Ar. 259, flbonnementS'Redingungen: Abonnements• Preis prünumeranbo i Bierteljührl. ä£0 Mb, monall, 1,10 Mb, wöchentlich 28 Psg. frei ins HauS. Einzelne Nummer k PfA Sonntags- nuntmcr mit illustrierter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt' 10 Psg. Posl- tsbonnement: l.tll Marl pro Monab Eingetragen m die Post< ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das Übrige Ausland 8 Marl pro Monab PostabonneoientS nehmen an: Belgien. Dänemarl, Holland. Italien. Luxemburg. Portugal. Rumänien, Schweden und die Schweiz, 27. Jahrg. Crtchcin, täglld) außer montags. Derlinev VolksblaK. Die TnlertlonS'GebOfir bekägl für die scchsgcspalleiie Kolonel- zeile oder deren Raum 60 Psg., für politische und gewcrlschaflliche BereinS- und BersammlungS-Anzeigen 80 Psg. „Kleine Hnxeigen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Psg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- slcllen-Anzcigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis SUhrnachinittagsin der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist biS 7 Uhr abends geöffnet. Telegramm- Adresse: „Sczlaldemohrat Rtrlln", Zcntralorgan der rozialdcmokrati fchen Partei Deutfcblands. Rcdahtion: SCQ. 68, Lindenstrasae 69, Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983, Expedition: SM. 68, Lindcnstrasae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1981. Berliner AohmingspolM. 11. Au eine Aenderung des im gestrigen Artikel geschilderten Berliner Mietskasernen-Systems ist unter den heutigen Ver- hültnisjen kaum zu denken: denn jede Einschränkung der bau- lichen Ausnutzbarkeit der Grundstücke bedeutet natürlich einen Eingriss in die privatkapitalistische Wirtschaftsweise. Zwar wäre ein solcher Eingriff selbst vom Standpunkt des heutigen kapitalistischen Staares durchaus unbedenklich: sind doch die Rechte der Grundstücksbesitzer keineswegs, wie sie immer be- haupten,„wohl erworbe n". Die ungewöhnlichen Wert- steigerungen, um die es sich.hier handelt: Steigerungen, die oft den Besitzern riesige Gewinne mühelos in den Schost werfen, sie.sind gewöhnlich lediglich durch die Tätigkeit und die Aufwendungen des Gemeinwesens entstanden. Die Be- sitzer haben dazu nichts getan. Ob die kleine Zahl von Grund- stücksspekulanten und Aktionären der Terraingejellschaften ihr investiertes Kapital höher oder niedriger verzinst, ob sie selbst Geld verliert, das ist für das Nationalvermögen gleichgültig und verschwindet vollkommen hinter der ungeheuren Wichtig- keit der Tatsache, dast die Millionen der künftigen Mieter besser und billiger wohnen. Bauordnungen sind nicht für die Ewigkeit gegeben. Werden sie eingeschränkt und fällt dadurch der Preis des Grund und Bodens, so passiert den Grund- stücksspekulanten eben nur das, was auch allen anderen Spe- kulanten zustößt. Sie haben wechselnde Konjunkturen aus- zuhalten, während sie bisher fast ausnahmslos mit einem Steigen der Bodenpreise rechnen konnten. In Berlin selbst ist aber das Weichbild seit längerem fast vollkommen ausgebaut. Um so mehr hätte die Verwaltung die Verpflichtung' ssehabk/Ivenigstens innerhalb des gegebenen Rahmens auf Besserung der Wohnungsverhältnisse Bedacht zu nehmen. Daß die Wohnungsverhältnisse für die Masse der Bevölkerung höchst traurige sind, mußte auch in früheren Jahren schon jedes Mitglied der Verwaltung wissen. Ins- besondere konnte niemand im Zweifel sein, daß gerade die schlechten und kleinen Wohnungen maßlos überfüllt sind, und je überfül ter die Wohnungen, desto höher ihre Mietspreise. Für die Wohnungen gilt nämlich das gleiche Gesetz wie für den Grund und Boden. Je größer die Möglichkeit ist. in eine kleine Wohnung eine große Zahl von Personen hineinzupressen, desto höher steigen die Miets- preise. Der verstorbene Oberbürgermeister Zweigert in Essen hat noch kurz vor seinem Tode über die Erfahrungen, die er in Essen mit der von ihm eingeführten Wohnungsinspektion gemacht hatte, ein Gutachten an den Verein für Sozialpolitik erstattet. Darin führt er wörtlich folgendes aus:„Lassen wir die Ueberfüllung der Wohnungen zu, so steigern wir die Mietspreise: verhindern wir dieselben aus hygienischen Gründen, so wird die Folge eine Herabsetzung derMietspreise sein." Der Magistrat von Berlin aber hat. ebenso wie die Stadtverordnetenversammlung, in konstanter Praxis bisher jedes Eingreifen in die Wohnungsverhältnisse abgelehnt. „Derjenige, der die Verpflichtung anerkennt, für Wohnungen zu sorgen, kann es unmöglich ablehnen, auch billige Feuerung zu schaffen, billige Kleidung, billige Nahrung und wir kommen aus diesem Wege, das ist meines Erachtens unzweifel- Haft der Tinge letzter Schluß, zu demjenigen Staate, der eben von der sozialdemokratischen Partei gewünscht wird." Das war der Kern der Ausführungen, welche der Oberbürger- meister Kirschner namens des Magistrats IstOst auf den Antrag der Sozialdemokratie machte, mit der Versammlung in gemischter Deputation über die herrschende Wohnungsnot und die Mißstände auf dem Gebiete des WohnungAvesens zu be- raten. DerAntragwurdeabgelehnt, und das gleiche Schicksal erlitten die zahlreichen spezialisierten Anträge, welche unsere Genossen im Laufe der langwierigen, sich über fast zwei Jahre erstreckenden Ausschußverhandlungen gestellt hatten. Das ganze Ergebnis all dieser Beratungen bestand nur in der geringfügigen Unterstützung einer Baugenossenschaft und dem Wunsch, die statistischen Beobachtungen auf dem Ge- biete des Wohnungswesens möchten derart erweitert werden. daß möglichst alljährlich ein genaues Bild über die Wohnungs- Verhältnisse gewonnen werde, sowie drittens in der Gründung der„König-Friedrich-Stiftung", jener famosen Stiftung, die mit einer Million Mark ausgestattet, dazu beitragen sollte, die Wohnungsnot in Berlin zu lindern I Damals hatten wir eine Wohnungsnot, so scharf und akut, wie sie bisher kaum je in Berlin aufgetreten war. Trotz- dem wurde jedes gemeindliche Eingreifen abgelehnt. Die Sozialdemokratie steht nun gewiß auf dem Standpunkt, daß wir keinerlei spezifische Mittel zur Beseitigung der Wohnungs- not innerhalb der heutigen Gesellschaft anerkennen und gut- heißen können: nur im Rahmen des großen Kampfes, den wir für die ollgemeine Befreiung der Arbeiterklasse führen,' werden wir imstande sein, dem Wohnungsproblem beizu- kommen und gute, gesunde Wohnungsverhältnisse für die breite Masse des Volkes zu schaffen: nichtsdestoweniger ist auch von uns niemals bestritten worden, daß nicht auch inner- halb der heutigen Gesellschaft das Wohnungselend gelindert werden könnte. War- jener Komplex von Maßnahmen, die die Sozialdemokratie damals beantragt und eingehend be- gründet hatte, durchgeführt worden, wir ständen heute sicher- lich besser da. Seit einigen Jahren ist nun der akute Wohnungsmangel, unter dem Berlin zu Anfang dieses Jahrhunderts litt, be- hoben. Die Bautätigkeit hat rege eingesetzt und die Zahl der leerstehenden Wohnungen aller Gattungen ist größer als seit Jahrzehnten. Aber besser, menschenwürdiger und billiger wohnt die Masse der Bevölke- rung darum keineswegs. Als eine der Früchte der beschlossenen Resolution be- treffend die Erweiterung der statistischen Beobachtungen auf dem Gebiete des Wohnungswesens erscheinen jetzt die sta- tistischen Monatsberichte von Groß-Berlin. In dem Doppel- Heft März-April dieses Jahres, welches vor kurzem zur Aus- gäbe gelangte, finden sich interessante Daten über die Größen- Verhältnisse der Wohnungen von Groß-Berlin nach der letzten Aufnahme vom 1. Dezember Illvö. Danach waren in Berlin selbst im ganzen vorbanden 524 441 Wohnungen. Unter diesen bestanden ausschließlich aus einer Küche...... 4 484 Wohnungen--- 0,86 Proz. aus Gewerberäumen..... 290,---- 0,06, aus einem nichiheizstaren Zimmer 493„= 0,09„ aus einem nichlheizbaren Zimmer mil Küche....... 1 282»= 0,24„ aus 2 oder mehr nichtheizbaren Zimmern mit Küche.... 3 16„— 0,06„ aus einem heizbaren Zimmer.. 34 444„--- 6,67„ aus einem heizbaren und einem uichtbeizbaren Zimmer... 1 167„---- 0,23„ aus einem heizbare» Zimmer und Küche......... 189 247,=36,09„ aus einem heizbaren Zimmer mit Küche und einem nicht heiz- baren Zimmer..... 23 265.= 4,44„ Rechnet man die Schiffswohnungen hinzu, so ergibt sich. daß fast genau die Hälfte aller Wohnungen in Berlin unzulänglich ist. Unzulänglich, weil man mit Sicherheit annehmen kann, daß fast alle oben angeführten Wohnungen von Ehepaaren mit Kindern bewohnt wer- den. Will eine solche Arbeiterfamilie mit Kindern auch nur einigermaßen den Geboten der Hygiene und Sittlichkeit entsprechend wohnen, so wird sie mindestens eine Wohnung von zwei heizbaren Zimmern mit Küche haben müssen. Solche Wohnungen sind aber für Berliner Arbeiter vollkommen unerschwinglich. Im Jahre 1905 kostete eine Wohnung be- stehend aus Küche und einem heizbaren Zimmer im Durch- schnitt 280 M.. eine Wohnung bestehend aus Küche und zwei heizboiren Zimmern im Durchschnitt 432 M. In der Königlich Sächsischen Ministerialverordnung vom 31. März 1903 an die sächsischen Gemeinden heißt es nun:„Als zu teuer wird eine Wohnung dann erachtet werden müssen, auf welche der Inhaber mehr als ein Sechstel seines Einkommens zu verausgaben hat." Legt man diesen gewiß nicht zu hoch ge- griffenen Maßstab zugrunde, so müßte eine Arbeiterfamilie in Berlin ein Einkommen von sechsmal 432 M. gleich 2592 M. haben. Wieviele Arbeiter mag es in Berlin geben, die über ein solches Einkommen verfügen? Noch dem neuesten statistischen Jahrbuch haben von allen in Berlin zur Einkommen- steuer herangezogenen Zensiten 92,16 Proz. ein Einkom- men unter 2700 Mark! Reckmet man zu den Kleinwohnungen im weitesten Sinne alle Wohnungen mit drei oder weniger heizbaren Zimmern, so gehörten nach der Aufnahme von 1905 unter allen bewohn- ten Wohnungen ohne Gewerberäume 91 Proz. zur Kategorie solcher Kleinwohnungen. In ihnen wohnten von je hundert Personen der anwesenden Bevölkerung 88, in Wohnungen mit nur einem heizbaren Zimmer von je hundert 431 Genaue neuere Ziffern betreffend die Wohnungsüber- völkerung im einzelnen gibt es unseres Wissens nicht: es unterliegt aber keinem Zweifel, daß die Wohnverhältnisse in Berlin auch nach dieser Richtung hin traurig bestellt sind. Schon seit langem hat sich das Schlafgängerwesen mit all den Nachteilen und Gefahren, die es mit sich bringt, in Berlin stärker ausgebreitet als in den meisten anderen Großstädten. Nach der Zählung von 1890 hatten 5 6.2 Proz. der Haushaltungen eine Schlaf st elle, 29,5 deren zwei, 10,5 deren drei, 2,7 deren vier. Fast genau drei Viertel dieser.Hanishaltungen waren Haushal tungen mit Kindern! Daß diese Verchältnisse sich seitdem irgendwie gebessert haben sollten, ist nicht anzunehmen. Im Gegenteil! Es ist zweifellos, daß, insbesonders in den letzten Jahren, auch hierin eine Verschlechterung eingetreten ist. Tie ungeheuerliche Auswncherung durch die preußischen Junker, die kolossale Preissteigerung der notwendigsten Lebens- und Gebrauchsmittel zwingt die Massen, ob sie wollen oder nicht, zu Einschränkungen der bisherigen Lebenshaltung: und zuerst wird an der Wohnung gespart. Man nimmt Schlafleute auf. um billiger zu wohnen. Wie es in solchen übervölkerten Wohnungen aussieht, darauf haben die so überaus dankenswerten, von den Grundbesitzern mit wildem Haß verfolgten Wohnungsengueten, die Albert Kohn im Auftrag der Ortskrankenikasse für den Gewerbebetrieb der Kaufleute alljährlich veranstaltet, erschreckende Streif- lichter geworfen. Solche dumpfen, übervölkerten Wohnungen sind Brutstätten füx Krankheiten aller Art. Hier erwächst zum großen Teil die moderne Geißel des Proletariats, die Lungen- schwindsucht. Auf allen hygienischen■ Kongressen hat mcm einhellig der Auffassung Ausdruck gegeben, daß gesunde Woh- nungen mit genügend Luft und Licht das beste und sicherste Vorbeugungsmittel gegen die Ausbreitung dieser Seuche sind, die Tuberkulose kann man als eigentliche Wohnungskrankheit bezeichnen. Die Berliner Stab tv er waltung aber hält es nicht für ihre Aufgabe, hier einzu- greifen. Man sucht sogar, solange es nur angeht, die vorhandenen Mißstände nicht offenkundig werden zu lassen. Bei den Verhandlungen ini Jahre 1900 beantragten unsere Genossen unter anderem auch die Errichtung eines städtischen Wohnungsamtes mit einer städtischen Wohnungsinspektion, und unser Redner begründete diese Forderung mit folgenden Worten: „Wir fordern alsdann die Errichtung städtischer Wohnung?- lnspektionen und eines städtischen Wohnungsamtes, mit dem ein städtischer Wohnungsnachweis wenigstens für die kleinen Wohnungen zu verbinden wäre. Der erste Schritt zur Besserung ist stets Kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse. Andere Städte und Staaten sind in diesem Punkte Berlin und Preußen voraus und die Tätigkeit dieser Behörden hat wenigstens daL Gute, daß die Bürgerschaft und ihre Vertretung vor den festgestellten Zuständen nicht länger die Augen verschließen und ein Ein- schreiten gegen solche unhaltbar gewordenen Zustände nicht aus Unkenntnis der Verhältnisse ablehnen kann. Das Wohnungsamt würde alle auf das Wohnungswesen bezüglichen Daten und Ziffern zu sammeln, zu sichten, zu bearbeiten und herauszugeben haben. Insbesondere würde auch dem Schlaf- gängerwesen besondere Beachtung zu schenken sein, da dieses. wie bekannt sein wird, in keiner Stadt annähernd solche Aus- dehnung angenommen hat. Wie in Berlin. Dem Wohnungs. Nachweis würden alle Vermieter gehalten sein, ihre leerstehenden Wohnungen unter Beschreibung derselben und Preisangabe an- zuzeigen und nach erfolgter Vermietung unter Angabe der zu- gezogenen Personen wieder abzumelden, so daß der Stand des WohnungSmarktes in Berlin bezüglich der Kleinwohnungen stets klar ersichtlich wäre. Die Wohnungsinspektion schließlich würde aus einem Stabe von bautechnisch und hygienisch gebildeten Beamten zu bestehen haben, die im Verein mit ehrenamtlichen Mitgliedern, welche sicherlich aus allen Schichten der Bevölke- rung sich finden, würden, die Wohnhäuser, besonders in den ärmeren Quartieren, in regelmäßigen Zwischenräumen zu be» sichtigen und zu kontrollieren hätten. In weiterer Folge würde man dann natürlich zu der Forderung kommen, daß solche Wohnungen, die bestimmten hygienischen Minimalforderungen nicht entsprechen, nicht weiter bewohnt werden dürfen, und daß eventuell gegen Vermieter, die solche Wohnungen dennoch vcr» mieten, eingeschritten werden müßte." Mit einigen sckjalen Späßen, wie z. B., daß mit solchem Antrage die Sozialdemokratie nach„noch mehr Polizei" ver- lange, lehnte die Versammlung unter Zustimmung der Magi- stratsvertreter den Antvaig ab. Ami. Oktober 1910 ist nun von unserer Nachbargemeinde Eher- l 0 t t e n b u r g ein st ä d t i s ch e s Wohnungsamt ins Leben gerufen worden, welches genau auf der von unseren Genossen skizzierten Grundlage aufgebaut ist, und die Begründung der Vorlage durch den Charlottenburger Magistrat deckt sich vollkommen, fast wörtlich mit der Begründung, die unsere Genossen damals im einzelnen! ihren verschiedenen Vorschlägen gegeben haben. Die Errichtung eines mit einer Wohnungsinspektion ver- bundenen Wohnungsamtes ist der erste Schritt, ja die Voraus- setzung für ein besserndes Eingreifen in die Wohnungsver- hältnijse. Auch mit einer solchen Maßnahme hat Berlin sich von Charlottenburg überflügeln lassen. Dabei liegen in Charlottenburg die Dinge bei weitem nicht so schlimm wie bei uns. Wann wird Berlin bem Charlotten» burger Beispiel folgen? lieln tag ohne provoliatlon! Die führenden konservativen Orgaue geben sich die erdenklichste Mühe, in jeder neuen Nummer die Richtigkeit der Annahme zu be- weisen, daß die Straßenschlachten der letzten Wochen nichts sind als das Werk der Hetzarbeit der Junker, die durch systematisch betriebenen Aufruhrschwindel Wahlmache treiben, durch Erzielung reaktionärer Wahlen die volksfeindliche Trutz- Politik verewigen und obendrein eine brutale Knebelpolitik gegen die Arbeiterklasse inszenieren möchten. Diese Absichten der Reaktion sind so durchsichtig, daß selbst ein so gemäßigtes Sllatt wie.Vossische Zeitung" erklären muß, unseren Gewalt- Politikern sei nichts erwünschter, als wenn es gelänge, kurz vor den Wahlen blutige Straßenkrawalle zu provozieren. Immer, sagt die .Vossische Zeitung", wenn Ritter und Heilige ihre Herrschaft sichern und wiederherstellen wollten, zeigten sie daS rote Gespenst .Wie also sollte man nicht verstehen, daß den Reaktionären von der schärferen Tonart, die sich in Sehnsucht nach Staatsstreich und Diktatur verzehren, ein gelindes Blutbad in Moabit oder auf dem Wedding als eine rettende Tat er- scheinen kann." Die.Krcuzzeitung" schilt zwar auf diese„widersinnige" Auf- fasiung der.Vossischen Zeitung". Aber ihre eigenen Worte strafen sie Lügen. Ist doch die.Kreuzzeitung' nicht minder eistig als die .Deutsche Tageszeitung" am Werke, den Notkoller unserer Polizei« vehörden derartig ins Delirante zu steigern, daß die Ijeißersehnten Metzeleien unausbleiblich scheinen. Oder kann eS etwas Tolleres, Aberwitzigeres, Verbrecherischeres geben, als wenn die„Kreuz-Ztg." die Behörden, in erster Linie natürlich die Justiz« und Polizei- behörden sdie ja eine so außerordentliche EmpfSng- lichkeit dafür bewiesen haben!) über das Wesen der Sozialdemo« kratie nach der Phantafie eines Frankfurter Sudelblättchens folgender- maßen zu„informieren" sucht: „Ein Mitarbeiter dieses Blattes begab sich kürzlich, als schlichter Arbeiter verkleidet, gelegentlich der Offenbacher Stadt- berordnetenwahlen, die den Sieg der Sozialdemokratie herbei- geführt halten, nach Offenbach a. M. und setzte sich unter die Sozialdemokraten. In gehobener Siegesfreude saßen dort zahl- reiche Männer und Frauen beisammen und jubelten über den sozialdemokratischen Erfolg. Eine der Frauen sagte, in dem Glauben, daß nur Gesinnungsgenossen in der Nähe saßen:„No, jetzt sein mer bald so weit, daß mer kaa Steuern mehr zu zahle hawe. Mer hawe jetzt bald genug von unsere zu- sammegewählt."— Eine andere sagte mit zynischem Lächeln: ..Kinner, wenn mer erst emol so weit sein, daß mer demreiche Volk's Messer in de Wams steche könne, dun hun mer gewönne."— Eine dritte sagte:„Get ham, deß will ich gor nett. Mir genügts, wenn ich dem Kommcrzienrat K. seine uff- geblasene Döchter die seidene Fetze vom Leib runner reiße, unn en uffs Maul Hage derf, dene hochnäsige Frauenzimuier."