throne wanken und krachen." DaS Urteil des OberverwaltungSgerichtS sei nur das letzte Glied in einer langen Kette von Fehden und Kämpfen. Immer hätten eS die herrschenden Klassen verstanden, die Niederhaltung einer auf- steigenden Klasse mit dem Schein des Rechts' zu umgeben. Der Redner schilderte sodann, oft von stürmischen Entrüstungs- rufen unterbrochen, die Verfolgungen der Arbeiter zur Zeit des Sozialistengesetzes. Eine ähnliche Periode von Verfolgungen stehe jetzt den Jugendlichen bevor. Die rund 5 Millionen erwerbs- tätigen Jugendlichen in Deutschland brauchen das Koalitionsrecht so notwendig wie das Brot zum Leben. Die Jugendbewegung sei nicht tot; der Tanz gehe jetzt erst los.(Stürmische Zustimmung.) Die Jugendlichen dürften vor keinem Opfer zurückschrecken. Redner schloß unter' stürmischem, andauerndem Beifall: Denn setzet Ihr nicht das Leben ein, Nie wird Euch das Leben gewonnen sein. Der Vorsitzende der aufgelösten Jugendorganisation, Genosse W. Scholz, gab ein anschauliches Bild von der Arbeit des Ver- eins. Durch die Pflege des praktischen Jugendschutzes, durch Bekämpfung der Schundliteratur und de» Alkohol- g e n u s s e s. durch Schaffung einer guten starken Biblio- t h e k habe die Jugendorganisation die arbeitende Jugend materiell, geistig und sittlich gehoben. Durch die Heranziehung der Jugend- lichen zur verantwortlichen Mitarbeit seien sie zum selbständigen Denken und Handeln erzogen worden. Die Jugendorganisation habe eine Kulturarbeit geleistet. Ihre Erfolge aus einzelnen Ge- bieten werden selbst von ihren Gegnern anerkannt. Im Gegensatz zur Jugendorganisation kümmerten sich die christlichen Jünglings- vereine, die freisinnigen und katholischen Jugendvereine und die Deutsche Turnerschast nicht um die materielle Lage der Jugend. Diese Vereine trieben und treiben politische Tätigkeit, was sogar einzelne Vereine in ihren Statuten ungeniert aus- sprechen. Trotzdem werden diese Vereine nicht für politisch er- klärt, im Gegenteil: sie werden von der Behörde und der Re- gierung moralisch und materiell unterstützt. Der Redner er- nmhnte die Jugendlichen, in den kommenden Kämpfen ihren Mann zu stehen.(Großer Beifall.)— Mit einem brausenden Hoch aus die selbständige Jugendbewegung wurde die Versamm- lung geschlossen. Unter dem kräftigen Gesänge mehrerer Arbeiter- lieber leerte sich der Saal. Man war gespannt, ob die Polizei ihre Drohung ausführen werde. Tatsächlich wurden an 29 Jugendliche si stiert.— Die freie Jugend in Köln hatte der Versammlung telegraphisch mitgeteilt, daß sie sich dem Protest einmütig anschließe. Hus aller Sielt Grubetihataftrophe auf Zeche Shamrock. Der deutsche Bergbau ist wieder einmal von einem schweren Unglück betroffen worden, bei dem niehrere Berg- leute ihr Leben einbüßten, andere aber so schwere Ver- letzungen davontrugen, daß sie Zeit ihres Lebens arbeits- unfähige Krüppel bleiben werden. Auf Schacht I der Zeche Shamrock bei Herne in Westfalen riß gestern Mittag abermals ein bereits am Freitag bei der Kohlenförderung gerissenes Seil eines Förderkorbes, der nach der Reparatur zur Leuteförderung benutzt wurde. Der eine der beiden Körbe sauste, mit etwa 30 bis 35 Bergleuten besetzt, in den Schacht hinab, wo er sich in der Schachtverjüngung festklemmte. Der aufwärts gehende vollbesetzte Korb fuhr gegen dieSeilscheibe. Gleich nach Bekanntwerden des Unglücks wurden die Rettungsarbeiten in Angriff genommen. Es gelang, alle Verunglückten ans Tageslicht zu fördern. Drei von ihnen sind tot, neun wurden schwer verletzt. Einer der Verunglückten starb später auf dem Transport nach dem Hospital. Die Zahl der Leichtverletzten beträgt 44. Bei meh- reren der Schwerverletzten ist zu befürchten, daß sie noch ihr Leben einbüßen werden, da die Verletzungen m e i st in Brüchen der Wirbelsäule und schwereren inneren Kontusionen bestehen. Am schwersten betroffien von dem Unglück wurden die Insassen des nach oben gehenden Fördcr- korbes. Aus ihm wurden auch die drei Toten geborgen. Sie sind am Kopfe schwer verletzt und die Schädeldecke ist ihnen zertrümmert. Die Drei befanden sich in der ersten Etage des Förderkorbes und hatten den schwersten Anprall auszuhalten. Als Vertreter des Königlichen Vergreviers sind Bergrat Werne und Königlicher Berginspektor Toni es auf der Zeche anwesend. Eine Kommission des Kgl. Oberbergamtes in Dortmund wird zur örtlichen Besichtigung erwartet. Bis zu deren Eintreffen werden die Förderkörbe unverändert in ihrer Lage gelassen. Vor dem Zechenplatze spielten sich erschütternde S z e neu ab. Das Unglück hatte sich in vergrößertem Umfange sehr schnell herumgesprochen, die Angehörigen eilten zur Grube und erwarteten mit bangen Gesichtern Näheres über das Unglück. »' Ein späteres Telegramm meldet, daß das Unglück nicht auf einen Seilbruch zurückzuführen sei. Es soll aus bisher nicht bekannten Ursachen die Antriebs- Maschine versagt haben. Jedenfalls ist eine ein- gehende Untersuchung der Entstehungsursachen dringend am Platze, damit festgestellt werden kann, ob ein fahrlässiges Verschulden von irgendeiner Seite vorliegt. Ueberlandflug Paris— Brüssel und zurück. Der Aviatikcr Wynmalen, der kürzlich den von Chavez aufgestellten Höhenrekord von 2700 Metern noch um 100 Meter überbot, hat nunmehr auch einen sehr bemerkens- werten Ueberlandflug gemacht. Am Sonntag früh 7 Uhr 45 Min. stieg er mit einem Passagier auf seinem Farman- Apparat auf und landete um l Uhr 16 Min. in Brüssel. Um 2 Uhr 25 Min. begab er sich wieder auf den Rückflug. Er mußte jedoch in St. Qnentin landen, nacbdem er an diesem Tage 400 Kilometer zurückgelegt hatte. Am Montag früh 9 Ühr setzte er alsdann die Rückfahrt nach Paris fort, wo er um 12 Uhr 13 Min. eintraf. Wynmalen hat also 27 Stunden und 15 Minuten gebraucht, um den Weg Paris— Brüssel und zu nick mit dem Aeroplan zurückzulegen, eine Strecke, die in der Luftlinie 520 Kilometer beträgt. Auch der Blöriotpilot Legagneux flog am Sonntag mit Passagier von Paris nach Brüssel, um am Montag nach Paris zurückzukehren. Auch er war auf der Rückfahrt zu einer Zwischenlandung gezwungen und hat biö jetzt Paris noch nicht wieder erreicht._ Schweres Automobilunglück. Auf der baymschen Staatsstraße Eichstätt— Ingolstadt rannte am Sonntag vormiliag bei Pietenfeld ein Automobil infolge Achsen« bmchs d i e steile Straße hinunter und Überschlug s i ch. Die sechs aus Nürnberg stammenden Insassen wurden unter den Trümmern deS Kraftwagens begraben. Buchhalter N e u m a n n war sofort tot, Dampfwäschereibesitzer Scholl, dessen Frau und Schwiegertochter wurden sehr ichwer verletzt. Der Chauffeur erlitt Hautabschürfungen, ein Sohn Schölls blieb unverletzt. Wellmans Fahrt über den Ozean. DaS kühne Unternehmen des Amerikaners Wellman, im Lenk- ballon von Amerika nach Europa zu fahren, erregt begreiflich'rweise allgemeines Aufsehen. ES erscheint noch sehr fraglich, ob daS Unter- nehmen gelingen wird, denn augeirblicktich weiß niemand, in welcher Gegend sich der Lnftichiffer befindet. Während eine am Sonntag in Amerika eingetroffene drahtlose Depesche laütete:.Alles geht gut, wir haben eine nördlichere Richtung eingeschlagen, um aus die Route der transatlantischen Dampfer zu kommen. Wir müffen 399 bis 899 Meilen von der Küste entfernt fein. Die genaue Position kennen wir nicht," klingt ein später aufgefangenes drahtloses Tele- gramm weniger zuversichtlich. Es heißt darin:»Unsere Lage ist weniger günstig, aber wir kämpfen weiter." Ein andere? Telegramm besagt:»Wir haben unleren Motor abgestellt und steuern in der Richtung Ost-Nord-Ost mit einer Geschwindigkeit von 25 Knoten ohne Motor. Es herrscht dichter Nebel» Beobachtung ist unmöglich." Offenbar hat sich Wellman auf seiner Fahrt so weit vom Lande enifernt, daß von ihm abgesandte drahtlose Telegramme die Empsängerstation nicht mehr erreichen. Man glaubt jedoch, daß daS Luftschiff die Route der transatlantischen Dampfer verfolgt. Die Station für drahtlose Telegraphie in SiaSlonset im Staate Massachusetts hat sich am Montag mit mehreren Dampfern durch drahttose Telegramme in Verbindung gesetzt, um zu erfahren, ob sie aus ihrer Fahrt etwas von Wellman gesehen hätten. Die Ant« warten von allen Dampfern lauten verneinend. Der Dampfer .Finnland" meldete, daß am Sonntagabend stundenlang ein schwerer Sturm gewütet habe, der mit starken Blitzen und Regensällen verbunden gewesen sei. Der Lenkballon.Amerika", mit dem Wellman in Be« gleitung von fünf Herren die Fahrt unternahm, ist mit Proviant für 99 Tage versehen. Auch hat der Ballon einen Gasolinvorrat, der für 59 Tage reicht. Sollte der Ballon in die Nähe des Meeresspiegels herabsinken, so wirkt ein 199 Meter langes Kabel, an dein 39 kleine Gasolinbebälter mit je 70 Pfund Inhalt und 49 Holzblöcke hängen, als Schwiminer. Im Lenkbaklon von Paris nach London. Der französische Leulballon Clement Ba y a rd, der von der Londoner„Daily Mail" erworben ist, stieg am Sonntag vormitlag um 7 Uhr 18 Minuten zur Fahrt nach London auf. Um IOV4 Uhr hatte er bereits Boulogne erreicht. Um 11 Uhr wurde er über Dover gesichtet und um 1 Uhr 39 Minute» ging er in London nieder. Der Lcnkballon hatte also in etwa 9 Stunden die zirka 490 Kilometer betragende Entfernung zurückgelegt, wobei er offenbar durch den Wind besonders begünstigt wurde. Jmuierhin hat die Reise in England berechtigtes Aufiehen erregt. Wie es heißt, wird das englsche KriegSamt in den nächsten Wochen mit dem Luftschiff Versuchsfahrten unternehmen, um es eventuell anzulaufen. Kleine Notizen. Eine bestialische Tat. In Grabau in Bayern wurde ein vierjähriger Knabe, der aus einem Garten einen Apfel unrechtmäßig an sich genommen hatte, von den Bcsitzcrscheleutcn derart mißhandelt, daß das bedauernswert« Kind unter den Schlägen der Rohling« verstarb. Bei giettlingSarbeitcn verunglückt. Auf dem Gehöft eines Postl« Halters in Solingen brach gestern nacht Feuer aus. Ein Eisen- bahnbeamter, der drei Männer, die in der Wohnung des Kutschers schliefen, retten wollte, stürzte von der Leiter und erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Als die drei Männer erwachten, sprangen sie aus den Fenstern. Zwei von ihnen wurdet» schwer verletzt und blieben besinnungslos liegen. Durch den Leichtsinn eines Fliegers getötet. Der Aviatiker Baillod stieg zu einem Fluge mit einem Eindecker mitten in der Stadt L i m 0 g c s in Frankreich auf. Der Apparat verfing sich in einem Baume und stürzte dann in die Zuschauer» meng e. Einem vierzehnjährigen Mädchen wurde dabei die Schädcldecke zertrümmert. Zwei andere Kinder erlitten erhebliche Verletzungen. Der leichtsinnige Flieger wurde verhaftet. Während eines SchauflugeS bei E t a nip e s in Frankreich stießen am Sonntag die Flugzeuge der Aviatiker B r e st und B e h a t zusammen. Beide Slviatiker erlitten schwere Ver, l e tz u n g c n. Besonders bedenklich ist BchatS Zustand, der beid« Beine gebrochen hat. Im Harz abgestürzt. Am Sonntag abend ist der Ingenien« Wedekind aus Hannover von einer 90 Meter hohen Klippe in» Okertal abgestürzt. Wedekind war sofort tot. Eisenbahnunglück in Ungarn. Die Lokomotive eines Buba, pe st- Lemberger Zuges entgleiste am Sonntag infolge falscher Wcichenstellung. Ein Oberkonduktcur wurde getötet, ein anderer Kondukteur lebensgefährlich verletzt. Hochwasser in Italien. Wie ein Telegramm aus Mailand meldet, richtete ein Hochwasser im nördlichen Teil der Provinz P i e ni 0 n t großen Schaden an. Im Aostatale sind sämtliche Brücken weggerissen worden. 70 Passagiere eines ZugcS, der weder vor- noch rückwärts konnte, mußten ihren Weg in de« Nacht auf fast unwegsamen Gebirgspfaden fort, setze» Dauer bis 22. Oktober Großer Daner bis 22. Oktober Joppen- Verkauf Sehr billige Angebote Pos. 1: Winter- Joppen grauer oder grünlicher Loden mit warmem Futter 650 Pos. 2: Winter- Joppen 12 Spezial- Loden- Marke, grau and grün, durchweg warm gefüttert Pos. 3: Winter- Joppen 15 kräftiger Loden, grau und grün, durchweg warm gefüttert Pos. 4: Winter- Joppen 21 Loden- Marke.» Kern und Kraft Unverwüstlich im Tragen... to großer Spezial- Abtellung Pelz- Joppen sehr preiswert. Knaben- Loden- Joppen Pos. 6. Warm gefüttert. Alter 3-8 lehre. Durchweg M. 3.50|| Ram Beeg M. 4.50 BaerSohn Chausseestraße 29-30 Gr. Frankfurter Straße 20 ם O 11 Brückenstraße 11 Schöneberg, Hauptstr. 10 Der Haupt- Katalog No. 39 kostenfrei. FOSETTE FUND Cigaretten sind diejenigen Cigaretten, die in Geschmack und Aroma alle Merkmale feinster Qualität aufweisen. 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In den letzten 14 Tagen ist wieder von einer mir feindlich gesinnten Seite behauptet worden, daß ich große Summen zu politischen Zwecken und für Unterstützungskassen hergegeben hätte. Wie bereits früher, so erkläre ich auch heute aufs bestimmteste, daß auch diese Gerüchte wieder vollständig erfunden sind und verbreitet werden, um mich zu schädigen. Ich bitte alle, die von den unwahren Behauptungen Kenntnis erlangt haben, mir ihre Gewährsleute mitzuteilen, damit ich durch Sammlung von Material in der Lage bin, den Urheber zu ermitteln und zur Rechenschaft zu ziehen, Berlin W. Lützowstr. 94. Johannes Gerold Inh.: H. Kortkampf. 1417b Werantwortl. Redakteur: Carl Wermuth, Berlin- Rigdorf. Für den Injeratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Nr. 244. 27. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sozialistische Presse Deutschlands. IV. Quartal 1910. Zentral- Organ. " Vorwärts" Berliner Volksblatt, SW. 68, Lindenftraße 69. Täglich erscheinend. Wissenschaftliche Wochenschrift. ,, Die Neue Zeit", Wochenschrift der deutschen demokratie. Stuttgart, Furthbachstr. 12. Redaktion: Berlin- Friedenau, Niedstr. 14. Lübeck„ Lübecker Boltsbote" Johannisstr. 46. Lüneburg Lüneburger Bollsblatt" Ritterstr. 46. Magdeburg Bolksstimme" Große Münzftr. 3. Mainz Boltszeitung" Banggaffe 13. Mannheim Boltsstimme" R 3, 14. Meißen Volkszeitung" Poststraße. Mühlhausen i. Th." Volts- Blatt" Ziegelstr. 49/50. Mülhausen i. E. Mülhauser Bolkszeitung" Dreifönigsstr. 37. Sozial- Pforzheim Kommunalpolitische Wochenschrift. Gewerkschaftspresse Deutschlands. IV. Quartal 1910. Zentral- Organ: Dienstag, 18. Oktober 1910. Porzellanarbeiter. Röntgenstr. 14. „ Die Ameise". Charlottenburg, Sattler und Portefeuiller.„ Sattler- und Portefeuiller. Berlin SO. 16, Brüdenstraße 10 b. Schiffszimmerer. Der Schiffszimmerer". Hamburg 7, Banksstr. 144. ,, Correspondenzblatt der Generalfommiffion der Schmiede." Schmiede- Zeitung". Hamburg 1, BesenGewerkschaften Deutschlands". Berlin SO. 16, Engel- Ufer 15. binderhof 57-66. Schneider u. Wäschearbeiter. Fachzeitung für Schneider und Wäschearbeiter". Berlin SO. 16, ielfirchstr. 42. Schuhmacher.„ Schuhmacher- Fachblatt". Gotha. W. Bock. Seeleute.„ Der Seemann". Berlin SO. 16, Engel ufer 21. Steinarbeiter. Der Steinarbeiter". Leipzig, Beizerstraße 32. A. Presse der Zentralorganisationen: Asphalteure." Der Asphaltarbeiter". Berlin SO. 16 Engel- Ufer 15 I. Bäcker und Konditoren. Deutsche Bäder- und Stonditoren Beitung". Hamburg I, Besenbinderhof 57/66. Steinsetzer. Allgemeine Steinfeger- Zeitung". Berlin Für Bäckereiarbeiter Berlins„ Der Wedruf". Berlin C. 54, Auguftstr. 36. Barbiere und Friseure." Friseurgehilfen- Zeitung" Berlin N. 58, Stolpischestraße 56, II. r. Klostertor 8 I. NW. 21, Wiclefstr. 