Mr. 845. flbsnnementS'ßedlnguiwn: •nSmmemcnt«> PrciZ pränumerando i Licrtcljährl. 3,30 Wtt., nionatl. 1,10 Md. wöchcnllich 2« Pfg. frei ins Haus. Einzelne Numnier 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illuslrierler Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- tlbonncnicnt: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnements nchnicn an: Belgien. Dänemark, Holland. Italien. Luxemburg, Portugal. SiUlnanien, Schweden und die Schweiz. 87. Jahrg. vlchelül lsgiich auücr tnontigs. * f-, Vevliner Volksblakk. Die TnIcrttonS'Gcbübr beträgt für die sechsgespaltenc Kolonek- zeilc oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- lind Bcrsammlungs-Anzcigeii 30 Psg. „Klein« Anreisen", das erste tsett- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- flellen-Anzeigen das erste Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über Ib Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition itbgcgcbcn werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm-Adrcffe: „SozialdeiMlirat«Mi»-. Zentralorgan der rozialcUmokratifcben parte» Deutfcblands. Redaktions 8Al. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983« Mittwoch, den 19. Oktober 1910. Expedition: 8ÄI. 68, Lindcnstrasee 69« Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Die IProMamation der portugieiiichev Republik. (Von unserem F. R.-Korrespondenten.) Lissabon, den 14. Oktober. Wir hatten im vorigen Artikel gesagt, daß der erste Zusammenstoß der Revolutionäre — Soldaten und Zivilisten— mit den. Verteidigern der Monarchie mit einem glänzenden Siege der republikanischen Streitkräfte endete und wir hatten hinzugesetzt, daß ohne einen schweren�taktischen Fehler der Royalisten der erste republikanische Sieg gar wohl der letzte hätte sein können. Aus einer Reihe von Einzelheiten, die mir von Mit- kämpfern in den Reihen der Revolutionäre mitgeteilt worden sind, geht hervor, daß selbst dieser erste Sieg ohne die Un- geschicklichkeit ihrer Gegner zu einer Niederlage der Revolu- tionäre hätte werden können. In der Tat, als die Munizipalgarde(die königlichen Prätorianer) den Ausständischen den Weg zu verlegen suchte, hatten diese sich noch nicht organisiert. Es waren etwa 2000, darunter eine große Anzahl junger Leute aus dem Volke ohne Führer und ohne gemeinsamen Plan. Wenn in diesem Moment die Munizipalgarde sich mit aller Gewalt auf die Revolutionäre geworfen hätte, sie würden sie wahrscheinlich zersprengt haben. Aber anstatt dessen zerteilten sich die Prätorianer in Gruppen von 8 bis 10, als wenn es sich darum handelte, einen einfachen Volksauflauf zu zerstreuen. Sie glaubten, daß sie es mit schlecht bewaffneten Leuten zu tun hätten. Aber sie mußten gar bald sehen, daß die Leute, die sie ohne Waffen oder höchstens im Besitz eines Revolvers glaubten, eine ganze Anzahl Dynamitbomben zur Verfügung hatten. So tvurde die Munipalgarde, die seit jeher>vegen ihrer Brutalität und ihres provozierenden Auftretens verhaßt war, durch Bomben und Gewehrschüsse in die Flucht geschlagen und vollständig außer Gefecht gesetzt. Die Nachricht von dieser Niederlage ist zweifellos der Leiwng der königlichen Armee nur unvollkommen oder voll- ständig entstellt mitgeteilt worden. Denn die Herren des Generalstabes verwandten alle zu ihrer Verfügung stehenden Truppen zu ihrer eigenen Verteidigung, anstatt diese Streit- kräfte, etwa sechs Regiinenter. gegen die Revolutionäre zu schicken, um zu versuchen, diese zu umzingeln. Das ist der große Fehler der großen Lichter des General- stabes der portugiesischen Armee, ein Fehler, der den Re- volutionären erlaubt hat, sich zu formieren und ihren Reihen Festigkeit zu geben. Auch gewannen diese so die notwendige Zeit, um bei ihren weiteren Maßnahmen durch die Flotte unterstützt zu werden. Denn während die royalistischen Truppen den kostbaren Generalstab bewachten, brachten die republikanischen Matrosen die Besatzungen des„San Raphael" und des„Adamastor" zur Erhebung und schössen die Offiziere nieder, die nicht niitmachen wollten. An Bord des„Don Carlos" entwickelten sich die Dinge anders. Seine Besatzung war nicht vollständig und die Offiziere waren dort zu zahlreich, als daß man sie leicht hätte überwältigen können. So warfen sich die republikanischen Matrosen dieses Schiffes ins Wasser und kamen schwimmend zum„San Raphael" und„Adamastor". Auf dem„Don Carlos" blieben nur 4 Soldaten mit 26 Offizierem Sie wurden bald durch die revolutionären Streitkräfte der anderen beiden Kreuzer matt gesetzt und gezwungen, sich zu ergeben. Während man so an Bord der Kriegsschiffe arbeitete, verlor man am Lande keine Zeit. Die Soldaten, welche die Waffen- fabriken bewachten, beeilten sich, die Tore lveit zu öffnen und luden das Volk ein, nun einzudringen und sich mit dem Nötigen zu versehen. Bald war eine Kolonne von ungefähr 2000 Revolutionären gebildet. Sie drang vorwärts in der Richtung des Palacio das Necessidades zu dem Zwecke, die monarchistischen Truppen zu zwingen, sich auf die Verteidi- gung der königlichen Residenz zu beschränken. Sie nahmen einen mehrstündigen Kamps mit den Streitkräften des In- fanterieregiments Nr. 1 auf, das sich vor dem königlichen Palais beiand. Im Zentrum der Stadt in der Avenida da Liberdade schlug sich das Infanterieregiment Nr. 16 und das Artillerie- regiment Nr 1 mit den vom General Raphael Gorjao kom- mandierten Truppen, drei Regimentern, die in der Prasa de Dom Pedro IV aufgestellt waren und über einige Maschinen- gewehre verfügten. Das alles spielte in den ersten Morgenstunden des 5. Ok- tober. Die Revolutionäre schlugen sich mit Aufopferung und Todcsmut. Aber sie verloren Terrain. Man erwartete neue revolutionäre Streitkräfte, die indessen nicht kamen. Um diese Zeit hielten die wenigen Offiziere, die sich unter den Revolutionären befanden, einen Kriegsrat ab, um die Maßregeln zu bestimmen, die in dieser kritischen Situation zu ergreifen seien. Einstimmig beschlossen sie den Rückzug, der auch angetreten wurde. Wären sie verfolgt worden, fo wäre die Niederlage schrecklich und die Revolution gänzlich verloren gewesen. Ein Regiment Kavallerie, ein Regiment Artillerie und ein Regiment Infanterie umzingelten bereits die revolutio- nären Streitkräfte. Die Situation war wahrhaft verzweifelt. Noch ein Augenblick des Zögerns und alles war verloren. In diesem kritischen Moment wandte sich ein junger Offizier der Marineverwaltung, ein Mann, der noch niemals Truppen kommandiert hatte, der Schiffskommissär M a ch e d 0 d 0 s S a n t 0 s, an die Sergeanten und Korporale und fragte sie, ob sie bereit seien, sich seiner Führung anzuvertrauen. Er hielt eine kurze leidenschaftliche Anrede, die alle Kämpfer mächtig ergriff. Der Vorschlag wurde angenommen. Es war am Nachmittag des 5. Oktober, der denkwürdig bleiben wird in den Annalen der portugiesischen Geschichte. Mit wütender Entschlossenheit warf sich das republikanische Volk auf die Verteidiger des Thrones. Machago dos Santos hatte ihnen gesagt, daß sie sich nicht ergeben könnten, daß man siegen oder sterben müsse und die Revolutionäre erklärten sich bereit ihr Leben zu opfern. Ein schrecklicher Kampf Hub an gegen die drei Re- gimenter, die den revolutionären Truppen entgegengestellt wurden. Unaufhörlich versandten die Maschinengewehre, die in der Praca de Dom Pedro IV standen, ihre Geschosse. Die Entscheidung war ungewisser denn je. Plötzlich hört man, daß die 5lreuzer im Hafen drauf und dran sind, das königliche Palais zu bombardieren. Das war der Augenblick, um die Anstrengungen zu verdoppeln. Es geschah und der Sieg begann allen Kämpfern sicher zu er- scheinen. Ter Kampf dauerte noch die ganze Nacht. Endlich am Frsihmorgen des 6. Oktober zeigten die royalistischen Truppen die weiße Fahne und die Feindseligkeiten wurden sogleich eingestellt. Kurz vorher war gemeldet worden, daß die Kanonen des „San Raphael" und des„Adamastor" schwere Schäden dem königlichen Palast zugefügt hätten und daß der König selbst die Flucht ergriffen habe. „Es lebe die Republik!" rief Machado dos Santos. „Sie lebe!" antworteten aus vollem Herzen die Ne> volutionäre. Ein Thron war zusammengebrochen. Einige Minuten später wurde die portugiesische Republik auf dem Platze des Stadthauses proklamiert. Reformen. Lissabon, 1ö. Oktober. Der Ministerrat beschloß die Auf- Hebung des Adels außer des Geburtsadels sowie die Auf Hebung der Staatsorden mit Ausnahme des Staats- und SchWertordenS, die Verbannung der Königsfamilie die Abschaffung der Pairskammer und des Eides auf das Evangelium. Der neue Finanzminister RelvaS empfing den Korrespondenten der„Kölnischen Zeitung" zu einer längeren Unterredung und be stätigte seine früheren Mitteilungen, daß die republikanische Partei den Standpunkt vertrete, die Leistungen der heimischen Industrie seien zu schützen und die Einfuhr von Waren, vle nicht im Lande erzeugt Würden, dagegen zu erleichtern, und zwar so, daß auf un- verarbeitete Waren keine hohen Finanzzölle gelegt werden sollen. Das Schicksal des Königs. Lissabon, IS. Oktober. Ein Dekret über die Verbannung derFamilie Braganza ist vorbereitet. Die materielle Lage der Familie wird in angemessener Weise geregelt und ihre legitimen Rechte werden respektiert werden. Die Ermordung des Admirals Reis. Lissabon, 17. Oktober. Unter der Beschuldigung, den Admiral Candida Reis ermordet zu haben, find fünf Personen verhaftet worden. Die Anerkennung durch England. London, 18. Oktober. Die britische Regierung ermächtigte ihren Gesandten in Lissabon, offizielle Beziehungen mit der neuen Regierung anzuknüpfen. Diese Maßregel Wird in den nächsten Tagen von der offiziel.en Anerkennung der Republik 'mrch England gefolgt sein. Der Patriarch von Lissabon hat dem Justizminister brieflich mitgeteilt, daß er sich der Republik a n f ch l i e tz e. Für Fcrrcr. Paris, 18. Oktober.„Echo de Paris" berichtet, der Präsident der proviforischen Regierung in Lissabon, Braga, häbe am 13. Oktober an der Seite der spanischen Republikaner der F e r r e r- f e i e r in Lissabon beigewohnt, bei der scharfe Angriffe gegen die monarchische Rcgierungsform Spaniens gerichtet worden seien. Dies habe in Madrid große Verstimmung hervorgerufen. Unbekannten Aufenthaltes. Paris, 18. Oktober.„Figaro" meldet, daß mehrere Nummern seines Blattes, die an König Manuel bezW. an die Königin Maria Pia gesandt waren, gestern mit der von einem Lissaboner Postamt herrührenden Bemerkung:„A b g e r e i st ohne Adrcsscnangabe" zurückgekommen seien. vi« Scheu vor Laienrichtern. Am Dienstag begann die zweite Lesung der Justizgesetze in der Kommission mit der Beratung der Novelle zum Ge- richtsverfassungsgesetz. Von den Sozialdemokraten wurde beim tz 2 wieder der An- trag eingebracht, wonach die Zulassung zum Vor- bereitungsdienst nicht von der politischen Gesinnung, reli- giösen Anschauung oder finanziellen Lage des Nachfuchenden ab- hängig gemacht werden darf. Ein Zentrumsredner wendete sich mit der Begründung dagegen, daß die Bestimmungen über die Zulassung zum Borbereitungsdienst landesgesetzlich geregelt sind. � Man könne deswegen nicht durch die Rcichsgesetzgebung Aendc- rungen in dieser Beziehung vornehmen. Der Antrag wurde gegen die Stimmen unserer Genossen, der Freisinnigen und eines Polen abgelehnt. Ebenso wurden alle Anträge unserer Genossen, die auf eine vollständiger garantierte Unabhängigkeit der Richter hinzielten, gegen die sozialdemokratischen Stimmen abgelehnt. Hier und da stimmten auch die Freisinnigen und Polen für die sozial- demokratischen Anträge, aber die Mehrheit verhielt sich nicht nur ablehnend, sondern man versuchte auch gar nicht einmal, den fach- lichen, auf reiches Tatsachenmaterial sich stützenden Begründungen unserer Genossen mit irgendwelchen Entgegnungen oder Ab- schwächungen entgegenzutreten. Beinl tz 16 beantragten unsere Genossen, daß die Ausnahme- bestimmungen für Kriegsgerichte und Standrechte in diesem Paragraphen gestrichen Würden. Die Regierungsvcrtreter sprachen sich dagegen aus und gegen die sozialdemokratischen Stimmen wurde der Antrag unserer Genossen abgelehnt. Eine längere Debatte entspann sich sodann Wieder beim tz 23, 3. Hier hatte die Kommission in der ersten Lesung die Bestimmung gc- strichen, daß die Zuziehung von Schöffen bei der Aburteilung von Uebertretungen und Vergehen unterbleibt, die voraussichtlich mit keiner höheren Strafe als 30g M. Geldstrafe oder entsprechender Haft geahndet werden. Heut regten die Regicrungsvertreter an, die Regierungsvorlage wiederherzustellen und dem Einzclrichter zumindest alle Uebertrctungsfälle zu überweisen. Von den Konser- vativen und Nationalliberalen wurde diese„Anregung" sofort auf- gegriffen iftid zu einem Antrag verdichtet. Doch die Mehrheit der Kommission lehnte den Antrag ab; sie nahm aber einen Antrag Gröber an, daß alle Fälle des tz 361 Ziffer 3—8 dem Einzelrichter zur Aburteilung überwiesen werden können. Darunter fallen die Straftaten der Landstreicherei, Bettelei, Spielerei und des Mühig- gangs, der gewerbsmäßigen Anzucht, Arbeitsscheu und Obdachlosig» keit. Die Annahme dieses Antrages bedeutet nicht nur eine Ver- schlechterung de? Beschlusses erster Lesung, sondern diese Vc- stimmung schließt auch eine Verschlechterung des geltenden Rechts in sich, nach dem nur geständige Täter dieser Delikte dem Einzelrichter vorgeführt werden dürfen. Beim tz 69 beantragte Abg. Gröber, daß die richterlichen Geschäfte an den Landgerichten nur von ständig ange stell» ten Richtern wahrgenommen werden dürfen. Der Staats- sekretür L i s c 0 warnte vor der Annahme dieses Antrages, durch den die Rechtspflege auf Monate hinaus lahmgelegt werden würde. Seinem Kollegen im Reichsjustizamt kam noch der preußische Justizminister zu Hilfe, der die Befürchtung äußerte, daß es an den erforderlichen Richtern fehlen würde, um dem Antrage in der Praxis voll gerecht werden zu können. Ebenso wandte sich der Vertreter der preußischen Justizverwaltung gegen einen von unseren Genossen gestellten Antrag, nach dem Assessoren in Straf- fachen nicht als Richter beim Landgericht tätig sein dürfen. Hier sang der preußische Justizminister dem Assessor ein Loblied sonder- gleichen. Danach verfügt der Assessor nicht nur über das er» forderliche juristische Verständnis und die beruflichen Erfahrun- gen, sondern auch über eine reiche Fülle von praktischen Lebens» erfahrungen. Damit stehen freilich die kleinlichen und bevor- mundenden Maßnahmen der preußischen Justizverwaltung gegen Assessoren in krassem Widerspruch. In der Abstimmung wurden die Anträge abgelehnt. Dagegen stimmten außer den Konser- vativen, Nationalliberalcn, einigen Zentrumsabgcordnetcn auch die Freisinnigen. In bezug auf die Zusammensetzung der Straf» k a m m e r n beantragten unsere Genossen, die Strafkammer als erste Instanz aus einem Richter und vier Schöffen zu- sammenzusetzen.— Darauf gaben Staatssekretär L i s c 0 und der preußische Justizminister Erklärungen ab, daß durch die Veibehal- tung der Bestimmung, daß Schöffen auch als B e r u f u n g S r ich- t e r zugelassen sind, die ganze Strafprozeßreform für die Verbündeten Regierungen unannehmbar sein würde. Der Staatssekretär betonte, daß diese Erklärung das Resultat einer Beratung der Vertreter der meisten Bundes- regierungen sei.— Von den konservativen Abgg. G i e s e und Wagner wurde danach der Antrag auf Wiederher st el» lung der Regierungsvorlage eingebracht. Und als erster Redner erklärte ein Vertreter der Polen, daß jetzt die Polen>— im Gegensatz zu ihrer Haltung in der ersten Lesung— gegen die Hinzuziehung von Laien als Bcrufungsrichter stimmen würden. Begründend führte der polnische Redner aus, daß in politischen Prozessen Laienrichter gefährlicher seien als ein Berufsrichter. Da der Justizminister zu wiederholten Malen betonte, daß es namentlich in den östlichen Gegenden an dem erforderlichen Schöffenmaterial fehlen würde, wurde aus der Kommission der Wunsch geäußert, das Zahlenmaterial, auS dem sich diese An- nahmen des Ministers stützten, der Kommission vorzulegen. Darauf hielt ein anderer Regicrungsvertreter eine lange gewundene Rede, aus der sich nur das eine ergab, daß die Regierung weder das erforderliche Zahlenmaterial besitze und dasselbe auch vor einigen Wochen nicht beschaffen könnte. Auf eine Anfrage eines Zentrums- abgeordneten erklärte der Vertreter der bayerischen Regierung, daß dieselbe nach wie vor die Ansicht vertrete, daß auch Laien als Bcrufungsrichter zuzuziehen sind. Aber im Bundesrat st and die bayerische Regierung mit dieser Anschauung vollkommen allein. Nach längerer Debatte wurde in der Abstimmung die R e» gierungsvorlage mit 18 Stimmen wieder her» gestellt. Dafür stimmten außer den Konservativen, National- liberalen, den beiden Polen vom Zentrum: Sittard, Schwarz, Kirsch, Wellstein. Der Streik der franzonicbeo Sifen- bshiier beendet! Ein plötzlicher Umschwung. Paris, 13. Oktober. Die ausständigen Eisenbahnarbeiter hielten gestern abend Versammlungen ab, in denen die Fort- sctzung des Streiks beschlossen wurde. Zur allgemeinen Ueberraschung hat das Streikkomitee jedoch um 2 Uhr morgens folgende Note ausgegeben: Das Streikkomitee hat einstimmig veschkosscn, daß die Wieder- aufnähme der Arbeit Dienstag, den 18. Oktober, auf allen Eisenbahnlinien erfolgen soll. Das Streikkomitee beschloß weiter die sofortige Beröffentlichnng eines Manifestes, welches die Gründe für diesen Beschluß darlegt und die Eisenbahner auffordern wird, alle Maßnahme» zu ergreifen, um ihre Syndikatsorganisationeu zu erhalten«nd weiter auszubauen. Andererseits haben die Bahngesellschaften: Nord-, West-, Paris-Lyon, Mittelmeer- und Orleansbahn folgende Ver- fügung getroffen, alle Angestellten der Pariser Bahnhöfe, welche bis heute morgen die Arbeit nicht wieder aufgenommen haben werden, werden ihres Amtes enthoben und ersetzt werden. Das Manifest des Streikomitees. Paris, 18. Oktober.(Privattelegramm des „Vorwärt s".) Eisenbahner- und Lokomotivführer-Verband geben ein Manifest aus, worin sie sagen: So schmerzlich die Entscheidung sei, die Arbeit aufzunehmen, so sei sie doch die einzige, die dem gewerkschaftlichen Interesse selbst entspricht. Das Komitee zog eine bcdiiignngslose Rückkehr lügnerischen Verhandlungen vor, die nicht mehr ohne Erniedrigung fort- gesetzt werden konnten. Das Komitee wollte eine Rückkehr in guter Ordnung, damit die Organisation Lebenskraft und Disziplin beweise. Da die Negierung die Maßregelungen zu definitiven machen wollte und der Streik nicht mehr siegreich sein könne, wolle das Streikkomitee allein die Verantwortung tragen. Unter einer freien Regierung hätte der rein professionelle Streik Erfolg gehabt. Das Manifest protestiert gegen die Partei- nähme der Negierung und die Ungesetzlichkeiten, gegen die Verleumdungen der kapitalistischen Presse und die ver- räterische Teilnahmlosigkeit gewisser Parlamentarier. Trotz- dem habe die Organisation der Eisenbahner ihre Kraft bc- wiesen. Die Zukunft werde Durchsetzung der Forderungen bringen. Die Organisation sei einig und fest. Die Eisen- bahner werden der Hilfe der Konföderation und der ge- samten Arbeiterschaft eingedenk bleiben. Wir sind besiegt, nicht niedergeworfen. Auch die sozialistische Fraktion gibt ein Manifest aus. Den Vertretern der Eisenbahner habe man das Parlament verschlossen. I a u r ö s und P e l l e t a n protestierten da- gegen vergeblich bei V r i s s o n. Neue Verhaftungen. Paris, 13. Oktober. Das Mitglied des Verwaltungs- rates der Eisenbahner B i d a ni a n t wurde gestern nach- mittag beim Verlassen der Arbeitsbörse verhaftet. Er setzte seiner Verhaftung keinerlei Widerstand entgegen. In Lyon wurde die Verhaftung des Sekretärs des Nationalen Eisen- bahncrsyndikats C h a b r e t vorgenommen. «.' Zlristide Briands Jugendland. Paris, 16. Oktober.(Etz. Ber.) Die»Humanitö* veröffentlicht heute eine zeitgemäße Erinnerung. Es sind just 12 Jahre her, daß die„Petite RSpubligue', die damals ein sozialistisches Blatt war und jetzt Briands gesinnungslosester Preßköter ist, eine Resolution veröffentlichte, die folgenden Wort- laut hatte: „Die am 16. Oktober versammelten sozialistischen Organisatoren, Deputierten und ZeitungSredaktionen erklären, daß in den gegen- wärtigen verwirrten Zeitläuften, die die Republik durchzumachen hat, alle sozialistischen und revolutionären Kräfte einig und entschlossen, allen Ereigniffen die Stirn zu bieten. Die ganze sozialistische Partei protestiert gegen die Angriffe auf die Freiheit der Gewerkschaften und da? Streik recht»nd zählt, trotz der von den bürgerlichen Regierungen begangenen Fehler auf das gesamte Proletariat, um die Republik zu verteidigen. Sie wird der militaristischen Berschwörung nicht gestatten, die allzu spär- lichen republikanischen Freiheiten anzutasten und wird die Straße nicht der Reaktion und deren Gelvalttätigketten überlassen. Zu diesem Zwecke hat sie einen permanenten SicherheitSauS schütz, der alle organisierten Kräfte des Sozialismus repräsentiert, ins Leben gerufen.— Es lebe die soziale Republik!" Unter den Mitgliedern des SicherheitsausschusseZ, die diese Proklanration gezeichnet haben, befinden sich Briand, Mille- r a n d und V i v i a n i.— Der Leitartikel der„Petite Röpublique" vom selben Tage enthält den von Gaston C o g n i a r d, heute BriandS zu allem willfährigen Leibhusaren gezeichneten Ver- sammlungSbericht, aus dem hervorgeht, daß Briand im SicherheitS- ausschutz mit Cyroct, Vnlöry Pelerin und Pierre Bertrand die „Coalition rövolutionnaire", eine ausgesprochene anarchistische Gruppe repräsentierte. Es geschah namentlich auf BriandS Intervention, daß ber Protest gegen die Angriffe auf das Streikrccht in die Resolution aufgenommen wurde. Heute aber läßt derselbe Briand Leute ein- sperren, weil sie ihr zweifellos gesetzlich feststehendes Streik- recht ausüben und erklärt, mit einem Streikkomitee nicht zu ver- handeln._ politische Qcb erficht» Berlin, den 18. Oktober 1910. Die neue Verfassung für Elsast-Lothringen. Die preußische Negierung hat nach den Meldungen bürgerlicher Blätter endlich den Bundesstaaten den Grundriß des Verfassungsentwurfs für Elsaß-Lothringen mitgeteilt. Der Entwurf soll in zwei bis drei Wochen an das Plenum des Bundesrats gelangen, nachdem die Verhandlungen zwischen den Bundesstaaten die Uebcreinstinlmung der größeren Bundesregierungen ergeben haben. Warden Inhalt des Entwurfs anbetrifft, so wird be- richtet, daß die Reichslande das Zweikammersystem erhalten sollen. Die Erste Kammer ivird aus den: befestigten Grundbesitz, aus den Oberbürgermeistern der größeren Städte und einer Anzahl von Persönlichkeiten, die vom Kaiser in die Erste Kammer berufen werden, gebildet. Das Wahlrecht zur Zweiten Kammer ist ein stark abgestuftes Plural Wahlrecht mit geheimer und direkter Wahl. Bezüglich der sonstigen Verwaltimg deZ Landes findet eine Aenderung nicht statt. Die Gewährung des Stimmrechts im Bundesrat ist endgültig a b- gelehnt worden._ Schach— der Polizei. Magdeburgs weise Polizei interessiert sich ganz besonders für die Jugendbewegung. Vor etwa vierzehn Tagen hatte der Ver- trauensmann der jugendlichen Arbeiter eine Versammlung ein- berufen, in der Dr. Hanauer aus Brüssel über die belgische Jugend- bewegung sprach. Die Polizei entsandte dazu nicht weniger als fünf Beamte. Zwei Gebeime hielten zu beiden Seiten des Lokaleingnngs treue Wacht, vor dem Saaleingang sah ein Uniformierter auf Ordnung, und im Saale selbst waren zwei Beamte bereit, irgend etwas zu verhüten oder zu beschützen. Als ein Jugendlicher gegen Schluß der Ver- fammlung dem Referenten einige Grütze an die Brüsteler Jugend auftragen wollte und dabei auch auf die Ueberwachung zu sprechen kam. forderten die Polizeibeamten die sofortige Wort- entziehung. Nach Schluß der Versammlung griffen die Geheim- Polizisten zwei junge Leute aus der Schar heraus und ver- hasteten sie. Die beiden Uebeltäter wurden aber bald wieder entlasten. Zum letzten Sonntag hatten nun die Jugendlichen eine neue Versammlung einberufen mit dem recht gefährlichen Thema: „Kampf der Bauern wider den König". Pünktlich stellten sich wieder zwei Polizeibeamte ein. Eifrig machten sie Notizen über die Ausführungen des Referenten, bis fie endlich merkten, daß dieser über— das Schachspiel sprach. Auf Kosten der Polizei wird in Magdeburg wieder einmal viel gelacht._ Die Einigen. Kardinal Fischer will es seinem BrcslauersKollegen im schar- lachnen Mantel nicht vergelten, daß dieser ihn des„Modernismus" und der Verseuchung des Westens" geziehen hat. Erzbischof Fischer sieht ein, datz die Zeiten ernst sind, daß nur das Zu- sammenhalten aller gläubigen und staatserhaltenden Elemente die Kirche und das Zentrum retten kann. Deshalb hat er am Sonntag in Köln in einer Zentrumsversammlung seinen Gläubigen die Notwendigkeit der Erneuerung der„heiligen Allianz" ans Herz gelegt, jenes Bündnisses aller Rückwärtser und Volksfeinde aus dem Anfange des vorigen Jahrhnnderts. Und er selber gibt zur Einigkeit das anfeuernde Beispiel, indem er ver- kündet, datz er mit Kardinal Kopp ein Herz und eine Seele sei. Die Zeiten seien ernst, meinte Antonius Fischer, die Stürme mehrten sich und wehten von den verschiedensten Seiten, alles mahne zur Bewahrung der Einigkeit: In den letzten Zeiten sind bei uns im eigenen Lager etwelche Zwiespalte entstaiideii. Schadenfroh hat sich allsogleich eine gewisse Presse derselben bemächtigt, bauscht sie auf, sucht Streit zu schüren und redet hohnlachend von der Spaltung der deutschen Katholiken. Man hat sich nicht entblödet, in dieser Hinsicht allerlei Märchen zu verbreiten, insbesondere auch in bezug auf die Person des Erzbischofs von Köln, hat gar den Versuch unternommen, die beiden deutschen Kardinäle gegeneinander auszuspielen, sie als ent- zweit darzustellen, von einer Aktion des Heiligen Vaters zu reden. die bevorstehe: andere sagen gar, sie sei bereits ergangen. Ich protestiere nnt Entrüstung gegen diese unsauberen Macheii'chaften. (Stürmischer Beifall.) Die Leute, die auf eine Uneinigkeit des deutschen Episkopats spekulieren, werden sich gründlich täuschen. Die Bischöse, und zumal die deutschen Kardinäle, werden ihnen diese Freude nicht machen; dazu sind wir viel zu umsichtig und viel z» gewissenhaft. Aber jene Leute werden sich auch täuschen, wenn sie überhaupt mit einer Uneinigkeit unter den deutschen Katholiken rechnen und daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen. In der Tat, die deutschen Katholiken müßten geradezu den Ver- stand verloren haben, wenn sie in den dermaligen Zeitläuften sich spalten und gegenseitig befeinden wollten.