Ar. ÄS7 Bbönncments-Bcdingungen: NbomieinrntZ- Preis pränumerando: Bierteljährl. LPV Mk., monatt. 1,l0 Mä, lvöchciillich LS Pfg. frei InS Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonmags. »ummer mit illusuicrlcr SomUags- Bcilage„Die Neue Welt" Iv Pfg. Post. Vlboiinement: I.IU Mark pro Monat. Eingetragen in die Pest-Zcitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn '2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. Postabonnemcnts nehmen an: Belgien, Dänemark, Holland. Italien, Luxemburg, Porlugal, Rumänien, Schweden und die Schweiz. 87. Jahrs. Crfchtlnt ttgli» suLkk montags. Vevlinev Volksblatt. Die TtilcrtionS'Gcbüfjf beträgt für die fechsgespallene Kolonel« zcile oder deren Raum w Pfg., für polllische und gewerkschaftliche Vereins- und Bcrsammlungs-Anzeigen M Pfg. „kleine anzeigen", das erste fielt- gedruckte) Wort 20 Pfg., d-tdcs wettere Wort 10 Pfg. Stellengesuche und Schlas- ftcllcn. Anzeigen das erste Wort 10 Psg„ jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Lnscrate für die nächste Nummer müssen bis S Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm- Adresse: „SoÄallUmotikat llerlln". Zentralorgan der fozfaldemokratlfcben parte» Deutfcblands. Redaktion: SM. 68. Lindenstrasse 69« Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Die politische Lage in Cnqland. Aus London wird uns geschrieben: Allmählich rückt der Termin heran, an dem die Schon zeit für die Politiker zu Ende geht und die Konferenz zwischen den Häuptern der beiden großen Parteien zu irgendeinem Re- fultat führen muß. Deutete nian zuerst das tiefe Schweigen der Konferenzmitglieder dadurch, daß man daraus hinwies, daß die Konferenz nur dazu bestimmt fei, die durch den Tod des Königs Eduard verursachte Verlegenheitspause auszu füllen, und daher zu keinem Resultate kommen könnte, so er klärt man sich jcht die vielen Andeutungen, die in den letzten Tagen von leitenden Regierungsmännern gemacht worden sind, als ein Zeichen, daß die Konferenzmitglieder bemüht sind, die durch die Vetofrage geschaffenen schroffen Gegensätze zwischen Regierung und Opposition auf dem Wege eines Ver gleichs aus der Welt zu schaffen. In dem Wirrwarr der Stimmen der Propheten, deren Geschäft heute wie nie zuvor gedeiht, tritt nur eins klar zu tage: Weder die Regierung noch die konservative Partei hat heute ein Interesse an Neuwahlen im Januar nächsten Jahres, die nach dem Programm der Linksliberalen und Iren un- oermeidlich sind. Schon allein der Umstand, daß baldige Neu Wahlen aller Wahrscheinlichkeit nach keine entscheidende Ver schiebung in dem Kräfteverhältnis der beiden Gegner herbei führen werden, erklärt die Abneigung gegen einen Wahl kämpf ini nächsten Januar. Für die Konservativen koinmt in Betracht, daß die stetig günstiger werdenden Erwerbsver Hältnisse und der laute Protest des deutschen, österreichischen und französischen Volkes gegen die durch die Schutzzollgesctz- qcbung akzentuierte Teuerung keinen guten Boden für eine erfolgreiche Propaganda der Tarifrcform abgeben. Auch läßt die Einigkeit dieser Partei augenblicklich viel zu wünschen übrig: den Draufgängern unter den Schutzzöllnern ist Herr B a l f 0 u r ein viel zu milder und vorsichtiger Führer. Bei den Liberalen hat wiederum die Stärkung des Whigelements, dem die Verhältnisse günstig und, die Kampfesstimmung gegen das Oberhaus sehr merklich beeinträchtigt. Ferner wäre der Regierung auch die Krönung Georgs V., die in der ersten Hälfte des nächsten Jahres stattfinden soll, ein großes Hindernis, sollte sie von ihren Verbündeten gezwungen tvcrden, ihre Pläne gegen die Lords in die Tat umzusetzen. Eine Verständigung, die das Uebel einer allgemeinen Parlamentswahl abwenden würde, erscheint soniit den Führern der um die Macht im Staate ringenden Parteien als höchst wünschenswert. Dem Zustandekominen des Pakts liegt aber ein großes Hindernis im Wege: die irische Frage. Die Iren, die bisher in der Frage des Hauses der Lords die sichersten Truppen der Demokratie getvesen sind, die von der Lösung dieser Frage die Selbstverivaltung Irlands erwarten, werden sich nicht ohne weiteres abschütteln lassen. Es ist ziuar denkbar, daß die Regierung eine zcitlang auch ohne die Iren und mit Unterstützung der Konservativen weiter regiert; aber die Iren sind mehr als eine parlamentarische Partei. Tau sende und Abertausende von irischen Arbeitern leben in Eng land und gehorchen bei den Wahlen den Befehlen der Ratio nalistcn. Werden die Iren dieses Mal verraten, so geht die liberale Partei bei den nächsten Wahlen, tvenn sich nicht etwas Außergewöhnliches ereignet, einer sicheren Niederlage cnt° gegen. Das Zustandekommen eines Pakts zwischen Regierung und Opposition hängt davon ab, ob man die irischen Nationa- listen in bezug auf„Hoine Rule" zufriedenstellen kann. Um nun die Ansichten der maßgebenden Parteimänner über die Lösung der irischen Frage zu erfahren, ließ der Master of Elibank, der Haupteinpeitscher der Liberalen, vor kurzem einen Versuchsballon steigen. Er deutete die Lösung auf dem Wege des Föderalismus an: nicht allein Jr- land, sondern auch England, Wales und Schottland müßten ein eigenes Parlament für reine Landes- angelegen heitcn, das dem Reichsparlament unter- geordnet ist, erhalten. Etwas weniger deutlich und in ähn- lichem Sinne sprach sich Lloyd George vor einiger Zeit aus. Tie Idee ist nicht neu und wurde schon als Lösung der irischen Frage von Joseph C h a m b e r l a i n kurz nach seinem Streite mit Gladstone über„Home Rule" vertreten. Groß- britaiiiiien und Jrlaiid würden danach in vier Länder oder Staaten zerfallen, die ähnlich wie Kanada, Australien und Südafrika durch ein Bundesparlament zusammengehalten würden. Die irische Frage hat sich in dem letzten Jahrzehnt stark verändert. Hauptsächlich sind es finanzielle Fragen, die die ursprüngliche Forderung cxtrenicr Nationalisten ganz in den Hintergrund geschoben haben. Die gänzliche Lostrennung Jr- lands von Großbritannien übt nur noch wenig Anziehung auf die Gemutet aus. Die konservative Landpolitik, wie sie in dem Gesetze vom Jahre 1903 zum Ausdruck kam, l)at deni Reiche eine große finanzielle Verantwortlichkeit aufgebürdet — das Reich garantiert die Zinsen der Obligationen, mit deren Hilf« die Pächter zu Bauern gemacht worden sind—, und Irland steht sich auch unter dem Alterspensionsgesetz, das ihm weit mehr Geldmittel zufließen läßt als den anderen Teilen dcS Reickies, außerordentlich gut. Man kann es daher verstehen, wenn die Führer der Nationalisten, obwohl sie be- ständig die Unverrückbarkeit ihrer Forderungen betonen, ihr Programm den neuen Verhältnissen anpassen. Herr Red- mond schrieb kürzlich i» siner bekannten amerikanischen Zeitschrift über die Mindestforderung der Iren:„Wir wünschen ein irisches Parlament mit einer Exekutive, die ihm verantwortlich ist; dieses Parlament soll durch das Reichs- Parlament geschaffen und mit der Verwaltung rein irischer Angelegenheiten(Land, Erziehung. Lokalregierung, Be- fördcrungswesen, Arbeit, Industrie, Geineindestcuer, Gesetz und Gerichtsbarkeit, Polizei und so ivciter) betraut werden, so daß dem Reichsparlament, in dem Irland wahrscheinlich weiterhin, aber durch weniger Mitglieder, vertreten sein würde, wie jetzt die Verwaltung aller Reichsangclegcnheiten, wie Heer, Flotte, auswärtige Beziehungen, Reichsfinanz, An- gelegenheiten der Krone, der Kolonien und all die anderen Fragen belassen blieben, die ihrer Natur nach das Reich und nicht die einzelnen Länder angehen. Das Ncickssparlament würde auch die ausschlaggebende Autorität über die neue irische Legislatur behalten, wie sie das Btindesparlament heute über die verschiedenen Legislaturen in 5lanada, Austra- lien, Südafrika und anderen Teile des Reiches besitzt." Was den Iren an diesem neuen Vorschlag zur Lösung der irischen Frage nicht gefällt, ist die Möglichkeit einer Ver- schleppung, die bei einem so weit verzweigten Problem, wie es der Föderalismus darstellt, ohne Zweifel sehr groß ist. Ge- rode die englischen Liberalen sind in der Vcrschleppungs- strategie anerkannte Meister. Herr Redmond ist sich dieser Gefahr, be?rogcn zu werden, wohl bewußt, und hat auch gleich die Stellung der Iren zu der vorgeschlagenen Lösung präzi- siert. Vor einigen Tagen erklärte er:„Unsere„Home Rule"- Verfassung sollte derart sein, daß sie in ein später einzufügen- des allgemeines föderalistisches Systeni paßt, aber es muß deutlich zu verstehen gegeben werden, daß Irland nicht warten kann, bis sich England, Schottland und Wales entschlossen haben, die Selbstverwaltung für sich zu beanspruchen. Wir werden weder eine Aufschiebung der Frage noch eine Ver- Wässerung unserer Forderungen dulden." Tie Bereitwilligkeit der Konservativen, in der Vetosrage mit sich reden zu lassen und der Regierung bei der Lösung der irischen Frage behilflich zu sein, findet ihre Erklärung teilweise auch in der Veränderung, die die konservative Par- tei, seitdem sie ganz schntzzöllnerisch geworden ist, durchgemacht hat. Tie E i n f ii h r u n g des Schutzzolls ist der erste Programnipunkt der treibenden Elemente dieser Partei, die alles, tvas der Erfüllung ihrer Wünsche entgegensteht, un- geachtet der Traditionen der konservativen Partei, über Bord werfen. Die Vetofrage, die den Gegnern stets reichen Stoff zur Agitation gibt, ist ein solches Hindernis, desgleichen die ungelöste irische Frage, der es zuzuschreiben ist, daß ein Teil der Schutzzöllner im Parlament— denn als solche muß man die irischen Nationalisten ansehen— nickst für die Pläne der Konservativen zu haben sind. Unter den herrschenden Verhältnissen könnte es vorkommen, daß die schutzzöllncrischen Elemente im Parlament eine große Majorität bildeten und daß die Konservativen dennoch nickst in der Lage wären, das Ministerium zu stellen. Was das andere Hindernis, das zu überivinden ist, nämlich die Vetosrage, anlangt, so können sich die Konservativen umso eher ans ein Kompromiß einlassen, als es jetzt immer klarer wird, daß sich die Regierung mit einer Lösung zufriedenstellen wird, die die Interessen der libe- ralen Partei wahrt. Die Frage war übrigens nie trotz der Haltung einer Handvoll energischer Linkslibcraler eine Frage der Rechtsansprüche der Demokratie gegen die Vorrechte der Oligarchie: maßgebende Liberale wie Konservative lvarcn sich darüber einig, daß jede Neugestaltung der Beziehungen zwischen der Volksvertretung und dem Oberhause dem letzteren genügend Macht lassen müsse, um einem von der Arbeiterschaft beherrschten Unter hause entgegentreten zu können. Für diese Angabe können zahllose Belege beigebracht werden. Wie die liberale Partei über die Lösung der Vetofrage denkt, wurde erst jüngst wieder in klaren Worten von dem Unter. Postsekretär Norton dargetan, der sich wie folgt äußerte: „Wenn die Konferenz imstande ist, eine Politik zu entwerfen, die dazu führen wird, daß die liberale Partei, wenn sie am Ruder ist, dieselben Rechte genießt wie die konservative Par- tei, so kann alles in freundschaftlicher Weise geregelt werden." Man erfährt aus diesen Worten, daß es sich für die Liberalen bei der Vetofrage nur um die Befriedigung der eigenen Parteiinter essen handelt. Bei den Linksliberalen hat die eingehende Erörterung all dieser Fragen große Beunruhigung hervorgerufen. Es läßt sich heute nicht mehr leugnen, daß die Vertrauensmänner der liberalen Partei wirklich die weitgehendsten Verhandlungen mit den Führern der Konservativen pflegen. Auch die Flottenfrage scheint in das Bereich der Erwägungen gezogen tvorden zu sein. Denn nur so läßt sich die Be- kehrung Lloyd Georges und Churchills zu einer Flottenanleihe unter gewissen Umständen er- klären. Vielleicht spekulieren diese Minister darauf, daß durch eine derartige Anleihe den Konservativen eine der besten Waffen im Wahlkampf, die Flottenhetze, entzogen wird.— Es ist nun möglich, daß sich all diese Besprechungen zu keinerlei Taten verdichten werden, daß sie am Ende nichts anderes sind als die Jagd nach dem Irrwisch, mit dem der geschickte Dialektiker Balfour die Liberalen an der Nase umherführt, wie er es so oft niit seinen eigenen Parteigenossen gemacht hat, um sie zu diskreditieren. Aber die Diskussion selbst beweist, wie geringfügig im Grunde ge- nontmen die Gegensätze zlvischen den bürger» lichen Parteien auf konstitutionellem Ge" Expedition: SM. 68» lindenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IT. Nr. 198t. biete sind, wie die Demokratie von der Konferenz der liberalen und konservativen Vertrauensmänner n ichts od er wenig zu erwarten hat und wie geringschätzig man über die Vertreter des arbeitenden Volkes denkt. In der ganzen Diskussion hat man es noch nicht der Mühe wert befunden, zu erwägen, wie sich die Arbcitervcr- treter im Parlament zu einer Vereinbarung zwischen Re- gicrung, Opposition und Nationalisten stellen werden. WaS nun auch bei der Konferenz herauskommen mag, eins ist sicher: sie hat Klärung geschaffen. Nickst allein Klärung in den biirgcrlickstn Parteien� sondern auch Klärung unter der denkenden Arbeiterschaft. Sie hat dem Volke an- gedeutet, wie sich Liberale und Konservative seinen Pelz zu teilen gedenken._ Die heilige flllianz der Scharfmacher. Den Scharfmachern sind wieder einmal die Felle davonge- schwömmen. Wenn nicht alles trügt, ist das„neue Moabit", das sich nach den Prophezeiungen Knutcn-Oertels am Wedding„vor- bereiten" sollte, trotz allen Scharfmacherlärms, trotz aller Schutz- mannsparaden und trotz des provozierenden Zur-Schau-Tragcns der Karabiner nur ein unfrommer Wunsch der berufsmäßigen Sozialistenhctzer geblieben. Wir wiederholen: Trotz des provo- zierendsten Zur-Schau-Tragens der Karabiner!, Oder kann es etwas Aufreizenderes geben, als die Polizisten in der Reichshauptstadt tagelang mit den Schießprügeln herumlaufen zu lassen? Als die Volksmassen gewissermaßen höhnisch zu bedrohen: Hütet Euch ja, uns im unrechten Augenblick in die Schußlinie zu kommen, denn sonst könnten sich leicht ein paar blaue Bohnen zwischen Eure Rippen verirren! Kann es eine brutalere Unver- frorenheit geben, als durch die Scharfmacherprcsse scheinbar Polizei- offiziös den nach dem„Berliner Tageblatt" ja selbst von Polizei- licher Seite nachträglich als a b s u r d bezeichneten S ch l a ch t p l a n verbreiten zu lassen, wie man mit Salven und Schnell- fever die Straßen der Reichshauptstadt zu überschütten gedenkt?!. Natürlich nicht die Straßen des vornehmen Westens, sondern die des proletarischen Nordens, wo ja in engen Massenquartiercn die- jenigen Hausen, die durch ihre Arbeit die Reichtümer schufen, die Berlin binnen wenigen Jahrzehnten zu einer der glänzendsten Metropolen der Welt gemacht haben! Trotz alledem: die Volksmassen haben sich, durch die Sozial« dcmokratie zu politischer Einsicht und Disziplin erzogen, nicht provozieren lassen! Die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat das ihrige getan, um auch diejenigen vor Unbesonnenheit zu bewahren, die noch keine klassenbewußte Proletarier, aber gerade darum aus dem dunklen Gefühl ihres Klasseninstinktes heraus leichter geneigt sind, auf Provokationen zu reagieren. So ist denn von dem„neuen Aufruhr" nichts übrig geblieben, als einige mitternächt» l i ch e R a d a u s z e n c n und Rempeleien, wie sie nicht nur in kleinen Universitätsstädten, sondern auch in Millionenstädten nun einmal keine Seltenheit sind. Das„revolutionäre" Relief er» hielt dieser Radau erst durch das Massenaufgebot der Schutzmann» schaft und durch das Jndiancrgehcul der Scharfmachcrpresse. Daß sich in diesem mißtönigen Chorus die Organe des Kraut- und Schlotjunkertums besonders hervortaten, ist kein Wunder. Daß die strohdachflickcnden Agrarier und die von der sozialpolitischen Bürde schier erdrückten Jndustriemagnatcn förmlich mit geiferndem Munde den Kreuzzug gegen die Sozialdemokratie predigten, daß sie von dem Ucbermut der Umstürzler alle Schrecken der Revolution prophezeiten, ist ja nur zu natür- lich. So oft diese wackeren Stützen der kapitalistischen Gesellschaft entsetzt die Hände ringen, so oft sie Thron, Altar, Ordnung, Vater- land und Familie in Gefahr erklären, so oft fühlen diese Edlen in der Tat ihr A l l e r h c i l i g st e s bedroht: ihren Profit, ihr Portemonnaie! So auch diesmal! Ihrer politischen Schand- Wirtschaft droht ja der schmählichste Bankrott! Und dieser Bankrott der Politik des Schnapsblocks, der Politik der Volksausplündcrung und Volksentrechtung, könnte ja die ersten schütcrnen Ansätze einer minder volksfeindlichen Politik nach sich ziehen, eine nicht ganz so reaktionäre Wahlreform in Preußen, eine bescheidene Fortführung der Sozialreform und eine, wenn auch noch so minimale, Heran- ziehung auch des Agrariertums zu den stetig wachsenden Reichs- lasten. Das aber wäre ja gerade die Bedrohung der hei- ligsten Güter unserer Agrarier und Schlotbarone, das verruchte Attentat auf daL Portemonnaie! Wie schrecklich solch Attentat aber wäre, haben wir ja erst kürzlich an der Hand der amtlichen Vcrmögenssteuerstatistik nach- gewiesen. Die elftauscnd reich st cn Personen in den Städten besaßen ja nur 38 Prozent des gesamten steuerpflich- tigen Vermögens der städtischen Bevölkerung; und auf dem Lande besaßen gar nur SSvoGroßgrundbesitzer volle 35 Prozent. also mehr als ein Drittel, des gesamten ländlichen Vermögens! Ist es da vielleicht verwunderlich, daß diese geplagten, ausgepowerten Menschenkinder in Raserei geraten, wenn das Erstarken der prole- tarischcn Organisationen und die wachsende politische Erkenntnis der Massen ihre Hungerlciderexistenz bedroht?! Und haben diese Leutchen der Gottesgnadentumsidce deshalb geschmeichelt, haben sie unter bewußtem Aufsspielsctzen des letzten Restes ihrer Papula- rität der Krone dreieinhalb Millionen Notstandszulage deshalb bewilligt, damit Regierung und Polizei dem Wachstum der Demo- kratie ruhig zusehen? Nein: dazu ist der Obrigkeit das Schwert gegeben, daß sie die umstürzlerische Rotte bei der ersten sich bieten- den Gelegenheit, und wäre sie noch so frivol vom Zaune gebrochen niederschlägt! Und das Zentrum, diese fromme, mit Demorkratie matt Sozialpolitik liebäugelnde Partei» ist bei dieser Scharjmacherhlch auf RolwilL S«£ gekreuS Spießgeselle Sei A g r a r- u n d I n d u st r i e f e u d a l i s m u-! Mit der„Deutschen TageZ- zeitung" und der„Post" um die Wette geifern„G e r m a n i a" und „Kölnische V o l k s z e i t u ng" gegen die Sozialdemokratie, gegen die klassendeivustte Arbeiterschaft. So schreibt die„Köl» Nische V o l k s z e i t u n g" in ihrer Montagsnummer: „Während Krausten in Spandau' 2— 3000 katholische Arbeiter ihre in kirchlichen Ober Hirten Herrn Kar- dinal Fürstbischof Kopp in feierlichem Fackel- zng begeistert huldigten, snnimelten sich im Zentrum der Berliner Arbeiterviertel ein paar tausend streikende Nrbeiter mit ihren Gesinnungsgenossen, um als revoltierende Massen gegen Eigentum und Ordnung, gegen Gesetz und staatliche Autorität anzustürmen." So ist es ganz in der Ordnung! Junker. Pfaff und Schlot- baron bildelen ja seit jeher die dreieinige Allianz des Geldsacks! Darum loird es freilich auch bei der Wahl heißen: Gleiche Brüder, gleicheKappen! Die niederträchtige Denunziation der Arbeiterschaft wird dem Judas unter den Parteien so wenig vergessen werden, wie seine perfiden Wahlrechtsmachenschaften mit den Junkern I polltiscbe(leberlicdt. Berlin, den 1. November 1910. Herr v. Heydebrand über die politische Lage im Reich. Die konservative Partei Württembergs hat wieder einmal eine Landesvcrsammlung abgehalten, nachdem es Jahre lang mich ohne derartige Veranstaltungen gegangen war. Den Herren ist aber angst vor der Abrechnung des Volkes bei den bevorstehenden Wahlen. Darum gilt es, die Flüchtigen zum Stehen zu bringen und die schwankenden Reihen mit neuem Mut zu füllen. Eine sehr schwierige Aufgabe, der sich kein württembergischer Führer der Konservativen gewachsen fühlt. Darum wurde der„ungekrönte König von Preußen" höchstselbst herbeizitiert. Er soll den wiirttem- bergischen Bauern begreiflich machen, wie herrlich ihr Los ist, als Hilfsmannschaft hinter den preustischen Junkern dreinmarschieren zu dürfen. Und das ist in Württemberg auch sehr notwendig. Herr v. Heydebrand bemühte sich denn auch redlich, die auf ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Das Resultat war aber eine groste Enttäuschung. Seine in der Landesversammlung am Freitag in Stuttgart gehaltene Rede enthielt zu gg Proz. nur„olle Kamellen", die man schon längst aus Amtsblättern und den Organen politisierender Dorfpfarrer kennt: Die konservative Partei ist die einzig wahre Volkspartei. Wer die Macht der Junker brechen will, besorgt nur die Geschäfte der Sozialdemokratie. Der Mittelstand muß gerettet werden; die Sozialdemokratie ist eine Verräterin am Volkswohl: der Revisionismus ist die gefährlichere Richtung inner- halb der sozialdemokratischen Partei. Mit den Nationalliberalen zusammenzugehe» sind die Konservativen bereit, nur müssen die erstercn ein Zusammengehen mit den Sozialdemokraten, wie in Baden, unterlassen. Derartige Sätze bildeten in den mannigfachsten Variationen den wichtigsten Teil der Rede. Daneben beschäftigte Herr v. Heydebrand sich ausführlich mit der Taktik der Nationalliberalen. Deren Führer. meinte er, möchten mit den Konservativen zusammengehen, wo es ihnen passe; sie wollten aber auch gegen die Konservativen mar- schieren, wo sie vielleicht Mandate holen könnten. In der konser- vativen Partei gebe eS Realpolitiker, die für ein Abkommen mit einer solchen Partei nur schwer zu haben seien. Bis zu den Wahlen könnten sich die Verhältnisse ja noch ändern, wenn eS aber so weitergehe wie jetzt, müsse bezweifelt werden, ob das an sich wünschenswerte Zusammengehen zwischen Kon- servativen und Nationalliberalen zustande komme. Mit anderen Worten: Von einem Grohblock nach Bülowschem Muster will der Führer der Konservativen nichts wissen. Die Nationalliberalen sollen fich bedingungslos dem schwarz-blauen Block ergeben, dann werden die Konservativen säuberlich verfahren mit dem Knaben Absalom. Sonst aber...1 Heydebrand bestritt ferner, daß ein Bündnis mit dem Zentrum bestehe. Man gehe eben zusammen, wo die beiderseitigen Interessen e« gebieten. Zum Schlnh bekam, wie üblich, die Regierung ein paar „Tatzen" zur Strafe dafür, daß sie die famose ReichSfinanzreform dein Bolle nicht genug angepriesen habe. Vorbereitungen zur Reichstagswahl. In der Generalversammlung des 1. Berliner Neichstagswahlkreises wurde gestern abend an Stelle des von der Kandidatur zurückgetretenen Genossen Dr. Ar ans Genosse Wilhelm Düwell einstimmig als Kandidat für die kommenden Neichstagswahlen