Mr.«49. HbonnementS'Redlngangem Abonnements» Preis pränumerando i Vierteljährig ZL0 Mb, nionatlg 1.10 MI, wöchentlich 2» Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer k Pfg. Sonntags- Eingetragen in die Post, Zeitunas- Preislistc. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat, Postabonnements nehmen an: Belgien. Dnnemarl, Holland, Italien, Luxemburg. Portugal, Numänien, Schweden und die Schweiz. Ä7. Jahrg. Mchelnt tZgllch mS» lilontiR. Vevlinev Volksblnkt. Lle snserNons-6edilhr Kelrägt für die sechsgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 50 Pfg,, für politische und gewerlschaslllche Vereins- und Bersamnilungs-Zsttzeigen A> Pfg. „Uleine Sn--ig-n". das erste(seit- gedruckte, Wort 20 Pfg,, jedes weitere Wort 10 Pfg, Stellengesuche und Schlafstellen-Anzeigen da? erste Wort 10 Pfg,, jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis» Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „Sozialdtniolirat Bcrliirt Zentralorgan der fozialdemokratifcben parte» Deiitfcblands. Redaktion: SRI. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 33. Oktober 1910. Expedition: SRI. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Bilder aus der portugiMchen Revolution. (Von unserem F. �.-Korrespondenten./ Lissabon, 19. Oktober. In Lissabon selbst triumphierte die Revolution nach einem ernsthaften Kampf, der länger als 36 Stunden dauerte und zahlreiche Todesopfer forderte. Anders vollzogen sich die Er- eignisse in der Provinz. Zlbgesehen von Setnbal, wo es zu ernsteren Zusammenstößen kam. vollzog sich die Proklamation der Republik ohne jeden Zwischenfall. Sie blieb beschränkt auf einen einfachen Wechsel der Behörden, der sich unter dem größten Volksjubel vollzog. Die Schnelligkeit und verhält- nismäßige Leichtigkeit, mit der sich der Umscl/wung vollzog, ist vor allem der intensiven Propaganda zu verdanken, die die Republikaner jahrelang getrieben haben. Die Organisation der Republikaner begann bereits ini Jahre 1891 f die ersten Arbeiten zur Vorbereitung der Revolution selbst wurden Ende 1968 begonnen mit der Einsetzung eines Komitees, das im Einverständnis mit dem republikanischen Direktorium vorgehen sollte. Dieses Komitee setzte sich aus drei Mitglie- dern zusammen: dem Admiral Candida dos Reis, Alfonso Costa, dem jetzigen Justizminister, und dem bekannten Schriftsteller Joao Chargas, dem künftigen Vertreter der portugiesischen Republik in London. Die republikanische Propaganda wurde sofort in ver- schärftem Maße aufgenommen und sowohl in der Hauptstadt wie in der Provinz gewannen die republikanischen Ideen täg- lich neue Anhänger. Man wußte, daß es in den Jnfanterieregimentern Nr. 2 und 3 viele Elemente gab, die bereit waren, für die Ne° publik zu kämpfen. Man rechnete auch auf Freunde im Generalstab und in der Artillerie. Es gab sicherlich mehrere Offiziere, die sich der republikanischen Bewegung angeschlossen halten. Aber weit größere Erfolge hatte die republikanische Reknitierung unter den Unteroffizieren und den Soldaten. Ganze Kompagnien Infanterie hatten sich verpflichtet, für die Republik zu fechten, sobald man es für nötig eracksten sollte. Bei der Kavallerie stand die Sache nicht so gut. Immer- hin gab es auch unter deai berittenen Truppen verschiedene vertrauenswürdige Personen. In der Manne erlebten die Komiteemitgileder Uebor- raschungen. Die Matrosen waren alle Republitaner und von den Offizieren war gleichfalls ein Teil für die Sache der Re- publik gewonnen. Angesichts dieser günstigen Resultate der Untersuchung entschloß man sich, mit Energie die revolutionäre Agitations- kampagne weiterzuführen. Die Bildung des Kabinetts Teixeira de Souza, weit entfernt, die republikanische Propaganda zu schwächen, gab ihr neuen Anstoß. Niemand glaubte an den angeblichen Liberalismus und dieses Mißtrauen begünstigte außerordent- lich die revolutionäre Agitation. Man kann sagen, daß die Einsetzung dieses Kabinetts den Beginn der revolutionären Periode bedeutete. Die Propaganda unter dem Militär wurde vertieft. Die Associacao Carbonaria Portugueza(eine gebeime Gesellsckiaft nach dem Muster der berühmten Carbonaribünde Italiens) machte außerordentliche Fortschritte in der Zivilbevölkerung. Endlich kaufte das republikanische Direktorium große Mengen von Waffen an. Während das revolutionäre Fieber in den Quartieren von Lissabon mehr und mehr um sich griff, bildete man in der Provinz zwei große Komniissionen. Jede dieser beiden Kom. Missionen umfaßte verschiedene Komitees und Unterkomitees. Eine Rundreise, die Candido dos Reis und ein Jnfan- terieoffizier Pires Pircira in die Provinzen unternahmen, gab den Komitees die Unterlagen, sich von den großen Sym- pothien zu überzeugen, die sich die republikanische Partei im Volke erworben hatte. Seitdem war man überzeugt, daß der Triumph der Republik binnen kurzem sicher sei. Damals, angesichts des Herannahens der Erhebung grün- deten die Frciniaurer zwei neue Komitees, eins, um unter dem Militär, das andere, um unter der Zivilbevölkerung zu agitieren. Alles war also vorbereitet. Man verfügte über alle Mittel, um den Erfolg zu sichern. So setzte man den 13. Juli fest, an den man die Erhebung versuchen wollte. Ter Versuch mißlang. Die Regierung wurde bcnach- richtigt, von dem, was sich vorbereitete und sie rüstete beizeiten, um die Pläne der Revolutionäre zu zerstören. Und derselbe Vorgang wiederholte sich, als man für dey 19. August zum zweitenmal losschlagen wollte. Tie Revolutionäre rüsteten jedoch keineswegs ab, obgleich sie bemerkten, daß viele der mit ihnen Svmpathiesierenden das Vertrauen zu verlieren begannen. Es waren hauptsächlich die Zivilelcmente, besonders die Komitees der Freimaurer, die von Dr. Bombarda geleitet wurden, die sich als die ersten bemühten, die revolutionäre Tempemtur auf der gewünschten Höhe zu erhalten. So kam der 3. Oktober, an dem eine Kommission der republikanischen Seeleute dem Rcvolutionskomitee jenes Ulti „Don Carlos" abfahre, das bereits die Order zur Abfahrt � zeitig wird aus Lissabon gemeldet, daß Brasilien bei den empfangen hatte. 1 Bereinigten Staaten und den anderen amerikanischen Republiken Es war eine denkwürdige Sitzung. Um einen kleinen Schritte tut. damit diese zugleich mit Brasilien die portugiesische Tisch saßen bei der Beleuchtung einer einfachen Petroleum- lampe 20 Personen und besprachen den Plan der Revolution, die einige Stunden später ausbrechen sollte. Unter den An- wesenden befanden sich Candido dos Reis, Alfonso Costa, der Justizminister der provisorischen Regierung, der jetzige Finanz- ininifter Jose Relvas, der jetzige Minister des Innern Antonio Jose d'Almeida, Eusebio Loano, gegenwärtig Präfekt von Lissabon, und Joao Chargas. Die Sitzung begann um 8 Uhr abends und endete um 11 Uhr. Folgendermaßen sah der Plan aus, den man ent- warf: Admiral Candido dos Reis übernahm die Leitung des Aufstandes. Der Kreuzer„Adamastor" sollte sich an die Mün- dung des Tajo legen. Ter Kreuzer„San Raphael" sollte das Königliche Palais angreifen und der„Don Carlos"sollte unter dem direkten BefehlCandido dosReis gemeinsam mit den revo- lutionären Streitkräften auf dem Lande operieren. Das Sig- nal zum Kampfe sollte um 1 Uhr morgens durch 31 Kanonen- schlisse des„Don Carlos" gegeben werden. Sobald die Schüsse ertönten, sollten die Mitglieder des republikanischen Direk- toriums Jose Relvas und Alfonso Costa sich sofort im Auto- mobil nach dem Viertel begeben, in dem der königliche Palast liegt. Dort sollten sie versuchen, eine Bewegung zustande zu bringen, deren Ziel gewesen wäre, sich des Königs Manuel zu bemächtigen und ihn an Bord eines Schiffes zu bringen. Indessen um 1 Uhr morgens hörte nian nichts. Zivanzig Minuten später wurden 3 Kanonenschiisse abgefeuert. Admiral Candido dos Reis selbst war ermordet worden. Schließlich war das 16. Infanterieregiment, dessen Ehrenoberst der König von Spanien ist, und mit dem man nicht zu rechnen gewagt hatte, das erste, das in den Kampf ging. Wie man sieht, ist nichts oder fast nichts- von dem ur- sprünglichen Plan ausgeführt worden und dennoch war der Aufstand erfolgreich und die Monarchie wurde gestürzt. Das zeigt, daß die allgemeine Stimmung der Revolution günstig war. Das zeigt, und das ist eine bedeutsame Lehre für alle Revolutionäre, daß man alle Zeit das Aeußerste für die Pro- paganda und die Organisation tun muß. Denn wenn der entscheidende Moment gekommen ist, muß die revolutionäre Masse stark und zielbewußt genug sein, um allem, was man vorhergesehen hat und was man nicht vorhergesehen hat. ge- wachsen zu sein. Aus dieser Darstellung der Ereignisse läßt sich leicht der Charakter der portugiesischen Revolution erkennen. Sie war vor allem eine populäre, antimonarchische und im tiefsten Grunde antiklerikale Bewegung, welche sich unter außerge- wöhnlichen Umständen vollzog, aber die erfolgreich war, weil sie von vornherein mit der Sympathie der Majorität des Landes rechnen konnte. Die neue Republik verdankt ihre Existenz nicht einer Prätorianererhebung, nicht einem mili- tärischen Pronunziamewto, sondern dem Gesamstvillen der Nation, der Aktion der Massen selbst, die unmittelbar in die Entscheidung eingegriffen haben. Die portugiesisclw Revo- lution ist vom Volke selbst durchgeführt worden. Die Armee und die Marine kamen zu Hilfe und ihre Hilfe war von großem Wert. Aber es war das Volk selbst, welches die Ve- wegung durchgeführt hat. Man kann auch nicht eine Jnter- vention eines Generals oder eines höheren Offiziers nennen. Allerdings war der Admiral Candido dos Reis dazu aus. ersehen, die Leitung der Bewegung zu übernehmen. Aber der Zufall, der der wahre Generalstabschef dieser, wie so mancher anderen Revolution war, hat es bewirkt, daß Candido dos Reis verschwunden war, bevor die Schlacht begann, ermordet von den Feinden. Ohne die Hilfe der Befehlshaber der Armee, nur unter dem Beistand einer ganz beschränkten Anzahl von Offizieren, haben Volk und Soldaten, das heißt, das Volk in Zivil und dM Volk in Uniform, eine Revolution begonnen und auch durckcheführt, die in rnonchen Beziehungen vorbildlich ist. Vorbildlich deshalb, weil das portugiesische Volk, das so leidenschaftlich ist, von Anfang bis zu Ende so prächtig kaltes Republik anerkennen. Die Wahlen. Lissabon, 22. Oktober. Die Wahlen zu der konstitu- ierenden Versammlung werden wahrscheinlich im Januar 1311 stattfinden. Die Vorarbeiten für die Wahlen werden bon dem leitenden Ausschuß der republikanischen Partei, der noch immer besteht, geleitet werden. Berechtigter Pessimismus Rom, 22. Oktober. Der katholische„Corriere d'Jtalia" ver- öffentlicht eine Note, in der es heißt, daß die Abberufung des Nuntius aus Lissabon zunächst einen provisorischen Charak- ter trage; indessen sei die von der portugiesischen Regierung bisher gegenüber der katholischen Religion beobachtete Haltung nicht derart, daß man betreffs ihrer künftigen Beziehungen zum Heiligen Stuhl optimistische Erwartungen hegen könnte. Schul? lies Auhlgehelniniiies. Die Jiistizkoinmission fügte in der ersten Lesung in die St.« P.-O. einen Z 47» ein, der dem Richter untersagt, den Zeugen nach Tatsachen zu fragen, die darauf schließen lassen, wie der Zeuge bei einer auf Gesetz beruhenden geheimen Wahl gc- st i m m t bat. In der Sonuabendsitzung liefen die K o n s e r- vativen mit einem Abschwächungsantrag gegen diesen Beschlutz an. Sie beantragten, daß nur in WahlbeeinflussungS« oder W a h l f ä l s ch u n g S f ä l l e n, die bei Wahlen zu einer g e« setzgebe n den Körperschaft passierten, derartige Fragen an den Zeugen gerichtet werden dürfen.— Die Ansichten in der Kommission waren darüber sehr geteilt. Von einem ZentrumSabgeordneten wurde betont, daß, da daS Wahlgeheimnis ohne weiteres durch die Verfassung auch gegenüber dem Richter gesichert ist, jede Sonderbestinnnung in der Strafprozeßordnung fort- fallen könnte. Dieser Anschanug entgegen betonte ein Negieruugs« Vertreter, daß die Verfassung den Richter nicht daran hindert, an den Zeugen Fragen über seine Abstimmung bei einer geheimen Wahl zu richten. Von anderer Seite wurde angeregt, den Zeugen das Recht zu geben, auf Fragen nach ihrer Abstimmung bei geheimen Wahlen die Aussage verweigern zu können. Unsere Genossen beantragten, daß den Zeugen daS Zeugnisverweigerungsrecht gegenüber den Fragen des Richters gegeben werden soll, die sich auf die politische Gesinnung oder politische Betätigung des Zeugen beziehen. Ein antisemitischer Antrag bezweckte die Bestimmung deS konservativen Antrages auch auf die bei einer Krankenkassen-, Gewerbegerichts-, Kaufmanns- gerichts- oder Gemeindcwahl passierten Fälle der Wahlbeeinflussung oder Verfälschung auszudehnen.— In der ziemlich lebhaften und lang sich hinziehenden Debatte wurden eine Reihe von ungemein interessanten Wahlsälschungsprozessen angeführt und geschildert. Die Abstimmung ergab zuerst die Ablehnung deS antisemitischen Antrages. Dann wurde als Zusatz zum konservativen Antrag der Antrag unserer Genossen mit 15 Stimmen an« genommen. Darauf fanden die Konservativen an ihrem so geänderten Antrag keinen Gefallen mehr und zogen ihn zurück. Danach wurde der Beschluß von der ersten Lesung mit 21 Stimmen aufrecht erhalten. Damit ist eine Verbesserung der Regierungsvorlage beibehalten worden, die von der Regierung mit auf die schwarze Liste der „unannehmbaren" Positionen der KommissionSbeschlllsse erster Lesung gesetzt worden war._ Line wichtige iiditimwung. Zürich, 20. Oktober.(Eig. Ber.) Nach bald zweijährigem Kampfe steht nun die Entscheidung darüber, ob in Zukunft der schweizerische Nationalvat nach dem Mehrheitssystem oder nach dem Proportionalsystem ge- wählt werden soll, bevor. Diesen Sonntag haben die Blut zu bewahren gewußt hat. Es hatte sich vorgenommen. �800 000 Stimmberechtigten der ganzen Schweiz über das von den sparsam mit Menschenleben umzugchen und hat seinen Vorsatz � gehalten. Die Freiheit und selbst das Eigentum der Bürger erfreute sich nie größerer Sicherheit als in der Zeit, wo das Volk der Herr der Straße war. Gewiß ist die portugiesische Revolution eine bürgerliche Revolution, aber sie kann auch keine andere sein in einem Lande, in welchem das Proletariat noch so schwach ist. Jeden- falls brauchen die Republikaner vor ihren Kritikern sich nicht zu scheuen. Sie haben das Land befreit von dem Alpdruck der Monarchie, sie haben die Macht der Kirche gebrochen und damit den Weg freigemacht für die größeren und bedeut- sameren Kämpfe des portugiesischen Proletariats. Sozialdemokraten, Demokraten, Katholiken und Konservativen auf- gestellte Jnitiativbegehren über die Proportionalwahl des Nationalrates abzustimmen, dessen entscheidende Bestimmung lautet:„Art. 73 der Bundesverfassung ist aufgehoben und wird durch folgenden Artikel ersetzt: Die Wahlen in den Nationalrat sind direkte. Sie finden nach dem Grundsatze der Proportionalität statt, wobei jeder Kanton und jeder Halbkanton einen Wahlkreis bildet. Die Bundesgesetzgebung trifft über die Ausführung dieses Grundsatzes die näheren �Bestimmungen. Bis zum Erlaß eines BundeSgesetzes wird die Ausführung durch eine Verordnung ge- regelt. Das proportionale Wahlverfahren findet zum erstenmale für die Gesamterneuerungswahl des Nationalrates im Jahre 1911 Anwendung." Die Anerkenn nngsfroge. Für dieses Jnitiativbegehren sind 142 263 Unterschriften ge- Paris, 22. Oktober. Die„Agence Havas" veröffentlicht fol- sammelt worden, während deren nur 50 000 notwendig gewesen gende Note: Die französische Regierung hat sich mit wären. Schon die Aufbringung der dreifachen der notwendigen England und Spanien verständigt, um bei den Mächten zu! Unterschristenzahl läßt erkennen, daß der gegenwärtige, vom beantragen, von jetzt ab die provisorische Regierung in Por-I Mehrheitssystem geschaffene Zustand als dringend reformbedürftig � t u g a l als tatsächliche Regierung anzuerkennen und sie empfunden wird. Das geltende Mehrheitssystem ermöglicht es, ferner als endgültige Regierung anzuerkennen, sobald daß in einem Wahlkreise mit mehreren Vertretern alle einer Partei sie die verfassungsmäßige Bestätigung erlangt haben wird. Eng-' zufallen, auch wenn sie mir die Mehrheit von einer Stimme hat, matum stellte, von dem wir in unserem ersten Artikel berichtet land, das die Initiative zu diesem Vorschlag ergriffen hat. hat während die nur um diese eine Stimme schwächere Minderheit haben. Die Matrosen erklärten, wie erinnerlich, daß sie sofort'hn zur Kenntnis der Mächte gebracht, und man weiß bereits, daß völlig leer ausgeht. Und eS gibt tatsächlich ein« ganze Anzahl von in den Aufstand eintreten wollten, bevor das Kriegsschiff lDeutsch lapd feine Zustimmung dazu erteilt hat. Gleich- j Wahlkreisen, in denen dieses schreiende Mißverhältnis besteht, � Während in den«Inen Wahlkreisen viele Tausend Bürger der Minderheit ohne' j�de Vertretung sind, erhalten in den kleinen Kantonen schon Leute mit 700 und 900 Stimmen ein Nationalrats- Mandat. Unter diesen Umständen ist das gleiche Wahlrecht zu einer leeren Phrase geworden. Darunter leidet besonders die Arbeiter- schaft, die die stärkste Minderheit bildet. So wurden bei den letzten Nationalratswahlen im Herbst 1908 insgesamt 400 000 Stimmen abgegeben, wovon 300 000 bürgerliche lmschlicfiliche der der bürgerlichen Minderheitsparteien) und 100 000 sozialdemokratische. Ge- wählt wurden 100 Bürgerliche und 7 Sozialdemokraten. DaS heißt: auf 14 28b sozialdemokratische Stimmen kommt ein Vertreter im Nationalrat, auf 1875 bürgerliche ebenfalls, oder eine bürgerliche Stimme hat ebensoviel Wahlrecht wie 7 sozialdemokratische Stimmen. Es besteht also ein aufreizendes Mißverhältnis in den Wirkungen und Erfolgen des Wahlrechts der verschiedenen Klassen und Parteien. Listenwahl, Mehrheitssystem und WahlkreiLgeometrie zu sammen haben diesen Zustand der Ungleichheit geschaffen- In den Einerwahlkreisen, die in den meisten Ländern die Norm bilden, ist die Majoritätswahl selbstverständlich und dabei ist es der Ar- beiterschaft auch gelungen, sich eine mehr oder weniger befriedigende parlamentarische Vertretung zu erkämpfen. Dagegen bedeutet die Listenwahl ohne Proporz eine unerträgliche Vergewalligung großer Minderheiten und trifft vor allem die schweizerische Arbeiterklasse auf das empfindlichste. Würde die in der Theorie in der Bundesverfassung festgelegte Gleichberechtigung aller Schweizer Bürger auch in der Praxis Gel- tung haben, so würden die Arbeiter heute 40 Vertreter im National- rat haben, die Bürgerlichen aber nur 124. Sie hätten auch dann noch die große Mehrheit, um so mehr, als die Parteiunterschiede immer mehr verschwinden und die Bürgerlichen nachgerade in allen wichtigen, namentlich sozialen Fragen ohne Unterschied in der Parteirichtung einig sind. Die Vermehrung ihres politischen Ein- flusses ist aber für die Arbeiter um so dringender, da seit Jahren auf sozialpolitischem Gebiet völliger Stillstand besteht. Auf die Argumente der freisinnigen Gegner, mit denen sie den Proporz bekämpfen, einzugehen, das würde uns zu weit führen. Es ist ein öder, auf die Gedanken- und Urteilslosigkeit ihrer Anhänger berechneter Phrasenschwall voller Widersprüche, mit denen sie sich in gewohnter Abgebrauchtheit über die Tatsachen hinwegsetzen oder sie verdrehen, um den wahren Grund der Enrrechtung der Arbeiter zu verbergen. Für die freisinnige Partei ist eben die Proportionaltvahl keine Frage des Fortschritts, des Ausbaues der Demokratie, keine Idee der Gleichheit und Gerechtigkeit, sondern eine notfte Machtfrage, eine Klassenkampffrage, und ihr Kampf dagegen ein Kampf gegen die Sozialdemokratie. Trotzdem sind die Aussichten keine ungünstigen, günstiger als vor 10 Jahren. Im freisinnigen Parteiturm bröckelt es ab und die meisten freisinnigen Parteiführer sind Renegaten, die. als sie noch Ideale hatten, mit voller Ueberzeugung und Begeisterung für den Nationalratsproporz eintraten, heute aber als nackte Geldsacks- und kapitalistische Klassenpolitiker seine schärfsten Gegner sind. politische CleberficKt. Berlin, den 22. Oktober 1910. Klerikale Ministerhetze. Das Zentrum führt seit mehreren Wochen in Bayern einen erbitterten Kampf gegen den baiscrischen Berkehrs- minister v. Frauendorfer: einesteils deshalb, weil dieser in einem Teil der Zentrumsaristokratie und des höheren Klerus viele persönliche Feinde hat, emdernteils, weil er nicht, wie das Zentrum verlangt, den süddeutschen Eisenbahnerverband rücksichtslos zugunsten des ultramontanen bayerischen Eisen- bahnerverbandes bekämpft. Der bayerische Verkehrsminister wird deshalb der Sympathie mit der Sozialdemokratie be- schuldigt, und als ein furchtsamer, um seine Stellung bangen- der, unfähiger Beamter hingestellt. Da bislang diese Ver- suche der Ministerstürzerei nicht geglückt sind, scheint setzt das Zentrum schärfere Saiten auf seine Baßgeige spannen zu wollen. Am Mittwoch hat in München eine Zentrumsversammlung stattgefunden, in der der Zentrumsabgeordnete Redakteur Held aus Regensburg über das Thema: „Rückblick und Ausblick in der bayerischen Politik" referierte. Redner verwies auf den Eisenbahner- streik in Frankreich und führte dann weiter aus. nach Ansicht des Zentrums müsse alles ferngehalten werden, was Vorgänge wie jetzt in Frankreich möglich mache. Man stehe unter dem Eindruck, daß das(Yesamtministerium und besonders das Ver- kehrSministerium nicht alles getan habe, was alle staaistreuen Bürger erwarten mußten. Eine solche Frage dürfe nicht voni Standpunkt der Popularität, sie müsse ausschließlich vom Standpunkt des StaatsiuteresseS und vom monarchi- schen Standpunkt aus behandelt werden. Darum könne es ntcht geduldet werden, daß Staats- beam'te und Staatsarbeiter einer sozial- demokratischen Organisation angehörten. Ebensowenig dürfe ein Schullehrer Mitglied der sozialdemo- kratischen Partei sein. DaS Zentrum stehe auf dem Stand- punkt, das Staatsinteresse verlange es. daß nur staats- treue und monarchisch gesinnte Arbeiter gestützt und gehoben w ü r d e n: nicht aber dürfe ein „moderner" Minister Elementen, die auf den Umsturz hin- arbeiten, Vorschub leisten. Held versicherte, daß er trotz dieser Ausführungen kein Scharfmacher sei, er verlange kein Ausnahmegesetz für die Sozialdemokratie, er wolle auch keinen sozialdemokratischen Arbeiter in einen, privaten Betrieb seine Freiheit verkümmern, ettvaS anderes sei es aber bei einem Staatsarbeiter. Da müßten andere Wege eingeschlagen werden. Das Zen- trum lasse sich eine d e r a r t, g e St e II un g des Ministeriums einer Partei gegenüber, die die Monarchle stürzen wolle, nicht gefallen und sei nicht ge- willt. ein solches Ministerium weiter ge- währen zu lassen.. �« Wenn dieses Gerede mehr als eine bloße kindische Drohung bedeutet, dann beabsichtigt also das Zentrum, im nächsten Landtag dem Vcrkehrsmiiiister sein Gehalt zu streichen. Beim Kamps um wichtige Volksrechte hat sich das Zentrum bisher zu solcher Tat nicht aufzuschwingen vermocht. UebrigenS billigt Nicht das game bayerische Zentrum die Ministerhetze. Wie bei anderen Gelegenheiten stellt sich auch bei diesem Vorgehen die Heimsche Gruppe der Ortercr- Plästerschen Gruppe entgegen. Das„Bayerische Vaterland" sällt plötzlich der Orterer-Picklerschen Clicme in den Rücken und seierti den VerkehrZmiiiistcr v, Frauendorser als be� deutenden Staatsmann. Er nennt die Mache der Orterer und Konsorten eine Ministerstürzerei. die lediglich von einer gefoilfen aristokratisch-pfäffischen Clique aus persönlichen Gründen eingefädelt sei. Preustlschc Landräte als konservative Wahlagenten Der Reichstagsabgeordnete Gothein erzählt in der„Liberalen Korresp." allerlei Erfahrungen aus seinem früheren Beamtenleben die gerade jetzt um so interesiauter sind, als sie die Ergebnisse ver schiedener Landratsprozesse der letzten Zeit bestätigen, daß die große Mehrzahl der preußischen Landräte und Regierungspräsidenten sich nicht nur als amtliche Vertrauensmänner der Großgrundbesitzer ihres Kreises und Wahlagenten der konservativen Partei betrachten, son- dern auch ihre Qualifikation an der höheren Stelle in Berlin danach eingeschätzt wird, wie weit es ihnen gelingt, sozialdemokratische und liberale Wahlen in ihrem VerwaltungSlreise zu verhindern. Abg. Gothein erzählt, daß ihm zu seinem Erstaunen, als er noch Assessor und Hilfsarbeiter des Bcrgrevierbeamten in Waldcn- bürg ivar, vom damaligen Oberberghouptmann Dr. Huysien das vielbegehrte Bergrevicr Magdeburg angeboten wurde, aber nur unter der Bedingung, daß er sich dort im konservativen Interesse parteipolitisch be tätigen sollte.— Im Jahre 1886 äußerte sich bei einem zufälligen Zusammentreffen im Seebade Westerland der Veiter des Abg. Gothein, der damalige Oberpräfident v. Sleinmann, ihm gegenüber dahin, daß die Tätigkeit eines Oberpräsi» denten ebenso wie die des LandratS nach den Wahlen eingeschätzt werde, die sie zustande brächten, und daß es daher notwendig sei, auch in die Ehrenämter nur zuver- lässige Personen zu bringen.— Im Reichstage hat vor ungefähr sechs Jahren ein hoher Beamter dem Abgeordnelen Gothein gesagt:„Wie ist es möglich, bei uns liberal zu regieren? Seit 23 Jahren ist kein Landrat, kein RegierungSrat oder Regierungspräsident, kaum ein Oberpräsident, kein Amlsvor> steher, kaum ein Gemeindevorsteher in Ostelbien bestätigt worden. der nicht konservativ bis in die Knochen gewesen märe. Wir befinden uns in einem eisernen Netz kon« servativer Verwaltung und Selbstverwaltung. und es gehört eine ungewöhnlich starke staatSmäimische Kraß dazu, dieses Netz zu zerreißen, und sagen Sie selbst, wo wäre eine solche ungewöhnliche staatsmännische Kraft zu finden." Da der hohe Be- amte noch lebt, ist Abg. Gothein nicht in der Lage, seinen Namen zu nennen. Charakteristisch war, daß im Reichstag niemand cm der Wahrheti dieses Gespräches gezweifelt hat. Reichstagsvorlagen. Dem Reichstage wird, wie eine halboffiziöse Berliner Kor- respondenz meldet, bei seinem Wiederzusammentritt am 22. No- veinber nur das Schiffahrtsabgabengesetz vorgelegt werden, während der Etat mit der Militärvorlage erst zu Beginn de? Dezember, die elsaß- lothringische Verfassungsvorlage und die Vorlage über die Privaibeamtenversicherung ihm erst im Januar zugehen werden. Vom Frühjahre harren der Erledigung noch zehn Ent- würfe: das Arbcitskammergesetz, daS HausarbeitSgesetz, die Novelle zur Gewerbeordnung betreffs Lohnbücher, daS Reichs- bestellerungsgesey, die neue Strafprozeßordnung, die Novelle zum Strafgesetzbuch, die neue Fernsprechgebührenordnung, die Reichs- versicherungsordnung, das Zuwachssteuergesetz und der Entwurf zur Errichtung eines obersten KoloninlgerichtshofeS. Aus der katholischen Arbeiterbewegung. Nachdem die christliche GewerkschaftSpreffe erfahren hat. daß der Wind aus Rom wieder günstiger weht, beginnt sie sich ernstlich gegen die Angriffe und Verdächtigungen der „K o p p i st e n" zu wehren. Das„Zcntralblatt der christ- lichen Getverkschaften" veröffentlicht einen„Sitz Berlins letzte Rettungsversuche" überschriebenen Artikel, in der es die Berliner katholische Fachabteilungsbewegung von oben herab wegen ihrer Erfolglosigkeit verhöhnt. Es be- rechnet die Mitglieder der katholischen Fachabteilungen auf nur rund 16 990, die Mitgliederzuuahme des Berliner Ver- bandes katholisckier Arbeitervereine auf ganze 89 999. gegen- über den 959 999 Mitgliedern, um die die drei„Konkurrenz- organisationen"(Volksverein für das katholische Deutschland, katholische Arbeitervereine West- und Süddeutschlands und christliche Gewerkschaften) im gleichen Zeitraum zugenoinmen haben, und zeigt schließlich, wie dürftig es mit den Kassen- Verhältnissen der bei Kardinal Kopp so beliebten katholischen Fachabteilungen, die im Jahre 1999 nur 199 999 M. Vermögen hatten, bestellt sei. Und doch hat, wie das„Zentralblatt" schreibt, die Lei- tung des Sitzes Berlins(gemeint ist ist vor allem der Zen- trmnsabgeordnete Fleischer) mit den widerlichsten Mitteln gearbeitet, um die christlichen Gewerkschaften niederzuzwingen: „Weiter hat der„Sitz Berlin" in Ermangelung anderer Mittel, die ihm aus seiner jammervollen Lage heraushelfen könnten, in den letzten Monaten geradezu mit verzweifelten Anstrengungen gearbeitet, um gegen die christlichen Gewerk- schaften Deutschlands ein kirchliches Machtwort zu pro- dozieren. Wie dabei zu Werke gegangen wurde, spottet jeder Beschreibung... Allein auch diese Bemühungen sind„Sitz Berlin", wie nunmehr endgültig feststeht, vorbeigelungen." Das klerikale Geiverkschaftsblatt sollte nicht zu früh triumphieren. Ist es vorläufig auch den Günstlingen Kopps nicht gelungen, ein kirchliches Machtwort zu provozieren, dos den christlichen Gewerkschaften ihre Lebensbedingungen nimmt, so kann doch die Stimmung im Vatikan recht bald umschlagen, zumal der größte Teil des deutschen EpiskspatS aus feiten Kopps steht, wenn er auch vorläufig noch'aus politischen Gründen einen offenen Kampf gegen das christliche Gewerk- schastlertum scheut. Die Kronprinzenreise. Offiziös aber nicht amtlich wird mitgeteilt, daß di« allgemeinen Reiseaufwendungen des Kronprinzen für seine Reis« nach Indien aus der Zivilliste, die Aufwendungen für besondere Empfänge. die als Staatsakte zu betrachten seien, aus dem Dispositionsfonds des Auswärtigen Amte» bestritten werden. Das Auswärtige Amt will später dem Reichstag Rechnung legen über die Art der Ver- Wendung der Gelder.