(Lebhafter Beifall.) Be- stehen gewisse Differenzen, so werden sie dieselben mit Klugheit, mit Mäßigung, mit Liebe und Selb st Verleugnung aus- zugleichen suchen, aber sie werden darüber nicht unterlassen, die Einheit, die geschlossene Einheit zu bewahren, die, zumal in der jetzigen Zeitlage, eine Geloissenspflicht für die deutschen Katholiken ist. Sie war bisher ihre Zierde, sie wird es auch ferner fein: einig alle untereinander im Dienste unserer gemeinsamen heiligen Sache— einig in Nord und Süd. in Ost und West— einig die verschiedenen Stände— einig die Laien, der Klerus, der Episkopat— und endlich einig alle in voll- endeter Einheit um de» Mittelpunkt der Einheit geschart, um den Apostolischen Stuhl I Kardinal Fischer und Kardinal Kopp find also wieder einig. Und am selben Tage fanden sich an einer anderen Ecke der Rhein« Provinz noch zwei andere Seelen. In Neunkirchen, im Reiche des streitbaren Bischofs Korum, wo der Zentrumsparteitag für den Regierungsbezirk Trier stattfand, redete Herr Karl T r i m b o r n, den man der Kölner Richtung zuzählt, über die Einigkeit im Zentrum, welchen Worten, wie die„Kölnische Volks- zeitung" in ihrem Bericht bemerkt, der Abgeordnete R o e r e n sich unter großem Beifall anschloß. So wären also auch die feindlichen Brüder von Köln und Trier wieder einig, die Bachem-Trimborn und die Richtung Roeren-Bitter liegen einander in den Armen und im Zentrum herrscht Ruhe. Frieden und Einigkeit. Wir wollen ab- warten, wie lange eS vorhält._ Zur Reichstagsnachwahl im Wahlkreise Labiau-Wehlau. Die Parteien find jetzt offiziell mit ihren Kandidaten auf- marschiert und haben den Wahlkampf eröffnet. Weil bisher trotz eines entgegenstehenden Urteils des Oberverwaltungsgerichts jede nachgesuchte Genehmigung zur Abhaltung von Versammlungen unter freiem Himmel von den Amtsvorstehern, dem Landrat und dem Regierungspräsidenten versagt wurde, mutzte von sozialdemokratischer Seite am Sonntag der Wahlkampf in der großen Stube eines ländlichen Besitzers durch eine Mitgliederversamm- lung eröffnet werden. Der Kandidat der sozialdemokratischen Partei, Parteisekretär Genosse Hermann L i n d e, der als alter Bekannter sich seinen Wählern nicht erst vorzustellen brauchte, erhielt nach seinem Referat auch von den kleinen Besitzern die Zusicherung, sie würden die Agitation zugunsten der sozialdemokratischen Partei nach Kräften fördern. Nicht so schlicht und einfach wie der sozialdemokratische Kandidat, sondern mit großem Tamtam zog am Sonnabend und Sonntag der von der„Fortschrittlichen Volkspartei" aufgestellte„liberale" Kandidat, der früher der konservativen Partei angehörende Bürger- meister Richard Wagner aus Tapian, in die Wahlschlacht. In den in zwei Städten abgehaltenen Versammlungen war er von einem ganzen Stab freisinniger Berliner und Königsberger Feldherren um- geben. die in Automobilen herangerast kamen. Abgeordneter Dr. Wiemer, Abgeordneter Justizrat Gyßling, Chefredakteur Dr. Herz- berg, Stadtrat Oske, Rechtsanwalt Aschkanasy und«ine Reihe anderer FreistnnSgrößen bildeten das Bureau der Versammlungen, von denen die eine genau 61 Besucher zählte. Als Großagrarier extremster Richtung und Gegner des Reichstags- Wahlrechts stellte fich am Donnerstag voriger Woche auch der konservative Kandidat, der LandeSrat a. D. Burchard-Karpau den Wählern vor. Er rechnete ziemlich scharf mit den Freisinnigen ab und stellte einige recht knsffliche Fragen, nicht an das sich Meral nennende Wahlkomilee, sondern an die„Fortschrittliche Volkspartei". Alle Anzeichen sprechen dafür, daß der Wahlkampf ein sehr heftiger und erbitterter werden wird. Die Freisinnigen wollen mit Hilfe der Nationalliberalen einen Oletzko- Lyl- Sieg über die Kou- servativen erringen. Und die Konservativen schicken sich an, im Kampfe um ihr bisheriges Besitztum alle Kräfte einzusetzen. ... ReichstagSnachwaHl Labiau-Wehlau. Parteigenossen im Reich, die Verwandte oder Bekannte in diesem Wahlkreise haben, werden zwecks Wahlagitation gebeten, möglichst bald deren genaue Adressen dem Parteisekretär H. Linde-KönigSberg i. Pr., Münzst ratze 24b, mit- zuteilen. Die Parteizeitlingen im Reich werden um Abdruck obiger Zeilen ersucht._ Die Reichstagsersastwahl in Buk— Kosten— Grätz�Neutomischel. Für die am 4. November stattfindende Wahl haben jetzt samt- liche Parteien ihre Kandidaten ausgestellt. Für die Sozialdemokratie kandidiert Genosse Redakteur A. SremSki- Posen. Die Polen haben den Grobgrundbesitzer Moorowski aufgestellt. Für die deutschen Parteien kandidiert ebenfalls ein Großgrundbesitzer, ein Herr Schwartz- kopff. Die demokratischen Polen scheinen keinen Kandidaten auf- stellen zu wollen, wahrscheinlich stimmen sie für Moorowski, der sein Programm bereits entwickelt hat und für eine agrarische Politik ein- treten will. Der Sozialdemokratie ist es nicht möglich, auch nur einen' Saal zu einer Versammlung zu bekommen. Sie ist deshalb gezwungen, sich mit einem Flugblatt an die Wähler zu wenden, und darin den Wählern das Programm der sozialdemokratischen Partei darzulegen. Trotzdem hofft die Sozialdemokratie, in-diesem Wahlkreis eine ganz ansehnliche Zahl von Stimmen auf den Genossen SremSli zu ver- einigen. Die polnischen Arbeiter sind über die neuen Steuern sehr aufgebracht. Natürlich sind eS auch hier die Geistlichen, die als polnisch-agrarische Sckmtztruppe den Arbeitern von den„Wohltaten der Junker' vorschwindeln. Und die armen, fas� noch leibeigenen Arbeiter beugen sich meist der kirchlichen Autorität. Billige Fleischpreise in- Rußland. Jenseits der Grenze sind die Fleischpreise gegenwärtig außergewöhnlich niedrig. Es kosten, wie die„Deutsche l e i s ch e r- Z e i t u n g" meldet, Schweinefleisch 33 Pf., chöpsenfleisch 30 Pf.. Kalbfleisch 10 bis 20 Pf.. Rind- fleisch 20 Pf._ Bekämpfung der Schmutz- und Schundliteratur. Die Hamburger Bürgerschaft hat sich wiederholt mit der Frage der Bekämpfung der Schmutz- und Schund» l i t e r a t u r beschäftigt und nach langen Erörterungen in Aus- schütz und Plenum hat man den Senat ersucht, an zuständiger Stelle dahin zu wirken, datz zum Zwecke eines besseren Schutzes der Jugend die Bestimmungen der ZZ 184 und 184a und b des Straf» gesetzbuches und der ZH 56, 12 und 42s der Reichsgewerbeordnung ergänzt und erweitert werden. Die auf„positiv gesetzgeberische Mtatznahrnen" abzielende Richtung, bestehend aus Dunkelmännern aller Art, die im Sinne der verunglückten Lex Heinze die Polizei mit der Ausrottung der beregten Mitzstände betrauen möchte, hatte die Oberhand gewonnen. Jetzt hat der Senat geantwortet auf den BesHlutz der Bürger- schaft vom Dezember 1969. Er hält im Interesse eines wirksameren Schutzes der Jugend gegen die Schmutz- und Schundliteratur eine Ergänzung und Erweiterung der einschlägigen reichsgesetzlichen Be- stimmungen auch seinerseits für geboten und ist an z u st ä n d i g e r Stelle— im Bundesrat— zunächst dafür eingetreten, datz in den von dem stehenden Gewerbebetrieb handelnden Titel II der G.-O. Bestimmungen aufgenommen werden, welche die Säube- rung der Schaufenster und Schaukasten von der sogenannten Schundliteratur, insbesondere von solchen literarischen Erzengniffen ermöglichen, die durch die Art der Schilderung verbrecherischer Vorgänge die Begeisterung für die verbrecherische Handlung wachzurufen oder zur Nachahmung des Verbrechertums anzueignen geeignet sind. Weitere Anträge hat sich der Senat für die Verhandlungen über den Entwurf des neuen Strafgesetzbuches vorbehalten. In welcher Richtung diese Anträge liegen, ist unschwer zu er» raten. Erfreulicher ist die Mitteilung des Senates, wonach der Bürgerschaft Anträge unterbreitet werden sollen, datz 1. zur Er» möglichung der Verteilung von 38 666 Heften der deutschen Jugend- bücherei unter die Schüler und Schülerinnen der städtischen Volks- schulen(Oberklaffen), der Landschulen sowie der Gewerbe- und Fortbildungsschulen 228 M. aufgewendet werden; 2. zum Erwerb von Jugendschriften und anderen gnten Büchern, welche Schülern und Schülerinnen der städtischen Voltsschulen und der Land- schulen zu Eigentum überwiesen werden sollen, zunächst auf die Dauer von drei Jahren je 5666 M. �willigt werden Der Protest gegen daS System Moabtt. In einer Volksversammlung, die am Freitagabend in Solingen stattfand, sprach Genosse Redakteur D i t t- mann über die Vorgänge in Moabit. Der Referent ging die Moabiter Ereignisse durch und befatzte sich dann unter dem leb- haften Beifall der Versammlung mit den im Anschluß an diese Ereignisse hervorgetretenen Scharfmachereien der reaktionären Parteien und ihrer Presse, die auf eine systematische Hetze auf Erlaß eines Zuchthausgesetzes und eines neuen Soziali st engesetzes b inausliefen; da- bei sei jetzt schon das Koal»rvsasrecht so gut wie aufgehoben. Genau wie in Moabit sei die Polizei bei den verschiedensten Anlässen auch in Solingen verfahren. In einer scharfen Resolution, die einstimmig angenommen wurde, protestierten die Versammelten gegen die einseitige Partei- nähme der Polizei gegen die um bessere Arbeitsbedingungen kämpfende Arbeiterschaft und verpflichteten sich, gegen diese An- schlage der Reaktion den Kampf energisch aufzunehmen. In Stuttgart sprach am Sonntag Genossin Luxem- bürg in einer Riesenversammlung. Die Parteileitung hatte, da ein genügend großer Versammlungssaal nicht zur Verfügung stand, den Zirkusbau gemietet, in dem seinerzeit auch Bebel sprach. Kopf an Kopf war der weite Raum besetzt. Genossin Luxemburg sprach über„Klassenkampf und Tages- Politik". Sie kennzeichnete scharf den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit, Proletariat und Bourgeoisie und legte an Hand der politischen Geschichte des Liberalismus dar, datz die Arbeiterklasse von diesem kein Heil zu erwarten hat, sondern auf die eigene Kraft angewiesen ist in den bevorstehenden schweren Kämpfen. Denn alles deute darauf hin, datz es die herrschenden Klassen wieder mit Ausnahmegesetzen gegen die Sozialdemokratie versuchen wollen. In diesem Zu- sammcnhang besprach die Rednerin auch die Moabiterci der Ber- liner Polizei. Die Tausende stimmten der Referentin stürmisch zu. Genosse W a s n e r brachte eine scharfe Protestresolution ein gegen die Moabiterei und die Scharfmacherhetze. Sie fand ein» stimmige Annahme. Mit einem dreifachen Hoch auf die inlewationole revolukionare Sozialdemokratie schloß der Vor- sitzende Westmeher die imposante Versammlung. ** « In Züllichau versammelten sich am Sonntag auf dem städtischen Wasserturmplatz an 300 Männer und Frauen unter freiem Himmel. Der sozialdemokratische Reichstags- kandidat des Kreises, Genosse Grauer- Lichtenderg, referierte über das Thema:„Preußen als Polizcistaat und die Moabiter Vorgänge". Neben der Neuartigkeit einer Versammlung unter freiem Himmel inmitten der Stadt machte die Ruhe und der Ernst der Versammelten auf die zahlreich erschienenen Bürger- lichen einen ersichtlich tiefen Eindruck. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte die Annahme einer das System verurteilenden und das Verhalten der bürgerlichen Parteien und Presse brandmarkenden Resolution gegen eine Stimme. Ein Oberlandesgerichtsurteil gegen das Oktroi auf Wild und Geflügel wurde in Colmar i. Elf. am letzten Freitag gefällt. Die oktroi- erhebenden reichsländischen Städte haben sich nämlich, wie dies auch in Preußen geschieht, im Gegensatz zu Württemberg und im Widerspruch auch mit einer schon vor Monalen in der b a d i s ch e n Residenz Karlsruhe gefällten richterlichen Eni- scheidung ans den Standpunkt gestelll, daß Wild und Geflügel kein „Vieh" oder„Fleisch" im Sinne des 8 13 des Zolltarif- gesetzes vom 25. Dezember 1902 ist, wodurch bekanntlich die Weiter- erhebung des Oktrois auf die notwendigsten Nahrungsmittel seit dem 1. April d. Js. verboten ist. In S t r a h b u r g hat daraus der Wildprethändler Ruprecht die Stadt auf Rück- zahlung des bei ihm auf Wild und Geflügel seit 1. April d. I. er- hobenen Oktrois gerichtlich verklagt, und der Mann führte den Prozeß auch weiter, als das Landgericht Straßburg ihm Unreckt gab und unter Abweisung der Klage aussprach, der Gesetz- geber habe im§ 13 des Zolltarifgesetzes offenbar nur eigentliches „Schlachtfleisch" vom Oktroi ausnehmen wollen. Nun hat das Oberlandesgericht Colmar, der höchste Gerichtshof Elsaß-Lothringens, zugunsten des Klägers entschieden, daß Wild und Geflügel nicht mehr oktroipflichtig seien und die Stadt Straßburg zur Rückzahlung von 000 Mark zuviel erhobenen Oktrois verurteilt. Die Stadt scheint noch zu schwänken, ob sie versuchen soll, durch Erhöhung des Streitwertes die Frage vor das Reichsgericht zu bringen. Unterdessen haben schon am Sonnabend die Sm:aßburger Wild- und Geflügel- Händler durch Rechtsanwalt Dr. Jaegle die Stadt auffordern lassen, alle seit 1. April d. I. erhobenen Oktroigcdühren für Wild, Geflügel und Kaninchen zurückzuerstatten, widrigensfalls Klage erhoben werde. In derselben Lage wie Straßburg aber sind die Städte Mülhausen, Metz, Colmar, Saar- gemünd usw., wo überall die Gemeinderäte die Weitererhcbung des Oktrois auf Wild und Geflügel vom 1. April 1910 ab genehmigt haben, ohne daß im Schöße der sozialistenreinen Sladtpariamente sich ein ernsthafter Widerspruch erhob. Es kennzeichnet die Ver- sumpfung der bürgerliche» Kommunalpolitik, daß die vom Reichstag im§ 13 des Zolltarifgesctzes doch zweifellos mitbeschlossene Be- freiung der Hasen, Kaninchen, Hühner, Enten usw. von den städtischen Verbrauchssteuern erst noch im Gerichtswege erzwungen werden mutz I_ Die Wirkung der Tabaksteuer! Die Zigarrensirma Richter in Züllichau hat ihren 30 Arbeitern und Arbeit nnen anhsimgestcllt, Mitte deS Monats Dezember einmal anzufragen, ob und in welchem Umfange die Wiederauf- nähme des Betriebes erfolgen könne I Bis dahin können die Ar- beiter, die zum Teil 27, 30 und 32 Jahre bei einem Durchschnitts- verdienst von 13—14 M. die Woche dieser Firma gefrondet haben, über die Segnungen der„Finanzreform" in aller Mutze nach- denken l Dem freikonservativen Reichstagsabgeordneten des Kreises, Bürgermeister Schlüter-Sommerfeld, der für die Tabak st euer gestimmt hat, aber gegen den Antrag der Sozialdemokraten auf Entschädigt», g der brotloswerdenden Arbeiter, widmen die dreitzig auf die Stratze gesetzten Arbeiter sicher die freundlichsten Wünsche. Landtagsersatzwahl in Breslau. In Breslau hat eine Landlagsersatzwahl für den Verstorvenen Abgeordneten Zischü(Zentrum) stattzufinden. Der Breslauer sozial- demokratische Verein beschloß in seiner Mitgliederversammlung am Montag die Wahlbeteiligung. Als Kandidat wurde Genosse Löwe aufgestellt. Einen Vorschlag der Demokratischen Vereinigung, durch den ein Wahlkompromitz zwischen Sozialdemokraten und Freisinnigen empfohlen wurde, lehnte die Versamntlung einstimmig ab. Die Partei will bei der Hauptwahl selbständig vorgehen. Falls eine Stichwahl nötig wird, soll für diese später eine Entscheidung ge- troffen werden. Pienstische Schande. Man erinnert sich des Falles der galizifchen Magd, die um nichts und wieder nichts, nur weil sie Ausländerin war, acht Monate lang in preutzischen Gefängnissen schmachten mutzte. Die kultur- widrige Behandlung der Ausländer in Deutschland ruft natürlich in den anderen Staaten energischen Protest hervor. Auch in der öfter- reichischen Delegation wurde die preutzische Praxi? ausführlich be- sprachen. Ueber das Verhalten der österreichischen Regierung gab dabei der Sektionschef Freiherr v. Macchio folgenden Bericht: Was die Arretierung der bei einem Landwirt in Holstein be- diensteten Magd polnischer Nationalität namens Josefa C i a st o n ulitts Kasztanowna anlange, so wurde die Botschaft in Berlin so- fort, nachdem die betreffenden Zeitungsartikel erschienen waren, angewiesen, die Angelegenheit bei der deutschen Regierung unver- züglich zur Sprache zu bringen. Wie die gedachte Kommisston unter dem 2t. September d. I. p meldet hat, ist die vom preutzischen Minister des Innern im Gegenstund eingeleitete Untersuchung noch nicht abgeschlossen. Die Mission ist inzwischen neuer- dings beauftragt worden, bei der deutschen Regierung auf den b e s ch l e u n i g t e n A b s ch l u tz der in der Sache angeordneten Enquete zu dringen. Vom 24. September 1903 bis 1. Oktober 1910 ist die Jnter- vention des Mlinsteriums des Aeutzern von 103 öfter reicht« scheu und 3 ungarischen Staatsbürgern, im ganzen also von 100 aus dem Deutschen Reiche aus- gewiesenen Prionen, in Anspruch genommen worden. In 90 Fällen sei die Ausweisung nicht zurückgenommen worden, in 44 dieser Fälle sei jedoch im Hinblick aus die ein- getretene Verwendung den Ausgewiesenen von der deutschen Re- gierung eine entsprechende F r i st v e r l ä n g e r u n g bis zu einem Jahre zur Ordnung ihrer Angelegenheiten bewilligt worden. In mehreren Fällen sei außerdem ausgesprochen worden, daß sich der Ausgewiesene außerhalb Preußisch-Schlesiens in anderen Teilen Preußens unbehelligt aufhalten könne. In 23 Fällen wurde die getroffene AuswelsungSverfügung zurückgenommen, der weitere Aufenthalt bis auf Widerruf gestattet. Daß diese Debatten die Achtung vor der preußischen Regierung im Auslande nicht gerade vermehren, kann man sich natürlich denken. Ins Irrenhaus. Die Beschwerde des Professors L e h m a n n» Hohenberg gegen den Beschlutz des Schöffengerichts Weimar, ihn zur Beobachtung seines Geisteszustandes einer öffentlichen Irrenanstalt zu überweisen, ist von der Strafkammer abgewiesen worden. Oeftemtcb. Vom tschechischen Separatismus. Nach der Zersplitterung von Gewerkschaften und Genossen- schaffen gehen jetzt die tschechischen Separatisten daran, die usammenfassung der von sozialistischen Arbeitern verwalteten rankenkassen zur Lösung gemeinsamer Aufgaben und zur Abwehr gemeinsamer Gefahr, die R e i ch s k o m m i s s i o n der Krankenkassen Oesterreichs zu zerstören. Ein Aufruf, unter dem auch die Namen zweier Mitglieder der tschechischen sozialdemokratischen Parteileitung, Abg. Johandis und Dr. Ho user stehen, fordert dazu auf. Die Rcichskommission hat bisher die Krankenkassentage veranstaltet, Material zur Behandlung von Versicherungsfragen und der Sozial- versicherungsvorlage durch die sozialdemokratischen Abgeordneten ausgearbeitet und den Mitgliedern der angeschlossenen Kassen den Besuch von Kurorten und Heilanstalten ermöglicht. Die Reichskommission zählt gegenwärtig 277 Kassen mit 1 300 000 Mitgliedern, worunter etwa 44 Kassen mit einer 155000 Personen betragenden Mitgliedschaft tschechischer Nation. Mit der Gründung einer eigenen tschechischen Reichs- komnussion folgen die tschechischen Sozialdemokraten be- zeichnenderweise dem Beispiel der bürgerlichen oder gelben Deutschnationalen, die hierbei mit ihrer Reichsvertretung der „deutschgeleiteten" Krankenkassen vorangingen. So wirkt der Kopenhagener Beschluß auf die tschechischen Separattsten, die erst vor wenigen Tagen eine Versanimlung tschechischer zentralistischer Arbeiter in Prag durch wüste Lärm- szenen sprengten. OZrKei. Ministerkrise. Konstantinopel, 18. Oktober. Infolge der Forderungen des Kriegsministers, dem der Großvezier Hakki Pascha Widerstand ent- gegensetzt, ist es zu einer Ministerkrise gekommen. Mahmud Schewket Pascha hat dem Kriegsministerium und den höheren Offizieren die Lage auseinandergesetzt, die durch die Ab- lehnung seiner Forderungen durch den Finanzminister geschaffen sei. Die Offiziere erklärtet sich mit dem Kriegs- m i n i st e r solidarisch. Sie werden, falls dieser demissioniert, ebenfalls von ihrem Posten zurücktreten. Grieckenwncl. Die Ministerkrise. Athen, 18. Oktober. Der König hat Venizelos er- mächtigt, die Kammer, wenn erforderlich, aufzulösen. Das neue Ministerium wird sich Wahrscheinlich folgender- maßen zusammensetzen: Vorsitz, Krieg und interimistisch Marine: Venizelos; Inneres: Repulos; Justiz: Dimitrakopulos; Finanzen: Coromilas; öffentlicher Unterricht: Alexandri; das Portefeuille des Aeußern behält Callergis. 5>erNen. Das Vorgehen Englands. London. 18. Oktober. Während die konservativen Blätter in der englischen Note an Persien eine notwendige Aende- rung der englischen Politik erblicken, erklärt-„Daily News", daß die Note die schwer st e Besorgnis erwecke, da eine solche Politik zur Teilung PersienS führen müsse. „Daily Graphic" schreibt: Wenn das Ultimatum ausgeführt wird, wird Persien aus der Reihe der selbständigen Staaten gestrichen werden. Das Blatt beklagt daS Vorgehen der Regierung, denn die Eroberung Süd persie ns werde keine leichte Aufgabe sein und eine große dauernde Ver- antwortung begründen und äußert mit Besorgnis, daß die anderen Mächte Kompensationen fordern würden, wodurch neue internationale Reibungen entständen.-- Hus der partei Die Organisationen zum Parteitag. Königsberg. In einer autzerordentlichen Generalversammlung des Sozial- demokratischen Vereins für Königsberg(Stadt) wurden die Berichte gegeben über den Internationalen Kongreß in Kopenhagen und über"den Magdeburger Parteitag. Die erst- genannte Tagung behandelte Genosse Hugo H a a s e, die zweit- genannte der Parteisekretär für Königsberg, Genosse Dona lies. In der am Bericht sich anschließenden Diskussion sprach zunächst Genosse Kohn seine Verwunderung aus über die unversöhnliche Haltung des Genossen H a a s e gegenüber der badischen Fraktion. Er war der Meinung, der Schlußsatz des Frankschen Referats hätte durchaus nicht zu der verschärften Resolution führen brauchen. Genosse H a a s e betonte, daß er trotz aller Versöhnlichkeit immer den Standpunkt vertreten habe, daß Grundsätze durch Meinungs- Verschiedenheiten niemals verwischt werden dürften, hier höre die Toleranz endlich auf. Solche Seitensprünge, wie sie bei Frank und Genoffen vorgekommen, könne keine Partei dulden, wolle sie sich nicht selber preisgeben. Darum habe er zur sofortigen Klarstellung der leidigen Angelegenheit gedrängt und dem festen Eingreifen der großen Majorität des Magdeburger Parteitages sei es nun auch zu danken, daß die Budgetfrage im Sinne der Mehrheit ihre Lösung fand. Die Mehrheit der Genossen lehne den Revisionismus ab, allerdings zum großen Verdruß der bürgerlichen Parteien, die schon die Spaltung der sogialdemokratischen Partei Deutschlands als eine gegebene Tatsache in die Welt hineinposaunten. In zu- stimmendem Sinne über das Vorgehen des Genossen Haase äußerten sich dann die folgenden Redner, darunter die Genossen Dr. Gott- schal k. Krüger, Borowski und Härtung. Vornehmlich Genosse Gottschalk brachte zum Ausdruck, daß die Mehrheit den Disziplinbruch so und nicht anders behandeln mußte. Schließ. lich brachte Genosse Kohn unter lebhaftem Beifall der General- Versammlungsbesucher zum Ausdruck, daß er nach den Darlegungen des Genossen Haase anderer Meinung geworden sei. Er hoffe nun, die Willensäußerung der Magdeburger Mehrheit werde den Süd- deutschen im Interesse der Gesamtparteibewegung endlich die rechten Wege weisen. Die Versammlung nahm hierauf folgende Resolution ein» stimmig an: „Die Generalversammlung erklärt sich mit den Beschlüssen des Magdeburger Parteitages einverstanden und billigt das Vor. gehen der Königsberger Delegierten bei der Abstimmung über die Budgetangelegenheit." Durch deu Vorsitzenden der Versammlung, Genossen Hart- w i g, wurde dann bekanntgegeben, daß Genosse Dw Gottschalk sein Amt als Vertreter Königsbergs im Bezirksvorstand niedergelegt habe.(Genosse Gottschalk übte in genannter Körperschaft die Funk- tionen deS Vorsitzenden aus.) Die Generalversammlung wählte an Stelle des Genossen Gottschalk den Genossen Otto Braun mit allen gegen eine Stimme. Straßburg-Laod. Im Wahlkreise Straßburg-Land beschäftigte sich eine Parteiversammlung zu Schiltigheim mit dem Magdeburger Parteitag. Das Referat hatte der Straßburger Parteitagsdele- gierte Redakteur Schneider übernommen, der sich mit den Beschlüssen des Parteitages einverstanden erklärte bis auf die Budgetsrage, wobei er sich besonders gegen die Beschlüsse der Mehrheit in der Nachtsitzung wandte. Ihm traten unter Villi- gung der Mehrheitsbeschlüsse, auch soweit der Antrag Z ubeil in Betracht kommt, der Reichstagskandidat des Kreises, Genosse Fuchs, und Genosse Z i e g l e r- Bischheim entgegen, der erklärte, früher die Nürnberger Resolution in der Budgetbewilligungsfrage nicht gebilligt zu haben, heute jedoch sei er mit der scharfen Ver- urteilung der Badenser voll und ganz einverstanden. In länge- rem Schlußwort vertrat Genosse Schnei der nochmals seinen Standpunkt. Um Mitternacht wurde die Abstimmung vertagt. Es lag nur eine Resolution vor, die sich mit den Beschlüssen deS Parteitages in vollem Umfange einverstanden erklärt.— Auch in den anderen elsaß-Iothringischen Wahlkreisen ist noch keine endgültige Stellungnahme zu den Parteitagsbeschlüssen erfolgt. Der Bezirkspartcitag für das östliche Westfalen und die lippischen Fürstentümer fand am Sonntag, 10. Oktober, in Salzuflen(Lippe) statt. ES waren aus 7 Wahlkreisen 81 Orte durch 135 Delegierte ver- treten. Außerdem waren mehrere Genossen anwesend als Ver- treter der Bezirksleitung, Preßkommission, Redaktion und Ge- schäftsleitung der„Volkswacht", der Reichstagsabgeordncte für Bielefeld-Wicdenbrück Genosse Severing, Landtagsabgeord» neter Schmuck- Lippe und Reichstagskandidat Becker- Lippe und für den Parteivorstand Genosse Pfannkuch- Berlin. Aus dem Geschäfts- und Kassenbericht des Jahres 1909/10 sei folgendes hervorgehoben. Zum Bezirke gehörten bis 31. De- zcmber 1909 12 Reichstagswahlkreise. Davon sind ab 1. Januar 1910 die drei Wahlkreise Münster-CoeSfeld, Lüdinghausen-Beckum- Warendorf und Tecklenburg-Steinfurt-Ahaus wegen ihrer Ent» Wickelung zu Bergbaubczirken dem Bezirk für das westliche West- falen angeschlossen worden. Der noch weiter nordwestlich gelegene Kreis Lingen-Meppen-Hümmling ist vorläufig dem Bezirke noch verblieben, doch ist bei der großen Entfernung und dem Mangel an Organisation in dem Kreise eine Agitation doch recht schwierig. Die Agitation gestaltete sich sonst lebhaft, insbesondere der Wahlrechtskampf, der den Organisationen viele neue Mitglieder und der Presse neue Abonnenten zuführte. Auch die Bauarbeiteraussperrung wirkte aufrüttelnd. Es wurden 78 000 Flugblätter, über 20 000 Exemplare der„Volks» wacht" und außerdem ein Flugblatt„An die Tabakarbeiter" in 30 000 Exemplaren verbreitet. Agitation s>v er s am m» lungen fanden in sechs Kreisen statt 113, außerdem über 700 Mitgliederversammlungen und Besprechungen und 33 öffentliche Frauenversammlungen. In den Wahlkreisen Warburg-Höxter, Paderborn-Büren und Lingen-Meppen-Hümmling besteht noch keine Möglichkeit für Abhaltung von Versammlungen; in Lipp- stadt-Brilon ist sie noch sehr gering. Die Zahl unserer Vertreter in den Gemeinde- und Stadtverordnetenversammlungen stieg von 83 Ende Juni des Vorjahres auf 103 Ende Juni 1910. Es entfielen auf Bielefeld-Wiedcnbrück in 8 Gemeinden und in Stadt Bielefeld mit 13 Stadtverordneten in der 3. Klasse 39 Vertreter gegen 37 im Vorjahre,-davon 4 in der 2. Klasse; auf Herford-Halle in 14 Ge- meindcn 23(13), davon 1 in der 2. Klasse; auf Minden-Lübbecke in 8 Gemeinden und Stadt Lübbecke 13(11); in Lippe in 10 Ge- meindcn und Städten 19(10); in Sckmumburg-Lippe 8(4), (Stadthagen, alle 0 Bürgervorstcher der 3. Klasse). Der Stand der Presse hat sich finanziell weiter ge» bessert und die Abonnentenzahl ist um 1148 gestiegen. Die Zahl der Mitglieder stieg von 7598 auf 9383, also um 1987— 26 Proz. Davon zählt Bielefcld-Wiedenbrück 3303 gegen 4033 im Vorjahre, Hersord-Halle 1871(1220), Minden- Lübbecke 910( 709). Lippe 807(00?). Schaumburg-Lippe 299(280). Weibliche Organisierte waren insgesamt 382 gegen 318. Orts- gruppen bestanden am 30. Juni d. F. 94 gegen 73 am 30. Juni 1009. In den übrigen 4 Kreisen besteht noch keine feste Organi- sation, doch sind dort insgesamt 127 zahlende Genossen gegen 125 im Vorjahre vorhanden. Von der Zentralstelle des Bildungswesens in Bielefeld wurde ein naturwissenschaftlicher Wauderkursus über: „Die Geschichte unserer Erde" in den Städten Minden, Herford, Bielefeld durch den Genossen Engelbert Graf- Berlin abgehalten. In einem zweiten Kursus in denselben Städten werden im Herbst von diesem Redner die Themen„Vom llrtier zum Menschen",„Die Enttvickelung der Lebewesen" behandelt. - Di« Einnahmen und Ausgaben der 9 Wahlkreise bezifferten sich inklusive der Kassenbestände insgesamt auf 31 523,30 M. gegen 30 201,01 M. im vorigen Geschäftsjahre. Die Barbestände betrugen am 30. Juni 1910 3000,75 M.. gegen 7207,94 M. am 30. Juni 1009. Die erhöhten Beiträge werden-die Finanzgebarung wieder günstiger gestalten. An den Parteivorstand lieferten die Kreise ab 4144,07 Mark gegen 2514,19 M. in 1908/09. Die Bezirksleitung hatte an Einnahmen aus den 9 Kreisen zu verzeichnen 1513,92 M.: Zuschuß vom Parteivorstand 3380 M. und Kassenbestand 098,04 M.; mithin eine Gesamteinnahme von 3794,30 M. Demgegenüber standen, an Ausgaben 1045,75 M. Zu- schüsse an 4 Wahlkreise(davon noch 050.73 M. an die drei ab- getrennten.Kreise); Beitrag zu den Kosten der Reichstagsersatz- wähl in Lüdinghausen-Beckum-Warendorf 192,80 M.; 3054,37 M. für Agitation und 981,00 M. diverse; zusammen 5273,98 M, Es verblieb ein.Kassenbestand von 320,38 M. Einige Anträge betr. die Agitation wurden angenommen be» ziehungsweise dem Agitationskomitee zur Berücksichtigung über- wiesen. Genosse Severing hielt zum Schlüsse ein Referat über die nächsten Reichstagswahlen._ Soziales* Ostdeutsches Schulkindcrelend. Aus dem dieser Tage iu Lissa stattgefundenen„Ostdeutschen Frauentag" wurde u. a. auch das Resultat der von den ostmärki- scheu Frauenvereinen veranstalteten Erhebung über die Schul- spcisungcn der BolkSschulkinder bekannt gegeben. Das Komitee hat 012 Fragebogen an ebenso viel Gemeinden Ostdeutschlands versandt. Davon kamen 212 unbeantwortet zurück. Auf Grund der aus- gefüllten Bogen wurde festgestellt, daß in von den antwortenden Gemeinden mit zusammen 820 000 Einwohnern kein erstes Früh- stück crbielten 4917 Kinder. Schulfrühstück erhielten 3332 Kinder, hauptsächlich in Danzig und Posen. Kaltes erstes Frühstück im Elternhaus erhielten 1300 Kinder. Kaffee»nd Brot als Mittag erhielten 2071 Kinder. Warmes Mittagessen durch private Wohl- fahrtseinrichtungen erhielten 412 und von öffentlichen Speise- anstalten 1002 Kinder. Kein Abendessen bekamen 932 Kinder. Annähernd regelmäßig erhalten Bier 6302, Schnaps 830 Kinder. Diese grauenhaften Zahlen aus den ostdeutschen Städten unb Dörfern demonstrieren deutlich die völlig unzureichenden Lohn- Verhältnisse der Arbeiter. Aber bürgerlichen Frauen bleibt diese auf der Hand liegende Erklärung ein Rätsel. So führte in der Debatte Frau Friedländer-Breslmi diese erschreckenden Zustände darauf zurück, daß„die unteren Volksschichten gar keine Kenntnis von Kinderpflege und Kinderernährung haben". Diese tiefer als kindlich-alberne Ausfassung wäre der Frau Kommerzienrat erspart geblieben, wenn sie eines Arbeiters Kind wäre oder sich die Mühe genommen hätte, die Einkommensverhältnisse der Eltern in Er- fahrung zu bringen. Sie hätte dann bemerkt, daß mancher Ar- beiter im Monat weniger verdient als eine Frau Kommerzienrat in einer Minute für einen Hut ausgibt. Diese„Kenntnis" und „Ahnung" hätte die Frau Kommerzienrat sich schon aneignen sollen, bevor sie über die Dinge sprach. Sie sollte wissen, daß die „Kenntnis" und„Ahnung" alle Arbeiterfamilien haben, daß Essen und Trinken für Schulkinder sehr nötig ist, daß aber trotz aller Kenntnis und Ahnung die Mittel zum täglichen Sattessen oft fehlen, obwohl Vater und Mutter von früh bis spät schuften müssen. Eine andere„ostdeutsche Frau", Frau v. Bismarck, empfahl für Arbeiterfamilien die Kochkiste zur Bereitung warmen Frühstücks. Wo die Mittel zur Füllung der Kochkiste herzunehmen sind, ver- schwieg die in„Wohltätigkeit" panschende Dame. Vielleicht däm- mert den Damen doch bei stärkerem Nachdenken die„Ahnung" auf, daß die künstliche Verteuerung der Lebensmittel durch gesetzliche Maßnahmen und der Krieg gegen die Ausübung des Koalitions, rechts der Arbeiter die elende Lage der Kinder mitverschuldet. 