nominiert. Wahlrechtsverschlechterung in Schwarzburg-Rndolstadt. Dem Rudolstädter Landtag, den die Regierung zum 7. No- vember einberufen hat, wird eine Regierungsvorlage betreffend A b- änderung d e S Wahlrechts der Hoch st besteuerten zugehen, die für die allgemeine Wählerklasse eine wesentliche Ver- schlcchterung bedeutet. Bisher bestand der Landtag aus zwölf Mandaten der allgemeinen, und aus vier Mandaten der höchst- besteuerten Wählerklasse. Zur letzteren gehören alle Wähler, die mindestens 13» M. jährliche Staatssteuern bezahlen. Im Landtgg sitzen gegenwärtig außer den vier Höchstbesteuertcn noch fünf Angehörige dieser Wählerklasse; die in den allgemeinen Wahlen ein Mandat erhielten, so daß die Höckislbesteuerten in Wirklichkeit nicht 4, sondern 9 von 10 Mandaten im Besitze haben. Die Regierung will nun in Zukunft für die höchstbcsteuerte Wählerklasse den Steuersatz von 130 M. auf 309 M. erhöhen. Dadurch würde die Wählerzahl der Höchstbesteuerten vermindert und eine ganze Anzahl Wähler in die allgemeine Wählerklasse abgeschoben, trotzdem jetzt schon 850 Höchst- besteuerte 4 Abgeordnete, 17 000 Wähler der allgemeinen Klasse aber nur 13 Abgeordnete wählen können. Man glaubt durch diese Maß- nahmen vereiteln zu können, daß unsere Partei bei der nächsten Landtagswahl mindestens die Hälfte aller Mandate zufällt, die wir bei der vorletzten Wahl bereits besaßen. Unsere Genossen kundigen gegen diesen WahlrechtSverschlechterungs- »ersuch den Kampf mit ollen Mitteln an. In der verflossenen Legislaturperiode haben sie einen ähnlichen Coup dadurch unmöglich gemacht, daß sie bei der Abstimmung den Saal verließen und da- durch die Annahme der Vorlage unmöglich machten, da mindestens drei Viertel aller Abgeordneten bei einer Wahlgesetzänderung anwesend sein müssen, Wenn die Regierung sich nicht noch eines Besseren besinnt und die Vorlage wieder zurückzieht, wird unseren Genossen als ultima, ratio nur die Obstruktion bleiben. Um über den Dalles in den Landesfinanzen hinwegzukommen, will die Regierung ferner eine Kapitalrenten st euer einführen »ind die Einkommen über 3000 M, etwas höher als hisher b e st e u e x Die hieraus fließende Mebxeinnahme wird auf 72 000 M. pro Jahr geschätzt. An eine Entlastung der ärmeren Bc? völkerungsschichten oder an eine Refonn des reaktionären Gemesnde- wahlgeietzks hat die AegierunK für dt» isntnikltd» Geision nicht Mdocht, Die Soz»alde»«tokratie in der Leipziger Stadtverordi'.ctcnwahl. Auch bei den Slvdtveroiidnetenwahlen der 2. Klasse hat die Sozialdemokratie Leipzigs einen bemerkenswerten Erfolg zu ver- zeichnen. Mandate hat sie allerdings nicht zu erringen vermocht, es ist aber ein bedeutsames Zeichen der Zeit, daß in dieser Klasse, die mit dem Steuerbetrage von 141—709 M. begrenzt ist, 320 sozialdemokratische Stimmen abgegeben wurden gegen 80 im Jahre 1008. Die Mandate fielen den Mittelständlern zu, deren Leute 3330 Stimmen erhielten, während es die Liberalen nur auf 1200 brachten Wie glänzend der Sieg unserer Leipziger Genossen der 3. Klasse ist, zeigt die Tatsache, daß sie gegen 1908 mehr als 5000 Stimmen gewannen(18 109 gegen 13 120), während die Stimmend er Bürgerlichen von 11 123 auf 9927 sanken! Und das, obgleich die Stcuergrenze der drittklassigen Wähler erst bei 2009 Mk. endet, also nicht nur die Tausende von unteren und mittleren Beamten und sonstige Mittelständlcr, sondern auch eine Schicht der höheren Beamten den Arbeitern hier den Sieg streitig machen. Das Resultat ist oer beste Beweis, wie unrecht jene bürgerlichen und sozialdemokratischen Blätter hatten, als sie den Ausfall der neuliehen Landtagswahl in Leipzig als eine Schlappe der Sozialdemokratie deuteten und vermeinten, daß ihr die Mit- läufer den Rücken gekehrt hätten. Nochmals die Mastregelungsregierung. Die„Mannheimer Bolksstimme" kommt in ihrer Sonntags- nuinmer auf die Ausführungen zurück, die wir über die Maßregelung ArnspergerS gemacht haben. DaS Blatt meint, unsere Be- hauptung, Herr v. Bodman habe Herrn Arnsperger wegen seines Eintretens für den Großblock gemaßregelt, sei eine„un- erhörte Beugung der Wahrheit". Die Bodmansche Kundgebung in der„Karlsr. Ztg." sei vielmehr gerade deshalb erfolgt, um die Unterstellung, als ob Arnsperger wegen seiner Befürwortung der Großblocktaltik gemaßregelt worden sei. z u r ü ckzu w e i s e n. Nun wollen wir gar nicht darauf bestehen, daß unser Mann- heimer Parteiblatt mit seiner Gut- und Leichtgläubigkeit völlig allein steht, und das nicht etwa nur innerhalb der Partei. Hat ja z. B. das Organ der badischen Fortschrittspartei die Erklärung Bodmans als„schlechten Witz" abgetan. Aber was war denn in der Erklärung selbst zu lesen? Die grobherzogliche Re- gierung wolle mit Bethmann die Sammelpolitik. Alle bürgerlichen Parteien müßten gemeinsam gegen die Sozialdemolratie kämpfen. Arnsperger habe gegen die Anschauung Stellung ge» nonmun und deshalb sei er gemaßregelt worden. Wie immer man nun die Erklärung selbst interpretieren mag, bestehen bleibt daß eine politische Maßregelung eincö Beamten vorliegt, die auf jeden Fall verwerflich ist und eine Regierung, die sie ver- übt, zu einer Feindin der staatsbürgerlichen Grund- rechte stempelt. Es ist aber zudem einfach nicht wahr, daß in dieser Erklärung auch nur angedeutet» ist, daß Arnsperger nicht wegen seines Eintretens für die Großblockpolitik gemaßrcgelt worden sei. Denn die Sammelpolitik ist eben unter den badischen Verhältnissen momentan der einzig mögliche Gegensatz zur Großblockpolitik. Diese Sammelpolitik hat Arnsperger als An- Hänger der Großblockpolitik abgelehnt und ist deshalb ver- setzt worden— den konservativen Gegnern der Blockpolitik zu Ge- fallen. Das sagt die Regierungserklärung mit deutlichen Worten. so ist sie überall in und außerhalb Badens verstanden worden, und wenn das Mannheimer Parteiblatt sie anders versteht, so deshalb. weil es sie anders verstehen will, um seinen Lesern nicht zeigen zu müssen, wie rasch die Illusionen zerronnen sind, die man über politische Gleichberechtigung und die Meriten des Herrn v. Bodman gehegt hat. Wen» freilich die„Mannh. Volksst." erklärt, für sie sei eS stet« selbstverständlich gewesen, daß ein badischer Minister auch K l a s s e n st a a t« in i n i st e r sei, so bedauern wir nur. daß sie aus dieser Selbstverständlichkeit nicht den s e l b st v e r st ä n d- l i ch e n Schluß gezogen hat, daß dem Organ des Klassenstaats von den Vertretern des Proletariats auch alle Mittel ver- weigert werden müffen, die der Regierung die Möglichkeit geben, ihre Klassenfeindschaft zu betätigen. Im übrigen können wir nur wiederholen, daß einer Regierung politischer Maßregelung gegenüber eS für die Sozialdemokratie nur die Möglichkeit schärfster und unbeugsamster Opposition geben kann. Das Zentrum am Schandpfahl. ES ist der ultramontanen Presse nachträglich unbequem ge- worden, daß wir das Zentrum in Sachen des süddeutschen Eisen- bahnerverbandeS auf seine schofle Gesinnung gegenüber der staatS- bürgerlichen Gleichberechtigung festgenagelt haben. Jetzt spielen die Zentrumsblätter die gekränkten Leberwürste und stellen sich, als ob sie weiter nichts verlangt hätten, al» daß die Mitglieder christlicher Organisationen nicht anders behandelt würden, als die Mitglieder freigewerkschastlicher Verbände. So schreibt jetzt die„Kölnische Volkszeitung", nachdem sie in diesem Sinne eine Schilderung der Lage gegeben hat: „Diesen klaren Tatsachenbestand hat die sozialdemokratische Presse direkt ins Gegenteil verkehrt; der„Vorwärts" unterstellt der ZentrumSpartei, sie wolle gegen den sozialdemokratische» Eisenbahnerverband„ein gewerkschaftliches Ausnahmegesetz" kon- struiert wissen. Dos heißt den Sachverhalt verschieben; was ge- fordert werden muß, ist vielmehr, daß für alle Eilenbahner- organisatwnen bei ihrer Wirksamkeit die gleichen Bedingungen aufgestellt werden, auf die seinerzeit der bayerische Eisenbahner- verband eingehen mußte. Daran möchte sich allerdings die Sozial- demokrntie vorbeidrücken; um die süddeutschen Eisenbahner für ihre Bestrebungen zu gewinnen, versteht selbst die„grundsatzlose" norddeutsche Sozialdemokratie, sich um das, worauf es ankommt, herumzureden. Die„Kölnische Volkszeitung" schwindelt. ES war die„Köln. VolkSzettung" selbst, die in ihrer Nr. 874 vom 18. Oktober schrieb: „Die christlich organisierten Arbeiter sehen darin, daß man sie init der Sozialdemokratie auf«ine Stuse stellt, tatsächlich eine Begünstigung der letzteren." Was ist das anders als die Forderung, den sozialdemokratischen Arbeiter mit anderem Maße zu messen, ihm die Gleichberechtigung vorzuenthalten. Und der bayerische Landtagsabgeordnete Held war es, der in einer Zentrumsversammlung in München am 19. Oktober sagte i E s kann nicht geduldet werden, daß Lehrer, Staatsbeamte, Staatsbedicustete und StaatSarbciter Verbanden mit sozialistische» Tendenzen angehören. Dagegen müssen die Elemente, die noch staatstreu sind und den Kampf gegen den Umsturz auf ihre Fahne ge- schrieben haben, gestützt und geschützt werden. Ist das etwas anderes als ein Ausnahmegesetz, da« hier ge- fordert wird 1 Das Zentrum bleibt an dem Schandpfahl, auf den wir es angenagelt haben, und wir werden den Arbestern den armen Schacher noch häufig genug präsentieren- Die Forderungen der Staatsarbetter. Soimtgg fand in Berlin eine von über 4000 Personen besuchte Ber- des HarteNS deutscher Reichs-«ud Stuats» arbeiterverbände statt, um die wirtschaftlich««d soziale Lage der Reichs- und Staatsarbeiter zu erörtern. GS hatten fich viele Delegierte aus allen Teilen Deutschlands ein- gefunden. Außerdem waren erschienen die Abgeordneten Pauli (deutsch-konservativ), Dr. Weudland(nationallib.), Sanitätsrat Dr. Mugdan und Pastor Dr. Runze(fortschr. Volkspartei). Den Vorfitz führte Eisenbahnarbeiter Severin. Der Syndikus des Verbandes, H e i ß n e r wies in längerer Rede nach, daß laut amtlicher Statistik die Löhne der Reichs- und Staatsarbeiter im allgemeinen b e- deutend geringer seien als der in der Privatiudustrie. Die Löhne betragen im Durchschnitt 3,00 M. pro Tag; es gäbe aber auch eine Anzahl Arbeiter, die nur täglich 2,20 M. bekommen. An« gesichts der großen Teuerung aller Lebensmittel sei es selbst- verständlich, daß die Frauen zumeist mitarbeiten müssen.(Rufe: Luch die Kinder!) Das Kartell stehe auf vollständig neutralem Boden, Politik und Religion seien vollständig ausgeschlossen. Die Reichs- und Staatsarbeiter können sich weder der Sozialdemokratie, noch irgendeiner anderen Organisation, auch nicht den christlichen Gewerkschaften anschließen. Sie müssen aber verlangen, daß ihnen ein Lohn gezahlt werde, mit dem sie in anständiger Weiss ihre Familie ernähren können. Das sei bei den jetzigen Lohnverhältnissen unmöglich. Es sei daher erforderlich bei der Regierung und den Volksvertretern Abhilfe zn erbitten. (Stürmischer Beifall I) Telegrnphenarbeiter Vallenthin« Spandau führte aus, die Reichs« und Staatsarbeiter müssen ver« langen, erstens: Anerkennung der Arbeiterausschüsse, zweitens: Eine Lohnerhöhung entsprechend den heutigen Teuerungsverhältnissen, drittens: Schaffung einer Instanz ähn- lich dem Gewerbegericht und Arbeitskammern, 4. Berückfichti- gung der Staats- und Reichsarbeiter bei der Reichsversicherungs- ordnung, 2. Gewährung und Sicherung des K o a l i t i o n s« rechtes nach den gesetzlichen Bestimmungen. Der deutsche Kaiser habe gesagt, Staatsbetriebe müssen Musterbetriebe sein. Er gebe sich der Hoffnung hin, daß die Behörden nach diesem Kaiserwort handeln werden. Die Reichs- und StoatSarbeiter stehen auf nationalem Boden und wollen keinerlei Gewalt. Bon Streik könne bei Reichs- und StaatSarbcitern keine Rede fein, sie müssen aber so gestellt sein, daß sie in der Lage sind. ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Der Post- und Telegraphenarbelterverband habe es durchgesetzt, daß den Post- und Telegraphenarbeitern eine Lohnerhöhung von 10—12 Proz. vom 1. November ab bewilligt worden sei. Damit können sich die Post- und Telegraphenarbeitcr aber noch nicht zufrieden geben, da diese Lohn« erhöhung noch keineswegs den teueren Verhältnissen entspreche.— Eisenarbeiter S e b e r i n wandte sich ganz besonders gegen die Alkordbezahlung. In den Eisenbahnwerkstätten sei die Akkord« bezahlung vollständig unangebracht. Milirärarbeiter H ufert« Spandau bemerkte, es müsse dahin gewirkt werden, daß die Mit« glieder der Arbeiterausschüsse nicht ge matzregelt werden dürften. Letztere werden vielfach als Nörgler betrachtet und auf die Straße gesetzt.— In der weiteren Erörterung wurde noch vielfach über die niedrigen Löhne, die lange Arbeitszeit, ungünstige Arbeits« Verhältnisse usw. Klage geführt und darauf hingewiesen, daß die Wünsche des Kartells, daS bereits über 100 000 Mitglieder zähle. volle Beachtung verdienen. Es wäre notwendig, auch den Staats« arbeitern gleich den Beamten Sommerurlaub zu gewähren und ihnen überhaupt Gleichberechtigung mit den Beamten zuteil werden zu lassen.— Abgeordneter Pauli versprach, die For- derungen des Kartells nach Möglichkeit zu unterstützen.— Ab« geordneter Dr. Runze versprach die Unterstützung seiner Partei.— Generalsekretär Scheda begrüßte die Versammlung im Namen de« Verbandes vaterländischer Arbeitervereine und führte aus, es fei durchaus falsch, die ReichSfinanzreform für die Teuerung der Lebensmittel verantwortlich zn machen; eS feien in der Reichs- finanzreform Steuern enthalten, die keineswegs die Arbeiter treffen. (Große Unruhe. Stürmische Rufe: Schluß! Schluß! Mumpitz! Blödsinn!) Die Reichsfinanzreform mußte jeden» falls unter Dach und Fach gebracht werden, wenn eS nicht schlimmer werden soll.(Stürmische Unterbrechung. Rufe: Schluß! Schluß! Quatschl) Die Versammlung faßte schließlich eine längere Erklärung, in der sie sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden er« klärt und die Notwendigkeit der Bildung des Kartells der neutrale» Reichs- und Staatsarbester anerkennt. Keine Zwangsgeschenke. Regierungsrat a. D. Martin als ReichStagSkandidat. In dem Wahlkreise Löbau-Ebersbach(2. sächsischer) soll, wie die„Dresdener Nachrichten" zu melden wissen, der bekannte Re- gierungSrat a. D. Martin von den Liberalen aufgestellt werden. Von unserer Seile kandidiert dort Genosse Krätzig-Berlin. Es dürste außerdem von den Konservativen ein Kandidat nominiert werden. Der Kreis war von 1903 bis 1907 vom Genossen Sindermann im Reichstage vertreten. Bei den Hottentottenwahlen gelang es dem Nationalliberalen Dr. Weber- Löbau, das Mandat zu holen. Er scheint ans eine Wiederaufstellung verzichten zu wollen. Die Trauben sind ihm anscheinend zu sauer._ Schraubenlos. Einem Mitarbeiter der„Kreuz-Zeitung" haben eS die hohen Gewerkschaftsbeiträge angetan. Er hat einen Steinsetzer entdeckt. der wöchentlich nicht weniger als 0 M. Verbaudsbeiträge bezahlt, und aus Grund dieser Euldeckung macht er folgenden Vorschlag: „Es sollte ein Gesetz geschaffen werden, das den Arbeiter» verbänden verbietet, von ihren Mitgliedern größere Abgaben zu nehmen, als der einzelne Arbeiter an direkten Steuern für Staat und Gemeinde zu zahlen hat." frankreicd. Ein Manifest der Arbeitskonföderation. Paris, 29. Oktober.(Eig. Ber.) Die Arbeitskonföderaston hat ein Manifest über den Eisenbahnerstreik anschlagen lassen, das„Die Verbrechen der Machthaber" betitelt ist und im wesentlichen folgendes ausführt: Der Eisenbahnerstreik war nur ein Vorwand für die Regierung, um eine schrankenlose Unterdrückung der Arbeiierklasse ins Werk zu fetze». Wie nach den Morden von Billcireuve-Saint-GeorgeS wird das famose„Komplot gegen die Sicherheit des Staates" neu herausgegeben. Es ist eine Erfindung der Herrschenden, die skrupellos die Macht in ihren Händen zu behalten wünschen. Um ihm Wahrscheinlichkeit zu geben, wurden die Maßrogelungen, Haus- durchsuchungen, Verhastnngen und Strasverfolglliigen inszeniert. Es ist das Willkürregiment des Minisleriumö, das wie das Richtertilm und die Pnlzei im Dienst der Ausbeuter steht. Spltzelei und Angeberei sind zum Prinzip erhoben worden. Die allgemeine Konsöderatlon der Arbeii, die während des Konflikts eine vorsichtige Zurückhaltung bewahrt hat, die durch die Interessen der kämpfenden Elsenbahner geboten war, hat heute die Psl.cht, die Verteidigung der Opfer der regierenden Reaktion in die Hand zu nehmen. Wird nicht durch die Julervention der Armee in den Streiks, durch die Mobilisierung der Ausständigen das Streikrecht, durch die Verhaftungen lind willkürlichen Verfolg,!>;geu die gewerkschaftliche Propaganda illusorisch?" Das Manifest kündigt gegen diese Zustände eine Aktion M glien Mitteln und Kräften an. Große Volkspersamm- litrigeti sollen die öffentliche Meinung zur Empörung die Banditenregierung bringen, alle Menschen von Herz ihr ihre Verworfenheit bezeigen. Die Pforten der Ge- fängnisse müssen sich öffnen. Es ist kein Verbrechen. das gesetzliche Streikrecht ausgeübt zu haben. Wenn aber die Rufe der Empörung nicht gehört worden, so werden die gewerkschaftlichen Organisationen die Pflicht haben, die Anwendung der anderen Mittel in Betracht zu ziehen. Das Manifest appelliert zum Schkns; noch einmal an alle für Gerechtigkeit und Menschlichkeit cilitretenden Menschen« nur sie zur Teilnahme an den Versammlungen einzuladen. Portugal. Gute Arbeit. Lissubon, 31. Oktober. Das Amtsblatt veröffentlicht ein Gesetz Über die Gewährung der Pretzfreiheit. Ein anderes Gesetz wird die Lerweltlichung aller Akte der Beurkundung deS Personenstandes vorschreiben, die Schaffung eines allen Religio»»- bekennwissen gen, einsamen Kirchhofs und die Zulassung der sakulta- tiven Feuerbestattung. Ferner hat die Regierung Verordnungen zugestimmt zur Fest- setzmig des Rechte» z u m Ausstand und zur Errichtung eines Schiedsgerichts zwischen Arbeitgebern und Arbeitern. Es soll eine Kommission zur Entgegennahme der Beschwerden ernannt »erdcn._ Berhaftnng Francas. Liffada», 31. Oktober. Der frühers Ministerpräsident I o a o Franca ist verhaftet und gegen Stellung einer Kaution wieder in Freiheit gesetzt' worden. Nach den Angaben des Unter- snchungSriwrerS hat Joao Franca während seiner Amtszeit als Ministerpräsident 70 Dekret« in Kraft gesetzt, in denen Vorschriften über die gesetzgeberische Gewalt abgeändert werden. Durch de» Erlast dieser Dekrete habe er die Ausübung von Landes» gesehen verhindert. Ferner habe er Schulden des Königs Carlos in Höhe von 4bS ContoS mit Krongütern und nicht mit Güter» aus dem persönlichen Besitz des Königs unter der Bezeichnung Erhöhung der Zivilliste beglichen. Als Franca das Tribunal verliest, kam es zu f e i n d l i ch e n K u n d- gedungen der Menge, doch war die Rnhe bald wiederhergestellt. Nach einer weiteren Meldung ist der s r ü h e r e M i n i st e r- Präsident T e i x e i r a de S o u z a unter derselbe» Beschuldigung wie Francs verhaftet worden. Snglancl. Rucktritt Morleys. London, 1. November. Einer Vlättermeldung zufolge hat Izi Staatssekretär für Indien Lord M o r l e y dem Premier minister mitgeteilt, daß er zurückzutreten wünsche. Als Nachfolger von Lord Morley wird der Gras von Crewe genannt. gegen I fühlen entgegengenommen.) Die Diskusston setzt« scharf ein. Ob- ' wohl der Genosse Hug kein gebundenes Mandat hatte, hätte er seine» Wählern mehr Rechnung trage» müssen, namentlich deshalb, da er den Disziplinbruch vorher verurteilte. Seine Handlungsweise gegen seine Mandatgebcr wurde in der Debatte als unerhört bezeichnet. Bon einer Resolution, die sich mit den Beschlüssen de» Magde- burger Parteitages einverstanden erklärte und dem Deke- gierten Mißbilligung ausspricht, wurde der letzte Teil zurückgezogen und der e r st e Teil darauf per Atklamation mit 92 gegen 86 Stimmen angenommen. Gegen diese A b st i m in u n g wurde jedocli P r v t e st eingelegt. Sie wurde dann dnrch Stimmzettel wiederholt. Jetzt war ihr Resultat Ab- lehnung. 134 Genossen stimmten gegen. 111 für die Resolution. Die recht stürmisch verlaufene Versammlung endete erst gegen 1'/« Uhr._ Huö der Partei. Einc neue Positien gewonnen. Frankfurt a. M., 1. November. sPrivattelegramm des„Vorwärts".) Vom Frankfurter Stadtverordnetenkolleginm wurden heute bei den Wahlen zum K o m m u n a l l a n d t a g e für den RegierungS- bezirk Wiesbaden u. a. auch die Genossen G r ä f und Z i e l o w s k i als Vertreter der Stadt Frankfurt gewählt. Mit ihnen ziehen die ersten Sozialdemokraten in diesen kommunalen Landtag ein. Unsere Fraktion beanspruchte ihrer Siärke entsprechend sechs Sitze, die Fortschrittlcr nahmen aber nur zwei Genossen mit auf die Liste. Bemerkenswert ist, daß auch Magistratsmitglieder für unsere Genossen stimmten. Von 79 Stadt- verordneten und Magistratsmitgliedern stimmten 75 und 7g für unsere Genossen._ Württemberg und der Magdeburger Parteitag. Die Berichterstattung über den Magdeburger Parteitag dürfte in der Hauptsache beendet sein. Di« grvsttei, Organisationen des Lande« haben Stellung zu de» Beschlüssen de§ Parteitags genommen. Begreislichcriveise bildete zumeist die Budgetangclegenheit einen wesentliche» Teil der Benchterstaltung. Soweit sich aus der «Schwab. Tagwacht" ersehe» lästt, haben die Parteiversammlnngen in folgenden Orlen, in der Regel mit sehr stark.r Majorität oder gar einstimmig, ihre uneingeschränkte Zustimmung zu den Beschlüssen des Parteitag», insbesondere zur Budgetaiigelegenheit, ausgesprochen: Stuttgart, Ludwigslmrg, Kr»mi»«nack«r, Gcrtingen, Göppiiige», Weil im Dorf, Feuerbach, Estliiige»,.Uirchhein, u. T., Fellbach. Cannstatt, Münster a»i Neckar, Unierttirkheim, Hedelfingen. Diese Organisnlionen zählen rund 10 009 wtitglieder, das ist etwa die Hälfte der organisierten Partcigcnosseiischaft Württembergs. Eine Resolution gegen die vom Parteilag getroffene Entscheidung in der Budgetaiigelegenheit faßte der sozialdemokratisch» Verein Schweniikngen mir 3 und mehr Personen mit scharfem und gefährlichem Handwerkszeug arbeiten müssen, nichts für ebent. Unfälle vorhanden ist. Die„Allgemeine Fleischer-Zeitling", das Organ der reaktich nären Fleischermeisier, veröffentlicht in der letzten Nummer die Namen aller Streikenden mit der löblichen Absicht, dieselben zu brandmarken, damit dieselben bei den Stellenvermittlern keine Ar- beit erhalten sollen. Ferner warnt sie die übrigen Fleischer- meister' davor, mit dem sozialdemokratischen Zentralverbande irgendwelche Abmachungen zu treffen. Derselbe binde sie an Händen und Füßen und wolle sie nur vernichten. Nun, die Organi- sation wird noch manchen Fleischermeister zur Anerkennung ihrer Forderungen bekehren. Wie uns weiter mitgeteilt wird, beabsichtigt die Firma Morgen st ern, die Filiale in der Scherer st ratze unter einer anderen Firma weiterzuführen. Zu dem einzig vernünftigen Gedanken, die Forderung der Streikenden anzuerkennen, kann sich die Firma vorläufig noch nicht entschließen. Die Streikenden halten nach wie bor treu zusammen. Zentralverband der Fleischer. Ortsverwaltung Berlin. Parteiarbeit. Der Zentralverband der Bäcker und Konditoren, der durch kleine Bezirksbesprechungen seine Mitglieder zu schulen und zu belehren bestrebt ist, hat in den letzten Besprechungen allein 64 Aufnahmen für den Wahlverein und eine größere Anzahl„Vorwärts"abonnemenlS als Erfolg zu verzeichnen. Bekanntlich haben die Bäcker eine Zahlstelle im S. Wahlkreis, weil sie als Nachtarbeiter zum größten Teil die Zahlabende nicht besuchen können._ Achtung, Glasschleifer! Bei der Firma S. S ch m i d t. Gentiner Straße 3, sind am Sonnabend, den 29. Oktober, sämt- liche Kollegen entlassen worden, weil sie sich weigerten, die Werk- stelle in Akkord zu übernehmen. Da unser Tarifverhältnis keine Akkordarbeit zuläßt, welche von der Kommission nicht festgesetzt ist, so liegt hier offensichtliche Matzregelung vor und bleibt die Firma bis zur Regelung der Sache für Glasschleifer, Polierer und Beleger gesperrt. Die Ortsverwaltung. Gärtner, Gartenarbeiter, BlumengcschäftSangestellte. Eine äußerst günstige Entwickelung hat in diesem Jahre die Orts- Verwaltung Groß-Berlin des Allgemeinen deut- scheu GärtnervereinS zu verzeichnen. Am Jahresbeginn waren 1678 Mitglieder vorhanden. Diese Zahl stieg beim Abschluß des 1. Quartals auf 1219, im 2. Quartal auf 1411 und betrug im 3. Quartal 1462. Der kleine Rückgang der Mitglieder im dritten Quartal ist auf die jedes Jahr eintretende Arbeitslosigkeit zurück- zuführen. Besonders ist die günstige Entwickelung im Marken- verkauf iWocheubeiträge) zu erkennen. Dieser betrug im 1. Ouar- tal 11 977, im 2. Quartal 14 342 und im 3. Quartal 15 812 Marken. Um nun unter der immerhin noch erheblich hohen Zahl der Un- organisierten neue Mitglieder zu gewinnen, veranstaltet der Allge- meine deutsche Gärtnerverein in der Zeit vom 1. bis 12. November in Groß-Berlin 56 Agitationsversammlungen. In allen diesen Versammlungen wird über das gleiche Thema:„Was steht bevor? Rüstet Euch!" gesprochen werden. Herr Lehman», Besitzer des Wasch- und Plättgeschäftes im Keller Auguststr. 