fr. ML Bbonnements-Bcdingnngcn; HBonnemcntS• Preis pränumerando! Picrleilährl. 3�0 Mt., monatl. I,l0 ML wöchentlich ZS Psg. frei ins Haus. Einzelne Numuier b Plg> Sonntags- nunimer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Well- 10 Psg. Post- Abonnement: l,10 Mari pro Monat. 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat PostabonncmentS nehmen an: Belgien, Dänemark Holland. Italien, Luxemburg. Portugal, nien. Schweden und die Schweiz. 27* Jfllj CrlitelDt tsgllch auBer nontaa«. Verlinev Volksblalt. Zcntralorgan der rozialdcmohrat» fd�en Partei Deutfcblands. Die TnUrtlons-GeWlUf kekägt für die sechSgespallene Kolonel- geile oder deren Raum 60 Psg, für politisch- und gewerlschaftliche Vereins- und VeisaninilungZ. Anzeigen W Psg. „KUlne Hnrelgen", das erste ffett- gedruckte) Wort 20 Psg, jedes weitere Wort 10 Psg. Stellengesuche und Schlaf« jtcllcn-Anzcigen das erste Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Numnier müssen bis S NHr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist bis 7 Uhr abends gcvfsnet. Telegramm- Adreffe: „SoziaWtmoKrat Rcrll#", Redaktion: 801. 68, Lindcnstraaae 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Sonntag, den 6. November 1910. Expedition: 801. 68, Lindenotraaee 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Die Lage in Spanien. Aus Madrid wird uns geschrieben: Wenn ein Regierungssystem in die letzte Periode seiner Existenz tritt, pslegt es Fehler aus Fehler zu häufen, bis es durch seine eigene Tätigkeit seinen Fall herbeigeführt hat. Galt dies sür das letzte monarchische Ministerium in Portu- gal, so gilt es erst recht in diesem Moment von der spanischen Regierung. Als vor zehn Monaten nach der kurzen Regie- rung Morels Herr C a n a l e j a s die Erbschaft Mauras antrat, war es, uin ein Werk der Reinigung und des Anti- klerikalisnius durchzuführen. Doch der Radikalismus des Herrn Canalejas bewährte sich nur in leerem Wortgepräge, und Taten hat er nur aufzuweisen im Kampf gegen Sozial- demokraten und Republikaner, die sich seiner uicheilvollen Politik entgegenstellen. Gegenwärtig ist die Regierung, die nicht imstande ist, die Fessel des Klerikalismus und des Militarismus zu zerbrechen, die ihre jede Bewegungsfreitheit raubt, dabei angelangt, sich der infamen Ausnahme- g e s e tz e zu bedienen, um im Namen einer ultrareaktionären Monarchie regieren zu können. Um dem Defizit zu begegnen, um die F l 0 t t e wieder aufzubauen, namentlich aber, um einen neuen a b e n- teuerlichen Feldzug in Marokko führen zu können, hat die Regierung von den Cortes die Bewilligung einer Anleihe von 1500 Millionen Pesetas(etwa 1000 Millionen Mark) verlangt. Dieses Verlangen hat bei der Sozialdemokratie und den Republikanern die schärfste Oppo- sition wachgerufen. Eine lebhafte Versammlungs- und De- monstrationskampagne setzte ein. Auch in den Kasernen begann eine geheime Agitation gegen das neue Kolonial- abenteuer. Die sozialistischen Redner wurden massenhaft ver» haftet, sofort aber durch andere ersetzt. Die sozialistische Jugend betrieb die Kasernenagitation mit so großem Er- folg, daß das Ministerium, von Furcht ergriffen, mit unauf- hörlichen Verhaftungen und Anklagen antwortete. Es ist das die Methode des portugiesischen Diktators Joao Franca. Aber diese Methode kann nur den Fall der Regierung be- schleunigen. Ganz Spanien ist die Beute einer Koterie von Salon- generalen, gehorsamen Dienern der klerikalen Reaktion, die nur darauf sinnen, sich um jeden Preis in der Macht zu be- haupten. Die monarchische Regierung hat an ihnen ihre einzige Stütze. Sie sind es. welche die Expedition nach Marokko fordern. Was liegt ihnen daran, daß das Blut des spanischen Volkes vergossen wird sür die— übrigens noch sehr fragliche— Eroberung kaum kultivierbarer Lände- reien, während es in Spanien selbst ausgedehnte und frucht- bare Gebiete gibt, die nicht kultiviert werden können infolge Mangel an Händen! Den Herren Generalen genügt es ja, wenn sie nur die hohen Gehälter und sonstigen Einnahmen be- ziehen. Und keine reaktionäre Regierung hat für die militärische Oligarchie mehr getan, als dieses angeblich radikale Mi- nisterium. Hat man sich doch nicht gescheut, die Gehälter der kleinen Beamten zu vermindern, um die Bezüge der Generale ausbessern zu können. Die neue ungeheure Anleihe soll gleich. falls nur dem Kriegsbudget zugute kommen. Trotzdem die Hälfte der spanischen Bevölkerung weder lesen noch schreiben kann und die Staatsschuld bereits so hoch angeschwollen ist, denkt man nur an das neue Kolonialabenteuer mit dem Hintergedanken, daß das Volk im militärischen Ruhm das heimische Elend vergessen möge. Die kriegerischen Absichten der Regierung stehen fest. Während sich das Ministerium den Anschein gibt, mit Mokri, dem Abgesandten des Sultans, zu verhandeln, wird in Ceuta ein ganzes Lager von Kriegsmaterial angehäuft und Melilla mit aller Hast befestigt. Die Regierungsorgane fordern zu- gleich ein Einvernehmen Spaniens mit Deutschland, um dem französischen Einfluß entgegenzuwirken. Die reaktionäre Presse, in ihrer Angst vor der Revolution, sucht die Regierung in ihren reaktionären Maßnahmen zu bestärken. Zu dem politischen Elend gesellt sich das ökonomische. Während sonst in Europa technische Fortschritte die ökono- mische Entwickelung fördern, sind sie in Spanien ein Mittel. sie in Fesseln zu schlagen, So wurde die Zuckerproduktion einer einzigen Monopolgesellschaft übertragen mit dem Er- folg, daß die Konsumenten den dreifachen Preis bezahlen müssen. Die Ausnützung der Wasserkräfte wurde ebcnsalls die Beute eines Trusts, und in ähnlicher Weise werden alle Lebensbedürfnisse verteuert. So hat es nichts Erstaunliches, daß das reiche Spanien sich entvölkert und jedes Auswanderer- schiff Hunderte von Proletariern entführt. Unterdessen geht der König seinen Vergnügungen, dem Spiele oder der Jagd nach. Der Klerikalismus ist im engsten Bündnis mit der mili- tärischen Oligarchie. Die Situation, in der�sich das Mi- nisterium jetzt befindet, ist den Klerikalen günstig. Aber der Moment naht heran, in dem Herr Canalejas dem Lande Rechenschaft ablegen muß. Er hat versprochen, die Neu- bildung der Orden zu Verbindern und die Mackü des Kleri- kalismus zu brechen. Aber bisher ist nichts erreicht. Die Ver- Handlungen mit dem Vatikan über die Neuregelung des Kon- kordats rücken nicht von der Stelle und es hat nicht den An- schein, als ob die Kurie nachgebe» wollte. Und dan» wird 1 Herr Canalejas schon eingestehen müssen, daß er b e s i e g t ist.! sie die entsprechenden Anträge. Dann erklärt ein RegierungZver. � Man könnte an einen Nachfolger denken. Aber in treter. daß die Regierung„diesem Antrag sympathisch" gegenüber- steht; ein paar Mann vom Zentrum, den Polen oder den Freisinni- Spanien, unter der Monarchie, gibt es nur zwei regierungs fähige Parteien, die Konservativen und die sogenannten Libe- ralen. Im Grunde genommen sind beide völlig gleich. Die liberale Partei hat nur die Funktion, der konservativen, wenn diese durch ihre Fehler eine Zeitlang unmöglich geworden ist, gen fallen allemal um, und ein annehmbarer Beschlutz aus der ersten Lesung wird sang- und klanglos wieder aufgehoben. So ging es auch in der Sonnabendsitzung mit dem in erster Beratung beschlossenen zweiten Absatz des§ 254, der besagt, dazu zu dienen, diese solange in der Macht abzulösen, bis die daß in Beleidigungsklagen, in denen der Tatbestand deswegen nicht schlimmsten Sünden der Konservativen vergessen sind und sie genügend geklärt werden kann, weil ein 23 e a in t e r a l s 2 c uae wieder zur Macht gelangen können. Die konservative Partei!keine Genehmigung zu serner Aussage erhalten hat, hat nur einen Mann und der heißt M a u r a. Maura; das Gericht auf F r e. s p r u ch erkennen mutz oder das V ersah- aber kann nicht die Regierung übernehmen. Denn am Tage!�" e, n z u st e l l e n hat.— Der Regierung war diese Bestlin- nach seinem Regierungsantritt würde die Revolution aus- die einmal mit dem gesahrlichen Unfug der Zeugenau. sagen- brechen. Die liberale Partei hat überhaupt iftemanden. ��'ücrung durch Polizei- oder andere �camte aufgeräumt hatte, Keiner Von den ihrigen hat genügend Autorität, mn die Rc- � gen.erl.ch und unbequem. S.e w.nkte und d,e nat.onall-beral- gierung übernehmen zu können. Es bliebe so nur noch e i n e konservative Streichungsmasch.ne trat ,n Funktion Zur Bcschom- Möglichkeit, eine militärische Regierung und an ihrer Spitze,«""8'Ws Ruckzugs zogen s.ch d.e Antragsteller hmter d.e angeb- der Mörder W e y l e r. Aber solche Gewaltrcgierungen haben, � ungeheure Verbesserung des Sp-tz-lparagraphen hurch den zetz.- nur kurze Dauer. Die Ereignisse der letzten Zeit zeigen, daß �§ iutud, der nur der Zentralbehörde das Recht einräumen die Länder, welche seit Jahrunderten dazu verdammt schienen, unter dem Joch einer oligarchischen Tyrannei oder des Abso- lutismus zu leben, schließlich doch lernen, sich von diesem Joche zu befreien. In Spanien können weder Verhandlungen mit dem Vatikan, noch ein radikales Ministerium wie das des Herrn Canalejas die Freiheit bringen. Nur die Revo- l u t i 0 n kann das große Werk vollführen. Vielleicht darf man hoffen, daß ihr Sieg ebenso rasch, so leicht und so sicher sein wird, wie der Sie� der portugiesischen Revolution. Der Generalstreik von Sabadell. Der Streik, der so starke politische Wirkungen nach sich zieht. ist ursprünglich ein Streik der Textilarbeiter gewesen. Sabadell ist eine der industriereichsten Städte Kataloniens und ein Zentrum der spanischen Textilindustrie. Die Textil- arbeiter sind zum großen Teil organisiert. Anfangs Oktober kam es in einer der größten Spinnereien zu einem unbedeutenden Konflikt. Die Arbeiter verlangten die Anerkennung ihrer Organisation und als diese Forderung verweigert wurde, verhängten sie über das Unternehmen den Boykott. Die Unternehmer beschlossen darauf am 25. Oktober die Aus- sperrung. Am 28. Oktober antwortete die Arbeitskonföderation mit der Erklärung des Generalstreiks, dem sich zahlreiche andere Arbeiterschichten, vor allem die Bäcker und Metallarbeiter, anschlössen. Die Zahl der Streikenden beträgt ungefähr 18 000, mehr als die Hälfte der Bevölkerung von Sabadell. Die Unter» nehmer schienen bereit, die Anerkennung der Organisation zu- zugestehen und als Entschädigung für die Aussperrung 15 000 Pesetas, ungefähr 10000 M., zu zahlen. Die Streikenden, die durch die Aussperrung einen Lohn entgang von ungefähr 1)4 Millionen haben, forderten wenigstens zwei Drittel des ent- gangenen Lohnes. Eine Einigung kam nicht zustande. Die Regierung schickte sofort Militär und Polizei nach der Stadt, machte aber gleichzeitig einen Bermittelungsversuch. Doch die Unternehmer ließen den Minister des Innern, S a g a st a, brüsk abfallen. Sie seien die Herren im Hause und wollten keine Verhandlungen. Die Unternehmer ließen 600 Streikbrecher kommen, was natürlich große Erregung und Erbitterung hervor» rief. In den letzten Tagen kam es zu verfchiet�nen Zwischen. fällen, die durch die Streikbrecher provoziert wurden. Das Militär griff rücksichtslos zugunsten der Streikbrecher ein. In. folgedessen wuchs die Erregung und schließlich beschlossen die Streikenden, durch eine große D e m 0 n st r a t i 0 n die Auf- merksamkeit des Landes auf ihre Lage zu lenken und die Re- gierung zu einem neuen Eingreifen zu veranlassen. Es wurde der Zug nach Barcelona beschlossen, dem die Regierung mit LLaffengewalt entgegengetreten ist. Der Zug nach Barcelona. Madrid, 5. November. Nach amtlichen Mitteilungen ist der Zug der Arbeiter von Sabadell nach Barcelona unterblieben. Eine Gruppe von 1200 Streikenden, die sich in Sabadell zusammenrotteten, wurde von der Gendarmerie ohne Mühe z e r st r e u t. Die Behörden veröffentlichen optimistische Berichte über den Ausgang des TageS. Ruhe in Sabadell. Sabadell, 5. November. Hier herrscht Ruhe und die Stadt hat ein n 0 r m a l e s A u s s e h e n. Es gelang der Gendarmerie nach zwei Angriffen, einen Trupp von 200 Ausständigen. die nach Barcelona marschieren wollten, zu zer st reuen. Seit den ersten Tagesstunden waren die Wege um die Stadt von mehreren Regimentern und von Gendarmerie besetzt. Der Vor- sitzende des ArbeiterbundeS und der Vorsitzende des Metallarbeiter» Verbandes wurden verhaftet. Für die Streiksachen wurde ein besonderer Untersuchungsrichter ernannt. Annahme des Gesetzes gegen die Ordcnsvermchrung. Madrid, 4. November. Der Senat hat das CadenaS» g e s e tz mit 149 gegen 85 Stimmen angenommen. Immer iveiter rückwärts. Unermüdlich ist die I u st i z k 0 m m i f f i 0 n darin tätig, die paar vernünftigen Bestimmungen, die sie bei der ersten Lesung in ' die Strafprozeßordnung hineingebracht hat, in der zweiten Be- ratung wieder zu streichen. Und was der Regierung nicht gefällt, wird gehorsam geändert. Die Nationalliberalen parieren auf jeden Wink der Regierung, und im Bunde mit den Konservativen stellen will, einem Beamten die Genehmigung zur Aussage zu versagen. In der Tat ändert die neue Fassung, wie wir früher dargelegt haben, an dem heutigen ungeheuerlichen Zustand, daß jemand wegen Beleidigung verurteilt werden kann, weil der angeblich be- leidigte Beamte sein Zeugnis verweigert, nichts Wesentliches. Aber auch dem Zentrum genügte diese Kulisse, um seinen Unfall zu decken. Der zweite Absatz des§ 254 wurde daher gegen die Stim» men unserer Genossen und einiger Freisinnigen wieder ge» strichen! Beim Z 259 beantragten unsere Genossen, Vorschriften in daS Gesetz einzufügen, nach denen das Urteil mehr wie bisher den Ver- lauf der Verhandlung erkennen lassen soll; des' weiteren soll aus dem Urteil hervorgehen, ob die Schuldfragc mit einer Mehrheit von zwei Dritteilcn bejaht wurde, und ob eine Tatsache unter Einstim- migkeit des Gerichts als offenkundig betrachtet wurde. Diese An- träge wurden abgelehnt. Ebenso wurde eine Resolution, die von dem Bundesrat die Aufnahme einer Statistik über die U r- fachen der ergangenen Urteile in Strafsachen forderte, a b g e» lehnt. Eine längere Geschäftsordnungsdebatte veranlaßten die Kon- servativen und Freisinnigen wegen des letzten Kommissionsberichts im„Vorwärts". Namentlich die Freisinnigen fühlten sich wegen der Namensnennung und der vermeintlichen„unrichtigen" Schlußfolge- rung, die dem Bericht angeschlossen war, stark geniert. Wenn Abgeordneten eine Mitteilung darüber, wie sie gestimmt haben, schmerzlich ist, so ist daS ein erfreuliches Zeichen von be- ginnender Reue über ihre falsche Abstimmung. Hat das die Na- mensnennung zuwege gebracht, soll es uns freuen. Unsere Schluß- folgerung, über die auch der Berichterstatter der„Post" sich ereifert, war vollkommen zutreffend: die zu§ 249a beschlossene Einschrän- kung der Oefsentlichkeit leistet der Sensations- und Revolverpresse Vorschub.„ Diese von den Antragstellern selbstverständlich nicht ge- wünschte Wirkung läßt sich leider durch Geschäftsordnungsdebatten in der Kommission nicht beseitigen. Aber die für das Zustande- kommen der von uns und, wie wir hoffen, bald von der gesamten anständigen Presse abfällig kritisierten neuen Einengung der Oefsentlichkeit verantwortlichen Herren haben eS ja noch in der Hand, ihrem mißratenen Kinde einige der schlimmsten Giftzähne auszuziehen. Die Abstimmung über§ 184b des Strafgesetzbuches steht ja noch aus, dessen neue Gestaltung, wie wir wiederholt dar» legten, den Verleumdeten der verleumderischen Revolver» und Reichsverbandspresse schutzlos preisgibt. Warten wir es ab, ob die Abgordneten Dr. Wagner und Kopsch, deren Namen in unserem Bericht mit Recht genannt wurden, auch bei diesem Paragraphen abermals in dem Bestreben, die Sensationspresse zu unterbinden, tatsächlich die SensationS- und Revolverpresse fördern werden. Die„kleinen Qnregelmäßlgkeiten". IL „Schuldig sind diejenigen(an dem Radbodunglück), die die Grube in solcher ZLeise versauen und jene Uebelstände ein- reißen ließen, wie wir sie zu schildern vermochten." So schrieb» die„Bergarbeiterzeitung" sofort nach der Katastrophe. Und in der folgenden Nummer sagt« sie gegen die Rechtfertigungsversuche der Verwaltung: „Nein, dreimal nein, eS war in der Grube nicht alles in Ordnung! Man stelle uns vor den Straf- richter und wir werden zeigen, daß wir am unrechten Platze stehen, andere vor ihm zu stehen haben. Wer sie sind, das haben wir deutlich genug ausgesprochen." Die erwartete Klage kam nicht. Kam eS der Zechenverwal- tung wie der Bergbehörde auf eine gründliche Aufklärung der Ur» fachen der Katastrophe vor Gericht an, dann mußten sie schnell handeln. Nach Jahren ist manches vergessen und manches korri- giert. Wichtige Zeugen und Wissende sind von der Zeche gemäß- regelt und gekündigt. Sie sind abgewandert; wohin, wer weiß es?� Hatte der Beklagte doch die Zeugen für den letzten Prozeß zum Teil bis aus Schlesien heranholen müssen. Andere Wissende haben ihre Meinungen inzwischen geänhert, wofür mehrere Zeugen im letzten Prozeß klassische Belege abgaben. Wieder andere, und das waren die meisten,„konnten sich auf nichts mehr erinnern". Vornehmlich waren es Zeugen, die die Zeche gestellt hatte. Es war keine leichte Aufgabe, ihnen die Erinnerung aufzufrischen. Als geradezu völlig„bergfremd" erwies sich der Betriebssührer Berg. Er hat nichts vor der Katastrophe gesehen noch erfahren, was zu beanstanden war, so daß der Verteidiger Heine ihm gegenüber die Bemerkung fallen ließ, ob er vielleicht auch abstrei» te» wollen daß überhaupt Sipl»si«»e» auf Rad« Sob erfolgt feien! Wohlweislich hat man sich auch bemüht. bie Knappschaftsältesten Dehler und Schäfer von den Bergungs- arbeiten fernzuhalte», obgleich der Minister ihre Hinzuziehung gewünscht hatte. Hinzu kommt dann noch die Art des Verfahrens. Diejenigen, die die Zeche stützten, hatten xilles zur Verfügung. Sie hatten ihre Werksfeststellungen festgelegt in Akten und Journalen. Und nicht immer gelingt, was dem Verteidiger im letzten Nadbod» prozeh gelungen ist, nachzuweisen, daß die Wetterbücher und Lohnlisten mit den wirklichen Tatsachen im Widerspruch stehen!! Kurz und gut, für die Beurteilung der damaligen Verhältnisse auf Radbod war es nötiA daß der Prozesz möglichst bald nach der Katastrophe kam. Aber nicht gleich nach dem Unglück und auch nicht wegen der Festellungen über die Ursachen der Kala- strophe ist Anklage gegen die„Bergarbeiter- zeitung" erhoben worden. Einen ganz anderen Anlaß benutzte die Verwaltung von Radbod, um zu klagen. Am 29. Fe- bruar lSt>9 hatte die„Bergarbeiterzeitung" in der Polemik gegen eine Berichtigung der Verwaltung, in der behauptet wurde, daß allen, die um Hilfe gerufen haben, auch Hilfe geworden sei, u. a. Mitteilung von dem bekannten Dialog gemacht, der anläßlich der Rettungsarbeiten zwischen dem königlichen Bergrevierbeamten Hallender und dem Direktor Andree stattgefunden haben sollte. Dazu schrieb das Bergarbeiterorgan: „Wir s«d bereit, dem untersuchenden Richter, eventuell der Staatsanwaltschaft, den Namen de? betreffenden Bergarbeiters (der den Dialog gehört haben wollte), zu übermitteln. Nicht er allein will diese sinngemäßen Aeußerungn gehört haben. Wir selbst stehe» auf dem Standpunkt, daß Umstände auch bei einer .Katastrophe im Bergbau eintreten können,>vo an eine Rettung » selbst Lebender nicht mehr gedacht werden kann. Ob eine Rettung auf Radbod möglich war, das zu untersuchen, ist nicht unsere Sache. Wir stellen nur fest, was zu unseren Ohren gekommen ist und wir glauben, damit nur zur Klärung der Angelegenheit Radbod beizutragen. Bewahrheiten sich obengenannte Aeuße- rungen aber, dann glauben wir, daß die Zechenverwaltung der Zeche Radbod ihre Berichtigungen später ettvas vorsichtiger ab- faßt oder damit am besten ganz zurückhält, bis das Gericht das Drama selbst