— So in diesem Ton ging die Unterhaltung weiter. Es war ekelhaft zu hören, wie diese roten Genossinnen sich gegenseitig an Wildheit überboten. Ein langer, stämmiger Arbeiter erklärte zur Beruhi- giliig der Umsitzenden:„Kinner, deß sag ich euch, noch zwaa Wahle, unn mer kenne losschlage. Awer dann sag ich euch, nix wie druff. Es derf kan Staa(kein Stein) uff dem annern bleiwe." Wenn sich die Leser de? vornehmsten konservativen Blattes solch hirnverbranntes Zeug auftischen lassen, kann man sich freilich nicht darüber wundern, daß dadurch erweckte Wahnverstellungen sich auch in Köpfen von Staatsanwälten festzusetzen vermögen I Und während die„Kveuzzeitung" dergestalt die Sozial- demokratie als eine Horde stupider und gewalt- tätiger Individuen schildert, damit nur ja die Polizei in jedem Exzeß verwahrloster Burschen gleich die„rote Revolution" wittert und demgemäß durch unsinnige Machtentfaltung und pro- vozievende Karabinerparaden für Volksansammlungen sorgt, brüllt die„Deutsche Tageszeitung" tagtäglich nach rück- sichtslosem Draufgehen der Polizei. So auch wieder in ir; Donnerstagnummer. Das edle Organ der Januschauer prophe- zeit erst mit zynischer Gelassenheit den Großstädten auch für die Zukunft..Streikunruhen. Aufruhr und Land- friedensbruch, Vorübungen zur Revolution", um dann um so brünstiger nach„kraftvoller Entschiedenheit", nach„un- beugsamer Strenge" zu schreien. Und nicht nur gegenüber den „Zusammenrottungen".in den Städten, sondern auch gegen dir Proletarier auf dem platten Lande! Denn wie leicht könne auch auf dem Lande„der revolutionäre Funke zünden!" Schon beginne auch hier die Rechtssicherheit abzunehmen, schon verwirre auch hier der Geist der Auflehnung die Köpfe. Da aber die revolutionäre Gefahr auf dem Lande noch viel schlimmer sei als in den Städten, sei es nötig,„jede Ungesetzlichkeit, jeden Widerstand gegen die Staatsgewalt, jede» Spielen mit der Revolution mit unbeugsamer Strenge zu unterdrücken!" Nun, wi* werden dafür sorgen, daß die rührende Liebe der Junker zu ihAr Landarbeiterschaft überall gebührend bekannt wird! Die„kleinen Unregelmäßigkeiten". L Aus dem Ruhrbecken wird uns von bergmännischer Seite zum Bochumer Radbodprozeß geschrieben: Am Morgen des IL. November 190S ging die erschütternde Kunde in die Lande von dem größten Unglück. daS sich im deutschen Bergbau je ereignet hat. 340 Menschen waren in den Gängen von Radbod auf einen Schlag getötet, über dreißig verwundet, vielfach so schwer, daß der Tod sie nach wenigen Tagen von schweren Leiden erlöste. Eine ungeheure Erregung verbreitete sich unter den Bergleuten des rheinisch-west- fälischen Jndustriebezirks. Wie groß sie war. davon hat ja der Hohenzollernprinz Eitel Friedrich seinem Vater Mitteilung machen können. Bekannt ist. wie Monate hindurch das Massen- unglück Gegenstand eifriger und aufregender Diskussionen unter den Bergleuten, in der Presse und den Parlamenten war. In erster Linie wiederholte sich immer und immer wieder die Frage: Wie war es möglich, daß mit einem Schlage aus dem Radbodschacht ein einziges Leichen- und Trümmerfeld wurde? Der Schreiber dieses Artikels sollte noch am Unglückstage über die Ursachen der Katastrophe von den überlebenden Bergleuten der Zeche Radbod Aufklärung erhalten. Mehr als 60 alte, erfahrene Bergarbeiter setzten sich mit ihm am Nachmittag zu einer Besprechung zusammen. In wenigen Stun- den war man sich klar geworden, daß auf Radbod alle Grundbedingungen vorhanden waren, die zu dieser entsetzlichen und umfangreichen Kata- strophe führen mußten. Wo der Schlagwetterherd war und von wo aus die Explosion in der Grube ihren Anfang nahm, darüber herrscht bis heute noch Unklarheit. Das mag daher kommen, weil die Radbodzeche ein Wetter loch ist. Der Zeuge und Sachverständige des Klägers, der Bergmeister Hallender, hat das bestätigt:„Auf Rad- bod war eSüberall gefährlich!" Kein Wunder also, daß gewaltige Brüche(niedergegangene Strecken) und große Brandstellen sich nach der Katastrophe an vielen Stellen der Grube vorfanden. Da ist eS fast unmöglich, den Herd festzustellen. Doch um diesen Herd allein handelt es sich nicht bei Beur- teilung deS RadbodunglückS. Wer diesen Gedanken nach außen trägt, täuscht die Oeffentlichkeit. Wir haben alle Augenblicke Schlagwetterexplosionen im deutschen Bergbau zu verzeichnen. Und doch beschränken sich diese Explosionen meist auf ihren Herd. Nur verhältnismäßig wenige Bergarbeiter fallen ihnen daher zum Opfer. Wenn eine Explosion von folgenschwerer Wirkung ist, dann hat die Explosion neue Nahrung und Träger gesunden, die auf Radbod so stark gewesen sein mußten, daß die Explosion, die Wetter ströme und Wetterabteilungen durchbrechend, firb auf alle Reviere der Grube verteilte. Auf Radbod war eS eben üverall gefährlich! In jener Besprechung am Tage der Katastrophe stellten wir fest, daß große Schlagwetteransammlungen an den verschieden st en Stellen der Zeche vorhanden waren. Das Feuer griff von einer dieser Ansammlung zur anderen über, blitzschnell! Als Träger der Feuersäulen diente dann noch der Kohlenstaub, der auf Radbod sich in großen explosiv« fähigen Mengen mehr als genug vorfand. Um den Kohlenstaub explosionsunfähig zu machen, ist seit mehr als einem Jahrzehnt die Berieselung vorgeschrieben. Der Staub wird durch Wasser unschädlich gemacht. Diese Berieselung funktionierte auf Radbod nicht immer. Stundenlang und kurz vor dem Unglück, wenige Tage vorher, kam eine ganze Schicht und Enger noch überhaupt kein Wasser. Alles das wurde an» Unglücks- läge ick her Besprechung festgesiellk, unb bamik ivareN Lke Vorbedingungen für die Katastraphe erkannt. Das Gericht sprach in seiner Begründung von„kleinen Unregelmäßigkeiten", die«auf jeder Grube vor- kommen". Eine für die gesamte Bergarbeiter- schaft hoch st bedenkliche Feststellung des Gerichts? Denn diese„kleinen Unregelmäßigkeiten" führen zu Katastrophen und haben bisher Tausenden von Bergleuten das Leben gekostet. Und das wird so weitergehen, bis man diesen„kleinen Unregel- Mäßigkeiten" energisch zu Leibe rückt. Weiter wurde in der Besprechung festgestellt und jetzt an Ge- richtSstclle bestätigt, daß die Zeche Radbod als neues Werk eine er. staunlich schnelle und hohe Kohlenförderung ent- wickelte, daß auf diesem„Pütt" die Belegschaftsziffer rapide zunahm, ein Teil dieser Belegschaft aus Leuten be- stand, die bergfremd waren, mindestens nicht mit den Gefahren des Bergbaues vertraut waren. Wie fast auf allen neuen Werken, so war auch auf Radbod der BelegschaftSwechsel ein sehr großer, weit über den Durchschnitt des Wechsels auf den Gesamt- gruben deS Ruhrbeckens hinausgehend. Auch daS trug zur Er- höhung der Gefahren bei. Mit anderen Gruben gemein hatte Radbod die fürchter- liche Antreiberei und die schlimme Behandlung der Bergarbeiter. Die Bergarbeiter wurden mit Lohnreduktio- neu gequält: oft betrugen sie bis zu einem Viertel und mehr noch der Wagengedinge. Die Folge ist, daß die Bergarbeiter jedes menschliche Arbeiten aufgeben müssen. Sie fangen an zu wühlen, lassen dann vielfach die Sicherheitsmaßnahmen außer Auge, pfuschen sogenannte„Pferdeställe", d. h. Hohl- räume im Bergeversatz, zusammen. Das ist eines der wichtigsten Momente, das zur Erhöhung der Gefahren beiträgt. Wenn man die Frage stellt, was die Ursachen einer Katastrophe sind, ist die Angabe durchaus ungenügend, hier oder dort sind die Schlagwetter oder der Kohlenstaub entzündet worden. Damit ist die Frage näm- lich nur halb beantwortet. Man muß nach allen den„kleinen Unregelmäßigkeiten" fragen. Schlagwetteransamm- lung, Kohlen st aub, Berieselung, Wetterfüh- rung. BelegschaftSentwickelung. Arbeiterbe- Handlung und vor allen Dingen die Lohnfrage müssen zur Beurteilung der Ursachen einer Ka- tastrophe geprüft werden. Mit der bloßen Feststellung, hier und da haben sich die Wetter entzündet, ist nichts gesagt. Das Bochumer Landgericht hat einzelne der genannten Unfall- Ursachen berücksichtigt, andere nicht. In seinem Urteil hat eS die Lohnfrage mit Absicht völlig außer Betracht gelassen. Damit aber hat das Gericht gezeigt, daß es nicht weiß, wie die Bergarbeiter gerade über die Lohnfrage in ihrem Zusammenhang mit der Un- fallfrage denken. Wir machen dem Gericht keinen Vorwurf, wenn eS nebensächliche Momente für wichtiger hielt zur Beurteilung der Unfallsursachen. Wir konstatieren nur, daß die Bergarbeiter anderer Meinung sind. Seit Menschengedenken hat sich hier die Ueberzeugung fcstgenistet, daß die meisten Unfälle im Bergkau ver- hütet werden, wenn eine-vernünftige Regelung der Lohnfrage statt- findet. Die heutigen Lohnverhältnisse treiben die Bergarbeiter massenhaft in den Tod! Unfall- fragen und Lohnfragen lassen sich darum nicht trennen. Zu den Mißständen gehört dann schließlich auch die Gruben- a u f s i ch t, wie sie von der Grubenverwaltung und den Beamten ausgeübt wird. Und nicht zu vergessen, die Grubenaufsicht durch die Bergbehörde! Mit Erstaunen vernahmen wir vor Gericht, daß z. B. Steiger auf Radbod nicht einmal daS Wetterbuch kannten! Und selbst Direktor Andrer, der Nebenkläger und Leiter der Grube Radbod, kannte die gesetz- lichen Bestimmungen über die Eintragungen von Schlagwettern in die Wetterbücher nicht! Herr Berginspektor Hallender vom Bergrevieramt Hamm hatte die gefährlichen und vielfach konstanten Wetteransammlungen nicht bemerkt. Daß Radbod ein Wetterloch und gefährlich war, hat er ja zugegeben, aber wo die gefährlichen Stellen waren, dahin ist er nicht gekommen. Bis auf ganz ge- ringe Kleinigkeiten hat er„alles in bester Ordnung" ge- funden, was er bekanntlich auch dem Geheimen Oberbergrat Meißner aus dem Ministerium noch am Tage der Katastrophe gesagt hat. Wunderbarl Wenn„alles m bester Ordnung" ist, passieren die schrecklichsten Unglücksfälle! Es war höchste Zeit, daß die Sicherheitsmänner kamen. Während sich vor Gericht die Beamten bemühten, die gefährlichen Wetteransammlungen abzu- streiten, fand ein organisierter SicherheitS» mann erneut einen großen Hohlraum mit einer großen Menge angesammelter Schlagwetteriii Also noch heute dieselben schlimmen Gefahrenquellen, wie vor der Katastrophe! Der Prozeß hat gezeigt, daß die„Bergarbeiter-Zeitung", die die Ergebnisse der Besprechung am Unglückstage sofort veröfsent» lichte, über die vorhandenen Mißstände und Gefahrenquellen vor dem Unglück gut orientiert war. Aus den Verhandlungen deS Prozesses hat sich ergeben, daß das Organ des Bergarbeiterverbandes eher zu wenig als zu viel über die Mißstände und Gefahren- quellen geschrieben hat. Vielleicht war das der Grubenverwaltung der Zeche Radbod bekannt. Wegen Aufdeckung dieser Mißstände wurde nicht Klage erhoben, man versuchte auf Umwegen mit einem Prozeß an die„Bergarbeiter-Zeitung" heranzukommen. Darüber im zweiten Artikel. m Gegen das Urteil im Radbodprozeß ist tstevifiog an� gemeldet worden._ politische OcbcrHcht. Berlin, den 3. November ILIO. Der Reichshaushaltsetat für Ivtt. Der Regierung liegt allem Anschein nach außerordentlich viel daran, den Eindruck zu erwecken, als sei der neue Reichs- haushaltsetat für das Finanzjahr 1911/12 mit dem Bestreben aufgestellt, möglichst bei allen Posten zu sparen. Wie die „Köln. Ztg." zu melden weiß, sollen von den Forderungen der einzelnen Ressorts durch das Reichsschatzamt nicht weniger als 100 Millionen Mark gestrichen worden sein, ungefähr 50 Millionen bei den ordentlichen und 60 Millionen bei den außerordentlichen Ausgaben.. In diese Abzüge teilen sich, so erfährt das Kölner Blatt, sämtliche Ressorts, und auch Heer und Marine sind mit ihnen bedacht worden. Auf die Gestal- tung der Anleihe hat die durch das Finanzgesetz von 1909 vcrgesehene Schuldentilgung günstig eingewirkt. Für sie sollen nach dem Etatsgesetz 60 Millionen mchr als im Vorjahr auf- gelvandt»verden. Bei den Etats war als leitender Grundsatz für daö Ordinarium aufgestellt worden, daß man aus Ersparnisrücksichten keine neuen Beamtenstellen schaffen, keine Neubauten vornehmen und keine kostspieligen neuen organi- satorischen Maßnahmen genehmigen dürfe. Ausnahmen sollten nur. in wirkliche,»„Notfällen" statthaft lein« Dement- sßre�en? ftn!) z. A Ect 5en Ren?sessen?a?nM irsae Tkek» len für mittlere und Unterbeamte geschaffen und eine Aufbesserung der Arbeiterlöhne vor. gesehen worden. Ebenso konnten sehr erhebliche Auflvendun- gen für einen ausreichenden Gütemagenpark nicht vermieden werden, da den Anforderungen des Verkehrs unter allen Um- ständen nachgekommen werden mußte. Ferner sind im Bereich des Auswärtigen Amts dadurch Mehrforderungen entstanden. daß wie alljährlich die Zahl der Berufskonsulate vermehrt wurde. Dagegen soll der Reichszuschuß zu den Ausgaben der Kolonien weit geringer angesetzt sein, während für das Heer und die Flotte natürlich, wie gewöhnlich, Mehrforderungen verlangt werden. Die«Köln. Ztg." begründet diese höheren Etatsansätze folgendermaßen: Bei der Heeresverwaltung »varen für Verstärkungen und sonstige militärische Einrich- tungen auf fünf Jahre feste Ausgaben bewilligt worden, Naturgemäß waren diese im ersten Jahre minder erheblich, und es stiegen dann die Raten mit jedem Jahre in dem Maße, wie die betreffenden Organisationen zur Vollendung gebracht waren. Wenn nach Beendigung des fünfjährigen Abschnittes ein Beharrungszustcmd eingetreten sein wird, werden sie sich abermals als höher herausstellen als bei der jetzt fälligen Rate. Auch bei dem Ordinarnim der Marine ist,»vobei die allgemeine Teuerung aller Verhältnisse in erster Linie maßgebend ge- Wesen sein dürfte, eine Verminderung der Aus- gaben nicht zu erreichen gewesen, vielmehr dürftensiesichumeinigeMillionenerhöhen. NationaMberal-frcisinnige Wahlkoalitione»». Obwohl in nationalliberalen Kreisen wenig Neigung vorhanden ist, sich im nächsten Reichstagswahlkampfe mit den Fortschrittlern zusammen zu spannen, dürste eS doch in einzelnen Landesteilen zwischen Rationalliberalen und Fonschrittlern zu einem gemein- samen Borgehen bei den nächsten ReichstagSwahlen kommen. Nach« dem in W ü r t t e m b e r g die Verhandlungen bis zum fonuellen Abschluß gediehen sind, ist jetzt auch über die ReichStagSwahlkreise in Kurhessen, soweit fie zurzeit von den Antisemiten vertreten werden, eine Verständiguag erzielt worden. Auch zwischen der vollspartei und den Nationalliberalen des Nheinlandes werden demnächst Verhandlungen zwecks Einigung über die rheinischen Wahlkreise stattfinden. In Hannover und Thüringen sind bekanntlich die Einignngsversuche gescheitert, ebenso in Westfalen. Dort haben die Narionalliberalen bei der Suche nach Bundesgenossen die Konservativen den Fortschrittlern vorgezogen. Sie wollen im ReichStagSwahlkreise Bielefeld-Wiedenbrück den Kon- servativen helfen, während in Halle-Herford die Konservativen den nationalliberalen Kandidaten unterstützen sollen. Berdallhornungsarbeit der Justizkommisfioa. In erster Lesung der Strafprozeßordnung wurde in einem neuen§ ISö» bestimmt, ein sogenanntes Zwischenverfahren einzuführen, das heißt, eine vor der Hauptverl>andlung erfolgende Beweiserhebung oder Fortsetzung der Voruntersuchung auf An- trag des Angeklagten stattfinden zu lassen. T« das der Regierung zu weit ging, beantragten die Nationalliberalen die Streichung des 8 19Sa. Die Regierungsvorlage sah das Zwischen- verfahren nur für Strafkammersachen vor, während sie die Kom- Mission auch aus das Amtsgerichts verfahren ausdehnte. DaS war um so nötiger, als durch den§ 23,2 des Gerichts- Verfassungsgesetzes eine Reihe Sachen, die zur Zuständigkeit der Strafkammer gehörten, nach dem Ermessen das Staatsanwalts dem Amtsgericht zugewiesen werden können, wenn voraussichtlich die Strafe nicht höher als sechs Monate Gefängnis sein würde. In der Donnerstag- Sitzung st r i ch auch hier wieder die Kommission mit 15 gegen 13 Stimmen das, was sie in erster Lesung beschlossen hatte. Selbst ein Vermittelungsantrag Gröber, zumindest in den durch das Ermessen der Staatsanwaltschaft dem Amtsgericht zugewiesenen Strafkammerdelikten ein Zwischen- verfahren Platz greifen zu lassen, wurde abgelehnt! Für diese Verschlechterung stimmten geschlossen mit den National- liberalen und Konservativen auch wieder die Freisinnigen! Ebenso half beim 8 201 der süddeutsche Abg. Storz die Vorrechte der Staatsanwaltschaft stärken, indem er mit den Nationalibcralen und Konservativen dafür stimmte, daß nur der Staatsanwalt gegen den Beschluß des Gerichts, das Hauptverfahren nicht zu eröffnen, Beschwerde erheben kann. Da- gegen stimmten die Freisinnigen mit den übrigen bürgerlichen Ab- geordneten einen Antrag unserer Genossen zum 8 208 nieder, der in den Fällen, in denen bei Heber« tretungen der Arbeiterschutzbestimmungen das Hauptverfahren nicht eröffnet wird, auch den Gewerbe» aufsichtsbeamten und den Mitgliedern der Ar- beiterorganisationen das Recht der Beschwerde geben sollte! Nur einmal schwangen sich die Freisinnigen zu dem riesigen Antrag auf(§ 222), der Staatsanwalt sollte nebst dem Ver» teidiger abseits vom Richtertisch sitzen. Mit Heiter- keit nahm die Kommission den Antrag entgegen und lehnte ihn ab. Die Beratung über Aufhebung einer der schlimmsten im Entwurf enthaltenen Verschlechterungen. Beseitigung des Anspruchs auf Abhörung aller gestellten Zeuge« und SachvcrstLndigea, wurde nach längerer Diskussion abgebrochen. Die Einberufung des preußischen Landtages. Der preußische Landtag soll am 10. Januar 1911 seine Tätigkeit wieder aufnehmen. Neben dem Etat wird er sich vornehmlich mit der ostpreußjschen Wegeordnung, mit der rheinischen Landgemeindeordnung, später mit dem Wasser- gesetz lind mit dem Gesetz zur Neuregelung der Steuer- Verhältnisse zu beschäftigen haben. Die angebliche Kandidatur des GeheimratS Riefser. Liberale Blätter wußten kürzlich zu melden, daß der Präsident deS Hansabundes, Geheimrat Riesser, im 12. hannoverschen Wahlkreise(Göttingen-Duderstadt) als nationalliberaler Reichstags» kandidat ausgestellt worden sei. Die Meldung ist unrichtig; die Nationalliberalen Güttingens haben sich überhaupt noch nicht näher mit der Aufstellung eines ReichStagslandidaten für die nächste ReichStagswahl beschäftigt. Zudem würde den Hansabund-Präfidenten mit einer Auf- stellung in diesem Kreise kaum gedient sein; denn der 12. hannoversch« ReichstagStagSivahlkreiS ist bislang erst ein einziges Mal im Besitze der nationalliberalen Partei gewesen— bei den SeptennatS- wählen im Jahre 1887. Bei den folgenden allgemeinen Wahlen eroberte der alte Abgeordnete, der deutsch-hannoversche Zentrums- Hospitant Götz v. Olenhusen, daS Mandat zurück und behauptete eS bis heute, auch bei den ReichStagSauflösungen im Jahre 18S3 und 1007. Bei den Blockwahlen standen die Nationalliberalen zwar mit &L07 Stimmen an der Spitze, da die Deutfchchannoveran« nur 7177 und die Sozialdemokratin SLIS Stimmen erhielten. Dieses verdältnismähig günstige Ergebnis verdankten die Nationalliberalen jedoch nur der Hilfe von rechts und der Blockbegeisterung der Nicht- Wähler._ Kopp und Fischer. Die„Germania" dementiert die von unserem Kölner Partei- blatt, der„Rhein. Ztg.", veröffenllichte Mitteilung, dast der Kardinal Kopp in seinem Briefe an Fräulein v. Schalicha geschrieben habe, er habe von Rom auS den Austrug erhalten, nach Köln zu gehen zum Eucharistischen Kongreß, und zwar um der dort stattfindenden Bischosskonferenz zu präsidieren, da Rom dem Kardinal Fischer nicht traue. Die Germania erklärt wörtlich: „Das ist unwahr. Uns liegt eine bollständige Abschrift dieses Briefes an Fräulein v. Sdmlscha vor. aber von alledem, was die „Rheinische Zeitung" behauptet, ist kein Wort darin enthalten. Der Kardinai-Fürstbischof Kopp hat überhaupt niemals ein Wort geschrieben oder gesprochen, was auf die Verwaltung des Kardinal- Erzbischofs Fischer auch nur den leisesten Schatten werfen könnte." Sammlungen für die Bremer Polizei. Aus Bremen wird uns gemeldet: Bei der hiesigen Schutzmännschaft besteht eine sogenv-nnte Hilfslasse, die für außerordentliche Unterstützungen in Not- fällen bestimmt ist. Um nun dieser Kasse Gelder zuzuführen, sind dieser Tage die Inhaber größerer Lvralitäten, Caf6s usw. um Spenden angegangen worden. Es wurde ihnen von einem Beamten gesagt, daß auch in diesem Jahre, noch Schluß des Freimarktes(Jahrmarkts) sich verschiedene Wirte bereit gefunden hätten, in die Hilfskasse eine Spende zu geben. Natürlich schließt sich kein Wirt aus. Die„B ü r g e r z e i t u n g" verlangt in ihrer heutigen Nummer eine sofortige Erklärung seitens der Behörde, ob sie diese eigenartigen Sammlungen billigt. Klassenjustiz. Daß viele Richter namentlich streikenden Arbeitern gegenüber nicht vorurteilslos sind, ist bekannt und wird auch durch zahlreiche Beweise der schlimmsten Klassenjustiz erhärtet. Dennoch ist diese Voreingenommenheit wohl noch selten so kraß hervorgetreten, wie in 1 einem Brief, den der in Lübeck bei der dortigen zur Bekämpfung der Sozialdemokratie gegründeten RechtSauStnnftsftelle tätige Assessor Westerwick an einen Wirt schrieb. Das Dokument, dessen Beran- lassung schwere Ausschreitungen seitens der Streik- brecher beim Werftarbeiterkampfe in Lübeck war, lautet wörtlich: Lübeck, 27. S. 10. Anbei den heutigen Bericht des„L.-A." über den Tumult am Sonnabend. Darnach leugnet die Zeitung absolut nicht, daß die Tumultuanten Arbeitswillige waren. Die Schuld tragen aber die Sireikenden. welche die andern zwingen wollen. Deshalb haben die sich bewaffnet. ES wäre gar nicht schlecht, wenn einige von den Kugeln in derNotwehr auf die Streikenden abgegeben wären und getroffen hätten. Also obwohl der Assessor genau wußte, wie er selbst schreibt, daß die Tumultuanten Streikbrecher waren, wünschte er doch den Streikenden einige Kugeln. Und dieser gemütvolle Herr wird vielleicht demnächst Richter. Was werden die Arbeiter von ihm zu erwarten haben?