6ewerhrcbaftUcbee. Menn Zwei dasfelbe tun.. I Ein eigenartigerNötigungsversuchim Sinne 8 153 der Gewerbeordnung wurde dem Verant>vorlichen Redakteur der„Belgischen A r b e i t e r st i m ni e" in Solingen, Genossen W e n d'e m u t h zur Last gelegt. Während des Streiks bei der Firma Hugo Lieder. Deltawerk in Solingen, über den der„Vorwärts" wiederholt berichtete, wurden in der Nummer 58 der„Arbeiterstimme" vom 10. März dieses Jahres die Namen der samt- lichen Arbeits ivilligen der Firma Lieder mit Angabe der Wohnungen und der Beschäftigung, aber ohne jede sonstige Bemerkung veröffentlicht. Hierin erblickte die Anklage- behörde eine Verrufserklärung zu dem Zwecke, die Arbeitswilligen zum Niederlegen der Arbeit zu nötigen, wes- halb sie Antrag auf Strafverfolgung stellte, dem das Gericht auch stattgab. Genosse Wendemuth erstattete darauf auch gegen den Arbeitgeber- Verband Anzeige wegen des gleichen Ler- g e h e n s, da dieser durch schwarze L i st e n die Streikenden ebenfalls in Verruf gebracht und sie genötigt habe. Dies Verfahren wurde aber von der Staatsanwaltschaft, die eine strafbare Handlung in diesem Falle sonderbarerweise nicht für vorliegend er- achtete, e i n g e st e l l t. Der Angeklagte Wendeniuth erklärte in der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Solingen, daß mit der Veröffentlichung der Namen der Arbeitswilligen lediglich der Zweck verfolgt worden sei, der Arbeiterschaft, die ein Interesse an dem Stand des Kampfes hatte, die Zahl der Streikenden bekannt zu geben. Von einem Nötigungsversuch könne keine Rede sein. Das Gericht erachtete aber den Ge- nassen Wendemuth im Sinne der Anklage für schuldig und verurteilte ihn zu drei Tagen Gefängnis.— Wenn zwei dasselbe tun..._ Berlin und Umgegend« Tarifbewcgnng der Leistenvergolder. Die Vereinigung der Goldleistenfabrikanten ist kürzlich der Freien Vereinigung der Holzindustriellen beigetreten. Die Fabri- kanten haben den Wunsch geäußert, mit den Vergoldern, die im Holzarbeiterverbande organisiert sind, einen Tarifvertrag abzu- schließen. Die Kommission der Arbeiter hat infolgedessen einen Vertragsentwurf ausgearbeitet. Am Montag wurde derselbe einer Branchenversammlung der Vergolder unterbreitet. Der Entwurf lehnt sich im allgemeinen an den Vertrag der Holzarbeiter an und sieht ein« wöchentliche Arbeitszeit von 51 Stunden vor, die am 1. Oktober 1911 auf 50 Stunden verkürzt werden soll. Der Mindest- lohn soll betragen für Facharbeiter 31,59 M., für Arbeiterinnen 18 M., fiir jugendliche Arbeiter 15 M. pro Woche.— Die Versammlung stimmte dem Entwurf zu und beauftragte die Kom- Mission, ihn den Fabrikanten zu unterbreiten und mit ihnen darüber zu verhandeln. Hierauf wurde die Durchführung des Tarifs der Rahmender- golder besprochen, der kürzlich mit einigen Verbesserungen erneuert worden ist._ Bom Centralverband der Jsolierfirmen Teutschlands erhalten wir folgende Zuschrift: „In Nr. 212 Ihres Blattes brachten Sie auf der 4. Seite des Hauptblattcs einen Bericht über eine Versammlung des Ver- bcmdes der Isolierer. Da dieser Bericht Mitteilungen macht, die den Tatsachen nicht entsprechen, so ersuchen wir Sie unter Be- rufung auf Z 11 des Preßgesctzcs um gefl. Aufnahme der vor- stehenden Berichtigung: 1. Es ist nicht wahr, daß unsere Verbandsfirmen die Ein- stellung von Isolierern in ihren Betrieben von der Nichtzugchörig- keit zum Verband der Isolierer abhängig machen; auch geht unser Bestreben keineswegs dahin, die Mitglieder des Verbandes der Isolierer von der Beschäftigung in unseren Verbandsfirmen aus- zuschließen. 2. Es ist also auch nicht wahr, daß wir schwarze Listen ver- senden, die sich mit der Zugehörigkeit zum Verband der Isolierer befassen, und die das Koalitionsrecht der Isolierer unterbinden sollen. 3. Es ist nicht wahr, daß die Firma Posnansky u. Strelitz in Berlin Isolierer ausgesperrt hat; selbst das Organ des Ver- bandes der Isolierer, der„Grundstein, hat in seiner Darstellung dieser Angelegenheit der Wahrheit gemäß berichtet, daß die bc- treffenden 19 Isolierer die Arbeit freiwillig niedergelegt hatten, d. h. in einen Streik eingetreten waren." Zu dieser„Berichtigung" ist zu bemerken, daß die zehn Arbeiter bei der Firma Posnansky u. Strelitz die Arbeit niedergelegt haben, weil sie bei den angebotenen Akkordpreisen nicht mehr zu- rechtkommen konnten. Die Organisation der Arbeiter bekämpft gerade die Anmaßung der Unternehmer, die Isolierer zu zwingen, zu selbstherrlich festgesetzten Preisen zu arbeiten oder— die Arbeit niederzulegen. Was die schwarzen Listen anbetrifft, so wird diese ,/gerichti- gung" widerlegt durch eine andere Berichtigung in der gleichen Angelegenheit, die der„Grundstein" erhielt(Nr. 49), und worin es heißt: „Als Herr Samuels(ein Inhaber der Firma P. u. St.) dem Centralverband der Jsolierfrrmen Deutsch- l a n d s und somit den übrigen hiesigen Firmen der Branche von der Arbeitsniederlegung der zehn Isolierer Kennt- nis gab, handelte er nicht als Vorsitzender, sondern als Mitglied des Verbandes und war dazu nach den Vorschriften des Ver- bandes.... verpflichtet." Na also! Somit ist doch die Wirkung der schwarzen Liste erzielt, und diese Wirkung nennt man eben: eine schwarze Liste herausgeben. Tatsächlich wurden verschiedene Arbeiter mit der Begründung abgewiesen, daß sie nicht«ingestellt werden könnten, weil sie zu denen gehören, die bei P. u. Stz die Arbeit niedergelegt haben. Nun hört sich der erste Punkt der Berichtigung ganz sonderbar an, wenn man erfährt, daß dieselbe Firma, die hier berichtigt, daß das Bestreben der Vcrbandsfirmen keineswegs dahin geht,„die Mit- glieder des Verbandes der Isolierer von der Beschäftigung in Verbandsfirmcn auszuschließen",— daß dieselbe Firma Arbeitern die Anstellung verweigert, weil sie dem Verband« an- gehören. Einem Arbeiter wurde sogar erst die Anstellung zu- gesagt und dann die Zusage zurückgezogen mit der Begründung, daß man seine Zugehörigkeit zum Verbände festgestellt habe. Und Herr Samuels, ein Inhaber der Firma, besitzt einen matzgebenden Ein- fluß im Verband der Jsolierfirmen.— Daniit ist der Wert dieser Berichtigung wohl genügend charak- terisiert.—_ Lohndifferenzen im Beltener Töpfergewerbe. In der norddeutschen Kachelofenmetropole Velten hatten am 1. Juli d. I. die Töpfer den Tarif gekündigt, der am 1. Okober d. I. abgelaufen ist. Die Verhandlungen zogen sich durch das Verschulden der Fabrikanten sehr in die Länge und ergaben schließlich, daß auf die Muster der zurzeit bevorzugten neuen Stilrichtung die Arbeiter einigermaßen zufriedenstellende Löhne erzielten. Bei den Oma- menten älteren Stils und beim glatten Handkachelzeug wollen sich aber die Unternehmer z» keinerlei-Zugeständnissen bequemen. Da jedoch diese Ware zu einem erheblichen Prozentsatz noch in Velten hergeßellt wird und weiter vermutet wird, daß sie zukünftig sich wieder noch mehr einbürgern dürste, sind die Töpfer mit dem bisher Erreichten keineswegs zufrieden. Eine am 15. Oktober abgehaltene und stark besuchte Versammlung beschloß, bis zum Freitag, den BerantW.Redakt.: CarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw,: 21. Oktober, die Arbeit fertig zu stellen und in den Streik zu treten, falls nicht bis dahin auch in der Frage der Arbeiten alten Stils befriedigende Zugeständnisse erfolgt sind. DcutTchcs Reick). Metallarbeiter! Die Differenzen der Werkzeugmacher und Metallarbeiter auf dem Messingwerk Hcegermühle bei Ebersloalde sind beigelegt, und die Sperre ist hiermit Aufgehoben. Deutscher Metallarbeiterverband. Bezirksleitung. Die gesamte Belegschaft der Schwcrspatwcrke bei Sontra und Nentershausen aus dem Riugau(Hessen-Nassau) ist in den Ausstand getreten und gestern morgen nicht eingefahren. Die Ursache des Ausstandes ist darin zu suchen, daß die Arbeitszeit von 8 auf 3 Stunden verlängert werden sollte. Saarabisches aus dem Ruhrrevier. Eine treffliche Illustration über das sklavische Mhängigkeits- Verhältnis der Einwohner der Zechenwohlfahrtstolonien zu den Grubenverwaltungen bietet nachfolgendes Vorkommnis: Auf Zeche „Königsgrube" bei Wanne wurde zwei Tage vor der Knappschafts- ältestenwahl gefeiert. Der Direktor Bonacker ließ nun durch den Kolonievogt Fuchs sämtliche in der Kolonie wohnende Ausländer, die zur Knappschaftswahl wahlberechtigt waren, aus das Steiger- bureau bestellen. 73 Mann hatten sich eingefunden. Zunächst niußten sich die Kostgänger allein aufftellen. Tann mußten die- jenigen vortreten, die einer Organisation angehörten. 14 Mann traten vor. Nun muhten diese sich wieder gesondert nach Organi- sationen aufstellen. Die Gruppe Bergarbeiterverband war die größte und wies 8 Mann auf, dann folgte der Gewerkverein mit 4 Mitgliedern und die Hirsch-Dunckerschen mit 2 Mitgliedern. Darauf wurden die Verbändler entlassen, nachdem ihnen der Direktor scharf ins Gewissen geredet hatte, sich doch lieber in den Gewerkverein überschreiben zu lassen. Diese Organisation passe ihm, so erklärte er. Jetzt mußten sich alle um einen großen Tisch setzen, der zu den Steigerkonserenzen verwandt wird. Mitten da- zwischen mußten die Steiger sich niederlassen. Nun begann der Herr Direktor seine Rede. Als er einige Worte hervorgebracht hatte, setzte ein Oesterreicher, dem die Sache offenbar ungemein komisch vorkam, ein lächerliches Gesicht auf. Der strenge Blick des Direktors hat den Uebcltäter schon erwischt. Zuni Kolonievogt Fuchs gewendet:„Fuchs, schreiben Sie den Mann auf!— Kommt mir das nochmal vor, muß ich Strafe verhängen."— Und dann hielt der Herr Direktor eine Agitationspauke gegen den Berg- arbeiterverband, die einem M.-Gladöacher Zögling alle Ehre machte. Doch auch dies hat nichts nutzen können, denn es wurde trotzdem der Verbandskandidat gewählt. Der Straffenbahnerstrcik in Bremen. Bremen, 13. Oktober.(Privattelegramm des„Bor- wärts".) Auch heute ist nicht ein einziger Wagen gefahren. Der gestrige Materialschaden wird auf 799 M. veranschlagt. Das Streik- brecherlogis war bereits in aller Frühe von einer großen Menschen- menge umlagert. Die Polizei verstärkte gegen abend die Posten bedeutend und nahm Absperrungen von. Die Streikbrecher sind zu folgenden Bedingungen engagiert: Tagelohn 3,59 M., freie Kost und Logis. Wenn der Streik binnen drei Tagen beendet ist, gibt es für jeden einen Judaslohn von 29 M. extra. Dauert er 8 Tage, dann einen solchen vsn 19 M. Außerdem in allen Fällen freie Rückfahrt nach Hamburg. Einige Arbeitswillige sind schon wieder fortgelaufen. Heute morgen fanden Einigungövcrhandlnngen auf der Polizeidirektion statt, die aber kurz nach Eröffnung vertagt werden mußten, da die Lohnkommission die Hinzuziehung der Or- ganisationsvertretcr verlangte. Räch Wiedereröffnung der Sitzung ivurde die Frage der Hinzuziehung der Vcrbandsvertreter nochmals aber ohne Erfolg ventiliert. Polizeisenator L ü r m a n n verlangte von der Kommission, daß sie die Streikenden beeinflusse, sich ein- verstanden zu erklären, daß die Verhandlungen ohne die Organi- sationsvertreter gepflogen würden. Dieses Ansinnen lehnte die Kommission strikte ab, erklärte aber gleichzeitig, daß sie jederzeit zu Verhandlungen bereit sei. Ein Streikbrccherhänptling vor Gericht. Der Geschäftsführer der sächsischen gelben Arbeitswilligen- garde und„Redakteur" des Crimmitschauer Streikbrecher» organs, der„Nationalen Volkszeitung", Max G n e u ß. stand wegen Beleidigung der Genossen Hecht-Kirchberg und Fiedler-Crimmitschau als Angeklagter vor dem Crimmitschauer Schöffengericht. Lange, viel zu lange, haben unsere dortigen leitenden Genossen die Ehrabschneiderei und Reichsver- bandsmanieren des gelben Organs erduldet, ohne darauf zu reagieren. Höchstens, daß man den nationalen gelben Maulhelden in der Presse ordentlich eins verwischte, sonst ließ man sie laufen. Als daS Blatt dem Genossen Hecht anläßlich seiner Versetzung vor- warf,„daß er seine Rolle in Crimmitschau ausge» spielt habe, weil ihm der Boden zu heiß geworden sei und daß er in Kirchberg auchkeine Bäume um- reißen werbe" und ihm noch andere Verdächtigungen nach- sagte, hatte die Geduld unserer Genossen ein Ende. Vor Gericht bestritt der sächsische Hintze Nr. 2 die Absicht der Beleidigung, er erklärte, daß er dem Genossen Hecht nichts Ehrenrühriges nachsagen könne und nachgesagt habe. Es seien nur allgemeine Redensarten(!!), die er gegen Hecht gebraucht habe und die der Bekämpfung des sozialdemokratischen Systems dienen sollten.(!!) Dieser Kampf bringe solche scharfe Polemiken her- vor, meinte sein aus dem Crimmitsckzauer Kampfe und seinen ge- richtlichen Nachspielen bekannte Rcchtsbeistand Rechtsanwalt T i e tz e und bezog sich dabei besonders aus unser Zwickauer Par- teiorgan, das den Kamps gegen das gelbe Streikbrechergesindel schon seit Jahren führt. Das Gericht fand offenbar auch wenig Ver- ständnis für diese Verleumdermanier gelber Pretzhelden und ver- urteilte, obwohl der Vorsitzende, ein junger Amtsrichter, es für nötig hielt, der„Leipziger Volkszeitung" so nebenbei und ganz un» motiviert einen Hieb zu versetzen, den Leiter der sächsischen Ar- beitAvillen-Gesellschaft m. b. H. wegen Beleidigung zu 2 9 M. Geldstrafe, event. 4 Tagen Haft und Tragung der Kosten._ Achtung, Metallarbeiter! Die Sperre über den ArbeitSnach- weis des Mctallindustriellenverbandes in Leipzig besteht un- verändert fort. Die Leipziger Metallindustriellen machen krampfhafte Ver- suche. Arbeitskräfte von auswärts heranzuziehen. Da vielfach die Meinung verbreitet ist, daß nur der Arbeitsnachweis gesperrt ist, machen wir darauf aufmerksam, daß alle Metallarbeiter mit Aus- nähme der Bauklempncr, Metalldrücker, Feilenhauer, Graveure und Heizungsmonteure Leipzig pollständig zu meiden haben. Arbeiterfr�undliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Die Ortsverw. des Deutschen Metallarbeiterverbandes Leipzig. Zum Streik der Hamburger CafökeNner. An dem nunmehr drei Wochen dauernden Streik sind 499 Cafö- kellner beteiligt, die nach dem Machtgebot der Cafetiers ein halbes Jahr lang keine Arbeit erhalten sollen. Die Kellner hatten einen kostenlosen Arbeitsnachweis, den anzuerkennen sich die Cafeinhaber weigerten. Die Kellner sollen den gewerbsmäßigen Stcllenvermitt- lern zur Aussaugung überwiesen werden und für eine Vermittlung bis 29 M. zahlen. Obwohl die Cafetiers reinen Pfennig Lohn zahlen, müssen die Kellner ununterbrochen bis zwölf Stunden pro Tag arbeiten und bis eine Mark Putzgeld zahlen, Hausdiener, Auf» Waschfrauen unterhalten, Streichhölzer usw. kaufen.__ IH.«lecke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BcrlagsanstaU Die organisierte Arbeiterschaft von Hamburg, Mona und Um» gegend hat am Montagabend zu diesem Verhalten der noblertz Cafetiers Stellung genommen und den Boykott über diejenigen Cafes verhängt, deren Inhaber die Aushungerung der Streikenden beabsichtigen. Dreizehn Cafetiers haben sich mit ihren Kellnern friedlich geeinigt, während über etlva 39 Cafes der Boykott ver- hängt ist. JJuslAnd. Eine Lohnbewegung der Goldarbciter Wiens dürfte infolge der vom Unternehmcrverband kommandierten HalsstarrigkeK den Unternehmer in den nächsten Tagen zum offenen Konflikt führen. 2999 Arbeiter kommen in Betracht. Rascher Erfolg. Die Bediensteten der verstaatlichten Oester- reichischen Staats-Eisenbahn-Gesellschaft, kurzweg" Steg genannt, hatten Forderungen eingereicht, deren Erledigung die Regierung verschleppen wollte. Kurz vor dem Beginn einer Monsterversammlung der„Steger", die Sonnabend den Eintritt in die passive Resistenz beschließen sollte, traf die Bewilligung der Forderungen ein._ Straszenbahneransstand in Pola. Wegen nicht bewilligter Lohnforderungen sind die Bediensteten der elektrischen Straßenbahn von Pola in den Ausstand getreten. Ein Streik ägyptischer Bahnarbeiter. Eine große Anzahl von Angestellten der Regierungsbahnen in Oberägypten sind in den Ausstand getreten. Sie verlangen höhere Löhne und erheben auch gegen das berrschende Slrasgeldsystem Widerspruch. Es handelt sich namentlich um die Angestellten der Eisenbnhnwerkstätten von B u l a k, welche die Absahn von Lokomotiven nach Oberägypte» verhinderten. Aegyptische Truppen be- wache» diese Eiienbahnwerkstältcn. Unter dem Eisenbahnpersonal herrscht große Erregung. Die Polizei wurde mit einem Hagel von Steinen empfangen, worauf es zu einem hefligen Zusammenstoß kam, bei dem viele Verwundungen vorkamen und mehrere Verhaftungen vor« genommen wurden._ Hetzte ffadmebten« Wieder einer? Berlin, 18. Oktober.(„Vreß-Telegraph".) In der Leitung des preußischen Kriegsministcrium bereitet sich ein Wechsel bor. Die Stellung des Kricgsministers von Heeringeu darf — lvie der Preß-Telegrapb aus wohlin formierter Quelle er- fährt— als erschüttert gelten, so daß bereits in Kürze mit seinem Rücktritt gerechnet werden muß. In informierten Kreisen sollen als Nachfolger des Kriegsministers von Heeringen in Bstracht kommen: der Chef der Landgendarmerie Generalleutnant Freiherr von Mcdcrn und der Oberst mit dem Range eines Brigadekommandeurs Herr von Gontard, der voraussichtlich bereits am 22. Oktober, deni Geburtstag Ihrer Majestät der Kaiserin zum General- major befördert werden wird. Bon der Wcllmanschen Ffnhrt. Washington, 18. Oktober.(W. T. B.) Präsident Taft hatte das Marineamt beauftragt, alle Maßregeln zur Rettung Well» maus zu treffen und nötigenfalls ein Kriegsschiff zu entsenden, um Wellman aufzusuchen. Im Marineamt ist man der Ansicht» daß Wellman Glück gehabt hat, weil der Teil des Ozeans, wo Well- man aufgefunden wurde, außerhalb der gewöhnlichen Dampfer- route liegt und nur zwei Dampfer einen regelmäßigen Dienst zwischen New Uork und Bermuda machen. Jedenfalls aber habe der Ballon„Amerika" eine uiiunterbrochrue Fahrt von 69 Stunde» zurückgelegt und damit alle Distanz- und Zcitrekorde geschlagen. New Aork, 13. Oktober. Eine drahtlose Meldung des Damp- ferS„Trent" an die„Associated Preß" besagt: Der Ballon „Amerika" telegraphierte dem„Trent" um iVi Uhr früh, die Mannschaft wolle den Ballon verlassen. Der„Trent" wurde er- sucht, dem Ballon, der mit einer Geschwindigkeit von 12 Meilen dahinflog, zu folgen. Die Niederlassung des Rettungsbootes des Ballons gestaltete sich sehr schwierig. Nachdem das Boot loL- gemacht war, schoß der Ballon in die Höhe. Wellman erklärte, der Ballon sei so weit auS dem Kurs getrieben worden» daß er es nicht für ratsam gehalten habe, weiterzufahren. Ter Polizeisäbcl in Bremen. Bremen, 18. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts.") Bei den Absperrungen am Hafenkamp kam es auf dem Spiel- platz zu Zusammenstößen mit der Polizei. Letztere ging ln Trupps von 20 Mann mit der blanke» Waffe vor und hieb auch auf Frauen und Kinder ein. Der Berichterstatter der „Bürgerzeitung" wurde, trotzdein er sich legitimiert hatte, tat- lich angegriffen. Aus einer Wirtschaft wurden- die Gäste, darunter ein siebenjähriger Knabe, herausgeschleift. Landtagscrsatzwahl in Plauen-Land. Plauen i. B., 18. Oktober.(W. T. B.) Bei der heutigen LandtagSersatzwahl im Wahlkreise Plauen-Land wurden abgegeben für den Landwirt Sammler(k.) 5414, für den Postsekretär Rausch (natl.) 2149 und für den Parteisekretär Meier(Soz.) 2153 Stimmen. Sammler ist somit gewählt. Erschaffen aufgefnnden. Trier, 13. Oktober.(W. T. B.) Der Zolldirektor in Lome (Togo), Max Reinhard» ist heute mittag in seiner hiesigen Woh- nung mit durchschossenem Kopfe aufgefunden worden. Reinhard wollte in vierzehn Tagen heiraten. Es wird Selbstmord ange- nommen, doch ist die gerichtliche Untersuchung hierüber noch nicht beendet._ Millionenunterschlagung eines russischen Staatsbeamten. Petersburg, 13. Oktober.(„Preß-Telegraph".) Der Ober- ingenieur Oberstaatsrat Alexandrow ist aus seinem Bureau hin- weg verhaftet worden. Eine Haussuchung in der Wohnung dcS Verhafteten hat Dokumente zutage gefördert, die eine Millionen- Unterschlagung bei russischen Bahnbauten erkenne» lassen. Die Höhe der Unterschlagungen konnte noch nicht festgestellt werden. Massenauswanderung. Cetinje, 18. Oktober.(W. T. B.) Die Auswanderung auS den Wilajets Kossowo und Stutari nach Montenegro nimmt täglich größere Dimensionen au und setzt die montenegrinische Regierung immer größere» Bcrlcgenhcite» aus. Alle Bemühungen der Emi- granten, straflos in ihre Heimat zurückkehren zu können, haben temen Erfolg. Heute hat die Regierung allen hiesigen Vertretern der Großmächte ein Memorandum überreicht, worin sie auf die schwierige Lage hinweist, in der sie sich befinde. Ein Ausschuß von Bürgern hat einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen, worin mn freiwillige Gaben für die Emigranten gebeten wird. Ans Land geschwemmt. Rudkjoebing(auf Langeland), 18. Oktober.(W. T. B.) Heute morgen wurde am Brolhkkestrand die Leiche eines etwa 39jährigcn Mannes» anscheinend eines Seemannes oder Fischers, gefundeir. Die Leiche trug einen Rettungsgürtel mit der Aufschrist: Unter- Weser._____ Waul Singer Se To, Berlin AV. Hierzu 3 Beilage««.U-terhaltung»»». |i. 245. 27. Jahrgang. 