26, bittet uns mitzuteilen, daß sich Friedrich Hintze oder richtiger Hinz mit seinem Wissen zurzeit nicht bei ihm aufhalte. Derselbe habe vor IM Jahren bei ihm gewohnt, sei dann von ihm abgemeldet worden. Ihm war er als Arbeiter bekannt. Was er im besonderen trieb, wußte er nicht. Angeblich soll Hinz zurzeit in Allenstein dienen. All den bekannten Taten des Hinz oder Hintze standen jedenfalls Herr Lehmann und seine Familie fern. OentTchcs Reich. Ter Kampf der Schuhmacher in Dresden. Das Schiedsgericht der Schuh- und Schäftefabrikanten hat da? Vorgehen der Sckuhsabrikanten gebilligt und sich dahin ausgesprochen, daß. wenn die Arbeiter nicht bis Donnerstag früh die Arbeit aufnehmen, eine allgemeine Aussperrung durchgeführt werde. Eine wohlverdiente Lektion. Welch nalhhaktigen Einfluß ein Streik auf das Geschäftsergebnis eines industriellen Unternehmens auszuüben vermag, erhellt so recht aus dem diesjährigen Abschlüsse der Hannoverschen Brotfabrik, Hau- nover-Linden. Im vorigen Sommer brach unter dem Kutscher- personal dieser Fabrik ein Streik aus, der infolge der schroff ab« lehnenden Haltung der Direktion mehrere Wochen währte und so er- bittert geführt wurde, daß sich die organisierte Arbeiterschaft ent- schloß, die Bäckereiprodukte der Brotfabrik zu boykottiere». Dieses Vorgehen hat der Gesellschaft, die zum Teil auf Arbeiter- kundschaft angewiesen ist, starken Abbruch getan. Ob- wohl die Eiiinahnie ans FabrikaliouSkonto von 168 491 M. im Borjahre auf 179 59» M. zurückgegangen ist, baben sich die Unkosten der Fabrikation von 136 964 M. auf 151 248 M. erhöht. Also aus der einen Seite ein starkes Herabgehen der Ein nahmen und auf der anderen Seite eine wesentliche Steigerung der Unkosten. Ebenso scharf treten die Wirkungen des Streiks in dem Reingewinn hervor, der 31 753 M. beträgt gegen 41 633 M. im Vorjahre. Dementsprechend ist auch die Tantieme niedriger be- messen. Ganze 3828 M. können hierzu verwendet werden, während noch im Vorjahre 5973 M. gezahlt wurden. An die„armen" Aktionäre gelangen als Dividende nur 13 566 M.== 6 Proz.(des Aktienkapitals von 225 666 M.) zur Ausschüttung gegen 18 666 M.— 8 Proz. im Vorjahre. Dieses Ergebnis wird der Direktion wohl zu denken geben und ihr ein Anlaß sein, sich fernerhin berechtigten Forderungen ihrer Arbeiter gegenüber anders zu verhalten. Ter Staatsanwalt und die bürgerlichen Handlung?- gehilfcn. Der antisemitische Dentschnationale Handlungsgehilfenverband in Hamburg hat den Staatsanwalt auf einige Angestellte des Ver- bandes deutscher Handlungsgehilsen zu Leipzig und des Vereins für Handlungskommis von 1858 gehetzt. Diese Sünder haben nämlich von einem ehemaligen deutschnationalen Angestellten ver- trauliche Druckschriften gekauft, an denen sich der antisemitisch» Verband das Eigentumsrecht vorbehalten hatte. Und das ist sehr schlimm für die Antisemiten, denn ihr vertrauliches Drucksachen» Material kann das Licht der Oeffentlichkeit absolut nicht vertragen. Schon im vergangenen Jahre hat der Zentralverband der Hand» lungögehilfen und-Gehilfinnen in der Broschüre:„Zur Kritik der Handlungsgehilsenbewegung und ihrer Literatur" ein ganzes Paket deutschnationales Geheimmaterial veröffentlicht, das aus den, dreistesten Fälschungen und Verleumdungen bestand. Man kann sich den Schrecken der Antisemiten denken, daß nun noch mehr von ihrem Lügenmaterial an einige bürgerliche Handlungsgehilfenver- bände gekommen war. Nun entrüstet sich der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband über seine Gegner, die sich nicht scheuen. sein vertrauliches Material zu erwerben und davon Gebrauch zn machen. Aber diese gut gespielte Entrüstung wird den Antisemiten nichts helfen, und auch der Staatsanwalt wird ihren üblen Ruf nicht bessern. Die Sympathie der Oeffentlichkeit ist, wie in ähn» lichen Fällen, aus feiten derer, die den antisemitischen Korrup» tionsherd aufgedeckt haben._ Ein Unternehmer beim Lügen ertappt. Der Bezirksunternehmerverband für das Tabakgewerbe Badens � und der Pfalz gibt offiziell bekannt, daß er den Beschlutz, die Tabak- arbeitet im Bezirk Heidelberg auszusperren, bis die Differenzen mit der Firma Mertens in Cleve(Rhld.) und in Nußloch bei Heidelberg beigelegt sind, aufgehoben hat, nachdem sich heraus« stellte, daß die Firma Mertens in einem Bericht au den Arbeitgeber- verband bei acht Zigarrensorten dir bisher gezahlten Löhne um 10 bis 56 Pf. höher angegeben, als sie in Wirklichkeit ausbezahlte. Die Firma hat die falschen Angaben wohl nur deshalb gemacht, um den Arbeitgeberverband für die Durchführung der Aussperrung zu ge- Winnen.— Der Streik dauert fort. Der Arbcitgebcrverband in der Bijoutcricinbustrie PforzheimS beschloß Montag die Aussperrung aller Arbeiter, da die Ketten- machet, die in eine Lohnbewegung eingetreten sind, ihre Forde» rungen aufrecht erhalten. Angebotene Verhandlungen wurden von den Unternehmern abgelehnt. Tie Aussperrung würde ersb nach Ablauf der Kündigungsfrist, am 19. November, in Kraft treten. Hustend. Gcpäckträgcrausstand in New Hork. „Daily Telegraph" meldet aus New Dork: In New Jork allein sind 12 666 Gepäckträger ausständig, gegen die 7000 Schutzleute aufgeboten sind. Gestern wurden Arbeitswillige von Streikenden an- gegriffen. Es wurde geschossen, und die berittene Polizei ging gegen die Menge vor. Mehrere Vureauangestellte haben sich den Aus- ständigen angeschlossen._ Gmcbts- Zeitung. Gefängnisdurchstecherei. Wegen Bestechung hatte sich der frühere Hilfsgefangenenauf- scher Adolf Scholz vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II» zu verantworten. Sch., der als„Afrikaner" den Zivilversorgungs- schein erhalten hatte, war kurze Zeit als Hilfsgefangenenaufsehei: in Königsberg i. Neumark beschäftigt; er kam im März 1916 in gleicher Eigenschaft nach Köpenick. Anfang April hatte der Kauf» mann Siegfried Herzberg eine kürzere Strafe im dortigen Amts- gefängnis zn verbüßen. Da man ihm beim Antritt der Strafe seine Barschaft abgenommen hatte, so bat er den Scholz, der den Dienst als Nachtaufseher versah, ihm doch Zigaretten, Bier, Wurst und andere Lebensmittel von seiner(Herzbergs) Braut, der Tochter des Gastwirts Junghcius zu holen. Scholz ging erst nicht darauf ein; tat es aber später doch. Er besuchte dann in Uniform die Gpst- Wirtschaft der Junghausschen Eheleute. Von der Tochter Marie erhielt Scholz Lebensmittel, die er an Herzberg ablieferte. Frau JunglmuS lchte ihm im Lokal Bier und Zigarren zu seinem eigenen Bedarf gegeben; Fräulein Junghaus hatte der Frau des Scholz ein Paket geschickt. Bei einer Revision im Gefängnis wurde ein Brief des Herzberg an seine Braut gefunden und dem Direktor des Gefängnisses, Amtsgerichtsrat Münch, übergeben. Bei ver stattgehabwn Untersuchung kam heraus, daß Scholz den Briefver» kehr zwischen Herzberg und Fräulein Junghaus vermittelte. Bor Gericht war Scholz geständig. Er erklärte, bei einem Monatsgehalt von 96 M. habe er seine auö vier Personen bestehende Familie, nicht aus legale Weise ernähren können, stehlen hätte er nicht wollen, und so sei er der Versuchung unterlegen. Neben Scholz hatten sich noch der Kaufmann Herzbcrg wegen Bestechung, die Luise und Marie JunghauS und Frau Scholz wegen Beihilfe zur Bestechung zu verantworten. Hcrzberg gestand, Nahrungsmittel von Scholz durch Vermittelung der Frauen JunghauS erhalten zn haben, was diese auch bestätigten. Die Ehefrau Scholz will im Glauben gewesen sein, daß das Paket von einem Unternehmer, den im Gefängnis arbeiten lasse, herrühre. Das Gericht sprach Fran Scholz frei, erkannte gegen Scholz aus 1 Monat Gefängnis, Herz- berg kam mit 2 Wochen davon, während die Frauen Junghaus je 29 M. Geldstrafe erhielten.- �- Letzte Pfäcbrkhtcn. Massenerkrankiinfl in einem Regiment. Stuttgart, 1. November.(W. T. B.) Wie der„Schwäbische Merkur" aus Ludwigshafen meldet, sind bei der ersten Abteilung des bievten Württembergischen Feldartillerieregiments Nr. 65 neunundzwanzig Mann infolge Genusses verdorbeuer Lebensmittel an Durchfall und Fieber erkrankt und ins Lazarett gebracht worden. \ Strandgut des„Visse de Rochefort". Lorient, 1. November.(„Preß-Telegraph".) Das aufgeregte Meer treibt die Leichen und Trümmer des kürzlich vor Lorient gesunkenen Dampfers„Bille de Nochefort" an Land. Bisher konnten der Maschinist und der Kock) identifiziert lverden. Kanal» beamte bewachen die ans Land getriebenen Kisten, um sie späterhin den Eigentümern zustellen zu können. Mehrere Fischer, die sich Strandgut anzueignen versuchten, wurden verhaftet. Der Bergarbeiteransstand im südlichen Wales.__ Cardiff, 1. November.(W. T. B.) Der Ausstand der Berg» leute in den Kohlenbergwerken des südlichen Wales gewinnt immer größere Ausdehnung. Allem Anschein nach wird das ganze Kohlenbecken, in dem gegen 299 909 Bergleute beschäftigt sind, in Mitleidenschaft gezogen werden. Wtz, Glocke, Berlin. Druck».Verlag: vorwärts Buchdr.u.virlagSgnMt Paul Singer Li Co.. Berlin L W, Hierzu 3 Beilagen«.UnterbaltungSbl» Nr. 257. 27. Jahrgang. 1. KÄU des, Jonsirts" Krlim PcksM Mlttlvoch, 2. November 1910. krozeli ßrohn und Genoffen. Ob der ReichStaIZnbgeordnete Bruhn wegen Erpressung der- mtcilt werden wird, interessiert nach dem Lauf der Verhandlungen weit weniger als: weshalb er nicht verurteilt werden wird. Nach der Rechtsprechung begeht eine Erpressung: wer um sich einen ver- mögenSvorteil, auf den er keinen Anspruch hat(also z. V. Inserate) zu verschaffen, einen anderen durch Drohung zu einer Handlung (Jnseralenaufgabe) nötigt. Vruhn hat selbst zugeben müssen, daß er es als etwas für die bürgerliche Presse Selbstverständliches an- sieht, daß.man selbstverständlich gewisse Rücksichten auf Inserate nimmt und nehmen muß�. Er hat nach seinem Geständnis Aimcmeen — in einem Falle sogar gegen fast bierfach höhere Bezahlung als sonst bei ihm üblich— von Warenhäusern usw. aufgenommen, die er grundsätzlich bekämpfen zu wollen vorgibt und hat es als selbstverständlich bezeichnet, sich bei den Großinserenten vor einem ihnen unangenehmen Angriff zu erkundigen, denselben Groß- inserenten über den er, wie er zugibt, früher teilweise erfundene herabsetzende Nachrichten verbreitet hat. Ob das nicht nur ein schmutziges, geldgieriges Verhalten, ein „Schachern mit Prinzipien" ist, sondern auch ein strafbarer Erpressungsversuch, wird Sache der Entscheidung des Gerichts sein. Das Bestreben des Angeklagten und seiner Verteidiger, eine ver- neinende Antwort zu erhalten, führte sie dazu, darzulegen, daß die gesamte nationale und auch die liberale Presse ebenso schmutzig wie der Angeklagte verfahre. Der Nachweis kann die sozialdemo- kratische Presse nur freuen. Die Erpressung« v e r s u ch e der„Wahrheit" würden zu einer vollendeten Erpressung, wenn der Inserent zur Aufgabe der Inserate sich durch die Anwürfe der„Wahrheit" hat bewegen lassen. Da ist die Stellung der verschiedenen Warenhäuser zu Bruhn interessant. W e r t h e i m, meint er, sei zu groß geworden: vor der Ntacht dieses Großen beugt er sich. Er fühlt aus dem Verhalten WertheimS so etwas wie„laß der Hund den Mond anbelleir" heraus. An T i e tz traut er sich heran. Der nimmt den Bruhn aber sofort da. wo er empfindlich ist, an seinem Geldbeutel. Eine Schadensersatzklage in Höhe von öl) OOO M. ist die Antwort von Oskar Tietz auf einen Artikel der bekannten Art in der.Wahrheit". FlugS klappt Bruhn zusammen: er verpflichtet sich gerichtlich, bei Ver- meidung von 1000 M. nicht mehr unanständige Artikel gegen Tietz zu bringen. Inserate erhält er von Tietz auch nicht; Tietz macht vielmehr ernst, als abermals in der„Wahrheit" Unwahrheiten gegen ihn ver« breitet werden, und läßt 1000 M. gegen Bruhn festsetzen und ein- treiben. Bollendete Erpressung gegen solche Warenhäuser kann nicht begangen werden, weil ihnen die„Wahrheit" zu niedrig steht. um sie einzuschüchtern. Steht eS mit I a n d o r f anders? In der gestrigen Verhandlung bekundete dieser, e r habe sich zu den Inseraten nicht durch die Furcht vor Angriffen bestimmen lassen, freilich habe er angenommen, Angriffe gegen ihn würden ihm erst zu einer eventuellen Entgegnung vorgelegt werden. Ob danach im Fall Jandorf vollendete Erpressung vorliegt, mag für jetzt dahin- gestellt bleiben. Gestern war das Belastendste gegen Bruhn die Auslassung des Zeugen Jacobsohn. Er, nicht Jandorf, ist auf die Idee gekommen. in der.Wahrheit" inserieren zu lassen, um in der Zukunft Jandorf vor Angriffen in der„Wahrheit" sicher zu stellen. Eine dahin gehende stillschweigende Abrede mit Bruhn bekundete er auch. Sofort wurde das schwerste Geschütz gegen den Zeugen aufgeführt: er sei „meschugge", sei in einem.Sanatorium" gewesen, habe sich.in Nachtlokalen" herumgetrieben usw. Diese Einschüchterungsversuche des dem Angeklagten so unbequemen Zeugen stehen in seltsamem Kontrast zu dem von konservativer und antisemitischer Seite oft heuchlerisch ausgesprochenen Bedauern, daß Zeugen lediglich um sie bloßzustellen, durch Fragen inquiriert würden. die mit der Sache nichts zu tun haben. DieS Bedauern wird mit dem Wunsch nach Knebelung der Wahrheit verquickt. Ist in der Tat der Zeuge schutzlos? Keineswegs. Er hat nach dem bestehenden Gesetz kleines feuilleton. Wie Henri Dunaut da? Rote Krcuz begründete. Henri Dunant, der nun am Sonntagabend zur Ruhe eingegangen ist, hat sich ein unvergängliche« Verdienst um die Menschheit dadurch erworben, daß er den entscheidenden Anstoß zur Begründung des Roten Kreuzes gab. Sein Buch:.Eine Erinnerung an Solferino", das 1802 er« schien und überall die Gemüter tief ergriff, trat mit leidenschaft- sicher Begeisterung für die im Kriege Verwundeten ein, deren Leiden und Oualen durch eine internationale Verbindung gelindert und geheilt werden müßten. WaS damals noch vielen als die un- ausführbare Idee eines Schwärmers erschien. dafür wirkte Dmiant dann uuernrüdlich weiter, und so war den» der Genfer Kongreß von 1863 und die endgültige Festlegung der Genfer Konvention 18St hauptsächlich sein.Werk. Auf den Schlachtfeldern von Solferino wurde DunantS von echter Humanitär getragener Plan geboren. Wie er eS uns selbst in ergreifender Form ge- schildert hat. erweckte daS grauenvolle Elend, das sich auf dem mit Verwundeten besäten Dchlachtfelde vor ihm auftat. in ihm den brennenden Wunsch, zu helfen, so weit dieS der Einzelne vermöge. In Castiglione, wohin die Hauptmasse der Verwundeten gebracht worden war, fehlt jede P/lege für die Unglücklichen, jede Organisation, die sich der vor Durst und Schmerzen Verkommenden angenommen hätte. Dunant gelang eS, aus den Häusern, in denen er um Hilfe flehte, eine Anzahl von Frauen zusammenzubringen. Mit die>er kleinen HilsSschar eilte er zu einer Kirche, wo 500 Soldaten auf Stroh abgeladen waren, Freund und Feind, verbunden durch das gleiche Geschick. Dunant und seine Helferinnen reichen ihnen, was sie haben, Straßenjungen, die bei keinem Schauspiele fehlen, holen Wasser herbei; indes werden aus den Häusern Brühen, Speisen, Wein zugetragen; was an Leinewaud noch aufzutreiben, wird verwendet, die Wunden werden gewaschen. natürliche Verbände angelegt, aus BreZeia Arzeneien herbeigeschafft. So ging eS mehrere Tage, bis die Hilfe in geordnete Bahnen ge« lenkt war. Unauslöschlich blieben diese Erinnerungen in DunantS Herz eingegraben. Er setzte eS sich zum Ziel seines Lebens, mit seiner ganzen persönlichen Hingebung und unermüdlicher Ausdauer für eine Besserung des Loses der im Kriege Verwundeten au wirken. Dunant war die Seele der Genfer gemeinnützigen Gesell- schast, die die Propaganda für eine internationale Regelung der frei- willigen Krankenpflege im Kriege in die Hand nahm«nd die von allen europäischen Großmächten beschickte Vorkonferenz zur Fest- stellung eines vorläufigen Entwurfs einberief. DunantS Gedanken einer allgemeinen Organisation waren es. die hier Gellung erhielten, und in der endgültigen Regelung der Genfer Konvention von 1864 drangen auch seine weiteren Ideen durch, die Neutralität der Ver- mundeten und die Neutralität des Sanitätsdienstes im Felde. Als gemeinsames Erkennungszeichen wurde das rote Kreuz rm weißen Selbe gewählt. So erstand ailS dem Blute von Solferino das ote Kreuz. Das Allerseelenbrot. DaS Allerseelenfest am 2. November. te8 dem Andenken der Toten geweiht ist, bringt auch allerlei ein Recht auf Schutz des Gerichts gegen Insinuationen wie: er sei .meschugge", sei in einem.Sanatorium" u. dgl., solvie gegen die Fragen zu verlangen, die nach seinem Verkehr bei Nacht forschen. Solche Fragen ohne jede Unterlage zu veranlassen, sieht Erpresser- und Vanditenmoral sehr ähnlich, die den Zeugen mit den gröblichsten Angriffen überhäuft, der etwas zu bekunden vermag, was den An- geklagten belastet. Für die Preßverhältnisse der bürgerlichen Presse ist die Mitteilung in der gestrigen Verhandlung interessant: Eduard G o l d b e ck war Leitartikler für die.Wahrheit". Bruhn verriet das Redaktionsgeheimnis, weil der Mann, der bei ihm soviel verdient habe, ihn jetzt angreift. Wer ist Eduard Goldbeck? Herr Goldbeck ist preußischer Leutnant a. D. und wurde dann Schriftsteller. Im Jahre 1866 schrieb unser Genosse R. K r a f f t seine Broschüre„Glänzendes Elend", in der er die Zustände im deutschen Offizierkorps einer durchaus sachlichen Kritik unterzog. FlugS setzte sich Herr Goldbeck aus die Hosen und gab eine Gegenbroschüre heraus, die den Titel trug:„Glänzen- deS Elend?" Dasselbe Schauspiel wiederholte sich, als Krafft in einer weiteren Broschüre die Lage der Unteroffiziere und Mann- schaften schilderte. Ihr folgte sofort eine Broschüre von Goldbeck „Kasernenzucht", worin er voll des Lobes war für unsere deutschen Kasernenzustände. So schrieb der Herr unter anderem:„und ebenso gilt es für die Armee, daß Knopfputz, Parade- marsch und der Fall von Paris in innerem Zu- sammenhang stehen. Ich bin für Drill und Erziehung und habe damit den alten Kaiser Wilhelm auf meiner Seite." Dieser Drillmann und stramme Monarchist ging dann später zur Opposition über und schrieb radikale, demokratieschnaubende Artikel in der demokratischen Presse, auch gab er eine Broschüre heraus,„Der Henker Drill", in der er seine früheren An- sichten über den Drill über Bord warf. Hier gab auch Herr Gold- beck zu, daß er selbst Zeuge von nichtswürdigen Soldatenmiß- Handlungen war, und zeigte somit am schärfsten den Gegensatz zu seinen früheren Anschauungen. Im Jahre 1897 schrieb Krafft eine neue Broschüre:„Fürnchmcr Geist", die sich gegen die Offiziers- ehrengerichte wandte. Sofort war auch Herr Goldbeck wieder auf dem Plane mit einer Gegenschrift, die er an die Geheim- kanzlei des Prinzregenten von Bayern schickte, wofür der loyale Mann auch ein gnädiges Anerkennungsschreiben erhielt. In derselben Zeit war Herr Goldbeck aber auch Mit- a r b e i t e r am bösen„S i m p l i e i s s i m u s", und jetzt— nach den obigen Mitteilungen braucht man nicht mehr zu staunen— finden wir diesen entwickelungSfähigen Herrn im„WahrheitS". Prozeß als Leitartikler der„W a h r h e i t". Der Mann hat zweifellos noch eine Zukunft. Seine Wand- lungLfähigkeit ist für die Gesinnungstüchtigkeit der bürgerlichen Presse bezeichnend. 