_ Berkehrsminister und Beamtenabgeordneter. Die Meldung der„Frankfurter Zeitung", daß der bayerische Zentrumsabgeordnete und Bahnverwalter C a d au wegen einer m Weiden gehalienen Rede, in der er auf die bekannten Weidener Vorgänge zu sprechen kam, vom bayerischen Verkehrs- mini st er zur Verantwortung gezogen worden sei, ist nach dem.Bayer. Kurier" uuzutreffend.„Wahr ist nur." so schreibt das ZentrumSorgan,„daß in loyaler Form bei Herrn Ab- geordneten Cadau Auskunft darüber erholt wurde, ob ein Stimmungsbericht, der über die Versammlung in einem Blatte er- schienen war, und der naturgemäß von einer wörtlichen Wiedergabe abfoh, in seinen Einzelheiten bezw. in einzelnen Wendungen wort- getreu referiere. Da dies nicht der Fall war, so war die Angelegen- heit ohne weiteres erledigt."_ Pädagogisches aus Baden. An das Gymnasium in L a h r ist plötzlich ein Professor der OffenburgerRealschuleauf seinen Wunsch versetzt worden. der schon lange Zeit seine bewährte Lehrtätigkeit in Offenburg aus- übte. Ueber die Veranlassung zu diesem Platzwechsel erfährt man, daß die Frage der Konfession eine Rolle spielte. Der Professor K. ist Jude. Ein dortiges Blatt berichtet: „Der Direktor der Realschule habe in einer Unterrichts- stunde zu den Schülern gesagt:„Nur ein guter Christ ' könne ein guter Schüler sein". Die Folgerung aus dieser Aeußerung wäre auch, daß nur ein guter Christ auch ein guter und gewissenhafter Lehrer sein könne. Der Herr Professor habe daraus die Konsequenz gezogen, daß seine Autorität über die Schüler untergraben sei, wenn derartige Lehrsätze von vor- gesetzter Stelle verkündet würden und habe darum seine Versetzung erbelen." In dieser Sache hatte der großherzogliche Oberschulrat in Karlsruhe die Entscheidung und zog es vor, den Professor von der Realschule hinwegzunehmen statt den Direktor zu emfcrnen. Aber: eS handelt sich um einen eifrigen ZentrumSmann, der viel- leicht im Sinne der neuesten Kaiserrede seine Realschüler dahin erzieht, daß sie auch im guten Christen nur den einzig wahren Patrioten erblicken können. So soll die freiheitliche Schule in Baden aussehen?_ Der staatsgefährliche Gemeindevorsteher. Den zum Gemeindevorsteher in Gräbel, Kreis Bolkenhain, gewählten Stellenbcsitzer Hermann Adler wurde durch das nachfolgende Schriftstück des Landrates des Kreises Bolkenhain die Bestätigung veriagt: „Die am 11. September auf Sie gefallene Wahl der Ge- meindevertreter zu Gräbel zum Gemeiiidevorstcher der Gemeinde Gräbel wird uiner Zustimmung des KreiSauSschusses nicht b e- stätigt. v. Loesch." Der Grund dieser landrätlichen Verfügung ist darin zu suchen. daß per nichtbestätigte Gemeiiidevorsleher bei der letzte» Reichstags- erfatzwabl in Jauer-Landeshut-Bolkenhain den Sozialdemolraien seinen Garten zur Abhaltung einer Versammlung unter freiem Himmel zur Bersügung stehle._ Pensionsverfichervng der Privatangestellten. Die kommissarischen Beratungen über den Gesetzentwurf, der diese Materie regeln soll, haben irn Reichsamt des Innern begonnen. Man rechnet damit, daß der Gesetzentwurf noch vor Weihnachren dem Reichstage zugehen kann. Wenn dann gleich nach den Weihnachts- fcrien die erste Lesung der Vorlage vorgenommen wird, so glaubt man, bestimmt damit rechnen zu können, daß noch in der laufenden Tagung des Reichstages das Gesetz fertiggestellt werden kann. Oertcrmch. DaS LandtagSmaudat LuegerS erobert. Wien, 3. November.(Privatt»legramm des„Vorwärts".) In der heute stattgefundenen Stichwahl im 2. Bezirk für den österreichischen Landtag siegte der Sozialdemokrat Franz S ch u h m e i e r mit 12 7M Stimmen über den Kandidaten der Christlichsozialeii, Preher, der 11 623 Stimmen erhielt. Bei der Hauptwahl hatte Schuhmeier 6471 gegen 10832 christlichsoziale erhalten. Unsere Erwartung hat sich also erfüllt: Die Erben nach Lueger sind die Sozial- demokraten. franhmcb. Das Ministerium der sozialen Reaktion. Paris, 3. November.(Privattelegramm des„Vor- wärts".) Bis zur Stunde ist das Kabinett noch nicht end- gültig gebildet, obwohl B r i a n d hoffte, es bis zum heutigen Zusammentritt der Kammer fertig zu haben. Die Kammer mußte sich daher gleich bei ihrem Zusammentritt auf Diens- tag vertagen. Briand begegnete schon in dem Bestreben, Radikale oder Radikalsozialisten für sein reaktionäres Pro- gramm zu gewinnen, größeren Schwierigkeiten, als er an- genommen hatte. Namentlich ist ihm an dem Eintritt und der Mitschuld M i l l e r a n d s gelegen, da sonst sein Kabinett, vielleicht von Pichon abgesehen, aus seh'r wenig be- deutenden Leuten, die ihr Portefeuille nur der Gunst Briands verdanken, bestehen würde. Auch muß er Millerand, diesen bewährten Intriganten, außerhalb des Ministeriums mehr fürchten als innerhalb der Regierung. Doch ist es bis zur Stunde noch zweifelhaft, ob Millerand es für klug hält, sich durch sein Eintreten für die Reaktion zu kompromittieren. Ein Mitglied der neuen Regierung meinte, es handle sich darum, ob Millerand mit der neuen Gesetzgebung einverstanden sei. Diese soll Eisenbahnausstände und sonstige Ausstände in öffentlichen Verwaltungszweigen unmöglich machen. Briand wünsche die Abänderung des Koalitionsgesetzes vom Jahre 1884, namentlich in der Richtung, daß gegen Streikende in öffentlichen Ver- waltungszweigen die schwersten Strafen borge- sehen würden. Es sei aber notwendig, daß zwischen Briand und Millerand, der als Bautenminister diese Gesetze werde parlamentarisch vertreten müssen, vollstes Einvernehmen herrsche. Derselbe Minister erklärte übrigens noch über die politische Stellung der neuen Regierung:„Es wird ein Kabinett radikaler Färbung sein, mit einem durchaus antirevolutionären Program m." Damit ist der arbeiterfeindlicheCharakterdes neuen Kabinetts offen gekennzeichnet. Der Te m p s schreibt: Welches Ministerium auch immer ans Ruder kommen wird, es wird vor allem die Aufgabe haben, ein für allemal jenem Zustande ein Ende zu machen, der es selbst den anständigen Eisenbahnbediensteten gestattet, sich einem A u s st a n d anzuschließen, als ob das eine ganz natürliche Sache wäre. Die Eisenbahner wie alle anderen Angestellten der öffentlichen Dienstzweige, müßten durch ein unzweideutiges Gesetz darauf aufmerksam gemacht werden, daß jede verabredete Einstellung der Arbeit, selbst wenn dabei keinerlei Gewalttätig- leiten vorkommen, als ein Verbrechen gegen das Vaterland gelten würde. Die voraussichtliche Ministcrliste. Paris, 3. November. Falls Milherand das Portefeuille der öffentlichen Arbeiten annimmt, würde das neue Kabinett bestehen aus: Ministerpräsident und Inneres Briand, Justiz Theodor Girard, Auswärtiges Pichon, Krieg General Brun, Marine Admiral Boue de Lapehröre, Unterricht Moriz Faure. Finanzen Klotz. Handel Jean Dupuy, Ackerbau Raynaud oder L a f f e r r e, Kolonien Lafferre oder Raynaud, Arbeitsminister Puech. Preßstimmen. Paris, 3. November. Die gesamte Presse beschäftigt sich eingehend mit der M i n i st e r k r i s e. Die konserva- tiven Blätter erheben gegen einen etwaigen Eintritt des Deputierten Laferre in das neue Kabinett Einspruch, da dieser einer der hervorragendsten Führer der Freimaurer sei und unter dem Kabinett Combes versucht habe, das von dem damaligen Kriegsminister Andrä eingeführte System der Auskunftszettel zu verteidigen. Der Combistische„Rappel" schreibt: Briand hat Komödie gespielt. Er wird mit einer neuen Truppe auf der Parlamentsbühne erscheinen. Zweifelhaft aber ist, ob er lange Erfolg haben wird. Jaurös schreibt in der„Humanite": Nun, der Wider- stand der Arbeiterklasse wird nicht abrüsten. Ihre Erbitterung und Verachtung wird sich nicht beschwichtigen lassen. Zwischen ihr und dem Verbrecher wird der Kampf unerbittlich weitergeführt werden, bis sie ihn entweder gestürzt, oder bis er sie zermalmt haben wird und mit ihr die Republik. Briand hat nicht im Parlament die erforderliche Unterstützung gesucht, er hat in der schwierigen Lage Fallieres zu Hilfe ge- rufen und diesen kompromittiert, indem er ihn in die Krise hineinzog. Das ist ein beispielloses Vorgehen. Die radikalen Blätter schreiben: Die Gemäßigten und Konservativen wollen auf die Politik BriandS einen Druck ausüben, aber sie beleibten ihn, wenn sie annehmen, er könnte auf ihre Anschauunger. eingehen. Briand wird sich nach wie vor ausschließlich auf die republikanische Mehrheit stützen.„P e t i t e Republique" sagt: Der„Diktator" hat jedenfalls eine merk- würdige Auffassung von der Diktatur. Briand hätte sehr wohl sein Portefeuille behalten können. Hoffentlich wird er die ängst- lichen Leute, die sich am Sonnabend so besorgt zeigten, voll- ständig beruhigen. Die sozialdemokratische Opposition. Paris, 3. November. Der geeinigte Sozialist Duma? er- klärte, dem Kabinettschef Briand würden die Sozialisten eine solche systematische Obstruktion entgegensetzen, daß er sich gezwungen sehen werde, zur Auflösung der Kammer zu schreiten. Auch I a u r c S sagt voraus, daß dem neuen Kabinett seitens seiner sozialistischen und radikalsozialistischen Freunde sehr große Schwierigkeiten in den Weg gelebt werden würden. Spanien. Zur Lage. Paris, 2. November. Wie der„Agence HavaS" aus Cerböre gemeldet wird, stellen die bis zum Abend ein- gegangenen Meldungen fest, daß auf der ganzen Halbinsel vollständige Ruhe herrscht, ausgenommen in Sa- badell, wo der allgemeine Ausstand fortdauert. Republikanische Agitation. Madrid» 2. November. Die„Corrnpondencia Militär" meldet: Der Militärgouverneur von Badajoz ist verständigt worden, daß die radikalen Politiker die durch die portugiesische Revolution an der Grenze hervorgerufene Erregung zu Treibereien unter der Garnison benutzt hätten; doch hätten sie damit keinerlei Erfolg gehabt. Im Gegenteil, ein Wachtmeister, der von einem rcpublikaiiischen BezirkSvorstehcr aufgefordert worden war. an einer Verschwörung teilzunehmen,»ahm ihn fest und brachte ihn nach dem Militärgefängnis. Dem Wachtmeister wurde von der Garnison als Zeichm der Anerkennung eine goldene Uhr überreicht. Portugal. Die Anklage gegen Franc». Paris» s. November. Aus Lissabon wird dem„Matin" gemeldet, die Regierung stehe der gegen Franca eingeleiteten gericht« lichen Verfolgung fern, habe sie jedoch nicht verhindern können. Die Verfolgung Francos sei auf die Klage eines Privat- mannes zurückzuführen, der im Jahre 1S08 angeblich auf Ver- anlassung Francos ins Gefängnis geworfen worden sei und nun- mehr von dem ihm zustehenden Rechte Gebrauch gemacht habe, wonach jeder Portugiese, der sich durch ein Verbrechen, auch durch ein politisches, geschädigt glaube, das Recht hat, den Schuldigen per- sönlich vor Gericht zu belangen. Cnglanä. Morleys Rücktritt. London, 3. November. Der Staatssekretär d«S indischen Amtes, Biöcomt Morlcy, tritt von seinem Posten zurück und wird Lordpräsident des Geheimen Rates. Der Staatssekretär für die Kolonien Earl of Crewe wird-als Nachfolger Morleys Staatssekretär des indischen Amts. An die Stelle Crewes tritt der erste Kommissar für Arbeiten und öffentliche Bauten Lewis Harconrt, dessen Posten der Earl of Bcauchamp übernimmt. Em der Partei. Gemeindewahlsieg. Bei der Gemeinderatswahl in Barop bei Dortmund siegten unsere beiden Genossen mit 183 über die Kandidaten der vereinigten Gegner, welche nur 88 Stimmen erhielten. In dieser Gemeinde war die dritte Abteilung seit zwei Jahren völlig ohne Vertretung. Bei der Wahl vor zwei Jahren hatten auch unsere Genossen gesiegt, aber die Gegner erhoben Protest wegen des Wahl- modus und die Wahlen wurden für ungültig erklärt. DaS Ver- fahren zog sich so lange hin. daß bisher keine Ersatzwahlen vor- genommen werden konnten. Es muß aber bemerkt werden, daß man gegen den Modus früher niemals protestiert hat, daß also niemals anders in Barop gewählt worden war. Der Versuch zur Vertreibung der Sozialdemokraten ist nun gründlich mißglückt. **<• Bei den Gemeinde tvahlen in Hessen hat die Sozial- demokratie mehrere Erfolge erzielt. In Gemeinschaft mit den Fortschrittlern hat sie mehrere Hochburgen des Zentriuns gebrochen. Das Zentrum verlor an den sozialdemokratisch-fortschrittlichen Block die Gemeindewahlen in Viernheim, Kost heim und Lorsch und hat schließlich auch Alzey verloren, obgleich es sich dort mit den Nationalliberalen verbündet hatte. Trotz des Zu- sammenschlusses dieser beiden Parteien konnten es die Kandidaten ihrer Liste nur auf 222 bis 344 Stimmen bringen, Während die Stimmenzahl der fortschrittlich-sozialdemokratischen Liste 645 bis 727 betrug. Gewählt wurden zwei Sozialdemokraten und drei Fortschrittler._ Maßregelung eines Marxisten in der tschechischen Sozialdemokratie. Im„Kampf", der Monatsschrift der deutsch-österreichischen Sozialdemokratie, schreibt O. B.: Franz Mehring hat vor wenigen Monaten geschrieben, die österreichische Arbeiterklasse besitze„den beneidenswerten Vorzug, über den qualitativ und quantitativ beträchtlichsten Nachwuchs an Marxisten zu gebieten". Leider kann diesen Ruhm nur die deutsche Arbeiterklasse in Oesterreich in Anspruch nehmen. Die tschechische Sozialdemokratie ist in der Marxschen Schule noch nicht vertreten, Desto größer war unsere Freude, als die neueren Arbeiten des Genossen Edmund Burian die Hoffnung erweckten, in ihm werde das tschechische Proletariat den Mann finden, der den Wissenschast- lichen Sozialismus der tschechischen Arbeiterklasse vermählen werde. Seine„Sozialistischen Episteln"(vergleiche„Der Kampf", I.. Seite 42) und sein Büchlein über die Nationalitätenfrage(vergleiche („Der Kampf", III., Seite 480) ragen über das leider nicht sehr hohe Durchschnittsniveau der tschechischen Parteiliteratur beträcht- lich empor; seine Abhandlungen über theoretische Probleme, die er in der„Akademie" und in der„Rovnost" veröffentlicht hat, haben uns bewiesen, daß endlich auch die tschechische Partei einen Mann gefunden hat, dem die Beschäftigung mit den kleinen Prob- lemen des Alltags den Sinn für den Ausbau des wissenschaftlichen Sozialismus nicht ertötet hat. Wir haben in Burians Arbeiten nicht mehr als tüchtige Leistungen eines Anfängers erblickt; aber zu froher Hoffnung für die Zukunft haben sie uns ermutigt. Aber Burian hat eine schwere Sünde gegen die Prager Partei» leitung begangen: In seiner Broschüre über die Nationalitäten- krage hat er sich zu der Ueberzeugung bekannt, daß die Interessen der Arbeiterklasse Oesterreichs nur durch internationale zentrali- sierte Gewerkschaften verfochten werden könnten. Er gab dieser Ueberzeugung Ausdruck, ohne die separatistische Parteimehrheit an- zugreifen; er forderte, daß durch Umgestaltung des inneren Auf- baues der Reichsgewerkschaften den tschechischen Arbeitern die Rück» kehr in die internationalen Organisationen erleichtert werde. Aber milde in der Form, blieb er doch entschieden in der Sache. Das haben ihm die Machthaber in der tschechischen Sozialdemokratie nicht verziehen. Burian war seit 11 Jahren Redakteur der„Rovnost" in Brünn. Da er der Forderung, er möge wider seine Ueberzeugung seine Feder in den Dienst der separatistischen Aktion stellen, mutig Widerstand leistete, wurde er zunächst des Einflusses auf die Politik und die Schreibweise des Blattes beraubt. Wo Tusar regiert. muß ein Marxist natürlich schweigen. Aber noch blieb Burian ein unerwünschter Gast im Redaktionskörper des Brünner Blattes. Und da er dem freundschaftlichen Rat. um seine Entlassung zu bitten, nicht nachkam, ging die tschechische Landespartetvertretung endlich daran, sich des Mannes, der sich dem Stab des separa- tistischen Blattes so schlecht einfügte, zu entledigen. Burian wurde entlassen. Er verläßt die Redaktion des Parteiblattes, für das er 11 Jahre lang gearbeitet hat. Für Marxisten ist in der tschechi- schen Parteipresse kein Raum. AuS der belgischen Partei. Man meldet uns aus Brüssel: Der G e n e r a k r a t der belgischen Sozialdemokratie hat in einer neuerlichen Beratung über die politische Situation eine große M a n i f e st a» t i o n für den Tag ver Kammereröffnung beschlossen. Bänder- Velde und D e st r 6 e werden die Regierung über die„allgemeine Politik" interpellieren. Ein von der Partei herausgegebenes M a» n i f e st über die politische Lage und die„Regierung ohne Majo- rität" wird vor Eröffnung der Kammer an die arbeitende Bevölke- runa gerichtet werden.— Die Manifestanten werden die sozia« listischen Deputierten und Senatoren zur Kammer geleiten. Albert ist somit über die Stimmung in der Arbeiterschaft unter- richtet und hat Material für seine Thronrede. poNreilkedes» Cmcbttfchea ufw. Auch eine Beleidigung. 300 M. Geldstrafe für den Borwurf der Steuerdrückebergerei bekam das Gcmeinderatsmitglied Genosse Misch towitz in Saargemünd(Lothringen), weil er in einer Gcmeinderats- sitzung behauptet hatte, das GemeinderatSmitglieö Rentamtmann Walter habe bei einer Bank 50 000—55 050 M. liegen und bei der Steuerbehörde nicht angegeben. Die Beweiserhebung ergab, daß Walter bei der Bank nicht so viel deponiert hat, als Misch- kowitz nach den ihm gewordenen Mitteilungen angeführt hatte. Der Staatsanwalt— denn man hatte Offizialklage erhoben— beantragte einen Monat Gefängnis, denn eine Geldstrafe, so betonte der Staatsanwalt, würde den Angeklagten doch nicht treffen, diese bezahle die sozialdemokratische Partei. Das Gericht erkannte jedoch auf 300 W. Geldstrafe. ©ewerkfcbaftllcbee# Me Krawalle infzcniert werden I Man versteht es überall, erst die nötige Erregung zu schaffen, um sich nachher, wenn es zu Krawallen gekommen ist. zu entrüsten. Es scheint in der Tat System in der Auf- machung dieser Krawalle zu liegen, um Material für ein Aus- nahmegesetz zu bekommen. In Dortmund streiken äugen- blicklich die Kutscher der Petroleum- Kannen- Gesellschaft „Favorit" um die Erfüllung sehr berechtigter Forderungen. Durch Strcikbrecheragcnten wurden Streikbrecher beschafft und wie man das gewohnt ist, war auch hier die Polizei sofort bereit, sich auf die Seite der Firma und der Streikbrecher zu stellen. Seit einigen Tagen werden die Wagen der Firma genau so wie bei der Firma Kupfer in Berlin von Polizei- beamten begleitet. Ferner berichtete der Beamte der Transportarbeiter in einer Versammlung, datz die Streik- brechcr mit Revolvern und Gummiknüppeln, ausgerüstet sind. Auf Streikposten, die in der Nähe des Depots standen, wurde von einem Schutzmann ein Polizeihund gehetzt. In derselben Straße schoß ein Streikbrecher auf Straßen- passauten. Ein Bedrohter nahm die Verfolgung des Revolver- Helden auf, um dessen Namen festzustellen. Ein Polizeibeamter verhaftete schließlich nicht den Streikbrecher, der Menschenleben bedroht, sondern seinen Verfolger. In einer anderen Straffe wurde ein Streikbrecher auf die Verwerflichkeit seiner Handlung aufmerksam gemacht, auch dieser Mensch zog seinen Revolver und schoß blindlings mehrere Schüsse auf andere Arbeiter ab. Daff es in all diesen Fällen nicht zu Krawallen gekommen ist, ist ivohl lediglich der Besonnenheit der organi. fierten Arbeiter zu danken, nicht der Polizei, die es nicht dulden dürfte, daff die Streikbrecher bewaffnet sind und eine fortgesetzte Gefahr für die öffentliche Sicherheit bilden. VerUn und illmgegend. Die„Wahrheit" in der„Kreuz-Zeitung". Die Verleumdung der Arbeiter ist und bleibt die vornehmste Beschäftigung der Blätter für Besitz und Bildung. Die.Kreuz- Zeitung", die unter dem Wahlspruch:„Vorioärts mit Gott für König und Vaterland" schwindelt, daff sich die Ballen biegen, ist dabei schon oft genug reingefallen; aber troydem lügt und ver- leumdet sie mit einer Ausdauer weiter, die Bewunderung erregen muff. Es geschieht jetzt allerdings etwas vorsichtiger als früher, weil sie zu oft festgenagelt worden ist. Die gemeinsten Anwürfe werden jetzt nicht mehr als Redaliionsmeinnng losgelassen, sondern erscheinen unter der Teckflogge.Aus einer Korrespondenz" oder „Aus unserem Leserkreise". In ihrer Nummer 512 bringt sie„au? ihrem Leserkreise" eine interessante Erzählung über die Schröpfung der armen Steinsetzer durch ihre„sozialdemokratische" Organisation. Der Schauplatz ist diesmal ein.Ladengeschäft in der Provinz", leider wird nicht erzählt, wo die Provinz liegt und wie der Ort heißt, in dem sich die fürchterliche Sache zugetragen haben soll. Es wird nun festgestellt, daff in einem Ladengeschäft der Provinz eine Steinsetzerfcau über den niedrigen Loh» ihres Mannes gellagt habe, der wöchentlich nur 30 M. betrage