erörtert hat." Nun fühlte sich Direktor Andree beleidigt, weil man ihn— der Feigheit bezichtigt habe. So behauptete er. trotz der Bemerkungen, die die„Bergarbeiterzcitung" dem Dialog angefügt hatte. Ja, auch die sollten beleidigend sein. Die Staatsanwaltschaft erhob dann auch Anklage im öffentlichen Interesse. Im ersten Verfahren wurde bekanntlich vom Gericht im Ein- Verständnis mit dem Kläger jede Beweiserhebung über die Zu» stände auf Radbod abgelehnt und der Angeklagte zu 300 M. Geldstrafe verurteilt. Aber das Reichsgericht erklärte die Revision des Angeklagten gegen dies Verfahren für gerechtfertigt und so muhte — in der erneuten Verhandlung— über sämtliche Behauptungen des Artikels der..Bergarbeiterzeitung" Beweis erhoben werden, was dem Kläger fichtlich unbequem war. Für ihn war die Haupt. fache die Bestrafung. Damit ließ sich vieles andere decken. Welche Nutzanwendung man aus einer Bestrafung ziehen tonnte, das hat der für da« Jahr 1908 erschienene Jahresbericht des„Ver- eins für bergbauliche Interessen für den Oberbergamtsbezir! Dortmund" klar und deutlich zum Ausdruck gebracht. ES heißt da: „Die Radbodkatastrophe hatte zur Folge, daß in mehreren Fällen wegen Beleidigung durch die Presse Privotklage erhoben oder auf Antrag der Zechenverwaltung das Strafverfahren ein- geleitet wurde. Gegen den verantwortlichen Redak. teur der„Bergarbeiterzeitung" wurde auf 300 Mark Geldstrafe und gegen den Verantwortlichen Redak- teur der„Dortmunder Arbeiterzeitung" auf!000 M. Geldstrafe erkannt: Ferner wurde ein Redakteur des„Simplizissimus" zu 1500 M. Geldstrafe verurteilt." Da haben wirS! Kein Wort davon, weshalb und we». wegen die Bestrafung des Redakteurs der„Berg- arbeiterzeitung" erfolgte! Das war nicht der Zweck der Uebung. Nach außen sollte eS scheinen, als ob die Bestrafung erfolgt fei, weil die„Bergarbeiterzeiwng" unwahre Befchuldigun. gen in der Schuldfrage bezüglich der Katastrophe selbst erhoben habe. Nun ist es ja im dritten und letzten Prozeß bei der Strafe von 300 Mark geblieben. Das war vorauszusehen. Aber nicht die Bestrafung, sondern die Begründung des Urteils inter- essiert uns. Sie ist sehr merkwürdig. Da das Urteil sick, Haupt. sächlich auf das Beleidigende, das im Dialog liegen soll, stützt, fei die betreffende Stelle hier wiedergegeben. Es heißt da: „Nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme kann es einem Zweifel nicht unterliegen, daß das Gespräch, welches die aus- schließliche Unterlage der heutigen Verhandlung bildet, weder so, wie es behauptet ist. noch auch sinngemäß ge- fallen ist, daß jedenfalls zwischen dem Herrn Andree und Herrn Hallender ein deravtige» Gespräch überhaupt nicht gefallen ist. Daß in der Grube gesprochen worden ist, das ist wohl ganz leicht möglich, sicher ist aber, daß die Er- rlärung in einem ganz anderen Sinne gefallen ist. alssiebehauptetist. In dem Gespräch, wie eS abge- druckt ist, ist lediglich behauptet. Hallender:„Herr Assessor, hier sind noch Lebendige". Andree:„Was lebt, lebt, wir müssen heraus",— ein Gespräch, was doch wohl zweifellos jedwede lltücksichtnahmeaufandere, wiejedwedeSmensch- liche Empfinden vermissen läßt, während das Ge> sprach, wenn, wie es von den Zeugen, die darüber bekuitdet haben, gehört worden ist. zum Ausdruck brachte, daß leider nichts mehr zu machen fei, daß vielleicht die Rettungsarbeiten ringe- stellt werden müßten, weil nichts mehr zu machen sei; also das gerade Gegenteil. Daß diese Nachrede,.Herr Andree habe die Frage, was zu machen fei, in dieser kalten Weise kalt und herz. loS beantwortet, für Herrn Andrer beleidigend ist, das bedarf wohl einer weiteren Ausführung nicbt. Der Beweis für die Wahrheit ist, wie gesagt, nicht erbracht, im Gegenteil, eS steht fest, vaß da» Gespräch nicht gefallen ist." An Unklarheit läßt diese Begründung nichts zu wünschen übrig. Mit Mühe liest man heraus, daß, wenn das Gespräch wirklich stattgefunden haben sollte, eS einen anderen Sinn gehabt habe, wie die.„Bergarbeiterzeitung" ihm gegeben. Und der fei beleidigend. Hallender und Andree bestritten das Gespräch, dahingegen traten die Zeugen Kritischka, Röjfjn und Hirschfeld auf und er» klärten, daß das Gespräch so oder ähnlich gelautet habe! Kri. tischka bezeugte, daß das Gespräch wie folgt war: Herr Assessor, ich glaube, da oben ist noch jemand am Leben!" Ein anderer Herr habe geantwortet:„Was lebt, müssen wir leben lassen, wir müssen heraus!" Röhn hat einen Teil dieser Rede gehört, sich dann aber sofort von Kritischka den näheren Wortlaut sagen lassen. Auf Vorhaltungen erklärte Kri- tischka vor Gericht weiter:„ES i st w a h r, daß das Gespräch stattgefunden hat. Sie(zu Andrer) sind mit Assessor Andree angeredet worden. Ich wäre ein Schuft, wenn eS anders wäre!" So stehen Aussagen gegen Aussagen. Wir haben keine Ursache, den Angaben der Arbeiter weniger zu glauben, als den Aussagen der beiden Beamten, die im ganzen Prozeß eigentlich nur für ihre eigene Sache sprachen. Ob nun da« Gespräch stattgefunden hat oder nicht, die ein- fachen Tatsachen, daß Herr Andree selbst zum erstenmal in seiner Berichtigung den Gedanken, ob Lebende in der Grube waren und um Hilfe riefen, in die Oeffentlichkeik zerrls(Bis dahin war ein solcher Gedanike nicht öffentlich diskutiert worden) und daß über ein solches Gespräch in engen Kreisen gesprochen wurde, veranlaßte die„Bergarbeiterzeitung", den Dialog zu veröffent- lichen. Zu welchem Zweck ist ja gleich mit angegeben worden. Auf Verlangen der Staatsanwaltschaft in Münster teilte die„Berg- arbeiterzeitung" den Namen Kritischkas mit. Herrn Andree per- sönlich der Feigheit zu bezichtigen, ihm jedwedes menschliche Emp- finden abzusprechen, ihn herzlos zu heißen, ist der„Bergarbeiter- zeitung" gar nicht eingefallen. Wollte sie das und lag Ursache hierfür vor, dann hätte das Organ der Bergarbeiter solches auch getan, dafür ist die„Bergarbeiterzeitung" bekannt. Aber wenn das Organ das gewollt Hütts, was Andree und das Gericht ihm unterschiebt, hätte es sich nur bloßgestellt, da jedermann weiß, daß immer ein Stück persönlicher Mut dazu gehört, sw, un Rettungs- arbeiten nach Grubenkatastrophi-n zu beteiligen. Die Bestrafung hat die Verwaltung der Zeche Radbod erzielt. Aber das wird ihr wenig Vergnügen bereiten. Schon deshalb nicht, weil die Bergarbeiter das Urteil gar nicht ver- stehen werden. Für sie ist die Hauptsache zu wissen, wie es auf Radbod vor der Katastrophe aussah. Und wenn die Zechen- Verwaltung auch vermeint, daß sie auch hier ohne Makel dasteht, so irrt sie sich gewaltig, Was sie und das Gericht für kleine„Un- regelmäßigkeiten" halten, das wiegt bei den Bergleuten schwerer. Diese kleinen Unregelmäßigkeiten haben sich im Ruhrbergbau längst zu einem System verdichtet, das für die Bergarbeiter unerträglich geworden ist. Dieses System verschuldet die Hekatomben der Gefallenen im Bergbau. Die neuntägigen Berhand- lungen haben dieses System gründlicher enthüllt, denn je ein Vor- kommnis bisher. Daraus werden die Bergarbeiter noch ihre Nutz- anwenöung ziehen und andere Leute auch. politifcke Gebcrficbt, Berlin, den 5. November 1910. Nationalliberale Schwindelmanöver. In der.Nationalliberalen Korrespondenz", die seit einiger Zeit von Dr. Fritz Stephan Neumann-Berlin verantwortlich gezeichnet wird und als amtliches Mitteilungsblatt des Vorstandes der nationalliberalen Partei angesprochen werden darf, wurden in letzter Zeit eine Anzahl Artikel über a»gebli,de. Berlin. Druck n. Verlag: vorwärt« Buchdr. u. veriagSanftall Der Verband deutscher Schuh« und Schäfte« fabrikanten, der seinen Sitz in B a m b e r g hat, gehörtauch zu denen, wo die Interessen und Wünsche Einzelner eine mitiniter lehr grotze Rolle spielen, eS erscheint aber lrotzdem nicht so ohne weiteres glaubhaft, datz in diesem Falle der ganze Verband den Wünschen seiner Dresdener Mitglieder folgt. Anfang 1989 hatte diese Unternehmerorganisation 383 Mitglieder und 38 880 bei ihnen beschäftigte Arbeiter als Machtbereich aufzuweisen. 1918 ist ober dieses Machigebiet zusammengeschrumpft, denn Anfang dieses Jahres existierten in der Organisation nur noch 369 ein- geschriebene Mitglieder, sie beschäftigten eine Mitglieder- zahl, deren Höhe durch die Leitung so eifrig geheim gehalten wird, daß sie nicht einmal der Behörde darüber Auskunft gegeben hat! In der deutschen Schuhindustrie sind nach einer Zu« sammcnstellmig des Zentralverbandes der Schubmacher nach den Er- gebnisien der jüngsten Berufs- und BetriebZzäblimg allein in Betrieben mit über 58 Arbeitern rund 62888 Personen beschästigt. Nimmt man nun die Mitgiiederziffer und der zu ihnen gehörigen Arbeiterzahl an, die die llnternehmer Anfang 1989 be- könnt gaben, so würde eine durch den Verband der Schuh- und Schäftefabrikanten eiiimütig durchgeführte Aussperrung immer er st rund 58 Prozent der in Deutschland in größeren und grotze» Schuhfabriken beschätligten Arbeiter ergeben. ES müßten aber dann, wie gesagt, alle 484 Betriebsbesitzer, die säi»tlia> mehr als 58 Personen beschäftigen, aussperren, um daß ganze Schubmachergrotzgewerbe brach zu legen. Daran»st natürlich nicht zu denken, es ist nicht einmal zu erwarten, datz dem in seiner Mitgiiederziffer zurückgegangenen Unternehmerverbalide alle seine Mitglieder, deren es sicherem Vernehmen nach seit Anfang dieses Jahres schon wieder weniger geworden sind, folgen und mit aussperren werden. Dazu kommt noch, datz die Verschiebungen des Auslandsmarkles, die in den letzivergangenen Jahren insbesondere durch Zollschntzerhöhungen in verschiedenen Absatzgebieten der deutschen Sctnibwarenindustrie erfolgt sind, und die jetzt wieder beffer gewordene Konjunktur, wahrscheinlich bei den Unternehmern ganz andere Wünsche, als die nach einer grotzen Aus- sperrung lebendig gemacht haben. Zudem kann der Schuhnlacher- verband mit seinen über 36 888 Mitgliedern, die Zahl ist seit An- sang dieses Jahres gestiegen, einem Kampfe ruhig entgegensehen. Auf dem Leder markt haben sich bis jetzt durch die Aus« spenungSandrohung der Unternehmer noch keine Aenderungen erzeugen lassen. Ausland. Die Ausstandsbewegung der Kapitäne bei der österreichisch- amerikanischen Dainpfschiffahrts-Gesellschaft ist durch eine» Vergleich beigelegt worden. Weitere BetrieaSstörungen sind infolgedessen nicht zu erwarten._ Klus der frauenbewegung. Ein städtisches Logierhaus für Frauen, da? erste in seiner Art. ist in Manchester durch de» Stadtrat eröffnet worden. DaS Logierhaus soll Frauen der ärmsten Schichten: Scheuer» flauen, Höleniine», Feldarbeiterinnen, Luinpensammlerinnen usw. Nachtquartier gewähren. Das Haus kann 288 weibliche Gäste auf» nehmen, von denen jeder einen kleinen abgesonderien Raum in einem grotzen selbst zu wählenden Sole erhält. Das LogiS kostet nach unserem Gelde 36, 42 und 58 Pf. pro Nacht. Die Einrichtung ist überall dieselbe; der Preis richtet sich nach der Höhe der Slock« werke. Die Kosten für Bau und Einrichtung des Haufe« werden auf 260 000 M. geschätzt. Hetzte ftaebriebten. Zur Fleischeinfuhr in Baden. Karlsruhe, 5. November. Die„Karlsruher Zeitung" schreibt: Die Zeitungsnachricht, datz Baden die Grenze gegen Frankreich unter gewissen Bedingungen für die Vieheinfuhr geöffnet und dazu die Zusttmmung des Herrn Reichskanzlers erhalten habe, ist richtig. Die Matzregel kann aber erst vollzogen werden, wenn Elsaß-Loth» ringen, deffen Gebiet der Transport durchlaufen muß, zugestimmt hat. Da diese Zusttmmung noch aussteht, konnte die Nachricht amt- lich bisher nicht veröffentlicht werden. Eine Mwehr der„Karlsruher Zeitttttg*. Karlsruhe, 5. November. Die„Karlsruher Zeitung" schreibt: Autzerbadische Blätter haben in den letzten Tagen in sensatio» nellem Tone Matznahmen der Regierung in Sachen der Reichs» und der Landespolitik auf außerhalb de» Regierung stehende Ein, flllffe zurückgeführt. Diese Artikel entsprechen nicht den Tatsachen, derartige Einflüsse haben nicht stattgefunden; übrigens sind auch die tatsächlichen Voraussetzungen der Artikel nicht zutreffend. Der Minister des Innern hat sich nicht„gewendet", sondern verfolgt lediglich die Politik weiter, welche er von seinem Dienstantritt an vertreten hat. vollständig unverständlich und verwerflich ist eS aber, nenn ein badisches Blatt Auslassungen auswärtige», mit den badilchen verhäliiriffen gänzlich unoertraute» Zeitungen eine solche Bedeutung beimißt, datz eS daraus im Verkennen aller sachlichen und persönlichen Berhäliniffe Schlüsse gegen die Regierung und ihre königliche Hoheit die Großherzogiu Luise zecht, welcher das badische Volk gerade deshalb zu tiefer Dankbarkeit verpflichtet ist, weit sie feit ihrem Einzug in das badische Land ihr ganze? Denken und Wirken in den Dienst der neuen Heimat gestellt hat.(!) Opfer der Berge. Wien, 5. November.(W. T. B.) Einer Privatmelduny zu- folge sind die verniitzlen Wiener Touristen, der Mitlelschullehrer Dergan» und der Ingenieur Himmelbauer, aus der Slordivand der Planspctze tot ausgesunden worden. Zwei Uederlebende des untergegangenen Dampfer» „Kurdistan". London, 5. November.(W. T. B.) Nach einer LlohdSmeldung aus Tenerifa hat der Frachtdampfer.Santa Ursula" der Homburg. Südamerikanischen DampfschissahrtSgesellschaft dort zwei Mairosen des englischen Dampfer«„Kurdistan" ausgeschifft, der auf der Fahrt von Manchester nach Bassora am 28. Oktober 68 Meilen von den Scillyinseln untergegangen ist. Die beiden Matrosen waren 26 Stunden nach dem Untergang des Dampfers völlig erschöpft von einem englischen Faftrzeug aufgefischt und am 2. November der „Santa Ursula" übergeben worden. Der Nest der Besatzung de» 2313 Tonnen fassenden.Kurdistan" ist ertrunken. Die Cholera. Konstantinopel, 5. November.(W. T. B.) Gestern und heute wurden 13 Erkrankungen und 9 Todesfälle an Eholera festgestellt. Nach einer Mitteilung des Kriegsministers kamen unter den Manövertruppen vom 3. November bis Heuice 12 Erkrankungen und 4 Todesfälle vor. Mau! vinger 4r Berlin SW. 6 BcUmc«. lt. 261. 27. Jahrgang. 1. Knlage In Lmiirls" Jlnlititt ZlaldslIM Snimfag, S. Jloiitnitift 1910. Seester Internationaler Mallardeiter- Kongreß. Birmingham. 1. Nodember 1910. Der sechste Jnisrnationale Metallarbeiterkongreh wurde Montag vormittag durch den Vorsitzenden des englischen Metall- orbeiterbundes P. Walls mit einer längeren Ansprache er- öffnet, in der er auf die Wichtigkeit der Tagung hinweist und den Wunsch ausspricht, daß die Verhandlungen von versöhnlichem Geist getragen sein mögen. Der Sekretär des britischen Metall- gewerbebundes, H o b s o n, gibt einen Bericht über die bisherige EntWickelung der Metallarbeiter-Jnternationale und schließt, auf die von Kongreß zu Kongreß erfolgende Stärkung hinweisend, mit dem Wunsche, daß auf dem nächsten Internationalen Metall- arbeiterkongreß auch Amerika und Australien vertreten sein möge. Es folgen dann noch verschiedene Begrüßungsreden. Die hierauf vorgenommene Konstituierung ergibt P. Walls- England, Reichel- Teutschland und S o l a u als Vorsitzende. Die aus E x n e r- Lesterrcich, Schneeberger- Schweiz, Hansen- Dänemark und T a i l e r- England bestehende Mandats- Prüfungskommission berichtet, daß die einzelnen Länder in folgender Stärke durch Delegierte vertreten sind: Belgien durch 5, Bulgarien l, Dänemark 2, Deutschland 9, England 43, Finnland 1, Frankreich 3, Norwegen 1, Oesterreich 7, Schweden 1, Schweiz 1, Serbien und Ungarn 1. Sie vertreten 48 Vereine mit 771 000 Mitgliedern. Tie Vormittagssitzung wird noch mit Erledigung von Formalitäten ausgefüllt, und nachmittags wird der Bericht des Sekretärs entgegengenommen. Schlicke dankt zunächst den Engländern für die freundliche Begrüßung und erwidert sie im Namen der Delegierten des Kontinents. Mit Genugtuung hätten diese heute auf englischem Boden und aus gleichem Munde ver- nommen, daß man sich hier bemühen werde, eine straffere Organi- sation der zersplitterten Metallarbeiterorganisationen herbei- zuführen. Auf dem Kontinent sei die Organisation wesentlich anders geartet als in England. Die Organisationen seien von sozialistischem Geiste beseelt, und ein großer Teil der Mitglieder sei Mitglied der sozialistischen, von den Arbeitern selbst ge- grünideten Partei. Dieser Geist habe sehr wesentlich dazu bei- getragen, daß die Gewerkschaften sich eine kommunistische Grund- läge gegeben und den qualifizierten Arbeiter neben dem un- gelernten organisiert haben. Man benutze die Lage der qualifi- zierten Arbeiter, um die übrigen vorwärts zu bringen: Ter sozialistische Geist lasse dem kontinentalen Arbeiter die Betätigung aus internationalem Gebiet selbstverständlich erscheinen, und die Tatsache, daß trotz der Ungunst der Verhältnisse der letzten Jahre idie Organisationen des Kontinents auf der ganzen Linie zu- genommen, daß sie auch in bezug auf Hebung der Lage in der kaum mehr als 20jährigen Organisationsarbeit Großes geleistet haben, lasse erkennen, daß sie, nicht, wie man in England häufig annehme, politische Schwärmer, sondern praktische Gegenwarts- Politiker seien, die sich allerdings der Unhaltbarteit der heutigen Gesellschaftsordnung jederzeit bewußt seien. Die sozialistische Weltanschauung stehe einer intensiven Gewerkschaftstätigkeit aber keineswegs entgegen. Redner gibt dann zu seinem gedruckt vor- liegenden Bericht einige Erläuterungen. Besonders beklagt er die Gleichgültigkeit gegenüber dem internationalen Publikations- organ, das nicht nur über Schutzgesetze, abgeschlossene Verträge und sonstige von den Arbeitern und für diese getroffenen Maß- nahmen zu berichten habe, sondern dessen Ausgabe noch dahin erweitert werden müsse, daß Orientierungsmaterial über die An- Wendung und Durchführung solcher Materialien gebracht werde. Hier könnten nur die Landessckretäre bessernd und helfend ein- greisen. Aus dem Bericht selbst ist hervorzuheben, daß die Auf- gäbe des Bundes in der Hauptsache in Sammlung und Ver- ösfentlichung von allem die Metallarbeiterbewegung und die Arbeitergesetzgebung Betreffenden sowie in der Auskunfterteilung besteht. In bezug aus letztere weist der Bericht im ganzen 257 Fälle, darunter 15 umfangreiche Abhandlungen, auf. Der Bund umfaßt im ganzen 45 Vereine oder Landesverbände mit zusammen 755 680 Mitgliedern und hat sich in den letzten 3 Jahren um 7 Ver- eine und 130 480 Mitglieder vermehrt. Festgestellt sei noch, daß die Vermehrung fast ausschließlich den kontinentalen Vereinen zu- gute kommt, während in England trotz der Erniedrigung der Beiträge ein Zuwachs an Mitgliedern und Bereinen nicht zu ver- zeichnen ist. An internationalen Hilfsaktionen verzeichnet der Bericht fünf, davon drei aus Anlaß von Streiks, zwei aus anderen Gründen. Die meisten dieser Hilfsaktionen bestanden in freiwilligen Bei- trägen der einzelnen Bundesvereine. Nach dem Bericht erhielten auf diese Weise Unterstützung: Der Allgemeine Nederlandsche Me- taalbewerkerbond zur Sanierung seiner Finanzen 1286,55 M. Der Zentralverband der Eisen- und Metallarbeiter Ungarns bei seiner Suspendierung 5366,81 M. Der Bund der Bijouterie- und Gold- arbeiter Frankreichs zu einem Streik 5522,18 M.; der finnische Metallarbeiterverband zu einer Aussperrung 13 309,52 M. und kein milung. Zum 10 0. Geburtstag Fritz Reuters. DaZ deutsche Bürgertum feiert und füttert seine Spaßmacher reichlich. Wer es lachen macht, und zur Erholung ein ivenig rührt, der ist seines Erfolges sicher: Weiß er dazu noch über die Schäden und die Machthaber dieser Welt eine, halten zu Gnaden, kecke Wahrheit einzumengen, natürlich ohne verletzende Uebertreibung und ohne störende Tendenz, so ist der Seelenbedarf des deutschen Philisters befriedigt, und er durchbricht sogar in solchen Fällen seine unverbrüchliche Wirtschaftsmoral, daß der Büchcrkauf die heilloseste aller Vergeudungen sei. So wurde Wilhelm Busch der