17 II. straße 9 II. Stuffateure. Der Stuffateur". Hamburg 22, Feßler. Tabafarbeiter.„ Der Zabalarbeiter". Leipzig, Tauchaer straße 19/21. München Münchener Post" Altheimered 19. Nordhausen Nordhäuser Volkszeitung" Wolfstr. 14. Nürnberg Fränkische Tagespost" Breitegasse 25-27. Offenbach a. M. Offenbacher Abendblatt" Große Marktstr. 25. Pforzheimer Freie Presse" Deftliche KarlFriedrichstr. 37 I. Virna. Volkszeitung", Schöffergasse 10 b. Regensburg„ Neue Donau- Bost" Dreimohrenstr. B. 5. Remscheid Remscheider Arbeiterzeitung" Neustraße 2. Nostock Mecklenburgische Volkszeitung" Doberanerstr. 6. Saalfeld a. d. Saale Bolksblatt" Rosmaringasse 15. Bauhilfsarbeiter.„ Der Bauhilfsarbeiter". Hamburg I, " Kommunale Praxis". Wochenschrift für Kommunal- Solingen Bergische Arbeiterstimme" Hohegaffe 7. Tapezierer.„ Correspondenzblatt für Tapezierer". Berlin Bergarbeiter. Bergarbeiter Beitung". Bochum, SO. 16, Stöpeniderstr. 49, of I. politik und Gemeindefozialismus. Berlin SW. 68, Sonneberg( S.-M.) Thüringer Bollsfreund" Coburger Wiemelhauserstr. 38/40. Lindenstraße 69. Redaktion: Berlin W. 10, Staiferin Bildhauer. Bildhauer- Zeitung". Berlin S. 53, Berg- Andreasstr. 61. Tegtilarbeiter. Der Textilarbeiter". Berlin O. 27, Augustastraße 58. Stettin„ Volfs- Bote" Schillerstr. 10. mannstr. 68. Straßburg i. E. Freie Presse für Elsaß- Lothringen" Töpfer. Der Töpfer". Berlin SO. 36, Wienerftr. 7 III. Blumenarbeiter. Der Blumen- Arbeiter". Finkmattstaden 2. Transportarbeiter." Der Courier", Berlin SO. 16, Schönhausen- Berlin, Marthastr. 10. Stuttgart Schwäbische Tagwacht" Hauptstätterstr. 96. Engel- Ufer 21. Der Straßenbahner", Berlin SO. 16, Täglich erscheinende Zeitungen. Böttcher." Deutsche Böttcher Bettung". Bremen, Engel- Ufer 21. Würzburg Fränkischer Volksfreund" Semmelstr. 41. Faulenstr. 58/60. Xylographen." Beitschrift für Xylographen". Schöne Altenburg Altenburger Volkszeitung" Frauenfelsstr. 4. Bittan Bolts- Beitung" Töpferberg 8. Brauereiarbeiter. Brauereiarbeiter- 8tg.". Berlin O. 27, berg bei Berlin, Ebersstr. 68. Augsburg Schwäbische Volkszeitung" Maximilian- 8wickau i. S.„ Sächsisches Voltsblatt" Bosenstr. 16. Schicklerstr. 6. Bigarrensortierer. Buchbinder. Buchbinder- Beitung". Berlin S. 59, Nott- Besenbinderhof 57-66. straße B 31. " Der Drganisator". Hamburg 1, buserdamm 23 I. Buchdrucker. Sorrespondent". Leipzig, Salomonstr. 8. hof 57-66. Buchdruckerei Hilfsarbeiter. Solidarität". Berlin NO. 18, Elbinger Str. 19. Bureanangestellte." Der Bureau- Angestellte". Berlin Bant„ Norddeutsches Boltsblatt" Peterstraße 20/22. 9 Allee 7c. 11 Wöchentlich dreimal erscheinend. Bayreuth Fränkische Volfstribüne" Richard Wagner- Kattowik, Gazetta Robotnicza"( Polnisch) Rathausstr. 12. Straße 23. Bielefeld Volkswacht" Schulstr. 20. Bochum Boltsblatt" Hermannshöhe 7. Wöchentlich zweimal erscheinende Blätter. Brandenburg Brandenburger Zeitung, Märkisches Langenbielau„ Der Proletarier aus dem Eulengebirge" Volksblatt" Kturstr. 73. Braunschweig Braunschweiger Volksfreund Schloßstraße 2, Ede Dehlschlägern. Bremen Bremer Bürger- Zeitung" Hankenstr. 21-22. Bremerhaven Norddeutsche Volksstimme" Am Hafen 49. Breslau„ Voltswacht" Neue Graupenstr. 6. Caffel Boltsblatt für Hessen und Waldeck" Wolfhagerstr. Chemnitz Bollsstimme" Uferstr. 14. 7. Cottbus Märtische Boltsstimme" Am Amtsteich 18. Crefeld Niederrheinische Boltstribüne" Breitestr. 62. Darmstadi Hessischer Bollsfreund" Bismardfir. 19. Deffau„ Volksblatt für Anhalt" Askanischeftr. 107. Dortmund Arbeiter- Zeitung" Stielstr. 5. Dresden„ Dresdener Bolts- Beitung" Zwingerstr. 21. " Boltszeitung" für Freiberg, Hainichen und Dederan, Zwingerstr. 22. Düsseldorf Bolts- Zeitung" Walljtr. 10. Duisburg Niederrheinische Arbeiter- Zeitung" FriedrichWilhelmstr. 76. Elberfeld- Barmen Freie Presse" Robertstr. 8 a. Erfurt„ Tribüne" Kleine Arche 1. " Thüringen" Seleine Arche 1. Effen( Ruhr) Arbeiter- Zeitung" Grabenstr. 67. G Nieder NO. 43, Linienſtr. 8, II. Dachdecker. Dachdecker- Zeitung". Redaktion Hanau, und„ Grünberger Volksstimme", Ober- Langenbielau, Rhönſtr. 6. Expedition Frankfurt a. M., Allerheiligen Lörrach( Baden) Volkszeitung" Rainstraße. 2. Bezirk. Wöchentlich einmal erscheinende Blätter. Cassel„ Der Wegweiser" Wolfhagerstr. 7. Danzig Bollswacht" Redaktion u. Expedition Paradiesgaffe 32. Köln Rheinische Zeitung"( Wochenausgabe) Ursulaplak 6. München Bayrisches Wochenblatt" Kaufinger Str. 15 I. Redaktion: Altheimered 19 II. straße 51. " Bimmerer. Der Zimmerer". Hamburg 1, Besenbinder. Zivilmusiker. Fachzeitung für 8ivilmusiker". Berlin N. 31, Stralsunderstr. 36, Hof part. Für die in Zentralverbänden Organisierten erscheinen ferner in italienischer Sprache L'Operaio Italiano", Hamburg L, Besenbinderhof 56, und in polnischer Sprache Oswiata", Bofen, Fischerei 20. Eisenbahner. Weckruf". und„ Die Eisenbahn", Berlin SO. 16, Engelufer 21. Fabritarbeiter. Der Proletarier". Hannover, Münz- B. Blätter anderer Gewerkschaften und sonstiger straße 5 III. Organisationen. " Fleischer. Der Fleischer. Berlin SO. 16, Wufterhaufenerstr. 18/19, part. " Arbeiter- Schwimmer- Zeitung", Rigdorf, Hermann straße 178. Berlin. Der abstinente Arbeiter", Drgan des deutschen Gärtner." Allgemeine deutsche Gärtner- Zeitung". Berlin, Arbeiter- bftinentenbundes, SO. 16, Engelufer 19. N. 37, Megerstr. 3. Gastwirtsgehilfen.„ Der Gastwirtsgehilfe". Berlin N. 24, Gr. Hamburger Str. 18/19. Gemeindearbeiter." Die Gewerkschaft und Die Sanitätswarte". Berlin W. 30, Winterfeldtstr. 24. Glasarbeiter. Der Fachgenosse". Berlin O. 17, GoßlerInteressenstraße 29. Alle 14 Tage erscheinend. Berlin Arbeiter Jugend" SW. 68, Lindenstr. 69. Stuttgart Die Gleichheit" Beitschrift für die der Arbeiterinnen, Furthbachstr. 12. Altona " Monatlich einmal erscheinend. Schleswig Holsteinische Landpoft Straße 29. Glaser. Glaser- Beitung". Karlsruhe i. B., Wilhelmstraße 47. " " Der Bühnenarbeiter", Organ des Verbandes des tech nischen Bühnenpersonals. O. 34, Warschauerstr. 68. " Der freie Gastwirt". O. 17, Markgrafendamm 30. Fachblatt für Holzarbeiter", O. 2, Neue Friedrichstr. 2. ,, Deutscher Zeichner. NO. 55, Braunsbergerstr. 12 III. Bolkstümliche Zeitschrift für praktische Arbeiterversiche rung", Drgan des Verbandes der Verwaltungs Handlungsgehilfen. Handlungsgehilfen Beitung". beamten der Krankenkassen, Berufsgenossenschaften Hamburg 1, Besenbinderhof 57-66. usiv. N. 58, Schönhauser Allee 27. Adolf- Hausangestellten". Berlin SO. 16, Michael- Stirchplak 1 II. Charlottenburg. Der Arbeiter- Samariter", Statfer Hausangestellte. Bentralorgan des Verbandes der Magdeburg, Wittenbergerstr. 30. Holzarbeiter. Holzarbeiter Beitung". Berlin O. 2, Neue Friedrichstr. 40. Friedrichstr. 2 IV. Frankfurt a. M. Boltsstimme" Großer Hirschgraben 17. Berlin Die Fadel", SW. 68, Lindenstr. 69. Gera( Reuß) Reußische Tribüne" Alte Schloßgasse 11. Gießen Oberbeffische Volkszeitung" Schanzenstr. 18. Görlitz Görlizer Volkszeitung" Luisenstr. 6. Greiz Reußische Bolkszeitung" Untere Silberstr. 2. Gotha Bothaisches Boltsblatt", Mohrenberg 7. Halle a. S. Boltsblatt für Halle" Harz 42/43. Hamburg Hamburger Echo", Hamburg I, Fehlandstr. 11. Glberfeld" Das Morgenrot" Robertstr. 8 a. Harburg Boltsblatt" Großer Schippsee 4, part. Hannover„ Boltswille" Münzstr. 5. Heilbronn„ Nedar- Echo" Karlstr. 38 A. Braunschweig„ Empor" Schloßstr. 2. Bremen." Der Sozialdemokrat" Faulenstr. 58/60. Breslau Landbote für Schlesien" Neue Graupenstr. Deffau Boltsparole für Anhalt" Askanischestr. 107. Dortmund„ Die Wahrheit" Ardeystr. 95. Hof Oberfränkische Boltszeitung" Bismardstraße Redaktion: Bachstr. 4. Jena Weimarische Volkszeitung" Schloßgasse 19. Iserlohn ,, Boltszeitung" Mühlengang 15. Karlsruhe Bollsfreund" Luisenstr. 24. " Hamburg Hamburger Landbote" Gr. Theaterstr. 44. Königsberg Der Landbote" Münzstr. 24, Hof II. Magdeburg" Landpost" Große Münzstr. 3. 13. Stettin" Der Pommer" Gutenbergstr. 11. Kiel„ Schleswig- Holsteinische Volts- Beitung Bergstr. 11. Köln Rheinische Zeitung" Ursulaplap 6. Königsbergi. Pr. Königsberger Bolts- Beltung" Münz straße 24 b. Redaktion: Köttelstr 19, II. Landsberg a. W.„ Neumärkisches Volksblatt", Rüftriner Straße. Leipzig Leipziger Boltszeitung" Tauchaerstr. 19-21. " Boltszeitung für das Muldenthal" Zauchaerstraße 19-21. Lüdenscheid Volksstimme" Luisenstr. 19. Ludwigshafen a. Nh. Pfälzische Post" Marstr. 65. Soziales. Witblätter( Erscheinen aller 14 Tage). Stuttgart Der wahre Jacob" Furthbachstr. 12. Redaktion: Hutmacher. Korrespondent". Altenburg, S.-A., Nord- Dresden. Der Arbeiter- Tachygraph", Deubenerftr. 5. straße 57. 6. Kürschner. Der Kürschner". Berlin NO. 18, Büsching. Zustrierte Unterhaltungsblätter. Berlin„ In freien Stunden" SW. 68, Lindenstr. 69. Er. scheint in Wochenheften. Hamburg Die Neue Welt" Hamburg I, Fehlandstr. 11. Erscheint wöchentlich einmal. Redaktion: Berlin SW.68, Lindenstr. 69. straße 23, II. Kupferschmiede. Der Kupferschmied. Berlin N. 4, Gartenstr. 101, Seitenfl. I. Lagerhalter. Lagerhalter- Beitung. Leipalg, Beiger straße 32 II. Landarbeiter." Der Landarbeiter". Berlin SO. 16, Michael- Kirchplatz 1 II. Lederarbeiter." Lederarbeiter- Zeitung". Berlin SO.33 Mustauerstr. 30 II. Leipzig. Der Bibliothekar", Monatsschrift für Arbeiter Bibliotheken, Leuzscherstr. 69 III. Arbeiter- Turner- Zeitung", Langeftr. 34. „ Die freie Turnerin", Langestr. 34. Elberfeld. Zeitschrift für Graveure der Stoffbrud Industrie", Neue Gerstenstr. 20. Frankfurt a. M. Arbeiter- Stenograph", System Arends, Graubengasse 35. Magdeburg. Die Athletit", Drgan des Arbeiter- Athleten bundes, Groß- Dttersleben, Magdeburgerstr. 5. ftraße 3 II. Lithographen und Steindrucker. Graphische Presse". Nürnberg. Süddeutsche Eisenbahner- Zeitung". AuRedaltion: Friedrichshagen, Viktoriastr. 8. Maler. Vereins- Anzeiger". Hamburg 22, Schmalen- Offenbach a. M. Der Arbeiter- Radfahrer", Drgan bederstr. 17 I. des Arbeiter- Radfahrerbundes Solidarität, Herrnstr. 14. Maschinisten und Heizer. Deutscher Maschinist und Heizer". Berlin SO. 33, Büdlerstr. 45. Maurer. Der Grundstein". Hamburg 1, Besenbinderhof 56. Dbige Zusammenstellung veröffentlichen wir zu Be ginn jedes Quartals. In der Zwischenzeit fich ergebende Metallarbeiter. Metallarbeiter- Zeitung. Stuttgart, adreß oder sonstige Beränderungen bitten wir uns zur Röteftr. 16a. Mühlenarbeiter. Mühlenarbeiter Beitung". AltenBormertung mitteilen zu wollen. burg S.-A., Zwidauerstr. 12. Berlin, Oftober 1910. Notenstecher. Der Notenstecher". Leipzig, Talstr. 27 I. a Der Parteivorstand bor Vertrag verstoße nicht gegen die guten Sitten, da sie nur für Branchen das Geschäftsleben schon längst wieder floriert, die Löhne die erste Woche 10 M., dann aber 17 und 18 M. bezahle. gestiegen sind, dann leiden die Berg leute noch lange unter einer der Erwartung, Das Gewerbegericht entsprach dem Klage- leichenden Krise. In der Hungerlöhne find ungültig. daß die antrage und verurteilte die Firma demgemäß. In Strife überwunden fei, begann man schon Längerer Stets haben wir die Ansicht vertreten, daß der Grundsatz der Urteils begründung wurde gesagt: Das Gericht Beit mit der Einstellung fremder Arbeiter. Dann des§ 138 des Bürgerlichen Gesezesbuches, nach dem Ver- sei sich nicht im Zweifel gewesen, daß es sich bei dem bor- Hinsicht sich äußerte, durch eine Abnahme der Gesamtbelegschaft im aber trat ein scharfer Rückschlag ein, der in zweifacher träge, die gegen die guten Sitten verstoßen, ungültig liegenden Vertrage um eine Ausbeutung der zweiten Quartal und in der Einlegung von Feierschichten. find, insbesondere auch auf den Arbeitsvertrag an Stellenlosen handelte. Dem Kläger fei nicht widerlegt Wenn auch der Durchschnittslohn pro Schicht sich um 3 Bf. gehoben wendbar ist. Der§ 138 bezeichnet in seinem zweiten worden, daß er auch in den ersten Tagen seiner Beschäfti- hat, so will das unter gewöhnlichen Umständen schon faum etwas Absatz als besonderen Anwendungsfall den der wuche gung dem Beklagten im wesentlichen dasselbe geleistet hat, wie bedeuten, erst recht nicht unter den herrschenden Teuerungsverhält rischen Ausbeutung. Nach diesem zweiten Abfazz des§ 138 irgend ein anderer Bote. Auch bedürfe es zur Erprobung nissen. Nun tommt aber hinzu, daß viele Zechen 4, 5 und 6 Feierist insbesondere ,, ein Rechtsgeschäft nichtig, durch eines Boten nicht einer vollen Woche. Die sogenannte Schicht, so erzielt er im Monat doch nur wenig über 100 m. schichten im Monat einlegten. Verdiente der Bergmann 5-5,50 M. pro δας jemand unter Ausbeutung der Notlage, des" Probewoche" mit ihrem Hungerlohn von 10 Mart und sehr viele Arbeiter haben fogar nur 80 Mar! und weniger Leichtfinnes oder der Unerfahrenheit eines anderen sich stelle fonach nur ein Mittel dar, wenigstens auf einige Zeit und bekommen. Solche niedrigen Löhne fonnte man auf vielen Bechen oder einem Dritten für eine Leistung Vermögensvorteile bei öfterem Personenwechsel Arbeitskräfte 8u antreffen. So lagen die Dinge bis vor wenigen Tagen; vor faum versprechen oder gewähren läßt, welche den Wert der Leistung Schleuderpreisen zu erhalten. Der Vertrag stelle sich zwei Wochen wurde noch über Feierfchichten berichtet. Jetzt scheint dergestalt übersteigen, daß den Umständen nach die Vermögens wegen dieses Verstoßes gegen Anstand und Sitte nach§ 138 plöglich eine Wendung eingetreten zu sein. Tatsächlich vorteile in auffälligem Mißverhältnis zu der Leistung stehen." des Bürgerlichen Gesetzbuches als nichtig da. Es müßte ist es nun auf einmal mit der Plage der Feierschichten Aber auch wenn die im Einzelfall etwas schwer bestimmbaren deshalb der ortsübliche Tagelohn als angemessene Vergütung vorbei, ja, bon verschiedenen Bechen wird berichtet, daß die Voraussetzungen des§ 138 Absa 2 nicht vorliegen, kann gewährt werden. Berglente gedrängt werden, Ueberschichten der im ersten Absatz aufgestellte Grundsatz zur An- Das im§ 138 ausgesprochene Prinzip läßt sich in außer- worden zu berfahren! Das heißt, so weit bisher bekannt ge wendung gelangen, wenn ein auffälliges Mißverhältnis" ordentlich viel mehr Fällen, insbesondere in der munder Gegend. Die Vergleute wenden sich bereits mit Beschwerden ist, namentlich für die Zechen in der Dorts nicht vorliegt, der Sohn aber in starfem Gegensatz zu dem für Heimindustrie anwenden, als bislang geschieht. Bucher an die Tagespreffe. Von einer Zeche wird sogar berichtet, daß der den Unternehmer durch die Verwendung der Arbeitskraft er- hört nicht deshalb auf Wucher zu sein, weil er häufig be- Betriebsführer, wenn er an die Arbeitsstellen tommt, die Leute fragt, zielten Gewinn steht. trieben wird. Wir möchten deshalb den Arbeitern den§ 138 ob sie auch tüchtig Ueberschichten machen. Also trop BerggesezIn der Praxis ist bereits kurz nach dem Inkrafttreten als ein Mittel zur Bekämpfung von Schmuk- novelle wieder die alte Gefchichte! Was sollen die Verglente des Bürgerlichen Gesetzbuches der§ 138 gegen Hungerlöhne Löhnen in Erinnerung rufen. In der Regel wird jeder tun? Einige Schmarozer sind immer bereit, allen Anforderungen angewendet, so z. B. vom Gewerbegericht Stuttgart, das am Vertrag, der Löhne unterhalb des ortsüblichen Lohnes fest- zu entsprechen und wer sich weigert, dem kann mittels des Gedinges schon 26. April 1900 einen