und damit könne eine Familie ja nicht auskommen, zumal.an den sozial- demokratischen Verband natürlich jede Woche sechs Mark abgeführt werden" muff I Der.Kreuz- Zeitu»gS"-Leser meint nun dazu:.Also über dreihundert Mark zahlt der sozialdemokratische Steinsetzer an seinen Verband, — ohne Marren I" Der sich in poliltschen Dingen absolut un- erfahren stellende Skribifax versucht nun zugleich zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, indem er noch hinzufügt, datz auf diese Art die Kasse der sozialdemotratischen Partei für den.großen Kladderadatsch" gefüllt werde, außerdem steige natürlich bei solch' hohen Beiträgen auch die Be- gehrlichkeit der Steinsetzer ins mafflose. Wie liegen die Dinge bei dem Steinsetzerverbande nun in Wirklichkeit? Daß er mit der sozialdemokratischen Partei und deren Kasse absolut nichts zu tun hat, braucht ja Arbeitern nicht erst auseinandergesetzt zu werden, damit soll aber nicht gesagt sein, daff ein„Kreuz-ZeitnngS"-Redaktcur. dessen vornehmste Aufgabe die Ver- leunidung der Arbeiterbewegung ist. dies zu wissen brauchte. Zum Schmutzwcrfen wird ja kein Verstand, eventuell höchstens ein großer Mund oder sagen wir, wie in diesem Falle, eine geduldige Feder ge- braucht. Der Steinsetzerverband hat seit 1907— da wurde es auf seiner Leipziger Generalversammlung beschlossen— für die Höhe der Beitragsleistung den Grundsatz aufgestellt, datz e i n Stundenlohn der Wochenbeitrag sein solll Meint nun die.Kreuz-Ztg.", daß 6 M. ein Stundenlohn für die Stein- setzer ist? Sollte der eigentümlicherweise ungenannt gebliebene Ort im Geltungsbereich deS Gaues Berlin des Steinsetzrrverbandes liegen, so käme als Wochenbeilrag für den Steinsetzer 85 Pfennig und 25 Pfennig lokaler Zuschlag, für einen RammerSbPfennig und ebenfalls 25Pfennig als Wochen beitrag in Betracht. Diese auf die leichteste Weise zu erfahrenden Tatsachen berührten natürlich die„Kreuz-Ztg." nicht, als sie die Notiz deS ominösen„Lesers" aufnahm, der möglicherweise nicht mal außer Sprechweite ihrer Redaltion gesessen hat. So konnte doch so sckön darüber geredet werden, daß ein Arbeiter den fünften Teil seines Lohnes„an die sozial- demokratische Partei" abgibt. Was sonst noch für Be- merkungen über den Steinsetzer,„der früh und nachmittag» sein Bier haben' will, und auch sonst„sehr opulent frühstückt", gemacht werden, wollen wir uns schenken, sie sind Von der üblichen dummen und lächerlichen Art. ES sei nur noch festgehalten, daß der„Leser" der„Kreuz-Zeitung" ein Gesetz fordert, daS den Arbeiterverbänden ver- bietet, ihren Mitgliedern mehr und größere Aus- gaben zumuten, als der einzelne Arbeiter an direkten Steuern für Staat und Gemeinde zahlt. Ob das Gesetz des auf die Arbeiter Losgelassenen auch für die Unternehmer und im besonderen für die notleidenden Landwirte gelten soll, die mitunter weniger Steuer zahlen als ihr Kutscher und doch für allerlei landwirtSbun bliche Zwecke Tausende übrig haben, zumal wenn sie nach Berlin, den» Sündenbabel, kommen, wird leider nicht mitgeteilt. Auf eine dahin gehende Frage wird die „Kreuz-Zeitung" natürlich auch die Antwort schuldig bleiben, hat sie doch nur die Aufgabe, die Arbeiterbewegung zu beschmutzen._ Zur Lohnbewegung der Dachdeckerhilfsarbeiter. Die Arbeit niedergelegt haben am 1. November die Arbeiter der Firma H. L e rn ii i tz e r, Gr. Lichterfelde, Albrechtstr. 4. Die Forderungen unterichriftlich anerkannt hat wiederum die Firma W. Kinze, Steglitz. Lindenstr. 7._ Verantw.Redakt.: LarlWermuth, Berlin-Rixdorf. Inserate verantw,: Oeutfcheo Reich* Der Saarfiskus mafiregelt welter. Mit dem Hinauswurf der ganzen Ortsverwaltung der Zahl- stelle D u d w e i l e r des Bergarbeiterverbandes und der damit verbundenen Brotlosmachung von 20 Personen begnügt sich die „liberale" Grubenverwaltung an der Saar noch nicht. Die „Staatsräson" erfordert weitere Opfer und so werden weiter „königliche" Bergleute aufs Straßenpslaster geworfen und anderen die Maßregelung angekündigt. Ein„königlicher" Bergmann aus S u I z b a ch. der gewagt hatte, in einer Verbandsversammlung das Wort zu ergreifen und dann seine Ersahrungen im„königlich- christlich-gelben" Zechengewerkverein preisgab, einige„christliche" Generalsekretäre mit Spott und Hohn übergoß, wurde nach der nspektion beordert, wo er seine Abkehr und für 14 Tage seinen ohn im voraus erhielt mit dem Bemerken, er habe den Zechen- platz nicht mehr zu betreten. Auf seine Frage, weshalb er denn als alter Bergmann und Vater einer großen Kinderschar so Plötz- lich abgelegt weiie, erklärte ihm der Bctriebsinspcktor L w o w s k i, daß er„hinreichend verdächtig" erscheine, ein— Sozialdemokrat zu sein und legte ihm einen langen Versammlungsbericht in Maschinenschrift vor, den„man" der Direktion eingesandt habe und in dem er als Redner aufgeführt sei. Auf seinen Hinweis, daß er doch kein Wort gegen die Verwaltung noch gegen einen Vor- gesetzten gesagt, sondern lediglich Kritik geübt habe an dem Ver- halten der„christlichen" Geivierkschaftssekretäre. wurde ihm er- widert, daß darin schon ein Eintreten für die Sozialdemokratie erblickt werde und er sich dadurch verdächtig gemacht habe. Seine weiteren Einwendungen, datz er doch Jahrelang dem„christlichen" Gewerkverein angehört, für diesen öffentlich in Versammlungen aufgetreten sei. die Verwaltung scharf angegriffen habe, ohne daß dagegen etwas gesagt wurde, nützte ihm nichts; er blieb„hin- reichend verdächtig", bekam 54 M., seine Abkehr und Zechenverweisl In Quierschied trat am 13. Oktober der„königliche" Bergmann H. in einer Verbandsversammlung dem Genossen Lei m peters entgegen, betonte ausdrücklich, daß er Mitglied des„königlich-christlich-gelben" Gewerkverein sei; aber er wünschte die Einigkeit aller Verbände. Ohne diese Einigkeit sei die ganze Gewerkschaftsarbeit nutzlos und im Saarrevier würden die Verhältnisse erst besser, wenn die Verbände einig seien und der häßliche Bruderkamps aufhörte. Wenige Tage nach der Ver- sammlung mußte er sich auf der Inspektion melden, wo ihm der Bergrat G i a n i— derselbe Giani. der 1937 als„liberaler" Land- tagstandidat aufgestellt werden sollte und der damals in seiner Kandidatcnrede so warm für die Gewerkschaften eingetreten ist. für die M.-Gladbacher allerdings!— erklärte, daß er„hinreichend verdächtig" erscheine, ein heimlicher Sozialdemokrat zu sein, des- halb mit Auszahlung von 14 Tagen sofort abgelegt werde! Seine Entschuldigung, daß er doch Mitglied des Gewerkvereins sei, nie- mals der Sozialdemokratie angehört habe, nutzte nichts. Er habe mehr für den Verband gesprochen als für den Gcwerkverein, und alle die für den Verband agitierten oder öffentlich sprechen, würden unweigerlich abgelegt! Nicht nur gegen die Bergleute allein, sondern auch gegen die Wirte und Geschäftsleute lebt der alte saarabische Terrorismus von neuem auf. Die Witwe Maul in Dudweiler hatte ihren Saal dem Verbände zu einer Belegschaftsvcrsammlung versprochen. aber kaum waren die Handzettel für die Versammlung verteilt, ließ man den Schwiegersohn der Frau auf die Inspektion kommen. wo ihm unzweideutig zu verstehen gegeben wurde, falls die Ver- sammlung stattfinden werde, brauche der Sohn der Frau nicht darauf zu rechnen, daß seine Anstellung jemals erfolgen werde. Der Sohn ist als Schreiber auf dem Direktionsbureau beschäftigt, ein anderer geht zur Grube, und so mußte die Frau ihr Wort brechen und den Saal absagen! Die Agitation des Verbandes hat dem„königlich-christlich- gelben" Zechengewerkvtrein schwere Wunden geschlagen, die„christ- lich-nationalen" Reihen gelichtet und so müssen die königlichen Bergräte wieder selbst für ihr geschundenes Kind eintreten. Aber neues Leben werden auch sie ihm nicht mehr einhauchen; dafür ist die Krankheit schon zu weit fortgeschritten. Ausland. Streik der Bergarbeiter in Südwales. London, 1. November 1913.(Eig. Ber.) Seit dem Abschluß des letzten Vertrages zwischen der Berg- arbeiterföderation des südwalisischen Reviers und den Unternehmern im Anfang dieses Jahres hat die Gärung unter den Bergarbeitern in SüdwaleS nicht aufgehört. Man wird sich erinnern, daß eine bedeutende Minorität damals gegen die Annahme des neuen Ver- trageS stimmte. Diese Minderheit saß hauptsächlich in den Rhondda- und Aberdaretälern, wo die Zechen großen Unternehmer- verbänden oder Gesellschaften gehören, die mit aller Macht zu ver- suchen scheinen, die Bergarbeiter durch alle möglichen Drang- salierungen in den Streik zu treiben. Heute traten 26 333 Mann, die vor einem Monat gekündigt hatten, in den Streik, und man erwartet, datz sich innerhalb einiger Tage die Zahl der Streikenden auf über 33 333 vermehren wird. Dag es sich um einen langen, bitteren Kamps handeln wird, bei dem möglicherweise das ganze Revier mit seinen 233 333 Berg- arbeiten, beteiligt sein wird, erhellt schon aus der Tatsache, daß die Arbeiter ihr Gczähe aus der Grube gebracht haben, was sonst selten geschieht, und daß sich die Zechenverwaltungen anschicken, die Pferde zu Tage zu fördern und die Gebäude über Tage in Pferde- ställe zu verwandeln. Während der ganzen Kündigungsfrist haben sich die Arbeiter bereit gezeigt, mit den Zechenverwaltungen zu verhandeln; aber bis jetzt haben die Unternehmer noch keine Miene gcniacht, den akkreditierten Bergarbeiter'.eamten, den Genossen Stauten, zu empfangen. Hand in Hand mit dieser Unzufriedenheit der Arbeiter, die in den letzten Monaten unter den Bergarbeitern in Südwales allgemein geworden ist, geht besonders in den vom Streik betroffe- neu Distrikten eine Agitation gegen die jetzige Leitung deS Verbandes, die den Mitgliedern viel zu schlaff ist. So heftig ist diese Bewegung geworden, daß augenblicklich in den Streikdistrikten Ver- Handlung wegen der Gründung eines neuen Verbandes, dem etwa 33 333— 43 330 Bergarbeiter angehören würden, gepflogen werden. Es wäre ein großes Unglück, wenn dieser Plan wirklich zur Aus- führung gebracht würde. Das einzig Richtige wäre, datz die Un- zufriedenen einen kräftigen Versuch machten, in die Leitung deS bestehenden Verbandes einzudringen, um sie mit dem modernen Geist zu erfüllen, der ihr nach der Ansicht vieler sehr nottut. Hoffentlich wird die Konferenz der Bergarbeiterföderation Groß- britanniens, die für den Anfang der nächsten Woche nach London einberufen worden ist, mn die südwalisischen Angelegenheiten zu beraten, ihren Einfluß nach dieser Richtung hin geltend machen. Der jetzige Streik und die allgemeine Unzufriedenheit, die sich unter den Bergarbeitern in Südwalcs bemerkbar macht, werden kaum verfehlen, einen mächtigen Einfluß auf die Gestaltung der politischen Lage in dieser bisher uneinnehmbaren liberalen Hoch- bürg zu haben; ist doch der Hauptmann der großen Zcchenverbände, deren Arbeiter jetzt streiken, eine der Hauptleuchten des Waliser Liberalismus, der sich durch seine schroffe und höhnisckie Abweisung der Arbeiter außerordentlich verhaßt gemacht hat. Bisher haben es die Liberalen vermocht, die walisische Arbeiterschaft mit Hilfe einer weitverzweigten Organisation, die sich die religiöse Veran- lagung des Volkes für politische Zwecke dienstbar macht, in ihrem Lager zu halten. Wie außerordentlich wirksam diese Organisation ist. beweist eine neuere Statistik, nach der es in Wales so viele Kirchen und Kapellen gibt, daß man in ihnen außer allen Be- wohnern, die über drei Jahre alt sind, noch hunderttausend Be- sucher unterbringen kann. Aber die Resultate der stetig vorwärts treibenden Entwickelung, die Konzentration der Beiriebe in immer weniger Händen, das Verschwinden des patriarchalischen Einflusses des Privatunternehmers, haben diese Organisation stark unter- Etz. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagsanftÄI graben. In den letzten Jahren ist es in Wales häufig zu hitzsgeä Auseinandersetzungen zwischen den streitbaren politisierenden Pastoren und der Arbeiterschaft gekommen. Artet dieser Streik in einen allgemeinen Ausstand des südwalisischen Reviers auS— was nach den Angaben, die mir von zuverlässiger Seite gemacht worden sind, sehr wahrscheinlich ist—, so werden die Tage der unumschränkten Herrschaft der liberalen Partei in Wales ge- zählt sein._ Versammlungen. Der Terrorismus der Obergelben in den Siemenswerken. Eine Versammlung der in den SiemenLwerken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen füllte am Freitag den großen Saal des Moabiter Gesellschaftshauses, wo der Arbeitersekretär Adolf Ritter einen Vortrag über die kulturelle Bedeutung der Gewerkschaften hielt. Der Redner kam dabei auch auf die gelben Vereine zu sprechen, die ja keinerlei kulturellen Wert baben, die vielmehr gegründet sind, um den kulturfördernden Einfluß der freien Gewerkichaflen zu brechen und diese Kampf- organi sationen der aufstrebenden Arbeiterschaft womöglich zu vernichten. Es sind im wesentlichen nur einige Betriebe der Metallindustrie, wo die Gelben mit Hilfe des Unternehmertums ihr schädliches Treiben entwickein konnten. Unter diesen Be- trieben stehen die Siemenswcrke obenan. Der Syndikus dieser Werke, Dr. F e l l i n g e r, hat ja im Septcmberhest der „Preußischen Jahrbücher" ein Loblied auf die gelben„Gcwerk- schaftcii" angestimmt. Er meint oder schreibt in dem Artikel, daß die Lohn- und Arbeitsverhältnisse in den Siemenswerken so zu- friedenstellend seien, daß die gelben Gewerkschaften sich dort ganz selbstverständlich entwickeln mußten. Nun brauchten die Arbeiter nicht mehr zu streiken, wenn sie von außen her dazu kommandiert würden. Daß das Unsinn ist, weiß jeder, der auch nur einiger- maßen das Wesen der freien Gewerkschaften, ihre Kampfesweise und ihre Statuten und Streikreglements kennt. Andererseits wissen aber die Arbeiter und Arbeiterinnen aus Erfahrung, daß die gelben Vereine sich nicht aus dem Bedürfnis der Arbeiterschaft entwickelt haben, sondern eine Gründung des Unternehmertums sind, bei der die Arbeiter nur die Staffage oder Dekoration bilden. Die Arbeiter und Arbeiterinnen werden dazu gepreßt, Mitglied dieser sogenannten Unterstützungsvereinigung zu werden und sich den Beitrag an jedem Zahltage vom Lohn abziehen zu lassen. Es geht dabei nach dem Grundsatz von L e b i u s:„Dem roten Hetzer einen Fußtritt", und als roter Hetzer gilt, soweit man die Ar- � beitskräfte nicht notwendig braucht, ungefähr jeder, der den gelben Erpressungsversuchen nicht nachgibt. Daß es sich so verhält, zeigte sich namentlich auch im weiteren Verlauf der Versammlung, als der Vertreter des Deutschen Metallarbeiterverbandcs. L ü ck, die Zustände näher schilderte und an einer Reihe von Beispielen dar- legte, wie die Obergelben— Leute, die nicht wegen irgendwelcher Fachtüchtigkeit, sondern auf Grund ihrer Gelbheit einen gut- bezahlten Posten erhalten haben— es treiben. Teils sitzen diese Leute in den Lohnbureaus und haben auch über die Anstellung und Entlassung von Arbeitern mit zu verfügen. Da müssen sie den Arbeitern erst die Vorzüge der gelben Organisation in aller Freundlichkeit ausmalen, wenn aber das nichts nützt, dann heißt es:„Ja, wenn Sie nicht wollen, können Sie nicht auf Stellung in den Werken rechnen." Wenigstens wird daS so in den Zeiten der Krise gehandhabt; jetzt, wo man wieder eine große Masse von Arbeitskräften braucht, kann man nicht so scharf vorgehen und man sieht sich genötigt, Leute einzustellen, die treu zum Metall» arbeiterverband halten und durchaus nichts von den Gelben wissen wollen, sich die 32 Pf. Wochenbeilrag nicht abpressen lassen. In den letzten Jahren der Wirtschaftskrise sind jedoch unter dem Einfluß der Gelben die Lohn- und Arbeitsverhältnisse dermaßen verschlechtert worden, daß alle ehrlichen Arbeiter und Arbeiterinnen nichts so sehnlich wünschen, als daß es dem Deutschen Metall» arbciicrverband baldigst gelingen möge, mit der gelben Wirt- schaft einmal gründlich aufzuräumen. Der Redner meinte, wenn Dr. Delbrück, der Heransgeber der„Preußischen Jahrbücher", von den tatsächlichen Zuständen in den Siemenswerken Kenntnis gehabt hätte, er würde als ein Mann von Charakter dem Dr. Fellinger mit seinem Artikel die Tür gewiesen haben. Nach- dem der Redner das Treiben der Obcrgelbcn in den schärfsten Worten gegeißelt hatte, sprach er den Wunsch aus, daß man ihn verklagen möge, damit die ganze Schand- und Luderwirtschaft ein- mal vor Gericht festgestellt werden könne. Aber davor scheut man sich offenbar aus leichtbegreiflichen Gründen. Ist doch schon im Juni dieses Jahres seitens des Metallarbeiterverbandes ein Flug- blatt verbreitet worden, worin namentlich die gelbe Verwaltung der Konsumvereine der Siemenswerke aufs schärfste angegriffen wurde.— Uebrigens wird es nun wohl mit der Herrschaft der Gelben nicht mehr allzu lange dauern. Trotz aller terroristischen Maßnahmen der Direktion im Bunde mit ihren Obergelbcn breitet sich die Macht des Deutschen Metallarbciterverbandes in den verschiedenen Abteilungen der Siemenswerke immer mehr aus, und diese naturnotwendige Entwickelung, die sich um so stärker geltend macht, je rücksichtsloser es die Obergelben treiben, läßt sich nicht aufhalten.. Letzte Nachrichten. Stadtverordnetenwahlsiege. Liegnitz, 3. November.(Privattelcgramm deS„Vor- wärts".) Bei der heutigen Stadtverordnctcnwahl siegte die Sozialdemokratie in der dritten Abteilung mit 2425 Stimmen gegen den vereinigten freisinnig-nationalibe- ralenHirsch-DunckcrschenOrdnungSbrei, auf den 2315 Stimmen entfielen. Die Sozialdemokratie hat seit den Wahlen von 1908 10W Stimmen zugenommen. Somit sind sieben Genossen gewählt. Frankfurt a. O., 3. November.(Privattelegramm des „Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnetenwahl in der dritten Abteilung behauptete die Sozialdemokratie ein Man- dat und gewann vier Mandate hinzu. Ein Genosse kommt in Stichwahl._ Die Zusammensetzung des Kabinetts. Paris, 3. November.(W. T. B.) Das neue Kabinett setzt sich folgendermaßen zusammen: Präsidium, Inneres und Kulws.Briand. Justiz Girard, Aeutzeres Pichon, Krieg General Brun, Ma» rine Admiral Bou de Lapeyrere, öffentlicher Unterricht und Künste Faure, Finanzen Klotz, Handel Dupuy, Ackerbau Raynaud, Kolonien Morel, Arbeit und soziale Fürsorge Lafferre, öffentliche Arbeite« Pufch. Die Unterstaatssekretärposten werden besetzt durch: Guisthau für die Marine, Andre Lefevre für die Finanzen, MoulenS für den Krieg, Dujardin Beaumetz für den öffentlichen Unter» r i cht., Millerands Bedingungen. Paris, 3. November. Millerand würde für seinen Eintritt in daS Kabinett Briand die Bedingung stellen, daff dessen Programm keine Einschränkung deS KoakitionSrechteS der im öffentlichen Dienst Angestellten vorsieht. Da diese Bedingung für Briand unannehm» bar äst, so glaubt man, daß Millcrand nicht mehr in Betracht kommt, und daß Briand das Portefeuille der öffentlichen Arbeite« Laferre übertrage« wird. Maul Singer Si Co., Berlin S W. Hierzu 2 Beilagen«.UaterhaltuugU� Nr. 239. 