1. Wim des Joniiiits" fftliiin Mittllioch, 19. Oktober 1910. Glieder eine Grubenkata!trop!)e. Der Tod hält im deutschen Bergbau reiche Ernte. Nach- dem erst am Montag mehrere brave Bergknappen auf Zeche Shamrock ihr Leben lassen mußten und eine größere Anzahl Bergleute im Interesse des Kapitalismus zu Krüppeln geschlagen wurden, kommen schon wieder Nachrichten über ein schweres Grubenunglück. In dem Schacht des K a l i b e r g- Werks Siegfried in Groß-Giesen bei Sarstedt (Provinz Hannover) erfolgte am Dienstag früh sechs Uhr eine Dynamitexplosion, durch die wahrschein- lich fünfzehn Arbeiter getötet wurden. Das Unglück ereignete sich 750 Meter unter Tage beim Sprengen von Kalisalzen. Es wird vermutet, daß eine Kiste des zum Sprengen der Salzblöcke benutzten Dynamites explodiert ist und die Katastrophe herbeiführte. Die von den Kameraden der Ver- nnglückten in opferwilligster Weise vorgenommenen Nettungs- arbeiten wurden durch die im Schacht befindlichen Explosions- gase so sehr erschwert, daß zwei zur Rettung in die Tiefe Gestiegenen durch Einatmung der Gase erstickten. Bis zur Stunde ist es erst gelungen, einen der Verunglückten tot ans Tageslicht zu bringen. Als feststehend ist leider an- zunehmen, daß auch die übrigen zivölf Mann, die auf der Sohle beschäftigt waren, der Explosion zum Opfer gefallen sind. Mit heroischem Mute versuchen die Rettungsmannschaften immer wieder, in den Schacht einzudringen, um den untröst- lichen Anverivandten der Verunglückten Gewißheit über das Schicksal ihrer Lieben zu geben. Doch die furchtbare Hitze und die entwickelten Gase treiben die Heldenmütigen stets wieder zurück. Von den RettungsnianNschaften sind die meisten an Erstickungsanfällen erkrankt. Die königl. Bergbehörde teilt am Dienstag über das schwere Unglück folgendes mit: Heute früh gegen 6 Uhr er- eignete sick auf dem Kalisalzbergwerk der Gewerkschaft„Sieg- fried" in Groß-Gießcn. Landkreis Hildesheim, eine Gruben- explosion. Ein Arbeiter und zwei Rcttungsleute sind tot und geborgen, etwa 12 Leichen sind noch zu bergen. Art und Ursache der Explosion sind noch nicht feststellbar; man nimmt an, daß eine Explosion der zum Schießen gebrauchten Dynamitkisten erfolgt ist. Die Bergungsarbeiten der Leichen sind im Gange, werden aber durch die Explosionsgase sehr erschwert. Schacht und Grubenbau sind mit Ausnahme des Ortes der Explosion un- versehrt. Oberbergrat Müller und Bergrat Richert be- finden sich seit heute früh an der Unfallstätte und leiten die Rettungsarbeiten._ Hus der IReichsvertichernngsordminss- Kommiflion. Sitzung vom 18. Oktober. Die Beratung des 6. Buches zog sich sehr in die Länge. Es handelte sich um die „Beziehungen der Berfichernngströger zu einander und zu anderen Berpklichtetcn". Dazu hatten die Berufsgenossenschaften eine ganze Reihe von Anträgen eingereicht, die Abg. Temmler aufnahm und durch- zubringeN" suchte. In einigen Punkten wurde dann auch wirklich der Entwurf nach den Wünschen der BerufSgenossenschasten verschlechtert, freilich waren die Aenderungen durchweg von geringerer Bedeutung. Auf der anderen Seite werden auch die meisten Berbesserungs- antrüge der Sozialdemokraten abgelehnt. Besonders hervorzuheben ist aus der Sitzung nur folgendes: Wenn ein Arbeiter infolge eines Betriebsunfalles verletzt ist, steht ihm nach Ablauf der ersten 18 Wochen für die Zeit seiner Krankheit der Anspruch an seine Krankenkassen zu, und außerdem kann er meistens von der Bernfsgenossenschaft die Unfnllentschädigung ver- langen. Um eine doppelte Entschädigung in zu weitem Umfange zu vermeiden, schreibt der Entwurf der ReichsversichcrungSordnung vor, daß die Krankenkasse— wenn nicht andere Vcreinbarniigen mit den BerufSgenofienschaften getrosten sind— den Verletzten die statutengemäßen Leistungen gewähren»ruß. Dafür sieht der Kasse ein Anspruch ans den Ersatz ihrer Leistungen an die Berufsgenossen- schuft zu, die dann ihre Leistungen an die Verletzten in demselben Viaße kürzt. Der Anspruch auf diesen Ersah soll aber nach dem Entwurf ausgeschlossen sein, wenn er nicht spätestens sechs Monate nach Beendigung der Kastcnleistungen bei dem Träger der Unfall- versichern»« gellend gemachl wird. DaS ist eine Verschlechterung deS geltenden Rechtes, in dem die Frist auf d r e i yM o n a t e festgesetzt ist. Dabei hat die Erfahrung gezeigt, daß die kürzere Frist bei ordnungsgemäßer Ge- schäftsführuiig der Krankenkesseii völlig genügt. Je länger aber die Frist ausgedehnt wird, desto nachieiliger ist das für die Verletzten, deren Rente nachträglich noch gekürzt ivird. Aus Antrag der Sozialdemokraren wurde die Frist wieder auf drei Monate beschränkt. Nächste Sitzung morgen. )Zu3 aller mdt. MettniÄN gelandet. Zwei Tage lang waren die Amerikaner, die erst über daS immer wieder aufgeschobene Fluguiiternehmen ihres etwas reklamesüchtigen Mitbürgers spotteten, über den Verbleib WellmanS im unklaren. Die Funkenstation in SiaSconset haste sich mit allen durch droht- lose Telegraphie erreichbaren Schiffen in Vcrbindniig gesetzt, aber nichts über den Aufenthalt des Ballons in Erfahrung bringen können. Man hegte große Besorgnis, daß Wellman vom richtigen Wege abgekommen sei, weil sein Ballon fast vom Augenblick des Ausstieges an vom Nebel emgeschlostcn war. Die Besorgnis um das Leben WellmanS und seiner Begleiter war grundlos, denn ein drahtloses Telegramm des Kapitäns deS Dampfers.Trent' meldet nach Neiv Uork, daß Wellman und seine Begleiter sich an Bord des Dampfers befinden. Der Kapitän sichtete gester» früh S Uhr den Ballon„Amerika', der signalisierte, daß er Hilfe brauche. Nach drcistüudtg-m Manövrieren bei starker Brise wurde die Luflreiicgescllschaft an Bord des Dampfer« gebracht. Der Ballon wurde nach der AnSschlffnng der Insassen seinem Schicksal überlassen. Die Rettung erfolgte ungefähr 400—500 Seemeilen südlich von Sandy Hook etwa unter dem 35. Breitengrade und dem 53. Längengrade. Allzuweit hat sich demnach der Ballon nicht vom Festlande entfernt._ Der Tod in den WeNen. Während eines Sturmes auf der Ostsee ist wahrscheinlich der der Hamburger Reederei Kirsten gehörige Dampfer „Valeria" untergegangen. Das Schiff ist seit zwei Tagen überfällig und befand sich auf der Rückfahrt von Petersburg. Von der Besatzting sind vier mit Rettungsgnrteln versehene Leute auf der Insel Oesel als Leichen anget riebe« worden. Das Schicksal der übrigen zwölf ist unbekannt. Auch aus Südamerika bringt der Telegraph die Meldung über den Untergang eines Dampfers. Der einer argentinischen Reederei gehörende Dampfer„Port Maritack" hat bei Kap Frio Schiffbruch erlitten. Zwölf Per- sonen sind umgekommen; das Schiff ist verloren. Ein Kaplan als Revolverheld. In der ungarischen Gemeinde C s o r n a stellte der Kaplan Sütö den Redakteur des dortigen Wochenblattes auf offener Straße zur Rede, weil er sich durch einen Artikel des Blattes getroffen fühlte. Im Verlaufe der Auseinandersetzung richtete der Kaplan den Lauf eines Revolvers mit der Bemerkung gegen die Brust deS Re« l�oäerne Journalistik. Manchmal begehe ich in dieser oder jener albernen Träumerei die Torheit, mir einzubilden, daß ich fünfzig oder hundert Jahre später lebe. Dann nehme ich die Bücher der bedeutendsten Autoren, die hervorragendsten Zeitschriften, die bekanntesten Tagesblätter des längst verflossenen Jahres 1910 zur Hand— und wundere mich, wundere mich entsetzlich. Ich wundere mich mit dem Erstaunen eines denkenden Menschen, eines einfach denkenden D u r cd- schnittsmenschen aus dem Jahre 1960 oder 1970 über die literarische Produktion der herrschenden Klasse um 1910. Sind sie � denn vor fünfzig Jahren(träume ich) alle dem Vogel Strauß gleich gewesen, daß sie nicht sehen wollten oder nicht zu sehen wagten, oder steckte die gewaltigste gesellschaftlich und geistige Bewegung, die mächtiger als das Christentum und grandioser als alle früheren revolutionären Strömungen über die Welt zog, damals im Jahre 1910 noch so tief in den Kinderschuhen, war sie noch so unbedeutend und hilflos, genoß sie noch so wenig Ansehen, daß die meisten noch nichts von ihr wußten oder sich ihr gegenüber spöttisch verhielten? Ich schlage die Werke der besten Autoren, der allerrenommiertesten, aus, und suche vergebens nach der schwächsten Widerspiegelung des gigantischen Zusammenstoßes zwischen Kapital und Arbeit. Hat (frage ich 1960) Hauptmann nach seinen Webern nicht mehr gelebt? Hat er nichts gesehen, nichts beachtet, nicht entrüstet ge- litten beim Ringen derer, dir nach oben zu gelangen trachteten? Welch ein entsetzliches Vlindeknhspiel trieb man denn in jenen. Tagen, daß so viele helle Köpfe, so viele Männer mit ursprünglich bedeutsamem Talent, nichts gehört, nichts begriffen, nichts er- gründet, nichts vorempfundcn haben. Ich nehme(immer um 1960) die Romane und Dramen von Fulda, Sudcrmann, Wedekind, Hirschfeld. Schnitzler, v. Wolzogen, Klara Viebig, Hermann. Thomas Mann, Gabriele Reuter, und wie sie sonst noch heißen, in die erstaunten Hände und suche nach einem Echo, einem Reflex, einer erzürnten Stimme. Nichts. Nicht der leiseste Widerhall. Und weil mir diese überraschende Uebereinsiimmung bei den besten dieser Dichter, so gegen 1910, unerklärlich erscheint, und ich anderer- seits doch gezwungen bin, aus den anschwellenden Ereignissen jener Tage anzunehmen, daß die Alarmglocken damals doch säst jeden, und sicher die Intelligentesten, wach geläutet haben müssen, suche ich nach einer Erklärung. Was war die Ursache? Wie kam das? Warum lebten so viele außerhalb ihrer Gemeinschaft, außerhalb des Besten ihrer Zeit? Warum wirkten sie, trotzdem die meisten von ihnen finanziell unabhängig waren, ausschließlich für die Herr- schende Klasse, für ihren eigenen Ruhm, ihre eigenen Interessen. ibre eigenen Freuden? Warum waren sie durch ihre„neutrale" Haltung Feinde des Proletariats und der proletarischen Lebens- anschaunng? Warum wagte sich keiner der„modernen" Dichter um 1910 in das Gedränge einer politischen Arbeiterversammlung? Warum...? Warum hüllten sich die besten Zeitschriften in die Clownskleidung der„Objektivität", warum verhielten sie sich vornehm„über den Parteien stehend", warum nahm die„Politik" bei ihnen neben Romanliteratur, Theater» und Kunstkritik usw. eine untergeordnete Stelle ein... L Da ich des Rätsels Lösung nicht finde und nicht zufrieden bin mit dem armseligen Resultat meiner historischen Untersuchungen (ich kebe immer noch gegen 1960), schlage ich alte Zeitungsjahrgänge nach, dicke Bände aus vergilbtem Holzpapier. Mit gierigem Eifer durchblättere ich Monat auf Monat der damals angeschenen„Vos- fischen", das damals einflußreiche„Berliner Tageblatt", und des damals bei Hofe gelesenen Blatt Scherls. Ich trachte ein Bild der damaligen großen Ereignisse in Deutschland, Frankreich, Spanien. Portugal, Rußland zu gewinnen, nötigenfalls ein photo- graphisch-journalistischss Bild— und ich entdecke wohl sensationelle Telegramme, Spalten voll„Neuester Nachrichten"—, aber das tauptsächlichste. Bedeutendste, Markanteste und Prägnanteste jener eit steht hinter einer spanischen Wand verborgen, um weniger Aufmerksamkeit zu erregen, wird mit„feiner Ironie" behandelt oder totgeschwiegen. So gut wie die berüchtigte„Elendsmalerei" aus der Kunst hinweggefegt ist, so gut werden auch die hervor- ragendsten Zeitungen mit Arbeiterangelegenheiten und Arbeiter- interessen so viel wie möglich verschont. Die bemerkenswertesten Proteste des Proletariats,"Protestversammlungen und Aufzüge, internationale Beschlüsse und Massenkundgebungen, wie sie in keiner anderen Geschichtsperiode, nicht einmal in den Revolutionstagen der Bourgeoisie selbst zu finden sind, werden bei Wiederholung mit ein paar Zeilen in einem unwichtigen Artikelchen vertuscht. Wenn ein Riesenstreik oder eine Ausschließung länger als einen oder drei Tage währt, scheint das in den Jahren um 1910 iherum die Leser zu langweilen, sucht man vergeblich einen schlichten Bericht. Wenn der französische Eisenbahnerstreik nicht tägliches Ungemach mit Reisenden, Gepäck und Briefen gezeitigt hätte, würde man schon wieder über etwas anderes geredet haben— vermute ich: 1960. Die Energie, der Mut, die Aufopferung Zchntausender, das prächtige Schulter an Schulter marschieren spielt keine Rolle. Ein durch einen Säbelhieb getöteter Arbeiter kommt nicht in Betracht. Leonidas, der mit seinen dreihundert Spartanern im Paß von Termophylä kämpfte und starb, ist ein Held, ein von Gott erkorener Großer— die modernen Proletarier, die tagtäglich ohne viel Ge- schrei, ohne äußere Ausdringlichkeit gegen einen mächtigeren Feind standhalten, die oft aus Solidaritätsgesühl ihre Familie verhungern lassen und aus Solidaritätsgesühl zu den schönsten Taten gelangen, Taten, die eines Homer würdig wären, heißen nicht Helden, nicht vortrefsliche Menschen, sie nennt man Vaterlandsverräter, unzu- friedcnes Gesindel, Ausschuß, wosür die Maschinengewehre noch zu gut sind. Ich blättere weiter in der Journalistik aus 1910... Ich lese in einem Telegramm von vier Zeilen über eine Grubenexplosion irgendwo in Amerika, wobei 200 Bergarbeiter umgekommen sind. In vier kurzen, kaum die Aufmerksamkeit erregenden Reihen steht es da, die Todesnachricht von 200 Menschen— und gleich daneben wird ausführlich und anregend in stattlich-breiten Spalten die Be- schrcibnng einer„Metropoltheaternacht" gegeben. In derselben Nacht ist ein neues Luxuslokal, wo nur Sekt getrunken werden darf, das„Trocadcro"(Unter den Linden) eröffnet worden. Man höre was der Journalist mit verklärten Augen darüber schreibt: „%3 Uhr nachts. Ich sitze im„Trocadcro" nnd muß die Füße hochhalten, weil unter mir eine Flasche Sekt auf dem neuen Teppich ihr Dasein aushaucht. Gott sei Dank habe ich zu ihr nicht die ge- ringsten Beziehungen. Aber in diesem kleinen gelben Vergnügungs- dakteurS:„Nun werden wir abrechnen". Der Redakteur schlug dem Kaplan jedoch den Revolver aus der Hand. Der schießlustige Gottes- streiter zog es nun vor. die Abrechnung auf eine spätere Zeit zu verschieben, denn er rückte aus und zog sich in das Kloster zurück. Da? versuchte Attentat auf den Redakteur wird noch ein gerichtliches Nachspiel haben._ Neues Unwetter auf Kuba. Nachdem erst vor einigen Tagen ein Orkan auf der Jissel Kuba große Verheerungen angerichtet und viele Menschen zum Opfer ge- fordert hatte, ist am Montag wieder die Insel durch einen Sturm heimgesucht worden. Wie aus Havanna gemeldet wird, stieg die Wasserhöhe in der Stadt infolge des Orkans derart, daß d a S n ö rd li cd e Stadtviertel Überschwemmt wurde. Die Städte Martinas, Guana le Grifa, Punta Carpes, Cortez und der größte Teil von Artemisa sind zerstört worden. Die Zahl der bei dem Sturm ums Leben Gekommenen und Verletzten wird auf etwa 1000 ge- schätzt. In den Provinzen sind Tausende obdachlos. Auch die Halbinsel Florida, die südlichste Spitze Nord- amerikaS, ist von dem Unwetter schwer getroffen worden. Die Eisen- bahn ist meilenweit überflutet oder weggeschwemmt. Die letzte telegraphische Meldung ans Key West besagt, daß da? Wasser im Begriff ist, in das Telegraphengebäude ein« zudringen. Menschenleben siiid auf der Halbinsel nicht ver- nichtet worden, jedoch wird der Schaden auf 1 Million Dollar angegeben._ Kleine Notizen. Ein am Sonntag in Saarbrücken anfgestiegeiter Ballon wurde wahrend seiner Fahrt nach Frankreich abgetrieben. Nach Angabe der Fahrtieilnehmer erhielt der Ballon über dem Fort von Verdun in der Nacht Feuer von französischen P o st e n; die Balloniiisassen blieben aber unverletzt. Der Führer suchte darauf höhere Luftschichten auf. um auS Frankreich herauszukommen. Nack Slilündiger Fahrt landete der Ballon glatt in der Nähe von Eltville am Rhein. Bei einer Kirchiveihfeier in Straubing in Bayern kam es im Gasthanse zum bayerischen Hos zu eineni Streit zivischen dem Wirt und zwei tumillluicrenden Gäste». Der Wirt griff zum Revolver und erschoß den einen, der zweite wurde durch zwei Kugeln schwer verletzt. Eifenbahnnnfall. Bei der Einfahrt in die Station Tauf« k i r ch e n stieß ein von Diesenhofen in Bayern abgegangener Lokal- bahnzug infolge Ueberfahrens des Haltesignals auf eine» rangierenden Güterzirq. 13Personen wurden leichtverletzt. 11 Wagen sind beschädigt. Um 65 V00 Kronen betrogen wurde die L e m b e r g e r Filiale der österreichischen Kreditanstalt von einem zugereisten Fremden. Er zeigte an der Kasse ein gefälschtes Aliftragichrelben vor und erhielt die Slimme anstandslos ausgezahlt. Von dem Schwindler fehlt jede Spur._ Eingegangene Druckfchnftcn. Die Inden in Deutschland. Von einem jüdischen Deutschen. 1 M. K. CurtiuS, Berlin IV. 35. Di« Tpieiertn, Roman von R. Saudek. 4 M., geb. 5 M. Verlag von Karl Rcißncr in Dresden. Gerechtigkeit! Ein altes Wort an die moderne Christenheit von S. Kutter. 2,50 M., geb. 3,50 M.— Im K»ipf»m die Christnsmyth«. on F. Stendel. 1,50 M.— Das werdende Dogma vom Leven Jesu. Von S. LnbliilSki. 3 M., geb. 4 M.— Tie müsse»! Ein offene» Wort an die christliche Gejcllschast von H. Kulter. 2,50 M., geb. 3,50 M. E. DiederichS. Jena. Die Dätigkeit der sozialdemdkratischen Partei in Steiennark. 26 Seiten. A. Ltndner, Graz. Das schwarze Buch der Reaktion. Herausgegeben vom Zentral» vorstand der Dcmokr.Uiichen Bereinigung. 24 S.— Zlngestellte und Demokratie. Von o. Aushäuscr und H. Lüdcmann. 23 S. Demokratische Vereinigung, Schönebcrg, Äoloiiiiciistr£>t. Fischers Bibliothek zeitgenössischer Noinane. Bd. 1. Irrnugcu, Wirrnnge». Roman von TH. Fontane.— Mary. Roman von Blörnstjerne Björnson.— Fraueuseelen. Novellen von Gabriele Neuler. Emzciband 1 M., geb. 1,25 M. S. Fischer, Berlin, Bülowstr. 30 tempel tobt die Stimmung bis an die Decke. Enganeinander gedrückt sitzt die Gesellschaft. Entzückende Frauen und die dazu gehörenden Männer legitimen und illegitimen Charakters lachen und trinken und singen die Refrains der Walzer mit, die eine lustige Wiener Kapelle spielt. Herrgott san mer lustig!... Auf den Gängen tanzen die Paare und stoßen die Sektflaschen mit den Lackstieseln fort, daß sie herumkollcrn wie die Murmeln... Ich bin so müde! Das Leben ist hart-- es ist um„Sektfritze zu werden," sagt Giampietro als Gardeleutnant..(Edmund Edel.) Ich blättere weiter auf meinem Sofa im Jahre 1960, lese zehn Zeilen über zirka zweitausend Arbeiter, die arbeitslos sind, „weil eine momentane Ueberproduktion in der Industrie vor- herrschte"— und daneben ein packend gesch-nebencs, literarisch- sorgfältiges Feuilleton über Essen und Trinken: „Nicht lange mehr und der Frack ist wieder das einzig unent- behrliche Kleidungsstück. Blicken wir jetzt schon tapfer dieser Zu- kunft ins Auge. Nur wenige Wochen noch, und sie ist wieder Gegenwart. Dann harren sie wieder unser: die Bouillon in Tassen, das Filet von Seezunge mit gebackcnen Austern, der Rchrücken und die gctrüffelie Pute, die kurzen dicken Spargel, Eis, Pudding und die Käseschüssel, die der Konditor Herrichten muß, daß sie nicht nach Käse aussieht, sondern eher wie Petit four. Und um die Tische wandeln sie wieder, jene Männer, deren Exterieur ganz dem unseren gleicht, nur daß sie(Hört, Leser!) Baumwolle an den Händen tragen und in den Händen eine Flasche, aus der es schäumt, und die zum größten Teil durch eine Serviette tzerdeckt wird. Teils damit man nicht merkt, mit welcher Marke man zu kämpfen hat und sie erst am anderen Morgen je nach der Art der Kopfschmerzen erkennt. Teils, damit man nicht sieht, daß die Flaschen nie voll sind. Nnd schließlich, damit die Herren in den Baumwollenen sich ungestört den beträchtlichen Rest jeder Flasche selbst einverleiben können. Die Eßouvertüre ist vorbei, die Saison hat uns wieder!" (Kurt Aram.) Ich blättere weiter, überfliege ganze Monate, lese endlose Spalten über Morde, Betrug, aufsehenerregende Prozesse, Theater und Börse— ich lese von dem weltcrschüttcrnden Ereignis, daß eine Dame aus Berlin-Westen zu ihrem Vergnügen, nicht des Geldes wegen, in einem Berliner Kabarett austritt—, ich lese tausenderlei, aber ein wahres, unverfälschtes Bild von dem, was sich im Volke zuträgt, im arbeitende» Volk, das den Hauptteil jeder Nation ausmacht, bekomme ich nicht. Sonderbar, unerklärlich, dieses unbewußte und zum Teil bewußte Lügen, Schweigen, Nicht- beachten oder völlige Einverstandenseiu mit dem, was vorgeht, bei allen„Dichtern", Literaten, Journalisten— um 1910... « Wenn ich dann genug geträumt und gegrübelt habe, halte ich den Kopf unter die Brause, und der Wirklichkeit von 1910 zurückgegeben, frei von dem unsinnigen„Vorauseilen" meiner Gedanken, zwinge ich mich zu praktischer Arbeit und beginne eine Studie im Geist unseres Freundes Dietzgen über„Klassenegoismus, Trocadcro und Eßouvertürcn", in der Hoffnung, daß die Groß- industriellen, die bei der Hundertjahrfeier der Universität soviel Geld für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung gestellt, eS auch mir ermöglichen werden, nach dieser Richtung hin weitere Forschungen anzustellen, Heinz Sperber. Gpierhagen.«uSgewählte Romane. II Serie Cn fflalTetfe. 22 OT. L. Ztaackmann, Leipzig.„. Das Buch vom guten Rade. Seine Entstehung, Benutzung und Behandlung. Ein Leitsaden sür Radfahrer. Von Dr. F. Krone. Hannover, Hetwinglche Verlagsbuchhandlung. 50 Pf. Lese- und DiSkutierklub„Siid-Cft". Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr: bei Neidhardt, Görlitzer Stratze 58: Mitgliederverfammlung. Tagesordnung, Vortrag:„Uelet die Eroberung Spaniens durch die Mauren�. Gäste will- kommen. Sozialdemokratischer Lese- und Diskutierklub„Heine«. Heute Miilwoch, abends 9 Uhr: Sitzung bei Grünberg, Rodeubcrgstr. 8. Gäste wtllloimncn. Arbeiter- Wanderverei»„Berlin«. Heute Mittwoch, abends 8'/, Uhr, im Vereinslokale: Lluberordentliche Generalversammlung. Näheres siehe Inserat vom Dienstag. Amtlicher Marktbericht der städtischen Markiballen-DireMon über den Grotzbandet in den Zentral-Marktballen. Marktlage: Fleisch, Zusuhr reichlich, Gelchäst ruhig, Preise unverändert. Wild: Zufubr ge- nügend. Geschält lebhast. Preise fest. G e s l ü g e I: Zufuhr genügend, Geschäft flau, Preise nicht befriedigend. Fische: Zusuhr mätzig, Geirfmjt ruhig, Preise wenig verändert.«»Iter und Käse: Geschäft ruhig, Preise unverändert. Gemüle. Obit und Süds rächte: Zusuhr genügend, Geschüst ziemlich still, Preise behauptet. aaa macht jedermann vergnügen, um die Abgaben auf SlMorper zu Mildern! Denn für schlechte jOlf� ��hftrümpse mkssen genau dieselben Steuern bezahlt werden wie sür gute! veshalb liegt es heute in jedermanns Interesse, fortan nur noch solche Glühkörper anzuschaffen. welche sich durch hohe Lebensföhlgbeit auszeichnen: die stoß- und schlagfeften BrunoMLHstriimpfe. die außerordentlich elastisch und schmiegsam sind, im abgestammten Sustand sich biegen, umlegen lasten, ohne zu zerbrechen! Diese Bruno-Glühstrümpse stellen sich im Gebrauch äußerst billig und sind in allen einschlägigen Instcillations-. Lampen- etc. verkanssgeschaften erhältlich! Kus Wunsch weist die Vruno-Gesellschaftm.b.y.. verlin, Liebenwalderstr. die nachstgeiegenen vezugsquellen bereitwilligst nach! Theater und Vergnügungen Mittiooch, 19. Oktober. Ansaug?'/. Nhr. NeueS königl. Operu-Dyeatrr. Romeo und Julia. KSnigl. Schauspielhaus. Der KrampuS. Deutsches. Judith. Neues Sctiauivielliaus. Die Jung- srau von Orleans. Ansang a Uhr. Kammer spiele. Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen. Lessing. Wenn der junge Wein blüht. Berliner. Die törichte Jungsrau. Neues. Der Stier von Olivcra. Romilche Oper. Der Arzt wider Willen. NesiVenj. Noblosso Obligo. Kleines. Die verflixten Frauen- ziiumer. Etiler Klasse. Thalia. Doppelselbstmord. Schiller O. Wnfln«» idealer.) Die Kreuzellchreiber. Sch! n>, Chartvtteuburg. SodomS Ende. Friedrich- WilhclmstiidtischeS. Giordano Bruno. Nachmittags 3'/, Uhr: KriemhtldS Rache. Berliner BolkSoper. Undlne. (Anfang 8',, Uhr.) Luisen. Der Fähnrich Im Kloster. Weste». Die schönste Frau. Modernes. Die beste der Frauen. Driano». Pariser Witwen. Neues Operetten. Der Gras von Luxemburg. Lustspielhaus. Der Feldherrn. Hügel. Herrufe ld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. Noie. DaS neue Gebot. FolieS Gnprice. Der schwarze Schimmel.— Volle Pension. (Ansang 8'/« Uhr.) Metrovot. Hurra— Wir leben noch I Kasiuo. Der schneidige Nudols. RPh»ii, Spezialitäten. ätnisage. Spezialitäten. Neichsballe». Steitiner Sänger. Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverland. Spezialitäten. Sanssouci. Nu hat's geschnappt. Spezialitäten.(Ans. 8'/, Uhr.) Urania. Tnnbennrastr«X-st!. Der Pierwaldstätter See und der Gotthard. Im Hörsaal um 3 Uhr: Chemiker P. Bartel: Herst------- Ziegel. Herstellung der Str�nixarte, Jnvalid-nstr. 57— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr; Wenn der junge Wein blüht. Donnerstag 8 Uhr: Wen» der junge Wein blüht._ Berliner Theater. AbendS 8 Uhr; Ol« tttrlcht« JniiKO-an. Morgen: Die törichte Jungfrau. Nklikß Tiieater. Gastspiel Ferdinand Bonn: Täglich: Der Sil Anfang 8 Uhr. Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. Oi««chttniitc Fran. Sonnt. Z'/.U.: Die gesehiedflne Frau. Modernes Theater (früher Kebbellheater). Heute und täglich 8 Uhr: Di« beste der Frauen. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 3 Uhr: Noblesse oblige. Schwank in B Akten von Henneqnin und Leber. Morgen und folgende Tage 8 Uhr: _ Woblesse oblige. Friedrich-Wilhelinstädtisches Schauspielhaus. Mittwoch, 19. Okiober, abends 8 Uhr: Giordano Bruno. Mittwoch 3 Uhr: KriemhtldS Rache. Donnerstag: Revolutionshochzeit. >: RivoluttonSho� Rache. ü'S'ZIiZZZZ». WissenscKaktLicKes Theater Taubenstralle 48/49. Heute abend 8 Uhr; Der Vierwaldstätter See und der Gotthard. Hörsaal 8 Uhr: Chemiker P. Bartel: Herstellung _ der Ziegel._ Lustspielhaus. Heute abend 8 Uhr: Der Feldherrnhugel. Berliner Volhsoper Abends 8 Uhr: U ü(1 1 ii e. Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Der lüljtirjdj im Kloster. Donnerstag: Stenn. Freitag: Die schöne Ungarin. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Die Schlvaiienprinzessin. 8 Uhr: Kenn. Sonntag nachm. 3 Uhr: Di« Brüder von st. Bernhard. 8 Uhr: Der Hüttenbesitzer. I0SE=TMEATE I onnabend 3'/, Uhr: KriemhtldS >e. 8 Uhr: Giordano Bruno. Graste Franks unter Str. 132, Ans. 8 Uhr. Ende 11 Uhr.| Jl Othello. Trauerspiel in 5 Akten von Shakespeare. Donnerstag: Die Auna-Ltse» Freitag: Othello. Sonnabend nachm.: Hänsel und Gretel. 8 Udr: Das neue Gebot. Ißetoopol- Theater. Hnrra! Wir leben noch! Graste AuSstattiingsrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szciic gesetzt von Dir. R. Schultz. 'Anfang 8 Uhr. Rauchen gestattet. S�ehlllei'- Schiller-Theater 0.(Wallncr-Theat.) Mittwoch, abend« 8 Udr: Di« Breur.elsebreiber. Baucrnkomödie mit Gesang in 3 Akten von L Anzengniber. Ende 19-/. Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Bobert nnd Uertram. Freitag, abends L Uhr: Oi« Krenaielschreibcr. •Theater. Schlller-Theator Charlottenburg. Mittwoch, abend» 8 Uhr: Siodoms Ende. Drama in 5 Alten v. H. Sudermann. End- ll'/4 Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Oer OuuunUopf. Freitag, abends 8 Uhr: Sodoms End«. Lichtspiele JSoznrtsanl, Stollendorf�lats. Heut« nachmittag von 3—5 Uhr; Wl Öroßc Klnderrorstel laug zu halben Preisen. Dauervorstollung von O 11 Uhr abends, Honntaga ab 3 Uhr. —- Eintritt jederzeit.- PROGRAMM UND GARDEROBE FREI. Schwarzer Richard Arnhold, Adler Li?' Frankf. Chaussee 5. WM- Joden MUtn och: Gr. humor. Soiree der aifrenonun. beliebten Leipziger Sänger ehem. Mitglieder der„Kuge-Zimmermann Leipziger Länger" Herren Msusel, Aoke, Sennhofer, Held, Werner, Stephan und Robin. Modern. Dezent. I Xacb der yorstciiune: Stets wechselndes Programm.| Tanzkränzchen. .fcnfnng 8 Ehr._ Vorzneskarten haben Gttlliekcit. r————O—«♦•«•••••aGOGGGO» Andreas-Festsäle(Hermann Bergmann) Andreasstr. LI, gegenüber dem Andreasplatz. Jeden Mittwoch:"HW Auftreten der beliebten Apollo-Sänger. Entree 30 PI. Res. Platz 50 Pf. Vorzugskarten haben Gültigkeit. Vorzclger dieser Annonce zahlt an der Kasse nur 10 Pf. nach. Ab 8 Uhr: Das HonBatlonelle Programm. S'l, Uhr: Verbotene Erncht. 9'/, Uhr: Letzte Woche: Der Schalten Rudolf Schildkraut. SaSiaret in ihren neuen Originelkreationen The 3 Meers komischer Drahtseil-Akt. Reynolds and Donegan das amerikanische Titnzerpaar in vollend. Rollschuh- Msisterschnft sowie d. kamisoh- mimisch-groteske Alt-Hoabit-17/48. Donnerstag, de» 20. Oktober 1910: Sit«ich twtis! Schwank in 4 Ausz. v. Rudolf Kneiscl. Kasseneröffn. k'j, Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz. Trianon-Theater. AbendS 8 Uhr: Pariser Witwen. Gleichzeitig empfehle meine SJilc und Vcrclnazlramcr zu Festlichkeiten und Versammlungen.* Walhalla-Tiieater WeinbergZwcg 19/20. Sliifnng S'l, Uhr. Bravo!— Da capo! Eine Allerwelfs-Kcvue- In 5 Bildern von M. Reichardi, Musik von R. Thiele. In Szene gesetzt vom Direktor James Klein. enter- k-il Stürmisches Fachen über G!ne verlorene Uacht Ein lustiger Trauersall in 2 Alte» von Anton und Donat Herrnscld. Hierzu: Der Dtrhsi-Sleger. Komödie von A. Ncidbardt. Ans. 8 Uhr. Vorverk. U— 2(Theaterk.). Passage-tüealer. I Abends 8 Uhr: Die JungCrauen von Sais. 1 4 Die 3 mystischen J Hcliatten> < und die großen Attraktionen. Z des Oktober-Programms.[ Karl Haverland- Ansang ThB.tnn Kommandauten- präz. 8 Uhr. lutial!!, straste 77/79. Das wunderbar Oktoberprogramm ■tj /fl und erstklassige Ä f Arfc Spezialitäten. Passage-Panoptikum. Pa�nz Atom, der kleinste Mensch aller Zeiten lebend! Buddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund! Alles ohne Extra-Entree! Eintr. 60 Pf., Kind. u. Soldaten 1 5 Pf i Germania- Pracht- Säle Carl Richter. j bis., Cknaasee-Straßo HO. Heute Mittwoch: Paul Hantbeys lustige Säuger. Anfang 8 Uhr. Eintritt 80 Pf. Nachdem: Frci-Tanx. — Vorzugsknrten gelton.--- Morgen Donnerstag: GroUos lliiitar-Konzcrt. Heute Mittwoch. 19. Oktober, abends 7'/, Uhr: w» 12 Personen. 9'/. Uhr: Der grolle Coup der Schmuggler. Gr. romiiiit. Pantamme in 4 Akten. Polles Caprice. Täglich S'l, Uhr: Voll© Pension. Neuer bunter Teil. ller schwarze Schimmel Corueifiuif 11—2, abends ab 6 Uhr. Casleto-Theates* Lothringer Straste 37. Täglich 8 Uhr. Die urkomische Posse Der schneidige Hildulf. Rudolf Pinn clinami: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr. Nur Attraktionen ersten Ranges. Sonnt. S'l, Uhr: Berühmte Töchter. Gtroß-Berl in" Theater- und Barieti-Eiileuible. „Neue Welt" 8'/,; Harmonische Bluten, Ouartelt. s'/.- Das ehrliche Kerlin. Voklsstück. 10-/�: Sherlocic Holmes. Detektiv- komödie. Donnerstag PuhlmaunS Theater: Dieselbe Vorstellung. Weddingii Reinlckenilorferslr.14 Glänzender Erfolg... Kurglhöutöi-Kinsmotografih vorm. Groterjan. Jnbab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Eintritt 30 lt. 40 PI.. Kinder die Hälfte. Ans. 7 U.. Sonnt. 