Vertrag für nichtig erklärte, der eine legt, als nichtig anzusprechen und an Stelle des Hunger muß er die 8 widmühle bes3wangsarbeitsnachweises gezeigt werden, woher der Wind weht. Will sich dann jemand verändern, erwachsene Näherin bei 10% stündiger Arbeitszeit mit 25 M. Lohnes der ortsübliche einzusetzen einzusetzen sein. Daß Lohn monatlich( also 83 Pf. Tagelohn) abspeisen wollte. der ortsübliche Tagelohn ein unangemessener, gegen die guten fo gefällt. Gemildert wird dieser Zustand dadurch, daß seit einiger auch passieren, die jeden zermalmen tann, wenn es mächtigen Herren Der§ 138 gelangt leider noch viel zu selten zur Anwendung. Sitten verstoßender fein kann und in Drten, die fast lediglich Beit auf manchen Bechen wieder eine rege Nachfrage nach Heute fönnen wir von der erfolgten Anwendung aus auf Heimindustrie angewiesen sind, oft ist, ist eine leider fest- Arbeitsträften besteht. Von einigen Stinnes- gechen ist be Frankfurt a. M. berichten: stehende Tatsache. Die Bekämpfung der Ausbeutung der tannt, daß jeder angelegt wird, der sich meldet. Auf einigen diefer Für einen Wochenlohn von 10- zehn Mark Notlage durch§ 138 ist natürlich nur ein Mittel. Wichtiger Bechen ist auch in der Lohnfrage insofern eine Aenderung einwurde von dem Frankfurter Institut der Roten Radler" ein ist insbesondere die Hineinziehung der Arbeiter in die gewerk getreten, als zwar das Gedinge noch keine Aufbefferung erhalten Bote angestellt, der durchschnittlich eine zwölfstündige schaftlichen Organisationen, der die Fabrikarbeiter derselben den Leuten unter der Hand doch zu verstehen gegeben worden ist, daß dagegen sträuben sich wohl noch alle Verwaltungen Arbeitszeit hatte. Nach fünf Arbeitstagen wurde er entlassen, Beschäftigungsart angehören. wobei ihm 1 M. für Benutzung des Fahrrades, 1 M. für Gamaschenbenutzung und 50 Pf. für Wäsche abgezogen wurden, so daß ihm noch ganze 4,25 M. an Lohn verblieben. Damit war der Arbeiter nicht zufrieden. Er verlangte den ortsüblichen Tagelohn von 3,40 Mart ohne Abzug. Er reichte Klage ein und erhob den Einwand, daß der abgeschlossene Vertrag Es ist eine alte Erfahrung, daß nach einer überwundenen wirt. gegen die guten Sitten verstoße. Die betlagte Firma schaftlichen Krise der Aufstieg zur Hochfunktur im berlangte die tostenfällige Abweisung der Klage. Der Bergbau sich nur langsam bollzieht. Wenn in anderen Aus Induftrie und Dandel. Zur Lage im Bergban. hat aber das Gedinge nicht weiter gekürzt werde, wenn etwa 6 M. pro Schicht verdient würden. Das ist ein sehr schlauer Trick. Wenn die Arbeiter auf den Leim fröchen, unter größter Anstrengung und Abraderung sechs Mark herausschinden, dann würden die Bechen selbst bei flotterem Geschäftsgang und erhöhten Stohlenpreisen sich hartnädig weigern, die Gedingefäße zu erhöhen. Vorläufig ist zu erwarten, daß die Bergleute zum Widerstande gegen das Ueberschichtenunwesen rüsten. Wird dann der Aufstieg zur Hochkonjunktur anhalten, dürfte auch die Lohnfrage aufgerollt werden. Steigende Gewinne der Aktiengesellschaften. Bei 3611 gewerblichen Aktiengesellschaften, die während der ersten drei Quartale ihre Geschäftsergebnisse für 1909 refp. 1909/10 veröffentlicht haben, sind die Ueberschüsse im Vergleich zu denen des Vorjahres träftig in die Höhe gegangen. Mit eingewinn schlossen im letzten Geschäftsjahre 3046 Ges fellschaften mit einem Aftientapital von 10,20 Milliarden Mart ab gegen 8037 mit einem Stapital von 9,62 Milliarden im Jahre vor her. Einen Verlust verzeichneten 1908/09 574 Gesellschaften mit 882,19 Millionen, 1909/10 565 Gesellschaften mit 646,93 Millionen Mart Attienfapital. Gewinne und Verluste gestalteten sich in 1000 Mart, wie folgt: 1908/09 1909/10 Gewinne 1 328 217 105 166 darf sie nicht abhalten. Immer sei ihr Blick auf das große Ziel ber proletarischen Erlösung gerichtet und auf die ungeheure Bea deutung ihrer weltumfassenden sozialen Aufgabe als Frau und Mutter. Das wird ihr Mut und Kraft geben zum schweren An fang. Und was an uns liegt, wollen wir tun, ihr die schwere Aufgabe durch unsere Ratschläge zu erleichtern. Leseabende. 2. straße. Versammlungen Beranstaltungen. Kreis- Süd. Dienstag, abends 81%, br, bei Rabe, Fichteftr. 29: Deffentliche Frauenverfammlung. Vortrag. Frau Klara Schuch: Der Kampf der Frauen gegen den Lebensmittelwucher im Spiegel der Kaiserreden". Sechster Wahlkreis. Dienstag, den 18. Oktober, abends 8 Uhr: Deffentliche Frauenversammlungen in folgenden Lofalen: Obiglos Festfäle, Echwedter Straße 23/24; Berolina- Festsäle, Schönhauser Allee 28; Borussia- Säle, Aderstraße 6/7; Swines münder Gesellschaftshaus, Swinemünder Straße 42; Frankes Festiäle, Badstraße 19; Bodbrauerei( Abteilung II), Chauffeestraße 64; Bharus- Säle, Müllerstraße 142; Stadt- Theater Moabit, Alt- Moabit 47/49. Tagesordnung: 1. Der Kampf um Mutter und Säuglingsschuß im Spiegel der Kaiserrede. 2. Diskussion. Referentinnen: Ottilie Baader, Regina Fried länder, Marie Greifenberg, Gertrud Hanna, Anna Matschke, Klara Weyl, Mathilde Wurm, Luise Zietz. Pankom. Dienstag 8% Uhr im Lokal von Rozycki, Kreuzftraße 3/4, öffentliche Frauenversammlung. Vortrag der Genoffin Frida Wulff:" Junterpolitit, Kaiserreden und die Meinung der Frau." Das finanzielle Ergebnis des Lothringer Hüttenvereins Aumetz-| werden. Bei Würdigung der obigen Zahl darf man jedoch nicht Friede. Mit Hinweis auf die Notiz 9,9 Millionen Mart Ueber- vergessen, daß ein Teil der Schwangeren in die Stadt zieht, um Schiffe in Nr. 238 des„ Vorwärts" macht uns die Direktion hier geheim zu entbinden. Auf dem Lande, dem Reiche der des genannten Unternehmens darauf aufmerksam, daß die unserer Junker und ihrer Sippen, waren ihrer Tugend erfolgreich Stride Berechnung zugrunde gelegte Lohnfumme fich nicht auf die Beleg gelegt. Die Entrüstung über die große Unfittlichkeit in den schaft des Gesamtunternehmens beziehe, die Löhne für die Beleg Städten ist unberechtigt und meistens erheuchelt. Auch hierüber schaften der Erzgrube Murville, des Kalfwerkes Dompcevrin und gibt die Statistik interessante Aufklärung. Bon den 100 000 im der Kohlenzechen General feien im Geschäftsbericht nicht mit auf Jahre 1908 in Breußen unehelich geborenen Kindern entfallen geführt. Das müssen wir allerdings für einen groben Mangel über 30 000 auf die Land- und Forstwirtschaft. Die Industrie ist Potsdam. Dienstag, abends 8 Uhr, bei Wilhelm, Kaiser- Wilhelmdes Berichtes bezeichnen. Trotzdem wäre der Irrtum wohl mit zirka 12 000, der Handel und Verkehr sogar nur mit zirka 2000 nicht passiert, wenn die industriellen Unternehmen es aus unehelichen Geburten beteiligt. Dabei sind in der letzten Berufs gewissen Gründen nicht borzögen, uns ihre Berichte nicht zu gruppe ungefähr ein Siebentel soviel weibliche Personen beschäf gehen zu lassen. So find wir auf die Auszüge in der bürgerlichen tigt als in der Land- und Forstwirtschaft. Diese hat jedoch eine Bresse angewiesen; aus diesen war der Mangel im Geschäftsbericht fünfzehnfach größere Zahl unehelicher Geburten. Die Zahlen benicht zu ersehen. Bemerkt sei dabei noch, daß wir den Bericht in weisen die Sinnlosigkeit der Argumente, mit denen die Gegner der Unternehmerzeitschrift Stahl und Eisen" benußten. Nach der der Frauenarbeit den Handel als einen Beruf mit besonders großen Berichtigung würde demnach das finanzielle Ergebnis pro Kopf der sittlichen Gefahren bezeichnen. Die Statistik reklamiert als die Arbeiter, soweit hier die Lohnnachweisungen vorliegen, folgendes größte Quelle sittlicher Gefahren für die Frau, wenn überhaupt sein: 1932 M. Betriebsüberschuß, 1763,85 M. Lohn, 1097 M. Mein- von einer solchen gesprochen werden kann, die vielgepriesene Landgewinn, 550 M. Dividende, 101 M. Tantieme. Unser Urteil: Eine wirtschaft und die häuslichen Berufe. Wenn es richtig wäre, daß nette Wirtschaftsordnung... für die Kapitalisten" wird durch die weibliche Personen gerade solche Berufe bevorzugen, die eine nicht Berichtigung nicht irritiert. zu unterschäßende sittliche Gefahr mit sich bringen, so müßten fie ja gerade in der Landwirtschaft bleiben. Manche Mädchen fliehen diese gerade wegen der hier offenbaren sittlichen Gefahren; die meisten Abwandernden wenden ihr jedoch aus allgemeinen wirt schaftlichen und sozialen Gründen den Rücken. Die Zahl der in landwirtschaftlichen Betrieben beschäftigten Personen hat 1895 bis 1907 um 136 000 abgenommen. Die Gründe der Landflucht liegen in den miserablen landwirtschaftlichen Arbeitsverhältnissen, in der übermäßig langen Arbeitszeit, der schlechten Entlohnung, der rohen Behandlung, in der persönlichen Abhängigfeit und Rechtlosigkeit der Landarbeiter. Man behandele die Landarbeiter als Menschen, lasse die Gesindeordnung fallen, stelle die ländlichen Arbeiter und Arbeiterinnen in jeder Beziehung den freien Arbeitern gleich, und man wird über Landflucht zu flagen nicht mehr nötig haben. Die Mittel, die der erwähnte Verfasser in petto hat, werden die Landflucht nicht verhindern. Er empfiehlt: erziehliche und unterrichtliche Beeinflussung der weiblichen Dorfjugend; im Unterricht solle stets das Landleben in heimatlicher Färbung im Mittelpunkt stehen und die jungen Mädchen sollten in ihren Freistunden so mit ernster Arbeit und gemütlicher Erholung, unterhaltung und edlen Genüssen beschäftigt werden, daß sie sich gegen ihre Altersgenossen in der Stadt nicht zurückgesetzt fühlen. Was mit einer derartigen Erziehung und Erholung gemeint ist, fann man sich vorstellen. Wenn mit solchen Mitteln die weibliche Dorfjugend eingelullt werden kann, nicht aber die junge Arbeiterin. Die Zustände auf dem Lande werden ihnen bald die Augen öffnen und sie in die Reihen ihrer städtischen Geschlechtsgenossinnen führen. Die Bandarbeiterin leidet unter den heutigen Verhält nissen viel mehr noch als der Mann. Sie muß ebenso schaffen wie er, für geringere Bezahlung sich abrackern, und sie muß oft genug dazu noch ihren Körper preisgeben. Troß der fleißigsten Arbeit der ganzen Familie ist es oft nicht möglich, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Wehe aber, wenn Krankheiten eintreten. Nicht einmal der Arzt ist in dringenden Fällen immer zur Hand. Der gnädige Herr braucht seine Pferde zu anderen Dingen; für eine erkrankte Arbeiterin den Arzt holen zu lassen, das pressiert nicht. Wenn fie stirbt, was tut's? Gine mehr oder weniger, darauf tommt's nicht an! Dieser Grundsaß ist in der Medizinalpflege auf dem Lande vielfach vorherrschend. Haben wir doch in Preußen noch Streife, in denen 70 Broz. aller Gebärenden die Hilfe einer Hebamme entbehren müssen! Welche Unsumme von Angst, Elend und Siechtum drücken diese Zahlen aus! Darum ist auch die Sterb lichkeit der gebärenden Frauen in ländlichen Kreisen fünfmal so groß als im Durchschnitt in ganz Preußen. Gegen dieses Mar tyrium hilft nur die Ausdehnung der Krankenversicherung auch auf die weiblichen ländlichen Arbeiter und ein genügender Mutterfchaftsschuß für alle Frauen. Für diese Forderungen zu kämpfen und auch die Landarbeiterinnen dafür zu interessieren, ist Sache der städtischen Proletarierinnen. Verluste 1 119 780 116 507 Ueberschuß. 1 083 273 1 223 051 Die Summe der Gewinne ist von 1908/09 auf, 1909/10 um 128,44 Millionen Mark oder um 10,7 Broz. in die Höhe gegangen. Die Summe der Verluste nahm um 9,8 Proz. ab, so daß fich der Ueberschuß um 13 Proz. heben fonnte, Das Plus beläuft sich auf rund 140 Millionen Mark. Unterscheidet man nnn die 3611 Attiengesellschaften nach den Zwecken, denen sie dienen, so ergeben sich vier Hauptgruppen: die Gesellschaften für Waren herstellung, für handel, für Verkehr und die übrigen. Von den 3611 Gesellschaften gehören 2393, also die Mehrzahl, mit einem Aktienkapital von 5374,08 Millionen Mart der Warenherstellung an, 610 mit 5887,20 Millionen Aktienkapital zählen zum Handelsgewerbe einschließlich der Banten und 364 mit einem Sapital von 1425,23 Millionen Mark waren Verkehrsgesellschaften. Bei den Aktiengesellschaften der Warenherstellung stellt sich der Gewinnüberschuß auf 613,49 Millionen Mark gegen 559,64 Millionen im Jahre zuvor, bei den Banken und Warenhandelsgesellschaften ist er von 487,45 auf 532,24 und bei den Verkehrsgesellschaften von 34,13 auf 72,96 Millionen Mark hinaufgegangen. In der Gruppe Bergbau, Hütten und Salinen ergibt sich für das letzte Geschäftsjahr ein leberschuß von 138,81 Millionen Mark gegen 129,99 Millionen im Jahre zuvor. Das Tegtilgewerbe er zielte eine Zunahme des Ueberschusses von 61,47 Millionen auf 76,82 Millionen Mart. In der chemischen Industrie endlich ist der Gewinn von 82,97 auf 96,73 Millionen Mark geStiegen. Rentable Schweinezucht. Für ihre Koloniebewohner hat die Harpener Bergwerksgefellschaft schon vor zwei Jahren die Fleischversorgung in Angriff genommen. Ihre Mastställe waren zu Ende des Geschäftsjahres mit 1085 Schweinen belegt. Mit Freude wird konstatiert, daß die Schweinemaft auch die Unkosten der übrigen Abteilungen des landwirtschaftlichen Betriebes, der erst teilweise voll ausgenutzt werden konnte, gedeckt haben. Die Umwandlung früherer Heide in ertragliche Gelände ist weiter gefördert worden. Die Entwässerung wurde ausgebaut und ungefähr 300 Morgen Land neu fultiviert. Die Gefellschaft hat sich entschlossen, zur regelmäßigen Lieferung von Fleisch an Konsumanstalten der Kolonien und an Metzger ein eigenes Schlachthaus Konsumanstalten der Kolonien und an Metzger ein eigenes Schlachthaus nebst Kühlanlage zu erbauen. Ursprünglich war geplant, die Tiere lebend zu verschicken. Die Züchtung eigener Schweine an Stelle gefauften Materials hat sich nach dem Bericht bisher gut bewährt. Die Gesellschaft hofft, den Koloniebewohnern demnächst tadelloses Fleisch erheblich unter Marktpreis liefern zu können und dabei doch die Unkosten des Betriebes und die Berzinsung des Anlagefapitals zu decken. So revolutioniert die Wirtschaftstechnik nach allen Rich tungen hin. Gine eigene Schweinemastanstalt beabsichtigt demnächst auch der große Arbeiter und Bürgerkonsumverein in Effen anzulegen. Deutschlands Außenhandel. Der Wert der Einfuhr im Spezial. handel belief sich ohne Edelmetalle im September d. J. auf 698,7 Millionen Mark, in den neun Monaten Januar bis September d. J. auf 6291,5 Millionen Mart gegen 6258,5 Millionen Mark im Borjahre, der Wert der Ausfuhr im September auf 664,0, in den neun Monaten Januar bis September b. 3. auf 5446,9 gegen 4706,2 Millionen Mark im Vorjahre. Aus der Frauenbewegung. Das schütende Haus. In der Deutschen Tageszeitung", dem Organ für Kaiser und Reich", für Deutsche Art", für Deutsche Arbeit in Stadt und Land", beschäftigt sich Pfarrer Sell mit dem Zug der Land mädchen nach der Großstadt. Zuerst ertönt die in agrarischen Streifen übliche Klage über die Landflucht der jungen Mädchen. Es wird statistisch nachgewiesen, daß 3. B. aus dem Saalfreise, einem Kreise mit hochentwidelter Landwirtschaft, 75 Bros. aller jungen Mädchen bis zum 20. Lebensjahre abwandern, die heimat liche Scholle verlassen, um sich in der Stadt einem Beruf zuzuwenden. Der Herr Pfarrer behauptet, daß weibliche Personen hauptsächlich solche Berufe bevorzugen, die eine nicht zu unterschäzende Gefahr in fitlicher Beziehung mit sich bringen". Damit find natürlich die freien Berufe, Industrie und Handel usw. gemeint. Der