N-. ssv. nbonnementS'Bedlngungen: AbonnemeiUZ- Preis pränumermd»! Vierteljkhrl. SM Mit., monall. 1,10 Tit, wöchc-itlich 26 Pig. frei ms HauS. Einzelne Nuiiimer 5 Pfg. Sonnlags- »ununcr mit illuslrierler Sonntags» Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post» klbonnement: l.lv wiark pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband lür Deutschland mid Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Postabonnement. nehmen an: Belgien. Dänemark Rolland. Italien. Luxemburg, Portugal, Kutiiüuicn. Schweden und die Schweiz, 27* Jahrg. Crfchclnt lZgliS anStr liJontai». tr* Devlinev Volksblatt. Die TnlertlonS'Gebifyr vetrSgl für die sechsgespaltcne Kolonel- geile oder deren Raum Kl Pfg., für politische und gewerlschastliche Vereins- und Vcrsammlungs-Anzcigen M Pig. „Kleine Hnreigen", das erste(feit- gedruckte) Wort 20 Pfg., jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf- siellen-Anzeigen das erste Wort 10 Psg., jedes weitere Wort S Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends geöffnet, Telegramm< Adresse: „Sozialdemokrat BtrlH" Zentralorgan der rozialdcmokrati rehen Partei Dcutfchtandd. Redaktion: 8M. 68, Ltndenstrasse 69» Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. 6xpedtttön: 6 Cd. 68, Ltndcnatraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. CiO Schnorrer und Ccrfchwörcr. DerKan,Pf"mdiefreieBeweisfübrung. '# T/trmtf« s'l nl'ii-nrtt-tirrTP itm nt<» � ir ft t«-= Nun hat sich der Würger des russischen Volkes, der allzu lange schon auf deutschem Boden jene Sicherheit genießt, die dem Verhaßten das eigene vergewaltigte Land versagt, als Gast Wilhelms II. nach Potsdam gewagt. Unter dem Schutze der deutschen Bajonette, belvacht von einer Jnter- naliouale von Spitzeln— den deutschen Kollegen sind russische und sogar französische Polizeimenschen zu Hilfe geeilt— hat der ew ig Zitternde seinen Einzug gehalten. Und fürwahr, wäre nicht die lebende Mauer von Militär und Polizei zivischen diesem GotteSguadennienschen und den Völkern errichtet, deren Gebiet sein Besuch schändet, der Zar könnte, wo inuner er weilt, sich nicht vor den Zeichen der Erbitterung und Verachtung schiitzen, die überall gegen den Besieger seines Volkes gehegt werden. — So groß die Bewunderung für den todcsniutigeu und opferreichen Heldenkampf des russischen Volkes gegen den fluchlvnrdigcn Despotismus ist, so tief ist der Abscheu vor dem Träger des verfaultesten und korruptesten Regierungssystems der Welt. Und dieser Abscheu ist um so berechtigter, als man weiß, daß der Zar persönlich eine Stütze gerade für die vcr- lumptesten Auswürflinge dieses Systems ist, daß er für die Rotten der schwarzen Hunderte und Echtrussen stets heiße und werktätige Sympathie gehegt hat. Freilich, der Zar ist nur mächtig gegen das seigene Volk. Gegen deu„inneren Feind" reicht seine Gendarmerie, reicht seine dcsorgarnisierte Armee und verlotterte Bureaukratie zur Not noch aus. Wenn er aber als Vertreter seines Reiches zu internatioilalen Verhandlungen komnit, dann ist es ein Ohnmächtiger, der erscheint. Denn die Macht Rußlands ist zerschmettert worden auf den japanischen Schlachtfeldern, zerschmettert und verfault in dem Kampf gegen die Revolution. Und die Geschichte der Konterrevolution, so infam, so schmutzig und so blutig sie ist, ist doch nur ein einziger Beweis für die absolute Unfähigkeit desZarismus sich aus seiner Ohnmacht zu erheben und auch nur jene Reformen durchzuführen, ohne die ein moderner Staat nicht existieren kann. Die Ver- tvaltung korrupt und zu allem anderen als zuni Stehlen un- brauchbar, das Heer aktionsunfähig.� die Marine auf dem Meeresgründe oder auf dem Papier diebischer Bauleiter, so aller staatlichen Machtmittel entblößt, wäre Rußland aus der Zahl der Großmächte ausgestrichen, erlaubte ihm nicht der unglückliche deutsch-englische Gegensatz, zum Schein wenigstens die Rolle der Großmacht weiter zu spielen. Doch ist es bloßer Schein und gerade der enge Anschluß an Eng- land inag Rußland gelehrt haben, daß eL nur als Gefolgs- ,nann, nicht als Gleichberechtigter mehr in der internationalen Politik gilt. Aus dem Konflikt, den die Annexion Bosniens am Balkan entzündet hat, ist der russische Zarismus als Gedemütigter und Geschlagener hervorgegangen und die neuesten Ereignisse in P ersten beweisen nur zu deutlich, daß Ruß- land höchstens gut genug dazu ist. für England die Geschäfte zu besorgen. So kommt der Zar als Schnorrer nach Berlin. Sind mit der Tripleentente so schlechte Geschäfte gemacht worden, so ist vielleicht von den französischen und englischen Bundes- genossen bessere Behandlung zu erzielen, wenn diesen demonstriert wird, daß Rußland auch anders könnte, daß auch eine Annäherung an den Dreibund im Bereich der Möglich. keit läge. Es ist der Versuch, die bisherigen Bundesgenossen zu b l u f f e n, der die russische Diplomatie veranlaßt, diese Kaiserzusammenkunft zu veranstalten und ihr durch die Hinzu- ziehung der auswärtigen Minister demonstrative politijche Be- deutung zu verleihen. Aber die russische auslvärtige Politik ist heute wie je zu- gleich eine permanente Verschwörung gegen die Freiheit und Unabhängigkeit der Völker. Die Erneuerung der Türkei hat kernen schlimmeren Wider- sacher als Rußland und in P e r s i e n stehend marschbereit die russischen Truppen, um den Rest der persischen Selb- ständigkeit zu vernichten. Aber die freie Entwickelung der Völker des Balkans und Asiens ist zugleich ein wirtschaftliches Interesse des deutschen Kapitalismüs, für den das Vordringen Rußlands die Sperrung bisher freier Absatzmärkte bedeutet. Die Erfüllung der russischen Wünsche, die Unterstützung Ruß- lands auf dem Balkan wie in Asien steht in schärfstem Wider- spruch zu den Interessen der deutschen industriellen Ent- Wickelung. Und so darf man wohl�hoffen, daß aus dieser Zu- famnienkunft nichts besonders Schädliches herauskommen wird, trotz der großen Sympathien, die deutsche und russische Reaktion verbindet. Soll doch nach einer Meldung des„Berliner Tagebl." in russischen Hofkreisen davon gesprochen werden, daß Wilhelm II., veranlaßt durch die portugiesische Revo- lution und die bedrängte Lage der griechischen und spanischen Monarchen, einen in 0 n a r ch i s ch e n Dreibund— Hohenzollern, Habsburg, Romanofs— anregen wolle, zum Schutze der monarchischen Standcsinteressen. Es würde sich also um die Frage eines monarchischen Existenz- Minimums handeln. Ob dieses Syndikat von Monarchen zur Sabotage der republikanischen Bewegung ernstlich geplant wird, nwchten wir bezweifeln. Immerhin hat der Gedanke etwas Beruhigendes, daß die Ohnmacht des Zaren andere als dekorative Politik heute nicht er- laubt. In langen Auseinandersetzungen beschäftigte sich die Justiz- k 0 m m i s s i 0 n in der Freitags sitzung mit einem der aller- wichtigsten Punkte der neuen Strafprozeßordnung, mit der von der Regierung beabsichtigten Einschränkung der Beweis- erhebung. So sagte der§ 232 der neuen St.-P.-O., daß das Gericht weitere Beweiserhebungen ablehnen kann, wenn die beantragten Beweiserhebungen als offenkundige Tatsachen anzusehen sind, wenn sich die angebotenen Beweise erübrigen, oder wenn die Beweismittel unerreichbar oder ungeeignet sind. Ebenso konnte das Gericht die herbeigeschafften Beweismittel ab- lehnen. Die 5tommissioil beschloß in erster Lesung, diese ungeheure Verschlechterung der Beweisführung ein wenig zugunsten des Angeklagten wieder einzuschränken, indem sie bestimmte, daß die herbeigeschafften Beweismittel nicht mit der Begründung von dem Gericht abgelehnt werden dürfen, daß sie für die Entscheidung ohne Bedeutung seien. Am schärfsten nahmen unsere Genossen gegen diese unerhört reaktionäre Bestimmung Stellung. Sie forderten die St r e i- ch u n g dieser Verschlechterung. Auch von den Freisinnigen und dem Zentrumsabgeordneten Gröber wurde gegen die Rcgierungs- Vorlage und den Beschlutz erster Lesung gesprochen. Am' meisten wurde um den Begriff„ungeeignete" Beweismittel gestritten. Selbst von konservativer Seite mußte zugegeben werden, daß diese dehnbare Bestimmung die schlimm st en Gefahren für eine freie Beweisführung in sich schließe, und ein kon- servativer Antrag forderte, an Stelle„ungeeignete"„völlig untaug- lich" zu setzen. Schließlich einigten sich die bürgerlichen Parteien unter Zurückziehung ihrer besonderen Anträge auf folgende Formu- lierung des Z 232: „Di? Beweisaufnahme ist von Amts wegen auf alle Tat- fachen zu erstrecken, die für die Entscheidung von Bedeutung sind. Beantragt ein Prozeßbeteiligter die Erhebung eines Beweises, so kann sie das Gericht nur ablehnen, weil wegen Offenkundigkeit sich jede Beweiserhebung erübrigt, weil die Tatsache, die der Antragsteller beweisen will, für die Ent- scheidung ohne Bedeutung oder schon erwiesen, oder weil das Beweismittel unerreichbar ist. Im Beschluß ist anzu- geben, weshalb einer dieser Gründe zutrifft. Ist ein Beweismittel zur Verhandlung herbeigeschafft, so kann der Antrag nicht abgelehnt werden; von der Erhebung ein- zelner Beweise kann jedoch abgesehen werden, wenn die Staats- anwaltschaft und der Angeklagte hiermit einverstanden sind. In der Verhandlung vor den Amtsgerichten und Land- gerichten, sofern die Verhandlung eine Uebertretung betrifft oder auf erhobene Privatklage erfolgt, bestimmt das Gericht den Umfang der Beweisnufnabme, ohne hierbei durch Anträge, Ver- zichte oder frühere Beschlüsse gebunden zu sein. Die Vorschriften der 71, 83 bleiben unberührt." In scharfpointierten Ausführungen, die sich auf mehrere Reichsgerichtsurteile stützten, wendeten sich unsere Genossen ins- besondere gegen die Beibehaltung des ungemein zweifel- haften Begriffs der„Offenkundigkeit", ferner gegen den Absatz 4, der vor allen Dingen geeignet ist, jede weitere Beweis- erhebung bei„Ucbcrtretungen" des groben Unfugparagraphen usw., d. h. in allen Fällen der Anklagen wegen Streikvergehen, Streikpo st en stehen und in politischen Prozessen in das Ermessen des Gerichts zu stellen.— Die in diesem Sinne gestellten Abänderungsanträge unserer Ge- nassen wurden jedoch abgelehnt, ebenso alle anderen dazu gestellten Anträge, während bei der Endabstimmung der Rom- promißantrag mit 13 gegen 11 Stimmen angenoinmen wurde. Dagegen stimmten außer unseren Genossen nur die- Freisinnigen und etliche Zentrumsabgeordnete. Einen neuen Angriff auf die O e f f e n t l i ch k e i t der Ver- Handlung unternahm der konservative Abg. Wagner, der heim 8 249 beantragte, daß das Gericht bei der E r ö r t e r u n g von Persönlichen, häuslichen oder Familienverhält- nissen die Oeffentlichkeit ausschließen könne.— Von unseren Genossen wurde diesem Versuche aufs energischste entgegen getreten, während von den Freisinnigen sich Abg. K 0 p s ch für den Antrag stark ins Zeug legte. Er fand darin bei einem anderen Mitglied seiner Partei Widerspruch.— Mit den Stimmen der Konserva-iven. Nationalliberalen, einiger Zentrumsabgeordneten und der des Abg. K 0 p s ch wurde der Antrag angenommen! Damit würde dem richterlichen Belieben ein außerordentlich bedenklicher Spielraum eingeräumt werden, während die Freiheit der anstandigen Presse in gefährlicher Weise eingeengt und der Schinutzpresse ein Freibrief ausgestellt würde, denn ein Vcr- lcunideter, der, um die Verleumdung klarzustellen, klagt, darf ja dann nicht einmal über seine Freisprechung berichten, weil jeder Bericht über eine Verhandlung, bei der die Oeffentlichkeit aus- geschlossen ist, durch den famosen Beschluß derselben Dunkelmänner zum Gerichtsverfassungsgesetz und§ 184a St.G B. unter Strafe gestellt ist. Nette Schutzpatrone der Revolverpresse. Da$ zweite Kabinett ßriand. Paris, 3. November.(Eig. Bcr.) Das offizielle Conlmu- niqns über die Demission Briands spricht davon, daß der Ministerpräsident trotz des Vertrauensvotums einer„ausgesprochen republikanischen" Mehrheit unter den. durch die gegen seine Person gerichteten Angriffe geschaffenen Umständen es für eine loyale Interpretation der republikanischen Ver- fassung gehalten habe, daß Wort dem Präsidenten der Re- publik zu lassen. Briands„Loyalität" ist diesmal noch an- fechtbarcr als sonst. Die republikanische Verfassung be- stimmt weder ihrem Wortlaut noch ihrem Geist nach, daß der Präsident ein Votum des Parlaments moralisch vermindern oder erhöhen kann. In Wahrheit bezweckt Vriand mit seiner Demission ein Doppeltes. Da er fühlt. wie sehr sein Ansehen im Land trotz des Siegs im Parlament und der Jubelchöre der offiziös-radikalen und gemäßigten Presse gelitten hat, will er es durch die Wiederberufung demonstrativ bestätigen lassen. Noch wichtiger aber ist es für ihn, die politischen Konsequenzen aus der Abstimmung vom Sonntag zu ziehen. Die Mehrheit, die seine Po link billigte, umfaßte außer den Rechtsradikalen und dem demo- kratischen Verband die Progressisten und einen Teil der Rechten— lauter Gruppen, die eine aus- gesprochene Politik gegen das Koalitionsrecht der An- gestellten der öffentlichen Betriebe und gegen die GeWerk- schaften überhaupt wünschen. Die Demission gibt Briand die Möglichkeit, ein Ministerium zu bilden, das aus zuverlässigen Anhängern dieser Politik zusammengesetzt ist. Natürlich wird er nicht so naiv sein, alle Wünsche der Scharfmacherpresse ohne weiteres zu erfüllen und etwa einen Progressisten ins Ministerium aufzunehmen und das Arbeitsniinisterium auf- zuHeben. Die Interessen des progressistischen Groß- Unternehmertums werden darum nicht zu kurz kommen und etwa Herr P u,c ch kann int Arbeitsniinisterium mehr Schaden anrichten, als die Aufhebung des Btinisteriums, die ja nur einen demonstrativen Charakter hätte, vermöchte. Das zweite Ministerium Briaud wird sozial- reaktionär sein, ohne das sozialpolitische Feigenblatt des ersten. Darüber sind sich alle Parteien klar. Wird es Bestand haben? Daran darf man zweifeln. Es wird sich beeilen, ein paar Gesetze gegen die Arbeiterorganisation ans den Plan zu bringen. Es bietet den Kapitalisten eine Bürgschaft für das Abmurksen der Einkommensteuer. Aber trotzdem wird es ihm schlver werden, ein Aktionsprogramm zu finden, das die Mehrheit auf feiner Seite hält, selbst in dem Fall, daß die Progressisten auf ihre dringliche Forderung nach dem Proporz verzichten. Millerand und Briand. Paris, 4. November.(Privat- Telegramm deS„Vorwärts".) Der sozialreaktionäre Charakter des neuen Kabinetts wird noch deut» licher durch die Weigerung M i l I e r a n d s, in das Ministerium einzutreten. Millerand begründete seinen Entschluß ausdrücklich da« niit, daß er dem Plane Briands, großen Arbciterkategorien das Streikrecht zu entziehen, nicht zustimmen könne. Ob Millerand in dieser Prinzipienfestigkeit nicht auch noch durch die Ueber» zenglingsbestärkt tvurde, daß das neue Kabinett Briand keine allzu- lauge Lebensdauer besitzen werde, mag dahingestellt bleiben. Aus einem Interview, das das„Echo de Paris" veröffentlicht, geht übrigens hervor, daß Herr Briand nicht nur gegen die Ein- komnienstener, sondern auch gegen die so dringend notwendige Wahlreform, die mit der parlamentarischen und Verwaltnngs» korrnption aufränmen würde, Sabotage zu treiben gedenkt. Ohne Wahlreform wird auch die wieder angekündigte Verwaltnngs- reform eine Scheinreform bleiben. Im übrigen steht es fest, daß den Hauptprogrammpunkt des neuen Kabinetts der Raub des Streikrechts bilden wird. Herr Briaud hat sich zu Mitarbeitern fast lauter un» bedeutende Leute genommen. Persönlichkeiten kann eben der Diktator nicht brauchen. Dicustag wird sich das Ministerium der Kammer vorstellen. Die einigen Reaktiouäre. Paris, 4. November. Bei den Besprechungen, die der Bildung des neuen Kabinetts vorangingen, beriet Briand mit allen Polt- tikern, deren Mitarbeit er sich zu sichern gedachte, über alle Fragen, welche durch die letzten Ereignisse entstanden sind. Die Besprechungen ergaben, dnß alle Mitglieder des Kabinetts über die Grundzllge deS den Kammern vorzulegenden politischen Programms vollständig einig sind. Vor Ausarbeitung des Textes der Erklärung des Ministeriums sind nur noch Frage» über nntergeorduete. Einzelheiten zu klären. Das Programm des Ministeriums wird dieselben Reformen enthalten, wie dasjenige Briands vor den letzten Kammer- wählen, und sich von diesem nur in bezng auf die Maßnahmen unterscheiden, die nach dem letzten Eisen bohnerst reit als »otivendig erlanni sind. Kühle Aufnahme. Paris, 4. November. Die Kammer ist, obwohl keine Plenar- sitznng stattfindet, doch sehr belebt. Die Aufnahme, die das neue Kabinet Briands in der parlamentarischen Welt findet, ist eine sehr kühl e. Die auf der äußerste» Linken bestehenden Feindseligkeiten werden durch den Eintritt mehrerer Radikal- Sozialisten in das Ministerium nicht verschwinden. Auch die Radikalen der bisherigen Regiennigsmehrheit beobachten eine große Zurückhaltung. Die großen Fraltionen werden erst nach dem Bekanntwerden des neuen NegierungsprogrammS Stellung nehmen._ Zum polizeilichen Kampf gegen die Cichtenberger Zngevdorganiiatioo. Am 19. Oktober hatte die Polizei in Lichtenberg eine ge- plante öffentliche, unpolitische Versammlung dadurch verhindert. daß sie cuifach den Zugang zum Lokal absperrte. Jetzt liegt nun die schriftliche Begründung dieser seltsamen Maßnahme Kr. Sie lautet: Der Polizeipräsident. Lichtenberg, d. 27. Oktober 1910. Tag.-Nr. I. Geh. 405. Alfredstr. 4.. Erwiderung--uf die Eingabe vom 21. Oktober 1919. Nach§ 1 des Reichsvereins-Gesches vom 19. April 1998 haben alle Reichsangehörigen das Recht, zli Zwecken, die den Strafgesetzen nicht zuwiderlaufen, Vereine zu bilden und sich zu versammeln. Die von Ihnen als dem Vorsitzenden der„Freien Jugend- organisation der östlichen Vororte" auf den 19. d. Mts. ein- berufene„Ocffentliche unpolitische Versammlung" hatte nach dem Inhalte eines von Ihnen als Verleger gezeichneten Flug- blatte» mit der Ueberschrift„An die arbeitende Jugend von Lichtenberg, Rummclsburg, Friedrichsfelde und Umgegend" den Zweck, die eben aus der Schule entlassenen jungen Leute, also Personen unter IL Jahren, zu veranlassen, Mitglieder der freien Jugendorganisation zu werden. Da die freie Jugendorganisation eine Einwirkung auf politische Angelegenheiten bezweckt, indem sie die Mitglieder im Sinne der Bestrebungen der sozialdemokratischen Partei be- arbeitet, dürfen gemäst§ 17 des Reichsvereinsgesetzes Personen, die das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet haben, nicht Mitglieder der freien Jugendorganisation sein. Zuwider- Handlungen sind im§ 18 Ziffer 5 und 6 des Neichsvercins- gesetzes mit Geldstrafe bis zu 159 M. oder vcrhältnismästiger Haftstrafe bedroht. JSSenn entgegen diesen Strafbestimmungen die geplante Versammlung für den Eintritt jugendlicher Personen in die Freie Jugendorganisation Propaganda machen sollte, verfolgte sie, wie ich �hneii bereits mündlich eröffnete, einen den Straf- gesehen zuwiderlaufenden Zweck und mußte verhindert werden. gez. L e w a l d. Ter Inhalt deckt sich also etwa mit den von uns wieder- gegebenen mündlichen Gründen. Sieht»'an einmal gänzlich von allen sonstigen Momenten ab, so bleibt als einziger Grund die beweislose Behauptung des Polizeipräsidenten übrig, daß die„Freie Jugendorganisation. der östlichen Vororte" eine politische Vereinigung sei. Aus welchen Tatsachen daS der Polizeipräsident folgert, wird aller- ding» nicht gesagt, weil es eben gar nicht möglich ist, zutreffende Tatsachen anzuführen, die obige Behauptung stützen könnten. Das sonderbare Urteil des Obervtrwaltungsgcrichts gegen die Ber- l i ii e r Jugendorganisation, auf das der Polizeipräsident bei der mündlichen Verhandlung mit den Genossen Göring und Schlvenk hinwies, beweist doch absolut nichts gegen die völlig selb- ständige Organisation der östlichen Vororte. Tatsächlich hat der Polizeipräsident unrecht mit seiner Be- hauptung. Selbstverständlich werden alle Ncchtsmittel gegen seinen Bescheid ergriffen. Die Polizei sucht übrigens immer noch nach BelastungS- Material gegen die Jugendorganisation. Am Mittwoch früh wurde beim Genossen Göring eine Haussuchung vorgenommen. Indes hat die Polizei das, was sie suchte, nicht gefundew poUtifebe Geberlicbt Berlin, den 4. November 1910. Reif für die Gummizclle! Für daS tobsüchtige Scharfmachergeheul der reaktionären Presse ist folgender Ausbruch der agrarischen„AltenburgerLandes- z e i t u n g" charakteristisch: „Aian wird wieder zum Kriegsberichterstatter, denn in der nächsten Nachbarschaft von Moabit wird bereits wieder das Gelände für den heutigen Nachtkampf rekognosziert. Alle Kneipen von Berlin N. sind voll von „Organisierten", die sich Mut zu dem Kampf um das Wcddiugvicrtel antrinken, und draußen auf dem Asphalt wird im Auftrage der Polizei Sand gestreut, damit die Schutzniannspferde bei etwa nötigen Attacken nicht aus- gleiten. Für den Fall, daß wieder die Straßen- laternen zertrümmert und ganze Straßenblocks in Dunkelheit gelegt werden, sind Magncsiumfackeln auf dem Polizeirevier in der Utrechter Straße bereit- gestellt: auch werden fahrbare Azetylen-Scheinwerfer noch erwartet, ganz wie im Festungskricge und im Kampfe um befestigte Feldstellungen. Umgekehrt schleppen die„Or- gauisierten" Ziegelsteine in ihre Wohnungen und zeigen einander verstohlen ihre Ausrüstung: Schlagring, Brecheisen, Revolver, Browning. Man faßt sich verwundert an den Kopf, daß so etwas in Deutschland überhaupt möglich ist, daß nicht bereits alle Lokale der Parteibudiker ausgehoben sind und Militär die ganze Gegend gesäubert hat. Die an- ständige Bevölkerung am Wedding kocht vor Wut. Sie versteht es nicht, daß man so milde ist." Ist es gleich Wahnsinn, so ist es doch die bekannte Scharfmacher- Methode I_ Die Reichstagsnachtvahle» seit 1SO7. Nach einer Zusammenslellung der„Freisinnigen Zeitung" haben seit den Hnuptwahlen 1997 in 39 Wahlkreisen Nachwahlen statt- gefunden. Die Konservativen haben dabei 2 Mandate ver- loren, 1 an die Itationalliberalen, 1 an die Fortschrittliche Volks- Partei. Die C h r i st l i ch s o z i a I e n verloren 1 Mandat an die Nationalliberalen, die D e u t s ch s o z i a l e n 2 an die Sozialdemo« Irateu. Da« Zentrum gewann 1 Mandat von den Wildliberalen, die Welsen 1 von den Nationalliberalen. Die Nationallibe- rale» gewannen 2 Mandate, und zwar 1 von den Christlich- sozialen und 1 von den Konservativen, verloren aber 9, und zwar 1 an die Welsen und 5 an die Sozialdemokraten. Die Fort- schrittliche Volkspartei gewann ein Mandat von Kouser- vativen, verlor aber 2 an die Sozialdemokraten. Endlich trat an die Stelle eines Wildliberale n ein Abgeordneter der Zentrumkpartei. Die Sozialdemokraten gewannen 9 Sitze, und zwar 5 von den Nationalliberalcu, 2 von den Fort- schrittlern, 2 von den Deutschsozialcn. Ter G e s a m t v e rl u st der Rechten betrug also 5 Mandate, die Linke verlor 6, Zentrum und Welsen eroberten 2 und die Sozialdemokraten 9. Eine nene Flottenvorlage. Unter diesem Titel veröffentlicht die ultramontane „Märkische VolkSzeitung" den Artikel eines Reichs- tagöabgeordneten. In diesem Artikel wird bestritten, daß nach den ReichStagSwahken eine neue Flottenvorlage im Sinne der Forderung des Präsidenten des Flottenvereins zu erwarten sei.