7. Verhau dlungstag. Bei Eintritt in die Verhandlung gibt LandgerichiZrat Lampe folgende Erklärung ab:.Bevor wir in die Verhandlung eintreten, teile ich mit. daß mir ein Brief zugegangen ist, der von dem ver- fasser mit seinem vollen Namen unterschrieben lvorden ist. Der Ab- sender, dessen Namen ich nicht nennen will, macht daraus aufmerlsam, daß in der.Morgenpost" vom Sonnabend ein Artikel ge standen habe, in welchem die Prozeßführung als eine.seltsame" bezeichnet wurde und ferner behauptet wurde, daß die Ver- Handlung durch Schuld der Prozeßleitnng inS Burleske ausarte. In dem Briefe wird auch der Name des Artikelschreibers genannt, welcher hier als Zeuge aufgetreten sein soll. Ich lasse mich auf der- artige Sachen grundsätzlich nicht ein, möchte die Sache aber doch hier etwa? niedriger hängen. Das Urteil über die Prozeßführung überlasse ich denjenigen, von denen die Entscheidung in diesem Prozesse abhängt." Goldieck und die„Wahrheit". RechtSanlv. Bredereck: Ein neu erschienenes Montagsblatt behauptet in der letzten Nummer, daß ich hier gesagt hätte, daß .die Berliner Presse käuflich sei". Ich habe dieS nicht gesagt, sondern nur gesagt, daß eS der allgemein üblichen Sitten und Gebräuche aus der Geschichte deS GräberkulteS in Erinnerung, die mit diesem Tage verknüpft sind. Ein uralter Brauch, der auch heute noch hier und da geübt wird, ist die Darbringung des AllerseelenbroteS. die aus dem in allen Religionen vorhandenen Totenopfcrn herzuleiten ist. Die Keimkraft deS GetreidekornS. die als etwas nahezu Unvergängliches erscheint, ist schon früh zum Sinn- bild einer über das Grab hinaus reichenden Fortdauer des Lebens erboben worden; Ackerbau treibende Völker, die Aegypter und andere Völker deS sOrientS wie auch die alten Germane» gaben daher Korn oder Brot den ewigen Schläfern zur immerwährenden Speise mit in die Gräber. Dieses von den alten Deutschen den Toten ge- spendete Brotopfer hat sich in unserem Volksglauben durch die Jahrhunderte erhalten, und zwar sind eS stets die Armenseelen, die ihren Hunger an dein vom Eßtisch ihnen auf« gehobenen Brosamen, an den beim Kuchenbacken für sie bestimmten Slückcken Teig sättigen sollen. Allmählich aber hat sich die Sorg» fall für die Abgeschiedenen auf die Zeit des Allerseelenfestes beschränkt. In Tirol und Altbayern brennt in den ersten Tage» deS November die Nächte hindurch ein Licht im Hause, die Wohnstube wird vor dem Schlafengehen gekehrt, die innere Tür des Hauses bleibt de» Seelen geöffnet und auf den Tisch werden allerlei Speisen aufgetragen, damit die lieben Englein ungestört einkehren können. Ebenso heizr der Esthe an: Aller- seelentage seine Badestube, richtet darin eine Mahlzeit an und ruft seine Verstorbenen alle dazu mit Namen herbei. Der Böhme schenkt zu Allerseelen Kindern und Bettlern Brot, damit sie für die Verstorbenen beten. Ebenso ist auch in Oberdeutschland vielfach der Allerseclentag ein allgemeiner Tag des Spendens. Der Bauer beschenkt seine Dienstboten, der Pate seine Patcnkinder, die Gemeinde ihren Pfarrer. Arm und Reich, All und Jung schenken einander daS Allerseelenbrot. Diese Wecken heißen in der Obcrpfalz Spitzeln". In Tirol perteilt man am Allerseclentag die»Scel- stückr, Süßbrote, die für Knaben in Form eines RößlcinS oder Hafen, für Mädchen in der einer Henne gebacken werden..Seelen- bräzen" gibt es in Augsburg,.Seelcnzöpfe" in anderen Teilen Bayerns, in Oesterreich„heilige Striezel". Im schwäbischen Unter- land wurden früher die Allerseelenbrote auf die Gräber gelegt. sodaß die Kinder. wenn sie morgens den Friedhof besuchten, durch reiche Spenden nberiascht wurden. Die Totenbrote haben häufig die Form eines RöbrknochenS, woran auch noch ihr im Engadin ge- bräuchlicher Name.Totenbeindli" erinnert. Vielfach sehen sie aus Ivie spitz zulaufende Haarflechten und erhalten daher die Bezeichnung „Seelenzöpfe". Im 16. Jahrhundert wurde noch, wie wir au« einem Bericht des Freiburger Professors Lorichius erfahren, zu Allerseelen Wein nebst Brot und andere» Speisen auf die Gräber gestellt, zur Labe s?.r die Toten. Seitdem ist aber der Gedanke an den uralten Brauch des Totenopfers immer mehr und niehr verloren gegangen. Huinor«nd Satire. Berliner Nachklänge. Dem Berliner Prof. Roethe, der auf dem FestkommerS der Berliner Universität eine gelungene Bierrede über Preußentum und Freiheit u. dergl. hielt, widmet der„EiinplicissimuS" ein sehr an- sprechende? Poem: Courtoisie entspricht, daß man auf Großinserenten Rücksicht nimmt. Derselbe Artikel tut so, als ob Bruhn sich hinter G o l d b e ck verstecken, d. h. den Schmutz auf die Schultern Goldbecks abwälzen will und Goldbcck nur ein paarmal für die „Wahrheit" geschrieben habe und zwar„nicht ohne Sandschuhe". Herr Gold beck hat vom 3. November 1906 bis zum 1. Scp» tember 1967 insgesamt 46 Leitartikel und 96 andere Ar« tikel geschrieben und dafür ein Honorar von insgesamt 2579,66 M. von der„Wahrheit" erhalten. Herr Goldbeck ist jetzt eine Säule der linksliberalen Journalistik.— Angefl. Bruhn: Ich habe Herrn Goldbeck hier nicht genannt, sondern Herr Weber. Goldbeck bat für eine wöchentliche Arbeitszeit von 3—4 Stunden insgesamt über 2566 M. von mir erhalten. Wenn er auch für Blätter anderer Richtung ge- schrieben hat. so mag er sich wohl gesagt haben:„Brot schmeckt süß". Zu mir hat er gesagt: Ich stehe mehr links, werde mich aber bei Ihnen vielleicht mehr nach rechts entwickeln. Herr Goldbeck gilr als ein Mann, der etwas kann und als angesehener Journalist. Daß er auch für den Ullstein« Verlag und für die„Welt am Montag" geschrieben, kann er mit sich leibst abmachen. Für mich hat et jedenfalls national geschrieben. Der Artikel„Eduard«un Trapez" rührt von Herrn Goldbeck her. Ein Zeuge hat die Plahfurcht. Von dem als Zeugen geladenen Fabrikbesitzer Karl Hintze ist ein Telegramm eingegangen, wonach er kranlheitShalber nicht er- scheinen kann. ES kommt zur Sprache, daß der Zeuge an der Platz- furcht leiden soll. Der Gerichtshof beichließt, den Medizinalrat Dr. H o f f in a n n zu beaustragen, festzustellen, ob der Zeuge nicht in der Lage ist, an Gerichtsstelle zu erscheinen; weitere Beschluß- fassung über etwa zu ergreifende Maßnahmen behält sich der Ge- richtshof bis nach Eingang des ärztlichen Gutachtens vor. ES wird hierauf in die Verhandlung des „Falles Jandors" eingetreten. Der Zeuge Hugo Jacobsohn genannt Jackson bekundet folgendes: Ich verkehrte früher viel in dem Cafh West- minster, da ich Unter den Linden meine BnreauS habe. Eine« TageS wurde vor dem Cafö ein Artikel gegen Jandorf auSgeruscii. Ich äußerte schon damals: Wenn wir in Eng- land oder Amerika wären, könnte so ein San» kram nicht passieren. Ich sagte deshalb zu eineni Bekannten, daß ich den Herrn Jandors gern einmal kennen lernen möchte, um ihm einen Rat zu geben, wie er diese AngrissSartikel von sich abwenden könne. Ich hatte dabei die Nebenabsicht, Herrn Jmidorf, der große Feste gibt, Wein zu verkaufen. Die Herren Verteidiger waren ja gestern auch schon so liebenswürdig, für mich hier Reklame zu machen.(Heiterkeit.)— Der Zeuge schildert dann sehr weit- schweifig. wie er die Bekanntschaft deS Herrn Jandorf und später der Angeklagten Wilhelm Bruhn und Weber gemacht hatte, und fährt tort: Ich habe mich dann in der Maske eines Annoncen- akquisiteurS in die Redaktion der„Wahrheit" eingeschlichen und mit Bruhn in Berliner Mundart gesprochen, so daß dieser von mir nicht den Eindruck eines Gentlemans erhielt, sondern einen fewöhnlichen Jnseralenogenten vor sich zu haben glaubte. Ich ragte Bruhn: Ich kann Ihnen Inserate bringen, darunter auch große vomKaufbauS des Westens, Vor allen Dingen aber muß ich wissen, was ich dabei verdienen kau»? Ich sagte weiter: Ich kann Ihnen Inserate biiugen»an Warciihäuscrn, aber unter der Bedingung, daß Sie nichts gegen das KaushanS deS Westens und Jandars schreiben werden."— Der Zeuge erzählt, daß Bruhn ihm gesagt habe, er habe auch gar kerne Veranlassung, gegen die Warenhäuser zu schreiben. Dann erzählt er von einer angeblichen Schacherszcue, die..intr» nuiros"(innerhalb der Mauern), aber doch in Gegenwart von Weber stattgefunden und den Zweck gehabt habe, ihm von seiner ehrlich verdienten Provision etwas abzuknapsen.— Der Zeuge spricht so schnell, daß der Vorsitzende ihn auffordert, langsamer und deutlicher zu sprechen; er hebt auch wiederholt seine Eigenschaft als guter Jude hervor, für den eS nicht sehr angenehm gewesen sei, zu einem so enragierten Antiieiniten zu gehen, aber dusiness is business(Geschäft ist Geschäft). Er erzählt weiter, daß ihm Gehisen und andere schon gewarnt hätten, bei Bruhn in Geldangelegenheiten recht vorsichtig zu sein. Bruhn habe nun allerdings weder direkt»och indirekt gesagt, daß er nun gegen die Warenhäuser schweigen wolle, so dumm ist kein Mensch und am wenigsten Herr Bruhn. Aber jeder, der zu hören versteht, konnte Ein gewisser Doktor Roethe, Ordinarius und Dekan, Hat da neulich abends späte Einen Weihespruch getan. Ucber Freiheit sprach derselbe Vor der Akademlichkeit, Wie sie östlich von der Elbe Preußenzuchtbeengt gedeiht. Wider die verschnupften Finken Tät er alsdann wetteren, Die teils nichts teils wenig trinkM Und im„Simpel" blätteren. Heringegen die Kommersche Fand er tentsch und stubenrein, Wo die wahren Burschenärsche Brüderlich beisammen sein. Einen Feuersalaniander Rieb auf sie, vom Bier geblähh, Doktor Roethe, der Dekan der Philosophischen Fakultät. Notizen. Die Deutsche Theaterausstellung lvurde am Dienstag in den Ausstellungshallen am Zoo eröffnet. Sie enthält eine hislorisch-ästhetische Abteilung, in der die Berliner Theater schwach vertreten sind, eine industrielle Abteilung und ein AuS« ftellungStheater, das am Sonnabend mit einer Aufführung von„OcdipuS in KolonoZ" im Stile des antiken Theaters beginnen Wird. — DaS Marionetten- Theater München er Künstler. daS bereits früher in Berlin Proben seiner reizenden Kunst abgelegt hat, ist anläßlich der TheaterauSstellnng jetzt wieder bei uns eingelehrt. In den Ausstellungshallen am Zoo fand am Montag die Eröffnungsvorstellung statt(leider in einem Raum, der nicht intim genug ist und auch nicht von allen Plätze,! das ganze Bühnenbild sichtbar werden läßt). Zuerst ein romantiich-satirische« Puppenspiel von August Mahlmann:„König Viola» und Prinzessin Klarinette", in dem gar grauselich und ergötzlich selbst« gemordet und gejammert wird. Eine höchst belustigende und dem parodierenden Stil des PuppcnIheaterS angepaßte Moritat. Feiner wirkte Offenbachs komisthe Oper„DaS Mädchen von Elizondo". Die entzückende Musik(aus drei oder vier Instrumenten), daS primitiv-anmutige und drollige Spiel der meisterhast bewegten Figürchen und die gute stimmliche Besetzung ergaben einen schönen Gesamteindruck.— ES wäre wünschenswert, daß Berlin wie München und Paris ein ständiges Marionettentheater bekäme, das vor allem der Kinderwelt zugute käme. — Theaterchronik. Im Friedrich-Wilhelm« städtischen Schauspielhause wird am Mittwoch Goethe»„Faust" zum Einheitspreise von 1 M. für erstes Parkett und ersten Rang gegeben. über feine Meinung nicht zweifelhaft sein. Der Ieuge erzählt weiter:.Als der Dahsclprozeb anfinq. traf ich den Angekl. Weber im Cafs Viktoria. Er hatte einen Chnpcau claque auf nnd fragte mich:„Können Sic mir nicht eine Stellung verschaffen? Die Stelle bei Bruhn ekelt mich an, das ist der gemeinste Lump, diesem Bursche» müsse man daS Handwerk legen."— Auf mein Ersuchen kam Weber dann in mein Bureau, wo er einen Reklamebrief für mich aus- arbeitete und dafür von mir bezahlt erhalten hat.— Auf weitere Fragen erklärt der Zeuge nochmals: Vrnhn habe bei dem ersten Gespräch über die Inserate gesagt:„ivicine Stellung zu den Warenhäusern ändere ich nicht, aber ich habe keine Veranlassung gegen die Warenhäuser zu schreiben.— Auf weitere Fragen bestätigt er, das; er die Worte des Bruhn so verstanden habe, daß er glaubte, Herrn Jandorf sagen zu können:„Die Sache sei in Ordnung, Herr Bruhn schreibt nicht mehr über Sic!"— Vors.: Herr Weber stellt die Sache ganz anders dar wie Sie. Weber sagt, Sie hätten ihm u. a. mitgeteilt, Sie litten mitunter an Gedächtnisschwäche und seien mitunter auch ganz„meschugge".(Heiterkeit.) Er nieint auch, aus dein Gespräch mit Ihnen hätte er den Eindruck gehabt, daß diese, Ihre Ansicht über Ihre Person nicht unrichtig erscheine. (Heiterkeit.)— Zeuge I a c o b s o h n: Einen meschuggenen Menschen fragt man doch nicht, ob er ihm nicht eine Stellung verschaffen kann. Vors.: Auch Herr Bruhn stellt die Sache ganz anders dar, wie Sie. Er behauptet, Sie hätten gar nicht gleich den Inseraten- auftrag abgeschlossenerhalten, sondern erst, nachdem man bei Schaurto Erkundigungen über Sie eingezogen hatte. Er will auch absolut keine Verpflichtung übernommen haben, nichts mehr gegen die Warenhäuser zu schreibe».— Zeuge: Schweigend spricht mim bekanntlich am bcredctste». Die Hauptsache ist dock, dag er, der Gegner der Warenhäuser, mit einem Male ein BelobigungSrat für diese wird. Er hat auch, als das Kaufhaus des WcstenS eingeweiht wurde, er- sucht, dafür zu sorgen, dnji er eine Einladung zur Eröffnungsfeicr erhielt. Es ist dann auch ein Artikel über die Eröffnung in der „Wahrheit" erschienen.— Bor s.: Sic sollen auch einmal zu Schaurlö gesagt haben: Sie könnten Bruhn gehörig hineinlegen! Was sollte das heißen?— Zeuge: Ich als Jude habe Abscheu und Ekel empfunden, mit einem Antisemiten in solcher Weise zu verhandeln. aber der Endzweck war für mich doch, zu zeigen, wie man in solchen Dingen vorgehen muß und daß Bruhn ei» Mann ist, der so mit seinen Prinzipien schachert nnd hausieren geht. In der„Wahrheit" war Bruhn ommpownl et omiiipräsent(allmächtig und allgegenwärtig).— Schließlich wehrt sich der Zeuge gegen eine in der gestrigen Verhandlung gefallene Bemerkung, daß er im Prozeß Echter ni eher eine etwas sonderbare Rolle gespielt habe. Der Zeuge erklärt hierzu: Meine Kundschaft besteht aus der allerersten Aristokratie, ich verlause Millionen anerkannt guter Zigaretten und vieles andere. Echtermehcr kaufte auch bei mir und ich bewunderte seine Edelsteiiikeuntnis. Dies gab dem damaligen Vorsitzenden Veranlassung zu der humoristischen Bemerkung:„Sie hätten sich wohl am liebsten mit Echtermeyer assoziiert." Das ist alles. Ich habe mit dem Manne niemals Schiebungen oder Transaktionen gemacht. — Rechtsamv. Dr. S ch w i n d t erklärt, er stelle fest, daß nach dem Zeugnis des Zeugen Jacobsohn der Angeklagte Bruhn ihm extra gesagt habe, daß er seine Stellung gegenüber den Warenhäusern nicht aufgeben werde. Angekl. Bruhn tritt den Behauptungen des Jacobsohn sehr scharf entgegen und erklärt, daß von„dem Geschwätz" des Zeugen nicht ein Viertel wahr sei. Er sei nach wie vor Gegner der Wacenhäuser, er habe sich auch nur schwer eittschlossen, die Inserate ' aufzunehmen, er habe es schließlich erst nach Rücksprache mit Freunden getan! Wenn er sich aber zu diesem Schritt culschlossen habe, so habe er auch eine gewisse Anstaiidspflicht gegen die Inserenten zu erfülle». Es sei durchaus üblich, daß bei solchen Eröffnungs- feiern die Presse eingeladen lverde und nicht er, sondern Paul Bruh» habe an der Eröffntingsscicr teilgeuommen. Der Angeklagte beruft sich aus den Sachverständigen Kluge und dieser behauptet, daß eL Sitte sei, bei solchen Eröffnungsfeiern die Presse einzuladen und daß die Zeitungen darüber berichten. ES entspinnt sich dann eine sehr lange Debatte über die Gepflogenheiten bei Abrechnung von Provision für Jnseratenagentcn und über die Summe, die der Zeuge Jacobsohn rechtmäßig zu bc- anspruchen hatte. Auch hierüber ersucht der Gerichtshof den Sach- verständigen Kluge wiederholt um sein Gutachten, welches im all- gemeinen die Auffassung des Bruhn teilt und die Ausführimg des Jacobsohn für unzutreffend erklärt.— Vors.: Was sagt der Angekl. Weber zu den Behauptungen des Zeugen'Jacobsohn. daß Sie den Angekl. Bruhn einen Lumpen usw. genannt haben?— Angekl, Weber: Die Worte, die mir Herr Jacobsohn-Jacksott in den Mund legt, habe ich nicht gebraucht. Ich habe allerdings so getan, als ob ich mitBruhnverfeindetsei, um aufdiese W e i s c m e h r von ihm herauszubekommen, von wem die bei Beginn des DahselprozesseS in die Oeffentlichkeit ge- schleuderten Verdächtigungen herrührten. Herr Jackson nenne sich doch selbst einen„Allesmacher" und er habe geglaubt, von diesem etwas herauszubekommen.— Vors.: Na, das ist doch eine etwas gewagte Geschichte! Auf weitere Vorhaltungen deS Angeklagten Bruhn erklärt der Zeuge Jackson wiederholt:„Ach, Sie klammern sich immer an Kleiiiigkeiten!"— Rechtsanwalt Bredere'ck: Der Zeuge Jackson hat offenbar eine so große Wut gegen die Angeklagten, weil er nicht fortlaufend Provisionen einstecken konnte, sondern sich Paul Bruhn die folgenden Inserate selbst geholt hat,— Rechtsauwalt Dr. � ch w i ii d t: Der Zeuge Jackson hat erklärt, er habe einen Ekel empfunden, ist aber doch iviederholt mit Bruhn in Verhandlungen getreten.— Zeuge Jacobsohn: Der Ekel kam darüber, daß ich sah: so ändern die Leute ihre Gesiimnng wie ein schmuhiges Hemd. RcchtSanw. Dr. Schwindt: Der Ekel kam bei Ihnen wohl erst, als Sic die Provision schon hatten?— Zeuge: Herr Rechtsanwalt, mit Sentiments setze ich mich mit Ihnen nicht anscinander. — Vors.: Der Verteidiger will nur wissen, wann bei Ihne» das Gefühl des Ekels kam.— Zeuge: Bedauere sehr, das kamt ich �. heute nicht mehr wissen I— Vors.: Herr Zeuge, sind Sie einmal in einem Sanalorium gewesen?— Zeuge(zögernd): Ich verstehe die Frage nicht. Sie glauben wohl, ich bin nicht zurechnmigSfühig,— Vors.: Keineswegs, Man geht doch auch manchmal zur Erholung in ein Sanatorium, Waren Sie schon einmal in einem Sanatorium? — Zeuge: Jawohl, aber nur zum Besuch!(Heiterkeit.) Ich habe mal jemand dort besucht. Vors.: Nein, ich meine wegen Ihres Gesundheitszustandes?— Zeuge: Noch nicht.(Heiterkeit,) Der nächste Zeuge ist Kommcrztcnrat Adolf Jandorf. Er bekundet: Ich habe Herr» Jacobsohn durch einen anderen Herrn im Cafe Westminster kennen gelernt. Er machte eine Offerte für irgend welche Artikel und sagte dabei: er habe viel in England gelebt und wisse, daß dort die Geschäfts- leuto geschickter seien und ihren Annoncenetat geschickter verteilen. Auf seine weitere Frage, ob ich denn in der „Wahrheit" inseriere, antwortete ich, daß mir von dieser noch keine Offerte gemacht worden sei. Sollte eine Offerte eingehen, so würde ich auch dort inserieren. Darauf antwortete Jacobsohn: Geben Sie mir weiter gar keine Direktiven, überlassen Sie mir nur alles, Kurze Zeit später kam er zu mir und sagte: Die Herren seien bereit, Annoncen aufzunehnten. Ob bei der ganzen Sache die gegen mich in der„Wahrheit" erschicucnru Angriffe erwähnt worden sind, weiß ich nicht.— Beisitzer LaudgerichtSrat T e s ch e n- darf: Wie Sie das erzählen, klingt es doch wie eine ganz harmlose Geschichte. Der Zeuge Jacobsohn schildert es doch so. als ob Sie gerade die Inserate mit dein Zweck aufgegeben haben, damit die Angriffe unterbleiben. Hatten Sie denn, wie der Zeuge bekundet, die Unterhaltung damit begonneit, daß Angriffsartikel Unter den Linden ausgerufen wurden?— Zeuge: Ich kamt mich auf eine solche Unterhaltung nicht besinnen.— LaudgerichtSrat Teschendorf: Eine solche Unterhaltung war doch aber so charak- teristisch, daß man sie eigentlich nicht so leicht vergißt. Hat eine derartige Unterhaltung überhaupt stattgefunden?— Zeuge: Ich glaube nicht, aber ich weiß es nicht.— Staatsanwalt Leisering: War es für Sie bei der Aufgabe von Inseraten nicht mitbestiuiutend, da? Sie hofften, die Angriffe würden damt aufhören?— Zeuge: Nein. Der Zeuge bestätigt auf weitere Fragen, daß er Wilhelm Bruhn heute überhaupt zum ersten Male sehe.— Landgerichisrat G r o d k e: Erwartet haben Sie doch aber wohl, daß weitere An- griffe nicht zu befürchten seien?— Zeuge: Erwartet habe ich nur, daß, wie das bei anderen Zeitungen üblich ist, sobald Angriffs- Material eingeht, oder sonst Behauptimgen über unsere Firma auf- gestellt werden, dies nicht einseitig geschieht, sondern man beide Teile hört. Die Bekmtdungen des Zeugen Levysohn, Reklamechef bei der Firma Jandorf, und des Jnseratenagenten Jonas W e r t h e i m bringen nichts Neues. Zeuge Wert he im bestätigt unter anderem, daß Herr Kommerzienrat Jandorf nicht von deni Gedanken geleitet wurde, durch Inserate Angriffe zu vereiteln, vielmehr habe er nur gemeint, daß cS doch angemessen sei, ihm von etwa cingchcndc» Angriffen Mitteilung zu machen, damit er die Sachlage ausklären könne, Bon der„Staatsb.-Ztg." und den„Deutschen Nachr." sei Herrn Jandorf schriftlich bestätigt worden, daß ihm vorher Mitteilung gemacht werden solle.— Zeuge Redakteur L e up o l d bestätigt auf Befragen, daß Bruhn vor Aufnahme der Jandorfschen Inserate ihn und andere Mitarbeiter über ihre Stellung zur Sache befragt habe. E r(Zeuge) sei �ür Aufnahme der Inserate gewesen, weil das Offizier- Kaufhaus im Kaufhaus des Westens aufging. Irgendwelche Direk- tiven über dos Bringen oder Unterlassen von Angriffen gegen In- serenten oder Nichtinsercnten habe Brubn nie gegeben. Der nächste Zeuge Ludwig Reuter ist Annonccnchcs von Rudolf Herbog. Er bekundet, daß seine Firma keineswegs ans Furcht vor etwaigen Angriffen der„Wahrheit" Inserate gebe, sondern weil der „Staatsb.-Ztg." seit mehr als zwei Dezennien solche Inserate gegeben waren, Bruhn persönlich bekannt war und die„Wahrh." eine nationale Tendenz verfolgen sollte.— Rechtsamv. Bredcreck: Ist es nicht üblich, daß die Zeitungen aus Groß-Jnscreiitcn eine gc- wisse Rücksicht nehmen, indem sie. wenn ihnen Milteilungcn über die betreffenden Firmen zugehen, sie zunächst einmal bei diesen an- fragen, ob die Tatsachen richtig sind?— Zeuge: Das ist üblich. Zeuge ReichStagsabg. Werner bestätigt, daß Bruhn über die Ausnahme von WarenhauSinseraten mir ihm gesprochen und gleich gesagt Ijabe, seine prinzipielle Stellung gegen die Warenhäuser werde dadurch nicht geändert. Der Kampf gegen Großbetriebe wie Aschinger, Tack u. Co. uuter anderen gehöre auch zum Programm der Rcformparlei. Auch der Kassendicner Trautmann bekundet, daß Bruhn die WarenhauSinscrate nicht gern aufgenommen habe. Er habe Herrn Bruhn aber zugeredet und ihm gesagt: Sie haben doch schon bei der„Staatsbürger-Zeitung" so viel verloren— Geldverdienen muß doch auch dabei sein. Zeuge Postsekretär S t o ck m a n n. der Vorsitzende der Mittel- standsvereinigung, weiß gleichfalls, daß Bruhn durch die Aufnahme von Inseraten seine Stellung gegen die Warenhaus-Unternehmungen nicht ändern lasten wollte. Einen gegen Jandorf gerichteten Artikel der„Wahrheit" hat der Zeuge selbst geschrieben. Richtig sei eS, daß auch andere Zeituugeit. wie die„Deutsche Tageöztg.", die„Kreuz- Zeitung", der„Reichsbote", die„Deutsche Zeitung" u. a., die in icharfer Weise Stellung gegen die Warenhäuser genommen haben, jetzt Inserate der Warenhäuser veröffentlichen. Zigarrenhändler Karger schließt sich dem Vorzeugen an und bestäiigt dem Angekl. Bruhn, daß die Feindschaft des Plack- Podgorski darauf zurückzuführen sei, daß Bruhn daS Erscheinen einer Plackschcn Broschüre„Herr v, Miquel und der Schwarze Adlerorden" verhindert habe.