Pastor leiert da eine in agrarischen Streifen sehr beliebte Melodie. Jeder unbefangene Beobachter bemerkt aber, baß diese Verhältnisse gerade umgekehrt liegen. Wenn man überhaupt von einer fittlichen Gefahr, die ein bestimmter Beruf mit sich bringt, sprechen darf, so trifft dies viel eher auf die sogenannten häuslichen, als auf die freien Berufe au. Gerade der Logisawang unferer Dienstboten, verbunden mit der Dummheit und Leicht gläubigkeit vieler diejer jungen Mädchen, ist Schuld an der großen Bahl unehelicher Mütter unter den Dienstboten. Nach der amtlichen Statistik tamen in Preußen im Jahre 1908: 21 000 uneheliche Geburten auf in häuslichen Diensten Beschäftigte( ohne ländliches Gesinde). Man forsche einmal nach den Gründen für diese hohe Bahl, und es wird sich zeigen, daß gerade die häusliche Gemeinfchaft und die soziale Wehrlosigkeit der Dienstmädchen den Gelegenheitsmacher darstellt. Biele, sehr viele dieser jungen verfrauenden Mädchen fallen den Söhnen oder gar dem Herrn des Hauses zum Opfer. Derselben Gefahr sind Erzieherinnen, Stüßen und dergleichen ausgesetzt. Sehr oft stößt die wirtschaft liche Abhängigkeit die Bedauernswerten auch in die geschlechtliche Sflaverei hinein. Und das in Berufen, die von konservativen Streifen, von den lautesten Schreiern für Ordnung und Sitte, als die der Natur der Frau entsprechenden Berufe" bezeichnet Zur Aufklärung. Dem weiblichen Geschlecht ist von der Natur eine Funktion ( Beruf) als spezifisch weibliche zuerteilt worden, die grundsätzlich eine spezifisch foziale ist. Arbeit am und für den anderen und an ihrer Brust das Kind entwickelt und pflegt, Arbeit für Menschen ist es, die die Frau leistet, menn fie in ihrem Schoße und im Interesse der Gesellschaft. Wie die Gesellschaft sich entwidelt, welchen Grad der körperlichen und geistigen Spann- und Leistungskraft fie erreicht, das bereitet sich grundsäßlich im Schoße der Frau vor, wird dort im Zusammenhang mit der ganzen späteren förperlichen und geistigen Erziehungs. und Pflegearbeit der Frau und Mutter am Kinde nach der Geburt grundsätzlich entschieden innerhalb der von den BererbungsDeshalb ist es so ungeheuer wichtig, wie die Frauen ihre soziale faktoren und den wirtschaftlichen Einflüssen gezogenen Grenzen. Aufgabe, die Mutterschaft erfassen und erfüllen. Gewiß ber. mag die einzelne Frau und Mutter die im Kind durch den Vererbungsprozeß einmal gegebenen Anlagen nicht zu ändern. Aber in ihre Hand, in ihre Kraft ist es gegeben, die Anlagen des Kindes durch eine sinnvolle Erfassung und Erfüllung ihrer weib lichen Aufgabe zur möglichst vollen Stärke zu entfalten, in ihre Straft ist es gegeben, bas Sind in ihrem Schoße zur möglichsten Gesundheit zu entwideln und in ihre Kraft ist es gegeben, durch sinnvolle Pflege der moralischen und intellektuellen Instinfte und Eigenschaften, namentlich auch des sozialen Instinktes, diese möglichst start und zielbewußt zu machen. Aber in ihre Kraft auch ist es gegeben, diese Anlagen des Kindes mehr oder weniger in der vollen Entwidelung zu hemmen und zur Berkrüppelung zu bringen, furz, des Weibes Kraft und feine Art der Erfassung und Erfüllung der mütterlichen oder sozialen Aufgabe entscheidet mehr ober weniger über die Gesundheit des Kindes, entscheibet innerhalb bestimmter Grengen über den Grab der moralischen unb geistigen Entwidelung des Kindes und seine Leistungskraft und damit über die Entwickelung der Gesellschaft. In der Kraft der Frau und Mutter liegt es, die förperliche, geistige und moralische Nultur der Menschheit ungemein zu fördern, während durch eine finnlofe Erfassung und Erfüllung der mütterlichen Aufgabe natürlich das Gegenteil hervorgerufen wird. deutenden sozialen Aufgabe des Weibes ist es, toelche die MehrAber gerade die sinnvolle Erfassung und Erfüllung der be. zahl der Frauen nicht besißen und nicht ausüben. Schon im Mutterschoße wird das sind durch sinnlose Kleidung( Storfett) und finnlose Lebensweise, namentlich auch durch Alfoholgenug, in seiner gefunden Entwidelung start gehemmt. Nach der Geburt wird am Stinde weiter gefündigt durch total falsche Körper und Geiftespflege, durch total verfehrte Graiehung und durch berfehrtes, schlechtes Beispiel. Bon dieser sinnlosen, schädlichen, sozialfeindlichen Erfassung und Erfüllung der mütterlichen Aufgaben möchten wir bie Frau, forbeit die gegebenen biologischen und wirtschaftlichen Mächte bas ermöglichen, wegleiten, hin zu einer finnvollen, echt fogialen Erfassung und Erfüllung, ihr selbst, ihrem Geschlecht, dem Volk zum Segen. Und gerade den proletarischen Frauen, den Frauen der Arbeit, tut diese Aufklärung am bittersten not. Ihr Geschid, das Geschid ihrer Kinder und ihrer Männer ist am bittersten, härtesten. Aber in ihre Kraft ist es gegeben, das harte Schicksal des Proletariers zu lindern durch sinnvolle Erfassung und Erfüllung ihrer mütterlichen Aufgabe; in ihre Kraft ist es gegeben, den Proletarier, den weiblichen und männlichen, die Menschen der Arbeit durch sinnvolle Pflege und Erziehung gesünder und stärker zu machen, die körperliche und geistige Straft der ziel- und flaffenbewußten Kämpfer und Stämpferinnen der Arbeiterbewegung zu steigern und dadurch ben endlichen Sieg des Proletariats über Stapitalismus und Absolutismus schneller herbeizuführen. Gewiß, die finnvolle Erfüllung ihrer Aufgabe wird der proletarischen Frau und Mutter am schwersten gemacht. Aber das Unserm alten Freund und Mitstreiter August Haltner nebst Fran zur filbernen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche! Auf der Bank geht's doch noch gut, Wenn es dreift auch rum beln tut. Deine Kolleg. der Turbine. 99999€€€€€ ese Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Dreher August Raatz am 15. Dftober an Blinddarmoperation gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch, den 19. Oftober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenballe des Krankenhauses Westend, Fürstenbrunner Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 123/14 Am 15. Oftober verstarb nach längerem Leiden mein geliebter Mann, unjer guter Vater und Großvater Wilhelm Stengert 14195 im Alter von 76 Jahren. Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mitt woch, den 19. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiöfen Gemeinde, Pappelallee, aus ftatt. Am Sonnabend, den 15. Dt: tober, berschied nach langem schweren Leiden meine innige geliebte Frau, unsere gute Mutter, Großmutter und Schwiegermutter Emilie Mewes geb. Lachmann im 70. Lebensjahr. Um stille Teilnahme bitten die Hinterbliebenen. 14156 Friedrich Mewes, Grünauer Str. 26. Die Beerdigung findet heute, 4%, Uhr, bon der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes in Briz aus statt. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unfer guter Bater, Sohn, Bruder, Schwager, und Dnfel, der Dreher August Raatz am 15. Oftober an den Folgen einer Operation im 39. Jahre plöglich verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Martha Raatz geb. Kühling und Kinder. Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittag 4 Uhr bon der Leichenhalle des Krankenbauses Westend, Fürstenbrunner Weg, aus statt. 1418b Deutscher Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groß- Berlin, Nachruf! Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sollege, der Droschtenführer 51/16 Friedrich Neumann am 13. Dttober im Alter bon 69 Jahren verstorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Bezirksverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unsere liebe Tochter Erna am Sonnabendnachmittag 3 Uhr gestorben ist. Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. 8 Uhr, vom Kirchhof ber Marius- Gemeinde, Hohen- Schönhausen, aus ftatt. 14292 Die tiefbetrübten Eltern Richard Brennecke und Frau. Elifabethstr. 66. Danksagung. Für die vielen Beweise hetzlicher Teilnahme bei dem Begräbnis unserer lieben Tochter und Schwester Frida Buchmeier wie für die zahlreichen Strangipenden von ihren Verwandten und dem Chef Herrn Felix Lande, den Kolleginnen der Firma Felix Lande, ebenso den Kollegumen der Mufit- Alademie Stlose fowie allen, die ihr die letzte Ehre erwiesen, sprechen wir unseren berz lichsten Dank aus. 14282 Die tiefbetrübten Eltern u. Bruder Zeuschner. Nachruf. Durch den leider so unfagbaren folgenschweren Brand unseres Geschäftslotales haben zu unserem aufrichtigen Schmerze folgende sieben bewährte und geschätzte Arbeiterinnen Frau Helene Aumann, Libauer Str. 6 Marte Fechtner, Büschingstr. 13 " Anna Czok, Jablonstiftr. 10 " Anna Kooh, Lichtenberg, Wotanstraße Fräulein Helene Benda, Mühlhausener Str. 8/4 Agnes Mischke, Metzer Str. 17 " 我 Martha Wenzel, Griebenowoftr. 23 den Tod gefunden. Mit wärmster Tellnahme bedauern wir gegemeinsam mit den Hinterbliebenen das schreckliche Schicksal der auf so traurige Weise aus dem Leben Geschiedenen. Die Inhaber der Firma D. Arndt. Berlin, C 2, Neue Friedrichstr. 79a. 14185 T Dienstag, 18. Ottober. Anfang 7%, Uhr. Nenes tönigl. Opern Theater. Sinfonie- Konzert. Rönigl. Schauspielhaus. fchloffen. Deutiches. Das Bintermärchen. Be Theater und Vergnügungen Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abend 8 Uhr: Nenes Schanivielbaus. Die Junge Der Vierwaldstätter See und frau von Orleans. Anfang 8 Uhr. Rammeripiele von Gleichen. der Gotthard. Der Graf Lustspielhaus, Leffing. Einfame Menschen. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner Tbeat.) Dienstag, abends 8 11 br: Die Kreuzelschreiber. Bauernfomödie mit Gefang in 3 Aften von 2. Anzengruber. Ende 10%, Uhr. Rittmo, abends 8 Ubi: Die Kreuzelschreiber. Donnerstag, abends 8 Uhr: Robert und Bertram. Schiller- Theater Charlottenburg. Dienstag, abends 8 Uhr: Sodoms Ende. Drama in 5 Aften s. H. Sudermann. Ende 10% Uhr. Mittwo, abends 8 Uhr: Sedoms Ende. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Dummkopf. Berithet e trigle Sungfrau. Der Feldherrnhügel. LICHTSPIELE Berliner. Die törichte Neues. Der Stier von Olivera. Romische Cper. Die Bohème. Residenz. Noblesse oblige. Kleines. Die verfligten Frauen. zimmer. Erster Klasse. Thalia. Doppelfelbstmord. Schiller 0. Water Theater.) Die Kreuzelfchreiber. Sch Charlottenburg. Sodoms Ende. Friedrich Wilhelmstädtisches. Revolutionshochzeit. Berliner Voltsoper. La Traviata. ( Anfang 8, Uhr.) Luisen. Der Hüttenbefizer. Weften. Die schönste Frau. Modernes. Die beste der Frauen. Trianon. Pariser Witwen. Nenes Overetten. Der Graf von Luxemburg. Luftivielhaus. hügel. Der Feldherrn Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbyfieger. Noie. Die Anna- Life. Folies Caprice. Der Schwarze Residenz- Theater. Direttion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Noblesse oblige. Schwant in 3 Atten von Hennequin und Beber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: Noblesse oblige. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Mittwoch: Der Fähnrich im Kloster. Donnerstag: Stean. Freitag: Die schöne Ungarin. Mozart- Saal, Nollendorf- Platz. Vollständig neuer Spielplan. onntags ab 3 Uhr. Dauervorstellung von 6-11 Uhr abends, Eintritt jederzeit. PROGRAMM UND GARDEROBE FREI. Metropol- Theater. Hurra! b. J. Freund. Mufik v. V Hoäänder. Sonnabend nagm. 4 Uhr: Die In Szene gelett von Dir. R. Schult. Schwanenprinzeffin. 8 Uhr: Stean. Sonntag nachm. 3 Uhr: Die Brü der von St. Bernhard. 8 Uhr: Der Hüttenbefizer. Schimmel. Bolle Penfion DOSE THEATE ( Anfang 8 Uhr.) .Metrono. Hurra Bir leben noch! Kafino. Der schneidige Rudolf. Apollo. Spezialitäten. Basiage. Spezialitäten. Reichsballen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Sanssouci. Nu bat's geschnappt. Spezialitäten.( Anf. 8 Urania. Uhr.) Zaunenurutze 18.49. Der Vierwaldstätter See und der Gotthard. Sternwarte, Invalidenstr. 57-62. Lessing- Theater. 8 Uhr: Einsame Menschen. DOSE= THEATED Große Frankfurtei Str. 182. Anf. 8 Uhr. Ende 10%, Uhr. Die Anna- Life Historisches Luftspiel in 4 Atten von Hermann Hersch. Mittwoch und Donnerstag: Das nene Gebot. Freitag: Othello. pollo Cheater Ab 8 Uhr: Mittwoch 8 Uhr: Wenn der junge Das sensationelle Programm. Wein blüht. Berliner Theater. Abends 8 Uhr: Die törichte Jungfrau. Morgen: Die törichte Jungfrau. Neues Theater. Gaftspiel Ferdinand Bonn: Taglia: Der Stier von Olivera. Anfang 8 Uhr. Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. Die schönste Fran. Sommt. 8, 1.: Die geschiedene Frau. Modernes Theater ( früher Hebbeltheater). Heute und täglich 8 Uhr: Die beste der Frauen. Berliner Volksoper Abends 8 Uhr: 8 Uhr: Verbotene Frucht. 9% Uhr: Letzte Woche: Der Schatten Rudolf Schildkraut. WINE BARTEN Herrnfeld Bon Theater Wir leben noch! Große Ausstattungsrevue in 7 Bildern 1 Stürmisches Lachen aber Eine verlorene Nacht Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. Ein lustiger Trauerfall in 2 Atten von Anton und Donat Herenfeld. Sierzu: Der Derby- Sieger. Unf. 8 Uhr. Borvert. 11-( heater). Passage- Theater. Abends 8 Uhr: Die Jungfrauen von Saïs. Die 3 mystischen Schatten und die großen Attraktionen des Oktober- Programms. Passage- Panoptikum. Prinz Atom, der kleinste Mensch aller Zeiten lebend! Buddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Alles ohne Extra- Entree! Eintr. 50 Pf., Kind. u. Soldaten 15 Pf. Komödie von A. Neidwardt. UnionTheater New Wedding eröffnet! Reinickendorferstr.14 Glänzender Erfolg Saharet Stadt- Theater Moabit Walhalla- Theater Alt- Moabit 47/48. Weinbergsweg 19/20. Anfang 8%, Uhr. in ihren neuen Originalkreationen Donnerstag, den 20. Oftober 1910: Bravo! The 8 Meers komischer Drahtseil- Akt. Reynolds and Donegan das amerikanische Tänzerpaar in vollend. Rollschuh- Meisterschaft sowie d. komisch- mimisch- groteske La Traviata. Oktober- Programm! Friedrich- Wilhelmstädtisches 22 Schauspielhaus. Groß- Berlin" Sie weiß etwas! Schwant in 4 Aufs. v. Rudolf Kneisel. Uhr. eneröffn. 6%, U5x. tnf.7%, Ur. Nach der Vorstellung: Tanz. Da capo! Eine Allerwelts- Revue in 5 Bilbern von M. Reichardt, Mu von R. Thiele. In Szene gefett oom Direktor James Stlein. Trianon- Theater. Abends 8 Uhr: Zirkus A. Schumann. Heute Dienstag, 18. Oftober, abends 7, Uhr: Die Volks- Liederiaal Tiergartenhof a. Bahnh.Tierg. Heute Diens- 8 Uhr: 3. Konzert. tag, präzise Eintritt 75 Pf.( res. 1.25) mit Garderobe u. sämtl. Liedertexten. Es singen: Gina Götz, Meta Segerkolossale Pantomime Jahn, Auguste Tatter, Karl Fischötter. Der große Coup Zirkus Busch. der Schmuggler. Borher: Die persische Truppe Mirza Golem 12 Perfonen fowie die übrigen Spezialitäten. Dienstag, den 18. Oktober, abends 7, Uhr: Neu! Nen! New! The Rapides ? Kita? 4 Arbra Trio, musikalischakrobatischer Akt. Frl. Martha Mohnke, Schulreit. Die berühmte Reiterfamilie Frediani. 7901 Um 9%, Uhr, zum 35. Male: 99 VENEZIA" Die Anfahrt zum Zirkus ist bis auf weiteres v. d. Oranienburger Str. Folies Caprice. Burgtheater- Kinematograph Täglich 8 Uhr: Volle Pension. Der schwarze Schimmel Borverkauf 11-2, abends ab 6 Ubr. Casino- Theater Lethringer Straße 87. Zaglich 8 Uhr. Neuer bunter Teil. Die urtomische Boffe Der schneidige Rudolf. Rudolf Bimpelmann: Dir.. Berg. Borber das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Stanges. Sonnt. 8%, Uhr: Berühmte Töchter. Puhlmanns Theater Schönhauser Affee 148. Gaftspiel des Boigt- Theaters. Dienstag, den 18. 