„Gerade jetzt", heißt es in dem Artikel.„sind wi. a u f der Höhe angelangt und besitzen eine Flotte, gegen die anzukämpfen für jeden Feind nahezu un- möglich wird. weil auch der mächtigste Feind einen z u hohen Einsatz zu wagen hat. Wir sind heute über dem Berge." Der ZentrumSabgeordnete meint, daß diese seine Auf- fassung, die wir uns einprägen wollen, auch von der Regierung geteilt werde. Und noch ein Satz ans dem Artikel de» Zeiitrnmsabgeordneten verdient für künftige Gelegenheiten festgehalten zu werden, nänilich:„Der eine Umstand, daß sich die Zahl der zu bauenden großen Schiffe von 1912 ab ver- mindert, ist doch keine Begründung für ein Flottengesetz". Für unsere Panzerplntteupatriolen wird nach den Reichstagswahlen gerade dies Argument ein besonders wichtiges sein. Und wenn dann das Zentrum sich der Argmneiilation unserer Flotlenfexe. eine solche plötzliche Ver- Minderung der Flottenbauien schädige die deutsche In- d u st r i e und auch die deutsche Arbeiterschaft, nicht energisch verschließen sollte, werden wir es an diesen Satz des Zeulrumsabgeordiieten e r i n n e r n I Wenn übrigens der Abgeordnete zum Schluß erklärt, eine Auf- lösung des überflüssig gewordenen Flottenvereins werde der deutschen Politik einen Dien st erweisen, so liegt eS ja am Zentrum selbst, seine Mitglieder zum Austritt aus dem Flotteuverein aufzufordern I_ Konservative und Nationalliberale in Baden. Der LaiideSausschuß der badischen Kouservaliven nahm in seiner letzten Sitzung einen Beschluß an. worin der Zusammenschluß aller bürgerlichen Ordnungsparlcien zum enlschlossenen Vorgehen gegen die Sozialdemokratie für eine gebieterische und patriotische Pflicht erklärt wird. Gegenüber dieser Saininelparole erklärt die„Badische Nationalliberale Korrespondenz", daß die Nationalliberalen- im badischen Lande eine solche Politik ablehnen. Zur Begründung dieser Haltung weist die„Badische Landeözeitung" darauf hin, daß auf dem Kasseler Parteitag der Abgeordnete Basierinann sich ausdrücklich zu einer Beendigung des Streites mit den Konservativen bereit erklärt habe, unter der PorauSsetzung, daß der LiberaliSninS in Gesetzgebung und Verwaltung als völlig gleichberechtigt betrachtet werde. Diese Voraussetzung sei aber bisher nach dem Verlauf der Verhandlungen auf der lvn- servativen Laudesausschußsitzung nicht erfüllt worden. Weiterhin habe gerade ein Mann wie Bassermann in Kassel vor der Oessent- llchkeit erklärt, daß die sogen. Saininelpolitik der Konservativen nichts anderes als eine Sprengung der nationolliberalen Partei bedeute. Eine solche Kraftprobe würden die Nationalliberalen nicht überstehen. Es wäre geradezu Selbstmord, in heutiger Zeit der Sammelpolitik zu folgen, deren Endziel doch nur fei, die Stellung der Konservativen und des Zentrums zu erhalten. Ein konservativer Verein, der nationalliberal ist. Der konservative Verein in E l b i n g hat, wie die liberale Presse mitteilte, unlängst eine Protesterklärung gegen die Rede des Abgeordneten von Oldenburg angenommen. Dazu erhält nun die„Deutsche Tageszeitung" au» Elbing eine Zuschrift mit sehr originellem Inhalt. Nach dieser Zuschrift soll sich zwar der Verein„konservativer Verein' nennen, aber zahl- reiche konservative Mitglieder nur deshalb eiuschließeii, weil sie durch eine Sterbekasse an den Verein gefesselt würden! Diese„Verquickung von Politik und Sterbekasse" habe den Verein bisher gehindert, sich einen anderen Namen zuzulegen. In Wirk- lichkeit sei diese konservative Sterbekasse auch von liberalen Blättern schon mit Recht als nationalliberaler Berein bezeichnet worden! Auf das Parteileben sowohl der Konservatiben wie National- liberalen wirft diese Zuschrift jedenfalls ein eigentümliches Licht. Immerhin mag es in Elbing nicht leichter als anderwärts sein, stets eine strenge Grenze zwischen Konservativen und Naticnal- liberalen zu ziehen._ Tie„freiheitliche Enttvickelung" im Süden Deutschlands. Der Vorstand der n a 4 i o n a l l> b e r a l e n Partei des ersten w n r t t e m b e r g i s ch e n Wahlkreises(Stuttgart) bat, Preß- metdnngeii zufolge, in seiner Sitzung am Mitllvoch, den 3. November, die s ch ä r f st e Kritik daran geübt, daß in letzter Zeit ver- schiedcnen Staatsbeamten von ihrer vorgesetzten Behörde der Verzicht auf ihre bisherige politische Tätigkeit nahegelegt worden ist. Die Maßnahmen der Regierung richten sich in erster Linie gegen liberale Beamte, so gegen den Professor K i n d e r m a n n an der landwirtschaftlichen Hochschule zu H o h e n h e i m bei Stutt- gart. K. ist ein eifriger Agitator der nationalliberalen Partei. Wie verlautet, soll er bei der nächsten Reichstogswahl gegen die Sozial- demokralie kandidieren. Der erste Kreis(Stuttgart) ist aber durch einen rechts nationalliberalen Kandidaten der Sozialdemokratie nie und nimmer zu entreißen; Prof. Kindermann versucht es also mit der schärferen Tonart. DaS hat ihm nicht nur den Unwillen deS führenden nationalliberalen Organs, des«Schwad. Merkur" zugezogen: auch die Konservativen haben lein Ver- ständniS für die Taktik des Herrn Professors. DaS konservative Organ, die. Deuts che Reichspoft", gab deshalb der Re- gierung einen Wink mit dem Zaunpfahl, daß„so etwas" nicht gelitten werden dürfe, und die„freiheitlich" gesinnte Regierung folgte prompt der Anweisung. Neben Herrn Prof. Kindermann hat ein jungliberaler Amtmann namens B a z i l I e. ständiger Mitarbeiter an der„Südd. Reichs- korrespondenz", das Mißfallen etwelcher einflußreicher Politiker er- regt. Ganz besonder« ist der Stuttgarter Oberbürgermeister v. G a u tz dem Herrn Bazille gram, denn der junge Amtmann hat wiederholt die Tätigkeit des Herrn Oberbürgermeisters scharf kritisiert, sowohl in liberalen Versammlungen, wie in der Presse- Der Oberbürgermeister, im Nebenamt volkspartcilicher(.demokra« lischer"!) Landtagsabgeordneier, hat sich vor nicht langer Zeit be- schwerdesührend an die dem Amtmann vorgesetzte Behörde gewendet und behauptet, sein Kritiker Bazille habe seine im Amt erworbene Wissenschaft zur Kritik verwendet. Doch nicht nur nationalliberale Beamte, auch Beamte, die dem Zentrum augehören, politisieren und agitieren eifrigst; so z B. der Landgerichtsrar, Reichs- und LandtagSabgeordneter Gröber, der Führer des württembergischen Zentrums: weiter der OberlandcsgerichtSrat und LandlagSabgeordnete v. Kiene, Vizepräsident der Zweiten Kammer, Vorsitzender der Zentrums- organisation Stuttgart. Sollen auch diese ihre politische Tätigkeit einstellen? Daran denkt sicherlich die „liberale" Regierung Württembergs auch im Traume nicht! Diese Herren können nach wie vor Zentrums- agitation schärfster Art betreiben, ohne mn ihr Richtergehalt irgend welche Sorge hegen zu müssen. Z« dem ÄKoabiter Prozest. Zu dem am 9. beginnenden Prozeß wegen der Moabiter Vor- gänge har die S t a a t s a n w a l l s ck a f t über 299 Zeugen ge- laden, und zwar lediglich B e l a st n n g S zeugen, keine E n t« l a st u n g S zeugen. Die„objektivste Behörde der Welt" ist die Staatsanwaltschaft einmal von dem früheren Ersten Staatsanwalt in Berlin in trefflicher Selbstironisierung genannt. Dir angeführte Ziffer illustriert dies Wort prächtig. Und dabei hat die Anklage- behörde für ihre dahin abzielende Behauptung, die Moabiter Vor- gänge seien der Partei und Gewerkschaft in die Schuhe zu schieben, nicht einmal Beweis angetreten, sondern sich vielmehr im wesentlichen mit der inhaltlichen Wiedergabe unendlich oft widerlegter AnSstreuimgen in Hetzartikeln begnügt. In der Tat, eine recht„objektive Behörde I Da 38 Angeklagte die Anklagebank betreten sollen, so würde allein die Abbörung der Angeklagten und Zeugen, wenn durchschnittlich nur 29 Minuten für jedes Verhör gerechnet werden, bei einer täglich sechsstündigen Verhandlimg über 13 Tage, die Verhandlung also etwa drei Wochen in Anspruch nehmen. Durch das einseitige Vor- gehen der Sraatsanwallschaft ist die Verteidigung gezwungen, auch ihrerseits eine große Anzahl Entlastungszeugen laden zu lassen, die die Anklagebehoiiplungen nnd die beweisioS aufflestellten Sentiment» der Anklage zu widerlegen geeignet sind. Die Verteidiger haben die Ladung von etwa ebenso viel Entlastungszeugen verlangt. Demnach dürfte die Dauer des Prozesses etwa vier bis sechs Wochen betragen. Die durch die große Anzahl der VelastiingSzeugen bedingte Länge des Prozesses läßt es als wahrscheinlich, ja als gewiß erscheinen, daß die Verhandlung in den an das Schwurgericht geleiteten An- klagen, die am 17. beginnen sollten, aufgehoben und diese Sachen der nach st e n Schwurgerichtsperiode überwiesen werden. In dieser würde in der Tat zufälligerweise der Landgerichtsdircktor Lieber das Schwurgericht leiten, also just derselbe Vorsitzende, dessen vermeintliche„politische Zuverlässigkeit" in den letzten Tagen im Mittelpunkt der Debatte stand. In es Zufall, daß pi» Schwur- gerichtssachen erst nach der Verhandlung über die Slrafkammersachen zur Aburteilung gelangen sollen? > Vorarbeiten für eine neue Znchthausvorlage. Der„Verein zur Wahrung der gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen in Rheinland und Westfalen" hielt im Oktober in Düsseldorf eine Sitzung ab. In dieser Sitzung wurde eine Eni- schlicßung angenommen, wonach die Mitglieder des Vereins auf- gefordert werden, im Hinblick auf Moabit Material zu sani- mein, das für einen verstärkten gesetzlichen Schutz der Arbeits- willigen benutzt werden kann. Jede auch noch so kleine Belästi- gung Arbeitswilliger durch Streikende und insbesondere durch Streikposten soll verzeichnet werden. Die Mitglieder werden verpflichtet, die Materialsammlung eifrig und schleunigst zu betreiben, da das gesammelte Material bei der Beratung der Strafprozeßordnung noch benutzt werden soll._ Amtsblatt- Intelligenz. Ei>.onservoüveZ Blältchen in Hinicrpominern. da? Lauen- burger„Kreis- und Lokalblatt" brachte kürzlich fol- gende Notiz: Die preußischen Millionäre. Nach der jüngsten amtliche» Stalistik gibt eZ in Preußen 6247 Zensiten, die mit einem Vermögen von je über einer Million Mark zur Steuer veranlagt waren. DaS bestenerie Vermögen dieser glücklichen 6247 beträgt die Summe von 16 988 Millionen Riark. Die meisten Millionäre befinden sich in den Großstädlen, und zwar in Städlen mit über 199 999 Eiiuvohiiern allein 4554 auf einem besteuerten Vermögen von 12 319 Millionen Mark. Die Zahl der in Landgemeinden mir weniger als 2999 Ein- wohnern ansässigen Millionäre ist nur 18, ibr Vermögen beträgt 49 Millionen. Da» ist eine aus- fallend niedrige Zahl, die zur Bevölkerung dieser Gemeindegruppe. welche nach der letzten Volkszählung 47 Proz. der Gesamtbevölkernng Preußens auf sich vereinigt, in gar keinem Verhältnisse steht. Man sollte eS nicht für möglich halten, daß selbst ein Amts« blättchen in Hinterpommern einen solchen Unsinn verzapfen könnte. Aber offenbar kam es dein eifrigen Anitsblaitredakteur(oder sollte am Ende gar die Notiz in einem LandralSamt verbrochen worden fein?) auf den Nachweis an, daß eS auf dein platten Lande, unter der„notleidenden Laudwirischast", so gut wie gar keine reichen Leute gibt, da sich fast alle Millionäre in den Städten befinden. Sollen doch nach dem konservaliven Blättchen die Land- gemeinden mit weniger als 2999 Einwohnern, nach der letzten Volks« Zählung 47 Proz. der Ee�imtbevölkerung Preußens, nür 18(I) Per» sonen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Mark auf- weisen, während sich die übrigen 6219 Millionäre ausschließlich in den Städten befänden. Wäre der Verfasser der Notiz nicht ein wahrer Ausbund von Intelligenz, so hätte ihm nicht allein da» Unsinnige seiner Behaup- tung zum Bewußtsein kommen müssen, sondern auch das Auf- reizende seiner Angaben. Denn wenn von den 19 999 Groß« grundbesitzern Preußens wirklich nur 18 ihr Vermögen auf mehr als eine Million angegeben hätten, so wäre das ja ein Syst ein der Steuerhinterziehung gewesen, wie eS denn doch selbst in Preußen ganz unmöglich wäre! Jedennann hätte sich dann allein aus seiner nächsten Umgebung mit Leichtigkeit eine ganze Anzahl von Großgrnndbesitzern nennen können, die für sich schon niehr Vermögen besaßen, als die angeblichen 18 für ganz Preußen! In Wirklichkeit ist das Amtsblättchen einem bösartigen Irrtum zum Opfer, gefallen. Die 18 Millionäre befinden sich nämlich nicht in Landgemeinden mit weniger als 2999 Einwohnern, sondern in S t ä d t e n bis zu 2999 Einwohnern. Daß in diesen winzigen Landstädtchen nur 18 Millionäre Hausen sollen, klingt immerhin schon weit einleuchtender, al» die Leöart deS Lauenburger Amts« blättchcns, dessen Redakteur auch schon durch die übrigen Zahlen auf die Unrichtigkeit seiner Annahme hätte aufmerksam gemacht werden sollen. Denn in Preußen gab es ja 1998 nicht 6247 Millionäre, sondern mehr äks 8999! Für die unglaublich skrupellose Deniagogie und grenzenlose Leicht- f e r t i g k e i t der AmtSpresie ist aber die Notiz des hinter- pommerschen AmtSvcrkündigers sehr charakteristisch. Warum so verschwiegen? Die-„Deutsche Tageszeitung" teilt heute in einer Notiz von neu' Zeilen ihren Lesern mit, in welcher Weise die Totalsumme de» ergänzungssteuerpflichtigen Vermögens it. Preußen in dem Zeitraum von 1992 bis 1993 gestiegen ist. Ferner teilt sie noch mit, daß die durchschnittliche Höhe des steuer- Pflichtigen Aermögens in den Städten rund 89 999 M., auf dem Laude rund 43 999 M. beträgt. Das Agrarierorgan hätte seine Mitteilung leicht noch«in wenig ausdehnen und spezisiziercn können. Zum mindesten hätte es die interessante Tatsache nicht verschweigen sollen, daß von den gesamte!, ländliche.» Vermögen von rund 82 999 Millionen Mark nicht weniger als 35 Prozent, daS heißt mehr als 11999 Millionen Marl auf nur 5599 Grohgrnndbesitzcrs entfallen! Das DurchschnittSvermögen dieser 5599 Slgrarier be- läuft sich auf mehr als 2 Millionen Mark! Vielleicht aber holt die„Deutsche Tageszeitung" auf unsere Anregung hin das Versäumte noch nach!_ Milde Richter. In Nr. 219 des„Vorwärts" winde die Verurteilung de! Sergeanten Süßmund von der 6. Kompagnie 71. Jnf.-Regls. durch daS Kriegsgericht Erfurt zu 1 Jahr 3 Wochen Zuchthaus wegen vorschriftswidriger Behandlung, Mißhandlung von Sol- baten in 99 Fällen und Verleitung zum Meineid berichtet. Der Verurteilte hatte u. a. zwei Rekruten seiner Kom« pagnie in derart empörender Weise behandelt, daß beide Fahnenflucht begingen, um sich bor der sortgejetzieu Schinderei zu retten. Dieser Umstand wurde bei der späleren ÄriegSgerichis- Verhandlung gegen die Fahnenflüchtigen ausdrücklich strafmildernd in ©erflifl&tifltmg gezogen, so datz das Urteil wegen gemeinschaftli�er ssaüneufliicht nur aus je S Dtonate laukete. Än�crdein war dem Eergeanlen Berleiiung zum Meineid zur Last gelegt worden, weö- halb die Verurteilung zu ZucblbauS erfolgte. Gegen das Urteil legte©üjjmunö Berufung ein. DaS Ober- Iricgsgericht Kastel hob daS Urteil auf und verurteilte Gütznumd nur wegen vorichriftswidriger Behandlung Untergebener zu— 6 Wochen M i t t e l a r r e st, auf die noch 2 Wochen Unter- suchungsdaft angerechnet wurden. Die beide»'Soldaten, die infolge der Misthandlung fohnenflnchlig wurden, niüssen dreiviertel Jahr ins Gefängnis; der nette Rekrute»-„Erzieher" kommt hingegen mit L Wochen Arrest davon._ Ocfterrcicb. Der Nachfolger LuegerS. Aken, 4. November. Der Abgeorordnete Schuhmeier er- schien heute im niedeiosterreichischen Landtage und leistete die An- gelobung. Die christlichsozialeil Albeitervertreter riefen:„Juden- Vertreter! König von Zion! Die Juden in Leopoldstadt wählten ihn I" Tie Sozialisten bereiteten ihm einen stürmischen Em- p f a n g und erschienen mit roten Nelken. Spanien. Ter Generalstreik in Sabadell. Paris, 4. November. Nach Meldungen auS Cerberc nimmt der Gcncralausstand in Sabadell in Spanien einen beunruhigenden Charakter an. Eine gestern abge- haltene Versammlung der Ausständigen verlief sehr stürmisch. Tie Ausständigen beschlossen, morgen alle nach Barcelona zu gehen._ Gcwaltmaszregcln der Regierung. Madrid, 4. November. Die Regierung ist entschlossen, die grosse K u n d ge b u n g, die für morgen im Anschluß an den ZugderAus ständigen von Sabadell nach Barcelona be- absichtigt wird, selbst mitGewalt zu verhindern. Der General- kapitän von Katalonien. General W e Y l e r, verfügt über eine genügende Anzahl Truppen, um jeden Versuch einer Kundgebung zu unterdrücken. Der Regierung stehen ausserdem 15 000 Mann zur Verfügung, die sie nach der Provinz Barcelona entsenden kann, um dort die Ordnung aufrechtzuerhalten, die, wie der Regierung zugegangene Nachrichten besagen, eine kleine(?) Anzahl von Agitatoren, die der Masse der Arbeiter ihren Willen auf- zwingen(?) wollen, zu stören beabsichtigt. Eine Anzahl von Rädelsführern(!) sind bereits verhaftet worden. Streikkonsliktc. Barcclsna, 3. November. Auf Arbeiter, die auS einer im Stadtviertel Pueblo Nuevo gelegenen Fabrik herauskamen, wurden von Ausständigen Schüsse abgegeben, wodurch drei von ihnen verwundet wurden. Portugal. Tie Sozitllisten und die Regierung. Lissabon. 