— Angekl. Bruhn erläutert dies dahin: Miqncl sei der Vater deS WarcnhausgesctzcS gewesen und deshalb sei eS ihm ,(Bruhn) uiianacnehm gewesen, daß gerade ein Antisemit eine solche Aktion gegen den Minister nnternchmen wollte. Der Fall Jandorf ist hiermit erledigt und eS wird zur Er- örterung des Falles Htittze übergegangen. ES handelt sich dabei kurz um folgendes: In der„Wahr- heit" waten einige Artikel gegen den Piaiiofortefabrikanten Hintze erschienen, in dem zuerst ein falscher Hintze genannt war, während es sich um Herrn Karl H. Hintze handelte. Der erste Artikel war, wie der Angekl. Bruhn ausführt, von der Korrespondenz Binder verbreitet worden und richtete sich eigentlich gegen Frau Mary Berg-Liitdemantt. die bei den„Deutschen Nachrichten" als Inseraten- Akquisiteurin beschäftigt war. Diese Frau ist dann im Bureau der„Wahrheit" erschienen und hat gebeten, doch mir Rücksicht auf sie und ihre erwachsenen Kinder von der Veröffentlichung des Artikels Abstand zu nehmen. Als dann Dahsel verhaftet wurde und die„Deutschen Nachrichten" einen sehr häßlichen Artikel gegen ihn(Bruhn) veröffentlichten, habe er nicht geglaubt, weitere Rück- ficht walten lassen zu müssen. Es sei dann ein Artikel über den Geschäftsbetrieb der Firma Karl H. Hintze veröffentlicht worden. Nach Ansicht der Anklage soll sich Herr Hmtze dann an den ihm bekannten Herrn David söhn, der damals die„Große Glocke" herausgegeben, gewendet und ihn um Rat gefragt haben, was er gegen die Artikel tun könne. Davidsoh» soll ihm gerate» habe», der„Wahrheit einige Jnscratc z» geben. DaS sei dann auch ge- schchen. Weber sei bei Hintze erschienen und habe den Inseraten- auftrag erhalten. Die Anklage steht auf dem Standpunkt, daß Hintze die Inserate nur gegeben habe, um dadurch weitere AngriffS-Artilel unmöglich zu machen.— Angekl. Bruhn erklärt, daß er von der Vorgeschichte nur wisse, daß der erste Artikel auf Bitten der Frau Berg zunächst unterblieb und daß dann die beiden Artikel, die sich mit dem Geschäftsgebaren von Karl H. Hintze in der Bülow- straße beschäftigten, veröffentlicht wurden. Er wisse ferner, daß Weber eines Tages ihm mitgeteilt habe, daß er einen großen Jnierateiianftrag von der Firma Schiebmcyer habe. Als er gesehen, daß dieser Auftrag van Hintze unterzeichnet war, habe er von diesen Inseraten nichts wissen tvolleu, Herr Weber habe ihn aber mit der Berstchcrung beruhigt, daß Hintze keinerlei Gegenleistung für die Inserate von der„Wahrheit" verlange. Nachforschungen über das Nachtleben eines Zeuge». Inzwischen bittet der Zeuge Jackson wiederholt um seine Entlassung mit der Bcmerlung, daß er krank sei und nach Hause möchte. � Angekl. W. Bruhn: Das ist ja alles Verstellung! Der Zeuge hält sich alle Nacht in Nachtlokalen ans.— Zeuge Jackson Das ist nicht wahr I— Angekl. Bruhn: Wo waren Sie denn in der Nacht vom Somiabcnd zum Sonntag?— Zeuge wendet sich mit erregter Miene ab.— Vors.: Haben Sie denn in der Nacht zu Hause geschlafen?— Zeuge(lebhaft): Selbstredend!— Bruhn: Selbstredend ist das gar nicht. Ich werde Ihnen zwei Zeugen bringen, welche Sie gesehen haben in jener Nacht, als das Lokal„Excelstor" eingeweiht wurde.— Zeuge: Ich habe mit Ihnen mich gar nicht zu unterhalten.— Vors.: Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, daß Sie alleö zu beschlvören haben.— RechtSanw. Bredereck: Wir widersprechen der Entlassung deS Zeugen. Er wollte hier überhaupt erst nicht erscheinen, sondern nach Paris fahren nnd wir haben uns erst an Herrn Jandorf gewandt, damit er den Zeugen bewege, hier zu erscheinen. Wenn wir die Glaubwürdigkeit deS Zeugen angreifen wollten, könnten wir eine Fülle von Material beibringen. Wo waren Sie denn gestern Nacht?—-Zeuge(zögernd): Herr Vorsitzender, ich bin sehr nervös und sehr aufgeregt; ich bin in der Nacht im Viktoria- Eass gewesen und durch das Kaiser-Cafö hindurchgegangen.(Heiterkeit.)— RechtSanw. Dr. Schwindt: Dle Bcrteidtguiig muß ge- linde Zweifel»ach dem ganzen Auftreten des Zeugen haben, ob er eine genügende Vorstellung von dem Wesen und der Bedeutung deS EideS habe. Wir beantrage» auf Grimd des K 56 Nr. 1 der Straf» Prozeßordnung die Vereidigung des Zeugen bis zum Schluß der Verhandlung aufzuschieben.--Der Gerichtshof beschließt in diesem Sinn«. Zurückkehrend zu dem Falle Hwhe erklärt der Angekl. Weber, daß er seinerseits bei der Aufnahme des Jnseratenanftragcs dem Hintze allerdings wohl Aussicht darauf eröffnet habe, daß weitere Angriffsartikel unterbleiben würden. Er habe aber Wilh. Bruhn hiervon nichts gesagt.— Aus Befragen des Rechtsanwalts Dr. Meyer erklärt Weber, daß er bei Annahme des Jnseratenaustrages nur seine Provision im Auge gehabt habe. aber in keiner Weise etwa«Beihilfe" zu einer strafbaren Handlung habe leisten wollen. Die Zeugen Böge, stellvertretender Vorsitzender des Vereins der Musitinstruntenteithändler, und Schwechten sind von der Vsr- teidigmig als Zeugen darüber vorgeladen, daß sie der„Wahrheit" das Material zu dem Artikel gegen Karl H. Hintze geliefert haben. Von VereinSwcgen sei beschlossen worden, einmal gegen das Ge- schäftsgebaren des Hintze vorzugehen, und da man angenommen, daß Blätter wie das„Tageblatt" und der„Lokal-Anzeiger" solche Sacken nicht bringen würden, habe man sich an die„Wahrheit" ge- wandt. Als Zeuge wird hieraus der Verleger der„Großen Glocke", Theodor Davidsohn, vernommen. Dieser bekundet: Nachdem in der„Wahrheit" ein Artikel über die Firma Hintze beziv. die Schriflsiellerin Frau Berg- Lindemann gestanden hatte, kam Hintze eines Tages zu mir und sagte mir, daß er gern in der„Wahrheit" inserieren möchte. Ich teilte dies daraufhin dem Herrn Weber mit. der mir dann auch nach längerer Zeit erzählte, daß Hintze Inserate aufgegeben habe. Hintze selbst sagte mir dann auch bei Gelegenheit, daß er von Bruh» durchaus freundlich aufgenommen sei, irgendeine Gegen- leistung habe er von Bruhn nickt verlangt.— Recktsanw. Dr. Schwindt: Herr Zeuge, Sie haben doch vor dem Untettuchungsrichter gesagt, daß von einer vollendeten oder versuchten Erpressung in diesem Falle keine Rede sein könne?— Zeuge: Jawohl, das stimmt auch, das ist auch heute noch meine Meinung. Ter Artikel ist mir seinerzeit auch von dem Journalisten Biiider-Klebiiirer zugesandt worden, ich habe ihn nicht aufgenommen, da ich iveiß, daß Binder keinen Menschen in Ruhe läßt.— Auf verschiedene Fragen des Landgerichtsrats Teschendorf und des RechtSanw. Bredercck bekundet der Zeuge noch, daß Hintze ja absolut keine Veraulaffuitg hatte, sich vor dem Artikel zu fürchten, er hätte sich im Gegenteil darüber gefreut. — Dr. Schwindt beantragt daraufhin, den Journalisten Binder alias Ludw. Ktebinder zu laden, der bekunden werde, daß Hintze s elbst ihm das Material zu dem Artikel gegeben habe.— Vors.: Es ist dann allerdings sehr wesentlich, den Herrn Klebiuder hierüber zu hören.— Das Gericht beschließt die Ladung des Ludw. Klebiuder zu Mittwoch.— Rechtsamv. Jul. Meyer I: Es wäre doch sehr angebracht, loenn auch Herr Hintze hier erscheinen würde. Die Playsurcht des Herrn Hintze besteht anscheinend darin, daß er hier den Platz vor Gericht fürchtet. ES wird daraus der inzwischen noch nachträglich erschienene Zeuge Louis Schaurtö zu dem Fall Jandorf vernommen. Der Zeuge bekundet: Bruhn habe sich bei ihm telephonisch erkundigt, ob Jackson ein Mensch sei mit dem man in Verbindung treten könne. Er habe dies bestätigt und Bruhn sogar noch zugeredet, daS Geschäft zu machen. Ebenso be- stätigt der Zeuge, daß Jackson ihm bei Beginn des Dahsel- Prozesses gesagt halte, er köntis Brühn hineinlegen.— RechtSanw. Dr. Schwindt: Der Herr Jackson hat auf mich einen etwas komischen Eindruck gemacht. Wie denken Sie denn über Herrn Jacobsohn- Jackson.— Zeuge S ch a u r t ü: Jackson ist ein sehr frommer Jude, der sehr viel Wohltaten für die Juden getan hat.— Dr. Schwindt: Sie meinen also, daß Jackson ein sehr fanatischer Jude ist und deshalb aus Bruhn als Anttsemit nicht sehr gut zu sprechen ist.— Zeuge: Jawohl.— Der Zeuge Schaurtv bricht hierauf in ein Klagelied gegen die„B. Z. am Mittag" aus. Er beschuldigt das Mittagsblatt mit höchst erregter Stimme und fast weinend, daß sie ihn total ruiniert habe.„Als die„B.Z." seinerzeit". sagtZeuge,. den Artilel„Die Flucht des HoftraiietirS LotiiS Schaurlö" vor dem Monopolhotel ausbrüllen ließ, war ich mit einem Schlage ruiniert. Die„B. Z." hat noch viel schlimmer als Bruhn gehandelt, ich selbst und meine Frau sind damals völlig zusammengebrochen. — Vors.: Wir können Ihnen leider nicht helfen, dagegen sind wir eben machtlos.— Zeuge Schaurtv: Wir haben heute abend mit mehreren Anwälten eine Konferenz, um gegen die„B. Z." vor- zugeben.— LaudgerichtSrat Teschendorf: Haben Sie von Herrn Jackson nicht den Eindruck, daß er ein großer Wichtigtuer ist?— Zeug e: AllerdiugS, man kann feinen Worten nicht viel Bedeutung zumessen. — Ersatzrichter LaudgerichtSrat Kämpfe: Ein Bruder des Jackson soll sich ja auch in einer Irrenanstalt befinden?— Zeuge: Darüber ist mir nichts bekannt.— Bruhn: Ich sage aber direkt, daß Jackson ein Schwätzer ist, und zivar ein gemeingefährlicher.— Zeuge: Das macht wohl auch etwas seine Religion.— Bruhn: Na so schlimm wird es mit seiner Religion wohl auch nicht sein. (Heiterkeit.)— Vors.: Na, das Gericht ist ja in der Lage, sich über Herrn Jackson seine Meinung selbst zu bilden. Die Verhattdluug wird hierauf abgebrochen und auf heute ll'/z Uhr vertagt._ Seriedts- Leitung» Die Polizei im Ehestreit.,. ap*;«•>*.- Ein interessanter Prozeß des Grafen v. Wartcnslcbe» gegen den Charlottenburger Polizeipräsidenten beschäftigte das preußische Ober-VerwaltuitgSgericht. Die Ehe des Rcgicrungsrats a. D. Grafen v. Wartensleben mit der Tochter des Generalmajors v. Looß war keine glückliche. Der Graf logierte sich' eines Tages im Hotel ein und erteilte der in der Wohnung verbleibenden Dienerschaft Anweisungen, wie sie sich zu verhalten hätten. Namentlich wurde der Diener Bonni angewiesen, besonders die Verwandte» der Gräfin nicht in die Wohnung zu lassen. Ohne Einwilligung des Grafen sollte auch nichts aus der Wohnung herausgeschafft werden. Bonni hatte gewissermaßen die Wohnung unter Schloß und Riegel zu halten. Er hatte ferner den Auftrag, die in der Wohnung vcr- bliebene Gräfin aus ihren Wunsch hinaus- und hincinzulaffe». Die Verwandten der Frau wandten sich schließlich an die Polizei. Einem Charlottenburger Polizeioffizier wurde es vom Präsidenten mündlich nahegelegt, dem Oberregierungsrat v. Looß seinen Schutz zu leihen, falls dieser darum bitte. Am 8. März 1L09 trat nun der Polizeilentnant in Aktion, nachdem der Obcrregierungsrat v. Looß und die StiftSdame v. Looß vergeblich versucht hatten, zur Gräfin in die Wohnung zu gelangen. Der Leutnant und ein Kriminal- beamter erhielten Zutritt. Ihnen folgten zwei Träger, die die Verwandten der Gräfin mitgebracht hatten. Die Beamten blieben in der Wohnung, bis die Träger mit den Sachen abgingen, die ihnen die Gräfin als ihre bezeichnet hatte. Der Graf v. Wartens- leben klagte dann im Verwaltungsstreitverfahren gegen den Polizei- präsidenteu auf Aufhebung der polizeilichen Verfügung, die er in der dem Polizeioffizier gegebenen Weisung sieht. Im Laufe des Verfahrens führte er zur Erklärung seines eigenen Verhaltens an. daß die Gräfin schwer nervös sei. Ter Polizeipräsident hielt da- gegen diese Aufassung für widerlegt, wie sich aus den Ehescheidungsakten ergeben soll. In dem Verwaltungsstreit spielte auch eine Ver- änderung eine Rolle, die der Gras an dem Schlosse der einen von zwei Türen des Schlafzimmers hat anbringen lassen. Der Graf meinte, dadurch habe nur verhindert werden sollen, daß die Gräfin in das Zimmer der Hausdame, die er zur Führung des Haushalts gemietet hatte, eindringe und mit ihr Streit anfange. Der Polizeipräsident machte geltend, das Vorgehen der Polizei sei gerechtfertigt, weil der Verdacht der Freiheitsberaubung nahe- gelegen habe. Der Bezirksausschuß wies die Klage deS Grafen ab. DaS Ober- Verwaltungsgericht hob jebt aber das Urteil auf und entschied, daß die im Vorgehen der Polizei am 8. März 1969 liegende polizeiliche Berfügung«ufguhcben sei. Gründe: Nach g 7 des Gesetzes zum Schutze tzer persönliche� Freiheit sei ejn Einbringen in eine Woh- fiung Rur iauf Trund' einer amilichen BefuMiS gestailck. Diese stehe der Polizei genau im selben Rahmen zu. durch den ihre Tätigkeit überhaupt begrenzt sei, nämlich im Rahmen des § 10 II, 17 des Allgemeinen Landrechts. Wenn einer Person eine Gefahr drohe, könne sie also in eine Wohnung eindringen. Diese Gefahr habe hier die Polizei in einer Freiheitsberaubung gefunden. Eine solche liege aber nicht vor. Die Gräfin habe unbeschränkten Anstritt aus der Wohnung gehabt, da der Diener auf ihren Wunsch sofort für sie öffnen muhte. Auch sei es keine Freiheitsberaubung der Gräfin, wenn ihre Verwandten nicht zngclassen wurden. Als Hausherr konnte der Graf diese Verfügung treffen, und auherhalb der Wohnung hätte die Gräfin die Verwandten jederzeit treffen können. Die Aenderuug am Schloß der einen Schlafziinmcrtür sei unerheblich, weil noch ein- zweite Tür nach dem Korridor vorhanden war. Schließlich sei es nicht Sache der Polizei, Assistenz zu leisten für die Herausschaffung der Sachen. Die Frage, ob die Gräfin Sachen herausbringen konnte oder nicht, gehörte lediglich vor das Gericht, wie bei Zwistigkeiten zwischen Vermieter und Mieter. )Zu3 aUer Melt. �ocibringenäe dmvüTenKeif:. Durch einen alkoholischen Exzeß ist in Laudenbach m Baden ein junges Menschenleben vernichtet worden. Mehrere junge Leute veranstalteten am Montag dort in einem Gaslhanse ein W e t t- trinken mitSchnapS. Ein f ü n f z e h n j ä h r i g e r B u r s ch e vertilgte einen Liter Fusel; nach zwei Stunden war er tot. Die Organisationen der klasscubclvnhten Arbeiterjugend haben bisher ihr eifrigstes Bestreben darin gesehen, durch sittliche Hebung ihrer Mitglieder und bildende Vorträge dem Genuß des Fusels entgegenzuwirken. Unseren Herrschenden aber, denen schnapssaufende und siulich vertierte Jünglinge lieber sind als solche. die an ihrer geistigen und körperlichen Schulung arbeiten, haben durch unsinnige Verbote die b e st e h e n d e n Ar- beiterjugendorganisarionen zu vernichten ge- sucht. Fälle, wie der vbengeschilderte, sind die notwendige Folge der Bilduiigsfeindlichkeit unserer herrschenden Klassen. Gebt Raum der freien Entfaltung der Arbeiterjugendorganisalionen und Ihr be- kämpft den Alkoholmißbrauch aus die sicherste Weise. SLitS Meter hoch in den Lüften. In immer gewaltigere Höhen schrauben sich die Aviatiker hinauf. Der Amerikaner Jobnstone hatte erst vor wenigen Tagen den Weltrekord im Höhenfluge mit S823 Meter aufgestellt Am'Montag lluternahm der verwegene Aviatiker mit eine»» verbesserten Wrigtzt- apparat im Belmontpark bei New Aork einen neuen Höhenflug, bei dem er eine Höhe von 0714 Fuß--- 3233 Meter erreichte. Auch der Amerikaner Armstrong D r e x e I auf einem Bleriotäroplan überbot gleichzeitig mit Johnstone den bisherigen Weltrekord. Er ging bis in eine Höhe von 2326 Meter hinauf. Unter dem enthusiastischen Beifallsrufen der Besucher des Flugfeldes landeten die beiden kühnen Piloten wohlbehalten auf dem Plahe. Aus Seenot gerettet. Während eines schweren Sturmes scheiterte am Dienstag der deutsche Leichter„Johanna" an der Nordsvitze der Helgoländer Düne. Die drei Insassen des Schiffes wurden durch das Rettungsboot der Station Helgoland des deutschen Vereins zur Rettung Schiffbrüchiger wohlbehalten an Land gebracht. » Die Sturmwarmingen, die von der deutschen Seewarte in Hamburg den Küstensigualstalioiien und Hafenämtern zugehen und dort durch Hissen bestimmter Signale allen Schiffen und Fischereifahrzeugen mitgeteilt lverden, erfüllen nur teilweise ihren Zweck, da sie naturgemäß nur den im Hafen oder in Sichtweite der Signalstationen befindlichen Schiffen und Fahrzeugen, nicht aber den ans hoher See befindlichen, bekannt werden. Vom 1. November d. I. ab soll daher auch die Fnnkentelegraphie in den Dien st der Wetter Nachrichten gestellt werden, und man darf mit Recht hoffen, daß diese neue Einrichtung besonders unserer Hochseefischerei zugute komyrt. Mit seinem Schiff in den Tod gegangen. Auf der Hälfte des WegeS zwischen Havanna und Florida wurde am 17. Oktober der Segler„HolliSwood" vom Sturm seiner Masten beraubt und den, Sinken nahe von dem norwegischen Schiff„Harald" angetroffen, der die Besatzung des Seglers aus- »ahn,. Bald darauf bemerkte man, daß der Kapitän an Bord gebliebe» war. Der„Harald" kehrte zu dem Segler zurück und forderte den Kapitän Walls auf, ebenfalls an Bord des „Harald" zu kommen. Dieser erklärte jedoch, er sei jetzt SO Jahre aus den, Meere, und e s wäre ih n, unmöglich, ein Schiff, dessen Koinmando ihm übertragen sei. zu der- lassen. Wenn der Segler untergehe, so gehe er eben mit ihm unter. Er bat seine Besatzung, seiner Frau seine letzte». Grüße zu überbringen. Da sich der Kapitän zu einem anderen Eni- schluß nicht bewegen ließ, so verfolgte der„Harald" seine Route weiter. Der Segler ist wahrscheinlich wenige Stunden später unter- gegangen._ Skaatöstützen. Wie ei» Telegramm ans K a t t o w i tz meldet, wurden in einem benachbarten galizischen Orte zwölf hoheBeamte, darunter vier Landräte, verhaftet. Die Verhaftete» haben den Fiskus dadurch um Millionen geschädigt, daß sie für auszu- führende staatliche Bauten vorher von Maklern bedeutende Terrains ankauften und dann später mit erheblichem Aufschlage an den Staat wieder verkauften____ Kleine Notizen. Ein dreizehnjähriges Mädchen ermordet. In einem Walde nahe bei Schönau in SÄlcsten wurde gestern die 13jährige Tochter des Maurers G a h l ermordet aufgesunden. Das Mädchen war von seinen Eltern ausgeschickt worden, um Einkäufe zu machen. Der unbekannte Täter hat das Mädchen erdrosselt und ihm dann den Hals durchschnitten. Selbstmord eines Defrinidmiten. Der flüchtige Dresdener Prokurist Wa llbieuer, über dessen Veruntreuungen in Höhe von 100 000 Mark wir berichteten, ist in seine Dresdener Wohnung zurückgekehrt und hat sich dort in Abwesenheit seiner Frau mit Kohlenoxydgas vergiftet. Ein schweres Unglück hat sich gestern ans der belgischen Eisenbahn» station L nitre zugetragen. Ein Zug fuhr infolge falscher Weichen- stellung einem anderen Zuge in die Flanke. Eine Person wurde da- durch getötet, eine schwer verletzt. Mehrere Reisende er- litte» leichtere Verletzungen. Titphnscpidcmic. Nach einer Meldung aus Wien ist in einer dortigen Garnison der TyphuS unter den Soldaten ausgebrochen. Die Epidemie hat auf die Stadt übergegriffen. Mehrere Personen sollen bereits gestorben sein. Unwetter in Süd-Frankreich. Nach Meldungen ans Privas sind die Wasserläufe in, Departement Ardöche infolge eines heftigen Gclvitters stark angeschwollen Und haben an zahlreichen Orten d i e Landstraßen und Eisenbahnen unpassierbar ge- n, acht. Der Schaden ist beträchtlich. Wie aus Nimes berichtet wird, sind Rhone und Gard an vielen Stellen über die Ufer getreten. Eine schwere Explosion ereignete sich gestern in der französischen Hafenstadl Loricnr. Durch einen Kurzschluß entzündeten sich in einem Marincmagazin Pnlvervorräte, die mit großer Gewalt explodierten. Das Dach des Gebäudes wurde vollständig ab- gehoben. Ein Arbeiter, der in dem Magazin beschäftigt war, erlitt so schwere Verletz nn gen, daß er ans dem Transport nach dem Krankenhause starb. 6inc?eganchän schleppend, Prelle wenig verändert. Butter und Knie: Geschäft ruhig, Pvciic unverändert. G c m ü i e, O b Mittwoch, den 2. November, nach- [mittag» 4 Uhr, von der Leichen- [halle des des neuen Pauls-Kirch- 1 [ Hofes in Plötzensee au» statt. 27/18 J Infolge Unglücksfalle» verstarb am 28. Oktober 1910 unser lieber Kollege, der Lohgerber �äolk Igler. Sein biederer Cbaraktcr sowie stklS solidarisches Verhalten sichern ihm ein ehrendes Andenke». Die Kollegen der G. Röselcrfcheu Lederfabrik. Die Beerdigung sindel DonnerS- tag nachmittag 4 Uhr von der Halle FriedrichSsclde aus stait, -Paletots.-Phjacks,-Joppe». 800 Stück, zurückgesetzt, direkt in Fabrik, hoher Lteinweg 15 III, Ecke Königstr.* Danksaguug. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Kranz- spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Bc- tcillgten meinen herzlichsten Dank. 15822 Cäeilie Binder. Danksagnng. Für die herzliche Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes tioorzr Vt'illnwclt sage ich den Herren Chess der Firma Heimich Schncidcmühl sowie allen Angestellten dieser Firma, serner den» Transportarbeiter« Verband, alle» Kollegen, Bekannlen, Verwandten so- wie sämtlichen Mietern des Hauses Friedrich-Wilhcimstr. 31 ineineil herz- Uchitc» Dank. Temt'cihos, 31, Oktober 1910. BSitwe Marie Willuweit. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben MainieS, unseres guten Vaters sagen wir alle», Freunden und Bekannten sowie den Kollegen, dem Sirbeiter-Gesangverein Lichtenberg und dem sozialdemotra- tischen Wahlvcrein Lichtenberg unfern besten Dank, 1657b Die trauernden Hinterbliebenen Witwe Oaklmaim und Kinder. teiiYereiü Frieteü 11. Ifoig. Eingetragene Genossenschaft mit beschr. Haftpflicht In Liquiiiation. General-Versammlung am Donnerstag, den 10. November, abends 9 Uhr. im Lokal von Mechelke, Prinz-Handjerystr. 60/61. Tagesordnung: 1. Vorlegung der Bilanz vom 1. Juli und Entlastung der Liquidatoren, 2. Beichlufisaisung über die� Ver- teilung des vorhandenen Vermögens. 3. BcjchliiBjajjung über die Aus- bcwahrung der Bücher und Schriste». Die Liquidatoren. Gottfried Döring. Otto Meyer. Ewald Güntber. 107/8 MiWWsl'Ziiei'iüzM ! Oxts-Lr-Aiktoliange il. Gesch.: BeriinW., Möhren-[ Straße 37a(2. Haus von der j Jonisalaniep StraBo). Iii. Gesch.: Berlin NO., Grelle Frankfurt. Str. IIS(2. Haus| von der AndreasstraSe). [ Sohrar.Ausw.fert. Kleider,| | Hüte, Handschuhe, Schleier| ietc. v. einfachsten bis zum a | hoehelegant.Genre z. äußerst J niedrigen Preisen. Sonder-Abteilung: nuliaiifcrtigiingi in 10 bis 12 Stunden. Gegründet 1884 lÄ waren. Engros— Export. 8. Schlesinger, Neue königstr. Hl (Ordonnanzhaus) Kein C.ndeu II. 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Heute Mittwoch, Ä. November» bei Waldt, Pflugstr. 5: VerimsnLmsMr-l'ersmlnng. y h In Sek«seil ssgiiZüidA-Äsclle Vorikaul lfir tstltesise ist« ststtis str rogstärait?roisg wslMsiZG dißlsgsr. piüslllimZntsl kLLws'mad.�usMi'. 1. d.8Mnst. Musneen Kostüms stsuestek' �ods. psletots«nzl. Sri, FraucnmXniel, Jarkoltt, fruu. gern. Klolder. Kosiarrröck«, Blusen. P@i�-iC®8ifeScli©n Lnfai.Q'. v. 8, Ii, 10, 25, 88.-49, 72, 90 usw.. b. 800 früher Teil 15, 20, iJU, 50, SO, 120 bis 700. .."rÄ Weite Frössen!n nil. Preislagen Westmann Mohrenclrasse S7a 1 parterre! Gr. Trankfurter Str. t15 nabo Jerusalemer btr,| l. Kineo J nahe Andreasstrasse. Trauer-�iestmann JSih. Sonder Ahtrilung titr sobrvnrae JMÜii, Hypotheken. Pläne gratis. Vee-<\ käufer ständig am Bhf. Zepernick.<> J. Kieger, Berlin, Contardftr. 5. j| §99——C9999—*9—& i i Pol von Dr. med. Schaper vom 1. November ab vorlegt nach Prinzcnstr. 64. Dienstag, Donnerstag. 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Dtzr Ä?» gnlerqtenteil vWgvtwZ Th.Gl0ltk.Verltn. Druck u.Berlktg:Bsrwärtt ßvllSdrucker.««. Berlagsanftattz Mul Singer&\So„ Äerlin SW, flr. 257. 27. Iahrgaug. 2. DeilM des.Awlirls" Kttlim NxldsdlR Mitilvoch. 