Lieblingsbuchmacher der Nation. So strömte dem alternden Fritz Reuter und noch mehr seinem Verleger ein unerschöpslicher Gold- strom ins Haus; als daS Jahrhundert zp Ende ging, hatten allein sie fünfzehn Bände det Oktavausgabe 222 Auflagen erlebt, und als seine Werke dreißig Jahre nach seinem Tode Gemeingut wur- den, konnte der glückliche Originalverlegcr als Gesamterilteertrag einen Verkauf von 2 700 000 Bänden, und es waren recht teure Bände, in die Schlußrechnung stellen. Steht nicht somit rechnungsmäßig fest, daß Fritz Reuter im Herzen des deutschen Volkes lebt, zumal auch die Verleger der „Klassiker-Ausgabcn", als das Verlagsrecht erlosch, in der Eile wetteiferten, Reuters Werke zu billigem Preis aus den Markt zu werfen, zumal endlich fast niehr noch als der gelesene der gehörte Reuter tveithin wirkte: die Reuterrezitationen, die frei- lich in der letzten Zeit zu verebben scheinen, gehörten viele Jahre hindurch zu den beliebtesten und ihres Erfolges stets sicheren Ver- «mstaltungeii. Aber' die Liebe des kunstbeflissenen Publikums ist anspruch voll. Es verengt, erwe'cht, verstümmelt seine Lieblingsdichter so lange, bis sie seinem Geschmack entsprechen, bis von Schiller nur die Glocke, von Goethe das Heideröslein. von Heine die Lorelcy übrig bleibt. Von seinen„Humoristen" vollends verlangt es, daß sie unter Tränen lächeln, damit es unter Tränen wiehern und nach dem Wiehern weinen könnte. Sie dürfen nichts als Spaß- und Rühningsmacher sein, und all das Ewigmcnjchliche und Ewig- komische, das sie darbieten, darf niemals in jenen peinlichen Ernst ausarten, voi. dem die große Leidenschaft erfüllt ist, auch wenn sie die Dinge dieser Welt mit dem Humor des Darüberlvcgseins gc. staltet. Die Reuterrezitatoven wußten wohl, was Erfolg hatte. Es waren immer dieselben lustigen Schnurren, die sorglos gereimten Anekdoten, die komischen Trubelszenen aus dem Stromtidwerk, der schwedische Jörn ag Mctallarbeitre Värband gelegentlich seines Großstrciks im Jahre 1909 584 931,69 M.. darunter 540 000 M. darlchnswcise. Bei diesem Streik wurde auch festzustellen versucht, wie stark sich die Metallarbeiter, soweit sie in ihren Vereinen dem Bund angeschlossen sind, an der allgemeinen, durch die Getverk- schaftszentralen eingeleiteten Hilfsaktion beteiligt haben. Die auf oiese Weise festgestellten Beiträge belaufen sich auf 895 857,55 M., sind aber entschieden hiermit viel zu niedrig angegeben, weil nicht alle angeschlossenen Vereine Berichte darüber abgegeben haben. Diese llnvollständigkeit kann aber darüber nicht hinwegtäuschen, daß die Großbritannischen Metallarbeiter-Organisationen so gut wie gar nichts zu diesen Unterstützungsaktionen beigetragen haben. Der Gesamtbetrag der vorgenommenen Sammlungen stellt sich auf 63 311,75, M., wovon auf England 610,25 M. entfallen. Zu dem Darlehen haben sie gar nichts beigetragen, die an sie gerichtete An» frage nicht einmal beantwortet. Der Sekretär geht sodann auf die nächsten Aufgaben ein und schließt mit dem Wunsche, daß die bis- her gemachten Erfahrungen Schlüsse zeitigen mögen, durch die die Internationale eine Stärkung ihrer Position erfahren möge. Die Diskussion war ziemlich lebhaft. An derselben beteiligten sich Vertreter aller größeren Industriestaaten, vor allem Deutsch- land, England, Frankreich und Oesterreich. In der Hauptsache handelt es sich um die gegenseitigen Beziehungen und die Zurück- Haltung der Engländer bei internationalen Hilfsaktionen, die von Cohen» Berlin, Beer- Wien, S a u p e- Berlin einer Kritik unterzogen wird, während seitens der Engländer Hobson, Walls, Ho od das Verhalten der englischen Verbände mit der großen Zersplitterung zu erklären versucht wird. Die Bestrebungen, diese zu verschmelzen, haben bisher zu keinem befriedigenden Resultat geführt. Die Auffassung in vielen englischen Organisationen gehe dahin, daß sie stark genug seien und ihre Pflicht getan hätten, wenn sie dem Gewerkschaftskartell und dem Allgemeinen Gewerkschasts- bund angehören. Von letzterem würden sie bei ihren Streiks unter- stützt, und sie könnten daher nicht begreifen, warum sie sich nun noch international organisieren, sollen. Die Leitung der British Metal Trabes Federation sei bemüht, diesen Geist zu bannen. Das sei aber nur nach und nach zu erreichen. In der Diskussion wurde namentlich seitens Scvering-Dentschland die vom Sekretär in seinem Bericht angeregte Sammlung und Verarbeitung von Mate- rial aus der Praxis der Gcsetzcshandhabung empfohlen und die Engländer zu reger Mitarbeit aufgefordert. Nach Erschöpfung der Debatte und dem Schlußwort Schlickes, der eine Revisionskommission zur Prüfung seiner Bücher und Kasse vorschlägt, vertagt sich mittags 1 Uhr der Kon- greß auf Dienstag vormittag 9 Uhr, um nachmittags der Schoko- ladefabrit von Cadbury und dem„Musterdorf" Bournville einen Besuch abzustatten. Serickts- Leitung. Der„Ulk" vor Gericht. Die bekannte Affäre der Bonner Borussen bildete den Aus- gangspunkt einer Anklage wegen Beleidigung der Mitglieder der Bonner Strafkammer, die gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Wester- mann verhandelt wurde. Die Anklage richtete sich gegen den ver- antwortlichen Redakteur des„Ulk", Schriftsteller Fritz Engel, und den Geschäftsführer Joseph Lewin. Die Anklage vertrat Staatsanwalt- schaftsrat Töpper, die Verteidigung führte Justizrat Mosse. Als Zeuge war von der Staatsanwaltschaft Landgerichtsrat Wcstphal aus Bonn, als Sachverständiger Buchdruckcreibesitzer Kommerzien- rat Büxenstci» geladen. Die Angeklagten hatten als Schutzze ugen den Schriftsteller Sigmar Mehring und Redakteur H. Frentz ge- laden. Die Beleidigung wird gefunden in einem im„Ulk" ver- öffentlichten Beitrag unter dem Titel„Die heitere Themis, eine Gerichtsverhandlung", und in einer Scherz-Notiz„Milde Richter" mit Abbildung. In längeren Erörterungen formaler Natur wies Justizrat Masse darauf hin, daß der Strafantrag der Richter in Bonn ursprünglich aus§ 186(verleumderische Beleidigung) gestellt sei und die den Angeklagten zugestellten Eröffnungsbeschlüsse auch auf 186 lauteten. Zu ihrem Staunen hören sie jetzt aus dem vom Vorsitzenden verlesenen Original-Eröffnungsbeschluh, daß nur aus § 185(formale Beleidigung) eröffnet worden ist. In dem Original- Eröffnungsbeschluß war zunächst der K 186 St. G. B. hingeschrie- den, dann aber vom Referenten durchgestrichen und an Stelle dessen § 185 hingeschrieben worden. Durch Irrtum des Sekretariats war in der dem Angeklagten zugestellten Abschrift der z 186 St. G. B. stehen geblieben. Der Verteidiger verwies ferner darauf, daß sein Antrag auf Voruntersuchung bezüglich des Angeklagten Lewin abgelehnt worden sei, es sei ihm außerdem bis jetzt noch nicht möglich gemacht worden, Einsicht in die Akten der Bonner Straf- kammer zu gewinnen. Er würde eventuell beantragen, Beweis dar- über zu erheben, daß der Angeklagte Lewin zur Zeit des Erscheinens der betreffenden Nummer des„Ulk" der alleinige Leiter des großen Druckereibetriebes von Rudolf Mosse gewesen sei und eö ihm eine Unmöglichkeit fei, tatsächlich von dem Inhalte einer der gedruckten Schriften Kenntnis zu nehmen. Schließlich stellt der Verteidiger fest, daß dem Angeklagten Löwin eine fünftägige Frist zur Erklä- ein paar zarte Naturbilder, ein fröhliches Vögelgezwitscher, und einige Sentimentalitäten von Verlassenheit und Tod. Und doch senkt sich allmählich, aber zäh sich einfressend, der Staub gerade auf diese Lieblingsschöpfungen des Publikums herab. Was noch bei lebendigem Vortrag zu packen vermag, versagt beim Lesen des Buches schon seine Wirkung. Auch das bunte vertraute Getümmel der Stromtidgestalten, selbst der Onkel Bräsig, beginnt zu verblassen. Diese Welt scheint zu eng, zu klein. Es ist viel Mecklenburg, doch wenig Menschheit darin. Der Dichter war in den sechziger Jahren, als seine erfolgreichsten Werke erschienen, allzu mild und versöhnlich geworden; was die Oberlehrer der Literaturschreibung das sonnige Gemüt nennen, war unter der jähen Wendung seines Geschickes allzu kräftig hervorgebrochen. Er war persönlich in den Kreis jener Liberalen geraten, unter deren Führung sich die Wendung des deutschen Bürgertums von revo lutionären Stimmungen zu oppositionell spielender Geschäftstüch- tigkeit vollzog. Er war der Freund und Begönnerte der Gustav Freytag und Julian Schmidt, sah in Bismarck so etlvas wie einen verkappten Nationalvereinler, der die politischen Forderungen seiner mißhandelten Jugend zu erfüllen bereit war. Er wurde, wie Frevtag, der Dichter des bürgerlichen Mittelstandes, und ihm löste sich der Klassenkampf zwischen dem Fcudaladel und dem Bürgertum in die Harmonie veredelter Menschlichkeit, wo denn der des gesetzlichen Vorrechts wie des hochmütigen Dünkels und grausamen Herrentums entledigte Junker in gemeinsamer Arbeits- tüchligkeit dem ehrlichen Bürger und Bauer die Hand reicht. Das war der Ausklang seines Hauptwerkes, und das war freilich auch eine Ursache seines Erfolges. Aber damit verphilisterten auch seine Schöpfungen, sie wurden reif für die Bourgeoisie, reif sogar für das Junkertum. Nicht nur Bismarck hat ihn empfohlen, son- dern selbst Wilhelm II. hat den von seinen Vorfahren wegen Hoch- Verrats und Majestätsbeleidiaung zum Tode verurteilten Man», als„einen der besten Klassiker unserer deutschen Schriftsprache" gelobt, obwohl dock) eigentlich Fritz Reuter sich nicht gerade der Schrift spräche bedient hat. In dem Dunst solchen Ruhmes ver- wittert sein Wesen und seine Geltung, und maw, könnte geneigt sein, dem so stürmisch Begehrten keine lange Lebensdauer mehr zu versprechen. In der Tat, wird man Fritz Reuter noch zwei- hundert Jahre nach seiner Geburt nennen oder auch nur hundert- fünfzig Jahre? Zur Beliebtheit Fritz Reuters trug auch wesentlich sein Lebens- schicksal bei. Das war selbst so etwas wie ein rührsames Volks- stück. Nach vielen Jahren unschuldiger Verfolgung, knapp vor dem Zusammenbruch, siegte die Tugend. Gefängnisse Md Festungen rung gestellt, dann aber das Verfahren schon vor Ablauf dieser Frist eröffnet worden sei. Zur Sache selbst sei zu bemerken, daß der An- geklagte Engel diesen kleinen„Ulk"-Artikcl versaßt habe, lediglich auf Grund der Bonner Gerichtsberichte, wie sie im„Tageblatt" der„Volkszeiiung", der„Tägl. Rundschan" u. a. veröffentlicht wor- den waren. Er habe nicht wissen können, daß die Mehrzahl dieser Berichte das Urteil und den Gang dos Prozesses gegen die Bonner Studenten ganz verkehrt wiedergegeben habe. Die Bonner Richter seien vielleicht der irrigen Meinung gewesen, daß der Artikel im „Ulk" erschienen sei, obgleich sie schon eine Berichtigung gegen den Gerichtsbericht an das„Tageblatt" geschickt hatten. Tatsüch» lich sei die Berichtigung erst eingetroffc», als der„Ulk" schon im Druck war und sein Erscheinen nicht mehr inhibiert werden konnte. — Angekl. Engel versicherte, daß ihm von dem Eingange einer sol- chen Berichtigung nichts bekannt gewesen sei, die Redaktion des „Tageblatt" und des„Ulk" übrigens auch völlig getrennt vonein- ander seien.— Der informatorisch gehörte Sachverständige Kom- merzienrat Biixcnstein bestätigte dem Verteidiger, daß, wenn Herr Lewin tatsächlich zur kritischen Zeit die Leitung des umfangreichen Mosseschen Betriebes allein unter sich hatte, er unmöglich in der Lage gewesen sei, Kenntnis von dem Inhalt der einzelnen Artikel zu nehmen, ganz abgesehen davon, ob und inwieweit ein solcher technischer Leiter überhaupt imstande ist, zu beurteilen, was be» leidigend ist. Es wäre fürchterlich für das ganze Gewerbe, wenn es möglich wäre, den Drucker der Zeitung in dieser Weise für den Inhalt verantwortlich zu machen. Dies würde für sogenannte „Lohndrucker", die, wie er selbst, in ihrer Druckerei vertragsmäßig eine Anzahl von Zeitungen drucken, zu den absonderlichsten Kon- sequenzen führen.— Justizrat Mosse sprach die Ansicht aus, daß. wenn den Strnfantragstcllern in Bonn unterbreitet werde, daß es sich um einen Artikel handelt, der im guten Glauben und in lln- kenntnis der tatsächlichen Verhältnisse veröffentlicht wurde, und überdies das Versahren nur auf Grund des§ 185 eröffnet sei, vielleicht eine Zurücknahme des Strafantrags möglich wäre. Der hier- über informatorisch gekörte Landgerichtsrat Westphal-Bonn er» klärte, daß er sich hierüber nicht äußern könne.— Unter Zustimmung des Staatsanwalts beschloß das Gericht, die Sache zu ver- tagen, da er der Möglichkeit, die Sache durch Vergleich zu beenden, nicht im Wege stehen wolle. Wegen fünf Mark Strafe. Der Kaufmann Gustav Znbcil hatte eine gegen ihn verhängte Strafe von 5 M. zu zahlen unterlassen und sollte deshalb die dafür substituierte Haftstrase von einem Tage absitzen. Um ihn zur Strafverbüßung abzuholen, erschien der Schutzmann Wilke am 26. Januar, morgens um 6 Uhr vor der Wohnung Zubeils. Nach- dem dieser die Tür geöffnet hatte, kam es zu einein Wortwechsel mit dem Schutzmann. Die Folge davon loar eine Anklage gegen Zubeil wegen Beleidigung des Schutzmanns. Vom Schöfscngcricht ist Zubeil zu 25 M. verurteilt worden. Er sowie auch der Staatsanwalt hatten gegen das Urteil Berufung eingelegt. Vor der 6. Strafkammer des Landgericksts I, die gestern in der Angelegen» heit verhandelte, stellte der Angeklagte Zubeil den Hergang so dar: Ich lag noch im Bett, als es klingelte. Im Hemde öffnete ich. Der Schutzmann sagte, ich hätte die Strafe nicht bezahlt und solle mit- kommen nach der Wache. Ich bot dein Schutzmann die sofortige Bc- zahlung der Strafe an, er verweigerte aber die Annahme deS Geldes und bestand darauf, ich solle mit ihm gehen. Der Sck>utz- mann faßte mein Hemd an der Brust und wollte mich hinausziehen aus den Flur. Ich riß mich los und rief meinem Sobn zu, er solle die fünf Mark nach der Polizei bringen, damit die Sache erledigt wäre. Der Schutzmann schimpfte. Mein Sohn sagte zu dem Schutz» mann, er solle ruhig sein. Als der Schutzmann noch weiter schimpfte, sagte mein Sohn:„Wenn Sie jetzt nicht ruhig sind, kriegen Sie eins mit dem Beil vor den Kops." Ich untersagte meinem Sohn solche Redensarten. Ter Schutzmann zog nun den Revolver» machte aber keinen Gebrauch von der Waffe, sondern ging fort, um sich Hilfe zu holen. Jetzt ging mein Sohn nach der Wache, um die fünf Mark zu bezahlen. Als er eben fort war. kam der Schutzmann mit einem zweiten Beamten zurück und wollte mich mit Gewalt fortführen. Ich rief einen Gcschnftsfreund, der in meiner Wohnung übernachtet hatte, der teilte den Beamten mit, daß mein Sohn bereits nach der Wache sei, um die Strafe zu bc- zahlen. Dann ließe» die Beamten von mir ab. Es ist nicht lvar, daß ich mit Bezug auf den Schutzmann Wilke gesagt habe,„Seht Euch mal diesen Kerl an."— Ich habe mich über die Sclnitzleute beschwert. Auf Ersuchen des Polizeileutnants habe ich die Be- schwerde zurückgenommen. Dann ist der Spieß umgedreht und ich bin angeklagt worden. Ter als Zeuge vernommene Schutzmann Wilke will ganz be- stimmt gehört haben, daß der Angeklagte während des Wort- Wechsels mit ihm in die Wohnung gerufen habe:„Seht Euch mal den Kerl an, das scheint noch ein ganz junger Beamter zu sein." Im übrigen schilderte der Zeuge den Hergang fast ebenso wie der Angeklagte. Doch sagte er nicht, ob er, wie der Angeklagte be- hauptete, diesen angepackt und hinauSzuzcrrcn versucht habe. Der Zeuge wurde auch nicht danach gefragt. Sein Erscheinen in der Dunkelheit bei früher Morgenstunde erklärt Schutzmann Wilke hatten seine Jugend zerbrochen. Ein verlorener Sohn, den sein Vater verstoßen, nahezu enterbt hatte, unversöhnt bis zum Tode, ein ruhelos schweifender Auswürfling der Gesellschaft, ein hun- gernder Privatlchrcr in einem entlegenen Städtchen, immer den Dämon Alkohol im Rücken, dann durch die Liebe einer braven Frau geläutert, der Liebling der Nation, zu desscm Hause an den grünen Hängen Eisenachs seine dankbar verehrende Nation pilgerte—? war daS nicht eine wunderschöne Geschichte, recht nach den Siegeln bürgerlich-dramatischer Gefüble? Das reine Volkslcscbuch war dieses durch Nacht zum Licht dringende Menschenschicksal! Es war manches in der Natur Fritz Reuters, das ihn dazu bestimmte, in der Bourgeoisie ehrenvoll eingesargt zu werden. Er war kein Revolutionär von Haus aus, noch weniger ein Politiker. Die Konflikte seiner ersten Jugend erschöpften sich in seiner Ab- neigung gegen die Juristerei, zu der ihn sein Vater zlvang, und in den Reibungen mit der pedantischen Tüchtigkeit dieses rauhen Pflicht- und ArbeitSmenschcn. In das Getriebe der Burschen- schaften hatte ihn nur das behaglich schlendernde Bedürfnis nach angeregter Geselligkeit verirren lassen. Er schmiedete sich nicht sein Schicksal, es wurde ihn: geschmiedet, und mit der grausamsten Härte. Die preußische Folter, die sein Schicksal ward, zerstört« das Gleich- maß seiner gesunden, tüchtigen, lebensfrohen, aber niemals über das Leben hinausschäumenden Natur. In dieser furchtbaren Zucht wurde Fritz Reuter gewaltiger als seine Natur, wuchs er über sich selbst hinaus. So gab der Dichter unS E i n Werk, das größer war alS der Mensch, der eS schuf. In der an sozialen Schöpfungeii armen deutschen Literatur brachte Fritz Reuter daS stärkste Werk hervor. daS würdig ist, in der Kunstwelt des Proletariats zu leben; das Werk, dem die bürgerlichen Kritiker viel Ileblcs nachgesagt haben, das fast ein Jahrzehnt brauchte, um eine zweite Auslage zu erleben, und daS die Rezitatoren niemals ganz und nur ein paar Mal in vorsichtigen Bruchstücken vorzutragen wagten, das unbeliebteste und unbeachtetste, am meisten bekrittelte und doch das einZkge Werk von sicherem EwigkcitSgehalt, das dunkle Lied von der„befreiten" Leibeigenschaft des Bauern: Kein Hüsung. Fritz Reuter selbst hat nur diese Schöpfung geliebt, die aus• der Greuzscheide seiner Elends- und Ruhmjahre entstanden ist, wohl schon anfangs der fünfziger Jahre sich gestaltete und 1858 erschien. Als er das Buch Ernst Moritz Arndt sandte, schrieb er ihm. er habe vielleicht mit weniger Geschick als Ehrlichkeit gclvagt, „unfern Zwängern und Drängern die Wahrheit zu sagen, den Schimpf von dem Nacken des geknechteten und geächteten Volkes zu nehmen und ihn denen ins Angesicht zurückzuschlcndern, die in ihrer Gesamtheil verdienen, mit Schimpf vor dem deutschen Volke Laimrch, daß See Mgeklagte schon früher zehnmal vergessen habe. Geldstrafen zu zahlen und dann immer nickt anzutreffen gewesen sei, wenn er zur Verbüßung der Freiheitsstrafe abgeholt werden sollte. Einen Auftrag, das Geld in Empfang zu nehmen, habe er nicht gehabt.— Ein zweiter Zeuge, Aaufnionn Saune, wußte von dem ganzen Vorgang nichts weiter, als daß eS auf dem Korridor der Zubcilschcn Wohnung sehr laut nwr.