__ Städtische Lebensmittelsteuern im Zeichen der Fleischnot. Die Entscheidung de« Oberlandeßgerichts Colmar i. S. vom 14. d. M. in der Klagesache des Straßburger Wildbrethändlers Umsonst(nicht Ruprecht, wie der Druckfehlerteufel uns in Nr. 245 sagen ließ) gegen die Stadt Straßburg, beschäftigte am Mitt- woch den Straßburger Eemeiuderat und wird ihn, wie der Bürger- mcister ankündigte, noch weiter bsschqfligen Das Urteil des Ober- landeSgcrichteö. daS mit Berufung auf K 13 des Zolltarifgesetzes von 1902 die Weitercrhebung von Ottroi auf Wild und Ge- flügel fett 1. April 1910 für gesetzwidrig erklärt� hat nach Mit- teilung des Bürgermeisters Dr. Schwander für die Stadt Sttaßburg die fiiianziclle Folge, daß die städtischen Oktroi- e l n n a h m e n s i ch um rund 100 000 fPl. i m Jahre ver- mindern, was eine Erhöhung der direkten Steuern um 4 bis 5 „ZuschlagSpsennige"(4—5 Proz. kommunale Zuschläge auf die Staatssteuern) benötigen würde. Die Stadt Straßburg kann, wie der Bürgermeister hinzusetzte, den Prozeß Umsonst nicht bis ans Reichsgericht weiterverfokgen, weil der Streitwert nur 600 M. beträgt. Sie wird die somit rechtskräftig werdende Entscheidung des höchsten Gerichtshofes des Landes respektieren, indem sie Oktroi auf Wild und Geflügel nicht mehr mehr erhebt, aber sie läßt die Oktroibeträge der Geflügel- und Wildbrethändler notteren, um den ersten Fall, in welchem die Summe von 4000 M. erreicht wird, aufs neue gerichtlich austragen zu laffen und dann vor'S Reichsgericht zu bringen. Denn die Stadt Straßburg ist, wie der Bürgermeister ohne Widerspruch betonte, der Ueberzeugung, daß der Reichstag bei Annahme des§ 13 des Zoll- tarifgesetzeS nur die eigentlichen.Schlachttiere" vom Oktroi befreien wollte, nicht auch Wild und Geflügel, welches„Luxus- artikel" feien,„kein Genußmittel für die breiten Massen." Dieser Standpunkt de? Bürgermeisters der Stadt Straßburg ist schon zu normalen Zeiten nicht haltbar, in dieser Zeit der Fleisch- t e u e r u n g ist er's noch weniger als sonst. Das Oktroi auf Wild und Geflügel ist in den elsässischen Stadien nach deutschen Begriffen ganz unglaublich hoch: es beträgt z. B. für zerstückeltes Wildbret aller Art 30 M. pro 100 Kilo oder 30 Pf. pro Kilo, für Haien 50 Pf. pro Stück, für Kaninchen und Wildenten 1b Pf., teilweise 2b Pf. pro Stück, für zahme Enten und Hühner 10 und 15 Pf. pro Stück, für gemästete Hühner 40 Pf. pro Stück, für gemästete Gänse ohne Leber 60 Pf., mit Leber 90 Pf. pro Siück usw. Das Oktroi beträgt als» hier vielfach 1V Proz. des Preises und mehr. Dabei ist bei den gegenwärtigen Preisverhälwisien beisptelS" weise das Gänsefleisch billiger als Kalb- und Schweinefleisch,— wenn man das Oktroi abzieht, wodurch es in den oktroihabenden Städten unverhältnismäßig verteuert wird. Dann kommt doch auch die Einwirkung aus die allgemeinen Fleischpreise in Betracht, sobald in diesen Städten Hasen, Kaninchen, Hühner usw. frei von Oktroi auf den Markt gelangen. Wie kann noch im Ernst gesagt werden, Wild und Geflügel seien„Luxusartikel", sie seien„kein Gemißmittel für die breiten Massen", wenn die Maffen diese Artikel nach der Befreiung vom Oktroi zum Teil billiger erstehen können als anderes Fleisch? Freilich, wenn man sich auf den Standpunkt stellen will, daß der Fleischgenuß für die breiten Maffen sich zeitgemäß aus Hunde und Katzen oder auf das Fleisch verreckter Kühe reduzieren soll, so ist die Erklärung des Straßburger Bürgermeisters vor versammeltem Rate erllärlich. Ist daS soziale Verständnis der bürgerlichen Gemeindeverwaltungen in den beteiligten Städten bereits glücklich so weit?_ Auch ein Fortschrittler. Der fortschrittliche Professor E i ck h o s f, bis 1911 Abgeordne- ter des Reichstagswahlkreises Remscheid-Leimep-Meitmann hat dieser Tage in Remscheid eine Rede gehalten, worin er sich den Real- tionären, aus deren Stichwahlhilfe er bei den kommenden Wahlen hofft, in empfehlende Erinnerung bringt. Der„Fortschrittler" hat den Kaiser gegen die Kritik an der Königsberger Rede warm in Schutz genommen und sich als Schützer des ThroncS vor sozialdemokratischem Umsturz herausgestrichen. So sagte der Herr: „Die Kritik an der Königsberger Kaise'rrede war von der Presse, nicht nur von der sozialdemokratischen Presse, so über- trieben wie nur möglich. Der Kaiser har nicht gesagt und nicht sagen wollen, daß er die Reichsverfassunz antasten wolle, die er volle 22 Jahre in Treue geHollen hat. Eine Heraus» forderung des Volkes liegt nicht in der Kaiierrede. Daß der Kaiser selber mit ollen seinen Worten und Handlungen nicht nur wie jeder ehrliche Mann seiner redlichen Ueberzeugung folgt, sondern daß er dabei auch dem Besten des Landes und des Volkes zu dienen glaubt, davon sind wir alle überzeugt, wir olle. die wir, trotzdem wir als freigesinnte Männer noch lange nicht jede seiner Aeußerungen zu billigen vermögen, dennoch allezeit treu zu Kaiser und Reich st ehe n. Ich möchte das am heutigen Abend hier mit vollem Nachdruck betonen, nachdem vor wenigen Tagen der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Lieb« knecht in New Dort sich nickt entblödet hat. zu sagen: die Kaiser- kröne würde bato weggeblasen sein wie die Krone von Portugal. M. H., wir werden die Kaiserkrone auch gegen Liebknecht und seine Genossen zu verteidigen wisse n.": Gemeinschafts- arbeit abgehalten. Es heißt weiter in dem Artikel, wenn der Arbeiter„niedergedrückt" sei im Tugend- kämpf, möge er zum Seelenhirtcn gehen: „Du sprichst dich einmal ans Überbeine Arbeit, über dein Leid. Das-gibt schon Erleichterung, große Erleichterung. Mit deiuen Arbeitskollegen kannst du es nicht. Die einen haben selbst keinen Trost, die anderen reizen dich bloß noch auf und vermehren dadurch deinen Seelendrnck, dein Unglück." Was soll man zu solcher Komödie sagen? Es ist kein Wunder, ivenn die zentrümlichcn Drahtzieher selbst von den katholischen Arbeitern nicht mehr ernst genommen werden. Was aber allem die Krone aufsetzt, ist, daß derselben Nummer der„Westdeutschen Arbeiterzeitung", die die „Passivität" der katholischen Arbeiter beklagt, eine Beilage „H e r b st b l ä t t e r" angefügt ist, die wieder ganz im Stile „religiöser Passivität" gehalten ist! Da werden die„Freuden geistlicher Betrachtung" ausgemalt: „Sieh, Freund, so fließt dir ans der Betrachtung Freude. Magst du nun den Sternenhimmel anschauen und aus ihm die ewige Majestät dessen lesen, der ihn erschuf, oder die Blumen des Feldes, die dir von Weisheit und Lwbe erzählt, magst du hinein- schauen mit gläubigem Geniiir in die Geschichte der Offenbarung und an den Geheimnissen des Rosenkranzes die Barm- Herzigkeit Gottes betrachte» und die göttliche Güte des Erlösers: aus der Betrachtung strömt dir eine solche Freude ins Herz, daß die Siiincnsrende damit gar nicht zu vergleiche» ist." Der Zweck ist klar. In einem anderen„Betrachtungsartikel" wird einer er- wähnt, der„für sich" sein wollte. Als er darüber von einem anderen befragt wurde, meinte der„Einsame": „Ich will auch für mich mal Freude genießen, nicht immer mit dcm großen Hausen rennen, wo man nicht zur Besinnung kommt." Genug. Die sozialdemokratischen Arbeiter können der weiteren Entwickclung ruhig zusehen, indem sie in bewährter Weise weiter arbeiten. Daß der Abstand zwischen den„christ- lichen" Pseudogewerkschaften und den mächtigen freien Ver- bänden sich noch imnier mehr vergrößert, trotz qualcrpreßter zentruiitschristlichcr Hilfeschreie, hat seine gute Ursache in der alten Erfahrungstatsache, daß „Im hungerigcn Magen Eingang findm Nur Suppcnlogik mit Knödelgründen, Nur Argumente von Rinderbraten, Begleitet mit Göttingrr Wurstzitateu". Berlin und Umgegend. Der Fcnsterstreik der Töpfer. Die Töpfer haben im Laufe der ersten Woche ihres Streiks in- folge der großen Arbeitslosigkeit keine besonderen Erfolge zu ver- zeichnen. Immerhin konnten 135 Streikende auf elf verglasten Bauten die Arbeit wieder aufnehmen; ebenso kounien 29 Arbeitslose aus Bauten, wo die Forderungen bewilligt waren, in Stellmig treten. Zu Beginn des Streiks wurden 23 Bauten mit 262 Streikenden gezählt. Zu gleicher Zeit wurden aber— durch fertiggestellte Bauten— 358 Töpfer arbeitslos und vorher zählte man schon 115 Arbeitslose. Somit haben sich die Töpfer trotzalledem noch wacker gehalten, denn man hatte mit 735 Arbeitslosen und Streikenden zu rechnen, die zu Ende der Woche noch 571 Mann stark waren.— Im Jahre 1909 wurden duich den Fenstelstreik nur 464 Töpfer, und im Jahre 1908 nur 583 Töpfer in Miileideuschaft gezogen, ein Zeichen, daß die Arbeitslosigkeit gegenwärtig größer ist. als zur gleichen Zeit in den Vorjahren.— Der Streit dehnt sich nicht aus über den 1. November hinaus, da an diesem Tage die Polizeiverordnung in bezug auf die Verglasung der Bauten in Kraft tritt. Achtung! Steinarbeiter. Für Tempelhof-Mariendorf ist eine Zahlstelle errichtet worden. Dieselbe befindet sich beim Gastwirt Paul Schmidt, Tempelhof, Berliner Str. 9(WilhelmSgarten). In neuerer Heit find von einigen Unternehmern Versuche ge- macht worden, die tariflichen Bestimmungen zu durchbrechen. Die Kollegen beider Sektionen werden ersucht, dem ganz energischen Widerstand entgegenzusetze» und jeden Einzelfall im Verbandsbureau: 8l). 16, Engelufer 15 I, Zimmer 7a. zur Anzeige zu bringen. DaS Bureau ist geöffnet vormittags von 3—10 und nachmittags von 4— 7. Der neue Telcphonruf lautet: Amt IV 11371 fNebenaufchluß vom Arbeiter-Abftinenlenbnnd.) Die Ortsverwaltung. Der Streik der Töpfer in den Beltener Ofenfabriken ist nun- mehr perfekt geworden. Sämtliche Ornamemsornier haben am 22 Oktober die Arbeil niedergelegt. Die an den Kachelpresien be» schästigten Töpfer haben den Solidaritätsstreik erklärt. Weitere Verhandlungen mit den Unternehmern werden voraussichtlich im Laufe der nächsten Woche stattfinden. An deren Entgegenkommen wird eS dann liegen, ob die durch den langwierigen Streik im im Jahre 1903 schwer geschädigte Veltener Schmelzosenslreik einen weiteren empfindlichen Stoß erhält oder nicht. Durch den Streik Jahre 1903 ist der Veltener Kachelofen in erheblichem Maße von seinem Hauptadsatzgebiet, vornehmlich Berlin, durch süddeutsche und sächsische Fabrikate abgedrängt worden. Ein erneuter langwieriger Streik köiinte also in erster Linie für die Veltener Fabrikanten recht verhängnisvoll werden. Oentkcbea Ketek. Gegen die Organisation der Arbeiter. Bremen, 22. Oktober.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Die am Freitag wegen des Straßenbahnerausstandes mit dem Vorsitzenden des GewerbegerichiS gepflogenen Verhandlungen führten dazu, daß die Streikenden sich zu folgendem schriftlich fixierten Entgegenkommen bereit erklärten: Die Verbandsvertreter find bereit auf eine direkte Teilnahme an den Verhandlungen zu verzichten, wenn nachfolgende Bedingungen von der Direktion vor Eintritt in die Verhandlungen anerkannt werden: 1. die Zugehörigkeit zum Deutschen Transportarbeiter-Verbande wird dcm Personal gestaltet, 2. bei etwaiger Entlassung eines der unter drei genannten Funktionäre ist dem Ausschuß sofort Mitteilung zu machen, 3. Maßregelungen, besonders wegen der Lohnbewegung dür- fen nicht stattfinden; insbesondere haben die Ausschußmitglieder und Vertrailensleute des Verbandes wegen ihrer Tätigkeit keiner» lei Nachteile zu erwarten. In der abermaligen Konferenz am Sonnabendmittag teilte der Vorsitzende des GewcrbegcrichtS mit, daß zu seinem Bedanern die Direktion auf dem Standpunkt stehe, daß schon die im Punkt 1 ge- stellte Forderung für sie unannehmbar sei und deshalb jede weitere Verhandlung zwecklos sei.__ th.Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanstall Die Kettelliiibustrie Pforzheims ist nun In die Kampfsituatiou eingetreten. Am Donnerstag, dem ersten Zahltag dieser Woche, kündigte die erste Rate der Keltenschmiede, die zweite und dritte folgte ani Freitag und Sonnabend. Es kommen in Betracht: Kelten- niacher, Zurichter, Fimerer, Kettcurichter, Korabiner- und Federring- macker, Mechaniker für Einrichluiigen und Keltenmaschinen, Schmelzer, Glüher und Hilfsarbeiter. Es sind nach einer Berechnung des Meiallarbeiter-Verbandes etwa 2481 Personen in 90 Betrieben be- schäfligt; von den 1164 männlichen sind 65 Proz.�organi- s i er t. Die erste Kündigung zeigte eine sehr erfreuliche Solidarität; die Anmeldungen zur Organisation laufen zahlreich ein. Die Orts- Verwaltung der Metallarbeilerarbeiier erklärt jeden als Streik- brecher, der nicht dem einstimmigen Beschlüsse der Versammlung entsprechend seine Kündigung einreicht. Man hofft, daß 80 Proz. zur Organisation kommen. Jetzt muß die Disziplin hoch- gehalten werden, auch wenn Bodmans Polizei wieder loszieht. Versammlungen. Verband der Gemeinde- und Staatsarbeiter. In der General- Versammlung des Verbandes, die am Donnerstagabend im Ge- werkschaftshause stattfand, hielt der Gewerkschaftssekretär Adolf Ritter einen sehr instruktiven Vortrag über die Bedeutung der bevorstehenden Gewerbcgerichtswahlen, die am Sonntag, den 13. November, vorgenommen werden. Der Appell des Redners, für eine massenhafte Beteiligung an den Wahlen zu sorgen, damit der Liste Nr. 1, der freien Gewerkschaften, eine erdrückende Majorität gesichert werde, fand lebhaften Widerhall in der Ver- sammlung und wurde auch in der Diskussion eifrig unterstützt. Der Vorsitzende bemerkte noch, daß die Vertrauensleute der ein- t einen Abteilungen alle gewünschten Informationen durch die serbandslcitung erhalten, um den Mitgliedern die in vielen Fällen notwendigen Anweisungen zu geben. Der Kassierer H o f f in a n n erstattete den Verwaltungsbcricht für die Zeit von Juli bis September 1910. Der Kassenbericht von diesem Quartal zeigt für die Hauptkasse in Einnahme und Ausgabe eine Summe von 82 852.95 M. Unter den Ausgaben stehen 5905 M. für die Kranken- Unterstützung, 805 M. für Unterstützungen in Sterbefällen, 417,67 M. in Fällen der Arbeitslosigkeit, 144,05 M. für Unterstützung bei Maßregelungen verzeichnet.— In der Filialkasse ist eine Einnahme von 47 726,91 M. gebucht, darunter der Bestand von 29 824,89 Mk. vom 2. Quartal. Als Ausgabe ist die Summe von 15 300,36 Mk. gebucht; somit bleibt als Bestand 32 426,55 Mk. im im 3. Quartal übrig. Unter den Ausgaben der Filialkasse stehen für Unterstützungen verzeichnet: 2023 Mk. in Krankheitsfällen,- 1115 M. in Sterbcfällen, 655,50 M. bei Arbeitslosigkeit. 370 M. in Notfällen. Für Agitation und Lohnbewegungen wurden 2611,50 Mark ausgegeben. Ueber die Mitgliederbewegung wurde der Versammlung die folgende Aufstellung vorgelegt: Am Ende d. vor. Ouort. waren 6141 männl., 187 wbl., 72 jng. Mtgl. Im Laufe d. Quart, sind einaeir. 518„ 61„ 10„, Gesamtsumme. 6959 männl., 218 wbl., 82 jng. Migl. ES wurden ausgeschlossen resp. schieden ans..... 258„ 43„ 27„ Bleibt ein Mitgliederbest, von 670t männl., 205 wbl., 55 jng. Mtgl. Zusammen 6961 Mitglieder. W u tz k h machte schließlich bekannt, daß die Stadtverordneten- Versammlung einen Ausschuß eingesetzt habe, um die erhobenen Forderungen auf Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Ge- meindearbeiter zu prüfen. Der Verband habe aber auch fort- dauernd gegen Bestrebungen zur Verschlechterung der Verhältnisse bald hier bald da anzukämpfen. So kommen jetzt wieder aus den Revierinspekiionen mancherlei Klagen über ungerechtfertigte Kün- digungen von Schreibern. Und aus dem Schlachthof hat man alte Bodenarbciter, die bisher 14 Tage Kündigung hatten, gezwun- gen, auf die Kündigung zu verzichten, obwohl sie auf Wochenlohn arbeiten.— Mit Aussicht auf Erfolg könne die Organisation aber nur da vorgehen, wo die Angestellten es als ihre Pflicht be- trachten, sich den organisierten Kollegen anzuschließen. Letzte ftachricfiten. WüstlingStreibcn. Frankfurt n. M., 22. Oktober.(B. H.) In den letzten Wochen wurde der Verein„Kinderschutz" auf drei verschiedene Fälle auf- merksam gemacht, in denen Wüstlinge Schulkinder an sich gelockt und zu unsittlichen Zwecken mißbraucht hatten. Die angestellten Ermittelungen führten in kürzester Zeit zu dem Ergebnis, daß einstweilen die Beteiligung von 15 Schulmädchen im Alter von 10—14 Jahren festgestellt wurde. Es ist noch gar nicht abzusehen, wie hoch sich die Zahl der Opfer beläuft, da diese Unholde ihre Un- sittlichkeiten seit vielen Monaten, einer schon seit Jahren betrieben haben soll.__ Verschollener Dampfer. Hamburg, 22. Oktober.(B. H.) Der Dampfer„Nordsee" der Oldenburg-portugiesischen Dampfschiffahrtsgesellschaft, der am 9. Oktober mit einer Ladung von Schottland abging und am 14. in Husum eintreffen sollte, ist verschollen. Man befürchtet, daß er mit der ganzen Besatzung von 14 Mann untergegangen ist. Bei einem Großfeuer umgekommen. , Freiburg i. Br., 22. Oktober.(B. H.) In A d e l S b e r g (Amt Schönau) brach ein Brand aus, dem 6 Häuser zum Opfer fielen. Eine Frau ist tot, ein Kind wird vermißt. Streik der österreichischen Schiffsmaschinisten. Trieft, 22. Oktober.(W. T. B.) Der Verband der Handels- schiffmaschinistcn hat in einer heute abend abgehaltenen Versamm- lung wegen Lohndiffcrenzen mit dem Arbeitgeberverband und wegen Verweigerung der Gleichstellung mit Schiffsofsizieren ein- stimmig den Streik der Maschinisten proklamiert. Von dem Streik werden 19 SchiffahrtSgrscllschaften betroffen, darunter als die größte die„Austria-Americana"; der„Oesterreichische Lloyd" und die„Talma tia" sind davon nicht betroffen. Die Zahl der streiken- den Maschinisten dürfte 500 betragen. Die Bestimmung des Zeit- Punktes deS Streikausbruchs wurde einem besonderen Ausschüsse überlassen, welcher schon heute eine vertrauliche Sitzung abhielt. Wiederausnahme der Arbeit in den Pariser Kraftstationen. Paris, 22. Oktober.(W. T. B.) Das im Ausstand befindliche Personal der sechs elektrischen Kraftstationcn hat die sofortige Wiederaufnahme der Arbeit bcschloffen. Eine Anzahl von Arbeitern der elektrischen Industrie verharrt noch im Ausstande. Tatarennachrichten aus Frankreich. Marseille, 22. Oktober.(W. T. 93.) Aus den, Schienenwegen in der Umgegend von Marseille sind 34 Dtznamitpatroncn gefunden worden. In der Umgegend von Ehalon-sur-Saone sind die Tele» graphenleitungen beschädigt worden. 8000 englische Bergarbeiter ansständig. London, 22. Oktober.(Preß-Tcl.) In den Kohlengruben der Powell-Duffryn Co. sind heute 8666 Bergarbeiter in den Ausstand getreten. Man vermutet, daß der Streik sich auch auf andere� Gesellschaften ansdehnen wird. Paul Singer& Co., Berlin SVV, Hierzu 5 Beilagen, Nr. 249. 27. Jahrgang. 1. KilM iitü.Amiiris" Knlim WlksdlM Zl>»«!»z. 23.(Winkt 1910. Sechster österreichiicher Gcwerliicbafts- hongreß. Wien, den 22. Oktober 1910. Am sechste?.?itzungstage nahm der Kongretz zunächst eine Reihe von ausgezeichneten sozialpolitischen Referaten entgegen. Zunächst spcacg Reichsratsub�ordneter Schramme! über .Sozialpolitik im österreichischen Parlament" und begründete folgende Resolution: „Der Gewerkschaftskongreß erblickt in der ablehnenden Haltung der Regierung und der bürgerlichen Abgeordneten im Parlament gegenüber den sozialpolitischen Forderungen der Arbeiterschaft Oesterreichs eine schwere Schädigung des arbeitenden Volkes. Er protestiert insbesondere gegen die Ver- schleppung des Sozialversichcrungsgesctzcs und aller übrigen vom sozialdemokratischen Verband eingebrachten sozialpolitischen Ge- setzentwürfe. Er sieht in den bisher angenommenen Gesetzen und Gesetzcsänderunge» zwar eine kleine Verbesserung, aber nicht die dringend nötige gründliche Reform der Arbeiterschutz- gesetze und wiederholt und erneuert die sozialpolitischen Forde- rungen der Arbeiterschaft. Er verurteilt auf das entschiedenste die verbrecherischen Pläne auf Verschlechterung des Koalitions- rechts der Arbeiter und erklärt, daß die Arbeiterschaft Oester- reichs jeden derartigen Angriff auf ihre bisherigen Rechte init allen Mitteln abzuwehren gesonnen ist. Ter Kongreß fordert die sozialdemokratischen Abgeordneten auf, ebenfalls alle Mittel anzuwenden, um jedes Attentat auf das Koalitionsrecht der Ar- bciter zu verhindern. Der Kongreß verlangt von Parlament und Regierung die vollste Wahrung der Rechte der Arbeiter und die Erfüllung nachstehender Forderungen: 1. Rasche Be- ratung und Durchführung des Sozialversicherungsgesetzcs, Ein-- führung der Alters- und Jnvaliditätsversicherung für alle Ar» beiter und Witwen- und Waisenunterstützung. 2. Reform des KoalitionSgesctzcs im Sinne der vollsten Sicherung der Koalitions- freiheit, Abschaffung der Arbeitsbücher. 3. Den Achtstundentag in allen gewerblichen Betriebe» ohne Rücksicht auf ihre Größe. 4. 3östündigc Sonntagsruhe, ö. Ausnahmsloses Verbot der Nachtarbeit für Frauen, jugendliche Arbeiter und Kinder, sowie Verbot der regelmäßigen Nachtarbeit der Männer. 6. Erlaß besonderer Schutzbestimmungen für gesundheitsschädliche In- dustrien und Betriebe und gesetzlich festgesetzte Schadloshaltung der Arbeiter im Falle von Berufskrankheiten durch die Besitzer des Betriebes. 7. Verbot der Beschäftigung schwangerer Frauen in der Dauer von vier Wochen vor und sechs Wochen nach der Entbindung, für welche Erholungszcit Krankengeld in der vollen Höhe des Verdienstes zu bezahlen ist. Zu diesem Zwecke haben die Krankenkassen aus der Staatskasse entsprechend hohe Sub- vention zu erhalten. 8. Vermehrung der Gewerbeinspcktorcn, Verkleinerung der Aussichtsbezirke, Bestellung von Arbeitern und Frauen als Inspektoren und Inspizienten, Bestellung von Inspektoren für land- und forstwirtschaftliche Betriebe. 9. Re- form des Gcwerbegcrichlsgesetzes, Ausdehnung des passiven Wahl- rechts auf die Arbeiterinnen, Vermehrung der Gerichtshöfe, Ausdehnung des Gewerbgerichts auf den Bergbau. 9a. Schaffung eines Gesetzes über die Vertragsverhältnisse der Eisenbahner. 10. Ausdehnung der Unfallversicherung auf alle Arbeiter, Ein- bcziehung des Kleingewerbes sowie der Land- und Forst- Wirtschaft. 11. Aufhebung der Bruderladcn und Einbeziehung der Bergarbeiter in die Arbeiterkrankcnkasse und territoriale Unfallversicherung. 12. Bestellung von Berginspektoren, welche von den Bergarbeitern frei gewählt werden. 13. Einführung der achtstündigen Arbeitszeit, Siebcnuhvfperre. 3östündige Sonntags- ruhe im Handelsgewerbe. 14. Unterstellung der in der Heimarbeit beschäftigten Personen unter die Arbeiterschutzgesetze. 15. Reichs- gesetzliche Regelung der Gesindeordnung. 16. Kodifikation des gesamten Arbeiterrechts. 17. Einbeziehung der Seeleute, Hafen- arbeitcr und Binnenschiffahrer in die Kranken- und Unfall- Versicherung. 13. Annahme und Durchführung des von der Sozialdemokratie beastlragten Gesetzes betreffend die Linde- rung der Arbeitslosigkeit." Der Kongreß stimmte der Resolution einstimmig zu. Eine Sympathieresolution für den Kampf der kaufmännischen Angestellten um vollständige Sonntagsruhe und frühzeitigen Ladenschluß wurde ein- stimmig angenommen. Auf Grund eines Referates des ReichsratSabg. S m i t k a über die„Abschaffung des Arbeitsbuches" wird die Fraktion be- auftragt, alle ihr geeignet erscheinenden Maßnahmen zu treffen, um die Beseitigung des Arbeitsbuches durchzusetzen. Es folgte ein sachkundiges Referat des Reichsratsabgeordneten Reumann über„WohnungsfUrsorge und Arbeitsvertrag". Fol- gende Resolution wurde einstimmig angenommen: „In Erkenntnis, daß die durch die Not an Kleinwohnungen enorm gesteigerten Mietzinse häufig genug die Arbeiter, ins- besondere in Orten, in denen eine stark entwickelte Industrie vorhanden ist, zwingen, Wohnungen in den von Unternehmern erbauten und verwalteten Arbeiterhäusern zu bezichen, wodurch sie ihre Bewegungsfreiheit gänzlich einbüßen; in Erkenntnis, daß die Arbeiter, die in den von der Privatspckulation er- bauten Wohnhäusern Wohnung nehmen müssen, ihren Bcdürf- nisten nach gesunden, geräumigen Wohnungen nicht Rechnung tragen können, vielmehr gezwungen sind, in gesundheitsschäd- lichen, zum Teil licht- oder luftlosen, auch in überfüllten Woh- nungen wohnen zu müssen, in endlicher Erkenntnis, daß die Wohnungsnot mit all ihren Begleiterscheinungen, insbesondere der drohenden Obdachlosigkeit, lähmend auf die Tatkraft der Arbeiterschaft einzuwirken vermag und daher der Erringung von Arbeitsverträgen, die den Arbeiterforderungcn entsprechen, hindernd im Wege steht, fordert der Kongreß die werktätige Hilfe des Staates, der Länder und der Gemeinden für den Bau von Arbeiter-, beziehungsweise Kleinwohnungen. Diese Hilfe soll bestehen: a) in der Erlassung eines RcichsbaugesctzeS als Rahmengesetz für die in den verschiedenen Ländern zu erlassen- den Bauordnungen, das insbesondere Vorschriften enthält über die Wohuungshygiene und verhindert, daß die Bauflächen spekulativ zum Schaden der Wohnungsmicter ausgenützt werden; b) in der Schaffung eines staatlichen Wohnungsfürsorgeamtes, dem ein aus staatlichen Mitteln dotierter Wohnungsfürsorge- fonds zur Verfügung steht; c) in der Kreditgewährung aus den Mitteln des Wohnungsfürsorgcfonds, bezw. in der Bürgschaft für Baukrcdite zur Erbauung von Arbeiter- bezw. Klcinwoy- nungen an Arbeiterbaugenossenschaften oder Gewerkschaften; d) in der Schaffung von Beiräten für das staatliche Wohnungs- amt, die den fachlichen Arbeiterorganisationen zu entnehmen sind; e> in der Schaffung einer staatlichen Wohnungsinspeltion unter Mitwirkung von Vertretern der fachlichen Organisationen; f) in der 30jährigen Befreiung von der Hausklassensteuer sowie von der Hauszinssteuer und allen sonstigen Stcuerzuschlägen kür Arbeiter- bezw. Kleinwohnungen; g) in der Bestimmung, daß für Arbeiterwohnungen die am Orte übliche Kündigung von Mietverträgen Gültigkeit'hat und daß eine kürzere Kündi- gungsfrist nicht vereinbart werden darf; K) in der Schaffung einer gesetzlichen Bestimmung, wodurch verhütet wird, daß Werkswohnungen während eines Streiks oder einer Aussperrung gekündigt werden können und somit die Wohnungskündigung als Mittel der Einschüchterung mißbraucht werden kann." Heber„Die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit" referierte Reichsratsabgeordneter H a n u s ch, der folgende Resolution be- gründete, die einstimmige Annahme fand: „Der Gewerkschaftskongreß beschließt: Die gegenwärtig in Oesterreich gesetzliche Arbeitszeit war vor 25 Jahren ein Fort- schritt, heute aber entspricht sie der technischen Entwickelung der Industrie und des Gewerbes nicht mehr. Die Kraft der gvwert- schaftlichen Organisation hat einem großen Teil der öfter- reichischen Arbeiterschaft bereits eine Arbeitszeit errungen, die weit kürzer ist als der gesetzliche Maximalarveitstag. Da aber die Kämpfe der Gewerkschaften durch die Schikanen der poli- tischen Behörden, durch die Schmälerung des Koalitionsrechts erschwert iverdcn, besteht in vielen Betrieben immer noch der elfstündige, in manchen nicht fabrikmäßigen Betrieben sogar ein noch längerer Arbeitstag. Soll die Verkürzung der Arbeitszeit nicht erst in vielen opfervollen Kämpfen erstritten werden, dann muß die Gesetzgebung eingreifen. Der Liongreß steht nach wie vor auf dem Standpunkt, daß die technische EntWickelung— auch in Oesterreich— bereits so weit fortgeschritten ist, daß der Achtstundentag in Industrie und Gewerbe ohne Bedenken ein- geführt werden kann. Wenn trotz dieser Tatsache der Sozial- demokratische Verband des Abgeordnetenhauses einen Antrag auf staffelweise Abkürzung der Arbeitszeit einbrachte, so ließ er sich— ohne das Prinzip des Achtstundentages aufzugeben— nur von der Erwägung leiten, der Industrie und dem Gewerbe ein Uebergangsstadium für die Einführung des Achtstunden- tageS zu ermöglichen. Die Vertreter der Regierung sowie die bürgerlichen Parteien fanden wohl nicht den Mut, diese über- eilte Vorlage rundweg abzulehnen, sie suchten sie aber dadurch zu verschleppen, daß sie dieselbe den verschiedensten Beiräten zur Begutachtung überwiesen. Der Kongreß verlangt: 1. Die schleu- nigste Beratung und Beschlicßung der vom Sozialdemokratischen Verbände eingebrachten Vorlage betreffend die Arbeitsdauer in gewerblichen Betrieben; 2. die rascheste Erledigung der Vorlagen betreffs der Schichtdauer beim Bergbau, der Arbeitszeit im Bäckergewcrbe, solvie der Arbeitszeit in ununterbrochenen Be- trieben. Durch die Gesctzwerdung dieser Vorlagen sollen die Errungenschaften der Gewerkschaften für alle Zukunft gesetzlich gesichert und die schrittweise Herabsetzung der Maximalarbeits- zeit bis zum Achtstundentag herbeigeführt werden." Die bisherigen Mitglieder der Gewerkschafts» Msfo Solcrnms.•. Diese Woche habe ich mir Beethovens„Mse» Solernnis" vom „Philharmonischen Chor" in der„Philharmonie" angehört und im Anschluß an diese Aufführung erlaube ich mir, einige Be- merkungen niederzuschreiben, die nicht in direkter Verbindung mit dem musikalischen Teil stehen, die aber doch möglicherweise das Interesse unserer Genossen wecken dürften, weil die Musik so ganz „frei" von aller Tendenz zu existieren scheint und stärker als jede andere Kunst die..reinmeilschliche" zu sein vorgibt. In früheren Artikeln wies ich bereits darauf hin, daß jede Kunstpcriode, ganz gleich von welcher Bedeutung, in reiner Tendenz wurzelt, daß lein Dichter frei von Tendenz sein kann oder ist und daß nur die Tendenz nicht mehr beachtet wird, der sich die Gemein- schaft angepaßt hat, die mit der Gemeinschaft eins ge- worden ist. Allein die wieder neue, fremde Tendenz, und heute besonders die sozialistische, zieht die Aufmerksamkeit auf sich, stößt vor den Kopf, wird verurteilt. In Berlin ist jeder daran ge- wöhnt, sich in den Straßen mit Pferden und Wagen rechts zu halten. Man redet nicht darüber, findet cS natürlich, tut es. In London weicht man init Pferd und Wagen links aus. Auch dort redet man nicht darüber, sindct man es natürlich, tut es. Tie „Tendenz" fällt nur ins Auge, wenn ein Berliner in London oder ein Londoner in Berlin Pferd und Wagen lenkt.... Die Musik, die mächtige, ergreifende, scheint kein rechts, kein links zu kennen. Doch weil sie eine durchaus menschliche Schöp- Jung ist, muß sie unweigerlich dem allgemeinen Gesetz der ' e n d e n z, sogar in ihrer reinsten Form der„absoluten Musik" unterstellt sein. Ich glaube, daß wir der strengsten Linie logischer Entwickelung folgen, wenn wir Wagners Worte zu den unserigcn machen, und zwar in dem Sinne, wie der vortreffliche Wagner- forsche: Houston Stewart Chamberlain das tat, der in Wagner in erster Stelle den dramatischen Dichter und erst in zweiter Stelle den Musiker sah. Was sagt Wagner?...