2. November l9w. ?Zus IncUiftrie und f)andcL Revision des deutsch-portugiesischen Handelsvertrages? Die neue portugiesische Regierung hat die Erklärung abgegeben, dasi sie die sämtlichen bestehenden internationalen Verträge Portugals anerkennen werde. Dazu schreibt der Handelsvertragsverein: Diese Anerkennung wird sich natürlich auch auf den mit dem 6. Juni dieses Jahres in Kraft getretenen deutsch- portugiesischen Handelsvertrag erstrecken. Bietet dieser doch Portugal infolge der vorbehaltlosen Einräumung der deutschen Meistbegünstigung austerordentliche Vorteile, die sich schon jetzt in einer er- heblichen Steigerung der portugiesischen Einsuhr(besonders in Wein, Sardinen, Ananas, Wachs"usw.) bemerkbar machen. Da- gegen hat sich an den Absatzbedingungen der deutschen Ansstihr— abgesehen von den wenigen und unerheblichen Verlragszöllen, an denen wir infolge der Meistbegünstigung teilnehmen— vor- läusig nichts geändert. Darum kann auch die Gestaltung der deutschen Ausfuhr nach Portugal nicht alS Wirkung des neuen Vertrages angesprochen werden. Dazu wird man erst dann berechtigt sein, wenn Portugal seinen Zolltarif in hochschutzzöllueri- stbcm Sinne ändern sollte und damit die vertragliche Festlegung einer Höchstgrenze portugiesischer Zölle zur Wirkung gelangt. Es fragt sich aber, ob Portugal eine solche Tarifändcrung nach der Revolution noch vornehinen wird? Denn die neue Re- gierung befindet sich in scharfem Gegensatz zu den in- dustriellen Hochschutzzöllnern und hat— Iva? noch kaum beachtet worden ist— in ihrem Programm ausgesprochen, dost die künftige portugiesische Handelspolitik sich in freihält dlerischcr Richtung bewegen soll. Demnach wäre zu erwarten, dost der Zolltarif in absehbarer Zeit statt nach oben, nach unten revidiert wird. Damit entfiele aber die wesentlich ste Voraus- setzung, auf der der deutsch. portugiesische Ver- trag beruht. Von deutscher Seite hat man neben der gegen- seitigen Einräumung der Meistbegünstigung vor allen Dingen darauf Wert gelegt, die deutsche Ausfuhr nach Möglichkeit vor der drohenden Erhöhung der portugiesischen Sckmtzzolle zu sickern und diese in gewissen Grenzen zu halten. Zu diesem Zweck ist ein groster Teil des bisherigen, schon sehr hohen Tarifs gebunden worden und austerdem eine graste Anzahl von Zöllen— die durch- weg erheblich höher sind als die jetzt in Gelrung befindlichen— für die Dauer des Vertrages festgelegt worden, über die daher Portugal bei einer Tarifrevision gegenüber Deutsch- land nicht hinausgehen darf. Führt nun die portugiesische Re- gierung ihr freibändlerijcheS Programm aus, so sind gerade diese Bestimmungen, die für Deutschland den Hauprinhalt des Ver- träges ausmachen, ganz gegenstandslos. Ja, sie dürften geradezu nachteilig sein, denn infolge ihres hockschlitzzöllnerischcn Charakters könnten sie für die freihandelfrcundliche Regiciung leicht ein Hindernis für einen autonomen Abbau der portugiesischen Zollmauern bilden. Und einen solchen Abbau muß die Regierung schon um ihrer Selbsterhaltung willen in absehbarer Zeit vornehmen, um einerseits durch Bekänipfung der aiistergewöhnlichen Ver- tcuerung aller Lebensmittel, andererseits durch Förderung der portugiesischen Ausfuhr sich die notwendige Popularität zu sichern. Schon die bisherigen ergebnislosen Vertrags- Verhandlungen Portugals mit England und Frankreick haben deutlich gezeigt, dast auf der Grundlage des jetzigen deutsch-portugiesifchen Vertrages weitere günstige Handelsverträge für Portugal nicht ab- zuschliesten sind, dast vielmehr Portugal weitere Vorteile für seinen Export erst dann erlangen kann— vielleicht auch gegenüber Deutsch- land— wenn es seinen übertriebenen Schutzzoll wesentlich herab- setzt. Darum liegt eine baldige und gründliche Revision dieses rin- glücklichen Vertrage? auch im wohlverstandenen Interesse Portugals. Für Deutschland dürste ein Antrag auf Revision des Vertrages unter diesen Umständen ohne Bedenken sein, wird doch dadurch der portugiesischen Regierung ein erwünschter Anlast geboten, ihre frei- händlerischen Tendenzen in die Praxis zu überführen. Protestversaiitmlung gegen das Hcfeshndikat. Die„Freie Ver- einrgung der Bäckerincistcr von Berlin und Umgegend„beruft auf heute nachmittag 5 Uhr nach dem„Königstädtijchen Kasino", Holz- marktstrastc. Ecke Alexanderstraste, eine Prolestversanimlung gegen die Machinationen des Hefesyndikats und die beabsichtigte Zwangs- innung. Steigende Schiffahrtssubventioncn. Die sich immer weiter verschärfende Abschliestungspolitik kommt auch in den steigenden Lasten zum Ausdruck, die die ein- zelncn Staaten durch Gewährung von Schiffahrtssubventionen auf sich nehmen. Im Hinblick auf diese Tatsache dürfte das Urteil von Interesse sein, welches der Verein Hamburger Reeder in seinem Jahresbericht für das Jahr IgTO-ISIll über diese Bestrebungen fällt. Tort ist gesagt:„Die Schiffahrtssubvcntionspolitik der fremden Nationen hat im Berichtsjahre eine weitere Steigerung erfahren. Das neue spanische Schisfahrtsgesetz, welches die fremde Schiffahrt vom 1. Januar 1911 ab mit recht erheblichen Abgaben belegt, enthält Bestimmungen über die Subbeutionierung der em- heimischen Schiffahrt und des Schiffbaues, die man geradezu als die Beschaffung von Schiffen und eine dauernde Bestreitung eines Teils der Betriebskosten zu Lasten des Staates bezeichnen kann. Ebenso bedeutet die Neuordnung der italienischen Subvcntions- Politik eine weitere Befestigung dieses Systems. In Oesterreich harrt ein neues Gesetz seiner parlamentarischen Erledigung, welches auch für die südamerikafahrt eine bedeutende Staats- Unterstützung in Aussicht stellt. Der neue Subventionsvcrtrag der französischen Regierung mit den Messagcries Maritimes, der einer teilweisen Verstaatlichung der genannten Reederei gleichkommt, ist zivar noch nicht angenommen, aber nur deswegen, weil auch andere französische Reedereien sich nicht mit den laufenden Schiffahrtsprämien zufrieden gebe» wollen, vielmehr eine direkte Subven- tionierung erstreben. Eine Unterstützung der Schiffahrt mit Staatsmitteln ist auch in Belgien üblich geworden. Ebenso werden neuerdings in Rnstland, Norwegen und den Vereinigten Staaten gesetzliche Maßnahmen mit dem Ziele einer Suüvcntionierung der Schiffahrt betrieben. Diese'im letzten Jahre verzeichneten Fort- schritte der Schiffahrtssubsidienpolitik zeigen, daß die fremden Schiffahrtsnationen sich in dieser Beziehung mehr und mehr zu überbieten bestrebt sind. Damit entsteht die große Gefahr, daß die jetzige Lage der Schiffahrt, die auf eine allzu rasche Ver- mehrung der Tonnage zurückzuführen ist, mit künstlichen Mitteln noch weiter verschlechtert wird. Di« Regierungen der interessierten Nationen, namentlich unsere Reichsregicrung, sollten daher dem schon wiederholt geäußerten Gedanken nähertreten, daß eine all- mähliche Beseitigung der Schiffahrtssubventioncn im Interesse einer gesunden Entwickclung der Welischiffahrt dringend erforder- lich und auf dem Wege internationaler Abkommen sicher- zustellen ist."_ Hub der Frauenbewegung. Die Prostitution in der Mandschurei. Tie„Petersburger Zeitung" schreibt über die Prostitution in der Nord-Mandsckurei u. a. folgendes: Nur in einem Unternehmen sind und bleiben die Japaner überlegene Konkurrenten, das ist die Er- Haltung öffentlicher Häuser. Unbegreiflich, wo nur Japan diese Legionen Prostituierter, die den ganzen Orient überschwemmen, her« nimmt. In Charbin allein, wo die Gesamtzahl der Japaner kaum über ein paar Tausend reicht, sind 78 japanische Prostituierte registriert bei 76 europäischen. An der Bahnlinie gibt es selbst auf kleinen Stationen, wo man keine europäischen Prostituierten findet, japanische öffentliche Häuser. Die japanischen Prostituierten sind junge, heitere Personen von meist sympathiickem Aeußeren. Sie sind fast alle des Lesens und Schreibens kundig und lieben es, anSführlicke Tagebücher zu führen. Die Besitzer dieser Häuser gehören vielfach den gebildeten Ständen an; nichts Ungewöhnliches ist es, unter ihnen Stabsoffiziere anzutreffen. Auck scheint es keineswegs anstößig zu sein, wenn hochgestellte Be« amte ganz öffentlich mitten am Tage diese Häuser besuchen i an Orten, wo es keine japanischen Gasthänscr gibt, sieht man diese Herren in öffentlichen Häusern absteigen. Im übrigen muß bemerkt werden, daß alle größeren Häuser Gemache besitzen, die mehr oder weniger getrennt von der öffentlichen Wirtschaft als geweihte Räume dazu dienen, vornehnic Gäste aufzunehmen. Auch an Re- ligiosität fehlt eS in solchen Häusern nicht, Wanderpricster halten hier Gottesdienst ab: es wird inbrünsttg gebetet für ein gutes Geschäft. Europäische Sanltätsärzte, deren Kontrolle die Häuser unterliegen, erhalten zum neuen Jahre Einladungen, mit ihrer Familie diese Häuser vormittags zu besuchen. In den geweihten Räumen läßt man es bei dieser Gelegenheit nickt an gastfreundlicher Bewirtimg fehlen. Der Leiter des Prostituiertenhospitals ist voll deS Lobes über den sklavischen Gehorsam, der japanischen Patientinnen. Bei alledem ist wiederholt festgestellt worden, daß diese öffentlichen Häuser eine ganze Anzahl geheimer Prostituierter beherbergen und, obwohl die Personen krank sind, zum Verkehr zulassen. Viele Kinder« Wärterinnen entstammen aus den öffentlichen Häusern: sie wechseln den— Berus, wenn sie körperlich sich müde fühlen, oder weil daS Geschäft iin öffentlichen Hause ihnen weniger einträgt, als die hohe Gage 20—25 Rubel monatlich! Außerdem sollen diese Häuser in weitgehendem Maße Bureaus darstellen, die sich mit Spionage und Wirischaftsbedingimgen des Rayons beschäftigen; sie stehen sowohl nntereinander als auch mit ihren Konsulaten in regem Konnex. In Kuantschendrö trug ein solches Haus die charakteristische Aus- schrift„Japanischer Patriotischer Verein" in japanischen Hyroglyphen. Versammlungen— Veranstaltungen. Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Mittwoch, den 2. November. 8'/z Uhr, im Englischen Garten, Alcxanderstr. 270: Vortrag:„Aus dem öffentliche» Leben Amerikas". Referent: Max Schippet. Gäste, Männer und Frauen, willkommen. Sonntag, den 6. November, nachmittags S1/» Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstr. 85: Einleiteuder" Vortrag für die drei Beethoven-Konzerte. Herr Dr. Leichtentritt spricht über das Thema:„Das Leben und Schaffen Ludwig van Beethovens". Eintritt frei. Billetts a SV Pf. für die Konzerte sind zu haben im Verein, bei Frau Klotzsch, Fichtestr. 1, Frau Kühler. Schreiner« straße 58, Frau Jordan, Lübecker Str. 43, Frau Kulicke, Prinzen« ftraße 162, und im Zigarrenladen von Harsch, Gewerkjchasts« haus. DaS erste Konzert findet Sonntag, den 13. November, im Blüthner-Saal, Lützowstr. 76, nachmittags 3� Uhr statt. Am 8. November besichtigt der Verein das Kinderasyl in der Kürassierstr. 22. Treffpunkt ali3 Uhr Ecke Oranien- und Kürassier» straße.(Nur für Mitglieder und Angehörige.) Stralau. Montag, den 7. November. Sljä Uhr, in den Markgrafen« sälen, Markgrafendamm 34: vffenüiche Fraucnversammlung. Vortrag:„Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen." Frau Frida Wulss-Berlin.— Hierzu Sonntag, den 6. November: Flugblattverbreituug von den bekannten Stellen. :;OOOOOOOOOOOOOCX)CX)OOOO�OOOCDOOOOOOOOOOOOOOCCD Ulster° Paletots° Pelze Neue Formen nach englischen Modellen □ Modernste Machart. Deutsche und englische Stoffe letzter Mode □ Eigene Fabrik. English Ulster newest fashion d Gnglish Ulstering tatest style. 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MMMWi-fM und dcrtvandte» Gewerbe. In der Tagesordnung der gc- »irinschaftlichcn Versammlung inug es heincu: 1, Wahl von 3 Revisoren zur Vor- Vriisung der Jahresrechnuug siir 19!0(nicht 1SIK, wie lnsolge eines Druckfehlers in Nr, 255 au lesen). Dr.Simmel Spezial-Arzt für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, 10—2, 5— 7. Sonntags 10—12, 2— 4 Wir empfehlen» Arbeiter- GesmibheitsbibtilitheK Heft 11. Friiiiciilcibeii». deren Ncrhiiti!«!!. Nebst einem Anhang: Tie Verhütung der Schwangerschaft. Von Idr. J. Zndek. Preis SO Pf, peiiitiliii des„Vorwärts", Berlin SW. Gute Ausgabe 50 Ps, Llnilenstp. KS. Laden. □□□ DDD □ □□U: Theater und Vergnügungen nun DÖO □□□ Mittwoch, 2, November. Ansang T/s Uhr. Neues köiligt. Operu-Thcatcr. Das Nhringold, Köuigl. Schauspielhaus. Der KrnmpnS, Teurschcs. SommernachlStraum, K a in m« r s p i e l e. Der Arzt am Scheidewege.(Ansang 8 Uhr.) Ansang 3 Uhr. Lessing. Wenn der junge Wein blüht. Verliner. Die törichte Jungfrau. Triano». Der heilige Hain. Neues Schanipieibaus. Ueber unsere Straft. 1. Teil. Neues. Schauspieler des Kaisers. Abschied vom Regiment. Momtiche Qpcr. Hostmanns Er- Zählungen. Residenz. Xodlsaso oblige. Kleines. Die verflixten Frauen« zimmer. Erster Klasse. Thalia. Polnische Wirtschast. Schiller«». nmiU»«- Idealer.) Robert und Bertram. Schn-'i Gliarlottenburg. Der Dummkopf. Friedrich- Wilhelinstädtisches. Krieg im Frieden. Westen. Die schönste Frau. ReucS Ovcretteu. Der Gras von Luxemburg. Lnftsplelhau». Der Feldherrn- Hügel. Luisen. Berlin geht zu Bett. VolkSopcr. Der Freischütz.(Ansang 8'/, Uhr.) Modernes. Der Moloch. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbysieger. Roie. Verschwörung der Frauen. FolicS tkaprice. Der Feldwebel- Hügel(Anfang 8'/, Uhr.) Mctrvuol. Hurra— Wir leben noch I Kasino. Der schneidig« Rudolf. Apollo. Spezialitäten. lvaiiaa«. Spezialitäten. ReichsbaNrn. Steltiner Sänger. Wathalla. Bravo I Da capo l(An- sang 8>/, Uhr.) Wintergarten. Spezialitäten. Karl Haverlanb. Spezialitäten. Sanssouci. Ach, die Kerls! Spezialitäten.(Ans. 8'/, Uhr.) Urania. Tanneniiraste iHiiil. 8 Uhr: Professor Dr. PH. Bocken- hcimer: Erinnerungen an meine Reise„Rund um Asien" im Jahre 1908. Im Hörsaal 8 Uhr: Chemiker P. Bartel: Herstcllimgvon Stein- gut, Steinzeug und Porzellan. 9. November: Beginn eines Zyklus über Heizung und Beleuchtung (Dr. Börnstein). Prospekt losten- los. eti'rniiinrtc. Jnvalid.nstr. 57—62 Lessing-Theater. 8 Uhr; Wenn der jung« Wein blüht. Donnerst. 8 Uhr: Tantris d. Narr. öerüner Tkeater. AbcndS 8 Uhr: Die tUrlchto Jnnsfraa. Morgen: Der scharfe Junker. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Ferdinand Bonn als Gast. Die Schauspieler d.Mtisers. Hieraus: Abschied vom Regiment. Donnerstag bis Sonnlag: Kean. (F. Bonn als Gast.)__ Theater des Westens. Ansang 8 Uhr. Die MchOnate Frau. Sonnt. 3>/,U.: Die geschieiienfl Frau. Modernes Theater (früher Hebbeltheater). Heute und täglich 8 Uhr: DI« dont« der Frauen. Rssidenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Noblesse obüge. Echkbllnk in 3 Alten von tzcnnequin und Vebcr. Lustspielhaus. Abends 8 Uhr: Der Feldlserrn hugel. Friedrich-Wilheimstadtisches Schauspielhaus. Mittwoch, den 2. Nov., abends 3 Uhr: �» u 8 t. >. Slassiker-Borstellung zu Volkstum- lichcn Preisen. Donnerstag: Krieg im Frieden. Freitag: Krieg im Frieden._ Berliner Volksoper Belle-Allianccstr. 7/8. '/s9 Uhr: Der Freischütz. DR'«»»»!». �VisssnsdrsiÜidies Theater Taubenstraße 48/49. Heuto abend 8 Uhr: Professor Dr. Ph. Bockenheimer: Erinnerungen an meine Reise„Rund um flsion" im Jalire 1908. Hörsaal 8 Uhr: Chemiker P. Bartel: Herstellung von Steingut, Sielnzoug u. Porzellan. 9. November: Beginn eines Zyklus über Heizung und Beleuchtung (Dr. Börnstein). _ Prospekt kostenlos._ Luisen-Theater. WendS 8 Uhr: Verlin geht zu Bett. Donnerstag: Berlin geht zu Bett. Freitag: Der Hüttenbesiyer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Die Schwanenprinzesstn. 3 Uhr: Kean. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hütten- besitzer. 8 Uhr: Preziosa. Montag: Der Fähnrich im Kloster. IOSE=Tf{EATE JScIililer' Schiller-Theater 0.(Wallncr-Theal). Mittwoch, abends 8 Uhr: Robert und Bertrnm. Posse mit Gesang in 4 Abteilungen von Gustav Raeder. Ende lO*/, Uhr. Donnerstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Da» Urbild de» TartälfF. Freitag, abends 6 Uhr: Robert und Bertram. Theater. Schiller-Theater Charloltenburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der DnmmKojtf. Lustspiel in 5 Auszügen v. L. Fulda. Ende KP/« Uhr. Donnerstag, abends 3 Uhr: Kodom» Emde. Freitag, abends 8 Uhr: Der»untinkopf. LICHT» D- K Mozartsaal O O SPIELE Graste Frankfurter Str. 132. Ans. 8 Ubr. Ende 11 Uhr. Die Verschwörung der Frauen. Historisches Schauspiel in 5 Alten von Artur Müller, Donnerstag: DaS neue Gebot. Freitag � Die BerschwörMig der Frauen. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Frau Holle. 8Uhr: Tie Räuber. Iftetropör- Theater. Hurra! Wir leben noch! Große AusstaltungSrevue in 7 Bildern o. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Uhr. Rauchen gestattet. 8chMM Richard Arnhoid. 8 Uhr: Das vMadij neue Prcpirnn. Gaston Colone! Bordeverry, Der berühmteRte Knimt- »elititxe der Welt. WalterSteiner? Juliette d'Arte? 10 Uhr: ftllzzi Wirth in ihrer Operette»> Novität Fralienrt»t»el.'T&Q Neues Programm! Lafory, 1 Bremonval, v.d.gr. Oper Paris.| Etoilo Paria. Lillian Herlein, amerik. Oper.-Säng. Edward La Vine, kom. Jonglour. The Gala-girls, engl. Tanz-Ensembl. Haidens Marionetlen-Theator, The Jordans, Luft-Act. Harry de Coe, Bquilibrist. luigiMarabinj. Kismod. Kaufmanns Lady Cycle-Troupe. Silbons Katzonibressur-Act. Les Marquardts in ihrer Szene: Im Walzertraum. Reynolds and Donegan, Tänzerpaar in roll. Rollschun-Meis torsohaft. Biograph, neueste Aufnahmen. Passage-Tlieater. Garlands ( bpo -ki «.das groScAttraktiofls-Progr. SO SoloUrane Tidin. Tfadfexe Jean Tlorcuu Qlima- Sport-Konkurrenz» Glinia-kingon-Boxen> » 1 HS« k-?i MrmislhtS Lndjkn über Gine verlorene Dacht Ein luftiger Trauersall in 2 Akten von Anton und Donat Hcrrnseld. Hierzu: Dtt Akrdlj-Sikgtr. Komödie von A. Rcidhardt. Ans. 8 Uhr. Porverk. U-S(Theatrrk.). Lichtenberg Frankf. Chaussee 5. Adler SjQT* Jeden Mittwoch: Gr. humor. Soiree der sllrenomin. beliebten Leipziger Sanger ehsm. Mitglieder der„KuBe-Zimmermann Leipziger Sänger" Herren Meusol, ftcke, Sennhötcr, Held, Werner, Stephan und Robin. Modern. Dezent. 1 Kach der Vorstellung: Stets wechselndes Programm.| Tanzkranzchen. Anfang 8 Uhr. Vorzugskarten haben fetiltlgkelt. � Kurfürstendamm 151 Heute, 2. November, nachmittags 4 Uhr: Kinderfest und Sugend- Wettspiele. — Verteilung entzückender Preise. 1■ Eintragungen werden angenommen bis zu Beginn des Festes. CLOÜ Mauerstr. 82 Zlmmarstr. 98—91 Berliner Täglich 8 Uhr abends Eintritt 1 Mark Gastspiel v. Mitgl. d. Mailänder Seala- Orchesters 66 Künstler. Dirig.: Egisto Tango 16 Solisten. Nachmittags 4—7 Uhr: Großes Promenaden-Konzert Stritt"1 |Passaye- Panoptikum. Prinz Atom, | der kleinste Mensch aller Zeiten lebend I J Buddhas dunkles Oeheimnis. |Der Mann mit dem eisernen Schlund! | Alles ohne Extra-Entree! Eintr.50 PI., Kind. u. Soldaten 15 Pf. AU-TIoablt 47/48. Donnerstag, den 3. November 1910: Novität! Novität l lm Lake Noblesse. Spitzbubenkomödie in drei Auszügen von C. Sd)ülcr. Kasscneröstu. 7 Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung Tanz, Heute Mittwoch, 2. November, abends 7>/, Uhr: Bie kotalEPaiitoiiüe: 9'/5 Uhr:"TBE Der große Coup der Schmuggler Vorher: Die peMe Cruppe Mirza Golem 12 Personen sowie die iilirip Spezialifc Alexaaöerplalz Unter den Linden 21 Wedding (Eeinickendorfer Straße 14) Neu erölfnat; Hasenheide (Union-Brauerei). U. T. 1. Hochbahnstation Kottbuser Tor. Mittwoch, den 3. November: Ach Vit Kerls!! Berliner Posse, Musik o. Sinödshoser. Vorher: NovmIia-IMsM- Spezialitäten.. Ansang 8J/« Uhr._ ßeicilsliailen-Thealer. Stettiner Sanger. ..Im Maiiseloeh SKUit. Humor, o. MeyseL Ansang wochentags 8 Uhr Sonntagt 7 Uhr. ........... Wohin? Y Casirco-Theater Lothringer Straße 37. Täglich 8 Uhr. Nur bis Freitag, den 25. November: Der schutidige Rudolf. Ab Lennadeiid. den 26. November: Das Original Berliner Voitsstück Julie Wippehen. Sonnt. 3'/, Uhr: Berbiimte Tächter. Zirkus Busch.! Mittwach, den 2. November, abends 71/, Uhr; Wiederholung der großen Premiercnvorsteliung. Gastspie! fies iier. Dresseurs Herrn Dir. Pierre Ältlioff mit seinen OO dress. Pferden. I Neu! Elisabeth v. Dynar, Sohul- j reiterin, mit ihren eigenen 1 Schulpforden. Neu I Die de- f rühmte Hadfalsrorfrun. Klein. Ferner die Frcdianis, Heiter- 1 familie.— Die urkomischen[ Fratellinfs.? Kita? Max Marzelll, ilanegokomiker. Um 9'/, Uhr, zum 52. Male: „VENEZ1A" Vorher das gr. Gala-Prcgram Folies CaprieeT AbcndS 8 Ubr: Der FtldmbrWgtl Ein Aft in Schnurren von Hengstier und Soda Soda. Itnntvr' Toll. Itetol zu t* Jnnjrfran. Touriiienposte von Satyr. VolFt-T'heiTtSr Gesundbriumen, Badstraste 58. Mittwoch, den 2. November 1910 Em Kind des GHidtf. Original-Eharakter-Lustlpic! In 5 Akte» von Charlotte Birch-Pscister. Kastenöffnung 7 Uhr, Slnsang 8 Uhr. "WsWg-Miss Weinbergsweg 19/20.(Rosenth. Tor.) Slnfaiig 8-/« Uhr. Lrsvo! Da capo! Eine Allerwelfs-Revue in 5 Bildern. Mit den neue» Novembcr-Eiillngcll. Tonntag nachmittags S'/a Uhr: Preziosa in glänzender'Ausstattung. Ermästigte Preise._ Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Der heilige Hain. Königstadt-Kasino. Holzinarklstr. 72, Ecke Alexanderstrab«. Das gänzlich neue Siovcmber» Programm mit Frnnz Sobanski. Emmy Pyrette, Georg Gray, Lotte Lesseg, Anna und Franz Verdier, Egon Fiten, Biitzverwaudlungskünstler. Ein süßes Mädel» Gesangsposse iu 1 Akt, Karl Laverlanä- Ansang VI,»,)»« Kommandanten» präz. 8 Uhr, I iHiUCl.{huste 77/79. Heute: Neues Programm Baargtlieater- Fesisäle und Kinematograph vorm. Groterjan. Jnhab,: Rud. Merz, Tchönhaiiser RUee 139. Tel, 3. 9353. l.obeiidc FhotoKi-aphlen. Eintritt 30 u. 40 Pj,, Kinder dieHäiste. Ans, 7 U,, Sonnt, 4 U. Vorzugskarien, nur wochent. gültig, LS Ps. ans allen Plätzen, TtetS wechs. Programm. 15l, Frankfurter Allee 151. Blcs?»- I-Ichtbilrt- Bühne. Heute neues Programm. «n'mig 6'/. Uhr.— Somiiags 3 Uhr. Lermania-PFaebl-Säle Varl Richter. K., Chanssee-StraBe HO. Heute Mittwoch: Paul ülanttieys lustige Siiigep. Anfang 8 Uhr. Eintritt 8ü Pf. Nachdem: FrobTans. — Vorzugskarten gelten.= Morgen Donnerstag: Großes Tfilitlir-Konzcrt. Für den Inhalt der Juicrat« übernimmt die Redaktion dein Publikum gegenüber ketnerlet Verantwortung. Credit-liauä ,Eellealliaiiceu |oeIleallI»»ico-Str. 100, I. Eta�e. Vor�n Q.Xokel t. Vnlant. Redlnr Erscheint 2 mal «rSchentlich. | Bezugse| aieSSen-Verzeichnis.| UfrtenstehAnde Geschäfte cmBtehfen sich hei Einkäufe:;.: Berliner Credit-Haus 0ap Koramandantenstr. 67."■> Tunnstraße 55, Ecke Waldstr. gewährtJeähtBb. spielend leichter An- u. 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Bad, Stephanstr. 40. Schilier-Bad s�S".. Schönhauser Bad, Schütli. Allee 28. S i I es 5 a sT Viktoria- Bad. Ramnielsb.,Pr.-Älber(3tr.(l. Wühelnosbad�ScNtj� ( gandaaew, Gufflmlw, | K. ßauke, StralaueT�tr1. 56.' i Lange, A. E., Brunnenttr. 167. Meyer, P., Ri., Berlineratr. 49—50. I Peizmann, D., Neue Königstr. SO. Wende, fl., Vt*»3*' f Beerdig.