4 U. Vorzugsliarten, nur wochent. gallig, Sä Ps. aus allen Plätzen. Sters uiechs. Programm. Dienstag u. F/reitag v. 4— ö>/, Uhr Kindcrvorstelliiiig. Kinder IS Ps., Erwachsene LG Ps. Jeden Sonntag im Obersaal: Llünstkerkonzert. Entree IS Ps. Garderobe 1« Ps. Ho Usctvo UvaUn i-, K Kurfürstendamm 151. Vom LS.— SO. Oktober Verteilung der Damenpreise im Werte von 20Q9 M. ausgestellt diese Woche in einem Fenster des„Kaufhaus des Westen s". ') Verfolgen Sie die Inserate in den Tageszeitungen. Oolks-Ciedcrfaal Heute Mittwoch S'l, Uhr: Gastspiel Kaisersaal der ünions- Brauerei Haisontielde 33/31. FinfrittZR Pf«'«sohl. eard. Progr. Lllllliil f 0 n. u sänill. Liedertext. E» sinken: Maria Fuchs, Alex Disraeli, A. Tattor, Lucia Kaonlsch. Bnsch.l Mittwoch, den 19. Oktober, abends 7'/, Uhr: tir. Oala-Voi-Mtellnng. The Rapides ? Kita? EfST" Arbra-Trlo' 5J0i inusikalisch-akrobatisch. Akt. I Die beriihmee Roiterfamilio| Erodlaul. TZt® Herr Dir. Orlando, Freiheit3-| dress. HerrAlfred Off, Schuir Um 9'l, Ulu% zum 36. Male: „VENEZIA" Die Anfahrt zum Zirkus ist bis auf 1 weiteres v. d. Oranienburger Str.| Hvchbabiistntion Kolibuser Tor. Täglich S'l, Uhr. :: Die Indier:: de» Herrn BiedahL DI« Walltiaton Comp. Rleisler-Iongleure. 8 Ubr 50: Der 12 jährige Edi Herzfeld von der l. I Hosoper in Wie» Dazu die Pofle:« U« hat's geschnappt! Posse von OSkar Sabo. Musik von Dual Llncke. Voigt-Tlieatep Gesundbrunnen, Badstraste 58. Mittwoch, den 19. Oktober 1910: Der Fall Cl�menceau. Schauspiel in 5 Akten v. A. DumaS und A. d'ArtoiS. Kafleueröstnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Könistsiallt-�AZmo. Holzmarktslr. 72, Ecke Alexanderstraste. Das grandiose Oktoberprogr. mit 8ob»a«kl. Reut Mr. Btttred, Sportnkt. Reut Neul Powell Smith and Mifi Tont, komische Exzentrik». Verlorenes Gliick. Volksstück mit Gesang in 1 Akt. RelchLhsllen-shöAlei'. Stettiner Sänger. Zum Schlust: ,.In, ltlaa�elo«!»". Milit. Humor, v. MeyseL Ansang wochentags S Uhr Sonntags 7 Uhr. Theater I HrwK'-Mi!'.'-V ttmmorxmamBU 151, Franksmter Allee 151. Blexen- Elcbtblld- Bühne. Heute neues Programm. Ansang 61/, Uhr.— Sonntags 3 Uhr. Vvrzugskarten sind gültig. »ll»»' U Badstr. 64 Fiir den Inhalt der Jnierate »vernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. c AbzahlungsgeBchBfte Credit-Haus LvIIvallianee 8eUealll»nce-Str. 100, I. Eta�e. Waran n. Möbel s. kulant. Beding. li- TnrmstraBe 55, Ecke Waldstr. gewäh rt Jed GDI b. spielend leichter An- u. Abzahlung mahpjShrioen Kredit auf Waren und Möbel. LuUer.S. Spandau,Pots- damerstr. 23 1, > konhntegtes» Fl. Auf Abzahlung gibt WUh. Neumann, Pappelallee 83 Waren, Möbel, Garderobe. Weiler, Carl, Sl.'" Smalco(Bllzl)raiise) G.n.-Vertret. QttO StafiCk KO, Landsberger Allee 6/7. - Fernruf VII; 1606 u. 1564-- Franz A br ah am Hamb. Messina-u.Röraertrank-Kell.. N 4, Schiegoist. S, Fernsp. III, 7727. DEte Rreose°"I'ää: CJoldtröpl'chen R. Xec«©, Mülhausener Str. 6. IMVIv'd alkoholfreie Drause JVlllZ S1 Prenzlauer Str. 18. Bettes alkoholfreies fietränk. Berlin O.gHbalf#.* Sl-Sl �Arbeiter-Bekleidung ) F-ca 1 Har f f osswerstr. 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Aber sie hat finanziell die Gewerkschaften nicht erschüttern können. Kein Zentralverband ist genötigt ge- Wesen, fremde Hilfe imZlnspruch zu nehmen. In den drei Berichts jähren haben die Zentralverbände 6 340 000 Kr. für Arbeitslosen- And andere Unterstützungen ausgegeben, die Kampfcharakter tragen. vor 3 Jahren waren es nur 3 Millionen. Die Zeit eines Verhältnis- mäßigen Friedens mit dem Unternehmertum ist vorbei. Es laufen über 2000 Tarifverträge im kommenden Jahre ab, wir werden uns in Riescnkämpfen mit dem Unternehmertum zu messen haben. Mehr als 350 000 Arbeiter werden um die Erneuerung der Tarife kämpfen müssen. Wehe uns, wenn wir nicht geschlossen in diese Kämpfe eintreten! Die Zersplittcrer werden die Folgen tragen müssen, die Zeit wird kommen, wo die Arbeiterschaft von ihnen Rechenschaft fordern wird.(Beifall.) Die Gewerkschaftsorgani sation ist nickst auszurotten, sie kann es nur momentan schlecht l)aben. Sie wird alles überwinden, nicht weil die Führer es wollen nein— da entscheiden die Arbeiter allein! Zum Schluß wird der Arbeiter doch zur Ueberzeugung kommen, wohin er gehört. Aus dem Bericht ist die erfreuliche Tatsache hervorzuheben, daß ein dauernder Mitgliederverlust nicht zu verzeichnen ist. Auch die Ab- splitterung der Tschechen hat nicht viel geschadet. Die gegenwärtige Situation ist so, daß die Mitgliederzahl aller Verbände im Steigen begriffen ist. Die Organisation der Jugend leistet uns gute Dienste. Sie hat uns 1600 Mitglieder zugeführt und hat selbst 7629 Mit- glieder. Wir wünschen, daß die Genossen die Jugendorganisation überall entsprechend unterstützen. Die gewerkschaftliche Organi- sation ist bis zu einem gewissen Grade eine bureaukratische, nur muß der Bureaukratismus so leicht erträglich wie möglich gemacht werden. Aber Organisationen, die Millionen verwalten, können nicht ohne allen Bureaukratismus bestehen. Wir brauchen gründliche und erfahrene Männer.— Für Lohnkämpfe hat die öfter reichische Gewerkschaftsbewegung in den letzten Jahren 5Z� Milli. onen Kronen ausgegeben, doch nicht vergebens, denn für 146 000 Arbeiter wurden Lohnerhöhungen erzielt und für 65 000 Arbeiter Verkürzungen der Arbeitszeit. Der Kassenbericht der Reichskommission ergibt, daß sie 374 000 Kronen eingenommen und 343 000 Kr. ausgegeben hat. Für Schweden hat die Reichskommission 60 200 Kr. gesammelt, die Me tallarbciter allein außerdem 50 000 Kr. Ein Solidaritätsfonds, zur Abwehr größerer Angriffe des Unternehmertums wurde vor 3 Jahren geschaffen, läßt aber noch manches zu wünschen übrig. Näheres wird in der vertraulichen Sitzung mitgeteilt werden. Das bisherige System der Markcnabnahme ist nicht völlig zufrieden- stellend. Wie hoch der Fonds ist, sagt Redner, werde ich hier nicht angeben. Das braucht der Unternehmer nicht zu wissen und manche Organisation auch nicht, die da glauben würde, es sei nicht not- wendig, den Fonds noch weiter zu stärken. Für Ausbau und Unter stützung der Verbände geben wir nicht einen Knochen her.(Heiter keib) Wir lassen uns auch durch Versprechungen einer glänzenden Verzinsung nicht davon abbringen. Wir haben das Geld auf der Bank und nehmen lieber 1 Proz. weniger, haben es aber dafür stets zur Hand. Redner schließt mit dem Wunsche, daß die Arbeit der Kommission überall anerkannt werden möge.(Lebhafter Bei- fall.) Die eingelaufenen Aegrüßungsdepeschen werden verlesen, da- runter eine von Rudolf Merta in Brünn, der bedauert, daß er, obgleich von den zentralistischen Gewerkschaften delegiert, nicht teil nehmen kann. Merta ist Beamter der allgemeinen?lrbeiterkranken. kaff« in Brünn, deren Obmann der tschechische sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Wanjek, der bekannte Führer der Separatisten, ist, und es ist dem Genossen Merta der Urlaub zur Teilnahme am Kongreß verweigert worden.(Entrüstungsrufe.) Als Grund wird angegeben, daß Merta Mitherausgeber des zentralistischen Abwehr- blattes„Proletar" und Vorsitzender der zentralistischen«Brünner Gewerkschaftskommission sei, die an erster Stelle„den Kampf gegen die Einheitlichkeit der tschechischen Partei" führen. Unter lebhaften Kundgebungen geißelt der tschechische Genosse Viktor Stein-Wien dieses unerhörte Vorgehen Wanjeks und er be- antragt die Absendung eines Sympathietelegramms an Merta, worin d-ieser nochmals zur Teilnahme am Kongreß eingeladen wird. Der Kongreß beschließt einstimmig die Absendung dieses Tele- gvamms. Im Namen der tschachisch enorgamsierten Arbeiter Nieder Lsterreichs spricht Dolezal-Wien, der den Kongreß begrüßt und sagt, daß die tschechischen Arbeiter in ihrer überwältigenden Mehr heit an der internationalen Gesinnung unverbrüchlich festhalten, daß sie die Einheitlichkeit der Organisation über alles andere stellen und daß sie vom Kongreß erwarten, daß er im Zeichen der Einheit tagen und aussprechen werde, daß alle Feinde der gewerkschaftlichen Einheit Schädiger des Proletariats sind.(Lebhafter Beifall.) Hierauf erstattete Abgeordneter Rudolf Müller vom Eisen bahnerverband den Bericht über die Tätigkeit des Arbeitsstatistischen Amtes im Handelsministerium, Abgeordneter Widholz den über die Tätigkeit der Unfallverhütungskommission und Hueber den über die Tätigkeit des Wasserstraßenbeirates. Die Weiterverhandlungen werden auf morgen(Dienstag) ver tagt. -.' Wien, 18. Oktober. (Telegraphischer Bericht.) Zweiter Tag. Den Vorsitz führt H a n u s ch. Der Kongreß erteilt der Reichskommission zunächst einstimmig Decharge. Auf dem Kongreß sind anwesend 314 Delegierte der Verbände und Vereins mit 359 150 Mitgliedern, ferner 19 Delegierte der Orts- Lokalverbände und Kommissionen, 55 Vertreter der Redaktionen der Fachblätter, 17 Milglicder der Gewerkschafts kommission, 6 Landessekretäre und 28 Gäste, zusammen also 439 Personen. Kampf um die Einheit der Gcwerkschaftsorganisation. Referent Hueber: Nun sind wir zum wichtigsten Punkt «nserer TngeSordnung gelangt. HuySmans hat uns gestern aus der Stimmung der Prager Genossen mitgeteilt, daß sie zum Frieden geneigt seien.„Die Borschaft höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube I'(Sehr richtig.) Adler hat uns dargelegt, den guten Willen zum Frieden zu haben, aber die Frage ist doch die, ob der gute Wille allein auch genügt. Ich habe die Be- fürchtung, daß es hüben und drüben sich nicht nur um das Wollen, sondern bereits auch um das Können handelt. Die tschechischen Genossen haben immer gesagt, wir sind zu Verhandlungen, zum Frieden geneigt. Aber diese Bereitschaft zu Verhandlungen ist man erst dann in der Lage zu beurteilen, wenn man die Hand- lungen unserer tschechischen Genossen von der Nähe ansieht. ES scheint mir. daß sie sich hier an das Rezept halten: Und willst Du uicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den �Schädel �ui>.s Heiterkeit.) So ähnlich wird es nämlich gegenüber den tschfchischei» Zentraliften gehandhabt. In Kopenhagen ist der Kampf «ntbranüt, aber der Konflikt besteht, so lange wir die Gewerkschafts- »rgonisaiion in Oesterreich haben, seit jener Zeit, seitdem die po- litische Parteiorganisation getrennt worden ist.(Sehr richtig!) Der Redner gibt eine eingehende Darstellung der geschichtlichen Entwicklung der Gewerlschafts- und Parteiorganisation in Oesterreich, um diese Be- hauptung zu beweisen. Das war in all diesen Jahreu, daß die tschechischen Genossen nicht vom Standpunkt der Forderungen der Gleich- bercchtiguug und des Bedürfnisses, nicht von den gewerkschaftlichen Notwendigkeiten ausgingen, sondern in ihren Forderungen imnier rein nationale Momente hervorkehrten, gegen die sich die Gewerk- schaften stemmen mußten. Sie behaupten, daß die deutschen Ge- nossen die Gewerkichaftsorganisation. zur Germanisierung benutzen. Dies wurde schon im Jahre 1904 in einem Briefe an das Internationale Bureau ausgesprochen. Ein solch schwerer Vorwurf mußte uns verletzten, weil er abiolut unbegründet war. Alle sprach- ticken und kulturellen Bedürfnisse der tschechischen Genossen haben wir erfüllt, bei Kämpfen haben wir niemals gefragt, ob der Unter- nehmer ein Deutscher oder ein Tscheche sei, sondern wir sagten uns, wenn er ein Protz ist, müssen wir alle Kraft anwenden, um seine Protzerei zu überwinden. Bei allen Streitigkeiten sagten die Tschechen: Gebt uns das und jenes und wenn das erledigt ist, werdet Ihr Frieden haben. Man hat gegeben, was man gebe» konnte, nur das nicht, was die einheitliche Führung des Kampfes unmöglich gemacht hätte. Daran sind alle Vermitte- lungsversuche gescheitert. Die Delegierten werden ja berichten können, wie wir den sprachlichen und kulturellen Bedürfnissen Rech- nung getragen haben. Nur auf dem einen beharrten wir, auf dein gemeinsamen Rahmen der Organisation, auf der Einheitlichkeit und auf der Gemeinsamkeit der Verwaltung unserer Kriegsfonds. Als man das ablehnte, mußte natürlich die Trennung sich vollziehen. Es ist heute so, daß bereits nur noch die Eisen- bahuer nicht gespalten sind. Wie lange noch, weiß ich nicht. Man hat jetzt auch die Bergarbeiter, wenn auch nicht offiziell, so doch faktisch bereits gesprengt, und unter welchen Formen hier die Spaltung sich vollzieht, darüber werden Ihnen die Bergarbeiter- delegierten selbst Mirteilung machen. Traurige Zustände sind ein- gerissen. Aber nicht nur traurig für uns. Unmittelbar trifft unS das Vorgehen der tschechischen Separatisten nicht. Wenn man den Leuten den Rat gibt, so und so die Gelder verwalten zu lassen und das zu einer besonderen Moral erhebt— min so lange sie mit uns losschlugen, war es ja gut. Wenn sie aber von uns los sein werden, wird die Sache anders aussehen. Die Leute werden sich an diese Moral gewöhnt haben und der Spieß wird sich dann gegen sie wenden. Es ist bedauerlich, daß eine sozialdemokratische Partei zu einem solchen Mittel greift.(Lebhafter Beifall.) Das, was jetzt in die tschechische Arbeiterschaft hineingetragen ivird, wird sich furchtbar an der sozialdemokratischen Partei rächen. Unsere gute Erziehung der Arbeiterklasse hat es mit sich gebracht, daß bis heute noch jede andere Strömung von den Gewerkschaften fern geblieben ist, daß noch keine Strömung entstanden ist, die sich direkt gegen die Partei gewendet oder Neutralität zum Prinzip erhoben hätte. Das Schlag- wort«Weg von jeder politischen Partei' ist unS fern geblieben. Aber man sündigt schon zu viel auf den guten Sinn der Arbeiterschaft hin. Die Gewerkschaften können nicht allein von den politischen Notwendigkeiten der Partei geleitet worden. Dagegen hat sich Bebel gewendet, dagegen haben sich alle führenden Genossen gewendet. Wohl soll bis zu einem gewissen Grade Einheit zwischen der Partei und der Gewerkschaft bestehen. Aber daß die Gewerkschaften unter eine gewisse Parteidiktatur gestellt werden, das verträgt dieser große Körper nicht mehr.(Stürmischer Beifall.) Dieser Zustand ist nun bei der tschechischen Partei eingetreten. Die tschechischen Gewerkschaften sind untergeordnet und eingezwängt unter die politischen Notwendigkeiten der tschechischen Partei, und zwar ist diese Notwendigkeit nicht unmittelbar eine soziale Not- wcndigkeit, sondern sie ist eine nationale Notwendigkeit. Wir sind ausrichtig bemüht, daß die Genossen mit heiler Haut herauskommen aus dem, was sie sich selber angezettelt haben. Auf dem Kongreß in Kopenhagen ist unser Standpunkt von den hervorragendsten Vertretern des internationalen Sozialismus ge- billigt worden. Wir haben den Kongreß angerufen nicht, um die Tschechen anzuklagen, sondern um sie unter seinem Einfluß wieder auf den richtigen Weg zu führen. Wir wollten ihnen durch, eine internationale Entscheidung den Weg zurückbahnen, daß sie ihren Genossen sagen konnten: Sehet, so hat die Jnter- nationale entschieden, vielleicht waren wir im Irrtum. Von heute auf morgen ioerden wir unsere Organisationen nicht auflösen, aber dem Beschluß der Internationale müssen wir Rechnung tragen und ihn im Laufe der Zeit durchführen. Daß es ganz anders gegangen ist, wissen sie. Ich fürchte, man kann drüben nicht mehr zurück, weil eS sich schon nicht mehr um die Frage der Organisationsform handelt, sondern Gegensätze, prinzipielle Gegensätze(stürmischer Beifall) gewerkschaftlicher und politischer Art vorhanden sind. Daß wir den Willen zum Frieden haben, ist sicher; aber zu einem Frieden, der möglich ist, einem Frieden, der die Schlagfertigkeit und Kraft der gewerkschaft- lichcn Organisation nicht unterbindet. Ein Friede, der das nicht bringt, ist unmöglich, und schade um die Zeit, die wir daransetzen, um zu verhandeln. Von jenem Geist sind wir beseelt, und wenn die tschechischen separatistischen Genossen gegen uns den Verdacht hegen, daß wir in dieser Stunde von den Politikern geleitet werden, so irren sie. Der Redner legt folgende Resolution bor: „Der sechste ordentliche Kongreß der Gewerkschaften Oester reichs begrüßt den Beschluß des Internationalen Sozialisten� kongresses in Kopenhagen, der die einheitliche gewerkschaftliche Organisation in allen Staaten richtunggebend gemacht hat. Die Weisung der Vertreter der Sozialdemokratie der Welt entspringt nicht nur der theoretischen Erkenntnis allein, sondern ist vielmehr aus den praktischen Erfahrungen aller Kämpfe, die das Prole- tariat um mehr Brot und Kultur in allen Staaten, in Oester- reich insbesonders, führen mußte, hervorgerufen worden. Es ist festgestellt worden, daß die Organ isqtions form der Gewerkschaft kein lehrer Rahmen ist, sondern einen wesentlichen und grund- sätzlichen Inhalt enthält, die Konzentration der Mittel und Kräfte in sich trägt, die dem kämpfenden Proletariat den Erfolg leichter zu erringen vermag, als durch das getrennt Marschieren und vereint Schlagen. In einer Zeit der wachsenden Macht des international organisierten llnternehmertums, der Groß-, Mittel- und Kleiniiidustrie, der Beherrschung der Industrie durch Trusts und Banken des In- und Auslandes, wäre es ein ver- hängnisvolles Beginnen, wenn die Gewerkschaften Oesterreichs auf die einheitliche Führung des Kampfes der organisierten Ar- beiterschaft sowohl im Angriff, wie ist der Abwehr verzichten wollten, und deshalb verzichten wollten, weil nationale Wirrnisse sich dieser Einheitlichkeit entgegenstellen. Von dieser Erkenntnis durchdrungen beschließt der Kongreß, an den grundsätzlichen Be- dingungen der einheitlichen organisatorischen Führung der ge- werkschaftlichen Kämpfe aller Art, sowie der Verwaltung der finanziellen Mittel für diese Kämpfe festzuhalten und hiervon nicht abzuweichen. Ter Kongreß billigt, daß die Reichskommission im Sinne des Kopenhagencr Beschlusses ihre Zustimmung zur Beschickung der Einigungskommission, die von der gesamten Exekutive der Sozialdemokratie in Oesterreich in Vorschlag ge- bracht wurde, gegeben hat. Die Reichökommission ließ sich bei der Beschlußfassung über die Beschickung der Einigungskommission von dem Grundsatz leiten, bor dem Gewerkschaftskongreß einer Pflicht der Internationale gegenüber und den Notwendigkeiten der gegenwärtigen Situation zu entsprechen. Anders beurteilt die Prager Kommission die Wichtigkeit des Zusammentritts dieser Einigungskommission, indem sie sich die Beschickung dieser Kommission erst nach der Abhaltung des tschecho-slawischen Kon- gresses vorbehält. Die Hinausschiebung des Termins der unver- bindlichen Aussprache über die prinzipiellsten Streitfragen, die für den Kongreß der Zentralverbände sowie für den Kongreß der tschecho-slawischen Organisationen von größter Bedeutung sind, läßt eine Friedensstimmung bei den Separatisten leider nicht erwarten. Die willkürliche Ausschließung guter und fm Dienste der Arbeiterschaft ergrauter Parteigenossen, die rück- sichtslose, jeder Verantwortung bare Sprache der tschechischen Parteipresse in Böhmen und Mähren benimmt fast jede Aussicht, einen dauernden Frieden auf diesem Wege zu erreichen. Mit Rücksicht jedoch auf den Beschluß des Kopenhagener Jnternatio- nalen Kongresses ermächtigt der Gewerkschaftskongreß die Reichs- gcwerkschaftskommission, falls die Prager Gewerkschafts- kommission geeignete Verhandlungsvorschläge macht, in Unter» Handlungen einzutreten. Sollten diese Verhandlungen dann zu einer die Gewerkschaften befriedigenden Lösung nicht führen, so würde den Zentralverbänden der Kampf um ihre Einheit aufgezwungen werden. So schmerzlich dieser Kampf sein würde, so müßte er leider in Oesterreich durchgefochten werden. Der Kongreß richtet daher an alle Arbeiter aller Nationen den Appell» an der Zentralisation der Organisation festzuhalten, die allein den siegreichen Kampf gegen das übermächtige Kapital in Gegen- wart und Zukunft dem Proletariat in Oesterreich verbürgt. Es lebe die internationale Organisation des klassenbewußten Prole- tariats in Oesterreich!" Sie glauben, es sind Widersprüche und Kompromisse in der Resolution enthalten. So steht die Frage nicht. Wir sind als Sieger von Kopenhagen wegogegangcn und wir wollen die Geschlagenen nicht demütigen, sondern' unseren tschechischen Genossen den Weg zeigen, der zur Einheit führt.(Lebhafter Beifall.) Das kann durch ein Uebergangsstadium ermöglicht werden. Was wir vor- schlagen ist noch kein Kompromiß, sondern der Weg dazu. Ein Kompromiß ist noch weit weg. Erst werden die Verhandlunecn stattfinden, und die werden erst zeigen, ob ein Kompromiß mögi.ch ist. Da werden unsere tschechischen Genossen selbst zu sagen haben, wie sie sich den Weg zur Einheit in der Organisation vorstellen. Lehnen sie das ab, ja dann haben wir unser Letztes getan. Sie haben unseren guten Willen gesehen. Aber der Versuch muß jetzt unternommen werden. Wir werden auf diesem Kongreß vielleicht heftigen Widerstand finden, besonders bei den tschechischen Ge- nossen, die glauben, daß wir von dem, was der Kongreß beschlossen hat, jetzt etwas nachlassen wollen. Das ist ein Irrtum. Von dem. ivas uns das wichtigste ist, von der Einheit der Organisation, lassen wir nichts ab. Sie glauben, jetzt sei unter allen Umständen die Einheit zu brechen; wir glauben, daß ein Uebergangsstadium ge- schaffen werden muß. Das sind beide Meinungen, und dessen bin ich gewiß, daß die Meinungen hier aufeinanderplatzen. In anderen Ländern ist eine andere EntWickelung. In anderen Staaten haben wir den Syndikalismus und den Anarchismus, und anderwärts haben wir die Neutralität, die so weit führt, daß man mit den Bürgerlichen geht. Wir haben unser östereichisches Erbübel. Viel- leicht ist es gut, daß der Nationalismus jetzt dreingeschlagen hat, damit wir den Prozeß schneller überwinden. Vielleicht wäre«r noch furchtbarer und zerstörender, wenn er später käme. Heute halten wir ihn noch auf, und ich glaube, wir werden ihn über- winden. Wollen das die Genossen drüben nicht, dann bleibt natür- lich nichts übrig als Kampf, aber 51ampf nicht nur als gewerkschaft- licher, sondern dann muß der Kampf auf der ganzen Linie, auch politisch, entbrennen.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion beantragt Bartun ek(Tscheche, Wien), die Resolution einer Kommission von 20 Mitgliedern zu über- weisen, um ihr eine verschärfte Fassung zu geben. W e s k a- Brünn beantragt, alle Beziehungen mit den Or- ganisationen abzubrechen, die ihre Beiträge an die tschechische Ge- Werkschaftskommission in Prag abführen. R o n a k- Wien verliest folgende Kundgebung der tschechischen Delegierten: „Die tschechischen Delegierten zum sechsten Gewerkschafts- kongretz in Wien haben bei ihrer, am 17. Oktober 1910 ab- gehaltenen Beratung folgende Kundgebung beschlossen: Nach dem Kvpenhagener Beschluß über die gewerkschaftliche Streitsrage in Oesterreich wurden gegen Genossen Dr. Adler verschärfte, in der sozialistischen Betvegung unerhörte Angriffe rein persönlicher Art gerichtet. Die Absicht dieser Handlungsweise ist klar. Durch dies« Angriffe soll Genosse Dr. Adler eingeschüchtert und dazu gebracht werden, gegen uns den Wünschen der tschechischen Separatisten gemäß Stellung zu nehmen. Der scheinbare Grund dieser Angriffe ist die von Genossen Dr. Adler im Namen der tschechischen Zentralisten in Kopenhagen gehaltene Rede. Wir danken Genossen Adler für seine zutreffenden und männlichen Worte, die aus sozialistischer Ueberzeugung gesprochen wurden und ganz im Einklang waren mit der bisherigen Tätigkeit des Genossen Dr. Adler. Gerade diese seine Tätigkeit berechtigte und berechtigt ihn, Anerkennung, Dankbarkeit und Vertrauen fordern zu dürfen. Das Lebenswerk des Genossen Dr. Adler, die Einigung des Proletariats in Oesterreich zu einer einheitlichen Bewegung, ist hoch erhaben über jede hämische Kritik und wird von der gesamten Internationale anerkannt. Nur in der tschechi- schen Partei werden gegen ihn Angriffe gerichtet, und zwar um so schärfere, je weniger Erfahrung in Organisationsarbeiten die Urheber haben, je weniger Verantwortung sie für ihre Hand- lungsweise zu tragen haben. Wir aber, die wir mit unserem Blut und mit unserer Gesundheit die Organisationen aufgebaut haben, die wir seit Jahrzehnten die Tätigkeit des Genossen Adler verfolgen, die wir wissen, was er für das gesamte Proletariat in Oesterreich und für das tschechische im besonderen vollbracht hat, halten die gegen ihn gerichteten Angriffe für Veschmutzungen der Ehre der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterschaft, die mit Achtlinig zu dem Manne ciuporblickt, dessen Leben dem Wohle des Proletariats gewidmet war und ist. Sie dankt den: Genossen Dr. Adler für alles, was er für die?lrbeiterschaft vollbracht hat, sie versichert ihm, daß die gesamte sozialdemokratische tschechische Arbeiterschaft von Hochachtung und Vertrauen zu ihm erfüllt ist, sie ersucht ihn, er möge die groben Angriffe nicht für Kund- gedungen der Arbeiterschaft, sondern nur als Kundgebungen von einzelnen Unveranttvortlichen bewerten. Wir erwarten vom Ge- nossen Dr. Wler, daß er, getragen von dem Vertrauen der tschechischen Arbeiterschaft, auch weiterhin die schwere Aufgabe eines Führers der Sozialdemokratie, in der er sich so glänzend bewährt hat, erfüllen wird. Auf die tschechische Arbeiterschaft kann er absolut rechnen." Dr. Adler dankt den tschechischen Genossen, die die Resolu- tion eingebracht haben, aufs herzlichste. Meine Person ist mir gleichgültig bei all diesen Angriffen. Meine lieben Genossen aus Prag, ich sage das in vollem Ernst. Denn mit den Genossen, mit denen wir heute die Differenz haben, habe ich seit 25 Jahren Schulter an Schulter gearbeitet und gekämpft. Sie kennen mich genau und wissen ganz gut, daß das den Alten gar nicht geniert, daß er einen breiten Buckel hat, und daß sie sich da etwas erlauben können.(Heiterkeit.) Ich glaube auch nicht, daß sie mich ein- schüchtern wollen, unter den vielen Tugenden und Lastern, die ich habe, ist Schüchternheit nicht.(Heiterkeit.) Um etwas ganz anderes handelt es sich. Man wünscht die zentralistischen tschechischen Ge- nossen in dem Licht erscheinen zu lassen, als wären sie nicht selb- ständig, als würden sie geschoben und beeinflußt von der deutschen sozialdemokratischen Partei in Wien und von der Gewerkschafts- kommission in Wien, die man in Prag als deutsche Kommission bezeichnet, während sie in Wahrheit eine internationale Kommission ist und war und sich immer ihrer internationalen Pflichten be- wüßt war. Ich fiihle mich nicht durch die Mißtraucnsresolution getroffen. Ich bin überzeugt, die tschechischen Genossen in Prag meinen es mit dem Mißtrauen gar nicht so schlimm. Sie haben ini Gegenteil großes Vertrauen zu der Liebe, die ich für alle Parteigenossen, auch für die Separatisten, habe. Sie haben so felsenfestes Vertrauen zu mir. daß sie wissen, sie können mich in dieser Liebe durch die Äißtrauensresolution nicht erschüttern. Den tschechischen Genossen hier sage ich, sie machen die bittersten Tage durch, sie haben schwere Kämpfe als Gewerkschaftler und Sozial- demokraten zu führen. Wenn Sie mir nun einen wahren Beweis des Vertrauens geüen und die Erfahrungen anerkennen wollen, die ich in so langer Arbeit hinter mir habe, bitte ich Sie um eins: Mähigen Sie sich, lassen Sie den Grimm und die begreifliche Bitterkeit, die in Ihnen aufgestiegen sind, nicht das Uebergewicht gewinnen. Ich spreche als Sozialdemokrat, als internationaler und als deutscher Sozialdemokrat, wenn ich sage: Wir können nichts Schlimmeres erfahren, als eine Spaltung und Trennung der tschechischen Partei, nichts Schlimmeres für die Tschechen, nichts Schlimmeres für die Deutschen, nichts Schlimmeres für die öfter- reichische Internationale. Ich sage den tschechischen Freunden noch einmal, wir wollen, was geschehen ist, verwinden, alle diese schweren Dinge, die über Sie gekommen sind, diese Ausschliehungen, die niemandem so bitter sind als mir, weil die Ausgeschlossenen doch Leute sind von unserem Fleisch und Blut. Wenn unser sachlicher Streit auf dem Gebiete der Gewerkschaft beendet ist, werden all diese Bitternisse weggeschwemmt werden. Ich habe das Vertrauen, dah sich Vernunft und Wahrheit bei Zentralisten und Separatisten wieder durchsetzen werden. Wenn Sie wirklich einiges Vertrauen zu mir haben, dann schneiden Sie nicht alle Fäden ab, brechen Sie nicht alle Brücken ab, sprechen Sie Ihre Ueberzeugung aus, aber halten Sie fest daran, mit den Leuten, die uns heute am bittersten bekämpfen, werden wir wieder zusammenstehen und ge- meinsam arbeiten. Das glauben Sie mir als alten erfahrenen Mann in den Kämpfen und Wirrnissen der sozialdemokratischen Partei und des Proletariats. Auf mich können Sie immer zählen für die Einheit der Gewerkschaftsbewegung, die ich vom ersten Moment an als den wichtigsten Teil der proletarischen Bewegung betrachtet habe.