3. November. Der Zentralrat der So- zialisien sprach sich in einer heute abgehaltenen Sitzung dahinaus, daß der provisorischen Regierung keine Schwierigkeiten bereitet werden dürften. Er bedauere, trotzdem gewisse Vorbehalte hinsichtlich des jüngsten Dekrets über die Presse machen zu müssen. Das Amtsblatt veröffentlicht das E h e s ch e i d u n g s- Besetz, das sofort in Kraft treten soll. Cfrina. Die Konstitution in drei Jahren. Peking, 4. November. Heute wurde ein kaiserliches Edikt veröffentlicht, nach welchem die Eröffnung des P a r- laMentS, das aus zwei Kammern bestehen soll, in drei Jahren erfolgen wird. Südafrika. Der Bund der englischsprechenden Nationen. 5lapstadt. 4. November.?luf dem großen Festbankett, das gestern ini Parlainentsgebäude zur Feier der Begrün- dung der südafrikanischen Union stattfand, hob der den Vorsitz führende Minister der öffentlichen Arbeiten, Sauer, die liberalen Anschauungen der Reichs- regiorung hervor, die sich in der Gewährung der S c l b st- v e r w a l t n n g gezeigt hätten. Dr. I a m e s o n erklärte, die Union lege nahe, eine Lösung der konstitutiv- n e l l e n K r i s i s in Großbritannien dadurch an- Zustreben, daß man Irland, Schottland und Wales Homer ule verleihe. Wenn dies zu einem Erfolge führen sollte, so könnte es den ersten Schritt zu einer Union der fünf Staaten Großbritannien, Kanada, Australien, Neu-Seeland, Südafrika bedeuten. Ter Premierminister von Australien, Fisher, sagte, es habe in der neuesten Geschichte kein Er- cignis von einer größeren Tragweite stattgefunden, als die Gründung der südafrikanischen Union. Es gäbe nun fünf Nationen, welche gewillt seien, in gemeinsamen Ange- legenbeitcn zusammenzuarbeiten. Der? a n a> d i s ch e Minister L e m i e u x hob die Loyalität der französi- scheu Kanadier hervor, die als eine Folge der libera- l. e n Institutionen in Kanada anzusehen sei. Er nehme an, daß die Engländer und Holländer in Südafrika mit gleichem Erfolge zusammenarbeiten würden. Der Oberrichter des höchsten Gerichtshofs von Südafrika, Lord de V i l l i e r s, betonte, daß es in Südafrika keinen wirklichen Rassenkonflikt gebe. Südafrika werde das Zugeständnis der Selbstverwaltung niemals mißbrauchen. Eue der Partei. Gemeindewnhlsieg. In Lüdenscheid(Landgemeinde) gelang e» der Sozial- demokratie, den ersten Vertreter in das Gemeindehaus zu bringen. Er erhielt 324 gegen 177 Stimmen aller bürgerlichen Gegner. Konferenz für den Agitationsbezirk Frankfurt o. M. Am Sonntag tagte in Hanau, die von 81 Delegierten und andere» Vertretern besuchte Bczirkskonfercnz. Organisatoriscb hat der Bezirk sich, wie Sekretär Rudolph berichtete, trefflich entwickelt. Die elf Wahlkreisorganisationen umfaßten jeweilig am 20. Juni Mitglieder: 1006 10441, 1907 14 120, 1908 14 001, 1909 15650. 1910 20 025. Abzüglich der 2013 Genossinnen ist das Verhältnis der Mitglicderzahl zu den im Bezirk bei der letzten Reichstagswahl für die sozialdettwkratische Partei abgegebenen Stimmen 20,96 Prozent. 50 000 Gewerkschaftsmitglieder stirb im Bezirk vorhanden. Die Jugendbewegung zeigt kräftige Ansätze in Frank- iurt, Hanau. Wiesbaden und einigen ileineren Orten. as B i l d u ii g S w e f c n wurde nach Möglichkeit gepflegt, wo angängig durch Vorträge, die teils durch Lichtbilder illustriert wurden, auch literarische und Kunstabcnde gab cS, dazu Theater- Vorstellungen. In Frankfurt hat die Partei ein Theater auf 30 hintereinander folgende Sonntage gepachtet. Ar- b c i t e r b i b l i o t he k e n bestehen in allen grösseren, zum Teil auch in kleineren Orten, in Frankfurt dazu ein von morgens bis in die Nacht geöffneter Lesesaal. Zu den Bildungs- und Jugendveranstaltungen zahlen die Gewerkschaften Beiträge. Die „Volksstimmc" nahm im Berichtsjahre um 2800 Abonnenten zu. Gemeindevertreter hatte die Partei: 1904 121, 1906 159, 1908 195, 1910 261. Dazu jetzt auch 12 Gemeindcvorstandsmitglieder (Schöffen!. Im Wahlrechtskarnpf, der grossartige Demonstrationen und ge- lungene Halbtagsstreiks in Frankfurt und Hanau brachte, wurden allein 19 Waylrechtsdemonstranten zu insgesamt 3 Monaten, zehn Wochen und 23 Tagen Gefängnis verurteilt, ferner wurde auf 1130 M. Geldstrafe erkannt. Auf der Konferenz machte sich ein lebhafter ArbeitLdrang bc- merkbar, es wurde auch das Verlangen ausgesprochen, der Partei- vorstand solle mit Hilfe für schwache Kreise nicht kargen. P fa n n° k u ch als Vcrtreier des Vorstandes bemerkte dazu, hilfreich wolle der Vorstand sein, aber er müsse für Reserven sorgen: der kommen- den ReicdStagswuhl werde vielleicht bald die Auflösung und aber- malige Wahl folgen. Auch denke der Parteivorftand an die Schaffung eines litcrarichen Bureaus. H ü! t m a n n referierte über die bevorstehende Reichstags- wähl. Man war sich einig darüber, dass nicht gesteigerte AgitationS- tätigkeit im letzten Augenblick den Erfolg verbürge, sondern dauerndes systematische- Wirken, das aufgeklärte Wähler schafft. Mit den Beschlüssen des Parteitages erklärte man sich ohne Abstimmung einverstanden. Zum elsässischen Parteistreite schreibt uns noch Genosse P e i r o t c s aus Strassburg: Zu den F e st st e l l u n g c n des Genossen Martin gestatte ich mir in aller Kürze folgendes zu bemerken: Es ist unwahr, dass die Oktroidebatte im Mülhauser Parteiorgan vor dem 17. Juli 1910 sachlich geführt worden ist. Gleich die ersten Ar- tikel der„Mülhauser Volkszeitung" enthalten persönliche An- rcmpelungen. Zur rein persönlichen Angelegenheit gedeichselt aber wurde die Oktroidebatte durch eineii Artikel in der„Mülhauser Aolkszeitung", der am 6. April bereits erschien, also mindestens 10 Wochen früher als die von Martin angeführte Strassburger Parteiversammlung stattfand. Und seitdem haben die persönlichen Angriffe im Mülhauser Parteiblatt nicht mehr aufgehört.— Weiter ist es unwahr, dass i ch ini Sozialdemokratischen Verein von Strassburg-Stadt erklärt habe, den Mülhauscrn sei es gar nicht um die Cktroisrage zu tun, wie es auch unwahr ist, dass ich sonst im Lande mit Unterschiebung unlauterer Motive gearbeitet habe, um mir die Mehrheit für die LandcSversammlung zu sichern. Genosse Martin kann für diese Behauptung auch nicht oen Schatten eines Beweises erbringen.— Und genau so steht es mit seiner Behauptung über meine angeblichen Aeusserungen über den Magdeburger Parteitag. Meine Darlegung des Sachverhalts wird von sämtlichen Parteigenossen, die an jenem Abend anwesend waren, bestätigt. Dem einen Obren- zeugen, auf den sich Martin beruft, stehen sieben unbescholtene und unparteiische Parteigenossen gegenüber.— Ferner ist es u n- wahr, daß das Strassburger Parteiblatt den Versuch unter- nommen hat, die Erhöhung der Schlachthofgcbühren in Markirch zu verteidigen.— Wenn schliesslich Genosse Martin seinen per- sönlichen Eigensinn als den Eigensinn des Parteiprogramms hin- -zustellen beliebt, so ist es nur bedauerlich, dass die unter seiner Führung gestandene ehemalige Mülhauser G e n, e i n d e r a t S- f r a k t i o n so wenig im Sinne dieses Parteiprogramms gearbeitet hat. Meine angebliche» Verstösse gegen das Parteiprogramm waren immer nur theoretischer Zlrt. Einen praktischen Verstoss kann mir selbst der Genosse Martin nicht nachweisen. Die Mülhauser Gemeindcratssraktion hat aber selbst in der Zeit, da sie die Mehrheit auf dem Rathause in Mülhausen besah, den „Eigensinn des Parteiprogramms" so wenig berücksichtigt, dass sie nicht nur keinen Antrag auf Abschaffung des Oktrois stellte, sondern daß mit ihrer Hilfe sogar Oktroi- erhöhungcn vorgenommen werden konnten. Jene t a t s ä ch- l i ch e n Verstösse gegen das Parteiprogramm haben aber eine per- sönliche Verunglimpfung der in Frage kommenden Parteigenossen nicht zur Folge gehabt. DaS war damals natürlich ganz etwas anderes. Strassburg._ I. PeiroteS. Beilegung der Parteiwirren in Güdtirol. Bekanntlich hat vor einiger Zeit der sozialdemokratische Reichs- rat S abgeordnete von Trient, Genosse Avancini, die Absicht bekanntgegeben, sein Mandat niederzlilegen, weil er die ge- bässigen Wühlereien des auS Italien gekommenen syndikalistischen Gewerkschaftssekretärs und Parteiredaktenrs B a r n i nicht mehr er« tragen zu können glaubte. Der Wiener Gewerkschaftskongress hatte eine eigene Kommission zur Untersuchung dieser Verhältnisse ent- sendet, deren Anträge auch von der Plenarversammlnng der Tricnter Vertrauensmänner genehmigt wurde»; bloss 4 Anhänger Barnis traten protestierend ans der Korporation ans. ES wird also Barni seiner Fniiltionen entkleidet und die Redaklion des ParteiblatieS Übernimmt Genosse Dr. PiSccl. Avancini, dem volles Vertrauen aus- gesprochen wurde, behält nun sein ReichLratS Mandat. Soziales* Ei» Ausbeuter weiblicher Arbeitskraft vor dem Kaufmannsgericht. Der Kaufmann H. Groth-BechtclShclm, Präsidentenstr. 1, zahlte der 24 jährigen Slenotypistin Anna S. ein Monatsgehalt von sage und schreibe fünfzchir Mark. Dieser Lohnsatz ist. wie der Vor- sitzende der 2. Kammer des hiesigen Kaufinannsgerichts hervorhob, die niedrigste Entlohnung, mit der sich wohl das Berliner Kauf- mannsgericht seit seinem Bestehen zu beschäftigen hatte. Diese Riesensumme erhielt aber die Klägerin nicht etwa in barem Gelde ausgezahlt, sondern davon wollte der Chef noch allerhand Abzüge, wie Krankenkasse, Invalidität usw. machen. Diese Abzüge und eine Entschädigung für Zeilversäumnis wollte der Vater des jungen Mädchens, ein armer Greis mit schneeweißem Haar, in Gesamt- höhe von 7,35 M. bezahlt haben. Der Beklagte wollte nur 4 M. anerkennen. Der VcrhandlungSführer übte berechtigte Kritik an der Höhe der Gehaltszahlung, und als der Beklagte brüsk zu ver- stehen gab, daS sei nicht Sache des Kaufmannsgerichts, wies ihn der Vorsitzende energisch zurecht. Das Kaufmannsgericht sei wohl berechtigt, solche Fälle einer Prüfung zu unterziehen, und wenn die Dienstleistung in einem so auffallenden Missverhältnis zur Entlohnung stehe, so könne ein solcher Vertrag als ungültig erklärt werden. Da der Beklagte sich trotz dieses Vorhalts sträubte, den Anspruch anzuerkennen, so verurteilte ihn das Kaufmannsgevicht, die ge- forderten 7,35 M. zu zahlen. Das Gericht sei zu der Ueberzcugung gekommen, daß der Anstellungsvertrag gegen die guten Sitten ver- stößt. Die Vereinbarung eines Monatsgehalts von 15 M. für die Dienstleistungen, wie sie die Klägerin zu verrichten hatte, ist sitten- widrig und bedeutet eine Ausbeutung der Arbeitskraft. Ter Klägerin wäre ein angemessenes Gehalt zuzusprechen, und als solches würde das Gericht, da eo sich um eine Anfängerin im kauf- männischen Beruf handelt, ein Monatsgehalt von 40 M. als an- gemessen erachtet haben. Da sie bczw. der Vater nur 7,35 M. verlangt, so mutz zum wenigsten dieser Betrag zugesprochen werden. Die Ansicht des KaufmannSgericht, dass der Vertrag ein wuche- rischer und deshalb nichtig, entspricht unserer wiederholt von uns dargelegten Ansicht. DaS Llaufmannsgericht irrt aber, wenn es annahm, es sei nicht berechtigt gewesen, den Vater des ausge- beuteten Mädchen» zu einer Ausdehnung ihre» AMruchS guj Zahlung stön ferneren 2? M. anzuregen. DaS Recht stand dein Vorsitzenden zu. Noch jetzt übrigens hätte eine Klage auf Nach- zahluNg von 25 M. Aussicht auf Erfolg. Gewcrbegericht. Sitzung der Kammer 5 vom 3. November. Vorsitzender: Magistratsasscssor Drcncr. 1. Tie„Fnnlbeit" des Arbeiters. Die Firma Lüben u. Buhse, Metallwarenfabrik, hatte dem bei ihr beschäftigt gewesenen Automatencinrichter K. für die letzte Arbeitswoche nur 16.50 M. ausbezahlt, anstatt 31,20 M.. die ihm zustanden. K. verklagte deshalb die Firma auf Zahlung der rest- lichen 14,70 M. Die Firma bestritt die Anzahl der Arbeitsstunden nicht, behauptete aber, der Kläger hätte in der Zeit bedeutend weniger geleistet, als er leisten konnte; er habe zeitweise sogar nichts getan. Eine Verpflichtung, auch die Faulheit zu bezahlen, erkenne sie nicht an. Das Gericht verurteilte die Firma dem Klagrantrag ent- sprechend, weil sie ihre vage Behauptung durch nichts beweisen konnte. 2. Die„Freiheit" des Arbeiters. Der Uhrmachergehilfe R. war beim Uhrmacher Otto Brauer beschäftigt. N. wollte das Arbeitsverhältnis lösen und hatte am 15. August zum 1. September gekündigt. Eine kurze Unterhaltung mit dem Dienstmädchen scineL Arbeitgebers gab zedoch schon, am 19. August zu einem heftigen Streit Anlatz. Dabei nannte ihn der Arbeitgeber einen„dummen Lümmel". N. löste nun wegen gröblicher Beleidigung das Arbeitsverhältnis und klagte auf Zahlung des ihm vorenthaltenen rückständigen Lohnes von 15,25 Mark, sowie einer Entschädigung für den Rest der Kündigungs- frist im Betrage von 52,25 M. und Aenderung des ihm erteilten Zeugnisses. Der Beklagte machte im Termin geltend, daß schon am 80. Mai dem Kläger bei Androhung der sofortigen Entlassung jegliche Unterhaltung mit dem Dienstmädchen und dem Laden- personal untersagt habe. Er habe aber den Kläger auch diesmal nicht entlassen, sondern dieser sei kontraktbrüchig geworden. Dass er dem Kläger gegenüber die beleidigenden Worte gebraucht habe, wisse er nicht, kann aber die Möglichkeit nicht bestreiten. Die Be- ioeiSaufnahme ergab, dass die Unterhaltung des Klägers mit dem Dienstmädchen geschäftlicher Natur war. Darauf bot der Kläger dem Beklagten einen Vergleich auf 34 M. und Zeugnisänderung an. Der Beklagte ging hierauf ein. Em Induftne und Daudet Zur Geschäftslage in der Textitindustrie. Die B a u m w o l l i n d u st r i c hat eine leise Besserung zu berzeichnen und die Untcrnehmcrfachprcsse beeilt sich, von einer flotten Beschäftigung der Spinnereien und Webereien zu fabulieren. In den rheinischen Spinnereien ist allerdings die Betriebscinschränkung aufgebobcn. Alle Maschinen sind voll bc- setzt und weibliche Arbeitskräfte werden gesucht. Dafür ist inair aber aufs neue in Sachsen und im Münsterland zu Betriebs- einschräntungen durch Stillsetzung von Maschinen geschritten. Für die Webereien ist Besserung in Obcrfranken, Württemberg, M.-GIadbach und einigen Städten der Oberlausitz eingetreten. In Schlesien dagegen sieht es noch sehr schlimm aus. Der Versand baumwollener Kattune aus dem Wuppertal zeigt ein MinuS von mindestens 20 Proz. gegenüber normalen Zeiten. Die Kamm« ga r n s p i n ir c r e i e n tonnten bisher im allgemeinen ihren Be- trieb voll aufrechterhalten; in den Ka m m g a r n w eb e r e i e n ist die mit dem Saisonwechsel eingetretene Krise noch in aller Stärke vorhairden. Die Bestellungen auf die neuen Muster bleiben aus und die Aussichten für den Winter sind schlecht. Kleine Bc- stellunge» sind zahlreich vorhanden, aber Massenaufträge für Stapelartikel fehlen. Ohne diese kann die Industrie nicht mehr auskommen. Betriebs« nscbränkunge», Arbeiterentlassnng, Warten auf Material usw. ist deshalb noch immer in Gera, Greiz, Meerane, Glauchau, Reichenbach i. V. an der Tagesordnung. Bemerkenswert ist, daß die für Glauchau-NfceraiK arbeitenden Lohnwebcreien OberfrankcnS flott beschäftigt sind. Hier kommt der Einfluß sehr niedriger Arbeitslöhne zur Geltung. Gleich Missliches ist aus der Herrenstosf- und Streichgarnbranche(Niederlausitz, Schlesien, Sachsen, Rheinland) zu melden. Die„glänzende Beschäftigung" in Kottbus, welche der„Confeetionair" zu melden wußte, zeigt sich für die Arbeiter in tagelangem Warten auf Material. Aussetzen der Arbeit, Beschränkung der Arbeitsstunde» pro Tag und im Stillstand von etwa 500 Webstühlen. Sehr gut beschäftigt ist die Flachsspinnerei und-Weberei aller Bezirke. Das Ein» treffen des Flachse? neuer Ernte geht recht langsam vonstatte!,. Die Spinnereien können Gespinst nicht in genügender Menge liefern, den Webern fehlt es an Garn. Drängen und Schieben, auch in den Einzelbetrieben, ist die Folge. Auch die Jutebetricbe haben nicht zu klagen. Verhältnismässig gut beschäftigt ist die linksrheinische Samt- und S e i d e n st o f f i n d u st r i e. Ziemlich gross ist der Bedarf von Samt und Seide zum Garnieren der modernen grossen Damen- hüte. Gross ist auch die Nachfrage nach Schirm- und Krawatten- stoffen. In den technischen Atelier? Krefelds muß mit lleberstunden gearbeitet werden. Die Besatz- und Bandindustrie des Wuppertales ist gleichfalls wieder besser beschäftigt; Posamenten sind dagegen wenig begehrt, was sich für die Arbeiter Berlins, des Erzgebirges und des Wuppertalcs recht unliebsam bemerkbar macht. Hochkonjunkturen ohne Unterbrechung hat die T ü l l- f a b r i k a t i o n zu verzeichnen. Für die Unternehmer gibt es fette Dividenden und Neugründungen in Sachsen. Der Beschästigungs- grad in der vogtländischen Spitze nbranchc ist befriedigend. Trostlos sieht es noch immer in der S t r u m p f w a r e n b r a n ch e aus. Seit 3 Jahren schon liegt dieser Zweig ohne Unterbrechung danieder. Es fehlen die ainerikanischen Aufträge. Diese Branche leidet furchtbar unter der Zollpolitik. Deshalb bleiben aber die e,rzgebirgischen kleinen und grossen Fabrikanten doch gut national- liberal. In den anderen Zweigen der Wirkerei ist die Beschäftigung etwas besser. Gut beschäftigt sind auch die Teppichfabriken. Banmwollcrntr. Nach einem Bericht der Baumwollbörse zu New Orleans betrug die letzte Ernte in den Vereinigten Staaten von Nordamerika 10 609 663 Ballen. Da« sind 2 215 789 Ballen iveniger als in, Vorjahre und 962 293 Ballen weniger als 1907/08. Trotz der Kleinheir der Ernte repräsentiert sie einen höheren Wert als irgend eine der bisberigen. Der Gesamtwert der Ernte beziffert sich auf 778 394 095 Dollar. DaS sind 95 Millionen Dollar mehr als die 3'/< Millionen Ballen grösser« Ernte vom borigen Jahr. Der DurchschnitiSpreiS für das Pfund war 14,37 Cents Middling gegen 9,45 Cents pro Pfund im Bor- jähre. Qualitativ stand die Ernte gleichfalls unter der vorjährigen. Ein internationaler Knpfertrnst, der Kupferproduktion und Kupfer- bandet der ganze» Welt beherrschen soll, ist in London mit einem Kapital von nicht weniger als 40 Millionen Pfund(8l6 Millionen Mark) gegründet worden. Die Wellproduktion von Kupfer belief sich im Jahre 1908 auf 802 900 und 1900(für Frankreich und Gross- britaimien die Zahlen von 1903) auf 874 000 Tonnen. Davon kamen 404 000-= öO'/j Proz. auf die Vereinigten Staate», 71 400 aüf Grossbritaililic», 57 200 Mexiko. 53 000 Spanien und Portugal. 45 700 Japan, 39 000 Australien, 36 400 Chile, 33 400 auf das D e u t s ch e R e i ch. Der Preis der Tonne war in Hamburg 1245 M. ES handelt sich also um eine Produktitzn von jährlich mehr als einer Milliarde Marl, deren Beherrschung schon oft zu grossen Spekulationen verlockt hat. Bekannt ist der grosse, schliesslich ziisammeiigebrochene Kupferring von 1887. Diesmal aber stehen offenbar ausreichende Kräfte dahinter, jedenfalls auch das Hans Rotbichild. das zu de» ersten Kiipfcrtnteresjente» gehört. Selbst- verständlich sind alle diese interiiationalen Spekulanten und Unter- jocher der Weltprodnktion dabei vorzügliche Patrioten und Gegner aller„vaterlandslosen" Bestrebungen. (ScwcrklcbaftUcbe�. Brave Ktndcr. Wl'nn der gewerkschaftliche Gedanke auf dem Umwege burch die Gehirne der von bürgerlichen Anschauungen bc- herrschten Privatangestellten umgebildet wird, die sich etwas Besseres zu fciu diiuken als die Arbeiter, weil sie einen Steh- kragen tragen, dann muß er notwendig zur Burleske werden. Das Unterscheidungsmerkmal dafür, ob eine gewerkschaftliche Organisation ernst zu nehinen ist oder nicht, ist ihre Stellung zum Unternehmertum. Und da müssen wir die betrübende Feststellung machen, daß von all den großen technischen und kaufmännischen Organisationen mit mehr als 29 000, 50Ü00 und 1ÜÜ000 Mitgliedern, von denen manche schon ihr 23- und Kvjährigcs Jubiläum gefeiert haben, mit Ausnahme des Zentralverbandes der Haildlungsgehilfen, auch nicht eine einzige als ernsthafte Gegnerin des Unternehmertums auf- trat n n.d alle eine aus nichts als aus kleinlichen Zänkereien mit Bruderverbändeu zusammengesetzte Geschichte zu ber- zeichnen haben. Nicht als ob die Verhältnisse dieser Berufe in sozialer Beziehung viel günstiger wären als die der handarbeitenden Klasse». Vielmehr herrscht in keinem einzigen Gewerbe eine derartige Unterordnung, wie sie sich die Privatangcstellten feit Jahrzehnten gefallen lassen. Unbegrenzte Ueberstunden ohne Bezahlung sind nicht etwa eine Ausnahme, sondern bilden die allgemeine Regel. Auf demselben Niveau steht vielfach die Behandlung. Beleidigungen und Demütigungen, die der organisierte Arbeiter mit entschiedenem Stolz zurück- weist und die daher hier nur noch in Ausnahmefällen vor- konimen, werden stillschweigend, wenn möglich noch mit einem Bückling hingenommen. Unter den Kaufleuten, die sich aus den besagten Gründen einbilden— vielleicht auch deshalb noch, weil sie viel schlech- ter bezahlt werden—, sozial etwas viel Besseres zu sein als die Arbeiter, nehmen die Bankbeamten eine ganz exquisite Vorzugsstellung ein. Ihrer Organisation war es daher auch vorbehalten, einem Angriff auf die Grundrechte ihrer Mit- gliedcr ein geradezu hündisch-unterivürfiges Benehmen eivt- geger.zusetzen. Die Freizügigkeit ist das primitivste Recht, das den freien Arbeiter vom Sklaven und Hörigen unter- qcheidet. In.der neuesten Nuimner der„Bankbeamten- zeitung", des Organs deS Deutschen Bankbeamtenvereins, wird mitgeteilt, daß die Mitteldeutsche Privatbank, der Magdeburger Bankverein und der Hallesche Bankverein von Kulisch, Kämpf u. Co.. die in 60, 11 und 4 Orten Filialen unterhalten, die Freizügigkeit ihrer Angestellten dadurch be- seitigt haben, daß sie sich gegenseitig verpflichteten, keinen Angestellten der VertragSfirmcn ohne die Zustimmung des bisherigen Arbeitgebers einzustellen. Diesem schweren Angriff auf das erste aller Arbeitergrundrechte gegenüber wirft die„Deutsche Bankboa mtenzeitung" zunächst die merkwürdige Frage auf, ob diese Vereinbarung wirklich nötig war.