-ilnst., Sarcm.| Burndt.W., i'ii!aiieriiir.;,Efki;.Herjelsl. A. Butti, Zorndorfer Str. 23. MaiFBÖSÄÄuee 170 Galater, M.. Badstr. 62 63. GeorgHeroldt,Oderbergerstr.33. Hiekol, Fr., Gr. Haraburgerst. 37 Kodi,Emil,Weißons©€.K«Big-Ch 76. ß. Lflttcber. PriBieatl 24, IV, 10 880, Misch, 0. 17,Münchebergerstr. 1. MolJt, Fritz, Rixd., Renterplatz. Gust. Nobert, Potsdamerstr. 115a H. Petermeier, Strelitzerstr. 8. Peter-Schley,Wllh.,Zt8sener8tr.n. Rommeck, C., Ri., Hermannst 22. Fritz Settekorn, Elbingerstr. 21. R. St.rk, Widefstr. 2'>. f Hvf«uvki.»Kvv«nst.�� Invaliden-l Str. 164. r�ITcaii.KraJuw.Yiflf.praai.u.arz.l. eaiT IPeronia lAlleinifir.Fabr. 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Das Zentral-Wahlbureau befindet sich am Wahltage im V o l k s h a u s e(Stehbierhalle). Genossen, die sich zu den Wahlarbeiten zur Verfügung stellen, werden gebeten, sich dort von morgens 8 Uhr ab zu melden. Der Borstand. Rixdorf. Heute abend 8 Uhr finden in Hoppe? Festsälen, bei Felsch im„Karlsgarten" und in WolffS Lokal vier öffentliche Äommunalwählerversammlungcn statt. Tagesordnung: Ein letztes Wort an die Wähler. ES referieren die Stadtverordneten: BoeSke, K l o t h, Dr. Silber st ein und W u tz k y. Am Vorabend der Stadtverorduetenwahlen wird Maffenbesuch erwartet. Der Einberufer. Heute abend findet von 7 Uhr ab für die II. Wählerabteilung von den bekannten Lokalen aus die Kuwertverbreitung statt, welche die Wähler dieser Abteilung zur Wahl am 4. November auf- fordert. Das Wahlkomitee. Wilmersdorf. Heute, Mittwochabend 7 Uhr, ist Flugblattver- breitung. Die Parteigenossen und Genossinnen wollen sich vollzählig ein- finden für den 8. und 9. Bezirk bei Schilling, Lauenburger Str. 20, für den 1. Bezirk bei Bonczek, Kurfürstendamm 126 und für den 10. Bezirk bei Fischer, Durlacher Str. 3. Am Donnerstag, wo die Wahlen der dritten Ab» teilung stattfinden, ist es notwendig, daß die Parteigenossen und Genossinnen so zahlreich wie nur möglich sich im Wahlbureau bei Schilling, Lauenburger Str. 20, melden. Das Bureau ist von vormittag 3 Uhr an geöffnet. Boxhagen-RummelSburg. Heute abend 8'/z Uhr findet im Cafe Bellevue, Hauptstraße 2 eine öffentliche Versammlung statt. Genoffe Redakteur Georg Schmidt hält einen Vortrag über:„Der Fall des Sozialistengesetzes"._ Berliner JVacbricbten» Kindcrhilfstag. Der Kampf gegen da« soziale Elend, das auf der großen Masse der Besitzlosen lastet, bleibt noch immer angewiesen auf das be- kannte warme Herz der besitzenden Klaffe. Was dem Hilfsbedürftigen der Staat und die Gemeinden versagen, das sollen ihm ersetzen die vielgepriesenen Werke der Nächstenliebe, an denen all' die gemein- nützigen und wohltätigen Vereinigungen sich versuchen. Aber diese sich so nennende freie Liebestätigkeit, die dem Bedrängten helfen zu können meint, ist selber hilflos gegenüber der Größe des Elends, dem da gewehrt werden müßte. Alles, was sie leistet, ist nur kläglicher Notbehelf, ein winzig Tröpflein, daS auf einem heißen Stein wirkungslos verzischt. Selbst die besten Absichren, mehr zu tun, scheitern an dem Mangel des Nötig st en, des Geldes. Man kennt die Schwierigkeiten, mit denen die meiste» dieser Vereinigungen jahraus jahrein sich plagen müssen, um nur für das Allernotwendigste die erforderlichen Geldsummen zusammenzubringen. Man kennt auch die Mittel, deren so viele Vereine sich bedienen, um die warmen Herzen zur Hergabe ihrer Bettelpfennige zu bewegen. WohltätigkeitS- a m ü s e m e n t S, bei denen es hoch hergehen muß, weil sie sonst keine Zugkraft ausüben und Zahlungsfähige nicht reizen, wiederholen noch immer sich Jahr um Jahr. Doch zu den Ein- nahmen solcher Veranstaltungen und zu den davon abzuziehenden Unkosten steht ihr Reinertrag manchmal in argem Mißverhältnis, so daß für den Kampf gegen das Elend recht wenig herauskommt. Ein Verfahren der Geldbeschaffung. daS als weniger peinlich empfunden wird und dabei mehr Geld bringen soll, wird nächstens in Groß-Berlin versucht werden. Ein Heer von jungen Damen wird an einein bestimmten Tage, Ivahrschciulich Mitte De- zember, durch die Straßen gehen und die Häuser ad klappern, um künstliche Blumen an Reich und Arm zu standesgemäßem Preis gegen ansehnliche oder bescheidene Spenden zu verkaufen. Weil der Ertrag dieser unterschiedslosen Anbettelung der gesamten Bevölkerung den De strebungcn für Säuglingspflege und verwandter Gebiete der Kinder fürsorge zugute kommen soll, wird die Veranstaltung als„Kind er h i l s s t a g" bezeichnet. Der Gedanke, durch eine solche allgemeine Attacke auf die mehr oder minder willigen„Wohltäter" aller Gescllschaftsschichten alle irgend erreichbaren Portemonnaies zu erleichtern, ist nicht mehr so ganz neu. Vor einer Reihe von Jahren kam die Sache in Dänemarks Hauptstadt auf, später wurde sie in einigen deutschen Städten nachgeahmt, und auch Berlin hat schon mal seinen KinderhilfStag gehabt. Jeuer erste Versuch in Berlin, der im Jahre 1905 gemacht wurde, fiel nicht sehr glücklich aus. Diesmal aber soll'S, sagt man, anders angefangen werden und erfolgreicher werden. Die Preußische Landeszentrale für Säuglingsschutz, die ein Mittel- Punkt für die mannigfachen Bestrebungen auf diesem Gebiete ist, hat diesmal die Veranstaltung des Kinderhilfstages in die Hand genommen. Die Form der Anbettelung wird zwar nicht wesentlich anders als bei jenem ersten Berliner KinderhilfStag sein, aber die genannte Zentrale ist einflußreicher und angesehener als der einzelne Mann, der vor fünf Jahren zur Ausführung des Gedankens auf- rief und schon durch die Unbeliebtheit seiner gern im Vordergrund weilenden Person von vornherein Stimmung gegen feinen Kinder- hilfStag machte. Die Zentrale hat überdies die Klugheit gehabt, im voraus sich der P r e s s e zu versichern, indem sie gnädigst Presse- Vertreter zu ratgebeuder Mitwirkung einlud. Sie erlebt es jetzt, daß diesmal die bürgerliche Presse nahezu einmütig die Bedenken, die man vom Standpunkt des SozialpolitikcrS wie des EthikcrS gegen solche Veranstaltungen haben kann und muß, als unerheblich abtut. Hauptsache sei doch, daß Geld einkommt, und daS dürfe man von diesem neuesten KinderhilfStag wohl in Fülle erhoffen. Im Gegensatz hierzu hat ein Kenner der WohltätigkeitS- bestrcbungeu Berlins, Herr Dr. Lcvh, der die auf diesem Gebiet tätige AuSkuuftsstelle der Deutschen Gesellschaft für ethische Kultur leitet, in einem durch die„Vossische Zeitung" veröffentlichten Artikel sich nach wie vor gegen die Idee eines Kinderhilfstages er- klärt. Er führt aus, daß ebenso, wie die Wohltätigkeitsfeste der be- kannten Art, auch diese Kindcrhilsstage, wenn sie vielleicht auch die Kasse füllen können, keineswegs geeignet sind, die Verbreitung und Vertiefung sozialen Ver- stehenS und sozialen Empfindens zu fördern. Man kann freilich fragen, ob überhaupt die besitzende Klasse bei ihren„Werken der Nächstenliebe" in nennenswertem Grade sich von sozialem Empfinden leiten läßt. Wer z. B. beachtet, wie gerade die Säuglingsfürsorge bei unS seit mehreren Jahren plötzlich zur Modesache geworden ist, der muß erkennen, daß � da doch ganz andere Beweggründe den Ausschlag geben. Die �Säuglingspflege wird von„oben" protegiert, das genügt, sie sofort als eine Aufgabe, des Schweißes der— sagen wir— Noblen wert, erscheinen zu lassen. Aber noch schlimmere Motive sind es oft, die das„soziale Empfinden" der besitzenden Klasse zur„freien LiebeS- tätigkeit" anspornen. Diese„freie LiebeStätigkeit" dient als Mittel, die sozialen Schäden zu bemänteln, das Elend der Besitzlosen zu verhüllen, und sie wird dann für Gemeindebehörden und Slaatsregicrung ein Anlaß zu der Meinung, daß zur Beseitigung des Elends„genug geschehe". ES gibt Leute, die es für ganz in der Ordnung halten, daß die besitzende Klaffe den Arbeiter schrankenlos ausbeuten dürfe, und eS schmunzelnd mit ansehen, wie man die Arbeiterklasse in ihrem Kämpf um ihre Wirt- schaftliche Befreiung niederzuknüppeln sucht. Wenn aber für irgend eine WohltäligkeitSveranstaltung der Klingelbeutel umgeht, dann greift auch so mancher sonst so erbarmungslose Ausb eute r in seinen prallen Geldbeutel und opfert auf dem Altar der „werktätigen Liebe" einen ganzen Taler. Wir werden gut daran tun, auch gegenüber dem Kinder- Hilfstag nicht zu vergessen, daß wir— bei all unserer Sympathie für die Bestrebungen des Säuglingsschutzes, dem sein Ertrag zugute kommen soll,— ihn nicht anders als andere WohltätigkeitS- Veranstaltungen zu bewerten haben. Die Hilfe, die er bringen kann, ist ein Nichts gegenüber der Größe des Bedürfnisses, mit den, man es hier zu tun hat. Hier zu helfen ist Aufgabe der Organe der Gesellschaft, eine Aufgabe nicht für Wohltätigkeitsvereine, sondern für Gemeinden und Staat. Aber eben davon will die be- sitzende Klasse nichts hören, trotz ihrem„warmen Herzen". Und eben deshalb bedarf sie des WeiterbcstandeS der«freien LiebeS- tätigkeit", die alle weitergehende Hilfe„überflüssig" macht. Aristokratische Erwcrbsmöglichkciten. ES gibt Leute, die aus allem, wenn cS sein muß, sogar auS Mist Geld machen. Sie sind die Schlauen und leben in der Regel „bon", während der biedere arme Teufel, der sich nur auf seine zehn Finger verläßt, oft genug a», Hungertuch nagen muß. Viel beffer ist es, wenn man das Glück hat, auS blaublütiger Sippe zu stammen, dann hat man noch ganz besondere Erwerbsmöglichkeiten, wie folgendes Inserat aus der Nummer bS2 des„Berliner Tage- blatt" zeigt: Aristokrat, Persönlichkeit mit höchsten Beziehungen, sucht Darlehn von 2000 Vi. Protektion u. Erfüllung v. Wünschen d. mögl. zugesichert. Nur serieuse Reflektanten, jegliche Vermittelung streng verbeten. Off. u. C. B. 604 Exped. d. BlaltcS, Leipziger Straße 103. Der darlehnbedürstige Aristokrat dürste sicher eine Fülle von Zuschriften und Angeboten erhalten, denn cS gibt bei uns eine große Anzahl von Parvenüs, die nach einem Piepmatz oder einem Kommcrzienrotstitel geradezu lechzen. Sie geben das Zehnfache des Gewünschten, um zu ihrem sehnlichsten Ziele zu gelangen, lind da- mit ist beiden Teilen geHolsen und der Aristokrat' kann wieder „standesgemäß" leben und braucht noch nicht einmal, wie andere Leute, seinen Unterhalt mit dem„Brecheisen" zu erwerben. Verkauf des Tcmpclhofcr Feldes und Reichstag. Der bekannte Germanist und Staatsrechtslehre! Paul L a b a n d, der Verfasser der Schrift„Ueber das Budgetrecht nach den Bestimmungen der preußischen Verfassungsurkunde" und über:„Das Fiuauzrccht des Deutschen Reiches", sowie über:„DaS Staatsrecht des Deutschen Reiches", also eine anerkannte Autorität auf diesem Gebiet— hat sich in einem Gutachten über den Vertrag zwischen dem Kriegs- Ministerium und der Gemeinde Tempelhof betreffend den Verkauf des Tcmpelhofer Feldes dahin ausgesprochen, daß dieser Vertrag ohne die Zustimmung des Bundesrates und des Reichstages gesetzlich ungültig ist und angefochten werden kann. Gibt der Reichstag oder Bundesrat feine Genehmigung zu dem Verkauf nicht, dann ist der Vertrag hinfällig und die Veräußerung als verfassungswidrig zu bc- trachten. Die Ausstellung empfehlenswerter Jugcndschriftcn im Ge- Werkschaftshause ist jede» Donnerstag von 5—9 Uhr zur Besichtigung geöffnet. Da zurzeit der Besuch noch kein allzu- reger ist, so ist gerade jetzt die beste Gelegenheit, die aus- gestellten Schriften in Ruhe zu besichtigen. Der Eingang zur Ausstellung befindet sich Portal L, neben dem Bureau deZ Holzarbeiterverbandes. Die städtische Berkehrsdcputation stimmte in ihrer gestrigen Sitzung dem Entwurf für eine neu anzulegende städtische Straße nbahnlinie Moabit— Zirchow Krankenhaus— Christianiastraße zu. Die neue Linie führt vom Bahnhof Tiergarten durch Siegmnndshof, Wullenwcbcrstraße, Iagowftraße, Alt-Moabit, Ottostraße, Oldcnburger Straße, Wiclefstraße, Wilhelmshavener Straße, Birkenstraße, Putlitz- straße, Föhrerstraßc, Triststraße, Luxemburger Straße, Schul- straße bis zur Christianiastraße, Ecke Prinzenallee. Der Eni- Wurf wird dem Magistrat alsbald zur Beschlußfassung vor- gelegt werden. Die Untersuchung über den Eiscukahmiufott auf der Zossencr Militärbahn, bei dem zwei Pioniere ihr Lebe» einbüßten, jsiud nun- mehr abgeschlossen. Wie der Lokomotivführer des SouderzugeS aussagt, ist er am Sonuabendvormütag während der Fahrt von Rehfclde nach Zossen durch den dichten Nebel nicht imstande ge- wesen, die Strecke aus 50 Meter zu übersehen. Hierzu kam. daß in der Nähe der Station Lankwitz die Maschine des Personenzuges Berlin— Zossen einen außerordentlich starken Qualm entwickelte, der au den Ausguckscheiben niederschlug und so die Aussicht un- möglich machte. Nach seiner Ansicht bat sich der eine der beiden Soldaten neben dem Bahnkörper befunden und ist von der Maschine nur angerannt worden. Wäre der Mann unter die Maschine geraten, so hätte er, der Lokomotivführer, es zweifellos merken müssen. Dagegen muß der zweite Strcckemvärter auf dem Bahnkörper entlang gegangen und dann unter die Räder geraten sein. Di« Maschine habe plötzlich geschwankt, als ob sie über irgendeine Er- höhung hinweggegangen sei. Er habe sofort abgebremst und fand bei seiner Revision den blutigen Körper dcS Soldaten zwischen den Rädern. Es hat sich übrigens herausgestellt, daß die Pioniere vorschriftsmäßig von dem Nahen des Sonderzuges benachrichtigt worden waren. Die beiden Soldaten sind des- halb auch auf dem Bahnkörper der Vorortbahn entlang gegangen und traten erst auf dos Militärbahngeleise hinüber, als der Personen- zug hcrminahtc. Unglücklicherweise passierte wenige Sekunden darauf der Militärzug die Stelle und tötete die beiden Streckenwärier. Die Leichen der beiden Pioniere sind von der StaatSau wallschaft freigegeben worden und werden im Laufe des heutigen Tages beerdigt. Ei» tragisches Ende hat der vielen Genossen des vierten Kreises bekannte Genosse Gustav S t u m p e genommen, der sich am Grabe feiner Frau vergiftete. Aus welchem Grunde Stumpe zu diesem Schritt gelangte, kann niemand sagen. Stumpe hat zu Lebzeiten eifrig für unsere Partei gelvirkt; wenn es galt, war er auf dem Posten. Im vierten Kreise bemühte er sich besonder? um die Frauen- leseabcnde, in denen er wiederholt kleine Referate hielt. Noch in der letzten bei Granmaun in der Naunynstraße abgehaltenen Protest- Versammlung, die sich mit den Moabiter Vorgängen beschäftigte, gab Genoffe Stumpe in der Diskussion die recht beachtenswerte An« regung, die von der Partei verteilten Flugblätter an auswärts wohnende Verwandte zu senden, um auch in der Provinz Ausklärung über daS Berliner Säbelregiment zu verbreiten. Die Genoffen, die Stumpe näher kannten, werden ihm ein gutes Andenken bewahren. Die Beerdigung des auf so tragische Weise aus dem Leben Ge- schiedenen findet heute Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofes in Friedrichsfelde auS statt. Durch Kohlcngafe getötet. Den Tod im Berufe hat der4tjährige Arbeiter Gustav Schulz aus der Lübbeuer Str. 39 gefunden. Vor dem Haufe Hornstr. S werden gegenwärtig Erdarbeiten ausgeführt und Sch. hatte in der vorvergangencu Nacht dort Wache zu halten. Er setzte sich in eine Baubude, in der er zum Schutz gegen die Kälte in einem eiserneu Decken ein offenes Kohlcufeuer augezündet hatte. Der Arbeiter setzte sich an das Feuer und schlief, da er übermüdet war, bald fest ein. Im Schlafe neigte er sich mit dem Kopf auf den Rand des Kohlenbeckens herab und atmete so die giftigen Oxydgase ein. Als gestern gegen 6 Uhr früh die Arbeiter erschienen. fanden sie ihren Kollegen in der erwähnten Stellung besiunuiigsloS und mit stark verkohltem Gesicht vor. Der Verunglückte wurde nach der Unfallstation am Tcmpelhofer Ufer gebracht, wo Wiedcrbelebungs- versuche mittels SauerftoffapparateS unternommen wurden, die jedoch erfolglos blieben. Die Leiche deS Sch. wurde nach dem Schauhanse übergeführt. Zu dem Lrichcnfund an der Luthcrbrückc wird mitgeteilt, daß die Tote noch immer nicht erkannt ist. 2Z'MeIognilioiicn. darunter einige, die sehr bestimmt lauteten, haben sich als falsch erwiesen. Augenblicklich liegt keine bestimmte Spur vor. Eine» schrecklichen Tod fand der 3Z Jahre alte Brauereiinspektor Plüqueti aus der Lichtcuberger Straße. P. war in der Brauerei von Gabriel u. Richter in Weißcnfce angestellt. Gestern hatte er auf dem Hofe des Brauereigrundstückes Krähen schießen wollen. Er stellte sich hinter einen Zaun auf einen Stuhl, um auf diese Weise eine Deckung zu haben. Plötzlich kippte der Stuhl um und P. stürzte zu Bode». Dabei cutlud sich die Waffe und die ganze Schrotladung drang dem Schützen in die Brust. Es wurden so schreckliche Verletzungen und Verbrennungen herbeigeführt, daß die Eingeweide heraustraten. P. wurde schleunigst nach dem Kranken- hauS am Friedrichshain gebracht, doch war er nicht mehr zu retten. Beim Versuch, die Schrotköruer zu cutfernen, erlag der Schwer- verletzte den Folgen deS verhängnisvollen Schusses. Ueber den Selbstmord eines Offizicrburschen wird aus der Bärwaldstr. 88/89 berichtet. Der Oberleutnant v. K. von den „Franzern", der dort wohnt, erhielt nach der Entlassung der Rs- servistcn vor fünf Wochen den im zweiten Jahre dienenden Grenadier Spang von der siebenten Kompagnie, den Sohn einer Witwe aus Berlin, zum Burschen. Er schickte ihn im Laufe der Zeit dreimal zum Kammcrnnterosfizicr, damit er sich eine neue Litewka hole. Der Grenadier kam jedesmal ohne Litewka wieder und erklärte, daß der Kammerunteroffizier ihm keine geben lvolle. ES ergab sich jedoch, daß er gar nicht bei dem Kammerunteroffizier gewesen war und seinem Vorgesetzten die llnivahrheit gesagt hotte. Deshalb sollte er ab- gelöst und in die Kompagnie zurückversetzt werden. Außerdem er- ivartete ihn eine Strafe. Als gestern nachmittag zwischen sechs und sieben der Bursche des Leutnants von Z.. der neben von K. wohnt, nach Hause kam, fand er die Tür verschlossen. Der Hausverwalter ließ durch einen Schloffer öffnen, und jetzt fand man Spang tot auf dem Fußboden liegen. Er hatte sich eine Kugel in die rechte Schläfe geschossen. Die Leiche wurde nach dem Garinfonlazarctt gebracht. Eiu Unfall hat sich gestern mittag auf dem Hofe de? Rathauses zugetragen. Beim Abrüsten des Leitergerüstes des Turmes stürzte eine groß« Leiter um und schlug ans einen Wagen der Firma Altmann, Cyarlottenburg. Der Kutscher dieses Wagens ivurde so schwer verletzt, daß er in da? Krankenhaus FriedrichShaiu transportiert werden mußte. Wen die Schuld am Unfall trifft, konnte bisher mit Sicherheit noch nicht festgestellt werden. Arbcitcr-Samaritcr-Bund. Kolonne Berlin. Heute abend 9 Uhr: 5. Abteilung in Rixdorf, Erkstr. 3. Morgen, Donnerstag, abend: 3. Abteilung in Schöneberg. Vorbcrgsir. 10, und 4. Abteilung in Lichtenberg, Scharnweberstr. 60. Vortrag in allen Abteilungen'über Verletzungen— Wundbehandlung und Blutstillung mit nachfolgenden praktischen Uebungen._ Vorort- J�acbricbtem Charlottenbnrg. Wo sich alles zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie bei den bevorstehenden Stadtverorduetenwahlen vereinigt, da darf natürlich das Charlottenburger Organ für Volksverdummung, die„Neue Zeit", mit ihrer Weisheit nicht hinter de», Berge halten. Was sie sich diesmal a» törichten Ausfällen gegen ihre Gegner, an Verhetzung und an logischen Purzelbäumen leistet, das wird höchstens noch von den Flugblättern ihrer liberalen Freunde oder besser gesagt ihrer liberalen Befehlshaber, nach deren Pfeife sie tanzen muß, über» troffen. In einem Artikel wirft sie den Sozialdemokraten wegen ihres Wahlaufrufs„skrupellose Verdrehung der Tatsachen" vor. ohne auch nur den Versuch zu macheu, diese Behauptung zu beweisen. Die Sozialdemokraten hatten ganz bestimmte Tatsachen augeführt, sie hatten an der Hand von Beispielen gezeigt, wie antisozial die Liberalen sind und wie die sozialen Errungenschaften in Charlottenbnrg nicht ihnen, sondern den stets vorwärts drängenden Sozialdemokraten zu danken sind. Diese Tat« fachen existieren für den Moniteur der liberale» Fraktion nicht, eZ geht über die ihm unbequemen Dinge einfach dadurch hinweg, daß es sich über die„Urteilslosigkeit" eulrüstet, die die Sozialdemokratie den Lesern deS„Machwerks"(soll heißen des sozialdemokratischen Flugblattes) zutraut, und dem.Bürgertun," den Rat gibt,„gegen ein derartige? Auftreten die richtige Maßnahme zu treffen, indem eS die beiden in der dritten Abteilung aufgestellten Genossen ordent» lich durchfallen läßt". Ja, toenu das so einfach wäre, wie es sich in den Köpfen der hochwohlweiscn Redaktion ausmalt I Ein anderer Artikel bespricht daS Verhältnis der Liberalen zu den Hausbesitzern, un, deren Stimmen man buhlt aus Furcht, sil- könnten sollst für die uationallibcralen Souderkandidaten nbgcgebcn werden. DaS»luß verhindert werden und so wird denn ein rührendes Loblied darauf gesungen, Ivie besorgt die guten Liberale»« um daS Wohl der Hausbesitzer sind, deren gerechtfertigte Wünsche pe jederzeit berücksichtigt hätten. Das ist doch wenigstens mal eiu offenes Wort. Wir fügen hinzu, daß die Liberalen nicht nur stets für die berechtigten Wünsche der Hausbesitzer, sondern auch für die HauS« agrarischen Sonderintcreffen zum Schaden der Gesamtheit ein» getreten sind, ja daß sie sich sogar gelegentlich einer Wahlrechts« debatte sehr ivarm des veralteten, ungerechten HauSbesitzerprivilegS angenommen haben. Mehr kann man gewiß nicht für seine Freunde tun. Wenn aber die „Neue Zeit" im Anschluß an ihre Ausführungen der Solidarität der Interessen zwischen Hausbesitzern und Mietern das Wort redet, wenn sie davon faselt, daß zwischen Hauseigentümern und Mietern keine kommunalen Interessengegensätze bestehen, da unter einer ungerechten Belastung deS Besitzes schließlich auch der Mieter leiden muß, der natürlich daS Objekt deS Gegendrucks bildet, den ein übermäßiger Druck mit Notwendigkeit erzeugt, so zeigt sie damit, wie gering' sie ihre Leser einschätzt. Ihre ganze Gesinnungslosigkeit verrät die Redaktion in einem Artikel, der sich gegen ein Flugblatt dcS nationallibcralen Orts» Vereins richtet, lein gutes Haar an deffen Kanditaten läßt und zum Schluß zu dem Ergebnis kommt:„Dorum keine Feindschaft nicht I' Ja, ja� Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. Mir Gegnern, denen man Skrupellosigkeit vorwirft, vereinigt man sich gegen einen gemeinsamen Gegner, um ein paar Mandate zu ergattern. Be- sonders wähleriich in ihrem Umgang ist diese Sippschaft gerade nicht. Bei dieser Gelegenheit verrat übrigens das Organ des Kommunalfreisinns �in der Hitze des Gefechts, warum der national- liberale Ortsverein Sonderkanvidalcn anfstcllt. Im vorigen Jahre ist der Ortsverband um drei Mandate zu erlangen, mit den anderen bürgerlichen Parteien durch dick und dünn gegangen. aber diesmal haben