27. Jahrgang. KcilM des LimSrls" Kcrlim �»llisdlM 5ml»g, 4, Nwmbki 1910. Prozeß Brußn und Genoiien. In der gestrigen Verhandlung wurde die Ordnungsstrafe gegen den Zeugen Binder lLudwig Klebinder) aufgehoben. Er trat in mehreren Punkten der Aussage des Herrn Hintze entgegen. Aus der Vernehmung der Brüder Wolf und Georg Wertheim ergibt sich, daß Wolf Wertheim eine Reihe schmutziger persönlicher Angriffe in der .Wahrheit" als Mittel zu einer Erpressung betrachtete und inserierte, um diese Angriffe zu unterbinden. Jedow betrachtete er nicht Vruhn, sondern seinen Bruder Georg als den Bedroher. Dah Georg den Artikeln völlig fern stand, ergab die Beweisaufnahme. Der Staats- anwalt erklärte, in diesem Fall Wertheim die Anklage nicht aufrecht erhalten zu können. Die Beweisaufnahme begann dann mit dem Fall der Inserate des Klubs Berolina. » Neunter Tag. Der Angeklagte Weber ist nicht zur Stelle; er ist erkrankt. ES wird vorläufig ohne den Angeklagten weiter verhandelt. Zunäckst wird der an Gericbtsstelle erschienene Journalist Ludwig Binder(Klebinderl vernommen. Dieser gibt eine um- sangreiche Darstellung der Entstehungsgeswichte seine» an die Presse verschickten Artikels über den Fall Hintze, ferner über die Art, wie er mit Hintze in Beiührung gekonrmen nnd die durchaus ehrenhafte Tendenz, die der von ihm versandte Artikel gehabt habe. Er weist verschiedene Aeutzerungen des Zeugen Hintze bei dessen Vernehmung zurück. Jetzt solle der Schein erweckt werden, als ob er Mitarbeiter der.Wahrheit" sei. Er habe aber den betreffenden Artikel durch seine Korrespondenz an die gesamte Presse geschickt und zwar aus Grund der ausführlichen Mitteilungen, die Herr Hintze ihm selbst über einen gegen ihn unternommenen Erpressungsverinch einer Frau Berg-Lindemann gemacht habe. Er kenne Herrn Bruhn gar nicht, habe ihn nie gesehen und müsse sagen, dasi sich in der hier in Frage stehenden Sache Herr Brnbn sehr anständig benommen habe — im Gegensatz zu der„Revolverpresse" vom Kaliber der„Großen Glocke". Der Vorsitzende ermahnt den Zeugen wiederholt, ruhiger und in seinen Ausdrücken vorsichtiger zu sein. Der Zeuge betont, dah der Ausdruck„Revolverpresse" vom Vorsitzenden im Dahsel-Prozeß in Anwendung gebracht worden sei und versicherte dem Gerichtshof, daß er feit zwei Jahren einen Kampf gegen die Revolver- presse führe und schon in fünf Leitartikeln der„Großen Glocke' aufs heftigste angegriffen worden sei. Unerhört sei die Behauptung des Herrn Hintze, daß er sich bei diesem„eingeschlichen", ihn.ausgeholt" und unter dem Namen Binder fälschlich vorgestellt habe. Alles dies sei glatt erfunden. Er führe den Namen„Binder" seit Ib Jahren mit Genehmigung de» Polizeipräsidiums zur Unterscheidung von mehreren anderen Redakteuren, die den Namen Klebinder tragen. Das ur- sprüngliche Material sei ihm von dem Besitzer einer Annoncen« Expedrtion Hans Cuno unterbreitet worden, er selbst habe bei Hintze telephonisch angefragt und darauf sei dieser zu ihm gekommen— nicht umgekehrt! Hintze habe sich hilfesuchend an ihn ge- wandt und das von diesem in aller Ausführlichkeit gegebene Material habe er den Zeitungen zugestellt. Die„Wahrheit" habe dann in ihrem Artikel die Hiebe nach rechts und links ab- gesandt, nach seiner Meinung sei Frau Berg-Lindemann aber zahmer angegriffen worden. Denn sie sei in dem Artikel nur mit„Frau L." bezeichnet, der Name Hintze aber voll genannt worden.— Der Zeuge verwahrt sich schließlich gegen den Verdacht, daß er sich von der Aussage vor Gericht habe.drücken" wollen, im Gegenteil, er habe sich nach dieser Aussage geradezu„gerissen", sei aber krank und habe deshalb nicht kommen können. Das Gericht beschließt, die gegen den Zeugen verhängte Ordnungsstrafe wieder aufzuheben. Die Verlefung der Artikel wird sodann fortgesetzt. Dann wird der WarenhauSinhater Wolf Wertheim als Zeuge vernommen.— Vors.: Es sind wiederholt in der „Wahrheit" Artikel erschienen, die sich gegen die Firma A. Wertheim richteten, deren Mitinhaber sie damals waren und zwar bis zum 1. Januar lSl)9. Es find dann Schritte unternommen worden, um diese Anikel zu verhüten. Ihr Bruder hatte eine ein st» iv eilige Verfügung gegen die„Wahrheit" er» wirkt. ES ist dann zu einem Pr ozesie gekommen, in welchem der weitergehende Antrag Ihres Herrn Bruders, der„Wahrheit" Ber- öffentlichungen gegen ihn und die Firma zu verbieten, abgewiesen wurde. Haben Sie denn diese Artikel als Angriffsartikel angesehen? kleines feuilleton. Nationale Volksbühne nennt sich ein üble« Geschäftsunternehmen, das sich als Volksdühnenverein maskiert, um dem Füedrich-Wilhelnt städtischen Schauspielhaus den Raum füllen zu helfen. Der angeb- liche Verein, dessen Mitgliedschaft man durch Aiikauf eines Heftes der VereinSzeitschrifl ohne weiteres erwerben kann, vermittelt Plätze für daS genannte Theater zum Preise von!,10 M. einschließlich Garderobe, ohne daß für die Qualität des Gebotenen und gleich mäßig gerechte Platzverteilung irgend eine Gewähr besteht. Das schlimmste an dem sogenannten Verein ist aber seine Monats schrist, ein gänzlich wertloses aus schlechtem Papier hergestelltes Kolportageheft, das außer den Reklamenotizen für das Unternehmen nichts als einen schauerlich-schönen Kriminal- r o m a n enthält. Grenzt schon die Art, in der die „Nationale Volksbühne" äußerlich die Manier der.Freien Volksbühne" kopiert, an unlauteren Wettbewerb, so ist die Methode, durch spannende Kolportageromane Mitglieder für eine„Volks- bühne" zu werben, noch viel schärfer zu verurteilen. Wirtliche Volksbühnen bekämpfen die Schundliteratur und lehnen es ab, sie als Vorspann geschäftlicher Interessen zu benutzen. Da die „Nationale Volksbühne", wie uns berichtet wird, auch in Arbeiterkreisen stark auf den Gimpelfang ausgeht, sei darauf hin- gewiesen, daß die organisierte Arbeiterschaft mit dieser oberfaulen Gründung nicht das inindeste zu tun hat. Ihr Thealer- und Literarurverein ist die seit mehr als 20 Jahren bestehende„Freie Volksbühne". Unternehmungen gleich der„Nationalen Volksbühne" sind nur Schädiger des gesunden und bewährten Volksbühnen- Wesens und als solche ganz entschieden zu bekämpfen. Doppelfenster. Das„Prinzip des.Doppelfensters' läßt sich kurz erläutern: Schutz gegen die kalte Luft durch eine Zwischen- schicht von— Luft. So paradox das klingen mag, es ist buch- stäblich richtig. Viel mehr als Glas und Rahmen der beiden Fenster selbst schützt gegen das Vordringen der kalten Außen- temperatur die zwischen den Fenstern eingesperrte Luftschicht. Die Lust ist nämlich ein schlechter Wärmeleiter und sie gibt demzufolge die Temveraturveränderuiige» nur sehr langsam weiter. Jnter- esionte Experimente über den wirksamen Kälteschutz der Doppel- fenster stellte insbesondere der Naturforscher Henry Dufour in Genf an; er kam dabei zu folgenden Resultaten. Betrug die Temperatur der äußeren Luft z. B. minus 7 Grad, so hielt sich die Luftschicht zwischen den Fenstern auf plus 5 Grad, die Temperatur im geheizten Zimmer aus plus 14 Grad. Weitere Ergebnisse waren: Aeußere Luft minus 3,S Grad. 5 Grad. 8 Grad; Temperatur im Doppelfenster pluS 3 Grad, 2 Grad, 0,7 Grad; Luft im Zimmer plus 13,ö Grad. 1ö Grad, 14 Grad— die Schwankung also nur ll/3 Grad. Diese Resultate änderten sich selbst bei starkem, das Doppelfenster treffendem Nordwind nur unwesentlich. Wurde dagegen eins der Fenster entfernt, so sank mit dem — Zeuge: Ich habe sie als Erprcssungsartikcl betrachtet!— Vors.: Sie meinen wohl gegen die Firma A. Wertheini?— Zeuge: Nein, diese nicht.— Vors.: Warum nicht?— Zeuge: Das weiß ich nicht.— Vors.: Der Angeklagte Bruhn behauptet, daß die Ihre Person und Jbr Unternehmen betreffen- den Artikel eigentlich f ü r Sie waren. Warum haben Sie eigentlich in der„Wahrheit" inseriert?— Zeuge: Um diesen Feindseligkeiten gegen mich die Spitze abzubrechen.— Vors.: Wie lauge haben Sie inseriert?— Zeuge: Ich glaube vier bis fünf Monate, ich habe dann aufgehört, als der' Prozeß Dahscl begann.— Vors.: Es sind aber doch nachher sympathische Artikel über Sie er- schienen?— Z e u g e: Ich kann nur vermuten, daß man vielleicht den Schein erwecken wollte, daß die Inserate oder das Unterbleiben der Inserate gar keinen Einfluß auf das Erscheinen oder den Inhalt Artikel ausüben.— Vors.: Ist jemand an Sie heran getreten, um von Ihnen Inserate zu erlangen.— Zeuge: Nein, die Inserate sind freiwillig gegeben ivorden. In der der weiteren Vernehmung bekundet der Zeuge u. a.: Ansang Juli 1903 vor der Liquidation der Firma A. Werlheim sei ihm von verschiedenen Seiten angedeutet worden, daß Angriffe gegen ihn erscheinen würden, und es wurde ein Kainpf in der Ocffent- lichkeit gegen mich augedroht. Als er am 16. Juli verreisen wollte, wurde er von dem„Tageblatt" anielephoniert, daß von dem „Confcctionair" eine Notiz an die Presse über die bevorstehende Liquidation versandt worden sei und der Justizrat Meschelsohn als Syndikus der Firma diese Sache bestätigt habe. Dadurch sei die Liquidationsangelegeuheit erst in die Ocffcntlichkeit gekommen. Es sei dann eine Persönlichkeit, die er nicht nennen wolle, mit der Drohung an ihn herangetreten, daß, wenn der Streit mit den Brüdern nicht gütlich beigelegt würde, er scharf angegriffen werden würde. So sollte u. a. seine Gattin als die Schuldige in dem ganzen Streit hingestellt werden. Bald darauf habe die Preß- kampagne gegen ihn begonnen. In der„Wahrheit" und anderen Blättern seien dann Artikel erschienen, die er als große Belästigung und erpresserische Versuche ensah. Auf viele Kreuz« und Querfragen. vom Richter- und Verteidigertiiche. warum er den» gerade in den Artikeln der„Wahrheit" erpresserische Notizen erblickt habe, während doch andere Zeitungen ganz ähnliche Artikel gebracht hatten, erklärt der Zeuge immer wieder, daß nach seiner Meinung ein Zusammenhang zwischen der Person, die ihm gedroht habe, und den Artikeln bestehen müsse. Auf weiteres ein dringliches Befragen erklärt er, daß nach seiner Ansicht die Per'on, die ihm gedroht habe, zu den Zeitungen gegangen fei und ihnen düs Material gegen ihn und seine Frau gegeben habe.— Die Rechtsanwälte Dr. Meyer und Paul Bredereck halten dem Zeugen vor. daß dann sein Vorwurf der Erpressung sich doch nur gegen die Persönlichkeit richten könnte, die bei ihm gewesen sei. Er habe doch absolut nichts gegen Bruhn vorbringen können. Auf wiederholte Aufforderung, doch den Namen der Persönlichkeit zu nennen, deutet der Zeuge an, daß es ein„naher Verwandter" sei, der ihn gewissermaßen zwingen wollte, ihm erhebliche wirt- schaftliche Vorteile zu gewähren.— Angckl. Bruhn: Denken Sie denn etwa wirklich, Ihr Bruder Georg habe sich mit mir in Ver- bindung gesetzt, um Sie in erpresserischer Weise zu besseren Zu geständnisfen in der Liquidationsangelegenheit zu bewegen?— Zeuge: Ich behaupte da« nicht, sondern ich habe bloß meine Bernrutungen gehabt.— Staatsanw. L e i s e r i n g: Können Sie denn irgendivelche Tatsachen angeben, die bestätigen könnten, daß man Sie bedroht hat und daß Bruhn Sie durch die Artikel zwingen wollte, Inserate aufzugeben.— Zeuge: Nein, ich mache nur meine Schlußfolgerungen daraus, daß mein Bruder pekuniäre Vorteile erstrebte, die sich au» der Liquidation ergaben und daß daraus hingewirkt wurde, daß Dinge verschwiegen werden sollten, die meine' Frau erfahren hatte.— Auf noch mehrfache Vor- Haltungen vom Nichter« und Verteidigertisch erklärt der Zeuge: er könne und wolle nicht behaupten, daß der Angeklagte Bruhn von dem angeblich erpresserischen Borgchen seines BrudcrS Georg gewußt und sich als dessen Werkzeug habe benutzen lassen.— Rechisanw. Bredereck: Der Zeuge hat auch in der Vorunrer« suchung lauter falsche und schiefe Behauptungen und allerlei Klatsch geschichten vorgetragen. ES sei doch ungeheuerlich anzunehmen, daß Herr Georg Weriheim, der gegen Bruhn seinerzeit die einstweilige Verfügung erwirk» hatte, denselben Bruhn als Werkzeug zu Angriffen gegen seinen Bruder benutzen würde, und daß der Angeklagte Bruhn hoffen sollte, auf diese Weise Inserate von Wolf Wertheim zu er- halten.— Der Zeuge erklärt, doch anderer Ansicht zu sein und tritt den Ausführungen der Verteidiger und des Angeklagten Bruhn. der auf den Inhalt des fraglichen Artikels verweist und die Schluß- solgerungen des Zeugen als durchaus unhaltbar bezeichnet, ent- gegen. Nach seiner Meinung seien die Angriffe auf A. Wertheim [ nur Scheinangriffe und die für ihn eintretenden Artikel auch nur zum Schein veröffentlicht worden.— Die schließlich an ihn gerichtete präzise Frage, ob er glaube, daß Bruhn Kenntnis von dem angeblichen Vorgehen dcS Georg Wertheim gehabt, beantwortet Zeuge mit Nein. Zeuge Georg Wertheim, Mitinhaber der Firma A. Wertheim, erllürt zunächst auf die Frage, ob seitens der„Wahrheit" von ihn wegen der Erlangung von Inseraten an ihn herangetreten sei, daß die» nie geschehen sei. Der Reklomechef habe ihm bestätigt, daß im Gegensatz zu den anderen Zeitungen die„Wahrheit" sich nicht an ihn gewandt habe. Der Zeuge erklärt weiter: Nach seiner Meinung habe Bruhn mit den Artikeln über Werthein, vor allen Dingen den Absatz der„Wahrheit" fördern wollen. � Vors.: Ihr Bruder sieht in den Artikeln, die gegen ihn gerichtet sind, er- presseriiche Angriffe. Stehen Sie zn diesen Artikeln in irgendeiner Verbindung?— Zeuge: Nein. Weder habe ich selbst noch durch Mittelspersonen Material zu den Artikeln gegeben. — Vors.: Es ist weiter behauptet worden, das ganze Vorgehen gegen Bruhn Ihrerseits sei lediglich ein Sicheiiimanöver gewesen und es sollten diese Artikel der.Wahrheit" Ihrem Bruder gegenüber dazu dienen, um ihn zn veranlassen, Jbnen und den anderen Brüdern bei der Liquidation entgegen- zukournien. Was sagen Sie dazu?— Zeuge: Wnm damit gesagt sein soll, daß ich irgendwelche Berührung damit'qabe, so mutz ich das entschieden bestreiten.— Vors.: Es wird fo dargestellt, als seien die Artikel von Ihnen veranlaßt worden, um einen Druck auf Ihren Bruder auszuüben.— Zeuge: Das sind völlig Hirngespinste! — Vors.: Ihr Bruder meint, der eine Artikel, der sich nur mit dem Pelzmantel seiner Frau befchäftigt, könne nur von einem Ein« geweihten herrühren.— Zeuge: Ja, das muß allerdings ein ganz Eingeweihter sein. Ich selbst weiß heute noch nicht, ob der Pelz bei Gerson gekaust Ivorden ist oder nicht.— Rechtsanwalt Bredcreck: Sie haben auch nicht etwa die persönlichen Verhälmisse der Frau Wolf Wertheim oder ihrer Tochter in die„Wahrheit" gebracht, durch Mittelspersonen direkt oder indirekt?— Zeuge: Weder in der„Wahrheit" noch i» irgend- ein anderes Blatt, weder direkt noch indirekt.— Staatsanwalt Leisering: Herr Wolf Wertheim, wie stellen Sie sich dazu.— Zeuge W. Wertheim schweigt.— Vors.: Es sind eben doch nur Vermutungen gewesen.— Rechtsanivalt Bredereck: Auf solche Vermutungen hat sich doch auch die ganze Anklage gestützt.— Vors.: Sie sollen einmal jemand 3900 M. gegeben haben für irgendeine Unterlassung von Angriffen. Bezog sich das auf die„Wahrheit"?— Zeuge: Niemals, das kann sich nur auf eine ganz andere Sache beziehen. Als in der„Wahrheit" Angriffe gegen unsere Firma erschienen, wurde uns von dem Konkurrenz- blatt der„Wahrheit" der Rat gegeben, durch einen Gerichtsbeschluß solche Angriffe zu verhindern. Wir haben dann auch die ein st weilige Verfügung gegen die„Wahrheit" er- wirkt. Später kam dann der Lcrtrcter des KonkurrenzblatteS und wünschte Inserate. Da wir das aus prinzipiellen Gründen ablehnten, bat er als Gegenleistung für seinen guten Rat um eine andere Gefälligkeit nnd wir haben ihn» dann auch eine Suiume ge- geben. Traube war eS nicht.— Ans Befragen des Angeklagten Bruhn erklärte der Zeuge, daß er Bruhn persönlich bisher nicht ge- kannt habe. Auf eine weitere Frage über die Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit der Zeugen Traube und Bicrmann erklärt der Zeuge, daß Bier in an n durchaus nnzuverläffig sei und daß er den Artikel, den Traube in der „Deutschen Konfektion" gebracht habe, für eine Unanständigkeit halte. Er habe mit diesem Mann nie freundschaftlich verkehrt und der bekannte Empfehlungsbrief sei ohne seinen Willen geschrieben wollen. Staatsanwalt Leisering: Herr Wolf Wertheim, halten Sie nun noch Ihre Meinung aufrecht, daß mit den Artikeln, die in der„Wahrheit" gegen Sie geschrieben worden sind, erpresserische Zwecke zur Erlangung von Inseraten verfolgt werden sollten?— Wolf Wertheim: Nein.— Staatsanwalt: Ich werde nach diesen Ausführungen kaum noch die Anklage in diesem Falle aufrecht erhalte» können!— Auf weitere Beweisaufnahme im Falle Wertheim wird hierauf verzichtet. ES folgt der Fall „Klub Berolina". Dieser Klub war in der„Wahrheit" verschiedentlich angegriffen worden. Der Vorsitzende des Klubs schlug deshalb anfangs Juni 1907 einem Mitglied des Klubs vor, mit ihm zum Cafvtier Drei» w u r st des Cafs Keck(Passage) zu gehen: dieser sei mit Bruhn könne ja hören, ob er etwas dazu Fallen der äußeren Temperatur auch die Temperatur im Zimmer rapide, z. B. einmal innerhalb von acht Stunden um volle 7 Grad. — Man hat nun eingewendet, daß Doppelfenster für die Gesund� heit nachteilig seien, da sie die Ventilation behinderten. Damit ist e« nun nicht so schlimm bestellt. Selbst verhältnismäßig dicke Mauern lassen eine Ventilation infolge Durchdringens der Luft in noch weil höherem Maße zu, als gemeinhin angenommen wird. Sodann ist ein zeltweiliges kurzes, dafür aber völliges Oeffnen der Fenster als Ventilation jeder anderen Methode vorzuziehen. Die Anwendung von Doppelfenstern aber bringt, abgesehen davon, daß sie eine stets gleichbleibende und daher für die Gesundheit zuträg- lichere Temperatur des Zimmers gewährleistet, den nicht zu unter- ichätzenden Vorteil einer großen Ersparuis an Heizmaterial. 259 Jahre Pariser OmnibuS. Um es zu verstehen, daß der Omnibus in Paris noch deute eine weit größere Rollen im Straßen- verkehr spielt als in anderen Millionenstädten, muß man auch wissen, daß diese würdige Einrichtung in der französischen Hauptstadt auf ein Alter von 250 Jahren zurücksehen kann. Ihr Geburtstag fällt nämlich auf den 16. März 1662, und es dürste schwer hallen, in einer anderen Großstadt ein dem Massentransport dienendes Beförderungsmittel zu finden, das ein gleich hohes Alter besitzt und doch noch heute feine Existenz gegen Benzin, Dampf und Elektrizität aufrecht zu erhallen vermag. Lange wird diese alte Herrlichkeit allerdings nicht mehr dauern, nachdem in diesem Jahre die Stadl Paris die Umwandlung des Omnibusverkehrs in die Hand genommen hat. Bn drei Jahren werden vertragsmäßig die Pferde auS dem Pariser muibuSvcrkehr verschwunden sein. Man rechnet aber darauf, daß damit die Benutzung nur zunehmen wird, denn nach dieser Um- Wandlung sollen mehr als 1000 Autobusse im Betrieb sein, die im ganzen über 30 690 bis 35 000 Fahrgäste zu befördern imstande sein werden. Es ist daher zeitgemäß, daß jetzt von Lucien Pvrissö im Bulletin der Pariser Gesellschaft der Zivilingenieure die Entwicke- lungSgeschichte der Pariser Omnibusse beschrieben worden ist. Ihre Geburt an dem genannten Dalum des siebzehnten Jahrhunderts, wo sie unter dem stolzen Namen von Karossen auf die Welt kamen, führte zu keinem dauernden Bestand, und eS währte viel- mehr bis zum Jahre 1319, bis ein Unternehmer die Genehmigung erhielt, über die Quais und großen Boulevards Wagen von der Art derer des siebzehnten Jahrhunderts mit festen Fahrpreisen kursieren zu lassen. Dieser Vorschlag wurde von der städtischen Verwaltung glatt abgelehnt mit der Begründung, daß dieser Omnibusverlchr ein Hindernis für die Zirkulation des Publikums sein würde. Dennoch wurde das Ersuchen immer wieder er- neuert, zunächst aber stetö mit gleichem Mißerfolge. Unter- dessen war die kleinere Stadt Nantes der Hauptstadt mit gutem Beispiel vorangegangen. Der Schöpfer dcS dortigen Omnibusvcrkehrs Baudry hat sich dadurch bekannt gemacht, daß er den Namen „OmnibuS" erfand. Er erreichte es denn auch schließlich am 30. Januar 1828. von der Pariser Polizei die Erlaubnis wenigstens zur Einrichtung einiger Linien im Innern von Paris zu erhalten. persönlich befreundet und man Der Einheitspreis war damals 25 Centimes, also recht teuer, wenn man den damals höheren Geldwert in Betracht zieht. Das Ergebnis war aber nicht befriedigend. Besonders ein sehr schneereicher Winter brachte den OmuibuSverkehr in Schwierigkeiten. Dennoch war die Entwickelung jetzt unaufhaltsam, namentlich nachdem der Fahrpreis herabgesetzt worden war, und im Jahre 1830 be» standen bereits 34 OmmbuSlinien in Paris. Im Jahre 1854 er- folgte die Verschmelzung der damals bestehenden 12 Gesellschaften zu einer allgemeinen Omnibus- Gesellschaft, deren Monopol jetzt unter den erwähnten Bedingungen bis zum Ende des Jahres 1950 erneuert worden ist. Das Netz des Pariser Omnibusverkehrs be- steht jetzt aus 38 Linien mit einer Gesamtlänge von 350 Kilometer. Wie lange werden die Vcrcinigtcu Staaten Kohle und Petroleum haben? Die geschäftliche Krisis, die sich in den Vereinigten Staaten schon mehrfach wegen unzulänglicher Ausbeute an Kohle und Erz eingestellt hat, ist von der dortigen Regierung zum Anlaß genommen worden, die geologische LaiideSuuteisuchung mit einer sorgfältigen Abschätzung des Mmeralreichiums des Lande» zu beauftragen. Diese Aufgabe ist jetzt durch die Herausgabe eines besonderen Bulletins erfüllt worden, und zwar mit einem Ergebnis, das dazu geeignet sein köunte, den Neid jedes europäischen Staates zu erregen. Ob« gleich die einzelnen Ziffern einen verschiedenen Grad der Zuver- lässigkeit besitzen, scheint so viel sicher zu sein, daß die Amerikaner es noch nicht nötig haben, irgendwelche Beschränkung in der Ausbeutung der Mineralien einzuführen. Die Kohlen von Pcnnshlvanien reichen nach dieser Berechnung, freilich unter der An- nähme, daß der Abbau sich nicht iveiter steigert, noch für fast ein halbes Jahrtausend, und der Bergbau in Ohio würde sogar noch zwei Jahrtausende fortbestehen können, der in Maryland etwa 950 Jahre. Im allgenieinen wird angenommen, daß von den bisher genqnnten Kohlenlagern der Vereinigten Staaten nur ein Drittel Prozent, also nmd der 300. Teil während des vorigen Jahrhunderts verbraucht worden ist. Weniger zuversichtlich lauten freilich die Ausweise über Petroleum und Naturgas. Die Ausdehnung der Petroleumlager ist allerdings ungeheuer und der Staat Kalifornien allein verfügt über beinahe acht Milliarden Hektoliter. Dafür ist aber auch die Produktion ins Riesenhafte gestiegen, und in der größeren Zahl von Staaten macht sich bereits eine Abnahme bemerkbar. Selbst wenn der Abbau jetzt nicht weiter steigen würde, müßte der Petroleum« Vorrat der Vereinigten Staaten nach der neuesten Berechnung in etwa 90 Jahren erschöpft sein. Dies gänzliche Erliegen würde aber, wenn der Fortschritt des Abbaues in gleichem Grade anhält, schon um das Jahr 1935 eintreten. Die natürlichen Gasquellen sind über- Haupt nur kurzlebige Geschenke des BodenS und haben schon an vielen Orten versagt._ Notizen. — Kunst a bend. Am Sonntag, den 6. November, abends S'/a Uhr. findet im Schiller-Saal, Charlottenburg, ein Reuterabend statt. hat könne, Imfe Me«Wrisse untervlieven. vrei Wurst soll dann seine Ber Mittelung zugesagt haben unter dem Hinweise» daß dann aber auch vom Klub eine Annonce fNr die.Wahrheit' ausgegeben werden sollte. Dreiwurst hat dann Paul Bruhn in das Cafö geve.'en und ihn ersucht, au» Freundschaft zu ihm darauf hmzurvirkeii, dcrg doch nichts mehr gegen den Klub Berolma geschrieben werden möchte. Daun soll Dreiwurst ihm eine Annonce für die Kaffeegroßhandlung Keck im Werte van fast 1000 2«. pro Jahr in Auftrag gegelieu und dabei von Bnihn die Antwort er« halten haben: er solle aber ja nicht glauben, daß dadurch der „Wahrheit' der Mund gestopft werden löime. Die Klub- Mitglieder sollen mit dieser Abmachung sAnnonce von 1000 M. jährlich, zahlbar in vierteljährlichen Raten von 250 M.) einverstanden gewesen sein, der Beauftragte des Klubs soll aber de in Dreiwurst gegenüber nochmals die ausdrückliche Bedingung ge- stellt haben, d-aß keinerlei Angriffe gegen den Klub und desssei» Mitglieder mehr ericheinen dürften. Dreiwurst hat daraufhin am 1«. Juni 1907 die ersten 250 M. ausbezahlt, als die 250 M. für das zweite Quartal Anfang Septexaber 1907 fällig Noaren, wurde das Geld nicht bezahlt, weil i n z w i f ch n doch noch Artikel über den Klub in der„Wahr- Heit' cWchienen waren. Dreiwurst soll dan».