— Der Schutzmann Wille war somit der einzige Zenge. auf dessen Aussage sich die Anklage wegen Beleidigung stützfe. Daß sich dieser Zeuge, der doch an der augenscheinlich sehr erregten Auseinandersetzumi mit Zubeil beteiligt war, geirrt haben könne, schien das Gericht nicht zu erwägen. Es erklärte vielmehr das Zeugnis des Schutz- tnanns als durchaus glaubwürdig, hob auch hervor, daß der An- geklagte schon oft, auch wegen ähnlicher Delikte vorbestraft ist, und verurteilte ihn zu löv Mark. Schuld an der Szene, wenn sie, wie der Zeuge schilderte, sich abgespielt hat, trifft den Beamten, der es unterlassen hat, den Schutzmann dahin zu instruieren, daß er zunächst die Zahlung zu fordern und erst im llnvermögensfall die Verhaftung vorzu- nehmen habe. Durch die irrige Instruktion oder ihre irrige Auf- fassung ist offensichtlich der ganze Trubel wegen der 5 M. entstanden.,_ 5 Jahre Gefängnis gegen ein Kind! Eine ungeheuerliche Strafe verhängte am 8. November die Etolper Strafkammer über den 14 Jahre alten Fürsorgezögling Otto Müller aus Stolp. Aus Furcht vor körperlicher Züchtigung entlief er mit dem 15 Jahre alten Zögling Otto Görs ans dem Stolper Nettungöhause. Bettelnd gelangten beide nach Stolp- münde, wo sie Kleider entwendeten, um ihre Anstaltskleidung zu vertauschen, llnd um nun nicht wieder in die gastlichen Räume des Rettungshauses zurückzukehren, steckten sie eine mit Korn gefüllte Scheune in Brand, wodurch der Besitzer einen Schaden von 6200 M. erlitt. Beide Angeklagten sind geständig und werden Görs zu sechs Monate Gefängnis, Müller dagegen, der bereits einmal mit sechs Monaten Gefängnis wegen Brandstiftung vorbestraft war. zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Beide sollen wiederum der Fürsorge überwiesen werden. Der Fall zeigt wieder mal drastisch und erschütternd, wie die zur„Fürsorge" getroffenen Einrichtungen das Gegenteil ihrer Ab- ficht erreichen und erreichen müssen, weil sie nicht die Ursachen, ins- besondere nicht die sozialen Ursachen der Verbrechen beseitigen, vielmehr häusig zu Verbrechen geradezu zu erziehen geeignet sind. Die Gesellschaft zeigt durch solch drakonische Urteile lediglich, daß sie gegen die Verbrechen hilflos ist, weil die Verbrechen im letzten Grunde so viele Ursachen haben, die in der Gesellschaftsordnung be- gründet sind. Es gilt heute schroffer als zur Zeit Ouetelets der Satz: Erst züchtet die Gesellschaft durch die Mangelhaftigkeit ihrer sozialen Ordnung Verbrechen, und dann bestraft sie wegen dieser Verbrechen den, der doch nur ein Opfer eben dieser Gesellschafts- ordnung ist. Erpressung. Zu derselben Zeit, wo in Moabit darüber verhandelt wird, ob versuchte oder vollendete Erpressung seitens der„Wahrheit" vor- liegt, hat das Reichsgericht wieder eins jener Juristenurteile be- stätigt, die in der Ankündigung eines Boykotts eine Erpressung er- blicken. Die Verhängung eines Boykotts ist gestattet— und doch soll die Ankündigung eines Boykotts, also der Versuch friedlicher Einigung, Erpressung sein! Bekanntlich hat selbst die Reichsregie- rung anerkannt, daß diese formal-juristische Judikatur zu unge- wollten Ergebnissen auf dem Gebiet des gewerkschaftlichen Kampfes führt. Der Sachverhalt in dem am Freitag vom Reichsgericht ent- schiedcnen Prozeß ist folgender: Wegen versuchter Erpressung sind am 30. Juni vom Landgericht Glogau der Tabakarbeiter Neinschiisscl und der Gewerkschaftsbeamte Element aus Breslau verurteilt worden. R. war bei dem Tabak- fabrikanten T. in Glogau Fabrikarbeiter und nach Einführung der neuen Steuer Heimarbeiter. Anfangs war nach dem Urteil R. mit dem Lohne zufrieden, später verlangte er mehr und Anerkennung des Tarifs. Als T. erklärte, er könne nicht mehr geben, antwortete R., er habe den Tabakarbeiterverband hinter sich. Auf T.s Veranlassung kam Clement, um mit ihm zu verhandeln. Es wurde nun festgestellt, daß R. schon mehr bekomme, als der Tarif verlangt. Da R» wie es im Urteile heißt, die Arbeiter gegen T. aufreizte, entließ ihn T. R. verklagte T. wegen sofortiger Entlassung, und T. beschäftigte ihn darauf noch einige Zeit. Später verlangte R. von T., daß er ihn noch länger beschäftige. T. verbot ihm sein Haus. R. ließ nun wieder El. aus Breslau kommen, und beide betraten den Laden des T. Dieser verbot dem R. sofort und wiederholt den Laden, verhandelte aber mit Cl. Da T. sich weigerte, R. wieder einzustellen, sagte El.:„Wenn Sie R. nicht einstellen, werden Sie boykottiert!" und verließ den Laden, als T. ihn darauf zum Ver- lassen des Lokals aufforderte.— Gegen das Urteil hatte nur Cl. Revision eingelegt. Er führte zu seiner Rechtfertigung an, daß er T. nur zur Aufrcchterhaltung des Tarifvertrags anhalten wollte. -- Das Reichsgericht verwarf die Revision als unbegründet. Der genannt zu werden". Und noch auf der Höhe feines Ruhmes warb er für dies Buch,„welches ich einmal mit meinem Herzblute im Interesse der leidenden Menschheit geschrieben habe. Ich halte es für mein bestes". Ein andermal schrieb er Freunden:„Dat is en düstern Gast mit swartc, kruse Hör un glupsche Ogen, un wenn de anncrn Gören um mi rümmer jachem un lachen, denn steiht hei för sick allein in de Eck un kickt in dat lustige Kinnerspill, aS wull hei seggen:„Wat? Ii lacht, un ick müggt weinen"! Denn gah ick nah em ranne un scgg un strik em äwer dat kruse Hör: „Lat!— Lat sei lachen!— Un mit Di Wardt ok woll mal beter. — Du fiiist doch min Best!— Du büst min leiw„Kein Hüsung"!" DaS Publikum teilte nicht die Liebe seines Dichters. Zuerst kam das politische Pamphlet. Ein Schweriner Blatt nannte das EpoS ein Schandlibell, gottlos, aller menschlichen und göttlichen Autorität hohnsprechend, einen niederträchtigen Mißbrauch der Preßfreiheit. ES folgte die ä st h e t i s ch e Kritik, die an dem Krassen, Kriminellen der Handlung, die nicht in seelischer EntWicke- lung erwachse, vor allem an dem redselig verflachenden Schluß An. stoß nahm. Die Dichtung, gegen die sich die Gegenwart sträubte, wird in die Zukunft eingehen. Das Bürgertum gab ihr selbst keine Hau- sung, sie hat sie im Proletariat gefunden. Die Größe Reuters blieb unverstanden bei all den Millionen seiner Käufer und Hörer im Bürgertum. Das Proletariat aber reicht gerade diesem Werke, dem düsteren leidenschaftlichen Lied von der Rache des Unter- drückten den Kranz. An Haß und Härte ist die Gewalt dieser sozialen Dichtung im deutschen Schrifttum niemals übertroffen, auch nicht erreicht worden. Hier ist Fritz Reuter durchaus nicht sonnig, gemütvoll. Alles ist schroff und unerbittlich. Der Knecht, der den Junker mit der Mistgabel erschlug, weil er ihm kraft seines Rechtes die Hüsung, die Wohnung, und damit die Möglichkeit der Ehe verweigerte, der Mörder, der dem Galgen nach Aincrika ent- rönnen ist, kehrt nach Jahren unbekehrt zurück, bereit, noch einmal die Tat zu begehen, wenn ihm der Schurke wieder entgegenträte. Gerade dieser Schluß, der so viel angefochten ist, wo ohne Aus- gleich der Mörder von dem in fromm-patriarchalischen Liwschau- ungen versponnenen alten Knecht Abschied nimmt und mit seinem Sohn, ein trotzig Unbehauster, ins Land der Freiheit zieht, läßt das Werk in revolutionärer Kühnheii verglühen. Hier hat Fritz Reuter auch der Revolution von 1848 und ihrer Vernichtung ein ernstes Denkmal gesetzt. Das Rlattdeutsch in diesen tieftönigen Versen ist wie mit dem Boden verwachsen, es nimmt die Farbe der Dinge an, die eS darstellt. Diese Verse wühlen und wälzen, wenn sie das unentrinn- bare Schicksal der sozialen Knechtschaft malen; sie stöhnen und klagen mit den leidenden Menschen; sie bäumen sich in rasendem Haß auf; sie zücken die sensenscharfen Epigramme auf den Wahn- ArheltSöerkrag sei beendet gewesen, daher habe T. nicht mehr zur Einhaltung desselben angehalten werden können. Cl. wollte unter Drohungen dem R. eine neue Arbeitsgelegenheit verschaffen; hier- auf stand ihm ein rechtlicher Anspruch nicht zu. Deshalb liege Erpressungsversuch vor!_ Hus aller Älelt. Der Hufrubr der IttngUngs vereinler von Biblis. Die katholische Hetzpresse leistet in trauter llebereinstimmimg mit den agrarischen Scharstnachcrblältern in letzter Zeit daS menichen- mögliche in der Ausmalung der„fürchterlichen Revolutionen" in Moabit und aus dem W e d d i n g. Wohl aus dem Grunde bleibt in der Zcntrumspresse kein Raum übrig, um über einen Ausruhr im eigenen Lager zu berichten. Einen Auiruhr, der sich gegen einen katholischen Pfarrer in Biblis in Hessen richtete und schließlich zu einer Klage gegen zehn der frommen Gemeilidemitglieder wegen Beleidigung des Pfarrers führte. In dem hessischen Dorfe Biblis amtiert der katholische Pfarrer Thomas, dem als Amtsbruder der Kaplan Kriegs» heim zugeteilt war. Bald glaubte Pfarrer ThomaS den wenig christlichen Lebenswandel seines Kaplans nicht" mehr mit an- sehen zu können und erstattete Anzeige bei der vor- gesetzten bischöflichen Behörde. Schließlich wurde auch der Bruder Lustig„zur Besserung" in ein Kloster ge- steckt; vorher jedoch wurde der Anhang Kriegsheims. Mit- glieder deS katholischen Jünglingsvereins, durch ihn gegen Pfarrer ThomaS aufgehetzt. Es kam zu Straßenskandaten. dem Pfarrer wurden die Fensterscheiben eingeworfen, er wurde bedroht und dergleichen mehr. Die Jünglingsvereinlcr feierten ihren Knegshcin, als Helden und erklärten, daß sie ihn im Falle der Versetzung mit Gewalt zurückholen würden. llnd sie hatten auch alle Veranlassung, auf ihren geistlichen Leiter stolz zu sein. In der Gerichtsverhandlung, die in der letzten Woche vor der Strafkammer in Darmstadt stattfand, kamen über den katholischen Kaplan unter anderem folgende erbauliche Dinge zum Borschein: Im Jahre 1008 zum Priester geweiht. wurde er bereits 1004 disziplinarisch bestraft, weil er seit seiner Studienzeit mit einem Mädchen intime B e- ziehungen unterhielt. Er ü bernachtete mit ihr in Hotels. ließ sie zu sich in seine Gemeinde koinmen und gebrauchte sie in ö f f e n t l i ch e n A n l a g e n und i m W a l d e. Als sich das Mädchen von ihm abwenden wollte, drohte er es mit Er« schießen, was verständlich wird, wenn man erfährt, daß der Seelenhirte im Laufe des Verkehrs dem Mädchen 6—7000 Mark abknöpfte. Auch später mußte KriegSheim wiederholt strafversetzt werden, weil er allerhand Streiche beging. 1007 wurde ein neues Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet, weil er seine intimen Beziehungen zu dem Mädchen weiter auf« rechterhalten hatte. 1008 kam der geistliche Herr nach Biblis. Dort trat er bald mit einer Lehrerin Anna K in nähere Beziehungen. Er hielt mit ihr in ihrer Stube stundenlang Andachtsübungen ab. sonderbarerweise stets, wenn die Mutter der Lehrerin nicht zu Hause war. Die Mutter überraschte die beiden einmal auf dem Sofa wie sie sich herzten und küßten. Wie die Mutter später zu einem Apotheker sagte, lasse der Kaplan nicht von ihrer Tochter»nd diese nicht von ihm. Des Kaplan« Devise sei:„Einzig Dein!" Wenn der Kaplan erst«ine Pfarre habe, würde ihre Tochter als Haushälterin zu ihm ziehen. Den Schwächen der anderen Leute gegenüber war der geistliche Herr sehr sittenstreng. Als zwei erwachsene Kinder angesehener Bürger des Ortes bei einer GroßherzogSgeburtStagS- f e i e r in einem Festspiel eine Kußszene darstellten, erregte daS so starke sittliche Bedenken in dem Kaplan, daß er im B e i ch t st u h l zu einem anderen jungen Mädchen erklärte, daS Mädchen aus der Kußszene sei eine Rotznase und habe sich von einem Saukerl küssen lassen. Ueber seine christliche Heerde äußerte er einmal:„Die Bibliser huren wie die Steinesel.' Schließlich bedrohte er den Pfarrer Thomas vor seiner Strafversetzung mit den Worten:„Ich iverde hauen, daß die Stücken fliegen. Mein Weggang von hier geht nur über Ihre Leiche." Er begeisterte durch seinen frommen Lebenswandel die Jünglingsvereinler so, daß in der Nacht, alS er feine Sachen aus Biblis holte, der Pfarrer Thomas durch ein Steinbombardement auf fein HauS gefährdet wurde, daß im Pfarrhaus und in der Kirche die Scheiben eingeschlagen wurden. Im Termine wurde die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Die Verhandlung endete schließlich damit, daß der Pfarrer den sinn der sozialen Ordnung; sie plaudern behaglich mit schlichter Menschengüte, sie singen mit den Vögeln, sie flattern mit den Sommerfäden, sie lassen alles Getier sprechen; sie strömen Mond- schein, sie brausen im Sturm, sie lodern in Flammen, und sie betten auch die arme irre Selbstmörderin in lichten tanzenden Träumen zur stillen Ruhe des SeeS. Dem Dichter von„Kein Hüsung" gewährt daS Proletariat in dem Volkshaus seiner Kunst eine unverlierbare Heimstätte und Heimat._ K. E. Kleines feuilleton. Ein Brief von Leo Tolstoi über den Galgen. Neulich hat Leo Tolstoi wiederum eine Gelegenheit ergriffen, um seinen Ab- scheu gegen die Todesstrafe kundzutun. Der bekannte Professor MalinowSky hatte ihm nämlich sein neues Werk„Blutrache und Todesstrafe" zugeschickt, worauf Tolstoi ihm also schrieb:„Vom Herzen danke ich Ihnen für Ihr Buch. Ich habe es zwar noch nicht ganz durchgelesen, aber schon bei flüchtiger Durchsicht daran meine Freude gehabt. Denn ich erkannte seine große Bedeutung kür die Befreiung unserer Gesellschaft und unseres Volkes von oer schrecklichen Hypnose. Tritt doch darin einerseits wiederum die den Massen imponierende Autorität der Wissenschaft in den Vordergrund, andererseits muß daS im Buch so stark zum Ausdruck kommende Gefühl der Entrüstung gegen das Böse für das BefreiungSstreben von außerordentlicher Wirkungskraft sein. Solche Bücher vermögen, wie ich jüngst im Spaß zu meinem jungen Freunde Bulgakow sagte, etwas zu erreichen, was mir unmöglich schien, nämlich mich mit der offiziellen Wissenschaft auszusöhnen. Hätte ich es vor sechzig Jahren glauben können, daß der Galgen nach einem halben Jahrhundert bei uns in Ruß. land zur Normalerscheinung werden würde, daß sich noch„Ge- bildete" und„Gelehrte" finden könnten, die seinen Nutzen be- weisen würden? Wie jedes Uebel jedoch unbedingt sein Gutes zur Folge hat, so ist es auch hier. Wenn nicht die letzten Schreckens- jähre gewesen wären, so gäbe es auch nicht die glühenden Un- Willensäußerungen gegen die Todesstrafe, gäbe es nicht all jene ethischen wie religiösen Begründungen, die in so einleuchtender Weise das Verbrecherische und das Unsinnige der Todesstrafe bloßlegen, daß man an die Möglichkeit ihrer weiteren Anwendung kaum glauben möchte... Leider werden die Hoffnungen Tolstois durch die Tatsachen noch immer zuschanden gemacht. Eine Zusammenstellung der Zahlen für die Anwendung der Todesstrafe während der Zeit vom 17. Oktober 1002 bis zum 17. Oktober 1910 hat ergeben, daß in Rußland, abgesehen von den willkürlichen Beruhigungsmassakers, Strafantrag zurücknahm, die Angeklagten leisteten ihm Abbitte» well sie sich davon überzeugten, daß der Kaplan KriegSheim sie an derRaseherumgeführthatte. und übernahmen die Kosten deS Verfahrens. Hoffentlich finden die Zentrumsblätter, die in den höchsten Tönen des Entsetzens über den sozialdemokratischen Aufruhr in Berlin zetern, und noch gesetzlicher Knebelung der Arbeiterschaft schreien, nachträglich auch noch einige Worte der Entrüstung über den Aufruhr der katholischen Jünglingsvereinler in Biblis. Grostfeuer im Jrrenhaufe. In dem Jrrenasyl bei Brandon(Ver. Staaten von Nordamerika), das 600 Insassen beherbergte, kam gestern ein Brand aus. bei dem sich furchtbare Szenen abspielten. DaS schnell um sich greifende Feuer hat eine Anzahl Kranker ge» tötet. Mehrere Hundert sind in die Wälder ent» flohen, wo sie in dem gegenwärtig herrschenden Schnee» treiben bei bitterkaltem Wetter umkommen dürften. Tob» süchtige Patienten kämpften gegen die Retter. Viele Kranke sprangen direkt in die Flammen. in denen sie umkamen._ Sturm und Hochwasser. lieber ganz Frankreich find am Freitag heftige Stürm« dahin» gebraust. An mehreren Orten, namentlich an der Küste, kam eS zu lluglücksfällen. Auf der Reede von L ort ent. im Golf von M o r b i h a n. im Hafen von T u r b a l l e gingen mehrere Boote unter. Sieben Personen büßten dabei ihr Leben«in.— AuS M e z i ä r c S wird ein starkes Steigen der obere» VtaaS angekündigt. Der Wasserstand ist fast zwei Meter über dt« gewöhnliche Höhe gestiegen. AuS der belgischen Stadt Lüttich wird gemeldet, daß die Maa» infolge anhaltenden Biegen# immer noch weiter steigt. Es wird befürchtet, daß ste über die Ufer tritt. Mehrere Nebenflüsse der Maas find ausgetrets« und überschwemmten weite Strecken Lande». Schwere Grubenkatastrophe in Amerika. Nach einer telegraphischen Meldung aus New Dork sind in dem Bergwerk in U o l a n d e im Staate Alabama durch eine Grubenexplosion l00 Bergleute etnge» schlössen worden. Viele sollen tot sein. Einzel» heilen über die Katastrophe liegen noch nicht vor. Ein journalistisches Monstrum. Ein Würzburger Blatt bringt folgende konfuse Meldung: .Stangenroth. 36. November. Heute früh verstarb ble Ehefrau Barbara Wehner, 237 Jahre alt, nach vierwöchent« lichem schwerem Leiden und hinterläßt eine Witwe mit 4 u n n, ii ii d i g e n Kindern. Dieselbe hat sich s. Zt. mit Petra» leum stark verdraiiut, daß die Finger abgebrannt waren und dtß Haut am Körper hing."_ Kleine Notizen. Eine brennende Erdgasquelle. In der Nähe Hamburgs, bei Bergedorf, wurde in einer Tiefe von 200 Meter eine Erdgas« quelle angebohrt, die am Freitagabend in Brand geriet. ES gelang bisher nicht, den Brandherd zu ersticken. Stundenwell lann man das Geräusch der verbrennenden Gase hören. Wieder eine OrdnungSftütze geborsten. In der Spar- med Darlehuskasie der Gemeinde Kupferdreh bei Essen wurde ein eblbetrag von 22 000 Mark entdeckt. Der Rendaut der asse. ein treuer Patriot, ist flüchtig. Einen schrecklichen Tod fand in TberSwalde ein vierzehn» jähriger Scküler. In jugendlichem Uebermut erkletterte er einen Leitungsmast der elektrischen Ueberlandzentrale; kaum war er mll der Leitung in Berührung gekommen, so wurde er von einem so gewaltigen elektrischen Schlage getroffen, daß er böllig ver» kohlte. Die Kleider waren dem Kinde vom Körper vollständig heruntergebrannt. Mehrere Stunden hing der ver« kohlte Leichnam an der Leitung herab, ehe e« möglich war, die Strecke stromlos zu machen und den Körper aus den Drähten herauszuschaffen. Bei einem Eisenbahnübergänge nahe EberSwalde wurde el» Gefährt der deutsch.amerikani'chen Petroleumgesellschast von einem Zuge der EberSwalder Kleinbahn erfaßt und buchstäblich mitten durchschnitten. Die beiden Kutscher deS Wagen» wurden auf die Schienen geschleudert und schwer verletzt. Brand in der Brüsseler Weltausstellung. In dem Stadwtertel Alt-Brüssel der Weltausstellung ist am Sonnabend früh gegen 6 Uhr ein Brand ausgebrochen, durch den drei Häuschen nieder» brannten. Die Berufung de» GattenmSrderS Erippe» gegen da« über ihn gefällte Todesurteil ist gestern vom oberstm Gericht in London verworfen worden. allein durch Richterspruch in diesen fünf Jahren 6278 TodeS« urteile gefällt und 3163 Hinrichtungen vollzogen worden sind. Notizen. — Kunstchronik. In der Akademie derKüaste Ist die Gedächtnisailsstelliing von Werken Franz EkarbinaS und I. M. O l b r i ch S bis zum 18. November verlängert worden. — Kunst abend. Marie v. Ebner-Efchenbach. ihr Leben und ihr Werk, ist das Thema deS IV. BolkSkunftabendS der Stadt Charloltenburg, der am Sonntag im Kaiser« Friedrich« Gymnasium, Knesebeckstr. 24, stattfindet. — Eine Fritz Reuter-Feier findet am 7. November, mittags 12 Uhr. in der N e u t e r- A u S st e l l u n g im Festsaal deS Abgeordnetenhauses statt. Prof. Gaedertz wird eine Ansprache halten und darauf die Führung durch die Ausstellung übernehmen. — Der Berein für Frauen und Mädche« der» anstaltet auch diesen Winter qsvicder einen Konzertzyklu», der statt deS üblichen Durcheinanoer ein einheilssches Programm bietet; Die drei Konzerte, die am 13. November, 11. Dezember und 12. Januar stattfinden, find ausschließlich Beethoven gewidmet. DaS erste Konzert bietet Klaviermusik, Gesang, eine Sonate für Klavier und Geige(Opus 47), das Trio für Klavier. Violine und Violincello(Opus 07). Zum zweiten Konzert werden einige der edelsten Kammermusiken aufgeführt und im dritten werden große Orchesterwerke(darunter die grandiose Eroicasinfonie) zu Gehör kommen. Dieser Versuch, ein zusammenfassendes Gesamtbild eines Künstlers zu geben, indem vom Leichteren zum Schwierigeren emporgeführt wird, ist musikpädagogisch höchst bedeutsam und als Reform der Konzert» Programme erfreulich. Den Konzerten, zu denen man sich der Unterstützung tüchtiger Künstler und deS BlüthncrorchesterS versichert hat. geht ein einleitender Vortrag von Dr. Leichtentritt voran lSonntag, den 6. November, nachmittags S'/j Uhr, in DräselS Fest» sälen). — Das Institut fürMeereSkunde eröffnet diese Woche ihre volkstümlichen Vorträge. Außer den Einzelvorträgen finden auch zwei Vortragsreihen statt. O. B a s ch i n spricht über daS Südpolargebiet und seine Erforschung(6 Vorträge beginnend Mon» tag d. 7. Nov.) Im Januar sckließt sich ein.ZykluS über den Sckiff- bau von W. Laos an. In dieser Woche sprechen ferner: Dienstag, den 8. Nov. Professor Doflein über neue Forschungen über die Biologie der Tiefsee, Freitag, den 11. KustoS Stahlberg über der Rote-Sand-Leuchtlnrin. Eintrittskarten zu 22 Pf. wochentäglich von 12—3 und an den Vortragsabenden von• Uhr an in der Geschäftsstelle Georgenstr. 