(Stürmischer Beifall.) B r o d e ck y- Prag(Tscheche. Zentralist, Eisenbahner): Unver- antlvortliche Personen haben versucht, einen separatistischen Keil in die Cisenbahnerorganisation zu schieben. Wir sind nach Prag gegangen und haben mit der Parteiexekutive gesprochen. Sie hat uns zugesichert, die Partei wird die Bestrebungen auf Gründung einer neuen Eisenbahnerorganisation nicht unterstützen und ihre Leute amveisen, nichts zur Zersplitterung des alten Verbandes zu unternehmen. Wir haben unsererseits daraufhin Neutralität der- sprochen und halten uns dadurch gebunden, damit es nicht heißt, wir täten dasselbe, was man den Separatisten vorwirft, die Organi- sation zu zersplittern. Verschiedene Anträge der tschechischen Delegierten wollen eine Verschärfung der Resolution. Es soll in ihr die einheitliche Ge° Werkschaftsorganisation und nicht bloß die einheitliche Fuhrung der gewerkschaftlichen Kämpfe aller Art verlangt werden. Tauber-Wien(Tscheche, Schneider): Die deutschen Genossen haben keinen Begriff, welche Ausdehnung und welche Form der Kampf unter den tschechischen Arbeitern selber bereits angenom- men hat. Daher wird es Ihnen leichter als uns, von Einigung zu reden. Frau S ka u n i ce- Brünn schildert den mit größter Leiden- schaftlichkeit geführten Kampf in Brünn, dem Ausgangspunkt des Separatismus, der Formen angenommen habe, die die, welche seit 20 Jahren in der Bewegung stehen, für unmöglich erachtet haben. Die Separatisten wollen nicht alles Geld an sich reißen und es ver- walten, daS bisher nach Wien geschickt worden ist. Man wirft uns vor, wir wollten eine neue Partei gründen. Aber unsere Partei ist in Wirklichkeit die alte, prinzipientreue, internationale Partei. Grongesteiger wünscht eine prinzipielle Entscheidung in der einen oder anderen Richtung. Der Separatismus dringt be- reits in die Alpenländer ein. K r a m l(Tscheche): Wenn man die einheitliche gewerkschaft- liehe Organisation anerkennen wird, dann werden wir eine einheit- liche politische Organisation in Prag erreichen. Hier gibt es nur «in Entweder-Oder. Entweder wird die einheitliche gewerkschaft- liche Organisation anerkannt, oder wir erkennen die einheitliche politische Organisation nicht an. Na d v o r n i k° Brünn: Die Resolution genügt unserem Standpunkt nicht. Wir wollen Klarheit haben. Zu einem Schritt, der die Versöhnung ermöglichen soll, sind wir bereit, aber wir er- klären, daß er der allerletzte sein soll, sonst reißt die Anarchie bei uns ein. Paul(Sattler, Deutsch«?, Wien): Die Separatisten wollen einen separaten Staat innerhalb der Sozialdemokratie gründen. Adler will einen Ausgleich anbahnen. Ihm rufe ich zu: Landrat werde hart! Eine Verständigung ist nicht mehr möglich. Die Separatisten sind nicht mehr zurückzugewinnen. Was den Jung- tschechen nicht gelungen ist.«ine Spaltung der tschechischen Ar- beiterschaft, hat Nemec vollbracht. Wenn Vanjek, Tuzar und Nemec von den Unternehmern und der Regierung bestochen wären, könnten sie nicht anders handeln. Z a w n i k a«Prag: Alle Brücken sind abgebrochen. Eine Einigung kann nur durch Konzessionen erreicht werden und dazu ist man hier nicht mehr bereit. Wir müssen eigene politische Organisationen errichten. Stein-Wien: Den Beschlüssen der tschechischen Separatisten darf man nicht trauen. Im Marz beschließen sie, niemand darf wegen seiner Zugehörigkeit von den Zentralorganisationen ausge- schlösse» werden, und im September schließen sie mehrere Sekre- täre der Zentralorganisationen aus der Partei aus. Der Separa- tismus bleibt bei der Gewerkschaft nicht stehen. Er hat bereits die Reichskommission für die Krank«nkassen zersprengt. Die Separatisten nennen unö bestochen, aber die Ausgeschlossenen fassen den Ausschluß aus der Partei als Erlösung auf. Wir fühlen uns aber so stark, daß wir für Einigungsversuche sind. Nur darf in der Einigungskommission soviel Freiheit und Konzessionen den Separatisten nicht gelassen werden, wie die Resolution es will. Sie muß daher verschärft werden. Im gleichen Sinne sprechen sich noch eine ganze Reihe von Rednern, hauptsächlich Tschechen, aus. Alle verlangen eine Ver- schärfung der Resolution.— Maar-Wien(deutscher Bauarbeiter) tritt auch dafür ein. Für keine Jndustriegruppe sei die Zentrali- sation so notwendig, wie für das Baugewerbe, und gerade hier haben die Separatisten mit der Sprengung begonnen. Die weitere Debatte wird dann auf morgen(Mittwoch) vertagt. ?Ziis Induftnc und Handel Verrückte Wirtschaft. Junker und Scharfmacher ergehen sich zurzeit in Exzessen des ArbeiterhasseS. Das find Borspiele für die nächsten wirtschaftlichen Kämpfet In ihrer unersättlichen Habsucht streben die Agrarier nach Erhöhung bestehender und Einführung neuer Zölle aus Lebesmittel. Und auch die industriellen Großunternehmer drängen auf Ver- stärkung der Zollmauern. Die Verwirklichung solcher Pläne muß die Lebenshaltung weiter verteuern, das Preisniveau aller Waren erneut in die Höhe treiben. Die weitere Folge davon ist bei der Arbeiterschaft ein verschärfter Anreiz, die Verteuerung durch Ein- kommenserhöhung auszugleichen. Den Zwang dazu verstärkt die Ein- führung neuer Steuern, die der Moloch Militarismus notwendig macht und die, wie immer, auf die werktätige Bevölkerung ab- gewälzt werden sollen. Da heißt es nun für die Zollioucherer und Freunde indirekter Steuern, die Arbeiterschaft schärfer zu knebeln, damit sie sich gegen die Anschläge mF ihr materielles Wohl nicht wehren kann. Einengung des Koalitionsrechts soll den Gewerk- schafilem den wirtschaftlichen Kampf erschweren, damit die Last neuer Steuern und Zölle auf den Arbeiterschultern ruhen bleibt. Daher ist eS angebracht, auf die Widerstnnigkeit der Schutz- zöllnerei hinzuweisen. Das besorgt aus anderen Motiven die Verivaltung der Laurahütte. In ihrem letzten Geschäfts- bericht verlangt sie StaatShilfe gegen die ruinös wirkende Schutzzollpolitik. Die Zöllnerei in Deutschland hat selbstverständlich auch unsere Nachbarn veranlaßt, sich derselben Praxis zuzuwenden. Erhöhen wir unsere Zollmanern gegen die Einfuhr landwirtschaft- licher Erzeugnisse, erschweren die betroffenen Länder die Einfuhr deutscher Jndustrieerzeugnisse. So ging und geht das Spiel auf der ganzen Linie; die Staaten bewegen sich im Zirkeltanz, hemmen gegenseitig ihre ökonomische Entwickelung. Und die oberschlesiscke Montanindustrie muß auch für die landwirtschaftlichen Zölle und Grenzsperre gegen Rußland büßen und sie verlangt dafür vom Staat Tarifvergünstigungen. Eine Liebesgabe gegen die andere I Im Geschäftsbericht der Laurabntte liest man: „Im Absatz eingeengt durch die einstweilen noch unübersteig- baren österreichischen ii»d russischen Zollmauern, dazu gezwungen. infolge allmählicher Er'chöpfung des heimischen Boikommnis, sich die benötigten Erze auf weile Entfernungen zu beschaffen, kann die Oberichlesiiche Eisen- und Stadlindustrie, deren Weiterbestand auch aus wirtschaftlichen, volitiichen und sozialen Rücksichten eine zwingende Notioendigkeit ist, immerhin nur bis z» einem gewissen Grade sich auf ihre eigene Kraft stützen. Darüber hinaus muß aber uuseres Erachtens die Hilfe eines Mächtigeren, nämlich der insbesondere durch ihre Eisenbahntarile dazu befähigten Staats- regieruug einsetzen, um eine alleingesessene Industrie lebensfähig. blühende deutsche Gemeinwesen steuerkräfng und ei» gewalliges Heer von bewährten treuen Arbeitern erwerbs- und damit auch stenerkräftig zu erhalten. Die Erkenntnis, daß in dieser Hinsicht unbedingl etwas geschehen muß, hat die Eiienindustrie Ober« schlesiens veranlaßt, am 14 Oktober 1309 dem preußischen Staarsministerium eine aussührliche Denkichrift über die Not- läge der oberschlesischen Eisen- und Slahliiidiistrie zu über- Mitteln und Vorschläge zu machen, wie»»serer Ansicht nach die Staatsregierung in der Lage wäre, in wirksamer Weite siir eine Beseitigung der schlimmsten Schäden zu sorgen. Wir dürfen wohl auch hier der Hoffnung Raum geben, daß dieser Schritt, zu dem wir uns nur unter dem harten Zwange der Verhälluisie ent- schloffen haben, von Erfolg begleitet iein wird, umsoinehr. als vor kurzem dem gleichfalls schwer um seine wirtschaftliche Existenz ringenden Jndustriebezirk an Sieg. Lahn und Dill wertvolle Tarisvergünstigungen zuteil geworden sind." Jetzt betteln die Industriellen um Unterstützung und zu der Neu- ordnung der Handelsverträge rüsten ste aus weitere Erhöhung der Zollmauern, die natürlich auch wieder Represialien der anderen Länder gegen Deutschland im Gefolge haben würde. Diese Ent- Wickelung der Dinge sollten sich besonders die Arbeiter merken. Sie für die Zöllnerei einzusaugen unter der falschen Flagge„Schutz der nationalen Arbeit', ist der Land- und Schlotfeudalen heißes Be- mühen. Daß die Zollpolitik den Arbeitern aber Ruten bindet, sehen sie recht drastisch am vorstehenden Beispiel. Die Arbeitsgelegenheit wird eingeschränkt, die Mehrbelastung durch Zölle wirkt scharf lohn- drückend und obendrein steigert die Zollpolitik die antisoziale, die scharfmacherische Strömung._ vankfallimciite in China. In China ist plötzlich eine heftige Finanzkrise cmsgebrockien, der bereits eine Anzahl von Banken in Peking und Schanghai zum Opfer gefallen find. Dreizehn Banken in Peking haben die Zahlungen eingestellt, und mehrere Banken in Schanghai haben das gleiche Schicksal erlitten. Es find durchwegs nationale chinesische Institute, während die in China etablierten deutschen Banken von der Krise nicht ergriffen worden sind, sondern im Gegenteile, einzelnen chinesischen Instituten zu Hilfe kommen konnten. Bei den Banken in Peking und Schanghai haben sich die gewohnten Szenen der Bolksaufregung abgespielt. Die chinesische Bevölkerung, die bekanntlich sehr arm ist und für ihre mühsame Arbeit die kärglichsten Löhne bezieht, hatte bei den Banken ihre Er- sparmsse hinterlegt, welche durch den Zusammenbruch als verloren zu betrachten sind. Auf einzelne dieser Institute fand ein Run statt. der zwei Tage dauerte und durch das Einschreiten der Polizei in Schranken gehalten werden mußte. Bon der Bevölkerung und von den deutschen Banken, welche von der Krise nicht berührt wurden. wird eine Hilfsaktion der chinesischen Regierung für die in Schwierigkeiten geratenen nationalen Institute begehrt, weil sonst die Krise weitere Kreise ziehen könnte. Die Ursache des Zusammen- bruches einer so großen Anzahl von Banken ist in der über- mäßigen Gummiipekulation zu erblicken. ES scheint, daß diese Finanzinstitute in Gummi und noch mehr in Gummiaktien enorme Positionen aufaehäusl haben, welche durch den Kursfall des Rohgummis und der Gummishares notleidend geworden sind. In Ostasien, namentlich auch in Singapore scheint eine wilde Gummi- spekulation bestanden zu haben. Malaka, die Stroit-Settlements. sowie andere Inseln des indischen Archipel find in der letzten Zeit mit Gummipflanzen bedeckt worden. Zahlreiche Gummigesellschaften wurden gegründet; jetzt hat man den Krach. Soziales. Eine abgewiesene Boykottklage. Der frühere Steindrucker, jetzige Restauratrur Sixtus Herr- mann, Berlin, Bergmannstraße, hatte gegen den Bevollmächtigten Haß der Zahlstelle Berlin de? Verbandes der Lithographen, Stein» drucker und verwandter Berufe eine Schadenersatzklage wegen Ver« hängung des Boykotts angestrengte S. Herrmann ist der Verwalter eines gelben Arbeitsnachweises, durch den Arbeitskräfte zu ge- ringeren älS den ortsüblichen Löhnen vermittelt werden; auch stellt er bot Streiks Arbeitswillige zur Verfügung. Um sich als eine besonders verfolgte Unschuld hinzustellen, wandte er einen älten Ladenhüter an und stellte die Behauptung auf, man gehe nur deshalb gegen ihn vor, weil er kein Sozialdemokrat sei; ferner hob er hervor, die Sperre werde mit unlauteren Mitteln betrieben. In zwei Instanzen, Landgericht Berlin und Kammergericht, ist er mit seiner Klage bereits abgewiesen worden. Er tonnte sich jedoch dabei nicht beruhigen und rief die Entscheidung'des Reichsgerichts an. Am Montag befaßte sich die oberste richterliche Instanz Deutsch. lands mit dieser Angelegenheit und wies den Kläger mit seiner Klage kostenpflichtig ab, da der Kampf gegen den wilden Arbeits- Nachweis ein berechtigter und mit lauteren Mitteln geführter war. Durch die Klageabweisung erleidet auch der hinter dem Kläger stehende Schutzverband deutscher Steindruckereibesitzer, deren Schütz- ltng S. Herrmann ist und auf dessen Betreiben die Erhebung der Klage wohl überhaupt zurückzuführen ist, eine gebührende moralische Niederlage._ Bcamtenbestechung. Eine umfangreichere Anklage wegen Bestechung wurde gestern gegen den früheren technischen Eisenbahnsckretär Gustav Strahlke vor der 10. Strafkammer des Landgerichts I verhandelt. Der An- geklagte wurde beschuldigt, zu Berlin und Schöneberg durch sieben selbständige Handlungen als Beamter für in sein Amt«inschlagende an sich nicht pflichtwidrige Handlungen Geschenke angenommen oder gefordert zu haben. Ter Angeklagte war im Jahre 1886 als Bauaufseher in den Dienst der Staatseisenbahnverwaltung ein- getreten und ist ISVI zum technischen Eisenbahnsekretär ernannt. Seit 1864 wurde er als technischer Eisenbahnsekretär im technischen Bureau der Königlichen Eisenbahndirektion Berlin mit Aus- schrcibungsarbeiten, Aufstellen von Verträgen und Rechnungen und dem Schriftwechsel für Neubauzwecke beschäftigt. Er ist verheiratet und durch lange Krankheit seiner Frau in finanzielle Bedrängnis geraten. Er soll nun in sieben Fällen von Vertretern solcher Fir- men, die sich um Bauarbeiten für die Eisenbahn bewarben,„Dar- kehen", die in Wahrheit als Geschenke anzusehen waren, ent« nommen haben. Es handelt sich dabei um Summen von 1ö0 M-, 1000 M., 200 M., 6000 M. usw. usw. Der Angeklagte ist wogen dieser Vorkommnisse im Disziplinarverfahren mit Dienstentlassung bestraft worden. Die Strafkammer verurteilte den Angeklagten in 6 Fällen zu S Monaten Gefängnis. Gerichts-Zeitung Simon wider Reetz. Eine alte Sache wurde in einer Verhandlung des Schöffen- gerichts Bcrlin-Mitte Abteilung 14S am 15. Oktober ausgeglichen. Angeklagter war der frühere Redakteur der anarchistischen Zeitung „Der Freie Arbeiter" Reetz, Privatkläger der Leiter de? Zentral- Verbandes der Schuhmacher Deutschlands und Landtagsabgeordneter Genosse Josef Simon zu Nürnberg, der durch Rechtsanwalt Wolß- gang Heine, Berlin, vertreten wurde. Im Dezember 1908 brach bei der Firma Frankenstein in Bur- scheid ein Streik aus, in dessen Verlauf der Privatkläger� Simon sich zeitweilig in Burscheid aushielt zur Schlichtung der Differenzen mit der Firma und auch der Streitigkeiten, die während des Streiks und der sich daran anschließenden Aussperrung zwischen den Ge- maßregelten entstanden waren. Heber diese Tätigkeit oes Privat- klägers brachte nun der„Freie Arbeiter" am 17. April 1909 einen Artikel, in dem Simon des Verrats an den Interessen der Arbeiter bezichtigt wurde. Der Artikel enthält auch im übrigen eine Anzahl Beleidigungen. Der Vorstand des Zentralvcrbaiidcs der Schuh- wacher berichtigte in seinem Fachorgan alsbald diese Entstellungen, und Genosse Simon erhob Privatklage. Diese zog sich nun deshalb so lange hin, weil die Zeugen auswärts vernommen werden mußten und weil der Angeklagte Reetz wegen eines politischen Artikels ver- haftet, vor dem Reichsgericht unter die Anklage des Hochverrats ge- stellt und schließlich zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. In der jetzigen Verhandlung kam ein Vergleich zustande. Reetz gab folgende Erklärung ab: Die Angaben, die in einem Artikel des„Freien Arbeiter" Nn 16 vom 17. April 1909„Der Schnhmacherstreik in Burscheid" über eine angebliche eigennützige und Arbeiterinteresscn sckädi- gende Tätigkeit des Privatklägers Simon als Leiter des Schuh- macherverbandes gemacht sind, haben sich durch die Bewcisaus- nähme als unrichtig herausgestellt, und ich nehme sie und die in dem Artikel enthaltenen sonstigen Beleidigungen zurück. Reetz verpflichtete sich, diese Erklärung im„Freien Arbeiter" zu veröffentlichen und die Kosten zu tragen. Kläger nahm darauf die Klage unter der Bedingung zurück, daß die Veröffentlichung auch wirklich erfolge. Revolverschüsse im Schwurgerichtssaal. Zu einer kleinen Rcvolvcrschießerei— allerdings ganz harmloser Art, kam es gestern in einer Sitzung deS Schwurgerichts des Landgerichts l, welches unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Schmidt mit einer neuen Tagung begann. Zur Anklage stand ein völlig unblutig verlaufenes Liebesdrama, bei welchem verschiedene zum Teil recht tragikomische Momente zur Sprache kamen. Wegen versuchten Totschlags war der Kernmacher Adolf Ziehe angeflagt. — Der'20jährige Angeklagte war in der Kernmacherei der Aktien- gesellschaft für Metallindustrie vorm. F. Butzke u. Co. in der Ritter- straße 12 beschäftigt. Hier lernte er die in derselben Abteilung beschäftigte erst 17jährige Arbeiterin Emma Sander kennen. Zwischen den beiden jungen Leuten entwickelte sich ein Liebesver- hältniS, welches nach Angabe des Angeklagten auch zu einer Ehe führen sollte. Schon nach kurzer Zeit glaubte Z. Anlaß zur Eifer- sucht zu haben, da ihn die S. auffallend kühl behandelte. Die eigentliche Ursache der Zurückhaltung des jungen Mädchens war jedoch, daß Ziehe sehr nervös und leicht erregbar war und ihr häufig ohne jede Veranlassung Vorwürfe machte. Die Folge war schließlich, daß die S. ihrem Liebhaber den Laufpaß gab. Der An- geklagte kaufte sich für einige Mark einen Schießprügel, der eigent- lich schon mehr zum alten Eisen gehörte. Mit dieser Waffe ver» sehen lauerte er der S. am Morgen des 1. September auf. Ms diese erschien, gab er einen Schuß ab, der fehl ging. Seine Ver- suche, noch mehr Schüsse abzugeben waren vergeblich, da der Re- volver streikte.— In der gestrigen Verhandlung wurde von dem Verteidiger des Angeklagten die Behauptung aufgestellt, daß der Revolver überhaupt nicht geeignet sei, einen Menschen zu töten. Es wurde daraufhin ein Sachverständiger herbeigeholt, der auf dem hinter dem Schwurgerichtssaal gelegenen Korridor Schießversuche anstellte, welche ergaben, daß es sich um eine völlig minderwertige Waffe handelt. Dem Wahrspruch der Geschworenen gemäß ver- urteilte daS Gericht den Angeklagten zu 9 Monaten Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat Untersuchungshaft. Keine Klassenjustiz? Russische Studenten hausten in der Nacht vom 18.— 19. Mai auf der Straße Schönborn-Nendörfchen bei Mittweida. Chaussee- bäume brachen sie teils ganz ab, teils wurden die Bäume stark be» schädigt, von Kirschbäumen, Linden und Eschen wurden die Hauptäste abgebrochen, ferner große Steine in den Verkehr hindernder Weise auf die Straße gewälzt und ruhestörender Lärm verübt. Drei Technikumsbesucher waren es, die so das Gastrecht mißbrauchten. Vom Schöffengericht Mittweida wurden gegen diese hohe Strafen verhängt, vom ferneren Besuche des Technikums wurden sie ausge- schlössen. Darunter befand sich auch der am 25. September 1885 in Petersburg geborene Paul Bischoff, der zu zwei Monaten Ge» fängnis und zehn Tagen Haft verurteilt worden war. Als boden» lose Gemeinheit und Rüpelhaftigkeit wurden die Taten dieser Helden in der Urteilsbegründung bezeichneü Gegen das schöffengerichtliche Urteil wendete sich Bischoff, be- sonders gegen die Strafart; die beiden Komplicen hatten sich bei dem Urteil beruhigt..Bischofs wollte glauben machen, daß er bei Begehung der Tat infolge sinnloser Betrunkenheft in unxurcch- nungsfähigem Zustande gehandelt habe. Damit kam er aber nickst an. DaS schössengerichtlich« Urteil wurde aber bezüglich der Straf- art aufgehoben und an Stelle der Freiheitsstrafen Geldstrafen gesetzt. um dem Verurteilten die Möylichkeft des weiteren Besuches deS Technikums und die Fortsetzung seiner Studien zu ermöglichen. Das Gericht setzte die Geldstrafen für die zwei Monate Gefängnis auf 1000 M. und für die Haftstrafc auf 36 M. fest. Das ist gewiß ein Entgegenkommen, wie es sonst nicht geübt wird. Mit Geld läßt sich halt manches machen. Die Reichen kaufen sich von Freiheitsstrafen los, die Armen, die dem Straf- gefetz verfallen, müssen brummen, und nicht zu knapp. Als im Früh» jähr zwei betrunkene Arbeiter in den Anlagen des BeckerplatzeS Rokenstöckcheu herausgerissen hatten, erhielt jeder 8 Monate Ge» fängnis. Von Rechts wegen! Wegen 11 Mark ins Zuchthaus. Wegen unternommener Verleitung zum Meineid ist am 2. Juni vom Landgericht Naumburg der Landwirt Karl Friedrich Probst Nr. 3 zu einem Jahre Zuchthaus verurteilt worden. Eine seiner Kühe war gestorben und der Händler Teichmann wollte das Fell für 15 M. kaufen. Der Angeklagte versprach, es ihm zu senden und übergab es dem Gemeindediener Lange. Dieser gab dem Sohne des Angeklagten das Geld, behielt aber das Fell noch bei sich. Inzwischen hatte der Händler Rothe dem Angeklagten 26 M. für das Fell geboten. Probst sagte, er habe es zwar schon verkauft, aber er wolle es ihm doch geben. Er ließ es unter einem Borwande von Lange zurückholen und verkaufte es an Rothe. Als später Teichmann den Angeklagten auf Herausgabe des Felles verklagte (Probst hatte allerdings die 15 M. vorher zurückgegeben), suchte Probst den Lange zu bereden, vor Gericht auszusagen, daß er die 15 M. noch nicht übergeben hatte, als Probst das Fell zurückholen ließ. Lange erstattete jedoch seine Aussage der Wahrheit gemäß.— Die Revision Probsts wurde am Donnerstag vom iteichsgericht verworfen._ ßnefhaften der Redaktion. v B. 18. 1. Sie müssen zunächst den AimenkommssfionSvorsteher um ein Armutszeugnis angehen und dies dann dem Prozetzgericht mit «wem Gesuch tun BewMgung tti ArmenrechtS unv Beiordnung elneS RechtZanwaUS einreichen. Das Gesuch hat nur dann Aussickt aus Ersolg, wenn Sie begründete Einwendungen gegen die Klage haben. 2. Ja. 3. Das ist statlvast. Es wird dann nach einmaliger Vertagung ohne Ihre und die Anwesenheit eines Vertreters aus Grund der Klagebchaupwngen verhandelt.— M. II. Die Forderung ist nicht verjährt. Da wir an- nehmen, daß Ihr Schwager noch minderjährig ist, mühte sein gesetzlicher Vertrete, beim zuständigen Amtsgericht klagen.— E. SVK. Die Sache halten wir für aussichtslos.— A. G. 28. ES kommt darauf an, was die Herrschaft aus die fragliche Aeuhcrung deS Mädchens erwidert hat. Hat sie nichts erwidert, so halten wir daS Mädchen nicht für gebunden.— A. G. 100. Die Koste ist nicht zu empfehlen.— R. S. 2. Wenden Sie sich an den Arbeitcrftenogravhenbund, I. Arndt Berlin, Naunhnftr. 7l> IV.— K. 8. Ja. A. W. Zchüliliausen Iii. Leim Gemeindeamt ist ein Annenattest zu beantragen. Papiere sind nicht erforderlich.— M M. 999. Nein. — Rixdorf 102. Die zahlreichen Mittel, die angepriesen werden, haben wir noch nicht ausgeprobt. Wenden Sic sich an einen Arzt.— R. T. 2. Der Arbeiter-Slenograpbenbund, I. Arndt, Naunynstr. 70, IV, erteilt Auskunft.— 8. S. 1937. 1. Bis zur Dauer von sechs Monaten. 2. Armen- verwal'ung. Wenn das Urteil rechtskräftig ist, läßt sich nichts mehr tun.— L. v. d. it. Bei dem Anilsgcricht, in dessen Bezirk Sie Ihre» Wohnsitz haben, uiüsten Sie Ihren Austritt anmelden. Genehmigung des Vor- mundes ist nicht ersorderlich.— R. A. 00. Nein. Die Klage aus Wieder- Herstellung der ehelichen Gemelnschast muh der Scheidmigsllage borausgehen. Die letztere ist nach Abiaus cineS Jahres, nachdem das aus Wieder- Herstellung lautende Urteil rechtSkräslig geworden ist, inlässig.— O. 2. 77. Es bleibt nur«in Antrag aus Erlast eines Zablungsbeiebls, eventuell die Klage übrig.— O. 23 a. Die Kaste kann nicht cmpsodlen werden.— W. W. 30. Leider ist die Abmachung rcchtswirksam.— Wette 1 Mark. Wetten entscheid, n wir nicht.— Kg. 300. 1. Sie haben Anspruch aus Herausgabe des Kindes. Sie können jür den Fall der Weigerung klagbar werden 2. Ja.— Rixdorf 100. Amtsgericht Rixdorf.— R. H. 33. Nur, soweit sie Vmnögen oder Einkomnien haben, in solcher Höhe, daß es durch den eigenen standesaemästen Unterhalt nicht ausgebraucht wird. — W. S. 100. Sprechen Sie bei dem Verband der Tapezierer, Engel- user 15 III, vor.— K. G. 3 Der Lausbursche unterliegt der Kranken- Versicherung— W. K. 31. Wenn Sic nachweisen können, daß Ihnen zugesichert ist, die Wobming sei nicht seucht, serner, daß die Wohnung feucht ist, ohne daß Sie ein Verschulden hieran trifft, so können Sie Lösung des Vertrages fordern. Zur Beseitigung der Schnecken stellen Sie dem Ver- Mieter eine angeinrstene Frist, nach deren etwa ersolglosem Ablaus Sie klagen können.— Partcigriioffe Rehfelde. Nein.— Komet. Wenden Sie sich an die Gewerkschaslstommission, Engeluser 15.— Sch. F. 97. Ja, muß Ihnen aber alsdann zurückgegeben werden.— C. 2>. 1000. Bestimmte Gesellschaften cinpsehlcn wir nicht. Ueber die von Ihnen an- gegebene Gesellschaft ist uns, was die finanzielle Seite anlangt, nichts Un- günstiges bekannt.—<5. G. 48. Belm Magistrat.— N. 8. 50. Nicht bekannt.— P. R. 10. Rund 39 000 000.— L. 100. Dorf in der Pro- vinz Hannover. Regierungsbezirl Lüneburg. Die erbeiene Auskunft erteilt die Auskunftsstelle Bahnhof Alexandei platz.— 47. Tchöiikvaldcr Str. 13. Die Frage läßt sich nur an Hand der Versichcrungsdedingungen beantworten.— 31. 2. ffiilh. Hinz. Prinzeustr. 66 IV.— Ber« trauensperson. Soweit durch die Psäudungs- und Ueberwcisungs« beschlüste der Lohnanspruch beschlagnahmt ist. Ist dies in voller Höbe ge- schehcn, so kann bei dem Amtsgericht, das den Beschluß erlassen hat, Be« schwerde geführt werden.— M. B. 84. Aus Ersor ern ja.— tsicnf- Schweiz. Sie können dort die Versicherung sortsetzen. Sie müssen all- jährlich mindestens 10 Marken einer beliebigen Lvhnklassc entwerten und dajür Sorge tragen, daß die Karte Innerhalb längsten« zweier Jahre um- getauscht ist. Sic müssen serner Marken derjenigen Versicherungsanstalt verwenden, in deren Bezirk Sie zuletzt beschästigt waren oder sich aus- gehalten haben.— Kinder. 1. Ja, sosern der Vater dazu außerstande ist und der standesgemäße Unterhalt der Frau und Ihrer Familie nicht ge« sährdet wird. 2. und 3. Wir empfehlen einen der Kinderhorte. Nähere Auskunst erhalten Sie aus Ansrage von dem Schrislsührer des Vereins Kinderhort, Rektor Matag, Tempellioser User 2.— W. B» Halensee, 1. Ja. Erstatte» Sie Anzeige. 2. Machen Sie der Polizeibehörde Mit- leilung und verlangen Sie, daß die Marken in einer neu zu beschaffenden Karte aus Kosten des Arbeitgebers nachgeklebt werden. 3. In süns Jahren. r Die Geburt eines krästigcn < Mädchens zeigen allen Freunden Jj und Bekannten an ? Paul Hirsch und Frau. 4 Charlotlenburg, Wallstr. 