— so behauptet die Anklage— si.ch mit Wilhelm Bruhn in Verbindung geseyt und ihn ersucht h>\ben, die Annonce zu annullieren. W>lh. Bruhn soll ihm darauf Vo rwürfe gemacht haben, daß ihm verschwiegen worden sei, beiß die Am.wnce vom Klub herrührte; er weigerte sich, den Auftrag zu amrullieren, erklärte sich vielmehr nur bereit, das Inserat zu verkleinern, so daß der Monatspreis sich auf etwa 27 M. stellte. In dieser Form sind dann die Annoncen auch eine Zeitlang erschienen. Als dann in der.Wahrheit' doch noch Artikel über den Klub veröFentlicht wurden und ein Klubmitalied sich in die Redaktion begab itmd Beschiverde erhob, haben sich die beiden Brüder Bruhn«ine eidesstattliche Versicherung ' von Herrn Drei wurst ausstellen lassen, dahin» gehend, daß ihne'n nichts davon bekannt gewesen, daß die Annoncen»n Wirklichkeit vom Klub Berolina herrüh.ren, ebensowenig, daß die Annoncen eine G egenleistung für ein Unter» bleiben von Angriffen aus den Klub darstellen sollte. Aber auch vctn feiten des Klubs ging man Herrn Dreiwurst zu Leibe unZ' diesem gegenüber gab letzterer die entgegengesetzte Erklärung ab. Die Angell. Wilh. Brubn und Paul Bruhn treten den tatsächlichen Feststellungen der Anklage, aus denen diese ihre Schl ubfolgerungen zu ihren Ungunsten zieht, entgegen und führen auS, daß ihrerseits auch in diesem Falle nichts Unfaires begangen worden sei. Wilh. Bruhn weist darauf hin, daß er zu der fraglichen Zeit, wie sein behandelnder Arzt bekundet. sehr leidend und zumeist außerhalb Berlins gewesen, sich um die Geschäfte sehr wenig habe bekümmern können und gar nicht in der Lage gewesen sei, seinem Bruder Poul irgendwelche Direktiven in dieser Bagotcllangelegenheit zu geben. Es sei ihm ganz unverständlich, wie die Anklage in diesem Falle auch nur den Verdacht einer erpresserischen Absicht ausbauen konnte. Aehnlich äußert sich Paul Bruhn.— Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t beantragt zu diesem Thema die Vorladung deS CafütierS RittershauS. Dieser werde bekunden, daß Dreiwurst i h m gegenüber zugegeben habe, daß er seine sehr belastenden ersten Aussagen nicht aufrecht erhalten könne. Dieser Zeuge soll morgen per» nommen werden.— Nach kurzen Bekundungen des Herrn Bruhn behandelnden ArzteS und des Kaufmanns Oppenheim, der Vorstandsmitglied des Klubs.Berolina' gewesen, wird die Sitzung aus heute 9'/, Uhr vertagt.______ Stadtverordneten* Veriammlirog. 30. Sitzung vom Donnerstag, den 3. November, nachmittags 5 Uhr. Der Borsteher Michelet erSffnet die Sitzung nach 5% Uhr mit einem Nachruf für den plötzlich verstorbenen Oberbürgermeister Wilde-Schöneberg. der von 1L95— 98 Berliner Stadtrat war. Zunächst wird in gemeinschaftlicher Sitzung mit dem Magistrat unter dem Vorsitz des Oberbürgermeisters Kirschner die Wahl von 8 Mitgliedern und 8 Stellvertretern des Steuerausschuffes der Gewerbesteuerklasse I für den Veranlagungsbezirk Berlin für di« Steuerjahre 1911—1913 sowie eines weiteren Mitgliedes und Stellvertreters zwecks Veranlagung der Warenhaussteuer vor- genommen. Hieraus tritt die Versammlung ta ihre Tagesordnung ew. Zur Diskussion stehen zunächst die Leitsätze für die Be- ktirtschaftung der Güter und Rieselfelder der Stadt Berlin. Der Magistrat hat. einem Ersuchen der Ber» sammlung auS dem April d. I. entsprechend, diese.Leitsätze" in einer besonderen Denkschrift zur Kenntnisnahme vorgelegt. Der Gegenstand wird vorläufig ausgesetzt. Zur Beschlußfaffung vorgelegt hat der Magistrat den Entwurf eines Vertrages mit dem Kreisausschuß des Kreises Teltow über die Benutzung von Kreischausseen, Wegen, Straßen und Plätzen zu Rohr, und Kabelverlegungen. Stadtv. Dove(A. L.) bedauert, daß der Vertrag der Stadt ganz einseitig nur Pflichten auferlege. Di« Mitglieder des Tel» tower Kreistages schiene» sich ihrer Herkunft von Jenen, die im Mittelalter den„Pfeffersäcken' auflauerten, nur zu sehr bewußt zu sein. Das Verhältnis der Stadt zu ihren Nachbarkreisen be» dürfe dringend einer Reform in modernem Sinne. Der neue Minister des Innern habe alle Veranlassung, fich dem Studium dieser Frage zu widmen. Oberbürgermeister Kirschner erklärt, daß er nach einer Unter- redung mit Herrn v. Dallwitz den Eindruck empfangen hat, daß der Minister diesen Fragen eine wohlwollende sachliche Prüfung zuteil werden lassen wird. Der Vertrag wird genehmigt. Der spezielle Entwurf zum Neubau der Gemeinde. doppelschul« an der Pettenkofersttiaße, sowie die Vorlagen wegen Verkaufs einer 4768 Quadratmeter großen Grundstücksfläche an der Schulstraße an die jüdische Gemeinde und wegen Ueberbauung der Panke längs veS Grundstücks„Am Zirkus 1" gelangen ohne Debatte zur An» nähme. Um 6 Uhr schreiet die Versammlung zur Wahl von acht unbesoldeten Stadträten ab 1. Januar 1911 auf sechs Jahre für die Stellen der Herren v. Frieoberg. Mielenz, Rast. Mumschöttrl, Selberg, Wagner, Dr. Weigert und Dr. Wiemer. Herr v. Friedberg ist nach Niederlegung seines Amtes ver- storben, Dr. Weigert hat eine Wiederwahl abgelehnt. Die übrigen sechs werden vom Ausschuß zur Wiederwahl empfohlen. Neu vor» geschlagen sind Stadtv. Runge(A. L.) und Bankier Hanofsky. Als Ersatz für v. Friedberg wird der Stadtv. Runge mit 75 von 112 gültigen Stimmen gewählt. Sechs Zettel sind unbe- schrieben, 35 Stimmen fallen auf den Stadtv. Dr. AronS(Soz.), zwei auf Stadtv. Dr. Preuß(Soz.-Fortfchr.). Stadtrat Mielenz wird mit 72 von 77 gültigen Stimmen wiedergewählt. 45 Zettel sind unbeschrieben; drei Stimmen fallen auf Dr. AronS, zwei zersplittern. Wiedergewählt wird sodann auch der bisherige Stadt» «tt Rast mit 74 von 77 gültigen Stimmen. Außerdem werden 44 weiße Zettel abgegeben. Zwei Stimmen erhält Dr. Arons, eine Stadtrat Weigert. Es folgt die Wahl für die Stelle des bisherigen Stadtrats Geh. Oberbaurats Rumschöttel. Das Ergebnis ist der Durchfall des Genannten, auf besten Namen von 114 abge- gebenen gültigen Stimmzetteln nur 51 lauten, während Stadtv. Dr. Preuß(Soz.-Flntschr.) 63 Stimmen erhält. Neun Zettel sind unbeschrieben. Dr. Preuß ist somit zum unbe/sol» deten Stadtrat gewählt. Die Verkündigung deS Wahl- resultqts wird auf mehreren Seiten mit demonstrativem Beifall begrüßt; mit Hindrutung auf den NagistratStisch wird dazwischen der Zuruf:„Wasterleichc!" laut. Wiedergewählt wird mit 81 gegen 3 Stimmen auf Arons fallende Stimmen der bisherige Stadtrat Selberg; in diesem Wahlgang werden 37 weiße Zettel abgegeben. .Der nächste Wahlgang ergibt die Wiederwahl des bisherigen Stadtrats Wagner. Von 118 gültigen Stimmen fallen ihm 82 zu. Vier Zettel sind weiß, 33 erhält Dr. Arons, zwei Stadtrat Rumschöttel, eine Panofsky. An Stelle des ablehnenden Dr. Weigert erhält Bankier Panofsky die Mehrheit mit 66 von 119 gültigen Stimmen. 59 Stimmen fallen auf Dr. Arons, drei auf Stadtrat Rumschöttel; drei Zettel sind weiß. Endlich führt der achte Wahlgang zur Wiederwahl des bisherigen unbesoldeten Stadtrats Dr. Wiemer. Derselbe er» hält 79 von 106 gültigen Stimmen; daneben entfallen auf Dr. Arons 34, aus Stadtrat Rumschöttel zwei. Acht Zettel sind weiß. Der spezielle Entwurf zum Neubau eines Vermal- tungsgebaudeS. eines Wohnhauses für acht Familien und zwei Unverheiratete und eines Schuppens für die Zentrale Buch wird in der nach den Wünschen der Versammlung umge- arbeiteten Fastung ohne Debatte genehmigt. Bei Gelegenheit des Neubaus auf dem der Firma Siechen gehörigen Grundstück Potsdamer Platz 3 wurde dieser die Beseitigung des Vorgartens und die Freilegung dieser Fläche als Bürgersteig auferlegt. Infolge des Widerspruchs der Eigentümerin hat nach langwierigen Verhandlungen eine Eini- aung dahin stattgefunden, daß di« Firma sich verpflichtete, die Vorgartenfläche zum Preis von 25 M. pro Quadratmeter an die Stadtgemeinde zu verkaufen und am 1. Oktober 1910 lastenfrei aufzulassen, wenn ihr die Benutzung dieser Fläche zu Schankzwecken bis zum 1. Oktober 1918 überlasten bleibt. Dem Vorgarten selbst soll im Verkehrsintereste eine halbrunde Form gegeben werden. Dieses Angebot war mit Annahmefrist bis zum 10. Juli 1910 gemacht und ist vom Magistrat angenommen worden. Der Magistrat sucht jetzt die nachträglich« Zustimmung der Ver- sammlung zu dem Vertrage nach. Stadtv. Galland(A. L.): In dem vorliegenden Falle find die Rechte der Versammlung nicht gewahrt worden. Der Magistrat, der so peinlich auf die Wahrung seiner Rechte uns gegenüber be- dacht ist. hat den Vertrag, ohne uns zu fragen, abgeschlossen. Solche Fälle müssen in Zukunft vermieden werden. Der Magistrat hätte doch die Sache so beschleunigen können, daß sie uns noch vor den Ferien beschäftigt«, oder es hätte ein vorübergebender Zustand ge- schaffen werden können. Wir bitten den Magistrat dringend, in Zukunft solche Fälle zu vermeiden und ebenso die Rechte der Ver« sammlung zu wahren, wie wir bisher die Rechte der Schwester- behörde gewahrt haben.(Beifall.) Stadtrat Alberti: Es wäre für die Stadt ein wesentlicher Nach- teil eingetreten, wenn anders verfahren worden wäre. Sonst hätte natürlich eine Borlage an die Versammlung kommen müsten. Wir werden im übrigen ganz bestimmt bestrebt sein, den eben auSge- sprochenen Wünschen gemäß auch in Zukunft zu verfahren. Stadtv. Boramnnn(Soz.): Wir sind durchaus der Auffassung des Kollegen Galland.'Es ist unbedingt nötig, daß wir unsere Rechte gegenüber dem Magistrat zu schützen suchen. Wenn aber der Magistrat in diesem Punkte eine gewisse Laxheit zeigt, so ist auch die Versammlung nicht ohne Schuld daran. In wiederholten analogen Fällen hat die Mehrheit den betreffenden Vorlagen trotz alledem glatt zugestimmt. Wenn jetzt die große Fraktion eine andere Haltung einnehmen will, so sind wir durchaus damit ein- verstanden. Stadtv. Cassel: Meine Fraktion hat bei allen Gelegenheiten, wo die Sache ähnlich lag, dieselbe Haltung eingenommen(Zu» stimmung und Widerspruch). Herr Borgmann irrt; wir haben in jedem �jalle, wenn eine solche Beeinträchtigung unserer Rechte vorlag, Widerspruch erhoben. Ich bedaure, daß wir auch heute vom Magistratskommissar die Gründe nicht erfahren haben, welche es unmöglich gemacht haben, uns vorher zu fragen. Nachdem wir solche Vorkommnisse wiederholt urgiert haben, sind wir unter Um- ständen entschlossen, bei nächster Gelegenheit alle Konsequenzen zu ziehen. Stadtrat Alberti: Nach unserer lleberzeugung wäre da» Ab- kommen sonst nicht zustande gekommen. Darum haben wir ge- glaubt, im Interesse der Stadt zu handeln, wenn wir sofort zu- stimmten. Stadtv. Cassel: Bei einem anderen Geschäftsgange im Ma- gistrat hätte eine solche Zwangslage vermieden werden können. Die Bestimmung der Städteordnung, wonach wir vorher gefragt werden müssen, muß intakt gehalten werden. Ich bitte den Magistrat, unsere Mahnung nicht leicht zu nehmen; wir werden in Zukunft sehr genau untersuchen, ob wir überhaupt zustimmen können. Stadtv. Ladewig(N. L.): Auch wir stehen voll und ganz auf dem Standpunkt der Kollegen Galland und Cassel. Wir werden für die Vorlage stimmen, hoffen aber, daß so etwa» nicht wieder vorkommt. Stadtv. Borgmann: Ich freue mich ja sehr darüber, daß in Zu. kunft auch die Alte Linke rücksichtslos diesen Standpunkt einhalten will. Für die Vergangenheit läßt sich dag aber nicht geltend machen (Widerspruch). Erst vor kurzem haben wir eine Vorlage beraten, in der e» hieß, daß sie einem Antrage der Hochbaudeputation ent- spräche, und nachher stellte sich heraus, daß diese überhaupt gar nicht befragt worden war. Di« Mehrheit hat aber unseren Antrag, die Sache dem Magistrat zurückzugeben, einfach niedergestimmt. Da kann man e» dem Magistrat schließlich gar nicht sehr übel nehmen, wenn er so mit unseren Rechten umspringt. Stadtv. Cassel: Damais sind wir doch vorher befragt worden. Ob eine Deputation gehört wurde oder nicht, ist etwas ganz anderes, obwohl auch hier im Falle tendenziöser Nichtbefragung eingeschritten werden müßte. Wir stimmen heute nur deshalb zu, weil wir das Abkommen für materiell berechtigt halten. Im ge- gebenen Falle genügt uns di« erfolgte Aufklärung nicht. Der Ma- gistrat muß größeren Eifer entwickeln. Der Vertrag wird hierauf nachträglich genehmigt. Schluß gegen 9 Uhr._ Soziales« Verlust verdienten Lohne». Der Arbeiter K. forderte vom Steinseymeistcr Max Hirsch noch einen rückständigen Lohnbetrag von 7,60 M. Da die Forderung in Güte nicht erfüllt wurde, hatte sich am Dienstag das JnnnngS- schiedSgericht mit der Sache zu beschästigen. Der Beklagte, der sich durch eine Buchhalterin vertreten ließ, ließ durch diese einwenden, der geforderte Lohnbetrag sei am Fälligkeitstage nebst den Papieren deS Klägers abgefordert und bezahlt worden. Der Erhcber des Geldes hat im Kontor den vom Polier ausgestellten Nachweis der geleisteten Arbeitsstunden, auf den der Lohn stets ausbezahlt wird, abgegeben. Der Kläger behauptet, das Geld und die Papiere nicht erhalten zu haben. Er hat den vom Polier ausgestellten Schein an jenem Sonnabend verloren und, da er ohne einen solchen doch kein Geld bekomme, sei er an jenem Abend nicht mehr nach dem Kontor gegangen, sondern habe am Montag vom Polier einen anderen Schein gefordert. Die Vertreterin des Beklagten, der die Lohnauszahlung obliegt, hält dem entgegen, daß sie nicht alle beim Beklagten besänftigten Arbeiter persönlich kennen kann, sie wisse deshalb auch nicht, ob die Auszahlung des Geldes an den Kläger oder einen anderen erkalgt ist. Sollte das Geld wirklich durch einen anderen al» den Kläger erhoben worden sein, so trage der Kläger hieran selbst die Schuld. Denn er hätte dieses dadurch verhindern können, daß er dem Kontor rechtzeitig die Mitteilung über den Verlust des vom Polier ausgestellten Arbeitszettels machte. DaS Schiedsgericht trat dieser Ansicht bei und wies die Klage ab, wiewohl der Kläger de» Lohn nicht erhalten hat. Die Entscheidung ist eine durchaus unzutreffende. Durch die Arbeitsleistung hatte der Kläger einen Anspruch auf Zahlung» nicht nur auf Aushändigung eknes LohnzettelS. Weder ihm noch einetn von ihm Bevollmächtigten ist der Lohn ausgezahlt worden. ES hätte demnach der Beklagte verurteilt werden müssen. Der von dem Beklagten erhobene Einwand mag für die Frage, ob die Buch- halterin die an einen dritten zu Unrecht gezahlte Lohnsumme dem Beklagten zu erstatten habe, erheblich sein, für den Anspruch deS Klägers ist er unerheblich. Sache des Beklagten ist es, Einrich- tungen zu treffen, die auch die Zahlung des Lohnes gewährleisten. Er hätte beispielsweise den Aussteller des Lohnzettels mit Kassen- und Zahlungsauftrag versehen können. Selbst wenn man in der Nichtbcnachrichtigung des Kontors von dem Zettelverlust ein Ver- schulden des Klägers erblicken sollte und selbst wenn man, wiewohl der Zettel zweifellos kein Jnhaberpapier ist, den Kläger für schadenersatzpflichtig hielt, hätte ihm der Lohn zugebilligt werden müssen. Denn nach§ 394 B. G.-B. ist eine Aufrechnung gegen den Lohn unstatthaft, überdies das Jnnungs- schiedSgericht für solchen Schadensersahanspruch nicht zuständig. Bus Induftne und Rande!« Der Strick des Hefesyndikats. Mit welchem Mittel das unter agrarischem Einfluß stehende Hefesyndikat die Verbraucher unter seine Tributpflicht zwingen will, zeigt der Vertragsentwurf, den der Verband den Hefehand- lungen vorlegt. Darin heißt es: Die Handlung verpflichtet sich, ihren gesamten Bedarf an Branntweinhefe beim Hefeverband zu decken. Als Preis wird der Handlung der vom Hefeverband jeweils für Groß-Berlin festgesetzte Grundpreis in Rechnung gestellt. Er beträgt zur Zeit 40 Ps. per Pfund rein« Hefe und zwar gilt er für Lieferung ab Vertriebsstclle Berlim... Verstößt die Handlung gegen irgend eine der auf Grund dieses Vertrages zu übernehmenden Verpflickitungen. so hat sie für jeden Fall der Zuwiderhandlung eine Vertragsstrafe von 20 M. zu entrichten... Besteht ein Verstoß darin, daß Verbandshefe mit Bierhefe, Kartoffelmehl oder anderen Surrogaten vermischt wird, so ist eine Vertragsstrafe von 500 M. für jeden UebertretungSfall zu bezahlen...»- Bezieht die Handlung entgegen der Bestimmung deS gl auch Brcmntweink�fe, die von Firmen hergestellt ist, welche nicht dem Hefeverbande angeschlossen sind, so ist für jeden bezogenen Zentner dieser Hefe eine Vertragsstrafe von 20 M fällig Die Handlung hat als Sicherheit für di« Erfüllung samt- sicher Verpflichtungen den Betrag von 1090 M.