„Ist es richtig," schreibt sie,„dem Angestellten solche Hindernisse in den Weg zu legen, wenn er glaubt, sich verbessern zu können? Brauchen diese Banken denn wirklich zu ihrem Ge- deihen Beamte, die an das Pult gefesselt sind, an das sie sich einmal gesetzt haben?!" Unmittelbar darauf wird aber die Versicherung abgegeben, daß der Deut!sck>e Bankbeamtenverein wahrhaftig keinen Unfrieden mit den ChksS, will. Dann erst kann man sich dazu ermannen,„gegen einen solchen Versuch die Freizügigkeit von Hunderten von Bankangestellten zu be- schränken, ernst und cutschieden Einspruch zu erlieben." Das elementarste Recht des Arbeitnehmers, sich frei zu bewegen, wird unter der gleichzeitigen Versicherung,„in Treue und Fleiß ihre Kräfte zur Verfügung zu stellen", gewahrt. Ueber solche Mannhaftigkeit fährt aber dann diesen Leutchen gleich wieder die schlotternde Angst in die Knochen und flugs suchen sie Pardon nach, unter Berufung auf ihre Verdienste um die Gründung des Hansabundes, wo sie gezeigt haben,„daß sie es geradezu für ihre Pflicht halten, Schulter an Schulter mit ihren Arbeitgebern zu marschieren, wenn es gilt, die Tätigkeit der Banken und Bankgeschäfte und des kaufmärmi- scheu und gewerblichen Lebens überhaupt vor Schädigungen zu bewahren". Das wird dann nochmals in einem gesperrt gedruckten Satze ertra unterstrichen. Der vorletzte Satz dieser knechtseligen. Ausschleimungen liefert die schneidendste Kritik einer derartigen Abwehr eines hinterlistigen Angriffs auf das erste Grundrecht der freien Arbeit, weshalb wir ihn init einigen in Klammern beigefügten kritischen Bemerkungen wörtlich hierhersetzen wollen: „Meine feste Ueberzeugung(welch kühnes Wagnis!) ist, daß keinerlei Nachteil für die betreffenden Firmen(das Wohl und Gedeihen dip: hochgeehrten Prinzipalität ist und soll bleiben der oberste Leitstern dieser braven Privatangeftellten- organisation) eintreten wird—, was sich aber bemerkbar machen wird, das wird eine verstärkte Arbeitsfreudigkeit und ein verstärktes Vertrauen zu den Bankleitungen sein(wie ge- wohnheitsmäßig jeden, so quittieren wir auch diesen Hundstritt mit dem winselnden Gelöbnis vermehrten Pflichteifers und er- böhtcr Untertanenhaftigkeit), und niemand wird mit seiner Anerkennung zurückhalten(wie sie sich in Posttur setzen und wie sie ausfallen!), wenn zur Kenntnis der Lefsentlichkeit ge- bracht werden kann(ja wenn— dazu sind schärfere Mixturen nötig), daß man unseren eindringlichen(ist das nicht wieder schon zu mannhaft?) Vorstellungen Gehör gegeben hat." Es wird einen? wirklich bitter schwer, sich der Rechte einer Arbeitnehmerschicht, die von so geblendeten Führern genasführt wird, anzunehmen. Aber es ist Vilicht. Die Oeffentlichkeit muß einmütig sein in ihrem Protest gegen die Eiilführung einer solchen niodernen Bankhörigkeit auf derartig hinterlistigen und heimtückischen Schleichwegen'. Ohne das private Grundrecht der Freizügigkeit muß jeder Arbeitnehmer auf die Stufe des hörigen Sklaven herab- sinken. Er wird von allen Kulturgütern ausgeschlossen und muß sich alle Arbeitsbedingungen, das Gehalt und die Ar- lbeitszeit. von dem kartellierten Großkapital, das seine Wirt- lschaftlichc Uebermacht rücksichtslos mißbraucht, diktieren lassen. Das kann die klassenbewußte Arbeiterschaft nicht ruhig mit ansehen, selbst wenn es an einer sozialen Schicht vollzogen wird, die in der sozialen Erkenntnis noch nicht zum Verständais ihrer eigenen Arbeitnehmerinteressen, vorge» druugcu ist. In einem etwas eiwas anderen Sinne gilt hier das Bibelwort:„Was ihr dein- geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." Lerlin und Cingcgend. Achtung, Metallarbeiter! Der Streik bei der Firma DeWitt M. Herz ist beendet. Die Svene ist hiermit aufgehoben. Deutscher Metallarbeilervcrband. Ortsverwaltung Berlin. Ein gelber Werkvcrein der Firma Ludwig Löwe ist kürzlich gegründet worden. Wie und unter welchen Umständen es geschah, Lerantw.Nedak:.: irnt Wcrmuth, BerlinÄixdors. Inserate verantws� daS wurde am Mittwoch tn einer stark besuchken Versammlung Löwescher Arbeiter vom Referenten Bahn geschildert. Die Direk- tion setzte eine Versammlung an. Die Meister erhielten den Auf- trag, für den Besuch derselben unter den Arbeitern zu wirken, was sie natürlich taten. Die Antwort, welche die Meister bei diesem Geschäft von den meisten Arbeitern erhielten, ließ keinen Vweisel darüber, daß die Arbeiter mit der beabsichtigten gelben Gründung nichts zu schaffen haben wollen. Trotz eifriger Agitation unter der gesamten Arbeiterschaft des Betriebes fanden sich im Ver- sammlungssaale der Fabrik nur etwa löl) Personen ein. Ein Drittel davon waren Meister, Vorarbeiter und dergleichen und die übrigen waren alte Arbeiter, welche die Jubiläumsniarie schon in der Tasche haben und es auf keinen Fall mit der Direktion ver- derben möchten. Ingenieur Stolzenberg hielt einen Vortrag über die Gründung eines Werkvereins. Er suchte seinen Hörern einzureden, daß es sich nicht um einen gelben Verein handele, doch was er schließlich über den Zweck und die Tätigkeit des Vereins sagte, ließ keinen Zweifel darüber, daß diese Schöpfung der Direktion nichts anderes ist, als eines jener gelben Sumpfgewächse, dazu bestimmt, die Arbeiter von der Vertretung ihrer Interessen abzulenken und sie zu gefügigen Werkzeugen der Kapitalsinter- essen zu machen. Nachdem die Gründung des Vereins durch eine zweifelhafte Abstimmung als beschlossen erklärt war, ging nian so- gleich an den Mitgliederfang. Listen wurden herumgereicht und jedem d>ie Einzeichnung nahegelegt. Als Ergebnis dieser aufdring- lichen Werbung wurde perkündet. daß sich 82 Personen als Mit- glieder des Werkvereins eingezeichnet hatten. Der größte Teil be- steht natürlich aus den Meislern und anderen Leuten in bevorzugten Stellungen. Wer bis dahin noch im Zweifel sein konnte über die Farbe des neugegründeten Vereins, dem mußte ein Licht aufgehen, als in den Vorstand Leute gewählt wurden, welche den im Betriebe bestehenden, aber aus dem letzten Loche pfeifenden, gelben Spar- verein leiten. Daß dem gelben Werkvcrein keine Zukunft beschicken ist, das zeigte deutlich die Stimmung der Versammlung. Die übergroße Mehrheit der im Betriebe beschästigtcn Arbeiter und Arbeiterinnen lehnt es ganz entschieden ab, dieser Gründung der Direktion förder- lich zu sein. Einstimmig wurde eine Resolution angenommen. welche besagt: Da die Versammelten wissen, daß die Leitung des gelben Werkvereins in den Händen der Mitglieder des gelben Spar- Vereins liegt, sprechen sie derselben ihr Mißtrauen aus und ver- pflichten sich, dafür zu sorgen, daß niemand diesem Verein beitritt. Ferner verpflichten sich die Versammelten, für die weitere Aus- breitung des Deutschen Metallarbeiterverbandes zu sorgen. Lohnbewegung der Schraubrnarbeiter und Arbeiterinnen. Eine am Donnersiag abgehaltene, ungewöhnlich stark beiuchle Bersainm- lung der in der Schraubenfabrikalion Beschäftigten hatte die Frage zu enischeiden, ob die Arbeiter und Arbeiterinnen dieser Branche in eine Lohnbewegung eintreten wollen. Wie der Referent Handle ausführte, hat die Schraubenbranche seit dem Jahre 1800 keine allgemeine Lohnbewegung gehabt. Seit dieser Zeil— das sind 14 Jahre— haben sich die Verhältnisse der Schraubenarbeiter keineswegs verbessert. Im Gegenteil. Während der Krisenjahre sind die Akkordlöhne herabgesetzt und auch nach Eintritt der guten Geschäftslonjmiktur nicht wieder auf die alte Höhe gebracht worden. Dagegen sind die notwendigen Aus- gaben für den Lebensunterhalt erheblich gestiegen. Vergeben« haben die Arbeiter und Arbeiterinnen der Schranbenindustrie darauf gewartet, daß die Unternehmer diesen Verhältnissen Rechnung tragen und die Löhne entsprechend aufbessern. Da in anderen Branchen der Metallindustrie in letzter Zeit die Lohn- und Arbcitsverhäluiisse aufgebessert worden sind, so ist es nur recht und billig, wenn die Schraubenarbeitcr dasselbe Verlangen haben. Die Vertrauens- »länner und die AgilationSlonmiission der Schraubenbranche haben Erhebungen veranstaliet und dadurch festgestellt, daß die Löhne in den verschiedenen Betrieben verschieden sind. ES ist deshalb not- wendig, daß in erster Linie in den Spezialbetrieben eine Lohn- aufbesserniig gefordert wird, denn hier sind die Akkordlöhne im allgemeinen schlechter als in den Privatbetrieben. Der Redner legte die von der Vertrauenslörperschast aufgestellten Forderungen vor. Sie lauten: Der Einstell, mgSlohn pro Stunde beträgt für Schrauben- und Fassondreher öO Pf., für Maschinenarbciler 50 Pf., für Arbeiterinne» an Maschinen 40 Pf.— Die bestehenden Akkordpreise werden für alle in Betracht koinmenden Arbeiter und Arbeiterinnen um 10 bis 15 Prozent erhöht.— Diejenigen Arbeiter und Arbeiterinnen, welche den geforderten oder einen höheren Lohn bereits haben, erhalten eine Zulage von 5 Pf. pro Stunde.— Bei Akkordarbeit muß inindeftcns der Einstellungslohn garantiert werden.~ Ueberstunden werde» mit 25 Prozent Zuschlag bezahlt.— Die bestehenden Lohn» und Arbeitsbedingungen dürfen durch diese Vereinbarungen nicht verschlechtert werden. Der Referent bemerkte: Diese Forderungen sind so bemessen, daß sie von den Arbeitgebern nicht als unerfüllbar bezeichnet werden können. Sollten die Arbeitgeber die Forderungen ablehnen oder sich nicht zu Verhandlungen bereit finden, dann tragen sie die Ver- antwortung für die Folgen. Die Vetsammlnng beschloß einstimmig, in eine Lohnbewegung einzutreten.— Nach' kurzer Diskussion über die einzelnen Forde- rungen stimmte die Versammlung auch diesen einstimmig zu. Die Forderungen werden de» Unternehmern sogleich eingereicht mit dem Ersuchen, sich bis zum Sonnabend, den 5. November, über Annahme oder Ablehnung zu äußern. veurlebes Ketek. Zur Sperre des Arbeitsnachweises der Metalllndustriellen i» Leipzig. Der energisch geführte Kamps der Leipziger Metallarbeiter gegen die Mißstände ans dem Arbeitsnachweis der Leipziger Metall« industriellen hat zu Verhandlungen zwischen dem Metallarbeiter- verband und dem Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller ge- führt: In diesen in Hamburg geführten Verhandlungen gaben sich die Mctallindustriellen sehr erstaunt, daß solche Zustände, wie sie die Arbettervcrtreter schilderten, überhaupt noch bestehen konnten. So sei in Bezug aus die Sperre nach einem Streik vom Haupt- vorstand schon lange Anweisung ergangen, sofort nach Beendigung eines Ausstandes auch die Sperre über die Arbeiter aufzuheben. Leider hätten sie bei den Leipziger Mctallindustriellen kein Ver- ftändnis dafür gesunden. Tie Form des Leipziger Metall- industriellennachweises sei nichts weiter als eine Kontrollstation. Selbst der bekannte Tillke erklärte: Als Arbeiter würde er sich für einen solchen Arbeitsnachweis bedanken, wo er sich erst Arbeit suchen und dann nur noch mÄden müsse!— Die Unternehmer- Vertreter haben dann den Sekretär Dr. Groebenstedt beauftragt, aus die Leipziger Metallindustriellen im Sinne der Konferenz— in der im wesentlichen Uebereinstimmung herrschte— einzuwirken, unter anderem durch Empfehlung von Einrichtungen des Ham- burger Metallindustriellcnarbeitsnachweises(Beschwerdekommissionl. Da nun aber bei den Leipziger Industriellen Neigung zum Ver- schleppen der Verhandlungen zu bestehen scheint, sind die Leipziger Metallarbeiter entschlossen, schärfere Mittel anzuioenden, wenn bis nächste Woche die Bewegung nicht zuin Abschluß durch Verhand- lungcn kommen sollte. Leipzig ist also noch streng vor Zuzug von Metallarbeitern zu bewahren._ Die Pforzheimer Bijontcriefabrikanten traten am Sonntag zusammen und beschlossen, direkt gegen'die organisierten Arbeiter vorzugehen. Zunächst wurden folgende Thesen aufgestellt: Aus- spcrrung der organisierten Arbeiter zunächst in den Ketten- geschäften; eine Wwhe später(12. November) auch in der übrigen Bijouterie; ferner Beitragszahlung zu einem Arbeitswilligenfonds (1 Prvz. der Lohnsumme), lieber die Möglichkeit, die organisierten Arbeiter ausfindig zu machen, tröstete sich daS Unternehmertum mit der Erwartung, daß die Arbeiter gegenseitig einander ans Messer der Maßregler liefern würden. Diese Spekulation aus die mangelhafte- Disziplin der Arbeiterschaft wird zu einer Tauschung führen�_ Die bürgerliche Presse aller Richtungen beteiligt sich an itz.Glvcke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanstaU fk ver Seffe gSFen 8Tc Metassarbeiterorssanifatk««. Di« Organe de» Mitielstandspolitik begreifen nicht, daß die Taktik der Groß« industriellen der Bijouterie eine Ausschaltung kleiner Unternehmer herbeiführen will. Am 5. Nopembcr soll die erste Aussperrung stattfinden. Husland. Die Schiffskilpitnne der österreichisch-amerikanischen Schiff- fahrtsgesellschaft beschlossen nach einer Meldung aus Trieft, falls die Direktion die Forderung des Bundes der Kapitäne, den Bund als Vertretung ihrer Kapitäne anzusehen, nicht anerkennen sollte. sofort in den Streik zu treten. In Handelskreisen wirkt dieser Konflikt sehr beunruhigend._ Die Abschaffung der Nachtarbeit wird von den organisierten Bäckergesellen Hollands schon seit einer langen Reihe von Jahren, gefordert, und die gesamte organi» sierte Arbeiterschaft des Landes hat sich dieser Forderung ange, schlössen. Wie sehr dies der Fall ist, zeigte eine allgenieine Kund- gebung für Abschaffung der Bäckernachtarbeit, die die holländische Arbeiterschaft vor kurzem in Haag, dem Sitze der Regierung und des Parlaments, veranstaltete. Dort lvaren 228 Organisationen durch 375 Delegierte vertreten, die rund 88 000 Mitglieder re- präsentierten. Es wurde neben der Abschaffung der Nachtarbeit die Beschränkung der täglichen Arbeitszeit aus höchstens 10 Stunden gefordert. Die holländische Regierung hatte einen Gesetzentwurf eingebracht, der die Nachtarbeit der Bäcker beseitigen sollte, aber mit so großen Mängeln behastet war, daß er keineswegs die Zu» stimmung der Arbeiterschaft und ihrer Vertreter finden konnte. Der Entwurf, dem noch ein ziveiter über örtliche Bäckerräte" zur Seite gestellt lvar, ließ unter anderem die Möglichkeit zu, die Arbeit an fünf Wochentagen um 4 Uhr morgens und am sechsten Tage sogar schon um 2 Uhr morgens zu beginnen, und ein Mari- malarbeitstag war darin auch nickt vorgesehen. Die notwendige oder voraussichtlickc Folge eines soldhen Gesetzes wäre wohl die gewesen, daß in einer großen'Anzahl von Bäckereien die zweifel- liaftc' Abschaffung der Nachtarbeit mit einer Verlängerung der bisher schon allzu langen Arbeitszeit verbunden worden wäre. Die zweite Kammer der Generalstaaten hat sich nun acht Tage lang mit dem Gesetzentwurf befaßt. Das Ergebnis der langen Beratungen ist, daß die Kammer sich schließlich aus Antrag des Ge- nossen Troelstra allgemein für die gesetzliche Regelung der Arbeits- zeit aussprach und den Minister Talma aufforderte, seinen Eni. wurf erst einmal in diesem Sinne zu revidieren, che darüber weiter beraten wird. Der Streik in Südwalcs gewinnt immer größere Ausdehnung. Nunmehr haben sich die Arbeiter von weiteren sechs Minen, etwa 6000 an der Zahl, den Streikenden angeschlossen. Protestversammlung gegen den Besuch des Zaren. In Charlottenhof, der kleinen Bahnstation vor Wildpark, fand am gestrigen Abend im Victoria-Restaurant eine von etwa 1000 Personen besuchte Protestversammlung gegen den Aufenthalt de» Zaren in Potsdam statt. Die Potsdamer Polizei, die mit großen Demonstrationen gerechnet hatte, war außerordentlich zahlreich vertreten. Vor dem Lokal selbst marschierten Patrouillen unifor- mierter Schutzleute auf und ab, im Saale selbst hatte ein Polizei» Hauptmann und ein uniformierter Beamter Platz genommen. Redner des Abends war der Genosse Adolf Hoffmann, der nach einer Aufforderung an die Erschienenen, beim Verlassen de? Saales sich nicht provozieren zu lassen, scharf daS Verhalten der deutschen' Presse verurteilte, die nicht einmütig gegen'den Besuch des Zaren in Deutschland protestiert habe. Redner schilderte aus- sührlich die Greueltaten und Schrecknisse de? russisch-japanischen Krieges sowie die zahlreichen Verurteilungen und Hinrichtungen, die im letzten Jahre im russischen Reiche erfolgt seien, und wie» darauf hin, daß das russische„Instrument deS Himmels" vor seinem eigenen Volke geflüchtet sei. um in Deutschland endlich ein» mal für einige Wochen Ruhe zu finden. Es wurde folgende Neso, lution angenommen: Die Versammlung �protestiert gegen den Besuch de» Ver- -treters der russischen Schreckensherrschaft in Deutschland und weist jede Gemeinschaft mit demselben weit von sich. Sie pro- testiert ferner gegen die Unterdrückung der Freiheit Finnland» und übermittelt dem russischen und stnnischen Proletariat den Ausdruck ihrer Sympathie und brüderlichen Freundschaft im Kampfe gegen die Despotie. Mit einem Hoch auf das internationale Proletariat fand die Versammlung ihren Abschluß, ohne daß e» zu irgend welche» Zwischenfällen gekommen wäre. letzte JVacbricbtcn. Die Stadtverordnetenwahlen in Bochum. Bochum, 4. November.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Bei den heutigen Stadtverordnetenwahlen wurden für di« Kandi- daten des Zentrums 5552, für die der Nationalliberalen 5328 und für die sozialdemokratischen Kandidaten 1037 Stimmen abgegeben. Es hat demnach Stichwahl stattzufinden zwischen Zentrum und Nationallibcralen» bei der die Sozialdemokratie den Ausschlag geben kann. Selbstmord eines zum Tode Verurteilten. Beuthen, 4. November. Der Mädchenmörder Manilas au» Domb wurde vom hiesigen Schwurgericht wegen Ermordung eines 16jährigen Mädchens, mit dem er ein Liebesverhältnis unter» halten hatte, zum Tode verurteilt. Nach Verkündung des Todes- urteils wurde der Delinquent nach seiner Gefängniszelle zurück» gebracht und nach 5 Minuten tot in der Zelle aufgefunden;«r hatte sich mittels seines Leibriemens erhängt. Auf der Strecke geblieben. Paris, 4. November.(W. T. B.) Das Fachblatt deS Eisen- bahncrsyndikats teilt mit, daß die Zahl der Angestellten, die von den Direktoren der verschiedenen Eisenbahnlinien infolge de» letzten AuSstandes entlassen worden seien, ungefähr 3506 betrage. Zur Lage in Spanien. Madrid, 4. November.(W. T. B.) Hier herrscht Besorgnis, daß es morgen in Barcelona zu Znsammenstöhe» der Ausständigen von Sabadell mit der Polizei und den Truppen kommen wird, falls die Ausständigen ihren Entschluß, morgen in Barcelona eine Kundgebung zu veranstalten, aufrechterhalten. Die Folge, so be- fürchtet man weiter, wird sein, daß der nationale Arbeiterverband den Generalstreik erklären wird, wie er von dem in den letzten Tagen in Barcelona abgehaltenen Arbeiterkongreß beschlossen wurde. Es ist möglich, daß ein derartiger Beschluß in Katalbnien ein Echo findet, jedoch zweifelhaft, ob ihm in anderen Provinzen Folge geleistet wird. Jedenfalls hat die Regierung alle Vorsichts, maßregeln ergriffen und wird nötigenfalls Truppen entsenden. aulSingerL-Eo-iBerlinSW. Hierzu 3 Beilagen u.UutcrhaltuugSb«," Nr. 260. 27. Jahrgang. 