34—36. 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Neues Operetten- Theater: Die Glocken von Corneville. Neues Theater: Tarlüss. Kleines Tbcater: Ein idealer Gatte. Metrvpol-Theater: Pariser Leben. Abends 8'/, Uhr: Neue? DollS-Theatcr: Ueber unsere Krast l. Neues Volks-Theater: Montag und Donnerstag: lieber unsere Krast. I. Mittwoch, Freitag, Sonnabend: Hsbrand. Volts-Oper: Montag: Don Juan. �essinx-TKestei*. 8 Uhr; Das Konzert. 8 Uhr: Wen» der junge Wein blüht. Montag 8 Uhr, JbsenzhkluS, 1 Vor- ftellung: Der Bund der Jugend. berliner Ttiester. Abends 8 Uhr: Voi» scharfe Janker. Nachm. 3 Uhr: Pension Schüller. Modernes Theater (früher Hebheltheator). Heute und täglich 8 Uhr: vic beste der Frauen. Neues Theater. Abends 8 Uhr: Letztes Gastspiel Ferd. Bonn. K e a n. Montag und Dienstag: Gastspiel Ferd. Bonn: Kean. Residenz-Ttieater. Direktion: Richard Alexander. Abends 8 Uhr: dioblesse oblixe. Schwant in 3 Akten von Hennequin und Beb er. LerUner Volksoper Nachmittags 3'/. Uhr: Zar und zinimermann. Abends 8 Uhr: Dame. Theater des Westens. 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AbendS 7 Uhr: Ein Kind des GlückS. Origwal-Charakter-Luftspiel in 5 Alten von Charlotte Birch-Pseiffer. Die Theaterlasse ist von 10 Uhr früh ab geöffnet. Alt-Hoablt 47/18. Sonntag, den 6. November 1910: Novität I Novität l Im Gate Noblesse. Spitzbubenkomödie in drei Auszügen von C. Schüler. Kasseneröffn. 5 Uhr. Ans. 71/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanz, Volks»Theater Rixdorf. Hermannttr. 20. Sonntag, den 6, Nooember 1910: Der zweite Schatz. Schauspiel in 4 Akten v. ß. Ganghoser. Montag, den 7. November: Das Sude vom Lied. Komödie aus dem OifizierSlebm in 4 Alten von Otto Losch. Ans. Sonntag 7, Montag 8'/, Uhr. Thcattr„Groß-Serlm". tZlf. Puhlinanos Theatef Sündige Liebe. Der Roman einer Verl. Schneiderin. Ansang d. Konzert»'1,7 Uhr. . d. Borst.',.8. htm 30, 80. 18-109 PI. Für den Inhalt der Inserate Abernimmt die Redaktion de» Publiku» gegenüber ecVMUWattMS, (cineilti TYPOQRAPHIA Gesangverein Berliner Bncbdrncker nnd SchriitgieBer. Oegr. 1879.— Ohonneister Alexander Weinbaum.— M. d. A.-S. ■■ n c D,9 tum Sonntag, den 20. November(Toteniest) im grolien Saale der ,,Xeaen Welt" fHasonheide): KONZERT Mitwirkende: Anna Ilreolisler Opernsängeiin vom Stadttheater in Königsberg, Otto Urack, kgl. Kammermusiker, Cello. Anfang ö'/a Hbr. Eintritt 60 Pf., Kinder 20 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. Eintrittskarten a 50 Pfennig sind zu haben in den Zigarrengeschäften von Kersch, Engelufer 15; Voigt, Gharitdstr. 3; G. Schulz, Kottbuaer Tor; E. Schulz, Mitten walder Str. 2; K. Bielefeld, Graefestr.35; Bötiger, Skalitzer Str.lOTu.Zossener Str. 30; M. Kämmerer, Elisabethufer 37; Anna Köhler, Urbanstr. 29; W. Kolbin, BiUowstr. 56: H. Köppc. Tilsiter Str. 45; G. Kuhring, Jahnstr. 1; Parskc, Büschingstr. 2; Albert Renskjr, Oboriner Str. 28; VI. Seidel, Bergraannstr. 53; M. Gölten, Yorckstr. 40; A. Rietnorf, Rixdorf, Pannier- straße 39-— 40 ■ a ■ B £■ V _ Unseren Mitgliedern geben wir bekannt, daß die Fortsetzung: der ÜreneralTerssimmlnng vom 23. Oktober am Freitag, den 11. Xovember, abonds 10 Ihr, im Anscbluß an die Uebungsstunde(8 Uhr) stattfindet Zahlreiche Beteiligung erwartet_ Oer V orntand. rer- Mitglied des Arbeiter-Radfabrer-Bondes„Solidarität". Programm für Bußtag (16. November 1910) im großen Saal der „Neuen Welt", nasenheide No. 108— 114. 1. Teil(von 0—7 Uhr). Kfinstler-Konzert. S. Teil(Anfang präzise 7 Uhr): Populär-wissenschaftlicher Lichtbilder-Vortrag des Herrn R. Laube(Institut r Kosmos"-Leipzig) über „Im Lande der Mfitternaehtssonnc" mit 136 kolorierten Biesen-Lichtbildern(nach eigenen neaen Aufnahmen des Redners). 12/17* 3. Teil. Kinetnatographische Vorstellung. Dieser 3. Teil dauert etwa l1/« Stunden und kommen nur sorgfältig ausgewählte und geeignete Filmbilder«ur Vor» fülirung. Herr Laube ist seit 15 Jahren in diesem Fache tätig und weltbekannt, so daB votlsländlge» Gelingen und allseitige Anerkennuug absolut sicher Ist. Nach d.Vorst.: Gratisverlosung einer Nähmaschine(Pr. SSM.) 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Erschreckende Einzelheiten über die Verbreitung der Unsittlichkeit in Rußland enthüllte der kürzlich in St. Petersburg abgehaltene Kongreß zur Bekämpfung der Prostitution. Statistisches Material war aus allen Teilen Rußlands zusammen- getragen worden und eS zeigte sich, daß die Hauptursache für die Zunahme der Lasterhaftigkeit in den chaotischen Zuständen zu suchen ist, die in Rußland herrschen, in der politischen und wirtschafilichen Tyrannei und Depression, die alles bedrückt und die Bevölkerung physisch, geistig und sittlich verkommen läßt. St. Petersburg allein hat, wie die auf dem Kongreß an- geführten Zahlen zeigten, 50 000 Prostituierte bei einer Bevölkerung von 1400 000. Sogar unter den Kindern macht sich ein bedenkliches Anwachsen der Prostiwtion bemerkbar. Nachforschungen in einigen Fabrikvierteln und unter den Fabrik- orbeiterinnen offenbarten die Tatsache, daß Tausende von Mädchen durch ihre Ausseher und Arbeitgeber zu einem Leben der Schande gezwungen werden. In sehr vielen Fällen müssen sie sich der Bestialität ihrer Ausbeuter und unmittelbaren Vorgesetzten fügen, wenn sie nicht ihre Beschäftigung verlieren wollen. Wo sie nicht auf solche Weise direkt zur Schande gezwungen werden, sind wieder die Bedingungen, unter denen sie leben müssen, geeignet. alle« Schamgefühl zu töten. So haben viele Fabriken.Heime" für ihre Arbeiterschaft eingerichtet, die nur aus einem einzigen Raum für Männer und Frauen bestehen. Die Unternehmer behandeln und achten ihre Arbeiter nicht anders als Tiere. tn einer Ansprache an den Kongreß griff der Dumaabgeordnete urep, ein gemäßigt Liberaler, die Regierung scharf an und klagte das in Rußland herrschende Regime an, weil es daS Wachsen der Prostitution verschulde. Er sagte: »Die Prostitution in Rußland hat ihre Wurzel in den Mangel- haften wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen des Landes. Sie kann am besten bekämpft werden, indem man die Zustände beseitigt, welche die Frauen zur Prostitution treiben, das sind Armut, Hunger und Not. Bringt die wirtschaftlichen und sozialen Zustände des Landes in die Höhe und Ihr werdet das Problem der Prostitution in weitem Umfange lösen." Der Moskauer Sozialistenführer M. Pavloff wies darauf hin, daß die Löhne, welche die Arbeiterinnen in den Fabriken erhalten, derartig sind, daß sie die Mädchen zwingen, ihr Einkommen durch Prostitution zu erhöhen. Die Löhne find so. sagte er, daß kein Mädchen anständig davon leben kann, wenn sie keine Eltern oder Brüder hat, die ihr helfen. Der Kongreß nahm dann eine Resolution an. in der nachdrücklich gabrikaufsicht gefordert wurde._ «Versammlungen— Veranstaltungen. Stralau. Montag, den 7. November, abends 8«/, Uhr, in den„Mark- grafensälen", öffentliche Frauenversammlung. Tagesordnung: Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen. Ret-- rentin: Frau Frida Wulff-Berlin. Hierzu Sonntag Flugblatt- Verbreitung. Mahlsdorf. Sonnabend, den IS. November, 8«/, Uhr. im Lokal des Herrn Linke, Grunowstratze, öffentliche Frauenversammlung. Tagesordnung: Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen. Rclerentin Frau Frida Wulf-Berlin. Larfigwalde-Wittenau. Dienstag, den S. November, in den Borstg- wolder Festsälen, öffentliche Frauenversommlung. Tages- ordnung: Junkerpolitik, Kaiserreden und die Meinung der Frauen. Rcferentin Frau Frida Wulf-Berlin.— Am Montag abend 7 Uhr Flugblattverbreitung von den bekannten Lokalen. _ Die Bezirksleitung. Gmebtö- Zeitung, Ein Erpresserstückchen«ine» Postbote». Mit einer Erprefleraffäre, die wie ein Kapitel aus„Sh erlock HolmeS" anmutet, hatte sich am Freitag nachmittag die Straf- kammer III des Landgerichts Hamburg zu beschäftigen. Der Held dieser Affäre ist der Postbote JenS Heidt. Im April d. I. liefen bei mehreren millionenschweren Familien Hamburgs Briefe von der„Schwarzen Hand" ein, in denen die Betreffenden, namentlich «ine stOjabrige Frau Beit, unter Androhung des Todes aufgefor- dert wurden. Beträge bis zu einer Million Mark nach dem Post- amt 11 zu senden. Als die geängstigten Personen sich an die Poli- zei wandten, die die Wohnungen sowie Postkasten und Postamt unter Observation nahm, erhielten sie abermals Schreiben von der„Schwarzen Hand", in denen mit der Vollziehung der Todes- strafe gedroht wurde. Den Briefen waren auch die Statuten der „Schwarzen Hand", hergestellt mit Gummitypen, beigelegt. Der Verfasser verspottete die Polizei, deren Maßnahmen er genau kannte. Die Polizei ließ die von der„Schwarzen Hand" beigefügten zehn Kuverts, in die die Banknoten a 1000 Mark gesteckt werden sollten, mit Papier füllen und dann an das Postamt 11 abgehen, aber der Täter vermochte nicht ermittelt zu werden. Festgestellt wurde dagegen, daß einer der Briefe auf dem Postamt geöffnet worden sein muß. Dann lief ein Brief bei Frau Beit ein, in der diese zum letzten Male aufgefordert wurde, das Geld abzusenden, und zwar sollte dieses auf einem Felde bei Hamburg niedergelegt werden. Dort hatte der Täter ein Oeltuch an einem Busch befestigt, in dem das Geld mittels eines im Tuch befindlichen Riemens verschnürt werden sollte. An dem Riemen befand sich eine Schnur, die 200 Meter über die Wiese führte. Falls das Geld eingetroffen wäre, hatte der Täter also einen weiten Luft- räum zwischen sich und dem Paket gehabt, das er dann an sich herangezogen hätte. Licht in dieses mystische Dunkel wurde erst gebracht, als zwei Postboten vom Postamt 11, darunter auch Heidt, wegen Amtsverbrechens in Haft gerieten. In einem Koffer des Heldt befanden sich Drucktypen aus Gummi, Vervielsältigungs- Material usw. Auch wiesen seine Vergleichungsschriftsätze die- selben orthographischen Fehler aas, als die Erpresserbriefe. Der wegen qualisiziertcr Erpressung angeklagte H., der sich wegen der anderen Sache noch vor dem Schwurgericht zu verantworten haben wird, leugnete zwar hartnäckig d,e ihm zur Last gelegten Er- Pressungsversuche, aber auf Grund des Indizienbeweises wurde er antragsgemäß zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ein trübes Sittenbild wurde gestern vor der 4. Strafkammer des Landgerichts I auf- gerollt. Unter der Anklage, ihre eigene 16jährige Tochter dem Laster in die Arme geführt zu haben, hatte sich die Witwe Katha- rina K r e i t l o w bor dem Strafrichter zu verantworten. Vor einiger Zeit fiel den in der Friedrichstraße und Unter den Linden stationierten Beamten der Sittenpolizei eine ältere Frau auf, die sich stets in Begleitung eines jungen und auffällig ge- kleideten Mädchens. befand. Die Beamten beobachteten, daß die Frau häufig Herren ansprach und dann mit diesen und dem Mäd- chen eine Droschke bestieg, die dann gewöhnlich eine längere Spazier- fahrt durch den Tiergarten unternahm. Am 21. Juni d. I. sprach die Frau an der Ecke der Friedrich- und Mohrenstrahe einen Herrn an, dem sie mit mehr als deutlichen Worten ihre Tochter anbot. Sie war nicht wenig erschreckt, als der betreffende eine kleine Marke hervorzog und sich als der Kriminalschutzmann Wild legitimierte. Die Festgenommene war die jetzige Angeklagte Kreitlow. Die Ermittelungen führten in einen förmlichen Abgrund mensch- licher Verirrungen hinein. Es ergab sich, daß der Ehemann der Angeklagten, der früher Magistratsbeamter in Köln war, ein ar- beitsscheuer Mensch war, der seine Frau Und seine Tochter unter schweren Mißhandlungen gezwungen hatte, auf die Straße zu geben. In der Wohnung in der Chausseestraße hatten sich wieder- holt in Gegenwart der Mutter die scheußlichsten Orgien abgespielt. Als nach diesem Ergebnis die Verhaftung des Ehemanns Kreitlow erfolgen sollte, nahm er in dem Moment, als die Kriminalbeamten die Wohnung betraten, aus Furcht vor Strafe Gift und war in wenigen Sekunden eine Leiche. Das Gericht billigte der Angeklagten mildernde Umstände zu, da ihr geglaubt wurde, daß sie unter dem Zwange ihres Mannes gestanden habe. Das Urteil lautete auf 1 Jahr und 3 Monate Ge- fängnis. �_ Mocken- Spielplan der ßerliner Cheater. Königl. Opernhaus. Geschlossen. Neues könlgl. Oper»- Theater. Sonntag: Mignon Montag: Der Ring deS Nibelungen. Siegsried. DtenStag: Der Wafsenschmicd. Mittwoch: Der LiebeStrank. Donnerstag: Der Ring des Nibelungen. Gölterdämmerung.(Aniang 6'/, Uhr.) Freitag: FigaroS Hochzeit. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: Der LtebeStrant. Montag: Tannbälller. Ansang 71/, Uhr. Königl. Schauspielhaus. Sonntag: Der Familientag. Montag: Der KrampuS. Dienstag: Dl- Well in der man sich langweilt. Mittwoch: Wallcnsteius Lager. Die Piccolomini. Donnerstag: Wallenstcins Tod. Freilog: Der ZkrampuS. Sonnabend: WallensteinS Lager. Die Picco- lomim. Sonntag: WallensteinS Tod. Montag: Famülentag. Ansang ?'/. Uhr. Judith Donnerstag: Herr und Diener. Freilag: Faust. Sonnabend und Sonntag: Herr und Diener. Montag: Der Wide: spenstlgen Zähmung. Ansang 71/j Uhr. Deutsches Theater(Kamm erspiele). Sonntag: Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Montag: Scherzo und neue Tänze. Dienstag: Der Arzt am Scheidewege. Mittwoch: Die Komödie der Irrungen. Die Heiral wider Willen. Donncrslag: Scherze und neue Tänze Freilag. Sonnabend und Sonntag: Die Komödie der Irrungen. Heirat wider Willen. Montag: Scherzo und neue Tänze. Ansang S Uhr. Lesflntz Tdrater. Sonnlagnachmittag S Uhr: Das Konzert. Abends: Wenn der innge Wein blüdl Montag: Der Bund der Jugend. Dienstag: Wenn der junge Wctn blüht Mittwoch: Die Stützen der Gesellschast. Donnerstag: Wenn der junge Wein blüht. Freitag: Nora. Sonnabend und Sonntagabend: Wenn der junge Wein blüht Sonntagnachmlltag 3 Uhr: Tantris der Narr. Montag: Tin Voltsseind. Ansang 8 Uhr. Kleines Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Allabendlich: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Ein idealer Gatte. Montag: Erster Klasse. Die verflixten Frauenzimmer. Ansang 8 Uhr. Neues Schauspielhaus. Sonntag: Sternenhochzeit. Montag: Ueber unsere Krast. Dienstag: Die Jungstau von Orleans. Mittwoch: Sternenhochzeit. Donnerstag: Die Jungsrau von Orleans. Freitag: Sternenhochzeit. Sonnabend nachmitttag 3 Uhr: Weh dem, der lügt Abends und Sonntag: Sternenhochzeit. Montag: Ueber unsere Krast. Ansang 8 Uhr. Berliner Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Llbends bis DienSIag: Der scharst Junker. Mittwoch: Taifun. Donnerstag und Freitag: Der scharse Junter. Sonnabend: Taisun. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pension Schöller. Abends und Montag: Der scharst Junker. Ansang 8 Uhr. Neues Theater. Sonntag bis Dienstag: Kean. Bon Mittwoch bis Montag: Der G. m. b. H.-Tenor. Ansang 8 Uhr. Modernes(Hebbel-) Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die beste der Frauen. Allabendlich bis Sonnabend: Der Doppclmensch. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Die beste der Frauen. AbendS und Montag: Der Doppelmensch. Ansang 8 Uhr. Komische Oper. Sonnlagnachmittag 3 Uhr: Tosca. MendZ: Die Bohsme. Montag: Ticsland. Dienstag: Die Bohöme. Mittwoch: Hoffmanns Erzählungen. Donnerstag: Die Bohsme. Freitag: Der Arzt wider Willen. Sonnabend: Die Bohsme. Somitagnachmitiag 3 Uhr: Der Arzt wider Willem Abends: Die Bohsme. Montag: Tosca. Ansang 8 Uhr. Thalia-Theater. Sonntag bis Freitag: Polnische Wir tschast. Sonn- abendnachmittag 3 Uhr: Aschenbrödel. Abends: Poln sche Wirbchast. Sonntagnachmiltag 3 Uhr: Der Hochtourist. AbendS und Montag: Polnische Wirtschast, Ansang 8 Uhr. Schiller-Tbeatcr<». Sonntagnachmittag 3 Uhr: Die Ehre. Abends: Robert und Bertram. Montag: Der Dummkops. Dienstag: Das Urbild des Tartüff. Mittwoch: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Donnerstag: WallensteinS Tod. Freitag: Das Urbild deS Tartüff. Sonnabend: Der Dummtops. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Dle Ebre. Abends: Robert und Bertram. Montag: Sodonis Ende. Ansang 8 Uhr. Schiller- Theater(-Hartottenburg. Sonntagnachmittag 8 Uhr: Egmont. Abends: Der Dummlops. Montag: Sodoms Ende. Dienstag: Prinz Friedrilh von Homburg. Mittwoch: Der Dummkops. Donnerstag: Kabale und Liebe. Freitag und Sonnabend: Prinz Friedrich v. Homburg Sßirntnn ♦ Sonntagnachmittag 3 Uhr: Egmont. Der Dummkopf. Ansang 8 Uhr. ck-O........... AbendS: Dle Llebe wacht. Montag: Friedrich-Wilhrlmstädiisches Schauspielhans. Sonntagnach- mittag 3 Uhr: Revolutionshochzeit. Abends bis DienSIag: Krieg im Frieden. Mittwoch: Krienrhilds Rache. Donnerstag und Freitag: Die Räuber. Somiabendnachmittaa 3 Uhr: Kriemhilds Rache Abends: Krieg im Frieden. Sonntag und Montag: Die Räuber. Ansang 8 Uhr. Nene» Operetten- Theater. Täglich: Der Gras von Luxemburg. (Ansang 8 Uhr.) Diesen und nächsten Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Glocken von Corneville. Residenz-Thearer. Allabendlich: Nodlooss oblige. Ansang 8 Uhr. Th ater des Westens. Täglich: Die schönste Frau. Diesen und nächsten Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Di« geschiedene Frau. Ansang 8 Uhr. Trianon- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Pariser Witwen. Allabendlich: Der heilige Hain. Ans. 8 Uhr. Nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: Thsodore u. Cie. Berliner Volks- Oper. Sonntagnachmittag 3«/, Uhr: gar und Zimmermann. Abends: Die weiße Dame. Montag: Don Juan. Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch: Undine. Donnerstag: Die weiße Dame. Freitag: Wilhelm Tell. Sonnabend: Der Trompeter von Säckingen. Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Der Freischütz. AbendS 8 Uhr: Die Astikanerln. Montag: Don Juan. Ansang 8'/, Uhr. Luise»- Theater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Hüttenbefitzer. Abends: Preziosa. Montag: Der Fähnrich im Kloster. Dienstag: Berlin geht zu Bett. Mittwoch: Der Hüttenbesitzer. Donnerstag: Der Fähnrich im Kloster. Freitag: Am grüne» Weg. Sonnabendnachmittag 3 Uhr: Frau tioBe. Abends: Am grünen Weg. Sonntagnachmittag 3 Uhr: Der Hütten- esitzer. AbendS: Berlin geht zu Bett. Mmttag: Der Hütlcnbesitzer. Ansang 8 Uhr. LustspiclbauS. Allabendlich: Der Fcldherrnhügel. Ansang 8 Uhr. Diesen und nächsten Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS Leutnantsmündel. Metrovol- Thcaicr. Allabendlich: Hurra l— Wir leben noch l Ansang 8 Uhr. Herrnfetd-Theater. Täglich: Ein verlorene Nacht. (Ansang 8 Ubr.) Easlno-Theater. Tägllch: Der Heute nachmittag 3'/, Uhr: Berühmte mittag 3'/, Uhr: Mutter Gräbert. Rofe-Tbcater. Sonntagnachmittag 3 Uhr: DaS neue Gebot. Abend«: Die Verschwörung der Frauen. Montag: Fritz Reuter. Dienstag: Die Räuber. Mittwoch: Das neue Gebot. Donnerstag! Frttz Reuter. Fretlag: �: Die Räube ächter. Der Derbyfieger. Rudolf.(Anfang 8 Uhr.) Nächsten Sonntag nach- Sonntag: Kontag: Die Räuber. Sonnabend: Fritz Reuter. Sein Prinzeßchcn. Ansang 8 Uhr. Folies E aprice. Allabendlich blS auf wettereS: Der Feldwebelhügel. Ansang 8'/. Uhr. Avollo-Tbeater. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Dstse» und nächsten Sonntagnachmittag 3'/, Uhr: Spezialitäten. Passage- Theaicr. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Spezialitäten. Allabendlich: Spezialitäten.(Ansang 8 Uhr.) Urania» Tdcnier. Tanbenttr. 