62. «ssssssssz� $ Unserm Genosten"c/ Paul Jesse und Frau| g) zur Silbernen Hochzeit die herzlichsten Glückwünsche. � tz» Die Genossen des 709. Bezirks. V/ Todes- Anzeige. Hierdurch die traurige Nach- richt, daß mein lieber Mann, unser guter, treusorgender Vater, der Schriftsetzer (iiistsv Ochwat nach langer, schwerer Krankhell jansl entschlasen ist. Die« zeigen ticsbctrübt an Die trauernde Witwe und Kinder. Die Beerdigung findet am Freitag, den 21. Dfiober, nachmittags 2 Uhr, von der Leichen- halle deSZeiilral-FricdhoseS.Süd- West' in Stahnsdorf aus statt. Absahri Wannsee(Kraftwagen): l Uhr 35 Minuten nachmittags Sozialdemokrat ffablfereio für den 9. Bert Reielistagswalreis. Am Dienstag, den 18. Ottober, I starb unser Mitglied, der Schrist- jietzer (kstav Ochwaf. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ! Freitag, den 21. Ottober, nach- I mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle deSZentral-Friedhoscs»Süd- I West' in Stabnsdors aus statt. I Adsahrt Wanusce(Krastwagen): 1 1 Uhr 35 Minuten nachmittags Der Vorstand. Heute morgen verstarb nach längerer Krankheit der schristsetzer Gustav Ochwat. Wir bedauern das Hinscheiden j des braven Kollegen ausS schmerz- lichfte. der säst zwei Jahrzehnte in der Setzerei des.Vorwärts' tätig war und allezeit sein« Ausgabe mit hingebender Gewissenbasttgkeit | c füllte. Wir werden ihm«in dauerndes Andenken bewahren. Vorwärts;. | Bochdrackereio. Verlagsanstalt Panl Singer A Co. Todes-Anzeige. Am Dienstag, den 18. Oktober. früh 5 Uhr. starb nach schwerem Leiden unser langjähriger Mit- a> beiler, der Schrisstetzer Gustav Ochwat im 42. Lebensjahre. Sein auslsichtiger Charatter wie sein kolleg alifches Wesen sichern ihm bei den Uulerzeichneten ein dauerndes, ehrende« Andenken. Das Personal der Vorwärts- Luchdruckerei (Paul Singer«.<£o.) Die Beerdigung findel am Freitag, den 21. Oktober, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- Halle desZenlral-Fnedhoses.Süd- West" in Stahnsdorf»uS statt Absahrt Wannsee(Krastwagen): l Uhr 35 Minuten nachWittags. I'zrpognspkis. Unfern Mikgltedern die be- trübende Nachricht, daß unser langjähriges, treues Mitglied Gustav Ochwat nach langer Krankheit gestorben ist. Sein Andenken werden wir stets in Ehren halten. Der Vorstand. Beerdigung fiebe vorstehend.— Möglichst rege Beteiligung seitens der aktiven Mitglieder erwünscht. �laltekradzederMvereui des O. Herl. Reictislags-Wahlkreises. Todes- Anzeige. Am 14. Oktober verstarb unser Mitglied, der Former Brietz Baisußstr. 16. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag. 20. Oktober, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle de? Philipp- Apostei-Kirch- böses, Müllerstraste, Ecke Seestraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht ver Vorstand. Oeutschai Metallarbeiter-Verband NerwaltungSftelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Hobler R-uriD Piechota am 16. d. M. an Bruchoperation gestorben ist. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Ottober, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- balle deS Gemeinde-Friedhoses in Ober-Schöneweide auS statt. Ferner starb unser Mitglied. der Former Adolf Brütz am 14. d. M. insolge Unfall« (Strastenbahn). Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. Oktober, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenbolle deS Philipp-'Apostel. KirchhoseS in der Müllerslraste, Ecke Seestraste, aus statt. Ehre ihrem Andeute» k Rege Beteiligung erwartet 123/16 Die Ortsverwaltung Verband deutscher Gastwirtsgehilfen (Orlsverwaltung Charlottenburg.) Todesanzeige. Am Sonntag, den 16. d. Mts., »erstarb nach langem schwerem Leiden unser Mitglied, der Kellner Buxo Schroeder im Atter von 58 Jahren. Ehre seinem Andeute«! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 20. Oktober, nachmittags 4 Uhr, aus dem Dorotheenslädtischen Kirchhose in Reinickendors, Scharuivebrrstr. l/2, statt. 14296 Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Berlin. Den Mstgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Drechsler Msx Bohne am 18. Oktober gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute. Mittwoch, den 19. Oktober, nach- msttagS 2'/, Uhr, von der Halle des Emmaus-KwchhiseS in Rixdors, Hermannstraste, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht gl/13 Die Drtsverwaltung. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Be- weise herzlicher Teilnahme und kost- baren Kranzspenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau und guten Mutter Ida Hrade sage ich allen Perwandten, Freunden und Bekannten, dem 4. Berliner ReichstagswahlkreiS. dem Konsuln- verein, dem Berlin.Arbeiter-Radsahrer- verein sowie der 5. Ableilung, den Kol- legen der Aktten-Gesellschajl für Bau- auSsührungen sowie insbesondere aber dem Gesangsquartett meinen herz- iichsten Dank. 141SL Im Namen der Hinterbliebenen .Augnst Hrade nebst Tochter. Danksagung. Für die rege Beteiligung und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich hier- mit herzlichsten Dank. 1415L C. Hiscb m»d Sohlt. Deutscher Holzarbeiter- Verband Zahlstelle Rixdorf. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler lm\\ Rutjenstein am 15. Dfiober gestorben ist. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findel heute, Mittwoch, den 19. Oktober,»ach- mittags 1>/, Uhr, aus dem Nix- dorser Gemeindesriedhos, Marien- dorser Weg, statt. Um rege Beteiligung ersucht 91/15 Die Ortsverwaltung. Verband der 8attler und Portefeuilier. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern diermit zur Nachricht, daß unser Kollege, der Wagensalller Hart Scbellenberg Firma Wienicke am 17. d. M. verstorben lst. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet morgen, Donnerstag, den 20. d. M., nach mittaas 41/, Uhr, von der Leichen- halle des Kirchhofes III in Pankow aus statt 157/11 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband Zahlstelle Rlxdort. Tod es- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler .hZHii» Unoche am 16. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Oktober, nach- mittags 2'/, Uhr, auf dem Rix- dorser Gemeindesriedhos statt. 91/17 Dir OrtSverwaltnng. Danksaguttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, soivte für die schönen .Kranzipenden bet der Beerdigung unseres lieben Sohnes, Bruders, Schwagers und Schwiegersohnes, meine« lieben Bräutigams, des Schneiders Richard Pritschow sagen wir den Genossen de« zweiten Berliner NeichstagSwahlkrestes(Be- zirk 35), dem Verband der Schneider, den Kollegen der Firma Gromann und dem Gesangverein unseren herzlichsten Dank. Eltern, Geschwister und Braut. ' Für� die vielen Beweise herz- sicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner leider zu früh dabin- geschiedenen lieben Frau, unserer sorgsamen Mutter, sagen wir aus diesem Wege allen unseren herzlichsten Dank. 14336 MM Bremer nehst Kindern. Danksagung. Für die anläßlich der Beerdigung meines lieben Mannes kVsnz Albrecht bewiesene liebevolle Teilnahme sage ich allen Beteiligten meinen heiz. llchsten Dank. 14286 I.ntse Albrecht. Danksagung. Für die rege Teilnahme und schönen Kranzipenden bei der Beerdigung metner lieben Frau sage ich allen BeteUiglen meinen besten Dank. Heinrich tiönncr, Culmstr. 29. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie die kofibaren Kranz. spenden bei der Beerdigung meines leider zu früh dahingeschiedenen lieben Mannes, unseres treu sorgenden Vaters, sagen wir aus diesem Wege allen Verwandten, Freunden. wie auch Bekannten, besonders den Kollegen und Kolleginnen der A.E.-G., Vollastraße, Gj. IV. Meister Geich le, wie auch den Genosten de« 745. Bezirks deS Sozialdemokralilchen WahlvereinS des 6. Berliner Wahlkreises, dem Hiissarbeilerverbande, dem Freien Gaslwirtsverbande und dem Unter« stützungsverein der Schmiede für ihre Opserwilligkett unseren herzlichen Dank. 1432b Vitve Elise Dönsch nebst Kinder«. Fl. I.SO n. 2.00 Kraft-Rotwein Desterl-Wtln für Blutarme» Krank«. Käuflleh ia Apotheken'.Drogen- a Koionlal-Geschatien. Vornehme KostOme von M. 30.— an Das billigste Saison-Angebot bei Westmann Hfl&reiistüJa] « Jerutalemer.SIr J I. Etaga l nah« IndreaislraM». Hur Neuheiten! Abandmäntet in reich« Ausstattung tu M. 18.-. Äl.—. 40.-, 55.— b. IßO,— früher teilweise M. 35.—, 50.—. H5.—. 110.—, 225.— PlOachmäntol(darunter echt Seal) IU M. 35.-. 40.-. 48.50,«>.- b. 175.- frUtaai tettwetse M. 65.. 90.. 100.-, 120.—. 250,— Kostüms, reich ausgestattet «u M 25—. 32.-, 69.-. 50, b. 140.- frOher teltwelBe M. 52—, 66.—. 78.—, 115.—, 225.— UebergangsmSntel englischer Art achon von M. 8 an bia M 7� Pe-zstoten, echtes Pelzwerk •ehon?. M. 19. an. M.. 82.-. 4a-, 55.-, 80- Pelxm9n«>« paitsndn In allen Abteilungen ü vorratig.— Beauch mögllehal Vormittage erbeten i> Orts- Krankenkasse Weißensee Bekanntmachung. Am l. Oktober er. ist die Watzlzeit sämtlicher Vertreter abgetauten und sind daher Neuwahlen ersorderlich. Es sind zu wählen: 178 Arbeitnebmer-Vertreter, 59 Ersatzmänner, 82 Arbettgeber-Vertreter, 27 Ersatzmänner. 278/10 Die Wahlen finden statt am Bumtag. den 2]. Oktober er.. von S'/a bis O'/s Uhr abends, im Restaurant„Prälaten", hier, Lehder- straßr 122, und zwar wählen die Arbeitnehmer von 5'/, bis 7si, Uhr, die Arbeit- geber von 8'/, bis 9'/, Uhr. Wahlberechtigt und wählbar find nur diejenigen Kassenmitglieder und Arbeitgeber, welche gronjährig und im Besitze der bürgerlichen Ehren- rechte sind. Die Arbeitnehmer haben daS Mt- gliedSbuch bei der Saht vorzulegen. Die Arbeitgeber wollen sich zum Zweck ihrer Legitimation mit einem Ausweis versehen. WaiBansos, den tfi. Ottober 1910. Der vorstand der OrtSkranken- taste für den Geuietudebeztrk Wetstensee. Fuhrmann. Borsitzender. »•••••••••••••••eil« Zepernick-Bernau. [ Parzelle von 39014. an(ea 90, II.) s , Kleine Anzahlung u. langjährige i i Hypothelen. Pläne gratis. Vor- 1 i käufer ständig am Bhf. Zapernick [ J. Rieger, Berlin, Gontardstr. 5. »aseOS«OOO< Kronleuchter- Fabrik. T Größte Auswahl. Verkauf zu billigsten |)l Fabrikpreis a. Private. — Musterbnoh— n. Außerhalb franko, S Auf Wunsch kulante VM/ D Zahlungsbedingungen ohne Preiserhöhung. Siesel& Co., PrinzcnMtraße 33.* WestraannsTrauepraapzifli BIxlra-Abtotluiig 1 1. Gesch.; Berlin W, Mohren- Straße 37a(2 Haus von der! Jerusalemer Straße). | II Gesch.: Berlin NO., Große) Frankfurt. Str. 1 16(2. Haus j von der Andreasstraßa). I Sehrgr. Ausw. fero. Kleider, j j Milte, Handschuhe, Schielerl 9utc. v. einfachsten bis emu j [ hochelegant Genre z. äußerst j niedrigen Freisen. Sonder- Abteilung: HaBniifertignng in 10 bis 12 Stunden. 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Tagcs-Orbiiung: I. Vortrag des Kollegen Aibin KOrsten:»Die Rechte der Arbeiter im Zlkkordvcrtrag.« 2. Dislusston. 3. Verbands» und Branchenangelegenhciteii. 123/15 ===== Mitgliedsbuch legitimiert!- Zahlreichen und pünktlichen Besuch crmartet vlo ttet�ver�altrinx. MM® Tabakarbeiter-Verband Bitte ausschneiden! Zahlstelle Berlin. Bitte ausschneiden! Avis für Fabrikanten und Arbeiter der Tabakbraucbe! Der Arbeitsnachweis befindet fich ab 1. Oktober 1874/14» ' Grofte Hamburger Strafte 18/19.----------- Tel.: Amt 3. 9711. Sprechzeit 10-12 srüh, 3— 5 nachm. Tel.: Amt 3, 3711. Hin regen Zuspruch ersucht Die Ortsberwaltung. Tausendfach bewährte Nahrung bei: Brechdurchfall, Diarrhöe, Darmkatarrh, etc. Kindemahrung -Krankenkost f Deutschlands. Zweigverein Berlin n. Umgegend. Sektion dep Rohnep. Mittwoch, 19. Oktober, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer IS. Saal 11: Aiißeriiriitlitl. Mitssliedkr-UnstiiiiiililW. Tagesordnung: 30/17 1. Bericht von der Verhandlung mit den Unternehmern. 2. Unsere Stellungnahme dazu. Vollzähliges Erscheinen erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Wissen 8ie eine ieine 1 Cigarette zu schätzen? Dann verlangen Sie die Marke„Salem Aleikum". Durch die Tatsache, daß sich Fabrikant und Händler bei dieser Cigarette mit einem äußerst bescheidenen Nutzen begnügen, wird dem Raucher ein edeles und bekömmliches Fabrikat zu einem sehr mäßigen Preise geboten. — Zu haben in den durch Plakate kenntlich gemachten Geschäften. Fabrik- Ansicbt Nr. Z'/z 4 5 8 8 10 Preise: Z'/z 4 5 6 S iOPf. d.St. Orient. Tabak- und Cigarettenfabrik Y E N I D Z B, Ind. Hugo Zietz, Dresden. ttr m Ortsverwaltnng Berlin. Modelltischler. Donnerstag, den 20. Oktober 1910: ßranchcn-Vcrfatinnlung in Schmidts fefträle, Gartenftr. 6. Tages-Ordnung: 1. Bericht nnd Velchlustfassiing über einen Tarifvertrag mit den Modelltischlermeistern. 2. 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Die vierte und fünfte Abteilung hält am Freitag, den 2t. Oktober, abends 8'/° Uhr, einen gemeinsamen Zahlabend im Nosenthaler Hof, Rofenthaler Strohe 11/12 ab. Vortrag des Herrn Direktors Paulh über Feuerbestattung, unter Vor- führung eines Krematorium-Modells. Gäste willkommen. Die Abteilungsführer. Friedenau. Heute abend 8'/z Uhr findet die Generalversammlung -*5 Wahlvereins bei Mechel te, Handjerystrahe 60/61 statt. Bericht vom Magdeburger Parteitag. Referentin Genossin Thiel. Mitgliedsbuch legiliniiert. Tenipclhof. Der Wahlverein veranstaltet einen sechs ALende umfafienden Unterrichtskursus über das Parteiprogramm. Vor- tragender ist Dr. Max Schütte- Berlin. Der erste Abend findet am Freitags den 21. d. Mts., abends pünktlich b'/z Uhr, im „Wilhelmsgarten', Berliner Strahe 9 statt. Stralau. Heute abend S'L Uhr, findet die Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Die Tagesordnung lautet: Bericht vom Parteitag in Magdeburg. Referent: Genosse Oskar Witzle. Diskussion. Vcreinsangelegeuheiten und Verschiedenes. Adlershof. Am Freitag, den 21. Oktober, findet im Lokal deS Herrn Wöllstein, Bismarckstr. 24, eine öffentliche Versammlung für Männer und Frauen statt. Tagesordnung: Moabit— Zucht- hausvorlage— Sozialistengesetz. Referent: Gewerkschaftssekrctär Robert Bahn. Der Vorstand. Britz-Buckow. Sonnabend, den 22. Oktober, feiert der Wahl- verein sein Sliflungsfest in Raadatz Festsälen, Chaussecstrahe 39. BilletS find bei den Bezirksführern und in den mit Plakaten ver- sehenen Lokalen zu haben. Der Vorstand. Köpenick. Heute abend 8 Uhr findet im.Stadt-Theater" eine öffentliche Protestversammlung statt. Lerlmer I�acdricbten. Körperliche Ucbungen und Pausen. DaS preußische Kultusministerium hat neuerdings der Ausbildung des Körpers größere Aufmerksamkeit zugewandt. Es ist nicht nur eine dritte Turnstunde dem Plane der Volks- schulen eingefügt, sondert auch angeordnet worden, daß an den Schultagen ohne Turnstunde in allen Klassen fünf bis zehn Minuten auf körperliche Uebungen(Atemübungen) ver- wendet werden sollen. In der„Pädagogischen Zeitung" wurde nun kürzlich darauf hingewiesen, daß an einzelnen Berliner Gemeindeschulen die Unsitte einzureißen scheint, die Uebungen in die Pausen zu verlegen. Wir können nicht umhin, unser Befremden über eine derarttge Praxis auszusprechen, um so mehr, als ja das Ministerium selbst unzweideutig anders verfügt hat, da die Pausen„zu freier Bewegung und Erholung bestimmt und im Interesse der Ge sundheit und Kräftigung der Schüler nicht zu verkürzen sind/ Rektoren, also Pädagogen von Fach, sollte aus der Psychologie und Physiologie des Manschen bekannt sein, daß Betättgung des Körpers vom Gehirn aus dirigiert wird, auch dort also Ermüdung hervorruft und darum niemals schlechthin als Er- holung von geisttger Arbeit angesprochen werden darf. Zu dem Anstrengenden in unserem jetzigen Betriebe der Lernschule rechnen die Psychologen unseres Wissens vor allem das andauernde Gespannthalten der Aufmerksamkeit; Aufmerksamkeit erfordern jene Uebungen aber vom Kinde wie mehr oder weniger jeder fruchtbare Unterricht überhaupt. Wie konnten(oder können?) nun Pädagogen von Fach auf den Gedanken kommen, die notwendige Erholung durch eine Ermüdung schaffende Anstrengung ersetzen zu können. Die wohl aller- seits, nicht zuletzt von der Schuljugend, freudig begrüßte Neuerung sollte überall auch wirklich im Sinne jener Ver- fügung durchgeführt werden. Der erste Berliner Mäßigkeitsverein. In dieser Zeit, in der die Brauereien immer mehr über den Fortschritt der Anti- alkoholbewegung klagen, interessiert es vielleicht, zu erfahren, daß die Bestrebungen gegen den Mißbrauch des Trinkens in Berlin bereits zirka 73 Jahre alt sind. Amerika war darin vorbildlich gewesen. Die Kunde von dem wohltätigen Wirken der Mäßigkeitsgesellschaften in Nordamerika hatte die Königl. Regierung in Potsdam veranlaßt, unter deni 18. Mai 1837 die in Berlin erschienene deutsche Geschichte der Mäßigkeitsbewegung von R. Bairdt öffentlich zu empfehlen, die Behörden und Ein- wohner auf die großen Nachteile übermäßigen Genusses geistiger Getränke für die Gesundheit und Sittlichkeit des Volkes aufmerksam zu niachcn und sie aufzufordern, dem Beispiel der Bewohner in den Regierungsbezirken Arnsberg. Posen und Danzig zu folgen, wo die amerikanischen Mäßigkcitsgescll- schaften bereits nachgeahmt worden seien. Das königliche Konsistorium und Oberschulkollegium der Provinz Branden- bürg hatte gleichzeitig in deniselben Sinne die Superintendenten angewiesen, die Sache in die Wege zu leiten, aber sie schien nirgends Anklang zu finden. In Verlin konnte man jeden- falls über die Form und den zu verfolgenden Plan, den man über die ganze Monarchie ausdehnen zu müssen glaubte, nicht einig werden. Da faßten zwei Männer, der Schreiber Schröder und— bezeichnenderweise— ein Gastwirt Schulze, welche die verderblichen Wirkungen des Branntweingenusses an sich und andern kennen gelernt hatten, den Entschluß, selbst einen MüßigkeitsverÄn zu gründen; sie legten demselben gänzliche Enthaltsamkeit von allen geistigen Getränken zugrunde und warben Mitglieder. Ain 11. Februar 1838 wurde der erste Berliner Enthaltsam- keitsvcrein in aller Form von elf Mitgliedern auf dem Roll- kruge, dessen Wirt den Ausschan? von Branntwein eingestellt hatte, eröffnet. Jni Jahre 1814 hatte der Verein noch unter dem Namen„Mäßigkeitsverein" bestanden; wie er sich weiter entlvickelt hat und ob er noch besteht, war nicht zu ermitteln. .1 Doppelte Steuerzahlung. Unter der Ueberschrift:„Der Strafmonat" veröffentlicht der in Steuersachen tätige Magistratsrat Dr. Kremski in der „Volks-Zeitnng" folgende recht bemerkenswerte Darlegung: „Im Kommunalabgabengesetz vom 14. Juli 1893 be- stimmt§ 60 Nummer 2b bezüglich des Aufhörcns der Gemeindeeinkomiuensteucrpflicht: „Die Steuerpflicht erlischt durch das Aufgeben deL Wohn- sitzes, Sitzes(bei Aktiengesellschaften und sonstigen steuer- Pflichtigen juristischen Personen) oder Aufenthaltes mit dem Ab- lauf des Monats, in welchem der Wohnsitz, Sitz oder Aufent- halt tatsächlich aufgegeben ist, sofern jedoch bis zu diesem Zeitpunkt der Gemeindebehörde hier- von keine Anzeige erstattet ist, erst mit dem Ablauf des folgenden Monats." Verzieht ein Steuerpflichtiger am 31. Oktober von Berlin nach einem Vorort und meldet er sich beim Magistrat Berlin bis zu diesem Zeitpunkt nicht ab, so muß er in Berlin noch für den M onatNovemberGemeindeeinkommen- st euer bezahlen, obwohl er von dem Vorort schon vom 1. November ab gleichfalls zur Gemeindeeinkommensteucr herangezogen wird. Er zahlt also für den November doppelte Gcmeindeeinkominensteuer, einmal in Berlin und einmal im Lorort. Dieser„Strafnionat", der als Rechtsnachteil für die unterlassene oder verspätete Abmeldung gesetzlich vorgeschrieben ist, erregt in den Kreisen der davon betroffenen Steuerzahler jedesmal heftigen Unwillen, der sich sogar bis zu schriftlichen Vorwürfen über die Gesetzesunkenntnis der Beanitcn steigert, da doch das Gesetz Doppelbesteuerung verbiete. In Wirklich- keit gebietet sie aber das Gesetz gerade in diesem Falle. Das Oberverwaltungsgericht hält daran fest, daß die übliche polizeiliche Abmeld ring nicht genüge. Es verlangt nach dem Wortlaut des Gesetzes eine A b- Meldung bei der Gemeindebehörde, dem Ma- gistrat oder der Steuerdepntation. Trotzdem ist die Steuer- deputation den Steuerpflichtigen soweit entgegengekommen, daß sie sich nach dem Stempel des Polizeireviers auf den Ab- Meldescheinen richtet. Sie nimmt es noch als eine zur Ver- meidung des Strafmandats genügende rechtzeittge Abmeldung an, wenn der polizeiliche Stempel den letzten Monatstag nachweist. Auf den Strafmonat verzichtet die Steuerdeputation aber nicht, da dieser ein geldwertes Recht der Stadt darstellt. Ebenso wäre ein allgemeiner, durch Magistrat und Stadtverordnetenversammlung zu beschließender Verzicht nicht statthaft, da hierdurch eine Gesetzesvorschrist außer Kraft ge- setzt würde. Bei der Staatseinkommensteuer gibt es keinen Straf- monat. Hier genügt die gewöhnliche polizeiliche An- oder Abmeldung. Wer also aus Berlin verzieht, der muß dafür sorgen, daß seine polizeiliche Abmeldung am letzten Monats- tage auf dem Polizeirevier abgestempelt wird. Ist dies nicht möglich, so muß er sich bei der Steuerdepntation, Ab- teilung Hl, durch eine Postkarte, die noch am letzten Monats- tage dort eingeht, abmelden. Verzieht er aber am, Ersten eines Monats, so hat er noch für den laufenden Monat in Berlin Gemeindeeinkommenstcner zu zahlen, und seine Steuer- Pflicht bei der Anzugsgcmeinde beginnt erst am Ersten des nächsten Monats.""_ Ucber die Braiidkatastrophr in der Neuen Friedrichstraße wird amtlich folgender Bericht erstattet: „Durch die polizeiliche» Ermittelungen Über die Brandkatastrophe in der Neuen Friedrichstraße, der sieben Menschenleben zum Opfer gefallen sind, ist festgestellt worden, daß in den Geschäftsräumen, in denen der Brand stattgefunden hat, ohne polizeiliche Genehmigung Einbauten(durch Aufstellung von Zwischenwänden und Herstellung einer Garderobe für das Personal) vorgenommen worden sind, durch die der Zugang zu der Hanptttcppe beschränkt wurde, daß ferner die Türen zu zwei der vorhandcnen Treppen unzulässigerweise während der Zeit, in der sich in den Geschäftsräumen Personen befanden, ver- schloffen gehalten worden sind und deshalb die gefährdeten Personen nur durch einen Ausgang das Freie gewinnen konnten, daß endlich auch da? Schloß dieser Tür insofern vorschriftswidrig war, als sich daran ein Nachtriegel befand, der allem Anschein nach von den Verunglückten in der Bestürzung für die Türklinke der unverschlossenen Tür gehalten und umgedreht worden ist und so die Verriegelung dieses einzigen, bis dahin freien Ausganges bewirkt hat. Ob und inwieweit hieraus ein strafrechtlich zu ahndendes Ver- schulden deS Geschäftsinhabers oder anderer Personen zu folgern ist, wird die strafrechtliche Untersuchung, die noch nicht ab- geschlossen ist, ergeben. In der gestern im Polizeipräsidium abgehaltenen Konferenz ist beschlossen worden, mit Sttenge darauf zu halten, daß in Betrieben, in denen leicht brennbare Stoffe in größerer Menge angehäuft sind, die Geschäfts- oder ArbeitSränme mindestens zwei an entgegengesetzten Enden liegende Ausgänge haben, die während der ganzen Zeit, in der sich Personen in den Räumen befinden, unverschlossen gehalten werden müssen und nur durch eine lösbare Blombe gesichert werden dürfen." Der Bericht erweist, daß in dem BrandhanS schwere ver- fehlungen gegen die feuerpolizeilichen Bestimmungen geherrscht haben und daß infolgedessen die Arbeiterinnen zu Tode gekommen sind. Wenn die Polizei ihr Augenmerk mehr auf den Schutz der Arbeiter und Arbeiterinnen in gewerblichen Betrieben richten pürde als auf die Niedersäbelung harmlos ihres Weg? gehender Arbeiter, würde sie sicher in loeiten Kreisen sich größerer Sympathie erfreuen, als das heute der Fall ist. Gegen die LnstbarkcitSstcner nahm eine Versammlung von Ver- tretern der größeren Znteresscntenverbände Stellung. Der Verband der Berliner Theaterleiter hatte diese Sitzung einberufen, um eine gemeinschaftliche größere Aktion aller in Frage kommenden Kreise einzuleiten. Der Versammlung wohnten unter anderem bei: Geheimrat Jacob und Dr. Koppel für den Verein zur Hebung deS Fremdenverkehrs, Dr. Osterrieth für die Genossenschaft deutscher Bühncnangehöriger, Otto Nenmann- Hofer für den Großen Berliner Opernvercin sowie Vertreter des Saal- besitzervereins, des Allgemeinen Deutschen Musikerverbandes, des Vereins der Berliner Musiker, Vertreter des Kinenratographen- Verbandes, der Berliner Gastwirte und andere sowie vom Verband Berliner Theaterleiter die Herren Direktor Gregor, Dr. Zickel und Herr Pategg als Vertreter des Herrn Dr. Löwenfeld. Alle An- .wesenden waren sich über die geradezu verheerende Wirkung, die eine etwaige Einführung der Luftbarkeitssteuer erzielen würde, einig, und gaben alle dem Gedanken Ausdruck, keine Mittel unversucht zu lassen, nm die ebenso ungerechte wie unpopuläre Steuer, an der neben den direkten Interessenten das ganze Berliner Publikum be- teiligt ist, zu Fall zu bringen. In der sehr lebhaften Diskussion. an dei�ich unter Vorsitz des Herrn Direktor Gregor besonders die Herren Gcheimrat Jacob, Dr. Koppel, Herr Wolter, Herr Neumann-Hofer Und Dr. Zickel beteiligten, wurde erwähnt, welche Vor- arbeiten und Schritte die einzelnen Jnteressentenverbände bereits getroffen hätten. ES kam zur Sprache, daß ein Ersuchen des Ver- bandeS der Berliner Theaterleiter an den Stadtverordneten Cassel, den Vorstand zwecks Anhören der Sorgen und Wünsche der Berliner Theaterleiter zu empfangen, einfach unbeantwortet geblieben ist. Zum Schluß der Sitzung wurden zwei fünfgliedrige Kommissionen gewählt, die auf Grund vielfachen fruchtbaren Anregungen der ge- meinsamen Aussprache bestimmte Maßgaben zur weiteren Agitation gegen die Lustbarkeitssteuer zu ergreifen haben. DaS Carnfo-Firber grassiert wieder in Berlin. An den Kaffen des Opernhauses gab es gestern ein außerordentliches Gedränge und 1 Geschubse, um ein Billett zum Caruso-Gastspiel zu erlangen. Ein starkes Schutzmannsaufgebot paßte auf, daß sich alle hübsch in Reih und Glied aufstellten, die zur Kasse wollten. Hunderte mußten aber ohne Billett abziehen; ihr stundenlanges Warten war vergeblich gewesen. Vom feudale» Sport. Fünf Pferdestürze verzeichnen die Sport« berichte über die letzten Pferderennen. Gerade diese Unglücksfälle lehren so recht deutlich, daß Pferderennen— eigentlich Pserdehetzen — nie und nimmer etwas anderes sind, als ein roher mit größter Schinderei verbundener Sport des Militär- und Ziviladels aller Länder. Es ist die Lust an der Gefahr, die Lust am Wetten, die hier in Erscheinung tritt. Vor allen, wird die Pferderaserei als ein Mittel betrachtet, um dem beschäftigungslosen Adel die ewig drückende Langeweile zu vertreiben. Dabei dient in diesem Falle die Roheit des Sports noch dazu, auch die Besitzlosen i» die inannigfachen Gefahren der Geldwettcn, das heißt der Geld- Vergeudung hineinzureißen. Zu diesem abscheulichen Wettspiel bewilligt der Staat unter der Maske:„Förderung der Pferdezucht" Geldnüttel. In früheren Jahrzehnten hatte die alte Fortschrittspartei diese EtatauSgabe öfter bcanstaudet. Die Adelsiuacht des Herrenhauses halte dann aber stets niit größter Pferdesachkenntnis den Nachweis zu bringen sich bemüht, Pferderennen seien ein wichtiges Mittel zur Förderung der Pferdezucht. Staatsmittel für die Sportunterhaltung der Junker sind ein echtes Zeichen dos Klassenvorrechts der Besitzenden und der Abhängigkeit der besitzlosen Steuerzahler von den selbst für Vergnügungen bevorzugten Herren des Parlaments und des Klaffen« Wahlrechts._ Eine Fortsetzung der militärischen Ueberlandfliige Johannisthal— Döbcritz fand gestern nachmittag gegen 8/44 Uhr statt. Thelen und sein Mechaniker Genfmann bestiegen die Maschine und um Z88 Uhr erhob sich die Maschine in die Luft. Nach anderthalb Runden halte der Biplan 150 Meter Höhe erreicht und zog in westlicher Richtung davon. Infolge des scharfen Nordwestwindes kam der Aeroplan nur ziemlich langsam vorwärts und erst nach geraumer Zeit wurde das Fahrzeug über Groß-Lichterfelde gesichtet. Thelen flog dann über den Zehlendorfer Forst und den Grunewald, passierte die Havel nördlich von Neu-Kladow und steuerte dann direkt aus den Militär- flugplatz z». Um 461 Uhr landete der Wnghtpilot und wurde vom Leutnant Mäggenthun empfangen. Der Flug, bei dem Thelen eine Höhe von 500 Meter erreichte, dauerte 1 Stunde 1 Minute. Selbstmord einer Vierzehnjährige». Die 14jährige Tochter Alice der in der Amsterdamer Str. 12 in Berlin wohnenden Witwe Heimle hatte sich am Sonntagvormittag an? der elterlichen Wohnung entfernt, um angeblich Verwandte zu bemchen. Bei diesen ist Alice H. jedoch nicht gewesen. Gestern wurde ihre Leiche im Teltowkanal in der Nähe der Adlcrshofer Brücke aufgefunden. Was daS junge Mädchen in den Tod getrieben hat, ist nicht bekannt, die Mutter steht vor einem Rätsel. Bei der Toten wurde nur das SchulentlassungS- zengnis vorgefunden._ Schon wieder zwei Personen verbrannt. In der vergangenen Nacht um 12Vz Uhr wurde der 10. Auto« mobilzug aus der Oderberger Straße nach der EberSwalder Straße Nr. 16/17 alannicrt. Dort war in einem Zimmer des Elisabeth-Stifts Feuer ausgekommen. Es brannten Betten, Möbel, Kleider usw. Als die Feiierwehr hörte, daß das Zimmer bewohnt sei, drangen Feuer« ivehrmänner sofort ein. Sie fanden die 93jährige Stiftsdame Frau G r e g o l e i t verbrannt im Bette liegend. Vermullich hat die Greisin nachts beim Gebrauch von Sttcichhvlzern die Betten in Brand gesetzt, ist dann ohnmächtig geworden und da keine Hilfe zur Stelle war, verbrannt. Der Brand witrde erst bemerkt, als der Rauch aus dem Zimmer drang. Die Polizei wuide benachrichtigt, die eine Untersuchung einleitete und die Leiche beschlagnahmte. Der zweite Fall wird aus der Ackerstr. 