„Was somit � der absoluten musikalischen Sprache für sich unausdrückbar bleibt", j erklärt er:„ist die genaue Bestimmung des Gegenstandes des Ge- kühles und der Empfindung, an welchem diese selbst zu sicherer Bestimmtheit gelangen: die ihm notwendige Erweiterung und Ausdehnung des musikalischen Sprachausdrucks besteht demnach im Gewinne des Vermögens, auch das Individuelle, Besondere, mit kenntlicher Schärfe zu bezeichnen, und dieses gewinnt {<« nur in ihrer Vermählung mit der Wort- p r a ch e. Nur aber dann kann diese Vermählung eine erfolg- reiche sein, wenn die musikalische Sprache zu allernächst an das ihr Befreundete und Verwandte der Wortsprache anknüpft; genau da hat die Verbindung vor sich zu gehen, wo in der Wort- spräche selbst bereits ein unabweislichcs Verlangen nach wirk- lichem, sinnlichen GefühlSauSdrücken sich kundgibt. Dieses be- stimmt sich aber einzig nach dem Inhalt des Auszudrückenden, inwiefern dieser aus einem Verstandes- zu einem Ge- fühlsinhalte wird. Ein Inhalt, der einzig dem Verstände faßlich ist, bleibt einzig auch nur der Wortsprache mitteilbar; je mehr er aber zu einem Gefühlsmomente sich ausdehnt, desto bestimmter bedarf er auch eines Ausdruckes, den ihm in entsprechender Fülle endlich nur die Tonsprache ermöglichen kamt. Hiernach bestimmt sich ganz von selbst der Inhalt dessen, Ums der Wort-Tondichter auszusprechen hat: es ist das von aller Konvention losgelöste R e i n m e n s ch l i che..." Wenn wir uns nun auch noch über Wagners letzten Worte: „das von aller Konvention losgelöste Reinmenschliche" einig werden und sofort erklären, daß daS„losgelöste Neinmenschliche" fast aller Dichter eS nicht weiter als bis an die Grenzen der eigenen Klasse bringt und daß auch Wagner als Dichter innerhalb dieser Grenzen stecken blieb, dann können wir mit all dem klebrigen einverstanden sein. Die notwendige Erweiterung und Ausdehnung des musikalischen Spracktausdruckcs, das Ver- mögen auch das Individuelle, Besondere zu bezeichnen, gewinnt sie nur in ihrer Vermählung mit der Wortsprache. lind sei cS nun, daß sich der Komponist an eine bestimmte Wort- spräche bindet, wie Wagner bei den von ihm selbst geschriebenen Musikdramcn, wie auch Beethoven in der dl i s s a S o I e in n i 5, sei es auch, daß die Wortsprache in den Hintergrund gerät und oic sogenannte„absolute Musik"(wie in Beethovens Eroica) ent- steht: die Musik und ihr Schöpfer, der Komponist, werden durch die tendenziöse Wortsprache genau so tendenziös wie das gedachte Wort selbst. Jede Art Musik ist, um es gröber zu sagen, durch den Text voll von beinahe tiefer empfundener und zum Aus- druck gebrachter Tendenz. Es gibt kirchliche Musik, die nicht auf den Schlachtfeldern zur„Begeisterung" aufziehender biegimentcr, und es gibt anfeuernde Kriegsmusik, die nicht nach einer Predigt über:„Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" in einer Kirche verwendet werden kann. Es ist eine„absolute Musik" denkbar, worin auf dieselbe Weise wie Beethoven in seiner Eroica(ur- sprünglich) Napoleon verherrlicht, die Gefühle des Proletariats wiedergegeben werden. Es ist noch sicherer anzunehuten. daß heute oder morgen ein sozialistisch empfindender Komponist(Hohn- lacht darüber, bürgerliche Denker!) die Ausdehnung des musita- lischen Sprachausdruckes durch ihre Vermählung mit der sozialistischen Wortsprache sucht. Warum wohl die religiösen Motive in einer Miss» Solernnis(die zur Feier der Installation eines Erzherzogs als Bischof bestimmt) und keine revolutionären Motive in einer modernen Symphonie? Keine kommt sston werden wiedergewählt. ES wird dabei be« tont, daß für die Wahl nicht nationale, sondern berufliche Ge- sichtspunite maßgebend seien. Gleichfalls wiedergewählt werden die Ersatzmänner und die Mitglieder der Kontrollkommission. Die Fraktion wird ausgefordert, den von den Gastivirtsgehilfcn angeregten Gesetzentwurf über die Regelung der Arbeitsverhältnisse im Gastwirtsgewerbe möglichst bald zur Verhandlung zu bringen. Eine Resolution über die rechtliche Lage der Seeleute wird angenommen und der Gewerkschaftskommifsion aufgegeben, dem nächsten Kongreß einen Bericht über die Schaffung eines Arbeiter- sckretariatS zu erstatten und Vorschläge zu machen. Sie Radfcodcp kistssttophe vor Gericht. Vierter Tag. Ilm heutigen Verhandlungstage wurde die BolveiSaufnahme fortgesetzt. Staatsanwaltschaftsrat Hartmann hat eine Benzin. Sichcrheitslampe zur Stelle geschafft und bringt zur Sprache, daß der Zeuge Thomas bei einem Brand im Stapel versucht hat, mit Steimvürfen eine solche Lampe auszulöschen.— Die Sachverständigen Hallender und Werner bekundeten, daß nach Lage der Sache Thomas richtig gehandelt hat.— Staatsanwalt: Kommt eS aber nicht häufig vor. daß Bergleute die Lampen mutwillig zerstören und daß dadurch eine Explosion herbeigeführt wird?— Sachverständiger Hallender: Das kommt natürlich vor.— Staatsanwalt: Kann auch die Radbod-Explosion dadurch herbeigeführt fein, daß am Unglückstag ein Mann in der Grube eine solche Lampe ge- öffnet hat?— Sachverständer Hallender: Jawohl. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten. Es kann auch einem Mann entgangen sein, daß seine Lampe beschädigt war. Die Explosion aber muß durch eine offene Lampe entstanden sein, womit ick; absolut nicht behauptet haben will, daß ein schuldhaftes Verhalten irgend eines Bergmannes vorliegt.— Sachverständiger Hansmann: Mutwillige Beschädigungen von Sichcrheitslampen verstehe ich einfach nicht. Das mag früher einmal durch unbeaufsichtigte Pfcrdcjungen ge- schehen sein, aber jetzt nicht mehr, wo eine scharfe Kontrolle herrscht.— Sachverständiger Mantel: Es kommt vor, daß die Arbeiter die alten Drahtzäune der Lampen entzwei machen, um neue zu bekommen.— Direktor Andree: Es wurde gestern auf das bestimmteste bekundet, daß das Gedinge von 20 auf 12 M. pro Meter herabgesetzt worden ist. Ich habe hier die Lohnlisten, aus denen hervorgeht, daß das nicht richtig ist.— Sachverständiger Werner: Die Lohnlisten geben kein richtiges Bild. Sie stimmen nur in den Endziffern und nur darauf wird gesehen.— Direktor Andree: Das würde eine falsche Buchung sein.— Sachvcrstän- diger Werner: Aber es wird so gehandhabt.— Zeug« Bergmann Luic bekundete, daß auch mit Zustimmung der Steiger Hohlräume nicht versetzt worden sind.— Vors.: Welcher Steiger war denn das?— Zeuge: Steiger Steinbach.— Zeuge Steiger Steinbach: Dos ist gelogen. Ich bin nie damit eiiwerstanden gewesen. Zeuge Steiger Carrier war Rebicrsteiger auf Radbod. Er hat die Wasserleitung stets �in Ordnung gefunden, abgesehen von einigen unbedeutenden Störungen, die beseitigt werden konnten. — Zeuge Steiger Hilgcnstock schloß sich im wesentlichen den Be- kundungen des Zeugen Carrier an.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Die Bekundungen auch dieses Zeugen stehen in striktem Gegensatz zu den Bekundungen der vernommenen Bergleute, vor allem zu der Aussage des Zeugen Thomas. Ich möchte daher den Zeugen Thomas fragen, ob die Schilderung, die er uns hier von den Wettern auf Radbod gegeben hat, zusammengelogen ist oder nicht?— Zeuge Thomas: Was ich gesagt habe, ist wahr.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Warum haben Sie es aber nicht den Steigern gemeldet?— Zeuge Thomas: Sobald ich meine Meldung erstattet hatte, mußte ich darauf gefaßt sein, auf die Straße zu fliegen oder am 15. gekündigt zu werden.— Direktor Andree: Nennen Sie mir auch nur einen Fall, wo das passiert ist.— Zeuge Thomas: Warum ist der Wilhelm Lange entlassen oder doch so ge» drückt worden, daß er gehen mußte?— Direktor Zlndree: Ich kenne den Fall Wilhelm Lange nicht.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Ich möchte Direktor Andree fragen, ob es richtig ist, daß der Personalwechsel auf Grube Radbod einer der größten des ganzen RnhrrevierS war.— Direktor Andrer: DaS bestreite ich ganz entschieden.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Ich habe die Zahlen hier. Im ganzen Ruhrrevier kommt für 1906 auf 100 Bergleute durchschnittlich ein Zugana von 57 Proz. und ein Ab» gang von 49 Proz. Für Radbod betragen die gleichen Zahlen 129 Proz. und 94 Proz. Den Zugang lasse ich außer Betracht. weil die Grube Radbod sich in der Entwickelung befand und in« folgedessen fortwährend Arbeiter aufnahm. Aber der Abgang von 94 Proz. ist immerhin ein außerordentlich hoher. Es geht so auch durch die folgenden Jahre fort. Für das Jahr 1907 z. B. betrug der Abgang auf Radbod 115, während der Durchschnitt im Ruhr- revier 94 Proz. betrug.— Direktor Andree: DaS ist ganz un- WahlrechtS-Leitmotive, keine Marseillaise-Reminiszenzen, kein Radau von Kanonen und Straßenkrawalle, i, 0. Ihr Philister, die Ihr alles verkehrt auslegt! Aber die proletarische Musik mit ihren ZukunftShoffnungen, ihren Siegen, ihrer Erlösung, ihrem Weltfrieden, ihrer göttlichen Menschengleichheit, ihrer Anbetung der Natur, ihrer Ruhe... Die blisss Solernnis Beethovens ist heute keine Idissn Solernnis mehr im Geist und der Beseelung des Niesen Beet» Hoven. Aus den heiligen Hallen der Kirche, die heute mehr für ihre überall bedrohten„Rechte" als für ihre„Kunst" kämpft, ist sie in die Konzertsäle ausgewandert. Und dadurch ist sie zu drei Vierteln verloren.„Die Musik drückt den von unserer zum reinen Verstandcsorgan gewordenen Wortsprache aligclösten Gefühlsinhalt der reinmcnschlichcn Sprache überhaupt in pollendeter Fülle aus" sagt Wagner auch. Aber für die vollendete Fülle ist bei einer dl i s s 0 Solernnis der innige, aufrichtige, linzcrftör- bare Glaube, der Glaube und nockimal der Glaube Vorbedingung — bei allen Mitsingenden und beim Publikum. Eine dl i s s a Solernnis ist keine für den Konzertsaal geschriebene mon- daine Symphonie, kein Musikbröckchen, sie vergegenwärtigt ein Stück Weltalischauung. die nicht die unserige ist. die aber jeden» falls nicht nur Musik ist und als solche nicht von Beethoven ge- schaffen wurde. Weil die Meltanschauiing in den Worten der dl i s s a Solernnis ausgedrückt, weil sowohl daS Kyrie, wie das Gloria, das Credo, das EanktuS, da» Agnus Tei sowohl von den Mitsingenden wie von dem Publikum die gleiche Ueber- zeugung verlangen, und diese Ucberzeugung nicht da ist, wird die Verherrlichung des christlichen Glaubens über Bord ge- worfen, wird die lateinische Wortsprache als Nebensache behandelt und herrscht eine Musik vor. die nur begleiten sollte. Das Publi- ium, das aus Angehörigen verschiedener Religionen besteht und die Mitsingetiden, die den verschiedensten Konfessionen angehören, i Katholiken, Protestanten, Juden, Freidenker, lauschen oder singen ! das:„Denn Du allein bist heilig, Dn allein bist der Höchste, Jesus Christus. Mit dem lieiligen Geiste in der Herrlichkeit Gottes des Vaters. Amen!" Sie singen es in der lateinischen i Sprache, nicht in hingebungsvollem Glauben, sondern schöne � Stimmen hören zu lassen, einen schönen Chor, gute Solisten, gute ' Instrumente. Was gesungen wird, ist Ncbensachiu Ob sie es auch zu Hunderten rufen(alle mit den Augen am Taktstock deS Diri- Agenten hängend!):„Und ich glaube an eine heilige, allgemeine und � apostolische Kirche!" oder:„Lamm GotteS, das Du hinwcgnimmst die Sünde der Welt, erbarme Dich unser!"«S hat keinen Wert. i Die Weltanschauung der dlissa Solernnis ist für die Katz: ! es wird gesungen, es wird musiziert, es sind Solisten von Ruf, es I ist Presse üm Saal... Kurzum es ist Musik. Es kann nichts ! anderes als-Musik" sein, weil die Wort spräche, hie die mZgNch.— Angeklagter Wagner: Unsere Zahlen sind entnommen dem Verwaltungsbericht des Allgemeinen Knappschaftsvereins in Bochum.— Zeuge Hilgenstock: Es wurde hier schon über die Ent- lassung des Thomas verhandelt. Die Kündigung ist hauptsächlich von mir ausgegangen. Die Kolonne Thomas trieb nämlich während der Arbeit Gesellschaftsspiele und- hatte sich Lektüre ver- schafft. Sie hatte einen stehen, der aufpaßte, wenn ein Vor- gesetzter kam. Da war es ja selbstverständlich, daß ich eingriff. — Zeuge ThomaS: Es handelt sich darum, daß wir kurz vor der Instruktion für Rcttungswesen tvährend einer Pause im Rettungs. buch lasen. Es ist uns auch nicht allen gekündigt worden, sondern nur denen, die vorher vernommen waren.— Vors.: Ist es richtig, daß die Leute, die vernommen worden waren, entlassen worden sind? Ich will ja nicht sagen, daß sie deshalb entlassen worden sind, aber ich möchte die Tatsache wissen.— Zeuge Hilgenstock: Ich wußte nicht einmal, wer vernmnmen Worden ist.— Bors.: Aber ist die Tatsache richtig? Ist jemand entlassen worden, der nicht vernommen worden ist?— Zeuge Hilgcnstock: Ich kann mich auf die einzelnen Fälle nicht besinnen.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: War Ihnen bekannt, daß die Jnstruktionsstunde für die Rettungsapparate folgte, und haben Sic sich überzeugt, was die Leute lasen?— Zeuge Hilgenstock: Dazu lag keine Veranlassung vor. Mir genügte die Tatsache, daß sie lasen.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Einen guten Arbeiter beurteilt man nach dem, was er sonst leistet. Wußten Sie wirklich nicht, daß die Leute vernommen worden sind?— Zeuge Hilgenstock: Ich wußte es nicht, aber ich konnte �es mir denken.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Wußten Sie nicht, daß die Leute deshalb nicht in den Dienst gekommen waren, weil sie entlassen waren?— Zeuge Hilgenstock: Nein.— Verteidiger Rechtsanwalt Heine: Sie ar- betteten doch in Ihrem Revier.— Zeuge Hilgenstock: Ich habe meine Hilfsbeamten. Die weitere Verhandlung wird hierauf auf Montag vertagt. Der Sucher mit elektrischem Strom. Mit Eifer wird jetzt im ganzen Reiche teils von dem Staate als Unternehmer, teils von großen Gesellschaften, deren Dirigierung in aller Stille vom Friedrich-Karl-Ufer in Berlin erfolgt, an dem Bau von elektrischen Kraftzcntralen gearbeitet. In erster Linie sucht man die billigen Wasserkräfte nutzbar zu machen, dann aber auch werden Dampfturbinen verwendet, denen man vor allen anderen Kraftmaschinen in neuester Zeit wegen ihrer hohen Be- triebssicherheit und der geringen Wartung, welche sie benötigen. den Vorzug gibt. So entsteht in Schlesien«in gewaltiges Werk, welches nach außen hin einer besonderen Gesellschaft gehört, an deren Spitze ein hervorragender Ingenieur in Breslau steht; tatsächlich aber hält die A. E. G. die Fäden des llnternchmens in der Hand. Dieses Werk wird z. B. auch der neuen Eisenbahn-Hauptwerk- statt in Oels die gesamte Energie liefern, welche zum Betriebe der Kraftmaschinen und zur Beleuchtung der ausgedehnten Werkstätten und des Rangierbahnhofes notwendig ist. Als Maximalpreis für den elektrischen Strom verlangt die Gesellschaft vom Fiskus den niedrigen Maximalpreis von 6 Pf. pro Kilolvattstunde. In Norddeutschland wird bekanntlich jetzt ein großer Kairai gebaut; bei dieser Gelegenheit sucht der Fiskus nach Möglichkeit die zur Verfügung stehenden Wasserkräfte auszunutzen und in elektrische Energie umzusetzen. Eine solche Wasserkraftanlagc größten Stils wird in Dörverden geschaffen, neben den, Wasser als Triebkraft finden auch Turbo- dynamos, d. h. Dynamomaschinen, welche direkt mit den Dampf- tucbinen gekuppelt sind, Verwendung. Der Fiskus gebraucht den Strom in erster Linie zur Bewegung der Wehr- und Schleusen- anlagen, sowie auch zum Betrieb der Pumpwerke. Die über- flüssige Energie soll nun an eine Gesellschaft abgegeben werden, welche ihrerseits die Leitungen über das Land legen und die Ortschaften mit Strom versorgen wird. tn Anbetracht der überaus hohen Preise, welche bis jetzt von bnehmern für Licht- und Kraftstrom verlangt werden, ist es von höchstem Interesse zu erfahren, welchen Preis die Gesell- schaft dem Fiskus für den Strom, gemessen am ersten Schaltbrett, zahlen muß. In der Denkschrift der Kanalbaudirektion sind die Preise für den Stron, im tz S festgelegt. Es heißt da wörtlich: Die Gesellschaft bezahlt fiir die am Schaltbrett abgegebenen Kilowattstunden: 6 Pf. fiir die erste Million Kilowattstunden S Pf. für die zweite Million Kilowattstunden S Pf. für die dritte Million.Kilowattstunden 4 Pf. für die vierte Million Kilowattstunden Für jede hierüber hinaus abgegebene Kilolvattstunde zahlt die Gesellschaft 2 Pf., soweit sie mit Wasserkraft, 4 Pf., soweit sie mit Dampftraft geleistet wird usw. Diese Strompreise sind so außerordentlich niedrig, daß man sich verwundert fragen wird, wie es möglich ist, daß die Konsumenten für Kraft 15 bis 30 Pfennig und für Licht 40 bis 00 Pfennig pro Kilowattstunde zahlen müssen? Der Fiskus gibt sicherlich den Strom nicht zum Selbstkostenpreise ab, im Gegenteil, er verdient auch noch dabei. Allerdings könnte man einwenden, daß viel Energie in den langen Ueberlandleiwngcn verloren geht, z. B. durch Erdschluß, oder weil hochgespannter Drehstrom verwendet Musik beherrschen sollte, für den'größten Teil der„weltliche Ver- gnügungen" mitmachenden Katholiken, Protestanten, Juden, Frei- denker, die den Saal füllen, die mitsingen oder mitmnstzieren, keinen ergreifenden Wert besitzt. Die Einheit ist gebrochen. Die Einheit— o. merkwürdige Zciterscheinung!— die trotzdem da ist, sogar leidenschaftlich hervortritt, wo auf Arbeiterfesten unsere Lieder erschallen. Unsere i s s s S o 1 e in n i s, die revolutionäre, hat noch keinen Beethoven, aber ein überzeugtes Publikum. _ Heinz Sperber. Humor und Satire. Klo st er st urm in Lissabon. Von Augenzeugen im„Berliner Lokal- Anzeiger' und in der .Germania' dargestellt. Alle Mönche, alle Nonnen Wurden von den Sturmkolonnen Umgebracht in einer Nacht; Niemand ist mehr aufgewacht! Morgen« warf man— welch ein Frevel— In die Klöster Pech und Schwefel; Hiebet, liebes Publikum, Kamen alle nochmals um l Abends hat man dann die Nonnen Und die Möncbe schnöd vcrbronnen, Alle bei lebend'gem Leib Zu des Pöbels Zeitvertreib! Gestern wurden— welch ein Grauen I—> Alle Mönche, alle Frauen Mittellos und gänzlich nackt In den Ozean gejagt l teute aber— welch ein Wunder!— ommen alle ganz gesund er- halten— Klosterfrau und-Mann Im geliebten Bayern an l _(„Jugend.') Notizen. ---> Kunst abend.«Die deutsche Gesangsballade' ist das Thema des II. Volkskunstabends der Stadt Charlottenburg. der am Sonntag, den 23. Oktober, abends 8 Uhr, im Kaiser-Friedrich- Gymnasium, Knesebeckstr. 24, unter Mitwirkung von Dr. L. Hirsch- berg veranstaltet wird. wird, durch Verluste bei nasser Witterung, aber alle diese Verluste würden noch nicht einen Strompreis in der jetzt von den Kon- sumcnten verlangten Höhe rechtfertigen; wenn man berücksichtigt, daß die Gemcinöen für die Kosten der Zuleitungen größtenteils selbst aufkommen, oder doch wenigstens hohe Beiträge zu denselben zahlen müssen, so verbleibt für die unternehmende Gesellschaft nur ein Anlagekapital, dessen Höhe zu dem späteren Reirwerdienst als minimal zu bezeichnen ist. Anders wird die Sache, wenn die Ge- sellsclwft die Hochfpannungs-Zuleitungen sowie die Trans- formatoren selbst stellte, es könnte dann unter ungünstigen Um- ständen der Fall eintreten, daß bei angemessener Verzinfung des- selben und bei genügenden Abschreibungen sich der Preis der Kilolvattstunde für die unternehmende"Gesellschaft um 40 bis 50 Proz. erhöhte. Aber auch unter diesen ungünstigen Voraus- setzungen ist ein Strompreis in der jetzt üblichen Höhe nicht ge- rechtfertigt. Um unparteiisch zu sein, möge noch erwähnt werden, daß leider von der Reichspostverwaltung, welche das Monopol jeder Verlegung von elektrischen Ueberlandleitungcn besitzt, den Unternehmern viele, oft technisch ganz unbegründete Schwierigkeiten in den Weg ge- legt werden, so mutz z. B. eine harmlose Gleichstromleitung, deren Spannung nur 110 Volt beträgt, 9 Meter von der Telephon- oder Telegraphcnleitung entfernt seiw wenn beide Leitungen parallel laufen, trotzdem ein kontinuierlicher Strom, also ein Strom, der seine Richtung nicht wechselt, keinerlei Jnduktionswirkung auf einen benachbarten Leiter ausübt. Auch bezüglich des Wechsel- stromes, der jetzt bei Uebcrlandz.-ntralcn und Leitungen ausschließlich in Frage kommt, wird die Vorsicht bezüglich der Verhütung von Jnduktionswirkungen zu weit getrieben. Die Leitungsmasten müssen deshalb oft weit von der Straße entfernt fein und auf privatem Grund stehen; die Exlaubnis hierzu muß aber wieder von den betr. Grundeigentümern erkauft werben. In England ist man in dieser Hinsicht weitherziger. In London sind die Starkstromleitungen, welche die Stadt mit Licht und Kraft versorgen, vielfach über die Dächer gespannt neben den Tele- Phonleitungen, ohne daß in letzteren Jnduktionswirkungen auftreten, welche im Hörer störende Geräusche verursachen, trotzdem in London größtenteils Wechselstrom bis zu 200 Volt verwendet wird. Auch die staatlichen Vorschriften und Gebühren, welche bei der Kreuzung von Wegen gemacht und verlangt werden, sind zum Teil unberechtigt und wirken lähmend und hindernd auf die Ent- faltung der Elektrizität. Hierdurch wird natürlich der Strompreis in die Höhe ge- schraubt und von den Unternehmern werden zur Begründung der von ihnen geforderten Strompreise obige Vorschriften selbstver- ständlich oft einseitig beleuchtet und ins Feld gefiihrt. Trotz alledem trifft aber doch das Unternehmertum die Hauptschuld an dem hohen Strompreis, da sie in erster Linie für ihre Tasche sorgen. Unter den obwaltenden Verhältnissen ist eS für den kleinen Mann ganz unmöglich, sich einen Anschluß an das Netz legen zu lassen, zumal die Gesellschaft ihm noch eine Zählermiete abverlangt, welche im Verhältnis zum Preise desselben(sie zahlt 24— 30 M. für einen Zähler bis 10 Ampere) als Wucher bezeichnet werden kann. Wenn nun die in Dörverden erzeugte Energie in nur einiger- maßen vernünftiger Weise an die Konsumenten abgegeben würde, so erwiese mau dadurch der Bevölkerung, in der Hauptsache aber dem kleinen Mann, eine Wohltat, denn bei. einem Strompreise von etwa 12 Pf. für Kraft pro Kilowattstunde würde sich die Pferde- kraft auf 9,6 Pf. stellen und viele kleine Betriebe führten mit Freuden den immer dienstbereiten idealen Elektromotor ein. Für Licht wäre ein Preis von 18— 20 Pf. hoch genug. Unter diesen Umständen würde das Glühlicht selbst unter Berücksichtigung der verwerflichen Steuer auf Glühlampen, die uns im Ausland nur Spott einträgt, die weitaus billigste Beleuchtungsaxt sein, welche es überhaupt gibt. Tie in Vorschlag gebrachten Preise sind so hoch bemessen, daß auch eine Gesellschaft, die den Strom erst beziehen müßte, unter allen Umständen günstig abschnitte. Weshalb aber muß unbedingt ein Unternehmer zwischen Pro- duzcnten und Konsumenten geschoben werden? Weshalb gibt der Fiskus nicht selbst den Strom an die Konsumenten ab? Weshalb nicht wenigstens an die Gemeinden, welche dann ihrerseits wieder mit den Teilnehmern verrechnen könnten unter Zugrundelegung einer mäßigen Preisnorm. Soziales* Konkurrenzklausel im Ausschuß des Berliner Kaufmannsgerichts. Am Donnerstag wurde in der Beratung des Rundschreibens des Ministers, die Konkurrenzklausel betreffend, bei Punkt 5 fortgefahren. Dieser regelt die vertragsmäßigen Leistun- gen. Als solche sind zu verstehen das zuletzt bezogene Gehalt bezw. der zuletzt gewährten Naturalleistungen(Wohnung, Kost usw.), sowie auch Provision, Anteil am Gewinn nach dem Durchschnitt der letzten drei Jahre vor Beendigung des Dienstverhältnisses. Dagegen sollen Reisespesen, Fahrgelder usw., welche den Ersatz barer Aus- lagen darstellen, unberücksichtigt bleiben. Dieser Punkt wurde nach der Vorlage des Ministers einstimmig angenommen. Nach Punkt 6 der Vorlage kann der Prinzipal bis zur Be- cndigung des Dienstverhältnisses jederzeit durch Erklärung dem Angestellten gegenüber auf die Einhaltung des Konkurrenzverbots verzichten und sich hierdurch von der Verpflichtung zur Zahlung der Entschädigung für die Karenzzeit befreien. Dasselbe soll für den Prinzipal gelten, wenn das Dienstverhältnis mit sofortiger Wirkung aufgelöst wird(z. B. der Angestellte ist wegen eines in seiner Person liegenden wichtigen Grundes zum sofortigen Aus- tritt genötigt). Im übrigen soll der Prinzipal nach Beendigung des Dienst- Verhältnisses nur mit der Maßgabe auf das Konkurrenzverbot verzichten können, daß der Angestellte den Anspruch auf Entschädi- gung für die Dauer eines Jahres vom Empfange der Verzicht- erklärung ab behält. Die Kaufleutebeisitzer beantragten, die Frist aus ein halbes Jahr herabzusetzen, da diese Zeit völlig ausreicht, dem Angestellten die Möglichleit zur Erlangung einer entsprechenden Stellung zu geben. Von feiten der Hand- lungsgehilfen wurde folgender AbänderungSantrag ein- gebracht: „Der Prinzipal kann auf die Konkurrenzklausel nur ver- zichten, wenn der Handlungsgehilfe damit einverstanden ist. Der Verzicht mutz schriftlich und zwar 6 Monate vor Beendigung deS Dienstverhältnistes erfolgen. Im übrigen hat die Konkurrenz- klaufel nur Gültigkeit, wenn der Prinzipal bei der Kündigung oder binnen einer Woche nach der Kündigung das Konkurrenz- verbot schriftlich aufrechterhält. Verzichtet der Prinzipal gemäß Abs. 2, so hat er dem Gehilfen die volle Entschädigung für die Dauer cineS Jahres vom Tage des Austritts ab gerechnet, zu zahlen." Dieser Antrag wurde mit 9 Stimmen der Handlungs- gehilfen und einer des sozialdemokratischen Kaufmanns gegen 8 Stimnien der übrigen Kauflcute und der Stimme des Vorsitzen- den angenommen. Mit fast demselben Stimmenverhältnis wurde der Borschlag des Ministers zu Punkt 6 abgelehnt. Zum Punkt 7 wurde mit dem vorerwähnten Stimmenverhältnis folgender Antrag der Handlungsgehilfen ange- n o m m e n: „Der K 75 Abs. 1 des Handelsgesetzbuches soll in seinem zweiten Satze wie folgt lauten:„Das gleiche gilt, wenn der Prinzipal das Dienstverhältnis kündigt, es sei denn, daß für die Kündigung ein wichtiger, durch den Handlungsgehilfen verursachter und dem Prinzipal zur sofortigen Entlassung ohne Einhaltung der Kündi- gungsfrist berechtigter Grund vorliegt, der aus Verlangen des Handlungsgehilfen bei der Kündigung schriftlich anzugeben ist." Die Vorlage des Ministers wollte die jeyt bestehenden gesetzlichen Zustände erhalten und auch auf die gewerblichen Unternehmer ausdehnen. Der Vorschlag des Ministers nach dieser Richtung wurde abgelehnt. Punkt 8 der Vorlage lautet: „Der Angestellte hat auf die Entschädigung keinen Anspruch, wenn er durch vertragswidriges Verhalten dem Prinzipal Grund gibt, das Dienstverhältnis gemäß den Vorschriften Set§§ 70 und 72 des Handelsgesetzbuchs bezw.§8 133b und c der Gewerbeordnung aufzulösen. Das gleiche gilt, wenn mehrere Angestellte, welche bei demselben Prinzipal unter Konkurrenzklausel angestellt sind, auf Grund vorheriger Verabredung kündigen und der Ange- stellte nicht dartut, daß er hierzu nicht durch die Absicht bestimmt worden ist, den Prinzipal zum Verzicht auf die Konkurrenzklausel zu veranlassen." Hierzu beantragten die Handlungsgehilfen, den zweiten Satz zu st r e i ch e n, da er ein Angriff auf das K o a- Iii ionsrecht der Handlungsgehilfen sei. Dieser Antrag wurde mit der oben angegebenen Mehrheit angenommen, des weite- ren dann der Absatz 1 zu Punkt 8. Der Vorsitzende stimmte hierbei mit der Majorität. Nach Punkt 9 der Vorlage soll der Prinzipal— im Gegen- satz zu der jetzt für die Handlungsgehilfen geltenden Vorschrift des 8 75 Abs. 2 des Handelsgesetzbuches— berechtigt sein, an Stelle der verwirkten Vertragsstrafe die Erfüllung des Konkurrenzverbots oder neben der Vertragsstrafe den Ersatz des sie übersteigenden Schadens zu verlangen. Dieser Punkt wurde mit der zuletzt er- wähnten Majorität abgelehnt. Punkt 10 verlangt, daß Vereinbarungen, welche den vor« stehenden Vorschriften zuungunsten der Angestellten abweichen, nichtig sind. Hierzu beantragen die Handlungsgehilfen folgenden Nachsatz:„und bewirken die Ungültigkeit des gesamten Inhalts des Konkurrenzverbots." Der so abgeänderte Punkt 9 wurde angenom- m e n. Punkt 11 will die in Ziffer 2 bis 6 und in Ziffer 8 auf- gestellten Grundsätze keine Anwendung finden lassen, wenn die dem Angestellten gewährten vertragsmäßigen Leistungen, die nach Ziffer 5 zu berechnen sind, den Betrag von 8000 Mk. jährlich über- schreiten. Dieser Punkt wurde angenommen, dagegen stimm- ten nur 3 Handlungsgehilfen. Neben diesen 11 Borschlägen wurde seitens des Ministers angeregt, einer übermäßigen Aus- dehnung des Gebrauchs von Konkurrenzklausel ik auch dadurch entgegenzutreten, daß ihre Gültigkeit von einer be- stimmten Form des Abschlusses— gerichtliche oder notar i- elle Beurkundung— abhängig gemacht wird. Dieser Anregung wurde zugestimmt.— Des weiteren wurde ein Gutachten darüber gefordert, ob und inwieweit der Grundsatz der bezahlten Karenz und eine etwaige Formvorschrift auf Vereinbarungen An- Wendung finden könnte, durch welche sich der Angestellte einem Schweigegebot unterwirft, ohne daß ihm der Eintritt in ein Konkurrenzunternehmen verwehrt ist. Hierzu wurde beschlossen, daß das Schweigegebot nichtig sein soll. Denn das Schweigegebot sei gleich zu erachten dem Konkurrenzverbot. Nach- dem so die„Verbesserungen" bei der Anwendung der Konkurrenz- klausel nach den Vorschlägen des Ministers seitens des Ausschusses in wirkliche Verbesserungen verändert waren, vertagte sich der Ausschutz auf den 9. November, um dann zu mehreren Anträgen Stellung zu nehmen, die von feiten der Handlungsgehilfen ge- stellt sind._ Mädchenlos. Ein Arbeitsverhältnis, das an das Zeitalter der Sklaverei erinnert, hatte das Dienstmädchen M., das gestern beim Gewerbe- gericht klagte, bei einer Frau Selm« Schubilski, die in der Göhrcner Straße 3 eine Gastwirtschaft betreibt. Die Klägerin war vom 23. September bis zum 12. Oktober, an dem sie ohne vorhergehende Kündigung entlassen wurde, im Gewerbebetriebe der Beklagten beschäftigt. Daß sie bei ihrer Entlassung für die geleisteten Dienste keinen Lohn erhielt, fand die Beklagte ganz in der Ordnung. Die äußerst bedrängte Lage, in die das Mädchen durch die fristlose Entlassung und die Vorenthaltung des verdienten Lohnes geriet, erregte das Mitleid anderer Hausbewohner, die sich des bedauernswerten Mädchens annahmen. Sie hatten übrigens schon während des sonderbaren Arbeitsverhältnisses reichliche Ge- legenheit, ihre Wohltätigkeit gegenüber dem in der Kost mehr als knapp gehaltenen Mädchen zu betätigen. Die Hausbewohner waren es auch, die das Mädchen zur Klage gegen ihre gewesene Arbeitgeberin veranlatztcn. Die Klägerin forderte den rückstän- digen Lohn mit 10 Mk. und eine Entschädigung für die 14tägige Kündigungsfrist, da ihre Entlassung grundlos erfolgt sei. Die Beklagte wendete ein, daß sie die Klägerin entlassen mußte, weil sie trotz wiederholter Aufforderung ihre Papiere und Sachen nicht besorgte und die Polizei ohne jene Ausweise die Anmeldung nicht angenommen habe. Sollte die Polizei in der Tat solche Ansicht geäußert haben, so befand sie sich im Irrtum. Klägerin unterstand als Gewerbcgehilfin einer Gastwirtschaft der Gewerbeordnung, nicht der Gesindeordnung. Die Klägerin glaubt nicht, daß das Fehlen der Papiere der wahre Entlassungsgrund sei. Sie habe der Beklagten wiederholt gesagt, was diese auch nicht bestritt, daß sie nicht im Besitze auch nur eines Pfennigs Geldes sei und sie deshalb ihre Papiere, die sich in ihrem vorigen Aufenthaltsort befanden, nicht besorgen könne. Die Beklagte habe ihr aber keinen Lohnvorschuß gewährt, so daß sie nicht einmal schreiben konnte. Erst nach ihrer Entlassung habe sie mit Hilfe der Leute, bei denen sie Aufnahme gefunden hatte, ihre Papiere von dort erhalten. Die Klägerin glaubt, daß ihre Entlassung auf Grund einer Beschwerve bei der Beklagten über einige Gäste, die sie mit unsittlichen An-j trügen belästigten, erfolgt sei. Die Beklagte habe auch das Ver- halten ihrer Gäste begünstigt, oder sie gar dazu veranlaßt; denn diese gab ihr auf ihre Beschwerde zur Antwort:«Geschäft ist Geschäft! Dabei verdiene» Sie und ich auch!" Die Beklagte bestritt zwar diese Acußerung, erklärte sich aber zur Annahme eines für die Klägerin günstigen, vom Gcwerberichter Magistratsassessor Dr. Seckt vorgeschlagenen Bergleichs auf 25 Mk. bereit. Auch die Klägerin nahm den Vergleichsvorschlag an. )Hiis InduFtnc und Handel Kapitalistische Gartcustadtkultur. DaS Joch der Grundrente lastet schwer auf den Schultern der Hunderttausende, die in den Großstädten eng zusammengepfercht wohnen und leben müssen. Der Gedanke, draußen im Freien, in der Natur zu wohnen, schuf, nach englischem Vorbilde, das genossen- schaftliche Garienstadtproblcm I Interessant ist es nun, zu beobachten, wie die großstädtische Bodenspekulation sich mit der Gartenstadt- bewegung abzufinden gedenkt. Das Gelände vor den Toren Berlins, das sich vorwiegend in den Händen einiger weniger Banken befindet, aber nicht nutzbringend an den Man» gebracht werden konnte, sucht man auf eine andere Art loszuwerden. Das Südwestgelände Wilmersdorfs soll eine kapitalistische Garten« st a d t erhalten. Es handelt sich um das 250 Morgen große Ge- lände, das zwischen der Ringbahn, der Schmargcndorfer, Steglitzer, und Dahlemer Gemarkung liegt. Dieses Gelände ist mit vielen Millionen belastet, die als Zwischengewinne in die Taschen gerissener Spekulanten geflossen sind. Georg Haberland, Direktor der Terraingesellschaft Südwesten, ist es. der Pro« paganda für die neue Gartenstadt Wilmersdorf macht. Da sollen dreigeschossige, hochelegante Häuser erstehen. Zum Zweck der Ausschmückung der Straßengärten hat man bereits eine besondere Gartcnvereinigung«Berlin« Südwesten' ge- bildet; sie verfügt zurzeit über ein Kapital von 250 000 Marl. Die Wilmersdorfer Gartenstadt soll so schnell wachsen, daß schon Pfingsten nächsten Jahres ganze Straßenzüge im Blumen« schmuck glänzen können. Die um Haberland hoffen, daß der modern verwirklichte Gartenstadtgedauke.