1. ß filmt des Amätls" fttliiet WksM Zomadend, 5. November 1910. Prozeß ßrußn und GenoSien. Zehnter Tag. Bei Beginn der Sitzung fehlt der Angeklagte Weber. Es„V ein ärzlliches Attest von ihin eingereicht, nach dem er infolge hoch- gradiger nervöser Erregung bettlägerig krank ist. Das Gericht beschließt, die Sache Weber von der Anklage gegen die' Gebrüder Bruhn abzu- trennen. Als qegen 12 Uhr der Angeklagte sich meldet, wird die Wiederverbindung der Anklagesache beschlossen. In der Beweisaufnahme über den Fall, der angebliche Er- Pressungen gegen den Klub„Bcrolina" betrifft, werden sämtliche Artikel der.Wahrheit" über Spielklubs verlesen.— Angekl. W. Bruhn führt aus: Der Kampf gegen die Spielklubs sei schon in der.Staatsb.-Ztg." begonnen und dann in die»Wahrheit" übergegangcin Es handle sich also um einen lange Vorbereitelen Kampf, in dem sich dann die Herren vom Klub„Bero- lina" hineingedrängt und sich dabei einer Deckadresse bedient haben. Er habe nicht bloß Artikel gegen den Klub»Berolina" veröffentlicht, sondern auch zahlreiche Artikel gegen andere Klubs unter den Ueber- fchriftcn„Klub der Soliden",„Auszug aus dem Kaiserhof",„Spieler und Schieber in Berliner Casss",„Bühnen-Spiclklub",»Eine Spiel- Hölle in der Jägerstraße",„Tiergartcn-Klub",„Spielerskandal in den höchsten Kreisen" usw., usw. Zu einem Artikel„Ein Duell im Residenz-Klub" sei das Material telephonisch von Mollheini gegeben worden.(Das ist der Zeuge, der wahrscheinlich gestern Oppenheim genannt wurde.) Dem Hmiplzeugen für den Fall Klub„Berolina", Cafbtier D r e i w u r st, hält der Vorsitzende vor, daß er bei seinen ver- schiedenen Vernehmungen eigentlich immer verschiedene Aussagen gemacht habe. Der Zeuge entschuldigt dies mit seiner Geschäflsüberhäusung und mit der Länge der inzwischen vergangenen Zeit. Seine jetzige Aussage läßt sich dabin zusammen fassen: Als die ersten Artikel über den Klub„Berolina" in der „Wahrheit" erschienen waren, ist der Baron Fröhlich zu dem Zeugen gekommen und hat gefragt, ob er sich nicht bei Wilhelm Bruhn, den er ja näher kenne, verwenden könne, daß diese Artikel unterblieben. Der Zeuge hat darauf hingewiesen, daß es doch zweckmäßig wäre, ein Inserat aufzugeben, aber Bruhn dürfe nicht merken, daß das Inserat von dem Klub„Berolina" bezahlt «erde. ES ist dann verabredet worden, daß Dreiwurst für ein ganzes Jahr eine große Annonce für das Passage-Cafb aufgeben und das Geld dafür vom Klub erhalten sollte. Er hat dann Paul Bruhn zu sich gebeten und diesem die Bitte vorgetragen, doch aus Freundschaft zu ihm weitere Angriffe gegen den Klub z« unterlassen. Zur Unterstützung dieser Bitte hat der Zeuge dann die Inserate für die Kaffce-Großhandlung Keck aufgegeben. Paul Bruhn hat ihm bei dieser Verhandlung gesagt: er solle nun aber nicht denken, daß durch die Annoncen »hnen der Mund gestopft werden könne. Der Zeuge Dreiwurst hat nun wohl eine doppelte Rolle gespielt. Dem Klub gegenüber hat er die Verpflichtung übernommen, daß gegen Hingabe der Inserate keine Lngriffsartikel mehr erscheinen würden, aber von dieser Ver- pflichtung hat er weder dem Wilhelm noch dem Paul Bruhn etwas gesagt. Die Sache ist erst zur Sprache gekommen, als wieder einige Angriffsartikel er- schienen und der Klub die Vierteljahresrate für daS Inserat nicht mehr bezahlen wollte. Da erst hat Dreiwurst die Gebrüder Bruhn holen lassen und ihnen gesagt, daß er nun in große Ver- legenheit gebracht sei, denn er müsse ihnen eingestehen. daß die Annonce eigentlich vom Klub. Berolina" herrühre und der Klub nicht mehr zahlen wolle. Bruhn ist dann, wie der Zeuge sagt, sehr ungehalten gewesen, nach einer erregten Szene ist es aber zu einer friedlichen Einigung gekommen und Dreiwurst hat dann unter Anuullierrmg des großen Inserats für sich ein kleines aufgegeben. Als dann zur Kenntnis des Angeklagten Bruhn kam, daß auch dieses kleine Inserat hinterrücks von dem Klub bezahlt wurde, hat er die weitere Aufnahme überhaupt verweigert.— Der Vorsitzende bemerkt zu diesen Feststellungen:„Wenn Sie daS alles von Anfang an gesagt hätten, dann wäre die Geschichte doch ganz anders ge- kommen!"— Der Vorsitzende hält dem Zeugen Dreiwurst noch vor, daß er sonderbarerweise zwei entgegengesetzte eidesstattliche Ver- sicherungen abgegeben habe: die eine bescheinigt den Angekl. Bruhn. daß fie nichts davon gewußt hätten, daß der Klub hinter den Annoncen stände: einige Tage späler hat er dem Klub auf dessen Verlangen eine eidesstattliche Versicherung in gerade entgegengesetztem Sinne ausgestellt. Zeuge Drei wurst erklärt hierzu, daß die eidesstatt- lich« Versicherung für Bruhn den Tatsachen entsprach, die zweite eidesstattliche Versicherung für den Klub aber von diesem verlaugt worden sei. Die Herren Hermann und Mollhcim als Vertreter des Klubs hätten ihm gesagt: er müsse die eidesstattliche Versicherung unterschreiben, andernfalls würden die Briefe, die er in dieser ganzen Affäre an den Klub gerichtet, als Annonce« zur kleines feuilleton. Eine Lokomotive von 2500 Pferdestärken. Auf der Brüsseler Ausstellung hat eine aus einer deutschen Werkstätte für die bahe- rischen Eisenbahnen hervorgegangene Lokomotive ein erhebliches Aufsehen erregt. Diese Maschine, die für eine Enlwickelung von 2500 Pferdestärken bestimmt ist. lenkt schon durch ihre ungewöhn- lichen Ausmaße die Aufmerksamkeit auf sich, bietet aber auch sonst dem Fachmann Interesse durch manche neuartige Kon- struktion. Sie besitzt statt der üblichen zwei Zylinder deren vier, von denen zwei mit Hochdruck und zwei mit Niederdruck arbeiten. Dieie nehmen den Dampf auf, der aus jenen entweicht, so daß eine doppelte Allsnutzung erfolgt. Der Dampf wird aber in die Hochdruckchlinder auch nicht»nmittelbar aus dem Kessel geleitet, sondern erst, nachdem er eine Ueberhitzung erfahren hat. Dies geschieht in einem besonderen Apparat, worin dem Dampf eine höhere Temperatur mitgeteilt wird, als er sie bei dem Vorgang der Berdanipfung selbst erhält. Durch eine solche Ueberhitzung des Dampfes, die eine große Rolle bei den Dainpfinaschine» der Neuzeit spielt, werden bestiuiiute ivertvolle Folgen erreicht. In dein Dampf wird eine größere Zahl von Wäimeeinheiten aufgespeichert, und dadurch trotz des WärmcvcrlusleS in de» LeitungSwegen und in den Zylindern feine Vcrdichtniig zu Wasser verzögert. Auf dieie Weise wird es möglich ihn länger auszunutzen, und zwar durch die beschriebeile Anordnung von Hochdruck- und Niederdruckzylindern. Die eigenl- kicke Lokomotive bat eine Länge von rund 14 Meter, lvozu der Tender mit beinahe 8 Meier Läiige kommt. Das Gewicht der leeren Maschine beläuft sich auf 78>/g Tonnen, lvährend der Tender mit Belastung noch iveitere 54 Toinien wiegt. Der Kessel enthült über 7 Kubikmeter Wasser und fast 200 Röhren. Die Schntiimpfilng gegen die Pocken eine türkische Erfindung? Ein interessantes Dokmiient, das darauf hinzuweisen scheint, daß schon vor zivei Jahrhunderien den Türken die Schutzimpfung gegen die Pocken bekannt war, wird in der Zeitschiift„HellöiiiSinc" veröffentlicht. Es ist ein Brief einer englischeii Dame, die int Jahre 17l6 längere Zeit in Konstautinopel lebte. Sie erzählt, daß die Pocken, die besonders im Orient so furchtbare Verheerungen an- richten, in Konstaiiiinopel nur in einer leichten ungefährliche» Form austreten, dank einer Impfung, die eine Anzahl alter Frauen regelmäßig im September vornimmt, in der geit, wenn die sommerliche Hitze schivindet. Die Frauen fluchten die Familien, von denen der eine oder andere Angehörige fich impfen lassen wollte und brachten in leeren Nußschalen sorglich Abwehr gegen die„Wahrheit" in der„B. Z." veröffent- licht werden. Wie ihm mitgeteilt worden, sei man denn auch noch nachts 12 Uhr zur„B. Z." gefahren und es sei die schon ausgegebene Annonce zurückgezogen worden. Zu seinem großen Er- sinuneii sei dann aber doch die Ailiiouce in der„Boss. Ztg." cr- schienen.— Angekl. Bruhn: Hiernach habe» also jene Herren er- preßt I— Rechtsanivalt L e i s e r i n g macht darauf aufmerksam, daß der Zeuge D r e i w u r st in der Voruntersuchung doch ganz anders ausgesagt habe.— Es werden dann die Kauf- lenke Julius Hermann und Martin Oppenheim vom Klub Berolina, ferner der Kassenbote Trautmann und der Buchhändler Freund vernoiiirncii, die ihrerseits die Sache zu- Ungunsten der Angeklagten nicht ausklären können. Der Kassenbole Trautmann bekundet unter anderen,: cr sei als Zeuge dabei ge- Wesen, als die Brüder Bruhn Herrn Dreilvnrst wegen der Herkunft des Geldes für die Annoncen zur Rede stellten. Wilhelm Bruhn habe dabei zornig gesagt: wenn Dreiwurst dem Paul Bruhn bei der Aufgabe der Annoncen den wahren Sachverhalt gesagt hätte, hätte er ihn wahrscheinlich die Treppe hinunter geworfen. Die Anssagen der Zeugen Hermann und Oppenheim stehen vielfach' im Widerspruch mit den Aussagen des Zeugen Dreiwur st, der trotz aller Einsprüche bei seinen Aussag en bleibt.— Zeuge Freund ist auch einmal im Bureau der„Wahrheit" gewesen und hat dem an- wesenden Redakteur Weber die Bitte unterbreitet, Herrn Bruhn doch die Unterlassung weiterer Angriffe auf den Klub„Berolina" zu empfohlen. Weber habe aber geantwortet: Bruhn würde dies ohne weiteres schroff ablehnen.— Auf weitere Beweisaufnahme für den Fall»Berolina" wird verzichtet. Es beginnt sodann die Erörterung des Falles Koller sBorriche), welcher in der Reihe der von der Staatsanwaltschaft zusammen gestellten Anklagefälle als letzter figuriert.— Der Angeklagte Wilh. Bruhn gibt hierzu eine weit ausholende Erklärung, in der er u. a. darauf hinweist, daß Koller zu den ersten Inserenten der „Wahrheit" gehörte. Als Bruhn hierbei in der Erregung bemerkt, daß ein Anklagefall nach dem anderen in nichts zerronnen sei und er schon seit über ein Jahr in der unglaublichsten Weise verfolgt und geschmäht worden, bemerkt der Vorsitzende: Das glauben wtr Ihnen ja, daß so etwas aufreibt. Bruhn: Aber schließlich läuft doch jedem einmal die Galle über. Der Zeuge K u t t n e r bekundet, daß er Koller die„Wahrheit" als eine Zeitung empfohlen habe, welche in der Lebewelt gelesen werde. Bruhn habe jedoch glatt abgelehnt, als er lZeuge) mit einem Inserate nauftrag zu B. ge kommen sein. Diese Ablehnung habe Bruhn damit begründet, daß Koller gegen seine politischen Anschauungen dadurch verstoße, daß er die Nachtlokale in denen die Demimonde verkehrt, zu monopolisieren trachte. Schließlich habe sich Bruhn nach vielem Hin- und Herreden zu der Annahme des Inserats bewegen lassen. Der nächste Zeuge Busse aus Halle war früher bei der „Wahrheit" beschäftigt. Er war zugegen, als der Zeuge Kuttner den Jnseratenauftrag der Borriche überbrachte. Als Bruhn den Austrag angenommen hatte, sei der anwesende Dietrich sehr wütend hierüber gewesen, da er nun seinen Artikel gegen die Borriche nicht mehr bringen konnte. Die Verhandlung wurde hierauf abgebrochen. Heute findet keine Sitzung statt. Montag 9'/, Uhr soll die Verhandlung fort- gesetzt werden._ Gerichts- Zeitung* Urteil im Schieberprozeß. In dem großen„Schieberprozeß" Glaser und Genossen wurde gestern nachmittag das Urteil von dem Vorsitzenden der 3. Straf- kammer, Landgerichtsdirektor Lieber, verkündet. Landgerichts- direktor Lieber schickte den Urteilstenor voraus: Die Verhand- lung, die uns hier drei Wochen hindurch beschäftigt hat, ist selbst für Moabit ein seltenes Schauspiel gewesen, denn eine der- artige Summe von Betrügereien, Fälschungen, Schiebungen, Bc- einflussungen von Zeugen ist, Gott sei Tank, doch noch selten. Im Mittelpunkt des ganzen verbrecherischen Betriebes steht Gustav Glaser. Er begründete zunächst ein Baugeschäft, dann verschiedene andere Firmen unter anderem Namen. Die Namen waren verschieden, der Inhaber war immer derselbe. Gustav Glaser blieb immer derjenige, der die Sache leitete, Küchling und Voß waren diejenigen, die er heranzog und die er gebrauchen konnte, weil sie keine willensstarken Personen und auch moralisch nicht widerstandsfähig gewesen sind. Sie sind zu Fälschungen be- nutzt worden, bei den verschiedensten Geschäften vorgeschoben, gelegentlich wurden sie auch denunziert und dann trat Gustav Glaser als Helfer für sie auf. Was hier verhandelt ist, dürfte bewahrt einen Impfstoff mit, eine eitrige Materie, die aus den Geschwülsten leichter Pockcnerkrankungen gewonnen war. Mit einer großen Nadel impften sie dann dieses Gift in die Haut des Patienten. Dann zogen sie mit ihrer Nußschale tvicder davon. Acht Tage später trat dann getoöhulich ein Anfall von Pocken auf: Der Patient blieb zwei oder drei Tage im Bett, es bildeten sich im Gesicht zwanzig bis dreißig kleine Pusteln, die jedoch nach acht Tagen wieder verschwanden, ohne Narben oder Spuren zu hinierlassen. Die Engländerin, die dies vor zwei zwei Jahrhunderten in Konstaniinopel beobachtete, wollte auch ihr Kind impfen lassen und dieses Mittel gegen die Pocken in England bekanntmachen, zum Trotz gegen die Acrzte, die davon nichts wissen wollten,„weil die Pocken viel einbringen". Aber der Plan muß wohl gescheitert sei». 80 Jahre späler entdeckte der englische Mediziner Edward Jenner die Schutzkraft der Knhpocken und a», 14. Mai 1776 wurde in Mitteleuropa zum ersten Male ein Mensch geimpft. Tdcater. S ch i l l e r t h e a t e r v. In Karl Gutzkows Jntrigenlust- spiel„Das Urbild des Tartüff" schwingt etwas von der schwülen Atmosphäre des vormärzlichen Deutschland hinein: Der Protest des Dichters gegen die Knebelung der Geister durch Bundes- tagbeschtüsse und Zeniurgewalten. Der Moliöre sim 4. Aufzug) in den Mund gelegte Ausbruch leidenschaftlicher und freilich oh»- mächtiger Empörung über die geistige Gebundenheit hat auch noch für die gegeinvartige» Zustände in Preußen eine gewisse Aktualität. Dagegen weist die„Mache" des Lustspiels aus französische Vorbilder bin und läßt doch schon deutlich die Spuren des ÄüerS erkennen. Die Spannung aber der intrigenbafre» Vorgänge ans der Bühne, nicht zitm tvenigsien auch der Umstand, daß Gutzkow einige brillante schauspielerische Paraderollen geboten hat, sicher» dem Stücke immer wieder eine dankbare Aufnahme beim Publikum. Die Aufführung kann sich schon sehen lassen. Hans F. Gerhard sMolivre) lind Paul B i l d t(lia Nognette) verstehen sich, weun man mancherlei Essekimittelchen willig in Kauf nimmt, ganz vortrefflich auf ihre Rollen. Nicht jede Besetznilg wird gerade glücklich zu nennei! sein: es konlnit auch viel saftlose Mimerei zum Vorschein: daS Karrikaturi- siische in verschiedenen Nebenrollen ist allzu auffällig unterstrichen. Gleichivvhl das Publikum unterhielt sich ausgezeichnet. o. k. Humor und Satire. H i it tz e. Vcrschwuudeil dieser Tage ivar Gott weiß, in welche Klinze, nur ein kleiner Teil von dem sein, was Gustav Glaser jahrelang geleistet hat. Bezüglich dieses Angeklagten kommen nur die Taten in Frage, wegen deren er ausgeliefert ist: da aber für diese Fälle kein bestimmtes Strafmaß festgesetzt ist, so niuß das ganze Milieu mitgeprüft werden. Dies hat der Gerichtshof getan, und es fragt sich, welches Strafmaß anzutvcndcn ist. Es sind in dieser Beziehung andere Fülle hier vorgeführt worden, das scheidet aber für uns vollkommen aus. Nach der Strafprozeßordnung ist nur maßgebend das Ergebnis der Verhandlung selbst; eine Nach- ahmung anderer Fälle würde zur Schabloiiisierung führen. Jeder Täter ist individuell und jede Tat ist nach sich zu beurteilen. In dieser Beziehung hat Gustav Glaser in sein Getriebe mehr hinein- blicken lassen, als er dies Wohl erwartet hatte. Seine fortgesetzten neuen Anträge haben, seine Situation nur verschlechtert, seine Wage sank immer tiefer. Es liegt nicht nur der betrübende Fall vor, daß er wirtschaftliche Existenzen vernichtet hat, er hat auch die, die in seine Netze kamen, moralisch vernichtet und zu Ver- brechern gemacht. Auf der anderen Seite muß berücksichtigt werden, daß der Schaden nicht ein so hoher ist, wie in anderen Fällen und daß Voß und Küchling nicht inehr ganz einwandfreie Leute waren, als sie in seine Hände kamen. Mit Rücksicht auf die 1)4jährige Untersuchungshaft des Gnstav Glaser und seinen mangelhaften Gesundheitszustand hat der Gerichtshof bei ihm eine Strafe von 6 Jahren Zuaithaus und 10 Jahren Ehrverlust für angemessen erachtet. Küchling tourde in 1% Jahren Gefängnis verurteilt und diese Strafe als verbüßt erachtet, Voß zu 1)4 Jahren Gefängnis unter Anrechnung von 8 Monaten, Jacoby zu 1 Jahr Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust. Der AngeNagte Philipp Glaser, der in seiner Eigenschaft als Bater dem Sohne Beihilfe geleistet habe, wurde freigesprochen. Pfarrer gegen Kaplan. Eine Beleidigungsklage als Mittel zur Bestrafung abfälliger Kritik wurde gestern vor dem Schöffengericht Dortmund verhandelt. Pridatkläger waren der bekannte liberale Pfarrer Iflc. Traub und der nationalsoziale Professor Dr. Gnttmann-Dortmund. Angeklagt war der früher in Dortmund amtierende Kaplan König, der wäh- rend seiner Tätigkeit in Dortmund den„Kirchlichen Anzeiger für die Probsteigemeinde" redigierte. Am 31. Ottober 1909 erschien.n diesem Anzeiger ein Artikel unter dem Titel:„Die Zustände im Protestantismus." Durch diesen Artikel fühlten sich die Privat- klüger beleidigt. Die Verhandlung begann mit der Verlesung des Artikels, der manche sehr scharfe Wendung enthält. Gelegentliche Ausführungen des Pfarrers Traub werden als hirnverbranntes Zeug und dummer Blödsinn bezeichnet. Traub wird in dem Ar- tikel„Prediger" genannt. Vom Professor Guttmann ist gesagt, cr sei der Agent Traubs.— Nach der Verlesung erklärte Pfarrer Traub, er habe sich zunächst dadurch beileidigt geftihlt, daß von ihm als«inen„Prediger" geredet wurde. Weiter habe ihn die Unter- stellung des Artikelschrcibers, er habe das Gebet als eine heidnische Sitte gebrandmarkt, beleidigt. Er habe lediglich gesagt, daß das Gebet auch bei den Heiden geübt werde. Der Artikel tverfe ihm weiter vor, er halne die Meerwunder Christi als Sceaneldotcn bc- zeichnet. Das sei jedoch unwahr. In einem von ihm verfaßten Buch über die Wunder Christi komme das Wort allerdings vor. In der zweiten Auflage sei dos Wort weggeblieben. In dem Kon- firmationsunterricht soll er ferner die Erzählungen der Bibel als Mätzchen bezeichnet haben. Demgegenüber konstatiere er, daß nie von den Eltern oder Kindern irgend eine Beschwerde über seinen Konfirmandenunterricht vorgebracht worden sei. Kaplan König habe sich seine Behauptung einfach aus den Fingern gesogen. Be- sonders beleidigend sei auch die Form des Artikels, namentlich die Ausdrücke„dummer frecher Blüdfinn" und„hirnverbranntes Zeug". Eine schwere Beleidigung bedeute auch die Behauptung, daß seine (Traubs) Lehre alle möglfkuc Unsittlichfeit zur Folge habe. Er sei als evangelischer Pfarrer angestellt und habe sein Amt heute noch inne. Die von ihm vertretene Richtung habe innerhalb der cvan- gclischen Kirche Existenzberechtigung. Professor Harnack und auch andere Herren, die seine Auffassung teilten, hätten Sitz und Stimme im Oberkirchenrad.— Professor Dr. Gnümann erklärte, ihm werde vorgeworfen, er sei bestrebt, den von ihm unterrichteten Schülern'das köstlichste Gut zu rauben. Der Artikel sei geeignet, ihm das Vertrauen, namentlich der katholischen Schüler zu cnt- ziehen.— Das Gericht verurteilte den Beklagten Kaplan König wegen Beleidigung in der Form zu einer Geldstrafe von 159 M., eventuell 30 Tagen Gefängnis. Das Gericht hat den Wahrheits- beweis in zwei Punkten als geführt erachtet und zlvar darin, daß Pfarrer Traub das Bittgebet als heidnische Sitte bezeichnet und die Wunder Märchen genannt hat. In der Form des Ausdrucks ist König zu weit gegangen. Ruq der frauenbewegung* Ein schöner Erfolg. Ist schon die Agitation unter den männlichen Proletariern. besonders unter den aus rückständigen Gegenden zugewanderten, außerordentlich schwierig, viel beschwerlicher noch ist das Werben verschwunden war ein Menschenpaar: sie hießen beide Hintze. Und wenn Pianoforte baut der eine Namensvetter: der andere bloß forte haut als Arbeitswilligenretter. ES wollte jüngst der Staatsanwalt die beiden vorzitieren. Piano-Hintze sollte halt Als Zeuge figurieren. Und sielß, gleich ward die Polizei Auf diese» losgelassen; Zum Glück kam er noch selbst herbei, eh man ihn konnte fassen. Dergleichen hat man sich versagt bei Hintze mit dem Forte, der war ja auch bloß angeklagt und an bekanntem Orte. ... Ein Vogel auf'ner Insel saß und die Jnstizgeschichte las von Forte und Piano... Er machte still Guano. _ Franz. Notizen. — Kein Hervorruf»r ehr. Der BildungSauSschuß des Gewerkschaftskartells Bremen hat für die von ihm ver- anstalteten 20 Vorstcllungen den Hervorruf der Schauspieler, zunächst probeiveise, abgeschafft. — Thcarerchronik. Die EröffiiiingSvorstcllling des Aus- stellungS-TheaterL ist auf Mitlivoch, den 9. d. M., ver- schoben. — Die Ko st en des Panamakanal ö. Im Jahre 1915 wird das Riesenwerk des Panamalanals vollendet sein; durch ge- waltige Schleusen an Staudämmen und Wellenbrechern vorbei werden sich die Fluten des Stillen Ozeans mit denen des Atlan- tischen mischen. Fast 34 000 Arbeiter sind im verflossenen Jahre andauernd beschäftigt gewesen. Nach Fertigstellung werden sich, wie Professor Regel in Petermanns Mitteilungen berichtet, die Gesamtlosten auf 1VH Milliarden stellen; auf Bau- und Ingenieur» kosten entfallen davon 1200 Millionen.