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Oktober, abends 8½ Uhr Acht öffentliche Frauen- Versammlungen in folgenden Lokalen: Obiglos Festsäle, Schwedter Straße 23/24. Berolina- Festsäle, Schönhauser Allee 28. Borussia- Säle, Ackerstraße 6/7. Swinemünder Gesellchaftshaus, Swinemünder Str. 42 Frankes Festsäle, Badstraße 19. Bock- Brauerei( Abteilung II), Chausseestraße 64. Pharus Säle, Müllerstraße 142. Stadt- Theater Moabit, Alt- Moabit 47/49. Tages- Ordnung: 1. Der Kampf der Frau um Mutter- und Säuglingsschutz im Spiegel der Kaiserrede. 2. Diskuffion. Referentinnen: tile Baader, Regina Friedländer, Marie Greifenberg, Gertrud 230/ 11* Hama, Anna Matschke, Klara Weyl, Mathilde Wurm, Luise Zietz. Alle proletarischen Frauen u. Mädchen sind eingeladen! Für die Einberufer: Richard Henschel, Uedermünder Str. 17. Oeffentliche Versammlung am Donnerstag, den 20. Oktober, abends 8 Uhr, in Freyers Festsälen( fr. Keller), Koppenstr. 29. Referenten: Robert Seidel, Dozent an der Universität und am Polytechnikum in Zürich. Adolf Hoffmann, Landtagsabgeordneter. Thema: Die Schule der Zukunft, eine Arbeitsschule. Das Testament Franzisko Ferrers. Entree 10 PI. 57/ 9* Diskussion. Entree 10 Pf. Der Einberufer: A. Harndt, Pappel- Allee 15-17. Sozialdemokratischer Wahlverein des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Dienstag, den 18. Oktober, abends 8%, Uhr, in ,, Kellers Festfälen", Koppenftr. 29: General- Versammlung. ages Drdnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über den Bericht vom Partettage. 2. Bericht vom Internationalen Kongreß. 3. Bericht von der Provinzialfonferenz. 4. Verschiedenes. 221/ 4* Mitgliedsbuch legitimiert. Zentralverband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Mittwoch, den 19. Oktober, abends 8 Uhr: General- Versammlung im Gewerkschaftshause( großer Saal), Engelufer 15. Zages Drdnung: 139/1 Deutscher Holzarbeiter- Verband Arbeiter- Wanderverein Zahlstelle Rixdorf.= Donnerstag, 20. Oktober, abends 81 Uhr, in Hoppes Festsälen, Hermannstr. 49: General- Versammlung. Zages Ordnung: ,, Berlin". Mittwoch, 19. Dftober, 8%, Uhr abbs., bei ählisch, Stalizerstr. 22: Außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Das Scheitern der Einigungsberhandlungen mit dem Bund der 1. Staffenbericht vom 3. Quartal. 2. Vortrag des Genossen Davidsohn Naturfreunde". über: Deutscher Humor in der Literatur. 3. Verbandsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert. Herrenmaẞichneider! Mittwoch, den 19. Oftober, abends 8, Uhr: Herrenmaẞichneider- Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstraße 58-59. Zages- Ordnung: 1. Tätigkeits- und Situationsbericht über die Vorgänge in der Branche. 2. Bericht über die Sitzung mit den Arbeitgebern am 11. Oktober 1910. 3. Neuwahl der Kommissionen. 163/18 Angesichts diefer wichtigen Tagesordnung erwartet zahlreiches Er. fcheinen. Die Kommiffion. FAHR 20 Urbin bester Schuhputze G.LINDENSTAED In Dosen zu 10, 20 und 25 Pf. überall erhältlich. 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Die Staatsanwaltschaft hatte eine Be- schlagnahme des ihr so gefährlich scheinenden Heftchen? für nötig gehalten, aber nur eine kleine Anzahl von Exemplaren waren noch vorgefunden worden. Angeklagt wurde Genosse Emil Boeske, der auf Befragen an- gegeben hatte, daß er als Kassierer des Verbandes der sozialdemo- kratischen Wahlvereine Groß-BerlinS die Herstellung des Lieder- Heftes in Auftrag gegeben habe. Neben der vermeintlichen Auf- reizung zu Gewalttätigkeiten wurde ihm auch eine Urbertretung des Prehzesches zur Last gelegt, weil Nenne und Wohnort deS Verlegers nicht genannt worden seien. Vor Gericht erklärte der Angeklagte, er habe den Druck der vier Lieder veranlaßt, aber er bestreite, hiermit eine Aufreizung zu Gewalttätigkeiten begangen zu haben. Auch Ilebertretung des Preßgcsetzes liege nicht vor, da der dem Heftchen beigefügte Vermerk„Vorwärts-Druckerei, Berlin SWi 68" genüge. In seiner Vernehmung durch den Vor- fitzenden äußerte er sich eingehend über die Entstehung jenes Liederheftes, dessen Inhalt er nach gedruckt vorliegenden und un- beanstandet gebliebenen Veröffentlichungen zusammengestellt habe. So sei das Lied„Arbeitsmänner" erst kurz vorher noch durch die „Dortmunder Arbeiterzeitung" veröffentlicht worden, ohne daß eine Beschlagnahme erfolgt sei. Die anderen Lieder finde man in verschieoenen Liederbüchern, und das„Bef und arbeit'" sei auch in den Ausgaben von Herweghs Werken bisher unbeanstandet ge° blieben. Eine Veröffentlichung dieser Lieder habe ihm nicht als strafbar erscheinen können, und sie seien ja auch tatsächlich nicht geeignet, aufreizend zu wirken. Der Kampf, den die Sozialdemo- kratie zu führen habe, sei ein Kampf gegen die kapitalistische Ge- fellschaftsordnung, und sie stelle ihn denn doch anders vor, als uach dieser Anklag« wegen angeblicher Aufreizung zu Gewalt- tätigkeitcn es scheinen könnte. # Die Beweisaufnahme bestand hauptsächlich in Verlesung der beiden Lieder. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Hcinemann überreichte eine Anzahl Bücher, in denen sie früher veröffentlicht worden sind. Verlesen wurde auch ein Urteil, das von der Straf- kammer in Dortmund in einem Verfahren wegen des Liedes„Ar- bcitsmänner" gefällt worden ist. Das Gericht hatte auf Einziehung des betreffenden Liederbuches erkannt, aber den Angeklagten frei- gesprochen. Der Verteidiger stellte fest, daß das Berliner Lieder- heftchen bereits erschienen war, als in Dortmund jenes Verfahren eingeleitet wurde. Der Staatsanwalt sah die Uebertretung des Preßgesetzes und auch die Aufreizung zu Gewalttätigkeiten als erwiesen an. Wenn in den Liedern der Arbeiter aufgefordert werde, sich von dem auf ihm lastenden Joch zu befreien, so könne das nur durch eine körperliche Macht und Gewalt geschehen. Jeder, der das lese, wisse sehr wohl, was da gemeint sei. Der Angeklagte habe sich sagen müssen, daß er durch diese Lieder zu Gewalttätigkeiten anreizen konnte. Schon das genüge, ihn strafbar zu machen, selbst wenn er seine Handlung nicht für strafbar gehalten haben sollte. Der In- balt sei so aufreizend, daß er geradezu auf eine Aufforderung zur Revolution hinauslaufe. Deshalb scheine eigentlich Freiheitsstrafe geboten, aber da Boeske noch unbestraft sei, so solle ein« Geldstrafe von 260 M. ausreichende Sühne für die Aufreizung zu Gewalt- tätigkciten sein. Mit so M. Geldstrafe sei die Uebertretung des Preßgefetzcs zu sühnen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Heinemann beantragte zu beiden Punkten der Anklage Freisprechung. Die Angabe„Vor- wärts-Druckerei Berlin SW. 68" lasse keinen Zweifel darüber, wer der Verleger sei, zumal da es sich um eine in das Handels- register eingetragene Firma handele. Ein Verstoß gegen das Preß- gesetz liege also nicht vor. Aber auch der AufreizungSparagraph fei durch jenes Liedcrheft nicht verletzt worden. Unter Bezug- nähme auf daS erwähnte Urteil der Strafkammer in Dortmund führte der Verteidiger aus, daß das Gedicht„Bei' und arbeit'" den Arbeiter auffordert, seine Lage zu erkennen und Besserung anzustreben, aber als Mittel dazu nicht Gewalttätigkeit empfiehlt, fondern auf Abwehrmittel ökonomischer Art hinweist. Das daraus fo oft zitierte Wort„Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm eS Willi" zeige doch klar, daß hier an daS gesetzlich zulässige, durch die Gewerbeordnung gewährleistete Mittel der Arbeitsnieder- legung gedacht werde. Auch in dem Gedicht„Arbeitsmänner" sei nicht an Gewalttätigkeiten gedacht, wenn da von„der Despoten Fall" geredet werde. Dieses Wort richte sich gegen die ganze bürgerliche Weltanschauung, und gedacht werde an eine Beseitigung despotischer Einrichtungen. Das aber sei möglich auch ohne Ge- walt, und tatsächlich sei es oft ohne Gewalt erreicht worden, z. B. in Preußen nach seinem Jena durch die Stein-Hardenbergsche Ge- fetzgebung, in Rußland nach dem Krimkrieg durch die Aufhebung der Sklaverei. Die Worte und Sätze, aus denen in diesen Liedern die„Aufreizung zu Gewalttätigkeiten" von der Anklagebehörde herausgelesen werde, seien weiter nichts als ein bildlicher Ausdruck für den Kampf, den die Arbeiterklasse zu führen habe. Auch die „Kartätschen", die„der Feind speit", seien nur ein Bild für die Hindernisse, die der vordringenden Arbeiterklasse bereitet werden. Selbst wenn die Gegner der Sozialdemokratie zur Gewalt greifen, braucht die Sozialdemokratie sie noch nicht mit Gewalt abzu- wehren. Gewalt sei z. B. das Sozialistengesetz gewesen, aber die Sozialdemokratie habe auch daS ohne Gewalt überwunden. Von einer Aufreizung zu Gewalttätigkeiten fei objektiv nichts in den Liedern enthalten. Aber auch in subjektiver Hinsicht sei keine Auf- reizuiig zu Gewalttätigkeiten erwiesen worden. Unmöglich habe der Angeklagte gegenüber diesen Liedern, die so oft unbeanstandet geblieben waren, annehmen können, daß sie aufreizend wirken tönnten. Wenn den Behörden die Veröffentlichung nicht strafbar erschienen war, so habe sie-«hm erst recht nicht ftrasbar zu er- scheinen brauchen. Das Urteil lautete in beiden Punkten der Anklage auf schuldig. DaS Pretzgesetz sei übertreten, weil nur„Vorwärts-Druckerei, Berlin SW. 68" angegeben worden sei, während die Firma heiße „Vorwärts Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Co." Der Aufreizungsparagraph sei verletzt, da die beanstandeten Aus- drücke nicht bildlich, sondern wörtlich gemeint seien. Der Ar- beiter werde darin durch übertriebene Schilderung seiner Lage zu Gewalttätigkeiten gegen die besitzende Klasse, zum Umsturz der bestehenden Gesellschaftsordnung angereizt, und so werde eS auch der beteiligte Kreis der Leser aufgefaßt haben. In unserer politisch bewegten Zeit habe die Arbeiterklasse aufgereizt werden sollen, und daß diese Lieder dazu geeignet seien, habe auch der Angeklagte gewußt. Erkannt wurde für die Uebertretung deS PrefigefetzeS auf 20 M. Geldstrafe, für die vermeintliche Aufreizung zu Gewalt- tältgkeitcn auf 166 M. Geldstrafe, außerdem auf Vernichtung deS Liederheftes. Auch der AufreizüngSparagraph liefert„Kartärtfchen", die der Feind— die bürgerliche Klasse— gegen uns speit. Aber solche und ähnliche Urteile werden die Sozialdemokratie in ihrem Sturmschritt nicht aufhalten, auch lvenn das Reichsgericht das Erkenntnis be- stätigen sollte. Ein Blick in das studentische Kommersbuch oder die Bibel, deren„aufreizende" Lieder unbehelligt geblieben, zeigt die UnHaltbarkeit der Anklage und des Urteils. Indes die Tat- fache, daß gesprochenes Recht und Gerechtigkeit in Deutschland zu sehr verschiedenen Begriffen sich ausgestaltet haben, wirkt auf. klärender und in diesem Sinne auch„aufreizender" gegen die be- stehende Gesellschaftsordnung des Unrechts, als es selbst die schönen vom Berliner Richter verdammten Lieder je könnten Partei- Angelegenheiten. Zweiter Wahlkreis fWesten). Heute Dienstag, abends 8'/, Uhr: Versammlung für Frauen und Mädchen bei N i ß l e, Dennewitzstr. 13. Frau Fahrenwald spricht über„Der Kampf der Frau gegen den Lebensinittelwucher im Spiegel der Kaiserreden." Frauen und Männer, erscheint zahlreich in dieser Versammlung, denn es gilt Protest zu erheben gegen die fortgesetzte Verteuerung der Lebensmittel. Der Vorstand. Rixdorf. Heute abend 8 Uhr findet in Hoppes Festsälen, Her» mannstr. 49, die außerordentliche Generalversammlung deS Wahl» Vereins statt. Auf der Tagesordnung steht: 1. Stellungnahme zu den bevorstehenden Stadiverordnetenwahlen. 1. Aufstellung der Kandidaten. 3. Verschiedenes.— Mitgliedsbuch legitimiert. Der Borstand. Lichtenberg. Heute abend 8'/, Uhr findet im Lokal„Schwarzer Adler", Frankfurter Chaussee K/6, die Mitgliederversammlung des Wahlverems statt. Tagesordnung: Bericht vom Magdeburger Partei- tag und Geschäftliches. Mitgliedsbuch legitimiert. Stralau. Am Mittwoch, den 19. Oktober, abends S'/a Uhr, findet bei S t e i n i ck e, Alt-Stralau K, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt. Die Tagesordnung lautet: Bericht vom Parteitag in Magdeburg. Referent: Genosse Oskar Witzle; DiS- kussion i Bericht von der Kreisgeneralversammlung; Vereinsangelegen- heilen und Verschiedenes. Reinickendorf-West. Heute abend 8� Uhr findet die Mitglieder- Versammlung des Bezirks-WahlvereinS bei I. G ö r d e s, Eichborn- stratze 45, statt. Die Bezirksleitung. Tegel. Heute abend st'/z Uhr findet bei Klippenstein. Spandauer Straße 4, die Mitgliederversammlung statt. Tagesordnung: Bericht vom Magdeburger Parteitag. Berichterstatter: Reichstagsabgeordneter Arwr Stadthagen. Mitgliedsbuch legitimiert. Die Bezirksleitung. Treptow— Baumschnlenwcg. Heute abend finden zwei öffentliche Versammlungen statt. Für den Ortsteil Treptow im Lokal„Zur Radrennbahn". Elsenstr. tlK/116. Vortrag des Genoffen W. Siermg über„Christentum und Staatskirche." Für den Ortsteil Baum- schulenweg in Speers Festsälen, Baumschulenstr. 73. Vortrag des Genossen Emil Unger über„Kirche und Boll." Marlendorf. Am Mittwoch, den 19. Oktober, abends 8'/z Uhr, bei Preuß, Kurfürstenstraße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht vom Magdeburger Parteitag. Referent: Genoffe Ulm. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. Der Vorstand. Friedrichshagen. Heute abend 83IA Uhr findet im Schultheiß- Restaurant, Friedrichstr. 74, die Fortsetzung des Vortragskursus des Genossen Max Grunwald über:„Grundbegriffe der theoretischen Volkswirtschaftslehre" statt. Köpenick. Die für heute abend angesagte Mitgliederversammlung fällt aus, dafür findet am Donnerstagabend eine öffentliche Versammlung im Stadt-Theater statt. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag über:„Die Borgänge in Moabit". Hierzu findet am Mittwochabend 7 Uhr eine Flugblatt- Verbreitung von den bekannten Stellen ans statt. KönigS-Wusterhaufen. Mittwoch, den 19. d. M., abends 8 Uhr, findet im Lokale der Witwe Wedhorn, Altes Schützcnhaus, unsere Wahlveretnsversammlung statt. Tagesordnung: Kaffen« und Spe- dittonsbericht, Parteiangelegenheiten und Berfchiedenes. Der Vorstand. Spandau. Die ordentliche Generalversammlung des Wahl- Vereins findet heute. Dienstag, den 18. Oktober, abends 8% Uhr, im Lakale von Emil Köpnick, Pichelsdorfer Str. 39, statt. Tages- ordnung: 1. Bericht vom Magdeburger Parteitag. 2. Geschäftsbericht-des Vorstandes für das 3. Quartal. 3. An den Vorstand ge- stellte Anträge. 