die„Linksliberalen" und die„Percinigte alte Fraktion" seinen abermaligen Wunsch nach einer Beteiligung an den vakanten Sitzen nicht erfüllt, und deshalb entdeckte er auf einmal koinmnnal- politische Gegensätze, Ist das nicht das unumwundene Zugeständnis, das; wir auf dem richtigen Wege find, wenn wir unsere kommunal- politischen Gegner in einen Topf werfen? ES be- stehen zwischen ihnen tatsächlich gar keine Gegensätze. WaS sie trennt, sind einzig und allein P e r s o n c n f r a g e n. DaS EliauciUvescii ist cö— das kann gar nicht oft genug gesagt werden—, das sich breit macht. Dies Cliquenwesen, diese absicht- lichc Schädigung der Gesamtheit, diesen Personenknltus, der an- ständige Menschen anekelt, zu bekämpfen, ist Aufgabe aller derer, die mit uns für eine sozial-vernünftige Kounnuualpolilik eintreten, für eine Kommimalpvlitit, deren Richtschnur nicht nur die persönlichen Wünsche des einzelnen, sondern das Wohl der Gesamtheit bildet. Wilmersdorf-Haleusee. Recht unangenehme Ueberraschnngen erlebten die Rück- schrittler in einer Wählerversammlung, die sie zum Montagabend nach dein Biktoriagarten einberufen batten. Der an die Bürger gerichteten Auffordernng zum zahlreichen Bestich war die Einwohnerschaft von Wilmersdorf freundwillig nachgekommen; und als erfreuliches Zeichen für die Be- dnilitng, die allgemein dem diesjährigen Wahlkampfe bei- gelegt wird, ist es zu betrachten, das; auch Frauen an der Versammlung in gar nicht geringer Zahl teilnahmen. Unter diesen Umständen kann man verstehen, daß die Anwesenden peinlich berührt waren, als der Lorsitzende bei der Ervffuimg erklärte, eine Pause von zehn Minuten ansetzen zu wollen, damit die Frauen, die nicht in die Versanmtluiig hineingehörten, den Saal verlassen könnte n. Dieser Vernich zur Ausschlictzting der weiblichen Teil- nehmcr war aber glücklicherweise nicht so böse gemeint, denn als die zehn Minuten um waren und sich niemand vom Platze gerührt batte, meinte der Leiter, datz er die Ber« saimnlung,"die er eigentlich ja hätte schließen können, doch lieber tagen lassen tvolle; die Frauen würde er aber als nicht anwesend betrachten. Man quittierte über den Scherz mit einem humorvollen Lachen. Nach diesem Vorspiel»ahm der gestern von uns gekennzeichnete Lorschullehrer Busch das Wort. Seine Rede bildete die ziveite Ueberraschung. Der Gewohnheit, die Sozial- demokratie für alle Schäden in dieser sündigen Welt verantwortlich zn machen, blieb er zwar dadurch treu, daß er Moabit und den W e d d i n g mit feurigem Hintergrunde an die Wand malte und die nach seinen Worlcir sozialdemokratische Verwaltung der Wilmersdorfer Ort Siranken lasse mit übler Nachrede be- kämpfte. Aber sonst floß seine Rede zum Staunen der Anwesenden von eitel Anerkcnniurg für daS knlturfördernde Wirken der Sozial- demokratie über. Nun erfolgte die Vorstellung der rückschrittlichen Kandidateir, von denen jeder stumm seinen Diener machte; nur der angebliche Fortschrittsmann L ü b s e n schleppte ein paar Reichs- verbandSgeschichtcn gegen die Sozialdemokratie heran. Hierauf eröffnete der Vorsitzende die Diskussion mit der Mittetlnng, daß jeder Redner nur zehn Minuten Redezeit haben solle. Als erster Diskussionsredner wies der sozial- demokratische Kandidat Wilhelm Schröder die Haltlosigkeit der vom Referenten Busch und dem Herrn Lübsen vorgetragenen Reichs- vcrbandsgeschichtenach, waSHerrnB n s ch zu der Bemerkung veranlaßte, daß er nur dem Vorstaud desReickistrenenVereins an- gehöre, der als solcher dem Reichsverband gegen die Sozial- demokratie beigetreten ist: sonst aber(!) habe er mit dem Reichs- verband nichts zn lun. Der Hinweis des sozialdemokratischen Redners auf die arbeiterfeindliche Haltung der jetzigen Stadt- verordueteilinehrheii und der Appell an die Bersammlung, durch die Wahl von Sozialdemokraten und Demokraten wirkliche Vertrauensmänner der Bevölkerung inS Sladtparlament zn entsenden, löste allseitige Znstiminniig aus. Nun folgte Schlag auf Schlag gegen die Reaktionäre. Die Demokraten Moll, Breitsckieiö und Fabian widerlegten mit Nachdruck die persönlichen Anschuldigungen, die von Herrn Busch gegen sie erhoben waren; der sozialdemokratische Kandidat Oskar Riedel wies nach, wie arbeiterfeindlich die Politik der jetzigen Mehrheit ist; der Vorsitzende der Ortskrankenkasse Alfred Riedel erbrachte den biindigen Beweis dafür, daß die von Herrn Busch gegen die K a s s e n v e r iv a l t u n g erhobenen Anschuldigungen jeder Begründung entbehren. Allmählich begann es in den Reihen der bürgerlichen Wähler zu Ivanken. Ein Gastwirt B r a n d o Iv erllärie, diesmal noch für die bürgerlichen Kandidaten stimmen zu wollen, trotzdem sie durch ihre Politik das Miß- trauen der Gastwirte herausgefordert hätte». Ein Mitglied des Vezirksvereins Alter Ort, dessen Vorstand die Per- sammlnng arrangiert hatte, der Fortschrittler Astor, teilte jedoch mit, daß ihm nach den AuSsiihrungen des Herrn Busch lind des übrigens von der Fortschrittspartei verleugneten Herrn Lübsen nichts übrigbleibe, als seinen Austritt e.tpj dem Verein zu erklären und der Versammlung die Wahl der sozialdemokratischen uiid demokratischen Kandidaten z u empfehle». Es folgte die letzte lieber- raschung. Nach einigen völlig wirkungslosen Verteidignngs- versuchen der Rückichrittler nahm die Versammlung in der ersten Morgenftunde mit erdrückender Mehrheit eine Resolution an, die das T r e i b e n der bisherigen Sladtver ordneten»nehrheit verurteilte und das Gelöbnis aussprach. dieKandidatenderSozial- demokratie und der Demokratie mit ganzer Kraft z u n n t e r st ü tz e n. Schöneberg. Aus der Stadwerordneiensitzung. Genosse Molkenbuhr Verlas nach Erösfnung der Sitzung ein Schreiben des Stadtverord- nelen-Vorstehers Neinbacher, worin derselbe mitteilt, daß er sein Amt als Vorsteher niederlegt. Eine Beschwerde E g l i n s k i gegen daS Verfahren vor dem Gelverbegericht wurde dem PeiiiionS« anöfchiiß überwiesen.— Die Beschwerde Gottschalk(Lib. Frlt.) gegen einen angeblich zu llnrccht erfolgten Ordnungsruf war vcvn Beschwerdeführer zurückgezogen. �— Der Absicht, von dem Ausbau deisEommcninsschule zurzeit Abstand zu nehmen, wurde zugestimmt. Sodann wurden noch Miilel für Erkrankungen von Lehrpersonen und Hilfskräfte bewilligt. Nunmehr erfolgte der Bericht über den Betriebs- und Tarif- Vermag mit der Hoch- und Untcrgrmidbahngei'ellschaft. Ter Bericht- erstalter L. Meyer(Lib. Fraktion) betonte hierzu.� daß die Unter- grundbahn zur Antschlietzung des West- und Südgeländes notwendig fei. Ter eigene Betrieb würde ungefähr 70— 100 000 M. teuerer fein, und solche Summen hinauszmversen wäre nutzlos, auch müßte die Bahn der Hochbahngesellschaft übergeben werden, da diese� den Betrieb anszunntzen versteht. Den Betrieb ohne Tarisgcmeinschaft selbst zn führen, bringe große Verluste mit sich. Bis zum 30. November 1911 sei die Firma Siemens u. HalSke�nach dem Bauverträge verpflichtet, den Betrieb der Bahn zu den Selbstkosten zu führen. Zobel(Lib. Fraktion) teilte mit, daß er im Auftrage der Liberalen Fraktion ermächtigt fei, folgende Erklärung abzugeben: „Das Kommunalprogramm der Liberalen Fraktion fordert aus» drücklich, daß„Unternehmungen, die einem dauernde n Bedürfnis des Gemeinwesens dienen" und die durch ihren inonpolartigcn Charakter die Vor- teile eines gesunden Wettbewerbes ausschließen, 1- stä d ti s ch e Regi e z u übernehmen sind." Die Liberale Fraktion hat trotzdem e i n st i m m r g beschlossen, von der eigenen Regie Abstand zu nehmen und den Betrieb einer Monopolgesellschast ansznliesern, da die nur 3 Kilometer lange Strecke kein gewinnbringendes Unternehmen ist, sondern ein Verkehrsmittel, das nur Zuschüsse fordern wird. Auch sei cS nur darauf angekommen, den Nachbargemeinden gegenüber Konkurrenz zn schaffen. Würde die Strecke selbst betrieben werden, dann � müßten bis minderbemittelten Bürger statt 10 mindestens 20 Pf. zahlen und das wäre eine Belastung, die vermieden werden müsse. Genosse K ü t e r betonte: Nach den Ausführungen des Herrn Zobel brauchte man nur ein Programm um den Wäblern etwas vorzumachen; das sei allerdings echte liberale Politik, die die Sozialdemokratie nicht mitmache. Letztere lege gerade Wert darauf, Grundsätze zu besitzen und zu verircten. Wir können nicht einsehen, daß man eine Bahn, die mit städtischem Gelds erbaut und auf das vornehmste eingerichtet ist, verschachert werden soll, statt sie selbst zn betreiben. Der illeserent habe nur allgemein gesprochen, ohne Zahlen anzugeben. Nach Abzug der Einnahmen, der Betriebskosten, der Verzinsung und Tilgung und der Strom- kosten zahlt die Stadt respektive die Steuerzahler im Jahre 1911 jährlich 715 999 M. zu. im'Jahre 19:4 sind eS 577 790 M. und im Jahre 1917 immer noch 453 030 M. In diesen Summen liegt der Unternehmerprofit, den die Stadt, wenn sie die Bahn in Eigenbetrieb übernähme, selbst erhalten würde. Diese Zahlen seien, wie selbst zugegeben werden muhte, eher höher als niedriger, so daß in absehbarer Zeit der Magistrat mit einer Einkommen- Steuererhöhung kommen müsse. Bei dieser kurzen Strecke der Schöneberger Untergrundbahn sind alle Vor- bedingungen der eigenen Regie vollständig gegeben, da die Stadt nach dreiviertel Jahren den Betrieb mir ciiigearbeitelem Personal übernommen härte. Auch hätte die Stadt nicht mehr Un- kosten als die Firma Siemens u. Halske. Die Hochbahngesellschaft habe ein besonderes Interesse darai� jede Kanknrrenzlinie, die nach Berlin hineinführt, zu verhindern. Vüe Gesellschaft arbeite ja jetzt schon hinter dem Rücken der Stadt und versuche, ohne deren Zn- stilnmnng für sich Konzessionen zn erlangen. Auch dürfte die Stadt aus den Händen der Hochbahngesellschasr niemals herauskommen. Die Schwierigkeiten und Kämpfe mit dieser Gesellschaft beginnen jetzt erst. Die sozialdemokratischen Vertreter lehrten den Be- triebsvertrag ab und stimme» nur für den Tarif- Vertrag.. Oberbürgermeister Wilde meinte: Auf dem Standpunkt der sozialdemokratischen Fraktion, große Unternehmen selbst zu be- treiben, ständen fast alle. Aber nur grundsätzlich. Wirke dieser Grundsatz schädigend für die Stadt, so müsse man ihn ver» lassen. Schöneberg sei nur ein kleiner Teil von Groß-Bcrlin und man müsse auf eine einheitliche Regelung des Verkehrs bedacht sein.— Gott schall(Lib.) glaubte die Bcrlegenheitserklärung seiner Fraktion noch ganz besonders in Schutz nehmen zu müfien. im übrigen vernichte er in seiner bekannten Manier gegen die sozial- deinoktcüische Fraktion zn Felde zu ziehen. DaS gleiche tat der Stadtv. Hepner. Beiden Rednern wurde die notwendige Abfuhr zu teil. Hierauf wurde über die Verträge zwischen der Stadt und der Hochbahngesellschaft bezüglich Betrieds- und Tarifgemeinschaft abgestimmt und diese gegen die Stimmen d e r S o z i a l- d e m o k r a t e n, die nur für Tarifgemeinschaft sind, angenommen. Oberbürgermeister Wilde, der am Montagabend in scheinbar völliger Gesundheit noch an der Stadiberorduetensitzung teilnahm, ist am Dienstagmorgen im Rathause bei seiner Arbeit plötzlich ver- storben. Es wird im Deutschen Reiche wenig Oberbürgerineistcr gehen, die in allen Kreisen der Bevölkerung so beliebt sind, wie es der Verstorbene in Schöneberg war. Er war ein Mann mit klarein Blick und warmem Herzen. Spießbürgerliche Anschanmige», in denen ein höherer Kommunalbeainter, durch seinen Umgang und durch die große Zahl von Kleinigkeiten, mit denen er sich täglich zn beschäftigen hat, gar leicht verfällt, waren ihm völlig fremd. Er war ein Mann, der den Grundsatz vertrat, daß die wachsende Stadt immer größere Pflichten zu erfüllen hat. Wenn für die Bekämpfung der Tuberkulose und Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit Mittel gefordert wurden, dann trat er für die weitgehendsten Forderungen ein. Auch war er ein warmer Vertreter der Forderungen zur Ver- besserung der Lage der städtischen Arbeiter. Er war zunächst ans die Dauer von zwölf Jahren gewählt. Im Jahre 1908 wurde er, bevor die ersten zwölf Jahre seiner Anstellung abgelausen waren, lebens- länglich gewählt. Kein Mensch hat. damals vermuteh daß der Tod so schnell seinem Wirken ein Ziel setzen werde. Die Gewerkschaftsksuiniission beschäftigte sich in ihrer letzten Sitzung zunächst mit den im November dieses Jahre? stattfindenden Delegiertenwahlen zur Schöneberger OrlSkrankenkasse. Der Obmann wies darauf hin, daß die Wahl diesmal in zwei Lokalen statt- findet. Eine rege Agitation müsse einsetzen, um eine der Mitglieder- zahl entsprechende Beteiligung, insbesondere der weiblichen Mit- glieder, zu erzielen., Die Vertreter der Gewerkschaften worden an- gewiesen, die Namen der von ihnen vorzuschlagondc» Delegierte» bis spätestens den 7. November dem Obmann mitzuteilen. Sodann gab Genosse H e r t e r den Bericht ans der Sitzung der Arbeits- nachweisdepntation, in welcher man sich mit der Delegation zn dein Kongreß der Arbeitsnachweise, der in Breslau siatlfindet, be- schäfligt habe. Sämtliche Deputierte, einschließlich deS Magistrats- Vertreters, habe» sich dahin ausgesprochen, daß auch ein Vertreter der Gewerkschaften zu diesem Kongreß auf Kosten der Stadt zu delegieren sei. Einstimmig wurde Genosse Henkel in Vorschlag gebracht. Der Schöneberger Magistrat scheint aber anderer Meinung gewesen zu sein, denn Genosse Henkel hat eine Aiisfordcnmg zur Teilnahme nicht erhalten.— Die Erweiterung der Räume des Arbeitsnachweises ist wieder hinausgeschoben worden. Die Unter- knnftSrmime in der Apostel-Panlus-Straße 7, sollen offengehalten werden vom 15. November bis 15. März. Der Genosse Schüler. Vertreter der EasiivirlSgehilfen, beantragt, daß in einer der nächsten Sitzungen unsere Deputierten beantragen, daß der Arbeits- Nachweis für Kellner dem städtischen Arbeitsnachweis an- gegliedert wird und einen dahingehenden Antrag der Stadtverordnctcii- Versammlung unterbreiten. Steglitz-Fvtedenal«. Durch Leichtsinn zum Krüppel geworden. Bei dem Versuch, auf einen in voller Fahrt besindlichc» Straßenbahnwagen zu springen, kam gestern der Schlosser Emil H e n y e schwer zu Schaden. Vor dem Grundstück Schloßslraße 69 sprang er auf eine» Motorwagen der Linie L- hinaus und kam zn Fall. Er geriet mit den Beinen unter die Räder und der rechte Fuß wurde derartig zugerichtet, daß er im Krankenhaus amputiert werden mußte. Martendorf. Eine junge Mutter. In der vergangenen Nacht gab die erst IZVsjöhrige Tochter Martha deZ Arbeiters H. aus der Lankwitzer Straße einem gesunden Kn ä b l e i u das Leben. Die Eltern der jungen Mutter waren natürlich nicht wenig überrascht, denn sie hatten noch gestern abend leine Ahnung von dem, WaS ihnen und ihrem Kinde bevorstand, und ebeiisowenig wurde in der Schule etwas von dem Ausland des Mädchens be- merkt. In der"lacht aber mußte ei» Arzt geholt werden, unter dessen Assistenz der neue Weltbürger ins Dasein trat. Martha H. ist ein weit über ihr Alter entwickeltes Mädchen. Der Haus- besitzer Hermann Gehrke aus der Lankwitzer Straße wurde gestern unter dem Verdacht verhaftet, die Martha H. verführt zu haben. G. ist seit IS Jahren verheiratet und Vater einer 12 Jahre alten Tochter. Grünau. Noch Uebcrw'mdnng vieler Schwicrlgkeiteir findet heute der erste Franc»abend in Grünau statt. Es ist selbstverständliche Pflicht aller Genossinnen und Genosse», für eine kräftige Ennvickelimg der Frauenabende durch rege Agitation unter Freunden und Bekannten Sorge zu tragen. Friedrichshagen. Durch ein Versehen ist in der Drcnstagmimmer deS„Vorwärts' der Bericht über die letzte Gemeindevertretersitzung unter Friedrichs- borg geraten. Da die Gemeinde Friedrichsberg seit Jahren in Lichtenberg eingemeindet ist, werde» die Leser den Irrtum wohl schon bemerkt haben. Von einem Bierwngcn überfahren und getötet wurde vorgestern nachniiltag der 32 Jahre alte Arbeiter Friedrich Löben anS Friedrichshagen. L. batte mit einem Freunde auf der Straße ein Brauerfuhrwerk getroffen, dessen Kutscher ihm bekannt war. Aus Scherz faßte er den Pserden in die Zügel und sein Begleiter machte sich währenddessen an der Bremse zu schaffen. Die Pferde wurden infolgedessen unruhig und beschleunigten ihr Tempo. Nun wurde L. umgerissen und überfahren. Die Räder des schweren Gefährtes gingen ihm über die Brust hinweg, so daß L. auf der SleKe gelötet wurde. Nowawes. Die Frage ber Strahenreinigung in unserm Orte führte in der letzten Gemeindevertretersitzung wieder zu einer recht lebhaften Debatte. Fußend aus die durch die Zusirmmcnlegung der Gemein- den Nowawes und Neuendorf, sowie auch dürft verschiedenartige gerichtliche Erkenntnisse etwas verwickelte Rechtslage in dieser Sache hatten sich verschieden Grundstücksbesitzer geiveigert, die vor ihrem Besitztum gelegene Straßenfront zu reinigen. Tie Ge- meindevertretnng hatte deshalb bereits im vorigen Jahre eine Polizeiverordnung beschlossen, nach der die Grundstücksbesitzer zur Straßenreinigung verpflichtet wurden, widrigenfalls über sie Strafen verhängt werden sollten. Diese Bestimmungen haben aber nicht die Genehmigung des 5kreisausschusscs gefunden. Ter nun- mehr vorgelegte Entwurf enthält im wesentlichen die Bestimmun- gen des früheren, jedoch ohne Strafbestimmungen; es soll vielmehr, wie der Bürgermeister erklärte, bei Unterlassung der Straßenreini« gung durch die Hausbesitzer diese durch Gcmcindearbeiter erfolgen, wofür dann von den Anliegern entsprechende Gebühren ringe- zögert werden. In der Debatte' hierüber erklärte Herr R u f f, der Vorsitzender des Neuendorscr Hausbesitzervereins ist. daß er sich mit dem vorgeschlagenen Entwurf nicht einverstanden erklären könne; für ihn handle es sich um die prinzipielle Frage, ob die schon so wie so schwer belasteten Hausbesitzer auch noch die Hansknechte der Gemeinde sein müssen und überhauvt für die Reinigung der Straßen sorgen müssen; diese Frage müsse verneint werden; die Straßen gehören der Gemeinde, und diese habe für die Reinhai- tung zu sorgen.(Der Bürgermeister ruft erregt dazwischen: „Geben Sie mir das Geld und es wird gemacht!") Falls die Ver- ordnung in der vorgeschlagenen Fassnng angenommen würde, sei es sicher, daß die Hausbesitzer dagegen den Klageweg beschreiten. Herr Schneider hält die Bestimmungen des Entwurfes für zu scharf, da es den im Orte wohnenden Besitzern, die unbebaute Grundstücke an der Peripherie der Gemeinde liegen haben, unmög- lich sei. die Reinigung in der geforderten Weise vorzunehmen; er empfiehlt deshalb die Zurückverweisung deS Entwurfs an die Wege- kommission, um eine mildere Fassung derselben herbeizuführen. In energischer Weise wendet sich Genosse Gruhl gegen die vor- gebrachten Bedenken; er erklärt, daß gerade die yauSbesitzervereine mit ihrer verderblichen Politik daran schuld sind, daß solch« Per- ordnungen erlassen werden müssen; die Sozialdemokraten hätten im Prinzip nichts gegen eine Straßenreinigung von Gemeinde wegen einzuwenden, aber dieselbe verursache derartig Hobe Kosten. daß eine derartige Maßnahme erst recht aus großen Widerstand stoßen würde; jedenfalls haben die Hausbesitzer das größte Jnter. esse an sauberen Straßen, da ihnen die dadurch erzielten Vorteile zuerst zugute kommen. Diese Ausführungen wurden von dem Genossen N e u m a n n unterstützt, der auch betonte, daß von einer zu großen Schärfe der Bestimmungen keine Rede sein könne, und sich dieselben bei gutem Willen wohl durchführen lassen, weshalb er die Annahme des Entwurfes empfehle. Dem widerspricht Herr V o b a ch, welcher beantragt, eine Kommission aus der Vertretung zu wählen, die den Entwurf einer nochmaligen Beratung unter- zieht. Die Vertretung beschließt hierauf, den Entwurf an die Wcgekommission zurückzuverweisen und diese zur Erledi- gung der Angelegenheit durch die Herren Vobach, Reiff und Frenzel zu verstärken. Der PflasterkostenverteilungSPlan für die Hermannstraße hat die Genehmigung der Aufsichtsbehörde nicht gesunden, weil diese die Straße als Neuanlage betrachtet und die Heranziehung der Anlieger zu den vollen Kosten anstatt, wie die Vertretung beschlossen, zn 50 Proz. zu erfolgen halle. Die Vertretung ist jedoch ein- stimmig der Ansicht, daß die Auffassung des Landratsamlcs eine irrige ist, da die Straße tatsächlich schon früher vorhanden war, und bleibt bei ihrem ersten Beschluß bestehen. Die Gemeinde Drewitz, in deren Gebiet ttcr. westlich der Wetzlarer Bahn befindliche Weg liegt, macht der Firma Orenstcin u. Koppel wegen der Benutzung durch ein Eisenbahnanschlnßgleise Schwierigkeiten und verlangt von der Firma eine hohe Bc- nutzungSgebühr. Da die Gemeinde Nowawes ein großes Interesse daran hat, für ihr Gebiet die Wctzlarcr Bahn als Grenze zu cr- halten, beschließt die Vertretung die Umgemcindung des Wege- geländes zn beantragen, da hier ein Widerstreit kommunaler In- tcressen vorliegt.— Die Neuwahl der Armenvorsteher. Stellver- treter und Pfleger ergibt mit wenigen Ausnahmen die Wiederwahl der gesamten Armenverwaltung. Lese- ri»d Tisrmierklnb„Süd-Qsi". Scute Mittwoch, abends 8'/, Ubn bei Nkidbardt. Görlitzer Ltratze 58: Lllitgliedcrverlammlung. Vortrag über „HandelLrcpubliren des Mittelalters". DiSlussion. Gäste willkommen. Zentralverband der Fleischer. Donnerstag, 3. November, abends 9 lldr: Mitgliederversammlung im Noscnihnlcr Hos(großer Saal), Roscnthalcr Str. 11/12. TageSordiimig: 1. �ewerbegerichle, GewerbegericklS- wählen und ihre Scdeutnng. Relerent: Genosse Max Lehrend. 2. Ab« rechnuna vom 3. Quartal und vom Horbstvergnügen. 3. Bericht über den Streik bei(!. Mvrgenstern. 4. Mitteilungen der Ecschästsleitung und Per» schicdcticS._ Der Vorstand. Tviiterun«Sul>eriicht vom 1. November 1!)10. morgens S ilbr. ' h£ • F S Stationen|gA I S Ltuincord« 1741 cs ömmSurg(736® »erlir 1713 353 jranii.a CT 71,5353 München j 753 325 Wien 75223 5 ffieNR 4 Nebel 9 bedeckt L bedeckt 6 bedeckt 5 bedeckt 4 wolkig »x »ii L? w3> Stationen 5f B Setter f' avaranda— cterSbmg' SciklD ,74893> 9 bedeckt flberdten 1730 KS® 3 heiter Paris(749 325> 6 bedeckt Ii Ii -!-> 18 8 9 Wetterprognose für Mittwoch, de» 2. November 1910. Kühler, teilweise aufklarend, jedoch sehr unbeständig mit Regen- oder Graupeljchaitcr» und starken nordwestlichen Winden. Berliner W e l l e r b u r e all. SvasserstauvS-Nachrichtrn Wasserstand M- oi- l. Tilstt P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tbor» Oder. Ratibor , Krassen , Frankiurt Warthe, Schrimm , LandSberg Netze. Vordamm Elbe. Leittncntz „ Dresden , Bardo , Magdeburg in städtische Regie zu übernehmen sind." Die Sorge zu tragen._')+ bedeutet Wuchs,— ktzall.*) Unierveael. Verairttvortl. Redakteur; Carl Mermuth, Berlin-Rizdorf. Für den Jmeratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag:BorwärtD Buchdruckerei u. Lcrlagsanstalt Psul Singer Le Es,, Berlin äW(