48/4». sonntag: Der vlerwaldUitter See und der Gotthard. Montag: Rund um Asten. DtenStag: Durch Indien und�Ectilon. Mittwoch: Die Batterien Donnerstag: Der Bter- waldstätter See und der Gottbard Freitag: Rund um Asten. Sonnabend und Sonntag: Der Vterwaldstätter See nütz der Gotthard. Montag: Unbestimmt. �" Sternwarte. Jnvalidenftr. 57—«2. Apotheker Kumbier's Bequeme Hauskur ohne Ditft ..llerlltierSlahlbriiiiiicn'' fett CS Jachten»on dewährter He tlktast de««vtntarmut, Bleichsucht, Rervenletden, Mäste«-, Darm-, �eber� GaUenstein., Nieren«. vlasenleiden» Nstr»««»- ttSmaS, Kich», Jschie»S, �nngenkatalrst. Atembefchlverde«. 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Verbandsangelegenhriten. �ilckler. Bilden: SV.tUjr(alkich nach Feierabend) im Märkischen Hof» vdmkal» stratze I8o> BUdeeten I: abend« B>/, Uhr(gleich nach geleravenb), in den Nanny». Fcslsälen, Naunhnilr. 6. BUde»ten II: abend» 51/, Uhr(gleich nach Feierabend) im Reichen» berger Hof, Rcichenberger Sir, 147. Onten 1: 51/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Merkowski» Nndreasstr. LS. Voten II: 5'/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Litstn, Memeler Str. öl. 1. Punki der Tagesordnung: Vortrag. Voten III: b'l, Uhr(gleich nach Feierabend) in den Prachtsäle« beb OstenS, Franlsurter Allee 153. Oestllche Vororte: abend« 51/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Arnold. Franksurier Chaussee Slö. Rordonten: b'/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Poeter. Weberstr. 17. Horden: 5*/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei Obigl». Schwedter Slrahe 23. Zkordwe»ten(Wcdding-Moabit): S'/, Uhr(gleich nach Feierabend) bei KoczarowStt. Ravenisir. ö. KVelLenoee: S Uhr(gleich nach Feierabend) im Prälaten» König- chaussce, Lehderstr. 122. KUcbcnmöbelbraticbe. 9atttn' PmlrtTot«' Uhr abend» im GewerkschaftSha«». Engewser 1b, 4(ArbetiSlolensaal): Versammlung sür Vertrauens- Männer und Delegierte zur Generalversammlung. VCfgOldCI*. 8 Uhr im GrwerkschastShauS. Engeluser IS, Saal i. Tagesordnung: Vortrag über.Berusstranthetten'. Reserent: 0r. tiurt ilabilnoobt. Stockarbeiter. na« S-'-r°°end) b.> v-rcht. 1. Punkt der Tagesordnung! Der Streit tn der Stochabril Psohl in EberSwalde. k?orbmacber um 8',, Uhr bei«ollschllger»«dalbertflr. S1. Polierer» Beizer und jilaga-inarbeiter. Bilden, BUdonten, Südwesten: B'/, Uhr(gleich nach Feierabend) im Märkischen Hof, Ädmiralstr. 18o. I. Punkt der Tagesordnung i Vortrag de» Genossen Jahn. Osten: 5'/, Uhr(gleich nach Feierabend) im Ost-Kasino. Frankfurter Sillee IM. t. Punkt der Tagesordnung: Vortrag de» Kollegen stltavhko über »Soziales Empfinden". Morden: s Uhr abends im Swlnemitnder GrsellschaftShauS, Swine- Münder Str 42. in4\rfrt-4i-k?{(pot- 6 Uhr abend»(gleich nach Feierabend) im Mir- mavtera, velicr. llfdjen �ofj Admiralstr. i8o. vredifler» Treppengeländer- und Luxuamöbel- braNcKe S1/, Uhr bei vorker. Weberstr. 17. I. Punkt der Tagesordnung: Bericht über die Lohnbewegung. Elsirtisvlilvn. Dienstag, 8. November, abends 8'/s Uhr, im GewerfschaftShauS, Engelufrr II/IS. Saal 4: Ziißcrirdkiitlilhe Krlililhell-pcrsliliiiiilillig. 1. Punkt der Tagesordnung: ArbettÄnachwrid und Arbeits- Vrrmittelung. Reserent: Kollege vloelee. Donnerstag, den tO. November: Versammlungen für den Bezirk Südwesten und die Branche der Modelltischler. W-Terliil der Hier VMM Zweigverein Berlin.— Sektion der GipS- und Zementbranche. ZiMiilitm, Einslholn nah Kilssnrhkifer. Dienstag, den 8. November tvIO, abends S'/j Uhr im Gewerkschaftshans» Engel-Ufer 15, Saal I: Mitglieder- Verramtfilutig. Tages-Ordnung: 1. Der Deutsche Vauarbeiterverband. 2. Neuwahl de» Branchen- Vorstandes. 3. itvahl der Delegierten zur«aukonseren». 4. vor. schlage zum Sektionsvorsiveuden. b. Die Gewerbegerichtswahl am 13. November. 6. verschiedenes. 132/5 UV Mitgliedsbuch legitimiert! MG Zahlreichen Besuch erwartet ver Beletlonsrorstnnd. (>VeiM>in ck über»Kapital und Arbeit-. 2. Ist eS notwendig, dast die Kerum cher in der Agiiatlonslommliston oer- treten stnd 7 3. Verband», und Vrauchcnangelcgenheilen. Da» Erscheinen aller in Frage kommenden Kollegen wird erwartet. Montag, den 7. November, abends 8 Uhr: Bezirks-Nersatnmluttg für den 20. und 24. Bezirk in Frankes Festsälen, Badstrafte lv. Fortsetzung der DtSlusslon von der letzten BeztrkS-versammIung. Zahlreicher Besuch wird erwartel. Ohne Mitgliedsbuch lein Zutritt. Ahw»! eise»', liietall' und Kevotverdkeher Kundichleikei'. Donnerstag, den 10. November, abends 7 Uhr: /yererdenii. Vertrauensmänner-Konferenz im„Nosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11/12. RV Alle Kollegen müssen vertreten sein, d. h. aus jeder Werkstatt muh ein Kollege zugegen sein. AIS Legitimation dient da» Mitgliedsbuch. Unseren Mitgliedern zur Kenntnis, dast Metall- arbeiter-Notizkalender für tiUt a 60 Pf. bei den Ve» zirkskaffierer» und im Bureau zu haben sind. 124/20 Die Ortsverwaltong. Dienstag, den 8. November, abends 5% Uhr: = Versammlung= aller grostjährigen Kassenmitglicder der orttkritoltellksiie Sek Leid- u. �invglever zu Berlin im„Stwerdschafishuuse", Engtlnfer IS. Saal l den 16. Skodember, abend» Delegiert enwahl sür da» TageS-Ordnun 1. Stellungnahme zu der am DtevStag, S Uhr im GewerkschastShause stattfindenden Jahr lllll. 2. Ausstellung von 54 Kandidaten. Kollegen: Da» Erscheinen aller in Frage kommenden Kollegen nnd Kolleginnen tn dieser Versammlung ist w Anvetrachl der großen Wichtigkeit der Tagesordnung dringend nolwendig� Desgleichen fordern wir die Kollegen und Kolleginnen aus, sich recht zahlreich an der am 15. November, abends Ssi, Uhr, stattfindenden Wahl zu beleiligen. Wahlberechtigt find all« großjährigen Arbeiter und Arbeiterinnen. _ I. 21: tiui-tav Bchwabedahl. Zentral-Verband der Scltuhmacher Deutschlands. Montag, den 7. November 1910, abend» S>/, Uhr, dei Oblnlo, Schwedter Str. 83/24< der Oeffentliche Bezirksversammlung : Schotzarbeiter des Bezirks Norden. TageS-Ordnung: t Unsere nächstm Ausgaben. Reserent: Kollege Krause. AnSsprache. L. Freie Lk'aneden-Vepsammlung der Baltfehuhmacber bei BOker, Weberstr. 47. Tagesordnung! 4. Dtt vallschuhmacherftre» in Dresden. S. Bran�-nangelegenhesten. Voranzeige. Sonntag, den 13. November, abends 6 Uhr, tn den Sophtenlälen. sophienftraße 17/18: Versammlung. Bortrag: Di« Er- »iehimg der Jugend In der Arbeitersamllie. Nachdem gemütliches vetsammeuset». 170/4__ Die Ortsverwaltung. jür Hemmest Ilmgegend. Am Montag, den 21. Navbr.» abends 8 Uhr, findet im Restaurant von Singer. Pviestersir. 81, ein« Ordentlicbe CeueralvenlDcg statt, zu welcher dt« Delegierten hler- mit ergebenst eingeladen werden. Von S—S'l, Uhr findet in ge- trennter Sitzung die Wahl von 2 Arbeitgebern und 3 Arbeitnehmern zum vorstände statt. Um 8'/, Uhr: Gemeinsame Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschällliche Mitteilungen. g. Wahl beö RechmmgsauSschusseS pro 1210. a Verichi-dene«. 279/8 Anträge zu diese» Generalversammlung müsien 10 Tage vor derselben bei dem Vorsitzenden eingereicht werden(g 51 de» Stalut»). RowaweS, den 5. November 1210. W. K»r»ten, K. Wille, Borfitzender. Schristsührer. NB. Sletchzestsg geben wir Ve- kannt, daß Medizm'cheine von jetzt ab auch tn den Fadri Ikontoren au». gegebm werden. D. O. Ortskraukenkasse der Graveure, Ciselcnre und anderer künstlerischer Gewerbebetriebe zu Berlin. Am Freitag, de» 18. Novbr.. abends? Uhr, findet Engeluser 15 (GewerkschastShauS), Saat 1, die Ordentl. ßenerai-Versammlung statt. 279/14 Tagesordnung: 4. Geschästliche». 2. Abänderung der§9 11, 14, 19, 12a, 13, 29, 18 und 64. a Wahlen zum Vorstand a) 3 Arbeitgeber, a) 6 Arbeitnehmer. 4. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der JahreSrechmmg. 5. Bericht von der �adreSversammlung von OrtS- krankenlassen. 6. Berschtedene». Zahlreiche BeteMgung der Dele- gierten erwartet Der Vorstand. Orts. Krankenkasse der Knpferschmiede. Mittwoch, den 46. Novbr. 1010, vorm. 10 Uhr. Rosenthaler Str. 11/12: General« Versammlung. Tage». ordnung stehe üb-rsandte Ewladung de» vorstand«». 17020 Orts-Krankenkasse für das Kitrhlltiittgkilicrht zu Berlin, Weinmeisterstr. 8. Bekanntmachung. Die gemäß§ 42 Abs. 2 und 3 de» KafieiistatuIS vorzunehmenden Dahlen der Vertreter zu den General. Versammlungen sür die Jahre 1211 und 1212 finden am Dienetag. den 10. November d.I.. im Gnglt'chen Garten, Jnh. Karl Hosfmann, Alexander- strafte 27c(Großer Saal) statt Zu wählen stnd 77 Arbeltgeber. und 155 Arbettnehmer-Veitreler. Die Herren Aibestgeber wählen pütttllich 7'/. Uhr. Jeder Arbeitgeber— nur diele stnd wahlberechtigt— hat bei dieser Wahl eine Slmim». Wählbar find dagegen außer diesen seibst noch Ge. schäsisssihrer und BelriebSbcamte; anch wenn sie der Kaste al» ver. sicherte Mitglieder angrdbren.(ofr Rundschreiben vom 30. Oktober d. I.) Die Heiren Arbeitnehmer wählen von 8—0'i, Udr abend». Waol- berechttgl und al» Vertreter wählbar sind all« großjährigen und tm Be- sitze der Ehrenrechte befindlichen Mi. glicder tll» t/eglttmatton bleut bei dieser Wahl da» Milglledsbuch. Die Herren Aroeilgeber werden gebeten, diese» aus Verlangen den Mitgliedern sür dsesen Abend au». zuhändige». 272/13 Der Vorstand. Otto vlirlob, Vorsitzender. Orts-jirankeukasse der Schneider. Schvkidrriüntllll. oerioaildter Gewerbe zu Berlin. Wahlversammlung der Arbeitnehmer. Montag, den 14. November 1210, von na�-n. S Ubr bis abend» 10 Uhr: Ergänzungöwahlen der Vertreter zur Generalversammlung in Wllkes Fesuaian, Sebasttanftr. 39. Tagesordnung: Wahl von 257 Vertretern der Kafienmiiglieder gemäß z 42 de» KaflenftalulS(S. Abänderung). Legitimationskarte» hierzu er» halten die Mitglieder im Kasscnlokal, Sebastiaiistt 37/38, gegen Vorzeigung de» Mitgliedsbuches oder BeschctnI. guna über eine, die VerfichcrungS. !'sticht zur Kaste begründende ve. chäsligung.— Um l0 Uhr werden sie Türen geschlosten. Später« lammende verlieren ihr Wahlrecht. Wahlversammlung der Arbeitgeber. Dienstag, den 15. November 1210, abends von 8 btS 10 Uhr: Ergänzungswahlen der Vertreter zur Genera!»» Sammlung tm l(»»»»n>al(»t, Sebastiaoftr. 87/38. Tagesordnung: Wahl von 100 Vertreter«»er Arbeitgeber gemäß 9 42 de» Kasten- slalul«(6. Abänderung). Al« Legitimation dient die letzt« Rechnung oder Aiimeldebescheinigung. Um>0 Uhr werden die Türen ge- schlössen. Späterkommende verlieren ihr Wahlrecht.' 279/10 Wahlberechtigt und wählbar find männliche und weibliche Arbeit. geber icjp. Kassenmilgiieder, welche groftjädrig und imBefltze der bürgerlichen Ehrenrechte find. »»er Vorstand. Gustav Nahtow, Paul Dartft. __ Vorsitzender._ Schristsührer. Grts-Krankenkasse für da» Tlljitjikrcrgkinlrhe z« verltn. Freitag, den 41. November 4V40 abend« 8'/, Uhr, tm- Gewerkschastsbanse. Engel-User 15, Saat 7:. Ordcntllehe General-Versammlung wozu die Herren Vertreter der Arbeit« geber und Arbeitnehmer ergebenst eingeladen werden. Tagesordnung: 1. RechnungSbericht. 3. Bekamtt. machung der Beschlüsse deS Vor. stände». 8. Wahl von 6 Vorstands- Mitgliedern(2 Arbeitgeber, 4 Kasten- Mitglieder). 4. Wahl deS AnsschusscS zur Prüsnng der Jahresrechnung sür 1210. 5. Staluienabäuderung, ß 4L. 6. Verschiedenes. Zahlretchen Besuch erwartet 279/11 Der Vorstand. __ H�L o b i tz, Vorsitzender. tz««SOS«»«0«S»S««S«> l Zepernick-Bernau. Parzelle von Z20U an(ca OOnR.) Kleine Anzahinng u. lanajai.ngc Hypotheken Pläne gratis. Verkaufer ständig am Bhi. Zepernick. J. Kieger. Berlin. Gontardftr. 5. ♦——— OtOBMi— droße?lrma leppichB, Gardinen, Stores, Portleren auf Detlzahinng ohne Anzahlung. Kewe Kaisterer. Chiffre S. t00.»vor- wärtS'-Spedltwu, Augustftr. 50.» keksnntmzchllvg! Orts- Krankenkasse für daS Gewerbe dkl VkrfrrtigllllgliollMuflK' inßriunmtrn. Sonntag, den 13. November 1910, verviiltag» 9'/, 61« 11 Uhr, im Lokal« de« Herrn B e Ii n t«, Müuzftr. 17(Elng. KönigSgraben): Allgemeine Mitgliedtr�ersammlurrg. Tagesordnung: Vortrag über dl« Relchsder- fichernnasordunug: Reserent: Herr C. Koblenzer. ?lm gleichen Tage finden w dem- selben Lolal» die Wahlen der Delegierten zur Gcueraiver- iammtuiig statt und zwar: Für Arbeitgeber von 11 bi» 11-/, Uhr oormiilag». Zu wählen find 44 Vertreter au» den Rtlhrn der Arbeitgeber (9 49 de« Statut»). Für Arbeitnehmer von 11'/, bi» l Uhr. Zu wählen stnd»0 Vertreter au» den Reihen der Kastenmllglleder (§ 49 deS Statut»). Mitgliedskarte, legitimiert. Zahlreiches n. pünktliches Er» scheinen erwünscht. 273/2 Der Vorstand. Oris-Krankenlinssk der Grld' llndZiungikßtrv�l,». Dienstag, den 15. November er« abends von 5'/,— 7 Uhr, tm GrwertjchaftShauie. Sngei-User 15, 1 Saal 3: cor Watal von 54 Delegierten der Arbeitnehmer für das Jabr 1911, wozu sämtliche grobjähri>,cn Kassen« miiglieder hiermit einzciaden find. OnittungSbuch oder Bescheinigung vom Arbeitgeber legitimiert. 1. Wahl der DelrgieNen. 3. Fest. ftellung de» Wahlresultat» und Kastenangelegen Helten. Auslagen, welche Einsicht in die Kastenbiichcr erfordern, müssen späte» ften» 8 lag« vorher im kastenlokal angezeigt werden, widrigenfalls solche nicht bcrülkfichttgt werden können. Abend» von 7'/,— 8'/, Uhr,«bendort im Saal 2: Rudi voo 28 Delegierten dar Arbeitgeber, wozu sämtliche Herren Arbeitgeber, welche ein Drillet an» eigenen Mitteln zur Kaste zahlen, hiermit eingeladen find Räch 3>/, Uhr: Feststellung de» Wahlresultat». 17l7b B e r t i n, den 8. November 1210. Der Vorstand. W. Schutt. Vorfitzender. H. Feuer, Schristsührer. der Dredislkr- Innung. Montag, den 7. November 4940 abend» 8 Uhr. im Gewerkschaftshause, Engeluser 45: Nrrsnrurulllug 1. der oroßiährigen KassenmttgNeder zur Autstevung von SO Vertreter» (Delegierten) zur Generaloersamm- lung, Saal 7; 2 der SimungSmItglleder, welche für die bei ihnen beschäftigten Per» Ionen Beiträge au« eigenen Mitteln »ahlen, zur Aufstellung von 30 ver» krelern(Delegierten) zur General» verlammlung, Saal 10. Montag, d. 44. November 4949, abend» 8 Uhr, in demselben Lokal« Wahlvkrsammlirns 4. der großjährigen kastenmtt» gkleder: Wahl von SO Verireter» (Delegierten) zur Generaloersamm- lung. Saal 7; 2. der Jnnungsmitglleder. welche sür die bei ihnen beschäsiigten Per» jonen Beiträge au» eigenen Mitteln zahlen: Wahl von 30 Vertretern /De» legierten) zur Senerawettammlung, Saat 2. 272,12 DI« Versammlungen der Kassen» Mitglieder und der JnnungSmitglieder finden in getrennten Räumen statt. Für die Kassenmitglieder legitimiert das Kastenbnch. Für die JnnunaS» Mitglieder legitimiert die letzte Bei» tragSquittung zur Krantenkaste. Der Vorstand. Otto l-lldtke, Vorsitzender. Ortskrankcnknfle der Zigarrenmacher, Zigarettenmacher» Zigarren sortierer «. deren gewerb!. Hilfsard. »« verltn. Montag, den 44. Nobemb. 1910, ab.nd» 7'/, Ubr, im unteren Saal der Muntersäle, Katser-WUhelm» strafte 18m: Wähler-Bersammluug der Arbeitgeber. Wahl von 71 Delegierten zur Ge- neralversammluna. In demselben Lokal und am selben Tage abend« 8'/. Uhr: Wähler-Bersammlung der Arbeitnehmer. Wahl von 181 Delegierten zur Oe- neraloersanmilung. 1711b MziiedSbu» legitimiert. Der Vorstand. toffert, dem G! Unserem Genossen,. Gastwirt Karl Kaiser'ß. 1 in Treptow zu seiner am � 1. November er. stattfindenden® fUbcruen Hochzeit die bestenSb- i Deine alten Freunde*. Berlin 4. —— ♦♦••••aGGWGfi' ®«...«.». s! i . Zur Silberhochzeit des Ge. »nossen llennann llenner und seiner Sbesrau Zinna geb. "eiche,'.' m gratulieren S. X. Holzendorl henbergerstr. 57) «»»SSSSSzz. & Die herzlichsten Glückwünsche xiü vst zur Silberhochzeit ihres A- � langlähiigen Genossen w Mn Bayer nebst Frau| & sssssssosesesee» SozlaliSeGioRretiseherWaiiiyerelfl für den 4. Herl. Reiclistags-Wahllcreis. Stralauer Viertel. Bezirk 224. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Monteur Kar! Ltiller Zaich lftr. 6 gestorben ist. Ehre seinem Audenkrn i Die Beerdigung findet am Montag, den 7. November, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Zentral-FitedhoseS in Friedrichssclde au» statt. Um rege Beteiliguna«sucht 221/18_ Der Äoritand, Hierdurch die traurige Nach- richt, daß der Rcntenempsänger Karl Stiller Fruchtstr. S,S am 2. November nach langem. schwerem Leiden sanst verschieden ist. Um stille» Beileid bstten au Marie f. Typlnakl. ermann Klage. Die Beerdigung findet am Montag, nachmittag» 2 Ubr, von der Leichenhalle de» Zentral- Friedhofe» in Friedrichsseide mi« statt. 284/16 Fra Her IBr den I. Berliner ReiebstaoswabM. Landsberger Viertel. Bezirk«10. Teil IL Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse, der Stell- macher �osepk Maier Pasteurstraße 26, gestorben ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. November, nach. mittag« 1'/, Uhr, von der Leichen- balle deS Krankenhauses Friedrichs. Hain au» nach Friedrichsfelde statt Um rege BeteUiaung ersucht 22i/l7_ Der Vorstand Deutscher Holzarbeiter- Verband Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Stell- macher �osepli Maier am 3. November gestorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 7. November,»ach- mittags 1>/, Uhr. vom Kranken- hau» FriedrichShatn aus noch dem Zenlral-�riedhos in Friedrichs- Um rege veteillgung ersucht Die LrtSverwaltung. SezialdeiniMselier Vablrereln Bezirk Weißensee. Ilm 4. November verstarb unser Mitglied. der Materialwaren- Händler .A.dolV.patil nach langem Leiden im Alter von 71 Jahren. Ehre seinem Andenken! Di« Beerdigung findet am Montag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle de» Gemeinde- FricdhojeS in der Rölckcstrahe aus statt. Um zahlreich« Beteiligung bittet IS/S Die Bezirktleitung. Gestern nachmitta verschied sanst na unser um 3 Uhr ,.____, längerem lieber Freund Leiden Hermann Deiietm Freunden und Bekannten zur vorläufigen Nachricht. /Udert und Agnen Groth. Sozialdemokratischer WahlvereiD Charlottcnburg. Gruppe 3, Bezirk 28. Den Genessen zur Nachricht, daß unter Genosse, der Gastwirt .lobannes Strößel am 8. Roveniber morgens 8 Uhr nach langem Leiden im Aller von 53 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Dt« Beerdigung findet am Montag, den 7. November, nach. mittags 3% Uhr, von der Kapelle de« St, PhilippnS-Npollel-Fried. hos», Müll-rstr. 44,45. auS statt, Die Parteigenossen tressen fich um 1'/, Ubr im Restaurant Rowe, Reuchlinstr, 8, H Um rege Beteiligung ersucht [250/16 Per Voratand.- Am Donneistag, den 3. d, M,, morgen« 3 Ubr, oerstarb nach längerem Siechtum mein lieber Mann, unser Voter und Schwieger- oaier, der Arbeiter «Joksiines Strößel. Ehre feinem Andenken! Di« Bcerdtgung findet am Montag, den 7. 5, MlS„ nach- mittag 3>/. Uhr von der Kapelle des st. PbifipPuS.Apostel-Frtcd- Hose», Müllerftr, 44/45, auS statt. Um stilles vetleid bitten Die trauernden ttinlerbtiedenen. Therese Strößel, geb GrleBhammer, und Kinder. Sozialtakrat Wahiverein Adlershof. Nach kurzem aber schwerem Leiden verstarb am Soiinabeiid, den 5. November, die Genossin Id» Ugner geb. Suckow. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdiaimg findet am Dienstag, den 8. November, nach. mittag',,5 Ubr, vom Trauer- Hause, GenossenschastSstraße 7, aus statt. Rege BeteMgung erwartet Der Vorstand. Sozialdemokratischer Mereio Bezirk Mallisdorf. Todes s Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin Frau inna Waltber geb. Fettlng verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Soimlagnachmitiag 3'/, Uhr von der Leichenhalle. Bahnhosstratze, au« statt. Um zahlreiche BeteMgung ersucht 232/6 Dir Be�rkaleitung. Danksagung. die Beweise herzlicher Teil- nähme und reichen Kranzspenden bei der Bcerdtgung meines lieben Manne». des Gürtlers Helnrlcl» Bothe sage ich allen Verwandten, De- kannten, besonders dem Woblverein vaumschlileiiweg. dem Sängerchor .LiedeSsreundschast-, de» Kollegen und Inhabern der Firma Motler, sowie dem Deutschen Metallarbetter-Berband meinen innigsten Dank. Berta Bothe. Gardinen' Fabrik: GardinenhauS Bernhard Schwartz Wallstr. 