4. Wahl deS 1. SchriftführeS. Neuwahl der Lokal- komnüfflon. Verschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Der Vorstand. Potsdam. Am Mittwoch, den 19. d. M., abends 8 Uhr findet in allen Bezirken der Zahlabend statt. Besprechung über die Einführung der HauSlassterung. berliner JVacbncbtcn. Die Brandkatastrophe in der Neuen Friedrichstraße bei der sieben Menschen ihr Leben eingebüßt haben, wird von der Berliner Bevölkerung nach den verschiedensten Seiten erörtert, ins- besondere nach der Richtung hin, ob irgendeiner Stelle begründete Vorwürfe zu machen sind. Der Inhaber der Firma Arndt hat dem.Berliner Tageblatt" folgende Mitteilungen über die Katastrophe gemacht: „GS ist jetzt als einwandfrei festgestellt worden, baß der Zu- schneider Biedermann den Ausbruch des Feuers zuerst bemerkt hat. Er stürzte sofort in die dritte Etage und sagte den dort beschäftigten Frauen und Mädchen, daß in der zweiten Etage ein Brand ausgebrochen fei. Er forderte sie auf, ihm zu folge» und über die freie Haupttreppe fich in Sicher- heit zu bringen. Leider legten die Frauen der nnglÜckSnachricht nicht die nötige Bedeutung bei. Statt fich sofort zu entfernen, suchten sie erst ihre Sachen zusammen und wollten sogar ihre ArbeitSgcivänder mit den Straßenkleidern vertauschen. Auf diese Weise verrannen kostbare Minuten. Ehe ihnen die Größe der Ge- fahr recht zum Bewußtsein kam, war die hölzerne Verbindungstreppe, die von der zweiten in die dritte Etage führte, durchgebrannt und der Rauch drang in die dritte Etage. Der Zuschneider Biedermann war inzwischen wieder in daS zweite Stockwerk gegangen und hatte den Geldschrank zugeschlagen. Auf diese Weise ist wenigstens der größte Teil der Geschäftsbücher gerettet worden. Dann eilte Biedermann in den Hof hinab und rief den Frauen von unten zu, sie sollten sich über die große Treppe retten. Warum dies nicht mehr möglich gewesen ist, vermag ich augenblicklich nicht zu sagen. Jedenfalls ,st es ausgeschlossen, daß eine ver- fchlossene eiserne Tür den Ausgang gesperrt haben soll. Die Tür war offen und ist auch nach dem Brand noch offen gefunden worden. Alle Zeugen, die zugegen waren. erklären übereinstimmend, daß fich die Frauen über die Haupttreppe mit einiger Besonnenheit hätten retten können. Allerding« ist die Tür. die sich an der VerbindungStteppe zwischen der zweiten und dritten Etage befand, zugeschlagen worden, weil der Rauch aus ihr hervordrang. Hier hätten sich die Frauen tatsächlich nicht mehr retten können, weil die Treppe, wie schon gesagt, durchgebrannt war. Der Schaden, den wir erlitten haben, ist naturgemäß außerordentlich groß. Es läßt sich vorläufig noch nicht im entferntesten feststellen. Jedenfalls find wir bei der Vaterländischen FeuerversichcrungS- Aktiengesellschaft Ewerfeld versichert. Den Gebäudeschaden trägt die Städtische Feuersozietät." Was die vorstehenden Auslassungen betrifft, so geht aus ihnen nicht klar hervor, aus welchem Aulatz das Feuer ausgekommen ist. Soweit wir unterrichtet sind, ist an dem Unglückstage zum ersten Male ein neuer Anthrazitofen in Gebrauch genommen worden, der in der Expedition der Schürzenabteilung in der zweiten Etage stand. Bon diesem Ofen auS scheinen einige leicht brennbare Gegenstände Feuer gefangen zu haben, das sich mit rapider Schnelligkeit aus- breitete. Was die Benterkung über die offenen eisernen Türen betrifft, so behauptet die Feuerwehr das Gegenteil. Der Brand- meister Sandberg, der mit seinem Löschzug als erster auf der Brand« statte eintraf, gibt folgende Darstellung: „Der erste Alarm lief genau um 3 Uhr nachmittags auf der Wache in der Keibelstraße ein. Cr kam vom Melder Kloster- straße 79. Obgleich meine Leute kaum die Schlafzeit hinter sich hatten, war der Zug doch in vierzig Sekunden zur Abfahrt fertig. Die Entfernung von der Wache bis zunr Melder und von dort bis zur Brandstelle in der Neuen Friedrichstr. 79a ist zu- sammen rund vierhundert Meter lang. Der erste Zug war, wie daS Journal ausweist, bereits nach genau drei Minuten an der Brandstelle. Bei der Ankunft des Zuges schlugen die hellen Flammen auS den fünf rechten großen Fenstern des zweiten Stocks. Aus den darüberliegenden Fenstern drang dichter Rauch, und aus den links gelegenen Fenstern des dritten Stocks ertönten laute'Hilferufe. Auch zeigten sich sofort mehrere weibliche Personen, die auf den schmale» Ballon heranskletterten. Es wurde ihnen zugerufen, oben zu bleiben, da sie nicht direkt gefährdet waren. Inzwischen wurde sofort das Sprungtuch in Bereitschaft genommen, in das unaufgefordert eine Frau soforl heruntersprang. In demselben Augenblick wurde die mechanische Leiter aufgerichtet. Noch war diese nicht am Hause angeleitert, als schon eine zweite weibliche Person, gleichfalls unaufgefordert, in das Sprungtuch sprang. Die übrigen Personen wurden mit Hilfe der mechanischen Leiter in Sicherheit gebracht. Der Angriff gestaltete sich außerordentlich schtvierig, da die Trcpperhäuser der Seitenflügel bis zum ersten Stock herunter total verqualmt waren. Die Eisentüren, die von den beiden Nebentreppen in die verschiedensten Stockwerke führten, waren im linken Seitenflügel s ä in t l i ch von innen verriegelt und verschlossen und im Dach- aeschoß auch noch mit Säcken und Abfällen ver« stellt. Auch im rechten Seitenflügel ivarcn einige eiserne Türen verschlossen, nur die Tür im dritten Stock war offen. Von dieser Tür führt ein langer Gang zu einer Holztllr, durch die man die Arbeitsräume erreichte. Diese Holz- tür war beim Vordringen der Feuerwehr zwar verriegelt, aber hatte bei Ausbruch des Feuers offen gestanden, so daß sich einige der bedrohten Arbeiterinnen noch rechtzeitig retten konnten." ES ist heute ja leicht zu sagen, daß unter den oder jenen Um» ständen sich Arbeiterinnen noch hätten retten können. Aber jeder Arbeiter und jede Arbeiterin eines großen Betriebes weiß ja, wie die Verhältnisse in den Betrieben liegen. Die meisten sind mit den Oertlichkeiten in einem großen Betriebe schlecht oder gar nicht vertraut. Sie gehen tagtäglich denselben Weg, dieselbe Treppe, die nach ihrem Arbeitsplatze führt und können sich nicht um andere Wege kümmern, die für sie nicht zur Benutzung bestimmt sind. Dazu kommt, daß in sehr vielen Betrieben die feuersicheren Türen, selbst wenn die Schlüssel in einem Glasbehälter daneben hängen, im Falle der Gefahr nicht aufgeschloffen werden können, weil daS Schloß vielfach eingerostet ist oder nur mit Aufbietung erheblicher Anstrengungen und Zeitverlust geöffnet werden kann. Soweit eS fich nun darum handelt, ob die Feuerwehr so rechtzeitig wie möglich auf dem Brandplatze erschienen ist, möchten wir ohne weiteres annehmen, daß in diesem Falle Zeit nicht verloren worden ist und wir haben unserer Wehr nach dieser Richtung hin auch keinen Vorwurf gemacht. WaS wir auf Grund von Aussagen von Augen- zeugen mitgeteilt haben, ist, daß das Hochwinden der mechanischen Leiter nicht mit der sonstigen Schnelligkeit geschehen Ist und daß, als sie hochgewunden war, sie noch eine Zeit hin und her pendelte, ehe sie festen Halt fand. Darüber wollen wir nicht weiter reden, daß das Strahlrohr in der Hand deS auf der Leiter stehenden Feuerwehr- manneS nicht sofort funttionierte und daß es erst der Hilfe eines zweiten Feuerwehrmanns hierzu bedurfte. Dieser Umstand ist zwar'auch von den Zuschauern kommentiert worden, hat aber auf die Rettungsaktion keinen Einfluß. ES ist ja nun eine amtliche Untersuchung über daS Unglück eingeleitet worden, ob dieke aber volle Aufklärung bringen kann, ist bei der Schnelligkeit, mit. der das Feuer sich verbreitete, fraglich._ Die erste» Nachtfröste sind gekommen. Draußen im Freien zeigte bereits am Ende der letzten Woche das Thermometer kurz vor Sonnenaufgang eine Temperatur hart unter dem Gefrierpunkt. Und wo der Frost nicht aufkommen konnte, da spannte er eine glitzernde Reifdecke aus, die an nicht von der Sonne beschienenen Stellen noch während der ersten Morgen- stunden zu beobachten war. Die schönen Herbsttage täuschen teilweise noch immer über diese Tatsache hinfort. Allein der leiseste Windstoß läßt die noch am Baume sitzenden welken Blätter förmlich herunterregnen, die Blätter aber, die sich eine noch einigermaßen grüne Frische bewahrt haben, hängen eigentümlich schlaff und zusammengerollt; auch ihre Kraft und Widerstandsfähigkeit haben nunmehr die Nachtfröste vollends gebrochen. Man kann diese täglich rapid fortschreitende Ver- änderung in der Natur besonders gut beobachten, wenn man das Aussehen der Parkanlagen von Sonntag zu Sonntag mit- einander vergleicht._ Herr v. Jagow studiert in London. Amtlich wird berichtet:„Der Polizeipräsident von Verlin Herr v. Jagow ist gestern abend in Begleitung mehrerer Herren zum Studium des englischen Verkehrswesens nach London abgereist." Es ist etwas Eigenartiges mit unserer Polizei: Fast alle Borgänger des Herrn Polizeipräsidenten sind zu gleichem Zwecke wie Herr v. Jagow nach London gefahren und nicht nur die Präsidenten. Auch andere Verkehrsbcamten sind in London gewesen, selbst ein Minister des Innern war drüben. Es sind auch einige Verbcsserungen im Straßenverkehr erfolgt. aber durchgreifender Natur waren sie nicht. Es muß deshalb fortgesetzt weiter studiert werden, und zu diesem Zivccke ist nun auch Herr v. Jagow nach London gefahren. Ob er endlich den Stein der Weisen finden wird? Vielleicht benutzt Herr v. Jagow die Gelegenheit, sich auch an Ort und Stelle über die großen Massenmeetings zu orientieren und sich außerdem über das Verhältnis der Londoner Polizei zum Publikum und zur Presse zu tnsor- mieren._ DaS Ende der Flugwoche. Das gute Wetter war diesmal den Fliegern treu geblieben und damit war denn auch für Sonntag, dem letzten Flngtag, die unent« behrliche Voraussetzung schöner Leistungen gegeben. Es wäre auch zu ärgerlich gewesen, wenn die Zehntausends, die sich am Sonntag auf dem Flugfelde eingefunden hatten, enttäuscht worden wären. In der ersten Stunde, w der noch eine frische Ostlust wehte, Vlied es zwar recht still, aber kurz vor 4 Uhr begann denn der gewohnte lebbaste Betrieb. I e a n n i n zwar, der ja Lindpaintner doch nicht mehr den ersten Preis entreißen konnte, andererseits aber seines VorsprungS wegen des zweiten Preises sicher war. beteiligte sich nicht mehr an der Konkurrenz, dagegen unternahm Lindpaintner noch ein» mal einen schönen Flug von mehr als einer Stunde Dauer, bei dem er bbO Meter Höhe erreichte. Und da auch WinczierS, der tags zuvor nach den Aufzeichnungen des Barographen zu 1b60 Meter Höhe aufgestiegen war, gleichfalls auf seinen wohlverdienten Lor» beeren ausruhte— er begnügte sich, nachdem er aus dem Luftwege in 300 Meter Höhe kurz vor 3 Uhr von Kleinbeeren herüber« gekommen war, mit einem hübschen Schaufluge von kurzer Dauer— füllte Alfred Frey in dankenswerter Weise die Lücke durch einen schönen Höhenflug aus, der ihn auf 890 Meter emporführte. Sollte es wahr sein, dah Frey, der schon einmal der Aviatik den Rücken kehren wollte, nunmehr wirklich dem Flugsport Valet sagen wollte, so wäre das ein bedauerlicher Verlust, gehört doch Frey jedenfalls zur ersten Klafle unserer Flieger. Besonders schöne Flüge führte auch wieder I l l n e r mit seinem Eindecker„Taube* auS, indem er in 400 Merer Höhe Kreise von erstaunlich kleinem Durchmefler beschrieb. Da sich auch die Flieger zweiten Ranges lebhast beteiligten, bot auch der Schlichlag der Flugwoche ein buntes und interessantes Schauspiel. Ueberhaupt war die ganze Veranstaltung ein großer Erfolg, der erste, den die deutsche Aviatik zu verzeichnen hatte. Hoffentlich geht eS nun ernstlich vorwärts mit dem bei uns allzu» lange als Stiefkind behandelten jüngeren, aber sicherlich ent- wickelungsfähigercn Zweige der Luftschiffahrt! Die Verteilung der Preise werden wir mitteilen, sobald offizielle Nachricht darüber vorliegt._ Ueberlandflitg Johannisthal— DSberitz. Gestern nachmittag sollten sechs Flieger— Lindpainter, Jean nin, Brunnhuber. Theten. Mente und I l l n e r— mit je einem Offizier als Passagier von Johannisthal nach Döberitz fliegen. Infolge des starken Ost- Windes erfolgte der Abflug erst kurz vor 5 Uhr. Vom Tempelhafer Felde aus konnte man gegen 5 Uhr mit einem guten Feldstecher zuerst Jllner mit seinem famosen Eindecker „Tanbe" von Britz her über Mariendorf, Steglitz. Dahlem in 5— Ml) Meter Höhe Döberitz zustreben sehen. Zehn Minuten später kamen zwei Farman-Apparate in Sicht, die dicht hinter- einander gleichfalls in bedeutender Höhe denselben Weg nahmen. Es war ein prächtiges Bild, die schwarzen Silhouetten der Flngmaschinen in dem Abendrot dahinziehen zu sehen. bis sie im Westen entschwanden. Nach Meldungen aus Döberitz waren die beiden Farman- Piloten I e a n n i n und Brunnhuber. Alle drei Aero- plane landeten gegen 6 Uhr glücklich in Döberttz. Einen schaurigen Fund machte man vorgestern in einem Eisen- bahuwagen der Vorortstrecke Berlin— Erkner. In einem Abteil dritter Klasse lag die Leiche eines neugeborenen Knaben, die in weißes und braunes Packpapier eingewickelt war. Nach dem Befund bat sie wahrscheinlich schon acht Tage irgendwo anders gelegen, bis die Mutter sich ihrer in dem Eisenbahnzug entledigte. Ein tödlicher Betriebsunfall hat sich am gestrigen Montagmorgcn in dem Wäsche-Verleihinstitut von Wilhelm Müller, Pappelallee 33. zugetragen. Bei dieser Firma war seit mehreren Jahren der SS- jährige Maschinist und Heizer Wilhelm Bruczynski aus der Wichert- straße ISS beschäftigt, der unter anderem auch die zum Antrieb der Betriebsanlage verwendete Dampfmaschine zu bedienen hatte. Gestern morgen kurz nach Beginn der Arbeit riß an dieser Maschine der Ucbertragungsriemen. B. versuchte die Transmission zu erneuern. ohne die Maschine abgestellt zu haben. Hierbei glitt er auS, geriet mit dem Oberkörper in das große Schwungrad und wurde mehrere Male herumgeschleudert, ehe die Maschine zum Stillstand gebracht werden konnte. Der Bedauernswerte war entsetzlich zugerichtet worden. Kopf, Brust und Arme waren ihm vollständig zennalmt worden, so daß der Tod auf der Stelle eingetreten war. Der Ber- unglückte hinterläßt eine Frau und zwei Kinder. Die Leiche wurde polizeilich beschlagnahmt und nach dem Schauhause gebracht. Zugentgleisung. Amtlich wird gemeldet: Am IS. d. MtS., abends 9 Uhr 83 Minuten, entgleisten veriuntlich infolge verzögerter Weichenstellung ans dem Bahnhos Ahrensfelde der Nebenbahn Berlin— Wriezen drei Personenwagen des Zuges 698. Die entgleisten Wagen wurden unerheblich beschädigt, Personen sind nicht verletzt. Das HauptgleiS war auf zirka sechs Stunden gesperrt. Der Personenverkehr wurde durch Umsteigen aufrechterholten. Bon Kraftdroschken überfahren und getötet. Vorgestern abend kurz vor 9 Uhr wurde ein 23 Jahre alte« Mädchen Roy auS der WilSnacker Straße 14 vor dem Hause Alt-Moabit 110 überfahren. Die Bernnglllckte wurde noch lebend nach dem Krankenhause Moabit gebracht, starb aber dort drei Stunden nach der Ausnahme. Gleichfalls von einer Kraftdroschke überfahren und getötet wurde in der vergangenen Nacht ein unbekannter Mann an der Ecke der Magazin- und Alexanderstraße. Nach Augenzeugen des Unfalles soll der Verunglückte ein Taubstummer sein, der am Grünen Weg wohnte.. Er ist ein mittelgroßer Mann von etwa SS Jahren, hat schwarzes Haar und Schnurrbart und trug einen grauen Jackett- anzug. Den Tod im Wasser suchte und fand am Sonntagmorgen eine unbekannte Frau, anscheinend eine Arbeiterin, die um 8 Uhr von der Torfbrllcke in den Nordhafen sprang. Die Leiche ist noch nicht gelandet. Die Selbstmörderin ist etwa 30 Jahre alt und trug ein schwarzes Kopftuch. Näher kann sie nicht beschrieben werden. Durch einen Sturz von der Treppe tödlich verunglückt ist in der Nacht zum Sonntag der b? Jahre alte Handelsmann Richard Schwarz, der in einem Gasthofe in der Landsberger Straße wohnte. Schwarz hausierte in Schankwirtschaften mit allerhand Waren und pflegte dabei viel zu trinken. In der Nacht zum Sonntag kam er um 2t/3 Uhr wieder betrunken nach Hause. Bauern, die in dem Gasthause ausspannten, sahen ihn noch über den Hof wanken, künimerten sich aber nicht weiter um ihn. Gestern morgen um 6 Uhr fand ihn ein Hausdiener