«an der Ringbahn gelegen',«mit der Straßenbahn zu erreichen", ziehen wird. Man hat es allerdings verdächtig eilig mit der Gartenstadt. Das hat Gründe! Die große Tempelhofcr Bebauungsarbeit nimmt ebenfalls wieder den Herrn Haberland als Direktor stark in Anspruch. Dort mußte man zugreifen. Wäre nämlich das Tempelhofer Feld Eigentum der Stadt Berlin geworden, so erwuchs die.Gefahr', daß eine nach modernen Kulturforderungen eingerichtete neue Stadt preiswerte Wobnungen zur Verfügung gestellt hätte. Das konnte den Zu- sammcnbruch der berlin-westlichen Bauspckulation im Gefolge haben. Das Tempelhofer Feld war das Tor, durch welches die Millionen- stadt gegen das Terrainpolypentum anstürmen konnte; deswegen mußte es verrammelt werden. Dabei haben Spekulanten und Groß- danken, Deutsche Bank usw., eifrig gearbeitet, unter Mitwirkung des Kriegsministeriums._ Volksbewegung gegen die Fleischnot. Die Herbstversammlnng des Rheinisch-Westfälischen Wirteverbandes, die am Donnerstag in Solingen tagte und von zirka 300 Dele- gierten besucht war, nahm unter anderem auch Stellung zur Fleischteuerung. Die Versammlung beschloß, in allen Städten öffentliche Versammlungen zu veran- stalten, um die Reichsregierung durch eine Volksbewegung zu veranlassen, Maßnahnien gegen die Fleischteuerung zu ergreisen. Es könne gar nicht wirksam genug protestiert werden. Bleibe die Regierung bei ihrer Tatenlosigkeit, dann werde für weite Volkskreise in den nächsten Jahren jede Fleischnahruug unerschwinglich. Diesem Zustande müsie ein baldiges Ende bereitet werden. Jntcnmtionales Zementsyndikat. Die belgischen, die deutschen und die englischen Zementfabriken gründeten ein gemeinsames Ver- kaufssyndikat, sie erhöhten gleichzeitig die Preise um 0.2ö Frank. SericKts- Leitung. Schutzmann und Zeuge. Einer, der auf der Straße sich gegen einen Schutzmann als Zeuge angeboten hatte, stand gestern vor Gericht als An- geklagter. Ein Privatchausseur Behrend hatte am 26. August mittags in der Oranienburger Straße nahe der Friedrichstraße mit angesehen, wie ein Droschkenchauffeur von einem Schutzmann angehalten wurde, weil die Autodroschke zu stark geraucht habe. Dem Troschkenchauffeur, der das bestritt, nannte auf seinen Wunsch der zufällig an der Straßen- bahnhaltestelle wartende Behrend pflichtgemäß sich als Zeuge. Der Schutzmann aber brachte den Zeugen zur Wache— und das Ende vom Liede war, daß Behrend vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte(141. Abteilung) als Angeklagter sich zu ver- antworten hatte. Er wurde beschuldigt, des Schutzmanns Aufforderung, weiterzugehen, nicht befolgt zu haben und überdies durch den Ruf:„Wenn der das auspuffen nennt, der ist wohl—!" groben Unfug verübt zu haben. Der Angeklagte erklärte, er habe eine derartige Aeuße- rung nicht getan, wohl aber habe der Schutzmann ihn an- geschrien:„Sie Lungerer, Sie wollen sich wohl Zeugen- gebühren verdienen? Scheren Sie sich weiter!" Als Behrend sich dadurch nicht habe abhalten lassen, dem Kutscher seine Adresse zu nennen, habe der Schutzmann ihm, dem sich zur Verfügung stellenden Zeugen, einen Stoß gegeben, ihn am Kragen gepackt, zur Wache geführt und ihn mit einem Fuß- tritt— Vehrend niachte das dem Gericht sehr drastisch vor— hineinbefördert. Schutzmann Stagge, der den Angeklagten festgenommen hatte, sagte vor Gericht unter seinem Eid aus, er habe von weitem gesehen, daß die Autodroschke stark rauchte, auch habe er bemerkt, daß der Kutscher abstieg und„die Sache in Ordnung bringen wollte". Als dann der Kutscher ange- halten wurde, habe Behrend sich hineingemengt und ihn, den Schutzmann, in seiner Amtshandlung gestört, indem er da- zwischen geschrien habe:„Wenn der das auspuffen nennt, der ist wohl— 1" Der Vorsitzende, Amtsgerichtsrat Seligsohn, wies darauf hin, daß ja jener Kutscher, dessen Wagen zu stark geraucht haben sollte, schließlich nicht mal angezeigt worden sei. Auf eine Frage des Vorfitzenden bestritt Stagge, Behrend bei der Festnahme gestoßen zu haben, er habe ihn nur ge- schoben. Daß er den Arrestanten in das Wachtlokal mit einem Fußtritt hineinbefördert habe, sei ganz ausgeschlossen. Als der Verteidiger des Angeklagten fragte, ob Stagge diesen beschimpft habe:„Sie Lungerer, Sie wollen sich wohl Zeugen- gebühren verdienen?" antwortete Stagge:„Das bestreite ich ganz entschieden!" Troschkenchauffeur Weber, dem damals Behrend sich als Zeuge zur Verfügung gestellt hatte, bekundete vor Gericht, sein Wagen habe bestimmt nicht stark geraucht, und er selber habe auch nicht an ihm etwas in Ordnung gebracht, sondern nur den ihm persönlich bekannten Fahrgästen die Tür geöffnet. Stagge lenkte ein:„Das kann ich doch nicht sehen."„Dann sagen Sie es doch auch nicht!" wies ihn der Vorsitzende zurecht. Die dem Angeklagten zur Last gelegte Aeußerung konnte Zeuge Weber nicht bekunden, dagegen her- sicherte er. daß der Schutzmann gegen Behrend jene Aeuße- rung:„Sie Lungerer, Sic� wollen sich wohl Zeugengebühren verdienen?" getan habe. Stagge blieb dabei, er bestreite das. Die Aussage des Zeugen Stagge erschien selbst dem Ver- treter der Amtsanwaltschaft so wenig zuverlässig, daß er die Aeußerung:„Wenn der das auspuffen nennt usw.!" als nicht erwiesen ansah, weil die Aussage des Zeugen Weber entgegen- stehe. Hier beantragte er Freisprechung. Dagegen sei er- wiesen, daß Behrend die Aufforderung weiterzugehen, nicht befolgt, sondern in ciocm durchaus ungeeignete» Augenblick dem Kutscher seine Adresse gegeben habe. Das solle der Au-. geklagte mit 5 Mark Geldstrafe büßen. Der Verteidiger Rechtsanwalt Bibbcrmann beantragte Freisprcchun-' in beiden Fällen. Angesichts der Widersprüche in Stagges Aussagen müsse die dem Angeklagten zur Last gelegte Aeußerung nicht nur als nicht erwiesen, sondern als direkt widerlegt gelten. Freisprechung sei aber auch bezüglich der Nichtbefolgung ge- boten, denn durchaus zulässig und nur recht sei es gewesen, daß Behrend sich als Zeuge nannte, auch wenn der Schutz- mann, der offenbar kein Interesse an seinem Zeugnis gehabt habe, ihn unberechtigterweise wegwies. Das Gericht sprach den Angeklagten frei. Punkt 1 sei nicht erwiesen, denn hier stehe Aussage gegen Aussage. Zu Punkt 2 habe das Gericht sich auf den Standpunkt gestellt, daß der Schutzmann tat- sächlich gerufen habe:«Sic Lungerer, Sie wollen sich wohl Zeugengebühren verdienen?" Es sei anzunehmen gewesen, daß er Bebrend weggewiesen habe, weil er ihn nicht als Zeugen haben wollte. Schutzmann Stagge kann von Glück sagen, wenn nicht auch der Polizeipräsident oder gar ein Staatsanwalt so etwas annehmen wird. Sonst würde wohl— denken wir uns— gegen diesen Schutzmann nicht nur ein Disziplinarverfahren, sondern auch ein Strafverfahren eingeleitet werden müssen. Wenn ein Schutzmann einen sich pflichtgemäß anbietenden Zeugen als„Lungerer, der sich Zeugengebühren verdienen will", beschimpft und— immer nach der vom Gericht betonten Annahme— ihn wegweist, weil er ihn nicht als Zeugen haben will, wo bleibt da der Schutz des Zeugen und wo die Sicherheit unserer Rechtspflege?_ Ein langwieriger Streikprozeß. Eine Anklage wegen Vergehens gegen 8 153 der Gewerbeordnung, welche aus Anlaß des BückerstreitS im Mai 1007 gegen den Bäcker JankowSki erhoben wurde, fand erst gestern, den 22. Oktober 1910, ihre Erledigung vor dem Schöffengericht Berlin- Mitte. Die Entscheidung in dieser Sache ist deshalb so lange hinaus- geschoben worden, weil das zuständige Gericht die endgültige Eni- scheidung anderer Prozesse abwarten wollte, in denen festzustellen war, ob der Bäckerstreik 1007 eine Verabredung zur Erlangung günstigerer Lohn- und Arbeitsbedingungen— der Voraussetzung des 8 153— war, oder ob es sich— wie der Verteidiger, Rechts- anmalt Dr. Heinemann, unter Beweis stellte, um eine Bewegung zur Erhaltung vertraglich bestehender Lohn- und Arbeitsbedingungen handelte, auf die§ 153 gar nicht anzuwenden ist. Diese Rechtsfrage spielte in dem gestrigen Termin jedoch keine Rolle mehr, weil schon die Tatfrage zugunsten des Angeklagten ent- schieden wurde. Dieser war zur fraglichen Zeit Streikposten auf dem Schlesischen Bahnhofe. Dort sprach der Angeklagte mit einem streikenden Bäcker Wittländcr, der auch damals schon Verbands- Mitglied war, aber keine Streikkarte hatte. Deshalb veranlagte der Angeklagte den Zeugen Wittländer, sich im Strcikbureau eine Streikkarte ausstellen zu lassen.— Ein Schubmann Genz beob- achtete diesen Vorgang, hörte aber nicht das Gespräch. Der Schutz- mann scheint der Ansicht gewesen zu sein, daß, wenn ein Streik- Posten mit jemand spricht, es sich nur um eine Belästigung eines Arbeitswilligen handeln könne. Nun sprach der Schutzmann mit Wittländer, und was dieser ihm über sein Gespräch mit Jankowski mitteilte, stellte sich im Kopf des Schutzmanns so dar, daß er«ine Anzeige erstattete des Inhalts, Jankowski habe Wittländer durch die Drohung, er werde ihn beim Verbandsvorsitzenden anzeigen, zur Teilnahme am Streik bewegen wollen. Diese Schutzmannsanzcige bildet die Grundlage des Versahrens gegen Jankowski! In dem gestrigen Termin stellte sich heraus, daß Schutzmann Genz aus eigener Kenntnis nichts von dem Hergang wußte, sondern seine Anzeige lediglich auf angebliche Mitteilungen Wittländers stützte. Wittländer selbst erklärte als Zeuge, daß er von dem An- geklagten in keiner Weise bedroht worden sei und die Anzeige des Schutzmanns auf einem Irrtum desselben beruhen müsse.— Angesichts dieser Sachlage beantragte sogar der Amtsanwalt die Frei- sprrchung und das Gericht sprach den Angeklagten frei. Zur Behandlung der Landarbeiter. Der Gutsbesitzer Gustav Reumer aus Bürsdorf-Trach. Kreis Liegnitz-Goldberg-Hahnan, war vom Schöffengericht zu Haynail wegeil wiederholter Mißhandlung und 51örpcr- Verletzung eines ISjährigeu Dienstjungen zu 50 Mark Geld- strafe verurteilt worden. Gegen diese lächerlich geringe Bc- strafung legte er aber trotzdem noch Berufung ein; das tat auch der Staatsanwalt, der 200 M. Strafe beantragt hotte. Die Beweisaufnahme vor der Strafkammer ergab folgendes: Nach Ansicht des angeklagten Gutsbesitzers war der junge Bursche natürlich zu faul und er versuchte ihm diese Eigen- fchaft. die in der Regel nur so manchem Agrarier selbst eigen ist, mit einem Gabelsticl auszutreiben. Ein anderesmal be- arbeitete ihn der menschenfreundliche Arbeitgeber so mit der Peitsche, daß er sich blutüberströmt flüchten mußte. Für den agrarischen Rohling war es mit diesen Mißhandlungen aber immer noch nicht genügend. Denn nach seiner Ansicht hals ihm der Bursche immer noch nicht genügend die Taschen füllen. Er bearbeitete den Jungen zun, drittenmal ganz gehörig mit einem Besenstiel und seinen Fäusten. Außerdem warf der prügellustige Gutsbesitzer den armen Jungen noch auf den Kuhdünger. Aus vielen Wunden blutend und über und über mit Kot beschmutzt, erstattete der Mißhandelte Anzeige. Trotz diese« Beweisaufnahme aber konnte sich die Strafkammer nicht dazu entschließen, dem Gutsbesitzer einen empfindlichen Denkzettel zu verabfolgen. Reumer braucht nur 50 M. für seine Mißhandlungei, zu bezahlen. Wäre wohl der Knecht, ivenn er den Gutsbesitzer oder einen Arbeitswilligen ebenso mißhandelt hätte, gleich billig fortgekommen? Schlechte Behandlung, unnienschlich lan�e Arbeltszelt und körperliche Mißhandlungen müssen es mit der Zeit dahin bringen, daß die Sklaven vom Lande ihr menschenunwürdiges Joch mit Gewalt von sich schiitteln. Fünf Wcber-Prozesse beschäftigten gestern die 147. Abteilung des Amtsgerichts Berlin- Mitte unter Vorsitz des Amtsrichters Dr. Leiden. Der Schrift- steller A. O. Weber, der Ehemann der Frau von Schönebeck, hatte Privatklage gegen eine Anzahl von Zeitungsredaktcuren erhoben, die sich gegen kritische Bemerkungen der Zettungen zum Allensteiner Prozeß richtete. Zunächst handelte es sich um eine Klage gegen den Redakteur der„Wahrheit", Paul Slcgemann. Durch zwei Artikel soll der Kläger, durch einen seine Frau beleidigt sciu. Das Gericht ver- urteilte den Angeklagten wegen eines Artikels zu 150 M. Geldstrafe. Wegen des Artikels, durch den sich die Ehefrau beleidigt fühlt, lautete das Urteil auf 50 M. Geldstrafe. Wegen des dritten Ar- tikels wurde der Angeklagte zu 50 M. Geldstrafe verurteilt. Hieran schloß sich eine weitere Privatklage, die sich gegen den Redakteur Joh. Harnisch wegen eines von diesem für das„Zentral- bureau der deutschen Presse" verfaßten Artikels, der im„Lichten- bergcr Tageblatt" veröffentlicht worden war. In diesem Falle nahm der Gerichtshof res suclieata(entschiedene Sache) an und wies den Privatklägcr kostenpflichtig ab. Die letzten beiden Privatklnge» richteten sich gegen den Schrift- steller Richard Nordhansen. Dieser hatte in der..Deutschen Tages- zeitung" einen Artikel veröffentlicht, der wörtlich in das„Deutsche Lehrerblott" übergegangen war. Aus diesem Grunde ist auch gegen den Redakteur Göbel die Privatklage erhoben worden. Das Gericht erkannte auf Freisprechung�_ Hus der frauenbewegun� Der Verband der Hausangestellten— Ortsgruppe Berlin— hat in den Monaten September und Oktober eine umfangreiche Agitation unternommen, die ihm zahlreich besuchte Versammlungen und einen erfreulichen Mitgliederzuwachs einbrachten. An drei aufeinander folgenden Sonntagen fanden Versammlungen statt. Insgesamt nahm der Verband 132 neue Mitglieder auf, die sich entweder in den Versammlungen sofort oder später im B u r e a u, Michaelkirch platz 1, meldeten. Leider ist die Fluktuation unter den Mitgliedern sehr groß. So muß die Agitation uner- müdlich immer von neuem aufgenommen werden, um weitere Kreise zu erfassen, wodurch der feste Stamm von Mitgliedern. wenn auch langsam, so doch sicher verstärkt wird. Leseabende. Zweiter Kreis. Montag, den 24. Oktober, für den Westen im Lokale von Roczek, Dorksttaße 74, für den Süden im Lokale von Hcmp, Urbanstr. 170. Reinickendorf-Ost. Montag, den 24. Oktober, 814 Ilhr, bei Hirsch, Amendestraße 83. Referent: Dr. M. Schütte: „Entstehung der Erde'. Ortsteil Treptow. Morgen abend, 814 Uhr, bei Schnorre, Elsen- straße 106. Baumschulcnwcg. Der Leseabcnd findet incht am 23., sondern am 31. Oktober bei Erbe, Baumschulenstr. 14, statt. Vortrag. Ge» nossin Friedländer.„Die Königin Luise als„Vorbild" der deutschen Frauen." Nownwcs. Montag, den 24. Oktober, 814 Uhr, im Schmidtschcn Lokal, Wilhelmstr. 41— 43, kleiner Saal. Vortrag der Genossin Frau Schultc-Rixdorf:„Kirche und Sozialdemokratte". Gäste haben Zutritt. l Niederschönhansen-Norbend. Montag, dm 94. Oktober, 8H Uhr, im Lokale des Genossen Weber(früher Freidank), Uhlandstr. 58. Vortrag._ Versammlungen— Veranstaltungen. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 26. Oktober, 814 Uhr, im Englischen Garten, Alexander- straße 27 c, letzter Vortrag des Schriftstellers Julius Bab: „Shakespeares Einfluß auf die deutsche Literatur". Gäste willkommen. Dienstag, den 25. Oktober: Besichtigung der Königl. Porzellan- Manufaktur, Wegelystraße. Treffpunkt%3 Uhr Bahnhof Tiergarten. Tie Deutsche Gesellschaft für Mutter- und Kindesrecht veranstaltet Montag, den 24. Oktober, 814 Uhr, in den Jndustrie-Fest- sälen, Beuthstraße 10/20, im kleinen Saal einen Vortrag über:„Mütter- und Kinderheime". Referentin: Fräulein Dr. med. Martha Wygodzinski. Zentralverbnnd der Hausangestellten. Sonntag, den 23- Oktober, in den Corona-Festsälen(früher Neues Klubhaus), Komman- danteustr. 72 1. Vortrag. Herr Emil Unger:„Der Dienstboten Leid und Freud". Nachdem gemütliches Beisammensein. Boxhagen-Nummelsburg. Mittwoch, den 26. Oktober, 814 Uhr» öffentliche Frauenversammlung im„Cafe Bellovue", Haupt- straße 2.' Referentin: Frieda Wulff. Zutritt Männern gestattet._ Hue aller Melt. Sin HPjil für Sottesgnaclenmänner. Die Satrapie des wahnsinnigen Generals Tolmatschow, Odessa, scheint in der letzten Zeit ein sehr geeigneter Zufluchtsort für Monarchen geworden zu sein, die von ihren Völkern über die Grenze gejagt wurden. Es ist vielleicht noch in Erinnerung, mit welchen ftirstlichen Ehren der entthronte persische Schah in Odessa empfangen wurde. Wie die Zeitungen berichteten, soll dieser frühere Gottesgnadenmann in der Stadt Tolmatschows trotz der Cholera und der Pest sich sehr wohl gefühlt haben. Nun wird auch Exkönig Manuel von Portugal eingeladen, seinen Wohnfitz nach Odessa zu verlegen. Der sehr geschäftstüchtige Makler, der die Wohnung für den persischen Schah herrichtete, sandte dieser Tage an Manuel das Anerbieten, nach Odessa über- zusiedeln. Vielleicht finden sich noch einige andere Fürsten von Gottes Gnaden, die den Staub ihres Landes von den Füßen schütteln, weil ihr geliebtes Volk für ihre mittelalterlichen Ideen so gar kein Verständnis hat. Bei Tolmatschow finden sie liebevolle Unterkunst und inniges Verständnis. Zwei Buttons des Gordon-Bennctt- Rennens vermistt. Von den bei der diesmaligen Wettfahtt in St. Louis aufgestiegenen zehn Ballons sind, wie wir bereits meldeten, mehrere nach dem Seengebiet im nordöstlichen Teile Amerikas getrieben worden. Zivei Ballons werden noch vermißt. Es handelt sich um den d e u t s ch e n Ballon „Düsseldorf", dessen Führer der Ingenieur Gericke ist, und um den amerikanischen Ballon„America". Man befürchtet. daß sie in die unwirtlichen Gegenden Canadas abgetrieben wurden und dort niedergegangen sind. Das Gebiet, das als Landungsplatz der beiden vermißten Ballons in Frage kommt, ist mit dichten Urwäldern bedeckt. Menschliche Nieder- lassungen sind dort außerordentlich selten und es ist leicht möglich, daß die Insassen der Ballons lange Zeit umherirren, ohne einem Menschen zu begegnen. Der Aeroklub von St. Louis hat daher die kanadische Regierung gebeten, nach dem Verbleib der beiden Ballons zu forschen. Die Gouverneure von O n t a r i o und O n e b e ck sind eben- falls gebeten worden, Nachforschungen anstellen zu wollen. Versuche auf Menschenmord. Die Luftschifferoffiziere von-Chalet und Meudon haben inter- essante Versuche auf dem Eiffelturm in Paris gemacht. Es handelt sich um ein neues Angriffsverfahren gegen lenkbare Ballons, das von dem Genieoffizier T a r o n er- funden worden ist. Von der Vermutung ausgehend, daß es einem ftrmzösischen Flugapparat gelungen ist, sich über einen feindlichen Lenkballon zu erheben, läßt der. Flugapparat gegen den Ballon einen Pfeil fallen, der von der Hand des Aviatikers ge- warfen wird und durch seine eigene Schwere in die Tiefe saust. Der Pfeil ist so konstruiert, daß er fortwährend mit der Spitze gegen die Erde gerichtet bleibt und beim Aufprallen auf den Ballon dessen Hülle nicht nur zerstört, sondern gleich. zeitig auch die Explosion einer kleinen Torpille verursacht, wodurch der gesamte Ballon samt Insassen zerstört werden kann. Die Versuche mit dem Pfeile er- folgten von der ersten Etage des Eiffelturmes auf kleine Ballons. Die Versuche verliefen sehr befriedigend und werden dem- nächst in größerem Umfange und aus einer größeren Höhe wieder- holt werden. Wenn alle die in der letzten Zeit in den verschiedenen Staaten angestellten Versuche, wie man am besten Menschen hinmordct, in einem eventuellen Kriege in Anwendung kommen, müßten vorher .Kanäle erbaut werden, um das vergossene Menschenblut abzuleiten, damit nicht die Ueberlebenden im Blute ersticken. Einmal genügt auch schon! Koblenz, 22. Oktober. Das Schwurgericht hat den früheren Gefängnisaufseher, jetzigen Privatmann Karl Grub aus Mayen wegen vorsätzlichen Giftmordes an seiner ersten wie seiner zweiten Ehefrau zweimal zum Tode verurteilt. Kleine Notizen. Neue Opfer des Bergbaus. Aus der Zeche.Borussia" bei Dortmund begruben niedergehende GestcinSmossen zwei Bergarbeiter. Einer war sofort tot, der andere wurde schwer verletzt. Hinrichtung eines LchrcrS. Im Hofe des Thorner Gefäng- nisseS wurde gestern ftiih der Volksschullehrcr Jakob S ch a d aus OSlowo hingerichtet. Der dem Nachrichter Verfallene hatte am 18. April seine Braut durch sechs Revolverschüsse getötet. Auf ciuem Neubau in München stürzten gestern nachmittag zwei Zimmerleute von einem Gerüst ab. Der Zimmermann W i m ni e r wurde sofort getötet, der andere wurde so schwer verletzt, daß er nach dem Krankenhause gebracht werden mußte. Dr. Crippen zum Tode verurteilt! Der durch seine sensationelle Verfolgung bekannt gewordene Gattenmörder Dr. Crippen auS London stand dort feit mehreren Tagen unter der Anklage deS GattenmordcS vor Gericht. DaS gegen ihn gefällte Urteil erklärte ihn für schuldig, seine Galtin ermordet zu habe». Er wurde daher zum Tode verurteilt. Crippen erklärte, als der Richter ihm mitteilte. daß er ihm keine Hoffnung auf Milderung der Strafe machen könne, daß er unschuldig sei. Die Cholera i» Palermo. Der italienische Minister de? Innern bat den frenrden Regierungen mitgeteilt, daß in Palermo vier Cholerafälle festgestellt wurden. Es handele sich aber nicht um die Bildung eines Seuchenherdes, sondern um eingeschleppte Fälle, Alle Sicherheitsvorkehrungen seien getroffen. A. WERTHEIM G. M. B. H. LEIPZIGER STR.132"137 am Leipziger Platz ROSENTHALER STR. Montag und Dienstag: Wir haben in Berlin nur diese 3 Geschäfte Eei Briefen ist genaue Adresse erforderlich V ersand-Abteilung, Serba W. 66, Leipxiseretr. 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Champignons I.......>/, Dose 1.85 Champignons.........'/, Dose 1.45 Rote Rüben.........-/, Dose 33 PC Früchte-Konserven Saure Kirschen mit Steinen-/, Dose 60 Pt Mirabellen..........-/, dos# 63 pc Reineclauden.......>/, Dose 78 pc Erdbeeren..........>/, Dose 88 pc Aprikosen..........-/. Dose 88 pc Melange............-/, Dose 85 pc Stachelbeeren....... v, Dose 58 pc Preisseibeeren......>/, Dose 65 pc 4 Pfund Dose 1.20, 10 Plhnd Dose,. 3.00 Dunstfrüchte �° ohne Steine, Kirschen mit Steinen, Heidel �< beeren, Birnen...... S.... Glas%J%J rt* / Marmeladen Apfelmarmelade Eimer ca. s ptund 1.80 Gemischte Marmelade 1.20 Gemischte Marmelade föTtund 2.15 Gelsardinen ■/. _Vl_ -/, Dose ca. 28 cm Durchmesser--- � ca. ZO cm 4 Durchmesser' Spezialmarke 75 pi. 1.30 2.45 ,,>/« Dose flach 38, 48, 63 Pf. Arsene Saupiquet in o.i /. Dos. 1.15 Piment /.Dos. 1.15, 1.15 Lerantwortl. Redakteur: Carl Mermuth, Berlin-Rizdorf. Für dengnseratenteil verantw: Th. Glocke. Berlin. Druck u. Verlag:Vorwartt Buchdruckerei u. VerlagSanftali Paul Singer& Berlin SW. Ihr. 249. N.AalMnz. 2. Keilligt Ks Jwrtrls" ßttlintt NcksblM Zomtllg. 23. Oktober M. WtcrarSfdje EüMdfcfeas?. Das tiiodmie Proletariat. Eduard SBctnflcin. Die Arbeiterbewegung.(„Die Gesellschaft", Wd. 35/36.) Franlfurt a. M. Rütten u. Löhnina. 202 S. Preis 3 M Dr. R. Broda und Dr. Jnl. Deutsch. Das moderne Proletariat. Eine sozialpsychologische Studie. Berlin 1910. Georg Reimer. 226 S. Preis 5 M. Seit Disracli das berühmte Wort von den zwei Nationen prägte, die nebeneinander wohnen und sich doch nicht verstehen, der Nation der Armen und der der Reichen, ist die Kluft, die diese sozialen Gegensätze trennt, nicht schmäler geworden, sondern breiter. Allerdings hat sich die Arbeiterschaft seit jenen Tagen, in denen sie vorwiegend aus eben erst zugrunde gerichteten Hand- tverkcrn und Bauern bestand, die, losgerissen von ihrem Heimat- lichcn Boden, noch ohne neue Orientierung, ja.meist ohne auch nur das Gefühl der Zusammengehörigkeit, der Verwilderung anHeim- sielen, kulturell autzcrordenilich gehoben. Aber ihre Kultur ist eine ganz andere als die des Bürgertums, ihre Ziele unterscheiden sich von denen der Bourgeoisie ebeuso wie die Mittel, mit denen sie sie zu erreichen trachten und die Gefühle, mit denen sie diesen Kampf begleiten. Heute aber ist sich das Proletariat dieses Gegen- satzcs voll bewußt; es fühlt sich dem Bürgertum gegenüber als eigene Klasse mit eigenen Anschauungen, mit eigenen Zielen und eigenen Idealen. Aus den Nationen der Armen und der Reichen sind die selbstbewußten Klassen der Proletarier und der Bourgeois geworden. Eine Verständigung zwischen diesen beiden Klassen, die täglich sich berühren, die täglich miteinander ringen, ist heute mindestens ebenso schwer wie vor 60 oder 70 Jahren. Dieser Mangel mußte natürlich stets fühlbar sein und zur Abhilfe anregen. Zuerst nahm die Kunst den Versuch auf, der Bourgeoisie das Leben deS Arbeiters zu erschließen. Ter naturalistische Roman. daS Drama, die bild- liche Darstellung, sie alle versuchten und versuchen, den Bürgerlichen das Leben des Proletariers verstehen zu lassen. Endlich aber ver- suchte es auch die wissenschaftliche Beschreibung, hier einzudringen. So wie Forscher nach dem Innern Afrikas oder Australiens auf- brechen, monate- oder jahrelang in der Mitte jener fremden Völker leben und uns dann über deren Sitten und Bräuche berichten, wenn möglich uns auch Proben ihrer Kunst mitbringen, so machten sich auch wißbegierige Forscher auf, um in das Leben des Proletariats einzudringen; sie verbrachten Wochen odev Monate in seiner Mitte und berichteten dann über ihre Erfahrungen. So wie wir aber die Kultur fremder Länder am besten verstehen lernen, wenn wir deren Bewohner selbst sprechen lassen, ivenn wir vernehmen, wie sie selbst über sich denken, so wurden auch jene Forschungen ergänzt durch Selbstbekenntnisse von Vroletariern, durch Biographien, die von ihnen selbst herrührten, durch poetische Erzeugnisse, die ihre Anschauungen über ihr Leben, ihre Leiden und Hofsnungen wider- spiegelten. Diesem Streben, dem bürgerlichen Publikum das Geistesleben des Proletariats verständlicher zu machen, verdankt auch Bernsteins Schrift über die Arbeiterbewegung ihre Entstehung. Bernstein verfolgt die moderne Arbeiterbewegung in ihre An- sänge zurück. Nach einem flüchtigen Rückblick auf vorkapitalistische Arbeiterbewegungen und ihre utopistisch« Ideenwelt, zeigt er in flüssiger Darstellung, wie sich insbesondere die Gewerkschaft s- und Genossenschaftsbewegung bis zu den 70er Jahren des vorigen Jahr Hunderts allmählich entwickelt haben. Tv berücksichtigt hier nicht, wie das sonst meist geschieht, in erster Linie die Bewegung in England, sondern die in Frankreich, dessen Arbeiterverhältnisse im Laufe des letzten Jahrhunderts weniger allgemein bekannt sind, als dies für England dank besonders den Arbeiten der Webb» usw. bereits der Fall ist. Umgekehrt geht Bernstein bei der Darstellung der ersten selb- ständigen politischen BeiätigungSversuche der Arbeiterschaft am eingehendsten auf die Chartistenbeweaung in England ein, die bis- her leider noch immer keine befriedigende Darstellung gefunden hat. Gerade hier bringt Bernstein interessantes, noch wenig bekanntes Ma- tcrial.und knetet so eine willkommene Ergänzung zu den vorhandenen dürftigen Schilderungen dieser so ungemein wichtigen ersten großen politischen Arbeiterbewegung. Für unsere Zeit stellt Bernstein, jedenfalls mit vollem Recht, die deutsche Sozialdemokratie, deren Organisation er in knappen Zügen skizziert, als charakteristisches Beispiel einer Arbeiterpartei hin, das die anderen Nationen zwar nicht sllavisch nachahmen, das aber doch im großen und ganzen die Norm darstellt, nach der sich die anderen Parteien richten, das Vorbild, dem sie nacheifern. Daran anschließend schildert Bernstein die vielseitige Tätigkeit unserer Gewerkschaften sonne das Eingreifen der Arbeiterschaft in die Verwaltung. Er bespricht dabei ihre Tätigkeit in den kom- munalen SelbstverwaltungSkörpern sowie in den Genossenschaften, die für sie zu einer Schule der Selbstverwaltung werden. Merkwürdigerweise vergißt Bernstein hier aber einen sehr wichtigen Faktor, der kontrollierend oft sehr fühlbar in die öffentliche Ver- waltung eingreift, und dem die Arbeiterschaft es zu einem großen Teil zu danken hat, wenn Bureaukratendünkel und NegierungS- Willkür in der Verwaltung der Staaten und Gemeinden einigermaßen eingeschränkt wurden: die sozialdemokratische Presse mit ihrer schonungslosen Kritik aller Mißstände, insbesondere aller Uebergrisfe. Und soweit eS überhaupt tvahr ist. daß die Arbeiter «den Staatsbeamten, sofern er nicht gerade ein Organ der Unter- drückungsgewalt ist, heute mit ganz anderen Augen ansehen als früher" M Die Verfasser glauben in der modernen Arbeiterbewegung iliche Ab.............. MMM» eine merkliche Abnahme des„einseitigen Radikalismus", der dem Gefühl und nicht dem Denken entspringt, konstatieren zu können. Sie führen diese Erscheinung auf die steigende Bildung der Massen urück. Sie vergessen aber dabei, daß es außer dem Radikalismus .eS Gefühls auch einen Radikalismus der Erkenntnis gibt. Es ist eine sehr treffende Bemerkung der Autoren, daß sich die geistige EntWickelung der Arbeiterklasse im Geistesleben des einzelnen Proletariers widerspiegelt. Sobald der junge Arbeiter zum Be- wußtsein der herrschenden Unterdrückung gelangt, erwacht in ihm die Empörung, die sich am liebsten in wilden Taten Luft machen möchte. Bei weiterer Erkenntnis, bei größerem Verantwortlich- keitsgefühl, tritt dieses Gefühl der unmittelbaren Empörung in den Hintergrund, daS Streben nach Verbesserung der Lage, nach kleinen, aber bald zu erreichenden Erfolgen überwiegt. So laufen stets der naive Radikalismus der jungen und die wägende Vor- ficht der älteren Nebeneinander her. Wer aber nicht an den Einzelheiten kleben bleibt, wer dem Kern der Erscheinungen nach- geht und die Gesetze zu ergründen sucht, denen die Unterdrückung des Proletariats und seine Befreiung folgen, der gelangt zur Erkenntnis der grundsätzlichen Unverträglichkeit der Klassengegen» sätze. der zersplittert nicht seine Kraft in Versuchen, eine unmög- liche Harmonie herzustellen, bei dem entwickelt sich ein neuer Radi» kaliSmus, der auf Erkenntnis gegründet der Zeit und dem indivi- duellen Schicksal widersteht. Die Frage, ob der Radikalismus im ganzen steigt oder schwindet, fällt zusammen mit der Frage, ob sich die Klassengegensätze verschärfen oder mildern, und darüber, daß dies letztere nicht der Fall ist, kann heute wohl kaum mehr cm "el bestehen. m Buch von Broda und Deutsch ist eine Auswahl von Zweifel Dev Briefen von Proletariern beigegeben, die zwar einzelne wertvolle Stücke enthält, so die ergreifende Studie„Feierabend" und die feinsinnige„LebenSskizze"; aber die Beiträge sind zu verschiedenartig und tragen zu sehr den Charakter der Zufälligkeit, als daß sie als Jllustrationsmateriol von solchem Wert sein könnten wie etwa die bereits erwähnte liebevoll« Sammlung Levensteins. Bernsteins Buch wendet sich an ein bürgerliches Publikum, dem es zwar die Vergangenheit des modernen Proletariats an- schaulich, seine Gegenwart aber mindestens einseitig vor Augen führt. Diese Lücke wird durch das Buch von Broda und Deulsch recht gut ausgefüllt, das aber auch für proletarische Leser viel des Wissenswerten, Anregenden und Neuen enthält. � Gustav Eckstei«.! Ifü 2)ie vörzügliche guaMlw Krone« Mrsel! I-.i.mi. i � n-o onnAhftfnnpn hflinoFpn nnri minrloruiorilnon Narl-.okmitnneii k Amman rfomnArtAnflhai* narnlplif In PnfpaAhf man u/olca oia nnhpH ist allgemein v,,v anerlauut. Die vielfach angebotenen, biligeren und minderwertigen Nachahmungen kommen demgegendber garnicht In Betracht, man weise sie unbedingt zurück. Theater und Vergnügungen (Siehe Wucheu- Spiclpln«.) Freie Volksbuliuc: Sonntag, den 23. Oktober, unrfjmittngä 3 Uhr: Neues CchouspicldanS. 