13 Für dt« Beweise herzlicher Test- »ahme und reichen Kranzspenden»ei der Beerdtaung meine« lieden Manne«, unsere« gute« Bater», de« Gastwirt» 1708b dtilius Pilzecker wir allen Vawaudten und ten. dem Wahlverei» de« Bs» Stt wrsercn herzlichen Dank. Witwe l nuinwr und Kinder. Extra- Abtoiliing 1 1. Geaoh.; Berlin W, Mohren 8traBe37al2 Hau»»on der] Jerutalerner StraBe). | II. Gesch.: Berlin NO., QroBe 1 Frankfurt. Str. Iis(2. Haue| von der AndriastiraBe). Sohrrr. Auöw.fore. Kleider,{ 1 HBte, Handschuh«, Schleier ■•t«. v. einfachsten bis siiqj | hochelegant. Genre z.aoCerst j niedrig«» Preisen. Sender-Abteilung: SXaBanreptlgunc in 10 die 12 Stande». Verzogen von Schivelbeiner Str. 11 Baoh Schönhauser Allee 113, Ecke Schivelbeiner Straße. Dr. Moritz« prakt Arzt. D/e Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von hr. med. Sc aper, BERLIN- Prota I Mark. W 7 te. 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Preis M. 0,60. Angesicht« der Erschwerung der Lebenshaltung, der Preissteigerung aller notwendigen Bedürfnisse und der Opfer des Kampfes ums Ossein sollte Jader denkende Arbeiter diese vom Parteistandpunkte aus geschriebene Broschüre lesen. 292/9* Durch alle Buehhandlungea und Kolporteure zu beziehen. Kolporteure erhalten hoben Rabatt! mit sehten Platinstiften(in geeigneten Pfillen Dietorix) mit Kautsohqokplatte einbereohnet und anter Garantie für guten Sitz und Brauchbarkeit. 892/15* Zahnziehen fast schmerzlos 1,00 M. Speziell für nervöse nnd ängstliche Personen zu empfohlen. Holl? euch den wenig bemittelten Patienten die IlClIi Möglichkeit zn geben, sich ein tadelloses Gebiß zn verschaSen, hat die ftefonn-Zahn-Proxis, Abteilung Elsassers tr. 17—18, Palisudenstr. 108 a. Moabit, Huttenstr. 65, wöchentliche nnd monatlich« Teilzahlungen zugelassen. Verlangen Sie per Postkarte den Besuch eines Zahnarztes oder Vertreters. 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Einen Einblick in das Durcheinander, das in der Verwaltung der Stadt Berlin bei der Behandlung und in der Entlohnung srädtischer Arbeiter herrscht� gewährt eine Darstellung, die uns aus den Kreisen städtischer Arbeiter zugeht und der wir folgendes entnehmen: „Da gibt es ein Koalitionsrecht für die Arbeiter(§ 1S2 der Reichsgewerbeordnung); doch der Berliner Magistrat will„Herr im Hause" sein und sagt mit strengster Miene: mit der Arbeiter- organisation wird nicht verhandelt; so ein Ding ist offiziell ein- fach nicht bekannt! Dasselbe Gesetz sieht für die Arbeiter noch eine Reihe anderer Rechte vor, so die Möglichkeit einer Kündigungs- frist— in den städtischen Betrieben Berlins wird das abgekürzte Verfahren beliebt und ganz nach Belieben der Arbeiter plötzlich auf die Stratze gesetzt Was aus seiner Familie dann wird? Ja, latzt sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind. Der„entschieden" Liberale in Berlin hat eine innige Liebe— in den politischen Reden vor den Wahlen wenigstens— für Tarifverträge, paritätische Arbeitsnachweise und manches andere, den Arbeitern nützliche; ja, man läht sich den Berliner Zentralarbeitsnachweis sogar im Etat etwas kosten— benutzt wird aber die besonders angegliederte Abteilung für städtische Arbeiter von keinem städtischen Betriebsleiterl Wollten die bei den periodischen Massenentlassungen in städtischen Betrieben arbeitslos werdenden Arbeiter auf den städtisch subventionierten Arbeitsnachweis zählen, sie könnten bis zum Sankt Nimmerleins- tag warten; denn inzwischen stellt man in anderen städtischen Bc- trieben schon frisch darauf los neue Kräfte ein. Als Extraprofit springt oabei heraus, dag so das Gros der städtischen Arbeiter nie zur Anwartschaft aus Ruhelohn und andere Wohlfahrts- einrichtung kommt. Tarifverträge sind, nach Meinung des Berliner Magistrats, offenbar ebensalls nur Einrichtungen— für andere! In den eigenen Betrieben tarifmäßige Löhne zu zahlen, hält man für überflüssig. Die Entlohnung isr überhaupt daS traurigste Kapitel städti- scher Kommunalpolitik in Berlin. Ein schlimmeres Durch- einander kann es schlechthin nicht geben, als die sogenannte Lohn- „regelung" in den stadtberlinischen Betrieben; sie läßt die Ordnungsliebe des Stadtsreisinns geradezu in bengalischem Lichte erstrahlen. Zwar hat der Oberbürgermeister bei der letzten Etat- iberatung in ocr Stadtverordnetenversammlung endlich zugegeben, daß die Lohnsätze am besten von der Zentralbehörde aus, dem Magistrat also, geregelt werden; aber wiederum ist dieser Theorie nicht die Praxis angefügt worden. Die angeblich zu diesem Zweck eingesetzt gewesene Magistratskommission hat, nachdem sie trst durch die einmütige MandatSniederlegung der Arbeiter- ausschüsse aus dem anscheinend geplanten Winterschlaf auf- gescheucht werden mußte, wieder mal nichts Besseres mit der Lohnordnung anzufangen gewußt, als ein paar SchönheitS- pflästerchen hier und da aufzukleben. Die Beschlüsse derselben, welche der Magistrat auf Drängen der sozialdemokratischen Fraktion kürzlich— nach monatelangem Zögern!— der Stadt- verovdnetenversammlung unterbreitete, ändern nicht das geringste an der bisherigen, durch immer neue„Regelungen" im Laufe der Jahre zum Chaos gewordenen Regellosigkeit und Anarchie. Jede Verwaltung wurstelt danach, wie bisher, auf eigener Faust tveiter. Nach dem alten Schlendrian macht sich jede derselben ihre„Grundsätze"— soweit man von solchen sprechen kann— zurecht und zahlt Stunden- oder Tage- oder Wochenlohn oder— 7Ührt gleich alle diese Entlohnungsmethoden zusammen durch, wie z. B. in den Gaswerken und auf dem Vieh» und Schlachthof, ohne daß die geringste Notwendigkeit für eine derartige Ver- fchiedcnartigkeit vorliegt. Mit den gesetzlichen Feiertagen liegt eS ebenso: einige Betriebsverwaltungen zahlen sie, andere tun es nicht. Trotz einer vorhandenen Verfügung des Magistrats, welche für U eberstunden» arbeit einen Aufschlag von Lb Proz., für Sonn- und Feiertags- arbeit einen solchen von 50 Proz. anordnet, wird hierin ganz willkürlich verfahren und teils ganz miserabel, teils gar nichts für Ueberarbeit gezahlt. Lohnskalen bestehen in einigen Ver- lvaltungen überhaupt noch nicht; die vorhandenen aber lassen an Buntschcckigkeit nichts zu wünschen übrig, indem sie sich auf 2, auf 6, 9, 12 Jahre und so weiter ganz nach Belieben bis auf 24 Jahre ausdehnen. Unübertroffen steht in der Verworrenheit sowohl als auch in der jämmerlichen Unzulänglichkeit der Löhne die Gaswerks- Verwaltung da. Im Reiche des Stadtrats Namslau gibt es nicht bloß eine Einteilung der Arbeiter in etwa KO Gruppen und Gruppchen, sondern auch fast ebenso viele verschiedene Lohnsätze, Lohnskalen, Lohnsteigerungen. So schlecht wie die Löhne, so schlecht ist hier auch die lloberstundenbezahlung, die sogar in jüngster Zeit in den Revierinspektionen noch zu verschlechtern versucht wurde. Zu welchen unhaltbaren Zuständen und Ungerechtigkeiten derartige Ziel- und Planlosigkeiten in der Lohnsrage führen müssen, dafür mögen ein paar Beispiele dienen. Ein Vergleich der Löhne resp. Einkommen der ungelernten Arbeiter ver- schiedener Verwaltungen ergibt, unter Berücksichtigung der regel- mäßig üblichen Sonn- und Feiertagsarbeitsstunden folgendes Bild: Der Jahresanfangslohn eine? GasarbeiterS bleibt also hinter dem der anderen um etwa 40 bis 100 M., der Jahreshöchstlohn um etwa 20 bis SOO M. zurück. Eine Erklärung gibt es dafür um so weniger, wenn man die Durchschnittsarbeitsstundenzahl pro Jahr in Parallele zieht: Straßenreiniger 2772, GaSarbeiter 2912, Kanal- und Markthallenavbeiter 2990 Stunden. Genau so weichen um Hunderte von Mark die JahreSlöhne der qualifizierten Arbeiter voneinander ab, wie nachstehende Tabelle zeigt: Kein Mensch wird einen vernünftigen Grund finden für den Unterschied von 300—000 M. in den Anfangs- bezw. Endlöhnen der Handwerker in den Pflegeanstalten und den Markthallen. Aber was gilt Vernunft den freisinnigen Sozialpolitikern in Berlin! Nur nicht soviel Mühe machen mit den Angelegenheiten der misera plebs—„gründlich" geht man allenfalls bei Gehalts- regelung der Magistratsmitglieder und Beamten vor! In der Frage des Sommerurlaubs ist neben Stillstand und Rückständigkeit gleichfalls Zerfahrenheit Trumpf. Der Magistrat gibt eine Urlaubsordnung heraus— die Betriebsverwaltungen, voran die der Gaswerke natürlich, pfeifen darauf und enthalten den Handwerkern den diesen zugestandenen längeren Urlaub vor. Und so weiter in lieblicher Folge! ES gibt keinen Elnzelzweig der Berliner Ärbeiterpolitik, in dem nicht das Gegenteil von Ordnung herrschte, wo nicht die Willkür das oberste Gesetz wäre. Jetzt hat nun die Stadtverordnetenversammlung ihrerseits eine Kommission eingesetzt, um die Beschlüsse der Magistrats- kommission in der Lohnfrage nachzuprüfen. Und wieder hat ein Vertreter des Magistrats. Stadtrat Fischbeck, in der ersten Sitzung dieser neuesten Lohniommission die Berechtigung der Arbeiter- forderung auf Schaffung einheitlicherer Arbeitsverhältnisse an- erkannt; er setzte zwar hinzu, daß das nicht apk einmal möglich sei— gut. man mache aber endlich den Anfang damit! Mit den vielen Kommissionen, die bis jetzt nach Rezepten des Dr. Eisen- bart herumgedoktert haben, ist der Sache der städtischen Arbeiter nicht genützt. Um hierin voranzukommen, müssen vor allem die Arbeiter selbst resp. ihre Vertreter zur Mitarbeit herangezogen, muß dem Antrage der Gesamtarbeiterschaft der städtischen Be° triebe auf Schaffung eines General- Arbelterausschusses un Sinne des eingereichten Entwurfes entsprochen werden." Partei- Angelegenheiten. Pankow. Am Mittwoch, den 10. November sBußtag). veranstaltet der Wahlverein im„Pankower Gesellschaftshaus', Roczhcki, Kreuz- straße 8/4, einen Unterhaltungsabend unter Milwirkung der Herren Eugen Burmann iRezitaiion) und Heinrich Potters sBariton), des MusikvereinS.Nordstern'arge»dorf dem Verkehr übergeben. Das geschah sogar schon, ehe die notwendige» Arbeiten vollständig fertiggestellt waren. Noch jetzt habe» Tischler, Maler usw. tag?-, vielleicht wochenlang an der Fertigstellung zu tun. Durch das strenge Fest- Kalten am Zehnpfennigtarif für 5 Stationen Fahrt ist aber für alle Fahrgäste, deren Karten sonst bis Halensee rel'p. Schmargendorf galten, eine Erhöhung des Fahrpreises um 100 Proz. eingetreten. Genau so hat die Stadt- und Ningbabnverwaltung schon bei der Eröffnung anderer eingeschalteter Stationen gehandelt. Ohne daß die Strecke verlängert ist, wird der Fahrpreis auf die neu ein- geschobene Station erheblich erhöht. Bei einer Spiritusexplosion schwer verbrannt. In der S ch ö n- w a l d e r Straße 19 hat sich Freitag abend gegen 19 Uhr ein schweres Brandunglück zugetragen. Als dort die Witwe Lehne sich an einem Spiritusgaskocher zu schaffen machte, kam durch eine unvorsichtige Handbewegung der Kocher plötzlich zur Explosiom Es entwickelten sich lange Stichflammen, die die Kleider der Frau in Brand setzten. Ehe andere Personen zu Hilfe eilten, hatte die Un- glückliche an den Händen und an der Brust schon schwere Brand- wunden erlitten, so daß sie von der inzwischen eingetroffenen Feuer- wehr mit einem Tender nach dem Rudolf-Virchow-Krankenhaus ge- schafft werden mußte. Ueber einen Hoteldiebstahl Unter den Linden wird berichtet. In dem Hotel Bristol, Unter den Linden, wurden dem Kommerzien- rat Max von Guilleaume, der dort drei Zimmer bewohnte, für 12 00(> M. Wert- und Schmucksachen gestohlen, darunter eine Gar- nitur Hemden- und Manschettenknöpfe, die in Platina ge- saßt sind, Westenknöpfe aus Perlen, Chemisettknöpfe usw. Dem Diebe, wahrscheinlich einem internationalen Hoteldieb, fiel außerdem noch österreichisches Papiergeld in die Hände. Er wird bielleicht versuchen, seine Beute auf dem Namen des Bestohlenen zu verkaufen, weil er ihm auch Visitenkarten gestohlen hat. In den Grund gebohrt wurde auf der Oberspree ein Schlepp- dampfer der Firma Gebrüder Meier von einem andern Dampfer. Das Fahrzeug sank so schnell, daß der Schiffssührer weder sein Hab und Gut noch Gelder und Bücher in Sicherheit bringen konnte. Berliner Bolkschor. Am 31. Oktober hielt der Berliner Volks- chor seine Herbstgeneralversammlung ab. Als wichtigster BeralungS- gegenständ lag ihm die Frage des Anschlusses an den Arbeiter- Sängerbund vor. Nach langer, reiflicher Debatte beschloß der Chor mit allen gegen 11 Stimmen, dem Arbeiter-Sänger- bund als Mitglied beizutreten. Der Wintergarten bietet in diesem Monat eine Musterkarte von internationalem Gesang n>it»nd ohne Tanz und Kleider-Futterale, von von grotesken Jongleurkünsten(„General La Vine"), von vorzüglicher Katzendressur, von Walzerverrücktheiten und anmutigen Luftakten. Ganz famos ist H o l d e n S Marionettentheater, in dem Salomes ausgelassener Tanz und humoristische Szenen aus dem wilden Westen mit einem echten Cake-walk vorgeführt werden. Die Püppchen tanzen viel besser als die Puppen. Halsbrecherisch kommen uns C o e S equilibristische Unternehmungen aus Flaschenhälsen und Stuhlbeinen vor. Seine Tisch- und Stuhlpyramide türmt sich bis zur Decke und macht den Zuschauer schwindeln. Kaufmanns virtuose Damenradfahrtruppe vertritt neben dem bereits erprobten Rollsckuhmcistcrpaar den Bühnensport. Arbclter-BildnngSschule. Heute abend 7 Uhr im Königstadt- Kasino, Holzmarklstr. 72 V o r t r a g des Genossen Dr. C o n r a d y über: Die erste Periode der deutschen Arbeiterbewegung, 1836 bis 1852. Um zahlreichen Besuch wird gebeten. Der Münncrgesangverein„Lerche" veranstaltet heute, am 6. No- Vember, unter Leitung des ChormeisterS Herm. Schulken in den Sophiensälen, Sophienstraße, ein großes Konzert. Anfang präzise 5 Uhr nachmittags.(Programm mit Text 59 Pf.) Mitwirkende sind die Opernsängerin Frau Marg. Blume, der Violinsolist Herr Abend- roth und das Berliner Eliteorchester unter Leitung des Herrn Blume. Da der Verein„Lerche", der Mitglied des Deutschen Arbeiter-Sänger- Bundes ist, bei Parteifestlichkeiten stets bereitwilligst mitwirkt, so rechnet derselbe auf guten Besuch der Parteigenossen. Vorort- Nacbncbtern Eharkottendurg. Ein Ortsstatut zum Schutze beS Stadtbildes und seiner Eigen. art sowie der geschichtlichen und künstlerischen Bauwerke will der Magistrat der nächsten Stadtverordnetenversammlung vorlegen. Bei der Bearbeitung des vorliegenden Ortsstatuts haben außer sachverständigen Mitgliedern der Charlottenburger Stadtverwaltung namhafte Architekten mitgewirkt. Seine Tendenz geht dahin, unter Wahrung aller berechtigten wirtschaftlichen Interessen den notwen- digen Anforderungen eines auf ästhetische Gesichtspunkte Rücksicht nehmenden Städtebaus gerecht zu werden. Dem Ortsstatut sind die praktischen Erfahrungen über typische Uebelstände bei der Bauaus- gestaltung zugrunde gelegt. Die Handhabung der Vorschriften des Ortsstatuts liegt der Baupolizei nach Anhörung des Magistrats ob, der bei Beanstandungen das Gutachten eines Ausschusses einholen muß. der aus drei Magistratsmitgliedern, drei Stadtverordneten und drei von der Stadtverordnetenversammlung gewählten Bürgern besteht. Wilmersdorf. Bei den Stadlvcrordnetenwahlen für die erste Abteilung wurden Baurat Max Contag, Dr. Küster. Wirkl. Geh. Kriegsrat Riemann. Geh. Ober-Reg.-Rat W. Koch, Chemiker Dr. A. Hesse, Direktor Dr. W. Wallschmidt, Dr. Weber und Baumeister Ziechmann„ge- wählt". Rtxdorf. Zu der am 13. November, nachmittags 5 Uhr, stattfindenden Urania-Vvrstellung„Der Vierwaldstätter See und die Gotthardbahn" sind noch Karten bei den Funktionären und in der Spedition zu haben. Die Experimentiersäle und Sammlungen sind ab 4 Uhr ge- öffnet. Wir bitten die Genossen, durch zahlreichen Besuch unsere Bemühungen, derartige Veranstaltungen der Arbeiterschaft zu ge- ringen Preisen zugänglich xu machen, zu-uulerstützen. � Der BildungsauSschuß. In der Sitzung der Schuldeputation gab der Vorsitzende den Mitgliedern zunächst Kenntnis von der Einrichtung von Sprachheil- kurse» an de» beiden Hilfsschulen und von der Uebersicht über die Benutzung der Schulbrausebäder in der Boddinstraße im Somnier- Halbjahr 1919.— Bei den städtischen Körperschaften� soll die Er- richlung einer Turnhalle auf dem von dem Eigentümer Knapper neben dem Schulgrundstück Mablower Straße erworbenen Grundstück beantragt werden. Der Bau soll so gefördert werden, daß die In- benutzungnahme der Turnhalle spätestens zum 1. Oktober 1911 erfolgen kann.— Desgleichen soll bei den städtischen Körperschaften beantragt werden, auch für das laufende Winterhalbjahr die Turn- balle des Turnvereins„Jahn" zum Preise von 739 M. einschließlich der Kosten der Reinigung, Beleuchtung und Ausführung der Heizimg anzumieten.— Der vorgelegte Voranschlag für die Gemeindeschulen für das Rechnungsjahr 1911 wird nach eingehender Beratung in der Einnahme und Ausgabe auf 2 979 999 M. festgesetzt.— Mit der Gemeinde Tempelhof soll in Verhandlungen über die Erhöhung des Schulgeldes für die in den hiesigen Gemeindeschulen gastweise ein- geschulten kempelhofer Kinder getreten werden.— Zu einer Aus« stellung empfehlenswerter Jugendschriften soll dem Kunstausschuß des Rixdorfer Lehrervereins die Turnhalle des Schulgebäudes Boddin- straße am 4.. 11. und 18. Dezember d. I. kostenlos überlassen werden.— An die Leiter der im Sommerhalbjahr 1919 veranstalteten Jugendspiele sollen nack dem Vorschlage des Herrn Schulrat Anders Entschädigungen im Gesamtbetrage von 3999 M. gezahlt werden.— Lichtenberg. Stadtverordiietcnsitzung. Unter geschäftlichen Mitteilungen gibt der Magistrat die vom Landwirtschaftsminister eingegangene Ant- wort auf die Petition betreffs der Flcischverleucrung bekannt. Der durch echt preußische Eigenart sich auszeichnende Bescheid lautet wörtlich: „Dem Magistrat erwidere ich auf die Eingabe vom 7. Sep- tember 1919— L 5035— betreffend die Fleischversorgung er- gebenst, daß eine gleichartige Vorstellung des Dentschen Fleischer« Verbandes mir bereits Veranlassung gegeben hat, meine Auffassung in dem abschriftlich hier angeschlossenen Bescheide an den Vorstand des genannten Verbandes vom 14. d. Mts. näher darzulegen. Indem ich aus die Ausführungen dieses Bescheides Bezug nehme, mache ich gleichzeitig auf die inzwischen in der Presse veröffentlichte, auf amtliches Material gestützte eingehende Darstellung der gegen- wärtigen Verhältnisse des Vieh- und Flcischmarktes im In- und Auslande aufmerksam und stelle dem Magistrat anheim. von dieser Veröffentlichung, die sich u. a. in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" vom 18. September dieses Jahres findet, ebenfalls Kennt- nis zu nehmen." Diese Antwort lautet also kurz ausgedrückt, lest bitte die„Kord- deutsche Allgemeine Zeitung" und Ihr werdet dann finden, daß die Regierung in dieser Angelegenheit alles Notwendige getan hat. Von einem Mangel an Schlachtvieh und Fleisch, einer Fleiichnot kann nicht gesprochen worden. Das ist die Antwort der Regierung. Alsdann werden eine Reihe Ersatzwahlen für Deputationen und Komnilssionen an Stelle der ausgeschiedenen Stadtverordneten Franke und Lehne vorgenommen. Für die am 14. N o- veinber stattfindende Ersatzwahl im 13. Bezirk der dritten Abteilung wurden als Beisitzer zum Wahlvorstand u. a. unsere Genossen I o h. Blum und Ad. H e ck e r t gewählt. Zum erstenmal werden auch bei der am 15. November stattfindenden Er- i'atzwahl in der ersten Abteilung zwei unserer Genossen mit als Bei- sitzer fungieren, und zwar die Genossen P. Brühl und S. E i s e n st ä d t. Eine lebhafte Debatte enspann sich über den Antrag Rott und Genossen betreffs Herstellung einer Verbindung des Kietz er WegeS mit der Wartenberg straße. Von unseren Genoffen wurde daraus hingewiesen, daß der vorliegende Antrag Flickwerk sei; wenn man etwas Durchgreifendes schaffen wolle. dann sei eS notwendig, eine direkte Verbindung zwischen Gürtelstraße und Pfarrstraße zu schaffen. Jetzt sei für die ganze Strecke von Alt-Boxhagen bis zur Eiienbahnbrücke in der Gürtelstraße kein Durchgang nach der Wartenberg- und Pfarrstraße Vorhände». Es wurde beschlossen, den Antrag einer gemischten Kommission, bestehend aus den jeweiligen Mitgliedern der Bau- deputation, zu überweisen. Derselben Kommission wurde auch der Antrag Lindner und Genossen betreffend Pflasterung eines Fußweges in der MauritiuSkirchstratze überwiesen. Interessant war es, als Herr Lindner, der sich nach und nach zum Schreckenskind für die Bürgerlichen auSwächst, Herrn Stadtrat Bleckmann auf- forderte, er solle sich doch dazu äußern, er sei doch am besten ein- geweiht.