(in Buchstaben: Eintausend Mark) in bar beim Hefeverband zu hinterlegen, der diese Summe mit 4% vom Hundert pro Jahr zu verzinsen hat. Die Handlung ist verpflichtet, die Sicherheit stets auf den Betrag von 1000 M. zu ergänzen, sobald ein Teil der hinterlegten Summe dem Hefeverband verfallen ist. Der Vertrag tritt am.... in Kraft und kann nur hum Schluß eines Kalendermonats und zwar unter Jrmehaltmtg einer vierwöchentlichen Frist gekündigt werden. Die Kündigung ist jedoch für das erste Halbjahr, vom Tage des Inkrafttretens dieses Vertrages ab gerechnet, ausgeschlossen. Der Vertrag tritt ober auf jeden Fall mit dem Zeitpunkt außer Kraft, zu dem die Gesellschafter des Hefeverbandes di« Aufhebung der unter ihnen geltenden Ucbcreinkunft beschließen sollten. Wer diesen Bertrag unterzeichnet, und das Syndikat hofft wohl, alle Abnehmer dazu„veranlassen' zu können, der ist auf Gnade und Ungnade den Hcfemännern verfallen. Diese haben sich alle Rechte vorbehalten, den Abnehmer erfreuen nur Pflichten. DaS Syndikat kann die Preise diktatorisch bestimmen und«S kann zu jeder Zeit den Vertrag lösen; die Abnehmer jedoch sind ver» pflichtet, ihren gesamten Bedarf vom Syndikat zu entnehmen, und sie sind an eine KündigungSpslicht gebunden. Wollen sie�stch der Diktatur erwehren, haben sre das durch hohe Strafen zu büßen. Die schlaue» Agrarier. Di« Antwort, die unsere um des deutschen Schweine» Gesund- heit so sehr besorgten Agrarier den städtischen Behörden aus deren Eingaben an die Regierung in der Frage der Fleischnot durch den Minister erteilen lassen, zeugt von einer gerissenen Taktik. Der Behauptung, daß von einer Fleischnot keine Rede sein könne und die Viehpretse fich in mäßigen Grenzen bewegten, folgt diese Bemerkung des Beauftragten der Agrarier, zurzeit Minister für Landwirtschaft Domänen und Forsten: „Die Gestaltung der Fleischpreise diese» Jahre» ha» fich den Biehpreisen nicht überall angepaßt und«eist auffallende Verschiedenheit auf. Neben örtlichen Preisrückgängen werden Preiserhöhungen für alle Fleiichgattungen durch die Statistik in zahlreichen Marktorten nachgewiesen, dre Loge des Fleischmarltes ist daher keine gleichmäßige. Immerhin muß für dre von erheb- lichen Preissteigerungen getroffenen Ortschaften angesichts der schon vordem vorhandenen hohen Fleischpreise eine Teuerung des Fleische« zugegeben werden... Dann bezeichnet Herr v. Schorlemer die vorgeschlagenen Mttel, die eine Milderung der Teuerung herbeiführen sollen, als un- geeignet. Natürlich, fie decken sich nicht mit dem Portemonnaie» intereffe der Viehproduzenten l Aber, der Minister hat ein Mittel in Bereitschaft, das er anwenden will, wenn der Notstand noch weiter wachsen sollte. Man höre und staune— nicht: „Ob ein Sinken der Fleischpreise durch die Herabsetzung der sonstigen den Verkehr mit Vieh und Fleiscb belastenden Gebühren und Kosten, namentlich der Schlachthofgebühren und der Fleisch- und Trichinenschaulosten, zu erreichen sein wird, werde ich ein« gehend prüfen. Dabei verhehle ich mir indeffen nicht, daß e« bei der Geringfügigkeit der in Betracht kommenden Beträge in hohem Grade zweifelhast sein muß, ob damit eine merkbare Einwirkung auf den Fleischpreis zu erzielen sein wird. Wenn fich dieser Weg als ungangbar erweisen sollte und wenn wider Erwarten ein Rückgang der gegenwärtigen Vieh- und Fleischpreise nicht eintreten und der Marktaustrieb dauernd nachlassen sollte, werde ich weitere Maßnahmen zur Sicherung der tleischversorgung ins Auge fasten. Für diesen Fall wird in erster inie erwogen werden müssen, ob und unter welchen Voraus» setzungen aus eine Erleichterung der Einfuhr von Fleisch, die vom Standpunkte der Veterinärpolizei gegenüber der Einfuhr von lebendem Vieh weniger Bedenken erregt, Bedacht genommen werden könnte.' Ein Troddel, der nicht die Absicht der Hintermänner des Ministers merkt. Die Fleischer haben sich zum Teil dem Proteste deS Volkes gegen die gemeingefährliche Wirtschaftspolitik der Ritter und Heiligen angeschloffen, ebenso die Städte. Da muß der Minister den Fleischern die Schuld über die Teuemng auf» bürden und ahnungslos.droht' er mit Erleichterung der Fleisch» einstihr, während die Fleischer vermehrte Vieheinfuhr fordern, weil erhöhte Fleischeinfuhr ihr Geschäft schädigt. Den Fleischern ist ge» nügend bekannt, daß die Agrarier ihren Willen durchzusetzen wissen, deshalb werden sie nach diesem.Winke' sicher Hübich artig sein. Und die Städte schöpfen wohl au« der Antwort die Befürchtung, baß sie für die agrarischen Sünden zu büßen haben werden, falls fie nicht aus weitere Eingaben wegen der Fletschnot verzichten. So ver» schaffen fich die Junker durch einen harmlosen Minister Ruhe vor unbequemen Protesten I_ AuS dem BerkehrSgewerbe. Die Ergebniffe der bis Ende September veröffentlichten Ab« schlüsse der Aktiengesellschaften de» Berkehr»» gewerbes, die allerdings iure z. X. auch da» Ergebnis schon de» laufenden Jahres unifasisn, lassen auch schon eine Entwickeiung der Rentabililät in diesem Gewerbe erkennen. Wäbrend der ersten neun Monate des laufenden JahreS find die Ergebnisse von 345 Aktien- geseHsdbaften des Verkehrsgewerbes bekannt geworden. DaS divi- dendenbereckitigte Kapital von 1 SSo 61t 000 Mark weist gegen das Vorjahr eine Steigerung von 13 829 000 Mark auf, auf welches ins- gesamt eine um 13 202 000 höhere Dividendensumme zur Verteilung gelangte. Prozentual stieg die Dividende von 3,4 auf 4,3. Die Steigerung der Rentabilität im Verkehrsgewerbe verteilt sich aus die einzelnen Gruppen recht verschieden. Die folgende Zu- sammenstellung giebt einen Ueberblick über die Zahl und das Grund- kapital der Akiiengesellschasten, die in diesem und im Vorjahre wäh- rend der Monate Januar bis September ihre Abschlüsse vergleichbar veröffentlicht haben. Daneben ist die absolute und prozentuale Höhe der verteilten Dividende angegeben. Huö der frauenbewegung» Gesunde Schwangerschaft und leichte Geburt. Unzweckmäßige Ernährung ist eine häufige wesentliche Ursache krankhafter Schwangerschaften und schwerer Geburten. Tausende von einwandfreien Erfahrungen haben ergeben, daß, soll eine ge- sunde Schwangerschaft und leichte Geburt erzielt werden, folgende Ernährung für Mutter und Kind die best« ist: Reisspeisen. Gries (auch GricSklößeZ, Buchweizengrütze, Hafergrütze, Weckenklöße, Kartoffel, Spinat, Salat, andere grüne Gemüse, Kvhlarten, etwas Brot, Butter, frischer Quart, Obst, gekochte Pflaumen, Apfelmus, dann und wann eine Eierspeise und mittags ein Stück Fleisch. Gekochte Pflaumen ohne Zucker sind besonder» angezeigt bei trägem Stuhlgang. Ganz zu vermeiden sind Hülsenfrüchte, Erbsen, Bohnen, Linsen und schwer verdauliche Mehlspeisen. Wenn die Mittel es irgendwie erlauben, soll die Schwangere zu jeder Mahl- zeit, auch zum Frühstück und Abendbrot. Früchte essen, und zwar: Feigen, Datteln, Orangen, Pflaumen, Nüsse, Aepfel, Trauben, Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren. Früchte sind vom Physiologischen Standpunkte kein Luxusartikel, sondern für jeden Menschen ein sehr notwendiges und wichtiges Nahrungsmittel, ohne das volle Gesundheit nicht bewahrt, nicht entwickelt oder zurück- erlangt werden kann. Und gerade die schwangere Frau bedarf, um eine gesunde phvsiologische Blutmischung zu haben, der rogel- mäßigen Zufuhr von Früchten bei jeder Mahlzeit. Denn nur wenn dem Kinde gesunde» mütterliches Blut zufließt, kann sich dasselbe gesund entwickeln. Leider sind allerdings die Früchte gerade wie das Fleisch durch unsere verderbliche Wirtschaftsform, durch unsere ungeheuerliche Zoll- und Steuerpolitik wirtschaftlich ein Luxus- artikel geworden, der für die proletarische Frau kaum erschwinglich ist oder nur unter großen Opfern aus einer anderen Seite. Ein Ersatz für das Obst sind ja die alkoholfteien Fruchtsäfte, aber die sind für die proletarische Frau erst recht unerschwinglich. Ein anderer Ersatz ist, wenn auf Obst verzichtet werden mutz, Himbeer- und Johannisbeersaft, wovon man einige Eßlöffel voll auf ein Glas Wasser nimmt, Zitronensaft mit Wasser und etwas Zucker und Sauermilch. Die Reis-, Gries-, Buchweizen- und Haferspeisen werden mit Wasser und Butter(eventuell einem Butterersatzfett) zubereitet, nicht mit Milch, weil diese die Speisen schwerer ver- baulich macht. Alle Speisen dürfen nur schwach gesalzen werden; starkes Salzen ist streng zu vermeiden. An den Salat nimmt man, wenn möglich, Zitronensaft statt Essig. Alkoholgenuß sollte jeder Mensch im Interesse seiner Gesundheit meiden. Die schwangere Frau darf in ihrem Interesse und im Interesse ihres KindeS keinen Alkohol, vor allen Dingen keinen Schnaps, trinken. Alkohol ist für sie und ihr Kindchen Gift, da? die Schwangerschaft be- schwerlicher, die Geburt schwerer macht und die gesunde Entwicke- lung des Kindes unheilvoll beeinflußt. Kaffee. Tee. Kakao, Fleisch- brühe sind ebenfalls zu vermeiden; sie stören die Verdauung der Schwangeren, reizen in schädlicher Weise ihr Nervensystem und wirken hemmend auf die EntWickelung des Nervensystems des Kindes ein. Vor zu reichlichem Fleischgenuß und zu reichlichem Essen braucht man die proletarische Frau ja nicht zu warnen; davor ist sie schon durch unsere schöne Wirtschaftsordnung bewahrt. Nur aus medizinischer Gewissenhaftigkeit sei erwähnt, daß reichlicher Fleischgenutz und starkes Essen(für zwei) von jeder Schwangeren vermieden werden muß. Ein sehr wichtiger Punkt ist die Flüssig. keitszufuhr. Hier gilt als oberstes Gesetz: Die Schwangere trinke nur dann, wenn sie wirklichen starken Durst hat. Nie trinke sie aus Gewohnheit oder einer Laune wegen. Und immer trinke sie nur klares Wasser, oder Wasser mit Fruchtsäften oder Sauermilch. Auch die übermäßige Einfuhr von Suppen muß die Schwangere unterlassen. Trinkt die Schwangere über ihren wirklichen Durst hinaus oder ißt sie zu viel Suppen, dann wirb die Fruchtwasser- menge übermäßig vermehrt, die große Flüssigkeitsmenge dehnt die Gebärmutter bezw. ihre Muskulatur zu stark aus, sie wird über- dehnt, hierdurch schwach und unfähig, im gegebenen Augenblick während des Geburtsaktes normal arbeiten zu können; eS tritt die sogenannte„Wehvflchwäche" ein, d. h. die Gebärmutter ist unfähig, daS Kind auszustoßen, und das Kind muß durch Kunst- Hilfe von der Mutter losgelöst werden. Auch verursacht die abnorme Fruchtwassermenge vielfache Schwangerschaftsbeschwerden, wie Un- beholfenheit und Schwerfälligkeit bei Bewegungen, Druck auf die Beckenorgane, Krampfadern usw. Die Schwangere soll pro Ttg höchstens lh— � Liter Flüssigkeit(einschließlich Suppen) zu sich nehmen, dann bleibt die Fruchtwassermenge innerhalb der physio- logischen Grenzen, und die genannten bösen Folgen treteK nicht ein, vorausgesetzt das Kindchen selbst erreicht durch abnorme Fett- ablagcrung und abnorme EntWickelung nicht eine abnorme Größe. Ein zu stark entwickelte? fette? Kind kann zu den gleichen bösen Folgen führen wie eine abnorme Menge Fruchtwasser. Das abnorm entwickelte Kind wird aber auch die Geburt noch besonders schwierig gestalten, weil seine Maße im Verhältnis zu den Geburtswegen zu groß sind und das Knochengerüst zu fest, zu wenig nachgiebig ist. Die Geburtszange des Arztes muß eingreifen, um überhaupt eine Geburt zu ermöglichen..Und das ist nicht nur bei eng gebauten Frauen der Fall, sondern häufig auch bei normal gebauten. Be- folgt aber die schwangere Frau streng die oben angegebene Diät. unter Beobachtung der notwendigen Ruhe und Bewegung, dann wird sie sich bald recht wohl fühlen und in ihrem Schöße aller- dings keinen Posaunenengel entwickeln, sondern ein kleines, hageres aber gesundes, kräftiges Kindchen, mit weichen, nachgiebigen Knochen, das auch enge Geburtswege mit Leichtigkeit passiert, ohne die Weichteile zu zerreißen, wodurch die Entbindung leicht, schmerz- los und gefahrlos wird. Vielen Frauen, die sonst nur unter großen Schmerzen und Gefahren, häufig unter Opferung des kindlichen Lebens, gebären konnten, ist durch strengste Befolgung jener Diät eine gesunde Schwangerschaft und leichte Geburt gesichert worden. Bersammlunge»— Veranstaltungen. Gtralau. Montag, den 7. November, abends gl/z Uhr in den„Mark- grafensälen" öffentliche Frauenversammlung. Tagesordnung: Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen. Rcfe- rennn: Frau Frida Wulff-Berlin. Hierzu findet am Sonntag von den bekannten Stellen aus eine Flugblattvcrbreitung statt. Die Genossinnen und Genossen werden ersucht, für guten Besuch dieser Versammlung zu agitieren. Di« Bezirksleitung. Seriebts-.Zeitimg. Unberechtigtes Verbot einer Versammlung unter freiem Himmel. Der Zigarrenmacher v. Stepphout war bei der Polizeiverwal- tung von Luckau um die Genehmigung zu einer öffentlichen Per- sammlung unter freiem Himmel eingekommen. Die Genehmigung wurde versagt mit der Begründung, daß die für den 19. September 1909 geplante Versammlung nicht gestattet werden könne, weil das dazu ausersehene Ackergrundstück des Arbeiters Markus nicht abge- schlössen sei gegen die Nachbargrundstück« und so die Leute aus die Nachbargrundstücke übertreten würden. Es wäre zu befürchten, daß dann von den Nachbarn Mahnahmen ergriffen würden, die zu einer Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Ruhe und Sicherheit führen würden. Der Landrat wies die Beschwerde St.s zurück. Der Regie- rungspräsident zu Frankfurt a. O. verwarf die weitere Beschwerde. Er führte aus: Der Versammlungsort liege unmittelbar an der Berliner Chaussee, die namentlich an Sonntagen sehr verkehrsreich sei und einen starken Wagenverkehr habe. Es würde zu Störungen auf der Chaussee kommen und auch zu Reibungen, wozu das poli- tische Thema, das verhandelt werden sollte, den Anlaß geben könnte. Ferner grenzten, wie schon hervorgehoben sei, bestellte Felder an das Grundstück, bei dessen.Breite von nur 10 Metern der Uebertritt auf Nachbargrundstücke nicht zu vermeiden sei. St. erhob nunmehr die klage und machte geltend, daß nicht allein die Berliner Chaussee, sondern auch noch ein Feldweg an daS Grundstück grenze. Wie bei dem angeblichen großen Verkehr auf der Chaussee es durch die auf einem Platze stattfindende Versamm- lung zu Störungen kommen sollte, sei nicht erfindlich. Und eben- sowenig liege irgendein Anlaß vor zu der Annahme, daß eS wegen des politischen Themas zu Ausschreitungen kommen könnte. Rechtsanwalt Dr. Kurt Rosenfeld als Vertreter des Klägers hob in der Verhandlung vor dem ersten Senat des Oberverwal- tungsgerichts noch hervor, daß die gesamten Ausführungen der Behörden die Angabe irgendwelcher Tatsachen vermissen ließen, die die Befürchtung einer Störung der öffentlichen Sicherheit recht- fertigen könnten. In den Bcschwerdebescheiden werde auch immer nur gesprochen von Gefahren, die dem Verkehr und der Ordnung drohten, während doch nach dem Reichsvereinsgesetz nur noch eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit dazu führen solle, eine öffentliche Versammlung unter freiem Himmel nicht zu genehmigen. Nur allgemeine Gesichtspunkte reichten auch nicht aus. Das Obervcrwaltnngsgericht folgte dem Antrage deS Anwalts und erklärte die polizeili仫 BcrbotSvcrfügung für ungerechtfertigt. ES nahm mit dem Kläger und seinem Verteidiger an. daß die Vor- aussetzungen für das Verbot einer öffentlichen Versammlung unter freiem Himmel hier nicht gegeben seien. Das Gericht steht auf dem Standpunkt, daß die Behauptung einer Gefährdung der öffent- lichen Sicherheit mit Tatsachen belegt sein müsse, aus denen nach vernünftigem Ermessen ein« nahe Möglichkeit der Verwirklichung der Gefahr sich ergebe. Allgemeine Scntiuiente könnten ein Verbot gemäß§ 7 des Vereinsgesetzes nicht begründen. Ordnungsstrafe gegen einen Verteidiger. In dem hier feit Wochen schwebenden Schieberprozeß Glaser und Genossen ereignete sich gestern vormittag folgender Ztvischen- fall. Der Verteidiger des Augeklagten Glaser wurde vom Gericht in eine Ordnungsstrafe von 50 M. genommen, weil er am Schlüsse seine« gestrigen Plädoyers die Redewendung gebraucht hatte:„Die Strafkammer würde einen Rekord ausstellen, wenn sie die vom Staatsanwalt beantragten Strafen in Anwendung bringen würde." Die Strafkammer, unter Vorsitz des Laudgerichtsdircltors LicbW» erblickte in dieser Redewendung eine Ungebühr vor Gericht, werr diese Redensart den Schluß zulasse, daß Rechtsanwalt Alsberg dem Gericht vorwerfe, es wolle bei der Urteilsfällung einen Rekord, also eine sportliche Leistung, ausstellen.— Rechtsanwalt Dr. Alsberg bat hierauf den Gerichtshof, ihm zur Stellung eines Antrages Zeit zu gewähren. Das Gericht ließ eine Pause eintreten. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung nahm Rechtsanwalt Dr. Alsberg das Wort zu folgenden Ausführungen: Ich habe in meinem gestri- gen Plädoyer hervorgehoben, daß das von dem Herrn Staats- anwalt ohne Anführung von Einzelstrafen beantragte Strafmaß im Verhältnis zu Urteilen in analogen Sachen(z. B. Fall Ter- linden) ein exorbitant hohes fei. Ich habe dann ausgeführt, daß es einerseits vermessen wäre, eine milde Strafe zu erbitten, andererseits aber um eine nicht zu hohe Strafe gebeten und dabei beiläufig die Wendung gebraucht, daß die Verhängung einer so außergewöhnlich hohen Straf« einen Rekord bedeuten würde. Ich habe nach weiteren Ausführungen mein Plädoyer mit der Bitte geschlossen: bei aller zweifellos angebrachten Strenge kein zu hohes Strafmaß zu verhängen. Nach meinem Plädoyer sprach Rechts- anwalt Dr. Halpert über eine Stunde und die Sitzung wurde ge- schloffen. Zu meinem größten Erstaunen wurde mir nun heute morgen vom Gericht erklärt, daß die Wendung, in der das Wort „Rekord" enthalten sei, die Deutung zulasse, daß das Gericht, das im Namen des Königs recht spreche, sportliche Leistungen voll- bringe. Ich habe sofort die Erklärung abgegeben, daß mir dieser Sinn völlig fern gelegen habe, daß das Wort„Rekord" sich nicht nur auf sportliche Leistungen beziehe und daß ich diesen Ausdruck zurücknehmen wollte, wenn in ihm ein solcher Sinn vom Gericht gefunden werde. Trotzdem wurde ich in eine Ordnungsstrafe gc- nommen. Ich ersehe aus dieser Ordnungsstrafe, daß das Gericht zu meinen Erklärungen dasjenige Vertrauen, das ich als Rechts- anwalt verlangen kann, nicht hat. Unter diesen Umständen kann meinem Klienten meine Verteidigung in dieser Sache nicht dienlich sein. Ich sehe mich deshalb, indem ich vorher beantrage, meinem Klienten Gustav und Philipp Glaser Gelegenheit zu geben, sich einen zweiten Verteidiger zu wählen, Frau Werner sich einen neuen Verteidiger zu wählen, im Interesse meiner Klienten ge- nötigt, die Verteidigung niederzulegen. Nach kurzer Beratung des Gerichts fragt der Vorsitzende die Angeklagte Werners Ihr Verteidiger hat die Verteidigung nieder- gelegt; beanspruchen Sie die Bestellung eines anderen Verteidigers? Angekl. Werner: Ja.— Vorsitzender Landgerichtsdirektor Lieber: Be- schloffen und verkündet: Die Verhandlung gegen die Angeklagte Werner abzutrennen, im übrigen aber dem Vertagungsantrage nicht zu entsprechen, da Gustav und Philipp Glaser noch einen anderen Verteidiger haben und nach der mehr als zweiwöchigen Verhandlung und nachdem die Plädoyers gehalten worden, kein Anlaß zu einer Vertagung vorliegt.— Frau Werner verließ hier- auf den Gcrichtsfaal. Die Plädoyer? wurden fortgesetzt. Wieder eine Ordnungssäule geborsten. In Fackenburg bei Lübeck wurde der Gärtnereibesitzer Schoos verhaftet, der in seiner Eigenschaft als Verwalter des Fackenburger Vorschutz- und Spar- Vereins im Laufe der letzten 7 Jahre etwa 20000 M. unterschlagen und die von ihm geführten Bücher gefälscht hat. Schoos war Vor- sitzender des Militärvereins und Vorstandsmitglied des Facken- burger Bürgervereins, dessen Hauptaufgabe die Bekämpfung der Sozialdemokratie ist. Während also Schoos unentwegt Thron und Altar gegen den Umsturz der Sozialdemokratie schützte, stahl er wie ein Rabe. Ein wackerer Sozial istentoterl Hus aller Melt. Aus Neu-Byzanz. Einem dringenden Bedürfnis abgeholfen.haben die guten Bürger des württcmbergifchen Städtchens Mergentheim. Auf dem Gerlachsheimer Turmberg wurde an der Stelle, an der der Kaiser, um- geben von einigen BundeSfürsten und den Vertretern der befreundeten Mächte, den Schluß des vorsährigeo(ff Kaisermauöver» verfolgte, ein Gedenkstein eingeweiht. 8« der Feier waren etwa 800 Veteranen aus 30 Ortschaften, fast sämtlich« Bereine von Lauda und GerlachSheim, Vertreter de» Militärvereins Tauberbifchoföheim und anderer benachbarter Militärvereine, eine Abordnung des Mergentheimer Bataillons und viele ander« Teil» nehmer auö der Umgegend erschienen. Durch den enthüllten Gedenkstein ist daS herrlich an der Tauber gelegene Städtchen um«ine historische Sehenswürdigkeit reicher geworden._ Die Cholera unter dem türkischen Militär. Alle Bemühungen, der mörderischen Seitche in K o N- stantinopel Herr zu werden, sind bisher vergeblich ge- wesen. In den letzten Tagen sind unter den Manövertnippen zahlreiche Erkrankungen vorgekommen. Nach Mitteilungen der Sanitätsbehörde an die Konsulate sind in der Zeit vom 28. Oktober bis 1. Noveniber unter den in Konstantmopel und Umgebung isolierten Truppen KOCholeraerkran- ku n g en vorgekommen. 