8. Abteilung (Gruppe 32—37): llcber unsere Kruft. Heirilsetd- Theater. 4.15. Abteilung ? Gruppe 18— 19): DerHerr Senator. Residenz- Theater. 1./2. Abteilung (Gnippe 4—6): Die 300 Tage. Montag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr:. ReucS Schauspielhaus. 16. Abt.(IN.) A b c n d abteilung: Tartüff. Thalia- Tbeatcr: 3.14. Abteilung (Gruppe 11—14): Kamps. Neue Freie Volksbühne. Sonntag, 23. Oktober, nachm. 21/, Uhr: Deutsches Theater: Simson u. Delila. Kanimcrspicle: Gawkn. Nachm. 3 Uhr: Neue? VolkS-Thcater: Die Erziehung zur Ehe. Schiller-Theater 0.: Neue Jugend. Schiller- Theater Eharlottenburg: Eginont. Neues Operetten- Theater: Die Gloiken von Corneville. Neues Theater: Tartüff. Kleines Theater: Ein idealer Gatte. Metropol-Theatcr: Pariser Leben. Abends 8-/, Uhr: Neues VolkS-Thcater: Jugend. Kgl. Hochschule sür Musik Lieder aus aller Zeit(Käte Hyan). Neues Volks-Tbeatcr: Montag und Mittwoch: Ueber unsere Kraft I. Dienstag: Die Erziehung zur Ehe. Donnerstag Freitag u Sonnabend: Die Stützen der Gcsellschast. Bolks-Oper: Montag und Freirag: Der Postillion von Lonjumcau. �essinZ-Tkegter. 8 Uhr: TiintriS der Narr. 8 Uhr: Wenn der junge Wein blüht. Montag 8 U.: Eiusame Menschen. Modernes Theater ((riilier hebbeltheater). Heute und täglich 8 Uhr: IMö bottc der Frauen. Berliner. Theater. AbcndS 8 Uhr: IMe törichte JnnßrfVan. Nachm. 3 Uhr: Pension Schöller. teos Theater. Gastspiel Ferdinand Bonn: Oer fc™ Olim Ansaug 8 Uhr. Berliner Volksoper Nachm. 3'/- Uhr: Der Troubadour. Abends 8 Uhr: töfilheBroi TeSS. Theater des Westens. Anfang 8 Uhr. IHc KciuinHtc Frau. Sonnt. 3'/, 14: Die gescliietlcne Frau. Residenz»Theater. Direktion: Richard Alexander. AbcndS 3 Uhr: Noblesse oblize. Schwank in 3 Akten von Henneguin und Veber. Morgen und sotgendc Tage 8 Uhr: Asoklettse obligre. LusitspieBhaus. Nachm. 3 Uhr: Der dunkle Punkt. Abends 8 Uhr: Der Feldherruhiigel. frieitrieh-WilheMittisehes Schauspieiiiaus. Sonntag, 23. Oktober, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Krieg im Frieden. Lustspiel i» 3 Akten von®. Moser und Fr. v. Schönthan. Montag: Rcvolütionshochzeit. Trianon»Theater. Abends 8 Uhr: Pariser Witwen. OSE=THEÄTE Groge Frantsurtcl Str. 132. Nach in. 3 Uhr halbe Preise. Die Anua-Fise. LH Abends 8 Uhr: Das uene Gebot. Montag bis Mittwoch: DaS neue Gebot._ Heute: Heute: 2 gr. Vorstellungen Nachm. 3'/- Uhr: Halbe Preise. Die gesamte» gr. Spezialitäten mit: Verbotene Fruebt. Abends 8 Übe: DaS sensationelle Programm. Verbotene Fruebt. Abends>/,9 Uhr: Rudolf Schildkraut. Urania. Wissenschaftliches Theater Taubenstraße 48/49. Heute abendS Dlir: Der Vienvaldstätter See und der Gotthard. Montag abend 8 Uhr: Der Vicnvaldstiltter See und der Gotthard. Hörsaal 6 Uhr: Dr. H. Hennig: Schiffahrt und Knnalwesen. IS/ lOCfSCHER GAmrs� Heute Sonntag: — Eintritt 50 Ps.— Kinder unter 10 Jahren ,, die Hälfte. ' Ab nachmittags 4 Uhr: Gr. Militärkonzert. Täglich nachm. 4 Uhr: Grobes Hilitärkonzert. Donnerstags; Job. StrauB. {Passage-Panoptikum. Priiaz Atom. I der kleinste Mensch aller Zelten lebend! j Buddhas dunkles | Geheimnis. |Der Mann mit dem eisernen Schlund! 1 Alles ohne Extra-Entree! Elntr. 50 Pf., Kind. u. Soldaten 1 5 Pf 3 Passage-Theater. Heute Sonntaj nachm. 3 Abends 8 Uhr ntag: 2 Vorstellungen, B •7 Uhr kleine Preise, J ends 8 Uhr: Die Junnfrauenl ; von Sais. J Die 3 mystischen | Hcliatteu < und die großen Attraktionen i des Oktober-Programms. Luisen-Theater. NachmlttagS 3 Uhr: D Sriidtr v.St. Keriihord. Abends 8 Uhr: Der Hiitteubesitzer. Keule 2 Vorstellungen Nachmittags 3'/, Uhr, Abends 8 Uhr, Nachmittags kleine Preise, der australiscben Tanzdira in ihren neuen Originalkreationen sowie dem komisch- mimisch• grotesken Oktober- Programm. Folies Caprice. Täglich 8',. Uhr: VoIIs Pension. Neuer bunter Deil. Der schwarze Seliimmel Vorverkauf 11— 2, abends ab 6 Uhr. UM!» Theater 8-11 Siumislhks fndjfn über Gine verlorene Uacht Ein lustiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Heirnseld. Hierzu: Dkl Dklby-Ätgtr. Komödie von A. Neidbardt. Ans. 3 Uhr. Vorvert. t 1—2 tTbcaterk.). ÄÄÖ.ÄAAÄ» USAUm»' Ms SlKSB. Hochbahnstation Kottbuser Tor. Uetzte Sonntags-Auksührung l Un hat'» geschnappt! Posse von OSlar Sabo. Musik von Faul Mache. Vorher: Der 12jäbr!ge Cdi Deriseld und das gesamte SpezlalitSten- Programm. Anfang 8 Uhr. Uhr: Konzert, Scltlller- Schlller-Theater 0.(Wallner-Theal.) Sonntag, nachm. 3 Uhr: Veuc Jugend. Schauspiel in 5 Akten v. Tor Hedberg. Ende b'/s Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Robert und Bertram. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Raedcr, Ende 19'/, Uhr. Monlag, abends 8 Udr: Robert und Bertram. Dienstag, abends v Uhr: Die Krcazelschrciber. Theater. Schiller-Theater Chartottenburg. Sonntag, nachm. 3 Uhr: F.jxmont. Ein Trauerspiel in süns Aufzügen von Goethe. Ende 6 Uhr. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Dnmrnliopk. Lustspiel w 5 Auszügen v. L. Fulda. Ende KP/. Uhr. Montaq. abends 8 Uhr: DIL Hobbs. Dienstag, abend» 8 Uhr: Kodon, s Ende. Berliner folks-Chor Dirig.: Dr. E. Zander. Montag, den 24. Oktober, abends 8'/, Uhr pünktlich im groBen Konzertsaal „Neue Welt" Hasenhelde 108-114: „Die Legende von der Heiligen Elisabeth" Mitwirkende: ( von Franz Llszt. Kgl. Hofopernsängerin Eva v. d. Osten-Dresden Fräulein I/ncie Alice König-Berlin Herr Eedcrer-Prlena-Berlin. Das Blüllmer-Orchester. Der Berliner Volks-Chor. Eintrittskarten im Vorverkauf 75 Pf. einschl. Garderobe u. Programm. Abendkasse 1 31. Textbuch mit Liszts Bild o. Erläuterungen 10 Pf. Eine Wiederholung findet nicht statt Billetts sind zu haben bei: Bf. Roloff, Wörther Str. 31; Zucht, lmmanuelkirchstr. 13; Hanisch, Auguststr. 50; Rietz, Kopenhagenor Str. 2, Swinemündor Str. 86, Fehmarns tr. 8: Vogel, Lortzingstr. 37; Thomas, Gartenstr. 71; Tletz, Invalidenstr. 124; HaB, Torfstr. 19; Fischer, Veteranenstr. 6; Beyer, Veteranenstr. 11; Sommerfeld& Co., Kosenthaler Str. 51; Krledemann, Stargarder Str. 74; Voigt, ChnritA-tr. 3; Schulz, Wiesenstr. 60a.— O.: Vogel, Koppenstr 82; Liebecko, Romintener Str. 20; Oähn, Petersburger Str. 34; Wedemeyer, Weidenweg 80; Niemeyer, Weberstraße 19; Schrolle, Landwehrstr. 3; Reul. Barnimstr. 42: lahn, Zorndorfer Str. 59; Krause, Königsber.'er Str. 11; Rietz, Petersburger Str. 5, Thaerstr. 18. Kopernikusstr. 11.— 8.: Ihm, Wrangel- straße 58; Neilhardt, Görlitzer Str. 58- Heinrich, Wrangeis tr. 107; Bdttger, Skalitzer Str. 107; Stangenberg, Köpenicker Str. 20a; Horsch, Engelufer 15; Giebel, Engelufer 13; Francke, Mariannonstraße 26a; Menzel, Muskauer Straße 1; Schulz, Admiralstraße 40; Zindel, Reichenberger Straße 40/41; Teichert, Reichenherger Straße 98; Krause, Panniorstraße 8; Liebe, Hennannstraße 68: Weber, Hermannstrnße HO; Schnötke, Richardstraße 115; Zehrend. Hasenheide 9; Kuhring, Jahnstr. 1; Greifet, Grimms tr. 80; Schwodhelm, Planufer 1; Rühle, Oranienstraße; Brinkmeyer, Aloxandrinenstr. 25; Bobsien, Kommandantonstr. 62; Priegenl, Bellealliancestr 75.— C.: Weihnacht, Grünstr. 81; Ramm, Stralauer Str 3—6; Behrendt, Parochialstr. 24—26.— W.: Menz, Wühelmsbavener Str. 61; Kfipps, Maaßenstr. 34; in den Verkaufsläden der Konsumgenossensehaft Berlin und Umgegend sowie in allen mit Piakaten belegten Handlungen. Die Chorproben finden jeden Freitag abends 8'/,— 10 Uhr in der Aula des Sophien- Realgymnasiums, Steinstraße 31— 34(am Hackeschen Markt) statt. Gäste willkommen. 291/14* Zentralverband freien Händler, Hausierer und verwandten Berufsgenossen Dcutscblands, Sitz Essen, Ruhr. 1459b VerwailungzHtello Berlin. Sanntag, den 30. Oktober 1910, bei Drilnel, Neue Friedrichstraße 35: Tünftes Stiftungsfest Konzert, jßr Czesang. jöt Die Qesangsaufführungen werden vom Gesangverein„Kreuz-| berger Harmonie"(M. d. A.-S.-B.) aufgeführt, Anfang; 5 Uhr. Billett 50 Pt. Nach dem Konzert: Ol*Oßer ßlllle Es ladet freundlichst ein Die Ortsverwaltung. 'wwwwwwwwwww wvrwwwwwwwwwwwwwwwwwwarwv 1 Direktion: Endwig Renner Große Extra-Lieder-Konzerte Rente SOnillitg, d. 23.» Borgen MODtSg, 6. 84. Tiergartenhof(Bhf. Tierg.) Daria Facha H, Vera Goldbers Eola Ually l.co Gollanln WllliTanbert CbansseestraOc 110 Kanfmann-Weldert Frieda Weber Rnria Fuchs Vera Goldberg Willi Danbert Am Flügel: Gnstav Lazarus. Elnlrlll 75 Pf.eKpi�'Ä;,°. Bes. 1.25 H. Castans Panoptikum Fri,ÄS".?L!.65 Größtes Schau-Etablissement Berlins. Oroßes Kilnstler-Konzert und Spezlalilfltcn- Vorstellung. Täglich geöffnet von 9 Uhr vorm. bis 10 Uhr abends. WWWWWWWWWWUM Nachm. 3'/, Uhr u. abends 7,lt IlHr. Nachmittags dal jeder Erwachsene i Kind unter zetiu Jahren frei aus allen Plätzen außer Galerie, jedes weite: e Kind unter 10 Jahre» halbe Preise. In beiden Borstellunge» Gleicli reicbliaitines Prooraim u. a.: Persisebe Trappe Mirza Golem iL Personen. Abends 71/, Uhr: Ver grosis Coup der Schmuggler. Gr. remant. Pantomime in 4 Akten. Mctropol-Thcstcr. Heute nachmittag 3 Uhr: Pariser Ecbon. Zw endS 8 Nbr: Rauchen gestattet. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstatwngSrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. r0- Blüthner- LOtzow- Saal StraBe. Haute Sonntag, abds. 7'i, Uhr: Konzert des jptl)Hfr«(flrd)fflffg. Dirigent: Hotkapellm E. v. Strauß. Solist: Konzert m. N Lambinon (Violine). Entree 75 Pf. Karl Haverland- Ansang Tkngfnn Kvmmandanlen- präz. 8 Uhr. I Btialcl.(träfet 77/79. DaS wunderbar Oktoberprogratnm 1 4 und erftklnfftge|.d -*-■* Spezialitäten. Reichsliallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schluß: „Im JlnuMeloch". Slifit. Humor, v. Meysel. Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. Cssino-Tkssivi' Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uht. Die urkomische Posse Der schukidige Ludolf. Rudols Pimpelmann: Dir. H. Berg. Vorher das glänzende bunte Progr Nur Attrattione» ersten Range». Sonnt. 8'/, Uhr: Berühmte TSchter. Walhalla-Thealar Wetnbergsweg 19/20. Anfang 8'lt Uhr. Bravo!— Da capo! Eine AIIerwelts-Rcvne In 5 Addern von M. Reich ardt, Musik von R. Thiele. Ju Szene gesetzt vom Direktor JameS Klein. M illkM-ftSW!»! kleine preise. KomgslSliMfssiuo. Holzmarttftr. 72, Ecke Alexanderstraße. Das grandiose Qkioberprogr. mit Franz hjubnnfthi. Neu! Mr. Glffrod, Sporlakt Neul Neul Powell Smith and Miß Toni, komilchc Exzentriks. BerloreneÄ lKlück. Vollsstück mit Gesang In 1 Akt. ?? Groa-Herlln" Dheater- und Bartetb-Eiilemble. imA Pablmanns Theater Nachmittags 3 Uhr: Königin Luise. Kleine Preise 20-30-50 P|. Das ehrliche Keelin. 10'/,: Sherineh Reimen. Montag Puhlmaan Th.: Dies. Vorst 151, Frankfurter Allee 151. Richen- Lichtbild- Bühne. Grestes Orchester. Sonntag, den Lg. Otrodcr: vroße außerordentliche f Nachmittags Z'/, Uhr und abends 7'/, Uhr. Nachmittags 3'/, Uhr zahlen Kinder unrer 10 Jahren auf allen Sistplähe» halbe Preise. (Galerie volle Preise.) 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Nachmittags 3 Uhr: Der Mann mit der eisernen Maske. Ichausvlel in 5 Abt. m. einem Vorfp. Abends 7 Uhr: Der psl! LlSmenceau. Schauspiel in 5 Alien v. A. Dumas und iL d'ArtoiS. Die Thealerkaffe ist von 10 Uhr ob geöffnet. Derliner Praleri Kastanien-Alles 7—9. Großer Elite-Ball. Ans. 5 Uhr. Eiitree, Tanz u. Garde-! robe Herren 1 M.. Damen 50 Pj I Jede 25. Dame crh. et» Geschenk! Volks-Tkeatev Rtxdorf. Hermannstr. 20. EouNtag, den 23. Oltobcr 1310! Im �orsthause. Schauspiel in 4 Akten v. Skvwronnek. Montag, den 24. Ottober: Wenn Menschen liebe«. Schauspiel in 4 Akten von Franz o. BergiaS-Schmtd. 'liiMsir N., Chausseestr>10. Karl Richter. Jeden 9o im tag: Paul Mantlieys Lustige Sänger (stets wechselndes Programm) Ansang 6'/, Uhr. Eintritt 50 Ps. Nachdem: Familien> Kränzchen. Von 5 Uhr ab im weißen Saale: Gr. Ball.— Jeden Mittwoch: Paul Msntheys Luftige Sänger u. FrelUnz. Vo, zngStarten gelten.• Ansang 61/, Uhr.— Sonntags 3 Uhr. 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Slm Sonntag, de» 6. November 1910, vormittags von 10 bis 1 Uhr, findet im Gewerk- schaftshausc, Engeluser 15, eine Walilverzsmmlung sämilicher grotzjährigcn üasjen- Mitglieder statt. Tagesordnung: 1. Wahl von 255 Vertretern zur Generaloersammlung sür 1910. 2. Wahl von 255 Vcrkrctern zur Generalversammlung sür 1911. (sz 49 und 49a des StalutS.) Ohne Legllimatien kein Zulritt. Berlin, den 18. Oktober 1910. Ter Vorstand I. A.: Max Guts che, Vorsitzender. Zum Zweck der Kandidaten- Aufstellung zur vorstehenden Wahl- Versammlung findet eine Vvnssmmlung sämilicher Kassenmitglieder statt am Montag, den 31. Ot« tobet 1910, abeudS 8 Uhr, tu den „An»i»hullen-. Kommandanten- stratze 58/59. Tagesordnung: 1. Vortrag d?S Herrn Dr. Pietzner über.»„Nervenleiden als BerusS- krankheit". 2. Ausstellung der Kandi« baten. Die Kassenmitglieder werden gebeten, die aufzustallenden Kandidaten genau mit Namen. Vornamen, Wohnung, Kassennummer und Betriebsstätte zu bezeichnen. Mittwoch, den 2. November» abends 7—8 Uhr, im Kasfentolat Rosen thalerstr. 40/41, 2. Hos, 5. Ausg. 1 Tr.: sämtlicher Arbeitgeber, welche Beiträge aus eigenen Mitteln zahlen. Tagesordnung: 1. Wahl von 125 Vertretern zm Generalversammlung sür 1910. 2. Wahl von 125 Veriretern zur Generalversammlung sür 191t.(ZA 49 und 49a deS Statuts.) Die letzte BettragSquittung ist als Legitimalion vorzulegen.— Ohne Leairimation kein Zutritt. 278/16 Berlin, den 18. Ollober 1910. Der Vorstand. I.A.: Oskar Relchnow, 2. Vorsitzender. Zum Zweck der Kandidaten-Auf- stellung zur bevorstehenden Wahl» Versammlung findet eine Nkrsnmmlnng d.Arbtitgrbkr am Montag, d. 31. Oktober 191V» abends 7 Uhr, im Kasfenlolal, Rosen- ihaler Sir 40/41, 2. Hos, 5. Ausgang, 1 Treppe, statt. Tagesordnung: 1. Ausstellung der Kundidaten. 2. Verschiedenes._ Ovts-Krankeukafse der Ksndiwtll. Nftfftrköihiel und verwandten Gewerbe. Ordentl. Generai-Versammlang am 28. Ottober, abends 8ll, Uhr, in den Ariuiuhallen, Kommandantenstratze 57/58, TageS-Ordnung: I. Kassenbericht. 2. Ersatzwahl eweS VorstandSmllglledeS(Arbeitnehmer). 3. Wahl von drei Mitgliedern zur Prüsung der JahreSrechnung. 4. Neu» regelung der Mahngebühren. 5. Be» Iresiend Plombengewä rung. 6. An- trag von Beamten(Gehaltserhöhung). 7. Bezahlung von Mitgliedsbüchern. 8. VerschiedeileS. I. A.: W. Netzband, 278/18 Vorsitzender. Orts-Krankenimfle der Mechnniktl, Optiker und verwandten Gewerbe , z» B e r l i n. Die aus der Generalversammlung am 27. Mal 1910 beschlosiene 16. Ab. änderung zum Kassenstatut betressend die anderweitige Festsetzung der Zahl der Beitreter zur Generatversamm- lung ist vom BezirtSauSschutz ge- nehmlgt und tritt am 24. Oltober d. I. in Krast. Druckeremplare dieser Slbändenmg sind Im Kassenlokal abzuheben. Berlin, den 23. ONober 1910. 278/14 Der Vorstand« -a J. 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Die Ernte der Sommerfrüchtc ergab ein befriedi- aendes N'suliat; der Stand der Winterfrüchte hat die bis- herigen Erntemissichten verbessert. Nach dem letzten Saadenstands- aericht für Preußen werden die Winterfrüchte größere Erträge bringen als der Septemberausweis verhieß. Die amtlichen Be- gutachtungsziffern um die Mitte Oktober 1910 lauteten, wenn 2 gut bedeutet: Kartoffeln 2,8(Vorjahr 2,6), Zuckerrüben 2,4(2,9), junger Klee 2,3(2,6), Wintersaaten: Weizen 2,6(2,5), Spelz 2,5 (2,2) Roggen 2,5(2,6), Raps und Rübsen 2,5(2,4). Demnach haben sich die Aussichten für die Klee-, Zuckerrüben- und Getreideernte verbessert. Es wird dabei auf die günstige Witterung hingewiesen. Ter langen Regenzeit folgte in der Berichtsperiode warmes, sonniges Wetter. Soweit die Voraussetzungen für eine bessere Wirtschaftskonjunktur auf der diesjährigen Ernte basierten, können sie wohl als gesichert gelten. Die bisherige EntWickelung rechtfertigt auch die gehegten Er- Wartungen. Die Lage am Arbeitsmarkt gestaltete sich günstiger. Der Andrang Arbeitsuchender hat im Vergleich zum Vorjahre nach- gelassen, die Zahl der Krankenkasscnmitglieder ist nicht unerheblich gestiegen. Als weiterer Beweis der Aufwärtsbewegung kann die Ent- Wickelung der Einnahmen der deutschen Eisenbahnen angeführt iverden Im Monat September erbrachte der Personenverkehr fast 71l-h Millionen Mark gegen 66% Millionen Mark in der Ver- glcichszeit des Vorjahres; die Einnahme aus dem Güterverkehr stieg in derselben Zeit um 10% Millionen Mark auf 152% Milli- onen Mark. Die Verkehrseinnahmcn der einzelnen Monate in den Jahren 1909 und 1910 veranschaulicht folgende Tabelle: Januar. Februar. März.. April.. Mai.. Juni.. Juli.. August September aus Personenverkehr 1900 M. 45 226 712 39 929 051 4« 887 947 61 507 588 65 949 665 69 220 482 78 690 492 79 331 287 66 345 311 1910 M. 50 050 932 45 099 690 62 735 732 58 227 383 76 722 491 68 735 042 85 542 625 82 448 871 71 468 161 aus Güterverkehr 1905 M. 118 234 412 118 601 536 134 334 752 127 238 597 127 315 994 128 265 688 134 815 075 135 324 002 142 303 169 1910 M. 126 107 580 126 665 034 138 947 502 140 677 069 132 732 173 135 234 081 140 490 946 149 818 195 152 865 949 Berücksichtigt man für den Personenverkehr die Beweglichkeit der Reisefesttage, dann ergibt sich im laufenden Jahre gegenüber 1909 durchweg eine Steigerung der Einnahmen; unbedingt gilt das für den Güterverkehr. Hier waren nicht nur die Monatseinnahmcn Mm laufenden Jahre höher, die Steigerung im Herbst im Vergleich zuni Jahresanfang ist im Jahre 1910 auch erheblich stärker als im Vorjahre. Für die verflossenen 9 Monate zusammen hob sich die Einnahme aus dem Personenverkehr um 45 942 392 Mark auf 1243 538 589 Mark. Die Gesamteinnahme ist somit um 123 Milli- onen Mark größer als im Vorjahre. Die Einnahmestcigerung aus dem Güterverkehr bedingt eine erhebliche Zunahme der Gütcrbewegung. Zu einem großen Teile entfällt die Zunahme auf den Außenhandel. Die seit Jahres- beginn zu beobachtende Steigerung in der Ein- und Ausfuhr hat auch im September angehalten; jedoch ist die Ausfuhrstcigerung ungleich größer als die Zunahme bei der Einfuhr. In den ver- flossenen 9 Monaten dieses Jahres hat die Einfuhr um 6% Milli- onen Doppelzentner, gleich Ich Proz», zugenommen, die Ausfuhr- steigerung macht aber 39� Millionen Doppelzentner oder 13,1 Proz. aus. Bemerkenswert bei der Verschiebung im Außenhandel ist der Rückgang der Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse bei einer gleichzeitigen starken Zunahme der Aussuhr von Agrarprodukten. Wir haben unsere landwirtschaftlichen Zölle erhöht, angeblich um die bedrängte deutsche Landwirtschaft gegen die Auslandskonkurrenz zu schützen, in Wirklichkeit, um trotz dieser Konkurrenz den Agrariern die Freiheit der Ausbeutung der Jnlcnrdskonsumenten zu sichern. Während in der Vcrgleichsperiode die Einfuhr von Ackerbauerzeugnissen von 75 632 215 Doppelzentnern auf 74 424 376 Doppelzentner sank, schnellte die Ausfuhr von 10 217 599 Doppel- zentner auf 14 709 157 Doppelzentner in die Höhe. Gleichzeitig nahm die Einfuhr von Erzeugnissen der Forstwirtschaft um % Million Doppelzentner ab, dagegen stieg deren Ausfuhr um an- nähernd das gleiche Quantum. Die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeugnisse wird durch die bekannte Ausfuhrprämie für Getreide in der Höhe der Eingangszölle gefördert. Diese Förderung ge- schieht auf Kosten der deutschten Steuerzahler und sie hat den Zweck, die Inlandspreise hoch zu halten. Ein Teil der Eiscnbahnmehr- einnähme wird schließlich aus der Rcichszollkasse bezahlt und zwar bedingt eine Mark Mehreinnahme infolge gesteigerter Getreideaus- fuhr die Hergabe eines ungleich größeren Betrages an Ausfuhr- Prämie. Das ist auch eine der Schönheiten unserer agrarisch-klcri- kalcn Wirtschaftspolitik. Wie die Ausfuhrzablen lehren, ist die flottere Beschäftigung in der Industrie in erheblichem Grade auf den stärkeren Absatz von Rohmaterialien und Halbzeug auf dem Auslandsmarkt zurückzu- führen. So hat der Export von Steinkohlen, der in den ersten 3 Quartalen des Vorjahres 155 Millionen Doppelzentner betrug, im laufenden Jahre ein Quantum von 171 Millionen Doppelzentner erreicht. Die Ausfuhr von Roheisen stieg in der gleichen Zeit von 3,1 Millionen Doppelzenwer auf 5,6 Millionen Doppelzentner, und der Absatz von Halbzeug hob sich von 3 355 042 Doppelzentner auf 3 512 230 Doppelzentner. Von größerem Vorteil für die ge- samtc Wirtschaft und den Arbeitsmarkt ist die Ausfuhr von Erzeug- nisten der Weiterverarbeitung, in denen eine große Summe von Löhnen exportiert werden. Aus Raumrücksichten beschränken wir uns darauf, die Ausfuhrsteigerung nach Warengruppen darzu- stellen. Es lourden in den ersten 3 Monaten ausgeführt: Menge in 1000 Dz. Wert in 1000 M. 1909 1910 1909 1910 Chemische u. pharmazeutische Erzeugung....'. 21 388 27 271 433 893 508 222 Tierische».pflanzliche Spinnstoffe und Waren daraus 2 326 2 728 887 897 1005 195 Leder und Lederwaren.. 272 345 281 653 332 619 Kaulschukwaren..... 57 68 31070 38 997 Geflecht aus pflanzl. Stoffen 30 31 6 017 6 842 Besen, Bürsten, Pinsel.. 18 20 7 096 8 185 Waren aus Schnitzstoffen. 572 683 64 492 78 399 Papier und Waren daraus. 2 897 3 494 143 959 159 096 Bücher, Bilder..... 169 170 66 884 67 973 Waren aus Steinen usw.. 1227 1268 15 155 10 770 Tonwaren....... 3 526 4 043 55 792 62 479 Glas- und Glaswaren.. 1083 1 317 70 502 73 172 Edle Metalle u.Waren daraus 5 6,5 253 410 184 999 Unedle„„„„ 30502 37 708 754 551 891725 Maschinen, elektromechamsche Erzeugnisse..... 3 362 3 976 482 026 596493 Feuerwaffen, Musikinstrumente, Spielzeuge...... 462 540 105 669 125 050 Zubereit. Wachs, fette Säuren Oele usw....... 236 267 29 610 24 713 Die Gesamtausfuhrmenge betrug im Vorjahre 348% Millionen Doppelzentner, im lausenden Jahre 388% Millionen Doppclzentner. Der Ausfuhrwert steigerte sich im Warenverkehr von 4706 Millionen Mark aus 5447 Millionen Mark. Einer erheblich gesteigerten Pro- duktion erfreuen sich nach der Ausfuhrentwickelung: die Chennsche Industrie, das Ledergewerbe, die Papierindustrie, das Eiscir- gewerbe und der Maschinenbau. Aus diesen Industrien wird auch über den flotteren Eingang von Aufträgen berichtet. Falls keine außergewöhnlichen Störungen eintreten, darf man für den nächsten Herbst und Winter auf eine bessere Beschäftigung als im Vorjahre rechnen. D. Eingegangene Druchfchnftcn. Unter dem Scheinwerfer. Von R. Martin. 378 S. Schuster u. Loessler. Berlin W. 57. Buch- und Kunstdruck. 11. Jahrgang, Hest 1. Wegweiser für Schristcnherstellcr und Verbraucher. Gebr. Richter, Erfurt. Buchstabcn-Bilder. Mnemonik und Unterricht im ersten Schuljahr. Von O. Karnowskh. 69 Ps. Bilderschrist-Verlag, Berlin NO. 65. Orlog. Novellen von der Päd von H. Walther. 2 M., geb. 3 M.— Die drei Dollarjäger aus Berlin. Eine heitere New Yorker Ge» schichte von Henry F. Urban. Concordia, Deutsche Verlagsanstalt, G. m. b. H.. 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Berlm SW. it. 249. 27.»M,. 4. MlllM des Lomarts" Kerliller MlllsdlM. Wuw. 2Z. Aiober.M. Montag, den 24. Oktober, frauen-Cefeabend in den Bezirken Groß�Berllns. Hinein in die iKoniumvereine! Schwer lasten die Folgen der indirekten Steuern und Zölle, druckend die Wirkung der letzten Finanzreform auf dein Mittelstand und der Arbeiterklasse. Tue ungeheure künstliche Verteuerung der Lebens- und Bedarfsartikel belastet den Haushalt einer aus Mann, Frau und drei Kindern bestehenden Familie um ungesähr HO bis 150 M. jährlich. HO bis 150 M. jährlich würde die Familie für die von ihr gekauslen Lebens- und Bedarfsartikel weniger zu zahlen haben, wenn die Zoll- und Steuergesetzgebung nicht um diese Summe die notwendigen Verbrauchsartikel verteuerte. Eine ungeheuerliche Summe im Verhältms zu einem schmalen Ein- kommen, ein Nichts im Verhältnis zu dem Einkommen des Millionars. Der Anteilnahme der große n Menge an den Ktilturgütern wird durch diese Steuer- und Zoll- schraube außerordentlich herabgesenkt. die Kindersterblichkeit vermehrt, der Arbeiter zum Kampf um die Erhöhung seines Lohnes ge» z w n n g e n. Nastlos muß die politische Arbeit für Beseitigung dieser Last durch die Gesetzgebung selbst bleiben. Unenniid- lich die rastlose Agitation zur Aufklärung über die Not- wendigkeit der Beseitigung der politischen Macht der Zöllner und Junker durch sozialdemokratische Wahlen ist im Interesse des Mittelstandes und der Arbeiter, im Interesse ihrer Familien, im Interesse des Allgemeinwohls mehr als je erforderlich. Neben der intensiven Arbeit auf politischem wie gewcrkschaft- schaftlichem Gebiete sei aber der Aufklärung über den Nutzen des GenossenscbaftSwesens für die Arbeiterklasse nicht vergessen. Gewiß kann die genossenschaftliche Bewegung bei Abschätzung ihrer Wichtigkeit schon deshalb nicht in einem Atemzuge mit der gewerkschaftlichen und politischen Bewegung genannt weiden, weil, so großen Nutzen sie den ihr zugehörigen Arbeitern bringt, sie nicht in der Weise der Arbeiter k l a s s e in ihrem BefreiungSkamps förderlich sein kann wie der politische und gewerkschaftliche Kampf. Eine kindliche, bürgerliche Utopie ist die Annahme von Niirgenosseiischaftlern. die Konsumvereinsbewegung könne die soziale Frage lösen. Ter vom Lohnarbeiter produzierte Mehrwert fällt dem Kapitalisten zu. Denn der Arbeiter produziert stets mehr, als er konsumiert. Das ändert sich auch nicht, wenn die gesamte Arbeiterklasse ihre Konsumartikel genossenschaftlich einkaufen, ja selbst produzieren würde. Das AusbeutungSvcrhältnis bleibt bestehen. Es ist nur durch Verwirklickung des sozialdemokratischen Endziels durcki politischen Kampf zu beseitigen. Kann die Geuossenschastsbewegung danach keine ent- scheidende Nolle in dem Kampf des Proletariats um Befreiung auS wirtschastlichem Elend und politiicher Knechtung spielen, so ist sie doch geeignet, falls sie vom soziali- stischen Geist erfüllt ist. den Klassenkampf der Arbeiterklasse erheblich zu unterstützen. WaS vor IS Jahren Karl Kautsky schrieb, hat sich in wachsendem Maße als richtig erwiesen: .Früher oder später ist in jedem Lande die Genossen- schastsbewegung berufen, neben dem Kampf der GeWerk« scbaften um Beeinflussung der Prodiiktioiisbedingungen, neben dem Kampfe des Proletariats um die Macht in Gemeinde und Staat, neben dem Bestreben von Gemeinde und Staat nach Ausdehnung und Vermehrung der von ihnen beherrschten und verwalteten Produktionszweige, eine nicht unwichtige Rolle im Emanzipationskampf der Arbeiterklasse zu spielen." Das ist eine Wahrheit, die wohltätig von den der Genoflen- fchaftsbewegung nur schädlichen Uebertreibungen über ihren Nutzen absticht. Der Parteitag in Magdeburg hat wie zuvor der internationale Kopen Hagener Kongreß von neuem die Aufmerksamkeit der sozialdemokratisiben Arbeiter auf den Richen gelenki, den die Konsumvereine silr die Arbeiter und Arbeiter- familien haben. Billigere und bessere Lebeiismittel, Schn« vor Heber- vorteilung und Bcrfälschung bieten außer anderen Vorteilen die Lonsninvercinr. Hinein in die Konsumvereine, wer das für sich und seine Familie erreichen will I Je mehr die Massen den Konsumvereinen beitreten und dort ihre Bedürfnisse decken, desto mehr steigert sich die Leistungsfähigkeit dieser Konsumvereine auf wirtschaftlichem Gebiete. Je mehr die Mitglieder der Konsumvereine mit den Mitgliedern der sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften identisch werden und von deren Meist erfüllt sind, desto besser können sie wertvolle soziale Arbeit leisten durch Schaffung vorbildlicher, niit� den Gewerkschaften vereinbarter Lohn» und Arbeitsverhält- nisse für ihre Angestellten. Durch Emrickuung von Not- und Hilfsfonds für ihre Mitglieder, durch Einwirkung aus die Arbeiisverhäliiiisse der Arbeiter jener Betriebe, deren Abnehmer die Genosseuicvaften sind, durch Uebergang zur Eigenproduktion und durch Erziehung der Arbeiter zur selbständigen Leitung ihrer An- gelegenheiten können die Konsuntgenossciischaften ein wirk- sames Mittel zur Unterstützung im Klassen- kämpfe sein. Die Durchdringung der Genossenschaften mit sozialem Gei st ist möglich und nötig. Völlig verkehrt und sich selbst iind seine Familie schädigend ist es, abseits von der Konsiimvereinsbewegung zu stehen, weil das überueutrale oder kränierhafte oder etwa antisoziale Gebühren einiger.Führer" der Genossenschaftsbewegung abstoßend wirkt. Gerade wer be- dauert, daß da und dort in der Konsuni Vereins- bewegung kleinkränierischer, enger, zünftleri- scher, antisozialer Geist Eintritt gefunden hat, hat die doppelte Verpflichtung sich und seiner Klasse gegenüber. Mitglied der Konsumvereins- bewegung zu werden. Man bekäinpft Schäden nicht dadurch, daß man abseits steht, sondern fördert sie so. Die.Führer" sind und niüssen in einer von sozialisti- schem Geist durchtränkten Organisation zugleich„Diener" der Bc- Wegiing selbst sein, deren Herr allein die große Menge ist. Das erfreuliche ständige Anwachsen der Konsumvereine zeigt, daß die Arbeiterklasse den Wert der Konsumvereine zu schätzen weiß. In Berlin ist zwar auch eine erfreuliche Verniehrmig der Mit- gliederzahl zu verzeichnen. Aber sie hat bei weitem noch nicht die Höhe erreicht, die der Bedeutung Berlins im kulturellen, politischen und gewerk- schaftlichen Kampf gebührt. In Berlin hat die Zersplitterung der KonsumvercinSbewegung durch Drängen der politischen und gewerkschaftlichen Bewegung seit dem 1. Oktober 1908 aufgehört. Seitdem schreitet die Konsum Vereinsbewegung in Berlin un aufholt- sam vorwärts. 