(Herr Bleckmann ist Schwiegersohn der Frau Westphal, die mit ihren Grundstücken bei dieser Regulierung am meisten mit- beteiligt ist.) Jedoch der Herr schwieg sich verschämt uuS. Das Gegenstück hierzu bietet die vom Stadtverordneten und Syndikus des Lichtenberger Grundbesitzer« Vereins, Herrn Schachtel, kurz vorher gehaltene Rede, worin er sich ganz entschieden verwahrte, daß er etwa oder seine Freunde die Interessen des Grundbesitzes wahrnehmen. Solch u n- eigennützige und für das Allgemeinwohl besorgte Stadt- väter besitzt Lichtenberg. Zum Schluß sei nicht vergessen, daß auch der wiederholt zur Erheiterung der Stadtverordnetenversammlung beitragende Herr Rott der Versammlung mitteilte, daß, trotzdem früher die Gemeindevertretung den völlig wertlosen Grund und Boden, auf dem die Gasanstalt liegt, zu außer« ordentlich hohem Preise Herrn Hermann abgekauft habe, dieser jetzt der Gemeinde so wenig Entgegenkommen zeige. Bezeichnender Weise bringt die Klage jetzt ein Vertreter derjenigen vor. die seinerzeit den Ankauf abgeschlossen haben. Den Schluß bildete eine geheime Sitzung. Für die am 14. November stattfindende Nachwahl in der 3. Ab« teilnng im 13. Stadtbezirk, wurde in einer Wählerversammlung nach einem Referat des Genossen Stadtverordneten Brühl einstiinmig der Genosse Fuhrherr Hermann Elias als Kandidat auf- gestellt. Es gilt nun, alles daranzusetzen, um auch diesen letzten Bezirk der dritten Abteilung den bürgerlichen Parteien zu entreißen. Steglitz-Friedena». Die Lohnbewegung auf dem Rathause hat in der von uns be- fürchteten Weise ihren Abschluß gefunden. In geheimer Sitzung hat am Freitagabend die Hausbesitzermehrheit mit 16 gegen 13 Stimmen dem Gemeindevorsteher abermals 2999 Mark mehr bewilligt, also innerhalb dreier Jahre 5999 Mark Zulage. Wie die Mehrheit erreicht wurde, ist allerdings beschämend und empörend zugleich. Zunächst halfen die Schöffen F a b a r i u S und I o ch e m mit ihren Stimmen dem Bürgermeister zu seiner Zulage, dann Herr Buhrow und Jochem Herrn FabariuS zu der seinigen, und schließlich revanchierten sich die Herren Buhrow und FabariuS, indem sie mit ihren Stimmen auch Herrn Jochem zu einer Aufbesserung verhalfen. Ob den Herren das Beschämende dieser Bewilligung von einer„Mehrheit", die sie selbst schufen, nicht zum Bewußtsein gekommen ist? DaS Opfer eines bedauerlichen Unfalles wurde der Straßenbahn« schaffner Paul Doktor aus Sieglitz. Beim Rangieren von Waggons auf den, Bahnhof hatte D. das Unglück, zwischen die Puffer zweier aufeinander fahrender Wagen zu geraten. Der Brustkasten wurde dem Manne fast vollständig eingedrückt. Aus das Geschrei des Verunglückten eilten Kollegen hinzu und befreiten ihn ans seiner schrecklichen Lage. D. fand im Kreiskrankenhause Auf- nähme. Die Renter-Feier zur Erinnerung an den 199. Geburtstag Fritz ReuterS findet am 16. November(Bußtag), abends 6>/z Uhr. im großen Saale des Hotel„Nheinichloß", Friedenau, Rheinstraße statt. Die Festrede hält Neichstagsabgeordneter Emil Eichhorn. Rezita- tionen des Dickters von Herrn Hans Brandt. Die Feier ist eine geschlossene Veranstaltung und sind nur für Wahlvereins- und Ge« werlschastsmitgliedcr beider Orte Eintrittskarlen a 29 Pf. bei den Bezirksführcrii und am Zahlabend zu haben. Da eine offene TageS- lasse nickt geführt wird(siehe Arbeitsplan 1919/11), ersuchen wir, die Karten frühzeitig zu entnehmen. Paukotv. Achtung, Gcwerdegcrichtswahlcn! Am Montag, den 7. d. M., abends 8Vz Uhr, findet im Lokal des Herr» Rozicky, Krentzstrotze, eine öffentliche Gewerkschaftsversammlung statt, die sich mit der bevorstehenden Gewerbegerichtswahl beschäftigen wird. Referent Genosse Brückner. Im Anschluß daran erfolgt die Ausstellung der Kandidaten. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Unterkommijston Pankow der GewerkschaftSkommisfion. Reinilkendorf. . Ein entsetzlicher SetriebSnnfall ereignete sich gestern vormittag nach 19 Uhr in der hiesigen Maschinenfabrik von Fleck Söhne. Der 43jährige. dort beschäftigte Hobler Otto Voigt, Reinickendorf-West, Gcneral-Woyna» und Scharnweberstraßen-Ecke wohnhaft, geriet an der Hobelmaschine mit dem Kopf zwischen Support und Arbeit; hierbei drang dem Unglücklichen die Schraube de? Supports in de» Kopf, so daß ihm die Schädeldecke vom Kopf gelöst wurde. Kollege« des Verunglückten bemühte» sich sofort, die Schraube aus dem Kopfe des Bedauernswerten zu entfernen. In bedenklichem Zustande wurde Voigt nach dem neuen Reinickendorfer Krankenhause gebracht, wo« selbst jedoch nur noch der inzwischen eingetretene Tod festgestellt werden konnte. Sonderbore Empfindungen löste eS bei den Kollegen des von dem tragischen Unglück Betroffenen auS, daß der Fabrikant, sei« Frühstücksbrot verzehrend, die Wegbringung des Beninglückten an« ordnete.' Bei dieser Gelegenheit wird uns noch mitgeteilt, daß vor etwa 5—6 Wochen in demselben Betriebe sich ein Lagerbock der Trans- Mission von der Decke löste und kurz hinter einem an der Maschine beschäftigten Arbeiter herabfiel. Einem GlückSumstande ist eS zu verdanken, daß der Arbeiter von dem Bock nicht getroffen wurde. Die Arbeiter sind der Auffassung, daß, da sich ein Herabfallen des Lagerbockes wiederholen kann, zur Sicherheit gegen Leben und Gesliildheit der dort Beschäftigten eine Schutzvorrichtung unter der Transmission angebracht werden müßte. Hoffentlich kommt die Betriebsleitung dem Versäumten nach, damit sich nicht erst ein zweiter tragischer Unfall ereignet. Köpenick. Achtung, Stadtverordnetenwahlen t vom Montag, den 7., bis Mittwoch, de« 9. November, finden die Stadtverordnetenwahlen in der dritten Abteilung statt. Die in der Altstadt und Dammvorstadt wohnenden Wähler wählen am Montag in der Zeit von 4— 8 Uhr im Stadttheater, der Kietzer Vor» st a d t am Dienstag bei Hausknecht von 4—8 Ubr, die Cöllnische Vorstadt am Mittwoch bei S ch e e r ebenfalls von 4—8 Uhr. Die Kandidaten unserer Partei sind: Stadtv. Albert Stippekohl, Stadtv. Wilhelm Zeidker, Stadtv. Gustav Müller, Stadtv. Fritz Woik, Hausbesitzer Rudolf Finger. Das Wahlburcau der Partei befindet sich beim Genossen Gustav Müller, Alter Markt 8, Telephon 232. Trotzdem uns Gegen» kandidaten nicht gegenüberstehen, ist es doch Pflicht eines jeden Parteigenossen, für unseren Kandidaten mit allen Kräften zu agitieren, damit diese mit einer imposanten Stimmenzahl gewählt werden. Den Bericht üier die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Stadtparlament erstattetete in der letzten Wahlvereins« versainmlung der Stadtverordnete Genosse Herbst. Eingehend erörterte er die Haltung der Fraktion gegenüber den GehaltS» ausbefferungen für Beamte, Lehrer und städtiswe Arbefter. Weiter wies Genosse Herbst hin auf die Tätigkeit auf dem Gebiete deS Schulwesens. In der Diskussion wurde die Tätigkeit der Fraktion gutgeheißen. Hiernach sprach Genosse W o i ck über die in der nächsten Woche staltsindende Stadtverordnetenwahl. Für die dritte Abteilimg, in der fünf Mandate erledigt sind, wurden die Genossen Gastwirt und Hausbesitzer Albert Stippekohl, Gastwirt und Hausbesitzer Wilhelm Zeidler, Kasfenrendant Fritz Woick. Reftaurateur Gustav Müller und Hausbesitzer Rudolf Finger als Kandidaten normiert. Für die zweite Abteilung wurden als Kandidaten aufgestellt Einkaisierer Bernhard L i e t s che, ZeilungS« expedient Otto Nickel und Krankenkassenbeamter Karl Scholz. Die Wahlen für die dritte Abteilung finden am 7., 8. und S. No- vember, für die zweite Abteilung am 19. November statt. Friedrichshagen. Ein»»heimlicher Fund wurde gestern in Friedrichshagen gemacht. Am Bahnhof, unmittelbar am Eingangsportal, sah ein patroullierender Schutzmann in einer Ecke ein Paket liegen, das er an sich nahm. Da ein starker Verwesungsgeruch aus dem Paket herausdrang, öffnete er es und fand nun zu seinem Entsetzen den Leichnam eines neugeborenen Knaben darin vor. Es wird vermutet, daß ein von Berlin eingetroffener Fahrgast sich in Friedrichshagen de» toten Körpers entledigt hat. Jedenfalls liegt ein Kindesmord vor. Ueber die Täterschaft sind eingehende Ermittelungen in die Wege geleitet worden. Eichtvalde. In unserem Bericht über die öffentliche Versammlung, die sich mit kommunalen Angelegenheiten EichwaldeS beschäftigte, wird mit« geteilt, daß der Gemeindevertreter Herr Max Ehlers in der Ber» sammlung nicht anwesend gewesen sei, trotzdem er eingeladen war. Herr Ehlers ersucdt uns mitzuteilen. daß er den früheren Einladungen fast inrmer Folge geleistet habe, bei der letzten Versammlung konnte er aber nicht anwesend sein, da ihn seine berufliche Tätigkeit in Berlin abhielt. In dem unS gesandten Schreiben heißt es dann weiter:„Wohl habe ich in Eichwalde ein Kolonialwarengeschäst, aber— meine Wähler dritter Klasse haben mich bis jetzt noch nicht in der Weise unterstützt, daß ich meine Berliner Stellung aufgeben kann." Wir waren bisher der Auffassung, daß die Wähler mit der Wahl durchaus nicht die Verpflichtung übernommen haben. Herrn Ehlers durch fleißiges Kaufen eine auskömmliche Existenz zu schaffen. Herr E. scheint ja darüber anders zu denken. Petershagen b. Fredersdorf. In der letzten Gemrindevertretersitzung wurde mitgeteilt, daß der Rückkauf deS Acetylengäswerkes von der Firma Bobm, Fredersdorf. zum Preise von 2799 M. ttunmehr erfolgt ist. Durch den Kauf sind sämtliche Verträge über Lieserung elektrischen Stromes für beide Kontrahenten aufgehoben. Ein Antrag, zur Deckung der Restsumme der Kirchenbaukosten eine Anleihe von 3999 M. aufzu- nehmen, wurde vom Geliossen S t i m m i n g bekämpft; er wies darauf hin, daß zurzeit wichtigere Sachen zu erledigen seien und daß es eine eigenartige Zumutung sei, wenn die Gemeinde sich für die Kirche Schulden aufladen solle, die von dieser selbst sehr gut ge« tragen werden könnten. Gegen zwei Stimmen wurde der Antrag angenommen. Die neugepflasterte Straße 199 soll den Namen Christian-Puhlc-Straße erhalten. Der vor einiger Zeit gestellte Antrag auf Errichtung eines eigenen cStandesamteS für PeterShagcn und Eggersdorf wurde vom Landrat mit der Begründung abgelehnt, er könne kein Bedürfnis hierfür erblicken. Klcin-Tchönebeck. Der Kampf unserer Genossen gegen den Mißbrauch der ge» Heimen Sitzungen halte den Gemeindevorsteher in der letzten Ge» ineiiidevertrelersitznng veranlaßt, einen Antrag zu stellen, die Ge- schäftsordnung abzuändern, damit unseren Genossen der Ein- spruch gegen die geheimen Sitzungen unmöglich werde. Aber der Herr hatte Pech. Nach einer alisfükrlichen Begründung wollte er zur Bekräftigung seiner Anssührlingen die Landgemeindcordnung benutzen, dabei wurde ihm erst klar, daß der Z 109 der Landgemeindeordnung das vorschreibt, was er in der Geschäftsordnung geändert haben wollte. Unter Enlschiildiguiigen zog der Vorsteher seinen Antrag zurück, ohne daß erst eine Diskussion darüber einzutreten brauchte. Bei dem Punkt Kosten der Aenderung der Tieilstwohnung des HauptlehrerS, eine Angelegenheit, die schon einmal in öffentlicher Sitzung verhandelt und einstimmig ab« gelehnt wurde, mußte wieder eine geheime Sitzung herhalten. Und siebe da, der Antrag wurde gegen die drei Stimmen unserer Vertreter angenommen. Bei der Erhebung von An- liegerbeiträgen zur Deckung der Kosten für die Neubefestignng der Hauptstraße zeigten die bürgerlichen Vertreter wieder ihr gutes Herz für das Elend der Hausbesitzer. In allen Tonarten wurde die Not der Hausbesitzer geschildert. Während unsere Genossen beautrcgt hatten 75 Prozent der Kosten von den Anliegern zu erheben, gab sich die Mehrheit mit 49 Prozent zufriedew Tossenblatt(Kreis BeeSkow). Trotz vieler Schwierigkeiten ist es uns Icinneien, in Cossenblott eine öffeittliche Versaininlung unter freiem Himmel ab- zuhalten. 140 Personen, meist Landarbeiter und Kleinbauern. nahmen sehr beifällig einen Vortrag des Genossen I e s e r i ch über die Belastung des Volkes durch Steuern und Zölle entgegen. Vom Kriegerverciu war für diesen Tag eine F e l d d i e n st ii b u n g geplant, aber das Mittel, die Landleute von unserer Vsrsamnr- lung fernzuhalten, zog nicht. Bei der kommenden NeichStagsIvahl Wird sich zeigen, dasz auch hier Bresche gelegt worden ist. Jugendveranstaltungen. Freie Jugendorganisation Teinpelhof-Mariendorf. Heute, nach- mittags 2'/. Ubr, findet im Jngendbeim. Mariendors, Chausseestr. 323. die Novenibcrversammlung statt. Daraus: Geselliges Äeisamnieniein. Die er- wnchiene Arbeiterschaft wird gebeten, ihre schulentlassenen Söhne und Töchter aus diese Veranstaltung aufmerksam zu machen. Wriftoisee. Heute findet eine Kartosscl- und Heringspartic nach Schön- Walde statt. Fahrgeld 40 Ps. Gericht 30 Pf Boxhageu-Zkliminelsbnrg-Stralan. Am Sonntag, den 13. Novbr., früh 9 Uhr. findet die Besiditigimg der.Vorwärts'«Druckerei statt. Treff- Punkt im Jugendheim, t!llt-Bvxhagen 56, früh um T1/. Ubr. Abmarsch Punkt 8 Uhr. Ferner machen wir zu dem ebenfalls nm'l3. November im Cass Bellevue, Rummelsburg, Hauptstr. 2, stattsindeuden Kimstabend, ver- buudcn mit der Feier des einjährigen Bestehens des Albciter-Jugcndheims, aufmerksam. Mitwirkende sind; Genosse Tornow(Festansprache), das die Konzerisöngerin Solosäng neue Tonkünstler-Orchcster, Direktor Herr Hollselder, zur Laute Frl. Marianne Geyer sowie das Rummclsburger Solosänger Quartett. Kasseneröffnung 4 Uhr. Ansang Uhr. Eintritt für Er wachsene 30 Ps., sür Jugendliche 10 Pf. Die Jugendsrcuilde sowie deren Eltern werden zu beiden Veranstallungen eingeladen. _ Der Jugend-Ansschufi. WitternnaSilderiiebt vom 3. November IUI«, iiiorgeiis« Illir. SwUlemdr 146 SW Hamburg>146 SSW Berlin 148 SW zrankl.a M 143 SW biniicheu j153SW Kien 753 W 4 bedeckt 5 bedeckt 2 wolkig 3 Dunst 4 wolkig 1 bedeckt »L »!l = a» Mi i s\ Stationen � 51 ä= ,2 Nglii]88«« »E «-?> t" 2? Mi Savaranda 738.91 eiersbnrg 731 SSW Sctllv! 151 NNW -iberdee» 750 NW PariS.150 S 2 bedeckt 1 Schnee 1 halb bd. 3 molkig 2 bedeckt —4 — 1 8 3 6 Wetterprognose kür Sonntag, den K. November 1910. Ei» wenig kühler, zeitweise heiter, aber veränderlich, mit geringe» Niederschlägen und mägigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau. Nmtlickirr Marktvertcht der itädtilchen Marktballeii-DIrektion über den Grofibandel in den Zenlrai-Markthallcn. Ntarktlage: Fleisch: Zusubr ichwach, Keichäit still, Preise unverändert. W> t d: Znlnbr ge- nllgend, Geschäst lebhast, Preise fast. Geflügel! Zufuhr auZreichenl». Geichäst lebhaft, Preise ausgebessert. Fische: Zusuhr mäßiger, Geschält schleppend, Preise wenig verändert. Butter und Käse: Geschäft ruhig, Prelis unverändert. K e in ä i«, O b ä ll n d S ü d s r ü ch t e i Zu« fuhr genügend, Geschäst etwas lebhafter, Preise fast unverändert. WnsserstandSiStachrlckiten der LandeZanstalt für Geipässerkiinde, mitgeteilt vom Berliner Wclterbureau. >) 4- bedeulet Wuchs,— Fall.') llnicrveael. 6e8ter8c!iut2 xexev �ässe und Kälte fSr Damen Brillantchrom- Leder« Schnallenstiefel, la weiß Moleton-Futter, Ledersohio 6M Schnürstiefel m.Lackkappe,|oü im it. Lammfellfutter M Leivzlgentr. 65 KSnigstr, 34 Oranienstr. 34 Oranienstr. 47a Rixdorf, Bergstr. 7-8 Müllmtr. 3a Mgttoäjimnd dn Umhauet Verkc Masthox-Schnürstiefel, mit extra warmem Futter, amerik. Lederabsatz 10M Verkauf vis-d-vis Müllerstr. 184 Warm und angenehm für das Haus Kamelhaarhausschuhe n. nme WoOe a. 36-42 1.95 2.25 2.95 Kamethaarschnaltenstiefet.... 36-42 2.75 3.25 4.25 da..... 43-47 3.25 3.90 4.90 FilzschnaiienstiejeL........ 36�2 2.50 2.95 3.90 Filzschuhe............ 3M2 1.25 2.10 3.50 Boxcalf Schnürstiefel, Orijp. 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Lange schon vor Beginn der Verhandlung hockte in einer dunklen Ecke auf dem Gerichts- korridor ein menschliches Wesen, welches das tiefste Mitgefühl er- regte. Als dann von dem Gerichtsdiener die Sache gegen den Hand- ler Karl Weißmüllcr lLottumstraße K) aufgerufen wurde, gewahrte man mit Entsetzen, daß der Angeklagte sich, mühsam auf den Hän- den laufend, vorwärts schleppte und dann fast wie eine Kugel zu- fammengerollt vor dem Richtertisch auf dem Erdboden sitzen blieb. Dem Unglücklichen fehlen beide Beine und die unteren Teile der Wirbelsäule und des Unterleibs. Das„Verbrechen", welches diesen unglücklichen Menschen vor den Kadi führte, bestand darin, daß er an der Ecke der Behrenstratze mit Wachsstreichhölzern gehandelt und sich dabei längere Zeit an derselben Stelle aufgehalten hatte. Er war auf die Anzeige des Kriminalschutzmanns Rahn hin wegen Uebertretung der Polizeiverordnung betr. den Straßen- Handel in zwei Fällen vom Amtsgericht in eine Geldstrafe von je einer Mark, eventuell� je einen Tag Haft genommen worden und hat gegen die beiden Strafmandate Widerspruch erhoben. Auf die Fragen des Amtsgerichtsrats Berlin brachte der Unglückliche fol- gende bewegliche Klage vor: Ihm wären infolge einer Rückenmarks- entzündung beide Beine und andere Organe vor einigen Jahren abgenommen worden. Seit dieser Zeit ernähre er sich durch den Handel mit Wachsstreichhölzern, da er seinem öTJäHrigen Bater, der seit 25 Jahren auf einer Stelle als Arbeiter beschäftigt sei und nicht mehr viel verdienen könne, wenigstens einen kleinen Teil des Unter- Halts bringen müsse. Da es ihm nicht möglich sei, sich längere Zeit auf den Händen fortzubewegen, so sei er eben gezwungen, an der Stelle zu bleiben, wo er von mitleidigen Leuten hingefahren oder getragen werde. Die Möglichkeit, sich auf diese Weise ein paar Pfennige zu verdienen, werde dadurch vereitelt, daß er jeden Tag ein Strafmandat erhalte. Bei diesen Worten holte der bcdauerns- werte Krüppel ein ganzes Paket Strafmandate hervor, welche er in den letzten Tagen erhalten hatte. Erschütternd wirkte der Klage- ruf des Unglücklichen:„Was soll ich denn machen? Ich muß doch leben!" Borsitzender: Das ist ja sehr traurig, aber wir hier können das leider nicht ändern. Es ist dies ein Fall, wo wirklich die öffent- liche Wohltätigkeit eintreten müßte, damit Sie endlich von der Straße wegkommen."— Der Angeklagte behauptete hierauf, daß ihm der Kriminalschutzmann Rahn gedroht habe, daß er jeden Tag ein Strafmandat erhalte, wenn er nicht endlich weggehe. Tatsächlich wiesen die von ihm borgelegten Strafmandate aufeinanderfolgende Tagcsdaten auf. Die Versuche des Vorsitzenden, dem Angeklagten klarzumachen, daß die gegen ihn verhängte Strafe von je einer Mark die niedrigste sei, die das Gesetz zulasse, und eine Verur- teilung doch erfolgen müsse, da er die Uebertretung selbst zugebe, wurden von dem Angeklagten mit der Bitte, ihm mildernde Um- stände zuzubilligen, beantwortet. Da der Angeklagte seinen Ein» spruch nicht zurückzog, mußte das Gericht die Sache verhandeln. Nach der Urtcilsverkündigung händigte der Vorsitzende dem Unglück- lichen einen größeren Geldbetrag als Ertrag einer Sammlung im Bcratungszimmer aus. Eine weitherzigere Auslegung des Notstandsparagraphen ließe unseres Erachtens eine Freisprechung rechtfertigen. Fritz Reuter■ Gedenkschritt herausgegeben zw bunckrtften Meckerkebr cles Geburtstages liünstlei'Zsclie Ausstattung— Zahlreiche Illustrationen— Interessanter Inhalt. 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