11 sind bisher tödlich ver- laufen._ von einem Neroplan überfahren. Auf dem Nakoser Flugfelde bei Budapest kam«S Bei Probefahrten der Avialikcr Reiter und Szakacz zu einem schweren Unglücksfall. Sie machten Anlaufproben und fuhren dabei mit einer so großen Geschwindigkeit, daß ein in der Nähe stehender 13jähriger Schuttnabe nicht mehr ausweichen konnte und überfahren wurde. Das Kind erlitt so schwere Verletzungen, daß eS bald«ach der Einlieferung in das Krankenhaus starb. Schwere Explosion. In einer Bleicherei und Appreturanstalt in Ravensburg ist durch Explosion eines Kochkessels ein Arbeiter getötet worden, drei Arbeiter schwer verletzt, einer davon lebenS» gefährlich. Die Fabrikräume wurden durch die Explofion voll« ständig zerstört._ «vom Schlachtfeld der Arbeit. Erst jetzt ist in Petersburg die offizielle Statistik der Arbeiter» Unfälle für 1907 erschienen, die ein erichütlrnrdeS Bild der Schutz- losigkeit der russischen Arbeiter entrollt. Die Statistik bezieht sich bloß auf die 1.7 Millionen Arbeiter, die in den der Fabrikinspektion unterstellten industriellen Betrieben beschäs igt sind. Ausgenommen find alle Arbeiter, die in Betrieben unter 200 Arbeitern, in den staat- lichen Werkstätten, auf den StaatSeisenbabnen, im Bergbau usw. be» schäftigt sind. Trotzdem stellt sich die Zahl der registrierten llniälle aus 84 300, von denen 11700 mit vollständigem B e r l» st der Arbeitsfähigkeit endeten. Auf je 1000 Arbeiter in allen Betrieben entfallen 36,5 Unfälle. Diese Zahl wird aber in dem offiziellen Werkberichi als zu niedrig angegeben, da hierbei nicht in Betracht gezogen fei, daß z. B. die Zuckerfabriken nicht da« aauze Jahr, sondern bloß drei Monate in Betrieb seien. Die Höchstzahl der Unfälle zeigt die Nap h ta in d u st ri e. in welcher auf je 1000 Arbeiter 125,2 Unfälle kommen. An zweiter Stelle folgt die Metallindustrie mit 98,6 Unfällen. Aber auch diese Zahl ist zu niedrig angenommen, da in dem Berichtsjahr in der Metallindustrie die Zahl der Arbeitstage infolge der Betriebs- einfchränkungen herabgesetzt wurden. Charakteristisch ist ferner die zunehmende Zahl von Unfällen bei Frauen. Während noch 1904 die Unfälle bei männlichen und weiblichen Arbeitern im Verhältnis von 4.2 zu 1 standen, ist diese» Verhältnis jetzt 8,4 zu 1. Diese Tatsache erklärt sich daraus, daß die Fabrikanten in den letzien Jahren in verstärktem Matze statt Männer Frauen eingestellt haben. Die Frauen müssen auch die schwersten Arbeiten ausführen und liefern in immer größerem Maße Invaliden de» Kapitals. Interessant ist die Gegenüberstellung, die in einem Petersburger bürgerlichen Blatte au» Anlaß dieser Zahlen gemacht wird. Die 12 Proz. Unfälle, welche in der Raphtaindustrie, und 1906 in der Metallindustrie registriert wurden, werden den 18,8 Proz. ver- mundeten gleichgestellt, die die russische Donauarmee im russisch» türkischen Kriege aufzuweisen hatte. Kleine Notizen. Seim Ncbcrschrciten der Eifeutuihilglcisc wurden in der Nähe von Kassel zwei Zimmerleute, Vater und Sohn, von einer Ma» schine erfaßt und überfahren. Der Vater, dem beide Bein« und«in Arm abgefahren wurden, blieb t» t auf dem Platze liegen. Sein Sohn wurde tödlich am Kopf und den Beinen verletzt. Zwei Soldaten an KohlengaSveraiftung gestordr». Auf einem G>Ue bei M o h r u n g e n in Ostpreußen wurden zwei dort b e» ickäftigte beurlaubte Soldaten des Lllensteiner 146. Infanterieregiments in einem mit Kohlendunst angefüllten Schlafxoum bewußtlos aufgefunden. Die Gase sind einem schlecht schließenden Ofen entwichen. Beide Soldaten sind an den Folgen der Kohlenduustvergifiung gestorben. Durch Expl.osion brennender Gasolinlampen wurden in Kirr» berg in der Pfalz in einem Friseurladen mehrere Personen schwer verletzt. Mit der Fähre untergegangen. Jn Laguwitz in Böhmen ist gestern früh eine mit 30 Personen besetzte Fähre auf der an- geschwollene» Moldau umgekippt. Drei Arbeiter der Moldauer Zuckerfabrik ertranken, die übrigen Insassen der Fähre wurden gerettet. In einem Hotel in Bruck an der Muhr hat der österreichische Oberleutnant Presche! seine Geliebte Hedwig Müller durch vier Revolverschüsse getötet und sich dann selbst durch einen Schuß in die Schläfe enrleibt. Die Pest in Lissabon. Im Arbeiterviertel Alfama wurden sieben Fälle von pe st verdächtigen Erkrankungen festgestellt. Zwei Erkrankte sind g e st o r b e n. Die Regierung hat energische Schutzmaßregeln gegen eine Weiterverbrettung der Seuche angeordnet._ Bnefhartcn der Redahtfen, St« tnetftlfrtie evctrtiFmnv« Nnde» einvcnfttah« Vhr. SO, vorn ut«r Tretwen— F a b r«1»>1 l—, tnorficiiiiinOrti von 4,/i 610 Vit Uhr al>«»d0, Eoiinabcndo von 4'/, bis 0 III» nachuiitiags stall. Neder für drn Brief- kästen bestimmten etusrag- ist cm Bumstadc und«tu, Zabt»14 wteet» jeiitien b-i»ilstin«n. Briesltid« ütioluim tvtrd ata» erteilt. Etlio» Fraaen»raae man In der evreitistnnde vor. Rixborf 372. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Ehemann seinen Wolmsitz hat, ist Sühnetermtn, und bei dem für die Wohnung der Frau zuständiuen Arme»lonum!siousvorsteher die Erteilung eines Armutszeugnisses zu beantragen. Nach stattfinden des SühneterminS ist unter Ucber>eichuna des SübneallesteS, des ArmutSzeugliisseS und der HeimaiS» Urkunde bei dem Landgericht die Bewilligung deS Armnirechts und Bei» ordiiung eines Rechtsanwalts zn beantragen.— Nr. 60 und K. Z. 84, Spiel- und Weit ragen entscheiden wir nicht.— C. W. 444 und Vöcth- strafie LI. 9la.— R. 88. 1. Nein. Sie müssen aber sosort Elnsptuch erheben. 2. Nein, wenn eS sich um eine Polizeistrase handelt.— O. A. E. 10. Wenden Sie sich an den TrailSportarbeitcrvcrband, Euacluser 15.— 21 305 Schul». 33'/, Prozent.— Otto. ES ist zweckmäßig, die be- schestiigien Krankheitswochen in die AuIrechliilitgSbescheinignug nachtragen zu lassen.— A. L. 86. 1 bi« 3. La.— W. K. 36. 1. DaS ist nicht notwendig. 2. Vorher mit dem SlaiideSdeamlcn.— W. Z. 333. Nein. — Martha. ES liegt keine VerstchcrungSpslicht vor, so lange kein Lohn gezahlt wird.— P. P. 731. Die Frage läyk sich erst dann beantworten, wenn wir den Rechtsgrund, auS dein die Forderung entstanden ist. kennen. Mahnung unteibricht die Verjährungsfrist nicht.— W. K. 41. Der Dtensloertrag ist nach AuShändiglmg des DteiistbucheS und des sogenannten Mietstalers rechtSwirksam.— U. 3. Dazu ist die Wcsellschast nicht be- rechttgt.— M. Bö. 40. Der frühere Bescher ist nach Erteilung deS Zu» fchlags zur sosorltgen Rällmung verpflichtet. Aus dem Beschluß, nach welchem der Zuschlag erleilt ist, kann Zwangsvollstreckung aus Räumung vorgenommen werden.— 91. B, Zürich. Ja. Bei Weigerung ist aber solch Anspruch schwer durchjührbar.— ivt. G. Ja.--- v. Si« S.«ein. — C. 34. AukomatengaS m um eflra 2'/, Pf. teurer.— VrNsiel ZV Beide sind zum Besnch der Foribilduiigsschule verpflichtet. Tie Llnmeldun- gen haben die«Acschäslsinhaber zu bewirten.— A. W. IV1. 1. und 2. Nein. Ersolgt Pjändnng, so kann die Frau intervenieren.— Water G. SV. Ja. da der Rechtsstreit zur Zeit der Ehcichliehung rechtSanhängig war.— H. Bis zur Beendigung des Dienftverbältnisscs. Die H« r r s ch a s t aber hastet für die Kosten in der Reget bis zur Dauer von 6 Wochen.— ». äe Ich. 1. Nein. Der Vater kann aber den Austritt erklären. 2. u. 3. U. E. nicht.— I2V A. Nur dann, wenn der Vater erwerbslos war, der Unterhalt der Kinder also von der Verstorbene» bestritten ist.— Nlter Abonnent 20. t. DaS Amtsgericht Berlin-Milte, Neue Fricdrichstr. 12/13. 2. Bei demselben lScricht. 3. Ja. 4. DaS läßt sich nicht voraussagen. Bei Erlag eines Versäumnisurteils etwa 6 M. 5. Nein. Es mutzte geladen werden, wenn die Zwangsvollstreckung sruchtlos ist. 6. Etwa 1,53 M.— Eil» Posenvl. Keine. Es kann aber der Heimatschein nachgefordert werden.— E. Z. 101. Die Armendircktion kann sich an den Gegenständen halten. Der Ehemann ist erbberechtigt.— O. N. 20. Ja.— H. L. 31. 1. und 3. Die Talsache, daß Ihr Vater noch einen geringen Verdienst hat. ist kein ausreichender Grund zur Entziehung der Rente. Matzgebend sind ärztliche Gutachten über den Grad der Erwerbsunsähigkeit. 2. Um die Frage beantworten zu können, mutzten wir noch wissen, in welchen Lohn. Ilassen die Marken verwendet sind.— G. S. 54. Stellen Sie durch Einsichtnahme ins Grundbuch, das beim Amtsgericht Berlin-Mitte gesührt wird, fest, wer Eigentümer des Grundstücks ist; an diesen zahlen Sic. Sie können auch die Miete bei der Mrniitcrial.. Militär, und Baukasse, In. validenstratze 52, hinterlegen.— Teltow E.?1t. 03. Nein.— E. I. 39. Wenn die Kinder gctaust find, mutz der Austritt seitens des Vaters für dieselben besonders erklärt werden.— W.®. 1000. Nein.— 91. G. 1808. Fragen Sie bei der Reederei an.— F.(8. 1. und 2. Ja.— —<5. St. 43. Derartige Stillungen bestehen. Ein Antrag ist an das städtische StrslungSbureau. Postslr. tö. zu richten.— R. N. 18. Mahnen Sie nochmals. Eine Beschwerde ist an den Finanzmimster zu richten.— W. V., Halcnier. 1. Unseres Erachtens ja. 2. Sie können gegen den Wirt Strafaiiirag stellen.— A. W. 21870. Befragen Sie einen Antiquitätenhändler.— 9l. 1. 1. Ja. 2. Bei dem Amtsgericht, in dessen Bezirk der Erblasser seinen letzten Wohnsitz gebabt bat. 3. Innerhalb 30 Jahre. 4. Kostenlos.— A. Ff» E- 2. Die Frau kann bei dem zu- ständigen Amisgericht den Antrag aus Erlatz einer einstweiligen Versügung aus Herausgabe der Sachen stellen.— A. 300. 1. Ja. 2. Bei der unteren Verwaltungsbehörde, in Berlin bei dem Magislratskommissar für Invaliden» Versicherung, Am Köllnischen Park 8. 3. Innerhalb eines Jahres. — Hugo 100. 1. Nur dann, wenn Dispens erteUl ist. 2. Nein. ES wird von Fall zu Fall entschieden.— E. lä. Fragen Sie bei der Aussichts» bebörde, Stralaner Str. 8/S an. Anmeldepflichtig ist übrigens der GeschästS- inhaber.— Th. F. 3. Ihr jetziges sog..Lampenfieber",— nachdem Sie früher sicher ausgetreten sind— kann nur aus Nervenerkrankung zurück« zusühreu sein. Wir raten, einen Nervenspezialarzt zu konsultieren Wttternngouderttrve vom 3. November 101«. morgen» 8 Ubr. 1° 2-- «2 c 2 1 1—' Qettti »Sjll £4 »II S? irormmdt 740®ffi Hamburg 1742 WSL Perlte 742 SW Irantl.a M 747 SW München>750 ZW Wien 749 SS 1 bedeckt 5 Regen 4 dedeckt 4 halb bd. 5 wolkig 4 heiter I' t! tavaranda 754 D 2bedeckt eterSburg 751 DSD j 2Schnee Sc, IIb 746 W! 4 bedeckt �lberveev>737 SSW 1 heiter Bart«!750SW> 2 heiter -5 —5 N l 3 Wetterprognose ttir Freitag, den 4. November 1010. Ziemlich kühl, vorwiegend trübe mit Regensällen und frischen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Amtliche» Marktbericht der städtischen Marktballen-DtrekNo» aber den Grotzbandel in den Zemral-Marktballen. Marktlage: Fleischt Zuslchr stark. Geichäii flau, Preise für Kalb, und Hammelfleisch nachgebend, Schweinefleisch anziehend. W? l d: Zufuhr genügend, Geichäil lebhast, Preise fest. G e s i ü g e l: Zusubr reichlich, Ge'-böst ziemlich lebhaft, Preise behauptet. Fische: Zufuhr reichlich, Gelchält schleppend, Preise gedrückt. Butter und Käse: Geschäft flau. Prelle wenig verändert. K e m ü i e, Obst und Südfrüchte: Zufuhr genügend, Geschäst w Gemüse leb- hast, sonst still, Preise wenig verändert. WasierstandS-Nachrtivte» der LandeSanstalt für Gewässerkunde, mitgetellt vom verstner Wetterbureau. vaflerstand M e m e l, Tllsil P r e g e l, Jnsterburg Weichsel. Tborn Oder, Ratibor , Krassen , Frankiurt Warthe, Schrimm , Landsberg Netze, Vordamm Elbe, Letnnerttz , Dresden » Barbv » Magdeburg Wasserstand Saal«, Grochlltz Havel. Spandau') , Rathenow') Spre«, Soremberg') . BeeSlow Weser, Münden , Mmden Rhein, Ma�imilianSau , Kaub , Köln Neckar, Heilbron» Main. Werlheuu Mosel, Trier am 2.11. cm 74 68 88 84 146 —92 —8 350 143 125 58 130 feil 1.11. CID') _ o —2 0 —1 +13 +17 +21 +2 +1 +18 +15 0+ bedeute. Wuchs,— Kall.•) Umeroeael. Die glückliche Geburt einer Tochter zeigen an Dr. Benno Chajcn a. Frnn, 128/1 geb. Bernstein-Sohatlner. _ Martin-Luther-Str. 30. 3. 11. 10. �€€«€€«€€»»»»»9» & Unserem Kollegen jg August Müller zu seinem 60jährigen Geburt» G taoe die besten Glückwünsche! ~ Kollegen der Firma Schubert � u. Worth. 1680b stSPHS»»«»»SSSÄZSZ.. Unserem Genossm und H SangcSbnider& Wilhelm Bienge nebst Braut© die besten Glückwünsche zur U Vermählung. Z Die Genosten und Sange«. 4' brflder von Zernsdort. AliQein.MeH.Mkasse oeylsdiEoDreclisler geno�en: E. H. 86. Verwaltuiigsst. Berlin 0 Am 2. d. M. verstarb unser Mitglied Kurl Uvffmsnn. Ehr« seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonn- abend, den 5. Nov., nachm. 4 Ubr. von der Leicheugalle des Zentral- sricdhoseS in FriedrichSjelde aus statt. 292/10 Die Ortsverwaltung. Verbsnil öer Sslller unü?orleleulllei'. Ortsverwaltung llerlln. Den Kollegen hiermit zur Nach- richl, datz unser Mitglied, der Täschner Karl Löben Werkstatt Apeldaum u. WechSner am 31. Oktober verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 5. November, nachmittags 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofes in Friedrtchshagen, Kirchstratze, aus statt 157,13 Die Ortsverwaltung. �weixverdn Berlin. irinUli Generalversammlung des Qesamt=Z weis Vereins am Sonntag, den«. November er., vormittags 10 Uhr, in den„Germania« Prachtsäle n", Chausseestr. II«. TageS-Ordnung: 1. Geschäfts« und Kassenbericht vom 3. Ouartal. 2. Die Verschmelzung deS Zentral- Verbandes der Maurer und des Zentralvcrbandcs der Bauhilfsarbeiter. 3. Diskussion über die aufgestellten Kandidaten zu den kommenden Neuwahlen(Zweigvereinsvorstands-, Ausschuß- und Delegiertenwahl zur Gaukonfcrenz). 4. Vcreinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe kein Eintritt. Wir weisen zugleich darauf hin, doh die Neuwahlen in gsernoinunmen Zkttxttvä«?. Teriianimlnngen der Maurer, Pntsr.er, der Mitglieder derIt. Um rege Beteiligung ersucht 52/3 Bio Bezlrkevorwallung. JerliDEf iröeiier- RadlabreHereir Mitglied de» Arbeiten Radsahrer-BunbeS »Soltdarttett». Touren zum Sonntag, 6. November» 2. Mt.: l Uhr: Papenberge kHavel« schlotz). Start: Fontane-Promenadi 18. 3. Abt.: 1 Uhr: Htrschgarten. flirrt: Küstriner Platz. 4 Ab!.- 1'/, Uhr: KarlShorst(Fürsten. bad). Abends bei MerlowSli. Statt: Küstttner Platz. 5. Abt.: 2 Uhr: Wilmersdorf. Statt: Elystum. 6. Abt.: VI, Uhr: KaulSborf (Kabbelt). Start: Oderberger Str. 23. 7. Abt.: 8 Ubr: Beelitz, t Uhr: Wann- fce. Start: Kösiiner Str. 8. 3. Abt.: 1'/, Uhr: Lankwitz(VlNotta. stratze 41). Start: Walditr. 8. 10. Abt.: 1 Uhr: Glienick« bei Hermsdott(»Zum Kronpttnzen«). statt: Weberstr 6. Lichtenberg: 1 Uhr: Mt-GIienicke (TroppenS). Statt: Pfarrftr. 74. Achtung! Mittwoch, 16. November (Buhtag», im grotzen Saal ver - Neuen Welt: Lichtbtlder-Vortrag, kinematographische Vorstellung. GralfSoeriosung einer Nähmaschine (95 M.) und Tanz.— Programm stehe Inserate am 6. und 13. d. M. > im.Vorwärts-. 12/13 Achtung! Die Fortsetzung der General- Versammlung findet am DonnerSIag, 10. November, abend» 8'/, Uhr, in den„Andreas- Festsälen-, AndreaSstr. 21, statt. D«r Tor stand. Reste Danksagung,. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, nnfei cS guten Vater», lagen wir allen Freunden. Bekannten und Verwandten owie den Kollegen des Zemrai-Ver» bandeS der Töpfer und dem sozial- demollaiischen Wahlocrem zu Rixdors Mavnenlnche, achwarx und farhi�, CoHtu raea Btol fe, n enosts Munter Tncot-Rtof/e, Seldnn- Plutch. Bftmmete, Seide otc. Contcc�n Jaauel'e. Vegeo- wSnichl. Coetamre W»-i Cn.tuni- 'Seil» in eroei«, Aa«w&hl imjeren besten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen ffitwe BegEniiErg und Kimler. C.Pelz, Hottbuaeratr. 5« Sonntag, den 6. November, nachmittags 4'/, Uhr» in(Sranmanns Festsälen, Naunynstr. 27: IM" Ver�siiiimliin; aller in Schrauben- F abriken beschäftigten Arbeiter«. Arbeiterinnen. TageS-Ordnnng: t. Vortrag de» Genossen Davidtoohn über:.Ein Jahrhundert deutschen HumorS.- 2. Distusston. S. VerbandSangclegenhellen. 4. Branchen- angelegenheUen. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. Entre« mit Tanz IS Pf. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis» dast Metall- arbeiter-Notizkalender für ISll a 00 Pf. be» den Be- zirkskasfierern und im Bureau zu haben sind. 124/17 Dlo Ortavervraltnng. Terwultungr Berlin. Heute Freitag, adds. 8'/, Uhr, im GewcrkschaftShaus», Engelufez 14/1S: Saal 4(Arbeilslosensaal): Sttzrung der Ortsverwaltung. EiBisetzer. Montag, den 7. November, abends 7 Uhr» int Gewerkschaftshause, Engelufer14, Saal 4(Arbeitslosensaal): Vertrauensmänner, und Vorveriammlnng zur GeneralvertammiUDg. Sämtliche Delegierten müssen vertreten sein. VeTgal«!«!-. Montag, den 7. November» abendS 8 Uhr: Kranchen-Nersammlung im GewerkschaflShauS, Saal 4. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Bart l-lovlinrebt über: VernfSkran!- heilen. 2. Anträge zur Generalvettammlung. 3. Braiichrnoersammlung. dlS. Die Kollegen werden ersucht, ihre Frauen mltzubttngen. 93/19 »aiimier nml tmliok 20 Kottbuser Damm 20 SpeziaUtaus für Arbeiter- und Serufs-Kteidung Hosen Joppen. 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Gäste willkommen. SlnAegangene Druchrcbriftoi. Bon ber„Neuen Zeit«(Stuttgart, Paul Singer) ist soeben da» 5. Hest de? 29. Jahrgangs erschienen. Es hat solgendm Inhalt: Nulls dies sine linea.— Die französische Arbeitstonsöderatton und der Toulouser Kongrctz. Von Eh. Rappoport(Paris).— Dt« Revolution in Portugal. Von Edmond Peluso.— Die Herren und ihre Diener. Von Franz KIühS.— Nochmals die Frage der Landagitation. Von Karl Marchlonlni s.KönigSberg).— Literarische Rundschau: Waldemar Mtjcherllch, Der wirlschaslliche Fortschritt, sein Verlaus und Wesen. Von S. Eckstein. Ban der Borgdt, DaS Recht des HandlungSgehilsen. Bon Slegsrled Weinberg.— Notizen: Die Zionistische Bereinigung sür Deutschland. Zeilschristenschau. Feuilleton der„Neuen Zeit" Nr. 33: Fritz Renter. Bon F. Mehring. Die voilSwirtschastliche Bedeutung des Kunstgewerbe». Von Jolepd Aug. Lux(Dresden). Der.DietzgentsmuS" zum letzten Male.— Lose Blätter: Eine Beiichtigung. Die.Nene Zeit' erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch« Handlungen, Postniistalien und Kolvorieure zum Preis« von 3.22 M. pro Ouarial zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Beifügung. Vom„Kampf", der MonatSschrist der deutsch« österreichischen Sozialdemokralie, ist soeben da» Novemberhest erschienen. Es enthält solgende Bussätze: Otto Bauer: Gewerkschasien und Unter- ncbmerverbände; Max Adler: Zu Saini-SImonS 150. Geburtstag: Emil Höcker(Krakau): BoleSlauS LimanowSki; N. Trotz kh: In den Ball nländern; Adelheid Popp: Müdcheiierzichung und Raffenhygiene; Joseph G r n b e r(Linz): Wandlungen in der oberöitcrreichischcn Land- Wirtschaft; Wilhelm Hausen st ein(München): August« Rodin; Rundschau; Bucherschau. HanS- und Balkonschmuck im Winter. Herausgegeben vom Verein der BlumengeschästSmhaber Grotz- Berlins. Selbstverlag Berlin, Fttedrich-Wilhelm- Sl> atze 3. Eheleute. 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Abends 8 Uhr i Gastspiel Ferdinand Bona. Kean. Sonnabend und Sonntag: Dieselbe Vorstellung. Wontag: Da» gewiffe Etwas. Idealer des Westens. Anfang 8 Uhr. Die Hchttnate Fr an. Somit. 81/, U.: Oie geschiedene Frau. Modernes Theater (irdher Hebbeltheater). Heut« und täglich 8 Uhr: Die beute der Frauen. Berliner Volksoper Belle-Alliancestr. 7/8, '/.S Uhr: Don Ina«._ Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abend» 8 llhr: Noblesse oblige. Schwank in 8 Akten von Heunequin und Veber. friedrich-Wilheimstadtisches Schauspielhaus. Freitag, dm 4. Nov.. abend» 8 Uhr: Krieg im Frieden. Sonnabend nachm. 3'/. Uhr: Strien:- hilds Rache. Abend» 8 Uhr: Krieg im Frieden. Konnlag nachm.« Uhr: Revolu- tionShochzeit. 8 Uhr: Krieg im Frieden. Luisen-Theater. Abend» 8iUhrt Der Hiittenbefitzer. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Die Schwanenprinzelsin. 8 Uhr: Kean. «onniag nachm. 3 Uhr: Der Hütten- chfcer. 8 Uhr: ißrejiofn. 'ioiilag: Der Fähnrich im Kloster. ose-in�ie lSroge Frankfurtei Str 13ü. Ans. 8 Uhr. 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Carl Mermüth,'LcrUn-Aizdorf. gür dm 2ns«aieuteilverant».: Ttz.Bl»cke. Lerlia. Druck«.Verlag: Vorwärt» Buchöruckcrei u. verlagSgnjsatt Kaut feingee k i«u>S«rltg SUk