89 gemeldet. Dort geriet in der Küche des Gärtners Lenz ein Kinderwagen, der vor dem Kochherd aufgestellt worden war, in Brand. Das in dem Kinderwagen schlafende neun Wochen alte Kind, Fritz Lenz, erlitt so erhebliche Brandwunden, daß es gleich nach dem Lazarnskranken» hause gebracht werden niußte. Dort stellte man fest, daß die Beine bis zum Knie verbrannt waren. Wegen deS schweren RanbcS auf dem Bahnhof GroßgSrschenstraße, über den wir seinerzeit ausführlich berichteten, befinden sich jetzt zwei Verdächlige in Untersuchungshaft. In der Nacht zum 27. August wurde die Kassiererin Fräulein Müller, die nach Sdmltcrschluß bis jmn Beginn des Frübverlehrs auf dem Bahnhof Großgörschenstraße ubernachtete und sich schlafen gelegt hatte, von einem Räuber, der durch daS Schalterfenster in ihren Dienstraum einstieg, nieder- geschlagen und gewürgt, so daß sie die Besinnung verlor. Der Räuber entfloh dann mit der Kasse, die 800 M. enthielt. Unter dem Verdacht, diesen Raub verübt zu haben, wurde bereits im ver- gangenen Monat ein 25 Jahre alter Schlächter Otto Berliner fest« genommen. Einige Zeit nach dem Ucberfall erfuhr die Kriminal« Polizei, daß Berliner mit dem 29 Jahre alten Schlächter Max Adamkiewicz in einer Kaschemme in der Mulackstraße viel Geld ausgegeben und mit ihm in Streit geraten. war. Adamkiewicz hatte von dem Berliner u»ter Drohmige» Geld verlangt, umsomehr, als er selbst die Tat ausgeführt, Berliner aber nur Schmiere gestanden habe. Verschiedene Umstände sprechen dafür, daß es sich in diesem Streit nm den Raub auf dem Bahnhof Groß- görschenstraße bandelte. Berliner, der sich hier wohnungslos umher- trieb, wurde im vergangenen Monat aufgegriffen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Adamkiewicz gelang es bisher, sich allen Nachforschungen der Kriminalpolizei zu entziehen. Gestern endlich wurde er in einer Schankwirrschaft in der Mulackstraße er- mittelt und ebenfalls festgenommen. Die Kriminalpolizei brachte auch ihn nach dem Untersuchungsgefängnis, wo er dem Fräulein Müller gegenübergestellt werden soll. Die Verhafteten bestreiten bisher beide, den Raub verübt zu haben. Auf der Polizeiwache erhängt hat sich vorgestern nachmittag der 53 Jahre alte Arbeiter Josef LamberSky, der seit sechs Wochen wohnungslos war. LamberSky ist verheiratet, seine Frau trennte sich vor sechs Wochen von ihm. Seitdem hatte L. kein Obdach mehr. Vorgestern nachmittag wurde L. in einem Laden in der Mustauer- Straße wegen Bettclns festgenommen und nach der Wache des 49. Reviers in der Manteuffelstraße gebracht. Dort erhängte er sich in der Zelle mit seinem ledernen Leibriemen. Dachstuhlbrand in Moabit. In der Waldstr. 41 zu Moabit brach gestern nachmittag ein größerer Dachstuhlbrand aus. DaS Feuer war erst benierkt worden, als aus dem Dachgeschoß deS Vorderhauses dichter Rauch hervordrang. Bei Ankunft der Feuer- wehr schlugen dann schon helle Flammen empor. Durch unaus- gesetztes Wasiergeben aus zwei Rohren koimte die Gefahr innerhalb einer Stunde beseitigt werden. Der Dachstuhl ist in erheblicher Ausdehnung zerstört. Die Brandursache bedarf noch der Auf« klärung. Arbeiter-Bildniigsschnle Berlin, Grenadierstraße 37, Hof 1 Treppe. Heute abend'/z9 Uhr beginnt der Unterricht: „Einführung in den wissenschaftlichen Sozia« lismus". Vortragender: Genosse Julivn Borchardt. Zahl- reiche Beteiligung wird erwartet. gcrloren gegangen sind am vergangenen Sonntag keim Ein- kassieren von LerbandSbciträgen in der Nähe der Czarnikauer-, Stolpische und Finnländische Strasie 16 Marken k 65 Pfennig vom Verband der Bauhilfsarbeiter. Der ehrliche Finder wird höflichst gebeten, dieselben bei Paul Pasieckel, Lychener Strajje 131 oder Engelufer 15, vorn III, Zimmer 61 abzugeben. Zeugen gesucht. Personen, welche gesehen haben, wie am Mittwoch, den 12. Oktober, nachmittags 59/i Uhr, eine grau in der Borstgstraße vor dem Hanse Nr. 20 von einer elektrischen Kraft- droschke überfahren wurde, werden gebeten ihre Adresse bei Richard Goedicke, Stralsunder Straße 46, vorn 6 Treppen, abzugeben. Unkosten werden vergütigt. Bcrmisit wird seit dem 15. September 1S1V der Arbeiter Richard Rostock geb. 7. Februar 1886 zu Potsdam. Derselbe war bekleidet mit grauem Jackett, dunkler Hose, grün-gesprenkelter Weste, Ivollenem Hemd, trug braune Vigogne-Strümpfe, dunkel- graues Vorhemd mit Streife», schwarzen steifen Hut und Zugstiefel. Die Krankeukasseupapiere usw. führte derselbe bei sich. Un, Nachricht ivird gebeten an Herrn Fritz Granzow in Mariendorf, Strelitz- straße 4._ Vorort-]Madmchtem Charlottenburff. Heute, pünktlich 8'/- Uhr, findet der vom Wahlverein veranstaltete künstlerische Vortragsabend im Volkshause, Rosiuenstr. 3, statt. Deklamatorische und Gesangsvorträge werden von Künstler» mit gutem Rufe dargeboten. Wir rechnen auf zahlreichen Besuch. Eintrittskarten zum Preise von 30 Pf.(einschl. Garderobe) sind im Volkshause bei Weisheit(Stehbierhalle) sowie bei Will» Kirch- straße 30,»och zu haben. Rixdorf. Der nächste Vortragsabend des Genosien Graf findet am Donnerstag, den 20. d. M., statt. Anfang 8 Uhr. Das Thema deS Abends lautet: Entwickeluug der Wirbeltiere. Karten für neu hinzw kvmniende Teilnehmer find noch am Saaleingang zu hoben. Der Bildungsausschuß. Ichöneberg. AuS der Stadtverordnetenversammlung. Stadtv. Schneider(k.) beantragte zunächst den ersten Punkt der geheimen Sitzung— die Umsatz-' und Wertzuwachssteuer-Ordnung— als ersten Punkt der öffentlichen Sitzung zu verhandeln. Beschlossen wurde erst die öffentliche Sitzung zu erledigen. Die sozialdemokratische Fraktion beantragte, dem Vorstand des Brandenburgiichen StädtetageS den Antrag zu unterbreiten, auf die Tagesordnung des nächsten Brandenburgtschen StädtetageS folgende yn den Reichstag und den Bundesrat gerichtete Petition zu fetzen: Im Interesse wirksamer und andauernder Bekämpfung der Fleischteuerung, sind( die Zölle auf Futtermittel, Lcbendvieh, Fleisch und Fleischwarcn außer Kraft zu setzen und die gegen die Einschleppung von Seuchen und verdorbenem Fleisch gerichteten Vorkehrungen auf dasjenige Maß zu beschränken, das in Länder» mit so hochentwickelter Viehzucht wie Dänemark, England, Holland, für ausreichend anerkannt ist. Genosse B e r n st e i n begründete den Antrag dahin, daß die Fleischteuerung eine allgemeine Erscheinung und vor absehbarer Zeit eine Aenderung nicht zu erwarten sei. Da sei es Aufgabe der Städte, ihre Stimme zu erheben, um den Preis herabzusetzen. Bevor die Zölle nicht aufgehoben, trete keine Aenderung ein. Die von konservativer Seite aufgestellte Behauptung, daß das gefrorene Fleisch minderwertig sei, tnfst nicht zu. Die künstlichen Preistreibereien trügen ferner dazu bei, daß Deutichland aufhöre, auf dem Weltmarkt konkurrieren zu können. Diese Gründe seien wohl zu beachten und müßten den Vorstand mit veranlassen, unseren An- trag auf die Tagesordnung zu setzen. Die Art, wie das Herrenhaus die von der Stadt Schöneberg und anderen Städten eingereichten Petitionen beantwortet habe, sei ein« Schmach. Der Redner kenn- zeichnete hierbei die Rückständigkeit der Städtetage, die eine solche den Städten vom Herrenhause gewordene Mißachtung nicht einmal zurückweisen. Hierbei kam Bernstein auf den letzten Städte- tag zu sprechen. Auch die Worte deS Kottbnser Oberbürger meisterS Werner, der da meinte, daß die Vororte die Geschwüre Groß-BerliitS darstellen, bewiesen den ganzen Tiefstand solcher Städtetage; trotzdem dürfe man sich nicht entmutigen lassen. Goltschalk(Lib. Fraktion) bewunderte den Optimismus des Genossen Bernstein, sprach sich jedoch für den Antrag an«. Redner meinte, wenn eö dem Berichterstatter nur nicht so ginge wie ihm als Referenten für das Wahlrecht. Den von ihm unterbreiteten Thesen seien erst vorher die Giftzähne ausgebrochen worden. Außerdem sei ein UriaSbrief, dem Herr Sladtv. Schneider nicht fernstehe, ihm vorausgeeilt, der besagte, daß die Mehrheit deS Schöneberger Stadtparlaments nicht auf dem Standpunkt stehe, daß das Wahlrecht verbessert werden müsse. Dieser Uriasbrief enthalte die Unwahrheit. Redner meinte, der Städtetag sei ein rückständiges Konglomerat und es wäre besser, wenn Groß-Berlin seinen eigenen Städtetag abhielte. Schneider (kons. Hansbesitzergruppe) findet eS unbegreiflich, wie man so herab- würdigend von dem Herrenhaus sprechen könne. Dem Antrage wurde zugestimmt, obwohl von liberaler Seite der Versuch geinacht wurde, auf Zurückziehung des Antrags einzuwirken. Zugestimmt wurde ferner der Herstellung der Rohrkanäle in der Jnnsbrucker«, Mühlen-, Freiherr von Stein-, Salzbnrger Straße und Rathausplatz. Nunmehr gelangte die Gewährung einer Ehrengabe an Veteranen zur Verhandlung. Die gemischte Deputation hatte beschlossen, den- jenigen Kriegsteilnehmern(Kombattanten) an dem Feldzug« 1870/71 oder an einem von deutschen Staaten vor 1870 geführten Kriege, die am 1. September 1010 hier wohnhaft waren,«ine einmalige Ehrengabe zu gewähren und zwar: a) den fremder Wartung und Pflege bedürftigen Veteranen mit einem Einkommen bis 000 M. einschließlich eine Ehrengabe von 80 M.! b) den sonstigen Veteranen mit einen, Einkommen bis 300 M. einschließlich eine Ehrengabe von 40 M.! o) den Veteranen niit eine», Einkonimen von über 900 M. bis 1800 M. einschließlich eine Ehrengabe von 30 M. Hierzu lag ein Antrag der sozialdemokratischen Fraktion vor. der herlangte zu beschließen bei a) 80 M., bei b) 60 M. und c) 900 M. einschließlich 1350 M. 40 Vi. und bei 1360 M. bis 1800 M. 30 M. zu gewähren.— Genosse K ü t e r betonte, daß, da eS'das Reich an der Erfüllung seiner Pflichten diesen Leuten gegenüber fehlen lasse, sollte wenigstens die Kommune sich solchen Anträgen gegenüber geneigt zeigen. Der Abstand von 900 M. bis 1800 M. sei doch zu groß, um einen einigermaben gerechten Ausgleich zu schaffen. Die Liberalen Brun huber und G o t t s ch a l k hielten diesen Antrag für be- fremdend uud für eine Wahlmache. Die zu gewährenden Sätze wären bereits die höchsten und darüber hinaus sollte man nicht gehen. Für eine gerechtere Verteilung sei man nicht zu haben, eS sei alles geschehen. Der Kämmerer M a ch o w i c z wies darauf hin, daß der gesamte Betrag sich auf 16 000 M. beläuft, da noch Meldungen hinzugekommen seien; er empfehle Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages. Bei der Abstimmung stimmten 21 Liberale gegen den Antrag, während außer den Sozialdemokraten auch die HauSbesitzergrnppe und Liberale Vereinigung insgesamt 19 Stimmen auf den Antrag vereinigten. Darauf wurde der Magistratsantrag einstimmig angenommen.— In die Wohlfahrls- depulation wurde Genosse Rött landet, in den Ausschuß zur Vergrößerung und Bedeckung der Veranda deS Verwaltungsgebäudes auf den, Rieselfelde die Genossen Däumig und Reiche und als Armenpflcger Genosse Härtung gewählt. Die neue Umsatz-.und Wertzuwachssteuerordnung. Die kürzlich vom Oberverwaltungsgericht für ungültig erklärte Umsatz- und Wertzuwachs st euer hat den hiesigen Magistrat veranlaßt, mit größter Beschleunigung in der vergangenen Woche eine neue Umsatz- und Wertzuwachssteuerordnung auSznarbeiten, mit der sich am letzten Montag die Stadtverordnetenversammlung in geheimer Sitzung beschäftigte. Im Anschluß an diese Sitzung stimmte dann noch in der Nacht der Magistrat den von den Stadtverordneten vorgenommenen Aenderungen zu. Infolgedessen war eS möglich, die neue Umsatz» und WertziiwachSsteuerordnung noch im Laufe des gestrigen DienStagS dem Bezirksausschuß, dem Regierungspräsidenten und dem Oberpräsidcnten von Brandenburg vorzulegen. Alle drei Behörden haben der neuen Steucrordnung unverzüglich nach Prüfung ihre Genehmigung erteilt und noch am Abend deS gestrigen Dienstags trat die neue Umsatz- und Wertzuwachssteuerordnung für Schöne- berg in Kraft. Lichtenberg-Friedrichsfelde. Das ungesetzliche Eingreifen der Polizei gelegentlich der Licht- bildervorlräge des Genossen Graf macht einen weiteren Vortrags- abend erforderlich. Dieser wird am Freitag, den 21. d. M., abends SVj Uhr, im Lokal von Schwarz, Möllendorsstr. 26/26, stattfinden. Das Thema des Vortrages lautet: Das Zeilalter der Erdgeschiebte. Für Teilnehmer ohne Teilnehmerkarten wird, zur Deckung der Un- kosten, ein Eintrittsgeld von 16 Pf. erhoben. Oder-Schönewcide. Nach jahrelangem vergeblichen Petitionieren ist nun endlich doch die Gemeinde in den postalischen Nachbarortsverkehr mit Berlin und zugleich mit Karlshorst eingereiht worden; dies hat zur Folge, daß auch alle mit Berlin im Nachbarortsverkehr stehenden Orte mit einbegriffen sind. Es steht demnach Ober- Schöneweide jetzt im Nacbbarortsverkehr mir: Berlin, Baumschulen- weg. Bvxhagen-RnmmelSbnrg. Britz, Charlottenburg, Friedenau, Friedrichsfelde, Groß-Lichlcrfelde, Grunewald, Halenfee, Heinersdorf, tohen-Swönhausen, KarlShorst, Lankwitz, Lichtenberg, Mariendorf, iedcr-Schöneweide, Ncu-Lichtenberg, Nieder-Schönhansen, Nonnen- dämm, Pankow, Plötzensee, Rcinickendorf-Ost und West, Rixdorf, Schmargendorf, Schöneberg, Steglitz, Stralau, Südende, Tcmpelhof, Treptow, Weißensee, Westend, Wilhelmsberg, Wilmersdorf. Es kosten gewöhnliche Briefe bis 260 Gramm in diesem Gebiete 6 Pf. Porto. Adlershof. AuS der Gcmeindevcrtrctllnz. Bor Eintritt in die Tagesordnung verlas der Gemeindevorsteher die Schreiben der Schöffen Dr. Ehr- mann und Kaiser und der Gemeindcverordneten Dr. Franke und R o e s i ck e, die ihre Aemter in der Vertretung niederlegen. Herr Dr. Ehrmann ist besonders durch die Verernbarung der einzelnen Parteien verschnupft, nach der bei der Zusammenietzung von Kommissionen jede vorhandene Parteigrnppierung gleichmäßig berücksichtigt werden soll. Zum 1. April 1911 muß die höhere Schule wiederum um eine Klasse vermehrt werden und sollen die Stellen eines Oberlehrers und einer Lehrerin ausgeschrieben iverden. Die Ortssatzung für das Kuratorium der höheren Schule wurde ohne Aenderung genehmigt. Die Anschaffung eines Klavierflügels zum Preise von 1600 M. für dieselbe Scknile wurde bis nacv der Elatsberatnng vertagt. Die Schuldeputation wurde auf Befehl der Regierung um eine Kapazität vermehrt. Der katholische Pfarrer des Ortes wird nunmehr auch sein Auge über unsere Kinder wachen lassen. Zu dem Gesuch der freiwilligen SanitätSkolonne um Ueberlasiung der Turnhalle beantragten unsere Genossen die Ablehnung. Der hiesige Arbeiterturnverein hatte deS öfteren schon um die lieber- lassung der Turnhalle petitioniert. Jedesmal wurde der Antrag durch die Gemeindevertretung abgelehnt. Unsere Genossen vertraten den Standpunkt, daß bei Ueberlasiung der Turnhalle an private Vereine der Arbeiterturnverein, der seit langem die Ueberlasiung be- antragt hatte, als erster zu berücksichtigen sein. Der Antrag der frei- willigen Sanitätskolonne wurde abgelehnt. Für einzelne Teile des nördlich der Bismarckstraße, zwischen Sedanstraße und Adlergestell gelegenen Feldweges hatten die Anlieger 15 M. pro Onadratrute gebaten. Da bei früheren Verkäufen einzelner Teile deS Feldweges 25 M. erzielt wurden, wurde das Angebot abgelehnt. Die Lust- barkeitssteuer, die in der Kommissionsfassung bedeutende Erhöhungen vorsteht, wurde angenommen. Unter GeschäfllicheS teilte der Gemeindevorsteher die Genehmigung der erhöhten Hu»de st euer mit. Von den Vertretern deS Grundbesitzervereins wurde der Gemeindevorsteher interpelliert über den Stand der Per- Handlungen betr. den Bau der elektrischen Straßenbahn uach Köpenick, über den in Aussicht stehenden Kommunalsteuerzuschlag für das nächste EiatSjahr, über die Vergebung der Schreibmaterialien und Buchbinderarbeiten und über die Delegation von Gemeindevertretern zu den Sitzungen des Vorortevereins. Zur Beantwortung aller dieser Anfragen erklärte der Gemeindevorsteher: daß die Verhandlungen mit Köpenick wieder aufgenommen sind, aber schon jetzt gesagt werden kann, daß Köpenick eine garantierte Gewinnbeteiligung nicht zugestehen wird, sondern nur einen Gewinn von der Brutto- einnähme. Der Kommunalsteuerzuschlag hängt mit der Besteuerung deS ForstfiSkuS zusammen, doch glaubt der Gemeindevorsteher, daß die Besteuerung bleiben und dadurch eine Erhöhung deS Kommunal- stenerzuschlageS nicht erfolgen wird. Es sei Aussicht vorhanden, auf 160 Proz. wieder herabzugehen. Zum Schluß teilt der Gemeinde- Vorsteher noch mit, daß er eine Vorlage vorlegen werde, nach der eine Delegation zu den Versammlungen des Vorortebereins möglich sei. Nieder-Tchdnhausen-Nordcnd. Der hiesige BilduugöanSschuß veranstaltet am Tonnabend, den 22. Oktober, abends 8'/. Uhr, im Etablissement Sanssouci(Inhaber A. Tunsch), seinen ersten Theaterabend. Zur Aufführung gelangt:„Kasernenlust", Schauspiel in vier Akten von Hermann Martin Stein und Ernst Söhngen. Eintrittskarten a 60 Pf. sind in den bekannten Verkaufsstellen und bei den Bezirkssührern zu haben. Borsigtvalde-Wittenau. Aus der Gemeindevertretung. Bei den geschäftlichen Mit- teilungen gibt der Gemeindevorsteher Witte bekannt, daß die Lsugust-Schultze-Stiftnng genehmigt worden ist. Ein Teil der Zinsen soll am 2l. Oktober an Bedürftige zur Vertetlnng gelangen; der Rest der Zinsen soll zu einem Fonds für lungenkranke Kinder auf- gesammelt werden. Beschlossen wurde, daß Stenerbeträg« unter 1 Mark von zuziehenden oder nach auswärts verziehenden Personen nicht mehr eingezogen werde» sollen. Eine Debatte entspann sich über die Abänderung des Paragraph 3 der GaölieferungS- bedingungcn(Zahlung oer Einrichtungskosten). Von unserer Seite wurde hemrwortet, das Zuleitungörohr vom Hauptrohr bis an die polizeilich festgesetzte Baufluchtlinie auf Kosten der Gemeinde zu legen. Beichlossen wurde gegen die Stimmen uiiserer Genossen, daS Zuleitimgsrohr nur bis an die Grundstücke grenze zu ziehen. Die Gemeinde Lübars- WaidmannSlnst wurde in den KanalilationSzweckverband aufgenommen. Da« KranlenhauS der Gemeinden Remickendorf, Tegel, Wittenau und Rofenthal soll am 1. November seiner Bestimmung übergeben werden. Zu den Eimveihungsfeierlichkeitcn sollte die Gemeindeveriretung 3000 M. bewilligen. Das wurde abgelehnt. Für die Kolonie Borsigwalde wurde der Bau eineS neuen SchulhaufeS mit Turn« Halle im Werte vnn 66 000 M. beschlossen. Ein sehr schlechtes Geschäft macht die Gemeinde mit der Verpachtung des Restaurants an den Restanratenr Brandenburg. DaS Grundstück kostete der Gemeinde 180 000 M. Für RenovationSarbeilen deS Lokals wurden 30 000 R!. ausgegeben. Neftaurateur Brandenburg zahlt eins�jäbr- liche Pacht von 4 000 Mark, so daß die Gemeinde in jedeni Jahr für die Verzinsung der 210 000 M. mehrere 1000 Mark draufgeben muß. Bruchmtthle-Radebrück. Auf zur Gemeindcwahl! Am morgigen Donnerstag, den 20. Oklober, vormittags 10 Uhr, finden am hiesigen Ort die Gemcindewahlen statt. Die Gegner, be- sonders die Mitglieder deS Vorortvereins, sind unter Anwendung deS kraffeften Terrorismus bemüht, die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Such der im Ort angestellte Lehrer Slruve leistet im Wahlkampf sein möglichstes gegen die Sozialdemokratie. Daraus erhellt für die Ar- beiterfchaft, daß sie alles anwenden muß, um dem fozialdeina kratifchen Kandidaten zum Siege zu verhelfen. Die Berliner Arbeiterschaft, soweit dieselbe mit hiesigen Wählern zusammen« arbeitet, ersuchen wir, letztere auf ihre Wahlpflicht aufmerksam zu mache». Teltow. Am Montagnachmittag verunglückte der bei der Firma Nitzs beschnfligte 63 Jahre alte Steinsetzer Wilhelm Bitke, indem er beim Wasserholen an der Mittelmühlcnbrücke das Gleichgewicht der- lor, in den Teltowkanal stürzte und in den Fluten verschioand. So« fort aufgenommene Rettungsversuche blieben leider ohne Erfolg. Erst am gestrigen Tage gelang eS die Leiche des Bitke zu bergen. Jugendvcranstaltuttgen. lZlrbcitcr-?iugend Berlin Südost. Die HeringSpartle, welche der Protestversammlung wegen verlegt wurde, findet am Sonntag, den 23. Oktober, statt. Die Treffpunkte sind dieselben, wie schon bekannt: 7 Uhr Fcuerwehrdcukmal am Mariamieuplatz; IanitätLwache am Aörsttzer Balm» hos; E'.unmuslirche. T»i!nahmer!arte 20 Ps. Eltern find herzlich will» kommen. Das Lokal ist„Uhlenhorst" bei Köpenick. Freie Jugendorganisation der östlichen Bororte. Heute Mittwoch, den 12. Oktober, 8 Uhr pünklltch. findet tin Lokal von Steuer, Kronprinzen- garten, Franksurtcr Chaussee, eine öfsentliche Versammlung statt. Tages- ordnung: Vortrag deS Herrn Zimmermann über„Zchuleutlassene Jugend und Jugeiidorganlsalion". Kollegen, Kolleginnen l Sorgt für Massenbesuch. Gäste und Ellern willkommen. Bus der Frauenbewegung. Muttcrschntz. Die„Deutsche Gesellschaft für Mutterschutz und Kindcrrecht" veranstaltet am 19. Oktober b'/z Uhr im Berliner Rat- hmtS, Saal 109, eine Bersammlitna mit Vortrag. Thema: Was ist Mutter- und SönglingSfürsorge? Referent ist Herr Dr. Tugeudreich. Eintritt 20 Pf. für Mitglieder, 60 Pf. für Nichtmiiglieder. In einer vom„Bund für Mutterschutz" einberufenen Versamm- lung sprach Reichstagsabgeordneter Dr. David über das Thema „Sözialreform und SexuatänSlese". Der Redner führte aus, daß die Sozialreform nicht etwa, wie ihr seit Darwin immer wieder vorgeworfen werde, durch Erhaltmig deS Schwachen und Minderwertigen eine natürliche Auslese veihindere und dadurch die Degeneration fördere. Das Ziel der Sozialreform sei gar nicht, den Schwachen in rassenhygienischem Sinne zu schützen, den allein wirtschaftlich Schwachen wolle sie vor Vernichtung durch Profitinteresscn bewahren und sei somit Förderin und Er- hallerin der höchsten menschlichen Werte. Allerdings gewinne der Einwand einen Schein von Recht, daß die Sozialreform über« Haupt jede Auslese innerhalb der Rasse verhindere, da sie nichts ver« nichts und somit neben dem wertvollen auch den minder- wertigen Menschen erhalte und seine Fortpflanzung ermögliche. Dies beweite indessen nur, daß die Sozialreform allein nicht zu dem er- sehnten Ziele führe, sondern daß als ein ziveiter Hebel hier die SexualanSlefe einsetzen müsse, und zwar neben der Auslese des JnbividnnmS bei der Gattenwahl auch die KcimanSlefe, indem sonst gesunde Eltern Sorge trügen, daß sie nicht zu Zeiten körperlicher oder seelischer Schwäche zur Zeugung schritten und somit ungünstig beeinflußte Keimzellen zur Euiwickelüng brächten. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion. Erklärung. DaS frühere ungarische Parteimitglied Alpari sendet uns folgende Erklärung: „In der Nr. 237 vom 9. Oktober 1910 des„Vorwärts" wird in dem Artikel„Mirgerliche Kritik der Kopcnhagener Frauen« konferenz" u. a. gesagt: „Aber auch eine Frau Allapin auS Ungarn soll sich beschwert haben, daß die ungarische Sozialdemokratie die Frauen- Bewegung nicht nur ungenügend unterstützt, fondern„sogar die Bekämpfung" der Frauenftimmrechtsbewegnng seitens der ungarischen Parteileitung soll„längst" bekannt sein. Fräu« lein Doktor: Diese„Frau" Allapin(Alpari) war erstens ein Mann und zweitens einer, der von der ungarischen Partei ausgeschlossen ist wegen Verbreitung unwahrer Nachrichten über sie im Ausland." Dazu habe ich folgendes zu bemerken: Den Artikel des Fräulein Augspnrg kenne ich nichh Soviel entnehme ich aber aich dem„Vorwärts", daß sie meine Ausfüh- rungen in Kopenhagen mit dazu benützt, um die Sozialdemokratie im allgemeinen als eine unzuverlässige Vorkämpferin der Frauen- rechte hinzustellen. Demgegenüber stelle ich fest, daß ich auf der Konferenz nichts gesagt habe, Inas eine solche Schlußfolgerung zuläßt. Ich habe nämlich dort ausdrücklich hervorgehoben, daß der ungarische Parteikongreß vom Jahre 1908 die A g i t a- tion für das Frauenwahlrecht einem jeden Genossen zur Pflicht machte, und ferner, daß die Kongresse vom Jahre 1909 und 1919 in, ähnlichen Sinne beschlossen haben. Aller» dings sagte ich auch, daß die Parteileitung diesen Beschlüssen nicht nachgekommen sei und las als Belege einige Stellen aus dein Zentralorgan vor. Afor ich setzte hinzu, daß eine große Anzahl Genossen und Genossinnen vieseS nicht billigten. Im Namen dieser begrüßte ich den Antrag der deutschen Genossinnen, von dessen Annahme wir erivarteten, daß er uns den Rücken stärken und den Sieg der sozialdemokratischen Auffassung im ungarischen WahlrechtSkainpfe beschleunigen werde. Wie aus dieser Rede Waffen gegen d i e Sozialdemokratie geschmiedet werden können. bleibt mir ein Rätsel. Im weiteren behauptet Alpari, zu Unrecht ausgeschlossen worden zu sein. Er stellt dazu folgende Behauptung auf: Zwei Instanzen hätten nicht auf Ausschluß erkannt und bei der dritten, die ihn mit einer geringen Majorität ausschloß, hätte man ihn, keine Gelegenheit gegeben, sich zu verteidigen. Ferner hätten sich nach dem Ausschluß eine Reihe zur Partei gehörige Organisationen mit ihm solidarisch erklärt und deutsche Partciblättec beschäftigten ihn weiterhin als Korrespondenten. evttternnqsnvrrNN» vom 18. Oktober 191», ,nore«n» 8 ilbr. vetler ** «S'w ti 2 halb bd. 2 wolkig 4 bedeckt 1 bald 6b. 2 wolkig I tSettervrvgnole für Mittwoch, den 19. Ottober 1910, 0 7 18 5 10 Vielfach nebelig oder wollig, am Tage ziemlich miw bei schwachen slld« westlichen Winden; keine wesentlichen Riedeischläge. Berliner Wetterbur«»» vsasserstanbS-Stachrtevteo der LandeSanftalt für Gewässerkunde, mttgetellt vom Berliner Wcltcrbureau. Vasserstand M e m- l. Tilftl V r e g e l, Jmterburg Weichsel. TSorn Oder. Rattbor ,{hoffen , Krankwrt Warthe, Schriinm , LandSdcrg Netze, Vordamm Eibe, Leimieritz , Dresden # Bardo , Magdeburg ')+ bedeutet Wuchs,— gall.*) llutervcael. Berantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rixdorf. Für dengnseratenteil verantw.' Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul Singer Li Co.. Berlin SW,