1906/07 hatte sie erst 5190 Mitglieder aufzu- weisen. 1907/08 stieg die Zahl der Mitglieder auf 11 221. Am 80. Juni 1009 kounten 19 172 Konsumvereiiismitglieder, am 30. Juni 1910 27 957, zurzeit über 30 000 Mitglieder in Berlin gezählt werden, Ein schöner, aber ein noch keincsivegS befriedigender Foitschritt. Noch hat auf diesem Gebiete Berlin nicht entfernt das leisten können, was Hambitrg. Leipzig und andere Städte ttitS aufweiten, Je mehr Arbeiter in Berlin Mitglieder der Konsiimgenossrnschaft werden, desto schneller wird es möglich sein, mich in Berlin ans der Konsinnvercinsbcwegimg ähnliche Vorteile sür die Arbeiterklasse zu schaffen, wie sie in Hamburg, Leipzig und an anderen Orten für die Arbeiterklasse durch das zielbewußte Vorgehen der sozialdemokratisch denkenden Mitglieder ermöglicht wurden. Gerade in dieser Zeit besonderer Teuerung durch die Gesetzgebung wälzt der Arbeiter einen Teil der Verteuerung durch Beilritt zu dem Konsumverein ab. Möge die Berliner Konsumgenossenschaft bald so blühen, daß sie ähnliche und noch mehr in die Augen springende Borteile wie dje genannten Orte erreichen kann. Hinein in die Konsumvereine! Wie man Mitglied des Konsumvereins wird, ist in dem An- zeigenteil dargelegt. Aus der Annonce erfahren die Leser auch, wo Verkaufsstellen zurzeit bestehen. Möge durch Masscneintritt in die Konsumvereine es ermöglicht werden, daß die Zahl der Verkaufs- stellen sich in kurzem verdoppelt! Partei- jHugelegenbeiteii. Zur Lokalliste! In Malchow, N.-B., steht uns nur das Lokal Cafe Tietz, Jnh. Stahlberg, Dorfstr. 31g, zur Verfügung, die übrigen Lokale sind streng zu meiden. Dies bitten wir besonders die Heimstätten- besucher zu beachten. Ferner weisen wir darauf hin, daß auf der Tour nach Bernau in den Orten Lindenberg und Schwanebeck alle Lokale gesperrt sind. Wir bitten die Arbeiter-Radfahrer, sich das zu merken. In Hohenneuendorf, N.-B., haben folgende Lokalbesitzer ge- wechselt und stehen uns die Lokale Restaurant zum Bürgerhof, Jnh. Stöhr, Ruhwaldstr. 45, und Restaurant Feldschlößchen, Inhaber Nuhsler, Stolpcstr. 27, nach wie vor zur Verfügung. In Bergfclde(Kolonie) ist das Lokal von Richter aus der Liste zu streichen._ Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Heute, Sonntag, den 23. Okto- ber, llraniavorstellung. Zur Aufführung gelangt:„Der Vierwald- stätter See und die Gotthardbahn". Der Vortrag beginnt Punkt- lich 2 Uhr. Die Physiksäle werden um 1 Uhr geöffnet. Der Borstand. Fünfter Wahlkreis. Zweite Abteilung. Besichtigung der „Ständigen Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt" Charlottenburg, Fraunhoferstr. 11/12, heute, Sonntag nachmittag, den 23. Oktober. Treffpunkt: VA Uhr an der Berolina, Alexanderplatz. Abfahrt: 1% Uhr vom Bahnhof Alexanderplatz bis zum Tiergarten. Fahr geld 10 Pf. Am Dienstag, den 25. Oktober. Versammlung des Wahlvereins in den Union-Sälen, Greifswalder Straße 222. Oberlehrer a. D. Max Schütte referiert über das aktuelle Thema:„Portugal". Gäste willkommen. Der Vorstand. Sechster Wahlkreis. Die Genossinnen der 12. Abteilung ver anstalten heute einen Ausflug nach Pichelswerder zum Alten Freund. Treffpunkt mittags 1 Uhr, Bahnhof Gesundbrunnen. Charlottcnburg. Wir machen hierdurch nochmals auf die heutige Haudzettelverteilung aufmerksam. Ferner weisen wir noch auf die am Dienstag, den 25. Oktober, abends 8�2 Uhr, im großen Saal des Volkshauses stattfindende öffentliche Kommunalwähler-Versammlung hin. Gen. Dr. Borchardt spricht über die bevorstehenden Stadtverordneten- Wahlen. Die zweite Gruppe veranstaltet heute im kleinen Saale des Volkshauses ein Gruppenvergnügen. Anfang 6 Uhr. Billets a 30 Pfennig sind bei den Bezirkssührern erhältlich. Der Vorstand. Schönebcrg. Die Wahlvereinsversammlung findet am Dienstag, den 25. d. M., abends 8 Uhr, statt in den Neuen Rathaussälen. Meiningcr Straße 8. Die Tagesordnung lautet: 1. Vortrag des Genossen Julian Barchardt über:„Religion ist P r i v a t s a ch e". 2. Die Nachwahl im 9. Bezirk. 3. Partei: angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Ferner findet am Sonntag, den 23. d. M., eine Flug- blattverbreitung statt von dem Lokale Rethfeldt, Königsweg 42 und Andreas, Feurigstr. lb. Es ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, besonders der Radfahrer» zahlreich zu erscheinen. Wikmeredorf-Halensee. Heute Sonntag, früh 8 Uhr, findet zur Stadtverordnetenwahl im 8. und 9. Bezirk eine Flugblattver- breitung vom Lokal des Gen. Schilling, früher Käsler, Lauen- burgerstraße 20, aus statt. Dienstag, 25. Oktober, wird im Gesellschaftshause, Wilhelms- aue 112, eine Volksversammlung abgehalten, in der Stadtverord- neter Dr. Silberstein aus Rixdorf über die Stadtverordneten- Wahlen spricht. Reinickendorf-Ost. Am Dienstag, den 25. Oktober, abends 8� Uhr, findet bei Wernau, Provinzstr. 72, eine Mitglieder- Versammlung des Wahlvereins statt. Tagesordnung: 1. Be- richt vom Magdeburger Parteitag. Referent: Genosse Bühler. 2. Bericht von der Generalversammlung Rieder-Barnim. Die Bezirksleitung. Boxhagen-Rummelsburg. Montag, den 24. Oktober, abends 8 Uhr, Flugblattverbreitung von den Bezirkslokalen aus. Karlshorst. Heute Sonntag findet im Restaurant von Sabrowski, Treskowallee 66, ein Heiterer K u n st a b e n d statt, bestehend in Rezitationen. Klavier- und Gesangsvorträgen. Nach den Vorträgen geselliges Beisammensein und Tanz. Beginn 6 Uhr. Eintritt 16 Pf. Am Dienstag, den 25. d. M., abends 8% Uhr, im selben Lokal öffentliche Frauen-Vcrsammlung mit der Tagesordnung: .Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen". Refc- rentin: Genossin Frida Wulff-Berlin. Friedrichshagen. Am Mittwoch, den 26. Oktober, abends SVa Uhr, findet bei Lerche, Friedrichstr. 112, eine Volksversamm- l u n g statt. Tagesordnung: Gottgewollte Weltorduung und mensch- liche Logik. Referent Landtagsabgeordneter Adolf H o s f m a n n. Diskussion.— Die für Mittwoch fällige Mitgliederversammlung fällt aus diesem Grunde aus. Heute früh 3� Uhr findet eine Handzettclverbreitung von den bekannten Bezirkslokalen aus statt. Biesdorf. Dienstag, den 25. d. M., abends 8sh Uhr, Zahlabend bei Gustav Berlin, Marzahnerstr. 24. Die Bezirksleitung. Groß-Lichterfelde. Am Dienstag, den 25. d. M., abends 8V2 Uhr, bei Wahrendorf Versammlung des Wahlvereins. Vortrag des Genossen Groger über den ersten Teil des Erfurter Pro- gramms. Heute Sontag, abends 7 Uhr, findet bei Wahrendorf, Bäke- straße 22, ein vom Bildungsausschuß veranstalteter Heiterer Abend statt. Mitwirkender: Rezitator Herr Fritz Richard vom Deutschen Theater. Eintritt 30 Pf. Garderobe 10 Pf. Nach den Vorträgen: Tanz. Der Vorstand. Ober-Schöncweide. Am heutigen Sonntag, morgens 8 Uhr, findet zugunsten der am Montag, den 24. Oktober, stattfindenden Frauenvcrsammlung eine Flugblattverbreitung von den Bezirks- lokalen aus statt. Zehlendorf(Wannseebahn). Dienstag, den 25. d. M., findet die Wahlvcreinsverfammlung bei Benno Mickleh statt. Vortrag, Bereinsgelegenheiten. Hohen-Schönhausen. Zu der am Mittwoch, den 26. d. M., abends 8 Uhr, im Lokale des Genossen F. Reiher, vorm. Herschlcb, Berlinerstr. 93, stattfindenden öffentlichen Versammlung findet heute früh eine Handzettelverteilung von den Bezirkslokalen aus statt. Friedenau. Am Mittwoch, den 26. d. M., abends 8s4 Uhr, findet im Lokal„Rheinschloß" eine öffentliche Versammlung statt. Die Genossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Referent Reichstagsabgeordneter Genosse Eichhorn. Thema:„Die Polizei in Preußen und die Vorgänge in Moabit". Steglitz-Fricdenau. Das Herb st fest der Wahlvereine beider Orte findet heute(23.), nachm. 2 Uhr» in den Räumen des Hotel„Rheinschloß", Friedenau, Rheinstraße, statt. Das Pro- gramm: Festrede H. Fritz Tharnow, Cello Herr W. Deckert, Rezi- tationen Herr und Frau Kühne, Gesang: Mänuerchor„Friedenau- Steglitz"» Reigen der Kinder, ist sehr reichhaltig und werden die Genossen ersucht pünktlich zu erscheinen. Einige Eintritts- karten(9,25 M.) werden um Uhr am Saaleingang noch ab- gegeben. Garderobe ist abzugeben und ist frei. Nur solche Kinder, welche nicht stören, werden zugelassen. Am Dienstag, den 25. d. M., findet der 3. Vortragsabend des Genossen Graf(die Entstehung der Erde) in denselben Räumen statt. Zu diesen Ver- anstaltungen haben jugendliche Arbeiter und Arbeiterinnen freien Zutritt. Der Bildungsausschutz. Lankwitz. Mittwoch, den 26. Oktober, im Restaurant Ebel, Mühlenstratze, ordentliche Sitzung des Wahlvereins. 1. Vortrag des Gen. Katzenstein: Kinderschutz. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Gemeindevertreter. 4. Vereinsangelegenheiten.— Montag, den 24. Oktober: Fraucnlescabend bei Ebel, Mühlenstraße. Vortrag über:„Die Grundsätze und Forderungen". Niederschönhausrn-Nordend. Die am Dienstag, den 25. Oktober, fällige Mitgliederversammlung fällt diesmal aus. Die Bezirksleitung. Nowawes. Mittwoch, den 26. Oktober, abends 8sH Uhr, finden in den bekannten Lokalen Bczirkssitzungen statt. ßcrllncr JVacbricbtrn Das Theater der Millionäre. Um'/z8 Uhr werden die Türen zu dem eleganten, von der großstädtischen Lebewelt bevorzugten Theater erst geöffnet, aber bereits um ll2l Uhr staut sich die Menge vor den Spiegelscheiben der drei Portale.„Ausverkauft I" steht an der Kasse, trotzdem es Werktag ist. Nur von dem billigsten Platz, der zwei Mark kostet, sind noch ein paar Karten zu haben.„Für Sitzplätze übernimmt die Direktion keine Garantie", steht darauf. Träge schleichen die Minuten. Pünktlich um'/-Z Uhr werden die Tore geöffnet. Ein entsetz- liches Drängen, Schubsen, Stoßen, Schieben, Ouetschen beginnt. Mählich flammen im Hause die Glühbirnen ans, heller und heller wird es, Hunderte von Lichtern erstrahlen und werfen von den vergoldeten Logenbrüstungen glänzende Reflexe zurück. Der„Eiserne" geht hoch, Lichtbilderreklamen beginnen: Sektfirmen, Weinrestaurants, Bierpaläste, Likör- stuben, Ansternrestaurants, Riesencafös, Nachtkabarctts mit Bier und Wein kündigen sich an. Die Alkoholabstinenz, die man dem Arbeiter predigt, scheint für diese Welt nicht zu existieren. Die Besucher suchen, unterstützt von den in Devotion er- sterbenden Logendienern, ihre Plätze auf, die sich, durch einen breiten Gang von den billigen getrennt, im ersten Rang hin» ziehen. Da watschelt ein vor Fett schwabbelnder Provinz» rentier heran; er hat den fetten Speckhals mühsam in einen blendend weißen Kragen— 2 Zentimeter hoch, aber 45 breit — gezwängt und fühlt sich äußerst ungemütlich. Und später, wenn die Mädels auf der Bühne in ihren dünnen Trikots und Schleiern tanzen, dann glänzen feine geilen Schweins- äuglein. Wahrhastig, da kommt auch noch seine dickere Hälfte. Der koloffale Vordcrbuscn gibt dem hinteren nichts nach. Un- glückliches Dienstmädchen, das dieses Trampeltier in ein Korsett zwängen und ihm Haken und Oesen schließen muß! In den Ohren, anf den Fingern, uin den Hals trägt Frau Protz erbsengroße Brillanten. Eine Arbeiterfamilie könnte von dem Geld, das die glänzenden Dinger gekostet, fünf Jahre leben. Jetzt eine Sensation! Eine hohe, schlanke Franengestalt erscheint. Tiefvioletter Santt umschließt die Glieder der Frau. Ein weiter Ausschnitt läßt die schönen Formen eines gepflegten Körpers ahnen. Sie sitzt da in Begleitung ihres dandyhäft gekleideten Gatten, etwas müde und gelangweilt. Nachlässig spielen die zarten, schlanken Finger mit dem kostbaren Elfen- beinfächer. Sie denkt wohl an nichts. Ach, wenn sie ihre Gedanken nur für Sekunden nach den Räumen lenken könnte, ans denen der kostbare Stoff ihres Kleides hervorgegangen ist. Wenn sie sehen könnte, wie in dem furchtbarsten, lirngen- zerfressenden Staub die Mädchen an den Spinnstühlen stehen, wie sie dastehen von morgens bis abends in einer Hölle von Lärm, diese kühlen, gelassenen Augen müßten sich in Ent- setzen weiten. Und nun strömt es herein ohne Unterbrechen. Die Luft erfüllt sich mit dem Duft von Bliiincngärtcn. Seidene Kleider und Unterkleider rauschen, knistern leise. Perlen und Edel- steine funkeln und leuchten wie eilt herniedergefallencr Sternenhimmel. Eine Zirait mit runden molligen Formen schreitet heran, übermütig lachend, um die Schultern einen Pracht- vollen Spitzcnumhang. Wenn sie wüßte, wie viel gesunde Mädchen- und Frauenangen an solchen Gespinsten zu schänden gearbeitet werden! Immer mehr drängt sich in die Logen. Frohsinn, Lachen, Heiterkeit, sonniges lustiges Leben überall. Sie fühle» es, wie sie so ganz unter sich sind, diese Männer und Frauen der internationalen Geld- aristokratie. Da schrillt die Glocke, es wird dunkel int Saal. Auf saust der Vorhang und Hunderte von gierigen Männeraugen uniklammern die jungen, kräftigen, blühenden Mädchenleiber, entsprossen dem arbeitenden Volk, die dort oben tanzen und springen, sich wiegen und biegen, um endlich in gewagtesten Stellungen und Tänzen symbolisch das letzte und heiligste ihrer Weiblichkeit den Zuschauern zu bieten— für einen Hungerlohn, an dem Leib und Seele zugrunde gehen. güt die Veteranen. Eine gemischte Deputation der Berliner Gemeindebehörden hat gestern beschlossen, dem Magistrat und der Stadtverordnetenversammlung zu empfehlen ISO 000 M. zu bewilligen als Fonds, aus dem alljährlich am Tage von Sedan orts- angehörigen Veteranen aus den Kriegen der 60er und 70er Jahre eine Beihilfe von SO M. gezahlt werden soll, und zwar sollen alle die Veteranen diese Beihilfe erhalten, die sich vorher beim Magistrat dazu melden. Es ist beschämend für das Reich, dah die Kommunen die Ver- pflichtung des Reichs übernehmen müssen, für die alten Kriegs- teilnehmer zu sorgen. Steiiergnittung ist keine Postlegitimation. Es kommen imnier wieder Klagen, daß die Post bei der Auszahlung von Geld, selbst ganz geringen Beträgen, im Legitimatiouszwange außerordentlich zopfig ist. Doppelt und dreifach gestenipelte amtliche Bescheinigungen, selbst Steuerzettel, die doch sonst überall als vollgültigste Legitimation angesehen werden, finden vor den Augen der Post keine Gnade. Wer fünf Groschen, die auf Postauweisung eingezahlt sind, beim Postamt abheben will, wenn ihn der Geldbriefträger zu Hause nicht angetroffen hat, mriß eine amtlich beglaubigte Personalbeschreibung vor- legen, sofern er sich nicht durch zufällig anwesende Briefträger als berechtigter Empfänger rekognoszieren lassen kann. Die Post nimmt an, daß der Steuerzettel oder eine ähnliche Legitimation gestohlen oder gefunden sein kann. Dabei muß doch der sein Geld Fordernde auch den Ankündigungszettel mitbringen, den der Geldbriefträger in seiner Wohnung zurück- gelassen hat. Auch wird er fast immer angeben können, von wem das Geld kommt und wie hoch der Betrag ist. Trotz- dem werden bureaukratische Schwierigkeiten bereitet, was den- jenigen, der sein Geld schnell braucht, hart trifft. Ist die sofortige Rekognoszierung nicht möglich und auch eine beglaubigte Personalbeschreibung, etwa durch eine Radfahrerkarte, nicht zur Stelle zu bringen, so bleibt nichts übrig, als das Geld zu einer bestimmten Zeit nochmals nach der Wohnung tragen zu lassen, worüber mindestens ein halber Tag vergeht. Die Bestimmungen sollten wenigstens für kleinere Beträge wesentlich vereinfacht werden, wozu es mehrere Wege gibt. Das Reichspostanit hat ja allerdings die mit Personal- beschreibung und Photographie versehene sogenannte Post- ausweiskarte gegen eine Jahresgebühr von 50 Pf. eingeführt. aber man kann doch schlechterdings nicht erwarten und ver- langen, daß jeder, der nicht allzu häufig Geldsendungen be- kommt, sich für alle Fälle solche Ausweiskarte beschafft. In anderen Dingen, wo viel mehr Vorsicht am Platze wäre, wird oft viel Iveniger vorsichtig verfahren. Zwei schwere Strahenbahnunfälle durch Absturz von den Plattforinen wurde dieser Tage wieder gemeldet. Hierzu wird uns geschrieben: Es muß die schon einmal ausgesprochene For- derung, die Plattformen auch nach den Aussteigeseiten zu schließen, auf das ernsteste wiederholt werden. Andere Städte, wie München z. B., haben diese Einrichtung, nur Berlin mit seinen hohen, schwer zu erkletternden Wagen, läßt seit Jahrzehnten Todcsstürzc über sich ergehen, ohne von der Straßenbahn-Gesell- schaft energisch Abhilfe zu fordern, die gerade nach dieser Richtung so leicht zu gewähren ist. Zwei Gefahren würden durch die Platt- formverschließung erheblich vermindert, erstens das vorzeitige Auf- und Abspringen ungeschickter Personen während der Fahrt und zweitens das Abstürzen bei plötzlichem zu schnellen Einfahren in Schienenwendungen lKurven). An den Plattformen sind jetzt meistens die Schiebegitter vor- Händen, sie müssen eine etwas geschicktere Konstruktion durch ab- gerundete Kappen oder etwas ähnliches erhalten und während der Fahrt vorgezogen bleiben. Aus eigenem Antrieb wird die Straßenbahngesellschaft zur Sicherung der Fahrgäste keinen Finger rühren, hier muß die Auf- sichtsbehörde eingreifen. Die übermäßige Erhöhung der Wagen, die angeblich dazu dienen sollte, Ueberfahrene weniger zu ver- letzen, hat das Einsteigen sehr erschwert und die Abstürze ver- fchlimmert. Das Publikum würde sich schnell an die geschlossenen Eingänge gewöhnen und den Verschluß zur Gefahrverminderung durch Selbsthilfe unterstützen wie in den Eisenbahnwagen der Vor- ortbahnen._ Die Höllenmaschine im Postpaket. DaS Opfer eines Erpressers wäre vor einigen Tagen beinahe der Hosmaler Arthur Fischer, Unter den Linden, geworden. Vor etwa 3 Monaten erhielt Herr F. einen Erpresserbrief, in dem ihm mitgeteilt wurde, daß er sein Leben verlieren werde, wenn er nicht binnen 24 Stunden unter einer bestimmten Brücke am Groß- Schisfahrtskanal 20 000 M. deponieren werde. Herr F. nahm diesen ersten Brief jedoch nicht ernst, sondern glaubte viel- mehr, daß es sich um einen faulen Witz eines Bekannten handle. Nach einigen Tagen jedoch kam ein ähnlicher Brief, in dem ihm angedroht wurde, daß er getötet werde, falls er nicht abends um 8 Uhr am Bahnhof Tiergarten einem Manne, der ihn ansprechen werde, 20 000 M. übergeben würde. Nunmehr wandte sich Herr Fischer an die Kriminalpolizei und es wurde die Verabredung ge- troffen, dah der Maler stch pünktlich an der bezeichneten Stelle ein- finden solle. Es sollten mehrere Beamten zur Stelle sein, die im geeigneten Moment den Erpresser festnehmen könnten..Herr Fischer beobachtete dann auch gegen 8 Uhr. daß sich ein verdächtig aussehender Mann ihm mehrmals zu nähern suchte. Er vermied die Begegnung jedoch, da die Polizeibeamten sich nicht eingefunden hatten, sondern er st eine halbe Stunde später an Ort und Stelle anlangten. Seitdem verfolgte der Erpresser ein anderes System. Vor einigen Tagen kam ein Brief, in welchem dem Porträtmaler mitgeteilt wurde, daß er in kurzer Zeit sein Augenlicht und Leben verlieren«verde. Zwei Tage darauf erhielt Herr Fischer eine kleine Kiste, an der ein Brief mit folgendem Inhalt befestigt war:«Es ist mir endlich gelungen, Belastungsmaterial gegen Sie zusammen- zubringen, öffnen Sie die Kiste und Sie werden staunen." Herr Fischer übergab jedoch die Sendung der Kriminalpolizei und diese ließ sie im chemischen Laboratorium öffnen. In dem Augenblick, als die Schachtel herausgezogen wurde, ertönte eine furchtbare Detonation und eine meterhohe Feuersäule sprang aus dem Kästchen hervor. Wie sich herausstellte, war in dem Streich- holzschächtclchen eine Mischung von Schietzpulver und Blitz- l i ch t p u l v e r enthalten, das durch eine geschickt angebrachte Zündvorrichtung zur Erplosion gebracht wurde. Die Untersuchun- aen der Polizei sind zwar noch nicht abgeschlossen, doch werden die Recherchen bereits nach einer ganz bestimmten Richtung hin ge- leitet. Auf die Ergreifung des Täters sind 1000 M. Belohnung ausgesetzt worden. Zwei der Opfer der Brandkatastrophe in der Neuen Friedrich- straße wurden Freitag und Sonnabend, nachmittags um 4 Uhr, auf dem städtischen Friedhofe in F r i e d r i ch S f e l d e bestattet: Frau F e ch n e r und Frau Aumann, 27 Jahre und LS Jahre alt. Besonders groß war die Beteiligung bei Frau Au- mann, die ein langjähriges Mitglied des Verbandes der Wäsche- reiarbeiter war. Eine große Anzahl von Kränzen wurde nieder- gelegt. Für den Verband sprach Genosse Trinis Worte der Dankbarkeit. Die Trauerreden hielt Genosse W a l d e ck- M a n a s s e, der die Angehörigen tröstete, aber auch in ernsten Worten auf die Gefahren hinwies, die auf dem Schlachtfelde der Arbeit den Proletariern erwachsen. Ein Menschenleben muß mehr Wert haben als aller Profit eines vierstöckigen Warenhauses. Gesang und Musik vertieften die Wirkung der Gedächtnisreden. Zu dem Selbstmord des Buchhändlers Otto Zyriakus wird «noch mitgeteilt: Zyriakus hatte nach dem Gesellschaftsvertrage viKt das Recht, ohne Zustimmung der anderen Geschäftsteilhaber größere Transaktionen vorzunehmen. Trotzdem hat er sogar Blankoakzepte, die er Bekannten und Freunden gab, mit der Firma unterzeichnet. Auf diese Weise ist das Geschäft ohne sein Wissen an den rein privaten Angelegenheiten des einen Soziaus beteiligt worden. Als die ersten Wechsel vorgelegt wurden und bezahlt werden mußten, traten die hiesigen und Leipziger Geschäftsteil- haber zusammen, um eine allgemeine Revision vorzunehmen. Von den ganz privaten, aber mit der Firma unterzeichneten Trans- aktioncn, war jedoch in den Büchern nichts zu finden. Auch die Angestellten konnten darüber keine Auskunft geben. Wie weit den Wechselbeträgen Gegenverpflichtungen der einzelnen Personen gegenüberstehen, bedarf natürlich noch der Aufklärung. Es ist aber schon heute sicher, daß das Geschäft nicht entfernt um 800 OOa Mark geschädigt sein wird. Berichtigend sei mitgeteilt, daß Zyriakus sich nicht ertränkt, sondern in einem Zimmer des Wirtshauses an der Machnower Schleuse am Teltowkanal erschossen hat. Umfangreiche Schwindeleien beschäftigen seit einiger Zeit die hiesige Kriminalpolizei. Es handelt sich um eine Gesellschaft von Leuten, die sich Bauagenten und dergl. nennen und unter den verschiedensten Deckmänteln allerhand„Schiebungen" bei Bauten betreiben, bei denen dieser oder jener als Strohmann aufzutreten pflegt. Zivilprozesse, die aus solchen Unternehmungen gewöhnlich entstehen, sucht die Gesellschaft durch falsche eidesstattliche Ver- sicherungen zu hintertreiben. In einem Prozeß mit einem Stet- tiner Kaufmann waren hier in Berlin 1000 M. hinterlegt worden. Diese hat nun ein gewisser Schröder mit gefälschten, notariell beglaubigten Papieren für einen Bauagenten Armonier erhoben. Schröder begab sich darauf ins Ausland, während Armonier mit einem gewissen Willermut seine Geschäfte weiter betrieb. Armonier, Willermut und ein dritter, der noch nicht bekannt ist, fuhren nach Erhebung des Geldes mit einem Automobil nach dem Stettiner Bahnhof, lösten sich dort Fahrkarten nach Stettin, fuhren aber nach Löwenberg, hielten sich dort eine Zeitlang auf und kehrten dann nach Berlin zurück. Sie wollten sich ohne Zweifel durch diese Fahrt ein Alibi verschaffen. Der Kriminalpolizei gelang es aber, diesen Plan zu durchkreuzen. Gestern wurden Armonier und Willermut in demselben Prozeh aus dem Amtsgericht Wedding vom Untersuchungsrichter als Zeugen vernommen. Gleich nach der Vernehmung wurden sie von Kriminalbeamten verhaftet. In diese Geschichte sind auch noch andere verwickelt. Ein geisteskranker Bahnhofsvorsteher. Eine aufregende Nacht- szene spielte sich vom Donnerstag zum Freitag auf dem Bahnhof Köpenick ab. Dort sahen Bahnbeamte kurz nach 12 Uhr den 63jähri- j gen Stationsvorsteher Wilhelm Dördel, nur leicht bekleidet, auf den Eisenbahngleisen der Station umherirren, wobei er heftig gestikulierte und verworrene Laute von sich gab. Dördel war Plötz- lich geisteskrank geworden. Als sich ihm einige Bahnbeamte näherten, erging er sich in heftigen Vorwürfen, daß sie„sich dem französischen Eisenbahner- ausstand angeschlossen hätten" und drohte den über diese Wahn- witzigen Anschuldigungen vollständig Verblüfften mit einer Anzeige an den Kaiser, die er sofort auffetzen werde. Ein auf dem Bahn- Hof stationierter Polizeisergeant nahm einen großen Bogen Papier zur Hand und rief dem Geisteskranken zu, daß er die Anzeige an den Kaiser unverzüglich machen müsse; doch sei es am besten, das Schriftstück auf dem Rathause auszustellen, zumal er dort vor den etwaigen Nachstellungen der„Ausständigen" am sichersten sei. Der Ueberrcdungskunst des Polizisten gelang es denn auch. Dördel zum Mitgehen zu bewegen. Vom Rathause brachte man den Un- glücklichen noch in der Nacht nach dem Köpenicker Krankenhause, wo er sich bald darauf vollkommen beruhigte. Da sein Zustand jedoch zu ernsten Befürchtungen Veranlassung gibt, wurde er Freitag vormittag in der Landesirrenanstalt zu Teupitz(Mark) untergebracht. Einbruch in die Reinickendorfer Hauptkirche. In der bor- gestrigen Nacht wurde in der Reinickendorfer Hauptkirche ein Ein- bruchsdiebstahl verübt, in dem den Tätern SO wertvolle Orden sowie etwa 10 M. in barem Gelde in die Hände fielen. Die alte Dorfkirche, die mitten im Orte steht, ist von einem großen mit Bäumen dicht umwachsenen Kirchhof umgeben. Die Täter, die die schwere Kirchentür nicht zu sprengen vermochten, stiegen durch em Seitcnfenster in die Kirche ein und stahlen aus einem Glaskasten SO Bronzeorden aus den Jahren 1848, 1864/66 und 1870/71, die einen Sammelwert von etwa 2500 bis 3000 M. besitzen. Sodann erbrachen sie einen Opferstock und raubten aus ihm etwa 10 M. in barem Gelde. Da die Diebe durch ein verdächtiges Geräusch bei ihrer Arbeit gestört wurden, verließen sie btc_ Kirche, ohne die silbernen Altargcfäße mitzunehmen. Offenbar jedoch waren die Burschen mit ihrer Beute nicht zufrieden, denn noch in derselben Nacht unternahmen sie bei dem Gastwirt Goetz in der Residenz- straße einen Einbruch, bei dem sie außer der Ladenkasse einen Sack Billardkugeln, mehrere hundert Zigarren, Zigaretten und einige Likörflaschen mitgehen hießen. Im Laufe des gestrigen Vormittag wurden zwei 2ö- und 26jährige„Gelegenheitsarbeiter" bei einem Einbruch in der Residenzstrahe ertappt und verhaftet. ES ist nicht ausgeschlossen, daß diese beideti Einbrecher den Kirchenraub auS- geführt haben. Der vom JugcndauSfchuß angekiindigte Fritz Reuterabend der heute bei Kellers in der Koppenstraße statifinden sollte, muh beson- derer Umstände wegen ausfallen. ES wird darauf austnerkiam ge« macht, dah am Sonntag, den 4. Dezember der ehemalige Lehrer Holzmeier au« Bremen im großen Saale bei Freyer in der Koppen- strahe den Vortrag über Fritz ReuterS Leben und Schaffen bestimmt halten wird. Bor den Augen feine? Freundes erschossen hat sich in der ver- gangenen Nacht der 21 Jahre alte, aus Wien gebürtige Student der Technischen Hochschule Fritz Tichh-Hübel. der in der Bergstr. 70 bei der Musikerwitwe Müller wohnte. Der junge Mann zeigte seit einiger Zeit ein niedergeschlagenes Wesen und äußerte auch Selbstmordgedanken, ohne sich über die Ursache auszulassen. Gestern abend ging er wie gewöhnlich aus; kurz nach 1 Uhr kehrte er zurück. Seines bedrückten Wesens wegen begleitete ihn ein Freund nach Hause. Kaum aber hatte er sein Zimmer betreten. als er einen Revolver aus der Tasche zog und sich, bevor der Freund eS verhindern konnte, eine Kugel in die Brust schoß. Sein Be- gleiter rief die Hausgenossen zu Hilfe, und diese holten einen Schutzmann, der den Schwcrverwundeten nach der König!. Klinik in der Ziegelstraße brachte. Dort konnte man nur noch den Tod feststellen. Ein entsetzlicher Unglücksfall, bei dem ein Kind fein Leben einbüßte, hat sich gestern nachmittag in der Frankfurter Allee er- eignet. Dort hatte sich der Sjährige Sohn Willi des BahnhofSwirtS D a h m s der Station Frankfurter Allee an einem mit Stroh beladencn Wagen des Gutes Seehof angehängt. Als der Kleine auf den Zuruf von Passanten abspringen wollte, kam er zu Fall und geriet unter den Wagen, dessen rechtes Hinterrad ihm über den Kopf hinwegging. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Leiche wurde nach der elterlichen Woh- nung gebracht. Ungewöhnliches Aufsehen verursachte in der vergangenen Nacht ein Vorgang in der unteren Fricdrichstrahe. Am Bellealliance- platz war ein junges Mädchen plötzlich vom Irrsinn befallen worden. Laut schreiend rannte die Kranke umher und in ihrem Zustand riß sie sich sämtliche Kleider vom Leibe. Nur noch mit dem allcrnot- wendigsten bekleidet lief sie dann die Friedrichstrotze entlang und dabei warf sie noch die übrigen Kleidungsstücke von sich. Natürlich hatten sich bald zahlreiche Passanten angeschlossen und erst an der Kochstraße wurde durch das Eingreisen eines Schutzmannes der Szene ein Ende bereitet. Gartenvorstädte bei Berlin. Uns wird geschrieben: Die ge- mcinnützige Baugenossenschaft Gartenvorstadt Groß-Berlin hatte eine Mitgliederversammlung, in der nach den geschäftlichen Mit- teilungcn über die Geländcfrage eingehend gesprochen wurde. Die erst vor kurzem gegründete Genossenschaft ist heute bereits auf 112 Mitglieder angewachsen. Von zahlreichen vorliegenden Ge- ländeangeboten sind nur einige wenige von Interesse, und ernst- lich kommt vom Standpunkt der Finanzierungsmöglichkeit besonders ein großes Gelände an der Görlitzer Bahnstrecke in Betracht. Auf Grund von Abmachungen mit dem Besitzer, der sich mit seinem verbindlichen Angebot bis Anfang nächsten Jahres binden will, soll demnächst eine öffentliche Propaganda eröffnet werden, um oie nötigen Betriebsmittel zu gewinnen, da die Genossenschaft allein nicht in der Lage sein dürfte, ein großes Unternehmen selb- ständig durchzuführen. Es ist angestrebt, zur Unterstützung des Unternehmens eine gemeinnützige Terraingesellschaft ins Leben zu rufen, die ohne Gewinnabsichten die schwierige Frage der Land- sicherung und Aufschließung in die Hand nehmen soll und die es auch nicht nur der Gartenstadtgesellschaft, sondern auch anderen Organisationen ermöglichen will, sich auf dem Gelände gemein- schaftlich anzusiedeln. Da die Beschaffung von Terrains in der Nachbarschaft von Berlin von Jahr zu Jahr schwieriger wird, ist ein gemeinschaftliches Vorgehen verschiedener Kreise zu erhoffen. Für den Bebauungsplan ist der bekannte Preisträger bei dem Wettbewerb Groß-Berlin, Architekt Jansen, in Aussicht genommen. Ein schon länger schwebendes Projekt im Norden von Berlin, im Gebiet des Grotz-Schisfahrtsweges ist wegen der Schwierigkeit der Geländesicherung noch zurückgestellt worden, wird aber nicht außer Auge gelassen werden, da das dort entstehende bedeutende In- dustriegebiet dringend die Schaffung einer großen Wohnkolonie im Sinne der Gartenstadtbewegung erforderlich macht. Anfragen beantwortet der Vorstand, zu Händen des Herrn Adolf Otto, Berlin-Schlachtensee. Verloren gegangen ist am Sonnabendnachmittag auf dem Wege von der Lessingstrahe in Cborlottenburg bis zum Bahnhof Friedrickistrahe ein kleine? Paket, enthallend einen Damenhut. Da der Chauffeur, der es von seinem Wogen verloren bat. für den Schaden aufkommen soll, bittet er den ehrlichen Finder, dasselbe an Franz Link, Krumme Strohe 33 abzugeben. Arbeiter-Tamariter-Bunb— Kolonne Berlin. Montagabend 0 Uhr. 2. Abteilung, bei Dase, Brunnenstr. 1ö4: Vortrag über Ver- letzungen, Wundbehandlung und Blutstillung. Daran anschließend praktische Uebungen. Freitagabend 9 Uhr, Monatsversammlung der aktiven Mit- glieder, Dresdener Straße 4S. Die Materialausgabe findet nur von 8 bis 9 Uhr statt.__ Vorort- Nacbricbtem Rixdorf. Die Rixdorfer Stadtverordnetenwahlen stehen diesmal im Zeichen des Antisemitismus. Der Busenfreund und Vorkämpfer Triolen-Schacks. Herr Walz, in eigener Person ist nämlich Kandi- dat der Rixdorfer Grundbesitzervereine. Er leitet die Agitation, und die„Deutsche Nalionalgarde" aus dem D. H. B. leitet die Wahlarbeit. Dabei hat er die Genugtuung, daß auch ein judischer Arzt als Kandidat der Grundbesitzer an seiner Seite kämpft. Die Not schafft sonderbare Bcttgenossenl Wilmersdorf-Halensee. Zu den Stadtverordnetenwahlen haben jetzt auch die Gegner ihre Kandidaten aufgestellt. Die vereinigten rechtsstehenden Parteien, die sich von der Leitung der hiesigen Reichsver- bandssiliale, dem Verein reickstreuer Männer, ab. hängig fühlten, bieten der dritten Abteilung im achten Wahl» bezirk einen Kaufmann L ü b s e n dar, während im neunten Bezirk in ihrem Auftrage die bisherigen Stadtverordneten Busch und Max Schulze kandidieren. Von diesen beiden Herren hat sich namentlich der Vorschullehrcr B u s ch im Sinne des Reichs- Verbandes gegen die Sozialdemokratie bemerkbar zu machen gewußt. Aber auch wo es sonst auf irgendeinem Gebiete Kulturforderungen zu bekämpfen galt, stand dieser Herr seinen Mann. Als Wilmersdorf vor einigen Monaten sich endlich an- schickte, einige Waisenpflegerinnen im Ehrenamt anzu- stellen, verwahrte Herr Busch in seiner Eigenschaft als Bericht. erstatter sich in der Stadtverordnetenversammlung mit Nachdruck dagegen, daß er etwa mit der einer Anstellung von Frauen zu- geneigten Mehrheit des Ausschusses identifiziert werde. Selbstverständlich steht dieser Herr auch in der Wahlrechts» frage auf dem vom Reichsverbande gutgeheißenen reaktionären Standpunkt. Während der Stadtverordnete Hausbesitzer Schulze ihm im wesentlichen sekundiert, glaubte der dritte Kandidat der Rückschrittsparteien, Herr L ü b f e n. etwas mildere Töne an- schlagen zu müssen. Aber die Tatsache, daß dieser Herr von allen reaktionären Organisationen der Aufstellung würdig befunden worden ist, kennzeicknet chn zur Genüge bei der Wählerschaft. Er wäre nicht aufgestellt worden, wenn die ReichSverbändler ihn nicht für geeignet gehalten hätten, den achten Bezirk, den bisher Herr Busch vertrat, ebenso würdig zu repräsentieren wie bisher. Unschlüssig stehen vorab noch die Fortschrittler beiseite. Sie möchten sich nicht durch ein Zusammengehen mit den Reicks- verbändlern blamieren und andererseits den Anschluß nach rechts nicht verfehlen, nachdem man links von ihnen dankend auf ein Zu- sammengehen verzichtete. In ihrer letzten Versammlung haben sie einem Kompromiß mit den Nationalliberalen unter der Voraussetzung zugestimmt, daß diese nur Kandidaten auf. stellen, die wirklich in der nationalliberalen Partei organisiert sind. DaS hat aber insoweit seine Schwierigkeiten, als die Na- tionalliberalen mit dem reicksverbändlerifchen Block ein Herz und eine Seele sind. Aber schließlich werden die Fortschrittler wohl auch das ihnen von den Rcicksverbändlern dargebotene Gericht hinunterwürgen; wenigstens weiß das..Wilmersdorfer Tageblatt" zu melden, daß der Vorsitzende des liberalen Vereins Groß-Berlin, Herr Tubenthal, einer Unterstützung der fünf konservativen Kandidaten nicht abgeneigt sei. Antisemitisch-liberale BersammlnngSsprenger. Wir halten eS für angebracht, unsere Parteigenossen und Genossinnen auf die Praktiken aukmerksam zu machen, mit denen eS die Anhänger der Wilmersdorfer Rathauspartei am Freitag in einer von der Demokratischen Vereinigung veranstalteten Versammlung versuchten. Herr G ä d k e hielt hier einen Vortrag über die preußische Mißwirtschaft. Die reicksvcrbändlerische K o a» liti an hatte durch Flugzettel zum Besuch dieser Versamm- lung aufgefordert, und zwar mit der Wirkung, daß die Rückschrittler eine Anzahl Tiscke in der Nähe des Podiums besetzt halten Junten. Die Herren suchten von Anfang an durch Rufe zur Gesckäfts. ordnung und Lärm den Referenten und später die zu den Stadt» verordnetenwablen sprechenden Demokraten Lazarus und Moll zu stören. Mehrere Male mußte die Versammlung deswegen minutenlang unterbrochen werden. Den Haupttrumps svielte dann der Stadtverordnete Rechnungsrat Klette als Diskussionsredner aus, indem er durch zumeist persönliche Herausforderungen die Geduld der Zuhörer über eine Stunde lang auf eine harte Probe stellte. Die Verteidigung der reaktionären Stadtverordnetenmehr» Heu mackte sich nebenher bemerkt im Munde dieses Herrn um so wunderlicher, als er nach dem von Alters her vor den Wahlen ge» übten Versahren der Rückschrittler sich sehr stark in Volkssreund» lickkeit erging. Nicht nur, daß er auch an der beutinen Regierungs» volitik dies und jenes auszusetzen fand, versprach er soaar, für Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts zu den Kommunen eintreten zu wollen. Nachaerade war das Toben an den Tischen der Anhänger des Herrn Kletke immer ärger geworden; und als schließlich ein Gvmnasiallchrer Fette sich zu sehr plumpen Heraus- fordcrungen verstieg, schien eS fast, als ob die Versammlung ein gewaltsames Ende nehmen sollte. Unser Parteigenosse Oskar Riedel, sowie die Herren Moll und Gädke bereiteten dann Lurch Ben Hinweis auf Bie reaktionären Taten der Stadtberord- 1 netenmehrheit dem Herrn Kletke und seinesgleichen die gebührende Abfuhr. Nun haben die antisemitischen wie auch die zur Wahlzeit liberal schillernden Rückschrittler vor der Energie, mit der unsere Parteigenossen Ordnung zu halten wissen, einen heillosen Respekt; und es ist daher wohl kaum zu erwarten, daß sie sich in einer von uns veranstalteten Versammlung ebenso ungebärdig benehmen werden wie bei den Demokraten. Aber Aufmerksamkeit ist auf alle Fälle geboten; und daher empfehlen wir unseren Parteigenossen und Genossinnen, eifrig für einen zahlreichen Besuch der am Dienstag, abends SVz Uhr, im Gesellschaftshause, Wilhelmsaue 112. stattfindenden Volksversammlung zu agitieren. Stadtverordneter Dr. S i l b e r st e i n aus Rixdorf wird hier das Gebaren der kommu- nalpolitischen Reaktion beleuchten. Am nächsten Sonntag, 30 Oktober, nachmittags 4 Uhr, hält die .Freie Turnerschaft Wilmersdorf" in den W l l m e r s- dorfer Festiälen, Johann-Georg-Str. IL, Halensee. mit ihrer L e h r l i n g s a b t e i l u n g ein S ch a u t u r n e n ab. das mit einem Elternabend verbunden ist. Die Arbeiterschaft Wilmersdorfs im allgemeinen sowie die Brudervereine der Nachbarorte im be- sonderen sind hierzu freundlichst eingeladen. Der Eintritt ist frei. Lichtenberg. Stadtverordncten-Ersatzwahl. Am 14. November d. I. soll im 13. Kommunalwahlbezirk für den vom Orte verzogenen �Zrivatbeamten Franke eine Ersatzivahl stattfinden. Das Blättchen der Grundbesitzervereine orakelt schon von der Mög- lichkeit, dafi nun auch das letzte der 16 Mandate der dritten Wählerabteilung an die Sozialdemokratie verloren gehen könnte. Was unsere Parteigenossen dazu tun können, wird sicher geschehen. Franke, dessen Mandat noch drei Jahre läuft, war„Erwählter" der Beamtengruppe, die inzwischen nach kurzer Lebensdauer als selbständige„Fraktion" wieder in den allgemeinen Kuddelmuddel der„Besitzenden" oder „Bürgerlichen" aufgegangen ist. Für unsere Genossen mutz die Ersatzwahl Anlaß sein. alles aufzubieten, um das Mandat für die Sozialdemokratie zu erobern. Eharlottenburg. Arbeiterjugend ChnrlotteniurgS. Eine öffentliche Jugendversamm- mit dem Thema:„Zur Schulentlassung" findet am Montag, den 24 Okiober, abends S'/g Uhr. im Volkshause, Rosinenstr. 3. statt. Reserent ist Herr Fritz Tarnow. Auch alle Gegner der freie» Jugenderziehung erhalten volle Redefreiheit. Der Schwimmverein„Freie Schwimmer"(M. d. A.-Schtv.-B.) hält in diesem Winterhalbjahr seine Uebungsstunden in der Städtischen Badeanstalt. Krumme Str. 10, wie folgt, ab: Mittwoch abends von 7—8. Donnerstag von B/z— g'/g(reserviert) und Sonntag vor- mittags von 10—12 Ubr. Die Damenabteilung badet Donnerstag abends von 7—8 und Montags von 8—0 Uhr. Da es vielen Ar- beiterinnen und Arbeitern nicht möglich war, schon um 7 Uhr in der Badeanstalt zu sein, so ist durch die Einrichtung der jetzige» Uebungs- stunden diesem Bedürfnis abgeholfen. Der Verein unterhält eine Männer-, Jugend- und Damenabteilung. In allen Abteilungen wird das Schwimmen unentgeltlich gelehrt. Auskunft wird in den Uebungsstunden oder durch Franz Schmidt, Zigarrengeschäft, WilmerS- dorfer Str. 130, gern erteilt. Der vom BildungSauSfchuß am Mittwoch veranstaltete künstle. rische Vortragsabend kann als gut gelungen bezeichnet werden. Die Rezitationen der Geschwister Marie und Bruno Borchardt sowie deS Herrn Raden fanden ungeteilten Beifall. Einige lyrische Gedichte, wie Storms„Nachtigall" und Mörikes„Schön- Rohtraut", die Fräulein Marie Borchardt vortrug, erregten das in freudigem Beifall sich kundgebende Entzücken der Hörer; aber auch die kräftigeren Töne Freiligraths in seinem„Abschieds- wort" und„Die Toten an die Lebenden" trafen aus das ver- ständniSfrohe Interesse der Zuhörer. Die Sängerin Fräulein P e r r o t entfaltete ihre schönen Stimmittel besoiwers in einigen Schubertliedern, die sie mit viel Anmut vortrug. Der Elternverein für freie Erziehung veranstaltet am Sonn- abend, den 29. Oktober, abends 8 Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3 (grosser Saal) ein Herb st vergnügen unter Mitwirkung des Mandolinenklubs„Nordische Klänge 1900". Programme sind bei G r ä tz, Spreestr. öS und bei H i n tz e. Kaiser-Friedrich-Str. 72, zu haben. Ariedrichsfelde. Bon der Straßenbahn totgefahren. Ein Stratzenbahnunfall mit tödlichem Ausgang hat sich gestern nachmittag 5 Uhr in der Berliner Straße zu Friedrichsfelde zugetragen. Vor dem elterlichen Hause Nr. 124 geriet der dreijährige Sohn Erich des Arbeiters Martens unter einen Straßenbahnwagen der Linie 69 und wurde überfahren. Der Kleine konnte erst nach längeren Bemühungen aus seiner gefährlichen Lage befreit werden. Als man ihn unter dem Bahnwagen hervorzog, war er schon eine Leiche. Der Tod war durch einen Geniabruch herbeigeführt worden. Steglift. Bei der Ergänzungswahl zur Generalversammlung der Ort«- krankenkasse wurde die Liste der Gewerkschaftskonimission mit 300 gegen 144 Stinimen gewählt. Wie schon bei der Hauplwahl, so hatte sich auch diesmal wieder ein Grüppchen zusammengefunden, welches die Kasse vor dem Eindringen extremer Elemente schützen wollte. Man hatte in aller Stille eine Liste aufgestellt, auf die man als Köder die Namen einiger bekannter Parteigenossen(natürlich ohne Wissen derselben) gesetzt hatte. Man hotte die Hoffnungen aus die unorganisierten Arbeiter der Charlottenburger Wasserwerke und auf die Gemeindcarbeiter gesetzt, denen auf ihren Arbeitsstellen mit der Legitimation onch gleich die Liste mit zugesteckt wurde. Doch eS war auch diesmal wieder nichts, trotzdem von den Machern sowie von einigen Beamten der Kasse verzweifelt gearbeitet wurde. Rnmtnelsburg. Aus der Gemeindevertretung. Die beantragte Bewilligung zweier neuer Lehrstellen an der höheren Mädchenschule bezw. am Lehrerinnenseminar gab zu recht lebhaften Auseinandersetzungen Veranlassung. Gemeindevertreter V e t t r i ck von den Boxhagener Grundbesitzern trat mit Entschiedenheit für die Nicht- bewilligung dieser beiden Lehrstellen ein und forderte gleichzeitig den Abbau des Lehrerinnenscminars Auch unsere Vertreter ver- traten hierbei den Standpunkt, daß das Lehrerinnenseminar der Gemeinde große Lasten aufbürdet— ohne irgendwie der Ge- meinde zum Vorteil zu gereichen.(Sämtliche Seminaristinnen wohnen auswärts.) Schließlich wurden die beiden Lehrstellen gegen zehn bürgerliche Stimmen bewilligt. Hierzu wird aber auch ein Antrag unseres Vertreters John angenommen, der besagt, daß die Finanzkominission in einer in kurzer Zeit einzuberufenden Sitzung zu beraten und zu beschließen hat, ob der Geineindever- tretung ein Antrag aus Abbau des Lehrerinnenseminars zu empfehlen ist. Die vom Provinzialrat festgesetzte Mietsentschädigung der Volksschullehrerinnen von bisher 430 auf jetzt 470 M.. wie die durch das neue Wohnungsgeldzuschußgesetz festgesetzte Erhöhung der Mictsentschädigungen der Lehrpersonen an den höheren Schulen wurde von mehreren bürgerlichen Vertretern recht ab- fällig kritisiert. Von bürgerlicher Seite wurde denn auch be- antragt— zum Protest gegen die gesetzliche Mehrbelastung—, die erforderliche Genehmigung durch die Gemeindevertretung zu versagen. Gemeindevertreter Oberlehrer i g t e sprach sich dagegen für die Bewilligung der erhöhten Sätze aus und befür- wrtete hierbei gleich, daß er für die nächste Sitzung einen An- � trag auf noch weitere Erhöhung der Mietsentschädigungen für die Lehrpersonen an den höheren Lehranstalten einbringen werde; zur Begründung wies Aigtc darauf hin, daß in anderen Vororten die Oberlehrer an den höheren Lehranstalten bereits höhere Miets- entschädigungen als in Rummelsburg erhalten. Die erhöhten Mietsentschädigungen wurden hierauf gegen etwa 10 bürgerliche Stimmen gutgeheißen. Hierauf erfolgten die schon seit langem fälligen Abrechnungen über den Bau der 70 klassigcn Volksschule, der katholischen Schule, der Schule in der Lückstraße, der Ratskellererweiterung und der des Feuerwehrgebäudes. Es haben nach den Abrechnungen die Gesamtaufwendungcn betragen: bei der 70 klassigen Volksschule 823 485.29 M.. bei der katholischen Schule 220 923,26 M.. bei der Schule in der Lückstraße 153 250,90 M., bei der Erweiterung des Ratskellers 12 032,51 M. und bei dem Feuerwehrgebäude 232 761.05 Mark. Ueberschrcitungen gegenüber den Kostenanschlägen haben teilweise in recht erheblichem Umfange stattgefunden, und zwar: beim Feucrwehraebäude mit 16 715,25 Mk., beim Ratskeller mit 4032,51 M., bei der katholischen Schule mit 22 923,26 M. und bei der Schule in der Lückstraße mit 4250,90 M., im ganzen 47 921,92 Mark. Da die� Abrechnungen bereits durch die Bnukommission und im Anschluß daran noch durch eine Unterkommission geprüft waren, so wurden die Ueberschrcitungen nach kurzer Debatte ge- nehmigt. Eine ausgedehnte Diskussion zeitigte eine Vorlage betreffend Uebernahme der Kosten, die durch das Auspumpen einer Anzahl Keller, in die infolge des am 1. August d. I. niedergegangenen Regens Wasser eingedrungen war, entstanden sind, auf die Ge- meinde. Auf Ersuchen verschiedener Hauseigentümer hatte die Freiwillige Feuerwehr an acht Stellen das eingedrungene Wasser ausgepumpt. Die Gesamtkosten hierfür belaufen sich auf 500 M. Es wird beschlossen, Erhebungen anzustellen, inwieweit den betreffenden Eigentümern auf Grund mangelhafter und unvor- schriftsmäßiger Einrichtungen ein eigenes Verschulden trifft. In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung wird auf Grund der bereits seit mehreren Jahren schwebenden Verhand- lungen mit der Gemeinde Stralau wegen Regulierung der Grenz- Verhältnisse der einstimmige Beschluß gefaßt, beim Kreisausschuß zur Umgemeindung zu beantragen, daß Rummelsburg als Aequi- valent für die Hergabe der Seeparzellen am Rummelsburger See auf Stralauer Seite an die Gemeinde Stralau die Umgemeindung des nördlichen Teils des Markgrafendamms in das Rummels- burger Gemeindegebiet verlangt. Adlershof. Mit den Vorgängen in Moabit beschäftigte sich am Freitag eine außerordentlich stark besuchte Versammlung. Der Referent Genosse Bahn schilderte in eingehender, temperamentvoller Weise die Ueber- griffe und Roheitsakte einzelner Beainten bei den stattgefundenen Polizeiattacken. Redner geißelte in seiner l'/zstündigen, oft von Pfui- und Entriistungsrufen unterbrochenen Rede das heutige Polizei- system, das, unfähig durch vernünftige Maßnahmen die Bürger zu schützen, die Zuflucht zu brutalen Gewaltakten nehnien muß' Als der Referent die Versammlungsbesucher aufforderte, dafür zu sorge», daß bei der nächsten Reichslagsioahl die Ouittimg für alle Ueber- griffe der herrschenden Klaffe gegenüber der Arbeiterschaft erteilt wird, erntete er ungetrillen Beifall. Eine Protestresolution, in der das Verhalten der Polizei bei den Vorgängen in Moabit scharf ver- urteilt wird und die Anwesenden geloben die Arbeiterpreffe zu lesen, dem sozialdemokratischen Wahlverein und den freien Gewerkschaften beizutreten und für deren Ausbreitung Sorge zu tragen, fand unter Beifall einstimmige Annahme. Klein-Schönebeck. Zu lebhaften Debatten in der letzten Sitzung der Gemeinde- Vertretung gab die Tatsache Anlaß, daß die Beratung über die Orts- zutage der Lehrer in� geheimer Sitzung stattfinden sollte. Genosse Tobias beantragte, solch' wichtige Fragen in aller Oeffentlichleit zu verhandeln. Dem wurde auch schließlich stattgegeben. Als aber der Punkt an die Reihe kam und verhandelt werden sollte, wurde trotz- dem beschlossen, doch geheim zu verhandeln. Anscheinend hat mau kein gutes Gewissen, da sonst kein Grund für dieses Verfahren er- sichtlich ist. Ueber den Begriff„Persönliches" haben die bürger- lichen Verireter überhaupt eine sonderbare Auifassung. Genosse Tobias ließ es sich angelegen sein, den gegnerische» Herren darüber ein Privatiffimum zu lesen. Als es sich darum handelte, einen Schweizer, der ein Mädchen geschwängert hatte, zur Alimentations- Pflicht heranzuziehen, fand die Gemeindevertretung nicht das geringste daran, diese Angelegenheit in voller Oeffentlichkeit. sogar unter voller Nennung des Namens des Schweizers zu verhandeln. Es war ja nur ein Arbeiter, da kann man sich das erlauben. Mit der Einsiehung der Pflasterkosten für die Hauptstraße in Höhe von 15 258 M. hat es seine Schwierigkeiten, da die Anlieger sich von der Zahlung drücken möchten. Die nächste Sitzsing wird sich mit der Sache nochmals beschäftigen. Schließlich gab es noch eine Debatte bei dem Punkt: Einführung des katholischen Religions- Unterrichts in der Gemeindeschule. Unsere Genossen wehrte» sich dagegen, daß den Steuerzahlern hierfür die Koste» aufgehalst werden. Gegen die Stimmen unserer Genossen wird aber wie be- antragt beschlossen. Brift-Buckotv. Unter freiem Himmel fand am letzten Sonntag eine öffent- liche Versammlung auf dem Grundstück des Herrn Granzow, zwischen Rudower und Johannisthaler Chaussee, statt. Dieselbe war von über 600 Personen besucht. Als Redner war der Ab- geordnete des Kreises, Genosse Fritz Z u b e i I, erschienen, der unter lebhaftem Beifall über die politische Lage referierte. Vor seinem Referat geißelte Zubeil die Tatsache, daß der Britzer Ar- beiterschaft für öffentliche Versammlungen kein Lokal zur Ver- fügung stünde. Die Arbeiter müßten die Saalbesitzer meiden, die sich weigern, ihre Lokalitäten zu Versammlungen herzugeben. Wenn das streng durchgeführt werde, werde der Erfolg nicht aus- bleiben. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die am 16. Oklpber nachmittags 4 Uhr in Buckow unter freiem Himmel tagende, zahlreich besuchte Volksversammlung er- klärt sich mit den Ausführungen des Referenten, Genossen Zubeil, voll und ganz einverstanden. Die versaminelten Frauen und Männer geloben, mit aller Energie dahin zu wirken, daß die bürgerliche Presse aus den Arbeiterwohnungen verschwindet, und nicht eher zu ruhen und zu rasten, bis der letzte Proletarier für die politische sowohl wie für die gewerkschaftliche und genossen- schaftliche Arbeiterorganisation gewonnen ist." Der Vorsitzende gab bekannt, daß das Verkchrslokal für Buckower Arbeiter und Genossen nur bei Klein ist.— Zu Beginn und zum Schluß der Versammlung hatte der Arbeitergesang- verein Britz einige Kampfeslieder vorgetragen. Zossen. In der Stabtvemdnelenfitzuug am D o n n e r S t a g gab eS bei dem Punkte'„Erteilung des Zuschlages zur Verpachtung von städti- schen Ländereien" eine lebhafte Debatte. Einen Teil der Lände- reicn hatte das Kommissionsmitglied Herr Lorenz an die alten Pächter unter der Hand verpachtet. Dieser Herr zog es vor, die Sitzung zu schwänzen. Genosse Wißmann forderte die Versamm- lung auf, einen Beschlutz dahin zu fassen, daß eine nochmalige Ausschreibung zwecks Perpachtung der fraglichen Ländereien statt- zufinden habe. Herr Weege will die Kommission decken und legt „Verwahrung" gegen den Borwurf des Genossen Wihmann ein, die Kommission hätte eine Schiebung vorgenommen. Der Bürger- meister und der Stadtverordnetenvorsteher wendeten sich gegen das Verfahren der Konnnission. Trotzdem beschloh das Kollegium, diese Art und Weise der Verpachtung anzuerkennen. Zu Kandi- daten zur Ratsmannwahl werden die Herren Schwietzke, Lorenz und Knöfeld vorgeschlagen. Infolge Neubaues der Brücke wird eine Verlegung der Waschbank beschlossen. Genosse Wißmann er- sucht noch den Magistrat, den Schulkindern für den Winter Turn- gelegenheit zu beschaffen. Hierauf findet geheime Sitzung statt. J«ne»dveranstalt»lngen. Boxbagen-Rummelsburg-Stralau. Wir machen auf die am heutigen Sonntage, den 23. Oklober, stattfludende Besichtigung der Arbeiter- Woblsahrtsaiisstellung ausmerlsam und bitten um rege Beteiligung an der- selben. Abmarsch präzise 12 Uhr vom Jngesidheim, Alt-Äoxhagen 56. Fahrpreis 40 Pf._ Der Jugendausschuß. Mocden-Spielplan cler ßerliner Cbeater. Köuigt. OveruhauS. Geschlossen. Nesses köuigt. Operu-Tbearer. Sonntag: Madame Butterfly. Montag: Aida. Dienstag: Figaros Hochzeit. Mittwoch: Bajazzi. Oavaileria rustioana. Donnerstag: Carmen. Freitag: Lohcngrtn. (Ansang 7 Uhr.) Sonnabend i Fidelio. Sonntag: Der Liebestrank. Moni g: Sissjonic-Konzert. Ansang 7st, Uhr. Köuigt. Sschauspielhaus. Sonntag: Der KramPnS. Montag: Moliöre und die Seinen. Der Tartüffe. Dienstag: Die Nabensteinerin. Mittwoch: Der KrampuS. Donnerstag: Bürgerlich und romaniisch. Frei» tag: Zopj und Schwert. Sonnabend: Maria Stuart(Ansang 7 Uhr.) Sonntag: DerKrampuS. Montag: Di- Jouinalisten. Ansang 7>/, Uhr. Teutsches Tbearer. Sonntag: Don Carlos. Montag: Sumursm. Dienstag: Faust. Mittwoch: Sumurun. Donnerstag: Judith. Freitag: Ein SomnsernachtStraum. Sonnabend und Sonntag: Herr und Diener. Montag: Sumurun. Ansang 7'/, Uhr. Ts'utsches Theater(Kamm erspiele). Sonntag: Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Montag: Gawsn. Dienstag: Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Mittiooch: Der Gras von Gleichen. Donnerstag: Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Freitag: Der Arzt am Scheidewege. Sonnabend und Sonntag: Komödie der Irrungen. Montag: Gawän. Ansang 8 Uhr. Lessing> Tbcatcr.«onntagnachmittag 3 Uhr: TantriS der Narr. Abends: Wenn der junge Wein blüht. Montag: Einsasne Menschen. D cnstag bis Donnerstag:. Wenn der junge Wein blüht. Freitag: Die Frau vom Meere. Sonnabend: Wenn der junge Wein blüht. Sonntag- nachmittag 3 Uhr: Tantris der Narr. Sonntagabend und Montag: Wenn der junge Wein blüht. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Sonutagnachmittag 3 Uhr: Ein idealer Galle. Allabendlich: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzinsmer. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzinsmer. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Die Jungsrau von Orleans. Monlag und Dienssag: Der Tartüff. Der Herr von Pourceaugnac. Mittsvochnachmittag 3 Uhr: Weh dem der lügt. Abends und Donnerstag: Die Jungsrau von Orleans. Freitag: Der Tartüff. Der Herr von Pourceauguac. Sonnabendnachmmag 3 Uhr: Geh dem der lügt. Abends: Die Jungsrau von Orleans. Sonntag: Weh des» der lügr. Montag: Ueber unsere Straft. Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Sonutagnachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Abends: Die törichte Jungsrau. Monlag: Taisun. Dienstag: Die törichte Jungsrau. Mittwoch und Doimerstag: Taisun. Freitag: Die törichte Jungsrass. Sonnabend: Der scharfe Junker. Sonntagnachmlttag 3 Uhr: Taisun. Abends: Der scharse Junker, Montag: Die törichte Jungsrau. Ansang 8 Uhr. NeueS Theater. Allabendlich bis Donnerstag: Der Stier von Olivera. Freitag bis Montag: Die Schauspieler des Kaisers. Abschied vom Regiment. Ansassg 8 Uhr. Modernes(Hebbel-) Theater. Sossntagnachmittag 3 Uhr: Die beste der Frauen. Allabendlich: Der Moloch. Ansang 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die beste der Frauen. Abends und Montag i Der Moloch. Komiiche Oper. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Tiefland. AbendS: Die Bohdme. Montag: Tiefland. Dienstag: Die Boböme. Mittwoch: Der Arzt wider Willen. Donnerstag: Die Boheme. Freitag: HoffmannS Er- zählungcn. Sonnabend: Die Bvhöme. Somitagnachsnitiag 3 Uhr: Zigeunerliebe. Abends: Die Boheme. Montag: Der Arzt wider Willen. Ansang 8 Uhr. Thaita-Thcater. Allabendlich bis Donnerstag: Hand und Herz. Freitag bis Montag: Die Ueberzähligen. Ansang 8 Uhr. Setitller- Tbenter Sonutagnachmittag 3 Uhr: Neue Jugend. Abends und Montag: Robert und Bertram. Dienstag: Die Skreuzelschreibcr. Miltivoch: Der Dummkops. Donnerstag und Freitag: Robert und Bertram. Sonnabend: Die Krcuzelschreiber. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Neue Jugend. Abends: Robert und Bertram. Montag: Die Kreuzel» schreibest Ansang 8 Uhr. SchtUer- Tveater Eharlottenburg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends: Der Dummkops. Montag: Miß Hobbs. Dienstag und Mittwoch: SodomS Ende. Donnerstag: Die Krcuzelschreiber. Freitag: Der Dummkops. Sonnabend: Sodosns Ende. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Abends: Der Bibliothekar. Montag: Sodoins Ende. Ansang 8 Uhr. ffriedrieb-WilhelusftödkischeS Schauspielhaus. Sonntagnach« mittag 3 Uhr: Faust. Abends: Krieg im Frieden. Mositag und DIcns« tag: Revolutionsbochzcit. Mittwoch und Donnerstag: Krieg im Frieden. Freitag: Revolutionshochzell. Soisnabendnachmittag 3 Uhr: KriembildS Rache. Abends: Krieg im Frieden. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Niobe. Abends und Monlag: Krieg im Frieden. Ansang 8 Uhr. Neues Operetten> Theater. Täglich: Der Gras von Luxemburg. (Ansang 8 Uhr.) Diesen und nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Corncville. Residenz> Theater. Allabendlich bis Freitag: Nodlsszs oblige. Sonnabend: Der Herr von Nr. 13. Sonotagnachmitag 3 Uhr: Küsnmere Dich um Amölie. AbendS: dlodlssss obUgs. Montag: Der Herr von Nr.>6. Ansang 8 Ubr. Th ater des Westens. Täglich: Die schönste Frau. Diesen und nächsten Sonntagnachmittag 3'/. Uhr: Die geschiedene Frau. Ansang 8 Ubr. Trianon- Theater. Sonntag nachmittag 3 Ubr: Thäodore u. Cie. Allabendlich 618 Mittwoch: Pariser Witwen. Donnerstag: Geschlossen. Freitag und Sonnabend: Der heilige Hain. Soimtagnachmittag 3 Uhr: Thöodorc u. Eie. Abend« und Montag: Der heilige Hain. Ans. 8 Uhr. Berliner Bolts-Oper. Somstaguachinittag 3>/, Uhr: Der Troubadour. AbendS: Wilhelm Tell.(Ansang 8 Uhr.) Monlag: Der Postillion von Lonjmneau. Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch: Der Trompeter von Säkkingen. Donnerstag: Der Troubadour. Freitag: Der Postillion von Lonjmneau. Sonnabend: Don Juan. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Die lustigen Weiber von Windjor. Abends 8 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Der Postillion von Lonjumean. Asisang 8'/, Uhr. Luisen> Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Brüder von St. Bernhard. Abend»: Der Hültcnbesitzer. Montag: Der Fähnrich im Kloster. Dienstag: Der Hüttenbesther. Mittwoch und Donnerstag: Durch» gcgmigenc Weiber. Freitag: Berlin geht zu Bett. Sonuabendnachmittag 3 Uhr: Frau Holle. Abends: Kean. Sonntagnachmitlag 3 Uhr: Othello. Abends: Berlin geht zu Bett. Montag: Der Hüttcnbesitzer. Ansang 8 Uhr. LnstsPielhauS. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der dunllo Punkt. Abends und täglich: Der Fcldherrnhügel. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Das Lcutnantsmündel. Ansang 8 Uhr. Metropol> Thraecr. Allabendlich: Hurra l— Wir leben noch! Ansang 8 Uhr. Diesen und nächsten Sonutagnachsnitlag 3 Uhr: Pariser Leben. Herrnfeld-Theater. Täglich: Ein verlorene Nacht. Der Derbhsteger. (Ansang 3 Ubr.) Kasino. Theater. Täglich: Der schneidige Rudolf.(Anfang 8 Uhr.) Heute und nächsten Sonntag nachmittag 3'/, Uhr: Berühmte Töchter. Rose-Tbentcr. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Anna Liese. Abends sind Montag bis Mittwoch: Das neue Gebot. Donnerstag: Die Ver- schwörung der Frauen. Freitag: Das neue Gebot. Soisnabendnachmittag 3 Uhr: Die Anms-Lile. Abends: Die Verschwörnng der Frauen, sonsitag- nachmittag 3 Uhr: Das neue Gebot. SlbendS und Montag: Die Ver- schwörung der Fraisen. Ansang 8 Uhr. Fo lies Cnprice. Allabendlich bis auf weiteres: Volle Pension. Der schwarze Schimmel. lAnsang 8'/, Uhr.) Avoilv-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 3 Uhr.) Diesen und nächsten Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Passage- Tbeneer. Sonntag, nachmittag» 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendltch: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Wintsrganeu. Allabendlich und Sonntagnachmittag: Spezialitäten. (Ansang 8 Uhr.) Reichsdnlless> Theater. Täglich: Stettiner Sänger.(Anfang 8 Uhr Sonntags 7 Uhr.) Wallmlla- Theater. Allabendlich: Bravo! Da capo l Spezialitäten Ansang 8>). Uhr. � Sanssouci. Allabendlich: Nu hat'S geschnappt. Spezialitäten. Ansang Carl-Haverland-Theater. Täglich: Spezialltüten.(Asssang 8 Uhr.) Urania, Tbenier. Taubenstr. 48/43. Täglich: Der Vierwaldstättcr See und der Gotthard.(Ansang 8 Ubr.) Montag im Hörsaal(6 Uhr): Dr. R. Hennig: schissahn und Kanalwefen. Dienstag: Die Erforschnng des großen HiSpargletschers nebst zwei Erstbestelgungen von Schneegipseln sm Himalaya. Ansang 8 Uhr Steruwart«. Jnvalldenstr. 67—62. Allgemeine flsamillen-Sterbekasse. Heute Sonntag von 3—6 Uhr: Zahltag Ackerstr. 123 bei Werntcke und Mariannen str. 49 bei Neumann. ßmf haften der Reefafttfon. ®i« liitlftlfifie Evrechftnnde Nndet Llndenftra he Nr. KS. dor» hier Trevvcn— n li r st» l> I—, W0l1i-»iäi,lich vvil 4'/: btt 7lh Uhr abcnd», Eonnadeud» von 4lli biS 0 Nh> nachmitiiigs ftott. Zeder für den Brief- käste» bcstimnltcu Ilufra»- ist ei» Buchstave und eine tfnbl nid Viert- zeichen deiziilünen. Briefliche Slulwuri wird tstchl erteil«. Eiline Ara«r» trage umn in der Svrechstnnde vor. H. 95). 38. Uns erscheint die Sache durchführbar.— R. O. F. 1. t. Fuhren Sie beim Geiichtsvollzichcr den Nachweis der Zahlung und lassen Sic sich die Genehmigung zur Entsernung der Siegel erteilen, als- dann: ja. 2., 5. u. 6. Ja. 3., 4. u. 7. Unseres Erachtens nicht.— iBrmett« direktion. 1. Das können wir erst, wenn wir die Höhe Ihres Ein- tvmmcns und die Anzahl Ihrer Familienangehörigen kennen. 2. Nein. — P. F. 1000. Innerhalb längslcns sechs Wochen. Gehen Sic mehrere Tage vor Ablauf der Frist zu einem Notar.— A. R. L0. 1. u. 2. Allgemeine gcse lschustlichc Verkehrsregeln können wir im Briefkasten nicht besprechen. 3. Es mutz die Erbeslegitimation geführt und die Umschreibung im Grundbuch aus die Erben beantragt werden.— B. 100. Machen Sie folgenden Versuch: Das Holz bestreichen Sie mit Benzin, stopscn in Benzin getränkte Baumwolle in die Bohrlöcher oder iprihcn das Benzin hinein.— F-. F. 17». 1. Ja, sofern Sie selber dazu nicht imstande find. 2. Nur die Frau. 3, Wenn die Ehe aus dem Grunde geschieden ist, wird das Ehe- verbot ausgesprochen. Der Justizminister kann aus Antrag Bcsreiung gc. währen. 4. Vieüiichs kann der Betreffende zwischen Ihrem Mann und Ihnen vermitteln.— M.©. 30». 1. u. 2. Tausscheine.— Z. 9. Nein. — H. 77. 1. Nicht zu empfehlen. 2. Stadt in der argentinischen Provinz San Luis im Westen von Buenos-Aires.— S. 17. Wenden Sie sich an Frau Berta Swicnty geb. Liebknecht, Charlottcnburg, Stuttgarter Platz 9. — A. L. 18. t. Ja. sosern ein Arzt Ganzinvalidität im Sinne des Ge- setzeS beansprucht. 2. Die Bezeichnung als Geschästsmann erscheint zweck- mäfiigcr. 3. Bei dem Magistratskommissar siir Invalidenversicherung, Am Köllnischen Paik 8. 4. und S. Ein Attest von einem praktischen Arzt ist zwcckmätzig.— H. S. 18. Fragen Sie bei dem Ausschutz der Gewerk- schastskonimission, Engcluser>5 an.—ct»erprvguosc-ür Sonntag, den 83. Oktober 1910. Trocken und vielfach heiter, aber ziemlich kühl bei frischen östlichen Winden. � Berliner Wetterbureau. »SSÄsssÄ Unserem Genossen | Julius Einhorn und Frau V« zu der am 24. Oktober statt- V findenden Silberhochzeit die � herzlichsten Glückrvünsche I R 0!« Genosse» des 373b «L Teil 1. Die besten Glücklvünsche Et zum 25 jährigen Ehejubiläum W y wünschen dem Jubelpaar y Otto Stenzel und Frau gj die Parteigenossen d. 14 Bezirks � «- vom Wahlvercin Rixdorf. ,'i Nach kurzem Krankenlager ver- 1 schied am 20. d. Mts.. stütz? Uhr, l mein innigftgeliebter Mann, unser j heizensguter Vater, Schwieger- und Grotzvater kernliarä»Ivst im 59. Lebensjahre. 1511b Ticsbctrübt zeigen dies an Die trauernden Hinterbliebenen. Berlin, den 23. Oktober 1910 Die Beerdigung erfolgt am Montag, den 24. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zcnlral-Friedhoscs in Fiiedrichsselde. Sozialileniokralisctier Walilvereln| für den i. Berl. Reielstais-f ahlkreis. Frankfurter Zlicrtel. lBezirk 390.) Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Buchbinder] Bernhard Jost Höchste Str. 4 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am I Montag, den 24. Oktober, I nachmittags 3 Uhr, von derl Leichenhalle desZentral-Friedhoses in Friedrichsseldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 221/6 Der Aoriiand. Am Donnerstag, den 20. Okto- ber verstarb nach kurzen, schweren Leiden unser allverehrter lang. jähriger erster Vorsitzender, Kollege Bernhard Jost. Während seiner Tätigkeit hat er es verstanden, sich unser Ver- trauen voll und ganz zu er- werben. Wir verlieren in dem Dahin- geschiedenen einen aufrichtigen Freund und guten Berater. Sein Andenken werden wir stets in Ehren hallen. Der Vorstand der Ortskranken- lasse der Buchbinder. Die Beerdigung findet morgen Montag, den 24. Oktober, nachm 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zentral-Friedhofs in Friedrichs- selbe aus statt. Die geehrten Kassenmitgliedci werden ersucht, möglichst zahlreich zu ericheinen. 278/17 «■viiui» ii—i m ii uu Nachruf. Am 20. Oktober verschied nach kurzem K anlcnlager unser lang- ! jähriger Vorfitzender Bernhard Jost. Wir verlieren in ihm nicht nur t einen treuen Berater, sondern i auch einen Mann, der es ver- j stand nutzer den Inte, essen der ! Kasse auch die der Angestellten ] zu wahren. Wir werden sein Andenken in l Ehren halten. ! Die Angestellten der Orts- I krankenkasse der Bncstbinder und verwandter Gewerbe. SoziaiileiiiokratiscIiErWaliiverein des | E. Berl. Rfilchstags- Wahlkreises. Todes- Anaelge. Den Genossen zur Nachricht, ( datz unser Mitglied, der Arbeiter Nstkigs 8?ew8 Zwinglistratze 33 | verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonntag, den 23. Oktober, nach- I mittags 1 Uhr, vom Charlotten- | burger Leichenichauhause aus nach ! dem St. Sebastian-Kirchhos. Nci- | nickendors-West, statt. 230/16 Um rege Beteiligung ersucht Der Tiorstanb. Uctiör Transportarbeiter- Verband. Bezirksverwaltung Groll Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, datz uiiscr Kollege, der Lager- arbeiter von der A. E.-G. Atatlims Szewc I am 18. Ottober im'Alter von ! 14 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am ionntag, den 23, Oktober, nach- 1 mittags 1 Ubr, vom Schauhanle in Charlottenburg nach dem St. Sebastian- Friedhof in Neinickcn- ' dors-West statt. Treffpunkt der Kollegen am Spandauer Berg 22 bei Papensutz Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Bezirksverwaltung. veulLeker Mdiniler-VerM. (Zahlsteils Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Mitteilung, datz unser treues. langjähriges Mitglied, der Kollege Bernhard Jost im Silier von 59 Jahren am Tonnerstag, den 20. Ob ober, an Nicrenabzetz gestorben ist. Wir verlieren in ihm einen der ältesten Vorkänipser für unsere Orgamfation Fast ein Menschen- aller hat er der Arbeitcrsache im allgemeinen und unserem Ver- bände im besonderen treulich gedient. 25/5 Wir werden sein Andenken in Ehren halten. »1«<>i»tsveii?Hv»lt»iig. Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Oktober, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-Friedhoses in Friedrichsseldc aus statt. Zahlreiche Betelligung erwartet D. O. Am 21. d. M. früh verschied im 22 Lebensjahre nach langem schwerem Krankenlager unser Mit- arbeiter, der Zeichner Max Sewerin. Wir verlieren in ihm einest lechtichaffencn und ehrenwerten Mitarbeiter. Sein Andenken werden wir in Ehren halten. Das Personal der Abteilung Bollinger u. Mohnhaupt der Firma Sicinens». Halslc fWcrnerwerk). Die Beerdigung findet am Sonnt>g, den 23. d. M., mittags 12 Uhr, von der Halle der Friedensgemeinde in Nieder- Schönhausen-Nordend aus statt. T«d«s- A uzelgc. ierdurch die traurige Nachricht. datz mein inniggeliebter Mann. unser herzensguter Vater, Sohn. Bruder, Schwager und Onkel Johann hrühmüller Mllllerstr. 156k am 21. Oktober im 43 Lebens- jähre plötzlich am Herzschlag ver- starben ist. 1508b Dies zeigen ticsbetrübt an Bio trauernden Hintsrblisbsnsn. Die Beerdigung findet um Montag nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause aus statt. Deutsctier Transportarbeiter-Verband. Bezirksverwaltung Groll-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. datz unser Kollege, der Lager- arbeiter Paul l'itsck am 21. d. M. im Alter von 48 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Niidenkeit! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Oktober, nach- mittags 4'/, Uhr, von der Leichen« Halle deS Jobannis-Kirchhofcs in Plötzcnsee aus st itt. Die Bezirksverwaltung. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes• Annclge. Den Kollege» zur Nachricht, datz aiiser Mitglied, der Putzer Witodm Scholz am 21. d. Mts. an Gehirnschlag gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 24. Oktober, nach- mittags 4»hr, von der Leichen- balle des St. Paul- Kirchhofs in Plötzcnsee aus statt. Ziege Beteiligung erwartet 124/2 Die Ortsveiwnltung. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Nachricht, datz meine innig geliebte Frau und teuere Lcbcnsgcfährttn, unsere gute Tochter, Schwester u. Schwägerin Martha Brietzke gcb Brandt plötzlich gestorben ist. Dies zeigen firsbetrübt an Der trauernde Gatte nebst Aertvandeen. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zentral- Fiiedhojes in Friedrichsseide aus statt. Die Beerdigung der 1481� E-taEene Benda findet heute nachmittag 2'/, Uhr von der Leichenhalle des Ba.tho- iomäuS-Ktrchboses in Weiiensee. Falkeiibcrger Slratze, aus statt. Danksagnttg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines iieben Mnnnes, uns»es guten Vaters lagen wir hiermit dem Verband der freien Elast- und Schaniwirte Deutsch- landS(Zahlstelle Schöneberg), dem Sozialdemokrat. Wahlvercin Marien- don, den organisierten Arbeitern des Gaswerls Mariendorf, allen Ver- wandlcn. Freunden und Belannlen unseren hcrzlidistcn Dank. Frau I-ncas 15076 nebst Kindern. Uanksaeung;. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Bcerdigimg meines lieben Mannes sage ich hierdurch allen Freunde» und Bekannten, speziell der Firma W. Romann so- wie dem G.sangvcreiu meinen aus- richiigsten Dank. t482b Böitwe Luise Knnzer. Dauksagung. Für die zahlreichen Beweise herz- sicher Teilnahme bei der Beerdigung meines geliebten Mannes rkdolk(ti-ietz sagen wir allen Beteiligten, ins- besondere den Genossen des 6. Wahl- krciscs,. dem Metallarbciterverband sowie der Firma Rösscmann u. Kühne- mann unseren sicsgefüblicsten Dank. Witwe nnKdalena Brietz nebst Sohn. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnabme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten BaterS En»»! Schellenberg lagen wir allen Verivandren und Bekannten sowie dem Verband der Sattler und Porteseniller und den .Kollegen der. Finna Wicnecke Nachfolger Miseren herzlichsten Dank. Witwe Bedwle btohellentoerfi: nebst Kindern. Dr.Simmel Spezial-Arzt* für Haut- und Harnleiden. Prinzenslr. 41, CÄ 10—2. 5— 7. Sonntags 10—12. 2— 1 Bon der Reise zurück s29t/2 Dr. Felix Taendler. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teil- nähme bei der Beerdigung meines lieben Vaters, de« Schlossers Franz Pipenburg sage ich allen Verwandten. Freunden und Bekannten, sowie den Kollegen der Abteilung Gl. 8 und Herrn Piater aus diesem Wege meinen herz- lichsten Dank. 1493L Franz Pipenburg, Tristste. 48. ---------—» rrosp. u. rrouesiucK graiis. ,.Fidelf Bauer",„Dollarprinzessin". Musik-Verlag„Euphonie", Pankow 470 b. Berlin ermöglicht Kindern und Erwachsenen, ohne Notenkenntnis sofort vom Blatt Klavier zu spielen. Prosp. u. Probestück gratis.„Fidele iBKEB...... Umwälzung in der Zigaretten-Branche Die Harnleiden ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von J)r. med. Sc ij aper, BERLIN— Preis 1 Mark. B 7 te» lausend. M Verlag Max RichleöÄV Detail- Gesehatto erlahrcn Wfthprcs dnreh IlaaseiiBteiii 4k Vogler A.-G., Berlin W. 8 sab G. O. 147. 215/13 IWestmifflsMeraagaziiij Fix tra- Abtei hing ! I. Gesch.: Berlin W, Mohren StraBe37a(2 Haus von der| Jerusalemer StraSe). [II. 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Die Bcktinimung des Entwurfs wurde jedoch gegen die Stimmen der Sozialdemokraten äugen o nr m e». In den Bestimmungen über die Gewerbe-Unfallversicherung ist. allerdings gegen den Widerspruch der Sozialdemokraten den Berufs- genosienichaften das Recht verliehen ivorden, in der Satzung zu be- stimmen, daß der Lohnnachweis statt der einzelnen Versicherten und deS von ihnen verdienten Entgelts die Zahl der Versicherten und die Gesamtsumme deS Entgelts für das ganze Geschäftsjahr oder für kleinere Zeitabschnitte enthalten soll. lSummarischer Lohn- Nachweis.) Dabei herrschte Einstimmigkeit darüber in der Kom- Mission, daß später für diese Fälle vorgeschrieben werden müsse, daß der Unternehmer selbst aber die Lohne jeder einzelnen von ihm be- schäftigten Person buchen muß. Denn nur dadurch ist es nivg- sich, einem Verunglückten die ihm zustehende Rente nach seinem Verdienst festzustellen. Demgemäß beantragte das Zentrum einen solchen Zusatz. Dagegen erklärte sich aber der Abg. Dr. S e m l e r mit großer Entschiedenheit und ihm schloß sich der Zentrumsabgeordnete G ö r i n g an. Der Zusatz wurde schließlich angenommen. Acrztliche Gutachten. In die Vorlage ist aus dem geltenden Gesetz die Bestimmung Übernommen worden, daß vor der Fesistellnng der Unsallrente der behandelnde Arzt zu hören ist. Steht der behandelnde Arzt zu' dem Versicherungsträger in einem nicht nur vorübergehenden Vertrags- Verhältnis, so ist auf Antrag ein anderer Arzt zu hören. Hierzu liegen mehre Abänderungsanträge der Sozialdemokraten und des Zentrums vor. Die Debatte darüber wird am Montag weiter geführt._ »lmtlictirr Marktbericht der ftädltlch«, MarNSallen-DtreNlon aber den Swotzbandel in den Zentral-Marttballen. Marktlage: fleisch, Zufuhr schwach, GeschSit ruhig, Preise unnecändcrt. Wild: Zuiudr reichlich, Gelöst rege, Preise etwa» nachgebend. Geslügel: Zufuhr in Gänsen über Bedarf, sonst lnapp, Geschäft lebhast, Preise behauptet. F i s ch e: Znsuhr etwa? reichlicher, Gelchüst ruhig. Prelle weiter nachgebend. Butter und Käs«: Geschäft ruhig, Preise unverändert. G em ü I», Odft und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst schleppend, Preise behauptet.________ «Salle rstandS-Nachrtchte« der LandeSanstalt sür Gewäflcrkund«. mitgeteilt vom Berliner Wellerbiwcau. Waflerttand M e m e l, Tilsit B r e g e l, Jnuerburg Weichsel, Thor» Oder, Ratibor » Kressen , Frankiurt Warthe, schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Leitmerttz » Dresden , Bardo . Magdeburg Wasserstand Saale, Grochlltz Havel, Spandau') » Rathenow') Spree,«premberg') , veeStow Weser, Münden , Minden Rhein, MarimUianSau , Kaub Köw Neckar, Heilbronn Main, Werlheim Mosel. Trier am 21.10. oni 75 76 90 90 153 -96 -14 366 171 152 49 116 46 I-tt 2010. cm1) 0 _ 2 0 0 —3 -1 +6 -2 0 -1 +1 0 +8 ')+ bedeutet Wuchs,— stall.*) Unlerveael. i Arbsiter! rarteigenossen! Tag für Tag kraftvoller entwickelt sich die Konsumgenossenschaftsbewegung von Groß-Berlin. Monat für Monat vollziehen tausende Familien der werktätigen Bevölkerung ihren Anschluß an die Konsumgenossenschaft! Der Warenumsatz steigt mit jeder Woche! Wie wird man Mitglied eines Konsumvereins? Man wende sich an eine der nachstehenden Verkaufsstellen, dort unterzeichnet man die Beitrittserklärung und zahlt eine Eintrittsgebühr von 50 Pf. Der Geschäftsanteil beträgt für jedes Mitglied 30 M. und kann in Raten bezahlt oder von der Rück- Vergütung gutgeschrieben werden. Die Rückvergütung wird aus dem Reingewinn entnommen und nach Maßgabe der gekauften Warenmenge an die einzelnen Mitglieder verteilt. Sorgt dafür, daß die Berliner Konsnmgenoffenschaftsbewegnng bald an erster Stelle Deutschlands steht! Bei den unterzeichneten Vereinen hatten 39000 Mitglieder einen Umsatz von über 7 Millionen Mark. Masseneintritt in die Konsumvereine! Ciokauf des Warenbedarfs nur in deren Oerkaufsfteiien! DaS fei die Parole der Werktätigen Bevölkerung Groß-Berlins. Vis?rop»sanüS')(ommis8ion zur Förderung des Qeuossensclmftsweseus für Serliu uud Umgegend. Eugen Brückner. Für die Gewerkschafte«: Karl Giebel. Karl Hetzschold. Adolf Ritter. E. Wutzky. Für die Parteiorganisation: EmtlBoedke. Max Jacobson. GustavLaukant. A. Stadthagcn. Für die Genossenschaften: M. H o p p e. N. I u n g e r. C. M ü ck e. Otto Weis. 0. Verliu Marknsstrafw 37 Zorndorfer Straße«1 Liebigstraße 7 Kochhannstraße 14 Kopernikusstraß« 3 Bödikerstraße 7 Mirbachstraße Äst Verkaufsstellen. (Jlonsuragenossetiscliaft). Kontor: NO. Büschingstraße 158 SO. NO. Bötzowstraße 34 WinSstraße 63 orster Straße 3 ?anteufselstraße 91 Michaeltirchplatz 4 Wrangelstraße 65 N. Torfftraße 5J8a Slntwerpener Straße WiUdenowstraße 39 Maxstraße 13 s Prinzen-Allee 85 lZrünsr Veg\\ I nnd in folgenden 56 N. Swinemünder Straße 33 Greifenhagener Straße 84 Susfitenstraße 53 artenstraße 3 Schivelbeiner Straße 9 Soldiner Straße 193 Gerichtstraße 3 Fehrbelliner Straße 54 W. Goebenstraße 17, Ecke Culmstraße Verkaufsstellen: SW. Zimmerstraße 5J3 Arndtstraße 5 NW. Erasmusstraß« 5 Rostocker Straße 35 Emdener Straße 50 Stendaler Straße 5 S. Gräfestraße 65 a Alte Jakobstraße 57-59 Verkaufsstellen in den Vororten: Friedenau, Moselstraße 7 Friedrichsfelde, Caprivi-Aklee 44 Karlshorst, Treskow-Allee 199 Lichtenberg, Bürgerheimstraße 195! „ Kronprinzenstraße 1 Marlendorf, Kaiserstraße 119 Die Berkanfsstellen find geöffnet von 8 Uhr morgens bis 1 Uhr mittags nnd von 3 Uhr nach- mittags bis 8 Uhr abends, Sonnabends bis 9 Uhr abends. Reinickendorf-O., Hoppestraße 16 Rixdorf, Weisestraße 52 „ Emserstraße 33 „ Wildenbruchstraße 61—62 „ Friedelstraße 15 ,» Böhmische Straße 47 „ Müncheuer Straße 39 RummelSburg, Mozartstraße 5! „ Wismarplatz 3 Tchöneberg, Apostel-Paulusstraße 49 Ebersstraße 515/96(Ecke Tempclhofer Str.) Gothensträße 1 Tempelhof, Berliner Straße 41/45! Weißensee, Langhansstraße 144/145 Adlershof(Konsumgenossenschaft): Adlershof. Bismarckstr. 11 Alt Glienicke, Köpcnicker Straße 35! Bohnsdorf, Straße 81 Erkner. Königstraße 55 Friedrichshagcn. Fricdrichstratze 98 Grüna«, Köuigstraße 8 Johannisthal, BiSmarckstraße 6 Ober-Schöneweide, Gdisoustraße 48 ,, Lnisenstraße 18 Berlin(Bäckerei-Genossenschaft): Berlin, Glogauer Straße 88 „ Bödikerstraße 39 „ Borckstraße«5 „.Hohenlopcstraßc 18 „ Forster Straße 89 „ Bergmannstraße 99 Rixdorf, Falkstraße 1 „ Steinmetzstraße 109 Jsarstraße II ,, Hohenzollernplatz 11 Charlottenbnrg(Konsumverein): Wallstraße 83 Tauroggener Straße 10 Potsdamer Straße 18 Weimarer Straße 89 Christstraße 18(Bäckerei) Pestalozzistraße 101) Bäckerel- Cauerstraße 87' Verkaufsstellen Wilmersdorf, Wilhelmsaue 87 Königs-Wnsterhanfen(Konsum- genossenschaft): Berliner Straße 86 Nowawes-Neuendorf(Konsum- verein): Nowawes, Priesterstraße 89 „ Wilhelmstraße 69 Nenendorf, Ziethenstraße 16 Drewitz, Stcrnstraße 16 Michendorf, Sarmnnder Straße Wannsee, Chausseestraße 13 Potsdam(iillllslimgensssenschast Soffuung): Potsdam, Juukerstraße 15 „ Viktoriastraße 71 Bornstedt, Friedrich-Wilhelm-Str. 38 Caputh, Chausseestraße 8. Werder, Brandenburger Straße 13 Spandan(Konsumverein Merkur): Mittelstraße 13 Földerichstraße 5 Tegel(Konsumverein): Tegel, Schlieperstraße 79 Borfigwalde, Schubertstratze 81 Hermödorf, Berliner Straße 16s Reimckendors, Eichborn straße 16 Waidmannslnst, Freie Scholle Wilhelmsruh, Prinz-Heinrich-Straße, Ecke Lindenallee. Zehlendorf(Konsum-, Produktiv- und Sparverein):, Teltower Straße 1 MiiisMttr UMn ScInnarpMorl. Am Dienstag, den LS. Oktober, abends>/,S Uhr, im Wirtshm Schmargendorf. Warnemiinderftr. K bei Barteit Generul-VersammlunK. Es ist Pflicht eines jeden Genossen, pünktlich zu erscheinen 203119 Der Vorstand. Sonntag, d. ÄZ. Oktober, nachm. i Uhr: Ochntitchk Zchiffkr-Nersmiilliiiig in der Neuen Philharmonie, Köpenicker Str. 90/97. Tages. Ordnung: »Christentum und Sozlaldeniolratie". Zicfcrciit: Reichstagsab. Paul Göhre, Pastor a. D., Zeblendors. Alle in der Schiffahrt beschüstigten Personen sind ganz besonders ein- geladen. 291/19' Der Einberuscr. ZtrbettsnactUoriS: Vertvainliigssielir Verlin. Hauvrbureau: Hos l. Amt S. 1239. CharltestraBe 3. Hos Ul. Amt 3 1987. Dienstag, 25. Oktober, abends 8'/- Uhr, im Gcioerkschaftshauir. Engcluscr 15, Saai 4: Allgemeine Versammlung der Kohlltgrr und Htlftr Ktliins und zlulgtgend. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Kollegen bV>i«eI,ie>t über:.Die internationale Arheiterbcwcgung'. 2. Dlsknsfion. 3. Bericht über den Tarisabschius!. 4. Pcrbnndsangclcgendciien und Verschiedenes. 124/1 Kollegen I Die Wichiigkcit bei Tagesordnung ersordert, daß ein jeder von Euch in dieser Versammlung anwesend ist. Agitiert deshalb sür zahl« reichen Besuch. Erscheint Mann sür Manu! Die VertranensmSuuerkousereuz der Rohrleger findet heute, Sonntag, de» 23. Oktober, vormittags lv Uhr. im Geiverkschafto- Hause, En gel ufer 15 statt.__ l»lc Ortwvcrwaltn ng. Deutscher Buchhinder-Verhanii. (Zahlstelte Berlin.) Mittwoch, den 26. Oktober 1910, abends 8 Uhr, in Kürstens Festsäle», Oranienstr. 180 Vei'sammluKK aller in der Mudi-, Mappen- n. Galauterievareninduslrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Tag e?- O r d n u n g: t. Die Jiivalideiiuiitcrstühiing unseres Verbandes. Referent: Kollege Wilhelm Härder, Verbnndsvursitzender. L. Wie begegne» mir der fortgefehteu Mihachtung der tariflichen und gesehlichen Bestimmungen durch die Fabrikanten? Resc- reut Kollege Robert Gerber. S. Brancheuangeiegenheiten und Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet 25/0____ I>ie Brnnchcnkcltnng. Verband der Tapezierer. (Filiale Berlin). Mittwoch, den 26. d. M., abcndS pünktlich 8'/z Uhr, bei Wendt, Benthstr. 21 Äufittalz-veklammlustg. TageS-Ordnung: t. Unfrre Organisalion, und was haben wir jetzt zu tun? 2. Disklission. 177/13 3. Quartals birtcht, Diskusflon, VerbandSangelegenheitcn u. Verschiedenes. vis Voresninilunz ist sehr«iclitig._ Milgliedsliucli legitimiert. E i u l a d tt n g zu der am Freitag, den 4. November d. I. in Hoppes Festsälen, Hierselbst, Hermann-Straste 40, stattfindenden ordenSMen 6eneralwrsa»mltmg. I. AbendS 8-S'/s llbr im kleinen Saal: Wahl uon zwei Vorstandsinilgliedern aus den Rethen der Kassen- Mitglieder. al an Stelle der Frau Pfeifer bis zum 31. Dezember 1913. b) an Stelle des Herrn Lindner bis zum 31. Dezember 1913. II. Abends 8—8'/, Uhr im Bereinszimmer: Wahl von zwei Vorstandsmitgliedern aus de» Reihen der Arbeitgeber. a) an Sicllc des Herrn Hirtmann bis zum 31. Dezember 1912. sErsatzmänn.) b) an Stelle des Herrn Fiedler bis zum 31. Dezember 1913. HI. Abends 9 Uhr i Gemeinschaftliche Generalversammlung. TageS-Ordnung:/ 1. Ve> waliungsbericht. 2. Beschlustsassung über Abänderung deS st 14, Ziff. 3 de? Kaffenstatnis (Bezahlung des Krankengeldes sür jeden Kalendertag). 8. Kenntnisnahme von der Entscheidung des VtagistratS betr. die Be- anstandung der Deleaicrtcn-Mandaie. 4. Kenntnisnahme von der Eüischcidung des MagistraiS über den An- trag oer Generalversammlung vom 8. 7. 10. 6. Wahl eines Ansschnlles. von sechs Delegierten zur Vorprüsung der JahreSrechnimg Pro 1910. 0. Verschiedenes. Rixdorf, Jdcal-Paffage 12, den 22. Okiober 1910. 278/19 Vvi» Hassenvortctanel. Neumeier, Vorsihender. Vxucr, Schr-jtsührer. Die den Delegierten zugesandte Einladung dient als Legitimation und ist beim Eintritt in die Velsammlung zur Eintragung in die Präsenzliste vorziizeigen. VdF' Woliimncsvcrilndcruiigcn__ sind der Kasse sofort mUsmtellen. "Bor ftoa�rftuia f Die Arbeitgeber, welche sich tu der Gencralversamm- Aul zikll Iis i II Ii»!- Inng dm'ch ihre Geschäsissührer oder Belricbsbcamten verlreten lassen wollen, werden ersucht, dem Kassenvorstand vor Beginn der Verhandlungen davon Anzeige zu machen.__ ßraumanns Jestsäle und Harten i- 1—— 87, Bfadnynstraßc 87.====== :::: BUIme □ 8 Kegelbahnen. Qp Sonnabende und Sonntage im Dezember noch frei, Deutseher Hoizarbeiter-Terbaad. Verwaltung Berlin. Sonntag, de» 23. Oktober, nachmittags 3 Uhr, in»BoekerS GesellschaftShaus', Wcderstr. 17: IC Versammlung der jugendlichen Arbeiter u. Lehrlinge in der loizindultrie. Tages- Ordnung: Vortrag deS Reichstagsabgeordncteu Ilobert Schmidt. Diskussion. Wir erwarten daS Erscheinen aller jugendlichen Arbeiter und Lehrlinge. Sitzmöbel-Tischler. Montag, de» 2�. d. Mts., abends 6 Uhr, im GeWerk- schaftshause, Engelnfer lö, Saal 4, Arbcitslofeiisaal: Uersammkung Tages-Ordnung: t. Bericht über die Durchführung der Lohnerhöhung. angeleaenbeiien. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. 2. Verbands- 92/3 Bautischler, Bezirk IV. (Wedding und Moabit.) Dienstag. 25. Oktober, abends ß'l3 Uhr(gleich nach Feierabend): == Branchenverfammluttg � bei Kuabc. Kolbcrger Sir. 23: Tagcs-Ordnnng: 1. Der nette Bautijchlertarif und Auslegung uno Erläuterung der einzelnen Bestiminunge». Rejcrenl: Kollege Keiehe. 2. Branchenangelegenheilen._ Bautischler, Bez. m. (Norden und nördliche Vororte.) Mittwoch, 20. Okiober, abends 8 Uhr, bei Gliesche, Kopenhagenerstr.74 Wranckeu-Verkammlung. Tagesordnung: 1. Ter Bantischlertarif u»d Auslegung und Erlänternng der einzelne» Bestimmungen. Reserent: Kollege Kelche. 2. Branchen- angelcgenhciten.__ Bodenleger. WW� Rahmenmacher.''WM Montag, den 24. d. Mts., abends 0 tthr, im Gewerl schaftshanse, Engelnfer 1», Saal 3: Kran che» Versammlung Mitgliedsbuch legitimiert. Goldleistenarbeiter. Montag, den LI. Oktober. obendS 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engelufer 14/15, Eingang IZ parterre(ArbeUsiosenraum): Vtrsnrnnilnng sömtl. i!atulholiIeistr«iiolikrtr, Nergolder, Abpuher, Sltjlriftr und Albrittrinnen. Tages-Ordnung: 1. Wie verwerten wir unsere OrganisaiionSzugehörigkeit am besten? 2. Branchenangelegenheiten. Kisteumacher. Montag, den 84. Oktober, abends 8'/, ttbr, in den„Andreas-. Jeftsälen, Audreasstr. 81: V e i* s a m i» i n n g."HW Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. VerbandSangelegenhelicn. Korbmacher. Montag, den 24. Oktober, abends 8fl. Uhr, im Gewerkschaftshause. Engelnfer 14/15(saal VII): Branchem»yersannunSung. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen FliU-he über:„Die Bedeutung der Konsniugenossenschafteu für die Arbeiterklasse." 2. Branchen- angelegen heiten. Mittwoch, L0. Oktober, abends 8 Uhr, im GewerkschaftShause, Engeluser 14/15, Saal 5: BrandKU-Vcrfamnilinig. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Neuwahl der Kommission. 3. Branchenangelegenheiten. Nkrllsiiilt-.sigrii-li.ItriiililißliWpfttdtiin Mittwoch, den 20. Oktober, abends 0 ttbr(gleich nach Feierabend), im GewertschastSbaiise, Engelnfer 14/10, Saal V: Versammwttg TageS-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Branchenangelegenheiten. Kamm- u. Haarschmmkarbeiter. Mittwoch, 20. Oktober, abends 8 Uhr. bei Morltowalti, AndreaSstr. 28: BrandKii-Versammlung. TageS-Ordnung: t. Bortrag deS Kollegen Oeopold. 2. Branchenangelegenheiten. BlnsetDer. Donnerstag, 27. Otiober. abends 8 Uhr. im GewrrkschaftShause, Engelufer 14/15, Saal 7: Brauch euv ersam mlung. Tagesordnung: 1. Wie stellen sich die Arbeitgeber zur Einführung des Darifs, Regelung des Arbcitsnnchweises? Reserent: Kollege kduker ständig am Bhf. Zepernick.< ! J. Eieger, Berlin, Gonlardslr. 5. J »9«9Cd Säle frei! Sonnabend. 20. Novbr.. dritten Feiertag, Sonnabend, 85. Febr. �lexau derktr. 87c. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Reichstags- Wahlkreise. Dienstag, den 25. Oktober, 8V2 Uhr abends, in den Nnion-Sälen, Greifswaldcr Straße 228: MM"* Versammlung:. Tages-Ordnung: tt|t|UriU0lir ♦ Referent: Genosse Max Schütte. Diskussion. Partei- und Vereinsangelegenheiten. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder notwendig.— Gäste willkommen. Der Vorstand. 1. 3. 2-13/ 1* Arbeiter- Stenographen- Verein Slolze-SebFey, Berlin. Di e n s t a g, den 1. Kovember IOIO, abends S'/a Uhr, im Gewerkschaftshause. Saal S: Kegiiiii dr-A«fijiil!rrIliirslls>» ZltnoglGhic Für den ZlursuS inklusive Lehrmittel sind 2 M. zu entrichten. Anmeldungen an den Vorsitzenden Gen. Hiaid Itrnckmnnn, Berlin 0. 112, Pettenkoser-str. 14, oder am UntcrrtchtSabend. 14S4b lugenä-Zlusschuk für Lrok-verlln. Die für heute geplante Ingen d-Verfammlung(Zgutsr-Adsnch kann Keuie nisilt ststtfinäsu. Die Versammlung zur Feier des 100. Geburts- tageS Fritz Neuters findet bestimmt am LütUlisg, den h, DsZSMdS?, abends, in Kellers?eslsä!en, Koppenftr. 29(großer Saal) statt. Der ehemalige Lehrer A. Holzmeier-Bremen wird den Vortrag halten. 'lin detail Knaben-... i�üttsliiigs-Garderobe fertig n. nach iTIaii am billigsten und reellsten in der Fabrik Koppcnstr. 85, part., I i 2 Minuten v. Schles. Bahnhof. 1 Karl Hustädt. ARTUS-HOP Steudnler Strahe 18. Pcrlcberger Strohe ÄO. Inhaber: Carl l'lrnan(früher Piilaii-Tbcater). Empsehlc meine Sittle bis 12M Personen lassend, sowie Verein?- »immer zu Versammlungen, Festlichkeiten usw. eventuell mit Theatervor- stellung unter günstigsten Scdingungen.» med. 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