mit gebrochenem Schädel tot auf dem Flur liegen. Ohne daß jemand etwas gehört hatte, war er die Treppe herunter gefallen. Eine Ehrung FranciSko FcrrrrS veranstaltete am Sonntag die Freireligiöse Gemeinde. Genosse Robert Seidel-Zürich, ein tüchtiger BolkSredner, hielt in einer von der Gemeinde nach der Brauerei Friedrichshain einberufenen öffentlichen Versammlung, einen der Be- deutung der Sache angemessenen Vortrag über:„Kirche, Schule und freie Erziehung*. In fein durchdachter Weise schilderte Redner das Abhängigkeitsverhältnis der alten Schule von der Kirche, legte dar, wie Schule und Wissenschaft von der Kirche bevormundet wird. Seidel übte scharfe Kritik an der Jugenderziehung, wie sie heute auch in Deutschland durch die Schule geübt wird und zeichnete klar und scharf die Grundsätze einer wirklichen Erziehung. Seine AuS- führnngen wurden stürmisch applaudiert. Wirkungsvoll sprach auch der zweite Referent, der Landtags- abgeordnete Genosse Adolf Hoffmann, der die Tätigkeit FranciSko FerrerS, der bekanntlich für die' freie Schule vor Jahresfrist in den Gräben von Montjuich sein Leben lassen mußte, in das hellste Licht rückte. Seine Ausführungen bewiesen, daß die Verhältnisse in Preußen- Deutschland gerade auf dem Gebiete der freien Jugend- erziehung mit denen Spaniens sehr gut in Parallele gestellt werden können. I Mit einem Schlußworte Taldeck ManasseS, mit denen jeder frei« denkende Arbeiter zum Austritt aus der Landeskirche und zum An- schluß an die Freireligiöse Gemeinde aufgefordert wurde, schloß die Versammlung. Am kommenden Donnerstag soll bei KellerS in der Koppen- straße eine weitere Versammlung stattfinden, in welcher Robert Seidel-Zürich und Ad. Hoffmann über die Schule der Zukunft, die freie Schule sprechen werden. Sportpark Treptow. Seit langem war die Besetzung der Rennen eine beffere als bisher, so daß man am Sonnlag. den 16. Oktober, dem Großen Herb st preis mit einiger Spannung entgegensah, zumal Demke sich letzthin in Treptow als tüchtiger Fahrer erwiesen. Der Verlauf des über S0 Kilometer führenden Rennens war in- dessen durch das Versagen der Motoren zweier Teilnehmer ein ganz interesseloser. Das Rennen wurde in leichter Weise von Scheuer- mann gewonnen, der dann auch noch für 40 und S0 Kilometer neue Bahnrekords aufstellen konnte. Miller sZürich) und Demke waren an der vollen Entfaltung ihrer Kräfte gehindert. Des Schweizers Motor setzte zuerst auS, als dann später Demke voni gleichen Schicksal betroffen wurde. Da für beide Fahrer kein Ersatzmotor zur Stelle, so umkreisten sie allein die Bahn und endeten weit zurück.— Die Fliegerrennen waren stark besetzt und im Vor- gabefahren erwiesen sich die Vorgaben als zu hoch. Das Prämien- fahren wurde nach Kampf von Pawke gewonnen. Der Besuch war dank des herrlichen Herbsttages ein guter. Die Ergebnisse sind: Großer Herb st preis. S0 Kilometer. 1000, SSV und 300 M. 1. R. Scheuermann, 41 Min. S1�/z Sek.; 2. I. Miller. 6140 Meter; 3. Br. Demke, weit zurück. Vorgabefahren. 3000 Meter. 30, 20, 10 und v M. 1. Wabith, 2. Tschilpe, 3. Gehrke, 4. Birlholz. Prämie«fahren. 10 Kilometer. 20, IS und 10 M. Jede zweite Runde 3 M. 1. P a w k e, 13 Min. 36 Sek., 2. Finer, 3. Fr. Stellbrink. Berliner Bolks-Chor. Heute abend 8'/z Uhr findet im GeWerk- schaftshause als EinsührungSabend zu der am Montag, den 24. d. M.. stattfindenden Aufführung von LiSztS großem Chorwerk„Die heilige Elisabeth* ein Liszt-Abend statt. Mitwirkende: Frau Henriette Böhmer(Alt), Herr Fleck sKlavier), Herr königl. Kammersänger F. Kalweit(Tenor) und Herr Leo Kestenberg(Vortrag und Klavier). Eintritt 10 Pf. Zeugen gesucht. Personen, die am 6. Oktober, Mittwoch zu Donnerstag nacht gesehen haben, wie ein Mann in Moabit, Ecke Turm-Straße an der Straßenbahnhaltestelle umgefallen ist und sicki eine Gehirnerswülterung zugezogen hatte, dann mittels Droschke durch einen Schutzmann dem Krankenhonke Moabit zugeführt wurde, werden gebeten, ihre Adresse an Frau Klinke. Reichenberger Straße 10S, abzugeben. Der Berliner Arbeiter-Radfahrerverein veranstaltet am Sonn« abend, den 22. Oktober, zur Feier des sechsten Stiftungsfestes einen bunten Abend, an dem Margarete Walkotte als VortragSkünstlerin, Frau Jonas als Konzertsängerin und Frau Birnbaum als Biolin- Virtuosin mitwirkt. Rezitationen werden von Herrn v. Ferrari auS- geführt werden. Die Mitglieder werden besonders aus die Gratis- Verlosung eines Fahrrades aufmerksam gemacht. Das Fest findet in der Neuen Welt, Hasenheide 108/114 statt. Eintritt 6V Pf. Wegen eineS großen und sehr gefährlichen KellerbrandeS wurde die Feuerwehr nach der tzolzmarktstr. SS gerufen. Dort, auf dem Hofe der Speditionsfirma von Jacob»>. Valentin, brannten im Sonterrain, das als Pferdestall eingerichtet ist, eine Menge von altem HauSrat, Decken usw. unter großer Oualmentwickelung. Diese gefährdete die dort eingestellten 70 Pferde. Die Feuerwehr machte sofort Lust und holte sämtliche Pferde mit vieler Mühe heraus. Die Flammen konnten dann schnell gelöscht werden. Am Sonntag erfolgte ein Alarm nach der„Lindengallerie*. Unter den Linden 17/l8. Hier war in Abwesenheit des Heizers ein Rohr am Heiz- körper in der Kesselfeuerung geplatzt. Die Feuerwehr löschte zunächst die Kesselfeuerung und dichtete dann die Heizkörper ab. Vorort- JVacfmcbtcm Charlottendnrg. Eine wichtige, allgemein interessierend» kommunalpolitische Frage wird die Stadtverordnetenversammlung am nächste» Mittwoch be- schästigen. Im ersten Bezirk der dritten Wählerabteilung war der der liberalen Fraktion angehörige Kaufmann Vogel zum Stadt- verordneten für die Zeit vom 1. Januar 1908 bis zum 31. De- zember 1913 gewählt. Zu Beginn dieses Jahre? ist Herr Vogel unter Hinterlassung einer reichlichen Schuldenlast plötzlich ver- schwunden; über sein Vermögen wurde Konkurs eröffnet, und der Magistrat teilte der Stadtverordnetenversammlung mit, daß gemäß Z 18 der Slädteordnung sein Bürgerrecht und damit auch das Stadt- verordnetenmandat bis zur Beendigung des Konkurses ruht. An eine Beendigung des Konkurses aber ist vorläufig nicht zu denken. ES entsteht nun die Frage, ob das Mandat nur ruht oder ob es erloschen ist und eine Ersatzwahl angeordnet werden muß. Der Magistrat hat sich für die zweite Evenwalität entschieden. Unsere? ErachtenS mit Recht. Denn erstens ist Vogel mit seinen Steuern seit Januar im Rückstand geblieben, er hat also nach der bekannten Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 12. November 1907, wonach derjenige des Bürgerrechts ver- lustig ist, der mit der Zahlung eineS oder mehrerer im Laufe des letzten JahreS fällig gewordenen Abgabenbeiträge sich im Rückstände befindet, kein Bürgerrecht mehr. Dazu kommt zweitens, daß seine Ehefrau ihn als unbekannt verzogen polizeilich abgemeldet hat, und daß sein Wiedererscheinen in absehbarer Zeit zweifelhast ist. Er wird steckbrieflich verfolgt und kehrt freiwillig jedenfalls nicht nach Deutschland zurück. AuS allen diesen Gründen hat der Magistrat eine Ersatzwahl angeordnet. VorauSstchllich wird die Stadt- verordnetenversammlung sich der RechtSauffassung deS Magistrats anschließen. Nebenbei bemerkt: WaS hätte wohl die bürgerliche Preßmeute für ein Geheul angestimmt, wenn Vogel Sozialdemokrat und nicht steisinnige BezirksvereinSgröße wäre? Ein schwerer Bauunfall hat sich in Charlottenburg ereignet. In der Kaiserin-Augusta-Allee wird gegenwärtig ein Neubau aufgeführt, an dem auch der 4öjährige Arbeiter Perschki aus der Kanalstr. 1 beschäftigt war. P., der in der Höhe der zweiten Etage beschäftigt war, trat plötzlich fehl und stürzte kopfüber in die Tiefe. Unglücklicherweise fiel er gerade auf einen aus einem Balken heraus- ragenden großen Nagel, der ihm tief in die linke Brustseite drang. Der Verunglückte wurde so schwer verletzt, daß er aus seiner Wohnung, wohin er zunächst geschafft worden war, alsbald nach dem Charlottenburger Krankenhause übergeführt werden mußte. Rixdorf. Die bevorstehenden Kämpfe zu den Stadtverordnetenwahlen beginnen bereits ihre Schatten zu werfen. Die vereinigten Kommunal, und Grundbesitzervereine haben ein Flugblatt ver- breiten lassen, das an Verdrehung der Tatsachen soviel leistet, als ob cS von dem Reichs— wahrheitS— verbände zusammen- gesch— rieben ist. Wir würden dieses Lügengewebe keiner Erwäh- nung tun, wenn nicht— ohne eS zu wollen— der Sozialdemokratie ein ehrenvolles Zeugnis für ihre Tätigkeit im Rathause ausgestellt würde. Alle großen und bedeutungsvollen Vorlagen und Anträge, die durch die energische Tätigkeit der sozialdemokratischen Stadt- verordnetenfraktion angeregt und beschlossen wurden, bezeichnet das Flugblatt als Taten der Vertreter der bürgerlichen Vereine. Wie sehr die Tatsachen in dem Pamphlet auf den Kopf gestellt werden, mögen einige Beispiele zeigen. Kühn wird darin be- hauptet: durch ihre Tätigkeit(der Vertreter der bürgerlichen Ver» eine) seien soziale Institutionen u. a. derunentgeltlicheAr» bkitSnachwe i s pingeriAtet. Dies» ßipri�tunß �ätte niKt « durchgeführt werden können, wenn die Sozialdemokratie nicht dafür gestimmt hätte. War eS doch gerade die„Alte bürgerliche Fraktion*. die unter Führung des Herrn Gröpler mit allen Mitteln da- gegen ankämpfte, ja sogar zur Obstruktion griff, um den städttschen Arbeitsnachweis zu Fall zu bringen. Die Einrichtung der Brausebäder in den Schuler soll nach ihrer eigenen Be» hauptung das Werk der Vertreter der bürgerlichen Vereine sein. Die sozialdemokratische Fraktion war es. die ständig bei jedem Schulneubau einen dahingehenden Antrag stellte, der aber abge- lehnt wurde. Wis jetzt ist nur das Schulbrausebad in der Schule in der Boddinstraße in Betrieb. Und dieses wurde mit nur einer Stimme Mehrheit beschlossen. Geschlossen stimmte nur die Sozial- demokratie dafün Einer der Führer der Bürgerlichen erklärte bei der Beratung des Antrages, die Einführung der Schulbrausebäder sei„eine Prämie für die Faulheit der Mütter*. Die Säug- lingsfürsorge soll angeblich auch den Vertretern des Bürger- tums zu verdanken sein. Auch hier erklärte der Sprecher des Bürgertums, er sei gegen die Vorlage,„wer Kinder zeugt, müsse auch für deren Ernährung sorgen". Die Glanzleistung in diesem Lügenragout ist jedoch die Behauptung: „Selbst belastet haben sich die bürgerlichen Kreise durch Annahme der Wertzuwachs st euer und der Erhöhung der Grund st euer auf 6 bezw. 3 pro Tausend des gemeinen Wertes*. Dem gegenüber stellen wir nur das Ab- Limmungsergcbnis. In namentlicher Abstimmung stimmten 32 Bürgerliche gegen die Wertzuwachssteuer, außer den Sozialdemo- kraten, die geschlossen dafür eintraten, stimmten nur 10 Vertreter des Bürgertums dafür. Genau so ist eS mit der Erhöhung der Grundsteuer. Die Vertreter der Grundbesitzervereine. 23 an der Zahl, stimmten gegen diese Steuer. So haben„sich die bürgerlichen Kreise selbst belastet". Die Früchte des Wahlrechts- raubes sind den WahlrechtSräubern nicht verlockend. Den Wählern muß daher Sand in die Augen gestreut werden, daß sie die Wahr- heit nicht erkennen,. Unsere Parteigenossen werden auf die Ver- drehungen die Antwort nicht schuldig bleiben. Zu einer anderen Betrachtung gibt dieses Flugblatt noch Ver- anlassung. Nach dem Preßgesetz müssen auf derartigen Erzeug- nissen Drucker und Verleger angegeben sein. Diese Angaben fehlen jedoch. Noch haben wir nicht gehört, daß die Polizei oder gar etwa der Satatsanwalt danach geforscht hat. Bei sozialdemo- kratischen Druckerzeugnissen, auf denen diese Angaben fehlen, hätten die Behörden sicher ein größeres Interesse bewiesen, um zu ermitteln, wer als Drucker und Verleger in Fr�ge kommt. Zeugen gesucht. In der Nacht znm 1. Oktober um 1—'/,2 Uhr wurden in der Weserstraße zwischen IReulerplay und Ecke Pannier« straße zwei Herren von Schutzleuten verfolgt. EiwaS später sahen sich zwei andere Herren gleichfalls von denselben Schutzleuten ver» folgt:»mer der Verfolgten wurde arretiert und zur Polizeiwache gebracht. Da es sich um eine wichtige Zeiigenfeststellung handelt, werden die betreffenden Herren ersucht, ihre Adresse an Wieland, Rixdorf, Weserstr. 200, gelangen zu lassen. Wilmersdorf. Aus LicbeSgrmn unternahm am Sonntag die 17iZhriae Verkäuferin Irma E. aus der Ringbahnstraße einen Selbstmordversuch, der ihr wahrscheinlich auch das Leben kosten wird. DaS junge Mädchen unterhielt seit längerer Zeit mit einem Kaufmann em Liebesverhältnis, das in den letzten Wochen infolge Differenzen zwischen den Liebenden eine erhebliche Trübung erfahren hatte. Auch am Sonnabend geriet die E. mit ihrem Bräutigam aus gering» fügiger Ursache in einen Wortwechsel. Vorgestern stürzte sich da« Mädchen, als es allein zu Hause war, aus einem Fenster de« dritten Etage aufdie Straße und erlitt so schwere inner« und äußere Verletzungen, daß eS in hoffnungslosem Zustande in das Groß-Lichterfelder Kreiskrankenhaus übergeführt werden mußte. Steglitz. Die ErgänzungSwahl zur Generalversammlung der Ortskranken» lasse findet morgen, nachmittags von 5—8 Uhr, im Restaurant „Hohenzollern", Mittelstr. 23, statt. Pflicht eineS jeden Kassen- Mitgliedes ist eS, sich an der Wahl zu beteiligen. Wahlberechtigt sind alle männlichen und weiblichen Kasseimiitglieder, die daS 21. Jahr überschritten haben. Als Legitimation gilt die Mitglieds- karte. Wer eine solche nicht hat, lasse fich vom Arbeitgeber be- scheinigen, daß er Mitglied der Kasse ist. Britz-Buckow. Die Generalversammlung beS WahlverelnS ehrke zunächst das Andenken des verstorbenen Genossen Krause in der üblichen Weise. Hierauf erstattete Genosse Zubeil den Bericht vom Magdeburger Parteitag und vom Internationalen Kongreß. Diskussion über den mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrag fand nicht statt. Ein- stimmig erklärte sich die Generalversammlung mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden. Dem hierauf folgenden Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl von 326 auf 341 gestiegen ist. Die Einnahme betrug 536,93 M., an den KreiS abgeliefert wurden 367,96 M.; die örtlichen Ausgaben betrugen 178,97 M. Ein Antrag, der Bibliothek. 20 M. zu überweisen, wirtz einstimmig angenommen. Borsigwalde-Wittenau. Aus einem kombinierten BezirkS-Zahlaiend, der außerordentlich gut besucht war. erstattete die Genossin M. A r e n d s ee- Tegel den Bericht vom Parteitag. In der Diskussion sprachen die Genossen Liebelt und Gutheit ihre volle Befriedigung über den Ber« lauf der Tagung aus und forderten die Beliammeiien auf, im Sinne der gefaßten Belchlllsse zu agitieren. Eine Resolution, die sich mit den Beschlüssen deS Parteitages und der Haltung der Kreis« delegierten einverstanden erklärt, wurde einstimmig angenommen. Unter Bereinsangelegenheiten fand der Antrag des Kreises an die Verbandsgeneralversammlung, den monatlichen Mitgliederbeitrag für Männer auf 40 Pf., für Frauen ans 20 Pf. festzusetzen, all- seitige Zustimmung. Zum Schluß wurden die Versammelten aufgefordert, mehr wie bisher an den Bildungsbestrebungen teil« zunehmen und die Jugendbewegung energischer zu fördem. Neu aufgenommen wurden zehn Mitglieder. Bernau. In der WahlvereinSversammlung wurde der Bericht über den Parteilag in Magdeburg, den Genosse. B ü h le r erstattete, mit Bei- fall entgegengenommen. In der Diskussion äußerten sich die Ge- nossen Knöschke, Krüger und TroppenS im Sinne des Referenten. Die Versammlung erklärte sich mit der Haltung der Delegierten des Kreises auf dein Parteitage einverstanden. Zossen. Die letzte WahlvereinSversammlung beschäftigte fich zunächst mit dem Bericht vom Magdeburger Parteitag. Genosse Will- Charlottenburg schilderte in anschaulicher Weise die ParteitagSver- Handlungen. Dw Versammlung erklärte sich mit den Parteitags- beschlüssen einverstanden.