(Wieviel Menschenleben der Bau dann der mangelnden Hygiene wegen schon verschlungen hat, wird nicht angegeben.) von Anhängern und Gesinnungsgenossen unter dem weiblichen Teil des arbeitenden Volkes. Die Frguen sind für politische Fragen im allgemeinen viel unzugänglicher als der Mann. Das erklärt sich historisch aus der bewußten Fernhaltung der Frau vom öffent- lichen Leben und aus ihrer Rechtlosigkeit. Aeußere Umstände treten hinzu, die der Proletarierin Anteilnahme an den politischen Bestrebungen und Kundgebungen erschweren, teilweise sogar fast völlig ausschließen. Die Erwerbsarbeit, in Verbindung mit den Pflichten als Haushälterin und Mutter nehmen die körperliche und geistigen Leistungsfähigkeit vieler Proletarierinnen restlos in Anspruch, so daß zu der Anteilnahme am politischen Leben, be- sonders zum Bedach von Versammlungen usw. keine Zeit verbleibt, ,m übrigen aber auch die Spannkraft zu solcher Betätigung fehlt. Bollständig apathisch wird die Frau, wenn sie zu den vielen schon erwähnten Widerständen auch noch auf den des Unverstandes und der Engherzigkeit des proletarischen Mannes stößt. Und das ist leider ja noch vielfach der Fall. Unter solchen Umständen ist das von den Genossinnen bisher Erreichte als ein Freude und stolze Hoffnungen auslösendes Resultat. Und bei weiterer euer- gischer Agitatiousarbcit werden in Zukunft die Erfolge noch wachsen. Das haben die kürzlich abgehaltenen ll Versammlungen im 6. und 3. Berliner Wahlkreise bewiesen. All die Vorbereitungen dazu waren das Werk der Genossinnen. Sie stellten die Flugblattver- breiterinnen, die Referentinnen, kurzum: der ganze Agitations- apparat war von Genossinnen beherrscht. Mit dem Aufgebot der Kräfte steht auch der Erfolg im Einklang. Die Versammlungen waren von einer prächtigen Stimmung beseelt. Und ziffernmäßig ergab sich der Mühe Preis in der Gewinnung von über 400 Mit- gliedern für die Organisation. Es kann den Genossinnen das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie in der Organisations- und Agitationstechnik schon gut bewandert sind. Weitere Erfolge werden nicht ausbleiben, wenn die Genossinnen auf dem betretenen Wege mutig weiter arbeiten. Der Vorstoß war gut, weitere Attacken gegen Unwissenheit und Indifferenz müssen folgen. Der Bund für Mutterschutz, der sich die Aufgabe gestellt hat, Müttern, ledigen und verheirateten, Hilfe angedeihen zu lassen, bittet alle, die geneigt sind, eine Mutler mit Kind gegen Hausarbeit und geringem Entgelt aufzunehmen, oder auch nur ein Kind als Pflegling, ihre Adressen und Bedingungen dem Bureau des Bundes mitzuteilen. Ferner sieht sich der Bund genötigt, Vormundschaften in großer Zahl zu vergeben. Sprechstunden finden täglich im Bureau, Trautenau« straße 20. von 9—1 Uhr statt, außerdem Dienstags und Freitags, abends von 7—9 Uhr. Briefe sind an Frau Franziska Scbuly zu richten. Gleichzeitig spricht der Bund für Mutterschutz die Bitte um Unterstützung an Geld, Wäsche, Kleidung usw. aus. Weidliche Polizeibramte. Der Dänische Frauenbund hat an das Justizministerium das Ersuchen gerichtet, für die Anstellung weib- blichcr Polizeibeamter zu sorgen, die namentlich bei Sittlichteits- verbrechen und beim Verhör von Frauen und Kindern Anwendung finden sollen. Der Justizminister erklärte sich bereit, mit den Polizei- behörden über diese Angelegenheit zu beraten. In Norwegen ist man in dieser Sache schon etwas weiter vorgeschritten. Die Vormannschaft der Stadtverordnetenversamm- lung von Kristiania, die fich gegenwärtig mit der Beratung des Budgets befaßt, hat beschlossen, für das kommende Jahr die An- stellung von zwei weiblichen Polizeibeamten zu empfehlen, die zu- Vor einen Kursus in der Schutzmannsschule durchzumachen haben. )Ziis aller Alelt. Der verhlagte Graf Zeppelin. In dem Schadenersatzprozeß des bei der Echterdinger Katastrophe verunglückten ftüheren Mechanikers Böhler gegen den Grafen Zeppelin hat heute das Oberlandesgericht Stuttgart die Berufung des Klägers abgewiesen. Der Kläger hatte eine Jahresrente von 2000 M. verlangt, während Graf Zeppelin ihm eine Abfindungssumme von 10 0 M. angeboten hatte. Herr Graf Zeppelin ist also demnach rechtlich nicht verpflichtet, dem in seinem Interesse Verunglückten und zum Krüppel gewordenen Arbeiter, eine jährliche Rente zu bezahlen. Ob das moralische Recht aber auf feiten des Herrn Grafen ist, steht auf einem anderen Blatt. Viele von denen, die mit dazu beigetragen haben, daß dem Grafen über sechs Millionen Mark geschenkt wurden, werden nicht verstehen, daß sich der so reich Beschenkte von einem Arbeiter ver- klagen ließ, der bei derselben Katastrophe zum Krüppel wurde, die dein Grafen die Nationalspende einbrachte. Die Speiserezepte des Menschenfreundes. Vor einigen Tagen haben wir dem Herrn Fabrikanten Peters aus Nebiges im Rheinland bitter Unrecht getan. Wir schrieben über ihn, daß er in seiner freien Zeit sich die von ihm empfohlenen Kochrezepte für Arbeiter— Kostenpunkt 10 Pfennig pro erwachsene Person— am Küchenherde seiner Wohnung zurecht- gekocht habe. Diese Vermutung war falsch. Einer Leserin unseres Blattes erschienen die von Herrn Peters empfohlenen Delikatessen so bekannt, daß sie in einem alten, im Jahre 1881 erschienenen Buche„Das häusliche Glück" nach den von Herrn Peters empföhle- nen Rumpsutsch-Rezepten forschte. Und siehe da: auf Seite 204 des von einer Kommission des Verbandes„Arbeiter. wohl" herausgegebenen Buches findet man die Rezepte wort- wörtlich wieder. Der für billige Ernährung der Arbeiter so be- dachte menschenfreundliche Fabrikant hat sich sogar nicht ein- mal die Mühe gemacht, die damals nm vieles billigeren Produktenpreise entsprechend den heutigen Teuerungsverhältnissen umzurechnen. Das ist freilich ein« sehr einfache Methode, die Arbeiter mit Speisen glücklich zu machen, die sich noch mcht einmal zum Hundefutter eignen und dann Produktcnpreise anzusetzen, die vor zirka 30 Jahren Geltung hatten. Ein feudaler„Scherz". Die Heldentaten der Bonner Borussen find noch lebhaft im Ge- dächtnis und schon kommt aus Heidelberg die Nachricht von einem„Scherz" eines Mitgliedes einer„feudalen" farbenlragenden Verbindung. Dieser vornehme junge Herr ging betrunken ins Heidelberger Theater und entledigte sich der zuviel ge- nossenen Speisen und Getränke einfach über die Brüstung des ersten Ranges ins Parkett. Dieses Muster- exemplar eines Studenten ist ein Saxo-Borusse, also ein Kartellbruder des Bonner Korps. Wenn ein Arbeiter diese Schweinerei verübt hätte, würde die bürgerliche Presse sich nicht genug tun können in Schimpfen, aber bei einer zukünftigen Staatsstütze schweigt man solche„Späße" tot._ Landung eines englischen Ballons in der Pfalz. Der Ballon der Zeitung„Daily Graphic", der am Mittwoch gegen 4 Uhr nachmittags in London unter Führung seines Fabrikanten Caudron ausgestiegen war, um den Enlfernungs- rekord zu schlagen, landete Donnerstag ftüh 8V, Uhr an einem Walde bei Kerk Hofen unter großen Schwierigkeiten. Es mußten Bäume gefällt werden, um den Ballon niederzubringen. Dieser hatte Höhen bis zu 2500 Metern erreickit. Die Hülle des Ballons, der 180 000 Kubikfuß faßt, ist arg beschädigt. Den Kanal hatte der Ballon bei lebhaftem Winde in einer Stunde passiert. Die fünf Insassen blieben bei der Landung sämtlich unverletzt. Die Insassen hatten die Absicht, nach Rußland zu gelangen, und glaubten wegen des Schneegestöbers, das vorgestern in der hiesigen Segend herrschte, bereits ihr Ziel erreicht zu haben. Kleine Notizen. Ein tödlicher Jagdunfall ereignete sich in der Nähe von Krassen. Ein Rentier B r o d z i n a aus Friedenau, der dort eine Jagd besitzt, stieg als letzter einer Jagdgesellschaft aus seinem Wagen und kam dabei unvorsichtigerweise dem Abzug seines Gewebrcs zu nahe. Die Waffe entlud sich, und die Kugel drang dem Rentier der Länge nach durch den rechten Ober- und Unter- schenket in den Unter leib. Der Verunglückte starb nach wenigen Minuten. Von einem Eiscnbahnzuge wurde in der Nähe von KottbuS in der letzten Nacht ein Fuhrlverk überrannt. Der Kutscher wurde schwer verletzt, der Wagen zertrümmert. Verhaftete Mädchenhändler. In O b e r s ch l e s i e n gelang eS, die internationalen Mädchenhändler G r ü n b e r g und Stein zu verhaften. Die Verhafteten, die mit mehreren bereits in Unter- suchungshaft sitzenden Komplicen an der Spitze einer russisch-polni- scheu Mädchenhändlerbaude standen, besaßen eigene BureauS in Krakau, Warschau und mehreren anderen Orten. Bei dem Brande einer Dampfmühle in Bacsdodok in Ungarn wurden zlvei Feuerwehrleute und drei Arbeiter durch einen Mauereinsturz tödlich verletzt. Der Bock als Gärtner. Nach einer Meldung auS Groß- w a r d e i n ist in V i s z g y a n(Ungarn) ein Lehrer verhastet worden, der sich seit Jahren an 3— 10 Jahren alten Schulmädchen in unsittlicher Weise verging. Ein Offizier als Mörder. Nach einer durchschwärmten Nacht hat der ungarische Oberleutnant Johann M o r s a y die Geliebte seines Bruders, eines Oberpostbeamlen, erschossen. Nach der Tat suchte der Mörder zu fluchten, stürzte aber in seiner Trunkenheit nieder und wurde f e st g e n o m m e n. Fretreligtöse Gemeinde. L-onntag, den 6. November, vormittags 9 Uhr, Pappel-Allee 15—17 und Nixdors, Jdealpassage: Freireligiöse Vor« lesung: vormittags 11 Uhr Kleine Frankfurter Siratze ö: Vorwag von Herrn Walter Tttijan:„Buddha, Mithra und Kttlchna'.— Damen und Herren als Gäsle sehr willkommen.— Montag, den 7. d. M.. abends S Uhr: Beschließende Versamnilung in„Zllt-Bcrlin", Blumenstr. 10. Tagesordnung: Eine innere Gcmeindeangelegenheit. Bmfhaften der Redalrtion. Sit lurlftllAc Euttrtjfnmvc fiiibet Linvtuttra ht alt. 69, vorn vier Trtvvtn— tsavrklulil—, wnweiiiäalich von bis?>/. Ndr abtndS, Eonnabciide von 4'h bis 6 Itftr nachmitiaas fmn. Clevtr für den Britf- tastcn bestimmten ilnfraa- ist ei« iiniiinavr»nd eine Lad! alt Vierf. fttirticii»ei»»füacn.«riesliilie jlnnuuri wird nildl ericiii. Eilioe teraaen trage man in der Svrechktnndc vor. Bittner, Ripdorf. Ja. sofern die Eltern ohne Gefährdung ihres standesgemäßen Unterhalts dazu im Stande sind und nicht die Tochter ein zur Beschaffung der Aussteuer ausreichendes Vermögen hat. Die AuS- ileuer kann verweigert werden, wenn die minderjährige Tochter ohne ellcr- liche Genehmigung heiratet oder wenn sich die Tochter einer Verfehlung schuldig gemacht hat. die den Verpflichteten berechtigt, der Tochter den Pflichtteil zu entziehen.— K. A., Berlin.>. Schlosser u. Weber, auch in der kleineren Ausgabe. 2„Neue Zeit',„Soziale Praxis",„NeichsarbeitS- blatt" u. a. m. Welche Zcitschrist sich für Ihre Zwecke cmpjehleii läßt, kann nur nach näherer Angabc beurteilt werden. Sie können in der Redaltton vorsprechen.— E. Z. 1884. Fragen Sie bei dem Berliner Spar» und Bauverein. Sickingcnstrasie Nr. 7 an.— Straßenhändler. Deutscher Transporlarbciler-Verband. Eugeluser N. 15.— X. 1. fla. — W. 1. Stein. In geeigneten Fällen als Heilmittel.— S. Z. 47. 1. Das aus Grund der verfallenen Karten erworbene, jetzt erloschene Recht lebt wieder auf, wenn wieder 200 Marlen geklebt sind. 2. Zur Erhebung der Gebühr ist daS Konsulat berechtigt. Sie haben Anspruch auf OuittungS» leistung.— D. K. 4004 St. Av. Die Steuerpflichi besteht. Sie können aber die Aussetzung der Besteuerung beantragen(§ 26 Abs. 2 Reiths- erbschastssleuergesetz).— G. Z. 31. Beantragen Sie, unter Hinweis aus Ihre Veranlagung, schrlsilich die Rückzahlung der zu viel erhobenen Steuer. begründet 1867 Jernsalemer Str. 38-89 Friedrich-Straße 75 Potsdamer Straße 2 Tauentzien- Straße 19 a König-Straße 25-26 Schöneberg, Ha«pt-str. im Rixdorf, Berg-Str. 25-26 Januar 1911; Rosenthaler Str. 5 Zentrale und Versand: Jernsalemer Str. 38-39 Orthopädische Abteilung für Fussleidende jeder Art Kostenlose ärztl. Sprechstunde feruaalemer Straße 38-39 wodxntagi von 3 bis 7 Uhr Hersteilun; von Maß-Schuhwerk nod individuellen Einladen für Senk» and Hohlfüßo, passend für jederlei Schuhwerk. Für Herbst und Winter Stiefel mit Doppelsohlen[ Stiefel mit Plüschfutter Stiefel mit Korkböden Stiefel mit Katzenfell Stiefel mit Wollfutter! 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Jedermann erhalt die Im Fenster ausgestellten Gegenstände sefort fUr den bezeitmneten Preis. iöermttworll. Redakteur: Carl Wawiuti), Berlin-Rixdorf. Für den Inseratenteil veranuv.: TH.Cttode, Berlin. Druck u. Verlag: VorwärlffBuchdruitere, u. VertagSanstalt Paul Singer St Co., Berlin 8W, Kr. 260. 27. ZahrMg. 2. Kcilazt des Joraitlf KMcr WsM Sollvabead. 3. November IM. Eingegangene Vruckfckriften. Arbeiter- Jugend. Die soeben erschienene Nr- 23 hat u. a. solgenden Inhalt: Vom Kamps gegen die sreie Jugendbewegung(Die Auslösung der Berliner Jugendorganisation).— Der Kamps um da? Koalitionsrecht! (Schlug). Bon Wilbelin Schröder.— Drei Freunde(Schlug). Von H. Thurow.— Vom Schiffbau(Mit Illustrationen). Von Richard Woldt.— rleber die Entstehung deutscher Städte.— Vom Kriegsschauplatz.— Aus der Jugendbewegung(Rheinpsalz, Dresden).— Die Gegner an der! Arbeit usw.— Beilage; Ick riet«f. Aus dem Leben eine? Mecklenburg Hütejungen. Von Karl Olonsty.— Spiel- und Unlerhaltuugsabcnde im Jugendheim. Von Paul Schiller.— Im Spreewald(Mit Illustrationen).— Pslanzengenosselischasten.— Eine Wache bei Kap Horn.— Gedichte usw. Thealer und Vergnügungen Sonnabend, 5. Novembers Ansang 7!/> Uhr. StenrS königl. Opern-Dbeater. Die Walküre.(Ansang 7 Uhr.) Königl. Schauspielhaus. Julius Cäsar. Deurschos. Herr und Diener. Kamm erspiele. Die Komödie der Irrungen. Die Heirat wider Willen.(Ansang 7'/, Uhr.) Neues Schauspielhaus. Sternen» Hochzeit. Ansang 8 Uhr. Lcsstng. Wenn der junge Wein blüht. Brrlinrr. Der scharse Junker. Triauon. Der heilige Hain. Neues. Kean. Komi'che Qper. Zigeunerliebe. Residenz, bkodlosss odlix«. Meines. Die verflixten Frauen» zimmer. Erster Klaffe. Thalia. Polnische Wirlschast. Schiller>«.eroit„r>- ldeater.) Das Urbild des Tartüff. Tch Iii- Charlottendurg. SodomS Ende. Friedrich» Wilhelmstädtischev. Krieg im Frieden. Nachmittags 3'/, Uhr: KriemhildS Rache. LSeftrn. Die schönste Frau. Neues vverene». Der Luxemburi Luftivielhaus. Der Feldherrn- Luise». Kean. Nachmittags 3 Uhr: Die Schwanen» prinzesstn. Volksoper. Die weihe Dame. Modernes. Der Doppelmensch. Herrnfeld. Eine verlorene Nacht. Der Derbhsteger. Note. Die Räuber. Nachmittags t Uhr: Frau Uolies Eaprtce. Der~ Hügel(Ansang 8'/, Metrovol. Hurra noch l Kasino. Der schneidige Sind vis. Apollo. Spezialitäten. tvaünge. Spezialitäten. Neichsballen. Steltiner Sänger. Walhalla. Bravo I Da capo l(An sang 8'lt Uhr.) Wintergarte«. Spezialitäten. Karl Haderland. Spezialitäten. OanSsouci. Ach, die Kerl? l SpezialttSten.(Ans. 8',. Uhr.) Urania.»auo»»,ir»he-1*411. Nachm. 4 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Abend 8 Uhr: Der Vierwaldstättersee und der Totti hard. Im □ □□ ÖÖO □□□ Gras von :: Frau Holle. Der Feldwebel» leben duttton. Gterutvarte» Jnvalidenftr. 67— 62. Lessing-Theater. 8 Uhr zum 25. Male: Wenn der tunge Wein blüht. Sonntag 3 Uhr: Das Konzert. « Ubr: Wenn der junge Wein blüht._ Berliner Theater. Abend» 8 Uhr: Der scharfe Janber. Morgen: Der scharfe Junker. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Lorletztes Gastspiel Ferd. Bonn. Kean. Sonntag letztes Gastspiel F.Bonn: Kean. Montag: Das gewisse EtwaS. Idealer des Westens. Anfang 8 Uhr. I>Ic seltenste Frau. Sonnt. 3'/.U.: Die geschleilene Frau. Modernes Theater (früher tiebbeltheater). Heute und täglich 8 Uhr: Die beste der Fragen. Lusispielhau Abends 8 Uhr: Der Feldherrtchirgel. Residenz-Theater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: Noblesse oblige. Schwank in 3 Akten von Hcunequin und Beb«. frteltrteh-V/ilhglmMljÜsehes ZcheuLpielhaus. Sonnabend, 5. Nov.. abend? 8 Nhr: Krieg im Frieden. Nachm. 3!/, Uhr: KriemhildS Rache. Sonntag nachm. 3 Uhr: Revolu» tionShochzeit. 8 Uhr: Krieg im Frieden._ Berliner Volksoper Belle-Alliancestr. 7/8. __'/,9 Uhr: weihe Dame. Urania. Wissenschaftliches Theater. Taubenstraße 48/49. Nachmittags 4 Uhr: Die Weltausstellung in Brüssel. Abends 8 Uhr: Der Tlerwaldstatter See and der Gotthard. Hörsaal 8 Uhr: Dr. O. Geblhoff: Das magnetische Kraftfeld und die elektromagnetische Induktion. 9. November: Beginn eines Zyklus Über Heizung und Beleuchtung (Dr. Börnstein). _ Prospekt kostenlos._ Luisen-Theater. 4 Uhr große Kindervorstellung: Die SchVllnenprinzesjln. «uhr:|£ean. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der Hütten» Besitzet. 8 Uhr: Preziosa. Montag: Der Fähnrich im Kloster. onciHHue Große Frantsuriet Str. 132. Neu einstudiert. Z. l. Male: Die Räuber. Li Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich v. Schiller. Ans. 8 Uhr. Ende U Nhr. Nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Sonntag nachm. 3 Ubr hawe Preise: DaS neue Gebot. AbendS: Die Verschwörung der Frauen. Metropol-Thestsr. Hurra! Wir leben noch! Große AuSstaltungSrevue in 7 Bildern v. I. Freund. Musik v. V. Holländer. In Szene gesetzt von Dir. R. Schultz. Ansang 8 Ubr. Rauchen gestattet. Morgen nachm. 3 Uhr: Fartaer Lieben. 8 Uhr: Das vollstäetlij neue Programm. Gaston Colone! Bordeverry, Der berUhmteate Knnat- achUtze der Welt. Walter Steiner? Juliette d'Artd? 10 Uhr: ftllzzi Wirth in ihrer Operetten■ Novität ■Mr Frauenrlltael. USUi Das November-Programm ein großer Erfolg! Jdette Br�monal Etoile Parisionne Herlein Lafory amerik. Sang. v. d. gr. Op. Paris. „Generai" Eduard La Vine der alte Haudegen, sowie elf glänzende Attraktionen. Wl Nachmittag-Vorstellung. Kleine Prelae. naw a-h Stürmisches fachen aver Eine verlorene Uocht Ein lustiger Traucrsall in 2 Alten von Anton und Senat Herrnfeld. Hierzu: per Derblj-Sikgtr. Komödie von A. Neidbardt. Ans. 8 Uhr. Vorverl. tl— 2(TheaterI.). PAZsoge-Psnopljllum. Prinz Atom, der kleinste Mensch aller Zeiten lebend I Buddhas dunkles Geheimnis. Der Mann mit dem eisernen Schlund I Alles ohne Ext ra-Entree! Eintr.SO Pf., Kind. u. Soldaten IS Pf. Ndilller-Tlieater. Sehlller-Theater 0.(Wallner-Theat). Sonnabend, abends 8 Ubr: Dos Urbild des TartiilT. Lustspiel in 5 Auszügen v. K. Gutzkow. End- 10'/. Uhr. Sonntag. nochm.3Uhr: Die Fbre. Sonntag, abends 8 Uhr: Robert nnd Bertram. Montag, abend» 8 Uhr: Der Dammbopk._ Sehiller-Theator Charlottenburg. Sonnabend, abends 8 Uhr: iSodoms Finde. Drama in 5 Alien v. H. Sudermann. Ende tl Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Exiuont. Sonntag, abends 8 Uhr: Der'Dnnimkopf. Montag, abends 8 Uhr: Sodoms Ende. LICHTSPIELE Hoxarlsaal- Hellernlarrplalz. Dauervorstellung 6-11 Uhr. b AdRAk Jk A A ab«»MdMtd»d»KbZAAbd»MtsNdR ÄuNkdfcAiflk AdkA | Castans Panoptikum Fri(1iricÄßLJ.65■ Größtes Schau-Etablissement Berlins. Großes Künstler- fionzert und Spczialitaten-VorstclIunR. Täglich geöffnet von 9 Ohr vorm. bis 10 Ohr ebenda. I .0U«ohuhft Kurfürstendamm 151 Sonnabend« den 5. November, abends 8—12 Uhr: 8Innten-7est nnd Metti-Sehlaetit. Die Direktion stellt eine silberne Handtasche als Preis für die Rollschuhläuferln mit dem schönsten Hut ans. CLOÜ Manerstr. 82 Zlmmerstr. 