— Den Kassenbericht gab Gen. Keimling. An den Zentralvorstand wurden 86 M. abgeführt. Unter Ver- schiedenem wurde vom Gen. Wißmann darauf hingewiesen, daß die Lokalkommission von dem Saalbesitzer Korn(Restaurant„Hohen- zollern") in höchst unpassender Weise beschieden worden sei. Nach längerer Debatte wurde der Boykott über das betreffende Lokal ver- hängt. Des weiteren wurde zu einem besseren Besuch des Partes, lokals aufgefordert. Aufgenommen wurden 4 neue Mitglieder« Spauda». Die Arbeiter-Samartterkolonae Spandan veranstaltet am Mit» woch, den 19. d. M.. abends ö'/, Uhr bei Böhl«. Havelstr. 20. Eine Betition des Bürgervereins an die Gemeindeverwaltung verlangt die Herauslaffung des Kinderspielplates aus dem jezt in der Anlage begriffenen großen Schmuckplaß im neuen Orts teil. Als Begründung wird die Verunzierung der Anlage angeführt. Die Verwaltung war berständig genug, dieser etwas sonderbaren Anficht nicht beizutreten. Potsdam. -enen ebung sabenb. in rat wird einen Vortrag halten| Seidelberg- dem einzigen über diefen Fall vorliegenden Urteil- hatte, um durch deren Betrieb sich zu ernähren. Das Geschäft ging über: Blutstillung, Wundenbehandlung usw. Gäste haben freien welches in dem erwähnten Sinn entschieden hat. Zum Beweise dafür, jedoch schlecht. Da er noch nicht 21 Jahre alt ist, konnte er die Zutritt. daß der„ Courier" Anzeigen überhaupt nicht aufnimmt, fonnte sich Führung des Autos nicht selbst übernehmen, mußte sich vielmehr Ober- Schöneweide. der Verteidiger auf das Zeugnis Berners, des Vorsitzenden der zwei Fahrer halten. Dazu tam, daß das Benzin teurer wurde, ebenso der Gummi furz, der Angeflagte geriet in Schulden und Berliner Mitgliedschaft des Transportarbeiterverbandes beziehen. wußte schließlich nicht mehr ein noch aus. Als er einem Freunde Dieſer fagte aus: Der" Courier" nahm früher Inferate auf. Aber feine Not flagte, hörte die Frida diese Klagen und flugs stieg in im Jahre 1903 hat die Generalversammlung des Verbandes aus ihr der Gedanke auf, daß es das beste wäre, wenn drücklich beschlossen, daß der„ Courier" außer dem redaktionellen iie beide gemeinschaftlich aus dem Leben schieden. Lesestoff nur offizielle Mitteilungen des Vorstandes, sonst aber Diesen unreifen, findlichen Gedanken verfocht sie vor ihrem feinerlei Anzeigen, auch keine Inserate zu veröffentlichen hat. Geliebten so lange, bis dieser schließlich einwilligte. Das Pärchen Das Gericht schloß sich den vom Verteidiger kaufte sich einen Revolver und bestimmte Sonnabend, den 25. Juni, Es sprach den An- zur Ausführung des Doppelfelbstmordes. In ein kleines Notizbuch Aus der Stadtverordnetenversammlung. Durch das preußische borgefchlagenen Gründen an. Gesetz über die Wohnungsgeldzuschüsse erhöhen sich die Zuschüsse für geflagten frei mit der Begründung: Ms Drudschriften, welche trugen sie Adschiedsworte an ihre Eltern ein, ferner ihren„ legten Willen", den Wunsch, daß sie gemeinschaftlich begraben werden Botsdam für Oberlehrer von 880 auf 920 M., für Gemeindeichul- Anzeigen aufnehmen, find solche Druckschriften zu verstehen, möchten und die Bitte, ihr gemeinsames Grab mit einem Erinne lehrerinnen von 430 auf 470 M. Die entstehende Mehrausgabe von zu deren Geschäftsgewohnheit es gehört, Anzeigen gegen Berungskreuz zu schmücken. Am 25. Juni abends tamen beide in 4495 M. wird bewilligt, dabei wird auch den einstweilig angestellten zahlung aufzunehmen. Das tut aber der„ Courier" nicht, das Restaurant Feldschlößchen" in Steglitz und bereiteten sich Lehrern und den unverheirateten Lehrern der Mietszuschuß von also fann§ 10 des Preßgefeges auf ihn nicht angewandt werden. dort zum Abschied vom Leben vor. Das Mädchen hatte den 435 auf 470 M. erhöht. Für das Elektrizitätswert, dem bereits Der" Courier" ist durch Generalversammlungsbeschluß an der Auf- Angeklagten dazu verpflichtet, zunächst sie und dann sich zu er 10 Vororte angeschlossen find Verhandlungen mit 6 Gemeinden nahme von Anzeigen gehindert. schweben noch soll ein elektrisches Automobil für schnelle Reparaturen folgende Praxis auch beobachtet. Er hat die aus diesem Beschluß schießen und der Angeklagte hatte sich durch die eindringlichen Bitten Es kann dahingestellt bleiben, ob des Mädchens dazu verstanden, ihrem Willen zu entsprechen; am Leitungsnetz usw. zum Preise von 6000 M. angeschafft sie hatte gedroht, daß sie andernfalls ihn zuerst erschießen würde. Das Pärchen trant zunächst Weißbier und ging dann unter dem Vorgeben, sich etwas abfühlen zu wollen, in den Garten. Hier füßten fie fich zum Abschied und gingen dann ans Wert. Das Mädchen sezte sich, wie der Angeklagte glaubhaft erzählte, den Ne volver an die linke Schläfe und forderte den Angeklagten auf, auf die von ihr bezeichnete Stelle loszuschießen. Gleich darauf In einer Berhandlung, die gestern vor dem Schöffen- frachten zwei Schüsse: Richter hatte dem Mädchen eine gericht Berlin- Mitte gegen den Schmied Bettin geführt Rugel in die linke und sich selbst eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen. Die beiden schwerverwundeten jungen zwei Zeugen, der Schmiedemeister wurde, bekundeten Leute wurden nach dem Lichterfelder Kreiskrankenhause überSchröder und der arbeitswillige Schmiedegefelle geführt, wo die Frida Präger nach zwei Tagen Kämpf folgendes: Der Angeflagte Bettin fam in Begleitung ber star 6. Richter ist mit dem dem Leben davongekommen, mehrerer Streifender auf den Hof des Schmiedemeisters Schröder. bei ihm hat jedoch die Seugel den Sehnerb des rechten Die Streifenden fuchten Kämpf, der bis zu jener Beit mitgestreift Auges getroffen und der unglückselige Mensch ist auf dem hatte, zur erneuten Teilnahme am Streit zu überreden. Kämpf rechten Auge völlig erblindet. Das Gericht glaubte weigerte fich. Es wurde hin und her geredet und im dem Angeklagten, daß das sehr energische Mädchen bestimmend auf Laufe der Auseinandersetzung sagte Bettin, wenn Kämpf die ihn eingewirkt habe. Unter Berücksichtigung der ganzen Sachlage Arbeit nicht niederlege, dann möge er sich vorsehen, daß glaubte das Gericht, über das Windesisſtrafmaß von drei Jahren ihm nicht die Knochen entzweigeschlagen werden. Gefängnis nicht hinausgehen zu sollen. Dem Augeflagten dieser Auseinanderfegungen erschien Meister Schröder, fragte die Strafe angerechnet. Während wurden auch noch 2 Monate 2 Wochen der Untersuchungshaft auf was los sei und forderte die Streifenden auf, den Hof zu berlassen. Als sie nicht sogleich gingen, ergriff der Meister eine wuchtige Diese wichen zurüd, tehrten aber nochmals um, und nun erschienen Stange und machte Miene, die Streifenden damit zu schlagen. Schuleute, welche die Meisterin telephonisch berbeigerufen hatte. Beim Erscheinen der Polizei berließen die Streifenden den Hof des Meisters Schröder. werden. Die katholische Pfarrgemeinde hat ein Benutzungsrecht an die beiden Beispiele, aus denen die Staatsanwaltschaft folgert, daß den Saal der katholischen Schule, auch ist die Benutzung des Saales der„ Courier" Anzeigen aufnehme, wirklich als Anzeigen zu betrachten für andere als Schulzwecke von der Zustimmung des fatholischen sind. Die Straffammer steht auf dem Standpunkt des Stengleinschen Pfarrers abhängig. Das Benutzungsrecht wird durch Zahlung von Kommentars zum Breßgesetz. 2600 M. an die Kirchengemeinde abgelöst. Bei Neubewilligungen für die Präparandenanstalt wird die Befürchtung ausgesprochen, daß die Anstalt verlegt werden solle. Dazu wird erklärt, daß an eine Verlegung nicht gedacht werde. Dem Verein Jugendheim", unter Leitung der Stadtmission, wird ein einmaliger Beitrag von 1150 m. ( Erlaß der Umsatzsteuer) als Unterstügung gewährt. In der nichtöffentlichen Sigung beschäftigten sich die Stadtväter mit einem weiteren Erlaß der Umsatzsteuer. Gerichts- Zeitung. Eine preßgefehliche Prinzipienfache Streifjustiz. Amtlicher Marktbericht der städtischen Martthallen Direktion über Marktlage: Fleisch. nügend, Geschäft nicht lebhaft genug, Preise unverändert. Geflügel: den Großhandel in den Zentral- Marktballen. Zufuhr start, Geschäft schleppend, Preise unverändert. Wild: Bufuhr ge Bufubr in Gänsen reichlich, sonst knapp, Geschäft schleppend, Breise schwankend. Fische: Zufuhr tnapp, Geschäft ziemlich lebhaft, Breise menig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Preise un verändert. Gemüse, Dbf und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Witterungsübersicht vom 17. Oftober 1910, morgens 8 Uhr. Dieser Vorgang gab die Grundlage einer Anklage gegen Geschäft flau, Preise wenig verändert. Bettin. Die Anflage lautet auf gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch, Beleidigung und aus der sicherlich nicht ernft gemeinten Redensart, der Arbeitswillige möge sich borsehen, daß ihm nicht die Knochen entzweigeschlagen werden, hat die Anflagebehörde eine Bedrohung mit dem Verbrechen des Stationen Totschlags fonstruiert und demzufolge auch wegen Nötigung und Bergehen gegen§ 158 der Gewerbeordnung Anklage gegen Bettin erhoben. Barometer Stand mm Bind richtung Windstärke Better Temp. n. C. 6..= 4A. hatte gestern die achte Straffammer des Landgerichts I zu entscheiden und zwar aus folgendem Anlaß: In einer Privat beleidigungsflage Rohlmann gegen Schumann hatte das Ge richt dem Kläger Kohlmann die Befugnis zugesprochen, den Urteils tenor auf seine Kosten im Courier", dem Organ des Transportarbeiterverbandes veröffentlichen zu lassen. Als Kohlmann die Beröffentlichung berlangte, Iehnte der Redakteur des Courier dieselbe ab, weil der„ Courier" Anzeigen und Inserate gegen Bezahlung überhaupt nicht aufnimmt. Kohi mann wandte sich nun an das Amtsgericht Lichtenberg. welches das Urteil in der Privatflage gefällt hatte. Das Amtsgericht verfügte, der„ Courier" habe den Urteilstenor zu beröffent. lichen. Eine Beschwerde gegen diefe amtsgerichtliche Verfügung wies das Landgericht III ab. Der Redakteur des Courier", dem es um eine prinzipielle Entscheidung zu tun war, lehnte auch jetzt die Veröffent lichung ab. Nun lettete die Staatsanwaltschaft ein Straf verfahren gegen zwei Personen ein, die zu verschiedenen Zeiten den Courier" verantwortlich gezeichnet hatten. Da bei Einleitung des Verfahrens die Staatsanwaltschaft nicht sicher war, wer von den Der Angeklagte bestritt, Swinembe 771 SSD 2 Nebel beiden Redakteuren als der Schuldige" anzusehen sei, so wollte sie daß sich der Hergang so abgespielt habe, wie die beiden Beugen an- ambung 769 DSD 5 Rebel fich auf alle Fälle einen Schuldigen sichern, damit nicht, falls gegeben hatten. Er beantragte, noch weitere Beugen ranta M. 768 NO Berlin der eine freigesprochen werden sollte, für den anderen zu laden, welche dem Vorgang beigewohnt hatten und befunden Münden inzwischen Verjährung eingetreten wäre. Diese Suche nach sollten, daß der Angeklagte sogleich nach der ersten Aufforderung Bien 770 Still dem preßgefeßlich verantwortlichen Täter ist inzwischen in des Schmiedemeisters den Hof verlassen habe. dem Sinne entschieden worden, daß Brüschke als Das Gericht war der Meinung, daß der Sachverhalt durch Angeklagter in den Händen der Staatsanwaltschaft allein zurückblieb. die Angaben der beiden Belastungszeugen hinreichend flar gestellt mild bei schwachen füdöstlichen Winden. Die Anklage gegen Brüschte ist auf Grund des§ 10 des Preß sei. Der Angeklagte wurde, wie der Amtsanwalt beantragt gefezes erhoben, welcher bestimmt, daß der verantwortliche Re hatte, wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruch, batteur einer periodischen Druckschrift, welche Anzeigen aufnimmt, berfuchter Rötigung, Beleidigung und Bergehen berpflichtet ist, die ihm von öffentlichen Behörden mitgeteilten amt- gegen§ 158 au drei Wochen Gefängnis verurteilt. lichen Bekanntmachungen auf deren Verlangen gegen Zahlung der üblichen Einrüdungsgebühr in eine der beiden nächsten Nummern Schwere Weltschmerzfolgen. 770 D 769 S 6 Stationen Barometer Stanb mm ind richtung Bindflärte Haparanda 763 Better 2 wolfig 6 Petersburg 771 WSW 1 heiter 6 Scilly berbeen 3 Baris 2 heiter 1 molfenl 1 Nebel Dunst 4 5 Temp. n. 6. 7c3284 B 761 N 4 bededt 12 763 SSW 1wollig 766 SSD 1 bedeckt Wetterprognose für Dienstag, den 18. Oftober 1910. Beitweise nebelig, vorwiegend heiter und troden, nachts fühl, am Tage Berliner Wetterbureau. Wafferstands- Nachrichten der Landesanstalt für Gewässerfunde, mitgeteilt vom Berliner Welterbureau. Bafferstand Strossen am Teit am feit 16.10. 15.10. cm cm) Bafferftand 16.10. 14.10. cm cm³) 116 +-6 +2 78 0 176 -7 222-14 Saale, Grochlig Havel, Spandau) 75 Rathenow³) 90 Spree, Spremberg') 96 78 -5 Beestow -158 Befer, Münden -98 0 26 -5 Minden -12 -2 Rhein, Marimiliansau 380 -14 3 Staub 185-5 54 -10 Köln 174 -5 -58 6 Nedar, Heilbronn 42 199 -13 Main, Wertheim 121 Magdeburg 168 -12 Mosel, Trier 86 Fall.) Unterpegel. des Blattes aufzunehmen. Nachdem das Amtsgericht Lichtenberg Vor der 4. Straffammer des Landgerichts II stand gestern der das Verlangen, den Urteilstenor zu veröffentlichen, an die Redaktion 20 Jahre alte Chauffeur Mar Richter unter der Anklage, am Memel, Tuft des Courier" gestellt hat, wird dies Verlangen als eine behördliche 25. Juni in Steglig die 15jährige Frida Bräger auf deren a us- Bregel, Snsterburg-27 Bekanntmachung im Sinne des§ 10 des Preßgefeges angesehen. drückliches und ernstes verlangen getötet zu haben. eifel, Thorn Ober, Ratibor Das Schöffengericht hat Brüschte, weil er diese Bekannt. Der Angeflagte, der schon ein Verhältnis mit einem Dienstmädchen machung nicht aufnahm, zu einer Geldstrafe verurteilt. Infolge unterhielt, das ihm ein uneheliches Kind geboren hatte, war mit Frankfurt der Berufung Br schfes hatte gestern die 8. Straflammer über der Frida Präger aus Friedenau bekannt geworden. Es hatte sich Barthe, Schrimm zwischen beiden ein Liebesverhältnis entsponnen. Das Mädchen soll Landsberg die hier aufgerollte Rechtsfrage zu entscheiden. fehr intelligent und förperlich über ihr Alter hinaus entwidelt gewesen Rege, Bordamm Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfein. Sie war sehr finnlich und war schon wiederholt den Werbungen be, eitmeris feld, berief sich darauf, daß der„ Courier" nicht zu denjenigen junger Männer erlegen. Sie flagte dem jezigen Angeklagten Richter Drudschriften gehört, welche Anzeigen aufnehmen, so daß also der wiederbolt zu Unrecht über schlechte Behandlung seitens ihrer Mutter § 10 in diesem Falle gar nicht angewandt werden könne. Der Ver- und deren angebliche Absicht, sie in die Heilsarmee zu stecken. Nichter teidiger verwies auf ein rechtsträftiges Urteil des Amtsgerichts war Besizer einer Automobilbroschke, die er für 13 000 m. gekauft Dresden Barby + bedeutet Buchs, Elgenes RabattSystem! Sie sparen Geld! Verlangen Sle Marken! Lachmann& Scholz Turm- Str. 76- Otto- Str. 1 Wir geben bis 21. 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