90�-91 Berliner Konzerthaus Täglich 8 Uhr abends Eintritt 1 Mark I Gastspiel v. Mitgl. d. Mailänder Scala=Orchesters| 66 Künstler. Dirig.: Egisto Tango lO Solisten. Nachmittags 4— 7 Ubr: GroOes Promenaden-Konzert bei freiem Eintritt. Reicbshalien-Theater. Stettiner Sänger. „im liaitseloelT Milit. Humor. V. Mcysel. € Ansang wochentags 8 Uhr Sonntags 7 Uhr. iL LiederJ1� •7i«rt»rte»hj|».BM.Tiersirtacl Diergartenhof, Bahiih. Dierg. Morgen Sonnlag, d. S. ttov., S Ubr: Mtv großer Etisernttle-iitegd. Debüt de« neuen Berliner Damen- Quartett.— Ferner: Maria Berel van Eyken, HJalmar Arlberg, Wilh. Beeker, Lucia Haonisch. Saalplatz 50 Pf.(re*. 1 M). Vorverl. fl. Werlbeim, Bote u. Bock. Heule, Sonnabend, 5. November, abends 7stz Uhr: Orand Soiree high Life. Dir. Alb. Schumann m. d. Schul» Pferd Pinc Ponc. Idlrza Golem, pers. Truppe, 12 Personen. STen! Men t Mr. Pearson. Apachen zu Pserde, geritten von Frl. Dora Schumann, und Herrn HeB. Hohe Schule geritten im Herrensattel Frl. Baplista. Der große Coun 9'/, Ubr der 9'/, Uhr Schmuggler in 4 Alien. Morgen Sonntag: 2 große Vorstellungen. Alt-Hoabit 47/48. Sonntag, den 6. November 1910: Novität I Novität I lm Lak6 Noblesse. Spitzbubenkomödie in drei Auszügen von C. Schüler. Kaffeneröffn. 6 Uhr. Ans. 7»/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz, Passage-Theater. Garlands SO SoloUrttft© -illdm. Ä'udt/jo Jean Horean Qlima- Sport■ Konkurrenz| Gliina-Hingon- Boxen aiuiuiuuuo iioUi. j l Hochbahnstation Kottbuser Tor. «'/. Uhr: Di- Mslalll-Uuveuihes- SgeÄaHIäleu. Daraus 91;, Uhr: Alt) die Kttts!! Berliner Poffc, Musik o. EinödShofer. Üönlgslslll-Üssjiio. Holzmarttstr. 72, Ecke Alrxandcrstraße. Das gänzlich neue November. Programm mit Franz Sobannkt. Emmy Pyretfo, Georg Gray, Lotte Lesseg, Anna und Franz Verdier, Egon Piton, BlitzverwandlungSkünstler Ein süßes Mädel. Gesangsposse in 1 Akt. Zirkus Busch. Snnnabend, 5. Nov., ab. 7'/, Uhr: Großer Premieren- und Sport-Abend. U- Knin 1. Male:"TSSEl Die größte Sensation Adones Brothers! tollkühnste bisher nie gezeigte Produktionen am 70 Fuß hohen freistehenden Mast. Zum 1. Male! Zum 1. Male! j Trolka, geritten von Herrn H. 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November: Dn schutidige IkÖolf. Ab Sonnabend, den 26. November: Das Original Berliner Voltsstück dnlle H'ippohen. Sonnt. 3�/, Uhr: Berühmte Töchter. rftn iStiSrihah&ne}? Uhr isirel das Sforitzo/ate eröffnet! llnrgtlieater- Festsäte und Klnematograpb vorm. Groterjan, Jnhab.: Rud. Merz, Schönhauser Allee 129. Tel. 3, 9353. Lebende Photographien. Eintritt 30 u. 40 Pf,, Kinder die Halste. Ans. 7 U., Sonnt. 4 U. Vorzugskarlen, nur wochent. gültig, 25 Pf. auf allen Plätzen. StetS wechs. Programm. Trwnon-Theater. AbendS 8 Uhr: Der heilige Hain. VoiKt-Pkeate? Gesundbrunnen, Badstraße 58. Sonnabend, den 5. November 1910: Keine Vorstellung. Sonntag, 6. Nov.. nachm. 3 Uhr» Hopfenrats Erbe«. Abends 7 Uhr: Ein Kind des Glücks. Volks«Tkeater Rtxdorf. Hermannitr. 20. Sonntag, den 6. November 1910: Der zweite Schah. Schauspiel in 4 Akten v. L. Ganghojer. Montag, den 7. November: DaS Ende vom Lied. Komödie aus dem OfstzierSIebM in 4 Akten von Otto Losch. Ans. Sonntag 7, Montag 8'/« Uhr. Karl Haverland- Ansang Thoafnn Kommandanten» präj. 7'/a U. lUCUltl. straße 77/79. Candianys Sketsch Italienische Nacht sowie die«enen Spezialitäten. Heute nach der Vorstellung: Dali. Für de» Inhalt der Jineraee übernimmt die Redaktion dem Publitum gegenüber keiuertet Verantwortung. für den 2. Berliner Relelistags-Walilkreis. cBeiirk 82.) Am 1. d. M. verstarb unser ! altes Mitglied, der frühere Putzer- I träger Ksr! ScKmeisser ! 62 Jahre alt, Bülowstratze!>3. 1 Ehre fciut'm Andenke«! Die Beerdigung findet heute I Sonnabend, den 5. d. M,. nach- I mittags i Uhr, von der Ueichen- > Halle des Luthcr-Kirchhojes in I Lankwitz aus statt, ! 211,9 Der Vorstand, i Sozlalileiiiokratisclier Wahlverein für den j I. Herl. Eeielistags-Wafilkreis. Äörltster viertel. (Bezirk 2lS. Test U.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Arbeiter Gustav Schulz Lübbener Strohe 11, gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den S. November, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- balle des Zentral-stzriedhoies in Friedrichsseloe aus statt, Um rege Beteiligung ersucht ! 221/16 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht. das) unser Mitglied, der Rohr- leger Karl hofkmann ! am 2. November an Zuckerleiden I gestorben ist. Di« Beerdigung findet am Sonnabend, de» 5, November, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenballc des Zcntralsriedhoses in FriedrichSselde aus statt. Ferner starb der Graveur unser Mitglied, Otto ScKeidel. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6. November, nach- mittags S'/j Uhr, von der Leichen- Halle des Luisnistädiischeit Kirch- hojes in Rixdors, Hermannslrahe aus statt. Rege Beteiligung erwartet 124/19 vis ortsrersaltung leriiantl der Blieb- und Stelndruekerei-fiillsarbeiter u. iriieiterinnen Deotselilands. OrtMverwaltans Berlin. Am 30. Oktober, nachts!>/, Uhr, starb plötzlich in Folge eines SirckhenbahnunsalleS unser Kollege Gustav Przybilski im Alter von 22 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Orisvorwaitung Berlin. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 6, November, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- Halle des St. HedwigSkirchhoscS in Hohcnlchönhansen- Wilhelms- berg aus stait, 27/19 Hierdurch die Iraurige Mit- t-iliing, datz unsere heißgeliebte Tochter Martha Stümpel am 8. November 1910 im Alter von 16 Jahren an Bruslsellver- citcrung gestorben ist. Im Namen der trauernden Estern und Geschwister:- Belnbold fctünipel. Die Beerdigung findet statt am Sonntag, den 6. November, nach. mittags 4 Uhr. von der Leichen- halle deS Georaen-ikirchhotes in Weltzeusee, Rölkeltrafic, auö. 1S94b Tan kfagung. zs Testnahine k Für die rege Testnahine bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen, insbesondere dem Buchbinderverband, meinen besten Dank. 1626L � Wwe. Hedwig KHem._ Für die vielen Leweise �eizlicher Teilnahme und die reichen Kranzspen- den bei der Beerdigung meines lieben Manne», unieres guten Vaters, Groß- vaters, Bruders und Schwagers O>» II IHotisetaaÜ sagen wir allen Bcrwandtcn, Be- konnten, besonder» dem Deutschen Raucherbüiid, dem Rauchklub„Blaue Flagge", der Freien Hiliskasse sowie der Zuschuhkasse der Schneider und dem Sparvercin.Fidel" unlercn herzlichsten Dank, ISWb Witwe RlnttGeiu»ii nebst Kindern. Dr. Simmel Spezial-Arzt• für Haut- und Harnleiden. Prinzenstr. 41, X*™. Zwei�verein Berlin. ßcmralverfammUmg des Gesamt= Zweigvereins Sonntag, den 6. November er., vormittags lOUHr, in den„G ermania- am Sonntag Prachtsäle n", Chausseestr. 110. TageS-Ordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht vom 3. Quartal. 2. Die Verschmelzung deS Zentral- Verbandes der Maurer und des Zentralverbandes der Bauhilfsarbeiter. 3. Diskussion über die aufgestellten Kandidaten zu den kommenden Neuwahlen(Zweigvereinsvorstands-, Ausschuß- und Delcgiertenwahl zur Gaukonferenz). 4. Vereinsangelegenheiten. Mitgliedsbuch legitimiert; ohne dasselbe kein Eintritt. Wir weisen zugleich darauf hin, dag die Neuwahlen in Keinelirsnmen Mitglleder- Tersammlnngen der Hanrer, Pnteer, der Mitglieder der<*lps- u. Zemeatbranel»«, Fliesenleger, Raekofenmanrer und Kunstsfeinverseteer sowie der Banhilfs- arbeiter am Mittwoch, IS. November d. J.(Baßtag), vormittags 10 Uhr, in allen Bezirken und Zahlstellen staltfinden. Die Lokale werden durch Handzettel und.Vorwärts'- Anzeige bekanntgegeben. Her Vorstand. Danksagung. Sagen hiermit allen denen, welche unserem lieben Bater, dem Gürller Rnstav Stiimpe aus seinem letzten Gang das Ehren- geleit gegeben, seinen Gang so reich mit Kränzen schmückten, insbesondere dem 4,RcichStagswabitreis(Ködenickcr Viertel. Bezirke 1851. 185 II, 182. dem deutschen Metallarbcitervcrband und leinen Kollegen und Kolleginnen der Firma R, Borsch unseren besten Dank. Die Hinterbliebenen. Grts- Krankenka fle für das TaptmrkrgkVerdetuKtrlm. Freitag, de« Ii. November ISiv abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause. Engel-User 15, Saal 7: Q.rdent liebe General-Versammlung wozu die Herren Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung! 1. Rechnungsbcricht. 2. Bekannt- machung der Beschlüisc deS Bor- standeS. 3. Wahl von 6 Vorstands- Mitgliedern(2 Arbeitgeber, 4 Kassen- Mitglieder), 4, Wabl des Ausschusses zur Prüsung der Jahresrechnung für 1910, 5. statutenabänderung,§ 42. 6. Berschiedenes, Zahlreichen Besuch erwartet 279/11 Der Vorstund. H. L o b i tz, Vorsitzender. Orts-Klmktllkasse für den Gkwrrdkbetritb der KauSeutk, Sandelsleute u. Apotheker zu Kerlin. Montag, den 14. November cr.» abends 8'/, Uhr, in den»Zentrums- Festsälen-', Niederwallstr. 20: Ordentliche General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn Prosessor Gonser über:»Die moderne Alkoholsrage". 2. Aende- derung der S8 12 und 23 deS Kasten- statuts und oer Nummer 5 der Vcr- haltungSmatzregeln sür ertrmikte Mit- glieder, 3, Verschiedenes. 4, Wahl der Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung für 1910. 5. Wahl von a) 4 Vorstandsmitgliedern aus den Reihen der Arbeitnehmer bis Ende 1913: b) 2 BorstandSmitglic- dern aus den Reihen der Arbeitgeber bis Ende 1913. lS87b Der Vorstand. Richard Nürnberg, Jonas Stahl, Vorsitzender. Schriftsührer. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Berlag: Borwärt» Buchdruckerei n, BeriagSanstatt Paul Singer» Eo, Berlin SW.,,� Nr. 260. 27. Zahrganz. 3. Ktilmc dis„llotmärts" Kcrlim Jlullistilatt. Zonlillbeud. 5. November 1910. Partei- Hngelegenheiten. Zweiter Wahlkreis. Heute Sonnabend abend bei Klient, Hasenheide 13—15, Unterbaltungsabend der 7, und 8� Abteilung, Konzerl, Vorträge, Tanz. Eintrittskarten bei den Bezirks- führern. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Wcißcusce. Wir mache» nochmals darauf aufineiksnm, dag am Sonntag, den 6, d. Mts,, nachmittags l'/zUbr, in Heinersdors bei Stuck. Kaiier-Wilhelm-Str, S7, eine öffentliche Versammlung stallfindet, in der Genosse Brühl- Lichtenberg über.Lebensmittelieuerung, Volksrechte und Polizeiwillkür" refenert. Weiter bitten wir davon Notiz zu nehmen, dafe die nächste kombinierte Siyung der Bezirlsleitung am Dienstag, den 8. November, statifindet. Tie Billetls vom Stiftiuigsfest ersuchen wir umgehend mit dem Genossen Lippmann, Sedanstr. 125, abzurechnen. Die Bezirksleitung. FriedrichSfelde. Am Sonntag, den S, November, vormittags 8 Uhr, soll voin Lokal deS Genossen Sudbrink. Berliner Straße 98, aus eine Flugblattverbreitung über den dritten Bezirk zu AgilationSzwecken stattfinden. Wir erwarten regste Beteiligung sämtlicher Parteigenossen. Ncucnhagen, Pctershagen, Fredersdorf, Bruchmühle, Eggersdorf. Sonntag, den 6. November, früh 8 llbr, Bro schüre» verbreit u n g. Das Material ist Sonnabendabend bei den Bezirks- führern abznbolen. Oranienburg. Am Montag, den 7, November, abends präzise 8 Uhr, findet im Waldhaus Sandhausen, Schützenstratze 34, eine Protest Versammlung statt, in welcher Genosse Georg Ucko über die Vorgänge in Moabit sprechen wird. Gleichzeitig werden die Genofie» und Genossinnen ersucht, stch recht zahlreich am Sonntag früh 8 Uhr in ihren Bezirkslokalen zur FlugblallverbreUung einzufinden. Berliner JVachrichteno Einen Reinfall hat stch gestern die„Freisinnige Zeitung" bereitet mit einer Notiz über das Ergebnis der Stadtratswahlen in der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag. Diese Notiz lautet:.Es waren Stadt- räte zu wählen für die Stellen der Herren v. Friedberg, Mielenz, Rast, Rtimschöttel, Selberg, Wagner, Dr. Weigert und Dr. Wiemer für die Wahlzeit vom 1. Januar 1911 ab auf sechs Jahre. An Stelle der Stadträte v, Friedberg und Weigert wurden die Herren Runge und PannosSky neugewählt. Die übrigen wurden wieder- gewählt." Die Meldung der.Freisinnigen Zeitung" widerspricht den Tat- fachen. Der bisherige Stadtrat Rumschöttel wurde nicht wieder- gewählt, sondern an seiner Stelle wählte die Stadtverordneten Versammlung den Profestor Dr. Preuß. Die falsche Meldung der.Freisinnigen Zeitung" erklärt sich dadurch, daß sie zu einer Zeit in das Blatt gegeben wurde, als das Wahlresultat noch gar nicht bekannt sein konnte, oder genauer gesagt, bevor noch die Stadtverordnetenversammlung ihre Sitzung aufgenommen hatte, In dem Bestreben, seine Leser einmal schnell zu informieren, ist das Blatt böse hineingefallen. Die Wahl für Herrn Rumschöttel wurde am Donnerstagabend gegen Va8 Uhr vollzogen, zu einer Zeit, wo die.Freisinnige Zeitung" bereits gedruckt ist und zur Aus- gäbe gelangt. Sie konnte also gar nicht über den Wahlausfall berichten, loenn sie nicht den Tatsachen erheblich vorauseilen wollte. Sie war aber ihrer Sache so sicher und kam gar nicht auf den Gedanken, daß die Dinge manchmal doch einen ganz anderen Verlauf nehmen, wie man möchte. So ist es wenigstens im vorliegenden Falle gegangen, wo die Mehrheit der Stadt- verordneten fich den Vorschlägen des mit der Vorbereitung der Stadtratswahlen betrauten Ausschuh auf Wiederwahl de» um die Berliner Wasserwerke besonders verdienten Stadtrats Rumschöttel nicht anschloß und anders votierte. So kann man hineinfallen, wenn man einen Bericht in die Zeitung gibt über Vorkommnisse, die erst mehrere Stunden später eintreten sollen. Den Boßstraßendurchbruch hat der Magistrat zum zweiten Male abgelehnt. Damit ist von neuem der Beweis geliefert, daß in Verkehrsfragen vom Magistrat wenig zu hoffen ist. Das genannte Durchbruchsprojekt war neben anderen Projekten gedacht als eine Entlastung der Leipziger Straße. Die städtische Verkehrsdeputation hat dieses Projett als dem beabsichtigten Zweck fördernd befürwortet. Aber im Magistrat herrscht eine starke Strömung gegen den Durchbruch der Voß- straße, weil eine vornehme Gegend in Frage kommt, deren Anwohner von dem Geräusch von Straßenbahnwagen ver- schont bleiben wollen. Das Projekt selbst ist von vielen Sachverständigen als ein einfaches und praktisches bezeichnet worden, dessen Durchführung sehr wohl eine Entlastung des Verkehrs der Leipziger Straße herbeiführen kann. Bleibt alles beim alten und beharrt die Stadt Berlin bei ihrer passiven Resistenz, so kommt das nur den Monopol- bestrebungen der Großen Berliner Straßenbahn zugute. Und das ist denn auch der Zweck der Uebung, daß im Berliner Magistrat seit Jahr und Tag die Verkehrsfragen keinen Schritt vorwärts kommen. Es sind einflußreiche Kräfte am Werke, die auch im Berliner Magistrat zum Ausdrucke kommen und einer privaten Verkehrsgesellschaft in die Hände arbeiten. Die Berliner Bürgerschaft hat alle Ursache, von ihrer Vertretung und vor allem vom Magistrat Rechenschaft zu fordern über die skandalöse Art, wie heute die Interessen der Stadt auf dem Gebiete des Verkehrswesens„gewahrt" werden. Hoffentlich kommt der Magistrat dem seit vielen Monaten gefaßten Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung schleunigst nach, einen Bericht über den Stand der schwebenden Verkehrs- fragen zu erstatten. Dann wird endlich Gelegenheit sein, dem Magistrat zu sagen, wie die Bürgerschaft über seine Untätig- keit auf diesem Gebiete denkt. Einschränkung der Sonntitgsarbcit in Lndcngeschäften. Nachdem die meiste» Vorvrlgemeinden den Vorschlägen des Magistrats, be- treffend die Einschränkung der SonntagSarbeit i» den Ladengeschäften zugestimmt haben, beschlah der Magistrat die Zustimmung der Stadiverordnelenversammlung zu folgendem Ortsstatut einzuholen: »1 die Soimtagsarbeit in den Geschäften der Nadrungs- und Genuß- mitlelbranchen sowie des BliinienhandelS verbeidt wie bisher. b> In allen nbiigen Ladengeschäslen ijt die SonntagSarbeit nur von 7 bis 1V Uhr»ormittiigs gcstatlct. „BolkSkrankenkassen". Wiederholt hat der.VorwäitS" Gelegenheit genommen, vor dem Beilritt zu derartigen Kasten, die unter hochtönenden Namen firmieren, zu warnen. Leider muß konstatiert werden, daß sich immer»och eine große Anzahl von Leuten findet, die sich betören lassen, den Lockungen der Agenten zu folgen und Mitglied werden. Erst zu spät kommen sie dahinter, daß sie um die Ansprüche gegen die Kasse gebracht worden siud, obwohl sie längere Zeit gezahlt haben. Ein beliebtes Mittel dieser Art Kassen ist eS, bald nach der Krankmeldung eines Mitgliedes diesem mitzuteilen, daß es Ansprüche nicht erheben könne, da es bei der Ausnahme in die Krankenkasse eine bereits vordem bestehende Krankheit verschiviegen habe. Die Hauptschuld hierbei fällt jedoch aus die Agenten jener Kasten, die gewissenlos genug sind, den Leuten allerhand vorzuerzählen. So legen sie den Aufzunehmenden den Aufnahmeschein vor, füllen ihn aus und bei der Beantwortung der Fragen nach früheren Krankheiten erklären sie, daß es ja nicht notivendig wäre, derartige Angaben zu machen, da die Krank- heit bereits zu weit zurückläge. Der Ausnahmcschein wird dann auch so unterschrieben und damit werden die darin gemochten An- gaben als wahr anerkannt.— Im Falle einer Erkrankung wird je- doch vom Vorstand der Kasse erklärt,.da unwahre Angaben gemacht worden sind, frühere Erkrankungen verschwiegen wurden, es kann nach dem Statut Unterstützung nicht gezahlt werden". Darum hütet Euch vor diesem Treiben der Agenten jener Kassen, bleibt diesen sogenannten.Vottskrankenkasten" lieber ganz fern._ Verspätete Desinfektion. Am 29. Oktober teilten wir unter vor- stehender Ueberichrist mit. daß in der Wohnung des Zeilungs- spediteurs Karl M. in der Lychener Str. 123 eine Wohnungsdesinsektron stattgefunden hat, obwohl die an Lungentuberkulose leidende Tochter deS M. bereits am 15. September gestorben war. Wir legten dar. daß der Zweck der Desinfektion vollkommen verfehlt sei, wenn die- selbe erst nach sechs Woche erfolge, und knüpften an die Veröffent- lichung die Frage, wer denn an dieser Verzögerung die Schuld trage, die Polizei oder die städtische Desinfektionsanstalt. Vom Magistrat wird uns nun hierzu mitgeteilt, daß der DeSinfektionsonstall am 25. Oktober von der Sanitätspolizei der Auftrag zur Desinfektion der Wohnung deS genannten Zeitungsspediteurs zugegangen sei, der am 26. Oktober ausgeführt worden war. Es ist also die Polizei an der Reihe, zu erklären, worauf die Verzögerung zurück- zuführen ist. Das Tegeler Gefängnis verlassen.hat gestern unser Redaktion«- kollege Barth. Bekanntlich hatte Genosse Barth einen Monat Haft zudiktiert erhalten, weil im„Vorwärts" ein Hinweis auf den Wahl- rechts-Spoziergang nach Treptow enthalten war. Dadurch sollte nach Meinung des Gerichts zur Veranstaltung eineS Aufzuges aufgefordert worden sein. Redakteursreudeu l Ein teurer Bummel. Erheblich bestohlen wurde ein Fremder, der sich in geschäftlichen Angelegenheiten vorübergehend in Berlin aufhielt. Neben dem Geschäftlichen glaubte er auch etwas dem Vergnügen nachgehen zu dürfen, und so unternahm er eine Bier- reise durch die Friedrichstadt. Bald schloß sich ihm eine hübsche Maid als Begleiterin an und nun gab es anstatt der Bierreife eine Weinreise. Der Fremde war dabei in rosigster Laune. Er merkte infolgedessen auch nicht, wie ihm von seiner hübschen Be- gleiterin die Geldtasche aus dem Rock herausgezogen wurde. Ja, sogar die Uhr stahl ihm das Mädchen unbemerkt. Als Täterin kommt eine Frauensperson in Betracht, die schon öfter derartige Beraubungen verübt hat und die sich anscheinend gewerbsmäßig auf dieses Gebiet verlegt hat. Ein erschütterndes Familiendrama hat sich am gestrigen Frei tagabend gegen 7 Uhr im Norden der Stadt abgespielt, bei welchem ein Mann seine Frau erschossen und sich dann felbst schwer ver- wundet hat. Es wird darüber folgendes berichtet: In der Gaudy- straße 13 wohnte seit einigen Jahren der S7jährige Tischler Rödiger mit seiner Familie, bestehend aus Frau und mehreren Stieftöchtern. Vor einigen Wochen verließ R. nach einem Streit in der Familie die Wohnung und mietete sich als Schlafbursche bei Bekannten in der Wichertstraße ein. Bald darauf versuchte er sich mit seiner Frau auszusöhnen, was dies« jedoch abschlug. Am gestrigen Abend gegen 7 Uhr erschien R. plötzlich in der Woh- nung seiner Frau, die sich allein befand. Die Tochter war gerade nach dem Boden hinaufgegangen, um Kohlen herunterzuholen. Plötzlich hörten die Nachbarn mehrere Schüsse in der R/schen Wohnung fallen, und wenige Sekunden später stürzte die Frau heraus und eilte hilferufend die Treppen herab. Dort brach sie aus einer Brustwunde blutend bewußtlos zusammen. Während Hausbewohner hinzueilten, um der Unglücklichen Hilfe zu leisten, ertönten wiederum zwei Schüsse und wiederum Hilfegeschrei. Der Wütende hatte die Stieftochter erblickt, welche mit einem Korb Kohlen vom Boden herabgekommen war und richtete nunmehr die Waffe auf das junge Mädchen, um auch dieses zu erschießen. Sie rettete sich, indem sie den Korb wegwarf und schnell in die geöffnete Tür der Wohnung hineinlief, dieselbe hinter sich ver- schließend. Nun richtete R. die Waffe gegen sich und schoß sich zwei Kugeln in den Unterleib. Er brach darauf bewußtlos zu- sammen. Die beiden Schwerverletzten wurden nach der Unfall- station in der Gaudystraße gebracht, doch verstarb die Frau, welcher die Kugel in die Lunge gedrungen war, noch während des Transports dorthin. R. erhielt Notverband und wurde mittels Krankenwagen nach der Charit« in Polizeigewahrsam gebracht. Sein Zustand ist ein hoffnungsloser. Bnuunfall in der Charlottenstrahe. Ein Bauunfall, bei dem drei Arbeiter verunglückten, ereignete sich gestern früh kurz nach 6 Uhr in der Charlottenstraße 68, Ecke Leipziger Straße. Auf dem dortigen Abrißgrundstück stürzte ein Balkon des zweiten Stock- Werks, auf dem die drei Arbeiter Rabia, Maneck und Venske standen, plötzlich ab und ritz die Arbeiter mit in die Tiefe. Die Ver- unglückten fielen aber glücklicherweise auf den Schutt, so daß sie mit leichteren Verletzungen davonkamen. Sie wurden nach der Unfallstation in der Kronenstratze geschafft und dort verbunden. Die alarmierte Feuerwehr konnte sich daher darauf beschränken, die Unfallstelle aufzuräumen. Bei dem Absturz des Balkons war auch ein großes Stück des Mauerwerks und ein Teil eines dar- unter befindlichen Gerüstes mit eingerissen worden. Wodurch der Unfall herbeigeführt wurde, muß erst die eingeleitete baupolizei- liche Untersuchung ergeben. Wahrscheinlich war die Verankerung nicht ausreichend genug. Ein Wohltätigkeitöschwindler» der seit einiger Zeit Geistliche und andere Leute in Berlin und Umgegend brandschatzte, wurde von der hiesigen Kriminalpolizei festgenommen. Der Mann legte Kollcktenbogen für die Kolonie„Hoffnungstal" vor und gab Quittungen, die mit einem nachgemachten Stempel versehen waren. Gestern wurde er verhaftet und festgestellt als ein 62 Jahre alter früherer Buchhalter, der einmal eine Zeitlang Kollekteur für ..Hoffnungstal" gewesen ist und aus dieser Zeit die Verhältnisse der Anstalt kannte. Er hat 15 Fälle eingeräumt. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern hinter der Hedloigskirche aufgefunden. Sie war in Zeitungspapier ein- gewickelt und wurde nach dem Schauhause gebracht. Eine größere Verkehrsstockung gab eS gestern nachmittag zwischen 4 und 5 Uhr in der Chausseestraße. Sie wurde dadurch verursacht, daß an der Ecke der Invaliden- und Chausseestraße von einem Automobilomnibus der Linie 4 B eine Vorderachse gebrochen wckr. Der Omnibus lag guer auf den Schienen und sperrte den Straßcnbahnverkehr in der Richtung nach dem Wedding. Während der Rcparaturarbeiien wurden die Straßenbahnwagen durch die Jnvalidenstraße nach Moabit umgelenkt. � Ein gefährlicher WohnungSbrand kam gestern abend gegen |5H Uhr in der Grenadierstraße 9 zum Ausbruch. Im dritten i Stock des Vordergcbäudes wohnt dort der Kaufmann Rosenthal. ! der im Erdgeschoß eine Gemüsehandlung betreibt. Im Schlaf- i zimmer der Wohnung geriet ein Bett in Brand, so daß das ! Zimmer in wenigen Minuten verqualmt war. Auf die Hilferufe ! der Kinder eilte der Vater herbei, um die Gefährdeten zu retten. | Zwei Kinder konnten mit dem Schwager auch noch rechtzeitig in � Sicherheit gebracht werden Als Rosenthal aber mit dem dritten Kinde über die Treppe flüchten wollte, war diese schon derartig mit Rauch angefüllt, daß ein Passieren unmöglich war. Trotzdem verlor der Vater nicht die Geistesgegenwart, sondern er zog sich ruhig mit dem Kinde in ein Hinterzimmer zurück und erwartete die Ankunft der Feuerwehr. Glücklicherweise konnte die Gefahr aber bald beseitigt werden. Obgleich zur Vorsicht auf der Straße eine große mechanische Leiter errichtet war. konnte der Vater mit dem Kinde noch über die Treppe ins Freie geschafft werden. Der Wohnungsbrand wurde mit dem kleinen Löschgerät erstickt. Feuer auf dem Anhalter Güterbahnhof. Auf dem Gelände des Anhalter Güterbahnhofs brach in der letzten Nacht Feuer aus. Es brannte der Bodenraum des Speisehauses, in dem allerlei Ge- rümpel und Verpackungsmaterial lagerte. Als der Löschzug aus der Schöneberger Straße anrückte, hatten die Flammen auch schon einen Teil der Dachkonstruktion erfaßt. Die Wehr griff sofort mit einer Dampfspritzenleitung ein und konnte unter Benutzung einer mechanischen Leiter die Gefahr bald beseitigen. Ueber die Ursache des Feuers ist noch nichts ermittelt. Der Bodenraum wurde fast vollständig zerstört. Der Turnverein„Fichte", Mitglied de? Arbeiter-Turner- bundes, veranstaltet heute abend in der Brauerei„Friedrichshain" einen Kunstabend unter Mitwirkung des Berliner Sinfonie- Orchesters, Dirigent Maximilian Fischer; Fräulein Adele Sandrock — Rezitation; Herr Wilh. Kaiser— Bariton. Am Flügel: Kapell- meister Herr Karl Berga. Der Eintrittspreis beträgt 56 Pf. Es wird auf starken Besuch der Arbeiterschaft gerechnet, da die Mit- glieder des Vereins„Fichte" bei großen Volksfesten stets die Feste durch ihre turnerischen Aufführungen verschönern helfen. Zeugrngesuch! Diejenigen Personen, welche gesehen haben, wie ein Mann am 28. Oktober d. I., abends um 6 Uhr. in der Prenz- lauer Allee vor dem Haufe Nr. 27 in ein Droschkenauto rannte, werden gebeten, ihre Adresse abzugeben Engelufer 15, Zimmer 31. Unkosten werden vergütet. Vorort- �acd richten. Charlottenvurg. Bei den Stadtverorbnetenwahlen für die zweite Abteilung, die gestern stattfanden, wurde im 1. Bezirk der Fabrikbesitzer Dr. Henning(Lib.) mit 428 Stimmen gewählt. Auf einen nationalliberalen Kandidaten entfielen 359 Stimmen. Auch im 2. Bezirk wurde der liberale Kandidat, Bandagist P a n s ch o w. mit 404 Stimmen gewählt. Der nationalliberale Kandidat blieb mit 355 Stimmen in der Minderheit. Rixdorf. Die gestrigen Wahlen der zweiten Wählerklasse zeittgten folgendes Resultat: Nordbezirk: Sozialdemokraten und Demokraten je 192, Bürgerliche je 269 Stimmen. Gewählt 3 Bürgerliche, dar« unter Walz. Ost bezirk: Sozialdemokraten und Demokraten je 72, Grund- besitzer 278/271, Bezirksverein Ost 59/45 Stimmen. Gewählt: 2 Grundbesitzer. S ii d b e z i r k: Sozialdemokraten und Demokraten je 133, Bürgerliche je 157 Stimmen. Gewählt: 4 Bürgerliche. West«Bezirk: Sozialdemokraten und Demokraten je 122. Beiß und A d o m a t, Vereinigter Kommunalverein 96/91 Stimmen. Fichtner, Kaschow, Bezirksverein West 110/196 Stimmen. Stichwahl zwischen Demolraten-Svzialdemokraten und Kandidaten des Bezirksvercins West. Sind auch keine Mandate errungen, so haben wir doch ver- hältnismäßig gut abgeschniten. Waren doch diesmal in der 2. Klasse nur alle diejenigen wähl- berechtigt, welche ein Einkommen von 3300 M. bezogen und 121 M. Steuern zahlten, die Wählerzahl der einzelnen Bezirke ist um die Hälfte der Stimmen als vor zwei Jahren zurück- gegangen. So ging z. B. die Wählerzahl im Südbezirk von 850 Wählern auf 450 Wähler zurück. Wilmersdorf. Bei den Stadtvemduetenwahlen der zweiten Abtei- lung siegten in allen Bezirken die reaktionären bürgerlichen Parteien. Es wurden gewählt die Herren Pulver, Zimmermann, Dröse, Prof. Leidig, Rosenbaum. Müller und Menzel. Die demokratischen Kandidaten brachten es im 3. und 4. Bezirk auf 22 und SO Stimmen gegenüber 278 und 353 gegnerischen Stimmen. Weiffensee. Bor den Augen ihrer Kinder vergiftet hat sich die Frau des Gefaugenenauffchers B. aus Weißeusee. Während sich der Ehemann im Aiutsgerichtsgefängnis dienstlich aufhielt, trank die Lebensmüde Lysol. Sie brach bewußtlos zusammen und wurde in sehr bedenk- lichem Zustande nach der Charits gebracht. Weder der Ehemann noch die Verwandten können sich erltärcn, was die noch junge Frau zu ihrenr Schritt veranlaßt hat. Neinilkendorf. Was uns noch fehlte? Um einem anscheinen-d dringenden Be- dürfniS abzuhelfen, hat eine Anzahl Reinickendorfer Grundstücks- spekulautcn vor ca. einer Woche eine Vorbesprechung zwecks Grün- bung einer Interessenvertretung dieser edlen Zunft abgehalten. Die Reinickendorfer Steuerverhältnisse haben es ihnen angetan. Wer aber glaubt, daß die Kommunalzuschläge zur Ein- kommensteuer ihr Herz bedrücken, irrt sich. Nicht die mehrfachen lebhaften Proteste in öffentlichen Versammlungen und bei Ge- meindevertreterwahlen kümmert und betrübt sie, sie sind vielmehr boller Sorgen ob der Wertzuwachssteuer und der Heranziehung des unbebauten Grundbesitzes mit der doppelten Grundwertsteuer. Alle waren sie sich einig, daß diese Art der Besteuerung eine un- gerechte sei. Auch sollen ihre Grundstücke zu hoch eingeschätzt sein. Dabei sind die Preise, die die Svekulanten für ibre Grund- stücke fordern, so unverschämt hohe, daß sich jeder, der sich in Reinickendorf ansässig machen will, mit Grausen wendet. Wir erwähnen beispielsweise den Fall Bergemann. Da sie ihre überteuerten Grundstücke nicht im gewünschten Maße verkaufen können, zetern sie über zu hohe steuerliche Belastung. Und dabei beträgt die Grundwertsteuer nur 5 M. pro Jahr und 1000 des Wertes des unbebauten Grundstücks. Das ist, soweit wir unterrichtet sind, so ziemlich der niedrigste Satz in den näheren Vororten Berlins. Nach den Klagen der Herren sollen ihre Auf. Wendungen für den unbebauten Grundbesitz in einzelnen Fällen die Hälfte des sonstigen Einkommens verschlingen. Mau muß die Grundbesitzer und ihr Einkommen kennen, um zu er« messen, wie groß ihr Grundbesitz sein muß und welcher Wert- zuwachs daran ihnen winkt. Ist doch der Wert des Grund und Bodens in den letzten 20 Jahren allein um 1000 Prozent und noch mehr(an einzelnen Stellen z. B. von 2 0 ans 700 Mark die Öuadratrute) gewachsei� Und auch die Mieten fitib demgemäß gestiegcm Der Profithunger der Kapitalisten ist natürlich noch immer nicht gestillt. Äekanmt sind ihre Bemühun- gen im Frühjahr dieses IahreS, eine anderweitige Festsetzung der «-rteuerzuschlage zu ihren Gunsten durch den Larchrat zu erreichen, und auch der teilweise Erfolg ihrer Bemühungen, d. h. die Er- höhung des Äonimun alz Uschlag es um 20 P r o z. Den weiteren Wunsch auf Ermäßigung der Grundwertsteuer konnte ihnen selbst der Landrat nicht gewähren. Bekannt sind ferner ihre Bemühungen und ihr voller Erfolg in der Hechekschen Grundstücksangelegenheit. Den Ankauf durch die Gemeinde hintertrieben sie trotz zio ei maligen Gemeinde- veschlusses. So erweisen sich die Grundstücksspekulanten überall als Schädiger der Interessen'der Gemeinden und deren Einwohner. Und diese Notleidenden schreien über Ausbeutung, Herabsetzung der Grundlvertsteuer, Aufhebung der Wertzuwachs- steuer, eine weitere Erhöhung des Kommunalzuschlages zur Ein- komniensteuer, das ist der Kern des Programms der Herren, die als Mitglieder dem neugegründeten„Verein Reinickendorfer Großgrundbesitzer und Derraminteressenten' beigetreten sind. Leider haben dies« Schädiger der Gemeindeintercss en Aussicht, ihr Ziel zu erreichen. Dafür bürgt schon der Protektor, der Bürgermeister; dafür bürgt aber auch der Einslutz, den die kleine aber mächtige Gruppe in der Gemeinde hat. Befinden sich doch unter den Gründern die als Grundstücksspekulanten bekannten Herren Dr. Berliner, Schöffe R e i n i ck e, Notar P i n c u s, Grotz„bauer" Fritz Müller, Direktor H e m p e l von der Borsigwalder Terraingesellschaft, der Berliner Stadtverordnete Gronewaldt u. a. Für ihre Interessen sind die Herren natürlich auch opferwillig. 600 M. haben die Gründer schon am ersten Abend bei Siechen als Grund(Korruptioiis?)fonds ge- zeichnet. Lumpen läßt sich die Gesellschaft nicht, das wird die Gemeinde bald merken. Köpenick. Auf schreckliche Weise suchte stch S ch e f f l e r ums Leben zu bringen. der neunzehnjährige Arbeiter Sch. war in einer Wäscherei in Köpenick beschäftigt. Gestern zog er während der Arbeit plötzlich ein dolchartiges Messer hervor und jagte sich die Klinge fast bis zum Heft in die B r u st. Blutüberströmt brach der Lebensmüde zusammen. In äußerst bedenklichem Zustand wurde er nach dem Krankenhause gebracht. Unglückliche Liebe soll den jungen Menschen zu der Verzweiflungstat getrieben haben. Jilgcndvcranstaltungen. Steglitz und Umgegend. Bez. Lichterfelde. Heute abend 8fl, Uhr bei Wahreudors, Bäkejir. 22: Versammlung. Vortrag des Herrn Pötsch über:„Internationale Jugendbewegung". Bez. Friedenau. Abends 81/, Ufst bei Stein, Rämeberg-, Ecke Hand- jerysti ajze: Versammlung. Vorwag des Kollegen Lindemoim:„Wir find der junge Staat". Rixdorf. Sonntag, den S. November: Wanderfahrt nach Fichtenau. Treffpunkt am Kriegerdenkmal(Berg- und Richardswafie- Ecke) früh um 6'/, Uhr. Alle jugendlichen Arbeiter und Arbeiterümeu Rstdorfs sind willkommen. Die Hygiene im Winter fordert vor allem 1 Schu� der Fuße vor Kälte und Nässe j /s''.y.i*'. 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Freitag, 9. do. 9. Sonnabend, 10. do. lO. Montag, IS. do. 1». Dienstag, 13* do. 13. Mittwoch, 14. Dezember, Budmummei 1— n 7001- 14001- aaooi- 30001- 38001- 40001- 55001- 64001- 74001- 84001- 94001- 104001- 114001- laiooi- 134001- 144001- 1540O1- 164001- 7000 14000 22000 30000 38000 46000 55000 64000 74000 840O0 94000 104000 114000 124000 134000 144O0O •15400O 1 64000 174000 vorm. von 10— 12 Uhr. nachm.„ 1— 3„ vorm.„ 10— 12 n nachm.„ 1— 3„ vorm.„ 10—12„ nachm.„ 1— 3 vorm.„ 10— 12 nachm.„ 1— 8 vorm.„ 10— 12 nachm.„ 1— 3 vorm.„ 10— 12 nachm.„ 1— 3 vorm.„ 10— 12 nachm.„ 1— 3 vorm.„ 10— 12 nachm.„ 1— 8„ vorm.„ 10— 12„ nachm.„ 1— 3„ vorm.„ 10—12„ Mittwoch, 14.Dezeinber, Buchnummer 174001— 184000 nachm.vonl— 8 Uhr. Donnerstag, 15. do. 15. Freitag, 16. do. 16. Sonnabend, 17, 181001—193000 vorm.„ 10-12 193001—202000 nachm.„ 1— 3 202001—211000 vorm. 10—12 21 5001-220000 nachm.„ 1— 3 220001 u. darüber vorm.„ 10— 12 M„ ,, vi. uaiuucx vuiua.„ xw- xö ,, Montag, 19. Dezember, vorm. 10—11 Uhr in Tegel, Trapps Festsäle, Inh. Oamm, Bahnhof str. 1/2. do. 19. Dezember, nachm. 1—2 Uhr in Beinickeudorf-W., Bestanrant Brunwald, Scbarnwebcrstr. 156/157. do. 19. Dezember, nachm. 3—4 Uhr für Witten an, Dermsdorf, Waid mannslnst und Hohen-�enendorf in Wittenau, Bestanrant Wittchow, Oranienburger Str. 99/100. do. 19. Dezember, nachm. 4—5 Uhr in Beinickendorl-O., Kastanien- Wäldchen, Inh. Bernhard Blicke, Bcsidenzstr. 109. Dienstag, 20. Dezember, vorm. 10—11 Uhr, in Weißensee, Bestanrant Tzschentschler, Banghansstr. 106. do. 20. Dezember, nachm. 3— 4 Uhr, in Sicder- Schiinhansen, Bestanrant Biedemit, Kaiser- Wilhelmstr. 83. Die Säle werden Punkt 3 Uhr geschlossen, später Kommende können erst am nächsten Tage Geld erhalten. Im Interesse einer glatten Abwickelung und Aufrechterhaltung des Verkehrs ist Händlern und Zettelvertellern der Aufenthalt im Haus, und Hof der Auszahlungslokale nicht gestattet. Flur Wir ersuchen Sie höflichst, die oben angegebenen Zeiten genau innezuhalten, um uns eine geregelte Abfertigung zu ermöglichen. Die Zahlungen erfolgen nur gegen Vorzeigung der weißen Sparbücher und der schwarzen Begitiraationskarte. Für grüne Sammelbiicher wird auf keinen Fall Zahlung geleistet, sondern die betrefienden Blätter des Sammelbuches sind in den llmtanschstellen gegen ins Sparbuch zu klebende Rabattmarken bis inkl. 15. November er. einzntanHelien. Für verlorene weiße Bücher, in welche Marken von 1910 eingeklebt sind, können Frsatzbücher nnr bis 28. November er. ausgestellt werden. Marken, welche nach dem 15. November nmgetanscht sind, können auf keinen Fall bei der diesjährigen Auszahlung honoriert werden. Vorsehnßzahlnng wird auch im Jahre 1911 jederzeit geleistet; während der Auszahlung vom 3. bis 20. Dezember er. finden jedoch keine Vorschnßzahlangen statt. Um Irrtümer zu vermeiden, ist vor Zahlung des Spargeldes stets der zu empfangende Betrag anzugeben. An Kinder anter 14 Jahren wird Geld nicht verabfolgt. Der Fmtansch der Blätter für 1011 erfolgt vom 5. Dezember ab in den Umtauschstellen, jedoch unter Ansschlnß der Weihnachtswoche(21.-28. Dez. Berlin, im Oktober 1910. Rabatt-Spar-Verein„Norden" G. m. b. H. Manufakturwaren-Sortiments-Geschäft R>& S. Moses Reinickendorfer Str. 9-10 an der„Markthalle Wedding** selörtzn den größten DOl! ältesten LieMen des„Rabatt-Sparvereins Norden!" Kleiderstoffe Seidenwaren Samte Blusen Kosfümröcke Mette Unterröcke Tücher Pelzwaren MM MM WM Die Mitglieder des Rabatt-Sparverelns Norden können ihre t�par-Rinlagen zum Fest noch erhöhen, wenn sie bei uns schon Jetzt ihre Weilmach ts-Finkänfe machen. Auch in diesem Jahr verabfolgen wir bei% Anzahlung sofort für den ganzen Betrag die Norden sMarken. Die ausgesuchten Waren werden bis zur Abholung aufgehoben oder auf Wunsch zum Fest frei ins Haus gesandt. Betonen wollen wir noch, daß im November für sorgfältigste Bedienung und größte Auswahl hesser gesorgt werden kann als im Dezember, wo der Andrang bekanntlich enorm groß ist. galten toffcheß Mob HuhSslo "�ehißuck Baumwollwaren Inlett Wäsche Tischzeug Bezüge Korsette Handtücher Schürzen Schirme MWWmWWM»WWWmWWB>Ua»MMWWW>W»»WWW>»WWB»WWMWBW«>M«W»WW»WW>a»WWWVWaWW>»»>mWW»MU«WM»»W»WM»U»W» I NEUMflNN CIGARIREN- FABRIKEN. 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Als Sch. nach be- endeter Jagd seinen Wagen bestieg, um heinizukehren, entlud sich sein Gewehr und der Rehposten drang dem Kutscher Wilhelm Kühne in den Oberschenkel. Der Verwundete wurde zwar so schnell wie möglich einem Arzt zugeführt, aber ehe ihm dessen Hilfe zuteil werden konnte, erlag er der schweren Verletzung. Eichwalde. Zu einer imposanten Kundgebung gestaltete sich die von der Leitung deS hiesigen Wahlvereins nach dem der Arbeiterschaft seit kurzem zur Verfügung stehenden Lokal.Sanssouci"(Inhaber Rex) einberufene Volksversammlung. Bereits lange vor Eröffnung war der geräumige Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. Auch die bürgerlichen Kreis« waren durch zahlreiche Besucher ver- treten, unter denen sich viele Frauen befanden. Nach einem mit Beifall aufgenommenen Referat de? Genossen G r o g e r- Nixdorf über.Die Kaiierreden und daS Volk" erstattete der Gemeinde- Vertreter Genosse A l l r i tz den Bericht aus der Gemeindevertretung. Er schilderte eingehend die bis vor kurzem innerhalb der Gemeindevertretung vorherrschenden Streitigkeiten, die es zu einem einheitlichen Arbeiten nicht kommen ließen. Nicht immer seien daher die Beschlüsse zum Vorteil der Gemeinde ausgefallen. Als Beispiel dasür führte Allritz die uenerbaute Gösau st alt und die höhere Schule an. Die Gasanstalt belastet trotz des Preises von I8V2 Pt. pro Kubikmeter GaS den Etat ungemein. Durch Schaffung eines Zweck- Verbandes mit den umliegenden Gemeinden hätte sich das bedeutend billiger erreichen laffen. Die Errichtung der höheren Schule fei verfrüht, da bei der geringen Einwohner- zahl ein Bedürfnis noch nicht vorhanden sei. Dafür hätte man lieber die Volksschule ausbauen sollen. Mit aller Energie wandte sich der Referent gegen die geplante Errichtung eines Wasserwerkes in eigener Regie. Er enipfiehlt Weiterverhandlnngen zwecks Schaffung eines Z w e ck v e r b a n d e§. In der Diskussion bestätigte der bürgerliche Gemeiudevertreier Müller, daß in der Gemeindevertretung ein Projekt das andere jage und daß Beschlüsse gefaßt werden, ehe die vorhergehenden durchgeführt oder für Decknngsinittel gesorgt werde. Der Redner wandte sich in einigen Punkten gegen die Ausführungen deS Referenten, trat aber auch für Schaffung eines Zweckverbandes zur Errichtimg eines Wasserwerkes ein. An der weiteren Diskussion beteiligten sich noch Herr B 0 a S, der sich gegen die Ausführungen deS Referenten wandte, und Genosie Mahle, der den Ausführungen der Herren Müller und BoaS entgegenrrat. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten war die Tagesordnung erledigt. Zu bedauern ist nur, daß gerade die bürgerlichen Gemeindevertreter der dritten Wähler« klaffe, die Herren Ehlers und Lorenz trotz einer Einladung nicht erschienen waren. Hoffentlich ziehen die Wähler dieser Herren bei der nächsten Wahl daraus ihre Konsequenzen. Aussergewöhnlich preiswert! 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